Kr. 368. Bbonneme nts-Bedingungen: HBonnementä- Preis pränumerando, Vierteljährl. 3,30 Md. mona». 1,10 Md, wöchentliih 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags- nunnner mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt- 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Prcisliite. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, : und die Schweiz. Crfttlnt WI» nBtr nuntMi 24. Jahrg. Vevlinev VolksblÄtk. vie snsertionZ-Ledllhr beträgt für die scchsgespaltene ttoloilÄ- zeile oder deren Raum 80 Big,, für polltische und gewcrkschastliche Vereins- und BersammlungS-Anzeigen 30 Pfg. „Aleine Anzeigen", das erste(fett- gedruckte) Bort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abendS geöffnet, Telegramm-Adresse: „Sozialdcnioknt Rcrlin". Zentralorgan der rozialdemokrati fchen Partei Deutfcblande. Redaktton: 8CQ. 68, Lindenstrasoc 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Freitag, den 15. November 1907. Expedition: SM. 68, Lindcnstrasae 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1984. fDduftrialisrous und Liberalismus. Im Anfang des Blocks steht das Zollkartell. Erst nach- dem durch die Durchdrückung des neuen Zolltarifs und den Abschluß der wichtigsten Handelsverträge der Streit um die Handelspolitik fürs nächste feine Aktualität verloren hatte, wurde die Möglichkeit gegeben zum Zusanunenschluß sämt- lichcr bürgerlichen Parteien. Die materiellen Interessen- gegensätze sind so zum Teil überbrückt, zum anderen ist ihnen ihre Aktualität genommen worden; die ideellen aber sind für die bürgerlichen Parteien längst zur Staffage geworden und haben nie Stand halten können gegenüber dem gemeinsamen Ausbeuterinteresse, das den Kampf gegen die Sozialdcmo- kratie diktiert. So war es schon 1879— Zollkartell und Sozialisten- aesetz. So 1887— Zollkartell und Wahlkartell gegen die Sozialdemokratie. Und so auch 1997. Dagegen führte die liberalisierende Aera Caprivi zu den bekannten Handelsverträgen mit ermäßigtem Zollschutz. An der Schulreform und an der Polizeireform— wozu auch die Aufhebung der Beschränkungen der Vereins- und Versammlungsfreiheit gehört— wird der Block nicht in die Brüche gehen, aber die handelspolitischen Gegensätze werden ihn auseinandersprengen. Die handelspolitischen Gegensätze lassen sich aber in Deutschland längst nicht mehr in die einfache Formel fassen: Liberale kontra Konservative. Die Nationalliberalen sind ja zu einem großen Teil schutzzöllnerisch, die Konservativen sind keineswegs rein agrarisch. Es war doch kein Zufall und läßt sich bei einer ernsten politischen Betrachtung am aller- wenigsten durch die Jagd nach Landratsstellen erklären, daß die Konservativen seinerzeit für die Caprivischen Handels- Verträge gestimmt haben. Man erinnere sich, daß der„Bund der Landwirte" eine gegen die Konservativen gerichtete oppositionelle Gründung war, daß die Agrarier„unter die Sozialdemokraten gehen" wollten und daß sie ein starkes Jahrzehnt gegen die„pflaumenweichen" Gouvcrncmentalen zu käinpfen hatten. Die Geschichte des neuen deutschen Zolltarifs ist zur Be- urteilung der politischen Eutwickelung des Reiches viel wichtiger als dieser selbst. Der Kampf zwischen den Agrariern und Konservativen nahm so scharfe Formen an, daß der„Bund eine eigene Partei gründen wollte. Er erwies sich aber nicht stark genug dazu. Äas war 1898. Nun erst bildete sich ein enger Zusammenschluß zwischen den Konservativen und den Agrariern heraus: der„Bund" sieht ein, daß er ohne die Konservativen nicht auskommen kann, die Konservativen er kennen, daß der„Bund" durch die von ihm aufgewühlten bäuerlichen Schichten ihnen eine mächtige politische Stütze ver schafft. Indessen iverden die agrarischen Elemente im ganzen Lande organisiert oder jedenfalls rebellisch gemacht und von innen heraus sowohl Zentrum wie Nationalliberale beeinflußt. Nur so, nicht als selbständige Partei— als solche wären sie sicher in einer aussichtslosen Minorität geblieben— sondern indem sie sämtliche bürgerliche Parteien durch ihr gc- schlossenes, organisiertes Auftreten innerhalb der herrschenden poli- tischen Zerfahrenheit zu bestimmen wußten, haben die Agrarier ihre Machtstellung erlangt. Die Jndustriekartelle, die doch sicher den Freihandel nicht zu fürchten hatten, schlössen sich ihnen an, weil durch Schutzzölle ihnen die Preistreiberei im Jnlande erleichtert wurde, lieber allem aber stand das finanzielle Interesse der Regierung, die neue Steuern haben wollte und infolgedessen mit einem Hochdruck arbeitete, wie nie zuvor, Man setzte Zölle auf Zölle, um die Interessen der Industrie auszugleichen, und brachte schließlich den neuen Zolltarif doch nur durch einen parlamentarischen Gewaltstreich unter Dach und Fach, nachdem ein Sturm der Opposition, neben den Arbeitern, die gesamte städtische Bevölkerung ergriffen hatte. Es waren also sehr große Schwierigkeiten zu überwinden, um den neuen Zolltarif zustande zu bringen. Die Interessen der Industrie, die schon 1892 den Uebev gang zu Handelsverträgen mit einem gemäßigteren Zollschutz diktiert haben, wirken auch jetzt und steigern ihre Wirkung mit der EntWickelung dcS Weltmarktes ganz eminent. Zum Glück ist die Einführung des neuen Zolltarifs in die Periode eines ganz außerordentlichen industriellen Aufschwungs gc- fallen. Wie aber erst, wenn die Handelskrisis kommt und das Exportbedürfnis sich desto dringender zeigt, je mächtiger die Industrie zur Zeit des AufschivuugS sich ausgedehnt hat?! EinS der wichtigsten Exportländer der Welt, ist Deutsch- land an der Offenhaltung der fremden Märkte interessiert. Indem es sich aber auf den Boden des Schutzzolls stellte, hat es die Schutzzollsysteme der ganzen Welt befestigt. Das ist die Basis, auf der es seine neuen Verträge schloß: Schutzzölle gegen Schutzzölle. Die handelspolitischen Nachteile stellen sich denn auch für Deutschland in allen Ländern ein, ganz besonders aber im Verkehr mit den großen englischen Kolonien. Durch den neuen deutschen Zolltarif ist der englische Imperialismus mehr gefördert worden, als durch den englischen Buren krica-' Die deutsche Handelskonkurrenz in den englischen Kolonien war bekanntlich eins der Hauptmomente, die England ver- anlaßten, auf eine handelspolitische Abschließung seiner Kolonien hinzuarbeiten. Wenn nun aber jetzt Deutschland, statt seinen Handelsverkehr mit jenen Gebieten zu fördern, vielmehr zwischen sich und ihnen Schutzzölle aufbaut und zu Schutz- zöllen reizt, so kann das England offenbar nur höchst will- kommen sein. In einem Augenblick, da man in Deutschland die Zölle für die landwirtschaftliche Ausflihr 5k a n a d a s erhöhte, verlangte man von diesem die gleiche Behandlung mit dem englischen Mutterlande, das überdies freie Einfuhr landwirtschaftlicher Produkte hat! Die Folge war die Lahm- legung des gesamten deutschen Handelsverkehrs mit Kanada— die größte handelspolitische Schlappe, die Deutschland sich jemals geholt hatte. Und auf Kanada folgt jetzt Australien, das ebenfalls einen Vorzugstarif für England einführt. Nun- mehr ist man freilich in Deutschland durch die Erfahrungen des Zollkriegs mit Kanada so gewitzigt geworden, daß man den Widerstand gar nicht mehr ivagt. So hindert Deutschland durch seine Zollpolitik die Handels- entWickelung mit jenen reichen Kolonialgebieten, in denen eine zivilisierte Bevölkerung eine rasche Steigerung des Waren- bedarfs erzeugt, und sucht sich dafür Ersatz zu schaffen— unter den Negern Afrikas. Die Handelsstatistik zeigt, daß die deutschen Kolonien selbst bei der glänzendsten Eutwickelung noch lange nicht so viel Waren werden beziehen können, als Australien und Kanada schon jetzt aus Deutschland allein be- ziehen! Kanada ist an den deutschen Getreidezöllen, Australien an den Fleischzöllen interessiert. Ohne Zugeständnisse seiner- seits wird Deutschland die englischen Vorzugszölle in den beiden Ländern niemals durchbrechen können. Indessen ist bereits die deutsche Ausfuhr nach Kanada in wenigen Jahren um 50 Proz. zurückgegangen! Zugleich zeigt sich die Wirkung des neuen Zolltarifs in einer Lebens mittelteuerung, die selbst die kühnsten Spekulationen der Agrarier übertrifft. Das reizt schon jetzt die weitesten Schichten der Bevölkerung auf, wird es noch mehr tun. wenn die HandelskrisiS erst ihre Wirkungen voll entfaltet. So schafft die Blockpolitik eine steigende Opposition, und es reifen im Block Interessengegensätze heran, die nicht bloß die Liberalen, sondern sogar die Konservativen unter sich selbst uneinig machen müssen. Ksllemoile und Flottentreiber. Während in England Friedens- und Freundschastsversicherungen getauscht werden, fahren unsere Flottcntreiber fort, für erneute Seekriegsrüstungen eine wüste Propaganda zu betreiben. Dem Grafen Neventlow folgt heute im„Tag" der berühinte Flotten- Keim. Er vergleicht auf Grund mehr oder minder richtiger Ziffern Deutschlands Flotte mit der Englands und Amerikas und fordert auf Grund dieses Vergleichs ein beschleunigtes Tempo des Flottenrüstens:„Eine Vorlage tut dringend not, welche daS Gesetz von 1900 herzhaft korrigiert." Also ganz Reventlow I Was geht uns aber die amerikanische und englische Flottenstärke an? Ganz abgesehen davon, daß beide Länder un- endlich reicher sind als Deutschland und daß sie nicht die enormen Opfer für die Landarmce aufzubringen haben wie Deutschland: warum sollen wir es denn Amerika und England gleichtun? Rivalisieren wir etwa in Ostasien mir Japan, wie Amerika, besitzen wir etwa Indien? Oder könnte Deutschland etiva den aberwitzigen Wunsch hegen, ctiva in Südamerika oder Asien Kolonien zu erwerben?! Wenn nicht, wozu dann der Wettlauf mit diesen beiden Staaten?! Und hat nicht gerade Wilhelm II. in England denselben Gedanken ausgesprochen, den die Sozialdemokratie stets vertreten hat? Er sagte in einer seiner Reden: „Die Hauptstütze und die Grundlage des Welt friedens ist aber die Anfrechterhaltung von guten Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern. Ich werde auch fernerhin dieselben stärken, soweit dies in meiner Macht liegt. Die Wünsche der deutschen Nation decken sich hierin mit den meinigcn. Dann tvird die Zukunft glänzende Aussicht zeigen, und der Handel zwischen den Nationen, die sich gegenseitig vertrauen gelernt haben, sich weiter entfalten." In der Tat: Während unsere Flottennarren die kindische An- ficht vertreten. England könne auf Deutschlands Handel c i f e r- süchtig werden, beweisen die statistischen Tatsachen, dah beide Länder bei den friedlichen Handelsbeziehungen gleich gut fahren! Deutschlands Handel nach England und seinen Kolonien hat sich im Zeitraum von 1S9S bis 1906 von 1919 auf 13Ü9 Millionen gehoben, also um 331 Millionen zugenommen! Und Englands Ausfuhr nach Deutschland ist in dem gleichen Zeittaum von 12(59 auf 1528 Millionen angewachsen, hat also um 268 Millionen zugenommen l Wo soll da eine Rivalität her- kommen? I Die einzige Reibung entsteht durch daS törichte Flotten- Wettrüsten I ES schlägt dem Wohlstand beider Nationen die s ch w e r st e n Wunde» und säet untilgbares Miß- trauen! Stehen Cehrer außerhalb der Verf aliung? Die„ G 0 t h. Z t g" hatte einen Lehrer in beleidigender Forin angegriffen, weil er angeblich bei der Reichstagswahl für die Sozialdemokratie gestimmt habe. Die Strafkammer verurteilte den Redakteur des Blattes auch zu einer Geld- strafe, tveil dem Lehrer die Abgabe eines sozialdemokratischen Stimmzettels nicht nachzuweisen sei. Die Nachrede, der Lehrer habe sozialdemokratisch gewählt, sei aber beleidigend. Denn: ein Lehrer trete durch seinen Dien st cid in ein Ver- hältnis zum Staate, mit dem die Betätigung einer antinionarchische« Gesinnung unvereinbar sei! Nach dieser richterlichen Auffassung existierten also dieverfassungsmäßigenStaatsbürgerrechte nicht für Lehrerl Allerdings folgt die Strafkammer dabei nur der Ansicht des Reichsgerichts, das sich bei anderen Beamten auf den gleichen Standpunkt gestellt hat. Nichts- destoweniger verstößt diese Auffassung gegen die Grundgesetze jeder modernen Verfassung I Wie übrigens einsichtige Lehrer, die die Sozial- demokratic kennen, über sie denken, beweisen die Aus- führungen, die der Bremer Lehrer Sonnemann kürzlich in einer Zeitschrift gemacht hat. Er sagte: „Aber die Roten wollen den„Umsturz"! Umsturz hin, Um- stürz her! Wir sind keine Kinder, die man graulen macht. Wir wissen aus der geschichtlichen Eutwickelung, daß immer da, w 0 etwas Neues an die Stelle gesetzt tverden sollte, das Alte„umgestürzt" wurde, und das wissen über- dies unsere regierenden Kreise ebenso gut, denn sie handeln, wo es ihr Vorteil erheischt, täglich nach dieser vernünftigen Maxime, tveil sie die Maxime der Notwendigkeit ist. Läßt sich anders überhaupt eine Eutwickelung machen? Oder ist die Ent- Wickelung ein Gnadengeschenk der Götter, das fertig vom Himmel fallt? Und da stößt man gerade die Kräfte zurück, dir am mächtigsten nach vorne und nach oben drängen�? Es ist eine Ungeheuerlichkeit und Blindheit sondergleichen, daß man meint, ohne oder gar gegen diese gewaltigen, aus der Tiefe drängenden Kräfte wirtschaften zu können... Wir, denen bat Proletariat seine Kinder schickt, wir begehen einen BcrttanenSbruck schlimmster Art, wenn wir seinen Leiden und Wünschen verständnislos den Rücken kehren. Sollten nicht gerade wir Volksschullehrer uns„herunterhalten zu den Niedrigen"? Ihr, die ihr Christi Namen führt, wie könnt ihr mit eurem Gewissen vereinen, Millionen leidender Mitmenschen für Vaterlandsverräter und politisch vogelfrei zu erklären! Für uns Volksschullehrer kommt noch ein anderer Grund hinzu, der uns auf den richtigen Weg helfen sollte: Wir gehören nach unserer Herkunft und unseren wirtschaftlichen Verhältnissen zum„Volk". Mit Verlaub, meine Herren Kollegen, nur nicht hochnäsig abwenden! Wer heutzutage gerade Absätze unter den Stiefel hat und täglich seine Wäsche wechselt, dünkt sich bielleicht etwas mehr als„Volk"; mir schade, daß kein noch so herrliches Selbstbeivutztscin unS aus dieser Klasse heraushebt. Emsthast gesprochen ist daS natiir- lich ein Vorteil und unser Stand wäre längst eine achtung- gebietende Macht, wenn wir mehr Klassenbewußtsein hätten. Auch darin können wir von den Sozialdemokraten lernen...." Wir hegen die Ueberzeugung, daß es denn doch eine ganze Anzahl von Lehrern gibt, die ebenso denken. Die Ver- suche, Beamten und Lehrern die ihnen verfassungsmäßig zu- stehenden politischen Rechte kurzerhand abzusprechen, tverden nun das Gegenteil von dem erreichen, was man beabsichtigt l Legen die Verfassung. Gegen die mit der Verfassung unvereinbare Verfügung der Pols- damer Regierung vom 17. Oktober, welche dem Genossen Katzenstein bei Vermeidung von 199 M. Strafe untersagte, an der Polsdamer Arbeiter-BildungLschule staatsrechtliche Kurse abzuhalten, wurde, wie wir mitteilte», der Beschiverdeweg eingeschlagen. DaS Ministerium hat dem Rechtsanwalt Dr. Heinemann darauf folgende vom 9. November datierte Verfügung zugehen lassen: Die von Ihnen im Auftrage des Herrn Simon Katzenstein in Charlottenburg gegen die Verfügung der königlichen Regierung, Abteilung für Kirchen- lind Schulwesen, zu Potsdam vom 17. Oktober d. I. gerichtete Bcschiverde vom 24. Oktober wird hierniit als unbegründet zurückgewiesen. Zur Jugend im Sinne der Kabinettsorder vom 19. Juni 1834 und der Staatsmiiiistcrial- iustruktion vom 31. Dezember 1839 rechnen nicht nur schulpflichtige Kinder, sondern jugendliche Personen überhaupt. Die Ankündigung der Eröffnung des Winterkursus in der Arbeiter- BildungSschule in Potsdain, in ivelchem Siniou Katzenstein über deutsches Reichs- und Landesversassuugsrecht unterrichten soll (Anzeige in Nr. 249 der„Brandenburger Zeitung"), läßt eS nicht zweifelhaft, daß zur Teilnahme an dem Unterricht jugendliche Personen eingeladen sind. Tatsächlich hatten sich auch zu der auf Freitag, den 18. Oktober dieses Jahres, angesetzte», aber wegen deS Einschreitens der königlichen Regierung nicht stattgehabten Unterrichtsstunde etliche jugendliche Personen emgefiniden. Ich stelle Ihnen anHeim, den p. Katzenstein von der Zurück- Weisung seiner Beschwerde alsbald in Kenntnis zu setzen. Die Verfügung stellt insofern einen teilweisen Rückzug dar, als sie den Anschein zu erwecken sucht, als sei dem Genossen Katzenstein lediglich der Unterricht der Jugend verboten worden. Die Re- gicrungsverfügung vom 17. Oktober enthält hiervon kein Wort- Ebensowenig ist auch nur mit cinein Wort in der Ankündigung in der„Brandenburger Zeitung" angedeutet, daß jugendliche Personen den Unterricht genießen sollen. In der Ankündigung in der„Bran- denburger Zeitung" heiszt es vielmehr:„Wir gehen uns der Hoffnung hm. daß unsere Bemühungen auf Fortbildung der orga- nisierten Arbeiterschaft vollen Erfolg haben." Diese Tatsachen lassen sich nicht, wie es der Miiiistcrialbescheid versucht, durch die Wendung„läßt eS nicht zweifelhaft" aus der Welt schaffen. Wohl, weil die Tatsache, daß entgegen der Verfassung die Potsdamer Regierung das Vercinsrecht zu unterbinden versucht hat. so llar zutage liegt, daff keine einzige ernsthafte Zeitung das Unternehinen der Pols- damer Regierung zu verteidigen suchte, ist jetzt insoweit in den» Ministerialbescheid ein Rückzug eingetreten, als a n e r k a n n t ist, dag die von der SIegierung für ihr allgemeines Verbot angezogene Kabinettsorder von 1334 und Ministerialinstruktion von 1839 keine A n w endung Erwachsenen gegenüber finden kann. Ilebrigens Ivird auch die Behauptung des MinisterialbescheidcS, daff diese Dekrete auS den 30er Jahren nicht nur auf schulpflichtige Kinder, sondern auf jugendliche Personen überhaupt zutreffen» durch deren Inhalt widerlegt. So heifft es, wie auch der bereits von uns seinerzeit zitierte Ministerialerlaff von 1863 hervorhebt, in§ 14 der Ministerialinstruktion von 1839:„Personen, welche ein Gewerbe daraus machen, in solchen Lehrgegenständen, die zum Kreise der verschiedenen öffentlichen Schulen gehören, Privatunterricht usw. zu erteilen."§ 1 derselben Instruktion spricht ausdrücklich von dein„Unterricht der schulpflichtigen Jugend". Indessen diese in dem Ministerialbescheid gemachte Unterscheidung ist für die Berfassungswidrigleit der Regierungs- Verfügung unerheblich, da diese keineswegs den Unterricht Jugend- lichen oder Kindern gegenüber, sondern allgemein den Unter- richt verboten hat. Es ist, wie wir schon seinerzeit berichtet haben, der Versuch gemacht, die Verfassungswidrigkeit durch ein VerwaltungS- st reitverfahren seitens des OberverwaltungsgerichtS aus- sprechen zu lassen. Die Behörde scheint aber eine aufferordentliche Angst vor einer gerichtlichen Entscheidung über die Ungesetzmäffigkeit ihres gegen die Vereins- und VersanunlungS- freiheit gerichteten Verfahrens zu haben. ES hat nämlich der Polizei- Präsident auf die Beschwerde gegen die Versammlungsauflösuug vom 2S. Oktober erklärt, ein Vertoaltungsstreitverfahren sei nicht zu- lässig. Selbstverständlich ist ihm darauf entgegnet, daff über die Zulässigkeit oder Unzulässigkeit des Verwaltungsstreitverfahrens in letzter Instanz lediglich das Oberverwaltungsgericht zu entscheiden habe. Abgesehen von dein verwaltungsrechtlichen Weg hat aber Ge- nosse Katzenstein in einer am 13. d. MtS. zu Potsdam abgehaltenen außerordentlich gut besuchten Protestversamm- lung gegen die Versuche, die Befriedigung des Bildungshungers der Arbeiterschaft behördlich zu unterbinden, einen weiteren Weg gewiesen, lim auch eventuell eine Entscheidung des Reichsgerichts über die verfassungswidrige Jnhibierung der Staatskurse herbeizuführen. Er hat folgende Erklärung verlesen und dann dem überwachenden Beamten eingehändigt: „Ich erkläre, daß die am 17. Oktober d.J. unter Nr. II. 2738/10 von der Königl. Regierung zu Potsdam, Abteilung pp. an mich gerichtete Verfügung, gez. Lehmann, sich als eine gegen die Artikel 20, 27. 29 der Verfassung verstoßende Drohung und ihre Durchführung mittels Polizeigewalt als ein Vergehen des A m t s nr i ß b r a uer Strafantrag gegen Sartorius wurde zurückgenommen, Gebildete Leute. Graz, 14. November.(B. H.) Heute vormittag fand vor der hiesigen Universität eine blutige Schlägerei zwischen deutschen und italienischen Studenten statt. Bier deutsche Studenten wurden schwer, zahlreiche leichter verletzt. Vorbereitung zum„Hochverrat". Paris, 14. November.(W. T. B.) Die parlamentarische Schiedsgerichtsgruppe hielt heute im Senatsgcbäude eine Sitzung ab zur Feier der Rückkehr der französischen Delegierten von der Haagcr Friedenskonferenz, sowie zu Ehren der hier eingetroffenen amerikanischen Delegierten. Senatspräsident Dubost beglück- wünschte die Delegierten der Konferenz, die ein« Waffe schmiedete. welche vielleicht eines Tages die rohe Kriegsgewalt besiegen werde. Der Delegierte Renault gab Erklärungen über die Arbeiten der Konferenz ab. Alsdann stattete Bourgeois den amerikanischen Delegierten seinen Dank ab und führte weiter aus, die Konferenz habe nicht vergeblich getagt, habe vielmehr das Ergebnis gezeitigt, den Krieg menschlicher zu machen, bis die Abrüstung in einer Zeit möglich werden würde, wo jeder Staat fein Recht für gesichert an- sehe. Bourgeois sprach sich dahin aus, daß die Solidarität dcr Nationen keineswegs die Vaterlandsliebe schwäche, sie vielmehr stärke. Seine Rede wurde mit lebhaftem Beifall begrüßt, dem sich auch Jaures anschloß. Pichon schloß sich den Erklärungen der Vor- rcdncr an. Ein Glück nur, daß derartige„hochverräterische" Umtriebe nicht in Deutschland passieren, Herr R o m c n würde sonst im Tag" der Anklagebehörde die notwendigen Hinweise zur Erhebung der Anklage wegen„Vorbereitung zum Hochverrat" geben. Amnestie in Italien. Rom, 14. November.(W. T. B.) Aus Anlaß dcr Geburt dcr Prinzessin Johanna hat der 5töni'g eine Amnestie erlassen, unter den Amnestierten befinden sich die wegen MajcstätSbeleidigung, Zweikamps und wegen Entwendung von Nahrungsmitteln, deren Wert 20 Lire nicht Übersteigt, Verurteilten, Tie Eholera. Konstantinopel, 14. November.