Ztr. SS«. BtennflKnlS'Ikdlngunäcii: JKaitnemctttS> Preis pränumetanbo j QierteljShrl. 8�0 Mk., monatl. 1,10 Kl, iröchenUich 28 Pfg, frei ms Haus. Einzelne Nununer 5 Pfg. Sonntags. nmmner inil Nultrierter Sonntags. Seilage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Post. kibonnement: 1.10 Karl pro Kanal Eingetragen in die Pofl.Zeitunas. VreisUste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn L Karl, für das übrige Ausland 3 Karl pro Könnt Postabonnements nebmcn an: Belgien. Dänemarl, Hoüand. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. Crittlnt täglich ans» BIoBtag». 24* Jahrg. Vevlinev Volksblatt. iiie InierNonz-Ledavr beträgt für die scchsgespaltene Kolonel» zeile oder deren Raum bO Pfg., für politische und gewerlichafiliche Vereins« und Bersannnlungs-Anzcigen 30 Pfg. „Kleine Hniefgen", das erste(feit« gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weiter« Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellcn-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 18 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 6 Übt nachmittags in der Expedition »bgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelcgraiiim. Adresse: „ZsaiZlliillloMt villi»". Zentratorgan der rozialdcmohrati fehen Partei Deutfchlands. Dienstag, den 17. Dezember 1907. Redaktion: 8 AI. 68, Lindenstrasae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Der Block der IReaktion. Das Zentrum tritt für Ausbeutungsfreiheit ein, wo es gilt, versinkenden Mittelschichten das Leben zu fristen; es plädiert für Arbeiterschutz, wenn und soweit die Geschäfts- interessen des Grotzkapitalismus dadurch gefördert werden. Klar und deutlich erhellt diese Verbindung grosikavitalistischer und mittelstandsretterischer Tendenzen aus seiner Agrarpolitik. Einsichtige Anhänger des Zentrums waren sich vom ersten Augenblick darüber klar, daß Schutzzölle dem selbst- wirtschaftenden Klein» und Mittelbauer nicht zu helfen vermöchten. Nicht nur der westfälische Bauernkönig v. Schorlemer-Alst wandte sich noch 1878 gegen diese und jede andere Art der Brotverteuerung, eine stattliche Anzahl literarischer Zentrumskoryphäen verurteilt die heutige Steuer- Politik aus wirtschaftlichen, rechtlichen und religiösen Gründen. So schreibt, um nur eine Stimme unter vielen sprechen zu lassen, Pachtler von einer„grausenhaften Massenarmut", die durch das Besteucrungssystem. besonders durch„Misibräiiche in der indirekten Steuer", gefördert werde. Was an Staatslasten auf die Plutokratte entfalle, sei eine Bagatelle, verglichen niit der Bürde, welche die Armen und Halbariuen zu tragen hätten. Die ökonomische Kluft zwischen reich und arm werde nicht nur täglich größer und das Proletariat zahlreicher. „sondern die Forderungen des radikalen Sozialismus gc- Winnen den Anschein der Gerechtigkeit, indem die„Expro- priatton der Expropriateurs" als Art der notwendigen Rück- crstattung auftritt." Aber gerade in der Frage der Schutzzölle offen- barte.sich mit nicht mißzuverstehender Augenscheinlichkeit, daß in der Politik die materiellen Interessen das pnmäre, die Ideologien lediglich ein sekundäres Moment darstellen. Die Bekehrung der bürgerlichen Parteien voin Freihandel zum Schutzzoll ging mit verblüffender Schnelligkeit vor sich. Als Bismarck Ende der siebziger Jahre die Schwenkung in der gesamten inneren Politik vorbereitete, nannte er in einer be- kannten Reichstagsrcde die direkten Steuern einen harten und plunipen Notbehelf. Nur die Einkomniensteuer„der wirklich reichen Leute von etiva 6000 Mark Ein- kommen an" solle man beibehalten,„nicht als Finanz- steuer. sondern mehr als Ehrensteuer"; sie könne ja so ungeheuer viel nicht einbringen. Die indirekte Steuer empfehle sich als weniger fühlbar. Für die Liberalen und die Konservativen waren das„populäre Wahrheiten" und für das Zentrum nicht minder. Namens des letzteren erklärte sich Windt- Horst„in der Forderung, die diretten Steuern in indirekte zu verwandeln oder durch Einführung' indirekter die direkten zu vermindern, mit dem Reichskanzler ein- verstanden". Da die Bewilligung aber in verschiedenen Parlamenten lag. war er besorgt, daß das„Pro- cedere" auch„Zug um Zug" vor sich gehe. Innerlich frellich war Wiudthorst ein Gegner wie des Militarismus so auch des Schutzzollsystems. Ein klerikaler Biograph macht sich ein späteres Urteil der„Franks. Ztg." über ihn zu eigen: „Dem Bestreben, seine Partei für die letzten Ziele einig und stark zu erhalten, hat er viel geopfert und zuweilen als kühler Realpolitiker auch seine eigene Ueberzeugung untergeordnet in Fragen, die anderen als unantastbare Prinzipien gelten. Er hat der Schutzzollpolitik und dem Militarismus nachgegeben, als er glaubte, daß er gegen die Strömung nicht mehr an- kämpfen konnte, ohne die Partei zu sprengen und damit die Wurzel seiner Macht zu zerstören." Die Vorgänge, die damals den Zerfall des Zentrums in greifbare Nähe gerückt hatten, lagen auf wirtschastlichem Gebiete. Dem Fortschritt zum Großkapitalismus Deutschlands ging wie allenthalben in Westeuropa eine Steigerung der Grund- rcnte voraus. Zivischen den Landestcilen östlich und westlich der Elbe bestand jedoch eine große Verschiedenheit der ländlichen Besitzverhältnisse. Bedingt durch eine teiliveise bis ins Mittelalter zurückreichende Eutwickcluug waren im Westen Mittelbesitz und Parzellenivirtschast vorherrschend ge- worden, lvährend im Osten die Latifundien überwogen. Bis in die 70cr Jahre hingen die Agrarier als Getreide- exporteure dem Freihandel an. Da setzte die Konkurrenz der nordamerikauischen Kolonisation, des argentinischen, indischen, kanadischen, australischen Getreides ein und die Grundrente fiel. Dies hätte auf die Dauer zum offenen Jnteressenkonflikt zivischen Groß- und Klein- besitz führen müssen, und ihn zu verhindern, war für das Zentrum eine Lebensfrage. Es war die erste Pgrtei, in der der Protektionisnius Fuß faßte. Die Schutzzölle nützen zwar an und für sich nur den kapitalistischen Formen der Landlvirtschaft. Aber sie boten das Mittel, den Gegensatz innerhalb der Landwirtschaft zu verschleiern, Groß- und Kleinbesitz zu einer gemeinsamen politischen Aktion von aussichtsreicher Dauer zusammenzuschließen. Auch hier befolgte das Zentrum die Taktik, die Interessen der proletarischen Schichten nicht voll zur Entwickelung gc- langen zu lassen. Die Arbeiterschaft zersplitterte es später unmittelbar, Handwerker und Bauern band cS künstlich an die Interessen der Bourgeoisie. Bald taten sich alle vom Sinken der Grundrente be- troffenen Schichten zu einem gemeinsamen protcknonistischen Vorgehen zusammen. Es fand seinen politischen Ausdruck in I einer engeren Annäherung von Zentrum und Konservativen. �Dieses Bündnis richtete seine Spitze wider die Liberalen, wurde (es doch erst dann wirkungsvoll, wenn der Liberalismus aus seiner parlamentarischen Herrschaft verdrängt und in die Ge- folgschaft jener beiden Parteien gezwungen ward. Und auch hierzu boten gerade die Schutzzölle die Handhabe. Denn sie fördern den Kapitalismus nicht nur in der Landlvirtschaft, sondern sind ein mächtiger Hebel seiner allgemeinen Entfaltung. Die Verwandlung direkter Steuern in indirekte oder eine f erabminderung jener durch Einführung dieser läßt sich der apitalismus gern gefallen. Er hat nichts zu erinnern, ivenn die Staatslasten in wachsendem Grade auf die Besitzlosen ab- gebürdet werden. Daß das der Landlvirtschaft geliehene Kapital zinsfähig bleibt, daß der Wert des Bodens und seine Ver- schuldungsgrenze und damit die Ausbeutungsmöglichkeit der ländlichen Arbeit steigen, findet gleichfalls seine Billigung. Von der ausländischen Konkurrenz befreit, plündert das heimische Kapital patriotisch den nationalen Markt. Es vermehrt sich schneller und in wachsender Progression; die Industrien konzentrieren, syndizieren, kartellieren sich. Die Tendenz zum Monopol und zu wucherischer Ausnutzung des- selben tritt offen und offener hervor. Ein Ueberfluß an Kapital entsteht, der im Inland keine Unterkunft findet. Er lvird größer und drängt energisch ins Ausland. Dic Aera der Weltpolitik hebt an! Das Proletariat bezahlt sie, das Kapital verdient daran. Landheer, Flotte, Kolonien— drei Geschäftszweige mit Ricseuprofiten! Sie stürzen den Staat in ein Meer von Schulden, das Kapital streicht Emissions- differenz und Zinsen ein. Und wie das eigene Land unter- jocht es andere Völker friedlich durch die Börse. Aber die Schutzzölle verteuern die Produktion und drücken auf den Konsum der Massen. Die schnellere Sättigung des Markts vermehrt den Abfluß an Kapital, die Entivickelungs- Möglichkeiten der Industrie gelangen nicht mit voller Wucht zum Austrag. Der Protektionismus bedeutet für die be- sitzenden Cliquen nicht nur Konzentration des nationalen Kapitals, er ist auch Mittel der Prositverteilung. Während er den Klassenkampf lvider das Proletariat verschärft, läßt er den Jnteressenkonflikt der kapitalistischen Gruppen unter einander nicht zur letzten jeweils möglichen Entfaltung kommen und wirkt so als Hebel der Sammlungspolitik. Politisch wie wirtschaftlich ist mithin der Kapitalismus an der Schutz- Zollpolitik im höchsten Grade interessiert, und deshalb sind die liberalen Parteien, die ihn parlamentarisch vertreten, die geborenen Heloten des konservativ-klerikalen Bundes, der mit der Verdeckung des Gegensatzes von großer und kleiner Grundwirtschaft erst die Vorbedingung der Schutzzollpolitik geschaffen hat. Taraus erklärt es sich, weshalb die Liberalen Wirt- schaftlich ziemlich alles, politisch nichts erreichen. So bringt auch die Blockära der Börse in den Kolonien freien Spiel- räum, aber von politischen Konzessionen an den Freisinn ist keine Rede. Doch der Block ist ein politisches Unding und eine vorübergehende Erscheinung. Nicht allein sind sich die Spekulanten der Kutte und des Säbels in der Grundfrage einig, der Steigerung ihres Profits durch Steigerung der Grundrente, und der Weg zur beiderseitigen Verständigung mithin nicht allzu schwer zu finden. Der reaktionäre Block des Zentrums und der Konservativen ist denn auch durch den Streich Bülows und die letzten Wahlen nicht gelockert, sondern innerlich gefestigt worden. Liberale Politik wäre in Deutschland nur möglich, wenn der Kampf zwischen ländlichem Groß- und Klein'besitz offen entfesselt, wenn nicht nur die politische, sondern vor allem die wirtschaftliche Einheit von Zentrum und Konservativen und damit des Zentrums selber zerrissen würde. Das letztere war es, was Bülow versuchte und was ihm mißlang. Es bedarf nach dem Gesagten keines Wortes mehr, warum es mißlingen mußte, warum seine Wahlparole wider das Zentrum mit dialektischer Notwendigkeit in eine solche wider die Sozialdemokratie umschlug. Und da die Liberalen die Voraussetzungen einer liberalen Politik nicht wollen und ernstlich gar nicht ivollen können, wird es in Deutschland nicht allein keine liberale Acra geben. Dagegen hat die Reaktion dauernden Gewinn. Der Liberalismus kann seinen Schritt vom 25. Januar nicht mehr zurücktun, schon deshalb nicht, weil er ein Ausfluß des verschärften Klassenkampfes, der Schutzzollära selber war. Er ist dazu verdammt, der Knecht der Reaktion zu sein, und die glorreiche neue Konstellation im Reichstage ändert daran nicht das geringste. ver fall lleppler-Lünter. Der Versuch der römischen Kirche, die Universität unter ihre Votmätzigkcit zu bekommen, hat in Württemberg zu einer empfindlichen Niederlage der ultramontanen Herrschsucht geführt. Am Sonnabeiidmichmittag publizierte der württembergische„Staatsanzeiger" die Entscheidung im Fall K e p p l e r- G ü n t e r. Man mutz sagen, an Deutlichkeit und Entschiedenheit läßt die Antwort, die das Ministerium dem Nottenburger Bischof Dr. K e p p l e r erteilt, nichts zu wünschen übrig. Aber auch der Tübinger Profesior Dr. Günter, der seine Lehrtätigkeit so willig den Nottenburger Wünschen anpaßte, mutz sich eine Kopfwäsche gefallen lasten, die angesichts der neudeutschen Pro- fefforen-Schmiegsamkeit wahrhaft erfrischend wirkt. Expedition: 8M. 68» Lindenatrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Der Tübinger Profestor Dr. Günter gehört der philosophischen (nicht der theologischen) Fakultät an. Er bekleidet die etatSmätzige autzerordentliche Professur für G e s ch i ch t e, die herkömmlicherweise niit Rücksicht auf die Studierenden der katholischen Theologie mit einem Gelehrten katholischer Konfession besetzt wird. Neben seinen größeren Vorlesungen hatte Dr. Günter schon als Privatdozent ini Wintersemester 1901/02 und im Sommerscmester 1802 ein einstündiges Kolleg über„Mittelalterliche Heiligen- legenden" gelesen, und diese Vorlesungen bis 1906 fortgesetzt. Im Mai 1906 veröffentlichte Dr. Günter sein Buch„Legenden- st u d i e n". dessen Inhalt die liltramontanen Kreise sehr aufregte, obgleich es so harmlos wie möglich ist. Der Bischof Dr. K e p p l e r gab dem Professor einen zarten Wink, voil der Behandlung dieses Gegenstandes abzusehen,„bis sich die Erregung gelegt habe". Professor Günter folgte diesem Winke ohne zu mucksen. Anfangs des Winterseinesters 1907/03 glaubte Profesior Günter, die„Erregung" habe sich genügend„gelegt". Er kündigte also an datz er seine eiiiftündigcn Vorlesungen über„Heiligenlcgenden" fort- setzen werde. Damit kam er aber beim Bischof böö an. Der Bischof ließ den Professor durch den Direktor des katholisch-- theologischen Komitees Dr. Reck„ersuchen", die angekündigte Vor- lesung fallen zu lassen. In der„freundschaftlichen Unter- redung" des Direktors und des Professors ließ Dr. Reck die Bemerkung fallen, falls Günter sich den„Wünschen" des Bischofs nicht füge, könne er, der Direktor. in die Lage kommen, den Kon Viktoren den Besuch der Bor- lesungen Günters zu verbieten. Die Folge der Unterredung war, datz Profesior Günter sich widerspruchslos fügte. Er wagte nicht einmal der philo- fophischen Fakultät oder dem Senat Anzeige von dem Vor- gehen d-S Bischofs zu inachen. Es verlautet, Profesior Günter habe sein Debüt als kirchlicher Märtyrer damit zu entschuldigen ver- sucht, datz er beziveifelt habe, bei einem Konflikt mit dem Bischof bei seinen Kollegen Unterstützung zu finden. Herr Professor Günter mutz demnach, was die Nückgratstärke, Ueberzeligungstreue und Kollegialität der deutschen Professorenschaft anbetrifft, seltsame Er- fahrungen gemacht haben. Das württembergische KultuSniinisterium stellt nun in seiner Entscheidung fest, datz der Fall Günter mit der letzten päpstlichen Enzyklika gegen den Modernismus insofern in keinem Zusammen- hang steht, als er sich vor dem Erlatz der Enzyklika, nämlich am 4. August d. I. abspielte. Das Ministerium teilt ferner mit, daß, als die Geschichte ruchbar wurde, die philosophische Fakultät beim Senat sich beschiverte über das Vorgehen der kirchlichen Behörde. Bei der Erstattung des eingeforderten Berichts an die Regierung hat der Senat sich die Beschwerde der philosophischen Fakultät nicht nur zu eigen gemacht, sondern auch ein amtliches Einschreiten gegen den Professor Günter gefordert. Das Ministerium hat nun dem Profestor Günter eröffnen lasten, eZ sei aufgefallen, datz er auf den voni Bischof gegebenen Rat und auf die Drohung de§ Konviktsdircktors sofort auf die Ab- Haltung der Vorlesung verzichtet habe, obwohl er als Mitglied der philosophischen Fakultät HiiT- sichtlich der Ausübung feiner Lehrtätigkeit vom Bischof unabhängig sei. Jedenfalls wäre Dr. Günter verpflichtet gewesen, von der Nichtabhaltung einer zuvor angekündigten Vorlesung der zuständigen amtlichen Stelle Anzeige zu erstatien. Dr. Günter habe d-nrch sein nicht zu billigendes Verhalten den staatlichen Behörden von vorn- herein die Möglichkeit genommen, ihn gegen das von ihm selbst als Eingriff in seine Lehrtätig- keit empfundene Vorgehen der kirchlichen Be- Hörden zu schützen." Diese scharfe Zurechtweisting dcS furchtsamen Professors gc- winnt dadurch noch an Vedeutung, als sie sich in der Haupt- fache, wenn auch indirekt, gegen den Bischof selber wendet. Dem Konviktsdircktor Reck, dein Werkzeug des Bischofs, wird eröffnet,„datz er seine Aintsbefugnisse durch die Androhung einer Matznahine, deren Anordnung im vorliegenden Falle der KonviktL- kommüsio» zugestanden wäre, überschritten habe und datz in Zukunft von ihm erwartet werde, das; er bei der Leitung des Konvikts sich genau an die gegebenen Vor- s ch r i f t e n halte." Dem Bischof als dem eigentlichen Urheber des Konflikts wird gesagt, datz er zwar das gesetzliche Recht habe, über die religiöse Erziehung der KonviktSzöglinge zu wachen, auch insofern, datz diese Erziehung nicht durch die ihnen gebotenen wistenschaftlichen Vorträge gefährdet werde.