Kr. 389. Bbonn« mentS'Btdingunsen: LbomiementS- Preis priiuimeranio, BierleljShrl. 3,30 SKI, monnll. 1,10 SRI, wöchentlich 33 Pfg, frei WS Hau-, Einzelne Nummer 3 Pfg, Sonntags» nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Well- 10 Pfg. Post. Wonnement: 1.10 Marl pro SKonat. Eingetragen w die Post.ZeitungS» Preisliste. Unter tkeuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 SKarl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien, Dünemarl, Holland. Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 24. Iayrg. Crfitttnl UgllA»Str noDtagt» Verlinev Volksblskk. Die TnJertlonS'Gcbflljr beträgt für die sechsgespaltene Uolonc?» zellc oder deren Raum m Pfg, für politische und gewerlfchaftllche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Aleine Hn«ig«n". das erste(fettgedruckte) Wort 20 Pfg, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- stellcn-Aiizeige» das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition »bgcgcbc» werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abendS geöffnet. Telegramm.Adresse: „Sozialdemokrat RtrllB", Zentralorgan der rozialdemokratifcben Partei Oeutfchtands. Redaktion: 831. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Expedition: 831. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Die HbiiebteD der flottcntreiber. In der Sitzung der Budgetkommisfivn vom Dienstag enthüllten die nationalliberalen Flottentreiber noch deutlicher ihre Absichten. Tie Herren erklärten, dah sie es für notwendig hielten, daß schleunigst die ganze Kaiserklasse und Wittelsbachklasse ersetzt werde; außerdem sei der schleunige Bau von weiteren sechs großen Kreuzern notwendig. Und Herr Tirpitz sprach den Ver» tretern des Panzerplattenkapitals wiederum seinen Dank für ihre .patriotische" Haltung aus I Was bedeuten nun die Wünsche der Flottentreiber? DaS Flottengesetz vom Jahre 1SOO verlangte, daß bis zum Jahre 1017 die Linienschiffe auf die Zahl von SS gebracht würden. Als vorhanden wurden 27 Linienschiffe angenommen. Da nach der Vorlage zwischen 1SlZ6 bis 1917 17 Ersatzbauten vor- genommen werden sollten, schieden unter Berücksichttgung von 11 Neubauten 17 ältere Schiffe aus. Nämlich die 8 Küsten Panzerschiffe, die.Sachsen"-Klasse, die„Oldenburg" und die „Brandenbura"-Klaffe. d. h. Schiffe, die bis zum Jahre 189ö vom Stapel gelaufen waren. Die neue Floitenvorlage verlangt nun gemäß der Herabsetzung des Dienstalters auf 29 Jahre vier neue Linienschiffs Ersatzbauten, so daß auch vier Schiffe der„Kaiser" Klasse, die von 1896 bis 1899 vom Stapel gelaufen sind, ersetzt werden. Die nationalliberalen Flottentreiber aber drängen die Regierung, die ganze„Kaiser"- und.Wittelsbach Klasse schleunigst zu ersetzen, d, h. noch 6 weitere Linienschiffe sl der„Kaiser"- und 5 der„Wittelsbach"-Klasse). die erst 1900 und 1901 vom Stapel gelassen worden sind I Dazu noch 6 große Kreuzer! Also insgesamt 12 Schiffsbauten a 49 Millionen: gleich 489 Millionen Mark! Der„Verjüngung" der Flotte wegen kann man das nicht fordern, denn auch bei 29 jähriger Dienstzeit wären die sechs Linien- schiffe der Kaiser- und Wittelsbachklasse erst nach 1917 zu ersetzen! Man hat einen anderen Grund! Nach der neuen Flottenvorlage wären auf Stapel zu legen: . Linienschiffe Große Kreuzer 1993.... 8 1 1999..... 3 1 1919..... 4— 1911... 2 1 1912..... 1 2 Von 1913 ab jedoch nur noch 1 Linienschiff und 1 großer Kreuzer jährlich I Im Interesse der Panzerplattenpatrioten und der Reeder muß also auch nach 1912. ja möglicherweise schon vom Jahre 1911 ab sür Neubauten gesorgt werden! DaS Geschäft der Panzerplattenpattioten bedingt also eine Erweiterung der Regierinigsvorlage I Oder aber im Jahre 1919 muß eine neue Ftottenoorlage präsenttert werden, die den Herren volle Beschäftigung gewährt. Wir zeigten schon gestern, daß gegenüber der Flotten- Vorlage von 1 999 unsere Flotte uns während des nächsten Jahrzehnts schon 1800 Millionen mehr kostet. Unsere Flotten- treiber aber wollen noch rund 500 Millionen mehr verpulvert haben I Ein ungeheurer Skandal! Und der Freisinn?! Nun. Herr W i e m e r hat ja bereits erklärt, daß wenn in ein paar Jahren die allerneueste Flottenvorlage komme, sie auch vom Freisinn an- genommen werde 1 1 So wirtschaften alle bürgerlichen Parteien mit den Steuer- groschen des Volles!—_ Zappelfatehe. Unsere objektive Analyse der subjektiven Unwiffenheit de? Herrn Georg Bernhard hat diesen sehr ausgeregt. In zwei Artikeln seines BörsrnblättchenS sucht er seinen Unsinn zu verteidigen— mit dem Erfolg, daß er unfreiwillig noch einige weitere Striche unserem Eharakterbilde hinzufügt. Um Bernhards SachunkenntniS an einem eklatanten Beispiel zu zeigen, hatten wir eine seiner originellsten Leistungen: die Besprechung der Bankbilanzen, einer Kritik unterzogen. Bernhard berechnet dort die Rentabilität deS Kapitals der Deutschen Bank mit 2 Proz. Brutto und den Reingewinn mit 9,9 Proz. Darüber hatten wir uns lustig gemacht. Jetzt sucht sich Bernhard mit allen Kräften aus der Schlinge zu ziehen. Allein vergeblich. Je mehr er sich abzappelt, defto fester schnürt er sich ein. Wir wollen zunächst noch einmal zeigen, worum eS sich handelt. Eine Bant bekommt Geld, das von seinen Besitzern momentan nicht gebraucht wirb, zur Aufbewahrung als Deposit. Damit sie diese Depositen bekommt, muß sie dafür ZinS zahlen, zum Beispiel 5 Proz. Diese müffen nun einmal erst verdient sein. Die Bank aber erzeugt keine Werte; der Wert, daher auch der Mehr- wert entsteht in der Produktion. Die Bank leiht daher das Geld der Industrie. Die Industriellen zahlen dafür z. B. 7 Proz. Sie tun das deshalb, weil sie über die 7 Proz. hinaus mit diesem Geld, sür das sie Maschilten, Rohmaterial, Arbeitskraft, kurz die Elemente des produktiven(industriellen) Kapitals kaufen, einen Gewinn machen. Dieser Gewinn ist im Durchschnitt der Konjunkturperioden größer als der Zins; denn sonst würden mehr industrielle Kapitalisten sich in müßige Geldkapitalisten ver- wandeln. Nehmen wir an, der Unlernehmergewinn sei 13 Proz. Der Industrielle hat dann mit dem Kapital, das ihm die Bank zur Ver- fügung gestellt, einen industriellen Profit(Zins plus lliiternehmergewinn) »um 29 Proz. gemacht. Vpn diesen 29 Proz. behält der Industrielle 1 13 Proz. und zahlt 7 an die Bank, diese vergütet ihren Depositen� gläubiger» 6 Proz. und behält selbst 2 Proz. Diese 2 Proz. sind aber natürlich nicht der Gewimi auf das Kapital, das durch die Hände der Bank geht. Diese 2 Prozent sind vielmehr nur die Differenz zwischen dem Zinssatz, den der Industrielle der Bank und dem Zinssatz, den diese ihrem Depositengläubiger gezahlt hat. Aber um eine Differenz be- zahlen zu können, muß zuerst die Summe verdient sein. Um die 2 Proz. für die Tätigkeit des Ausleihens einstecken zu können, muß in Wirklichkeit das in Kapital verwandelte Geld eben 29 Proz. ge tragen haben. Aber um Geld zu bekommen und Geld wieder ausleihen zu können, muß die Bank selbst über Geld verfügen, das bei dem von uns geschilderten Dcpositengeschäst den Banken als eine Art Reserve dient und im Verhältnis zu den fremden Geldern sehr gering sein kann. „DaS Kapital dient nicht als Betriebsfonds sondern als Garantie", sagt Bagehot. Bei englischen Depositenbanken bettägt das eingezahlte Kapital mit den Reserven etwa den zehnten Teil der Verbindlichkeiten. Die 2 Proz., die in unserem Beispiel der Bank verbleiben, stellen für sie in diesem Falle einen Bruttogewinn von 29 Proz. dar. In der Tat zahlen die englischen Depositenbanken auch sehr hohe Dividenden. Die Dividende der Deutschen Bank von 12 Proz. ist für englische Vcv Hältnisse durchaus nicht besonders hoch. Bei Bernhard aber geschieht das Wunder, daß der Profit der Kapitalisten 29 Proz., der Profit deS Kapitals jedoch 2 Proz. ist. Schuld daran ist nicht etwa die„bürgerliche Arithmetik sondern nur die komische Spezial-Ariihmettk des Bernhard, die allerdings genau auf der gleichen Stufe steht, wie seine ökonomischen Kenntnisse. Bernhard rechnet nämlich die 2 Proz.. die schließlich der Bank für die Vermittelung des Leihverkehrs zufallen, nicht als Profit des Bankkapitals, sondern als den ganzen Profit, den das durch die Bank vermittelte Kapital überhaupt macht. Daher die lusttge Geschichte. daß die Bank für das Kapital, das sich nach Bern- Harbs Rechnung nur mit 2 Proz. verwertet 5 Proz. an ihre Gläubiger zahlt, während der Unternehmer, der noch damit den Unternehmer- gewinn machte, ihr? Proz. dafür zahlen mußte. Wie macht Bernhard das? Er rechnet in seiner kindlichen Einfalt alles Geld, was in die Kassen fließt, als Kapital der Bank, das nun in ihrem„Betriebe" verwertet wird. Nur schade, daß dies Kapital, um verwertet zu werden, erst die Bank verlassen und in die Industrie strömen muß, weil im„Bankbetriebe" überhaupt keine Verwertung stattfinden kann. Bernhard vermag nämlich, da ihm alle theorettsch- ökonomischen Kenntnisse fehlen, nicht zwischen Bank- oder Handels- oder Industrie Kapital zu unterscheiden. DaS ist eine Konfusion, die in der Wissenschaft längst überwunden ist, aber in den Köpfen mancher Geschäftsleute noch immer fortspukt. Wir sagen in der Wissenschaft. Bernhard beschuldigt unS, daß wir. um ihn zu widerlegen, die„bürgerliche Wissenschaft" als „einzige große Ignoranz" dargestellt haben. Aber» Verehrtester, dazu hatten wir nicht die geringste Gelegenheit; denn Sie haben doch weder mit„bürgerlicher" Wissenschaft noch mit sozialistischer irgend etwas zu schaffen— noch weniger als Ihr Lehrer, der kleine Meyer. Merken Sie denn noch immer nicht, daß unser Nach weis dahin geht, daß Sie nicht etwa nur von der wissenschaftlichen Forschung keine Ahnung haben, sondern nicht mal die einfachsten Ueberlegungen anzustellen vermögen? Nicht um Ihre Fähigkeit zum wissenschaftlichen Denken handelt es sich. Die steht gar nicht in Frage. Nur um Ihre Denkfähigkeit überhaupt, sozusagen— verzeihen Sie die Blasphemie— um Ihre„reine" von jeder wiffenschaftlichen Er fahrung losgelöste Vernunft dreht eS sich. Wir wollen zeigen, daß Sie darin zu den Besitzlosen gehören, wenn Sie auch sonst Besitzer deS„Plutus" und„seiner Kreditoren" sind. Zufällig findet sich in der Nationalökonomie eine Widerlegung konfuser Anschauungen, die eine gewisse Aehnlichkeit mit den Ihrigen haben; allerdings sind eS Anschauungen, die zu einer Zeit auftauchten. wo die Ausdehnung des Kredits noch verhältnismäßig neu war und daher die Unbekanntschaft mit seinem Wesen begreiflicher. So sagt ein alter Oekonom, Thornion, in seiner„Untersuchung über den Papierkredit"(London 1892): „Papier(darunter versteht der Verfaffer nicht nur Papier geld und Banlnoten, sondern auch Wechsel) erscheint allerdings auf der Kreditseite der Bücher der einen, aber es erscheint genau im gleichen Betrage auf der Debetseite der Bücher der anderen. Es macht daher im ganzen weder ein Debet, noch ein Kredit aus. Der Bankier, der 29999 Pfund in Noten aus- gibt und in der Folge 29 999 Pfund einem Kaufmann leiht gegen die Sicherheit von Wechseln, die dieser akzeptiert hat, bezeichnet sich selbst in seinen Büchern als der Schuldner der verschiedenen Leute, die seine Noten im Besitz haben, im Betrag der fraglichen Summe; und bezeichnet sich selbst als Gläubiger der Wechsel, die er zu demselben Betrage besitzt. Die Bewertung seines eigenen Besitzes ist daher dieselbe, als ob weder die Wechsel, noch die Banknoten existierten. Weiter: die Kaufleute, die ihren Besitz abschätzen, ziehen einerseits die Wechsel ab, die von ihnen zu zahlen sind und sich im Portefeuille der Bankiers befinden und rechnen die Noten des Bankiers, die in ihrer Kasse sind, hinzu; so zwar, daß die Bewertung des Kapitals der Kaufleute ver- gleichsweise dasselbe ist. als ob das Papier keine Existenz hätte." Man sieht: Bernhard ist zwar noch jung, aber eS ist ihm in der kurzen Zeit seines Lebens bereits gelungen, sich eine jahrhundertelange Unwissenheit anzu- eignen. Allerdings, wenn er in seiner Konfusion über den Kredit und das Kapital vor mehr als einem Jahrhundert noch Genossen hatte, mit seiner eigenartigen Arithmetik steht er allein da, Zuerst rechnet Bernhard das Kapital, das die Bank verliehen hat, als das Kapital, das im Bankbetrieb arbeitet. Dann aber weigert er sich beharrlich, dieses Kapital, mit dem die Bank nichts tut, als daß sie es ausgibt, wieder abzuziehen, sobald es eben aus- geliehen ist. Wie aber das Kapital, das die Bank verliehen hat, das also in die Industrie gesteckt ist und dort arbeitet, zugleich im Bankbetrieb arbeiten soll, das weiß nur Bernhard allein. Aber damit ist er als prätentiöser Mann noch nicht zufrieden. DaS Geld, das die Depositengläubigcr der Bank zur Verfügung gestellt haben, schwellt nicht nur das Bankkapital an, das also nach Bernhard das Kapital ist, das der Bank nicht gc- hört, sondern auch das industrielle Kapital. Gehen wir wieder zu unserem Beispiel zurück. Die Bank habe ein Kapital von 199 999 M., sie bekommt von A 1 Million, zahlt ihm dafür 59 999 Mark Zinsen und leiht die Million dem Industriellen B, der ihr dafür 79 999 M. zahlt. Der Industrielle hat bereits 1 Million im Vermögen. Mit dem Gelde der Bank hat er 2 Millionen und macht damit einen Profit von 29 Proz. oder 499 999 M. Von diesen zahlt er 79 999 M. Zinsen an die Bank. Bleiben ihm 339 999 M. Wie rechnet aber Bernhard? Die Bank arbeitet mit einem„Kapi- tal" von 1 199 999 M. Sie bekommt von dem Industriellen 79 999 Mark und zahlt an den Dcpositengläubiger 59 999 M. Es ver- bleiben ihr 29 999 M. Macht nach Bernhard noch nicht 2 Proz., während in Wirklichkeit das Kapital der Bank, das 199 999 M. bc- trägt, 29 Proz. getragen hat. Dieselbe Million, die Bernhard schon als Bankkapital gerechnet hat, rechnet er jetzt noch einmal dem Industriellen als Kapital an. Der Industrielle mutz seiner Kundschaft, einem Weiterverarbeiter, vielleicht seinerseits einen Kredit von 1 Million gewähren, die Mil- lion wird zum drittenmal als„Kapital" gerechnet, der Weiter- verarbeiter kredidiert dem Großkaufmann, dieser denKleinkaufleutcn. Dieselbe Million erscheint bei Bernhard immer wieder als„Kapital"; sie wird unzählige Male gerechnet, statt einmal. Während aber Bernhard mit einer rührenden Sorgfalt alle Gelder notiert, die sich einer geliehen hat, weigert er sich ebenso hartnäckig, die Gelder abzuziehen, die einer weggeborgt hat. Ob ausgeliehen oder geborgt. Plus oder Minus, ist unserem großen Arithmctiker ganz egal. Alles wird addiert, nichts subtrahiert, und zum Schluß beschaut Herr Georg Bernhard mit staunendem Grinsen sein Werk. Aus der einen Million sind hundert geworden und aus 29 Proz. 9,2 Proz. Alles nur Mathematik und keine Oekonomie, und unschuldig fragt Bernhard: Ist das meine Schuld oder die der Arithmetik? Addieren kann ich doch wirklich! Aber schließlich wird ihm doch bange. Daß man für sein Geld bei der Bank Zinsen bekommt, das weiß auch ein ,.Plutus"leser, und daß diese Zinsen verdient sein wollen, ist schließlich auch klar. Also? Also beginnt unser Bernhard. sich herauszulügen. Er er- zählt seinen Lesern, es habe sich ihm nicht um die„Volkswirtschaft- liche Seite" gehandelt, sondern um die privatwirtschaftlichc. Ten Ausdruck„Volkswirtschaft" schenken wir ihm. Seine Verkehrtheit in Kürze dem Bernhard zu beweisen, ist bei seinem Mangel an Vor- kenntniffen aussichtslos. Aber was ist das für eine Privatwirt- schaft, bei der das fremde Geld(die Depositen) ai» eigenes gerechnet wird? Als Privatwirtschaft hat die Deutsche Bank nur ihr Aktienkapital und ihre Reserven, sonst keinen Deut mehr. Die fremden Gelder hat sie zu verwalten, zu verzinsen, abcrprivat- wirtschaftlich ist die Rentabilität der Deut- schen Bank gegeben durch den Gewinn auf das eigene Kapital. Aber Bernhards Ehrgeiz ist ja nicht nur privatwirtschaftlich, auf den Abonnentenfang gerichtet, sondern auch „volkswirtschaftlich" auf Ansehen. Er will wissenschaftlich etwas gelten. Lehrer spielen usw. Seine plötzliche Bescheiden- heit, nur privatwirtschaftliche Erkenntnisse verbreiten zu wollen, ist nur Heuchelei aus Verzweiflung. Es ist einfach eine..Fälschung", wie Bernhards Lieblings- wort lautet, daß er kxin ökonomisches Gesetz aufstellen wollte. Schen wir zu. Die erste Bilanzkritik findet sich im 13. Heft des ersten Jahrganges vom 26. März 1994. Wir nehmen diese, weil ja Bernhard dort zuerst seine Ansichten entwickelt und sich selbst nicht jedes Jahr einfach abschreiben kann. Was er damals geschrieben hat, hat er nie widerrufen. Die Tabellen sind ziemlich immer dieselben. Auch spricht er später wieder von der-„geringen Ver- zinsung großer Kapitalien". Hören wir also seine Weisheit: „Ich sehe den Schwerpunkt einer zusammenfassenden Be- Handlung der Bankabschlüsse auch nicht in der eigent- lichcn Bilanzkritik, sondern in dem Versuch, aus der Gegenüberstellung von Ziffern der Bilanzen einen Einblick in die Ges etze zu gewinnen, welche die Arbeit grober Kapitalien b e st i m m e n." Nachdem er dann nach seiner famosen Methode eine Rentabili- tat von 3,32 Proz. herausgerechnet hat. weist er jede„Privatwirt- schastliche" Deutung als ungenügend zurück; weder die Ansamm- lung stiller Reserven noch Verluste könnten dieses Resultat(seiner falschen Arithmetik) erklären, was ja weiter nicht wunderlich ist. da es sich nicht um Privatwirtschaft, sondern um Privatarithmctik handelt. Dann heißt es: „Es kommt doch hier auch zu sehr großem Teile das öko- nomische Gesetz in Betracht, wonach mit dem zu- nehmenden Kapital daS prozentuale Erträg- n i s zu sinken pflegt. Mtt der Konzentration des Kapitals bei den großen Banken hängt ja überhaupt die immer mächtiger werdende Tendenz des sinkenden Zinsfußes zusammen." Aus seinen absurden Voraussetzungen zieht Bernhard da mit all jener Unerschrockenheit, deren nur Gedankenlosigkeit fähig ist, 'eine absurden Konsequenzen. DaS„ökonomische Gesetz". wonach mit zunehmendem Kapital das prozentuale Erträgnis zu sinken pflegt, ist blühender Unsinn. Je größer das Kapital, desto größer im allgemeinen der Profit. Auf dieser Ueberlegenheit de» größeren Kapitals über sas kleine beruht die ganze Konzen- trationStendenz mit ihrer ungeheuren Wirkung auf die soziale Eni- Wickelung. Wäre das„prozentuale Erträgnis" auf das kleinere Kapital gröber, die groszen Kapitalien wären längst verteilt und zersplittert in lauter kleinste Teile, bei denen das prozentuale Er- trägnis nach Bernhard am größten wäre. Das hindert natürlich Bernhard nicht, in der nächsten Zeile von der Konzentration des Kapitals zu sprechen, die unmöglich wäre, wenn sein ökonomisches Gesetz existierte. Nach Kant ist es die allgemeine„Bedingung aller? unserer Urteile überhaupt, daß sie sich nicht selb st widersprechen, widrigenfalls diese Ur- teile an sich selb st nichts sind." Die Urteile Georg Bernhards sind ein gutes Beispiel für dieses„nichts". Wi kann aber selbst ein Mensch von der geistigen Qualität eines Bern- hard die Absurdität seiner Behauptungen nicht merken? Auch das ist leicht zu erklären. Er hat einmal etwas davon gehört, daß die Wissenschaft eine Tendenz des„Falles der Profitrate" aufgezeigt hat. Halt, sagt er sich, meine Rechnung zeigt ja zwar keinen Fall. aber eine sehr kleine„Profitrate", und die wird sicher einmal größer gewesen sein. Tie Rechnung wird also stimmen. Der Fall der Profitrate hat jedoch mit der Größe des Kapitals zunächst nicht das Geringste zu tun; cS ist ein Gesetz, das für das Gesamtkapital gilt, ein EntwickelungSgesetz, das daher nicht im selben Moment für verschieden große Kapitalien gelten kann. Daraus macht Bern- hard ein„ökonomisches Gesetz" der geringeren Rentabilität des größeren im Vergleich zu dem kleineren Kapital. Der Fall der Profitrate vollzieht sich bei Bernhard nicht in der Zeit, sondern er findet für die nebeneinander im Räume befindlichen verschieden großen Kapitale gleichzeitig statt. Sahen wir früher, daß Bern- hard keine Vernunft und keine Urteilskraft besitzt, so sehen wir jetzt bei seiner Verivcchsclung von Zeit und Raum, daß ihm sogar die reine Anschauung n priori fehlt. Diese geistigen Defekte machen Bernhard zu einem interessanten Phänomen, das aller- dings immer nur Objekt der Erkenntniskritik, nicht Subjekt sein kann. Weitere Polemik können wir uns sparen. Was soll man auch dazu sagen, wenn Bernhard auf unseren Einwurf, daß man die Debitoren vom Kapital abziehen mutz, sobald man die Kreditoren hinzurechnet, uns erwidert:„Wenn ich eine Jndustriegesellschaft gründe und habe eine Million Mark im Kasten liegen, so kann ich damit keine Waren produzieren. Ich muß dafür Maschinen kaufen. Erst die bringen Wqren hervor." Wir haben ja allen Respekt vor der Arbeit, die es dem Bernhard gekostet haben muß, sich noch dümmer zu stellen, als er ohnehin ist, aber mit solchen Leuten hört jede Polemik auf. Daß bei Bernhard der Wechsel, also ein Zirkulationsmittel, je nachdem Vankkapital oder Handelskapital ist, daß er gegen den Einwurf:„Handelsangcstellte erzeugen nicht den Profit der Eisenwerke", die Fusion der Kanncngießer-Schiff fahrtsgesellschaft mit der Harpener anführt, als ob Schiffahrt (Transport) und Handel dasselbe wären, hat eben noch gefehlt, um seine Einfalt zu kennzeichnen. Nur zur Vervollständigung müssen wir noch anführen, daß Bernhard nicht einmal weiß, was das Wort„Oekonomie" bedeutet Er zitierte unlängst auö einem Bericht des„Vorwärts" über einen Vortrag, daß der Referent Nationalökonomie mit Volkswirtschafts- lehre übersetzt habe. Nun wird Bernhard kritisch: „Der wissenschaftliche Analphabet des„Vorwärts" der- wechselt nämlich Volkswirtschaft mit Volkswirtschaftslehre. Zwar wird im BrockhauS Nationalökonomie mit Volkswirtschaftslehre übersetzt. Aber derartige„bürgerliche" Bildungsmittel sollte doch ein„Vorwärts"-Redakteur nicht gebrauchen. Im all gemeinen gilt„Nationalökonomie" gleich„Volkswirtschaft"." In der Tat: Analphabet. Denn es handelt sich um das Alpha und andere griechische Buchstaben, die Bernhard nicht kennt. Er müßte sonst wissen, daß Oikos: Haus, Hauswirtschaft, Wirtschaft bedeutet und Nomos: Gesetz, Nationalökonomie also nicht„Volks Wirtschaft", sondern Wirtschaftsgesetze oder Wirtschaftslchre. Bernhard unterfängt sich auch, Marx zu zitieren, der die politische Oekonomie die„Anatomie der bürgerlichen Gesellschaft" nennt Aber die Anatomie bedeutet nicht Leichen oder Knochen oder sonst etwas, sondern die Wissenschaft von der Zergliederung des menschlichen Körpers. Gerade dieses Zitat beweist daher die Richtigkeit der Uebersetzung. Doch es ist dankbar anzuerkennen, daß Bernhard sich gedrungen gefühlt hat, zu beweisen, daß er nicht ein bornierter Fachmann, sondern ein Universalignorant ist, der in den Sprachen ebenso zu Hause ist wie in der Gesellschaftswissen schaft, der Logik und Mathematik. Wir haben ja gesehen, daß Bernhard Plus und Minus nicht unterscheiden kann. So sieht er nicht, daß hinter seinem Wissen ein Riesen Minuszeichen steht, und vergißt abzuziehen, was er seinen Lehrern schuldig geblieben ist. Auch das geistige Kapital, das Bernhard zu besitzen meint, stellt sich so als bloßer Rechenfehler heraus! Sic ltoche der Realttlon. Aus Lodz wird uns geschrieben: Hier herrscht Kaznakoff souverän; er ist der Gott, bor dem die Lodzer Bourgeoisie in scheuer, zitternder Verehrung auf dem Bauche liegt. Allerdings wird diese schweifwedelnde Verehrung einiger- maßen durch den Umstand gedämpft, daß Kaznakoff sein gegen die Zusicherung von 400 000 Rubel der hiesigen Bourgeoisie gegebenes Versprechen, den BanditiSmuS auszurotten und die„Ordnung" wieder herzustellen, bis heute nicht eingelöst hat I— Die sich täglich wiederholenden Banditenüberfälle beweisen mit unzweifelhafter Deutlichkeit, daß das Banditentum, mit welchem Kaznakoff i m Handumdrehen fertig zu werden versprach, angesichts des all gemeinen Drucks, der allgemeinen Desorganisation, des Organi- sationsverbotS. angesichts der Unmöglichkeit, den Kampf der Massen in breite legale Bahnen zu lenken, in den bestehenden Verhält- wissen tiefer wurzelt, alö few beschränkte Despotenhirnchen zu fassen vermag. Erschwert wird dem Kaznakoff sein„Kulturwerk" durch die ge- Heime Sympathie, die, wie böse Zungen behaupten, die Banditen mit der hohen Polizei verbindet! Die Lodzer Fabrikanten haben, in offener Erwägung dieser Sympathie, denn auch ihrerseits frei- willig anständige Summen zur Gehaltserhöhung für die Polizei geliefert; ob aber auf diese Weise dem alteingewurzelten Uebel ab- geholfen wird, lassen wir dahingestellt. Also mit der„Herstellung der Ordnung" hat Kaznakoff bisher wenig Glück, ob es auch eigens zu diesem Zwecke täglich neue An- Ordnungen und Verfügungen auf die Köpfe der Arbeiter regnet. Des Satrapen schöpferischer Geist rastet nicht: hat er gestern den Ver- trctern der Gewerkschaften jegliche Einmischung in Konflikte zwischen §abrikanten und Arbeitern verboten, so verbietet er heute den t r e i k unter Androhung einer dreimonatlichen Haft, bezw. von 8000 Rubel Strafe— pro Arbeiter I Daß es ihm damit blutiger Ernst ist, beweisen die von streikenden Arbeitern über- füllten Polizeireviere und Gefängnisse, in denen alle Polizei- scherzen vom Schutzmann bis„hmauf" zum Polizeikommissar (Pristaw) die Richterrolle bereitwilligst übernehmen.... Die Auffassung, die diese Leute von ihrer Stelle haben, geht aus dem in den hiesigen Polizeiviertcln typischen„Verhör" her- vor:„Jud?" ftagt der„Richter". Folgt eine b e j a h e n d e Ant- Wort» so saust gleichzeitig ein Knutenhieb oder ein Faustschlag auf den„Verhörten" nieder. Auch ein„Nein" bringt selbstverständlich den»Richter" nicht auS der Fassung, denn die nächste Frage lautet:� „Rebell?", wobei schon, ohne daß die Antwort des unglücklichen OpferS abgewartet wird, die Schläge niedersausen. Ein paar ausgeschlagene Zähne, eine offene Wunde am Kopfe, im besten Falle ei» blaues Äuge bilden das Resultat dieser„Verhöre". Täglich steht man Verwundere, von einer militärischen Eskorte umgeben, durch die Straßen führen. Die Not der Verhafteten ist entseylich. Die„liberale" Bourgeoisie gibt zu ihrer Unterstützung schon lange nichts her, und da die Mittel der sozialistischen Arbeiterorganisationen äußerst beschränkt sind, so sind viele Verhaftete selbst der notwendigsten Kleidungsstücke beraubt; die meisten hungern buchstäblich. Hand in Hand mit dem politischen Druck geht der Wirtschaft- l i ch c. Die Fabrikanten, die sich wieder als Herren der Situation fühlen, eröffnen auf der ganzen Linie einen erbitterten Angriffs krieg gegen die Arbeiter. In allen Fabriken prangen Ver fügungen, die die Einführung des e l 7 e i n h a lb st ü n d i g e n Arbeitstages vertündigen, nachdem die Arbeiter sich durch ihre Kämpfe 1905 den neunstündigen Arbeitstag errungen hatten I DaS Komitee der Sozialdemokratie Russii'ch-Polens und Litauens hat in dieser Angelegenheit eine Proklamation erlassen, in der es die Arbeiter ausfordert, sich ihre Errungenschaslen ohne Kampf nicht nehmen zu lassen. Bisher ist es de» Fabrikanten den» auch nicht gelungen, ihre Absicht durchzuführen, da die Arbeiter sich trotz aller Drohungen beharrlich weigeni, länger als bisher zu arbeiten. Ja, die Erbitterung über dieses Ansinnen ist unter den Arbeitern so groß, daß sie die Verfügungen täglich herunterreißen— eine ganze Anzahl büßt dieses neue„Verbrechen" in den Polizeirevieren. Seit sechs Wochen sind gegen 300 Bäcker ausgesperrt. Der Verband der Bäckermeister hat ihnen eine ganze Reihe neuer Arbeits bedingungeii vorgeschlagen. Auf das Dränge!« der Meister wurde der legale jüdische Bäckerverband geschlossen, nachdem in seinem Bureau eine Revision vorgenommen und alle Rechnungsbücher und Korrespondenzen beschlagnahmt worden waren. Auch die Handlungsgehülfen, Buchhalter, Kontoristen usw. sind von der allgemeinen Reaktion nicht ausgeschlossen. Eine Massen kündigimg der Aufgeklärten unter ihnen, die während des Streiks den„Herren" die Forderungen ihrer Kollegen unterbreitet oder sicki auf eine andere„verbrecherische" Weise hervorgetan haben, ist jetzt an der Tagesordnung.