(Meldung deS Wiener k. k. Tclegraphen-Corr.-Burcaus.) Wie die Sanitätsverwaltung mit- teilt, ist in Hassan Kalch und Khorassaß im Vilajet Erzerum unter Auswanderern, die aus dem Kaukasus eingetroffen waren, eine Eholerasymptome zeigende Krankheit aufgetreten. Bisher sind etwa 20 Kranthcitsfülle festgestellt, von denen mehrere tödlich verlaufen sind. Verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th.Glscke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt GaulSingerLcCo., Berlin ZW. Hierzu ZBeilagcn u. Unterhaltungsblatt' Nr. 268. 24. Jahrgang. 1. KcilM des Jorairts" fttliiict Jlolliolilnlt. ftrifM, 15. llwemdtt 1907. Bel)«rdlicl)er Kampf gegen das KoaMions- und vereinsrecht der Arbeiter. Die Paragraphen 152 und 153 der Gewerbeordnung haben ja schon manche juristische Hinein-Nuslegung zuungunsten der Arbeiter erdulden müssen. Die Entdeckung aber, das; gar der Versuch eines Arbeiters als strafbare Verfehlung gegen 8 153 der Gewerbe- ordnung erachtet werden könnte, einen Kollegen davon zu überzeugen, bah der BauhülfSarbeiter-Verband besser sei als die Hirsch-Dunckersche Organisation, ist dem Amtsgericht Zittau vorbehalten geblieben. Es hat dieser Tage gegen einen Bauhülfsarbeiter D. durch Straf befehl drei Tage Gefängnis festgesetzt, weil dieser»einen anderen durch Ehrverletzung zu bestimmen versucht habe, an einer Verabredung zum BeHufe der Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen teilzunehmen, insofern er in der Zeit vom IS. September bis 23. September 1907 in Zittau auf dem Bau der Mechanischen Weberei dem Arbeiter Kurt Schubert in Zittau. Löbauerstratze 27, der Mitglied des Hirsch- Dunckerschen Gewerkvereins ist und es abgelehnt hatte, der Bauhülfsarbeiter- Organisation. beizutreten, bei jeder sich bietenden Gelegenheit zurief, dag der Ge- lverkverein»Hirsch-Duncker" eine Streikbrecher- organisation sei und nur Streikbrecher züchte. und das; er bald eine„Hirschjagd" veranstalten würde.„Dadurch habe er Schubert zu bewegen versucht, der Bauhülfsarbeiterorganisation beizutreten, hier- durch aber den 8 153 verletzt. Der Strafbcfehl wird ja in dem Jnstanzenzug aufgehoben werden. Die Möglichkeit, auf grund des im Strasbefebl geschilderten Tatbestandes§ 153 der Gewerbeordnung in Anwendung zn bringen. zeigt aber, wie dringend ein gesetzlicher Schutz des KoalitionS- rechtes ist. Die Arbeiten des finnischen Landtages. Helsmgfirs, 11 November.(Eig. Ber.) Wie große Hoffnungen das Volk auch auf die gesetzgebende Vertretung aller Bcvölkerungsklassen durch den ersten aus all- gemeinen Wahlen hervorgegangenen finnischen Landtag setzte, so wußte man doch voraus, daß es zwischen dem Parlament und der reaktionären Regierung einen für die Interessen des Volkes nicht gerade aussichtsreichen Kampf geben werde. Tie Vertreter des alten ständischen Landtages sahen natürlich ungern die Macht ihren Händen entgleiten, und sie prophezeiten bald dem neuen Landtage nichts Gutes. Schnell taufte man die neue Volksvcrtrc- tung: den„Pöbcllandta g", und man glaubte, voraussagen zu können, daß die Abgeordneten der Bauern und der Arbeiter, die ja jetzt in großer Zähl vertreten waren, wohl nicht arbeitsfähig sein werden; die sozialdemokratischen Abgeordneten sollten„meist junge, ungebildete und unerfahrene Leute" sein,„die den parla- mcntarischen Arbeiten nur Hindernisse und Schwierigkeiten, aber keinerlei Förderung zu bereiten imstande sein würden."— Es soll nun keineswegs geleugnet werden, daß es unter den Abgeordneten auch Leute gibt, die auf irgend einem anderen Platz wirklich geeigneter hätten sein können. Dieser Vorwurf trifft aber nicht nur die Sozialdemokraten und auch nicht nur die neue Volksvertretung. Daß die alten Ständevertretungen nicht besser ivarcn, beweist schon der Umstand, daß gerade von den alten Vertretern, die auch in die jetzige Volksvertretung gewählt wurden, viele zur parlamentarischen Arbeit total unfähig sind. Tagegen kann man mit vollster Berechtigung sagen, daß die sozialdemokratische Fraktion viele sehr tüchtige Parla- mentarier aufzuweisen hat, deren eifrige und sachkundige Arbeit in den Ausschüssen selbst von den Gegnern anerkannt wird. So haben die bürgerlichen Sachkenner bezüglich des von der sozial- demokratischen Fraktion eingebrachten neuen Pachtgesctz'projcktcs bezeugen müssen, daß die Eingabe mustergültig ausgearbeitet seil — Es muß auch anerkannt werden, daß die Volksvertretung viel gearbeitet hat. In der letzten Zeit hatten viele Abgeordnete, die in den wichtigsten AuSschüsien saßen, 20 und mehr Stunden täglich zu arbeiten? Es lösten sich die Ausschuß- und die Plettbr- sitzungen gegenseitig ab, und in beiden dauerten die Sitzungen nicht selten über Mitternacht hinaus. Trotz alledem kann man jedoch nicht sagen, daß die Abgeordneten auf eine bedeutende und erfolgreiche Session zurückblicken dürfen. Das Volk erkämpfte sich das allgemeine Wahlrecht vor zwei Jahren und es führte den Wahlkampf vor einem Jahre unter der Losung, daß die neue Volksvertretung das Land aus einer Lage befreien müsse, die man sehr wohl als eine gesetzlose bezeichnen kann. Denn die Gesetze, die in Finnland immer noch gchandhabt werden, stammen aus der schwedischen Vergangenheit und sind total veraltet. So z. B. räumt das Kommunalwahlgcscd nur den wohlhabenden Bürgern Rechte ein, indem die reichsten von ihnen 25 und in einigen Städten sogar über 200 Stimmen haben, während die Arbeiter und sonstige unbemittelte Einwohner voll- ständig rechtlos sind?— Ebenso unhaltbar sind die Agrar- gesetzt. Obwohl der finnische Bauer keine Leibeigenschaft durch- zumachen brauchte, befinden sich doch noch gegenwärtig über 100 000 kleine Zwcrgpächter, Tor pari genannt, in einer Lage, die der unter der Leibeigenschaft in Teutschland und in den Ost- sccprovinzeic im vorigen Jahrhundert verzweifelt ähnlich ist. Außerdem wird die Zahl der landlosen Landarbeiter aus zirka 900 000 geschätzt. Dabei ist besonders zu betonen, daß noch nicht 20 Proz. des Bodens in Kultur genommen ist. Dem steht die Agrarvcrfassung im Wege, die den Boden einer kleinen Minderheit zuspricht und die große Masse des Volkes zur Landlosigkcit ver- dämmt. Hauptsächlich die Lösung dieser beiden Fragen er- wartete das Volk von der neuen gesetzgebenden Körperschaft. In den Torpariversammlungcn waren die Grundlinien eines neuen Pachtgcsctzcs fixiert worden, und die Sozialdemokratie hatte, wie erwähnt, ein Gesctzcsprojekt eingereicht. Tie Hauptzügc dieses Gesetzes sind: Kulturzwang. Wer seinen kulturfähigcn Boden nicht selber bebauen will oder kann, wird gesetzlich gezwungen, ihn demjenigen, der ihn in Kultur nehmen will, in Pacht zu geben. Pachtverträge sind mindestens auf 5 0 Jahre abzuschließen. Den Pachtzins bestimmt nicht der Besitzer, sondern eine Kommunal- b e h ö r d e, welche aus allgemeinen Wahlen hervorgeht. Tie bisherige Arbeitspacht wird nur auf beiderseitigen Wunsch zugelassen. Die Länge des Arbeitstages ist im Sommer auf 10. im Winter auf 7 Stunden festgesetzt. Natürlich hatten auch andere Parteien Projekte zu einem neuen Pachtgesetze eingereicht. Diese wurden einer Kommission überwiesen, die sehr energisch arbeitete, deren Arbeit aber kein Resultat zeitigte. Tie Bürgerlichen, namentlich die Jungfinncn, verhinderten durch eine planmäßige Obstruktion de» gedeihlichen Fortgang der Arbeiten. Tagelang wurde um einzelne Paragraphen diskutiert. Ebenso blieb das neue Kommunalwahlgcsetz un- vollendet in den Akten der Kommission, desgleichen mehrere andere. Die Arbeit der Kommissionen braucht ja nicht ganz verloren zu gehen. Tie neuen Kommissionen, die zu Anfang der lünftigcn Session neu gewählt werden müssen, können die geleisteten Arbeiten gelten lassen. Aber die ganze Arbeit muß wenigstens der Form nach von Anfang an neu vorgenommen werden. Die Eingaben sind neu zu machen und sie müssen abermals neun Lesungen, drei in der Spezialkommission, drei im großen Sechzigcr-Ausschutz und drei im Plenum, passieren! Die Bürgerlichen haben also, wenn sie ihre frühere Taktik anwenden wollen, dieselbe Möglichkeit, die Ar- bcit durch Obstruktion zu verhindern. Außerdem hat das Plenum die Möglichkeit, die Ausführung eines neuen Gesetzes, wenn es auch bereits angenommen ist, bis zu der folgenden, neuen Volksvertretung aufzuschieben, und zwar schon, wenn bloß ein Drittel der Abgeordneten dafür sind! Dazu schließlich die Ab- hängigkcit von St. Petersburg— und man hat eine gcrnze Reihe gefährlicher Klippen, welche die Gesetze noch zu passieren haben. Fertig wurde das Alkohol- Bcrbotsgefch, eine Maßregel, welche vom ganzen Volke gewünscht wurde und durch die sowohl die Herstellung wie die Einfuhr und der Handel mit alkoholhaltigen Getränken völlig untersagt werden soll. Selbstverständlich will man das Gesetz nicht über Nacht einführen, sondern nach und nach, so daß die dabei Interessierten ihre Alkoholunternchmungeu ohne großen Schaden liquidieren können. Diesem Gesetze steht aber nicht nur der Unwille der St. Petersburger Regierung entgegen, sondern auch das Handelsvertragsverhältnis mit fremden Staaten. Die Wein- und Kognakländcr werden gewiß dagegen protestieren, daß ihr Ausfuhr- markt durch Finnland verringert werden soll, und„Väterchen" hat's leicht, darauf gestützt. dieS Gesetz zurückzuweisen. Die „Patrioten des»Wodka- Staates" werden es doch nicht dulden, daß die Finnen sich die unerhörte Freiheit herausnehmen, ohne Alkohol leben zu wollen?— Das Verbotsgesetz brachte noch den Senator Stalberg zu Fall. Stalberg ist selber ein Freund der Abstinenz, aber er meinte, daß ein absolutes Verbot sich noch nicht durchführen läßt, und er suchte etwas Aehnlichcs durch die Senatsvorlage, welche den Kommunen das Verbotsrecht verleihen soll, zu erreichen. Da aber diese Vorlage iin Widerspruch zum allgemeinen Verlangen zu stehen schien, da sie im geheimen ausgearbeitet und in Petersburg eingereicht lvar, mußte der Senat sich berechtigte Angriffe gefallen lassen, und die Annahme des Verbotsgesetzes wurde zum Mißtrauensvotum für Stalberg. Als offener und aufrichtiger Mann trat er zurück. In sozialdemokratischen Kreisen bedauert man seinen Abgang; denn er war der einzige kundige Sozialpolitiker, wenn auch liberaler Färbung. Von sonst angenommenen Gesetzen ist noch das Bäckerei- g e s e tz zu nennen. Leider mutz hierbei aber betont werden, daß die Arbeit verkehrt angefangen worden ist. Anstatt ein allgemeines Gcwerbegesetz auszuarbeiten, ist jetzt nur ein Bäckcrcigefetz zustande gekom.men. Jedenfalls wird dies aber für d aS ebenfalls in der Vorarbeit begriffene allgemeine Gewcrbcgesctz eine gewisse Unterlage bieten. Die Behandlung der Vorlage bezüglich der Erhöhung der Gehälter der VolkSschullehrer brachte die sozialdemo- kratische Fraktion in die unangenehme Lage, die Vorlage bekämpfen zu müssen. Sie wünschte die Regelung der Lohnfrage gemeinsam mit der Ausarbeitung eines neuen Schulgesetzes. Das jetzige Schulgesetz»nacht die Schulen zu kirchlich-patcioti schon Dressuranstalten der Bourgeoisie; die Erklänmg der Genossen Nuorteva, Tainio und Sirola, daß die Lehrer eben wegen ihrer ungenügenden Besoldung sich zu Werkzeugen der Pastoren und Großgrundbesitzer erniedrigen müssen, schlug nicht durch. Das Gehalt wurde schließlich auf 900 M. für Unverheiratete und 1100 M. für Verheiratete festgesetzt. Die Diskussion über die Bewilligung der 20 Millionen an Rußland hat viel Zeit gekostet und im ganzen Lande sehr viel Un- Ivillen erzeugt. Dies wie auch die Obstruktion beim Pachtgcsetz wird unseren Genossen bei den nächsten Wahlen(1903) als Agitationsmaterial gute Dienste leisten. Die Interpellationen, welche unsere Genossen bezüglich der Uebergriffe der Polizei, wegen Aushebung der Torpari von Lanko und wegen sonstiger Mißstände stellten, hatten eine aus- gezeichnete agitatorische Wirkung. Nicht nur, daß die volksfeindlichen Bestrebungen der Regierung bloßgelegt wurden, auch die bürger- lichen Parteien sahen sich dadurch gezwungen, zusammenzugehen. wie sie zusammen gehören: Die sonst einander bekämpfenden bürgerlichen Parteien gruppierten sich hübsch um die Rc gienuig und gegen die Sozialdemokratie. Unwillkürlich mutzten sie dabei ihre falsche Volksfreundlichkeit fallen lassen und der be- drängten Regierung beitreten, die ja gerade im'Interesse der Bürgerlichen die Volksinteressen außer acht gelassen hatte I ES wird ihnen in Zukunft schwerer sein, die„VolkSfreundlichkcit" ivieder auf ihre Fahnen zu schreiben. Die letzte von den» Schweden Dr. N e o v i u S gestellte Interpellation, welche in ein Vertrancnsvotum für den Senat aus- klingen sollte, wurde durch unsere Genossen sehr geschickt in das gerade Gegenteil umgewandelt: Neovius fragte an, was der Senat zum Schutze der in St. Petersburg verhafteten finnischen Bürger getan. Senator M e ch e l i n beantwortete die Frage und führte an, daß der Senat sowohl beim Gencralgonvcrncur als auch beim Minister-Staatssckrctär in St. Petersburg„geeignete" Schritte getan habe. Der Interpellant erklärte sich damit zufrieden und schlug vor, mit der Erklärung zur Tagesordnung überzugchen, daß der Senat auch fernerhin die Rechte finnischer Staatsbürger in der- selben Weise wahrnehmen möchte!— Die Genossen Sirola und Nuorteva gaben der Angelegenheit nun folgende Wendung: Sie führten auS: Der Senat habe wohl jetzt, wo einige Lieblinge der radikaleren Bourgeoisie, Rechtsanwälte und Doktoren der Philo- sophic, arreriert worden feien, einige Schreiben abgesandt. Als aber im Sommer der sozialdemokratische Student Salminen in Gatschina, einige Volksschullehrer in Russisch- Karelen und die finnischen Matrosen in russischen Häfen als rechtloses Wild verhaftet wurden, hat der Senat nichts getan! Die mit den Finnen gemeinsam verhafteten Amerikaner wurden— auf Betreiben der amerikainschen Gesandtschaft— alsbald befreit, die Finnen sitzen n o ch! I Aber nicht nur das. Nach der glücklichen Revolution 1905 hieß es, daß die russische Gendarmerie ihr Treiben in Finnland einstellen werde. Nur aus den Bahnhöfen sollte sie ihr Unwesen noch treiben dürfen. Aber was sehen wir? Die russische Gendarmerie setzt nicht nur ihr dunkles Gewerbe fort, sondern die sinnische Staatspolizei bietet ihr auf Schritt und Tritt H ü l f e an... Finnische Bürger werden in Finu- land von der russischen Gendarmerie bewacht und sobald sie über die Grenze sind, verhaftet! Aber wir haben noch ein anderes, heiliges Recht zu schützen: das Recht der Gastfreundschaft. Zu uns kommen russische Untertanen. Aber die Landesregierung verletzt die Gastfreundschaft durch polizeiliche Maßregeln, die nicht dem Willen des finnischen Volkes, sondern dem der zarischen Regierung angepaßt sind. Da können wir nicht sagen, daß die Regierung so fortfahren möchte, sondern daß da gründlich Waudcl geschaffen werden mutz. Die Angelegenheit ward noch vor Toresschluß— die Interpellation wurde am letzten Tage der Session beantwortet— an einen Aus- schuh verwiesen, in dem das Vertrauens- in ein Mißtrauens- votnm nmgetvandelt wurde, das dann auch im Plenum An- nähme fand. Somit kann konstatiert werden, daß, obgleich die erste Session der finnischen Volksvertretung nicht gerade ertragreich genannt werden kann, die sozialdemokratische Partei dennoch voll Zu- verficht in die Zukunft blickt. Das politische Leben hat jedenfalls frischen Schwung erhalten und es werden sich immer neue Massen der Sozialdemokratie angliedern. Immer neue Massen sehen, daß die Bourgeoisie nur ihre eigenen Interessen, die Interessen der Kapitalisten und der Grundbesitzer, wahrnimmt. Huö der Partei. „Laßt sie betteln geh«, wenn sie hungrig sinb". Unter dieser Spitzmarke erschien dieser Tage in der Orb- nungspresse eine den„Hannov. Tagcsnachrichten" entnommene angebliche Zuschrift eines Arbeiters, die von verleumderischen Angriffen ans die Sozialdemokratie und verschiedene führende Genossen in Hannover strotzt. Es hieß darin z. Ä.: „Laß sie betteln geh», wenn sie hungrig sind!" dachte Herr Breh sder sozialdemokratische Abgeordnete). als vor l'/z fahren der Streik in der Berliner elektrischen In- dustrie abgewürgt werden sollte. Erst wurden die betörten Ar- beiler in den Streik gehetzt, und als man die Niederlage vor Augen sah und auch vielleicht kein Geld inehr da tvar, mußte der Streik auf irgend eine Weise abgewürgt werden, daß auch für die Partei noch etwa? herauskam. AVer die Arbeiter ließen sich nicht ohne weiteres überreden, und so erklärte denn Herr Brey: „Wenn die Arbeiter nicht wollen, so laßt sie nur noch ein paar Wochen hungern, wenn sie genug ge- hungert haben, gehen sie von selbst wieder zur Arbeit. „Laß sie betteln gchn. tuen« sie hungrig sind", dachte Herr Brey, als er einen GcwerkschaftSbeamten und Familienvater, welcher 25 Jahre seines Leben? für Partei und Gewerkschaft geopfert hat. nach Neujabr, also kurz nach dein Fest der christlichen Nächstenliebe, aufs Pflaster setzte, trotzdem Herr Brey doch eigentlich wissen mußte, daß es geraec für diesen Mann sehr schwer war, lohnende Arbeit zu finden. Wahrhaftig eines Arbeiterführers und Volksvertreters der königl. Haupt- und Residenzstadt Hannover würdig. Genosse Brey hat diese Angriffe in ihrer ganzen Ver- logenheit in einer Erklärung enthüllt, die der„Volks- >v i l l e unser Parteiorgan in Hannover, veröffentlicht. Sie besagt im lvcscntlichen: „Die. in Frage kommenden streikenden Mitglieder des Ver- bandes der Fabrik-, Land-, Hülssarbeiter and Arbeiterinnen Deutschlands waren im Lagerraum der Allgemeinen Elekttizitäts- gcsclljchaft beschäftigt. Sie fingen mit ciitern Tagelohn von 80 Pf. die Stunde an und hatten nach Verlauf eines Jahres den„ge- Ivaltigen" Lohn von fage und schreibe 33 sachtimddrcißig) Pf. er- reicht. Bei einer solchen Bezahlung, dazu tu Berlin und bei der Teuerung, die im Jahre 1905 schon sehr fühlbar war, bedurfte es Ivahrhaftig keines„H i n e i» h e'tz e nS" der Arbeiter in den Streik. Der Streik unserer Mitglieder war ganz spontan zum Ausbruch gekommen, ohne Zutun irgend eines V e r b a n d s f u n k t i o n ä r S. ja sogar ohne Z u st i m m ung des Verbandsvorstandes. Das dürfte der Mann aics dein„Sichern Versteck" ganz genau wissen. Es ist eine dreiste Unwahrheit, wenn behauptet wird, man habe die Arbeiter in den Streik»gehetzt". Unwahr und erfunden ist auch die ziveite, sich an die erste anschließende Behauptung, ich hätte erklärt:„Wenn die Arbeiter nicht wollen fdcn Streik beenden), so laßt sie mir noch ein paar Wochen hungern; wenn sie gcnng gehungert haben, gehen sie schon von selbst wieder an die Arbcir." Der oberflächlicksste Beurteiler der ganzen Sach- läge mutz zn der Ueberzeugung kommen, daß ich solche Worte gar nicht gebraucht haben kann. Abgesehen von der Gefühlsroheit, die zu einer solchen Aeußerung gehört und die nur nicht eigen ist, war sie auch rein sachlich unmöglich! Dem Streik war eine Aussperrung gefolgt. Die mit den „Hannoverschen Tagcsnachrichten" gesiiinungsver wandten, ordnungsliebendeil Berliner Mctallindustri- eilen stellten eine zweite Aussperrung in Aussicht, wenn der Streik nicht beendet würde. Für die Beendigung war eine Frist von lv e n i g e n Tagen gestellt. Die Leute nun ein paar Wochen„hungern" zu lassen, wäre gleichbedeutend ,nit dem Perfektwerdcn der zweiten Auflage der Aussperrung gewesen. Die Berliner Scharfmacher hätten dann ihr Mütchen an den Aus- gesperrten an der Schlvelle des Winters kühlen können. Das loollte ich aber mit den übrigen Organisationsleitern ver« hindern. Der Mann auS dem„Sicheren Versteck" lügt also geradezu unsinniges Zeug zusammen. Die Sache liegt so: In der Zentralstreikkommission, in welcher auch zwei Vertreter der Hirsch-Dunckerschen Ge» lv erlvereine saßen, tourdcn Bedenken laut, daß die b e» s ch l o s s e n e Beendigung des Streiks an dem Wider- stand der Arbeiter scheitern könne. Darauf habe ich er- klärt:„Ich habe die Anschauung, daß wir die Kollegen zur Beendigung des Streiks bewegen können, sie haben»un schon zwei Wochen im Streik gestanden und kennen gelernt den Hunger und die Not, welche ein Streik in einer solchen Jahreszeit mit sich bringt. Sie werden als» geneigt sein, ans unsere Vor- schlüge einzugehen!" Hätte ich die mir unterschobene Aeußerung gemacht, die übrigen Organisattonsverttcter würden das fichcr gerügt haben. Nichts dergleichen ist ge- f ch e h e n. Aber woä>cnla»g nach Beendigung der Aussperrung haben die„Hische", offenbar wegen Mangels geeigneten AgitationS- Materials, sich jene durch und durch unwahre Znrecht- stutzung geleistet, die nun im„Sickieren Versteck" ihre Wiederholnug findet. Lügen werden aber auch durch Wiederholungen nicht zu Wahrheiten. Eine dritte, aber nicht minder fette Lüge ist es, daß ich einen GcwcrkschastSbeamten, der 25 Jahre seines Lebens der Partei und Gcwerkfchaft geopfert habe, kurz nach dem Fest der christlichen Nächstenliebe auss Pflaster geworfen haben soll. Wenn ich der alten Muhme auS Hildesheim Gelegenheit geben wollte, mir gerichtlich nachzuweisen, gegen wen ich so verfahren, so würde sie in arge Verlegenheit geroten und cö könnte.ihr dabei gericht- lich attestiert werden, wie sehr ihre Behauptung mit der Wahrheit im Widerspruch steht. Ich habe überhaupt keinen GcwerkschaftS- bcamtc» entlassen. Auch nicht eine Entlassung ver« anlaßt. Also alle drei Beh auptung en sind un- wahr!" llebrigens sind die ehrenwerten„Hannoverschen TageSnachrichtcn" vom Vorstand deS GewerkschaftskarteNs Hannover-Linden, vom Ge- nossen Linxweiler, Redakteur an,„VolkSwilleu". und vom Genossen S ch l i ck e« Stuttgart, dem Vorsitzenden des Metallarbeitcrverbandcs, verklagt worden, weil sie in RcichsverbandSmanier diese Genosicn der Bestechlichkeit beschuldigt haben. Gemciudcwahlen. FnHofheim im Taunus siegten bei den Stadtverordneten- Wahlen