„Dagegen kann nach Ansicht deS Mini- steriumS hieraus nicht die bischöfliche Befugnis abgeleitet werden, zu dem gedachten Zlvccke gegenüber einem Universitätslehrer eine auf die Vceiiiflusjuiig seiner Lehrtätigkeit abzielende Einwirkung aus- zuüben." Nach gesetzlicher Borschrift könne„gegen einen Lehrer der katholisch- theologischen Fakultät der Universität, dessen Lehrvorträge nach dem Urteil de« Bischofs wider die Grundsätze der katholischen Kirchenlehre verstotzcn, eine Verfügung nur von der StaatSregierung getroffen werden. Dieser Grundsatz mutz umsomehr Anwendung finden, wenn eS sich um einen der philosophischen Fakultät ange- hörigen UuiversitätSlehrcr handelt." Der„Rat", den der Vn'chof dem Profcstor erteilt hat, wird sodann unter Berücksichtigung der Stellung, die der Bischof den Angehörigen seiner Diözese gegenüber einnimmt, sehr richtig als„eine die wissenschaftliche Stellung des beireffenden Lehrers gefährdende Beschrän- kung der akademischen Lehrfreiheit" charakterisiert und dein Äischof nochmals bedeutet, Laß er sich mit etwaigen Beschwerden an das Ministerium zu wenden habe. «Daß bei einer hiernach etloa erforderlichen staatlichen Verfügung der Grundsatz der aka- de mischen Lehrfreiheit Beachtung finden lvird, v e r st e h t sich von selbst." schliesit �die ministerielle Antwort. Die Entscheidung dcS württembcrgischen KultuSmiiristeriumS sticht vorteilhaft von dem Verhalten des preußischen Kultusministers im Ttraßburger Falle sowie beim Bonner Konflikt ab. So entschieden ist die klerikale Amnaßung von einer deutschen Regierung selten zurückgewiesen worden. Kuliiiengeichichte. Eine Rippenfellentzündung und ein ungeborener Vergleich haben gestern die erwartungsvollen Zuhörer, die sich im kleinen Schwurgerichtssaale des alten KriminalgerichtsgebändeS in Moabit zuni zweiten Prozeß Moltke-Harden ein gefunden hatten, um die erhofften Sensationen gebracht. Eine Nippenfellentzündung und ein ungeborencr Vergleich— boshafte Leute wollen behaupten, daß beides gleich sei. Wir müssen eS dem Scharfsinn unserer Leser überlassen, wem sie mehr Einfluß auf die Vertagung beimessen wollen, der Rippenfellentzündung oder dein ungevorenen Vergleich. Daß die boshaften Leute nicht recht haben können, beweist der Umstand, daß zwei Acrzte die Rippenfellentzündung begutachtet haben. Und außerdem ist Herr Oberstaatsauwalt Jscnbiel überzeugt, daß Herr Horden wirklich sehr bedauert, nicht erscheinen zu können. Herr Harden ist'S nämlich, der die Rippenfellentzündung hat und der den Vergleich nicht hat. Er war'S, der diesmal fehlte— im ersten Prozeß war'S eine andere Hauptperson, der Fürst Philipp Etilenbnrg. Der Prozeß soll der Prozeß der Unsichtbaren bleiben. Der Fehlende des ersten Prozesses war übrigens diesmal erschienen. Fürst Philipp Eulcnburg meldete sich beim Zeugen aufruf. Er erfüllte den Wunsch HardcnS, der im ersten Prozeß nicht laut genug verkünden konnte, wie sehr er danach dürste, dem Liebcnberger an Gerichtsstelle gegenüberzustcheu. Jetzt war er da— aber der Gegner fehlte. Die Situation ist eine andere geworden Fünf Männer sitzen am Tische des Gerichts, wo damals der Amtsrichter und die beiden stillen Schöffen saßen, und der Platz des öffentlichen Anklägers, der damals leer war. ist jetzt von zwei Männern besetzt, davon der eine, der das Wort führt, der gefürchtete Oberstaatsanwalt Jfenbiel ist, der schon so manchen Frevler am„Wohl des Staates" zur Strecke gc bracht hat, und der wenig g. neigt ist, eine Sache zu über nehmen, durch die er den Autoritäten im Staate nicht zu nützen vermeint.(Der„Vorwärts" konnte davon vor Jahres frist erzählen. Ein vertraulicher Bericht war ihm auf den Tisch geflogen, worin der Herr Oberstaatsanwalt dem Kolonial direttor empfahl, von der Verfolgung einer Anklage gegen den„Vorwärts" wegen Beleidigung der südwcstafrikamschen Schntztruppe abzusehen, weil der„Vorwärts" die Zeugnisse unzufriedener Südwestafrikakämpfer für sich ausnutzen könne.) Ein schlimmer Wechsel der Situation für Herrn Harden ist in wenigen Wochen erfolgt. Damals im ersten Prozeß konnte er stolz die Staatsanwaltschaft, die sich dem Straf antrag des Gegners versagt hatte, für sich ins Feld führen. Damals konnte er seinen Fall als einen außerordentlichen setzen, konnte er anführen, daß der übliche Verlauf einer solchen Angelegenheit in Deutschland die Elhebung der öffenb liehen Anklage und die Verurteilung dcS frechen Zeitungo schretberS zu harter Strafe ist. Ex hatte zu früh triumphiert. Heute ist der Arm der Staatsgewalt ausgereckt wider den frechen Schreiber der„Zukunft". Heute ist Graf Kuno v. Moltke nicht bloß Kläger, sondern auch Zeuge. Und das freisprechende Urteil der ersten Instanz ist wie weggewischt nach dem Willen der Staatsanwaltschaft und des Gerichts. Tic Lage ist sehr verändert. Im ersten Prozeß rief Harden stolz:«Ich hab's gewagt!" und erklärte mit dem ganzen Brustton innerlichster Empörung, der ihm zur Vcr- sügung steht, daß für ihn ein Vergleich mit dem Grafen Kuno v. Moltke ausgeschlossen sei,„und wenn ich ins Zucht- Haus müßte!"(Herr Horden wußte ganz gut, daß keine Zuchthausstrafe auf dem Vergehen stand, dessen er angeklagt war.) Heute— heute schweben VergleichSvcrhandlungen und die„National-Zeitung" behauptet mit brutaler Bestimmt- heit, daß„Graf Moltke und seine Verteidiger keine Schritte getan haben, um einen Vergleich herbeizuführen, im Gegen- teil, sie haben alle an sie herangetretenen Vorschläge als un- annehmbar abgelehnt." Dagegen seien allerdings sowohl von feiten des Herrn Harden wie seiner Freunde wiederholt Ver- suche in dieser Richtung gemacht worden. Und das„Berliner Tageblatt" meldet, daß der Vergleich bis jetzt nur daran ge- scheitert sei, daß Maximilian Harden sich weigert, sein Be- dauern über die gegen den Grafen Moltke aufgestellten Bc- hauptungcn auszusprechen. Ein Vergleich liegt in der Luft. Ein Vergleich soll die schlimmen Dinge bedecken, die die Luft deS Deutschen Reiches verpestet haben. Und bei der Persönlichkeit deS An- geklagten ist es nicht ausgeschlossen, daß er zustande kommt. Dann erhielte die öffentliche Meinung des deutschen Bürger- tums einen sänftigenden Leibumschlag zum Weihnachtsfeste, bei dessen guten Wirkungen sie schnell vergessen könnte, was sie vor einigen Wochen an bösen Dingen über Kamarilla und deutsche Regierungsweise, über die Qualitäten der Herrschenden hören mußte. Recht paßlich zum Feste des Friedens, das den Menschen ein Wohlgefallen bringen soll. Es gibt indes einige Millionen in Teutschland, die für solche Botschaften kein geneigtes Ohr besitzen und die über cm gutes Gedächtnis verfügen. ••" Die Vorgänge im Gerichtssaale boten wenig Berichtens- wertes. Der Herr Dr. Marx, der Gerichtsarzt des Kreises Teltow, bekundete zu Anfang, daß er von HardenS Bruder Gehcimrat Wifling zu diesem geholt worden sei. Ueber den Befund erklärte er: „Der Angeklagte hat anscheinend früher eine Rippenfellentzündung gehabt. von der vielleicht eine Schwäche zurückgeblieben ist. Auf Gnmd dieser alten Krankheit hat sich jetzt eine neue Reizung heraus- gestellt, zugleich besteht eine erhebliche nervöse Erschöpfung. Ich halte cS deshalb für ausgeschlossen, daß der Angellagte heute vor Gericht erscheint, und daß er sähig ist, einer Gerichtsverhandlung zu folgen. ES ist natürlich ausgefchlosien, daß in ein paar Tagen eine vollkommene Heilung eintritt. Ich halte es aber doch für möglich, daß wenigstens der akute Reizzuftand auf nervösem Gebiet nach ein paar Tagen Ruhe beseitigt wird. Genaue Zahlen lassen sich natürlich nicht angeben. Eine vollkommene Ruhe von vier bis fünf Tagen wird vielleicht genügen, den Angeklagten wieder herzustellen, daß er vcrhandlungSfähig wird." Ter Gerichtshof vertagte sich darauf bis 12 Uhr. Nach der Wiedereröffnung berichtete der vom Gericht zu Harden entsandte Medizinalrat Hoffmann über seinen Befund: Hardeu hat heftige Kopfschmerzen, Hustenanfälle und eine rechtsseitige Brustfellentzündung. Ob diese Anfälle zu einer neuen schweren Krankheit führen oder im Entstehen wieder verschwinden, ist zweifelhaft. Ich möchte eher aimehmen, daß eö sich um einen leichteren Fall handelt. Es wäre doch vielleicht zu versuchen. Herrn Horden am Donnerstag zu v e r n e h m e n. BenierkenSivert ist außerdem noch die folgende Aeußenitix dcS Herrn Oberstaatsanwalts Dr. Jscnbiel: Der Angellagte kann versichert sein, daß seitens der Staats- anwaltfchaft alles geschehen wird, um seine Nerven so sehr als irgend möglich zu schonen. kein friede auf erden! Die Weihnachtszeit scheint für den Block keine FriedenSzeit werden zu wollen. Der konservative Delegiertentag hat ja bereits auch jeder Spur von Liberalismus den Krieg erklärt. Dieser Kriegs- erklärung schließen sich die führenden konservativen Blätter mit lauter Begeisterung an. Könnte Herr Na u m a n n noch lernen, er hätte jetzt Gelegenheit dazu da« Fanfarenblasen zu erlernen Und die Konservativen gehen schonungslos vor und nehme» nicht einmal auf die heiligsten Gefühle des Poitemoimaieliberalismus Rücksicht. Gerade gegen die Börsennovelle richten sich ihre Drohungen. Di«.Äreuz-Ieitung" erklärt: „Von den Gründen, die vor elf Jahren die Konservativen bei der Börsengesetzgebnng geletiet haben, ist keiner hinfällig geworden. Zu einer so einschneidenden Veränderung, wie der Entwurf sie vorschlägt, liegen für uns keine zwingende» sachlichen Gründe vor. und es wird Aufgabe der konservative» Fraktion sein, bei dieser Gelegenheit das äo ut des recht nachdrücklich zu betonen. Die Gegenrechnung wird dem freisinnigen Blockverbündeten nicht erspart werden." Diese Ausführungen werden von der„Deutschen TageS- zeitung" noch stark unterstrichen. Sie verlangt sogar noch eine Verschärfung des BörsengesetzeS und erklärt, daß„der Entwurf ohne erhcblichcAbänderung keine Mehrheit im Reichstage finden wird. Auch sie rechnet übrigens mit einer liberalen„Gegenleistung", also mit der Erfüllung einer besonders reaktionären Forderung und hat neulich schon verkündet, daß vor deren Erfüllung an die Verabschiedung deS Börsengesetzes nicht zu denken fei. Daß dieses typische Erpresserpolitit ist,— man droht dem Börsenfreisinn mit der Zu- sügung von VermögenSnachtei'en, um durch diese Drohungen be- stimmte Leistungen zu erzwingen,— hat für Konservative keine Bedenken. Dem Freisinn wird der Revolver auf die Stirn gesetzt und er weiß, daß losgedrückt wird, wenn er nicht Junkerorder pariert. Kein Wunder, daß es dem braven Freisinn immer unheimlicher wird. Selbst das getreue Gefolgöweid BülowS, die„Franks. Ztg wird rebellisch. Die konservativen Grundsätze, grollt sie,„erlauben, wie die Generaldebatte über das Vereinsgesetz und nament- lich über das Börsengesetz gezeigt hat. also über zwei Spezialaufgaven der sogenannten Blockpolitik eine Unterstützung nur in sehr beschränktem Maße, in so be schränkten,, daß man eher von einer Gefährdung als von einer Unter st ützung sprechen kann Noch bedenklicher ist. daß die konservative Partei sich bei der Lösung der RcichSfinanzreform nicht nur jeder Ein- führong einer direkten Reichssteuer, sondern auch der Ausdehnung der ReichSerbschastösteuer, an die man als an eine VermittelungS brücke bis zuletzt gedacht hat, konsequent widersetzt. Das ergibt wirklich eine ungemein schwierige Lage für die nach st en Entscheidungen im Reiche." Dann läßt sie durchblicken, daß der Freisinn, wenn er anders den Block erhalten will, doch schließlich indirekte Steuern wird anzunehmen haben, wobei vor allem der Branntwein und der Tabak in Frage kommen. Bülow hat sich also offenbar den Junkergeboten RheiiibabenS doch schließlich gefügt. Noch wichtiger aber ist. was das Blatt über das preußische Wahlrecht zu sagen weiß: „Der konservative Parteitag will von einer Reform des preußischen Wahlrechts nichts wissen. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" meint zwar, zu den deutlichen Grenzpfählen, die er aufgeitellt Hobe, gehöre der Widerspruch gegen die Ucbertrogung deS ReichStagSwalilrechtS auf den preußischen Landtag. Wir glauben, diese Auffassung ist z u o p t i ,n i st i s ch. Der konservative Delegiertentag und die Konservativen lehnen nicht nur daS Reichötagswahlreckit für Preußen a b, sondern wir haben den Eindruck, daß sie überhaupt jede Reform dieseSWahlrechtS ablehnen, wenigstens in ihrer Mehrheit. Das wird sich im Januar, bald nach dem Wiederbeginn der Siyimgc» des AbgeordneienhauseS, zeigen. ES heißt, daß in der letzte» Zeit mit Abgeordneten verschiedener Parteien über diese Wahlrcchtsfrage verbandelt worden ist. wir glauben aber. daß dabei nicht viel heraus- gekommen ist. Entschieden ist darüber gewiß noch nichts, und es wird sich fragen, ob selbst bescheidene Erwartungen erfüllt werden." Das heißt mit anderen Worten: In der wichtigsten politischen Frage hat die Blockpolitik. waS allerdings keinem politisch Urteils sähigen je zweifelhaft sein konnte, schmählich Bankrott ge- macht. Unter solchen Uniständen muß die Arbeiterklasie darauf gefaßt sein, daß die Antwort aus die Wohlrechtsinterpellation ein Kriegserklärung der Regierung an die Arbeiter bedeuten wird. Die Konservativen haben gesprochen, die Sache ist beendet. Wir haben das vorausgesagt und wir werden es mit Freuden begrüßen, wenn endlich unzweifelhaft Klarheit geschaffen wird. Die Regierung mag sagen, was sie verantworten zu können glaubt. In der WahlrechtSfragc aber gibt eS für das preußische und daS ganze deutsche Proletariat kein Zurück, sondern nur ein B o r w ä r t S I Will die Regierung den Krieg, so mag sie ihn haben und sie mag wiffen, daß eS ein langer und schwerer, aber auch ein unablässiger Kainpf sein wird, in dem eS keine Ruhe geben darf, bis der Erfolg errungen ist. Die Dreiklasienschmach ist unerträglich, sie greift an die Ehre eineS jeden einzelnen Arbeiters. Die Erringung des gleichen Rechts ist eine Notwendigkeit unserer politischen Entwickclung über- Haupt, ihre Durchsetzung ein eiserner Zwang für daS Prole- tariat. Noch hat die Regierung Zeit. Lebt in ihr eine Spur Voraussicht, eine Spur politischen VerantwortNchkeitSgcfühlS, o wird sie eine freche Provokation, wie sie die Verlveige- rung deS Rechts der Arbeiter darstellen würde, vermeiden. ein lliilitärprozeß. Bor der Strafkammer in Köln stand Genosse E. Andrer als verantwofllicher Redakteur der„Rheinischen Zeitung' unter der Anklage, die Hauptleute v. Knapp und Mohr durch einen Artikel beleidigt zu haben, der im Juli dieses Jahres er- schien und worin Klage geführt wurde über die übermenschlichen Anstrengungen der zu einer llebung einberufenen Landwehr- l e u t e dcS 63. Infanterieregiments in Köln; als Gegenleistung. so sagte der Artikel, hätten die Leute ein Esten bekommen, daS von ihnen als unappetitlich und ungenießbar bezeichnet worden sei. Dir beiden Hauptleute bestritten als Zeugen die Angaben des Artikels, ebenso eine Reihe anderer Osfizicre und aktiver Unier- offiziere. Hauptmann v. Knapp meinte, viele Leute möchten von Hause auö bessere« Essen gewöhnt sein. Hauptmann Mohr erklärte u. a.: DaS frühe Ausstehen um 3Vz Uhr(nachts) halte er geradezu für eine Erholung. Nach dem Erscheinen dcS Artikels habe er zu den Landioehrleuten gesagt:„ES ist ein Schuft in der Kompagnie, der den Artikel verfaßt oder in die Zeitung lanciert hat." Er halte den Verkehr mit einer revolutionären Partei für gegen den Fahneneid verstoßend und den Lerfaffer des Artikels für meineidig. Landwehrunteroffizier B c r g e r bekundet als Zeuge: Der Dienst war anstrengend. Zwischen 3 Uhr und S, 30 Uhr wurde aufgestanden. Die Mannschaft beschwerte sich über daS Esten. Nach meiner Ansicht wurde in dem Artikel alles richtig dargestellt. Er sei infolge der Anstrengungen einige Zeit unpäßlich gewesen.— Landwehrmann Dachdeckermeister B o l z: Drei- bis viermal schmeckte das Essen nicht, sodoß ich eS w e g- schüttete. Tie Erbsensuppe war lediglich Brühe mit Hülsen. Erbsen waren keine zu sehen. Die Eier habe ich zum Fenster hinausgeworfen, so schlecht schmeckten sie; sie waren nicht gerade faul. Im Hof« lagen noch etwa zwanzig weg geworfene Eier. Der RciS hatte keinen Geschmack. Wenn ich mich gemeldet hätte, so hätte ich einen Tag Kasten weg gehabt. Sauerkraut aß ich nicht, ebenso keine Linsen. Soweit er gesehen, hätten wohl noch zwanzig Leute ihr Essen weggeworfen.— Landwehrunteroffizier Schriftsetzer Johnen: Wir standen um 3 oder nach 3 llhr auf. Der Dienst sei äußerst anstrengend gewesen. Die Landwchrleute hätten gesagt:„Alles was in dem Artikel stand, ist richtig." Nachdem Erscheinen deS Artikels habe eS sich gr- bessert.— Landwehrmairn Klempner Schöninger: Der Dienst war infolge drS frühen Aufsiehens sehr anstrengend. Da» Esten war schlecht. Bon, Sauerkraut bekam ich Durchfall. Die Linsen waren schwarz-blau. Man»leinte allgemein, der Artikel sei i« der Haupt- fache zutreffend. Die Landwebrmänner Odenthal und Z w i n k a u bekunden ähnlich über Dienst imd Esten. Der letztere bekundet weiter: Da mein Kind sterbenskrank war. bat ich morgens 10 Uhr den Hauptmann Mohr(die bisher ge« nannten Zeugen standen alle bei diesem Hauptmann) um Urlaub: dieser fragte erst bei der Polizei nach, und nachmittag» 5 Uhr konnte ich endlich gehen. Der Zeuge sagt noch aus: Die Graupen sahen aus wie Tapeziererllei st er, der schon einige Tage alt ist; die Linsen waren bläulich, die Kartoffeln hart. Ich schüttete mein Esten in die Abfalltonne; ich hatte genug vom Ansehe,!. Landwehrmann Maurer Terschmitten: Wir wurden auf der Mülheimer Heide so im Saude hcrumgejagt, daß 15—20 Manu wunde Füße bekamen. Die Eier rochen stark, die Kartoffeln glitschig, dieLinsen sahen aus wie eineKloake. Die ganze Stube klagte über das Essen und nannte cS ungenießbar; ich goß eS weg.— Präsident: Warum meldeten Sie nichts?— Zeuge: Da» hat beim Militär wenig Zweck.