—_ politische debcrHcbt. Berlin, den 10. Dezember 1907. Um das Vereinsgesetz. Aus dem Reichstage. Der zweite Tag der Vereinsgesetzdebatte wurde eröffnet durch den Lothringer Abg. G r 6 g 0 i r e. der seine Ausführungen ausschließlich gegen die Sprachenklausel des§ 7 richtete. Die Parteistellnng dieses Herrn ist eine eigenartige. Während ein Teil der Lothringer gleich einein Teile der Elsasser sich der deutschen Zentrunispartei anschlössen, haben andere den sogeuauntcn „lothringischen Block" gebildet. Sie vertreten die Interessen der Bourgeoisie; von den deutschen Parteien steht ihnen die nationalliberale in ihren Gesamtanschauungen am nächsten Die biet von dieser Partei in den Reichstag ent sandten Abgeordneten beteiligen sich möglichst wenig an den Reichstagsgcschäften. Nur wenn besondere lothringische Interessen berührt werden, nehmen sie an den Sitzungen teil. Herr Gregoire behandelte denn auch den§ 7 nur unter dem Gesichtspunkte, daß er von E l s a ß- L 0 t h r i n g e n fern gehalten werden müsse. Abgesehen davon, daß Herr Gregoire das Recht auf die eigene Muttersprache als eine Art Bc lohnung für Gutgesinntheit in Anspruch nahm, nicht aber es von dem höheren Gesichtspunkte aus forderte, daß es ein unveräußerliches Menschenrecht sei, brachte er ganz wertvolles Material zur Beurteilung der Frage vor. Die von ihm aus Lothringen angeführten Beispiele bewiesen aufs neue, daß durch sprachliche Bedrückung nationale Leidenschaften gerade erst entfesselt werden, während sich dort, wo auf sprachliche Unterdrückung verzichtet wird, ein friedliches Zusammenleben zwischen gemeinsam in einem Staatsgebiete ansässigen Natiönalitäten herausbildet. Die Aufgabe, nach den Rezepten des Blockkanzlers liberal zu reden, aber für die dritte Lesung sich die Möglichkeit einer Zustimmung zu reaktionären Forderungen offen zu halten, war Herrn Müller- Meiningen zuteil geworden. Er suchte zunächst Stimmung für sich zu schaffen durch eine Kulturkampf- rede gegen das Zentrum. Nun läßt sich gegen das Zentrum viel sagen wegen seiner Schulpolitik und seiner Bekämpfung der freien Wissenschaft und Kunst. Aber in diesem Augenblick war das auch nicht am Platze, weil in der Frage des Vereins- und Versammlungsrechts das Zentrum seiner ganzen Ge- schichte, seiner Parteizusammensetzung und seiner gegen- Ivärtigcn Stellung nach wider die reaktionären Bestimmungen des Gesetzes Front machen muß, so daß gar kein Grund vorliegt, Herrn Trimborns oppositionelle Kritik nicht ernst zu nehmen. Es zeigte sich auch bald, daß Herrn MüllerS Ausfälle, die, wie man das bei der Veranlagung dieses Politikers nicht anders gewohnt ist, mehr und mehr in Skurrilitäten ausarteten, nur den Zweck hatten, die Aufmerksarukeit davon abzulenken, daß er und seine Partei sich nicht zur unbedingten Ablehnung des ominösen Z 7 zu bekennen wagen. Einen wahrhaft kläglichen Eindruck machte es, wie der freisinnige Redner, als er schließlich gezwungen war, sich mit diesem Punkte zu befassen, allerhand Material gegen die Polen zusa mmcn häufte: Demonstrationen in Lemberg und im österreichischen Reichsrat, die bekanntlich erst durch die antipolnischcn Ausnahmegesetze in Preußen hervor- gerufen waren, mußten Herrn Müller dazu dienen, die patriotische Pauke zu schlagen. Sorgfältig hütete Müller sich, irgend eine bestimmte An- ficht über den§ 7 auszusprechen; er nieinte, in der Kom- Mission müsse versucht werden, dafür eine Fassung zu finden. die sowohl den Wünschen der Regierung wie denen der Polen Rechnung trüge, was in der Praxis nur auf ein gemildertes Ausnahmegesetz hinaus- kommen kann Diese elende Komödienspielerei findet noch ihre vielsagende Ergänzung in dem, was der bis dahin so weit- 'chweifige Herr Müller nicht sagte. Kein Wort der Er- widerung fand er auf Heines Anfrage, ob etwa die von dem konservativen Dietrich gewünschten Bestimmungen gegen ugen bliche Personen ein H a n d e lS 0 b j e k t für die Verständigung zwischen Konservativen und Liberalen werden sollten. Kein Wort auch redete der„entschieden liberale" Herr Müller über den verhängnisvollen Absatz 4 des§ 9, der das Recht der polizeilich enWortentziehung nach sächsischem Muster in ganz Deutschland einführen will. Lobhudelei für das Gesetz als Ganzes und Zweideutigkeit oder gar Stillschweigen gegenüber dessen reaktionärsten Be- stimmungen— das ist die freisinnige Blockpolitik! Nach dieser betrübende» Selbstverhöhnung des deutschen Liberalismus legte Namens der Polen Fürst Radziwil Verwahrung gegen die Mmidtotmachung der Polen ein. Den Vorwurf, daß die Polen in Preußen AbsonderungSgelüste hätten, bezeichnete er als Verleumdung, was ihm einen Ordnungsruf des Präsidenten Paaschs eintrug. Auf die preußischen Enteignungsgesetze eingehend. erinnerte er die Regierung daran, daß kie durch ihre Be- gründung dieser Maßregel mit der Rücksicht des„offen lichen Wohls" den französischen Revolutionskonvent kopiere, der aus Gründen des öffentlichen Wohls Ludwig XVI. den Kopf vor die Füße gelegt habe. Sehr erregt ging darauf Herr v. Bethmann-Hollweg ins Geschirr. Von Ludwig XVI. redete er allerdings nicht,"da dessen Schicksal nicht auf der Tagesordnung stand. Aber den Beweis für die Absonderungsgelüstc der Polen suchte er zu erbringen, indem er mitteilte, daß sie 1. deutsche Waren boykottierten; 2. daß bei Beratung der preußischen Ber- fassung einmal die Polen von der Wiederbefreiung Polens gesprochen; 3. daß irgend ein polnisches Blatt ge- schrieben habe, ehe Preußen nicht eine Niederlage wie die Russen bei Tsuschima erlitten hätten, würde es nicht besser werden.?luch diese Sophistereien, die alles Mög- liche beweisen können, nur nicht, daß die Polen jetzt eine staatliche Lostrennung von Preußen betreiben, trug der Minister in jenem von Rührung durchschauerten Bieder- mannstone vor, dessen Unechtheit widerwärtiger wirkt als die brutale Geltendmachung reaktionärer Brutalitäten. Herr P a ch n i ck e sprach für die Freisinnige Vereinigung. Selbst dieser gewohnheitsmäßig in süßlicher Geziertheit redende Herr zeigte gegenüber den reaktionären Bestimmungen des Gesetzes noch etwas mehr Rückgrat als Herr Müller, obgleiÄ auch seine Partei mit sich reden lassen will. Zum Schluß wieS der Däne H a n s c n an einer Fülle von Einzelheiten nach, wie brutal jetzt schon die Unterdrückung der Dänen in Schleswig durch polizeiliche Ausnutzung des heutigen preußischen Vereinsgesetzes gehandhaöt wird und protestierte aufs energischste gegen das neue reaktionäre Machwerk. Dann wurde die Debatte auf morgen vertagt. Wem wir Kiautschou verdanke«. Unter dem Titel:„Deutsche Gedenkhalle. Bilder auS der vaterländischen Geschichte", so erzählt das Mosseblatt, gelangt soeben ein unter dem Protektorat des Kaisers vcranstaltetes Prachuvert zur Ausgabe, an dem die namhaftesten Historiker und Künstler nüt- gearbeitet haben. Bei der Lektüre des Schlntzkapitels dieses Werkes, dessen Entstehen der Kaiser mit lebhaftem Interesse verfolgte, hat der Kaiser eine interessante Korrektur bor- genommen. Dieses Kapitel, Kaiser Wilhelm II. behandelnd. ist von Professor Wilhelm Oncken geschrieben und bespricht unter anderem die Erwerbung Kiautschou S. Der Verfasser fiihrt die Wahl gerade dieses HafenS auf einen Borschlag dcS Bischofs A n z e r zurück. Zu der betreffenden Stelle des Satzes hat, wie die„Post" mitteilt, der Kaiser eigenhändig bemerkt: „Nicht richtig. Ich habe Kiautschou gewählt, nachdem ich die Samsahbucht und Weihaiwci hatte rekognoszieren lassen and mir beide alö völlig ungeeignet gemeldet waren. Ich nahm nun das Werk von Freiherrn v. Richthofen mit der Karte von China vor und nach Durchlesung seines AnffatzeS über Schantung habe ich mich fiir den Hafen von Kiautschou entschieden, da Richthofenö Urteil so ungemein günstig für das Hinterland lautete. Anzer hat bei der Entscheidung nichts zu tun gehabt." Eine wirklich reizende Randbemerkung zu dem Thema vorn pcrsöitlichc» Regiment!"—_ Wechsel in der Leitung der Reichsbank! Dr. Richard Koch, der Präsident der ReichLbank, tritt von seiner Stellung zurück. Sein Nachfolger wird der Präsident der See- Handlung, R. Haveustein, die bekanntlich preußisches Staatsinstitm ist, werden. Dr. Koch ist trotz seines hohen Atters von 73 Jahren noch sehr rüstig. Sein Rücktritt erfolgt sicher nicht allein aus Gesuudheits rücksichten. Vielmehr hat er politische Bedeutung. Die Agrarier wollen wieder einmal die angespannte Lage des Geldmarktes ausnützen, um einen Versuch zur Geldverschlechterung zu unter- nehmen. Die Regierung zeigt diesen Versuchen gegenüber keine Festigkeit. Es ist ganz bezeichnend. daß dieselbe Regierung, die gegen die Teuerung der Lebensmittel nicht das geringste tun will. weil diese angeblich nur„eine vorübergehende Erscheinung" ist, sofort eingreift bei der wirklich nur vorübergehenden Erscheinung der„Geldteuerung". Allerdings handelt es sich bei der Lebens- mittelteuerung um vitale Interessen der VolkScrnährung und der BolkSgesundheit, bei der.Geldteuerung" aber um kapitalistische und agrarische Profitinteressen. Die Regierung hat daher eine Enquete über die Frage des Geld-, Kredit- und BimkwesenS in Aussicht genommen, bei der die agrarischen Kurpfuscher ihre alten Rezepte wieder vorbringen werden. Der Rcichsbankpräsident war aber ein erNärter Gegner aller Geldpfnschereien und den Agrariern schon lange verhaßt. Solange der Freisinn i» Oppositton war. fürchtete man dix Kritik und das Geschrei der Börsenprcsse zu sehr, um Koch zu verabschieden. In der Blockära kann man resoluter vorgehen. Vielleicht ist eine Pfuscherei im Geldwesen die Kompensation, die ja die„Deutsche Tagcsztg." unablässig für die Zustimmung der Konservativen zur Börsennovellc verlangt.' Koch war von Hanse aus Jurist und hat namentlich über handelsrechtliche Themen Werlvolles geschrieben. Als Leiter der Reichsbank betätigte er die Anschauungen der deutschen Gold- währungSschule, deren theoretische Vertreter vor allein LexiS und Lötz find. Kochs Nachfolger wird von der„Deutsckicn Tageszeitung" als „unbeschriebenes Blatt" bezeichnet. Man weiß, daß unsere Agrarier sehr gut auf solchen Blätlern zu schreiben verstehen. Kein Disziplinarverfahren gegen den Hauptmann Dominik. Die„Nordd. Allg. Ztg." dementiert die Meld»ng deS„Berlim Tagebl.", daß gegen den Hauptmann Dominik et» Disziplinarver- fahren eingeleitet sei. Die Untersuchung gegen ihn sei lediglich aus formellen Gründen noch nicht abgeschlojseit. Belastendes gegen ihn habe sich bis jetzt nicht ergeben.— Tie verzückte Tante Boss. Die„Voss. Ztg." meldet, daß der sächsische Minister deS Innern Graf Hohenthal am Sonntag eine Abordnung Hirsch- Dunckerscher Arbeiter empfangen habe, die um Eiusührung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts petitionierten. Graf Hohenthal versprach„sorgsame Prüfung und Erwägung" ihrer Wünsche. Nach Schluß der Audienz lud der Minister die Abordnung zum— F r ü h st ü ck ein. Dazu bemerkt nun die freisinnige Tante mit verzücktem Angen- aufschlag: .Minister und Arbeiter also an einem Tisch I Die preußischen Bureaukraten werden ob dieser Kunde stumm und starr sein." In der Tat, welche Ehre ist da den Arbeitern widerfahren! Nicht nur freisinnige Parlamentarier dürfen Viilow die Hand schütteln, sogar freisinnige Arbeiter dürfen sich mit einem Minister a» eine Frühstückstafel setzen! Wenn dits nicht der Anbruch der „liberalen Aera" ist! Leider wird nur bei der„sorgsamen Prüfung und Erwägung" nichts herauskommen! DaS Ministerfrllhstück wird die einzige Gabe des sächsischen Ministers an die Arbeiter bleiben l Wer gleichviel 1„Minister und Arbeiter an einem Tisch". Ist das nicht ebensoviel wert, als das gleiche und allgemeine Wahl- recht?!_ Koloniale Knlturverbreitnng. Herr Dernburg hielt in Oldenburg abermals eine kvloniale Reklamerede, die, obwohl sie daS offiziöse Depeschenbureau auf acht Spalten wiedergibt, irgend etwa-Z von Belang nicht enthält. Denn daß der P l a n t a g e n b a u in Ostafrika nicht rentabel ist, war ja schon vorher bekannt. Originell ist höchstens, daß die Schönheit der oft- afrikanischen Damen in Herrn Dernburg einen geradezu schwärmerischen Schilderer gefunden hat. So pries er die splitter- nackte, aber trotzdem sehr sittenreine schwarze Weiblichkeit wie folgt: „Menschen von wunderbarem Körperbau und nicht unsympathischen Gesichtszügen, die eine ii>: ii b e r w i n d l i ch e A b n e i g u n g g e g e n j e d e A r t von Kleidung haben, die über einige messingene Armringe oder einige Perlenschnüre um den Hals hinausgeht. Ein europäischer Bildhauer würde in den lounder- baren G e st a l t e n, die sich init vollkommener Freiheit und Anmut bewegen, und deren herrliche Muskulatur noch durch das Farbenspiel einer saminet weichen, nahezu schwarzen Haut gehoben wird, ein unermeßliches Studienmaterial finden. Auf diesem Eingeborcnenmarkt habe ich Frauen sitzen sehen, die in ihrer ungezwungenen Pose den Berglcich mit Michel Angelos Frauenge st alten an den Gräbern der Medicäer zu St. Lorenzo nicht zu scheuen hätten. Das Volk ist gutmütig, nicht sehr intelligent. Es ist verhältnismäßig wahrheitsliebend und sehr sittenrei n." Und auf dies entzückende Naturvolk will Herr Dernburg gleich- wohl die mit der Gesittung unserer Kulturträger ä la Peters Hand m Hand gehende„Kultur" der Großen Friedrichstraße loslassen. Er will dem„Handel" neue Wege erschließen. Und wie sieht dieser Handel nach seiner eigenen Schilderung aus: „Die k o st b a r st e n aber und vom Eingeborenen b e- gehrtesten Handelsartikel sind, uiit Ihrer Erlaubnis, alte Hosen und Röcke, die ihren Weg von der Großen F r i e d r i ch st r a ß e bis»ach Bukoba finden, in großen Lagern dort aufgestapelt sind und für die die Eingeborenen exorbitante Preise bezahlen, in der dem Reger all überall eigenen Nachahmungssucht." Die sittenreinen nackten Jdealgestalten will Herr Dernburg also künftig in alte Hosen und Röcke ausderGroßen Friedrich st raße stecken I Welche Kulturverbreitung!— Das Lied vom guten Kameraden. Ja Tüsscldorf tagte am Sonntag die Hauptversammlung des Vereins deutscher Eisenchüttcn-leute. T)ie Eröffnungsrede des Vorsitzenden, Kommerzienrats S p r i n g o r u in, gestaltete sich, nach der Erledigung der üblichen Geschäftsmitteilungen, zu einer Kundgebung von programmatischer Bedeutung. Der Redner wies darauf hin, daß die gegenwärtige Zeit niehr als je den festen Zusammen- schluß der deutschen Eisenhüttenlcute nicht nur zur Vcr- tretung der Interessen nach außen, sondern auch zur ordnungS- mäßigen Führung der Betriebe und Verwaltungen erfordere. Ohne straff durchgeführte Disziplin könne weder den Anforderungen an die Qualität der Erzeugnisse, noch an die Verantwortung für Leben und Gesundheit der Arbeiter genügt werden. Stur durch unablässige und ziel- bewußte Arbeit sei unsere Eisenindustrie zu ihrer heutigen Bedeutung gelangt und daher müßten alle Maßregeln, die Arbcitstraft einzuschränken, als durchaus verfehlt bezeichnet werden. Dann heißt es: „Wir müssen aber auch unbedingt das Recht für uns in An- spruch nehmen, unsere Betriebe so einzurichten und zu organi- stcrcn, wie wir es für richtig halten, und auch die Lei s u ch c der Ei nm ischwng früherer Z i ga r>r ein ar b e i t c r oder sonstiger Vermittler in unsere Betriebs- Verhältnisse ablehnen, selbst wenn wir uns dadurch den in heutiger Zeit häufiger genannten Vorwurf des„Herren- ftandpunltes" zuziehen. Wir können einen solchen Vorwurf um so leichter ertragen, als tatsächlich bei keinem von uns ein Zweifel obwalten wird, daß auf unseren Werken alle, vom jüngsten Arbeiter bis zum obersten Leiter herauf, eine große Kameradschaft bilden, in der ein jeder Gelegenheit hat, je nach seinen Kräften am Gelingen mitzuwirken und nicht nur seine Arbeit, sondern auch fem persönliches Wohl zu fördern. Und daß auch die rein menschliche Seite dabei nicht zu kurz kommt, wie es die uns feindlichen, von außen an unsere Werke sich herandrängenden Kräfte immer wieder zu behaupten wagen, dafür sprechen lauter als alles andere die zahlreichen Fälle, in denen Arbeiter und Beamte, wenn es galt, gegenseitig ohne Zögern das eigene Leben für die Rettung des andxrn einsetzten." Nachdem in letzter Zeit— namentlich durch die Denk- schrift des Metallarbeiterverbandes und durch die Reden der sozialdemokratischen Abgeordneten— das Elend der in der schweren Industrie beschäftigten Arbeiter, das verschärst wird durch die Gewaltherrschaft der Unternehmer, offenbar ge- worden ist, lieben es die Machthaber im Reiche der Schlote, sich als die aufopfernden Freunde der Arbeiter aufzuspielen und öfter als je hört nian jetzt aus diesen Kreisen d a s Lied von dem guten Kameraden, als ob die Thyssen, Lucg und Genossen mit ihren Arbeitern auf Du und Du ständen, mit ihnen den letzten Bissen teilten und jeden Augenblick für sie durchs Feuer ssingen. Die Herren Eisenhüttenlcute sollen sich nicht lächerlich machen; wenn sie derartige Reden zur Verschönerung ihrer Versammlungen und Feste halten zu müssen glauben, dann sollten sie wenigstens dafür sorgen, daß die Kunde von dcrarltgcn Komödien nicht über den Kreis, der Liebhaber hinaus- dringt— denn die Geschichte ist zu albern. Mit welcher Objektivität die Herren ihre Sache führen, zeigt der Hin- weis auf die„Einmischung früherer Zigarrenarbeitcr". Zu- nächst einmal sorgen die Arbeiter schon dafür, die Vertretung ihrer Sache möglichst auch Berufsgcnossen zu übertragen, dann aber: Warum soll ein früherer Zigarrenarbeiter incht ebensoviel von der Eisenindustrie verstehen, wie z. B. Herr Beniner, der ehemalige Schulmeister, oder Herr Krupp von Bohlen-Halbach, der ehemalige Legationsrat? Nationalliberale Wahlreform. Eine Vertraue n ö in än nerversammlung der national« liberalen Partei des Wahlkreises Bochmn-Gelsenlircheii-Witten faßte nach einem Vortrag des Landtagsabgeordneten Geheimrat Luseiisky den Beschluß, die nationalliberale Fraktion deö Abgeordnetenhauses zu ersuchen, entschieden für eine Reform des LandtagswahlrechtS einznireten auf folgender Grundlage: Neue Einteilung der Wahlkreise; Abschaffung deS D r e i k l a s s e n w a h l s y st c m s, der indirekten Wahl und der öffentlichen Stimm- abgäbe- Einführung der obligatorischen Stimmabgabe; ferner Einführung deS Mehrstimmemvahlrechts unter Berücksichtigung von Alter, Besitz, Bildung und Seßhaftigkeit. Das heißt: an dem verschlissenen Gewände des alten GeldsackS- wahlrechts sollen einige alte Flicken durch neue ersetzt werden!—■ Im badischen Landtag. versprach die Regierung, das in Baden noch bestehende Okirot auf Fleisch aufzuheben, wenn der Landtag in einen Steuersatz von 12 Pf. vom Hundert für das Vermögenssteuergesetz einwillige. Die Budgctiommission plädierte für 11 Pf.— Der sozialdemokratische Antrag auf Entschädigung der Schöffen und Geschworenen wird von der badischen Regierung nur dann im Bundesrat befürwortet, wenn ein ein- wütiger Beschluß deS Landtages vorliegt. Eventuell soll eine landesgesetzliche Regelung der Frage erwogen werden.— Die am t- lichen Inserate, welche bisher nur den sogenannten Amts- vcrkündiaern, also den regierungsfreundlichen Blättern, zugingen, werden künftig auch anderen Blättern zugestellt; als Beilagen können sie von den Druckereien der Amtsverkündiger bezogen werden. Haben die Amtsverkündiger nur eine geringe Auflagen- zahl, w ist mit dem weitverbreitetsten politstchen Blatte eine entsprechende Abmachung zu treffen. Dabei müßten natürlich die auch in Baden stark verbreiteten sozialdemokratischen Blätter in Betracht kommen. Auf dieser Grundlage macht jetzt die Regierung einen Versuch und teilt in einigen Monaten das Ergebnis dem Landtage mit.— Der von unseren Genossen eingereichte Antrag auf Abänderung der badischen Gemeinde- und Städteordnung sieht Beseitigung der auch noch in Baden bestehenden Dreiklassen Wahl und direkte Wahl der Bürgermeister und Stadträte bezw. Gemeinderäte durch die Kommunalwähler vor.—_ Ostpreuhische Sozialiftenbekämpfung. Unter dieser Spitzmarke wurde in Nr. 234 des„Vorwärts" berichtet, wie in einem Dorfe des Kreises Angerburg bei der letzten Reichstagswahlagitation der Dorfschullehrer sich in eine Wohnung geschlichen, dort sich ein Paket sozialdemokratischer Flugblätter und Stimmzettel angeeignet und es einem gleichfalls staatsrettenden Kaufmann übergeben hatte, der es kurzerhand verbrannte. Die Genossen hatten Strasantrag wegen Diebstahl? und Hehlerei bei der Staatsanwaltschaft gestellt, worauf der Lehrer und der Kaufmann zu je einer Woche Gefängnis wegen Diebstahl und Hehlerei vom Angerbnrger Schöffen- gericht verurteilt wurden. Die beiden Ordnungshelde» legten auf den Rat khreS Verteidigers Berufung ein. Wie voraus- zusehen war, mit Erfolg. Die Strafkammer zuLyck, die sich am 6. d. M. mit dieser Diebstahlsgeschichte beschäftigte, erachtete Diebstahl bezw. Hehlerei nicht für vorliegend, sondern erblickte in dem Einschleichen in eine fremde Wohnung, woraus eine ftemde bewegliche Sache entwendet und der- nichtet wurde, nur Sachbeschädigung, bezw. Beihülfe dazu. Die Straflammer verurteilte die Angeklagten zu je fünf Mark Geldstrafe! Wird das aber eine unbändige Freude im Dorfe bei den staats- erhaltenden Einwohnern gewesen sein, daß gleich ihnen auch ein preußisches Gericht sozialdemokratisches Eigentum so gering ein« schätzte!—_ Die Wahlrechtsdemonstrationen in Sachsen. Uebcr den Verlauf der Wahlrechtsversammlungen deS Sonntags in Dresden wird uns von dort noch geschrieben: Die sechs Massenversammlungen, die in den größten Sälen der Stadt stattfanden, waren überfüllt. Alle Säle waren ab« gesperrt. Hunderte fanden keinen Eililaß. obwohl die Polizei An- Weisung hatte, in die Säle hineinzulassen, was nur irgend hinein- ging, damit Ansammluiigeil auf der Straße vermieden würden. Begeisterung und Kampfeslust erfüllte die versammelten Massen. Straßendemonstrativnen sollten nicht stattfinden. Die Massen- Versammlungen an sich bildeten schon einen wuchtigen Protest, der den Herrsche» den von der Volksstimnumg laute Kunde gab. Starlbesuchte Versammlungen werden gemeldet auS Bautzen, Zittau, Ebcrsbach, Freiberg, Pulsnitz, Zwickau, Werdau, Crimmitschau, Kirchberg, Reichenbach, Falkenstein, Plauen, Oelsnitz, Marliieulirchen, Miitivcida, Frankenberg, Ehreufriedersdorf, Johannn- gcorgenstadt, Drünlos, Auerbach, Oberlungmitz, Meerane, Waldheim, Neuheide, BurlhardtSdorf. Glauchau. Leisnig, GerSdorf, Gelenau, Roßwein, Schneeberg. Burgstädt, Döbeln, Flöha, Geringöwalde, Göppersdorf, Grüna. Hartha, Lichtenstein, Limbach, Schwarzenberg, Schönheide, Zschopan, Thum._ franhmch. Die Portefeuilleretter. Paris, 8. Dezember.(Eig. Ber.) Die Regierung hat sich rasch entschlossen, Rettungsmaßregcln — Nicht etwa für die durch den Äammerbeschluß über die Reser- vistenübungen angeblich bedrohte nationale Verteidigung, sondern für ihren eigenen Weiterbestand zu ergreifen. Die Reform, die sie dem Senat vorschlägt, enthält alle Hauptbestimmungcn deS Kammcrbeschlusscs: Abkürzung der Rcservistcnübungen auf 21 und 15 und der Landwchrübung auf 7 Tage. Nur sollen künftig die Erlassungen und Aufschübe abgeschafft werden, und zum U ebergang sollen die Reservisten, die nur ein Jahr gedient haben, im Jahre 1988 auf 23 Tage einrücken. Als Entschädigung der Familien der Eingerückten werden 75 Centimes täglich und 25 Centimes für jedes Kind bezahlt werden, doch nur im Maxi- m u m. In keinem Falle soll die Entschädigung mehr als 12 Proz. vom täglichen Einkommen deS Eingerückten betragen! In der SenatSkommission hat der Kricgsministcr erklärt, daß die Abkürzung der Hebungen die Qualität der Armee nicht ber- schlcchtern werde, namentlich bei besserer Ausnutzung der Zeit. Dasselbe gibt nun' auch General Lang lots im„Temps" zu. Man sieht, wie wenig ernst die Warnrufe Picquarts und der Generalität zu nehmen waren. Angesichts der Gefahr, die die Wählerfurcht der bürgerlichen Mehrheit dem Ministerium androhte, sind alle„patriotischen" Aengste verflogen. Da die Gemäßigten allcS Interesse daran haben, die Regierung Clemenccau, die den bürgerlichen Radikalismus vollständig demoralisiert, ihr Werk voll- enden zu lassen und zu warten, bis die Wiederkehr einer Block- rcgierung im Stile C o m b e s unmöglich ist, hat die Regierung wieder Lust bekommen. Sie lebt von der Entnervung der Radi- kalen, von der Spekulation der Reaktionäre und vor allein von ihrem Grundsatz, daß das Leben der Güter höchstes ist.— Belgien. Die AnnexionSvorlage. Brüssel, 8. Dezember.(Eig. Ber.) Mit ihrem Botum vom Dezember vorigen Jahres hatte die belgische Kammer bezüglich der Kongo-Annexion nach zivei Richtungen hin ihren Willen festgelegt: 1. Der von der Regierung vorzulegende Gesetzentwurf hat sich nur auf die Durchführung der Uebernahme selbst und die für sie erforderlichen Maßnahmen zu beschränken; 2. Die Kammer behält sich vor. in boller souveräner Freiheit die Verwaltung der Kolonie zu regeln. Als wesentlichstes Merkmal des jetzt der Kammer über- mittelten UebernahmeprojekteS ist nun aber zu verzeichnen, daß die Vorlage in eklatanter Weise diese WillcnSäiißenmg misjachtct! Statt einer einfachen Festlegung der Uebeniahmebedingimgeu werden Belgien eine Reihe von Verpflichtungen, betreffend die Respeklierung der vom König geschaffenen Einrichtungen,„für ewige Zeiten" auferlegt! Unter diesen Einrichtungen befindet sich in erster Linie jene berüchtigte Kronendomäno, die den besten Teil ber Kolonie einschließt und ein zehnmal so großes Gebiet lvie Belgien umfaßt. Tie näheren Bestimmungen, die der Annex enthält, liegen der Oeffentlichkeit»och nicht vor, doch ergibt sich aus dem Motiven- bericht, daß». a. die Verwaltung der Kronendomäne in den Händen des Königs verbleibt, die Beamten vom König ernannt werden. Durch die betreffenden Feststellungen für die Zukunft ist dafür ge« sorgt, daß der Wille deS Königs auch nach seinem Tode weiter wirkt! Als eine markante Einzelheit ist ferner zu verzeichnen, daß ein Teil der Einnahmen der Kolonie, statt für ihre Weiterentwickelung verwendet zu werden, dem öffentlichen Bautenwahnsinn zu dienen hat, den Leopold in Belgien inaugurierte und der ihm von seinen offiziösen Lobhudlern stets als großzügige Herrschertugend an- gerechnet lvird.— Zum Punkte Kronendomäne wäre auch noch bei- zufügen, daß auch gegen die Erhaltung dieser Gründung d a S Parlament in der schärf(ten Weise und durch Wort- führer aus allen Parteien sich ausgesprochen hat!— Selbstverständlich läßt der König als geriebener Geschäftsmann seine Ware, von der er bekanntlich lange schon die Sahne fürsorglich abgeschöpft hat. im ärgsten Reklamestil anpreisen. Der weit- schweifige Motivcnbertcht, mit patriotischen Arabesken überreichlich umsäumt, weiß nur von dem Glück und dem glänzenden Geschäft zu erzählen, das Belgien durch die»Uebernahme der Kolonie macht!... Wer an diesem„Glück" und«glänzendem Geschäft" zweifeln sollte, dem wird das Budget der Kongokolonie verführerisch unter die Nase gehalten. Und wirklich: das Budget für 1996 stellt sich dem etwa beunruhigten Steuerzahler als ein fast im Gleichgewicht befindliches dar! Daß dieses Gleichgewicht in erster Linie der Zwangsarbeit der ausgebeuteten Neger geschuldet ist(drei Viertel der Einnahmen stammen aus der Negcrarbcit). daS stört die Begeisterung der offiziellen Lobhudler nicht, wie denn überhaupt die Bearbeiter des Projekts sich auS den Berichten der offiziellen Untersuchungskommission wohlweislich die Rosinen herausgeklaubt haben, loogegcn ihnen von den von der Kommission — als einem gewiß unverdächtigen Zeugen— festgestellten schreienden Mißständen: von der 5bonfiskation deS Bodens der Ginge- borenen, von den berüchtigten Strafexpcditionen, von dem Geißel- system und überhaupt dem ganzen Vcrgewaltigungssystcm, dem die Kolonie eben ihr glänzendes Budget verdankt, nichts bekannt zu sei» scheint, obgleich das Parlament sowie eine Reihe aufsehcnerregcn» der Publikationen(vor allem das Callicrsche Buch) darum genug Lärm gemacht haben. Da aber weder die Kammer die Er- Haltung des bisher geübten Leopolbinischen Systems gutheißen kann, noch die ausländischen Mächte es tolerieren würden— man weiß, welche Haltung England einnimmt—, so wird statt des schmeichlerischen Gleichgewichts im Budget den Belgiern alsbald die Rechnung zur Begleichung von 1b bis 29 Millionen Frank jährlich präsentiert werden. So sieht bei näherer Vc- trachtung das gepriesene„glänzende Geschäft" aus, das Belgien mit der Annexion zu machen im Begriff ist. Der noch nicht erschienene Annex zu dem bisher vorliegenden Motivenbericht, auf den sich dieser beruft, wird das Bild noch vcr- vollkommnen. Soviel ergibt sich indes schon heute, daß das Gr- schüft bei der Annexion einzig der schlaue Koburger gemacht hat, der den Belgiern heute mit dem gnädigen Geschenk der Kolonie Schuldenlasten und schwere Ausgaben aufhalst. Und all dem steht noch gegenüber, daß der Entwurf in seiner Grundfassung dem Votum der Kammer widerspricht, die ja im Februar auf diese HcrauLforderufig und aus das ganze Gesetz zu antworten haben wird.,,, •,• Paris, 10/ Dezember.(25. T. 23.) Anläßlich des der bei- gischen Kammer unterbreiteten Gesetzentwurfes betreffend die Uebernahme des KoiigvstaateS finden zwischen der belgischen und französischen Regierung Verhandlungen statt, durch die sich Frank- reich das ihm zugestandene Vorzugsrecht auf den Kongostaai auch für die Zukunft sichern will. Man glaubt, daß diese VerHand- lungen bald zum Abschluß eines dem vom Jahre 1895 identischen Abkommens führen werden.— Cnglanä. London, 10. Dezember. Der Marinevoranschlag für das Jahr 1908/1909 wird, wie der„Standard" meldet, eine Herabsetzung des Bauprogrammö für Schlachtschiffe auf nur eins oder zwei aufweisen. Es sollen dagegen drei oder vier leichte Kreuzer ueueu Typs vo» großer Geschwindigkeit und mit einer Hauptarmicrung von 28,37 Zentimeter-Geschützen sowie eine Anzahl TorpcdobootSzcrsiörcr als Ersatz für alte Fahrzeuge gebaut werden.— Rußland. Die Finanzen des Reiches sollen, wie der Finanzminister Kokofzoff gestern(Dienstag) in der Duma bei Erörterung des Budgets lang und breit auseinandersetzte, aufs beste bestellt sein. Zur Deckung der außerordentlichen Ausgaben fehlen angeblich„n u r" 192 Millionen Rubel, die sich die Re- gierung durch Anleihen zu beschaffen versuchen Willi— Schon bevor Kokofzoff der Reichsduma seinen wohl- frisierten und schön kolorierten Bericht erstattete, hat sich die Oeffentlichkeit mit dem neuen russischen Budget be- schäftigt und dem Finanzminister vorgeworfen, daß er allerlei nicht einwandsfreie rechnerische Manipulationen an- gewandt habe, um das Defizit bedeutend geringer erscheinen zu lassen, als es in Wirklichkeit sei. Wir denken, es wird dem listenreichen Kokofzoff nicht erspart bleiben, sich über diese Angelegenheit zu äußern.— Agrarunruhen. Die Brandstiftungen auf den Herrengütern, die während des letzten Jahres niemals ganz aufhörten, haben in letzter Zeit wiederum einen wahrhaft epidemischen Charakter angenommen. Im Kreise Maloarchangclsk(Gouvernement Orel) sind Dutzende von Gutsgebäuden eingeäschert. Die Gutsbesitzer flüchten in panischer Furcht in die Städte. Im Kreise Koseletz(Gouvernement Tschcrnigoff) fanden mehrmals Brandstiftungen statt: aus den Gütern der Fürstin Lieben, der Baronesse b. Meycndorff, des Fürsten K o t s ch u b c y, im Kreise Konotop beim Fürsten Golizhn usw.; im Kreise Graiworon auf dem Gute der Gräfin Jussupoff. Im Gouvernement Woroncsch haben die Brandstiftungen mit Macht wieder eingesetzt. Llchnlichcs wird aus dem Gouvernement Samara und Kursk gemeldet.— Sevbie».. Belgrad, 10. Dezember. Sämtliche Galerien der Skuptschina waren gestern überfüllt. Man erwartete die Beantwortung der Interpellationen über die Ermordung der beiden Nowakowilsch in der Polizeipräfclwr. Indessen blieb diese aus. da kurze Anfragen viel Zeit brauchten. Der Sozialist Laptschewitsch schlug vor. die Slnpschtina solle die Auflösung der zweiten russischen Duma und die Verfolgung der früheren sozialistischen Abgeordneten ver- urteilen. Der Präsident wies zwar diesen Antrag zurück, aber a»s dem Schweige» sämtlicher Abgeordneten konnte man rntiirhmc», daß sie dies billigte».— JMarokko. Die Hafenpolizei. Mit der französisch-spauischen Hafenpolizei soll es angeblich ernst Werdern Pariser Blättern wird aus Rabat gemeldet, daß Abdul Aziz den Gouverneuren der marokkanischen Häfen dringende Befehle und Instruktionen gesandt habe, sofort die französisch- niarolkanische Hafenpolizei einzuführen� Gleichzeitig wird halbamtlich aus Rabat berichtet, daß zwischen den Vertretern des Sultans Ben Sliman und der französischen und spanischen Gesandtschaft ein Abkommen vereinbart worden ist, das neben minder wichtigen Bestimmungen auch die folgende enthält: Die Polizei soll in allen Häfen sofort organisiert werden. Beiden Meldungen fehlt die Angabe, wie die Polizei organi- siert werden soll. Wie es die Akte von Algeciras vorschreibt oder wie es Frankreich seinerzeit in seiner zu Beginn der Marokko- cxpedition den Mächten überreichten Note vorschlug? Aus Marokkanern unter französischen und spanischen Vorgesetzten oder aus französischen Soldaten? Der Ausdruck in der ersten Meldung:„französisch- marokkanische Hafenpolizei" konnte für die erste Lesart gedeutet werden— die zweite Nachricht enthält gar keinen Anhaltspunkt für die Frage: Sollte Abdul Aziz sich für die französische Anleihe, zur Annahme französischer Besatzungen in den Häfen bereit erklärt haben? Marokkanische Polizei unter französischen Offizieren wieder erscheint angesichts der Lage als unmöglich. Ist Abdul Aziz zu Kreuze gekrochen, bewilligt er die französischen Besatzungen, so ist das Diplomatenwerk von Algeciras zerstört. Dann haben die Völker diesseits und jenseits besonderen Grund, darauf zu achten, daß ihre herrschenden Klassen nicht ein gefährliches Spiel mit dem Kriegsfeuer beginnen. » Der Gegensultan Mulay Hafid soll wieder einmal einen Versuch zu Friedensverhandlungen mit Abdul Aziz unternommen haben. Zkach anderen zeitlich früheren Meldungen hätte er Drohungen gegen Frankreich geäußert, für den Fall, daß es ihm seine Abrechnung mit feinem Bruder nicht ungestört vollziehen lasse. An der algerischen Grenze haben die Beni Snassen dem General Lhautey ihre llnterwersung angeboten. Die Opera- tionen wurden darauf eingestellt, um den Stämmen Zeit zu lassen, die Bedingungen ihrer Unterwerfung kennen zu lernen. HfrxUa. Kriegszustand. London, 0. Dezember. Wie dem Neuterschen Bureau aus Durban gemeldet wird, ist in den nördlichen Distrikten der Provinz Natal der K r i e g§ z n st a n d erklärt worden. Pietcrmaribburg, 10. Dezember. Der verhaftete Häuptling Dmizulu ist gestern abend in Mongoma angekommen und den Zivil- behördcn übergeben worden.