am 12. November in der III. Klasse die drei sozialdcmo- kratischcii Kandidaten über das Zentrum. Zum ersten Male ziehen dort Sozialdemokraten ins Stadtparlaiuent ein und gleich drei auf einmal. Im Wahlkreise Höchst-Usingen geht's vorwärts! Schwelm lWestfalen, Wahlkreis Hagen), II. November. sPrivardepesche des„Vorwärts".) In der heutigen Stadtverordnetenwahl siegten die beiden Sozial- dcmokraten mit 816 Stimmen gegen die Kandidaten der bürgerlichen Parteien, die 601 Stimmen erzielten. polizeiliches, Gerichtliches uto. Strafkonto der Presse. Zu 100 Mark verurteilte das Schöffen- grricht Offenburg sVaden) den Redakteur Haber er vom '„Volksblalt". Die Privatkläger waren der Verleger und der Ge- schäftsführer des dortigen Zentrumsblaites„Offenbiirger Ztg.". deren Heirats-Jnsecate vom Standpunkte des christkärholische» Ehesakramentes als„M en sch e n fle i s ch- H an d e l" bezeichnet wurden. Persönliche Angriffe gegen die Kläger einhielt der Artikel nicht. Um eine Gegenklage unmöglich zu inachen, beleiligte sich der Verantwortliche des ZentrumSblatteö nicht an der Klage. Der Ge- richtshof, der aus dem Zentrums- Amtsrichter L a u ck und zwei Zentrnnisschöffen bestand, lehnte die Widerklage ab und verurteilte. ES wurde Berufung gegen daS Urteil erhoben. Genosse H a u s ch i l d t vom„ B o l k s b l a t t" in Kassel sollte sich einer Uebertretung des g 17 des Presigesetzes schuldig ge- macht haben durch vorzeitige Veröffentlichung des Ergebnisses eines Ermittelungsverfahrens gegen den Kaufmann Delahon in Breslau. Der Staatsanwalt wollte das Vergehen gleich seinem Breslauer Kollegen mit 5 M. Geldstrafe gesühnt wissen. Das Gericht kam zur Freisprechung, weil aus den Akten inzwischen festgestellt worden war, daß das Verfahren gegen Delahou zur Zeit der Ver- öffentlichung in Kassel bereits beendet gewesen sei. Im übrigen nahm das Gericht an, dag Hauschildt in gutem Glauben ge- handelt habe. Nach dem Auögang des Kasseler Prozesses müssen die Breslauer„Sünder" von der Berufungsinstanz ebenfalls frei- gesprochen werden. Siedakteurfrcuden. Am Dienstag hat Genosse Zorn vom ,V o l k S b l a t t" zu Saatfeld das Gefängnis bezogen, um eine zweimonatliche Gefängnis st rase zu verbiitzen. die ihm vom Landgericht Rudolstadt wegen angeblicher B ü l o w- beleidigung zudiklicrr worden ist. Aus Antrag hat man dem Genossen Selbstbeschäftigung und das Lesen der„Frankfurter Zeitung" gestaltet, dagegen wurde die Selbstbeköstigung abgelehnt, iveil im „liberalen" Memingen noch eine Gefängnisordnung von anno dazumal besteht, die die Selbstbeköstigung untersagt, und nur Vergünstigungen zuläht, die ärztlich als notwendig bezeichnet werden. Auf Grund des Ergebnisses der ärztlichen Untersuchung hat man sich jedoch dazu verstanden, dem„Pretzsünder" Privatlost zu gewähren. rn 1906/0? M. 1 56b 252 2 732 1831 580 Huö Induftne und Handel Gewinnsteigerung. Um 130 M. ist der Reingewinn der Wests. Drahtindustrie Hamm im letzten Jahre pro Arbeiter gestiegen. Demgegenüber haben die Arbeiter eine Einkommensteigerung von nur 16 M. erzielt. Allerdings die Aktionäre haben keine Ueberstunden gemacht, das Vergnügen war den Arbeitern vorbehalten. Daher dürfte die Verteilung des Ertrages der Arbeit von jedem Nichtarbeiter als vollständig richtig angesprochen werden. Nach den Geschäftsberichten der Firma betrug 1905/06 m. der Reingewinn....... 1 187 638 die Zahl der Arbeiter..... 2 636 Jahresdurckischnittslohn der Arbeiter 1 285 Reingewinn pro Arbeiter.... 450 Die Arbeiter haben wirtlich keine Ursache, mit solcher Harmonie einverstanden zu sein._ ES kracht weiter. Die schwierige Lage des Geldmarktes hat in Danzig zwei Firmen der Holzbranche, Philipp Albrecht u. Co. und L. Goldhaber zur Ein- stellung ihrer Zahlungen gezwungen. Nach Informationen in dortigen Bankkreisen streben beide ein Arrangement an. für das Aussicht auf Erfolg bestehen soll. Die Akzeptverbindlichkeiten der Firma Albrecht beziffern sich auf etwa 800 000 M.. von denen der kleinere Teil in der dortigen Bankwelt begeben ist. Die betreffenden Inhaber sind jedoch bis auf kleine Summen durch Hypotheken sicher gestellt. Die Akzeptverbindlichkeiten der Firma Guldhaber belaufen sich auf mehr als eine Million Mark, an denen jedoch ausschließlich auswärtige, hauptsächlich russische Inhaber beteiligt sind. Der Danziger Platz ist sonach nur mit relativ mäßigen Beträgen in Mit- leidenschaft gezogen. Die„Frankfurter Zeitung" meldet aus New Dork: Während hiesige Banken im Einverständnis mit der Bank von England ihre Goldansprüche sehr reduzierten, beginnen selbst kleinere Plätze direkt mit Europa zu verhandeln, so daß heute die Provinz 2'� Millionen Dollar Goldeinsuhr anmeldete. In PittSburg ist die Geldklemme besonders stark; beste zertifizierte Schecks werden dort mit 4—5 Proz. diskontiert. Die dorsigen Geschäftshäuser verlangen einen Aufschub von drei Monaten für alle Lieferungen. Neue Weizenhausie! Der Weizenexport aus Kanada ist, wie die„Frankfurter Ztg." eiuS Winnipeg meldet, infolge der Aktion der Banken, die sich weigern, die nötigen Mittel vorzustrecken, beinahe zum Stillstand gekommen. Es herrscht eine allgemeine Entrüstung über diese un- kulante Handlungsweise und man erwartet ein Einschreiten der Regierung. Bestättgt sich die Nachricht, dann dürste eS sich um die In- fzenierung einer neuen, verschärften Getreidehausse handeln. Und dabei wollen immer noch viele Leute nicht glauben, daß wir in einer göttlichen Weltordnung leben, und an der zu rütteln schwerstes Berbrecken ist._ Soziales* „Die hohe Morbidität der Lehrlinge und jungen Gehiilfcn." ES wird vielfach angenommen, daß die Erkrankungshäufigkeit (Morbidität) sich erst bei zunehmendem Alter des Arbeiters steigere, Arbeiter bis zum 20. Lebensjahre allgemein günstiger gestellt wären. Wer jedoch das so niedrige Durchschnittsalter vieler Berufe näher betrachtet, muß zugeben, daß denn auch gerade die„goldene Jugend- zeit" des Arbeiters schon viele Opfer fordert, Krankheit und Tod da große Lücken reißen mutz. Dies bestätigt uns ein Aufsatz des Arztes Dr. Prinzing- Ulm in dem letzten Heft der Zeitschrift„Soziale Medizin" über obiges Thema/ Der Verfasser stützt sich in � der Hauptsache auf die„Frankfurter KrankheitSiafeln" von Dr. Bleicher und die Schrift Dr. Rosenfelds über„die Gesiindheitsverhälinisie der Wiener Arbeiterschaft" und bedauert, daß die Statistik der deutschen Krankenkassen nicht ausgebaut sei,„da zu derartigen Unter- suchnngen eine Trennung der Gesamtzahl der Kassenmitglieder und der Eltrankten nach Altersklassen nötig ist und diese Trennung bei den deutschen Krankenkassen fast nirgends vorgenommen würde." Aus den Werken von Bleicher und Rosenfeld geht hervor, daß „die erwerbsunfähig Erkrankten beim Alter von unter 15 oder von 15—20 Jahren eine höhere Morbidität als die späteren Angaben, daß z. B. in Frankfurt a. M. auf 100 Mtglicder Krankheits- fälle beim Alter von über 15 Jahren 43,5 erwerbsunfähig, von 16 bis 20 Jahre» 35,1, von 21—80 Jahren 35,1 usw. kamen. Das gleiche Bild zeigt uns die Wiener Statistik, die sorgfältiger zu- sammo, gestellt sei. sich jedoch nur bis zum 40. Lebensjahr erstreckt. Nach Nosenfeld konstatierte die Genosienschaftskasse: Auf 100 Mit- gliedcr kamen Erkrankungen: im Alter von erwerbsfähig erwerbsunfähig unter 15 Jahren.... 66,5 46,2 16-20„.... 27,2 38,8 21-25„.... 26,5 33,1 26-30„.... 24.7 29,5 31—35„.... 23,2 30,1 36—40„.... 23,8 32,9 Es tritt also die hohe Zahl der erwerbsunfähig Kranken im Alter von unter 20 Fahren deutlich hervor. Sehr interessant sind auch die Unterscheidungen der Berufe in der Staiistik, auf die wir leider nicht näher eingehen können. In Frankfurt a. M. wie auch in Wien haben bei den erwerbsunfähig Erkrankten die 14—20 Jahre allen Schneider, Schlosser, Schmiede, Lithographen und Buchdrucker höhere Ziffer». In Wien sind die Lithographen am schlechtesten daran, da auf 100 Lithographen alle 79 Kranke unter 20 Jahren entfielen. Die Erkranknngszifferu der Lehrlinge für Deutschland sind un- genau, weil viele Lehrlinge ja der KrankenvcrsichernngSpflicht gar nicht unterliegen, ohne„Entgelt" beschäftigt werden, während in Oesterreich eigene Lehrlingskassen bestehen. Rosenfeld ermittelte, daß auf 10 000 Mitglieder mit Arbeitsunfähigkeit verbundene Erkrankungen kamen und zwar erkrankten an: Lehrlinge Gehülfen Scharlach........ 8 3 Masern......... 7 3 Blutarmut........ 32 32 Lungenentzündung..... 39 33 Augenkrankheiten..... 08 66 Krankheiten der Nase, Kehlkopfes 49 30 Krätze......... 62 30 Wunden........ 150 147 Prinzing erklärt hierzu:„In Frankfurt und Wien sind demnach ungefähr dieselben Krankheiten bei den jungen Arbeitern häufiger." lieber die Ursachen der hohe» Erkrankungsziffern der Lehrlinge und jungen Gehülfen äußert sich der Verfasser: I. Un- erfahrenheit und Ungeschicklichkeit, 2. ungenügende körper« liche Entwickelung und Mangel an Widerstands- kraft."„Viele Lehrlinge und junge Gehülfen sind noch nicht genügend entwickelt, um den Anforderungen, die an sie gestellt weiden, vollauf genügen zu können, so daß sie in den ersten Jahren ihrer Beiufstätigkeit an Uebermüdung leiden. besonders wird dies durch lange Arbeitszeit, unvoll- kommene Nachtruhe(Bäcker. Kellner), dauerndes Stehen befördert." „Werden die Lehrlinge und jungen Gehülfen gleich zu schwerer Arbeit herangezogen, so zeigen sich die geivöhnlichcn Folgen der Ueberanstreugung(Muskelschmerzen. Herzklopfen). Sehr gering ist die Widerstandskraft vieler jungen Arbeiter, so daß sie sehr zu Erkältungen disponiert sind, Frostbeulen werden bei jungen Leuten viel mehr beobachtet als bei älteren." Ferner:„Die Schlafstellen der Lehrlinge und jungen Gehülien sind oft sehr ungesund, dies spricht sich z. B- in der Häufigkeit der Krätze aus. die in Frankfurt und in Wien bei ihnen häufiger als bei älteren Arbeitern beobachtet wurde." Sehr richtig ist es auch, tvas der Verfasser über die ungenügende Ernährung der jungen Leute sagt, die in der Entwickelungszeit doppelt darunter leiden müssen.„Tausende von Lehrlingen in den Städten haben keinen Verivandten und find allein auf das, was sie in der Familie des Meisters erhalten, angewiesen, so daß nicht selten die Er- nährung ungenügend ist." GutI Einige Zeilen später erklärt aber derselbe Verfasser:„ES wird immer weniger Brauch, daß der Lehrling bei seinem Meister Kost und Wohnung erhält. Wohnt der Lehrling nicht beim Meister und können ihn die Eltern nicht bei Verwandten oder Freunden unterbringen, so ist Kost und Wohnung oft mangelhaft, ganz abgesehen von den sittlichen Gefahren, die den Immen in den Städten drohen." Also erst ist die Kost und die Wohnung bei den Meistern mangelhaft, dann bedauert der Verfasser, daß die armen Lehrlinge diese Mängel nicht weiter genießen können. Und erst die„sittlichen Gefahren"; als ob auf dem Lande alles so „rein" sei! Eigentümlich hört es sich an, wenn der Arzt klagt: „Andererseits treiben sich die Lehrlinge und jungen Gehülfen, wenn sie weder bei ihren Eltern noch Meistern wohnen, sehr oft abends in den Kneipen herum, wodurch sie teils wegen ungenügenden Schlafes, teil» durch übermäßiges Bier« trinken und Rauchen und selbst durch zu frühzeitigen Geschlechtsverkehr ihrer Gesundheit schweren Schaden zu- fügen" I Bei der langen Arbeitszeit vieler Lehrlinge, den„hohen Löhnen" derselben wird wohl wenig Gelegenheit für die„Kneipe" Übrig sein! Sollte der brave Medizinmann nicht an seine Jugend als Student gedacht haben? Sicher liegt eine„Verwechselung" vor. Gerade die große Mehrzahl deutscher Studenten-Jünglinge konnten ui die vom Verfasser vorgeschlagenen„Lehrlings- und JiinglingS- Heime" einlreten.„Rur bei strengen und gewissenhaften Lehr- meistern können die Jungen ihren Beruf ordentlich erlernen", meint der Veifasser, und wundert sich deshalb auch nicht,„daß der Meister, bei dem viel gelernt wird, nicht so sehr ge- wissenhaf.t ist und die Kinder ausnutzt, doch reichen Nachschub an Lehrlingen erhält."! Leider! Vorsicht in der Berufswahl sei geboten, der Staat habe die Pflicht,„der Ausnutzung der Lehrlinge und jungen Gehülfen durch den Meister bczw. Fabrikanten vorzubeugen; die Ausnutzung kann entweder in überlanger Arbeitszeit b e st e b e n, oder darin, daß dem Lehrling ungesunde Arbeit zugemutet wird, welche zu übernehmen ältere Arbeiter sich weigern." Die älteren Arbeiter weigern sich aber doch nicht, damit der arme Lehrling zugrunde geht, und wertlos ist es in unserer Zeit besonders auf den„garantierten Lehrlingsschutz" in g 127 der Gewerbeordnung hinzuweisen, daß der Lehrherr dafür Sorge zu tragen habe,„daß den Lehrlingen nicht Arbeitsverrichtungen zu- gewiesen werden, die seinen körperlichen Kräften nicht angemessen sind". Das steht alles auf dem Papier, ebenso die vom Vcrfaffer gepriesenen BundeSratSverordnungen für das Bäcker- und Müllergewerbe, Kellner und Konfektionsindustrie usw. Der Ver- fasser hat viel Vertrauen zur weisen Regierung und hofft, daß gar bald„die Materie endlich einmal durch ein einheitliches Geietz geregelt werden wird, daS alle Berufe umfaßt, und nicht nur diejenigen, deren Gefährlichkeit durch politische Parteien, Fachvereine usw. ans Tageslicht gezogen wurde." Die„polisische Partei", nicht Parteien, hat doch da gut gearbeitet und die„Fachvereine" haben ihre Schuldigkeit getan, sonst wäre auch dieses bißchen Arbciterschutz sicher noch gar nicht vorhauden. Sie werden wohl noch kräftig in dieser Richtung weiter arbeiten müssen, denn mit dem Vertrauen auf unsere„starke Regierung' ist eS nicht getan. Dagegen können wir den Wunsch de? VerfasierS:„Ein- führung einer Morbiditätsstatistik bei den Krankenkassen mit Unterscheidung von Alters- k l a s s e n" nur befürworten. Auch wir haben ein sehr großes Interesse daran, daß derartige Schäden mehr aufgedeckt, diskutiert werden. Klarheit ist dringend nonvendig. Es handelt sich ja um die Arbeiterjugend, die Söhne der Arbeiter, die zur Sozialdemokratie gehören müssen._ Wider die guten Sitten. Einen Lehrlingsvertrag mit geradezu ungeheuerlichen Ver- tragsbestimmungen hatte die Firma Sp. abgcschlofien. Nach diesem Vertrage hat die Firma das Recht, dem Lehrling als eine Art Kaution im ersten Jahre 50 Pfennig, im zweiten 75 Pfennig und im dritten 1 Mark pro Woche abzuziehen, und zwar mit der MterSklafsen aufweisen". Auszüge aus der Statistik bestätigen diese l Maßgabe, daß sämtliche einbehaltenen Beträge in den Besitz der Firma übergehen sollen, falls„sie sich veranlaßt sehe, dm Lehr- sing vorzeitig zu entlassen". In einem anderen Paragraphen hat sie sich ferner das Recht vorbehalten,„die Lohnsätze zu erhöhen oder zu verringern". Dieses Muster eines Lehrlingsvertrags bildete den Gegenstand einer Verhandlung vor der fünften Kammer des Berliner Gcwerbcgerichts unter dem Vorsitz des MagistratSasscssors Görden, in der ein nach seiner Behauptung zu Unrecht entlassener Lehrling auf Zurückzahlung von rund 100 M. cinbehaltenen Lohnes klagte. Die Firma machte geltend, der Lehrling habe sich als ein„hömsr unnützer Bursche" ausgeführt, er habe seinen Mitarbeitern allerhand Schabernack gespielt usw.; deSbalb sei er zu Recht entlassen worden. DaS Gericht unterstellte auf Grund der Beweisaufnahme als wahr, daß der Lehrling sich allerhand Tummcjungcnstreiche habe zuschulden kommen lassen, war aber der Meinung, daß sie schon aus dem Grunde einen Eni- lassungsgrund nicht bildeten, weil sie sich nicht gegen den Arbeit- geber oder seine Angehörigen, sondern gegen die Kollegen und Mitarbeiter gerichtet hatten; im übrigen aber verstoße der Ber- trag wider die guten Sitten und sei daher nichtig; der Beklagte sei daher in voller Höhe des Klageantrags zu verurteilen. Aehnlich lag die Sache in einer Klage des Maschinen- schlossers P. gegen die Maschinenfabrik M. Hier war dem Ar- beiter der Betrag von 9,50 M. vom Lohn abgezogen worden, weil ihm eine Reparatur mißlungen war. Die Bestimmung der Fabrik- ordnung, wonach der Arbeiter für„verdorbene Ware' mit seinem Lohn hasten soll, wurde gleichfalls als wider die guten Sitten ver- stoßend für nichtig erklärt; es könne einem Arbeiter nicht zugemutet werden, fiir eine Arbeit, die ihm einmal nicht gelinge, sich seinen Lohn kürzen zu lassen. Der Beklagte wurde daher zur Zahlung von 9,50 M. kostenpflichtig verurteilt. Verbalinjurien per Telephon. Daß sich Chef und Angestellter vermittelst des Telephons die größten Grobheiten sagen und ein dritter, der das Gespräch be- lauscht, hernach als Ohrcnzeuge des nichts weniger als friedliche» Zwiegesprächs vor Gericht Zeugnis ablegt, dürfte nicht oft vor- kommen. Vor der zweiten Kammer des KaufmannSgcrichtS kam gestern ein derartiger Fall zur Verhandlung. Der Buchhalter Ernst L. klagte gegen seinen früheren Prinzipal, den Chemikalien- Händler Friedrich H. auf Zahlung von 150 M. Schadenersatz. Er wäre während seiner Kontorarbeit von seinem ein Stockwerk höher arbeitenden Chef ans Haustelcphon gerufen worden. Ein Mit- angestellter ergriff den zweiten Hörer, und nach dessen Aussage spielte sich zwischen Prinzipal und Angestellten etwa folgende Unter- Haltung ab:„Was haben Sic denn da schon wieder für einen Fehler gemacht Herr L.?"—„Fehler können schon mal vorkommen, Herr H."—„Ach was. Sie sind ein ganz zerfahrener Mensch."—„Daß sind Sie, Herr H.!"—„Halten Sie Ihren Mund, Sie frecher Mensch I"—„DaS habe ich nicht nötig, Schluß!!". Nach Beendigung dieses Dialogs verließ L. sofort das Geschäftslokal und sandte noch am Vormittag an den Chef einen Einschreibebrief, in welchem er erklärte, daß er sich zur sofortigen Einstellung feiner Tätigkeit Iveaen der beleidigenden Acußerungcn für berechtigt halte. Der Prinzipal verweigerte die Annnbme dicseö Briefes und erteilte seinerseits L. die sofortige Entlassung. Das Kaufmannsgericht entschied, daß der Kläger daß Dienst- Verhältnis aufgelöst habe. Denn er habe zurrst an de» Chef geschrieben. Daß der Beklagte davon keine Kenntnis hatte, ändert nichts daran, denn er hatte die Nichtannahme verschuldet. Nun gibt der g 72 des Handelsgesetzbuchs dem Angestellten allerdings das Recht, bei erheblicher Ehrverletzung das Arbeitsverhältnis sofort aufzulösen, das Gericht war aber der Ansicht, daß der Kläger SchadenScrsadansprüche auf Grund des§ 72 zu stellen nicht be- rechtigt ist. Wenn auch die Aeußerungen des Chefs gefallen sein mögen, so war doch zu berücksichtigen, daß dieser durch daS heraus- fordernde Verhalten des Klägers schwer gereizt worden war. Kläger war daher mit seiner Forderung abzuweisen. Zur Ruburitexplosion. Sind die bei dem Brande der Wittener Ruburitfabrik am 28. November 1906 entstandenen Explosionswirkungen an den um- liegenden Gebäuden als Brandschäden im Sinne der Versicherungs- bedinaungen zu betrachten? Mit dieser Frage hatte sich jüngst der VII. Zivilsenat dcS Reichsgerichts zu beschäftigen, und zwar hat er dieselbe in ver» neincndem Sinne entschieden. E» handelt sich um eine Klage der Märkischen Seifenindustrie in Witten gegen die FeurrvrrsicheruilgS- gesrllschaft Rheinland. Klägerin war in der genannten Versichc- rungsgesellschaft gegen Feuerschäden versichert. In dem Frage- bogen war neben der Gasexplosion(die an und für sich mit Brand verbunden ist) auch die Versicherung für Explosionen von Dampf- kesseln gewünscht worden. Dahingegen waren Explosionen durch Petroleum, Benzin und andere Sprengstoffe abgelehnt worden. Die Klägerin hatte bei der Ruburitcxplosion erhebliche Schäden an Fabrikgebäuden, Fenstern, Lagerbeständen usw. erlitten und forderte von der Versicherungsgesellschaft einen Betrag von 2500 M., welchen sie dann im Älageweae geltend machte. Die beklagte Versicherungs- gefellschaft beruft sich auf die Ausfüllung des Fragebogens, durch Welche die Versicherung für Explosionen durch Sprengstoffe ob- gelehnt werde. Die Klägerin behauptet hiergegen einmal, daß sie nur die nicht gewünschte Sicherung für Explosionsgefahr ins- besondere abgelehnt habe, als diese Explosionen auf ihrem Grundstücke selbst entstehen sollten, daß sie dagegen für Explosionsgefahr von außen mitvcrsichert sein wollte. Sodann behauptet sie. daß überhaupt Brandschaden vorliege, denn die schädigende Explosion sei nur durch den Brand der Rnburitsabrik entstanden und somit fei der Brand kausal für ihren Schaden geworden. Das Landgericht Düsseldorf und Oberlandesgericht Köln er- kannten jedoch auf Abweisung der Klägerin. Das Oberlandes- gericht führt dazu aus, daß sich wohl der ursächliche Zusammenhang zwischen dem Feuer und der Schädigung der Klägerin nicht leugnen lasse. Immerhin habe es aber dem Willen der Parteien beim Abfchluffe des Versicherungsvertrages unterlegen, wie weit sie die Versicherung auf gefährliche Ereignisse erstrecken wollten. Im Vertrage sei davon ausgegangen, daß die Haftung neben der Leuchtgasexplosion nur noch auf Explosionen von Dampfkesseln ausgedehnt werden sollte, während die Haftung im vorliegenden Falle mangels besonderer Vereinbarungen mit der Versichern»!) ausgeschlossen. ES sei auch nicht anzunehmen, daß bei Abschlug deS Versicherungsvertrages die Klägerin an eine Schädigung durch die einen halben Kilometer entfernt liegende Ruburitfabrik gedacht habe. Die gegen das obcrlandcSgcrichtlichc Urteil eingelegte Revision wurde vom Reichsgericht zurückgewiesen. Der erkennende Senat dcS Reichsgerichts führt hierzu aus, daß der BerufungSrichter die Versicherungsbcdingungen dahin verstehe, daß durch dieselben die Gefahr der Explosionen geregelt sei, und zwar dahin, daß die Versicherung auf die Gefahr von Leuchtgas- und Dampfexplosionen, nicht aber auch auf Explosionen anderer Art— Ruburit ufw.