— Weiter sagt der Zeuge: Ich fand, daß der Artikel m allen Teilen der Wahrheit rntfprach. Landwehrmann S ch ä f e r: DaS Essen war sehr schlecht. DaS Sauerkraut schien mir bei der Zubereitung verdorben zu sein. D i e Linsen stanken wie ein Abtritt. Die verabreichten Eier waren meistens faul. DaS einzige Genießbare bei unserer vierzehntägigen Uebung war eine SonntagSsuppe. Die meisten Mannschaften holten das Esten nur, weil es vorgeschrieben ist. Wenn man sich meldet, so bekomnrt man zwar wegen der Meldung keine Strafe; aber später setzt es etwas ab. Der von der Staatsanwaltschaft geladene Landwehrmanu Stahl bekundet: Ich fand in meinem Essen einen fingerlangen Wurm. Ich wollte erst daS Tier vorzeigen; aber ein neben mir sitzender Mann schlug eS entzwei. Bon dirseoi Tage an sprach Haupl- mann Mohr von mir nur alS von dem„Mann mit der Wnrm- grschichle". Einige Tage vor Schluß der Uebung sagte Haupt- mann Mohr zu mir:„Wenn Sie sich nicht in acht nehmen, dann gidt rö noch schwere Tage für Sir!" DaS Essen war sehr schlecht und mir unerträglich. Die Eier waren so schlecht, daß ich sie wegwarf.— Landwehrmann Smorra(eben- falls von der Staatsanwaltschaft geladen) bestätigt die Bekundungen bezüglich des Wurms. Es sei allgemein geklagt worden. daß das Esse» scheußlich sei. Er habe meistens draußen gegessen.— Landwehnnann Winkelschröder hat nach der Wurmgcschichte vor Elel nur noch in der Kantine gegessen. Eine Anzähl aktiver Unteroffiziere behaupteten, der Dienst sei nicht anstrengend und daS Essen sei gut gewesen. Doch schon der erste der Herren mußte zugeben, daß er— auS der Unteroffiziers- kiiche beköstigt worden ist.— Major Kramer teilte mit, daß dcr Staat nur 37 Pf. für drei Mahlzeiten der Mannschaften zahle. Der Staatsanwalt hielt eine Rede, wie sie eben nur ein preußischer Staatsanwalt halten kann: Der Wahrheitsbeweis sei nicht erbracht. Der Dienst der Landwehrlcute sei eine Erholung gewesen. Bon unappetitlichen mid ungenießbaren Essen könne keine Rede sein. Die EntlastniigSzengen litten alle daran, daß sie das Militär dnrä, dieselbe Brille ansähen wie der angellagte Redakteur Straferschwrrend sei die Tendenz deS Artikels, der die Unlust an militärischen Dingen särdcrn wolle. Bei solcher Tendenz sei«S die ernste Pflicht de« Strafe, chtcrS, streng vorzugehen. DaS Borgehen deS Angeklagten fei ein Rütteln an den Grundfesten drS Staats. und dieser Wille des Angeklagten müsse bestraft werde». Er beantrage drei Monate Gefängnis. Der Verteidiger stellte zunächst einige objektive Unrichtig- leiten in der staatsanwaltlichen Rede fest. Bezüglich der Anzweiflung der EiillastnngSzengen verwies er auf die Aussagen der vom Staatsanwalt selber geladenen drei Landwchrleute. Der Dienst sei übermenschlich gewesen, da den Leuten bei den großen An st rengungen nur B— 5>/, Stunden Nacht- ruhe blieb. Denn man bei Linseninus mit Würmern, bei Graupenbrei, der aussieht wie drei Tage alter Tapeziererlleister, bei aulen Eiern, Wassersuppe mit Erbsenbälgen. Sauerkraut mit Durch- falleffekt usw., usw. nicht von nnappetlichem und ungenießbarcm Essen reden dürfe, dann wisse er nicht, was noch nötig sei. Er beantrage die Freispreckung. Nach mehr als einstündiger Beratung erkannte das Gericht, da! ich zur größeren Hälfte aus Ncscrveoffizicrcn zusammensetzte, aus 500 M. Geldstrafe, obwohl in dem Artikel nicht eine einzige Beleidigung durch die Form' enthalten und obwohl dcr Verurteilte noch unbestrast war. DaS Gericht hatre sich dem Staats- anwalt angeschlossen und die„Tendenz" bestraft, die eS in eirttn: dem Artikel angefügten Satze fand, der aber keinerlei straf« baren Inhalt hatte. Wenn die schriftliche Begründung vorliegt. werden wir auf dieses völlig unbegreifliche Urteil zurück- kommen I_ Politische deberlicht. Berlin, den 16. Dezember 1367. Zur Frage der Slnivendung des Zeugniszwauges hat dcr R e i ch s k a n z l e r ein Schreiben an die Bundesregierungen gerichtet. Die Tatsache, daß die Anwendung des Zcugniözwangs- Verfahrens in manchen Fällen nach der Lage des Einzelfalles weder zu der Bedcukung ocr Sache,»och zu dem öoeaussichtlichen Er- yebniS der Maßregel in dem richtigen Verhältnis stehe, habe schon häufig zu unliebsamen Erörterungen geführt. Dah die Gerichte in solchen Fällen die Grenzen der ihnen übertragenen Befugnisse formell eingehalten hätten, könne nicht zur Rechtfertigung dcS Verfahrens dienen. Denn das Gesetz überlasse die Anwendung des Zwangsmittels ihrem verständigen Ermessen. Es liege daher ganz im Sinne des Gesetzes, dag von der Befugnis nur da Gebrauch gemacht werde, wo es nach den Umständen des Falles unerläßlich erscheine. Ter Entwurf eines neuen Strafprozeß- gcsetzcö, der demnächst dem Bundesrat zugeben werde, enthalte denn auch Bestimmungen zur Verhütung von Mißgriffen. Aber auch jetzt schon sei es geboten, niemals ohne gebieterischen Anlaß von dem Mittel des Zcugniszivangcs Gebrauch zu machen. Bei einer entsprechenden Anweisung der Staatsanwaltschaften werde sich Wohl eine größer- Vorsicht crrcichcn lassen, ohne daß der Un- abhängigkcit der Gerichte zu nahe getreten werde. Dw Zeugniszwangsfolter kann in Wirklichkeit nur dadurch beseitigt werden, daß gesetzgeberische Vorkehrungen getroffen werden, wie sie die Sozialdemokratie bereits mehrfach vorgeschlagen hat. Die Bestimmungen in dem Sirafprozeßentwurf, auf die Bülow hinweist, genügen nach dem. waö Niebcrding darüber mitgeteilt hat. keineswegs, namentlich soweit Er- mittelungL- und Strafverfahren gegen Unbekannt in Frage kommen. Offenbar bezweckt der Reichskanzler mit seinem Vor, gehen, den Freisinn für seine unzulänglichen Halbheiten auch auf diesem Erbiete zu gc- Winnen. Steuerhinterziehuugcu. Die„Dcntschc Tageszeitung" entrüstet sich über kolossale Stuerhinterzichungen des mobilen Kapitals. Sie weist auf Grund statistischer Zahlen nach, daß der preußische Staat vom mobilen Kapital resp. Leihkapital allein jährlich um WA Millionen Mark Vermögenssteuer„geprellt" werde, denn statt eincö steuerpflichtigen Leihkapitals derer mit mehr als drei» tausend Mark Einkommen in Höhe von S3 Millionen würden tatsächlich nur 62,672 Millionen versteuert, also 25 Millionen zu wenig! Wir haben keine Ursache, die Steuerdcfraudanten des mobilen Kapitals in Schutz zu nehmen. Der ausgleichenden Gerechtigkeit wegen möchten wir jedoch konstatieren, daß auch das immobile Kapital, namentlich soweit das der Großgrundbesitzer in Frage kommt, in Steuerhinterziehungen hinter dem mobilen Kapital keineswegs zurücksteht. Bekannt ist cS ja, daß beispielsweise der Freiherr von Wangcnhcim bci� einem Besitz im Werte von Millionen keine Steuern zahlen zu müssen glaubte, da er nach seiner originellen Bcrcchnungsmethodc kein Einkommen Zu besitzen vorgab. Außerdem gestattet schon das Gesetz gerade dem Grohgru n ddesitz sovielc Abzüge aller Art, daß das Ein- kommen der notleidenden Agrarier nur höchst selten in einem Maße zur Steuer herangezogen wird, die der Billigkeit entspräche! Das Zentrum als Handlanger des Scharfmachertnms. Styrum bei Mülheim a. d. Ruhr hatte bei der diesjährigen Eemcinderatswahl die ch r i st l i ch e Arbeiter- schaft zwei Kandidaten aus ihrer Mitte aufgestellt, während bisher die Finna Thyssen u. Comp, vollständig daS Wahlfeld beherrscht hatte. Die beiden christlichen Arbeiter- kandidaten wurden mit 4M Stimmen gegen Stimmen der Hüttenpartei und M der Sozialdemokratie gewählt. Bei dieser Gelegenheit hat sich wieder einmal die Zentrums- Partei von ihrer wahren Seite gezeigt. Ob- wohl der Vorsitzende. den Zentrumspartei in Styrum den katholischen Arbeitern zugesagt hatte, daß das Zentrum sich um die Wahl in der dritten Abteilung nicht kümmern und diese ganz den katholischen Arbeitern überlassen werde, erließ die Parteileitung in letzter Stunde folgende Kund- gebung: „Bekanntlich waren neben den Kandidaten Kliever und Pfeiffer (christlich-nationale Arbeiter) die Herren Murreck und Dornbusch (Hiktttznpartei) aufgestellt lvorden. Da die Parteileitung im Jnreresfe der Wählerschaft selbst eine Stimmciizerspliiterung unter ollen Umständen vermiede» sehen möchle, so euwstehlt sie im Einverständnis mit den in Betracht kommenden Faktoren der � gesamten Wählerschaft ein einmütiges, geschlossenes Ein- treten für die Herren Dornbusch und Murreck. JJeder mit den Berbältnissen Vertraute wird hiernach beurteilen können, welche Gründe die Partei bei ihrem Borachen leiten, zumal der Grundsatz, in der dritten Abteilung Arbeiter anfzustelleir. anerkannt war, lag keine Veranlassimg vor. den bekannten, einflußreichen V e r h a I r n i s s e n e n t g e g e n z u w i r l e». lieber die Wichtigkeit und Bedeutung der kommunalen Wahlen braucht wohl kein Wort an dieser Stelle verloren zu werden. Es wird daher von jedem Wähler erwartet, daß er von seinem Wahlrecht Gebranch macht." Die Zentrumspartei spielt sich also hier, um nicht den „bekannten, einflußreichen Verhältnissen" cntgegeiizmvirkcn. als den S a ch>v a l t c r des g r o ß i n d u sl r i e l l e n Scharf machcrtu ms auf und agitiert dabei gegen die Kandidaten der ch r i st l i ch c n Arbeiterschaft. Vor dem Gcldsack liegt eben auch das„christliche" Zentrum auf dem Bauch.—_ Karl Ferdinand v. Stnmms gesammelte Werke. In Nr. 2S2 deS„Vorwärts" berichteten wir. daß im Verlage von Otto Elsner in Berlin eine Sammlung der von dem bekannten Oberscharfmacher Freiherrn v. Stumm-Halberg gehaltenen Reden erscheint— und zwar in 20 Bänden. Wie uns die Verlags- buchhandlung mitteilt, ist diese Angabe nicht ganz richtig. Das „gesamte monumentale Werk" wird voransstchtlich nicht 20, sondern nur„etwa 12 Bände"— jeder Band allerdings 30 bis 40 Bogen. Lexikonformat, stark— nmfassen, so daß man schon für den Preis von 72 Mark glücklicher Besitzer dieser unerschöpflichen geistigen Fundgrube werden kann.— Preußische Polizei. In D o r t m n n d kam der Student Brinkmann nachts von einer Geburtstagsfeier über den Körnerplatz und sah, wie ein Mann von zwei Schutzleuten angehalten wurde und zur Wache geführt werden sollte. Brinkmann, der die Festnahme de? Arbeiters für ungerecht- fertigt hielt, mischte sich hinem und wurde deswegen ebenfalls ab- geführt. Auf dem Wege zur Wache will der Student von dem Schutzmann Willkühn beleidigt und auf der Polizei- station blutig mißhandelt worden sein. Dieserhalb hatte sich der genannte Schutzmann vor- der Strafkammer in Dortmund zu verantworten. Er bestritt, von einer Anzahl Kollegen unterstützt, sowohl die Beleidigung wie die Mißhandlung, wobei sich heraus- stellte, daß die Aussagen der Schutzleute mit denen einer ganzen Reihe von einwandfreien Zeugen in schroffem Widerspruch standen. Weiter wurde festgestellt, daß die Verhaftung dcS Arbeiters nur deshalb erfolgt war. weil dieser in der wannen Sommernacht seinen Rock ansgezogeil hatte und mit Hemdsärmeln über die Straße ging. Auf die Bemerliuig des Vorsitzenden, dieses fei doch iiuit kein Grund, eine» Manu zu verhaften, da weder ein Ver- stoß gegen die öffentliche Ordnung, noch sonst eine strafbare Hand- lung vorgelegen habe, erklärte der Schutzmann Zacharias:„Wir wurden darauf aufmerksam gemacht, daß der. Mann sich d och erkälten könnte!" Das Gericht beschloß auf Antrag der Staatsanwaltschaft, die drei Schutz- leute, die zugunsten des Angeklagten aussagten, nicht zu vereiden, da sie der Begünstigung dringend verdächtig seien. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten eine Gefängnisstrafe von 4 Monate» 14 Tagen. Das Gericht erkannte auf eine Gefängnisstrafe von 4 Monaten und 1 Woche. In dem Urteil hieß es, daß die Schutzleute keinen Glauben verdienten, der Gerichtshof habe die Ueber- zeugimg gewonnen, ihre Aussagen seien getragen von der Absicht, den Angeklagten der Strafe zu eut- ziehen. Wie in der Verhandlung festgestellt wurde, sind einige der Schutzleute bereits in einer Sache vor dem Schöffengericht wegen Un glaub würdigkeitnichtvcreidigt worden. Keine Gefühlsverzettelung. Wir gestehen, wir haben eine gewisse Schwäche süc die Wittels- bachsr!„Einer von denen da unten", der Prinz Ludwig, hat eine recht gute Wahlrcchtsrcde gehalten, wie es keiner da oben noch fertig gebracht hat. Die da unten scheinen überhaupt leichter zu lernen. Vielleicht liegt cS an der Lehrmethode, die da unten, wobei Ivir jetzt freilich nicht die Prinzen meinen, angewandt worden ist. Aber die Schwäche für einige da unten kann uns nicht blind da- gegen machen, daß man Herrn Strcsemann bitteres Unrecht tut. Warum entrüstet man sich eigentlich? Herr Strescmann hat den Prinzen Ruprecht so angesprochen, als wäre er ein gewöhnlicher Mensch und kein Prinz. Herr Strcsemann ist doch Sachse und hat daher nur die Verpflichtung, vor dem sächsischen König und seiner Familie in Ehrfurcht zu ersterben. Er hat ganz recht, wenn er sich gegen die erweiternde Interpretation seiner dynastischen Gefühle wehrt. Darunter müßten diese doch leiden; denn nach den wieder- holten und glaubwürdigen Versicherungen, auf die wir uns als Laien in dynastischen Gefühlen verlassen müssen, kann die Glut- Hitze dieser Gefühle gar nicht mehr gesteigert werden. So heiß aber können diese Gefühle nur bleiben, wenn sie sich auf einen Punkt konzentrieren. Werden sie auf die vielen Dynastien Deutsch. lands ausgedehnt, so kann auf die einzelnen nicht mehr ein gleich starkes Gefühl entfallen. Es müßte eine Abnahme der dynastischen Gefühle eintreten. In der Beschränkung zeigt sich aber der Meister. Herr Strcsemann könnte bei all seinem Talent nicht ebenso dynastisch für die 2Vj, Dutzend deutscher Dynastien oder wie viele ihrer sonst sind entflammt sein, wenn er die Hitze seiner Begcistc- rung auf alle verteilen, statt auf eine konzentrieren würde. Aber es will uns auch scheinen, daß in dieser Beschränkung der dynastischen Gefühle ein Weg gezeigt ist. nun vielleicht doch einmal dieser Art von Gefühlsduselei den Garaus zu mache». Denn schließlich fühlen sich immer mehr lpkcnschen nicht in erster Linie als Preußen, Sachsen. Bayern usw., sondern als Deutsche. Damit werden sie aber auch die hohcnzollerschcn, wcttinischen. wittels- vacherschcn Gefühle immer mehr los. Für Herrn Strcsemann ist der Prinz Ruprecht„Einer da unten". Natürlich wird ein guter Bayer leicht zu dem verderblichen Gedanken geführt, ein Hohen- zollcr oder ein Wettincr sei Einer da oben. Für den Deutschen gibt es innerhalb Deutschlands kein„unten" oder„oben". sondern nur die eine Nation. Ilnd so bleibt schließlich nichts übrig, als sich weder um die E i n c n d a o b e n. noch um die A n d e r e n d a u n t c n zu kümmern._ Wer läßt sich Bären aufbinden'i Tie„Frankfurter Zeitung" bringt in ihrer SonntagSnummer eine anscheinend von Hirsch-Tunckerscher Seite herrührende Notiz, wonach die Mitteilung von der Ausarbeitung eines neuen Pro- gramms der- Hirsch-Dunckerschen zuerst vom„Vorwärts" gebracht worden sein soll. Der„Vorwärts" habe sich einen Bären auf- binden lassen. Wir gestatten uns demaegcnüver die einfache Fest- sicllung, daß die„Frankfurter Zeitung� bereits am 10. Dezember im zweiten Morgenblatt ein vom 0. Dezember datiertes Tele- gramm aus Jena brachte, das den gleichen Inhalt hatte, wie unsere Meldung. Es sind also die Leser der„Frank- furtcr Zcitun g", denen hier ein Bär aufgebunden werden soll.