Kr. 285. DboniKiWfllt'IMIiigiinw: «tmmemeius. Preis präniunermido, Bieneljährl. SM Mr. monatl. l.JO aRf., wöchentlich 28 Pfß. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonmags- uummer mit Muslrlerter Sonntags. BeUage.Die Reue Welt' 10 Pia, Post. Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posl. Zeitungs- Vreislisle. Unter Kreuzband für Teulichland und Oesierreich> Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Rumänien. Schweden und die Schweiz. 24. Jahrg. CridKint liglich anlief tnaatags. Verlinev Volltsblcltk. Die TnfertionS'Gebabr beträgt für die sechsgcspalicne Kolonel. zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gcwerlschaftllchc Bercins- und BersammlungS-Anzeigen M Pfg. „Kleine Blnreigen", das erste(seU- gedruckte) Bort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellcn-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort B Pfg. Worte übe» 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition »bgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöfsiiet, lrelegramm- Adresse: „SozUliKinoHral Berlin". Zentralorgan der Cozialdemokratirchen partei Dcutfchlands. Redahtion: 8CQ. 68, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Expedition: 8 LI. 68, Lindcnetraaae 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981. Mau vor dem leere» Hanzlerleliel. Wir schätzen immer noch die Prinzipienfestigkeit und Charakterfestigkeit der bürgerlichen Parteien zu hoch ein. Wie niedrig wir auch unsere Erwartungen herabdrücken, sie werden stets von den Wortführern des patriotisch geeichten deutschen Bürgertums unter troffen. Der gestrige Bülow-Ukas in der„Nordd. Allg. Ztg." hatte den Blockparteien den Stock vorgehalten: Das Benehinen der Blockredner in der Dienstagsitzung, das Raufen untereinander wie die Angriffe auf die Regierung, drohe die Fortführung der Blockpolitik unmöglich zu machen; also Ruhe im Block! Sonst... Werden die Patrioten daraufhin wirklich am Donnerstag über den Stock springen und kuschen? Das war die Frage des Tages. Gestern konnte man noch schüchterne Hoffnlingen hegen, daß so etwas wie Wahrung der eigenen Würde und der parlamentarischen Rechte von den Leuten versucht werden würde, die noch immer mit der Etikette„liberal" oder gar „Bolkspartei" im Zylinderhut in der Welt herumlaufen. Der nationalliberalen Partei hatte ein Glückszufall die Gelegenheit in den Schoß geworfen, sich Verdienste um die Sicherung des Rechts der parlamentarischen Kritik an öffentlichen Mißständen zu erwerben. Denn um nichts Geringeres als um die Zer- störung dieser Rechte handelte es sich bei der von Bülow ge° deckten Attacke Einenis auf Paaschs. Eine solche Kritik wie Paasche sie gelvagt hatte an einem der schlimmsten Auswüchse des bureankratisch- militaristischen Systems muß für die Zukunft einem Blockpatrioten unmöglich gemacht werden. So etwas Unanständiges treiben zwar die Sozial- demokraten gelvohnheitsmäßig, aber wer das Recht haben will, als Musterpatriot in einer Bülowrede belobt zu werden, darf zwar an parlamentarische Rechte denken, oder von ihnen träumen, aber sie betätigen— ü d,onc!— das schickt sich nicht! Wären die Nationalliberalen etwas besseres als Frosch- mollnskenbreinaturen, hätten sie Rückgrat, sie hätten mit cineni kräftigen Fluch die Bülowsche Zumutung zurückgewiesen. Sie hätten als. Männer die Rechte des Reichstages und damit des Volkes gewahrt, mochte darüber der Block in Trümmer gehen, mochte auch Bülow vom Sessel purzeln. Aber sie hatten nicht einmal ein Gefühl für den Schimpf, den ihnen Bülow durch die Zumutung in dem offiziösen Blatt antat. Die Freisinnigen aber bewiesen, daß sie aus dem gleichen Brei geknetet sind wie jene. In ihren Fraktionssitzungen nach der gestern Knall und Fall durchgedrückten Vertagung hatten die sämtlichen Block- Parteien beschlossen, sich der bureaukratischen Anmaßung löblich zu unterwerfen. Einem freisinnigen Blatte war die Gnade vorbehalten, heute morgen das Programm für den Kotau der Blockparteien vor Bülow zu veröffentlichen. Namens der drei Gruppen des Blocks sollte in kurzen Worten der Treuschwur vor dem Landvogt geleistet werden; dann sollte noch der Zentrumsniann Gröber und der Freisinnige Müller-Meimngen zum Wort kommen, dann aber Schluß der Komödie! Bei Beginn der Sitzung war der Reichstag ziemlich voll- zählig beisammen. Auf der Bundesratsestrade drängten sich ein Halbdutzend Staatssekretäre und ein Schock Bundesrats- Mitglieder und Geheimräte. Der Reichskanzlersessel aber war leer und blieb leer. Um die Herabwürdigung der büße- tuenden Blockpatrioten recht sinnfällig zu machen, wurde ihnen der Kotau vor dem leeren Reichskanzlersessel zugemutet. Sie erfüllten denn auch alle Erwartungen. Nach Eintritt in die Tagesordnung erteilte der Präsident Graf S t 0 l b e r g, anstatt in der Rednerliste mit Gröber fortzufahren, das Wort Herrn v. Normann. Wer die Figur, die im Reichstag Herr v. Normann genannt wird, gehen, stehen,, essen und trinken sieht, könnte glauben, daß er einen wirklichen lebendigen Menschen vor sich hat. Das wäre aber ein großer Irrtum. Wir haben da ein überraschendes Beispiel vor uns, wie weit es die moderne Technik in der Maschinenkonstruktion gebracht hat. Normann ist ein auto- matisch funktionierendes Grammophon, der von der konserva- tiven Partei zu ihren offiziellen Kundgebungen in Betrieb gesetzt wird. Ein Druck auf den Knopf— wupp!— das Normann-Grammophon schnellt in die Höhe, schlägt die Hacken zusammen und schnarrt: Namens meiner politischen Freunde habe ich zu erklären, daß wir mit dem Herrn Minister völlig einverstanden sind. Das Normann-Grammophon ist nur auf eine Rede ein- gestellt. Diesmal waren indes noch zwei neue Walzen in Bereit- schaft gehalten. Die Erklärung des Festhaltcns an der Block- Politik wurde auch namens der Frcikonservativen und Anti- semiten abgegeben, womit denn bei dieser feierlichen Ge- lcgcnhcit offiziell der konservative Spezialblock in Funktion ge- treten ist. Die Erklärungen BassermannS namens der Nationalliberalen und W i e m e r s für die drei freisinnigen Gruppen waren völlig nach dem Normannschen Leitmotiv ge- modelt: Festhalten am Block und Vertrauen zum Reichs- kanzler! Bassermann konnte aber nicht umhin, auch noch für den Paaschesehltritt Buße zu tun. Er versicherte, an emen Vorwurf gegen den Kriegsminister habe Paasche nicht im Traume gedacht. Sein Material würde er aushändigen, da es ihm nur darauf angekommen sei, daß die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden. Die nationalliberale Partei habe obendrein von je zu dem Kriegsminister ein ganz be- sonderes Vertrauen gehabt und werde es ihm in treuer Liebe bewahren. Der Sinn dieses Extraopfers vor dem Hüter des � Marstempels war die Versicherung, daß Paasche es" nie, nie ' wieder lvagen wird, am Militarismus ernsthafte Kritik zu üben; dafür darf er weiter vizepräsidieren, bestrahlt von der Gnadensonne kanzlerischer Huld. Von Norniann zu Bassermann hatte sich die Heiterkeit der Blockgegner gesteigert. Als aber dann Wiemer gleich seinen Vorgängern den stereotypen Zusatz von der„Wahrung der Grundsätze" mit seinem falschen Pathos in den Saal hineintrompete, erhob sich ein schallendes Hohngelächter, das die letzten Worte dieses Wortführers des Patschouli-Freisinns übertönte. So weit war alles programmäßig verlausen. Dann kam aber eine Ueberraschung. Man erwartete, daß der Abg. Gröber vom Zentrum, der nunmehr das Wort erhielt, die treffliche Gelegenheit zu einer gründlichen Abrechnung mit den Blockparteien und ihrer unwürdigen Mißachtung der Rechte der Minderheit benutzen würde. Für einen Oppositions- mann ist es ein Gottesgeschenk, in solcher Situation das Wort ergreifen zu können. Was geschah aber? Herr Gröber be- gnügte sich mit einem Witzchen über das widersinnigste Pärchen, Konservativ und Liberal, und— setzte sich. Tie Bedeutung dieses verblüffenden Verzichts aufs Wort in solcher Lage ist nichts, weniger als die Abdankung des Zentrums als Oppositionspartei. Der Hintergedanke, der die schlauen Zentrumsdiploniaten leitet, ist offenbar der: Der Block ist zwar notdürftig wieder zusanimengeleiint. Nur auf die Dauer wird alle Herab- Würdigung den Liberalen nichts nützen. Sie werden auf- gerieben oder beiseite geschoben werden, und dann braucht man das Zentrum. Um uns regierungsfähig zu. erhalten, dürfen wir weder die Konservativen noch die Regierung zu sehr reizen. Also schweigen wir schonend! Der Freisinuige Müller- Meiningen, der nunmehr zum Wort hätte kommen sollen, verzichtete unter diesen günstigen Umständen seinerseits. Nunmehr stand nur noch von der Sozialdemokratie Genosse Bebel und außerdem ein Pole auf der Rednerliste.. Bebel hatte sich das Wort zur Geschäftsordnung geradezu erzwingen müssen, um energisch dagegen zu pro testieren, daß die Blockparteien wiederum wie gestern in einem Sonderkonventikel eine Kontingentierung der Redner für die Sitzung beschlossen und in einem liberalen Blatt verkündet hatten. Auf den Vorwurf, daß der Präsident außer der Reihe drei Redner eingeschoben habe, crlviderte Graf S t 0 l b e r g ungeniert, die Reihenfolge der Redner bestimme ex. Formell ist das richtig. Aber diese Dispositionsfreiheit des Präsidenten geht von der selbstverständlichen Voranssetzung aus, daß er auch mit solchen Befugnissen nicht Mißbrauch �treiben darf zur Ver gewaltigung der Minderheit. Graf S t 0 l b e r g, der bisher sich noch in feiner Geschäftsführung durch eine leidliche Un Parteilichkeit vorteilhaft von den beiden liberalen Vize Präsidenten unterschied, hat heute bewiesen, daß er sich zu einem Werkzeug der Vergewaltigung der Redefreiheit für die Mehrheit hergibt. Nunmehr geschah das Unerhörte, daß dem Führer der einzigen Oppositionspartei im Hause, dem Genossen Bebel das Wort in dieser bedeutsamen Situation durch einen Gewalt- streich abgeschnitten wurde. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wurde von den Blockvertretern gestellt, im Handumdrehen unterstützt und angenommen. Für diese Schamlosigkeit der Blockgesellen gibt es nur eine Erklärung, die überall, wo noch für Recht und Gerechtig- keit Sinn ist, verstanden wird: die Feiglinge wollte» der sozialdemokratischen Kritik aus dem Wege gehen. Singer gab in einigen kurzen Geschäftsordnungsworten der Entrüstung unserer Partei über diese gewaltsame, dem Parlamentarismus hohnsprechende Unterdrückung der Rede- freiheit Ausdruck, die um so empörender wirkt, da die Sitzung nur eine halbe Stunde gedauert hatte und noch mehrere Stunden für die Diskussion bis zu der üblichen Schlnßzeit zur Verfügung gestanden hätten. Aber es hat ja geradezu einen symbolischen Wert, daß diese liberalen Volksvertreter den Be- fähigungsnachweis für Staatsmännischkeit bei der Feier der Blockverbrüderung dadurch liefern, daß sie den Parlamen- tariSmus mit Füßen treten. Und nun der Dank vom Haus? Bülow I Die Block- Parteien haben, dem Winke des Kanzlers folgend, vor seinem leeren Sessel Kotau gemacht. Man sollte meinen, baß diese Unterwürfigkeit sogenannter Volksvertreter alle Ansprüche eines selbstherrlichen Bureaukraten befriedigen müßte! Wie aber lautet die Antwort Bülows? In der offiziösen Scherl-Presse wird folgende Würdigung der Ergebenheitsversicherungen der Blockparteien veröffentlicht: .Diese Erklärungen iverden dem Reichskanzler alsbald schrift- lich zugehen, und er wird sich entschließen, ob sie ihm für eine ersprießliche Fortführung seiner Politik genügen. Da aber die Blockparteien einmütig und einwandfrei ihr Vertrauen zur Leitung der politischen Geschäfte durch den Fürsten von Bülow ausgedrückt und betont haben, daß sie die Blockpolitik weiterführen wollen, erscheint es wahrscheinlich, daß der Reichskanzler den Mehrheitsparteien seine Mitarbeit nicht versagen wird." Auf die Ergebenheitsadresse ein Fußtritt! Wie lästige Petenten werden Volksvertreter behandelt von dem Haupt des bureaukratischen Regierungsringes. So«weit ist es ge- kommen mit dem bürgerlichen Parlamentarismus I Nun, um so rascher wird die große �Masse des Volkes zur Erkenntnis kommen, daß nur die Sozialdeniokratie für seine Rechte eintritt überall und jederzeit. Die Kapitulation des Freisinns! Die Blockgenossen haben aufs neue durch einen feierlichen Rütlischwur ihrem Bannerträger Bülow treue Heeresfolge zugelobt. Sie wollen alle die Blockpolitik mitmachen. Die Blockpolitik, diese Politik des konservativen ZweckbewußtseinS und der liberalen Selbst- beherrschung, der reaktionären Taten und der liberal schillernden Phrasen. Der Freisinn hat sich, wie das ja nach den bisherigen Leistungen der Fischbeck. Kopsch, Wiemer und ihrer Getreuen nicht anders zu erwarten war, kläglich unterworfen. Er, der nach Herrn Schräder und P a h e r im Blockbund ja bisher schon stets der leidende Teil war. hat sich„zum Wohle des Vaterlandes" abermals mit der passiven Rolle abgefunden. Er allein hat die geche be- zahlen müssen. In der Konferenz mit den Blocks iihrern ist nach dem„Berk. Tagebl." der Zwischenfall Paasche gar nicht einmal erivähnt worden l Nur von der allgemeinen Lage, von den Gegensätzen im Block ist die Rede gewesen. Und es versteht sich am Rande, daß diese Disharmonien doch nur dadurch beseitigt werden können, daß der„entschiedene" Libe- raliSmnS sich noch mehr Bescheidenheit auferlegt. als bisher schon. Erklärt doch dig„Deutsche Tage ö- Zeitung". daß den rechts st ehendeu Politikern aus ihren bisherigen Reden nicht der mindeste Vorwurf gemacht werden könne! Dagegen sei BassermannS Polemik gegen die Steuerpolitik und erst recht Herrn P a a s ch e s Eintreten für direkte Reichssteuern höchst bedenk- lich. von seinem Vorstoß gegen den Kriegsminister gar nicht zu reden. Da bekanntlich das Agrarierorgan und der agrarische Kanzler seit Geraumem in dem intimsten Freundschaftsverhältnis stehen, ist eS klar, daß Bülows Drohung mit Blocksprengung oder Demission nichts anderes war, als ein gelungener Einschüchterungs- versuch des Liberalismus! Die Blockparteien haben zwar erklärt, daß sie für die Block- Politik einträten, ohne ihre politischen Prinzipien preiszugeben, allein das klingt beim Freisinn wie der blutigste Hohn! Alles, was die Regierung bis jetzt an Ge- setzesvorlagen eingebracht hat, ist geradezu eine BrüSkierung der freisinnigen Prinzipien! Und zwar nicht nur nach sozialdemo- kratischer Ansicht, sondern auch nach Ansicht freisinniger Politiker selbst! Daß die Sprachenbestimmung im Vereins- gesetze die Vergewaltigung der fremdsprachigen Volksgenosien und die schwerste Gefährdung der gewerkschaftlichen Tätigkeit be- deutet.■ darüber herrscht nur eine Meinung. Und daß daS neue „liberale" Vereinsgesetz die skandalöse Rechtlosigkeit der ländlichen Arbeiter und des Gesindes aufrechter- hält, hat gerade auch unter den Hirsch- Dunckerschen Arbeitern den schärfsten Protest hervorgerufen! Ein reaktionärer Schlag gegen das organisierte Proletariat soll auch durch das neue Krankenkassen- gesetz, das Beth mann- Holl weg ankündigte, geführt werde». Das sind die„Konzessionen" an die liberalen Prinzipien! Und trotz dieser Introduktion der„liberalen Aera" hat der Freisinn erneut den Rütlischwur abgelegt! Er hat sich verpflichtet, künftig noch bescheidener zu sein, noch weniger Kritik zu üben I Nicht nur, daß er die skandalöse agrarische AusWucherung der von der Krise heimgesuchten Volksmassen ohne jeden ernsten Protest mitinachen E>ll; er soll auch mithelfen, die Nation durch Bewilligung der neuen Marine- und Kolouialausgaben um viele hiniderte Millionen zu belasten, ohne dabei die geringste Gewähr zu erhalten, daß diese Riesenlasten nicht schließlich wieder durch indirekte Steuern auf das Volk abgewälzt werden! Ucbcr die Deckung der erforderlichen LS0 Millionen jährlicher Mehrausgaben darf künftig nicht mehr gesprochen werden! Nicht einmal.die einstweilen ja höchst platonischen Forderungen der Nationalliberalen, eine Reichsvermögenssteuer von minimaler Höhe einzuführen, sind ja nach dem Borgehen Bülows mehr zulässig! Die erneute feierliche Unterwerfung des Freisinns unter die Blockbedingungen des agrarischen Kanzlers bedeutet so nichts weniger als die vor aller Oeffentlichkeit erfolgte schamlose Kapitulation dieser„inlentwegten" VolkSmänner vor der agrarischen Reaktion I__ Die Preisgabe des Parlaments. An der Komödie, die heute im Reichstag aufgeführt worden, ist, ist vielleicht das merkwürdigste die Tatsache, daß in den bürgerlichen Parteien Deutschland» jedes Gefühl für Würde vollständig erstorben ist. Dies zeigt sich allerdings schon in der Art, wie der Bülowblock entstanden ist. Der Reichskanzler kommandierte den Freisinn einfach zur Majorität, wie man sonst Rekruten zum Rapport kommandiert. Und die Braven schioenkten prompt ein. Jetzt befiehlt der Reichs- kanzler plötzlich ein Vertrauensvotum, und gehorsam steht ein parlamentarischer Führer nach dem andern auf und verliest die an» befohlene Erklärung. Nationalliberale und Freisinn erklärten gestern indirekte Steuern für unannehmbar. Heute erklären sie auf den Wink Bülows ihr Vertrauen derselben Regierung, dre direkte Steuern für u nannekimbar erklärt hat! Das enrpörendste an der Sache ist. daß diesmal der Reichstag der Regierung gegenüber in einer selten starken Position ist. Die Regierung braucht ungefähr 250 Millionen neue Steuern, sie ist daher auf den NciÄStag unbedingt angewiesen. ES ist eine Situation, in der der Reichstag, wenn er von seiner Macht Gebrauch machen wollte, der Regierung ohne weiteres vorschreiben könnte nicht nur. welche Art Steuern er gewähren wolle, sondern auch. welche Voltsrcchte vorher zu bewilligen seien. Dafj die Konservativen eine solche Politik nicht mitmachen, der- steht sich ja von selbst. Die Konservativen, deren Geschäfte ja die Regierung besorgt, waren immer Gegner deS Parlamentarismus überhaupt, den sie nur notgedrungen akzeptiert haben. Sie sind daher auch Gegner jeder Machterweiterung des Parlaments gewesen. W a S soll man aber zu dem Freisinn sagen, der diese günstige Gelegenheit, dem Regierungs- absolutismus Zugeständnisse abzuringen, was ja nach seiner Auffassung Zweck der Vlockära sein sollte, dazu benutzt, um vor diesem Rc- gierungsabsolutiSmuö ganz und gar abzudanken. Der Freisinn krönt daS Werk deS Verrats seiner Prinzipien jetzt damit, daß er daS Parlament preisgibt, um die Herrschaft des Bülow noch für einige Zeit zu erhalten! Angeblich ist der Freisinn in die Regierungsmajorität gegangen, um grötzeren Einflusi auf die Neichspolitik zu erhalten. Er endet damit, daß er den parlamen- tarischen Einfluß überhaupt ausschaltet und sich bedingungslos den Geboten der Regierung fügt! Fürst Bülow erklärt, er wolle leine Unstimmigkeiten mehr, und der Liberalismus schweigt, damit die jioiilmnndostimme der Konscrvalivm allein zu befehlen hat! Die Unstimmigkeiten haben aufgehört, aber ebenso jede Spur von Libero lismnö! Für die politische Entwickelung ist eS aber nur von Vorteil, wenn die Blockpolitik sich ausleben kann. Bedeutet sie doch die beste Möglichkeit, der, Lüge des deutschen Liberalismus ein Ende zu machen. Je länger der Block lebt, desto rascher wird der Freisinn sterben. Die völlige Kompromittierung der freisinnigen Führer ist notwendig, um den freisinnigen Wählern endlich die Augen zu öffnen. Die Niederlage, die der Freisinn heute dem Parlament zugefligt hat. ist nur eine Niederlage deS bürgerlichen Parlamentarismus. Die völlige Kapitulation des Freisinns, seine Preisgabe deS Parlaments zeigt nur, wie sehr sich die Herren vor dem Werkzeug ihrer eigenen Machkzu fürchten beginnen. Aber der Regierung?