Kr. S74. H>«nntffifnt$'Btdlnflun8e«: Abonnement«. Prei» yrSnumernnba, BierleljShrb SL0 Ml. monntt t.10 Ml, wöchemlich 2S VI«, frei in« Hau«. einzeln« Nummer e Pfg. Sonntag«. nununer mit Aultrierter Sonntag«. Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post« Zibonnement: 1.10 Marl pro Monat, Twgetragen w die Post-Zeitung«. Prci«lil!«. Unter Kreuzband fiir Deutichland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Poftabonnemems nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schwei«. «»ei« tlon« nta■ntaci. 24. Jtchrge Verlinev VolKsblatt. �entralorgan cler fosialäemokrstiscken Partei veutfcklanäs. Me sas«ft>«a»-StM» »etrilgt für die fechSgeid allen« Kolon«?» «eile oder deren Raum G0 Pfg. für dolitische und gewerlschastliche Verein«- und»erfainmIungS-Anzeigen Sll Pfg, „kleine»nreigen", da« erste(fett- gedruckte)«ort 20 Pfg. jede« weitere wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- stellcn-Anzcigcn da« erste«ort 10 Pfg,, jede« weitere Wort 6 Pfg. wort- über 10 Buchstaben zählen für zwei Worte. Jnferatc für die nächste Nummer müssen dt« k Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist 61«"7 Uhr abend« geöffnet, Telegramm- vdreffe: „SozlaMuMkrat Btma". Rckdafctiom SM. 68, Llndenstraaa« 69. Fernsprecher: Am» IT. Nr. 1983. Expedition: SM. 68, Llndenstrassc 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1984. Das Signal 1 Der heutige Tag deS preußischen Parteitages gehörte völlig der Debatte über den Wahlrechtskampf. Daß das Proletariat den Kampf gegen die preußische Dreiklasseuschmach nunmehr mit allen Mitteln zu führen hat, bedurfte nicht erst des Beschlusses durch die Vertretung des preußischen Proletariats. Dieser Entschluß stand längst fest. Die Debatte über die Wahlrechtskampagne sollte nur das Signal zum Beginn des Kampfes sein, der letzte Kriegsrat vor der Schlacht. Aber da dieser Kriegsrat in aller O e f f e n t- l i ch k e i t abgehalten wurde, verbot es sich ganz von selbst. daß man sich über alle Einzelheiten des Feldzngsplanes ver- breitete. Das war freilich auch deshalb ganz überflüssig, da sich die Art des Kampfes ganz von selbst aus der sozial- demokratischen Taktik und der jeiveiligen Situation ergibt. Eine Truppe, die seit Jahrzehnten im Feuer gestanden, ein Offizierkorps, das sich, von der Pike aus dienend, im Kanipfe seinen Rang envorben, braucht wahrhaftig nicht erst mit den (Grundgesetzen der Strategie vertraut gemacht zu werden. Nicht um taktische Instruktionen der Massen konnte es sich handeln, ebensolvenig um Belehrungen des Generalstabes. sondern nur um einen letzten Schwur auf die Fahne, gemein- sam den Kamps zu führen mit gleicher Begeisterung und gleicher Tatkraft! Und die preußischen Delegierten dürfen sich mit Stolz dieser Debatte erinnern. Sie war— nehmt alles nur in allen,— würdig der Aktion, die sie einleiten soll. Und wenn unsere Freunde, die Feinde, an Einzelheiten der Debatte herunmörgeln sollten, so wollen Ivir ihnen dies jämmerliche Vergnügen von Herzen gönnen. Sie werden ja nie das innerste Wesen einer wahrhaft demokratischen Partei begreifen, nie den Geist schärfster Kritik verstehen, in dem sich gerade die unverwüstliche Lebenskraft der Sozial dcmokratie bekundet. Sozialdemokratische Parteitagsdebatten sind keine Paraden nach ultramontanem und freisinnigem Muster, wo ein paar Primadonnen Bravourarien in die Masie htneinschleudern. die sich wohl die Hände wund klatschen, aber nicht frei und frisch mitberalen darf. Auf den Vertretertagen des klassenbewußten Proletariates herrscht das rücksichtslos freie Wort der Freien und Mündigen. Und da unter ein paar hundert Delegierten Meinungsverschiedenheiten un vern, eidlich sind, sind auch lebhaste Zusammenstöße un venneidlich. Und da die Redekämpfe sich nicht um eine Doktordisputation drehen, nicht gleichgültige und belanglose Fragen eines Philisterflachgesprächs behandeln, fondern das, was jeder der Beteiligten für eine Frage des Wohls und Wehes der Partei hält, so sprühen in der Debatte auch die Funken temperamentvoller Leidenschaft. Und wem der Stachel der Satire gegeben, der wickelt seine Redepfeile auch nicht erst in Baumwolle. Die Pfeile sollen ja treffen, sie sollen verwunden, tödlich verwunden. Freilich nicht den Träger der bekämpften Ansicht, sondern die Ansicht s e I b st. Und es wäre schlimm, wenn dieser sprühende Eifer in der Vertretung der Ueberzeugung auf unseren Parteitagen diplomatisch abgedänipft würde. Wenn die Vorkämpfer des Proletariats einmal wohlerzogene Salonmenschen mit tadel losen Salonmanieren und den Formen verbindlicher Schön rednerei geworden wären, stünde es wahrhaftig bedenklich um die Sache des Proletariats! Denn entweder wäre an die Stelle des ehrlichen, offenen Meinungskainpfcs dann die still meuchelnde Intrige der im verborgenen schleichende» Cliquenwirtschaft getreten, oder alle Leidenschaft wärein satter Selbstzufriedenheit mit sich oder aller Welt erstickt. Bevor sich die Debatte am Nachmittag auf die Höhe gl vollster Rhetorik und packendster Leidenschaftlichkeit erhob, die sicher den Feuerbrand der Begeisterung auch in die Massen derer werfen wird, die die Reden nur lesen, kam es in, schluß an das Referat des Genossen Arons zu lebhaften Auseinandersetzungen über die bei der Landtagswahl 1908 dem Freisinn gegenüber einzuhaltende Stichwahltaktik. Ein Antrag der Hildesheimer Genossen— der dann im Laufe der Debatte eine wesentlich harmlosere Interpretation erfuhr, in- dem er als unglücklich formuliert bezeichnet wurde— verlangte, daß auch bereits den Genossen bei der Wahl- männerwahl die Freiheit gegeben werde, eventuell für nichtsozialdemokratische Wahlmänner einzutreten, um die Wahl eines waschechten Reaktionärs zu verhüten. Dieser Antrag vertrug sich nun freilich ebenso wenig mit der Losung des rücksichtslose st en Kampfes für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht, wie die mehr oder minder verschleierten Andeutungen von Bern- st e i n und Genossen, daß die Eroberung dieses Wahlrechtes auch wesentlich dadurch gefördert werden könne, daß man bei der bevorstehenden Landtagswahl den Freisinn nach Möglichkeit unter st ütze. Diese eigenartige Auffassung des proletarischen Wahlrechtskampfes mußte um so unver- blümtcren Widerspruch auslösen, als die beiden Referenten Adler und Arons sich bemüht hatten, dem Parteitag das vollgerüttelte Maß der Freisinnssündcn mit aller Drastik in frischeste Erinnerung zu rufen. DaS alte Argument von dem trotzalledem„kleineren Uebel" konnte um so weniger Gnade finden, als dieselben Genossen allerlei vielsagende An- deutungen von parlamentarifcher und außerparlamenta- rischer.Obstruktion" gemacht hatten. Die wunderliche Ser- Doppelung von schärfstem prinzipiellsten Wahlrechtskampf und kleinlichster parlamentarischer Rechnungsträgerei, die zu- dem die Bankrotteure des Liberalismus, die Fischbeck, Kopsch, Wiemer und Konsorten, noch als solvente Zahler zu be- trachten schien, mußte allgemeinem Kopfschütteln und kräftigstem Protest begegnen. Andererseits mußte auch der einigermaßen naive Wunsch eines Genossen, doch eine detaillierte Aufzählung aller der Mittel zu geben, die man im Verlaufe der WahlrechtSkampagne anzuwenden gedenke, Zurückweisung finden. Da war es namentlich das Verdienst des Genossen Wurm, in wundervoll Präziser Weise alle illusionären Hoffnungen auf die Mitwirkung bürgerlicher Parteien im Wahlrechtskampfe gründlich zu zerstören. Wurm wies nach, daß der Liberalismus auf Grund der ökonomischen Ent- Wickelung gar nichts anderes sein kann als der Ka�ilpf- geführte des Junkertums gegen die Volksrechte, gegen das klassenbeivußte Proletariat. Das demokratische Programm entstammt der längst entschwundenen Periode seines Kampfes um Durchsetzung der Interessen der Bourgeoisie. Heute ist er gesättigt; soweit er noch kämpft, kämpft er nicht an der S e i t e des Proletariats, sondernwider das Proletariat! Diebüraer- liche Demokratie, die zudem eine Demokratie nie gewesen, ist nicht zu galvanisieren; die einzige Möglichkeit, liberale Elemente sür den politischen Fortschritt nutzbar zu machen, ist die Angliedcrung der kleinbürgerlichen und proletarischen Schichten des Liberalismus an die Sozialdemokratie. Ebenso steht es mit dem Zentrum I Will man positive Politik machen: gut, so wollen wir'h a n d e ln, niemals aber den Händler spielen l Mitten in diese durchaus gebotene und klärende Debatte fielen packende, hochbedeutsame Reden von„Praktikern". Die Genossen König- Essen und Gewehr- Elberfeld riefen auf zum Wahlrechtssturm im Gebiete der schwarzen Diamanten. der höchstentwickelten Industrie. Die Proletarier gelte es vor allem in den Wirbel der Wahlrechtsbewegung hineinzuziehen, die christlichen Arbeiter, die in der Gut- gläubigkeit bisher den schwarzen Demagogen Vertrauen ge- schenkt hätten, die aber reif seien für den Licht- und Glut- gedanken deS KlaffenkampfeS. Und die Gewerkschaftsführer Robert Schmidt, Silberschmidt und Decker bewiesen auf sozialpolitischem Gebiete die UnHaltbarkeit der die Volks- gesündheit verwüstenden Junker-, Bureaukratcn- und Kapitalistenherrschaft des Dreiklassenparlamcnts und erklärten mit flammenden Worten die Bereitschaft auch des gewerk- schaftlich organisierten Proletariats, im Wahlrechtskampfe un- erschrocken, mit zähester Beharrlichkeit seinen Mann zu stehen. Die volle Höhe packender Rhetorik und hinreißendster Leidenschaftlichkeit erreichte die Verhandlung am Nachmittag mit den Reden der Genossen Friedländer und Wels- Berlin. Ihre Reden waren die schneidendste Absage an den Geist ängstlicher Rechirnngsträgerei und kleinlicher Kompromißsucht. Der Gedanke des unerbittlichen Klassenkampfes, den namentlich Genosse Wurm und die Genossin Zietz mit den schlagendsten Argumenten des Wissenschaft- lichen Sozialismus vertreten, loderte hier in hellster Kampfbegeisterung auf. Elementare Ausbrüche des Beifalls beantworteten die elementaren Eruptionen des VolkszorneS, der sich in der vulkanischen Beredsamkeit der beiden Genossen entlud. Und nun störte kein Mißton mehr die gehobene Stimmung. Genosse Maurenbrecher, an dem die Nationalsozialen trotz Naumann vielleicht ihren besten Redner verloren haben, faßte noch einmal die Grundgedanken seiner Richtung zu- summen. Der Wahlrechtssturm, sagte er, muß in die breitesten Kreise des enttechteten Volkes hineingetragen werden. Er darf nicht auf die Großstädte, auch nicht auf die drei Millionen sozialdemokratischer Proletarier beschränkt bleiben. Das klassenbetvußte Proletariat kann nur siegen, wenn es die Massen des arbeitenden Volkes für seine Ideale gewinnt, die Schichten, die noch im Gefolge des Freisinns, des Zentrums, überhaupt der bürgerlichen Parteien mitlaufen. Der 21. Ja nuar 1906 konnte nicht überboten werden, weil die Sozial demokratie isoliert war. Wir können auch im neuen WahlrechtSansturm nur siegen, wenn alle Entrechteten sich um das Banner des allgemeinen gleichen Wahlrechts scharen. Darum hinein in die Arbeit! Genosse Wurm konnte erklären, daß diese Anschauung durchaus die der Partei, der Marxisten sei, die nie etwas anderes vertreten hätten. Nur möge man sich vor der Täuschung hüten, durch Aufpeltschung der proletarischen Schichten der bürgerlichen Parteien diese bürgerlichen Parteien selbst wandeln zu können. Die eherne Logik der ökonomischen Entwickelung und des proletarischen Klassenkampfes führten zu immer schrofferem Gegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat, wo ein Hüben und drüben noch gelte. Die Znsammenschweißung des bürgerlichen Klüngels beweise nur die Stärke des Proletariats! Die Sozial- demokratie und ihr Wahlrechtssturm könne zwar nur mit dem Volke siegen, aber auch nur mit dem s 0 z i a l i st i s ch geeinten Volke der Arbeit I Mit dieser programmatischen Erklärung klang die Debatte aus. Nur Genosse Müller gab noch namens des Partei- Vorstandes die Erklärung ab, daß auch die Parteileitung eS nicht daran habe fehlen lassen, alle Eventualitäten des Wahlrechtskampfes zu erwägen und vorzubereiten. Das preußische Proletariat könne das Zutrauen hegen, daß der Parteivorstand sich seiner Verantwortung gewachsen zeigen werde. Der Verantwortung nicht nur im Sinne gewissenhaftester Umsickit, sondern auch der Verantwortung im Sinne einer Heeresleitung, die trotz aller Widerstände die ihr anvertraute Armee durch den schwer st en Kampf zum Sieg zu führen habe! So hat der preußffche Parteitag das Signal zum Wahl- rechtskampf gegeben. Die Dreimillionenpartei hat nun zu beweisen, daß die vermeintlich Niedergerittenen selbst brillant Attacke zu reiten verstehen! Vorwärts! Nieder mit dem Dreiklassenwahlrecht 1 Gegen Cedensmittel- und Kohlen- teuerung! In der gestrigen Sitzung der sozialdemokratischen ReichStagsfraktion wurde beschloffen, zwei I n t e r» pellationen einzubringen, eine bett. die hohen Leb««»- mittelpreise, die andere betr. die Steigerung der Kohlenpreise. Elftere lautet: „Was gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun, um den UN- gemein hohen Preisen der notwendigsten Lebensmittel entgegen« zuwirken?"... Die zweite: „Welche Maßregeln gedenkt der Herr Reichskanzler zu er« greifen, um der gemeinschädlichen Steigerung der Kohlenpreise entgegenzuivirken, die auf dem gesamten Wirtschaftsgebiet und insbesondere aus der Lebenshaltung der minderbemittelten Volks- klaffen schwer lastet?" Die Lebensmittel-Jnterpellatton werden die Genossen Scheidemann und Eichhorn, jene über die Kohlenpreissteigerung Molkenbuhr. und Hue begründen. Als Etatsredne.r wurden Genosse Bebel und. nachdem Genosse Singer gebeten hatte, von seiner Person für diesmal Abstand zu nehinen, Genosse David bestimmt. An neuen Anträgen wurden von der sozial» demokratischen Fraktion eingebracht: Ein Antrag auf Schutz derHüttenarbeiter in Bezug auf ihre P e n s i 0 n s k a s s e n a n s p r ü ch e. Ein Antrag auf Eingreifen gegen das zur direkten Gewohn- heit ausgeartete unterirdische Beschäftigen von Kindern unter 16 Jahren. Ein Antrag ans Aufhebung der Fahrkarten« steuer. politilcbe Gcberficbt. Berlin, den 22. November l907. Petittonstag. In msäias res— mitten hinein ins„Vergnügen" sprang der Reichstag, als er heute seine Tagungen wieder aufnahm. In langer Reihe marschierten Petitionen daher: wichtige und minder bedeutende, die Allgemeinheit interessierende und solche, denen nur die unmittelbar Beteiligten Verständnis ent» gegenbringen. Zur Zahl derjenigen, welche eine recht breite Oeffentlich- keit angehen, gehört die Petition, in der vom Reichstag ver» langt wird, daß er sich endlich den Ausbau der Sozialreform im Händelsgewerbe angelegen sein lasse; daher war es bestens am Platze, daß Genosse Molkenbuhr in seiner Rede zu diesem Punkte einen allgemeinen historischen Rückblick auf die durch unsere Partei inaugunerten sozialpolitischen Forderungen einflocht und den Blockmännent die Aera Büeck- Berlepsch sowohl wie die Aera Brefeld ins Gedächtnis rief. Auf diesem geschichtlichen Unterbau nahm sich die liebliche Figur Bernhard v. Bülows umso harmonischer auS, als Molkenbuhr mit glücklichem Humor die politische Kurzsichtig- keit des zitatenreichen Kanzlers ins hellste Licht rückte: die Seelenfreundschaft unserer gegenivärtigen Regierung mit den Herrschaften von der Großindustrie scharf zeichnete. Molkenbuhrs kraftvoller Stoß rief Herrn Schack in die Schranken. Dieser antisemittsche Hamburger brach ein Länzchen für die christlichen, für die„nattonalen" Organi- sationen— eine verkappte Propagandarede zugunsten des deutschnationalen Handlungsgehülfenverbandes, dessen Vor- sitzender ja Herr Schack ist. Ganz besonders verschnupft zeigte sich der Redner, weil Genosse Molkenbuhr es sich nicht hatte nehmen lassen, tm Laufe seiner geschichtlich-dokumentarischcn Auseinandersetzung auch die kaiserliche Botschaft vom 17. No- vcmber 188l— das„erhabene Moment monarchischer Sozial» Politik", wie der schwungvolle Schack sich jetzt ausdrückte— an passender Stelle mit ins rechte Licht zu rücken. Mit seiner „Ehrenrettung" für die Botschaft Wilhelms I. erzielte Schack außer dem Beifall der Antisemiten, nichts weiter, als' daß Molkenbuhr Gelegenheit fand, in einer knappen, treffenden Replik einmal die Unwahrhaftigkeit der Schackianer gegenüber der Sozialdemokratie zu zeichnen, dann aber auch: die verhimmelte kaiserliche Botschaft von 1881 wieder auf ihre recht irdischen Füße zu stellen. Was Molkenbuhr begonnen hatte, das setzte Genosse s 0 ch bei Erörterung der Petition über die Errichtung vo» �andelsinspektionen fort. Er zeigte, daß es sich htxr leichfalls um eine zehn Jahre alte sozialdemo» r a t i s ch e Forderung dreht und daß die Deutsch» nationalen auch in dieser wichtigen Frage versagen, so weit! cä sich darum handelt, den Aufsichtsbeamten— analog der i sozialdemokratischen Forderung in bezug auf die Gewerbe-! Inspektion— Hülssbeamte auS den Reihen der HandlungS- gehülfen selber beizugeben. Wie Schuck gegen Molkcnbuhr unglücklich abgeschnitten hatte, so besorgte er sich auch von Hoch eine Abfuhr. Er warf nämlich unserer Fraktion'ihre Abstimmung gegen daS Gesetz über die Kaufmannsgcrichte vor, worauf_ Genosse Hoch festzustellen Anlaß nahm. daß dies geschehen sei, weil den männlichen Handlungs- gehülfen unter 25 Jahren und den weiblichen Handlungs- gehülfcn insgesamt das Wahlrecht vorenthalten worden ist! Die Petition betreffend Acuderung des Invaliden- Versicherungsgesetzes gab dem Genossen Sachse Gelegen- heit, die entsetzlichen Arbeitsverhältnisse im Bergbau zu schildern. Seinen Ausführungen stimmten die Abgeordneten Behrens(Wirtsch. Vg.) und Brejöki.(Pole) zu, Erzberger desgleichen, nur daß er meinte, die finanzielle Tragweite des Antrages SachseS(Uebcrweifung der Petition zur Beriick- fichtiguug) lasse sich nicht übersehen. Erzbergers Fraktions- genösse, der ZentrumSabgeordnete GiesbertS, will von dem arbeiterfteuudlichen Antrage überhaupt nichts wissen, was Genosse Sachse gebührend festnagelte, indem er zeigte, wie das Zentrum zwar in Beteuerungen seiner„Arbeiter- freundlichkeit" groß, riesengroß, für Taten auf diesem Ge- biete aber fast nie zu haben ist. Die Abstimmung über den Antrag Sachse ergab ein höchst interessantes Bild: für. die Uebcriveisuug zur„Berück- s i ch t i g u n g" stimmten die Sozialdemokraten, die Frei- sinnigen, die Polen und die Antisenuten, für die Ueberweisung � als„M a t e r i a l" der die Majorität bil- dende übrige Teil des Hauses, so daß also der „Block" nicht dicht hielt und das werte Zentrum mit den Konservativen ging!— Ein paar Züuftlerpetitionen gaben dem Genoffen Brüh ne die Möglichkeit, die soziale Rückiländigkeit der kleinen und kleinsten Jnnungskrauter zu charakterisieren. In diese Diskussion mischte sich u. a. auch Mugdan ein, der es sich gefallen lassen mußte, daß ihn der Zentrumsabgeordnete Tischlermeister Göring nicht übel abführte. Als auch der Konservative Malkewitz seinen Senf dazu gab und erklärte. MugdanS Worte hätten ihm um deswillen ganz besonders tvehc- getan, weil sie auS dem Munde eines— BlockfreundeS stammten, da blieb dem Allerweltsdoktor nichts übrig, als nochmals in die Debatte einzugreifen und die„warme Freund- schaff" deS Freisinits für Handwerk und Handiverker zu be- teuern.... Nunmehr vertagte sich das Haus. Es will morgen den Staatsvertrag mit Holland(über Unfallversicherung) beraten und dann an den„Entwurf des Gesetzes betreffend die Be- strafung der Majestätsbeleidigung" herantreten.— Hinter den Kulissen der nationaMberalen Partei. In der nationaüiberalen Part« kriselt cS seit dem Beginn der junglibcralen Agitation beständig. Bald bricht da, bald dort ein lokaler Zwist auS. Augenblicklich ist wieder Berlin der Schauplatz eines derartigen welterichütterndrn Ereignisses. Wie in Anbetracht der Eigenart des Nationalliberalrsmus selbstverständlich ist. handelt es sich bei allen diesen Streitigkeiten, niemals um Prinzipkn- fragen. Der NationallibcraliSmuS hat nur ein anerkanntes Prinzip: das Prinzip der absoluten Grundsatzlosigkeit, und dieses gibt zu Zwistigkeiten keinen Anlaß. Fast immer handelt cS sich um RivalitätSstreitigkeiten; meist um die Frage, ob den Führern des Jungliberalismus eine keilende Stellung in den nationalliberale» Vereinen eingeräumt werden soll, oder nicht. In Berlin wird dieser Kampf um die Vorstandsposten noch dadurch kompliziert, daß zwischen dem„Zentralbureau der natioualliberalen Partei", da? die„be- währten alten Traditionen" des NationallibcraliSmuS, daS heißt die Richtung Bafferinann, vertritt, und der.National» Zeitung" allerlei Differenzen bestehen und daS Zentral- bureau bei seinen Mitteilungen die„National- Ztg." systematisch ignoriert und die„Nationall. Korr." sowie die«Nationall. Blätter" als alleinige Publitationsorgaiie betrachtet. In diesem Kampf um die leitenden Posten haben sich nun die Jungliberalen kürzlich einen kleinen Eoup geleistet, wie er unter diesen Verehrern der strengen Rechtlichkeit nicht selten ist. Sie er» schienen plötzlich in größerer Zahl in einer der schwach besuchten VereinSversammlungen. erklärten die alten senilen Greise deS Vor» standes ihres Postens für verlustig und wählten dafür einen Bor- stand aus ihrer Milte. Darüber herrscht unter den Abgesetzten, die sich bisher als Mit» bestimmcr der politischen Geschicke Deutschlands betrachteten, helle Entrüstung, und eine dieser Größen richtet an seine Gesiunungs» genossen folgendes, uns von einem günstigen Winde auf den RedaktionS- tisch gewehte Zirkular: Vertraulich I Grunewald, den 22. November 1907. Hochverehrter Herr! Die letzte Generalversammlung deS nationalliberalen Vereins Berlin am 30. Oktober 1000 war von unseren langjährigen und bewährten Mitgliedern nur schwach besucht worden, und daher gelang eS einer jungliberalen Gruppe, nach vor- Yenger Komplottschmicdung, den bisherigen, langjährigen und be- wählten Vorstand rücksichtslos grundlos zu zertrümmern. die tätigsten Mitglieder daraus zu entfernen und sich selbst als Vorstand einzuiiisren. trotzdem die bezügliche» Herren für unseren Berliner Verein noch nie daS geringste geleistet hatten. 13 Jungliberale, welche sich erst am Abend der General- Versammlung als Mitglieder angemeldet, welche noch kemen Jahresbeitrag gezahlt hatten, und welche daher laut jj 3 der Satzungen an diesen, Abend noch keine Mitglieder sein konnten, haben in dieser Bersaminlmig entscheidend mitgewählt und sogar dabei zwei jungliberale Nichtmitglieder in den Vorstand bugsiert. Die letzte VorsiandSwahl ist demnach in illegaler Weise voll- zogen worden, dieselbe ist ungültig, und belieben Sie daS Nähere auS der Anlage zu ersehen." Heute Freitag, de» 22. November a. C., abends 8'/, Uhr, findet wieder in der Geschäftsstelle unseres Vereins, NvV., Karlstraße IS. eine Generalversammlung mit Vorstands- ■ wähl statt und werden Sie, hochverehrter Herr, als treues und bewährtes Mitglied, in dessen Hand daS Wohl und Wehe unseres Vereins heute Abend mitliegt, höflichst und dringend gebeten in der heuligen Generalversammlung zu erscheinen und unten- stebenden.Wahlzettel zur Vorstandöwohl geneigtest benutzen zu wollen. Mt vorzüglicher Hochachtnng A. Hentze und im Nqmcn mehrerer Mitglieder. Ein recht interessanter Beitrag zur Eharakteristil der national- liberalen Partei._ Ein frondierender General. Ter kommandierende General deS 7. Armeekorps Freiherr v. Vissing sollte demnächst den blauen Brief bekommen. DaS ist nichts Ungewöhnliches, da seit dem Regierungsantritt des Kaisers der Wechsel in den höheren Kommandostellen sehr häufig ist. Un- l gewöhnlich ist aber dieSmal die Form, in der sich der Wechsel voll- l zieht. Herr v. Bissing hat nämlich daS Bedürfnis gehabt, die Tat- j fache seiner Verabschiedung in folgendem Armcebi.fehl seinem Armeekorps bekannt zu geben: „Nachdem Seine Majestät der Kaiser und König mir hat mit- teilen lassen, daß Allcrhöchstdcrselbe daS VII. Armeekorps, das ich fast sieben Jahre mit besonderer Auszeichnung und zu seiner dauernden Zufriedenheit geführt hätte, deshalb neu besehen wolle, weil jüngere Kräfte zu ihrer Verwendung im Ernstsalle sich im Frieden darauf vorbereiten müßten, habe ich Sr. Majestät ge- meldet, daß ich am 1. Januar 1908 mein Abschiedsgesuch einreichen werde. Ich hoffe, daß ich in der Zeit, in welcher es mir noch vergönnt ist, mein schönes Armeekorps zu führen, einzelne Standorte besuchen kann, um meinen Untergebenen, die mir so sehr ans Hcrzz gewachsen sind, Lebewohl zu sagen." Dieser Tagesbefehl wird in allen Regimentern des Armeekorps verlesen. Offenbar wollte der General seiner Pensionierung zuvor- kommen und zugleich zu verstehen geben, daß er seinen Abschied wider Willen nimmt und ihn für nicht gerechtfertigt ansieht. So ist es auch zu erklären, daß der sonst so militärfvomme Schcrlschc „Lokal-Anzeigcr" offenbar offiziös einige Gründe für diesen Ab- schied anführt, die, wenn sie wahr sind, für den General nicht gerade schmeichelhaft sind. Dem General, der früher einmal das„vor- nehmste" preußische Garde-Kavallericregiment, daS Regiment der Garde du Korps, kommandierte, wird„Schroffheit seiner Auf. fassung m allen dienstlichen Dingen" vorgeworfen. Als Grund für die Verabschiedung wird die Art seiner Truppenführung und seine Erfolglosigkeit während der letzten Kaisermanöver angeführt. ES ist ganz intereffant. daß dieser schroffe General durchaus nicht die militärische Disziplin vom Standpunkt des Kadavcrgehor- samS auffaßt, der sonst immer von den Vertretern deS MililariS- muS gefordert wird. Jedenfalls ist es eine neue und pikante Tat- fache, daß die Kommandogewalt deS Kaisers, die, wie zum Beispiel der Prozeß Liebknecht gezeigt hat, sonst so sorgsam gehütet wird. wenn auch in versteckter und zurückhaltender Weise von einem preußischen General kritisiert wird.— Steuerpfiantasle. Die Steuerpolitik unserer Regierung hat ein Defizit von phantastischer Höhe erreicht, und diese? Defizit ruft wieder phan- tastische Pläne zu seiner Deckung hervor. DaS neueste in dieser Art ist der Plan cineS ElcktrizitätSmonopolS. DaS klingt wie ein schlechter Witz, es scheint aber vom ReichSfchatz. a m t nach einer Auskunft, die das„Berliner Tageblatt" erhalten hat, ernst genommen zu werden. Zwar versichert daS Amt, daß zum Ankauf der in Deutschland befindlichen Elektrizitätswerke ein enormes Kapital notwendig sei; handelt eS sich doch um über 2000 Werke, von denen 800 Elektrizität abgeben; aber dafür würden die Einnahmen recht hoch sein und eine Anleihe zum Ankauf der Werke sich sehr gut verzinsen. Wir gestehen, daß unS dieser Plan ganz gut gefällt, bedeutet er doch nichts anderes, als die Aufhebung des Privateigentums an einem der wichtigsten Produktionsmittel. Würde dazu noch die Aufhebung deS Privateigentums an Kohle und Eisen kommen, so würde in der Tat ein wichtiger Schritt zur Vergcsellschasilichung der Produktionsmittel getan sein. Der Plan hat nur den einen Fehler, daß er nicht von uns Sozialdemokraten ausgeführt werden soll, sondern von einer Regierung der besitzenden Klassen zugunsten und im Interesse dieser Klassen; denn die Expropriation, wie sie die Regierung meint, soll für die Kapitalisten eine neue Quelle der Bereicherung werden. Wie beim Branntweinmonopol den Junkern, würden bei diesem Monopol den mächtigen Herren der vertrusteten Elektrizitätsindustrie der kapitalisierte Betrag ihrer weit über den Durchschnitt stehenden Profite in den Sckoß fallen. Bei der Anleiheoperation selbst würden die Banken hohe Provisionen und die Geldgeber hohe Zinsen erhallen. Aber trotz alledem: der Staat, der daö Monopol an der wichtigsten Triebkraft der Pro« duktion besitzt, der hätte einen ungeheuren Einfluß auf unser ge» samtcS Wirtschaftsleben,' daS damit von einem Punkte auS ge- leitet und beherbscht würde. Für das Proletariat, das Opfer dieser Wirtschaftsweise, würde cS ein mit unerhörter Energie wirkender Ansporn sein, durch Eroberung der Staatsmacht sich der Herrschaft über diese Wirtschaftsweise zu bemächtigen. Dem Be- ginn der Verstaatlichung würde das Ende der Vcrgesellschaftlichung der Produktion in nicht gar zu langer Zeit nachfolgen. Leider wird dieser schöne Plan der deutschen ReichSregierung eben nur ein Plan bleiben, selbst wenn ihm innerbalb der kapita» listischen Wirtschaft keine außerordentlichen technischen Schwierig- leiten entgegenstünden. Zudem würde eine solche kapitalistisch. bureaukratische Regelung den ganzen Fortschritt unserer Industrie außerordentlich in Frage stellen und damit die Konkurrenzfähigkeit Deutschlands auf dem Weltmärkte sehr stark gefährden. Dabei sprechen wir noch gar nicht davon, daß dieser Plan auch politische Gefahren schlimmster Art in sich schließt. Unter den heutigen politischen Zuständen Deutschlands bedeutet die Verwandlung vieler Tausende von Arbeitern und Beamten in SiaatSangestcllte gerade- zii eine politische Entrechtung und wirtschaftliche Knechtung dieser Schichten. Aber wir wollen an diese neueste Ausgeburt der Steuer- Phantasie nicht viele Worte verschwenden. Die Zeit für solche Experimente ist vorüber. Denn der Schritt von der Verstaat- lichung der Produktion zu ihrer Bergesellschaftlichung erscheint nicht nur den Sozialisten als ein kleiner. Gegen das Ausnahmegesetz. Ans Posen, den 20. November, wird uns gemeldet: In einer heute abend abgehaltenen, zahlreich besuchten sozial- demokratischen Protest Versammlung gegen das B e r- bot der polnischen Sprache in Versammlungen wurde nach einem etwa zweistündigen, wiederholt mit stürmischem Beifall aus- genommenen Vortrage des Redakteurs H a a s e von der„Gazeta Robotnicza' folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die am heutigen Tage im Saate deS ElabiissementZ „Schweizertal" Versammelten protestieren mit aller Energie gegen die geplanten gesetzlichen Betchränkimgen, die gegen alle nichtdeutschen, speziell aber gegen die polnische» Ver- sannnlungen gerichtet sind. Ein Verbot. Versammlungen in seiner Muttersprache abzn. halten, ist eine Barbarei, die 4'/z Millionen der nicht- deutschen Bevölkerung deS Deutschen Reiches der grundsätzlichsten StoaatSbürgerrechte be- rauben würde. Die Versammelten drücken gleichzeitig ihren ihren entschiedenen Protest gegen die Politik der Ausnahmegesetze auS, die seit mehreren Jahren gegen die polnische Bevölkerung getrieben wird und erklären: Die Hakalistische Politik ist unlösbar verbunden mit der allgemeinen Reaktion, mit deni Bestehen deö reaktionären preußischen LandrcchlZ. mit der Junker- Politik, der Unterdrückung, der Bekämpfung allen Fortschritts. Deshalb auch muß der Kampf gegen den HnkatiSmus in erster Linie zum Kampfe gegen die Reaktion, zum Kanipfe um die Demokratisierung des preußischen Staatswesens, um die Erringung des allgemeinen, gleichen, gehet nien und direkten Wahlrechts zum preußischen Land- tage f ü h-r e n.>-_ Tie Sozialdemokratie im badischcn Landtag. Die sozialdemokrati sche Landtagsfraktion BadenShielt am Mittwoch ihre erste FrakliouSsitzimg ab, um Stellung zu der am 26. November beginnenden LandtagSseiMon zu nehmen. Die Fraktion konstituierte sich durch die einstimmige Ernennung der Genossen Ad. Geck- Offenburg zmn Vorsitzenden, Rob K r a m e r- Mannheim zum Stellverircier. der Genossen W. K o l b- Karlsruhe und ü.JR ö s ch- Lörrach zu Säiriftführern bezw. Stellvertretern. In der Stellung- nähme zu den Wahlen in die Kammerverwallung und zu den Aul- gaben, welche die Partei in der Session des badischen Parlaments zu erfüllen hat, wurde sowohl in prinzipieller wie taktischer Hinsichr eine vollständige Einmütigkeit erzielt. Die Angriffe der Gegner, die eine Zersplitterung in unseren Reihen zu errerchcn hofften, haben das Gegenteil erreicht. Das„Berliner Tageblatt" läßt sich von seinem Karle- ruber Korrespondenten über die Sitzung allerlei Ilnrichtigkeitcn telegraphieren, die beweisen, wie sehr der badische Block im Dunkeln tappt. Eine Erfindung ist eS. wenn daS„Tageblatt" behauptet, es habe in der Fraktion„eine Richtung Franl-Kolb ihre Bereittvilligkeir zu weitestem Emgegenkomnien erklärt, dagegen die Richtung Geck- Eichhorn sich unbedingt für die Ausrechterhaltung der Kandidatur Geck(für die zweite Vizepräsidentenstelles ausgesprochen". Wenn die Austischung dieser Phantasie ei» Fühler sein soll, den die badisckcn Liberalen in ihrer heillosen Ve-wirrung ausstrecken, so diene itmen als Bescheid, daß die badische Kaminerfraktion ohne jeden Widerspruch eines Mitgliedes einstimmig das beschlossen hat, was selbstverständlich ist und was sie im Einverständnis nicht mir der badischen Genossen, sondern der gesamten Partei zu tun verpstichiet ist. JndeS baden am selbigen Tage, da die sozialdemokratische Frnklio» tagte, nach einer Meldimg der„Frmikfnrlcr Zeitung" die Fiibrer der liberalen Blockparieien Badens beschlossen, von der Wiederwahl deS sozialdemokraii'chen zweiten Vizepräsidenten Adolf Geck unter allen Ilm ständen abzusehen. Fall» die Sozialdemokraten noch Anspruch auf den zweiten Vizepräsidenten erheben sollten, könnte ein Sozialdemokrat nur dann in Betracht kommen, wenn die Sozialdemokraten bestimmte Bürgschaften für lhn übernähmen. Wie nett von den Herren Liberalen, daß sie der Sozialdemo- kraiie wenigstens diesen Ausweg noch lassen! Militärfierichtkiches. Ter Hauptmann und Distriktsoffizier der sechsten Gendarmerie- Brigade tn Oppeln. Leopold v. Sassen, stand vor dem BrcS- lauer Kriegsgericht der elften Division unter Vorsitz des Oberst v. Hopfgarten-tzcidler angeklagt, seinen Burschen, den MuSkencr der Reserve Prietzcl gcohrfeigt und schmerz- o o f t c Stöße gegeben zu haben. Hauptmann v. Sassen ist >800 in Breslau geboren, 1880 inS Heer eingetreten, ward 1888 Leutnant, 1804 Oberleutnant, 1890 Hauptmann. 1000 trat er als Dljtriklsoffizicr in die sechste Gendarmcricbrigade ein. Nachdem d e Anklageschrift und Personalien des Offiziers verlesen und lercits in die Verbandlung eingetreten war, äußerte der Vor- ntzcndc, Oberst v. Hopfgarten zu dem VcrhandlungSführer. KnegSgerichtSrat T s ch i r s ch k e,„geschieht etwas wegen Aus- schluß der Oeffentlichkeit?" worauf der Anklagevertreter. KricgSgerick'tsrat Esche einwendete:„Ich stelle icinen Antrag." Der Verteidiger aber:„ich stelle den Antrag." DaS Gericht beriet und beschloß, die Oeffentlichkeit bestehen zu lassen. 'veil eine Gefährdung der Disziplin und der militärdicnstlichen Interessen nichtzu befürchten fei. Der Verhandlung wohnte der Kommandeur der sechsten Gendarmeriebrigade, Oberst v. P u t t k a m m e r, bei. Aus Zeugenaussagen sei entnommen, der Hauptmann habe die Angewohnheit, viel zu schimpfen. Der Anklagevertreter beantragte wegen Mißhandlung in vier Fällen und vorschriftswidriger Behandlung in einem Falle 14 Tage Stubenarrest. DaS Gericht erkannte auf einen Tag wegen vorschriftswidriger Behandlung in zwei Fällen. Staatliche Schnüffelei. Wie mittelalterlich eö noch in manchen der vielen deutschen Paterländer zugeht, zeigt auch folgende Mitteilung der„Berliner PolkszestuNg".' DaS' Blatt schreibt: „Im Fürstentum Reuß ä. L. besteht für unverheiratete Frauenspersonen die gesetzliche Verpflichtung, wenn sie in andere ßmständc koitimen, diese? spätestens bis zum vierten Monat der Polizeibehörde ihres Aufenthaltsortes zu melden. So absonder- lich das klingen mag. das Gesetz besteht und muß respektiert werden. Die Folge ist natürlich eine Anzeige nach der anderen. denn meistens unterbleibt die Anmeldung aus Unkenntnis der Verpflichtung. Das Gesetz verlangt übrigens auch noch die Offenbarung von mancherlei Intimitäten, so z. B. hat die be- treffende Frauensperson bei Vermeidung oincr Geldstrafe von 3 bis 0 Talern oder einer entsprechenden Gefäi�zniSstrase die Meldung selbst zu erstatten und den Namen ihres Liebhaber» mit anzugeben. Sogar die Personen, in deren Wohnung sich die in Frage kommende Frauensperson aufhält, sind bei Ver- meidung xiiner Geldstrafe von 1 bis 3 Talern verpflichtet, für die Anmeldung Sorge zu tragen." Was sich deutsche Untertanen noch alles gefallen lassen) Scdwete. Erhöhung der ErbschaftSstruer. St. Gallen, 19. November.(Eig. Bericht.) Die Regierung des Kantons St. Gallen hat dem Großen Rat einen Entwurf zuc Revision des ErbschaftSstenergesetzeS vorgelegt mit folgenden er» höhten Stcueransätzcn: a) Verwandte der geradeabsteigendcn Linie, Ehegatten und Eltern 1 Proz.(bisher% Proz.); b) Geschwister 3 Proz.(2); c) Oheim. Tante, Neffe, Nichte. Großeltern 0 Proz.(3 bezw. 4); ck> Geschivistcrkindcr 9 Proz.(0); e) alle weiteren erbberechtigten Verwandten und andere Bezüger 12 Proz.(16). Von dieser Bestcuerung sind u. a. ausgenommen: Erbschaften. die Eltern, Kindern und Großkindern sowie Ehegatten von Gesetzes wegen zufallen, soweit der einzelne Erbanteil 10 000 Frank nicht übersteigt. Tie Mchreinnahme aus der erhöhten Erbschaftssteuer soll namentlich zur Erhöhung deS kantonalen ArmenfondS verwende: werden. Rußland. Der Prozeh wegen des„Wiborger Aufrufs�. Die Anklage gegen die Mitglieder der ersten Reichsduma, stre den„Wiborger Aufruf" verfaßt und durch Wort und Schrift ver- breitet Hadem wird— wie wir der„St. Petersburger Zeitung" entnehmen— am 12. Dezember unter Heranziehung von Stände- Vertretern vor dem Appellhof zur Verhaiidiung kommen, Der Prozeß soll öffentlich geführt werden.— finnland. Berfolguug der sozialdemokratischen Presse. Seit letzter Zeit werden die Verfolgungen der soziakdemo- kratischen Presse immer stärker. So wurde vor kurzem der Redakteur der schwedischen Zeitung„Arbetaren", G-nosse Useniu», zu drei Monaten, und der Redakteur Njnman zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Aus diesem Anlaß weisen die sozialdemokratischen Zeitungen darauf bin. daß die Verfolgungen sich ausschließlich auf Organe ihrer Parte, beschränken; wie oft auch die Hauptvcrwaltung in Prcßangelcgenheiten dem Senat vorschlug, auch die Redaktcure der BourgeoiSpreffe wegen ihrer Vergehen zur Verantwortung zu ziehen, der Senat wie? diese Vorschläge wegen.Mangel« an gc- „ügendcn Gründen" immer zurück; nur in den sozial demo- kratischen Zeitungen finden sich immer solche Gründe!»- Hfnha. London, 22. November. Tie ersten Wahle« in der Orange River Colony seit Geivährung einer verantivortllchen Zic- gierung haben die Wahl von 23 Mitgliedern der holländischen Ptirteimteressen ivird gemah j tÄesamtparlei«we Lande» Vereinigung deS Geeinten OrangestaatS. von vier der eng- tischen Vereinigung der vcrfassiingsmShigen Union und von vier unabhängigen Mitgliedern ergeben. Unter den Ge- wählten befinden sich Fischer und die Generale Bürger und Deivet.—_ Parteitag der preußischen Sozialdemokratie. (Schluß aus der 3. ÜZcilage.) Der Entwurf des Statntö der Laudesorganisation für Prcufien» den die OrganisationSlommission festgestellt hat, lautet: 8 1. Zur Wahrnehmung gemeinsanier K& deS OrganifationSstatntS der organisation für Preußen gebildet. 8 2. Organe der Landesorganisation sind: Die LandeSkommisstou and deren geschüftSführender AuSsck>»b. die EezirtSloiniters sdie Agitationt-komniission der BezirkSverbäude) und die Vorstände der WahlkreiSorgaiiisanonen. 8 Die Landeskommission besteht ouS je einen, Mitglied jedes Ve- zirkSverbandeS in Preußen: jede? Komitee bestimmt da? Mitglied selbst und hat, falls dieser verhindert ist, für besten Vertretung zu sorgen. AlS geschäftsführender Ausschuß der LandeSkommifsion fungieren der Vorsitzende, der Schriftführer und der Kassierer der Partei- organisation Groß-VerlinS. § d. Die Landeskommission und ihr geschästSführender AuSschnsz haben die Parteigeichätte im Einverständnis mit dem Parteivorstande der fo�ialdemokraiischen Partei Deutschlands zu erledigen, der zu allen Sitzungen einzuladen ist. Die Landeskommission tritt in der Regel jährlich einmal zu- famnien. Außerdem muß sich der geschästtführende Ausschuß vor der Einleitung aller für ganz Preußen geplanten ivichiigen Partei- aklionen mit ihr rechtzeivg tu Verbindung setzen.[§ 6.] Die oberste Vertretung der LandeSorgunisation ist der preußische Parteilag. Er findet alle zwei Jahre statt, und ist von der Landes- Kommission einzuberufen. Zur Teilnahme an dem Parteitage find berechtigt: »1 Die Delegierten der Wahlkreisvereine, mit der Maßgabe, daß Vereine bts tOOO Mitglieder einen, bis 3000 Mitglieder zwei, bis»000 Mitglieder drei, bis 10 000 Mitglieder vier und über 10000 Mitglieder fünf Delegierte zu wählen berechtigt sind: b) die Delegierten der sozialdemokratischen Frauen Preußens: c) die sozialdemokratische» Reichstags» und die Landtags- abgeordneten Preußens; d) die LandeSkomini'sion und der geschäftsführende Ausschuß: e) der Parteivorstand. § 8. Zu den Aufgaben deS Parteitages gehören: a) Prüfung der Mandate: b) Entgegeuliahme der Berichte der LandeSkommifsion sowie des geschäfissührenden AusschusteS und der Landtags- abgeordneten Preußens: v) Beratung und Beschlußfastung über alle daS Parteileben Preußens berührende Fragen: 6) Beschlußfasiung über alle eingereichten Anträge; e) Wahl des OrteS für den nächsten Parteitag. 8 Spätestens sechs Wochen vor Einberufung des Parteitage? hat die LandeSkoimnission den einzelnen Wahlkreisvereinen und Bezirks- komitee» einen Rechenschaftsbericht zu übermitteln und den Termin, sowie die provisorische Tagesordnung bekannt zu machen. Die Be- kanntmachung ist mindestens zweimal in angemessenen Zwischenräumen zu wiederholen. Alle Anträge zum Parteitag sind spätestens drei Wochen vor seiner Tagung bei der LandeSkommission einzureichen, die verpflichtet ist, die Anträge spätestens zwei Wochen vor dem Parteitage zweimal hintereinander zu veröffentlichen. Die Veröffentlichungen erfolgen im«vorwärts. 8 S. Ein außerordentlicher Parteitag kann einberufen werben durch Mehrheitsbeschluß der LandeSkommission. Auf Antrag von sieben BezirkskomiteeS ist die LandeSkommission zur Einberufung eines solchen Parteitages innerhalb vier Wochen verpflichtet. Weigert sich die Landeskommission, so hat die Ein- berufung durch die Vorsitzenden der beantragenden BezirkskomiteeS zu geschehen. Die Fristbestimmungen fallen für die außerordentlichen Partei- tage fort. 8 0. Die Abgeordneten und die LandeSkommission haben in allen Fragen, welche ihre varlameutariiche Tätigkeit oder ihre GeschästS- führung betreffen, lein Stimmrecht,. § 10. Die Kosten für die Kreisdelegationen zu den Parteitagen trägt jeder KreiSveiein, die Kosten für die gusammeukllnfte der Landes» kommission trägt jeder Bezirksverband. Die Kosten deS geschästS- führenden Ausschusses werden von den Vezirksverbänden im Vor- häitnis zu der Zahl ihr« Mitglieder durch Umlageverfahren er- Wto# u Die Vorsitzenden der Kreisvereine und der BezirkskomiteeS sind verpflichtet, ihre Adressen dein geschästssiihrenden Ausschüsse der LandeSkommission mitzuteilen und von jeder Aenderung Kennluis zu geben.