—_ öcbweden. Reichstagswahlsicge der Sozialdemokratie. Am 13. Dezember fanden in den beiden größten Städten Schwedens Ergänzungswahlcn zur zweiten Kammer des Reichstags statt, und beide Wahlen endeten mit einem glänzenden Siege der Sozialdemokratie. In Stockholms fünftem Wahlkreis wurde Genosse Knut Ten gdahl mit 3040 Stimmen gewählt, während der antisozialistische Kandidat Ccdcr. für den die ganze bürger- liche Presse agitiert hatte, nur 1002 Stimmen erhielt. Wie in der Hauptstadt, so stand auch die Wahl in Göteborg unter dem Zeichen des Klassenkampfes, obwohl hier die Konservativen wie die Liberalen ihren besonderen Kandidaten aufgestellt hatten. Der Konservative erhielt 3S17, der Liberale 2471 Stimmen und der sozialdemokratische Kandidat. Genosse Lindblad, Redakteur der „Ny Tid", siegte mit 3936 Stimmen. Bei der Hauptwahl im Jahre 1905 hatte er nur 1200 Stimmen erhalten! Die liberale„Göteborgs Handelstidning" schreibt, daß diese Wahl ein Ausfluß sei von„Klassengcfühl, das mit überraschender Stärke hervorbrach." Die Zahl der Sozialdemokraten im schwc- dischen Reichstag ist nun auf 17 gestiegen, und da noch eine Er- gänzungswahl bevorsteht, ist Aussicht vorhanden, daß bis zum Beginn der neuen Session ihre Zahl auf 13 anwächst. perfien. Am Vorabeud der Revolution. DaZ«Verl. Tagebl." erhielt folgendes Pribat-Telegramin: Teheran, 16. Dezember. Aufgeregt durch schlechte Nach- richten von der Grenze und die schwächliche Haltung des Schahs den türkischen Anmaßungen gegenüber veranstaltete das Volk gestern hier heftige Straßenknndgebungen gegen den Schah, so daß er va banguo zu spielen beschloß und, durch die russische Partei am Hofe bestärkt, den Ministerpräsidenten und zwei Brüder deö ParlamcntSPräsidentcn verhaften sowie daS Parla- ment umzingeln ließ. Der Schah verlangte den Rücktritt des Ministeriums uitd die Zustimmung des Parlaments zur Ein- setzung von Ministern der eigenen Wahl des Schahs. Das Parlament verweigerte dies. Der Tumult in der Stadt danerte die ganze Nacht. Alle Truppen sind unter Waffen. Da die Anhänger des Parlaments dieses zu Tausenden beschützen, wagte der Schah bis jetzt nicht, den vielleicht gegen das Parlament bcab- sichtigten Staatsstreich auszuführen und das Parlament ge- waltsam zu sprengen. Die Lage ist jedoch sehr ernst. Heute bewaffnen und verbarrikadieren sich die fremden Gesandtschaften für den Fall eines Straßenkampfcs. Das Parlament tagt fortwährend. Für den Fall der Gefahr wird die deutsche. G c s an d is ch a f.t dem Präsidenten dcS Parlaments, der bekanntlich früher persischer Gesandter in, Berlin war, Asyl gewähren, während die englische Gesandt- schast andere Mitglieder des Parlaments ausnehmen wird. Gegenwärtig stockt aller Verkehr. Man zählt verschiedene Tote und Verwundete. * Schon ciumal— in der englischen Revolution— standen sich Monarch und Parlaments- beziehungsiveisc Volksheer feindlich gegenüber. AuS diesem Kampfe resultierte König Karls I. Eiithauptnug! Will Peißens Schah gegen das Parlament und gegen „sein" Volk„va banquo spielen", so könnte er gar leicht aus der eigen e n Erfahrung lernen, was ans der Geschichte zu lernen er verabsäumt zu haben scheint..., Daß russisches Hofgeschmciß dem verblendeten Manne Ratschläge erteilt, die sich gegen des persischen Volkes Wohl richten, das beiveist wieder einmal, was wir längst wissen: die Vernichtung des Zarismus liegt im intmiationalm Interesse I Rußland. Wer sich verteidigt, klagt sich a». AuS Anlaß des Prozesses gegen die früheren sozialdcmo- kratischen Abgeordneten veröffentlicht die Regierung ein Communi- quö, in dem cS heißt, die Duinafraktion der Abgeordneten habe die Ziele eines gewaltsamen Umsturzes der gesetzlichen Rcgierungs- form durch einen bewaffneten Volksaufstand, die Beraubung des Kaisers von der Obergewalt und die Umwandlung Rußlands in eine demokratische Republik verfolgt. Die Fraktion habe in un- mittelbarer Fühlung mit dem zentralen und dem Petersburger Komitee der russischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei und mit einer Reihe der demselben unterstellten Orgaiiisationcn gestanden, denen Rundschreiben zugeschickt seien mit der Aufforderung, die Bevölkerung gegen die Regierung, den Adel, die Beamten und die Gutsbesitzer aufzureizen zum Zwecke des Zusammenschlusses der Bauern, Arbeiter und Militärpcrsonen zu besonderen Organi- sationen. Dabei habe die Unzufriedenheit der ärmsten Bolksklasscn benutzt werden sollen, uni einen vereinten Aufstand dcS Militärs, der Arbeiter uns Bauern hervorzurufen, um die Staatsgewalt an sich zu reißen. Das Eommunique enthält weiter die Verhandlung des Prozesses sowie die Urteilsbegründung und teilt zum Schluß mit, daß der Urteilsspruch, betreffend vier ehemalige Abgeordnete, darunter Zcretclli. vom Justizministcr dem Kaiser zur Begutachtung unterbreitet werden soll.» Abgeordneten-„Jmmunität". Dem Mitglied- der sozialdemokratischen Fraktion der dritten Duma, Genossen Kossorowff, der dieser Tage in seinem Wahlkreise die Bjelorctzkiwerkc aufsuchte, wurde von der Polizei anbefohlön: „Sie sollen sich aus der Fabrik nicht herumtrcibKi, sich mit den Arbeitern nicht allzuviel unterhalten, und möglichst bald den Ort verlassen!" Genosse Kossorotoff verließ Bjeloretzki, von zwei Polizei- kommissaren und sechs berittenen Schutzleuten eskortiert.~> JVIarohho. Die Franzosen stoßen vor. Von der algerischen Grenze wird erneutes Vorrücken der Fran- zosen gemeldet: Die Nachrichten lauten: Paris, 16. Dezember. Die unter dem Befehl des Oberst- leutuants Branliore stehende Kolonne ist, wie„Petit Parisienue" aus Oran erfährt, bis in die Nähe von Scheraa, welches das Ver- pflegungSzentrum der Bein Si.assen bildet, vorgerückt. Heute dürfte dieser wichtige Punkt besetzt werden. Paris, 16. Dezember. General L y a n t e y meldet telegraphisch, daß Oberst Feliueau am 15. Dezember die Schluchten von Ain Sfa und drej Dörfer erobert hat, welche dieselben beherrschen. Die Vorhut degoiui am IS. Dezember um g. Uhr morgens den Angriff und eroberte einen Hügel am lühlicheil Ufer deö. Äed Bu Sir Chebet Khiesia; wsihrend eine Kolonne die Gärten und den Markt von Ain Ssa erstürmte,' drang eine große Masse von Marokkanern ans den Talmulden westlich von Ain Sfa vor. sie wurde aber' durch Kavallerie, die von Jiifanteriestasfeln unterstützt wurde, zurückgeworfen. Die Artillerie konzentrierte ihr Feuer aus zwei Dörfer auf der Höhe des TaleS, die allmählich erobert und zerstört wurden. Die Marokkaner, die versuchten, die linke Flanke der französilchen Truppen von hinten anzugreifen, lv, irden mit großen Verlusten zurückgeworfen. Das Scharmützel war um fünf Uhr abends beendel. Auf feiten der Franzosen waren 13 Ver- wundete.' Drei Soldaten sind schwer verwundet. Die Franzosen besetzen augenblicklich den Markt und die Quellen von Ain Sfa sowie den Hügel, der den Eingang zu den Schluchten beherrscht. Hmenha. Der Marinewahnsinn. Der soeben erschienene Jahresbericht des Marinesekretärs betont, daß die Vereinigten Staaten zurzeit unter den See- mächten die zweite Stelle einnehmen, und zwar hauptsächlich infolge Fertigstellung einer größeren Aitzahl erstklasstgcr Linienschiffe und Panzerkreuzer iir den letzten Jahren. Diese Stellung tonne aber nur festgehalten werden, wenn der Kongreß mehr Schiffe bewillige-: besonders sei eö von höchster Wichtigkeit, daß die alten und tatsächlich veralteten Schiffe durch solche neuester Bauart ersetzt würden. Es werden daher für daS Jahr 1908 nicht weniger als 28 neue Schiffe, die einen Gcsamtkostenaufwand von 292 Millionen Mark erfordern, beantragt, und zwar 4 Linienschiffe, 4 Aus» klärungskrcuzcr. 10 Torpedobootszcrstörer, 4 Unterseeboote, 1 Munitionsschiff, 1 Werkstattschiff und 4 Geschwaderkohken- dampfet Ferner sollen zwei bereits vorhandene Kreuzer zu Minenlegern umgebaut werden. Die Baukosten für die einzelnen Schifssklassen betragen: Linienschiffe je 69,9 Millionen Mark(d. h. ohne Ausrüstung, nur Schiffs- törper, Maschincnanlage und Armierung), Aufklärungs- schiffe je 10,5 Millionen Mark, Zerstörer je 3,4 Millionen Mark, Unterseeboote je 1,6 Millionen Mark, Munitions- und Kohlendampfer je 7,35 Millionen Mark und das Werkstattschiff 8,4 Millionen Mark. 3_ Die Erklärung RooseveltS, daß er nicht für einen dritten Termin der Präsidentschaft kandidieren werde, wird von der amerikanischen Presse im allgemeinen mit Befriedigung aufge- nommen. Rooscvclt wird gelobt, weil er die alte Tradition, daß kein Präsident mehr als zwei Amtstermine dienen sollte, auf- recht erhält. In der Hcarstpresse wird jetzt dem Führer der Demokraten, Brhan, der Rat erteilt, RooseveltS Beispiel insöfcn zu bc- folgen, daß er nicht zum dritten Male als K a d d i d a t auftritt, um neuen Männern in der demokratischen Partei Platz zu machen! Daß ein Kandidat, der— wie Brhan— zweimal schon geschlagen worden ist, zum dritten Male aufzulretcu wagt, ist in der Tai in der amerikanischen Politik noch nicht dagewesen. Australien. Militärische Pläne entwickelte der Premierminister Deakin vor dem Repräsentantenhause des australischen Staatenbunde?. Zur Verteidigung des Landes soll eine Flotte notwendig sein. die in den nächsten drei Jahren ausgebaut werden müßte. Bemerkenswert ist der Vorschlag, daß ein zwangsweiser Militärdienst insoweit' eingeführt werden solle, daß innge Leute von 1b Jahren zu militärischen Nebungc» auf je 10 Tage im Jahre für die Dauer von drei Jahren verpflichtet werden. Damit hofft Deakin innerhalb acht Jahren eine Armee von 218 000 Mann tiginiert zu haben— zu„Verteidigungszwecken" natürlich nur... 6cwcrl?rcbaftUcbc9# Berlin und Umgegend. Die EinigungSbestrebungen. Der Berel» der Zimmerer Berlins und Um- g e g e n d hielt am Sonntag in den Jndustriefestsälen eine außer- ordentliche Generaloersammlung ab, um Stellung zu nehmen zu dem EinignngSbeschluß der 7. Konferenz der Vereinigung der Zimmerer Deutschlands. Wilhelm Schäfer berichtete über die Berhandlnngen und Beschlüsse der Konferenz und empfahl der Ver- sammlung, den dort mit 27 gegen 20 Stimmen angenoimnenen EinigungSbedingnngen zuzustimmen. Er berichtet ferner über eine am Sonnabend abgehaltene Besprechung der Berliner Delegierten der Vereinigung mit den Verbandsvertretern, wobei es sich um die zulünftige Gestaltung der Generalversammlungen der Zimmererorganisation Berlins und Umgegend handelte, die sich bekanntlich im Verband aus Delegierten der Bezirke und Zahlstellen des Lohngebietes zusammensetzen. Der Redner erkärte, daß er, bisher Gegner deS Delegiertensystems, durch die Ausführungen von der anderen Seite eines Besseren belehrt worden sei. Das starke Wachstum ihrer Organisation habe die VerbandSkamcradcn zu diesem System geführt. Mit Recht habe man angeführt, daß es bei dem große» Umfang der Organisation sehr schwer sei, Gcneralversaminlnngen zustande zu bringen, wo wirklich die Mitglieder aus allen Orte» des Lohngebietes in ent- sprechender Zahl anwesend seien, und so Beschlüsse zu fasten, die den Willen der Gesamtheit ausdrücken. Da die Delegierten immer von neuem zu wählen seien, wie auch die Bezirke und Zahlstellen ihre Obleute selbst wählen, könne man das Delegiertensystem als den demokralischen Grundsätzen entsprechend anerkennen. Vor Eintritt in die Diskussion nahm die Versammlung einen Geschäftsordmingsantrag an. wonach die Mitglieder der Geschäfts- leitung und des Ausschnstcs, weil sie ihre Ansichten schon genügend in sämtlichen Abend- und Morgensprachen, sowie in einer Broschüre zum Ausdruck gebracht hätten, erst nach den anderen Diskussionsrednern das Wort erhalten sollten. ES sprachen dann zunächst nur solche Redner, die. mit den EinigungSbedingnngen nicht einver- st a n d e n oder nicht davon befriedigt waren. Teils war eS der Umstand, daß bei den Einigungsverhandlungen die Forderung von der politischen Betätigung im Sinne des bisherigen Programms der Bereinigung nicht einfach anerkannt, sondern durch eine Erklärung erledigt wurde, wogegen diese Redner sprachen, teils die Vermögens- frage oder andere Punkte der Einigungsbedingungen, sowie anch deS Delegiertensystems, das alS ein Eingriff in das SelbstverwaltungSrecht der Mitglieder bezeichnet wurde. Als dann ein Redner zu Worte kam, der in längeren Ansführnngen die Einigungsbedingungen empfahl, entsta nd inimcr von»enem eine solche Unruhe in der Ver- sammlung, daß der Vorsitzende I u p p e n l a tz sich schließlich ge- nötigt sah, sie zu vertagen. Um die Tagesordnung zu erledigen, soll demnächst eine neue Versammlung einberufen werden. ♦ Die Freie Vereinigung der Bauarbeiter be- fthäftigte sich am Sonntag in einer außerordentlichen General- Versammlung mit der Einigungsfrage. N o r g e l erstattete Bericht über die Verhandlungen, welche am 7. Dezeniber mit dem Zentral- verband im Beisein des Parteivorstandes geführt worden sind. Den Darlegungen des Redners ist zu entnehmen, daß die von der Freien Vereinigung aufgestellten Einignngsbedingungcn in der Hauptsache erfüllt ivorden sind. Die Bedingungen sind dem Sinne nach un- grfähr dieselben, welche anch zwischen den beiden Manrerorganisationcn vereinbart worden sind und weichen nur insofern von denselben ab, wie eS die besonderen Verhältnisse der Organisation erfordern. Die wesentlichsten Punkte der EinigungSbedingnngen find: DaS Recht der ungehindcrren politischen Betätigung, die Anrechnung der bisherigen Mitgliedschaft, die �Vornahme von Neuwahlen für die Leitung der Zweigvereine nach der Verschmelzung und die Vertretung beider Richtungen in den Zweigvereinsvorständen nach dem Ver- hältnis der Mitgliederzahl.— Der Referent begründete die Not- wendigkeit der Schaffung einer einheitlichen Organisation, er bemerkte. daß sich bereits alle Ortsvereine der Freien Bereinigung, mit Ausnahme von Ebcrwalde, für die Einigung erklärt harten und empfahl die Annahme der vereinbarten Bedingungen.— In der Diskussion machten einzelne Redner Einwendungen gegen die Vereinbarungen, andere Redner traten für dieselben ein. Schließlich nahm die Versammlung die EinigungSbedingnngen mit allen gegen sechs Stimmen an. Kramer gab einen kurzen Bericht vom Gewerkschastskartell, der keine» Anlaß zur Diskussion bot.— Auf Antrag deS Vorstandes beschloß die Versammlung, daß die Beitragslcistung mit der 50. Woche dieses Jahres eingestellt wird und mit der sechsten Woche des nächsten Jahres wieder beginnt.— Als Delegierte zur dritten Konferenz, die am S. und 6. Januar stattfindet, wurden Kieköver, Ehrenberg und Much gewählt._ Achtung, Rohrleger und Helfer! Bei der Firma Nolte in Wilmersdorf, Augustastr. 66/67, haben sämtliche Kollegen wegen Nichtinnehaltung deS Tarifs die Arbeit niedergelegt. Die Firma ist bis auf weiteres gesperrt, eben- so der Bau Wallachstr. 6/8 in Halensee. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. - Achtung, Gold- und Silbcrarbciter! In der optischen Werkstatt O. K. in Rixdorf, Zcitzcrstr. 5, haben die Kollegen und Kolleginnen wegen Differenzen mit der Firma die Arbeit niederlegen mästen. Die Firma ist bis auf weiteres gesperrt. Die Kollegen, speziell die Pinccnczarbeiter, werden er- sucht, etwaige Arbeitsangebote zurückzuweisen. Die Arbeiterpresse in der Provinz wird um Abdruck gebeten. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Die Brauereiarbcitcr nahmen in einer Versammlung, die am Sonntag in Freycrs Festsälen stattfand. Stellung gegen gewisse Praktiken in einer Reihe von Brauereien. Die Arbeiter verlangen die Aufhebung des„Prozentsatzes", das heißt, das Recht der Brauereien, eme gewisse Zahl von Arbeitern nicht dem hier be- stehenden Arbeitsnachweis des Verbandes zu entnehmen. Dies Recht wird um so unerträglicher, je mehr die Zahl der Arbeitslosen steigt, die sich im Arbeitsnachweis einzeichnen lasten und zusehen müssen, .wie die Arbeitskräfte von auswärts herangezogen werden. Kein inderer Arbeitsnachweis irgend einer Gewerkschaft räumt den Arbeit- zcbcrn so große Vorrechte ein, wie dies bei den Brauerciarbeitern geschieht durch das Zugeständnis des„Prozentsatzes". Der Zentral- lerband der Braucreiarbeitcr hat nun an den Verein der Brauereien in Schreiben gerichtet, die Gründe gegen das Fortbestehen des Prozentsatzes klargelegt und um Aufhebung desselben ersucht. Der„Prozentsatz" betrug im vorigen Jahre 162. in diesem Fahre bis Ende November 131. Im Jahre 1906 waren 34 Brauer md 68 Hülfsarbeiter eingestellt worden, im Jahre 1S07 bis Ende vorigen Monats 30 Brauer und 101 HülsSarbeiter. Von 38 Braue- eien nahmen 21 im Jahre 1306 den„Prozentsatz" nicht in An- �pruch, während 17 davon Gebrauch machten. Im Jahre ISO? «ahmen 24 Betriebe keine Brauer auf„Prozentsatz", während 14 Betriebe den Arbeitsnachweis nicht benutzten und auf ihrem Prozentsatz bestanden. Dies galt für Brauer. HülsSarbeiter wurden oon 14 Betrieben im vorigen Jahre und von 13 Betrieben in diesem Zahre auf„Prozentsatz" emgeztellt._____ Lerantw. Redakteur: HanS Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.: Der Verein der Brauereien antwortete auf daS Ersuchen der Arbeiter in einem ablehnenden Sinne. Er wollte nur dann in Verhandlungen darüber eintreten, wenn der„Nummernzwang" ans den, Arbeitsnachweis sdas ist die regelmäßige Reihenfolge nach den Eintragungen) abgeschafft würde. Darauf können die Arbeiter aber nicht eingehen, umsoweniger, als heute schon die Brauereien es verstehen, sich dem Nummernzlvang zu entziehen. So ließ eine Brauerei, die einen Maschinisten brauchte, 22 Leute kommen, bis endlich der Mann an der Reihe war, auf den sie eS abgesehen hatte. Ende November waren 635 Arbeitslose im Nachweis eingetragen. Trotzdenl stellten fünf Brauereien 11 Arbeiter ein. die sie sich von außerhalb kommen ließen. Die Leute von außerhalb Berlins holt man gewöhnlich, wenn feste stellen zu besetzen sind, dagegen braucht man die Berliner für die sogenannten Vizcstcllen, die'schnell besetzt werden müssen.— lieber die gegenwärtige Situation referierte T r ö g e r und einpfahl den Versammelte», gegen jene Brauereien, die auf ihren„Prozentsatz" nicht verzichten wollen, energisch vorzu- ehe». Die Berliner tonnen nicht ruhig zusehe», wie man bei der esteheuden Arbeitslosigkeit noch aus anderen Städten Arbeits- kräfte heranzieht. Die folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die am 15. Dezember er. in Freyers Festsälen tagende Versammlung der Sektion I und U des Brauereiarbeiter- Verbandes erklärt, mit der Antwort des Vereins der Brauereien, den Prozentsatz betreffend, nicht einverstanden zu sein. Die Ver- sammlung beschließt: Sollte der Verein der Brauereien ans seinem ablehnenden Standpunkt bestehen bleiben, so werden die arbeitslosen Kollegen aufgefordert, Vizestellen dort nicht anzu- nehmen, wo die Prozentsatzeinsiellungen besonders groß sind. Die betreffenden Betriebe sollen im„Vorwärts" bekanntgegeben werden."