— Hmerika. Die Finanzen der Bereinigten Staate«. Die Bundeseinnahmcn im letzten Fiskaljahr, endigend am 80. Juni 1907, betrugen 840 725 339,02 Dollar, die Ausgaben be- trugen 762 488 753,32 Dollar, mithin wurde ein Ueberschuß von 84 230 380,30 Dollar erzielt. Die öffentlichen'Schulden der Vereinigten Staaten beliefen sich auf 2 437 183 001,34 Dollar, die Kassenbestände des Schatzamtes auf 1 088 027 080,83 Dollar. Verglichen mit dem Fiskaljahre 1900 sind die BimdeScinuahmen um 84 338 435 Dollar gestiegen, die Ausgaben um 771 171,31 Dollar.— Gcwerkrcbaftlicbc� Ein Eiscnstirniger! In der Zeit, in der ein glückliäier Zufall der Arbeiter- schast die heimlichen Pläne der sich sozial gebärdenden Scharf- macher enthüllte, wirkt es förmlich erfrischend, derselben auch das Bild eines skrupellos seine Karren aufdeckenden Arbeiter- feindes vorführen zu können., In der letzten Nummer der„Arbeitgeber-Zeitnng" schlägt ein solcher dem Unternehmertum die Offensive gegen die Arbeiter vor. indem er folgendes schreibt: „Haben die Arbeiter das Recht der Offensive, so haben die Unternehmer dieses gleichfalls. Sin anderer Standpunkt be- fördert die in der öffentlichen Meinung häufig zutage tretende Ansicht von einer Ausnahmestellung der Arbeiterschaft, welche den übrigen Ständen, insbesondere dem Ilnternehiuerstande gegen- über, zu bevorzugen und besonders zu verhätscheln ist. Dieser Aufsassung, welche aus die Dauer geradezu zu einer Verwirrung der nU ick cn Begriffe führt, dürsen die Arbeitgeber keinen Bor- schub leisten. Die Unternehmer müssen ebensogut wie die Sozialdemo- kratcu nack einheitlichem Plan vorgehen, sie müssen„zielbewußt" handeln. Haben die Sozialdemokraten das Ziel, das Unter- nchiiiectum möglichst zu ruinieren und zu beseitigen, so müssen die Unternehmer das Ziel haben, die Sozialdemokratie und deren Gelverlfchafte» z» Bode» zu werfen und zu vernichten. Gehen die Sozialdemokraten namentlich in Zeiten günstiger Kon- junitur Zum Angriff über, so müffen die Unternehmer namentlich in den Zeiten des Arbeiterüberslusses zu», Angriff übergehen. ES ist danach zu streben, de» sozialdemokratischen Gewerkschaften in solchen Zeiten mindestens das au Mitgliederzahl wieder zu nehmen, ivas sie in Zeilen der Hochkonjunltur gewonnen haben, aiidernsallS wird sich die Position des Unternehmertums immer weiter verschlechtern. Ganz analog dem Vorgehen der sozial- demokratischen Verbände müssen �die Unternehmer vermeiden, Macktfragcn ausgesprochen zum Streitobjekt zu machen. Man mutz vielmehr analog Forderungen auf Lohnherabscvung, Arbeits- zeitvcrlängeriing usw. aufstellen. Wenn die sozialdemokratischen Verbände verlangen, daß nur Leute ihrer für das Gemeinwohl so wertvollen Gesinnung in den Betrieben beschäftigt werden, so wird man auch das Verlangen der national gesinnten Arbeiter- schast. nur mit ihresgleichen zusamnienzuarbeiten, erforderlichen- falls durch Aussperrungen unterstützen müssen. Ganz analog dem sozialdemokratischen Verfahren wird man, wenn man einmal mit Forderungen gegenüber den sozialdemokratischen Verbänden durchgedrungen ist, die günstige Gelegenheit ausnutzen und als- bald mit neuen Forderungen kommen müssen. Hierbei wird man darauf ausgehen müssen, die sozialdemokratischen Kassen durch ein Sdstem von Aussperrungen zu erschöpfen und nach deren Erschöpfung erst reckit mit Aussperrungen vorgehen müssen, da sie dann rascher und einfacher denn je durch- zuführen sind. Bei allen Arbeitskämpfen ist aber darauf zu sehen, daß die besonnenen Elemente der Arbeiterschaft von den sozialdemo- kratischen Verbänden möglichst getrennt werden. Man muß Gegensähe unter den Arbeitern schaffen und die»ichtsozial- demokratischen Verbände aus di��Teite der Unternehmer zu bringen suchen.... Im Laufe einer Aussperrung werden sich die Sozialdemokraten dann schon von selbst den Ausgesperrten anschltetzen, ebenso werden sich häufig einzelne Arbeiter von den Ausgesperrten absondern, um wieder zu arbeiten. Bei einer durchgreifenden Aussperrung wird sich der Stamm der Arbeits- willigen immer mehr vergrößern, bis schließlich ein allgemeines Wettrennen der Ausgesperrten nach den freien Stellen eintritt. Die sich zuletzt Meldenden, ohne Zweifel die fanatischsten An- Hänger der Sozialdemokratie, sollte man auf dem betr. Werl überhaupt nicht wieder einstellen." Tiefe herzerfrischende Offenheit geht selbst der wahrlich nicht blödeil„Arbeitgeber-Zeitung" zu weit. Sie deckt die- selbe nicht redaktionell, sondern verweist sie unter die „Stimmen aus Arbeitgeberkreisen", für die die Redaktion keine Verantwortung übernimmt. Daß aber die Redaktion verantw. Redakteur: HattS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: sie überhaupt nicht rundweg ablehnt, ist schon bemerkenswert. Entweder stammen die Ausführungen von einflußreicher Seite oder entsprechen der Herzensmeinung dieses Hetzblatt- Unternehmens. Jedenfalls läßt diese„Stimme aus Arbeit- gebcrkreisen" die Arbeiter ahnen, was ihrer in der Krise wartet.— Haltet doppelt fest an Eurer Organisation! Berlin unck Umgegend. ArbeiterauSschußwahlen bei der A. E.-G. Am 13. Dezember finden in den Kabel- und Automobilwerken der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft in Ober-Schöne weide die Arbeiterausschußwahlen statt. Der Deutsche Metallarbeiter- Verband legt diesen Wahlen eitlen besonderen Wert bei, weil sie ihm als Gradmesser dafür dienen sollen, wie weit die Bestrebungen der gelben Gewerkschaften in jenen Werken auf Erfolg rechnen rönnen. In einer außerordentlich stark besuckten Versammlung der Arbeiter und Arbeiterinnen der genannten Betriebe, die im Wilhelminenho in Ober-Schöncwcide stattfalid, referierte Adolf Cohen über die kommenden Wahlen. Er forderte die Versammelten auf, acht zu geben, daß das Giftgelvächs der Gelben nicht zu sehr ins Kraut schießt. Ein Arbeiterausschutz sei von großer Wichtig- keit in einem Werke, aber es koninie auf seine Zu- sammensetzung an, ob er im Interesse der Arbeiter- schast wirken könne, und es komme ferner darauf an, was er hinter sich habe, ob er sich auf eine organisierte klassenbewußte Masse stützen könne. Davon hänge es ab, welchen Respekt der Arbeiterausschuß bei der Direktion de? Werkes sich zu verschaffen imstande ist. Die Unternehmer wissen die Macht ganz genau abzuschätzen, mit der sie auf feiten der Arbeiter rechnen müssen und Sache der Arbeiter ist es, diese Macht zu stärken und einen Ausschuß zu wählen, von dem sie fest überzeugt sein können, daß er ihre Interessen mierichütterlich vertritt. Bisher konnte man sicher darauf rechnen, daß bei der A. E.-G. die Arbeiter die Kandidalen ihrer freie» Gewerkschaft hochhalten würden: alle anderen Einflüsse wurden zurückgedrängt. Seit einiger Zeit muß man aber beobachten. daß die gelben Gewerkschaften mit der größten Aufdringlichkeit versuchen, in den Betrieben Boden zu gewinnen. Das dürsen die Arbeiter nicht dulden. Die Gelben sind ihre Feinde, sind Verräter an der ehrlichen Sache der Arbeiter und stehen im Solde der Unternehmer, die ibnen gern allerlei Zuwendungen und Unterstützung gewähren. Diese Gelben haben Listen zur Wahl ausgestellt, aber sie wollen nicht etwa eine ehrliche klare Kraftprobe machen,— nein, sie kämpfen aus dem Hinterhalte, sie lauern auf jede kleine Schiväche und Uiiachtsamkeit ihrer Gegner, uin Vorteile daraus zu gewinnen. Sie behaupten, daß die Kandidaten des Verbandes nicht wählbar seien, weil sie noch „nicht lange genug" im Betriebe wären: es kommt den Gelben aus Lügen und Eliistelliliigelt niemals an. darum muß man stets auf der Hur sein. Cohen erklärte, daß ihm die Direktion die Zu- sicherung gegeben habe, daß die Wahlen nicht anders als in, vorigen Jahre vorgenommen werden sollten.— Er charakterisierte die Gelben noch näher und meinte, daß sie gar nicht bestehen könnten, wenn sie nicht von den Unternehmern großgezogen würden. Der Deutsche Metallarbeiterverband wird sie sicher überwinden, aber man darf ihre Wühlarbeit nicht unterschätzen. Sie sind da. um in den festen Kern des Verbandes einen Keil hineinzutreiben: man will die organisierte Arbeiterschaft durch die Gelben korrumpieren. Das w e i t g e h e n d st e Mißtrauen ist den Arbeitgebern gegen- über am Platze, wo Gelbe angestellt sind. Der Redner besprach ihre Tätigkeit in dem gegenwärtigen Drehcrstteik bei der A. E.-G. Daß es unfähige Leute sind, die an Stelle der 19 streikenden Dreher an- gestellt würden, erhellt daraus, daß man für jene 19 schon über 30 Mann probiert bat und daß man den Verband schon fünfmal er- sucht hat, doch endlich den Streik aufzuheben, mit der Motivierung: „es nütze ja doch nichts". Trotzdem ist man stets sehr aufgebracht, wenn im„Vorwärts" bekaiinl gemacht wird, daß der Streik noch f o r t b e st e h t.— Eö ist sehr notwendig, daß die Direktion erfährt. wie die Masse der Angestellten über die Gelben denkl. Das kann jeder am Wahltage zeihen, wenn er seine Stimme den Kandidaten der freien Gewerkschaften hibt. Vom Ausfall der Wahlen hängt sehr viel ab: der Verband will erkennen, was er in den nächsten Jahren zum Besten der Arbeiter in diesen Betrieben zu tun vermag.— Die Rede Cohens wurde mit großem Beifall aufgenommen. In der Diskussion wurden Zweifel laut, ob man der Erklärung der Direktion, sich bei den Wahlen nicht anders zu verhalten ivie i» dem vorigen Jahre, trauen dürfe. Es wurde be- merkt, daß die Kandidaten, die am 1. Mai gefeiert haben. von der Liste gestrichen seien. Die Gelben seien in der letzten Zeit überall begünstigt worden. Meister und Werkführer agitieren für sie. Für den Verband werde jede Agitation übel vermerlt, für die Gelben aber sei alles erlaubt. Die Hirsch-Dunckerschen versuchen ebenfalls, eine eigene Liste aiifzustellen. Von allen Rednern wurde hervorgehoben, daß es Pflicht eines jeden ernsten, denkenden und klassenbewußteli Arbeiters sei, für die Kandidaten des Verbandes einzutreten.— Entgegen der gehegten Erwartung, daß die so scharf angegriffenen Gelben sich verteidigen würden, meldete sich niemand von ihnen zum Wort._ Dcutkches Ketek. Sie wollen nicht! Die von den ausgesperrten Sloffwebern in Krefeld nachgesuchte mündliche Verhandlung wurde von dem Arbeitgeberver- bände der Seidenindustrie abgelehnt unter dem Borwande, daß die Konlurreitz auf dem Weltmärkte und die Gefährdung der Krefelder Industrie es nicht gestatte, höhere Löhne zu zahlen, und daß in den letzten Jahren nicht unerhebliche Lohnaiifbesserungen eingetreten seien. Die Fabrikanten geben den Arbeitern anHeim, die Arbeit wieder aufzmiehmen, damit der Aussperrungsbeschluß wieder rückgängig gemacht werden könne. Abwehrkampf der sächsischen Strumpfwirker. In GornSdorf im Erzgebirge haben am Sonnabend ca. 400 Arbeiter und Arbeiterinnen der Strumpfbranche, welche sich auf vier Betliebe verteilen, das Arbeitsverhältnis gekündigt. Wenn eine Einigung während der I4tägigen Külidigungsfrist nicht zustande kommt, werden wenige Tage vor Weihnachten die Arbeiter in den Streik trete». Am Tage des„Friedensfestes" werden in dem kleinen Ort Kapital und Arbeit sich auf das heftigste bekämpfend gegenüberstehen. In den letzten Jahren haben die Uulernehmer der Wirkerbranche enorme Gewinne eingeheimst. Große Fabriken entstanden in den GebirgSdörfern. alle bestehenden wurden erweitert. Neue Maschinen wurden aufgestellt und die Nachfrage nach Arbeitern war groß. Die Freude der Unternehmer äußert sich rückhaltlos in ihrer Presse. Selbstverständlich versuchen auch die Arbeiter diesen günstigen Geschäftsgang auszunutzen. Sie hatten jahrelang infolge der Zoll- Politik ihre Arbeitskraft nur unier außerordentlich ungünstigen Be- dingungen verkaufen können. Not mid Sorgen hatten sie durch- kosten müssen. Mit Hülfe des Verbandes errangen sie sich in den letzten Jahren den Zehnstundentag und Lohnerhöhung. Die Kon- junktur hat nun, ganz besonders nach dem Krach in Amerika, etwas nachgelassen. Noch sind die Fabriken vollbeschäftigt. Die Aufträge ge- nüge» noch bis 2. Quartal 1908. Trotzdem kommen die Unternehmer schon mit Lohnreduktionen. Auch der geringste durch Abflauen der Konjunktur entfteheude Gewinnausfall soll auf den Arbeiter abgewälzt werden. Am Lohne werden sich die Unternehmer schadlos halten. In einer Zeit der höchsten Lebensmittelpreise soll der Arbeiter bis zur Höhe von 20 Proz. aus seinen ohnehin kärglichen Verdienst ver- zichlen. Dagegen haben die Arbeiter sich zur Wehr gesetzt. Streik- Versammlungen und stnrkbesuchte öffentliche Versammlungen habe» stattgesnnden. Hoffen wir. daß es recht bald den Arbeitern gelingen möge, das Attentat auf ihre Lebenshaltung zurückzuweisen. Th.Glockc, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsansialt Keine Einigung in der Metallindustrie. Die Einigung der Wiesenthalschen Sonderorganisatio» mit dem Metallarbeiterverband ist als gescheitert zu betrachten. Auf der außerordentlichen Generalversammlung des Allgemeinen deutschen Metallarbeiterverbandes in Dresden— so nennt sich die— i Sonderorganisation, die von 10 Delegierten besonders ans Berlin und Dresden besucht ist— wurde nach langer Debatte eine Resolution mit 10 gegen 0 Stimmen angenommen, in der beschlossen wird, in Einigungsverhandlungen mit dem Deutschen Metallarbeiterverband überhaupt nicht mehr einzutreten. Eine andere etwas gemäßigtere Resolutton war vorher mit Stimmengleichheit abgelehnt worden. In der vorhergehenden längeren Debatte erging man sich teil« weise in derartig gehässigen und beleidigenden Ausführungen, daß selbst der Vorsitzende zur Mäßigung und sachlichen Diskussion mahnen zu müssen glaubte. Einzelne Redner erklärten, bei einer eventuellen Einigung die„Konsequenzen ziehen zu wollen". Vor dem Verbandstage haben Verhandlungen in Berlin zwischen dem Parteivorstande, dem Metallarbeiterverband und den Vertretern der Wiesenthalschen Organisation stattgefunden, in denen die Wiesenthalschen ihre Eiitigungsbedingungen formulierten, die dann vom Vorstände des Metallarbeiterverbandes in Stuttgart erwogen wurden. Der Metallarbeiterverband machte dann auf Grund der Vorschläge seinerseits Vorschläge, die aber, wie oben berichtet, von den Wiesenthalschen nun abgelehnt wurden. Damit ist nun an dem Widerstande der Wiesenthalschen Organi« satton die eingeleitete Einigungsaktion des Parteivorstandes, der ja im Auftrage des Essener Parteivorstandes handelte, gescheitert. Nirgends wäre eine Einigung wohl notwendiger gewesen als in der Metallindustrie, die geradezu eine Mnsterkarte der ver- schiedensten Arbeiterorganisattonen aufweist und in weit größerem Maßstabs als andere Berufe auch als Tummelplatz der„Gelben" dient. Das Verhalten derer um Wiesenthal ist im Angesicht dieser Verhälttiisse geradezu unverantioonlich. Tarifbeweg, mg der Leipziger Brauer. Im April 1903 läuft der Tarifvertrag der Brauer und Brauern« arbeiter ab. Eine Versammlung stellte deshalb eine Reihe Forde- rungen auf, die als Grundlage für einen neuen Tarif dienen sollen, der auf höchstens zwei Jahre, nicht wie der letzte auf fünf Jahre, abzuschließen ist. Unter anderem soll der Wochenlohn für Brauer und Brauereihandwerker 32 bis 34 M., für Brauereihülfsarbeiter 20 bis 29 M. und für Arbeiterinnen 10 bis 13 M. bettagen. Den kleinen Brauereien soll nicht wieder das Recht eingeräunit werden, niedrigere Sätze zu zahlen. Als Arbeitszeit sind 9 resp. 3 Stunden vorzusehen, für Ueberstunden sind Löhne von 70 Pf. bis 1 M. zn zahlen._ HueUmcL Boykott einer holländischen Zuckerwarenfabrik. Ueber die Zucker« Warenfabrik von Jamin zu Rotterdam s„Zuid-Hollandsche Suikerwerkfabriek") ist sowohl vom Verbände der Schokolade- und Zuckerwarenarbeiter wie vom Verbände der Handels- und Kontor- angestellten der Boykott verhängt worden, und der Verband der niederländischen Gewerlschasten hat sich diesem Vorgehen angeschlossen. Die Ursache des Boykotts ist, daß die Firma erbärmlich niedrige Löhne zahlt und ihren Arbeitern und Angestellten das Vereinigungsrecht streittg macht. In allen größeren Städten Hollands, wo die Firma ihre Waren zu vertteiben sucht, wird das Publikum durch die Arbeiterpreffe und durch Flugblätter, die in Massen verbreitet werden, zum Boykott der Firma aufgefordert, wobei auch die Arbeiterfrauen eifrig mitwirken. Die Polizei stellt fich, wie das im Klassenstaat ja nicht anders zu erwarten ist, auf Seite des Unter« nehmertumS und sucht mit aller Macht die Verbreitung der Boykott- zettel zu verhindern. Sie wird es jedoch nicht verhüten kömien, daß ie Firma Jamin. wenn die Forderungen der Arbeiter nicht noch beizeiten anerkannt werden, ein sehr schlechtes Weihnachtsgeschäft macht. Die Pariser ElektrizitStSarbeiter nahmen en« Resolution in Form eines Ultimatums an. in der sie ihre Bedingungen aufstellen. Der Sekretär des Syndikats der Elektrizitätsarbeiter wurde mit der Organisation des AusstandeS und der Festsetzung des Ausbruchs- tcrmins beauftragt. Die südafrikanischen Eingeborenen fangen ebenfalls cm, sich gegen die kapitalistische Ausbeutung zu empören und wehren sich ihrer Haut natürlich auf ihre Art. Aus Blömfontein wird gemeldet, daß 500 eingeborene Arbeiter der Vorspred-Grnbe gestern meuterten und das gesamte Gruben- Material zerstörten, worauf sie sich nach Kronstadt begaben. Zur Verstärkung der dortigen Polizei ist ein Sonderzug mit allen ver- Truppen dorthin abgegangen. Letzte JNacbrichtcn und Depefcben. Wahlsieg. Unna, 10. Dezember.(Privatdepesche des.Vorwärts".) Bei den heuttgen Stadtverordnetenwahlen siegten die von unseren Ge- nassen aufgestellten drei Acuididatea über die Kandidaten des bnrger- lichen MischmafchS._ Teilbruch. Essen, 10. Dezember. sPrivatdepefche deS„Vorwärts".) Auf der Zeche.Bruchstraße' ist heute durch Reißen des Förderseiles ein Förderkorb in die Tiefe gesaust. Sechs Bergarbeiter find bei dem Unglück schwer verletzt worden. Tie Sicherheit auf der Bah». Schneidemühl, 10. Dezember.(W. T. B.) Heute nachmittag fuhr der ganze Schnellzug Nr. 42 der Strecke Posen— Kreuz bei der Durchfahrt durch Bahnhof Miala aus bisher uubekannlen Gründen die stelle Böschung herab� Schwer verletzt ist nach bisherigen Meldungen niemand, lricht verletzt 10— 15 Personen. Nach einer weiteren Meldung sind der Packwagen und die Lokomotive des Zuges umgestürzt. Ein Hülfszng ist mtt Aerzten von Posen abgegangen. Einzelheiten fehlen noch._ Reichstagsersatzwahl. Koschmin, 12. Dezember.(W. T. B.) Amtliche Meldung. Bei der heutigen ReichstagSersatzwahl im Wahlkreise Krotoschin- Koschmin ist Rittergutsbesitzer Dr. v. T r z c i n s k i in Gocanowko bei Kraschwitz(Pole) gewählt worden. Unter den Trümmern begraben. Lausanne, 10. Dezember.(W. T. B.) Heute nachmittag stürzre ein im Bau begriffenes HauS kurz nach Wiederaufnahme der Arbeit ein. ES wurden zahlreiche Arbeiter, meist Italiener, unter den Trümmern begraben. Zu den RcttungSarbeiten wurde die Feuerwehr aufgeboten. Die Arbeiten sind schwierig und gefährlich, bis 5 Uhr abends wurden zwei Tote und zwei Verletzte geborgen. Man glaubt, daß die Zahl der Toten siebeii betrögt.__ MaulSingerLcEo., Berlin L�V. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Nr. 389. 24. Jahrgang. i Keilm des„öotraätls" Jittlinct pjlliolilnlt. Mittivoch, 11. ZtMlier 1907. Reichstag 70. Sitzung, DienSiag, dcn 10. Dczeuibcr. nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: v. B c t h ma n n- H o l l w c g. Auf der Tageordnung steht die Fortsetzung der ersten Beratung des Entwurfs eines BcreinS- ocseneo. Abg. Dr. Gregoirc(Eis.): Wir haben seit 100b ein Verein»- gcsctz, in welchem aucb die Sprachcnfrage derührt ist. Selbst im deutschen Sprachgebiet sind Ausnahmen von der Benutzung der deut- schcn Sprache mit Genehmigung des Bczirlspräsidenten gestattet, für das französische Sprachgebiet aber ist ohne ivcitcres gesetzlich der Mitgebrauch der französischen Sprache für die Satzungen un? bei öffentlichen Kundgebungen der Vereine als Geschäftssprache gestattet. Tic Muttersprache des Landvolkes in dem französischen Sprachgebiet ist französisch und wird es auch bleiben; aber Be- strcbungen auf Losreihung von Teutschland sind deshalb nicht vorhanden. Der ß 7 des vorliegenden Entwurfs-bedeutet für uns also eine erhebliche Verschlechterung, und er ist für uns auch un- annehmbar, weil er eine Ausnahmebestimmung darstellt. Ter Zweck einer Versammlung wird illusorisch, wenn die Ver» sammelten nicht in ihrer Muttersprache sprechen dürfen. Ta» Regime der Ausnahmebehandlung, unter dem wir leiden, ist der Germanisicrung nicht förderlich; diese wäre bereits bedeutend weiter vorgeschritten, wenn wir so behandelt würden wie die Trans- vaalburen von England. Tie Fortsetzung der Ausnahmebchandlung kann Frankreich nur erwünscht sein. Ter Unterricht im F r a n- z ü s i s ch e n ist heute in unseren Schulen bei weilem nicht so gut wie seinerzeit unter der französischen Herrschaft der Unterricht in der deutschen Sprache. Abg. Dr. Mllller-Meiningen(frs. Vp.): Herr Trimborn ver- langte Einbeziehung der kirchlichen und religiösen Vereine in das Gesetz. Aber damit lvürden wir das> Gesetz mit einer sehr schwic- rigen und intrikaten Materie belasten; Sie, meine Heren, vom Zentrum, würden am meisten darunter zu leiden haben, wenn neue .Kulturkampfdebatten heraufbeschworen würden.(Zustimmung bei den Freisinnigen. Lachen im Zentrum.) So lauge nicht eine Trennung zwischen Staat und Kirche, so lange nicht vor allem eine Scheidung zwischen Schule und Kirche eintritt, wird sich der Staat die Oberaufsicht über die Kirche nicht nehmen lassen.(Zu- stimmung bei den Freisinnigen. Widerspruch im Zentrum.) Ich wende mich nun zur Kritik des Gesetzentwurfs selbst(nach der Hofloge blickend, in welcher der Kronprinz sitzt): Ich lvage diese Kritik, obwohl ich, wie es in der Presse heißt, dem Herrn Reichskanzler unter Tränen gcschnwren haben soll, daß wir nie mehr Opposition machen werden.(Stürmische Heiterkeit. Rufe im Zentrum: Wo?) In der»Kölnischen Volkszeitung", diesen» Ehren- blakt, das ein frommer Mann den Taufschein der Katholiken dcö 20. Jahrhunderts genannt Hat(Stürmische Scitcrkcit.), die Ein- tritistarte in das Himmelreich!(Wiederholte stürmische Seiterkcit.) (Wiederholtes Lachen bei den Freisinnigen.) An demselben Tage ist in der.Germania" zu lesen: der Reichskanzler taste an die Thronrechte, er wolle ein krypto-parlamentarisches Regime ein- richten, hinter dcn Titel.von Gottes Gnaden" müsse man setzen: „von Guaden der Freisinnigen".(Anhaltendes Lachen bei dcn Freisinnigen.) Diese gemeine Zusammenhctzung des Kaisers und des Kanzlers sowie des Kanzlers und aller Minister mit allen Parteien ist eine Hetze, wie sie noch niemals seit Bestehen deS Reiches dageivcsen ist.._(Unruhe und Lachen im Zentrum.) Ja. lachen nur, es wäre besser, wenn Sie über so etwas noch weine» könnten!(Anhaltende stürmische Heiterkeit im Zentrum.) Run zum Vereinsgesctze selbst. Auch mit dem neuen Gesetze wird Teutschland nicht an der Spitze der Kulturwelt marschieren. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Tas reife deutsche Volk braucht bessere Gesetze.(Sehr richtig! bei dcn Sozialdemo- krateu.) Meine Herren, wir treiben praktische, freisinnige Politik. (Minutenlange Heiterkeit im Zentrum und bei den Sozialdemo- traten.) Ja, freisinnige Politik.(Dröhnendes Lachen bei der Minorität.) Meine Herren, man muh sich auf historischen Wirk- lichkeitsbodcn stellen.(Aha! bei dcn Sozialdemokraten und im Zentrum.) Wir Freisinnigen sind doch nicht schuld daran, daß der andere Faktor der Gesetzgebung kein besseres Gesetz bewilligen will? Meine Herren? Eollega Trimborn und Collcga Heine haben die Fortschritte, die das Gcsctz bringt, anerkannt. Ist es nicht ein Fortschritt, Herr Eollega Heine, ist es nicht ein Fortschritt, Herr Eollega Trimborn, daß endlich die Buntschcckigkcit des Vereins- rechts beseitigt wird? Und ist nicht der Fortschritt in der Bchand- lung der Frauen und Minderjährigen zu begrüben? Die deutsche Frau ist jetzt dem deutschen Manne gleichgestellt.(Schallende Heiterkeit im Zentrum und bei dcn Sozialdemokraten.) I» diesem Gesetze wenigstens gleichgestellt. Zehn Jahre habe i ch hier im Hause für die Frauen gearbeitet(Schallendes Gelächter im Zcn- trum), und jetzt fällt die erste Frucht der Blockpolitik der deutschen Frau in dcn Schoß.(Minutenlanges Gelächter bei der Minderheit. Tic rechte Blockhälftc wird von der Heiterkeit an- gesteckt und lacht mit. Präsident Graf S t o l b c r g läutet ver- zweifelt.) Wie wurde sonst die Frau im Zentrum behandelt?(Er- ncutcs, schallendes Gelächter im Zentrum. Zurufe aus dem Jen- trun». Ein Zuruf von der Rechten. Ruf im Zentrum: Blockbrüder unter sich! Erneute schallende Heiterkeit.) Redner verliest eine Rede gegen die Beteiligung der Franc» am öffentliche» Leben. Wer war der Redner?(Rufe rechts: Wohl Herr Trimborn?) Ja- wohl, Herr Trimborn!(Schallende Heiterkeit beim Block.) Lachen Sie(zum Zentrum) doch auch, meine Herren!(Das Zcntruin ruft ein paar Minuten: Haha! haha! haha! Anhaltendes Gelächter im ganzen Hause.) Und Sie, meine Herren von der äußersten Linken, was sagen Sie zu dcn lieben Bundesgenossen?(Lachen bei dcn Sozialdemokraten.) Wir bedauern gewiß sehr die vielen Mängel im Gesetz. Aber unerhört ist es, daß doS„Sächsische Aoltsblatt" schreibt:»Dirnen können sich jetzt organisieren, aber ehrliche Land- arbeiter nicht."(Pfuirufe rechts.) Wir sind für das Koalitions- recht der Landarbeiter,(istufc bei den Sozialdemokraten: In der Theorie!) Ihre(zu den Sozialdemokraten) Bundesgenossen vom Zentrum(Lachen bei de» Sozialdemokraten) sind nicht einmal in der Theorie für das Koalitionsrecht der Dienstboten. Dr. Heim, der Dienstbotenorganisator(Lachen rechts), steht seinem eigenen Geständnis nach in dieser Frage allein in seiner Partei.(Sehr lvahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Kritik des Eollega Heine an dem Vereinsrccht, wie es in Deutschland besteht, war durchloeg berechtigt. Man könnte mit Anekdoten aus dem Vcrcinsrecht ganze Lustspiele bauen. In Ham- bürg gab es Bordelle(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Gibt es noch!»— also in Hamburg dürfen Bordelle sein, aber über Ab- s ch a f f u n g der Bordelle durste nicht öffentlich gesprochen werden. (Große Heiterkeit.) Nichts ist verkehrter als mit ilciiilichcn Polizei- maßregeln die Sozialdemokratie bekämpfen zu wollen.(Sehr richtig!� links.) Wir erwarten, daß die verbündeten Regierungen den Wünschen der linken Seite des Blocks entgegenkommen und die öffentliche Anzeige der polizeilichen Anmeldung gleichachten wird. Gefährlich ist auch die Anwendung des Ausdrucks„össcntlichc An- gclcgenhcitcn". Ich komme nun.zur Spracheilbestiimuuug. Ter Bundesrat hat selbst eingesehen, daß es eine Bloßstellung vor dem ganzen Aus- lande wäre, wen» auf wissenschastlichen Kongressen der Gebrauch einer fremde» Sprache verboten märe. Aber auch für p o l i t i s ch e internationale Kongresse gilt dasselbe. Tic Anerkennung dieses -ntcrnalionalc» Schamgefühls darf aber nicht nur in dcn Motiven, »sie muß auch im Gesetze selbst zum Ausdruck kommen. In bczug ! auf die Elsaß-Lothringer teilen wir die Anschauungen des Herrn l Gregoirc. Dasselbe gilt für die paar tausend dänisch sprechenden .nze. Die Sozialdemokratie, nach ibrcr Wahlniederlage im letzte)! Januar, wendet ja gerade jetzt ihr Haiiptaugeninerk ans die sozialistische Er- ziehnng gerade der Jugend. Und da sollen«vir jeden Schutz der Jugend gegen dieses Treiben fallen lassen? Wir haben Schutz- maßregeln besonders in einer Zeit nötig, da die großstädtische Jugend sich im Sumpfe der ttnsittlichkrit, der Verwahrlosung wälzt. (Beifall und Widerspruch bleiben aus. da das Haus leer ist.) Ich appelliere noch einmal an den Liberalismus, daß er der Stimme der Ver- niliift Gehör schenke! Ich fühle inich ermutigt durch einige Preßstimute», die aus dem Lager deö Liberalismus selbst erschallen. (Redner verliest diese Preßstimmen. Sie bleiben auf der Tribüne unverständlich, da die paar noch im Saale aniveseiiden Abgeordneten überlaute Privatgespräche führen.) Ich hoffe, daß der' Reichstag wenigstens die Ausschließung der schul- und fvrtbildiiugsschulpstichtigr» Jugend beschließen wird Der Abgeordnete Heine hat gestern auch auf die Schulbehörden gescholten. Die Schulbehörden verdienen diesen sozialdcmokraliickeii Tadel. Sie sind emsig bemüht, die ihnen anvertrame Jugend, diesen köstlichen Schatz derEltern und des Vaterlandes, vor sozialdemokratischer Verhetzung zu schützen. Tas Zentrum freilich scheint im sickeren Gefühl seiner Macht über die katholische Jugend die protestantische Jugend schutzlos sozialdcmokralischer Versuchung preisgeben zu wollen. Ich hoffe aber, daß das Zentrum noch zur Einsicht konmu und daß sich alle bürgerlichen Parteien zusammenfinden, um in Ge- statt von Schutzbesliinmutigett gegen sozialdemotratische Jugend- verhctztmg den Regierungeu ein Geschenk zu überreichen, das sie gewiß nur ans Schiichtmtheit nicht gefordert haben. Run zum§ 7. Die Polen sollen Gott mtd dein Himmel danken, daß seit 100 Jahren deutsche Sitte und preußische Zucht über ihnc» waltet. Abg. Dr. Pachnicke(frl. Vg.): Meine Freunde sehen in der Vor- läge eine Frucht der Blockpolitik und wir richten danach unsere Taktik ein. Herr Trimborn hat sich gestern so modern gegeben, daß ich . befürchte, er wird ein Opfer des neuen Syllabu» werden, der sich gegen den Modernismus richtet.