Pr. 283. HbonnoiKntS'RtdlnsundtD: OTonnementS» Preis pränumerando? Lierlcljährl. Z,ZU MI. monatd l.lv MI. wächenUich 2S Pfg. frei WS HauS> Einzelne Nummer b Pfg. SomuagS- nununer mit Muilrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt» 10 Pfg� Post- Wonnement: l.lv Marl pro Monat. Eingetragen m die Post- ZeitungS. Preisliste. Unter Kreuzband flir Deutschland und Oesterreich» Ungarn 2 Marl, für das übrig» Ausland 8 Mark pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien,- Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal. Rumänien. Schweden und die Schweiz. 24* Jayrg. CrMitlnt tlsltdi aus» moDta». Vevlinev VolKsblerkk. Die ln!erNon!-Led0h? beträgt für die sechsgespaltenc Kolonek- geile oder deren Raum 60 Psg. für politische und gewerlschastliche Bereins- und BersammlungS-Anzeigen SO Pfg. „Kleine Knielgen", das erste(fett- gedrucktes Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stellcn-Anzeigen daS erste Wort 10 Psg. jede» weitere Wort S Pfg. Worte über tö Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen WS S Uhr nachmittags in der Expedition »dgcgebcn werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abend» geöffnet, lelegramm- Adresse: „Ssiiaidemolirit Bsrllu". Zcntralorgan der rozialdemokratifchen parte» Deutfchlands. Rcdahtion; SW. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Mittwoch, de» 4 Dezeurber Expedition: SM. 68, lindenstrasse 69. Fernsprecher- Amt IV. Nr. 1981. Kreikhende llnstimmigkeiten im Kegierungslagei'. Vom Etat wurde heute nur noch so nebenbei geredet. Wer persönliche Anzapfungen hagelte es nur so von rechts nach links hinüber und von links nach rechts. Die schlimmsten Zusammenstöße gab es aber merkwürdigerweise zwischen den Nationalliberalen und den Blockbrüdern von der Rechten. Den Reigen eröffnete Herr Kreth, ein konservativer Be- amter. den Stallupönen in den Reichstag geschickt hat. Den trocke nen Ton, den man sonst bei konservativen Rednern gewohnt ist, suchte er durch allerhand Späßchen zu ersetzen, mit denen er wahr- scheinlich am Stammtisch in Stallupönen sich in den Ruf eines ge- waltigen Sozialistentöters gesetzt hat. Auch dem junkerlichen Geschmack im Reichstage scheinen die Kreth-Spätze zu behagen. Welchen Eindruck sie aber auf Leute von größeren geistigen Ansprüchen machen, ging aus der Abfertigung hervor, die später Herr Gothein dem Herrn Kreth zuteil werden ließ, den er wegen der Kleinlichkeit seiner Auffassung und der ZeD fahrenheit seiner Ausführungen als einen„Detailreisenden in Poll- tischen Korinthen" charakterisierte. Material zur Vernichtung der Sozialdemokratie hatte sich Herr Kreth offenbar aus alten Schmökern des Reichslügenverbandes zusammengeklaubt. Bezeich nend für die Urteilsfähigkeit dieses Mannes, der sich rühmt, bei einer preußischen Regierung Dezernent für sozialpolitische Aw gelegenheiten gewesen zu sein, ist, daß er dem Hinweis Bebels auf die mangelhafte Ernährung vieler Arbeiterfamilien den Rat cnt gegensetzte, die Arbeiter sollten nur ihr Budget für Gewcrkschafts- und Wahlvereinsbeiträge kürzen, dann würden sie sich auch satt essen können. Diese Leuchte der Bureaukratie weiß also noch nicht einmal, daß nur durch Ausnutzung des Koalitionsrcchts die deub schen Arbeiter überhaupt sich ein« einigermaßen erträgliche Existenz verschafft haben. Sie würden weit schlimmer daran sein, wenn sie nach Arethschen Rezepten sich einrichteten. Sonst ist noch zu vermerken, daß Herr Kreth im Namen seiner Partei einen Antrag auf Verschärfung des Strafgesetzes gegen Be. leidigungen ankündigte. Das ist offenbar ein Nachhall der Bülowschen Betrachtungen über den Strafprozeß. Wie recht hatten wir also, daß in dieser Aera der Reaktion solche Anregungen nur zu Unheil führen würden! Herr Gothein. der einzige Liberale im Haus«, der neben Herrn Theodor Barth dem Reichskanzler noch als Luftverpester anrüchig sein kann, glaubte versichern zu können, daß der Libe- ralismuS der Linksliberalen allen Versuchungen standhalten würde, und ging auch für seine Person scharf genug gegen die Agrarier vor. Er glaubte den Reichskanzler mehr zu seiner Seite herüber. ziehen zu können, indem er ihm zurief:„Weniger Rheinbaben weniger Lieber, aber mehr Uhland'" Als ob nicht der gefällige Bülow stets bereit gewesen wäre die freiheitsduftigsten Verse zu zitieren, aber stets damit reaktionäre Taten zu verbinden ver- standen hätte. Unter den schöngescheitelten Bülowschädel ist auch viel leerer Raum für alle möglichen Ungereimtheiten. Zwischen Kreth und Gothein suchte dann Herr Paasch« den goldenen Mittelweg nationalliberaler Blockpolitik hindurchzusteuern. Aber gerade diesem agrarisch- liberal- klerikal- konstitutionell. chauvinistisch schillernden Vizepräsidenten, dem sein leicht durch gehendes Mundwerk schon so oft in Mißhelligkeiten geführt hat. war eS beschieden, den erbittertsten Zusammenstoß mit der Rechten herbeizuführen. Nachdem er deS längeren die Neigung seiner Partei für eine Reichsvermögenssteuer dargelegt hatte, verlas er sehr feierlich eine schriftlich aufgesetzte Polemik gegen den Kriegsminister wegen dessen Erklärungen im Reichstage zu den Fällen Lynar und Hohenau. Den Bemühungen des Kriegsministers, die Verfehlung jener hohen Offiziere als noch immer nicht klar erwiesen hinzustellen,, stellte er verschiedene AuS- sagen in dem Prozeß Moltke-Hardcn entgegen. Aber sein Haupt- trumpf war ein Brief deS Gcneraladjutanten Grafen Hohenau auS dem kaiserlichen Hoflager in WilhelmShöhe an den bekannten „Zeugen Bollhardt" und eine Photographie, die jener Hohenzollern- sproß seinem lieben Bollhardt geschenkt hatte. Als Herr Paaschs diese sorgfältig vorbereitete Darlegung machte, die mit den Ausführungen des Herrn KriegsministcrS v. Einem in einem unlösbaren Widerspruch steht, befestigte sich bei den Zuhörern der Eindruck, daß der Reichskanzler vor einigen Tagen schon durch den auch hier erwähnten beiläufigen Seitenhieb gegen Herrn v. Einem diesen Kriegsmann als.künftig wegfallend" hatte signieren wollen. Der sensationelle Vorgang wurde keineswegs dadurch abge- schwächt, daß der General S i x t v. Armin den Kriegsminister wegen seiner Abwesenheit in wenigen Worten mit dem Zusatz entschuldigte, er selbst wisse über alle die Dinge auch nicht Bescheid. Verschlimmert wurde die Sache für Herrn v. Einem aber noch durch daS unglaublich ungeschickte Eingreifen des antisemitischen Abg. L a t t m a n n, der zum Unglück für die Rechte als nächster Redner auf der Tagesordnung stand und mit Gier die Gelegen- heit ergriff, sich als aufopferungsvoller Ministerschützer in empfehlende Erinnerung zu bringen. Er zog gegen Paaschs alle Register der Entrüstung und bezichtigte ihn sogar, daß er „auS Fa m i l i e n i n t e r e s s e" gegen Herrn v. Einem in dessen Abwesenheit losgegangen sei. Zum Verständnis dieses Hiebes muß man wissen, daß ein Sohn PaascheS mit einer Tochter des Geheim- ratS W i t t i n g, des Bruders von Maximilian Haiden. verheiratet ist. Die Rechte, die vorher schon ihre volle Zustimmung zu den Erklärungen deS Herrn v. Einem durch Liebermann von Sonnenberg und Kreth hatte erklären lassen, brach bei Lattmanns Ausfällen gegen Paasch« in tosenden Beifall aus. Lattmann selbst legte dann noch sofort neue Beweise dafür ab, mit welcher unglaublichen Leichtfertigkeit er seinerseits Behauptungen aufstellt. Den Spuren Kreths folgend, zog er gegen die Sozial- demokrati« vom Leder. Er verlas einen Satz seiner Behauptung nach aus der Mannheimer„Volksstimme". Nähere Besichtigung dieses Blattes ergab, daß es ein Flugblatt irgendeiner christlich- sozialen Gewerkschaft war, das jene Behauptung bcweislos vor- brachte. Dann versuchte er der Sozialdemokratie eins auszu- wischen, indem er verlas, was, wie er sich ausdrückte,„Herr Parteigenosse Heine" über König Demos gesagt hatte. Mit wachsendem Erstaunen merkten die Sozialdemokraten, daß das bekannte Sätze waren, die einmal der Dichter Heinrich Heine geschrieben hat, der ja in Deutschland außerhalb de? Kreises anti- semitischer Unkultur nicht unbekannt zu sein pflegt. Die schallende Heiterkeit, die dieser gräuliche Hereinfall des antisemitischen Schwätzers bei uns erweckte, pflanzte sich zu den anderen Parteien fort, er besiegelte Lattmanns Schicksal. Es folgte eine Fülle persönlicher Bemerkungen. Herrn Kreth gelang eS nicht, sich in der schwierigen Technik dieses DiskussionsmittelS zurechtzufinden; stotternd verhedderte er sich jedesmal. Genosse Bebel wies Paasche gegenüber auS dessen Stenogramm nach, daß er davon geredet hätte, man könne in An- betracht der Mehlknapphcit weniger Mehl in die Brötchen backen. Paasche selbst wies gegenüber Lattmann darauf hin, daß der Kriegsminister bei der Etatsdebatte sowieso hätte am Platze sein müssen; er hätte ihm aber obendrein persönlich Kenntnis davon gegeben, daß er gegen ihn im Reichstag reden würde. L a t t m a n n stümperte sich darauf durch einige unsinnige Ausreden noch mehr in die Patsche. Morgen muß der Kriegsminister vor die Front. Da können die kreischenden Unstimmigkeiten im RegicrungSlager sich noch merb würdig auswachsen. Der lllaffcDfund in der Panftftraße. Gegen unsere gestrige Abschüttelung der polizeilichen Verdächtigungen unseres Parteivorstandes und der Geschäfts leitung des Vorwärts-Betriebes veröffentlicht heute Wolffs Telegraphen-Bureau folgende neue Amtliche Mitteilung: Berlin, 3. Dezember 07. Zu unserer Darstellung über den Waffen- und Papierfund in dem Hause Pankstr. 32 b erklärt der heutige„Vorwärts", daß nach seinen Erkundigungen weder der Parteivorstand noch daS„Vorwärts'-Gcschäft oder dessen Geschäfts- leitung mit dem„Fund" beziehungsweise mit dieser ganzen An- aelegcnheit irgend etwas zu tun haben. Mit dieser Erklärung scheint folgendes erstes Bestellschreiben an die beteiligte Papierfabrik nicht im Einklang zu stehen: „Berlin, den 22. November 1906. Mein Ergebnis vom gestrigen Tage schätze ich in Ihrem Besitz und sucht die Verlagsbuchhandlung Vorwärts ein satiniertes weißes Hanfpapier, welches auch aus lauter Hanffasern bestehen soll und bei welchem Papiere noch folgende Vorschriften gemacht worden sind: Stärke des Papiers 66/67 Gramm pro Ouadratmeter 0,06 Millimeter Dicke, 8,000 Meter mittlere Reißlänge, 6 Proz. mittlere Dehnung, 0,4 Proz. Aschenrückstand, Sie haben vielleicht ein ähnliches Papier gearbeitet, welches Sie be- mustern können, auch bitte den Preis für einen solchen Stoff an» zugeben. Gebraucht wird eventuell eine größere Anfertigung." Aus der weiteren Korrespondenz zwischen den Beteiligten sei vorläufig noch folgender Bericht hervorgehoben: „Schöneberg, den 28, Mai 1307. Wilhelm Günsel fragt soeben an, wann da? Papier für den „Vorwärts" zur Absendung gelangt? Sie möchten das Wasser- zeichen doch recht schwach auf das Papier zum Abdruck bringen." Interessant ist auch, daß Herr Günsel sich l0 Pf. Provision per Kilogramm Papierbestellung ausgcbeten hatte. Geliefert sind 236 Kilogramm Papier an Herrn Wilhelm Günsel am 1. Juli 1307. Inwieweit die deutsche Sozialdemokratie sonst noch die „russischen Freiheitskämpfer" unterstützt hat, geht u. a. aus Nr. 33 deS„Vorwärts" vom tö, Februar 1307 hervor, wonach bis 16. Februar allein für diese Zwecke unter der deutschen Arbelterl schafl 333 612,33 M, gesammelt worden waren. Ob aus diesem Fonds die 3860 Fr. für die gefundenen Waffen und die 1001 M. für das beschlagnahmte Papier geflossen sind, entzieht sich vor- läufig noch amtlicher Feststellung. Darauf erhalten wir folgende Erklärung: Wenn Günsel die Papierbestellung für die Verlagsbuchhandlung Vorwärts gemacht hat. dann liegt einfach ein grober Vertraucnsbruch vor. Weder die Buchhandlung Vor- wärts noch die Buchdruckerei und Verlags- an st alt Vorwärts hat, sei es direkt oder indirekt, mit dieser Bestellung irgend etivas zu tun. Ju seiner Stellung als Buchhalter in der Buchhandlung Vorwärts war Günsel nicht in der Lage, derartige Bestellungen zu machen, zumal die Buchhandlung Vorwärts seit ihrem Bestehen überhaupt noch kein anderes Papier als Packpapier zu bestellen hatte; und für Bestellungen der Buchdruckerei und VerlagSanstalt Vorwärts kam Günsel niemals in Frage, da er ja gar nicht Angestellter derselben war. Nun dünkt unS aber, die amtliche Polizeibeweisführung preche selber gegen ihr Bestreben. die Vorwärtsbetricbe doch mit dem Verdachte der Beteiligung an dieser Papier- beftellung zu belegen. Wenn nämlich die Behauptung wahr ist, daß Herr Günsel sich pro Kilo 10 Pf. Provision ausgebeten hat. so liegt doch damit auf der Hand, daß es sich um ein Privat geschäft Günsels handelt, denn für eine von G e- schäftswcgen und für das Geschäft aufgegebene Bestellung wird eine Papierfabrik nicht in der Lage sein, einem Buch- Halter Provision zugestehen zu können; in den Vorwärts- betrieben ist das Siistem schmutziger Schmiergelder seitens der Angestellten nicht üblich und die Geschäftslcitung hat keine Beziehung zu Firmen, die derartige Praktiken pflegen. Buchhandlung Vorwärts Paul Singer. B. Bruns. Vorwärts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co. R. Fischer. Wir denken, diese Erklärung fei deutlich; keine„amtliche Mitteilung" wird die Tatsache aus der Welt wegberichtigcn können, daß weder Partetvorstand noch Vorwärts-Betriebe irgend etwas mit dem sogenannten Waffenfunde zu tun haben. Und der Versuch, die für die Opfer des russischen Freiheitskampfes gesammelten Unterstützungsgeldcr der deutschen Arbeiter mit diesem Fund in der Pankstraße in Verbindung zu bringen, ist so dumm, daß man ihn nicht mal der Polizei sollte zutrauen dürfen. Freilich ist sie in der Lage des betrübten Lohgerbers: wie diesem die Felle, so sieht sie ihre Hoffnung wegschwimmen, Parteivorstand und Partetinstitute mit dem„Waffenfund" in Verbindung zu bringen. Daher die dunune Verdächtigung am Schlüsse der„amt- lichen Mitteilung"._ Starker Rückgang der christlichnationalen Meiterorganliation. AuS dem Ruhrgebiet wird uns geschrieben: Zwischen dem Vorstande deS christlichen Bergarbeitergewerk- Vereins und dem Zentrumsabgeordneten Brust ist ein erbitterter Kampf im Gange. Der Bergarbeitergewerkverein hat sich bekanntlich mit dem„alten" Bergarbeiterverbande über die Reform des hiesigen Knappichaftsstatuts verständigt. Die Knappschaftsältesten beider Organisationen haben die Werksvorschläge abgelehnt, weil sie eine schwere Schädigung vieler Invaliden bedeuten. Der Zentrums- abgeordnete Brust, der im Landtage gegen den Willen der Arbeiter für die schlechten Berggesetze gestimmt hat, steht aber in der Statut« frage auf der Seite der Werksbesitzer. Er agitierte in seiner „Buerschen Zeitung" jür die Werksbesitzer, damit auch gegen den christlichen Bergarbeitergewerkverein, dessen Vorsitzender Brust zehn ähre war. Um die Beschlüsse des Gewerkvereinsvorstaudes zu durch- uzen, hat sich der Abg. Brust einen ihm treu ergebenen Teil der GeWerl- vereinsältesten heinilich zusammengetrommelt. Wenn der Gewerkvereins- Vorstand nach links dirigierte, deichselte derNebenregierer Brust nach rechts. Ihm wurden von Zwischenträgern stets die internen Verhältiiisie i» der Gewerkvereinszentrale mitgeteilt. Dadurch hatte er Trümpfe in die Hand bekommen, mit denen er drohte. Der Zwist blieb lange latent, ist aber mm zum offenen Aus- bruch gekommen. Eine GewerkvereinSkonferenz für den Verbreitung-?- bezirk der„Buerschen Zeitung"(Zentrumsorgan) hat beschlossen, de» Abgeordneten Brust kalt zu stellen. Er schädige als Ge- setzesschmied(Ij mehr die Arbeiter. wie ein WerkS« besitzer. Wenn der Verleger der„Buerschen Zeitung" den Herrn Brust nicht abschüttele, würden die Gewerkvereinsmitglieder die Zeitung boykottieren! Der Zeitungsverleger hat sich darauf mit Herrn Brust solidarisch er« klärt. Er selbst ergreist nun das Wort in der„Buerschen Zeitung' und beginnt mit Enthüllungen über die inneren Verhältnisse deS chri st lichen Berg- arbeitergewerkvereinS. Ueber die moralische und intellektuelle Qualität der GeWerk- vereinssührer urteilt Brust in der denkbar wegwerfendsten Weise. Er wirst ihnen Unfähigkeit. Großmannssucht, Paschawirtschast. Ber- leumdungssucht, Betrug der Oeffenilichkeit vor. Auf dem Gewerk- Vereinsbureau faullenzten die Beamten umher, die Außenbeamten würden am schlechiesten bezahlt und müßten am meisten arbeiten. Geprügelt hätten sich die Beamten auch schon, wohl um ihren „KampfeSmut" zu beweisen. Dem GewerkvereinsvorsitzendeN Köster wirst Brust unverblümt Dummheit und Trunksucht vor. Die Leser des„Vorwärts" werden sich erinnern, daß in der christlich-nationalen Presse nach dem Streik 1306 den Sozialdemo- traten vorgeworfen wurde, sie hätten 20 000 M. Streikgelder nach Rußland geschickt, während die Bergleute Not litten. Die gerichtliche Klarstellung dieses Schwindel? wurde von den Verbreitern der Lüge verhindert. Run erzählt der Zentrumsabgeordnete Brust an? dieser Zeit Intimitäten. Er teilt mit, in der Zeit, als viele Bergleute infolge des Streiks uoch hungerten. habe der christliche Bergarbeiter-Gewerkverein keine Unter st ützungen mehr ausgezahlt, aber die eamten auf dem Zentralbureau hätte» sich da- mals ihre Gehälter uni monatlich bis zu vierzig Mark erhöhtl Seit Mitte 1306 bezögen eine ganze Reihe der Beamten an der Zentrale, damit meint Brust die GewerkvereinSfekretäre Köster. Effert, Behrens, Jmbusch, Rürup usw., einen Jahresgehalt von 2700 Mark, jährlich um 60 Mark steigend. Diese Gehaltserhöhung habe man zu der Zeit vorgenommen, als viele Gewerkvereinsmitglieder infolge ihrer Beteiligung an dem Streik noch gehungert hätten. Für diese Leute habe der Gewerkverem kein Geld mehr gehabt Die interessanteste Mitteilung deS„Minenlegers" Brust betrifft die Mit gliederzahlen des GetverkvereinS. Der Gewerkverein habe jetzt bei 70 000 Mitgliedern an 40 Beamte. Auf dem christlichnationalen Arbeiterkongreß in Berlin wurden 80 000 Mit glieder angegeben. Ende 1904 habe der Bergarbeiter- gewerkverein im Ruhr gebiet rund 39 000 Mit glieder gehabt, diese Zahl sei aber jetzt nicht mehr vorhanden! Während des Streiks ILOö habe der Gewerkverein 40 000 Neuaus nahmen gemacht, noch», ehr seienbis jetzt wieder ver- koren gegangenl Brust erklärt also, der Gewerkverein habe in den letzten zwei Jahren rund 41 000 Mitglieder im Rnhrgebiet verloren! Da Brust selbst noch Gewerkvereinsmitglied ist und durch Zwischenträger über die internen Berhältuiffe in der Gewerkvereins zentrale ständig auf dem laufenden gehalten wird. ist seine Mitteilung kaum als eine bloße Behauptung anzusehen. Seine Angaben werden auch gestützt durch den Ausfall der Knapp- schaftsältestenwahlen am 23. November. Bon den 1b neugebildeten Sprengeln eroberte der„alte Verband" 10, der christliche Verband bekam nur drei seinen erhielte» die Polen, einen die Zechenpartei). obwohl die meisten Sprengel in den Bezirken liegen, die man all- gemein als die besten für den Gewerkverein angesehen hat. Der Wahlausfall hat denn auch allgemein überrascht. Nun erklärt Brust, der christliche Berein habe seit dem großen Streik 41000 Mitglieder eingebüßt. Er sei heute weniger stark tvie vor dem Streikt DaS sei ein so starker Rückgang der christlich- nationalen Arbeiterorganisation, wie ihn auch die schlimmsten �Schwarzseher nicht geträumt hätten. Brust erzählt weiter, im Saargebiet stehe es ebenfalls sehr schlecht mit dem Gewerk- Verein. Wenn man ihn„zur Notwehr" zwänge, will Brust noch weitere Mitteilungen über die Desorganisation des Gewerkvereins machen. Die Leitung ruiniere durch ihre„sozialdemokratische Taktik" den Gewerkverein. Sie wolle die Sozialdemokraten im Radikalismus noch übertrumpfen. An der„sozialdemokratischen Taktik" kann der von Brust be- hauptets Rückgang des christlichnationalen Vereins nicht liegen, denn der von Brust als die„Ausgeburt der Hölle" bekämpfte„sozial- demokratische Verband" macht gute Fortschritte. In den letzten beiden Geschäftsjahren hatte der„sozialdemokratische Verband" 2777 000 M. Einnahme an Mitgliederbeiträgen, der christliche Bergarbcitergewcrkverein nur 1 234 000 M. In den ersten drei Quartalen 1907 nahm der„sozialdemokratische Verband" 1221000 M. Mitghederbeiträgc ein, das sind über 100000 M. mehr wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das Ver» mögen des„sozialdemokratischen Verbandes" erhöhte sich in den ersten drei Quartalen 1907 schon um 21 l 000 Mark. Seine„sozialdemokratische Taktik" kann also den christlichen Berg- arbciterverein nicht so zurückgebracht haben. Woran eö liegt, tvird nun wohl die GewerkoereinSleituug aufklären. Da der christliche Bergarbeitergewerkoerein die christlichnationale Mustergewerkschaft in Deutschland ist, ist den Mitteilungen des Abgeordneten Brust über die rapide Desorganisation dieser Vereinigung eine zeitgeschichtliche Bedeutung nicht abzusprechen. Mag auch Brust übertrieben haben, so viel steht doch fest, er weiß Bescheid über die Lage der Dinge in der christlichnationalen Arbeiterorganisation. Man darf gespannt sein auf die Antwort der Angeschuldigten. Sie können zu den An klagen nicht mehr schweigen. ver AahIrechlZltZmpf. Der 1. Dezember hat das Werk des 2S. November fortgesetzt. Zahlreiche Orte und Bezirke, wo die Protestversammlungen gegen daS Dreiklaffenunrecht am Dienstag nicht abgehalten werden konnten, haben am Sonntag ihre Kundgebungen gehabt. Von ihnen gilt dasselbe, was von denen des Dienstags gesagt werden konnte. Sie sind glänzende Demonstrationen entschloffener Kampfbereitschaft gewesen. Dichte Maffen fiillten die Säle und eine gewaltige Er- bitterung gab sich in dem Verhalten der Zuhörer kund und der feste Wille, die Dreiklassenschmach abzuschütteln. Durchweg wird von starkem Besuch und von begeisterter Aufnahme der Referate berichtet. Immer höher schwillt die Flut des ZomeS gegen die Ent- «chtung.... Besonders imposante Massenkundgebungen. sind auS dem Ruhr» revier zu melden. In Dortmund waren vier Säle überfüllt, im Wahlkreise tagten neun große Versammlungen, wovon die zu Lünen 2000 