~ m 9 In den gestrigen Parteitagbbericht hat sich ein arger Irrtum eingeschlichen, der hiermit berichtigt werden soll. Genoste Maurenbrecher hatte, um die sogenannte» .Ftompetenzbedenkcn" deS Parteivorstandes gegen den OrganisatioiiSentwurf des Genossen AronS zu bekämpfen, eine Parallele auS der Parteigeschichte gezogen. Er verwies auf die Gründung der Generalkommission der G e w e r k s ch a fto n mit den Worten:„Aber Kompetenz- konflikte befürchtete man einst auch mit der Generalkomniffsion." Hier verzeichnet der Bericht folgenden Zwischenruf deS Partei- Vorstandsmitgliedes P f a n n k u ch:„Fch habe sie nicht ge- schaffen." In Wirklichkeit hat Genosse Pfannkuch, in An- spielung auf seine dereinstige Tätigkeit im Jahre 1892, den Zwischenruf gemacht:„Ich habe sie m t t geschaffen." Hus der pärteu Der Verlust vou Offcnbach. AuS vffenbach wird uns zum Ausgang der Stadt- Vcrordnetemvahlen noch geschrieben: In eine Zeit, in der die kommunalen Wahlen im ganzen Reiche einem Sieacszuge der Sozialdemokratie gleichen, fiel, dem Reif in der FrühlingSnacht gleich, die Stadtverordneten- Wahl in O f f o n b a ch(Main). Sie brachte der Partei eine Niederlage. Mit dem 1 Januar 1908 ist wieder eine bürgcr- . liche Mehrheit im Offenbacher Stadtverordnetenkollegium vor- Händen. Der Jubel darob im bourgeoisen Blätterwalde ist ebenso laut, als unberechtigt: Von 10720 Wählern übten 9188 ihr Stimmrecht ans, eine nie dagewesene Beteiligung, wenn man bedenkt, daß Hunderte von Arbeiterwählern ihr Wahlrecht wegen Steuerriickständcn nickt ausüben konnten. Tie bürgerlickc Liste vereinigte im Mittel auf sich 4714. die sozialdemokratische 4474, der„Sieg" bestand also in 240 Stimmen Mehrheit. Die sozialdemok.atische Mehrheit war dem national- liberalen Fabrikantenklüngel längst ein Gräncl. Getreu dem kommunalen Programm der Partei waren einschneidende Reformen, wie Unentgeitlichkeit der Geburtshülfo, Unentgelt- lichkcit der Lehrmittel, verschiedene Neubauten, Uebernahme der Straßenbahn in eigene Regie, Errichtung einer Kinder- milchkuraustalt. Aufhebung des städtischen Oktrois auf Lebensmittel usw. vorgenommen worden. Ter antokratische und parteiische Oberbürgermeister Brink war entfernt und alZ Ersatz der in Königsberg als Stadtrat nicht bestätigte Dr. Düllo ge- wählt. Alle Reformen waren den ihrer Macht be- raubten Stadtgrößen ein Dorn im Auge. Jede Kleinigkeit wurde benutzt— unter anderen die Erhöhung der direkten Steuern wegen Aushebung des Oktrois und die Beibehaltung deS dreiprozentigen Zinsfußes der Sparkasse— der sozial- demokratischen Fraktion einen Strick zu drehen. Die unglaublichsten Dinge'wurden in bekannter ReichSverbandsmanier über sozialdemokratische Mißwirtschaft zusammengelogen. Trotzdem war der Sieg der Sozialdemokratie sicher, da kam die Alarm- Nachricht von den KOOOOOM, städtischer Gelder, die Dr. Düllo gegen KaiserhofaNien des Eberbach Konzerns begeben haben sollte. Ter Wohlbluff wirkte. Während der Bürgermeister nichtsahnend in Darmstadt einer Konferenz beiwohnte, zieh man ihn in Preffe und Fingblättern in Verbindung mit der Sozialdemokratie der Vergeudimg städtischer Gelder. Eine Erklärung von ihm wurde teilweise als Lüge bezeichnet. Wenn trotz der so aufgepeitschten und demagogisch ver- hetzten Bevölkerung der Mischmasch nur mit 240 Stimmen Mehrheit„siegte", so ist dies ein Zufalls, esultat, gezeitigt durch ein Schweineglück, daS den Gegnern in letzter Stunde eine zugkräftige Wahlliige lieferte. Bemerkt fei noch, daß vom 1. Januar ab 13 Genoffcn und 23 Bürgerliche im Stadthaus fitzen. Trotz deS Sieges ist aber die Macht deS Fabrikantenklüngels gebrochen, weil sie— gezwungen— auch ihnen weniger genehpie Kandidaten mit auf die Liste nehmen mußten. Und die nächste Wahl»st 1910..._ Gemeindewahlcn. In Darmstlidt übten bei der Stadtverordnetenwahl am IS. November von 12«71 Stimmberechtigten 7150 ihr Stimmrecht aus, das find nur 57.4 Proz. Früher ivar die Betet ligimg aber noch geringer, sie betnig 53.7 resp. 53 Proz. Auf die vier büigerltchen Listen entfielen rund 5000. auf die sozialdemokratische Liste 2400 Stimmen. Bei dem sozialen Charakter Darmstadts gewiß ein beachtenswertes Resultat. DaS Tohuwabohu im bürgerliche» Lager Darmstadts kennzeichnet wohl am besten die Tatiache, daß für die bürgerlichen Parteien 1300 ungestrichen« und 1500 o b- geänderte Zettel abgegeben wurden, während unsere Genossen 2204 reine und nur 104 abgeänderte Zettel abgaben. Bis nach Mitternacht waren am Wahltage die Bureaus mit Zählung der Stimmen beschäftigt, auch am nächsten Tage arbeiteten sie noch an der Auszählung: bei der großen Zeripliitcriing ist ein genaues Resultat zur Stunde noch nicht da. Sicher ist. daß der btsherige sozialdemokratische Stadtverordnete Stephan mit der höchstcn Stimmenzahl sich unter den Gewählten befindet und Genosse Dr. Fulda dürfte nur wenige Stimmen hinter dem niedrigst- bestimmic» Namen der siegenden Liste zurückbleiben._____ Ein Referendum, so wird uns aus Rom geschrieben, über die Haltung deS- Exekutivkomitees bei Gelegenheit der jüngsten Eisenbahnerbewegung ist unter den Mitgliedern des Partei- vorstandeS ausgeführt worden und hat folgende Resultate ergeben: Von den 35 auf dem Kongreß von Rom gewählten Mitgliedern haben 2 für längere Zeit ihren Rücktritt erklärt. Unter den übrigen 3g billigten 23 die Haltung deS Exekutivkomitees ohne Vorbehalt, S stiniinen der Tagesordnung zu. die dem Eiscnbahnerftreik widerriet. nußbilligen aber die Veröffentlichung der Resolution, 4 endlich, die Genossen Colli, gerbini, Balloni und Mantica, verurteilten die ganze Haltung deS Exekutivkomitees in Sachen der Eisenbahnerbewegung. Da» Referendtim läuft also auf ein BertrauenSvotuin für das Exekutivkomitee hinaus._ 8o2ia!es. Darf die Regierung die Erteilung von Turnunterricht in NordfchlrSwig durch«ichtgrprüfte Tnrnlrhrer verbieten? Sie hatte es getan, aber der Zahnarzt Jonathan Smith hatte in der Zeitung„Modersmaalet" ausdrücklich zum Ungehorsam gegen die fragliche Verordnung aufgefordert und die betreffende Nummer des BlatteS als verantlvortlicher Redakteur gezeichnet. Er und die eigentlichen Redaktcure Jensen und Petersen wurden nun wegen Vergehens gegen tz 110 deS Strafgesetzbuches angeklagt, aber am 3. Mai vom Landgerichte Flensburg freigesprochen. Die von der Staatsanwaltschaft hiergegen eingelegte R e- Vision kam am Donnerstag vor dem Reichsgerichte zur Verhandlung. Der R e i ch s a n w a l t beantragte die Ver- werfung der Revision, da die Regierung die Verordnung nicht innerhalb ihrer Zuständigkeit erlassen habe und kein Recht habe, die Erteilung von Unterricht an die Erteilung eines Erlaubnisscheines zu knüpfen. Die gewerbsmäßige Er- teiltmg von Turnunterricht unterstehe keiner Erlaubnis, sondern müsse nur angemeldet werden und könne untersagt werden. — DaS Reichsgericht vertagte die Entscheidung dieser Sache auf den 9. Dezember. Zum Verdächtigungsstldzug gegen OrtSkrankenkassca. In der Zeit der preußischen Gegenreaktion der fünfziger Jahre streuten die„nationalen"„Preußenvereinler' mit dem General v. Plehwe, dein ZuchihänSler Emil Lindenberg an der Spitze, und einer Garde gkwerbSniößiger Verleumder— wir erinnern an Namen der hervorragendsten konservativen Bravis, wie Ohm. Gvediche, Piersig, Stieber uiw.— als Hülsstruppen Verleumdung auf Verleumdung über ehrliche Men'chen in der nicht unersiillt gebliebenen Hoffnung aus. als königlich preußische gewerbSmäßte�e Verleumder einer strasrcchtlichcn Verfolgung entzogen, schlimmitezt- iallS begnadigt zu werden. DaS Vaterland der„national/n" Kämpfer für Lüge und Verleumdung ist größer, ihre Macht i nehmen, indem sie hoffen, daß das Schiedsgericht ihren gerechten Forderungen die Anerkennung nicht versagen wird. Dia uno Putssarocuer am'�vnnrrsiagaccnv im„bleuen. llntcrnehmer haben sich zuerst gesträubt, ein Schiedsgericht anzu- beraten. Hermann Puttlitz referierte. In der' erkennen, sie konnten sich aber dem allgemeinen Verlangen auf M i l l e V i l l e, ebenso wie andere Mitglieder des Jnnungs Vorstandes. Es wurde auch gesagt, wenn mau Vogel absetze, würde er der schlimmste gewcrbsmützigc Stelleiivcrmittlcr werden! Dagegen bemerkten die Vertreter der Gesellen, wenn der Jnnungsvorstand das befürchte, dann richte er sich selbst, denn die Innung bestrafe doch unnachsichtig jedes Mit- glied, welches einen Gesellen vom paritätischen Arbeits- Nachweis ninimt. Wenn sie mit der gleichen Energie gegen diejenigen vorgehen würde, welche die geiverbsmäßige Stellen- vermittelung in Anspruch nehmen, dann brauche sie doch das Konimissionänvcsen überhaupt nicht zu fürchten.— Doch alle Einwendungen der Gesellenvertreter waren nutzlos..Die Innung behält ihren„unentbehrlichen" Vogel, obgleich der- selbe bei allen objektiv Denkenden gerichtet ist. Man ist versucht zu glauben, daß gewichtige Gründe, die der Oeffentlichkeit nicht bekannt sind, die Absetzung Vogels untunlich erscheinen lassen. Wie dem auch sein möge, der Gesellenausschuß wird es bei der Entscheidung des Jnnungs- Vorstandes nicht bewenden lassen, sondern bei der Gewerbe- depittation des Magistrats bcantrageu. daß sie die Absetzung Vogels bewirke.— Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß bereits in einer anderen Angelegenheit ein Antrag des GeseUeiiaiisschnsses bei der Gewerbedeputatwu schwebt. Dieser Antrag beziveckt, daß bei der bevorstehenden Wahl zum Gesellennusschuß Ein- richtuiigeu getroffen werden, welche auch den Gesellenvertreter» eine Kontrolle darüber ermöglichen, daß nur Wahl- berechtigte an der Wahl teilnehmen. Der Antrag wird nämlich damit begründet, daß der Sekretär des Jnnungs- Vorstandes bei der vorjährigen Wahl auch an solche Gesellen Wahllegitimationen gegeben hat, die gar nicht wahlberechtigt waren, daß dagegen in eine Großbäckerei, wo Verbands- Mitglieder beschäftigt sind, erst auf ausdrückliches Verlangen In der Angelegenheit Vogel hat mm die Gewerbe- deputatton das nächste Wort zu sprechen. Die Tarifverhandlungen der Fliesenleger wurden in ihrem weiteren Fortgang in einer Versammlung der Fliesenleger und Hülssarbeiter am Donnerstagabend im„Neuen Kliibhause' I"' letzten Versammlung am 24. Oktober lag ein„Ultimalum" der Unternehnler vor, welches von de» Arbeitern in einem ablehnenden Sinne beantwortet wurde. Darauf folgte eine Verhandlung vor dem Gewerbegericht am 14. Noveniber, und die Unternehmer Schlichtung des Streiks durch ein solches Gericht nicht entziehen. inanzkrise. allerdings eine solche iehr hefliger Natur, die durch die machten einige kleine Zugeständnisse. Die Achtstundenarbeit sollte Anstrengungen der amerikanischen Finanzverwaltung, welche sich noch vor der letzten Erhöhung der Londoner Bankrate große Go>d- bestände gesichert habe, in kurzer Zeit behoben sein werde. Schon jetzt äußere sich das zurückkehrende Vertrauen in neuen Spareinlagen und der Druck der Kapitalstlemine lasse ersichtlich nach, wozu die Ausgabe kleiner Schecks weieiitlich beigetragen habe» ioll. Wie üniner die Dinge sich für die Zukunft gestalten mögen, die heftige Erschütterung der aiuerikanische» Volksioirtsch.ist bleibt Tat- fache. Vor allem zeigt sich dieS in dem allgemeinen Sinken deS Preisniveaus. Und nicht nur daS: die führenden Industrien sind durch den Kapitalsmangel in ihrer Tätigkeit behindert. Die Eisen- und Stahlwerke redilziereu ihr Personal, setzen die Löhne herab, blasen Hochösen aus, kurz, schränke» ihren Betrieb ein. Dabei ist es nicht immer der Mangel an Betriebskapital, sondern auch das Bestreben, die Vorräte nicht anwachien zu lassen. Und was von den Hlillenwerken usw gilt, gilt auch für die Erzeugung von Stahl- konstrnllionen. Röhren und Blechen. Zwar haben die meisten Werke noch Bestellungen zu effektirieren, die bis Neujahr Beschäftigung sichern; aber die Käufer verlangen Verschiebung der Lieferfristen und ihre Zurückhaltung ist nicht etwa von der Absicht diktiert. ein iveiteres Sinken der Preise abzuwarten, sondern von dem Sinken der Nachfrage. Nur die Textilindustrie zeigt nach übereinstimmenden Meldungen eine festere Haltung. » Frankfurt a. M., M. November. Wie die„ifranisuner Zeitung" aus New Dorf meldet. erhebt die Airklagevehörde in Brooklpn die Anklage wegen Fälichung und Diebstahls gegen Kassierer und Direktoren der dort kürzlich geschlossenen Borough Bank. Bremen, 22. November. Nach New Dörfer Meldungen ist der Andrang zurückwandernder Zwischendeckspassagiere außerordent- lich stark. Die Dampfer gehen vollbesetzt ab. Der Norddeutsche Lloyddampfer„M-ain" ging gestern mit 2400 Zwischendecks- Passagieren von New Dorf nach Bremen in See. Sewerk PehaftUebeQ. Berlin und vlmgegenck. Eine wurmstichige, aber unentbehrliche JnnnngSstütze. Kürzlich ist bekanntlich durch eine Reihe von Zeugen vor Gericht festgestellt worden, daß der Arbeilsveriiiittler der Bäckerinnung zu Berlin, Sprcchineister Bogel, sich von arbeitslosen Bäckergesellen Geld hat zustecken lassen, und diese in oer Zuweisung von Arbeit in stattltenwidriger Weise be- vorzugte. Der Staatsanwalt selbst hielt für unbestritten, daß sich Bogel bestechen ließ, das Gericht kam zu derselben Ueberzeugung und bezeichnete das entgegenstehende Zeugnis Vogels als nicht einwandsfrei. 5!ach diesem Ergebnis der Gerichts- Verhandlung wäre es selbstverständlich, daß die Innung, wenn nicht aus nioralischen, so doch aus Reinlichkeitsgründen und mit Rücksicht auf die Oeffentlichkeit den als bestechlich gerichtlich gekennzeichneten Sprechmeister seines Amtes zu entheben hätte. Als wir diese Ansicht einigen in der Leitting des Bäcker- Verbandes tätigen Parteigenossen gegenüber aussprachen, meinten diese, sie kennten ihre Pappenheimer besser und wären sicher, daß die Innung nichts gegen Bogel unter,»efjmen werde. Jetzt, meinten die Genossen, werde die Innung den Vogel erst recht auf seinem Posten lasten. Und so kam es I Der Gesellenausschutz der Bäckerinnung zu Berlin hat ».ach dem Prozeß und mit dem Hinweis aus die Ergebnisse desselben beim Jnnungsvorstand beantragt, eine Sitzung einzuberufen und die Absetzung Vogels auf die Tages- ordiiung zu setzen. Die Sitzung des Jnnungsvorstandes mit dem Gesellenausschuß hat am Donnerstag statt- gefunden. Der Jnnungsvorstand ließ durch den Mund des Obermeisters M i l l e V i l l e erklären, die gerichtlichen Fest- stellungen könnten ihn nicht veranlassen, den Sprcchmeisrer Vogel abzusetzen. Der Jnnungsvorstand halte Vogel trotz der gerichtlichen Feststellungen für einen Ehrenmann. Vogel bade sich für die Interessen der Innung auf- geopfert 0), er sei der Innung unentbehrlich und müsse deshalb auf seinem Posten bleiben.— Bemerkens- wert ist, daß Obermeister M i l l e v i l l e, der diese Ansicht vertrat. der Gerichtsverhandlung beiwohnte und Ohrenzeuge der vielen eidlichen Aussagen über Be- stechungen Vogels war. Auch der zweite Obermeister Wie die„Frankfurter eingeführt werden und der Stundenlohn der Fliesenleger 88 Pf. bis zum 30. September 1908 betragen. Vom l. Oktober 1908 bis 31. Dezember 1909 soll dann der Stundenlohn 90 Pf. betragen. Der Lohn der Hülfsarbeiter soll von 57lb auf 60� resp. auf 62% Pf. pro Stunde erhöht werden. Der von den Unternehmern vorgeschlagene Tarif für Akkordarbeit soll probeweise bis zum 1. Juli 1908 gelten.— Die Kommission nahm Stellung zu diesen Vorschlägen in einer Sitzung am 18. November und beschloß, der Versammlung zu empfehlen, daß die Kommission freie Hand bei den weiteren Verhandlungen haben solle und eventuell gleich an das Einigungsamt des GewerbegerichtS gehe.— Die Unternehmer hatten dann der Kommission ihre Vorschläge vo* neuem zugeschickt, aber ohne die vor dem Gewerbegericht gema�.en Zugeständnisse. In der Diskussion wurde wiederum die Akkordarbeit heftig verurteilt, aber man wollte doch die von den Arbeitgebern ver- langte Probezeit für den neuen Tarif, wenn auch mit einigen Aenderungen, zugestehen. Für die Lohnarbeiter konnten die Vor- schlüge, wie sie gemacht wurden, nur als Minimum dessen gelten. was verlangt werden muß. Man erwartet, daß die Kommission noch Verbesserungen durchsetzen wird. Die folgende Resolution wurde von der Versammlung ein- stimmig angenommen: „Die öffentliche Versammlung der Fliesenleger und Hülfs- arbeiter nimmt Kenntnis von der letzten Verhandlung der Tarifkommission vor dem Gewcrbegericht. Sie beauftragt die Kommission, bei der nächsten Verhandlung mit den Unter- nehmern die Aufbesserung der Akkordsätze im Sinne der in der Versammlung geäußerten Wünsche durchzuführen. Die Ver- sammlung erklärt sich mit dem Abschluß des Tarifs einverstanden, mit der Maßgabe, daß die vorbezeichneten Verbesserungen er- reicht werden; daß ferner den Arbeitnehmern das Recht vor- behalten bleibt, zum 1. Juli 1908 eine Revision des Akkord. tarifcs vorzunehmen, falls sich die von unS vorhergesagten Fehler herairsstellen. Sollte es bei der nächsten Verhandlung zu keinem Ergebnis kommen, wird die Kommission beauftragt, sofort das Einigungsamt anzurufen. In der Frage des garantierten Lohnes ist, wenn in dieser Frage keine Verständigung zustande kommt, unter allen Umständen das Einigungsamt anzurufen. Die uns nach der letzten Verhandlung zugesandten Abänderungen sieht die Versammlung nur als ein Pressionsmittel an und geht zur Tagesordnung über."_ Kampfvorbereitunge«. Die Berliner Bauunternehmer haben unter dem Namen „Kartell der Arbeitgeberverbände in den Baugewerben Groß-Berlins" eine Einigung von 15 Arbeitgeberverbänden zwecks Abwehr der Arbeiterforderungen gegründet. Diese Einigung der Unternehmer muß den Berliner Bau- arbeitern aller Branchen eine Mahnung sein, das begonnene Einignngswcrk innerhalb der Arbeiterschaft im eigensten Interesse zum guten Ende zu bringen! Die Bewegung der Stockarbeiter ist beendet. ES mußten im ganzen fünf Sitzungen mit den Arbeitgebern abgehalten werden. In den ersten vier wurde gar nichts erreicht. Die Unternehmer wollten noch Verschlechterungen in den einen Vertrag aufnehmen. Als dies die Verhandlungskommission der Arbeiter als undiskutabel ablehnte, einigte man sich dahin, auf Grund des alten Vertrages weiter zu verhandeln und dabei die einzelnen Forderungen zu stellen, In der fünften Sitzung kam ein Vertrag zustande, der einer Ver- sammlung der Stockarbeiter bei Litfin zur endgültigen Beschluß- fasiung vorlag. Hildebrandt als Bericht-nsstatter ging die einzelnen Positionen durch und sagte ungefähr folgendes: Eine Arbeitszeitverkürzung und Minimallohnerhöhung konnte nicht er- reicht werden; hier bleiben die 61 Stunden resp. 26,50 M. bestehen. Eine generelle Lohnerhöhung wurde auch abgelehnt; jedoch sollen in Werkstellen, in denen u n t er dem Durchschnitt bezahlt wird, Llufbesserungen stattfinden. Auf die Frage einer Regelung der Heimarbeit ließen sich die Unternehmer gar nicht ein. Zu Protokoll erklärten sie, daß Fabrikarbeiter durch Heimarbeiter nicht geschädigt wer.den sollen. Ebensowenig sollen Facharbeiter durch Anlernen neuer Arbeitskräfte keinen Schaden erleiden. Arbeiter, die vor- übergehend in Lohn arbeiten, haben den Durchschnittsakkordlohn als Stundenlohn zu beanspruchen. Bei der Arbeitsvermittlung und der S.chlichtungskommission gelten dieselben Bestimmungen wie in der.Holzindustrie; nur sollen bei den Vorderhandlungen je ein Vertreter' der Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Stockbranche das Recht zur Teilnahme haben. Die Entschädigung des vom Arbeiter selbst gesteiVten Werkzeugs, ebenso die Regelung der Lohn- und Arbeitsverheiltnisse der Facharbeiterinncn wurde abgelehnt; dagegen die Vcrsichcriing Jwr dem Arbeiter gehörigen Garderobe und Werk Tliis der frauenbnvegimg. WaS schenken wir«nseren Kindern? Immer näher rückt das Weihnachtsfest heran. In den Schare fcnstern sind die Schätze der Industrie, die Erzeugnisse taufender fleißiger Mcnschenliände aufgestapelt. Die Warenhäuser haben ihre Geschenkeausstcllung stimmungsvoll und mit reizvollem Ras» finement arrangiert, alle Künste sind aufgewendet, um die Kauf« lustigen heranzulocken. Da Weihnachten durch die Tradition vor, ivicgend zum Fest der Kinder gestempelt ist, so ist es(janz natürlich, daß bei den Eltern die Frage, mit welchen Gegenständen sie ihre Lieblinge erfreuen sollen, immerhin einiges Nachdenken und lieber» legen erfordert. Die Qual der Wahl wird bei denen außerordentlich erleichtert, die sich im Besitze eines umfangreichen und wohl» gespickten Geldbeutels befinden. Anders aber bei jenen, welche nach dem unersorschlichen Ratschluß der Vorsehung verurteilt sind, aus- schließlich auf ihrer Hände Ertrag angewiesen, ohne jegliche Glücks- guter auf Erden auszukommen. Die proletarischen Eltern möchten am Werhirachtsabeud auch glückstrahlende Kinderaugen sehen und legen sich deshalb lieber selbst Beschränkungen auf, ehe sie diese Freude mrsscn wollen. Da heißt es nun, mit den spärlichen Mitteln Haus halten und sie zweckmäßig und nutzbringend anzuwenden. Deshalb aufgepaßt Ihr Mütter, ruhig prüfen und wägen. Legt Eure schwer verdienten Groschen nich� in brüchigen Tand, in Flitter und ungeeigneten Krimskrams an, sondern sucht für die Kleinen Gegenstände aus, die neben dem angenehmen auch dem praktischen Zweck dienen. Ein Spielzeug soll nicht nur erfreuen. es soll auch vor allen Dingen das Kind zum Denken anregen, aus den praktischen Sinn einwirken, die Intelligenz wecken und ihnen Gelegenheit geben, seine Fähigkeit zu erproben und seine Geschick- lichkeit zu entwickele Etwas, womit man bei Kindern veredelnd und belehrend aus Geist und Gemüt einwirken kann, und was wir aufs wärmste empfehlen können, sind Märchen- und Bilderbücher. Aber nicht die ersten besten, denn damit kann man unheilbaren Schaden anrichten. Wir verweisen deshalb auf die Jugendschriften- ausstellung, die vor Weihnachten von unserer Seite aus arrangiert werden wird. Das nähere wird noch bekannt gemacht. Zuletzt noch an alle Eltern die dringende Aufforderung: kauft keine Säbel. Flinten, Uniformen! Bedenkt man, daß die Eindrücke in der Jugend sich am tiefsten einprägen und oft fürs spätere Leben nach-. baltig wirken, so ist die Warnung nur zu berechtigt. Fort, aus dem Hause, mit dem närrischen Plunder! Früh genug fallen die Söhne des Volkes dem Moloch zum Opfer, früh genug müssen sie ihm ihre schönsten Jugendjahre, ihre Gesundheit und oft ihr Leben opfern. Früh genug kommen sie in die militaristische Dressuranstalt, wo sie auf den„inneren" Feind abgerichtet werden, um im gegebenen Moment auf Vater und Mutter zu schießen! Darum noch einmal: Fort aus dem Hause mit dem bunten när- rischen Plunder!_ Die Lehrerinnen von Groß-New gjorl werden in dieser Session ihren Kampf um gleichen Lohn für gleich« Arbeit wieder aufnehmen und abermals mit ihrer Forderung vor die Legislatur in Albany treten. Aus der Konvention der ver- einigten Frauen-Klubs des Staate? New Dorf, welche während der vergangenen Woche in Troy stattfand, hielt Fräulein Grare Strachon, die Präsidentin der vereinigten Lehrerinnen, eine längere Ansprache, in welcher sie den anwesenden Frauen die Lage der Lehrerinnen auseinandersetzte. Die Konvention beschloß darauf die Annahme einer Resolution, in welcher die Forderung der Lehrerinnen von den vereinigten Frauen-Klubs unterstützt wird und die Legislatur sowie der Gouverneur des Staates aufgefordert wird, die gleiche Lohnbill zum Gesetze zu erheben. Potsdam. Wie allerorts so rüsten sich auch die Potsdamer Proletarierfrauen, um im wirtschaftlichen wie politischen Leben mit dem männlichen Geschlecht Seite an Seite zu kämpfe». Nachdem von verschiedenen Seiten auf die Bedeutung der Frauenorganisation ansinerksam gemacht worden war, erfolgte am 15. November die Gründung eines Frauen-BildungSvereins lFiliale deS Vereins für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse). An der Potsdamer Arbeiterschaft liegt es nun, den Verein aus die ihm gebührende Höhe zu bringen. Anmeldungen nimmt Frau Kiesel, Waiseustraße 60, ent-» gegen._ Kreirellglöle Gemeinde. Sonntag, den 24. November, vormittags 8,/, Uhr, im Rathaus(Saal 109): Versammlung mit freirellglöier Bor- leiung.— Vonintlags 103/. Uhr in der Schulaula, Kl. Franksurtcrstr. 106: Vortrag von Frl. Ida A I t m a n n:.Vom Jenseits". Damen und Herren als Gäste sehr u-illkonimen. Zlll gemeine Krankel,- und Sterbekasse der Metallarbeiter 11 56 59. Bullenfleisch In 65—70, IIa 53—63, Kühe, litt 50-58. bo. mager 40—48. Fresser 54—62, Bullen, bSiiische 54-67. galbllcilch. Dovvcllenber 110-125, Mahtälber la 82 92. IIa 72-80, Kälber gcr. gen. 52- 68, bo. boll. 48-54. tzamnirlsieilch Mas!- Virnrnev 76—78, Hammel la 68- 72, 11« 62-67, Ungar. 0,00, Schafe 47—60. Sdmirmcneiia) 52 60. Rehwild la per Pfund 0,60-0,75. Iis 0,50- 055. Rotwild la per Pfund 0.45-0,52, bo. IIa 0,00, bo. Kälber 0,45— 0.55. Dainwild 0,40—0,58, Kälber 0,55— 0,65. Wildfchweine per Psd. 0,30—0,50. Frischlinge per Psd. 0,60—0,70. Kaninchen, groß vr. Stck. 0,70— 1.10, bo. klein 0,00. Halen, groß per Stiick 3,50—4,10, bo. mittel u. klein Stück 1,50- 3.30. Aildenien per Stück 1,50—1,75. Rebhühner, junge per Stück 0,90—1,25, bo. alte 0.60—0,90. Faianenhähne la, junge 2,25—3,00, bo. IIa und alte 1,00—2,00. Fasanenbennen 1,(X)— 2,00. Walbschnepsen per etiief 2,00—2,60, bo. IIa 1,00—1,50. Hüdncr, •Hie, per Stück 1,40—2,55, bo. IIa 0,80—1,20, dito junge 0,50—1,40. Iniibeii 0.30— 0,45, bo. Italienische 0,70- 0,75. Enic» 1,30—2,40, dito per Pfd. 0.«-0, btto Hamburger ver Stück 2,50—3,10.(ßänsc per Pfund 0,50—0,62 dito per Stück 0,00, bo. Hamburger 0,00, bo. Obeebrucher ver Pfd. 0,50—0,63. PonIetS per Stück 0,70-1,20. Puten per Psb. 0,60 bis 0,70. Hechte per tMi Pfd. 74-90. bo. matt 0,00, bo. grog-mittel 71, bo. Nein 0,00, bo. mittel 0,00. stander 0,00, bo. Nein 0,00, matt 0,00. -aneie. uns. 105—125, bo. groß 84—92, bo. millcl 83—89. Olnlc, groß 0,00, dito Nein und niillel 0.00, dito mittel 0.00. Wels 0,00. Ploven 0.00. Robvow 0,00. Karpse» I5er 0,00, bilo 30— 40er 65—73, dito 45er 0,00, bito. 70er 63—63. Bunte giiche 61—58, dito Nein 0,00. Basse 0,00. Omauilpen 71. Bleie 0.00, bo. Nein 0,00. Aland 0,00. Raup 0,00. Bleisische 0,00. Winter• RbeinlachS 0,00. Amcrit. Lachs la neuer, per 100 Pfb. 110-130, bo. Ha«euer 90—100. Seelachs per 100 Pfb. 10—20. Flruibeni, Kieler, Stiege la 2—6. mittel Kicke 1-2. Hamb Stiege 4-6. halbe Kicke 2—3. pomm. la schock 0.00, IIa 0,00. Bücklinge Kieler per Wall 2—3.00. Stral'unber 0,00, engl, per Wall 2,00—2.50. Sprotte», Danziger, Kiste 0,60—0,70, bo. Riigeriwalber, Kiite 0,60—0,70. v'liiie, grog per Pirmd l. 10— 1.40. mittelgroß 0,60—1,10, Nein 0.60—0,80. Heringe per Schock 5,00-9,00. Schellfische, Kicke 3,00— 4,50, l/a Kicke 1,75—2,50. Sardellen, 1902 et per Anker 98. 1904 er 98, I9i)6er 98, 1906er 90—95. Schaltiiche Pollberinge 1905 0.00, larg« 40— 14. füll. 38— 40, med. 30— 12, bculfchc 37— 44. Heringe, neue Masse», ver'/, So. 60—120. Sarbirien, ruis.. Faß >,50—1.60. Bralberrnge Faß 1.20—1,40, bo. Büchse(4 Ltter> 1.40— 1.70. Rermaugen Sltivckjaß ll, bo. kleine 6— 6, bo. Rieien- 14. Krebse per Schock 0,00, große 0 00, bo. mittelgroße 0,00, bito kleine 0,00 cm 0,00, bo.«nsorssert 0,00. Galizier, groß 0,00, bo. rinsortieri 0,00. Gier, L'«iib=. uniortierl per Schock 5,20—6.80, bo. große 6,00—6,50. Butter per 100 Psb. la 124-127. IIa 118-122 lila 110-116, abialleirbe 90-95. Sonve Gurten, neue. Schock 4,00. Pjeftergurlen 4.00. Karloikeln cer 100 Pfunb Dabersche 2,76—3,25, weiße runde 2,60—2,73, mag. bon. 2,75—3.25. Porree, per Schuck 0,75—1,50. Meerrettich, Schock 4—12. Spinal per 100 Blunb 10—12. Sellerie, per Schock 3 6, bo. pomm. 4—8. Ziviebelu ver 100 Psb. 2,00—3.00, bo. Perl» 40.00-100,00. Ebalotten 40,00-100.00. Ptterrilte. grün, Schockbnnd 1.00—1,25. Koblrabi Sckock 0,75—1,25. Retlich, baiirischer, Stück 0,04—0,10, hiesiger Schock 2,50— 3,60. Mohrrüben, 100 Psb. 2,00 bis 2 50. Karotten, hiesige, Schockbunb 2,00—3,00. Wiisiiigkohl p. Schock 2—5. Rotlohl, Schock 3—7. Weißtohl p. 100 Psb. 1.00—1,75. Blnineiitohl, hiesiger >00 Stück 0.00. bo. Erjurter 0,00. Rosenkohl, per 100 Psunb 10—20. Grünkohl 3,00—5.00. Koblrüben. Schock 2.0"— 3,00. Petersilien wurzeln, per lOO Psb. 5—6, Schockbunb 3—4. Schnittlauch, Töpfe Dutzend 4,00 bi» 4.50, Radieschen per Schockbunb t. 25— 1.50. Salat per Schock 2.50 3 00. Toinalen, italienische, per 100 Psunb 20—25. Rote Rüben, ver 100 Psunb 2,50—3,00. Räbchen, Beelitzer, per 100 Psb. 4—8, bo. Tel» tower 16—18. Kürbis p. 100 Psd. 4—8. ESkarol per Schock 5—6. Endwien per Schock 3—6. Birnen per 100 Psb. Tiroler 20—26, Kochbirne» 5—8, Taselbirnen la 18—25, bo. IIa 10—17. Aepsel, per 100 Psunb, Tiroler la 18—40, bo. IIa 12—18, Most-, hiesige. 3—5. Koch- 5—10. Tafel» äpset la 15—25, bo. IIa 10—12, Amerikaner, per Faß 24— 30, Italiener, lose, 100 Psb. 8—12. Wallnnsse, per Schock 0,00, bo. klein 0,00, bo. französische 0.00, rumänische 27—30. Paranüsse 32—60, Haieluüfse, lange. 100 Pfunb 43—50, do. runde 34—35. Weintrauben, italienische, per 100 Psunb 30—40, Almeria per Faß 13-29. Ananas l, per Psb. 0,70—0,85, bo. II 0,40—0,50. Bananen, gelb, per 100 Pfand 20—25. Kowsuusse per 100 Stück 20—28. Krachmandeln per 100 Psd. 70-100. Maronen, ital., per IVO Psd. 15—18. Aur»en Julian»et Iuietaie übeniinniit die Siedakitou»cm Viiblitum qeiieiiitber keinerlei fterniiilnartiinii. Theater. Sonnabend. 23. November. Ansang VI, Ubr. Kgl.OPernhauS. Madame Bullcrfich. «gl. Schauspielhaus. Viel Lärm um nichts. »�»es kgl. Lperntheater. Jane Hading. La Chatelaine. Sliiiang 8 Uhr. Deutsches. Was ihr wollt. Kainmersptele. Frühling? Er> wachen. Lessing. Närrische Welt. Die sittliche Berliner. Die tanzenden Männchen. Theaier au der Spree.!!lm grünen Weg. Neues Schauspielhaus. Das Glas Wasier. SäiiUci<».«Wallner- Theater.) Die Schmuggler. Schiller<5liarlottenburg. Gebildete Menschen. Friedrich- ZSilhelmstädt. Schau- sptelhaus. Winterschlas. Neues. Das Ungeheuer. Kleines. Die Getreuen. Zentral. Frau WarrenS Gewerbe. Lortiing. Rigoletlo. Residenz. Ganz der Papa. Roinische Oper. Die verlauste Braut. Weilen. Die lustige Witwe. LuitlpielhiiuS. Onkel Bernicke. Trtanon. Fräulein Josette— meine Frau. Thalia. Die gelbe GesaHr. NachmitagS 4 Uhr: Eneewittchen. Luisen. Am Tage des Gericht». Nachmittags 4 Uhr: Klein-Däum- ling. Beruvarv Rose. Sin ehrlicher Makler. Nachmittags 4 Uhr: Eneewittchen.. ivteiropat. DaS muh man seh'n. Stpa»». Sylvester Schässer. Spe» zialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies Eaprice. Geteilte Liebe. Kasino. Biederleute. Gebr. Herrnfeld. Madame Wlg- > Wag. ES lebe daS Nachtleben. Pasiage. Paula Wirth. Spezialitäten. Prater. Der Veilchenfresser. Palast. BellermannS Brautschau. Spezialitäten. Parodie. Mauna Vanna. Zapfen- streich. Der Troubadour. An- sang«'/, Uhr. Wintergarten. SpeziaNtäten. Carl Haverland. Spezialitäten. ReichShallen. Stetliner Sänger. Ilriini«. Tiindeuiiriisie 4Mf4W. Abends 8 Uhr: Ueder den Brenner nach Venedig. Nachmittags 4 Uhr: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat Steeuivarie, Fnvaltdenttr. 07/855. Zm. Beobachtung: Mars. Saturn, Doppelsterne, Nebelflecke._ Ferdlnan«! Konna Berliner Thealer. Ansang 8 Ubr. Sonntag: Die Börse. Montag: Andalosta. Heues Theater. Anfang 8 Uhr. Das Ungeheuer. Sonntag zum l. Male(Ans. Vi, Uhr): Die Agrarier. Montag: DaS Ungeheuer. Hleines Thealer. Abends 8 Uhr: IMv Cretrenen. (Agnes Sorina.) Sonntag 8 Uhr: Die Getreuen. (AgncS Sorma.) Montag: Ein PuppenHeim(Nora). Nora: Agnes Sorma._ Theater des Westens. Abends 8 Ubr: Die lustige Witwe. Friedrich-Wühelrnstädtisches Schauspielhaus. Winterschlaf. (Schauspiel in 3 Atien n. M. Dreher. Ansang 8 Uhr. Sonntag 8 Uhr: KrienihildS Rache. Montag: KriembildS Nache�_ Lortzing-Theater: Nachm. 3'/, Uhr: Rnmpelstilzqen. rlbends 3 Uhr: BIgoletto. Sonntag 8 Uhr; Rigoletto. Montag: Zar und Zimmennann. Dienstag: Der Troubadour. I.usispivkhsus. f uhrf Onkel Bernicke. Morgen: Jahrmarkt von Pulsnih. Köpenickerstrafie 68. Abends 8 Uhr: Am grünen Weg. Ein Stück heiteres Berlin von H. Lee. 1 Sonntag(Totensonntag): Der Atticubiidiker mit Josesine Dora. Urania. Wisssnseliustliok«» Ldöstsr. �boncks 8 vdr: Üehei' de« Mm tiaeh Venedig. Invalidenstr 57—62: Sternwarte. Zur Beobachtung; Mars. Saturn, _ Doppelsterne, Nebelflecke. ZentralsTheater. Gastspiel des Hebbel. TheaterS. Abends 8 Udr: Frau Warrens Gewerbe. Drama in 4'.'lkten von Shaw. kssilieiik-IIiögles. — Direltion: fliobarll /Ueranöer.— Ansang 8 Ubr. Ganz der Papa. Schwank in 3 Akten von MarS und DesvailliöreS. Deutsch v. M. Schönau. Baron des AubraiS: Rich. Alexander. Sonnlag 8 Uhr(Totensonntag) � Einmalige Aussührung von Odette. tuisen-Iheales. Retchenbergerftr. 64. Nachmittags 4 Ubr: Klein-Dämuling. Abends 8 Uhr: Am Tage des Gerichts. Sonntag nachm.: Geschlossen. Abends Der Leiermann und sein Pflegelind. Montag: Am Tage des Gerichts. krarazniiMl Gr. Fraiitinrleritr. 132. Premiere: Ein ehrlicher Makler. m~J Volksstück v. Leon Treptow. Ansang 8 Udr.— Wochentagspreise. Nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung: _ Taeetvittchen._■ Melropol-Theaier Anfane prilzlsc 8 Uhr. Gr. Revue in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. ToleosooDtag, den Ii Noveniber: EfiimallgeB Ensemble-Gastspiel Lessing-Tlieaters! Vis Stützen der Qesellscha|t. fi Anfang 8 Uhr. Neues glänzendes Prog«. Ren, interessant aktuell: Diabolospieler. Ab 8 Uhr: Das vornehme Novbr.-Progr. O'l, Uhr: Sylvester Schäffer jr. der berühmte Dniversalkünstler. Sonntag. S4.Novemb iTotensonnlaB): Das vollständige Proarami» mit Sz:lvv»to»'«ohtlnvi» fr. Sonntag, t.Dezcmb.. nachm. 3'/, Uhr: Lest« kamilion-Voesteliung. Variötü intime IV., Jägerstraße 63 a. (Telephon I, 4739.) Abends SV« Uhr: Mila Barry in ihrem Repertoire. !??»y z SvEiigi!?? und dxo anderen Attraktionen. Vorverkauf an der Theaterkasse von 11 Uhr an. W.Koaeks Theater Htreklw»: Hob. Olli. Srunneiiiir i«. Grefte Extra-Borstellung t Ferdinand Avclli, der Leichenräuber. Schausp. in ä Alien v. Eh. Birch-Pseisser. Ansang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Nach der Vorstellung: Tnnz. Scli III er-Tlseatcr. Schiller. Theater Charloktenburg. Sonnabend. abends 8 U d r Gebildete Menschen. Volksstück in 3 Aufzügen von Viktor L�on. Sonntag, abeusSSUdr: Ole IIei'ni»»n»eliI»elit. Moniag, abends 8 Udr: C/eblldete Tlonschcn. ScWller-Theaier 0. iWallner- Idealer,. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Sclininggler. Komödie In 4 Allen v. Äriur Dinier. Sonntag, abends 8 Uhr: Rosrueesliolm. Montag, abends 3 Uhr: Reiterattacke. Seh i I ler-Sa al(IrÄÄS') Sonntag 8 Uhr: Dheodor Zpoutane-Abend. Montag abends 7'/,— 8'/, Uhr: Vortrag Dr. M. Osborn: Berlin zur Zeit der Freiheitskriege. Achter Vortrag des ZykluS: Alt- und Neu-Berli». Montag abends 9—10 Uhr: Vortrag von Gduard Bernstein: Die französische Revolution und der Staatsidealismus. Achler Vorirag des Zlitlus: Staats- und Gesrilschaftsideale im Laufe der Jahr- hunderte._ Panoptikum VSZS»-«RR S 165 Friedrichbtr. 1 65 Am Totensonntag bleiben alle Räume geöffnet. Gebr. Herrnfeld- Tlieater. 57 Kommandantenstraye Nr. 57. Ans. 8 Uhr. Borverk. 11-2 Uhr. Zum 112. Male: Madame Zirkus Schumann Heute Donnadend, den 23. November, abends präzise 7>/, Uhr: I. Gala-Programm und wirklich phänomenale Leistungen der V FIiogvnÄvn Banvards, Frl. Dora Schumann auf dem Bollbliiter„Czitt". Qiester H. Dieck, der ausgezeichnete Tric-Tyclist, und die grohart. neuen Spezialitäten. Um 0>,, Uhr: Die diesjährige grohe AW-- Wasscrpanlomime._ Eine Fortsetzung der„Ludtigon Heiiieldergee": Auf dem Neckar Ein Fest Rlxdorfer Theater Btirgersäle. Bergstrafte Nr. 447. Mittwoch, den 27. November: Kraft. Schauspiel in 4 Akten von Jul. Türk. Ansang 8 Uhr. . klotitApIot�....... . imThcatGrsaal>2ZllLlVZ: Das neue l Ansang 8 Ubr. Entree 50 Ps. Sonntags 7 Uhr.(Sonntags reservieri 4 M., Enirce 50 Pf.) Familienbilletts a 40 Ps. Afch Militär-Konzert. Becker, Przvwarski, Görisch, Neumann, Offenen und Lültlch. Xlll. SaiMon. Zirkus lln»ch Heute abend Vi, Uhr: BW' tialu-Abend.-MG U. a.: Wicdrrauslret. des Kanonen- königS Pta�tave Raeel». Orig. jopan. Fechlkünstl. One u. Ota. Gcschw. Amato. Fri.EilellePreväl. Schulreiterin. Hr. Ernst Schumann, Neudresiurcn. 4 Springpferde- Konkurrenz. Auf der gallig. DieSj. gr.Ausst.-Pant. d.Zirl.Buich Die«unitde öee Tlotseo.— Da» Lodolmiiis ck. Isucliemjcii Sirenen Sonntag. 24. November 1907: Eine Vorstellung. abdS. Tll, Ubr. Operelten-Vürl. Musik v. L. Jlal. Zum 137. Male: Es lebe das Nachtleben! Separee-Affäre in 2 Alten. Beide Stüde mit den Autoren Anton und Tonat Herrnfeld. Sonntag, 8 Ubr: !Die Meyerhaitts mit Anton und Donat Henitseld. -Theülei' llslssl Burgstrafte 24. Heute 8 Uhr. Gutrce 20 Pf. Neuer Spielplan! Walllnl n. Maja, indische Gaukler. Lcs 3 Sanowas, Equilibristen. ZirkllS 3Ir. Herwood. IS Schwand Usw. usw usw. W Tbesles lies Zentruiiis. Sophien• Säle. Sophienstraße 17/18. Kis früh iint Fliiift V.Kren u. Lippfchütz, Musik v. P.Lincke. Anfang 8 Ubr. Kleine Preise. Aamenspendtv 1 jer, Dtzd. von 60 Ps. an, tiiftcn, Dtzd. von 25 Ps. an. Originelle Flillartlkel, Amteck- Sachen usw., Knallbonbons Dtzd. 20 Ps. an.(62411* Girlanden. Vereinsbedarl all. Art. Bereincn Engrospreis« m. Rabatt. Markgralenstr. 99, Hosgebäude. Jllustr. Preisliste gratis u. franko. slkslla- Vanete Ikester V/einbsegswsg>9/29.»osentsi. To«. Anfang 8 Uhr. Gas neue November-Programm. Die urkomische Hundepantomlme „Ans einer kleinen Garnison", dargestellt von SO Hunden. 12 erstklass. Spezialitäten 12 Perzlnas AITen. »M- Tunnel: 3 Kapelle». 4M Theaterbesuchern freier Eintritt. KraftRothwelD für Blutarm» u. Kranke, arztlich empföhle» Fl. 1,50 u.2M, überall kauflidl In Apotheken, Drogen- n. Delikat ücsch., steht unt. stand. Kontrolle des ehem. Laborat Dr. C. Bischoff Or. Schtlnemann Sveztnl-Arzl filc U912* Ifant- und Harnleiden, l-'raiieiikrunklifitcn. Frledrichstr. 203, Ecke Schiinenstr. 40—8, 6—7, Sonnt. 10—48 Uhr. e car Jaclischüler in allen I�ik'VVSZagVN. Echt Rathenower Brillen I.qq Pincenez(echt Nickel) M. 1,50 n Double... 5.00 „ Gold.... 12,00 „ Schildpatt.. 4,50 Opern- u. Reisegläscr v. 6,00 an BarGBeltrÄXCUO- A. Grün, SMer Brunnen-Straße 4 am Rosonthaler Thor Lieferant der Krankenkassen, 9 Mitglied des Arbeiter-Radfahrer- Bundes«SOLIDARITÄT". Sonnabend, den 23. November, in der„Neuen Welt4*, Hasenheide 108—114; 22/10 Kunst-Abend unter gütiger Mitwirkung der herzoglich braunschweigischen Hof-Opem- sängerin Fräulein Helene Hartwig, des Konzertsängers Herrn Emil Severin, der Brettldiva Frau Margarete Walkotte und des Neuen Tonkünstler'Orchesters, Dirigent Herr Franz Hollfelder. Anlang präzise 9 Ubr. Eintritt SO PI. Wach dem Kocrt. TanZ Herren, die daran teilnehmen, zahlen 30 Pf. nach. Passage-Theater.[ Paula Wirth! ! und das glänzende» MoYember-Programm» Theater Folfes Caprlce Liniensir. 132, Ecke Friedrlehstrafie O Rabbi Meseritscb. H Bunter Deik. JMek«. Anfang 8 Uhr._ PARODIE 9 Dresdeners! -THEATER Dresdenerstraße No. 97, Anfang 8'/- Uhr. Das Ungeheuer. Römische» Kamarilla. Schausp. m. Ges. Vorder: Zapfenstreich. Zum Schluft: Monna Bnnna. Preise: 3 M.. 2 M.. 1,50 M.. 1 M.. 50 Ps. Irianon-Ibealei'. Ansang 8 Ubr. sräulei» Jolette— meine Frau. ronnlag 8 Uhr: DaS Ende der Liebe. Kasino-Theater. Lothringerstr. 37. Tägsich 8 Uhr: Biederfente. Komüiiie in 4 ikteu?. Roll. Hisel!. Vorher das glänz, bunte Pi ogramm. Sonntag 8 Uhr: Rick Qtarter. Lanssouei Strafle 6. Direktion: Wilhelm Reimer, Sonnlag, Montag und Donnerstag: und Tanzkränzchen. Morgen Sonniag: Gr. Eltte-Soiree, Tanz. Sonnt. Bog. 5. Wocheiit.8 U. Dienstag: Gastipiel der Berliner Volksbühne: Die Schuld einer Fra«. Tämmernng. Reicbsbailen-Ibealei'. ZteUinsf 8Snp. Anfang Wochent. 8 Uhr, Sonntag» 7 Uhr. BMIetis sleis 8 Tage vorher f Relchshsllen Restaurant: Große» nnitttr. Konzert. f�Tlsch schwclnestuek/nsleisch (Ripven». Rucken-, Backenstücke, Schnauzen. Ohren, fleischige Pfoten), seine Delikatesse, versendet in 10 Psimd Postkolli» für nur 3,60 M. Bahnküdcl enth. 25 u. 50 Psd. per P!d. 34 Ps. ab hier unter Nachnahme: Nichtaciall. retour. 0 Pfd. Holsteiner Holländer Käle 3.20 M. 286/6- Uelnrloh sirogmaon, Nortors i. Holst. Zur Aufklärung! M. Schmeißer» Saucen-Dürscl dlmt nicht, wie vielfach irrtümlich angc- nommen wird, als Zusatz oder Ver- besserung für fertige Laucen, sonden» zur ursprünglichen Herstellung der- seiden ohne iraend welche weitere Zu- tat. Uebrrall zu haben.-589L» M. Schmolfler» Nährmittel-Fabrik, 0. m. b. H., Leipzig. Filiale veviin, vraniendurgevste. 17. Amt lila 4729. Pelz- Stolas, Muffen, lOndergarnitur, aar idnaa raalla War». tab«»«»<»»»»f4»�««k aiairlgaa peastas dal«ekT aroaacr Aaawakl mmah •iaaelM ab. Oscar Arnold Crn-aiiaBdlmafl IBP Bat«, MBUen UtM i-eltwarea Beut haaliwaMf. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-AJtaeiice. Den Kollegen zur Nachricht. dah unser Mitglied, der Metallarbeiter Karl Kühne am 18. November 1907 durch Unfall gestorben ist. Ehre feinem Andenken. Die Beerdigung findet heute. Sonnabend, den 23. November, nachmittags 4 Uhr, von der �eichenballe des Johannis. Kirchhofes in Plötzensee aus statt. Reg« Beteiligung wird erwartet. k�scliruf. Den Kollegen zur Nachricht, dast unser Mitglied, der Dreher kau! fiarlbel gestorben ist. vhre seine« Andenken! ISO/S Die OrUverwaltung. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Hiermit diene den Mitgliede»n zur Nachricht, dast unter treues Mitglied, der Mörteltutscher Viibelm Fabnov am 16. d. MtS. im Alter von 48 Jahren an Unsalljolgen plötzlich gestorben ist. Ghre seinem Andenke«! Di« Beerdigung findet heute Tonnabend. den 23. d. MtS., nachmittags 4 Uhr. von der Leichen- Halle deS Zeiilral-Friedhoses in FriedrichSfeide aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 76113 Ole Verwaltung 2. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Hiermit diene den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser treues Mitglied, der GeschäftSlutscher Huxo Levit am 19. November im Alter von 35 Jabren an Gehirnentzündung verstorben ist. Shr« seinem Andenkenl Die Beerdigung findet am Mon tag, den 25. November, nach mittags 4 Uhr, von der Leichen- alle deS jüdischen KirchhoseS in Weißensee aus statt. 76/12 Die Orteverwaltung II. Zenirai-VeM der Maurer Deutschlands. Zwelgvcrcln Berlin. Bezirk Wetten. Hm 20. November 1907 verstarb unser Kollege Frani König im Aller von 70 Jahren an Darmleiden. 210/5 Shr« seinem Andenkenl Die Beerdigung findet am Sonntag, den 24. November, nach- mittags 3'/, Uhr von der Leichen- Halle des st. Maihias-Klrchhoscs in Marienhihe.Eüdende, aus statt. Reg« Beteiligung wünscht Der Borstand. Am Dienstag, den lO. d. M., verstarb»ach langem schweren Leiden unser» liebe Schwägerin und Tante. Witwe Minna Seifert geb. Trieb. 14796 DleS zeigen tief betrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Sonn. abend, den 23. November, nach- mittags 3 Ubr. aus dem Zentral. sriedkose in ZriedrichSselde statt. Am'Mittwoch abend OM, Uhr verschied nach kurzem schweren Leiden unsere liebe Mutter, Schwiege r-und Großmutier. pu. Caroline Saizwedel geb. S röntgt im 72. LÄenSjahre. 1478b DieS zeigen liesbetrübt an l»e Iraiiernden Hinterbliebenen. Beerdigung findet am g. den 24. b. M., nachm. Die Sonntag, 2'/, Uhr, von der Leichenhalle d«S ZionStirchhoseS, Nordend- Nieder-Schöiihausen, aus statt. Danksagung. ffür die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigimg meine« lieben Manne» und unsere« guten BruderS sowie sür die reichlichen Kranzspenden seiner Werksialtkollegen. deni Allgemeinen Deutschen Metall- arbeitcrvcrbmld und OrtSvcrein der Werkzeugmacher sagen hiermit unseren verbindlichsten Dank. 147lb JSnrtlia Tfeier geb. Ktrkew. Karl Vlelcp. Aocust Jlelep. Johann Seier' Die irste Grossrnach In der Cred tbranche b etet jedem Käufer ungeahnte und unüfcert' ertliche Vortefle. Du ch äusserst günstige Otlegenheiti-Ab chifigse tinl wir in der Lage, eine grosse Pattie Heir.n and Damcpgar ierobe ext• billig zu verkaufen. 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Für die herzliche Teilnahme und die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines Mannes, mrcit« Sohnes, Bruders und Schwagers Hugo Schütte lagen wir hiermit allen Kollegen und Kolleginnen von der Firma Rudols Mass« sowie dem Verband der Buch- und Sicindruclerei. HülsSarbetter und Arbeiterinnen DerrtschlandS, Zahlstelle ll, unseren herzlichsten Danl. 1472b Marie Schütte geb. Müke. Familie Schönwald. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und dle Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben ManncS, unseres guten Vater» und Schwiegervaters, deS TilchlerS 44«vi Hahmann sagen wir hierdurch allen Freunden, Bekannten und Verwandleu sowie dem Wahlverein Rixdor-s. den Tischlern und Drechslern der Firma Steinhoff, dem Pflanzervcrein»Kolonie Mittel- weg', den Kutschern d-S Fuhrherrn W. Homuth und sämtlichen Mietern des Hauses unseren verbindlichsten Dank. Rixdors, im November 1967. vis trauernden Hinterbliebenen. Frau Wllholminc Habmann nebet Kindern. 8422 Danksagung. gllr die vielen Beweise inniger Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben ev auch dem Verbände der Schneider ming meiner lieben Frau Anna Tlllwlg sage ich dem llhes sowie den Kollegen und Kolleginnen, und allen Freunden und Bekannten meinen herzlichsten Dank, 841L Rixdors, den 22. November. Willielm Tillwig. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes tlermaan öckul? sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere dem Sozlaldcmokr. Wahlvercin RnmmelS- bürg, den Genossen vom 8. Bezirk, dem Deutschen Transportarbeiter- Verband, dem Pächtervercin„Nasses Dreieck", dem Personal der Firma Oppenheim und dem Gelangverein »Einigkeit- /RummelSburg) sur den erhebenden Gesang am Grabe des Verstorbenen meinen ausrichtlgsten Dank. 14786 Die trauernde Witwe Auguste Schulz nebst Kinder«. Für Teilnahm! Dauksagnng. die vielen Beweise bei herzlicher sowie die Kranzspenden bei der Beerdigirna meiner lieben Frau und guten Mutter sagen wir allen Verwandten und Freunden ilnseren herzlichen Dank. t4S7b lottsnn ßerendt und Tochter, Dr. Sirnrnel Spezial-Arzt (Gr Haut- und Harnleiden. Priuzenstp.4l,„Xir.z. 10— 2, 5—7. Sonntags 10—12, 2— it. Jede Dame lese! — AnanahnieprolHe— nur diese Woche. Sin Posten«leg. Paletobbi.schivarz u. farbig v.S-2S ki. Modell. paletets, Retsemnster. in den entzückendsten SluSsübrungen von 22—84 M., elegante TuchkoetOme von 24—53 M., einzelne engl. Jackenkleider zum Aussuchen v. 16 M. Eine M»dca- kollcktioi». In plllaobpalelole, auch sür die stärkste, Dame paff., sowie Abcndniäiitcl in den schönst. Farben enorm billig. Röcke schivarz und sarbig. unter Kostenprei». I»ainenk«»nrektlaa 1 Treppe, l am Spittelmarkt. 2. Allen Freunden. Kollegen und Genossen zur gest. Nachricht, daß ich ein Kestnarant Petcröbnrgerstr. 7 eröffnet habe- bitte dieselben, mich in incineut Unternchmen ialkräsiig unter- stützen zu wollen.— �va.r.chlniigsvoll 0,«! ffvlti«,"'S?' Unsere erprobten und bewährten Feste l*reii«e. Brenner nebst Ersatz- u. Zubehör-Teilen zu unseren Listenpreisen sind erhältlich bei 242L* W. Karl Haupt, Tauenzienstr. 14. P. Raddatz& Co., G. m b. H. LeipzifferBtr. 122/123. Emil Riedel, r'otsdainerstr. 52. R.ATh.Viereck, Potedamertr. 85. NW. A. Ahrens, Alt-Moabjt 77. 0. P. Neuendorf, Friedrichstr. 130. sw. 0. P. Neuendorf. Blücherstr. 12. H. Sehollwer, Yorkatr. 49. c. Erich Floeky Nachf., Münzstr. 2. Martin GBIzow& Co., Seydelstr.26. HoltzA Linke, r.BndsbergerEtr.58. Cr. Hermann Lux, Alte Schönhauserstr. 30. N. Reinh. Beeker, Invalidenstr. 164. Franz Strauch, Branneostr. 64. 8. Hermann Arnhold, Aloxandrinenstr. 110. Richard Hoppach, Kommandantenstr. 60. H. Kabermann, Prinzenstr. 26. SO. Wllh. Krueemark, Oranienstr. 205. Charlottenburg. 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Noomber 1907 Parteitag der preuMcheo Sozialdemokrat); Berlin, den 22. November 1907. Zweiter BerhandlungStag. Vormittagssitzung. Singer eröffnet die Sitzung um 9 Uhr. Zunächst werden die zu den Punkten 2 und 3 der Tages- Ordnung vorliegenden Anträge zur Ilnterftiitziing gebracht. Die Resolution 20 und das?lmendcment dazu Nr. 22') sowie d'> Anträge 11, 12. 18 und 14") werden sämtlich unterstützt. 20. Zum Punkt 2 der Tagesordnung: Der Parteitag möge beschließen: Der Zweite Parteitag der Sozialdemokratie Preußens verwirft auf das eni'�iedenstc die stnnlofc und barbarische Polenpolitik der preußischen Regierung und spricht der polnischen Bevölkerung Preußens in dem gerechten Kampfe um ihre nationalen Rechte seine volle Sympathie aus. Der Parteitag ist jedoch überzeugt, daß die Polen ihre Rechte erst dann erlangen werden, wenn anstelle des jetzigen Dreiklasienwahl- sqstems das allgemeine gleiche direkte und geheime Wahlrecht zum preußischen Landtage, für das allein die Sozialdemokratie kämpft. getreten sein wird. Ter Parteitag fordert deshalb das polniiche Proletariat Preußens auf, sowohl in seinem Interesse als An- gehörige der arbeitenden Klaffe wie im Interesse des'Kampfes um seine nationalen und bürgerlichen Rechte sich der sozialdemo- '.atischen Nartei anzuschließen. I. BrnhnS mit einer genügenden Zahl von Unterschristen. 23. Amendement Wolf» Bochum und L ö b e- Breslau zur Polenresolution: Der Parteitag legt insbesondere Verwahrung ein gegen alle Versuche, die privatrechtliche und politische Gleichberechtigung der srcmdsprachlichen Teile dcS preußischen Volkes auf dem Wege der Gcsttzgebung oder Verwaltung noch weiter einzuschränken. Tie Aufhebung des bisher verfassungsmäßig gclvährleisteten Vereins» und Versammlungsrechts der fremdsprachigen Staatsbürger durch ein gehässiges Ausnahmegesetz bedeutet nicht bloS tür diese, sondern auch für die deutsche Arbeiterschaft einen?lngriff auf das Koalitionsrecht, der das gesamte Proletariat zur entschlossenen Abwehr herausfordert. 12. Sozialdemokratischer Wahlverein Elbing: Der Parteitag möge beschließen: Tie Parteigenossen in Preußen baden sich überall in energischer Weise an den Landtagswahlen zu beteiligen. 13. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 18. Hannover- schen Wahlkreis Hildesheim: Der preußiscye Parteitag wolle beschließen, ähnlich wie in Bayern, Württemberg. Baden usw., auch in Preußen den Genossen zu den preußischen Landtagswahlen zu empfehlen, wo es die' Umstände erfordern, schon bei den Wahlen der Wahlmänner ein Kompromiß mit den uns am nächststehenden bürgerlichen Parteien einzugehen, wenn dieselben die Verpflichtung übernehmen, für ein allgemeines, geheime?, gleiches und direktes Wahlrecht im Landtage einzutreten. Desgleichen bei dem nächstjährigen deutschen Parteitage in Nürnberg zu beantragen, den entgegengesetzten Beschluß von Nainz aufzuheben. 14. Sozialdemokratischer Wahlvcrcin Sorau-Forst: Tee Preußentag möge in bezug auf die preußischen Landtagslvahlen den Parteigenossen die Beteiligung zur Pflicht machen und aus- sprechen, daß auch die Beteiligung her Wahlmänner an der Ab« �cordnetenwahl dringend wünschenswert ist. Die von den Referenten Adler und Arons vorgelegte Reso- kution hat folgenden Wortlaut erhalten: 23.„Der Parteitag erklärt: TaS preußische Abgeordnetenhaus ist eine ausschließliche Vertretung der besitzenden Klassen. Seine bisherige Tätigkeit >oar in überwiegendem Maße schädigend für die arbeitenden Klaffen, volksfeindlich und reaktionär. Der Grund für diese Klassenherrschaft ist in erster Linie . zu sehen in dem bestehenden Dreiklassenwahlsystem, auf Grund dessen 8Ü Proz. der Wähler aus den unteren Klassen nur die Häistc des Reckstcs haben wie lö Proz. ans den oberen Klassen. Eine Kultur und Fortschritt fördernde, die Interessen der arbeitenden Klassen berücksichtigende Tätigkeit dcS preußischen Parlaments ist nur zu erwarten von der Einführung des all- gemeine», gleichen, direkten und geheimen Wahlrechtes für alle über 20 Fahre alten Staatsangehörigen ohne Unterschied des Geschlechts auf Grund der Vcrhältniswayt. Der Parteitag fordert von den Parteigenossen Preußens, daß sie unausgesetzt eine energische Agitation für die Be. scitigung des bestehenden Wahlunrechte? betreiben, das eine Schmach für das preußische Volk ist. Die Parteigenossen sind verpflichtet, den Kampf gegen das bestehende elendeste und erbärmlichste aller Wahlsysteme mit allen dem organisierten Proletariat-u Gebote stehenden und zweckentsprechenden Mitteln zu führen und nicht eher zu ruhen bis dieses Ziel erreicht ist." Hierauf erhält der Referent zu dem mit Punkt 2 verbundenen Punkt 3 die LandtagSwahlcn 1908 das Wort. Tr. Leo ZlronS-Berlin. Parteigenossen! Im ersten Teil deS Referate?, da? der Ge» nosse Adler gestern erstattet hat, hat er ein außerordentlich reiches Material geliefert über die bisherige Tätigkeit des preußischen Landtages und wie ein roter Faden zog sich durch das Referar der Refrain— möchte ich beinahe sagen—: Her mit dem allgc- meinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht für den prcu- ßischen Landtag, damit die schmachvollen Zustände, wie wir sie bisher gehabt haben, beseitigt Ivcrdcn können. Mir ist nun der Auftrag zuteil geworden, in Ergänzung seines Referates speziell: Ausführungen zu dem preußischen Landtagswahlrccht selbst zu machen. ES ist ganz außerordentlich charakteristisch für die reaktionären preußischen Verhältnisse, daß sich das Wahlrecht, nach dem heute zum Landtag gewählt wird, stützt auf eine durch einen SkaalSflreich hcrbcigefiilirte noch dazu interimistische Verordnung vom 80. Mai 1849. Ter Staatsstreich wird natürlich von de» preußischen Behörden und StaatsrechiSlehrern nicht anerkannt daß ober diese Verordnung eine interimistische ist, läßt sich nicht leugnen. Besagt doch Z 115 der preußischen Vcrsassungsurkundc: .Bis zum Erlaß des im Artikel 72 vorgesehenen Wahlgesetzes bleibt die Verordnung vom 30. Mai 1849 die Wahl der Abgeordneten zur zweiten Kammer betreffend, in Krakt." Also nach einer interi- mijtischcn Verordnung auS dem Fahre 1549 haben wir jetzt nach S8 Fahren>.w-ch zu wählen. Sie sehen, das Puttkamerschc„sofort" verschwindet in sein verdientes Nichts, wenn wir es vergleichen mit der langen Tauer einer so außerordentlich wichtigen, von der Verfassung selbst als interimistisch anerkannten Verordnung. Wie ist die Geschichte dieser Verordnung? Wenige Daten mögen ge- •) Antrag von Kattowitz-Zabrze und Beuihen» Tarn ow i tz: ") 11. Die Genossinnen von Groß-Bcrlin: Der zweite preußische Parteitag möge beschließen: Bei den bevorstehenden Kämpfen für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahl- und Stimmrecht für den preußischen Landtag ist auch das Frauen- wohl, und Stimmrecht zu fordern und mit allem Nachdruck in der Agitation zu vertreten. Die Genossinnen haben sich mit aller Kraftentfgltung an diesen Aktionen zu beteiligen. i'ügcn. Am 18. März 1848 erfolgte die mutige Erhebung der Be- s völkcrung Berlin?, am 22. wurden 183 unter den Schüssen des i Militärs Gefallene im Friedrichshain zur ewigen Ruhe bestattet. !'Auch das ist charakteristisch für unsere preußischen Verhältnisse, 1 daß cL allein noch das Proletariat ist, das die Pietät gegen jene ! Männer draußen im FricdrichShain hegt, die als erste Opfer ge- fallen sind im Kampfe um die Freiheit dcS Proletariats nicht j allein, nein des gesamten deutschen Volkes, das ihnen die Dank- , larkeit versagt. Die wenigen Früchte, die die Revolution von I 1848 brachte, sind schnell gereift, aber ebenso schnell wieder verdorrt. [ Am 8. April 1848 war daS Wahlrecht zur ersten National- ! Versammlung verkündet, das gleich war für alle, die 24 Fahre alt ! waren, die seit 0 Monaten in Preußen waren und keine Armen- ' Unterstützung erhielten. Das Wahlrecht war zwar ein indirektes. ' aber es war geheim, sowohl für die Wahl der Wahlmänner wie ' für die Wahl der?lbgeordnctcn durch die Wahlmänner. Schon am 11. November 1843 wurde die erste Nationalversammlung durch das Militär auseinandergejagt. So schnell hatte unterstützt durch das feige Verhalten der Bourgeoisie die Reaktion wieder an Kraft gewonnen. Am 5. Dezember 1848 erfolgte die Lktroyierung der Verfassung: am 0. Dezember erging dann das neue Wahlrecht, und eS ist höchst bezeichnend, daß selbst am Tage nach der Oktroy-crung der Per- sassung ein Wahlrecht erging, daS fast noch identisch war mit dem Wahlrecht vom 8. April 1848. Nur war bestimmt, daß man jetzt seit einem Fabre in Preußen wohnen müsse, und daß nur die Selbständigen das Wahlrecht haben sollten. Auch die auf Grund dieses Wahlrechts gewählte Nationalversammlung fand ein schnelles Ende. Am 27. April 1849 wurde sie aufgelöst und am 30. Mai 1849, 33 Tage spater, wurde die Verordnung erlassen, nach der wir heute in Preußen wählen müssen. Wenn wir heute verlangen, daß das Rcichstagswahlrecht in Preußen schleunigst eingeführt werde, dann wird uns immer geant- wartet: Fa. lieben Leute, so schnell geht das nicht, das läßt sich nicht machen in der letzten Session eines Landtages, wie sie jetzt vor uns steht, dazu bedarf es der Zeit. D»icn, die so sprechen, können wir getrost de» Vorwurf entgcgenschleudern, daß sie noch nicht 33 Tage gebraucht haben, um ein gutes Wahlrecht zu be- seitigen und durch einen Staatsstreich das elendeste aller Wahl- systeme an dessen Stelle zu setzen. Damals, kann ich mir denken, war man in Verlegenheit, wie man ein Wahlrecht ausarbeiten soll. Heute, nach jahrzehntelanger parlamentarischer Erfahrung in Deutschland ist ein Zweifel darüber ja gar nicht möglich, welche? Wahlrecht eingeführt werden muß: das RcichstagSwahtrecht, das sich in Deutschland so glänzend be- währt hat, auch im Sinne unserer Gegner. Sind wir doch unter diesem Wahlrechte am 2b. Januar 1907 niedergeritten worden! Sie werden es mir ersparen, ausführlich auf alle Mängel unseres jetzt bestehenden Wahlsystems einzugchen, wir befinden uns hier nicht in einer Bollövcrsammlung, ich stehe hier vor den Vertretern der preußischen Organisationen, die ihrerseits berufen sind, nachber alles das vor der großen Masse der Bevölkerung zu verhandeln, was wir hier nur in großen Zügen streifen können. Trotzdem will ich die vier Punkte nochmals kurz und scharf hervorheben, die daS preußische Wahlsystem den Namen deS elendesten aller Wahl- systeme verdienen lassen. Das preußische Wahlsystem ist allgemein, sogar allgemeiner als daS zum Reichstag, denn zum Reichstag kann man nur nach Voll- endung des 25., zum Landtag schon nach Vollendung des 24. Lebens- jahrcs wählen. Dagegen ist es ungleich im höchsten Grabe. Dazu kommt, daß cS indirekt und daß die Stimmabgabe öffentlich ist. Sie wissen, daß wir das ungleiche Wahlrecht auch bei den Stadtoerordnctenwahlcn in den östlichen Provinzen haben, aber hier ist das ungleiche Wahlrecht wenigstens noch ein Wahlrecht für den am schlcchtcst Gestellten. Jede Klasse wählt für sich ihre Stadt» verordneten, so daß diese Wähler doch immerhin die Möglichkeit babcn, Vertreter ihrer Anschauungen und Interessen in die Körperschaft zu senden, für die gewählt wird. Ganz anders bei den preußischen Landtagswahlen. Hier treten die von den einzelnen Klassen gewählten Wahlmänncr zusammen, um ihrerseits erst die Abgeordneten zu wählen, und bei der Wahl der Abgeordneten treten die erste und zweite Abteilung mit der doppelten Slnzahl von Wahlmännern auf. wie die der dritten Abteilung, so daß natürlich an eine Vertretung der dritten Abteilung im Abgeord- netenhause gar nicht zu denken ist. Ich gestatte mir, zwei Zeug- nissc anzuführen, die unwiderleglich sein dürften. Das eine ist enthalten in einer De nischrift des sächsischen Ministeriums. DaS sächsische Ministerium war töricht genug, das preußische Wahlrecht zu kopieren und in Sachsen einzuführen, und die damit gemachten Erfahrungen machten die Herren sehr bald selbst stutzig. Fn der Denkschrift sagt der Minister ausdrücklich, daß dadurch ein erheblicher Teil der sächsischen Wählerschaft eine ihrem Willen entsprechende Vertretung nicht besitzt und daß für weite Volkskreisc das Wahlrecht illusorisch ist. DaS Wahlrecht ist allgemeiner als daS zum deutschen Reichstag, aber darin liegt ja gerade diese unerhörte Tücke, daß scheinbar alle Leute wahlberechtigt sind, daß aber die überwiegende Mehrzahl der Leute das Wahlrecht gewissermaßen nur platonisch ausüben darf, ein Erfolg kann damit nicht erzielt werden. Das zweite Zeugnis stammt von einer Seite, von der c? wahrscheinlich die wenigsten von Ihnen erwarten werden, aus dem preußischen Herrenbause. Hier hatte im Fahre 1908 Pros. Locning das Wahlrecht bezeichnet als ein unwahres und »»gerechtes. Wegen dieser für da? Herrenhaus ganz unerhörten Kritik wurde cr natürlich von den Konservativen zur Rede gestellt und zwar in recht scharfer Weise. Darauf trat Loening den Beweis für seine Behauptung an. Er sagte, cr halte das Wahlrecht für ein unwahres, weil es ein allgemeine» ist, aber durch die Konstruktion des Wahlrechts 85 Proz. der Wähler tatsächlich daS Wahlrecht entziehe; er habe das Wahlrecht ein ungerechtes genannt, weil es verteilt werden solle nach dem Maße der Leistungen der einzelnen für den Staat, und dieser Maßstab sei in gerechter Weise nicht Mtgclegt worden, weil 80 Proz. der Staatsbürger, die dem Staate mit der Waffe Dienste leisten, die im Kriege ihr Leben für den Staat lassen müssen, die einen großen Teil der Lasten aufdringen, durch da? Wahlrecht um den Wert ihrer Stimme gebracht werden. Dies Urteil ist um so wertvoller, weil es gar nicht von allgemeinen Betrachtungen ausgeht, sondern weil es das Wahlrecht aus sich heraus verurteilt. Meiner Ansicht nach ist mit diesem Urteile aus dem Herrenhause, dem niemand widersprechen konnte, das Todesurteil für das Dreiklasienwahlsystem geschrieben. Etwas ausführlicher will ich verweilen bei der vierten Glanz- nummer dcS preußischen Wahlsystems, der Oeffrntlichkeit der Wahl. ES wird vielfach bis weit in die nationalliberalcn Kreise hinein. vielleicht noch darüber binauS, mit der Möglichkeit gerechnet, daß man das Reichotagswahlrccht für Preußen einführen könne, wenn man gleichzeitig für die Ocffcntlichkcit der Wahl sorgt. Sie wissen. was früher von den preußischen Konservativen immer gesagt ist, man dürfe da» preußische Wahlrecht nicht ändern, cS fei ein wichtiges Kompensationsobjekt für das Rcichstagswahlrecht, und man müßte eventuell mit einer Aenderung des preußischen Wahlrechts glcübzcitig das Reichstagöwahlrechj abändern. Und auch bei dieser Abänderung des Reichstagswahlrechts denkt man gern daran, die Oeffentljchkeit der Wahl für die Reichstagswahlen herbeizuführen. Man stützt sich hierbei gern auf ein Wort aus Bismarcks„Ge- danken und Erinnerungen":„Außerdem halte ich noch heute das allgemeine Wahlrecht(daS Rcichstagswahlrecht) nicht bloß theoretisch, sondern auch praktisch für"ein berechtigte» Prinzip, sobald nur die Heimlichkeit beseitigt wird, die außerdem einen tfdarakter hat, der mit den besten Eigenschaften des germanischen Blutes in Widerspruch steht." Dieser Ausspruch wird von tveiten Kreisen nachgebetet. Es wäre interessant, wenn wir den Nach- ivciS führen iänneii. daß diese Nachbeter sich der elendesten Heuchelei schuldig machen. Tie ersten Wahlen, die in Preußen überhaupt ftaiigefunden haben, waren die Wahlen zu den Stadtverordneten- Versammlungen nach der Stcinschen Städtcordnung von 1808. Der § 94 derselben bestimmte die Wahlhandlung. Ich verlese ihn, so altmodisch der Wortlaut auch ist, aber gerade das Altmodische gibt ihm für mich einen ehrwürdigen Charakter:„lieber die Wahl- tandidaten werden die Stimmen der Reihe nach gesammelt. Jedes Mitglied erhält ein weißeS und ein schwarzes Zeichen, wo- von jenes für, und dieses wider den Kandidaten gilt. Es geht alsdann ein verdecktes Gesäß herum, in welchem von jedem eins dieser Zeichen geworfen wird. DaS zweite Zeichen mutz jedes Mitglied(der Wahlversammlung) in ein anderes Gefäß zurück- legen." Auch in der revidierten Städtcordnung von 1834 ist dix geheime Abstimmung beibehalten.§ 71 gibt nur eine moderne Form und destimmt:..... und zwar in der Art, daß jeder Wähler einen verdeckten Stimmzettel mit dem Namen cineS wählbaren Bürgers in den Wahlkastcn wirft." Erst der aller- schlimmsten Reaktionszeit war es vorbehalten, die öffentliche Äbstimmung auch für die Gemcindewahlcn einzuführen. Die Väter der Städtcordnung von 1808, denen das germanische Blut nicht abgesprochen werden kann, wußten ganz genau, weshalb sie die geheime Abstimmung einführten. In einem Briefe vom 9 September 1908 schreibt der M i n i st c r v. S ch r ö t t c r,�„die geheime Wahl sei notwendig, weil der Einfluß der reichen Bürger wirklich so groß ist, daß eine freimütig« Wahl von jedem einzelnen nur dann stattfinden wird, wenn cr uncntdcckt seine Stimme für oder gegen den Kandidaten abgeben kann." Und völlig in gleichem Sinne äußert sich in den dreißiger Jahren des vorigen Jahr- Hunderts ein M o n a r ch, dem auch der allervcrbohrteste Kon- scrvative das germanische Blut nicht absprechen wird, König Friedrich Wilhelm III., der„Vielgeliebte", der„Gerechte":„Bei dieser geheimen Abstimmung kann keine Jnfluen zierung der Wähler eintreten; die Wahlen werden vielmehr der wahre Ausdruck der HerzenLmcinung der Wähler fein." Dieses K ö n i g o w o r t ist geschrieben in dem Erlaß der rheinisch- westfälischen Kirchcnordnung von 1837. Rufen Sie dieses Königs» wort hinaus in die Versammlungen und fragen Die, ob � die heutigen Hohen zollcrn die wahre HcrzcnSmeinung der Wähler nicht hören wollen, indem sie die öffentliche Wahl an Stelle der geheimen eingeführt haben. Auch für das erst« und zweite preußische Parlament war das Wahlrecht ein geheimes. Nach- tragend will ich bemerken, daß bei dem zweiten Parlament die geheime Wahl ausdrücklich vorgeschrieben war für die Wahl der Abgeordneten durch die Wahlmänncr, daß aber das geheime Wahlvcrfabren analog angewandt wurde auch für die Urwähler- wählen. DaS germanische Blut hatte sich nicht dagegen aufgelehnt. Dagegen hatte etwa 60 Jahre vorher„romanisches" Blut die geheime Abstimmung nicht dulden wollen. Während der französischen Revolution hatten zur Zeit der Schreckensherrschaft die Jakobiner in Paris die öffentliche Abstimmung erzwungen, weil sie durch Terrorismus die Wahlen beinslussen wollten. Genau aus dem- selben Grunde führten die weisen Jakobiner Preußens, die reaktionären Herrschaften von rechts der Elbe die öffentliche Ab- stimmung ein, weil sie die Revolution endgültig nicdergeknüttelt haben wollten durch den Tcrrorismus. der ausgeübt werden kann bei öffentlicher Abstimmung.(Lebhafte Zustimmung.) Es ist ganz lehrreich, sich zu vergegenwärtigen, wo außer in Preußen noch die öffentliche Abstimmung herrscht. Nicht viele Staaten sind noch so rückständig. In erster Linie steht Ungarn mit seinem ösientlicken Wahlversahren, offenbar des germanischen Blutes wegen, das die Adern'der Magyaren durchströmt. In zweiter Linie kommt Dänemark. Damit ist die Liste der außerdeutschcn Staaten erschöpft. Außerdem haben innerhalb Deutschlands noch die Großstaateu Schwarzdnrg-Sondershausen, Waldeck und Braun- schweig die öffentliche Abstimmung, wobei in Brannschwcig wenigstens für die Wahlmännerwahl geheime Abstimmung statt- findet. Noch charakteristischer ist, daß die hellen Sachsen, als sie 1596 das preußische System im großen und ganzen übernahmen, doch vor der Einführung der öffentlichen Abstimmung zurück» sel, reckten und es bei der geheimen Wahl bei den UrWahlen zum Abgcordnctenhause bewenden ließen. Damit ist der Beweis geliefert, wie heuchlerisch die Be» hauptung ist. daß nur die öffentlich« Wahl dcS germanischen BluteS würdig fei. Dieser Beweis läßt sich aber auch führen auS der preußischen Gesetzgebung selbst heraus. So enthält die Kreis- ordnung von 1872 und die Novelle dazu von 1881 die geheime Ab- stimmung für die Ärcistagswahlcn, ebenso die Provinzialordnung von 1875(und die Novelle dazu von 1831) für die Wahlen zu den ProvinziaUandtage». Vielleicht meint ein naives Gemüt, in Preußen seien doch modernere Anschauungen möglich. Aber er wird sehr bald belehrt: Fn der späteren Landgemcindeordnung von 1891 ist wieder die össentlichc Abstimmung siir die Wahl der Ge- meindevertreter vorgeschrieben. Klarer und deutlicher kann die Heuchelei in bezug aus das öffentllche Wahlverfahren nicht dar- gelegt werden als hier. Wir finden die geheime Wahl uberall da, wo die Reichen und Vornehmen zu wählen haben, die öffentliche Wahl aber dort, w o d i e von Kapital. Regierung und Bureaukratie A b> bängigen zur Wahlurne treten.(Lebhafte Zu- stimmung.) Diese drei Gesetze nebeneinander gestellt, sind die schärfste Verurteilung der Heuehclci, die vom germanischen Blute spricht. Man mühte denn etwa annehmen, daß die herrschenden Klaffen dieses germanische Blut nicht besitzen. Es kommt aber nicht nur auf die Gesetze an, sondern auch darauf, wie sie gehandhabt werden. Jeder einzelne von uns ha> erfahren, wie die Wahlbeeinflnssungen in Prenstcn ausgeübt werden. Ich möchte hier nur zwei Dokumente darüber mitteilen. Zunächst ein vertrauliches Rundschreiben deL konser- vativcn Zentralkomitees aus dem Jahre 1861— ein eventueller Diebstahl wäre also verjährt lHeitericit):„Auf dem Lande wird es besonders die Pflicht der Gutsbesitzer sein, dahin zu arbeiten, daß niemand, der ihrer Einioiriung zugänglich ist, von den Wahlen zurückbleibe. Daß in gleicher Weise jeder billige und gesetzlich erlaubte Einfluß auf die Unter- g c b e n c n und in Geschäftsverbindung Stehenden angewandt werden muß, versteht sich von selbst. Uebcrhaupt ist es billig und notwendig, daß die Konservativen sich, gleich ihren Gegnern, entschließen, ihre soziale und gesellschaftliche Stellung geltend zu machen und möglichst nur Geschäftsleuten, die gleiche Gesinnung haben, die Dorteile ihres Verkehrs zuwenden. Ein offenes Anerkennen und Aus- sprechen dieses Grundsatzes wird nicht ohne Wirkung bleiben." (Hört! Hört!) Das ist die Blase, die über den Terrorismus der Sozialdemo- kratie zetert.(Lebl?. Zustimmung.)' Und zweitens liegt folgende Acußerung von W i n d t h o r st vor, die am 26. November 1873 im preußischen Landtag« fiel:„Ich habe in früherer Zeit geglaubt. die öffentliche Stimmabgabe sei die richtige, sie sei am besten ge- eignet, das Volk politisch zu erziehen und feste öffentliche Charaktere zu schaffen.... aber. m. H., nachdem ich in den preußischen Staatsverband getreten bin und nunmehr die hier be- folgten Wahlmethoden gesehen habe, da sage ich, eS geht nicht mit der öffentlichen Abstimmung. Wenn ich beobachtete, un- befangen und ruhig, in welcher Art die königliche DtaatSrcgicrung in diesem Jahre auf die Wahlen Einfluß geübt bat(Hört! Hört! im Zentrum), wenn ich scbe. in welcher Weise dieses gleichmäßig von einem Teile der schlesischen Magnaten geschehen ist, und im edlen Wettstreit von Verwaltungen selbst staatlicher Art und in würdiger Racheiferung von vielen Fabrikanten. in den Städten, dann muh ich sagen, eS heiht der menschlichen Natur zuviel zugemutet, gegen- über einem solchen Terror isinus Stand zu halten. Ich selbst bin Zeuge gewesen, wie die ganze StaatSbeamtenschast vom Präsidenten herab bis zum Gerichtsboten wie ein Mann st i m m t e.(Heiterkeit.) Ich habe, als ein und anderer mein Erstaunen darüber sah, Gelegenheit gehabt, zu hören: Sie wundern sich, aber wir konnten nicht anders!(Unruhe.) Die Leute waren zwei- bis dreimal ausgefordert, bei den Wahlen zu erscheinen und mit den Nationalliberalen zu stimmen(Heiterkeit); das muh ein Ende haben; wir müssen den Leuten die Möglichkeit gewähren, nach freier Ueberzeugung zu stimmen, ohne ihre Existenz aufs Spiel zu setzen.(Bravo!)" Mit diesen Ausführungen verlasse ich die Schilderung des heute bestehenden Dreitlassenwahlrechts. Ich wende mich einer anderen Frage zu, der Frage: Wie stehen die Parteien zur Forderung des ReichStagSwahlrechts fn Preußen? Bon der Sozialdemokratie will ich nachher sprechen. von den konservativen Parteien, zu denen Sie getrost die Nationalliberalen rechnen können, gar n i cb t, denn Sie wissen ja alle, wie diese über diese Forderung denken. Es bleibt also übrig Freisinn und Zentrum. Nun, Freisinn und Zentrum sind für die Einfübrung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts für die Landtagswahlen— wenig st ens in der Theorie. Den viel versprechendsten Vorswh für die Einführung des Reichstagöwahlrechts für die Land tagswahlen unternahm im Jahre 1873 Windthorft. Daß Zentrum stand damals in vollster Opposition. Der Kulturkampf hatte in den preußischen Maigesetzen von 1573 seine schönste Blüte getrieben. Gleichzeitig bestand ein außerordentlich gespanntes Verhältnis zwischen Regierung und Konservativen. Vor den Wahlen von 1873. am 1. Oktober, hatte die offiziöse„Provinzialkorrespondenz" erklärt die Regierung erachte es für geboten, jedem Eingriffe in die Wahl- bewegung fernzubleiben. Hält aber die Regierung ihren Einfluß bei den Wahlen zurück, dann klappen die Konservativen zusammen wie aufgeblasene Hampelmänner.(Heiterkeit.) 1873 zählte die Linke im Adgeordnetenhause 174 Nationalliberale und 68 Fortschrittler, verfügte also zusammen über 242 Stimmen, ohne die kleinen Gruppen oder Grüppchen, tvie hier so schön gesagt worden ist. Die Linke hatte also die absolute Majorität. Demgegenüber bestand die Rechte aus 35 Freikonservativen, 20 Neukonservativen, 6 Altkonservativen. Sie verfügte also über 65 Stimmen, wenn t'ir nobel sein wollen und die 4 Minister, die ein Landtagsinandat hatten, ihr noch zurechnen. Das Zentrum schließlich hatte 88 Man- date, wozu 18 Polen kamen, so daß der Zentrumssührer über 106 Stimmen verfügte. Gleich nach Zusammentritt dieses Land- tages stellte Windthorft den Antrag auf Aufhebung des betreffenden Paragraphen der preußischen Verfassung und Einführung des Paragraphen der deutschen Reichsverfassung, das heißt des allge- meinen, gleichen und direkten Wahlrechts. Und wie war daö Schicksal dieses Antrages in dieser Kammer, in der es überhaupt nur 6b Konservative gegeben hat? Dieser Antrag Windthorft er- hielt nicht einmal die schäbige Ehre desBegräb- nif fett in der Kommission: es wurde einfach beschlossen die Verhandlung dieses Antrage? auf sechs Monate zu vertagen. das heißt auf den St. Nimmerleinstag zu verschieben. Dabei ver- fugten die Liberalen über 242 Stimmen: 174 Nationalliberale unk 63 Fortsehrittler! Den Herren war der Antrag Windthorst im höchsten Grade unangenehm. Am liebste:: hätte» sie ihn von vornherein abgelehnt, aber das war natürlich ausgeschlossen, stand doch im liberalen Programm die Forderung: Einführung des all- oemeinen, gleichen, direkten xirfb geheimen Wahlrechts. Infolge? dessen wurde eine feine Gruppierung vorgenommen, die den einen Teil von den beiden gegen die Vorwürfe der anderen schützte, und dae tn so raffinierter Weise durchgeführt wurde, daß tntsächlich einer gegen den anderen sich bis zur letzten Minute gedeckt hielt. Zunächst trat als Redner der Freifinnigen Virchow auf und er- klärte, der ganze Antrag fei ein gän.z trauriges Machwerk, er behandelte ihn ungefähr so,-wie der Genosse Haase gestern meinen Antrag.(Heiterkeit.) Er klammerte sich dabei an eine außerordentliche Kleinigkeit, nämlich Haran, daß in diesem Antrag Windthorft vergessen war. neben den KZ 71, 72 und 115 der Ver- sassung, die aufgehoben werden sollten, auch den Z 74 zu erwähnen, der �bestimmt, daß das passive Wahlalter in Preußen 30 Jahre betiägt. Virchow sagte:..Wir hatten diesem Antrag gegenüber in erster Linie(die Frage, od er ernsthaft gewesen sei, und da will ich Ihnen gar nicht verhehlen, daß nur ibu für ein bloßes Wahlma iiöver gehalten haben." Die beste Methode natürlich. um einen unliebsamen Antrag zu beseitigen. Er fuhr dann fort, die Sache selbst sei ja nicht von der Hand zu weisen,„aber, meine Herren, wir können nicht umhin, dabei zuzugestehen, daß der Zeit- Punkt überaus schlecht gewählt ist"— es war nämlich der Zeit- Punkt gewählt, zu dem überhaupt etwas zu erreichen g-etvesen wäre—„und auch von'dieser Seite verstärkt sich der Verdacht, daß es sich mehr um ein taktisches Manöver handelt." Nachdem Virchow so dem Antrag die Knochen im Leibe zerbrochen hatte, beantragte er, den Antrag Windthorft einer Kommission zu über- weisen. Inzwischen hatten aber die anderen Akteure eingegriffen. Jetzt waren sie gedeckt, setzt hatte Virchow ja selbst erklärt, hier bandelt eS sich um ein Wahlmanöver, und nun kamen die National- liberalen mit dem Antrag, die ganze Geschickte auf 6 Monate zu vertagen. Die Abstimmung verlief nun so: für den Antrag Virchow stimmten das Zentrum und die Fortschrittler. Daö konnten diese ruhig tun, denn sie waren gegenüber den Konscr- vativen und Nationallibcralen in-der Minorität. Dann kam die namentliche Aostimmung über den nationalliveralen Antrag Jung, die Sache auf 6 Monate zu vertagen, und da habe ich in oen Ab- stimmungslisten nur zwei Fortschrittler gefunden, die mit dem Zentrum stimmten. Alle die alten Fortschrittler: Parisius, Hähnel, Mommsen, Eugen Richter stimmten für die Vertagung auf 6 Monate. T-as war die Aktion im preußischen Landtag, die noch am meisten Aussicht gehabt hätte, etwas zu erreichen. Noch auf eins möchte ich hinweisen. Heute pflegen die Erben der Fortschrittler, die Freisinnigen, zu sagen: Wir Frei- sinnigen sind in der Entfaltung unserer Agitation behindert, denn überall versperrt uns die Sozialdemokratie mit ihren radikalen Forderungen-den Weg. Der Vorgang, von dem ich eben berichtete, spielt aber im Jahre 1873. Damals saßen nach der Wahl von 1871 erst zwei Sozialdemokraten im deutschen Reichstage. Freisinnige Wahlrechtsanträge. 1883 erst stellte dann der freisinnige Abgeordnete Stern den Antrag auf Einführung der geheimen Wahl, der 1886 von llhlendorss wiederholt ivurde. Beide Anträge wurden abgelehnt. Erst 1803, gelegentlich der kleinen Veränderung, die am Wahl- gesetz vorgenommen werden mußte, auf Grund der Miquelschen Steuerreform, ermannten sich die.Freisinnigen, die nunmehr zu einer hoffnungslosen Minorität herabgelommen waren, um nun ihrerseits de» früher als Wahlmanövec bekämpften Antrag Windt- Horst wieder einzubringen, und zu beantragen, daß das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wählrecht auch für den preußischen Landtag gelten solle. Natürlich wurde dieser Antrag abgelehnt, und ganzähnlick ging es in der allerneuesten Zeit, im Frühjahr 1906. Sie tvipen za. daß im Frühjahr 1906 eine kleine Flickarbeit vorgenommen wurde an dem bestehenden.Dreiklassenwahlsystem. Flickarbeit so unbedeutender Natur, daß ich gar nicht darauf ein- gehen werde. Aber diese Gelegenheit benutzten denn die Frei- sinnigen wieder einmal, den Antrag auf Einführung deS ReichStagSwahlrechts für Preußen zu stellen, und eine ganze Reibe ihrer Redner trat in der pathetischsten Weise auf. Vor allem lvar es Herr Wiemer, der gegen eine gesetzgeberische Aktion protestierte, die nur Schmeidklei oder Heucl�lei als Wahlreform bezeichnen iönne, und der mit dem allerhöchsten Pathos mit dem Zitat aus .Raeaulah schloß:„Die große Ursache der Revolution ist, daß die Berfassiingen stillstehen, während die Völker fortschreiten." (Hört! hört!), Ich weiß nicht, ob Herr Wem« noch in derselben Weise reden wird, nachdem er daS Nordseebad in Norderney ge- nommen hat.(Heiterkeit.) Aber wünschenswert ist eS wohl, daß man ihm eine solche revolutionäre Sprache unter die Nase reibt. Sie wissen, daß wie alles, was die Freisinnigen unternahmen, auck diese Aktion ins Wasser fiel. Daö Pathos von Wiemer machte auch damals schon keinen allzugroßen Eindruck, die Konservativen kannten da also schon recht gut ihre Blockbrüder von heute, und Freiherr v. Zedlitz war es. der in sehr schalkhafter Weise sick über die Freisinnigen und ihre revolutionäre Begeisterung für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht vor versam- meltem Kriegsvol! aussprach. Er sagte:„Ja, meine Herren, ich mache Ihnen" einen Vorschlag, wir wollen Ihnen aus, vorläufig sagen wir mal, 10 Jahre auf Probe das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht für die Stadtverordneten wähle»bewilligen, und wenn Sie dann noch darauf bestehen, dann würden wir uns herbeilassen, in dieser Beziehung noch weiter zu gehen. Solange«ie aber nach dieser Richtung hin nicht mit Anträgen und Wünschen an uns herantreten, werden Sie es uns nicht übelnehmen, wenn wir Ihre Vorliebe für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahl- recht als platonisch halten, als eine von den Forderungen, die man aufstellt, weil man sicher ist. daß sie niemals in Erfüllung gehen."(Sehr richtig!) DaS Zentrum verhielt sich im Frühjahr 1906 außerordentlich reserviert. Es war ja längst wieder Regierungspartei geworden; es berief sich deshalb auf eine Erklärung, die Graf Hompesch im Februar 1906 im Reichstage abgegeben hatte, worin es hieß, was dem Reiche ge- währt sei, das würden auf die Dauer sich die Einzelstaaten auch nicht vorenthalten lassen. Im übrigen stimmte das Zentrum für den freifinnigen Antrag. Auch das konnte gefahrlos geschehen. da Freisinn und Zentrum ja nicht über die Majorität verfügten. Und als dann im Januar 1907 das Zentrum einen Antrag auf Einführung des Reichstagswahlrechtes in Preußen stellte, um sich bei den Wahlen populär zu machen, da verweigerten 13 Mitglieder der Zentrumsfraktion ihre Unterschrift unter diese» Antrag, der nebenbei bemerkt, ganz harmlos und nicht durchführbar war. Sie sehen also, wie es mit der theoretischen Vorliebe des Zentrums für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht steht. Um nicht ungerecht zu sein, will ich erwähnen, daß auch die Frei- sinnigen im Januar 1907 den obligaten Antrag auf Einführung des Reichstagswahlrechts stellten, sich abv durchaus keine Mühe gaben, daß dieser Antrag überhaupt zur Beratung kam. Wenn ich zu Beginn meiner Ausführungen sagte, daß die Freisinnigen und das Zentrum Anhänger des allgemeinen. gleicken, direkten und geheimen Wahlrechts für den Landtag seien, so fügte ich gleich hinzu, daß sie es nur theoretisch sind. Wenn das noch nicht mit genügender Klarheit aus den Verhandlungen im Landtag hervorgegangen ist, nun, Parteigenossen, deutlicher konnte es wohl nicht bewiesen werden, als am 21. Januar 1906. an dem Tage, wo die Sozialdemokratie zum ersten Male eine große allgemeine Demonstration entfaltete, um die große Masse der Be- völkerung aufzurufen zum Kampfe um das Wahlrecht. Wer das Berbalten der liberalen Presse, wer das Verhalten der Zentrums- presse in jener Zeit beobachtet, wer gesehen hat, wir jene Leute, (tatt ruhig und beschämt in ihrem Kämmerlein zu sitzen und nicht zu störew es gewagt haben, der sozialdemokratischen Bewegung Knüppel zwischen die Beine zu werfen, wer sich daran erinnert, wie sie damals den ebenso lächerlichen wie pompösen Maßregeln der Polizei und der Staatsrcgicrung in bezug auf militärische Machtentfaltung zugejubelt haben, der muß sich sagen;„Diese Männer sind keine Freunde deS allgemeinen, gleichen. direkten und geheimen Wahlrechts für Preußen."-(Lebhaste Zu- timmung.) Ganz genau so ist es wieder in der allerletzten Zeit gegangen. Im Juli 1907 forderte Naumann das allgemeine Wahlrecht; ibm schlössen sich Payer, Schräder und andere an. ES erklang der Zins: AlleS oder nichts! Naumann war der Mann, der gern dahin arbeiicn wollte, daß sich eine allgemeine Volksbewegung bilde gegen das schändlichste aller Wahlsysteme. Aber dieser Jubel ist sehr bald verklungen; die über- wiegende Mehrzahl der freisinnigen Politiker und der freisinnigen Blätter versagten ihre Zustimmung; sie verrieten von vornherein die ganze Sache, indem sie erklärten, sie würden sich mit Ab- -chlagszahlungen zufrieden geben, sie würden auch zufrieden sein. wenn die Wahlrechtsfrage erst dem nächsten Landtag übertragen würde. Noch schlimmer ist es, daß diese Männer ständig und rändig wieder erklären, daß das überhaupt keine Frage sei. die durch eine Volksbewegung gelöst werde, sondern die einzig und allein der parlamentarischen Verhandlung übertragen werden müsse. Wenn in die Zimmer des preußiscken Landtages nicht durch die Fenster die frische Zugluft der Volks- bewegung eindringt, dann können Sic bis auf den St. Nimmerleins- tag warten, bis das allaemeine, gleiche, direkte und geheime Wahl- recht eingeführt ist.(Sehr richtig!) Das wissen die Herren von der freisinnigen Fraktion und die Herren von� der freisinnigen Presse ganz gut, aber trotzdem wollen sie die Fenster hermetisch ge- icklossen halten und die Volksbewegung unterdrücken, damit es nur immer reckt langsam voran'gehl.(Sehr gut?) Dem muß die Sozialdemokratie mit aller Energie entgegentreten. Wir wissen -a, daß Raumann schon den Rückzug angetreten, daß er in Frank- furt seinen Frieden geschlossen bat. Hier hat die Sozialdemokratie mit aller Energie einzusetzen. Sie wissen, daß nur noch ein ganz kleines Häuslein um Barth, dessen Namen ich hier mit Absicht ehrenvoll erwähne, energisch für die Einführung des gleicken. ge, Heimen und direkten Wahlrechts in Preußen kämpft. Diese Männer sind uns ebenso willkommen, wie jeder, der für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht in Preußen eintritt, aber nicht willkommen sind uns jene, und nicht die Hand bieten können wir jenen, die behaupten, sick auf eine parlamentarische Aktion beschränken zu können, und die gegen jede Voltsbewegung auf- treten.(Sehr richtig!) Glücklicherweise macki sich nun aber in den Arbeiterkreisen, die bisher noch dem Zentrum und dem Freisinn folgen, bereits die Wirkungen dcS Arbeitens der Sozialdemokratie geltend. Bereits vernabmen wir Stimmen aus jenen Kreisen, die mehr und mehr fordern, daß das ReichStagswahlveckt auch für Preußen bewilligt wird. Wegen der vorgerückten Zeit will ich hierauf nicht weiter eingehen: ich verweise Sie auf die Nummern 4ö und 46 der sozialdemokratischen„Parteikorrespondenz", wo Sie das wertvollste Material über diesen Gegenstand sehr übersichtlich und zweckmäßig zusammengestellt finden. Hier an diesem Punkt, daß selbst in den Arbeiterkreisen, die bisber dem Zentrum und dem Freisinn folgen, eö zu gären beginnt, hier hat vor allem die Sozialdemokratie den Hebel anzusetzen. Die Sozial- demokratie fordert die' Einführung des ReichstagSwahlrechts für Preußen. Sie Hai sich bisher auf diese Forderung beschränkt, weil sie gerade die Freisinnigen und das Zentrum zwingen will, Farbe zu bekennen, weil sie diese Parteien zunächst festnageln will auf die Forderungen, die in ihrem Programm stehen; weil sie zunächst dahin wirken will, daß die Arbeiter, die diesen Parteien folgen, sie endlich zwingen, die Forderungen ihres Programms, die Versprechungen ihrer Vergangenheit wahrzunehmen. Wie weit wir iin Laufe der Agitation über diese Forderung hinausgehen können, das hängt einzig und allein von Ihrer Energie ab. Je energischer Sie in die Wahlbewegung eintreten, je besser es Ihnen gelingt, große Massen auf die Beine zu bringen, desto eher und nachdrück- licher und desto erfolgreicher können wir die Forderung unseres Programms stellen: Allgemeines, gleiches, direktes Wahlrecht mit geheimer Stimmabgabe für alle über 20 Jahre alten Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechts, und A b st i m m u u g nach dem P r o v o r t i o n a l s h st e m. Bisber haben wir die Forderung des Reickstagswahlrechts aus- gestellt; von heute an werden wir, wenn Ihre Energie dazu aus- reicht, wenn Sie mit der genügenden Arbeitskraft an die Tätig- keit gehen, für unsere Programmforderung eintreten. - Weicher Art soll nun unsere Agitation sein? Es tut mir leid, hier etwas aussprechen zu müssen, toas ich für eine unbedingte Vorbedingung einer ersprießlichen Tätigkeit unsererseits in der Wahlrechtsbewegung hatte. Es ist nötig, daß wir unumwunden unsere bisherigen Unterlassungen auf diesem Gebiete zugestehen, zugestehen nickt nur nach außen hin, sondern vor allem uns selbst gegenüber. Erst dadurch werden wir die Kraft bekommen, mit Energie vorzugehen. Erinnern Sie sich der Vergangenheit! Wenn unsere Alten sangen: Das gleiche Wahlrecht ist das Zeichen, dann dachten sie mit Lassalle an die Erringung des Landtagswahlrechts für Preußen. Dieser Gedanke ist in ganz erklärlicher Weise in den Hintergrund getreten. Im Jahre 1567, bald nach LassalleL Tod. erhielten die Arbeiter für die Wahlen zum Norddeutschen Reichstage daS allgemeine, gleiche. geheime und direkte Wahlrecht und zwar als Geschenk aus der Hand Bismarcks. Tics Wahlrecht wurde dann 1571 auf das gesamte Deutsche Reich ausgedehnt für die Wahlen zum Reichstag; für die Wahlen zum Landtag wurde es vom Standpunkt der Regierung aus vielleicht in sehr schlauer Weise vorenthalten. Dies allgemeine, gleiche, direkte Wahlrecht, wie es Bismarck verliehen hatte, habe» die Arbeiter ergriffen, sie haben daraus eine ganz gewaltige Waffe in ihrem Befreiungskampfe geschmiedet, sie haben dadurch Erfolge errungen oon einer Größe, die ihnen von keiner Seite bestritten wird. Aber diese Erfolge haben ihnen gleichzeitig den klaren Blick getrübt dafür, was sie neben diesen Dingen für Erfolge zu er- reichen haben. Wenn man boshaft sein wollte, dann könnte man sagen: Bismarck hat das allgemeine, gleiche Wahlrecht für den Reichstag gegeben, um es um so ruhiger vorenthalten zu können für den Landtag. Vielleicht kann man sagen, daß das Reichstags- Wahlrecht denn doch nicht so ganz ein freiwilliges Geschenk Bismarcks war. sondern daß er die Bedeutung der Lassalleschcn Agitation erkennend, das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht für Deutschland gab, wo es verhältnismäßig weniger gefährlich für die herrschende Klasse ist, als zum Landtag. Wir müssen in unserer Agitation darauf hinweisen, daß der Reichstag wesentliche Ver- waltungsaufgaben nicht zu erfüllen hat, Verwaltungsausgaben hat er, soweit es überhaupt die spezisisch-preußischen militärischen Ver- Hältnisse erlauben, höchstens auf dem Gebiete de» Heeres und der Flotte, aber da stehen die Pickelhauben bervor. Im übrigen hat der Reichstag fast ausschließlich gesetzgeberische Befugnisse, die Ausführung der Gesetze, die Verwaltung, wird von den Landesregierungen besorgt, und wie da» in Preußen geschieht, das wissen Sic alle. Aber darüber hinaus sind sogar eine große Reihe von Gebieten aus der Reichsgesetzgebung ausgeschieden und der Landesgesetzgebung vorbehalten. Ich erinnere nur an das große Gebiet der Volkssckule, an die Fragen der Ge- m ein deVerwaltung. Sie können zu einer freien Gemeinde- Verwaltung nur gelangen über den Weg durch das Landtags- Wahlrecht. Und noch eins! Der preußische Staat ist der größte Arbeit- aeber der Welt. Er beschäftigt in seinen Bergwerken, in seinen Forsten, in seinen Werkstätten, ans seinen Eisenbahnen etwa eine halbe Million Arbeiter. Wenn ich das„sein" betone, so fällt mir eine kleine Anekdote ein, die Marx im Kapital erzählt. Da mackt ei» alter englischer Sckriftsteller, den Marx zitiert, darauf auf- merksam, es sei doch in England sehr merkwürdig, alles hieße königlich, das einzige, was national heiße, seien die Schulden, man sprecke nicht von einer königlichen Schuld, sondern von einer eng- lischen Nationalschuld.