(Heiterkeit links.) Wie sehr mau ' doch liberal sein kailn, wenn man in die Opposition gedrängt ist! (Sehr gut! links.) Herrn Heine crividere ich, daß ivir in dem Entlvurf keineSIvegZ den Anbruch einer liberalen Aera seben. Unsere Wünsche gehen Iveit über ihn binaus. Unser Endurteil über die Vorlage behalten wir uns bis nach der zweiten Lesting, vielleicht auch bis zur dritten Leiimg bor. So schlecht, wie die Sozialdemokraten sagen, ist die Vorlage sicher nicht. Früher führten sie die polizeilichen Scherereien an zum Beweis dafür, wie schlecht und imerträgttch unser GegenwartSstaat sei. Jetzt sollen die Scherereien fortfallen-und da sagen Sic:(zu dcn Sozialdemokratcu) Das sind ja nur Kleinigkeiten!(Sehr grit! bei den Freisinnigen.) In bezug auf die Frauenbewegung stellt der Gesetz- entlvurf einen Markstein dar, und ich erhoffe von der lebhafteren Teilnahme der Frauen auch eine bessere Tonart in den Versamm- lungen. Die AttflösiingSbesugniS der Polizei ist in dem Entwurf gegenüber dem bestehenden Zustand nicht unerheblich eiiigeschränkt. Bei der Frage hoffe ich. daß wir leicht zu einer Verständigting kontmen werden; jedenfalls muß die öffentliche Bekanntmachung der Anmeldung gleich geachtet werden. Herrn v. Gamp wird die Mit- teilung eines Amtsvorstchecs anS Deutsch-Erone(dort ist Herr v. Gantp gewählt) interessiereit. worin der betreffende Amtsvorstehcr verlangt, bevor er die Vescheinigung über die Anmeldung erteile, tttüsse ihn der Vortrag des Redners im Auszüge eingereicht werden! (Schallende Heiterkeit links und im Zentrum.) Da» Strafmaximniu von 600 M. ist auch uns viel zu hoch.(Sehr richtig! link».) Das wichtigste ist die Sprachcnbestimmung im§ 7. Der Herr Staatssekretär wolle bei uns keine Unsicherheit deS nationalen Empfindens annehmen. Aber so wie wir die Enteignung abgelehnt haben, so sind wir auch für diese AuSrnthutebeftitittttting des§ 7 nicht zu habeii. Sie würde den Ausgleich zwischen Polen und Dentscheir nnterbrechen, der sich erfrenlicherweise anbahnt. Auch würde sie die polnische Mimerarbcit ans der Ocffemlichkeit in die geheimen Konventikel treiben. Weiter wäre diese Bestitnmttttg auch schädlich für die christlich-nationale Arbeiterbewegung, die verhindert würde, die polnischen Arbeiter in Westfalen zu erfassen. Wenn Sie übrigen» Litauer, Franzosen und andere von dieser Bestimmung auSttehmett wollen, wie hier gesagt wurde, so tritt der Ausimhmecharakter der Bestimtnttng gegen die Polen noch deutlicher hervor.(Sehr richtig! bei den Freisiitttigen.) Abg. Roth(Wirtsch. Vg.) erklärt sich int Allgemeinen für das Gesetz, doch muß in§ 0 eine öffentliche Anzeige der polizeilichett Anmeldung gleich gesetzt werden. An Z 7 müssen wir ttnt so mehr festhalten, als mit den Polen geradezu Kriegszustand besteht; Ivo der Kriegszustand nicht besteht, für die Litauer, Dänen und teil- weis auch für die Polen, wollen wir gern Ausnahme» gestatten. (Bravo! bei der Wirtsch. Vg.) Abg. Hansen(Däne): Der§ 7 verkümmert Millionen von ReichSattgehörigen da» ihnen von der Verfassung garantierte Vereins« und Veriammimigsrecht. Verschärft wird er noch durch die Polizei- lichen Befugnisse, die der Entwurf in verschiedenen Paragraphen der Polizeibehörde erteilt. In Schleswig werde» Hochzeiten al» vffcul- lichc Angelegeuheiten polizeilich überwacht(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) und auf eine Beschwerde wurde erwidert, es liege kein Anlaß vor. von diesem bisher geübten Brauche abzugehen! (Hort! hört! bei den Sozialdemokraten.) Vor allem muß der§ 7 abgelehnt werden. Sogar im Reichstag braucht ein Mitglied, welche? der deutschen Sprache nicht mächtig ist, nicht deutsch zu sprechen, und von dieser Bestimmung der Geschäftsorditung ist hier schon Gebrauch gemacht worden! Der Staatssekretär sagt, die Beamten müssen die Möglichkeit der Ueberwachung haben; aber in NordschlcSwig gibt e» überall Beamte, die dänisch verstehen. Eine ganze Generation in Nord- schleswig hat nicht deutsch gelernt; Sie(nach rechts) haben wohl alle in der Schule englitch, französisch, lateinisch gelernt, und tvie schwer würde c» Ihnen werden, eine Rede in französischer, eng- lischer vdcr lateinischer Sprache zu hallen!(Heiterkeit.) Wie viel schwerer muß es dem schlichten Manne werden, seine oft recht veritiittftigen Gedanken in einer fremden Sprache auSziidriicken. Zustimmuttg bei den Sozialdemokraten.) In der vorliegenden >Fasstntg ist da» Gesetz unattiiehmbar für jede Partei, die da» heilige Reckt aus die Muttersprache atterkettttt, die da-Z Versammlungsrecht anerkemit, die gleiche» Recht für alle anerkenitt; uitanitehmbar auch für jeden Abgeordneten, der der Ueberzeugung ist, daß Gerechtigkeit die Grundlage des Reiches ist.(Bravo! bei dcn Sozialdemokraten.) Darauf vertagt sich das Hau». Nächste Sitzung: Mittwoch 1 Uhr. Tagesordnung: 1. RechmingS- fachen. 2. Dritte Beratung des HatidelsabkominenS mit England. 3. Erste Beratung eines NachlragSetatS. 4. Fortsetzung der heutigen Beratung. Schluß ö'/z Uhr._ IRariniilistlKs aus der Budget- ftommiiiion. 2. S i tz u u g'v o in 10. Dezember. Die Debatte über das Flottengesetz wird fortgesetzt, v. Richt- hosen ist von der absoluten Notwendigkeit der Vorlage überzeugt, die Konservativen stimmen detimach zu. Gegen die itationalliberalen Floitenschwärmer und den Flotteitverein bemerlt er, daß man der Vi a r i n e v e r>v a l t u n g überlassen müsse, tvas sie zu fordern für notwendig hatte. Arendt erklärt namens der Fteikonservativen, daß sie der Vorlage zusliimnen. Wenn es »täglich wäre, eine größere Zahl Schiffe auf Stapel zu legen, würde er mit Freuden dafür cuttrete». Trotzdem polemisiert er dann ziemlich lebhaft gegen die uationalliberaleit Flottentreiber ttttd deren Angriffe auf Tirpitz in der„Tägl. Rmtdichan". Im Gegensatz zu Seniler habe er nicht nur nahezu unbegrenztes, sondcrir völlig unbegrenzte» Vertrauen zn Tirpitz, und er hoffe und erwarte bestimmt in kürzerer Zeit eine iiciic Flottcuvorlage. Auch Abg. Lconhardt erwartet in spätestens vier Iahten ein neues Flottengesetz und er wie Arendt bestätigen mit diesen Erwartniigen. was sich gestern schon zeigte. Als Bebel erklärte, es sei so sicher wie 2X2— 4, daß biö 1912 eine neue Flottenvorlage komme, da erscholl anS den Reiben der Mehrheit lebhaftes„Sehr richtig!" und Arendt stimmte ausdrücklich der Anffasiung Bebels zu! Es ist deshalb erklärlich, daß die Kommission gern bestimmte Erklärungen von der Regierung haben wollte, aber Tirpitz schweigt sich beharrlich über diese liyliche Fr�ge aus. Semler verteidigt sick gegen Arendt und lehnt die Ver- antlvorltmg der nationalliberalcn Kommissionsmitglieder für den Artikel der„Tägl. Rtnidschau" ab. Er habe nur gesrngt, warum der Staatssekretär nicht beschleunigten Bau der Schiffe durchführe, ivettn doch die Schiffe vertchiedener Klassen nicht recht brauchbar seien. Auf diese Frage könne er eine bündige Antlvorl erwarlett. Staatssekretär Tirpili entgegnet, daß wenn die Knisrrklassc erneuert ivcrde, ein Loch entstehe, man müsse auch gleich die Wittelobachklasse init erneuern( d i e N a t t o tt a l l i b e r a l e tt st i m m e n zu!). Da» sei zweifellos eine militärische Verbesserung, er würde sie gern an- nrhuuu, weiui die NationaUibetalcit eine Mehrheit sändett. Sie müssen sich nur bemühen, eine Mehrheit zu schaffen. Mehr- fach wurde auf die Prcßhctze gegen den Staatssekretär v. Tirpitz hingetoicscit, die offenbar auS Mariirckreisen stattnnte, beziehungsweise unterstiitzt wurde. Der Staatssekretär wies den Ber- dacht, dab Kollegen don ihm gegen ihn agitieren, auf da-Z eut schiedenste zurück. Er vertrete die Borlage, die ausschliedlich daS Marine aint ausgearbeitet und zu verantworten habe. Streseman» verteidigt nochmals den Flottcnverein. Grober polemisiert gegen Stresemann, der Flottenverein und Äolpnialverein haben Berechtigung, aber es müßte zurückgewiesen werden, wenn jedem, der ihre überspannten Pläne nicht billige, die nationale Gesinnung abgesprochen werde. Die Flottenvorlage mache doch den Eindruck, al� ob nicht nur eine Erneuerung, sondern eine verstärkte Vermehrung der Flotte beabsichtigt sei. Der Staatssekretär gehe auch über die zulässige Grenze hinaus, wenn er don Nationalliberalen rate, eine Mehrheit für ihre Pläne zu suchen, damit unterstütze er die Treibereien des Flottenvereins. Im weiteren stellt er einige kriegstechnische Fragen, welche Tirpitz vertraulich beantwortet. Wicmcr stellt sich mehr auf die Seite des Zentrums, er könne es nicht billigen, daß mit Gewalt nach einer neuen Vorlage gedrängt werde; wenn sie komme, werde sie schon bewilligt werden. Referent und Korreferent empfehlen nochmals die Annahme der Borlage; Oriola beharrt auf seinem Stand- Punkt und nimmt das Recht für den Reichstag in Anspruch, mehr zu bewilligen, als die Regierung haben«wlle. Er sei noch der Meinung, daß von 1V12 bis 1017 ein beschleunigter Ersatzbau eintreten könne. Anträge wolle er bei der Stimmung in der Kominission jetzt nicht stellen, aber 1012 müßten unbedingt die Ersabbautcn für die Kaiserklassc, die Wittels- bachtlasse und für 6 Kreuzer in Angriff genommen werden. Die konservativen Parteien seien ja auch damit e i n v e r- st a n d e n, nur wollten sie sich jetzt noch nicht festlegen. Die A b st i m m u n g üher die Borlage wird ausgesetzt, bis bei Kap. 6 des Marineetats über die Dcckungsfrage und bei Kap. 51 über die Vermehrung der Besatzung be- raten ist. Die Kommission geht über zur Beratung des Marineetats und beginnt mit Kapitel 45: Fortdauernde Ausgaben. Erzberger fragt über die Ursachen der beiden Nnglückssälle ans dem„Blücher" und in Wilhelmshaven an. Tirpitz teilt mit, daß die Kesselexplosion auf dem„Blücher" auf einen B e- dienungsfehlcr zurückzuführen ist. Die Sicherheitsveulile feien geschlossen gewesen und ebenso die Manometcrventilc. Die Pulverexplosion in Wilhelmshaven sei beim Entladen erfolgt, die Untersuchung sei im Gange. Lcouhardt behauptet, es habe auf dem „Vllichcr" eine kolossale Bummelei geherrscht, auch sei schon oft über Mangel an technischem Personal geklagt worden. Singer legt Wert darauf, daß nur ausgebildete Heizer verwendet werden, es sollen aber natürlich auch au die Maschinen nur Leute kommen, welche mit dein Betriebe völlig ver- traut sind. Semler bringt bei den Pcrsonalausgaben die Frage der Gehaltsregulierung und Aufbesserung zur Sprache. Unterstaatssekretär Twele teilt mit. daß die allgemeine Geyaltsregulierung bevorstehe; es sei dabei geplant, verschiedene Bcamtenklassen zu größeren Gruppen zusammenzulegen; das sei sehr schwierig, weil die Verwaltung mit der Eifersucht der Beamten untereinander zu kämpfen habe. Jede Klasse dünke sich besser wie die andere und glaube angestrengter zu sein. Die Zusammenlegung gehe nicht ganz ohne Schädigung einzelner Klassen ab, davon würden aber nicht die gegenwärtigen Beamten betroffen, sondern nur die später ein- tretenden. Nächste Woche soll in die Einzelberatung eingetreten werden, die Regierung hoffe auf ein günstiges Ergebnis. Auf Anregung Singers wird beschlossen, Petitionen von Beamten immer am Schlüsse des Etats zu behandeln. Kap. 45 und 50 werden sodann genehmigt. Bei Kap. 51, Geldvcrpflegung der Marineteile, die im ganzen 31 323 000 M. erfordert, sollte zunächst eine Generaldebatte über die Bermehrimg der Mannschaften eintreten. Referent v. Thünrfcld befürwortet die Mehrausgabe von 2202 500 M. Oriola schließt sich dem an. Ledcbour bringt den Brief eines Matrosen zur Sprache, nach dem eine Anzahl Matrosen über ihre Dienstzeit hinaus zurückbehalte» worden seien, weil man keinen Ersatz dafür hatte. Sie hätten zwar auf Verlangen die Kapitulantenlöhnung erhalten, aber es entspreche wohl nicht den gesetzlichen Vorschriften. Leute gegen ihren Willen zurückzubehalten. Redner spricht sich gegen eine von Erzberger verlangte Ausdehnung des KapitulantenwesenS aus, da der hierdurch entstehende Mangel an Kräften die Handelsmarine schädige. Tirpitz gibt zu, daß eö unzulässig sei. Mannschaften über ihre Dieitstzeit hinaus zurückzuhalten; formell müßten sie ent- lassen tverden, aber sie könnten gleich wieder zu einer Reservcübung eingezogen werden. Ob ein solcher Fall vorliege, könne er nicht entscheiden. Ledebour möge sein Material zur Verfügung stellen, was dieser zusagt. Die Verhandlung wird damit auf morgen vertagt. Parlamentarisches. Senioren konvent. Am Dienstag hat der Seniorenkonbent sich dahin verständigt, oaß der Reichstag am Freitag, den 13. d. M., eine Weihnachts- pause in seinen Beratungen eintreten läßt. Die Ferien werden bis zum 8. Januar n. I. dauern. Vor der Vertagung sollen noch das Vereins- und das Böricngesetz in erster Beratung erledigt werden; ebenso wird ein RachtragSetat für 1007 und das Gesetz betreffend den Wechselprotest noch in erster Lesung beraten werden. Der Anregung, auch die Gesetze betreffend den UiiterstützungSwohnsiy und Abänderung der Gewerbeordnung(den sogenannten kleinen Befähigungsnachweis) noch vor der Weihnachtöpause in erster Be- ratung zu erledigen, wird vermutlich wegen Zeitmangels vor den Ferien keine Folge gegeben werden. Auf die Tagesordnung des 8. Januar wird ein Initiativantrag (Versicherung der Privatbeamten) gesetzt. Nach diesem Schwerinstag wird dann das rückständige Material in Angriff genommen werden. AuS der Majestätsbeleidigungskommission. In der Kommission zur Vorberatung des Gesetzes über Be- strafung der Majestätsbeleidigung fand heute die Abstimmung statt. Der s o z i a l d e in o k r a t i s ch e A n t r a g, die§§ 05, 97, 09 und und 101 des Strafgesetzbuchs zu streichen, wurde mit allen gegen die drei sozialdemokratischen Stimmen abgelehnt. Die im übrigen sehr ins einzelne gehende Abstimmung brachte teilweise eine Verschlechterung der Regierungsvorlage. An Stelle der Worte„mit Vorbedacht' wurden die Worte des Antrages Müller-Meiningen„mit Ueberlegung" angenomnien, was nach der Stegicrungsvorlage eine weniger ausgeprägte Absicht der Be- leidigung für die Strasbarkeit voraussetzt. Der Zentrumsantrag, daß Beleidigungen nur dann strafbar sein sollen, wenn sie entweder durch beschimpfende Aeuße- r u n g e u geschehen oder als Verleumdung sich darstellen, wurde abgelehut, auch die Freisinnigen stimmten dagegen! An- aenommen wird die Voraussetzung der„Böswilligkeit" für strafbare Beleidigungen. Abgelehnt dagegen wird die Strafbarkeit einer nicht ösfentlichen Beleidigung, eine solche soll nur dann strafbar sein, wenn sie in Anwesenheit des Beleidigten aus- gesprochen wird. Ein Antrag, auch für die öffentlichen Beleidigungen die Einholung der Genehmigung vor- zuschreiben, wurde mit 10 gegen 0 Stimmen abgelehnt. Ein- stimmig wird angenommen, daß die Strafverfolgung in sechs Monaten verjährt. Mit einer Stimme Mehrheit wird endlich .angenommen dieHerabsetzung des Strafminimums auf den Mmdestbetrag der angedrohten Strafe, das ist ein Tag Gefängnis. Auch bleibt den Fürstlichkeiten das Recht vorbebalten. nach Ablehnung einer Osfizialklage von den gewöhnlichen BelcidigungSparagraphen Gebrauch machen. Eine RedaktionSkonumffton, der Genosse Heine annchört. bringt diese Beschlüsse in Ordnung, eS werden aber sofort vier neue Aw änderuilgSquträge gestellt. Zweite Lesung der Vorlage in der Komnussion nächsten Donnerstag. Hus der Partei. Eine Adresse der sozialistischen Fraktion Frankreichs. Paris, 7. Dezember.(Eig. Ber.) Die heutige„Humanitö" veröffentlicht eine Adresse der Fraktion der gceinigten Partei an die sozialdemokratischen Mitglieder der zweiten Duma. Die Adresse kenuzeichnct das schändliche, verächtliche Gerichtsverfahren, das die zarische Regierung gegen die sozialdemokratischen Vertreter des russischen Volkes betreibt und erklärt, daß der jetzige heuchlerische Scheinkonstitutionalismus in Rußland nur zur Verschleierung eines neuen Finanz- schwindels dienen soll, auf den Frankreich aber diesmal, um sich und seine Ehre zu retten, nicht hineinfallen wird. Die sozialistischcu Deputierten erinnern daran, daß Rußland für die Finanzgeschäfte der Autokratie nicht haften will. Sie grüßen das rilssische Volk in Erwartung seines Sieges. Rüswnzen dcS ungarischen Proletariats zum Wahlrechtskampf. DaS ungarische Ausbeuterparlament weigert sich noch immer, das allgemeine Wahlrecht zu Gesetz zu erheben. Alle Tätigkeit der Gesetzgebung ist nur darauf gerichtet, die Herrschaft der bevor- rechteten Klassen zu befestigen und zu erhöhen. Das Volk aber fordert immer stürmischer die Einführung des allgemeinen gleichen Wahlrechts; unler der Führung der Sozialdemokratie macht die Be- Ivegung auch in bürgerlichen Kreisen mehr und mehr Fortschritte. Unsere Genossen beabsichtigen nun einen neuen Vorstoß zu unter- nehmen. Um diesen vorzubereiten, beruft die Parteileitung in 17 Städten dcS Landes am 25. und 20. Dezember 1907 Bezirks- konferenzen ein. Dort sollen alle weiter zu unternehmenden Schritte beraten werden. polteeiUckes, Gerichtliches ukw, Ein ReichSverbändler auf der Anklagebank. Eine richtige Reichsverbandslüge, die auch bereits weidlich gegen die Sozialdemokratie ausgeschlachtet wurde, hat die in Nürnberg erscheinende nationalliberale„Fränkische Morgen- icitung", die zu den eifrigsten Benützern der Reichsverbands- orrcspondenz gehört, über unser dortiges Parteiblatt, die„Frön- k i s ch e Tagespost", in die Welt gesetzt. DaS Blatt behauptete in einem ungemein gehässigen Artikel, die Leitung der„Tagespost" sei von einem größeren Verband von Geschäftsleuten vor die Alternative gestellt worden, entweder keine Angriffe gegen dieselben mehr zu bringen oder auf die Inserate der Ver- bandsmitgliedcr zu verzichten. ES handle sich um die Kleinigkeit von jährlich 50 000 M. Bei der„Tagcspost"leitung sei ein geradezu tragischer innerer Konflikt entstanden, das„ideale" und das „reale" Prinzip hätten gegeneinander gestritten, natürlich habe schließlich das letztere den Sieg davongetragen. Die Leitung der„Tagespost" sei unter das kaudinische Joch gekrochen und habe sich verpflichtet, künftig ihre Hetzereien und Stänkereien einzustellen. An diese Behauptungen war noch eine Anzahl ganz hämischer und gemeiner Bemerkungen geknüpft. Um zu verhindern. daß die Sache weiter ausgebeutet wurde, stellten der Ehcfredakteur der„Tagespost", Genosse E i s n e r, und der Geschäftsführer, Ge, nosse F e n tz. gegen den Redakteur der„Morgenzeitung" Klage wegen Beleidigung, die am Sonnabend vor dem Schöffengericht Nürnberg verhandelt wurde. DiS Beweisaufnahme ergab die völlige Grundlosigkeit dieser perfiden Anschuldigungen. Der Sachverhalt ist folgender: Die „Tagespost" brachte einen Artikel gegen das Warenhaus Grand Bazar, dem die Entlastung einer Verkäuferin zugrunde lag, die Unterschlagungen begangen hatte, weil ihr daheim Vorwürfe ge- macht wurden, daß sie zu wenig verdiene, und nach ihrer Ent- lastung Selbstmord beging. Der Direktor des Grand Bazar ver- anlaßte einige Firmen, einen Revers zu unterzeichnen, durch den sie sich verpflichteten, eine Zeitlang nicht mehr in der„Tagespost" zu inserieren, bis der Geschäftsleitung das Ausbleiben der Inserate auffallen und sie nach dem Grunde fragen würde, dann wollte man ihr die Sache darlegen. Einige der Herren waren nicht mit einem Boykott einverstanden, sondern hielten es für bester, eine friedliche Verständigung zu suchen. Sie begaben sich deshalb zu dem Anwalt der„Tagespost", Genostcn Dr. Süßheim, und trugen ihm die Sache vor, mit der Bitte, er möge dahin vermitteln, daß die„Tagespost", ehe sie wieder Angriffe aufnimmt, erst auch bei den betreffenden Geschäftsleuten Informationen einhole. Süßheim erklärte sich bereit, mit Dr. Weill, der am anderen Tage in einer Prozetzsache mit ihm zu unterhandeln habe, zu sprechen. Von einem Inseraten- boykott war nicht im mindesten die Rede, die Herren setzten Süß- heim nicht einmal von der Existenz doS Reverses in Kenntnis. Als einer erklärte, es sei doch mißlich, wenn man in der„Tages- Post" inseriere und in der gleichen Nummer angegriffen werde, betonte Süßheim mit aller Entschiedenheit, sobald die Inseraten- frage aufs Tapet gebracht werde, sei jede Verständigung ausgeschlossen, die Redaktion werde niemals ihr Verhalten von geschäftlichen Rücksichten leiten lasten. Die Herren beteuerten, daß sie auch gar keinen Druck ausüben wollten. Dr. Süßheim sprach dann mit dem Genosten Dr. Weill über die Sache, der er- klärte, wenn die Redaktion auch von der Gegenseite Informationen erhalte und diese Informationen vollständig seien, wäre cS ihr nur angenehm, nur dürften die Beschwerdeführer nicht ermittelt werden und keine Schädigung erleiden. Die Freiheit der Ent- schließung müsse sich aber die Redaktion in jedem Falle vorbehalten. DicS teilte Süßheim den betreffenden Herren mit, die sich dadurch für befriedigt erklärten. Weill hatte diese nebensächliche Unter- redung für so nebensächlich gehalten, daß er weder der redak- tionellen, noch der geschäftlichen Leitung der Redaktion der„Tages- post" Mitteilung davon machte. Diese bekamen erst Kenntnis davon, als der Artikel in der„Morgcnzeitung" erschien, ebenso hatten sie vorher keinerlei Ahnung von dem Vorgehen der Gc- schästSleute und der Existenz eines Reverses, der übrigens bloß drei Tage in Kraft war. In der Verhandlung erklärten die be- teiligten Geschäftsleute, daß sie der Leitung der„Tagespost" nicht die Alternative stellten, entweder in Zukunft Angriffe zu unter- lasten oder auf die Inserate zu verzichten, das hätten sie schon des- halb nicht tun können, weil sie gewußt hätten, daß die„Tagespost" eine derartige Zumutung entschieden zurückweisen würde. Sie hätten lediglich, ohne Berufung auf ihre Inseraten- kundschaft, erreichen wollen, daß man bei Angriffen auch sie höre. Das ganze Lügengebäude fiel jämmerlich zusammen. Das Urteil lautete auf 100 M. Geld st rase und Publikation in vier Zeitungen. In den Gründen heißt es, der Wahrheitsbeweis sei vollständig mißlungen, es sei nicht im geringsten erwiesen, daß an die„Tagespost" ein derartiges Ultimatum auch nur aestellt, gc- schweige denn angenommen wurde. Em Industrie und Handel. Rückgang des Außenhandels in der Maschiuenindnstrie. Eine Abschtoächung im auswärtigen Handel mit Maschinen kommt für Deutschland zum ersten Male deutlich m der Bewegung der Import- und Exportziffern für den Monat Oktober nun Aus- druck. Sowohl die Einfuhr als auch die Ausfuhr von Maschinen haben gegenüber dem Vorjahre eine Abnahme erfahren. Die AuS- tuhr von Maschinen ging nämlich von 203 310 Doppclzentner im Oktober 1900 ans 239 382 im diesjährigen Oktober zurück. Bei der Einfuhr sind die entiprechenden Zahlen 58 007 im Vorjahre und 43 414 in diesem Jahre. Der Rückgang der Ausfuhr beträgt dem- nach 8 Proz., der der Einfuhr 17 Proz. Trotz dieser Abnahme präsentiert sich der diesjährige auswärtige Handel noch immer günstiger als im Vorjahre. In den ersten zehn Monaten stellte sich nämlich der a n s w ä r ti g e H an d e l der Maschinemndustrie, in Doppelzentner, wie folgt: Einfuhr Ausfuhr 1005... 058 280 2 484 470 1000... 723 220 2 420 720 1007... 775 584 2 717 908 Eine auffällige Abnahme weist im Oktober die Einfuhr land» wirtschaftlicher Maschinen, vornehmlich von Mähmaschinen, gegenüber dem Vorjahre auf. Nachdem in den voran- gegangenen Monaten die Einfuhr dieser Gruppe äußerst forciert worden war, ist im Oktober eine Reaktion eingetreten. Trotzdem übersteigt der Import landwirtschaftlicher Maschinen in den ersten zehn Monaten dieses Jahres mit 329 405 Doppelzentner den vor- jährigen noch um 18 Proz. Der Hauptlieferant für den Maschinen- bedarf unserer Landwirtschaft war bisher Amerika, im Oktober führten wir von dort nur ganz wenig ein. EntbehrungslShne für Aktienbesitzer. ES zahlten Dividenden: 1903/00 1900/07 Prozent Internationale Bohrgesellschaft Erkelenz, Reg.- Bezirk Aachen......... 500 500 Luxemburger Bergwerks- u. Saarbrück. Eisenhüttengesellschaft........ 45 Geisweiler Eisenwerke.. Vorzugsaktien 10 Stammaktieu 14 Bergbau- u. Hütten-A.-G. Friedrichshütte. 10 Ehem. Fabriken Harburg-Staßfurt.... 12 Thüringer Bleiweißfabrikei, A.-G. in Köuigsce 11 Bereinigte wen,. Werke Charlottenburg.. 13 Elserfelder Hütte.......... 7 50 18 10 16 15 13 13 12Va 12 13 12 11 11 8 10 5 8 10 10 10 10 10 8 usw. Patenlpapierfabrik Penig........ 12 Harpener Bergbau A.-G........ 11 Eisenwerk Rote Erde, A.-G.» Dortmund.. 0 Zuckerfabrik Offstein......... 8 Porzellanfabrik Hutschenreuter...... 11 Vereinigte Ultramarin-A.-G.(vormals Leder- knien) Köln.......... Deutsch- Luxemburger Bergwerks- u. Hütten- Aktiengejellschaft........ Schles. Zellulose-Papierfabrik Kunnerödorf. SckUvelrner Eisenwerk Müller u. Co.... Aktien-Zuckerfabrik Bennigsen...... Staßfurter ckem. Fabrik vorm. Borster u. Grüneberg.......... Diese Dividenden erschöpfen, wie schon wiederholt hervorgehoben ist, noch keineswegs den ganzen Gewinn der Aktiengesellschaften, dieser fließt oft zu einem sehr bedeutenden Teile in die verschiedenen Reservefonds. Zuweilen stellt die Dividende nur ein Drittel deS wirklichen Gewinnes dar. Die vereinigten Kunstseidefabriken in Frankfurt a. M. z. B. erzielten im letzten Jahre bei einem Aktien- kapital von S'/a Millionen Mark einen Reingewinn von 24 Millionen Mark, die aber zum großen Teil im Reservefonds zurückbehalten wurden. Die Aktionäre der Elberfelder Farbenfabriken vormals sriedr. Bayer u. Co. erhalten im letzten Jahre wie gewöhnlich 0 Proz. Dividende, aber neben der ordentlichen Dividende noch eine außerordentliche von 20 Proz. Weim sie einen so enormen Entbehrungslohn eingeheimst haben, können die Aktienbesitzer allerdings die jetzt eintretende flaue Zeit behaglich überstehen und brauchen nicht, wie ihre Arbeiter, schweren Erubehnmgei� entgegenzusehen._ belgischen Eisenmarkt berichtet die„Köln. Ztg.": Die Geschäftslage auf dem belgischen Eisenmarkt spiegelt mit ihren ge- drückten Preisen und den zahlreichen Betriebseinschränkungen der letzten Wochen die ganz außerordentlich große Zurückhaltung und Borsicht der Verbraucher und die höchst geringe Zahl der zum Ab- schluß kommenden wenig umfangreichen Geschäfte wieder. Im Auslandsgeschäft wurden die Preise durch den scharfen Wettbewerb der belgrschen, deutschen und englischen Werke heruntergedrückt. Selbst im Jnlande gehen die Preise jetzt durch die Jagd nach neuer Arbeit herunter, und die Werke, namentlich die Walzwerte, lasten bei den äußerst hohen, bis zum 1. April nächsten Jahres unveränderten Kohlen- und Kokspreisen und den teuren, nach ihrer Ansicht ungenügend ermäßigten Halbzeugsätzen ihre Klagen nicht ver- stummen. Auf dein Roheisenmarlr tritt jetzt der Wettbewerb der französischen Werke in Longwy aucb in den Vordergrund. Luxem- burgischeS Gießereieisen Nr. III stellt sich auf 70—77 Fr. gegen 70 Fr. Anfang Oktober, luxemburgisches Puddelroheisen auf 08.50 Fr. gegen 72.50 Fr. Anfang Oktober, ThomaSeiscn auf 30—81 Fr. mit einen, Nacblaß von 1—2 Fr. gegen den Preis vor etwa sechs bis sieben Wochen. Soziales. Aufrechnung gegen einen Vorschuß. Bei der Zeitungskorrespondenz Schtoeder u. Kertzsch war der Burcaugehülfe K. etwa vier Jahre lang, zuerst als Radfahrer, dann als Stenotypist, tätig gewesen. AuS Anlaß der Lösung des Per- hältnistes in diesem Herost kam es zu einem Prozeß zwischen K. und dem Bureauchef, bei dem es sich in der Hauptsache um die Frage der Kündigungsfrist— sechs Wochen oder 14 Tage— und um die der Aufrechnung von 100 M. handelte. Die 100 M. hatte K. vom Chef als Vorschuß auf den Lohn erhalten, damit er in der Lage war, sich ein Rad zu kaufen. Auf Grund der Verhandlung kam das Berliner Gcwerbcgcricht zu der Feststellung, daß zwar dem Kläger in Aussicht gestellt war. eine längere Kündigungsfrist solle ihm zukommen, daß aber eine entsprechende Vereinbarung noch nicht vorlag. Tie bisherige vier- zehntägige Kündigungsfrist habe weiter bestanden. Unter Berück- stchtigung dieses Umstandes und einiger Zahlungen rechnete die Kummer heraus, daß an sich dem Kläger 120,25 M. zukämen, Ivenn man die 100 M. zum Ankauf des Fahrrades nicht in Betracht ziehe. Unter Abrechnung des Vorschusses wurde S. u. H. zur Zahlung von 20,25 M. verurteilt._ Kann die Regierung die Erteilung von Turnunterricht in Nord- schleswig durch nicht geprüfte Turnlehrer verbieten? Ucber diese Frage verhandelte, wie wir seinerzeit mitteilten. das Reichsgericht am 21. November, vertagte aber die Entscheidung aus den 0. Dezember. Gegen den Antrag des Rcichsanwalts cr- kannte daS Reichsgericht am Montag auf die Revision des Staats- anwalts dahin, daß das Urteil des Landgerichts Flensburg vom 3. Mai, durch welches der Zahnarzt Jonathan Smitl, und zwei Redakteure von der Anklage der Aufforderung zum Ungehorsam gegen eine Verordnung freigesprochen worden sind, aufzuheben und die Sache an das Landgericht zurückzuverweisen sei. In den Gründen heißt es: Der alleinige und ausschließliche Entscheidungö- lgrund, aus dem die Freisprechung aufgebaut ist. bestand darin, daß cö sich nicht um eine behördliche Anordnung im Sinne des Gesetzes handle. Dieser Entscheidungsgrund ist rechtsirrtümlich. Es hau- dclt sich nach den Feststellungen um eine allgemeine behördliche Maß- nähme, die zu befolgen ist. Allerdings würde doch Freisprechung zu erfolgen haben, wenn ein oder das andere Tatbcstandsmomcut wegfiele. Ob es sich um eine Anordnung der Regierung in Schles- wig innerhalb ihrer Zuständigkeit handelt, geht aus dem Urteile nicht hervor. Es käme insbesondere in Frage, ob es sich hier um Anordnungen gehandelt hat. die auf ein gewerbsmäßiges Unter« > climctt hlnziclic» odcr nicht. Bezüglich der subjektive» Schuld- Momente fehlt es auch an der notwendigen Grundlage. Denn die Strafkammer stellt selöst fest, daß Smith zwar aufgefordert habe zum Ungehorsam, aber sofort hinzugefügt hat, man solle dieser seiner Aufforderung nicht Folge leisten. Be' dieser Sachlage hat die Strafkammer zu prüfen, ob der Angeklagte mit dem vom Gesetz geforderten Vorsatz gehandelt hat. Diese Fra�e wird aber erst zu prüfen sein, wenn die Frage nach der Zuständigkeit der Regierung zum Erlaß der fraglichen Verordnung bqaht ist. Dies wird wesent- lich davon abhängen, in welchem Verhältnis die§§ ö und Lö der Gewerbeordnung zu der Kabinettsorder von 1831 stehen. Schadensersatz wegen Einbehaltung der Jnvalidenkarte usw. Das Zurückbehalten der Jnvalidenkarte und des Krankenkassen- bnches tostet« der bekannten Versicherungsaktiengesellschaft „Viktoria" 100 M. Ter Sachverhalt war folgender: Der Kassen- bot« St. war in Görlitz bei dem Zweigbureau der„Viktoria" als solcher derart angestellt, daß er Jnkaßoprovision bezog, wobei ihm aber ein Jahresmindesteinkommen von 1200 M. garantiert worden war. Unter Berücksichtigung einer einmonatlichen Kündigungsfrist gab nun der Kassenbote am 30. Juni dieses Jahres seine Stellung auf. Beim Abgange erhielt er al�r weder Jnvalidenkarte und Krankenkassenbuch noch seine Kautionspapiere. Erst auf mehrmalige schriftliche Aufforderung wurden diese Papiere Mitte August dem Kassenboten zugesandt. Der Kassenbote klagte nun in diesen Tagen bei dem Gelverbegericht zu Berlin um eine Entschädigungssumme von 100 M. aus den Monat Juli. Er gibt an, daß er sich im Juli mehrfach um Anstellung bemüht hatte, solche aber nicht erlangen konnte, weil er von der„Viktoria" keine Entlassungspapiere vor- legen konnte. So z. B. legte der Kläger von der Versicherungs- gesellschaft„Friedrich Wilhelm" ein Schreiben vor, nach welchem diese Gesellschaft es solange ablehnte, in ein Engagementsverhältnis zu treten, wie er an die„Viktoria" gebunden ist. Erst zum 1. August hat der Kläger wieder Stellung bekommen.