- abiolutiSmus, der heute über daS Parlament triumphiert hat. wird dafür sorgen, daß dieser Triumph keine allzu lange Dauer haben tvird. Reaktionäre Gesetze, neue Belastung des Volkes, Skandale im Innern, Mißerfolge nach außen: daö ist Anfang und Ende dieser Politik! Je unfähiger die herrschenden Klassen sich erweisen, desto größer wird die Zahl derer, die sich der Sozialdemokratie anschließen, die zur einzigen Partei der BolkSopposition gegen den Absolutismus geworden ist!_ Carter Ärtimiiitariiten. Paris, 8. Dezember.(Eig. S5cr.) Die Deputiertenkammer hat gestern mit nngeheuerer Mehrheit die Abkürzung der Meservisten- und Landwehriibungen von 28 und 13 Tagen auf 21 bezw. IS und 7 angenommen. Für den Antrag stimmten Abgeordnete aller Parteien: 278 Mitglieder der sozialisti- schen und bürgerlichen Linken, S4 Mitglieder der Rechten und der nationalistischen Fraktion, LS Gemäßigte und Progrcssisten. Da- gegen außer den Ministern S1 Radikale. 2„unadhängige Sozia- listen", 73 Gemäßigte und Progrefststen und 33 Mitglieder der Rechte«. Die bürgerliche Linke hat also die Regtermig im Stich gelassen. Auch die Beteuerung des KriegZmniistcrS,' daß der Antrag.die Sicherheit der Nation gefährde", verfing nicht. Man hat die Melodie eben bei jeder Militätreform gehört, namentlich bei der Einführung der zweijährigen Dienstzeit. Picquart selbst war früher ein Anhänger der Abkürzung der Wassenübnngen, aber er hat sich in diesem Punkte— wie in anderen— zu den Anschauungen der von ihm ehemals so sehr befehdeten Generalstäbler„bekehrt". Die Annahme des Antrages ist natürlich nicht der Gegnerschaft der bürgerlichen Mehrheit gegen den Militarismus zuzuschreiben, sondern lediglich der Flucht vör der Wählerschaft. Die Herren hätten sich einfach nicht mehr vor die klelnblugerlichen und bäuerlichen Wähler getraut, die noch immer über die Erhöhung der Abgeordneten- diäten wütend sind, und nun durch die Erleichterung der militärischen Pflichten(und daS Einrücken zu den Hebungen gehört zu den lästigsten und am meisten verhaßten) versöhnt werden sollen. Oder wenigstens durch die offenbare Bemühung der Deputierten in diesem Sinne: denn es ist nicht wahrscheinlich, daß der Senat der Reform zustimmen wird. Bezeichnend ist es übrigens, daß sich anch die Nationalisten wohl gehütet haben, diesmal die„patriotische" Flagge zu ziehen. Lieber verstimmen sie noch ihre Freunde von der Generalität als ihre Wähler. Der zu erwartende Widerstand des Senats erklärt allerdings nicht, warum die Regierung die gestrige Abstimmung mit solcher Seelenruhe über sich hat ergehen lassen. ES ist sogar geradezu un- geheucrlich, daß sie bei einer Angelegenheit, die nach der Er- klärung ihres Sprechers die Sicherheit der Nation betraf, nicht die Vertrau ensfrage gestellt hat! Aber freilich, ihre Niederlage war gewiß,' und die Herren dtorenceau, Briand usw. haben keine Lust, die Annehmlichkeiten der Mmisterschaft um eines lumpigen„Prinzips" willen ans freiem Entschluß auch nur eine Minute früher aufzugeben.... Die Schicksalsfrage des Ministeriums ist vorläufig also vertagt. Bleibt die Mehrheit deS Senats der Reform feindlich, so kommt eS wohl zu einem Konflikt zwischen den beiden Kammern, da die bürger- lichen Deputierten nicht leicht zurück können. Man hätte bann wohl an eine Auflösung der Kammer zu denken, und in der Tat rufen manch- Reaktionäre nach einem„Akt der Energie". Die Re- gierung dürste indessen nicht darauf rechnen, eine anders gesinnte Mehrheit ins Palais Bourbon zu bekommen. Findet sich aber der Senat mit dem Beschluß der Deputiertenkammer ab. so ist die moralische Autorität der Regierung so geschwächt, daß der erste Wind» stoß da? Ministerium wegfegen muß. IllarMo. Gerüchte. Ein Telegramm der Deutschen Kabeltelegranimgesellschast ans Tanger meldet: „Nach einer marokkanischen Quelle wurde von den Riff- kabylen der heilige Krieg erklärt. Sie haben sich mit dem Rogi verbündet, ebenso wie die aufständischen Stämme in der Umgegend von Easablanca mit den Anhängern Muley HafidS." Dem Pariser„Temps" wird ans Tanger telegraphiert: „Die Nachrichten über die.Kämpfe an der algerisch-- marokkanischen Grenze und über die Niederlage, die der Schanja- Stanini der Mahalla des Maghzen beigebracht hat, haben auf die Eingeborenen einen bedenklichen Eindruck gemacht. Diese sind überzeugt, daß die Franzosen genötigt gewesen seien, Udschda zu räumen, und daß ganz Siid-Oran bedroht sei. Man macht sich auf schlimme Nachrichten aus Easablanca gefaßt." Die Franzosen verstärken ihre Streitkräfte. Aus L a l l a M a r n i a wird als Gerücht telegraphiert, daß in' der Nacht zum 5. Dezember daS Lager von Martinprey von den?Narokkanern angegriffen ivorden sei. ES habe sich ein heftiger Kampf entsponnen, in dem auf französischer Seite 15 Mann getötet oder verwundet worden seien. Andererseits meldet der Spezialberichterstatter deS„Matin", daß einige Abteilungen der Beut Snassen an den General Lyautey die Anfrage gerichtet hätten, unter welchen Vedingungen ihre Unterwerfung angenommen lverden würde. Es sei ihnen ge- antwortet worden, daß von Bedingungen keine Rede sein könne, und daß der ganze Beut Snasscn-Stamm sich be- dingnugslos unterwerfen müffe. Mehrere Führer der Beni Snassen wollen angeblich nach Udschda kommen, um dem General Lyautey ihre Absicht kundzugeben. Politische deberlickt. Berlin, den 5. Dezember 1907. Die Vertagung des Wahlrcchtsantrageö. DaS preußische Abgeordnetenhaus beriet heute bei nur schwacher Besetzung der offenbar schon nach den WeihnachtSfcrien begierigen Abgeordneten den Entwurf eines OiiellenschutzgesetzcS, das die Regierung dem Landtage in der im Vorjahre vom Hcrrenhause beschlossenen Faffung wieder vorgelegt hatte. Das Gesetz will die natürlichen und künst- lichen Thermalquellen durch das Verbot von Bohrungen in einem noch näher zu bestimmenden umliegenden Schutz- gebiet und andererseits gegen mißbräuchliche Benutzung durch die Eigentümer mit Hülfe eines Enteignungsverfahrens schützen. Dieses Enteignungsverfahren, das in der Vorlage ziemlich willkürlich geordnet ist. fand bei den Freisinnigen und den Nationalliberalen Widerspruch, denen der Begriff des öffentlichen Interesses nicht scharf genug erschien— die Spuren deL antipolnischen EuteignungSgesetzes schrecken— und die wenigstens für die Festsetzung der Entschädigung ein VecwaltungSstreitverfahren forderten. DaS Gesetz ging schließ- lich an eine Kommission von 21 Mitgliedern. ES folgte die Beratung eines Antrages der Nationalliberalen auf Schaffung eines einheitlichen Beamtenrechts für Preußen. Wie im Reiche sollen auch in Preußen die Disziplinarverhältnisse, die Pensionen und das Aufrücken in höhere Gehaltsklaffen nach einheitlichen Grundsätzen geordnet werden. Eine spezielle Forderung der Antragsteller war dabei die Forderung eines Wiederaufnahme- VerfahrenS für die zu Unrecht im Disziplinarwege entlassenen Beamten. Der Antrag fand gegen die Stimmen der Frei- konservativen, die in ihrer übertriebenen Vorstellung von Beamtendisziplin den Beamten jede Rechtssicherheit verweigern wollen, Annahme. Den letzten Gegenstand der Tagesordnung bildete ein erneuter Vorstoß der Konservativen gegen die Warenhäuser, die sie mit Hülfe einer ungesetzlich hohen Umsatzsteuer erdrosseln wollen. Man schob diesen nun schon langweilig gewordenen Antrag tn die Handels- komnnfsion ab. Damit war die Tagesordmmg erledigt. Aber die Frei- sttmigen fühlten sich doch endlich bewogen, einmal an den Präsidenten die bescheidene Frage nach dem Schicksal ihres WahlrechtSantragcS zu richten. Die Antwort des Präsidenten gab die bereits bekannte Meldung wieder, baß die Regierung in den 60 Jahren des bestehenden Drciklafsen- WahlunrechtS noch keine Zeit gefunden habe, einen Standpunkt zu seiner Rc- form Zü finden, aber bis Weihnachten genügend Blockgcist in sich aufgenommen haben würde, um den Pelz der Wahlreform zu waschen, ohne ihn naß zu machen. Die Freisinnigen erklärten sich auch ohne Widerstreben damit einverstanden, die Wahl- rechtSfrage, die ihnen ja nicht so wichtig ist, biS nach den WeihuachtSfcricn ruhen zu lassen, zumal der Präsident meinte. daß jetzt für diese Frage der Grundrechte deZ preußischen Volks unter den Diätenschluckern deS Dreiklassenparlaments doch kein genügeitdcS Interesse mehr zu erwecken wäre, um ein halbwcgS anständig besetztes Haus zusammenzubringen. Sie bekämen dafür von der Rechten die Erlaubnis, in der ersten Sitzung nach Neujahr ihre Zuckerwasserrcden gegen daS Junkerregiment in Preußen vom Stapel zu lassen. Das Abgeordnetenhaus macht Pause bis zum nächsten Mittwoch, wo das Polizeikostengesetz aus der Tagesordnung steht.- Eine Erklärung Rheinbabens. Gegenüber den Gerüchten, die von einer Demisfio« des FinanzminlsterS wissen wollen, erklärte Herr v. Rhein- b a b e n selbst nach der„M a g d e b u r g i s ch en Zeitung", daß er keinen Anlaß habe, auf seinAmtzu verzichten, da er sich in seinen finanzpolitischen Auf- fassungen im Einklang mit sämtlichen der- bündetcn Regierungen und mit der Mehrheit deS Reichstages befinde. Unter dieser Mehrheit, so fiigt das Magdeburger Blatt hinzu, kaiin allerding» nicht die sogenannte Zjlock Mehrheit verstanden werden, doch ist nicht in Abrede zu stellen, daß auch innerhalb des Blocks vorderhand das Programm der direkten ReichSsteuern nicht die Mehrheit besitzt.—__ Politischer Karneval. Nicht nur für die Blockparteien scheint, den lächerlichen Er- klärungen der Norman», Bassermann und Wiemer nach zu schließen. die Karnevalszeit bereits begonnen zu haben, sondern auch für daS NeichSlanzleramt. Die„Nordd. Allg. Zeitung' bringt nämlich an der Spitze ihrer letzten Nummer folgende Probe des reichskanzlerischen unfreiwilligen Humors: In ihrer Feindschaft gegen de» Reichskanzler ist die„Köln. Volkszeitung" feil einiger Zeit bemüht, glauben zu machen, daß zwischen dem Fürsten von Bülow und den mili- rärischen Instanzen Gegensätze beständen. Ein neues Bei- spiel hierfür enthält daS Blatt in seiner heutigen AuSgabe. ES heißt daselbst in einem Berliner Telegramm: Falsch ist, wenn man glauben wollte, daß PaascheS Rede Bülow unangenehm gewesen sei. Im Gegenteil, Paasche hatte am Abend vor seiner Rede eine längere Unterredung mit Bülow gehabt, und eS ist doch wohl anzunehiucn. daß daS längere Gespräch sich mit PaascheS Rede beschäftigt hat. Man wird also nicht fehlgehen mit der Annahme, daß zwar nicht Herr v. Einem. wohl aber Bülow über PaascheS nächsnägige Rede genau unter- richtet war. Wir können erklären, baß diese Angaben genau so haltlos sind wie die übrigen Behauptungen deZ BlatteS über Differeirzen zwischen dem Reichstanzler und dem Kriegsminister. Dieser Berichtigung nach ist also dem Reichskanzler die Rede PaascheS nicht angenehm, sondern recht„unangenehm" gc- wesen. Zweifellos eine höchst wichtige staatSmännische Feststellung. Vielleicht richtet das offiziöse Blatt«ine besondere Rubrik mit dem Titel„ReichSkanzler-Geflihle' ein.---- Freisinnige»autschukmanner. Im Hinblick auf die Vertraucnscrklärung. die der typische Vertreter des„entschiedenen" Freisinns, der dauernd den Reichstag mit einem freisinnigen Bezirksverein verwechselnde große„Staatsmann" Herr Dr. Wiemer, am Donnerstag dem Reichskanzler gegeben hat, dürfte es angebracht sein, an eine Aeußerung desselben Herrn zu erinnern, die noch aar- nicht so lange zurück liegt. Es war am 16. Januar 1905. als Herr Wienier seine EtatSrede im Abgcordnetcnhause mit folgenden Worten schloß: Meine Herren, der Herr Ministerpräsident hat aufgefordert, Vertrauen zur Regierung zu haben, daß sie die Jnterefleu des Lande? wahren werde. Ich bedauere, für meine politischen Freunde erklären zu müssen, daß wir diese? Bertrauen nicht haben. Wir können nicht sehen auf gefällige Worte, sondern auf die Taten der Regierung, und Herr Graf Bülow wird sich nicht wiiiidern, daß nach den Taten der Regierung der entschiedene Liberalismus in Stadt und Land diese innere Politik nicht billigt, sondern bekämpft in der Ueberzeugung, daß die Signatur einer ge- sunden Politik die Wohlfahrt aller sein muß. (Lebhafter Beifall bei der Freisinnigen Volkspartei.) Man vergleiche mit diesem wörtlich dem stenographischen Bericht entnommenen Ausspruch seine letzte Erklärung, und man wird auch ohne Kommentar wissen, was man von Herrn Wiemer und seinen Freunden zu halten hat. Eben noch die Vertreter der schärfsten Opposition, werfen sie sich zu Befür- wortern der Regierung auf, und das, obwohl die Regierung ihnen auch nicht die gering st en Zugeständnisse gemacht hat. Auch bis heute hat die Regierung nur„ g e- fällige Worte" für den Freisinn übrig, an„Taten" hat sie es noch immer fehlen lassen. Trotzdem diese Wandlung in den Anschamingeu des„entschiedenen" Liberalismus! Fürwahr, das Nordseebad Norderney übt eine wunder- bare Wirkung aus, eS beruhigt nicht nur die erregten Nerven, sondern spült auch Gesinnungen und Uebcrzeugungen hinweg, besonders wenn sie nicht allzu tief wurzeln! Und solche Sippschaft ist zur GesctzeSmacherei im Reick und Staat berufen und hat den traurigen Mut. von de, Wohlfahrt aller zu reden I— Preuftische Eise»bah„Politik. Die in dem preußischen Etat vorgesehenen Beträge für die Ausrüstung und den Ausbau der preußischen Staatsbahncn über- steigen einschließlich derjenigen Summen, die in der angekündigten Eiscnbahnvorlage enthalten sind, die Ziffern des Vorjahres um 20 Millionen Mark. In dem Budget der Eisenbahnverwaltung sind nämlich 300 Millionen für den Bedarf von Obcrbaumaterial und Fahrbetricbsmittcln bestimmt(gegen 280 Millionen im vorigen Jahre). Tie zur Anschaffung vorgesehenen FahrbetricbSmittcl umfassen etwa 1000 Lokomotiven und 17 000 bis 18 000 Waggons. Von den Lokmnotivcn dürften 400 Stück bereits im Dezember zur Vergebung gelangen. Zu diesen Erfordernissen tritt dann noch ein Extraordinarium. Die preußische Eisenbahnverwaltung setzt demnach ihre JnvestitionSpolitik, wie sie sie seit Jahren beobachtet. fort— ohne daß cS ihr jedoch gelänge, die Klagen der Industrie über den Waggonmangel, der insbesondere in den Zeiten der Hoch- konjunktur sehr lebhaft war, verstummen zu mackien. Ganz zu gcschwcigcn von einer Aufbesserung der Bezüge dcö Personals. Wo die Fiskalpolitik Trumpf ist, müssen Industrie- und Sozial- Politik schweigen. Dabei werfen die Bahnen steigende Erträgnisse ab. So war. der Uebcrschuß derselben nach Verzinsung der Eisenbahnschuld im Jahre 1000 um mehr als 02 Millionen Mark größer alS im Vorjahre, und er wäre noch größer gewesen, wenn die Verkehrs- cinrichtungen den Anforderungen des Güterverkehrs besser ent- sprechen würden. Fast alle HandclSkammerberichtc pro 1008 nennen unter den Hemmungen und Störungen der geschäftlichen Entwickelung mit an erster Stelle die ungenügende Betstellung von Güterwagen. Dazu kommt die ungünstige Wirkung der im Mai 1000 ein- geführten Fahrkartcnstcuer. Schon in den Monaten August und September(1900) zeigte sich eine Verschiebung deS Verkehrs in die unteren Wagenklassen, und während der letzten Monatb wurde die erst« Klasse um 8,3 Proz. weniger benutzt als im Jahre 1903, während nach der Verkchrsentwickelung eine Zunahme von 8 Proz. zu erwarten war. Insgesamt ist also im letzten Quartal 1900 ein Ausfall von rund 10 Proz. zu verzeichnen. In der zweiten Wagenklasse ist während derselben Zeit nur ein Mehr von 1,7 Proz. erzielt worden, während 7,5 Proz. zu erwarten waren; in der dritten Klasse nur ein Plus von 3,3 Proz., während 8,4 Proz. erwartet wurden. Nur in der vierten Klasse ergab sich ein Mehr von 0,3 Proz. Kurz, die Enttäuschung dcö preußischen EiscnbahnfiLkus ist eine große, und der einzige Effekt ist die Un- Zufriedenheit der VerkehrSintercsscnten. Die allmächtige Bureau- kratic will nicht begreifen, daß man die Henne, welche goldene Eier legt, auch gut füttern muß. Die bisherige Alimenticrung genügt nicht.—__ Hamburgische StaatSsorgen. In der Sitzung der Hamburger Bürgerschaft vom Mittwoch- abend kam es bei der Beratung de? Staatsbudgets für 1008, das mit 159 Millionen Mark abschließt, zu einer umfangreichen Debatte, in.welcher der teuren Wirtschaft in allen Zweigen der Verwaltung kein Loblied gesungen wurde. Auch einige bürgerliche Abgeordnete stellten recht trübe Betrachtungen an, die der Senats- kommt ssar Dr. Mönkeberg, der mitteilte, daß ein besonderes hamdurgisches Erdschafts st cuergesetz demnächst dem Hause zugehen werde, nach Möglichkeit zu entkräften suchte. Genosse Stalten hielt eine großzügige Rede, in welcher er auch die Finanzw»rtschaft des Reiches behandelte, soweit die Einzelsiaatcn davon in Mitleidenschaft gezogen werden. Sollten die ungedeckten Matrikularbeiträge gedeckt werden, so müßte Hamburg einen Bei- trag von 15 Millionen Mark beisteuern, was ein schönes Loch im Hamburger Staatsbudget verursachen würde. Während die oberen und mittleren Beamten nennenswerte Gehaltszulagen erhalten hätten, seien die Ardeiter sehr schlecht bedacht worden, obwohl gerade die Teuerung gerade ihre Lebenshaltung wesentlich ver- schlechtcrt habe. Nicht allein Genosse Stalten, sondern auch bürgerliche Abge- ordnete bezeichneten das Deamtenhccr im Verhältnis zur Be- völkerung als viel zu stark.„Bei der Baudcputation werden viele Staatsarbeiter für private Zwecke der Beamten verwendet, sogar zum Sticfclputzcu, Fcnsterputzen und Kinderwarten", sagte Dr. Dlunck von den Vereinigten Liberalen. Ein anderer bürgcr- lich« Abgeordneter wies auf den„Ernst der Zeit" hin, auf die Fallissements angeschener Häuser und auf die traurige Verfassung des Hhpothekenmarktc». Deshalb solle man bescheidener Wirt- schaften und nicht glauben, der letzte Groschen müsse unbedingt verputzt werden. Diesem„sparsamen" Herrn wurde jedoch vor- gehalten, daß er vor gar nicht langer Zeit für eine äußerst un- produktive Sache, nämlich für den Wiederaufbau der eingeäscherten «roßen MichaeliSkirche drei Millionen Mark bewilligt hatte aus Staatsmitteln, obwohl in Hamburg Staat und Kirche getrennt sind. Hnb Ternburg sprach Y Bei einem Festakt der Deutschen Kolonialgcsellschaft in Franksnrt hielt Herr Dernburg eine grobe Rede über miscre Kolonialpolilik. Er machte diel grobe Worte, sagte aber umso weniger. Er prieS namentlich D e u t s ch- O st a f r i k a als vielversprechendes ZnkunstS- land, das freilich erst durch ein Netz von Verkehrswegen erschlossen und durch Hebung der Eingeborenen- Produktion nutzbar gemacht werden müsse. Irgend etwas NcucS oder Tatsächliches brachte er nicht vor.— Tie Entrechtung der?)