Besucher umfaßte. Im Nachbarwahlkreise Bochum- Gelsenkirchen fanden 17 äußerst stark besuchte Volksversamm- lungen statt, im Wahlkreise Hamm-Soest sieben Versammlungen. wovon die in Unna 200 Demonstranten vereinigte. Auch im übrigen Westfalen sind große Kundgebungen zu verzeichnen; in Hagen-Schwelm tagten 13 imposante Verfamm» lungen. In Hagen selbst hatten sich 800 Demonstranten eingefunden. Jn SchleSwig-Holstein war für den Wahlkreis Kiel der Sonntag der Demonstrationstag. In Kiel selbst taglen fünf gewaltige Versammlungen, von denen zwei polizeilich abgesperrt wurden, im Wahlkreise waren zwölf Versammlungen veranstaltet. Eine große Anzahl von Versammlungen hat in P o m m e r n getagt, im ReichStagSwahlkreise Randow-Greifenhagen allein zehn, außerdem hatten noch siebzehn Orte der Provinz Kund- gedungen. In der Probinz Sachsen fanden im Wahlkreise Nord- Hausen neun stark besuchte Versammlungen statt, bei Halle vier, im Bezirk Bockwitz drei; in Mühlhausen waren 1000 Zuhörer ver- sammelt. Außerdem werden noch Versammlungen aus einzelnen Orten Brandenburgs. Hannovers und des Rheinlands ge- meldet, in W e st p r e u ß e n hatten Elbing, Grandenz, Manenwerder, Thorn, in Schlesien Freiberg. Grünberg<200 Besucher). Mallwitz (Kreis Sprottau), Peterswaldau und Sagan stark besuchte Kund- gebungen. • Bergarbeiter und Landtagswahlrecht. In dem größten Saale des Industriezentrums Gelsen» kirchen- Altstadt fand am Sonntag eine von 2000 Bergarbeitern besuchte Versammlung statt mit der Tagesordnung:„Die Berg- arbeiter und der preußische Landtag". Reichstags- abgeordneter Hue hielt da§ Referat; die Versammelten stimmten ihm lebhaft zu. Erschienen waren auch zahlreiche christlichorganisierte Bergarbeiter, das Referat fand indes keinerlei Widerspruch. Ein- stimmig wurde folgende Resolution angenommea: „Die heulige Bergarbeiterversammlnng erklärt: Der Streit um ein besseres Knoppichaftsslatut hat uns erkennen lassen. daß der preußische Landtag bei der Sendernng de? Knapp- schaftSgesetzeStel VII deS Allgemeinen Berggesetzes) durchaus arbeiterfeindlich handelte, als er nicht nur alle auf eine Erhöhung des ArbeitereinflusseS auf die Kassenverwaltung hinzielenden Anträge der allgemeinen Bergarbeiterkongresse ab- lehnte, sondern auch noch die Regierungsvorlage verschlechlerte. Dieselben traurigen Erfahrungen haben die prenßisckien Bergarbeiter mit dem Landtag gemacht, alö er 1892 und 1905 ein wirkliche» Bergarbeiters chutzgesetz schaffen sollte. Da sind den Bergarbeitern Steine statt Brot gegeben worden. Dies wäre nicht möglich gewesen, wenn die Arbeiter auf die Zusammensetzung des Landtages Einfluß hätten. Das in jeder Beziehung ungerechte Dreikkaffenwahlrecht verhinderte die Berg- arbeiter. in den Landtag eine Vertretung ihrer Interessen zu ent- senden. Diese empörende Tatsache erkennend, fordert die heutige Ver- sammlung alle preußischen Bergarbeiter auf, sich in die erste Reihe der Bewegung gegen das Dreiklassenivahlrecht. für dos Reichstagswahlrechl zum preußischen Landtag zu stellen. Da die gewerkschaftlichen Organisationen als solche nicht den Wahlkampf führen können, so fordert die Versammlung alle Bergarbeiter auf, i» ihren politischen Parteien die maßgebenden Führer und Körperschaften zu nötigen, unzweideutig Stellung für die Einführung deS allgemeinen. gleichen, geheimen und direkten LandragSwa'hlrechteS zu nehmen. Diese Angelegenheit ist nun zu einer Lebensfrage der ganzen Bergarbeiterschaft geivorden. Denn nicht eher werden die Berg- arbeiter aus die Erfüllung ihrer wohlberechtigten Lebensschutz- forderungen rechnen dürfen, als bis durch Beseitigung des Drc,- klassenwahlrechtS da§ arbeitende Volk Einfluß auf die Landes- gesetzgebung gewonnen hat." Die„vergarbeiterzeitung" fordert alle preußischen Bergarbeiter auf, in gleicher Weise wie ihre Kameraden in Gelleukirchen zu der WahlrechtSbewegung Stellung zu nehmen. Wenn man die Unfall Ziffern ansehe, dann wisse man, wie schwer der Bergarbeiterschutz in Preußen durch die Schuld deS Landtages vernachlässigt sei. Es seien innerhalb der letzten fünf Jahre von 1000 Bergleuten unter Tage tödlich verunglückt in Frankreich 1,l8—1.24. in Belgien 1,120—1,333, in Preußen 1,998— 2,177. Von 1000 Bergarbeitern der Gesamtbelegschaft seien tödlich verunglückt in England 1,231—1.328, in Preußen 1,799—1,989. Vergleiche man längere Zeiträume, so ergebe sich, daß von 1000 Kohlenbergarbeitern tödlich verunglückten in England Preußen 1824/64: Z.S70 1841/52: 1,650 1861/65: 3,240 1861/66: 2,656 1881 90: 1,923 1881/90: 2 934 1891/95: 1,524 1891'1900: 2,474 1896/1905: 1,294 1901/1905: 1.975 Im preußischen Landtage seien vor zirka einem halben Jahr hundert die arbeiterschützenden Bestimmungen der alten Berg ordnungen aufgehoben worden. Statt Brot habe der preußische Landtag den Bergarbeitern Steine gegeben. Dmum sei für die Bergarbeiter die Abschaffung des Dreiklassenwahlrechts eine Lebens- frage._ poUtifcbe Ckberftcbt. Berlin, den 3. Dezember 1907. Direkte Reichssteucrn. In seiner Rede, mit der Freiherr v. Stengel die EtatS- Verhandlungen im Reichslage einleitete, hat er behauptet, daß in den Vereinigten Staaten von Amerika, deren Verfassung doch sicherlich auf einer durchaus liberalen und ftcisimngen Grundlage aufgebaut fei, niemand auch nur daran denke, die direkten Steuern auf das Vermögen und daS Einkommen ganz oder teilweise den Einzel- staate» zu entziehen und auf den Bund zu übertragen. Dort habe man längst erkannt, daß man die direkten Steuern den Einzelstaaten belasten müsse, wenn die föderativen Grundlagen der Verfassung jener Staaten keinen Schaden leiden sollen. Nun herrscht in der nordamerikanischen Union trotz mancher demokratischen VcrfaffungSbesttmmungen die Plutokratie, und deshalb kann selbst dann, wenn die Behauptungen deS Herrn v. Stengel richtig wären, das dortige Steuersystem keineswegs ohne weiteres als Muster für Deutschland gelten. Tatsächlich aber plant man. wie die„Boss. Ztg." feststellt, auch in Amerika die Einführung einer BundeS-Erbschafts- und Einkommensteuer: „Präsident Roosevclt empsiehit in seiner Botschaft an den Kongreß vom 4. Dezember 1906 für die deninächstige Revision deS BundessteueriyftemS die Einführung einer vor allem die Riesenvermögen treffenden progressiven Erbschaftssteuer und einer progressiven Einkommensteuer als BmideSeinnahme. Danach scheint also der Präsident der Vereinigte» Staalen, der doch wohl nichk beabsichtigt, an dem söderaliven Charakter der Union zu rütteln, über die Wirkung, die in dieser Hinsicht von direkten Steuern ausgehen könnte, wesentlich anders zu denken als die deutschen Staatsmänner."_ Dernbnrgs Pläne. Nach der Information des Scherlblattes verlangt Dernburg an Eisenbahnbauten: 1. Die Eisenbahn DareSsalam— Morogoro nach Tabora, 2. die Usambara-Bahn bis zum Kilimandscharo weiterzubauen. 3. daS Rufidji-Ulanga-Schiffahrt- Projekt zu betreiben, wenn die Untersuchung dieses Projektes, die im Gange ist, günstig ausfällt. Daran schließt er nock daS Südbahnprojekt von K i l w a aus, jedoch hat sich Dernburg noch keineswegs für einen bestimmten Ausgangspunkt entschlossen. Diese Bahnbauten, fährt daS Scherlblatt fort, würden zirka 150 Millionen kosten, doch werde die Bauzeit 10—15 Jahre be- tragen, so daß sich p r o I a h r nur eine Summe von 12 bis 15 Millionen ergebe. Die Bewilligung dieser Summe hoffe Dem- bürg von der ReichStagSmehrhett wohl erwarten zu können. Mit DernbnrgS Kolonialbauplänen steht es genau so wie mit den Flottenbauplänen des Herrn v. Tirpitz. Die Kosten sollen sich auf eine Reihe von Jahren verteilen, so daß pro Jahr nur so und soviel erforderlich sei. Nackcher aber stellt sich heraus, daß die Bau- tosten ganz wesentlich höher sind als der Voranschlag. Und dann wird plötzlich ein beschleunigtes Bautempo verlangt. Es braucht ja nur— was nur zu wahlscheinlich ist— in Ost- afrika wieder ein größerer Eingeborenenaufstand auszubrechen und der Bahnbau wird beschleunigt. Die Jahresraten verdoppeln und verdreifachen sich dann! Aber was Herr Tirpitz kann, wird ja auch Herr Dernburg noch können I Die Blockmehrheit wird bewilligen— daS Boll kann ja nachher die Suppe auslöffeln!— Klerikale Agrarpolitik. DaS„Bayrische Vaterland" nagelt die„Kölnische Volks- zeitung" auf eine Inkonsequenz fest, die der weiteren Beachtung wert ist. In Nr. 1025 vom 26. November bringt nämlich das rheinische Zentrumsblatt die Rede des ultramontanen Abgeordneten Herold anläßlich der Interpellation über die Lebensmittel» teuerung. Darin gibt Herold unter dem Beifall seiner GesinnungS- genoffen der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Aushebung der Zölle nicht denZweck erreichen werde, diePreise für Lebensmittelherabzusetzen, denn der Zoll übe seine Wirkung nur bei billigeren Preisen aus. In derselben Nummer, eine Seite weiter, bringt die„Kölnische Volkszeitung" einen Artikel im Handelsteil über die KrisiS im türkischen Wirtschaftsleben. Darin heißt eS: „Um der gewaltigen Erhöhung der Brotpreise zu begegnen, hat die türkische Regierung nun vor einigen Wochen ein Verbot, Getreide zur Ausfuhr zu bringen, erlassen. Ob dieses Mittel hinreicht, um die schlimmsten Folgen der Verteuerung des Brotes von der Bevölkerung abzuwenden, darf billig bezweifelt werden. Zu dem einzig durchgreifenden Mittel einer Er- Mäßigung oder gar zeitweisen Aufhebung der Einfuhrzölle für Getreide kann sich die otto- manische Regierung offenbar nicht ent- schließe n." In Deutschland hat also die Herabsetzung oder Abschaffung der Getreidezölle keinen Einfluß auf die Brotpreise, in der Türkei dagegen ist sie das„einzig durchgreifende Mittel" zu diesem Zweck. Wunderbar!— Agrarische Wahlstatistik. Daß die Zahlen der Agrarier nicht zu stimmen pflegen, wenn die Herren durch ihre Gelehrten ihren Lesern vorrechnen lassen, daß die Getreidezölle, Wehzölle und Grenzsperren Brot und Fleisch nicht verteuern, ist ja eine bekannte, aber immerhin erklärliche Tatsache. Die Herren Agrargelehrten m ü s s e n ja mit falschen Zahlen operieren, da ihnen sonst der Beweis nimmermehr gelänge. Daß aber die Herren von der„Deutschen Tages- zeitung" auch die Zahlen der Wahlstatistik in un- alaublichstcr Weise entstellen, läßt sich höchstens aus der Gewohnheit und deni Prinzip erklären. Zahlen nie- mals richtig wiederzugeben. Die„Deutsche Tagesztg." gibt— sie ist ja die Berufenste dazu l— der Sozialdemokratie den Rat,„etwas bescheidener" aufzutreten. Die Sozialdemokratie habe dazu alle Veranlassung, habe sie doch bei den letzten Reichstagswahle n sehr schlecht abgeschnitten. Und nun verzeichnet das Oertel-Blatt folgende sozialdemokratische Stimmenverluste: „Beispielsweise verloren sie im Kreise Leipzig-Land 14 440, in Dresden r. d. E. 9163, in Zittau 8553 und in Stollbcrg und Teltow-BeeSkow über 6000 Stimmen. Bedenkt man nun. daß gerade in diesen Kreisen die Arbeiter- bcvötkerung bei weitem überwiegt, so kann man behaupten, daß viele Arbeiter, die»och im Jahre 1903 den sozialdemokratischen Kandidaten zum Siege verhalfen, die Schädlichkeit der Bewegung mindestens einigermaßen erkannt und ihr den Rücken gekehrt haben." In den genannten fünf Wahlkreisen soll also die Sozial- demokratie 44 156 Stimmen verloren haben! In Wirklichkeit verlor sie gegenüber 1903 nur in drei dieser Wahlkreise Stimmen, nämlich in Dresden rechts der Elbe 1921 (nicht 9163!), in Zittau 540(nicht 8553!) und in Stollberg 1096(nicht 6000!) Stimnien. Dafür g e- wann sie in Leipzig-Land 1883 und in Teltow- Beeskow 30 250 Stimmen l Die Sozialdemokratie verlor also in den aufgezählten fünf Wahlkreisen 3557 Stimmen und gewann 32 133 Stimmen, sodaß sie einen Reingewinn von 28 381 Stimmen zu verzeichnen hatte, statt des von der „Deutschen Tageszeitung" behaupteten Verlustes von 44156 Stimnien. Der Himmel mag wissen, woher das Agrarierblatt seine Zahlen bezogen hat! Und das wagt sich an statistische Be- rechnungen heran, die mehr erfordern als bloßes Abschreiben! Das Dreiklassenparlament kein Klassenparlament. Die Wildnationalliberale„Rheinisch-Westfälische Zeitung", die Vertreterin der rheinisch-westfälischen Industriellen, macht sich die Ausführungen des freikonservativen Landtags- Abgeordneten Vorster zu eigen, der sich gegen jede wahrhaft demo- kratiiche Aendcrung des DreillassenwahtsystemS ausspricht und hofft. daß die Mehrheil des Abgeordnetenhauses niemals ihre Zu- stimmung zur Einführung deS ReichötagöwahlrcchtS geben werde. DaS schnurrigste an der Sache ist jedoch, daß Vorstcr in seiner Schrift beweisen will, daß das Dreillassenparlament kein Klas senp ar la m ent sei. ES sei vielmehr ein Parlament, das dem M i t t e l st a n d de» ausschlaggebenden Einfluß einräume. Demi die Mehrheit der Wähler der zweiten Klaffe setze sich aus Wählern mit einem Einkommen his 2400 M. zusammen. Sei doch in rund 9000 von insgesamt 27 000 Urwahtbezirken die zweite Klasse den Einkommen bis zu 1500 M.„zugänglich", in weiteren 9000 Bezirken den Einkomme» zwischen 1500—2400 M. AIS ol� eS sich um die, Z u g ä n g l i ch k e i t" handele und nicht um die Zahl der Wähler mit solch' niedrigem Einkommen! Da aber in der 2. Klasse nach Vorster daS Durchschnitts- « i n k o m m e n 8600 M. beträgt, ergibt sich, daß auch in der 2. Klasse der Besitz ausschlaggebend ist I Aber selbst wenn daS nicht wäre: es gehört eine eiserne Stirn dazu, zu behaupten, ein Wahlrecht, das 15 Prozent der Urwähler doppelt so viel Wahlrecht einräumt, wie den 85 Prozent der Wähler 3. Klasse, sei kein Klassenwahlrecht, keine schamlose Entrechtung von mehr als sechs Siebeuteln aller Wähler! In großen Städten ist obendrein daS Verhältnis noch schlimmer. So hatten in Berlin in der 1. Klasse 1.63 Prozent der Wähler ebensoviel Wahlrecht, wie 88.92 Prozent der Wähler 3. Klasse! Denn von 11 Prozent Wählern der beiden obersten Klassen gelang eS sogar, die 3. Klasse völlig zu überstimmen, sodaß diese neu» Zehntel der Wähler im Grunde überhaupt kein Wahlrecht hatten! Und das ist nach der Ansicht des LrganS der nationalliberalen Schlotjimker kein Klassenwahlrecht!— Ein Gendarmenspatz. In U e b e r st r a ß im Oberclsaß kam am 17. März d. I. der Gendarm Herschelmann in den Schulsaal, öffnete einen Schrank und entnahm einer Kiste die in ihr aufbewahrten Mobil« m a ch u n gs b e fehle, die er in die Tasche seines Fahrrades brachte. Dann ging er zum Lehrer Bach und ersuchte ihn, ihm das Paket mit den Mobilmachungsbefehlen a u Sz u- händigen. Natürlich geriet der Lehrer in begreifliche Auf- regung, als er das Paket nicht fand, umsomehr, als der Gendarm mit sofortiger Verhaftung drohte. Schließlich gab er dem Lehrer zur Herbeischaffung des Paketes Frist bis zum Montag Mittag. Dann fuhr er mit dem Paket davon. Auch am Montag hatte sich das Paket natürlich noch nicht angefunden, obwohl der Lehrer und der Bürgermeister nochmals nach ihm gesucht hatten. Am Nachmittag kam der Gendarm wieder. Das Paket war natür- lich nickt da. Der Gendarm drohte wieder mir Verhaftung, gab aber dann dem Lehrer eine Gnadenfrist bis 6 Uhr und ging zum Bürgermeister. Als er von diesem wieder zu dem Lehrer zurück- kehrte, sagte er ihm auf den Kopf zu, der Bürgermeister hätte ge- sagt, der Lehrer gehe öfter üb er die Grenze nach Frankreich hinüber!.... Zwei Tage später klopfte der Gendarm am Schulsaal in Largitzen an und erzählte dem dortigen Lehrer, in U e b e r- straß seien die Mobilmachungspapiere gestohlen worden. Darauf schrieb der Lehrer Bach einen Artikel in ein Mülhauser Blatt, in dem eS hieß, daß der Dieb sich als Gendarm Hcrschelmann entpuppt habe. Dadurch fühlte sich der Gendarm be- leidigt. Lehrer Bach und ein Schriftsetzer wurden vor Gericht zitiert und erhielten 50 M. b e z w. 20 M. wegen Beleidigung. Dem Bürgermeister von Ueberstraß aber, der den Hergang der Sache dem Polizeikommissar und der Kreisdirektion mitteilte, wurde erklärt: Ter Gendarm habe nur Spaß machen wollen!.... Bisher hat man noch nicht vernommen, daß dem Gendarm flargemacht worden ist, daß solche dummen und frivolen Spaß« nicht zu seinen Befugnissen gehören. Christliche und antisemitische Aalscher. Ter antisemitische Abgeordnete Lattmann hat am Dienstag im Reichstag die dreiste Behauptung aufgestellt, unser Mann- heim er Parteiblatt, die«V o l k S st i m m e". habe gesckmeben: »Dem ch r i st l i ch e n Arbeiter muh das letzte Stück Brot aus der Hand geschlagen lv erden". Diese Behauptung ist, Wie das jeder Mensch mit normaler Urteilsfähigkeit sich sofort sagen muh, er st unten und erlogen. Als unsere Parteigenossen im Reichs- tage Datum und Nummer der Zeitung verlangten, tat Herr Latt- mann erst, als ob er für Zurufe völlig taub sei. Energisch gedrängt nahm er schließlich eine Druckschrift und reichte sie zögernd unseren die Treppe zum Rednerpult hinaufeilenden Genossen Hue und Lehmann mit den Worten hin:„Da lesen Sie die Mannheimer »Bolkestimme*. Aber was Herr Lattmann für die„Volksstimme" gehalten haben will, war eine vom„Christlichen Gewerks»aftö- kartell" in München herausgegebene Flugschrift mit dem Titel: „Wer terrorisiert?" Herr Lattmann konnte die Nummer, in welcher dieser nichtswürdige und polizeiwidrig dumme Artikel gestanden haben sollte, schon um deswillen nicht angeben, weil sie rn der Sudelschrist wohlweislich auch verschwiegen war. Schon das hätte ihm verdächtig erscheinen und ihm Veranlassung geben müssen, der Angelegenheit nachzuforschen, ehe er, noch dazu unter dem Anschein, als lese er auS der„Volksstimme" selber vor, davon Gebrauch macht«. Nach eingegangenen Erkundigungen hat unser Mannheimer Parteiblatt bei Gelegenheit eines Streiks der Hafenarbeiter einen der christlichen Führer, der zum Streikkomitee zugelassen zu werden verlangte, obgleich die Christlichen rein« organisierten Hafenarbeiter aufzuweisen hatten, und der nach Ablehnung seines in jeder Beziehung un- gerechtfertigten Verlangens allerlei Quertreibereien machte und den Streik, wie schon in einem ähnlichen Falle bei den Stukkateuren, beinahe zum Scheitern gebracht hätte, gesagt, daß solche Christ« liche nicht unter die ehrlichen Arbeiter gezählt zu werden verdienen, und datz mit dieser Gesellschaft aufgeräumt werden müsse. Wie man sieht, ganz etwas anderes, als was die christlichen Verfasser der Schviähschrtft und der Herr Lattmann gesagt und geschrieben haben. Nicht ohne Ironie ist der Umstand, dah derselbe Abge. ordnete, der hier leichtfertig Beschuldigungen nachbetet und dem die Ehre eines sozialdemokratischen Blattes keinen Pappenstiel »vert ist, dem Abg. Paasch« den Borwurf machte, daß er den Kriegsminister angefaßt habe, ohne diesen vorher pflichtschuldigst davon zu benachrichtigen. Der Kasus macht uns lachen. Vom preußischen Polizeistaat. Am 3. November hielt der Arbeiterverein in Flatow W.-Pr. tkne Versammlung ab, in der Genosse Tischlermeister Schlichtholz den Liebkncchtprozcss besprach. Am Schlüsse der Versammlung wurde mitgeteilt, daß in der nächsten Versammlung der Prozeß Horden besprochen werde. Darauf erhielt jetzt Genosse Schlichtholz folgendes eigentümliches Verbot von der Flatzwcr Polizeiver- waltung: Polizeivcrwaltung Flatow, den 25. November 1907. Flatow W.-Pr. In der am 3. d, MiZ. abgehaltenen Versammlung des Arbeitervereins wurde für die nächste Versammlung ein Vortrag über den Hardenprozeß in Aussicht gestellt. Im Interesse der Aufrcchterhaltung der öffentlichen Ordnung untersagen wir diesen Vortrag. Sollte mit demselben begonnen werden, so wird die Versammlung sofort aufgelöst werden. Unters-brift An Herrn Tischlermeister Schlichtholz, hier. Es mag ja recht nett sein, daß die Polizei glaubt, sich um illcS kümmern zu müssen. Sie sollte aber in erster Linie sich um Beobachtung des Gesetzes kümmern. Das preußische Gesetz gibt ihr kein Recht, eine Versammlung im voraus zu verbieten öder die Auflösung einer Versammlung wegen eines Themas, das ihr nicht gefällt, anzudrohen. Eine solche Drohung ist die strafbare Ankündigung eines bestimmten Mißbrauch« der AmtSgelvalt, falls der Polizeiobcrste die gesetzlichen Bestimmungen kennt oder durch Fahrlässigkeit diese Kenntnis sich anzueignen unterlassen hat. Die Versammlung wird trotz des Polizciukas stattfinden und eventuell ein staatsrechtlicher Kursus über die Grenzen der Polizeigewalt auch in Preußen durch Beschreitung des vcrwaltungSgerichtlichcn und strafrechtlichen Weges der Flatowcr Polizeivcrwaltung erteilt werden. Ter Wahlrcchtskampf in Sachsen. Am 4. Dezember soll in der Zweiten sächsischen Kammer die sogenannte Wahlreform der Regierung beraten werden. Die Sozial- demokratie des Königreichs Sachsen ruft da« Voll zu Rassen- Versammlungen am 7. und 8. Dezember auf. ManSverhrldentatrn. Am 20. September lag die 0. Batterie de« FeldartilleriereaimentS Nr. 31 in der Nähe des Dorfes Min- wersheim i. Elf. im Biwak. Der Wachtmeister Bruhns, die Sergeanten Heidcnreich. Kügow und der Unteroffizier L ist gerieten abends nach 10 Uhr in einer Wirtschaft dcS Dorfes mit zwei Dorfbewohnern in Streit, in dessen Verlauf List und Heiden- reich einen der Dorfbewohner namenS Schmitt verprügelten. Aber damit war die Kampfbegierde der Unteroffiziere nicht gestillt, Bruhns. List und Heidcnreich verfolgten Schmitt bis in das elter- liche Gehöft, überkletterten did Mauer, schlugen den oberen Teil der HauStür ein und mißhandelten Schmitt und feinen ihm zu Hülfe geeiltcn S7 Jahre alten Vater mit einer Mistgabel, die er zu seinem Schutz« ergriffen hatte. Während die Helden auf den am Boden liegenden älteren Mann einschlugen, kam Schmitts Nachbar. der 70jährige Stark zu Hülfe-, aber ehe er sichs versah, erhielt auch«r einen Schlag mit der Mistgabel, der ihn zu Boden streckte. Endlich wurde ein Offizier mit der Wache geholt, der die Unter- offizicrc verhaften lieh. Die beiden alten Leute erhielten erhebliche Verletzungen. Schmitt Ivar 11 Tag- arbeitsunfähig. Stark lag ü Tag« zu Bett, konnte einen Monat lang nicht arbeiten und geht noch heut» am Stscke. Die Strafe fiel recht gering auö. Das Kriegsgericht verurteilte den Wachtmeister BruhnS wegen unerlaubter Entfernung, vor- sätzlicher Körperverletzung und gemeinschaftlichen Hausfriedens- bruchS zu Bier Wochen und zwei Tagen Gefängnis, den Sergeanten Heidenreich zu sechs Wochen und zwei Tagen Gefängnis und den Unteroffizier List zu zwei Monaten, zwei Wochen und zwei Tagen Gefäng- n i s. Kügow erhielt nur drei Tage Arrest wegen uncr- laudier Entfernung._ Militärjustiz. »Im Interesse der Disziplin" erkannte vor einiger Zeit das Kriegsgericht der 17. Division gegen den Gefreiten R. vom 17. Dragoner- Regiment wegen Achwngsverletzung. Gehorsams- Verweigerung und tätlichen Angriffs auf einen Vorgesetzten aus ein Jahr drei Monate und eine Woche Gefängnis, während ein der Feigheit angeklagter Unteroffizier K. freigesprochen wurde. Wegen dcS„niedrigen" Strafmaßes gegen R. und wegen der Frei- sprechung des Unteroffiziers legte der Gerichisherr und wegen des ihm zu hoch erscheinenden Strafmaßes legte R. Berufung ein, die vor dem OberkriegSgericht des IX. Armeekorps(Altona) zur Verhandlung gelangte. Als das genannte Regiment sich im Manöver befand und in einen, mecklenburgischen Dorfe büvackierte, trank R., sich am Abend des 24. August d. I, einen gehörigen Rausch an, in «elcher Berfaffung er sich»stark" fühlte. Bon einem Unteroffizier autgefordert, sich tnS Quartier zu begeben, antwortete R,, der Unter- offizier—- dieser hatte nicht umgeschnallt— solle sich erst dienstlich ankleiden, bevor er Befehle erteile. Dann traf R. mit dem Unteroffizier K. zusammen, der ihm ebenfalls den Befehl erteilt«, er solle seinen Rausch ausschlafen. R, ergriff einen Stock und versetzte damit dem Unteroffizier vier Schläge, Der Angeklagte R. erklärte, er sei s o stark angetrunken gewesen, daß er sich des Vorgangs nicht zu erinnern vermöge, während der Mitangeklagte Unter- offizier den Vorwurf der Feigheit zurückwies mit dem Bemerken, er sei von dem eisten Schlage halb betäubt gewesen. Das Ober- kriegSgericht hob daS Urteil erster Instanz auf und verurteilte R. zu drei Jahren und einem Monat GefängaiS und den Unteroffizier wegen Feigheit zu vier Wochen Mittelarrest.