— Das Gewerbegericht verurteilte die„Viktoria" zur Zahlung von 100 M. als Entschädigung für den Monat Juli. Das Urteil hebt hervor, daß dem Kläger beim Abgang unbedingt die Jnvalidenkarte und das Krankenkassenbuch ausgehändigt werden mußte, denn es ist üb- lich, daß gewerbliche Angestellte nur engagiert werden, wenn Jnva- lidenkarte und Ärankenkassenbuch vorliegt. Ter Kläger hatte ord- uungsmäßig gekündigt. Ter Leiter des Görlitzer Bureaus hatte in der Kündigungsfrist hinreichende Zeit, dafür Sorge zu tragen, daß am Abgangstagc alles fertig bereit liege. Die Einrede der beklagten Gesellschaft, daß die Entlassungspapiere von der Direktion in Berlin ausgefertigt werden, und daß dadurch die Verzögerung eingetreten ist, wurde als unzutreffend bezeichnet. Es liegt nach Ansicht des Gerichts lediglich ein Versehen des Görlitzer General- agenten vor. Nach Lage der Sache ist cs gleichgültig, ob der Kläger bei einer anderen Gesellschaft oder in einem Privat-Unternchmcn Stellung nimmt. Daß der Kläger Schaden gehabt hat, erscheint dem Gericht glaubhaft, da er erst vom 1. August ab bei der „Friedrich Wilhelm" wieder Stellung bekommen hat. Poscner WohnungSznständc. Reiche Gelegenheit zur Vollbringung wirklicher und ehrlicher Kulturarbeit in der„Ostmark" bieten dem preußischen Staate die schmählichen WohnungSvcrhältnisse in diesem vielumworbenen Landestcll. Noch der am 3l. November 1005 in der Stadt Posen veranstalteten Wohnungszählung kommen auf ein bewohntes Grundstück 10 Wohnungen. Gemäß der von Dr. Schott-Mannheim auf- gestellten Skala(unter einem Bewohner auf einen Wohnraum: sehr reichlich und reichlich— 1— 2: gut und genügend— über 2: mangelhaft und sehr mangelhaft), die noch als sehr milde ange- scheu wird, waren nur in zwei Polizeirevieren genügende(Ilst bis 2 Bewohner pro Raum), in fünf mangelhafte, in einem sogar sehr mangelhafte lüber 2V6) Verhältnisse. Von je 100 Wohnungen lvaren fünf Keller«, drei Dach Wohnungen; 18 lagen im 3., sechs im 4., 0,2 im 5. Stock. Während die Kellerwohnungen sich seit 1000 von 7 auf 5 Proz. verminderten, nahm die Zahl der im 3. Stock und höher gelegenen zu von 20 auf 24 Proz. Bon 1393 bc- lvohnten Keller Wohnungen hatten 455 einen einzigen Wohn- räum ohne. 434 einen solchen mit Küche.„Daß bei den 455 Fa- inilicn, die je nur einen einzigen Kellerraum als„Wohnung" haben, von einer menschenwürdigen Existenz nicht die Rede sein kann, liegt auf der Hand," sagt der Bericht selbst. Tatsächlich ist aber dieses Urteil auf sämtliche Kellerwohnungen auszudehnen— nicht minder auch auf einen sehr großen Teil der übrigen. Hatten doch von 28 370 Wohnungen nicht weniger als 4105 nur einen einzigen bewohnbaren Raum ohne Küche, 7305 einen mit Küche und 011 zwei aber ohne Küche: zusammen 12 411--- 43% Prozent. Etwa 1000 solcher Löcher waren von mehr als fünf Per- fönen bewohnt. Im ganzen hatten von 100 Wohnungen 40 nur einen Wohnraum, 20 zwei Wohnräume, 15 drei Wohnräume. Nur 32 Proz. der Wohnungen im Stadtgebiet hatten den Luxus eines eigenen Abortes, 08 mutzten ihn mit anderen teilen: nach dem Bund der Hausbesitzervereine bekanntlich eine hohe Schule der Reinlichkeit und Verträglichkeit! 3001= 3 Proz. aller Bewohner waren S ch l a f l e u t e. Die durchschnittliche Miete ist seit 1895 von 363 auf 382 M. gestiegen. Für einen Wohnraum wurden 173(170) M. bezahlt. Interessant ist die Berechnung des Verhältnisses der Miete zum Einkommen, den der Bericht aufstellt. Es betrug Ivvö 1. 2. Durchschnitts« Einkommen miete eines st-uer heizbaren' �. Zimmers 246 M. 28,60 M 235„ 164. 173. in Charlottenburg , Berlin... , Breslau.. Posen 14.42 0.02 7.10 meiern, so daß in einem Hundestall von noch nicht 10 Kubikmetern der Luftraum etwa vier- bis sünfmal so teuer ist als in annchm- baren Wohnungen. Eine neben vielen, steht auch diese WohnungLerhebung als Anklage gegen unsere Weltordnung der Profitwirtschaft und Be- Wucherung der Aermsten da. Ein besonderes Interesse gewinnt sie aber dadurch, daß diese Zustände, die zu den schliinmstcn iin Reiche gehören, gerade in der Provinz bestehen, in der die Hunderte von Millionen zur Erweiterung des„nationalen Besitzstandes", d. h SfM-uvtrt iiTr�vIt/Ä�r imh mir O�frtphrrtiirirt rfimi: 3. Verhältnis von 1 zu 2 o 16 17 24 Dabei handelt es sich in Cbarlottenburg um ciucn relativ großen, auch in Berlin um einen Teil höchst luxuriös eingerichteter Wohnungen. Ferner sind gerade die allerklcinstcn Wohnungen bc- sonders teuer unter Berücksichtigung von Zimmergröße und-Höhe, Ncbenräumen und Komfort selbst relativ teurer als die großen, die scheinbar teurer sind. So kostete ein Zimmer in Wohnungen von einem Wohnraum 126 M.. zwei Wohnräumen 145 M., drcr 168 M., vier 184 M., sieben 237 M., zehn und mehr Wohnräumen 252 M. Eine Ergänzung dieser Angaben liefert cinc Untersuchung der Wohnungen der Stadtarmen. Es handelt sich hier nicht nur um Armenwohnungen sondern auch um zahlreiche solcher Familien, in denen Arme untergebracht waren, daher„sind die Er- gebnisse nicht als besondere Ä u S n a h m baten, sondern— aus verschiedenen Qualitäten gemischt— tatsächlich als typisch für einen sehr erheblichen Teil der Poscner Wohnungen anzusehen". Von diesen insgesamt 020 Wohnungen lagen im Keller 107 - 11,6 Proz., 3. Stock 120— 14 Proz., 4. Stock 03— 10 Proz., 5 Stock 3— 0,3 Proz. 208= 22,6 Proz. hatten weniger als 10 Quadratmeter Bodcnfläche. Ja. cs gab zwei Wohnungen mit weniger als 5 Quadratmetern Fläche und 3 bezw. 4 erwachsenen Bewohnern, acht mit weniger als 10 Quadratmetern und sechs bis acht, zwei mit 10— 15 Quadratmetern und zehn erwachsenen Be- wohnern. In zahlreichen Wohnungen ist der Luftraum pro Person geringer als 15 und geht herab bis auf 3P Kubikmeter pro Be. wohner. Eigene A b o r t c hatten von 827 Wohnungen, über die hier eine Angabe gemacht ist. nur 39(4i/j Proz.)! Charakteristisch ist auch der Mietspreis, aus den Raum be- rechnet. Es kostete ein Kubikmeter im Jahre bei Wohnungen bis 10 Kubikmeter 6,41 SR., 10 bis 20 Kubikmeter 4.84 M.. 30 bis 40 Kubikmeter 3,17 M.> 40 bis 50 Kubikmeter 3111 M. und so weiter fallend bis 2,02 M. bei 50 bis 100 Kubikmetern. Dann steigerte sich der Preis, entsprechend den, größeren Komfort, auf 2.25 bei 100 bis 120 Kubikmetern, bis auf 3,31 bei 120 bis 140 Kubikmetern, worauf er wieder sinkt bis 1,47 bei L10 bis 220 Kubik« einmal bei einem der zahlreichen glänzenden Besuche in Posen eine Parade oder ein Festmahl ausfallen zu lassen und dafür die Wohnungen der Aermsten zu besuchen, die das Glück haben, ini Königreich der christlichen Sozialreform zu leben? Vielleicht kämen dann mancherlei Gedanken: z. B., daß cs recht gleichgültig ist. in welcher Sprache die Bewohner dieser Provinz sprechen— sehr wichtig aber, ob sie als Menschen menschenwürdig leben können. Vielleicht fände sich dann auch eine nützliche Verwendung für den prunkvollen Königspalast, der jetzt, um die meiste Zeit leerzustehcn, für viele schwere Millionen des armen preußischen Volkes in Poseil gebaut wird. Behaupten doch die Verherrlicher unserer heutigen Zustände, die preußischen Könige seien allezeit Könige der Armen gewesen«_ 6mchtö-Zeitung. § 153. Aus dem Haufen vor dem Münchener Schosfengericht dieser Tage entschiedener Anklagen, die aus Anlaß der Lohnbewegung in der Münchcner Gelbmetallindustrie im September erhoben wurden, verdient ein verständiges Urteil hervorgehoben zu werden. Ein Streikender rief einem Arbeitswilligen, als dieser den Betrieb verließ, das Wort Streikbrecher zu. Der Beklagte bestritt diesen Zuruf:„Er habe dem ihn begleitenden Kollegen nur gesagt: Willst Du eine Streikbrecherzigarre?" Den Zuruf Streikbrecher babe aber auch der den Beklagten begleitende Kollege nicht gehört. Das Gericht nahm trotzdem an, daß Beklagter den Zuruf Streik- brecher gemacht habe, es sei nicht ausgeschlossen, daß der Zeuge den Zuruf überhört habe. DaS Gericht hat sich aber nicht überzeugen können, daß der Beklagte durch diese offenkundige Ehrverletzung beziveckte, den Arbeitswilligen zur Teilnahme am Streik zu be- stimmen. Es erachtet diese Kundgebung lediglich als Ausdruck der Mißachtung, ohne daß damit der Beklagte eine weitere Einwirkung auf den Arbeitswilligen ausüben wollte. Der Beklagte war daher von dem Vergehen nach§§ 152, 153 der Gewerbeordnung freizusprechen. Das Gericht hat in diesem Falle zutreffend angenommen, daß in so gelagerten Fällen cs den Arbeitern weniger darum zu tu» ist, die Arbeitswilligen durch einen Zuruf, wie Streikbrecher, zur Teilnahme an der Bewegung zu veranlassen, sondern daß tatsächlich die Streikenden lediglich ihre Mißachtung vor dem Gebaren der Arbeitswilligen, das einen offenen Verrat bedeutet, ausdrücken wollen. In ähnlichen Fällen wird von Gerichten sehr selten der richtige Sachverhalt erkannt. Deshalb verdient das Münchener Schöffengerichtsurteil besondere Hervorhebung. Genießt der Jüngling ein Bergniigen. so sei er dankbar und verschwiegen. Wäre dieser Vers von Wilhelm Busch von dem Lljährigen Schlosser Otto Böttcher genau befolgt worden, so hätte er gestern nicht vor dem Strasrichter erscheinen brauchen. Unter der Anklage der versuchten Erpressung mußte sich der junge Mann gestern vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts l verant- warten. Der Anklage lag eine kleine„EhcircungSaffäre" zu- gründe, in welcher der Angeschuldigte und die Ehefrau eines Ma- schincnmeisters die Hauptrollen spielten. Letzterer war schon ein Mann in gereisteren Jahren. Zu seinem Unglück hatte er sich eine noch sehr junge Frau genommen, die absolut nicht damit einver- standen war, daß ihr Ehegatte schon mehrere Monate hindurch Nachtdienst in den, Werk, in dem er angestellt war, machen mußte. Die junge und sehr lebenslustige Frau geriet auf Abwege und besuchte häufig einen Witwenball, auf dem sie sich als„junge Witwe" sehr gut amüsierte. Auf einem derartigen Vergnügen machte sie die Bekanntschaft des Angeklagten Böttcher, der ipr sehr gut gefiel. Aus der Bekanntschaft entwickelte sich ein Liebes- Verhältnis. Schließlich ließ die junge Frau für ihren Galan auch noch Extraschlüssel für ihre Wohnung anfertigen, wo sich das Pärchen, während der Eliemann Nachtdienst tat, ein Stelldichein gab. Allmählich wurden dem jungen Manne die nächtliche Zu- sammenkünfte mit der etwas liebestollen Frau zuviel. Um das Verhältnis zu lösen und gleichzeitig einen kleinen Profit dabei herauszuschlagen, kam er, statt wie Busch es empfiehlt,„dankbar und verschwiegen" zu sein, auf folgenden Plan. Er richtete an die verliebte junge Frau einen Brief, in welchem er drohte, er würde ihrem Ehemann die Extraschlüssel übersenden und ihm zu- gleich gewisse Dinge mitteilen, wenn sie ihm nicht umgehend 20 Mark übersenden würde. Die junge Ehefrau legte nunmehr ihre», betrogenen Ehemann eine Beichte ab. Gegen den ungalantcn Liebhaber wurde Anzeige lvegen' Erpressung erstattet.— Der Staatsanwalt beantragte gegen den schmachvollen Erpresser nur 2 Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte auf 6 Monate Ge- sängnis, da der Angeschuldigte nach zwei Richtungen hin eine überaus gemeine und ehrlose Gesinnung an den Tag gelegt habe'. Versuchter Totschlag. Das Urteil des Schwurgerichts Görlitz vom 15. Oktober, durch welches der Baumeister Moritz Windschild aus Weißwasser wegen versuchten Totschlages zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt ist, hat das Reichsgericht am Montag durch Verwerfung der vom An- geklagte» eingelegten Revision bestätigt. Der Angeklagte, welcher verheiratet und Vater einer lljährigen Tochter ist, war in die 10jah- rigc Tochter eines Glasfabrikbesitzers in Weißivasscr verliebt. Mit diesem Mädchen hatte sich der Tierarzt Gntsche aus Bunzlau der- lobt und als G. an, 28. April 1907 sich nach Weißwasser begab, um die Verlobung zu feiern, hat Windschild ans dem Bahnhof in Weiß- Wasser aus G. mehrere Rebolvcrschüsse abgegeben. Arbeitskrast, als Mittel den Lohn der Männer zu drücken. Die schlesischen Magnaten werfen Männer aus der Arbeit, stellen deren Frauen ein. weil diele für ein Drittel de« Männerlohneö arbeiten müssen. Die Männer können dann zu Hause wirtschaften; das sind ideale christliche Verhältnisse. Und genau so machen es die anderen Retter des Mittelstandes. Selbst in der Zeit der größten Nachfrage am Arbeitsmarkt bleiben die Löhne der Frauen auf einem niedrigen Niveau, übersteigt aber Eue der frauenbewegung» Schmutzkonkurreuz. Smiitmitcn, Zei, trümler und Konservative hauen im Reichstage wieder mal den Mittelstand gerettet. Erst packen sie den Hand- werken,, kleinen Gewerbetreibenden und Arbeitern die gollasten auf. laden noch diverse Bündel Steuern dazu, um die starken Schultern zu schonen, dann lassen sie ihren Mund überfließen von Arbeiter- und Mittelstandsfteundlichkeit. Das kostet nichts und die Herrschaften verpflichten sich zu nichts. Wer objektiv die Verhältnisse betrachtet und ehrlich sein will, muß anerkennen, daß all die von den Mittelständlern propagierten Mttel stumpfe Waffen sind. Das Zentrum hat die Warenhaussteuer, die eS früher mit Force vertrat, zum alten Eisen geworfen, aber im Reichstage wird das geschickt verborgen. Da reden die antisemitischen, zentrümischen und konser- vativen MitleljtaiidSretter von Schinutzkonkurrenz und doch ist ihr eigenes Tun anders nichts als Schmutzkonkurreuz zur Abwehr nur von der Sozialdemokratie geforderten reellen Sozialreform. UcbrigenS von einer Schmutzkonkurrenz spricht kein Mittelsläudler. Es ist die ab- scheulichste, die sich denken läßt. Das ist erklärlich, wird sie doch sowohl von den frommen Zentrumsgrafen und dito Ordensschwestern al» auch von vielen profitlüsternen ungetansten Antisemiten und von ge- tauften Juden praktiziert.. 2080Zi� Totalausvrrkauf meines Engrös- und FilialenlagcrZ: Tuch- und Plüsch- decken, Beloc tine- und Plüschportieren in allen Preislagen durchweg mit 10 Prozent Eistrarabatt. Große'.trank- surterskaßc � 2987� Steppdecken» Kabrikmusler, Stück 3.25. 3.85, 1,85. 5.50, 6,50, 8,50 uflu. E. Weißenbergs Teppichhaus, Große Franksurterstraßc 125. 2iZS8K'' Äüuserrefte, 4 bis 6 Meter lang', jetzt spottbillig. Große Frankfurter- straße 125.________ 2989)1» Äkcste iür Sosabezügc ansrcichcnd Wolle und Plüsch, mit 10 Prozent Rabatt. Cr WcißenbcrgS Teppich- bauS, Große Frantfurterftraßc 125.* Kelle. 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Zweck der Verhandlungen war, eine Grundlage zu vereinbaren, auf der ein nach den örtlichen Verhältnissen abzustufender Tarifvertrag für ganz Deutschland zustande kommen könne. Bei diesen Verhand- lungen wurde vereinbart, daß man zunächst versuchen solle, eine gewisse Einheitlichkeit zu schaffen in bezug auf 33 Städte, wo zurzeit Tarifverträge bestehen, die im nächsten Frühjahr ablaufen. Von diesen Verträgen sind bereits vier gekündigt, die teils am 1. Januar, teils am 1. Februar ablaufen. Die übrigen 29 Verträge, die zu etwas späteren Terminen ab- laufen, sind noch nicht gekündigt. Trotzdem wünschen die Unternehmer, daß auch über diese Verträge, beziehungsweise über die Bedingungen verhandelt wird, unter denen sie ver- längert werden könnten. Tic in Kassel angeregten Verhandlungen wurden am Dienstagvonnittag im Bürgersale des Berliner Rathauses er- öffnet. Der Vorsitzende deS GewerbcgcrichtS, Magistratsrat v. Schulz leitete die Verhandlungen in Gemeinschaft mit dem Obermeister R a h a r d t und dem Vorsitzenden des Deutschen Holzarbeitcrverbandcs, unseres Genossen Klotz- Stuttgart. Herr v. Schulz sagte, als er die Sitzung eröffnete, es gelte, eine neue Grundlage zu schaffen für Tarifverträge, die den Frieden in der Holzindustrie aufrecht erhalten sollen. Die im vergangenen Frühjahr in Berlin geführten Verhandlungen, aus denen Tanfverträge für zwölf Städte hervorgingen, hätten gezeigt, daß die Parteien sich vereinbaren können, wenn nur der gute Wille vorhanden sei. Er wünsche, daß auch die heutigen Verhandlungen von Erfolg gekrönt werden. An der Verhandlungskonferenz nahmen teil auf der einen Seite der Vorstand des Arbeitgeberschutzverbandes, auf der anderen Seite die Vorstände des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes, des Christlichen Holzarbcitervcrbandcs und des Hirsch-Dunaerschen GewcrkvercinS, außerdem für jede der be- teiligteu 33 Städte mehrere Vertreter der Arbeiter sowie der Arbeitgeber. Ueber die Ansichten, welche die Arbeitgeber bei dieser Konferenz leiten, sagte Obermeister R a h a r d t: Die Aus- spräche solle dazu dienen, die Vertreter der Arbeiter zu über- zeugen, daß ihre Wünsche nicht erfüllt werden können, wenn auch die Arbeitgeber ihre Existenz aufrechterhalten wollen. Es stehe eine sehr ungünstige Konjunktur bevor. Es sollten hier in großen Zügen die Bedingungen festgelegt werden, unter denen die im nächsten Frühjahr ablaufenden Verträge erneuert werden können. Leipart(zweiter Vorsitzender des Deutschen Holz- arbeiterverbandes) erwiderte darauf: In den meisten Städten sei ja der Tarif gar nicht gekündigt, viele Orte seien durch die Verhandlungen geradezu überrascht, denn sie hätten mit einer unveränderten Verlängerung der Verträge gerechnet. Wenn sich der Verband auf Jähre hinaus auf eine Klasseneinteilung der Tarifverträge festlegen solle, dann könne das nur unter der Voraussetzung geschehen, daß eine Verkürzung der Arbeits- zeit wenigstens in den Orten eintritt, wo sie übermäßig lang ist. Die Frage der Verkürzung der Arbeitszeit bildete nun den Viittelpunkt der Debatte. Obermeister R a h a r d t sagte, die Holzindustrie stehe hinsichtlich der Arbeitszeit günstiger da, wie irgend eine andere Industrie. Die Mehrzahl der Holzarbeiter habe eine neunstündige, teilweise eine noch geringere Arbeitszeit. Die Arbeitgeber halten fest an der wöchentlich S4stüudigen Arbeitszeit, wo eine solche besteht. Wo noch eine 57stündige Arbeitszeit herrscht, da könne sie staffelwcisc verkürzt werden, aber nur dann, wenn nach- gewiesen wird, daß andere Gewerbe in demselben Orte kürzere Arbeitszeiten haben. Besonders betonte der Ober- meister, es sei gar nicht daran zu denken, daß die Holz- industrie eine kürzere Arbeitszeit bewillige, als wie sie im Baugewerbe besteht. Wenn die Arbeitgeber sich bereit erklären, während der bevorstehenden schlechten Geschäftskonjunktur die- selben Löhne weiterzuzahlen, die sie in der guten Konjunktur bewilligt haben, so sei das schon ein Opfer für die Arbeit- geber und es frage sich, ob die Arbeit unter solchen Umständen noch lohnend sei. Die Forderung einer Verkürzung der Arbeitszeit unter 54 Stunden sei nicht begründet. Leipart betonte, die Arbeiter seien seit Jahrzehnten bemüht, eine Verständigung über die Arbeitsverhältnisse mit den Arbeitgebern herbeizuführen. Es sei nicht wahr, wenn Herr Rahardt sagte, die Arbeiter hätten ein Interesse an einer fortwährenden Beunruhigung des Gewerbes. Die Arbeiter wären froh, wenn sie nicht streiken brauchen. Eine Ver- einbarung könne aber nur dann dauernden Bestand haben. wenn ein Fortschritt in der Verbesserung der Arbeitsverhältnisse garantiert sei. Eine Verkürzung der Arbeitszeit müsse überall eintreten, wenn auch nicht gleichmäßig an allen Orten. Es gebe noch viele Orte, wo die Arbmszeit länger ist als 54, ja sogar 60 Stunden. Nach einer Erhebung des Verbandes, die sich über 700 Städte mit 10400 Betrieben und mehr als 110 000 Arbeitern erstreckt, habe die Mehrheit eine Arbeitszeit von 57, 54 Stunden und darunter. Dagegen herrsche in 3—4000 Betrieben noch die 60stündige Arbeitszeit. Der Holzarbeiter Verband habe für die Vertragsabschlüsse Leitsätze aufgestellt. Hiernach solle für die nächste Zukunft die neuneinhalbstündige Arbeitszeit als Nonn gelten und das Ziel solle sein, die Arbeitszeit überall auf neun Stunden zu verkürzen. Das seien durchaus keine übertriebenen, sondern recht bescheidene Forderungen. Im weiteren Verlauf der Debatte wurden manchmal auch die in einzelnen Städten aufgestellten Forderungen gestreift, jedoch kam die Diskussion immer wieder auf die hauptsächlichsten allgemeinen Gesichtspunkte zurück. Ein Arbeitgeber auS Düffel- dorf erklärte, für die mittelrheinischcn Städte könne weder von einer Arbeitszeitverkürzung noch von einer Lohnerhöhung die Rede fein.— Auf den Einwand, daß ja nicht alle Verträge gekündigt feien, erwiderte Tischlermeister M i e t s ch- Berlin: Die Arbeitgeber werden, wenn die Arbeiter nur in einzelnen Städten Forderungen stelle», alle im Jahre 1903 a b- laufenden Verträge kündigen und die neuen Ver- träge nur unter der Bedingung abschließen, daß sie alle an ein und demselben Tage ablaufen. Seitens des Deutschen Holzarbciterverbandes wurde hierzu bemerkt: Herr M i e t s ch habe ja jetzt den Kampfplan der Arbeitgeber verraten, aber er habe den Arbeitern dannt nichts NeueL gesagt, denn dieser Plan sei schon bekannt. Ein Friede auf dieser Grundlage sei ausgeschlossen. Was Herr Mietsch sagte, das stehe dem, was der Arbeitgeber- schutzverband als seine Absichten den Arbeitern gegenüber an- gibt, diametral entgegen. Nach den Worten des Herrn Mietsch niüssc also damit gerechnet werden, daß, wenn die Arbeiter nur einige der bestehenden Verträge kündigen, die Arbeitgeber mit einer Kündigung sämtlicher Verträge den Kampf auf der ganzen Linie eröffnen werden. Eine solche Ankündigung spreche doch nicht für die Friedensliebe der Arbeitgeber. Obermeister Rahardt schlug wieder einen mehr fried- lichen Ton an. Er sagte, die Arbeitgeber hätten den Wunsch, in ein friedliches Verhältnis mit den Arbeitern zu kommen, aber unter den gegenwärtigen Verhältnissen könne nichts bewilligt werden, weder Arbeitszeitverkürzung noch Lohnerhöhung. Wenn auch die heutige Aussprache noch nicht zu einer Ver- ständigung führen sollte, so brauchten sich die Parteien deswegen noch nicht morgen schon in den Haaren liegen. Mit jeder Woche würden wohl die Arbeiter niehr zu der Einsicht kommen, daß die Konjunktur zurückgeht, und daß ihre Forderungen nicht erfüllt werden können. Schon jetzt gebe es in Berlin 2500 arbeitslose Holzarbeiter, nach Neu- ahr würde die Zahl auf 4000 anwachsen. Gewiß werde ein Kampf auf beiden Seiten schwere Opfer kosten. Wenn die Arbeitgeber zur Aufnahme des Kampfes„gezwungen" werden, dann trügen die— Arbeiter die Verantwortung.(!) Ueber die Forderung der Arbeitszeitverkürzung auf 9'/z Stunden und der späteren eventuellen Verkürzung auf neun Stunden würde eine Verständigung wohl zu erzielen sein. Arbeitgeber B e u st e r° Detmold erklärte, die Arbeitgeber seines Bezirkes würden der neunstündigen Arbeitszeit nicht zu- stimmen. Leipart bemerkte, die von Herrn Rahardt in Aus- ficht gestellte Verständigung über die Verkürzung der Arbeits- zeit entspreche nicht gmiz den Wünschen der Arbeiter. In den Leitsätzen des Holzarbeitcrvcrbandes, die den Arbeitgebern ja bekannt seien, werde gesagt: Die Höchstdauer der Arbeitszeit solle baldigst auf 9'/z Stunden festgesetzt und die Klassifizierung der Verträge in der Weise erfolgen, daß in absehbarer Zeit die 0 stündige Arbeitszeit eintritt, die in Großstädten noch weiter zu verkürzen ist. An diesen Bedingungen müsse nach wie vor festgehalten werden. Tie Arbeitgeber begründeten ihren Widerstand gegen die Arbeitszeitverkürzung damit, daß sie sagten, jede Verkürzung der Arbeitszeit bringe erfahrungsgemäß eine Lohnerhöhung mit sich, die aber nicht bewilligt werden könne. Uebrigens sei die Arbeitszeitverkürzung auch deshalb unbegründet, weil die Arbeiter sich heut lange nicht mehr so anstrengen brauchen wie früher, da ja jetzt alle anstrengenden Arbeiten durch Maschinen gemacht werden.— Die Arbeiter bestritten diese Angabe. Wenn auch die Maschinenarbeit eine weite Ver- breitung gefunden habe, so sei doch die Anspannung der Kräfte der Arbeiter nicht geringer, sondern eher größer geworden wie früher, denn es würden heut erheblich höhere Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Arbeiter gestellt. Nachdem die Diskussion bis gegen Abend gewährt hatte, hielten die Vertreter der Parteien kurze Sonderbesprechungen ab. Das Ergebnis derselben war, daß. nunmehr die Vertreter der einzelnen Städte unter Hinzuziehung der Zentralvarstände verhandeln. Am Mittwoch wird zunächst über die Vertrags- bedingungcn für Osnabrück, Stuttgart, Lucken- walde und Elberfeld verhandelt. Das sind die vier Städte, wo die Verträge bereits gekündigt sind und am 1. Januar beziehungsweise 1. Februar 1908 ablaufen. Am Mittwochnachmittag soll dann über die Vertragsverhältnisse in den übrigen Städten verhandelt werden. Ein Vertreter der Arbeitgeber betonte, daß die vier erstgenannten Städte nicht eher einen Vertrag abschließen werden, ehe nicht für die anderen Städte, wo die Tarife noch nicht gekündigt sind, ebenfalls eine Einigung erzielt worden ist. Die Verhandlungen über die Einzeltarife sind nicht öffentlich. Diesen entnehmen wir zunächst folgende Zahlen: Zur Luge der Kleinbauern und ländlichen Arbeiter. I. Wenn man miS den Jahresberichten der Landwirtschaftlichen Berufsgenosienschaften Deutschlands Material zur Beurteilung der Lage der Kleinbauern und landwirtschaftlichen Arbeiter gewinnen will, so darf man diese Hoffnungen nicht zu hoch spannen. Erstens hält es sehr schwer die Berichte dieser von den Herren Landeten verwalteten Berufsgenossenschaften zu erhalten, zweitens sino die meisten Berichte so inhaltsarm, daß aber auch gar keine Uebersicht zu gewinnen ist. Verschiedene BcrufSgenossenichaftcn geben nur alle 2 Jahre einen„Bericht" heraus, einzelne wieder erklärten, daß der Bericht„bereits vergriffen" oder nur in wenigen Exemplaren angefertigt worden sei. Während die viel umfangreicheren Berichte der OrtSkraukenkassen meist in der Zeit von März bis Juli jeden Jahres erscheinen, brauche» unsere Berufsgenossen- schasten fast ein ganzes Jahr, ihre dürftigen Zahlen zusammen- zustellen. So war es uns trotz allem Bemühen nur möglich, bis Ende November kW? von den 48 Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften 31 Berichte für das Jahr 1006 zu erhalten I Einzelne Berussgenossenschasten erklärten sogar, daß der Bericht für tlBS„erst Ende Februar'4908" fertig gestellt sei. Und wie sehen die vor unö liegenden Berichte aus, die unsere Verwaltungsbehörden im „Schweiße ihres Angesicvts" fertig— stellen ließen? Nur wenige BerusSgenossenschafteu haben sich wirklich Mühe gegeben, um einen einigermaßen übersichtlichen Bericht zusammenzustellen. Die meisten Berichte enthalten nur die nackten Zahlen. Ziffern des Geschäftsjahrs, viele nicht einmal die Zahl der versicherte» Betriebe, noch weniger die Zahl der versicherten Arbeiter! Einige verstehen unter „Herausgabe eines Geschäftsberichts" ganze zwei Druckseilen a la Flugblatt zu„füllen", die Hauptsache vergessend. Tie Schleswig- Holsteiulche landwirtschaftliche Berufsgeltosseuschaft versendet gar nur eine antographierte„Zusammenstellung" der für das Jahr 1807 umzulegenden Beiträge; ganze drei Schreibseiten stark. Run zu den uns vorlieaendcn Berichten selblt:' Landwirtschaftliche BerufZ- genossenschaft 4. Posen...... 2. Schlesien..... 3. Ostpreußen.... 4. Rudolstadt..... 5. Schleswig-Holstein.. V. Braunschwcig... 7. Weimar..... 8. Oldenburg.... 9. Koburg...... 10. Reuß j. L..... 11. Königreich Sachsen.. 12. Gotha...... 13. Schaumburg-Lippe.. 14. Reuß ä., 16. Lippe-Detmold... 16. Hamburg..... 17. Anhalt...... 18. Großherzogtum Hessen 19. Baden...... 20. Oberfranken.... 21. Mittelfankcn.... 22. Niedcrbayern.... 23. Pfalz...... 24. Oberpfalz..... 25. Schwabe» u. Neuburg 26. Jagstkreis Württemberg 27. tluter-Elsaß.... 28. Mecklenburg-Schwerin 29. Westfalen..... 30. Oberbayern.... 31. Untcrfranken.... ES ist auS obiger Zusamincnstelluiig ersichtlich, daß bei diesen mangelhaften Berichten eine einigermaßen brauchbare Statistik gar nicht möglich ist. In acht Berichten fehlt jeder Nachweis über die Zahl der versicherten Betriebe, also die Hauptsache. Sehr selten ist die Zahl der versicherten Arbeiter vernrerkt: ebenso fehlen auch alle vergleichenden Zahlen mit dem Vorjahre. Noch„genauer" verfahren die bayerischen Landwirtschaftlichen Berufsgenosienschaften in der „Feststellung" der versicherten Betriebe. So erklären die Berufs- genosienschäften für Oberfranken und Mittelfrankcn:„Die Zahl der land- und forstwirtschaftlichen BetriebLunternehmcr in Oberfranken (Mittelsranken) beträgt nach der BerusSstatistik vom Jahre 1805 im ganzen..." Das nennt man Statistik. Nach der Berufsstatistik des Jahres 1S9S kann man die Zahl der versicherten Betriebe des Jahres 1906„erraten"! Und wie wichtig wäre eine genaue Statistik, die von Jahr zu Jahr weitergeführt würde. Eine Abnahme der Betriebe haben die Berufsgenosienschaften Reuß j. L., Königreich Sachsen, Hamburg, Ostpreußen nnd Mccklen- bürg zu verzeichnen. Die übrigen Berichte, soweit Ziffern über« Haupt vorhaudeu sind, zeigen mir eine geringe Zunahme der bäuerlichen Botriebe. Sehr groß ist oft auch die Zahl der versicherten Nebenbctricbe in den eiiizelnen Berussgenossenschasten. So berichtet„Oberfranken", daß z. V. 715 Brauercicu und Mälzereien, 214 Brennereien, 139 Stein- bräche usw. alS Nebenbetriebe der Landwirtschaft mitvcrsichcrt sind. Wie sehr auch da„gemogelt" wird, um die Zuschläge zur Umlage zu sparen, ersehen wir auch aus dein Bericht für„Baden". ES heißt da:„Da mit Wirkung vom 1. Januar 1907 an für eine Reihe land- wirtschaftlicher Nebenbetriebe UufallverhiitungSvorschriflcn in Kraft zu treten hatten, so mußte im Berichtsjahre eine möglichst zuverlässige Ermittelung aller vorhandenen Nebenbetriebe vorgenommen werden. Obgleich nun auf diese Ermittelungen von uns viel Mühe und Arbeit verwendet wurde, so war dennoch ein be- friedigendcS Ergebnis nicht zu erzielen. So war zum Beispiel nach einer seinerzeit in der„Karlsruher Zeitimg" erfolgten Veröffentlichung ani Schlüsse des Jahres 1903/04 im Großherzogtum Baden allein 27 568 Brcmicrcicn vorhanden. Obgleich nun diese Brennereien sich zum größten Teil als landwirtschaftliche Neben- betriebe darstellen, enthält selbst unsere zweite Aufnahme nur 4691 derartige Betriebe. Wir dürfen deshalb wohl auch hier die Er- ivartuiig aussprechen, daß die mit diesen Ermittelungen betrauten Behörden in Zukunft ihren Verpflichtungen in vollem Umfange ge- recht werden." Ueber die Größe der versicherten Betriebe enthält der Bericht der BerufSgenossenschast für„Braunschweig" beachtenswerte Zahlen: „Wir haben im Herzogtum an Betrieben: mit einer Gesamtfläche von 73 433 Hektar 182 312„ Bis zu 10 Hektar 43 281 über 10„ 5 646 Grundsteuerkapital 2 667 961 M. 8 452 899„ 11010 850 M.