— Nach Erledigung dieser Angelegenheit hielt Robert Schmidt einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über den Block- reichstag. Deuttches Reich. Der Streik der Hamburger Fischdampfer-Maschinisten ist be- endet. Den ersten Maschinisten wurde ein Mindestlohn von 160 M. garantiert, bei gutem Fang erhalten sie die seitherige Prämie weiter. Zweite Maschinisten erhalten einen Anfangslohn von 125 M. und nach 3 Monaten 10 M. Zulage. Heizer erhalten 85 M. wie bisher. Alle Streikenden, die sich bis zum 30. Dezember melden, sollen wieder eingestellt werden; die Abgereisten auf große Fahrt werden nach dieser Frist noch angenommen. Damit ist der seit sieben Wochen auf beiden Seiten mit Hartnäckigkeit geführte Kampf entschieden; es ist nur noch eine Frage der Zeit, daß sämtliche Forderungen erfüllt werden. Der zweite Heizer wurde auf größeren Dampfern den Streikenden schon vor acht Tagen zugestanden, doch sollten die Heizer in diesem Falle 10 M. an der seitherigen Heuer einbüßen. Die streikenden Maschinisten gingen darauf nicht ein, obwohl zahlreiche Heizer dies nicht verdient hatten, da sie an Bord Maschinistenarbeit. verrichteten. Die Maschinisten wollten sich unter keinen Umständen nachsagen lassen, daß sie zu einer Verschlechterung der Heuer der Heizer die Hand böten. Deshalb wurde weitergekämpft,' bis dieser' Abschluß erzielt wurde. Die lichtscheuen Elemente, die sich während des Streiks eingefunden, schütteln den Staub von den Füßen, instinktiv verlassen diese Ratten das Schiff, auf dem sie keine Lorbeeren mehr ernten könne». Der Achtungserfolg, den die Maschinisten sich hier errangen, wird seine weiteren Früchte zeitigen. Da die Wieder- einstellung der Maschinisten nur nach und nach erfolgen kann, so ist der Zuzug von Maschinisten von Hamburg noch fernzuhalten. Straftenkämpfe in der Oberpfalz. In der Maximilianshütte in der Oberpfalz streiken seit acht Wochen 600 Arbeiter um ein paar Pfennige Lohnerhöhung. Die letzten Tage kam es zwischen den Streikenden und den Arbeits- willigen zu Zusammenstößen. Die bürgerliche Presse, als erste die Zentrumsblätter„Anzeiger" und„Morgenblatt" in Regensburg, brachten darüber Situationsberichte. deren Haupt- inhalt lautete: „Es kam zu argen Ausschreitungen... Die Streikenden besetzte» 250 Mann stark die Zugangsstraßen zum Werk... Tie Streikenden bonibardierten die Arbeitswilligen mit Steinen... Brandstiftungen sind vorgekommen, das Feuer wurde aber noch rechtzeitig durch Nachbarn unterdrückt... Die Streikenden unterhielten ein förmliches Feuergefecht..." Der daraufhin ins Streikgebiet entsandte Spezialbericht- crstattcr schreibt uns: Maximilianshütte, Oberpfalz, 15. Dezember. Zum Verständnis der Sachlage zuerst einiges über die Ent- stehung des Streiks. Vor einigen Monaten ersuchten die Arbeiter der Maxhütte bei der Direktion um 50 Pf. Zulage auf den Tag- lohn von 2,40 M. Begründet wurde die Forderung mit den enorm gestiegenen und noch steigenden Lebensmittelpreisen. Als die Ar- beiter vier Wochen ohne Antwort geblieben waren und dann um eine solche wiederholt gebeten hatten, erfolgte durch Fabrikanschlag eine glatte Ablehnung jedes Zugeständnisses. Darauf traten 611 Mann in den Ausstand; ein Teil der Arbeiter. der an der Bewegung nicht beteiligt war, blieb stehen, ein weiterer Teil aber wurde zum Verräter an den Arbeitsbrüdern. Ins- gesamt sind in der Hütte 900 Arbeiter beschäftigt. Die Arbeiter hatten ein Entgegenkommen durch die Werksleitung um so eher er» wartet, als der Betrieb seit Jahren in steigendem Maße Riesen- Profite abwirft, zuletzt 27 Prozent Dividende. Die Arbeiter hielten im Ausstand ruhig aus. Die in der Gegend stark verbreitete Zentrumspresse bezeichnete die Forde- rungen als berechtigt. Als aber am 24. November in einer Versammlung zu Schwandorf die Führer der Christlichen für ihre Mitglieder die Parole ausgaben, die Arbeit aufzunehmen, da wurde die Forderung der Streikenden plötzlich„un berechtig t". Von nun an begann in der Zentrumspresse die Hetze gegen die Streikenden: Verleumdungen setzten ein mit dem durchsichtigen Zweck, die Bewegung zu Fall zu bringen, um nachher triumphieren zu können. Die Streikbrecher, fast durchweg minderwertige Arbeiter oder Empfänger von Unternehmerwohltaten bezw. Bewohner von Fabrik- Wohnungen, waren mit Hülfe der gelernten Arbeiter aus den Reihen der 25 Christlichen in der Lage, einige Teile des Betriebes notdürftig aufrecht zu erhalten. Wären sämtliche Arbeiter einig vorgegangen, der Streik wäre zum Vorteil aller in zwei Tagen gewonnen gewesen. Die Arbeitswilligen muhten nun natürlich entsprechend belohnt werden. Sie erhielten 20 Pf. pro Tag Zu- läge und 5 M. pro Monat Teuerungszulage, womit die Direktion indirekt das Bedürfnis nach höherem Lohn bestätigte. Diese Begünstigungen liehen den Arbeitswilligen den Kamm ellen. Sie begannen die Ausständigen zu verhöhnen und zu provozieren. Als vor einigen Tagen bei einer wiederum an- gebahnten Einigungsverhandlung die bedingungslose Aufnahme der Arbeit verlangt, die Einstellung von nur ärztlich gesund erklärten Arbeitern angekündigt wurde, was die Aussetzung der durch 20-, 30-, ja 35-jährige Arbeit in der Hütte ausgemergelten Leute be- deuten würde, da stieg die Erregung und Erbitterung der Streiken- den aufs höchste. Sie wären zufrieden gewesen, wenn ihnen das bewilligt worden wäre, was man jetzt den Arbeitswilligen gewährt. „Nein, gar nichts. Wir sind Herr im Hause. Wir waren 50 Jahr Herr im Hause und wollen davon unter keinen Umständen ab- gehen, koste waS es wolle."— Das ist der Standpunkt der Werks- leitung. Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt» Buchdr. u. Vcrlagsanstalt Nun würden die Arbeitswilligen noch frecher gegenüber den Ausständigen. Eines Abends ließen sie sich herbei, dem Ver- traucnsmann der Ausständigen in Tcuplitz die Fenster einzuwerfen. Was lag leider näher, als daß die Ausständigen nun den Stiel umdrehten und den Arbeits- willigen fast sämtliche Fenster einwarfen. Als Antwort darauf griff ein Arbeitswilliger zum Revolver und schoß zum Haus heraus. Das brachte nun am Donnerstagmorgen und am Abend fast sämtliche Streikende auf die Beine. In Trupps von 50 bis zu 250 Mann ließen sie die Arbeitswilligen Spalier laufen. Bei dieser Gelegenheit warf man da oder dort mit Steinen nach den Arbeitswilligen. Außerdem hörten die Gendarmen Schüsse fallen, ob von den Streikenden oder von den Arbeits- willigen, ist nicht festgestellt. Nach den Aussagen der Gendarmerie sind insgesamt 12 Schüsse gefallen. Verletzt wurde durch Schuß- Waffen niemand. Das ist das„förmliche Feuergesecht" der christlichen Presse. Tagegen sind vier oder fünf Arbeitswillige durch Steinwürsc verletzt worden.— Wenn die Zentrumspfaffen, die das Volk in der dortigen Gegend von Kind auf völlig in der Hand haben, die Arbeiter schon längst auf eine höhere Kulturstufe gebracht hätten, dann würden auch diese wenigen Ausschreitungen nicht vor- gekommen sein. Denn Raufereien und Schlägereien sind dort nichts seltenes und dem erzieherischen Einfluß der„sozial- demokratischen" Organisation ist eS nur zu danken, daß die Streikenden auf die fortwährenden Provokationen der Arbeits- willigen und auf die höchst brutale Haltung der Werksleitung nur in ganz geringem Maße sich zu Tätlichkeiten hinreißen ließen. Selbstverständlich bietet die Streikleitung alles auf, um Tat- lichkeiten der erbitterten Menge hintanzuhalten, und der größte Teil der Streikenden selbst leistet diesem Bestreben die größte Unterstützung. Hervorzuheben ist, daß die 20 Mann starke Gen- darmerie unter Führung des Wachtmeisters äußerst taktvoll und vernünftig zu Werke geht und es sei ausdrücklich konstatiert, daß alle Beteiligten, mit Ausnahme der in gewissenloser Weise scharf- machenden Zentrumspresse, der Ueberzeugung sind, daß es dem sehr vernünftigen Wachtmeister zu danken ist, daß das, was die genannte Presse fälschlicherweise berichtet, nicht eingetreten ist. Noch unverschämter als die Lüge von dem„förmlichen Feuer- gefacht" ist die von der„Brandstiftung, die noch rechtzeitig durch Nachbarn entdeckt worden ist". Ein altes Weib hat ein paar Streikenden gegenüber in Altweibermanier gelästert und hat u. a. geschrien:„Ihr Lumpen, Ihr zündet eim's Haus a noch an!"— Darauf die Beschimpften, scherzend über diese Einfältigkeit:„Ja, ja, patzt nur auf, Euers zünd'n wir zuerst an!"— Und am andern Tage in der Zentrumsprcsse:„Brandstiftung durch Streikende, glücklicherweise durch Nachbarn rechtzeitig entdeckt."— Die Christlichen, die diese niederträchtigen Schwindeleien ver- breiteten, kolportierten auch das Gerücht, die Streikenden planen die Stürmung der Fabrik. Heilloser Schrecken unter den arbeitswilligen Bewohnern der Fabrikkasernen. Mit Nudelbrettern und anderem Zeug wurden Fenster und Türen verbarrikadiert. Weiber und Kinder mit allen Wertsachen unter den Kleidern ver- krochen sich im Kamin oder unterm Dach, während an den Dach, fenstern die Männer standen, jeden Augenblick zum Schuß bereit. Klappernd vor Angst verbrachten die Streik- brecherfamilien auf solche Weise die ganze Nacht, während die „Werksstürmer" am Morgen ahnungslos vom Bett aufstanden und frisch ihre Posten bezogen und sich den Bauch hielten vor Lachen, als ihnen die Geschichte von dem Sturm auf das Werk erzählt wurde. Auf diese Weise schüren die Christlichen und ihre Presse ge- waltsam Erregung mit der Folge, daß bereits für Heran- ziehung von Militär Vorbereitungen getroffen wurden. So ist Infanterie und Kavallerie requiriert für den Fall, daß am Montag die Arbeitswilligen wieder belästigt werden sollten. Während am Sonnabend das Werk stillgestanden hatte, soll eS am Montag wieder in Betrieb gesetzt werden, da sonst der Schaden für die Fabrik unberechenbar wäre. Deshalb muß nun Militär helfen. Es sollen die Soldaten aber nicht aus den nach st- liegenden Garnisonen genommen werden, sondern von weiter her, da man an maßgebender Stelle annimmt, die Soldaten werden niemals auf Bater und Mutter und Bruder schießen. Es werden deshalb nur für das Streikgebiet fremde Soldaten herangezogen. Bis jetzt liegt auch nicht einmal der Schein eines Anlasses hierzu vor. Man spiele nicht mit dem Feuer! Tluolnnd. Die Buchdrucker in New Jork haben in ihrem Kampfe um den Achtstundentag eine wichtige Position errungen. Mc Clures großer Verlag, wo die bekannte Zeitschrift„Mc Clures Magazin" erscheint, hat die Forderung der Buchdrucker anerkannt. Letzte JVachncbtcn und DcpeFcbcn, Ein neuer Militarprozest. Wladiwostock, 16. Dezember.9 Proz. DaS gleiche gilt vom Verlust deS Nagelgliedes vom rechten Zeigefinger, zweier Glieder vom linken Zeigefinger und zweier Glieder des rechten Mittelfingers. Durch den gliitten Verlust von l'/s Glieder» des rechten Ringfingers, ebenso völlige» Berlusl des linken Ringfingers, den glatten Verlust zweier Glieder des rechten KleinfiugerS, ebenso den glatten Verlust des linke» KleinfingerS wird eine Bejchränkung der Erwerbsfähig. keit nicht hervorgerufen"!! „Westfalen" berichtet über die Höhe der gewährten Renten wie folgt: An Entschädigungen waren zu gewähren: in 32 Fällen nur Kosten des Heilverfahrens, „ 1944„ Renten unter 25 Proz., „ 876„„ von 25—59 Proz., n 318„*» 69— 75 Proz., „ 233„„„ 75—199 Proz. und „ 2„„ über 199 Proz.(Hülflofenrente). Die Bsrufsgenosienschaft fiir den„JagstkreiS" erklärt,„daß die Landbewohner der irrigen Ansicht sind, daß weil sie Beiträge zur Unfallversicherung bezahlen niüsien, von derselben auch für alle Un- fälle eine Rente beanspruchen können. Auch entfällt von den Ab weisungseiiischciden ein erheblicher Teil aus Ansprüche für Leisten brüche." Die schlauen Schwaben finden eS auch für ungerecht, da zu wenig Wert auf die Berechnung der Rente fiir Pesonen,„welche vor dcm Unfälle bereits teilweise erwerbsunfähig waren", gelegt werde. Die Rente sollte also noch gedrückt werden. Denn „ES ist eine bekannte Tatsache, daß solche Personen in land wirtschafllichen Betrieben, bei welchen es sich zum größten Teile um gröbere Arbeiten handelt, zu denen keine besondere Gcschicklich keit gehört, gegen den vollen Lohn Beschäftignng finden, einen meßbaren Schaden also nicht erleiden. Gleichwohl müssen solche kleinen Renten unter den, Zwange der gesetzlichen Bestimmungen und der bestehenden Rechtsprechung bewilligt werden. Dieselben belasten einerseits die BerufSgenoiieilschaft in nicht unerheblicher Weise, lvährend sie andererseits den Rentnern selbst einen nennenS werten VermogenSvorteil nicht bieten." Unsere„herrliche" Gesetzgebung sorgt schon dastir, daß die armen Verletzten keine.nemienswerten Aermögeiisvorteile" sich verschaffen könne». Während die Renten der gewerblichen Arbeiter nach dcm wirklichen Jahresverdienste berechnet werden, bei Anfangslöhnen sogar der höhere Verdienst langjähriger Arbeiter angenommen werden muß, ist für die landwirtschäfllichen Verletzten der JahresarbeitS- verdienst behördlich festgesetzt. Nimmt man das Jahrbuch von Götze- � chindler für 1997 zur Hand, so findet man, daß z. B. der niedrigste Jahresarbeitsvcrdienst land- und forstwirtschaftlicher Arbeiter im Regierungsbezirk: für Erwachsene männlich tveiblich- Jugendliche Arbeiter männlich weiblich Königsberg... 369 M.' 299 M. 169 M. 130 M. Marienwerdcr.. 399„ 220, 180„ 120 Frankfurt a. L>.. 429„ 270 m 225„ 225 Köslin..... 360„ 300„ 150 150 beträgt. Ein männlicher Verletzter im Bezirk Marienwerdcr erhält also bei einem JahrcsarbeilSverdienst bon 399 M. ganze 299 M. Boll reute im Jahre oder 16,69 M. im Monat' Eine verletzte Frau gar bloß 12,59 M. per Monat, Jugendliche entsprechend weniger I Wird nun gar noch eine ErwerbSbeslbränIüng von 59 Proz., wie dieS so oft geschieht,„als vor dem Unfall schon vorhanden" an- genommen, so ermäßigt sich natürlich die ganze Rente um die Hälfte und kommt eS dann vor, daß ein verletzter Bauer gar bloß 8 bis 9 Bi Bollrente im Monat erhält I Das ganze nennt man daun „Baueruschutz" Und wie sehr die Kleinbauern unter dieser niedrigen Hunger- reute zu leiden haben, ergibt sich aus der Statistik mancher Berichte. So lesen wir im Bericht der„Pfalz", daß von den„im Berichtsjahre erstmals entschädigten 955 Unfällen 812 85,1 Proz. auf BctrieüS- miieriiehuier und deren Angehörige und nur 143— 14,9 Proz. auf Dienstboten und Arbeiter" entfielen. In„Niederbayern":„Anerkannt wurden 2962 Ansprüche! von diesen treffen rund 79 Proz. auf Betricbsunternehincr und deren Angehörige, 39 Proz. auf Dienst boten und Arbeiter!!" usw. Aber auch viele gewerbliche Arbeiter müssen unter diesen Miß- ständen leiden. All die Schmiede, Wagner usw., die bei den Gutsherren beschäftigt werden, schließlich auch angemessene Handwerker- löhne von 4 M. pro Tag erhalten, müssen im Falle einer Verletzung ssch mit den Jammerlohnsätzen landioirtschaftlicher Arbeiter be- gnügen. Die Berufsgenossenschast für„Braunschwelg" sieht die Gefahr und schreibt: „Daß durch eine Aenderung der Gesetzgebung die kleinen Renten unter 29 Prozent in Wegfall kommen könnten, erscheint einerseits aussichtslos und andererseits müßte befürchtet werden, daß der Kampf um die Mindestrente nur ein um so heftigerer werden würde. Da man für die gewerblichen und industriellen Arbeiter auf die kleinen Renlen von 19 bis 29 Prozent kcinenfalls wird der- zichten wollen und können, so könne» die Landwirte für ihre Ar- besser auch nicht darauf verzichten, da sie sonst bei dem große» Arbeitermnngel ihre Arbeiter nur noch mehr von sich abwenden und der Industrie zuführe» würden." Sämtliche Bcruisgenosienschaften konnten mit ihren Erfolgen an den Schiedsgerichte». Reichs-VersicherungSamt und Landes-Ber- ficherungsämtern sehr znftiede» sein. Der„JagstkreiS" berichtet, daß in 89 Prozent sämtlicher Fälle die Genoffenichast sich mit ihren Enlicheidiliigeii im Recht befunden hat".„Unter-Eliaß" hatte sogar in 81,8 Prozent der Berufungen Erfolg! In„Schlesien" ivurdcn laut Bericht„1852 Berufungen zugunsten der Berufsgenossenschast und nur 384 zugunsten dir Reiitenbewerbcr entschieden".