!inorität. Die Komödie, die heute im Reichstag aufgeführt wurde, bedurfte AU ihrer Durchführung einer sehr eigentümlichen Handhabung der Geschäftsordnung. Bekanntlich stand das HauS in der Etatdcbatte und als nächster Redner war der Zentrumsabgeordnete Gröber gemeldet. Normalerweise hätte er auch das Wort bekommen müssen. Die Blockmehrheit hatte aber den Wunsch, die drei„feierlichen' Er- klärungen abzugeben. Nach dem Wortlaut der Geschäftsordnung wäre es unzulässig gewesen, daß statt Gröber plötzlich die Herren Normann, Baslermann und Wiemcr das Wort bekonunen. Denn der Z 47 bestimmt ausdrücklich:„Bei allen Diskussionen erteilt der Präsident demjenigen Mitgliede das Wort. ivdcheS nach der Eröffnung der Diskussion oder nach Beendigung der vorhergehenden Rede zuerst darum nachsucht.' Dieses Mitglied war eben Herr Gröber. Nun wird allerdings dieser Paragraph in Uebereinkunft init den Parteien so gehandhabt, daß die Redner durch den Präsidenten den einzelnen Fraktionen in der Reihenfolge ihrer Stärke zugewiesen werden. Dieser Brauch besteht seit zwei Jahrzehnten und hat sich durchaus bewährt. Der Präsident hat sich aber weder a n d e n Wortlaut, noch an die Tradition gehalten. Nach dieser hätte sowohl der Zentrumöredner als der sozialdemokratische zu- »rindestens vor Herrn Wiemcr das Wort erhalten müssen. Indem der Präsident nur die Vertreter der Mehrheitsparteien Erklärungen abgeben ließ, die beabsichtigten Erklärungen der Opposition aber einfach unterdrückte, hat er ganz willkürlich gehandelt. Graf v. Stol- bcrg hat bisher die Geschäfte in ziemlich loyaler Weise geführt. Jetzt hat sich gezeigt, dah diese Loyalität nur Schein war. In dem ersten Moment, in dem eS sich um eine wichtige Angelegenheit handelte, stellt eS sich heraus, daß er sich nicht als Vertreter des Reichstags betrachtet, sondern nur als Beauftragter der Regierungsmehrheit, in deren D i e n st er die Rechte der Minorität mißachtet hat. Dabei sehen wir davon ab. baß er auch die GeschSftSordnungS- Meldungen unserer Redner bis nach Schluß der Etatberatung un- beachtet gelassen hat. Denn dazu hat er allerdings seil der schmäh- lichen Zerstörung der Geschäftsordnung durch die Lex Kardorff das s o r- melle Recht, wenn auch der Gebrauch dieses Rechtes von uns, die wir das Zustandekommen der neuen Geschäftsordnung als Verfassungsbruch betrachten, nie als loyal angesehen werden wird. Die Vorgänge im Parlament haben aber ivieder aufs neue gezeigt, daß die geänderte Geschäftsordnung nichts ist. als ein Mittel zur Berge ivaltigung der Minorität. Und diesmal war der leidend« Teil nicht nur die Sozialdemokratie, sondern auch daS Zentrum, das heute als Minorität für die Sünden büßt, die es einst al» Majorität im Bunde mit Konservativen und Nationalliberalen begangen hat. Nutznießer der ver- g e w a l t i g u n g der Minorität war dagegen auch der Block- s r e i s i n n. ES ist bezeichnend, welchen Grad der Selbstentwürdigung der Freisinn bereits erreicht hat, daß er sich nicht scheute, diese skrupellose Ausnutzung gerade der reaktionärsten Bestimmung der Lex Kardorff mit Begeisterung gutzuheißen. die er einst selbst milbekäinvft hat. Die Blockpolitik fordert eben ihre Konsequenzen mid eS ist eine notwendige Konsequenz der Preisgabe all feiner Prinzipien, wenn jetzt der Freisinir aus Angst vor einer Kritik, deren Berechtigung er nur allzugut kennt, zu den Mittel» greift, die ihm die Lex Kardorff bietet.—_ Liberalismus und Wahlrechtskampf. In einer vom Sozialliberalen Verein, der Ortsgruppe Köln der Freisinnigen Vereinigung, einberufenen Volksversammlung sprach gestern abend Herr Dr. Breitschcid. Der Vorsitzende der Kölner Ortsgruppe erklärte zur Eröffnung der Versammlung: Die Sozialdemokratie ist mit großem Elan in den Wahlrechts- tanrpf gezogen; jetzt muß mit aller Deutlichkeit ausgesprochen werden: Tie bürgerliche und die soziale Demokratie ge- hören in diesem Kampf zusammen l Herr Dr. Breitschcid legte dar, daß Bnlow nie daran gedacht habe, niit dem Block liberale oder antiklerikale Politik zu machen, sondern er wolle nur eine Mebrhcit für die„nationalen" Forderungen der Regierung haben. Wie sehen, so fragte der Redner, die„Konzessionen an den Liberalismus aus? Die MajestätSbeleidigungS-Novelle ist in Wirklichkeit elil?luLnahniegesetz gegen eine bestimmte Partei. Bei dem Verein srccht wird ein Ausnahmegesetz gegen die Frauen aufgehoben, um ein neues gegen die P o l e n z u schaffen. Sollen das Konzessionen an den Liberalismus sein?! Für die Massen des Volkes gebe cL jetzt nur eine Forderung: das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht für Preußen! Und es kennzeichne die Situation, daß Bülow nicht ein Wort hierzu zu sagen hahe. Tic Thronrede gehe mit Stillschweigen darüber hinweg. Für die Liberalen sei es an der Zeit, dafür zu sorgen. daß ihre Prinzipien aus der Druckerschwärze in die Wirklichkeit übertragen würden. Und wenn die Sozialdemokratie links vom Liberalismus für ein besseres Wohlrecht kämpfe, so sei das kein Grund für die Liberalen, lässig zu sein. Das allgemeine Wahlrecht für Preußen sei keine sozial- demokratische, sondern eine liberale Forderung. Wenn die von der Sozialdemokratie angewendeten Mittel auch nicht immer den Beifall der Liberalen fänden, so sei das kein Grund, drr Sozialdemokratie in den Rücken zu fallen. DaS Pluralwahl- recht, wie es die N a t i o n a l l i b e r a I e n wollen, könne nichts nützen; mit dieser Forderung rüttele man keine Massen auf. T-aS Ziel der Liberalen müsse ein Block der gesamten Linken gegen die klerikale und reaktionäre Politik sein. Die Situation hierfür sei allerdings jetzt sehr ungünstig: aber das eine sollten die Lcderalen erstreben: mit reinen Händen vor ihre Wähler zu treten. Bei der Blockpolitik dürfen unsere liberale» und demokratischen Grundsätze nicht preisgegeben werden! fLebhafter Beifall.) In der Diskussion erklärte Parteisekretär Genosse B. Müller, daß die Sozialdemokrasie mit Liberalen vom Schlage der Herren Barth und Breitschcid gern zusammenarbeiten wolle; leider aber fipde man im„liberalen" Bürgertum nur nocki wenig Charakterstärke. Die Versammlung nnbm schließlich einstimmig eine� Resolution an, in der„nachdrücklichst die Ersetzung dcS preußischen DreiklasscnshstcmL durch das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Whalrecht" gefordert wird.»- Nationalliberale gegen die öffentliche Stimmabgabe. In Köln haben bei den Siadtverordnetenwahlen in der zweiten Abteilung die Ultramontanen über die Liberalen gesiegt und damit die Mehrheit im Rathanse erlangt. Die„Kölnische Zeitung" streitet in einer nachträglichen Wahlbetrachtung den Klerikalen das Recht ab, in dem Ausfall der Wahl einen Sieg der Zentrumssache zu sehen. Man keime den siegreichen Bundesgenossen des Zentrums: den TerroriSmuS, den diese Partei zur Erlangung und Verstärkung ihres Einflusses schon seit Jahren ausübe. In der dritten Abteilung seien viele Wähler zu Hause geblieben weil sie„bei der öffentlichen Wahl nicht das Bekenntnis ihrer politischen Ueberzeugungmitge- schäftlichen Nachteilen bezahlen wollen". Eine solche Wahlscheu möge ein Unrecht sein, aber einen allzu großen Vorwurf könne man den Leuten nickt daraus machen. „Liberal denkende Wähler haben aus Furcht vor den rüchsichtölosen Einschüchtern ngS- und Ab- schreckungsmitteln des Gegners in der dritten wie auch in der zwcilen Klaffe entweder gar die Liste des Gegners gewählt, oder gar nicht gewählt, oder aber ihre Gunst verteilt und jedem etwas gegeben. Ein zu- treffendes Bild der wirklichen MehrheitS- Verteilung würde daher wohl nur die geheime Wahl geben, und eö darf mit Fug und Recht als höchst fraglich bezeichnet werden, ob bei einer solchen daS Zentrum in der zweiten Klaffe den Sieg erfochten bälte, zumal da bei der heurigen Wahl seine Mehrheit nur aus 31 bis 300 Stimmen bestand." Werden sich die Nationalliberalen in Preußen die Ersahrungen ihrer Kölner Partei- und Gesinnungsgenossen nun zunutze machen und schleunigst und mit allen Kräften für Beseitigung der öffentlichen Stimmabgabe bei den Landtags- und Gemeinde- wählen eintreten?_ Zur Lnndtagserfnftwahl im Altcnbnrger Wahlkreise. Nunmehr sind auch die Liberalen noch mit einem eigenen Kau- didaten auf dem Plaue erschienen, den sie drei Tage vor den Dahlen ihren Schäschcir präsentieren. Ed ist dies der aus dem letzten ReichSlagSwahlkampfe her bekannte Rechtsanwalt Dr. Höfcr- Allenburg, durch dessen entschiedenen LiberaliSnuiö der Wahlkreis Altcnburg, in der Stichwahl am o. Februar der Reichspartei aus- geliefert wurde. Herr Hvfcr ist schon bei der letzten LnndtagSwahl in demselben Wahlkreise Eisenberg-Kahla, noch dazu alS Kandidat der gesamten vereinigten Ordnungsparleien durchgefallen. ES wird ihm also diesmal leichter werden, weil er Uebung im Durch- fallen hat.—_ Zentrums-Konsequenz. Der„Vorwärts" wies dieser Tage darauf hin, daß das Zentrum im Reichstage sich gegen die Aushebung oder Herabsetzung der Lebens mittelzölle wehrt, weil dadurch die Höhe der Lebensmittelpreise nicht beeinflußt werde, daß zu gleicher Zeit aber ein führendes Zentrumsblatt, die„Köln. V o l k ö z e i t u n g". in einem Artikel über die türkische u WirtichaflSverhättniffe die Aufhebung der Getteidezölle als das „einzige durchgreifende Mittel" erllärt, um dem Rotstande der türkiichen Bevölkerung abzuhelfen. Dieser Erscheinung, daß das Zentrum sehr vernünftig und volksfreundlich urteilen kann, wenn eö sich um die Fehler anderer handelt, hat man bäusig zu beobachten Gelegenheit. So schreibt der ultramontane„ V o l k S f r e und" in Aachen über die politische Lage in Baden: „Die erste Tat, womit der Finanzminister vor den neuen Landtag tritt, ist der Vorschlag der Aufhebung der Fleisch» st e u e r, die außer in Bade» nur noch in zwei oder drei anderen Staaten Europas besteht. Schon vor Jahren hatte Buchenberger daran gedacht, diese ebenso sehr vom Standpunkt der Volköernährung lote au S sozialen Gründen zu bcan standende indirekt« Steuer zu beseitigen, hatte aber nichl den Mut besessen, mit diesem Vorschlag vor die Kammer zu treten." Nim muß man wissen, daß Aachen eine derjenigen Städte in Preußen ist, die noch eine Gemeindefleischsteuer haben: daß Aachen eine u l t r a m o n t a n e R a l h a u 3 m c h r h e i t hat, daß aber daö Aachener RathauSzcntrum sich bisher allen Versuchen, diese„vom Standpunkt der VolkScruätmmg wie aus sozialen Gründen der- wcrflichc Steuer zu beseiligen", sich mit allen Kräften widersetzt hat! Daö Zentrum ist da vernünftig und gerecht. wo es nichts zu sagen hat. aber ebenso Volks- mid arbeiterfemdlich. wo es das- Holl in Händen hat. Wegen der Serleuindmigen der„Post" hat Genosse R. Fischer bereits gestern Strafantrag gestellt, und zwar hat er das Ersuchen an die Staatsanwaltschaft gerichtet, von Amts wegen im öffentlichen Jnieresse die Klage zu erheben. Neben der„Post" hat er die Klage ausgedehnt ans alle Blätter, welche die Verleumdungen der„Post" in ihre Spalten übernommen, nämlich die„Frei- sinnige Zeitung".„Nationalzeitung"..Deutsche Tageszeitung",„Neueste Nachrichten".„Reich" und„Staatsbürger-Zeitung". Dem System der ge- wissenlosen Verleumdung unserer Genossen durch die kapitalistische Presse kann nur dadurch auf den Leib gerückt werden, daß man sie vor den Richter zwingt; denn Berichtigungen ünd Erklärungen werden entweder unterschlagen oder die Verleumdungen werden nach kurzer Zeit wieder in anderer Forin aufgetischt. Mai» braucht sich nur an die Lllgennotlz von dem Sektgelage Bebcl-StngerS an Kaisers Geburtstag zu erimternl— Huftralien. Steigende Einnahmen, hauptsächlich auö Zöllen und Steuern, hat der australische Staatenbund zu verzeichnen. Im November wurden eingenommen 974 424 Pfund Sterling gegen 768 18ü Pfund im November 1006. In den fünf Monaten des Fiskaljahres, endigend am 30. November, waren in den Hauptkassen einge- liefert, somit als Einnahmen gebucht: 4 878 622 Pfund gegen 4 113 784 Pfund in der gleichen Periode des JahrcS 1906. In Südaustrolien hat das Staatsparlament eine Vorlage auf Einführung einer progressiv steigenden Landsteuer mit großer Majorität abgelehnt. Dieser Vorlage wurde in Arbeiter- kreisen viel Wichtigkeit beigemessen, weil man mit ihr die Besitzer von ungeheuer großen Landstrccken hätte treffen können die and spctulativon Gründen die Ländereien brach liegen lassen. Ticic vezahlen nur geringe Steuern auf unbenutztes Land, während die lleinen Landbesitzer verhältnismäßig hoch besteuert sind. kommunales. Stadtvrrordueten-Vcrsammlung. 24. Sitzung vom Donnerstag, den S. Dezember. nachmittags B Uhr. Die Sitzung wird vom Vorsteher Dr. LangerhanS nach b'/ö Uhr eröffnet., Es haben mehrere AuSschußwahlen stattgefunden. In den Ausschuß für die Vorlage wegen Aenderung dcö Reglements für die Versorgung der städtischen Arbeiter und ihrer Hinterbliebenen hat die sozialdemokratische Fraktion die Stadtvv. Hei mann, Koblenzer und Schubert deputiert. In gemeinschaftlicher Sitzung mit dem Magi- strat wird die Wahl von L Mitgliedern und 8 Stellvertretern des Sieuerausschuffeö der G e werbest eu er k lasse 1 für den Veranlagungsbezirk Berlin, sowie je eineö weiteren Mitgliedes und Stellvertreters zwecks Veranlagung der Warenhaus st euer siir 1908— 1910 vorgenommen. Den vom Magistrat geplanten Ankauf einer etwa IS Hektar großen Parzelle der Wuhlheide zum Preise von 7'� M. pro Ouadratmcter— 1% Million Mark hat der niedergesetzte Aus- schuß einstimmig gutgeheißen. Ohne Debatte tritt die Versammlung dem Ausschußbeschlusse bei. Stadtv. Liebcuow(A. L.) berichtet namenS dcS Rechnungs- c u s s ch u s s e L über eine große Zahl von Rechnungen, über die Vorlage betr. den Stand der Baufonds bei SS Bauausführungen. über den Jahresabschluß pro 1905, sowie über die Abschlüsse der Kassenverwaltung der städtischen Werke, der Martthallenvcrwaltung und der Verwallung dcS UrbanhafenS pro 1908. Durchweg ist vorläufige oder endgültige Entlastung beantragt. Eine Diskussion findet nur statt bei dem Bericht über den Stand der Bauaus- führungen. Stadtv. Kyllman»(Fr. Fr.): Unser Siadtbaurat Hoffmann hat sich in der Versammlung und im Ausschuß mehrfach Angriffe gefallen lassen müssen, weil unter seiner Verwaltung zu langsam gearbeitet werde. Ein Ucberblick über das in den 10 Jahren seiner Amtstätigkeit allein auf dem Gebiete der Schulbauten Geleistete beweist die Haltlosigkeit dieses Vorwurfs. In jener Zeit sind 10t Schulen gebaut und im ganzen mit den Krankenhausbautcn usw. 135 Millionen verbaut worden, gewiß eine großzügige Tätigkeit! Wohl einem solchen Bauherrn, der einen solchen Baukünstler hat! Kitzlich ist er nur, insofern er nichts davon wissen will, daß etwas übers Knie gebrochen wird; in künstlerischer Beziehung genügt er sich selber nie genug. Er ist anerkanntermaßen einer der ersten Architekten Deutschlands, zu dessen Besitz wir uns Glück wünschen müssen.(Allgemeiner Beifall.) Im übrigen werden die Anträge deS Ausschusses auf vorläufige oder definitive Entlastung angenommen. Dem am 1. April 1908 in Kraft tretenden V o l k s s ch u l» unterhalt n ngSgesetz will eine Vorlage deS Magistrats die zurzeit geltenden Vorschriften über die Schuldeputation und die Schulkommissionen anpassen; außerdem soll eine neue Ver- waltungsdcputation für die höheren Lehranstalten gebildet werden. Stadtv. Preuß(soz.-fortschr.): Die Vorschläge dcS Magistrms über die künftige Zusammensetzung der Schuldcputation werden wohl allgemeine Billigung finden, denn die Zusammensetzung w'rd so günstig sein, wie eS nach dem neuen Gesetz nur irgend möglich ist. Die drei Lchrpersoncn, der eine Rektor, der eine Lehrer uns die eine Lehrerin, welche Mitglieder sein sollen, sind ja nur das Mindestmaß dessen, was berufen werden muß; bei der definitiven Bildung wird es gestattet sein, darüber hinauszugehen. Bei der Abzweigung einer neuen Deputation für das höhere Schulwesen wäre nur zu bemängeln, daß 4 MagistratSmitgliedcr und nur 5 Stadtverordnete darin sitzen sollen; hier wünsche ich 8 Stadt- verordnete, um das sonst übliche Verhältnis herzustellen, zumal da Bürgerdeputicrte einstweilen nicht vorgesehen sind. Wichtiger sind nun leider diejenigen Fragen, über die in der Vorlage nichts steht: das Verhältnis der Stadt zu den Prioatschulcn, die Schul- aufficht, die Recht« der Stadt bezüglich der Rektoren- und Lehrer crnennung. In allen diesen Beziehungen hat der Magistrat dock erst vor kurzem durchaus sich auf unseren Standpunkt gestellt; ich nehme an, daß die bezüglichen Verhandlungen mit dem Kultusministerium nicht zum Abschluß gekommen sind, bitte aber den Magistrat dringend, nicht zu einem irgendwie bindenden Beschluß zu kommen, che uns Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben ist. Einen ver- ständnisvollcn Rückhalt an der Versammlung wird der Magistrat bei diesen Verhandlungen stets finden; um j c d c n Preis zu einem Kompromiß zu kommen, ist unsere Meinung nicht.(Beifall.) Stadtv. Cassel(A. L.): Auch mir scheint eine Erhöhung de? Minimums der Vertreter der Lchrpersoncn in her Schuldcputation am Platze. Die anderen Gesichtspunkte jetzt eingehend zu beraten, ist auch deshalb kein Anlaß, weil die Unterrichtsvcrwaltung mit der Stadt kommissarisch diese Makcrie regeln will. Tie neu projektierte Deputation für das höhere Schulwesen wird zweck- mäßig später auch durch Bnrgerdcputierte zu vervollständigen sei». Eine größere Zahl von Mitgliedern der Versammlung m dieser Deputation schien auch unS erwünscht, doch wollen wir die An- nähme der Vorlage nicht von einer Aenderung dieser Zahl abhängig machen. Vielleicht genügt eS. den Magistrat darum zu ersuchen; im übrige» sollte die Vorlage einfach angenommen werden. Oberbürgermeister«irschnrr: Der Magistratsvorschlag geht darauf zurück, daß nicht ein zu großer Apparat von vornherein in Funktion gesetzt wird. Die Zahl der MagistratSmitgliedcr könnt.' nicht wohl geringer gewählt werden. Lassen sie die Sache sich erst einleben, sollte sich eine Aenderung als notwendig heraus- stellen, so wird der Magistrat sich nicht ablehnend verhalten. Im übrigen bestätige ich, daß aus Anregung des Kultusministers lom- missarischc Verhandlungen über das Gcmeindcschukwes cn stattfinden. Stadtv. Msmmsen(Fr. Fr.): Hiernach kann sich der Kollege Preuß wohl beruhigen. Stadtv. Preuss läßt seinen Antrag zurzeit fallen; die Borlag: Wird angenommen. In den Etat für 1908 sollen an gemeinnützige Vereine und dernl. eine Reihe von Zuwendungen erhöht oder neu eingestellt werden. ES sollen neu zugewendet werden: dem Preußischen FortbildungSschulverciu Mitgliedsbeitrag 25 M., dem Verein zum Schutze der Kinder vor Ausnutzung und Miß- Handlung 500 M., dem Frauenlazarettvcrcin 5090 M.. dem Deutschen Verein für Volkshygicne, Ortsgruppe Berlin, 1S00 M.. dem Verein für die Berliner Arbeiterkolonie 1000 M., dem Zentral- hülfsoerein zur Förderung der Berufstätigkeit der Blinden Deutsch- lands 500 M.. dem Verein zur Errichtung von Arbeiterinncnheime» 2000 M., dem Deutschen Verein für Materialprüfungen der Technik zwei Mitgliedsbeiträge 8 M. Ale außerordentliche Bei- hülfen sollen gewährt werden IV 000 M. dem Zentralverein für Arbeitsnachweis(5000 M. für die Facharbeitcrnachweise. 