* Summa: 48 927 260,745 Hektar Unter 10 Hektar Feld hatten also 43 281 Kleinbauern, während nur 5646 Bauern über 10 Hektar ihr Eigen nennen und eine Gc- samifläche von 182 312 Hektar bebauen, also 2>/„inal mehr als die 8mal an der Zahl größeren Kleinbauern! Der Bericht bemerkt ferner über die Anlagen:„Dabei ist der kleinere Landwirt von einem nicht über 1(100 M. zur Staatssteuer auö seinen landwirt« schaftlichen Betrieben veranlagten Einkomnien«-- i i bavaranda 766 D Petersburg 758 O »S s t> Ä{ S* »& Twolkcnl—14 2 bedeckt Scillh klberdeen Paris 751 WTS bwolkig 3 bedeckt 4Negen 736 S ("öl SS -8 0 « L Wetter. Prognose für Mittwoch, den 11. Dezember 1907. Zunächst etwas wärmer, vorwiegend trübe mit Rcgensällen und leb- hasten südwestlichen Winden; später zeitweise aufklarend und wieder etivas kühler. Berliner Wettervureau. unsere Inserenten, hivelcke Inserate größeren Umfanges für die nächste Sonntags= Nummer aufzugeben beabsichtigen, richten wir die höfliche Bitte, dieselben bis Donnerstag nachmittag 5 Uhr in unserer Haupt-Expedition aufzugeben. Verlag des„Vorwärts". Für den Jnlialt der Inserate iiberiiiittm» die Nedaktiou dem Publikiiui gegenüber teiucrlci Berii»»wort»»g. �hearer. Mittwoch, II. Dezember. Ansang 7% Uhr. Kgk. Opernhaus. Der Barbier von Bagdad. Königl. GchansPielhauS. König OedipuS. sAnsang 8 Uhr.) Deutsches. Was ihr wollt. Kamnierspiele. Katharina Gräsin von Armagnac. Aiiiang 8 Uhr. Berliner. Blaubart. Lesfina, Vom anderen Ufer. Neues. Baecarat. Neueö Schauspielhaus. Zar Veter. Nachmittags 3 Uhr: Frau Holle. Saiilioi«». tWaUiicr.l.vcatri.) Der Revisor. Schiller Charlottenburg. Der Richter von Zalamca. Friedrich- Wilhelmstädt. Dchan- spielhaus. Siegfrieds Tod. Nachmittag! 3 Uhr: Lügcnmäulchcn und WahrheitSmündchcn. Kleines. Mandragola. Zentral« Frau WarrenS Gewerbe. Theater an der Spree. Tyroler Krippen spiel. Nachmittags 4 Uhr: Dorinöschcn. Lorhing. Rigoletto. Nachmittags 3'/, Uhr: Rumpelstilzchen. Restdenz. Ganz der Papa. Komische Oper. Die verkaufte Braut. Weste». Die lustige Witwe. NachmiilagS 4 Uhr: Schneewittchen. LustiiiirltiniiS. Husarcnstedcr. Nachmiltags 3 Uhr: Pctcr Gerne- lein. Trianon. Fräulein Joselte— meine Frau. Thalia. Die gelbe Gefahr. NachmiilagS 4 Uhr: Rotläppchen. Luisen. Ein seltener Fall. Bernhard Rose. Die Geisha. Ntctropop. DaS must man seh'n. Slpollo. Sylvester Schäficr jr. Sicglv. Gentes. Walhalla. Spezialitäten. FolieS Caprice. Geteilte Liehe. Kasino. Biederleute. Gebr. Herrnfeld. Madame Wig- Wag. ES lebe das Nachtleben. Passage. Paula Wirth. Speziali- täten. Prater. Das Opferlamm. Nachmittags 3 Uhr: Rotkäppchen. Palast. Am heilige» Abend. Spe- zialitäteu. Parodie. Das Ungeheuer. Zapfen- streich. Monna Vaima. Wintergarten. Spezialiläi�n. ReichShalleu. Sieltiner Sänger. Urniiia. Tandciillroste 4N/4». Llbends 8 Uhr: lieber den Brenner nach Venedig. Ster»i»ar»c. Jnvalideiistr. 67/62. Zur Beobachtung: Mars,«aturn, Doppclsternc, Nebelflecke._ Berliner Theater. Gastsp. des Neuen Operett-Thealers, Blaubart. Kom. Oper in 3 Akten v. J. Offenbach. Slnfang 8 Uhr. Morgen u. folgende Tage: Vlanbarl. Heues Thealer. Ansang 3 Uhr. asevansK. Donnerstag: Baecarat. Freitag: Baecarat. meines Thealer. Abends 8 Uhr:.Aaiic« Sonua. Mandragola. Donnerstag: Mandragola. Freitpg: Mandragola. Sonnabend: Mandragola. Theater des Westens. J> Uhr: Dlo lustige Witwe. Sonntag nachm. 31/. Uhr halbe Preise: Fnlihlingcsliirt Friedricli-Wilheimstädtisches Schauspielhaus. Nachmittags 3 Uhr: Lügenmiinlchen und Waftrheiteniündche». Ein Weihnachtsmärchen mit lÄesang u. Tanz in 3 Bild. v. Görncr. Kl. Preise. Abends 8 Uhr: Ter gehörnte Siegfried. Siegfrieds Tod. Domierstag: KriembildS Rache. l-ortiing-Ikester� Nachm. 3'/z Uhr: Rumpelstilzchen. Abend? 3 Uhr: ITIgoI«tto. Donnerstag: Der Freischütz. Freitag: Haus Helling. Sonnabend nachmittag 3st, Uhr: Rumpelstilzchen. Abends 8 Uhr: Die Enlsühruug ans dem Serail. I-ustspsoZksus. Nachm. 3 Uhr: Peter Gerneklein. Abends 8 Uhr: Husurenflebev. ZentralaTheaier. Gastspiel des Hcbbel-TheaterS. Nachmittags 3''., Uhr: Schuceweischcn und Rosenrot. Abends 8 Uhr: Frau Marrens Gewerbe. Drama in 4 Akten von Beruh. Shaw. Residenz-Theater. — Direktion: Richprd Alexander.— Ansang 8 Uhr. Ganz der Papa. Schwank in 3 Alten von MarS und DesvalliöreS. Deutsch v. M. Schönau. Baron des Aubrais: Rich. Alexander. Sonntag, den 15. Dezember, nach- mittags 3 Uhr: Ter Prinzgemahl. Luisen-Theater. Reichenbergrrstr. 34. Abends 8 Uhr: Ein seltsamer Fall. Donnerstag: Der Leiermann und sein PslegeNnd. Freitag: Erziehung zur Ehe. Ge- schlosscne Vorstellung. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Dorn- röschen. Abends: Das Heiratsnest. Sonntag nachm. 3 Uhr: Berlin wie es weint und lacht. AbeudS: Ein felisamer Fall. Montag: Der Lciennann und fein Pflegekind._ Köpenitkerstrasie«8. Nachm. 4 Uhr: Heinzelmünnchen. A b e n d s 8 II h r: Tiroler Krippenspiel. Donnerstag Z'/zUhr: TirolerKrippen- spiel(sür Schüler b. halben Preisen). 3 Passage-Theater. 3 Abends 8—11 Uhr.| -Die singenden Engelsköpfe l Martin Kettnci*» Erna FrOhlleb und das grotzarlige-Ms Dezember-Programw. »«»»»»»»»»»» W»»»»»»»« KvIZ Illor-l'Iioato»'. SodiNer-ldester 0. tWallncr-Tbeater). Mittwoch, abends 8 Uhr: Z u m e r st e n m a I: Her livvl»!«,!'. Lustspiel m 3 Akten v. Nikolay Gogol. Deutsch von E. v. Schabciskq. Donnerstag, abends8Uhr: Der Revisor. Freitag, a b e n o s 8 Uhr: vns vierte Olebet. Sodilier-ldeater lZkorlettendorg. Mittwoch, abends 8 11 h r: Her Eleliter von Zalaniea. Schauspiel in 3 Aufzügen n. Ealderon de la Barca. Für die deutsche Bühne übersetzt», eingerichtet V. A. Wilbrandt. D o»» e r s l a g, a b e» d s 8 li h r: «ebilelete Menseben. Freitag, abends 8 Uhr: Mnrln Stuart. Schiller-Saal( 9ehllIor-Tlientcr\ Charlottenbnrg f Mittwoch 9 Uhr: Vortrag Dr. M. OSbom: Arnold Böcklin. Mit Lichtbildern. Zehnter Dortrag de? Zyklus: Maler der Neuzeit. liswSehuuiauu Heute, Mittwoch, den lt. Dezember, abends präzise 7'/, Uhr: Vrnn.le Soiree ctjncstre. Elite-Prvgramm. U. a.; Frl. Data Schuinauii, phänomenale Baguette. Sprünge über schwere Hindernisse. Der größte und beste Lustakt der Gegenwart 8 fliegende 2 Damen ßanvards 4 Herreu k- Seuiatlonelle Novität:-MA U table dn diable Tbe three Demons Dir. Albert Schumaiius neueste Monstrrdresturrn und die arotzarligen Dczembcr»Speziali!älen. Zum Schluß: Die diesjährige graste- Wasser- n Pantomime llin fest HuTllsmUecksr fleledsiiallen-sbealer Sikitinei Säugöt. Visiknaebt»- steeßramm! Anfang wochent. 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Donnerstag, 26. Dozmbr. (2. Feiertag): Gr. ffeihMEhts-BeneRz- Matinee. Rcichshallcn-Rcltaurant: Mtlitär-ttonzert. XIII. Saison. Zirkus Bnsch Mittwoch, 11. Dez., präz. 7'/, Uhr: Grölte Vorstellung;. Kremo- Family Fenicr: Geschwister Vichis. MfB Virginia Bell. Frl. Estelle Preval, Schulrcitcrin. Herr E. Schumann, Neudresturen. MS--Aufdtr Hallig. DieSj. gr.Ausst.-Pant. d.Zirk.Bu'ch. liiesen-IIIusionsalete vnt. Wasser Sonntag, den 15. Dezember: Z. 1. Male: Jokel und Koko l D. entspr. Asten i. d. Sommerfrische. Gr. huiu. Aasterpant. i. 2 Bildern. AbendS: Elite- Vorstellung;! 9 Uhr: Sylvester Schäffer jr. Sonntag, lä.Dezbr., nachm. 3'/,, Nur: Eamiiien-Vorsteliung. Kleine Preise! 8 Uhr: Die neuen Speeiaiitlllen. U. a.: •Mrjeslei" Charlottenbnrg;, Potsdanicrstr. 11. Ilfu! Elegaut! Jutkreisaut! Tägllch Vorstellung von 5—11 Uhr. Sonntags von 3—11 Uhr. Stetiger Eingang von Neuheiten. Melrllpol-Thesisr Anfang; präzise 8 Ehr. Gr. Eevno in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Scilultz. B. G. Thielseher, F. Massary, Josephl. überall 15. D littags 3 Die Herren von Maxim. Rauchen überall gestattet. Sonntag;, 15. Dezcinbci', nachmittags 3 Uhr: Gebr. Herrnfeld- Theater. 57 Kommatidantenstratze Nr. 57. Ans. 8 Uhr. Vorverk. ll— 6 Uhr. Nur noch wenige Tage: �lsdame Wig-Wag. Es lebe das Nachtleben! Sonntag 3 Uhr: Die Meyorhsins. Sonnabend, den 14. Dezember: Premiere"WS von Papa und Genossen. W.KoacUs Theater vireklioii Rod. Dill, vriuiiicintr>6. Gedächtnisfeier für den Kapellmeister Kieker u. WohltäligkeitS- Bencsiz für seine Wlwc. Knustlers Erdkiinialltn. Ein Musiker-Lebciisbild v. Woblmuth Ansang 8 Uhr. Entree 30 Ps. Donnerstag: Mutter und Sohn. Ife f N�r Konzert- Lyra-Phonograph mit 5 echten Goldguß-Walzen, komplett 5,83. = GRAMMOPHON s TRADE MARK Neu-Aotnabmen soeben erschienen. Jede gewünschte Platte Apparate vorrätig. in jeder Preislage. VorfOhrung ohne Kaulzwang. Kataloge gratis u. franko. Grammophon-Zentrale Alexanderplatz gegenüber dem Bahnhof. Eingang Kfinigsgrabon. 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Februar 1901 bei dies- sciiiger Vcrwaliung angestellt war, balle sich als ein pflichttreuer, sieitzigcr Arbeiter gezeigt, oem wir ein ehrendes Andenken stciS be- wahren werden. 280/10 Der Borstand. SB. Pichl, Vorsitzender. Zentral-Kranken- u. Sterhekasse der dentschen Wagenbauer LH. Filiale Berlin 12. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Sonnabend unser Mit- glich, der Arbeiter J, Böwer nach langen Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donners- tags, nachmittags l'/a Uhr, vom Trauerhause, Ali-Moabft 42, nach demSebasiiankirchhoseinReinicken- dors stall. 253/17 Die Ortsverwaltuirg« 1 Kranken- d. Begrübnis- Kasse der fSelfeiisieder und Berufsgenossen (E. H. Nr. 17). Nach langem, schwerem Leiden verstarb am 8. Dezember unser langjähriges Mitglied Wilhelm Tinius. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigimg findet am Donnerstag, den 12. Dezember, nachmittags 3 Uhr. von der Halle des Thomas-Kirchhoses aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 28l/s Der Borstand. Vorband dar Iroion Gast- o. Schankwirte Deutschlands Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Kenntnis, dag die Frau de» Kollegen Tcickcrt, Ida, geb. Brandes verstorben ist. ie Beerdigung findet am Mittwoch, den 11. Dezember, nachmittags 31/, Uhr, 1 von der Leichenhalle des TyomaS-Kirch- Hofes, Rixdors, Hewiannstratze aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 61/9 Die Ortsvorwaltung. Am Sonnabend, den 7. De, zember, abends 9 Uhr, entschlief plötzlich am Herzschlage meine inniageliebte Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Ida Teichert geb, Brandes. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 11, Dezember, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Tomasfirchhoses aus statt. lS59b Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Tettiiahme und die prächtigen Kranz- spenden bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes und Bruders, des Steindruckers Wilhelm Ezepokat, sagen wir allen Freunden, Bekannten und Kollegen, dem Verband der Sieindrucker und Lithographen (Deuischer Seneseider Bund), sowie dem Wahlverem Rixdors unfern herzlichsten Dank, F«i»ille Czcpolcnt Sozialdemokratischer WaMvereln des 6. Berliner Wahlkreises. Todcs-Anzclge. Am 8. d. M, verstarb unser Mitglied, der Buchbinder Otto Msch Schönhvlzerstr. 7. Ehre feinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Mittwochnachmittag 21/, Uhr vom Trauerhause aus nach dem Zions- sriedhoi i» Nieder- Schönhausen- Nordend statt. Um zahlreich. Beteiligung ersucht 268/00 Bei- Vorstand. Deutseher Buchbinder- Verband. Zahlstelle Berlin. Am Sonntag nachts 2 Uhr verstarb plötzlich unser langjähriges tätiges Mitglieo, der Buchbinder Ott« im 35. Lebensjahre. Wir werden fein Andenken in Ehren halten k Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den II. Dezember, nachm. 1>/» Uhr, vom Trauerhause, Schon- 'oszerstr, 7, auS nach dem Fried- os der ZionS-Gemeiude in Nieder- Ichönhausen(Nordend) statt. Um zahireil' 25/8 zahieeiche Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Todes-Anzeige. Am 8. d, M., abends 10-/, vhr. starb plötzlich und unerwartet mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Großvater, Bruder, Onkel mid Schwager, der Restaurateur Gustav Schmidt im 55. Lebensjahre. 1854b Um stille Teilnahme bitten 0ie trauernden ttinterbliehenen. Alwine Schmidt geb.(Schulz, Wiesenstr. 27. Die Beerdigung findet am Donnerstag nachmittag 3'/.j Uhr von der Halle des neuen Pauls- Kirchhofes in der Seeftraße aus statt. SozIaidemokraliscberWaiMn des Todes-Anzeige. Am 9, Dezember verstarb unser Mitglied, der Gastwirt Gustav Schmidt Wiesenstr. 27. Ehre feinem Andenken: Die Beerdigung findet am Donncrslagnachmittag 3-j» Uhr von der Halle des neuen Pauls- Kirchhofes in der Seeftraße (Piötzensec) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 268/15 Der Borstand. der Krankenkassen und Bemls- Bezirksgruppo Berlin, Brandenburg und Mecklenburg. Todes-AnzeljsfC. DenKollcgen hiermit zur Kenntnis. daß am 8. Dezember unser Kollege »ngo Schröder von der Allgem, OrtSkrankentasse zu Berlin nach kurzem schweren Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 12. Dezember, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Rixdors, Bergstraße 133, aus nach dem alten Rixdorfer Kirchhofe in der Rudowcrstr. 16-20, statt 281/5 Ter Borstand. Todcs-3l»zeige. Am Sonntag, den 3, Dezember, verschied nach kurzem schweren Krankenlager unser Kollege Dugo Schröder im Alter von 37 Jahren. Wir verlieren in dem Dahin- gegangenen einen lieben, jederzeit bülssbereii gewesene» und treuen Älitarbciier, dessen Andenken wir in Ehren halten werden. 280/11 Die Beamte« der Allgem. Ortskrankenkaffe zu Berlin. Die Beerdigung findet am DonncrSlag, den 12. Dezember, nachmittags 3 Uhr. vom Trauer. hause, Rixdors, Bergsir. 138, aus nach den» Kirchhose Rudowcr- straße 16-20 ilalt. I—IIIIISI UM»11111111 II■Ullll— 1 1 I Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden Prinzenstr. 41, 10—2,5—7. Sonntags 10—12, 2—4. i«sds. il> U IsulzeiiiAuäL. l�ist«»« s°r>in) Jeairksverssmmwngkn: Jiotiflr t Tonncrstag. den 12. Dezember, nachm. 5 Uhr, OeZlFK I. bei Gicshoft. Plöbensee. 2 Freitag, den 15. Dezember, nachmittags 5 Uhr, » bei Fnlsel», Badstr. 12. 3 Freitag, den 13. Dezember, nachmittags 5 Uhr, • bei Hott, Etrafimannstr. 29. 4 Tonnerstag, den 12. Dezember, nachm. S Uhr, • bei Zletx, Warschaucrstr. 6t. 5 Freitag, de» 13. Dezember, nachmittags 5 Uhr, • bei Meyer, Oranicnfir. 10,1. � Freitag, den 13. Dezember. nachmittags 5 Uhr, ?, ,» MfS bei Stumpe, Alte Csafobftr. 65, Die Ortsverwaltung. Zur Weihnachts-Bescherung empfehle allen Lesern u. Vereinen mein schön sortiertes Lager in' 10721,* Spielwaren«. Poppen Potsdamerstr. 134b, am Platz. Franz Ehlert& Sohn, .. Rauchen Sie Phänomen 1 Ziehung diese Woche. Berliner'S" Lotterie. Gesamtbetrag d. Gew. i.\V. v. II. 10000 | Erster Hauptgewinn i. W. v.M.| Zweiter Hnnptgew. i.W. v. M. j 5000| 1000 Kleinster Gewinn L W. v. M. 5,—. Lose a 50 Pf., 11 Stück 5 M., Porto u. Gewinnliste 20 Pf. extra zu haben b. General-Debit] I Paul Steiulierg S Co., G. m. d. H.. S&r!iM2.Bundn beiden durch Plakate kenntl. Lotterie- u. Zigarren-Geschäften. Verband der Haler, Sackierer, Unstreicher°«°. Mclchiorstraße 28, Wiste Serlin. Fcrnspr. Amt 4. Nr. 4787. Donnerstag, heu 12. Dezember, abends 8V2 Dhr, in den nenerbavten Armmhalle«, Kommandanteustr. S8— SV(großer Saal): pp** llersammlung. Tages-Ordnung: 126/8»' 1. Tie wirtschaftliche Krise und ihre Bedeutung für die Arbeiter. Referent: Reichstags- Abgeordneter August Brey-Hannover. 2. DiSkusion. In dieser Versammlung mutz unbedingt jeder Kollege erscheinen, da eZ gilt, gegen das heutige Wirtschaftssystem zu protestieren. Tie OrtSverwaltung. Zentral-Verband der Utaurer Deutschlands. (Zwoigverein Berlin.) Tonnerstag, den IS. Dezember 1907, abends 8 Uhr, bei Frey er, Koppenstrafie 23: General» Versammlung aller zum Zweigverein gehörigen Bezirke und Zahlstellen der Maurer, der Putzer, der Gips- und Zemcntbranche, sowie der Fliesenleger. Tages-Ordnung: f. Bericht und ülbrcchmmg tom 3. Quartal und Gcsamtabrechimng der diesjährigen Lobnbeivegung. 2. Stellungnahme zu den Bedingungen über die Verschmelzung der Freien Bereinigung der Maurer mit dem Zcntralvcrband der Maurer Deutschlands. 3. Stellungnahme zur Akkordarbeit. 4. Berbaudsangelcgcnhcücn. »US?- Kollegen: Bei der hohen Wichtigkeit der Dogesordnung für a l 1 c Mitglieder ist es dringende Pflicht jedes Einzelnen, z» erfdjctnctu 210�10* Mitgliedsbuch legitimiert.— Ohne dasselbe keiu Zutritt. VI« Terbanditleltiiiig. Wahr und erwiesen ist es, daß es im Interesse eines jeden Käufers von Herren- und Knabengarderobe liegt, sich von der Leistungsfähigkeit meiner seitdem Jahre 1879 im Osten Berlins bestehenden Firma zu überzeugen. Ich führe nur gute und reelle fertige Bekleidung vom einfachsten bis zu dem elegantesten Genre. Eine Spezialität meiner Firma ist Anfertigung nach Maß von besten deutschen und englischen Stoffen in eigenen Betriebs-Werkstätten. Garantie für guten Sitz und tadellose Verarbeitung zu mäßigen Preisen. Der fortdauernd wachsende Zuspruch aus allen Kreisen bietet die beste Gewähr für die Reellität meiner Firma. JULIUS LINDENBAUM :;: Herren- und Knabengarderobe:;: Große Frankfurterstraße 141 a o p £ H a- !>4 Ecke der Fruchtstraße. 7Ö5L» p* ? ? Meine Werkstätten inh Hause sind seit Anfang März ununterbrochen im Betriebe. Arbeitslöhne zahle ich laut Tarifvertrag und beschäftige die vereinbarte Anzahl von Gesellen auf Lager- und Maßarbeit «- # W w W vrkliw»kri>KM°--KmIlrr Di« Wahl von 212 Delegierten, Vertreter der Kafienmitgltedcr zur Gencrawersammluug sür 1308 und 1303, findet aul Sonntag, den 15. d. MM, im Kewerkschastshause, Engel- User 15, Saal 5, statt. 1S416 Der Wahlakt beginnt um 10 Uhr vor- mittags und endet um 1 Uhr mittags. Wähler find sämtliche grofijäbrigcn Mitglieder. Rur Mitgliedsbuch lc- gitimiert. Die Wahl von 106 Vertretern der Arbeitgeber zur Generawcrlammlung filr 1908 und 1909 findet am Freilag, den 13. d. Ms., abends 3>/, Uhr. im Saale des„Luiscnhos", Äutoivcr- stratze 3, statt. Die Herren Arbeitgeber, welche sür die von ihnen bcschüstigten Kasten- nittgltedcr Beiträge aus eigenen Mitteln zablcii. werden zu dieser Wahl hierdurch crgcbenst eingeladen. Ouit- ttmg übergezählte Beiträge legitimiert. Berlin, den U. Dezember 1907. Der Borstand. ©. Kneiss, Vorsitzender. 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Nezmber 1997. heute Mittwoch findet für Berlin und Vororte der Zahiabend statt. Sie orkichulsiifilcht in äen LemeinSeichuIen. Keriiner Aus Lchrerkreiscn wird uns geschrieben: In Preußen wird be- wnntlich auf allen Gebieten befohlen, ausgeführt, beaufsichtigt, an- gezeigt, bestraft. Führt diese altpreußische Verwaltungsmethode s»on in politischen, militärischen und technischen Betrieben zu den widerwärtigsten Erscheinungen, so macht sie sich auf dem Gebiete der Erziehung und des Unterrichts dovpelt unangenehm bemerkbar. Handelt es sich doch hier um die Einwirkung einer selbständigen, starken und unabhängigen Persönlichkeit auf den Zögling, um diesen zu einem freien, vollseitig-entwickelten Menschen heranzubilden. Drill und Uniformität sind hier also am wenigsten am Platze. ES ist darum nur zu begrüßen, daß die Lehrerschaft gegen die lästigen Aufseher und Aufpasser in der Schule Front macht, por allem gegen die untersten Aufsichtsorgane, die ja von jeher die strengsten Hüter altpreußischer Beschränktheit und Schneidigkeit gewesen sind. Als völlig überflüssig hat sich die Ortsschulaufsicht erwiesen, keineswegs nur deshalb, weil sie in Preußen fast auSscklictzlich von Geistlichen, also Nichtfachleuten, ausgeübt wird, eine Erscheinung, die eben nur im Lande der Gottesfurcht und guten Gesinnung möglich ist; denn auch da, wo man in größeren Schulbetrieben, so auch in denen Berlins, die Lrtsschulaufsicht Fachleuten, den Rek- irren, übertragen hat, hat sich diese Einrichtung als nichts weniger als vollkommen erwiesen. Tie Rektoren gehen zwar aus den Reihen ihrer„Untergebenen" hervor, doch ist für die Zulassung zum Rektorat das Bestehen einer besonderen Prüfung erforderlich. Ten Wert derselben kann man schon daran crmessen, daß sie von der altcnburgischcn Regierung, die doch gewiß nicht im Gerüche liberaler Gesinnung steht, für überflüssig erklärt worden ist, weil die Vorbereitung zu derselben nur unnütze Zeitvergeudung ist. Da sie übrigens die Gesäßmuskeln mehr als das Gehirn in Mit- lcidcnschaft zieht, so halten sich auch die besten Kräfte der Lehrer- schaft gefliffentlich davon fern. Dafür kommen freilich auch noch andere Gründe in Betracht. Nach der Prüfung, die für die Be- Hörden keineswegs die Hauptbedingung für die Anstellung ist, kommt die oft fünfzehn und mehr Jahre wahrende Kandidatenzeit. Da gilt es, das Rückgrat geschmeidig zu halten; denn nur jähre- lange Unterwürfigkeit, unentwegte Gesinnungstüchtigkeit und ängstliches Bcobachren aller äußeren Formen läßt sie die Gnade ihrer Oberen teilhaftig werden. In Berlin ist besonders erwünscht, daß sich der Rektoratsbewerber den liberalen Stadtvätcrn, die ja die Wahl vornehmen, in den BezirkSvercinen als Faktotum zur Verfügung stellt. Sein liberaler fNannesmut darf ihn jedoch nicht etwa verleiten, mit der königlich-prcußischen Frömmigkeit und Vaterlandsliebe und deren Erbpächtern, den Pfaffen und Bureau- traten, �n Konflikt zu geraten— was nebenbei bemerkt dem mo- deinen Blockliberalen nicht weiter schwer fällt, da er es sonst mit der konservativen Regierung verdirbt, die sich das Bestätigungs- recht vorbehalten hat. Dem Strebertum und damit der Charakter- losigkeit sind also Tür und Tor geöffnet. Es ist darum auch weiter nicht verwunderlich, daß es nur in den wenigsten Fällen pädago- gischc Interessen sind, die den Rektoratsbcwcrber veranlassen, die soeben geschilderten Mühen auf sich zu nehmen. Fast immer sind rS materielle und gesellschaftliche Vorteile; denn der«chule könnte er. wie wir gleich zeigen werden, als Lehrer besser dienen. Kenner wissen auch zu erzählen, daß die Frau Rektor in vielen Fällen die treibende Kraft gewesen ist. da der Titel„Frau Lehrer" gar zu geringen Klang hat. Worin besteht nun die für den Staat so äußerst wichtige �ätig- kcit des Rektors? In erster Linie ist er Magistratsschrciber. Schulschcine, Jnventarien, Listen, Tabellen. Nachweisungen und was dergleichen untergeordnete Schreibarbeiten mehr sind, nehmen seine Haupttätigkeit in Anspruch, alles Arbeiten, die von den besseren Schülern der ersten Klasse erledigt werden können, oft auch erledigt nvrden. Zweitens ist er Ordnungswächter und Konduitenlisten- sichrer. Da gilt es sorgfältig aufzupassen, daß jeder Lehrer mit dem Glockenschlagc die Klasscntür aufreißt, daß der Unterricht mit einem Lobgefang und einem christlichen Gebet begonnen wird, daß immer der nötige Lerneifer herrscht, und nicht etiva mal ein paar Minuten dem Scherz und der fröhlichen Laune gewidmet werden und dergleichen mehr. Der innere Schulbetricb, der„Geist" des Unterrichts, ist wie alles in Preußen von oben herab durch den Lehrplan, durch metho- dische Anweisungen und tausend Verfügungen genau vorgeschrieben und geregelt, d. h. eingeschnürt und eingeengt. Als Fachmann könnte ja nun der Rektor seinen Lehrern, die unter der Last der behördlichen Anordnungen fast zusammenbrechen, durch wohl- wollende Nachsicht etwas Licht und Luft verschaffen und so das preußische Berdummungs- und Einschnürungssystem etwas mildern. Leider ist er dessen nicht mehr fähig; ist er doch lelber jahrelang der eifrigste Verehrer alles dessen, was von oben kommt, gewesen. Ja. er begnügt sich nicht einmal damit, getreulich darüber zu wachen, Forderung der gemeinsanien Leitung und Verwaltung der Schule durch Eltern und Lehrer, die dann auch berechtigt wären, sich einen Obmann selbst zu wählen, zurzeit noch nicht verwirklichen, so wäre es doch nicht uninteressant, zu erfahren, welche Stellung die freisinnigen Stadtverordneten zu dem Antrage auf Aufhebung des Rektorars in der Stadrverordnetenversammlung einnehmen würden. Hat doch die Lehrerschaft durch die Königsberger Beschlüsse selbst die Abschaffung der Orrsschulaufsicht gefordert, und da sich die Liberalen wenigstens mit Worten gern als Freunde der Schule und der Lehrerschaft aufspielen, so können sie einem derartigen Antrage schwerlich widersprechen, auch schon deshalb nicht, weil das von ihnen so gern hervorgekehrte finanzielle Interesse der Stadt dabei ge- wahrt wird; bezieht doch jeder Rektor jährlich 1350 Mark mehr Gehalt als die Lehrer. Die Einheitlichkeit des Schulbetricbes würde darunter keines- Wegs leiden. Sie ist durch den Lehrplan und die überreichen Ver- fügungen genügend verbürgt und könnte durch häufigere Konfc- rcnzen, die freilich nicht, wie das heute meistens der Fall ist, den Jnstruktionsstunden auf den Polizeibureaus gleichen dürfen, voll- ständig aufrechterhalten Iverden. Die auf ein Mindestmaß zu be- schränkenden schriftlichen Arbeiten können von jedem Lehrer erledigt werden._ partel- Hngetegenheiten« Verband sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend. Die Generalversnmmlnngeu der einzelne» Kreiswahlvereine finden auf Beschluß des Zentralvorstandes im Januar 1908 statt. Der Kassenabschluß hat in allen Kreis- vereinen am 31. Dezember dieses Jahres zu erfolgen. Wir machen die Mitglieder des Verbandes darauf auf- merksam und ersuchen, alle Abrechnungen so rechtzeitig im Verlaufe dieses Monates zu bewirken, daß überall prompte und gleichmäßige Rechnungsabschlüsse erfolgen können. _ Der Zentralvorstand. Lichtenderg. Der Zahlabend fällt wegen der Stadtverordneten- Ivahlbewegung heute aus. Die Beiträge werden gelegentlich der für Sonntag, den 15. Dezember in den Bezirkslokalen anberaumten Morgcnlprackic entrichtet. Heute Mittwoch zwei Versammlungen: Gürtelstraße 9 bei Conrad und Kronprinzenstratze 20a. bei Körner. Die Ver- sammlungen beginnen pünkltich S'/z Uhr. Donnerstag zwei Volksversammlungen: In Lichtenberg-Ost Eitclstraße 70/71„Zum Prälaten" und Frankfurter Chaussee 5 im „Schwarzen Adler". Referenten sind die Genossen Reichstags- abgeordneter D. Stückten und Stadtverordneter H e r m a ii n Schubert. Die Parteigenossen wollen für den Besuch dieser Versamm- hingen rege agitieren. Groß-Lichtcrfcldc. Der Zahlabcnd findet von heute an für die Mitglieder de» westlichen OrlSteiles bei Lasogga, die dcS östlichen wie bisher im.5kaiserhof" statt. DaS Erscheinen sämtlicher MÄ- gliedcr ist heute dringend erforderlich. Der Vorstand. Schmargendorf. Die Mitgliederversammlung findet am heutigen Mittwoch im GasthanS zum Lindenbaum. Spandauerstraße, statt. Auf der Tagesordnung steht unter anderem:„Bericblerstattung über den Preutzentag". Da dies die letzte Versammlung in diesem Jahre ist, sind die Parteigenossen ersucht, zahlreich zu erscheinen. Stralau. Der Zahlabcnd des 2. Bezirks findet heute abend im Lokal von Locke, Alt-Stralau 5, der des l. Bezirks am Mittwoch, den 18. Dezember im Lokal von Paul SchöpS, Alt-Stralau 17. statt. Die Genossen werden ersucht, zahlreich und pünktlicd zu erscheinen. Der Vorstand. M-rlcnfclde. Den Genossen zur Nachricht, daß der Zahlabend bei B e r g e r, Dorfstraße, stattfindet. berliner)Vachr!chten. Vor der Kirche. Vereinzelte Schneeflocken wirbeln durch die Luft. Ganz langsam, als hätten sie wer weiß wie lange Zeit. Eben so viel Zeit wie die Menschenmenge, die mit einer erstaunlichen Ausdauer vor dem Kirchenportal steht und zwei lange Spaliere bildet. Es sind fast nur Frauen. Mädchen und Kinder. Vor- nehme, gut ac-kleidete und auch solche aus der ärmeren Be daß auch die geringste �hördliche Anordnung peinlichst vö.kenmg Wind und Wetter. Regen und Schnee können —--■_.»r."-.i».. � ihnen nichts anhaben. Wie angewurzelt stehen sie und blicken unverivandt nach der Kirchtür. hinter der das Objekt ihrer Neugierde verschtvunden ist. Längs des Bürgersteiges halten elegante Karossen und Droschken, und ungeduldig scharren die Pferde mit den Husen. Die Kutscher und Lakaien stehen bei- sammen, rckben sich die steifen Hände und reden lachend auf einander ein. Die Kutschen lassen auf eine Hochzeit aus den oberen Kreisen schließen. Es dämmert bereits und aus den Fabriken kommen die Arbeiter scharenweise, in elligem Laufe ihrer Behausung zu- � steuernd. Schnupfend oder mit einem derben Scherz bahnen sie sich einen Weg durch die Menge.„Geht heim und stopst Eure Strümpfe I"„Zu Hause kocht die Milch über!"„Legt Eure er will auch noch selber regieren. Da das Ziel und die Methode der preußischen Erziehung von oben herab befohlen werden, da er übrigens großzügiger pädagogischer Ideen nicht fähig ist, von Unterricht selten mehr, oft aber noch weniger als„seine" Lehrer versteht, so ist es erklärlich, daß er sich auf die kleinsten Kleinig- leiten und Nebensächlichkeiten wirft. Als besonderes Steckenpferd gelte» die Paradchefte. Da glänzt ein Etikett nicht mehr im blendendsten Weiß; da hat ein Junge in kindlichem Uebermut sein Ebenbild aufs Löschblatt gemalt; da ist der Vorschwung beim„L" etwas über die vorgeschriebene Höhe hinausgeflogen, alles Kapital- verbrechen, die ihre Sühne verlangen. Mancher wird glauben, wir zeichnen hier ein Zerrbild, es handele sich in obigem um wenige Ausnahmen; das ist jedoch keines- wegS der Fall. Auf dem geschilderten Niveau steht die große Mehr der Schulaufsicht Front macht, obwohl die Rektoren Fachleute und! Autworten bleiben nicht ans und dies wiederholt sich immer aus ihren Reihen hervorgegangen sind. Haben sich doch sogar in! wseder. sobald ein neuer Schwärm Passanten kommt. End Westdeutschland besondere Klassenlehrervereine als �'""'ni'raani- sationen gegen die Rektorenvereine gebildet. Die Herren Rektoren und die, welche es werden wollen, werden ja wieder weidlich schimpfen und behaupten, es käme uns nur darauf an, sie bloßzustellen und ihr Amt bei den Eltern herab- würdigen zu wollen. Das liegt uns aber vollkommen fern; wir sind die letzten, die das Amt eines Jugendbildners unterschätzen ober ein gedeihliches Verhältnis zwischen Schule und Haus stören möchten. Für uns kommt einzig und allein das Interesse an der Schule in Frage; die einzelnen Personen sind uns dabei völlig gleichgültig. Was aber bekämpft werden muß, ist das heute in der von den Kraut- und Schlotjunkern den Pfaffen und Bureau- traten ausgelieferten preußischen Volksschule herrschende System. das solch? Erscheinungen mit Naturnotwendigkeit hervorbringt. Das Dreiklasscnwahlrccht sorgt dafür, daß das Proletariat von der Schulgesetzgebuiig und der Schulverwaltung in Preußen gänzlich ausgeschlossen ist, daß kein Arbeitervertreter das volksverdummende Treiben der herrschenden Klassen stört, und ihr pädagogischer Kommis, der Kultusminister, ist eifrigst bemüht, die Sozialdemo- kratie selbst aus den fast aller Rechte beraubten städtischen Schul- deputationen fernzuhalten.. Läßt sich auch die sozialdemokratische lich erscheint der Kirchendiener und winkt den Kutschern, sich bereit zu halten. Und nun recken sich, wie auf Kommando. die Hälse hoch. Die Augen aller heften sich erwartungsvoll aus die geheimnisvolle Pforte. Aber ihre Geduld wird noch weiter auf wie Probe gestellt. Es dauert immerhin noch eine ganze Weile. Endlich öffnet sich die Flügeltnre angelweit. Brausende Orgeltöne mischen sich in das Geräusch der Straße. Im Innern der Kirche erstrahlt ein blendendes Lichtermeer. Die Kleinsten unter den Zuschauern balanzieren auf den Fuß- spitzen, Mütter heben ihre Kinder hoch, oder diese hängen am Eisengitter, ivie der Heiland am Kreuze.