— Solche Urteile wirken weniger disziplinfördernd als antimilita- ristisch I_ Wieder ein Soldatenselbstmord! Der Musketier Meuschke von der 7. Kompagnie des 183. Regiments in Altenburg hat sich am Freitag in der Arrestzelle an seinem Taschenluch erhängt. Offenbar wollte er sich e«ner mehr- jährigen Gefängnisstrafe entziehen, die ihm drohte, weil er beim Bnjonettexerzieren vor versammelter Mannschaft seinen Unteroffizier zu ersteche» versuchte, von dem er gepeinigt worden sein soll. Nur dem Dazwischentreten seiner Kameraden ist eS zuzuschreiben, daß er die Tal nicht ausführte. Meuschke war das Kind eines Altenburger Arbeiters und hatte bis zu seinem Dienstanlritt als Nähmaschinen- schloffer gearbeitet. Er ist im Zivil sehr solide gewesen. Also ein neues Opfer des Militarismus! Tas„überzählige" Militärleder. Unter der Stichmarke:„Die Nebeneinnahme des Sergeanten". berichteten wir vor einigen Wochen über die Verurteilung eines beim Attillerie- Regiment zu Itzehoe(Holstein) als Regiments- Quartier- uieister fungierenden Sergeanten wegen Diebstahls von einer großen Ouantttät Sohlleder zu zwei Monaten Gefängnis und Degradation. Der Venirteilte hat nun«inen anderen Sergeanten, Sch. mit Namen, beschuldigt, ihn zu den Diebstählen verleitet zu haben, Sch., der sich in der letzten Sitzung des Kriegsgerichts der 18. Division(Altona) wegen Anstiftung zum Diebstahl und Hehlerei(bei ihm ist eine kleine Ouantttät Sohlleder gefunden worden) zu verantworten hatte, will die Stiefelsohlen zu dem Zwecke an sich genommen haben, um den Beamten vom BekleidungSamte keine Unannehmlichkeiten zu bereiten, weil e« sich um„überzählige" Stücke handelte. Er habe übrigens dem Zahlmeister davon Mitteilung gemacht, was dieser zugibt. Auch der Zahlmeister ist ein gutmütiger Herr, der die Meldung nicht weiter gegeben hat, um den Beamten des BekleidungsamteS keine Scherereien zu bereiten, aber die Erlaubnis zum Verkauf de« Leders habe er nicht erteilt. Wie die„Ueberzähligkeit" entstanden ist, vermag nicht ermittelt zu werden. Noch bunter wird die Sache durch die Aussage eines Sachverständigen, eines Majors, der hervor- hebt, daS BskleidungSamt hätte von der Sache in Kenntnis gesetzt werden müssen. Es habe aber in Abrede gestellt, 100 Sohlen zu viel geliefert zu haben, und es habe die Annahme des LederS ver- weigert, weil eS eben der Meinung war. ein Irrtum könne nicht vorliegen.(!) Die Sohlen seien daher Eigentum des Regiments gewesen. Trotz seiner lluschuldsbeteuerung wird der Angeklagte zu fünf Wochen Mittelarrest und Degradation verurteilt.— Durch diese« Urleil ist das über der Herkunft der Sohlen schwebende mystische Dunkel noch keineswegs beseitigt.— Rooscvelts„Botschaft". Gestern, Dienstag, wurden zu Washington Senat und Rc- Präsentantenhaus mit der üblichen„Botschaft" des Präsidenten eröffnet. Im Weihliachtsmonat muß Rooscvclt dem Volk« natürlich eine„f rohe Botschaft" bescheren, und so hebt er denn an mit einem Hymnus auf die beispiellosen HülfSquellen, die dem Lande zu Gebote stehen, auf die Tatkraft, die industrielle Geschicklichkeit der Nation. Der Zweck dieser Stilübung ist kein anderer als: die Geldbesitzer aufzufordern, ihre Moneten doch nicht daheim auf- zusammrln, sondern„in gesunden(!) Banken zu lassen!" Nach längeren halbdunklcn Ausführungen über die Eisenbahn- und die Trustfrage und versteckten Andeutungen über die Not- wcndigkcit, gelegentlich cinnial die Steuergesetzc zu revidieren (progressive Einkommen- nebst Erbschaftssteuer!) leistet sich die „Botschaft" ein paar Sätze zur Sozialpolitik:� Die natio. nale Regierung sollte(!) ein Mustcrarbeitgeber sein und„cnt- sprechend" für ihre Angestellten sorgen... � Ein Haftpflicht. gcsctz sollte(!) geschaffen werden... Arbeiter sollten(!) für alle Unfälle' in der Industrie eine sichere und bestimmte Eni- schädigung erhalten... Der Kongreß sollte(!) die Erweiterung des Gesetzes über die achtstündige Arbeit„in Erwägung ziehen.. Sollten! sollte!! Viel energischer wird der biedere Teddy, wo er die Kehr» seite der abgegriffenen Medaille betrachtet: Es müßte ein Mittel geschaffen werde», um dem Uebcljtande der Streiks(und auch der Auösperruugcn) zu steuern: Die Notwendigkeit eines solchen Schrittes fei durch den füngften Tclegraphistenstreik erwiesen! Für die Frauen und Kinder sollen ein paar Brocken gegeben, an der Schule soll herumgebastclt, das Stronislistem ausgebaut und Vorsorge getroffen werde», daß nicht weite Flächen des Landes aus dem Besitz der Nation in die Hände Weniger übergehen! Nachdem noch allerlei sonstige Pflästerchen verheißen sind, kommt die„Botschaft" auf Heer und Flotte zu sprechen: ES seien zu wenig Offiziere und zu wenig Mannschaften vorhanden, die reguläre Armee also, desgleichen daö SanitätSkorPS, müsse ver- größert werden. Und nun zur Flotte: „Wie die Haager Friedenskonferen, gezeigt hat, dürfen wir unsere Hofsnung, de» Frieden zu sichern, nicht auf irgend ein internationales Abkommen über die Beschränkung der Rüstungen setzen. ES würde daher höchst u n w e i s c sein, mit dem Bau unserer Flotte innezuhalten. Wenn wir ein Schlachtschiff im Jahre bauen, so würde das unsere Flotte nur in ihrer gegen- wäctigen Stärke erhalten. Das genügt aber nicht. Meiner Meinung nach sollten wir in diesem Jahre vier Schlachtschiffe bauen, wenn wir nicht auch für die nötige Mannschaft sorgen, für Dock», Kohlenstationen, Kohlenschiffc und HülfSschisse, ebenso für eine Menge Torpedoboote und Torpedozerftörer. Sowohl an der atlantischen wie an der pazifischen Küste sollten für unsere größten Häfen Vefesligungen der besten Art vorgesehen werden. Denn wir sollten immer bedenken, daß man die Flotte wirksam nur zur Offensive verwendet. Solange unsere Schlachtflotte nicht viel größer ist als jetzt,'sollte sie niemals so in Detachements zersplittert werden, daß diese im Falle der Not nicht leicht wieder zusammengezogen werden können. Sie sollte sich mal im Atlailtijchen Ozean aushalten und mal im pazifischen. Die Flotte der Vereinigten Staaten ist die beste Bürgschaft dafür, daß der Ehre und dcii Interessen der Nation nicht zunähe getreten wird; überdies sichert sie am besten den Frieden." Nach ein paar belanglosen Aeutzerungen bekannton Kalibers über die„auswärtigen Beziehungen"(zumal die mit Japan sollen ganz besonders innig und herzlich sein!!) erwähnt die„Bot- schast" das Tarisabkommcn mit Deutschland, das vorläufig bis zum 30. Juni 1903 in Kraft bleiben soll, sagt ober hierüber nur. daß das Abkommen sowie der Bericht der nach Deutschland entsandten Kommtssion dem Kongreß zu seiner Information vorgelegt werden sollen und daß die sorgfältige Prüfung der tariflichen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland zur Abstellung einiger Mängel in der Zollabfertigung geführt habe, über die deutsche Exporteure sich'mit Recht beklagt hätten. Diese neuen Bestimmuiigeu über die Zollabfertigung seien auch auf einige ander: Länder ausgedehnt worden. Die„Botschaft" schließt mit der Hervorhebung der freund. schaftlichen Beziehungen zwischen den Verewigten Staaten und Mexiko und mit der Bekanntgebung der Tatsache, daß auf Per- anlassung der Präsidenten beider Länder Vertreter der fünf mittelamcrikanischen Republiken zu einer Friedenskonferenz in Washington zusammentreten werden. Snglanck. Zur Flottenpolitik. London, I. Dezember.(Eig. Ber.) ES war vorauszusehen, daß die neue deutsche Flottenvorlage die englischen Wasserenthusiasten auf die Beine bringen würde. Die Agitation hat bereits begonnen, und sie wird sich in der nächsten parlamentarische» Tagung stark bemerkbar machen. Der.Zwei-Mächte-Standard", den die„Times" neulich als einen dehnbaren Begriff bezeichnete, erhält jetzt eine neue Auslegung. In früheren Jahren wurde die englische Flotte auf eine Stärke gebracht, die einer deutsch-russischen Kombination die Spitze bieten konnte. Nach den Ereignissen der letzten Zeit kommt diese Kombination nicht mehr in Betracht; dafür tritt die Möglichkeit einer deutsch»amerikanischen Kombination in die Erscheinung: Die Seepolitiker verlangen nunmehr einen Flottenetat, der den deutschen und amerikanischen Seerüstungen gleichkommen soll.— Die Auslegung, die dem Zwei-Mächte-Standard von Zeit zu Zeit gegeben wird, ist gleichzeitig ein deutlicher Kommentar zu dem schwierigen Texte der äußeren Beziehungen der Staaten. Sie zeigt die jeweilige Lage der Weltpolitil. So weit bis jetzt bekannt, wird der englische Flottenetat für das Finanzjahr 1008/09 den Bau eines einzigen Linienschiffes der Dreadnought-Klasse vorsehen, während Deutschland und die Ber- einigten Staaten in derselben Zeit fünf DreadnoughtS bauen l Wir dürfen also in den nächsten Monaten einer lebhasten Agitation der englischen Seepolitiker gewärtig sein.— Die Lage in Irland. London, 80. November.(Eig. Ber.) In Eardiff wurde am Mittwoch eine große Versammlung abgehalten, in der Mr. John Redmond, der Führer der irischen Nationalisten, eine längere Rede hielt, um die Sympathie des walisische» Volkes für Irland zu gewinnen. Er führte etwa folgendes auS: Die Nachrichten, die über die Uneinigkeit deZ irischen Volkes verbreitet werden, sind falsch. Die Iren halten enger zusammen denn je und sie sind entschlossen, für Homerule weiter zu kämpfen. Der jetzige Sekretär für Irland, Mr. Birrell, ist einer der aufrichtigsten und besten Minister, die sie je hatten, aber er ist ein Engländer und versteht deshalb das irische Volk nicht. Neben Homerule, die das Hauptziel ist, verlangen die Iren eine Verbesserung deS Bodcngcsetzes vom Jahre 1903, um die Grundherren zum Verkauf zu zwingen. Die Iren sind besonders aufgeregt über die weiten Wiesenflächen in Gegenden, wo die Zwergbauern trotz der angestrengtesten Arbeit nicht leben können. Sie verlangen deshalb die Parzevierung der Weiden. Tie nächste Forderung ist die Errichtung einer irisch- nationalen Universität, die allen Konfessionen und Klassen offen stehen soll. Die Gerüchte über die Zunahme ungcsetz- licher Handlungen in Irland sind absolut grundlos. Die meisten Gefängnisgebäude Irlands sind leer; in Wexford wurde das Gefängnis sogar in ein Versammlungslokal ver- wandelt. Wohl aber sind die Iren unzufrieden und un- geduldig. Aber ohne diese Eigenschaften können Reformen nicht erreicht werden. In einem geduldigen Lande werden die vorhandenen Mißbräuche und Ungerechtigkeiten nie abgeschafft. Die irische Partei ist selbständig, und sie wird in der nächsten ParlamcntSsession energischer auf- treten.— Dänemarl?. Eine Deputation der Dieustkuechte. Vor der vom dänischen Reichstag eingesetzten Kommission zur Reform deS GesiudercchtS erschienen am Sonnabend sechs Dienst- knechte als Vertreter ihres Verbandes, um die Forde- rungen vorzutragen, dt« die bis jetzt unter einem Ausnahmegesetz schmachtenden Landproletarier an die Gesetz- gebung stellen. Sie kamen aus Einladung der Kommission, die hiermit jene Organisation als die rechtmäßige Vertretung der Dienstleute anerkannte. Die Aeutzerungen deS Wortführers der Deputation, Karl Vestergaard, gestalteten sich zu einer ge- waltigen Anklage gegen die herrschende Klasse, die— trotz der im allgemeinen demokratischen Entwickelung des Staatswesens—- für die Dienstleute eine AuSiiabmegesetzgebung init geradezu bar- barilchen Bestimmungen geschaffen und erhalten hat. Die gleichen Freiheiten und Rechte, die alle anderen Staatsbürger genießen, so- wie Schutz denen, die sich nicht selbst beschütze» können, das war es, was die Deputation der Kommission als die wichtigsten Forde- rungen vortrug. Italien. NomS neue Stadtverwaltung. Rom, 1. Dezember.(Eig. Ber.) Die Wahl des BürgernieisterS hat die neue Majorität der römischen Stadtverordneten in nicht geringe Verlegenheit gesetzt. Wohl fehlte es ihr nicht an Persönlichkeiten, die Beweise hoher Verwaltungsfähigkeiten gegeben hattet!, aber diese befanden sich nicht in der Lage, eine Stellung, die ihre ganze Kraft beanspruchen ivürde. als E h r e n st>. l l e zu bekleiden. So ist man auf Ernrsto Nathan verfallen, der als früherer Großmeister des Freimaurerordens und als Israelit gleichsam als Fahne und Symbol des Antiklerikalismus gelten kann. Als Mensch genießt Nathan allgemeine Sympathie und Achtung. In der Jugend Mazziniauer. hat er sich in der Folge mit der Monarchie ausgesöhnt, ohne daß bei dieser Wandlung persönliche Interessen mitgesprochen hätten. In seiner äußeren Erscheinung ist der neue Bürgermeister Guiseppe Mazzini so ähnlich, daß man darin die Bestätigung jenes GerüchleS sieht. daS ihn als Sohn des großen Republikaners bezeichnet.— Wie dieser, soll Nathan mehr Idealist sein, als Mann der Tat. Rom braucht aber als Stadt- Oberhaupt vor allem einen energischen Menscben mit klarer Bor« stellung von den praktischen Bedürfnissen der Stadt.... Auch bei den neuen Stadträten sind Zlveifel darüber ge» stattet, ob wohl überall der reckte Mann an de» rechten Platz ge- kommen ist. Von den 10 effektiven Stadträten sind ü Liberale, 2 Radikale, 1 Republikaner und 2 Sozialisten. DaS sind die Ge- nosscn Rossi-Doria und Montemartini. Rossi-Doria, der daS Rayon der öffentlichen Hygiene erhält, ist Dozent der GeburtShülfe an der hiesigen Universität; Genosse Montemartini ist Direktor deS NeichsarbeitSanüS. Beide gehören der reformistischen Richtung der Partei an. Die neue Stadtverwaltung hat eine schwere Aufgabe vor sich und muß mit administrativ ungeübten Kräften an diese Aufgabe herantreten. Die Klerikalen, die— dank der Hülfe der Regierung— die Stadtfinanzcn in günstiger Lage zurückließen, warten nun in ihrem Schmollwinkel ab, daß die Antiklerikalen an den Schwierig- leiten scheitern I Namentlich daö Wohnungsproblem, das sich unter klerikaler Verwaltung zu seinem heutigen Ernst auZgewachscu hat, wird in der Sunt zusammengewürfelten Verwaltung laum die Elemente finden, um den eisernen Interessen- ring zu sprengen, der die Bevölkerung RomS in absolut unzulöng- lichen Baulichkeiten zusammenpfercht. Der gute Wille allein genügt hier nicht. Auch die, die für die Blockbildung unter den Anti- klerikalen eingetreten sind, sehen mit Sorge der Zukunft entgegen, in der sie die Wechsel der Wahlversprechungen einlösen sollen.— Der Streik der Mieter in Neapel. Der Gedanke, den kolossalen Mietspreisen durch Zahlungs- berlveigernng der Mieter Widerstand zu leisten, ist in Italien oft erwogen worden, aber immer hat man von einer prakiischcn An- Wendung Abstand genommen, weil die Hausbesitzer durch Anrufung der Gerichte immer ihre Rechte durchsetzen können. Unter besonderen Umständen baben jetzt aber 2000 kleine Mieter in N e a p e l die Mieteverweigerung durchgeführt: Alle Inhaber kleiner Wohnungen der„Sooistlr äst Risanamsnto" haben am 1. November die Miete nicht bezahlt. Sie wurden fänitlich vor den Friedensrichter zitiert, zum angesetzten Termin erschien aber nur einer der Bor- geladenen. Stach Beginn der Verhandlung stellte sich ein zweiter der Vorgeladenen ein und erzielte— was ihm von Rechts wegen zu- steht— die Ansehung eines neuen BerhandlungStermins I In dieser Weise werden sich— nach Beginn jeder Verhandlung— einer nach dem andern der 2000 Borgeladenen einstelle» und jedesmal einen neuen Vorladetcrmin erlangen. Auf diese Art kann die Sache— bei 2000 Vertagungen!—»och diverse Jährchen länger danern als der Prozeß Stasi. Sollte inzwischen die Sanierungsgesellschaft an die Exmitrierung der kleinen Mieter gehen, so steht in den Arbeitervierteln von Bicario, wo all die Wohnungen liegen, ein Bolksaufstand bevor. Ein einzelner Hausbesitzer wird mit seinen nichtzahlenden Mietern schnell fertig— 2000 Familien zu exmittieren ist schon eine schwierigere Sache.— Sie ruMIch« Revolution. Die Studenten. Kiew, 2. Dezember. Die Vorlesungen in der hiesigen Universität wurden heute bei ihrem Beginn durch Geschrei und Lärm von Studierende» gestört. Die Unruhestifter wurden durch Polizei und Militär entfernt: das Betreten der Universität wurde untersagt. Kiew, 3. Dezember.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die hier einkasernierten 458 Studenten haben den Hunger- streik proklamiert. Dorpa», 3. Dezember. Die hiesige Universität ist zeitweilig ge- schlössen worden. Ein Polizeimeister als Mörder. AuS Lodz wird der„Franks. Zeitung" geschrieben: Ein Fall rohester Beamtenwillkür ereignete sich vor einige» Tagen in dem benachbarten Fabrikstädtchen Pabianice. Der dortige Polizeimeister Alexander Jonin erhielt vor etwa zwei Wochen ein anonymes Schreiben, dessen Autor ihm mitteilte, dafi der 23 jährige Arbeiter NarzyS Griese! ihn mehrfach mit dem Tode be- droht habe. Dem Brief war eine Photographie Griesels bei- gelegt. Der Polizeimeister lieh sofort den Arbeiter Gricsel der- haften. Er behielt ihn drei Tage im Polizeiarrest» dann aber, in der Nacht vom 19. zum 20. November, befahl er, Griese! hinter die Stadt zu führen, wo er„eigenhändig" die Exekution an dem unglücklichen Arbeiter vollzog. Nach vollzogener Exekution wurde die Leiche des Erschossenen an der Mauer des katholischen Friedhofs beerdigt. Der Vorfall erregte ungeheures Aussehen. Die Eltern des erschossenen Griese! erstatteten sofort Anzeige bei den Gouvernementsbehörden, auf deren Verfügung eine Untersuchung eingeleitet und die Exhumiernng der Leiche angeordnet wurde. Die Untersuchung förderte grauen- erregende Einzelheiten an den Tag; eS erwies sich, daß Griese! vor der Hinrichtung stundenlang gefoltert worden war. Daraufhin wurde Jonin(am 27. November) verhaftet. Zu erwähnen ist noch, daß Jonin, der längere Zeit hindurch Gehülfe des Gefängnischefs in Riga war, durch seine Uebergriffe und Willkürakte Veranlassung zu einer Interpellation in der ersten ReichSduma gab!— Hus der Partei. Gemeindewahlen. In Pegau(Sachsen) wurde bei der Stadtverordnetenwahl zum ersten Male ein Sozialdemokrat gewählt. Parteiliteratur. Im Verlage der Buchhandlung Vorwärts erschienen soeben: „Sodom und Gomorrha." Der Prozeß der Königsmacher. Preis 10 Pf. Die Broschüre enlhält die Lehren, die aus dem Prozeß Moltke-Harden zu ziehen sind. Landarbeiter und Sozialdemokratie. Von Luise Zieh. Nach den' Referat aus der Frauenkonferenz in Mannheim. Preis 20 Pf. In ihrer Broschüre schildert die Verfasserin die elende Lage der Kleinbauern, Tagelöhner und des Gesindes. Anknüpfend an die mittelalterliche Leibeigenschaft berichtet sie über Gesindeordnungen und kulturwidrige Dienstverträge in alter und neuer Zeit, übergroße Zahl der Unfälle in der Landwirtschast, die schlechten Löhne und menschenunwürdigen Wohnungen der Landarbeiter. Die Broschüre soll all den Genossinnen und Genosicn, die sich der Aufklärung der Landarbeiter widmen, den Weg weisen und Material geben für ihre Aufgabe. Dir Reichstagswahlrn dcS JahreS 1907 und die politische Lage. Rede Bebels auf dem Essener Parteitage. Preis 20 Pf. Der Parteitag in Esten hat beschlossen, die Rede Bebels über diesen Punkt der Tagesordnung in besonderer Ausgabe zu drucken, um sie auch den Kreisen bekannt zu geben, denen daS Protokoll des Parteitages nicht zugängig ist. Bebel erörterte in seiner Rede die Ursachen der„Niederlage" unserer Partei; er besprach die Folgen und zeichnete in allgemeinen Umrissen die Lehren und Aufgaben, die der Arbeiterklasse daraus erwachsen sind. Vom Fortschritt der Presse. Die Genosten de» Wahlkreises B o ch u in veranstalteten im Lause des letzten Monats eine Haus- agitation für ihr Parteiorgan. Trotzdem noch nicht in allen Be« ztrken die Agitation vorgenommen ist. ist das Resultat schon ein sehr erireuliches zu nennen. ES wurden bis jetzt lbOO Abonnenten gewonnen Die Auflage deS.Volksblattes' ist im letzten Jahre um zirka 5000 gestiegen und beträgt jetzt 13 000. Die„Niederrheinische Arbeiterzeitung", unser Duisburger Parteiorgan, das bisher als Kopfblatt der Dort- munder„Arbeiterzeitung" erschien, wird jetzt als vollständig selbständiges Organ herausgegeben und in der Druckerei des neubegründetcn Essener Parteiblatles hergestellt. Unsere Toten. In Chemnitz verschied nach langem, schweren Siechtum der Genosse Karl Otto H ä h l e. Schon unterm Ausnahme- gesetz ist er für die Arbeiterbewegung unermüdlich tätig gewesen. Das„Philadelphia Tageblatt" feierte am 16. November sein ZOjähriges Jubiläum. Vor 30 Jahres gab eS noch kein einziges tägliches Arbeiterorgan in Amerika. Das„Philadelphia Tageblatt" entstand in direktem Anschluß an eine Arbeiterkrisis, an den großen Eiscnbahnstreik von 1877. In der damaligen Periode und dann wieder in der um daS Jahr 1886 entstanden tägliche deutsche Zeitungen in einer ganzen Reihe von Städten. In Milwaukce zwei Verantw. Redakteur: Hans Weber» Berlin. Lnseratenteil�veräntw� oder drei, in Cineinnati, in Ncwark, in St. LouiS je zwei, in Pitts- bürg, Cleveland. Detroit, San Francisco je eine— alle sind vom Schauplatz verschwunden. Heule haben nur New Dork, Philadelphia und Chicago noch tägliche deutsche Arbeiterzeitungen. parlamentarisches. Eintrittskarten zu den RcichstagSvcrhandlungen sind in der be- kannten Weise durch das Bureau des Reichstags zu erlangen. Parteigenossen, die von unserer F r a k t i o n karten zu erhalten wünschen, werden ersucht, sich nicht an einzelne Abgeordnete zu wenden. sondern einen Brief mit eingelegter Postkarte(für die Rückantwort) an den Genossen Sch war tz-Lübeck zu richten.