10 000 M. für den Dienstbotcnnachweiö) und 100 M. an die Deutsche Dichter- Gedächtnisstiftung. Eine Erhöhung erfahren sollen die Zuwendungen an den Berein für das Wohl der aus der Schule entlassenen Jugend von 5090 auf 6999 M.. an den Zweigverein Berlin des Vater- ländischen FraucnvereinS zur Unterhaltung seiner HauShaltungS- schulen von 1099 auf 1599 M.. an die Freie Hochschule Berlin vcm 1999 auf 1509 M., an den Verein zur Beförderung der Rlcin- iindcrvewahranstaktcn von 5099 auf 8099 M., a» den Verein für die Goßncrschcn Kleinkindcrbcwahranstaltcn von 509 auf 1090 M» an den Verein für Voltskindcrgärten von 8500 auf 9000 M. Hierzu liegen Anträge Arons vor, wonach die Stadt: E i n- r ich tun gen für die Speisung bedürftiger Schul« k i n d c r treffen soll, b) die Subvention des Vereins für Kindervolksküchen so erhöhen soll, daß der Verein seinen Aufgaben nachkommen kann. Stadtv. Mommsen: Der?lntraa sub a gehört nicht zur TagcS- ordnung, er ist völlig selbständig. Auch habe» die Fraktionen diese recht wichtige Frage noch nicht besprechen könne«. Der Antrag ist als selbständiger Antrag zu behandeln und also von der heutigen Tagesordnung abzusetzen; er kann ja in acht Tagen verhandelt werden. Stadtv. Liebermannnutzlc lagelang ihren Betrieb einstellen; dann kam ein magerer Vergleich zustande. Bei der chronischen Hungersnot in Indien hatten die Streikenden einen schweren Stand. Ihr Führer, ein Europäer, wurde von der Direktion entlassen, ob- gleich sie verlangten, datz gerade er wieder eingestellt werden müßte. Und als sie dennoch ohne ihn zur Arbeit zurückkehrte», verließen sie ihn nicht, sondern sammelten Gelder für ihn und seine Familie.— Es besteht eine Organisation der Eisenbahnangestellten in Indien, die Amalgamated Society of Railway Servanls of Jndia, die in den Streik vermittelnd eingriff und die Beendigung herbeiführte. Letzte JVacbrichtcn und Vepelcben. Trotz alledem! Petersburg, 6. Dezember.(W. T. B.) Die Zahl der aus Anlaß des Prozesses gegen die sozialistischen Abgeordneten streiken- den Arbeiter beträgt 75 000 bei einer Gesamtzahl von 125 000. In Moskau haben die Arbeiter von 36 Fabriken die Arbeit eingestellt. Der Stadthauptmann hat angeordnet, die Anstifter des AuSstandes festzustellen und aus der Stadt zu verweisen. In Saratow streiken die Arbeiter von 8 Fabriken und die der Eisenbahnwcrkstättrn. Die Wahlrcform vor der sächsischen Kammer. DrcSdc», 6. Dezember.(W. T. B.) Zweite Kammer. Die Debatte über die WahlrcchtSvorlage wird fortgesetzt. Abg. Ulbrich nassen, die vor der freisinnig-konservativen Blockehe Fanfare bliesen gegen die verderbliche Blilowsthe Wirtschaftspolitik, durchaus nicht, demselben Bülow, der sich eine agrarische Gcabschrift auSgcbeten hat. ihr volles unbegrenzte« Vertraue» zu bekunden, nachdem dieser BlockvertrauenSmann uneingeschränktes Festhalten an der agrarischen, Handel und Berkehr schädigenden, die Lebenshaltung verteuernden Wirtschaftspolitik proklamiert hat. Und dieser Freist»» will liberale Polilit machen I Jrrlichterei und Spießerei. daö ist alles, was beim goeifinn zu füiiei, ist._ Die industrielle Krise in Amerika. Die soeben eingetroffene letzte Rümmer der»New Aorker Handels- zeifting" bringt eine Menge Angaben über den Einfluß der Krise auf den Arbeitsmarkt. Wir heben die hauptsächlichen Angaben heraus: Die Lackawanna Steel Co. hat von den in ihrem großen Stahl- werk in West Seneca bei Buffalo, N. Z., bisher beschäftigten 6000 Arbeitern 4000 entlassen. Die bisher raufend Arbeiter beschäftigende Strickwarcnfabrik der Utica Knirting Co. in Utica, N. F., hat für vier Wochen den Betrieb eingestellt. Die gleichen Fabriken von A. B. Morris u. Son, DundS. Kennedy u. Innds und Gardiner. Waring u. Eo., sowie die Teppichfabriken der Shuttleworth Bros. Co. und von McCleary, Walltn u. Crouse, sämtlich in Amsterdam, N. D., welche in normalen Zeiten zuiamnien zirka 5000 Arbeiter beschäftigen, sind auf unbestimmte Zeit gcichlossen worden In Hudson, Mass., hat die Aspley Rubber Shoe Co. auf mehrere Wochen den Betrieb eingestellt. In Molden und in Melrose, Mass., sind die 3000 Arbeiter beschäftigenden Fabriken der Boston Rubber Shoe Co. gescklosscn worden, in New Dorf, Pa., die drei Seiden- fabriken der American Silk Co., wodurch 1000 Arbeiter beschäiti- gungsloS geworden find, und in Norfolk. Va., die Chcfapeake u. Eli- zabeih Knirting MillS. In Chicago hat die International Harvester Co. gegen 1000 Arbeiter entlassen, die Union Stock Dards mehrere tausend Mann und die nachstehenden Firmen haben ihr Personal wie folgt reduziert: Republican Jron u. Steel Co. 1200 Arbeiter, Grifstn Wheel Co. 1000, HineZ Lumber Co. 300, AlliS-Chalmcrs Co. 250, Brunswick- Balke Collcnder Co. 100 und die Pianofirma Bush u. GartS 100 Arbeiter. Nahezu 1000 Maschinisten sind arbeitslos und die Eisenbahnen westlich von Chicago haben ungefähr 25 000 Leute entlassen. Aus Pittsburg wird gemeldet, daß in letzter Woche sin dortigen Distrikt zirka 45 000 Arbeiter beschäftigungslos geworden sind. Die Jones u. Laughlin Steel Co. hat die Errichtung eines Eisen- und Stahlwerke» in dem in der Nähe von PitlSburg ge- lcgencn Orte Aliquippa auf unbestimmte Zeit eingestellt. Auch die Midland Steel Co., welche mit Errichtung eines neuen Stahlwerkes. einige Meilen südlich von der großen Anlage der Jones u. Laughlin Co.. beschäftigt ist, hat die Arbeiten vorläufig einftelleu lassen. Die in Frcemansbnrg, Pa., gelegene Fabrik der American Novelty Co. ist bis Neujahr geschlossen worden, die National Cash Register Co. in Daylon, O.. hat von ihren 4000 Arbeitern die Hälste entlassen, die Eastcrn Steel Co. in PottSville, Pa., die meisten ihrer 1000 Arbeiter, die Schiffs- und Waggonbauaiistalt der Harlan u. Hollingsworth Corp. in Wilmington, Del., hat von ihren 2200 Arbeitern 1300 entlassen. Die Eisenerzminen von Michigan entlassen den Winter 4000 Mann. Im nördlichen Wisconsin haben 21 Sagemühlen den Betrieb eingestellt, wodurch 6000 Arbeiter ihren Broceriverb ver- loren haben. Im Süden hat die Alabama Consolidated Coal u. Jron Co. von 11000 Arbeitern 5000 entlassen und drei ihrer Hoch- öfen ausgeblasen. Sämtliche in Mexiko gelegenen Kupferminen der Guggenheim- und der Greene-Jnteresten sind geschlossen, wodurch Taufende von Arbeitern beschästigungslos geworden sind. Das Blatt macht weiter Angaben über die Zunahme der Ab- Wanderung. Es schreibt aus New Jork: „Drei an: letzten Sonnabend— 16. November er.— von hier nach Europa abgegangene Ozeandanwier halten zusammen nicht weniger al» 5 190 Zwischeudecks-Passaaiere an Bord, nachdem sie vorher zirla 4000 Pan'agicrc, ebenfalls der größten Zahl nach solche dritter Klasse, htzcr gelandet hatten. Mit dem Hamburger Dampfer „Präsident Erant" verließen allein 3200 Arbeiter im Zwischendeck Amerika und weist gegenwärtig die Aus- Wanderung weit größeren Umfang auf als die Einwanderung. Bis zum 2. d. M. haben in diesem Jahre bereits 100000 mehr Zwischendeckspastagiere New Jork verlosten als in der gleichen vor- jahrigen Periode, und nachdem die Rückwanderung zu dieser Jahres- zeit bereits in 1906 um 40 Prozent größer gewesen war alS in 1905, ist diese Bewegung gegenwärtig um etwa 50 Prozent größer als letztes Jahr. Tatsächlich ist der Andrang der Passage nach Europa suchenden Italiener. Polen. Ungar», Slovaken usw. ein so starker, daß nicht für olle Passagegelegenheit auf den von hier ab- gehenden Dampfern vorhanden ist und regelmäßig die Beförderung einer großen Anzahl Verzögerung erleidet." Berichts-Zeitung* Preußische Juristerei. Die Maurer Müller und Pictsch verteilten am 1. Juni aus öffentlicher Straße Flugblätter, die zur Boykottierung zweier Gast- wirtschaften aufforderten. Die Blätter hatte ihnen Großmann zugänglich gemacht, jeder erhielt auch 56 Pf. für das Berteilen. Pictsch, Müller und Großmann wurden vom Landgericht in Sagan auf Grund der§§ 10 und 41 des preußischen Prcßgcsctzes zu Geldstrafen verurteilt» weil ohne polizeiliche Erlaubnis die Ver- tcilung der Druckschriften öffentlich und unentgeltlich erfolgt sei. Begründend wurde unter anderem ausgeführt: Wenn die An- geklagten Pietfch und Müller auch angegeben hätten, sie hätten al» streikende Maurer sich die 50 Pf. verdienen wollen, so ginge doch aus verschiedenen Umständen, insbesondere aus eigenen Au». führungen der Angeklagten hervor, daß durch Zahlung der 50 Pf. nicht die Tätigkeit habe abgegolten werden sollen, sondern daß man eine Bestrafung abwenden wollte. Ihre Tätigkeit sei somit eine öffentliche und unentgeltliche im Sinne de»§10 des preußischen Prcßgcsctzes, in dem durch§ 30 Abs. 2 ReichS-PrcßgesctzcS auf- recht erhaltenen Teil, gewesen, so daß sie zu dem Verteilen einer Erlaubnis bedurft hätten. WaS den Angeklagten Großmann angehe, so wäre er, der nicht mitvcrteilte, doch als Mittäter zu bestrafen. Denn er habe die Verteilung gewollt und zu dem Zwecke den beiden anderen die Flugblätter ausgehändigt beziehungsweise zur Ver- fügung gestellt. Er sei auch der Verfasser und Herausgeber des Flugblatts. DaS Äammergericht verwarf am Donnerstag daö ZiechtS- mittel mit folgender Begründung: Rechtliche Bedenke» lägen gegen das Urteil nicht vor.§ 10 des preußischen Preßgesetzcs fei an- wcndbar. Wenn die Vorinstanz die Verteilung als unentgeltliche ansehe, so sei das—..Sache der tatsächliäwn Würdigung''. Ein entgeltliches Verteilen, das nicht unter§ 10 fallen würde, fei mit Recht verneint, nachdem festgestellt war, daß die 50 Pf. den Leuten gegeben worden seien, nickt um sie zu entlohnen, sondern um den gesetzlichen Tatbestand zu verschleiern. Auch die Mittäterschaft des Großmann sei ohne Rcchtsicrtum festgestellt. Eine Szene aus einem Familiendrama beschäftigte gestern die 4. Strafkammer des Landgericht» II. Auk der Anklagebank mußte eine unglückliche Mutter Platz nehmen, die sich aus Liebe zu ihrem Kinde zu einer Handlung hatte verleiten lassen, die sie beinahe ins Gefängnis gebracht hätte. Wegen Eni- führung einer Minderjährigen war die Frau Elisabeth Tcppcr an- geklagt, während sich der Photograph Fähling und die Witwe Krrnylin wegen Beihülfe zu diesem Vergehen verantworten mußten. — Der Anklage lag die alte traurige Geschichte von dem Kampfe um das Kind seitens der getrennt lebenden Eltern zugrunde, die sich in vielen Eheschcidungsprozcssen wiederholt. Tie Angeklagte Frau T. lebt seit einem Jähre von ihrem Manne gcircnnf, der zurzeit unauffindbar, da gegen ihn ein Steckbrief wegen Wuchers erlassen ist. Es war seiicnS der Frau die mit Ehebruch begründete Ehescheidungsklage erhoben worden, da sich T. angeblich schwerer sittlicher Verfehlungen schuldig gemacht habe. Bevor Tcppcr die Flucht ergriff, erhob er Wicdcrklagc und begründete diese ebenfalls mit Ehebruch, der zwischen dem jetzt Mitangeklagten Fähling und seiner Frau getrieben worden sei. DaS Verfahren gestaltete sich für T. günstig, so daß das Gericht ihm das Erziehungörecht der aus der Ehe stammenden 10 jährigen Tochter übertrug. Für die Mutter, die mit großer Liebe an ihrem einzigen Kinde hing, war dies ein harter Schlag. Tie Sehnsucht nach dein Kinde trieb sie dazu, fast täglich vor der Wohnung ihre» Ehemannes spazieren zu geben, nur um das Mädchen wenigstens sehen zu können. Eines Tages trafen Mutter und Tochter zusammen. Als das Mädchen erzählte, sie habe so großen Hunger, weil ihr der Vater nicht genügend zu essen gebe, konnte cL die Angeklagte nicht über daS Herz bringen, ihr Kind in diesen Verhältnissen zurück- zulassen. Sic nahm das Mädchen mit sich und hielt es längere Zeit bei der Witwe Krentzlin verborgen. Die Folge war die jetzige Anklage. Der Staatsanwalt hielt bezüglich der bc.»ru Mitangeklagten die Freisprechung für geboten, da bei ihnen eine strafbare Beihülfe nicht vorliege. Dagegen habe sich die Angeklagte Tepper des Kindesraubes schuldig gemacht. Da sie aber aus Mutter- liebe gehandelt habe, erscheine die geringste Strafe von einem Tage al» ausreichende Sühne. Als die Angeklagte diesen Antrag vernahm, verfiel sie in schwere Schrcikrämpfe. Die Verhandlung mutzte deshalb eine Weile ausgesetzt werden. Da» Gericht hielt eine KindcSentführung nicht für vorliegend und sprach alle drei Angeklagte frei. Eine ausnahmsweise verständige Entscheidung. Lohnlistcufälschung. scach Nasischer Methode hatte der bei der A. E.-G. angestellt gewesene Buchhalter StewcS die ihm obliegende Führung der Lohnlisten für die Monteure gehandhabt. St. hatte sich wegen Fälschung vor dem Schöffengericht Bcrlin-Mittc zu verantworten. Die Beweisaufnahme ergab, daß sich der Angeklagte für frei er- fundcnc Phantasicnamen Gelder hatte auszahlen lassen und diese für sich verbraucht hatte. Er hat hierdurch die A. E.-G. im Lause von IVa Jahren um ca. 1500 M. geschädigt. Der Staatsanwalt beantragte gegen den geständigen Angeklagten vier Monate Gr- sänguis. Rechtsanwalt Dr. Broh legte dem Gericht dringend ans Herz, von einer Freiheitsstrafe abzusehen, da der bisher völlig unbescholtene Angeklagte durch das Fehlen einer ausreichenden Kontrolle und infolge seines geringen Gehalts zu der Straftat verführt worden sei. Der Angeklagte, der eine Realgymnöstal- bildung besitze und Familienvater sei, habe für seine Vertrauens- stellung ein Anfangsgehalt von 100 M. monatlich bezogen, welche» in 7 Jahren auf 166 M. gestiegen fei. Unter Berücksichtigung dieser MilderungSgründc lies das Gericht cS bei einer Geldstrafe von 300 M. bewenden._ Schutz gegen Schutzleute. Der Polizeisergeant Hoercnbaum aus Wattenscheid erhielt von der Strafkammer zu Bochum am Mittwoch wegen Mißhandlung und Ucbcrfchreitung seiner Amtsbefugnisse eine Geldstrafe von 100 Vi. Die Sache wäre wohl nie an» Gericht gekommen, wenn H. gegen den Verleger Busch jur. nicht eine Beleidigungsklage angestrengt hätte. Busch bezichtigte nun dm: Angeklagten, im Jahre 190l, wo sich die bekannten Vorgänge auf der Polizeiwache ab- gespielt haben, gemeinschaftlich mit einem Kollegen mehrere Arre- stanten mit der Hundepeitsche geschlagen zu haben. Da die Anzeige nicht früher erstattet ist, kam der Angeklagte mit der ichr milden Geldstrafe davon._ eingegangene Druck fchnftcti. Von der»Arbeitenden Jugend", Organ der sreicn Jugendoegam- sationcn Deutschlands, ist die Nummer 12 soeben erschienen. AuS dem In» halt heben wir hervor: Die Jugendbewegung des Auslandes: IV. Böhmen. SluS unserer Bewegung. Die Furcht vor der freien Jugendorganlsotion. Die Agitation in Thüringen. U» s c r e Gegner. Verräter der ahnungslosen Jugend. Christliche Nächstenliebe. Jugendklubs. Polizeilich geschlossen. Rundschau: Sine Wirtschasis« lriiis bricht herein. Wider die guten Sitten. Schulwesen: Die Fort- bildungsschulpflicht der HandlungSlchrlinge. Sin Sieg der Rückständigen l Aus der Arbeiterbewegung: Der EinigungSgedanle marschiert l Gesundheitspjleg«: Vermehrung der Gcistestrast durch lörpcrltche Zlusblldung. Ver ein» nachrrchten. Feuilleton. Fried« aus Erden l Von Albert Kühnert. SmpsehlenSwerte Schriften für die reifere Jugend. Sonstiges. Preis der Nummer 10 Ps. Verlag:.Arbestende Jugend", Berlin SO. 26, Waldemarstr. 75. _ Wittcrungöübcriicht vom Sr Dezember 1907. SlaNonen. ß Lsi - s lili 8 f ____ Slvtnemde'"54 SSO öamburg i747BSO Perliti! 75t SSO Fxants.a M 75l ZSW München 757 SO Wien 7S9Slill Bette, 3woMa 6 bedeckt 4 bald bd. 1 wolkig 4 heiter wolkig Is" 0 4 -0 2 — 1 1 SlaNonen! x £ 8 1 i 2 - 2 1 .»-I ö S c r, is i i Haparanda 756 S Petersburg 764 S Scillq.74, V ZW 4dcmen 1 730 Sä® Pari» j 745 SSW I I «l Sj Betler c i i i ! bedeckt 1 bedeckt 5 bedeckt 4 wolkig 5 bedeckt ! i »s! ei H h a 1 -l 7 4 11 Werter- Proguole für Freitag, den 6. Dezember 1007. Zunächst etwas wärmer, vorwiegend trübe mit Niederschlägen und frischen südwestliche» Winden: svälcr wieder aufklarend und ein weiiig tälier. Riesenauswahl aller Qualitäten. Wolle- Daciot �looqucttN. ucaic. Salleltaschen Plüsch- Muster b. näh. Angabe kranlco. Emil Lef6?re.o"nien"Jr.l88. Arbeiter' ® I zeabaurr Zlibern, l'iiono. araphea, Platfeneprct-h- ■naechlnen, FoIvptioB», Uarinoulkt.si, lUando'taea, Crigca rte. Verkauf v, prima Piatien, eciifeo Edisonvalzen Stück 1 Mark. Jitöre* König, Bvinlckandorferttrassa(Ol, I. Etae«. gi, jeder Art. Augusta-Bad, »■ Köpenickerstraße CO. An unsere Inserenten, welche Inserate größeren Umfanges für die nächste Sonntags-Nummer aufzugeben beabsichtigen, richten wir die höfliche Bitte, dieselben bis Donnerstag nachmittag 5 Uhr in unserer Haupt-Expedition aufzugeben. Verlag des„Vorwärts". ttrltir Arbeitsnachweis: Berwaltnn�Sstelle Berlin. Hanptbureau: Hoj I. Autt 3. 1239. ChaeUestraSe 3. öcf III. Amt 3, 1987. 9 a RH t a g, de» 8. lDezcmber, vormittags 10 llhr, im Gcwerk- schaftshause, Engcl-llfer IS. Saal I: VersammlungderBauatisehläger Tagcö-Ordnnng: 1. BerichterHatlung über die Bautenkontrolle. Äranchcnangelegenheiten. I. Verschiedenes. — Mitgliedsbuch legitimiert. S. Verband!- und S» R R t a g. den 8. Dezember, vormittags 10 Uhr. im Brunne»: theater. Badstrahe 58: Krauchen-Urrsammlung aller in den Wicklereien Berlins und Umgegend beschäftigten Kollegen und Kolleginnen. TagcS-Ordnnng: I. Bortrag der Genossin Ida Slltmann über:„GZ ist nicht gut, box der Aenich allein fei'. 2. DiSkitssion. 3. Abrechnung vom Jommerjrst. 4. Bcrlchicdcncs. I» Anbetracht der wichtigen DageSordnung find alle Berufskollege» u. Kolleginnen vcrpfttchtrt. pünktlich und zahlreich zu erscheinen! vi« Veeoammiutiz»irS pllnlitliek«rtisinei.—— mn 6. Wahlkreis.(Schönhauser Vorstadt.) Sonntag, den 8. Dezember, abends 6 Uhr, in den„Berolinasälen"(gr. Saal), Schönhauser Allee 28: - Voiks= Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Hans Weber über:»Der wirtschaftliche Kampf und die Frauen«. 2. Diskussion. 2'>S'14» Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein mit Tanz. Zahlreiches Erscheinen, besonders der Frauen erwarten_»lo Abtellnnsaitthrer. ____ l>lc Ortsvcrwaliniig. Tischler-Verein zu 3 erlin. («?. H. Nr. 89.) Gvnnabcnd, den 7. Dezember, abends 8>,'.. Uhr, Meichiorftr. 15: zM?- Versammlung-MW TageS-Ordnung: 1. Bortrag dcS Herrn M. Schütte:„Der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein.- ü Unterim�ungSgesuch 8. Ausgabe der Billetts zum LeihnachtSoergnügen am I. Feiertag in KiiemS Fest- süien. I!w/t4 Ter Borstand. Zentral-Verkid der Maurer Beutsehlands. Zweigverein Berlin.— Sektion der Putzer. Achtung! PirtZCI*! Achluisp! Sonntag, den 8. Dezember 1907, vormittags 10 /z Nhr: WW Mitglieder- Versa mm �vig-%tg in den Arminhallen, Kommandantenstr. S8/59(gr. Saal). I...,.: Gebr. Miclitz. Tages-Lrdnung: l. Bericht über Rcchtsschutzsachen. 2. Diskussion. 3. VereinSangelegenhciten. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert.— Ohne dasselbe kein Zutritt. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 133p Ter Vorstand. I. A.: Ernst Schulze. LdisIMsdi 20-45 Pt taiilttGrtMuPfd. �™ Kabliau Pfd. 28 Pt. im ADHClmltt«9 Pf. Deatsehlundii. leweiffvercln Herlin a. Vmgegend. Tel.: Amt 4, 44SZ__ VerbandSblireau: Engel User 13. ort. Tel.: Amt 1. 4193. Tvktivn ißvf l'üpfeninägsn. = Montag, den 9. Dezember 1907, abends 8 Uhr,= im Rosenthalcr BereinShans, Rosenthalerftraße 57: llrdenll. hlitglieder-VersammIung. Speclal-Grosshartdlung und Versand für Nordsee-, Ostsee- u. Süsswasser-Fische i Lühs, Hummer, Kreise. Kariar, Austern, Musebein sc. AH« Arte« gariusd. o. m«ri»itr1» Fl«*«.— Tigt. trUsk» Zntttir. Afies 144 BaWnJjS "•'»»«Itfentr. EcS* «,14 Da? Erscheinen jämUichrr Kollegen ist nnbedingt notwendig. Der ZweigvereiuSvorttand. Sratsekolisn M 25 PI 3 Pfind 65 Pf. Alle anderen Seefische und Flussfische billigst Heute Freitag, abends 8>/� Nhr, im Gewersichastshause, Engel-Ufer lo: Sitzimg der Ortsverwaliung. Einsetzer! Sonntag, 8. Dezember, vorm 10 Nhr, in Sorlter» Lokal, Weberfir. 17: Rvaneken» Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bortrag de? Kollegen Robrrt Ahrrnn über:.Unfall derfichcrungsgrseugcbnng.- i. Mitteilung des SchiedSspe-uchcS über den Tarif. Aufgabe desselben. 3. BeibandSangelegenhciten und Verschiedenes. Die Bezirkevelammlnngcn finden Lonntag, den Ib. Dezember, statt. Die Untcrstütznng des Zielrrvcsonds wird in der Branchenversammlnng gezahlt.