„Na, drücken Sie mir man nich tot!" keift eine umfangreiche Dame und wirft den Hintenstehenden wütende Blicke zu. Nun tritt das neu- gebackene Brautpaar aus der Kirche. Sie, jung, schlank und sehr blaß, geht gesenkten Blickes und mit„züchtig verschämten" Wangen an der Seite ihres kleinen, dicken, schon stark er- grauten Gemahls, der schwerfällig neben ihr her watschelt. Ein Lakai trägt die schwere Brantschleppe, die in der Kutsche erst mit großer Sorgfalt und Umständlichkeit plaziert wird. Hinterher folgen die Trauzeugen, die aber das Interesse des Publikums weniger herausfordern. Und nun geht in den Reihen der Zuschauer das Getuschcl los, die Kleider der Braut, ihr Kranz, ihr Schleier, ihr Gang und nicht zum mindesten ihr Gesicht, alles lvird einer ein- gehenden und äußerst kritischen Würdigung unterzogen.„Hast Du die Spitzen gesehen?"„Na, und der Kranz!'„Und die Schuhe".„Aber erst das Gesicht, die eingebildete Gans!" „Ob der überhaupt noch ein geschlossener Kranz zusteht! Es kommt mir gar nicht so vor!"„Wie kann so'n junges Ding bloß so'n ollen Frosch heiraten!"„Warum denn nicht, wenn er Moneten hat?" Ein junger Bursche ist ebenfalls stehen geblieben und wirft einen„saftigen" Witz aus dem Hardenprozeß in die Gruppe. Das wirkt. Die Backfische stieben auseinander und die Frauen wenden sich entrüstet ab. Aber die Gruppe ist nun aufgelöst und die Gaffer verlieren sich rasch im Gewühl der Straße. Die Kutscher sind ebenfalls verschwunden. Auch die Flügeltüren der Kirche schließen sich und das hastende. flutende Großstaotlcben spült wie eine ungeheure Welle das kleine Momentbild hinweg. Vom Steigen der Britpreise. Tie Bäckerei des Arbeitshauses der Stadt Berlin bäckt Brot für diese Anstalt und auch für eine Reihe anderer Anstalten der Stadt, für die Waisenhäuser, das Obdach, die Krankenhäuser usw. Der Betrieb der Arbeitshausbäckerci interessiert nicht nur Fachleute aus dem Bäckereigewerbe, sondern auch weitere Kreise der Bevölkerung. DaS gilt besonders für die jetzige Zeit der Teuerung, in der das Brot und sein unaufhaltsam steigender Preis zahlreichen Familien ein Gegenstand wachsender Sorge ist. Von der Arbeitshausbäckerci wird regelmäßig der Selbstkostenpreis ihrer Erzeugnisse berechnet, weil sie sich von den anderen Anstalten nur diesen Preis erstatten läßt. Da aber in dieser Bäckerei die Ausgaben für Mehl allein etwa neun Zehntel der gesamten Produktionskosten ausmachen, so kann dort an der Aufwärts- oder Abwärtsbewegung des BrotpreiseS bcob- achtet werden, wie das Auf und Ab des Mchlprciscs wirkt. In den letzten Verwaltungsjahrcn(immer vom 1. April bis zum 31. März dcS folgenden Jahres) zahlte die Arbeitshausbäckerci für je 100 Kilogramm der drei zum Brot verwendeten Mehlsortcn im Gesamtdurchschnitt 1001: 17.01 M.. 1905: 13,97 M.. 1900: 21.02 Mark; für je 100 Kilogramm des zum Weißgebäck verwendeten Weizenmehles durchschnittlich 1904: 24,15 M., 1905: 24,36 M., 1L96: 24,82 M. Natürlich werden aus 100 Kilogramm Mehl mehr als 100 Kilogramm Gebäck gewonnen, schon deshalb, weil das dem Teig beigemengte Wasser zum Teil im Gebäck bleibt. Die Arbeits- hausbäckcrei braucht zu 1 Kilogramm Brot rund% Kilogramm Mehl und zu 1 Kilogramm Wcißgebäck% bis% Kilogramm Mehl. Sie buk z. B. im Vcrwaltungsjahr 1006 aus 328 000 Kilogramm Mehl 1097 716 Kilogramm Brot(703 835 Kilogramm Schwarzbrot, 388 331 5lilogramm Mittelbrot) und aus 50100 Kilogramm Mehl 74?7l> Kilogramm Wcißgebäck(69 724 Kilogramm Semmel, 5046 Kilogramm Milchbrot). Die Berechnung des Selbstkostenpreises ergab in den Verwaltungsjahrcn 1904. 1905, 1906 für 100' Kilo» gramm Schwarzbrot 18,11 M., 14,38 M., 15,85 M., für 190 Kilo- gramm Mittclbrot 14.74 M.. 16,97 M.. 13,16 M.. für 100 Kilo- gramm Semmel 20,68 M., 21,15 M.. 21,28 M.. für 100 Kilogramm Milchbrot 28,01 M., 20.03 M.. 31,30 M. Man sieht, daß die E r- h ö h u n g des S e l b st k o st c n p r c i s c s besonders bei dem Schwarzbrot und dem Mittelbrot sehr beträchtlich� war. entsprechend der beträchtlichen Erhöhung des Preises der für dieses Gcoäck verwendeten Mehlsortcn. Selbstverständlich kann die Bäckerei des Arbeitshauses, da ihr die billigen Häuslings zur Verfügung stehen, unter anderen Be- dingungen produzieren als eine gewöhnliche Bäckerei, unter anderen auch als irgend eine große Brotfabrik, und auch in der Qualität des Gebäcks wird cS manche Unterschiede geben. ES ist aber doch nicht ohne Interesse, neben die von der Arbeitshaus- bäckerci berechneten Selbstkostenpreise die Verkaufspreise zu setzen, die in Bäckereien Berlins für Brot und für Schrippen genommen wurden. Nach den Ermittelungen dcS Berliner Statt- stifchen Amts stellte sich in den drei Kalenderjahren 1004, 1005. 1906 der Durchschnittspreis für 100 Kilogramm Brot aus 23,50 M., 24,30 M.. 27,06 M., für 100 Kilogramm Schrippen auf 41,78 M., 42,67 M., 44,93 M. DaS Brot, das in den Bäckereien Berlins her» gestellt wird, läßt sich ungefähr vergleichen mit dem Mittelbrot der Arbeitshausbäckerci.(Von dem Unterschied zwischen Kalenderjahr und Vcrwaltungsjahr kann hier abgesehen werden.) Wir brauchen wohl nicht erst zu betonen, daß das Plus, das die Bäcker forderten, nicht etwa vollständig als Profit in ihre Taschen geflossen ist; die Bäcker haben ja unter anderem auch noch Ausgaben für Miete, Steuern usw. Wie hoch ihr Prosit tatsächlich ist und aus welch« Höhe er namentlich in Teuerungszeiten sich hält, das ist schwer festzustellen. Die Bäcker selber versichern, daß in solchen Zeiten auch sie schweren Schaden erleiden. So viel wie die Gctreideprodu- zentcn, unsere„notleidenden" Landjunker, wird aller- dings wohl kein Bäcker aus der Bwttcucrung herausholen. Hungernde Schulkinder. Die Arbeitslosigkeit wächst beständig. Täglich gesellen sich Tausende zu den Zehntauscnden, die bereits als Opfer einer un- sinnigen Produktionsweise auf dem Pflaster liegen. Damit zieht der Hunger in zahlreiche Arbeiterfamilien ein, und mit den Eltern werden Taufende von Kindern in Mitleidenschaft gezogen. Am Montagabend teilte der Vorsitzende des Vereins für Kindervolks- küchen in einer Versammlung der freisinnigen Bezirksvereine der südlichen Friedrichstadt mit, daß die Zahl der hungernden Schul- kindcr im ständigen Steigen begriffen sei. Es sind von den Rek- toren und Lehrern von 24 5 städtischen Gemeindeschulen(es gibt deren 285) rund 11 899 schulpflichtige Kinder ermittelt worden, die zu Hause kein Mittagessen erhalten und zum großen Teil ohne Frühstück zur Schule kommen. In Frage kommen 3567 Familien. Dazu kommen noch die vielen Kinder, die nicht schulpflichtig sind. aber unter den gleichen miserablen Verhältnissen zu leiden haben. Damit wird es immer dringender für die Stadtverwaltung, ernsthaft der Frage der Speisung bedürftiger Schulkinder von Stadtwegen näherzutreten. Ter von der sozialdemokratischen Fraktion gestellte hierauf bezügliche Antrag wird der Stadtvcrord- netenversammlung und dem Magistrat diese Gelegenheit geben. Tagesordnung für die Situing der Stadtocrordnetenversamm- lvng am Donnerstag, den 12. Dezember d. I., nachmittags 5 Uhr. Berichterstattung über die Vorlagen, betreffend: den Ankauf des Grundstücks Sutten fit. 40,— die Voreutwürfe zum Neuvcm einer Gemeindedoppelschule in der Schöningstratze, einer Gemeindeschule an der Zwinglcstraste, einer Gemeindedoppelschule an der Pank- straste 11/12, Ecke der Wiesenstraße, und einer dritten Oberreal- � schule auf bcin_ Grundstück Pasteurstr. 44/47, sowie eines Tuberkulosenheims auf dem Gelände des Rummelsburger Waisenhauses — und die Einrichtung einer Walderholungsstätte für 200 schwäch- liche und schulpflichtige Kinder auf dem Gelände des städtiscken Rittergutes Buch.— Vorlagen, betreffend die Mitwirkung der Stadtverordnetenversammlung bei der Erteilung von Genehmi- gütigen zu Errichtungen von Baulverken auf öffentlichen Plätzen und Straßen,— die Bewilligung von 7900 M. zur Deckung der bis zum Schluß des laufenden Rechnungsjahres voraussichtlich ent- stehenden Kosten für die vom Magistrat obliegenden Vorarbeiten zur Gebäudesteuerrevision— und die Bewilligung von 10b00 M. zur Deckung der Kosten für die Beschaffung der Grundlagen zur Grundsteuerveranlagung nach dem gemeinen Werte der Grund- stücke.— Antrag von Mitgliedern der Versammlung, betreffend die Speisung bedürftiger Schulkinder von Stadtwegen.— Vorlagen, betreffend die Herabsetzung der Pflichtstunden der Turn- warte und Turnlehrer bei den städtischen höheren Lehranstalten, — die Weiterführung der beiden nördlichen städtischen Straßen- bahnlinien vom Weddingplatz nach dem Augustenburger Platz und vom Baltenplatz(Borhageuerstraße) bis zur Warschauerbrücke,— die Aenderung der Fluchtlinie der Französischenstraße,— den Verkauf des sogenannten Köllnischen Erdberges Glindow,— die Vermietung einer Fläche der Rummelsburger Ländereien bis zum 1. Oktober 1015,— die Gewährung eines Beitrages von 2000 M. an die Gemeinde Treptow zu den Kosten der Neuvermessung von Treptow— und die Festsetzung der für die Rechnungsjahre 1908 bis 1910 zur Erstattung zu berechnenden Kosten für Verpflegung von Geisteskranken und Epileptischen in den Irrenanstalten Dall- dorf, Herzberge, Buch und Wuhlgarten. In der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpstnig der Geschlechts- krankhMcn hielt am Freitag. 0. Dezember, Herr Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Bumm einen Vortrag über„die Bedeutung der Gonorrhoe für Gesundheit und Elte". Vor Eintritt in die Tagesordnung gab der Borsitzende der Orts- ,ruppe Berlin, Herr Sanitätsrat Dr. Ö. Rosenthal, bekannt. daß die nächste Veranstaltung der Gesellschaft, ein Vortragsabend für weibliche Ange st eilte, besonders Dien st- n ä d ch e n, am 24. Januar stattfinden wird. Die praktische Aerztin, Frl. Dr. Agnes Hacker, wird die Gefahren der Unwissenheit auf dem Gebiete der Geschlechts- krankheiten schildern. Herr Geheimrat Bumm bezeichnete in seinem Vortrage die Gonorrhoe als die häufigste und darum wichtigste der Geschlechts- krankheiten, durch deren verheerende Folgen schon viel Glück in Trümmer gegangen und manche Familie ausgestorben sei. Die Frau Ivird in der Regel viel schwerer von der Krankheit betroffen, während sie beim Manne in vielen Fällen gutartig verläuft. Immerhin ist Aeugungsunfähigkeit des MaimeS als Folge von Gonorrhoe so häufig, daß sie in 20 bis 25 Proz. der kinderlosen Ehen die Ursache der Sterilität bildet. Eine andere verhängnisvolle Eigenschaft der Gonorrhoe ist aber, daß der von ihr Betroffene jahrelang, auch wenn er selbst keinerlei Beschwerden empfindet, ansteckungSiähig bleiben kann. So kommen die meisten gonorrhoischen Infektionen der Ehefrauen zustande. Bei sehr jungen Frauen ruft die Infektion ganz be- sonders schwere akute Erscheinungen hervor. Wird mm die Krank- heit, solange sie noch auf die äußeren unteren Teile beschränkt bleibt, nicht sorgfältig und ausdauernd behandelt, so steigen die krankheiterregendcn Bakterien in die inneren Teile hinauf, rufen heftige schmerzhafte Entzündungen hervor und zerstören die Fort- pslaitznngsorgatie. Nun ist die Frau chronisch imterleibskrank und bleibt kinderlos. Bisweilen geschieht dieses Aufsteigen der Krank- heit erst nach der ersten Geburt im Wochenbett. Manche Fälle heilen dann aus, nachdem die FortpflanzuirgSorgane zerstört sind, in vielen Fällen jedoch bleibt die Frau dauernd in ihrem Wohl- befinden geschädigt und kann eine Heilung nur durch operative Ent- ferttuttg der vereiterten inneren Organe, also durch Verstiimtnelung, erreichen. Redner erwähnt noch kurz die Gefahren für das Auge de« Kindes während der Geburt. Zufammenfaffend hebt Redner die Notwendigkeit der Aufklärimg über Bedeutung und Gefahren der Krankheit hervor und betont wiederholt, daß nur durch frühzeitige eindringliche und ausdauernde Behandlung durch einen Arzt unter Beobachtung strenger Diät das Aufsteigen, das Chronischwerden der Krankheit, und somit die Mehrzahl der Uebertragungen in der Ehe vermieden werden kann. Tie Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfniig der GeschlechtSkrank- hcitcn erläßt ein Preisausschreiben zur Abfassung einer volkslüm- lichen Flugschrift, welche die Gefahren der venerischen Krankheiten unter besonderer Berücksichtigung des Soldaten- und Matrosen- lebens behandeln soll. Es sind drei Preise zu 300, 200 und 100 M. vorgesehen. Die näheren Bedingungen des Preisausschreibens sind von der Geschäftsstelle der Gesellschaft, Berlin L. 14, Insel- straßo 13s, zu beziehen._ Der Reubmord in Moabit. Die Ermittelungen der Kriminalpolizei nach dem unbekannten Mörder des Kaufmanns Lehmann haben bis jetzt ein greifbares Resultat nicht ergeben. Es ist bisher allerdings festgestellt worden, daß die mit Lehmann in Verkehr stehenden Soldaten des 2. Garde- Ulanen-Regiments nicht mit dem Morde in Berbindmig zu bringen sind. Lehmann hat auch mit Angehörigen anderer Truppenteile, die zum Teile nach Berlin kommandiert sind, verkehrt. Die Ennitlelungen sind nach dieser Richtung hin noch nicht abgeschlossen. Die Obdukiiou der Leiche bewies, daß die Annahme, der Mörder habe längere Zeit sein Opfer bearbeitet, bollkommen richtig sei. Es ist den obduzierenden Acrzten in ihrer langen Praxis kein Fall bekannt, in dem eine Leiche derartig zugerichtet war, wie die Leh- mannS. Durch eine unzählige Anzahl von Stichen mit einem breiten spitzen Instrument und durch viele Schläge mit einetn Hammer sind die Knoche» des Kopfes völlig zertrümmert. Ein Schlag spaltete den Uitlerktefer mehrmals und der linke Backeitinochen ist in kleine Splitter zerhauen. Die Leiche ist bisher von der Staatsanwaltschaft noch nicht freigegeben worden. Die weiteren Zeugenvernehmungen gehen besonders nach zwei Richtungen, die durch den Geschäslsbetrieb Lehmanns und seine perversen Netgnngen bezeichnet sind. Was seine Geschäfte betrifft, so wird immer klarer, daß der Ermordete �um Teil Wucherzinsen nahm und diese zum Teil rücksichrsloS eintrieb. Wechsel, Schuld- scheine und Aiifzeichumtgen, die sich auf sie beziehen, lassen darüber keinen Zweifel. Da ließ er sich z. B. für ein Darlehn von 1000 R. einen Wechsel über 1500 Mark ausstellen. Sein Mißtrauen und feine Geldgier veranlassten ihn auch, stets sichere Bürgschaft zu verlange». Trotzdem ließ er sich aber auch noch das ganze Hab und Gut seiner Schuldner verpfänden. In seinen Geschäften halsen ihm mehrere Frauen, u. a. eine Frau M. aus der Friedrichstraße, obwohl er sonst vom weiblichen Geschlecht nichts wissen wollte. Ein Kaufmann, der ihm zuweilen die Bücher in Ordnung brachte, be- kündet, daß Lehmann auf ihn eine» idiotenhaften Eindruck gemacht babe. Dem steht gegenüber, daß er auch sehr gerissen sein konnte. Mißtrauisch war er' auch gegen diejenigen, die ihm näher standen. §re»tte Hülfe nahm er stets gern an, aber auf Gegenseitigkeit oder rkenntlichkeit durfte niemand rechnen. ES wurde festgestellt, daß Lehmann eine Zeitlang auch eine Gastwirtschaft betrieben hat, die er aufgeben mußte, weil ihm die Polizei zu unbequem wurde. Ein folgenschwerer Gernsteiiisturz, wobei zwei Personen schwer ».erletzt wurden, hat sich gestern in dem Kellergetvölbe deS Hauses Ltutteustr. IS zugetragen. Die Firma Echacffer u. Walcker läßt dort gegenwärtig Rohre legen, zu deren Montierrmg die Anlage von einem etwa zivei und einenl halben Meter hohen Gerüst erforderlich war. Der 68 Jahre alte Schloffer Friedrich Haupt. Hasenhaide 45/47 wohnhaft, und der Schlvfferlehrling Äussert waren nun gestern auf dem Gerüst damit beschäftigt. die Rohre zusammenzuschmieden. Während sie bei der Arbeit waren, brach das Gerüst plötzlich zusammen, und die beiden Per- sonen wurden mit in die Tiefe gerissen. Die Trümmer des ein- stürzenden Gerüstes fielen unglücklicherweise auf die beiden Wer- unglückten. Schwerverletzt wurden sie vom Platze getragen und nach der Unfallstation I gebracht. Der alte H. hatte schwere innere Verletzungen sowie erhebliche Brustquetschungen und der Lehrling einen doppelten Beinbruch erlitten. H. fand in der(iharite Anf- nahme, während B. nach dem Krankenhause am Urban gebracht wurde. In eine unangenehme Lage gerieten die Insassen eines Militärlustschisses, welches, wie nachträglich bekannt wird, am Sonnabend am Oder-Spree-Kanal bei Zittau landete. Der Ballon war bei Einbruch der Dunkelheit so niedrig geraten, daß sich die Gondel in den Baumkronen der Waldungen verfing und fest geriet. Die Lage für die Luftschiffer, drei Offiziere, war um so un- angenehmer, als es ihnen unmöglich war, die Gondel zu verlassen, weil sich auch das Tauwerk in den Baumzweigen verfangen hatte und die nächstliegenden Aeste zu dünn waren, um einen etwa Hinab- steigenden zu tragen. So mußten sie denn längere Zeit ausharren, bis Arbeiter vom Oder-Spree-Kanal herankamen, mit deren Hülfe es den Offizieren gelang, den Erdboden zu erreichen und das Luft- schiff zu bergen. Ter Ballon wurde später auf einem Wagen nach Friedcrsdorf gebracht und dann per Bahn nach Tegel übergeführt. Eine Hochstaplcrin. Eine Juwclcndiebin ist durch die hiesige Kriminal- Polizei in der dreißigjährigen Gesellschafterin Klara Streufert aus Greifswald in der Sebastianstraße festgenommen worden. Die St. nahm unter den verschiedensten?tamen bei hiesigen Familien Stellungen als Wirtschafterin oder Gesellschafterin an. die_fic jedoch stets nur kurze Zeit inne hatte, um bei nächster Gelegenheit unter Mitnahme der Schmucksachen der Hausfrau zu verschwinden. Bei den Anzeigen bei der Kriininalpolizei wurde die diebische Ge- sellschaftsdame bald als ein Fräulein Schmidt, bald als Fräulein Kaufmann bezeichnet, wodurch die Nachforschungen wesentlich er- schwert wurden. Dieser Tage sah eine Dame die Diebin in der Scbastianstraße, verfolgte sie und stellte fest, daß die Schwindlerin dort in der Familie eines Kaufmanns als Stütze der Hansfrau wirkte. Die Person wurde verhaftet und nach dem Untersuchungs- gefängnis übergeführt. Bei der Durchsuchung ihrer Sachen wurde ein Posten gefälschter Zeugnisse, die alle auf verschiedene Namen lauteten und kostbare Schmuckfachen vorgefunden. Den größten Teil der gestohlenen Juwelen hatte die Diebin, in der die oben genannte Streufert erkannt wurde, jedoch bereits versetzt und die Pfandscheine teils vernichtet, teils verkauft. Bisher sind fünf Fälle zur Anzeige gelangt, in denen die St. die innegehabte Per- trauensstellung zur Ausführung von Diebstählen benutzt hat. Sie wird jedoch kaum zur Rechenschaft gezogen werden können, weil das Mädchen un höchsten Grade ittorphiuinsüchtig ist. Bei der Ver- hafteten wurde eine Achtelliterslasche mit Morphium vorgefunden. Den gefährlichen Giftstoff hatte sie aus einer hiesigen Apotheke auf Grund eines gefälschten Attestes bezogen. Ein aufregender Unglücksfall hat sich am Montag auf dem Ringbahnhof Schönhauser Allee zugetragen. Ein junger Mann hatte einen soeben nach dem Bahnhof Prenzlauer Allee abfahrenden Zug besteigen wollen. Es glückte ihm auch noch, während der Fahrt die Coupetüre zu öffnen; als cr jedoch in das Abteil hineinspringen wollte, wurde er von der Tür erfaßt und niedergeschlagen. Er ge- riet nun zwischen den Bahnsteig und die Trittbretter des Waggons. Auf Zurufe von Boamten wurde der Zug sofort zum Halten gc- bracht. Zweifellos wäre der unvorsichtige junge Mann zermalmt worden, wenn es nicht dem Zugführer gelungen wäre, den Train durch einen Ruck zum Stehen zu bringen. Der Verunglückte erlitt schwere äußere Verletzungen und wurde nach der Unfallstation II. gebracht, wo er die ersten Notverbände erhielt. - Ein schwerer Strasienbahnnnfall bat sich vorgestern abend in der Schönhauser Allee ereignet. Das vierjährige Töchterchen Ella des Tischlers Jäckel, Schönhauser Allee 52, hatte vor dem Eltern- hause den Fahrdamm überschreiten wollen und geriet dabei unter den Straßenbahnwagen Nr. 2250 der Linie 57. Nachdem der Waggon zum Halten gebracht worden war, wurde die Kleine befreit und in besinnungslosem Zustand nach der Rettungswache gebracht. Tort stellte der Arzt eine schwere Gehirnerschütterung sowie schwere Kopfverletzungen fest. In. bedenklichem Zustand fand das Kind im Krankenhaus am Friedrichshain Aufnahm«. In der Unfallstation in der Brüderstraß« eingeliefert wurde am Montagnachmittag um 0 Uhr eine unbekannte Frau, die sich in einer Bedürfnisanstalt fünf Schüsse beigebracht hatte; sie wurde nach einem Kramenhanse übergeführt. Arbeiter-Bildungsschule Berlin. Nochmals machen wir darauf aufmerksam, daß der Unterricht des Genossen Katzen- stein heute ausfällt und dafür Sonntag, den 15. d. M., vormittags 10 Uhr, im Schullokal nachgeholt wird. Zu rekognoszieren. Am 6. d. M. ist im Spandauer Schiffahrtskanal an den Salzhofwiesen die Leiche eines nnbekaintteit. anscheinend dein Katismannsstande angehörigen 20— 25 Jahre alten Mannes von Schiffern ans Land gezogen worden. Der Ertrunkene ist 1,62 bis 1,68 Meter groß, hat dunkelblondes Haar, kleinen Bart, dicke Nase, aufgeworfene Lippen. Bekleidet war die Leiche mit dmtkelgrauem Ueberzieher mit Krüinmerkragen, dunkelgrauem Rock.(Pfeffer und Salz). Hose und Weste von gleicher Farbe, blaugestreister Trikot- Unterhose,� grauen, wollenen Strümpfen, Ivollenen weißen Handschuhen, Schnürstiefel», weißem Vorhemd, roter Krawatte(Nadel mit Stein), weißen Manicktelten mit Retrenknöpfen. An, kleinen Finger der linken �Hand befand sich ein Goldreif mit wafferblanetn Stein, in der Tasche eine leere Blechbüchse für einzelne Geldsorten. Besondere Kennzeichen: Born im Oberkiefer eine Zahnlücke. Die Leiche befindet sich u�der Leichen- halle des Haselhorsier Friedhofes. Mitteilungen � über die Persönlichkeit zu 0880 IV. 14 07 nimmt jede» Polizeirevier oder die Kriminalpolizei, Zimmer 330, entgegen. DoS Polizeipräfidiitm teilt mit: Am 12. Oktober d. I. hat sich die Witwe Friederike Hagen, geb. Wiek, 2. August 1838 m Gitoien geboren, aus ihrer Wohitimg Christburgerstr. 5 entfernt und loird seither vermißt. Sie ist mittelgroß, hat graumeliertes Haar, graue Augett, keine Zähne, blaffe Gesichtsfarbe und spricht Mecklenburger Dialekt. Belleidet war sie bei ihrem Fortgänge mit grünem Rock. blauer Bluse mit weißen Blumen, brmiutvollenem Umichlageiuch, schwarzen Sckmiirstieseln. schtvarzen Wollstriimpfen, weißem Hemd. blau und weiß gestreifter Parcheiidhose, Trauring, gez. A. W., ohne Kopfbedeckung. Die Vermißte ist etwas geistesschwach. ES wird daher vermutet, daß ihr ein Unglück zugestoßen ist. oder daß sie in einer Heilanstalt Anfnahme gesunden hat. Personen, welche über den Verbleib der Vermißten Auskunft geben kön»en. werden gebeten, ihre Wahrttehmuttgen der Kriminalpolizei oder einem Polizei- revier mündlich oder schriftlich zu den Akten Nr. 9333 IV 14 07 mitzuteilen. Zeugen gesucht. Personen, welche am S. Juni d. I., morgens »/.— i/s7 Uhr. gesehen haben, wie auf der Strecke von Friedrichstraße (Markthalle) bis Endstation(HallefcheS Tor) ein Herr von einem Omnibusfchaffiter mißhandelt und beschimpft wurde, werden gebeten. ihre Adresse bei Benno Pichler. Wriezenerstr. 4l. vorn IV Treppen. abzugeben. Feucrwehrbericht. In der letzten Nacht beschäftigte ein gejähr- sicher Brand die Feuerivehr längere Zeit in der Waldetnarstr. 52. Im Dachgeschoß des Ouergebäudes brannten Polstermöbel, HauSrat. Fußböden u. a. Wegen der großen Verqualmung der Auf- und Zugänge benutzte der ö. Zug bei seinem Vorgehen eine große mechanische Leiter. Durch kräftiges Löschen konnte eine weitere Ausdehnung verhütet werden. Durch Explosionen kamen gestern abend drei Brände aus. In der Prinzenstr. 77 explodierte eine Spiritusflasche, in der Reichenbergerstr. 74a. eine Bettzinkanne und in der Prinz Eugenstr. 7 eine Petroleumlampe. Es gelang in allen drei Fällen die Flammen zu löfchen und weitere Gefahren zu ver- hüten.— Nachts um 11 Uhr stand in der Zosseuerstr. 30 eine Küche und um 12 Uhr in der Bernauerstr. 74(Ruppinerstr. 39) ein Keller in Flammen. Ter erste Zug hatte in der Landsbergerstr. 21 einen Daihstuhlbrand zu löschen, der siebente Zug in der Thaerstr. 47 einen Kellerbrand. Ferner hatte die Wehr in der Mathäikirchstr. 31 und Alexanderstr. 9 zu tun. Vorort- JVaebnebtem Wie die Polizei ihre Pflicht tut. Am Sonnabend abends ging der in Rixdorf, Münchcnerstr. 17. wohnende Schneidermeister Püschel nach Berlin, um Arbeit abzu- liefern. Nach Erledigung seiner Geschäfte trank P. in einem Restaurant in der Rosenstraße ein Glas Bier. Beim Verlassen des Lokals glitt P. auf der Straße aus, schlug mit dem Kopf auf das Pflaster und verlor infolgedessen die Besinnung. Auf Veranlassung eines Schutzmanns wurde P. nach der Unfallstation gebracht, wo man ihm eine Kopfwunde verband, die er sich bei dem Fallen zu- gezogen hatte. Ter Arzi soll Herrn P., der immer noch nicht aus seiner Betäubung erwacht war, für sinnlos betrunken erklärt haben. Von der Unfallstation wurde P. nach dem Polizeigewahrsam am Alexanderplatz gebracht. Judessen verlebte Frau P. die Nacht in Angst und Sorge. Sie ivußie, daß ihr Mann nüchtern und ordentlich ist, daß er regelmäßig nach Hause zu kommen pflegte und daß er auch Legitimationspapiere bei sich trug, so daß die Frau also benachrichtigt werden konnte, falls dem Manne ein Unfall zuge- stoßen sein sollte. Am Sonntagvormittag schickte Frau P. nach dem zuständigen Rixdorfer Polizeirevier. Von dort erhielt sie den Be- scheid, man wisse auf dem Revierbureau schon seit Sonnabend abends 8 Uhr, daß sich Herr P. im Berliner Polizeigewahrsam be- finde. Nun beqab sich Frau P. selber nach dem Revierbureau und suchte dem amtierenden Wachtmeister begreiflich zu machen, daß es doch die Pflicht der Polizei wäre, sie, die Frau, von dem Unfall ihres Mannes sofort zu benachrichtigen, damit sie sich ihres Mannes annehmen könnte. Der Wachtmeister wollte eine solche Pflicht der Polizei aber nicht anerkennen.„Wenn nun mein Mann diese Nacht im Polizeigewahrsam gestorben wäre?" fragte Frau P.. worauf der Beamte eine Bemerkung machte, deren Sinn etwa war, das gehe ihn nichts an. Am Sonntag gegen mittag schickte Frau P. nach dem Polizeipräsidium in Berlin und nun wurde Herr P. nach einigen Einwendungen der Beamten entlassen und konnte zu seiner Familie zurückkehren. Das Perhalten der Polizei in diesem Falle muß im höchsten Grade befremden. Wenn die Polizei einen Mann, den sie in hüls- losem Zustande auf der Straße findet, zu seiner eigenen Sicher- heit in Gewahrsam nimmt, so mag man das gelten lassen für den Fall, daß sich die Persönlichkeit des Betreffenden nicht feststellen laßt. Im vorliegenden Falle wußte die Polizei aber, mit wem sie es zu tun hatte, denn das zuständige Polizeirevier in Rixdorf war ja kaum eine Stunde nach dem Unfall PüschelS benachrichtigt, daß dieser sich im Gewahrsam der Berliner Polizei befindet. Werden denn derartige amtliche Mitteilungen von einem Polizeibüreau an das andere nur deshalb gemacht, daß man sie fein säuberlich in die Akten einträgt und dann alles seinen Weg gehen läßt? Wäre es nicht das nächstliegende und eigentlich selbstverständlichste gewesen. daß man vom Revierbureau in Rixdorf, nachdem es Kenntnis von dem Unfälle Püschels erhalten hatte, einen Beamten in die benach- barte Wohnung Püschels geschickt hätte, um der Frau vom Schick- sal ihres Blannes Nachricht zu geben? Wir meinen, das wäre die Pflicht der Polizei gewesen, selbst dann, wenn sie annahm, es hau- dcle sich um einen Betrunkenen, was ja nicht zutreffen soll. ES wäre interessant, wenn man erfahren könnte, ob die hier in Frage kommenden Beamten in jedem Falle so handeln würden wie im Falle Püschel, auch dann, wenn ein Mann aus der sogenannten besseren Gesellschaft in demselben Zustande wie Püschel aui der Straße gefunden wird.___ Zchöneberg. Die Stadtverordnetenvetsammlung begann ihre letzte Sitzung mit einer Gcschäftsordnungsdebattc. Ter Mehrheit war aber diese Debatte unangenehm; sie stellte einen Schluhantrag, der denn auch entgegen allen parlamentarischen Regeln angenommen wurde. Ein Antrag der liberalen Fraktion, nach welchem der Magi- strat aufgefordert wird, gegen die auf Grund der Verfügung der Regierung vom 18. Juli 1907 drohende Verkürzung der Ferien für die Schöncberger Gemeittteschulen schleunigst die geeigneten Schritte zu unternehmen, fand nach kurzer Begründung und nach Befürwortung durch den Oberbürgermeister einstimmige Annahme. Ein Antrag der Stadtverordneten Schneider und Genossen vor- langte die Erhöhung des Zinsfußes der städtischen Spar- lasse von 3 Proz. auf 3'/i Proz. Der Ausschuß empfahl die Ab- lehnung dieses Antrages. Begründend wurde ausgeführt, daß die Sparkasse vor allen Dingen darauf sehen müsse, die Gelder der Sparer sicher anzulegen. Die Sparkasse könne sich nicht nach den gegenwärtigen Ztttssteigerungen richten, da die Gelder der Spare» seinerzeit zum Teil zu einem niedrigen Zinssatz ausgeliehen sind. Ten Minderbemittelten, die zum großen Teil keine oder nur Gelder in geringer Höhe auf der Sparkasse angelegt haben, wäre durch diese Erhöhung kein besonderer Vorteil gebracht. Die Ver- sammlung lehnte darauf den Antrag auf Erhöhung des Zinsfußes ab. Angenommen wurde bei dieser Gelegenheit eine Aenderung des SparkassenstatutL, nach welcher in Zukunft die Zinsen für die volle Zeit, in welcher die Gelder angelegt sind, berechnet werden. Eine äußerst heftige Debatte brachte dann der Bericht des W a h l p r ü f u n g s a u ü s ch n s s c S. Ter Ausschuß beantragte, alle Wahlen für gültig zu erklären. Gegen die Wahl zweier Herren der zweiten Abteilung, die der Unabhängigen Vereinigung an- gehören, war von den unterlegenen Liberalen Einspruch erhoben worden. Die beiden Herren waren mit einer resp. zwei Stimmen Majorität gewählt, lieber verschiedene Unregelmäßigkeiten sollten nach dem Antrage der liberalen Fraktion erst BeiveiSerhebungen angestellt werden. Hiergegen wandten sich die Vertreter der Mehr- heit. Interessant war, daß von den drei Juristen, die zu dieser Sache sprachen, jeder eine andere Meinung vertrat und rechtlich für richtig hinstellte. In namentlicher Abstimmung wurde dann der Antrag, Beweiserhebungen anzustellen, abgelehnt und gemäß dem Antrage des WahlprüfungsansschusseL beschlossen. Unter rätselhaften Umständen verstarb der Tischlenneister Wilczek, Eberöstr. 