„Weimar" hatte„74 Prozent der Fälle Erfolge". Die Berufsgenossenschast„Haniburg" gibt den Aerzten die chuld, daß die Verletzten„öfters nicht rechtzeitig in den Besitz ihrer Rente tonimen", ioeil die Aerzte„die erbetenen Aeußcruiigen immer noch in ganz»niverhältnisinäßiger Weise lange unbeachtet lassen". „Posen" sieht wieder im Nlkoholgenuß eine große Unfallgefahr und cutichuldigt aber die Betricbsunlernehmer, obschon der Schnaps ein Teil des Lohnes bildet: wie folgt: „Wenn diesen aber zugemutet werden soll, wie das z. B. vor- geschlagen ivorden ist. jedem landwirtschaftlichen Arbeiter, der bei der Arbeit alkoholische Getränke zu sich nimmt, sofort von der Arbeit wegzuweisen, so hätte das zur Folge, daß mangels geeigneten Ersatzes an Aroeitölrästen die oft dringenden und einen Aufschub nickt verlragenden landwirtschaftlichen Arbeiten liegen bleibe» müßten und nicht rechtzeitig ausgeführt werden könnten." Die bayrri'chcn Nufiichtsbeamten haben dagegen von einem „Mißbrauch alkoholischer Getränke»ichtS bemerkt"! lieber„Arbeitcruiangel" klagen viele Berichte und wollen damit die Ausbeuimig jugendlicher Arbeiter entschuldigen. So schreibt die „BerufSgciiosienschcift für Niederbayern": „Jugendliche und weibliche Arbeiter werden an den Maschinen sehr häusig verwendet. Dies kommt daher, daß der Landwirt crivachscile mäiinliche Arbeiter nur mehr sehr schwer zu bekommen weiß. In vielen Beirieben sehe ich, daß der erste Arbeiter nur 17—18 Jahre alt ist und die anderen noch jünger sind. Die älteren männlichen Arbeiter suchen sich anderweitig Unterkommen, teils werden sie Maurer oder Zimmerniann, arbeiten auf der Bahn oder gehen in die Stadt. Haupisächlich der Mangel an älteren Arbeitern dürste eine Haiiplschnld an der Vermehruiig der Unfälle sein, welche durch Maschinen herbeigeführt werden." An eine Erhöhung der Hungerlöhne auf dem Lande, an eine Aenderiing der Gcsindeordiuiiig will ma» aber nicht gehen. Eine Steigerung der Lebensmittelpreise, die man gewöhnlich abzuleugnen sucht, gibt der Bericht für„Unter-Elsaß" zu, da„in- folge eingetretener ungewöhnlicher Steigerung der Lebensmittelpreise" den BerufSgenossenschaftsbeamten eine Zulage von 5 Prozent gc- währt werden mußte. Heuchlerisch schreibt dagegen«Braun- schweig": „Die gewerblichen und industriellen Unternehmer haben zwar auch jedenfalls die vollen Beiträge z» zahlen, aber sie haben durch Preiserhöhungen für ihre Arbeltsleistungen und Produkte diese Belastung in ihrem Valien Unifange auf die Konsumenten ob- gewälzt. Die laiidwirtschastlichen Unternehmer sind nicht in der Lage, die Preise für ihre Produktionserzeugnisse durch Koalition wie bei den Innungen oder durch Syndikate zu erhöhen, da der Preis der landwirtschaftlichen Produkte im wesentlichen ollem vom Weltmarkt abhängig ist." „Hessen" fordert den„Arbeitsnachweis" für Verletzte, damit noch billigere Arbeitskräfte zu erhalte» sind,„fehlende Arbeitsgelegenheit den ersten Anlaß zur Unzusriebenheit mit der zugebilligten Rente gibt". Ferner:„Eine Zusammenlegung der Vereinsgesclie ist nach dem gegenwärtigen Stande der Dinge nicht zu erhoffen". Die Berufs- genossenschaften wollen ja auch ihre Organisation gar nicht geändert haben. Die Berufsgenossenschast„Gotha" petitionierte wieder um die „Ermäßigung der an die Gcmcindcverbändr des Herzogtums für die Einziehung der Beiträge zur Genossenschaft zu zahlenden Hebcgebühr von 4 Proz." „Bedauerlicherweise" habe das herzogliche Staatsministerium dieses Gesuch abgelehnt, weil„die benachbarten thüringischen Staate» an den, Satz von 4 Proz festhalten". Das ist ja sehr„bedauerlich". Die Gemeinden sollen die Krüppel versorgen und die Beiträge womöglich noch umsonst einziehen? Bescheiden sind die landwirtschaftlichen Bcrussgenosscnschaften wahr- lich nicht. Sie sind ja von unsere» Agrariern verwaltet! I Hirn der Partei. Gemeindewahlen. Bei der Bürgerausschußwahl in K i r ch h c i m(Heidelberg) wurden zwei Sozialdemokraten gewählt. Die schwer hereingefallenen Nationalliberalen suchten dadurch unseren Sieg zu ver- eiteln, daß sie den sozialdemokratischen Antrag auf Verbesserung der Lage der Gcmelndebcdienstctclt als Gefahr einer Umlagen- crhöhung an die Wand malten. Die„Schleswig-Holstcinische Landtzost", welche moiiailich cm- mal erscheint und durch die in Altona domizilierende Agitations- tommission für SchlcSwig-Holstein allen den Leuten auf dem flachen Lande, die sich dafür interessieren, gratis zugeschickt wird, hat sich bereits viele Freunde erworben. In über füiiftausend Exemplaren ist die Nr. 3, die vor einigen Tagen erschienen ist,. verschickt worden, und noch fortgesetzt gehen Bestellungen ein. Das Blatt bringt in einfacher, intercsianter und belehrender Weise das, was die Landbevölkerung interessieren kann und führt sie in die Gedankenwelt der Sozialdemokratie hinein. Da dürfte es auch die gewünschten Erfolge zeitigen. polireilickes, Sericbt liebes nkw. Wie ein Sozialdemokrat aus dem Schulkollegium hinausbugsiert wurde. In Lokstedt bei Hamburg wurde im Frühjahr d. F. der Gemcindevertrctcr Genosse I. I a c o b s c n durch Verfügung der Regierung in Schleswig aus dem Schulkollegium entfernt, weil er sich, wie u. a. degründend gesagt wurde, durch sein Verhalten dem Herrn Ortsschulinspcktor, Pastor Behrend in Niendorf, gegenüber unfähig gezeigt habe, die dem Mitglicde eines Schulkollcgiums obliegenden Pflichten zu erfüllen. Da Jacobsen nie etwas mit dem genannten Pastor zu tun gehabt hatte, so stellte er ihn zur Rede und erfuhr von ihm, daß er ihn nach einem Bericht des Fuß- gendarmc» Dumkc in Groß-Flottveck in einer Versammlung' bc- leidigt habe. Jacobsen habe in einer Rede u. a. gesagt» er habe bei Beratung der neuen Schulordnung Vastor Lehrend als un- glaubwürdig kennen gelernt. lieber diese Mitteilung war Jacobsen empört, da er, wie er sofort erklärte, das nicht gesagt habe, was der Gendarm berichtet und auch nicht sagen tonnte, weil Pastor Behrend bei� der Beratung der neue» Schulordnung gar nicht zugegen ge. Wesen ist. Bald darauf nahm Jacobsen in zwei Versammlungen in Sülldorf und Osdorf» die der Gendarm Dumke überwachte, die Gelegenheit wahr, zu erklären, daß er, wenn es wahr sei, was ihm Pastor Behrend mitgeteilt habe, auf Grund eines unwahren Berichtes des Gendarmen Dumke miS dem Schulkollegium herausgekommen sei. Gendarm Dumte fühlte sich beleidigt, stellte Straf- antrag und daö Schöffengericht in Blanteiiesc, das«Meimal gegen Jacobsen verhandelte, verurteilte ihn beide Male gu einer Geld- träfe von 59 M. eventuell fünf Tagen Gefängnis. Das erste Urteil ist rechtskräftig geworden, da durch ein Verscben keine Bc- rufung eingelegt ist. Dagegen ist das zweite Urteil vom An- aetlagten angefochten worden, weshalb sich das Landgericht in Altona mit der Angelegenheit befassen mußte. Entgegen der Bc- Häuptling des Dumte bestritt Jacobsen ganz entschieden, daß er ich über Pastor Behrend, wie berichtet, ausgesprochen habe. Es 'ei ihm auch im Traum nicht cingefallen. den Gendarm beleidigen zu wollen. Das Landgericht ließ es dahingestellt, ob der Gendarm richtig berichtet habe oder nicht. Aber eine Beleidigung des letzteren könne man nicht darin erblicken, wenn sein Bericht als nicht der Wahrheit entsprechend bezeichnet worden sei. Das sei nur der Fall, wenn dem Gendarm nachgesagt Ivorden sei, daß er bewußt Unwahres berichtet habe. Uebrigens habe sich der Angeklagte in Wahrung berechtigter Interessen befunden. Deshaki' mußte seine Freisprechung erfolgen. Totales. Zur Bekämpfung des uiikautcren Wettbewerbes. In erfreulichem Gegensatz zu der Geheimhaltung deS Inhalts der GcwerbeordnmigSiiovelle steht die gestern abend im„Sieichs- Anzeiger' erfolgte Veröffentlichung über den Enttvurf, betreffend die Abänderung des Gesetzes zur Bekämpfung des uulantcren Weit- bewerbs vom 27. Mai 1896. Es wird im„RcichS-Ailzriger" in zehn Spalten der Entwurf nebst Begründung initgeteilt. der vom Reichsamt des Innern den Regierungen mit dem Ersuchen um Prüfung mitgeteilt ist,„um auch weiteren Kreisen zur Meinungs- äußerung Gelegenheit zu geben". Der Arbeiterklasse, auf deren geistiger und körperlicher Arbeit die Kultur beruht, ist der sie be- treffende Gewerbeordnungsnovelle-Entwurf bekanntlich bis heute noch nicht bekannt gemacht. Auch diese verschiedenartige Behandlung der Gesetzesvorbereitungen zeigt, daß der Reichskanzler, in dessen Namen das Neichsamt des Innern vorgeht, die Arbeiter für minderen Rechts hält als die, deren Existenz durch die Arbeit der Arbeiter ermöglicht wird. Der Inhalt des veröffentlichten Entwurfs steht in auffälligem Gegensatz zu seiner Länge und der seiner Erläuterungen. Es ist ein Mckwerk, dessen Notwendigkeit sich infolge der schwankenden Judikatur herausgestellt hat. Dem unlauteren Wettbewerb kann ein mit den Lebensverhältnissen vertrautes Gericht sehr leicht an den Kragen ohne ein besonderes Wettbewerbgesetz. Der§ 826 des Bürgerlichen Gesetzbuches gibt, wie die Erläuterungen anerkennen, in sehr vielen Fällen die Möglichkeit zum Einschreiten.§ 826 lautet: „Wer in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise einem anderen vorsätzlich Schaden zufügt, ist dem anderen zum Ersätze des Schadens verpflichtet." Dieser Grundsatz kann— freilich nur unter der Boraussetzung, daß er von Nichtern geHand- habt wird, die mit den Verhältnissen des werttätigen Lebens vertraut sind dem unlauteren Wettbewerb den Garaus machen, soweit das innerhalb der heuttgen auf Ausbeutung de? Menschen durch den Menschen beruhenden Gesellschaftsordnung möglich ist. Den Beweis hierfür hat Frankreich geführt. Der Artikel ' 1382 deS Code civile(„Jede Handlung eines Menschen, die einem anderen Schaden verursacht, verpflichtet den, durch dessen Schuld der Schaden entstanden ist, zum Schadenersatz") ist vorbildlich für die Bekämpfung des illoyalen Wettbewerbs durch allerdings mit Laien- richtern besetzte Gerichte gewesen. Wer nun erwartet hatte, der Entwurf schlägt nun endlich eine Ergänzung deS Wettbewerbgesetzes dadurch vor, daß er die Rechtsprechung Richtern überträgt, die nicht von der politischen Laune des jeweiligen Regiments abhängig und mit den praktischen Lebensverhältnissen vertraut sind, über- trägt— also Richtern. gewählt aus allen Kreisen der Bevölkerung durch das Volk— ist enttäuscht. Die langen Er- läuterungen lassen dies wesentlich st e Mittel zur Be- kämpfung deS unlauteren Wettbewerbs unberücksichtigt. Sie gehen den Weg der Spezialgesetzgebung. der Kasuistik. Vorgeschlagen werden einige neue Fassungen gegen den schwindelhasten Aus- verkauf und gegen gleiche KonkurSwaren-Aus- verkaufe. Unter Strafandrohung sollen bei Ausverkäufen die wahren Gründe des Ausverkaufs künftig angegeben werden. Be- trügerischen Nachschüben bei Ausverkäufen soll ein Riegel vor- geschoben werden. Uns dünkt, alles das, was der neue Entwurf treffen will und besonders hervorhebt, konnte bereits auf Grund des bestehenden Gesetzes getroffen werden und ist auch in einer Reihe Reichsgerichts- Entscheidungen alS bereits unter die bestehenden Strafvorschriften fallend bezeichnet. Hält man den Weg der ausdrücklichen Hervorhebung einzelner Fälle des unlauteren Wettbewerbes für notwendig, so gibt man damit zu. daß man zu der heutigen Rechtsprechung das Ver- trauen nicht hat, daß sie die Betrugsvorschriften und die Be- stimmungen de» unlauteren Wettbewerbs richtig zu handhaben ver- steht. Dann sollte man konsequent sein und nicht davor zurück- schrecken, endlich die zur Findung deS Rechts durchaus ungeeignete heutige Organisation der Rechtspflege an Haupt und Gliedern von Grund auf zu reformieren. Das Flickwerk des Gesetzentwurfs ver- legt dem Schivindel nicht den Weg. sondern leitet ih>i nur auf andere Bahnen, erleichtert ihm also, wenn auch wider Willen sein Fortbestehen. DaS ist die natürliche Folge jeder kasuistischen Gesetzgebung. Die Folge des Gesetzentwurfes würde sein: ein paar Strafparagraphen mehr. Vermehrung einiger un- gerechten Richtersprüche, freisprechender oder verurteilender Natur— im übrigen bleibtS wie's war. Dem Mittelstand kann auf diesem Wege nicht im geringsten geholten werden. Ver- mehrung von Strafparagraphen schafft keine Besserung der Rechts- Pflege. Den Regierungen sollte jedes geeignete Mittel zur Minderung schwiudelhaften Wettbewerbes genehm sein. Warum versteift sie sich darauf, daS für diesen Zweck wirksamste Mittel— Ersatz der„ge- lehrten" Juristen durch Richter, die vom Volk aus allen Kreisen der Bevölkerung entnommen sind— nicht in Vorschlag zu bringen? Der Entwurf bringt dem reellen Handel ein paar Strafbestimmungen mehr, aber keinen Schutz. Und auf den hat er Anspruch. Ausländische Arbeiter sollen nur landwirtschaftliche Sklaven sein. In mehreren märkischen Kreisen hat, offenbar infolge höherer Anordnung, die Polizei an Wirte, bei welchen Ausländer wohnen, Verfügungen zugehen lassen, durch die sie bei Strafe aufgefordert werden, die bei ihnen wohnenden Ausländer zu entlasten. So lautet eine im Amtsbezirk Ali-Glienicke des Kreises Teltow- BeeSlow erlassene Verfügung wie folgt: Der Amtsvorsteher des Amtsbezirks Alt-Glienicke. J.-Nr. A. 10 58-}. Adlershof. den 12. Dezember 1907. Den nicht in der Landwirtschaft beschäftigten ausländisch- polnischen Arbeiter!» ist der Aufenthalt in Preußen nicht ge- stattet. Ich verbiete Ihnen daher für die Zukunft die Beherbergung solcher Arbeiter und fordere Sie gleichzeitig hiermil auf, die etwa jetzt noch bei Ihnen wohnenden auöländisch-polnischen Ar- beiter bis spätestens zum 18. Dezember 1007 zu emlaffen. Für jeden Fall der Zuwiderhandlung werde ich eine Ihnen hiermit angedrohte Strafe van 60 Mark, an deren Stelle im Unvermögensfalle eine siebentägige Haft tritt, gegen Sie fest- setzen. v. Ruzicsowka. Gegen diese Verfügung wird hoffentlich von den Beteiligten das Verwaltungsstreitverfahren beschritten werden, denn sie ver- stößt gegen die Staatüver träge und gegen die auö dem Bürgerlichen Gesetzbuch folgende Ber- pflichtung zum Innehalten der Verträge. Erst lockt das Großgrundbesitzertum und nicht minder der preußische Minister für öffentliche Arbeiten ausländische Arbeiter nach Deutschland. Und wenn die Betreffenden solange in Teutschland sich aushalten, daß sie Verständnis für die ihnen auferlegte Rolle der Lohn- drückerei finden— weist man sie aus oder ordnet gar an, daß die Wirte die Mietsverträge brechen! Em Induftne und Ftendcl Kunstseide. Zu den Industriezweigen, die in kurzer Zeit einen, nächtigen Aufschwung genommen haben, gehört die Fabrikation künstlicher Seide. Zwar wurden die ersten Versuche der Nachbildung der Seide des Maulbeerspinnerö schon im Jahre 1634 gemacht und zwar von einem Franzosen Hilaire de Chardonnet, dem es auch gelang, aus einer Lösung von Nitrozellulose oder Schießbaumwolle in Aether und Alkohol seidenglänzende, hallbare Fäden herzustellen. Dieser Weg blieb lange der einzige und ist auch jetzt noch der am meisten benutzte. Die Uebelstände, die diese Kunstseide mit allen Nitro- körpern, z. B. Zelluloid, Schießbaumwolle, Nitroglyzerin und anderen Sprengstoffen teilt, daß sie unter gewissen Umständen eine explosionsartige Zersetzung oder Verbrennung erleiden. lenkte die Bestrebungen dahin, die Zellulose auf andere Weise als in nitriertem Zustande in Lösung zu bringen. Gute Resultate erreichte mau durch die Benutzung der schon lange bekannten Eigenschaft der Zellulose in Kupferoxydammoniak löslich zu sein. Man fällte diese Lösimg durch Ehlorammonium oder Amniouitlmfulsai und führte den halb trockenen Niederschlag ber amorphen Zellulose in Fäden gepreßt durch eine Eisenvitriollösung. worauf die völlig getrockneten Fäden auf Haspeln aufgewickelt wurden. Die hiermit gemachten Versuche ergaben sehr befriedigende Resultate und das Verfahren wird in einer der jüngsten aber zu- gleich größten Fabrik des Wuppertals ausschließlich angeivendel. Diese auf verschiedene Weise hergestellten Kunstseiden übertreffen an Glanz und an Leichtigkeit, Farbstoffe aufzunehmen, die Naturseide. Nur die Festigkeit der Fäden ist bei ihnen um etwa die Hälfte ge- ringer. Wäbreud ein Faden echter Seide bis 300 Gramm ohne zu zerreißen trägt, liegt die Grenze der Zerreißbarkeit bei Kunstseide ichon bei einem Gewicht von 110— 150 Gramm. Aber das hindert nicht, sie zu einer ganzen Reihe von Fabrikationen zu verwenden; so werden Passemeuterieit und Futterstoffe jetzt ausschließlich oder zum Teil aus ihr hergestellt. Von welcher Bedeutung diese verschiedenen, durch Patente ge- schützten Kunftseidetabrikatiouen sind, ersieht man aus einer Ver- gleichung mit der Produktion an Naturseide und ihrer Rentabilität. Die Gesamlweltproduktion an Naturseide war im Jahre 1S04 21 145 000 Kilogiamm, die der Kunstseide im Jahre 1S06 2 400000 Kilogramm, im Jahre 1007 etwa 2 900 000 Kilogramm. Italien produzierte 1S04 noch 5 900 000 Kilogramm Naturseide, Frankreich nur noch 624 000 Kilogramm, aber seine Produktion an Kunstseide ist jetzt etwa viermal io groß. Den Hauptteil der in Frankreich pro- duzierten Kunstseide liefert die Chardonnel-Gesellschaft: sie verteilte bei einem Aktienkapital von 2000000 Frank in den Jahren 1904 und 1905 je 50 Proz. Dividende. In Deutichland sind die Hauvtfabriken von Kunstseide die Vereinigten Kuustseidesabriken in Frankfurt a. M., sie verteilten bei einem Aktienkapital von 3 650 000 M. im Jahre 1906: 20 Proz., bei 8 500 000 N?. im Jahre 1905: 35 Proz., bei 3 000 000 M. im Jahre 1904 ebenfalls 35 Proz., bei 2 500 000 M. im Jahre vorher 15 Proz. Dabei veldient noch bemerkt zu werden, daß im Jahre 1905 der Reingewinn 2400000 M. betrug, dagegen insgesamt an Löhnen nur 1 089 647 M. ausgegeben wurden. Die Bereinigten Elberfelder Glanzstoff-Fabriken arbeiten nach dem Kupferoxydammoniak-Verfahren. Sie haben im letzten Jahre mit inem Aktienkapital von 2 500 000 M. einen Reingewinn von 2 000 000 M. erzielt und einen Reservefond von 1 800 000 M. Nach dem Cbardonnet-Berfahren arbeitet auch eine belgische Gesell'chaft in Bayzinghsn. Nur in England haben die Kuitstseidefabriken keine große Außdehnung erhalten. Das Kapital zieht, wie man sieht, aus der Kunstseidefabrikatioir einen hohen Gewinn: die Löhne der betreffenden Arbeiter stehen dazu in keinem Verhältnis. Hierzu kommt, daß diese Arbeit für sie mit mancherlei Gesundheitsschädigungen und Gefahren verknüpft ist. Während die Arbeiter in den Chardonnetfabriken durch die bei Her- stellung der Nitrozellulose auftretenden gefährlichen nitrcien Gase viel zu leiden haben und auch von den Actheralkoholdämpfen bei Ver- dmistcn der Lösungen arg belästigt werden, sowie von ExvlosionS- gefahr bedroht sind, sehen sich die Arbeiter in der Elberfelder Kupferammoniakfabrik den ätzenden Ammoniakdämpfen in hohem Grade ausgesetzt._ KonkurSstatistik. Nach der borläufigen Mitteilung deS Kaiserlichen Statistischen Amts zur KonkurSstatistik gelangten im 3. Vierteljahre 1907 im Deutschen Reiche 2205 neue Konkurse zur Zählung, gegen 2064 im 3. Vierteljahre 1900. Es wurden 399(403) Antrage auf Konkurseröffnung wegen Mangels eines auch nur die Kosten des Verfahrens deckenden Massenbetrages