__ Zentratoerbaud der Glasarbeiter and Arbeiterinnen Beutschlands.- Zahlstelle Berlin. Montag, den 9, Dezember 1907, bei Boekcr, Wcbrrstr. 17: Mitglieder- Versammlung. TageS-Ordnung: a™=== Yortsehung der letzten Versammlung. i i-j-j (H ist Psiicht, dasz jedes Mitglied erscheint. fllsll_ I»lo Orfavcrwalttiiisr. K. 71.: Paul Welklech. ■■■■■■■■■■■■■■■■ Zentralverband Maschinisten und Hetzer sowie Berufsgenossen Deutschlands. Terwaltnngsstelle Berlin and l'meogend. Sonntag, den 8. Dezember 1997. nachmittags 4 Uhr. im<0nglische„ Garten. Alexanderstr. 27 c: Anßcrnrbknftilhk Grnnnl-ZItlsnnlintnng. TageS-Ordnung: l. Bericht der Fllnic�-ükommission und Babl dcS besoldeten Lokal- beamten. 2. Anträge. 3. Wahl der Ortsverwaltung. 4. Wahl der Revi- sorcn. Z. Wahl der Delegierten zur EcwerkschasiSkommiisivn. S. Wahl der Delegierten zur 5'ien eraweri a mmluug nach Köln a. Rhein. 7. Beratung der Anträge nach Köln a. Rhein. Der wichtigen Tagesordnung halber wird ersucht, zahl- reich zu erscheinen. DM- Zlltfflledabiicb legitimiert.-MM 131f8_ Die OrtSve. waltung. Leipzigers tr. vhyle's gestrickte Knaben- Anzüge Illastr, Katalog gratis and franko flrnold Müller Kaufhaus für Kinderbekleidung Lcipzigerstr. 95 �cke Cbarlottenstrasse GoftliebWeiss Soliäo Sobnoider- urbeit Bewühi-te Stoffqual. klrprobt« rullfünuen Kiedrige Proiso sied Vorzüge rooiner Solbstkonteittion. Schöneberg Hauptstr. 151. Spezial-Haus größten Umfanges. Paletots an« Ulster. Ungemein vielseitige Auswahl. Entzückende Muster. Neuzeitige Schnittformen. 50, 45, 40, 35, 30, »7, S4,«O, 18, Mark. Erstklassige Maßanrertigung. Ersatz oder ümtauseh, falls aich taeiuo Waren nicht bewähren. Deutscher Metallarbeiter-Verband BerwaltungSftelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schrauben- drcher Robert /�lirenät gestorben ist. Ehre feinem Andenken: Tle Beerdigung findet heute Freitag, den 6. Dezember, mich» mittags 3 Uhr. von der Leichen- Halle des Rixdorter Gemeinde- Stt"' M W Rixdorf, Maricn- dorser Weg, aus statt. iirchhojcs in orsrr Wc Rege Beteiligung wird erwartet. Nnchmf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher «lotarm Draba gestorben ist. eundcn und Bekannten zur Nachricht, daß am 3. Dcrem- der vlötzlich meine innigstgeiiebte Zrau «lohanna Heinike geb. Xtmiuermann verstorben ist. Um stilleS Beileid bittet G'rons Heinike. Die Beerdigung findet sonn. abend, den 7. d. MtS.. nachmtttagS ! Uhr, von der Leicheuhalle dcS Tegeler' Fnedoofe». HcrmSdorfer- strage, aus statt. Allen Freunden, Belawtten und Genosse» die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Tochter noch ganz kurzem, aber lchwercm Krankenlager im blühen- am Alter gestorben ist. Die Becrdigm� findet Sonn- aScnd. nna msttngS 2 Ubr. vom Birchow- Lrankenbanfe(Eingang Sylierslraße) au» statt. lgZll' Um stilles Beileid bitte!» Die trauernde» Hinterbliedeiic» II. Uawi'l» H,,<- Ilundertv schrtftl. �nerbvnnunxen za jedermanns Einsicht leppDe�eu Sozlaiileisolirat. Waliivereic für den ii.Beriiöer Mcösiapalilkreis (Frankfurter Vierte!). Bezirk 380. Ten Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß unser Genosse, der Mödclpoiiercr Albert Weitzenegger gestorben ist. 264/13 Ghre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 7. Dezember, mittags l Uhr, von der Leichen- balle dcSRranicnhauieS Friedrichs- Hain ans nach Sem Zenlral-Fried- hos in FriedrichSselde statt. Um rege Beteilig»«« ersucht Der Vorstand. Nach schwerem Leiden starb heute R unser langjähriger Polier, Herr AlhertWeltzencgger. Durch seine Charaktereigenschaften sowie seine treuen Dienste hat er sich die Liebe und Achtung aller erworben. 263110 Air werden tbm ein ehrenvolles Andenken bewahren I Berlin, im Dezember 1397. Chef und Personal der Firma 8lpk»iid«« Oo. Orts-Rrankenkasse der Möbelpolierer. Am 8. d. M. starb unser lieber Freund und langjähriger Vor- standSkollcgc, der Möbclpolierer Meil Weitzenegger im Alter von öS Jahren an Magenkrebs. Ehre feinem Andenke« k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 7. Dezember, mittags l Uhr, von der Leichen- halle des Krankenhauses Friedrichs- Hain aus nach dem Zcntral-Fried- Hose in FriedrichSselde statt. 279/20 Der Vorstand. Deatscber Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Mobelpolierer Albert Weitzenegger am 3. Dezember verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 7. Dezember, nachmittags 1 Uhr, vom Kranken- Haus FriednchShaiii aus nach dem Zevtraisriedhaj in FriedrichSselde statt. 09 Ii Um zahlreiche Beteiligung ersucht Dia Ortsverwaltung. SozialdemiM Wattlverein für Köpenick. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß der Genosse Eduard Bolz Maurer, im Alter von 81 Jahren am Mittwoch verstorben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 8 Uhr, vom Tmucrhausc, Jägerstroße 2, aus statt. Fahlreiche Beteiligung erwartet 7/3 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anreise. Den Kollegen zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Fräser E�tedrick Balz »m 4. Dezember gestorben ist. Ehre seinem Andenken. �Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 7. Dezember. nachmittags 2 Ilbr. von der Aohnung, Nazarcihlirchstraße 39. nach dem Kirchhos der Nazarc rh. Gciiieindc in Reinickendorl stall. Rege Beteiligung erwartet l6t/S Ol« Ortsverwaltung. prerbwert. dirtt: in der. Fabrik, nur* WalUtr. 72.1 rae auch alte Steppdedcn ausgearbeitet> werden. Veruhard Zlrohmaiivel,' Serlln S. 14. Jllu'rr. Katalog gratis. Lonntsga vor AsianaciNon gsstinet. Zectsal-VeidSHi! lter Sieinsetzer(Pliasterer) und Barufsgenotsen Ooutsshlands. Filiale Gros! Verl in 1. Am.> iciiStaq. de:: 2. Dezcinori e.itaia unsl". u'lege i suZ K\.lle in Alter von 43...itneu. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet heute Freitag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle d.s Gethsemane- Kirchhofes rn Nordend aua-lalt. Rege Beteiligung erwartet t7IlU--- Ter Borstaud. «erantwottlicher Redakteur.' Sans Äeber. Berlin, gür dei, ftnteratentcU oer«mw.: Th. Slmkr,(Bczlin. Druck u. Verlag: Lorwart»«ulbdruckere, u. iLerlagkanjtalr Hanl Singer& Co.. Berlin SW, ilr. 285. 24. Jahrgang. 2. ßtilnw des Jotmirts" Kerlim JolteMiitt. Freitag, 6. Dezember 1007. Partei- Hngclegenbeitcn. Stralau. Heute abend 8 Uhr findet eine Handzettelverbrei- tung von den Lokalen: Ernst Schmidt, Markgrafendamm 18 und Paul Schöps, Alt-Stralau 17 aus für die im Sonntag, den 8. Dezember, nachmittags 5 Uhr, in den„Markgrafensälen", Markgrafen- dämm 34, stattfindende öffentliche Versammlung statt. Nach dem Vortrage am Sonntag gemütliches Beisammensein und Tanz. Die Gerissen werden ersucht, zahlreich mit ihren Angehörigen zu erscheinen. Ter Vorstand. Äönigs-Wusterhausen, Wildau und Niederlchme. Ten Partei- genossen zur Äcnntn's, dah die Mitgliederversammlung des Wohl- Vereins am Sonntag, den 8. Dezember, nachmittags 4s4 Uhr, im Lokale des Genossen Koch,„Jägersruh", in Niederlchme, stattfindet. Tagesordnung: Bericht vom preuszischen Parteitag, Parteiangc- lcgcnheiten und Verschiedenes. Ter Zahlabcnd für Nicdcrlchine fällt dafür am Sonnabend aus. Da das Lokal dicht am Bahnhof und die Zugverbindung passend ist, werden dir Parteigenossen er- sucht, zahlreich zu erscheinen. Der Vorstand. Spandau. Die Parteigenossen werden dringend ersucht, die Sammellisten von der Stadtverordnetcnwahl sofort abzurechnen. Listen, auf denen nichts gezeichnet ist, sind ebenfalls sofort abzu- liefern._ Ter Vorstand. Berliner I�acbricbten. Vom Rlexaudcrplatz— Abteilung VIL Die Tätigkeit der politischen Polizei ist, wie aus dem Inhalt des bor kurzem auch von unS veröffentlichten Notizbuches eines Be- amten der politische» Polizei hervorging, eine recht vielseitige. Die Hauptaufgabe der Beamten besteht in der Observation politisch der- dächtigter Personen. Als solche kommen jene, die als Anarchisten oder Sozialdemokraten bekannt find oder im Verdacht stehen, es zu sein, und auch Ausländer in Frage. Dann aber liest die Fassung der Notizen mit grotzer Wahrscheinlichkeit den Schlust zu. dast Kriminalbeamte mit bestiinmten Personen in Verbindung gestanden haben. Wir sind um so leichter geneigt, solche Schlüsse zu ziehen, da wir sehr gut wissen, in welchem Umfange gehorcht und gespitzelt wird; kann sich doch ein bekannter Genosse kaum auf der Slraste zeigen, ohne von Beamten cher politischen Polizei selbst oder von deren bezahlten Subjekten verfolgt zu werden. Schliestlich warfen wir auf Grund der häufigen Erwähnungen des Namens Pawlowitsch im Zusammenhang die Frage aus: Wer ist dieser gewisse Pawlowitsch? Genosse Paul Pawlowitsch sab sich durch diese Fragestellung veranlastt, seinerseits zu erklären, dast er dieser Pawlowitsch nicht sei, aus gewissen Gründen nicht sein könne, und tat auch sonst Schritte, um einen gegen ihn ausgestiegenen Verdacht vollends aus der Welt zu schaffen. Jetzt glaubt der„Freie Arbeiter" in der Lage zu sein, zur Aufklärung der Polizeinotiz beilragen zu können, indem er schreibt: „Unter der Notiz: V. Pawlowitsch mit Dietrich II usw. ist unser Genosse Viktor Pavlovitch gemeint. Derselbe wurde als Ausländer Mitte Juni verhastet, im Polizeigefängnis bis Mitte Juli festgehalten und dann ausgewiesen. Die Notizen beziehen sich auf die Ueberwachung bei den Spaziergängen im Gefängnis- Hofe, bciBorführnngen usw." Ist das hier Gesagte zutreffend, so dürfte der gegen Paul Pawlowitsch aufgetauchte Verdacht damit beseitigt sein. AuS der Mitteilung des„Freien Arbeiters" erhellt, dast die Aus- länder bezw. politisch Verdächtigen, die sich im Gewahrsam des Polizeipräsidiums befinden, von der politischen Polizei spazieren geführt werden. Also auch auf daS Spazierenführen er- streckt sich die Tätigkeit der politischen Polizei. Warum das geschieht, ist nicht schwer zu erraten._ AuS der Stadtverordneten-Versammlung. Die Stadtverordneten hatten gestern Stellung zu nehmen zu dem ihnen endlich vorgelegten Magistratsantrag auf A n tauf des alten Botanischen Gartens. Man weist, welche Mühe es gemacht hat, wenigstens einen Teil dieser Anlage vor der Vernichtung zu bewahren. Mehr als einen Teil davon kann die Stadt nicht ankaufen: das übrige wird zu Baustellen ausgeschlachtet, weil der Fiskus reich- lichcren Profit herausschlagen will, als die Stadt ihm zu bieten vermöchte. Tie Vorlage des Magistrats, die den Au- lauf des Mittelstückes für 2 Millionen'Mark empfiehlt, wurde von der Versannnlung mit gebührender Freude begrüstt. DaS Verhalten des Fiskus, der dafür gesorgt hat, dast diese Freude keine ungetrübte sein kann, wurde von unserem Genossen Singer mit scharfen Worten gegeistelt. Singer stellte fest, dast die Rücksicht auf die Bevölkerung den Magistrat und die Stadtverordneten dazu zwingt, dem Nimmersatten Fiskus die Millionen hinzuwerfen, die er herauszuschinden gewustt hat. Der Fiskus habe nicht nach dem Erholungsbedürfnis der Bevölkerung gefragt. Die Vorlage wurde zunächst einem Ausschuß überwiesen. Ihm gab Genosse Singer die Anregung mit, darauf hinzuwirken, dast der von Bauland umschlossene Parkrest, den die Stadt retten darf, möglichst nicht nur von der Potsdamerstraste aus. sondern auch von der Elsholzstraste aus einen Zugang er- halte. Im ersten Teil der Sitzung wurde verhandelt über die vom Magistrat beantragten Zuwendungen an einige Vereine mit gemeinnützigen und Wohl- tätigen Zwecken. Tic prinzipiellen Forderungen, die die sozialdemokratische Fraktion aus Anlast dieser Vorlage an die Gemcindevcrwaliung zu richten hat, werden erst in der nächsten Sitzung erörtert werden. Gestern konnte nur über die Vorlage selber debattiert und beschlossen werden. Genosse B o r'g m a n n wies erneut darauf hin, daß dem Zentral- verein für Arbeitsnachweis iminer noch die Selbständigkeit eines Privatunternehmens belassen wird. während der größte Teil seiner Ausgaben aus Stadtmitteln gedeckt werden muß. Sodann brachte unser Redner zur Sprache, dast der Verein f ii>- Kinder-Volks- k ü ch e n, wiewohl er die ihm gestellte Aufgabe aus Mangel ail eigenen Mitteln nur sehr unvollkommen zu erfüllen vermag, dennoch von der Stadt fast gänzlich im Stich gelassen wird. Angesichts der immer weiter um sich greifenden Arbeitslosigkeit fordert diö sozialdemokratische Fraktion dast die Stadt diesem Verein sofort die Mittel voll zur Verfügung stellt, die er braucht, um alle hungernden Schulkinder zu speisen. Stadtschulrat Fischer crtröstete auf die Konimis- sion, die im Rathause nächstens zusammentreten soll. Im übrigen inachte er kein Geheimnis daraus, dast gegen die Leiter des Vereins eine persönliche Animosität herrscht Tie Mehrheit spendete demonstrativ Beifall: an die hungernden Kinder schien sie nicht zu denken. Herr Sonnen seid wußte gar zu erzählen, die Kinder seien zu den Speisungen in einer Weise herangezogen worden, die sie geradezu„auf- gereizt" habe, die Wohltaten dieses Vereins in Anspruch zu nehmen. Also Herr Abraham reizt die Kinder auf, sich hungrig zu fühlen— daher die Wut auf ihn! An die Er- fahrungcn, die die Schulärzte bezüglich der Ernährungsvcr- hältnissc der Schulkinder gemacht haben, erinnerte Genosse I Z a d e k: sie sprechen keineswegs für die Behauptung des ■ Herrn Sonnenfeld. Die ganze Vorlage wurde schliestlich einem Ausschuß überwiesen. Elcndsziffern. Der Besuch im städtischen Familienobdach hat im November d. I. wieder zugenommen. Zu dem Bestände am 1. Oktober d. I. kamen im laufenden Monat b6 Familien, wodurch sich die Zahl der Insassen ans 679 Personen erhöhte. Von diesen erhielten im Oktober 482 Personen ein Unterkommen. Am 1. d. Mts. verblieben im Obdach 21 Familien mit 88 Köpfen, darunter 31 Kinder und 12 Säuglinge, sowie ausserdem 187 Einzelpersonen<164 Männer und 33 Frauen, so dass insgesamt 277 Personen beherbergt und vollständig verpflegt werden musslen. Gleichzeitig wurden im nächt- lichen Obdach 57 815 Personen, darunter 830 weibliche, beherbergt, gegen 35 248 Personen im Oklober d. I., demnach 22 687 Personen mehr als vier Wochen vorher.— Im Berliner Asylverein für Obdachlose(Wiesenstrasse) nächtigten im Monat November im Männerasyl 20 911 Personen, wovon 8804 badeten, im Fraucnasyl 3115 Personen, wovon 1349 badeten. Diese nackten Zahlen illustrieren recht treffend die heutige göttliche Weltordnung!_ Die diesjährige Ausstellung empfehlenswerter Jngendschrifte« verbunden mit einer Ausstellung von Künstler-Steinzcichmmgen, wird am Sonntag, den 8. Dezember, nachmittags 4 Uhr, eröffnet. Die Ausstellung findet im Saal 3 des Gcwerkschafts- Hauses, Engel-Ufer 15 statt und ist bis einschließlich Sonntag, den 15. Dezember täglich von 4—10 Uhr für jedermann zugängig. In der Ausstellung liegt ein Verzeichnis empfehlcns- werter Jugendschriften aus, das von einem Jngeudschriften- ausschust herausgegeben ist. Die Besucher der Äusstellung finden- in diesem Verzeichnis eine reichhaltige Zusammen- stellung guter Bücher für Kinder verschiedensten Alters. „Amt Moabit" statt Amt 2. Im Berliner Fernsprechverkehr kommen bekanntlich Verwechselungen der Acmtcr infolge un- deutlicher Aussprache oder dialektischer Unterschiede vor. Um die »am häufigsten vorkommenden Verwechselungen der Amtnummern 2 und 3 zu verhüten, hat die kaiserliche Oberpostdircktion jetzt an- geordnet, dass die Beamtinnen der Vcrmittclungsstellen bei Bc- ontwortung des Anrufs sich der Bezeichnung„Moabit" für daL Amt 2 zu bedienen und die Teilnehmer auf den Gebrauch dieser Bezeichnung hinzuweisen haben. Es soll dabei nicht ausgeschlossen sein, daß für eine gewisse Uebergangszeit die Bezeichnung Amt 2 neben Moabit angewendet wird, soweit sich dies als nötig erweist. Neber die geplante Reform der städtischen Bauvcrwaltung, über die wir gestern berichteten, bat der Stadtbaurat Hosfmann sich einem Mitarbeiter des„Berk. Tageblatts" gegenüber wie folgt geäußert: „Wenn man zwölf Jahre lang Berliner Stadtbaurat ge- Wesen ist, dann empfindet man naturgemäß den lebhaften. Wunsch, sich ein wenig auszuruhen; nicht als ob ich mich von den Geschäften zurückziehen wollte, aber ich bin im Laufe der Jahre zu der Erkenntnis gekommen, dast bei den zahlreichen architektonischen Aufgaben der städtischen Verwaltimg noch Raum für andere Kräfte vorhanden ffr. Auf diese Weise will ich mich entlasten. Für eine grosse Reihe von Neubauten, z. B. die Ge- meindeschulen, können die ersten Vorentwürfe in den be- treffenden Bauinspcktionen angefertigt werden. Dazu treten ge- wisse architektonische Aufgaben, für drc meines Erachtens Privat- architektcn, jüngere Kräfte, herangezogen werden können. Ich habe im Laufe des letzten Jahrzehnts mit wachsender Freude gesehen, wie eine neue Generation von Architektcn sich heran- bildete, die den gleichen künstlerischen Zielen zustrebte wie ich. Auch sie suchen nicht ihr Heil in äusserer Prachtentfaltung; sie stellen schlichte und schöne Bauten hin— Proben einer ver- innerlichtcn Kunst, die immer mehr Anerkennung in den weitesten Kreisen findet. Ich freue mich jedesmal, wenn ich ihre schönen, zweckmässigen Schöpfungen in Berlin, Charlotten- bürg und den Vororten sehe. Diesen Künstlern sollte man, meine ich. die Bahn frei machen und ihnen die Möglichkeit geben, ihre Kräfte an grösseren Aufgaben und öffentlichen Bauten zu versuchen. Es wird sich dabei zunächst allerdings nur um einen beschränkten Kreis von städtischen Bauten handeln; der Billig- kcit wegen, und damit die Stadt nicht doppelte Honorare bc- zahlt, werden in erster Reihe die im Dienste der Stadt stehenden Architekten und Baumeffter herangezogen werden. In jedem Falle bleibt die künstlerische Oberleitung in meinen Händen. Ich werde auf diese Weise meine ganze Kraft auf die Bearbeitung der grossen Bauten konzimtrieren können. Bauten wie das Virchow-Krankenhaus, das Märkische Museum, die dritte Irren- anstalt und das neue Stadthaus erfordern einen ganzen Mann. Und den glaube ich der Stadt Berlin auch für die Zukunft schuldig zu sein." _ Es ist ja sehr hübsch vom Stadtbaurat. daß er auch anderen Kräften zur Entfaltung ihrer Talente Gelegenheit geben will; uns will aber scheinen, als ob städtische Bauten hierzu nicht da sein sollen. Wir müssen schon darauf dringen, daß die Stadt ihre Bauten von den städtischen Baumeistern und Architekten her- stellen lässt. Im übrigen wollen wir es dahingestellt sein lassen, ob die Sinnesänderung dcS Herrn Stadtbaurats so ganz ohne Ein- Wirkung von gewisser Seite vor sich gegangen ist. Sonderbestimmungcn sllr die Post zu Weihnachten im Berliner Bezirk. Für den diesjährigen Weihnacht»- und Neujahrsdienst der Post im gesamten Berliner Bezirk hat die kaiserliche Ober- postdirektion folgende besondere Bestimmungen getroffen. Am Sonntag, den 22. Dezember, können Paketsendungcn wie werktags aufgeliefert werden. Die Pakctausgabcstcllen werden am 22. und am 25. Dezember wie an Werktagen geöffnet sein. Paketbesteflung findet nicht nur an beiden Weihnachtsfeurtagen. sondern auch an den Sonntagen vor Weihnachten, also am 15. und am 22. Dezember, statt; sie ruht dagegen am Sonntag nach Weihnachten, den 28. Dezember, und am Neujahrstagc. Eine einmalige Geld- bestellung wird ausgeführt am ersten Wethnachtsfeiertage sowie am NeujahrStage. Seit Aufhebung der Sonntagsbestellung von Paketen und Geld ist es bekanntlich den Oberpostdirektionen