(Heiterkeit.) Lassen Sie unS bei dieser Arbeitgeberfrage einen Augenblick verweilen. Die kaiserlichen Er. lasse vom 4. Februar 1890 sind Ihnen allen in Erinnerung. Ich bin fest überzeugt, daß diese Erlasse der tiefsten inneren Willens- mejnung des Kaisers entsprungen sind, ich bin überzeugt, daß der Kaiser alles daran gesetzt haben würde, die Erlasse zur Wahrheit zu machen, diese Erlasse, in denen es heißt, daß die Staatsbetriebe Musteranstälten werden sollen. Und gerade, wenn Sie alles das mit mir anertennen, dann• sehen Sie erst recht, wie verderblich unsere preußischen Verhältnisse sind, daß' es selbst diesem mächtige» Manne in Preußen nicht gelungen ist, feinem Herzenswunsch auch nur um das Schwarze unter dem Nagel näher zu kommen. Und was hat diesem mächtigsten Manne daran gehindert? Daran hindert ihn der preußische Landtag, die Vertreter des Großkapitals. der Großindustrie, die er zu Kommerzienräten machen und mit Orden schmücken muß. Und warum hindern sie ihn? Sie würden vielleicht um schöner Titel und Orden Willen und um sonstiger Vorteile halber auch bereit sein, den StaatSarbeitern aus dem Staatssäckel etwas zu gewähren, aber sie fürchten, daß Ver- besserungen in den Staatsbetrieben mit unwiderstehlicher Gewalt zurückwirken müssen aus die Privatbetriebe, und wenn eS an den eigenen Säckel geht, dann sind die Herren vorsichtig, dann gilt ihnen auch der Herzenswunsch des Königs nichts. Wie die Konservativen einst gesagt haben:„Und der König absolut, wenn er uu» den Willen tut", so sagen die Großindustriellen: Solange der König unseren Geldbeutel schont, sind wir auch dem König gewogen, aber weiter nicht. Das ist meiner Ansicht nach der springende Punkt, wobei'wir einzusetzen haben. Man mag über die politische Betätigung der Gewerkschaften denken wie man will— ich denke dabei auch an die gewerkschast- lichen Organisationen, die noch anderen Parteien nachlaufen—. hier liegt ein Punkt vor, der auch die Gewerkschaft, die noch so sehr die Politik verabscheut, geradezu zwingt, sich mit Politik zu be- schäftigen, denn es handelt sich hier um reine Arbeiterfragen, reine Gewerkschaftsfragen. Auf allen diesen Gebieten haben wir eS bis-- her an Agitation, behaupte ich, ganz außerordentlich fehlen lassen. Bedenken isie. daß von autoritativer Seite früher daö Wort ge- sprochen ist:„Um den preußischen Landtag kümmern wir un» nicht, den lassen wir verfaulen." Es war der alte Liebknecht, der da» Wort sprach, und er stand nicht allein, sondern hatte Beifall in weiten Kreisen der Partei. Sie alle, die Sie die Agitation kenne». werden mir zugeben, daß ein solches Schlagwort wie das Wort: Den Landtag lasse» wir verfaulen sich tief einfrißt in die Massen und daß es schwieriger und sehr intensiver Arbeit bedarf, um den Sckaden wieder gut zu machen, den es gestiftet hat, zumal deshalb. weil die damals ausgegcbene Parole dem Trägheitömstinkt der Masse entgegenkam. Gewiß war das nicht die Absicht de» Alten; wir kennen den Feuerkops, für den es Arbeit nicht genug geben konnte. Aber das Wart hat bei der großen Masse gezündet, die gern von der Arbeit sich drückt, namentlich, wenn es sich um öffentliche Wahlen handelt.(Sehr richtig!) Es fragt sich nun. welche Mittel wir in unserem Kampfe anwenden wollen. In erster Linn kommen dabei natürlich unsere alten Mittel Agitation und Organisation in Betracht. Jede Stärkung der Organisation. der politischen und gewerkschaftlichen, vermebrt unsere Schlaglrafr auch aus diesem Gebiete. Aus diesem Grunde begrüße ich es auch mit besonderer Freude, daß die schwebenden Verhandlungen zwischen den Gewerkschaften zentraler und lokaler Richtung sich endlich eitlem erfreulichen Abschluß zu nähern scheinen. Gerade die Gewerkschaftler, die bisher in dem Glauben, die anderen seien nicht politisch genug, gezögert haben, den srcicn Gewerkschaften beizutreten, müßten im Hinblick ans diese außerordemlich wichtige prU tische Frage umso mehr bereit sein, sich zusammen zu schließen, weil sie sich sage» müssen, daß nur durch die Vereinigung Großes zu erreichen ist, und welche auf der anderen Seite gewiß sein können, daß selbst diejenigen, die der Politik fernbleiben woben, durch die Entwickelung in Preußen in die Politik hineingerissen werden, mögen die Statuten beschaffen sein, wie sie wollen. Unsere Agitation muH meiner Ansicht nach im wesentlichen vertieft werden. Ich will auf einen schmerzlichen Punkt hier nicht näher eingehen. einen für mini schmerzlichen Punkt, daß Sie gestern Ihrer ganze» Stimmung nach— eine Abstimmung ist ja nicht erfolgt— die Eiiisührung eine» selbständigen Landesvorstandc» für Preußen beiseite geschoben haben. Also über die Mittel der Organisation und Agitation brauche ich nicht erst ausführlich zu sprechen. Wenn cS nun mit diesen Mitteln nicht schnell genug vorwärts geht, so bttt ich wohl befugt, zu sagen, daß die Paeiclgenos,enschasl Preußens iveiier zu zedem Mittel greifen wird, von dem sie glaubt, daß es sie in diesem Kampfe fördern tvird. �Bravo!) Ich erinnere Sie z. B. an die Kämpfe unserer österreichischen und belgischen Parteigenossen, die nicht vergeblich waren, wenn auch Blut dabei geflossen ish Aber, Parteigenossen! Ich lehne cd von vornherein cb, näher zu sagen, welches die Mittel sind, die wir ergreifen wollen. Nur eins will ich bemerken: Ganz gewiß werden wir uns nicht darauf beschränken, das Beispiel unserer belgischen und öuerreichischen Parteigenossen einfach zu kopieren. Leben wir doch unter ganz anderen Verhältnissen als jene. Ich erinnere an Ungarn, wo die Wahlrechtsdemonsiration der Arbeiterschaft unter. stützt wurde von industriellen, sogar großindustricllcn Verbänden " Da läßt sich eine solche Agitation, auch wenn sie Blut kostet. Wohl entfalten. Das einfache Kopieren der ausländischen Genossen würde auch niemand angenehmer sein als unseren entschiedensten Gegnern. Ich habe Ihnen vorhin etwa- aus den„Sozialistischen Monatshe"-n" vorgelesen'.md ich will Jdncn jetzt zu Ihrer Beruhigung auch-»was aus der„Neuen Zeit" vorlesen.(Heiterkeit.) der„Neuen Zeit" wird auf die Rede des Freiherrn v. Zedlitz cm 15. Januar 1906. also 6 Tage vor der-roßen Demonstration dcS Proletariats für das Wahlrecht, hingewiesen. Damals sagte Freiherr v. Zedlitz im Landtage: .In der Wahlrechtsfrage darf auch nicht um eine- FingerS Breite nachgegeben werden", und er begründet das folgendermaßen: „Welche Folgen wird nun ein solches Verhalten in Preußen, di- vollständige Ablehnung jedes Eingehens auf die sozialdemokratiicvcn Demonstrationen, die vorgetragenen Wünsche, auf die Sozial- drmokratic selbst haben? Da sind zwei Fälle möglich. Entweocr Nc Sozialdemokratie beruhigt sich bc: dem Mißerfolge. Dann wird der Rückschlag in der Stimmung der Arbeitcrbcvölkerung nicht ausbleiben! man wird sehen, daß die Sozialdemokratie nicht die Macht ist. die sie zu sein vorgibt, daß man daher verkehrt tut, einer Fahne zu folgen, die nicht zum Erfolge, sondern zum Mißerfolge soprt, und es ist möglich, daß dann die Reaktion in den Geistern stark genug ist, um auch die breiten Massen mit anderen Gesichts- punkten, mit anderen Dingen zu erfüllen, und wieder an das Vaterland heranziehen zu können. Wahrscheinlicher aber ist es daß die Sozialdemokratie von dem inneren Triebe, der sie ge- drängt hat, aus der Tatenlosigkeit der letzten Jahre herauszutreten zunächst auf dem Jenenser Parteitage, den politischen Massenstreik in das Arsenal ihrer Waffen aufzunehmen und jetzt die Wahl- »cchtsdemonstrationen zu machen, damit doch die großen Massen sehe», daß etwas geschieht— daß sie von diesem Drange weiter getrieben wird, auf die Versammlungen Straßendemonstrationen und schließlich den Versuch des politischen Massenstreiks folgen zu lassen. Und nun, m. H.,— und die folgenden Worte hat Frhr. b. Zedlitz selbst im stenographischen Bericht sperren lassen— dann wollen wir die Krisis eben erleben, die wir wahrscheinlich doch nicht vermeiden können und die wir überstehen werden, wenn wir ein gutes Gewissen haben."— Auf das„gute Gewissen" komme ich noch zurück.(Heiterkeit.)—„Wir werden sie aber erleben zu einer Zeit.in der sie ungleich minder gefährlich sein wird, als wenn sie zu einem Zeitpunkte eintritt, wo die Bewegung, in- sonderheit der Massenstreik von langer Hand sorgfältig vorbereitet ist, wenn sie zu einer Zeit eintritt, nicht wo die Sozialdemokratie die Bewegung haben will und vorbereitet hat, sondern wo sie sie haben muß, weil sie sonst den Einfluß auf die Massen verliert. Und so auch werden wir durch unser Verhalten hier dazu beitragen, daß die Krisis, die der Einstellung der sozialdemokratischen Be- wegging doch vorausgehen wird, zwar rascher, aber ungleich un- gefährlicher sich vollziehen und rascher zur Heilung führen wird, als es sonst der Fall sein würde." Klipp und klar erklärt also Freiherr v. Zedlitz, nachdem er die Unzulänglichkeit dcS preußischen Wahlrechts zugegeben hat. Wir wollen reinen Finger breit nachgeben, damit die Sozialdcmo- kratie zu Demonstrationen gedrängt wird. Ich wollte noch auf da- gute Gewissen zurückkommen. Eine Illustration dazu habe ich neulich in einem alten Buch gefunden, in dem über eine Diskussion im vereinigten Landtage aus dem Jahre 1843 berichtet wird. Dieser war 1848 wieder zusammengetreten. Unter dem Druck der eben vollzogenen Revolution waren die Herren besonders feige und liberal. Nur zwei Leute saßen damals im Landtage, denen auch der ent- schicdenste Gegner zusprechen muß, daß sie mutig und entschieden für die konservative Sache eingetreten sind und von denen der eine wenigstens den alten konservativen Typus repräsentiert, der auch in unseren Reihen im Gegensatz zu den waschlappigen Liberalen gewisse Svmpathien erweckt. Der eine von den Herren war Bismarck, der andere, den ich jetzt zitieren will, der Herr v. Thadden-Triglaff. Er sagte am 5. April 1848: „Als echter Preuße verstehe ich den alten Wa./ispruch unseres Hause?:„Luuin cuique!" nicht bloß:„Behalte, was du hast", sondern:„Nimm, was du kriegen kannst. lGroße Heiterkeit.) Aber wohlverstanden, was du mit gutem Gewissen bekommen kannst." Wenn Sic sich cinnml überlegen, was die Konservativen sich seitdeni genommen haben, weil sie es kriegen konnten, dann werden Sic das gute Gewissen beurteilen können, vor allem, wenn Sic an die letzten Zeiten des Zollwuchers denken, werden Sic wissen, was das gute Gewissen für die Konservativen bedeutet.(Sehr gut!) Und dann werden Sie aus dem, was ich vorhin vorgelesen habe, wohl entnehmen, daß Freiherr v. Zedlitz lieber heute als morgen mit gutem Gewissen auf die Sozialdemokratie schießen lassen würde, wenn sie sich dazu hergibt. Den Gefallen tun wir den Herren nicht, ebenso wenig, wie wir ihn ihnen am 21. Januar 1906 getan haben. Welche Mittel wir anwenden wollen, das wird der Augenblick ergeben, wo wir sie anwenden. Lassen Sie mich diese AuSsuhrung mit den Worten unseres Genossen Singer in dem Ihnen vorliegenden Heft der„Neuen Zeit" schließen:„Mit der Entschlossenheit wird sich Besonnenheit verbinden: die Sozial- dcmokratie weiß genau, mit welchen skrupellosen Gegnern sie in diesem Kampf zu tun hat, und wird nicht die Geschäfte des Feindes lcsorgcn." Noch ein paar Bemerkungen zur Wahl im Jahre 1908. Ich habe ausgeführt, daß wir mit aller Energie darauf hin- arbeiten wollen, die bisher im Landtag vertretenen Parteien dazu zu riötigen, das Reichstagswahlrecht noch in dieser Session für die nächsten Wahlen zum preußischen Landtage einzuführen. Führt diese Agi- tation zum Erfolge, dann brauchte ich über die Wahlen kein Wort zu verlieren. Anders würde aber die Sache liegen, wenn es trotz oller Energie bis dahin nicht gelingen sollte, das'Drciklassenwahl. shstcm zu beseitigen, lvenn es die Regierung wagen sollte, die preußische Bevölkerung noch einmal zur Wahl unter dem Drei- Haffenwahlsystem zusammenzudcrufe». Es kann nicht meine Aus- gäbe sei», Ihnen nun die Details einer solchen Wahlbeteiligung aufzuzählen. Ich habe schon gesagt, ich lasse die kleinlichen Flicke- reien, die 1906 am Wahlgesetz vollzogen worden sind, beiseite, weil ich eben hofse und dafür kämpfen will, daß wir unter dem Drei- Hassenwahlrecht überhaupt nicht mehr zu wählen haben werden. Sollte es aber doch nicht geändert werden, so»verden wir auch daraus Honig zu ziehen wissen, dann werden wir die Wahlen zum picußischen Landiagc da- nächste Mal zu einer ganz gewaltigen Demonstration ausgestalten. Im Jahre 1903, als sich die Sozialdemokraiie Preußens zum ersten Male in größerem Maßstäbe an den Landtags- wählen beteiligte� traten 314 149 sozialdemokratische Urwähler an die Wahlurne. Die Freisinnigen brachten nur etwas mehr, nämlich 824 157 Urwähler auf. Tic �ozialdeinokratie hatte 18,8 Proz. aller Urwähler für sich gewonnen, die Konservativen 19,4 Proz. Aber trotz dieses geringen Unterschiedes schickten die Konservativen 143 Abgeordnete in den preußischen Landtag, während es der preußischen Sozialdemokratie trotz ihrer 18,8 Proz. nicht gelang, auch nur einen einzigen Abgeordneten in den p>.e»ßisck>en Landtag zu entsenden. Dieses Resultat, daS ja vorausgesehen war, hat dann aber dach in den großen Massen der Bevölkerung eine Erbitterung hervor- »rufen, die noch größer werden wird, wenn sie gezwungen werden sollien. bei einer kommenden Wahl diese Zahl noch erheblich zu bcc- größern. Daß auf diesem Gebiete für uns noch außerordentlich viel zu tun ist, lehrt eine statistische Uebersicht des„Vorwärts" vom letzten Mittwoch. Nur ein paar Ziffern daraus will ich anführen. In sieben Regierungsbezirken hatten wir keinen einzigen sozial- demokratischen Urwähler zu verzeichnen, in weiteren fünf— es gibt überhaupt 41— weniger als 100, und in weiteren vier Re- gierungsbczirken zwischen 100 und 800. Aber auch in den übrigen 20 Regierungsbezirken— außer Berlin— hatten wir noch 67 Wahlkreise ohne auch nur einen sozialdemokratischen Urwähler, 36 Wahl- kreise mit weniger als 100 und nur 40 Wahlkreise mit mehr als 1900 sozialdemokratischen Urwählern.— Vergleichen wir weiter die Zahl der sozialdemokratischen Urwähler mit der Zahl der- sozial- demokratischen Rcich-kagswahlstimmcn, die in demselben Fahre 1903 abgegeben worden sind, so erhalten wir folgendes Bild: Als be- sonders günstig muß Berlin bezeichnet werden. Auf alle 12 Wahl- kreise Berlins entfallen auf 1000 sozialdemokratische� Reick>stags- toädler 564 sozialdemokratische Urwähler vom Landtage, lieber- troffen wurde Berlin in jeder Beziehung nur von zwei reinen Ar- beiterstädten, die aber keinen besonderen Wahlkreis bildeten, so von Rixdorf, wo 615 Urwähler auf 1000 Reich-tagswähler kamen, und der Stadt Linden, wo die Vcrhältnisziffer sogar auf 660 gestiegen war. In anderen Kreisen sieht es sehr viel weniger günstig aus. Mehr als die Hälfte der sozialdemolratischen Reichstagswählcr brachte als Urwähler an den Wahltifch der Kreis Schöncbcra-Ri�dorf — was ausschließlich den Rixdorfer Arbeitern zu verdanken itt— und mehr als ein Viertel der sozialdemokratischen Reichstagswählcr wurden in 11 weiteren Kreisen als Urwähler aufgebracht, in füin Kreisen betrug die Beteiligung aber weniger als ein Zehntel. Sie sehen also, auch in diesen Bezirken ist noch viel zu tun und zu er- reichen. Ich habe gesagt, die nächste Wahl, falls sie noch unter dem Drciklasscnwahlrccht vor sich geht, muß zu einer gewaltigen Demonstration gemacht werden. Nicht dadurch, daß wir nur äußere Erfolge zu erringen suchen. Wir werden hier und da wohl auch aus eigener Kraft sozialdemokratische Abgeordnete wählen können, aber vor allen Dingen kommt es darauf an, daß die Stimmen zahl, die für die Sozialdemokratie abgegeben wird, eine ungeheuer große wird. Deshalb ist es ganz aus- geschlossen, daß irgendwie mit anderen Parteien gemeinschaftlich Wahlmänner aufgestellt werden können. Nein, in jedem einzelnen Wahlkreise, in jedem Orte müssen sozialdemokratische Wahlmänner aufgestellt werden, und es müssen die Stimmen aller derjenigen gesammelt werden, die gegen dies elendeste aller Wahlsysteme pro- testieren..Erklären sich dann trotz der öfsentlichen Abstimmung Hunderttausende von Wählern mehr für die Sozialdemokratie, dann haben wir eine Demonstration, gegen die es einen Widerspruch überhaupt nicht mehr geben kann. Meine Ausführungen gipfeln in dem Rufe: Heraus mit dem Reichstagswahlrccht für Preußen. Das ist unsere Losung. Lassen Sie mich meine Ausführungen schließen mit einem kurzen Zitat aus Lassallc, aus jener Zeit, als er für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht kämpfte. Es sind Worte, die wir vielleicht mit kleinen zeitgemäßen Abänderungen auch heute nach für uns als gültig betrachten können. Lassalle sagte:„Wiederholen Sie täglich unermüdlich dasselbe, wieder dasselbe, immer dasselbe! Je mehr es wiederholt wird, desto mehr greift eS um sich, desto gewaltiger wächst seine Macht. Alle Kunst praktischer Erfolge besteht darin, alle Kraft zu jeder Zeit auf einen Punkt, auf den wichtigsten, zu konzentrieren und nicht nach rechts, noch nach links zu sehen. Blicken Sie nicht nach rechts, nicht nach links, feien Sie taub für alles, was nicht allgemeines, gleiches und direktes Wahlrecht heißt. Dies ist das Zeichen, das Sic aufpflanzen müssen. Dies ist das Zeichen, in dem Sic siegen werden."(Leb- hafter Beifall.) Die Diskussion wird eröffnet. Vorsitzender Singer: Es stehen außer der Resolution der Referenten die Anträge 11, 12, 13, 14, 15, 20 und 22 zur Debatte, sowie folgendes Amendement, das sich auf die dänisch sprechende Bevölkerung bezieht:: 24. Amendement zum Antrag 20. Der Parteitag erkennt ferner an. daß die in Nordschleswig gegenüber den Dänen be- triebene Zwangspolitik mit ihrer Verfolgung der Optanten, Optantenkinder, ihrer planmäßigen Schikane des Gebrauches der dänischen Sprache, den Gutsankäufen, Polizcimaßregeln und Strafprozessen trotz einer scheinbaren augenblicklichen Milderung ein Kind des gleichen Geistes ist, der in den östlichen Provinzen zu der oben gekennzeichneten Polcnpolitik geführt hat. Auch hier gilt der Satz, dag eine Beseitigung der Zwangspolitik nur Hand in Hand niit der Abschaffung des Treiklasscnwablrcchtes gehen und daß das dänische Proletariat in seinem Interesse als Arbeiterschaft sowie als Teil einer unterdrückten Nation den Anschluß an die sozialdemokratische Partei suchen muß. E. Erfurth-Flcnsburg mit einer genügenden Zahl von Nnkcr- schriften. Biniskiewicz-Kattowitz: Wenn das Dreiklassenwahlrecht eine Maßregel gegen die organisierten Arbeiter Preußens darstellt, so beschränkt und bc- schädigt es den polnischen Arbeiter noch bedeutend mehr. Vor mehr als hundert Jabrcn wurde bei der Aufteilung Polens bc- hauptct, der polnische Arbeiter solle aus dem Joche der polnischen Schlachta und des polnischen Adels befreit werden. Das war nur eine Phrase, er blieb genau wie vorher der Knecht des polnischen Adels und des polnischen Kapitalisten. ES kam lediglich hinzu, daß er auch noch die nationale Unterdrückung zu ertragen hatte. Die Schule kommt für den polnischen Arbeiter so gut wie gar nicht in Betracht. Der alte Liebknecht bat die Schule als Vor- schule der Kaserne bezeichnet; dem polnischen Arbeiter kann sie absolut nichts von Kultur bringen. Das Kind, das bis zum 6. Jahr polnisch gesprochen hat, muß vom Lehrer d c u t s ck unterrichtet werden. Das Resultat dieses Unterrichts ist denn auch, daß unter den polnischen Arbeitern die Zahl der Analphabeten trotz des Besuches der Schule sehr groß ist. Er kann toahl deutscb lesen, ohne zu verstehen, was er liest. Da- gegen spricht er polnisch, ohne polnisch lesen zu können, und somit bleibt ihm jede Kultur überhaupt verschlossen. Die deutsche Schule hat ihn zum geistigen Krüppel erzogen, zum günstigen AusbcutuugSqbjelt für den Kapitalisten. Auch auf anderen Ge- bieten wird er unterdrückt und geistig verkrüppelt und dadurch von den Ideen de» Sozialismus noch ferngehalten. Ich erwähne nur die Tätigkeit der Ansiedelungskommission, die den Polen der- hindert, ein Haus zu bauen. In Oberschicsien hat ein Arbeiter sich deswegen in einer Scheune einen Ofen gesetzt und dort gewohnt. Als der Gendar:n kam,»m ihn daraus zu vertreiben, griff der Mann in seiner Verzweiflung zur Flinte und erschoß den Gendarm und dann sich selbst. Es ist nicht ansgefchlossen. daß solche VcrzweiflungSiällc sich mehren werden. Wir haben in der Provinz Posen preußische Bürger, die im Wagen kampieren müssen und ein Leben wie die Zigeuner führen. Jetzt will eine neue Vorlage der Regierung das Recht geben, die polnischen Grundbesitzer zu enteignen. Gegen die Enteignung der Kapitalisten hätten wir als Sozialdemokraten nichts einzu- wenden, aber dieses Gesetz soll sich nur gegen die Polen richten und stellt sich als krasses Ausnahmegesetz dar. Diese Nadelstich- Politik aber erzeugt einen N a t i o n a l i t ä t e n h a ß, der nicht im Interesse der Sozialdemokratie liegt. Trotzdem ist es uns ge- lungen, schon mehrere 1000 polnische Arbeiter den Gewerkschaften und Verbänden zuzuführen. Das einzige Agitationsmittcl, das wir hierbei haben, ist das lebendige Wort. Das haben die Kapitalisten eingesehen und deswegen rufen die bürgerlichen Parteien jetzt. die Verfammlungssprache soll nur die deutsche sein. Der deutsche Reichstag wird diesem Rufe wohl nicht nachgeben, die Junker werden ihre Pläne aber dann nicht fahren lassen, sonder» werden nach dem preußischen Landtag gehen und dieser wird auch ein solches Ausnahmegesetz schassen. Mit großer Spannung müssen deshalb gerade die polnischen Ar- beitec den Kampf um das allgemeine Wahlrecht verfolgen und Hand in Hand mit den deutschen Arbeitern dafür eintreten, dieses Parlament zu einem modernen umzugestalten. lZustimmung.) Ich bitte Sie. auch die Resolutionen 20 und 22 anzunehmen, um den polnischen Proletariern zu beweisen, daß der Kampf der deutschen Sozialdemokratie gegen das Dreiklassenwahlrecht auch mit dem Kampf gegen die Polenpolitik der preußischen Regierung verknüpft ist.(Lebhaftes Bravo!) Robert Schmidt-Bcrlin: Die Geschichte des Junkertums ist die Leidensgeschichte dcS preußischen Landarbeiters. Den preußischen Landarbeitern muß man zurufen: Belogen und betrogen seid Ihr von Euren Junkern, belogen um Eure Rechte, betrogen um die Scholle, die Eure Vor- fahre» urbar gemacht haben, im Schweiße ihres Angesichts. Taufende von Arbeitern werden heute von den Junkern ins Land gezogen aus Rußland, aus Galizien. wahllos und sprupellos halt das Junkertum das Menschenmaterial aus allen Winkeln der Erde, um es als billige Arbeitskräfte an seinen Wagen zu spannen. Wer je die Tausende gesehen hat, die nach Deutschland gezogen werden, wie sie mit Frau und Kind und ihrer armseligen Habe hier anlangen, um in dem Dorado des Juniertunis Aufnahme zu finden, dem wird die Wahrheit der Behauptung der Sozial- dcmokratie recht klar, die Arbeitskraft ist eine Ware. Verschacheri werden die Arbeiter auf den modernen Sklavenmärtten, denn nichl Arbeitsvcrmittelunaen sind es, sondern Sklavenmärkte, wo die Leute nach ihrer Arbeitsfähigkeit abgeschätzt werden und danach, ob sie ihre Arbcilskrast billig zur Verfügung stellen können.(Sehr wahrl) Dieselben Herren, welche einen besonderen Ehrenkodcx und eine besondere Ehre haben wollen, haben nicht die Fcinfühligkcit, daß sie es verschmähen, durch die AnSnutzung der Elendsten ein Luderleben zu führen. Das sind dieselben Herren, die, wenn sie ihren Grundbesitz durch schlechte Wirtschast zugrunde gerichtet haben, laut schreien: der cstaat muß un» durch besondere Vorrechte die Sicherheit unserer Existenz verbürgen. Diese Kaste hat heute in Preußen den größten Einfluß. Im Westen haben denselben Em- fluß die Herren von der Hochfinanz. Diese sagen, auf der General- Versammlung des Zentralverbandcs der Industriellen, zu dem Staatsminister von Bethmann-Hollweg: Wir wollen vor allem den Grundsatz aufrecht erhalten, Herr im Hause zu sein. Da- bedeutet den Kampf gegen die Gcwcrkschasten der organisierten Arbeiter in aller Schärfe aussprechen.(Sehr Ivahrl) Andererseits sagt der Minister zu ihnen besänftigend, nicht die Herren im Hause sollt Ihr sein, sondern Ihr meint vielleicht, das Verhältnis zu dem Arbeiter soll so sein, wie auf dem Kaseruenhof das Verhältnis des Vorgesetzten zu den Soldaicn. Das ist das Ideal des Junkers auf dem wirtschaftlichen Gebiete. Tie Arbeiter bedanken sich für dieses Ideal. Den Junkern mag eS recht sein, ganz Preuße» in einen Rasernenhas zu verwandeln, und überall merkt man etwas von der Kasernenluft, die uns zuweht, überall in der Ver- waltung und im politischen Leben, wo jede Selbstbestimmung und jede Neigung zur Demokratie unterdrückt werden soll.(Zustimmung.) Aber diese Herren können uns nicht abwendig machen von dem großen Grundsatz der gewerkschaftlichen Organisationen. Im Wirt- schaftlichcn Kampf werden wir uns das Junkertum in den gewcrk- schastlichen Organisationen niemals aufdrängen lassen. Nach auf ci»c andere interessante Erscheinung weise ich hin: Was der Minister auf der Generalversammlung der Industriellen gesagt hat, will ich vergleichen mit dem, was er auf dem Kongreß der christlichen Arbeiter sagte. In der Periode eines beispiellosen wirtschaftlicben Aufschwunges, wo die Hochfinanz ungezählte Millionen eingesackt hat, da sagt der Minister zu den christlichen Arbeitern:„Seid zufrieden!" Es mag im Sinne der Staats- raison sein, den Arbeitern zu sagen, seid zufrieden und fleißig. Wer aber hat als Staatssekretär das Recht, die Arbicter zum Fleißc zu ermahnen. Sind nicht die Arbeiter diejenigen, die auch ohne Ermahnung in fleißigster Weise sich abmühen und arbeiten um tärglichcn Lob»?(Lcbh. Zustimmung.) Jene Stelle bat sicher kein Recht, die Arbeiter zum Fleiß und zur Zufriedenheit aufzu- rufen. Zur Zufriedenheit mag der Herr Minister den Zentral- verband d>.r Industriellen aufrufen.(Scbr'wahr!) Dort mag er sagen: Seid mäßiger, seid zufrieden, seid gcyügsam, Ihr habt ja Millionen eingeheimst. Aber das wagt kein preußischer Staatssekretär, den» dort hätte er eitle ganz andere Antwort dctommcii. als auf dem Kongreß der christlichen Arbeiter. Die Herren Kapita- listen hätten sich das nickt bieten lassen.(Lcbb. Zustimmung.) Uns muß jedes Mittel recht sein, da- uns auch nur einen Schritt vorwärts führt, unserem großen Ziele entgegen. Nicht eher dürfen wir ruhen in dem Kampf, bis unser Ziel erreicht ist: Der Fall de? Junkertums und des Drciklasscnwahlrechts.(Lebh. Bravo!) Frau Thirl-Teltow-Bccsiow: Ich möchte Sie bitten, auch für das Fröucuitimmrccht ein- zutreten. Ist doch die Frau an den allcrwichtigsten Fragen in hervorragendster Weise beteiligt und interessiert, ich erwähne nur die Schulfrage, die Landarbelterfrage, die Frage der Gewerbe- inspektion, und vor allem ist für die Frau wichtig, daß die s ch m a ch. volle Gcsindcordnung endlich beseitigt wird. Die Forde- rung, welche wir Frauen erheben, steht ja auch in unserem Pro. gramm und ich möchte Sic bitten, in allen Versammlungen energisch dafür einzutreten.(Lcbh: Zustimmung.) Unseren Antrag ziehen loir zurück, weil sein Inhalt in die Resolution von Arons und Adler aufgenommen ist.(Bravo!) Leinert-Hannover: Genosse Arons sagte, die Junker stehen auf dem Staudpunkt: Nimm, was du kriegen kannst mit gutem Gewissen. Die Gesetze, die im Landtage gemacht werden, haben eine Rückwirkung auch auf die provinzialen Landtage und anderen Körperschaften. Die Kanal- vorläge zum Beispiel konnte erst von den einzelnen Provinzial- landtagen erledigt werden, welche eine Garantie für die Verzinsung übernehmen sollten. Danach würde nicht nur die Stadt Hannover sehr belastet sein, sondern auch die Provinz Hannover hätte eine Garantie zu leisten. In dem Provinziallandtage aber sitzen Land- rüte und Agrarier und besonders der hannoversche Landtag wird von dein Obcragrarier Dicdcrich Hahn geführt. Es war bekannt, daß Herr Dicdcrich Hahn der Regierung seine Macht fühlen lassen wollte und die Ablehnung der.Kanalgarantie so gut wie sicher war. Aber im letzten Moment erinnerten sich die Junker des Stand- Punktes: Nimm, was du kriegen kannst, und stimmten für die Ga- rantic, wen» den Kreisen eine Drittelmillion für Straßenbau über- wiesen würde. So haben die Agrarier c- verstanden, die von ihnen zu leistenden Kulturaufgaben auf die Gesamtheit abzuwälzen. Im Landtag wüten sie in jeder Weise gegen die Konsum- und andere Genosienschafteir.� Sie selbst aber wollten in Hannover eine Pferde» vcrwertungsgcnoffcnschast ins Leben rufen, sobald 750 Anteile dafür gezeichnet wären. Als aber erst 500 Anteile gezeichnet waren, haben sie sich 50 000 M. zu 2 Proz. Zinsen bewilligt, haben sich die Zinsen 3 Jahre lang schenken lassen und dann noch als besondere Belohnung sich selbst ein Geschenk von 3000 M. gegeben. Die im Landtag gemachten Gesetze gehen eben nach durch besondere Filter, wo sie ganz anders gestaltet werden als wie sie im Landtag gedacht werden. Bei der Agitation haben wir nach ein ganz besonderes Agitationsmittcl, nämlich die Abänderung des Einkommensteuer- gesetzeS. Leider ist darauf nicht immer in genügender Weise hinge- wiesen worden. Adler sagte, die Abänderung des Gesetzes sei den Freisinnigen zu danken. Aber alle Parteien, mit Ausnahme des Zentrums, haben sich an dieser höheren Besteuern?.? der Arbeit:. beteiligt, und auf der Generalversammlung des Bundes der Inda- striellen forderte der Sekretär des Bundes, Herr Wcndland, die Jndusrriellcn auf. die Sicuerlisten ja recht genau auszufüllen. Tic Wirkung dieses Gesetzes hat sich schon gezeigt und wird sich noch mehr zeigen. Das Gesetz ist um so ungerechter gegen die Arbeiter, weil sie hier als unehrliche Steuerzahler gebrandmarkt werden, während die Reichen den Staat nach allen Regeln der Kunst betrügen können. Ich weise nur auf jenen Senator in Osnabrück hin, der bei seinem Tode hockgcprwscn wurde, von dem sich dann aber herausstellte, daß er der Steuerbehörde 200 000 M. seines Vermögens verhcimlicht�hatte. Aber für kräftige Besteuerung der Ar- deitcr hat dieser Steuerdefraudant und brave Mann recht gut gesorgt. Wir haben schon bei der Landtagswahl im Jahre 1903' darauf hingewiesen, die Arbeiter sollten darauf achten, wie die C. schastslcute wählen, die sich immer als Sozialdemokraten aufspielen. Damals schrie man in ganz Teutschland über den Tcrrorismus der Sozialdemokratie.'Als aber in Goslar statt des BündlcrS der Nationallibcralc gewählt wurde, da sagten die Bündler, man solle nicht bei den nationalliberalen Wählern kaustur. So wollen wir es auch machen. Wir wollen die öffentliche Wahl so ausnutzen, daß wir diejenigen, die den Sozialdemokraten gegenüber glauben, sich freundlich zeigen zu können, dann aber die wählen, welche den Arbeiter in jeder Weise benachteiligen, von solchem Porhaben ab- zuschrccfc».(Beifall.) Eduard Bcrnstein-BrcZlau: Als Aronö von der groycn Zahl preuhischcr Arbeiter sprach, zu wenden. Rufen wir diese Berufsangehörigcn auf zum Sturm gegen das Wahlunrecht, dann wird die Stoßkraft des arbeitenden Volkes wachsen. Möge ein jeder in seinem Berufe das Interesse an der preußischen Wahlrcform wachrufen, auch bei den Abseits stehenden, die noch anderen Parteien angehören, dann werden wir auch die Macht gewinnen, Freisinn und Zentrum durch das Volk vorwärts zu schieben.(Bravo!) BruhnS-Katiowitz: Es wäre mir sehr wichtig und wertvoll erschienen, wenn unser Parteitag die P o l c n f r a g c als besonderen Gegenstand der Tagesordnung gründlich behandelt hätte. Es ist nicht zu bezweifeln. dag in wenigen Wochen eine künstlich erzeugte„nationale" Be- rief ich ihm die Zahl: eine halbe Million zu. Genohe Molkenbuhr �cgung einsetzen wird als Vorspann für die Durchdrückung des nmchte mich darauf aufmerksam, daß über kllylXZl) in Frage kommen Ausnahmegesetzes im neuen Rclchsvereinsgesctz. Man will damit und von diesen dem preußischen sind über die Hälfte durch neuere Erkenntnisse der Oberlandes- gerichte außerhalb der Gewerbeordnung gestellt worden. Unser neuer Handelsministcr, Herr Delbrück, hat es vor kurzem in einein Erlasse betont, daß nunmehr auch die Gewerbeinspektion für diese staatlichen Betriebe nicht mehr in Betracht komme. Ebensowenig taat unterstehenden Arbeitern besonders jetzt noch widerstrebende liberale Elemente für jene Aus- w"->>-- � nahmcmaßregcl gewinnen. DaS wird auch uns zu viel gründ- sicherer Stellungnahme zur Polcnfragc zwingen. Eine solche Stellungnahnie wäre übrigens auch ohne diese Veranlassung für unö sehr nötig, um unsere Ansdiaumigcn m der Polenfrage zu klären und mancherlei nach meiner Ansicht Unrichtiges zu bekommt für diese Arbeiter noch eine Reihe von Schutzvorschristen j ken paar Minuten, die mir zur Verfügung stehen, ».»...,. A..— 1?■•.4 4» V« 4.» i. ,-44 4.4 4 t-l 4 � 4.4-TT A I 4 44 4 4..4 4 4 4 t P4 4".4.4 4 4 �4 4444_4 4• 4>4 in Betracht. Was das heißt, wird klar, wenn man daran denkt, daß die Verwaltung dem Wahlrecht entspricht. Nun eine Aenderung des Wahlsystems werden wir ja bekommen; die Frage ist ins Rollen gebracht und der alte Zustand ist nicht aufrechtzuerhalten. Die Frage ist nur. wie das Wahlgesetz aussehen wird! Wenn es nach dem Wunsche der Regierung und der maßgebenden Parteien im Landtag geht, so werden die Arbeiter dorl zwar eindringen, ,10er in begrenzter Zahl und die Arbeiterklasse wird eine freie Auswahl ihrer Vertreter nicht haben. Das müssen wir zu verhindcrn�suchen. Wir müssen eine Aenderung dcS Wahlrechts in unserem Sinne zu erzwingen suchen. Genosse AronS sagte: Wenn die Regierung wagen sollte, noch einmal nach diesem Wahl- spstem wählen zu lassen... Man braucht kein Prophet zu sein, um zu sagen: Sie wird es wagen und wird noch viel mehr wagen. Durch die ausgezeichneten Ausführungen Aronö ging doch ein pessimistischer Zug. Er feuerte dazu an, alle Mittel im Äanrpf zu gebrauchen, sagte dann aber, wir werden jetzt die Mittel nicht �erraten. Gewiß kann man in einem großen Kampfe die Pläne dem Gegner nicht verraten. Aber andererseits darf man bei einer Massenbewegung nicht allzu diplomatisch vorgehen.(Sehr richtig!) I!nd wir müssen doch sagen, das Haiiptmittel, welches wir haben, ist das der O b st r u k t i o n, der Obstruktion innerhalb und außer- bald des Parlaments. Die Obstruktion im Parlament kommt ja beim preußischen Landtag bei unS nicht in Frage, wohl aber die außerhalb des Parlaments. Wer einen Blick auf die Geschichte wirft, weih, daß die Obstruktion ein altes, geheiligtes Mittel ist. Denken Sie an die französische Revolution. Alö die beiden ersten Stände sich vom dritten trennen wollten, haben die Ab geordneten deö dritten Stanöcs sich aus die Obstruktion gelegt und Mignet lobt diese Obstruktion ausdrücklich als bestes Mittel, wodurch die beiden ersten Stände zum Nachgeben gezwungen wurden. Denken Sic an die englische Revolution. Da stand der Feind vor den Toren, da waren die Schotten ins Land eingefallen. Aber das Parlament erklärte dem König: Nicht eher bewilligen wir einen Pfennig für die Soldaten, bis die Bedingungen erfüllt sind, die wir stellen. Und Karl I. mußte nachgeben und seine eigenen Minister auf das Schafott schicken. Db ich nun im Parlament Ob- struktion mache und die Staatsmaschinc zu hemmen suche, bis meine Forderungen erfüllt sind, oder od ich außerhalb des Parlaments mit den mir zur Verfügung stehenden Miltein Obstruktion mache, das ist in der Sache selbst daSsclve. So bosfe ich.'daß unsere Ar- britcrschaft und alle diejenigen, die für die Demokratisierung des preußischen Landtages find, zu gegebener Zeit von allen Mitteln der Obstruktion, wo überhaupt ihr Einfluß hinreicht, Gebrauch machen werden, um zu verhindern, daß eine Wahlrcform zustande kommt, die diesen Namen zu Unrecht trägt, und daß andererseits eine Wahlreform geschaffen wird, die unseren Foroeningen entspricht. Das ist die eine Seite der außerparlamentarischen Agita- lion, die uns zur Verfügung steht. WuS können wir nun in Gestalt parlamentarischer Agitation, parlamentarischer Tätigkeit lcisiZn? Wenn nach dem alten System gewählt wird, werden wir vielleicht einige Abgeordnete in Berlin ins Parlament bringen. Sie können nur durch ihre Reden auf die Gegner einzuwirken suchen, aber wir haben noch andere Mittel. Wir haben, nach welchem System auck, gewählt werden wird— wahrscheinlich wird es das alte sein—, aus die Zusammensetzung des preußischen Parlamncts einzuwirken. Täten wir es nicht, dann würden wir uns selbst ungetreu, dann gäben wir eine Waffe aus der Hand, die wir gebrauchen müssen. (Beifall.) Silbcrschmidt- Wanzleben: Neben der Tatsache, baß wir als Staatsbürger an Preußen interessiert sind, kommen auch unsere Berussinterrssen in Frage. Ast doch Preußen das rückständigste Land auf dem Gebiete sozialer Gesetzgebung und ein ständiges Hemmnis für den Forlschritt in anderen deutschen Staaten. Das Baugewerbe kommt für Preußen mit rund SOOOlX» Beteiligten in Betracht. Außerdem sind eine große Zahl Arbeiter und Arbeiterinnen vorübergehend in dem Gc- werbe beschäftigt. Im Punkt der sozialen Gesetzgebung ist das Baugewerbe ein Stiefkind in Preußen. Irgendwelcher Schutz an Leben und Gesundheit wird der Klasse der Bauarbeiter nicht ge� währt. Eine gesetzliche Unfallverhütung, eine sanitäre Gesetzgebung sind nick't vorhanden. Den einzelnen Verwaltungsorganen und Gemeindevertretungen ist eS überlassen, die sanitären Fragen zu regeln und andererseits find die Bernfsgenossenschaften berechtigt, aber nicht verpflichtet, Schutzmaßregcln einzuführen. Da ist es denn kein Wunder, daß die Unfallgcfahr so ungeheuer groß ist. Nicht nur sind die Schutzvorschriften mangelhaft, auch die Konirolle ist ungenügend, denn bic Unternehmer üben sie selber aus. Be ständig steigt die Unfallgefahr im Baubetriede. Auch bie Innen- arbeiter haben ungenügenden sanitären Schutz. Die Schwindsiich- tigen und Krüppel unter den Bauarbeitern sind der schärfste Protest gegen diese Zustände. Der preußische Staat ist bekanntlich der größte Arbeitgeber in Preußen. Er hat über 700 000 Arbeiter, dar"nlcr auch viele Bauarbeiter, zumal im Ticsöau. Die Zahl der Unfälle im Tiefbanbetriebe steigt von Jahr zu Jahr. Von 1596 bis 1905 kamen im Baubetriebe 30 553 Unfälle vor. davon waren 16 300 entschädigungspflichtig und 1332 hatten tödlichen Ausgang. Die Ticfbangenosscnschaft hat den relativ höchsten Unfallprozentsatz. Während 1901 in 12 Berufsyenosscnschaften aus 1000 Vollbeschäf- tigte 52,31 Unfälle kamen, darunter ILl mit tödlichem Ausgang, hatte die Tiefbaugenossenschaft 65,81 Unfälle und bis 1905 war diese Zabl bis ans 32,57 gestiegen. Am 13. April d. I. brachte bei der Beratung des Banetats in dankenswerter Weise der Freisinnige Schmidt die Unfälle im Baugewerbe zur Sprache. Iknierstaats- sekretär Holle erkannte an, daß sich durch die Verwendung fremder Arbeiter die Zahl der Unfälle zwciscllos vergrößert habe. Das weiß also die preußische Verwaltung. Trotzdem können wir in den ..Grundsätzen für Ärbeiterfürsorgceinrichtungcn". die das Mini- sterium der öffenllichen Arbeiten herausgibt, lesen: Tic Baubehörden haben streng darauf zu achten, daß Arbeiter aus anderen Betrieben diesen tunlichst nicht entzogen werden. Es ist deshalb auch dafür Sorge zu tragen, daß die Unternehmer nickt in Fällen von Arbcitcrmangcl durch Aufrufe landwirtschaftliche und sonstige Arbeiter zu ihren Bauten heranlocken. Dagegen ist der Zu- zun geeigneter ausländischer Arbeiter nach Mög- lichkeit zu erleichtern. Ein geeignetes Vermittclungs- organ hierfür, auf das die Unternehmer aufmerksam zu machen sind, findet die deutsche Feldardeilcrzentralstelle in Berlin, d i c namentlich gute Verbindungen nach Italien hat."