— ausgedehnt worden war. Diese Auslegung unterliege der Nack- Prüfung deS RevisionSgerichtö nicht. Auch könne dem BcrufungS- richtcr nicht der Vorwurf gemacht werden, er habe den Umstand übersehen, daß es sich um eine Explosion auf einem fremden Grund- stück handelte. Es könne in dieser Beziehung durchaus nicht an- genommen werden, daß dieser Umstand günstiger für die Klägerin wäre. Im Gegenteil sei hier gerade die Explosion auf dem fremden Grundstück für den Versicherungsnehmer ungünstiger. Gewerkschaftssekretäre als Prozeßbevollmächtigte vor dem Gewerbegericht. Die Frage, ob Gewerkschaftssekretäre als Prozeßbevollmächtigte vor dem Gewerbegericht auftreten dürfen, beschäftigte kürzlich das Berliner Eewerbegericht. In der Klagesachc eines GasarbeiterS gegen die Stadt Berlin war der Sekretär der Gewerkschaft der Gemeinde- und Staatsarbeiter als Bevollmächtigter des Klägers erschienen. Auf Befragen erklärte er, daß er ein besonderes Honorar für die Vertretung nicht beziehe; er leite seine Legi- timation, als Prozcßbcvollmächiigier auszutreten, aus der Be- ftimmung des Gewerkschaftsstatuis her. daß er verpflichtet sei. die Gewerkschaft und ichre Mitglieder„nach außen �hin" zu vertreten. Nach kurzer Beratung erkannte der(tierichtsvos seine Legitimation an. Tie Sache selbst verfiel, da über die Höhe des Klageobjekts erst noch weitere Feststellungen getroffen werden sollen, der Ver- tagung. Bedauerlicherweise müssen wir aus Breslau wieder von un- berechtigter Zurückweisung eines Arbeiters als Prozctzvertrctor melden. Am Dienstag klagte die dortige Buchdruckcrei Grast, Barth u. Cie. gegen etwa 30 Hülssarbeitcr und-Arbeiterinnen wegen angeblichen Vertrcajsbruchs. Die Beklagten beauftragten nun den Vorfitzende» der Ortsverwaltung, der nicht als Beamter angestellt ist und auch noch nie die Vertretung vor dem Gewerbe- gcricht ausgeübt hat, mit ihrer Vertretung in der Verhandlung. Das Gewerbegericht wies jedoch de» Vertreter der Beklagten mit der Begründung zurück, dast das„geschäftsmäßige" Vertreten nicht zulässig sei. Vergebens wies der Betreffende darauf hin, dast er doch gar nicht Angestellter des Verbandes sei und auch noch nie- mals vorher jemanden vor dem Gowerbegericht vertreten habe. Es half nichts. Das Gericht erklärte: Da der Verband Rechtsschutz statutarisch gewährt, betreibt der Vorsitzende der Zahlstelle die Vertretung geschäftsmäßig und deshalb ist seine Verlrctung nicht zulässig! Alan sieht an diesem Fall, wie dringend erforderlich eine gc- setzliche Regelung der Arbeitervertretung ist, um nicht durch die Willkür einiger Gewerbcgerichte dem Arbeiter auch die Recht- suchung vor dem Gcwerbegericht illusorisch zu machen. Die verfrühte Frühstückspause— kleine Ursachen, große Wirkungen. Im Fabriksaale der Glasbläserei„Thermos" sollte eine neue D urcbgangstür angebracht werden; zu dem Zwecke mußte eine Rabitz-Putzwand durchbrochen werden. Eines Morgens— die Glasbläser hatten eben ihre Arbeitsplätze eingenommen— kommt der Maurer und macht sich ans Werk. Natürlich geht seine Arbeit nicht ohne Staubentwickelung ab, und die Glasarbeiter sind nicht gerade sehr erbaut, daß sich zu der Hitze und Trockenheit, unter der sie schon reichlich zu leiden haben, als dritte Plage noch der Staub gesellt. Sie einigen sich schließlich mit der Betriebs- lcitung dahin, sogleich, solange dir Maurerarbeit noch andauere. die Frühstückspause eintreten zu lassen und dann ohne Pause bis Mittag durchzuarbeiten. In einer nahegelegenen Kneipe ivird mit einem frischen Trunk der Staub hinuntergespült. Aber schließlich— die Maurerarbeit war in einer halben Stunde auch nicht getan•— dehnte sich das Frühstück etwas aus. Als man wieder oben im Fabriksaale anlangte, hatte bei einigen der Leute eine äußerst fidcle Stimmung Platz gegriffen. Sieben der Haupt- ottcntäter wurden Knall und Fall entlassen. Den Abschluß des fidelcn Frühstücks bildejte deiise kleine Massenversammlung— i sieben Kläger nebst sieben Zeugen— vor dem Gewerbegericht. Die Sieben klagten auf insgesamt 600 Mark Lohn wegen unberechtigter Entlassung. Der Fabrikleiter begründete die sofortige Entlassung mit„totaler Betrunkenheit" der Entlassenen, erschwert durch Ar- beitsverweigerung; die Arbeiter seien auf ergangene Aufforderung nicht sofort nach dem Fabriksaale zurückgekehrt, sie hätten viel- mehr zunächst ihren Frühschoppen fortgesetzt, und als sie endlich gekommen seien, seien sie total arbeitsunfähig gewesen. Ueber den Grad der Wirkungen des Frühschoppens gingen die Meinungen loeit auseinander, ebenso über das Maß der Staubentwickelung. Die Kläger behaupten, der Staub habe„fingerdick" auf den Ar- beitstischen gelegen. Durch die Beweisaufnahme wird festgestellt, dast die Arbeiter nach der an sie ergangenen Aufforderung, die Arbeit wieder aufzunehmen, höchstens noch eine kleine Viertel- stunde im Lokal geblieben sind, um ihr Bier auszutrinken. Eine zweite Aufforderung ist nicht erfolgt. Nach eingehender Beweis- aufnähme kommt das Gcricht zu dem Ergebnis, daß dem Klage- antrage in vollem Umfange stattzugeben sei, und zwar im wesent- lichen aus folgenden Gründen: Die Glasbläserei besitzt keinen eigenen Speiseraum für ihre Arbeiter, diese Ivaren also genötigt, zu so früher Morgenstunde— kurz nach 8 Uhr— die Kneipe aufzusuchen; hätten sie sich dabei übernommen und seien sie viel- leicht wirklich nicht mehr arbeitsfähig gewesen, so hätte die Fabrik- lcitung das Reckt gehabt, sie nach Hause zu schicken und ihnen den Lohn für den Tag zu kürzen; die sofortige Entlassung aber ser unter den angegebenen Verhältnissen eine gesetzlich nicht zu recht- fertigende U&stregcl, zumal auch mangels wiederholter Auf. forderung von einer„beharrlichen Weigerung" im Sinne der Ge- Werbeordnung nicht die Rede sein könne. Hiis der Frauenbewegung. Rüstige Arbeit bringt vorwärts! Die kürzlich zu einem selbständigen Organ erhobene Partei- zeitung in Esien, die bisher als Kopfblatt der„Arbeiterzeitung" in Dortmund erschien, brachte in seiner ersten Nummer einen inter- essanten Bericht über die Anfänge und die Weiterentwickelung der Frauciibewegung im dortigen Kreise. ES heistt da: „Als im Fahre 1904 gelegentlich der Gewerbegerichtswahl die Genossinnen Zietz und Kahler hier anwesend waren, kamen auf Zu- reden der beiden Genossinnen die Parteigenossen zu dem Eutschluh, eine Fraueiiversammlung einzuberufen, hegten aber aroste Be- denken, ob die Versammlung von Frauen wohl besucht sein würde. Aber, welch eine angenehme Täuschung! Eine halbe Stunde vor Beginn der Versammlung erwiesen sich die beiden Säle der„Borussia" als zu klein. Es wurden in dieser Bersamm- lung zwei Vertrauenspersonen gewählt, 160 Abonnenten für„Die Glcrchheit". wie auch viele neue Leser der„Arbeiterzeitung" gewonnen und die Einnahmen, welche 72 M. betrugen, den streikenden Crim- mitichauer Webern überwiesen. Von da an entwickelte sich nun eine lebhafte Agitation unter den proletarischen Frauen, eine Anzahl Frauenveriammluilgcn wurden in dem Jahre einberufen, um immer mehr die Ideen des Sozialismus in die Köpfe der Frauen hinein- zutragen. Auch wurde ein Flugblatt, welches vom Niederrhcinischen Agitationskomitee herausgegeben wurde mit dem Titel„Wohin ge- hört die Frau?" von den Genossinnen in der Hausagitation ver- breitet. Durch dieses alles begann die Frauenbewegung immer mehr festen Fuß zu fasien, so dast wir nach der Reichstagöersatzwahl 1905 schon annähernd 500 Leserinnen für„Die Gleichheit" hatten. Durch dieses starke Anwachsen gingen die Frauen dazu über, im Interesse einer geordneten Arbeitsteilung in Essen-West eine zweite VertrauenSperson zu wählen. Nun geschah im Jahre 1906 etwa« Unerwartetes: Die politische Polizei trat in Aktion. ES wurde eine Haussuchung bei der BertraucnSperson in Essen und anderwärts vorgenommen und sämtliche Bücher und sonstige Sachen beschlagnahmt. Die Essener Leiterin der Bewegung hatte sich vor dem Untersuchungsrichter zu verantworten, denn sie sollte sich gegen eine ganze Anzahl von Paragraphen deS VercinSgesetzeS ver- gangen haben. DaS Ende vom Liebe war, dast die ganze Polizei- aktion zu Wasser wurde, denn die Vertrauensperson erhielt nach etwa drei Monaten eine gerichtliche Zustellung, worin mitgeteilt wurde, dast sie autzer Verfolgung gesetzt sei. Wir Frauen können nun auch sagen, dast überall, wo irgend eine Aktion gegen uns geplant wird, dieses uns nicht hindert, sondern ein Fortschritt der Bewegung ist. Anfang 1907 zählte» wir S00, und jetzt. Ende 1907, zählen wir schon 1000„Gleich- heit"- Leserinnen im Kreise Essen. ES hat sich gezeigt, dast im ganzen Wahlkreise Esien die Frauen anfangen zu er- wachen, dast sie sich aus ihrer Knechtschaft zu befreien suchen und für unsere Ziele und Ideen mitarbeiten. In allen Orten hat sich die Bewegung gut entwickelt, z. B. in Cateruberg, Noithausen, Kray. Alteiiessen, Werden, und jetzt beginnt es auch in dem schivarzen Borbeck, welches bis jetzt immer noch ein Schmerzenskind war, zu tagen, denn es sind augenblicklich 80 Abonnenlinnen für„Die Gleichheit" gewonnen. Nun heistt eS für uns Genossinnen, mit un- «rmüdlichem Eifer weiterzuarbeiten und keine Mühe zu scheuen, für unsere Ideen Propaganda zu machen." Moderne Ehe. Nichtsnutzige Heuchelei ist es, wenn von den Stützen der heutigen Gesellschaft die moderne Ehe als die heilige, unantastbare, erhabene, siiicu- und moralsiroßende Einrichtung in den höchsten Tönen gepriesen wird und sie die Sozialdemokratie anklagen, sie wolle diese götiliche Institution aufheben und an bereu Stelle die wilde, freie Ehe einführen, Oberhofpredigcr a. D. Slöckcr, der die Ehe als den starken Hort aller geschlechtlicken- Moral preist, der geistliche Streiter, der die„idealen Güter der Nation" mit rührender Sorge bewacht und als Generalpäckter aller Tugend und Moral sich aufspielt, hat der roten Umsturzpartei die zunehmende Sittenverderbnis aufs Konto geschrieben. Ihn kümmert nicht, dost auf den höchsten Klippen der anserwählten und edelsten Gesell- schast durchaus nicht alles eitel Glanz und Tugend ist und unter der fchimmerndcn, flimmernden Hülle gewaltige Mengen stinkenden und faulenden Morastes lagern. Die Sozialdemokratie hat in diesen höchsten Regionen weder Eiufliih, noch irgend welche Verbindungen oder Berührungspunkte. Welch entsetzliche' Sitten- losigkeit und abgrundtiefe Verworfenheit in diesen Kreisen besteht, hat erst jetzt wieder der Schlammprozest Harden-Moltke zur Genüge gezeigt, der die Gemüter des In- und Auslandes in atemloser Spamllmg hielt und der kaum notdürftig erstickt, in allernächster Zeit aufs neue die Schleusen öffnen wird. Sind doch nach Angabe einzelner Beteiligter nur erst Schlammspritzer rnifgewippt worden; welche Unmengen ekelhaften Schmutzes muß wohl die Tiefe noch bergen I Wo steckt da die heilige, sittliche und moralische Grundlage der Ehe? Wer hat sie von ihrem erhabenen Pidestal herab in den Kot der Gosse gestürzt? Vielleicht Sozis? Fragt die Edelsten und Besten der Nation! Das sind die Helden— an die Stöcker sich nicht heranwagt. UebrigenS bietet dieses Ehe- drama eine niedliche Illustration, wie Ehen im Himmel geschlossen werden. Die 26jährige lebensfrische Witwe läßt sich an eine» 51 Jahre alten Mann init dem Baiide der heiligen Ehe fesseln— um versorgt zu sein und bei Hofe glänzen und in den Strahlen der kaiserlichen Gnädensonne sich spreizen zu können. Was ihn beivog zu diesem Sckntt, wurde aus den Verhandlungen nicht ersichtlich. Der treue Pflichterfüllung Lobende hat nach dem bewegten Ge- ständnis seiner früheren Gattin schon nach 48 Stunden der ehelichen Freuden entsagt. Und trotz der heftigsten Zerwürfnisse, trotz der ekelhaftesten Szenen, trotz der gemeinsten, zynischsten Beschimpfungen und der gegenseitigen Mißhandlungen bleibt das Pärchen zum Schein ehelich verbunden. Heilige Ehe l Geradezu köstlich war das Gebaren der bürgerlichen und staatserhaltenden Blätter. Die einen riefen:„Gott sei Dank, es sind nur die obersten Kreise, die solche Dinge zeitigen, das Volk in seinem Kern ist gesund und rein!" Die frommen und junkerlichen Blätter trösteten sich damit, daß es nur beklagenswerte Ausnahmen wären. Ach nein, Ausnahmen sind es nickt, und beschränken sich derartige Vorkommnisse nicht auf die obersten Kreise. Das wohl- fttuierle Bürgertum hätte allen Grund, zu schweigen. Die Heirats- bureaus und Heiratsannoncen bieten jedem Beobachter eine Fülle von Material. Auch stehen die schamlosen Aeußerungen des Generals über Ehe und Frauen nicht einzig da. Man gehe einmal in bessere Klubs oder setze sich in den Cafös in die Nähe einer Herrengesellschaft und die Augen gehen einein über bei dem Zynismus, mit dem die„heiligsten" Dinge der menschlichen Gesell- schaft behandelt werden. Dag weite Kreise deS Bürgertums und gerade die vom Glück begünstigsten unaufhaltsam dem moralischen und sittlichen Verfall entgegengehen, beweist, daß sie zum Unter- gange reif sind. Der Gcsundungsprozeß von unten herauf wird sich langsam aber stetig vollziehen und unter den Wehen einer kämpf- bewegten Zeit wird die sozialistische Zukunft geboren. Versammlungen— Veranstaltungen. Spandau. Freitag, den 15. November, 8ll3 Uhr bei Bohle, Linden- Ufer 17. Steglitz. Sonnabend, den 16. November, im Lokal„Birkenwäldchcn": _ Viertes Stiftungsfest. Billetts a 30 Pfennig bei allen bekannten Genossinnen.— Die Veremsversammlung am Donnerstag fällt aus. Charlottendurg. Donnerstag, den 21. November. 8'/« Uhr. im Volks- haus, Rosinenstraße 3: Vortrag des Genossen Härder über „Sexuelle Erziehung"._ Gerichts-Zeltung. Die„Schuld" deS Angeklagten. Frau Justitia ist manchmal wirklich blind. So blind, daß in der geschäftigen Eile, mit der täglich eine große Anzahl von „kleinen Sachen" vor ihrem Forum erledigt werden, sehr erheb- liche Tatsachen, die zugunsten des Angeklagten sprechen, gar nicht sieht, und falls sie auf solch« Tatsachen aufmerksam gemacht wird, gar nicht darauf achtet. Häufig kann man die Beobachtung machen, daß vor den Schöffengerichten, die jeden Tag eine lange Reihe kleiner Uebertrctungen abzuurteilen haben, das Zeugnis des Schutzmanns, der die Anzeige erstattete, dem Gericht genügt. Der Tatbestand gilt als festgestellt, Entlastungsbeweise des Angeklagten werden deshalb abgelehnt, und che er weiß, wie ihm geschah, ist er verurteilt. Wenn nun ein Angeklagter in der Berufungsinstanz das Glück hat, feine Anträge durchzusetzen, dann kommt er günstigstenfalls zu seinem Recht. Aber niemand entschädigt ihn für den Schaden, den ihm die allzublinde Justitia in Gestalt von Zeitversäumnis und Aufwendungen an barem Gclde zugefügt hat. Einen Fall dieser Art hat der Schankwirt RosinSki erlebt. Ein Schutzmann hatte ihn angezeigt, weil Rosinski in seinem Lokal nach Eintritt der Polizeistunde nock> Gäste gehabt haben soll. Das Schöffengericht hat RosinSki, einzig und allein auf Grund der Aussage des Schutzmanns, verurteilt. Der Antrag Rosinskis, er wolle beweisen, daß die Personen, welche der Schutz- mann für Gäste hielt, gar keine Gäste waren, wurde vom Schöffen- gcricht gar nicht beachtet. Für die Berufungsinstanz» die am Donnerstag über diese Sache verhandelte, hatte sich Rosinski einen Verteidiger angenommen und durch diesen seine Bcweisanträgc dem Gericht eingereicht. Durch die Vernehmung eines der geladenen Entlastungszeugen wurde festgestellt, daß beim Erscheinen deS Schutzmanns zwar zwei Personen im Lokale Rosinskis anwesend ivaren, die aber kein Bier vor sich hatten, sondern mit RosinSki in seiner Eigenschaft als Mitglied der Armcnkommission über ein UntcrstütznngSgcsuch, welches ihm zur Recherche übertragen war, sprachen. Da Rosinski bis 11 Uhr mit der Bedienung von Gästen beschäftigt war, so konnte diese Besprechung erst beginnen, als alle Gäste nach Eintritt der Polizeistuikde das Lokal verlassen hatten. Nach dieser Feststellung war die Freisprechung selbstverständlich. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Theodor Liebknecht, beantragte nicht nur die Freisprechung, sondern auch die Erstattung der baren Auslagen deS Angeklagten einschließlich der Vcrtcidigungskosten durch die Staatskasse. Der Verteidiger begründete diesen Antrag damit, daß der Angeklagte zweifellos schon in der ersten Instanz freigesprochen worden wäre, wenn man seine Entlastungszeugen gehört hätte. Nach den Erfahrungen, die der Angeklagte in erster Instanz gemacht habe, sei es für ihn eine Notwendigkeit gewesen. einen Verteidiger zu bestellen. Das Gcricht sprach den Angeklagten zwar frei, lehiite aber den Antrag auf Erstattung der Auslagen und Berteldigungskostcn ab mit der Begründung, der Angeklagte habe sowohl in der ersten wie in der zweiten Instanz keine präzisen Bcweisanträgc gestellt, er sei daher selber schuld, daß er in der ersten Instanz nicht frei- gesprochen wurde! Was die Behauptung betrifft, der Angeklagte habe keine präzisen Boweisanträge gestellt, so trifft daö für die Bcrufungs- instanz nicht zu. den» hier hat er lange vor der Verhandlung den ganz präzisen Antrag gestellt, bestimmte Zeugen darüber zu ver- nehmen, daß die nach 11 Uhr im Lokal anwesenden Personen keine Gäste waren, sondern Leute, die in cinc.r Unterstützungssache mit dem MitgNcdc der Armenkommission zu sprechen hatten. Ob sich der Angeklagte in der ersten Instanz, wo er keinen Verteidiger hatte, ebenso präzis ausdrückte, wissen wir nicht. DaS kann aber auch die BcrufungSkammer nicht wissen. Jedenfalls hat der An- geklagte sich auch in der ersten Instanz auf seine Entlastungszeugen berufen und es ist nicht seine Schuld, wenn das Gericht diese Zeugen nicht hörte und ihn verurteilte, nachdem nur der Schutz- mann vernommen war, der übrigens, wie der in der Berufungs- instanz vernommene Entlastungszeuge angab, ausdrücklich er- sucht worden ist, in das Lokal hereinzukommen und sich zu über- zeugen, daß keiner der Anwesenden Bier vor sich habe. Ucberdies: es ist eine vollkommene Verkcnnung der Aufgabe der Strasjustiz, wenn sie annimmt, der Angeklagte habe seine Unschuld zu beweisen. Ihm ist die Schuld nachzuweisen. Hat er aber, wie im vorliegen- den Falle, gar seine Unschuld nachgewiesen, so erfordert es die Billigkeit, daß ihm wenigstens seine Auslagen ersetzt werden. Wird die Begründung der Ablehnung des Antrags im schriftlichen Urteil ebenso wiedergegeben wie in der mündlichen Verhandlung, sie liegt ein Revisionsgrund vor._ SittlichkritSverbrechen. Unter der Auflage des SitUichkcitSverbrcchcnS, begangen an einem achtjährigen Kind, stand gestern der Gastwirt Ferdinand Müller in Treptow vor Gericht. Der 58jährigc, völlig unbescholtene Angeklagte ist der Pächter des Neuen Eier- Häuschens bei Treptow. Am 31. Mai abends erhielt er den Besuch des ihm befreundeten expedierenden Sekretärs S ch i e r i tz, der mit seiner Frau und seiner achtjährigen Tochter den Abend in de», Gastgarlen des Angeklagten verlebte. Der Angeflagte hatte sich wiederholt an den Tisch der ihm befreundeten Familie gesetzt und nahm gelegentlich das kleine, hübsche Mädchen mit sich, angeblich, um ihm einuml den Saal und das Orchestrion zu zeigen. Als das Kmd über eine halbe Stunde wegblieb, suchten e§ die Eltern, fanden es aber nicht. Dann stießen sie auf den Angeklagten, der a»S seiner im Oberstock belegenen Wohnung bcrabkam und nach ihrer Meinung etwas erregt anssah. Dann kam auch das Mädchen zum Vorschein und machte eitlen verlegenen Eindruck. Der Bater fragte das Kind, wiederholt, ob der Angeflagte mit ihm etwas vorgehabt habe, daS Mädchen verneinte die Frage lviedcrholt, und erst als die Mutter eS beim Auskleiden zu Hause gleichfalls mehrmals befragte, hat das Mädchen unter Tränen erzählt, daß der Angeklagte sie mit in seine Privat- wohnung genommen und unsittlich berührt habe.— Der A n- geklagte bestritt im gestrigen Termin, der unter Ausschluß der Oessentlichkeit stattfand, nicht nur jede unsittliche Annäherung an das Kind, sondern auch die Behauptung, daß er mit dem Mädchen in seiner Privatwohnung gewesen sei. Die kleine Belastungszeugin verblieb bei ihrer der Mutter gemachten Mitteilung, welche eine so schwere Beschuldigung gegen den Angeklagten enthält. Das Gericht kam zu einer Verurteilung deS An- geflagten. Der Vorsitzende gab dem Verteidiger zu, daß die Aus- sage eines so jungen Kindes der sorgfälligsten Prüfung bedürfe. Der Gerichtshof habe diese Prüfung an der Hand der Beweis- aufnähme eintreten lassen und sei zu dem Ergebnis gekommen, daß die AnSsaae des Mädchens durchaus glaubwürdig erscheine. Der Gerichtshof billigte dem Angeklagten mildernde umstände zu und verurteilte ihn zu der zulässig niedrigsten Strafe von sechs Mo- n a t e ii Gefängnis._ Bestätigtes Todesurteil. Das Reichsgericht hat gestern die Revision des ZtrknSdireltors Niederhofer verworfen, der am 24. Oktober vom Schwurgericht am Landgericht I in München tvcgen Raubmordes, begangen an dem Kaufmann Hendschel. zum Tode verurteilt worden war. Versammlungen. Der Berliner Arbeiter-Radfahrer-Berein(Arbeiter-Radfahrei.- bnnd„Solidarität") hielt seine ordentliche Generalversammlung in Boekers Fcstsälen ab. Bor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung daö Andenken des verstorbenen Genossen Buggert in üblicher Weise. Aus dem Geschäftsbericht des Vor- standes für das 3. Quartal ist zu entnehmen, daß derselbe mit der Schneidereigenossenschaft„Hoffnung", Brunnenstratze 185, eine Ver- einbarung getroffen hat, wonach den Mitgliedern des Berliner Arbeiter-Radfahrer-Vereins im Bedarfsfalle gegen Legitimation außer einer Preisermäßigung für Radfahreranzüge noch eine Rück- Vergütung von 5 Proz. in bar gewährt wird. Die Mitteilung von der nunmehr vollzogenen Umgestaltung der Produktiv- und Ein- kaufSgenossenschaft„Borau II" in eine freie Handelsgesellschast wurde mit Beifall aufgenommen. Die Geschäftsräume nebst Reparaturwerkstatt werden Ende Dezember von der Oderberger- stratze 30 nach Brunnenstratze 3b unter der Firma„Solidarität- Fahrrad-Jndustrie", Einkauföstelle für die Mitglieder des Arbeiter- Radfahrer-Bundes„Solidarität", Walter Wittig u. Co., verlegt. Ei» Zweiggeschäft wird noch im Laufe dieses Monats in der Kott- buserstraße errichtet. Nach Bedarf sollen weitere Filialen in allen größeren Städten Deutschlands eingerichtet werden. Nach ein- gehender Diskussion über den Aufbau des ganzen Unternehmens war es den Versammelten klar, das dasselbe nicht mehr allein Sache des Berliner Vereins, sondern des ganzen Bundes sei, zumal auch der Bundesvorstand zu diesem Zwecke ein Darlehen von 15 000?N. gewährt hat. Auch bestand kein Zweifel darüber, daß, wenn nicht mehr wie bisher nur die radfahrenden Arbeiter von Groß-Bcrlin, sondern die 06 000 Mitglieder des Arbeiter-Radfahrer-Bundcs „Solidarität" von ganz Deutschland ihren Bedarf an Fahrrädern, Zubehörteilen, Wollwaren usw. von obiger Firma bezichen, den» selben auch andererseits ganz nennenswerte Vorteile nicht nur beim Einkauf, sondern auch aus den erzielten Ueberschüsscn geboten werden können. Zumal dieselben der Bundeskasse zur Verwendung für die Mitglieder zugeführt werden.