Kr. 28«. HbonntmfntJ-Bfdlngongen: •BonnemnttS• Preis pränumerando, BierteliShrl. 3.Z0 Mt., monaU. l.lv Mk., wöchentlich 2S Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer k Pfg. Eonntax?» nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pia Post- Abonnement: I.lll Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS» BrerSliite. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich. Ungarn L Mark, für daö übrige Ausland S Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luzemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 24. Jahrg. CrWitiDt tJaiiA inicr ciooti». Verlinev Volksblettk. Die Tnlertlont'Gebflbr deträgt für die fechsgefpaltene Kolon et» zeile oder deren Raum 5l> Pfg, für politische und gewerkschaftliche Verein?- und VersammlungS-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Hnicigen", das erste(fett* gedruckte) Wort 20 Psg, jede? weiter« Wort tv Psg. Stellengesuche und Schlaf- ftellen-Anzelgen da? erste Wort l0 Pfg, jedes weitere Bort 5 Pfg. Worte über 16 Buchslaben zählen für zwei Worten Inserate für die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition »pgegebcn werden. Die Expedition G bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Adreffs: „SozlaliKiDoKnt BerliB*. Zentralorgan der rozialdemokrati feben parte! Deutfchlands. Redaktion s s«l. 68, Undcnetraaöe 69.|j Do»tnerStaq. de« 5. Dezember 1907. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.| �_ Expedition: 8Ll. 68, Lindenetrasec 69* Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. BlocK', Kanzler-- und fflinifter* Krise. Zu einer Ministerkrise und einem völligen Durcheinander wl Reichstag ist es über Nacht gekomnien. Nicht unerwartet I Der Vorstost Paasches am Donnerstag war das Vor- spiel, das die ftrife zum Ausbruch gebracht hat. Aber der wahre Grund war der Zwiespalt, der sich zwischen den einzelnen Blockparteien und der Regierung über die Blockpolitik. insbesondere die S t e u e r f r a g e n er- geben hat. Obendrein setzte sich der Eindruck fest, daß Meinungsunterschiede tiefgehender Natur zwischen dem Reichs- kanzler und einzelnen Ministern besteben. Es war auf- gefallen, daß in den voraufgegangenen Verhandlungen Fürst Bülow die Bekänipfnng der direkten Steuern ausschließlich seinen Ministerkollegen v. Stengel und v. Rhein- b a b e n überlassen hatte und sich mit einigen oberflächlichen Betrachtungen aus der Affäre zog. Es sei gleichgültig, ob eine Steuer eine direkte oder indirekte zu nennen sei. Das erweckte den Anschein, daß Bülow für seine Person keineswegs auf dem Standpunkt unbedingter Ablehnung direkter Steuern stehe. Indem er davor warnte, sich auf Prinzipien in Stenerfragen festzulegen, mußte er den Glanben hervorrufen, daß es ihm ganz gleichgültig sei, auf welche Weise das Geld aufgebracht wird für Reichszwecke, wenn er nur alle die Sumnien erhält, die er verlangt. Im Block gingen die Meinungen über die Steuerfragen schroff auseinander. Die Nationalliberalen und die Freisinnigen, aber auch die Antisemiten und teilweise die Freikonservativen sind für direkte Steuern. Zum festhalten an dieser Anschauung wurde diese eine Gruppe oer Blockbrüder jedenfalls durch Bülows zweideutiges Verhalten -'rmutigt. Die Konservativen dagegen wollen wie das Zentrum nur indirekte Steuern bewilligen. Für keinerlei Steuer'ombination ist also augenblicklich eine klar erkennbare Mehrheit vorhanden l Trotzdem lag ein zwingender Grund zu einer Reichstags� oder Ministerkrise noch nicht vor, da ja noch nicht einmal feststeht, welche Steuervorschläge denn überhaupt die Re gierung vorlegen wird. Da kam der Paaschesche Vorstoß gegen die Vcrtuschungspolitik im Heerwesen, der in erster Reihe den Kriegsniinister v. Einem zur Rechenschaft zog und einen erbitterten Zusammenstoß mit der Rechten herbeiführte. Wie üblich in Preußen und im Deutschen Reiche hat sich nun hinter den Kulissen irgend etlvaS abgespielt, was die Krise zum Ausbruch brachte. Nur die engeren Block- vertrauten waren darüber bei Beginn der Sitzung unterrichtet. Die Kulissenschieber des Blocks hatten geplant, in dieser Situation nur den Kriegsminister v. Einem sprechen zu lassen, und dann, ehe die Kritik der Opposition, des Zentrums oder der Sozialdemokratie, einsetzen könnte, die Vertagung des Reichstages zu erzwingen. So war's geplant. Die Tapsig- keit der Drahtzieher verpfuschte diesen Ueberrumpelungsplan jedoch erheblich. Herr v. Einem, genannt Rothmaler, wie sein voller Name lautet, ist ein gewandter Redner, dem ein bei preußischen höheren Offizieren ungewohnter Biedermannston zu eigen ist. Den ehenialigen Kavalleristen sieht man ihm nicht an; eher macht der untersetzte, semmelblonde Herr mit der bleichen Gesichtsfarbe den Eindruck, daß man es mit einem Schitldirettor zu tun hat. der zeitweilig Reserveoffizierdicnste versieht. Bei seinem Auftreten im Hause wie in der Budget- kommission benahm er sich stets sehr geschickt: nie sind ihm solche Brüskierungen wie Herrn Bronsart v. Schellendorff oder Ungeschicklichkeiten wie Herrn v. Goßler passiert. Ein Bahnbrecher neuer Ideen ist er auf keinem Gebiete, auch nicht im Heerivesen. Er schwimmt mit dem Strom und huldigt, so iveit daS bei einem Kriegsminister in Erscheinung tritt, konservativen Anschauungen mit stark religiösem Ein- schlag. Aber dabei hat er's faustdick hinter den Ohren. Hinter der biedcrmännischen Miene, dem gemütlichen Ton ist eine große Verschlagenheit verborgen. Er versteht es vortrefflich, an unbequemen Dingen vorbeizureden, schwache Punkte in der Rüstung der Gegner auszuspüren und sein Floret dahin zu lenken. Seine Verschlagenheit leistete ihm auch heute gute Dienste. DerKriegSminister machte zunächst Stimmung für sich, indem er der Mitteilung, daß Paasche ihm angekündigt habe, er werde im Reichstag in der Moltke-Harden-Sache gegen ihn reden, die Behauptung entgegensetzte, er habe das nicht gehört. Das ist durchaus möglich. Solche Mißverständnisse ergeben sich sehr leicht aus flüchtigen Gesprächen. Aber es war nichts als ein Fechterkunststück, wenn nun der Kriegsminister im Ton des gekränkten Biedermanns dem Abg. Paasche vorwarf. er hätte ihn noch besonders bei Beginn der Sitzung durch einen seiner Adjutanten zum Erscheinen auf- fordern müssen. Selbst zu jener vorherigen Ankündigung, die Herr v. Einem nicht gehört hat, war Paasche nicht verpflichtet, auch nicht moralisch, denn wie er wiederholt mit Recht an- führte, niuß der Abgeordnete in der Budgetdebatte wie in jeder Ressortdebatte von der Ansicht ausgehen können, daß die Minister zur Stelle sind, oder von ihren Kollegen gerufen werden oder daß ein anderer für sie eintritt. Es heißt, den parlamentarischen Debatten die Grundlage entziehen, wenn man den Abgeordneten die Erörterung einer heiklen Frage verwehren will, falls nicht der sowieso zum Erscheinen verpflichtete Minister von ihnen mit Zangen und Stangen zur Stelle geschafft ist. Was nun die mehr oder weniger erwiesene Schuld der Hohenau und Lynar anbetrifft, die übrigens nach Mitteilung des Kriegsministers sich dem Gericht gestellt haben sollen, so ist es völlig nebensächlich, ob die Beweise, die Paasche dafür in Händen zu haben glaubt, stichhaltig sind oder nicht. Wie eS wiederum völlig nebensächlich ist. ob Herr v. Einem nachweisen kann, daß das herrschende System auch ihm persönlich es unmöglich gemacht hat, die Wahrheit über die grenelvollen Erscheinungen, die durch den Moltke-Harden- Prozeß aufgedeckt wurden, rechtzeitig zu erfahren. Es war auch nur ein billiges Fechterkunststückchen, daß Herr v. Einem in verdächtigendem Tone die Frage aufwarf, woher Paasche die Hohenau-Briefe habe, ob etwa von Horden? Es wird sogar allgemein angenommen, daß das der Fall ist. Und wenn schon! ES ist daS gute Recht PaascheS, sich auf jene Briefe zu stützen, falls er sie für beweis- kräftig hält. Aber wenn nun selbst Paasche sich in allen seinen Einzel- beweisen vergriffen hat, und wenn er in den Ausführungen über die Stränge geschlagen hat, weil ihm wieder einmal das Mundwerk durchgegangen ist, so hat er doch recht, zehn- mal recht in dem Kernpnntt seiner Beschwerde, daß unser Heerwesen von einem System beherrscht wird, das not- wendigerweise zu zweierlei Recht für Vorgesetzte und Unter- gebene führen muß, ein System, das geradezu automatisch für eine Vertuschung der Verfolgung hochgestellter Personen arbeitet. Von sozialdemokratischer Seite ist oft genug auf diesen Krebsschaden hingewiesen worden. Besonders die Stellung des unverantwortlichen Militärkabinetts außerhalb der eigentlichen Heeresverwaltung ist oft genug als unhaltbar bezeichnet worden. Insofern jetzt auch bürgerliche Politiker, darunter Paasche, durch die jüngsten Enthüllungen getrieben, in diese Kritik einstimmen, haben sie sich ein Verdienst er- worden um die Gesundung der Verhältnisse. Die Methode des Kriegsministers kann, wenn sie Erfolg haben sollte, nur zur weiteren Vertuschung der Uebelstände führen trotz aller der großen Worte, die er gegen die„Buben'' in Zivil und Uniform schleuderte. Es ist ein alter Trick, die Kritiker schlimmer Mißstände im Staats- und Gesellschafts körper wegen angeblicher Irrtümer, die ihnen unterlaufen sind, als Verbreiter unwürdigen Klatsches hinzustellen. Bei den Konservativen verfing die Methode v. Einem? natürlich trefflich. Des Jubels war kein Ende, als er sich setzte,— ganz wie dazumal, alS Dernburg gegen Roeren vorging. Nach einer kurzen persönlichen Erwiderung PaascheS verlas der Präsident plötzlich einen Antrag auf Ver- t a g u n g, gestellt von den Führern der Blockparteien, und ließ sofort darüber abstimmen. In seinem Eifer hatte er übersehen, daß erst die Unterstützungsfrage gestellt werden mußte. Sofort griff Singer durch eine GeschäftSordnungs- bemerkung ein, um nach Feststellung der Ungültigkeit der eben vorgenonimenen Abstimmung die Erörterung der Frage, weS- halb denn eigentlich vertagt werden solle, zu verlangen. Das wollten aber gerade die Blockpatrioten verhüten. Doch der unglückliche W i e m e r fühlte sich gedrungen, mit seiner Bc- deutung als Mitwissender der Bülowgeheimnisse zu prunken. Er verkündete, daß den Blockführern hoch- wichtige politische Mitteilungen kundgegeben seien, die eine Vertagung zur politischen Notivendigkeit machten. Bassermann suchte die Katze wieder in den Sack hineinzustecken, indem er behauptete, die Blockparteien hätten nur daS Be- dürfnis, sich über die Einenische Rede den Kopf zu zerbrechen. Er erreichte damit aber nur, daß diese Widersprüche der beiden Block-Auguren zuerst von dem ZeiltrumSmann Gröber, dann von Singer weidlich verhöhnt wurden. Singer betonte unter stürnnschem Beifall der Sozialdemokraten, daß eS ein durch- aus unwürdiges Verfahreil der Blockführer sei, alS eine geheime Kamarilla mit Bülow zusammen hinter dem Rücken der anderen Parteien solche Abmachungen zu treffen, anstatt auf dem gebotenen Wege durch den Seniorenkonvcnt eine Verständigung über die Geschäfte des Hauses zu suchen. Nachdem die Block- brüder sich eine solche verdiente Züchtigung geholt hatten, wurde natürlich die Vertagung in namentlicher Abstimmung, wie wir vorgeschlagen hatten, von der Blockmehrheit beschlossen. Zur Erläuterung der Situation brachte nunmehr abends die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" die Meldung: „Der Reichskanzler Fürst v. Bülow begab sich heute vor Eröffnung der Sitzung nach dem Reichstage, wo er die Führer der Mehrheitsparteien zu einer Besprechung bitten ließ. Den Anlaß dazu haben dem Reichskanzler die Borgänge der gestrigen Sitzung geboten. ES erscheint aussichtslos, die Geschäfte im Sinne der am 13. Dezember v. I. inanglirierten Politik zu führe», wenn die zum Zusammenwirken berufenen Parteien in ihrem parlamentarischen Auftreten nach dem gestern gegebenen Bei- spiel fortfahren, gegeneinander oder gegen die Regierung zu kämpfen." Das ist natürlich nur ein Teil der Wahrheit. Das „Bcrl. Tagebl." behauptet, erfahren zu haben, „daß der Reichskanzler mit seinem Rücktritt droht für de» Fall, daß die uationalliberale Partei den Abgeardneten Paasche nicht fallen läßt. Fürst Pulow ist empört über das gestrige AuftretenPaascheS gegen den Kriegsminister und hat erllärt, daß er unter keinen Umständen länger mittun wolle, wenn keine Vorsorge dafür getroffen wird, daß ähnliche Zwischenfälle vermieden werden. Die nationalliberale Partei will heute nachmittag zu dieser Drohung Stellung nehmen. Luch alle übrigen Fraktionen werden Beratungen abhalten. Die Lage wird noch da- durch kompliziert, daß, wie zuverlässig verlautet, auch zwischen dem Reichskanzler und dem Finanzminister v. Nheinbaben, sowie dem RcichSschatzsekretär Freiherr« v. Stengel tiefgehende Differenzen bestehen. Der eigentliche Grund für den Zwischenfall ist indeffen da§ Vorgehen des Abg. Paasche." Also auch hier findet die Nachricht von Differenzen zwischen Bülow und den beiden Finauzministern Bestätigung. Es wird sich ja in den nächsten Tagen zeigen, ob Bülow geht oder Rheinbabcn und Stengel oder ob sie wieder einträchtig- lich zusammen Reaktion treiben werden. Das Erfordernis der Stunde aber ist offenbar für Bülow die Zumutung«n die nationalliberale Partei, den Ab- geordneten Paasche zu opfern. ES ist eine bizarre Laune der Weltgeschichte, daß gerade die Nationalliberalen so bald schon gegenüber der selbstherrlichen Bureaukratte in eine ähnliche Lage geraten sind wie derzeit die Zentrums- Partei durch den Zusammenstoß zwischen Dernburg und Roeren. Wie Bülow nach seinen eigenen Angaben den Reichstag am 13. Dezember 1903 aufgelöst hat, weil die Zentrumspartei „eigensinnig" auf ihren Ansichten bestand und eines ihrer Mitglieder Mißstände im Kolonialwesen an den Pranger gestellt hatte, sucht er jetzt die Nationalliberalen vor die Alter» native zu stellen, sich zu beugen oder den Block zu sprengen. Fügte sich wirklich die nationalliberale Partei der Zu- mutung, ihren Führer Paasche preiszugeben, so würde sie die letzte Spur von Anrecht auf die Achtung als selbständige Partei verscherzt haben. Doch mag es kommen, wie eS will, was soll man halten von der Lebensfähigkeit dieses Blocks, der bei dem ersten Ver- such seine Aktionsfähigkeit zu betätigen, in solche Katastrophen hineingetrieben wird l Das politische Chaos. Die Block- und Ministerkrise ist zwar über Nacht akut ge» worden, aber sie war latent längst vorhanden. Man kann sagen, daß der Block von Anbeginn diese Krise in sich schloß. Die Natur- Widrigkeit konservativ-liberaler Paarung mußte zu irgend einem Zeit- punkt zutage treten. Und wenn die jäh aufklaffenden Risse auch diesmal wieder zugekittet werden sollten, so werden sich neue Sprünge zeigen. Konservativ-liberale Posttik ist ein Unding. So lange daS Parlament nicht zusammentrat, prallten die Gegensätze nicht so jäh aufeinander. Im Parlament kam e« schon bei der Etatdebatte, wo eS sich noch gar nicht um konkrete Streitfragen handelte, zu kreischenden Dissonanzen. Was soll erst werden, wenn der Block positive gesetzgeberische Arbeit leisten soll I Obendrein ist gerade die momentane Lage so verworren, so mit Konfliltsstoff geschwängert, wie kaum je. Die Reichsfinanzen sind total zerrüttet. Mindestens 250 Millionen neuer Steuern sind erforderlich. Mit dem Pumpsystem geht eS unmöglich so weiter. Die dem Freisinn in AuSsichl gestellte Karenzzeit in Steuersachen läßt sich nicht einhalten. Man muß neue Steuerquellen erschließen, wenn man nicht die Ausgaben beschränken will. DaS aber kann man nicht, denn die Bewilligungen für Flotte und Kolonien find ja gerade der Preis stlr die Aufiiahme deS Freisinns in den Block. Der Steuerknoten muß also gelöst werden. Und er läßt sich nicht einfach durchhauen, indem man die Stengel und St h e i n- baben opfert. Denn wenn auch LukanuS diese Störenfriede deS Blocksumpfes holen sollte— die Finanzzcrrüttung bleibt, sie muß so oder so gelöst werden. Grcist man zu direkten Steuern, so werden sich die Junker in wilder Empörung gegen Bülow erheben. so wird der Kanzler gar bald am eigenen Leibe zu spüren be- kommen, daß eS eine mächtige Kamarilla gibt; greift man aber zu indirekten Steuern, so wird sich die von neuem— in der Zeit der Krise!— ausgeplünderte Masse de? Volkes gegen den Liberalismus erheben, den es mit Recht für den Hauptverantwortlichen halten wird I Und zu dem Steuerchaos kommen noch alle die reaktionären Anschläge gegen daS Volk, wie das Ausnahmegesetz der Vereinsgesetz» Vorlage, das Attentat auf die Selbstverwaltung der Kranlenlaffen, kommt die Wahlrechtsfrage usw. Wird sich trotzdem der Freisinn bemühen, den Krach zu verhüten, die Krise zu überbrücken? Die„Voss. Zeitung" mahnt auch heute wieder ganz nach dem Vorbild ihres bedrängten Schutzherrn, des agrarischen Kanzlers, doch die Reibungen nach Möglichkeit einzustellen, um nicht den Block zu sprengen. Sie richtete allerdings in erster Linie an die R e g i e r u n g die Mahnung, doch den Block nicht stärkeren Belastungsproben auszusetzen, als er vertragen könne: allein eS will uns scheinen. alS richte sich diese im Geiste der Kopsch, Wiemer und Fischbeck gehaltene Mahnung auch an die doch wahrlich nicht allzu lauten Kritiker deS Freisinns, die Schräder, Payer und-Gothein. Und das Verhalten deS Freisinns in der MittwochSsitznng deS Reichstages beweist, daß die„Klapperbcinigen" auch jetzt wiederum die Oberhand zu gewinnen suchen und alles aufbieten werden, um Bülow und seiner Block- Politik ihrerseits alle Steine des Anstoßes aus dem Wege zu räumen. Bülows offiziöse Erklärung, baß er mit einem Block, besten Parteien sich gegenseitig rauften, sein Blockprogramm nicht durch« fnijrcn könne, richtet sich Za nicht nur gegen Herrn Paaschs und seine Extratour gegen Herr» v. Einem, sonder» auch gegen die frei- f imigen Etatkritiker, die vom Liberalismus wenigstens noch die Gebärde retten zu können wähnten. Zweifellos wird eS in der Frakttousfitzung, die der geeinigte Freisinn am Mittwoch abgehalten bat, zu einer gründlichen Aussprache gekomme» sein. Und die nächsten Tage schon werden zeigen, ob der Freisinn auch auf die liberale Phrase verzichte» will, um nur ja nicht bei der Nechlen Anstoß zu erregen I Die Blockpolitik muß den Freisinn von Demütigung zu Demütigung führen. Zuerst wurde ihm doch nur zugemutet, sein Pro» gram m preiszugeben, auf liberale Taten zu verzichten. Und nun soll er sich auch noch jeder kritischen Redewendung enthalten, soll er mit ehrfurchtsvollem Schweigen jede reaktionäre Zumutung aufnehmen, die der Kanzler namens der.Blockpolitik" zu stellen für gut befindet, um es ja nicht mit seinen geliebten Agrariern zu verderben! Wird sich der Freisinn auch jetzt noch, unter der Fühnmg der Fischbeck, Kopsch und Wiemer in.Selbstbeherrschung" ersterbend, für den agrarischen Kanzler opfern? Wird er auch jetzt noch, wo ihm doch die letzten Schuppen von den Augen gefallen sein müssen, lieber immer tiefer in den Sumpf der Charakterlosigkeit hineinwaten, statt sich mit heroischem Entschluß zuguterletzt doch noch aufs Trockene zu retten? I Alle Charakterlosigkeit, alle politische Selbstentinannung könnte die Krise höchstens verschleppen, nicht aber beseitigen. Die Situation ist zu trostlos verfahren, als daß sich ein LuSioeg aus der Sackgasse fände. Die Blockpolitik ist ein ChaoS. Aber ein ChaoS, das keine Welt gebären wird.—_ Die Hdreßdebaffe der Duma. Aus Petersburg wird uns geschrieben: Selbst die wichtigsten Sitzungen der beiden ersten Dumas können sich an Wucht und Leidenschaft nicht mit der historischen Adreß- debatte-Ditzung messen. Es war aber nicht nur eine packende, fesselnde Debatte, eS war— daß fühlten alle— wider Erwarten eine Debatte, die nicht nur um Worte geführt wurde. Hinter dem Streit über den Kaisertitcl in der Adresse standen politische Forderungen. Scheinbar drehte sich die Debatte um einen Titel: soll Nikolaus in der Dumaadresse als„Selbstherrscher" an- geredet werden, oder gibt es nach dem Akt vom 17.(30.) Oktober in Rußland kein rechtliches Selbstherrschertum mehr, ist Rußland ein konstitutioneller Staat? Der' Titel„Selbstherrscher" wurde von der Duma abgelehnt. Damit war ein politischer Grundsah ausgesprochen. Gleichzeitig war auch der Absolutismus verurteilt, wie er 6e kacto noch heute. trotz Manifesten und Duma, besteht. Es war eine Verurteilung nicht aus dem Munde der Revolutionäre und nicht aus dem Munde einer Oppssitivne dum«, sondern die Verurteilung durch eine Duma de? Staatsstreichs und des Wahlrechts vom 3.(10.) Juni 1907, das die dritte Duma zu einem Tummelplatz der„staats- erhaltenden" Element« machte. Der Absolutismus ist durch die Abstimmung, die der Adreßdebatte folgte, von der Bourgeoisie ver- warfen worden. Nicht mehr als 1er. gehalten und malträtiert worden, es ist von der Staatsgewalt de- moralisiert statt erzogen, und wenn daS Land in Aufruhr überging, so mutzt« die Regierung nicht mit Gewaltmitteln anftvorten; sie hätte Gesetzlichkeit walten lassen müssen. Auf diesem Wege wäre es wieder zvr Ordnung gekommen. Was Maklakoff mit seiner Rede bezweckte, war: die schwankenden Oktobristen zu stärken, und das gelang ihm auch. Als um Uhr die Rechte wieder an die Reihe gelangt, wird sie schon gemein-provokatorisch. Bon den Kadetten spricht Roditschew, bei dessen Rede es wieder zu Tumulten kommt. Auch er redet den Oktobristen ins Gewissen:„Nach dem 17. Oktober gibt eS keine Rückkehr mehr zum Alten. Nur bei einer konstitutionellen Verfassung in Ruhland kann wieder Ruhe eintreten."— Ein Redner der Rechten hatte gesagt, der 3.