(Adresse: Reichstag). In der Kommission des Abgeordnetenhauses zur Vorberawug der Poleuvorlage wurde heute von konservativer Seite wiederholt: eS sei eine Aenderung der Organisation der Ansiedelungskommission notwendig, und eS wurde erklärt, die konservative Partei mache von einer solchen ihre Stellungnahme abhängig. Angeregt wurde von dieser Seite die Schaffung eines Gesetzes, das verlangt, daß polnische Zeitungen neben der polnischen Sprache auch den Text in deutscher Sprache enthalten müßten I Es wurde angefragt, ob nicht ein Veräußerungsverbot die Enteignung unnötig niache. Das Veränßeriingsverbot sei so gedacht, daß die Ansiedelnngskommission einen Verkauf beanstanden dürfe, wenn er mit dem Gesetze von 1886 in Widerspruch stehe. Der Minister meinte, durch ein solches Recht werde die Enteignung nicht überflüssig gemacht. Die Kommission trat hierauf in die Diskussion der V e r- fassungsfrage ein. An der Debatte beteiligten sich die Ver« treter sämtlicher Parteien und der Justizininister. Wie im Plenum, vertraten die Polen, das Zentrum und die freisinnigen Parteien den Standpunkt, daß die Bestimmungen über die Enteignung der Ver- fastung widersprächen, während von der Regierung und den übrigen Parteien der gegenteilige Standpunkt vertreten wurde. In der Spezialberatung erklärte der Landwirtschafts- minister, daß eine andere Organisation der Ansiedelnngskommission beabsichtigt sei. Aus den näheren Angaben ist von Bedeutung, daß dem Präsidenten der Ansiedelungskommission die Ermächligmig er- teilt werden soll, Giiterankäufe allein vorzunehmen!— Seitens der Konservativen wurde gewünscht, daß die Organisation der An- siedelungskommission gesetzlich festgelegt werde. Unter dieser Voraus- setzung würde es den Konservativen leichler sein, die 300 Millionen für AnsiedelungSzwecke zu bewilligen; freilich werde dadurch ihre Stellung- »ahme zur Enteignungsfrage nicht beeinflußt. Wünschenswert wäre eS, einen Teil der 300 Millionen zum Ankauf von Domänen und Rentengütern nutzbar zu machen! Der Minister für Landwirtschaft erklärte, die 300 Millionen seien für die im Gesetze angegebenen Zwecke notwendig; die 50 Millionen, die im Gesetz für den Ankauf größerer Güter vorgesehen sind, seien ausreichend, zumal diese Güter in ihren ersten Hypotheken von der Landschaft beliehen werden sollen und es sich vorläufig auch nur um einen Versuch handele. Die Bewilligung der 300 Millionen wurde nach§ 1 der Vorlage mit 18 gegen 10 Stimmen beschlossen. Ein Antrag v. Heydebrand ans Ueber- tragbarkeit eines Teiles der 300 Millionen zum Ankauf von großen Domänen und Neiitengütern wurde mit 15 gegen 13 Stimmen abgelehnt, da mit Polen, Zentrum und Freisinnigen auch die Natronalliberalen dagegen stimmten. Die weiteren Beratungen wurden auf Mittwoch vertagt. Man hofft morgen die erste Lesung zu beendigen. Dann soll eine kürzere Pause eintreten, ehe die Konimission in die zweite Lesung der Vor- läge eintritt, damit die Regierung zu den Beschlüssen der Kommission in erster Lesung Stellung nehmen kann. Der schriftliche Bericht des KommissionsberichterstarterS soll in der Weihnachlspause fertiggestellt werden. Die Tagung des Abgeordnetenhauses vor Weihnachten dürfte ein unerwartet rasches Ende nehmen. Man rechnet damit, daß die letzte Plenarsitzung bereits Mitte der nächsten Woche stattfindet. Der Grund für den frühen Beginn der Weihnachtsferien liegt in dem „Mangel an Arbeitsstoff".— Der Etat, die Benmienbesoldungs- und Lehreibesoldungsvorlagen kommen erst nach Neujahr an das HauS. Der WahlrcchtSantrag der Freisinnigen wird anch erst nach Neujahr zur Bcrhaiidluug kommen. Andererseits dehnen sich die Beratungen der Kommission für die Polenvorlage so aus, daß an eine Fertig- stellung des Berichts und eine Beratung der Vorlage in zweiter Lesung vor Weihnachten nicht zu denken ist. Die Kommission, an die der am Donnerstag zur Beratung kommende Onellenichutzentwurf verwiesen werden wird, ist auch nicht gewillt, ibre Beratungen vor Weihnachten zu beginnen, da vorher noch die Nassauischen Gemeinden, in denen sich Mineralquellen be- finden, gutachtlich über die Vorlage gehört werden sollen. So bleibt außer den paar Anträgen und Interpellationen nur noch das Polizeikostengesetz zur Erledigung in erster Lesung übrig, und für den vorhandenen Arbeilssloff genügen fünf bis sechs Sitzung«- tage.—_ 6e werh febaftUebe«*. Polizei, Magistrat und kommandierender General. Die Arbeiter der" einer englischen Gesellschaft ge- hörenden Gasanstalt zu Hannover waren in eine Lohnbewegung eingetreten. Die Forderung lautete auf Erhöhung des Lohnes im Betrage bis zu fünfzig Pfennig den Tag und außerdem auf Gewährung eines jähr- lich wiederkehrenden Urlaubs von 8 Tagen. Aus dem Um- stände nun. daß die Arbeiter ihre Wünsche in die Form einer Forderung kleideten— welche Anmaßung 1— und sie zu einer Zeit erhoben, wo die Gasanstalt„am allernieisten auf die treue Pflichterfüllung unserer Arbeiter" rechnete, schloß der Direttor der Gasanstalt, Herr L. Körting, daß die Ar- beiter ihrer Forderung eventuell durch einen Streik Nachdruck verleihen würden. Er wandte sich deshalb mit einem ge- druckten Schreiben an die Arbeiter, diese darauf hinweisend, „daß ein Streik der Gasarbeiter die Wohlfahrt und Sicherheit der ganzen Stadt gefährdet und daß deshalb die Militärbebörden an- gewiesen sind. Hülse dazu zu leisten, daß die Arbeit nicht unterbrochen wird. Sobald dergleichen zu befürchten ist, setze ich mich mit Polizei. Magistrat und dem kommandierenden General in Ver« bindung und sobald die Arbeiter die Anstalt verlassen, marschiert die nötige Anzahl Soldaten ein und tut die Arbeit solange bis Eriatz ftir die Abgegangenen gefunden ist. Damit hat der Streik aufgehört, ein Mittel zu sein, mit dem man die Gasanstalt zwingen kann; er kostet nur beiden Parteien unvernünftig viel: der Gasanstalt Geld und Ihnen die gute gesicherte Stellung fürs Leben mit der Gewißheit, stets den höchsten Lohn, der in Hannover überhaupt gezahlt wird, zu erhallen und schließlich pensioniert zu werden. Alles das geben Sie auf, denn Sie können sich fest daraus verlassen, daß ich nie wieder mit jemand zusammenarbeite, der versucht hat, die Stadt Hannover ins Dunkle zu setzen." Schneidig, recht schneidig I Machen die Arbeiter ernst, ihre berechtigten Forderungen durchzusetzen, dann marschieren die gesicherte Stellung fürs Leben. Polizei, Magistrat und der kommandierende General auf, der Vaterlandsverteidiger wird zum Arbeitswilligen degradiert, um den Arbeitern etwaige Streikgelüste auszutreiben. Die Gasanstalt läßt sich nun ein- mal nicht„zivingen", mehr für ihre Arbeiter zu tun, als sie für gut befindet. Wehe den Arbeitern, die Zwang ausüben, die Stadt Hannover ins Dunkle setzen wollen I Ein solches Kapitalverbrechen an der Wohlfahrt und Sicherheit der ganzen Stadt und dem Geldbeutel der Aktionäre wird mit aller Schärfe gerochen werden._ h.Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Vuchdr. u. Verlagsanstalt� ? Wie wir hören, sind nach erfolgter Mcksprache mtt d« Direktion in England die Forderungen der Arbeiter a b> gelehnt worden, und die Arbeiter haben, allerdings aus- schließlich unter Berücksichtigung der Lage des Arbeitsmarktes. vorläufig von weiteren Schritten Abstand genommen. Lerlin und Umgegend* Achtung, Dreher? Der Antomobilbau der A. E.-G. Ober- Schöneweide ist gesperrt. Der Sireik dauert unverändert fort. Es ist dringend notwendig, die Sperre zu brachten. Kein Dreher darf dort in Arbeit treten. Deutscher Metallarbeiter-Verband, OrtSverwaltung Berlin, Genosse Hcrmann Pnttlitz sendet uns folgende Zuschrift: Der im „Vorwätts" emhaltcne Bericht über„die Einheitsorganisation der Zinimerer" läßt mich am Schluß die kurze Mitteilung machen, daß anch von der Vereinigung der Fliesenleger die„Z n st i m m u n g zur Einigung" zu erlvarlen sei. Die unterstrichenen Worte lasten sehr leicht den Schluß zu, daß der Vorstand unserer Organi- iation bisher schon Einigungsverhandlungen gepflogen habe. Um solcher falschen Auslegung zu begegnen, ersuche ich Sie höflichst um Auftiahnie folgender kurzen Zeilen: Ich sagte auf der Zimmererkonferenz: „Meine Organisalion hat in der Einigungssrage noch keine Schritte tun können, weil unsere Berliner Lohnbewegung sie daran hindere. Sobald jedoch diese Bewegung beendet ist, werden anch wir zu der Frage Stellung nehmen, und ist zu erwarten, daß unsere Mitglieder in Anbetracht der gegenwärligen Situation zu EinigungS- Verhandlungen ihre Zustimmung geben werden." Nicht identisch. Wir erhalten folgende Zuschrift: In der Nummer des„Vorwärts" vom 26. November teilten Sie mit, daß der Schöncbcrger Kellnerverein(in Firma: Kellnerverein von Schöneberg und Umgegend) Slreikbrecherdienste im Cafü Braun Nachf., Ecke Potsdamer- und Pallasstratze, geleistet hätte. Der unterzeichnete Verein bittet die Redaktion hösl., davon Kenntnis zu nehmen, daß wir mit dem genannten Verein nicht identisch sind. Verein der Kellner und Tafcldeckcr. Schöneberg-Berlin W., Apostel PauluSstr. 7. Deutfehes Reich, Bewegung der Buchhandlungsgehülfen. Die erste größere Lohnbewegung deutscher HandlungsgehülfeN ist jetzt in Leipzig eingeleitet worden. Obwohl große HandlungS» gehülfenverbände existieren, hat man doch noch keinen Kampf ge- wagt, da diese Verbände fast alle dein Klassenkampfe der Arbeiter fernstehen. Erst als im Jahre 1905 die Buchhandlungsmarkthelfer durch entschiedenes Vorgehen sich bessere Arbeitsbedingungen errungen, wurden sich die Gehülfen, angeregt vom Zentral- verband der Handlungsgehülfen. über ihre Lage klar. Man wählte Kommissionen, die mit den Prinzipalen verhandeln sollten. Schurkische Ouektreibereien einzelner Verbände hintertrieben den Erfolg der Verhandlungen, und als eS der antisemitische Verband gar fertig gebracht hatte, daß der Vertreter deS ZentralverbandcS aus der letzten Kommission ausgestoßen wurde, war dieser daS Rückgrat gebrochen und die Bewegung verlief im Sande. Nun setzte der Zentralverband mit reger Werbearbeit ein und hat jetzt in seinen Reihen die meisten organisierten Buchhandlungsgehülfen. Unter seiner Führung ist die Bewegung nun wieder in Fluß gekommen. Am 12. November fand die erste Versammlung über die Lage der Buchhandlungsgehülfen statt. Eine zweite Versammlung am 28. November artete, provoziert durch die dentschnationalen Radauhelden, in eine wüste Schimpferei auS, während eine weitere Veiiammlung am 29., an der diese Herren nicht teilnahmen, umso würdige verlief. Einstimmig wurde» folgende Forderungen aufgestellt: UO M. Mindestgehalt nach beendigter Lehrzeit, mit dem Alter von 25 Jahren 150 M. und allgemeine Gehaltszulage von 15 Proz. Aushülfen soll mindestens dasselbe zustehen. Bei Krankheit darf die Krankenunterslützung nicht vom Gehalt abgezogen werden. Neunstündige Arbeitszeit inkl. je einhalbstündige Vesper- und Früh- stückspause; zweistündige Mittagspause. Regelung der Ferien. Bolle Anerkennung des Koalitionsrechtes und deS KaufmannsgerichteS als Einigungsamt durch die Unternehmer. Dieie Forderungen sollen von einer Kommisston auS dem Zentralverband und der Allgemeinen Vereinigung der Buchhandlungs- gebülfen dem Biicbhändlcrverein unterbreite: werden. Als Kampf» mittel droht man mit dem passiven Widerstande, der bei der Betriebsweise in den Großbuchhandlungen eine schneidige Waffe bildet. Halten die Gehülfen auS, dann ist ihnen der Erfolg sicher. Der Stteik der Hamburg-Altonarr Fischdampfer-Maschinisten dauert unverändert weiter. Ans größeren Fischdampfern wollen die Reedereien den verlangten zweiten Heizer zugestehen, dafür aber die Heuer des zweiten Maschinisten um 25 M. kürzen. Nach 6 Monaten Dienstzeit soll erst wieder Zulage erfolgen. Für 115 M. wollten die zweiten Maschinisten abschließen, die Reedereien dagegen wollten nur 100 M. AnfangSlobn gewähren. Die ersten Maichinisten, deren Forderungen anerkannt wurden, streiken ebenfalls weiter, bis die Einigung mit den zweiten Maschinisten erzielt ist. Sechs Wochen währt nun der Kamps, ohne daß eS den Reedern gelang, brauchbare Kräfte zu erhalten. Um die gesetzlich vorgeschriebene Bemannung des Maschinenpersonals der Fisch- dampfer kümmern sich die Reeder überhaupt nicht. Alles, waS aufzutreiben ist, wird als„Maschinist" auf die Dampfer gebracht. Daher ist es auch erklärlich, daß eine ganze Anzahl Dampfer mh schwerem Maschinenschaden zurückkamen. Land- Haie und Seelenverkäufer arbeiten unter Deckadressen und streuen allerorts die Gerüchte aus. der Streik sei beendet. Die Stteik- leimng ersucht. Zuzug von Maschinisten und Heizern nach Hamburg- Allona solange fernzuhatten, bis dieselbe in allen Parleiblättent die Beendigung des KanipseS bekannt gibt. Hetzte JSaebnehten und Depefeben» Ein Mord aus Rache. Frankfurt a. M.» 3. Dezember. r i e f t r ä g e r. Da gerade diese Beamtenkategorie die schlechtesten Besoldung«- und AvaneementSbedingungen bot. so handelt auch die ReichSpostverwalinng nach dem Satz:.Da« Pferd, welche« den Hafer verdient, bekommt ihn nicht". DaS bestättgt auch die Zusammen- jtellung über die wöcheiittichen Dienstleistungen. Die große Mehr- zahl der oberen Beamten leistet wöchentlich unter 46 Dienslstunden, dagegen beträgt die Leistung der übergroßen Mehrheit deS Unter« beamtenpersonal» mehr als 60 Dienslstunden. Von den weiblichen Angestellten hat keine mehr als 48 Stunden wöchentlich Dienst. Von den Telephondamen bat über die Hälfte bis 42 Dienststunden zu absolvieren. Auch das ist noch zu viel in Anbetracht der außerordentlich nervenzerreibenden Tätig- 'eit dieser Beamtinnen. Von den Damen hatten über 3000«inen 7— vstündigen Tagesdienst. Da brancht sich der Telephonbenutzer nicht zu wundern, wenn seine»Anschlußdame" mal versagt und ärgerliche Antworten gibt. Jeder Beamte soll in einem Zeittaum von zwei Wochen mindestens einen oder zwei halbe Tage frei haben: alle vier Wochen ist ein ganz freier Sonntag zu gewähren. Das ist gewiß nicht zu viel. Ueber da» Miudesimatz der Sonntagsruhe hinaus hatten an Sonntagen dienstfrei von den oberen Beamten 100 Proz., von den mittleren Beamten 74.4 Proz., von den Beamtinnen 04,6 Proz.. von den Unter beamten nur 58,8 Proz. I Wieder sehen wir eine Zurücksetzung der Unter- beamten, die also neben schlechter Beioldnug und langer Arbeitszeit auch die geringste Sonntagsruhe genießen. Die meisten oberen und mittleren Beamten haben jährlich über 100 Rudeschichten, die meisten Unterbeamten erhalten nur bis 60. Wir verlangen natürlich nickt eine Verschlechterung der Anstellnngsverhältniise des oberen und mittleren Beamtenpersonals, sondern wir fordern eine bessere Be- rücksicktigung der schlecht besoldeten und schwer geplagten Unter» beamten. Sehr schlecht präsentiert sich.Vater Staat" als Arbeitgeber, wenn man die Lohnzahlungen an die nicht im Beamte nverhältnlS, aber von der ReichSpostverwalwng voll beschäftigten Perionen betrachtet. Den 3946 AuShelferinnen im Beamtendienst wurde im Sommer 1907 für bis stebenitündige Schichten ein Durchschnittslohn von 2.50 M. gezahlt I Die 125 Markenverläuferinnen wurden mit 2.34 bezahlt: 8864 zu Stell- verweluiigen angenommene Perionen, die dieselbe Arbeitszeit hatten wie die Unterbeamteu. erhielten sogar nur 2.26 M. pro Tag!' ll40 andere AuShülfSpersonen bekamen für 7*/, biS lOstündige (14 hatten noch längere) Schicht nur 2,38 M. Durchschnitts- lohn. Den 3999 SonntagSauShelfern, die sieben bis zehn Stunden im Dienst waren(93 sogar nock länger), gab die Reichöpostverwaltung ganze 2,20 SR, Für SonntagS- arbeiten I Diese Lödne stehen' sicherlich oft sogar noch unter dem an den betreffenden Orten festgeletzten ortsüblichen Tage- lohn. Die Reichspost bat, abzüglich der einmaligen Ausgaben. unterhalb deS letzten Jahrfünfts ihren Ueberschuß von 42,2 auf 59.2 Millionen Mark erhöht. Man sollte eS nicht für möglich halten, daß bei solche» Ueberschüffen die Arbeiter mit den genannten Jammerlöhuen abgespeist würden: und doch geschieht es. Von den 178 904 Beamten. Unterbeamteu und Stellvertretern erkrankten 74 511 und starben 785. Auf 1000 kamen 416.5 Krankheit«- und 4,4 Sterbefälle. Die oberen Beamten weisen die geringste Krankheitsziffer(8.03 pro 1000) auf, aber die höchste Sterbeziffer(9,7). Die letzte Zahl erllärl sich unschwer ans dem höheren Alter der Oderbeamten. Die höchste Krankheitsziffer(503,7) entfiel auf die Unlerbeamten im Post-, Telegraphen- und Fernsprech- dienst, während die Landbriesträger und Postboten im Landbestell» dienn mit 837, o KrantyeitSzlffer an Dritter Stelle stehen. Datz die Telegraphen- und FernsprechbeanUen und-beamtinnen am meisten erkranken, zeugt hinreicliend für die Schwere ihres Dienstes, von den Krankheitsarten nehmen die Erkrankungen des Nervensystems (47,0 pro 1000), der AtmungSorgane f63,0) und der Ber- dauungSorgane(84.2) die ersten Stellen ein. Die erste Krankheitsart sucht am stärksten die oberen und mittleren, die beiden anderen die unteren Bcaintenkategorien heim. Da die Unterbeamten mehr Bewegung, zumal im Freien haben wie die oberen, so mutz die bedeutend stärkere Zahl der Erkrankungen der BerdauungSorgane bei den Unterbeamten<94 gegen 67 bei den oberen Beamtengruppen) mit der schlechten Bezahlung so vieler Unter- beamten zusammenhängen, die naturgemätz eine schlechtere Er- »ähning bedingt. Diese Now weise der Postbcamtenverhältnisse begriinden ohne weiteres eine bessere Besoldung der Beamten, wobei die geringst- bezahlten in erster Linie ausreichend zu bedenken wären. Auch die sonstigen Dienstverhältnisse bedürfe» einer Reform. Die sozialdemo- kralische ReichStagSfraktion hat schon vor Jahren die Auf- befserung der unteren und� mittleren Postbeamtengehälter gefordert. Leider vergeblich. Immer war „kein Geld' da" für soziale Reformen. Wird nun endlich die „nationale Mehrheit" Zeit und Geld für eine auskömmliliie Ge- stalttmg der Unterbeomtengebälter haben und eine der positivsten Forderungen der Sozialdemokraten erfüllen oder ist sie noch immer nur zu Ausgaben für die oberen Beamten geneigt. Etos induftnc und Ftandel. GeschiiftSergebnisie der Stahlwerke. Die„Rhein.-Wests. Ztg." bringt eine Zusammenstellung der Cr- gebnisse von 12 gemischten Stahlwerken, deren Geschäftsjahr mit dem 30. Juni schlietzt. Dabei ist besonders interessant eine Gegenüber- stellung der Produktionsziffern und der Rohgewinne. Es betrug nämlich bei den 12 Werken: die Her- die Summe die Kohlen« Lm stellung der Roh- der sörderung von Walz- gewinn Nbichrci- gewun.ung erzcugung paukten bungen in Millionen Tonne» in Millionen Mark 3.98 87,27 32.8? 4,33 104,76 42.5? 1905/06 18.52 4,22 4,27 1906 07 14,08 4.5? 4,57 Zunahme m Proz. 4,03 8,40 7,09 8,09 17,49 29,52 Die Rohgewinne und die Abschreibungen sind ganz erheblich stärker gewachsen als die Produktion. Da? genannte Blatt be- merkt dazu: „Die Erscheiming findet ihre zutreffende Erklärung in den Konjunkiurverhältnissen der letzten Jahre. Bekanntlich war das Jahr 1905/06 bereits ein Hauffejahr in der Beschäftigung, lveniger in den Preisen. Die Preisbewegung kam erst im Anfang des abgelaufenen Jahres>906/07 zum Durch- bruch, so datz die Werke erst in diesem Jahre von den besseren Preisen profitieren konnten. In der Erzeugung war da- gegen eine erhebliche Steigerung nicht mehr möglich, da die Werke >m Jahre 1903/06 teilweise schon bis zur Grenze ihrer Leistungs- fähigkeit beschäftigt waren. AuS diesem Grunde zeigen manche Werke sogar schon einen Rückschritt in der Erzeugung aus. Dahin gehört in erster Linie die Union, deren Kohlen- und Roheisenerzeugung gegen daö Borjahr zurückgegangen ist. Aber es sind auch»och andere Werke in ihrer Produktion zurückgegangen. So haben Hösch, Gute- Hoffnungshütte und Burbacher Hütte eine geringere Roheiseiierzeilgung, Bochumcr Verein eine geringere Rohftahlerzeiigung. Erheblich ge- stiegen sind die SrzeugungSzirfern jedenfalls nur bei �anz wenig Werken, u. a. Deutich-Lnremburg. Nombach, Aumetz-Fnede, so datz im Durchschnitt das Mehr sich in mähigen Grenzen hält. Finanziell konnten die Werke dagegen durch die gestiegenen Preise durchschnittlich besiere Resultate erzielen. Die Rohgewinne zeigen zum Teil ganz autzergewöhnliche Steigerungen. Bei Llumetz-Friede beispielsweise hat sich der Gewinn fast verdoppelt. auch Deutsch'Luxemburg und Hösch haben erhebliche Mehr- betrage erzielt. Was dabei besonder« angenehm berührt und auf die Finanzwirischaft der Werk« ein gutes Licht wirft, ist die Tatsache, datz man diirchschnittlich diese erheblichen Mehrgewinne nun nicht durch entsprechend erhöhte Dividende zur Ausschüttung gebracht hat, sondern datz man in erster Linie die Abschreibungen vergrößert hat. Die Dividenden der angeführten zwölf Werke sind im Durchschnitt von 15,1 Proz. im Jahre 1905/06 auf 16,8 Proz. im Jahre 1906/07, also nur um l,7 Proz, gestiegen, die Ab- schreidungen dagegen sind von 82,35 Millionen auf 42,55 Millionen, also um nmd SO Proz. erhöht worden, während selbst die Roh« gewinne nur um 19 Proz. in die Höhe gegangen sind." Würde man lediglich nach der gezahlten wirklich glänzenden Dividende urteilen, bekäme man längst kein so günstiges Bild. Die in Betracht kommenden Werke vericilten nämlich Dividende: IVO? 06 1906/07 Prozent Phönix......... 