— Unfälle waren im dritten Quartal 14 zu verzeichnen, von denen für 10 eine Unterstützung von 210,75 M. ausbezahlt wurde. Bei vier Unfällen harrt die Unterstützungsfrage»och ihrer Erledigung. Mißbilligung fand das Verhalten einiger Fuhrwerksbcsitzcr, deren rücksichtsloses Fahren nicht nur einige Unfälle ohne absehbare Folgen herbeigeführt, sondern geradezu Leben und Gesundheit gefährdet.— Der Kassenbericht weist eine Einnahme und Ausgabe von 2881,39 M. auf.>vo- von an die Bundeskasse 1363,95 M. und Unterstützung an arbeits- lose Mitglieder 182,50 M. gezahlt wurden. Die Mitgliederzahl betrug am Schluß des 3. Quartals 2068. Alsdann nahmen die Versammelten noch Kenntnis von dem Vorgehen der sächsischen Be» Hörden gegen den Bund._ Wetter-Prognose für Freitag, den IS. November 1007. Ziemlich warm, teilweise ausklareud, vorwiegend trübe mit Negcnsälle» und lebhasten südwestlichen Winden, WnssrrstaudS-Nachrichtcn der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wettcrbureau, Wasserstand Memel, Tilsit V r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor „ Krossen , Franks nrt a r t h e, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitnieritz , Dresden , Barby Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandaus , Rathenow') Spree, Svrembcrg') . Beestow Weser, Münden . Minden Rhein, MaximilianSau „ Kaub „ Köln Neckar,.Heilbronn Mai», Werl heim Mosel, Trier am 13,11, ein 68 83 1l2 106 136 -106 —38 286 84 60 17 92 15 seit 12.11 cm1) + 4 + 1o 0 — 3 - 5 + 4 — 3 — 1 + 2 4- 1 + 6 »)+ bedeutet Wuchs.— Fall.—») Unterpcgcl. Dritter Wahlkreis! Sonntag, den 17. November, abends 6 Uhr: Oeftenfliche Versammlung für Männer und Frauen . in den„Arminhallcn", Kommnndantenstr. 58 59.:_ TageS-Ordnung: 226/1* Vortrag»es Genossen Max Schütte über: Religion«nd Schule. Nach der Versammlung:(5x�1�|if ifaUllllftlffill. Entree inkl. Garderobe SV Pf. Tanz frei! Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein vvi» Jülnderufoi'. ttf Heute Freitag, abends 8l/.: Uhr, im Gewcrkschaftshause, Engel-Ufer 15 Lttzeung der Ortsverwaltung. Einsetzer! 97/20 Die ArbeitslosenunterstiiNung des Reservefonds ersolgl Sonnabend, den lk. November, mittags 1 Uhr, bei Brlinuer, Engel-Ufer 13. Achtung, Kiichenmöbel-Branche! Montag, den 18. November, abends 8 Uhr, bei Clbrowliis, Alexanderstrage 8: Vertrauensmänner- Versammlung für die in der Küliiknmöbtl- Branche btschöstigten Tischler und Maler. Wegen der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht jedes im Betrieb bc- schästigten Kollegen dasür zu sorgen, daß der Betrieb vertreten ist. Sonntag, den 17. November, u. Mittwoch, den 20. November: Uranis- Vorstellungen. Zum Vortrag gelangt: Usedor«l«ii Brenner nach Venedig. PillcttS find aus dem Vcrbandsburcau, Cngel-User 15 1, Zimmer 11, zu haben.__ Die Ortsverwaltung. nrlii Arbeitsnachweis: Bcrwaltungsftclle Berlin. Hauptbureau: Hoj I. Amt 3. 1239. Chariteslraße 3. Hoj HI. Amt 3, 1987 Sonntag, 17, November, vorm. 10 Uhr Versammlung:'Wl aller in der Automobilindustrie beschäftigten Arbeiter in den„Musiker-Festsälen*. Kaiser Wilhelmstr. 18 m. Tages- Ordnung: 1. Tie gegenwärtige wirtjchasiliche Krise. Ncserent: Genosse Brückner. t. Diskussion. Kollegen I Mit Rücksicht aus da» wichtige Thema, das gerade für die in der Automobilmdustrie beschästtgten Arbeiter von Bedeutung ist, erwarten wir einen zahlreichen Besuch dieser Versammlung.. 159/20 Sonntag» 17. November, vorm. 10 Uhr Bezirks-Versammlnng für Kummelsburg, Sorhugen. Stralau u. Stralauer Allee wr Lokal von Gustav Tempel, Nlt-Boxhagen, Ecke Bahnhosstrahe. TageS-Ordnung: 1. Jahresbericht der BezirlSIeilung, der Kartell- und GewerbcgerichtS- c. 2. Diskussion. 3. Neuwahl der Bezirksleitung und der?lgiialions- beisitzer. loiilinissio». 4. Vcrbandsangelcgeilheiten und Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. De« Mitgliedern zur Nachricht, dah jetzt der MetsIIsrbeiter-Uotißllalevcker IM im Bureau Charitestr. 3 zu habe» ist. Bestelluugen können auch bei jedem Bezirkskassierer und Vertrauens- mann gemacht werden. Das Stück kostet«0 Pf. nie Ortsvem nltnng. Orts-Krankenkasse für das Buchdruckgewerbe zu Berlin. Bonntag, den ly.Xovember 10O7, vorm. priir. lOj�Vtar, im€!cwerk«chafr»hanse,(Saal 1), Engel-Ufer 15: Ordentliclie General-Versammlung. Tages-Ordnnng: 1. Wahl von drei Vorstandsmitgliedern für die Jahre 1908—1910 (1 Arbeitgeber, 2 Arbeitnehmer). 2. Wahl des Rcohnnngsausschusses für das Jahr 1908. 8. Vortrag über die Vereinheitlichung der Arboiterversicherungs- gesetze. 4. Mitteilung der Kommission über die Vertragsverhältnisse der Kassenangcstellten. 5. Verschiedenes. Die Mitglieder werden ersucht über die Angelegenheiten, welche sie eventuell zur Sprache bringen wollen, der Kassen- venvaltnng vorher Mitteilung zu machen, damit das einschlägige Material zur Stelle geschafft werden kanu. Berlin, den 21. Oktober 1902. 276/14 Der Vorstand. J. Bienz, Vorsitzender. Otto Wonitzki, Schriftführer. E. Wahlkreis! Sonntag, den 17. November, abends« Uhr, im Kolberger Salon, Kolbergerstr. LZ: Oeffentl. Uersammlnng f-r Fr-«.«««» Msn--r. TageS-Ordnung: 268/2» Vortrag des Genossen Adolf Stürmer über:„Kirche, Schule und Arbeiterschaft". Zu zahlreichem Besuch laden ein»1«.Ahtellnngstührer. Nach der Vcrsammltinq: Gemütliches Beisammensein mit Tanz. Freie Vereinigung der Bau-, Erd- u. gewerblichen Hillfsarbeiter Deutschlands. 6rtsverein der Staaker Berlins u. Umgegend. Tonntag, de» 17. November, vormittag» 10 Uhr: jnilgUeder-Versammlung NmiliigW dkl Aimcm tlkiriij/tak Sonntag, den 17. November, vorm. 10 Uhr: klukeroräentliche Generalversammlung des Vereins der Zimmerer Berlins und Umgegend. in den Jndnstriesälen, Beuthstr. Ä0. TageS-Ordnung: 1. VereinSangelegenheiten. 2. Die Frage der EinheitSorganisatton im Zimmercrgewerbe und unsere Stellung zu derselben. 3. Wahl der Delegierten zur 7. Konserenz. Achtung I Meiler, Der Borstand. I. A.: A. Juppenlah. Achtung! ?srletgene55en Orts-Krankenkafse der lldrmacder, öerlin. Di? Ordentlich« General-Versammlung findet Montag, den 25. Novbr., abends 9 Uhr im 8chnlthe.iß- Ncstaurant, Neue Jakobstr. 24—25 statt. 278/15 Tages-Ordnnng: 1. Wahl der Vertreter: 33 Arbeit- nehmet, 16 Arbeitgeber. 2. Wahl des Vorstandes. 3. Wahl von drei Mit- gliedern zur Prüfung der Rechnung des lausenden Jahres. 4. Ver- schiedcnes. Hierzu ladet ein Der Vorstand. ®. L ä ts ch, Vorsitzender. Allg. Kranken- u.Sterbtbafft der Metallarbeiter. (E. H. 29.) Filiale Friedrichsberg. Sonnabend, 10. November: Mglieder'Versammlung bei Blum, Franksurtcr Chaussee. 1307b Der Vorstand. Serlins und Umgebung! Die Bestrebungen unserer Organisation, auch in den Detailgeschäften der Herrenlonfeltion Betriebsiverkstätten und feste tarifmäßige Löhne zu erringen, haben bei den Firmeninhabcrn. welche um Bewilligung dieser Forderungen angegangen wurden, unter Ausflüchten, die wir als stichhaltig nicht anerkennen können, Widerstand gefuilden. Wir sehen uns deshalb genötigt, die Solidarität der Arbeiterschaft zu Hülfe zu rufen. Die Delegierten zur Berliner GeloerkschastSkommission haben einem dementsprechenden Antrage einstimmig ihre Zustimmung erteilt und die Parteigenossen von Gross-Berlin sind diesem Beschlttsse beigetreten. Dank der Solidarität der Berliner Arbeiterschaft sahen sich eine Anzahl Berliner Konfektionäre veranlaht, Betriebswerkstätten einzurichten und tariflich festgesetzte Zeitlöhne an die Arbeiterschaft zu zahlen. Wir ersuchen daher mit Gegenwärtigem dle Parteigenossen und Gewerkschaftsmitglieder Berlins nnd Umgebung, bei ihren Einkäufen und Bestellungen von Herren- und Knabengarderobe in Zukunft nur die nachstehenden Geschäfte bernckfichtigen z« wollen. Nopden: „Hoffnung", Produktiv- Genossenschaft der Schneider, Brunnenstr. 185. Alle von dieser Firma in den Handel gebrachten Waren ivcrden zu den von der Organisation fest- gesetzten Bedingungen bcrgcstcllt. Wir empfehlen dieselbe daher ganz besonders. Amerikanische Berkanfshallen, Roscnthaler- stratze 58. Osten: „Blitz", Rosenthalerstr. 9. „Blitz", Chaussecstr. 85. Diese Firma stellt de» grösttc» XeU ihres Um sahes zu den geforderten Bedingungen her. Baer Sohn, Chausseestr. 29/30. Diese Firma unterhält eine BelriebZwerkstättc für 24 Arbeiter und hat die neunstündige Arbeitszeit eingeführt. „Blitz", Gr. Frankfurterstr. 137. „Blitz", Franksurtcr Chaussee 19, Lichtenberg. Haake, Landsbergerstr. 91. Baer Sohn, Gr. Frankfurterstr. 20. Amerikanische Berkaufshallen, Frankfurter Allee 186. Lindenbaum» Gr. Frankfurterstr. 141, hat versilchSweilc eine Werkstätte eingerichtet. Südens Leske«. Lehrer, Kottbuser Damm 78. Worman«, Kottbuser Damm 77. Baer Sohn, Brückenstr. 11. Esders«. Dyckhoff» Oranienstr. 43. im».ngUnehen Ourfon, A l e x a n d e r st r. 27c. laggS- Ordnung: 1. Vortrag de? Genossen I»»ttlit- über:.Die verschiedenen Kitrömnnge» des modernen soziolen Lcbenc.- 2. Diskussion. 3. Stellniignahiue z» de» vom Porteivorftand angeregten Eintgungs- versuchen. 4. Dtslussio». 5. Vercil'.Sangelcgcnheitcn. 31/14 Bio Vcrwiuntnlung wird pünktlich erüffact. jgM- Mitgliedsbuch legitimiert? ohne dasselbe kein Zutritt. Ter Borstand. I. A.: Hans Dupke.__ " Verantwortlicher Redakteur: Hans'Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, lverlttü „Blitz", Kottbuser Damm 29/30. Hettinger» Deutsche Comp., Oraniclistr. 40/41, stellen einen großen Teil ihres Umsatzes zu den gejorderteu Beditigiiiigen her. Westen: „Blitz", Schöncberg. Hauptstr. 10. I Esders n. Dyckhoff, Am Dönhoffplatz Nachstcheude Firmen haben die Errichtung von Betricbswerkstätten zugesagt: S. Adam, Lcipzigerstr. 27/28. Fabisch u. Co., Rosenthalerstr. 3. Philipp Fabisch, Rosenthalerstr. 1. Bernhard Baer, Rosenthalerstr. 5. Sachs. Gr. Frankfurterstr. 132. Max Schendel, Rosenthalerstr. 8. D. Perleberg, Chausseestr. 57; battc eine Werkstältc eröffnet, dieselbe aber wieder geschloffen,»achdein das Äammergericht ein für uns uiigitnstiges Urteil gefällt hatte. Alex Bohne, Landsbergerstr. 79. Kommandithans Schendel, Oranienstr. 38. Berkanfshalle„Bnlkan". Frankfurterstr. 5 Frankfurter Allee 134. Behrend, Grüner Weg 84. Ringel, Chausseestr. 31, Brunnenstr. 47. Lemy u. Co., Brunnenstr. 50, Wilmers- dorferstr. 47. Bendit, Brunnenstr. 68. Littmann, Oranienstr. 2. Schweriner, Chausseestr. 113. Joseph Wandt, Chausseestr. 80». Th. Juras, Chausseestr. 79. Da dicseit Firnten— anscheinend unter dem Eindruck des Kammergerichtsurteils— die Be- schaffimg von Betricbsräumen sehr schwer fällt, ersuchen wir. dieselben nicht allzusehr mit dem Einkaus von Waren zu belästigen, damit ihnen mehr Zeit zur Verfügung steht, um ihr gegebenes Wort ein- zulösen. mw Perlmnd der Schneider«. Schneiderinnen. Tie Ortsverwaltung._ Orts-Krankenkasse der Schmiede. Tonnabend, den 25. Novbr. ct., abends 8'/, Uhr. bei T a b e p t, Markusftratze 14, Eingang Grüner Weg: Or«>«ntticIiv General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Neu- resp. Wiederwahl der auS- scheidenden Vo> standsmitglieder. a) eines Arbeitgebers auf 3 Jahre, b) zweier Arbeitnehmer ans 3 Jahre. c) eineS Arbeitnehmers ans 1 Jahr Zentralverband der Dachdecker. Verwaltungsstelle Berlin. Sonntag, 17. November, vorm. 10 Uhr, bei Feind, Weinstr. 11: Versammlunx. 7/7 TageS-Ordnung: J. Abrechnung vom Stistungssest. 2. Vcrbandsangelegenhcitcn. IW Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.-MO Oer Vorstand. Verband der Hafenarbeiter u. verw. Berufsg. Ueutschlands. Mitgliedschaft Berlin. Tonntng. den 17. November, vormittags 10'/, Uhr: MgUeüsr- Versammlung im Bunlgstadt-Basino, Holzmarktstr. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen(5. Zcharkowski ans Hamburg über:„Der Zusanimenschlüs! im Transportarbettergeiverbe." 2. Verbands angelegen- hetteii. 3. Verschiedenes und Ausnahme neuer Mitglieder. Um recht zahlreichen und pünktlichen Besuch ersucht 19/12 Her Vorstand.____________ Druck u.«erlag: vorwär» vuchdruckeret u. Berlag-anstalt«a»l Smger tt Co.. Berlm SW. 2. Wahl der Revisoren zur Prüfung der Jahresrechnung 1S07. 3. Verschiedenes. 278/16 Ter Vorstand. I. 81.: Ad. Pilgrim, Vorsitzender, Admiralstr. 24. Orts-Krankenkasse Rcinilbendlirf. Die stawtcnmühige Kenersl-Versammlung der OriSlrankenkasse hiersclbst findet am 278/17 Dienstag, 3«. November 1S07, abends 8 Uhr, im Kirschschen Restaurant, Mark- sirasie 2/3, hicrselbst, statt. Tages-Ordnung: 1. Wahl von 3 Rassenrevisoren. 2. Bcichlnsisassung über a) Mictsvcrirag, b) AnstcllungSverlräge der Kassen» bcamten. 3. Verschiedenes. In der Gcneralversamnituug sind nur die gewählten bczw. ernannten Vcrlrctcr stimmberechtigt und werden mit dein Ersuchen um recht zahl- reiches und pünktliches Erscheinen hierdurch' eingeladen. Die Kaffenvertretcr haben zu ihrer Lcgilimatioii die Kassenbücher sowie die beionders ergehenden Eiiiladungeu vorzulegen. Mitgliedern, die nicht zur Kassen- Vertretung gehören, lann der Zutritt nicht geitattet werden. Rcinickendors, den 9. Novbr. 1907. Der Vorstand der OrtSkrankcnkasic. S ch c m ni c l, Vorsitzender. M die vereiliiglen Geverlietietrielie Charlottenluirgs. Wir laden die Kassendelegierlcn hiermit zur Teilnahme an einer ordentlichen Generalversammlung ans Mittwoch, 27. November d. I., »beuds 9 Uhr, nach dein lieincn Saale des..Volks- Haines" in Charlottenburg. Rosineil- strasie 3, ergebeusl ein mit dem Bc- malen, dasi vorher von 8—9 Uhr je eine Wahlversammlung der Arbeitgeber- und Arbeilnehmer- Delegierten getrennt ftattsindet, in welcher die Arbeitgeber- Telegicrien 3 und die Arbeitnehmer-Delegierten 4 VorstandsmitgUcder an stelle der turnuZmäsjig ausscheidenden Vor, standsmitglieder Herren Gniard l Arbeitgeber Ahrcns\ Nickchen Arbeitnehn.« Reck) Das Mandat der zu wählenden Borstandsmitglieder laust vom l. Ja- nvar 1908 bis zum 31. Dezember 1909. Von 9 Uhr ab beginnt die ge- meinsanie Versanunluiig der Arbeit- gcber- und Arbeituehmer-Delegierle» mit der Tagesordnung: 1. Wabl einer Revisionskommission zur Vorprüfung derJahrcSrechnung pro 1907. 2. Bericht über die Finanzlage. 3. Beschlutzsassung über die Errichtung eines RckonvaleSzentenheims. 4. VcrichicdeneS. Rasscndclcgicrtc. welche Beschwerden vorzubringen haben, wollen hiervon dem Kasienvorstandc bis drei Tage vor der Generalveriammlung fchrist- lich Kenntnis geben. Die Kassen- delegierten erhalten ausserdem noch eine bclondcrc schristliche Einladung als Legitimation, welche im Vcrsamm- lnngslokal vorzuweisen ist. Delegierte, deren Mandat nach statutarischer Vorschrift als erloschen zu betrachten ist. haben keinen Zutritt zu der Versaminlung. Eharlotteiiburg, t0. November 1907. Der Kasseuvorftand. gez. Wiih. Ahrcns. 278/13 kreist zu! Gänse, Ä Enten, junge Hühner, Tauben empfiehlt reellst F. Wegeer, Berlin, Mariannenstr. 34. Fette. junge den besten Monatsanzüge... Zlbonnenientsanzüge. Pfandlethanznge.. Particanzüge.... Gehrockanzüge... Anzüge. Ersatz f. Mast Paletots..... .�ofen«»»«.. Joppen...... ». 9,503». . 13,00„ . 11,00. . 13.00. . 14.50. , 30.50. , 9.50, . 2-00. . 5.00. Moldauer jftlNjtllftrllßt VI, im Lade». — strassenbahn-Bergütung.—* Nr. 268. 24. Jahrgang. 2. ßtilU im, Amiirls" Snii»rr MiksdiÄ Frettag, 15. Nsvemher 1907. Partei- �Zngelegenkeiten. Zur Lokallistc.?lm Sonnabend, den 16. d. M., veranstaltet die..Turnerische Vereinigung" von Lankwitz in dem der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung stehenden Lokal von Aug. Stefani dortselbst ihr Stiftungsfest. Wir ersuchen die Partei- genossen, etwa angebotene Billcts genau zu prüfen» umsomchr, als am gleichen Tage das Gründungsfest der 3. Abteilung des Turnvereins„Froh-Frei" iArbciterturncrbund) in dem freien Lokal„Paul Ebels Volksgartcn", Lankwitz, statt- findet, worauf wir»roch besonders hinweisen wollen. Ebenfalls am 16. d. M. veranstaltet das sogen. Komitee der Firma I. P i n t s ch eine Jubiläumsfeier für fünf bei genannter Firma beschäftigte Personen in den„ K o n k o r d i a- F c st- s ä l e n Andrcasstr. 64. Da uns diese Räume zu Vcrsamm- lüngen nicht zur Verfügung stehen, machen wir die an obiger Feier etwa teilnehmenden und einer modernen Arbeitcrorgani- lation angehörenden Arbeiter auf die Folgen eines Bohkottbruches «-ufmerksam. Tie Lokalkommission. Dritter Wahlkreis. Sonntag, den 17. November, abends 6 Uhr, findet in den„Arminhallen", Äommandantcnstr. 58/ög, eine Ver- sammlung mit Frauen statt. Genosse Max Schütte spricht über: „Religion und Schule". Nach der Versammlung gemütliches Bei- sammensein. Eintritt inklusive Garderobe 26 Pfennig. Tanz frei. 4. Wahlkreis. Am Sonntag, den 17. November, findet in den Lokalen„Gewcrkschaftshaus", Keller, Koppenstr. 29,„Elvsium", Landsberger Allee, und bei Bocker, Wcbcrstr. 17, das Stiftungsfest statt. Der letzte wissenschaftliche Vortrag des Genossen Julian Borchardt findet am Dienstag, den 19. d. M., abends 8VH Uhr, bei P. Litfin, Memelerstr. 67, statt. Die nichtverkauften Urania- Billetts müssen bis spätestens Sonnabend, den 16. d. M., zurück- gebracht werden. Ter Vorstand. Vritz-Buckow. Am Sonnabend, den 16. November 1967, ver- anstaltet der hiesige Wahlvercin im Lokal von A. Röster, Chaussee- stratzc 39 sBethges Fcstsälc), einen Lichtbildervortrag:„Im Reiche der schwarzen Diamanten" von Otto Rott. Eintritt 25 Pfennig. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. Die Büchcrausgabe der Vereins- bibliothek findet am Sonnabend nicht statt. Am Dienstag, den 19. November, abends 1H9 Uhr, findet im Lokal des Herrn Wosinski, Landhaus, die Vereinsversammlung statt. Vortrag über: „Die politische Lage in Preußen", Referent Genosse Hirsch. Das Erscheinen sämtlicher Mitglieder ist Pflicht. Gäste willkommen . Der Vorstand. Schmargendorf. Am Sonnabend, den 16. November, abends 81h Uhr, findet im„Wirtshaus Schmargendorf" ein Vortrag statt. Nach dcni Vortrag gemütliches Beisammensein und Tanz. Wir ersuchen die Parteigenossen mit Familienangehörigen reef� zahlreich zu erscheinen. Der Vorstand. Nieder-Schöneweide. Am Sonnabend, den 16. November, bc- geht der Wahlverein im Lokal„Hasselwerder" mit einem reich- haltigen Programm sein diesjähriges Stiftungsfest. Die Genossen werden ersucht, sich zahlreich daran zu beteiligen. Billetts sind noch zu haben bei dem Komitee, den Bezirksführern und den Vor- ftandsmitglicdern. Der Vorstand. Alt-GIienicke. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet am Sonnabend, den 16. d. M., abends L Uhr, im Lokale des Herrn H. Satz, Grünauerstr. 29, statt. Trebbin. Am morgigen Sonnabend, abends 81h Uhr, findet im Lokal von O. Wolf unsere Wahlvcrcinsvcrsammlung statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Z i e t s ch- Charlottcnburg: Bericht von der Verbandsvcrsammlung von Grotz-Berlin; Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung und der bevorstehenden Stadtvcrordnctcnwahl wegen ist das Erscheinen aller Genossen not- tvendig. Mitteuwalde. Sonntag, den 17. November, nachmittags 3 Uhr, findet im Kranichschen Lokal eine Versammlung des Wahl- Vereins statt. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Gc- nassen Wollcrmann- Schöneberg über:„Sozialdemokratische Gcmcindepolitik", außerdem wichtige Vcreinsangelcgenheitcn. Gäste haben Zutritt. Oranienburg. Ilm Sonntag, den 17. November, nachmittags 41h Uhr. am Vorabend der Stadtverordnetcnwahl, findet im Lokal .Waldhaus Sandhausen" nochmals eine Volksversammlung statt, in welcher der Stadtv. Genosse Ferdinand Ewald spricht. Zu diesem Zweck wird am Sonntag, früh 71h Uhr, von den be- kannten Lokalen auS noch ein Flugblatt verbreitet. Ehrenpflicht der organisierten Arbeiterschaft ist es, sich vollzählig an dieser Arbeit zu beteiligen. Spandau. Am Sonntag, früh 71h Uhr, findet eine Flugblatt- Verbreitung statt. Dieselbe erstreckt sich über die ganze Stadt. Die Genossen werden ersucht, sich zahlreich in ihren Bczirkslokalen einzufinden. Der Vorstand. Berliner J�acbricbten* Tie Stadtverordneten liattcn gestern eine kurze Sitzung. Eröffnet wurde sie mit der Verlesung eines K r o u p r i n z e n t e I e g r a in m e s. einer Antwort auf den Gratulationsbricf, den die freisinnigen Stadtverordneten dem Kronprinzen aus Aulatz des ihm zu- teil gewordenen Familienzuwachses übersandt hatten. Die FreisinnSmäuncr standen respektvoll auf, sie durften sich aber sofort wieder setzen, da das Telegramm nur wenige Worte enthielt.