(16.) Juni bedeute den Sieg des zarischen Gewissens über den toten Buchstaben des Ge- setze?. Roditschew antwortet darauf scharf gespitzt:„Man darf nicht vergessen, datz Gesetze nur dann erfüllt werden, wenn man zu ihnen Vertrauen hat; wenn aber Beispiele gegeben werden, daß ein Gesetz auch verletzt werden kann, so ist das, als ob inan sagen würde: es gibt keine Gesetze! Was werdet Ihr zu einem Verbreckicr sagen, wenn er ebenfalls das Gesetz verletzt?" Diese wohlgezielte Wendung reitzt die Rechte wieder empor: sie zischt und schreit, während die Kadetten applaudieren. Der Sturm wird noch grötzer, als Roditschew von einem Rechten des Schwurbruchs beschuldigt wird. Es entsteht ein ChaoS, in daS der Vorsitzende ver- geben? Ordnung zu bringen versucht.... Die Rednerliste ist erschöpft, und zum Worte kommt der Bericht- erstatter der Adretzkommission, Plewako, der sehr gewandt in einer glänzenden Rede gegen den Titelzusatz der Rechten spricht. Bei der Abstimmung wird denn auch der Titel„Selbstherrscher aller Reutzen" abgelehnt. Darauf erklären die Rechten, datz sie an der weiteren Abstimmung nicht mehr teilnehmen wollen. Miljukoff zicht im Namen der Kadettenfrattion den Zusatzantrag auf Auf- nähme des Ausdrucks„Konstitution" zurück, da sie sich befriedigt fühle von der Erklärung der Oktobristenfraktion, datz die be- treffenden Ausdrücke in der Adresse im Sinne der Konstitution gebraucht sind. Die Adresse findet nun ihre Annahme. Von der Opposition enthielten sich der Stimmabgabe Polen und Trudowiki. Die Rechten, die den Saal zum grotzen Teil verlassen hatten, stürzten wieder herein; eS begann ein allgemeines Hurrarufen, die Rechte stellt sich vor das Zarenporträt und singt die Zarenhymn«, dann abermals Hurra.... Es ist über Mitternacht.... Die Adretzdebatte war, wie man sieht, eine, wenn auch flaue. Demonstration der bürgerlichen Parteien gegen das Regime der unbeschränkten Zarengewalt. Als eine solche mutz sie hin- genommen werden mit allen ihren Widersprüchen und Ver- tuschungen. Was die weiteren Folgen dieser Demonstration sein werden und ob sie auf die allgemeine Konstellation in der Duma zurückwirken wird, mag vorläufig dahingestellt bleiben. An dem all- gemeinen reaktionären Klassencharakter der dritten Duma wird die Adreßdebatte natürlich nichts ändern. polUifchc Geb erficht. verlin. den 4. Dezember 1907. Erklärung. Im Anschluß an meine gestrige Erklänmg in Sachen der an- geblich durch Günsel erfolgten Bestellung der in der Pnntslrnße ge- fundenen 19 000 Bogen PapicreS bringt die„Post" heute abend einen Artikel gegen mich, in dem sie die Behauptungen ausstellt: t. Ich hätte bei einer M.>schi»enSeflcll»ng im Jahr« 1903 mir von dcr Mnjchiucusadrik Provision zahlen lasse» 2. diese Tatsache sei in einer öffentlichen Versammlung de» 2. RcichStagswahlkrcises zur Sprache gebracht worden, ich hätte mich verantworten müssen, hatte das Provisionnehmen als einen bei allen größeren Firmen üblichen Gebrauch erklärt und die Genossen hatten darauf die von mir eingestrichenen Prozente mir brlaffcn, so daß ich also selber Schmiergelder in meine Kapitnlistcniasche hätte fließen lassen usw. Meinen Parteigenossen gegenüber habe ich nicht nötig, mich gegen diese in jeder Beziehung jeder Grundlage entbehrenden Behauptungen zu verwahren, die ich nur darum nicht näher kenn- zeichne, um jede Möglichkeit einer Widerklage wegen formaler Be- lcidignng auszuschließen; der Oeffentlichkeit gegenüber halte ich eö aber für angebracht, der„Post" Gelegenheit zu geben, vor Gericht den Beweis für ihre infamierenden Behauptungen zu erbringen. Berlin, 4. Dezember 1907. Richard Fischer, Mitglied des Reichj-tageS. Allerhand Expropriateure. Die Notwendigkeit der Expropriation dcr Expropriateure finder immer mehr Auerkennung auch in Kreisen, die sonst nicht gerade zu den„Feinden deS EigentuniZ" gehören. Wir reden nicht von der preußischen Regierung, die daS Recht auf Expropriation durch ihre Polenvorloge so feierlich anerkennt; denn die preußische Regierung ist uns viel zu schüchtern, will sie doch die Expropriation deS Großgrundbesitzes nur durchführen, wenn dessen Besiycr die Usurpation eineS Teils deS Mehrwerte? polnisch statt deutsch quittieren. Aber der Sprachunterichied ist ökonomisch sicher von keiner Bedeutung, und so ist zu hosten, daß der Gedanke der Ex- provriation des Großgrundbesitzes rasch um sich greifen wird. Klarer und umfastender als die preußische Regierung begründet denn auch bereits die„Deutsche Tageszeitung" das Recht der Gesellschaft aus Expropriation. Gegenüber den Angriffen aus da« Kohlensyndikat hatte die.Post' al» SyndikatSanwall gesagt: „Können denn die im Shndikate vereinigten Grubenwerke nicht, wie jeder andere Geschäftsmann, mit ihrer Ware machen, was sie wollen?" Darauf annvortet das Bündlcrorgan unter dem treffenden Titcl .Syndikatsgrößenwahn": „Die SyndikatSgewattigen oder ihr„Post'-Anwalt vergessen in ihrer Ueberhebung einen sehr wichtigen Unterschied. Jedcr andere GcschäflSinaiin muß seine Ware für sein gutes Geld taufe», den Grube nbesitzeri: ist ihre Ware beider vom Staate geschenkt worden. AuS diesem Grunde darf ihnen seitens des Staate? nicht vollkomme i, freies Verfüg ungerecht über ihre „Ware" eingeräumt werden, sonst könnten wir eS ja eines Tages erleben, daß daS Kohlensyndikat die ganze deutsche Industrie stillegt und seine Kohlen nur nack dem Auslände verkaust. Nach der in der.Post" kund- gegebenen Auffassung muß man ein derartiges Vorgehen der Stjudikalskohleiiprotzen bei passender Gelegenheit für durchaus möglich ansehen. ES wäre die höchste Zeit, den Herren klar zu machen, daß sie doch noch nicht allmachtig im Staate sind. daß man den ihnen schenkungsweise übertragenen Besitz mit noch besserem Grunde für den Staat expropriieren kann, als den ländlichen Ärundbesty im Osten, wenn ihr Größenivahn noch weiter steigt und einen noch g e- ni ein gefährlicheren Charakter anuiinmt." Pia» steht, da» Bündlerorgan zieht aus der preußischen Regierungsvorlage recht erfreulicher Weise weitgehende Konsequenzen. Wir vermissen nur noch eine Kleinigkeit. Bekanntlich, haben nicht nur die Grubenherren, sondern ebenso manche anderen großen Grundherren ihren Boden vom Staat„ge- schenkt" bekommen oder, noch häusiger, den Daücrn geraubt. Was aber für die Kohle das Kartell, leistet für Getteide der Z o I l. Der Preiswucher ist in beiden Fällen vorhanden und damit auch die Begründung für die Expropriation. ES ist also höchst« Zeit, daß in daS preußische Parlament eine starke sozialdemokratische Fraktion einzieht, um die Expropriatioiisabstchten verwirklichen zu helfen. Hoffentlich sehen die Konservativen diese Notlvendigkcit bald ein und geben ihre» bornierten Widerstand gegen daS gleiche Wahlrecht auf. Oder ist eS ihnen mit der Expropriation am Ende doch nicht ganz Ernst I— „Hochwichtige politische Ereignisse". Ein Bild für Götter war es, heute im Reichstage Herrn Wiemer in feister ganzen Geschwollenheit zu erblicken, als er das Geheimnis deS Vertagungsantrages der Blockparteien mit der Phrase von„hochwichtigen politischen Ereignissen, die sich vorbereiten", verriet. Ganz dcr Lakai im besseren Hause, der einmal dcr Ehre gewürdigt wird, ein Familien- crcigniS vor der übrigen Welt mitgeteilt zu erhalten. Er verlor sich aber rasch in die Mitte seiner Getreuen, als Herr Bassermann ihn so rücksichtslos ablehnte. Welches sind nun diese„hochwichtigen politischen Ereignisse"? Ein anderer Blockgenosse erzählte dann in tiefstem Ver- tralien: Blllow habe die Entscheidung über die Differenzen in der Regierung dem Kaiser unterbreitet; aber bis heute mittag war voin Kaiser noch keine Antwort eingetroffen; Blllow wisse also noch nicht, ob Rhcinbaben und Einem oder — er selber„ausgeschifft" werde. Bis morgen hofft Blllow die kaiserliche Antwort zu haben. Auf alle Fälle mllsse aber verhindert werden, daß in diesen Stunden deS„Hängens und Bangens" daS Zentrum zu Worte komme, um jede Einwirkung auf den Kaiser fernzuhalten; und da als erster Redner Grober in Frage kam, mußten die Blockparteien die Vertagung durchsetzen. Das sind also die Wiemerschen„hochwichtigen politischen Ereignisse"— die Freisinnigen wurden mit fllr wllrdig erachtet, Lcibgardisten dcS wackelnden BlllowS zu sein.— Bassermanns Malhenr. Die Blockparteien, die gestern durch den Mund deS Vize- Präsidenten Paaschs ein bißchen in Ministersturz machten, wurden heute mittag ganz geheim zu Büloiv berufen, um dort Belehrung zu empfangen. Natürlich hatte Herr Basser- mann als Blockhäuptling für die Nationalliberalen die Einladung erhalten, aber beim wiederholten Hervorholen deS Taschentuches zum Alnvischen des Angstschweißes zog er auch, ohne es zu merken, diese Einladung mit heraus. So kam das Zentrum, gegen welches gerade diese Besprechung geplant war, in die Lage, von der Tatsache dcr um iL Uhr tagenden Besprechung gleichzeitig KeuutiüS zu haben. Ehristlich-antisemitische Fälschungen. Bekanntlich hat dcr Abgeordnete La tt mann in der DienStag- sitziing nach einer Sudelschrist deS Vkünchener christlichen Gewerk- schoftSkartells die miwahre Behauptung ausgestellt, unser Manuheinwr Parteiblatt habe bei», Hafeuarbeiterstreik 1906 geschrieben:.Dem christlichen Arbeiter muß daS letzte Stück Brot aus der Hand geschlagen werde Was hat nun die Mannheimer»Vollsstüume" in Wirklichkeit geschrieben? Bei der Aussperrung der Stückgutardetter wMgemerkt lZci einer Aussperrung— schrieb sie im Oktober:„Die Arlicitgcber schlagen den Arbeitern durch Aussperrung das letzte Stück Brot aus der Hand/' Die christlichen Kämpfer für Wahrheit haben also den Sinn in sein direktes Gegenteil umgefnlscht, und Herr Lattmann ist mitschuldig, weil er wisse» mubte, dast ein sozialdemokratisches Blatt so etwas nicht geschrieben haben konnte, und weil er im Reichstag sich den Anschein gab, als ob er das Zitat aus der„V o lk Sst imin e* selber vorlese. Werden die Herren um Lattmann, und wird dieZentrnmSpresfe, soweit sie die unwahre Behauptung übernommen hat, jetzt Ber- anlassung nehmen, in aller Zorn, zu erklären, das; sie einem sozial« demokratischen Blatte gegenüber eine verleumderische Brljauptuuz ausgesprochen respektive weiter verbreitet haben? Vorläufig kaltgestellt. Der„Berk. Lokal-Anzeiger" bestätigt halboffiziös, das; der von seinem VcrgnügungSauSftug nach den oslafrikanischen Dattelpalmen- Hainen mit groben Eisenbahnplänen zurückgekehrte Kolonial-StaatS- sekretär in Anbetracht der miserablen Reichsfinanzlage vorläufig auf feine ostafrikanischen Projekte hat verzichten müssen. DaS Scherlsche Blatt schreibt: Staatssekretär Dernburg wird, wie wir erfahren, in der Generaldebatte zum Etat entgegen seiner ursprünglichen Absicht das Wort nicht mehr ergreifen. Die Gründe liegen nahe. Es ist klar, daß der Staatssekretär im Aiischlnb an den Bericht über seine Reise nach Ostafrika auch das Zazit in Form von bestimmten Forderungen, vor allem verkehrspolitischer Natur ziehen mnbte. Diese Forderungen können aber vor dem Reichstage erst dann erhoben werde», wenn die entsprechenden Ergänzungsetats den Bundesrat passiert haben. Daraus ergibt sich mit hoher Wahr- sweinlichkeit, daß der Staatssekretär erst im neuen Jahre vor dem Plenum zu Worte kommen wird.— Armenfiirsorge und Staatsangehörigkeit. Eine eigenartige ftaats» und armcnrcchtliche Unklarheit hat kn Mülhausen i. E. zu einem /cltsamcn Zwischenfall geführt. IVG, siarb in Mülhausen ein Arbeiter Koch, der eine Witwe und 4 Kinder in den dürftigsten Verhältnissen hinterlietz. Koch wurde wie ein deutscher Staatsangehöriger behandelt. Er ging bei den Wahlen zur Wahlurne, wurde zur Ersatzrcscrve ausgehoben und ging regelmästig zur Kontrollvcrsammlung. Nach dem Tode des Mannes unterstützte die Armcnverwaltnng von Mülhausen die Witwe. Vor kurzem wurde plötzlich die Unterstützung eingestellt und die Familie an den HeimatSort des Verstorbenen, Nieder» sulzbach, verwiesen, die sich jedoch weigerte, etwas für sie zu tun. Als sich die Frau an die staatlichen Behörden wandte, fanden diese heraus, dah sie und ihre Kinder gar nicht Reichsdeutsche seien, da der Bater des verstorbenen Mannes für Frankreich optiert habe; ctnc nachtrnalictie Nationalisierung wurde abgelehnt. Es hieb sogar, dah die Familie sei angewiesen worden, nach Frankreich überzusiedeln. In einer Zuschrift des Bürgermeisteramtes M ü l- hausen an die Zciwngcn wird die Abschiebung der Familie nach Niedersulzbach und die Ausweisung nach Frankreich bestritten, da- gegen behauptet, dah die Familie die französische Staats- angehörigkcit besitze und infolge der Ablehnung des Gesuches auf Verleihung der elsab-Iotbringischen Staatsangehörigkeit, die Familie keinen armenrechilichdn Unterstützungswohnsitz erwerben kann. Deshalb werde die Familie, die früher ans Mitteln der Mülhauscr Armenverwaltung unterstützt worden sei» seit Oktober aus Äandcsmittcln unterstützt. Der Mülhauscr„Arbeiterfreurid" dcS früheren RcichStagS- abflcokdnetetl Vfarret Winkdrer bemerkt zu der ganzen" Angelegen- hat, dag der Vater des lg06 verstorbenen Mannes nach dem Kriege für Frankreich optiert hat, aber erst im Jabre ISvll Niedersulzbach verlassen hat, um nach Frankreich zu übersiedeln. Tie deutsche Re- gierung hat aber die Option derjenigen Optanten, die am 1. Oktober 1S7U Elsab-Loihringcn nicht verlassen hatten, für ungültig erklärt. Demnach wäre der verstorbene Koch nicht Franzose ge- Wesen und seine Witwe und seine Kinder sind eö auch nicht. Die Entziehung dcS armcnrcchtlichcn UnterjtützungSwohnsitzeS kann deshalb nicht aufrecht erhalten werden. Man darf gespannt sein, wie sich der Fall erledigen wird Er ist von prinzipieller Bc- deutung, da viele Familien im Rcichslande leben, bei denen ähnliche Verhältnisse vorhanden sind.— Krötenruf ans dem Blockstinipf. Herr Dr. Fr. Naumann rächt sich für die scharfe Kritik, die seine EntWickelung vom naiven, aber immerhin ernsthaften Ideologen zum täglich seine Ansichten wechselnden freisinnige» Allerweltspolitiker im„Vorwärts" und der„Leipziger VolkSzeitnng" gefunden hat. Die von ihm herausgegebene„Hilfe" benutzt den Austritt Mehrings onS der Redaktion der„Leipziger Volkszeitung" zu folgender, für die Ranmannsche Ethik recht charakteristischen Anrcmpelung: „Auch ein so friedfertiger Geist wie Franz Mehring kann sich nicht mit jedermann vertragen. ES sind Streitigkeiten zwischen ihm und seinem Leipziger Kollegen Lensch an-sgebrochen, deren Ende ist, dah Mehring sein Weltgericht fernerhin nicht mehr in der„Leipziger VolkSzeitnng" vornimmt. Arme„VolkSzeitnng", nun bist du ein von allem Geist verlassenes Stück Papier ge- worden, denn was ist ein Blatt, das eine» Mehring besaß und gehen ließ l Der„Vorwärts" aber zieht Sonntagskleider an und bittet Herrn Mehring, bei ihm sein Licht leuchten zu lassen, und Mehring wird sich gelegentlich mit ans die Bank setzen, wo St'röbel, Stadthagen und Rosa Luxemburg Geist von sich zu geben pflegen. Armer Mehring I—_ Agrarische Wahlstatistik. Die„Deutsche T a g e S- Z t g." versucht ihren ungeheuerlichen Zahlenschwindcl über den angeblichen Rückgang der sozial- demokratischen Wählerstimmen in den bewußten fünf Wahlkreisen auf eine„kleine Unrichtigkeit" zu reduzieren. Sie habe keinen absoluten, sondern einen relativen„Verlust" gemeint, d. h. die Verminderung der sozialdemokratischen Stimmenmehrheit gegenüber den bürgerlichen Stimmen. Leider bleiben auch in diesem Falle die AnSfühningen des Agrarierorgans kompletter Unsinn. Denn die„Deulschc TageS-Ztg." behauptete ja nicht etwa, daß die Sozialdemokratie in diesen fünf Wahlkreisen, wo sie zusammen zirka 28 000 Stimmen gewann, nicht so stark gewachsen sei, wie die bürgerlichen Parteien, sondern sie schrieb ausdrücklich als Folgerung aus ihren Zahlen: „...so kann man behaupten, daß viele Arbeiter, die noch 1003 den sozialdemolratischen Kandidaten zum Siege verhalfen,... ihr den Rücken gelehrt habe n." Um von einem Wahlergebnis, das der Sozialdemokratie in den fraglichen fünf Wahlkreisen 3500 Stimmen Verlust und 32000 Stimmen Gewinnst brachte, etwas Derartiges folgern zu können, muß man schon eine spezifisch agrarische Logik besitzen und bei seinen Lesern voraussetzen I_ Tie Wahlreform im sächsischen Landtage. Bei der Vorbcratung der Wahlgesetzreform verteidigte der Minister Hohenthal kurz die Regierungsvorlage und erklärte, daß die Regierimg auch auf Grund anderer Vorschläge zur Ver- ständigung bereit sei. Nur dazu könne sie fich nicht bereit erklären, daß der Landtag ohne Resultat auseinander geht. Die Ver» bitter« ng im Lande soll durch eine Wahlrechts- reform so schnell als möglich beseitigt werden! Im Laufe seiner Ausführungen erklärte der Minister, auch er habe sich bei Abfassung der Vorlage nicht von der Furcht vor der Sozialdemokratie leiten lassen, die ihm vorgeworfen worden sei. Er fürchte aber auch nicht die angekündigten Straßen- demonstrationcn der Sozialdemokratie. Nach ihm sprach ein Ge- heimrat, der eigentliche Verfasser der WahirechtSvorlage. Er ver- teidigte den Entwurf in der unglücklichsten und provozierendsten Weise, so daß eS zu erregten Lärmizenen kam, weil der Redner das geistige Niveau des DreiklassenlandtageS zu niedrig einschätzte. Der Führer der Konservativen, Opitz, erklärte in längerer Rede, seine Partei lehne die Wnhlreformvorschläge rundweg ab. Sie werde im übrigen aber die Vorlage und die Möglichkeit prüfen, ein allgemeines direktes Wahlrecht mit P l n r a l iv a h l s h st em in Erwägung zu ziehen. Auch er siehe auf dem Standpunkt, daß eine Reform zu- stände kommen müsse. Im anderen Falle Iväre zu befürchten, daß Sachsen ein knallrotes Königreich werden würde. Der Führer der Nationalliberalen Schieck sprach im gleichen Sinne; auch er forderte ein Pliirallvählsystem und Verhältniswahlen, doch solle die Stimmenhäufimg vier Stimmen nicht übersteigen. Der Fteisiitiiige Günther forderte die Einführung des ReichStagSwahlrechtS für den Landtag und einjährige Etats- Perioden. Genosse G o l d st e i n kritisierte den Entwurf scharf und geißelte daS Verhalten der bürgerlichen Parteien, die ans Furcht bor der Sozialdemokratie eS nicht wagte», dem Volke fein Recht zu geben. Ein Antrag des Konservaliven Opitz, zur Beratung der Vorlage eine besondere Kommission einzusetzen, wurde cimnütig »mterstützt, die Verhandlungen sollen am DvimerStag fortgesetzt werden.— Freisinnige für das Wahlrecht. Die.Asphaltliberalen" suchen mit bemerkenswerter Entschiedenheit die„Fraktionspolitiker" vorwärts zu treiben und fast tvill eS scheinen, daß ihre Bemühungen bei den Wählern mehr Verständnis finden, als bei den Führern. Im liberalen Verein für Schöneberg sprach Moniag in cincr gut hesnchten Versammlung Dr. Barth sehr scharf gegen die Blockpolitik. Bülow betrachte, meinte er, den Liberalismus nur als eine treue M a g d, die dazu da ist. all' das Geschirr z n reinigen, ans dem die Herrschaft daS Mahl einnimnrt. Er glaube nickt, daß Fürst Büloiv darauf erpicht ist/ freisinnige Wünsch« zu eriitllen. Aber selbst wen» er wollte, so könnte er eS nicht fertig bringen, da er jetzt mehr alS je ein Gefangener dcS Junkertums ist. Aber die Ablehnung der Blockpolitik genüge nickt. DaS wichtigste sei, daß in der preußischen Wahlrechtsfrage ein Eriolg errungen werde. Dazu genüge aber nicht, daß im Abgeordnetenhaus« ein Antrag auf Einführmig deS gleichen Wahlrechts gestellt werde. dicS habe höchstens agitatorischen Wert. Ans gewöhnlichem Wege lo e r d e man nicht viel weiter kommen. Wenn etwa» Ernsthaftes erreicht werden soll«, so müsse vorher eine Volksbewegung eingesetzt haben, die beweise, daß das Volk als solche» keine Neigung mehr verspüre, sich diese Ungerecktig- keit länger gefallen zu lasse». Die liberale Einigung habe solange keinen wirklichen Wert, als nicht die Einigung der Worte in eine Einigung der Tat sich verwandelt. ES komme darauf an, wirklich gemeinsame Taten mit gemein- sannm Kräften zu vollbringen. Und da liege es sehr nahe, daß man, nachdem die Einigung soweit vorgeschritten sei, auch weiter dazu übergehe, für die Aufriittelimg dcS Volkes gegen daS Dreillasien- Wahlsystem einen gemeinsamen freisinnigen agitatorischen M i t l e l p n n t t zu schaffen, der nichts weiter zu tun habe, als»n- änSßchetzt dafür-zu- sorgen,- daß nach gemeinsninen Schlnchtplänen Verinmmlimgen abgehalten, Flugblätter verfaßt. und Mittel zum Kampfe gesammelt werden. In ähnlichem Sinn« sprach aleickzeitig Dr. Brei scheid in lvtarburg a. L. in einer starkbeiuchte» Versammlung dcS Liberalen Volksverein». In der Versammlung waren auch zahl« reiche Sozialdemokraten anwesend. Unseren Standpunkt Vertrat Genosse Dr. Köster. In der Resolution, die bei Stimm- enthaliung unserer Genossen angenommen wurde, wird die Abschaffung de» preußischen Dreiklassen wähl- rechts und seine Ersetzung durch das gleiche, geheime und direkte Wahlrecht für die dringend sie Aufgabe der deutschen Politik erklärt. Um der Fälschung der öffentlichen Meinung durch daS Wahlresnltat wenigstens etwas zu begegnen, fordert die Resolution ein Notgesctz. da» mindestens die geheime Stimmabgabe schon für die nächsten LanMagSwahlen festsetzt. Die liberalen Fraktionsgemeinschaften in den beiden Parlamenten werden ersucht, ihren ganzen Einfluß für die Durchsetzung dieser Forderung gellend zu machen und durch Errichtung einer gemeinsamen Agitationszentrale die Wahlrechtspropaganda im Lande zu betreiben._ Unnötige Aufregung. Wir haben kürzlich gemeldet, daß der Zentrakrat der GeWerk- vereine eine Petition an den Landtag um Einführung des gleichen Wahlrechts gerichtet habe und dazu bemerkt, daß die„Fr eis. Ztg." über dieie Petition im Gegensatz zu einer anderen über das Vereins- rechl nicht berichtet hätte. In der Tat befindet sich aber an anderer Stelle des betreffenden Blattes eine kleine Notiz darüber. die wir übersehen hatten. DaS Blatt ist sehr aufgeregt, daß wir daraus schloffen, eS sei wohl dem Freisinn sein er C o n l e u r mit der Wahlreform nicht ernst. ES hat insofern recht, als eS für diese unsere Meinung bündigere und zwingendere Beweise gibt. Wir sind deshalb auch gern bereit, zuzugestehen, daß daS Blatt daS Totschweigeshstem, daS eS seinerzeit dem Antrage Barth gegenüber befolgte, diesmal nicht wieder angewendet hat.