34 wohnhaft, der in der gestrigen Nacktt vor dem Hause Hauptftr. 98 auf dem Bürgersteige liegend besinnungslos aufgefunden wurde. Ein Schutzmann veranlaßte die Ueberführung des 42jährigen Manne?, der aus einer Verletzung an der Nase blutete, zu einem in der Nähe wohnenden Arzt, doch konnte dieser nur den bereits eingetretenen Tod des Tischlermeisters feststellen. Tic Todesursache vermocktte der Arzt nicht zu ermitteln. Abgesehen von der Wunde an der Nase waren äußere Verletzungen nicht zu entdecken. Tie Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt. Charlottenburfl. Ein schwerer Autowobilunfall hat sich gestern am Kurfürsten- dämm ereignet. Das ftinf Jahre alte Töchterchen Else des Portiers Beese, Rankestr. 30. war mit einigen anderen Kindern über den Fahrdamm gelaufen. Tie Kleinen hatten das Herannahen der Automobildroschke Nr. 3949 nicht bemerkt, und während cs den übrigen Kindern gelang, unversehrt den anderen Bürgersteia zu erreichen, wurde die B. von dem Kraftwagen erfaßt und überfahren. Am ganzen Körper sowie am Kopf trug die Kleine schwere Ver» letzungen davon. Passanten trugen die Verunglückte in die Woh- nung der Eltern. -Zehlendorf. Gm Gerücht, das, wenn cS sich dcstäligt, den allerschärfstcn Protest nicht nur der Arbeiterschaft, sondern sämtlicher Ztcucr- -ahlcr unseres OrteS herausfordern mutz, macht augenblicklich hier die Runde. Es handelt sich um den Neubau des Feuerwehrdienst. gcbäudcs auf dem Grundstück des alten Armenhauses in der Span. daucrstratze. Bekanntlich wurde dieser Bau erst in der vorletzten Gemcindevertretersitzung beschlossen. Die Bauarveiten wurden in mehreren Losen im Submissionswcge ausgeschrieben, und Herr Aiaurermeister Jänickc, Gcmcindcvertrcter k. Lilasse, erhielt den Zuschlag. Wir halten es ja an und für sich schon für nicht im Interesse der Gemeinde liegend, Gcmcindelicferungcn oder Bau- nusführungen an Mitglieder der Gemeindevertretung zu vergeben. Andere Gemeinden, in deren Vertretung allerdings Sozialdemo- traten sitzen, haben das Unwürdige dieses Zustandcs schon einge- sehen und beschlossen, keine Lieferungen oder Leistungen für die Gemeinde durch.Gcmeindevertreter ausführen zu lasten. In un- screm Orte scheint man kein Verständnis für diese Forderung zu babcn. Es ist auch einigerniatzen verwunderlich, daß gerade immer Herr Gemeindcvertreter Jänicke den Zuschlag erhält. Tie Ge- incindevertretung hat auch bisher stets, wenn der Herr mit seinem niedrigen Angebot nicht auskam, eventuelle Nach- tragsforderungen bewilligt und wird sie wahrscheinlich auch in der Zukunft bewilligen. Wie nun verlautet, soll Herr Jänicke die Maurerarbeit in Akkord an Akkord- maurer vergeben haben. Bewahrheitet sich dieses Gerücht, so ist das allerdings das stärkste Stück, was sich während der letzten Jahre in der Gemeinde zugetragen hat. Abgesehen davon, datz bei der jetzigen Zeit der Arbeitslosigkeit im Baugewerbe kein Mangel, sondern ein Ucberangebot von Bauarbeitern aller Art vorhanden ist, und es vor allem Pflicht der Gemeindevertretung und des Bau- amtcs wäre, zu verlangen, datz Zehlendorfer Steuer- z a h l e r bei derartigen Gcmeindcarbeitcn zuerst berücksichtigt werden» birgt die Ausführung von Bauten in Akkord schwere Ge- fahren für Leben und Gesundheit der Arbeiter selbst wie auch der svätcren Bewohner in sich. Wir fragen nun in aller Oeffcntlichkcit au: Weiß das Bauamt von diesem Gerücht, und wenn es sich be- wahrheitet, wie stellt sich dasselbe dazu? Hier ist es die Pflicht der Gemeindevertretung, dagegen einzuschreiten, lieber den matc- ricllen Interessen des Einzelnen steht das Wohl und Wehe der Ge- samtheit. Steglitz. Aus der Gemeiilbevertrctersitzung vom(3. Dezember ist zu be- richten, datz die Wahl des Architekten Sinnig zum Schöffen die Bestätigung erhalten hat und datz das Provinzial-Schnlkollc- gium seine Bedenken gegen die Neuerrichtung einer Realschule und eines Realgymnasiums nunmehr aufgegeben hat. Zur Ehrung des verstorbenen Schöffen Flcmming erhielt die Strohe 16(der- längerte Zimmermannsiratzc) den Namen Karl Flcmmingstratze, autzerdcm soll für das Kommissionssitzungszimmer ein Bildnis des Verstorbenen beschafft werden. 3M M. wurden hierzu bewilligt. Tie beantragte Anstellung eines Lehrers im Hauptamte an der Fortbildungsschule mit dem Gehalte der Mittclschullchrcr wurde bcschlostcn und ferner dem Entwurf einer neuen Grundsteuerord- nung zugestimmt. Während bisher ein Einheitssatz für alle Grund- stücke von 3 pro Mille erHoven wird, soll nach dem neuen Entwurf eine Differenzierung stattfinden dergestalt, datz von„unbebauten Grundstücken schlechthin" das Anderthalbfache, von„unbebauten an regulierten Strotzen" jedoch das Doppelte des Steuersatzes für be- baute Grundstücke erhoben werden soll. Nach dem Referenten wird es durch die stärkere Heranziehung des unbebauten Grundbesitzes r.iöglich sein, den bebauten wesentlich zu entlasten, ohne die Ge- ineindeeinnahmeii zu schmälern. Der Antrag des Gcmcindcvor- slondcs auf Erhöhung der Hundesteuer von 12 auf 2« M. jährlich fand eine merkwürdige Begründung durch den Referenten, Bürger- mcistcr Dr. Beyendorf. Er führte aus, datz von der Erhöhung weniger eine Mehreinnahme, als eine Verminderung der Zahl der Hunde in unserem Orte erwartet werde. Die erhöhte Steuer würde viele Hundcbesitzcr zur Abschaffung der Vierfützler vcr- anlassen und da* sei im Interesse der Reinlichkeit der Stratzcn und Anlagen und in sanitärer Hinsicht sehr Ivünschenswert. Wer Steglitz nicht kennt, mutz nach dieser Begründung vermuten, datz wir in bczug auf Hundcreichtum mit Konstantinopel erfolgreich konkurrieren könnten. Diese Meinung schienen auch die Mieter- vcreinlcr zu haben, denn zwei ihrer Redner traten sehr warm für diese„veratorifche Steuer", wie sie der Referent genannt hatte, ein. Nur Gemeindcvertreter Barsekow von der Grundbefitzerpartci trat sehr warm für die minderbegüterten Hundebcsitzcr ein, die allein davon betroffen würden. Ter reiche Mann werde wegen 8 M. jährlich seinen Hund»licht abschaffen. Die Erhöhung wurde schlictz- lich in erster Lesung mit geringer Mehrheit angenommen. Tie Ausfertigung des Todesurteils der„ärmeren" Hunde wird also der nächsten Sitzung vorbehalten bleiben. Vielleicht entdeckt bis dahin irgend ein Aesthetiker des Mictcrvereins, datz auch Pferde die Etratze verunreinigen und beantragt dann gleich eine„vcxatorische" Steuer auf diese Vierfützler, um damit jene unserer Mitbürger zu fassen, die noch nicht„auf den Hund gekommen" sind. Ein Antrag Radtkc und Genossen auf„Reform des Gemeindcwahl- rechts" wurde dem Gemeindevorstand zur Vorberatung über- wiesen. Mit diesem Antrag beabsichtigt der Mietervercin die Sünden seines früheren Vorsitzenden, Gcmcindevertreters Fischer (der nebenbei bemerkt, fteisinnigcr Reichstagskandidat und Vor- sitzender des liberalen Wahlvercins ist), wieder gut zu machen, der im Jahre 1001 eine Verschlechterung des Gemeindewahlrechts her- beiführen half. Dieser echte Freisinnsmann gab damals mit seiner Stimme den Ausschlag, datz nicht mehr der einfache, sondern der anderthalbfache Steucrdurcbschnitt bei der Einteilung der Klassen zugrunde gelegt ivurde. Warten wir ab, ob es gelingt, diesen Schandfleck vom Mieterverein abzuwaschen. Friedrich sfelde. Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen den Lehrer der Mädchenschule Herrn Jlius eingestellt. Wir wir berichteten, hatten am IS. Juli d. I. zwei Väter, deren Kinder von genanntem Lehrer gezüchtigt wurden, aus Grund eines ärztlichen Attestes bei der Staatsanwaltschaft Strafantrag gestellt. Die SluatSanlvaltschaft betont nun. das; das ZiichtigungSrecht nicht überschritten worden sei. Herr JliuS selbst ist, wie man unS mitteilt, vom Unterricht suspendiert ivorden. Böse Zungen behaupte», er habe eS in letzter Zeit piel mit den Kneipen gehalten. So fei er auch in der vorigen Woche. von einer nächtlichen Kneiperei heimkommend, direkt zur Schule ge- gangen; hierauf fei leine Beurlaubung erfolgt, jedenfalls wird dieser Pädagoge au Fricdrichsfelder Schulen wohl nicht mehr unter- richten. Neueuhagen(Ostbahn). Die Gründung eineS Konsumvereins bezweckte eine vom Wahl- verein für Neuenhagen»ud Umgegend an, Sonntag im Lokale von Wünsche einberufene öffentliche Versammlung. Als Referent legte der Geschäftsführer Winter von der Konsumgenossenschaft Char- lottenburg in grasten Zügen den Wert der Konsumvereine dar. Der Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. I» der Dis- kussion wurde empfohlen, sofort mit der Eintragung von Mitgliedern iür einen Konsumverein zu beginnen. Die Versammlung beschloß demgemäß. Weistensee. In einer sehr gut vesnchte«, vom Wahlvercin einberufenen öffentlichen Versammlung sprach am Mittwoch im Schloh-Etablisse- inent Genosse Max Schüttc-Berlin über„Friede auf Erden". Mit der Erklärung des Weihnachtsfestes. für den Religionslosen den? Feste der Wintersonnenwende, toelchcs den Sieg des Lichts über die Finsternis bedeute, beginnend, schilderte Redner unter dem Motto:„Das Leben ist der Menschen höchstes Gut", die Ursachen des Krieges der Vorzeiten. Sticht nur die später von der Kirche fortgesetzten Kriege, sondern auch die Kreuzzüge wie dib nach. folgenden Erbkriege usw. sind vom christlichen Standpunkt zu der- werfen. Leider lehrt heute noch die Schule die Unsitte der Kriege. statt den Kindern kulturelle Aufklärungen zu geben. Mcs würde zwar n?it Gott eingeleitet, aber die richtige christliche Menschen- liebe, d. h. den Hätz gegen den Krieg, unterlasse man gn lehren. Trotz der Haagcr Konferenz mit dein miserablen Resultat finde man leider keinen Kamps gegen den Krieg. Wie ein solcher Kampf geführt werde, beweise ja die Anklage gegen den Genossen Lieb- inccht und dessen Verurteilung. In der darauffolgenden Tis- kussion nahm ein Herr Max Baum-Berlin, Vorstandsmitglied der FriedenSgcsellschaft, das Wort. Derselbe erklärte sich zwar mit den Ausführungen des Referenten einverstanden, forderte aber zum Beitritt� in die Friedensgescllschaft auf. Sie allein sei bei genügender Stärke fähig, cinci? Kampf gegen den Krieg zu führen. Genosse Fendel wandte sich hierauf unter tosendem Beifall gegen die Friedensgesellschaft. In einer Korporation, die allen Parteien offenstehe, kann von einem Kampfe gegen den Krieg keine Rede sein. Die einzige Partei, die im Parlamente jegliche Mittel für Militär-, Marine- usw. Vorlagen verweigere, sei die Sozialdemo- kratie. Im gleichen Sinne sprach Genosse JcziorowSki. In seinem Schlutzwort bedauerte der Referent, datz die Geistlichen Weitzen- sccs trotz Einladung nicht erschienen seien. Tie Friedensgescllschaft schätze er ja auch hoch, aber sie sei leider unbekannt und wird es auch bleiben. Tie Wurzel des Uebels wird erst mit dem Siege des Volkes vernichtet zu werden. Mit einem Hoch auf die Partei wurde die Versammlung geschlossen. Potsdam. Die lcvte Sladtvcrordneten-Bersammlung beschloß eine durch- gehende Erhöhung der Beamtengehältcr. Wie der Oberbürger- Meister anführte, ist die Finanzlage der Stadt so, datz der Etat sich die Extraausgabc von 30 000 M„ die für die Erhöhung der Beamtengehältcr in Frage kommen, leisten kann. Nur über die Gründe der Gehaltserhöhung konnte man sich nicht einig werden. Einen Notstand gibt es überhaupt nicht in Deutschland, auch nicht im Beanitcnstande, behauptete der e-tadtv. Bernhard. Da aber eine staatliche Aufbesserung der Gehälter in Aussicht steht und die Stadt dann doch die Gehälter für ihre Beamten erhöhen müsse, so beschloß man folgende Gehaltsskala: Stadträte 5000— 8000 M.(Zulage 500—1000 M.); Rendanten der Sparkasse und Stadthauptkasse 1000— 5400 M.(200—-300 M. Zulage); Stadtsekrctäre und Buch- Halter 2850—4650 M.(si- 450 M.); dazu kommt noch eine pensionsberechtigte Zulage für die Oberstadtsckrctärc, Steuer- und Spar- kaffcnrcndantcn von jährlich 300 M.; Assistenten 2300— 3500 M. (+ 300 M.); Kanzleibcamien 1600— 2200 M.(+ 100 M.); Boten und Vollstrcckungsbcamtcn 1550— 1900 M.(+ 100 M.); bei den Steucrbcamtcn(jene Leute, die bis 1910 noch an den Grenzen Potsdams Wacht halten müssen, damit jedes Stückchen Fleisch ver- steuert wird) erhielten die ctatsmätzigcn Steucrerheber 150 M. und die übrigen� Steuerbeamten 100 M. Zulage; Techniker 2400 bis 4400 M. Seitens des Finanzausschusses waren für diese neu ge- gründete Klasse 200 M. mehr vorgeschlagen, was aber mit 18 gegen 18 Stimmen, tvobei die Stimme des Vorstehers, der selbst Maurer- meister ist, den Ausschlag gab, abgelehnt wurde. Die Aufbesserung der Lehrcrgchältcr steht in Aussicht. Und die städtische» Arbeiter in dem Elektrizitätswerk, dem Wasserwerk, bei der Straßenbahn, auf dem Schlachthof und bei der StratzcnreiNigün'g?' An diese Leute hat man anscheinend auf dem Rathause noch aar nicht ge- dacht. Auch die städtischen Arbeiter sollten sich mal zusammen- schließen, sei es auch vorläufig nur, um dem Magistrat und den Stadtverordneten ihre Wünsche vorzutragen.— Zu Beginn der Sitzung gab es noch einen Dringlichkcitsantrag des Stadtv. Frölich, die Wahlbezirke der 3. Abteilung anderweit einzuteilen, worüber man aber mit Rücksicht auf die bevorstehende Stichwahl vorläufig zur Tagesordnung überging. Die Bezirke mit über 5000 Wahl- berechtigten, die vier Stadtverordnete wählen, haben.sich als zu groß erwiesen. Ucber zwei Stunden nach der festgesetzten Zeit war die Wahl noch nicht geschlossen und dabei war die Wahlbeteiligung nur 25 Proz.— DaS Grundstück des alten Strahenbahndcpots wirv vorläufig bis zum 1. April 1909 zum jährlichen Mietspreise von 1600 M. verpachtet. Auf eine von verschiedenen Seiten empfohlene Einrichtung einer Stadt. Schwimmanstalt loill man sich nicht einlassen. Man befürchtet neben technischen Schwierigkeiten wohl hauptsächlich den Widerspruch der dortigen Anwohner. Vermifcktes. Eine grausige Eutdeckung. AuS Homberg, Rh., ivird folgendes berichtet: Vor mehreren Jahrzehnten erregte hier das plötzliche Verschwinden eines Bürgers großes Aufsehen. Schon damals ging das Gerücht, der Vcr- schlvundene, der sich ein Haus errichtete, sei von seinen Leuten er- mordet und eingemauert worden. Die polizeilichen Nachforschungen blieben jedoch damals ohne Erfolg. Die Angelegenheit wäre wohl völlig der Vergessenheit anheimgefallen, wen» nicht jetzt plötzlich das Verschwinden deS Mannes eine grausige Aufklärung gefunden hätte. Beim Abbruch deS fraglichen Hauses fanden die Arbeiter in einer Mauer ein anfrcchtstchcndeS Skelett, das zweifellos dem seinerzeit Verschwundenen angehört. Danach hat das Gerücht, datz der Erbauer deS Hauses von seinen Bauarbeitern erschlagen worden sei, neue Nahrung gefunden. Nach einer anderen Version soll der Täter in der Person des eigenen Sohnes des Verschwundenen zu suchen sein, der seinen Vater nach der Tat eigenhändig in das Mauerwerk eingefügt haben soll. Die Polizei hat die Untersuchung der An- gelegenheit von neuem aufgenommen. Wie Giscnlmhmmfälle entstehen. AuS K a t t o w i tz wird folgendes berichtet: Am 8. d. M. 7 Uhr 45 Min. abends ist auf der freien Strecke zwischen D a in b r a u und Oppeln der Eilzug Nr. 9 auf den Güterzug Nr. 6255 auf- gefahren. Hierbei wurden sieben Wagen des Güterzuges zertrümmert, oeide Gleise gesperrt. Personen sind, soweit bis jetzt festgestellt werden konnte, nicht zu Schade» gekommen. Der Lokalverkehr ivurde durch Unisteigen auf der llnsallstelle, der Fernverkehr durch Umleitung über Neiße mifrechterhaltcn. Am 9. d. M. vvrmittags wurde auf_ der Unfallftrecke der eingleisige und nachmittags der zweigleisige Beirieb wieder aufgenommen. Der Unfall ist auf das am vorhergehenden Tage herrschende große Schneetreiben zurück- zuführen, durch welches das gesamte Telegraphengestäuge auf genannter Strecke Umgerissen und jede telcgraphische und telephonische Verständigung unmöglich gemacht worden war. Die Züge mußten ohne jede Meldung tu Zeitabstand abgelassen werden! Da Güterzug Nr. 6255 wegen vorliegender Züge bei der Blockstelle Chroczina bei Dambran zum Hallen kam, fuhr der diesem Zuge folgeude Eilzug Nr. 9 mit mäßiger Geschwindigkeit auf den Schluß des Gülcrzliges Nr. 6255 auf. Die Untersuchung ist eingeleitet. Ei» Millionenbrandschade». Die Direktion der L e d e r w e r k e Falk u. Schnett, deren Fabrik in W i l st e r in der vergangenen Nacht total niedergebrannt ist, gibt den Schaden, der durch Versiche- rung gedeckt ist. auf etwa 2!/ä— 3 Millionen Mark an. Die Fabrik befchäsligte 250 Arbeiter. Auch ein der Fabrik gegenüber liegendes Wohnhaus ist abgebrannt. Bahnunfall. Nach einer Meldung ans Siegen wurde vor- gestern nachmittag b'/z Uhr auf Bahnhof Vormwald der Strecke Creuzthal— Marburg der Personenzug 762 bei der Ausfahrt von der sich rückwärts bewegenden Schicbelokomotive eines sich mit ihm kreuzenden Güterzuges in die Flanke gefaßt, wobei fünf Personenwagen entgleisten und umstürzten. Die unbeabsichtigte giückwärtsbewegung der Schicbelokomotive ist vermutlich auf die beim Lösen der Bremsen des Güterzuges, dessen letzte Wagen im Gefälle staiiden, eingetretene Stockung der Pufferfedern zurück- zuführen._ Der Landwirt Saßmannshausen ans Dotzlar, Kreis Wittgenstein, erlitt einen komplizierten Armbruch; außerdem wurden zehn Personen leichter verletzt. Acrztliche Hülfe war sofort zur Stelle. Die'Strecke lvar nach vier Stunden wieder fahrbar. Bis dahin wurde der Betrieb durch Umsteigen aufrechterhalten. ßriefkaften der Redaktion, Tie iiU'ifiiMie eprclt ei» 'vuchstabe und ciilc Kahl als Merkzeichen beizusugc». Briefliche Antwort wird nicht crtcilr. Eilige Frage» trage man in der Sprechstunde bor. S. 75. 1. Wenn Sie zur Lcillung des OssendarungseideS nicht er- scheinen, kann Ihre Verhaftung beschlossen werden. 2. Ja, aber die Durch- sührung ist sehr schmierig.— A. 5. 1. Liegt kein Testament vor, so kann in Ihrem Fall die Witwe innerhalb 6 Wochen nach ihrer Wahl nach dem Recht deS bürgerlichen Gesetzbuchs oder nach inärkischcm Recht erben. In letzterem Fall erhält sie die Halste der Masse, die durch Zusammenwcrseii ihres Vermögens mit dem Nachlaß cntstehl, die andere an die Kinder. Erbt sie nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch, so erhält sie"ft, die Kinder deS Nachlasses. 2. ES niuß Auseinandersetzung mit der Finna staltsindcn. i. Bö. 51. 1. Bis zum 30. Lebensjahre. Die Anmeldung müßte am 27. erfolgen. 2. Polizeipräsidium Berlin.— W. M. 340. Ja, aber unter Abzug des KranIcnlasscngeldeS,— P. F. 157.„Hamburger Echo'Hamburg. Fehlandstraßc.— K. I. 88. Die Inspektion der Marme.JnsanterU zerfallt in J. Secbataillon(Stiel) 1— 4. Kompagnie, II. Seebataillon(Wilhelms- haven) 1.— 4. Kompagnie und DJ. Stamm-Seebataillon> Wilhelmshaven) 1. und 2. Kompagnie und Stammbaiterie für daS III. Secbataillon. Zum Gouvernement Kiautschou(Tsingtau) gehört das III. Seebalaillon 1. bis ö. Konwagnic, Marinc-Feldbatteric des III. ScebataillonS und die Matrosen- artillcric-Äbicilung Kiautschou 1.— 3. Kompagnie. Der Inspektion der Küstenartillerie und des MinenwcscnS sind 4 Matro'en-Artillerieabteilimgen in Friedrichsort, Wilhelmshaven, Lehe(bez. Helgoland) und Cuxhaven mNcr- stclll.— A. K. 07. 1. Nein, allenfalls könnte innerhalb 6 Wochen nach Kenntnis des Umstandcs ein Ansechtungsoersuch gemacht werden. 2. und 3. Nein.— B. W. 84. Leider liegt Verjährung seil dem 1. Januar 1904 vor.— G. Ramlerstraste. Die Verpflichtung besteht nicht.— I. P. Budapest. Es bedarf unseres Wissens des Reifezeugnisses. Wenden Sie sich aber niit einer Zlnfrage an die dortige Universität.— Marie 67. Es gibt leider ein wciiercs Mittel nicht, das Erfolg verspricht. Sie würden lediglich Mühe und Zeit vertun.— Afrika 3!k. Sie erhalten genaue Aus- kimst bei der Postdircklion und der Sicuerdireklion, Ableilung für indirekte Steuer. Den Inhalt der Kiste müssen sie angeben.— P. Z. 7:.t. Hat ein Gewerbcircibendcr die gesetzlich ihm obliegende Anmcld ung zur Krankenkasse oder zur UnsallbcrusSgcnosscnschast unterlassen, so sind dem Erkrankte» oder Verunglückten trotzdeni die Leistungen aus der Kranben- oder Unfallversicherung vm, der Kasse oder Berussgcnossenschast zu zahlen.— — M. 04. Bei dein Amtsgericht des letzten Wohnsitzes Ihres verstorbenen Vaters.— B. 1. Rein: DaS Mädchen ist jetzt infolge seiner Bejchästigung Mitglied der Ortskrankenkasse der Schneider geworden.— G. S. 1880. Zunächst laden Sie Ihre Frau zum aintSgerichtlichen Snhnetermin. Dann klagen Sie auf Ehescheidung durch einen Rechtsanwalt beim Landgericht. Die Silage wäre aus Grund des 9 1368 des Bürgerlichen Gesetzbuchs zu erheben. Sie ist nicht ganz aussichtslos. Jede Zögerung vermehrt die Schwierigkeiten. Stach tz 1568 kann ein Ehegatte aus Scheidung klagen, wenn der andere Ehegatte durch schwere Verletzung der durch die Ehe be« gründeten Pflichteii oder durch ehrloses oder Unsittliches Verhalten eine so tiefe Zerrüttung des ehelichen Verhältnisses verschuldet bat, daß dem Ehegatten die Fortsetzung der Ehe nicht zugemutet werden kann. Berliner Marklpreilc. Ans dem amllichen Bericht der städtticheu Marktballen-Direktion.(Großhandel.) Ochsensteisch In 63-70 pr. 100 Pfd.. 11» 62 67. lllo 56-59, Bullenfleisch In 67—72, IIa 56-66, Kühe, seit 50—58, do. mager 38—46, Fresser 52—60. Bullen, dänische 53—65. Kalbileisch, Dopvcllender 110—125, Mastkälber la 83.-93. IIa 73-82, Kälber per, gen. 53—69, do. Holl. 48—54. Hammeifleiich Mast- Ummer 76—73, Hammel la 68—72, IIa 62—67, ungar. 0,00, Schafe 47—60. Schweinesietsch 50-38. Rehwild la per Pfund 0,60—0,80. IIa 0,40-0,55. Rotwild la per Pfund 0,40-0,48, do. IIa 0,30-0,36, do. Kälber 0,45—0,55. Damwild 0,40—0,55, do, Kälber 0,50—0,70. Wildschweine per Psd. 0,30—0,40. Frischlinge per Psd. 0,00. Kaninchen, groß, per Stück 0,70—0,95, do, klein 0,40. Hasen, groß per Stück 3,50—3,75, do. mittel und klein Stück 1,50—3,25. Wildenten per Stück 1,40—1,50. Rebhühner, junge per Stück 0,75—1,20,' do, alte 0,60—0,70. Fasanenhähne la, junge 2,25—3,00, do. IIa und alte 1,50—2,00. Fasancnhcnncn 1,00—1,90. Waldschnepfen p. Stück 2,00—2,25, do. IIa 1,00—1,50. Hübner, alle, p. Stück 1,110—2,00, do. IIa 0,60- 0,90, do, junge la 0,60-1,40, do. IIa 0,40-0,55. ! nuben la 0,35—0,55, do. IIa u. alte 0,25—0,35, do. ital. 0,70—0,75. Enten I» Stück 1,80—2,40, do. IIa 1,20—1,75, do. per Psd. 0,60— 0,65, do. Hamburger per Stück 3,20. Gr. nie per Pfund 0,42—0,55, do. Oderbrucher per Pfund 0,45—0,55. PouletS per Stück 0,00. Puten per Pfund 0,55—0,70. Poularden, deutsche, per Psund 0,83—1,05, Hechte per 100 Psd. 75—82, do. matt 0,00, do. grog 61, do. klein 0,00, dito mittel 0,00. Zander, malt 135, do. klein 87. dito groß 90. Schleie, unsort. 117, do. groß 0,00, do. kl Mi 0,00. Aale, klein 0,00, do. klein und mittel 0,00, dito groß 0,00. Wels 0,00. Karpfen 50ct Galiz. 59—61, do. 30— 40er, Schlcs. 66— 68, do. 50er, Schlei. 62. do. 20er, Schuppen 0,00. Plötzen 31—42, do. klein 0,00. Roddow 0,00. Blei. fische 0,00. Bunte Fische 35—41, dito matt 0,00. Barse 68—75. Karauschen 0,00. Bleie 30—36, dito matt 0,00. Aland 0,00. Quappe» 0,00. Wintcr-Rhcinlachs per 100 Psd. 0,00, Amerikanischer Lachs la neuer per 100 Psd, 110—130, do, IIa neuer 90—100. Seelachs per 100 Pfd. 0,00. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6, do. mittel Kiste 1—2, Hamb. Stiege 4—6, balbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 0,00, IIa 0,09. Bücklinge, Kieler per Wall 2—3,00, Straliundcr 0,00, engl, per Wall 2,00—3,00. Sprotten, Danziger, Kiste 0,80—1,00, do. Rügenwaldcr. Kiste 0,80—1,00. Aale, grog per Psund 1,10—1.40, mittelgroß 0,80—1,10, Nein 0.60—0,80. Heringe per Schock 5,00—9,00. Schellsische, Kiste 3,00—4,00,'/, Kiste 1,75—2,50. Sardellen, 1902 er per Anker 98, 1904« 98, 1905er 98,> 906er 35—90. Schottische Vollbcringe 1905 0.00. largo 40-44, fall. 38— 40, med. 36—42, deutsche 30—40. Heringe, neue Matje», ver'/, To. 50—120. Sardinen, ruff., Faß 1,50—1,60. Bratberinge Faß 1,20—1,40, do, Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen, Schocksaß 11, do. kleine 5—6, do. Ziiesen- 14. Krebse per Schock 0,00, große 0 00, do. mittelgroße 0,00, dito kleine 0,00 cm 0,00, do, misortiert 0,00, G alizier, groß 0,00, do. unsortiert 0,00. Eier, Land», unsortiert per Schock 4,50—5.30, do. große 6,00—6,50. Butter per 100 Psd. la 132-133, IIa 122-128,[IIa 116-122, abfallende 100-106. Saure Gurke» Sibock 4,00. Pfeffergurken Schock 4,00. Kartoffel» per 100 Pinnd Dabersche 3,00—3,50, weiße runde 2,75—3,00, map:, von. 3,00—3,25. Porree, per Schock 1,00—1,26, Meerrettich, Schock 4—10, Spinal per 100 Pfund 5— tO. Sellerie, per Schock 3—6, do, pomm, 6—8. Zwiebeln per 100 Pfd. 2,00—4,00. Petersilie, grün, Schockbnnd 0,80—1,25. Kohlrabi Schock 0,50—1,00. Retttch, bayrischer, Stück 0,04-0,10, hiesiger Schock 2,50-3,50. Mobrrüben, 100 Psd. 2,00 bis 2.50 Karolten. hiesige, Schockbund 3,00—4,00. Wirsingkohl p. Schock 4—6. Rotkohl, Schock 3-7. Weißkohl p. 100 Psd. 1,25-2.00. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 0,00. Rosenkohl, per 100 Psund 10—18. Grünkohl 2,00—5,00. Kohlrüben, Schock 2,00—3,00. Petersilienwurzel», per 100 Psd. 6—7, Schockbund 4—5,50. Schnittlauch, Töpfe Dutzd. 4—4,50. Tomaten, italienische, per 100 Psund 20,00—25,00. Row Rüben, per 100 Pfund 2,50—3,00. Rübchen, Beelitzer, per 100 Psd. 4—8, do. Teltower 16—18. Kürbis p. 100 Psd. 8—10. Eskarol per«schock 5—6. Endivien per Schock 3—6. Birnen per 100 Psd. Tiroler 0,00, Kochbirnen 3—8, Taselbirnen la 13—25, do. IIa 6—17. Aepsel, Per 100 Psund. Tiroler la 18—40, do. IIa 12—18, Tiroler, lose, per 100 Psund 10—14, do. in Kisten 120 Psund 30-70, Most-, hiesige, 2-5. Koch- 5-10. Tafel- äpjel la 15-25. do. IIa 10-12, Amerikaner. Per Faß 18-32. Italiener, lose, 100 Psd, 6—12. Wallnüsse, per 100 Psd. französische 32 bis 40, rumänische 20—27. Paranüsse 52—56. Haselnüsse, lange, 100 Pfund 43—47, do. runde 32—36. Weintrauben, Almeria, per Faß 8—20. Ananas I, per Pfund 0,70—0,90, do. II 0,40—0.50. Bananen, gelb, per 100 Psund 8—22. Kokosnüsse per 100 Stück 20—28. Krach- inaridelli per 100 Psd. 70—135. Maronen, ital, per 100 Pfund 9—18. Feigen, Spranz- per 100 Pfd. 22-27, do. Trommel- per 100 Psd. 40, do. in Kisten 28—58. Traubeiirosinen per 100 Psund 80—120. Zitronen, Meisina. 300 Stück 8.75-12,00, do, 360 Stück 8,00—11,00, do, 200 Stück 0,00, do. 150 Stück 0,00._ Wasserfttmds-Nachrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburcau. Wasserstand M e in e l. Tilsit Pregel, Jnsterburg Weichsel, Thoru Oder, Ratibor , Krossen » Frankfurt Warthe, Schriimn „ Landsbcrg Netze, Verdamm Elbe, Leiimeritz , Dresden , Barby , Magdeburg am 9. 12, cm 336°) 27 18«) 87 96 48 29 24 —58 — 17) 55 74 seit 8. 12. cm') 0 0 _ 2 "0 — 3 +16 + o2 if — 4 + 2 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandan , Rathenows Spree, Spremberg , Becskow Weser, Münden „ Minden Rhein, Maximiliansan » Kaub » Köln Neckar, Heilbron» Main, Wertheim Mosel, Trier am 9. 12. cm 82 92 III 98 132 —53 15 340 104 134 48 118 seit 8. 13. cm1) + 4 +14 0 + 2 + 2 + 6 +18 +38 +15 +14 +31 +? l)+ bedeutet Wuchs,— Fall.— * eisfrei. 0 Unierpegel.—«t Eisstand. Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz N SS B & SS B N �-*0 LS N SS B\ kS B s "M »S*fl 65 N a N S-4 2 N ***■< & N -«»> «W* K -m VA< SS NM ■m! coa j r»a| -L! '»>» ««< 2 N a 2 M .vi l-A 1 £0 | N ■H • M « es N SS müssen unsere unglaublich riesigen Winterläger geräumt sein. 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Die Bestrebungen unserer Organisation, auch in den Detailgeschäften der Herrenkonfektion Betriebswelkstätten und feste taiismätzige Löhne zu erringen, haben bei den Firmeninhabern, welche um Bewilligung dieser Forderungen angegangen wurden, unter Ausflüchten, die wir als stichhaltig nicht anerkennen können, Widerstand gefunden. Wir sehen uns deshalb genötigt, die Solidarität der Arbeiterschaft zu Hülfe zu rufen. Die Delegiene» zur Berliner Gewerkschastskommission haben einem dementsprechenden Antrage einstimmig ihre Zustimmung erteilt und die Parteigenossen von Groß-Berlin sind diesem Beschlüsse beigetreten. Dank der Solidarität der Berliner Arbeiterschaft sahen sich eine Anzahl Berliner Konfektionäre veranlaßt, Betriebswerkstälten einzurichten und tariflich festgesetzte Zeitlöhne an die Arbeiterschast zu zahlen. Wir ersuchen daher mit Gegenwärtigem die Parteigenosien und Gewerkschaftsmitglieder Berlins und Umgebung, bei ihren Einkäufen uno Bestellungen von Herren- und Knabengarderobe iii Zukunft nur die nachstehenden Geschäfte berücksichtigen z« Watten. Norden: „Hoffnung", Produktiv- Gmossenschast der j Schneider, Brunnenstr. 185. Alle von dieser Firma in den Handel gebrachten Waren werden zu den von der Oraniilsatton seit« gesetzten Bedingungen hergestellt. Wir empfehlen dieselbe daher ganz besonders. Buer Sohn, Chausseestr. 29/30. Diese Finna unterhält eine BelrtebSwerkstätte für 2t Arbeiter und hat die neunstündige Arbeitszeit eingeführt. D. Perlcberg, Chaussecstr. 63; „Blitz", Turmstr. 19. vsAon: Baer Sohn, Gr. Frankfurterstr. 20. Haake, Landsbergerstr. 91. „Blitz". Gr» Frankfurterstr. 137. ,Blitz", Rosenthalerstr. 9. „Blitz", Chaussecstr. 85. Diese Firma stellt einen grasten reil ih'.VS Umsatzes zu den geforderte» Bedingungen her. Amerikanische Berkaufshallen, Rosenthaler- stratze 53. Blitz Blitz: Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Amerikanische Berkaufshallen, Frankfurter Allee 186. Lindcnbaum, Gr. Frankfurterstr. 141. hat versuchsweise eine Werkftätte für einen geringen Teil Maßschneider eingenchiet. Süden: Lcske Ii. Lehrer, Kottbuser Damm 73. Wormann, Kottbuser Damm 77. „Blitz", Kottbuser Damm 29/30. Baer Sohn, Brückenstr. 11. Esders«. Dyckhoff, Oranienstr. 43. Heitinger, Deutsche Comp., Oranienstr. 40/41, stellen einen großen Teil ihres Umsatzes zu den gesorderten Bedingungen her. Vlesienz „Blitz", Schöneberg. Hauptstr. 10. I Esders u. Dyckhoff, Am Dönhoffplatz. Nachstehende Finnen haben die Errichtung von Betriebs- Werkstätten zugesagt: T. Adam» Leipzigerstr. 27/23. Peek u. Cloppenburg, Gertraudtenstr. 26/27. stzaüisch u. Co., Rosenthalerstr. 3. Philipp Fa bisch, Rosenthalerstr. 1. Bernhard Baer, Roseilthalerstr. 5. Jachs, Gr. Frankfurterstr. 132. Max Schendel, Rosenthalerstr. 8. Alex Bohne, Landsbergerstr. 79. Nerband der Schtteider». Schneiderinnen Tie Ortsverwaltung. Behrend, Grüner Weg 84. Ringel, Chausseestr. 31. Brunnenstr. 47. Lewq u. Co., Brunnenstr. 50, Wilmers- dorserstr. 47. Bendit, Brunnenstr. 68. Littwann. Oranienstr. 2. Joseph Wandt, Chausseestr. 80s. Th. Juras, Chausseestr. 79. Verantwortlicher Redakteur': Hans Zöe?er�Be�in�Für den Inseratenteil verantw.: Th.Glockt, Berlin. Druck u.Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Sing»& To., Berlin SW.