„Bravo!" riefen sie diesmal nicht. Tie Tagesordnung enthielt eine ganze Reihe Bauvor- lagen, darunter mehrere Entwürfe zu Schulbau tcn, die ohne langes Debattieren abgetan werden konnten. Beschlossen wurde auch der Ankauf noch eines S ch u l g r u n d st ü ck c S für den Stadtteil stRoabit, der ja in neuerer Zeit wieder sehr unter dem Schulhausmangel zu leiden hat. Genosse Borg- m a n n äutzerte Zweifel daran, ob das in Aussicht genommene Grundstück nicht zu klein sei. Aber die Mehrheit ließ sich auf keine nähere Prüfung ein— wer wird denn auch so anspruchs- voll sein, wenn es sich nur um eine Gcmcindeschule handelt! — und die Vorlage wurde ohne Ausschutzberatung an- genommen. Zur Schule stand in Beziehung auch eine Vor- läge, über die im ersten Teil der Sitzung verhandelt wurde. Tic Einführung neuer Lehrbücher für die Ge- m c i n d e s ch u l c n nötigt zu einer Mehrausgabc für die den ärmeren Kindern zu gewährenden Bücher: sie mutzte nach- bewilligt werden. Genosse Hoff mann bemängelte, daß die oft geforderte Einheitlichkeit der Lehrbücher für ganz Berlin immer noch ein frommer Wunsch geblieben ist, und empfahl, bei Umschulungen den etwa notwendig wer- denden Umtausch von Büchern allen Kindern bereitwilligst zu gewähren. Die Antworten, die von den Vertretern des Magistrats gegeben wurden, klangen nicht sehr ermutigend. Hoffmann kündigte an. die sozialdemokratische Fraktion werde bei der nächsten Etatsberatung auf die Schulbuchfrage zurück- kommen. Im übrigen betonte unser Redner, daß die Fraktion nach wie vor auf dem grundsätzlichen Standpunkt steht, die Stadt habe allen Kindern alle Bücher ohne weiteres unentgeltlich zu geben. Gerade die Einführung der neuen Bücher wird jetzt wieder vielen die Augen darüber geöffnet haben, wie sehr es nottut, daß diese Forderung endlich einmal erfüllt würde. So manchem Vater und so mancher Mutter, die es verschmähen, den Herrn Rektor bezw. den Herrn Schulkonimissionsvorstchcr uni gnädigste Be- willigung der Bücher usw. zu bitten, wird die Beschaffung aus eigenen Mitteln wirklich nicht so leicht, wie die Vertreter des Freisinns im Rathause sich das denken. Die Ergebnisse der diesjährigen Stlidtvcrordnctcnwnhlcn sind be- reits in der letzten Nummer des vom Magistrat herausgegebenen „Gemeindeblattes" veröffentlicht worden. Man bilde sich aber nicht ein, daß da schon die Stimmenzahlen mitgeteilt werden, die auf die einzelnen Kandidaten entfallen sind. Einstweilen wird nur die Liste der Gewählten mit Name und Wohnung gegeben. Daß man auch die anitlich festgestellten Stimmcnzahlcn, die ja von den vorläufig ermittelten immer etwas abweichen, bekanntgibt, darauf werden wir noch eine ganze Weile warten müssen, falls überhaupt geplant fein sollte, sie zu veröffentlichen. In diesem Punkte herrscht nämlich bei unserem Magistrat eine merk- würdige Inkonsequenz. Manchmal hat man die Zahlen durch das„Gcmeindeblatt" mitgeteilt, manchmal wieder hat man sich diese Mühe erspart. Wir wissen nicht, ob da eine bestimmte Absicht vorliegt oder ob eS sich nur um eine jener Nachlässig- leiten handelt, wie man sie nicht nur im„Gcmeindeblatt", sondern überhaupt in den Veröffentlichungen der Gemeindebehörden Berlins nur zu oft findet. Eine Ausnahme bilden nur diejenigen Wahlbezirke, in denen eine Stichwahl stattfinden mutzte: aus diesen sind die Stimmcnzahlen wenigstens für die Hauptwahl regelmäßig mitgeteilt worden. Für das Jahr 1965 z. B. wurden die Zahlen aus den Stichwahlbezirken durch das„Gemcindcblalt" veröffentlicht, aber über alle übrigen Bezirke erfuhr man nichts. Das Sonderbarste ist, daß sogar das Berliner„Statistische Jahrbuch" in seinem Band für 1965 noch nichts über die damaligen Stadtverordnctcnwahlen ent- hält, obwohl dieser Band erst im Frühjahr 1967 erschienen ist. Es ist also für einen gewöhnlichen Sterblichen bis heute ein Ding der Unmöglichkeit, sich über die amtlichen Zahlencrgebnisse der Stadtverordnetenwahlen von 1965 zu infornneren; denn auch in dem Jahresbericht über die„Allgemeine Verwaltung des Magistrats" findet man weiter nichts als die Namen der Gcivählten. Wir stellen das hier öffentlich fest und fügen den Wunsch hinzu, daß es uns für 1967 nicht ebenso ergehen möge. Gleichzeitig empfehlen wir, daß das„Gemcindeblatt" samt dem„Jahrbuch", wenn sie die Stimmen- zahlen wieder mal bringen wollen, sich nicht nach altem schlechtem Brauch aus Angabe der dem Sieger zugefallenen Stimmcnzahl be- schränken, sondern auch die Stimmenzahl der unterlegenen Kandidaten angeben._ Der Kampf um den OmnibuStarif. Die Omnibusgesellschaft hatte zu gestern eine Generalversamm- lung einberufen, in der zu der Tarifsrage Stellung genommen werden sollte. Bekanntlich ist die Gesellschaft an die städtische Verkehrs- deputation herangetreten und verlangte unter Hinweis auf die Un- rentabilität der Fünfpfennigstrecken den Preis in Zukunft auf 7'/z Ps. festsetzen zu dürfen. Die Lcrkehrsdeputation hat diesen Antrag ab- gelehnt, aber unter Geftattung der Verkürzung von Teilstrecken zu- gestanden, 6 Pf. anstatt 5 Pf. erbeben zu dürfen. Mit diesem Zu- gcständnis, das der Gesellschaft immerhin noch eine Dividende von 8 Proz. ihres Aktienkapitals gewährleistet, ist die Gesellschaft nicht zufrieden; sie besteht auf dem?'/„ Pfennigtarif. Gestern legte der Verwaltungsdirektor die Sachlage im Sinne der Gesellschaft dar. In der Diskussion riet Justizrat Dr. Friedemann, den Versuch mit den von der VerkchrSdcputation vorgeschlagenen Sechspfennig- teilstrecken zu wagen. Sollte es sich zeigen, daß es der Gesellschaft nicht möglich sei. damit auszukommen, so werde die städtische Ver- kehrsdeputation zweifellos auch andere Vorschläge genehmigen. Be- sonders dringend empfehle sich die Einführung von Abonnements. Schon eine Verkürzung der Teilstrecken werde ein Plus für die Ge- sellschast ergeben. Auch das bisherige Mitglied des AufsichtSratS Bankier Karl Reubnrger vertrat die Ansicht, daß nur eine Verkürzung der Teil- strecken in Betracht kommen könne. Der frühere Generaldirektor der Gesellschaft Schmoll unterwarf den Bericht des jetzigen Vor- standcS über die Tarisfcage einer scharfen Kritik. Er wies darauf hin, datz das Publikum selbst schon die Tariffrage durch die Bevorzugung der Fünspfennigstreckcu und Vernachlässigung des Zehn- pfcnnigtarifö entschieden habe. Auf diesem von den Fahrgästen vor- geschriebenen Wege müsse die Verwaltung fortschreiten. Im weiteren Verlauf der Dislussion kam es zu erheblichen Lärinszenon. Die Anträge der Verwaltung gehen dahin: 1. daß die Versammlung sich damit einverstanden erklärt, daß der jetzt bestehende 5 Ps.-Tarif auf den Teilstrecken nicht ausreicht: die Ver- saiiimlung lehnt den von der Vcrkehrsdcputation vorgeschlagenen 6 Ps.-Tarif ab; die Versammlung billigt die Tarifpolilik der Ver- waltung und erinnchtigt sie, weitere Linien einzustellen, soweit eS nach dem Enneffen der Verwaltung im Interesse der Gesellschaft liegt. ES war dann ein Antrag ans Schluß der Debatte gestellt— die»och auf der Liste ftchendeii Redner sollten noch zu Worte kommen—, der zu erregten Auseinandersetzungen führte. An der Zcttelabstimmung über diesen Antrag beteiligten sich nur wenige Aktionäre, nachdem Herr Springer, Vertreter des Hauses Bleich- röder, abgelehnt hatte, die Stiimnenzahl des Hauses Blcichröder anzugeben, uni die Abstimmung abzukürzen. Nach großer Unruhe wurde der Antrag mit 10115 Stimmen angenommen. Dagegen hat niemand gestimmt, weil eben das Gros der Altionüre sich der Ab- stimmung enthielt._ Zerstörte Hoffnungen. Die mmigelhafte Anfbesscrung der Gehälter der städtischen Bc- aintcn und Arbeiter, welche im vergangenen Jahre durchgeführt wurde, hat den berechtigten Wünschen lind Forderungen der Beteiligten in keiner Weise genügt. Soweit es sich um die Arbeiter handelt, hatte der kluge, neue Herr Kämmerer bekanntlich die Methode angewendet, die unterste Stufe der Lohnskala zu streichen, aber keine höhere Stufe aufzusetzen. Dadurch Wörde zwar der An- fangslohn erhöht, eine Anfbesscrung der Löhne der länger im Dienst befindlichen Arbeiter trat aber infolgedessen nicht ein.„Das sei auch nicht nötig", meinte der betreffende Herr;„da man ja schon genug bezahle, bedürfe eS für die älteren Arbeiter einer Erhöhung nicht." Daß sich die Arbeiter mit dieser Redensart nicht abspeisen lassen, sondeni von neilem ihre Forderungen stellen würden, ist ganz selbstverständlich und zwar umsomchr, als inzwischen eine weitere erhebliche Steigening aller Lebensmittelpreise eingetreten ist. Soweit es sich um die Beamten handelt, mangelt hier vor allen, die Einheitlichkeit, als auch die den veränderten Ver- hältniffen entsprechende gerechte Regelung. In den Kreisen der Vcamten rumort eS deshalb ganz gehörig. Dazu kommt, daß in den Vororte» die Regelung der Gehälter zum Teil über die Berliner Sätze vorgenommen worden ist. Charlottenburg z. B. gewährt nach dein neuen Entwurf den MaglstratSsekretären Aufaiigsgehalt 2766 M., Berlin 2466 M., Höchstgehalt Charlottenbnrg 5766 M., Berlin 5366 M. und bei anderen Beamtenklasscn sind ähnliche Unterschiede zu konstatieren. Nun hat seinerzeit der Magistrat den Grundsatz aufgestellt: sind für eine Gruppe neue Lohn« und Gehalisfestfetznngen erfolgt, darf für die nächsten drei Jahre eine Abänderung nicht vorgenommen werden. Die Personalkommission des Magistrats hat nun kürzlich beschlossen, daß dieser Grundsatz so zu verstehen ist, daß die drei Jahre vorüber sein müssen, ehe ein Antrag auf Erhöhung eingereicht werden darf, sie hat also auf diese Weise ans drei Jahre vier Jahre Wartezeit gemacht. Sie hat aber auch zu gleicher Zeit beschlossen, sämtliche Gesuche aus Aufbesserung der Bezüge abzulehnen und den einzelnen Ver- waltungsdeputationen dementsprechende Wei- sung.en zugehen zu lassen. Damit aber, falls der Staat für seine Beamten die geplante Gehaltserhöhung zur Durchführmig bringt, auch die Gehälter der städtischen Beamten dementsprechend erhöht werden können, soll i», konimenden Etat eine Pauschalsumme eingesetzt werden, woraus diese eventuelle Gehaltserhöhung bestritten werden kann. Das ist nun wieder einmal„sehr weise". Kommt die Erhöhung der Gehälter seitens des Staates im kommenden Jahre nicht zu stände, so wird die Pauschalsumme„erspart", wahrlich ein sehr geeignetes Verfahren. die Zufriedenheit der Angestellten noch mehr zu zerstören als eS jetzt schon der Fall ist. Warn», kann denn Berlin nicht ebensogut wie Charlottenbnrg eine Negeliing vornehmen ohne auf den Staat zu warten? Die Verhältnisse liegen doch nicht so kompliziert wie beim Staat, als daß man auf den Staat zu warten braucht. Man wartet aber wieder einmal so lange, bis man durch deti Staat gezwungen ist. die Mittel auszugeben, wie z. B. bei der Regelung der Lehrer- gehälter und verscherzt sich durch solch kleinlichen Sparsinn die Sympathie der Angestellten und Beamten. Zum Zwecke wissenschaftlicher Erforschung der höheren Luft- schichten läßt man kleinere oder größere, mit Gas gefüllte Luft- ballons steigen oder auch Drachen vom Winde emporheben, welche Instrumente tragen, die selbsttätige Aufzeichnungen über die Tan- pcratur, die Feuchtigkeit, die Windstärke usw. ausführen. Da diese Ballons usw. zu klein sind, um Menschen tragen zu können, so wird vorausgesetzt, datz sie— von verständigen Leuten gc- funden— in zweckmäßiger Weise behandelt und aufbewahrt und schließlich an den Eigentümer zurückgeschickt werden. Zu diesem Zwecke seien folgende Vorschriften gegeben, von deren strenger Befolgung nicht nur der Wert der Aufzeichnungen, sondern auch die Höhe der an den Finder zu zahlenden Belohnung abhängt. Die Ballons sind mit entzündlichem Gase, Wasserstoff oder Leuchtgas, gefüllt und müssen deshalb fern vom Feuer gehalten werden. Besteht die Hülle derselben aus Papier, so zerreiße man sie, um das Gas entweichen zu lassen. Bei Stoff- oder Gummi- hüllen binde man den Ballon auf, richte die Oeffnung nach oben und entleere das Gas durch Drücken, ohne den Stoff viel zu zerren oder zu reiben; danach wickle man ihn glatt zusammen. Wird ein Ballon bemerkt, der noch in der Luft fliegt, so gehe man ihm nach und suche zunächst den an ihm hängenden Apparat auf- zufinden, der in einem Kästchen oder Körbchen steckt, und ihn vor Beschädigungen zu sichern. Besonders vermeide man, den Apparat hart anzufassen oder mit den Fingern in ihn hineinzugreifen. Ehe man ihn abschneidet, sichere man den Ballon gegen das Davon- fliege», indem man ihn irgendwo festbindet, bis sein Gas entleert ist. Gummiballons, welche meist einen Durchmesser von 1 bis 2 Meter haben, pflegen in der Höhe zu platzen und lassen dann den Apparat mittels eines Fallschirmes zur Erde niedersinken; ge- wöhnlich bedeckt dieser den Apparat oder er hängt in einem Baume fest, während der Apparat unter ihm hängt oder am Erd- baden liegt. Bei dem Herunterholen ist vor allen Dingen ein Herabstürzen des Apparates zu permeiden. Ter Apparat ist nun- mehr unter Vermeidung aller unnötigen Erschütterungen in einem trockenen, nicht zu warmen Raum aufzubewahren, bis er entweder abgeholt wird oder bis eine für seinen Rücktransport mit der Post bestimmte Kiste eintrifft, in welcher sich nähere Anweisungen sowie ein Fragebogen befinden, der tunlichst genau auszufüllen ist. AuS der Krankenhausverwaltung- In der jüngsten Sitzung der Deputation für die städtischen Krankenanstalten und die ö s f e n t- liche Gesundheitspflege wurde nach eingehender Bc- sprcchung die Frage der Walderholungsstätten einer bc- friedigenden Losung entgcgcngeführt. Bekanntlich handelte es sich hier um eine Anregung, die von den sozialdemokratischen Mit- gliedern der Verwaltung ausging. Die Walderholungsstätteu geben ein vortreffliches Älcittcl ab, um die Krankenhäuser zu ent- lasten. Leichter erkrankte Patienten liegen in den Krankenhäusern oft wochenlang, ohne daß sie der Einrichtung eines modernen Krankenhauses noch bedürfen und nehmen den Schivertranken den Platz weg. Diese Erholungsstätten arbeiten natürlich viel billiger als die Krankenhäuser, da sie weniger Anspruch an das Pflege- und Aerztepersoual und an Komfort stellen. Der Fehler in unseren Krankenhailseinrichtungen liegt weniger darin, daß wir zu wenig gute Krankenhäuser für Schwerkranke haben, als darin, daß?ln- stalten für leichte Kranke fehlen. Tic Zahl der Krankenhäuser in Berlin würde vollkommen genügend sein, um alle Schwerkranke, die wirklich der großartigen Einrichtungen unscrer Krankenhäuser bedürfen, unterzubringen. Von den Direktionen der Krankenhäuser war inzwischen eine genaue Nachweisiina der erforderlichai Betten eingegangen; es handelt sich um mehr als ein Viertel unserer Krankenhausinsassen, die für die Erholungsstätten ausnahmefähig sind, etwa 966 Patienten. Unter der Voraussetzung, daß demnächst ein neues Siechenhans und ein neues Heim für chronisch Tuberkulöse er- richtet wird, sollen eigentliche Erholungsstätten für 566 leichte Kranke den ersten Anforderungen genügen. Zu diesem Zweck wird dem Magistrat nach dem einstimmigen Beschluß der Deputation vorgeschlagen, 1 Million Mark in die neue Anleihe aufzuiichincii. Sodann bcsihäftigte sich die Deputation mit dem A»trage der im G c in c i ii d e a r b e i t c r v c r b a n d organisierten Krankenhausan gestellte ii auf Wende» rung des Reglements für die Arbeiter- A u ö- schüsse. Eine solche Revision war unumgänglich notwendig, weil die bisherigen Bestimmungen die Wählbarkeit der Mitglieder derart beschränkten, daß die Kandidatcnfrage bei den Mihlen aus unlösbare Schwierigkeiten stieß. So ward das Zustandekommen und die Wirksamkeit dieser Institution völlig in Frage gestellt Die auf Grund der Bestimmungen zweimal kassierte und schließ- lich unmöglich gewordene Wahl im Ilrban-Krankenhause ist ein sprechender Beweis dafür. Es wurde seitens der Deputation bc- schlössen, daß wählbar sein sollten alle vcrfiigungsfähigen Bedienstete» deutscher Rcichsangehörigkeit, welche mindestens ein- undzwanzig Jahre alt, seit mindestens zwei Jahren bei dem be- treffenden Betriebe beschäftigt sind und sich im Besitz der bürgcr- lichcu Ehrenrechte befinden. Bisher war nur wählbar, wer nfindesteiis fünfundzwanzig Jahre alt. seit drei Jahren beschäftigt war. Also ein kleiner, sehr kleiner Fortschritt, der die Zahl der wählbaren Zliigcstelltcn immerhin erheblich vermehrt. Zehnmarkschrine. Die Rcichskassenscheine zu Zehn Mark sind 14 Zentimeter breit und V Zentimeter hoch. Sie sind in grünlichgrauem Kupferstich- druck auf geschöpftem und wellig geriffeltem Hanfpapier Ifergestellt, das ein begrenztes Wasserzeichen und aus der Rückseite links einen mit gemischten(orangerotcn und grünen) Pflanzenfasern durch- setzten Streifen enthält. Die Vorderseite, die ein von kleinen runden und spitzeckigcn Verzierungen gebildetes Untergrundmustcr zeigt, ist von einem Rosettcnrandc umrahmt, dessen einzelne Teile an jeder Seite von rechts und links nach der Mitte zu leicht aufeinander liegen. In den oberen Ecken befinden sich zwei etlva 16 Millimeter große Kreise, von denen der linke die schräg nach innen in lichter Form angebrachte Ziffer 16 und dahinter den Buchstaben dl umschließt, während im rechten Kreise die gleichen Zeichen in dunkler Form erscheinen. Auf der linken oberen Hälfte der Vorderseite ist das nur mit einem leicht schraffierten Ueberdruck versehene natürliche Wasserzeichen, ein nach rechts blickender Merkurkopf, sichtbar. Die rechte Hälfte der Vorderseite zeigt das Kniestück einer Fraucngestalt, deren rechte Hand, auf einen Sockel gestützt, einen Palmenzwcig und einen Aeskulapstab hält, während die Linke ein Ruder umfaßt. Hinter dem Oberkörper der Frauengestalt ist ein Kreis in der Größe des ncbcnbefindlichen Waperzeichens nur tcil- neis sichtbar. Der Sockel zeigt auf verziertem Untergründe die junkle Ziffer 10 und dahinter den lichten Buchstaben dl. Die Rückseite ist mit einem guillochierten Untergrundmustcr Derschen, welches in kleinen Feldern abwechselnd die Ziffer 16 und ?cn Buchstaben dl in Weißdriick zeigt. Die zwischen den einzelnen Feldern befindlichen helleren Streifen zeigen von unten links nach 'oben rechts das sich wiederholende und mit dem bloßen Auge kaum «ichtbare Wort �Elldl, während auf den von oben links nach unten rechts laufenden Streifen das Wort dl.ARK angebracht ist. Das unbcdruckte Wasserzeichen zeigt hier den Merkurkopf nach links blickelld. Neben demselben befindet sich links in gleicher Größe ein mit abgerundeten Verzierungen ausgefüllter Kreis, welcher aiiedcrum die mit Verzierungen ausgefüllte dunkle Ziffer 16 und dahinter den licht umrandeten und leicht schraffierten Buch- staben dl umschließt. Darunter befinden sich zwei von Linien umrahmte Schilder, deren oberes die Worte /kelm Mark enthält, während auf dem unteren, etwas kleineren, die Strafandrohung angebracht ist. An der linken und rechten Seite der Schilder befinden sich f-»!.vcbcndc Frauengestaltcn, die sich auf den oberen Schild leicht stützen. Neben der linken Seite ist der Kontrollstcmpel Her Reichs- schuldenvcrwaltung in stahlblauer Farbe angebracht. Litcra und Nummer des Scheines sind zweimal, und zwar unten links und oben rechts in gleicher Farbe wie der Kontrollstempel aufgedruckt. Arbeiter-BildungSschule Berlin, Grenadierstr. 37. Der nächste Unterricht in G e s e tz e s k u n d e findet am Mittwoch, den 20. November(Bußtag), vormittags 10 Uhr, statt.— Die bedentend erweiterte Bibliothek ist wieder an allen UnterrichtLabendcn von 8—9 Uhr geöffnet. Neuer Katalog 10 Pfennig. Drei schwere Einbruchsdiebstahlc sind in den beiden vorletzten Nächten verübt worden. Nahezu 16 666 Zigarren und Zigaretten erbeutete eine Einbrecherbande, die der Zigarrcnhandlung von Hentschcl in der Eisenbahnstr. 6 eine nächtliche Visite abstattete. Unter Zuhülfenahme eines Dietrichs gelangten die Täter durch die Ladentür in den Verkaufsraum. Mit„Kennerblick" suchten sie sich die teuersten Marken heraus. Erst als der Geschäfts- inhaber gestern morgen den Laden betrat, wurde der Diebstahl bemerkt.— Ein wahrhaft„schwerer" Diebstahl wurde in der Maschinenfabrik von Orenstcin u. Koppel am Tempelhofer Ufer ausgeführt. Einbrecher drangen in die Metallagerräume ein und schleppten fünfzehn Zentner Kupfcrplatten davon. Auf einem Fuhrwerk schafften sie die schwere Beute unbehelligt fort.— Auf eigenartige Beute hatten es Einbrecher abgesehen, die den Perücken- macher Dreißig in der Brunnenstr. 83 schwer geschädigt haben. Durch Einbruch stahlen sie für mehrere hundert Mark lange Zöpfe. Einer der„Rheiiiz»ld"-Defra»daiiteii»crhaftet. In Leipzig wurde der Handlungsg.