— Vestrafte Rohlinge. Vor dem OberkriegSgericht des 4. Armee- kcrps in Magdeburg hatte sich dieser Tage der V i z e w a ch t- ine ister Karl Zimmermann und der Sergeant Otto Kallenberg wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung unter Mißbrauch der Waffe zu verantworten. Die beiden— sie gehören der 2. Batterie des Feldartillcric-Rcg. Nr. 75 in Halle an— sind wegen dieser Straftaten vom Kriegsgericht der 8. Division in Halle in erster Instanz verurteilt warben und zwar Zimmermann zu drei Monaten und Kallenberg zu 14 Tagen Gefängnis. Zimmermann war schon wegen rechtswidrigen Wafsenaebrauchs mit 8 Wochen Gefängnis vorbestraft; er hatte einem Zivilisten n'.it dein Säbel eine schwere Schndelverletzniig beigebracht. Tie beiden Angeklagten hatten in einer Julinacht in Halle gekneipt. Eine vor- übergehende Frauensperson soll nun in die Kneipe hineingerufcn haben:„Na, Ihr Kohldampfschiebcr, wollt Ihr denn nicht nach Hanse gehen?" Zimmermann fühlte sich durch diesen Ruf schwer beleidigt, stürzte auf die Straß« hinaus und griff die zu» fällig mit ihrem Manne und ihren beiden Töchtern vorübergehende Stellmachersfrau Reichert an, die er für die Rufcrin hielt. Er w a r f tz i e Frau zu Boden, würgte sie und zerriß ihr dabei die Bluse. Dann stürzte er sich auf den Ehemann Reichert, warf ihn ebenfalls zur Erde und schlug ihn mit seinem Säbel auf den Kopf, daß Reichert eine klaffende Wunde davontrug. Ter zweite Angeklagte kam dann auch hinzu und beteiligte sich ebenfalls an den Mißhandlungen, an deren Folgen Reichert, der unt«/ emicrem auch einen Rippenbruch davontrug, noch heute leidet. Mittels eines Automobils haben die Angeklagten sich dann schleunigst auS dem Staube gemacht. An den nächsten Tagen haben sie auf Veranlassung ihre» Hauptmann» versucht, den Vorfall mit dem Mantel der Liebe zuzudecken. Dies« Versuche scheiterten aber an der Höhe der Entschädigung, die Speichert forderte. Sowohl der Gerichtsherr als auch die Angeklagten hatten gegen das Urteil Berufung eingelegt. DaS OberkriegSgericht beließ es aber bei der obenerwähnten gewiß außerordentlich milden Strafe,—» Sebwefz. Fortschritt und Reaktion. Ans Bern wird n»s geschrieben: Der Große Rat(Landtag) deS KantoiiS Bern behandelt da» neue Arbeiterin»enschlttz» g e s e tz und daS Antistreikgesetz, also Fortschritt und Reaktion i» ninuiltelbarcr Reihenfolge. DaS Arbetteriiiiienschntzgesctz, auf das schon seit mehr als zehn Jahren aeivarlct lvird, bedeutet einen Fortschritt, daS neue Antistreikgesetz ein Atieulat ans die Arbeiterbewegung. Eine perfide amtliche Demagogie hat damit zugleich" die Bestimmungen über die EinigungS- ämter verbuiiden, uiivcrkeniibar in der Berechnung, den reaktionäre» Wechselbalg von industriellen Unternehmern und arbeiterfeindlichen Agrariern in der obligatorischen Vvllkabstimmung uiiiso sicherer zur Annahme zu bringen.' Vor Beginn der Beratung dieser Vorlage verließen die sozialdemokrati scheu Vertreter den Saal, weil in der ersten Beratung alle ihre Anträge von der kompakten Majorität abgelehnt ivorden waren. Dir Reaktionäre sollen in reiner AnSfchließlichteit die Verantwortung für ihr arveiterfeindlicheS Machwerk tragen. Die vier ersten Artikel der Vorlage handeln von den EinignngZ- ämtern, die anderen vier Artikel von der Verektelung deS Streiks iind der Entwertung des KoalitionSrechttV Uebcr die Ziisammeii- s e tz u n g der EinigungSämter schweigt sich die Vorlage anS. Sie soll durch eine Verordnung geregelt werden: eine weitere Hinterlist gegen die Arbeiter. Der zweite Teil der Vorlage ist dem besonderen Schatze der modernen Heilige» der herrschenden Klassen, der Streikbrecher, gewidmet. Wer ein solches„nützliches Element" beleidigt oder„erbeblich belästigt", erhält eine EesängniSstrafe von 1 bis zu 60 Tagen, wozu für Ausländer noch die L a n d e s v e r w e i s n n g für die Dauer von 2 bis z» 10 Jahre» kommt. Im Wiederholungsfälle kann sofortige Verhaftung erfolgen. Die gleiche Strafe trifft den- jenige», der bei Störnng der öffentlichen Ruhe durch Anmmmlmigen während eines Streiks ans die Airfforderung eines Polizisten hin nicht sofort dabongeht. Die Polizei erhält das Recht, lvährend eines Streiks öffentliche Umzüge zu verbieten. Die Regierung kann außerdem auf dem Vero> dunngSivege noch alle möglichen Maßregeln treffen. Also ein AuSiiahmegrsetz schandbarster Art gegen die Arbeiter, ein Umsturz der Verfassung,»ach der alte Bürger vor ihr und vor dem Gesetze gleich sind. Der kapitalistisch-agrarisch-reaktionäre Bastard unterliegt der ol'ligatorische» voltSabstiinmmlg. Wird er angeiiommen, so würde sich als wirksame Abivehr die Verhäng u»z der G e n e r a l s p e r r e über den ganzeli Kanton Bern empfehlen.-- fvankreicb. 100 000 Rekruten in ehr! Paris, 4. Dezember.(35. T. 33.) Eine vom Ministerinin des Jmicrn»ach Algerien entsandte Kommisston prüft gegen- wärtig die Frage, ob der obligatorische Militärdienst auch auf die Araber Algeriens ausgedehnt werden soll. Die Kommission, welche insbesondere die Frage studiert, ob die Rekrutierung der Araber im Wege der Aushebung oder der Ziehung durch daS LoS vorgenommen werden soll, wird ihre Arbeiten biS zum 81. Dezember beendet haben. Man glaubt auf die eine oder andere Weise 100 000 Rekruten ausheben zu können und so daS nötige Rekriltenmaterial zur Bildung zweier Zlrmcekorps, die im Kriegsfälle ziemlich rasch zur Verteidigung Frankreichs verwendet iverden könnten, zu gewinnen. ES ist möglich, daß ein diesbezüglicher Gesetz- eUtlvurf bereits im Januar der Kammer vorgelegt iverden wird. - Bor Tische las mau'S ander». Paris, 2. Dezember.(Eig. Der.) Im Jahre 1901 veröffentlichte der Oberstlentnrmt z. D. Piequart in der„Aurore" einen Artikel, in dem er die Versuche, daS bestehende lokale NekriltieruiigSsystem gegen daS territoriale zu vertauschen. energisch zurückwies, bor KriegSmiiiistcr Piequart aber hat im Sommer 1907 diesen Tausch vorgenommen! Nicht offiziell, aber doch tat- sächlich. Sein.System' besteht darin, daß nur die verheirateten Rekruten und die Familienerhalter im AnShebimgSbezirk ihrer Division dienen. Die anderen Soldaten werden in 250 bis 300 Kilometer entfernte Garnisonen gesteckt. Die jungen Re- kneten aber an die Ostgrenze geschickt. Die Veranlassung zu dieser Reform war die Weigerung der Soldaten deS 17. und des 100. Regiments, sich gegen die Weinbaner» verwenden zu lassen. Der Minister hat daS auf die Interpellation deS Sozialisten Va renne offen zugegeben. Er erklärte, baß er das frühere RekrutierungSsystem auch jetzt noch für gut halte— doch nur wenn sicher sei, daß dergleichen Dinge nicht mehr vorkämen... Die Mehrheit war natürlich mit dieser„Motivierung" zufrieden. In derselben Sitzung hat die Kammer bezeichnenderweise die Dringlichkeit der sozialistischen Interpellation über die F ü s i I i e r n n g der Streikenden von Raou-l'Etape abgelehnt. Vielleicht läßt Piequart noch daS OpuS des Kadetten R a m d o h r übersetzen liiid auf der Kriegsschule in St. Eyr verteilen. DaS„Wir schießen für unseren Kaiser" ließ« sich ja unschwer in ein:„Wir schießen für unsere Kapitals st en" verwandeln.— BariS, 4. Dezember. Gegen den Antlmilitaristc» Professot Her»<5 ist anf Antrag de? KriegSministerS eine BeletdigilnaSklage angestrengt worden wegen eines Artikels, der in dem Blatte„Gnerre Sociale" erschienen und in dem Professor Hervs die Soldaten, die in Marokko kämpfen, mit den Eisenbahiiräudern bei Etampe« vergleicht und für die einen wie für die anderen dieselbe Bestrafung verlangt.—_ Mit Mördern angekettet. Pari», 2. Dezember.(Eig. Ver.) Am 6. d. M. werden sich vor den Geschworenen von V a n n e s im Departement Morbihan zwei Antiniilitaristen zu verantworten haben: der Sekretär der SlrlwUsbörse von Lorient, Trevennec. und ein Arsenalarbeiter. Dieser Prozeß ist nur einer von den un- zähligen, die die Regierung mit wechselndem Glück den Anti- niilitaristen jeglicher NÜanee anhängt und die man kaum noch einzeln registrieren kann. Aver selbst unter dem jetzigen Regime unerhört ist die Art, wie man Trevennec nnch VanneS transportierte. Er wurde nämlich mit drei Mördern niigekcttet!... Mit solchen Mitteln denkt gian eine Bewegung zu besiegen, die bei aller Ein- seitigkeit der„Herveistcn" eine natürliche Rcallio» gegen den SchlviiidelpatriotiemilS der Bourgeoisie und gegen die Klassen- tyrannei ist, die sich hinter ihm verbirgt. Wie sagt doch Freilig- rath:„Und ob ihr zum Genosse» ihr den Mörder und den Dieb erkort... tzcbiveäen. Staats- und Geineindehülfe im Kampfe gegen die Tuberkulose. Im Jahre 1905 wurde in Schweden ein Komitee ernannt. da« über Mittel zur Bekämpfung der Tuberkulose beraten sollte. Dieses T u b e r k u l o s e- K o m i t« e hat Nim der Regierung sein Gutachten überreicht. Darin wird festgestellt, daß in Schweden jährlich ungefähr 10 000 Menschen an Tuberkulose sterben und daß dir Zahl der. an dieser Krankheit Leidenden mindestens.30 000 betuigt. Das Komitee ist der Ansicht, daß für 4S00 Lungenkranke, die— vor allem auch nin dir Uebertragiuig der Krankheit anf ihre Hausgenossen zu vermeiden— der KnstaltSpflege bedürfen, aber in den vorhandenen Anstalten leine Aufiiahnie finden können, Heil- oder Pflegestütten geschaffen iverden»lllsien! DaS wird 10820000 Kronen kosten. Dazu koinmen die Unterhalts koste», die pro Tag und Person auf 1,00 Kronen berechnet werdeil. DaS Komitee schlägt nun tior,_ saß jährlich vielleicht 1082 ovo Kronen fiir die Erriivtlino s welche dieler auch anerkennt, er will aber nicht eljer zahlen, als bis der Heilstätten aufgewandt werden sollen, so dast man inner bald 10 Iahren das Ziel erreichen würde. Die Unterbringung und Pflege der Kranken soll in der Hauptsache den Kommunen obliegen, jedoch mit Staat�nnterstiitzung und Geivährnng von Darlehen. Der schwedische Neichetag soll zu diesem Zweck b4vö()lXZ Kronen zu einem Darlehufvnds bewilligen.— MroKKo. Die Borga»lle an der algerischen Grenze. er vom Gericht dazu verurteilt ist. Notiz zu nehmen. Wir bitten die Kollegen, davon Die Verbandsleitung. Bchtunq, Drahtarkieiter l In Rostoik haben die Drahtarbeiter wegen Differenzen die rlrbeit niedergelegt. Rostoik ist bis ans weiteres für Drahtarbeiter gesperrt. Die unterzeichnete Orts- Verwaltung ersucht die Kollegen, etwaige Arbeitsangebote nach Rostock zurückzuweisen und Zuzug nach dorthin fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiter-Perband. Ortsverwaltung Berlin. Die letzten Tage haben kleine Scharmützel gebracht. Nm Montag hat eine französische Batterie das marokkanische Dorf Harmall beschossen, wo mehrere Hunderte Beiu Snasien zum Markt erschienen waren. Die Marokkaner flohen, verfolgt von den Kanonenkugeln, Kleine Abteilungen Kamelreiier haben sodann das i schränken. Dorf geplündert fl) und niedergebrannt, Sie standen unter der Führung eines Leutnants und wurden während der Plüiiderimgs' arbrit von einer Schwadron bewacht, s!)— So wird zivilisatorische Mission betrieben. Der Gegensulta«. Nach einer Meldung General Drudes hat Mulah Hafid Marrakcich am 2�, November vcrlasien, um sich nach Rabat, der jetzigen Residenz Abd-nl-Aziz' zu begeben. Ein EiitscheidiingSkampf »wischen den beide» Sultanen icheint demnach bevorzustehen. Oder sollte der Persöhnungsversuch Avd-ul-Aziz' Erfolg haben? DeutTchcs Reich. Die Lohnbewegung in den sächsisch-thüringischen Webereien. Die Bewegung wird sich nun nicht nur aus de» Grriz-Geraer Bezirk be- sonder» mit Ausnahme von Giaiichau-M, erane und Crimmitschau- Werdau, sich aus alle Bezirke des sächsitch-thüringi- ichen Bezirkes ausdehnen. Der Grund dazu liegt darin, daß nach dem letzten l90ö stattgeiundeneii Lohnkampf nur die Weber mit 5 Proz, aiffgedesserl wurden. Die übrigen Arbeiter, wie Scherer, Leimer, Bäamer, Einzieher, Ketlei'iräger, SchiitzaiiSgeberiiine», Nopperinnen, Spiileriniien. Alisiiäherinuen, Putzeriunen, Kehr- frauen ustv. sind lcer onSgegaiigen Sie alle habe» aber jetzt unter der enormen LebenSinitteltellerung furchtbar zu leide». Diese Menschen leben nicht mehr, sie vegetieren nur noch, Unierernähruiig wohin man blickt Schwindsnchl lind Ncrveukrankhciten nehmen in erschreckendem Matze zu. Auf der andere» Seite aber heirscht Ueppigteit und Lurlis, So geht das nicht mehr weiter. Nun baben auch noch die Uiireruebmer durch ihre» Rechrsbeistand Zehmc-Leipzig den von uns gestern gemeldete» llkaS erlösten, worin sie eine Er- höhung jetzt für undiskutabel bezeichnen»iid auf den St. Nimmer- leinslag vertrösten, weil die jetzige Geschäftslage eine höchst schlechte sei. Dntz es aber auch in diese» Zeiten möglich ist, aufzubeffern, be- weist Glauchaii-Meerane, wo die Färbereiarveiter jetzt ein zwanzig- prozeutige Lohnerhöhung forderte», mit den Unternehmern unter- Handelren und erzielten, datz vom t, Februar 1908 an die Löhne um 8 Proz, erhöbt werden. Die Wcbereibesiyer dagegen stellen sich einfach auf den Protzenstandpliiikt und behaupten:. Wir verhandeln nicht". Auf den AbichreckungSukaS hin haben sofort noch Montag- abend überall Bersanimllingen und Fabrikbesprechungen stattgefuuden, die sämtlich überfüllt waren. In Frage kommen folgende Orte: Gera, Greiz. Berga, Elsterberg, Zeuleuroda, Triebes, Ronneburg, Weida, Meuselwitz, Langenberg, Zwötzen, Debschwitz, Langenwetzen- dorf, Pöhneck, Reichenbach i, B.. Mylau, Netzschkau, Reudnitz-Her- nianiiSgrün. In allen Versammliiiigen und Bciprechlmgen wurde der neue Lobiiiarif, dessen Hauptforderungen wir schon mitgeteilt haben, die jetzige Lage und die den Unrernehinern zu gewährende Frist bciproche», Ueberall wurde gefordert, datz kein Zahlentarif mehr abgeschlossen wird, sondern ein Melertarif wie in Glauchau- Mcerane. Die vortigen Unternehmer Härten übrigens alle Ursache, auf ihre Kollegen in den anderen Orte» einzuwirken. In allen Versammlungen wurde folgende Resolution einstimmig angenoinnien: „In Anbetracht, datz die Arbeitslöhne in den Betrieben deS Verbandes sächsisch-ihüringischer Webereien viel niedriger sind als in den anderen Branchen der in Frage kommenden Orte— der durchschnittliche Iahreslobn der Textilarbeiter beträgt kaum TOv M.— und in Erwägung, datz von den in Webereien Beschäftigten nur die Weber und Weberinneii kleine Lohnzulagen bei ihren bisherigen Lohnbewegungen erzielten, die übrigen Kollegen und Kolleginnen aber leer ausgegangen sind, in weilerer Erivägung, datz die-Preise für alle notwendigen Lebens- und Existenzinittel seit der füns» prozentigen Lohnziiliige noch höhere geworden, beauftragt die am 2. Dezember slattgefiindene Bersammlung der Textilarbeiter und Arbeiterinnen die Vertreter deS Demschen Textilarbeiterverbandes, die mit filnfzehnprozentiger Lohnerhöhung vorgesehene Tarifvorlage nebst den neuen Bestiiiimimgen und 15 Proz. Lohnerhöhung für die Vor- nrbeiter und Arbeiterinnen sowie für die Pnyerinnen bei den Fabrikanten zu beantragen. Die Anerkemnmg der aufgestellten Forderungen wird ab 1. Januar 1998 erwartet. Den Vertretern des Deutschen TextilarbeiterverbandeS wird eS überlassen, den Fabrikanten eventuelle Vorschläge einer Verhandlungsstelle zu unter- breiten. Die heute Bersanmielten erblicken im Deutschen Textil- arbeitervcrband die beste Stelle für die Wahrung der Interessen der gesamten Textilarbeiterschaft, Sie verspreche», unablässig zu agi- xjeren. bis die Kollegen und Kolleginnen das Mitglieds- und Unter- stütziingsrecht erworben haben und treue Mitglieder bleiben." Hierauf wurde beschlossen, die neuen Forderungen sofort durch die Fniiktioiiäre des TextilarbeiterverbandeS an den Verein der sächsisch-thüringischen Webereien einzureichen und die Antwort der Fabiikanten bis zum 1. Januar 1908 zurück zu erwarten, Die Weber haben sich also durch den kaltherzigen Abschreckung?- ukaS, der ihnen von den Herren Unternehmern drei Wochen vor dem Feste deS.Friede auf Erden" höhnisch entgegengeschleudert wurde. nicht einschüchtern lassen. Und das ist gut lo. Wir wünschen nur, datz Biilow einmal die Verhältnisse in den dortigen Weberfamilien, denen ei» Hund, Kaninchen oder Katze als Festbraten erscheint, studieren würde, und gerade kommt, wenn Tag für Tag eine sechs- oder achtköpfige Arbeiterfamilie für 10 Pfennig � Wurst, Speck oder Hering auf dem Tisch stehen hat. Ob er dann ivohl auch noch von der vorübergehenden Erschei»>i»g des Lebeiisiiiitlelwuchers sprechen würde. Die Weber sind entschlossen, diesmal an ihren Forderungen nach mehr Brot Vis zun, äutzersten sestznhalten. Die Organi- sation ist fester ausgebaut als je. Die wenigen gelben Schäflein kommen gar nicht in Betracht. zu einer Einigung kommen. Der Inhaber der Drunerei des „Journal de Neuchatcl" hat die bedingte Kündigung mit der dcfini- tivcn beantwortet, worauf sämtliche Gebülfcn sofort die Arbeit niederlegten. Der Druaereiinbaber sucht in Deutschland Ersatz zu bekommen, was ihm aber wahrscheinlich nicht mehr gelingen dürfte. Die Aussperrung der Uhrfedermacher in der westschiveizerischen Uhrcnindustrie ist nun niit einem vollständigen Siege der Arbeiter- schaft zum Abschlüsse gekommen. Die Arbeiter haben eine Lvpro- zentige Lohnerhöhung und die Wiederanstellung aller Ausgesperrten erlangt. Während der nächsten drei Monate dürfen keine Eni- lassuilgeft der an der Lohnbewegung beteiligt gewesenen Arbeiter vorgenommen werden. Mit einer Niederlage hat dagegen der Färberstreik in Zürich geendet, und die Unternehmer nützen jetzt ihren Sieg gehörig aus. Sic verlangen von den wieder eingestellten Arbeitern die Unter- zeichnnng eines Reverses, nach welchem sie sich mit einem Abzug von 20 Frank ehiverstaiiden erklären, Oer dann bei Ausbruch eines Streiks ziiguiistcn des Arbeitgebers verfallen ist. Damit hoffen sie den Streik auf alle Zeiten verbannt zu haben. Die deutschen Ar- bcitgeber könnten in dieser Beziehung von ihren republikanischen Kollegen doch noch manches lerne». In der ostschb'eizerischcn Stickereiindustrie macht sich die Krise schon sehr stark fühlbar, die Bestellungen aus Amerika sind fast vollständig ausgeblieben. Zahlreiche Arbciterentlassungen sind nun bereits an der Tagesordnung und mit Vorliebe werden von den Fabrikanten die organisierten Arbeiter entlassen. Der osischweize» rische Textilarbcitervcrband wird behufs Unterstützung der Arbeit?- losen zu außerordentlichen Maßnahmen greifen müssen. Sie russische Revolutloi). Schnüffelei in Finnland. Derioki, 4. Dezember. kPrivatdep. des„Vorwärts.") Auf Anordnung des Direktors im russischen Polizei- d.irtement, Trusse witsch, fanden in der(finnischen) 5 adt Teriofi bei den dort wohnenden Russen in den letzten T gen und Rächten sehr gründliche Massenhaussuchungen statt. Itl das Wohnhans der Buchhandlung Denissewitsch ergoß sich eine große Anzahl Petersburger Geheimagenten! In den Straßen der Stadt wurden 15 Verhaftungen vorgenommen.... Ten„Echtritsscn" schwillt der Kamm. Odessa, 4. Dezember. Heute fand da« Begräbnis eines von einein Uiibekaui-.ten ennordeten Vahnbeamten stait, der Mitglied des Verbandes des russischen Volkes war. Infolge von Gerüchten, datz ie Vcrbändler neue Gewalttaten planen, wurde in den dem Hause des mord teil benachbarten Stratzenkrcliziingcn eine Kosakenwache auf- .stellt. Trotzdem verübten Verbändler auf dem Wege, den der Leichen- ;ug nahm, viele Mitzhandlungen von Juden und verwundeten eine Anzahl durch Hiebe und Messerstiche. Die Verbändler drangen sogar in einen Omnibnsmagen und mitzhandelten dort die jüdischen Passagiere I Aus dem Rückivege vom Begräbnis wurde den Gewalt- lätigkeiic» durch eine Kosakentvache ein Ende gemacht. Die Kosaken eskonierten den Zug der Vcrbändler nach der Stadt zurück.-- Bombenattentat. MoSkm,, 4. Dezember. Gegen den Generalgouverneur von Moskau, H ö r s ch e l m a n n, wurde von einer Frau ein Bomben- attentat verübt, als er heute vormittag durch den Lcforlstadtteil fuhr. Hürscheliiiann blieb unverletzl, der Knischer und die Frau selbst wurde» verivundet, die P'�de in Stücke gerissen. Die Frau wurde mit nur schwachen Lcbemzeichen in ein Krankenhaus ge- bracht._ Gewcrkrcbaftlicbce» Berlin und Umgegend. Aus der Schule geplaudert. „Selbst wenn ein Nachlassen der zurzeit immer noch hoch- gespannten Wirtschaftslage eintreten sollte, so werden sich die Be- triebe in der weit überiviegenden Mehrzahl der Industriezweige damit trösten können, datz ihnen die gute Zeit reiche Früchte ge- tragen hat und datz sie selbst ihr Schäfchen ins Trockene gebracht haben. Mach den fetten können jetzt die weniger fetten Jahre kommen: Die Fabriken sind gerüstet und sehen der minder guten Zeit ohne Sorge entgegen." Das schreibt nicht irgend ein„sozialdemokratisches Hetzblatt" oder eins der ebenso bösen Gewerkschaftsblätter, die mit solchen frivolen Behauptungen die Arbeiter wider die Unternehmer auf- wiegeln wollen. Das schreibt der Generalsekretär des Verbandes deutscher Papicrfabrikanten, Herr Ditjes, in Nr. 45 seines Wochen- blattes, und der wird es doch wissen. Daß die Arbeiter ihr Schäfchen nicht im Trockenen haben, daß ihnen die fetten Jahre erhöhte Lebensmittelpreise brachten, daß sie den kommenden weniger fetten Jahren nicht in Ruhe, sondern mit banger Sorge entgegen- sehen, kümmert Herrn Ditjes natürlich nicht im mindesten. „Die Mehrzahl der deutschen Arbeiter ist von der Sozial- dcmokratie so geschult, datz sie es für ehrenrührig ansehen. streikende Genossen zu ersetzen und auf diese Weise den Preis der einzigen Ware des Arbeiters, seiner Arbeitskraft, zu vcr- derben." Und wer schreibt diese so modern und vernünftig klingenden Worte? Derselbe Herr DitjeS, Generalsekretär des Verbandes deutscher Papierfabrikantcn! Und warum, so bemerkt dazu treffend der„Proletarier", diese Anwandlungen wirtschaftlicher Einsicht? Sic entsprießen demselben Boden, dem wir so viele direkt cnt- gcgengesetzte Ansichten und Aussprüche verdanken, der Sorge um den Profit! Herr Ditjes will nämlich eine Bereinigung zur Er- höhung der Papierpreise gründen, und da braucht er den zuerst zitierten Satz, um durch Hinweis auf die Gewinne anderer In- dustricn Stimmung für sein Projekt zu machen, und der zweite Satz soll den Papierfabrikantcn das Ehrlose des Solidaritätsbruchs klarmachen. Wir wollen mit Herrn D. nicht über die Zulässigkeit seines Beispiels rechten, wir anerkennen auch die Berechtigung des Be- ftrebens der Unternehmer, sich durch Pereinigung gegen Schmutz- konkurrenz zu schützen. Wo aber die Papierfabrikanten gegen die Organisationen zu Felde ziehen, wo sie Streikbrcchcrvereine gründen und den Verrat als etwas Achtbares Bnd Ehrenwertes hinstellen, da mögen unsere Kollegen ihnen das Geständnis ihres Generalsekretärs unter die Nase reiben. Dasselbe werden wir auch mit Herrn D. tun, wenn er seine Ausführungen vergessen und zu anderm Zweck andere Ansichten äußern sollte. In der Zuckerfabrik RegenSburg stehen zurzeit 750 Arbeiter und Arbeiterinnen, verschiedenen Verbänden angehörig, im Streik. Der bekannte Streikbrechcragent Rieben stahl. Kleine Hamburger- stratze, Berlin, sucht Streikbrecher nach RegenSburg. Es sei deswegen vor demselben gewarnt. Achtung, Töpfer! Am Freitag, den S. Dezember, abends 7 Uhr,! finden die Telegiertenwahlen zur Ortskrankenkasse der Töpfer statt. Unsere Liste beginn» mit Babiel und endet mit Wunderlich. ES ist Pflicht der Verbandsmitglieder, soweit sie Mitglieder der Berliner Lrtskasse sind, sich an der Wahl zu beteiligen. Weiter geben wir bekannt, datz die Firma Otto HenschinSki, Schöneberg, Bahnftratze 43 sämtliche Verbandsmitglieder einlassen hat. Die Kollegen haben noch an Henichmski eine Lohnforderung, j_ M_ vcrantw. Redakteur: Hans Weber. Berlin. Inseratenteil verantwTi Th.Glocke�Berlin� Druck u. Verlag: VorwärtsBuckdr.u.VerlagSansraktSaulSinger6:Co.,BerlinLW. Hierzu 3 Beilagen». Unterhaltungsblatt Ausland. Gewerkschaftliche? auS der Schweiz. Das gesamte schweizerische Buchbindcrgewcrbe steht vor einer großen Lohnbewegung. Die Arbeiterschaft hat den Unternehmern ihre Forderungen bereits eingereicht und diese haben in einer in Bern abgehaltenen Arbeitgebcrkonferenz die Forderungen der Ar- beiter in ihrer Hauptsache abgelehnt, ja sie wollen nicht einmal mit den Vertretern der Arbeiter in Unterhandlungen treten, dagegen verlangen die größeren Unternehmer von den Arbeitern, datz diese die Schmutzkonkurenz der kleinen Meister bekämpfen sollen, da- durch, daß sie von den kleinen Meistern einen höheren Lohn ver- langen als von den großen. Bei den Buchbindergehülfen ist diese meisterliche Zumutung mit großer-Heiterkeit aufgenommen worden. Noch in diesen Tagen wird den Meistern das Ultimatum gestellt werden, und wenn diese auf ihrer