15 17 GutehoffmmgShütte.... 20 20 Bochmner Verein..... 15 16% Union D........ 5 6 .0........ 2 3 Hölch......... 15 18 Rheinische Stahlwerke... 12 15 Hasper Eisen- und Stahlwerke 10 12 Vereinigte König«- u.Laurahütte 12 12 Burbacher Hülie..... 45 50 Rombachcr Hütte..... 14 14 Aumetz Friede...... 8 12 Deutsch-Luxemburg.... 10 10 Die Divideudensteigerung bleibt tatsächlich hinter der Gewinn« zunahm« zurück. Aktieukapoal und fundierte Schulden zusammen nahmen um 12,87 Proz. zu, der Rohgewiu» wuchs um 19,35 Proz. Die Werke haben durch enorme Abschreibungen und Rückstellungen für später vorgeiorgt._ N»ch höher« Kohlenpreise! Die„Köln. VolkSztg.' berichtet: Im nämlichen Augenblick, wo der deutsche Reichstag Stellung zur Kohle»- not nimmt, tritt das Kohlenkontor mit erheblicher Erhöhung s einer Preise für das nächste Geschäftsjahr auf den Markt! Die„offiziellen" Preise sind zwar noch nicht bekannt und werden auch erst gegen den Februar 1908 hin erscheinen; aber soweit unter den Verbrauchern Süddentschlands Neigung besteht, gleichzeirig mit der jetzt erfolgenden Erneuerung der Abschlüsse in Saartohlen auch mii Rubrkohlen sich zu decken, kann da« Kohlenkontor nicht umhin, schon jetzt den Schleier von seinen nächstjährigen Absichten zu lüften und mit der Saar in Wettbewerb zu treten. Die bis jetzt bekannt gewordenen Forderungen sind aber geeignet, den Markt' in hohem Matze zu be- unruhige»-, da Preiserböhnng gerade jetzt, angesichts des Rückganges im Gewerbe, vollsländigcr Verkeimung der jüngsten Entwickclnng im Wirtsschaftsleben gleichkommt. Im Durchschnitt sind die neuen Preisforderungen um 5—6 M. die 10 Tonnen höher, als in diesem Jahre._ Neber Preise bei den Fleischlieferunge» für die Truppen. Die diesmaligen halbjährlichen Verdingungen der Fleischlieferung für die Berliner Garnison haben im Durchschnitt eine erbebliche Mehrfordernng gebracht. Die diesmaligen Preiie mit denen der Borjahre 1906 und 1907 im Vergleich gestellt gibt folgendes Bild. Für ein Kilogramm wurden gefordert in Pfennigen: Hammel- und Kalbfleisch) ganz bedeutend gestiegen sind und zwar inr Ochsen- und Kuhfleisch um 5 Proz.. für Hammelfleisch um 7'/? Proz. und für Kalbfleisch sogar um 15 Proz. gegenüber 1906. Beim Los 2(Schweinefleisch usw.) sind die Preise' für Schweine- fleisch und fetten Speck niedriger, so datz die Durchschnittspreise um 2% Proz. für das erstere und um 8 Pro,, für de» letzteren niedriger sind. Dagegen ist eine Erhöhung um 12% Proz. für mageren Speck cingeirete». Erwähnenswert ist serner. datz bei den neu» Angeboten für da« Los 1 der Preisunterschied 32 094 M. zwischen der Mindest- und Höchstforderung beträgt und beim Los 2 ist der Unrerschied zwischen Mindest- und Höchslforderung sogar doppelt so grotz, er beträgt 64 718,20 M., obwohl nur fünf Augebote eingereicht waren. Das ist eine nette Illustration zu der ininisteriellen Erklärung, die Teuerung sei eine vorübergehende Erscheinung. Die Rückwanderung auS den Vereinigten Staaten von Amerika hat in diesem Jahre wegen dtzr WirtschafrSkrise riesige Dimensionen angenomnicn. In de» erste» zehn Monaten dieses Jahres ginge» von den Rordhäfen der Bereuiigten Staaten an Zwischendeck- Passagieren rn»d 319 000 Perionen ab, gegen 254 000 in derselben Zeit des Vorjahres, also etwa 95 000 Perionen niehr. Der Dampfer .Präsident Gram" der Homburg-Amerika-Linie ist vor wenigen Tagen von New Dork mit 3200 Zwischendecken« abgegangen und der Dampfer„Pretoria" derselben Reederei mit 2411. Die früher von Europa Ausgewanderten scharren ihre letzten Groschen zusammen, um wieder in die Heimat zu gelangen. Darob natürlich große Freude bei den SchiffahrtSgesellschafle». denen auf diese Weise die Krisis noch zu einem Extrarebbach ausschlägt. Leider »reffen die Rückwanderer in der Heimat nur die gleiche Kalamität. Tie Junker haben mal wieder Glück. werden ihnen doch die hungernden Proletarier zugetrieben. Auch in Ungarn ist die Re- gierung eine Sorge los, da die Abwanderung nicht nur eingedäinint wird, sondern sogar noch die Rückwanderer Platz suchen. Die wanderlustigen und überall sehr fluktuierenden Italiener werden sich anderen Wirtschaftsgebieten zuwenden, voraussichllich Argentinien, das heuer eine reiche Erute zu erwarien hat und infolgedesse» starken Bedarf an Arbeitskräften haben wird. Eue der Frauenbewegung. Frauen, in den Kampf gegen das Junkerparlameitt! So lang' die Frauen noch im Feld« fehlen, Wird wahre Freiheit nie die Welt veseclen. Lennep. Der Prcußeniag hat aufs neue gezeigt, datz eS keine politischen Fragen gibt, die nicht auch für die Frauenwelt von direkter Bedeutung sind. In den WahlrechtSdebatien wurde nicht nur die Rechtlosigkeit des männlichen Proletariats gegeihelt, sondern auch die Notwendigkeit betont, dergrötzerenHälftederMensch- heil, der Frauenwelt, ebenfalls Rechte und Einfluß im öffentlichen Leben zu erobern. Zur Beseitigung der Ausnahme. stellung bedürfen wir sozialistischer Vertretung in d«n Einzel-Land- tagen, und besonders im preußischen, denn alles Böse kommt von dem Dreiklasscnparlament, vom preußischen Landtag. Die schneidigen preußischen Allüren reichen weit über die schwarz-weißen Grenzpfähle hinaus; Preußen weist in Deutschland der Reaktion ihren Weg. Das schneidige Vorgehen preußischer Be- Hörden, die oft bemüht sind, die Frauen von den VolkSversamm- lungen, sowie vom öifentlichen. politischen Leben fernzuhalten, die zu diesem Zweck das Vereinsgesetz und speziell den Z 8 so auslegen, wie es paßt, ist allbekannt. Tie Gcsindeordnungen sind des öfteren auf den sozialistischen Fraucnkonferenzen und in Dienstbotenversammlungen zur Sprache gebracht; auch hier gibt eS kein Ruhen und Rasten, sondern eS gilt, alle Kraft zu entfalten, damit auch die D i e n st b o t e n und Landarbeiter sich ihrer Menschenrechte bewußt werden und sie s e l b st energisch rechtliche Gleichstellung mit den Industriearbeitern verlangen. Von großer Bedeutung für die Frauen ist die Gewerbe- inspektion. Wohl ist diese reichsgesehlich geregelt, doch untersteht die Ausführung den Einzelstaaten. Verfolgt man die Berichte der Fabrilinspekioren. so staunt man, wie wenig Kräfte und fpeziell weiblich« Kräfte niit der Inspektion betraut find. In Preußen wurde im Jahre 1905 von den revisionSpflichtigen Fabriken und Anlagen nur knapp die Hälfte revidiert. Frauen, es gilt, das Dreiklassenparlament zu sprengen, die Zwingburg der Reaktion, wo Junker. Großindustrielle und die Klerisei herrschen, zu stürmen. Frauen! Die Geißel de» DreiklasienparlamentS trifft Euch als Mütter und Arbeiterinnen ganz besonder», und daher müßt auch Ihr durch Agitation und Organisation dem Klasscnparlament den Krieg erklären. Bei allen Demonstrationsversammlungen muß auch auS Frauenmunde der Ruf erschallen: Nieder mit dem Dreiklassenpaclamentl Her mit dem all- gemeinen, freien, direkten und geheimen Wahl. recht für alle Grohjährigenl Eine Versammlung der Genossinnen RixborfS, die am Montag im „KarlSgarlcn" tagte, nahm den Bericht von der letzien Frauen- konferenz und von, Preutzentag entgegen., Referentin war Genossin Thiel- Tempelhof» welcke auf beiden Tagungen die Frauen deS Kreise» Teltow-BeeSkow vertreten balle. Sie gab zunächst eine Uebersichl über die Verhandlungen, Feststellungen und Beschlüfie der Fraiicnkonfereiiz in Sachen der Dienitbolenfrage. Sie betonte die Fortschritte, welche die Dienfiboienbewegung seit der Mannheimer Konferenz gemacht hat, namentlich infolac der Förderung durch die proletarischen Frauen. Auch die Rirdor>er Genossinnen müßten den mahnenden Schlußworten der Genossin Baader folgen und eS sich dringend angelegen sein lasten, sür die Organisierung der Dienstboten einzutreten und jo mitznwirlen an der Besserung ihrer traurigen Lage. Wer Kinder habe, welche dienten, sorge sür ihren Beitritt in die Organisation; aber a»ch bei Freunden und Bekannten achte man daraus, baß es geschehe. Auch die Auslvariefrauen, Waschfrauen und Scheuerfrauen führe man der Organisalion zu. Es fei dafür zu sorgen, daß letztere nicht den Dienstboten in den Rücken fielen.— Dann würdigte die Rednern, die Arbeiten des preußischen Parteitags, unter besonderer Heraushcbung der Wahlrechtsfrage und des Interesse«, das auch die Frauen am politischen Lebe»»nd darum an politischen Rechten haben. Zum Nachweise diefes Interesses schilderte sie eingehend und treffend die wirtschaftliche»nd soziale Stellung der Frauen innerhalb der heutigen Gesellschaft, nanientlich aber die der Proletarieriinien. Und mit lritischer Schärfe tat sie die törichten Einwände der Rückwärts«! gegen die politische Gleichstellung der Frauen ab. Sie schloß unter lebhaftem Beifall mit der'Mahnung an die versamnielten Frauen, Schulter an Schulter mit den zielbewußten Männern zu kämpfen, denen sie andererseits ivarm ans Herz legte, die Auf- klärung w>d den organisatorischen Zusammenschluß der Frauen nach Kräften zu fördern.— Diskutiert wurde nicht. Die Orisvertrauensperion, Genossin Mohr, gab darauf ihren Rechensch iftsbericht. Es haben drei öffentliche Fraueitveriammlungen stattgefunden, die gut besucht waren. Auch alle sonstigen öffentlichen Versammlungen sind von Frauen gut besucht gewesen. Bei der Reichs- tagswahl halfen die Genossinnen, indem sie Flugblätter verbreiteten, Gelder sammelten und säumige Wähler heranholten. Unter den Frauen wurden Broschüren und Merkblätter verbreitet. Als 20 Frauen zur Mitwirkung bei der Armenpflege gewünscht wurden, machten die Genossinnen ebenfalls Vorschläge. Leider tvurde nur eine Genossin gewählt. Bei Dinchjührung deS Jandorf-BoykotrS stellten Rixdorfer Frauen ihre Kräfte ebenfalls zur Verfügung. Auf die„Gleichheit" abonniert sind 2l 5 Frauen. Entichließlickt eines alten Bestandes von 4,50 M. betrug die Gesamteinnahnie 455,36 M. Jbr stand gegenüber eine Gesamtausgabe von 453.35 M., so datz ein Bestand von 2,01 M, verblieb.— Zur Reichstagsivahl wurden von den Frauen 76.71 M. gesammelt.— Die Versammlung erteilte der Genoisin Mohr Decharge und wählte sie von neuem zur örtlichen Vertrauensperson. Beritner MarNprett«.«u« Dem amtlichen Bericht Der städtischen Marllballen-Direttion,(Grohliaiidel.) Ochsensteiich l» KS 76 vr, IVO Pfd., IIa 62 67, lila 56 59, Vullkiisleiich I« 67-72, IIa 56-66, Kühe, feit 50—58. do. mager 38—46, Fresser 52—60, Bullen, dänische 53—65. Kalbiteisch, Dopvellender 110—125, Mastkälbcr la 80 90. IIa 70-79, Kälber ger, gen, 50—66, do. boll. 48—54. tzammetsteilch Mast« I immer 76—78, Hammel la 08—72, II« 62 67, migar 0,00, Schafe 47—60. 5rt)iucmeilci(a) 50 58 Rehwild la per Pfund 0,60—0,70 II» 0,40-0,55. Rotwild la per Pfund 0,40—0,48, do. IIa 0,30-0,10, do. Kälber 0,10-0,50. Damwild 0,40-0,56, do Kälber 0,50-0,70.«lldlchweme per Pfd. 0,25—0,40. Frifchlinge p. Pfd. 0,30—0,60. Kallinchen, groß pr. St. 0,70—1,00, do, klein 0,00. Hafen, groß per Stück 3,00—3,50, do, mittel und klein Stück 1,50—2,75. Wildenten per Stück 1,50—1,75, Rebhühner, junge per Stück 0,80—1,20, do, alte 0,60—0,85. Falaneuhähne I», lunge 2,25—3,00, do. II» und alte 1, 50— 3,00. Fafauenhemie» 1,00—1,90. Waldschnepfen per Stück 2,00—2,25, do. IIa l, 00— 1.50. Hühner, alte, per Stück 1,00—2,00, do. IIa 0,60- 0,90, dito junge 0,50—1,20. Imibe» 0,25—0,35, do, italienifche 0,65. Eulen 1,60—2,30, dito per Pfd. 0,60—0,65, dlio Hamburger per Stück 3,20, Gänse per Pfund 0,40—0,55, dito per Stück 0,00, da, Hamburger 0,00, do, Odeibrucher p, Pfund 0,40- 0,58. PonletS p, Stück 0,40-1,00. Pute» p. Pfd. 0,50-0,75. hechte per>00 Pfd. 63-70. do. matt 0,00, do, groß 0,00, do. klein 6.00. do, groß< mittel 0,00, gauder. klein- mittel 0,00, do. groß- mittel 0,00, Schleie, unf. 0,00. do, groß 88— 90, do, stein 114. stale, klein 0,0», do. klein und mittel 0,00, dito groß 0,00. Wels 0,00. Karpfen 50er röallz. 60-63, dito 30-40ei 0,00, dilo 50er Schief. 61-68. dito 70er 0,00. Pioren. matt 27-28, do. stein 0,00 Roddow 0,00, do mittel 0,00. Bleiftfche Wels 0,00. Bunte Fische 85—50, dito matt 0,00. varfe matt 50—54. Karauichen 62—85. Bleie 38—39, do. matt 0,00. Aland 0,00. Raap 0,00. Winter< Rheinlachs 0,00. Amerilanifcher Lach«, la neuer per 100 Pfd. 110—130, do. IIa neuer 00—100. Seekach» per 100 Pfd. 0,00. Flundern. Kieler, Stiege la 2—6. do. mittel Kiste 1—2. Hamb. Stiege 4—0, Haidt Kille 2—9, pomm. 1« Schock 0,00, Na 0,09. Bücklinge. Kieler per Wall 2—3,00, Straüunder 0,00, engl per Wall 2,00— ,300. Sprotten, Danziger, Kiste 0,80—1,00, do. Rügeitwalder, Kiste 0,80—1,00. Aale, groz per Piund 1,10—1.40, mittelgroß 0,80—1,10, Nein 0.60— 0.30. Heringe per Schock 5,00—9,00. Schellstfche, Kiste 3,00—4,00,'l, Kille 1,75—2,50. Sardellen. 1002 er per Anler 93, 1904« 96, t905cr 98,>906 er 00—95. Scholtiiche Aollheruig« 1906 0,00, largo 40-44, füll. 38-40, med. 86-42, deulfch» 37-44. Heringe, neue MatfeS, per'/, To 50—120. Sardinen, rust., Faß >,50-1.60. Bratheringe Faß 1,20-1,40. do.«Uchte(4 Liter) 1,40-1,70. Neunaugen. Schockfaß 11, oo. steint 5—6, do. Stiele». 14. Krebf« per Schock 0,00, große 0 00, do. mittelgroß, 0,00, dito klein« 0,00 om 0,00, do. umortiert 0,00, G alizier, groß 0,00, d«. mstortterl 0,00. Eier, Land-, unfortierl per Schock 4,50—5,80, do. große 6,00—6,50. Butter per 100 Pfd. I» 125-130, IIa 118-122.[IIa 110-116, abfallende 90-95. Saure Oiuvfen Schock 4,00. Blestergurken Schock 4,00. Kartusteln per 100 Piund Daberfche 2,76—3,25, weiße runde 2,50—2,75, mirx. bon. 2.76—9,25. Porree, per Schock 0,75—1,25. Meerrettich, Schock 4— 10. Spinal per 100 Pfund 6—12. Sellerie, per Schock 8-0, be. pomm. 6—8. Zwiebel» per 100 Pfd. 2,00—4,00. Pelerülle. grün, Schockbimd 1,00— l,2o. Kohlrabi Schock 0,60-1,00. Rettich, bamüscher, Stück 0,04-0.10. hiesiger Schock 2,50-3,60. Mohrrüben. tOO Pfd. 2,00 bis 2 60. Karotten, hiesige, Schockbund 8,00—4,00. Wirsinglobi o. Schock 4—0. Rotkohl, Schock 3-7. Weißlohl p. 100 Pfd. 1,78-2,00. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 0,00, do, Erfurter 0,00. Rosenkohl, per tOO Pfund 10—20. Grüiikobl 8,00—5,00. Kohlrüben, Schock 2,0»— 3,00, Peter stlienwurzeln. per IOO Pfd. 6—7, Schockbund 4—5. Schnittlauch, Töpfe Dutzend 4,00 bis 4,50. Tomaten, italienifche, per 100 Pfund 25—30. Roie Rüben, per tOO Pfund 2,50—3,00. Rsibchen, Beelitzer, per>00 Pfd. 4—8, do. Teltower 18—18. Kürbis p. 100 Pfd. 8—10. Eslarol per Schock 5—6. Endivien per Schock 3—6. Birnen per 100 Pfd. Tiroler 20—26, Kochbirnen 5—8, Tafelbirnen la 18—25, do, IIa!0— 17. Aepfel, per tOO Pfund, Tiroler la 18—40, do. IIa(2—18, Tiroler, lof«, per 100 Pfund 10-14, do. in Kisten 120 Pfund 30—70, Most», hiesige, 3—8, Koch» 5—10, Tafel» äpfel la 15—25, do, IIa 10—12, Amerikaner, per Faß 24-35, Jialiener. lose, 100 Pfd. 0—12. Uallnüffe, per 100 Pfd. franzöfstche 30 bl« 60, rumänische 27—30. Paranüsse 82— CO. Haielnüsfe, lange, 100 Pfund 44—48, do, runde 32—37. Weintrauben. Italieuifche, per lOO Pfund 0,00, Almeria pei Faß 10—20. Aualms I, per Pfd. 0,70—0,90, do, II 0,40—0,80. Bananen, gelb, per 100 Pfund 12—22. Kokosnüsse per 100 Stück 20—30. Krachmandeln per 100 Pfd. 70—100. Maronen, ital., per 100 Pfd.>0—20. Feigen, Kranz, per 100 Pfd. 21-25, do. Trommel- per 100 Pfd. 40, do. in Kisten 28—60. Traubenrosincn per 100 Pfund 80—120. Zitvonen, Mestma. 300 Stück 8,75-12.00, do. 360 Stück 8,110-11,00, do. 200 Stück 0.00. do. 150 Stück 0,00. Apfelsinen, 300 Stück 0,00, do. Mureia 200 Stück 8,60-11,00, do, 300 Stück 8,60-12,00, do. Baieucia 420 Stück 14-19, do. 714 Stück 16-21. WitterungSüberflcht vom S. Dezember ISO?. IZZU? etaiteun 1 1?|| ISll" 1 i SwMenibe 759 SO SiUn Hamburg Berlin .1 4 bedeckt 2 Nebel 2 bedeckt 756 SO crli»' 758 SO Franki.a M 75? SSW 1 bedeckt München 759 SO 1 2 wolkig Wien 763 Still I Regen >0 K -- V 1 11 n? H_5j -3 2 1 3 3 — 1 8 . 3 StaHontn>|„ mm ill° II s i I 1 I i t-ioamtida 754 S® I 2 bedeckt etersbmg 763 WNW 1 Schnee Scillh(751299?® 6 wolkig idordee» 739 SSW 2 bedeckt Paris 752 SSW g bedeckt l l i »s c 5» s' S* tri 0, 1 -1 0 7 8 «Vetter-Prognose für Mittwoch, den 4. Dezember 10«?. Zrmächst etwa» wärmer, zeitwehe heiter, jedoch unbeständig mit Regen-, Schnee- oder Graupelschauern und frischen füdilchen Winden; später wieder eiwas kälter. Berti«er Wetterdureau. mm unsere Inserenten, welcke lnsenate xrökeren Urnksn�es für die nächste Sonntags-Nummer aufzugeben beabsichtigen, richten wir die höfliche Bitte, dieselben bis Donnerstag nachmittag 5 Uhr in unserer Haupt-Expedition aufzugeben. Verlag des„Vorwärts", Her Ardeitsnachwei»: Hof l Amt 3, 1289. Berwaln,n««strlle Berlt». Haoptdurea»: vtisi'iteoti'si« Z. Hos III. Amt 3, 1SS7> Jllunerztsg, dm S. Sezhr., abds. 81 Uhr: Allgemeine~ Wempner- Versammlung im„Gkwerkschastshaus", Engtlufer tZ(Saal 4): Zages-Ordiiung! 1. Vortrag d«S Kollegen Cohen. 2. Diskussion. 8. VerbandSangelegenheiten. OM- Kollege»! In Anbetracht der Vichttgkeit der TageZorbtNtNg Ist daS Erscheinen aller Kollegen notwendig. Sanuerstag, den 8. Sezbr., abends 6 Uhr, im„GemerWaftshailS" Eugeluftr l5(Saal l): JVIitgUcder Versammlung der MetalidrQcker Berlins u.Umgeg. SagtS. Ordnung: L Bortrag de? Reichstags- Abgeordneten Genoffen Stevei-Ingt über „Der neue ReichEvereinSgesetzentwurf". 2. Diskussion. 3. BranchenangeiegenheUc» und Verschiedenes. DM- Wegen der wichtigen Tagesordnung ist eS notwendig, ssir guten Besuch der Versammlung zu sorgen. T&iJ 161/2 Die Ortsverwaltang. Deutscher Holzarbeiter-Verhand. Bezirk Osten I. BV Die BertrouenSmSnnervrrfammlung »Freischütz», Fruchtftr. ZSa. statt._ findet heut« im 98;so Achtung! Achtung! Zuschneider n. Zuschneiderinnen. Die ItÖC�ftC findet«m Freitag.«. Dezember, abend» S'I, Uhr. bei Drhnel, Neue Friedrichstr. 35, statt. T a g e S. O r d n u n g: 1. Die AlbettSoerdSIrnisie und die Aeueinslellnngen in unserer Branche. Z. Sterbe, und UnterstlitzungSsÄllt 3. Verschiedenes. Die Kollegen und Kolleginnen werden ersucht, pünktlich und zahireich zu erscheinen. 167/6 Die Ortsverornltnns- l!» ffl!» Zahlstelle Scbdoeherg. Donnerstag, 5. Dezember.«bendZ 8';, Uhr, in Obel' Festsälen, Meinttigerstr. 8: Aaßcwrtiaiilichk Gcuttiil-Kcrsdwmlullg. TsgeSOrtnung: 1. Veschlusiiasiung über die am 1. Januar 1903 ja zahlenden Unterstützungen 2. VerbandSangelegenheiten. iW Ohne nitfflledsbach kein Xatrttt."VQ 96/18 Die Or»»ve rwaltnng. Zlai jemand jihmmatismns, Gicht. Gliederreißen. Nervenschmerzen, HüfttveH(Isodias). Hexenschutz, Geschwulst-c. der gebrauch« lllaotrioum't(Gelder. Kicfernadel- nur koiodels ,>Otvtill!l>UIII WatdwollSl), ein einfaches und unschädliches Naturprodutt von starker, Surchgrctfrnder Wirkung.„Electrlcura*' wirkt wunderbar, wie elektrisierend auf den Korper, und nichl wie spiriwöse Einreibungen nur momentan u. ober, staluiich, sondern nnchtzaltig und gründlich. Fl. M. 1.— und 2,—. Die Wii kung wird noch erhöhl durch innerlichen Gebrauch von lloiobols Wacholder- Extrakt, FI. 75 Vf.. 231. 1,50 u 2,50. Man netime nur die echte» iOriginelfüItungrn und achte scharf aus die Marke„Medleo"! gibt nicht» ähnlich Wirksame»! Erbältlich Inden meisten Drogerie» u. bei Otto Hclchcl, BeriiD 43, Eisenbahnstp. 4. Mo» achte auf Firma und Wort„.tIetUee'', um vor unwirksamen Nachahmungen geschützt zu sein! Zentral-Verband der Zimmerer Zzhlfteile Berlin und Umgegend. Bureau: Sugel-Ufer RS v. Hl, Zimmer SÄ. Fernsprecher: Amt 4 Nr. 2789. Donnerstag, den 5. Dezember 1907, abends 8 Uhr, finden für Sei lin und Vororte S Alttgliecker-Versammlungen iu folgenden Lokalen statt! in den Boruffia-Tälen» Berlin F.» Ackerstratze Nr. 0/7« bei Graumann, Berlin 80., Nannynstratze Nr. 27. bei Litfin, Berlin O., Mcmelerstratze Nr. 67. bei Zühlke» Berlin w., Tennewitzstratze Nr. 13. im Kaiserhof» Grotz-Lichterfclde, am Kranoldplatz. Tagesordnung in allen Versammlungen: Unsere diesjährige Lohnbewegung. ZKÄNZÄ£% lim vollzähligen Besuch aller in Berlin und den Vororten beschäftigten BerbandSmitglieder ersucht Der Z?»I,lsteIlei»-Vor»tt»n«l. Achtung! Meiler, Achtung: rteigenossen Berlins und Umgeinmg! Die Bestrebungen unserer Organisation, auch in den Detailgeschästen der Herrenkonfektion Betriebswerkstätten und feste taristnähige Löhne zu erringen, haben bei den Firmeninhabern, welche um Bewilligung dieser Forderungen angegangen wurden, unter Ausflüchten, die wir alS stichhaltig nicht anerkennen können. Widerstand gesunden. Wir sehen uns deshalb genötigt, die Solidarität der Arbeiterschaft zu Hülfe zu rufen. Die Delegierten zur Berliner Gewerkschastskommisston haben einem dementfprechenden Antrage einstimmig ihre Zustimmung erteilt und die Parteigenossen von Grotz-Verlin find diesem Beschlüsse beigetreten. Dank der Solidarität der Berliner Arbeiterschaft sahen fich eine Anzahl Berliner Konfektionäre veranlaßt, Betrieböwerkstätten einzurichten und tariflich festgesetzte Zeitlöhne an die Arbeiterschaft zu zahlen. Wir ersuchen daher mit Gegenwärtigem die Parteigenossen und Gewerkschaftsmitglieder Berlins nd llmgebtmg, bei ihren Einkäufen und Bestellungen von Herren- und Knabengarderobe in Zukunft mir die nachsieheuden Geschäfte berücksichtigen zu wollen. Norden: „Hoffnung", Produktiv• Genossenschaft der Schneider, Brunnenstr. 183. Me von dieser Firma in den Handel gebrachten Waren werden zu den von der Oraanisatton fest« gesetzten Bedingungen hergestellt. Wir empfehlen dieselbe daher ganz besonder«. Baer Sohn. Thausseestr. 