-Hülfc Walter Reiche verhaftet, der als Telephonist im WeinhanS„Rheingold" angestellt war und mit dem Kassierer dieleS HauscS Julius Michel unter Mitnahme von mehr als 3ö 666 M. verschwand. Die hiesige Kriminalpolizei chatte sofort alle Behörden auf die Flüchtigen aufmerksam gemacht, besonders auch die der Vororte und kleine» Ortschaften, nachdem bekannt ge- worden war, daß die Defraudamen die große» Städte mieden. lieber das Austauchen der Verfolgten auf ihrer Flucht im Automobil wurde aus verschiedenen Gegenden berichtet. Jetzt wurde Reiche in Leipzig ergriffen. Bei ihm fand man noch 12 666 M. Er ist wahr- scheinlich der Anstifter gewesen. Wo er sich nach Teilung der Beute von Michel getrennt hat, weiß man noch nicht. Nach einer andere» Mitteilung hat Reiche sich selbst gestellt. Zu dem Leichenfund auf dem Tempelhofer Felde wird noch mitgeteilt, daß die Tote nach der Besichbigung durch einen Vertreter der Staatsanwaltschaft II und eine Kommission des Amtsgerichts Berlin-Tempelhof nach der Leichenhalle in der Stolberg- flraße zu Tempelhof gebracht wurde. Nach der Behauptung anderer Obdachloser soll die Kleist verheiratet gewesen, aber von ihrem Manne geschieden sein. Man erzählt auch, daß sie aus dem Arbeitshaus in Rummelsburg entwichen, vor einigen Wochen auf dem Tempelhofer Feld von einem Automobil überfahren und in einem Krankenhause wieder geheilt worden sei. Vorgestern war sie mit Anna Knicriem, genannt„Zimtdrossel", der Günther, die „die kleine Anna" genannt wird, und einer Berta Roeßner, die die Beinamen„Sälbertanne" und„Offiziersdamc" führt, zu- kommen zu Gast bei dem gemeinsamen Beschützer, einem gewissen Walther, der schon seit 46 Jahren auf dem Tempelhofer Felde wohnt. Walther hat in einem Graben eine Art Ofen zusammen- gebaut und pflegt dort seinen„Damen" für Geld und gute Worte Kaffee zu kochen. An dem verhängnisvollen Abend sprach man nach einem Kaffeebesnch noch stärker als gewöhnlich dem Schnapse zu und geriet dann in Streit. Ein Junge sah, daß die„Zimt- drossel", die ihren schlechten Tag hatte, und die„Silbertanne" mit leeren Schnapsflaschen wütend auf die beiden anderen ein- schlugen. Dann vertrugen sie sich aber wieder. Wahrscheinlich gingen sie nun vom StcuerhäuSchen noch einmal zu Walther, um zum Abend wieder Kaffee zu trinken. Als die Gesellschaft ver- nommen werden sollte, lvar sie nicht mehr zu finden. Wahrscheinlich hatte sie sich in Hecken und Sträuchern verkrochen. Ob die Kleist an der Verletzung gestorben ist, muß die Obduktion zeigen. Falsche Markstücke sind seit kurzem in größerer Menge im Umlauf. Die Falsifikate bestehen anscheinend aus einer Blei- legierung, haben jedoch einen vorzüglichen Klang, der nur wenig von demjenigen der echten Münzen ablveicht. Dagegen ist die Prägung sowohl der Schrift als auch des AdlcrwappcnS zieinlich breit und verschluommen und dadurch die Fälschung als eine solche leicht erkenntlich. Die ÄKünze zeigt eine bläuliche Färbung und fühlt sich fettig an. Die Nachahmungen tragen das Münzzeichen A. Die Versammlung der Frcistudentenschaft, die am Mittwoch nach dem Schloß-Hotel in der Burgstraße einberufen war und in der ein Vortrag über Alkoholismus und Studentenschaft gehalten werden sollte, konnte nicht stattfinden, weil ihre Abhaltnng nicht rechtzeitig angemeldet worden! war. Nach einer andern Meldung habe das Lokal den baupolizeilichen Anforderungen für öffentliche Verfamm- lungen nicht entsprochen. Unbemerkt ertrunken ist allen, Anscheine nach der Schifferknecht Karl Seger aus Nieder-Finow, der auf einer Oderzille beschäftigt war. AlS das Fahrzeug, auf der Fahrt nach Berlin begriffen, die Havel in der Rahe von Sachsenhausen passierte, bemerkte man, daß s., der noch wenige Minuten vorher am Steuer gestanden hatte, verschwunden war. Eine sofort vorgenommene Absuchung des Wassers war erfolglos. Vermutlich war S. bei Bedienung des Steuers von einem Schlaganfall betroffen und, ohne daß er im- stände war, einen Hülferuf auszustoßen, über Bord gestürzt. Weder )it Kollegen des S. noch der Schiffseigner hatten von dem Borfall itwas gemerkt. Ter Berein zur Förderung der Kunst schickt unS im Anschluß an unsere Besprechnng des Kunstabends der Stukkateure eine Erklärung des Inhalts, daß da» Programm in seiner ursprünglichen Fassung eine ganze Anzahl von Stücken ouS den Werken proletarischer resp. in diesem Sinne empfindenden Verfasser enthalten habe. Im letzten Augenblick hätten aber zwei Künstler abgesagt und man hätte von den Tags zuvor gewonnenen Ersatzkräften nehmen müssen, was sich gerade auf ihrem Repertoir befand. Jubiläumsfeier» in gesperrten Lokalen sind bei der Finna Pintsch gang und gäbe. Die„Concordia-Säle" haben eS der Firma wie dem sogenannten JnlKlämnskomitee angetan. Wo die organisierte Arbeiterschaft nicht hingeht, weil ihr da» VereinigungS- und Ver- stmimlungsrecht illusorisch gemacht wird, ist dem Jubiläumskomilee gut genug zur Abhaltung von Festlichkeiten. Es scheint System in diesem arbeiterschädigenden Treiben zu liegen. Will sich das Komitee dadurch beliebt»lachen, daß es den Kampf der organisierten Arbeiter- schaft unt Versammlungsräume durchkreuzt und sich selbst dadurch entrechten hilft? Diese Leute irren sich, wenn sie glauben, durch eine derartige Handlungsweise die Gunst der Herren Chefs zu erkaufen. Diese Gunst ist immer sehr wandelbar; sie dauert nur bis zu einem gewissen Zeitpunkte. Sehr bald wandelt sie sich in Ungunst, und draußen auf der Straße liegt dann der„treue Diener seines Herrn". In einem solchen Falle dämmert ihm deutlicher als je da» Bewußt- sein auf, welch schmähliche Rolle derjenige spielt, der sich auf daS Wohlwollen seines Chefs verläßt und die Bestrebungen seiner Ardeitsbrüder erschwert. Zeugen gesucht. Personen, welche den Vorfall am ö. Oktober, abends 9 Uhr, vor der Markthalle. Eisenbahnstraße, mit einem An- gestellten derselben beobachtet haben, werden freundlichst gebeten, ihre Adresse Wrangelstr. öl, Hof linker Seitenflügel, 4 Treppen rechts, abzugeben. Feuerwchrbrricht. Gestern früh kam in der Vülowstr. 101 in einem Wcißwarengeschäft aus unbekannter Ursache Feuer aus. Laden- tische, Regale mit Inhalt u. a. brannten dort. Der 12. Zug mußte kräftig Wasser geben, um die Flammen zu löschen. Nicht weil davon, in der Dörnbergstr. 1, standen Schaldecken, Fußböden, ein Hänge- bodcn u. a. in Flammen. Wegen eines Schornfteinbrandes erfolgte ein Alarm nach der Birkenstr. 4ö. Im vierten Stock de» HauseS Neue Friedrichstr. 37 bei 3!appaport mußte ein Brand gelöscht werden, der Balken, den Fußboden u. a. ergriffen hatte. Ferner liefen noch Alarnte auS der WinSstraße, Chausseestraßc und anderen Stellen ein. Vorort- JVadrncbtcm Ein„musterhaftes" Armenhaus. In Marienfelde lenkte unser Vertreter im Geineinderat, der Genosse F. Greulich, jüngst die Aufmerksamkeit der Gemeinde auf die Zustände im Armcnhause. Jetzt, da vielleicht et» harter Winter droht, müßte denen, die auf die Hülfe der Gemeinde angewiesen sind, ihr dürftiges Heim etwas wohnlicher gemacht werden, so sagte sich unser Genosse und stellte entsprechende Anträge im Gemeinderat. Da stieß er aber sofort auf Oppositio», und nur mit Mühe gelang eS ihm. seine Kollegen zu bewegen, daß sie einige kleine Ver« beffmmgen bewilligten. Es ist sehr interessant, sich dieses„Armen- haus" der— finanziell durchaus nicht schlecht gestellten— Gemeinde näher anzusehen. Schon der Name, so bescheiden er auch klingt. sagt in Marienfelde noch zu viel. In einem alten, kleinen Häuschen, in dem sich früher einmal eine Bäckerei befand. wird den Ortsannen nichts weiter als ein Obdach gewährt. Für ihren Unterhalt und auch für Heizung müssen die Armen selbst sorgen. Und es sind alte, kranke, gebrechliche Leute, sogar ein Blinder ist darunter I Gelingt es ober so einem armen unglücklichen Menschen tvie dem Insassen M. sich einige Mark zu verdienen, so kommt die Gemeinde und legt ihre Hand auf den sauren Verdienst und verlangt Mittel! Für einen Unternehmer, der für die Gemeinde Arbeiten am Königs- graben, einem Entwässerungskanal, zu leisten hatte, arbeitete dieser M. und verdiente sich 12,86 M. Zu seinen, größten Schrecken wurde er aber abgewiesen, als er seinen Lohn verlangte, denn die Gemeinde hatte schon Anspruch darauf erhoben. M. muß 8 M. pro Monat zahlen, weil seine Ortsangehörigleit zweifelhaft sein soll. Es gelingt ihm auch, etwas von der Miete zu zahlen, aber er bleibt immer etwas schuldig, denn er will sich manchmal sattesscn mrd hat noch für eine kranke Frau und ein neunjähriges Kind zu sorgen. Der Raum, in dem die drei Menschen Hausen, ist aber keine . acht Mark Miete wert. Die Wände sind durch eindringende Nässe grauschwarz geworden, der Ofen ist kaum zu gebrauchen und doch muß er noch als Kochherd dienen, denn der eine Raum ist Küche, Schlaf- und Wohnzimmer für die drei Personen. Im ganzen hat dieses„Armenhaus" zehn Insassen. Da ist ein blinder Leiermann, der durch Stuhlflechten sich noch etwas Geld verdient. Er lebt mit einer Frau zusammen, die er durch die„Für- sorge" der Gemeinde bekommen hat. Man machte ihm den Vor- schlag, diese Frau zu heiraten, und er willigte ein. Nun konnten die beiden, ehrbar und sittlich als Mann und Frau einen Raum be- wohnen, denn es ist halt ein Raummangel im Armenhause und praktisch mutz man heutzutage sein. Freilich ist es nur ein jämmerlicher Raun,, der recht univohnlich aussieht, wo die beiden Leutchen Hausen. Mit philosophischer Ruhe sitzt der blinde Greis da und flicht seine Stühle. Auf einem Lager stöhnt und ächzt die Frau, sie behauptet, daß sie krank- sei und daß man ihr keine Hülse gewähren wolle. Man sagt, die Frau„trinkt", aber wer kann sie in solcher Lage deshalb verurteilen?— Steigt man behutsam eine Treppe hoch. so gelangt man in einige alte und überall reparaturbedürftige Räume, die so niedrig sind, daß man fast mit den» Kopfe an die Decke stößt. Da oben wohnen zwei alte Witwen, die durch„Aufwartestellen" sich das Not« dürfligste zum Leben verdienen; sie müssen froh sein, daß die Ge- meinde ihnen überhuupt noch ein Obdach gewährt. Da wohnt ferner ein alter Invalide mit seiner Frau. Der Mann, der auch als Straßenkehrer gelegentlich tätig ist. erhält für emcn Tag Arbeit 2 M., während andere Straßenkehrer 2, 26 M. erhalten. Er nimmt an, daß ihm die 26 Pf. als MieiSgeld im „Armenhausc" abgezogen werden.— Die Abfuhr aus dem Abort und dem Behälter für Asche wird vernachlässigt, wie die Insassen klagen. Es soll eben gespart werden an Kosten für die OrtSarmen. Leider haben wir nur einen Genossen im Gemeinderat, der sich der Aermsten annimmt und dem eS mit Mühe gelungen ist, daß jetzt die reiche Gemeinde einige Handwerker nach dem Armenhause sendet, um die dringendsten Reparaturen vorzunehmen. Eine Gemeinde in der Nähe Berlin? müßte von selbst ein in ostelbischcr Verfassung sich bc- findlicheS Armenhaus wenn nicht gänzlich beseitigen, so doch einiger- maßen wohnlich herstellen lassen; dies um so mehr, als man ja die Aermsten der Armen noch verpflichtet, Mete zu bezahlen. Charlottenburg. Die Charlottenburger Stadtverordneten über den Kokswncher. Die ungewöhnlich hohen KokSprcise haben die sozialdemokratische Fraktion des Stadtparlamcnt» veranlaßt, an den Magistrat die An- trage zu richten, waS er zu tun gedenke, um den KokSpreiS im Interesse der minderbemittelten Bevölkerung herabzusetzen. Die Interpellation, die am Mittwoch auf der Tagesordnung stand, wurde von unserem Genossen Klick begründet. Redner wies darauf hin. daß von der kolossale» Preissteigerung namentlich die wirtschafrlich Schwachen betroffen werden, die so wie so schon unter der ungeheuren Teuerung der Lebensmittelpreise zu leiden haben. Ebenso wie für Gas sollte die Verwaltung auch für Koks einen Einheilsprei» festsetzen, die ständig steigenden Ueberschüsse der Gas- anstalten erlauben rinS schon den Luxus, einen Teil dcS Kok» unter dem Tagespreis abzugeben. Der Vertreter de» Magistrats, Stadtrat E a s s i r e r, erwiderte, daß es den vereinten Bemühungen des Magistrats und der Gas- depntation nicht gelungen sei. irgend tvelcde greifbaren Vorschläge zu machen, durch die der Kokspreis herabgesetzt werden könnte. Aber selbst wenn eine Herabsetzung der Preise möglich wäre, würde man doch den Minderbemittelten keine Vorzugspreise gewähren können. Wollte man das, so müßte eine Kontrolle einsetzen, und daS wäre außerordentlich schwierig, die Kosten wäre» so groß, daß man den Koks verschenken könnte. Auch bestehe die Gefahr, daß sich dann ei» Handel mit KokS herausbilden würde. Der Magistrat habe den besten Willen, allen denen, die wirklich in Npt und Sorge sind, zu helfen, es werde der Armendirektion Kols zur Ver- fügung gestellt, um ihn denen, die in Not sind, um- sonst zu geben; auch für verschämte Arme werde ge- sorgt. Im übrigen betrage die Gesamtmehrausgabe für eine Familie nur 0 M. pro Jahr. Die Verwaltung könne niemals von dem Grundsatz abgehen, daß die Gasanstalt nach kaufmännischen Gesichtspunkten geleitet werden müsse. Eine erhebliche Verringerung der Ueberschüsse würde eine Erhöhung der Gemeindeeinkominensteucr zur Folge haben. Stadtv. DzialoSzynSki(lib.) schlug vor. Charlottenburg solle sich mit Berlin in Verbindung setzen, um dahin zu wirken, daß durch Festlegung eines Einheitspreises die Differenz zwischen den Großprcisen und den Kleinpreisen im Koksverkauf der Gasanstalte» zugunsten der Presse im Kleinhandel verringert werde. Weiter solle der Magistrat den Hausbesitzern den Koks billig abgeben, denn dadurch ivürde in Wohnungen mit Zeiltralheizung eine Mielssteigenmo verhindert werden. Stadtv. W ö l l m e r(lib.) wandte sich aus den gleichen Gründen wie der Vertreter des Magistrats gegen jede Herabsetzung der Koks- preise. Stadtv. Hirsch(Soz.) trat den Ausführungen des MagistratS- vertreterS uno der liberalen Redner entgegen. Herr DzialoSzynski benuve die Gelegenheit, um für die Hausbesitzer etwas heraus- zuschlagen.(Widerspruch.) Das«verde die Folge seines Vorschlages (ein, denn abgesehen davon, daß die Minderbemittelten nicht in Hänsern mit Zentralheizung wohnen, werde eS doch keinem Hans- besitzer einfallen, nur deshalb, weil der Koks billiger wird, die Mieten herabzusetzen. Der Stadtrat habe einen durchaus anti« sozialen Srandpunkt vertreten, das A und O seiner Rede sei der Rat gewesen, man möge sich an die Armenverwaltung wenden. Die Interpellanten wollten aber doch nicht, daß den Minderbemittelten Wohltaten erwiesen werden, sondern sie wollten sie nur davor scbiihen, daß sie Wucherpreise bezahlen. Gewiß werde die Kontrolle schwer sein, aber waS schade es denn, wenn wirklich auch mal ein Einwohner einer Nachbargemeinde billigeren Koks von Charlottenburg beziehe. ES sei wieder gesagt, man müsse sich mit Berlin in Verbindung setzen. DieS fei das alte Lied, das bei jeder Gelegenheit angestiinint werde, ihm falle dabei immer der Heinesche Vers von den beiden Polen ein:„Und da jeder wollte zahlen, zahlte keiner von den beiden".(Heiterkeit.) Die eine Stadt berufe sich immer auf die andere, und schließlich geschehe gar nichts. Der Magistrat sagi, et könne auf den Ueberschuß der Gasanstalten nicht verzichten. Nun dann möge man eben die direkten Steuern er- hohem selbst auf die Gefahr hin, daß die 166 Proz. überschritten iverden, aber davor schreckt man im Interesse der Reichen zurück. Im übrigen werde man im nächsten Jahre ja förmlich in Geld schwimnien, denn die Liberalen, die jetzt die Mehrheit in der Ver- sammlung hätten, hätten sich ja be» den Wahlen überall für die Wertznwachssteuer ausgesprochen, und eS sei doch kaum zu erwarten, daß sie ihr Wort brechen. Bürgermeister Matt in g bezeichnete ebenso wie Stadttat Casstrer eine Herabsetzung der Kokspreise als unmöglich. Stadtv. Frank glaubte einen besonderen Trumpf ausspielen zu können, indem er daS Gespenst der Wnffergasbercitung an die Wand malte, durch das Hunderte von Arbeitern entlassen würden. Stadtv. Hirsch erwiderte ihm, daß die Sozialdemokraten sich keinem technischen Fortschritt widersetzen würden; im Gegenteil, sie würden der Verwaltung einen Vorwurf daraus machen, wenn sie die Errungenschaften der Technik nicht ausnutzen würde. In der weiteren Debatte, die sich mehrere Stunden hinzog. Katen von sozialdemokratischer Seite die Genoffen Bogel, Klick und B o r ck, a r d t für eine Herabsetzung der KokSpresse ein. Die bürgerliche Mehrheit wies alle Vorschläge als unannehmbar von der Hand und machte, nachdem sie den bekannten Sozialistentöter Dr. C r ü g e r noch hatte reden lassen, durch einen Schlußantrag der Debatte ein Ende. Die Verhandlungen, die leider kein posittveS Resultat zeitigten, haben jedenfalls wieder deutlich bewiesen, daß einzig und allein die Sozialdemokraten sich der Interessen der minderbemittelten Klassen annehmen, daß dagegen die Liberalen, die im Reichstage über Zollwucher, Ge- treibe- und Fleischwucher jammern, im Stadtparlament, wo sie die Mehrheit haben, ganz denselben Wucher begünstigen wie un Reichstage die Agrarier. Mögen unsere Genossen die richtige Lehre aus der Debatte ziehen und ain 26. November bei den Stichwahlen die sozialdemokratische Fraktion st ä r k e n! Der Stadtverordnetcnvorsteher Justizrat Roscnberg hat auS dem Ausfall der Wahlen die Konsequenz gezogen und sein Amt als Vor- sicher niedergelegt. Die Neuwahl für den Nest dcS JahreS wird in der nächsten Sitzung erfolgen._ Achtung, Krankcnkasscnwahl! Die Mitglieder der Allgemeinen OrtSkrankcnkasse für die ver- einigten Gewerbebetriebe CharlottcnburgS werden hiermit aufgefordert, sich an den am Sonntag, den 24. Norembcr er., von vor- mittags 9—12 Uhr im großen Saale veS„VolkShauseS", Nosincn- straße 3 stattsindenden Delegierlenwahlen der Arbeitnehmer recht zahlreich zu beteiligen. Diejenigen, welche noch nicht im Besitze einer LegitimattonSkarte zur Wahl sind, bitten wir. sich solche im Bureau der Kasse, Rosinenstraße 3, vorn 1 Treppe, sei eS auf schriftlichem oder mündlichem Wege, baldigst ausstellen zu lassen. Der Ausschuß der Charlottenburger GewerkschaftSkommission. I. A.: Otto Flemming, Pestalozzistraße 13. (Srüuau. Van der Lokomotive abgestürzt ist vorgestern der Heizer Tntton Müller, der aus der Maschine eines Güterzuges Dienst tat. Als der Zug die Strecke zwischen den Stationen Adlershof und Grünau passierte, beugte sich M. etwas zu weit aus der Oeffnung heraus, um Ausschau zu halten. Er verlor das Gleichgewicht und stürzte ab. Der Verunglückte zog fich erhebliche Verletzungen im Gesicht und an der Brust zu. Köpenick. Der Gesangverein der Glasarbeiter feiert am Sonnabend, den 16. Oktober, im„Kaiserhof", Grünstraße, sein 13. Stiftungsfest. Da der Berein bei Parteifcsilichkeiten stets seine Pflicht erfüllt, ist zu wünschen, daß die Genossen das Fest recht zahlreich besuchen. Oranienburg. Die Stadtverordnetenwahlen in der dritten Abteilung finden am Montag, den 18. November, von vormittags 16 Uhr bis nachmittags 4 Uhr statt. Obwohl die Wahlzeit eine höchst ungünstige ist, so muß es doch jeder Wahlberechtigte als eine Ehren- Pflicht betrachten, fem Wahlrecht auszuüben. Es werden die Ge- aosseo Berlins, soweit dieselben mtt Oranienburger Arbeitern zusammenarbeiten, ersucht, letztere auf ihre Wahlpflicht aufmerlsam zu mache».- Kandidaten der Sozialdemokratie sind die Genossen Emil Schumann und Albert Garlipp. Tue jeder sein niöglichstes, um unseren Genossen zum Siege zu verhelfen. Bernau. Bei der gestrige» Stadtverordnetem«�! siegte» die Genossen G u st av Kr ü g er und Ferdinand Träger mit 32t gegen 9i Stimmen, die die Gegner echiclten. Spandau. Deujcnigen„BorwärtS"-Ab0t«ncnteu, welche bis jetzt ihren.Vor- wärts" auf dem Stresowplatz früh in Empfang genommen haben, zur Kenntnis, dafe vom Sonntag, den 17. d. M., ab die Ausgabe in de» Wintermonaten eingestellt wird. Den Abonnenten wird der.Vorwärts" durch die Au-Zträgerm von früh 5l/„ Uhr ab ins HauS gebracht. Es ivird deshalb gebeten, die Abholekarten an den Spediteur oder an die Austrägerin abzuliefern. Vermischtes. Eine Explosion erfolgte, einer Meldung aus Solingen zufolge, gestern vormittag in dem Geschäftshaus der Firma Saam u. Conrp- m Gräfrath. Als wahrscheinlich wird angenommen, dast die Explosion von 75 MO im Laden der Firma lagernden einfachen Pattonen in- folge Ausbruchs von Feuer im Packraum entstanden ist. Das HauS ist niedergebrannt, Personen sind nicht verletzt. 7000 Pcrsoueu an der Pest gestorben: Der Gouverneur von Voinbatz(Asien) sandte an die Eingeborencnpresse ein Rundschreiben, worin er mitteilt, daß seit der letzten Epidemie 7000' Personen an der Pest gestorben sind und daß noch eine weitere Ausdehnung der Seuche zu erwarten sei. Der Gouverneur weist die Presie an- gesichtS dieser Tatsache auf ihre Pflicht hin. die Eingeborenen mit den notwendigsten sanitären Maßnahmen bekannt zu«lachen. Zersprengte Nitroglyzerinfabrik. Aus ColumbuS im Staate Ohio wird berichtet, daß die Nitroglyzerinfabrik von Bradner durch eine Explosion zerstört worden ist. Zwei Personen wurden getötet, vier schwer verletzt. Verliner Marktpreise. Aus dem amlNche» Bericht der stSMilchcn Marklballeu-Dtreition. sGrohbandel.) Cthfemleilth la 68- 70. vr. 100 Pfd., II a 62 67, Lila 56- 59, Bullenfleisch la 65—70. IIa 53-62. Kühe, fett 50—58, do. mager 40—48, Fresser 54—62. Bullen, dänische 54—67. Kalbfleisch, Doppcllcnder 110—125, Maillälbcr la 85-95, IIa 75— 82, Kälber ger. gen. 56—71, do, boll, 48—54, dän. 0,00. Hanimelsleilch MasUömmer 76—78, Hammel la 68— 72. IIa 62-67, ungar. 0,00, Schafe 47—60. Schweinefleisch 53—61. Rehwild la«er Psund 0.60—0,75. IIa 0,45-0,58. Roiwiid la per Psund 0,40—0.50, do. IIa 0,00, do. Kälber 0,50— 0;55. Damwild 0,40—0,50, Kälber 0,60—0,70. Wildschweine per Psd. 0,35—0,45. Frischlinge 0,60—0,80. Kaninchen, groh per Stück 0,70—1,00, do. klein 0,00. Haien, groß per Siiick 3,50—4,00, do, mittel u. klein «tück 1,50—3,30."Wildenten ber stück l.50—1,75. Rebhühner, junge per Stück 0,90—1,35, do. alte 0,60—0,90. Faiancnhähne la, junge 2,50—3,00, do. Ha und alte 1,00—2,10. Fasancnbcnncn IfPO— 1,90. Betas fineu 0,00. Waldschnepsen per Stück 2,00- 2,50, do. IIa 1,00-1,50. Hübner. alle, per Stück 1,40—2,10, do. IIa 0,70—1,30, dito junge 0.60-1.25. Tauben 0.50-0,60, do. ital. 0,85—0,90. Emen 1,10-2,50, dito Hamburger per Stück 2,60—3,10.(Känie per Psund 0,50—0.60, dito per Stück 2,50—4,00, do. Hamburger per Psund 0,65—0,75, do. Oderbrucher per Psd. 0,55—0,62. PouletS per stück 0,80—1,10. Deutsche Poularden per Psd. 0,09. Hechte«er 100 Psd. 74—80, do. matt 0,00, do. gros; und mittel 70, do. klein 80—83, do. mittel 80. Zander 118, do. klein 0,00, matt 0,00. Schleie, unsortiert 95—101, do. groß 0,00, do. klein 0,00. Kaie, groß 0,00, do. Hein und mittel 81—87, do. mittel 0,00, do. uniori. 0,00, do. groß-mittel 0,00. WclS 0,00. Plicheu 0,00. Roddow 0,00, Karpfen, 70—80 er 60—63, do. 50 er 64—68, do. Spiegel- 25er 0,00, do. 50 er 0,00. Bunte Fische 0,00, do. klein 20—33, Barst 58—73. Karauschen 0,00. Bleie, matt 30—34, do. klein 30. Aland 36 50, Raap 30—34. Quappen 0,00. Bleiftsche 0,00. Wintcr-Rhcinlachs 0,00, Jimerik. Lachs la neuer,«er 100 Psd. 110—130, do. IIa neuer 90—100. Seelachs 10—20. Flunder», Kieler, Stiege la 2—6. mittel Stiitc 1—2, Hamb. Stiege 4—6, baibe Kiste 2—3, pomm. la Schock 0,00, IIa 0,09. Bücklinge. Kieler Per Wall 2—3,00, Stratiunder 0,00, engl, per Wall 2,00—2,50. Sprotten, Dcuiziaer, Kiste 0,60, do. Rügcuwaldcr, Kiste 0,80. Aale, grog per Pfund 1.10—1,40, inittelgroß 0.80—1,10, (lein 0.60—0,80. Heringe per Schock 5,00—9,00. Schellfische, Kille 3,00-4.00. Kiste 1.75-2.50. Sardellen. 1902 et«er Anker 98. 