abgewiesen und 1806 Konkursverfahren eröffnet: von letzteren hatte in 1067 Fällen ausschließlich der Ge- meiuschuldner die Koukurseröffiiung beantragt. Beendet wurden im 3. Vierteljahre 1907: 1839(im 3. Vierteljahre 1906: 1782) Konkurs- verfahren, niid zwar durch Schlußverleilung 1248, durch Zwangs- vergleich 413. infolge allgemeiner Einwilligung 46 und wegen Massemangels 132. In 789 beendeten Konkursverfahren war ein GläubigerauSschuß bestellt. Von den 2205 neuen und den 1839 beendeten Em der Frauenbewegung. Der erste Streit. Brütend saß Fritz Lehmann in der finsteren Küche und starrte unverwandt in die erlöschende Glut dos Herdfeuers. Anni, seine junge Frau, hatte die Stubentür krackend hinter sich in? Swloß ge- warfen und sich sofort ins Bett gelegt, wo sie noch lange in die .Kissen schluchzte. Ein Ehezwist also I Und alles wegen der Zeitung. Als aufgeklärter. politisch und gewerkschaftlich organisierter Arbeiter las Lehmann, wie sich'S gehört, den„Vorwärts", seine Frau wollte aber nun durchaus die„Morgenpost" haben. Den„Vorwärts" mochte sie nicht, dabei gab sie aber keinen Grund dafür an, genug. sie mochte ihn nicht, blickte nicht hinein und rührte ihn nicht ein- mal an. Trotzdem blieb Lehmann, der sonst in den meisten Dingen gutmütig nachgab, in dieser Beziehung fest auf seinem Stand- Punkt stehen. Seine Aiini war ein ganz tüchtiges, manierliches Weib. Nur in diesem Punkte wollte sie keine Vernunft annehmen, trotz der erdenklichsten Mühe, trotz alles gütlichen Zuredens. Sicher steckte» da dritte Perionen dahinter, die ihr mit nichtsnutzigen Ratschlägen den Kopf verdrehten. Aber jetzt ging Fritz Lehmann auch die Er- keuntnis mit erschreckender Deutlichkeit auf. daß- er vor der Hochzeit. in den zwei Jahren, versäumt hatte, seine Braut, wie es seine Pflicht gewesen wäre, in die politischen und gewerkschaftlichen Be- strebimgen und Ziele einzuweihen und sie über die wichtigen Pflichten. auf die iiotweitdigen Aufgaben der Arbeiterfrau im Befreiungs- kämpfe aufmerksam zu macheit, sie zu einer wackeren Kämpferiii heranzubilden. All die trüben Stunden, die er jetzt durchkosten mußte, und die sein sonst so friedliches Gemüt verdüsterten und verbitterten, wären ihm dann erspart geblieben. Jetzt bereute er diese Nachlässigkeit bitter, doch es war zu spät. Zu ipäl? Es darf nicht zu spät sein, kommt Zeit, kommt Rat. der„Vorwärts" bleibt im Hanse. Mit einem Ruck stand Lehn>aim auf. DaS Feuer war nun ganz erloschen und es fror ihn. Leise klinkte er die Tür auf und schlich auf den Zehenspitzen an daS Bett seiner Frau. Sie hatte die Augen geschloffen und er wollte bedächtig einen Gmeiiachtkuß auf die weiße, schöne Stirn drücken, aber die Ichläserin hatte es gemerkt und hastig zog sie die Decke über den Kopf. Am nächsten Morgen stand er schlecht gelaunt auf. Der Kaffee war schon bereit. doch Frau Anna war nicht zu sehen. Sonst hatte sie wenigstens. wenn die ZeiNmgöfrau klopfte, den„Vorwärts" hereingenommen, heute schien sie es absichtlich unterlassen zu haben, denn er lag nicht da. Abends suchte Lehmann einen Freund auf. um mit diesem einer Berufsversammlung beizuwohnen. Dem Frennde schüttete er sein Herz ans m,d sie sprachen eingehend über die Sache. Als Fritz nach seiner Wohnung schlenderte, pfiff er ein lustiges Liedchen. Am nächsten Abend kanfte er in der Parteispedition die letzte Nummer der„Gleichheit". Nach dein Abendbrot, bei dem weder er noch seine Anni ein Wort gesprochen hatte, setzte er sich breit an den Tisch und legte die„Gleichheit" auseinander. Dann las er. las und las. ohne sich scheinbar um seine Frau zu kümmern, die erst ganz verdutzt dreinschaute, nachher aber von Zeit zu Zeit neugierig über seine Schulter blinzelte. Später aing sie schlafen, wie am Abend vorher. während er daS Blatt zu Ende las und wieder leise in die Smbe schlich. Hier legte er e'ivaS uinstäiidlich die„Gleichheit" in die Kommode, merkte sich aber die Lage ganz genau. Am nächsten Abend wiederholte sich dieselbe Szene. Diesmal lag er eine dünne, leicht- verständliche Agitationsbrojchüre. Als er diese nachher ebenfalls in die Kommode legte, merkte er sofort, daß die„Gleichheit" ihre Lage verändert hatte. Das ging noch einige Tage so an. als er wieder die neueste Nummer der»Gleichheit" beiseite gelegt hatte, fand er sie am anderen Abend, alS er nach Hause kam, auf dem Tische liegen. Er ließ aber nichts merken, soitdern ging in die Stube, und als er wieder in der Küche erschien, war die„Gleichheit" ver- schwanden und sein Liebliitgsgericht, Schweinerippchen mit Sauerkraut, stand auf dem Tische. Nun mußte das Eis bald brechen, und er nahm sich vor, den Anfang zu machen. Nach dem Esten wusch er sich und zog sich um. Sie spülte das Geschirr ab. Da nahm er ihr braunes Lockenköpfchen in beide Hände und sah ihr lachend in die feuchten Augen. Sag' mal, Maus, wie lange willst Du denn noch mnckschen?" und als sie immer noch nicht sprach, wirbelte er wie toll mit ihr in der Küche herum und trällerte über- miilig:„Trotz' nicht so, trotz' nicht so, morgen bist Du wieder ftoh, holdrio, trotz' nicht so--- 1° Nun mußte Anni doch herzlich lachen.„Willst Du mitkommen, kleiner Trotzkopf?" flüsterte er ihr neckend ins Ohr. Sie ftagte nicht, wohin, nickte aber zustimmend. Stumm und glücklich schritten die beiden hernach durch die belebten Straßen und bald saßen sie in einem großen Saal, der knüppeldick mit Menschen besetzt war. darunter sehr viele Frauen. Oben auf der Tribüne aber stand eine Frau und sprach in zündenden Worten von der Armut der Besitzlosen, von der Frauen- und Heim- arbeit, von der Ausbeutung der armen Kinder, vom Familienelend und von der Teuerung, und der Vortrag klang in einem wuchtigen. flammenden Appell an die Frauen aus, sich zu organisieren und mitzukämpfen gegen alle Unterdrückung und vor allem die Arbeiter- presse und die„Gleichheit" zu lesen. Mit geröteten Wangen und glänzenden Augen hatte Frau Aimi der Rede gelauscht. AlS'sie nun am Arme ihres Mannes ihrer Behausung zuichritt, raunte sie ihm verschämt ins Ohr:„Fritz, bist Du mir noch böse?'—„Ich?". er lachte hell auf:„i wo, Herz, Schwamm drüber!" �„So was soll und wird nicht mehr vorkommen und gleich morgen abonnieren wir auf die„Gleichheit"._ Die Sozialdemokratische Föderation in London veröffentlicht soeben ein Manifest zugunsten des allgemeinen Wahlrechts für alle Erwachsenen. Ausgehend von den Stuttgarter Beschlüffen, faßt die Schrift kurz alle Gründe zusammen, die für Gewährung des all- gemeinen Wahlrechts an die Frauen sprechen. ES folgt eine ge- drängte Darstellung des auf dem Gebiete deS Frauenwahlrechts in den verschiedenen Ländern bereits Errungenen. Schließlich werden die Genossinnen und Genossen aufgefordert, in eine zielbewußte Bewegung einzutreten. Versammlungen abzuhalten, die für diese Frage vorhandene Literatur(angeführt wird Klara Zetkins kleine Flugschrift„Frauenstimmrecht") zu verbreiten usw. Versammlungen— Veranstaltungen. Martendorf. Mittwoch, den 18. Dezember. S'/s Uhr, bei Reichert. Chausseestr. 27, Vortrog: Frau Lungivitz. Ser ickts-Z eitung. § 153. Die Klempner Sipplie und Löwinger hatten sich am 13. De- zember vor dem Gericht in Pankow auf Grund des§ 153 der Gewerbeordnung zu verantworten. Sie sollten den Zimmererpokier Bornhagen durch die Drohung mit ihrer Arbeitsniederlegung zu bestimmen versucht haben, den Tischler Neupert, der während des Zimmererstreiks Streikarbeit machte, zu entlassen. DaS SchöfstIt- gericht Pankow lehnte die Eröffnung des Hauptverfahrens ab, da selbst, wenn die tatsächlichen Behauptungen der Anklage richtig sew sollten,§ 153 deshalb nicht Anwendung finden könne, weil höchstens Bornhagen, nicht aber Neupert bedroht wäre. Hierauf allein komme es aber an. Auf die Beschwerde der AmlSanwaltschaft er- öffnete die Strafkammer das Verfahren. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Heinemann, führte aus. daß der Beschluß des Gerichts in Pankow durchaus zutreffend sei. Tie Strafkammer mach- sich des Rechtsirrtums schuldig, der zu einer vollständigen Vernichtung des ÄoalitionSrechteS führe, daß auch Drohungen gegen den Gegner im Lohnlampf unter§ 153 fub- sumiert werden können. DaS Äammergericht und neuerdings endlich auch das Reichsgericht haben das Verfehlte dieser Ansicht erkannt. Tie Zeugenvernehmung, die sich lediglich auf Verneh- mung des Belastungszeugen Bornhagen beschränkte, ergab zudem noch, daß von einer Drohung bei beiden Angeklagten keine Rede sein konnte. Bornhagen mußte unter seinem Etd zugeben, das? Löwinger mit ihm überhaupt nicht gesprochen habe. Sipplie habe lediglich zu ihm gesagt:„Meister, Sie beschäftigen einen Unorgani- sierten. Wenn die Baukontrolle kommt, können wir möglicherweise deshalb Unannehmlichkeiten haben." Bornhagen erwiderte darauf, daß er den Unorganisierten weiter beschäftigen wolle, womit Sipplie sich zufrieden gab. Er arbeitete ruhig weiter mit Neupert zusammen, der heute noch bei der Firma in Stellung ist. Beide Angeklagte wurden hierauf freigesprochen. Ter Maurer Wierzbecki war vor demselben Gericht angeklagt. bei Gelegenheit deS Bauarbeiterstreiks im Sommer d. I. versucht zu haben, den Bauarbeiter Alisch mittels Bedrohung mit einem Verbrechen zur Arbeitsniederlegung zu bestimmen. Zugleich war Wierzbecki des Vergehens aus ß 153 angeklagt. In der Haupt- verhanolung ergab sich, daß der angeblich Bedrohte, ein ganz junger Mensch, dem Angeklagten, einem alten, unbestraften Mann, zu- gerufen hatte: er solle lieber Beefinge sammeln gehen, als Streik- Posten stehen. Alisch behauptete, daß ihm der Angeklagte darauf Prügel angedroht habe. Die übrigen Zeugen bestritten selbst dies. Das Gericht fand in Uebereinstimmung mit den Ausführungen des Verteidigers, Rechtsanwalt Heinemann, in der Aeuherung des Angeklagten, selbst wenn sie wirklich gefallen wäre, höchstens eine Erwiderung auf die ihm zugefügte Beleidigung, keine Bedrohung und kein Vergehen gegen§ 153 der Gewerbeordnung und sprach den Angeklagten frei. Ter Bauarbeiter Kunkel sollte bei Gelegenheit des Bauarbeiterstreiks im Sommer d. I. den Steinträger Bunge mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben, um ihn damit zum Anschluß an den Streik zu bewegen. Außerdem sollte Kunkel den Polier Riedel, um ihn zum Folgcleisten der Wünsche der Streikenden zu bewegen, im Juli d. I. gedroht haben, er bekäme soviel Prügel, daß er genug hätte. Kunkel wurde darauf wegen Körperverletzung, Bc- drohung und Vergehens gegen Z 153 der Gewerbeordnung in zwei Fällen angeklagt. DaS Schöffengericht Berlin-Wedding hielt den Angeklagten trotz seiner Einwendungen im Sinne der Anklage für üb-rführt und verurteilte ihn zu drei Monaten Gefängnis, wäh- rend der Amtöanwalt selbst nur einen Monat beantragt hatte. Dagegen legte Kunkel Berufung ein. Er wendete vor der Straf- tanimcr ein, daß er nur deshalb dem Bunge einen Schlag gegeben habe, weil dieser ihn ohne jeden Grund am Tage vorher eine tüch- tige Ohrfeige verabreicht hatte. Die Beweisaufnahme ergab die völlige Richtigkeit dieser Behauptung. Selbst die Arbeitswilligen, die als Belastungszeugen geladen waren, mußten zugeben, daß Bunge ohne jeglichen Anlaß den Angeklagten am Tage vorher ge- schlagen halte, da die Arbeitswilligen damals gegenüber den Streikenden in der Ueberzahl waren. Kunkel habe weder dem Bunge noch sonst jemanden etwas zu Leide getan. Ziiedel behauptete, daß Angeklagter ihm Prügel angedroht habe, da er seinen Arbeitern verboten hatte, mit den Streikenden zu sprechen. An- geklagter bestritt dies. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Heinemann, beantragte, den Angeklagten lediglich wegen einfacher Körperverletzung mit eine-. kleinen Geldstrafe zu belegen. Kunkel habe dem Bunge lediglich einen Schlag gegeben, weil dieser ihn am Tage vorher ohne jeden Grund gemißhandelt hatte. Daß Kunkel den Bunge zum Anschluß an den Streik veranlassen wollte, dafür fehlt jeder Anhalt. Des- halb entfalle die Anwendung des Z 153. Im Falle Riedel könne von dessen Anivendung schon deshalb keine Rede sein, weil Riedel Gegner des Angeklagten im Lohnkampfe war, der Z 153 aber nur den Terrorismus gegen die auf derselben Seite der Lohnbewegung Stehenden bekämpfen wolle. Die Strafkammer folgte diesen Ausführungen und setzte die Strafe von 3 Monaten Gefängnis ans 56 Mark Geldstrafe herab. Gibt eS für Behörden keine zweckdienlichere Aufgaben als die Konstruktion und Verfolgung solcher Anklagen? Gegründet 1825. Eisgctr. Scbatzmvk% fr. jCahn jJajjo'a MÜlijä AMvzisZiZs-�gsbüjs BERUM C. Alexanderplatz. 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Vortrag des Kollegen A. Schreiber: Der Streik als Klassenkampf. 2. Diskussion. 3. Neuwahl der Beitragssammler für Wedding und Gesund- brunncn 4. VerbandSangelegenheitcn. Die Komtuission. Zentialverband der Steinarbeiter Deutschlands Berlin 11. ntttwoch, den 18. Dezember 1907, abends 8 Uhr»' int Gcn-crhschaftshaas, Engel-User 15: Mitglieder- Dersammluiig. TageS-Ordnung: 1. Die Adlehnimg dcr� weiteren MahregelungSunterstiitzung. L. M- rechnuug und Bericht vom Streik. 3. VerschledeneS. Zahlreichen Besuch erwartet 102/2_ Der Vorstand. Chr. Ohngemach, Vorsitzender. Deutsciier Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Rixdorf. Donnerstag, 19. Dezember, abends 8 Uhr. bei Thiel. Bergftr. 151/152: öiUtfunf Tagcs-Orditung: gestsednng der Arbeitslosen- und Krankenuuterstützung und> Derbauds angelegeiibcttcn. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. 99/13 Die Ortsverwaltnng. Wer llir 11 SlrbcitSnailiwcis: VertvaltniigSstelle Berlin. Hanptbnrea»: Hos I. Amt 8. 1239. CharUsstraBe 3. Hos III. Amt 3. 1987 Mittwoch, den 18. Arzkinber, abends 8'/2 Uhr: Kezirksverjammlnng für Moabit im großen Saale der„Kronenbrauerei", Alt Moabit 47/49. TageS-Ordnung: M 1 Vortrag des RelchstagSabgem-dneten Molkenbuhr über:„Die deutsche Sozialpolltil". 2. Distussion. 3. Beratung der von der letzten Generalvcrsaiinnlung noch nicht erledigten Paragraphen des OrtSstatutS. Psllcht aller Kollegen und Kollcginncit ist cS, in dieser Versammlung pünktlich zu erscheinen. AV Mitgliedsbuch legitimiert.-MG GW- Ter BSeihnachtöfeiertage wegen erfolg« die Auszahlung der WM» Arbeitslosen- und»rankenuutcritiinuna an folgende» Tage«: Für den 20. und 2t. Dezember am Freitag, 20. Dezember. „„ 22., 23. n. 24. Dezember am Sonnabend, 21. Dezember. 25. und 26. Dezember am Montag, 23. Dezember. „ 27. und 28. Dezember am Dienstag. 24. Dezember. „„ 29. und 30. Dezember am Freitag, 27. Dezember. 31. Dezember am Sonnabend, 28. Dezember. Am 30. und 31. Dezember und 1. Januar 1008 bleibt der Arveiisnachwcis und das Bureau der Krankenunterltühnug geschlossen! Die erste SluSzablung erfolgt wicdtr am Tonnerstag, den K. Januar 1908. D:c Kollegen werden ersucht, dieses zu beachten! Ten Kollegen zur Nachricht, das» Broschüren im Bureau zu haben sind bctreikrnd die Verhandlungen doS NcichstageS über den Äesehentwurf betreffend die gewerblichen Berufsverei»«. Jür Mitglieder ist j der Preis«5 Pf.-- Mitgliedsbuch legitimiert. MG Zahlreichen Besuch erwartet Dvr- Vorataad. XB. In der zweiten Hülste deS Januar findet die ordentliche Generalversammlung statt. T. O. Ol'twvvi-naitan« Berlin. Bureau: Berlin N. 54, Brunnenftr. 188, Restaurant Silke. Amt lila. 4835. Achtung! Sir empfehlen Bei Veranstaltung von Vergnügen»sw. den geehrten VorftSndeu, Komitees und Saalinhabern unseren kostenlosen Zlrbeitsnachweis, Brnttnenstrasze 188. Geschäftszeit täglich von 10'/,— 1 Uhr mittags. Kapellen vom größten bis kleinsten Orchester stehen jederzeit zur Versügung. Der Borstand. Ein Trlnmxih der deutschen Zlgaretten=Fabrikation! Selowsky's C£iP Ii SO-Zigaretten trotz unübertrefflicher Qualität und garantiert feinster Handarbeit nur 3 Pf. per Stuck! Grts Kraubenkajse der Schlirider, Achttridtrittilt» und verwandier Gewerbe zu Berti». Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß die am 17. September 1907 beschlossene Abänderung der 13 u. 25 des Kassenstatuts vom Bezirksausschuß als 7. Abänderung zum revidierten Statut genehmigt ist. 280/12 Demnach erhallen die Mitglieder vom l. Januar 1908 ab Im Fall der Lrwcrbsuniähigkeit vom dritten Tage nach dem Tage der Erkrankung ab sür jeden KrcN, kenlag eiuschtiefflich der Sonn- und Festtage Krauten» gctd. Berlin, den 14. Dezember 1907. (.»stav Xahtow. Vorsitzender. Paul Do ritz, Schriftführer. AiOrbmiiiz! illlle Maurer, Zimmerleute und Arheiter. welche ini Jahre 1896 aus dem Neubau von Dtulocb, Her- mannstr. 34, Rixdorf. gearbeitet haben, wollen ihre Adresse unter B. 5 in der Expedition des„Vor- wärts" abgeben. 1982b» Unkosteu und Versäumnisse werden vergütet. leugeo gesucht. Bitte die Herren, die in der Nach! vom 7. Dezember, morgens 3 Uhr, die Hüiseruse gehört und gesehen haben wie ein Mann in Lederjacke Markthalle Pücklerslraße geschlagen wurde, bei mir zu melden. Unkosten critanc gern. Mnx w'ecbner. Wrangelstr. 118. JSS Eile zu Welle! � HU Drendenersti'. 119 Eckhaus Oranienniatz Speziat- Kaus nur für Pelz-Stolas Colliers und Muffen. Riesenhalte ÄDswahl in echt Skunks von 25 Mark an Nerz von 40 Mark an. Persianer von 60 Mark an. Bisam von 10 Mark an. Tibet von 9.50 Mark an. Kanin von 3.75 Mark an. Eigene Werkstatt. 