29/30. Diese Firma imterhäli ein« vetriebSwerkstätt« für 24 Arbeiter und hat die»runstündtge Arbeitszeit eingeführt. D. Perleberg, Chausseestr. 63; „Blitz", Turmstr. 19. „Blitz", Rosenthalerstr. 3. „Blitz", Chausseestr. 83. Diese Firma stel Baer Sohn. Gr. Frankfurterstr. 20. Haake, LandSbergerstr. 91. „Blitz", Gr. Frankfurterstr. 137. stellt einen grasten Dell ihr«» Um. (otzcö zu den geforderten Bedingungen her. Ameritauische Berkaufshalleu, Rosenthaler- strasse 53. Osten: Amerikanische Bertaufshalle», Frankfurter Allee 186. Lindenbaum, Gr. Frankfurterstr. 141, ha! versuchsweise eine Berkstätte für einen geringen Teil Matzschneider eingerichiet. Leske u. Lehrer, Kottbufer Damm 78. Wormann, Kottbufer Damm 77. „Btitz", Kottbufer Damm 29/30. «Mpl'blen wir: Zu Geschenkzwecken Sie franzönfebe Revolution von 1789. Volkslümllche Darstellung der Ereignisse in Frankreich von 1780—1801. Von tzVtllielm Rio». ——— Reich illustriert. Sie Deutiche Revolution. Geschichte»er deutschen Bewegung von 4848/40. Von OVIIkeln» Bio«. Illustriert von 0. E. Lau. Geb. PreiS 4 SU Geschichte der Tranzösisehen Revolution von 1848 und der zweiten Republik. Bon LonU lierltler. . JMit einem Nachtrag:: Vom zweiten Kaiserreiok bis zur dritten Kepnblik. Bon£d. Bernstein. Geb. PreiS 4 M. Dr.ZinmannanssiroflftPfHtfllsftßflUftnlirifO. Herausgegeben von OVilhelm Bios. 225; 3+ Billige Volksausgabe, illustriert. Preis drosch. 3 M., geb. 4 M. Expedition ckes„Vorwärts", Lenlin SM. 68, I�indenstr. 69» backen. Sllcken: Baer Soh«, Brückenstr. 11. Esdrrs w. Dyckhoff, Oranienstr. 48. Heitinger, Deutsche Comp., Oranienstr. 40/41, stellen einen grotzen Teil ihres Umsatzes zu den gesorderten Bedingungen her. MZesteu: Blitz", Schöneberg. Hauptstr. 10.| Esders u. Dyckhoff, Am DSnhoMatz. Nachstehende Firmen haben die Errichtung von Betriebs- Werkstätten zugesagt: S. Adam, Leipzioerstr. 27/28. Fabisch u. Co., Rosenthalerstr. S. Philipp �abisch, Rosenthalerstr. 1. Bernhard Baer, Rosenthalerstr. 3. Sachs, Gr. Frankfurterstr. 132. Max Schendel, Rosenthalerstr. S. Alex Bohne, LandSbergerstr. 73. B ehrend, Grüner Weg 84. Derbaud der Schneider u. Schneiderinneu. _ Tie Ortsvcrwaltung. Ringel, Chausseestr. 81, Brunnenstr. 47. Lcwy«. Co., Brunnenstr. 30. WilmerS' dorferstr. 47. Bendit, Brunnenstr. 68. Littmaun. Oranienstr. 2. Joseph Wandt, Chausseestr. 30». Th. Juras. Chausseestr. 79. w ä. i g 0• jP 0• t I•• i Mtkchcifreie*&%fn�hMngyg«hünk. Zu beziehen durch die meisten Kierverlexer und Mineralwasserfabrikanten Grnrralvertrieb: EmSl ttfOgLk,«. m. H.H.. üb., büCtlSteStk. 28. G Srltgrllhtitskanf. O Unegzhriese ans den Zahren 1870/Tt. Von HanS v. Krelschmaim. Herausgegeben von viltz Braun geb. v. Zkrelschmann. Mit einem Bildnis in Pdotogravür«. und einem Bties-Fakfimiie. Sechste«uslage. 346 Seitta stark. Elegant gebunden. Statt stüher 6.— N. Q imm jetzt nur ä J»0 R (fipfhitidn des„Nmviiris" Berlin SW. 68. Lindenstraste 69. 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Dezember d. »uS den: vorstände auS: 1. der Anufmnnn Gustav Peukert (Arbeitgeber). L. der Zeiiungsspedtteur Kurt Fuhr« mann(Arbeitnehmer!, S. der lischler Richard DSschner (Arbeitnehmer), 4. der Mibelvolierer Fritz Eberl (Arbeitnehmer). Neugewählt bez». loledergewähll sind in der am 27. November er. stattgefundenen Generalversammlung: 1. der Tischlermeister ffau! Motzkow, hier. Sedanstr. 85(als Arbest. geber), 2. der ZeitungSfpediteur Kurt Fuhrmann, hier,«edanstr. 105(nlä tztrbeitnehmer), 8. der Möbelvosierer Frlh Ebert, bier, GüNelslr. 10(al» Arbeitnehmer). 4. der Arbeiter Aldort pkannoaa- doekor, hier, Lehderslr. 114(»IS Arbeitnehmer). Die Kewähllen treten ihr Amt am 1� Januar k. I. an. Die AmlSdauer laust bis zu« 31. Dezember 1303. Weitzensee. den 3. Dezember 1307. Der Borstand der Orts-Krankenkasse für de» Gemeindebezirk Weitzensee. gez. Fuhrmann, Vorsitzeuder. Aaf rellzablnng *l*gut« tarv,» I Herren-Garderoben Anzöge Paletots Damen� ond ,, KiBdergarderobe. Auswahl kolossal! 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Die Liquidation des ganzen Unternehmens wurde nicht beschlossen; wohl aber kamen anS der Mitte der Aktionäre Dinge zur Sprache, die die Stellung der jetzigen Leitung der Gesellschaft in der Oeffentlichkeit nicht gerade zu erhöhen geeignet sind. Ein gewichtiges Wort bei der Regelung der Tariffrage hat der Polizeipräsident mitzusprechen und es war der Gesellschaft zunächst geglückt, im Polizeipräsidium ihre Auffasiung von der Notwendigkeit der Preiserhöhung aus 7>/z Pfennig zur Geltimg zu bringen. In einer Konferenz zwischen den Vertretern der Stadt und des Polizeipräsidenten gelang es aber dem städtischen Dezernenten, den Räten des Polizeipräsidiums eine andere Auffaffung von dem Slandpuukt und den Motiven der Verkehrsdeputation beizubringen und als Ergebnis dieser Konferenz unterbreitete der Polizeipräsident der Gesellschaft einen VermittelungSvorschlag. Der Vernnttelungsvorschlag geht dahin, daß jeder einzelne Fahrschein 10 Pf. kosten und für die Teilstrecke» zivei Fahrscheine zu IS Pf. und füns Fahrscheine zu 30 Pf. verkaust ioerde» sollen; zu lange Teilstrecken sollten auf 2080 Meter verkürzt werden. Diesen VerniittelungSvorichlag lehnte die Gesellschaft im Schreiben vom 30. November ab und machte folgenden Gegen Vorschlag: 1. Der Fahrpreis beträgt für die einzelne Fahrt 10 Pf; 2. Teilstrecken kosten bei Lösung von zwei unpersönlichen Fahrscheinen zu 15 Pf.?>/„ Pf. für die einzelne Fahrt; 3. eS werden persönliche Monatskarten, die zur Fahrt auf einer Linie berechtigen, zum Preise von 6,S0 M. ausgegeben. In der gestrigen Sitzung wurde dieses Schreiben mündlich noch dahin ergänzt, daß diese Bedingungen die äußersten Konzessionen darstellen, die die Gesellschaft machen werde. Sollte die Deputation nicht zustimmen, so werde sie die wichtigsten dem Publikum unent- behrlichen Linien eingehen lassen. Da aber der Polizeipräsident im Interesse des Verkehrs auf der sofortigen Wiederaufnahme dieser Linien bestehen werde, so sei sie dann, da eine Festsetzung der Taxe nach Z 76 der Gewerbeordnung nicht zustande gelommen sei, in der Lage, ohne Tarif zu fahren. Nach langer Debatte beschloß die Deputation, die Anträge der Gesellschaft abzulehnen, dagegen dem Bermiltelungsvorl'chlage des Polizeipräsidenten vollinhaltlich zuzustimmen. Die persönlichen für nur eine Linie giltigen Abonnements zum Preise von 6.S0 M. inonatlich, die die einzige Konzesfion der Gesellschaft dar- stellen, hätten für die Kreise, die als Fahrgäste der Teilstrecken in Betracht kommen, absolut keinen Wert; auch sei für diese Kreise die einmalige Zahlung von 6.50 M. ganz unerschwing« lich. DaS müsse die Gesellschaft auch selber wissen. Die ganze Konzession sei daher nichts als ein leerer Blender. Die Gesellscbaft habe u. a. ihr Kapital erhöht, um Autobusse zu bauen und zu be- treiben; hier tue sie dies nicht, wolle nun aber aus den Teilstrecken- Fahrgästen die Verzinsung für dieses Kapital herauswirtschaften. Die Abonnements seinen im VerhällniS zu den zu durchfahrenden Strecken dreimal so teuer wie bei der Stadtbahn, doppelt so hoch wie bei der Straßenbahn. Durch Drohungen laste man sich nicht schrecken. ES bestehe für alle in Betrackit kommenden Linien ein vereinbarter Tarif. Diese Linien eingehen zu lassen, um sie dann selbst mit kleineren Abweichungen in der Route wieder aufzunehmen und ohne Tarif zu fahren. sei nickt? als der Versuch einer GeietzeSiimgehinig. ES sei nickt zu erwarten. daß der Herr Polizeipräsident einer solchen Gesetzes- liingebung seine Mitwirkung leihen weide. Jedenfalls lehne die VerkebrSdeputation die Verantwortung für solches Vorgehen von sich ab. Ganz anders lägen die Dinge bei dem dankenswerten Ver- mitteluiigövorschlag des Polizeipräsidenten, der den widerstreitenden Interessen gerecht werde und eine geeignete Basis zur Verständigung biete._ Aus dem Berliner Magistrat. Der Magistrat hat sich mit der Berichterstattung fiir die Presse anS den Sitzungen der städtischen Knralorien. Deputationen, Ans- schüffeii usw. sowie mit einer Umgestaltung deS„Gemeindeblattes" beschäftigt. Es wurde ein Ausschuß mit der Vorberatnng beauftragt, der dem Magistrat Vorschläge unterbreiten wird. Ferner beschäftigte sich der Magistrat mit einer neuen Bezirks« cintcilimg von Berlin. Die letzte hat vor länger als zwanzig Jahren stattgefunden. Seitdem hat sich sehr vieles geändert. Die Bezirke im Innern der Stadt entvölkern sich immer mehr, während andere derart zugenommen haben, daß sie von Zeit zu Zeit geteilt werden mußten. Besonders die Armenkommissioiisbezirke und die der Gemeindeivaisenräte sind oft geteilt worden. Einige führen bereits neben der eigentlichen Stammnunmier Buchstaben und sind schon bis zum? gelangt. Dadurch sind Verwechselungen möglich und ist eine Neueiiiteilung notivendia geworden, die sich über ganz Berlin erstrecken soll, wobei die h i st o r i s ch e n Grenzen berück- stcktigt werden sollen. Ein Ausschuß ist mit den Vorarbeiten be« austragt._ Die Flschotterplage in der Sprre hat in diesem Jahre einen ungewöhnlich großen Umfang angenommen. Während schon feit mehreren Jahren in der Umgebung Berlins keine Fischottern mehr wahrgenommen worden sind, wurden im verflossenen Sommer nicht weniger als drei solcher Fischräuber in der Oberspree erlegt. Am Sonntag sind wiederum zwei junge Fischottern bei Woltersdorfcr Schleuse getötet worden. Drei dieser Tiere waren in die Schleusen- kammer hineingeraten und es wurde sofort eine Jagd auf die Räuber unternoinmen, jedoch konnten nur zwei der Ottern aptötet werden. Ter dritten war es gelungen zu entschlüpfen. Neuartige Uebersicht über den Sprcchbereich der Fernsprech- netze. Der Sprechbercich der Fernsprechnetze hat sich im Laufe der Jahre mehr und mehr ausgedehnt. Man kann jetzt z. B. von Berlin wohl mit der Hälfte aller deutschen Postorte sprechen. Die früher verteilte Uebersicht über den Sprechbercich der Fernsprech- netze des Berliner Bezirks hat einen derartigen Umfang angc- nommen, daß sie nicht mehr gut in die Hände der Teilnehmer paßt. Auch liegt nur selten ein Bedürfnis dafür vor. Die Verwaltung hat jetzt eine neue Uebersicht fertiggestellt, die einen dickleibigen Folianten von 32 Zentimeter Höhe darstellt. DaS Buch hat gleich- zeitig eine vollstänoige Umgestaltung erfahren. Es sind ein für alle mal sämtliche inländischen Postorte aufgeführt. Die bestehenden Sprechbeziehungen ersieht man daraus, daß in der betreffenden Spalte die Gebühr für ein einzelnes Gespräch angegeben ist. Durch handschriftliche Ergänzungen können die Aemter das Buch stets auf dem Laufenden halten. Unter den Teilnehmern werden wenige sein, die dazu Lust haben. Das Buch kann aber von jedermann durch die Annahmestelle des Briefpostamtes an der Ecke der Heiligen- geist- und Königjtratze gegen Erstattung der Selbstkosten bezogen werden. Bei der Angabe der einzelnen Gebühren sind ferner jetzt nicht mehr die Orte des Bezirks angegeben, sondern lediglich die Taxquadratc. Nach diesen werden die Entfernungen von Ort zu Ort und damit die Fernsprechgebühren berecknet. Die Ver- mittelungSanstalten geben über jede mögliche Verbindung und deren Gebühren jederzeit Auskunft. SerienIoSgesellschaften. Die Bildung sogenannter SerienIoS- gesellschaften betrifft ein neues Erkenntnis des Reichsgerichts, das jetzt den Polizeibehörden zur Nachahmung mitgeteilt wird und dem- nach für die Behandlung dieser Frage in Zukunft maßgebend ist. Das Erkenntnis spricht aus, daß in der Bildung sogenannter Sericiilosgesellschaften, bei denen die einzelnen Lose oder Los- anteilc nicht in das Eigentum oder Gesamteigentum der Gesellschaften gelangen, diesen vielmehr lediglich ein obgligatorischer An- spruch aus Auszahlung des auf ein Los entfallenden Gewinnes nach Verhältnis der Beteiligung eingeräumt wird, die Veranstaltung einer Lotterie zu erblicken ist. Auch das Werben von Mitgliedern zu solchsii Gesellschaften im Jnlande durch Beauftragte einer aus- ländischen Firma ist nicht als der Vertrieb von Losen einer schon bestehenden, im Auslande veranstalteten Lotterie, sondern als Bei» hülfe bei Veranstaltung einer inländischen Lotterie anzusehen. Ein Agent hatte holländische Lose oder Losabschnitte in Preußen verlauft. Es waren sogenannte SerienIoSgesellschaften gebildet worden. Das Reichsgericht ist der Ansicht, daß die von dem Unter- nehmer verkauften Mitgliedscheine als Lose der von ihm veran- stalteten Lotterie zu bezeichnen sind. Verfehlt wäre dagegen die Annahme des Borderrichters, daß cS sich hier um eine in Holland veranstaltete, sonach außerpreußische Lotterie handelte. Die Lotterie wäre in Holland veranstaltet worden, während in Preußen nur eine Beihülse dazu vorliege._ Weil er keine Arbeit finden konnte, trotz aller Bemühungen, hat sich der 27 jährige obdachlose Schneider Hermann Wolff erhängt. In seiner Verzweiflung kletterte er gestern nachmittag an einem anr Krankenhause am Urban stehende» Laternenpfahl hinauf, befestigte den Strick unterhalb des GlaSgehäuseS an der Wölbung und erhängte sich auf diese Weise. Bald darauf kamen Pasianten vorüber und schnitten den Lebens- müden ab. Sie brachten ihn nach dem nahe belegenen Kranlenhause am Urban. Eine weitere Notiz besagt: Nahrungssorgen haben den 47 Jahre alten Arbeiter Wilhelm Kilian. Hobrechtstr. 4, in den Tod getrieben. K. war längere Zeit hindurch arbeitslos gewesen und da alle seine Hoffnungen, wieder Bcschäftignng zu erholten, fehlschlugen, so faßte er in der Verzweiflung den Entschluß, sich das Leben zu nehmen. Vor einigen Tagen versuchte er sich zu erhängen, er wurde jedoch noch rechtzeitig abgeschnitten und sein Vorhaben dadurch ver- eitelt. Gestern lam der Aernffte zum Ziele; er erhängte sich im verschloffencn Zimmer und als die Tat entdeckt wurde, war rr bereits tot. Diese VerzweiflungSschritte häufen sich jetzt in erschreckender Weise; sie illustrieren recht lebhaft die gut bürgerliche Redensart: „Wer arbeiten will, findet schon Arbeit". Die Massenaniammlungen vor den Ausgabestellen deS„ArbeitSmarkt" strafen diese Redensart Lügen._ Ein Bande von Laubeneinbrechern hat jetzt die Kriminalpolizei aus dem Gesundbrunnen hinter Schloß und Riegel gebrocht. Fort- gesetzt wurden im Spätsommer und im Herbst im Norden der Stadt und in den angrenzenden Vororlen Einbrüche in Laubenkolonien verübt, wobei de» Tatern stets große Mengen von Geflügel in die Hände fielen. Die Klagen der Laubenbesitzer, die sich unter schweren Geldopfern Hübner, Gänse, Enten, Tauben usw. angeschafft hatten, wollten kein Ende nehmen. Durch die Polizei sind nun in der gestrigen Nacht fünf junge Burschen verhaftet worden, die sich zur AuSfübrung der Diebstähle zu einer regclrecktcn Einbrecherbande organisiert hatten. Sie scklachleten die gestohlenen Tiere an Ort »nd Stelle ab und„verschärften" die Beute dann frühmorgens bei Geflügelhändlern. Die Einbrecher, Burscken im Alter von 14 bis 20 Jahren, sind die Söhne achtbarer Eltern aus der Brunnen- traße 57. Strolsundetstr. 26 und Seestr. 2. Sie wurden sämtlich in das Moabiter lliitersuchiingSgefängniS eingeliefert. Die Grundsteinlegung zur Errichtung einer Musteranstalt zur Be< tämvfuiig der Säuglingssterblichkeit im Deutschen Reiche hat gestern in Charlottenburg unter den üblichen Zeremonien srattgesilnden. Ei» schwerer Strasjenunfall ereignete sich gestern am Kottbuser Damm. Gestern früh S1/� Uhr wollte der Kutscher der Milchhandlung von August Jähnel, Bärwaldstraße. vor dem Hause Kottbuser Damm 23 mit seinem Gefäbrt umlenken, als letzteres von einem in schneller Fahrt herankommenden Straßenbahnwagen gefaßt wurde. Der Kutscher wurde vom Bock geschlendert und unter dem Vorder- perron des Straßenbahnwagens einige Schritte mit fortgeschleift. Er wurde, da er aus Nase»nd Mund blutete und sich nicht erheben konnte, per Droschke fortgeschafft. An dem Milchwagen zersplitterte die Deichsel, während die Pferde zwar umgerissen, aber weiter nicht verletzt wurden. Die Spritzwand des StraßenbahuwagenS hatte nur eine derbe Beule davongetragen und der Berkehr war auf dem einen Gleise etwa zehn Miiuiten utilerbrochen. Wintergarten. Das Dezemberprogramm dieser beliebten Varietebühae ist diesmal stark englisch gefärbt. Söhne und Töchter AlbionS jingcn. tanzen, produzieren sich als Excentrics usw. Was sie bieten, ist dabei gar nicht einmal so überaus hervorragende Mranzosischc Artisten haben uns in Berlin entschieden schon des öfteren mehr Grazie und amerikanische mehr Komik gezeigt. Auch Liane de VrieL, die Pariser Sängerin, schien nicht recht diS- pomert. Ihr neckisches Spiel zündete wohl, allein ihre Stimme vermochte nicht ganz den grohen Raum zu füllen. Desto mehr fesselten dafür die chinesischen Akrobaten der Tan Kwai Truppe. Die Wasscrkunststuckc, die sie zeigten, waren nicht neu aber die gymnastischen Produktionen, die die an ihren Zöpfen hängenden gelben Artisten vorführten, verdienen vollauf den reichen Beifall, der ihnen gezollt wurde. Ostasien war noch in einer zweiten Truppe im Programm des Abends vertreten. Die Tenjis, japa- nischc Zauberer, zeigten ihre Künste, die denen, welche wir von indischen Fakiren kennen, in keiner Weise nachstanden. Den Glanz- Punkt des Programms bildeten die humoristischen Vorträge des bc liebten Robert Stcidl. Seine vielbelachte Satire galt dies mal der.natürlichen" Liebe im Gegensatz zum§ 175, und dem der regneten Sommer des laufenden Jahres. Von den übrigen Piecen seien noch genannt: die B o g a n n y- T r u p p e, die als lustige Bäcker einige prächtige Excentrics vorführten, ferner der Hund Toq uä— der sich produzierte als Reiter. Equilibrist und Jongleur—, sowie die Brüning, die als Billardkünstlcr Er staunliches leisteten. Im Apollo- Theater bildet auch im Dezemberprogramm Sylvester Schäffer j r. noch den Mittelpunkt dcS Interesses Die Mannigfaltigkeit seiner Künste, die das weite Gebiet von der Athletik bis zum Geigenspielen umsaht, ist in der Tat staunen erregend, wenn auch die einzelne Leistung nicht immer die Höhe deS Fachartisten erreicht, die dieser ja gerade durch die Spezialisierung auf ein kleines Gebiet erst möglich macht. Eine sehr respektable Nummer ist die Opernprobe von Sieg- wart Gentes, der all die Schikanen und boshaften Zufälle einer solchen Probe zu drastischer und anschaulicher Darstellung bringt. Er übertreibt natürlich aufs äußerste. Daß die schwer dressierbaren Katzen zu ganz netten Kunststücken sich heranbilden lasten, bewies Miß Darwin. Das Abs-Avello-Trio erfreute durch anmutige Gymnastik. Die Wunder moderner Aus- stattung kamen in dem Märchenballett: die G l ü ck S f e e zur Geltung, in der farbenfreudige Bilder und Tänze wechselten. Man kam uns indisch im operettenhaft zugestutzten Stile der Ruth St. Denis und echt pariserisch in Gestalt eines grotesken GlückschweineS, das lustige Kapriolen aufführte.— Humor und guter Brettlaesang. zwei Dinge, die immer seltener im Varieto zu werden scheinen, fehlten im Programm. Im sechsten Kreise veranstaltet die 1., 2. und 3. Abteilung am 7. Dezember einen Theaterabend im Berliner Prater. Zur Auf- führung gelangen:»Die Räuber". BillettS a Zst Pf. sind noch in der Parteispedition von Karl Mars. Lychcnerstr. 123. zu haben. Die Ortöverwaltung des Metallarbeitcrvcrbandcs ersucht unS um Aufnahme folgender Zeilen: Verloren gegangen ist auf der Hoch» bahn ein Buch mit blauem Deckel, enthaltend lül) Beitragsmarken a 70 Pf. vom Deutschen Metallarbertcrvcrband. Der Finder wird gebeten, dasselbe im Verbandsbureau. Charilestr. 3, abzugeben. Fcucrwehrvericht. Wegen eines größeren Kellerbrandes wurde gestern die Feuerwehr nach der Wasterthorstr. 43 alarmiert. Dort waren Kohlen und Hausrat usw. in Brand geraten, so daß tüchtig Wasser gegeben werden mußte, um die Gefahr zu beseitigen. In der Holzmarktstr. 20 brannten in einer Wohnung unter einem Aquarium Petroleum und ein Holzverschlag. Die Verpackung von zwei Gasometern, Kohlen und Holzkasten brannte» gleichzeitig in der Brunnenstr. 33 und Kommandantenstr. 31. In einem Weih- Warengeschäft in der Memelerstr. 48 kam Feuer aus, wobei Kartons usw. ein Raub der Flammen wurden. Am Grünen Weg 80 stand nachts eine Küche in Flammen. Schaldccken. Balken usw. mutzten in der Kastanicnallce 70 abgelöscht werden. Ferner hatte die Wehr in der Jakobikirchstr. 7, Zimmerstr. 50, EbcrSwalderstraße, Kos- linerftr. 13, ErcifSwaldcrstr. 12 u. a. Stellen aus verschiedenen Ur- fachen zu tun. Ardeiter-Samariter-Kolonne. Donnerstagabend 3 Uhr: 3. Ab» teilung Schöneberg bei Wieloch, Grunewaldstr. IlO, und 4. Abteilung in Lichtenberg- Rummelsburg bei Lindner, Grünbergerstr. 