ablehnenden Haltung bc- harren, so dürfte es zu einer Arbeitseinstellung kommen. In einer Lohnbewegung stehen auch die Arbeiter in der Litho- graphie. Es handelt sich in der Hauptsache um Einführung allge- mein gültiger Lohnbestimmung für die gesamte Schweiz. Die Lithographiebesitzcr haben zu den Forderungen der Arbeiter be- reits Stellung genommen. Sie erkennen an, datz die teurer ge- wordenen Lebensmittelpreise eine Lohnsteigerung rechtfertigen, weisen aber darauf hin, daß in den letzten Jahren bereits eine be- trächtliche Lohnsteigerung eingetreten ist und sind nicht gewillt, für eine neue Lohnerhöhung einzutreten. Sie sprachen daher den Wunsch aus, daß in allen den Geschäften, in denen eine Lohnstcige- rung in den letzten Jahren nicht eingetreten, die Löhne eine Er- höhung erfahren sollen, dagegen sei eine durchgängige Lohnsteige- rung im ganzen Gebiete abzulehnen. Die Arbeiterschaft ist niit diesem Bescheid natürlich nicht zufrieden und sie wird zu geeigneter Zeit ihren Forderungen ernstlichen Nachdruck geben. In der Westschweiz stehen die Buchdrucker in erner Lohnbewegung um die Revision des Tarifes. Die in Neuenbürg gepflogenen Unterhandlungen zwischen den Unternehmern und den Buchdruckern sind gescheitert an der Festsetzung der täglichen Arbeitszeit. Tie Buchdruckergehülfen von Neuenbürg baben ihre bedingte Kündi- gung auf 14 Tage eingereicht, in der Annahme, eS werde doch noch Die Gründung eines JndiistrieverbandeS in der schweizerischen Textilindustrie. In sieben Verbänden, die bestimmte Branchen oder SandeSkeile »nffasien, waren bisher die schiveizerischeil Textilarbeiter zersplittert. Die sieben Verbände sind von sehr verschiedener Größe: der kleinste zählt nur 175, der größte hingegen 3404 Mitglieder. Insgesamt sind 10 134 Textilarbeiter organisiert, wovon 0494 männliche und 3039 weibliche. Sie waren bisher allerdings schon in einem Föderalivverband, dem Allgemeinen Schweizerischen Textilarbeiter- Verband vereinigt, aber derielbe hatte nur die beschränkte Aufgabe. die Interessen sämtlicher Mitglieder gegenüber den Behörden und Privaten zu vertreten, das Verbandsorgan, den„Textilarbeiter" heraiiszugeben und allen Mitgliedern unentgeltlich zuzustellen, sowie endlich die Verbände in der Erfüllung ihrer gewerkschaftlichen Auf- gaben(Agitation, Unterhandlung mit den Unternehmern, statistische Aufnahmen usw.) zu nillerstützen. Die sieben Verbände leisteten an den allgenieinen Verband adgestuste Jahresbeiträge von 1,40 bis 2.40 Fr. für männliche und von l.20 bis 2 Fr. für weibliche Mit- glieder. Nachdem seit Jahren für die Verschmelzung der sieben Ver« bände zu einem modernen Zentralverband gearbeitet und auch ein Zentralstatut ausgearbeitet wurde, hat nun eine am Sonntag inWmter- thur stattgefundene Delegiertenversamnilung, die von 108 Vertretern der Verbände besucht war, mit 94 Stimmen die Verschmelzung der- selben zu eiiici» einheitlichen Zentralverbande beschlossen. Das neue Statut enthält abgestufte Wochenbeirräge von 10, l5 und 25 Rappen i»id es gewährt die verschiedenen üblichen Unterstützungen. Unter Vorbehalt de� Nrabstiinniung in den sieben Verbänden soll das Statut und damit der neue Schweizer Texrilarbeiter-Verband anfangs April 1908 in Kraft treien. Die Verschmelzung der Branchen- verbände der Textilarbeiter zu einem Textilarbeilerverband bedeutet für die gesamte schweizerische Gewerkschaftsbewegung einen erfiev« lichcn Fortschritt._ Letzte JSfaebnebten und Depefeben« Die Kommunalwahlcn in Norwegen. Kristiania, 4. Dezember.(Privatdepesche des..Vor, wärts".) Die Kommunalwahlen im ganzen Lande fanden unter starker Beteiligung statt. Die Frauen stimmten in ihrer Mehrzahl für die reaktionären Parteien. In K r i- st i a n i a erzielten wir einen Stimmenzuwachs von 55 Proz. Gewählt wurden 27 Sozialisten, 10 Radikale, 3 Totalisten und 44 Konservative und Liberale. In Bergen wurden gewählt 24 Sozialisten, 14 Radikale, 9 Totalisten upii 29 Konservative und Liberale. In 12 kleineren Städte: von denen bisher Wahlresultate vorliegen, wurden 103 Sozi» listen gewählt. Ein Vorstoh gegen die Preistreibereien« München, 4. Dezember. hört! rechts.) Um zu illustrieren, wie Gerüchte entstehen, hat er gesagt, eines Tages habe ihm jemand aus dem Exerzierplatz in Potsdam gesagt:„Deinen Herrn haben sie gestern ordentlich vorgehabt in Berlin." Er erwiderte: „Meinen Herrn, den habe ich ja gestern abend mit seiner Familie von seinem Hause zu einer Gesellschaft bei der Prinzessin Alexandrinc von Preußen gefahren und nachher wieder von dort obgcholi." Daraus habe der andere gesagt, er kenne ja den Grafen Hohenau nicht, aber der Betreffende habe sich für den Grafen Hohenau ausgegeben.(Lebhafte Bewegung.) Der Abgeordnete Paaschs hat Briefe vorgezeigt, die Graf Hohenau an den Zeugen Bollhardt geschrieben bat. Ich frage nicht, wo der Abgeordnete Paasche die Briefe herbekommen hat(Hört! hört! rechts), ich will auch nicht annehmen, daß es etwa diejenige» Briefe sind, die in der Vernehmung vom 28. v. M. Herr Harden dem Gericht in Abschrift vorgelegt hat. Das Gericht kennt also diese Briese. Ich habe auch eine Menge von Briefen an Unter- x ebene geschrieben, indem ich diesen auch Geld geschickt habe. Ich tyibe das auch als Minister getan. Auch haben eine ganze Reihe meiner Untergebenen Bilder von mir bekommen, in Parade- uniform. Iveil das die Leute so gern haben. Das beweist doch aber nicht, daß man homosexuell veranlagt ist.(Heiterkeit rechts.) Wenn Herr Paasche andere Briefe hat, möchte ich ihn höflichst und dringend bitten, sie schleunigst dem Eiericht der ersten Garde- Tioision einzureichen.(Sehr gut! rechts.) Auch der Platzmajor v. Hülsen ist von Herrn Paasche bor- gcsübrt worden. Er soll im Hardcnprozeß auegesagt haben, von den Verfehlungen des Grafen Hohenau, des Grafen Lynar und auch dcs Grasen Moltke gewußt zu haben. Der Zeitungsbericht über die Verhandlung im Hardcnprozeß beweist das Gegenteil. Major v. Hülsen ist auch heute morgen einigermaßen erregt bei mir gewesen und hat mir ausdrücklich gesagt, daß er nie zuvor über den Grafen Hohenau und den Grafen Lynar etwas gehört habe. (Hört! hört! rechts.) Gerüchte über den Grasen Moltke seien nur einmal vor dem Eingreifen des Kaisers an ihn gekommen, er habe sie auf das bestimmteste zurückgewiesen. Daß die Armee zu einem großen Teil nichts von diescn Dingen gewußt hat, habe ich neulich schon durch Hinweis auf die verschiedensten Persönlichkeiten belegt. Ich habe hier zwei weitere Mitteilungen, einmal von einem General, der von 1S99 bis 1992 die der Villa des Grafen Lynar benachbarte Adlervilla bewohnt hat, und von einem anderen Ossi- zier, det mir seit meiner Jugend befreundet ist und auch lange in Potsdam gestanden hat, die ebenfalls beide bestätigen, nie etwas von abnormen Neigungen des Grafen Lynar gehört zu haben. Also von einer allgemeinen Verbreitung kann keine Rede sein. Wenn Herr Paasche von hohen Offizieren Mitteilungen in dieser Richtung bekommen hat, so möge er die Namen dieser Offiziere dem Gericht nennen. Wir wollen doch aus dem Schmutz heraus (Lebhafter Beifall), wir wollen doch diese Angelegenheit aus der niedrigen Atmosphäre des Klatsches erheben.(Sehr gut! rechts.) Von den zynischen Liedern hatte mir Herr Paasche schon in der Unterredung gesprochen, worauf ich erwiderte, das sei für mich kein Beweis. Nachdein er das öffentlich wiederholt hat, bitte ich ihn dringend, diese Offiziere dem Generalkommando des Gerde- korps zu nennen; denn solche Vorgänge müssen die Disziplin zu- gründe richten.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Niemand kann mehr bedauern als ich, daß ich von all diesen Dingen keine Kenntnis gehabt habe. Hätte ich etwas davon gewußt, wären diese Sachen nicht passiert, oder ich stände nicht vor Ihnen.(Stürmischer Beifall rechts.) Wir leben in einer Zeit des Klatsches, der— von Mund zu Mund wcirergctragen— sich um die Ehre des Nächsten nicht viel kümmert. Selbstverständlich meine ich mit dieser Bc- mcrkung niemand aus diesem hohen Hause. Gewiß ist es Gold, lvas hier im Reichstage gesprochen wird'(Heiterkeit), aber die Tat- fachen stehen mir höher, und so richte ich an jedermann die Mah- nung, mitzuhelfen, daß wir aus dieser ekelhaften und schmählichen Affäre herauskommen. Wir müssen dafür sorgen, daß dieser Tratsch ein Ende nimmt, daß mit allen Mitteln Gesundheit gc- schaffen wird, daß, wo ein Kranker sich in dem ganz gesunden Körper befindet, er entfernt wird. Meine Herren, helfen Sie mit! (Stürmischer stark wiederholter Beifall, besonders auf der Rechten.) ES ist ein Bertagungsantrag der Abgg. v. Normann(k.). Basiermann(natl.), Dr. Müller- Meiningen(frs. Vp.>, Liebermann v. Sonnenberg(wirtsch. Vg.), Schräder(frs. Vg), v. Payer(deutsche Vp.) und v. Gainp(Rp.) em° gelaufen. Der Bertagungsantrag wird gegen die Stimmen des Zentrums und der Sozialdemokraten angenommen.(Unruhe im Zentruin und bei den Sozialdemokraten. Rufe: Die Mehrheit in zweifelhaft.) Abg. Dr. Paasche(natl.)(persönlich): Ich habe unter vollster Anerkennung der vornehmen Art des Vorgehens des KricgSministers gestern»nein persönliches Bedauern darüber ausgesprochen, daß ihm Dinge, die mir bekannt waren, nicht bekannt gewesen sind und daß er erklärt hat: die betreffenden Herren sind nicht schuldig. (Widerspruch rechts, gustimmung links.) Ich habe mir genau aus- geschrieben, was ich gesagt habe. Der KriegSminister, den auch ich bisher für meinen Freund gehalten habe, kann aus den Aufzeichnungen lesen, ob meine Erklärung richtig ist oder nicht. Im übrigen bfc> trachte ich die Tribüne des Reichstages als die einzige Stätte, wo berechtigte Klagen vorzubringen sind.(Sehr richtig! lmks.) Präsident Graf Stolberg(unterbrechend): Letzteres ist keine persönliche Bemerkung. Abg. Dr. Paasche: Da» gebe Ich zu.(Heiterkeit.) Abg. Singer(Soz.)(zur Geschäftsordnung): Ich konstatiere hier, daß nach der GeschSftsordmiug die soeben beschlossene Vertagung ungültig ist, weil die Unterstützungsfrage nicht gestellt ist.(Sehr richtig bei den Sozialdemokraten und im Zentrum.) Außerdem hat � r Präsident eine Meldung von mir zur Geschäftsordnung über r Ich habe den begreiflichen Wunsch, von den Herren Antrags.;u erfahren, warum sie die Vertagung beantragt haben.(Stürmischer Beifall bei den Sozialdemokraten und im Zentrum.) Die Geheimniskrämerei hinter den Kulissen. die der Reichstag sast einhellig bei der ReichSregierung verurteilt hat, haben wir jetzt seldst hier.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich bitte den Präsidenten, geschästSorduungSmäßig zu verfahren. Wird der VcrtägungSanrrag genügend unterstützt, so muß uns noch das Wort zur Geschäftsordnung gegeben werden; beim wir müssen über die Gründe der Vertagung diskutieren.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten und inr Zentrum.) Abg. Dr. Spahn'■ Havaranda 765 3 2 wölken! 1 Petersburg 761 ZW 1 Schnee Scillp 750 SW i Sdeoeckt tberdeen 740 S SK l wolkig Pari» 758 SSW 5 heiter II i I Wetter. Prognofe für Tonnerstag, den 5. Dezember 1007. Ein wenig kälier, zeitweise aus klärend, vorwiegend trübe und nebelig mit geringen Niederschlügen und mätzigen westlichen Winden. Berliner WetUrbiiria» ReicJisSialieo-Theater. Stettiner Sänger. Ansang ivochent. 8 Uhr, Sonntag* 7 Uhr. Billetts stets 8 Tage vorher! Reichshallan Restaurant: GrotzeS nilitUr- .\. Konzert. Möbelfabrik Julius Apelt C Adalbert• Straße O Hochbahnhos Stotthufcr Tor strkher: Skalierr- Strafte 8). GwM von Jaeoli GutiifQEit ------( früher Friedrichstr. 13)----- jetzt Torftstr. 88 u. Lnelsonaustr. 22 Rirs.Ausw. i.SeiHnadjtSgefcHcntcn. Vorzeiger dies. Annonce erhatten 10 Proz. Rabatt. Zöpfe! in allen Farben und BreiSIagen 1~21b» Rnmlcrslr. 9, Album- und Lederwaren-Fabrik Oskar Gundau Oranienstr. 30, iJ&m. t»r. 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Neuwahlen der örtlichen Verwaltung: a) Wahl eines besoldeten vor. sitzenden\ b) Wahl der besoldeten HauStassiererw! c) Dahl der und«» soldelen Vorstandsmitglieder und Funltionäre. L Erledigung eingegangener Anträge.— b. Verschiedenes. Kollegen und Kolleginnen I Durch die Vereinigung mit dem Schneider» verband« ist es noiivendtg geworden, uns« lausendes Geschästsjahr zu schlieften und die Neuwahlen der Verwaltung vorzunehmen. Indem wir aus die wichtige Tagesordnung ausmertsam machen, ersuchen wir alle, in dieser Derlammlung zu erscheinen. Mitgliedsbuch oder Mitgliedskarte ist vorzuzeigen. Ohne dasselbe fein Einlaft. Die Ort»verwaItnng. I. A.: W. Eue. NB. Yn dieser Versammlung wird auch da» Dahltesultat von den Delegiertenwahlen zur Ortskrankenkasse bekannt gegeben. 252(15 SozialdemokratiseberWihlverein des 2. Beri. Reiehstags-Wablkreises. ülm Mittwoch verstarb unser Genosse Onstav Hinz Bezirk 152. Die Beerdigung findet an, Freitag. nachmutagS 3 Nhr, von der Leichenhalle deS.�eilig-Kreuz» Kirchhofes in Mariendors aus statt. Um zahlreiche Betelligmtg wird gebeten. Ber Verstand. Kixdorf. Tedes-Anzelge. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metallarbeiter Robert Ahrendt (10. Bezirk) verstorben ist. Ehre feinem Andenken l Die Beerdigung findet heute Freitag, nachmittaaS 3 Uhr, von der Leichenhalle deS neuen Rixdors« Friedhofes(Mariendorfer Weg) auö statt. Um rege Beteiligung ersucht 221/7 Ter Boritaud. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daft unser Mitglied, der Mechaniker Adolf Winderlich am 30. November an Nierenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Bc«digung findet heute Donnerstag, den 5. Dezember, nachmittags'IA Uhr, von der Leichenhalle des Gcineinde-Fried- Hofes in FriedrichSseld» aus statt. Rege Beteiligung erwartet 161/4 Die Ortsverwaltung. Mitgliedschaft I des Deutschen Transportarbeiter-Verbandes. Freitag, de« v. Tezembcr 1907. abend» 0 Uhr. im GewerkschaftShause, Engel, Ufer IS(Saal 4): General Versammlung für das 3. Quartal. TageS- Ordnung: 1. Kassen« und Bcrwaltungsbcricht. S. Geschäftliches. ' Mitgliedsbuch legitimiert«nd ist am Eingang vorzuzeigen.— Um rege Beteiligung ersucht IIS____ Die Ort«verwaltnng I. Deutscher Metallarbeiter-Verband Bermaltnngsftellc Berit». Tede«- Anzeige. De« Kollegen zur Nachricht, daft uns« Mitglied, der GürU« (lULtnv Hinz gestorben ist. Ehre s«i»r« Andenken: Dt« Beerdigung findet am Freitag, den 6. Dezember, nach» mittags 1'/, Uhr, von d« Leichen- Halle des Urban- Krankenhauses nach dem Kreuz-Kirchhos, Marien» dors, statt. BanmmmW�HiBBnaiBnfli�nni Einladung. 212/8 Unsere General- Versammlung iindet am Freitag, den 18. Dezem» ber 1907. abends 8 Uhr, im„Rhein» schloß-, Friedenau, Rheins«. 60, statt. Konsnrovcrein Friedenau und Cmgegend Eingetragene Genosienlchast mit beschränkter Haftpflicht. Ter Anfftchtsrat. H. Guide, Borfitz enb«. Orts-Kraukenkasse drr Konditoren, Pfeffer- küchler «nv verwandten Gewerbe. Bekanntmachung. Dir machen hiermit bekannt, d«ft von jetzt an alle Bekanntmachungen uns«« Krankenkasse im.Berlin« Intelligenzblatt- und im.Vorwärt«- erlasse» werden. 1711b Der Vorntand. Einwohner des Wedding! Montag, de« 9. Dezember, abend» 8'/, Uhr, in den Pharnosälen, Müllerstr. 142: �Otfftlltliiht Nl>lks»trsl>mlililg.s TageS-Ordnung 1.»Der Kamps um die wirtschaftliche Freiheit-. Aes«ent: Schriftstell« Panl titthre. 2. Dislussion. 3. Verschiedene». Genoffen, Arbeiter, Hausfrauen! Erscheint zahlreich. 212/2* Die Elnbernfer. 'Berliner Jreiblder-Verein. Sonnabend, den 7. Dezember, in der „Neuen Welt" lHasenheide) m allen 5 Sälen: dttlktnngnk'ent. 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Hnrl HofTinunn. 5t. 284. 24. Jahrgang. 2. Dkillize Ks Jomiittö" öftliiict llollisliliill. jldnnttsf«!!, 5. Anmbn 1907. verlchterttsttuiig vom Prcutkntaa. In den sechs Berliner Wahlkreisen nahmen die Genossen am Dienstag in durchweg gut besuchten Versammlungen Stellung zu den Verhandlungen deS Preußentages. Als erfreuliches Resultat ergaben die Versammlungen Einniütigkeit in dem Willen, den Kampf um Erringung des Reichstagswahlrechts für den preußischen Landtag mit zäher Energie durchzuführen. Der Wahlvrrein deS ersten Kreises versammelte sich in Dräsels Festsälen. Zur Berichterstattung über den preußischen Parteitag nahm Genosse Strehl als erster Redner das Wort. Mit Freuden wurde der Parteilag begrüßt und es war eine große, würdige Veranstallung, auf welche die Genossen stol� sein können. Der erste Punkt der Tagesordnung, zu dem Genosse ?>ugo Haase- Königsberg das Referat übernommen hatte, rächte eine sehr lebhafte Diskussion._3«ei Richtungen standen sich gegenüber, auf der einen Seit« der Partei vorstand, von der Mehrheit unterstützt, auf der anderen Seite Genosse Dr. AronS, der mit großer Wärme für eine selbständige Landesorganisation in Preußen eintrat. Arons verlangte für Preußen eine Organisation, wie sie für Deutschland besteht, und er wußte treffliche Gründe dafür anzuführen. Der beste Interpret der Aronsschen Vorschläge war Maurenbrecher, der viel Verständnis für dieselben zu erwecke» wußte. Wenn trotzdem die Majorität da gegen stimmte, so ist dieS der Befürchtung zuzuschreiben, daß der Einfluß auf die Besiigniffe deS Parteivorstandes dadurch vermindert werden könnte. Ter Redner erklärte, daß er selbst dem Antrage Arons sympathisch gegenüberstand, daß er sich aber verpflichtet glaubte, mit den Berliner Genoffen geschloffen zu stimmen, weil darüber eine Vorbesprechung stattgefunden hatte; er ist der Meinung, daß nach einigen Jahren sich doch diese Vor schläge durchsetzen werden. Hervorheben wolle er ausdrücklich daß die Debatte ruhig und sachlich geführt worden sei. Der Redner ging dann zu Punkt 5 der Tagesordnung über, zu dem Referat von Paul Hirsch über„Selbstverwaltung und Gemeinde" ES fei bedauerlich, daß die fleißige Arbeit von Hirsch, seine Zusammen' stellungen über die Städteordnungen und das Gemeindewahlrecht, unter so viel Unruhe des Parteitags angenommen wurde, aber als letzter Referent hatte er damit zu rechnen. Der Paneitag nah», die Resolution an. die Hirsch vorlegte, die aber in der Presse nicht der- öffentlicvt worden ist; sie lautet: .Der Kampf um die Selbstverwaltung der Gemeinden kann nicht geführt werden losgelöst von dem allgemeinen Befreiungs kämpf de» Proletariats, Voraussetzung der kommunalen Selbst- Verwaltung ist ein den Forderungen der sozialdemokratischen Partei entsprechendes Kommunalrechr, die Erlangung dieses Rechtes aber wiederum hat zur Boraussetzung eine demokratische Staats Verfassung, Durchdrungen von der Notwendigkeit, den Gemeindever tretungen die Erfüllung ihrer Aufgaben insbesondere aus soziab politischem Gebiete zu ermöglichen, macht der preußische Parteitag cS den Genossen zur Pflicht, in dem bevorstehenden Wahlrechts kämpfe auch die Forderung deS allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen GemeindewahlrechlS für alle über'2<1 Jahre alten Ge meindeangehörigen ohne Unterschied de» Geschlechts, und der Auf- Hebung aller die Befugnifle der Gemeinden einschränkenden gesetz kichen Bestimmungen zu propagieren," Ueber die anderen Punkte der Tagesordnung des Parteitages berichtet Genoffe B i t t n e r. der das Referat von Legie» über„Die Lage der Staatsarbeiter in Preußen" als agitatorisch werwoll be zeicdnete und eS zur Berbreittmg empfahl, da es als Broschüre heraus gegeben wird. Es sei dringend zu wünschen, daß die Slaatsarbeiter ihre Arbeitgeber, die den preußischen Landtag bilden, näher kennen lernen, um zu begreifen, wie wichtig e» ist, sich um die Zusammensetzung diese» Landtages näher zu bekümmern. Der Redner ging im Zu sammenhang damit auf den zwetten Punkt der Tagesordnung des Parteitages:.Die bisherige Tätigkeit des preußi- schen Landtages und die Wahlrechtsfrage in Preußen", näher ein. Der Referent Adler-Kiel zeichnete in seinem Borwage darüber die Tätigkeit der Parteien und entrollte ein Bild von der Unfruchtbarkeit deS Landtages für die Jnlereffen deS Volkes, und von dem Herrentum, welches die Junkersippe geltend macht. Ueber diesen Punkt wie über den nächsten: .Die Landtagswahlen", mit dem Referenten Dr. AronS, lagerte ein Druck und eine Schwere in der Diskussion, die von allen Mitgliedern de» Parteitages empfunden wurde. Man war sich darin einig, daß etwas geschehen müfie, daß man nicht länger diesen unwürdigen Zustand ertragen könnte, der da» Proletariat in Preußen rechtlos m.icht. Mit aller Maivt muß danach gestrebt werden, auf eigenen Füßen zu stehen, sBeifall,) Genosse W o l d e r S t i, der dritte Delegierte, sprach über den Parteitag im allgemeinen und er erklärte, daß er im Gegensatz z» seinen Mitdelegierien für die Aronsschen Vorschläge gestimmt habe, Er sei durchaus nicht der Meinung, daß man warten könne, bis die Jahre uns das bringen, was Genoffe AronS vorschlage. Nicht schnell und energisch genug könne die Frage vorgenommen werden:.Wie kann der preußische Staat demokratisiert werden?" Daraus komme eZ an und zu diesem Zwecke wäre eine selbständige Organisation in Preußen von dem größten Nutzen gewesen, Schars wendet sich der Redner gegen die Vorbesprechung der Berliner Delegierten, durch die man sie festgelegt habe gegen die Vorschläge von Arons Solche.Disziplinfragen" auszuwerfen, verstoße gegen den demo> iratischen Geist. Nur der Kreis sei berechtigt, leinen Delegierten eine Marschroute zu geben. In keiner anderen Weise dürfe aus die Delegierten eingewirkt werden.— Der Redner schildert, wie not- wendig eS wäre. die große Rückständigkeit aus allen Gebieten in Preußen durch eine eigene Orga»i>ation, die sich ganz und allein den preußischen Angelegenheiten widmet, zu bekämpfen. Die kleine» Fragen, ob Reibungen zwischen Partei« und Landesvorstand enistehen könnten, seien lächerlich. In Preußen gelte eS llberhaupt erst einmal Bresche zu schlagen. Die lüddeutschen Staaten seien uns seit langem weit voran« und sogar Rußland sei unS zuvorgekommen. Man nenne uns zum Spott ein„resolution äreS" Volk, weil'wir gern mit ellenlangen Resolutionen antrete» und sehr bedächtig sind, wenn eS gilt, praktisch einige schnell« Schritte nach vorwärts zu tun. In der D i S k u s s i o n nahm zunächst Genoffe U n g e r da» Wort, der den großen Eindruck schildert«, den er von dem Parteitag. dessen Verhandlungen er beiwohnte, erhalten Hove. Wer die großen Proteftversammlungen vom letzten Dienstag gesehen habe, der wffse, welche Begeisterung unter den Genossen herrsche, und der müsse große Hoffnungen auf die Bewegung setzen. Man dürfe sich freilich nicht von den Vorgängen in Berlin blende» lasse» und dos platte Land darüber vergessen. Dort sei die meiste Agitation notwendig, Genosse Dr. AronS bezweifelte, ob die iüegeifterniig unter den Berliner Genossen so sehr hohe Wogen schlage ivie Genosse Ungcr glaube. Jede Versammlung, die sich mit den Aufgabe» der Partei in der WablrechtSfrage beschäftige, müßte sonst übersülll sein, Er beniängclie, daß der.Vorwärts" über die Eröffnung des Landtages leinen Bericht brachte. Unser Zentralorgan müßte die Vcr- Handlungen des Landtage« mit derselben Aufmerksamkeit wie die des Reichstages behandeln; das sei in der gegeuwärsigen Zeit äußerst wichtig. Die Berichte über den Landtag müßten durch Besprechungen und durch Leitartikel uuterftützl»Verden. Gerade jetzt müiie man verlangen, daß daS Interesse an dem Landtag in jeder Beziehung geweckt werde: da sei jede Läsfigkeit in d« Agitation von großem Uebel.— Genosse AronS erklärt«, daß«S ihm äußerst befremdlich war. von der Vorbesprechung unter den (Berliner Genossen zu hören, ehe man zu den Verhandlungen deS Parteitages schritt. Er sprach sich ebenso scharf wie Genoffe �WolderSki dagegen aus und meinte, solche Maßregeln seien der Partei unwürdig und sie seien gefährlich für den Geist unter den Genossen, der dadurch beeinflußt werde von dem preußischen Potizcigeist, den wir alle bekämpfca��M�D Forin unter unS aufkommen darf. Genosse Wagner will den großen Unterschied zwischen den Arbeitern ans dem Lande und den Berlinern nicht recht anerkennen, Er meinte, man solle nur aus dein Lande eine so reiche Agitation entfalten wie in Berlin, dann würde man dort bald gute Früchte sehen. Die Vorbesprcckuna unter den Berliner Genossen der- urteilte auch er sehr entschieden und meinte, wir würden zu viel regiert nicht nur von der Regierung, sondern auch von unseren eigenen Gen offen. Genoffe D i e s e l e r trat dieser Auffaffung entgegen und erklärte, daß eS sich bei der Vorbesprechung der Berliner um neu hinzu gekommene Anträge gehandelt habe Man habe im besten Glauben. der Partei zu dienen, zu der Besprechung eingeladen. Bei der Größe der Organisation in Berlin hielt man diese für zweck' entsprechend, um eine Ueberrinstimmung in den Ansichten der Berliner Delegation zu gewinnen. Den Vokwurf von Arons gegen den„Vorwärts" wies er zurück und erklärte, daß durch eine Zu- fälligkeit und aus technischen Gründen der Bericht über die Eröffnung deS Landtages nicht erschienen war. Die Genoffen B i t t n e r und M i e S b a ch erklären sich gegen die Zulassung einer Borbesprechung von Delegierten, wenn anderen als Jnformationszwccken dienen soll. Anrn. der Redaktion. Wir haben die Eröffnimg deS Landtages in den beiden führenden Artikeln unseres HauptblatteS vom 27. November„gewürdigt", f. Unerträgliche Schmach' und„Ein Ausnahmegesetz gegen die Polen".) Der Abdruck des Verhandlungs berichts erübrigte sich demnach, zumal da die Wiedergabe der Reichstags Verhandlungen zur KohleirpreiS-Jnterpellation unserer Fraktion an diesem Tage sechs Spalten erforderte. sie Im zweiten WahkkmS referierte Genoffe Reimann über den Verlauf des PreußeiitageS. Redner erwartet, eS werde die neue Organisation in dem Kampfe um die Etringung deS Reichstags Wahlrechts für den Landtag gute Dienste leisten. Genosse Wurm weist darauf hin, daß sich erst vorige Woche eine große Versammlung mit der Wahlrechtsfrage beschäftigte, dasselbe habe auch gründlich der Preutzcnlag getan, jedoch könne nicht oft genug hervorgehoben werden, daß im preußischen Landtag 15 Proz, der Wähler die 85 Proz, der 3, Klasse überstimmen. Der Regierung stehe stets eine zuverlässige Majorität zur Verfügung. sollte eS sich darum handeln, der Kirche noch weitere Rechte einzu räumen, die GcisteSfreiheit zu unterdrücken, die Volksschule zu Oer pfaffen. dann lasse sich mit Hülfe deS Zentrums eine noch größere Majorität bilden. Daß bei dieser Zusammensetzung deS Landtages jemand ein Fenster öffnen soll, um einen ftischen Luftzug durchzu lassen, ist ganz ausgeschlossen. In seinen weiteren Ausfühningen hebt Genosse Wurm hervor, wie die in dem Entwurf cincS Reichs vereinSgesctzeS enthaliene Entrechtung der polnischen Volks genossen in der Polenpolitik Preußens ihren Ursprung habe und im preußischen Landlage ihre stärkste Stütze finde. Eingehend behandelt Redner, wie die zur Ausrottung der Polen bestimmte Politik den polnischen Magnaten au» Staatsmitteln große Vorteile verschaffte. Jetzt habe man in das neue Gesetz einen Satz aus dem sozialdemo' kratischen Programm übernommen, indem der Gesetzentwurf besage, daß, wen» es das allgemeine Wohl verlange, die Enteignung polnischer Gnisbesitzer erfolgen kann. Mit der Polenpolitik hatten wir uns zu beschäftigen, weil die aufgestachelte Nationalitätenfrage dazu angetan ist, die polnischen Arbeiter in die Hände ihrer landS mannischen Ausbeuter und Unterdrücker zu treiben. In längeren AuSsührungen verweilt Redner bei dem Verhalten der Fieistniiigen und Junker, schilderte, wie die erster«» sich der Regierung als die beste Schutzwehr gegen die Sozialdemokratie an- boten und die Junler als ein Hemmnis gegen jeden Kultur' kortschritt zu betrachten seien, was besonders seinerzeit bei Beratung der Kanalvorlage, in bezug auf den Bergarbeiterschutz, aus Schule und Steuergesetzgebung Preußens in Erscheinung tritt. Von der Stellung den bürgerlichen Parteien sei zu sagen, daß sich der ewige Ministerkandidai Bassermann gegen die Ueberlragung deS ReichStagSivablrecht» aussprach. Auf da» Zentrum kamr man sich nicht verlassen, wenn cS sich auch in Süddeutschland andetS ge bettlet. In der Regel spricht eS bei der ersten und zweiten Lesung sehr radikal, um dann bei der dritten Lesung um so reaktionärer zu stimmen. Der Freisinn habe zwar noch in seinem Programm daS allgemeine, gleiche und direlte Wahlrecht, für dieses selbst aber nichts getan. In Frankfurt habe man Naumann und Barth abgeschüttelt. Daß man sich in unseren Reihen etwa mit der Beseitigung der öffentlichen Abstimmung begnügen werde, wie eS von jener Seite schon empfohlen wurde, ist gan�z ausgeschlossen, weil damit»ichlS getan, sondern die bisherige Maioristerung der 85 Proz, Dreiklaffen Wähler ausrecht erhalten bleibt. Wir werden eine solche Kompro misselei nicht mitmachen,(Lebhafter Beifall.) T» entsteht nun die Frage waS tun, um da» Dreiklaffenunrecht z» beseitigen, guiiächst war die Beteiligung an den LandtagSivahlen bisher derart, daß von uns noch ein großer Teil Wähler an die Urne gebracht werden lann. Die Frage, was tun, kann nur so beantwortet werden, daß eS nicht zu den Aufgaben des Preußentages gehörte, neue Mittel ur- plötzlich au» der Erde zu stampfen. Der Ausgang des Wahlrechts kampfeS beruht auf ökonomische» Vorbedingungen, er ist ein Kampf um den Profit, daher kann eS da auch kein Bündnis geben. Im WahlrechtSkampfe müffen wir uns an jene wenden, die zu uns gehören, die Arbeiter und jene Mittelschichten, die wirtschaftlich auch »ur dem Proleiariale zuzurechnen find. Ob, wann und wo der politische Massenstreik anzitwenden ist. zu erwägen, war nicht Sache des ParteiiaaeS, die Partei werde im rechten Moment auch die recht«» Mittel für ihr Vorgehen finden und an- weichen. Glaubten wir mit unserer bisherigen Taktik eine Welt erobern zu können, dann bedarf e» deS Preußenlandtags wegen keiner neuen Taktik, Genosse Dittmer hält eS nicht für auSgeschloflen, daß später die von AronS vorgeschlagene Verselbständigmig der preußischen Parteiorganisation noiivendig werde, die befürchteten Kompetenz- lreitigkeiten sollte» und dürfen auch später kein Grund sein, durch die Entwickelimg Bedungenes abzulehnen. Die Eisenbahner der Gewerkschaftsbewegung zuzuführen, haben sich alle Genossen zur Aufgabe zu machen. Die Formulierung, wie sie Wurm bezüglich de» WahlrechtskampfeS aufstellte, erkennt Dittmer nicht al« richtig an. Wir ctzen mit dcralienTaklikzwarein. eS sei aber Talsache, daß der politische Massenstreik in der Arbeiterschaft an Anhang gewinne. Genosse Müller vom Parteivorstand wendet sich In einigen Richtigstellungen gegen Dittmer, da» Verhalten des PartcivorstandeS zum neuen Partetstatnt Preußens verteidigend. Letzterer habe die preußischen Angelegenbeiten nie unterschätzt. ES bestehe aber keine Ursache, nebenher noch eine» Parteivorsiaud für Preußen einzusetzen. daher konnlen sachliche Momente nicht vorgebracht werden. Der politische Masleustreik sei nicht Sache de« Preußentages, Er ist durch den Jenaer Parteitag bereits als Kampstnittel auf- zenommen worden. Mehr zu sagen über die rveutuellc Anwendung ei die dümmsle und verlchrtcste Taktik, die sich denken läßt. Wir halten an der alten Taktik fest. Zaubermittel loffen sich nicht auS der Erde stampfen. R ü ck e r t beschäftigt sich mit der Lage der StaatSarbeiter. Weiter venirteilt er. daß sich eine Gewerkschaft ge- weigert habe, da» Preutzenflugblatt beizulegen. Die versanimluna nimmt hierauf eine Resolution an. in der sie sich mit den Beschlüffen deS Preußentages einverstanden erklärt, worauf sie na» einem kurzen kräftigen Schlußwort de» Genoffev Köckeritz geschlossen wird. Der W-thlverein für den dritten ReichStagSwahlkreiS tagte ???> McierS Festsälen in der Scbastianstraßc. Genosse Gottfried rcr iilcht m irgend c>...r Schulz erstattete den Bericht vom preußischen Parteitag, indem er in großen Zügen dessen Verhandlungen skizzierte und seine Be- schlüge mitteilte. Zur Organisationsfrage bemerkte er noch: Er habe den Eindruck gehabt, daß einzelne Genossen(AronS, Mauren- brechet) zwei Regierungen schaffen wollten, eine für Preußen und eine für daS deutsche Reich. Besonders die Ausführungen Mauren- hrccherS hätten das ergeben. Es wäre gut, daß die entsprechenden Anträge abgelehnt worden seien. Wo zwei Regierungen in einer Parier seien, da gebe cS Reibungen. Er glaube, das Ziel werde erreicht werden, das wir uns gesteckt hätten, wenn wir unsere Organisation mehr und mehr ausbauten. Maurcnbrccher habe davon gesprochen, daß mehr demokratisiert werden müsse unter Beeinslusjung de« BürgcrtumS. Nun, was wir vom Bürgertum zu erwarten hätten, das wüßten wir. Nein, es seien entscheidend die Klassengegensätze, und auch hier heiße cS: Die Befreiung der Arbeiterklasic muß daS Werk der Arbeiter selber sein. Im An- schluß hieran betonte Redner mit Bezug auf die Verhandlungen über die WahlrcchtSfragc, daß cö allerdings auch daraus ankäme, zu demokratisieren; verbunden aber müsse damit sein vie sozia- listische Aufklärung. Die Köpfe müßten revolutioniert werden. AuS einzelnen Kreisen seien Vorschläge gekommen, daß man bei den Landtagswahlcn gleich von vornherein mit den Freisinnigen zu- sammengehen solle. Das wäre indessen schlimm, wenn wir uns auf den Freisinn verließen. Wir wären dann weit gekommen. Er meine, wir müßten aus eigenen Mitteln zu erreichen suchen, was wir zu erzielen hofften. In Anlehnung an daS Referat LcgienS warf Genosse Schulz einige kritische Streiflichter auf die Behandlung der StaatSarbeiter. Daß daL Referat Legiens als Broschüre gedruckt werden wird, um es den StaatSarbeiter» zugänglich zu machen, sei zu begrüßen. Eö werde ein gutcS Agi- tatconsmittel sein. Nachdem Redner noch die kommunalen Fragen, tote sie auf dem Prcußentagc erörtert wurden, in ihrer Bedeutung gewürdigt hatte, schloß er: Wir könnten zufrieden sein mit dem diesjährigen Parteitage der preußischen Genossen. Wenn wir im Sinne seiner Direktiven weiter arbeiteten, werde sich der Sieg an unsere Fersen heften.(Lebhafte Zustimmung.) In der Debatte sprach zunäcbst Genosse Fröhlich, der ebenfalls Delegierter auf dem Prcußentagc war. Er ging auf das Referat AdlerS in einigen Punkten ein und entwarf ein treffendes Dild von dem Junkcrparlament. Das Referat von Acons über das preußische Wahlrecht findet Redner meisterhaft. So sehr er sich, gleich vielen, mit der Rede einverstanden habe erklären können. so wenig könne er sich mit Arons Taktik einverstanden erklären, die auf eine Vereinigung der Kräfte mit dem liberalen Bürgertum hinauslaufe, wie auch Maurenbrecher wolle. Wir sollten unS zu- nächst auf unsere eigene Kraft verlassen. Den Höhepunkt habe die WahlrcchtSdcbattc in den begeisternden Worten von WelS erreicht. In einem Punkte müsse er Maurcnbrecher recht geben. Darin nämlich, daß man nicht die christlichen Arbeiter so von oben herab behandeln solle, da wir gerade auS ihren Reihen uns neue An- Hänger gewinnen könnten und müßten. Genosse Fröhlich empfiehlt dringend, die Jugend hcranguzichcn und schon bei der Erziehung der Kinder auf diese so einzuwirken, daß die Heranwachsenden geneigt seien, sich dem Kampf für Freiheit und Menschenrechte an- zuschließen. Genosse Appich: Die Parte, sei sich, von linkö bis rechts, darin einig, daß da» allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahl- recht auch für Preußen erkämpft werden müsse. DaS klaffen- bewußte Proletarial könne das aber allein nicht. In dieser eine», Frage müsse man mit den bürgerlichen Schichten, die auch nicht zweiter und dritter Klasse als Bürger sein möchten, zusammengehen. Er denke dabei nicht an die freisinnigen Führer und nicht an die freisinnige Partei im Parlament, sondern an daS Kleinbürgertum. oaS der Proletaristcrung schon verfallen sei oder zu verfallen drohe. DaS letzte Mittel zur Eroberung deS Wahlrechts sei nur der politische Massenstreik. Die Situation sei ja nun so, daß wir am Ansang einer Äriese ständen. Das schaffe aber geradezu estie revolutionäre Stimmung. Diese erbitterte Stimmung dürfe man nicht ungenutzt vorbeigehen lassen. Aufstrebende Klassen hätten immer nur in Zeiten wirtschaftlichen Niederganges ihre Siege er- fechten. Es müsse tatkräftig was unternommen werden. Dem Massen- streik zu wirtschaftlichen Zwecken stehe er skeptisch gegenüber. sei aber der Meinung, daß daS Mittel sehr wohl angewendet werden könne zur Erreichung unserer Wahlrcchtsforderung. Er warne davor, die jetzige Wahlkampf- und die herrschend« gute Stimmung ebenso verpuffen zu lassen, wie im vorigen Jahre. Die politisch und gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft müsse die Avant- garde sein, die übrigen Millionen Proletarier das Gros bilden und das Kleinbürgertum müsse dazu stoßen. Einer solchen Armee könne man nicht widerstehen. Genosse Hinz wendet sich gegen den Gedanken, beim Ministerpräsidenten durch eine Kommission vorstellig zu werden, wie vorgeschlagen worden sei. Wenn wir uns an daö Ministerium und seinen Präsidenten wenden wollten, dann sei es schon das beste, wir gingen alle hin. Das wäre schon eher etwas. Nach den Porgängen am ReichStagSwahltage werde die Polizei ja au» wohl uns keine Schwierigkeiten machen, denn bekanntlich sei sie ''»parteiisch.(Heiterkeit.) Die Parteigenossen erwarteten jetzt eine Parole:„Im Anfang war die. Tat"! Wir müssen jetzt etwas unternehmen, ganz gleich, wie cL ausfalle. Genosse Huber: Die Herrschenden bieten dem deutschen Michel nicht mehr, als sie ihm bieten können. Was den Freisinn angehe, so seien seine Wahlrcchtsbcschlüsse nur eitel Flunkerei. Der Freisinn wolle gar nicht daö allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht. Wie der Besitzer des HundckarrenS dem Hunde eine Wurst voranschwcben lasse, um ihn zum ziehen anzureizen, ohne daß die Wurst für den Hund erreichbar se«, ebenso macke es der Freisinn mit dem Wahlrecht. Er halte die Wurst deö Wahl- rechtö hin, und wenn das Volk ihm wieder Mandate errungen habe, dann sei die Wurst verschwunden. Mit dem Freisinn sei also nichts machen. Au» er sei der Meinung, daß etwas gc- schehen müße. Für unS müsse auch die Straße frei sein. Aller- dings wollten wir nicht dahinziehe» mit dem Elektromotor in der Tasche, sondern wir wollten„ur zeigen, daß wir mündig seien und nicht mehr bevormundet werden brauchen. Genosse Kahlen: Der Ton. der auf dem Parteitage dem Genossen AronS gegenüber angeschlagen worden sei. habe ihm nicht gefallen. Er stehe auch nicht auf AronS Standpunkt. Immerhin müsse man doch festhalten, daß AronS davon geleitet worden sei. der Partei zu dienen. Er wünschte nur, daß jeder soviel Jdealis- mus besähe, wie AronS. UebrigenS solle man nicht so viel Wesens davon machen, wenn jemand eine abweichende Meinung habe. Appich verlange eine Koalition mit dem Bürgertum. Das unter- chreibc er auch. Aber sähen wir uns in der arbeitenden Bevölkerung um, da gebe es noch genug zu werben. Die arbeitende Klasse müssen wir ganz hinter unS haben. In das Kleinbürgertum könne man nur eindringen, wenn man von Haus zu Hau» gehe. Genosse A l b o l d t, der dritte Delegierte des Kreises, glaubk konstatieren zu können, daß die Genossen mit dem Verhalten der Delegierten einverstanden seien. In der Diskussion sei hier öfter vom logenannten Kanossagang gesprochen worden. Auf dem Partei- tage habe dicS aber so gut wie keine Rolle gespielt. EL sei öinc Anregung der„BreSlauer VolkSwacht" gewesen. Im allgemeinen dürsten wir sagen, daß ein gute» Stück Arbeit geleistet worden ist. Wenn der Ruf der neugeschaffenen Landeskommission er- '»alle, müßten die Genossen auf dem Posten sein. Nach einem Schlußwort de» Genossen Gottfried Schulz wurden noch einige Vereinsangelegenheiten erledigt, Vierter Wahlkreis. a)te Genossen des vierten Kreises nahmen ven Bericht vom Preußischen Parteitag in Kellers Festsälen, Koppenstraße, ent- * gegen. Genosse Haaelbusch referierte. Das Stattfinden des 2. Preußentages im vorigen Jahre ist durch die Reichstagsauf. lösung verhindert worden. Der diesjährige Parteitag der preu- ßischen Sozialdemokratie hatte daher fast die gleiche Tagesordnung zu erledigen. Es ist unmöglich, das ganze Material aus den vortrefflichen Referaten wiederzugeben. Insbesondere das Referat des Genossen Legten bot vortreffliches Material zur Be- urteilung der Lage der preußischen Staatsarbciter. Das Referat des Genossen Hirsch über das S e I b st v e r w a l- .ungsrecht der Gemeinde bietet für die in den Kom- munea tätigen Genossen reichhaltiges Material. Im nächsten Jahre werden es 100 Jahre seit Erlaß der Städteordnung. Die Städteordnung ist nicht gerade das Ideal einer Gemeindever- fassung; daß aber das Bürgertum in 100 Jahren nicht imstande war, die geringsten Verbesserungen zu schaffen, beweist dessen Un° fähigkeit. Aufgabe der Sozialdemokratie»st es, das allgemeine Wahlrecht für die Gemeinde zu erobern, um die heutige Vor- Herrschaft des Besitzes, besonders das Grundbesitzcrprivileg, zu zertrümmern. Ein Schritt auf dem Wege zur Befreiung des Proletariats bedeutet die Schaffung der Landesorganisation durch den Preußentag. Grotz-Berlin hat einem Auftrage des vorigen Parteitages gemäß einen Entwurf für die zu schaffende Organi- sation vorgelegt. Vom Genossen Arons ist hierzu der Antrag gestellt worden, statt der vorgeschlagenen Landeskommission einen besonderen Vorstand für Preußen zu wählen. Preußen umfaßt nun aber nahezu sieben Zehntel aller Einwohner Deutschlands. unsere Organisationsverhältnisse liegen ähnlich, so daß bald Kom- pctenzstreitigkeiten zwischen dem deutschen und dem preußischen Parteivorstand eintreten würden. Der Parteitag hat darum den Antrag Arons abgelehnt und im übrigen dem Entwurf zugestimmt. mit der Ausnahme, daß statt der vorgeschlagenen Verhältniswahl das bisherige Delegationssystem festgelegt wurde. Ganz unmöglich ist es, das Referat des Genossen Adler über die„Tätigkeit des preußischen Landtages" vollständig wiederzugeben. Er legte seinem Referate selbst das Bibelwort zugrunde: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Der Sünden des preu- ßischen Landtages aber sind zu viele. Die Frage des Land- tagswahlrecht und der Landtagswahlen 1008. über die Genosse Arons referierte, beherrschte zweifellos den ganzen Parteitag. Manchmal haben bürgerliche Parteien ja den Versuch gemacht, das Wahlrecht zu ändern, aber immer dann, wenn sie in der Minorität waren. Der Wahlrechtsantrag des Zentrum? vom Jahre 1873 ist mit Hülfe der Konservativen und Nationalliberalcn auf 6 Monate vertagt worden. Diese Frist ist bis jetzt noch nicht abgelaufen.- Auch der jetzige Wahlrechtsrummel des Freisinns ist nichts als elende Heuchelei. ES ist kaum anzunehmen, daß dcc freisinnige Wahlrechtsantrag vor Schluß der Session zur Verhand- lung kommen wird, so daß der Freisinn glaubt, in ihm ein Agitationsmittcl für die kommenden Wahlen zu besitzen. Die wirtschaftliche EntWickelung hat es dahin gebracht, daß gerade der Freisinn der größte Feind der Arbeiter ist. Er ist der Vertreter des mobilen Kapitals und trachtet danach, die Beamtenstellen zu besetzen. Beispiel: Dernburg. Während früher die Liberalen ihre ganze Kraft gegen die Zollwucherer gebrauchten, sehen sie heute ihren Hauptfeind in der modernen� Arbeiterbewegung. Trotzdem gibt eS leider noch Parteigenossen, die dieser Sippschaft nachlaufen. So beantragte der Genosse Bernstein, wir müßten bei der Wahl einen Einfluß auf die Zusammensetzung des Landtages ausüben, was weiter nichts bedeutet als Stärkung des Freisinns. Die Mittel zur Erringung des gleichen Wahlrechts hat der Parteitag nicht genannt, sondern den Parteivorstand mit den nötigen Macht- befuanissen ausgestattet. Wir sind auf uns selbst angewiesen. Durch Agitation und Organisation werden wir das gleiche Wahl- recht auch für Preußen erringen. In der Diskussion drückt Gc- nosse Blaß seine Verwunderung darüber aus, daß der Referent die Resolut, on betreffend die Polen in der Berichterstattung nicht erwähnt hat. Auch der vierte Kreis hat einmal einer Resolution. die sich mit der Agitation unter den polnischen Arbeitern befaßt, zugestimmt, bisher ist aber nichts geschehen. Der Aktionsausschuß soll für die polnischen Arbeiter eine Protestversammlung gegen die Enteignungsvorlage der preußischen Regierung veranstalten. Genosse H a ck e l b u s ch verweist die polnischen Genoffen an die zuständigen Stellen in der Partei. Agitationsmaterial ist vor- Haiden. Litfin führte aus: Zur Fe,t des PreutzentageS war de: Entwurf des Vereinsgesetzes offiziell noch nicht bekannt, sonst hätte auch schon der Preußentag gegen die Entrechtung Fremd- sprachiger Stellung genommen. Die ganze bürgerliche Welt er- wartete von dem Parteitag die Nennung der Mittel, mit der wir den Wahlrechtskampf führen werden. Diesen Gefallen tun wir dem Bürgertum nicht. Wir bestimmen nicht im Voraus ein Mittel, sondern wir werden, getreu unserer alten Taktik, unsere Maß- nahmen nach den gegebenen Verhältnissen einrichten. Die Ver- anstaltungen am 2b. November haben bewiesen, daß der Kampfes-- geist für das allgemeine Wahlrecht bei der entrechteten Masse vor- Händen ist. Eine weitere Diskussion wurde nicht beliebt. Fünfter Wahlkreis. Die Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins tagte im Saale des MusikervereinShauseS. Den Bericht über den preußischen Parteitag erstattete Genosse Friedländer. Er sagte, der Parteitag habe völlig im Zeichen oeS Wahlrechtskampfes gestanden. Bei allen Punkten der Tagesordnung, in allen Aeutzerungen der Redner sei zum Ausdruck gekommen, was alle Herzen bewegte: Wie erringen wir das Wahlrecht zum preußischen Landtage. Der Redner ging auf die hauptsächlichsten Punkte der Verhandlungen des Parteitages ein und führte aus: In der Frage der Organi- sation standen sich zwei Anschauungen gegenüber, die eine, welche alles vermeiden wollte, was einmal zu Reibungen zwischen der preußischen und deutschen Parteileitung führen könnte, und die andere, vertreten durch den Genossen Arons und die, welche sich um ihn scharten, die eine selbständige Organisation und Leitung der preußischen Parteigenossen einführen wollte. Obgleich AronS in seinen Anträgen ein Sicherheitsventil anbringen wollte, welche- bestimmt war. Reibungen zwischen der preußischen und deutschen Parteileitung zu verhindern, so genügte das der Mehrheit nicht. denn sie sagte sich. Preußen, der größte deutsche Bundesstaat. müsse hinsichtlich der Organisation anders behandelt werden wie die anderen Einzelstaaten, man müsse von vornherein jede Möglich- kcit eines etwaigen Konflikts zwischen der preußischen und der deutschen Parteileitung ausschließen. Deshalb fanden denn auch schließlich die Vorschläge von Berlin und Hessen-Nassau Annahme mit der einzigen Aenderung, welche sich auf die den Wahlkreisen zustehende Zahl der Delegierten zum Parteitage bezieht.