(Hört! hört!) Die preußische Staatsrepicrung sucht eben mit allen Mitteln die ostelbischen Junker zu schützen, um die Ar- bcilcr an die Scholle zu fesseln und ihnen die Möglichkeit zu nehmen, höherer Kultur, zu höheren Löhnen auszurücken. ES zeigt sich . daß der einzelne Berufsangchörigc neben seinem Rechte als ■.ia'tSbürger auch alö Berussangehöriger auf das lebhafteste daran .ntc 5'icrt ist, gegen die Schmach des Dteiklassenwahlsystems sich kann ich hier natürlich nicht die Polensrage überhaupt und auch nicht eingehend ihre Behandlungen durch den preußischen Landtag besprechen. Ich kann nur einige Worte des Protestes sagen gegen die Ungeheuerlichkeit, gegen die matzlose Ungerechtigkeit, gegen den unfaßbaren Unverstand, die zusammen sich in der vom preußischen Landtag sanktionierten preußischen Polcnpolitik aller Welt dar- stellen und Preußen vor aller Welt blamieren. Ter erste Prcutzentag hat in einer Resolution protestiert„gegen die Art und Weise, in der die preußische Regierung die Volksschule in den fremd- bczw. gemischtsprachigen Gegenden als Mittel zur sogenanrncii Germanisation mißbraucht", hat protestiert gegen diese „den Grundsätzen der Volksbildung sowohl wie oller wahren Kultur und allem Gerechtigkeitsgefühl widersprechenden Matzregel". Heute haben wir nicht nur gegen jenen Auswuchs der Polcnpolitik unseren Protest zu wiederholen, heute protestieren wir gegen diese ganze unwürdige und unheilvolle Politik der Entrechtung und Unter- drnckung, die man gegen das arme polnische Volk in Preußen übt. Wir protestieren gegen jene sogenannte„Äolonisationspolitik" in den Ostmarkcn, an die bis jetzt fast eine halbe Milliarde Mark verschwendet wurde und nun neue 400 Millionen Mark Steuer- gelder weggeworfen werden sollen, die nichts anderes erreichte, alö die Taschen hochpatriotischer pmißisckicr Junker zu füllen und da- neben Heuchelei und Streberei schaffte, einen Abgrund von Kor- ruption öffnete. Wir protestieren gegen daö Ansiedelung Laesetz, das im Widerspruch zu den Grundgesetzen im Deutschen Reiche und in Preußen, im Widerspruch zu den noch geltenden rechtlichen Anschauungen über Privateigentum, sich als ein brutales Aus- nahmegesetz darstellt, bestimmt dazu, den polnischen Bauern und Arbeitern den Erwerb von Grundbesitz im eigenen Lande unmöglich zu machen. Wir protestieren auch gegen jene Politik der Nadel- stiche und der Schikane, gegen polizeiliche Unterdrückung und administrative Zurücksetzung, wie sie systematisch gegen die Polen in Preußen geübt Ivird. Man könnte darüber ein BuÄ reden, ohne das Thema zu erschöpfen. Dazu nun sind neue unerhörte Unter- drückungSmaßregeln geplant vom Junkerregiment. Da ist das Enteignungsgesetz, das die Polen ihres Landbesitzes einfach ge waltsam berauben soll, wenn es nur gelingt, von den Junkern den befürchteten Schaden an ihrem Gut fernzuhalten. Im Reiche plant man zugleich ein Ausnahmegesetz gegen die fremdsprachigen Be- wohncr. insbesondere gegen die Polen, im neuen Reichsvereins- gcsetz. Viereinhalb Millionen Menschen, deren Muttersprache nicht die deutsche ist, will man des Vereins- und Versammlungsrechtes brutal berauben. Auch dagegen müssen wir von dieser Stelle aus protestieren, aus Gerechtigkeitsgefühl wie im Interesse der politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterbewegnng. Man will die Auf- klärung der polnischen Arbeiter unmöglich machen, die nur in ihrer Muttersprache erfolgreich geschehen kann, besonders auS kapitaliftv schem Interesse. Dagegen müssen wir im Lande den allee entschiedenste» Widerstand hervorrufen. Die Resösiiiion dcr oberschlesischcn Genossen wünscht aber zw gleich dem polnischen Volke die Sympathien der Sozialdemokratie im gerechten Kampfe um ihre nationalen Rechte auszusprechen. Ueber all unserer Svmpathie mit den polnischen Kämpfern wollen wir doch nicht zurückhalten mit dem Ausdruck der Ueberzeugung, daß die Polen ihre Rechte erst erlangen werden, wenn an Stelle dcS Dreiklassenwahlsystcms dag freie Wahlrecht getreten ist, für das wir allein kämpfen. Das aber wird um so eher geschehen, wenn auch das polnische Proletariat eintritt in die Kampseöreihen der Sozialdemokratie, mit dieser zusammenkämpft sowohl um seine nationalen und bürgerlichen Rechte, wie um seine Interessen als Arbeiter, als AnsbentiingSobickte des internationalen Kapitalismus. In diesem Sinne bitte ich um Ihre Zustimmung zu unserer Resolution.(Beifall.) König-Tortmund: Tic Frage, ob die nächsten Wahlen»och unlcr dem allen System erfolgen, will ich offen lassen. Jedenfalls ist es sehr wayrschcinlich. Es ist richtig, daß die Beteiligung an den letzten Wahlen im R u h r r c vi er noch sehr viel zu wünschen übrig ließ. aber jetzt werden wir bessere Erfolge erzielen; für die Arbeiter- schast dcS Rlihrrcbicrs bildet jetzt auch die offene Stimmabgabe kein Hindernis mehr. Notwendig ist. es, einen Appell zu richten an die Mayen der Arbeiter, die im preußischen Staate wohnen, aber politisch rechtlos sind, weil sie nicht naturalisiert sind. Wenn das nachgeholt wird, werde» wir eine große Zahl von Stimmen auf iinscrc Kandidaten vereinigen und wir werden damit aufreizender auf die Massen ivirkcn als durch irgend etwas anderes. Ich stehe auf dem Standpunkte des„Vorwärts". Gerade wenn die öifentlichc Stimmabgabe erhalten bleibt, wird eine hohe sozialdemokratische Stimmenzahl die denkbar schärfste Agitation sein gegen das elendeste aller Wahlsysteme. Als vor 14 Jahren in Köln unser Altmeister Bebel uns in einem glänzenden Vortrage ersuchte, in die Massen zu geben, um für daö allgemeine. gleiche, direkte und geheime LandtagSwahlrcckit zu agitieren, da kehrten wir jungen Leute mit Feuereifer in unsere Heimat zurück. aber es war nicht möglich, in die Massen zu dringen. Heute ist es anders. Tie langjährige Tätigkeit hat auch den Indifferenten die Augen geöffnet. Besonders die Forderungen der Berg- arbeiter sind bisher unerfüllt geblieben. Durch das neue Knapp» schaftsgesctz hat man den Invaliden daS Wahlrecht geraubt, man hat sie rechtlos gemacht. Tic Bergarbeiter christlicher und sozial- demolratischer Gesinnung haben sich geeinigt und gemeinschaftlich die.neuen Satzungen des KnappschaftsvereinS verworfen, die Behörde kommt jetzt mit einem wahrscheinlich noch schlechteren Zwangöstatut. Tie 600 000 Bergarbeiter haben heute im Landtag noch nicht einen einzigen Vertreter. Wie Herr Brust, der angeblich die Bergarbeiter vertritt, aussieht, das zeigt die neueste Nummer des„Bergknappen", des christlichen Organs. Hier ist Brust ein- mal nackt gezeigt. Es heißt in diesem Blatte:„Herr Brust meint. daß die Firma Jmbusch-Nürup schon längst daS Bedürfnis hat, Gcsetzesschmicd zu werden und Brust auch als Abgeordneten zu verdrängen. Aber. Herr Brust! Was gibt Ihnen ein Reckt, so etwas zu denken und zu behaupten? Herr Brust, Sie sind als Abgeordneter gewählt, als Sic noch Vorsitzender des Gctverk- pcrcinS waren. Ihre Aufstellung und Wahl durch die Zentrums- Partei ist damals von den Angehörigen unseres Gcwerkvcreinö mit Freuden begrüßt worden. Wenn heute fast alle Arbeiter, und besonders die intelligenteren, cS bedauern, daß Sic, Herr Brust. Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses find, so tragen Sie selbst hieran die Schuld. Nicht einzelnen Gewerkvereinssübrern. sondern Ihnen selbst ist eö zuzuschreiben, wenn viele Arbeiter lieber einem Unternehmer ibr Mandat gönnen, als Ihnen, weil sie glauben, daß dieser den Arbeitern weniger schaden kann nnb schadet, als Sie!" Hierin ist also gesagt, daß Brust die Interessen nicht einmal der christlichen Bergarbeiter vertreten bat. Und das Organ des alten BergarbeitervcrbandcS schreibt:„Für die Berg- arbeiter ist die Abschaffung des preußischen Treiklassenwahl- shstemS und die Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts eine Lebensfrage." Ja selbst der„Berg- knappe" hat sich wiederholt in der schürfstc» Weise gegen das Dreiklasscnparlamcnt ausgesprochen, so am 27. Mai 1005 nach Verhunzung der Berggesetznovellc. Damals schrieb er:„Wer bisher noch die Hoffnung hegte, in der zweiten Lesung würde Ver- nünftigeö herauskommen, der ist gründlich luricrt, und das ist gut? Besser ist cs. die volle Rückständigkeit des konservativen Klüngels vor der Welt mit erschreckender Deutlichkeit zu sehen, als sich noch länger der Täuschung hinzugeben, bei diesen arbeiter« feindlichen Scharfmachern könne noch eine arbeiterfreundliche Saite angeschlagen werden." io urteilen die Christlichen, und deshalb können wir alö Sozialdemokraten nicht scharf genug die arbeiterfeindliche Tätigkeit des preußischen Landtages verurteilen. Am 26. Mai 1906 schrieb der„Bergknappe" wörtlich:„Konservative und Nationallibcralc habe die Mehrheit, wollen aber unter keinen Umständen weitere Zugeständnisse machen... Soviel ist sicher, im Treiklassenparlaincnt ist für die Bergleute nicht viel zu holen!" Die christlichen Arbeiter haben den Schlachtruf ergehen lassen: „Nichts anderes als die Einführung des allgemeincii, gleichen direkten und geheimen Landtagöwahlrecytö!" Wir Sozialdemo« kratcn sind nicht stark genug, um allein die Bewegung ins Rollen zu bringen, die notwendig ist, um die Treiklassenschmach über den Haufen zu werfen, wir müssen Verbündete haben. Die christlichen Bergarbeiter müssen mit uns gehen. Wollen die Führer nicht mit. dann müssen die Massen herangeholt werden. Drauf und dran heißt die Parole! Wir werden die christlichen Bergarbeiter in Bewegung bringen, organisieren wir zunächst einmal die Kräfte, die vorhanden sind, um schon zu Anfang unsere Bewegung zu einer solchen Macht zu dringen, daß die Gegner Respekt bekommen. Organisieren wir uns. fassen wir die 5iräste zusammen!(Die Redezeit ist abgelaufen.) Wir baden bei der öffentlichen Stimm- abgäbe glänzende Erfolge errungen, wir spannen die Massen vor den Wogen der Freiheit, um aus dem absolutistischen Preußen ein Ncn-Prenßen mit demokratischen Rechten zu schaffen. (Beifall.) Erfurth-Flensburg: Was in bczug auf die Polcnpolitik gilt, gilt auch in bezug auf die Politik gegen die Dänen in Nord-eachleswig. Die Regierung benutzte in Nord-Schlcswig dieselben Mittel gegen die Dänen, wie im Osten gegen die Polen: ich erinnere nur an die Ausweisungen von Dienstboten, an die Ausweisungen von Optantcnkindern. die im Leben Dänemark noch nicht gesehen haben. Die mildere Auf- fassuna. die in der letzten Zeit sich bemerkbar machte, ist nur schein- dar. Gegen dies Vorgehen der Regierung müssen wir protestieren. weil wir als Sozialdemokraten jede Ausnahmcbehandlung und jede Unterdrückung von Staatsbürgern verwerfen. Ich ersuche Sic. dem durch Annahme des Antrages 24 Ausdruck zu verleihen. Auch die Dänen in Nord-Schleöwig werden ihr Recht erst erlangen, wenn das Dreiklassenwahlsystem fällt und das allgemeine Wahlrecht ein- -«i-Gtzft ist. Löbe-Brcßlau: Unter den Besprechungen, die dem Prcußentage vorhergegangen, sind, haben wir mehr als einmal das Wort betonen hören, daß der Parteitag zusammentreten solle, um die Richtlinien des zukünftigen Kampfes zu bestimmen. Ich habe deshalb geglaubt, daß hier nicht nur der Ruf für das allgemeine Wahlrecht erschallen, sondern daß wir uns auch einigen würden über die Grundzügc der einzuschlagen. den Taktik. Voraussetzung dazu wäre allerdings gewesen, daß die Berliner Genossen zusammen mit dem Parteivorstand uns eine Art Rechenschaftsbericht erstattet hätten über das, was in den der- ftossencn drei Jahren geschehen ist. um die Agitation zu fördern. Es hätte uns gesagt werden müssen, ob wir weiter bei Flugblättern und Versammlungen bleiben oder ob eine andere Taktik ein- geschlagen werden soll. Auch darüber müssen wir reden, ob wir zur Verstärkung der Phalanx einen Appell an die Christlichen und Hirsch-Tunckerschcn richten, ob wir eö mit einem allgemeinen deutschen Wahlrcchtsiongreß versuchen, ob wir vielleicht versuchen sollen, von diesem Kongreß aus eine Deputation an Bülow zu schicken.(Gelächter— Zuruf: Nach Norderney!) Ich schlage das nickt vor. ich gebe daS nur zu erwägen. DaS wichtigste AgitationL- mittel ist meiner Meinung nach die Beteiligung an den Wahlen. Aber es fragt sich doch, ob wir das aus praktischen Gründen, aus Agitationsgriinden oder aus Obstruktionsgründe» tun sollen. Mit der Obstruktion haben es bei der letzten Wahl einige Nachbarlreise vo» Berlin versucht und damit ein trefslicheö Beispiel gegeben. Auch in Zukunft ist diese Möglichkeit nicht ausgeschlossen.(Widerspruch.'» Darüber hinaus haben wir die Frage zu erörtern, wie sollen wir die parlamentarischen Chancen dcS Kampfes verbessern. Ich gebe zu. daß cS heute keine Partei gibt, die zuverlässig ist. Aber wie verhalten wir unö zum Beispiel, wenn die Freisinnigen Barth auf» stellen, wird er unterstützt oder fällt er durch? Eö gehört sich dock. daß wir nicht nur den Ruf zum Kampf ausstoßen, sondern daß wir unS auch darüber einigen, wie der Kampf geführt werden soll. Ich hätte gclvünscht. darüber etwas mehr zu erfahren. ES gibt kein besseres Beispiel für die Notwendigkeit einer selbständigen Preußen« oraanisation als die UnsickA-rheit, mit der wir lierumtappen. Wir lassen uns anstecken durch die Flauheit in bürgerlichen Kreisen. Daß wir in den Wahlrcchtskainps einziehen, darüber sind wir doch einig. Ich bitte Sie aber, diskutieren Hie über die Taktik des Wahlrechts» kampfcö. (Fortsetzung in der 3. Beilage.) Wasserstands-Rachrichten der Landesanstalt fir Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetlerbureau. Waflerstand M c m c l, Tilsit B r e g c l, Jnlterburg Ä e l ch s e l, Thorn Oder, Ratlbor . Krossen , Fraiikfilrt Warthe, Schriinm Laiivsbcrg Netze, Dordamm Elb«, Leltmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg «reiben. «)■+• bedeutet Luchs,— Fall.— Unlcivegcl.—•) inätzlgeS m— ♦) GrundeiStreibcn.—=) schwaches GrundilStreiben. 911» WittcrungSübersscht vom 22. November 1007. LlvMemde 1775 OSO e>niiibllrg l 775 O ZO Berlin I774O .-rauki.a M 771 NO München!770O W'eii 771 Still—bedeck«|— 1 Wetter- Progiiolc für Sonnobend ? bedeckt 3 bedeckt 2 bedeckt 4 molkig 6 bedeck« -1 —1 Slaltonen ß i'z, Selin Uli -> K a* »• L» H5 c 5 s f!3| - e| r*T— i i, 1 Haparauda 776 4 Regen I 5 Pclersbnrg 785 260 2 Schnee—8 Scifli) 7C.'!SSS 5 bedeck« 1 0 ■idcrfctit"59 SSO 4 bedeckt 8 Bn«» 769 SSO, lwolteiil— 2 den 23. November l!»«»7. Teilweise aiisllareud, vorherrschend wolkig bei»icinllch Iebh»l>cn südlichen Winden und langsamer Erwärmung; keine erheblichen NIi Berliner Nlederutzlägc. leite touitju. ßHcfkaften der Expedition. Poilenten in Beeilt». Buch usw. Diejenigen unserer Aboinieuten, die noch während des ganze» nächilen Monals in der Heilstätte bleiben, wollen unS«vegen der lieberweisung von Freiexeinplaren sofort ihre Adresse einsendm, da bei veispötelcr Beilellung die ersten Nummern de-S neuen Monat» von der Post nicht geliesert«Verden. Alle Adressen müssen jede» Monat neu»!»gesandt werden.___ -.Zerantwortlich» Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Kr. 274. 24. Aahrgaug. 3. Kti>W Ks Jomiils" Dtdintt öolliolilült. Zmmbrüd� 33. Nwmder 1907. Parteitag der preußlfc�en Sozialdemokratie. (Fortsetzung aus der 2. Beilage.) Frau Ziev-Bielefeld: Der Antrag der Frauen ist lediglich gestellt, um von dieser Htclle auszusprechen, daß es notlvcndig ist, bei dem bevorstehenden WahlrechtSlampf das Frauenstimmrecht nicht nur nebenher zu fordern, sondern dafür zu sorgen, daß diese Forderung ihrem vollen Werte nach gewürdigt wird, nicht nur nach der Richtung hin, dag wir den breiten Massen klar machen, welch eine große gewaltige Waffe das Wahlrecht in unserem Klassenkampf ist, eine Waffe zur Durchsetzung unserer Klassenforderungen, und nicht nur, um dadurch rn der Gegenwart dem Proletariat die Lebenslage angenehmer zu gestalten, sondern vor allem auch, um das Proletariat kampffähiger zu gestalten, den Kampf über die Erringung der Gegenwartsforde- rungen hinaus fortzusetzen gegen unsere Feinde, um die Um- Wandelung unserer Heuligen Wirtschaftsordnung in die sozialistische vollziehen zu können. Nicht allein aus diesem Grunde ist der Antrag gestellt, sondern vor allem auch, um das Wahlrecht als revolutionäres Propagandamittel zur Aufrüttelung der Massen in vollem Umfange zur Anwendung zu bringen. Daß wir dieses revolutionären Pro- pagandamittels bedürfen, darüber werden wir alle einig sein. Wir müssen alle Arbeiter für den Wahlkampf interessieren, gleichviel, ob christlich oder Hirsch-Tuncker-organisiert, wir müssen alle Arbeiter vor den Wagen der Wahlrechtsbcwegung spannen. Wenn wir das aber wollen, dann dürfen wir auch nicht die größere Hälfte des Proletariats, die Frauen, vergessen. Wenn wir überhaupt etwas Nennenswertes erringen wollen, dann können wir uns nur auf die Macht des Proletariats verlassen.(Sehr richtig!) Der Erfolg wird abhängen davon, in welchem Maße es uns gelingen wird, die Empörung zu entfesseln und dank dieser Empörung unsere Aktion an Umfang und Stärke wachsen zu sehen.(Beifall.) Ich bin er- staunt, wie Bernstein sagen kann, wir hätten neben der Propaganda draußen auch darauf hinzuwirken, daß im Parlament Obstruktion betrieben wird, und deshalb müßten wir diejenigen Kandidaten unterstützen, von denen wir erwarten können, daß sie Obstruktion im Parlament treiben würden. Ja, von wem erwartet das denn Bernstein eigentlich?(Sehr gut!) Bernstein kann doch damit nur die Unterstützung der Liberalen meinen, er spricht aber, wenn er daS will, den Liberalen unseren Dank auS für den fortgesetzten Verrat, den sie an uns üben. Nach dem, waS wir in der jüngsten Zeit auf diesem Gebiet erfahren haben und WaS selbst Breitscheid darüber gesagt hat, wundere ich mich nur, daß ein Sozialdemokrat solche Aeußerung tun kann.(Sehr richtig!) Wenn wir bei der Agitation wiederholt erklärt baben: uns ist ein Erzkonservativer oft lieber als ein waschläppiger Freisinnsmann, so ist das nicht etwa deshalb mit großem Beifall von den Wählern begrüßt worden, weil sie momentan verstimmt waren über einen Fall von Verrat der Liberalen, sondern es war die Empörung über den fortgesetzten Verrat der Liberalen. (Sehr richtig!) Die Liberalen sind nur solange Freunde des all- gemeinen Wahlrechts gewesen, als eS galt, mit Hülfe des Klein» bürgertuinS und des Proletariats den Feudalismus zu bekämpfen. War dieser niedergerungen, dann hat sich die Freundschaft für das allgemeine Wahlrecht in Lauheit und Gleichgültigkeit verli'andelt, die sich schließlich zu einer Feindschaft gegen das Wahlrecht gesteigert hat, und diese Feindschaft nimmt nickt ab. sondern eher zu. Eher als daß ich an eine Einigung der Liberalen zur Erringung des Reichstagswahlrechts für Preußen glaube, glaube ich an eine libe- rale Einigung zu einer Bekämpfung des Wahlrechts auf der frei- hritlichen Grundlage, wie wir sie verlangen. Diese unsere theore- tische Erkenntnis wird unterstützt durch das Verhalten der Liberalen .«» der letzten Zeit. Es spricht Bände, daß die Liberalen sich nicht einmal dazu verstehen können, dem Vorschlage Bartbs zu folgen, dieses kleine Quentchen zu fordern und davon die, Zugehörigkeit zum Block abhängig zu machen. Auch das widerspruchsvolle volkS- verräterische Verhalten von Naumann spricht Bände.(Sehr richtig!) Das sind also die am weitesten linksstehenden Liberalen, nnd von denen sollten wir erwarten, daß sie. wenn sie mit unserer Hülfe in den Landtag gekommen sind, eintreten für ein allgemeines, gleiches, direktes und geheimes Wahlrecht mit Proporz, wie wir es ver- langen? Nein, das glaube ich nicht, und ich bin auch der Ueber- zeugung, daß die große Mehrheit von Ihnen es nicht glaubt. Wir haben wahrlich die Liberalen genug geschont und ihnen zur Genüge klar gemacht'. Hier ist Rboduö, hier tanzet! Aber sie haben de- wiesen, daß sie gar nicht die Absicht haben, mit uns eine große ge- wältige Volksbewegung ins Leben zu rufen, mit der es allein mög- lich ist, das Klassenwahlrechr zu beseitigen. Wir wissen also, daß wir unS auf niemand zu verlassen haben. Darum müssen wir auf die eigene Kraft vertrauen, auf die revolutionäre Erkenntnis des Proletariats, und müssen die Empörung in den Massen zu einer gewaltigen Macht ausnutzen und einen Volkssturm entfachen, der das elendeste aller Wahlsysteme hinwegfegen und an seine Stelle freiheitlichere Einrichtungen setzen wird.(Lebhafter Beifall.) Wurm- Berlin: Es hat mich herzlich gefreut, daß endlich daS richtige Wort von hier gesprochen wurde. Es machte einen eigentümlichen Ein- druck, wenn immer wieder gefragt wurde nach dem großen Zauber- und Wundermittel, daS uns auf diesem Parteitage für den Wahl- rechtskampf gegeben werden sollte, wenn man unS erzählte von �em Verrat des Freisinns und nicht mit einem Worte darauf hin- wies, daß in den letzten Jahrzehnten sich eine wirtschaftliche Um- wälzung vollzogen hat und daß diese wirtschaftliche Umwälzung es ist, die das geboren hat, was man den Verrat der Liberalen nennt. Die Liberalen haben seit jeher das mobile Kapital ver- treten. Dies brauchte in den 40 er Jahren die Gewcrbefreiheil und deswegen stand es im Widerspruch zu den zünftlerischen und agrarischen Elementen. Es wollte später Einfluß auf die Ver- waltung bekommen, um sich Vorteile zu verschaffen. Es hat an- fänglich gegen die Agrarzölle Opposition gemocht auS Furcht, daß die industrielle Entwickelung durch sie geschädigt werden könnte. Heute sehen die Liberalen mit vollem Rechte ihren größten Gegner in der Arbeiterbewegung. ES ist der Kampf um den Profit, um die Existenzbedingungen, den sie führen. Gewiß war es ein ganz geschicktes Fechterkunststück des Diplomaten Bülow. und viclleichi noch ein geschickteres Börscnmanöver Dernburgs, der die Krisen- situation beizeiten erkannte, daß gerade jetzt die Blockpolitik in- auguriert wurde. Wer aber glaubt, daß diese Entwickelung nicht auch so gekommen wäre, der ist überhaupt nicht überzeugt von den Grundlagen unseres Programms und unseren ganzen wirt- schaftlichen Anschauungen. Wir brauchen nur nach Sachsen und Thüringen zu sehen, wo die industrielle Entwickelung auf ihrem Höhepunkt steht; dort gab es schon jahrelang vor der Blockpolitik nur ein Hüben und Drüben, nur Sozialdemokraten und Nicht- soziakdcmokraten. Und da will man uns zumuten, den Liberalen einige Schritte entgegenzukommen, ihnen etwa nachzulaufen. Glaubt denn irgend jemand, es könnte möglich sein, daß wir den Libero- lismus bekehren oder ihn durch Büßpredigten aufrütteln, daß er sich auf seine alten Prinzipien besinnt. Ach nein, seine Prinzi- pien von heute sind dieselben wie die vor einem halben Jahr- hundert, sie gehen dahin, mit Hülfe des kapitalistischen Systems so viel wie möglich Nutzen für die besitzenden Schichten zu erringen. und diesen Nutzen erringt der Liberalismus sich, wie die Ver- Hältnisse sich zugespitzt haben, nur auf Kosten der Arbeiter. In dem Moment, wo wir siegreich gegen die Liberalen vorgedrungen sind, wo wir sie gezwungen haben, ehrlich ihre Farbe, nämlich die des Kapitalismus, zu bekennen, da gibt es Genossen, die meinen, wir sollten schöntun, mit den Liberalen, da kommt ein Antrag Hildesheim und wünscht, wir sollten bereits im ersten Mahlgang «ur Wahlmänner dieser Partei stimmen. Den Genossen muß ich sagen: Fangt doch einmal wieder mit dem A-B-C unserer Wirt- (schaftlichen Anschauungen an, lest die Einleitung zu unserem , Programm, denn der zweite praktische Teil des Programms ist nichts ohne diesen ersten Teil. Nichts ist schlimmer, als wenn wir in den Massen falsche Hoffnungen erwecken über die Erfolge ''die wir erzielen können, als ob wir noch andere Schichten für ' uns gewinnen könnten. Genosse Arons sagte, eö muß ein frische, Luftzug durch die Fenster des Abgeordnetenhauses wehen. Nun die Fenster sind zu, wer soll sie aufmachen? Wollen Sie sie viel- leicht einschmeißen?(Zuruf: Jawohl!) Bernstein meinte, wir sollten Männer aus anderen Parteien wählen, die im Landtage für uns Propaganda machen. Wo sind diese Männer? Ich kenn. sie nicht. Es ist auch nicht der Träghe'tsinstinkt der Massen der an dem bisherigen Zustand die Schuld trägt. Da hat der Physiker Arons dem Politiker einen Streich gespielt, sondern es ist das Bewegungsgesetz der Masten, das hier in Betracht kommt. Lieb knecht hat gesagt, die größere Masse ist es, die die kleinere in Bewegung setzt. Sorgen wir dafür, daß wir erst die größere in Bewegung setzen, kümmern wir uns zunächst um das Reich. Kon- zentrieren wir die Kräfte auf einen Punkt und lassen wir inzwischen den Landtag verfaulen. Wenn wir heute Kraft und Zeit genus yaben, um noch auf anderen Gebieten zu arbeiten, so wollen wii es tun, aber wir wollen nicht auf eine Bekehrung des Liberalismu hoffen. Wir werden vielleicht Liberale gewinnen, d. h. es werden Liberale dem Liberalismus untreu werden, weil sie einsehen, daß der Liberalismus nicht das ist, wofür sie ihn gehalten haben. Es ist möglich, daß wir einzelne aus jenen Schichten gewinnen, die wirtschaftlich zu uns gehören. Möglich ist es, aber ich habe mich von Herzen gefreut, daß der Arbeitersekretär König uns gezeigt hat, wo die wirklichen Wurzeln unserer Kraft liegen, es sind die Indifferenten, die christlichen Arbeiter, alle die Arbeiter die irgend einer bürgerlichen Partei nachlaufen. Wenn hier von dem guten Gewissen des Herrn Zedlitz und seiner Freunde gesprochen worden ist, so erinnere ich an das Wort des Kaisers: Das Schwert ist geschliffen, das Pulver ist trocken! Das ist das gute Gewissen, das die Kapitalisten haben.(Sehr gut!) lind wir stellen demgegenüber unser Bewußtsein, daß die wirtschaftliche Eni Wickelung, ob die Herren wollen oder nicht, das entscheidende Wor! sprechen wird. Wir müssen diese wirtschaftliche Entwickelung für uns ausnutzen. Dazu gehört, daß wir nicht Bundesgenossen au- anderen Lagern suchen, sondern daß wir es den Arbeitern immer wieder einhämmern und einpauken, daß die Befreiung der Arbeiter klasse nur das Werk der Arbeiter sein kann. Wir sind nur stark wenn wir allein sind, wenn wir keine Rücksicht zu nehmen haben Und wenn nach der neuen Taktik gefragt wird, dann ist nack meiner und ich hoffe, nach der Ansicht der Mehrzahl der Genossen zu erwidern: Unsere neue Taktik ist unsere alt« Taktik, die ewig jung bleibt, die da heißt: Erst die Massen interessieren, damit sie merken, daß überhaupt was vorgeht, dann sie aufklären und dann sie organisieren. Mit diesen Mitteln allein sind wir soweit gekommen, wie wir heute sind, und wir sink auch wahrhaftig nicht mehr so klein und schwach, daß wir an dem Sieg unserer Ideen verzweifeln könnten.(Lebb. Beifall.) Lcdebour: Bernstein und Loebe haben uns ganz neue Wege anzudeuten gesucht, die wir bei der Wahlpropaganda gehen könnten. Mehr als Andeutungen waren es nicht. Genosse Loebe meinte: Wir tappen in einer Konfusion herum. Nun, dafür können wir doch nichts, daß die Genossen Loebe und seine Freunde in einer fo grauenhaften Konfusion herumtappen.(Heiterkeit.) Da sollte er erst zur Klarheit kommen, ehe er versucht, die Partei mit der- artig unbestimmten Andeutungen zur Verzweislung an der alten j Taktik zu verleiten. Er meinte, vielleicht könnten wir einen Kongreß aller Wahlrechtsfreundc einberufen. Ich vermute, daß er darunter die Liberalen, das Zentrum, die Polen und Welsen gemeint hat, die in irgend welcher klausulierter Form sich zu .rgend einer' Zeit einmal platonisch für das Reichstagswahlrecht in Preuße» ausgesprochen haben. Ich will nicht erörtern, ob diese Parteien darauf eingehen würden, wenn wir wirklich eine so greuliche Torheit begehen würden. Aber was soll für uns daraus gewonnen sein. Wir kämen dabei nur ins Schlepptau dieser Leute. Wie sehr man bei der Empfehlung eines derartigen Vorgehens in die Gedanken- gänge dieser halben Reaktionäre hineinkommen kann, zeigte Genosse Loebe selbst dadurck, daß er meinte, es könnte vielleicht dabei eine Deputation an Bülow herauskommen, �-iterleit.) Ich meine, auf eine Wallfahrt nach Norderney oder Flottbeck oder wo sonst Bülow sein Gewerbe im Umherziehen betreibt, �Heiterkeit) dürste sich die Sozialdemokratie gar nicht einlassen. Daß sich die Sozial- demokratic aus derartige Bittgänge einlassen könnte, halte ich für � ganz ausgeschlossen und Genosse Loebe wird außerhalb seines ! engen Kreises(Loebe: Oestcrrcich-Ungarn) wohl keine Nachahmung , finden. Mit dem Vorschlag Bernsteins, daß wir irgend welche andere Parteien in den Landtag verhelfen, hat sich za auch Loebe nicht einverstanden erklärt. Zum Beweise, wie unmöglich ein solcher Gedanke ist, erinnere ich nur an die Vorgänge bei der letzten Landtagswahl. Dort sind wir den Liberale» so weit ent- gegengekommcn, wie nur möglich. Wir waren bereit, in gewissen Fällen für die Kandidaten der Liberalen zu stimmen unter der Voraussetzung, daß sie in demselben oder im anderen Wahlkreis: kür unseren Kandidaten stimmen. Dieser Versuch ist damals voll- kommen gescheitert daran, daß die Freisinnigen eine solche Zu- mutung rundweg abgelehnt baben. � Die Liberalen denken also gar nicht daran, ein solches Wahlbündnis einzugehen, und auch jetzt wieder ist eS innerhalb des Liberalismus von verschiedenen Seiten betont worden, daß der Hauptfcind bei den kommenden Landtagswahlen für den Freisinn die Sozialdemokratie ist. Ich glaube, Herr Fischbeck hat es gesagt, es käme für sie darauf an. dln Ansturm der Sozialdemokratie abzuwehren. Wie man uns räch eigenen Ersahrungen noch ein Zusammengehen mit den Frei- sinnigen empfehlen kann, verstehe ich nicht. Genosse Bernstein will sich nicht einmal mit den Freisinnigen begnügen, für ihn kommen auch noch andere Parteien in Betracht. Dabei ist diese Idee nicht einmal seinem Kopfe entsprungen; ich habe denselben Gedanken schon vor etwa Jahresfrist in der„Hilfe" gelesen. Da wurde gesagt, es werde wohl noch einmal� dahin kommen, daß die Sozial- oemokraten im ersten Wahlgange schon für den Liberalen stimmen würden. Naumann und seine Freunde warten nur darauf, daß die Sozialdemokratie dazu gebracht werden könnte, als selbständig: Klassenpartei abzudanken und sich in das Scklepptau der Frei- sinnigen zu begeben. Ich habe es nicht für möglich gehalten, daß von einem Sozialdemokraten dieser Gedanke auf einem preußischen Parteitage empfohlen werden könnte; leider habe ich mich darin getäuscht. Die Obstruktion, die Bernstein uns bei den Landtags- wählen empfahl, ist durch die Aenderung des Wahlgesetzes bereits ganz unmöglich gemacht worden dadurch, daß einige große Wahl- kreise geteilt und die Fristwahl festgesetzt ist. Uns bleibt nichts übrig, als in der bisherigen Weise und mit den Mitteln, die wir beschlossen haben, in den Wahlkamvf unter Ausbreitung unserer Grundsätze einzutreten. Dabei können wir uns das Beispiel anderer Länder zum Muster nehmen.� Zu diesen Mitteln, die wir beschlossen haben, gehört unter Umständen auch der Massenstreik, natürlich nicht an einem bestimmten Tage, wie es immer falsch cusgelegt worden ist. Aber er ist in anderen Ländern angewandt, und diese Kämpfe können uns je nach unseren Verhältnissen und den Zeitumständen als Beispiel dienen.(Lebhafter Beifall.) Hierauf wird die Weiterberatung auf Nachmittag vertagt. � Singer teilt mit, daß bei den Stadtverordnctcnwahlen in Trebbin drei Sozialdemokraten gewählt worden sind. (Bravo!) Als Vertreter der württembcrgischen Partei erhält bierauf noch das Wort Genosse Hildenbrandt: Der Landesvorstand der württembergisihcn Sozialdemokratie war der Meinung, daß der diesmalige Prcußentag angesichts des bevorstehenden Wahlrechtskampfes besonders geeignet sei, das Jnter- esse auch der süddeutschen Genossen zu erwecken und hat mich be- auftragt, Sie herzlichst zu begrüßen. Wir haben in Württenibcrg das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht schon seit Jahr- z-hnten. Wir haben in mehrjährigem Kampfe eine Verfassungs- revision durchgesetzt, das Proportionalwahlsystem eingeführt, Häven «>n Parlament das Proportionalwahlsystem für die großen Städte erreicht. Weiter werden wir in Süddeutschland nicht kommen. solange die Reaktion in Preußen herrscht. Daher ist der bevor- stehende Wahlrechtskampf keine speziell preußische Angelegenheit, sondern wir haben zu kämpfen auch für den Ausbau der politischen Freiheiten in den anderen deutschen Staaten Dieser Preis des Kampfes ist wert, daß man alle Wege begeht, die zu dem Ziele führen. Wir hoffen, daß die Genossen in Preußen nicht nur dafür sorgen, daß die Arbeiter eigene Vertreter in das preußische Parla- ment schicken, sondern daß sie auch alles tun, um die anderen Parteien vorwärts zu schieben, um es lo durchzusetzen, daß das allgemeine Wahlrecht zum preußischen Parlament errungen wird. (-öravo!) Schluß ll4 Uhr. Nachmittags-Sitzung. 3 Uhr. Den Vorsitz führt Leinert. Vor Eintritt in die Tagesordnung wird der Bericht der MaudatsprllsungS-Kommissiou entgegengenommen. Referent Wolderski-Berlin: Es sind anwesend lSL Delegierte mit 210 Mandaten, darunter 18 Frauen; ferner der Parteivocstaud mit Ausnahme von Gerisch, der durch Krankheit verhindert ist, 13 Abgeordnete, drei Referenten und die drei Einberuser. Diese Mandate haben zu einer Beanstandung nicht geführt. Ueber zwei weitere Mandate aber müssen wir dem Parteitag die Entscheidung anheimstellen. Die Agitalionsiommission für Schleswig-Holstein hat, obwohl von den 10 Kreisen der Provinz Schleswig-Holstein S hier vertreten sind, auch ihren Vorsitzenden noch mir ihrer Vertretung beauftragt. Bartels erklärt, daß er sebr leicht sein Mandat bc- kommen hätte, da ja von den lv Kreisen.nur ö vertreten sind. Die Meinungen in der Kommission waren verschieden. Ein Teil der Mitglieder ist der Ansicht, daß man einen solchen Gebrauch unter keinen Umständen einreißen lassen dürfe; die Minderheit neigte zu einer gewissen Toleranz und sagte, man müsse Gnade für Recht ergehen lassen, um so mehr, da ia das Staiut noch nicht beschlossen ist. Bon diesem Gesichtspunkte aus sind wir dazu gekommen, dem Parteitage die Entscheidung zu überlassen. Das gleiche gilt für das Mandat von Sonimer-Stettin; er ist nicht in einer Partei. Versammlung gewählt, sondern sein Mandat ist vom Vorstand des Kreiswahlvereins ausgestellt. Sommer erklärte uns, der Vor- sitzende der Versammlung hätte infolge eines Tumultes vergessen, die Abstimmung vornehmen zu lassen, und diese Unterlassungs» sünde habe der Vorstand des Kreiswahlvcreins wieder gut gemacht. Das Zentralorgan der Partei ist durch Ströbcl vertreten. Die Kommission hält es für selbstverständlich, daß sich die Redaktion auf dem deutschen Parteitage vertreten läßt, aber die Frage, ob sie sich auck auf dem preußischen Parteitage vertreten lassen kann, mutz vom Plenum entschieden werden. Ein Teil der Kommissions- Mitglieder sagt, was dem„Vorwärts" recht sei, sei jedem anderen Parteiorgan billig. Wir wollen Ihrer Entscheidung nicht vor« greifen, sondern bitten Sie. selbst zu entscheiden. Der Landesvorstand der württembergifchen Partei hat Hilden- brand mit seiner Vertretung beauftragt, die badischcn Genossen Geck und die hessischen Genossen Ulrich. Zunächst werden die nicht beanstandeten Mandate ohne Debatte für güllig erklärt. In der Debatte über die beanstandeten Mandate bittet Sievert-Altona, das Mandat von Bartels für gültig zu er« klären. Wir haben ohne weiteres angenommen, daß wir das Recht haben, dem Leiter der Agitation in der Provinz ein Mandat zu geben. In der Einladung zum Parteitage sieht nichts darüber, wie die Mandate zu vergeben sind. Weil aber in dem von Berlin vorgeschlagenen Organisationsentwnrf die Bestimmung enthalten ist, daß der Vertreter der Landesorganisation anwesend zu sein hat, haben wir ohne weiteres geglaubt, daß wir den Sekretär der Provinz delegieren müßten. Wenn wir auch nur daran gedacht hätten, dann hätten wir doch leicht Gelegenheit gehabt, Bartels ein anderes Mandat zu verschaffen. Adler-Kiel:. Auch ich bitte, das Mandat von Bartels für gültig zu erklären. Es ist nicht allein nicht verboten, daß did Bezirks- beamten hier sind, sondern geradezu notwendig, denn die Genossen» die die Interessen eines ganze» Bezirks oder einer Provinz ver- treten wollen, müssen, um Fühlung mit der Gesamtpartei zu be° halten, doch auch das Leben auf dem Parteitage kennen lernen. Bis jetzt haben wir kein Statut, das diese Verhältnisse regelt. ES ist also richtig, Bartels zu delegieren. Aber es kann sich nicht darum handeln, daß man hier Gnade für Recht ergehen läßt, sondern nur darum, daß wir, solange wir keine statutarischen Be- stimmungen haben, auf keinen Fall die Interessen der Partei schädigen, indem wir zu formell vorgehen. Nackdem wir die Be- zirksorganisationen haben, müssen wir ihnen auch die Möglichkeit geben, hier vertreten zu sein. Locbe-Breslau bemerkt, daß die Organisationßkommission be- schloffen babe, daß die Vorsitzenden der Bezirksverbände aui den späteren Parteitagen anwesend zu sein haben. Hierauf werden auch die Mandate von Bartels und lsrnmncr für gültig erklärt. Der Parteitag fetzt die am Vormittag abgebrochene- Debatte über die Punkte 2 und 3 der Tagesordnung fort. LandSberg-Magdcburg: Ich lobe die Zurückhaltung, die sich Arons bei Erörterung der Mittel auferlegt hat, die wir im preußischen Wahlrechtskampfe. anwenden müssen; es ist selbstverständlich, daß wir uns auf die Agitation in den Versammlungen und in der Presse nicht zu be- sckränken haben. Je weniger man aber über die weiteren Mittel redet; desto besser ist es. Der große Generalstab hat auch nicht die Gepflogenheit, seine Kriegspläne im..Reichsanzeiger" zu ver- öffentlichen. Die Hauptsache ist, der Partcivorstand weiß, daß er in dieser Frage von uns diktatorische Vollmachten hat. Er weiß, das( wir alle das Beispiel der österreichischen Genossen nicht bloß belvundcrn, sondern daß wir danach brennen, es ihnen nachzu- machen, er weiß, daß die preußischen, daß die deutschen Sozial-- demokraten jeden Weg, und sei er noch so sehr mit Gestrüpp be- ivachsen, betreten werden, der uns zum Siege in der Wahlrechts- frage führen kann.. In einer Beziehung halte ich das Referat von Arons für unvollständig, nämlich soweit es unsere Taktik für den Fall betrifft, daß wir 1S08 noch nach dem Dreiklassenwahl- system zu wählen haben, daß also die gestrigen Posauncustöße des Genossen Adler die Mauern des preußischen Dreiklassenwahl- systems bis dahin nicht zu Falle gebracht haben.(Heiterkeit.) Daß wir auch unter dem Dreiklasscuwahlsystem uns an den Landtags- Wahlen beteiligen müssen, darüber herrscht kein Streit, es gibt Wohl niemanden mehr in der Partei, der der Ansicht wäre, daß wi» durch vollständige Passivität den Verwesungsprozeß des Drei- klassenparlaments beschleunigen können. Daß wir uns in erster Reihe an die christlichen� und Hirsch-Dunckerschcn Arbeiter zu wenden haben, ist gleichfalls selbstverständlich, wir haben das nicht nur in Verbindung mit der preußischen Wahlrechtsfrage, sondern immer und olle Tage zu tun. Arons sagt weiter, es ist Uceng zu vermeiden, daß wir gegnerische Wahlmänner von vorn» herein unterstüben. ist durchaus meine Meinung wir tonnen unsere Wähler nicht er stiften, das bisher uns geschenkte Vertrauen auf die Firma Wremer, FischhcS, Kopsch zu über- tragen.(Sehr richtig!) Aber wie verhalten wir uns bei Wahl- manner- und Abgeordnetcnsttchwahlcn? Sollen wir da den Frei- sinnigen und Ultramontancn sagen: Hand wird nur von Hand gewaschen, wenn du nehmen willst, dann gib? Mit anderen Worten, sollen wir die Unterstützung der Liberalen und Ultramontanen da- von abhängig machen, datz' sie ihrerseits uns unterstützen? Die Hoffnung, daß preußische Liberale oder Ultramontanc einen Sozialdemokraten in den Landtag wühlen, müssen wir draußen lassen. Ich bewundere den Optimismus der Hildesheimer Genossen, die uns nach den Erfahrungen von tW3 nahelegen, Bündnisse mit den Ultramontanen oder Freisinnigen anzuknüpfen. Unser Ton gefällt den Herren nicht, und vor allem gefällt ihnen der Klassen« äaraktcr unserer Bewegung nicht. Ich kann mir nur einen einzigen Fall vorilellcn, Ivo wir Aussicht hätten, mit Hülfe der Volkspartcilcr ein Mandat zu bekommen: wenn nämlich die Frei- finnige Vereinigung in irgend einem Wahlkreis Barth aufstellte, wir mit ihm in Stichwahl kämen und die VolkSparici den Ausschlag Lätte, dann hätte der sozialdemokratische Kandidat die vorzüglichste Aussicht, gewählt zu werden(Große Heiterkeit), selbst wenn dieser Kandidat seine Wörter dcni Antipoden eine« seligen Knigge ent- nehmen würde, so würde ihm da? nichts schaden.(Heiterkeit.) Wer heute Wurm und Ledevowr gehört hat, der muß glauben, daß die Freisinnigen erst seit 1SV7 so unsichere Kantonisten sind. Ader daS ist gar nicht der Fall. Muß ich Euch daran erinnern, daß wir die Verlängerung des Sozialistengesetzes im Jahre 1884 28 frei» sinnigen Reichstagsabgeordnetcn zu verdanken haben? War das ' nicht Verrat? Und trotzdem haben wir 1884, 1887, 1899, 1893, 1893 usw. überall in der Stichwahl die Freisinnigen den Reaktiv- - nären gegenüber herausgehauen.(Leider t) Und weshalb das? Weil die Freisinnigen immer noch das geringere Uebel sind gegenüber den Inn kern, und weil inan uns� sonst nicht weiß machen kann, daß zwischen Träger und Zedlitz nickt dtr geringste Unter- schied bestehen soll.(Zutuf.) Außer Träger gibt cö auch noch einen Theodor Barth, einen Gothein usw. Die WahlrechtSfragc ist ja tm Fluß und sie wird nicht von der Tagesordnung ver» schwinden, bis sie gelöst ist. Wir haben auch erfahren, daß eö selbst unter dem Drciklassenwahlshstcm möglich ist. auä eigener rtxast einen Sieg zu erringen. Was den sächsischen Genossen bei r der Wahl Goldstcins möglich gewesen ist. das wird auch uns ae- tiiiaen. Preußen ist bereits derart sozialistisch durchsetzt, daß die Wahl einiger Genossen nicht mehr verhindert werden kann. Jetzt gilt. cS, möglichst viel Anhänger der Ucbertragung des Reichstags- svalürechtsS auf Prcußep in das Abgeordnetenhaus hinein zu wählen, und deshalb müssen wir. jeden Kandidaten daraufhin stellen, wie er zu dieser Frage steht. Allerdings können wir uns den Weg zu den ausgesprochenen Gegnern deS allgemeinen Wahl- rechts ersparen. Aber davon abgesehen, muß jeder Kandidat bc- . fragt werden, ob er bereit äst. für die Ucbertragung dcö Reichs- ragdwahlrechteS auf Preußen zu stimmen und»nr für diese Leber tragung. und ob er sich verpflichtet, ein anderes Wahtstzstcm alS Abschlagszahlung nicht anzunehmen. Geht ein Liberaler, ein ZcntrumSmann, eine Pole diese Verpflichtung ein, so müssen wir - ihn meines ErachtcnS in der Stichiuahl unterstützen, und zwar sowohl bei den Wahimännerstichwahlen wie auch bei den Abgcord-- netcnstichwahlcn.(Zuruf.) Wenn er sein Versprechen nicht hält, , ist er ein Schuft. Aber, Genosse Ströbel, wer kann sich denn gegen Gumpen schützen?(Sehr richtig!) Wir haben gewiß kein« Ur- fache, wenn ein solcher Mann das Versprechen nicht hält, uns an die Gewässer von Babylon zu setzen und zu weinen: da.S kömmt uns doch zugute. Dann wendet sich eben daS Volk mit um so größerer Entschiedenheit von einer Partei, in der solche Ritter von der traurigen Gestalt sitzen,©ewib, dt« Erscheinungen der Blockpolitik machen e» uns schwer, die Parole, die ich aufgestellt wissen will, zu befolgen. Aber man mutz berücksichtigen: Dieser Weg gibt uns die Möglichkeit, besonders widerwärtige und unsynipathische Prrsönfichkeiten zu beseitigen. Denn da, wo Ivir den Ausschlag gehen zwischen FreisiimigtM und �ch�rn�. brauchet wtr ,tulr de». Freisniniacn zu sagen: Die Herren Kopsch öder Wlemer oder Fischbeck lasse» Sie aeMtgst' weg ttiw gsbl tmZ.dtlib änstMidig-N Menschen: für den sind wir einMrctcn bereit. Wenn die Frei-- sinnigen die Interessen des Volkes mit Füßen Irrte, i, so haben wir nicht dad Recht, ein gleiches zu Am.(Sehr richtig?! Auf einem Standpunkte, det dem Meinigrn entgegengesetzt ist. kann man sich meine« Erachten» nur dann stellen, wenn man auf 'volltifchem Gebiet den Selbstmord für berechtigt erklärt.(Bräbslj Fröhlich«Berlin: Ich bin im Gegensatz zum Genossen Arons der Meinung, daß die Regierung cS sehr wohl wagen wird, noch die nächsten Wahlen unter dem Treiklassenwaylfystcm vornehmen zu lassen. Wen hat sie denn zu fürchten? Di« Konservativen sind Gegiier deS allgemeinen Wahlrechiö, von den NaiionallibcraltN zu sprechen verbietet mir mein Nnstandsgefühl, und das Zentrum ist stumm und wartet ab. Ilebrig bleibt also allein die alleinseligmachende FrelheitS- Partei, die Firma Fischbeck, Kopsch und Wicmcr. Glaubt man wirklich mit diesen Helden einen Freiheitskampf auSfechtcn zu tönncu? Die Hildesheimer Genossen tun mir wirklich leid, wenn sie einem derartigen Optimismus huldigen. In Bayern lagen die Bertzaltnisse anders: dort wurde der KsmssröMiß geschlossen gegen die Liberalen— welche uns das Wahlrecht auch dort verivcigcrn wollen. Wenn Sie meinen, daß die Freisinnigen itn jetzigen preußischen Landtag auch nur einen Finger für das allgemeine Wahlrecht rühren werde», so sind Sit arg im Irrtum; sie werbrn iitcht einmal für den Barthschcn Antrag zu haden sein. Besonders. schändliet, ist die Motivtertnlg, mit der sie diesen Antrag ablehnen. weil er ihnen angeblich nicht weit genug ist. Eine größere Heuchelei hat es noch nie gegeben.