10. Vor- trag über Verbrennungen, Erfrierungen, Hitzschlag, Blitzschlag und Beichädigungen durch Elektrizität. Daran anschließend praktisch« Uebungew Lortragende: Herren Dr. Schwab und Dr. I. Hirschfeld Vorort- J�admcbten. VchSneberg. Nach den Stadtverordnetcnwahlen. Wie cS von vornherein zu erwarten war, so ist cS gekommen; bei den Liberalen beginnt es schon jetzt zu bröckeln. Die Tatsache, daß der Ausgang der Stadtverordnetenwahlen den Liberalen und den Sozialdemokraten die Mehrheit im Stadtparlament gebracht hat. scheint einige liberale Acrrcn gruselig gemacht zu haben. Sie ergreifen die Fahnen- flucht und suchen bei der„Unabhängigen Verdmgung"(Hausbesitzerfraktion) Anschluß. Vor den Wahlen konnten sich diese Herren gar nicht genug tun in der Bekämpfung der„Unabhängigen Ver- cinigung", während jetzt gemeinsam mit dieser der Kampf gegen die eigenen Gesinnungsgenossen, der liberalen Fraktion, und vor allem gegen die Sozialdemokratie aufgenommen werden soll. Die Parole zu diesem„Kesseltreiben" wurde in einer Versammlung des„Haus- und Grundbesitzervereins" ausgegeben. Die Ver-, fammlung beschäftigte sich mit dem Ausfall der Stadtverordneten. wählen, wobei man zu ergründen suchte, woher es kam, daß gerade der„Haus- und Grundbesitzerverein" eine so fürchterliche Schlappe erlitten hat. Man suchte nach Mitteln, wie dieser Reinfall wieder gutzumachen sei. Tie Mitglieder de? Borstandes legten ihre Aemter nieder, da sie den Wahlausfall als ein Mißtrauensvotum auf- faßten. Als Retter in der Not erschien ihnen da der„liberale" Stadtverordnete Lohausen. Der Herr, der den Mund nich! voll genug nehmen konnte, um die„Unabhängige Vereinigung" an den Pranger zu stelleit. Dieser Herr stellte sich in der Ver- santmlung des„Haus- und GrundbesitzcrvereinS" hin und erklärte: „daß man mit den Herren v»n der liberalen Fraktion nicht mehr zusammengehen könne. Es ist die höchst« Zeit, daß wir uns zusammentun zum Kampf auch gegen die liberale Fraktion, denn diese unterscheidet sich sehr weni(j von der Sozialdemokratie. Wenn wir nicht dafür sorgen, daß dieser Strom gehemmt wird, dann geht er über uns weg. Wir sind vollständig davon durchdrungen daß wir zu Ihnen gehören, Hand in Hand miteinander gehen müssen, daß von zenen Elementen niemand mehr inS Stadtparlament hineindarf. Wenn man sieht, im besonderen in der letzten Stadt- verordnetenversammlung, daß kein Unterschied mehr besteht zwischen Sozialdemokraten und liberaler Fraktion, dann muß man sage». wir stehen schon mitten in der Sozialdemo. k r a t i e usw." Diese Ausführungen fanden selbstverständlich in der Versammlung einen rasenden Beifall. Man wurde sich auch darüber einig, daß dieser Herr der zukünftige Stadtverordneten- Vorsteher werden müsse. Bekanntlich ist der bisherige Stadtver- ordnetenvorsteher Professor Heyne iVorsitzender des Haue- und Grundbesitzervereins) nicht wiedergewählt worden, trotzdem er in der ersten Abteilung sowohl wie in der zweiten Abteilung auf- gestellt worden ist. Zum allgemeinen Gaudium muß nun auch noch der angebliche Waffenfund in der Pankstratze herhalten, um ein weiteres zu tun, die liberalen Stadtverordneten in die Reihen der„Unabhängigen Vereinigung" zu treiben. Unseren Genossen Bäumlcr und Obst wird in dem Organ der„Unabbängigen Vereinigung" nachgesagt sie hätten mit russischen Terroristen und Bomdenwcrfcrn gemein- fame Sache gemacht, deshalb dürfe kein liberaler Stadtverordneter für die Anträge der Sozialdemokratie stimmen. ES erübrigt sich. auch nur noch ein Wort für diese lächerlichen Hirngespinste zu verlieren. Sie zeigen wenigstens, was der Ausfall der Schöne bergcr Stadtverordnetenwahlen in den Köpfen dieser Leute an- gerichtet hat; und das genügt uns. Mögen nun die„liberalen" Stadtverordneten sich der„llnab hängigen Vereinigung" oder der liberalen Fraktion anschließen die Sozialdemokratie wird in gewohnter Weise auch im neuen Stadtparlamcnt ihre Tätigkeit auszuüben wissen. Stadtverordnetenversammlung. Die Vorlage des Maf�tratS, für das Rcformrealghmnasium besondere Vorschulklai�en einzurichten, brachte eine längere Schuldebatte. Stadw. O e st r e i ch(Lib.) sprach sich prinzipiell gegen die Einrichtung von Vorschulen aus; er ist der Meinung, daß man ohne solche auskommen kann. Man treffe lieber Maßnahmen um begabte Schüler nach dreijährigem VolkSschulbesuch in die Grundklasscn der höheren Schulen einzureihen. NamcnS seiner Fraktion beantragt Redner, den Magistrat zu ersuchen, mit den Gemeinden Groß-BerlinS zwecks Abschaffung der Vorschulen in Verbindung zu treten. Oberbürgermeister Wilde ist wohl dafür, mit den Gemeinden Groß-Berlins in dieser Frag« zu verhandeln, hält es aber für ver- fehlt, in Schöneberg mit Abschaffung der Vorschulklassen allein vor. zugehen. Mau würde dadurch nur zahllose Privatschulen schaffen. UebrigenS sei auch Eugen Richter ein Freund der Vorschulen ge Wesen. Siadtv. Schüler(llnabh. Vereinigung) hält die Vorschulen für notwendig, sie verursachen der Stadt auch keine Kosten. Bloß des Prinzips ivegen soll man die Vorschulen nicht abschaffen. Stadtv. Küter(Soz.) tritt ebenfalls für Abschaffung der Vorschulen ein. Durch Einrichtung dieser Klassen werden auch den Gemeindeschulen die Klassenräum« entzogen. Schon seit 8 Jahren strebe man danach, die fliegenden Klassen in den Gcmeindeschulen abzuschaffen, aber bis heute ist dies noch nicht gelungen. Daß bei einem Nichtvorhandensein von Vorschulen die begüterten Einwohner Schöneberg den Rücken kehren, trifft nicht zu. Nirgends ist für die reicheren Leute besser gesorgt, wie in Schönebcrg. Tie höheren Schulen erfordern für den einzelnen Schüler einen bedeutend grötze ren Zuschuß wie die Gemeindeschulen. Dieser Zuschuß käme, nach der Meinung der Mehrheit in der vorigen Sitzung gelegentlich des Antrages betreffend unentgeltliche Speisung der Arbeitmosen, auch nur einem Almosen gleich, das den reichen Leuten gegeben wird. Oberbürgermeister Wilde wendet sich gegen die letzteren Aus führungen. Von einem Almosen kann keine Rede sein. Die Reichen bringen doch den wesentlichsten Teil der Steuern auf. während für die Arbeiter durch die Steuern der Reichen gesorgt wird. Die reichen Leute sind es auch, die dag Geld zu den Gemeindeschulen geben, obgleich ihre Kinder die Gemeindeschulen nicht besuchen. Stadtv. Küter(Soz.) weist darauf hin. daß es vor allem doch nur die Arbeiter sind, die die ganzen Werte und Produkte schaffen. Woher kommen denn die hohen Dividenden? Durch ßie Aus beutung der Arbeitskrast der Besitzlosen ist es den Besitzenden doch nur möglich, immer größere Reichtümer anzuhäufen. ES ist also ganz unzutreffend, wenn der Oberbürgermeister erklärt, daß die Arbeiter von dem Gelde der Reichen erhalten werden. Das Um- gelehrte ist richtiger. Nach Amiahme der Magistratsvorlage werden die Anträge der Liberalem die Einrichtung der VorfchuMassen zu vertagen, bis ge- nügcnd Räum« geschaffen find, und zweitens, mit den Gemeinden Groß-BerlinS zwecks Abschaffung der Borschulen in Verbindung zu treten, abgelehnt. Ein Antrag der liberalen Fraktion verlangt, daß vom Magistrat Schritte unternommen werden zur Herbeiführung eines e i n h e i t- liehen Ladenschlusses mit Berlin. Bekanntlich werden die Läden in Schönebcrg um VAO Uhr und in Berlin um 10 Uhr ge- 'chlossen. Der Oberbürgermeister macht darauf aufmerksam, daß chon im Jahre 1833 ein Gcmeindcbeschluß in dieser Angelegenheit gesaßt worden ist. Die Kirchenbchörden in Schönebcrg sind aber gegen die Verlegung der Kircbzeit gewesen. Eine Beschwerbe an das Konsistorium wurde zurückgewiesen, weil dasselbe zwar eine einheitliche Regelung für wünschenswert hielt, sich aber im übrigen auf den ablehnenden Standpunkt der Tchöneberger Kirchcnbchörde tellte. Ter Oberbürgermeister empfahl, dafür zu sorgen, daß der Widerstand der Kircheudchörde gebrochen wird.— Der Antrag wurde daraus einstimmig angenommen. Zugestimmt wird sodann einem Antrag, dem Volksküchen- verein zur Speisung bedürftiger Kinder 1000 M. zu bewillig«! Ein weiterer Antrag betrifft die Errichtung eines Stadt- t h e a t e r s. Der Magistrat beantragt, die Angelegenheit auf zwei Jahre zu vertagen. Als Grund wirb angeführt: 1. daß der für den Bau in Aussicht genommene Bayerische Platz sich gegenwärtig an der äußersten Peripherie der bebauten Stadt befind« und mit ganz unzureichenden Verkehrsmitteln versehen ist: 2. daß bei der gegenwärtig herrschenden Geldknappheit die städtischen Ausgaben für dringendere Zwecke reserviert werden müssen; 3. daß die Kräfte und Mittel der städtischen Verwaltung in den nächsten Jahren durch eine Reihe von unbedingt erforderlichen großen Aufgaben in An- spruch genommen sind. -vtadtv. Wollermann(Soz.) gibt zu, daß es gegenwärtig schwer sein wird, Gelder zum günstigen Zinsfuß für das Theater aufzunehmen. Die Schuld trage aber die Mehrheit der Versamm- lung. Einer Privatgesellschaft habe man bereits von zwei Jahren die Milte! bewilligt. Hätte man schon damals dem sozialdemokra- tischen Antrage, das Theater in eigener Regie zu errichten, Folge geleistet, so hätten wir heute bereits das Theater. Redner bc- antragt, den Zeitpunkt der Vertagung nicht auf ztvci Jahre, sondern aus ein Jahr festzusetzen.— Auch von liberaler Seite wurde der gleiche Standpunkt vertreten. Die Mehrheit stimmte aber der Ver- tagung auf zwei Jahre zu. Stadtv. F r i tz s ch(Soz.) berichtete darauf über die weitere Tätigkeit dcS Ausschusses zur Schaffung von Notstands- a r be i t e n und einer Rechtsauskunftsstelle. Der Aus- schuß habe eingesehen, daß man im kommenden Winter mit einer größeren Ardeilslosigkeit zu rechnen hat. Er empfehle deshalb die folgenden Anträge zur Annahm«: 1. Der Magistrat wird ersucht, Vorkehrungen zu treffen, um bei eintretender größerer Arbeitslosigkeit im Winter Abhülfe schaffen zu können. 2. Als zweckmäßige Objekte für Notstandsarbeiten erscheinen namentlich die Erdarbeiten bei den Sammelkanälen im Zuge der Grunewaldstraße, Großgörschenstraße und in der Martin Luther- straße. 8. Die Berücksichtigung Schöneberger Arbeiter durch die Unternehmer ist sicherzustellen. 4. Der Magistrat wird ersucht, baldmöglichst über die bis» herigen Erfahrungen mit der kommunalen Arbeitslosen- Versicherung Mitteilung zu machen. Die Anträge werden ohne Widerspruch angenommen, ebenso auch der folgende Antrag: Der Magistrat wird ersucht, sich mit dem Verein für gemein- nützige Rechtsauskunftsstellen in Berlin in Verbindung zu setzen, um über die Einrichtung einer Rechtsauskunftsstelle der Stadtverordnetenversammlung alsbald Mitteilung machen zu 'önnen. Lichtenberg. Doppelte Wahkentrechtiittg. Nicht gemig, daß das DreiUassenwahlrecht für die Kommunen die werktätige Bevölkerung zu rechtlosen Heloten stempelt, hat der Gemeindevorstand die Wahlzeit für die dritte Wählerabteilung auf nur vier Stunden beschränkt. Es soll gewählt werden am Montag den 16. Dezember von 4 Uhr bis 8 Uhr nachmittags, eine Wahlzeit, bei deren Kürze eS der Arbeiterschaft nur schwer möglich sein dürste, ihr Wahlrecht auS- zuüben. AuS dieser Maßnahme geht mir allzu deutlich hervor, daß der ailS der ersten und zweiten Wählerklasse bestehend« Gemeinde« vorstand die Geschäfte des bürgerlichen Blocks besorgen will. Der Protest gegen eine solche Klassenpolittk wird, da? mögen sich die Herren gesagt sein lassen, von der Arbeiterschaft umso lauter und nachdrücklicher geführt werdet«. Die Geschäftsführer des bürgerlichen Blocks lassen sich aber mit der Beschneidung der Wuhlzeit noch nicht genügen: Den bürgerlichen Gastwirten soll eine Belohnung für Blocktrcue werden. Die Wahllokale, die den einzelnen Bezirken zugewiesen sind, fordern den schärfsten Protest heraus. Bezirke, die 600 bis 700 eingeschriebene Wähler aufweisen, sollen in Lokalen wählen, die zur gleichen Zeit kaum mehr als 20 Personen fassen, während die Schulen in der nächsten Nähe frei und die wirklich geeigneten größeren Lokale un« berücksichtigt bleiben. Nur munter weiter auf dem Wege; der Zweck, die Arbeiter« Wähler durch eine elende Verkürzung der Wahlzeit und durch Zu- Weisung ungenügender Wahlräume an der Ausübung ihres an und für sich schon lümmerlichen Wahlrechtes zu hindern, wird nicht erreicht werden. Es muß gegen eine solche Verstümmelung des Wahlrechts, so dicht vor den Toren Berlin», auf» energischste protestiert werden. Ober-Tchö«teweide. Wegen eines ähnlichen Deliktes wie vor zwei Jahren, ist der hiesige Gemeinde- und SmtSvorsteher aufS neue von seinem Amte suspendiert worden. Ob die Angelegenheit für ihn diesmal ebenso glimpflich ablaufen wird, dürste höchst fraglich erscheinen. Dem Ansehen der Gemeindeverwaltung sind solche Vor- kommnisse wahrhaftig nicht dienlich, und schließlich erwachsen dei Gemeinde hieraus beträchtliche Aufwendungen für Vertretung usw. Weihense«. AuS der Gemeindevertretersttzung. Zunächst wurde der neu» gewählte Genosse Baethge in sein Amt eingeführt. Gleich zu Anfang der Sitzung entstand wieder ein Konflikt mit dem Tezer- ncnten dcS Rieselgutes Birkholz. Trotzdem des öfteren schon der Wunsch ausgesprochen war, daß die Riesclfeldkommission näheren Einblick in die Geschäft« der Verwaltung deS Gutes haben will, steht der Dezernent auf dem Standpunkte der„Selbswerwaltung" und besorgt die An- und Verkäut- allein, wie er sich überhaupt wenig um die Beschlüsse kümmert. Räch der äußerst hestigen Debatte wurde verlangt, daß regelmäßig Sitzungen der Kommission statt- finden sollen, in denen der Dezernent jedesmal zur Berichterstat- tung verpflichtet ist.— Eine Hausbesitzerfamilie schuldet der Ge- mcinde zirka 3000 M. Steuern, weshalb das ZwanoSversteigerungS» verfahren eingeleitet werden sollte. Die Besitzer kamen jedoch um Stundung ein und so wurde die Einleitung des Verfahrens vertagt. Daß man bei anderen gewöhnlichen Steuerzahlern so viel Rücksicht nimmt, ist bis jetzt noch nicht bekannt geworden.— Zur Vorlage kam ein Beschluß der Hochbaukommissian, in der Gemcindeturnhalle eine öffentliche Badeanstalt, bestehend aus 6 Brause- und zwei Wannenbädern, einzurichten. Die dazu erforderlichen Mttel in Höhe von 3200 M. wurden bewilligt.— Nachdem der Minister die Errichtung eines Realgymnasiums genehmigt hat, kommt auch schon der hinkend« Fuß in folgenden Bedingungen: 1. die Gemeinde muß erklären, zur Unterhaltung des Realgymnasiums jetzt und in Zu- kunft Staatsmittel mcht zu beanspruchen; 2. hinsichtlich der Art und der Anzahl der Lehrkräfte und der Beschaffung von Lehr- Mitteln sind leoiglich die Anordnungen der Aufsichtsbehörde maß- gebend; 3. die Lehrkräfte sind mindestens nach den jeweiligen für Staatsanstalten gcltenoen Vorschriften zu besolden. In gleicher Weise erfolgt die Regelung der PciisionSansprüch« und der Hinter- bliebcnenfürsorge; 4. bis Ostern 1316 ist nach einem unS zur Ge- nehmigung vorzulegenden Plan ein Anstaltsgebäude nebst Turnhalle und DircktorwohnhauS zu errichten, daneben auch ein Turn- und Spielplatz von ausreichender Größe zur Verfügung zu stellen; 5. die vis zur Fertigstellung des neuen Schulgebäudes provisorisch zu benutzenden Klassenräume müssen den Anforderungen der Auf- 'ichtSbehörde entsprechen. Hierbei nahm ein Genosse Gelegenheit, ne bürgerlichen Vertreter aufzufordern, gegen diese Eingriffe in die Selbstverwaltung ganz energisch bei den maßgebenden Körper- 'chaftcn zu protestieren; die Herren wollen iiiicS, wie sie betonten, .keine Politik in der Gemeindeverwaltung treiben". In der ge- Heimen Sitzung wurden noch zwei Grundstücke angekauft. EiirS zur Erweiterung der Schule in der Falkcnbcrgcrstratze, daö andere an der Langhansstraße, zwischen Scharnwebcr- und Göbcnstraße. Letztere beiden Straßen sollen in Zukunft kassiert und eine neue Straße bis zur Eharlottenburgerstraße durchgeführt werden. Ferner wurde noch ein ausgedehnter Vertrag mit einer ein jkanalisÄtons- Projekt ausarbeitenden Firma abgeschlossen. AuS de« hiesigen Gefängnis entwiche» sind in der vergangenen Nackt vier Inhaftierte. Trotz der strengen Bewachung gelang eS den Häftlingen, sich untereinander zu verstandigen und einen Fluchtplan zu verabreden. In ihrer SträslingSkleidung glückte eS ihnen, aus Zen Zellen auszubrechen und das Freie zu gewinnen. Erst einige seit später wurde die Flucht wahrgenommen und die sofortige Ver« olgnng der Entwichenen aufgenommen. Sie hatte ober bis gestern keinen Erfolg. Siur die AnstaltSlleider der Flüchtlinge wurden iw Freien vorgefunden. Bernau. Die Atadwcrordiicten Sersammluug wählte pro 1303 die Etat- und Rechnungskommisston, welcher auch unsere Genossen Wünsche und Helbig angehören. Dem Steinsetzmcister Zickelbein wurde für Nebenarbeiten beim Verlegen von Granitplatten in der Hohenstein- und Brüderstraße eine Eiitichädigung von 40 M. und dem Steinsetz- meister Gurich für Nachpflasterunaen, welche durch die starken Regen- pisse bedingt wurden, eine solche von 60 M. bewilligt. Die Her« lrllung einer Röhrenleitung im neuen NestaurationSgebäud« sowie die Erbauung eines Gebäudes für eine AcetylengaS-Anlage auf dem Liepnitz-Restaurationsetablisiement wurde von der Ver- ammluua abgelehnt. Das neue Elraßenvrojekt auf dem früheren Perwitzschen Ackerplan zwischen Schönower Chaussee und Zepernicker- iraße wurde von der Versammlung genehmigt. Mir 17 gegen 4 Stimmen erklärte sich die Versammlung einverstanden, daß in der Streitsache der Stadt gegen die hiesige Gasanstalt daS Schiedsgericht entscheiden solle, damit endlich Klarheit darüber herrsche ob die Gasanstalt zwei Rohre in jeder Straße und zwar unter den Bürgersteigen oder nur eins wie bisher üblich uuter dem Fahr- dnmm zu legen habe. Dem Krankenwärter im hiesigen städtischen Krankenhnuse, welcher für die Verpflegung der Krauken zu sorgen bat. wurde eine Teuerungszulage von 150 M. bewilligt. Vom Vorsteher wurde der Beriammlmrg noch mitgeteilt, daß der Bau einer Chaussee von Bernau nach Buch nun nicht mehr aus- geschlossen erscheint und wohl in Bälde in Angriff genommen werden >ürfte. Dir am Sonntag abgehaltene Wablrechtsversammlung erfreute ich eine? guten Besuches. Tie Ausfübrungen de» Genossen Haß lösten bei den Versammelten lebhaste Beifallskundgebungen ans. Die Resolution des Parteivorstandes fand einstimmige Annahme. Hohen-Schönhaufen. Einen erfreulichen Sieg errangen unsere Genossen bei der gestrigen Gemeindewahl. Bekanntlich hatte der sozialdemokratische Wahlverein wegen Unregelmäßigkeit gegen die Wahl, bei der die bürgerlichen Kandidaten mit nur wenigen Stimmen Majorität ge- wählt wurden, Protest eingelegt. Dem wurde stattgegeben und die Neiiwablen auf gestern von 12—3 Uhr nachmittags festgesetzt. Schon die für die Arbeiterschaft ungünstige Festsetzung der Wahl- zeit ließ einen Sieg der Sozialdemokratie als ftaglich erscheinen. ES ist daher umso erfteulicher, wenn unsere Genossen Max Liedenwirth und Friedrich Grütt mit 53 gegen 81 bürgerliche Stimmen als gewählt hervorgingen. Mühlenbeck. In der Protcstversommlnng gegen das preußische Dreiklassea- Wahlrecht am Sonntag referierte Genosse Hetzschold. Redner verstand es, durch?e?ne scharfe Kritik an den elenden Zuständen PreuhenS die Versamnielten für den WahlrechtSkampf zu begeistern Nach einer kurzen Diskussion fand die WahlrechtSresolution emstimmige Annahme.________ ßenchtö-Zeitimg* Gelbe Gewerkschaften find zu bekämpfe». Am 24. Ottober hoben wir ein bemerkenswertes Urteil ves Landgerichts Potsdam hervor. DieS hatte den Metall- arbeiter Genossen Z e r n i ck e von der schweren Freveltat freigesprochen, den Generalsekretär des regierenden Verbandes der Großindustriellen Bueck beleidigt zu haben. Zernicke hatte in einer Rede vor dem Anschlug an die von dem ge- nannten Verbände begünstigte Scheingewerkschaft der G e l b e n gewarnt. DaS Landgericht gelangte zur Freisprechung ZernickeS, weil Zernicke als Gewerkschaftsbeamter lediglich durchaus be- rechtigte Interessen wahrnahm, alS er die Natur der„Gelben" bloßlegte und diese insbesondere von Herrn Bueck lebhaft ge- pflegte Giftpflanze energisch bekämpfte. Gegen daS Urteil war trotz — oder wegen?— des Bemühens seiner Entscheidungsgründe Revision eingelegt, ohne Rücksicht darauf Recht zu sprechen, daß der angeblich Beleidigte die Interessen der Industriellen und der vermeintliche Misictäter die der Arbeiter vertrat. Die Revision ist nunmehr zurückgezogen. ES liegt also ein rechtskräftiges preußisches Gerichtsurteil vor, das rückhaltlos anerkennt. ein Gewerkschaftsbeamter nimmt durch den Kampf gegen die Gelben durchaus berechtigte Interessen der Arbeiterklasse wahr und macht sich durch diese Wahrnehmung nur strafbar, wenn die Absicht einer Beleidigung aus der Form seiner Aeußerungen oder aus den Umständen erhellt, unter denen sie fielen. Dieser Fall, der als selbstverständ- licher in einem Lande kaum zu registrieren wäre, in dem recht haben und recht bekommen in der Regel auch Arbeitern gegen- über zusammenfällt, verdient auS der preußifch-deutschen Recht- svrechuna besonderer Hervorhebung wegen der Seltenheit der Nichtberücksichtigung der UnrechtSnorm: wenn zwei dasselbe tun, ist eS nicht dasselbe. Was hiermit geschehen ist. Zur GeflttdrsNaverei. In der Vrobinz Hannover, dicht an der braunschweigischen Grenze, im Dorfe Cappelnhagen, diente bei dem Landwirt Bes permann seit mehr als einem Jahre zur Zufriedenheit ihrer Herrschaft ein junges Mädchen aus dem braunschweigiscken Städtchen Eschershausen. Lm 4. September d. I. erhielt eS die Nachricht, eS solle schleunigst nach Hause kommen, da die Mutter schwer er- krankt sei. Aus einen Tag erhielt das Mädchen Urlaub, mußte jedoch zur Pflege der Mutter und zur Führung des elterlichen Haushalts zu Hause bleiben, da der Zustand der Mutter bedenklich war. Der Bater benachrichtigte den Dienstherrn von der unglücklichen Lage der Familie. Uno die Antwort? Zwei Tage darauf erhielt daS Mädchen vom Landrat in Atfeld einen Strafbefehl über sechs Mark und den Befehl, sofort zu seinem Dienst zurückzukehren. Der Vater schickte sofort eine Begründung des Fernbleibens seiner Tochter und ein ärztliches Attest über den Zustand der Mutter ein. Allein alles vergebens— das Mädchen steht unter der Gest,, deordmmg und wird danach behandelt. MenfchlichteitSgründe, Pietät zu Bater und Mutter haben da keinen Raum. Nachdem eine zwangsweise Zurück- führung des Mädchens fehlgeschlagen war. wurde dasselbe vom Schöffengericht La uenstein zu— 1b M. Geldstrafe eventuell fünf Tagen Haft kostenpflichtig verurteilt. Hierdurch schwoll dem Herrn Befpermann der Kamm ganz gewaltig. Den Lohn und die Kleidung hatte er bis dahin zurückbehalten. Am 4. November schrieb er dem Mädchen folgenden bezeichnenden Brief: „Ta heute Gerichtlich«ndschieden ist und Du in Straf« ge- iwmmen bist, gebe ich den Koffer ab, und die alten wertlosen Kleidungsstücke lasse ich von Pauliene auf Deinen Koffer legen, und den Koffer laffe ich Mittwoch den 6. d. M. in inein Göpel- scheuer stellen, und fordere Dich hiermit auf. denselben von 12— 1 Uhr Mittag abzuholen, sollte das nickt erfolgen laffe ich den Koffer au die Straße stellen, übrigens verbitte ich Dir, mein Hauö nicht zu betreten, wiedrigensall« ich Dich entfernen werde. WoS Dein Lobn anbetrifft ist hier anbei Rechnung Befperinann. Do wir im Juli diese« JareS abgerechnet haben, haben aber die Tage von 1906— 1907 bis auf weiteres zurückbehalten kommen jetzt in Rechnung im Juli 19V6 4 Tage weg im September lvüS IS Tage weg im ?lugust 1/. Uhr, Sitzung bei Bolze, Nodenbergftr. 