über- lassen, Ausnahmen anzuordnen. Eine NutomobilauSstellung ist gestern in den AuSstelllMg»ballen am Zoologischen Garten eröffnet worden. Eine rasch zuhauende Lehrerin hat wieder einmal den Frieden zwischen Schnle und Haus zerstört. Diesmal ist's eine HandarbeitS- lehrcrin, die ohne Prügel nicht fertig zu werden vermochte. In der 100. Mädchen-Gemeindeschule fReichenberger- st r a ss e) hatte eine Schülerin der III l)- Klasse in der Handarbeit- stunde das Versehen begangen, bei der Anfertigung eines Hemdes eine Nadel falsch einzusetzen. Die Lehrerin Frl. Wie bemann wusste sich nicht anders zu helfen als dadurch, dass sie dem Mädchen aus die Hände schlug und ihn, eine kräftige Backpfeife gab. Als daraufhin die Mutter nach der Schule kam und Beschwerde führte, antwortete die Lehrerin, sie habe das Mädchen nur angetippt. und sie fügte jetzt hinzu, die ganze Stunde hindurch sei das Mädchen unaufmerksam gewesen. Dem Fräulein mußte bekannt sein', dass diese Schülerin kränklich ist; im dies- jährigen Sommer»st kie wegen eines Limgenleidens lange Zeit der Sckrnle ferngeblieben. Das Mädchen gehört trotzdem zu den guten Schülerinnen der Klasse und hat auch in allen früheren Klaffen, wie die unS vorgelegten Zensuren ausiveiscn, zu den guten oder besten Schülerinnen gehört. Wir würde» aber da» Verhalten dieser Lehrerin auch dann als ein die Schule schädigendes ansehen, wenn das Kind körperlich kräftig wäre oder zu den schlechten Schülerinnen ge- hörte. Die nervöse Ungeduld rasch zuhauender Lehrer und Lehrerinnen ist es, die den Kindern die Lust zum Lernen mindert und das Verhältnis der Familie zur Schule trübt. Dass durch Pädagogen, denen es an der nötigen Selbstbeherrschung fehlt, zuweilen noch viel ärgeres Unheil angerichtet werden kann, das hat der kürzlich von uns gemeldete Fall eines Schiilerselbstmordes gezeigt. Fräulein Wicdcmann scheint übrigens selber sehr empfindlich zu sein. Nachdem die Mutter wegen jener Prügelei Beschwerde geführt hatte, soll Fräulein Wiedemann vor versammelter Klasse darüber gescholten haben, dass die Mutter dem Rektor gesagt habe, daS Mädchen sei von dieser Lehrerin schon öfter geschlagen worden. DaS sei nicht wahr, soll daS Fräulein geeifert haben, dadurch fühle sie sich beleidigt, sie könne die Mutter verklagen, aber sie wolle es ihr noch einmal schenken. Ach, wenn doch alle Lehrer und Lehrerinnen durch irrige Annahnren dieser Art sich b e- leidigt fühlen wollten I Von hier auS müssten sie nämlich bei einigem Nachdenken sehr bald dazu gelangen, auch da» als beleidigend zu empfinden, dass sie überhaupt prügeln. Aber so weit sind wir noch nicht. Noch ist cS Lehrern und Lehrerinnen gesetzlich erlaubt, ihr Erzieheramt prügelnd auszuüben. Noch würde jedes Gericht jeden Pädagogen kalllächelnd abweisen, der es als Be- leidigung ansähe, wenn ihm irrtümlich nachgesagt würde, dass er geprügelt habe. Durch Sturz auS dem Zuge hat der sechsjährige Knabe Karl Braunlot den Tod gefunden. Ter Knabe befand sich mit feiner Mutter, die auf der Reife von Russland nach Berlin begriffen war, in einem Wagen der vierten Klasse des Personenzuges 270 der Strecke Posen— Berlin. Der Knabe stand an der Waggontür und schaute zum Fenster hinaus. Zwischen Karlshorst und Kietz— Rummelsburg sprang plötzlich die Tür, die vermutlich nicht ordentlich geschlossen war, aus und der Junge stürzte auS dem in voller Fahrt befindlichen Zuge hinaus. Passagiere gaben sofort das Not- signal und brachten den Train dadurch zum Stehen. Der kleine Braunlot wurde auf dem Nebengleis leblos aufgefunden und bis zum Schlesischen Bahnhof mitgenommen, woselbst auf Grund einer rclegraphischen Benachrichtigung ein Bahnarzt zur Stelle war. Dieser vermochte nur noch den infolge Schädelbruchs eingetretenen Tod des Knaben festzustellen. Tie kommunale Kleinstaaterei in Gross-Berlin wird auch von den Droschkenintercsscnten recht unangenehm empfunden. Der Vorort Wcissensee hat soeben eine neue Droschkcnordnuug er- halten, die in vielen Punkten der Troschkenordnung von Berlin, Schöneberg, Rixdorf und Eharlottenburg nicht entspricht. So wird beispielsweise in Weißensee das Mindestalter für Droschken- kutschcr auf 18 Jahre festgesetzt, während im Geltungsbereich der Berliner Droschkenordnung nur Kutscher den Bock besteigen dürfen, die mindestens 21 Jahre alt sind. In Wcissensee muss auch der Kutscher nach der neuen Droschkenordnung jedem Fahrgast bei der Zahlung eine Fahrmarke aushändigen. Beachtenswert ist auch die Bestimmung, dass in Wcissensee bei Verstößen gegen die Droschken- ordnung nicht nur Kutscher und Fuhrherrn, sondern auch die Fahr- gaste mit Geldstrafen bedacht werden können. Von dieser Bunt- scheckigkcit der Bestimmungen in den einzelnen Gemeinden Gross- Berlins befürchten die Droschkenbesitzer und-Kutscher Schädi- gungen ihres Berufes. Sie wollen dagegen an geeigneter Stelle vorstellig werden. Sic beschweren sich insbesondere auch darüber, dast bei Erlast der Weistenscer Droschkenordnung ebensowenig wie seinerzeit in Berlin die Interessenten gutachtlich gehört worden sind. Die geheimnisvolle Entführung eines jungen Mädchens be- schäftigt seit einigen Tagen die Polizeibehörde.?lln vergangenen Mittwoch verschwand plötzlich die 16 Jahre alte Putzmacherin Klara Passelebcr aus der Perlebergerstrasse 54. Das junge Mädchen hatte die elterliche Wohnung verlassen, um eine kleine Besorgung vorzunehmen, und sollte von diesem Ausgang nicht mehr zurück- kehren. Durch die angestellten Ermittelungen ist festgestellt worden, dass die Verschwundene das Opfer einer Entführung ge- worden ist. Sie wird durch den Urheber der Entführung versteckt gehalten, und die Bemühungen der Kriminalpolizei, die Ver- schleppte ausfindig zu machen, hatten bisher keinen Erfolg. Nachmittagsvorstellungen furjüinder finden jetzt wieder in ver- schicdcnen Thearcrn statt. Der Stoff für diese Vorstellungen ist ouS Märchen entnommen. Am Mittwoch wurde im Theater an der Spree„Dornröschen" gespielt, worüber sich die Kinder wirklich sehr amüsierten. Im LustspielhauS werden die Nachmittags- Vorstellungen am Sonnabendnachmittag 3 Uhr ihren Anfang nehmen mit dem englischen Märchen:„Peter Gerneklcin". wäbrend um die- selbe Zeit im Neuen Schauspielhaus:„Frau Holle" in Szene geht und dann im Lause der folgenden Wochen jeden Mittwoch- und Somiabcndnachinittag gegeben wird. Die Kinder der unbemittelten Klassen müssen leider darauf ver- zichten, zu den Zuhörern dieser Vorstellungen z» gehören; ihnen bezw. ihren Eltern fehlt zu dem Besuche in den allermeisten Fällen Zeit und Geld. Zeugen, die gesehen haben, wie am 30. November, abends 6',h Uhr. in der Greifswaldersiratze ein Radfahrer von einem Bierwagcn überfahren wurde, werden gebeten, sich bei Bruno Bretschneider. Jablonskistr. 2. vorn 4 Tr.. zu melden. Feuerwehrbcricht. Durch die Errflosion einer Spirituslampe kam in der letzten Nacht in der Chorinerstr. 23 Feuer aus. Gardinen u. a. brannten dort bei Ankunft der Feüerwehr. In der Blücher- strasse 65/66 entstand auf einem Neubau durch die Explosion einer Aetherlampe ein Brand. Kleider. Decken, Balken gerieten dabei in Brand. Im Erdgeschoß des OucrgebändeS auf deu, zweiten Hofe brannten nachts Putzwolle, Werktische, Säcke, Lack, Fensterkrcuze u. a. und in der Neuen Königstr. 43 ein Kinderwagen. Ferner hatte die Wehr in der Ängustftr. 15 I, wo das Zwischengebälk usw. brannte, in der Stromstr. 10. Treskowstr. 12. Prinz Eugenstr. 10 u. a. Stellen zu tun._ Vorort- stlaebnebtett. Rixdorf. In der Bersammlung des Wahlvereins am 3. Dezember er- stattete Genosse Dr. B o r ch a r d t- Eharlottenburg den Bericht vom prcussischen Parteitage. Die Versammlung war gut besucht, es iiflltcu sich über tnufeub Genossen eingefunden, außerdem war die Galerie von Gästen und Frauen dicht besetzt. Der Referent legte zunächst die auf dem Parteitage beschlossene Organisation dar und ging näher ans diejenigen Gründe ein, ivelche auf dem Parteitage eine kleine Minderheit, zu der auch er gehörte, für die Schaffung einer Organisation mit einem selbständigen Lande?- vorstände angeführt habe; demgegenüber hob er auch diejenigen Gründe hervor, ivelche in der Diskussion zutage getreten waren und die Abstimmung der übergroßen Mehrheit der Delegierten gegen einen Landesvorstand offensichtlich bestimmt haben. Er wandte sich dann zu der Behandlung, welche der preußische Landtag nnd die Wahlrechtsfrage auf dem Parteitage gesunde, l habeir Die Beschlüsse des Parteitages bedeuten die Bekundung des festen Willens der Parteigenossen Preußens, weit mehr als es bisher geschehen ist, sich um die preußischen Angelegenheiten zn kümmern, die politische Energie der Arbeiterklasse sogar in erster Reihe ans die Zertrümmerung de? preußischen Wahlrechts zu richten, weil nur durch die Dcinokratisierung Preußen? auch Fortschritte in freiheitlicher Richtung im Reiche möglich sind. Die letzten Punkte der Tagesordnung,„die Lage der Staats- arbeitcr in Preußen" und„Selbstverwaltung und Gemeinde", worüber ans dem Parteilage die Ge»ossen Logien und Paul Hirsch referierten, geben treffliche Illustrationen zu der ungemeinen Bedeutung, welche das Eindringen der Sozialdemokratie in die preußische Verwaltung nicht nur für Preußen, sondern für Deutsch land haben muß. Die Ausführungen des Referenten wurden mit stürmischer Be- geistermig aufgenommen. Nach kurzer Diskussion gelangte folgende Resolution zu ein- stimmiger Annahme: ..Die Versammlung erklärt, im Sinne der Beschlüsse des preußischen Parteitages nnablässig für die Erringung des all- gemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts in Preußen wirken zu wollen, bis das Dreiklaffenwahlrechr zertrümmert ist." Zu dem Punkt der Tagesordnung: Verschiedenes schilderte der Stadlverordnete Genosse Conrad, in welcher Weise die bürger- liche Mehrheit im Rirdorfer Stadtparlament jahrelang die Sozial- dcmokraten von dem Ausschuß für die Auswahl der Schöffen und Geschiooreuen ferngehalten hat, und wie jetzt, nachdem endlich ein Sozialdemolrat in den Ausschuß gewählt ist. die bürgerliche Mehr- heit systcnmtisch die Arbeiter vvn dem Schöffen- und Geschworenen amt fernhält. Einstimnug gelangte folgende Resolution zur An nähme: „Die anwesenden Mitglieder deZ sozialdemokratischen Wahl Veccinö zu Rixdorf protestieren gegen die einseitige Stellung- nähme der Kommission zur Auswahl der Schöffen. Sie koii- ftatieren mit Bedanern, daß es gerade bürgerliche Stadtvertreter sind, welche die Arbeiterschaft für minderen Rechts erklären, trotzdem die Arbeiterschaft den weit überwiegende» Teil der Rirdorfer Bevölkerung bildet." Bei einem Zusammenstoß dreier Fuhrwerke den Tod gesunden hat gestern der 3t Jahre alte Arbeiter Artur Schwede auS der Prinz-Handjerystr. 61. Sch., der bei dem Kohlenhändler Eitncr in der Herinannstr. 205 in Stellung war, tvar im Begriff g-lvesen, auf einem Handwagen Kohlen zu den Kunden zu fahren. Als er nun von dem Kohlenplatz herunter fuhr, wurde der Handmagen Unglück licherweise von einem in demselben Augenblick vorüberkommendcn Straßenbahnwagen erfaßt und zur Seite geschleudert. Nun stieß auch noch ein ArbeitSfnhrwerk, das die Nnfallstellc passierte, mit dem Handwagen und dem Motorwaggo» zusammen. Sch. wurde in dem Durcheinander unter den Lastwagen geworfen und überfahren. Er erlitt so schioere innere Verletzungen, daß er bald darauf starb. Z» der Notiz„Die Spielerei mit Schußwaffen" bittet nnS der Tcleqraphenarbeiter Angnst(Saida mitzuteilen, daß die Verletzungen des ArbeiierS Ernst Bnlmaun im Gesicht ganz unerheblich find. Auch habe er kein Taschenteschuig befesseu, sondern vor einigen Tagen einen kleinen Revolver gefunden. Bei der Handhabung des- selben sei sein Freund unglücklicherweise gestreift worden. Chnrlottenburg. Die Charlottenlinrgrr Stadwerordneteu-Versammkullg nahm am Mittwoch, nachdem zunächst der neue Sradtrat Schdcl eingeführt war, die Wahl des V orsteherS an Stelle des bisherigen Vor- stchcrS Justizrat Rosenberg vor, der bekanntlich infolge deS Ausfalls der Stadtverordnetenivahl fein Amt niedergelegt hat. Bon 56 ab- gegebenen Stimmzetteln waren 17 unbeschrieben, zivei zersplittert, 37 lauteten ans den bisherigen stellvertretenden Vorsteher Kauf- mann, der also als gewählt prollamiert wurde. Eine längere Debatte rief die von freisinniger Seite ein gebrachte Interpellation, betreffend die drohende Ferien« Verkürzung der Charlottenburger Gemeinde» schulen, hervor. ES zeigte sich, daß zivischen den Mitgliedern des Magistrats und der Versammlung völlige Uebereiusttmiwmg über die Notwendigkeit herrschte, jeder Verkürzung der Schulferien entgegen zu trete»'. Der Magistrat wird sich mit bei» Nachbar- gemeinden in Verbindung setzen, um ein gemeinsames Vorgehen in dieser Sache zu ermöglichen. Die gleiche Uebereinstimmimg trat zutage bei der Beratung einer Magistratsvorlage, Ivonach dem verein Jugendheini das Bordergelände des Schulgriindstücks Goethestraße 22 unter ge- wiffen Bedingungen unentgeltlich übereignet werden soll. Auch die Sozialdeniokraten erklärten sich für die Vorlage, unter ausdrücklicher Betonung, daß es eigenllich Pflicht der Stadtgemeinde fei, die Auf gaben zu erfüllen, deren Lösting der Verein übernommen habe. Da aber auf absehbare Zeit nicht darai» zu denken sei, daß die Stadt an die Lösung dieser Auf gaben sErrichtmig von Kindergärten, Krippen, Bcaufsichti gnng der Kinoer während der schulfreien Zeit und dergleichen) herangehe, so müsse man sich vorläufig mit diesem Ausweg begnügen. Die Annahme der Vorlage erfolgte mit großer Die Beratung einer Vorlage betreffend die Anmietung von S ch u l r ä li i» e n gab uiiserem Genossen Scharrnberg Gelegenheit, den Mangel an Schnlgcbäuden zur Sprache zu bringen und der Verwaltung den berechtigten Vorwurf zu inachen, daß die heute bestehende Not nur hervorgerufen sei, weil die sozialdemokra- tischen Anträge auf Bereitstellung ausreichender Summen für Schul- bauten stets abgelehnt seien. Dle Borlage wurde einem Ausschuß tiberiviescn. Zur Annahme gelangte endlich noch eine Magistratsvorlage, wonach vom l. April 1908 ab der Betrieb der öffentlichen Ab o r t a n st a lken in eigene Benvaltung übernommen werden soll, Genosse, Kl ick konnte nut Genugtuung konstatieren, daß es sich auch hier wieder um die Durchringniig eine« Piinzips handle, das von der Sozialdemokratie stets m den Vordergrund gerückt, aber von den Gegnern stüher stets bekämpft worden se«. Wilmersdorf. „Auf deutscher Hochwacht." Unter diesem respektierlichen Titel veröffentlicht die„WilmerS- dorfcr Zeitung", ein sogenanntes Lokalblättchen für„steien MeiimiigsanStansck*. von Zeit zu Zeit Mitteilungen, die sozial- demokratische Führer und Schrislsteller wie die Sozialdemokratie überhaupt zu verleumden den Zweck haben sollen. Die Art. wie dies gei-vieht. läßt vermuten, daß die Redaktion deS Blattes für „freien Meinungsaustausch" mich gewerbsmäßigen Verleumdern der Sozialdemokralie vom Schlage des Reichsverbandes zur Bekämpsiing der Sozialdemokratie die Spalten öffnet, wenigstens tragen die VerlenmdungSnotizen den Stempel der Kostgängcrei an der Stirn. Warum wir hiervon Notiz nehmen? Nun, damit Arbeiter, sollten sie die Lektüre des BlatteS zu Gesicht bekommen, wissen, was sie davon zu halten haben. Der„Wilmerödorser Zeitung" ergeht es wie der großen Anzahl aller Amtsblätter: Zu elend, eine eigene Pelit� zu machen, füllen sie ihre Spalten mit allen Ladenhütern und Verleumdungen gegen die Sozialdemokratie. Auf diese Weise werden ihre Leser betrogen. Das schlimmste ist, daß eS noch Arbeitcr gibt, die auf solche Schmutzblätter abonnieren. Jeder um seine Existenz ringende und für bessere Zustände kämpfende Arbeiter muß es sich zur Hauptaufgabe machen, solche Blätter auS den Arbeiter- familicn zu bannen. ES gibt nur eine Presse, die die Arbeitersache wahntinimt, und das ist der„Vorwärts". Lichtenberg. Die Wahlzeit für die dritte Abteilung findet, wie der Gemeinde- vorstand ergänzend bekannt gibt, am 16. Dezember nicht von 4 bis 8 Uhr nachmitiagS, sondern von 11 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends statt. Dieser Beschluß ist am Dienstagabend ge- faßt lvordcn. Steglitz. Elternabend. Da? Lehrerkollegium der 2. Genreindeschule (Plantagenstraße) veranstaltet am Sonuabrtidabeud in dem neu- erbauten Gemeindehaus der evangelischen Kirchciigemeiilde in der Mittelstraße einen Elternnbend. Da dieses nur in der Ortspresse bekanntgegeben äst, machen wir hiermit unsere Parteigenossen, deren Kinder jene Schule besuchen, darauf aufmerksam. Neben einigen GesangSvorträgcu von Schülern der 2. Gemeindeschule bringt der Abend Vorträge des Rektors und des Schularztes. Da die Eltern- absnde dein Zweck dienen sollen, die Verbindimg zwischen Schule und HauS herzustellen beziehungsweise aufrecht zu erhalten, so empfiehlt sich schon aus diesen» Grunde der Besuch seitens der Väter und Mütter der betreffenden Schüler. Bcinerken lvollen wir noch. daß Kinder, außer den mitwirkenden, keinen Zutritt haben, und daß Eintrittsgeld nicht erhoben wird. Nieder-Schönelveide. Die Gründung eines Arbeiter-Tnruvcrctns bezweckt eine am Sonnabend, den 7. d. M., abends 8 Uhr im Lokal von Julius Fischer, Berlinerstraße 92 stattfindende Zusammenkunft. Vom Arbeiler-Turnerbund wird der KreiSvertrcter Genz einen Vortrag über Zweck und Wert des Turnens halten. Alle Turnfreunde werden ersucht, an der Znsammenknnft teilzunehmen. Spandau. Im«eitzschcn Saalbohkott findet die Entschädigungötlage am 9. Dezember vor dem Landgericht III statt. Ter Gastwirt Seitz hat bekanntlich das Gewerkschaftskartell, die Tpandauer und Ber- liner Lokalkommission, den„Vorwärts", den örtlichen Parteivor- stand und noch 10 andere Genossen auf Schadenersatz von 2000 M. verklagt. Mit der einstweiligen Verfügung, wonach cS IS Personen bei Androhung einer Haftstrafe von drei Tagen untersagt ist, sich in den angrenzenden Straßen des Seitzschcn Lokals aufzuhalten, wird sich demnächst daS Kammergericht als Berufungsinstanz zu beschäftigen Kaden. Die Verteidigung hat Rechtsanwalt"Genoise Heinemann übernommen. Mittlerweise hat Seitz beim Land- gcricht III noch vier weitere, ähnlich lautende Verfügungen gegen 32 Personen herausgebracht. Damit auch die Frauenbewegung auf ihre Kosten kommt, befindet sich auch eine Frau darunter, die sich schuldig gemacht hat. in der Sckintzciistraßc mit ihrem Manne spazieren gegangen zu sein. Der Anwalt des Herrn Seitz findet sich jedenfalls durch die vielen Zustellungen der einstweiligen Per- fügungcn usw. sekber nicht mehr hindurch, denn in der Verfugung Nr. 3 heißt es wörtlich, daß es sieben Personen bei Vermeidung einer G e l d st ra f e vo n 3(drei) Tage n für jeden Fall der Zu- Widerhandlung untersagt ist, sich in der Nähe deS Seitzschcn Lokals usw. aufzuhalten. Am schwersten von der Verfügung betroffen ist der Genosse Seeland, der nur zwei Häuser von Seitz entfernt wohnt. Genosse S. leidet seit längerer Zeit an Lungenkatarrh und war geraume Zeit eüvcrbSun fähig. Er befindet sich jetzt noch in ärztlicher Behandlung und erst vorige Woche wollte ihn der Arzt wieder erwerbsunfähig schreiben. Da»hm der Arzt möglichst viel Bc- wegung in freier Lust verordnet und die mit herrlichen Bäumen versehene Schützenstraße sich vorzüglich dazu eignet, so ist es doch erklärlich, daß der Iraukc Genosse auch die günstige Gelegenheit ausnutzt. Doch die Freveltat ist ihin üM vermerkt worden. Ter Anwalt des Gästwirts Seitz hat gegen ihn eine Hastftrafe von sechs Tagen beantragt, weil er angeblich die Verfügung zweimal über- treten hat. In ihrem Diensteifer verbietet die Polizei aber nicht nur dem Arbeiterpublikum das Passieren der Schützenstraße, son- dern auch mitunter dem bürgerlichen. So wurde am Sonntag einem Geschäftsmann die Möglichkeit genommen, die Stürße entlang zu gehen. Ein Liebcspärchcn Ivurde bis nach dein Hause, in dem die Braut wohnt, geleitet. Auch zwei Frauen beschweren sich, von Polizcibcamten behindert worden zu sein. Herr Seitz kann stelz sein, nicht weniger als 10 Polizeibeamte und ein Kommissar sollen das Publikum von seinem Lokal ferngehalten haben. Unsere Genossen glauben, daß ihnen mit dieser polizeilichen Tätigkeit der beste Dienst erwiesen wird. Notvalves. WahlrechtSversammlunzr» fanden, wie uns nachträglich noch gemeldet wird, am Sonntag in den verschiedenen Orten'der Nachbar- kreise statt. In Oranienburg referierte Genosse Z e g l i n unter leb- hasten, Beifall über das elendeste aller Wahlshsteme. In Drewitz referierte Genosse D a v i d s o h n. Dieser Ort hat. wie aus dem Bericht hervorgeht, bezüglich des Besuches der Versammlung eine Ausnahme von allen anderen Orten gemacht. Der Bestich mußte. angesichts der Wichiigkeit des zu behandelnden Themas, ein besserer sein. ES ist zu erwarten, daß die Genossen später mehr ihre Pflicht tun. Die BersanlmltliigSbcsucher nahmen die trefflichen Ausführungen deS Refeienten mit lebhaftem Interesse und großem Beifall ent- egen. Vor etwa 150 VersayrmIlingSbesilchern sprach in VolterSdorf ilenosse H orli tz- Adlershof. Der jRefcrent entledigte sich seiner Aufgabe ni einer die Versammelten begeisternden Weise. Die Reso- lutlon wurde allenthalben einstimmig angenommen. Ein Favnkbcand. Wie aus Breslau gemeldet wird, fand kn der Martinschcn Pappfabrik in Rothenburg(Oberlausitz) ein großer Brand statt, bei dem viele Männer und Frauen sich nur durch Sprung aus-bem Fenster retten konnten. Zwei Männer sind schwer verletzt. Falschmünzer,.�n Klausenburg verbastete die Polizei den Lithographen Fcnyvessy, in dessen Wohnung Klischees für falsche Zchnkronennoten beschlagnahmt wurden. Ter Verhaftete hat die Erzeugung der Falsifikate schon seit langem betrieben, und zahl- reiche falsche zirkulieren unter der Bevölkerung. Eine össeutllche Protestverfauimlmig der polnischen Arbeiter findet am Tomiteg, den S. 6. M., nachmittags 2 Uhr, im Lokal„Patria", Große Frmiksnrterstn 28, statt. Referent: Gen. Haast aus Posen Die deulschrn Genossen werden ersucht, in den Wci kstätlcn, Fabriken ujto ihre polnischen Arbeitskollegen hieraus aujmcrlsam zu machen. BrUfhaften der Kcdahtion. Tie iuriNückic Svrcchftiinde Nudee Lindenstrast: Nr. 3, zweiter Hof, dritter Eingang, di-r Treppe», MM- Fahrstuhl wocheutäglich Uo» 7". bis O'/, Illir abend o statt. Geöffnet 7 Mir. «viinnbeiid? beginue die Evrcltiitnndc»in l> Nlir. Jeder ülusrag»>it cell Ouchstabe und eine Kahl alS Atcrkzcichen beizufügen. Beiclliihe ülnlwort wird nicht erteilr. Eilige Fragen trag- man in der Sdrechstunb- bor. C.®. 5. DaS Gesetz spricht nur von Bedürftigkeit. Ihrem Schwieger- vater wäre zu raten, sich mit einer Petition an den Reichstag unter Bei- süguiiss des Bescheides zu wenden.— A. GO. 1. Ja, die Gewalt darf sich aber nicht gegen die Person richten. 2. DaS können Sie ohne Mitteilung tun. 3. Ja.— F. Cr. 85. 1. Das Testament ist ungültig. 2. Sic erhalten keinen Bescheid von amtSwegen, sondern kömicii selbst die Erb- regulieruNg vornehmen oder bei Gericht beantragen.— A. Zeh. 1., Z., Z. 1. und 2, Ja: die Hülste der geklebten Beitrage. 3. Ja. 4. Die Per- jährungsfrist für GcrichtSkosten beträgt 4 Jahre. Von jeder Pjündnng ab beginnt die Frist von neuem, ö. Nein.— W. E. 4. Leider sind Sie zur Weiterzahlung verpflichtet.— K. E. 50. Leider ist die Herrschast im Recht.— St. St. 101. In der Regel für die Zeit nach der' Entbindung, ja: entscheidend sind die Staluten der Krankenkasse.— D. 13. Nein, eS sei denn, daß die Forderung innerhalb der Zeit anerkannt war oder lediglich ein Leihvertraz vorliegt.— A. Lt. S. 1. Wenn Sie im Termin nicht erscheinen, ergeht VcfiüumniSurtcil gegen Sie. 2. Dr. Kurt Rosenstld, Aleranderstr. 22.— 31. F. 20. Der Vertrag und die Klausel würde sür gültig erachict»Verden.— Frau Holle. 1. Nein. 2. Bis zum vollendeten lv. Lebensjahre sind?lllmente sür autzercheliche Kinder zu zahlen.— G. I. 1884. 1. Nein. 2. Das ist möglich, aber nicht notwendig.— 39. 33, Lichtenberg. Pädagoge.— K. Z. 34. Die Leistung eines LffenbarungSetdeZ kann nach Ablauf von ö Jahren nochmals verlangt werben. Vermischtes. Die„Patrie" gelandet. Der entflohene französische Leukballon„Patrie", den man vorgestern noch in Schottland gesehen haben wollte, ist gestern auf einer irischen Farm gelandet. Bei dein Sturze auf die Erde hat er so schwere Havarien erlitten, daß seine Wiederverwendung wohl gänzlich unmöglich ist. Nach dem ersten Sturze verlor die„Patrie" durch die Zertrrnmnerung der Schrauben Ballast und erhob sich deshalb noch einmal vom Boden, um nach einem kurzen, niedrigen Fluge endgültig zur Erde zu sinken. Ein deutscher Ballon davongeflogen. Von einem ähnlichen Unfall, wie der französische Lenkballon„Patrie" ist heute früh in Mülheim- Stymm ein deutscher Freiballon betroffen worden. Ein Telegramm meldet darüber: Essen(Ruhr), 6. Dezember. Als der dem Niederrheinische» Verein für Lustschiffahrt gehörende Ballon„Bamler" heute ftüh in Mülheim-Siyrum zwecks Beteiligung an den internationalen Ballon- fahrten gefüllt wurde, bemerkte man. daß einer der dabei beschäftigten Soldaten zu viel Gas eingeatmet hatte. Der Soldat wurde des- halb forttransportiert. In diesem Augenblicke ließen die den Ballon haltenden Soldaten dielen einen Augenblick außer acht nnd ein plötzlich einsetzender Windstoß entriß den Ballon den Händen der Soldaten und trieb ihn in nordöstlicher Richtung davon. Der Niederrheinische Verein für Lustschiffahrt hat für die Herbei- chaffung des Ballons eine Belohnung ausgesetzt und bittet, Nach- richten über den Verbleib desselben an Herrn Dr. Bamler in Essen gelangen zn lassen. Berliner Markttzreise. An» dem amMchen Bericht der stüdlischm Marktballen-Direkiion.(Grohbandel) Ochstnsteilch l» 63-70 pr. 100 Pst., IIa 62 67, lila 56 59, Bullcnflcisch la 67—72, IIa 56- 66. Kühe, sctc 50- 58, do. mager 38—46, Fresser 52—60, Lulle», dünische 53—65. Kalbfleisch, Doppcllcnder 110—125, Mastkülbcr la 83- 93, IIa 73—82, Kälber ger., gen. 53—89, do. Holl. 48—54. Hainmelfleiich Mast- bmimer 76—78, Hammel la 63—72. IIa 62—67. ungar. 0.00, Schasc 47-60. Schweinefleisch 50-53. Rehwild la per Psund 0,60-0,75. IIa 0,40-0,53. Rotwild la per Psund 0,40—0,50, do. Ha 0,25-0,40, do. Kälber 0,00. Damwild 0,40—0,55, do. Kälber 0,50—0,70. Wildschweine per Pst. 0,30—0,40. Frischlinge p. Pst. 0,30—0,60. Kaninchen, groß pr. St. 0,70—1,00, do. klein 0,00. Hasen, groß per Stück 3,50—3,80, do. mittel und Nein Stück 1,50—3,25. Wildenten per Stück 1,55— 1,60. Rebhühner, junge per Stück 0,75—1,20, do. alte 0,60—0,70. Faianenhähne la, junge 2,23—3,00, do. IIa und alte 1,50—2,00. Fasanenhennen 1,00—1,90. Waldschnepfen per Stück 2,00—2,25, do. IIa 1,00—1,50. Hühner. alte, per Stück 1,25—2,35, do. IIa 0,60—1,15, dito junge 0,50—1,00. Tauben 0,25—0,50, do. italienische 0,65. Enten 1,50—3,00, dito per Pfd. 0,60—0,65, dtto Hamburger per Stück 3,10. Gänse per Psund 0.45—0,58. dito per Stück 0,00, do. Hamburger 0,00, do. Oderbruchcr p. Psund 0,40-0,58. PouletS p. Stück 0,50-1,00. Puten p. Pfd. 0,50-0,80. Hechte per 100 Pst. 73—83, do. matt 0,00, do. groß 71, do. klein 0,00, do. mittel 84—87. Zander, mittel 0,00, do. groß 0,00. Schleie, unsortiert 0,00, do. groß 94, do. mittel 113. Aale, klein 0,00, do. klein und mittel 0,00, dito groß 0,00. Wels 0,00. Karpfen 50er Galiz. 60-62, dito 30- 40er O.OO, dito 50er Schles. 60-62, dito uns. 70. Plötzen 45—51, do. klein 0,00. Roddow 0,00, do. mittel 0,00. Blei- slsche 0,00. Bunte Fische 25—61, dtto matt 0,00. Barst matt 68—71. Karauschen 77—83. Bleie 45—54, do. malt 0,00. Aland 0,00. Raap 48—50. Winter- RheinlachS 0,00. Amerikanischer LachS, la neuer per 100 Pst. 110—130, do. Na neuer SO— 100. Seelachs per 100 Pfd. 0.00. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6, do. mittel Kiste 1—2, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 0,00, IIa 0,09. Bücklinge. Kieler per Wall 2—3,00, Strallunder ODO, engl per Wall 2,00—2,50. Sprotten, Danziger, Kiste 0,80—1,00, do. Rügenwalder, Kiste 0,80—1,00. Aale, graß per Pfund 1,10—1.40, mittelgroß 0.80—1,10, klein 0.60—0,80. Heringe per Schock 5,00—9,00. Schellfische, Kiste 3,00— 4,50,'I, Kiste 1,75—2,50. Sardellen, 1902 er per Anker 98. 1904er 98. 1905» 98. 1906er 90—95. Schottische Vollberinge 1905 0.00. large 40-44, füll. 38-40, med. 86—42, deutsche 37—41. Heringe, neue MatjeS, per•/, To. 50—120. Sardinen, russ., Faß 1.50-1.60. Bratberinge Faß 1,20-1,40, do. Büchse(4 Liter) 140-1,70. Neunaugen, Schocksatz 11. da. kleine 5—6, do. Riesen- 14. Krebse per Schock 0,00, große 0.00, do. mittelgroße 0,00, dito kleine 0,00 cm 0,00, do. unsorttert 0,00, Aalizicr, groß 0,00, do. unsortiert 0,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 4,50—5,80, do. große 6,00—6,50. Butter per >00 Pst. la 125-130, IIa 118-122. Illa 110-116. abfallende 00-95. Saure Gurken schock 4,00. Psefsergurken Schock 4,00. Kartofl-Ii, oer 100 P>u»d Dabcrsche 3,00—3,50, weiße runde 2,75—3,00, mag. von. 3,00—3,25. Porree, per Schock 1,00—1,25. Meerreitich. Schock 4—10. Spinal per 100 Psund 5—10. Sellen«, per Schock 3—6, do. pomm. 6—8. Zwiebeln per 100 Pst. 2,00—4,00. Pelersilie, grün, Schockbund 1,00—1,25. Koblrabi Schock 0,50—1,00. Rettich, bayrischer, Stück 0.04-0.10. hiesiger Schock 2,50-3,50. Mobrrüben. 100 Pfd. 2.00 bjs 2.50. Karotten, hiesige, Schockbund 3,00—4,00. Wirsingkohl p. Schock 4—6. Rotkohl. Schock 3-7. Weißkohl p. 100 Pst. 1,75-2,00. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 0,00. Rosenkohl, per 100 Psund 10—20. Grünkohl 2,00—6,00. Kohlrüben, Schock 2.00—3,00. Peterstlienwurzeln, per 100 Pst. 6—7, Schockbund 4—5. Schliiltlauch, Töpst Dutzend 4,00 bis 4.50. Tomaten, italienische, per 100 Psund 25—30. Rote Rüben, per 100 Psund 2,50—3,00. Rübchen, Beelitzer, per lOO Pst. 4—8, do. Teltower 18—18. Kürbis p. 100 Pst. 8—10. Eätarol per Schock 5—6. Elldivicn per Schock 3—6. Birnen per 100 Pfd. Tiroler 20—30, Kochbirnen 3—8, Tastlblrncn la 18-25. do. IIa 6—17. Aepscl, Per 100 Psund, Tiroler la 18—40, do. IIa 12—18, Tiroler, lose, per 100 Psund 10-14, do. in Kisten ILO Psund 30-70, Most-, hiesige, 3-5, Koch- 5-10. Tafel» öpsel la 15-25, do. IIa 10—13, Amerikaner, per Faß 24—35, Italiener, lose, 100 Pst. 6—12. Wallnüfle, per 100 Pst. sranzösische 34 bis 40, rumänische 27—30. Paranüsse 52—56. Haselnüsse, lange, 100 Pfund 43—47, do. runde 32—36. Weintrauben. SUineria, per Faß 10—20, Ananas l, per Pfund 0,70-0,90, do. Ii 0.40—0.50. Bananen, gelb, per 100 Psund 8—22. Kokosnüsse per 100 Stück 20—10. Krachmandel» per 100 Pst. 70—100. Maronen, ital., per 100 Psund 0—20. Feigen, Kranz- per 100 Pst 21-25, da. Trommel- per 100 Pst. 40, do. in Kisten 28-60. Traube», rosincn per 100 Psund 80-120. Ziironei». Mcssina. 300 Stück 8.75-12,00, do. 360 Stück 8,00-11,00, do. 200 Stück 0.00, do. 150 Stück 0,00. Zstselsinen, 300 Stück 0,00, do. Rurria 200 Stück 6,00-11,00 do. 300 Stück 7,00-12,00, do. Valencia 420 Stück U— 19, do. 714 Stück 14-21. ONaiserstaudS-Nachrlchten der LandcSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e k, Tilsit Pregel, Jnfterburg Deichsel, Thon, Oder. Ratibor , Krassen . Franks», rt Warthe, Schrtmin . LandSberg Netze, Vordam», Elbe, Leilineritz . Dresden , Bardo . Magdeburg am i seit 4. 12. 3. 42. I.?!?! -fi 4 -16 0 — 1 + 3 +10 —14 .+® lO'U- 7 -58 j— 3 —170 0 59— 1 73-1! 318") 6«) 28-) 72 37 100 22«) 244; ,>.»> ')+ bedeutet Guchö.— Fall. 0 EiSwestti,. 1 Grundeisgang. Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau. , Rathenow') Spree. Svremberg , Beeskow Weser, Münden „ Minden Rhein, MaximtlianZa! ., Kaub „ Köln Neckar, Heilbronn Main, Dalheim Mosel. Trier —*) Unlerpegel.—•) Riit de» Jnbalt»er Jnkerale überniinnit»ic Redaklio» dein Vnblitui» gegenüber keinerlei 'Ztren»tt»ort»»g. HKeater. von Zoe Freltag.S. Dezember. Ansang Vlj Uhr. Ägl. Lpernhaiiö. Die Zauberflö!-. Königs. Zchausviclhanö. Wie die Allen sungen. Deutsches. Prinz Friedrich Homburg. 5lammersp!e?e. Liebele!. ('Ansang 8 Uhr.) Zlniang 8 Uhr. Berliner. Blaubart. Lesstng. Der Biberpelz. Neues. Die Agrarier. Neues Schauspielhaus. Peter. Achill er O. iWallner-Tbealer.) Monna Vanna. Schiller Charlottenburg. Maria Stuart. Friedrich- Wilhclmftädt. Schau ipielhans. Tugend von heute. Kleines. Aandragola. Zentral. Frau Warrens Gewerbe. Thearer an der Spree. Der Akticnbudiker. Lorliing. Hans Helling. Neüdeiiz. Ganz der Papa. Koni iichc Dpcr. Tiesland. BSeslen. Tie lustige Witwe. i«»ii>p ield» ,»l. Das mug man srh'n. Zlpollo. Sylvester Schäfscrjr.Siegw. Gentes. ZSallialla. Spezialitäten. Falles CTapricc. Geteilte Liebe. Kaiiiio. Bicdcrleute. Gebr. Hermfeld. Madame D!g« Wag. ES lebe daS Nachtleben. Pasiagr. Paula Birth. Epeziali- täte». Prater. Pension Gcholler. Palast. 2l;n heiligen Abend. Spezialitäten. Parodie. DaS Ungeheuer. Zapfen- streich.-Manna Paitng., Willtergarten. Spczialilälcn. Neichshalle». Sieltjner Sänger. Ilrnnin.?»»t>r»>ir»hr ix ri>. Ltbends 8 Uhr: Urb er den Brenner nach Venedig. S Uhr: Dr.. E. Thesiilg: Gegen- fciilge Hülfe in der Entwickelung. Steeiliaarir. FavalideuNv dT'Q'i. Zur Beobachtung: Mars, Saturn, Toppclstcrne, Nebelflecke._ Berliner Thealer. Gastsp. des Neuen Operett.-Theaters. Blaubart. Kam. Oper in Z'Alten o. J.Lffcnbach. Alisang S Uhr. N argen u. folgende Tage: Blaubart. Ui'ama. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: lieber den Brenner nach Venedig. 8 Uhr: Ur. C. Therfng: Gegenseitige Hülfe in d. Entiviohelung. Tnvalidenstr 57—62: Sternwarte. Zur Beobachtung: Mars, Saturn. Doppelstcrne, Residenz-Theater. — Tireltion: Richard Alexander.— Zlnfang 8 Ubr. Ganz der Papa. Schwank in 8 Litten von MarS und DcsvallidreS. Deutsch v. M. Schönau. Baron des LlubraiS: Rich. Alexander. �onnlag, den 8. Dezember, nach- mittags 3 Uhr: Im Pavillon. MMÜMIM Gr. grailtslirlerstr. 132. Der Hutten bcsiher. Ansang 8 Ubr.--- DochentagSprcife. Sonnabend nachm. 4 Uhr Kinder- Vorstellung: Der gestiefelte Kater AbcndS: Die Frau Kommerzienrat. (Jficaieim>daSfiiQ3 Köpenickerstrafle 68. Täglich 8 Uhr: Der Zlktienbndiker mit� I o f e s i» e D o r a als Karline. Sonnabend 4 Uhr: Dornröschen. iielropol-Theme? Anfang präelsc S Uhr. Gr. Hevue in 1 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Saene gesetxt von Direktor Richard Schultz. G. Thielselier, F. Massarj, Josephi. Rauchen uberall gestattete (Sonntag, den 8. Dezember, nachmittags 3 Uhr: Die Herren von Maxim. 8 Uhr: Die neuen Spezialltaten, u. a. Siegwart Gentes »-/, Uhr: ° �*"°________ ft 1 f Ä I»FF» Heues Theater, fixester Schaffer jr. Ailsang 8 Uhr. Die Agrarier. Sonnabend z. erstenmal: Baccaral. Sonnlag: Baccaral._ der berühmte Universalkünetler. Sonntag, 8. Dezcinb.. nachm. 3'l, Uhr s Familien-Vorstellung Kleine Preise! Kleines Thealer. Abends S Uhr: Agnes Hornin. lllaiidragoia. Sonnabend: Mandragola. Sonntag nachm. 3 Uhr: Vaier und Sohn. AbcndS 8 Uhr: Mandragola. Montag: Mandragola._ Tiieater des Westens. 8 Ubr: Die lustige Witwe. Sonntag nachm. 3*� Uhr halbe Preise: FriiliUngslnft. Friedrich-Wiltielnistadtisches Schauspielhaus. Jugend von heute. Eine deutsche Komödie in 4 Alten von Otto E r Ii st. Llnsang 8 Uhr. Sonnabend: Der gehörnte Sieg» sncd. Siegsricds Tod�_ LortzingTheater. Adcnos 8 Uhr: Dans Meiling. Sonnabend nachm. 3>/, Uhr: Rum- pclililzchen.'Abends 8 Uhr: Undine. Sounlag nachm. 3 Uhr: Der Trou. badour. Abends 8 Uhr: Ter Frei- schüd._• Auftreten von; Robert Sleidl, Liane de Vribs. Kitty Gordon, Tan Kwai• Truppe, Flood Brothers. Starr und Leslie, Boganny• Truppe, Die Tiller Girls, Brunlns. La Bdrat, Toqud, TenJI• Truppe, Der Biograph etc. Lustspielhaus. AbcndS 8 Uhr; Hnsarettfieber. Zentral=Theater. Gastspiel deS Hebbel. Theaters. LIbciidS S Uhr: Krau Wartens Gewerbe. Drainu in 4 Akten von Vernh. Shaw. Luisen-Tiieater, Relchenbergerstr. 34. Zum erstenmal: Ein seltsamer Fall. Soiinabknd nachm. 4 Uhr: Dornröschen. Abends: Das Heiratsnelt. Sonntag»achm.: Der Leiermann und sei» Pslegelind. LibeudS: Sin seit- sanier Fall. Ronlag- Ein Itlilamer Fall. Kehr,»errnlelll- VI» vater. 57 KommaiidanienrtraHe Nr. 57. Abend» S Uhr: U»r noch weuige Tage: Madame Wig-Wag. Es lebe das Nachtleben I In Vorbereitung: .Papa und Genossen. Brunnen-Theaier vaditrahe 68. Direkt.: Bornh. Rose. Freitag, den S. Dezember 1307: Die Lchauspleler des Kaisers. Drama In 4 Alt. o. Karl Wartcnbnrg. Vorverlaus vorm. von 10 bis 2 Uhr. Kasseneröstnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. £taMKK«»'-1'I»eat«i*. Schiller-Theater Charloltenburg. Freitag, abends 8 U h r: lillti'i» Kkiinrt. Ein Trauerspiel in 5 Akten vm Friedrich Schiller. Sonnabend, abend» 8Uhr: Nlnrl» Stnnx-t. S o n n t a g, nachm. 3 Ubr: Der Rlcbtor von Zalamca. Schiller-Theatcr 0.(Wallner-Theareri. Freitag, abends 8 Uhr: Zlonn» Vannn. Schauspiel tu süns Auszügen von Maurice Maeterlinck. Deutsch von F. v. OpPeln Bronikowsli. S c n n» b e n d. a b c n d S 8 Uhr: Da» vlorto Gebot. Sonntag, ii am w. 3 Uhr: Traamala». Sonntag. nvendSR Uhr: IToimat. S o» ii l a g, abend» 8 Uhr: Ein Ealllnscmcnt. Sei» iller-Saal(IrÄÄr) Freitag 9 Uhr: Dortrag von Dr.L. Hirschberg: Rober» Schumann. Erläutert durch Instrumentalmusik. Zehnter Vortrag de» Zyklus: Komponisten der Neuzeit._ Haben Sie schon die deutschen Konzerlhallen, An der Spndanerhrücke 3. besucht??? Zirkus Schumann Heule Freitag, den 6. Dezember, abends präzise T'/j Uhr: Vorwiegend humoristisches Progr. Sämtliche Clowns, Auaiific m. ihren neuesten Spähen. Ferner: Neu; Familie flumel. 6 fliegende Banvards 2 Damen, 4 Herren, alles doppelt und dreifache Saltomortale. 7ks three Jemons IN. ihren phänomenalen Leistungen und die großartigen neuen Spezialitäten. Zum Schlnfz: Auf dem Neckar diesjährige große Dasierpaittomiine. Sonntag: L Galavorstellungen. Ztachni. ein Kind frei. Cili Fest »••«»�»••**■55553535| ' Passage-Theater. Abend» 8 Uhr. Die singenden Cngelsköpfe Hartln Kettner Erna FrOhltch und das grosiarlige rt � Tezcmbcr-Prozramln. »$533 Trianon-Thealer. Heule und folgende Tage 8 Uhr: Mein Josette- meine Frau. _ Moritiplafi. Jf. imlheatcrsaal TäQllCR; I Das neue f-PWi Ansang S Uhr. Eiilrcc 50 Pf. Sonntags 7 Uhr.(Sonntags reserviert 1 M., Eittrcc 50 Ps.) Familiciiblllctls a 40 Ps.' Xm Militär-Konzert. Becker, Przywarsk!, Görisch, Ncilmann, Lffeney und Lüttich. XIII. Safoion. Zirkns lln»ch Heute abend präzise 7'/. Uhr: Koii>l»oI>er I-talaabeaÄ. Austr. sämtl. neuengag. Künstler. Kremo Family. Geschw. Vlchis. MIC Virginia Bell. Ferner: Herrn Schumanns Neu- drcssurcn. Fräulein Estelle Prcval, Schulreslerln. K'N�Anfdersinllig. DieSj. grlÄuSst.Pant. d.Zirk.Busch. Kiesen• llluslonsaktc unter Wasser. Sonntag:£ Borstcllimgen. P alast-Theater Bnrgstraste 24. Heute 8 Uhr Entrec 60 Pf. Lona Revee Tableaux vivants Luna=Quartett Daiiien-Enaeinble. Hee and Zbee�Duo� und 9 Attraktionen 9. Am beiiigeu Abend. Charakterbild von Hoffmaiin. VtelndergiWsg 19,20. Ro««nth. Tor. Zlnsang 8 Uhr. Gas koloss. Dezomber- Programm. 12 Akrobaten Lorch 12 zirzensische Spiele. 8 Collnl Clalron 8 »Ein«ihifllcrfcst.- Harry Arndt,©umonfi. IS Internat Ion. Spezialitäten IS DM- Tunnel: 4 Kapellen-MG Theaterbesuchern kraler Antiitt. Sanssouci IZT* Tireltion: Wilhelm Reimer. Heute Freitag wegen grober VerclnS.Zcstllchkeit geschlosten-WM Jeden Sonntag. Montag, Donnerstag: HolfmannsMiSiiiiiier lind Tanzkräilzche». Beginn Sonntags S Uhr, wochentags 8 Uhr. Kl. VCU!-Aii8Zlc!!tiiix Aegintka Canaria vom 6.— 10. Dezember Andreasetr. 21 AudreflS" FeStSÜle Andreasstr. 21 Geöffnet von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends. Verlosung von Papageien, Kanarienhähnen etc, Eintritt SO PI. Sonnabend, den 14. Dezember :: Vogel-Anktion:: Los 50 PI. Arbeiter-Bekleidung Gr OUt es SpczlalgcnchUtt Kohnen& Jöring Hauptgeschäft: AlcxanderstraBe 12 zf/isch. Alexamlerpl. u. iannowitzbr. 2. Geschäft: Landsberger Allee 148, Ecke LangeiibeckstraCe. 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Reichshallen Restaurant: GrotzcS miltur- Konzert. J.üossraanns Festsäle Bes.: 0. Crnert S W., Streu jtiergstr. 48. HeuleFreitng: Letzte Soitte vor Weihuackteii der Eriek-Iträuse-MgeT Wiederbeginn: Freitag, d. 3. Januar.— Inzwischen jeden Montag und Freitag: Erel-Tuuie. In der Strafsache gegen den Redalteur Martin Christiatt Theodor Wilhelm P r ü t e r in Kiel, geboren am 21. November 1254 zu Rostock,«»angelischer Religion, wegen Beleidigung durch die Presse, hat die zweite Straskammer des könig- lichen Landgerichts in Kiel am 27. Mai 1S07 für Recht erkannt: Der Angeklagte ist der öffentlichen Beleidigung schuldig und wird des- halb zu einer Geldstrasc von 300— dreihundert— Mark, an deren Stelle, falls sie nicht beigetrieben werden kann, für je 10— zehn— Mark ein Tag Gesänguis tritt, und in die Kosten des Bersahrens ver- urteilt. 10352 Dem beleidigten Präsidenten der königlichen Siseiibahndirektivil Essen wird die Befug nt» zugesprochen, die Verurteilung einmal binnen 4— vier— Wochen nach Zustellung des rechtskräftigen Urteils im»Vor- wärts", in der»SchleSwig-Holstei- Nischen VolkSzeltung- und im „Weckruf" aus Kosten deS An- geklagten belannt zu machen. Charlottenburg! ..Vorwllrts"-S|KMllHoi!. Tefcnheiinerstraste 1, im Laden. Weihnacliisiiräinleu ar: für unsere Aboniirnten. Freiligraths sämtliche Werke 3 M. Gerstäckers Werke 3,50 M. Franz GrillparzerS Werke 3 M. Fritz ReuierS Werke 3 M. WunnS Gesundheitsschutz 1,50 M. Bilderbücher von 10 Ps. an. »cNUNUKi ARBEITSSTÄTTEN. 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Die Bestrebungen unserer Organisation, auch in den Detailgeschäften der Herrenkonfektion Betriebslverkstntten und feste tarifmäßige Löhne zu erringen, � haben bei den ftinneninhabern, welche um Bewilligung dieser Forderungen angegangen wurden, unter Ausflüchten� die wir als stichhaltig nicht anerkennen könne», Widerstand gefunden. Wir sehen uns deshalb genötigt, die Solidarirät der Arbeiterschaft zu Hülfe zu rnsen. Die Delegierten zur Berliner Gewerkschaftskommission haben einem dementsprechenden Antrag! einstimmig ihre Zustimmung erteilt und die Parteigenossen von Groß-Berlin sind diesem Beschlusf! beigetreten. Dank der Solidarität der Berliner Arbeiterschaft sahen sich eine Anzahl Berliner Konfektionäre veranlaßt, BetriebSwcrkstätten einzurichten und tariflich festgesetzte Zeitlöhne an die Arbeiterschafl zu zahlen. Wir ersuchen daher mit Gegenwärtigem die Parteigenossen und Gewerkschaftsmitglieder Berlins und Umgebung, bei ihren Einkäufen und Bestellungen von Herren- und Knabengarderobe in Zukunft nur die nachstehende« Geschäfte berücksichtigen zu Wollen. Norden: „Hoffnung". Produktiv- Genossenschast der Schneider, Brunnenstr. 185. Alle von dieser Firma in den Handel gebrachten Waren werden zu den von der Organisation fest- gesetzten Bedingungen hergestellt. Wir empfehlen dieselbe daher ganz besonders. Baer Sohn. Chausseestr. 29/30. Diese Firma unterhält eine BetriebSiverkstätte für ZI Arbeiter und hat die neunstündige Arbeitszeit eingeführt. D. Perleberg. Chausseestr. 63: „Blitz", Turinstr. 19. Baer Sohn, Gr. Franksurterstr. 20. Haake, Landsbergerstr. 91. „Blitz", Gr. Franksurterstr. 137. „Blitz", Roscnthalerstr. 9. „Blitz", Chausseestr. 85. Diese Firma stellt eine» graste» Teil ihres Um fasteS z» den geforderten Bedinguiige» her. Amerikanische Bcrkaufshallen, Rosenthaler- strabe 53. 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Sie bemerkte, die gan�e Tagung sei von dein Geist deo Wahlrcchtsfampfeö �eseelt gewesen; man fühlte es.- das Matz der Reaktion ist Zum Ueberlsusen doL. Rcdnerin hob hervor, dah auch den Frauen bei der Festsetzung der Delegation zum Preutzischen Parteitag ein grätzercr Ginflutz ein- geräumt worden sei; man sollte nun auch die zustehenden Rechte möglichst ausnutzen. Der von Genossinnen gestellte Antrag, der die Forderung des Fraucnwahlrechteo enthielt, sei zurückgezogen worden, weil er sich mit der angenommenen Resolution des Rc- sercnten, Genosten Adler, deckt. Diese Verhandlungen hätten Wieder gegeigt, datz die Sozialdemokratie die einzigste Partei ist, die ernsthaft für das Frauenwahlreckt eintritt. Das Referat des Genoffen Legten über„Die Lage der Staatsarbeiter" sowie das des Genossen Hirsch über„Selbstverwaltung und Gemeinde" boten ein reiches Material, das m der Agitation seine Airkuna nicht verfehlen wird.— Zum letztgenannten Punkt hatten die Ge- nosstnncn gleichfalls einen Antrag gestellt. Dieser forderte die Errichtung ton Kindergärten und-Krippen sowie die Heran- zichung der Frauen gu öffentlichen Aemtcrn. Auch hierfür habe der Parteitag Verständnis und guten Willen bekundet. Genossin Petercit schloß mit dem Wunsche, dah auch diese Tagung wieder aufrüttelnd unter den Frauen gewirkt haben möge, deth sich stets neue Kräfte um unser Banner scharen, um vor allem bei den Wahlrechtödemonstrationen in Masten beteiligt zu sein.— Zum Bericht über die außerordentlich« Frauentonferenz nahm Genossin Baar das Wort. Sie führte aus, datz sich die Fraucnkonferenz im Gegensatz zu den früher stattgefundenen ausschließlich mit der Tienstbotenbewcgung beschäftigt habe. Aus fast allen" estädtcn Deutschlands, in denen Diensibotcn-Organisationen vorhanden seien, wären Delegierte erschienen. Die durch die Genossin Grünberg verschuldeten Zwistigkeiten hätten der Konferenz keinen Abbruch getan. 27 Delegierte waren anwesend. Ein klares Bild sei ge- gebrn, wie verschieden in den verschiedenen Gegenden gekämpft Irird. In Süddeulschland habe man hauptsächlich mit den Quer- trcibereien der Ehrrstlichen gu tun. Besonders rührig sei bisher in Hamburg gearbeitet worden. Daß der Berliner Verein noch nickt voll auf der Höhe stehe, liege hauptsächlich daran, dah dieser Verein sich acht Jahre in bürgerlichen Händen befunden habe. An den Folgen habe er noch lange Zu laborieren. In Hamburg habe man dt: Flugblativerbreitung systematisch betrieben. Früh- stöcksbeütel und leere Müllkästen hätten als Postkästen für die Dicnun.ädchen gedient. Auf diesem Wege habe man ihnen die Versammlungseinladungen in die Hände gespielt und in Masse seien die Mädchen herbeigeströmt. 6000— 0000 Dienstboten feint gegenwärtig organisiert. Tie auf der Konferenz gewählte Kom- Mission, aus Vertreterinnen der Städte Hamburg, Berlin, Frank- furt o. M.. Leipzig und Nürnberg— iocnn letztere sich ablehnend verhält, München— bestehend, soll sich mit der ZeutralisationS- frage beschäftigen. Die Kommission solle sich auch mit der Frage beschäftigen, ob ein eigenes Fachblatt herausgegeben wird oder ob die„Gleichheit", mit einer Beilage ausgestattet, als Vereins- organ gelten soll. Vor allem mache sich die Einführung eigener Stellennachweise nötig. Diese seien das beste AgitationSmittcl für die Vereine. Auch muffe für Unterkommen der stellungslosen Mädchen gesorgt werden, weil sich sonst die Privatstellenvermittler ihrer bemächtigen, ihnen nicht eher eine Stelle verschaffen, bis sie den letzten Groschen ausgegeben haben. Auch müsse den Mädchen einck Bibliothek zugänglich gemacht werden. Die Aussprache auf der Konferenz habe zweifellos nützlich und befruchtend für die fernere Agitation und Organisation gewirkt, Anregungen und Belehrungen hätten die Genossinnen mit nach Hause genommen. — In der Diskussion trat genossin Wurm für die„Gleichheit" ein; durch dies: könnten die Mädchen zu Klassenkämvfcrinnen er- zogen werden. Bei dem städtischen Arbeitsnachweis, dem man sich hatte zuwenden wollen, hätte man kein Entgegenkommen gefunden; es müsse für eine eigene Einrichtung gesorgt werden. Ferner wendete sie sich gegen die Ausbeutung der Kinder in der Haushaltung; das Kindcrschutzgesetz müsse besser beachtet werden. -T Genossin F a h r c n w a l d trat ebenfalls für die„Gleichheit" als Organ der Dienstbotenvcrcinc ein. Sie wies darauf hin, daß die jetzigen Dienstmädchen nachher Prolctarierfrauen und Mütter "ärn, die ihre Kinder im Sinne des Sozialismus erziehen sollten. — Genossin Baar bemerkte in ihrem Schlußwort: So hoch sie die„Gleichheit" auch schätze, so sei sie doch für ein anderes Ver- einsorgan, weil die Mädchen, die häufig noch auf einer tiefen Kulturstufe stehen, die„Gleichheil" nicht verständen. Sie betont: dann noch, datz durch eigen: Stellenvermittelung unser Arbeits- vertrag bester zur Durchführung zu bringen fei.— Nach einem kräftigen Schlußwort schloß Genossin K a s ch c w s k i die Ver- sammlung."_ Kein Fatalismus, sondern Kampfeslust. Zu dem Artikel„ErnährungSfragen" in Nr, 281 des„Vorwärts", sendet uns Genossin Gotthusen einen Artikel, in dem sie sich zu der irrtümlichen Auffassung bckenirt, die in diesen« Artikel als Ercmpcl angeführten Budgets sollten als Muster für heute dienen, oder aber, eS"könne jemand auf den Gedanken kommen, mit den angezogenen Summen sei eine Familie überhaupt zu entähren. Die beiden Budgets haben selbstverständlich nur Bergleichswert Immerhin enthält der Artikel der Genossin G. manche treffliche Gedanken, denen wir nachfölgend gern Raum geben. Sie schreibt mit Hinweis auf den Artikel: Es wird da der schädliche Einfluß des Alkohols imd der kalten Küche im Arbeiterhaushalt hervorgehoben. Ich gebe nnumwunden zu. es ist richtig: datz ein gutes, warmes, gekochtes Essen entspricht besser seinem Zwecke, als lediglich Brot. Am eigenen Körper kann dies ausprobiert werden. Hat man den ganzen Tag kein warmes, gekochtes Essen eingenommen, so fühlt man sich bei den schönsten belegten Buttersiullen nicht befriedigt. Aber ich glaube nicht, datz es einer Arbeiterfrau gelingen wird, einer scchököpfigen Familie mit einem Kostenaufwand von 7,36 M. für die Woche oder taglich für 1,05 M. warmes Essen zu kochen, Datz die Arbeiter- schuft' im ganzen sehr schlecht lebt, ja schlechter als mancher sich träumen' läßt, das habe ich schon sehr, sehr oft erfahren. ES gibt allerdings Menschen, die sich selbst etwas in die Tasche lügen. Ich kann hiervon ein Beispiel anführen. Eine Nachbarin von mir prahlte immerzu, datz sie mir dem Verdienste ihres ManneS gut auskomme und am neuen Lelmtage noch Ueberschutz habe, obwohl die Familie auch acht Köpfe zähle. Der Mann verdiente scheinbar allein. Eines TageS treffe ich tief innen in der Stadt zwei kleine Mädchen von diesen Leuten, bepackt mit zwei großen Broten, Ich war erstaunt, die Kinder hier zu treffen, frug, warum sie berat so weit das Brot holen.„Das holen wir schon lange jede Woche von der Wrinenverwalumg 1" Da hatte ich des Rätsels Lösung! Die Frau schämte sich nicht, ihren Mann um sein Staatsbürgerrecht zu bringen, trat fein Wahlrecht. Der Rann wußte eine Zeitlang nichts davon, als er es Höne. lvar'S zu spät. Leider gibt es Männer, die von den HakiöhaltSftagen kerne Ahnung haben und nicht verstehen, daß die Küchensührung viel teurer geworden ist. Bollständig stimme ich der Ansicht zu: für den Hausstand ist es besser, wemr die Frau im Hause bleibt. Ja es ist vorteilhafter, auf die paar Mark zu verzichten, als alles verkommen zu lassen; verdient wird an einer Stelle und an der anderen wird es oft doppelt ausgegeben. Aber was soll geschehen, wenn der Mann keinen oder nur ieilweisen Verdienst hat, das Notwendigste nicht beschafft werden kann? Dann ist die Frau gezwungen, selbst auf die Gefahr hin, daß.p Hause alles verlottert, die paar Mark zu erarbeiten. Das Geld für Nahrung— und wenn es nur Kartoffeln. Brot und Hülsenfrüchte find— muß doch verdient werden. ES ist leider Tatsache, daß die Arbeiterschaft zum Teil an Unterernährung leidet. Ich verfolge seit Jahren die veröffentlichten ArdeiterbudgetS, aber noch keines ist mw zu Gesicht gekommen, das richtig gewesen wäre. Ein solches Budget inutz alles enthalten, was in einer Familie ge- braucht werden muß. Ich sage muß. denn nicht allein die Beköstigung hält den Haushalt ausrecht, auch Reinlichkeit und Ordnung gehören zum ordentlichen Haushalt. Da find aber viele Teilchen taglich not- wendig, von denen in den Budgets niemals die Rede ist. Wenn ich waschen soll, mutz ich Seife haben, wenn ich flicken, ansdessern, stricken soll, müssen mir die verschiedenen Materialien zur Verfügung stehen. Toll ich die Wohnung gemütlich einrichken, so muß sie rein fein, dazu gehört wiederum Geschirr usw. Alles dieses macht einen Teil des gemütlichen LebeirS in der Familie aus und ist ebenso notwendig wie Speise und Trank. Wenn Reinlichkeit und Ordnung fehlen, da fehlt auch bald daS häusliche Glück imd der Frieden, Ein Teil der Arbeiterschaft ist wohl in der Lage, die bitterste Armut von sich fern zu halten, aber für viele ist Entbehrungen daS dauernde Hebel. Zerrüttet an Leib und Seele, verdrossen, erbittert, ohne zu wissen, lvic sie sich aus der Misere befreien können, leben sie dahin. Die indifferent dahinlebenden Menschen aufklären, sie belehren, datz Brot genug wächst für alle Menschenkinder, das ist imsere Aufgabe und die Presse soll sein Ruferin im Swcit. Wir Frauen haben ein großes Jntcr- esse daran, zu wissen, wie es kommt, daß unser Wirtschaftsgeld nie reichen will, mögen wir noch so sparsam und noch so gute Finanz- nnuister sein. Wir müssen von mrsercn Männern' verlangen, daß sie ihre Pflicht tun zur Verbesserung ihrer und auch unserer wirtschaftlichen Lage. Wir selbst dürfen die Hände aber auch nicht in den Schoß legen, wir haben zu helfen an dem großen Werke der Bc- sreiimg des Proletariats von Junkerherrschaft und kapitalistischer Ausbeutung. CS ist wahrlich zu bedauern, daß ein Teil der Ar- beiterschast noch nicht eingesehen hat, daß die Arbeiterzersplitterimg. das bewußte Werk von Unternehmern und Klerikalen, der Arbeiter- fache großen Schaden zufügt. Wer dir politische und wirtschaftliche Enttvickelung der letzten zehn Jahre verfolgt hat, der muß zu der llebcrzeugnng gelangen, datz alles getan wird, um die Ardeitennasscu niederzuhalten. Das sollten auch wir Frauen erkennen. Es gehört keine große politische Erkennttriö dazu, zu begreifen, daß vieles besteht, das wert ist, daß es vergeht! Aus vollem Herzen stimme ich dein zu. was aus dem Parteitage der Sozialdemokratie in Esten der Genosse August Bebel sagte, daß jeder Arbeiter tmd jede Arbeiterin sich zur Sozialdemo- krane bekennen mützke. In meiner LOjührigen Ehe habe ich so manches erlebt, die schiversten Kämpfe waren aber die, als ich mich vom Ultramontanismus losriß, zur Sozialdemokratie gelangte. Heute gedenke ich noch mit innerer Getiugtuung der Stunden, in denen ich die Brücke hinter mir zerschlug und den Weg fand, der ans dem Land« kritiklosen Glaubens in das der Erkenntnis, der Kampffreudigkev hiirüb-r führte. Erst seit jener Zeit hat mein Leben für mich wirk. lich Inhalt und Zweck._ Berfammluttge»— Beranstaltnnge«. Berlin. Dienstag, den 10. Dezember, 81h Uhr, im Gewerkschafts- Hause, Engel-Ufcr 1ö: Vortrag. Frau Wally Zepler:„WaS geben wir unseren Kindern zu lesen?" Schönelierg. Montag, den 9. Dezember, SlH Uhr, bei Obst, Mciningerstraße: Vortrag. Genossin Lunkwitz:„Frauen- pflichtcn, Fraucnrcchte".— Ausgabe der Billens für das Weihnachtsfest. Charlottendurg. Donnerstag, den 12. Dezember, SVj Uhr, im Volkshause, Rosinenstr. 3; Vortrag. Genosse Kurt Heinig: „Arbetterin und Religion". Gr»ß-Lichterfelde und Umgegend. Montag, den 16. Dezember, 8 Vi Uhr. in Groß-Lichtcrfelde, am Kranoldplatz im Restaurant .Luiserhof". Referent Genosse Tenst.„Die Schule vor heute".— Am 9. Dezember keine Versammlung. Versammlungen. Genosse Arena sendet uns zu dem Bericht über die Versamin« lang im 1. Wahlkreis eine Erklärung, der wir folgendes cnt- nehmen: „Ich habe nicht gesagt:„Jede Versammlung, die sich mit den Aufgaoen der Partei in der Wahlrechtöftctge beschästige, müßte sonst überfüllt fein", sondern ich Hab: festgestellt, daß diese Versamm- lung, die sich mit der Berichterstattung vom preußischen Parteitage beschästige, selbst ftr dem kleinen«aale noch viele leere Plätze lasse.— Ich habe nicht gesagt, daß cs mir„äußerst befremdlich war, von der Vorbesprechung unter den Berliner Genossen zu hören" und daß„solche Maßregeln„der Partei unwürdig" seien. Ich habe oft genug an solchen, ja regelmäßig stattfindenden Besprechungen teilgenommen, ebenso an der erwähnten. Ich sagt«, daß ich mcht von Anfang an zugegen sein konnte, da ich erst später aus dem Rathause kam und daß ich deshalb nur aus Mitteilungen wüßte, daß durch die dort stattfindenden Abstimmungen, die sich übrigens auf alle Vorlagen dezogen, die Delegierten gebunden lverden sollten, soweit sie nicht durch ÄreiSbeschlüstc gebunden wären. Den Nutzen der Vorbesprechungen verkannte ich nicht, die Bindung aber erklärte ich für unwürdig und gefährlich für die geistige Bc- wcgung. Cm gebundenes Mandat dürfe allenfalls die Versamm- lung erteilen, die den Delegierten wählt; aber auch zu diesem Mittel dürfe mir tn ganz besonderen Ausnahmefällen gegriffen werden." Orts- Krankenkasse der z« Berlin. noei 1. Stafjenbeamtn zum Bureau- und Autzendicnsi wird zur Aushülst aus «nige Monate oerlaiigt. In der Branche tälige Mitglieder werden bevorzugt. Bewerber wollen sich bis stilestens den 10. d. M- nur schriftlich rni Kaffenlokal, Dragvn erste. 0, vorn 1 Treppe melden. 17605 Der Borftand. MM irMter- Batoer-fereliT Mitglied des Arbeiter» Radfabrer-BnndeS .Solidarität-'. Tsm'G» gonntHff,«Ion 8. Detoembcr: 1. Abt. 1 Uhr: FricdrichShagm lEonrad). Start: Bülowstr. 08. U Abt. t Ubr: Stolpe o. N. OScrge« mann) Start: Maraum-mpl-ch. 4 ä-lbt. 1'/, Uhr: sirslvgarten Mänilch). Start: Kü, triner Vl-tz. 5. Abt. 1 Nhr: Start; Ell)[tum. fllcl wird dort bekannt yegevkn. S. Abt. l2 Uhr: BestchttgiM!, der ArbeI,er.«obl?ahrtSauSftewm, Shar. lottenburg. Tressvunlt 1 Uhr Dw-s- Haus, Rosinenstr. 3. Start- �dcr- bergertir. 28. Eenoisenschast. 7. Abt. VL Uhr: D-Hin wird am Start, QrenzUr. 21. bekannt gegeben. 8. Abt. 2 Uhr: Rewickendors Best. Eichboriütr. 13(Frank). Start: Rostockerstr. 17, 9. Abt. VI, Uhr: Buch(Nesiaurant zum Bahnhos). Start: Schilling- straßt Lü Gäste willkomme». Sonnabend, 7. Dezember 1SU7, bei A. Bseker, Aeberslr. 17 1 Großes Slrandkst am Famllieabad Wannsee. Alle Sporwgevosstn und Bekannten labet dazu sreundlichst ein 22/12 vi» S. Ahl. tf. Herl. Art.-Radf.-Yerslit». 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