(Sehr wahrt) Tie ZirkuS Busch-Vcr- sammlung und die Llöwnversammlung tili Frankfurt a. M. haben allen denen die Augen geöffnet, welche von dem Anschluß an irgend- welche bürgerlichen Parteien irgend einen Nutzen für die Sozial- . demokcatie erwarten. Die Freisinnigen hätten es in der Hand, das allgemeine Wahlrecht jetzt zu erzwingen, denn sie sind das Zünglein an der Wage. Fürst Büloiv müßte ihnen nachgeben, um sich zu halten. Aber Äie Freismiiigen iverdcn sich von ihm kein Diner vorsetzen ckasscii, sie wcüden troh sein, wenn sie eins» mageren BiUowheriilg bekommen.(Heiterkeit.) Es ist uns schon lange wtder dt- Echlle gegangen, daß uns zugemutet wurde, bri den Reichstags? Men für die Freisinnigen zu stimmen. Hätten wir die Äeure hchon vor 10 Jahren durchfallen lassen, so hätten sie ouö einem za�/z anderen Loche gepsiffen. Für diese Leute gilt nur der Erfolg. Kaö hat denn Loebe bei den letzten Wahlen mit den Frei- iinmgfln'für Erfahrungen gemacht? Sie haben uns keinen Sitz bmiU.u/i, haben aber den Fürsten Hatzsesd gewählt. Man sagt tuimc i. in der Politik solle man sich nicht von Gefühlen leiten lassen. Aber,"öic 41 RcichslagSinanVate, die Ulis mit Hülfe der Freisinnigen duickt geraubt wurden, sind auch nicht spurlos an uns vorbeigc- gongen. Auch ick kann die Freisinnigen, die bei den letzten Wahlen Vur die ärgsten Brotwucherer und auch für Antisemiten gestimmt siaben, nur als politische TIrauchrittcr bezeichnen. Ich stehe sogar ■auf dem Standpunkt, wir dürfen ihnen nicht mir keine Wahlhülfe leisten, sondern wir müsse» direkt gegen die Freisinnigen stimmen und wenn wir auch für den ärgsten Reaktionär stimmen mühten. lAronS: Bravo! Bravo!) Nur damit wirken wir erzieherisch auf den Freisinn. Uns kommt cö vor allem darauf an, daß die Massen in Bewegung gesetzt werden.(Bravo!) Rosbitzki- WandSbeck: Ich will lediglich einige taktische Fragen berühren. In den letzten Tagen habe ich einen Artikel im„Hamburger Fremdenblatt' gelesen, betitelt: Politische Wandlungsfähigkeit der Sozialdemo- trat le. Gewiß haben wir uns gewandelt. Ich erinnere mich noch sehr gut der Zeit, da wir uns an den LaNdtagSwahlen nickt bei tdiigieu. Erst als dav preußische VeceinSgcsetz, dos sogei.aNnte llelne Sozialistengesetz kam, das mit einem Set, lag« icdc Vereins- tätigkett im Lande uns geradezu unmöglich gemacht. hatte, wurden wir uns darüber klar, welche Bcdculurig das preußische Dreiklässen- Parlament hat. Daun haben«vir 189? beschlossen, auch die Frei- sinnigen zu unterstützen überall dort� wo der Freisinn sich der- pflichtet, für gewisse MiniMalforderungcn einzutreten. Den Pessi- miSmuö des Hildesheimer Antrages, der aus der Schwäche gc- b'orcn ist, teile ich nickt. Ebenso wie ich allerdings auch den Optimismus des Genosten Landsbcrg nicht zu teilen vermag. Es wird gesagt, die öffentliche Stimmenabgabe schreckt die Massen zurück. Gewiß, aber nur dort, wo die Parteigenosse» in der Minderheit sind, nicht jädoch in Jndustricorten, in denen bei den Reichstags- ivahlen die meisten Stimmen für die Sozialdemokratie abgegeben wurden. Tort schlägt die brutale Wirkung dcö Wahlrechts, die in den kleinen Lgndstädtcssen die Massen fernhält, in die gegenteilige Wirkung um, dort ist es gerade die Bourgeoisie, die die öfsentlio Stimmabgabe fürchtet. Wir haben mit den ffreisiunigen in Schleswig-Holstein die traurigsten Erfahrungen gemacht. Uebcrall in den Kommunen, wo eö uns gelang, ein paar Vertreter der Partei durchzubringen, hat der Kommunalfreisinn das bei uns bestehende Zensuswahlrecht auf den böchstzulässigen Zensus von 1350 bis 1500 Marl lvmaufgcsetzt. Im Kampfe gegen so brutale Gegner dürfen wir mit den Mitteln deö Kampfes nicht wählerisch sein.(Sehr richtigl) Aus der vorzüglichen Broschüre Ses Genossen Paul Hirsch:„Unter dem elendesten aller Wahlsnsteme" ergibt sich, daß in den Orten, wo die Sozialdemokratie stark ist, wohl Aussicht auf Er- folg auch dei den LanotagLwahlen vorhanden ist. Wenn wir bünd- nisfähigc Freisinnige haben, dann müssen wir sie unterftützeii.jmc wir auch von den Leuten verla, igen, daß sie uns unterstützen.(Sehr richtigl) Im übrigen bin ich der Meinung, daß man hier.die Taktik nicht festlegen soll, sondern sie dem Partcivorftand in Ver- bindung mit der zu wählenden Landeßkomuitssion überlassen soll. (Bravo I) Gewehr- Elberfeld: Der kompromißsüchtige Antrag HildeSheim sowie die Reden Bernsteins und Locbcs haben wenigstens das Gut« gehabt, daß von neuem mit aller Schärfe von anderer Seite daraus hingewiesen wurde, wir wir unv zu den bürgerlichen Parteien auch bei den Landtagswahlcn zu stellen haben. Wir haben uns bereits 1898 mit. ziemlichem Erfolge an der LandtagLwähl beteiligt. Was war das Resultat? Auch damals war die Parole ausgegeben, daß falls unsere Partei und die Freisinnigen die M'hrheit bekommen und die Freisinnigen dazu geneigt wären, man sich-in die Mandats teilen könne. Die Folge war. daß während früher die Freisinnigen in der Opposition gegen die konscrvativ-näiionallibcraleii Parteien standen, sie nun, als wir in die Bewegung eintraten Wahlenthaltung beschlossen und auch durckgeführt habtzn,(Hört! Hört l) Ich bin entschieden gegen den Vorschlag LandbcrgS, daß wir bei Stichwahlen für den Areisinnigen stimmen. Schon Eugen Richter hat immer gesagt: Tie SoAialdemvkraicn dürfen wir treten und schurigeln, wir wir wollen, sie müssen ja so wie so für uns stimmen.(Sehr wahr!) Und das wollen wir den Herren einmal austreiben. Wenn sie nickt auf bestimmte Verpflichtungen eingehen. müssen wir auch in der Stichwahl nicht für den Freisinn stimmen. Sehr wichtig ist das Verhalten tzeö Zentrums. Mit Reckt wurde gesägt, wir müssen die christlichen Arbeiter gewinnen. Aber wn dürfen nicht daran denken, daß cS gelingen könnte, die Zentrums leiiung dahin zu bringen, für das allgemeine Wahlrecht für Preußen einzutreten. Wir müssen im Gegenteil den ckristlicken Arbeitern klar machen, daß sie von ihrer bisherigen Parteileitung nickts zu erhoffen haben. Den christlichen Arbeitern wird immer erzählt wir feien es, die durck unsere Demonstration für das allgemeine Wahlrecht ein Hemmnis zur Erreichung des ReichstagSwahlrechtk für Preußen seien. Demgegenüber ist es notwendig, immer wieder zu betonen, daß gerade unsere Aktion eS gewesen ist. welche auck sie Gegner und die Regierung gezwungen hat, sick eifrig mit diese, Sache zu bcschästigen, Ja. stnser«? WahlrechtSaktion hat loesentlick zum Zustandekotiimen der Blockpolitik beigetragen. Ich schließe Mick vollkommen dem Genosse» König an, daß wir die Wahlbewcgun, zur Aufrüttelung der Massen benutzen müssen. Ihr Vertrauen zu gewinnen ist mehr wert, als wenn wir durch Schiebungen einige Mandate bekommen.(Bravo l) Bernstein-Breslau: Ich wNk darauf verzichten, mich mit densinige» auseinander- zusetzen. Me hier. mir gegenüber als Gedajtkcnleser attfgxtrete» sind. Uild bckäiNhfl häbsn. nicht was ich ausgeführt, sondern was sie geglaubt haben, daß eS in meinen Gevankrii liege. Ich verzichte also darauf, der Genossin ZIetz, dem Genossen Lcdebour usw. zu antwörien. Das ist ganz selbstverständlich, daß Witz suchen müssen söblel als möglich auf die außerhalb unserer Reihen stehenden Arbeiter einzumirken. Das braucht man nicht erst auf diesem Kongreß zu proklamleren; denn wtr wirken täglich In diesem Sinne. Was Wurm mir eutgegengehalten hat, in bezug auf unsere Theorie — ja. Parteigenossen, die Abwendung, die Wurm aus unserer Theorie zleht, ist preußische Aissenschäfl, denn sovetld er die schwarz- weißen Grenzpfähle verläßt, stellt sich ihm ein ganz anderes Bild dar. Wenn wir ausgehen von der Theorie der Eniwickelimg, wie sie in unserem Programm steht, von der Konzentration des Kapitals. dann müßte die kapitalistische Klasse Immer kleiner und die Oppo- sition immer größer werden. Wir haben in Preußen 7 bis 8 Millionen ReicvStagswähler. Wollen Sie behaupten, daß alle die, die nicht für die Sozialdemokratie stimmen, Kapitalisten sind? Da gehört zu den Freisinnigen eine große Anzahl von Leuten, die entschiedene Gegner der kapitalistischen Unternehmer, der Herren von den Syndikaten sind, und auf diese Klassen haben Ivir in unserem Kampfe auch Rückfichi genoniinön. Natürlich kämpfen wir auerfh für die Abschaffung des Dreikkassenwahlsystcmö vor den Neuwahlen. Wir müssen aber mit der Möglichkeit rechnen, daß wir in dem Kampfe nicht Sieger bleiben und daß die Eni- schciduiig über die zukünftige Gestaltung deS Wahlrechts im Landtage fällt, der noch unter dem Drciklasscnwahlsysiem gcwählj wird. Da kommen dann die Jitieressengegtnsätze zwischen den bürgerlichen Parteien selbst in Betracht. Es gikst da erstens einmal eine Majorität bestehend zurzeit aus Konservativen und Zentrum, die ihrer ganzen Tendenz nach für ei» ständisches Wahlrecht sind, da? darauf hinausgeht, die Stimmen der Arbeiter ein für allemal auf eine bestimmte Zahl zu reduzieren Und in die Arbeiterschaft selbst einen Keil zu treiben. Dann habe» Ivir eine andere Majorität, bestehend aus den beiden konservativen Gruppen und den National- liberalen, die für ein PlUralmahlrcchi sind, teils nach dem Ein- kommen, der Steuerzahlung oder nach dem Bitduiigssiande, wie die Rationalliberalcn es wollen. Da kommen also sehr starke Gegensätze in Betracht und es ist für UNS durchaus nicht gleichgültig, wie sich im nächsten Landtage die Parteien in ihrer Stärke zueinander verhalten. Ich begreife vollkommen die Entrüstung unserer Parteigenossen gegen die Liberalen. Ich unterschreib« da- meistr von dem, was zu ihrer Kritik vorgebracht ist. Aber dtz von ihnen empfohlene Politik erinnert doch an das englische Sprich- Wort: Ich spalte mir die Nase, um mein Gesicht zu ärgern. Dar- auf liefen die Ausführungen des Genossen Fröhlich hinaus. Es handelt sich doch in unserem Kampfe um mehr als darum, die Frei- finnigen zu ärgern, sondern wir müssen dafür sorgen, daß im nächsten Landtag die Entscheidung möglichst in dem Sinne fällt, der für die Arbeiterklasse der günstigste ist. Und da stehen die Interessen der Freisinnigen, mögen sie so schlechte Mensche» sein wie sie wollen, denen der Konserbativen und des Zentrums entgegen. Denn die Freisinnigen müssen Rücksicht nehmen auf ihre Wählcr schaft. Ich bin nicht für ein Bündnis mit den Freisinnige». Ich bin für Bündnisse nur, wo sie in anstündiger Weise geschlossev werden könne.1. Wie die Tinge aber in Deutschland liegen, ist das ausgeschlossen, daß wir außer mit einer kleinen Opposition in der freisinnigen Partei irgendwie mit den Freisinnigen eir Bündnis eingehen können. Denn wir können unsere Partei nickt sozusagen ausbieten. Das verbietet doch unsere Würde. Damit aber ist die Sacke nickt erledigt. Wir gehen darauf auS, soviel wie mögltck Wahlinännerstimmrn zu erreichen� und wir werden zweifellos ein« große Zahl erreichen. Nun tragt es sick. was säugen lvir dann mit diesen Stimmen an, wollen wir die Macht, die wir dann in der Hand haben, einfach fallen lassen, oder wollen wir sie- ausnützen, um auf die Quantität oder Qualität einer gegnerischen Partei einzuwirken. Ich meine, die Macht, die wir im politischen Leben haben, ist ein uns anvertrauteö Pfund, von dem wir berpflichiet sind, für die Arbcilerklasse den denkbar besten Gebrauch zu machen. Wir dürfen dies Pfund nicht guS der Hand geben, wenn wir nicht dafür verantwortlich sein trollen, daß die Arbeiterklasse auf lange Zeit hinaus geschädigt wird. Ter Partei- tag sollte dem Partcivotsiand bezw. dcr preußischen Landcslommisgon eine Weisung geben, unter Umständen unseren Einfluß auf die Gestaltung des nächsten preußischen Landtages soweit wie möglich im Interesse der Arbeiter geltend zu machen. Wir müssen diesen Instanzen die Vollmachi geben, auf Grund ihrer Information, ihrer Kenntnis der Sachlage die für uns abgegebenen Stimmen zu ver- wenden, um die Zusammensetzung deS künftigen Landtages zu bceniflnsien.(Beifall.) Rauch- Limmer: Ich möchte zunächst darauf hinweisen, daß bei unL in einem Arbeitcrdorf mit etwa 4000 Eimvohnern cS möglich gewesen ist, durch eine Stcucrordnung daö Budget der Gemeinde mit einem Ueberschuß von 10 000 M. abschließen zu lassen. Nun zu dem v.elvcrlästertcn Hildesheimer Anirag. Die Fassung desselben mache ich inir nicht zu eigen. Die Genossen deS 10. Hannoverschen Wahl- lrciscS sind bei der Stellung dieses Antrages vavon ausgegangen. im Gegensatz zu einem Artikel des Genossen Mehring in der .Neuen Zeit", der in Uebereinstimmung mit der Redaktion ge» schrieben ist, und die Beteiligung der Sozialdemokratie an den preußischen Landtagswahle» für eine ganz unnötige Kraft- und Zeitverschwendung, eine Utopie erklärt, daß diese Aktion durchaus notwendig ist und im Lebensinteresse der Partei liegt. Es handelt sich bei dieser Aktion nicht darum, zu dcmonftritrcn, sondern vor allem, praktische Erfolge zu erzielen. Einmal, wenn irgend möglich. durch die Wahl eigener Abgeordneten und dann durch Schwächung zcner Parteien, die zeder Wahlreform durchaus abhold sind. Dazu ist cö notwendig, daß wir Ellenbogenraum bekommen bei den Ur- vahlen, damit bei etwa notwendig werdenden Stichwahlen unsere Wahlmänncr nicht das Feld räumen und damit einer ganzen Menge gegnerischer Wahlmänner den Vortritt lassen, sondern bis zum Ende der Wahl aushalten und eventuell den Ausschlag geben Zugunsten der uns am nächsten stehenden Partei. Das wollen die Hildesheimer Genossen. Ich kann mich den Ausführungen Lands- llergs und Bernsteins nur in jeder Beziehung anschließen. Es wurde gesagt, die Hildesheimer sollten das ABC deS Programms lernen. Ich. bedaure. daß Genossen auf der Provinz gegenüber ein derartig hochfahrender To» anaelchlagen wird.(Sehr richtigl) Auch diese Genosscii nehmen das Recht für sich in cklnspruck, genau 'o gute Parteigenossen zu sein und genau so gut ein klern wenig auch von dem theoretischen Teile des Parteiprogramms zu ver« stehen, wie jene, die suiueilen von oben herab' über die Genossen -Ii der Provinz urteilen.(Bravos) UcbrigcnS befinden sich die Hildesheimer Genossen in vurchaus cdrcnvollcr Gesellschaft. ES war. niemand anders als der Genosse Bebel, der auf dem Partei- tage in Hamburg«ine Resolution desselben Inhalts beantragte. (Lebhaftes Hört! Hörtl) Tie Mahnung, sich erst mit den Anfangs- gründen, der Theorie zu beschäftige», müßte also zunächst an Pen Genossen Bebel gerichtet Iverdcn.(Sehr gut! und Heiterkeit) Ich .nöchle die Redaktton der„Neuen Zeit" ersuchen, sich erst ein wenig in dem ABC der Tattii umzusehen, damit sie nicht mit solchen Artikeln wie dem erwähnten der Agitation in den kleinen Orten die ärgsten Knüppel zwischen die Beine wirft. Dem Genossen Loebe, mit dem ich durchaus übereinstimme. ist es so sehr angckreidrt worden, daß er einen Bittgang zu Bülow »mpfohlen hat.(Ruf: Hat er ja nicht empfohlen!) Gewiß, man foll keinen Bittgang machen, aber so etwas ganz neues ist doch oreser Bittgang innerhalb der Partei auch nichr. Wer war es denn, der sich an den preußischen Landtag gewandt hat wegen Ein- tühcung des ReichStagSivahlrechtS. Das waren nicht diejenigen, die heute auch bei den Urwahlen eventuell mit anderen Hand in Hand- gehen«vollen, e» war der Parteivorstand der chnitschen Sozialdemokratie.(P sann kuck: Sehr richtig!) Also, man soll »n» nicht graulich machen. Wir lassen nnS überhaupt nicht graulich i.achen. ES war davon die Rede, daß Ivir aus eigener Kraft liegen müssen, aber wie weit wir davon entsernt sind, das haben ja dtx letzten Wahlen bewiesen- Auch ich bin der Meinung, daß wir möglichft alle« aus«laener Kraft erreichen sollen, aber ich bin ein Narr, wenn ich HÜIfskrSste von der Hand weisen wollte. Ich bitte Sie, wenn auch nicht dem Wottlaut, so doch dem Sinne nach unserer Rewkntion zuzustimmen.(Beifall.) Friedländer-Derlin: Als Genosse Singer gestern den Parteitag eröffnete, sagte er: Der Parteitag hat eine Ausgabe zu erfüllen, die alle Herzen der Parteigenossen durchdringt, die Erringung des allgemeinen Wahl« recktS für Preußen. Ich habe geglaubt, im Verlaufe der Diskussion etwas vo» dem Geist und von der Wucht der Worte Singers S finden. Ich habe gehofft, den Geist zu spüren, der die ältcn artisten in dem Kampf um Brot, in dem Kampf um Freiheit beseelte. Sie sagten: Wir werden die Gesetzlichkeit achten, wo die Gesetzlichkeit uns achtet, wo eS aber Nicht geschieht, Nun, da weisen wir auf Frankreich hin, auf das Frankreich, oaö die Republik er- kämpft hat. Statt dessen haben wir eine Dislussion darüber gehört, ivie wir zu einigen Mandaten im Abgeordnetenhause gc- langen können, und wir sind Versuchcn begegnet, die uns fest- legen wollten, auf welchem Wege wir diese Mandate erreichen könnten. Und das war der Sil», der Reden von Bernstein, Löbe und der Rede von Landsberg, der es freilich etwas geschickter als die beiden anderen anzufangen verstand. Aber auf Mandate kommt es nicht an. Etwas anderes stellt im Mittelpunkte unserer Gc. danken und das hat die Genossin Zietz richtig erkannt. Wir haben hier die Waffen zu schmieden, um die Massen der Arbeiter und Kleinbürger vorwärts in den Kampf um das Wahlrecht zu treiben. Durck Reden. Ivie sie Bernstein gehalten hat. wird ein solcher Maisenkampf nickt entfesselt werden.(Zustimmung.) Bernstein sagte, wir hätten es mit ver stärlstew zentralisierten politischen Macht zu tun und er glaubte nicht, daß ihr etwas ab- gezwungen werden könnte. Ja, wenn man das glaubt, dann sollte man nicht erst den Versuch zu einem solchen Kampfe machen. Aber ich glaube es nicht. Wie ein solcher Kampf zu führen ist, das haben uns die Leute vorgemacht, die in Preußen die Politik bestimmen, unsere Junker. Die Junker zeigen uns, daß sie nur nach dem «inen Gesichtspunkte regieren: Wer die Macht hat, hat auch das Recht. Und Lassalle hat den Proletariern zugerufen, daß sre erst dann zur Herrschast und zum Siege gelangen könnten, wenn sie die Macht hätten. Alle diejenigen, die nach Mandaten ausschauen. vergessen, daß auf dem Weg« über das preußische Abgeordneten- hauS der Weg zur Erringung de» geheimen Wahlrechts nicht gehen kann. Die Junker fitzen viel zu fest im Sattel, sie wollen ander« Mittel sehen, bevor sie abdanken.(Zuruf: Welche denn!) Di« haben ja an AronS Referat gerühmt, daß er nicht alle Mittel aufgeführt hat. Ick freue mich, daß heute nicht ein Utopist und Romantiker vom letzten Mittel, dem politischen Massenstreik, gc» sprockcn hat, sondern jemand, der die Dinge mit kühler Besonnen- Veit betrachtet. Wenn wir im Kampfe mit einer so organisierten Macht wie das Prenhenjunkertum nickt den Willen haben, das letzte Kampfmittel in Anwendung zu bringen, dann sollten wir auf den Kampf von vornherein verzichten.(Sehr ricktig!) Frau Zietz sagt, wir müssen die Massen entflammen. Das tage auch ick. und ick füge hinzu, vor allem müssen wir aus den Massen die ver- dämmte Polizeifurcht herausbringen.(Lebhafte Zustimmung.) Vor allem sind es die Kleinbürger und die noch nicht durch die Schule dcr Sozialdeniolcatir gegangenen Arbeiter, die in dem Augen- blicke, wo eine Helmspitze auftaucht, die Faust selbst nicht mehr in der Tasche zu ballen wagen. Diesen Kadavergehorsam, der in jedem Polizisten noch den Unteroffizier von dem Kascrncnhof« her fürchtet, müssen Ivir mit aller Schärfe bekämpfen, und da kommen unsere Flaumacher und sagen un«, za, aber in der Probinz, da wird wieder gesagt, die Sozialdemokratie sinne auf den Umsturz und wir können uns in den Versammlungen nicht schützen, wenn unser« Gegner- uns die scharfen Ausdrücke vor oie Nase halten. In einer langen Reibe von Jahren bat die deutsche Arbeiterschaft in immerwährender Wtederhoinng den Versuch gemacht, auf gelctz. lichem. rukigem Wege zum Ziele m Preußen kommen. Der preußische Parteitag soll nun die Stelle sein, wo das Feuer de» WahlrcchtLkampfcS auflodert, des Kampfes um die Demo« Zratijierung dieses Siaaics, der wirtieyafiliche Verhäliinsse wie England hat, aber absolut regiert wird. Erinnern Sie sich an den alten Ruf unseres Schlachtliedes: Das gleiche Wahlrecht sei dar Zeichen! Und nun wohlan!(Bravo!) Hug-Wilhclmshavcn: :£ag für Tag können wir den Einfluß Preußens auf die ttlcschirfc kleiner Bundesstaaten erfahren, ich erinnere nur an die Geschichte des von uns geplanten.Baue? eincö Kanals von der Weser nach der Ems und an die Geschichte deS Oldenvurgischen Auöfuhrungsgesetzes zum Fleischbeschaugesech, das nach preußischem Muster verschlechtert ist. Sic ersehen hieraus, wie notwendig die Demokratisierung Preußens auch mit Rücksicht auf andere Bundesstaaten ist. Ein paar Worte zur Taktik: Ick verstehe cS nicht, daß heute und gestern, als Maurenbrecher etwas sagte, was manchen Partei kreisen gegen den Strich ging, mit so außer- ordentlichem Eifer dagegen gekämpft ist. Hch habe es heute auch nicht verstanden, daß, als Bernstein unter Umständen auch eine Untcrstüyung der Bürgerlichen empfahl, nicht weniger als drei Radikale sosort aufgestanden find, um den armen Edc zu ver- möbeln.(Heiterkeit.) Das hat wieder gezeigt, daß man mit einer nollkvmmcn unnötigen Leidenschaft gegen den sogenannten Revisionismus loSzicht, den man überall vermutet, wo er gar nicht vorhanden ist. Das was Bernstein gesagt hat, ist gar nicht so weit entfernt von der parteiossiziellen Erklärung, daß die Sozialdemo. cratie jede bürgerliche Partei unterstützt, die ehrlich für das all- g-meine, gleiche, direkte und geheime Landtagswahlrecht eintritt. sie werden sagen,„ehrlich'. Ja, tch glaube. Bernstein wird eben- sowenig wie irgend ein anderer von den Berliner Parteigenossen verlangen, daß sie den Kamps um das Dreiklasienwahlrecht mit den , freisinnigen zuson nicn kämpfen. Davon kann gar keine Red« sein. Der Antrag Hildesheim liegt in der Richtung, lote Bernstein sich geäußert hat. Wie kann man da von einem Prinzipicnverrat sprechen? Wenn man parteiossiziös erklärt, wir gehen unter Um- ständen mit den Gegnern zusammen zur Erkämpsung des Wahl- rechts, ist es dann ein Prinztpienverrat, wenn man im Lande, um einen Sieg zu erringen, unter Umständen schon bei der Wahl der Wahlmänner zusammengeht? Was haben wir denn gehört? Prinzipienerklärunacn von der Genossin Zieh, Prinzipien- erklärungen von Wurm. Wer wollte diese Prinzipien ableugnen? Wir haben weiter gehört,, daß wir alle uns zu Gebote stehenden Mittel benutzen wollen, um das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht zu erkämpfen. Ist das denn nicht auch ein erlaubtes Mittel, einen bürgerlichen Demokraten zu wählen, der versprochen hat, für das allgemeine, gleiche, direkte, und geheime Wahlrecht einzutreten? Ist das etwas anderes, als was wir bei den Stichwahlen zum Reichstage tun?(Die Redezeit ist ab- gelaufen.) Ich halte es für«in großes Unrecht, wenn man der« artige taktische Vorschläge sosort und in so außerordentlich harter Weise für Prinzipienverrat erklärt.(Beifall.) Teckrr-Magdcburg: ES handelt sich heute darum, die Rückständigkeit der preußischen Verwaltung zu kennzeichnen. Ich erinnere an die Binnenschiffahrt, die sür Preußen sehr wichtig ist, aber trotzdem ist die preußisch« Regierung bestrebt, SchsssahriSabgaben einzuführen, und wir haben deshalb all« Ursach«, die Schiffer hierauf aufmerksam zu machen. Sachsen und Bayern haben ja bereits ihr« Vertreter im Bruches- tat bcauftu.gt, gegen derartige Abgaben zu stimmen, aber bei dem Einfluß Preußens wird es gelingen, die Schiffahrtöabgaben durch- zusetzen, und darunter leiden ganz besonders die kleinen Schiffer. Ich bitte, bei der WahlrechlSagication die Schisser nickst zu vergesien, sie werden überhaupt im Emai.zipationSkampfe der deutschen Ar- ' beiterklasse eine sehr groß« Rolle spielen. Eisenbahn und Binnen- schiffahrt werden in der Lag« s«in, der bürgerlichen Gesellschaft einen gehörigen Stoß zu versetze». Wir wollen der EntWickelung der Binnenschiffahrt keine Schranken setzen, wohl aber müssen wir den dem Untergänge geweihten Existenzen begreislich zu machen suchen, wohin sie gehören, denn die meisten von ihnen schwimmen noch im bürgerlichen Fahrwasser. Auch das Gebiet der Schule ist sür die Binnenschiffahrt sehr wichtig. Nach den letzten statistischen Erhebungen gibt es in Deutschland 20 000 Schisferkinder, die überhaupt noch keinen Schulunterricht haben, und davon entfallen allein lü 000 aus Preußen. Daß ist charakteristisch. Man richtet nun nicht etwa vernünftige Schrlen für die Schifferkinder ein, sondern man gründet schwimmende Schifferkirchen. die dorthin geschleppt werden, wo die Schifferseelen am meisten in Gefahr geraten, sozialdemokratisch verseucht zu werden. Auch hier mutz die Agitation einsetzen; die Berliner Kollegen haben den Ansang damit gemacht. Ich bitte Sie, wo es angeht, in Schifferkreiscn Fühlung zu suchen. — Es hat wohl selten ein Parlament gegeben von so großer Wichtigkeit, wie das hier versammelte. Die Verhältnisse haben Isth so zugespitzt, daß wir endlich einen Sturm der Entrüstung ent- fesseln müssen, der da» Drciklasscnwahlsystem hinwegfegt. Ich will als Durchschnittsarbeiter meinem Empfinden nach der Richtung hin Ausdruck geben, und ich möchte besonders den Gc- nossen mit akademischer Bildung sage», daß sie in Wort und Schrift die persönlichen Spitzen unterlassen möchten.(Sehr gut!) Wir als Durchschnittsarbeiter achten den Menschen zu hoch, um ihn persönlich zu verletzen.(Beifall.) Ich' habe sehr oft empfunden, wie schädlich es ist. wenn gerade iene Genossen, die dazu berufen sein sollten, den Alarmruf in die Welt hinauSzusendcn, sich persön- lich befehden. Ich habe eö gestern erlebt und heute hat sich die Geschichte wiederholt, daß gebildete Genossen cS sich nicht ver- kneifen können, in ganz geschickter Form ihrem eingebildeten oder wirklichen Gegner eins zu versetzen.(Sehr richtigl) DaS soll nicht sein, und ich möchte ganz besonders unser« akademisch ge« bildeten Genossen bitten— in den anderen Kreisen kommt so clwas nicht vor(Hesierkeit)—, sorgen Sie dafür, daß das in Zukunft onderS wird. Wenn Sie diesen Wunsch berücksichtigen und alles vermeiden, was dazu geeignet ist, den Kampf auf das persönliche Gebiet binüberzulenke», dann werden wir bedeutend bessere Erfolge haben als jetzt.(Beifall.) Ein Schlußantrag wird, nachdem Lsebe-Breslau ihn bekämpft bat, abgelehnt. WelS-Bcrltn: Ich beschränke mich, auf die Dinge einzugehen, die meiner Meinung nach das Wesen de« ganzen Parteitages ausmachen sollen. nämlich auf die Erörterung der Mittel, die die preußisch« Sozial- demokratie evcnluell geneigt ist, anzuwenden, um der Junkerherr- schaft und der Herrsck>aft der Groß-Bouraeoisie ein Halt zuzurufen in ihrer Unterdrückung der Volterechte, ihr einen Tamm entgegen- zusetzen, über den sie nicht hinweg kann. Ich will nicht eingehen auf die Ausführungen von Bernstein, der allzusehr den Augen- blickspolitiker herauskehrte, dem der Gewinn von Mandaten am höchsten steht«Widerspruch von Bernstein): sonst hätte er nicht dazu kommen können, uus ein Bündnis mit denen.zu empfehlen. mit denen wir keine Berührungspunkte haben.(Sehr wahr!) lieber mir ist der Spruch angebracht:„Nur der verdient die Frei- heit und das Leben, der täglich sie erobern muß! Und aus dem Munde vieler von denen, die heute sprachen für die Eroberung deS Wahlrechts, sür die politische Befreiung der Arbeiterklasse in Preußen, war wenig von der Einsetzung des Lebens und der ganzen Kraft an diesem Tage und immerdar zu spüren. DaS war RechnungSträgerei, das war nicht die Sprache, mit der man die Massen emporhebt zu politischen Idealen und Zielen, das war nicht die Sprache, die in die Herzen des Volkes dringt und zu politischen Idealen begeistert, sondern die Sprache, mit der man dem arbeitenden Volke die Begeisterung zur Eroberung deS Wahlrechte zu nehmen imstande ist. Wir haben dein arbeitenden Volke zu zeigen, daß uns jedes Mittel recht sein muß, wenn wir nicht zu politischem Heloientum erdrückt werden wollen. Wir haben nicht danach zu suchen, wo und wie nnS die Hülfe der Freisinnigen zu- icil werden kann. Der Wohlkamps ist keine neue Erscheinung: das preußische Proletariat kämpft seit Jahren diese» Kampf, und Me Jämmerliä'leit der Liberalen hat uns gezeigt, daß von dort teine Hülfe kommen kann. Auf eigene Kraft gestellt, aus eigener Kraft das Volk auf die Schanzen zu rufen, das ist die Aufgabe der Sozialdemokratie. Weshalb kommt die Bourgeoisie nicht zu uns? Well sie vollkommen zufrieden ist mit den gegenwärtigen Verhältnissen, weil in Preußen ihre Interessen genügend vertreten sind, weil sie an reaktionärer Gesinnung mit dem Junkertum weit- eifern kann, weil im Grunde genommen unsere Junker nichts anderes mehr sind als die zum Teil gut besoldeten Soldkncchte unserer Großbourgeoisie.(Sehr gut!) Ich scheue mich nicht, zu erklären, daß wir vor keinem Mittel zurückschrecken werden, eventuell auch nicht vor dem der«»teuerverweigerung und dem der Ber- Weigerung des Schulbesuchs unserer Kinder: ich scheue mich nicht, zu sogen, daß wir gegebenenfalls, um unsere Menschenrechte zu er- ringen, auch das Wort wahrmachen müssen: Alle Räder stehen still. Waschweiber und Lämmerfchwänze erkämpfen das Wahlrecht nicdt, die werden dem Junkertum und der Regierung keinen Re- fpckt einzuflößen versieben.«Sehr richtig!) Wenn hier vom Parteitage der Ruf erschall::„Setzt alles daran, die höchsten Opfer zu bringen!" dann erst wird dieser Ruf begeistertes Ecdo finden, dann erst werden wir sagen können:„Nur der verdient die Freiheit und das Leben, der täglich sie erobern muß!" Auf in den Kampsl Auf zur Arbeit für die Erringung des Wahlrechts!(Lebhafter Beifall.) Lsebe-BrcSlau: Nach den Ausführungen von Lcdebour könnte es scheinen, als hätte ich meine Red« nur gehalten, um Ihnen zu sagen: Wir gehen zu Bülow. Das ist ein« falsch« Vorstellung; ich habe verlangt, daß der Parteitag bestimmte Richtlinien für die Takiik angibt, und dabei habe ich das, was im Auslände geschehen ist und waS auch in unserer Presse empfohlen ist, als Beispiel angeführt und mich zuletzt für eine lebhafte Wahlbeteiligung erklärt. Man kann den so- genannten Bittgang zu Bülow auch anders auffassen, als es Lcdc- ocur getan hat, nämlich fo, wie eS unsere Genoffen in Oesterreich- Ungarn getan hoben. Auch Perncrstorfser hat daraus hingewiesen, daß die österreichischen Genossen zur Erreichung ihre» Zieles jedes Mittel benutzen: sie gehen auf die Straße, aber auch in die Hosburg. (Zuruf: Schlimm genug!) An einen Bittgang denke ich nicht. Aber wenn es möglich ist, von Organisation zu Organisation mit den Vertretern der Regierung zu oerhandel», wie eö unsere Gcwert- schaftler mit den Vertretern des Fabrikdespotismus tun müssen, dann habe ich nichts dagegen und so stelle ich mir den Bittgang vor. Ich versteife mich nicht darauf, ich will nur, daß wir über Ver- sammlungen und Flugblätter hinaus ander« Mittel suchen, weil ich glaub«, daß über die bisherigen Mittel die bürgerliche Gesell- schaft mii einem Achselzucken hinweggeht. Ich wünsche, daß wir auch darüber beraten, wie wir die parlamentarischen Chancen br- cinflusscn können. Aber wie soll das möglich sein, wenn wir nicht einen Druck auf die Fraktionen ausüben wollen. Dieser Druck kann auch schon bei den Wahlen selbst ausgeübt werden. Ter Zweck meiner AuSsührungen war. eine Direktive zu bekommen. Der Ruf allein genügt nicht, wir müssen auch bestimmte Mittel angeben. Katzenstein-Berlin: Was besonders ergreifend in dieser Debatte war. daS waren die Klagen über die Behandlung unserer polnischen Landsleut«. Ich kann auch ein« klein« Tatsache hierzu anführen. Wenn in den polnischen Kreisen der kleine Bauer sich Land tauft, dann kann er sich nicht ein HauS darauf bauen unmittelbar auf dem Land«, son- dem ganz weit ab. So hatte ein Bauer sein alteS Häuschen ab- tragen lassen und bereits das Baumaterial für den Neubau hin- geschafft. Er durfte aber doch nicht wieder bauen. Wir leben unter einem Willkurregiment, da» schon nicht meist Nadelstichpolitik treibt, sondern weit schärfer gekennzeichnet werden mühte. Gegen solche Zustände haben wir mit jedem Mittel Stellung zu nehmen. An der Resolution hat mir am besten gefallen, daß sie von jedem Mittel spricht. Welches Mittel anzuwenden ist. darüber muh der Augen- blick entscheiden. Aber dieser Parteitag darf nicht vorübergehen, ohne daß das Signal zu scharfem, rücksichtslosem Kampfe gegeben wird, zu einem Kamps« viel schärfer als er bisher geführt worden ist. Nun zu etwas anderem. Wie erringen wir praktisch« Erfolge? Darin sind wir alle einig, gegenüber diesem Preußen haben wir ein hartes Stück Arbeit zu leisten, und da halte ich es für an- gebracht, wenn wir auch augenblickliche Vorteile mitnehmen. Wir sollen, um Erfolg zu erzielen, im Notfalle vor den äußersten Mitteln nicht zurückschrecken, aber auch kleine Mittel müssen wir miwendcn. Ich halte den Zustand, wie er gegenwärtig ist, geradezu für sinnlos. Man geht zur Urwah!! Hier und da sind einige Männer aus einigen anderen Parteien bereit, uns zu unterstützen. Wir sind gleichfalls zu Verhandlungen bereit. Wenn aber diese Stimmung schon bei der Hauptwahl vorhanden ist. dann ist es sinnlos, daß die Parteien bei den Wahlmänncrwahlcn sich gegenseitig bekämpfen und hinter- her ihre dezimierten Wahlmäun« bei der Wahl zum Abgeordneten zusammenführen. Ich verstehe, wenn man den Kompromiß von vornherein ablehnt. DaS ist wenigstens konsequent. Wenn man aber zu einem Kompromiß bei den Abgcordnetcnwahlen entschlossen ist, dann muß man es bei den'Wahlmännerwahlen von vornherein betätigen. Selbstverständlich kommen nur einige weiße Raben in Betracht, die als waschechte zuverlässige Gegner des Drciklasscnwahl. rechts bekannt sind. Neben diesen kleinen Gruppen der Liberalen haben wir aber gleich an die christlichen Arbeiter zu denken, die nie. malS Sozialdemokraten sein wollen, aber im Kampfe um da? preußiscye Wahlrecht mit nnS Hand in Hand gehen. Es iväre eine Vergeudung von Kraft, wollte man nicht auch diese Gruppen berück- sichtigen. Dann aber entsteht die Frag«, wie kommen Ivir weiter. Bernstein hat einige Andeutungen gemacht, er sprach von Ob- struktion: aber ich bin nicht ganz klar geworden, was er meinte. Jedenfalls muß alles getan werden, was sich nur tun läßt. Auch die ReichStagSsraktion kann mehr tun, um die Frage des preußischen Wahlrechts fort und fort in den Vordergrund zu schieben. DaS gleiche könnte» unser« LandtagSfraktioncn tu». Es kann in den Stadlverordnctenvirtretungen geschehen. Auf dem Präsentierteller wird u»S da» ReichStagswahlrecht für Preußen nickt entgegen- gebracht werden. Einige Reformen werden kommen, einige Mandate werden wir erlsalten und dann wird die Agitation unserer Genossen dort eine Art KristallisalionSpunkt sür den Kampf um daS gleiche Wahlrecht bilden. Aber der Hauptkanipf wird immer außerhalb des Abgeordnetenhauses zu führen sein. Wenn der Konflikt doch nicht zu vermeiden ist. dann soll er kommen, wenn wir den Kampf um ein großes Recht führen. Ich halt- es für erfreulich, daß unse- rcn Parleivorftand ein großes Gefühl der Verantwortlichkeit beseelt, aber diese« GesM darf auch nicht überspannt werden, �ch begreife die Empfindungen durchaus, von denen die Familienvater beseelt sind. Aber ich frage, gehen nicht Hunderte von Familienbätern fort und fort zugrunde?(Sehr richtig!) Ist eö nicht nöng, vor großen Opfern nicht zurückzuschreckcu? � Auf dem vorigen Parteitag war von Straßendenionstrotivn.en die Rede. Nun, wir werden den Augenblick, wo«S uns möglich ist, die Massen auf die Straße zu bringen, nützen, wir werden vor diesem AgitationSmittel nicht zurückschrecken im vollen Bewußtsein der Opfer, die cS kosten kann, aber auch entschlossen, diese Opfer zu bringen. Aber auch die Frage des Massenstreiks darf nicht aus den Augen verloren gehen. Gewiß ist in Zeiten der niedergehenden Konjunktur für wirtschaftliäie Streiks kein guter Boden vorbanden. Aber anders steht es mit einem politischen Streik. Gewiß wollen wir nicht sage», daß wir im nächsten Jahre zum Massenstreik greifen. Aber wenn wir von allen Mitteln sprechen, dann darf es auf diesem Parteitag nicht heißen: Wir bleiben, WaS wir sind, wir agitieren und organisieren weiter, sondern wir müssen mit dem Dichter sagen, nur dann kann die Freiheit errungen werden, wenn wir bereit sind, nötigenfalls unser« Haut zu Markte zu tragen.(Bravo!) Manrenbrecher- Breslau: Waß der Genosse Wels ausgesprochen hat und waS gewisser- maßen die Stimme der Berliner war(Rufe: Sehr richtig!), hat in unser aller Brust verwandte Gefühle angeregt. In der ,ceage, mit welcher LeidensclHftlichkeit und Begeisterung wir die Wahlrechts- frage in die Massen zu tragen haben, besteht keine Differenz zwischen unö. Wir wünschen und wollen alle mit demselben Eifer und dem- selben Sturm, derselben Ücidenschasl vorgehen, die Wels heute gezeigt ljat. Wir wollen den Kampf„mS Wahlrecht b:ö zum äußersten Mittel, ob es nun gerade der Weg sein wird, den Wesp angedeutet, darüber auch nur ein Wort zu verlieren, wäre Unsinn. Das hängt von der taktischen Situation ab, die heute nicht da ist. Allein jede» stärkste Mittel, durch dag wir versucfym, einen Schritt weiter zu kommen, seht voraus, daß wir tveit mehr hinker nuL haben als nur die in den Großstädten organisierte Arbeiterschaft. Und was ist der entscheidende Punkt, weshalb wir mit solchen Mitteln nicht einsetzen können, weshalb wir 1000 nicht Weiler gekommen find? Nun, der Grund liegt klar vor Augen, wir konnten nicht weiter, weil wir in unserer ganzen Agitation isoliert standen, weil dem sozialistisch geschulten Proletariat die ganze Masse der übrige» Bevölkerung gegenüberstand. Die taktisch richtige Jeberlcgung ist also: Alles in Reserve gehalten, waS Wels angedeutet hat, mit demselben Schwung und derselben Stimmung gewollt, wollen wir nicht allein bleiben, sondern andere Kreise der Bevöllerung in Wärme bringen, damit sie unsere Agitation überhaupt verstehen. Warum haben denn Freisinn und Zentrum das Reichstagswahlrecht in ihrem Programm für Preußen? Groß-Bcrlin kommt dann sofort und sagt: Nun, c» sind Verräter. Meinetwegen, ich will die Leuie nicht verteidigen. Aber ich frage'�ie, warum streichen sie es nicht aus ihrem Programm heraus? Weil sie ihre Anhänger sonst ver- lieren würden. Das ist daS allgemeine Äampfobjekt. um das wir kämpfen. ES ist gewiß möglich, daß Fischbeck und die anderen per- tönlich und fraktionell nicht an dem allgemeinen Wahlrecht für Preußen interessiert sind. Aber doch müssen sie es fordern, ihrer eigenen Anhänger wegen. Der Kleinbürger und Kleinbauern wegen und der katholischen Arbeiter wegen, die wahlrechtsfreundlich sind. Taktik heißt, in jedem Momente die Situation so zu stellen, daß auch benachbarte Gruppen mit einem gehen können. Deshalb müssen wir uns überlegen, ivic bringen wir die Agitation zum Weißglühen. Dadurch, daß jemand in Kellers Festsälen vor 2000 Berliner Ar- beiiern eine Rede hält, wird diese Situation nicht geschaffen. Des- halbt verkennen die Berliner auch vielfach die Situation. WaS wir schassen müssen, ist eine Stimmung, die weit hinaus geht, über die Stimmung des Proletariats der großen Städte. So lange wir nur die 3 Millionen hinter uns haben— und es ist ja Tatsache, daß die Gegner bei den letzten ReichstagSwahlcn stärker gewachsen waren als wir— find wir zu solcher Aktion zu schwach. So lange der Teil des Proletariats, ich sage ausdrücklich nicht„deS Proletariats". der sozialistisch geschult ist, für sich isoliert bleibt und alle anderen gegen sich hat, ist unsere AktionSkraft tot. So lange nützt uns keine Begeisterung und Rede, weil sie über unsere Kreise nicht hinausgeht. Da« sagen wir nicht, weil wir Mucker oder Dussel sind oder weil wir uns selbst einen Maulkorb vorbinden wollen, sondern weil wir erst, bevor wir handeln können, den Kreis größer machen müssen, der mitgebt. Deshalb müssen wir erst in diese Kreise hinein, die durch ihre Führer auf der Gegenseite noch gehalten werden. Diese WahlrechtSfragr ist vielleicht auf Jahrzehnte hinaus der einzige Punkt, wo eö möglich ist, den sogenannten nationalen Block zu sprengen. Deshalb ist sie eine Lebensfrage für unö. Deshalb ereifern wir uns, weil wir alle daS Gefühl haben, das, was hier etwa zerstört wird, das kann in Jahrzehnten nicht wieder«inge- bracht werden. Wenn in der Wahlrechtsfra�e nichts herauskommt, als der 21. Januar 1900, dann haben wir nicht diejenige Kraft und Stärke, die Wels will, die wir brauchen, um das Volt in Bewegung zu setzen. Keiner von uns ist der Tor. zu sagen, die gewaltsamen Mittel lehnen wir ab. DaS wäre der reine Idiotismus. Der Liberalismus hat cS 1800— 62 getan und ist daran kaput gegangen. Das haben wir von Lassalle gelernt Ader auch daS haben wir von Lassalle und von Marx gelernt, das bat jeder gelernt, der über daö erste Kapitel des„Kommunistischen Manifestes" hinauSgelesen hat, der die Artikel der„Rheinischen Zeitung" kennt, daß wir unZ halten sür den linken Flügel der Demokratie, daß wir die verwandten Kreise über daS großstädtische Jndustrieproletariat hinaus anziehen müssen. Vielleicht ist darin der taktische Punkt der Reichstags- fraktion, daß wir im Reichstag die Parteien zwingen, zu solchen Anträgen von neuem Stellung zu nehmen. So lanize wir nicht aus der Isolierung herauskommen, so lange eS unS mcht gelingt, die Nachbarn von rechts und links mitzureißen, nützen uns auch die Reden nichts, so lange haben wir keine Kraft.(Bravol) Wurm-Berlin: Die Voraussetzungen von Maurcnbrechcr find richtig, seine Schlußfolgerungen sind vollkommen falsch. Er erklärt, wir könne» den Kampf nicht allein ausnehmen, wir müssen auch die anderen Kteise aus die Deine bringen. Er fragt, warum' hat der Freisinn diese Forderung im Programm? Er streicht sie nicht, weil er leine Anhänger nicht verlieren will. Ja, haben Sie denn nicht ite schöne Frankfurter Tagung verfolgt, wo der Freisinn so gut wie nichts mehr gesagt hat von dem allgemeinen, gleichen, ge° Heimen und direkten Wahlrecht? Glauben Die wirklich, daß der Freisinn durch unk bekehrt werden könnte? Nein, wir können einige liberale Schichten gewinnen, die bisher zum Freisinn ge- hören, die mit ihm mitlaufen und die auch schon durch ihre Wirt- schaftlichc Lage sich unS anschließen müßten, die sich aber bisher durch die Versprechungen deS Liberalismus zum Narren halten sießen. Wenn ich mich vielleicht etwas heftig gegen die Genossen gewendet habe, die da meinen, daß wir die Liberalen als Bundes- brüder betrachten sollen, die mit uns in Reih und Glied mar- sihiercn, so deshalb, weil wir den Glauben nicht nähren dürfen, daß der Liberalismus hierbei für unsere Forderung eintritt, sondern wir müssen einen Reil hineintreiben in den Liberalismus, i'nr müssen die Schichten, die sich heute noch für liberal halten. die mit dem Zentrum und Freisinn gehen und glauben, daß das demokratische Parteien sind, die Heuchelei dieser Parteien zeigen, wir müssen ihnen zeigen, daß die ganzen wirtschaftlichen Grund- 'agrn dieser Parteien denen der Arbeiterklasse entgegen sein müssen. Wir können nicht als linker Flügel der dbürgcrlichen Demokratie auftreten, weil eö heute eine solche bürgerliche Demo- keatie nickt mehr gibt. Als Marx das kommunistische Manifest schrieb, da bestanden noch die Gegensätze innerhalb der Bourgeoisie. die heute zum großen Teile ausgeglichen sind. Den Leuten ist der Arbeiter heute ein größerer Feind al» den Junkern. Haben wir eS denn nicht gesehen, daß jetzt bei der Wahl die freisinnigen Großindustriellen und Kommcrzienräte schon im ersten Wahlgang mit den Agrariern gegangen sind, weil sie sagen: Mag es kommen, wie cS will, wir halten uns an den Arbeitern schadlos, denn wir gründen die Unternehmerverbände und knüppeln die Arbeiter nieder, und die Konservativen helfen unS dabei, indem sie uns die Polizei zur Verfügung stellen.