8. Zrntralverband der Handlungsgehülfe« und GehtUsinne» Deutschland«. Bezirk dly. Am Donnerstag, den 2. Dezember, abends 9 Uhr, bei Deutschmnlm, Am Friedrichshain k>: Vortrag. Sozialdemokratischer AgitatiouSverein für den Wahlkreis Kala»-Lucka«. Heute abend 8'/, Uhr: MonatSvcrjammlung bei Weihnacht, Griinftrage LI.______ ßriefltaften der Redaktion. Die inriNIsche Sprechstunde slude» Lindenftratz» Ar. 3, zweiter Hof, dritter tSingaug, Pier Dreppen, tMT Fahrftuh l m wocheutäglich von?'/, bis»>/, Ilde abend? Natt. Gröisnet? Uhr. Sonnabend? beginn» die Svreidftunde nm S Ubr. Jeder Zlnirag->it ein Buchüabe und ei», Zabl al? Merkzeichen beiznstigen. Briefliche'Antwort wird»ilf» erteilt. Etliae Kragen trage nian in der Sprechstunde vor. L. 363. 1. Die Regulierung deS Nachlasses vorzunehmen, ist Sache der Erben. Einigen Sie sich nicht, so können Sie aus Auseinandersetzung beim Gericht Nagen. Von Amts wegen kümmert sich das Gericht um Erb- schalten nur, soweit minderjährige Erben in Betracht kommen. 2. Die Strasanzelge kann an die StaatZanwaltschast ersolaen, die im öffentlichen Interesse klagen kann. 3. Ob ein Testament ansechtbar ist. ist ohne Kenntnis seines Wortlautes nicht zu beantworten.— AI. B. 53. 1. und 2. Ein solches Stift ist uns nicht bekannt. Wenden Sic sich an die StistungS« deputation, Poststr. 16. 3. Wie oft man neue Stellung nachsuchen kann, unterliegt freier Vereinbarung darüber, was angemessen ist. Ersolgt keine Vereiubarllng, so kann geklagt werden. 4. Ja. S. Nein.— St. ft. 26. 1. Etwa 25 Mark monatlich. 2. Die Armenkommission müßte eintreten. 3. Die Heirat ersolgt ohne Rücksicht daraus, welcher Religion die Brautleute angehören, durch da» Standesamt. 4. Ja.— B. K. 1966. Der auger- eheliche Vater hat kein Recht, die Herausgabe deS Kindes zu verlangen.— — E. M. 44. Sie sind zur Rückzahlung nicht verpflichtet und können eS eventuell aus eine Klage ankommen laffe».— M. W. 1666. Nein. — Zwei Rixdorfer 57. Mich(der oierte Fall) ist richtig.— M.«. 163. Ist bei monatlicher Zahlung von Ehainbrcgannsten oder Schlasburschen über die KündigungSsrist nichts vereinbart, so kann jeder von beiden Teilen bis am 15. zum 1. kündigen, nicht umgekehrt am 1.»um lS.— B. 64. Wenn es zum Termin kommen sollt«, so würde voraussichtlich Ihr« Frei« sprechung erfolgen, weil mit der vorausgegangenen Beleidigung kompensiert wurde. Die Annahme eine» Anwalt» ist nicht erforderlich.— B. D. 1369. 1. Einigen Sie sich über die Ari der Auszahlung und händigen den Hypo» thetcnbrtes eventuell gegen Nachnahme auS. 2. Sie würden dann klagen müssen. Abgesehen von der Herausgabe des Hypoihekenbrieseö ist eine notariell oder gerichtlich beglaubigte Ouiituna über den Empsang des Geldes notwendig.— 66. K. 1. bis 4. Sie konnten einen gerichtlichen oder notariellen Vertrag mit dem von Ihnen gewünschten Inhalt abschließen. Die Kosten würden in Ihrem Falle etwa 20 M. betragen. 5. Eine Klage gegen die Raffe wäre aussichtslos. Sie könnten sich nur an Ihre Kunden halten.— P. S. 24. Ja. Sie können aber unter Darlegung des Sach- verhalt« Herabsetzung bei der Sreuerdcputation beantragen.— Nt. S. 1. und 2. Nein.— K. M. 16. Leider steht Ihnen ein Anspruch gegen den Vater nicht zu. — Brüter 166. 1. u. 2. Eine Bcstrasung wegen Ehcbnichg ersolgt nur, weim wegen desselben die Ehe geschieden ist und der beleidigte Gatte Bc- strasung beantragt. 3. Wenn Sie die Ausnahme weigern. 4. Nein. 5. Die Betreffende könnte ihr« Aussage verweigern. AuS der Verweigerung könnten aber ungünstige Schlüsse gezogen werden. 6. Nein, aber zur Alimentation.— E. 38. 1. Ja. 2. Nein. 8. Durch einen Anwalt Bc- rusung einlegen. 4. Ja.— R. I. 8. Eine Scheidungsklage wäre in Ihrem Falle nicht ohne Aussicht aus Erfolg.— Fr. B. 16 666. Mit einer Klage würden Sie nicht» erreichen, da Sie die AnsechtungSsrist haben verstreichen lasten.— W. W. 163. 1. u. 2. Aus Grund de» Vergleichs würden Sie abgewiesen werden, weil der Heuttockcnplatz dem Nachbar über« lasten ist. 3. Das Protokoll ist jetzt leider nicht mit Aussicht aus Erfolg an- sechtdar. t. Die Anfechtung des Vergleichs wegen Irrtums hätte spätestens im Jun> 1306 ersolgcn müssen. 5. Die Anwälte deS Landgerichts Stettin sind nicht bei dem Landgericht Stargard zugelaffcn Bestimmte Anwälte zu emosehlen, lehnen wir grundsätzltch ab.— 20. O. 987. Nein. — V- 56. In den Säuglingssürsorgestellen wird jeder unbemittelten Mutler über die zweckmäßige Ernährung und Wartung ihres schwachen oder kränklichen Säuglings unentgeltlicher Rat erteilt. Liegt das vcdürsnis vor, so wird stillenden Müttern eine Geldunlerstützung— die sogenannte Still- Prämie—, nichtstillenden Mütter» Milch zu ermäßigten Preisen oder ganz umsonst gewährt. Die Ihnen zunächst gelegene SäuglingSsürsorgeslelle be- sindet sich Raunynstroß« 63. Sprech iluu'-c von 2—3 Uhr. WafferstandS-Nachrtchte» der LandeSanslalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom verkmer Wcttrrburean. Wafferstand M e m« l. TilM P r e g- l. Jnslerbttra Weichsel. Thon, Oder, Ratibor , Krosscn , Frantsurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netz«, Dordamm Elbe, Leitmeritz » Dresden , Barby , Magdeburg •)+ bedeutet Wuchs,— Fall. ♦) GrundeiSgaiig. —•) Unlerpegel.—*) WStreiben. Für de» Jnval« der Juieraie uberuimint die Redaktion dein vublirnm gegenüber keinerlei Beraniniorlnng. HKeater. Die Mittwoch, 4. Dezember. Anfang 7'/, Uhr. Kgl. Opernhaus. Alba. Königl. TchanspielhauS. Rabenstclucrin. Deiit'chcs. Was ihr wollt. Kamm er spiele. Frühlings Erwachen.(Ansang 8 Uhr.) tiniang S Uhr. Berliner. Blaubart. Lesflng. Vom anecren Ufer. Neues. Das Ungeheuer. Reuet Schauspielhaus. Wi-Heideb b-rg. Fax» n O. tvallner-Tdeater.) Reileraltacke. Schiller«parlottenburg. Gebildete Menschen. Friedrich- Wtthekmftäbt. Scha«> ipiethau?. KrieinhildS Rache. Kleines. Vater und Sohn. Zentral. Frau Barrens Gewerbe Theater an der Spree. Der Alücnbudiker. Rachmittag» 4 Uhr: Dornröschen. Lorving. Der Freischütz. Nachmittags 3'/, Uhr: llilzchcn. Residenz. Ganz der Papa. Komische Oper. Tiefland. Weste». Dle luftige Witwe. Nachmittags 4 Uhr: Lchneewiilchen. LnstipietdnuS. Hujarensieber. Drianon. Fräulein Joselte— meine Frau. Thalia. Di» gelb» Kesahr. Nachmittags 4 Ubr: Rotkäppchen. Luiten. Berlin wie es weint und lacht. Bernhard Rose. Unser« blauen JungenS. Mrirvpol. DaS muß man setz'«. ftpotio. Sylvester Schäffer jr. Siegw. GentcS. Walhalla. Tpezialltäten. Folie« ikaprier. Geteilte Lieb«. Kasino. Blcderleute. Gebr. Hrrrnfeld. Madame Wlg- Wag. ES lebe da» Nachtleben. Pasiagc. Paula Wirth. Spezialitäten. rater.'S Lorl». »last. Am heiligen Waid. Spezialitäten. Parodie. Das Ungeheuer. Zapsm- streich. Moima Vanna. Wintergarten. Spezialitäten. Rrichsdallen. Stcttliicr Sänger. Ilraui». 7»ii»e»iir.che tH t'.l. Abend» 8 Uhr: Jnz. DietziuS: Motorballon und Flugmasch inen. Tternwarie. JuvaltdenNl..»7,62. Rümpel- Berliner Thealer. Qattsp. des Neuen Opereit.-Theatere. Blaubart. Jtotn. Oper in 3 Allen v. I. Lsscubach. Ansang 8 Uhr. Morgen u. solgende Tage: Blaubart. kleines Thealer. WcndS 3 Uhr: Bater«nd Sohn. Donnerstag zum erstenmal: Man- dragvla. Freitag u. Sonnabend: Mandragola. liiLSle? ites Westens. 8 Ubr: Die lusüjro Witwe. Sonntag nachm. off. Uhr halbe Preise: _ FrühlingNlurt._ Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Das Ungeheuer. Donnerstag: Das Ungeheuer. Freitag: Die Agralier. Köpeiiickcrstraste 68. Nachm. i Uhr: Dornröschen. Abend« 8 Uhr: Der Aktienbttdiker mit I o I e s i n e Dono»IS Karline. Morgen u. solgende Zag«: Aktien- bndiker. Friedrich-Wüheimstätiiisclies Schauspielhaus. Kriemhilds Rache. Ansan, 8 Mr. Donnerstag zum erstenmal: Jugend von heute«Ine deutsche K»- mödie in 4 Akten von Otto Ernst. Freitaa: Jugend von beute. Cottiing-MsM Nachm. 3'/, Uhr: Nnnipetstttächen. Abends 8 Uhr: Oer Freischütz. Donnerstag und Freitag: Hans Heising. Sonnabend nachm. 3ff,Nhr: Rum- pclstilzchen. Abends 8 Ubr: Undine. Abends 8 Uhr: Hnfareufieber. Zentral-'TIieatoi'. Gastspiel deS Hebbel-DheaterS. Abends 8 Uhr: Frau Warrens Gewerbe. Drama in 4 Akten von Bernh. Shaw. 8 Uhr: Di« neuen Spezialitäten U a Siegwart Gentes m,cinntu� v', Die Opernprobe. Uhr: Silvester Schäffer jr. der berühmte UnivenalkUntlier. Sonntag. I Dezemd., nachni. 3ff, Uhr: Fuallien-Verdtellung. Kleine Preis« I Passage-Theater. Abends 8 Uhr. Das ffroßartlge Dezember-Programm. Martin Kettner und 12 auserlesene Nummern. DonnerSlag, den 5. Dezember, zum erstenmal: vis sinptlED Engelskople, die Sensation d. neuen Jahrhund. Tbeater Folies Caprlce ünlenstr. 132, Ecke FriedrichstraBe. ■hi Rabbi Meseritscb. K Bunter Teil. Bretel Ite Uebe. Anfang 8 Mr._ Kasino-Theater. Lothringerslr. 37. Täglich 8 Uhr: Biederleute. Konile in 4 Mg i Roh. liisi Borhet da» glänz, bunte Pregramrn. Sonntag 4 Uhr- Ein Sohn de« Volke«. Luisen-Theater. bkeichrnbergerstr. 34» Abends 8 Uhr: StTlmm'e tsmmtuud lacht. Donnerstag: Leiermann n. sein Kind. Freitag zuin erstenmal: Ein seit. samer Fall. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Dorn. röschen. Abends: Am Tage deS Gerichts. Sonntag nachm.: Der Leiermann und sein Pflegekind. Abends: Ein seit, samer Fall. Montag: Ein seltsamer Fall. Rixdorfer Theater Bürgersüle, Bergstrafte Nr. 147. Mittwoch, den 4. Dezember 1307: Liebelei. Schauspiel in 3 Akten v. R. Schnltzker. Ansang 8 Uhr. W.Koachs Theater DU'cttiuii: stob. Olli. Brunueultr. ib. Am Rande des Abgrunds oder: Sherlock Holme« in Berlin. Detektiv- u. Berbrechcrtom. a. Berlin dl. . Anfang 8 Uhr. Entree 36 Pf. Sonnabend: Der Leiermann«nd sein Pflegekind. Urania. Wissenachaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Ing. Dietzins: Mofcorballon und Flugmaschinon. Invalidonstr. 57—62: Sternwarte. Zur Boobacbtung: Mars, Saturn. Doppelsterne, Nebelflocke. FriePAIIeriei-Theatei Schönhauser Allee 148. Dienstag, den 3. Dezember: Gastspiel des Bernh.l!öse-Tlieaters. Die Schauspieler des Kaisers. Drama In 1 Alt. v. Karl Warienburg. Kaffencröffnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. svi,, iiUl)!ö!IÜ Potsdamerstr. 11, Urtt! Elegant! Interessant! Täglich Vorstellung von 5—11 Uhr. Sonntags von 3—11 Uhr. Stetiger Eingang von Ncuhelten. Parodie-Thealer. Dresdenerstr. 97. Ansang 8V, Uhr. Das Ungeheuer. Vorher: Zapfenstreich. Zum Schluß: Monna Banna. Preise: R. 3. 2, 1.S0. t. S6 Pj. Reicbshallen- Theater. Stettiner Sänger. Ansang wochent. 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. tets 8 Tan »orher! Relchshallon Restaurant: Graftes IRilltltr- Konaert. Sels il 1 er-Tli eater, tchlller-Thealer 0.«ZLallner-Tdealrri. Mittwo». abends SUHr: Itolton-attacli«. Schwan.' in 3 Ausz. oo» Stobitzer und Fritz Friedmann-Fredcrich. Donner Sias,, abend SsUhr: t-ekZtitete Reniool»«?». Freila�, avendS»Uhr: 3Ionna Tanna. Schiller-Thoater Charlottenburg. Mittwoch, obendS 8 Übt: Gphlldcte Mcimchon. Voltsstück in 3?luszügen von Vittor Leon. DonncrSlag. abendSSUHr: It»«ni«r«I>«tln. Freilag, abends 8 Uhr ?Iai->a Stnai-t. /ttze'IllUvi'-T'Kvat«»'� \ Charlottcnbui'j�/ Miiiwoch 9 Uhr: Vortrag von Dr. Ed. HUdrtirmidt'V Ndolf Menzel. Mit Lichtbildern. Neunter Vortrag des Zytlus: Mater der Renzeit. Freitag S Uhr: Vortrag Dr. L. Hirschberg i Robert Schumann. Erläutert durch Instrumentalmusit. Zehnler Vortrag des ZvtluS: Komvo- Nistcn der Neuzeih Xlll. blal-ton. Heule abend präzise 7><, Uhr: Gv»»»« Vorstellung. « Gesell». Ms!«" Neu 1 Kremo Family. MIS Virginia 1 Seil. Außerdem; Herr Burt- hardt-Foottit, Herr Ernst Schu- mann, Ncudreslurcn. MVAllfderSallig.! DieSj. gr.Äusst.-Pant. d.Zirt Busch I Kiese«- IltusZonsaltte unter Wnssep. Vorher: DaS groge Programm. I Zirkus Schumann 6 Kelropoi-Thealer »n Anfang prüzlse 8 Thr. Gr. Kevuo in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor llollaendor. In Szene gesetzt von Direktor liichard Schultz. G. Ihieiseliei3, F. Massary, B. Dariuaiiii, Besitief, Giampietro, JosgpiiL Rauchen überall gestattet. Sonntag, den 8. Itexeiubcr, nachmittags 3 Uhr: Oie Herren von Maxim. Heute Mittwoch, den 4. Dezember, abends präzise 71/, Uhr: Grande Soirc© �qnentre. 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In Vorbereitung: Papa und Genossen. Robert Steidl, Huraorist. X K'lty Gordon, englische Sängerin. X Flood Brothers, amerik. Exzontriks. X Ten|f-Truppe, Japan. Zauberer. X Die Tiller Girls, engl. Gesangsund Tanz-Truppe. X Toqub, der Hund als Reiter, Equilibrist und Jongleur. X Liane de Vries, Pariser Sängerin. X Tan Kwai-Truppe, chinesische Akrobaten X Boganny- Truppe, die lustigen Bäcker. X Starr und Leslie, englische Ex- zentriks. X Brunins, Billard- Künstler. X La Btrat, Fantasie- Tänzerin. X Der Biograph. W., Jägerstraße 63 a* Abends 8'/- Uhr: Mila Barry Mad. Hurst Bola Montez Mad. Dersy CJ del-Q n ar te tt unter pers. Mitwirkung des Herrn Prof. C. Fr. tdcl. Vorverkauf an der Theaterkasse von 11 Uhr an. Resideoz-Tlieafer. — DIreMon: Richard Alexander.— Ansang 8 Udr. Ganz der Papa. Schwank m 3 Sitten von MarS und DesvalliercS. Deutsch v. M. Schönau Baron des Aubrais: Rich. Alexander. Sonnlag, den 8. Dezember, nach- mittags 3 Uhr: Im Pavillon. Ssnssouva S'0* Direktion: Wilhelm Reimer. Jeden Sonntag, Montag, Donnerstag: BfcmWil.ZZHp' und Daiizfränzchen. Beginn Sonntags 5 Uhr, wochentags 8 Uhr. Morgen Donnerstag: Grone Elite> Soiree und Tanz, Der Spuk in der Mühle. Varfete-Theater Weinbergswsg 19,30. Roaenth. Tor. Ansang 8 Uhr. Das koloss. Dezember- Programm. 12 Akrobaten Lorch 12 zirzensische Spiele. 8 Colin! Clairon 8 »Ein Knusilerseft.« Harry Arndt, Humorist. 12 internation. Spezialitäten 12 BVXunnel: 4 Kapellen Theaterbesuchern kreier Eintiitt. Monte-Plst�,. I , imlhcalcrsaal TflgllCiV: Das neue r Ansang 8 Uhr. Entree 50 Vf. Sonntags 7 Uhr.(Sonntags reserviert 1 M., Enlree 50 Ps.i FanulienbillettS a 40 Pf. Nch IZililär-Honierl. Becker, PrzywarSN, Görisch, Neumann, Offency und Lüttich. Wer in teuren Zeilen«pars« will, mache seine WeihnachtS- Einkäufe bei Marcus§ Hammesfahr Wal il-Solingen 328 Slahlw.-Fabr. u. Versand-Haus. Vorzügliche u. billige Bedienung. TSeihnnchtS-Katalog. enth. tauf. Geschenke gratis.— Prachtvolle Christbauiiig» läute, vernickelt 1.25?.>!., vergoldet 1.50 M.. mii Resler-BIumen 25 Pf. mehr. ---- Groganiges Sortiment----- Glasfchniulk nur 5 M. Allen Verwandten, Freunden und Bc'aniilen zur Nachricht, daß am 30. November, morgens 7 Uhr, »ach langem schweren Leihen meine innigstgcliebte Frau, unsere Mutter Klara Priebe verstorben ist. 9382 Um stilles Beileid bitten Fmnn Priebe nebst Kindern. Die Beerdigung findet Mittwoch. den 4. d. Mts., nachmittags 3 Uhr. von derLeichcnhalle deSJmmanuel- Kirchhofes in Weißensce, Falken- berger Chaussee, aus statt Danksagung. Sage hiermit allen Teilnehmern bei der Beerdigung meiner lieben Frau meine» herzlichsten Dank. �.ntoa Graba, Laufitzerplatz l. ; aozialiicffioki'ätisetier WaWvereir- des 6. Eerlifler laüfeises. Toeles-Anaseige. Am 30. November verstarb unser � Mitglied, der Mechaniker Ado!! Wloderlicb Rhkestr. 49. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, nachmittags 3'/, Uhr, von der Halle de§ städiischen Fried- hoseS in Friedrichsscldc auS statt. I Um zahlreiche Beteiligung ersuch! 388/11 Ter Borstand. Danksagung. Allen Verwandten, Freunden, Be, kannten und Kollegen sowie dem Ranchllub»Zukunst- meinen herz» lichstcn Dank sür die liebevolle Be> teiiigung und die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten ValcrS, Bruders, Schwagers, Onkels, Schmie ger. und Großvaters. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Witwe»erta Ullrich nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise'herzlicher Teilnahme sowie sür die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines Mannes, des Gastwirtes Karl Hokkmsnn sage ich allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Wahlverein des 1. Berliner Wahlkreises, dem Verband der freien Gast- und Schankwilte Deutschlands, Zahlstelle Berlin, der Zahlstelle Köpenick, und dem terrn sür die trostreichen Worte am arge meinen ausrichtigsten Dank 990L Auguste Hossman»». Danksagung. Allen Kollegen und Genossen meines •den Mannes, unseres sorgenden aterS, des Maurers 1735b Hernianii Gfirgen, sagen wir sür die bei der Beerdigung erwiesene Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden unseren herzlichen Dank. Die trauernden Hinterbliebenen Frau GUrgea und Kinder. Kohlhasenbrück bei Neu-Babelsbcrg. vorwärts! Brüder und Schwestern! Kanfet nur bei mir!!! Ich mache bei Abonnenten des„Vorwörts" Jedes GeschSfL Tadellose Ware. Gnte dv do dh dä db dh dh- dbdbdhdhdhdhdidSBS�FaSdSESHrdSldSdSdSEEHSH�i _ 0 Z Ä K S & « A Ä $ Ä Warenhaus Berlin N», Chansseestrasse 70»71 »»» -s>!,t!SdhdhdhdbdhüadädS252hdhväre eS mit einer Enteignung der jetzt so notleidenden Bauern und der Verpflichtung des neuen Besitzers, das dreifache an Lohn und„Prämien" zu zahlen, das da vorgeschlagen wird— müssen dann Herr Heim und die Mitglieder des christlichen Bauernvereins sich nicht um die lockenden Gcfindestellungen reißen, wenn sie selbst ihre Rat- schläaeal�im�nteresi�es�Gesindes�iege:�� Birrboykott und gute Sitte. In Mienach wlltete, wie in vielen anderen Orten, im August vorigen Jahres der Bierkrieg, im Verlauf dessen 76 Gastwirte den ' Forderungen der Arbeiter nachgaben, während 8 bei den erhöhten Preisen blieben. Diese 8 Gastwirte wollten nun eine einst- weilige Verfügung gegen das Gewerkschaftskartell, vertreten durch besten Vorsitzenden und 16 Gewerkschafisvorfitzenden, erwirke, r dahingehend, daß die Beklagten bei Geldstrafe von SM M. in jedem einzelnen Falle zu Unterlasten haben: in öffentlichen Kundgebungen zur Vermeidung gewiffer Gastwirtschaften aufzufordern. Verzeichnisse der Wirte, die die Forderungen erfüllt oder nicht erfüllt haben, in den Zeitungen, durch Plakate oder in Versammlungen zu veröffent- lichen. Die erste Instanz gab auch dem Antrage statt. Es sei den Arbeitern und auch ihren Organisattonen zwar nicht das Recht abzusprechen, in einen Kampf zur Herabsetzung von Preisen für Genußmittel einzutreten, aber in diesem Falle sei die Wahl der Mittel verderblich und den guten Sitten widersprechend gewesen. Die Gastwirte leien„auf das empfindlichste vor der breiten Oeffenttichkeit bloßgestellt, um nicht zu sagen, geächtet worden.' Dem stünden sie wehr- und machtlos gegenüber. Die zweite Instanz hob diese Entscheidung auf, indem sie das Hauptgewicht darauf legte, ob der Kampf berechtigt gewesen sei. und da wurde nachgewiesen, daß die Wirte durch die Biersteuer sich einen Extra« gewinn sichern wollten. Endgültig wies nun das Reichsgericht am Montag die Klage ab. Der Boykott verstößt also nicht gegen die guten Sitten. LensstioaeUe Gelegenheit Saa!- Teppiche- 90,§5«» 50 Salon- Teppiche- 65, 40 30«>-- Speise- Teppiche« 50, 30 25 VS/ohn- Zimmer Teppiche a 35, 25 w« 20«<-- Herren- Teppiche- 25, 18 w. 15 Sola- Teppiche» 14, 8 T Bett- Teppiche• 5, 2.-°-'.. t.2«k AoSerden empfehle ca. 300 kleine, mittlere o. grolle Teppiche ja ccbien Perser, handgckn. Üimyrno, Prima Velour, Brüssel, Axminster, Tarnay ond Tapestry, welche durch den Umbau and(Jmxng nach der L Etage etwas gelitten haben, jetzt ca. 41*11% biliger Erstklassiges Spezial- Teppiehhaas II. Marwitz Rotes Schloß, An der Stechbahn 1-2, Ha�aÄ�iSImi. Parterre und i. Etage. ca. iSOri m cJ'oßer TcppiohhanS. 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W t, Mk 5.— f I Lose i sc Pfe., u Stfiok 6 Mk.. I [ Port« Bad Gewinnliete a) Pfg. j ! extra, i. haben b.General-Debit f iPßSl Miltes 2 Ol.. 2.13.11.8 J Bsnkcoschilft, ! See»» C-, fiM.nth jl.ratr. ItstV,| I and b. all. durch Plakate keentl., | Lotten»- N. CikaiT.-Creenha(ten. j Mühet- ond Polsterwaren. Solide Preise. Teilzahlung gestattet Fr. F. Barseiiielnter, Berlin«„ JtradjtftrafiC 38, H. G reifen hagen Nachf. Brunnenstr. 17-18 Unser Veteranenstr. 1- 2 ZSDIIlZ? extra preiswerter Geschenkartikei In 5 Serien ä. 75 Pf. 1.75 2.75 4.75 6.75 ZTr Während dieser Tage verabfolgen wir doppelte Rabattmarken Bis auf einige Artikel 2J,7Te1nifjg 5. KI. 217. Kgl. Preflss. Lotterie, B8 890 s® 14908s[sw] m m»ss n rs eos Ziehung vom 3. Dezember 1307, vormittag?. Vnr die Gewinne über SiO Mark sind den betreffenden Namniern In Klattmern beigefügt. (Ohne Gewähr. i(Naekdnirk verboten.) 39 253 048 79 905 fSOO) 35 1107 220 79 404 51 2157 529 627 934 3038 79 MO 68 773 5S4 4l28 9bl 5155 89 95 439 501 601 761 89 888 ÖIIB 69»7 491»33 7141 310 54 520 1500) 8181 467 560 706 930 48 9254( 500] 306 483 517 687 814 42 10436 63? 11116 480 787 84 12682[500] 141 88 591 412 746 806 40»38 1300! 147 303 440 555 762 85 969 14124 40 75 306 547«91 15087[lOOOJ 163 291 835 433 75 523 86 6!« 808 982 16020 272[BOOJ 801[600] 46 520 39 50 675 710 177L6 840 55 480 13000] 82 598 923 1 8057 87 203 22[1000] 45 414 904 58 1 9302 9 32 66 536 658 20430 83 90 2 1 053 298 382 13000] 94 571 655[ 500] 747[1000] 924 69 2 2112 200 86 381 95 408 816 40 900 23094 18[500] 267 418 46 73 530 826 2 4031 57 11000] 224 44[ 500] 498 689 87 084 703 880 259M 133 601 799 26976 141 417 566 624 702«07 98! 2 7014 190 971 913 2 8004 133 240 47 446 336 829»96 20174 897 572 637 00173[8000] 73 475 574 78 769 800 932 31119 775 32197 210 39C 41} 71 038 772[500] 830 900[ 500] 10 62 3301)5»07 55 923 688 900 67 3 4023 33 53 814 417 88 746 35127 228 3 6102 216 329 41» 520 38 lOOOl 71 642 715 970 3 7104 11000] 494 180 71[500] 91 38145 318 485 73 533[»«)] 93 900 7[300] 30232 339 570 727 90 925 40)22 84»28 442 590[500] 742 98 319»38 49 L«?«?" 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Ziebung 3. Kl. 217. Kgl. Preuss, Lotterie. Ziehung vom 3. Dezember 1907, naehmittags. Sbt die Gewinne über 240 Mark sind den belreffeBden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 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