— Nachdem der Redner die Referate der Genossen Legien und Hirsch in ihrem wesentlichsten Inhalt besprochen hatte, kam er auf den Kernpunkt der ParteitagSvcrhandlungen: Der Kampf um das Landtagswahlrecht und die Landtagswahlen 1008. Auch bei diesem Punkt der Tagesordnung zeigte sich eine Teilung der Ansichten wie beim ersten Punkte. Die Diskussion setzte bedauerlicherweise so ein, daß die meisten Redner einen zu großen Wert auf die Frage legten: Wie kommen wir in das preußische Abgeordnetenhaus hinein, wie erlangen wir Mandate? Das heißt mit anderen Worten: Unter welchen Umständen sind wir in der Lage, die Frei- sinnigen zu unterstützen? Diese Redner, denen nachgewiesen wurde. daß nach Lage der politischen Situation die Freisinnigen gar nicht mehr liberal sein können, gingen von der Ansicht aus, die Wahl- rechtsfrage werde im preußischen Abgeordnetenhause gelöst. Das aber ist eine irrige Auffassung. Im Abgeordnetenhause herrscht, abgesehen von der waschlappigen Bourgeoisie, das preußische Junkertum. Die Machtstellung des Junkertums ist die Quelle wirtschaftlicher Vorteile für die Angehörigen der Junkerklasse. An die Krippe, aus der sie gespeist werden, lassen die Junker nie- mand heran. In diesem Punkte ist das Junkertum von jeher prinziplenfest gewesen, eS ist auch noch heut- so prinzipienfest, daß e» sich lein Recht, welches es besitzt, abhandeln läßt. Dem Junker- tum können Rechte nur abgerungen werden, und das ist unsere Aufgabe im Wahlrechtskampf. In der Diskussion auf dem Partei- tage schien es anfangs, als ob die Redner diesen Gesichtspunkt ganz außer acht ließen. Aber in der Nachmittagssitzung kam ein an- derer Ton in die Debatte, eine ganz andere Stimmung, die denn auch anhielt. Die Debatte war getragen von der Ueberzeugung, daß die Sozialdemokratie den Kampf für die Erringung des Wabl- rechts durchführen muß mit allen Mitteln, welche gesetzlich zulässig sind. Daß wir den Willen haben, in dieser Weise den Kampf zu führen, das ist auf dem Parteitage klar zum Ausdruck gekommen. Es ist gefragt worden, welche Kampfmittel wir anwenden wollen, aber es war der Wille des Parteitages, nicht über die Mittel zu diskutieren, aber die Parteigenossen zur Anwendung oller gcsctz- liehen Mittel zu verpflichten, wenn eS sein muß, auch des poli- tischen Massenstreiks. Das war der Kern der Parteitagsverhand- -angen. Nun ist es Sache der Parteigenossen, in der Praxis das auszuführen, was der Parteitag beschlossen hat. tBcifall.) Dem Referat folgte eine kurze Diskussion. Ritter sprach im Sinne des Referenten. Babiel sagte, er vermisse praktisch« Vorschläge über die Mittel und Wege, welche wir anwenden sollen, um das Wahlrecht zu erringen. Mit lapidaren Ausdrücken, mit kräftigen Worten rühren wir die Junker nicht. Gewiß werden wir nur gesetzliche Mittel anwenden, ober welche, darüber sei auf dem Parteitage kein Wort gesagt. Unsere Genossen in Oesterreich haben Straßendemonstrationen für das Wahlrecht veranstaltet. Es frage sich, ob dies bei uns möglich ist. Der Parteitag hätte Wege zeigen müssen, auf denen wir das Ziel erreichen können. Redner steht auf dem Standpunkt, wir müßten aus die Straße gehen, um für das Wahlrecht zu demonstrieren, und wenn auch Kanonen aufgefahren werden, und wenn Opfer fallen sollten, das dürften wir nicht scheuen. Böttcher bemerkte zu dem Hinweis des Vorredners auf Oesterreich: Die österreichischen Genossen hätten den Wahlrechtskampf schon seit mindestens 10 Jahren vorbereitet. Vor 10 Jahren hätten di« österreichischen Genossen auch noch nicht gesagt, welche Mittel später angewandt werden sollen. Nicht nur in den politischen, sondern auch in den gewerkschaftlichen Organi- sationen haben die österreichischen Genossen den Wahlkampf vor- bereitet. Sie haben nicht viel geredet, aber gehandelt. Wenn wir es ebenso machen, werden wir auch das Wahlrecht erringen. Friedländer sagte im Schlußwort: Babiel habe sich zum Sprecher der Gruppe gemacht, welche auf dem Parteitage fragte: Wie bekommen wir das Wahlrecht? Demgegenüber müsse gesagt werden: Wir brauchen uns nicht über die Wege zu unterhalten. denn wir haben den Willen, den Weg zu gehen, der zur Besiegung des Junkertums führt. Wir wissen, daß der Kampf mit dem Junkertum ein schwerer werden wird. Das Recht, auf die Straße zu gehen, haben wir. Ob wir davon Gebrauch machen, oder ob wir andere Mittel wählen, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Wir wollen nicht reden, sondern handeln. sBeisall.) Hierauf ging die Versammlung zur Erledigung von Verein?- angelegcnheiten über. Auf Antrag des Vorstandes wurde be. schlössen, das Ausschlußverfahren gegen Karl Matzke und den Töpfer Max Huhn zu beantragen, weil sich beide des Streik- bruchs schuldig gemacht haben und zwar Matzke beim Streik in der Hartungschen Fabrik, Huhn beim letzten Töpferstreik, wo er selbständige Arbeiten ausführte, obwohl die Ausführung selbstän- diger Arbeiten in einer Töpferversammlung ausdrücklich als Streik- bruch erklärt wurde. Huhn, der schon im Jahre 1899 Streikbruch verübte, hat während des letzten Streiks nicht nur selbständige Arbeiten ausgeführt, sondern sich zu derselben Zeit regelmäßig zur Streikkontrolle gemeldet und sich die Streikkarte abstempeln lassen, welche als Legitimation für die Streikunterstützung dient. Das ist in der Vorstandssitzung, welche sich mit dieser Angelegenheit beschäftigte, festgestellt worden. Sechster Wahlkreis. Die Versammlung des Wahlvcreins für den sechsten Wahlkreis and in den„Germania-Prachtsälen" statt, in dem unteren Saal, ?er aber eigentlich nicht ausreichte, um der Masse der Genossen ge- nügend Platz zu bieten. Viele mußten sich mit Stehplätzen begnügen. In der Berichterstattung vom Preußischen Parteitag teilten sich die Genossen Fahrow und Albert Werth in der Weis«, daß der eine über die ersten drei Punkte der Tagesordnung, der andere über die Punkte 4 und b berichtete. Genosse Fahrow be. merkte einleitend, daß der„Vorwärts" ja einen sehr ausführlichen Bericht gebracht habe, so daß es nicht nötig sei, hier noch einmal auf alle Einzelheiten einzugehen. Der Redner schilderte kurz zu- nächst die Verhandlungen üher daS Organisationsstatut und dessen wichtigste Bestimmungen. Er äußerte seine Befriedigung darüber, daß der Antrag Arons, einen besonderen Landesvorstand der preußischen Partei einzusetzen, mit so starker Mehrheit abgelehnt worden ist, weil eine solche Einrichtung nur zu schädigenden Reibe- reien hätte führet können. Bemerkenswert sei eS, daß, wenn man sich die politische Stellung der Genossen, die für den Antrag stimmten, ansehe, man erkenne, daß es hauptsächlich um die in der Partei als Revisionisten bezeichnete Gruppe handele. Ebenso ab- sprechend äußerte sich der Redner über die von den Genossen AronS und Maurenbrecher vorgeschlagen«, aber ja ebenfalls abgelehnte Anstellung von Sekretären des Landesvorstandes. Ter Redner schilderte sodann kurz die trefflichen Referate der Genossen Adler und Arons über die Tätigkeit des Landtags und über die Land- tagswahlen und sprach zum Schluß in anfeuernden Worten übe: den Kampf um das Wahlrecht in Preußen. Nur aus eigener Kraft werde eS der Arbeiterschaft möglich sein, das Wahlrecht zu erobern. Die Hauptsache sei, die Empörung über die Unfreiheit und Entrechtung in den uns noch fern siebenden Klassengenossen zu wecken und zu schüren. Im übrigen müsse es genügen mit der Versiche- rung, daß all« möglichen und zweckmäßigen Mittel im Kampf um das Wahlrecht angewandt werden sollen. Töricht wäre es, diese Mittel lange vorher genau anzugeben. Man müsse den gewählten Körperschaften das Vertrauen schenken, daß sie zu rechter Zeit die rechten Mittel angeben werden. Dann soll jeder Genosse dem Rufe folgen. Der Redner wies auch auf die übermächtige Stellung hin, dl« die Polizei in Preußen noch einnimmt, die viel dazu bei- trage, daß das Volk erkenne, wie unterdrückt und entrechtet es ist, Wir hätten zu verlangen, daß die Organe der öffentlichen Sicher- heit zu unserem Schutze austräten, nicht uns bevormunden und überall kommandieren. Die hier und da noch vorhandene über- mäßige Furcht müsse beseitigt weichen. Gelte eS. das Wahlrecht zu erobern, so dürfe und werde kein Genosse zurückstehen. Dann müsse der Sieg schließlich errungen werden. Genosse Werth schilderte kurz die wichtigsten Punkte aus den Referaten der Genossen Legien und Hirsch über die Lage der Staatsarbeiter in Preußen und über die Selbstverwaltung in den Gemeinden Er wies auf die ungeheuerlichen Mißstände hin, die hierbei erörtert worden sind, sowie darauf, daß an ihre Be- seitigung nur zu denken ist. wenn die demokratischen Grundsätze erst einmal im preußischen Staatswesen zum Durchbruch gekommen sind. Auch die Ausführungen dieses Redners klangen in die Mahnung aus, unermüdlich zu agitieren und zu organisieren, um den Kampf für das Wahlrecht mit ganzer Kraft siegreich durch- zuführen. Den Vorträgen, die lebhaften Beifall fanden, folgte eine rege Diskussion, die sich bis gegen Mitternacht hinzog. Genosse Reh. bein führte unter anderem aus, daß ihm die Art, wie auf dem Preußentag gegen die Revisionisten losgezogen worden sei, nicht er- freut habe. Man solle bedenken, daß sie ebenso gut wie die andern» Genossen daS Parteiinteresse im Auge hätten. Was den Antrag Arons über den Landesvorstand betreffe, sso stehe er, Redner, selbst auf dem Standpunkt der Mehrheit des Parteitages. Im übrigen sei viel zu viel über die Freisinnigen gesprochen worden. Er be- grüße es, daß der Genosse Wurm in seinem Referat sich auch in dieser Hinsicht auf den Standpunkt der materialistischen Geschickts- auffassting gestellt habe. Das habe er beim„Vorwärts" vermißt- Wurm habe erklärt, daß die Freisinnigen keine anderen als kapi- ralistischc Interessen vertreten könne»!. DaS wäre vernünftig. Auch beim Preußentag habe der„Vorwärts" zu sehr an die arohe Glocke geschlagen. Er kenne den Verfasser und wisse, daß dieser sich gern für den Offizier der Arbeiterschaft halte, aber von einem solchen nichts anderes als die Lffiziersbeine habe. Der Redner sssrach ferner über Straßendemonstrationen und Massenstreik und meinte, daß diese Dinge bei den herrschenden Rechts- und Polizeivcrhält- nissen und bei der Unaufgcklärtheit der großen Masse vorläufig noch auf lange Zeit unmöglich seien. Das einzige, was man tun könne, sei, erst einmal die indifferenten Massen zu Verstand zu bringen. Tie Ausführungen Rehbeins, die wiederholt mißbilligende Zwischen- rufe hervorgerufen hatten, wurden von den folgenden Rednern meist scharf zurückgewiesen. Genosse Fiedler meinte, daß man Rehbein wohl in einzelnen Dingen recht geben könnte und daß der Parteitag vielleicht nicht all das erfüllt bat, was er erfüllen sollte. Ter Redner billigte jedoch die gefaßten Beschlüsse, lieber die Mittel des Wahlrechtskamvfes zu entscheiden, könne man ruhig de: Intelligenz der dazu berufenen Genossen überlassen. Genosse Ernst bemerkte, er stimme mit Rchbcin darin übcrein. daß man in jedem Winkel des Landes unablässig agitieren müsse. Wenn man aber solche Reden halte, wie Rehbein hier, so werde es nie gelingen, die Massen zu gewinnen.� Dazu sei auch Begeisterung nötig. Gut sei es, daß wir noch Stürmer und Trängcr hätten, sonst würde die Partei altersschwach werden. Wenn Rehbein nun und mit Recht die Freisinnigen als einen politischen Kadaver bc- zeichnet habe, so verstehe man nicht, warum er seinerzeit gesagt, man solle die bürgerliche Masse nicht vor den Kopf stoßen.(Rehbein: „Habe ich nie gesagt.") Der„Vorwärts" habe in der Wahlrechts» frage die freisinnigen Herren immer wieder und wieder gedrängt, bis ihre Heuchelei zusammengebrochen sei. Tic Haltung des Zentralorgäns sei ganz gerecht. Unsere Taktik im Wahlrechts- kämpf aller Welt klarzulegen, sei nicht angängig. Tie Situation werde ergeben, was zu tun ist. Das Volk werde in seinem Drängen sein Recht fordern und erkämpfen. Einen besonderen Vorschlag zum WahlrechiSkampf. der aber keine» Anklang fand, machte Genosse Lösche. Er meinte, man solle in den Kreisen, die im Reichsrag sozialdemokratisch vertreten sind, bei der Landtagswahl die wasch- lappigen Frcisinnslcute einfach hinauswählen. Genosse Bahn er- klärte diesen Vorschlag für undiskutabcl. Er wandte sich dann gegen den Genossen Rehbein und dessen allzu viele Bedenken hin- sichtlich der Mittel, die vielleicht im Wahlrechtskampf angewandt werden könnten. Zu den leitenden Genossen, die die schwere Ver. antwortung auf sich genommen haben, müsse man auch Vertraucu haben. In gleichem Sinne äußerten sich noch die Genossen Büß, L u k o w und W i l» p p. Nachdem dann Rehbcin nochmals das Wort erhalten hatte, um namentlich einige seiner Meinung nach irrtümliche Auffassungen richtig zu stellen, wurde die Debatte ge- schloffen. Genosse Fahrow bemerkte in seinem Schlußwort, daß. wenn Rchbein immer wieder sage, daß die Revisionisten zu grob behandelt würden, so stehe im schärfsten Widerspruch dazu die Tai- fache, daß derselbe Rebbcin hier Genossen der anderen Richtung in schmutziger Weile persönlich angegriffen habe. Wenn man auf der einen Seite anständige Diskussion verlange, müsse man sie auf de: anderen auch selbst üben. Die Rede WurmS habe Rehbein denn doch nicht recht verstanden. Aus der Versammlung wurde der Wunsch nach Aufklärung über die gegen den Genoffen Pawlowitsch gerichteten Vorwürfe laut. Genosse E r n st bemerkte dazu, daß Pawlowitsch den Vorstand nm eine Untersuchung der Angelegenheit ersucht habe. Der Vor- stand sei dazu jedoch nicht in der Lage und habe dem Genossen anheimgegeben, selbst Mittel und Wege zu finden, um den Verdacht zu beseitigen. Der Vorstand könne aber unter keinen Umständen zugeben, daß dem Genoffen Pawlowitsch Dinge vorgeworfen werden. für die keinerlei Beweis vorliege. Der Redner wies im Anschluß hieran auf die schmachvollen Zustände hin, die es möglich machen. daß ehrliche Leute fortgesetzt unter Polizeiaufsicht gehalten und von Spitzeln umgeben werden. Genosse K r ö h n stellte einen An- trag, der Entlarvung von Spitzeln innerhalb der Wahlvereine zum Ziel hatte. Ernst bemerkte dazu, daß der Vorstand sich in de: nächsten Sitzung mit dieser Frage befassen werde und ersuchte Kröhn. seinen Antrag als Anregung gelten zu lassen, womit sich dieser Genosse einverstanden erklärte. Nach einigen kernigen Worten des Vorsitzenden Genossen Brunn er über den bevorstehenden WahlrechtStamps wurde die Versammlung mit kräftigen Hochrufen auf die Sozialdemokratie geschlossen. Hud der frauenbenegung. Die Hausfrauen und die Politik. Alle« in der Welt ist Selbstzweck und zugleich Mittel zum Zweck. Wenn wir unsere Kinder gut erziehen, so wachsen sie sich und uns zur Freude heran. Sie werden aber zugleich dadurch so ausgerüstet, daß sie den Kampf mit den, Leben bester bestehen können. Dasselbe gilt für die Haushallsführung. Die Hausmutter, die die ihr zur Verfügung stehenden Mittel, so bescheiden sie auch seien, so auszunutzen, mit so viel Rachdeilken, Liebe und Sorgfalt zu Hand- haben weiß, daß Mann und Kinder gut ernährt und velchflcgt sind, die hat damit nicht nur die Voraussetzungen geschaffen, auf denen das Behagen und Glück der Familie beruht, die hat ihre Angehörigen zugleich auch kampftüchtiger gemacht. Wer einmal im Sonnenlichte der Kultur wandelte, der verlangt nach mehr. Der läßt sich nickl mehr genügen an der dumpfen Enge verräucherter und niedriger Gelasse, der will keinen Fraß, sondern ein Mittagessen, der braucht Bücher lind Bilder, weiße Gardinen und blanke Stuben. Findet er'S daheim, so wird ihm das nicht etwa in satte Zu- friedenheit versinken lassen, sondern es wird ihn mit Krait und Friiche überströmen und ihm Mut geben zu neuem Kampf um die Erhaltung dieser Güter und um die Ernngung neuer. Denn ein Auf und Ab ist daS Leben und wer nicht höher schreitet, sinkt tiefer. So liegt in der Hand der Frauen und Mütter eine große Ver- antwortung. Kein Hemmschuh sollen sie dem Manne sein, sondern em Antrieb. Die Hausfrau empfindet es am meisten, wenn Milch und Butter, Eier und Fleisch, Kartoffeln und Mehl, Holz und Kohle teurer und teurer werden. Sie wird es in sorgendem Sinn zuerst und am schmerzlichsten fühlen, wenn Zug um ?ug mit dem Nachlassen der Arbeitsgelegenheit Lohn und Lebens- allung niedergehen. Und wie den rcichsländischen Textilarbeiterinnen schneidet es ihr am tiefsten ins Herz, wenn sie HauS und Kinder 10—12 Stunden sich selbst überlassen muß. Aber wir haben gesehen, daß da ein enger Zusammenhang ist zwischen der Tüchtigkeit der Hausfrau und dem Lebens- und Kampfes- mut des Mannes. Und wer von uns Frauen mit offenen Augen i>: die Welt sieht, der kennt auch den Zusammenhang, der von der anderen Seite her zwischen Lebensbaltniigs-, Lohn- und Arbeitsbedinguiigen und der gewerkschaftlichen und politischen Organisation und Stärk: der Arbeiterschaft ist. Die starke Gewerkschaft wird in der Lage sein, Lohn- und Arbeitsbedingungen, wenn nicht zu diktieren, so doch mitzubestimmen. Die starke politische Organisation köinite eS verhüten. daß die Wucherpolitik eines kleinen BevölkerungSbruchteils den Massen das Brot verteuert und daS Leben erschwert, Mit alledem ist der Frau der Weg gewieseu, den sie zu gehen hat. Sie darf sich nicht daran genügen laffen, in Küche und Haus das mit den vorhandenen Mitteln Beste zu erreichen. Sie muß dem Manne eine Kampfgenossin werden. Schütter an Schulte: muß fie mit ihm um die Vsrbeiierung der Dasemsbedingungen ringen. Der Kampf gegen die Brotverteuerer, um Verkürzung der Arbeitszeit. Erhöhung der Löhne, der Kampf um Licht und Luft in den Häusern und in den Geistern, das find die nächsten Aufgaben, die ihrer gemeinsam mit dem Manne warten. Kommerzienrat Bolle und der Frauenverein. „Bazar des Frauenvercins der Gesellschaft zur Verbreitung des Evangeliums"� verkünden die aufgeklebten Plakate an der Ein- gangStür der Patzcnhofer Brauerei in der Turmstraße.� Wir schreiten durch den Garten und treten, nachdem wir 2ö Pf. Ein- trittsgeld bezahlt haben, in den hcllcrlcuchteten. mit Girlanden aus Tannengrün geschmückten Saal. Es wimmelt darin vvi, Kindern in allen Altersstufen, während die Erwachsenen, durchweg üeJnc Scutc, an den Tischen beim Kaffee sitzen. Links, auf der Seite des Bierausschanks, stehen Tische, mit Würsten, belegten Brötchen. Kuchen und sonstigen Mundvorräten beladen. Rings an den Wänden entlang sind Buden aufgeschlagen, in denen Woll-, Leinen- und Trikotivaren, Bilderrahm«,. Puppen, Spielwaren, Nippsachen, Heiligen- und Kaiserbilder und anderes mehr zum Kauf angeboten wird. Auf den ersten Blick erkennt man in dem bunt zusammengestöppelten Tand und Kram die Ramschware. Billige, zurückgesetzte Gegenstände, alte Ladenhüter, die die„wohl- tätigen" Spender mit Freuden geopfert haben, harren hier sehn- süchtig der mitleidigen Käufer. Jungen?, hemdärmelig, mit grünen Hüten, kleine Mädchen mit roten Häubchen und Bändern halten Hampelmänner, geschmacklose Postkarten, wertlose, bunte Spielsachen, nicht wert, daß man sie nach Hause trägt, sowie Blumen feil. Ein Pastor, im engen, langen Gehrock, huscht und schwirrt emsig durch die Anwesenden, immer von einer Schar Kinder verfolgt, die ihm die Hand drücken oder ihn mit Fragen bestürmen. Wir erfahren, dasz die eigentliche Seele des Ganzen Rommerzienrot Bolle ist. Ihm in erster Linie gebührt das Per- dienst, dieses Wohltätigkeitsfcst eingerichtet zu haben, ebenso wie in früheren Jahren. Die Anwesenden sind meist solche, die in irgend einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihm stehen. Auch die Verkäuferinnen sollen aus seinen Kontors sein, sowie auch die übrigen beim Fest Beschäftigten seinem Personal entnommen sind. Ebenso sorgt für die schmetternde Blechmusik d,e Bollcsche Haus- kapelle. Interessant aber ist, dast der genannte unermüdliche Pastor cbenfall? im Dienste des Herrn Kommerzienrats steht. Wir fragen unsere gut unterrichtete Nachbarin„ob denn bei dem ganzen Fest viel übrig bleibe für die Armen, denen es gelten soll".„Viel wohl nicht, nach Abzug der Kosten und die' sind immerhin nicht gering", lautet die Antwort. Und daS ist gerade der springende Punkt, der uns besonders interessiert. Daß wir von dem ganzen Wohl- tätigkcitsrummel nicht viel halten, habe;r wir bei jeder Gelegenheit zur Genüge betont. Nicht weil wir den Armen die Gaben nicht gönnen, sondern weil diese Betätigung in gewissen Kreisen als Sport betrieben wird, der nachgerade in Unfug ausartet. Wie kommt so eine Ausstellung gewöhnlich zustande? Indem einige Personen aus„besseren" Kreisen sich zu einem Komitee zusammen- schliestcn und dann die Schnorrerci systematisch und planmäßig be- treiben. Auf diese Art bringt man mehr oder weniger grohe Summen oder Posten Waren zusammen, die dann durch Verkauf in Bazaren oder durch Verlosung in Geld umgesetzt werden. Den Löwenanteil verschlingen meist die Vorbereitungen, der Rest von der Gesamteinnahme wird dann, und auch da nur nach Gunst und Ansehen, unter die Armen verteilt. Das schönste bei der Sache ist aber, daß diejenigen, die sick, in den Mantel der Nächstenliebe hüllen und sich mit ihrer Nächstenliebe spreizen, meist selbst wenig oder gar nichts beisteuern und sich so auf Kosten anderer einen guten Namen machen. Bedenklich wird die Sache, wenn man sich überlegt, wie leicht das soziale Gewissen der gesetzgebenden Körper- schaftcn durch derartige Spielereien eingeschläfert wird und wie willkommen ihnen dieser Humbug deshalb ist, weil er ihnen Grund ist, sich von der Verantwortlichkeit für die heutigen gesellschaftlichen Schäden freizusprechen. Bei Herrn Bolle muß aber der Eifer, mit dem er sich dem Wohltätigkeitswerke widmet, ganz besonders auffallen und die Frage drängt sich geradezu auf: wäre es nicht besser, wenn er dieses Streben einmal mit einem größeren Quantum sozialen Verständnisses vertauschen würde? Noch ist sein Personal des gesetzlich gewährleisteten Koalitionsrcchtes beraubt, noch stehen die bei ihm gezahlten Arbeitslöhne mit den gegenwärtigen Lebens- bcdingungen in schreiendem Widerspruch, noch ist die Behandlung seiner Angestellten alles andere als mustergültig und die Arbeits- verhältnisie in seinem Betrieb lassen sich mit den modernen Kultur- fordcrungcn durchaus nicht in Einklang bringen. Hier böte sich ein reiches Arbeitsfeld für den humanen Betätigungsdrang des steinreichen Herrn Kommerzienrats. Allerdings würde dies, im Ge-.