(Sehr gut.) Die Isolierung. in der wir unö befinden, ist eine glänzende Isolierung,«ine -.plenciick iscrlztiem. Wir können dadurch zeigen, daß nur durch die Sozialdemokratie die Interessen vertreten werden können, die nicht auf kapitalistischem Boden wachsen. Wenn Rauch der Re- daktion der„Neuen Zeit" vorwirft, daß sie den Genossen im Lande bei der Agitation Knüppel zwischen die Beine wirft, so muß ich erklären, auf Grund dcS Wortlautes des Antrages HildeSheim. der ja vis zur Minute noch nicht abgeändert ist: ich würde mich freuen, wenn unser Auftreten einer solchen Agitation Knüppel zwischen die Beine wirft. Denn in dem Antrag heißt ev, daß die Parteigenossen bei der Wahl der Wahlniänner bereits ein Kompromiß schließen sollen. Bei der Wahl der Wahlmänner! nuS Angst vor einem anderen, aus Angst davor, daß die Reaktion die Mehrheit bekommen könnte! Befinden wir uns denn nicht m der gleichen Lage auch bei den RcichStagöwahlen? Haben wir nicht eine ganze Menge Kreise, wo d" Freisinnigen immer sagen, wenn Ihr nicht eigene Kandidaten ausstellret, dann würde der Kreis liberal vertreten sein! Daö heißt mit anderen Worten, wir sollen absanken und uns gutbaltcn. zu Sckzlepperdiensten für den Lide- raliSmuS, von dem selbst diejenigen nicht» erwarten, die für eine iolche Taktik eintreten.(Sehr gut!) Selbst Loebe hält nichts mehr von dem Freisinn, und er muß das ja auch, denn in Breslau haben die Freisinnigen sogar den Freund des Freisinns, unseren lieben Genossen Bernstein, durchfallen lassen geaen die Reaktion.(Sehr gut!) Was in dem Antrage Hildeshcim sieht, ist die politische Ab- bantung der Partei. Rauch täuscht sich, wenn er glaubt, daß Bebel jemals gesagt hat, wir sollten im ersten Wahlgang auf die eigene Meinung verzichten und für gegnerische Kandidaten stimmen. Wenn aber der Antrag HildeSheim anders gemeint ist, so war es bisher bei uns Brauch, sich keine Rätsel aufzugeben, sondern etwas anderes an dessen Stelle zu setzen. Ich weiß aber nicht, was Railch an seine Stelle setzen will. Er Hat von einer Ellenbogenfreiheit. bei den Urwahlen gesprochen. I«, dann verzichten»vir darauf, unsere Stimmen zu zählen, was ich für das wichtigste l?alte. sRauch: Das habe ich nicht gesagt!) Es handelt sich darum, dag wir keine Mandatsjägerci treiben, weder für uns noch für die Liberalen, ich kann es nicht begreifen, wie Genossen sich einreden lönnen, datz dadurch, daß wir den Liberalen ein paar Sitze mehr oder weniger verschaffen, der Gang der Reaktion aufgehalten werden könnte. Die Reaktion schreitet immer weiter for� je stärker die sozialdemokratische Partei als solche wird.(Sehr richtig!) Das ist eine naturnotwendige EntWickelung, und wenn die Reaktion wächst, so ist das ein Zeichen, datz wir stark sind. Wenn »n anderen Ländern unsere Partei noch zu Hofe geht und geduldet wird, und wenn man in anderen Ländern mit anderen Parteien noch Bündnisse abschlietzt, so sage ich: Wie schwach mutz die Partei dort sein, wenn unsere Gegner sie noch für bündnisfähig zugunsten kapitalistischer Interessen halten.(Sehr gut!) Ich Hab- mir nicht erlaubt, den Genossen von oben herab Lehren zu erteilen, die„Neue Zeit" hat auch nicht den Verfasser »mes Artikels Vorschriften gemacht, wie er schreiben soll, sondern wir haben dieselbe Anschauung wie der Verfasser des Artikels, w>r halten eS für unnütze Arbeit, wenn wir uns beteiligen, um Mandate zu ergattern. Erobern wollen wir sie, aber nicht erschleichen und erlisten.(Zuruf: Das will niemand!) Maurenbrecher sagt: Was nützen denn Eure Versammlungen, was nützen Eure Reden? Ja, die Reden sollen doch nicht nur wirken auf die Zuhörer, sondern weit hinaus aufs Land, und unsere Auf- gäbe ist es, dafür zu sorgen, datz agitatorische Aufklärung im Lande verbreitet wird. Der schwache Arbeiter in der Provinz gcivinnt erst Mut, wenn er sieht, wie die Arbeiter in den Grotz. städten sich zusammenscharen und dasselbe fordern, was er im Herzen will. Deshalb sind die Agitationsversammlungen nicht überflüssig, sondern sie bilden ein gutes Agitationsinittel, das auch aufs Land hinausgeht. Man wird auch jetzt wieder in der bürgcr- lichen Presse uns vorwerfen, datz wir nur immer mit Resolutionen kommen, man wird uns auch jetzt vielleicht wieder höhnen, aber das kann unS nicht stören. Wir wissen, datz wir nur dadurch, datz wir immer weitere Kreise für die Sozialdemokratie gewinnen, unseren Weg vorwärts machen können, nicht wie Maurenbrecher und andere meinen, datz wir den Liberalen helfen, sondern datz wir den Liberalismus zersprengen, und die Kreise, die sich heute iwch zu ihnen zählen, für uns gewinnen. Das können wir nur durch Agitation. Dazu gehört aber, datz die Leute in unsere Ver- sammlungen kommen und datz wir die Indifferenten aufmerksam raachen. Dazu sind die Demonstrationen gut. Nicht, datz dadurch das ganze Staatsgebäude gleich in Trümmer zerfällt, aber wir müssen die Leute aufmerksam machen, und wenn sie uns gehört haben, dann sind wir sicher, datz wir mehr und mehr Massen unter das Banner des Sozialismus scharen. Und nur der Sozia- lismus ist e?, der das Wahlrecht erobern wird. Wir wollen handeln, aber nicht Händler sein.(Lebhafter Beifall.) Ein erneuter Schlutzantrag, der von B o r ch e r t- Hemdingen begründet und von Arons bekämpft wird, wird abgelehnt. H»rn-Stettin:' Es ist davon gesprochen worden, wie wir am besten die Junker- Herrschaft beseitigen können. Dazu ist zunächst das allgemeine Wahlrecht zu erobern, wir wollen alle Mittel hierfür anwenden. Man hat von Bündnissen mit den bürgerlichen Parteien gesprochen, und der Antrag Hildesheim sagt uns, datz wir von vornherein schon bei der Wablmännerwahl die bürgerlichen Wahlmänner eventuell unterstützen sollen. Es ist nachher dahin korrigiert worden, nur bei den Stichwahlen. Ich bin für weitgehendste Bündnisse, aber dieser Antrag geht mir denn doch zu weit. Wir müssen doch mindestens unsere Stimmen zählen, wir müssen Umschau halten, wie stark unsere Partei ist. Schon bei der Wahl von 1903 haben sich nicht alle Wahlkreise beteiligt, es ist aber wichtig, jede Stimme zu zählen, die bei der Wahlmännerwahl für uns abgegeben wird. Deshalb müssen wir darauf bestehen, datz bei den Wahlmännerwahlen die sozialdemokratischen Stimmen auf sozialdemokratische Wahlmänner vereinigt werden. Der Streit, der hier entbrannt ist zwischen der Richtung Wurm-Ledebour und der Richtung Bernstein-Arons, scheint mir übertrieben zu sein. Wie kann man sagen, datz eS überhaupt schädlich ist, ein Bündnis einzugehen, oder datz Verwirrung in die Massen getragen würde. Meiner Meinung nach kommt eS ganz von selbst dahin, datz unsere Bündnisfähigkeit von Jahr zu Jahr mehr verschwindet.(Sehr richtig!) D«e Frage, wie wir am besten das Wahlrecht erobern können, ist ungemein schwer zu beantworten. Wenn wir nur nach unserer numerischen Stärke urteilen, so könnte man sagen, das ist sehr schwer, aber bedenken Sie, welche Volks- massen bis heute im Lande noch nicht öffentlich für uns eingetreten sind, die noch bevormundet, von dem Junkertum gezwungen werden, ihre Stimmen denen zu geben, die die Junker ihnen vorschreiben! Deshalb ist unsere Zahl heute noch so klein. Viele unserer Volks- angehörigen, unserer Klassengenossen dürfen noch nicht von den Mitteln Gebrauch machen, die die Arbeiter in Grotzstädten bereits ihr eigen nennen. Aber wenn der Ruf an diese Massen ergeht, um für ihre Rechte einzutreten, um die Schmach des Junker- Parlaments zu beseitigen, dann werden sie mit uns kämpfen, dann werden sie mit uns streiten, um die Schmach des Junkertums zu beseitigen.(Beifall.) Müllrr-Berlin: Nach meiner festen Ucberzeugung war es gut, datz die Stim- mung, die jetzt herrscht, in den letzten Stunden eingesetzt hat und datz wir alle die kleinlichen Dinge zuerst erledigt haben. Ich will als Vertreter des Parteivorstandes auf Einzelheiten nicht eingehen, sondern nur in aller Kürze mit Entschiedenheit einiges zurückweisen, was in der Debatte gesprochen ist. Vor allem finde ich es hoch bedauerlich, datz man heute nochmals die Frage aufgeworfen hat. ob wir uns an der Wahl beteiligen sollen. Ich habe unsere Presse und die Berichte unserer Organisationen in den letzten Wochen sehr genau verfolgt und ich kann zu meiner Freude konstatieren, datz iiur in einer einzigen Organisation PreutzenS von einem Genossen die Frage gestellt wurde, ob es zweckmässig ist, datz wir uns unter dem Dreiklassenwahlspstem an den preutzischen Landtagswahlen noch beteiligen. Wo ei» Genosse diese Frage aufgeworfen hat, ist man ihm sofort entgegengetreten. Die Frage der Beteiligung hat aus der Diskussion auszuscheiden, wir haben uns unter allen Umständen an der Wahl zu beteiligen, gleichviel, unter welchem Svstem sie stattfindet. Auch die Frage, wie wir uns bei den Stichwahlen zu verhalten haben, kann heute ausscheiden, es ist ein sehr nützliches Ding, eine Taktik auf Jahre hinaus oder auch nur auf ein Jahr hinaus festzulegen. Ich erinnere nur daran, in welche Lage wir bei den letzten ReichstagSwahlen gekommen sind. Wer uns in Mannheim gesagt hätte, in welches Verhältnis wir zum Zentrum kommen durch die Entwickelung der Verhältnisse, der wäre gewitz «lS ein Politiker betrachtet, der die Lage nicht überschaut. Solche Fragen mutz man im gegebenen Moment entscheiden, aber mau darf sich nicht auf Jahre hinaus binden. Es ist immer wieder gesagt, wir müssen die freiheitlichen Kreise aus dem bürgerlichen Lager hinüberziehen. Ich halte den Augenblick nicht für gekommen, uns darüber zu unterhalten, inwieweit das eine grosse Illusion ist, inwieweit hier Erfolge zu erzielen sind. Ich erinnere nur an die Erklärung, die Singer im Namen des Partcivorstandes abgegeben hat und worin es klipp und klar hieß, datz jeder, der uns helfen will, aus dem bürgerlichen Lager uns willkommen ist.(Sehr wahr!) Mit dieser Erklärung Singers ist die Sache für uns er- ledigt. Was wird, das wird sich im Laufe der Wahlrechtsbewcgung zeigen. Dann ist verlangt worden, wir möchten präziser die Mittel angeben, die wir im Kampfe anwenden werden. Ich glaube, wenn wir erklären, datz wjr bereit sind, alle geeigneten Mittel anzuwenden. so mutz das unbedingt genügen. Wie wir sie anwenden, in welcher Gegend, ob über ganz Preußen usw. das sind Fragen, die wir in dem Moment zu entscheiden haben, wo wir sie mit all unserer Kraft zur Anwendung bringen. Das ist ganz selbstverständlich, datz wir in jedem gegebeneu Moment unsere äußerste Kraft an- wenden werden. Wir brauchen kein Reservoir der Kraft, weil wir wie der Riese Antäus durch Berührung mit der Erde, durch die Berührung mit dem Proletariat immer in der Lage sind, suns neue Kräfte zu verschaffen. Ich halte es deswegen auch für ganz falsch, wenn immer wieder gesagt wird, wir haben einen Kampf zu führen, der ein Jahrzehnt oder ein Menschenalter dauern wird. (Sehr richtig!) Was wir noch alles zu tun haben, das wissen wir, aber wir wissen selbstverständlich auch, datz wir nicht warten können, bis wir den letzten Arbeiter aus den Kreisen der Bourgeoisie zu uns herüber gezogen haben. Katzenstein hat ferner an das Ver- antwortlichkeitsgefühl des Parteivorstandes erinnert, und in dem � Zusammenhange dieser Erinnerung hatte es unzweifelhaft den Anschein, als ob dies Verantwortlichkcitsgefühl naturnotwendig dazu drängen müßte, in gewissen Momenten zu bremsen. Meiner Auffassung nach liegt das nicht in dem Verantwortlichkeitsgefühl an sich, sondern der Parteivorstand hat auch ein Verantwortlichkeits- gefühl gegenüber der historischen Mission des Proletariats(Lebh. Beifall), und aus diesem Gefühl heraus wird er selbstverständlich im gegebenen Moment seine Pflicht und Schuldigkeit tun und die Kräfte des Proletariats einsetzen. Ich möchte bei dieser Gelegen- hcit auch einmal daran erinnern, wie die preußische Wahlrechts- bewcgung seinerzeit eingesetzt hat, und wir dürfen uns als sozial- demokratische Partei unzweifelhaft den Ruhmestitel zuerkennen, datz wir die ersten gewesen sind, die die ganze preußische Wahl- rechtsftage so aufgerollt haben, datz endlich in ganz Preutzen sich das gesamte Bürgertum intensiv mit dieser Dreiklassenschmach be- schäftigen mutzte.(Sehr richtig!) Das ist uns gelungen, das kann niemand leugnen, und wenn wir jetzt von neuem in den Wahl- rechtskampf eintreten, so werden wir bis in die letzte Hütte des letzten preutzischen Dorfes hinein diese preußische Wahlrechtsfrage aufrollen. Ich kann Ihnen versichern, daß der Parteivorstand seil Monaten die Vorbereitungen getroffen hat, datz bis in das letzte Dorf hinein das preußische Volk aufgerüttelt wird. Ich betrachte es hier nicht als meine Aufgabe, all die Details aufzuzählen, die dabei in Betracht kommen,— das wäre eine ganz falsche Taktik Sie dürfen zu dem Parteivorstand das Vertrauen haben, datz er nach dieser Richtung hin seine Pflicht und Schuldigkeit getan hat. Ich bin fest überzeugt, wenn wir in der Stimmung, die der heutige Parteitag gezeigt hat, in den Wahlrechtskampf eintreten, so wird es uns gelingen, das Ziel schneller zu erreichen, als wie es mancher von uns heute denkt. ES mutz uns unbedingt gelingen. zu bewirken, datz in der nächsten Zeit überall dort, wo Preußen zu irgendwelchem Zweck zusammenkommen, datz dort die Masse in den Ruf ausbricht: Heraus mit dem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht für Preutzen!(Lebh. Beifall.) Die Diskussion schließt, das Schlußwort erhält Adler-Kiel: Das Sprichwort sagt: Bescheidenheit ist eine Zier. So will ich mir diese Zier denn aneignen und nach der ausgedehnten Debatte mein Schlußwort so kurz wie möglich fassen.(Heiterkeit und Bravo!) Als Referent habe ich aber zunächst die Pflicht, Ihre Aufmerksamkeit noch einmal hinzulenken auf die uns vorgelegte Resolution. Diese Resolution 23 besteht gewissermaßen aus drei Teilen. In dem ersten befolgen wir das alte Lassallesche Rezept, auszusprechen, was ist. Wir erklären, wie die Verhältnisse liegen, wir zeigen mit der Hand in die blutende Wunde hinein, wir zeigen den Dreiklassenwahljammer. Im zweiten Teile erklären wir, in welcher Richtung der Weg zu einem besseren Wahlrecht liegt, und im dritten Teile wird der Appell an die Genossen gerichtet, im ganzen Lande die Arbeit in die Hand zu nehmen. Nach den Er- klärungen des Vertreters des Parteivorstandes genügt es, wenn ich nur auf einen Punkt dieser Resolution noch hinweise. ES heißt in ihr:„Wir Parteigenossen sind verpflichtet, den Kampf gegen das bestehende, elendeste und erbärmlichste aller Wahlsysteme mit allen dem organisierten Proletariat zu Gebote stehenden und zweck- entsprechenden Mitteln zu führen und nicht eher zu ruhen, bis dieses Ziel erreicht ist." Mögen in einzelnen kleinen Fragen Meinungsverschiedenheiten bestehen, so sind wir doch in bezug aus diesen Vorsatz alle einig. Ich komme nun zu den Anträgen, soweit sie sich auf mein Ressort beziehen.— Sie wissen, ich habe den Gegenstand und Arons das Schlachtfeld. Was zunächst den Antrag der Frauen anlangt, so halte ich es mit dem alten Grundsatz:„Komm den Frauen zart entgegen, du gewinnst sie auf mein Wort." Ich habe deshalb nicht gesagt, die Resolution solle nicht angenommen werden, sondern nur gemeint, sie wäre vielleicht nicht ganz möglich. und ich habe dann die Freude gehabt, datz die Frauen auch mir zart entgegengekommen und die Resolution zurückgezogen haben. Das vereinfacht die Sache und mutz auch anerkannt werden. Aber ich will nicht verfehlen, auszusprechen, datz diese Zurückziehung der Resolution, die die Fraucnfrage schärfer in den Vordergrund der Aktion stellt, als es in unserer Resolution geschieht, keineswegs eine Zurückziehung ihrer Forderungen bedeutet.— Die Zurück- ziehung ist lediglich geschehen mit Rücksicht auf die taktische Situation und so legt uns die Debatte die Verpflichtung auf, für ihre Forderung einzutretey. Die Resolutionen, die sich auf die Völker beziehen, die das Unglück haben, in Preutzen eingekeilt zu sein, nehmen wir am besten in folgender Reihenfolge an: Als ersten Absatz die Re- solution Bruhns. als zweiten die Resolution Erfurth, dann zum dritten die Resolution Loebe. Damit haben wir dann eine Er- klärung abgegeben, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lätzt und die den Machthaber» vielleicht ein wenig das Gewissen schärfen wird, angenommen, datz dieser Artikel bei ihnen vor- Händen ist. Trinn zur Debatte: Leinert hat gesagt, ich hätte den Frei- sinnigen zum Vorwurf gemacht, datz sie die Verschlechterung beim § 23 des Einkommensteuergesetzes herbeigeführt hätten und hätte nicht betont, datz die anderen Parteien außer dem Zentrum daran beteiligt waren. Indirekt habe ich das wohl gesagt, denn ich habe detont, datz der freisinnige Antrag angenommen worden ist, datz also die Mehrheit des Abgeordnetenhauses sich zu seinen Mit- schuldigen gemacht hat. Dann warf mir König vor, ich hätte Herrn Brust als Bergarbeitcrvcrtreter bezeichnet. Ich gebe zu, datz mein Ausdruck vielleicht nicht deutlich genug war; das konnte mir jeden- falls nicht einfallen. Ich wollte ihn lediglich als Vertreter der hinter ihm stehenden Bergarbeiter bezeichnen. Genosse Landsberg benutzte dann ein Bild aus der Bibel und meinte, Adlers Posaunenstötze würden bis 1908 nicht das Wahlrecht zu Fall bringen Ich will zu- nächst daran erinnern, datz durch die Posaunenstötze, die Landsberg meinte, die Mauern von Jericho umgestürzt wurden, aber Jericho ist gefallen eigentlich durch einen Kompromitz zwischen den damaligen jüdischen Vorkämpfern und dem alten absolutistischeit Jehova. �Heiterkeit.) Meine Posaunenstötze hatten aber nichts zu tun mit einem Kompromitz mit konservativen Elementen, wie dem alten Jehova oder Eugen Richter(Heiterkeit), sie sollten auch nicht Mauern brechen, sondern einen Heerbann aukrufen, nämlich das organisierte Proletariat. Wenn der groß genug ist, dann bin ich überzeugt, brauchen wir keinen Jehova mehr und erreichen doch das, was uns als Ziel vorschwebt. Wenn die Resolution, die wir Ihnen vorlegen, angenommen wird, so wird sie da draußen ihre eigene Sprache reden. Man wird da draußen und da droben überzeugt sein, datz das, was hier Worte gefunden hat, nachher auch zu Taten führen wird; man wird überzeugt sein, da draußen und da droben, datz die Sozialdemokratie Ernst macht und den begonnenen Kampf durch- sübrt. Wir haben Waffen der verschiedensten Art in unserem Arsenal. Manche sind hier genannt, von anderen haben wir nicht gesprochen. Wenn man durch den Wald geht und man weiß, es ist doch nicht ganz sicher, so steckt man eine Waffe zu sich, aber man zeigt sie nicht dem Wegelagerer. In ähnlicher Situation sind wir bei unserem Wahlrechtskampf. Wenn wir das Schwert zur rechten Stunde gebrauchen, genügt es vollständig. Die deutschen Arbeiter Iverden ihre Waffen anwenden. Sie klagen nicht und jammern nicht, sie bilden eine geschlossene feste Organisation, eine Armee mit mehr Disziplin als die preußische Armee, mit mehr Verstand und Einsicht als die preußische Armee. Das ist eine Armee, mit der man vieles erobern kann, was man mit preußischen Soldaten nicht erobern kaum In diesem Zusammenhange können wir ruhig an das alte Wort von den Arbeiterbataillonen erinnern. Wenn ihr dumpfer Massenschritt ertönt, so wird daS seine Wirkung nicht ver- Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für de» Inseratenteil vcrantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag:BortvärtI . fehlen. Wenn sie auch nicht im Augenblick da ist, so werden wir weiter und weiter marschieren, und Schritt um Schritt im Kampfc vorwärts gehen. Fürst Bismarck hat einmal in geschmackloser Weift von einem Kampf bis zum Weißbluten gesprochen. Ter Kampf den wir führen, der Kampf gegen das Unrecht des Dreiklassenwahl. systems wird auch ein Kampf bis zum Weißbluten sein. Ich hoffe datz diese Beratungen ausklingen in der einstimmigen Annahme ■ der vorgelegten Resolution untrr dem Rufe: Fort mit dem Klassen- unrecht in Preußen!(Lebhafter Beifall.) Als zweiter Referent nimmt Dr. Arons° Berlin das Schlußwort: Mir ist gleich anfangs in der Diskussior von zwei Rednern der Vorwurf gemacht worden, es habe sich dura mein Referat ein pessimistischer Ton gezogen. Davon ist mir nicht- bewußt. Wer meine Natur kennt, wird wissen, daß ich tmrchau-. zum Optimismus neige. Wenn hier vom Pessimismus geredci werden soll, dann scheinen mir diejenigen mehr Pessimisten zu sein die heute schon mit allem Nachdruck darauf hinarbeiten wollen, zr bestimmen, wie wir uns im Jahre 1998 bei den Landtagswahler verhalten sollen, falls das Dreiklassenwahlsystem dann noch zu Rechl bestehen sollte. Ganz besonders war es Genosse Wurm, der aus. drückiich hervorzuheben für nötig hielt, man solle doch nich! trügerische Hoffnungen erwecken. Ich glaube nicht, datz wir da- tun, wir dürfen sehr ernst mit der Möglichkeit rechnen, datz wir im Jahre 1998 nicht mehr nach dem Drciklassenwahlshstem zu wählen haben werden. Dieser Optimismus ist mir nicht erst Heute gc- kommen. Ich habe noch unlängst eine Aufforderung der Buch- Handlung Vorwärts, den kleinen Leitfaden für die Landtagswahlcn neu zu bearbeiten, abaelehnt, weil es mir durchaus nicht wahr- scheinlich sei, datz die'Neuauflage gebraucht werden würde, wenig- stens nicht eine Neuauflage auf Grund des jetzt vorliegenden Gc- setzes, und ich kann zu meiner Freude sagen, datz die Buchhandlung Vorwärts, jedenfalls nach Verständigung mit dem Parteivorstandc, meine Begründung durchaus anerkannt und mir Zeit gelassen hat, bis in mehreren Monaten mchr Klarheit über die Sache ge- schassen ist. Wenn es gewünscht würde, könnte ich ja über die Organisation der Landtagswahlen im Jahre 1998, wenn sie noch nach dem Drei- klassenwahlsisstem vor sich gehen sollten, Ihnen ein Vortrag von zwei Stunden halten. Ich glaube nicht, datz Sie so Vergnügung»- süchtig sein werden. lHeiterkeit.) Es genügt ja auch vollkommen, wenn man auf alle Fälle gerüstet ist. Ich betone noch einmal, wir wollen kämpfen mit aller Energie daraufhin, datz das Reichstags- Wahlrecht in Preutzen bereits eingeführt ist, wenn wir 1998 zur Landtagswahl schreiten müssen. Sollten wir dieses Ziel nicht er- reichen, so wird es Aufgabe der neu zu schaffenden Landeskom- Mission sein, die Taktik für die LandtagSwahlen von 1998 genauer festzustellen. Eins möchte ich aber in, Schlußsatz moch feststellen. Ich glaube in einem sind wir alle einig und ich möchte Ihnen da eine Stelle aus dem Flugblatt vorlesen, das hier verteilt ist und das Ihnen auf Veranlassung des Parteivorstandes zur Verfügung gestellt ist. In diesem Flugblatt ist der Gedanke auch ausgeführt, der vielfach in den Reden wicdergeklungen ist und den Genosse König in besonders schönen Worten vorgetragen und vertreten hat. Es heißt dort: „Die Einführung des RcichstagAvahlrcchts für Preutzen ist nicht einmal eine besondere sozialdemokratische Forderung: schon seit Jahren baben die Freisinnigen und die Zentrumspartei dahingehende Anträge im preutzischen Landtage gestellt. Aber setzt, wo das entschlossene Eintreten der Sozialdemokratie die Möglichkeit der Erfüllung in greifbare Nähe rückt, wo wirklich freisinnige Männer ein« Volksbewegung großen Stils gegen den Hauptherd der Reaktion in ganz Deutschland gegen das elende preußische Wahlsystem fordern, üben jene Parteien scheue Zu- cückhaltung, erklären sie, die Sache nur im Landtage selbst führen, sich mit kleinen Reformen zufrieden geben zu wollen. Das ist Verrat an den Arbeitern! Verrat vor allen Dingen auch an den Arbeitern, die heute noch dem Freisinn, dem Zentrum folgen' Und hier, sozialdemokratische Arbeiter liegt Eure nächste, größte Aufgabe! Unaufhörlich habt Ihr Eure Klassengenossen in anderen politischen Lagern aufzuklären über diesen Verrat, habt sie hin- zuweisen auf die große Bedeutung des preutzischen Landtages, habt sie hinzuweisen auf die empörende Ungerechtigkeit, datz man sie von diesem Landtage ausschließt, indem man sie mit dem Reichstagswahlrecht für abgespeist erklärt! Immer, wieder Hab: Ihr ihnen auseinanderzusetzen, wie unwürdig es ist, daß man sie zwar zum Reichstage gleichberechtigt wählen läßt, sie aber bei der Landtagswahl als unmündig mit einem Scheinwahlrccht für befriedigt erklärt. Beschränkt Eure politische Agitation in Preutzen für den Augenblick darauf. Eure Klassengenossen zum Kampf um das Reichstagswahlrecht für den preutzischen Landtag scharf zu machen, damit die freisinnigen Parteien� und das Zentrum gezwungen werden, auch ihrerseits in den offenen und ehrlichen Kampf einzutreten." Wenn diese Agitation von Mund zu Mund, und ich halte sie für die allerwichtigste, einsetzt, dann werden wir auch an die Kreise herankommen, von denen vorhin gesagt worden ist, datz sie für unsere Versammlungen, unsere Presse vorläufig nicht zugänglich sind. Ich erinnere Sie daran, datz die Arbeiter in den Jndustriegegenden oft stundenweite Wege vom Lande bis zu ihrer Arbeitsstätte zu machen haben. Sie werden zugeben, datz bei diesa Agitation an der Baustelle, in der Fabrik, in der Werkstätte, die Idee des Kampfes gegen das Dreiklassenwahlsystem weit hinaus getragen wird auch in die ländlichen Bezirke, wo diese Arbeiter wohnen, vor allem auch in der Sprache, die verstanden wird. Auch der beste Agitator kann nicht agitatorisch wirken, wie jene be- rufenen Agitatoren, die Leute, die engste Fühlung mit dem Pro- letariat haben und nun in die ländlichen Gegenden hinauskommen Ich darf wohl konstatieren, datz wir einig darin sind, datz hierein Hauptpunkt der Agitation liegt, und datz wir von dieser Agitation, wenn sie von allen Parteigenossen draußen auf den: Lande befolgt wird, große Erfolge erhoffen dürfen. Damit schließe ich mein Schlußwort und bitte Sie die Anträge über die Art der Wahlbeteiligung der neu zu bildenden Landeskommission alt Material zu überweisen.(Lebhafter Beifall.) Rauch- Limmer m persönlicher Bemerkung: Es ist nicht wahr, wie Wurm ausführte, datz ich schon bei den allgemeinen Urwablen ein Zusammen- gehen mit einer bürgerlichen Partei empfohlen hatte, und auch nicht wahr, datz ich mich über die Resolution Bebel gefreut habe. Ich habe nur gesagt, datz, wenn die Hildesheimer wirklich wollten. was in dem Wortlaut des Antrags zum Ausdruck kommt, sie sich in der vorzüglichen Gesellschaft des Genossen Bebel befänden. Drittens ist es unrichtig, wenn Wurm ausführte, datz die bezeichnete Stelle in der„Neuen Zeit" sich nur gegen die Erschleichnng von Mandaten wende. Die betreffende Stelle lautet:„Es sei wohl an der Zeit, wenn dem grausamen Spiel und der ganz unnötige» Kraft- und Zeitverschwcndung, die mit der Beteiligung der Sozial- demokratie an den Landtagswahlen betrieben wird, endlich ein Ziel gesetzt würde.(Hört! Hört!) Der Preußentag, der am Ende des Monats zusammentritt, würde sich ein Verdienst erwerben. wenn er mit einer Utopie aufräumen wollte, die alles andere als eine revolutionäre Utopie ist!" Das ist ein Knüppel, der nicht nur in Hildcsheim, sondern allgemein uns in der Agitation zwischen die Beine geworfen wird!(Sehr richtig!)— Den Hildesheimer Antrag ziehe ich zurück. Möge der Parteivorstand und die Landes- kommission zur gegebenen Zeit das Richtige treffen. In der Abstimmung wird hierauf die Resolution Arons-AMtr einstimmig angenommen. Ebenso der Antrag AronS, die An- träge 12 und 14 der zu bildenden Landeskommission zu überweisen. Gleichfalls angenommen wird die Resolution 29 mit den Amende- mentö 22 und 24. Leinert-Hannover teilt mit, datz in Zeitz vier sozialdemokratische Gemeindeverordnete gewählt sind.(Bravo!) Hierauf werden die Verhandlungen auf Sonnabend vertagt. Schluh 7 Uhr. Buchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. |t. 274. 24. Z-hlMS. 4. mm � ,|0nilirt9" lloiiioilllltt S«'mbt«d.2z.SM«I>ttM7. Eine Flngblattverbreitnng findet Sonntag, den 34. November, über Groß-Berlin statt. Zahlreiche Beteiligung der Genossen ist erforderlich! Partei- Hngelccfenbeitcn. Zur Lokalliste. Der Theaterverein„A s s r a" veranstaltet am Sonntag, den 24. d. M., im Restaurant..O st b a h n ho f" ein Vergnügen. Da man versucht, hierzu Billetts hauptsächlich in Ar- bciterkreisen abzusetzen, weisen wir darauf bin, daß obiges Lokal der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung steht und ersuchen, dies zu brachten. Tie Lokalkommission. Wilmersdorf. Die am Dienstag, den 2S. d. M.. fällige Monats- Versammlung des WahlvcreinS fällt aus, an deren Stelle findet in, Luisenpark eine Protestversammlung gegen das preußisch« Drei- klosienwahlrecht statt Hier wird am Sonntag früh eine Flug- blatt verbreitet. Es ist unbedingt notwendig, dag sich die Genossen vollzählig einfinden. Kleiwzeitig wird noch die Wahlvereinsbibliothek den Genosien zur fleihigen Benutzung empfohlen. Dieselbe ist in» Luisenpark. BücherauSgabe findet jeden Sonnabend von 8 bis 10 Uhr statt Friedenau. Die Flugblattverbreitung findet cm Sonntag früh auch für unseren Ort statt Die Genofien wollen sich pünktlich und Vollzählig an den bekannten Stellen einfinden. Der Vorstand. Steglitz. Sonntag, früh 8 Uhr: Flugblattverbreiwng in allen Bezirken. Material für die Bezirkssührer bei LSahrendorf. Vorwärts, Genosien, an die Arbeit I Zrhlendorf. Am Sonntag früh findet von'/z8 Uhr an eine Flugblalwerbeituna zu der Protcstversammlung am Dienstag, den 28. d. ätt, statt. Die Genossen des ersten Bezirks versainmeln sich bei Wilh. Mieck. Karlstr. 12: die des zlveiten bei Berger. Haupt- und Sckiarfrstraben-Elke; die deS dritten bei Mickley, Potsdamer- strotze 23: und die des vierten im bekannten Lokal in Schlachsensee. Die Bezirksführer empfangen ihr Material am Sonnabend bei B. Mickley, Potsdamerstr. 25. RummelSburg.»m Sonntag, den 24. November, früh 8 Uhr. findet von den bekannten Lokalen aus eine Flugblattverbreiwng über ganz RummelSburg statt Zahlreiche Beteiligung ist äutzcrst not- - wendig. Der Vorstand. Stralau. Sonntag, den 24. November, morgens 3 Uhr. findet ein« Flugblattverbreitung statt. Di« Genossen wollen sich ein- finden im 1. Bezirk bei SchöpS. Alt-Stralau 17, 2. Bezirk bei Schmidt. Markgrafendamm KZ. Der Vorstand. Treptow-Baumschulenwcg. Am Sonntag findet auch in unserem Ort die Flugblattverbreitung statt und ersuchen wir alle Genosien, pünktlich auf dem Posten zu sein. Der Borstand. Johannisthal. Morgen, Sonntag früh 8 Uhr. findet von Abert Gobin. Roonstr. 2, aus eine Flugblattverbreitung statt. Die Parteigenosien sind verpflichtet, vollzählig zu erscheinen. Der Vorstand. Odersmtzueweide. Zu der Flugdlattverb reitung am Sonntag wollen sich die Parteigenosien vollzählig in den Bezirkslokalen ein. finden. Der Vorstand. Erkner. Sonntag, den 24. November, findet eine Flugblatt- Verbreitung statt. Die Genossen werden dringend ersucht, sich voll- zählig daran zu beteiligen. Die Einteilung erfolgt Sonntag früh YzS Uhr bei Tcgebrodt. Ter Vorstand. Grünau. Zu der Protestversammlung am Dienstag im Jäger- haus findet am morgigen Sonntag, früh 8 Uhr. eine Flugblatt- Verbreitung statt. Treffpunkt bei F r a n z.„Zur grünen Ecke". Der Aorstand. Pankow. Die Flugblatwerbreitung am Sonntag findet um V Uhr von den bekannten Stellen au« statt Ausgabe der Flug- blätier am Sonnabendabend bei Abendroth. Der Vorstand. Reinickendorf- Ost. Am Sonntag früh 8 Uhr findet Flugblatt- Verbreitung im l. Bezirk von der Genossenschafrsbäckerei, AZilkestr. 62. 2 Bezirk von Hermann, Resideiizstratze. Ecke Holländersttatze. 8. Bezirk von Bolien, Seestrahc. Ecke GesellschaflSstratze. 4. Bezirk von Botz, Grüner Weg. Ecke Äamelestratze, 5. Bezirk von Schiller, Provmz- strotze 79, und im 6. Bezirk von Brückner. Provinzstr. 79, aus statt. Genossen I Es ist Eure Pflicht. Euch an dieser Arbeit recht zahlreich zu beteiligen!. Der Vorstand. Waidmannslust. Am Sonntag, den 24. November, früh 8 Uhr. findet Flugblatwerbreitung von folgenden Stellen aus statt: Wittenau. Restaurant Schulze. Hauptstratze; BorsiMvalde. Nestau- rant Reuter: Waidmanoslust, Restaurant Schwelzerhauöchcn: Hermsdorf. Restaurant Forsthaus: Hohen Ncuendorf. Wilhelm Tcnt scher. Berlinerstr.(,.Vorwäets"-Spcditioni. Dre Genossen find verpflichtet, vollzählig zu erscheinen, speziell die Genosien von Hermsdorf. Der Vorstand. Wilhelmsruh. Morgen. Sonntag, den 24. November, vormit- tagö 10 Uhr. findet im Lokal von Pätsch. Kronprinzenstr. 2. die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Der wichtigen Tages- ordnung wegen ist eS Pflicht eines jeden Mitgliedes zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert Ter Vorstand. Rawawes. Am morgigen Sonntag findet eine Flugblattver- brcitung statt. Ehrenpflicht eines jeden Wahlvcrcinsmitgliedcs ist cd. sich an derselben zu beteiligen. Treffpunkt 8 Uhr bei Gruht Das Einkassieren der Beiträge für den Wahlvcrcin findet vorimttags von 9 bis 12 Uhr in folgenden Lokalen statt: 1. Bezirk: Otto Hiemke, Wallstr. 55; 2. Bezirk: Karl Grubt. Priestcrstr. 69; 8. Bezirk: Ludwig Richter, Grotz-Beerenstr. 59. Dort werden auch neue Mitglieder aufgenomnien. Ter Vorstand. jSerUuer JSacbncbtcn« Von den Berliner Posibauten, für die im neuen ReichshauS- halt zum ersten Male Mittel verlangt werden, wird eins das Jnter- esse des ganzen Reiches beanspruchen, der Bau eines neuen protzen Postamtes mitten im Fremdenviertel der Friedrichstadt Auf den Grundstücken Französifchcstr. 9— 12 und Jagerstr. 07/68 wird ein durchgehendes Dienstgebäude errichtet. Das künftige Postamt soll nicht"weniger als drei bisherige Acmter in sich vereinigen: daS Amt 8 in der Taubenftraße. 49 in der Bebrenstratze und<>4 Unter den Linden. Die Bedeutung des Amtes wird auch dadurch getenn- zeichnet und noch verstärkt, daß die geplante große Rohrpost zur I Verbindung zwischen dem Briefpostamt und dem Potsdamer Bahn- «'Hof über das neue Amt in der Französischenstrahe geführt werden soll. Dieses würde eine Station dieser unterirdischen Anlage für die elektrische Beförderung gewöhnlicher Postsendungen bilden. Einen neuen Poftbahnhof soll ferner Berlin zwischen dem Anhalter und dem Potsdamer Bahnhof für diese beiden Bahnhöfe erhalten. Von den Vororten erhält, wie berichtet. Eharlottenburg ein neues Postdienstgebäude. Dasselbe ist für das Postamt 1 bestimmt, dessen Räume aus den Zeiten des Landstädtchens stammen und nicht mehr den Anforderungen der Biertclmillionenftadt entsprechen. Das Tunnclprojekt der Großen Berliner Straßenbahn wird in der„Zeitg. des Ber. D. Eisenbahn-Verw." in einem von Prof. Caucr geschriebenen Artikel kritisiert. Es wird in demselben daraus hingewiesen, daß Glcisverzweigungen, wie sie das Berliner Projekt Vorsicht, bei den amerikanischen Anlagen, die Regierungsrat Äcmmann studiert hat, grundsätzlich vermieden sind. Schon im oberirdischen Betriebe bildet jede Verzweigung eine Betriebs- erschwernis und Gefahrenquelle; sie könne nur langsam befahren werden und durch falsche Weichenstcllung usw. seien Entgleisungen und Zusammenstötze zu befürchten, was erfahrungsgemätz ausgedehnte Aufstauungen der Wagen herbeiführe. Im Tunnelbetricbe wüchsen diese Ucbelstände autzerordentlich, weil dort mit grösserer Geschwindigkeit gerechnet werde und die Tunnelstrecken stark be° lastet seien. Die Gefahr von Zusammenstötzen bei zusammen- laufenden Gleisen wäre, selbst bei guter Beleuchtung, größer, weil man im Tunnel die Entfernungen schwerer abschätzen könne und die aus verschiedenen Tunneln hervorschietzenden Wagen sich erst im letzten Augenblick gegenseitig sehen könnten. Jede Betriebs- störung im Tunnel sei deshalb besonders nachteilig, weil hier eine gröhcre Zahl von Wagen zur Aufstauung gebracht werde und die Insassen den Wagen nicht an beliebiger Stelle verlassen könnten. Eanncr bekämpft die viergleisige Anordnung des Leipziger Stratzentunnels. der weniger leistungsfähig sei als eine durchweg zweigleisige Strecke. Zu den Beranfialtungen deS Goetheverei»?, die allsonntäglich um 4 und um 8 Uhr im Gebäude der Sezession, Kurfürstendamm 208/9 stattfinden, stehen den Gewerkschaften ermäßigte Eintrittskarten (26 Pf. statt 60 Pf.) zur Versüguna. Dieselbe» können im G e- werkschaftShause(Zigarrengeschäft von Harsch) gegen Bor- zeigung des Mitgliedsbuches in Empfang genommen werden. Am kommenden Sonntag ist folgendes vorgesehen: Rachmittag»: Vortrag von.Heinrich Reben-Sbnrg: DaS bergische Land. Abends: Heinrich v. Kleist. Einleitende Worte: Dr. Monty Jacobs. Rezitation: Ludwig Hartau. Der Polizeipräsident erlätzt folgende Bekanntmachung: Es wird hiermit erneut bekannt gemacht, daß für den Ortspolizeibezirk Berlin die Bestimmungen des§ IMc der Gewerbeordnung über die den Gehülfen, Lehrlingen und Arbeitern in offenen.Verkaufs- stellen und den dazu gehörigen Schreibstuben(Kontoren) und Lagerräumen zu gewährende Mindrstruhe und Mittagspause nach der Bekanntmachung vom 6. Dezember IVOS für folgende Tage außer Anwendung gesetzt find: 1. Bei den Händlern mit Blumen für den 22., 23., 30. Ro- dember; 7.. 14., 21. und 30. Dezember 1907. 2. Bei den Händlern mit Spielwaren für den 29. und 30. No- vember; 2. bis 7.. 9. bis 14., 16. bis 21. und 23. Dezemk'er 1907. 3. Bei den Buchhändlern für den 6. und 7.. 9. bis 14., 18. bis LI. und 23. Dezember 1907. 4. Bei allen übrigen offenen BerkaufSstellen für den 23. November: 13 und 14.. 16. bis 21., 23. und 30. Dezember 1007. An den unter Nr. 4 genannten Tagen dürfen alle offenen Berkaufsstellen(einschliesslich der oben zu 1 bis 3 genannten Gc- werbetreibenden) für den geschäftlichen Verkehr bis 18 Uhr abends geöffnet sein._ Eine Abänderung der Hundcsteueroidnung hat der Magisttat von Berlin beschlossen. Der Stadtverordneten- Bersammlnng wird eine ausführliche Vorlage über dies« Aenderung zugchen. Eine Erhöhung der bestehenden Hnndelteuer von 20 M. ioll mit der Aenderung nicht verbunden sein. Nur sollen in Zu- kunft die jungen Hunde von zwei Monaten, statt wie bisher erst im Alter von drei Monaten, versteuert worden. Die in halb- jährigen Raten von 10 M. zu cnttichtcndc Steuer wird bei Beginn des SteucrhalbjahreS am 1.4. oder 1. 10. oder bei Eintritt der Stcuerpflicht fällig. Die volle halbjährliche Steuer ist auch dann z>t entrichten, wenn eilt Hund innerhalb eines Halbjahres an- oder abgeschafft wird, in Verlust gerät oder stirbt, ebenso, wenn er erst im Laufe eines Halbjahres daö steuerpflichtige Alter erreicht Zur- zeit iverden in Berlin rund 33000 Hunde versteuert. Hierzu kommen die nicht steuerpflichtigen Hunde des Hofes, der Gesandten und die Zieh- und Wachhunde, deren Zahl annähernd 2000 beträgt. Berliner Zoologie. DaS Opfer eines Spaßvogels ist der.Lokal- Anz/' geivocden. In einem sehr netten Feuilleton über„BarmunS Ende" stellt J. Lorm fest:»Dir besitze» in Deutschland und ganz speziell inBerlin so viele kurioie Raubtiere, so viele Büffel. Paviane. Kamele und so viele Rhinozerosse, dah man uns aus diesem Gebiete kaum noch imponieren kann," Was iverden die intelligenteren Leser deö erstklassig unterichtcten Blattes zu dieser zoologischen Einreihung sagen? Oder merken sie so wenig wie die Redakteure des.Lok.-Anz.". toen I. Lorm mit dieser übertraaenen Bezeichnung gemeint hat? Die toirklichen Büffel und Kamele können es übrigens keineswegs in dem Mangel an ge- wissen Eigenschaften mit den Leser» gewisser Blätter aufnehmen. Großschiffahrtsweg Berlin— Stettin. Für den Teil des Großschiffahrtsweges, der unter der Bezcich- nung Wasserstraße Berlin— Hohensaatbe» durch das dem Regie- rungspräfidenten in Potsdam unterstellten königlichen Hauptbau- amt in Potsdam hergestellt wird, sind die Streckenpläne teils fertig. teils soiveit bearbeitet, daß ihre Fertigstellung im Lause dieses Winters zu erwarten ist. Mit der Banausführung ist bereits an drei Stellen begonnen, an dem Durchstich bei Saatwinkel, durch den das Ende des Spandauer Schiffahrtkanals zwischen Haselhorst und Saatwinkel verlegt wird, an dem Bau der Zitadellenfreiarche in Spandau, welche eine bessere Hochwasferabführung im Interesse der Havelwiescn oberhalb Spandail ermögliche» soll, und an dem Bau eines Durchlasses für das Ragöser Flictz, dessen sich zwischen Eberswaldc und Chorin Iiinziehendes Tal in breiter Dammschüttung von dem Großschiffahrtsweg überschritten wird. Tie Wasserstraße Berlin— Hobensaatt�c» wird begrenzt im Osten durch die neu zu erbauenden Schleusen Hohensäathen an der Oder und im Westen durch die Schleusen Plötzenscc und Spandau. In Hohensaathcn und Plötzensee werden je zwei neue Schleusen für 600 Tonncnkühnc erbaut. Von den beiden Hohensaathcnec Schleusen, die voraussichtlich als Schleppzugschleusen ausgebildet und in der Nähe des dortigen Wehres erbaut werden, soll die eine die Verbindung mit der freien Oder(Ostodcr), die andere die» jenigc mit dem als Schiffahrtsstraße auszubauenden Vorfluter deS Odcrbruchs(Westoder) herstellen. Die beiden� Plötzcnsecschlcusen werden westlich der jetzigen Schleusen im �pandauer>schiffahrtslanal als einfache Schleusen für je einen 600 Tonncnkahn oder zwei Finowkähne ausgebaut. In Spandau wird neben der alten Schleuse, die erhalten bleibt, eine neue Schleuse und eine Freiarche bergestellt. Zwischen den obengenannten drei Schleuscnstellen wird die neue Wasser- straße in drei Haltungen hergestellt, einer Havclhaltung von Spandau und Plötzensce bis zur Lehnitzschlcuse bei Oranienburg, einer mittleren, ziemlich 6 Meter über der Havclhaltung liegenden Schcitelhaltung, die den Malzer Kanal und den Finowkanal unter- halb Zerpenschlcuse in deren jetziger Wasserspiegelhöhe mitbenutzt und kreuzt und östlich bis zum sogenannten Abstieg bei Liepe reicht, und einer Lderhaltung von diesem Abstieg bis Hohensaathcn. Die Lehnitzschlcuse erhält eine solche Länge und Breite, daß entweder ein 600 Tonnenkahn oder gleichzeitig vier Finowkähne in ihr Platz finde». Der Höhenunterschied zwischen der Oderhaltung und der Scheitelhaltung beträgt am Liepcr Abstieg 36 Meter. Nach der Denkschrift des Wasserstreckengesetzes vom 1. April 1906 ist an dieser Stelle zur Beförderung der 600 Tonnenschiffe eine Schleusen- treppe vorzusehen und außerdem die Entscheidung vorbehalten, ob neben dieser Schleusentreppe eine geeignete Ebene, ein Hebewerk oder eine zweite Schleusentreppe zu erbauen ist. Namhafte indu- stricllc Firmen haben Entwürfe für geeignete Ebenen und Hebe- werke eingereicht, in denen zum Teil neue Gedanken für die Lösung dieser schwierigen technischen Frage entwickelt sind. Tie Entschci- dung über diese Entwürfe ist einstweilen dahin getroffen, daß zu- nächst uur eine Schleusentreppe zu erbauen ist, tvelche dem zu er- ivartcnden AnfangSverkeyr des Großschiffahrtsweges genügen wird, und daß die nach der Denkschrift des Gesetzes zutreffende weitere Entscheidung noch eingehenden technischen Untersuchungen vorbe- halten bleibt. Tie Schleusentreppe wird voraussichtlich aus vier oder fünf Schleusen bestehen. In industriellen und landwirtschaftlichen Kreisen des Kanal- gebieteö war die Befürchtung laut geworden, daß die Arbeiter ihre Arbeitsstellen verlassen würden, um den Versuch zu machen, an dem Kanalbau lohnende Beschäftigung zu finden. Da vorauszusehen ist, daß vo» diesen Bewerbern nur ein kleiner Bruchteil bei der Kanalarbcit verwendet werden können, während die überwiegende Masse brotlos geworden wäre, ist zur Verhinderung einer entbehr- lichcn Beunruhigung bestimmt worden, daß aus einem Umkreise von 26 Kilometer seitwärts der Kanallinie Bewerber zur Kanal- arbeit im allgemeinen nicht eingestellt werden dürfen.