1\Uoito Dresdenerstr, 119, f|* vT will! Eckbaus Oranienpl. Auf Wunsch wird jede Stola aus dem Fenster verabfolgt. Z. Alexander Ecke StrauBbergerstraBe. Zum Weihnachtsfeste 1 [empfehle in großer Ans- 1 wähl: 1105L* j [Wäsche, Kleiderstoffe, j | Trikotagen, l einen u. Baumwollwaren. Achtung! Sumatra-Tecke, Bollblatt, hell, per-Piund M. 5,50, 6.00 u. 6,50. !» Röhls Filiale: Iterlin TV. Bnmnenstr. 100. 296/10 Achtung! 8 n in a t a* a erste Länge Bollblatt, lrbhastc reine Farben, per Pfd. M. 4,80. Hamburget Robiabak-Haus,{ Filiale; Berlin N,. Brunnenstr. 190. S tepttdecken picioiuin, oucll in Ott Fabrik, nur• 72, WallMtr. 7«, I wo aua) alte Steppdecken ausgearbeitet werden. Bernhard Strobiinindrl, Berlin 8. 14. JLuür. Katalog gratis. > Sonntage vor Weihnachten geöttnet. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil Verantw.: TH. Glaste, Berlin. Druck u. Berlag: Borwärt» Suchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW* ör. 294. 24. 2. KkilM i>c»„ilotmiirlo" Knlim WldsdlM Aikustag, t7. Dettmbtt lM. Partei- �Zngelegenbeiten. Zur Lokalliste. In Halensee steht das Lokal„Johann- G e o r g- H a u s Johann- Georgstr. 19, Jnh. Herr Alb. Scheruch, der Arbeiterschaft zu allen Veranstaltungen zur Ver- fügung; ebenfalls das dem gleichen Besitzer gehörige Lokal „Hasselwerder" in Nieder-Schöneweide. Tie Lokalkommission. Rixdorf. Die Mitglieder des Wahlvereins werde» auf die in unserer Spedition, Neckarstraße 2, befindliche WeihnachtS- ausstellung in Jugend- und Parteiliteratur auf- merksam gemacht und eriucht, dieselbe zu besichtigen. Zu dem am ersten Feieriag in Hoppcs Festsälcn, Hermannstr.49, stallfindenden Weihnachls- vergnügen sind noch Billetts a 25 Ps. in der Spedition zu haben; dort können die Mitglieder auch Billetts für die Theatervorstellung .Flachsmann als Erzieher" am zweiten Feiertag im Rixdorfer Theater zum Preise von 60 Pf. in Enipfang nehmen. Die Genossen mögen hiervon regen Gebrauch machen. Der Vorstand. Eharlottcnliurg. Am heutigen Dienstag findet im Bolkshause, Rosinenstr. 3, die Generalversammlung des Wahl-l Vereins statt. Auf der Tagesordnung derselben steht ander den geschäftlichen Mitteilungen der Bericht und die Diskussion über den 2. preudischcn Parteitag. Wir erwarten mit Bestimmtheit, daß die Genossen sich zahlreich und pünktlich zu dieser Versammlung ein- finden. Der Vorstand. Schöueberg. Heute Dienstag, abends 8 Uhr, findet in E. Obsts Fcstsälen die Versammlung des sozialdemokratischen WuhlvcreinS statt. Die Tagesordnung lautet: 1.»Die wirtschaftlichen Krisen/ Referent: Redakteur Genosse W. D ü w e l l. 2. Bereinsangelegew heilen. 3. Verschiedenes. Da einige Versammlungen der Stadlverordnetenwahlen wegen ausgefallen sind, wird nunmehr guter Besuch erwartet. Der Vorstand. Friedenau. Heute abend findet die Generalversammlung des Wahlvercins im„Rheinschlofc" statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Borstandes und der Funktionäre. 2. Neuwahl demlben. 3. Be rainng einer Geschäftsordnung. 4. Vereinsangelcgenheilen. 4. Ver- schiedenes. Die Parteigenossen werden ersucht, vollzählig zu er- scheinen. Der Vorstand. Zchlciidorf. Heute abend S"z Uhr bei Mickley, Potsdamer straße 125. VereinSvers ammlung. Tagesordnung: Vortrag von Robert Gramenz über den Prentzeniag. Gäste willkommen. Treplow-Baumschulenweg. Heute abend findet die Mitglieder- Versammlung des WahlvereinS in Speers Fcstsälen, Baumschulen- straße statt. Tagesordnung: 1. Vortrag:„Friede auf Erden." 2. Diskussion. 3. VereinSangelegenheitcn. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Außerdem machen wir die Parteigenossen auf unsere Bibliothek aufmerksam. Dieselbe befindet sich Baumschulenweg im Lokale von Ehrist. Ernst- und Marienthalerstratzen- Ecke. BücherauSgabe jeden Sonntag von 7—10, in Treptow bei Genossen Gramenz, Kiefholzstr. 4l2, im Laden. Ausgabe wochentags von 7— 9 Uhr abends" Auch können dorHelbst die Weihnachtsprämien für die .Vorwärts"-Abonnenten entnommen werden. Britz-Buckow. Heute Dienstag, den 17. Dezember, abends '/z9 Uhr, findet bei Weniger, Britz. Rungiusstr. 3, die WahlvereinS versammliuig statt. Tagesordnung: 1. Berichterstattung vom preußischen Parteitage. Referent; Genosse Wollermann. 2. Diskussion. 8. Verschiedenes. Bei der Wichtigkeit der Tagest ordnung wird das Erscheinen aller Mitglieder erwartet. Der Vorstand. Tempelhof. Die Mitglieder deS sozialdemokratischen Wahl Vereins werden auf die heute abend Z'/z Uhr, im Lokale M. Müller, Bcrlinerstr. 4l/42, stattfindende Vcrsannnluiig aufmerlsam gemacht. Tagesordnung:»Das neue Evangelium." Referent Genosse I. B o r ch a r d t. 2. Diskussion. 3. Ausnahme neuer Mitglieder. Des interefianten wie lehrreichen Vortrages wegen sind die Partei- genossen verpflichtet, für zahlreichen Besuch zu agitieren. Gäste, auch Frauen willkommen. Der Vorstand. Tegel. Heute abend S'/z Uhr findet die Generalversammlung des WahlvereinS statt. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mit- glicder. 2. Wahl deS Vorstandes und der Kommission. 3. Vereins- angelcgcnbeiten und Verschiedenes.— Um zahlreiches und pünkt licheS Erscheinen ersucht Der Vorstand. Frauzösisch-Buchholz. Auf die am Mittwoch, den 18. d. M., abends pünktlich 8 Uhr, bei Käbne stattfindende Generalversammlung deS Wahlvereins werden die Genossen hingewiesen. Tagesordnung: 1. Jahresbericht des Borstandes. 2. Disknssion. 3. Neuwahl deS gesamten Vorstandes. 4. Geschäftliche Mitteilungen. Jeder Genosie agitiere für zahlreichen Besuch. Der Borstand. berliner ISacbncbtcn* Der silberne Sonntag. Weihnachtsruntmel. Weihnachtstrubel. Weihnachiölärm, alles ist da, nur die Stimmung fehlt und die Kauflust oder besser gesagt, die Kaufmöglichkeit. Der silberne Sonntag ist vorbei, aber wenn man den Geschäftsleuten glauben darf, bleibt die Einnahme weit hinter den Erwartungen zurück. Bildet doch für viele Geschäftszweige die Weihnachtssaison gerade der Rausreißer, der die mageren Zeiten gut machen und dem Jahresabschluß auf die Beine helfen soll. Wir glauben es gerne, daß so manchen Geschäftsmann das Ergebnis des Umsatzes am Sonntag enttäuscht hat. eine Tatsache, mit der er auch am folgenden„goldenen Sonntag" zu rechnen haben wird. Besonders in diesem Jahre machen sich die Folgen des wirtschaftlichen Niederganges außer- gewöhnlich geltend und die exorbitant hohen Mieten und Lebensmittelpreise sowie die teuren Brennmaterialienpreise tragen noch das übrige bei. Trotzdem. Leute waren am vergangenen Sonntag genug auf der Straße, wenngleich dies bei der enormen Einwohner- zahl Berlins nicht viel zu sagen hat. Groß und Klein, Jung und Alt tapste durch den schmierigen Straßenkot und die hell- erleuchteten Schaufenster der Geschäfte, die bis am Abend ge- öffnet waren, lockten Scharen von Schaulustigen an. In den Warenhäusern besonders stauten sich die Menschen in beäug- stigender Enge und die armen Verkäuferinnen hätten 19 Köpfe und 20 Hände gebrauchen können. Auf den Straßen vollführten die Händler einen Höllenlärm und Priesen mit unendlicher Geduld und heiserer Stimme ihre Waren an. Primitiv errichtete Stände, Karren und Wagen, Körbe und Kasten dienten als Verkaufstische. Die Kinder aber, bis herab ins zarteste Alter, standen Dutzendweise bei- saminen, um die armseligen Gegenstände loszuschlagen. Ehristbaumschmuck und sonstige Gegenstände trugen sie in einer Zigarrenkiste, die an«Direr Schnur um den Hals hing. Viele ließen auch einen SVreisel auf der Erde tanzen oder zeigten die„loofende MauS", andere boten Hampelmänner feil, lind doch verhallte ihr klägliches Rufen meist ungchört am Ohr der Vorübereilendeu und wenn ihnen einer etwas abkaufte,� so geschah es wohl nur aus Mitgefühl. Jeden ernsten Be- obachter mußte ein Blick auf die armen Kinder vollkommen überzeugen, daß>vir in der besten aller Welten leben. Massen- Haft lagen auch Erwachsene, meist Arbeitslose, dem Straßen- Handel ob. Wenns nur ein paar dürstige Groschen sind, die dabei herauskommen, es reicht wenigstens flir Brot und hilft über den schlimmsten Hunger hinweg. Im Gewerkschaftshause, in der Jügcndschriftenausstellung war der Andrang ein kolossaler und die daselbst tätigen Genossinnen hatten alle Hände voll zu tun, um das fragende und kaufende Publikum abzufertigen. Ein schöner Beweis, wie sehr diese Einrichtung einem tiefgefühlten Bedürfnis in den Arbeiterkreisen entspricht und wie sehr sich der Geschmack und das Verständnis der Proletariercltern gehoben hat. Hoffen wir, daß eS nur noch eine Frage der Zeit, bis der billige und wertlose Bücherschund aus dem Heim des Arbeiters verschwunden ist, zum Nutzen der heranwachsenden Jugend und im Interesse der sozialistischen Bewegung. Die Berliner Polizei und der Fremdenverkehr. Der Verein der Berlrner Saalbesitzer erörterte in einer Sitzung Ende voriger Woche die Frage der Förderung des Fremdenverkehrs in der Reichshauptstadt. Eine vorberatende Kommission, die in der Hauptsache aus Angehörigen des Gast wirtcstandes und der Kaufinanuschaft zusammengesetzt war, hatte eine Reihe von Vorschlägen ausgearbeitet, als deren Hauptstück sich die Forderung auf Veraustaltung einer Welt ausstellung in Berlin heraushebt. In der Diskussion über die gemachten Vorschläge widersprach ein Redner lebhaft der ge- nannten Anregung, weil die Erfahrungen anderer Weltstädte mit solchen Ausstellungen nicht besonders ermutigend seien. Der Umstand, daß sich die Fremden in Berlin nicht wohl fühlten. sei in erster Linie auf die Tätigkeit der Polizei zurückzuführen, die jedem Fremden in besonders scharfer Weise ihre„Fürsorge" widme. Darin werden alle Kenner der Verhältniffe dem Redner sicher beistimmen. Uns fällt da gerade ein Urteil ein, das Fürst Bismarck vor langen, langen Jahren, als er noch ein facher Buudestagsgesandter in Frankfurt a. M. war, über die Berliner Polizei abgab. In einem Briefe an den Minister Manteuffel im Monat Juli l855 schreibt Bismarck: „Ich kenne den Vorgang(daS Rencontre der Berliner PoNzei mit dein adligen Spielklub des Junkers Rochow und Genosien) nicht genug, um das Wahre vom Falschen zu unterscheiden. Darüber stimmen aber alle Reisenden überci», daß die Berliner Polizei d i e g r ö b st e i n E u r o p a i st. Ich kann nach meiner eigenen Erfahrung nicht widersprechen. Der Hang zu dienstlicher Arroganz und Grobheit neckt in dem subalternen Teil unserer Bureaukratcn. Dergleichen Plackereien sind oft viel bedenklichere Quellen der Verstimmung gegen eine Regierung, als Meinungsverschiedenheiten über Regierungsformen und Budget." Dies Urteil ist zwar schon, wie gesagt, zweiundfünfzig Jahre alt, und Bismarck hat später als oberster Gebieter in Preußen nichts dazu getan, diese Verhältnisse zu bessern. Die oben mitgeteilte Klage aus dem Verein der Berliner Saal besitzer beweist, daß noch heute Leute ähnlich denken und fühlen, wie einstens der preußische Bundestagsgesandte in Frankfurt a. M. Ob sie wohl unrecht haben? WeihnachtSzüge im Berkehr mit Schlesien, Posen und Pommern. Weihnachtözüge siftd jetzt auch im Verkehr mit Schlesien, Posen und Pommern vorgesehen worden. Die Züge verkehren als Vor- oder Nachzüge zu den fahrplanmäßigen. Von der Berliner Stadt- bahn gehen am 20. Dezember bis 2. Januar Züge nach Breslau Kattowitz und zurück, Myslowitz, Bricg usw. Der fahrplanmäßige Nachtzug, ab Friedrichstraße 11.31, führt vom 21. bis 28. Dezember nur Wagen für Kattowitz, Herby und Guben. Die Wagen nach Oderberg, Wien und Budapest laufen in dem Nachzugc. Von der Stadtbahn gehen ferner vom 21. Dezember an besondere Züge nach Posen und zurück. Sondcrzüge sind auch vorgesehen zwischen Posen und Breslau, Rcppen und Glogau sowie Posen und Ostrowo. Vom Stettiner Bahnhof verkehren vom 21. Dezember an Sonder- züge nach Stettin, Stargard. Belgard, Kolberg, Angermünde, Pasewalk, Züssow, Ebcrswalde- Wriezen- Seelow, Löwenberg, Fürstenberg, Neustrelitz, Stralsund. Auch der Nachtschncllzug nach Warnemünde erhält am 21. Dezember einen Vorzug bis Neustrclitz, ab 11.00. Für die Züge sind im allgemeinen gewöhnliche Fahr- karten erforderlich. Eine Ermäßigung besteht nicht. Schnellzugs- Zuschlag ist nur dann zu entrichten, wenn der betreffende Hauptzug ebenfalls Schnellzug ist. Bei den Zügen vom Stettiner Bahnhof beschränkt sich der Zuschlag auf den Borzug zum v-Zug 2l. ab 8.17, der am 21. Dezember bis Bclgard, am 22. und 23. Dezember bis Ruhnow verkehrt, sowie auf den genannten Sonder-O-Zug nach Neustrelitz. Die Deputation für die städtischen KanalisationSwerke und Rieselfelder hat beschlossen, mit dem ForstfiskuS wegen deS Erwerbs größerer forstfiskalischer Flächen zum Zwecke der Berieselung in Unterhandlung zu treten. Die Jllgendschriften-AuSstellung im GewerkschastShause ist geschlossen. Die Bücher, die in dem vom Berliner Jugend- schriftenansschuß herausgegebenen Verzeichnis empfehlenswerter Jugendschriften aufgeführt sind, sind nach wie vor in der Buchhandlung Vorwärts zu haben. Der Gerichtshof zieht sich zur Beratung zurück. „Der Gerichtshof zieht sich zur Beratung zurück." So heißt's sonst, wenn eine Sache bis zur Urteilsfällung gediehen ist. Vor der 8. Kammer des Berliner Gcwerbcgerichts war'S neulich anders; da zogen sich— Parteien, Zeugen und Publikum zwar nicht„zur Beratung", aber doch während der Beratung zurück. Und das kam so: Durch die Verhandlungen der Vertreter des Holzarbeiter- gewerbcs über den Abschluß eines neuen Tarifcs waren die ohnehin sehr beschränkten Räumlichkeiten des Gcwerbcgerichts derart in Anspruch genommen, daß die 8. Stammer unter dem Vorsitz des Magistratsratö Schulz mit einem Zimmer vorlicb nehmen mußte, dem das allcrnotwcndigste Requisit jedes Gerichtshofes, nämlich ein besonderes Beratungszimmer, fehlte; die Folge war, daß, so oft das Gericht in die Beratung eintreten wollte, Parteien, Zeugen und Publikum sich aus dem Gcrichtösaalc„zurückziehen" muhten. Bei dem guten Willen, den alle Beteiligten an den Tag lejsten, ging's natürlich auch mal„so", und außerordentliche Umstände recht- ertigen schließlich außerordentliche Maßnahmen. Aber es erscheint angezeigt, bei dieser Gelegenheit auch einmal ein Wort über die völlig unzureichenden Räumlichkeiten u"n t?ra'e'bra'cht ist We�der�ihrer Größe m>ch°ibrer°aac noch'""ssen. um den Belästigungen mancher Herren auszuweichend ihr� Einrichtung nach geigen diese.�Sälc �mom verzerhe bessere Gelege.cheit sein harte Wort in denen das Berliner Gewerbegericht untergebracht j«Utenpoltzeiamt auszufuhren. ist, auch nur den allcrbescheidcnstcn Anforderungen. Engere.! Der polizeilichen Auflösunz verfiel am Sonntag eine öffentliche Mnstcre Korridore, kleine, niedrige Zimmer im dritten Stockwerk Versammlung der Berliner Anarchisten, die im Restaurant„Lebens- — das Wort„Saal" auf sie anzuwenden würde wie bitterer Hohn quelle". Koinniandantenstraße, abgehalten wurde. Der Referent klingen— das ist das Heim, in dem die Dame Justitia von der tadelte in scharfer Weise das jüngste Borgehen der Polizei gegen die Stadt untergebracht worden ist. �Anarchisten Berlins. Zwei Anklagen ivegrn Hochverrats und drei Von irgendeiner künstlichen Ventilation, die bei der drückenden Enge der Zimmer so dringend Not täte, keine Spur. Das Ocffnen der Fenster, diese primitivste Art der Lüftung, zu der man schließ- lich notgedrungen greifen muß, verbietet sich an kalten Tagen ganz von selbst; dazu kommt, daß bei geöffnetem Fenster der aus der — nur mit Steinpflaster versehenen— Zimmerstraße herauf» tönende Lärm jede Verhandlung unmöglich machen würde. Bleibt also nichts weiter übrig, als daß der Gerichtsdiener in den Pausen» während deren der Gerichtshof sich zur Beratung zurückzieht— soweit Zeugen und Parteien, die auf die nächste Sache warten» sich das nicht verbitten— die Fenster aufreißt, um sie dann in anmutigem Wechsel beim Wiedereintritt des Gerichtshofes wieder zu schließen. Kein Wunder, daß nack mehrstündigen Sitzungen in diesen„Sälen" vielfach eine Atmosphäre herrscht, die jeder Be- schrcibung spottet.— Die Dame Justitia ist ja bczüglick der Räum- lichkeiten, in denen sie Haufen muß, im allgemeinen nicht besonder? verwöhnt, gleichviel ob sie vom„Herrn" Fiskus oder von„Frau" Berolina alimentiert wird. Aber die Behandlung, die sich speziell das Gewerbegericht gefallen lassen mutz, ist in der Tat nicht mehr schön. So schlecht ist doch schließlich die Frau Berolina nicht ge- stellt, daß sie etwa aus Nahrungssorgcn genötigt wäre, statt der gütigen und vorsorglichen Mutter die geizige— Stiefmutter zu Ipielen, die sogar mit der Wohnung spart und knausert. Orgcllonzcrt. Mittwoch, den 18. Dezember, abends 7'/i Uhr, veranstaltet der Kgl. Musikdirektor Bernh. Jrrgang in der St. Marienkirche das nächste Weihnachtskonzert unter Mit- Wirkung von Frau Charlotte Kimpcl(Sopran), Frl. Julia Michaels lAlt), Frl. Elis. Lcsser(Violine) und Herrn Paul Sager(Bratsche). Weihnachtsgesänge von Bach, Cornelius, Brahms und Wolf, Orgel- kompositioncn von Bach, Wolfram und Bartmuß. Der Eintritt ist frei!__ Zahlreiche neue Sprechverbindungen. Zahlreiche Fernsprcch- anschlösse sind soeben eröffnet worden. Sie beschränken sich auf den Verkehr zwischen Berlin und den folgenden Orten deS ReichS- TelegraphengcbietcS: AnkerShagen, Bänke, Bohnenberg, Brackede, Brandlcben, Brandstade, Caarssen, Damnatz, Darchau, Dünsche, Försterei Borkendorf, Försterei Gönne, Garlstorf, Kr. Bleckede, