Nr. 287. Abonnements- Bedingungen: Abonnements. Preis pränumerando Bierteljährl. 8,30 M., monati. 1,10 M., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Bost- BeitungsBreisliste. Unter Kreuzband Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. für Vorwärts Berliner Volksblaff. 24. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Naum 50 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jebes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Reichtum ist kein Verbrechen. Sonntag, den 8. Dezember 1907. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, str. 1984. gegensätzen und dem Beispiel des Zentrums, nach dem gleichen Geographie, Naturkunde, Zeichnen z. B. bilden Rezept. für das Kind armer Eltern ebenso überflüssige wie schädliche 17 ,, nicht bloß ein überflüssiger, ein falscher Qugus, sondern tragen die allergrößten Gefahren für die Gesamtheit, für den Staat in ihrem Schoße. Ich frage ganz einfach, ob denn junge Leute, die bis zum vollendeten 14. und 15. Lebensjaahre mit allen diesen schönen Dingen trattiert worden sind, mit Zufriedenheit und innerer Be friedigung in die ihnen allein geöffneten Lebenswege eintreten tönnen? als Ackerknecht oder Stallfnecht, als Ziegenhirt oder Gänsehirt, als Lehrling und Fabritarbeiter. Ich frage, ob diese jungen Leute mit Befriedigung. ja ohne Scham und Wut in solche Stellung eintreten und ob fie sich nicht für viel zu gebildet und zu gut erachten, derartige Dbitegenheiten auf sich au nehmen!" Was bedeutet die sogenannte Mittelstandsgefeß- Dinge. Sie sind gebung anders als die Auslieferung des Arbeiters an den Ein politisches Gebilde aus wirtschaftlich heterogenen Strauter? Die großfapitalistische Produktion bringt dem KleinElementen, rühmt sich das Zentrum, alle Stände" in gleicher meister den Ruin, und so schreit er nach einem Objekt, Weise zu umfassen und ihre Bedürfnisse wider einander ab- das sich ihm zu verschärfter Ausbeutung überlassen muß. zuwägen. Den Stern seiner Anhänger bilden bäuerliche Kreise, Die ganze Innungsgesetgebung ist eine die bei der heutigen Wahlkreisgeometrie und der wachsenden fortlaufende Sette bon Maßnahmen, GeAbwanderung der ländlichen Bevölkerung in die Stadt ein jellen und Lehrlinge in steigendem Maße immer sicherer Besihstand werden, sofern nicht die unter das Joch des Kleinmeistertums zu Industrialisierung des platten Landes dem entgegenwirkt. beugen. Mit einer Verschärfung Mit einer Verschärfung der KontraktbruchIn den Städten rekrutiert sich seine Gefolgschaft aus dem bestimmungen und einer größeren Ausbeutungsbefugnis gegenalten Mittelstande, kleinen Handwerkern, Strämern und Kauf über den Lehrlingen fing es 1878 an. Es folgte das Gesetz Leuten sowie Angehörigen der Mittel- und Großbourgeoisie. Wenn von 1881, das den Jnnungen wieder Rorporationsrechte veres dem Zentrum bei den Wahlen des letzten Jahrzehnts gerade lich und die Position des Meisters in seinem Verhältnis zur in den Städten gelang, immer größere Scharen an die Urne Gehülfenschaft wesentlich stärfte. Seit 1884 tann Jnnungen, So sprach gegenüber dem Bedlißschen Schulgefegentwurf, zu bringeu, so dankt es das in erster Linie dem wachsenden die sich in der Lehrlingsausbildung bewährt" haben, das der- was inzwischen Tatsache geworden- die Schule Haß, den jene versinkenden, vom Schwergewicht der Arbeiter Recht der ausschließlichen Profitmacherei mittels jugendlicher an die Kirche ausliefern wollte, der Abgeordnete bewegung immer stärker gedrückten Schichten wider die Sozial- Arbeitskräfte verliehen werden. Das„ Handiverferschuß- Reichensperger! Wissen ist Macht, und darum demokratie hegen. Das Kapital ist in seinen wichtigsten, das geset" von 1897 erfüllte die Wünsche der Zünstler in für die Massen, die in der Unwissenheit und damit in Wirtschaftsleben beherrschenden Formen vertreten, sowohl als weitgehendem Maße. Die Befugnisse der Inmung bezüglich der Abhängigkeit erhalten werden sollen, ein Uebel! Großgrundbesig, mit allen tapitalistischen Verzweigungen, wie des Lehrlingswesens wurden bedeutend erweitert, der Innung Daß das Zentrum diesem Programm treu geals Montan-, Textil-, Eisen-, Bank- und Händlerkapital. Dazu das Recht verliehen, es statutarisch zu regeln und zu über- blieben, hat die jüngste Vergangenheit zur genüge gesellt sich der neue Mittelstand: die Privat- und Staats- wachen. Auch die Position der Gesellen verschlechterte sich. bewiesen! beamten, die Intelligenz; ihre Vertreter sind durchweg den Bereits das Gesetz von 1881 gestattete ihre Beteiligung an Welch Rühmens macht nicht das Zentrum von der höheren Klassen entnommen, in irgend einer Form vom der Innungsverwaltungs lediglich im Rahmen der durch sozialpolitischen" Gesetzgebung! Die dialekStapital abhängig und gelten zugleich als Wortführer der Unter- Innungsstatut gesteckten Grenzen. Nur bei Abnahme der Ge- tische Bewegung der Klassengesellschaft bringt es mit sich, daß beamtenschaft. Teilweise als Vertreter des Großfapitals, teil- fellenprüfung und bei Begründung und Verwaltung von Ein- das Großfapital allen Nutzen der den Kleinen gewährten weise als Repräsentanten des alten Mittelstandes, teilweise richtungen, für die sie Beiträge entrichten oder sonst eine be- Ausbeutungsfreiheiten notwendig wieder aufhebt. vermittelnd zwischen den verschiedenen wirtschaftlichen Gruppen sondere Mühewaltung" übernahmen, hatten sie mitzureden. Die Friedrich Engels wies darauf hin, wie alle Stonzessionen an Schon stehen in der Zentrumsfraktion die Geistlichen mit ihren speziell Motive gaben dazu die klassische Begründung, daß die wesent- die Gerechtigkeit und die Menschenliebe für das Großkapital tirchlichen Interessen. Geistlichkeit und bürgerliche Intelligenz lichen Angaben der Innungen solche sind, welche zu ihrer Er- nur Mittel sind, die Konzentration des Kapitals in den dilden bei Abstimmungen in der Fraktion das Bünglein an füllung Vereinigungen selbständiger Gewerbetreibender erfordert, Händen weniger ลบ ber Wage, da keine jener ausgesprochen ökonomischen Schichten und daß dem zurzeit bestehenden Verhältnisse zwischen Meister Konkurrenten zu erdrücken. beschleunigen und die Kleineren So tam auch in Deutschland über eine Stimmenmehrheit verfügt. Im Landtagszentrum und Gesellen eine gleichberechtigte Teilnahme beider an der die Aera der Sozialpolitik und der vollen Kompottist die Vertretung der bürgerlichen Schichten im wesent- Innung nicht entsprechen würde." Diesen Standpunkt brachte schüsseln. Sie war Geschäft und machte selbstlichen die gleiche wie in der Reichstagsfraktion. Ihrer das Gesetz von 1897 mit noch größerer Schärfe zur Geltung. berständlich dort halt, wo das Geschäftserdrückenden Majorität steht eine verschwindende Minderheit Man räumte den Gehülfen zwar zahlenmäßig eine etwas intereffe es gebot. Steine Partei hat es von Arbeitern gegenüber, die zu der großen Masse stärkere Vertretung ein, hob jedoch die Meisterposition so, daß besser verstanden, verstanden, diese Richtlinie einzuflerifaler Arbeiterwähler ein schreiendes Mißverhältnis bildet. die Gesellen insgesamt an Einfluß auf die Innung und ihre halten, als das Zentrum. Wie handelte es nach So spiegelt die Zusammensetzung der Zentrumsfraktion den Verwaltung verloren. Handgreiflich tritt der arbeiterfeindliche dem großen Bergarbeiterstreit, als es Gefahr lief, Klassencharakter des bürgerlichen Parlamentarismus und der Charakter der Zünftlerei im Innungsschiedsgerichtswesen im Reichstage den Interessen de Grubenproßen zu nahe treten bürgerlichen Gesellschaft ebenso traß wie getreulich wieder; zutage. Die Gewerbegerichte werden umgangen, und der zu müssen? Es verschandelte das Reichsberggesetz an das die Interessen der Arbeiterschaft sind dazu da, um von denen Lohnprellerei ist weiter Spielraum gegeben. Die enragierten preußische Abgeordnetenhaus. der übrigen Berufe majorisiert zu werden. Bünftler hatten freilich ihre Ziele über das Erreichte weit Wir wollen hier nicht näher auf die ideologische Ver- hinaus gesteckt. Die Innungen sollten zu Produttiv Ausspruche Hikes zufolge die englische Fabrikgesetzgebung, Das sozialreformerische Ziel des Zentrums ist einem fleidung eingehen, unter der das Zentrum die Arbeiterinteressen und Verkaufsgenossenschaften erweitert werden vorausgesetzt natürlich, daß die Arbeiter durch Wohlverkauft und verrät. Sie ist ein Musterbeispiel demagogischer mit dem Recht der zwangsweisen Ablösung der fapi- verhalten quittieren und von der Sozialdemokratie lassen. Jrreführung. Wer ist so unvernünftig, das absolut Un- talistischen Privatbetriebe. Die Jnangriffnahme solcher Keine wahrhafte Sozialreform ohne Normalarbeitstag! erreichbare zu erstreben, und wer begreift nicht, daß Projekte hätte zwar die kapitalistische Produktionsweise nicht und dasselbe Zentrum, das die Klinke der Gesetzgebung in man für gleichberechtigte und widerstreitende Interessen überwunden, aber doch in die herrschenden Eigentumsverhält Bewegung setzte, um breite Arbeiterschichten wirtschaftlich zu einen billigen Ausgleich finden muß? Jedermann will nisse sehr tief eingegriffen. Prattische Bedeutung fnebeln, hier erklärte es, vielmehr das Erreichbare, und regierende Sippen hegen haben daher diese Pläne niemals erlangt. Umso Sitte" folgen. Es darf also nur diejenige Arbeitszeit gedie Gesetzgebung müsse der naturgemäß den Wunsch, nicht nur die Unterdrückten auszu- fonsequenter wurden die arbeiterfeindlichen setzlich vorgeschrieben werden, die die Humanität der Herren beuten, sondern die Beute auch für jede möglichst profitlich 3 iele der Zünftlerei ausgeführt. Man schuf Arbeitgeber bereits freiwillig eingeführt hat. Noch heute erund mithin gerecht" zu verteilen. So setzen sie sich unter ein Ausnahmerecht gegen einen beträchtlichen Teil der Arbeiter- hebt das Zentrum lebhafte Vorwürfe wider die Sozialdemo der Firma der„ ausgleichenden Gerechtigkeit" über ihre klasse, um für die Handwerkerkreise die großindustrielle Ston- fratie wegen ihrer Abstimmung anläßlich der VersicherungsGeschäfte auseinander und schreiben von dieser Warte furrenz minder schmerzhaft zu gestalten. Und daß es dazu gefeze. Daß sie in ihrer finanziellen Wirkung durchaus un fittlicher Vollkommenheit herab vor, was der Arbeiter- tam, daran trägt neben den Stonservativen das Zentrum am zulänglich sind, daß sie die Gemeinden von einer ähnlichen schaft erreichbar" sein soll. Angesichts der wirt- meisten die Schuld. Steigerung der Armenlasten, wie sie während der Industrie" schaftlichen Zusammensetzung des Zentrums bilden diese Säße Auch die Landarbeiterschaft lebt unter einem trise der 70er Jahre Platz gegriffen hatte, bewahren die einzig mögliche Jdeologie feiner Realpolitik", auf die Ausnahmerecht, und das Zentrum hat sich im Laufe der Jahre sollten, daß sie das Unternehmertum von der HaftDauer die einzig mögliche Ideologie der Klassengesellschaft redlich bemüht, an den ländlichen Stlabenzuständen nicht pflicht befreiten, daß sie als ein fleines Zuckerbrot überhaupt, deren Mikrokosmos das Zentrum darstellt. Reine rütteln zu lassen. Das preußische Gesetz bedroht jeden Streit neben der großen Peitsche des Sozialistengesetzes geKonsequenzenmacherei, ein Eiertanz über der mittleren Linie, versuch von Landarbeitern mit Gefängnisstrafe bis zu einem dacht waren, bon all diesen Dingen schweigt das Herr v. Biilow ins Volkswirtschaftliche übersetzt! Jahre. Allen Bemühungen der Sozialdemo- Zentrum. Die Sozialdemokratie hat Schulter an Schulter # Aber diese Grundsäze" gehen alle auf den einen zurück, fratie im Reichstag, den Landarbeitern und mit dem Zentrum die Maigesetzgebung befämpft, tritt heute den Arbeiter für alle Sünden der tapita dem Gesinde das Koalitionsrecht zu ber- wie stets für die Aufhebung des Jesuitengeseges ein. Und listischen Gesellschaft büßen, ihn nicht nur als schaffen, sette das Zentrum entschiedenen wie hat das Zentrum ihr gedankt? Dreimal verhalf es dem getmeine Mehrwertmaschine gelten zu lassen, sondern ihn Widerstand entgegen. Das Gesinde ist von jeder Sozialistengesetz zur Annahme. Bei der Verlängerung von obendrein für jeden Schaden haftbar zu machen, den die Zwangsversicherung ausgeschlossen; die ländlichen Arbeiter 1884 wurde das Gesetz angenommen mit 189 gegen wirtschaftlich starten Gruppen der Besitzenden den wirtschaftlich tönnen durch Gemeindeſtatut der Krankenversicherung unter 157 Stimmen; 39 Zentrumsabgeordnete stimmten dafür. schwachen zufügen. Eine kapitalistische Partei reinen stellt werden, und das Zentrum machte seinerzeit seine Zu- Hätten sie anders gestimmt, so ergab die Abstimmung 150 Wassers wird ihre Interessen durchdrücken, wird die ftimmung zum ganzen Gesetz von dieser Einschränkung ab für und 196 gegen das Gesetz. Im Jahre 1886 wurde großfapitalistische Produktion fördern und sich an und für hängig. Der Reichszuschuß und die Ausdehnung der das Gesez votiert mit 169 Ja gegen 137 Neinstimmen; fich wenig darum fümmern, wo der sogenannte Mittel Versicherungspflicht auf die Arbeiter in landland- und unter den ersteren fanden sich 27 Zentrumsstimmert. Warfen stand bleibt. Beim Zentrum. deren Anfänge wesentlich in forstwirtschaftlichen Betrieben veranlaßten 1888/89 die sie sich auf die andere Seite, so unterlag das Gesetz mit 142 einer mit firchlichem Interessenkampf verbundenen Mittelstands- überwiegende Mehrheit des Zentrums, gegen die Vor- gegen 164 Stimmen. Bei der Verlängerung von 1888 wurde. bewegung wurzeln, war das von Anbeginn anders. Selbst- lage zur Invalidenversicherung zu stimmen. Später beantragte das Gesetz mit 164 gegen 80 Stimmen angenommen; 8 Abverständlich hatte er zu feiner Zeit etwas dagegen, wenn der das Zentrum gar, die Pflicht der Versicherung gegen Invalidität geordnete des Zentrums stimmten für dasselbe, und wenn Arbeiter vom Kapitalisten gründlich geschoren wurde. Aber der ländlichen Arbeiter wieder aufzuheben, ein Antrag, den das Zentrum diesmal auch die Hülfsmannschaften einzog, die wenn der fromme Großfabrikant den Genossen vom Mittel- selbst Hitze unterzeichnete. Von Zentrumsseite stammt die es bisher gestellt hatte, so fehlte doch die Hälfte seiner Mitstand schädigte, so erhob sich die Frage, wer entgilt Anregung, die Unfallreuten unter 25 Proz. in Wegfall ge- glieder, und den Startellparteien war eine leichte und große diesem den Verlust? Da die besigenden Schichten nicht langen zu lassen. In den Einzellandtagen hat das Zentrum Mehrheit geschaffen. in Betracht kamen, war es von vornherein der Arbeiter. fortgesetzt auf eine Verschlechterung der rechtlichen Stellung Wie der erste reformerische Antrag des Zentrums Ende Er hat nicht nur Tribute an das Kapital zu entrichten, der Landarbeiter ihren Arbeitgebern gegenüber hingewirkt. So der 70er Jahre ein durchaus reaktionäres Gepräge trug, wie sondern auch dafür zu sorgen, daß jene Schichten von Klein half es in Bayern das Heimat- und Armengesetz der er eine Beschränkung der Gewerbefreiheit und der Freizügigund Mitteleriſtenzen, die das Zentrum als Wahlgefolge bösern, in 2ürttemberg das Kündigungsrecht ver- teit verlangte, so verleugnete in der Folgezeit die Arbeiterbraucht, bei Atem bleiben. Es war von jeher der Kardinal- schlechtern, das Lohneinbehaltungsrecht verschärfen. Gegen politik des Zentrums niemals ihren Ursprung. Als die punkt der flerifalen Arbeiterpolitik, den Arbeiter doppelt die Ausbeutung von Schulfindern im landwirtschaftlichen Be- Gewaltpolitik in sich selber verfaulte, griff es, weitblickender und dreifach zu rupfen, einmal durch die vom Zen- triebe hat es nichts einzuwenden, wohl aber gegen eine Ver- als die übrigen bürgerlichen Parteien, zu anderen und wirktrum geförderte großtapitalistische Entwide- mehrung der Volksschulen und eine Verbesserung ihrer Lehr- fameren Mitteln. Es gründete Sonderorganisationen erst lung und dann, indem man ihn für die Folgen pläne. Ein gründlicher Unterricht in der Religion" steht ihm tonfeffionellen, dann interfonfessionellen Charakters und dieser Entwickelung an anderen Erwersgruppen an erster Stelle. Dazu noch etwas Lesen, Schreiben und schrieb die Arbeiterzersplitterung auf seine feine Fahne, verantwortlich machte. Heute freilich handeln alle Rechnen, und die Bildung des Volksschülers, zumal des auch hierin das Urbild einer fonfequenten, bürgerlichbürgerlichen Parteien, gedrängt von den verschärften Interessen. Kindes aus der Landbevölkerung ist komplett. Geschichte, tapitalistischen Interessenpolitit. Wenn es auf diesem Gebiete ErsolgL errang, so deshalb, weil cZ die Bedeutung der Arbeiterpresse zeitig erkannte und die Arbeiterführer materiell an sich zu fesseln tvusjte. Hartnäckig operiert es nach der Methode der bürgerlichen Presse mit Skandal und Sensation, auf die es letzter Hand alle Vorgänge beim Gegner hinaus- zuspielen trachtet, und zum Arbeiterführer in seinem Sinne eignet sich nur, wer sich für die Interessen dcrBourgeoisie kompromittiert und sich von ihr drillen und bezahlen läßt. Freilich werden auch diese Waffen allgemach schartig. Daher der Drang der christlichen Organisationsleiter, in Gebieten Mitglieder zu gewinnen, in denen sie nur geringe Erfolge erringen können, während sie in ihren heimischen Gefilden eigentlich noch recht diel zu organisieren hätten. Vor der Hand allerdings übt die Zersplittcrungstaktik noch ihre Wirkung zum Vorteil der Bourgeoisie. Dmd« et impera! Teile und herrsche und mache dein Geschäft. Denn, wie Gröber auf der letzten Katholikenversamnllung sagte: Es ist kein Verbrechen, reich zusein. Die Antwort des chrlftlich-nationalen Gewerhichaftsvoritandes. Aus dem Ruhrgebiet wird uns geschrieben: Wie vorauszusehen war, hat der Vorstand des christlichen Berg- «rbeitergewerkvereins auf die schwerwiegenden Enthül- lungen des Zentrumsabgeordneten Brust eine Ant- wort erteilen müssen. Die Mitteilungen Brust's über den fast einem Zusammenbruch ähnlichen Rückgang des christlichen Bergarbeiter- gewerkvereins und seine heimliche Finanzgebarung haben natürlich großes Aufsehen erregt. Wenn auch die Zentrumspresse den Skandal hat zu verschweigen versucht, in den Kreisen der GewerkvcreinSmitgliedcr hat man doch durch die Nicht- zentrumspresse von den Anschuldigungen erfahren. Die Mitglieder verlangen volle Aufklärung. Ter Vorstand des Bergarbeitergewcrk- Vereins sucht sich deshalb zu saldieren mit folgender Berichtigung an das Organ des Abg. Brust: An die Redaktion der„Buerschen Zeitung". Auf Grund des ß 11 des Preßgesetzes fordern Wir Sie auf, den Artikel: Die„Christlichen" am„Bergknappen" in der Nr. 273 Ihres Blattes vom 23. November wie folgt zu berichtigen: 1. Es ist unwahr, daß sofort nach Abbruch des Streiks 1833, zu der Zeit, in der zahlreiche Bergarbeiterfamilien noch infolge des Streiks hungerten, einige Beamte gleich monatlich 43 Ä. Gehalt mehr bekamen. 2. ES ist unwahr, daß feit Mitte 1833 eine ganze Reihe Beamten an der Zentrale des Gewerkvereins in Essen ein Jahresgehalt von 2733 M. steigend um 63 M. pro Jahr bc- kommen. Kein Beamter erhält 2733 M. Gehalt, steigend um 63 M. pro Jahr. 3. ES ist unwahr, daß der Gewerkverein heute im Ruhr- gebiet weniger Mitglieder hat, wie beim Abgange des Herrn Brust. Er hat im Gegenteil heute im Ruhrgebiet mehr 43 Pf. wöchentlich zahlende Mitglieder, wie damals SV Pf. im Monat zahlende. 4. Es ist unwahr, daß sich einer der Gebrüder Jmbusch und der Peamte Keldenich auf der Geschäftsstelle des Gewerkvereins verprügelten, so daß Keldenich tüchtig blutete. Gerade Jmbusch und 5teldenich waren und sind sehr gute Freunde. S. Es ist unwahr, daß die Gebrüder Jmbusch, Vogelsang und Keldenich usw. 1832 für die Gewerkschaft noch nicht existierten. Einige der Genannten gehören schon seit über 10 Jahren dem Gewerkverein an. Der Zentralvorstand des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter Deutschlands. I. V.: Köster, Vorsitzender. Das wichtigste an dieser Antwort ist— was sie der- schweigt! Wieviel Gehalt die Beamten erhalten, wann di: Gehaltserhöhung erfolgte und wieviel Mitglieder tatsächlich der christliche Bergarbeitergewerkverein im Ruhrgebiet hat, das wird in der Vorstandserklärung verschwiegen! Die Oeffentlichicit, an die der Gcwerkvereinsvorstand appelliert, weiß also immer noch nicht, ob der Bergarbeitergewerkverein so schwach oder etwa gar noch schwächer ist. wie der Zentrumsabgeordnete Brust bc- hauptet. Gesetzt den Fall, der Bergarbcitergewerkverein hat heute 33333 Mitglieder im Ruhrgebict, die den regulären Wochcnbeitrap von 43 Pf. zahlen, so kann man nach der Vorstandscrklärung auch annehmen,„damals" habe er nur 23 333 Mitglieder mit 33 Pf. monatlicher Beitragszahlung gehabt. Der Bergarbeitergewerk- verein wäre dann jetzt stärker wie„damals", aber wieviel Mit- glieder er hatte und hat, das wird verschwiegen. Soll Brust widerlegt werden, so müssen seinen positiven Behauptungen positive Gegenbehauptungen folgen I Systematisch hüllt der christliche Bergarbcitergewerkverein seine Geschäftsführung in tiefes' Dunkel; er veröffentlicht keine detaillierte Abrechnung, macht auch keine detaillierten Mitglieder, angaben. Einmal behauptet ein Gewerkvereinöführer, es feien „über 83 333 Mitglieder", ein zweiter gibt verschiedene Tausende mehr oder weniger an. Nachdem Brust nun positiv die Zahl der Mitglieder im Ruhrgebiet mit 38 333 angegeben hat, die Gesamt- zahl aus 70 000, den Mitgliedervcrlust auf 41 333, kommt die Ge- Werkvereinsleitung mit einer einfach negierenden Berichtigung nicht mehr auS. Für die Oessentlichkeit würde diese Angelegenheit geringeres Interesse haben, wenn nicht neuerdings von christlich. nationaler Seite mit großen Mitgliederzahlen die Stärke der „christlichnationalen Arbeiterbewegung" angepriesen wurde. Der Gewerkvereinsborstand wird sich wohl bequemen müssen, seine Mitgliedcrzahlen genau anzugeben und sie mit einer detaillierten Veröffentlichung der Finanzgebarung zu beweisen! Solange das nicht geschieht, wird die Oessentlichkeit den positiven Erklärungen Brust's mehr Glauben schenken wie den negativen des Gewerkvereins- Vorstandes. Selbstverständlich ist die Sache mit der Vorstandserklärung weder für die Angegriffenen noch für den Angreifer erledigt. Ter christlichnationale„Bergknappe" nennt den Zcntrumsabgeord- neten Brust einen Mann, den man nicht mehr ernst nehmen könne. Der„Bergknappe" fragt, wie lange die„Herren von der Zentrums- Partei" das„Toben des Herrn Brust" dulden wollten I Am kam- wenden Sonntag sollen in Buer, Osterfeld und R e ck l i n g- hausen Versammlungen stattfinden, die sich mit den„Angriffen deS Herrn Brust auf den Gewerkvcrcin" beschüstigcn werden. Brust ist eingeladen. Wer ihn kennt, weiß, daß er rücksichtslos seinen Feinden zu Leibe geht, man kann sich daher auf einen beispiellosen Skandal gefaßt machen— wenn die„Herren vom Zentrum" die liampfhähne nicht ducken? Was für„Minen platzen" können, deutet der christlichnationale„Bergknappe" an: „Wir haben den Streit nicht begonnen, wir lassen nnS unserer Sache wegen aber nicht vrr- leumden und beschimpfen, ohne uns zu wehre» und werde» jetzt dem Herrn Brust schon unfern Mann stellen. Wenn Herr Brnst glaubt, Matertal gegen uns zu besitzen, so mag er nur damit heraus- rücken. Wir haben unser« Pelz rein und werden weitere gegen uns gerichtete Berteumdnngen schon zurückzuweisen wisse». Sollte Herr Brust sich einbilde«, kecre Drohungen könnten uns schrecken, so kennt er unS schlecht. Zu verbergen gibt eS für uns nichts, Herr Brust. Merken Sie sich das! Einen anderen Ton schlägt auch Brust in seinen Artikeln nicht an. Jedenfalls eine hübsche Illustration zu der Phrase von der „sittlichen Hebung des arbeitenden Volkes durch die christlich- nationale Bewegung". Bei der Beurteilung dieses Skandals darf nicht vergessen werden, daß die Gegner Brust's mit ihm jahrelang in der Leitung des christlichnationalen Bergarbeitergewerkvereins zusammen saßen. Was Brust damals an lichtscheuen Taten auch verübt haben mag, seinen jetzigen Feinden ist das schon damals nicht verborgen geblieben. Insofern befindet sich Brust in eine: günstigeren Position. Fällt er, dann, dafür bürgt der Charakter dieses„Musterchristen", reißt er sein- Nachfolger in der Berg- arbcitcrgewerlvereinSlcitung mit in den Sumpf. Siirttemberg und das Keichsvereinsgeieta. Bon einem Miigliede dcS württembergischen Landtags wird Entwurf des ReichsvereinSgesetzes und seine Begründung baben die in Württemberg gehegten Befürchtungen leider nur zu sehr gerechtfertigt. Tie Begründung bestreitet daS allerdings. Sie versteigt sick sogar zu der ungeheuerlichen Behauptung, es sei eine „vielfach verbreitete mißverständlich« Auffassung, wenn man an- nehme, daß der Mangel an Vereins- und versammlungsrechtlichen Vorschriften des Landesrechts ein Beweis für eine besonders frei- heitliche EntWickelung des Rechtszustandcs auf diesem Gebiete iei". Dabei wird sogar direkt auf Württemberg exemplifiziert. Hieran ist aber nur das eine richtig, daß nämlich die in Württemberg geltenden Vereins- und versammlungsrechtlichen Bestimmungen sehr einfacher Natur sind. Sie sind niedergelegt in dem Gesetz vom 2. April 181?, das nur einen einzigen Artikel hat, der wie folgt lautet: „A l l e n S t a a t s b ü r g e r n ist das Recht eingeräumt, zur Besprechung allgemeiner Angelegenheiten ohne polizeiliche Erlaubnis, jedoch unter Beobachtung der zur Aufrechterhal- tuna der Gesetze und der bürgerlichen Ordnung bestehenden Vor- fchnfttn, öffentliche Versammlungen abzuhalten. Dergleichen Versammlungen sind entweder vorheröffentlichbekannt zu machen oder ist hiervon der betreffenden Ortsbehörde Anzeige zu tun." Als Mittel der öffentlichen Bekanntmachung gelten Säulen- oder Maueranschläge, Zeitungsanzeigen, in den Häusern verteilte Laufzettel und die Bekanntgabe mir der Ortsschelle durch den Ge» meindediener oder Büttel. Es entfallen somit alle die ileinlichen und in der Handhabung durch untergeordnete Polizeiorgane so lästigen Tetailvorschriften, wie die Anmeldung binnen einer be- stimmten Frist von 24 Stunden, die Notwendigkeit des Wartens auf eine Bescheinigung, bei Versammlungen unter freiem Himmel sogar auf eine Genehmigung usw. Hat diese Freiheit des Versamlunyk-lebenS in Württemberg nun etwa ungünstige Wirkungen gezeitigt, daß sie jetzt beseitigt werden müßte? Keineswegs. Die öffentliche Ordnung und Sicherheit ist hier nicht minder gesichert als im preußischen Polizei- staat. Man kann in Württemberg leben, ohne die Vorstellung zu haben, daß nian bei den„Wilden" sei., Dieser„Mangel an Bestimmungen deS Landesrechts" soll kein Beweis für eine besondere freiheitliche Entwickelung des Rechts- zustandes auf diesem Gebiete sein, so behauptet die Begründung. In Württemberg fühlt man sich mindestens so sachverständig zui Beurteilung dieser Frage wie die Herren im Reichsamt deS Innern sein mögen, und in Württemberg ist man aufgebracht darüber, daß die Vereinheitlichung des Rechts auch auf diesem Gebiete wieder auf Kosten deS vorurteilsfreieren und vorgeschritteneren Süden? geschehen soll. Tie Begründung behauptet zum Beispiel, zu dein Zweck, den württembergischen RechtSznstand herabzusetzen, daß die „Staatsgclvalt" durch ihr Oberaussichtsrecht gerade infolge des Mangels von gesetzlichen Einzelbestimmungen ein Art diskretionärer Gewalt ausübe. Das ist ganz falsch. Die„Handhabung d erOrts Polizei nach den bestehenden gesetzlichen Vorschriften" rüht vielmehr nach Artikel 63 der Gemeindeordnung in den Händen deS Ortsvorstehcrs, der für eine zehnjährige Wahlperiode von allen Gemeindeangehörigen auf Grund des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts gewählt wird! Darin liegt, unbeschadet des Auftichtsrechts, daS der Staat nicht nur der Orts- Polizei, sondern allen Teilen der Gemeindeverwaltung gegenüber ausübt, ein« so starke Rechtsgarantie, daß sie bei der Beurteilung der württembergifcken Verhältnisse nicht außer Bc- tracht bleiben kann. Davon teilt die Begründung aber kein Wort mit! Warum nicht? Wohl aus Besorgnis, daß man dann auch außerhalb Württembergs eine andere Meinung über die dortigen Verhältnisse bekommen könnte, als es den Urhebern des Entwurfs in den Kram paßt. Die Ueberwachung von Versammlungen kommt in Württemberg gut wie gar nicht vor. Womit aber nicht etwa bewiesen werden kann, daß die Ueberwachung hier deshalb nicht nötig sei, weil die Redner etiva sehr„gemäßigt" sprächen. Das ist aber keineswegs richtig. Wollte man einen Berliner Polizeileutnant mal auf die rauhe Alp mitnehmen und ihn dort Reden anhören lassen, wie sie anläßlich des Kampfes um die VerfassungSreform bei der Protest- bewegung gegen die Kammer der StandeSberren bis inS letzte Dorf hinein zu hören waren— sein zartbesaitetes Gemüt würde wohl kaum begreifen, daß solche kraftvollen Reden, die keineswegs nur von Sozialdemokraten gehalten wurden, überhaupt geduldet, reschweige denn nicht zum Anlaß von Auflösungen und Strafvcr- 'olgungcn gemacht wurden. Den reaktionärsten Teil des Gesetzentwurfs bildet zweifellos die gegen den Gebrauch fremder Sprachen durch die Per- aminlungSredner gerichtete Bestimmung. Sie gilt nicht bloß den Polen und Dänen, sondern auch der weitherzigen Passion, die bisher in Württemberg geübt wurde. In der Begründung wird das verraten, indem dort eine Abstandnahme von dem Verbot de» Gebrauchs fremder Sprachen„für die Teilnehmer an i n t e r- nationalen Kongressen, insonderheit zu wissen- 'chaftlichen, kiinstlercschen und dergleichen Zwecken, aber auch darüber hinaus' empfohlen wird. Es ist klar, daß ein internationaler Kongreß, der politischen Zwecken dient, wie etwa der Internationale Sozialisten- Kongreß, durch diesen Passus der Begründung keinen Schutz erfährt und wohl auch nicht erfahren sollte. Selbst die Worte„auch darüber hinaus" bieten keinerlei-Gewähr, sondern lassen im Gegenteil der Willkür der LandcSzcntralbchörde freicsten Spielraum. So- bald nun erst ein einheitliches Versammlungsrecht für ganz Deutschland bestehen wird, wird cS Preußen sehr bald gelungen ein, auch für die Fälle, wo die LandeSbchörden scheinbar selb- Itändig zu entscheiden haben, einheitliche Vcrwaltungs- grundsähc zur Anerkennung zu bringen, denn es wird nicht dulden wollen, daß aus Grund desselben Gesetzes in Württemberg oder sonst einem Bundesstaat eine andere Praxis geübt wird als in Preußen. Ob cö dann noch einmal möglich sein wird, den Internationalen Sozialistenkongrcß in Deutschland stattfinden zu lassen, dürfte sehr zweifelhaft sein. DeS weiteren ist diese Sprachenbestimmung eine wesent- liche Beeinträchtigung des K o a l i t i o n L r e ch t e s gegenüber den zahlreichen italienischen Arbeitern, die jetzt namentlich im Süden des Reichs im Baugewerbe sowie bei Erdarbeiten, im Eisenbahnvau usw. beschäftigt werden. Nach einer in diesem Jahr vom Zentralverband der Maurer vorgenommenen ungefähren Schätzung wurden in T-cutschland za. 63 333 italienische Bau- und Erdarbeiter beschäftigt. Dieselbe Regierung, welche sich rühmt,„jetzt erst recht Sozialreform" betreiben zu wollen, legt den Einfluß der Gewerkschaftsbewegiing auf diesen Teil der Ar- bciterschaft lahm, indem sie die Herstellung von Verabredungen zum Zwecke der Erziclung besserer Arbeitsbedingungen unter diesen der deuis6;en Sprache nicht mächtigen Elementen erschwert. Rückständig und kle:nlich im schlimmsten Sinne! Das ist die Signatur deS ganzen Gesetzentwurfs. Wozu ist es nötig, das; der Polizei ein Verzeichnis sämtlicher Vorstands- Mitglieder einzureichen ist? In Württemberg kam man feit- her mit der Verpflichtung der Einreichuna der Statuten gut aus. Alles weitere verursacht unnötiges Schreibwerk und noch viel un- nutzere Polizeischnüffeleien gegenüber Privatpersonen, denen dieser oder jener Beamte vielleicht nicht grün ist. Wozu ist es nötig, sur Versammlungen unter freiem Himmel eine 48 Stunden vorher einzuholende Genehmigung zur Pflicht zu machen. Mit Recht erhebt hiergegen der Stuttgarter volkspartciliche„Be- obachter" folgende Einwendung:„Wie oft kommt es nicht, z. B. im Sommer, vor, daß eine Versammlung bei der Ueberfüllung eines engen Lokals rasch ins Freie, in den Wirtschastsgartcn verlegt wird. DaS hat noch niemals zu Ausständen geführt. Nam dem neuen Recht aber können solche Zweckmäßigkeitsänderungen der letzten Stunde unmöglich gemacht werden... kein württem- bcrgischer Abgeordneter wird für diese Bestimimmg eintreten können." Uederhaupt läßt der„Beobachter" dem Gesetz eine un- gemein scharfe Kritik angedeihen, das Organ einer Partei, die selbst zum Block gehört, dessen liberales Prunkstück bekanntlich daS neue ReichsveceinZgesetz werden sollte. So wenig Neigung bei der Sozialdemokratie besteht, partit'u- laristische Tendenzen zu unterstützen, so wenig bestritten werden soll, daß die Schaffung einheitlichen Rechts an sich der Beibehaltung der seitherigen Buntscheckigkeit vorzuziehen wäre, so wenig wird die Einheit aber erkauft werden dürfen durch Preisgabe der Freiheit, die das württembergische Volk sich schon vor zwei Menschenaltern zu erkämpfen gewußt hat und die— wie eS rn der Resolution des Landesparteitags der württembergischcn Sozial- demokratie hicß—„sich durch eine politische Geschichte von Jahr- zehnten bewährt hat." Wenn das Deutsche Reich einen gesetz- gcberischen Fortschritt machen soll, wird ihn die Sozialdemokratie gern und fteudig mitmachen. Ader dieser Fortschritt kann nie und nimmer darin bestehen, daß man das Begriffsvermögen eine? sub- alternen preußischen Polizeibeamten als maßgebende Grundlage für den Umfang der politischen Freiheiten annimmt, die den: Volke eingeräumt werden soll. Line nette veriicherung. Wie oft erzählt man unS nicht, daß eine starke Kriegs- marine zum Schutz der heimischen Handelsflotte unentbehrlich fei und daß wir die Ausgaben für die Seerüstungen nur al-. eine äußerst mäßige Versicherungsprämie aufzufassen hätten. Angenommen, daß ein Schutz durch Kriegsschiffe wirklich erreicht werden könnte, dann würde doch in Teutschland die Versicherungsprämie in einem gar zu absurden Verhältnis z:: dem Objekte der Versicherung stehen. Während nämlich jetzt die gesamte deutsche Handelsflotte einen Wert von rund Uv0 Millionen Mark repräsentiert, stellten sich die Ausgabe» für die Marine wie folgt: von 1872 bis IKS1 452 Mill. Mark . 1882, 1891 552„, . 1892. 1901 1243,. , 1902„ 1911 rund 2960»„ Summa rund 3187 Mill. Mark"" Tiefe 5 Milliarden hat man buchstäblich ins Wasser ge warfen: denn selbst der seemächtigen englischen Nation ist der Schutz ihrer Handelsschiffe direkt unniöglich. Ja, England ist, wie die einflußreichsten englischen Admirale unumwunden zugegeben haben, nicht einmal in der Lage, die die Haupt handelökvege passierenden Schiffe englischer Nationalität vor dem Ilebersall durch gegnerische Kreuzer oder Torpedoboote zu bewahren. Und auch in Deutschland denken die Marinc- bebörden gar nicht daran, die Flotte gegebenenfalls zun: Schutze der Handelsschiffe zu verwenden: denn Admiral Plü ddemann schreibt beispielsweise:„Man darf für den Handklsschiitz nicht ein einziges Schiff, nicht einen Mann oder ein Geschütz verwenden, die für die Bekämpsting der feind- lichcn Flotte nutzbringend gemacht werden könnten. Mai: wird es den Kolonien und den Handelsschiffen überlassen, sich selbst durchzuhelfen."(M'odernes Tcekriegswesen, 251.) Doch das Betrübendste ist jedenfalls, daß die faniosei: „Prämien" in immer rascherem Tempo wachsen. Während die jährlichen Flottenausgaben 1695 den vierteil Teil des Gesamtwertes der Kauffahrteiflotte ausmachten, haben sie jetzt bereits den dritten Teil überschritten und werden bald die Hälfte des Wertes der Handelsmarine, die sich gerade iin letzten Jahrzehnt mächtig entfaltet hat. erreicht haben! Man siebt, eine nette Versicherung! Tie wirÄich Der- sicherten sind dabei die Aktionäre der am Flottcnbau inter- esfierten Werften und Eisenwerke, die schmunzelnd die fetten Dividenden einstreichen und daS..Prämienzahlen" natürlich den völlig uninteressierten Arbeitermassen überlassen! politische(leberliedt. Berlin, den 7. Dezember 1907. Fortsetzung der MittelstandSschntz-Debatte. A u s d e m R e i ch S t a g. In der heutigen Mittelstands- debatte förderte zunächst der Antisemit Raab einige ganz überraschend neue Gedanken zur Lösung der sozialen Frage zutage. Wenn mir sämtliche Arbeiter zu selbständigen Meistern m» Unternehmern gemacht werden könnten, dann würden sie sichmion ihren sozialdemokratischen Ideen einer„edleren" Auf- fassimg zuwenden und völlig zufriedene Menschen»vcrden. Hoffnung auf eine solche glückliche Wendung der Dinge glaub: der antisemikische Malermeister offenbar auS der Gewerbe- statistik schöpfen zu können. Er bewies damit aber nur. daß ihm das Verständnis für die wissenschaftliche Verwertung gewerbestatistischer Zahlen ebenso abgeht, wie für die Zahler. auS der Kriminalstatisttk, auS denen er besondere Neigung der Juden zun: Betrug hcrausdestillicrte. Für die gegenwärtige Wirtschaftskrise hat er ein höchst einfaches Mittel in der Mehr- auSprägung von Silbermünzen zur Hand, da feiner Ansicht nach die„Goldwährung bankrott" gemacht hat. Mit dieser unvorsichtigen Bemerkung entfcffeltc er, wie neben- bei bemerkt werden mag, eine Finanzrede deS Silber-Arendt. Dann bestieg gewichtigen Schrittes der freisinnige Ab- geordnete für Magdeburg die Tribüne. Daß Herr K o b c l t in seinem Berufe als Fleifchermeister eine ganz hervor- ragende Kraft fein muß, sieht man auf den ersten Blick dem vierschröttgcn Körper an, dem ein kcgclkugelrunder Kopf aufgesetzt ist. Phänomenal aber geradezu wirkt eS, wie auf den straffen Spitzen des aufgezwirbelten Haby° Schnurrbarts zwei trutziglich auS ihren Höhlen hervorquellende Augäpfel balancieren. Wohl befürchtend, daß er in seiner Rede die deutsche Sprache berserkerhaft zu einem iinterfchiedSloseu Wurstgemengset zusammeumetzgern würde, hatte Kobclt in weiser Bändigung seiner Kraft sich seine Ansprache vorher aufgeschrieben und laS sie dann im Tone einer Krieger- vereinsfeftrede zum großen Gaudium deS Reichstages wortgetreu vor. In den langatmigen Sätzen » boll prunkender Worte ging der Sinn seiner Ausführungeny Agrarischer Steuerverekelungsversuch. einigermaßen verloren. Zu verstehen war nur, daß er dem Der Liberalismus hat bekanntlich den schüchternen Versuch geAntrage im wesentlichen zustimmit, also gegen die Forderungen macht, fich für die neuen indirekten Steuern, die fein fanatischer Zünftler sich tehrt. Aus eigenem forderte er die marinistischer und weltpolitischer Blockbewilligungseifer unausweichlich Ausdehnung der sozialen Fürsorgegefege auf alle Handwerker, für das Volk heraufbeschwört, dadurch einige Absolution zu auch eine direkte Nenommiersteuer durchdie weniger als 3000 M. Einkommen haben. Auf seine Blod- erwerben, daß er brückt. brüder wirkte es einigermaßen verblüffend, als er die Herab- auf die nicht befizende klasse abzuwälzen, würde doch selbst Denn die Viertelmilliardenbelastung ausschließlich segung der Friedenspräsenzstärke zur Erleichterung der Lasten dem Teil der nationalliberalen Gefolgschaft, der nicht vom Couponder Handwerker forderte. Da wird ihm wohl hinter den abschneiden lebt, als ein zu startes Stitch erscheinen. Daher die Kulissen gehörig der Kopf gewaschen werden, daß er so un- Baasche- Bassermannsche Forderung einer Reichsvermögenssteuer. vorsichtig sozialdemokratischen Forderungen das Wort redet. Die Junker haben nun zwar bei der Blockkrise gesiegt und Unser Genosse Brühne ging der zünstlerischen Auf- Herrn v. Rheinbaben, den abgesagten Gegner direkter faffung zu Leibe, als ob die Inhaber der Meistertitel die Reichssteuern gehalten, allein fie fuchen auch noch durch andere geeignetsten zur Ausbildung der Lehrlinge seien, er wies an der Braftiken den nationalliberalen Scheinfreunden direkter Reichssteuern Hand einer Fülle von statistischem Material nach, daß jetzt schon diefe Steuern zu verefeln. Die Deutsche Tagesatg." schlägt nämlich erneut eine Dividendensteuer vor, eine Steuer also, die gerade, von den Kleinmeistern die Lehrlingszüchterei in einer in erster Linie von dem politisch liberal vertretenen mobilen Kapital gemeinschädlichen Weise betrieben würde, indem in Tausenden getragen werden würde und das Agrariertum wenig in Mitleidenvon Fällen Kleinmeister, die gar keine Gesellen hielten, fchaft zöge. Ob der Vorschlag sonderlich ernst gemeint ist, mag mehrere Lehrlinge heranbildeten. So in der Schlosserei und dahingestellt bleiben; jedenfalls foll er ein Schredmittel für die Schuhmacherei. Die Zahl der Lehrlinge müsse nach der Zahl Liberalen sein, ihrerseits von neuem den Nuf nach direkten Reichsder Gehülfen kontingentiert und die Lehrzeit auf höchstens steuern zu erheben! drei Jahre herabgesetzt werden. Der Drohung des Herrn b. Gamp mit der Vernichtung der Selbstverwaltung in den Strankenkassen trat Brühne scharf entgegen, indem er aus feiner Erfahrung ausführte, daß in viele Stranfenfassen erft Ordnung gekommen sei, nachdem Sozialdemokraten die Verwaltung übernommen hätten. Herr Erzberger vom Zentrum wollte auch davon überzeugt sein, daß der Mittelstand im Vorschreiten begriffen sei, warf aber dann seine eigenen Argumente über den Haufen, als er die Befürchtung aussprach, daß das Andauern des hohen Bankdiskonts Hunderttausende kleiner Mittelstandsexistenzen zugrunde richten würde. In Robert Schmidts Worten wollten Erzberger sowohl wie Haab eine Schwenkung der Sozialdemokratie zugunsten des Mittelstandes entdeckt haben. Das ist natürlich Unsinn. Die von Schmidt empfohlenen Maßregeln sind längst von der Sozialdemokratie vertreten worden. Mit der Bemerkung Schmidts, daß die Gewerkschaften in ihren Lohnfämpfen lieber mit Handwerksmeistern zu ringen haben, follte nur auf die Tatsache hingewiesen werden, daß das Kleinmeistertum widerstandsunfähiger gegenüber den Arbeiterorganisationen ist, als die kapitalkräftigeren Großbetriebe, feineswegs aber, daß die Sozialdemokratie deshalb irgend welchen zünftlerischen Bestrebungen wie Raab und Bindewald fie befürworteten, geneigt sei. Regierung und Justiz. Die„ Nordd. Allgem. 8tg." bringt an der Spite ihrer letzten Nummer folgende Notiz: Infolge des Schlusses der Etatsberatung ist es nicht dazu gekommen, mehrfache unrichtige Behauptungen über die Strafprozesse, die in letzter Zeit die Deffentlichkeit besonders lebhaft beschäftigt haben, im Reichstage felbst zu berichtigen. Die Auflage gegen den Rechtsanwalt Liebknecht wegen Hochverrats ist von dem Oberreichsanwalt als dem dazu allein zu ständigen Beamten aus eigener Entschließung erhoben worden. eder die preußische Justizverwaltung, die zu einer Einwirtung auf den Oberreichsanwalt gar nicht befugt ist, noch irgend eine andere Stelle hat darauf irgend einen Einfluß geübt. Die Uebernahme der Verfolgung in dem Prozesse MoltkeHarben seitens der Staatsanwaltschaft beruht auf völlig felbständiger und von feiner Seite beeinflußter Entschließung der preußischen Justizbehörde. Sie mußte erfolgen, nachdem der Gang des Verfahrens vor dem Schöffengericht flar ergeben hatte, daß das öffentliche JIntereffe an diefer Sache in hohem Maße beteiligt war. Nachdem die Staatsanwaltschaft dem Gerichte angezeigt hatte, daß fie die Verfolgung übernehme, hat letzteres, der Rechtsprechung des Reichsgerichts folgend, das Verfahren eingestellt. Für die Staatsanwaltschaft war hiernach das weitere Vorgehen borgezeichnet, es fonnte nur in der Einleitung eines neuen Verfahrens bestehen. Genosse Albrecht nahm zum Schluß noch Gelegenheit, Wir finden es in Anbetracht des fläglichen, das Ansehen der gerade die angeblichen Mittelstandsfreunde auf ihre mitteldeutschen Rechtspflege" aufs ärgste schädigenden Ausganges der standsfeindliche Berteucrung der Rohprodukte beiden Brozesse ganz begreiflich, daß die Regierung die Verant durch die Zollerhöhungen festzunageln. Der Sieg Rheinbabens. wortung für fie ablehnt; eine andere Frage ist aber, ob es politisch flug ist, die Ablehnung in dieser oftentativen Form der Deffentlichfeit zu übermitteln. Sollte in dem Kamarillatreiben Beseler auf FOOD Vom ollen ehrlichen Kolping. dem Augenblide an, da der Reichsfangler den ernsten erfreulichen Versuch einer fonservativen liberalen Politik gewagt hat, läßt es sich das„ Berliner Tageblatt" angelegen sein, sämtliche Geschüße seines geiftigen Arsenals aufzufahren: Wik, Spott, Hohn, grollenden Donner der Unentwegtheit, schillernde Blasen des Geistes, Gift und Galle, um den Block zu unterminieren, den Liberalismus zu kompromittieren und nebenher die Einigung des Liberalismus zu hintertreiben Wo immer es einen Widerspruch, eine Schwäche, eine Lücke in dem so ersprießlichen Zusammenwirken der linksliberalen Barteien zu erspähen glaubt, da ist das Berliner Tageblatt" flugs auf dem Plane und fläfft und geifert und hebt. Cui bono? Aber eine Frage, die noch weit wichtiger ist! Aus welchen Gründen in aller Welt mag das„ Berliner Tageblatt" an seinem nihi= listischen, zersezenden, unproduktiven Werte mit derart unerbittlicher Zähigkeit schaffen und wirken? Verletter Ehrgeiz? Persönliche Feindschaft gegen Bülow? Oder. fonft wen? Unheilbare Verbohrtheit? Oder ganz und volle liberale Prinzipiensterilität? Reiner weiß es. Nur das eine ift bekannt: daß seit einiger Zeit ein Herr, der Korrespondent des„ Berliner Tageblatts" in Paris gewesen ist, das entscheidende Wort auf der Redaktion führt, und daß mit seinem Erscheinen in deutschen Landen der rapide politische Niedergang des Blattes zeitlich zusammenfällt. " Das Berl. Tageblatt" antwortet darauf mit folgender Charakteristik der Gesinnungstüchtigkeit und Prinzipientreue des Herrn Heckscher, des ehrsamen Vertreters von Lauenburg: ,, Ein Blodjüngling namens Siegfried Hedscher sucht sich in einem Hamburger Blatte die publizistischen Sporen zu ver dienen, indem er sich in ungehörigen Ausfällen gegen das„ Ber= liner Tageblatt" ergeht. Wir würden auf die Heckscherschen Belanglosigkeiten nicht eingehen, wenn Herr Heckscher nicht zufällig im Reichstage fäße und bisher wenigstens noch bei der frei finnigen Vereinigung hospitieren dürfte. Bei Reichstagswahlen fommen allerlei Unregelmäßigkeiten vor; menn ein junger Mann, bei dem der brennende Ehrgeiz in der Brust seine Spanntrafi übt, sich mit rüdsichtslosen Ellenbogen eine Kandidatur er. gattert, und wenn er dann gar noch durch eine Rette von glüdlichen Zufällen gewählt wird, dann zudt man die Achseln und schweigt. Eine Null mehr! Was tuts? Aber da Herr Heckscher, der schon vor längerer Zeit jedes Betonen liberaler Grundsäge im Block( Wahlrechtsfrage usw.) als Erpressung bezeichnet hat, jetzt mit uns anbinden möchte, so wollen wir doch verraten, daß uns die Heckscherschen Wahlpraktiken nicht unbekannt sind. Den Leuten, die sich mit Heckscher schweren Herzens abfanden, toeil Männer wie Petersen und Braband leider eine Kandidatur in Lauenburg nicht übernehmen konnten, tut es heute schon herzlich leid, daß sie so unvor. sichtig waren. Herr Heckscher war schon während der Iesten Wahl im Begriff, nach rechts umzufallen. Erst als der liberale Parteisekretär Haupt, der die Wahl gemacht hatte, mit seiner Abreise drohte, ftand Heckscher davon ab sich mit den Antisemiten zu kompromittieren." Eine feine Stüße des Blods! Christlichnationale ,, Einigkeit". Der Deutsche Metallarbeiter", das christliche GetverffchaftsDaß die Beilegung der Blockfrise einen Sieg Rhein- Rheinbabens Seite stehen? blatt, bringt in seiner neuesten Nummer eine lange Abrechnung mit babens und der hinter ihm stehenden Rechten bedeutet, den Berliner Fachabteilern. ,, Seit die Fachabteilungen" wird durch weitere bemerkenswerte Preßäußerungen bestätigt. heißt es da aufgetaucht sind und ihre Agitatoren So veröffentlicht die offiziöse ,, Südd. Reichs- Korresp. Der fatholische Gefellenverein galt bisher als die systematisch die gewerkschaftliche Brunnenber folgende Buschrift: Strone aller flerikalen Arbeiterorganisationen, und jedem Gesellen giftung als Handwerk betreiben, brauchten sich die Ausftreuungen über angebliche tiefgehende Meinungs als leuchtender Stern strahlte in der Geschichte des Vereins der Scharfmacher gar nicht mehr zu bemühen, jetzt wird ihre Arbeit verschiedenheiten zwischen dem Reichstanzler und Name Adolf Kolping. War er doch einer der ihrigen, hatte Fachabteilern besorgt." Es folgt nun eine längere, reichlich mit mit einer faum zu übertreffenden Raffinesse von den Berliner dem Reichsschapfefretär oder dem preußischen er doch bis zum 23. Lebensjahre den Schusterschemel gedrückt, war straftausdrücken gespidte Auseinandersetzung über das Verhalten Finansminister find unter den Manövern zur Verivirrung dann Priester und als solcher der Gesellenbater" geworden, nach der Berliner bei dem Burbacher Streit, dann heißt es: Ser innerpolitischen Lage noch immer sehr beliebt. Wir möchten dem sich die Gefellenvereinler heute noch als Kolping- Söhne be gegenüber solchem müßigen Gerede betonen, daß der Reichskanzler felbft erft gestern eine dahingehende Preßmeldung als Unsinn bezeichnet hat. Dies zur Abfühlung der Sucht, innerhalb der Die berbündeten Regierungen Unstimmigkeiten aufzuspüren. etwaigen Widerstände, mit denen Fürst Bülow bei der Weiterführung der Geschäfte noch zu rechnen haben könnte, fommen nicht aus den Streifen der Regierung, weder im Reich noch in Breußen." Das befagt weiter nichts, als daß Herr v. Rheinbaben troh der Attaden der Herren Bassermann und Paasche feft im Sattel sigt! Der Versuch, diesen energischen Gegner einer Politik fleiner Steuerkompromisse an die Binte des Blocks mit nationalliberaler Hülfe auszufchiffen, ist mißlungen! tönne! " Wie die Krise entstand. " " " zeichnen. " Jn ber, Holzarbeiter Beitung" schüttet nun ein nörgeliüchtiger" Gefellenbereinler fein Herz aus über die Bevors mundung, der die Mitglieder durch die geistliche Leitung, den Schutzvorstand und andere Einrichtungen ausgefeßt find. Dabei enthüt der unzufriedene Stolpingfohn", der von den Geheimniffen der Kleris falen Arbeiterfreundlichkeit etwas mehr als andere Leute zu wissen scheint, ein recht niedliches Spielsystem, das in dem Gesellenverein von seiten der geistlichen Leiter gegenüber den Mitgliedern angewendet wird. " Ein Rückzug. Diese neueste Berliner Leistung zeigt, daß die Fachabteilungsführer die gewerkschaftliche Brunnenber giftung fyftematisch betreiben, gewissermaßen als ihre Lebensaufgabe betrachten. Daran werden sie auch zugrunde gehen. Aber schämen wird sich mancher chriftliche Arbeiter, daß man mit diesen Leuten bisher zusammen auf Kongreifen getagt, sie zu der allgemeinen christlichnationalen Arbeiterbewegung zählte. Auf wirtschaftlichem Ge biete haben wir keine schlimmeren Feinde; gewerffchaftlich be. trachtet sind sie um fein Haar zuverlässiger als die gelben Streifbrecherkolonnen. Mit der gelben Kolonne hat der Berliner Kongreß reinen Tisch gemacht, hat sie mit hörbarem Rud von sich abgeschüttelt; mögen sich die Berliner borsehen, daß sie den Gelben nicht bei der nächsten Gelegenheit Gesellschaft leisten müssen." spielten sich die Leute, die sich auf diese Weise die ärgsten Dinge Zu Berlin auf dem sogenannten Deutschen Arbeiterkongreß nachfagen, als die Träger einer neuen Kulturbewegung, als das Heil und die Rettung der deutschen Arbeiterschaft auf. Dabei muz man übrigens wissen, daß verschiedene preußische Bischöfe die Berliner Fachabteilungen auf das eifrigfte begönnern, daß der ordneter im Reichstage fit. Also Bischöfe als Gönner von„ geBerliner Verbandssekretär, Dr. Fleischer, als 8entrums abge= merkschaftlichen Brunnenvergiftern" und ein Zentrumsabgeordneter als Sekretär von Arbeitervereinen, die um fein Saar beffer find als die gelben Streitbrecherkolonnen". " Keine Majestätsbeleidigung. Den reisenden Gesellenvereinlern wird nämlich ein Wanders buch mitgegeben, das den Vereinsvorstehern Gelegenheit geben soll, Am flassischsten spiegelt sich der Rückzug der National- sich in jeder Beziehung über die zugereiften Mitgliedern zu unterliberalen in der Magdeb. Zeitung". Dies Blatt hatte richten. Nun besteht die Gewohnheit, dem in das Wandernoch am Donnerstagmorgen einen heftigen Vorstoß buch durch den Präses eingetragenen Beugnis einen ges gegen Rheinbaben unternommen, ihn den Vater aller heimen, mur den Vereinsleitern bekannten Sinn zu geben, Hindernisse im Reiche wie in Preußen", als die fo daß der Geselle, der ein wunder wie gutes Zeugnis in Händen eigentliche Gefahr für den Block" genannt. In zu haben glaubt, in Wirklichkeit seine Berurteilung mit fich herum der legten Nummer nun maulschelliert sich das national trägt. So wird denjenigen Mitgliedern, die sich wenig am Vereinsliberale Organ felbft, indem es für falsch erklärt, Herrn leben beteiligen, ohne daß sonst an ihnen Besonderes auszuseßen Rheinbaben als den schwarzen Mann", den Störenfried" wäre, folgendes Zeugnis ausgestellt:.. war hier Mitglied. anzusehen. Es sei ein Irrtum, von einem Wechsel im Nachteiliges über ihn ist nicht bekannt geworden." Gin abreisender preußischen Finanzministerium eine Beseitigung der vorhandenen Gefelle, dem man nicht recht trauen zu dürfen glaubt, erhält das Hindernisse zu erwarten! Zeugnis: Wird empfohlen" nämlich der Aufmerksamkeit der Das Reichsgericht hat am 7. Dezember auf Revision des AnMit Recht meint die Kreuz- 8eitung", daß ein nächsten Bereinsvorsteher. Glaubt man Grund zu besonderem Miß- gellagten das Urteil des Landgerichts Meferis vom 12. Juli d. J. Blatt, bas binnen 48 Stunden einen derartigen Ansichtswechsel trauen zu haben, so lautet das Zeugnis:.. war hier ordent aufgehoben, durch welches der sozialdemokratische Tischlergefelle unterworfen fei, nicht mehr ernst genommen werden liches Mitglied und wird beftens empfohlen." Ferdinand Müller aus Bofen wegen Majestätsbeleidigung Der Angeflagte Das ist sehr richtig. Nur trifft diese Kritik nicht nur wendung und der Gefellenvater Kolping ist es, der es eingeführt Bahlversammlung in Meferig beim Ausbringen des Kaiferhoches Dieses Verfahren ist feit Bestehen des Gesellenvereins in Anau Gefängnisstrafe verurteilt worden war. war in einer öffentlichen, vom deutschen Wahlverein einberufenen das nationalliberale Blatt, sondern die gesamte hat. Auch in der ehrlichsten flerifalen Haut steckt der Jesuit, dem igen geblieben; das Gericht hatte darin eine Majestätsnationalliberale Partei, die schleunigst vor der gute" Zweck das schofelste Mittel heiligt. beleidigung erblickt. Rheinbaben und den Junkern Kotau gemacht hat. Von dem Freisinn, der sich noch viel jämmerlicher unterwarf, erst Blockpolitik oder Wahlrecht. gar nicht zu reden! Die preußische Regierung gedenkt, wie die„ Liber. Korreip." zu Jm ,, Berl. Tageblatt" veröffentlicht Herr Neichstagsabgeordneter berichten weiß, die Bolenvorlage zurückzuziehen selbstverständlich Sormann- Bremen einen Artikel für die Einführung des ReichstagsDer Wiener Neuen Freien Preffe" wird nach flügels oder aus Furcht vor der freifinnigen Opposition, sondern aus und dem wirklichen Wahlrechtskampf vollständig übersieht. Herr nicht aus Rücksicht auf die Wünsche des freisinnigen linken Blod- ahlrechts in Preußen, dessen Wert leider dadurch sehr abgeschwächt wird, daß er daß er den Busammenhang zwischen der Blockpolitik oem Ullstein- Blatt von besonders wohlinformierter Seite" Gefälligkeit gegen die Agrarier, die in der zwangsweisen Gut Bormann nimmt den Freifinn gegen unsere Angriffe in Schuß gemeldet: eignung ein Bugeständnis an sozialistische Anschauungen erblicken. Die und behauptet, daß die Stellung des Linksliberalismus zu der Die Arise begann damit, daß Dienstagabend Finanzminifter neuliche Abstimmung in der Kommission sei, behauptet das Blatt, nicht Frage des Wahlrechts flar gefennzeichnet ſei. Er beruft sich auf v. Rheinbaben und Kriegsminister v. Einem sich zum Chef einer Augenblidsstimmung entsprungen, sondern der Erkenntnis, daß die Aeußerungen einzelner Barlamentarier". Aber gerade wir ber Reichskanzlei, 2öbell, begaben und ersuchten, der Reichstangler folle sie gegen die Angriffe der liberalen bie Enteignung ein hartes Mittel und eine große Gefahr darstelle. haben ausdrücklich hervorgehoben, daß einzelne Liberale liberal genug find, für den wichtigsten Punkt Redner schützen. Beide Minister stellten ihre Borteuilles Selbst tvenn die Regierung im weiteren Verlaufe ausreichende noch ibres Gerade Programms einzutreten. diese hat aber Der Reichslangler ließ fie bitten, Schußimittel gegen den Mißbrauch der Enteignung bringen werde, Fürst Bülow als„ Asphaltliberale" in einem Gegensatz zu zur Verfügung. ihre Demission aufzufchieben, er werde, wenn nicht Abhülfe werde nur ein Teil der Konservativen zustimmen. Bei dieser dem Blockliberalismus gebracht, und es ist uns nicht bekannt, daß zu schaffen fet, selbst zurüdtreten. Darauf berief der Sachlage erscheine es recht wahrscheinlich, daß die Regierung auf er von dem Blodfreisinn desaboutert worden Reichskanzler die Führer der Blodfparteien zu der gemeinsamen die Weiterberatung des Geseges feinen Wert lege ist. Im Gegenteil, nachdem sich Bülow gegen jede Konferenz. In dieser verlangten die Liberalen, der Einfluß und die Vorlage zurüdziehen werde. Jedenfalls werde die Re- wirkliche Betätigung des Liberalismus ausgesprochen hatte, hat des preußischen Finanzministers Rheinbaben auf die Finanz gierung auf die Enteignung berzichten, aber die geforderten er das bekannte Vertrauensvotum des Freisinns erhalten. Zwar sagt politik des Reiches follte ausgeschaltet werden. Fürst 400 Millionen nehmen, um das Ausiedelungswerk in der bisherigen der Freifinn, er sei in den Block eingetreten, um seine Forderungen Bülow machte den Liberalen die Zusage, daß die Finanzdurchzusetzen. Bersucht er dies aber in irgend einer Frage, so erminister der Ginzelstaaten noch einmal über die Einführung Weise( also ohne Enteignung) fortzuführen. flärt Bülow die Situation für kritisch und der Blockfreifinn flappt birefter Reichssteuern beraten würden." zusammen. Danach hätte Bülow erst durch einen ungewöhnlich Tatsächlich wird die liberale Wahlrechtsagitation allein von feterlichen Appell der angegriffenen Minister zu feiner die bie In dem auch freifinnigen Hamb. Frembenblatt" veröffentlicht ienen iphaltliberalen betrieben, Intervention veranlaßt werden müssen! Da er den Schütz Herr Dr. Siegfried Hedicher, der sich in wenigen Jahren vom als Quertreiber betrachten, während die offiziellen Politiker ling der Agrarier, Rheinbaben, nicht fallen lassen konnte, biertels- ober halbsozialistischen Sozialliberalen zum Freisinnigen" erklären denn auch immer wieder, daß die Blockpolitik nichts mit er mußte er sich zu einer Aktion bequemen. Bu jener Aftion, Bachnidescher Richtung entwidelt hat, einen langen Angriff gegen Bugeständnissen in der Wahlrechtsfrage zu tun haben dürfe. So erst auf deren Ergebnis er mit einem nassen und einem trockenen das„ Berl. Tageblatt", in dem er sich folgende Ausfälle leiftet: Auge zurückblicken darf. Denn es gelang ihm zwar, den Die Krifie ist überwunden. Liberalismus wieder einmal an die Wand zu drücken, allein Das deutsche Volt atmet auf. Der Block steht heute in sich gefestigter da als je zubor. Zu den fein Widersacher Rheinbaben entging babei gleichfalls dem betrübten Bohgerbern gählt neben Bentrum und Sozialdemokratie ihm zugebachten Schicksal! I das Berliner Tageblatt". Eine wunderliche Gemeinschaft! Den n Der Freifinn unter sich. tun. Die Rechtsparteien des Blocks jüngst in der Freitagnummer des Tag" Herr Arendt, der offent verkündete, daß die alten, liberalen Ideale in der rauhen Wirklichkeit" nicht aufrechterhalten werden können. Blockpolitik und wirkliche Agitation für das gleiche Wahlrecht in Preußen, feien sich ausichliekende Gegenfäge. Zentrums- Resolutionen. stimmte Weisung an den Bundesrat verbunden, bereits nächste Resolutionen eingebracht. Sie fordern u. a. ein Gesez zum Schubis zur nächsten Session, Frühjahr 1908, verschleppen und selbstBum Etat hat das Zentrum im Reichstag eine Anzahl Woche dem Nationalrat über die Angelegenheit Bericht zu erstatten, während der Sozialistenfresser Forrer die Berichterstattung des Wahlgeheimnisses( durch Androhung von Kriminalstrafe für Wahlvorsteher, die das Wahlgeheimnis vorsätzlich ver- verständlich dann abweisen wollte. lezen, und durch Bestimmungen über Wahlurne und Isolierraum), Ob nun aber in dieser Session der Arbeiterschaft Entgegenkommen reichsgefebliche Regelung des Bergrechis und bewiesen und die Subventionserhöhung befchloffen wird, das erscheint des Knappschaftswesens, Bauarbeiterschutzver- natürlich noch keineswegs sicher. ordnungen und Bautenkontrolleure unter Zuziehung bon gewählten Vertretern der Arbeiter, Sicherung des Koalitionsrechts, Geseze betreffend die Privat. beamten usw. Ein Betrugs- Genie. Nette Zustände wurden in der gestern und vorgestern stattgehabten Schwurgerichtsverhandlung in Arnsberg gegen den früheren Stadtrentmeister der Stadt Neheim, Franz Burgand, aufgedeckt. Burgand war des Verbrechens im Amt, der Beseitigung und Vernichtung von Urkunden angeklagt. Seine Amtsunterschlagungen belaufen sich auf 174 000 m. Er spielte bei der Stadtverwaltung die Hauptrolle und wurde deshalb scherzweise Herr Oberbürgermeister" genannt. " 1 Unter anderen ist auch die katholische Kirchengemeinde neben der Stadt Leidtragende. Als die Verfehlungen des Angeklagten bekannt wurden, beging der Bürgermeister der Stadt Neheim Selbstmord. Jedenfalls aus Furcht, in die Affäre hineingezogen zu werden. Der Angeklagte war in feinem Dezernat der unbeschränkte Herricher. Er verstand es seit langen Jahren, seine Bergehen zu verdecken und die Revisionskommission zu täuschen. Seine Vernehmung ergab, daß er ein Jahresgehalt von 4000 W2. von der Stadt bezog, einschließlich Nebeneinnahmen aus verschiedenen Kassen aber auf 6000 M. zu stehen fam. Burgand lebte auf sehr großem Fuße und brauchte biel คน seinem Haushalt. Rach seinen eigenen Angaben 6000 M. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß B., nach dem er die Stadt um so große Summen benachteiligt hatte, ein Gesuch auf Pension stellte. Seinen Anspruch begründete er damit, daß er zur Pensionstaffe gezahlt habe. Zeuge Burgermeister Müller erklärt den Umstand, daß die Unterschlagungen so lange unentdeckt geblieben, mit den vielen Anleihen der Stadt. Die Geschworenen hielten den Angeklagten des Amtsverbrechens und der einfachen Unterschlagung für überführt. Das Gericht verurteilte ihn zu 5 Jahren Zuchthaus, 1560 M. Geldstrafe und 10 Jahren Ehrverlust. Mildernd fam in Betracht, wie der Vorfigende verkündete, daß hinsichtlich der Revisionen eine Miswirtschaft geherrscht habe, die ihresgleichen suche. Die Gärung im Zululande. Den in den letzten Tagen aus Südafrika eingetroffenen Nachrichten ist zu entnehmen, daß es unter den Zulustämmen gärt. Die im vorigen Jahre unternommene Expedition der Natalregierung hat trotz alles Blutvergießens keinen Erfolg gehabt. Die unmittelbare Ursache der Gärung ist die den Buluftämmen auferlegte Kopfsteuer, die zu zahlen sie sich weigern. Diese Steuer ist zwar allgemein, aber fie trifft die selbständigen Zuluftämme ganz besonders hart, weil diese noch in urfommunistischen Verbänden leben, also feine Geldwirtschaft treiben und deshalb nicht imstande sind, die Geldsteuer zu entrichten, außer wenn sie sich bei den Weißen als Diener und Proletarier vermieten. Die moderne Steuerpolitik, die in fapitalistischen Ländern nur die Arbeitereristenz erschwert, wirft auf diese Stammesorganisationen wie ein zerfeßendes Gift; sie ist das wirksamste friedliche" Mittel, die Eingeborenen zu proletarisieren, ihnen das Gemeinland zu nehmen und sie selbst zu Lohnarbeitern zu machen. Gegen dieses Schicksal wehren fich die Zulu mit ihren primitiven Waffen und Kampfmethoden. Ueber das Ergebnis dieses Kampfes fann natürlich kein Zweifel auffommen: Die blonde, beutegierige Bestie wird obfiegen. Schon bieten alle südafrikanischen Kolonien den Natalern Unterstüßung an: Bataillone und Geschütze, und sie verlangen auch die Hülfe der britischen Garnisonen gegen die schwarze Gefahr. Würde das englische Parlament tagen, so fönnten die Arbeiterabgeordneten die öffentliche Meinung aufrütteln und im Namen der Menschlichkeit eine gerechtere Behandlung der Eingeborenen verlangen. Es find aber gerade Parlamentsferien, so daß die parlamentarische Tribüne nicht benutzt werden kann, und die englische Sozialdemokratie hat ja leider auch noch keine täglich erscheinende Arbeiterpresse, mit deren Hülfe sie sich der Sache des unterdrückten Stammes annehmen könnte. Schweiz. Aus der Bundesversammlung. Finnland. Väterchens Dank für die 20 Millionen. Deutfches Reich. Textilarbeiteraussperrung Weiter haben die Seidenbarone beschlossen, daß, wenn die jetzt mechanischen Seidenstoffwebereien in den Ausstand getreten sind, Wir meldeten schon kurz, daß in Krefeld die Arbeiter det weil ihnen eine zehnprozentige Lohnerhöhung nicht bewilligt wurde. zu diesem Streit hat der Arbeitgeberverband der rheinischen Seidenindustrie am Freitagnachmittag Stellung genommen. Jede Were handlung, um welche die Vertreter der Organisationen ersucht hatten, wurde von den Prozen abgelehnt, vielmehr beschlossen, sofort fämtliche Seidenstoffweber im ganzen Bezirk auszusperren. Am Sonnabend früh wurde den Webern gekündigt und da in den Helsingfors, 6. Dezember.( Eig. Ber.) meisten Betrieben eintägige Kündigung vereinbart ist, tritt die Gestern langte hier der vom„ Väterchen" ernannte Gehülfe Sperre zum großen Teil am Montag, den 9. Dezember, in Kraft. des Gouverneurs Ger and an. Er ist ernannt, ohne daß die In Betracht kommen 10 000 bis 11 000 Weber und Weberinnen. hiesigen maßgebenden politischen Kreise, ohne daß der General Streifenden innerhalb vierzehn Tagen die Arbeit nicht aufgenommen gouverneur selber und ohne daß der Ministerstaatssekretär ang haben, sämtliche Arbeiter der Hülfsindustrien ausgesperrt werden. Hof zu Rate gezogen wurde. Man nimmt daher an, daß der neuernannte Gehülfe der baldige Generalgouverneur Der Vorsitzende des Zentralverbandes deutscher Textilarbeiter, Die Arbeiterorganisationen fonnten noch feine Stellung nehmen. fein wird. Der neue Mann des Zaren heißt Seyn, ist General- Genosse hübsch- Berlin, ist eingetroffen, um sich persönlich über major und war bisher Gouverneur von Grodno. die Lage zu informieren. Außer der genannten Organisation Die Ernennung des kommenden Machthabers hat das Land in kommt der christliche Textilarbeiterverband mit einigen Tausend panischen Schrecken versetzt, war doch Generalmajor Sehn Bobri- Mitgliedern hauptsächlich in den Außenorten in Frage. toffe Bureauchef, und ist er doch hier als der schwärzeste aller schloffen, daß, wenn innerhalb 14 Tagen die Differenzen im In der gestrigen Sigung der Fabrikanten wurde noch beSchwarzen bekannt. Sämtliche Maßregeln, durch die Finnland Seidenstoffgewerbe nicht beigelegt feien, auch sämtliche Färbereien, bor der Wendung von 1905 die traurige Berühmtheit erlangte, Appreturen und Druckereien aebunden sind, ihrerseits sofort die sind von Sehn geschmiedet worden, und mit Recht wohl befürchtet Sperre zu verhängen. man allenthalben die Wiederholung der früheren Greuel. Die Altfenomanen schiden sich bereits an, die Situation zu ihren Gunsten auszunutzen. Da sie sich bis jetzt zur Ernennung des Sehn nicht abfällig geäußert haben, so glaubt man annehmen zu können, daß sie sich vorbereiten, die Regierung zu übernehmen, falls die Jungfenomanen und die Konstitutionalisten zurücktreten oder berjagt werden, wie unter Bobrifoff. So zerfleischt sich die Bourgeoisie in fleinlichen Zwistigkeiten, und der Satrap wird das Land um so leichter unter sein Joch bringen. " , Husland. lehnend gegenüber den Forderungen der Gehülfenschaft. In GroDie Prinzipale verhalten sich im allgemeinen ebenfalls ab. ningen haben sie es nicht einmal für nötig erachtet, ihrer abscheinlich wird es in verschiedenen Städten zum Ausstand kommen. lehnenden Antwort irgendeine Begründung beizufügen. WahrBum Teil sind an den Lohnbewegungen auch die Buchbinder beteiligt, deren Organisation eine Abteilung des Allgemeinen niederländischen Typographenverbandes bildet. Die Fabier und das Eisenbahnabkommen. Die bürgerliche Presse, die während der letzten zwei Jahre die Sozialdemokratie unablässig verdächtigte und danach trachtete, die Arbeiter um ihre Rechte zu bringen, meinte jeht wieder, alle Volksschichten würden einmütig der Thrannei entgegentreten! Go Lohnbewegung niederländischer Buchdrucker. spricht dieselbe Bourgeoisie, die die Arbeiterklasse noch soeben ver- anderen Städten Hollands befinden sich die Buchdrucker in einer In Amsterdam, Rotterdam, Haag, Groningen und einigen höhnte und die 20 Millionen bewilligte! Freilich, die Sozialdemo- Bewegung für Verkürzung der Arbeitszeit und Erhöhung der fratie wird im Stampfe nicht nachlassen, aber in der Bourgeoisie Löhne. Ihre wichtigste Forderung ist der Neunstundentag. Mit sieht sie den Verräter, der alles unternahm, um die Freiheiten des den Lohn- und Arbeitsverhältnissen der Buchdrucker der NiederBoltes zu kürzen. lande ist es schlechter bestellt als in den meisten anderen Ländern. In Rotterdam und Haag steht z. B. der Wochenlohn auf 10 Gulden ( 17 M.), in Amsterdam auf 12 Gulden, und dabei herrscht noch die Buchdrucker und Schriftfeher eine fürzere Arbeitszeit. Am 4. Deember verhandelte der Gemeinderat von Amsterdam über einen zehnstündige Arbeitszeit. In Amsterdam haben kaum 15 Proz. der Antrag des sozialdemokratischen Stadtverordneten Vliegen, in der Stadtdruckerei den Neunstundentag einzuführen. Genosse Bliegen, der selbst als Buchdrucker lange genug die Wirkungen der langen Arbeitszeit am eigenen Leibe verspürt hat, begründete den er seine Macht bereits für so fest hält, um auch zur Unterdrückung abgelehnt. Die Stadt hält also in ihrer eigenen Druckerei an der Der fühne Schritt Stolypins zeigt wieder deutlich, daß Antrag ausführlich. Dennoch wurde er mit 19 gegen 14 Stimmen des finnischen Volkes schreiten zu können. Die finnische Bourgeoisie zehnstündigen Arbeitszeit feſt. allerdings verdient kein besseres 20s. Durch die fortgesette Verleugnung der Freiheitskämpfe in Rußland hat sie unsere Symgrenzenlose Ergebenheit vor Stolypin Gnade" finden werde; sie pathien verscherzt. Sie glaubte, daß sie durch Speichelleckereien und glaubte, sich durch verräterische Polizeischnüffeleien und durch die Verfolgung russischer Emigranten das Wohlwollen Bäterchens gesichert zu haben; sie glaubte, durch die Bewilligung der 20 Millionen das Steuerruder in der Hand behalten zu können, aber sie sieht sich jetzt schmählich betrogen. Das hat ihnen unser Genoffe nuorteva flar und deutlich während der ersten Lesung jener Ob sie sich jetzt durch die vollendete Tatsache überführen lassen, ift tommen zwischen den Eisenbahngesellschaften und den Eisenbahnern 20 Millionenborlage bewiesen, aber sie ließen sich nicht belehren. London, 5. Dezember.( Eig. Ber.) Zur Vervollständigung der Berichterstattung über das Abs auch noch fraglich. Es ist dagegen wahrscheinlich, daß sie in der lommen zwischen den Eisenbahngesellschaften und den Eisenbahnern Kriechevei und Unterwürfigkeit gegen die Satrapen des Baren werben. Es ist bekannt, daß ein großer Zeil dieser sozialistischen muß noch die Haltung des Vorstandes der Fabian Societh erwähnt immer weiter schreiten und sich auch die so sorgfältig gegen die Bereinigung für das australasiatische gewerbliche Schiedswefen eins Arbeiterbewegung gefchärfte" Polizei aus der Hand entgleiten genommen ist. Der Vorstand der Fabier begrüßte deshalb mit lassen, d. h. fie willig in den Dienst des Generalgouverneurs Freuden das Eisenbahnabkommen, das das Prinzip des auftrala geben, so daß sie schließlich einen starten Apparat geschaffen haben, asiatischen Schiedswesens enthält. ber jetzt gegen fie felbst gewandt werden kann. Denn sehr wahrs Ausnahme der allgemeinen Verurteilung, die das Abkommen in Diese Erklärung bildet eine scheinlich wird der Generalgouverneur die Polizei unter seine Ge. sozialistischen und gewerkschaftlichen Kreisen gefunden hat. Aber walt bringen wollen, um den„ Revolutionären" nachzuspüren, und es gibt auch Fabier, die mit ihrem Vorstande nicht übereinstimmen. diese glaubt ja der finnische Senat nicht schüßen zu sollen. Als- Genosse Taylor in den schärfsten Ausdrüden gegen die Erklärung In dem von Fabiern geleiteten Wochenblatte" New Age" protestiert bald werden dann vielleicht auch viele von den jezigen Regierungs- des Vorstandes. Der ganze Artikel Taylors ist trefflich und männern als„ Revolutionäre" natürlich nur im Sine eines lehrreich, da er aus gründlicher Kenntnis der gegenwärtigen Lage Stolypin- das„ freie Finnland" verlassen müssen. der britischen Gewerkschaften geschrieben ist. Darin wird u. a Der Arbeiterschaft Finnlands tommt es zu, weiter auf der Hut gesagt:..... Die Arbeiter haben entdeckt, daß der Tradeunionis. zu fein. mus zu einem Mißerfolg geworden ist; sie haben das Vertrauen in Marokko. Streits und Unterhandlungen mit den Unternehmern verloren. Sie bes schlossen deshalb, die parlamentarische Maschine zu gebrauchen. Und gerade in diefem Augenblicke kommt der Vorstand der Fabier init Verstaatlichung des Grund und Bodens, die staatliche Organisation feiner Erklärung, in einem Augenblicke, wo die Arbeiter die der Arbeit unter der Maste von Arbeitslosen- Komitees, die Ver= pflegung der Schultinder auf Staatskosten, staatliche Alterspensionen und staatliche Versicherung diskutieren. Inzwischen verfallen die Fabier auf Mittel, die vor 30 Jahren einen Fortschritt bedeuteten. Die Leute, die in Lohnämtern ein Heilmittel erblicken, sollen sich nur nicht einbilden, daß sie die sozialistische Bewegung leiten.... Werden wir uns über die Lage flar: sind die Fabier entschlossen, den politischen Arbeiterkampf gegen das Kapital zu hemmen, um nur einige Reformgefeße zu erlangen? Wenn ja, so wäre es besser, daß sie sich so schnell als möglich mit den Feßenwerfern identifizierten. Die Arbeiterpartei wird ohne die Rauderer stärker -F Erhebung gegen Mulay Hafid. Nach einem Telegramm des Admirals Philibert nach Paris haben sich die Stämme in der Umgegend von Marrakesch gegen Mulay Hafid erhoben, so daß dieser sich genötigt sah, von seinen geplanten Operationen abzusehen. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Bern, 5. Dezember.( Eig. Ber.) Am Montag ist die Bundesbersammlung zu ihrer Dezemberfession zusammengetreten. Das wichtigste Geschäft, das sie zu behandeln hat, ist zunächst das Budget pro 1908. Es steht an Einnahmen 147 und an AusDas Aschenbrödel der sozialen Gesetzgebung. gaben 148 Millionen Frant, also ein Defizit von einer Million vor. Man könnte die Fähigkeit unserer Bundesregierung, die Ausgaben den gewerblichen Arbeitern und Handlungsgehülfen wenigstens fein." Durch die Gewerbeordnung und das Handelsgesetzbuch find fortwährend mehr zu erhöhen als die stets steigenden Einnahmen, der notdürftigste Schutz ihrer Arbeitskraft zuteil geworden. faft bewundern, um so mehr, als sie sich damit den monarchischen Die Bureauangestellten der Rechtsanwälte, Notare, Gerichtsden Einnahmen des Post- und Eisenbahndepartements mit 65,7 Arbeitslos! Regierungen des Auslandes„ ebenbürtig" erweist. Sieht man von vollzieher, Versicherungsgesellschaften, Patentanwälte us. Letzte Nachrichten und Depefchen. Millionen, denen 63,5 Millionen Ausgaben gegenüberstehen, ab, sind noch der uneingeschränkten Ausbeutung ihrer Arbeitfo bleiben als Hauptposten die Zölle mit rund 71 Millionen Frant, geber überantwortet. Es gibt für sie keine gesetzliche Kündibenen nur noch 8 Millionen Einnahmen aus verschiedenen anderen gungsfrist, feine Sonntagsruhe, feinen Schutz gegen unQuellen zur Seite stehen. Die indirette Steuer der Zölle ist dem- hygienisch eingerichtete Arbeitsräume, fie sind in ihrem Ar- industrie sind über 4000 Arbeiter ohne Arbeit. Amfterdam, 7. Dezember.( W. T. B.) In der Diamants nach die finanzielle Hauptgrundlage der Eidgenossenschaft! Bon beitsverhältnis vollständig vogelfrei. den Ausgaben entfallen allein 39,55 Millionen auf das Militär! Das Industriedepartement das Ministerium für Sozial- und Um diesem Zustande ein Ende zu machen, will auch Agrarpolitik- partizipiert an ihnen mit 11 Millionen; allein davon diese Arbeiterschicht durch eine imposante Demonstation den entfallen 4 Millionen auf die Herrenbauern, wie man die gesetzgebenden Körperschaften ihren Willen nach Ausdehnung begehrlichen und unerfättlichen Agrarier in der Schweiz nennt. Der sozialen Gesezgebung auf ihre Arbeitsverhältnisse beEbenfalls 4 Millionen erhält der Versicherungsfonds, so daß für weisen. Zu diesem Behufe findet Montag, den 9. d. Mts., alle Interessen der Industrie einschließlich der Arbeiter nur noch abends 82 Uhr, in den Musikerfälen, Kaiser Wilhelm1,9 und für den Handel 0,9 Millionen Frank verbleiben. Straße 18m, eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Genoffe Wolfgang Heine über Sozialreform für Brivatangestellte" sprechen wird. Das Industriedepartement war es denn auch, das bereits eine Iebhafte Debatte veranlaßte. In seiner agrarischen Abteilung fieht es eine Erhöhung der Bundesfubvention von 100 000 auf 110 000 Frank an den landwirtschaftlichen Hauptverein und an den Bauernbund vor. Dieser Umstand betoog offenbar die Finanzkommission, sich des nunmehr seit Jahren gestellten Verlangens des Schweizerischen Arbeiterbundes nach Erhöhung des Bundesbeitrages " Bureauangestellte aller Branchen, erscheint in Massen! Fort mit der bestehenden Rechtlosigkeit! Die Bewegung der Handelshülfsarbeiter in den Warenhäufern. Wer trägt die Kosten der Krise? Belfast, 7. Dezember.( W. T. B.) Infolge des gegenwärtigen Preissturzes auf dem Leinenmarkte wird nur furze Zeit in den Spinnereien gearbeitet werden; die Löhne find um ein Fünftel wöchentlich ermäßigt worden. Dreißigtausend Arbeiter werden dadurch in Mitleidenschaft gezogen. Nette Praktiken. Rom, 7. Dezember.( W. T. B.) Ein heutiges Edikt der Kongregation der Riten befiehlt eine Nachforschung nach Schriften Pius IX. Allen Geistlichen und Laien, Männern wie Franen an das Schweizer Arbeitersekretariat von 25 000 auf 30 000 Frank Die Firma Jandorf hat bis zum gestrigen Tage 46 Mann wird unter Androhung von Kirchenstrafen geboten, die in ihrem anzunehmen. Dagegen machte sofort Bundesrat Forrer die heftigste von den Gemaßregelten wieder eingestellt. Ein Teil der Aus- Vesite befindlichen Schriftstücke in den Archiven der Kongregation Opposition; er verlangte die Ueberweisung der Angelegenheit an gesperrten hat bereits anderweitig Arbeit gefunden, während ein niederzulegen oder solche Personen, die derartige Schriften beützen. den Bundesrat, damit dieser untersuche, ob ein fünfter Adjunkt anderer größerer Teil noch arbeitslos ist. Mit einigen anderen binnen zwei Monaten namhaft zu machen. Dieses Edikt wird als nötig sei. Dabei warf er dem Adjunkten in Genf, Genossen Sigg, Warenhäusern schweben Verhandlungen wegen eines Tarif- erster Schritt zur Seligsprechung Pius IX. betrachtet. feine antimilitaristische Gesinnung vor, über die ihm, wie er auf abschlusses, die in den allernächsten Tagen ihren Abschluß finden Zwischenrufe von Sozialdemokratischer Seite antwortete, die Bundesanwaltschaft berichtet habe! Demnach hätten wir Straße, auf dem Alexanderplaß und in der Frankfurter Allee beDie Firma Tieß, deren Warenhäuser sich in der Leipziger es in der Schweiz auch zur Gesinnungsschnüffelei durch die politische finden, hat bis gestern weder auf die überreichten Forderungen ein van Dyk, Jesus am Kreuze darstellend, aus der hiesigen NotreCourtrat, 7. Dezember.( W. T. B.) Jn der letzten Nacht ist Polizei gebracht! Mehrere Redner, so auch Scherrer- St.Gallen, traten für lage gewährt, dafür hat sie diese gezwungen, sich zu der bekannten eine Antwort gegeben, noch den Hausdienern eine freiwillige Zu- damefirche gestohlen worden. die sofortige Bewilligung der Subventionserhöhung ein; schließlich Stonventionalstrafe von 101 m. schriftlich zu verpflichten. aber unterwarf sich die Mehrheit dem Diktum des Gewaltpolitifers Forrer und beschloß demgemäß. Immerhin wurde damit die bedürften. Kirchenraub. Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inferatenteil berantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Hierzu 7 Beilagen Nr. 287. 24. Jahrgang. Reichstag. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonntag, 8. Dezember 1907. 68. Gigung vom Gonnabend, den 7. Dezember, bormittags 11 Uhr. Am Bundesratstisch: Kommissare. ( Hört! Hört! bei den Soz.) Wie kann ein solcher kleiner Meister, der keinen Gehülfen hat, drei Lehrlinge ausbilden? Das ist ja ganz unmöglich! In anderen Städten ist es noch schlimmer. In Danzig gibt es 148 Betriebe mit 167 wehülfen und 922 Lehrlingen! ( Hört! Hört! bei den Soz.) In Oppeln gibt es neben 508 Schloffer: gehülfen 1148 Lehrlinge!( Sört! Hört!) Also in der Schlosserei und ebenso in einer großen Anzahl anderer Berufe tann man von einer richtigen Lehrlingszüchterei sprechen. fonkurrieren. Was die Handwerkerfrage im allgemeinen anlangt, so haben. alle Versuche seit 25 Jahren, dem Handwerk zu helfen, nichts ge holfen. Die ganze Reorganisation des Innungswesen anfangs der achtziger Jahre, die Schaffung der Handwerkerkammern, die Auffrischung des Meistertitels haben dem Handwerkerstande keine Hülfe gebracht. Ich bin selbst 28 Jahre Handwerker gewesen, habe die vierjährige Lehrzeit durchgemacht, war zehn Jahre als Gehülfe und dann als selbständiger Meister tätig, kann also die VerhältAuf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Beratung des Vielfach wird Klage darüber geführt, daß die Großbetriebe niffe beurteilen. Durch die bisherige Handwerkerpolitik ist den Antrages Graf Hompesch und Genoffen( 3.) betr. Erhaltung dem Handwerk die jungen Arbeiter wegnehmen. Das ist aber Handwerfern ihre Eristenz nicht erleichtert, es sind ihnen nur und Förderung des Handwerkerstandes und des kaufmännischen schließlich ganz erklärlich, wenn man bedenkt, daß die Arbeiter in Laften auferlegt.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das Mittelstandes. Abg. Hoffmeister( frf. Bg.): Die geforderte Erweiterung der als im Handwerk, daß im allgemeinen im Großbetriebe die Löhne für ihre Organisation eingetreten wären. Die Arbeiter finden Großbetrieben eine besser geregelte und fürzere Lehrzeit haben Handwert hätte mehr erreicht, wenn die Handwerker selbst mehr Invalidenversicherung darf nicht in der Weise ausgeführt werden, beffer sind als im Handivert. Dazu kommt, daß viele Handwerks. teine Unterstützung bei der Regierung und bei den Mehrheitsdaß sie zum Schaden der zwangsversicherten Arbeiter gereicht. In meister nur im Frühjahr oder im Herbst, wenn gerade die Arbeit parteien hier und haben doch in den Gewerkschaften mächtige der Frage der Handelsinspektionen meine ich, daß es nicht nötig ist, drängt, in der Lage sind, einen Gehülfen zu beschäftigen und ihn Organisationen geschaffen. Gewiß führen gerade die kleinen eine neue Behörde zu schaffen, sondern man könnte die Gewerbe- dann wieder entlassen müssen. Auch aus diesem Grunde suchen Handwerker eine erbärmliche Existenz. Das liegt aber daran, inspektoren mit der geplanten Aufsicht betrauen. Der Handwerker- fich die jungen Leute lieber im Großbetriebe Arbeit, wo daß das Handwerk mehr und mehr durch das Großkapital aufstand soll nicht glauben, daß gefeßliche Maßnahmen für ihn aus- sie die Sicherheit haben, längere Zeit beschäftigt zu werden. gerieben wird. Das ist nicht nur in der Textilindustrie der Fall, reichen; die Hauptsache für den Handwerker ist, sich selbst fortzu- Das Wertvollste wäre, wenn die Lehrzeit einheitlich geregelt würde. fondern ebenso im Bekleidungsgewerbe, in der Schuhmacherei, bilben. Deshalb wünschen wir vom Staate Förderung des Fort- In Bromberg fann heute jeder Handwerksmeister, der keinen Ge- Tischlerei, Schlosserei usto. In allen diesen Branchen ist das bildungs- und Fachschulwesens. Abg. Raab( wirtsch. Vg.): Seitdem der Mittelstand seine gar sechs Lehrlinge!( Hört! Hört! bei den Soz.) Das sind un( Bravo! bei den Freifinnigen.) hülfen beschäftigt, drei Lehrlinge halten, in Frankfurt a. d. Oder Handwerk nicht kapitalkräftig genug, um mit der Großindustrie zu Forderungen träftiger erhebt, beschäftigt sich auch der Reichstag haltbare Zustände. Heute beträgt die Lehrzeit durchschnittlich mehr mit dieser Materie; das begrüße ich mit Freuden. Die Forderung von Handelsinspektoren ist schon deshalb berechtigt, weil Reute aus der Schule, und wenn fie dann vier Jahre Lehrzeit 3%, vielfach auch 4 Jahre. Mit 14 Jahren kommen die jungen Heute den Handelsangestellten bei Berlegung der Schuß durchmachen müssen und zwei Jahre beim Militär sind, so geht bestimmungen nichts anderes übrig bleibt, als sich mit Anzeigen ihnen die beste Zeit verloren. Es genügt heute im allgemeinen an die Verwaltungsbehörden zu wenden, wodurch natürlich das vollständig, wenn die Lehrzeit auf drei Jahre festgesetzt wird. Vertrauen zwischen den Angestellten und den Chefs nicht gefördert Das vierte Jahr dient doch nur dazu, dem Handwerksmeister einen wird. Leider haben die unmoralischen Elemente im kaufmännischen billigen Gesellen zu ersetzen.( Sehr richtig! bei den Soz.) Mittelstand einen starken Einfluß. Würden wir Deutschen allein fcin, so würden wir nicht so viel Gesetze brauchen. Aber in unser gehen. Was heute das Handwerk leistet, beweisen die Ausstellungen Auf die übrigen Fragen des Antrags will ich nicht weiter einGeschäftsleben sind leider viele Personen eingedrungen, denen deutsches Volfsempfinden fremd ist; ohne die vielen Juden brauchten von Handwerksarbeiten. Um überhaupt konkurrieren zu können, wir wohl nicht so viele Gesetze, die Juden sind die Erfinder immer Arbeiten würden nicht gemacht werden können, wenn wir in Deutschmuß das Handwerk heute ganz Ausgezeichnetes leisten. Diese neuer Formen des unlauteren Wettbewerbes. Ohne klares Erland nicht so einen intelligenten Arbeiterstand hätten.( Sehr richtig! fennen der Judenfrage werden wir immer nur an der Oberfläche bei den Soz.) In manchen Berufen wird wirkliche Stun ft arbeit der Mittelstandsfrage herumfurieren. Die Sozialdemokraten werfen uns vor, wir treiben teine großzügige Politit, wir fümmern uns nicht um Bodenwucher. Nun, die Sozialdemokraten haben auf dem Gebiete der Bodenreformen niemals mitgearbeitet, wohl aber wir. Zum Schluß betone ich noch, daß der furchtbare Druck des teuren Geldstandes erleichtert werden muß, und zwar fofort.( Bravo! bei der wirtschaftlichen Vereinigung.) Abg. Kobelt( frs. Vp.): Um die Verhältnisse des Handwerks fennen zu lernen, genügt es nicht, einmal auf einen Handwerkerfongreß zu kommen. Der sogenannte grüne Tisch erfreut sich auch in Handwerkerkreisen nicht des allerbesten Nufes. Ich verlange deshalb die Einrichtung einer besonderen Handwerkerabteilung im Reichsamt des Innern. Die Ursache der schlechten Lage des Handverts ift dreifach; erstens haben die Handwerker vielfach der technischen Entwidelung nicht rasch genug folgen fönnen, zweitens sind sie aus Mangel an Rapital nicht tonturrenzfähig mit der Groß industrie, und drittens fehlt dem Handwerker jede Sicherheit in Alter und im Falle der Invalidität. Als Abhülfe gegen diese Urfachen ist anzustreben die Erhöhung der Leistungsfähigkeit des Handwerkers, billiger Kredit für ihn und Sicherung gegen die schlimmste Not im Alter und bei Invalidität. Die Leistungsfähigkeit tann erheblich gefördert werden, wenn zu den Kosten der Lehrlingsausbildung auch die Fabrikbetriebe herangezogen werden. Lieferungen für das Reich müssen nicht nur an große Unternehmer, sondern in kleinen Losen an Handwerker vergeben werden, und die eigenen Betriebswerkstätten des Militärs müßten erheblich eingeschränkt werden. Zur Beschaffung des billigen Kredits müssen fich Selbsthülfe und Staatshülfe vereinigen. Bedauerlich ist es, daß niemals, wenn es sich um Handwerkerfragen handelt, ein Herr von der Reichsregierung anwesend ist.( Sehr richtig!) Abg. Erzberger( 8.): Der Abg. Schmidt- Berlin, der ja im übrigen recht handwerkerfreundlich sprach, meinte, es handele sich nur um unbedeutende Dinge. Nun, bewilligen Sie dem Handwerker crst diese, dann können wir weiter über größere Dinge reden. In den Ausführungen des Abg. Schmidt zeigte sich eine vollständige Wendung der Sozialdemokratie zur Mittelstandspolitik; denn er fagte, es sei vom Standpunkt der Gewerkschaften zu verneinen, daß fofort aus der Gewerbe- und Betriebszählung das Gegenteil der Mittelstand verschwinde. Darüber freue ich mich, wenn er auch folgerte. Das ist aber nicht richtig. Prof. Wagner hat nach gewiesen, daß im 19. Jahrhundert nicht eine Auflösung, sondern cine Stärtung des Kleinbetriebes vor sich gegangen ist. Die wichtigste Frage für das deutsche Handwerk ist gegenwärtig der hohe Bankdistont. Er bedeutet Wucherzinsen, die das Handwert dem Großkapital zahlt. Noch vor Weihnachten muß dieser furchtbare Drud, der auf dem Handwerk lastet, beseitigt werden; sonst werden Hunderte und Taufende von Eriſtenzen vernichtet. Es sind die hohen Kosten der Weltpolitit, welche das deutsche Volk auf diese Weise zahlen muß. Bezüglich der Heranziehung der Fabrikbetriebe zu den Soften der Lehrlingsausbildung bezog sich der Abg. Schmidt auf Berlin zum Beweise dafür, daß die Soften nur gering feien. Aber Berlin ift ja auf fozialem Gebiete die rüdständigste Großstadt, darin kann ich Herrn Profeffor Wagner nur beistimmen. Die gegen die Schaffung von Handelsinspektoren vorgebrachten Bedenken erscheinen uns nicht stichhaltig. Wenn Herr Doormann meinte, er wünsche recht wenig Bolizei, so hoffe ich, daß seine Freunde diesen Standpunkt auch bei der Vereinsborlage zur Geltung bringen werden.( Sehr gut! im Zentrum.) Abg. Brühne( Coz.): Es wird niemand in und außerhalb dieses hohen Hauses bestreiten, daß das Handwerk tatsächlich schwer um seine Gristena tämpft. Aber nicht nur das Handwerk, sondern auch die kleinen Raufleute und auch Hunderttausende deutscher Arbeiter.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Vorrebner haben meist befonberes Gewicht auf den Meistertitel gelegt. Ich kann aber aus meiner langen Erfahrung auf diesem Gebiete nur feststellen, daß gerade diejenigen Handwerker, die den Meistertitel haben, häufig die allerschlechtesten sind. Ein großer Fehler der Innungen ist cs, daß sie nur diejenigen Handwerker aufnehmen, die Gefellen oder Lehrlinge beschäftigen. Wenn die Handwerker durch ihre Organi fation wirklich etwas erreichen wollen, dann sollten sie auch die gesamten Handwerker in die Innungen aufnehmen. Wir haben in Frankfurt a. M. gegenwärtig 600 bis 700 kleine Schuhmacher meister, von denen aber nur 160 Lehrlinge beschäftigen. Dabei machen gerade die Handwerker, die keine Lehrlinge beschäftigen, den anderen schwere Konkurrenz, und sie sind es, die bei Lohnstreitigkeiten den Großkapitalisten die Kastanien aus dem Feuer holen.( Schr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es ist viel über geleistet. Sturz will ich noch auf das eingehen, was gestern Herr Gamp ausführte.( Buruf: von Gamp.) Herr von Gaip hat mit Offenheit bekannt, wie er sich zu den Krankenkassen stellt. Früher wurde vielfach bestritten, daß man mit Plänen umgeht, das Krankenkassenwesen so zu gestalten, daß die Selbstverwaltung der Arbeiter vernichtet werde. Der Staatssekretär von Bethmann- Hollweg hat aber fürzlich schon gesagt, daß die verbündeten Regierungen uns eine Vorlage machen werden, durch welche ,, der politische Mißbrauch der Arbeiter mit den Krankenkaffen" beseitigt werden foll. Herr v. Gamp ging noch weiter: er meinte, wenn die Innungen eigene Krankenkassen gegründet haben, so deswegen, um in den Ortskrankenkassen nicht ihr Geld für soziale demokratische Agitatoren auszugeben; wenn einmal der Einfluß der Sozialdemokraten in den Ortskrankenkassen gebrochen wäre, so würden die Innungskrankenkassen aufhören.( Hört! Hört! bei den Soz.) Ich will Ihnen sagen, wie es in Wirklichkeit sich mit den Ortstrankenkassen verhält. In viele Ortstrantentassen haben erft die sozialdemokratischen Arbeiter Ordnung hineingebracht; als sie hineingelangten, waren die Krankenkaffen so verludert, daß durch die Sozialdemokraten erst Ordnung hineingebracht werden mußte. ( Lebh. Sehr richtig! bei den Soz.) Wir wissen aber nun nach den Ausführungen des Staatssekretärs und des Freiherrn v. Gamp, wohin der Kurs geht: daß man den Arbeitern die Selbstverwaltung nehmen will. Wir werden ja bei der Novelle zum Krankenkassengesch das deutlicher sehen und dann darüber sprechen. 1 Heinen Betriebe nicht abnimmt, so liegt das an ihrer tendenziösen Wenn die Statistik anscheinend nachweist, daß die Zahl der in der Statistit als kleinbetriebe aufmarschieren, sind eigentlich Gestaltung. Hunderttausende von kleinen Existenzen, die heute feine selbständigen Kleinbetriebe, sondern Handlanger des Kapitals. ( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich erinnere an die fleinen Zwischenmeister, ferner an das Gastwirtsgewerbe mit selbständige Handwerksmeister gehen zum Großkonfektionär, zunt seiner Abhängigkeit von den Brauereien. Viele sogenannte fleine großen Möbelfabrikanten, zum Eisenhändler und holen sich dort denen sie natürlich noch weniger bezahlen müssen, als sie selbst die Arbeit. Zu Hause beuten sie dann noch einige Arbeiter aus, bekommen. Auch im Handelsstande gibt es heute viele kleine, anscheinend selbständige Gristenzen, hinter denen ein Syndikat oder eine große Gesellschaft steht. Die kleinen Leute geben den Namen für die Firma, und wenn der Kleine Mann bankrott macht, so befommt niemand etwas; denn die dahinterstehenden Herren haben sich gesichert. Mit wenigen Worten möchte ich noch auf die Wirtschaftspolitik cingehen, die in den letzten Jahren hier im Hause betrieben worden ist. Herr Bindewald hat es bestritten, daß der Zolltarif einen Einfluß auf den Handwerkerstand hat. Lassen wir das ruhig dahingestellt. Aber betrachten wir doch die andere Steuergesetgebung. War das etwa Mittelstandspolitik, die Fahrkartensteuer, die Erhöhung der Biersteuer, die Zigarettensteuer? Durch die Erhöhung der Biersteuer haben Sie den kleinen Gastwirt und Flaschenbierhändler getroffen, die kleinen Gewerbetreibenden, nicht etwa die großen Brauereien. Auch die Fahrkartensteuer trägt der kleine Mittelstand. Die Zigarettensteuer bas habe ich am eigenen Leibe erfahren, da ich seit einigen Jahren einen Zigarrenhandel treibe die haben wir fleinen Gewerbetreibenden auf den Hals bekommen. Jeßt ist ja ein Streit über die Frage entstanden, ob direkte oder indirekte Steuern bewilligt werden sollen. Nun, der Block wird sich schon duden und wieder indirekte Steuern bewilligen, und folange Sie das tun, treiben Sie teine Mittelstandspolitik. Statt beffen sollten Sie lieber eine großzügige Finanzpolitit mit direkten Reichssteuern treiben. Der Reichskanzler hat ja neulich gesagt, die bisherige Wirtschaftspolitik habe sich bewährt. Aber man soll den In dieser Debatte zeigte sich die Liebe zu den Handwerkern Tag nicht vor dem Abend loben. Wir meinen im Gegenteil, daß so groß, daß fie gar nicht größer sein könnte. Wenn Sie aber alles das eintreffen wird, was wir von dieser Wirtschaftspolitik für das notleidende Handwerk wirklich etwas tun wollten, so borausgefagt haben: eine allgemeine Teuerung und ein Niederhätten sie beim 8olltarif eine andere Stellung einnehmen gang unseres ganzen gewerblichen Lebens!( Sehr wahr! bei den müssen.( Sehr richtig! bei den Soz.) Beim Zolltarif haben Sie Sozialdemokraten.) Ferner war die Rede davon, daß der Handdazu beigetragen, den Handwerkern das Rohproduft zu berteuern. werter mit dem Meistertitel einen Vorzug bei der LehrlingsDiese Sünde, die Sie da begangen haben, können Sie durch solch cusbildung haben sollte. Dem fann ich für meine Partei nur kleines Flidwerk, wie Sie jest wünschen, nicht wieder gut machen. unter gewissen Kautelen zustimmen. Nicht der Meistertitel soll ( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) bevorzugt werden, sondern derjenige Handwerker, welcher die Abg. Riefeberg( Wirtsch. Bg.): Herr Abg. Schmidt sagte, die tarifmäßigen Löhne zahlt und gesunde Werkstätten hat.( 3uLehrlinge jährlich auf. Er bergißt, daß das deutsche Handwerk mäßigkeit der Innungskrankenkassen, der Betriebstrantentaffen Handwerker bringen nur 9 Pf. pro Kopf für die Ausbildung der Stimmung bei den Sozialdemokraten.) Mein Parteigenosse Schmidt hat gestern auf die Unzwed Million jährlich an Beiträgen für die Handwerkskammern aufbringt. und Innungsschiedsgerichte hingewiesen, und Herr v. Gamp hat Leider haben die Verhandlungen gestern und heute vor einem sehr fich deshalb veranlaßt gesehen, zu behaupten, wir feien nur des wenig befesten Hause stattgefunden; diefe Gleichgültigkeit steht in halb für die Ortskrantentassen, weil dort fozialdemokratische Agi schroffem Gegensatz zu den von allen Seiten gemachten Aus- tatoren angestellt würden. Das fällt uns gar nicht ein. Wir find führungen.( Bravo! bei der Wirtschaftlichen Vereinigung.) Abg. Bindewald( Antis.): Alle Parteien bewerben sich um die im allgemeinen für Bentralisation und wollen die ZwergStimmen des Mittelstandes, nur die Sozialdemokratie hat kein organisationen zu leiſtungsfähigen Organisationen im Krankenherz für das Handwerk.- Herr Schmidt meinte, wir follten tassenwesen zusammenfassen. Wäre es übrigens wirklich so, wie lieber den Bodeniucher bekämpfen. Gewiß, wenn wir aber fo- zufrieden sein, weil festangestellte Beamte gar nicht unabhängige Sie sagen und wie es in der Tat nicht ist, so tönnten Sie doch lange mit dem Handwerkerschutz warten wollten, bis der Boden- Agitatoren fein tönnen. Die Sache liegt aber so, daß die Arwucher beseitigt ist, würde wohl schon der letzte Handwerker zu better, two sie Personen ihres Vertrauens zu wählen haben, solche grunde gegangen fein. Die Rohstoffe werden dem Handwerk nicht Berfonen wählen, die bereits bewiesen haben, daß sie Talent und durch die Zollpolitik verteuert, sondern durch die Ringe und Personen wählen, die bereits bewiesen haben, daß sie Talent und Startelle. Herr Brühne meinte, die ausgezeichneten Leistungen des bewegung aufgetreten sind und daher als fozialdemokratische Agis Kenntnisse besigen, die also irgendwie schon in der GewerkschaftsHandwerks seien ein Verdienst des intelligenten Arbeiterstandes. tatoren bezeichnet werden. Aber wer hat denn die Arbeiter soweit gebracht, daß fie fo gute traten.) 28eiter hat Herr Erzberger hier über die Monopolis ( Schr richtig! bei den Sozialdemo Arbeit leisten? Also die Herren widersprechen sich nur selbst, und fierung der Glektrizität gesprochen, von der auch mein Parteis es bleibt dabei, fie wollen dem Handwerk nicht helfen. Abg. Dr. Arendt( Rp.) protestiert gegen die Schlußfolgerung wir nur für den Reichssädel arbeiten. Mein Parteigenosse genoffe Schmidt gesprochen hat. Er meinte, auch damit würden Riesebergs, der aus der schwachen Besetzung des Hauses auf Schmidt und wir Sozialdemokraten wollen doch aber nicht vere geringes Intereffe für die Handwerker schloß; auch der Abg. Niese- staatlichen, um den Reichssädel zu füllen. Wenn wir die Elektrizi berg ist, nachdem er seine Rede gehalten, nicht mehr anwesend, tät, den Grund und Boden, Bergwerke usw. verstaatlichen wollen, ( Heiterkeit.) Widersprechen muß ich dem Abg. Erzberger, daß an eberschüffe der Allgemeinheit zugute kommen. Für eine hätte also nach dieser Logik kein Interesse für das Handwerk. so wollen wir sie unter demokratischer Kontrolle haben, so daß die dem hohen Diskontsak die Welt- und Kolonialpolitik Schuld fei. großzügige Politik find wir ftets zu haben, wie Sie aus unseren Der Schwerpunkt der ganzen Frage liegt vielmehr beim Gelde; Anträgen, die wir bet der sozialen Gesetzgebung gestellt haben, er erder Frage des Gelbverkehrs muß so schnell als möglich sehen. Aber wir treiben teine Demagogie( Lachen rechts) und energisch nähergetreten werden.( Bravo! bei der Reichspartei.) faffenscheine ausgeben; warum nicht lieber 2 Milliarden? Papie: Sie vor allem mit uns für eine gesunde Finanzpolitik ein. Die Abg. Dove( fri. Vg.): Herr Erzberger will 200 Millionen Reichs erwecken. Mit Kleinen Mitteln ist ihnen nicht zu helfen. Treien ivollen den kleinen Handwerkern keine unerfüllbaren Hoffnungen ist ja billig!( Heiterkeit.) Herrn Arendt muß ich sagen: Du fingst fleinen Handwerksmeister schreien so viel über ihre Belastung mit Silber heimlich an, bald tommt auch das Papier daran. durch die Sozialpolitik. Treten Sie für direkte Steuern ein, so ( Seiterkeit.) Berlin ist hier wieder die rüdständigste Stadt genannt werden Sie das Handwerk entlasten. Eine gesunde Finanzpolitik worden. Aber nichts Besseres konnte den Arbeitern empfohlen dient auch dem Handwerk.( Bravo! bei den Sozialdemokraten.) werden als eine gute Ausbildung, und gerade auf dem Gebiete des Fortbildungsschulivesens leistet Berlin anerkanntermaßen ordnung: Reichsvereinsgefet. Hierauf bertagt sich das Haus auf Montag 1 Uhr. Tagess Mustergültiges.( Bravo! bei der Freifinnigen Bereinigung.) Schluß 8½ Uhr. Abg. Albrecht( Soz.): Unferen prinzipiellen Standpunkt zu dem Antrage hat mein Ein Tachipiel des Revolutionsjahres. Aus Riga wird uns geschrieben: In meinem lebten Briefe mußte ich mich mit der Konstatierung Baronen und„ Ehrenpolizisten" im Jahre 1905 zum Aufstand proder Tatsache begnügen, daß, obgleich die Bevölkerung von den bogiert worden war, das Kriegsgericht zu Riga doch noch nach träglich 22 Menschen zum Tode verurteilte, von denen später 14 zu lebenelänglicher 3wangsarbeit begnadigt" wurden. Wie die VorUntersuchung" festgestellt hatte, waren etwa 50-60 Angefchuldigte schon von den Straferpeditionen erschossen worden. Fraktionsgenoffe Schmidt gestern bereits vorgetragen, ich will nur auf einzelne Angriffe der Diskussionsredner eingehen. Herr Gamp die Ausbildung der Lehrlinge sprach von Anträgen der Rechten zum Schutze des Handwerks, gesprochen und betont worden, es sollten nur diejenigen Hand- Anträge zum Schuße des Handwerks gestellt, so haben wir 3. B. denen wir nicht zugeftimmt hätten. Nun, wir haben auch solche werter Lehrlinge halten dürfen, welche den Meistertitel führen. am 27. März 1889 bei der Schaffung der Invalidenversicherung Nahezu die Hälfte der Meister im Schuhmachergewerbe sind aber beantragt, daß alle kleinen Betriebe und Unternehmer, deren Einheutzutage gar nicht in der Lage, Lehrlinge auszubilden, weil sie tommen oder regelmäßiger Jahresverdienst 2000 W. nicht überdas ganze Jahr sich nur mit Reparaturen beschäftigen. Die steigt, der Invalidenversicherung unterstehen sollen. Dieser AnFolge ist, daß, wenn die jungen Leute ihre Lehrzeit hinter sich trag umfaßte nach den damaligen Verhältnissen, wo 2000. noch haben, sie das Handwerk an den Nagel hängen und einen anderen ein ganz ansehnliches Einkommen bedeuteten, den größten Teil Beruf ergreifen. Wenn darüber geklagt wird, daß in vielen der kleinen Handwerker und Gewerbetreibenden, er wurde aber gnügen zu wollen. Die zur Ansiedelung und Zwangsarbeit VerDer livländische Adel scheint sich mit dieser Sühne" nicht be Berufen nicht genügend Lehrlinge vorhanden sind, so ist in anderen von den bürgerlichen Parteien abgelehnt.( Hört! hört! bei den urteilten befinden sich noch immer in den Gefängnissen von Riga, Berufen gerade das Gegenteil der Fall, z. B. im Schlofferberuf. Sozialdemokraten.) War etwa dieser Antrag auch perfide und und die Mehrzahl foll noch einmal vor das Blutgericht zitiert Nach einer Umfrage des deutschen Handwerkerblattes hat fi phantastisch", wie der Herr Reichskanzler in diesem Frühjahr die werden! Unterdessen hat einer der Verteidiger in der Nowoje herausgestellt, daß in Cassel bei den Schloffermeistern, die keine sozialdemokratischen Anträge zu bezeichnen beliebte?( Sehr gut! Wremja" interessantes Aftenmaterial aus dem Monsterprozeß verGesellen haben, durchschnittlich drei Lehrlinge beschäftigt werden. Lei den Sozialdemokraten.) 1 öffentlicht, das insofern auch die Leser des Vortvärts" intereffieren " " dürfte, als sich der Kaachf in der Umgegend der Güter SieberS- R ö m e r s h o f und Kokenhulen abspielte und einige dieser„Edel- Herren" seinerzeit ihre„Ehre vor deutschen Gerichten zu reparieren suchic«. Mit keinem Warte sind in der Anklageschrift die Gründe er- mahnt, die die Levöltcrung zu den Waffen greifen ließen. Ver- schwiegen wird auch die Talfache, daß die Belagerer Lenneuwardens die gefangenen Baron- samt Gepäck abziehen ließen, sobald der Delegierte der lioländischen Ritterschaft, v. Rosen, im Beisein eincö Mitgliedes des Köderatwkomiteeö das Versprechen abgegeben hatte. dahin zu Wirten. Saß die von der livländischen Rittcrschafr ausgewirkte Lerhänguilg des Belagerungszustandes rückgängig gemacht würde, stein Wort auch davon, wie die wortbrüchigen Barone später in Dragoneruniform Bauernhöfe einäscherten, Weiber und sunder durchpeitschten und unschuldige Mämicr zu Dutzenden erschießen ließen. Wie die Voruntersuchung geführt worden ist. dafür nur einige Beispiele. Ein gewisser R. wird beschuldigt, an einem von den vielen Ueberfällcn teilgenommen zu haben. Beim Untcrsuchungs- richter hat er es selbsr eingestanden. Bor dem Kriegsgericht behauptet er, daß er während des llebcrfallcs im Gefängnis von Jakobstadt gewesen ist. wovon die Herren„Richter" sich telegraphisch sofort üderzeugen könnte». Nachdem der Gefängnischcf von Jakob- stadt diese ÄuSsage bestätigt hat, stellt der Vorsitzende an R. die„indistretc" Frage, weshalb er denn früher eine falsche Aus- sage gemacht habe. Hierauf erfolgt die Antwort:„W e i l m i r d i e Rippen gebrochen wurden!" Einer der beisitzendcn Offi- ziere schämt sich nicht, die Bemerkung zu machen:„Halunke, hat noch zuwenig bekommen I.. Trotzdem die meisten Entlaß ungs zeugen gar nicht ver- nommcu, sondern unter Drohungen nach Hause geschickt worden waren, gelang eS vielen Angeklagten, ihr Alibi nachzuweisen; sie wurden aber trotz alledem verurteilt. Die meisten waren, ihrer Unschuld bewußt, daheim geblieben und hatten sich ruhig arretieren lassen, um vor Gericht die Nichts- Würdigkeiten der Edelhunnen zur Sprache zu bringen. Beim Ver- lesen deö Urteils ereignete sich etwas, was die Herren„Richter" geradezu in Raserei versetzte. AlS nämlich dem ehemaligen StationZ- chefgehülfcn P e g a s der Tod durch den Strang verkündet wurde, rief dieser dazwischen:„Banditen, tonntet Ihr nichts weiter für uns ansdenken als die Todesstrasc?!" Im ganzen wurden etwa 150 Zeugen— meist Belastungszeugen — verhört, und seköst diese Zeugenaussagen genügten, uni jeden objektiv betrachtenden Menschen zu überzeugen, daß die Hauptschuld an dem bewaffneten Aufstand in Südlivland— w:e anderwärts— die deutschen Gutsbesitzer selbst tragen. Sogar ein Mann wie der Korrespondent der regierungsfreundlichen„Noivofe Wrcmja muß dies zugeben. Er schreibt im Leitartikel der Nr. 11 305 folgendermaßen: „Schon anfangs ISOS fai»den in Livland einige Uebcrfälle und Brendstiftungcn statt. Diese Verbrechen vermehrten sich im Laufe des Sommers. Auf Wunsch der Barone wurden aus den Gütern kleine Mklitärabteikungen disloziert. Zu derselben Zeit organisierten die deutschen Gutsbesitzer auf ihren Schlössern Ab- teilungen des sogenannten Selbstschutzes. Tiefe Abteilungen be- standen teils aus Freiwilligen, teils aus Mietlingen. So befand sich in der Selbstschutzabteilung deS Pastors Stoll auch c i» preußischer Reserveoffizier. Viele Gutsbesitzer traten in die Dienste der Landpolizci und eigneten sich die Bezeichnung rines„E h r e n p a l i z i st e n" an. Allein der„Selbstschutz" ging auch oft zu Angriffen über. Seine Mitglieder, mit der Polizistenkokarde«in Hute, durchstreiften die Gemeinden Livlands und verübten nicht allein un- gesetzliche Handln, igen, sondern nahmen sogar körpertichi Zückti- »unge» an uuschuldigen SZäuern vor. Die Exekutionen friedlicher Landbewohner worden zu ständigen Erscheinungen. Die Bauen, hatten Grund zur Erregung. ES sind Fälle vorgekonnnen, wo in Militäruniform verkleidete Zelbstschützler lettische Häuser über- falle» und betrunken gemachte Soldaten nichtsahnendc Bauern getötet habe«. Besonders verhaßt war dcr Schreiber und Gc- hülfe des jüngeren Kreischefs v. Henning, Maximowitfch, zu dessen Charakteristik folgende Aussage deS Leutnants v. Stern dienen mag: Leim Verlassen des Gutes Störnershof(Sitz dcö Kreiö- chefs) am 10. Dezentver hatte Leutnant Stern zwei gefangene Letten. Sonntagnachnritiag 3 Uhr: TraumuluS. ilbends: Heimat. Montag: Gebildete Menschen. Dienstag: Das vierte eilebot. Mittwoch und Donnerstag: Ein Revisor. Freitag: DaS vierte Gebot. Sonnabend: Ein Revisor. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Kaiser- jager. Abends: Ein Revisor. Montag: Maria Stuart. Schiller- Theater Lharlottenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Richter von Zalamea. Abends: En: Fallissement. Montag: Maria Stuart. Dienstag: Reiterattacke. Mittwoch: Der Richter von Zalamea. DoimerZtag: Gebildete Menschen. Freitag: Maria Stuart. Sonnabend: Der Richter von Zalamea. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Richter von Zalamea. Abends: Das vierte Gebot. Montag: Gebildete Menschen. Friedrich- WilhelmftadtischeS Schauspielhaus. Sonntagnach- mittag 3 Uhr: Nathan der Weise. AbendS: KriemhildS Rache. Montag und Dienstag: Jugend von heute. Mittwoch: Siegjricds Tod. Donners- tag: Krieminlds Rache. Freitag und Sonnabend: Jugend von heute. Sonntagnachitlag 3 Uhr: Nathan der Weise. Abends: Der blinde Passagier. Montag: Jugend von heute. Residenz-Tbeater. Sonntag, den 8. Dezember, nachmittags 3 Uhr: Im Pavillon. Abends und solgende Tage: Ganz der Papa. Sonntag, den tb. Dezember, nachmittags L Uhr: Der Prinzgemahl WendS und Montag: Ganz der Papa. Zentral-Theater. Sonntag, 8. Dezember, nachmittags 3 Uhr: Die Puppe. Slbends und Montag: Frau WarrcnS Gewerbe. Sonntag, den 15. Dezember, nachmittags 2 Uhr: Die Geisha. Allabendlich: Frau WarvuiS Gewerbe. Thalia-Theater. Sonntag, den 8. Dezember, nachmittag; 3 Uhr: Kam'rad Lehmann. Abends und solgende Tage: Die gelbe Gefahr. Mittwoch- nachmittag 4 Uhr: Rotkäppchen. Abends und solgende Tage: Die gelbe Gefahr. Sonnabendnachmittag 4 Uhr: Schneewittchen. Sonntag, den 15. Dezember, nachmittags 3 Uhr: Der Veilchensresser. Abends und Montag: Die gelbe Gcsahr. Lorying- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Troubadour. AbendS: Der Freischütz. Montag: Zar und Zimmermann. Dienstag: Di« lustigen Weiber von Windsor. Mittwochnachniittaa 3'/, Uhr: Rümpel- stilzchen. Abends: Rigoletto. Donnerstag: Der Freischütz. Freitag: Hans Helling. Sonnabcndnachmittaa 3'/, Uhr: Numpclstüzchen. Abends: Die Entführung aus dem Serail. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Hans Helling. Abends: Rigoletto. Montag: Zar und Zimmermann. Luiien-Theater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Der Leiermann und sein Pjlegclmd. Abends und Montag: Ein sellsamer Fall. Dienstag: Unsere blauen Jungen». Mittwoch: Ein seltsamer Fall. Donnerstag: Der Leier- mann und sein Pflegekind. Freilag: Erziehung zur Ehe. Sonnabend- iiachmitlag 4 Uhr: Dornröschen. Abends: Das HeiratSncsl. Sonntagnachmittag 2 Uhr: Berlin wie es weint und lacht. AbendS: Ein seltsamer Fall. Montag: Der Leiermann und sein Pflegelind. Bernhard Rose- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spree- ?lthencr. Abends und Dienstag: Die Frau ftommerzienrat. Montag: Der Hüttenbesitzer. Mittwoch: Ensemble-Gastspiel des Zcntral-TheaterS. Donnerstag und Freitag: Ein ehrlicher Makler. Sonnabendnachmittag 4 Uhr: Frau Holle. Sonnabend und Sonntag, den 15. Dezember: Der Hüttenbesitzer. Theater an der Spree. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der AMen- budiker. Abends: An: grüner, Weg. Montag und Dienstag: Tiroler Vtrippenspici Miitwochnachmittag 4 Uhr: Dornröschen. Abends und Donnerstagnachmittag und Abends: Tiroler Krippcnspiel. Freitag: Tiroler Maippenspiel. Sonnabendnachmittag 4 Uhr n"—v" Sonntagnachmittag Hcinzelmänuchen. AbendS 3 Uhr: Der Akttenbudiker. riroler Krippenspiel. Tiroler Krippenspicl. Me»ropol-Theater. Allabendlich: DaS muß man seh'n l Sonntag, u«05- Dezember, nachmittags 3 Uhr: Die Herren von Maxim. Apollo, Tlieaier. Allabendlich: Sylvester Schäfscr. Spezialitäten. Walhalla-Theater. Spezialitäten. Passage-Theater. Allabendlich: Paula Dirth. Spezialitäten. Wint.raarten. Allabendlich: Diabolospieier Spezialitäten. Casiuo-Theater. Allabendlich: Biedcrieute. Sonntag, 15. Dezember, nachmittags 4 Uhr: Smaoögelchen. Der Blumenstrauß. Gebr. Herrnfeld- Theater. Allabendlich: Madame Wig-Wag. ES lebe das Nachtteben. Somuag, den 15. Dezember, nachmittags 2 Uhr: Die " Hains. igaro-Theater. Allabendlich: Pari». Die Klaue. Unterm Bett. tzolies Caprice. Getellte Liebe. ärater-Thcater. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Rotkäppchen. AbendS: 2aS Opferlamm. Montag: Das Käthchen von Heilbronn. Dienstag: Sension Schöller. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Rotkäppchen. Abends: Das Dpserlamni. Donnerstag: Zwischen zwei Herzen. Freitag: Die goldene Traube. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Rotläppchen. AbendS: Zwischen ,wei Herzen. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die goldene Taube. Abends: Zwischen zwei Herzen. Montag: Pension Schöller. Parodie-Tfteater. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Alt-Heidelberg. tlapsenstreich. Montag und solaende Tage: Zapscnstrcich. Da» Ungeheuer Aonna Banna. Sonntag, 15. Dezember, nachmittags 3'/, Uhr: All-Heidel- öerg. Zapsenstrelch. Carl Havcrland-Theater. Spezialitäten. Ans. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Reichehalle«- Theater. Mabendlich: Sieliiner Sänger. Urania> Theater. Zaiibcnstraße 48/40. Sonntag Bis Mittwoch: Ueber den Brenner nach Venedig. Donnerstag: Dr. Rucker: Die neuen österreichischen Alpenbahnm. Freitag und und Sonnabend: Ueber dm Brenner nach Venedig.__ Heute: Zahltag sAckerstr. 123 für den ReichStag»- Slllgemetne Familien- Ztcrbckassc. bei Wiesenthal von 3—6 Uhr. Sozialdemokratischer Wahlverei» Wahlkreis Brieg-Nainslau.(OviSserein Berlin! Heute Sonntag, den 8. Dezember, abends 6 Uhr, Sitzung bei Wernitz, Grünauerstr. 3. Sozialdemokratischer Zcutralwahlveretn für de» Reichstags- Wahlkreis Züllichau-Schwicbus- Kroisen- Sommerfeld(Ortsverein Berlin). Dienstag, den 10. Dezember, abends 8l/t Uhr, bei Hossmann, Koppenstr. 47: Asitalicder-Vcriammlung. Bereiu der Lehrlinge, jugendliche» Arbeiter und Arbeiteriune» Berlins und Umgegend. Abteilung 4: Heute nachm. im Lokal von Krüger, Gubenerstr. 43, SIbteilungsversammlung.— Abteilung 7 und 17: Heute nachm. 3 Uhr im Restaurant Klcinke. Arndistr. 35, Vortrag.— Abteilung l0: Heute nachm. 3 Uhr im Lokal Wild, Schulstraßo, Ecke Christiamasttaße, Versammlung. KrirfKatten der Redaktton. Tie iuriftischr epr-ihftuude finde» Li n den fl raste vir. S, zweiter Hof. dritter Eingang, vier Treppen, D». Fahrstuhl-MG wochcntäglich von 7'/, bis U'/i uvr abends statt. Bcoifiie» 7 Uhr. Sonnabends beginn« die Sprechstunde nni« Uhr. Jeder'linfrag->st ein Buchstabe und eine Zahl als ivierkzeicheu beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. F. H. 13. Wmden Sie sich an ein Lotteriegcschäst, lvir hallen nicht die Listen der Privailotterien.— B. S. 16. Bestimmte Regeln gibt es sür dm Fall nicht: beide Entscheidungen werden beliebt. Die Spieler selbst haben zu entscheiden.— A. 46. Bon einem Angehen des BezirkSauS- schusses möchten wir abraten, da die getroffene Entscheidung dem Gesetz cnilpiichp— P. 7. 1. Nach dem Einkommen. 2. Die Kirchensteuer Ist in den verschiedenen Kirchen und Kirchengemeinden verschieden. Die eoan- gelische Kirchensteuer in Baden beträgt t5>/, Proz. der Einkommensteuer. — Omega. Wenn Sie den Termin nicht wahrnehmen, so ergebt gegen Sie Bersäumnisurteil. Stellen Sie Ihre Gegcnjorderungen(ungerecht- serttgte'Abzüge) zusammen und rechnen Sie diese gegen die Forderung aus. — B. M. 30. 1. Der Sohn oder die Tochter ist nach dem Gesetz G 1603 des B. G.-B.) nur dann und nur so weit zum Unterhalt seiner hulsSbedürsttgen Eltern verpflichtet, als er ohne Gefährdung seines und seiner Familie standesgemäßen Unterhalts hierzu in der Lage ist. 2. Teilen Sie mit, daß Sie zu arbeiten haben und um schrisiliche Auskunft ersuchen, Sie würden dann schriftlich antworten.— H. M. S4. Sie können Lohn sür den vollen Tag verlangen.— A. N. P. ÄS. Da in Ihrem Falle über die Dauer des Mielsvertvages nichts vereinbart ist und auch nur eine monatliche MietSrate vereinbart ist, so ist jeder Teil berechtigt, bis zum 15. jeden Monats zum Ersten zu kündigen. Die Kündigung entspricht also dem Gesetz.— A. M. L. 7, Wannsce. Sirasanzeigen, auch solche wegen Meineids, können bei der Polizei oder der Staats- anwallschast schriftlich eingereicht werde». Die Vertretung durch einen Rechtsanwall ist nicht ersorderllch.— O. N. 7. Nein. Berliner Marktpretfe. iluS dem amtlichen Bericht der städttlchev Martlballen-Direttton.(Großbandel.) Ochsenüetich 1» 68-70 vr t00Pid., fU 62 67. ITla 56-50, Bullenflcisch la 67-72, IIa 56-66, Kühe, seit 50—58, do. mager 38—46, Fresser 52—60, Bullen, dänische 53—65. Kalbfleisch, Doppcllender 110—125, Mastkälber la 83-93. IIa 73-82, Kälber ger. gen. 53—60, do. Holl. 48—54. Havimelflciich Mast- lämmer 76—78, Hammel la 68—72. IIa 62-67. ungar. 0.00, Schas« 47—60. Schwemeiietlch 50—58. Rehwild la per Psund 0,60—0,75 IIa 0,40—0,65. Rotwild la per Psund 0.40—0,48, do. IIa 0,30—0,36, do, Kälber 0,00. Damwild 0,40—0,50, do. Kälber 0,50—0,70. Wildichweine per Pfd. 0,30—0,40. Frischlinge per Pfd. 0,00. Kaninchen, groß, ver Stück 0,70—1,00, do. Lein 0,40. Hasen, groß per Stück 3,50—3,75, do. mittel und klein Stück l, 50— 3,25. Wildenten per Stück 1,40—1,60. Rebhühner, junge per Stück 0,75— t,t0, do. alte 0,60—0,70. Falancnhäbne 1», junge 2.25—3,00, do. IIa und alte t ,50--2,00. Fasanenhenncn 1,00—1,90. Waldschnepfen p. Stück 2,00—2,25, do. Na t,00— 1,50. yiidner. alle, o. Stück 1,10—2,25, da. IIa 0,60—1,05, do. junge la 0,50—1,00, do. Na 0,40—0,45, Tauben la 0,35—0,50, do. IIa n. alte 0,20—0,30, do. ital. 0.66—0,70. Ente» la Stück 1,50—3,00, do. Na 0,90—1,40, do. per Pfp. 0,60—0,65, do. Hamburger per Stück 3,20. Mänie per Psund 0,46—0,55, do, Oderbrucher per Psund 0,43—0,56. PouletS per Stück 0,00. Puten per Psund 0,60—0.75. Hecht« per 100 Pfd. 74—84. do. matt 0,00, do, groß 0,00, do. ticin 0,00, dito mittel 0,00. Zander, klein 70, dito groß 95. Schlei«, onsort. 0,00, do. groß 0.00, do. tlc n 0,00. Aale, klein 0,00, do. Neu: und mittel 93, dito groß 0,00. Weis 0,00. Karpfen 50er Galiz. 60—62, do. 30— 40cr. Schles. 66—70, do. 50«, Echles. 65, do. 20er, Schuppen 70—71. Plötzen 0.00,£io.-'—— fische 17—20. Bunte Fische 44—54, Karauichen 0,00. Bleie 0,00, Raap 0,00. Winter-Rheinlachs per 100 Pfd. neuer per 100 Psd. 110—130, da. Ha Nein 30-38. Roddow 0,00. Blei dito matt 0,00, Bavfe matt 0,00. dito matt 0,00. Aland 52. 0,00, Amerikanischer Lachs la neuer 90—100. Seelachs per 100 Psd. 0,00. Flundern. Kieler, Stiege la 2—6, do, mittel Kitte 1—2. Hamb Stiege 4—6, balbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 0,00, Na 0,03. Bücklinge. Kiel« per Wall 2—3,00, Stralsund«; 0,00, engl, per Wall 2,00—3,00, Sprotten, Danziger, Kiste 0,80—1,00, do. Nügenwaldcr, Kiste 0,80—1,00. Aale, grog per Plund 1,10—1,40, mittelgroß 0,80—1,10, tiein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5,00-9,00. Schellfische, Kiste 3,00—4,00,'I, Kitte 1,75—2,50. Sardellen. 1902 er per Anker 98. 1904ev 98, 1905« 08, 1906« 85—90. Schottische Bollberinge 1905 0,00, large 40—44, füll. 38—40, med. 36—42, deutsche 30—40. Heringe, neue MatjeS. der>/, To. 50—120. Sardinen, ruff., Faß 1,50—1,60. Bral beringe Faß 1,20—1,40, do. Büchse(4 Liter! 1,40—1,70. Neunaugen, �chocksaß tt, da. kleine 5—6, do. Riesen- U. Krebse per Schock 0,00, große 0 00, do. mittelgroße 0,00, dito kleine 0,00 om 0,00, do, unsortiert 0,00, Gaiizier. groß 0,00, do, unsortiert 0,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 4,50—5,60, do. große 6,00—6,50. Butter per 100 Psd. la 125-130. IIa 118-122. lila 110-116, abfallende 90-05. Saure Gurke» Schock 4,00. Pfeffergurken Schock 4.00. Kartoffeln ver>00 Piund Dabersche 8,00—3,50, weiße runde 2,75—3,00. mag, hon. 3,00—3,25. Porree, per Schock 1,00—1,25. Meerrettich, Schock 4— 10. Spinat per 100 Psund 5—10. Sellerie, per Schock 3—6, do. pomm. 6—8. Zwiebeln per 100 Psd, 2,00—4,00. Betersilie, grün, Schockbund 1.00—1,25. Kohlrabi Schock 0,50-1,00. Rettich, bäurischer, Stück 0.04-0,10, hiesiger Schock 2,50—3,50, Mobrrüben, 100 Psd. 2,00 bis 2,50. Karotten, hiesige, Schockbund 3,00—4,00. Wirsingkohl v. Schock 4—6. Rotkobl, Schock 3—7. Weißkohl p. 100 Psd. 1,25—2,00. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 0,00, do, Erfurter 0,00. Rosenkohl, per 100 Psund 10—18. Grünkohl 2,00-5,00. Kohlrüben, Schock 2.0»— 3.00. Pelcrsilienwurzcln, per 100 Psd. 0,00, Schockbund 0,00. Schnittlauch, Töpfe Dutzend 4—4,50. Tomate», italienische, per 100 Psund 25,00—30,00. Rote Rüben, per 100 Psund 2,50—3,00. Rübchen, Beelitzer, per 100 Psd. 4—8, do. Teltow« 16—18. Kürbis p. 100 Psd. 8—10. ESkarol per Schock 5—6. Endivien per Schock 3—6. Birnen per 100 Pjd. Tirol« 20—30, Kochbirnen 3- 8, Tafelbirnen la 18—25, do. IIa 6—17. Aepsel, per 100 Psund, Tirol« la 18-40. do. IIa 12-18. Tiroler, lose, per 100 Psund 10-14, do. in Kisten 120 Psund 30—70, Most-, hiesige, 3—5, Koch- 5—10. Tnsel- äpscl la 15—25, do. IIa 10—12. Amerikaner, per Faß 18—34. Italiener, lose. 100 Psd. 6—12. Wallnüffe, per 100 Psd. sranzöstsche 33 bis 40, rumänische 27—30. Paranüsse 52—56. Haselnüsse, lange, 100 Psund 43—47, do. runde 32—36. Weintrauben, AImcria, per Faß 8—20. Ananas l, per Pfund 0,70—0,90, do. II 0.40—0,50, Bananen, gelb, per 100 Pfund 8—22. KoloSnüffe per 100 Stück 20—28. Krach- mandel» per 100 Psd, 70—135. Maronen, ital., per 100 Psund 9—18. Feigen, Kranz- per 100 Psd, 21—27, do. Trommel- per 100 Psd. 40, do. in Kisten 28—58. Traubenrosinen per 100 Psund 80—120. Zitrone», Meistna. 300 Stück 8.75-12.00. do. 360 Stück 8,00-11.00, do. 200 Stück 0.00, do. 150 Stück 0,00. Apselsinen, 300 Stück 0,00, do. Murcio 200 Stück 6,00-11,00, do, 300 Stück 7,00-12,00, do. Valencia 420 Stück 11-19, do. 714 Stück 14-21. WitterungSübcrsicht vom 7. Dezember 1907. eitttaun se se 8« £ ä e>— e 2 8 e -c Li Settn I Swtnemde 757 SSW Hamburg 758 SW Berlin 1758 Still Franks.-» M 761 WNW München 760® Wien 1 Dunst 3 Nebel Nebel I halb bd. »Schnee 752 WNW 3 Regen .! »s c V f« £* HS) Stalttnen L e rt o S o 5 53 B« Saparanda 754 SSO eterSburg 757 NO Sctlly Bell« g r» äC M S> »bedeckt 2 Schnee! tlb«veen Baris 56 WSW. 2 wolkig 743 Still j heiter 760S i 2 bedeckt I I I — 1 —4 9 8 C Wetter. Prognose für Sountag, den 8. Dezember 1907. Vorwiegend trübe mit Niederschlägen, mäßigen nordwestlichen Winden ctwaS wärmerer Nacht und wenig veränderter TageStcmpcratur. Berliner Wctterbureau. WaflerstandS-Nachrichte« s« LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgetcill vom Berliner Wctlerbnrcau, >)+ bedeutet WuchS,— Fall.—') UnterPegel.—•) EiSstand. •) Eisfrei.') EiStreiben.•) Gründels. i 162 Invalidenstr. Neubau Paul Held Nchf. Invalidenstr. 162 CS Neubau Mitglied des Rabatt-Sparvereins„Norden". 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