(Diese Bc- stimmung und die Begründung hierzu ist ganz uiwerständlich. Die Redoktion.) � Ilm Arbeitslosen in größerem Umfange Gelegenheit zur Be» schäftigung bei dem Kanalbau zu verschaffen, ist in Aussicht ge- nomine», die Verinittclung des Zentralarbeitönacissveises in An- spruch zu nehmen, der für diesen Zweck eine besondere Geschäfts- stelle in Berlin eingerichtet hat. Auf die Gefahren der Kokskörbe wird in folgender Bekannt» machung der Polizei aufmerksam gemacht: Scbon früher ist auf die erheblichen Nachteile und Gefahren hingewiesen worden, welche durch die Benutzung von Kokskörben zum Zwecke der rascheren AuS- trocknung von Neubauten für die Gesundheit der Bauarbeiter her» beigeführt werden. Während der Wiinerzeit pflegen solche Koks- körbe auch vielfach zum Auftauen eingefrorener WasserleitungS- und Adflußröhren sowie bei sonstigen Arbeiten benutzt zu werden. EL sind dabei mehrfach Unglücksfälle(Betäubungen), ja selbst Todesfälle vorgekoininen, die auf die den Kokskörben entströmenden gistigen Gase zurückzuführe» sind. Tag beteiligte Publikum wird deshalb auf die gesundheitlichen Gefahren der Verwendung von brennenden Kokskörben bei einem Auftauen von Röhren oder bei sonstigen Arbeiten warnend aufmerksam gemacht. Eine Gasexplosion, bei der mehrere Personen lebensgefährlich verletzt worden und von einer Ausdehnung, wie sie in Berlin kaum vorgekommen ist, verursachte gestern früh um 8fij Uhr eine unbeschreibliche Aufregung im Zentrum von Berlin. Das Hotel Krebs in der Niederwall- straße 11. das Eigentum der katholischen St HedlvigSkirche ist. lvar der Schauplatz der Explosion, die lebhaft an die Gasexplosion vor 10 Jahren in der Jagowftratze erinnert. lieber die Katastrophe wird uns berichtet: Von einer ge-i wältigen Gasexplosion ist gestern früh das Hotel Krebs, Nieder» w�llstraße 11, betroffen worden. Im Erdgeschoß des linken Seiten» flugelö befindet sich eine sogenannte SelaS-GaSlicht-Anlage. Dem gewöhnlichen Gase wird mittels hohen Druckes sogenannte Preß- luft zugeführt uiii> damit ein besseres Licht, unter gleichzeitiger Ersparnis von Gas, erzeugt. In diesem Räume, der durch eiue feste eiserne Tür abgeschlossen war. soll der Herd der Explosion gelegen haben. Nach den Angaben der zlvei schwer verletzten Hausdiener Anton Heinrich und Paul P o l e y n, die nach 8 Uhr diesen Raum betraten, bemerkten sie beim Betreten desselben einen starken Gasgeruch. Statt nun zu lüften, begab sich einer nach dem Gashahn, um Licht anzuzünden. Als er ein Streichholz an- steckte, erfolgte die Erplosion. Das neu erbaute schöne Hotel er- schüttelte in seinen Grundfesten. Sämtliche Fensterscheiben des Hotels nach dem Hofe zu und aller angrenzenden Nachbarhäuser wurden bis auf wenige im 4. Stock.total zertrümmert. In den Klassen der Friedrich-Werderschen Ober-Realschule stürzten Gegen- stände um, die Schüler wurden von ihren Plätzen gehoben. Im Vorderhause wurden Wände eingedrückt. In dem Blumengeschäft von Robert Brosowski stürzte eine Zwischenwand auf den Inhaber und begrub ihn. Die Frau erlitt Schnittwunden an den Händen dnrch die herumfliegenden Glassplitter. Die Scheibe des großen Schaufensters war in tausend Stücke auf die Straße geflogen, wodurch mehrere Straßenpassanten leichte Verletzungen erlitten haben sollen. Die Kinder des Inhabers, der Verletzungen am Kopf erhalten hatte, kamen mit dem Schrecken davon. Sie waren in ihren Betten von Staub und Kalk überschüttet worden. Tunnel der dort lm Bau Gegriffenen Untergrundbahn war ein Arbeiter infolge der Erschütterung vom Gerüst gestürzt, hatte aber keine Bcsdhädigungen crliiten. Der Tunnel ist, wie eine sofortige Untersuchung ergab, nicht beschädigt worden. Tagegen hat das Hotel Krebs ganz enorm gelitten. Die massiven Gewölbe im Erd- geschoß sind in großer Ausdehnung wegrasicrt, Träger von LS Zentimeter Stärke sind verbogen, mehrere aus den Ver- ankcrungen gerissen, einer stand mit der einen Seite nach oben und ein anderer war krumm wie ein Violinbogen. Die Wände zeigten überall große Sprünge; Beschädigungen an Türen, der Einrichtung und den Fußböden waren überall wahrzunehmen. Wohin sich der Blick richtete, überall fiel er auf ein Werk der Zer- störung. Als die Hausbewohner sich von dem ersten Schrecken er- holt hatten, stürzten sie zu der Unfallstelle und holten zunächst � die Hausdiener Poleyn und Heinrich, die b e w u tz st l o s waren, heraus. Als beide auf die Straße getragen wurden, erschien schon die Feuerwehr. Diese schaffte beide sofort nach der Charitc. Die Verunglückten sahen schrecklich aus. Dem Hausdiener Heinrich was das Gesicht und alles Haar verbrannt. Die Kleider hingen ihm vom Leibe. In der Charite stellte man schwere Verletzungen im Gesicht, des Rumpfes und beider Augen fest. Er sowohl wie sein Kollege Poleyn waren nicht vernehmungsfähig. Poleyn hatte außer äußeren Verletzungen einen Bluterguß ins rechte Auge er- litten. die Sehkraft der Augen beider, die nicht verheiratet sind, gerettet werden kann, konnte noch nicht angegeben werden. Die Niederwallstraße mußte für jeden Verkehr abgesperrt werden. Die Feuerwehr hatte bis Mittag mit der Aufräumung zu tun. Der Schutt bedeckte den Hof in seiner ganzen Ausdehnung. Die Explosion zeigt wieder einmal, daß bei einer Wahrnehmung von Gasgeruch gar nicht vorsichtig genug verfahren werden kann. Die Ursache der G a s e x p l o s i o n soll nach Ansicht von Sach- verständigen, die mit den Angaben der Verletzten übereinstimmen, einmal in der Fahrlässigkeit der beiden Hausdiener bestehen, die in ihrem Unverstand das Gas zur Explosion brachten, das sich dort in großen Mengen angesammelt hatte, und dann ferner in dem Bruch eines Gasrohres. Dieser Bruch ist nicht bemerkt worden. Das Gas, welches von der„Englischen Gasgesellschaft" geliefert wird, ist unbemerkt aus dieser Bruchstelle ausgeströmt, hat den Raum, besonders in seinen oberen Schichten, gefüllt und ist zur Ex- plosion gekommen, als die Hausdiener ein Streichholz anzündeten. Es muß noch als ein ganz besonderes Glück bezeichnet werden, daß die Explosion früh morgens erfolgte, als das Hotel, tvelcbes regel- mähig des Abends viele Gäste beherbergt, in diesem Teile des Hauses unbesetzt war, denn gerade die Gastzimmer sind voll- st ä n d i g demoliert. Beim Verlassen eines in der Fahrt befindlichen Straßenbahn- Wagens ist vorgestern nachmittag eine unbekannte, etwa SOjährige Frau schwer zu Schaden gekommen. Sie wollte am Leipziger Platz am Torgebäude einen von ihr benutzten Straßenbahnwagen der Linie 60 verlassen, nachdem sich der Wagen von der Haltestelle aus bereits in Bewegung gesetzt hatte. Tie Frau glitt aus und fiel so unglücklich, daß sie eine schwere Gehirnerschütterung, einen Bruch Swk>4 y f-•» f f Vs 4" i v m Vv» i r vt.•* rtvftti1 1 fraucnvercine wendet. Am ist. November fand im„Feen-Palast" eine Versammlung sämtlicher Berliner„christlichen" Jünglings- vereine statt. Obgleich sie als eine öffentliche Werbcversammlung veranstaltet war, gewährten die„christlichen" Pastoren keine freie Aussprache. Als der Vorsitzende der Freien Jugendorganisation sich das Wort erbat, wurde er mit seinen Kollegen hinausgeworfen. Gegen diese brutale Unterdrückung der Redefreiheit finden am Sonntag, den 24. November, nachmittags 2 Uhr, im„.Kastanien- w ä ld che n"(Dl. Ballschmicderi, Badstraße 16 und im„H o f- jägerpalast", Hasenheidc 53-54. zwei große öffentliche Versammlungen statt, mit der Tagesordnung: 1.„Die lichtscheuen christlichen Jünglingsvereine". Referenten Fritz M a f ch k e und Max Peters. 2. Freie Aussprache. An die arbeitende Jugend und die organisierte Arbeiterschaft Berlins er- gebt das Ersuchen, in diesen Versammlungen zahlreich zu er- scheinen und für guten Besuch zu agitieren, damit sie zu einer machtvollen Kundgebung gegen die arbeiterfeindlichen„christlichen" Jünglingsvereine werden t des linken Oberarmes und eine klaffende Stirnwunde erlitt. Die Verunglückte erhielt aus der Rettungswache in der Mauerstraßc die erste Hülfe und wurde dann nach der Charite übergeführt. Bon einer Brücke abgestürzt. Ein schwerer Bauunfall ereignete sich gestern nachmittag am Südufer bei dem Bäu der Eisenbahnnot- brücke für den Nordring. Der 42 Jahre alte Zimmermann Hans Schmidt aus Borgsdors bei Birkenwerdcr befand sich auf der Rüstung der Brücke und wollte in einen Balken ein Loch bohren, wobei Sch. das Gleichgewicht verlor und aus einer Höhe von 5 Metern auf den Straßendamm herunterstürzte. Der Verunglückte wurde durch Arbeitskollegen nach der Unfallstation in ber| Lindowerstraße gebracht, woselbst der anwesende Arzt dem Sch. Notverbände anlegte. Der Zimmermann hatte einen doppelten Bruch des linken Unterarmes, einen einfachen Bruch des rechten Unterarmes, eine starke Ouctschiiiig des Hinterkopfes, Bruch des Nasenbeines und Verletzungen des Unter- kieferS erlitten. Er mußte mittels Transportwagens nach dem Krankenhause Moabit übergeführt werden. Ein Kindesmord liegt anscheinend einem Leichenfund zugrunde. der auf dem Michaclkirchplah gemacht wurde. In dem Strauchwerk der Anlagen entdeckte ein Wächter ein Bündel, das den Leichnam eines neugeborenen Kindes enthielt. Die Leiche wurde nach dem Schauhaus gebracht, damit dort durch die Obduktion festgestellt werde, ob der Säugling eine» natürlichen oder gewaltsamen Todes gestorben ist. Der erste Schnee hat sich gestern in der zehnten Vormittags- stunde in Groß-Berlin eingestellt. Aus den grauen Wolken, die den ganzen Himmel bedeckten, rieselten langsam dünne Flöckcheu herab. Aus Anlaß beS Totenfestes am Sonntag, den 24. November, sind für den Dtadtbahnbetrieb besondere Maßnahmen gcrroffen, um dem zu erwartenden Massenverkehr Rechnung zu tragen. Im Halbringbctriebe tritt der Sonntagsfahrplan in Kraft, der durch besondere Einsa�züge Stadtbahn— Rixdorf resp. Wilmersdorf ver- stärkt wird. Außerdem werden für den besonderen Kirchhofsverkchr acht Vollringzüge eingelegt, die von Westend in der Richtung Jungfernheide— Rummelsburg— Nixdorf um 11.15, 11.45, 12.15 und 12.45 Uhr; in der Richtung Rixdorf— Weißensee— Wedding um 11.17, 11.47, 12.17 und 12.47 Uhr mittags abgelassen iverdcn. Auch im Straßenbahnbetricbe wird ein besonderer Kirchhofs- berkehr eingerichtet. Aui der städtischen Straßenbahnstrcke Mittel- straßc— Pankow werden die Züge mit zwei Anhängern verkehren, außerdem werden Einsatzzügc zwischen Garten- resp. Invaliden- straße und Gesundbrunnen verkehren.— Die Große Berliner Straßenbahn wird ihren gesamten Wagenpark in Betrieb nehmen. Ein besonders starker Einsatzvcrkehr ist zu den Kirchhöfen nach Plötzensee, Müllerstraße, Weißensee und Rixdorf vorgesehen. Ae- sonders nach dem letzteren Vorort, in welchem die Mehrzahl der Berliner Kirchhöfe sich befindet, wird dem VertehrsbedürfniS Rechnung getragen. Neben den bestehenden elf Straßenbahnlinien werden Einsatzstcccken vom Spittelmarkt, Ringbahnhof Schönhauser Allee, Alexandervlatz, Mori�platz, Kottbuser Tor und Bchrenstrage den Friedhofsvcrkehr vermitteln. Für die Kirchhöfe in Marien- darf ist eine Berkehrsverstärkung vom Belle-Allianceplatz, für die Kirchböfe in Weißenlee eine solche vom Alexander- resp. Dönhoffs- platz vorgesehen. Die Hermannstraße in Rixdorf wird für den ge- samten Fuhrberkehr. mit Ausnahme des Stratzenbahnbctriebes, gc- sperrt, um Unglücksfälle zu vermeiden. Tie nach den Friedhöfen fahrenden Droschken werden durch Nebenstraßen geleitet. Die Berliner Jugendorganisation hat eine Agitation eingr- leitet, die sich auch gegen die„christlichen" Jünglings- und Jung- Arbeiterbildungsschule. Der Vortrag über„NaturerkenntniS" wird nicht diesen Sonnabendabend im Geiverkschastshause. sondern Sonntag vormittags 10 Uhr im Lokal der Arbeiter- bildungsschule, Grenadicrstr. 37 stattfinden. Die freie BolkSbnhne feiert heute Sonnabend, abends 8'/* Uhr, in der Brauerei Friedrichshain ihr diesjädriges Winterfest mir'einem bciteren Konzertabend mit darauffolgendem Ball. DaS Sinfonie- orchefter mit Herrn Kapellmeister Karl Zimmer, die Konzertsängerin Frl. Hildegard Stolle aus Dresden und die Pianistin Frl. Ella Gille sind zur Mitwirkung verpflichtet worden und verspricht der Abend vielseitige Genüsse.— Festmarken a 66 Pf. auch Gasikarten find heilte noch in den Zahlstellen zu haben. Zeugen gesucht. Am 6. November(Mittwoch) ist ein Besucher des Wintergarten» dadurch verunglückt, daß ihm von einem Teppich, den die Saalarbeiter, noch während das Publikum sich entfernte. vom Boden losrissen, ein großer Nagel in das linke Auge flog. Zeugen dieses Vorfalls, der unter dem weggehenden Publikum großes Aufsehen erregt hat, werden gebeten, ihre Adressen dem Vertreter des Verletzten, Rechtsanwalt Dr. Oskar Cohn, C. 25, Landsbergcrstr. 58, mitzuteilen. Born Berliner Bolkschor werden wir um Aufnahme folgender Zeilen gebeten:„G e f u n d e n und abgegeben wurden an den Kon- zertabcnden des Berliner VolkschorS in der„Neuen Welt" eine goldene Brosche, ein Ring und ein Damenschirm. Die benannten Gegenstände können an den UebungSabenden des Chors: Freitag» vcn 8Vj— 10 Uhr, im Sophien-Realgymnasium, Stcinstr. 31— 31, abgeholt werden." Born Leseklnb„B liudenvereinigung" wird uns bezuglich des von Herrn Stripp veranstalteten Bürgerabends mitgeteilt, daß er mit der Veranstaltung des Herrn Stripp nichts zu tun habe. Vermißt. Am 8. November 1005 ist die Handelsstau Emma Dolling, geb. Schulz, am 10. Juni 1850 zu Mohrin geboren, aus ihrer Wohnung Lippehnerftr. 25 verschwunden. Sie ist 1,65 Meter groß, hat graumeliertes Haar, graue Augenbrauen, blanschivarze Augen, leine Zähne, brannes Gesicht und eine gebückte Körper- Haltung. Bei ihrem Fortgange war sie mit einem schwarzen Jackett. blauem Rock und Filzpantoffeln bekleidet, trug aber weder Strümpfe noch eine Kopfbedeckung. Da Frau Dolling geistesschwach ist. so ! wird vermutet, daß sie in irgend einer Anstalt Aufnahme gefunden, oder verunglückt mid als unbekannte Leiche beerdigt worden ist. Personen, welche zur Sache irgend welche Angaben machen können. werden gebeten, ihre Wahrnehmungen der Kriminalpolizei oder einem Polizeirevier mündlich oder schriftlich zu den Akten V043 IV /4. 05 mitzuteilen._ Vorort- JVacbricbtem Schöneverg. Arbeiter, Parteigenossen Schönebergs! Nur noch zwei Tage trennen uns vom Tage der Stichwahl. Am Montag, den 25. d. M., sollen die Wähler der dritten Klasse entscheiden, ob die zur Stichwahl stehenden Bezirke in Zukunft von der Sozialdemokratie vertreten werden sollen oder ob die Liberalen. unterstützt von den Wählern des in der Hanptwahl unter der Flagge des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie nieder- geritteneu bürgerlichen Wahlausschusses, von den Bezirken Besitz er- greifen. Das letztere darf unter keinen Umständen geschehen. Es ist daher notwendig, daß jeder klassenbewußte Arbeiter sein möglichstes tut, um den sozialdemokratische» Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Am morgigen Sonntag, vormittags ll'/z Uhr. findet in der Schloßbrauerei, Hrniptstr. 112, eine Volksversammlung statt. Für den Besuch dieser Agitationsversammlung muß lebhaft agitiert werden. Die Wähler, die aus dem Orte verzogen sind, werden er- sucht, von ihrem Wahlrecht zeitig Gebrauch zu mach-n. ebenfalls alle diejenigen, die sich an der Hanptwahl nicht beteiligt haben. Die Genossen werde» ersucht, diese Wähler auf die Ausübung ihres Wahl» rechts hinzuiveisen. Unsere Kandidaten sind im: 1. Bezirk: Buchdrucker Paul Magnan und Tischler Franz Thielke; 2. Bezirk: Gastwirt Ernst Obst; 10. Bezirk: Schriftsteller Eduard B e r n st e i n und Mechaniker Albert Gabriel. Charlottenbnrg. Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich DonnerSiagnachmittag gegen 5 Uhr in der Wallsliaße. Zur ge»an»ten Zeit spielte die drei Jahre alte Tochter des Friseurs Schwarz. Wallstr. 103, auf dem Bürgersteige vor dem Hause Nr. 106 dieses StrahenzugeS, als plötzlich ein Wagen der auf dem letzleren Grundstück befindlichen Brauerei„Alt-Berlin" rückwärts aus dem Torweg geschoben wurde. Die kleine Sch. geriet unter die Räder und lvurde so unglücklich überfahren, daß ihr die Kopfhaut heruntergerisseu und der Ober- schenkel des rechten Beine» gebrochen wurde. Die berunglückte Kleine wurde nach der Uufallftation in der Berlinerstr. 48a gebracht, wo ihr die Kopfhaut festgenäht wurde. Von dort aus erfolgte die Ueberführung des Kindes nach dem Krankenhause Westend. In den- gestrige» Bericht über die Delegierteiisitzllng der Char- lotteuburger Gewerkschastökomiiiissioi, ist ein siiiusiöreiider Fehler enthaltcu. Der Bericht läßt den Genoffen V a g e l u. a. in b-zug auf die KaufmannSgerichrSivahlcn sagen:„Dies sei ein Beweis, wie wenig gerade" usw. ES muß heißen:„tvie rege gerade hier die OrganisationSarbeit für de» Zentralverbaud der HandlungSgehülfen unter den laufmännischen Angestellten einsetzen müsse"._ Lankwitz. Erfröre« aufgefunden wurde am Teltowkanal bei Lankwitz ein Mann, der dort vermutlich in der Trunkenheit genächtigt hatte. Der Verstorbene ivar etwa 35 Jahre alt und war beileidet mit einem dunklen Paletot, dunkelblauem Anzug, schwarzem steifem Kugelhut und Zugstiefeln. Wäsche und Hut sind I. A. gezeichnet. Auskunft über die Persönlichkeit des Toten nimmt die Amtsbehörde in Marien- darf entgegen. Trebbin(KreiS Teltow). Bei der gestrigen Stadtverordnetenwahl siegten unsere Kandidaten. die Genossen Schönsee, Morgenroth und Hiebsch mit 94 Stimmen über die Gegner, aus die nur 78 Stimmen entfielen. Somit ist die dritte Abteilung von der Sozialdemokratie besetzt. Potsdam. Die Stadtverordnetenwahl findet am Montag und Dien?» tag statt. Tie Kandidaten der sozialdemokratischen Partei sind: 1. Bezirk: Wilhelm Staad, Schuhmacher; Karl Iwan, Hcilgehülfe; Wilhelm Ladenthin. Rcstauratcur; Her- mann Beilin, Maurer; 2. Bezirk: Paul Zicmann, Schneider; Julius Waldt, Zigarrenfabrikant z Franz Stöwesand, Maurer. Der 1. Bezirk wählt im Stadt- vcrordneten-Sitzungssaal des Rathauses; der 2. Bezirk in der Gc- meindeschulc, Jägerstr. 4. Am Montag, den 25. November, wählen alle diejenigen Wähler mit den Anfangsbuchstaben A— L(einschließlich), am Dienstag, den 26. November, diejenigen mit den Anfangs- buchstaben M— Z. Jeder Wähler gehe möglichst frühzeitig zur Wahl! Wer nicht bis 8 Uhr im Wahllokal anwesend ist. geht seines Wahlrechts verluftig. Als Legitimation bringe ein jeder die vom Magistrat zu- gesandte Wählcrkarte mit; wer nicht in den Besitz einer solchen gelangt ist. der versehe sich mit einer genügenden anderen Legitimation(Steuerzcttel, Militärpapiere usw.). Wahlberechtigt ist jeder, der in der im Juni v. I. aufgestellten Wählerliste eingetragen ist. auch wenn er während dieser Zeit aus dem Bezirk verzogen ist. Tue jeder der Genossen seine Pflicht, damit eS auch diesmal in Potsdam gelingt, Sozialdemokraten in da» hiesige Stadtparlamrnt hineinzubekommen. Vermischtes. Lebend begraben. Ueber die Katastrophe bei Gr äffe wird aus Paris gemeldet: Unter den Erdmassen liegen noch vier Arbeiter bc- graben, doch mußten die Rettungsarbeiten vorläufig eingestellt werden, da immer neue Einstürze befürckilet werden. Drei schwer- verwundete Arbeiter konnten nach mehrstündiger Anstrengung aus den Trümmern hervorgezogen werden. Man hofft, sie am Leben zu erhalten. Ein Nachspiel zur GeispolSheimer ExplosionSkatastrophe. Die Straßburger Strafkammer hat den Mechaniker Humbrecht, den Leiter der GeiSpolSheimer Ofenfabrik, in der im Januar d. I. 22 Arbeiter durch Explosion von Zelluloid ihren Tod fanden, von der Anklage der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Brandstiftung freigesprochen und ihn wegen Vergehens gegen die Gewerbeordnimg zu einer Geld- strafe von 15 M. verurteilt. Der Rekord zur See. Der Dampfer„Mauretania", der seine erste Fahrt nach New Jork in dieser Woche angetreten hat, hat Londoner Meldung zufolge den Rekord für 24stünd!ge Fahrt, w-lcher Lufitania inne hatie. geschlagen, indem er von Mittwochinitlag bis Donnerstag 12 Ubr mit einer DurchschniltSgeschwindigkeit von 25 Knoten in der Stunde gefahren ist. Das Schiff hat in dieser Zeit 624 Meilen zurückgelegt. Wieder rin Erdrutsch. Wie aus Lemberg gemeldet wird, geriet bei der Ortschaft Bilaboznica ein Bergabhang ins Rutschen und begrub eine Kolonne Arbeiter unter sich. Sieben Arbeiter wurden tot, zwei tödlich verletzt unter den Sandmassen hervor- gezogen. Raub im Schnellzuge. Nach einer Meldung aus EtampeS wurde in einem von Toulouse nach Paris gehenden Schnellzuge ein Raub verübt. Der Zug war durch da» Notsignal zum Stillstand gebracht worden. Während die Abteile nachgesehen wurden, beraubten drei Individuen den Packwagen seiner Wertstücke und verwundeten den Zugführer sowie den Aufseher des Packwagens durch Revolver- schüffe. Darauf entflohen sie. DaS zerstörte Karatag. Ein von der Petersburger Telegraphen» Agentur nach dem am 2l. Oktober durch ein Erdbeben zerstörten Karatag entsandter Spezialkorrespondent ereichte am 13. November Denau, das 104 Werft von Karatag entfernt liegt. Er meldet von dort aus. daß die Stadt Karatag am Tage der Katastrophe morgens 9 Uhr durch einen starken Erdstoß emporgehoben und in einen Trümmerhaufen verwandelt wurde. Die aus Steinen, die nur schlecht mit Lehm verbunden waren, erbauten Häuser stürzten ein, drei- bis viertausend Mensche» unter sich begrabend. Ungefähr 100 Personen konnten sich retten. Tie im Umkreise von 100 Werst befindlichen Winterplätze der Nomaden sind zerstört; die Gesamtzahl der Opfer darf auf ungefähr 10 000 angegeben iverdcn. Köpenicker Straße 146 WirUlich reeller"tsm Total-Aus verkauf in Herren- u. Knaben-Garderobe wegen vollständiger Geschäftsaufgabe! IMF Silligsfe KaufgelegenheiU Köpenicker Straße 146 SeefisciiB-Volksnaliriing! Bester jleisehersatz, schmackhaft und von hohem Nährgehalt Täglich frische Zuführen in eigenen KüMniatpns eintreffend! Um Verwechselungen zu rermeiden, achten Sie genau auf unsere volle Firma. 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November, abends 8-/z Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel-Ujer 15, Saal 1: ßranehen»Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortiag. 2. Wahl eines VergnügungskomtteeZ. 3. Branchen- und VerbandSangelegenhciten. mr Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichm Besuch erwartet Die Brancheukommission. M. SS wird ersucht, in den Betrieben den VersammlungS.Kontrollzcttcl m den Mitgliedsbüchern nachzusehen. Krauche der Kergolder. Montag, den 25. November, abends präzise 8 Uhr: ßpaneken» Versammlung in den umerbautcn„Arminhallen", Kommandantenstr. 57/58(gr. Saal). TageS-Ordnung:. I. Vortrag des Genossen HotTuiann über:„Staat und Kirche". 2. Diskussion. 3. Ver-fchledenes.■■■" In Anbetracht des interessanten Vortrages ist eS Pflicht jedes Mitgliedes sowie deren Frauen, in dieser Bexsamnrlung pünktlich zu erscheinen. D« Branchenleiter. Deutschlands. (ZwelgTereln Bcx-Iln and ifingegend.). Sektion der fntzerträger. Am Sonntag, den 24. November 4907. vormittags 41 Uhr, i» Obiglos FcsisSlen. Schwedterstr. 23,24: A«ßnliri>ei>tlilheMltg!lkder>iersli»iii>lmiz. > TageS-Ordnung: 4. Unser jetziges Lohn- und ArbeilSverhällniS und unsere Stellung- »ahme dazu. Rescrmt Kollege IVUb. Koack. 2. Diskussion. 3. Bcr- chiedenes. Recht regen Besuch erwartet _ Der Zwelgverelnsvorstand. Arbeitsuachtoeis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbnreau: Hos l. Amt 3. 1239. cliaritdsIrsS« Z. Hos III. Amt 3, 1337. Sonntag, den S4. November, vormittags tv Uhr: Allgemeine Versammlung der Rohrleger und Helfer Berlins u. Umgeg. in Meyers Festsälen, Sebastianstr. 30. Ta'geSordnung: 4. Urkommunismus. Referent: Genosse Hermann Harrcr. 2. Diskussion. 8. Branchcnangelcgenhcitcn. Wir ersuchen die Kollegen, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Montag, den SS. November, abends 7 Uhr: SSSSS Versammlung aller in den Meilillgitßkreie» besPstigteii lormet uiiii KcrilfsgtWjseil im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15, Saal 4, TageS-Ordnung: 1. Vortrag:„Die Waffen der Arbeitgeber im Kampfe gegen die Gewerkschaften." Resercnl: Kollege Cohen. 2. Diskussion. 3, Bericht der Braiicheukommissio» und Neuwahl derselben. 3. Verschiedenes. Die Kollegen werden ersucht vollzählig und pünktlich zu erscheinen. SÜMP Mitgliedsbuch legitimiert. Wl 160s7___ Die Ortoverwaltung. echner. Auf Kredit i lirUpMe. Garderoben für Herren und Damen. Sprechmaschinem Kronen, Betten, Mg Kleiderstoffe, Pelzstolas usw. Jeder Kkul'er erhält ein Weihnachtsgeschenk! BriiniieiistraBe lOÄ, 6. Wahlkreis! Sonntag, 24. November(Totensonntag), abds.«Uhr, bei Wilke, Brnnnenstr. 188: Großer fatniUenabend unter Mitwirkung der Theatergcsellschast und des Gesangvereins 1 Nach der Vorstellung: Tai1Zkl*änZChen» 263/6« Der Vorstand. Charlottenburg. Achtung! UJitgliCdCP itt Achtung! üllgeweinen OrtskrankenkaHc für die vereinigten Gewerbebetriebe Cbarlottenburgs. Hiermit weisen wir nochmals aus die am Sonntag, den 24. November 1907, von vormittags 9—42 Uhr. im großen Saale des„VolkshauseS". Rosiuenstr. 3. stattfindenden �ödhlölt dCt Delegierten zur Kaffe hw Da die Metallarbeiter, die in der Sitzung der GewerkschaltSkommissio» vom 14. d. M. Ihren Austritt aus der Charlottenburger Gewerkichaftstommission erklärt haben und eine eigene Kandidatenliste unter Assistenz der Berliner OrtSverwaitung ausgestellt haben, wodurch Verwirrung in den Reihen der Mitglieder hervor- gerufen werden kann, ist eine zahlreiche Beteiligung a» dieser Wahl durchaus notwendig. Arbeiter und Arbeiterinnen. gebt den Metallarbeitern für ihr unsolidarisches Handeln die richtige Antwort, indem Ihr alle zur Wahl erscheint. Listen der Kandidaten, die von der GewerkschastSkommission ausgestellt sind, sind bei unseren kenntlichen Listcnvertcilern vor dem Wahllokale erhältlich. Wahlkartcn als Legitimation zur Wahl sind heute Sonnabend, sowie morgen Sonntag von 9—12 Uhr, also während der Wahlzeit, im Bureau der Kasse, Rosiuenstr. 3, vorn 2 Treppen, abzuheben. 203/18 Der Ausschus; der Charlottenburger Gewerkschaftskommission. gez.: lodsnnos Scheible. Heinrich Schwiemann. Otto Flemmlng. Wilhelm Ahrens. Albert Wilde. 3 o M Wahr und erwiesen ist es, daß es im Interesse eines jeden Käufers von Herren- und Knabengarderobe liegt, sich von der Leistungsfähigkeit meiner seitdem Jahre 1879 im Osten Berlins bestehenden Firma zu überzeugen. Ich führe nur gute und reelle fertige Bekleidung vom einfachsten bis zu dem elegantesten Genre. Eine Spezialität meiner Firma ist Anfertigung nach Maß von besten deutschen und englischen Stoffen in eigenen Betriebs-Werkstätten. Garantie für guten Sitz und tadellose Verarbeitung zu mäßigen Preisen. Der fortdauernd wachsende Zuspruch aus allen Kreisen bietet die beste Gewähr für die Reellität meiner Firma. JULIUS LINDENBAUM :;; Herren- und Knabengarderobe::; Große Frankfurterstraße 141 d ö Pj s » o ty Ecke der Fruchtstraße. 755L* Meine Werkstätten im Hause sind seit Anfang März ununterbrochen im Betriebe. Arbeitslöhne zahle ich laut Tarifvertrag und beschäftige die vereinbarte Anzahl von Gesellen auf Lager- und Maßarbeit. «. Ii Filiale Berlin III. Xene Ktfnigstr. 7. fflitglicder der Ortskrankcnkasse für die dläscbefabrikaflon! Am Montag, den 25. November, finden die Delegiertenwahlen statt. Die Großbetriebe(Abt. 1—62) wählen von>/zt2—>/z1 Uhr in den Fabrikräumen, hier wählen auch alle Heimarbeiter, so weit sie von der Fabrikleitnng in der Kasse angemeldet sind. Kolleginnen! Wählt nur die von unS aufgestellten Delegierten. Gebt nur unsere Lifte ab. Die Kleinbetriebe, Abt. 63 falle Betriebe, welche unter 60 Per- fönen beschäftigen, die Betriebe der Zwischenmeister cinschliehlich der Heimarbeiter) wählen von 5—8 Uhr im Kassenlokal Landsberger" strahe 8b I. Zu wählen sind 125 Delegierte und 125 Ersatzpersonen. Wahlberechtigt sind alle versicherten Personen über 21 Jahre. Wähler! Ucbt Euer Wahlrecht anS! Wählt nur die von unS aufgestellten Delegierten! Unsere Liste wird am Eingang zum Kassen- lokal ausgegeben. Die Abt. 6-1 jSelbstversicherer) wählt von 3—4 Uhr im Kassen- lokal. Zu wählen sind 36 Delegierte und 36 Ersatzpersonen. Wähler I Macht von Eurem Wahlrecht Gebrauch! Wählt nur unsere Liste! Jeder bringe sein Krankenkassenbuch mit! Ohne diese? kein Wahlrecht. 252/13 Die OrtSverwaitung Berlin lll. I. A.: W. Eue. Dansende schönster Damen« Hsvbstpslstoie.KostlimeöcIio.lloitams, jetzt spottbill. Einzelverkauf. Mäntel- sabrik E.eifevre, Mohrenstr. 41.(*) Orts-Kraukenkasse der Handschuhmacher und verw. Gewerbe zu Berlin. Am Donnabeud,.39. November, abends H'l� Uhr, sindet die MWieller-lierZAmmlung bei Bobse, Brunnenstr. 44. statt. Tagesordnung: 1. Wahl von 22 Delegierten jär 1908. 2. Verschiedenes. Hieran anschließend sindet die Ofdentl. Generai-Versammlung statt. 279/10 Tagesordnung: 1. Neuwahl zum Vorstände(1 Arbeit- geber, 2 Arbeitnehmer). 2. Wahl der Revisoren sür das Jahr 1907. 3. Verschiedenes. Berlin, den 23. November 1907. Der Lorstand. I. A.: H. tz in z, Vorsitzender. Orts'- Krankenkasse der Kitchbiitder und verwandten Gewerbe. Delegierten- Wahl. Am Tonntag. den.1. Dezember findet im Gewerkschaftshause. Engel-User 15, Saal 3 gemäß S 48 des Kassenstaluts die Wahl der Btr- freier der Kassenmitglieder statt. Die Wahl beginnt morgens tO Uhr und endet um L Uhr nachmittags. Zu wählen sind 326 Berlreter. Wahlberechtigt sind alle großjährigen Mitglieder der Kasse. 279/lt Die Wahl der Vertreter der Arbeil- geber findet am Montag, den 2. De- zember. abends von 6 bis 8'/, Uhr im Restaurant B a a tz, Waldemar- slraße 27 statt. Zu wählen sind 150 Vertreter. Der Vorstand: Semd, tost, Vorsitzender. Karl Gottesmann, Schristsührer. Allgemeine Orts- Krankenkasse Spandau. Infolge eines Vorstandsbeschlussei vom 21. November 1907 machen wir laut tz 66 des Statuts aus die unterm 22. August l907 vom königlichen Ne- gierungSpräsidenten in Potsdam ge- nehmigten Statuten ausmerlsam, welche am 24. November 1907 in Krait treten. 273/12 Die Aenderungen sind nur all- gemeiner Natur, Beiträge und Krankengelder sind nicht geändert, jedoch machen wir aus Z l5 sür aus- wältige Mitglieder ausmerkiant. Der Borstaud. Wolf, Vorsitzender._ Kchönholzer Tivoli Provinzstraße 69. Tonntag. den 34. November (Totenfest): Großes Wurstessev, wozu alle Genossen, Freunde und Bekannte gauz ergebenst einladet sÜd. Schüller. Ii W«M-! tSI Berlins und Umhegend. Montag, den 25. November, abends 6 Uhr, in Granmanas Fcntsttleu, Naunynftr. 37: Mitglieder-Versammlung Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Graf über:„Vaterlandsliebe und Vaterlands- losigkeit". 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom Stistungssest. 4. Organisations- angelegenheilen._ Mittwoch, den 35. Dezember<4. Feiertag), nachmitttags 4 Uhr, in der Uruala, Danbrnstr. 48/49: sss Sonder-NorstkUung.— Zur Ausführung gelangt:„Ii«Ire nnd die Pyramidea". Zur Beachtung! Obenslehender Vortrag konnte in der letzten Per« sammlung wegen Erlrankung des Reserenten nicht gehalten werden, oeshalb die Wiederholung. 171/3 Zabli eiche» Besuch erwartet Der Vorstand. mit~ Saug-s _ yorrichtneij; fertigt in tadelloser Ausführunjr billigst. Zahnziehen, Zähne, Plomben vollständig schmerzlos. 6171," Zahn-Ätellep Süden, Kottter Dam 85,urSa?.efr. �ahngebisse fiebröder Schweriner — Ecklians= Invaiidenstratte Schneidermeister ChaussccstraBe IIS = F.ckhnnn= Invatidenstralie JacW-, Rock-, Gekroci-telfi Paletots« Ulster« Joppen in schickesten Fa?ons u. modernen Dessins, jjj allen Preislagen Hiesenauswail iüii! iligste Preise.| und solider Ausführung. SdOF"" Xnr ausprobierte Stoffe werden von nns verarbeitet. Spezialität: Anfertigung eleganter Maßarbeit unter Garantie tadellosen Sitzes. Rinr eigene Anfertigung. 5? A. B. 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Und welches war der Tatbestand, der den Vertreter der Anklagebebörde veranlagte, sich zu diesem un- gehenerlichen Antrage zu versteige»? In i?« che mische n Fabrik von Achering streikten im Juli d. I. die Bö t t ch e r. weil ihnen eine kurz vorher gewährte Lobnznloge wieder abgezogen wurde. Einer der Streikenden. Böttcher Zach, sprach cineö Abends am Bahnhos Juugfernheide einen Arbeitswilligen an. Zach soll den Arbeitswilligen beleidigt und bcdiobr haben, indem er ibn einen Streikbrecher nannte, der kein Ehrgefühl habe und wert wäre, eins in die Fresse zu kriegen. Der Böttcher H o u k, dem diese Worte gegolten haben sollen, gab als Zeuge an, dah er überhaupt nicht durch Streikende be- lästigt worden sei. DcS Vorganges am Bahnhof Lungfern- Heide erinnerte sich der Zeuge wohl, jedoch konnte er nian mir Bc- stiiunilheit angeben, welche Aeutzernngen gefallen waren, auch wußte er nicht, ob es der Angeklagte war. der beleidigende ! Aeußerungen gebraucht hat. Aber es trat noch ein zweiter ?Zeuge auf. Ein Buchhalter VinSki aus der Schering- tschen Fabrik. Dieser Herr scheint die Ausgabe gehabt ».zu haben, die Arbeitswilligen abends nach dem Bahnhofe zu be- < gleiten und gleichzeitig aufzupassen, ob er nicht„Belästigungen" der ' Arbeitswilligen beobachten und zur Anzeige bringen könne. Buchhalter Binski war auch sofort zur Stelle, als der Augeklagte deu ArbeitSivilligen ansprach. Er beluudere vor Gericht, daß die Beleidigung und Bc- drohung erfolgt sei. Der Angeklagte dagegen gab an. er habe den Arbeitswilligen mit den Worten angesprochen:„Erlaube mal. Kollege, ich möchte ein Wort mit Dir reden." Der Arbeitswillige habe darauf heftig entgegnet:„Lassen Sic mich zufrieden" und der Angeklagte habe erwiedert:„Aber Kollege, hast Du denn gar kein Ehrgefühl?" Weiter habe er nichts gesagt. Aus Grund der Aussage des Buchhalters VinSki konstruierte der AmtSanwalt ein Vergehen des Angeklagte» gegen§ 153 der Gewerbeordnung und beantragte eine Gefängnis st rafe von fünf Wochen. NechtSanwall W o l f g a n g Heine als Verteidiger deS An- geklagten sagte, man begreife nicht, wie dieser Antrag deS NmtS» anwaltS motiviert werden solle. Selbst wenn man annehmen wollte, baß der Augeklagte den Zeugen Hauk Streikbrecher genannt und ihn mit Schlägen bedroht habe, so sei doch nickt erwiesen, daß das geschehen sei, nm den Zeugen zur Teilnahme am Streik zu bewegen. Dazu würde ja ein solches Verhalten daö ungeeignetste Ikder Arlititcr, jeder Handwerker Tollte zur Hrbeit die Vederhoie HrrUiilc« wagen. Unerreichte Leistungsfähigkeit. Mein-Verkailf. Sehr starkes Ueder in praktischen graueu u. braunen Swciscn. auch eiusarbig. Am Bund aus einem Stuck gearbeitet. Sehr feste Kapp- nähte. Haltbarste Pilot. Taschen. 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Geschäft(SchOneberg); 10 Hauptstraße 10 Ecke VorbergstraSe. Tl. Geschart(Hoablt): 19 Turmstraße 19 Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz 2 Ä N w N s Ä N 2 Ml et N 2 Ml ft N 2 s N 2 s N 2 N 2 s N 2 mt Ft N 2 a»' Pt N 2 j* N 2 5« N 2 j* N 2 Wt N w m* mm N CS mm mm N Mittel sein. Man müsse, falls man eine Beleidigung und Drohung überhaupt für erwiesen halte, aunehmen, daß der Angeklagte seinem Llerger über die Arbeitswilligen Luft machen wollte. Dir An- wendbarkeit des 8 153 der Gewerbeordnung falle damit fort. Aber wenn man selbst annehmen wollte, daß der Angeklagte durch eine Drohung den Zeugen zur Teilnahme am Streik bewegen wollte, so läge Vergeben vor, aus das sowohl der ß 153 der Gewerbeordnung, als auch K 240 des Strafgeseyvnches angewendet werden könne. Da dieser Paragraph das schwerere Delikt bebandelt, so müsse er nach der herrschenden Judikatur hier angewendet werden.% 240 lasse aber eine Geldstrafe zu. Prinzipiell beantragte der Ver- teidiger Freisprechung, für den Fall der Verurteilung eine geringe Geldstrafe. DaS Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 25 Mark. Wenn der Angeklagte den Zeugen nur beleidigt hätte, dann hätte er auS ß 153 der Gewerbeordnung mit Gefängnis bestraft werden müssen. Da aber durch die Aussage deS Zeugen BinSli festgestellt worden fei, daß der Angeklagte den Zeugen Hank nickt nur beleidigt, sondern auch mit Schlägen bedroht habe, so sei das Gericht in der Lage gewesen, den K 240 deS Straf- gesetzbuchs anzuwenden und auf eine Geldstrafe zu erkennen. TS (E. G. m. h. II.) Sountag, de» 1. Dezember 1007, nachmittags pünktlich iö'/s Uhr: Kenersl-Versuninllung in Franz Kahnes Saal,„Adlershofer Garten", Adlcrshof, Ecke der BiSmarckstrahe und Adlcrgeftell. TageS-Oednung! f. Geschäftsbericht des VorstanbeS für das GeschästSjahr 1g0g/0T. 2. Bericht deS AuiftchtSrnteS. 3. Gcnebinigung der Bilanz und Entlastung deS Vorstandes. 4. Verteilung des Reingewinnes. ö. Neu- und ErgänzungSwabien deS AusstchtSrateS und Borstandel. 6. Dislussion betreffend Erhöhung deS Geschäftsanteiles. 7. Statutenänderung: u) Erhöhung der GcichästSanteile auf 30 Mark. d) Verlegung der Beendigung dcS GeschästSjahrcl aus den 30. Juni jede» Jahre». S. Beschllißfassung über Erwerbung cineS Grundstücks. ll. üluinahme von Darlehen bis zu 30 000 Mark. 10. Unsere Agitation bezw. BeztrlseinIeUung. II. Anschluß an dir Arbester-Baugenossenschast„ParadieS'. IS. Abänderung der Sterbe-UnIcrslilhungSordnnng. 13. Sonstige Anträge. Nach dem Turnus scheiden vom AussichtSrate auS r Friedrich KSeel- barth, Ober-Schönenieide; Julius Poranski, Grünau; Wilhelm Dürre, Alt- GUenicke; Adolf Stahlberg, AdlerShof. Freiwillig scheiden auS: Emil Heyen. Grünau! Erich Steuer, AdlerShof. Vom Vorstände scheidet auS: ftarniann Hildebrandt, AdlerShof. 146111* Die Genossen sind wieder wählbar. Mitgliedsbuch oder Lcgitimationstarte legitimiert. Her Vorstund. 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(Ohne Gpwähr.)(Naehdruck verboten.) ■47S 750 83t 073 79 lM7 58 88 91 SIT 85 601 18 25« 83 708[5001 56 2049 223 90 371 478 623 713 300«[500} i03 312 64 500 707 4075 172 289 391 521 600[500] 913 5012 77[500} 153 279 413 860[15 000] 918 6013 43 138 80 237 [SdOOl 33 85 306 539[3000] 727 84 874 941 7 183 207 80 95 318 65 468 76 763 814 44 923 41 8205 23 530 31 798 802 924 67 9ltW 428'[500] 311 22 795 852 913 33 10149 58 276 633 765[5001 33 874 SO 1 1 131 509 31 «37 7-- 2'.0 1 2231[1000] 420 0 4 603( 30001 90 1 3017 33 621 824 73 14112 50 886 791 SOO 9 13 87[500] 932 1 5030 124 384 98 145 89 Sl? 35 786[3000] 980[1000] 16013[300] 103 320 515 1 7093 133 5. 276 353 77[10001 652 769 90 879 964 1 8120 13000] 272 484 924 192(6 301 461 640 20143 56 275 330 43 631[300] 45 784 873 909 23 2 1 065 354 689 99 899 2 2017 391 108 24[1000] 601 83 2 3 208 97[500| 342 97 783 849 2 4015 104 217 643 llOOO) 801 1509] 25"S1 116 421 22 633 13000] 825 33 2 6049 207 53 670 93 2 7046 114 490 52« 662 720 808[1000] 28312 594 767 814 43 979 29130 219 318 514[1000] 40 83 673 917 63 3O03V 188 520 31 750 63 31119 34 87 222 51 315 32556 TU 801 20 3 3054 137 392 467 677 962 3 4059 235 43 64 511 91 727 74»98 3 5039 62 375 637 782 84 895 935 36111[500] 901 37118 4 2 337 545 82 718 841 64 3 8046 463 5 25 31[500] 611 715 609 79 3 9259[1000] 319 82 419 91 592 606 773 927 40 130 280 473 80 525 40 603[1000] 45 87 778 4 1 006 [3000J 3 43[1000] 63 90 132 33 263 361 429[ 500] 675 801 Ä4S 42078 123 326 69 90 964 4 3043 142 66 206 82 88 350 565 ISOOO] 78 83 835 4 4 273 507 63 638 47 45115 554 98 622 [KW)] 895 915 83 4 6090 356 254 399 443[5001 69 531 51[500] 83 751 52 996 4 7071 458 90 905 72 4 8432 4 9062 [500] 329 87 470 530 752 802 50 57 949 50111 47 395[500] 443[500] 81[500] 537 33[500] 64 51261 414 27 99(SOOOl 531[500] 50 1 1000] 909 5 2074 783 984 5 3051 497 506 5 4029 73 306 490 593 934 5 5554 91 619 990 5 6023 58 153 336 93[ 3000] 568 927 69 82 57115 73[500] 291 427 41 772 855 5 8023 118 311[3000] 660[1000] 860 85 59210[1000] 312 14 47[500] 99 448 Ml 90 630 793 60013 131 90 473 95 593[500] 611 704 930 6 1 212 [3000] 59 96 371 068 649 907 15 6 2,17 296 314 31 630»8 732 970 6 3061 557 719 37[1000] 836 64029 150 417 501 795 65133 205 418 737 851 82 915 25[500] 66285 SOI 450 015 57 889 67261 02 424[ 500) 540 024 717 873 6 8305 432 [500] 514 624 91[500] 901 69024 161 536 651 68 859 65 909 70 125 29 680 762 878 71158 814 57 7 2233 605 895 [1000] 937 40 7 3 043 43 93 167 87 963 7 4139[ 3001 251 80 [500] 538 793 1 1000] Sil 982 7 5151 77 311 893 7 6260 556 850 942 13 7 7002[ 500) 215 899 409 549 632 117 36 834 98 936 7 8036 453 602 937 7 9,61 254[1000] 369[ 500] 174 572 80,06[ 500] 83 225 313 33 llOOO) 409 89 713 78 UOOOl 824 53 in 1334 425 638 919 88 7 7 8 2000 152 61 313 31[50OI 8« 771 914 59 89,01 22[500] 442[ 300| 84116 663[ 500] 85251[500] 370 UOOO) 580[ 3000] 613 86016 100 34 43 221 422 51 101 723 1500] 32 8 7 032[10001 64 116 23 82 83 184 980[500] 39 13(100) 88030 138 67 292 1500 J 06 354 71 462 525 70 617 996 98 8 9 298 382 599 691 724 39[ 300] 809 II 90,56 530 615 92 1500] 740 71[1000] 807 93 9 1 037 JU 017 57 93 897 911[1000] 39 32 92,21 74[500] 392 15001 566 97 601 9 3028 222[ 3000] 66 389 663 741[500[ 94,88 426 306 9 5 230 493 591 811 71 903 9 6133 50-1(3000] 623 31 783 80? 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Ziehung 5. Kl. 217. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 22. November 1907. naebmittaes. Knr die Gewinne Ober 240 Mark sind den betreBenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 86 326 30 431 628 784 1033 80 342 405 695 753 835 83 917 2061 84 359 92 577 623 67 970 3 489 596 963 IIOOl] 4032 233 798 851 5160 63 79[1000] 507 861 6199 316 73 731 74 7133 61 414 520 918 SS 8299 385 520 80 658 979 [500] 9056 123[ 500] 229 370[OOO] 10093 239 13O0Ö] 79 685 775 11066 81[1000] 91 177 229 425 93 548 700 18[500] 67 314 56 99 12313 583 618 50 13012 119 81 260[1000] 337[3000] 78 401 667 713 836 14138 303 473[lOOO] 545 91[3000] 605 924 1 5078 4SI 643 631[1000] 302 1 6003 51 U3. 500] 287 372 303 28 (1000] 937 1 7129 614 717 73 926 1 8116 275 330 64 790 [300] SS8 950 77 1 9272[500] 479 624[500] 2 0344 314 98 600 707 2 1 253 375 452 772 999 2 2-80 303 385 93[1000] 871 23315 526 784 899 957 2 4067 68 [500] 150 96 395 504 39 668[1000] 25039 170[300] 269 [500] 392 447 506 2 6065 171 315 671 777 2 7 038 90 122 414 91 574 845 65 2 8016 203 41 389 517 SO 621 60 773 89 854 958 2 9275 302 812 33 3O076 129[1000] 287 592 723 3 1 090[3000] 302 25 74[500] 447 660 63 929 79 3 2035 70 84 3 3(155 289 3«9 93 453 54 77 95 791 852 83 905 3 4064 105 13000] 263 383 90[ 500] 03 418 631[lOOo] 35,37[ 3000] 533 642 36191 285 396 435[500] 96 530[1000] 752. 8000] 904 73 3 7 022 127 207 311 73 437[3000] 533 638 59 3 8 453 885 726 854 936 3 9061 308 516 671 1500] 814 54 4O057 187 310 69 434 96 580 614 748 960 4 1 051 84 141 13000] 69 342 116 83 513 50 70 710 928 4 2 136 265 [1000] 302[500] 427[500] 50[1000] 55.1[1000] 65 719 68 43035[lOOO] 91 97 99 323 519 782[1000] 803 55 60[lOOU] 44065 140 478 530[10 000] 62 72 611 53 67 93 SOä 919 75 45154 411 520 093 780 940 74[500] 46041 61 141 59 324 428 692 807 63 998[lOOOj 4 70,2 43 44 136[3000] 62 92 231 66 316 53 479 590 613 763 4 8177 219 U 304 SO 403 676 709 62 92 49106 44 330 872 85 50726[1000] 839[1000] 78 914 63 7« 91 5 1 294 310 16 4o 507 824 58 88 5 2134 206 73 387 759 322 5 3172 582 634 35 70 31 942 5 4035 355 543 676 36 706.3000] 97 990 55259 460 707[50001 56555 796 57o69 233 58 318 452 726 803 66 903[SOuO] 56287(00 l 96 689 773 86[500] 59122 210 45[500] 71 383 143 69 717 6O009 385 410 561 6 1 077 uz 201 815 57 465 695 62162 480 531 709[ 500] 89 858 63 125 202 89 552 350 59 64100 l[500] 817 33 67 423 653 797 99 65670 74 95 741 64 66127 31 580[1000] 67004 28 629[ 3000] 920 68419[1000] 61[3000] 519 630 831 69107 44 573 605 34 951 7O0CÖ[1000] 86 301 30 81 87 57 897 7 1090 98 JlS 453 692 193 810 7 2063 117[500] 751 907 7 3 038 91 93 132 320[500] 56 38? 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