1904er 98, 1905» 98, 1906er 90-95. Schottische Vollheringe 1905 0,00, large 40-44, fall. 38—40, med. 36—12, deutsche 37—44. Heringe, tteitt MatjeS,«er•/, To. 50—120. Sardinen, rnif., Fag 1,50-1.60. Bratheringe Faß 1,20-1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40-1,70. Neunaugen. Schocksatz 11. da. kleine 5—6. do. Riesen- 14. Krebse per Schock 0,00, große 0.00, do. mittelgroße 0,00, do. kleine 10—11 cor 0,00, do. unsortiert 0,00. Galizier. groß 0,00, do. unsortiert 0,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 5,20—5,80, do. große 6,00—6,50. Butter per 100 Psd. la 126-130. IIa 118—122. lila 110—116, absagende 90—95. Saure Gurken, neue. Schock 4,00. Psessergurten 4,00. Kartossein per 100 Psund Dabersche 2,75—3,25, weiße runde 2,50—2,73, mner. bon. 2,75—3,25. Porree, per Schock 0,75—1,50. Meer» retttch. Schock 4—12. Spinal per 100 Psund 5—12. Sellerie. per Schock 5—6, do. pomm. 6—8. Zwiebeln per 100 Psd. 2,00—2,50, do. Perl- 40,00-100,00. Chaiotten 40,00-100,00. Petersilie. grün, Schockbnnd 1.00— 1,25. Kohlrabi Schock 0,50-1,00. Rettich, baiirischer. Stück 0,03-0,10, hiesiger Schock 2,50-3,50. Mobnüben, 100 Psd. 2,00 bis 3.00. Karotten, hiesige, Schockbund 2,00—3,00. Wirsingkohl v. Schock 3—7. Rotkohl. Schock 4-8. Weißkohl p. 100 Psd. 1,00-2,00. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 0,00. Rosenkohl, per 100 Psund 20—22. Grünkohl 4,00-6,00. Kohlrübe», schock 3,00—4,00. Petersilienwurzelu. per 100 Psd. 5—7, Schockbund 3-4. Schnittlauch, Töpfe Dutzend 4,00 bis 4,50. Psefferlinge per 100 Psund 0,00. Radieschen per Schock- bund 1,00—1,25. Salat per Schock 2,50-3.00. Bohnen, grüne, tOO Pfd. 0,00. Tomaten, italienische, per 100 Psund 18—25. Rote Rüben. per 100 Psund 2,50—3,00. Rübchen. Beelitzer, per 100 Psd. 2— 8, do. Tel- tower 16—18. Kürbis p. 100 Psd. 4—3. Eskarol per Schock 5—6. Endivien per Schock 3-6. Birnen per 100 Psd. Tiroler 0,00, hiesige Most- 0,00, Koch. birnen 5-8. Taselbirnc» la 18—25, do. IIa 10-17. Aepset, per 100 Psund, Tiroler la 18-40. do. IIa 12-18, Most-, hiesige. 3—5, Koch- 5—10. Tafel. äpsei la 15—25, do. IIa 10-12, Amerikaner, per Faß 27—30, Italiener, lose, 100 Psd. 9-12. Wallnüssc, per Schock 0,00, do. klein 0,40—0,50, do. französische 0,00, rumänische 28—30. Paranüsse 62—60. Haselnüsse, lange. 100 Psund 43-50, do. runde 35. Preißelbeere». schwedische, 100 Psund 82—33. Weintrauben, italienische, per 100 Psund 28—35, Almcria per Faß 13-17, türkische per 100 Psund 0,00. AnanaS I, per Psd. 0.70—1,00, do. II 0.40—0,50. Bananen, gelb, per 100 Psund 18—22. Kokosnüsse per 100 Stck. 17—25. Dtaronen, ital., 100 Psd. 16—20. Feigen. Kranz-, per 100 Psd. 22—25, do. Trommel- per 100 Psd. 40, do. in Kisten 28—60. Zitronen, Messina. 300 Stück 11,50—20.00, do. 360 Stück 7,50-16,00, do. 200 Stück 12,00-16,00, do. 150 Stück 7,00-10,00. Fitr de» Inhal« der Inserate .»berniulmt die Nedaktio» dem viiblitnm gegenüber(einerlei verantworning. Theater. Freitag, 15. Novbr. Ansang?>/, Uhr. Kgl. QpernhanS. Figaros Hochzeit. Kgl. Schauspielhaus. Der letzte Funke. Deutsches. DaZ Wintermärchen. Kammer spiele. Frühlings Erwachen.(Ansang ß Uhr.) Friedrich- Wilhelmstädt. Echan- spielhans. Krtemhild« Rache. Theater an der Spree. Am grünen Weg. Ansang S Uhr. Sesstng. Der Biberpelz. Neues EchanfpielhanS. Die große Gemeinde. Ediiiu,. O.«Wallner. Theater.) RosmerSholm. Schiller Sbarlotieubnrg. Ge- bildete Menschen. Berliner. Tie tanzenden Männchen. NeueS. Das Ungeheuer. Kleines. Die Getreuen. Zentral. Die Geisha. LorNlng. Undine. Residenz. Ganz der Papa. Komische Oper. Die verkaufte Braut. Weste». Die luftige Witwe. L»IilpteI!in»S. Onkel Bernicke. Triano». Fräulein Josctte— meine Frau. Thalia. Die gelbe Gefahr. Luisen. Bavtel Turaser. Bernhard Rose Othello. Mrsropol. Das muß man scb'n. Apollo. Sylvester Schäfser. Spe- zialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Falles Capriro. Geteilte Liebe. Gasino. Biedert eute. Gedr. Herrnfeld. Madame Wia Wag. ES lebe da» Nachtleben. Basinge. Paula Witth. Speziw litätcn. Prater. Zwischen zwei Herren. Parodie. Monna Banna. Zapfenstreich. Der Troubadour. An- fang S'/j Uhr. Wintergarten. Spezialitäten. Palast. Unsere Käte. Speziiilitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. RctchShalle». Stetüner Sänger. Ilriruia. Tanbensirnfte Abends 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Hörsaal 8 Uhr: Dr. E. Thesing: Geschlechtliche Fortpflanzung und Befruchtung im Tier» und Pflanzenreich. ?ter»»>or»e, Invalid-nflr. 57/62. Ursmia. WissenschafüicheB Theater. Abenda 8 Uhr: Ueber den Brenner nacb Venedig. Hörsaal 8 Uhr: Dr. C. Thesing: Geschlechtliche Portpflanzung und Befruchtung im Tier- und Pflanzenreich. Invalidenstr. 57—62: Sternwarte. Zur Beobachtung; Mars. Saturn, Doppelsterne, Nebelflecke Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Abends 7'/, Uhr zum 1. Male: Kriemhilds Rache. (Die Nibelungen III. Abteilung.) Ein Trauerspiel in süns Akten von Fttedrich Hebbel. Sonnabend: Kriemhilds Rache. lnOrtimg-Iteater fss llndlne. Sonnabend: Rigoletto. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Troubadour. Abends S Uhr: Rigo- letto. Montag 8 Uhr: Die lustigen Weiber von Winssor. Lustspielhaus. AbendS 8 Uhr zum erstenmal: Onke! Bernicke. Zur Beobachtung Doppclstcrne, Mars, Saturn, lebelflccke. t'«r. fftiinfinrirri'tr. i:i2 MT" Othello. Anfang 8 Uhr. Wocheniagspreise. Sonnabend nachm. 4 Uhr Kinder- Vorstellung: Dornröschen. Zibends 8 Uhr: Spree-Aihener. kildUsfUs Iliaalas Btirgersäle. Bergstraße Nr. 117. Sonntag, den 17. November: 4. Gastspiel des Opern- Ensen, bles (Theater des Westens) unter Leitung des Herrn Dir. Artur Below: Der I'relsehät». Ansang 7'/, Uhr."OM Montag, 18. Nov.: 2. Volksvorst., halbe Kassenpreise: Zapfenstreich. Passage-Theater. Paula Virth ! die Diva rideviva Gr. Revue in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. CÄcteiiFIrarj B. Daml a. D. » Josp raU gestattet. . Xovcmbcr. gs 3 Uhr: Die Herren von Maxim. � Rauchen überaU gestattet. Sonntag, 17. Xovcmbcr, nachmittags 3 ülrr: Neues glänzendes Programm. tßeakzmdaSjm! Köpenickerstraste 08. Täglich 8 Uhr: Aen grünen Weg. Ein Stück heitere» verlin in 4 Allen von Helnttck L«e. u. d. groBartiga Novemberprogr.[ Ab 8 Uhr: Die heiwrageniieD Attraktionen. 9'/, Uhr: Der Clou der Saison: Sylvester Schäffer jr. der beriitunte DnlversaMiistler. p alast-Theater Burgstraste 24. Heute 8 Uhr. Entree 20 Pf. Qisella und Max tmtsifalilchcr Slkt. Die 4 Theodors Omer Sait-Trio Novelty Cascadeure Unsere Kate Lustspiel u. 9 erstktasstge Ntiiumeru. W.KoacUs Theater Ctiettiuil: Hob. Gill,«ruiiiieiistr. 10. NM- Zum letzten Male;*TH(3 Lenore, die Grabesbraut. Ansang 8 Uhr. Enttee 30 Pf. Sonnabend Extra-Vorstellung: Hrlwcldl». Dienstag, 19. Nov., aus Wunsch: Gas Rätsel seiner Ehe. Brunnen-Theater Badstraße 58. Direkt.: Bernh. Rose. Freitag, den 15. November 1907: Vom Thron znm Schafott. Historisches Drama in 5 Auszügen von Fr. Tietz. Ans. 8 Uhr. Kasseneröfsnung 7 Uhr. Vorverkauj von 10—2 Uhr vor« mittags�_._ E Variete-Theater Weinbergsweg 19/20. Rosenth. Tor. Ansong 8 Uhr. Das grandiose Novemb.-Programm Die nrkomlachc Hnndcpantomlme „Aus einer kleinen Garnison", dargestellt von 30 Hunden. 7 iananisebe BofbUnstler 7 it. a.: Oer Sehwertersprung. Perznias Assen, Papageien-e. IL groSarllge Spezialitäten IL Tunnel: 3 Kapellen-Konzert. Theaterbesuchern freier Eintritt. 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Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. Kasino-Theater. Lothttngerftr. 37. Täglich 8 Uhr: Rieäerleute. hliiödie in i Sittel! i Hob. iseli. Vorher das glänz, buitte Programm. Sonntag 4 tlhr: Die wilde Jagd. J. Qossmanns Pestsäle Bes.: 0. Ernert S W., Kreuzbergstr. 48. Jeden Freitag: FFiek-Rpanst!- Sänger (Orlg.- Harburger Sänger) Passepartout gültig. Jeden Montag: Frellanz. oig? BxpecUtlon des„Vorwärts", Berlin SW. 68, Lindenstr. 69(Laden). Wethnachfsprämien für unsere Hbonnenten. Wir empfehlen unseren Lesen» Frrdinand Freiligraths iche Merke In vorzüglicher SluSstattung. gebunden in drei eleganten Leinen« bänden, statt zu dem bisherigen Preise von 5,— Mark für nur 3,— Mark.(Porto nach außerhalb SO P() Die politischen und sozialen Gedichte Frelligraths sollten die Arbeiter veranlassen, diesen Dichter des Kampfes mehr als bisher kennen zu lernen. 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Männerchor 1005 und Gesangverein„Xorddeutsche Schleife". Reigenfahren. In sämtlichen Lokalen: BCOÜZGB� und Tc&RfiZm Erüffnnng 4 Chr. Anfang 5 Chr. Billetts: Vorverkauf 25 Pf., an d. Kasse 30 Pf. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Bas Komitee. gXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXZXXXXXXXXXXXXXXXXXXd rs Bekanntmachung! Der ganz außerordentliche Erfolg der vorigen Sondervorstellung veranlaßt das Theater an der Spree, noch eine weitere Sondervorstellung zu ermäßigten Preisen für die arbeitende Bevölkerung zu veranstalten, die am nächsten"OTS Sonntag, nachmittags 3 Ihr, stattfindet. In Szene geht: „Der Aktienbudiker.46 Szel6?t� trul°B�*lebe* — Preis-Ermäßigungen nnr für die Leser des„Vorwärts".----- Orchester• Fanteull,__ Parquet-Fauteuil.. J Jeder Platz 93 Pfennige. I.Rang-Balkon.. Billetts zu diesem ermäßigten Preise werden nur gegen Abgabe dieser Bekannt macbnng an der Theaterkasse ausgegeben. Auf jede vorgelegte Nummer des „Vorwärts" werden 1—4 Billetts verabfolgt. Theater an der tzipree: Köpenickcrstra0e68. Tageskasse 10—2 und 6—8 Uhr. 86/19* n■ r Sanssouci e: Direktion: Wilhelm Reimer. Heute Freitag wegen Privat- Festlichkeit geschlossen. Sonntag, Montag und Donnerstag: u. Tanzkranschcn. Sonnt.Bcg.5, wochent.8U. Reichshallen- Theater. Täglich: Britton als Ante im Familienbad Wannscc. onntags 7 Uhr. Ans. Wochcnt. 8, uggenftagen l Moritz-platz,. . imlhsatcrjaal TägllCfU I Das neue Her-Propii. Ansang 8 Uhr. Enlree 50 Pf. Sonntags 7 Uhr.(Sonntags reserviert 1 M., Enlree 50 Ps.) Familienbilletts a 40 Ps. Zm Militär-Konzerl. Becker, Przhwarski, Görisch. Ncuniann, Osseney und Lütlich. NÄ-Na-Ns! Weshalb sich noch plagen? Waschen ein Fest! wenn man „Profitta": waschen läßt Größtes Wunderwaschmittel — des 20. Jahrhunderts— Große Ersparnis an Xeit, Geld und Schonung der Wäsche. 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Die Beerdig iing findet heute Freitag, den 15. d. MtS., nach- mittags 3 Uhr. von der Leichen- balle des Hl. Kreuz Kirchhofs in Mariendorf aus statt. Dies zeigt ticsbctrübt an Der trauernde Gatte Wilhelm Fischer und Kinder, Gräsestr. 34.[13116 Am 13. November starb unsere I I liebe Mutter, Witwe Anna Rieger nach jahrelangen schweren Leiden.| Die Iraucrudcn Kinder Anna und I'anl Rieger. Die Beerdigung findet am I Sonntag, den 17. November, nach- 1 mittags 3'/, Uhr, vom Trauer- hause, RummcIsburg.Prinz Albert- straßc 29, aus nach dein Rummels- burgcr Kirchhofe statt. Danksagung. Für die vielen Bcweite herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau Klars stialcewiecki geb. Poiirak sage ich allen Freunden und Bc- tannten sowie auch den Kollegen und der Finna Meyer Heitchen u. tio. meinen herzlichsten Danl. 13106 Jnlluit Bakowleckl. Bunknagnng. 73IL Sage hiermit allen Teilnehnier» bei der Beerdigung meines liebe» Mannes meinen herzlichen Danl. Anna FItzncr, geb. GUru. m „Berliaep Meiler- Railfalirer-ferein" Mitglied des Arbeiter» Radsahrer-BundeA »Solidarität*. Touren Sonntag, d. 17. Sloveniber: 1. Abt. 1 Uhr: Gruncwaldtour. Endziel Wllmersdors, Luisenpark. Start: Bülowstr. 58. 2. Abt. 1 Uhr; Ncucnhage». Start: Foiilnnc-Prvmcnade 15. 3. Abt. 1 Ubr: SchmelterlingSlust. 20. November 10 Uhr: Nahusdorfer Mühle(Wwe. Klemm). Start: Ma» riaimcu-Platz. 4. Abt. l>j, Uhr: Hiifchgarten(Wil. helmSbos). Start: Küstrinpr Platz. Nächste AbteilimgSsitzuug der 4. Abt. Mittwoch, den 27. November. 5. Abt. 2 Ubr: Baumschulcnweg (Zabang), abends 8 Uhr: Familien- abend. Start: Elyiium. 7. rllbt. 1 Uhr: Zcylcndors(Mück). Start: Grenzstr. 2t. 8. Abt. 1 Uhr: Französisch-Buchholz. Start: Stephanstr. tt. 9. Abt.!>/, Uhr: HcrmSdors(Forst- haus). Start: Schillingstr 23. 22/7 Sonnabend, den 16. November, in den Gesamträumcn deS lll/siums. Großes Herbst- Vergnügen der 4. Abteilung, ivozu alle Sports- genossen srcundlichit eingeladen werden. Ol*. Simmet Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Pri uzen str. 41, 10—2,5—7. Sonntags 10— 12, 2—1 Meine zum Sonnabend, den 16. No- vcmbcr, geplant« GinweihnngS- feier mit Abendtisch kann nicht stattsindcn, weil ich die polizestiche Genehmigung nicht bekommen habe, daher lasse ich dieselbe am Sonn- tag. den 17. November, nach- mittags von 2 Uhr ab bis abends 11 Uhr stattfinden. 7372 F. W. Barlholain, Friedrichsfelde, Prinzen- Alice 69. Teile hierdurch allen Kollegen und Bekaiinlen mit, daß ich Zwlngll- sstraüc 29 ein Restaurant mit BereinSzimmcr(30—40 Perf.) übernommen habe. 736L Otto Ackermann. . Bersntwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 268. 24. Jahrgang. 3. ßfiliKjt des LmSlls« Knlim Villisdlxll Freitag, 15. November 1967. Nevater Verbavdstag der Friseiirgehiilfeii. Bremen, 12. November, Erster Verhandlungstag. Äuxcr lö Delegierten sind 2 Vertreter des Verbandsvorstandcs, Sasscnbach als Vertreter der Generalkomniission und N i c s s e n als Vertreter der Internationalen Union of Journeymcn, Hair- drcssers and Barvers in London anwesend. Der Rechenschaftsbericht des Vorstandes wird von dem Vorsitzenden E tz k o r n und dem Kassierer Middelhoff gegeben. Wir haben in unserem Vorbericht bereits darauf hin- gewiesen. W c r n i ck e- Berlin gibt den Bericht des VerbandsausschusscS. Danach sind in der Berichtszeit 18 Beschwerden eingelaufen, die sich auf die Zustellung der Verbandszeitung, das Verhalten des Vor- standes usw. bezichen. Eine der Hauptaufgaben des Ausschusses war die Regelung der Wahl des Hauptkassiercrs, gegen die Protest eingelegt war. Es wurde eine nochmalige Ausschreibung dieses Postens veranlaßt, die mit demselben Resultat, mit der Wahl des jetzigen Kassierers Middelhoff, Endete. Mit diesem Bericht werden zugleich die Anträge von 1— M zur Diskussion gestellt. Dt i e r w a l d- Frankfurt a. M. übt scharfe Kritik an der An- stcllung des Hauptkassiercrs und des früheren Gauleiters Schmidt. König- Hannober befürwortet die Annahme deS Antrages seiner Verwaltungsstelle, nach dem die Bestimmungen über die Ilntcrstühungscinrichtungen in Broschürenform herausgegeben werden sollen. Ferner tritt Redner für die feste Anstellung des Vcrbandskassierers ein. Die Anstellung von Gauleitern habe sich noch nicht bewährt. Bezüglich der Verwaltungsstelle Hannover sei kein Rückschritt zu verzeichnen, wie das im Bericht zum Ausdruck komme.(Etzkorn: Das hat sich jetzt erst herausgestellt.) Es sei auch angebracht, das Fachorgan besser auszugestalten, wenn cS agitatorisch wirken solle. Schmidt- Berlin führt den Rückgang deS Markenverkaufes der Verwaltungsstelle Berlin auf die Lohnbewegung zurück. Die Anstellungs- und Lohnverhältnisse der Beamten müßten auch geregelt werden; der jetzige Zustand sei unhaltbar. R c h m- Hamburg wünscht, daß den kleineren Verwaltungs- stellen eine größere Anzahl Zeitungen zugestellt wird. Redner der. tritt ferner die Ansicht, daß entweder den selbständigen und un- selbständigen Mitgliedern dieselben Rechte eingeräumt werden müssen, oder Selbständige dürften in Zukunft keine Mitglieder mehr sein. Steinmüller- Lespzig wünscht, daß den Verwaltungs- stellen monatlich mit den Zeitungen zugleich ein Verzeichnis der ausgeschloffenen Mitglieder zugestellt wird. In der nächsten Sitzung wird die Debatte über den Rechen- fchaftsbericht fortgesetzt. Bremen, id. Robemder. Zweiter Verhandlungstag. Es wird zunächst die Debatte über den Rechenschaftsbericht des Vorstandes fortgesetzt._ Etzkorn bemerkte u. a. zu den Anträgen und zur Kritik der Ge- schäftsführnng des Vorstandes, daß stch der Vorstand nicht das Recht nehmen lasten könne, in die Verwaltung der Zweigvercine hinein- zureden. Es sei mir Recht darauf hingewiesen, daß der Vorstands- bcricht nicht früher erschienen sei. Redner konnte mit dem Bericht nicht früher anfangen, bevor nicht die Abrechnung vom 2. Quartal 1007 vorlag. Ferner sei zu berücksichtigen, daß diese umfangreiche Arbeit neben den laufenden Arbeiten ausgeführt werden müsse. Stade- Altona befürwortet die Ueberweisung des Antrages 8. der dem Verbände das Eigentumsrecht an den Mitgliedsbüchern sichern soll, an die Statutenberatungskommission. In der Abstimmung werden u. a. folgende Anträge an- genommen:„Der Vorstand wird beauftragt, den Orts- Verwaltungen monatlich ein Verzeichnis der ausgeschlossenen Mit- glieder zuzustellen."„Die Qnarlalsabrcchnungen sind nicht mehr in der Fachzeitung zu veröffentlichen, sondern den örtlichen Ver- Wallungen zur Verbreitung zuzustellen." Dem Vorstande als Material überwiesen wird der Antrag, nach dem den Quartalsabrechnungen ein vollständiges Adressenverzeichnis der Ganleiter und Zweig- vereine usw. beigefügt werden soll. Ein Antrag Dresden:„Zur genauen Arbeitslosenzählung sind Kontrollkarten einzuführen, mit lvclchen sich die arbeitslosen Mitglieder täglich auf dem Arbeits- Nachweis zu melden haben." wird ebenfalls angenommen. Dem Vorstande wird einstimniig Decharge erteilt. Zum Punkt Agitation referiert Schmidt- Berlin. Redner hält eS für notwendig, daß in Zukunft für die Agitation mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden, selbst wenn die Unterstützungen eingeschränkt werden inüßten. Man solle nicht immer öffentliche Versammlungen einberufen, wenn man an irgend einein Orte für die Organisation Propaganda machen wolle. Da seien Zusammenkünfte zu Besprechungen mit den indifferenten Kollegen häufig von größerem Vorteil. Ferner müßte den Mitgliedern in den Versammlungen mehr Gelegenheit gegeben werden, sich Kenntiiiste von der Sozialgesetzgebung anzueignen. Redner faßte feine Ausführungen in folgende Resolution zusammen: „Der 9. Verbandstag beschließt, die Agitation unter den Friseur- gehülfen mehr denn bisher zu betreiben. Gemäß den gemachten Erfahrungen wird der Vorstand ersucht, zwecks Agitation mehr Mittel flüssig zu machen. Fenrer wird der Borstand beauf- tragt, der Frage einer Mehraiistellung von Gauleitern oder aber von Zuschüssen für agitatoriich tätige Kollegen näherzutreten. Der VerbandStag erblickt diese für die besten Mittel, um die in der Provinz tätigen Kollegen für die Organisation zu gewinnen." In der Debatte zu diesem Referat nimmt die Erörtenmg der Frage über die Zweckmäßigkeit der Anstellung von Gauleitern einen breite» Rauin ein. Bei der Abstimmung wird die Resolution des Referenten an- genommen. Die Anträge zum Punkt„Agitatton" werden bis auf zwei durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Ein An- trag, in dem gfordert wird, die Aufnahniescheine auf der Rückseite mit Erläuterungen über Zweck und Nutzen der Organisation zu versehen, wird dem Vorstand überwiesen. Der An- trag Bremen:„Der Verbandstag erwartet einen Bericht über die bisherige Tätigkeit der Kommission zur Beseitigung des Kost- und LogiSzwangeS" wird durch die Erklärung deS Vorsitzenden als erledigt angesehen, daß jetzt die Broschüre über die im Jahre 1905/06 erfolgten statistischen Erhebungen über die Lage der iin Kost- und Logiszwang beschäftigten Arbeiter nunmehr im Druck vorliege. E tz k o r n hatte im Laufe der Debatte den Antrag gestellt, für Rheinland-Westfalen einen Gauleiter anzustellen und Rchni-Hambnrg dies Amt zu übertragen. Dieser Antrag wurde dem Vorstand über- wiesen. Die Zustimmung des Verbandstages erhält ein Antrag Rehm, wonach der Vorstand beauftragt wird, zu versuchen, die Damenfriseur- und Perückenmacher-Gchülfen dem Verbände zuzuführen. Ueber Lohnbewegungen referierte der Verbandsvorsitzende E tz k o r n. Er behandelte diese Frage von folgenden Gesichtspunkten au§: WaS soll gefordert werden? Wann soll man in eine Lohnbewegung eintreten? Wie sollen Lohnforderungen gestellt werden? Die rückständigen Berufs- verhältniste beeinträchtigen die Organisation als Ganzes und zugleich auch die Bestrebungen zur Verbesserung der Lohn- lind Arbeitsbedingungen. Die Unzahl der Einzel- betriebe bewirke eine mangelhafte Rentabilität, auf die die Gc- Hülfenschast zwar keine Rücksicht nehmen könne, aber immerhin sei ihren Bestrebungen dadurch eine gewisse Grenze gezogen. Der Ein- fluß der Organisation beschränke sich fast ausschließlich noch auf die von der Arbeiterschaft frequentierten Betriebe, iveil es der in dem Jnnungsbunde verkörperten Reaktion des Gewerbes unter Hinweis auf die eigenen Verhältnisse immer noch gelinge, die große Mehrzahl der Gehiilfen von der Organisation fernzuhalten. So lange die Preiserhöhungen der Selbständigen de» Angelpunkt der Lohnbewegungen bilde, so lange sei die Einleitung von Lohn- bewegungen jeder taktischen Disposition des Verbandsvorstandcs, in örtlicher und zeitlicher Beziehung, vollständig entzogen. Redner geht dann auf verschiedene im Laufe der Berichtsperiode stattgeftmdenen Lohn- bewegungen ein, um nachzuweisen, wie solche Bewegungen nicht geführt werden sollen. Nachdem der Referent die Fragen der Taktik ein- gehend erörtert hatte, bemerkt er u. a., daß die auf Veranlassung des Vorstandes hergestellten GeschästSplakate, die den Namenszug des Vor- sitzenden als Unterschrift tragen und als Ausweis dienen, daß die Arbeitsbedingungen in dem betreffenden Geschäft mit dem Verbände der Friseurgehiilfen Deutschlands geregelt sind, gute Dienste geleistet haben. Der Redner schließt seine Ausführungen mit dem Bemerken, wenn bei Lohnbewegungen seitens der Prinzipale der Preis für Rasieren auf 20 Ps. erhöht werde, so müsse entweder gleichzeitig der Kost- und LogiSzwang beseitigt werden oder die Gehülfenschaft habe ganz energische Maßnahmen zv treffen, um diese Preiserhöhung zu verhindern. Eingegangene vruckfckriften. Kalender des Zentralverbandes der Maurer 1908. Bearbeitet von Fritz Paeplolo. 50 Pf. Verlag: Th. Bömelbnrg in Hamburg. Reelams Universum, Hest 6. Wöchentlich ein Heft 30 Pf. Verlag: Ph. Reclam in Leipzig. 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Bcrlagsanstalt Paul Sinaer& Co, Berlin SW.