„usatz zu den WohltätigkeitSbazarcn, Geld aus der eigenen To, che tosten und man würde vor der Außenwelt nicht als„Wohl- täter prunken können. Daß sich Herr Bolle auch einen geistlichen Beirat halten kann, wird bei diesem kolossalen Vermögen niemanden wundern. Sofern sich nun die Tätigkeit dieses Geistlichen nur auf das kommerzielle Seelenheil beschränken sollte, so ginge das die Mitwelt nichts an. Sollte aber der priesterliche Beistand feine Wirksamkeit auch auf das Seelenleben der Kutscher und ..Kutscherinnen", sowie auf die Burschen und Mädchen ausdehnen oder etiva ganz beziehen, so möchte es uns allerdings scheinen, als ob das hierzu aufgewendete Geld bester zur Erhöhung der im Bolleschen Betrieb gezahlten Löhne dienen könnte, Frauenbewegung und Arbeiterbewegung find eiuS. Fräulein Alice Henry aus Chicago, welche jahrelang in Mel- oourne(Australien) lebte, hat sich kürzlich über die Frauenbewegung in Australien u. a. folgendermaßen geäußert(ihre Ausführungen sind gegen die Sonderbestrebungen der bürgerlichen Frauenrecht- lerinne» gerichtet): Als ich in den vereinigten Staaten ankam, überraschte mich die Erfahrung, daß hier die Arbeiterbewegung und die Frauenbewegung völlig gelrennt von emander geführt werden. Ganz anders ist es in Australien. Folgende drer Faktoren haben den australischen Frauen zum Siege verholfen: Erstens der verhältnismäßig einfache und demokratische Charakter der Konstitution. Zweitens, daß die fortschrittlich gesinnten Frauen vereint ihre ganze Energie auf die Erlangung des Stimn, rechts konzentriert haben. Dritten? und hauptsächlich, die Unterstützung der Arbeiter- Partei. Durch die Repräsentanten der Arbeiterparter in den Legis- latureti wurde in den verschiedenen Kolonien unsere Emanzipation herbeigeführt. Auch in diesem Lande sollten wir es zu unserer Hauptaufgabe machen, die Arbeiterbewegung und die Frauen« bewegung zu vereinigen. Wenn wir die Unterstützung der Arbeiter haben, so haben wir vor allen Dingen die Unterstützung stimm- berechtigter Bürger und daö ist. prakrisch von größerem Wert, als die Unterstützung irgend einer Frau. Außerdem sind die Arbeiter als Klaste die einzigen Männer, die unserem Bestreben sympathisch gegenüberstehen. Denn die Arbeiterklasse hat ein direktes ökonomisches Interesse an der Emanzipation der Frau. Die Arbeiterbewegung braucht die Frau. Wenn die Arbeiter in ihren Gewerkschaften die Forderung des gleichen Lohnes für gleiche Arbeit ohne Unter- schied der Geschlechter stellen, so geschieht daS nicht mir aus Ritterlichkeit. Der Arbeiter hat durch bittere Erfahrung gelernt, daß die nicht stimmberechtigte Frau zugleich die schlecht bezahlte Frau ist, die ihm auf dem Arbeitsmarkte beständig unterbietet und somit seinen Lohn hinabschraubt. Es war eine Arbeiterpartei, welche in New Dork im Jahre 1885, ehe es noch eine Frauenbewegung gab, auf diesem Kontinent zum ersten Male die Emanzipation der Frauen befürwortete und heute ist die sozialistische Partei die einzige poli- tische Partei, welche daS Frauenstimmrecht alS einen Teil ihres Programms führt. Hua der Partei. Gcmtindewahlen. Hage»(Westfalen), 4. Dezember. (Privatdepesche des.Vorwärts".) Im Stadtteile Aernighausm siegte heute nach heißem Stich- tvahlkampf der Genoste Parteisekretär Ludwig mit 8S9 gegen 855 Stimmen, die aus den bisherigen freisinnigen Mandats Inhaber fielen. Der dritte Sozialdemokrat zieht somit in das Hagener Stadtparlament ein. Bon dru Organisationen. Der sozialdemokratische Verein für den Wahlkreis Wolmirstedt-Neu- Haldensleben hielt am Sonntag feine Generalversammlung in AlthaldenSlebenab. Es wurde berichtet, daß die Mitglieder- zahl von 850 im Jahre 1306 auf 845 in diesem Jahre gestiegen sei. Auch die Leserzahl der Magdeburger„Volksstimme" erfuhr im Kreise eine erfreuliche Steigerung. Dem Kassenbericht zufolge war eine Einnahme von 48M,!X) M. zu verzeichnen, der eine Ausgabe von 4541,11 M. gegenüberstand. Die Generalversammlung beschloß, vom 1. Juli n. I. ab einen Beitrag von wöchentlich zehn Pfennig zu erheben. AuS dem Bericht des Kreikvorsitzenden ist noch erwähnenswert, daß der AnitSvorstehcr von Rogatz versuchte. eine Anmeldung der Mitglieder am Orte ihrcS Wohnsitzes zu erzwingen. Der Versuch gelang ihm jedoch nicht, denn sowohl vom Schöffengericht zu Wolmirstedt als auch vom Landgericht Mngdc- bürg wurden die angeklagten Gcnoffcn freigesprochen, da eine An- meldung der Mitglieder am Sitze der Kreisleitung genüge. Vom Fortschritt der Presse. Bei der Selbständigmachung der „Ni e d e r r h e i ni s ch e n A r b e i t e r- Z e i t u n g" in Duisburg hatten unsere dortigen Genosten nach einer dreitägigen GratiSver- teilung des BlatteS am vergangenen Sonntag eine Agitation zwecks Gewi»nu»g neuer Abonuriiten unternommen. Sie gestaltete sich sehr lohnend. Rund 1800 neue Abonnenten wurden gewonnen. Ostpreußische Sozialistenbetämpfong. In einem Dorfe des oft- preußischen Wahlkreises Angerburg-Lö nen vcrbieiteten Partei- genossen aus der Stadt sozialdemokratische Wahlflugblätter und Sliminzettel. Als sie die benachbarten Güter gleichfalls belegen wollten, gaben die Genossen ihren Vorrat an Material einen, be- kannten Jnstmann in dessen Wohnung zur Aufbewahrung. In diese Wohnung schlich sich nun in Abivesenhcit des Jnsliuannes der Dorf- ichnllehrcr. Er entwendete daS Paket mit den ihm staarsgesährlich erscheinenden Wahlflugblättern und Stimmzetteln und brachte es zu dem gleichfalls staarsreiterisch veranlagtenKrämer des Dorfes, der das Paket kurzerhand verbrannte. Dann wurden eine Anzahl junger Knechte mit Schnaps traktiert, und aus die heimkehrenden sozialdemokrati- schen Flngblatlverbreiter aufgehetzt. Nur mit knapper Not entgingen die Genossen dem Schicksal, gehörig verprügelt zu werden. Diese stellten nun zunächst Strafantrag wegen Diebstahls und Hehlerei gegen den Lehrer und den Krämer. Vor kurzem hatte sich daher daö Angerburger Schöffengericht mit dieser uu- geivöhnlichen Diebstahlsgeschichte zu beschäftigen. Der an- geklagte Jugendbildner gab ohne weiteres zu. die Flug- blälter und Stimmzettel anS der Wohnung de? Landarbeiters gestohlen zu haben Er habe aber geglaubt, dazu berechtigt zu fein, da cS„staatsgesährliche" Schriften gewesen seien und er sich der- pflichtet gefühlt habe, die sozialdemokratische Agitation zu bekämpfen. Der Amtsrichter belehrte ihn in wohlwollendem Tone, daß das eine sehr verlehrte und wenig nützliche Äampfesmethode sei. Im übrigen faßte das Gericht aber den staaiSrettenden Diebstahl sehr milde auf und verurteilte die beiden Ordnungshelden zu je einem Tag Gefängnis. poNrelUdKS» Gericbttlchee ufw. Strafkont» der Presse. AuS Halle a. S. berichtet man: Der Genosse Leopol dt vom„Volksblatt für Halle" sollte durch eine Boykottnotiz das Publikum beunruhigt haben, wofür ihn daS Schöffengericht zu 50 M. verurteilte. Auf eingelegte Berufung des Staatsanwalts wurde vom Landgericht die Strafe auf 100 M. erhöht. 6cncbt9- Zeitung. Ein eigenartiges Beweisverfahren. Ein interessantes kriminalpsychologisches Ex- p e r i m e n t, durch welches die Glaubwürdigkeit festgestellt werden sollte, wurde in einer Verhandlung vorgenommen, welche gestern unter Vorsitz des Amtsrichters Schmidt das Schöffengericht Berlin-Mitte beschäftigte. Wegen tätlicher Beleidigung mußte sich der Kaufmann Albert Frentz vor dem Strafrichter verantworten. Der Angeklagte, welcher Inhaber eines hiesigen größeren Geschäfts ist, war im Sommer dieses Jahres in der Nähe der Petrikirche in einem Straßenbahnwagen verhastet worden. Er tvurde von einem Kaufmann Petersen beschuldigt, sich an kleinen Mädchen ver- gangen zu haben. F. stellte eine derartige Straftat mit Entrüstung in Abrede. Petersen behauptete jedoch mit aller Bestimmtheit, in dem Angeklagten jenen Mann wieder- Suerkenncn, den er bei Perübung der Straftaten beobachtet abe. Um zu beweisen, daß es sich tatsächlich um eine Personen- Verwechselung handele, wurde auf Antrag des Verteidigers schon an- läßlich der Vernehmung vor dem Kriminalkommissar Dr. Kopp ein intereffanteS Experiment vorgenommen, welches bewies, wie wenig Wert mitunter auf eine Rekognition eines Augenzeugen gelegt werden kann. Ein Geschäftsfreund des Beschuldigten, der mit diesem eine entfernte Aehnlichkeit hatte, wurde dem Belastungszeugen vorgestellt. DieS hatte den Erfolg, daß P. erklärte, die Jndentität des ihm Borge st ellten mit dem Täter beschwören zu können. In der Hauptverhandlung vor dem Schöffen- gericht erklärte sich der Geschäftskollege des Angeklagten bereit, mit Einwilligung des Gerichts an Stelle des F. auf der Anklagebank Platz zu nehmen. Die verletzten Kinder, deren Väter Strafantrag gestellt hatten, wurden einstweilen in das Beratungszimmer geführt. Der Angeklagte wurde sodann unter die inzwischen eingetretenen Zeugen gestellt. Dieses Experiment hatte das eigenartige Resultat, daß einige der Mädchen den Geschäftsfreund als denTäter, andere wiederum den Angeklagten, den sie allerdings vorher schon gesehen hatten, als diesen bezeichneten. AlS dann der Angeklagt« den Platz auf der Anklagebank wieder betrat, behaupteten alle Mädchen, i h n nunmehr mit aller Bestimmtheit als den Attentäter wiederzuerkennen und blieben auch trotz aller Vorhaltungen deS Vorsitzenden bei dieser Besckmldignng. Obwohl sich hierdurch die Situation für den Angeklagten recht ungünstig gestaltet hatte, hielt das Gericht feine Freisprechung für geboten, da der Aus- sa�e des P. infolge seiner falschen Rekognition aus dem Polizei- Präsidium nicht zu folgen sei. Aus die Aussage von Kindern allein hin könne da? Gericht einen unbescholtenen Mann nicht einer Straftat für überführt erachten, welche ihn im Falle eines vollen Beweises in das Gefängnis bringen würde._ Evangelisch und katholisch. Wegen Beleidigung deS WaifenrateS zu Potsdam sind am Z.Oktober die Redaiteure der„Märkischen VollSzeitung" Dr. Baum und Dr. Reimeringer zu Geldstrafen verurteilt worden. Dr. B. wurde alS Täter, Dr. R. als Gehülfe verurteilt. Es handelte sich um die Veröffentlichung eines Artikels, in welchem dem genannten Waisenrate unerhörter ZclotiSmuS vorgeworfen wurde. Dr. R. hat den Artikel bearbeitet und zum Druck befördert, Dr. B. hatte ihn als Verantwortlicher zu vertreten. Die etwa vierzehnjährige Tochter eines verstorbenen ArztcS war vom evangelischen Bekenntnis zum katholischen übergetreten und in daS St. Joseph-WaisenhauS ver- bracht worden. Dem Waisenrat in Potsdam wurde nun zum Vorwurfe gemacht, daß er in.unerhörtem ZelotiSinuS" die HernuS- gäbe des Kindes verlangt habe.— Die nur von Dr. Reimcringer eingelegte Revision wurde vom Reichsgericht am Dienstag verworfen._ Ein KautiinSfchwindler vor Gericht. Daß trotz aller Warnungen in den Zeitungen daS Geschäft der KautionStchwindler noch immer blüht, zeigte eine gegen den angeblichen Ingenieur Oskar Cerotzki aus Ehar- lottenbura vor der ersten Strafkammer des Landgerichts III verhandelte Anklage wegen Betruges. Der schon mehnnals vorbestrafte Angeklagte legte sich nach seiner letzten Bestrafung auf daS Geschäft deS KautionSschwindclS. Er eröffnete in der WilmerSdorfersttaße in Charlottrnburg ein„Ingenieur- und Zeichcnvureau" und suchte für dieses einen Kontorbotcn. der in der Lage sei. eine Kaution zu stellen. ES meldeten sich auch mehrere Personen, u. a. der HauS- diener Blischke, der sich in seiner früheren Stellung einige hundert Mark gespart hatte in der Hoffnung. mit diesem Geld sich später eine bessere Stellung erringen zu können. Blischke ließ sich auch verleiten und gab willig dm Betrag von 800 M., da ihm Eerotzki versicherte, daß es sich eventuell um eine Lebensstellung handle. Schon nach einigen Tagen merkte B.. daß etwas nicht in Ordnung war; er verlangte sein Geld zurück, wurde aber zurückgewiesen, da ihm C. einen Schein vorlegte, in dem er in ge« schickler Weise den allen Schwindel von der Verwechselung de-Z Wortes„Kaution" mit„Gcschäftseinlage" in Anwendung gebracht hatte. Nachdem der Angeklagte in Erfahrung gebracht hatte, daß B. auf der Polizei Anzeige erstattet hatte, hielt er eö für ratsam, schleunigst zu verduften. In Kiel, und später in Braunschweig, von wo er zu der jetzigen Verhandlung vorgeführt wurde, verübte C. die gleichen Schwindeleien.— Daö Gericht erkannte auf eine Gefängnis- ft r a f e v o n n e u n Monaten, da es sich um einen überaus ge- meinschädlichen Schwindel handele. Versammlungen. Deutscher Metallarbeiterverband. Die Generalversammlung des Verbandes, die am Sonntag in der„Neuen Welt" stattfand, war außerordentlich stark besucht. Das Hauptinteresse richtete sich auf eine Vorlage zum Ortöstatut, die unter anderem eine A en d c r u n g der Zusammensetzung der Generalversammlung enthielt. Dieser Punkt cnt- fesselte eine hitzige Diskussion, nachdem Handle über die gesamte Vorlage referierte und sie zur Annahme warm empfohlen hatte. Die Paragraphen» welche die erwähnte Aenderung enthalten, lauten: Die...... den Mitgliederversammlungen zugewiesenen Funktionen werden für die Verwaltungsstelle Berlin der kom- dinierten Vertraucnsmänncrkonfcrcnz übertragen. Diese Vertraucnsmänncrkonfcrcnz gilt für die Berliner Verwaltungsstelle als Generalversammlung und ist dieselbe in folgender Weise zusammengesetzt: a) von den WerkstattvcrtrauenSpcrsonen, b) von sämtlichen Mitgliedern der erweiterten Verwaltung. Tie letztere besteht aus: ai den Mitgliedern der mittleren Verwaltung; b) den Mitgliedern der Bezirksleitungen; c> den Mitgliedern der BranchenagitationSkommisstonen; ck) den Obleuten der Vertrauensmänner und den Subkommis- sionsmitgliedern der Arbeiterausschüsse von den Großbetrieben. Dieser Aenderung standen viele Mitglieder sehr mißtrauisch gegenüber; sie sahen darin eine Verletzung des demokratischen Prinzips, eine Entrechtung der Massen. Eine Reihe von Anträgen lag dazu vor, ferner ein schriftlicher Protest von den Verband?- Mitgliedern bei der Firma Borsig. Von den Freunden der Vor- läge wurde geltend gemacht, daß die große Ausdehnung des Ver- bandes die Aenderung schon aus praktischen Gründen notwendig mache und daß statutenmäßig bei wichtigen Angelegenheiten eine Urabstimmung vorgenommen werden müsse.— Nach längerer Beratung tqurde ein Antrag angenommen, die vorgeschlagene Aenderung'den BczirkLversammlungen zur Besprechung zu über- weisen und dann eine Urabstimmung darüber vornehmen zu lassen. Tie nachfolgenden Paragraphen, die mit den beanstandeten im engsten Zusammenhang stehen, konnten dadurH nicht zur Ab- stimmung kommen, bis auf den§ 14, der nach längerer Debatte unverändert angenommen wurde. Derselbe enthält die Bestim» mungcn darüber, welche Verbandsinstanzen zur Erledigung der örtlichen Angelegenheiten, für die Agitation und sonstige Obliegen- hcitcn der Organisation bestellt sind. Diese Instanzen sind: 1. Die engere Ortsverwaltung. Dieselbe besteht aus den beiden Bevollmächtigten, den beiden Kassierern, fünf Revisoren und drei Beisitzern. 2. Die mittlere Ortsverwaltung. Dieselbe besteht aus: a) den Mitgliedern der engeren Verwaltung; b) den 1. Bezirksleitern: c) den Branchenleitcrn und sämtlichen Beamten unserer Ver- waltung. Die Sitzung dieser beiden Körperschaften findet jede Woche statt. 3. Die schon erwähnte erweiterteOrtSverwaltung, deren Sitzungen je nach Bedarf stattfinden. In bezug auf einen Extrabeitrag wurde beschlossen: Zur Deckung außerordentlicher örtlicher Ausgaben erhebt die Verwaltungsstelle Berlin von den männlichen Mitgliedern einen wöchentlichen Extrabeitrag von 10 Pf., von den weiblichen und jugendlichen Mitgliedern einen solchen von 5 Pf. Dieser Extrabeitrag wird mit dem ordentlichen Wochcnbeitrag erhoben und jst zu diesem Zweck eine Einheitsmarke zu 70 bezw. 30 Pf. eingeführt. Angenommen wurden ferner die Paragraphen betreffend Streiks und Maßregelungen. Bei den Untcrstützungs- sähen wurde hervorgehoben, daß cS sich de, den Zulagen für Kinder nicht darum handeln solle, ob die Eltern in aller Form verheiratet seien, sondern die Unterstützung von 1 M. pro Woche werde für jedes der Fürsorge des Streikenden unterstehende Kind gezahlt. Befinden sich gbcr Mann und Frau im Streik, so werde die Unter- stützung für das Kind nicht etwa doppelt gezahlt.— Den Kassenbericht erstattete H. Henning. Nach der Ab- rechnung vom 3. Quartal bilanzieren Einnahmen und Ausgaben der Hauptkassc mit 411 136,92 M. Unter den Ausgaben sind ver- zeichnet: Für Reisegeld............ 7 410,— M. » Unterstützung bei», Umzug..... 2 834,60„ „ bei Kramheit..... 113 194,45„ • Arbeitslosigkeit... 104 076,90„ „„» Streiks...... 26 087,85„ „» Maßregelungen... 18 602,70„ „„ in besonderen Notfällen. 1 867,—„ „ Sterbegeld........... 2 785,-„ „ Rechtsschutz........... 6 229,26„ An die Hauptkassc eingesandt...... 50000,—„ In der Lokalkassc bilanzieren Einnahmen und Ausgaben mit 406 469,3! M. Streikunterstützungen wurden in der Höhe von 8540,35 M. und an Unterstützungen bei Maßregelungen 4662,60 M. gezahlt. Für Bibliothekzwcckc wurden 7132,95 M. aus- gegeben. Ter Vorsitzende Cohen legte einen Antrag vor auf„A c n d e- rung der Art der Beitragslei stun g", der bezweckt» daß die Abrechnung nicht mehr monatlich, sondern wöchentlich vor- genommen werden soll. In zwei Versammlungen der Vertrauens- männer wurde die Aenderung gutgeheißen uno die Versammelten waren ebenfalls damit einverstanden. Die Wahl der Bczirkstom Mission für den dritten Bezirk(Provinz Brandenburg) lag vor; vorgeschlagen wurden Handle, Wuscht ck, Lubatsch und P a w l o w i t s ck. Gegen den letzteren erhob sich Opposition, � aber Cohen und Handle verteidigten ihn. Cohen machte darauf aufmerksam. daß P a w l o w i t s ch vielleicht irrtümlich in Verbindung gebracht werden könnte mit dem Manne gleichen NamcnS aus dem„Vor- wärts"°Artikel über die„Geheimnisse des Alexanderplatzes"; er erklärte, daß dieser Pawlowitfch dem Verband als e i n lv a n d S- frei bekannt fei und der Verband mit der Tätigkeit desselben alS Angestellter zufrieden fein könne; er empfehle ihn zur Wahl. — Tie Bezirkskommission wurde den Vorschlägen gemäß gewählt.— In einem Schlußwort ermahnte Cohen die Versammelten, fest zusammenzustehen gegen die Wühlarbeit der Nntcrnehmcr und ihrer Gründungen, den gelben Gewerkschaften. An unsere Inserenten, welche Inserate größeren Umfanges für die nächste Sonntags-Nummer aufzugeben beabsichtigen, richten wir die höfliche Bitte, dieselben bis Donnerstag nachmittag 5 Uhr in unserer Haupt-Expedition aufzugeben. Verlag des„Vorwärts". ??lir sei, Jiman der Zuieraie übernimm« die Redaktton dem Vnblitnm zeaennber keinerlei Aerantnioreung Hheater. DovnerZtag.o. Dezember. Anfang VI, Mr. Stgl. Opernhaus. DaS Mädchen «an Naoarra. Der Barbier von Sevilla. Königl. Schauspielhaus. König OedIPuS. An:. 8 Mr. Deutsches. Was ihr wollt.. Kammerspiele. Frühlings Er- wachen.(?insang 8 Uhr.) Aniang 8 Uhr. Berliner. Blaubart. Sefsing. Nora. Reue«. DaS Ungeheuer. Reu es Schauspielhaus. DI« große Gemeinde. Sich I-I l' I O., Wallner« Thealer.) Gebildete Menschen. Schiller Eharlottenburg» RoS merSholnr. Friedrich- Wilhelmstädt. Schau spielhaus. Jugend von heute. Kleines. Mandragola. Zentral. Frau Warren« Gewerbe. Dheater an der Spree. Der ?lltt«nbudtker. Lorbing. Hans Helling. Residenz. Ganz der Papa. Komische Oper. Die verlauste Braut. Weilen. Die luftige Witwe. viiiiibirldanS. Husarenfieber. Drianon. Fräulein Josette— mewe Frau. Thalia. Die gelb« Gefahr. Luisen. Der Leiermann und sein Pflegekind. Bernhard Rose. Die grau Kom- merzienra». Meiropol. DaS mutz man seht». Apollo. Thwester Schäfser jr. �Liegw. Gente«. Walhalla. Svezialltätm. Folie« Capricc. Geteilte Liebe. Kasino, viedcrleute. Geb». Herrnfeld. Madame Wig« Wag. E» lebe das Nachtleben. Bassage. Paula Birth. Speziali« täten. Prater. Der Biderspenstigen Zähmung. Palast. Am Heiligen Abend. Spezialitäten. Parodie. Da» Ungeheuer. Zapsen- streich. Monna Vanna. Wintergarten. Spcziatttäten. Retchshallen. Steltiner Sänger. lir»»ta. Di»uvr»iir«tze te» 4». Abends 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Sternmartr. llnvalidenstr. 61162. Urania. WiBBcnschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Seier den Breonsr aael feaeßig. Tnvalidenstr. 57—62; Sternwarte. Zur Beobachtung: Mars, Saturn. DoppelBterne, Nebolflecke Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Hufareusteber. Berliner Thealer. Gastsp. de« Neuen Operett.-TheBters. Blaubart. Shm. Oper w 8 Akten v. I. Offendach. Ansang 8 Uhr. Morgen u. solgende Tage: Blanbart. Heues Thealer. Ansang 8 Mr. 0as Ungeheuer. Freitag: Die Agrarier. Sonnabend z. erstenmal: Baccarat. Illelnes Thealer. Zum erstenmal: Alandragoia. Komödie st, 3 Akte» N. Paul Egcr. (Bianca: AgneS Sorma.) Freitag u. Sonnabend: Mandragola. Tlieslerllez Westens. 8 Mr: Die lutttlre Witwe. Sonntag nachm. 3';, Uhr halbe Preise: FrtthlingHlaft. ZentralsTheater. Gastspiel deS Hebdcl-Dheaters. Wends 8 Uhr: Frau Warrens lSewerbe. Drama in 4 Alien von Beruh. Shaw. taiesn-Ilöstös. Reichenbergsrftr. 3t. Abends 8 Uhr: Freiiag zum erstenmal: Em seit- smncr Fall. Sonnabend nachm. i Uhr: Dornröschen. Abends: Am Tage des Gerichts. Sonntag nachm.: Der Leiermann und sein Pflege Und. Abend«: Ein seit- iamer Fall. Montag: Ein seltsamer Fall._ «rasETiei! Gr. Franttunerstr. 132. Die _ Frau Kommer ienrat BolkSstück von MaximMan Wolff. Ansang 8 Uhr.— WochentagSpreiser Freitag, den 6. Dezember: Der Hüttenbesther._ Metropol-Thealer Anfang präzise S rhr. Or. Kerue in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund, ölnetd von Viktor Hollaonder. In Svene gesetzt von Direktor Richard Schultz. G. NIM F. Massar/, BJanaaatl, Beadep, n!' Josephi. Ranehen überall gestattet. Sonntaz;, den 8. Dezember, nachmittago 8 Uhr: Die Herren von Maxim, 8 Uhr: Die neuen Spezialitäten. IT a.: Siegwart Gentes 9'/. Mr: Sylvester Schäffer jr. der berühmte Unlversalkünstler. Sonntag, 8. Dezemb., nachm. 3'/, Uh I Pamillen-Vorsieiiung. Mi fsisltsleli-Willielmstäiitisvlös ZelguspiBldZUS. Zum erstenmal: duxenä von deute. Eine deutsche Komödie in 4 Alten Von Otto Ernst. Ansang 8 Uhr. Freitag: Jugend«on heuie.____ LorfzingTheater; Abends 8 Uhr: Hans Meiling. Freitag: HanS Helling. sonnabcnd nachm. 3'/, Uhr r Rum» ptlstilzchen. Abend« 3 Uhr: Undine. Sonntag nachm. 3 Uhr! Der lrou- Vadour. Abends S Uhr: Der Frei- schütz._______ fJficctoxmSaSpicö ASPenickerftratze 68. Tägstch 8 Uhr: Der Attienbndiker mit I o s e f i n e D o r a als Karline. Sonnabend 4 Uhr: Dornröschen. Auftreten von: Robert Sieldl, Liane de Vrlts, Kltty Qordon, Tan Kwai» Truppe, Flood Brothers. Starr and Leslle, Boganny• Trappe, Die Tiller Girls, Braains. La Bdrat, Toqod, Tenji• Trappe, Oer Biograph etc. Palast-Theater vurgstrafte 34. AM" Heute 8 Uhr"WP SV Entroe SO Pf."MP Lona Rev6e Tableaux vlvants Luna-Quartett Damen-Knaemble. Hee and Lhee.�Duo� and 9 Attraktionen 9. im beiligeu ibend. Eharakterbild von Hoffmann. KohUIoi'-ThSWtoi'. Sohiller-Theater 0.(Wallner-Tdealer). Donnerstag, abend ZSUhr: Debildoto Renschen. BotlSstück in 3 Aufzügen von Viltor Läon. Freitag, abensS 8 Uhr: Moni»» Vsnnn. Sonnabend, abeiio» 8 Uhr: D«e> vlorto Gebot. Schiller- Theater Charlottenburg. Donnerstag. abendS8Uhr: Rosmersholm. Schausvie! in 4 Sliijz. v. Henrik Ibsen. Deutsch von Wilhelm Lange. Freilag. abeiidS 8 Uhr: Aarln Stuart. Sonnabend, a k>- n d S 8 U hr: Zlnrtn Stnnrt. KohUIor-�SÄR /SrbillQr-VbsatSrk V Obarlottenborx) Freitag 9 Uhr: Vortrag Dr. 8. Hirschberg i Robert Schumann. Erläutert durch Instrumentalmusik. Zehnter Vortrag des Zyklus: Komponisten der Neuzeit. Sonnlag ö Uhr: Edvard Grieg-Abend. Zirkus Scltiüttann Heute Donnerstag, den s. Dezember, abends präzise?>/, Uhr: p- Eilt«»�bvnd."VW ala-Programm. U. a.: »oui pamitis Hutnel. Berlin« größte Sensation 6LgzoFsn«gs Baiwards 2 Damen, 4 Herren. Hohe Schule, ger. v. Frl. Schumann. Neu! Nen! The üiree demons phänomenale Leistungen. Direktor Albert Schumanns neueste Monsterdreseuren und d. großartigen neuen Spezialiläien. Zum Schluß: �iuf dem Neckar diesjährige große Waflerpantomime. XIII. Snirion. WSsi««h Heute abend präzise T/, Uhr: 'Große Vorc-teUänc- Austr. jämil neuengag. Künstler.| Kremo Family. Gesehw. Vichts Miß Virginia Bell, i Ferner: Fräulein Estelle Preval, j Schulreiterin. Herr Ernst Schu- manu, FreiheitSdresjuren. Aus dkl Wig. DieSj. gr.AuSst..Pant. d.Zirt.Busch. i Kiesen• lllnsionftahto nnter Wasser. Vorher; Gala-Programm. Theater Folles Caprle© Llnlenstr. 132, Boke Friedrichstraße. K Rabbi Meserilscb. Ä? Bunter Teil. Oetei I s e Ltlebe. Anfang 8 Uhr. freieVolksbflhne Freltnjf, den 6. DeBomber, S1/, Uhr: 22.(Tl.) Abendabteilung im XETcgTifis U? SIS H, ar Eortzlng-Theater: Äße III II Sittslieder werden noch In allen Zatalntellen anfsenommen. Gastkarten ä 1 M. können alle Mitglieder der Nachmittagsabteilungen in den Zahlstellen und an der Abendkasse beim Obmann erhalten. Konntag, den 8. Berliner Theater 18 /19. Abteilung OasTal des Lebens. Deaember, nachm. 8 Uhr; Neues Schauspielhaos 10 /11. Abteilung Judith. 227/5* Der Toratand. In Vertr: 0, Winkler. Stadt-Theater Moabit. AU-Mcabst 47-49. Donnerstag, den 5. Dezember 1907: Die Schauspieler des Kaisers. Drama in 4 Akt. o. Karl Wartenburg. Nach der Vorstellung: Oroßer Bali. Kasieneröftnung 7 Mr. Ans. 8 Uhr. Rcsidenz-Iheater. — Direktion: Richard Alexander.— Ansang 8 Ubr. Ganz der Papa. Schwank w 3 Asten von MarS und DeSvallivreS. Deuisch v. M. Schönau. Baron de« AubraiS: Rich. Alexander. Sonuiag, den 8. Dezember, nach- mittags 3 Uhr: Im Pavillon. Volle �reie Volksbühne Die Kunst dem Volke 1 Nächste Extraveranstaltungen: VX73r«d-or>f oed- am 7. Dexember, abends 8'/, Uhr, TV iniCriCSl in fler Branerel Kbnlgstadt, liebende lileder unter Mitwirkung der Damen: Olga 0 reelle, Valentine Marion, Darja Mlctko, Gertrud Mangelsdorff. Tilly Wolff, Elfride Hirche, Leonis Olegier, Lieste Merheim. Der Herren; Alfred Goltz, Otto Dehnicke, Kurt Burchard, Rudolf Lange.— Künstlerische Leitung: FrL Hedwig Rossin. Rosenfeld.— Am Klavier; Herr Eugen Sauerborn.— Operetten* Koneer«.— Berliner Slnfonie-Orcheater. Dirigent; Herr Kapellmeister Maximilian Fischer.— Hall. 150/5 PgU- Billetts lär Mitglieder a SO Pf., für GSste• 60 PL sind in allen Zahlstellen zu haben. 15. Dezember 3 Uhr: Lesslng- Thealer 19 35uhr"ber Rosenmontag. Lessing- Thealer Die Weber. Reaes Thealer Der Dieb. Dealsches Theater N.uh?- Prinz Friedrich von Zlomhnrg. OV~ Billette zu diesen Vorstellungen für Mitglieder• 1,10, für Gäste a 1,85 sind in allen Zahlstellen zu neben. Kinder-Naclimlllage I? stralie 18m: Httrchen- Erzühiungen mit Lichtbildern. Kinder frei; Erwachsene 20 PL W.Koacks Theater tmetliun: Hob. Olli.'Oruunmiti. 16. Am Rande des Abgrunds oder: SHerlcck HolmeS in Berlin. Detestio- u. Derbrechertom. a. BerlinK. Ansang 8 Uhr. Enlree SO Ps. Sonnabend: Der Leiermann und sein Pflegekind._ Passago-Theator. Heute Premiere. Die singenden Engelsköpfe» Bsrtin Kettner Erna FrOhllcb AM- und das grotzarlige- Dezember-Programw. Ebnrlottenbnrn, Eot.damerntr» 11. Reu! Elegant! Juteressant! Täglich Vorstellung von 5—11 Uhr. Sonntags von 8—11 Uhr. Stetiger Eingang von Neuheiten. W., Jagerstraße 63 a. Abends S'/t Uhr; Jlllla Barry Mad. Hurst liOla Montez Mad. Dersy (Jdel-Qnartctt unter pers. Mitwirkens Prof. C. Er.* des Herrn el. Vorverkauf an der Theaterkasse von 11 Uhr an. Trlanon-Thealer. Heule und solgende Tage 8 Uhr: MMn Josette- ineliie Frao. Kasino-Theater. Lothringerstr. 87. Täglich 8 Uhr: Bkderleute. Koiiiüiüe in 4 Akten i Bob. Miscb. Vorher da« glänz, bunte Piogiamm. Sonntag 4 Uhr: Gin Lohn des Volkee Moritiolatz, f. imlheeitGMisot Tä�IlCTU Das neue Ansang 8 Ubr. Enlree 50 Ps Sonntags 7 Uhr. lScnntaa« reserviert I M., Enlree cd» Ps.) gamilienbilleUS a 40 Ps. Sch Militär-Konzerl. Secker, PrzhwarSki. Görisch, Ntumann, Offeneh und Lüttich. Weindergsweg 19/20. llesenth. Tw. Ansang 8 Uhr. Oae kolos». Dezember. Programm. 12 Akrobaien Lorch 12 zirzensische Spiele. 8 Oollni Clairon 8 „Ein Künstlcriest.� Harry Arndt, Humorist. IS internation. Spezialitäten 18 llpei Tunnel: 4 Kapellen-BMI Theaterbesuchern freier Einliitt. Lodf. ItkMkIil- VltSator. 57 Konunandantenstratze Nr. 57. Abend« 8 Uhr: Dur naiij wrnige Tage: Ötadsme Wig-Wag. Es lebe das Nachtleben! In Vorbereitung! Papa und Genossen. Parodie-Theater. DreSdcncrstr. 97. Ansang 8'/, Uhr. Das Ungeheuer. Borher: Zapsenstretch. Zu« Schluß: Monna vanna. Preise: 8. 2. 1,50, 1 M.. 50 Ps. Sanssouci Direstlon: Wilhelm Reimer. Jeden DoimerSiag: flolfmannsBordil. Säuger und Daiizkräiizcheu. Jubelnder Beisall l Der Spuk in der Mühle. Beginn Sonntag« 5 Uhr, Wochentag« 8 Uhr. Morgen Freitag wegen VercinSsrstlichkcit SW geschlossen. Vül wllws Msyer Restaurant,»8�. 10B Jeden Sonntag:[« Oemßll. Beisammensein and Tau. J Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin, Für den Inseratenteil vcrantv.: Th. Blocke, Berlin. Druck o.Berlag: vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer 6c So., Berlin SW> Jlt.284.?4. Wrj«|. Z DtÜllgk ilf5 Dtllültl Pölll$I)I(llt. S-"»--«-?. 5 Sezmw M?. Das Flünderfyndlkat der tiefbauunternekmer. Die in der Lichtenberger Gemeindevertretung aufgerollte Hunderttausendmark-Asfäre dürfte aus jeden Fall noch weitere Kreise ziehen. Es ist dies zwar ein typischer, aber noch längst nicht der krasseste Fall ungenierter Uebervorteilung von Ge- meitlden. Gestern gaben wir der Auslassung eines Interessenten im„B. T." Raum. Danach erscheint die Sache ja verhällnismästig harmlos. Wenn die Unternehmer eines Veruses sich geivissernrasten als eine Einheit betrachten, die eine gewisse Summe von Arbeit zu erledigen hat, und sie treffen Abmachungen, durch welche die Schäden der Schniiitzkonknrrenz ausgemerzt werden und die bei einer S»b- Mission ausfallenden Unternehmer von dem, der die Arbeit macht, eine kleine Entschädigung erhalten als Entgell für ihre nutzlosen Bemühungen, so ist dagegen wenig einzuwenden. Talsächlich war in der Lichteiiberger Sache der materielle Zweck und Erfolg der Abmachungen aber nicht der. Schinußkonlurrenz zu oer- hindern, sondern es sind Maizi, ahmen getroffen, durch welche der Gemeinde, über den von den Unternehinern selbst als angemessen erachteten Gewinn hinaus, enonne Lasten zur Eutschädiguug für die Milsubniittenlen auferlegt worden sind. Das gehl schon klipp und klar au« der zu Protokoll gegebenen Aussage des Technilers Fischer hervor. Er belundcte: Für die aus- geschriebene Arbeit wurden die Kosten nebst einem Zuschlage von 100lX>l> M. auf rund 400 000 M. beniesten. Nach der Besvrechung der Tiefbauunternehmer wurde dieser Betrag um 140 000 M. erhöht I Also für 400000 M. war die Arbeit zu machen; das war der Preis bei Einsetzung eines schon hohen'Gewinnes, die Gemeinde soll aber noch 140000 M. mehr zahlen. Dies zu erreichen, war Zweck der Abrede und durch Täuschung kam man zum Ziel. Wie bei solchen Geschichten verfahren wird, dafür bietet folgender Bori» g einen interestanlen Beleg. Im Jahre ISOö hatte die Genieinde Friedruvsfelde Aptiernngsarbeiten— auf dem Gute Münchehofe— zu vergeben. Die Herren Unternehmer Bruch und Göttert, sowie der frühere Gemeindevorsteher von Friedrichsfelde, Herr Lechert, ver- abredeten eine Zusammenkunft in Wangeroog, um die Sache richtig zu laden. Das Resultat der Beratungen war folgendes: Herr Bruch erbält den Zuschlag; an jeden der fünf Milsubniittenten zahlt er eine Abfindung von 16 000— 20 000 M. I Die Offerten werden ausnahmslos von Herrn Bruch angefertigt, die Mitfubmittenten haben nur ihre Unterschrift zu geben. Hier liegt doch die Täuschung und die Uebervorteilung sonnen- klar zutage. Das; der ehemalige Gemeindevorsteher seine Hand dabei im Spiele bar, schwächt den Skandal jedenfalls nicht ab. Herr Bruch, zu dessen Geldgebern auch der bekannte StinneS in Mülheim gehört, erhielt selbst in einem Falle von Brick 4000 M. Abfindung — gegen Quittung über bOOO M. und von Schneider 10 000 M.! Das beweist, dafi die Geschäfte wechselseitig gemacht werden. In welchem Umfange das geschehen ist, welche strafbaren Mittel angewandt worden sind, das zu er- Mitteln überlasten wir vorläufig der Staatsanwaltschaft. Um welche Summen es sich für die Gemeinden handelt, dafür als Illustration noch diese Angaben: Die Gemeinde Eberswalde hatte «ine Arbeit zu vergeben. An der Submission beteiligten sich 13 Ring- Unternehmer, 11 andere Submittenten'gehörten dem Ringe nicht an. DaS Angebot der crstcren stellte sich aus durchsckmittlich 090 000 M., das der letzteren auf 400 000 M. Die Differenz zwischen dem mindestfordernden Ringunternehmer und dem böchstfordernden Ring- freien betrug 182 000 Mark. Daß die Fangarme der Ring- Unternehmer auch noch über die Provinzgrenzen hinausgreifcn, be- zeugt folgender Brief: Herrn...... » Sehr geehrter Herr Kollegel Wollen Sie die Liebenswürdigkeit haben, mir die Magde- burger Dncker-Liste besorgen? Freitag nachmittag S Uhr ist bei Schicke. Friedrichstr. 203, Sitzung. Oder lasten Sie mich im Stich? Mit kollegialem Gruß Ihr M. Krause. Die strafrechtliche Utztersuchung wird sich auch auf Beamten- bestcchnng zu erstrecken haben. Ist es schon bedenklich, wenn Ge- meindebeamte Einladungen zu einem Glase Wein usw. erhalten, um in der gemütliche» Unterhaltung über allerlei Wissenswertes, z. B. Namen von Submittenten usw. ausgefragt zu werden, so geben andere Liebenswürdigkeiten dem Staatsanwalt zweifellos Ver- anlassung, sich näher damit zu beschäftigen. Wir wollen vorläufig nur einen solchen Fall nennen. Herr Bruch sandte an einen Vau- beamten eine Kiste Havanna. Zum Schutze der feinen Marke hatte er vorher obenauf einen 1000-Marlschein gelegt. Eine solche Frei- gebigkeit mufi doch überraschen. Die kriminelle Untersuchung wird wohl noch überraschendere Freigebigkeiten zutage fördern. Daß für die obigen Abmachungen nicht das im.A. T.' an- gezogene Urteil zutrifft, leuchtet ohne weiteres ein. Das wird aber noch klarer durch einige EntscheidungSgründe, die der Interessent in seinem Artikel im„B. T." nicht erwähnt hat. Sie lauten: „Wenn die Bewerber in solcher Lage zusammentreten, um ihre wirtschaftlich schwächere Stellung auszugleichen, sich über die Preise, die sie vorerst sordern ivollen, einigen, um zu verhüten, daß der Lohn für die erwartete Arbeit nicht ans ein Maß � herabgesetzt werde, das einen angemessenen Verdienst in Frage stellt, so ist eine solche durch die wirtschaftliche Notwehr gebotene Ab- machung an sich durchaus erlaubt und nicht als gegen die guten Sitten verstoßend zu erachten... Inhalt, Zweck»nd Ersolg de? Vertrages war nicht eine Täusltmng der Behörde, sondern eine derartige Gestallung ihrer Angebote, daß ihnen aus der Konkurrenz ein niöglichst geringer Schade erwachse.. Diese Entscheidung bedeutet eine Verurteilung der Ring- Praktiken, deren Zweck nicht war, die Unternehmer vor Schaden zu bewahren, die vielmehr lediglich daraus angelegt waren, allen Sub- mittenten durch Täuschung der respektive» Gemeindeorgane Ver- mögensvorteile zu verschaffen. Ganz unabhängig von der rechtlichen Frage steht daS Volks- urteil. ES ist ein unerhörter Skandal, daß Gemeinde» um hundert- tausende Mark übervorteilt werden, daß Unternehnier, die gar keine Arbeit leisten, die Gemeindekassen um viele tausend Mark erleichtern, während für die dringendsten sozialen Zwecke kein Geld vor- Händen ist. ES handelt sich um dieselben Unternehmer, die über die Begehr- lichkeit der Arbeiter nicht laut genug zetern können und sich auch sonst als Männer bezeichnen, die fürs Gemeinwohl arbeiten. Die reinsten Prozentpatrioten 1 Partei- �ngelegenbeiten. Zweiter Wahlkreis. Die Urania-Volstellung:„Ueber den Brenner nach Venedig" findet am Sonntag, den 3, Dezember, mittags 1 Uhr resp, 2 Uhr statt. sUm 1 Uhr wird der Physiksaal geöffnet und um 2 Uhr begiimt die Vorstellung.) Die nicht verkauften Billetts müssen bis spätestens Freitag, den 6. Dezember, abends, an die Ab- teilungs- cesp Bezirksfiiqrcr zuiückgegeben werden. Billetts find dann beim Kaisteler G Schmidt, Kirchbachstr. 14, zu haben,— Anschließend an diese Vorstellung findet im Lokale von Julius Meyer, Orailirnstr. 103, ein geniütliches Beisammensein statt, wozu ganz besonders die Genossen der Friedrichjtadl eingeladen sind. Das Vergnügungslomitee. Sechster Wahlkreis. Für die am Sonntag, den 8. Dezember, stattfindende Urania-Vorstellung sind noch Eintrittskarten beim Genossen Fahrow, Ravenestr. 6, erhältlich. Schöncberg. Genossinnen und Genossen I Am Sonnabend, den 7, d. M., abends S'/a Uhr ab findet in E, Obsts Festsälen. Meiiiingerslr, 8, ein gemütliches Beilammensein statt. Billetts iverden nicht ausgegeben; als Legitimation dient das Mitgliedsbuch. Da für gute Unterhaltung gesorgt ist, wird zahlreicher Besuch er- wartet. Der Vorstand. Lichtenberg. Der sozialdemokratische Wahlverein hält heute abend 8>/z Uhr. im Schivarzen Adler sicherung. Sie sollten aber bald Zahlung oerlangen und eventuell klagen, um ührc Angaben beweisen zu können.— P. Ä. 100. Gepfändet könnte werden. Die Ehefrau würde aber mit Ersolg die Fntervcntionsklage an- stellen und Einstellung der Zwangsvollstreckung herbeisühren können.— Zl. N. 007. Nein.— Ff.©. P. 07. 1. Sämtliche, auch die nicht psänd- baren Gegenstände müsien bei Leistung des Offenbarungseides angcsühi-t werden. Bestimmte Gegenstände, die unter allen Umständen unpsändbar sind, nennt das Gesetz nicht. Es ist von Fall zu Fall vom Gcrichtsvollzieber, aus Beschwerde vom Gericht zu entscheiden. Die von Ihnen angeführten Gegenstände dürsten als pfändbar nicht erachtet werden. L. Etwa 15 Mark monatlich würden als betchlagnahmefähig erachtet werden. — Invaliden, l. Klagen Sie aus Aushebung des Vertrages und aus Schadenersatz wegen Gcsundbcitsgesährlichkeit der Wohnung, reichen Sie ein Attest eines Arztes über die Beschaffenheit der Wohnung mit der Klage und dem Antrage ein, einen nahen Termin zu bestimmen. 2. l>a. 3. Rein. — Genosse 153. Die Klage können Sie schon jetzt ohne besondere Bc- itallung anstellen.— Kochhannstr. 30. i. Nein. 2. Ja, Ergänzung durch die Polizeibehörde ist möglich. 3. Beides ist möglich.— O. G. 70. Die Praxis ist keine einheitliche.—47[1000] 99 202 508 53 920 [1000] 178130 827 1 7 9013 25 29 635 741 94 180039 62[1000] 05 182 451[1000] 91»8 599 781 859 69 71 18 1 011 167 235 503 28 15 57 1 82406 502 94 [500] 811 965 80 1 83.31 135 70 298 301 673 638 184132 260 387[1060] 433 577[3000] 81 85 713 77 823.500] 29[1000] 963 1 85154 72 316 35 47 66 68 613[500] 809 90[500] 18 6055 175 292 302 579 665 711 876 1 87 092 153.3000] 63 240 362 803[500] 962 1 88124 97 323 483 690 910 1 8 9033 163 85 260 470 80 9] 613[500] 703 823 64 190176 77 297 367 457»i 79[500] 571 80 613 80 952 191131[500] 62 223 73 89 353 67 512 63 635 71 192124 50 207 323 47 483 6.13 721 823 24 978 1 9 3676 898 923 1 94050 76 266 356 83 466 580 689 781 94 1 9 3010 79 152 63 254 86 394.59991 74 662 1 95175[509] 277 484 654 003 94 1 8 7952 75 151[1000] 93 519 28 615[3990] 32 91 882 983 1 9 8033 201 37 395[500] 85 87[500] 615 96[500] 712 31 36[500] 661[500] 934 1 99090 179 534 74[1000] 823 43 99 2OO070 110 53 663 824 997 20115» 305 442 54 663 708 67 2 0 2267 457 584 2 03118 73[500] 245 519 647 717[1000] 97 890 905 2 0 4099 475 80 529 605 711 836 [3000] 42 2O5U90 304 55 458 885 807 206960 156 510 88 657 887[1000] 966 207289 497 744 949 96 2 0 8025 125 214 486 532 670 73[500] 750 890 960 2 0 9 395 50 528 29 705 815 210523.3000] 737 57[500] 809 51(lOOO)«81 211085 371 463 93 547 037 902 2 1 2326 42 77 513[1000] 2 1 3996 159 86 299 53 531 649 829 51 88»70 85 214058 505 701 804 2 1 5087 211 356[1090] 715 21614»[500] 2#4 669 769[509] 879[500] 2 1 7309 33 76 478 659 73« 2 1 8002 168 328 610 637 43 2 1 9066 592 22O026 120 35 42 312 5i6 68 619 912 22 1 470 530 679 717 2 2 2076 201 8 331 461 79 83 527 28[ 500]. 52 617 770 71 816 45 46 2 2 3 078 545 713[1000] 31 47 224103 8 290 331 63[500) 472 596 613 700. 3000] 857 95 965 2 2 5 264 81 423 513 660 943 2 2 6015 94 192 53 511 792 864 975 2 2715» 86 718 928 2 2 8307 18 477»4 784[500] 977 88 2 2 9094 414 631 761 894 230000 122 88 567 733[509] 810 73 231193[1000] 207 57 66 687[1000] 780 835 232104[500] 31 203 584[1000] 619 2 3 3133 246 56[500] 75 77 470 883 2 3 4078 290 13000] 470 513 79 699 753 63 90 1500] 235102 29 62 72[1000] 343 640 753 83 986 2 3 6207 15 314 36 488 630 96 6CO 2 92 2 3 7368 71 496 506 788 2 3 8380 423 523 74 2 3 9038 62 211 30 313 514[500] 609 771 240645 74 665 2 4 1 270 550 672[500] 714 242550 92 796 2 43127 368 472 540 681 812 44 75 2 44185[1000]• 207 62 75 567 604 034 2 4 5063 272[1000] 388 764 989 246137 65 214 Sil 247 21 83 211 463 633 708 248137 229 90 776 2 49194 213 317 662 638 712 74 2SO086 17» 307 89 649 889»54 85 2 5 1 381 479[3000] 639 69 75 918 25 2008[iCOOl 170 80 467 615 997 2 5 3 99 127 4 9 63 205 34 337 462 598 625[500] 35 82 712 826 951 254023 430 575 90[500] 610 94 2 5 5555 603 866 984 25 6463 62 559 63 810 932 34 39 2 5 7424 679 869 2 5 8080 311 28 452 761 670 2 5 9)44 608 723 801 26 0862 2 6 1 079 104 67 92 285 700 810 73 960 2 6 2427 628 73 701 55 979 82 2 6 3)13 641 818 46 958 264151 098 700 839 67 935[500] 265325 583 600 266095 195 218 SOO C3 590 633 65 2 6 7 310[500] 541 62 656 797 268)19 SO[1000] 359 595 601 19[3000] 758 825 47 936 2 6 9 020 142 224 305 417 575 89 671 77 92 843 2 7 0265 407 7 7 614 707 833 27 1 204 786.3000) 803 17[1000] 2 7 2157 689 775 2 7 3044 145 298 694 906 27 4091 352 423 530 607 8 40 17 707[500] 880 69 275084 214 319 70 91 428 91 552 81 717 899 2 7 6107[1000] 380 415 91 603 797[3000] 2 7 7056 177 229 499 600[500] 931 31 27 8068 196 243 310 13 71[1000] 473(500) 705 55 813 49 69[3000] 279130 304 18 57[600] 68 824 52 28O021[3000] 340 431 512 949 2 8 1 010 25 80 95 [500] ISO 483 645 80 968 2 8 2)35 37 983 423 876 95 906 13000] 2 8 3055 239 464 83 569 709 976 2 8 4032 80 167 227 60[1000] 341 526[500] 31 37 878 2 8 5013 157[500] 90 963[ 500] 286061 327 418 629 87 728 2 8 727« 403 [1000] 630[500] 614 761»60 74 24. Ziehung 5. Kl. 217. Kgl. Preuss. Lotterte. Ziehung vom 4. Dezember 1907, naebmittagz. Sur die Gewinne Uber 240 Mark sind den hetreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 200 31 86 593 605 1 001 302 472[1000] 565 724 2 OSO 232 578 87 650 981 13000] 3 197 423 798 4 151 350 68 461 [3000] 5233 330 63 531 05 709 99[500] 837 32 932 6147 389 430 515 709 13 65 7 015[500] 67 83 130 32 291 140 921 «2 8010 291 366 676 727 72 90 311 9393 411 81 771[500] 883 1O003[3000] 20 195 297 338 ldOO) 60[3000] 520 646 808 930 11033 61 317 31 426 98[500] 711 853 1 2033 93 229 362 76[1000] 421 699 1 3)65 230 339 547 610 73) 810 64 1 4245 89 383 705 40 878 1 5041 334 478 83 719 1 6999 546 634 35 837 1 7215 310[1000] 422 28 30 563 78 899 18191 19[3000] 359 588 691[3000] 750 869[3000] 1903! 128 64 293 462 574 634 60 701 35 74 895 926 83[1000] 2 Od 6[19991 28 162 961,[590] 2 1 025[ 500] 263 449 «44 744 61 966 2 2 026 119 314 488(1000) 639 83 861 982 23027[1000] 206 66 698 756 74 862 2 4 095[ 500] 121 94 364[590] 72 449 99 578 654 783 807 22 987 2 5037 146 98 231 323 509 59 693[500] 883 920 79 2 6327 766 913 2 7041 320 21 63 73 680 822 4 7 906 86 2 8 290 363 184 605 838[1909] 901 29000 12 201 389[3000] 412 528 93«82 721 3017! 344 471[3000] 706[ 3000] 56 821 27 51[3000] 3 1 003 334 714 34 35 950 3 2 207 64[ 5000] 385 443 528 945 73 79 3 3 039 165[ 500] 67 98 203 32 56 86 313 50 498[3000] 591 657 3 4335[3000] 712[500] 35219 81 919 36)83 332 13000] 460 334 55 3 7029 43 59[1000] 77 160 212 431 56 67 617 700[3000] 510 3»301 16 410 28 722 39281 83 333 41 451 62 663 732 40248 13000] 370 405 85 623 4 1 34«[500] 433 522 600[500] 71[1000] 743 7 7 933 4 2 025 292 465 536 728 990 43051[500] 122 236 71[500] 133 535 47 633 796»68 44235[500] 823 909 4 5 061 267 837 527 999 46195 386 626 963[1900] 81 47011 101[1000] 234 388 568 701 875 48069 194 94? 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Dezember, nacK- mittags lies 138 476 statt 130 476. Die Ziehung der I. Klasse 218. KgL PeruM, Lotterie findet siaii am 10 und 11. Januar 1908. Verkäufe. DeiiliiriiemilSnrbenteblerngnbrifi Ulebnlnfle(Mrunr Srnnfiiinerm nß« L, puiieiic fem gaben. Maucrbofs. tl («iirbiimihnno(iiroßei�iniifiiiTltr« ftropr 9, parierte. Stein Laden. MauerHofs. 1t Sirppbrttr» billigst gabrif(Nrotzr Fraiifinrlerstratzi S. parterre tl Gaokroncn, Pefroieumfronen obne Aiizahlung, Woche f. 00. LouiSBöflcher (selbil): Bo�hagenerstraize 32(Balm. Verbindung Warichauerilrage), Rei« niclendorierstraste[10, Jchönhanscr Allee SO, Potvdamerstrabe 81, Rix» dois, Stoiicr(ynebrichittaiie 247.• 2pri chmaschincn, SRufifmerfc, Teiizahlungen, Jnvalidenstraste 20, Slalitzerstrage 40. 28985t* Toialausverkauf meines EngroS. lind Filialenlagers i Gardinen, SloreS, TüIIbetldecken iO bis 20 Prozent Rabalt. E. WeistenbergS Teppich- Haus. 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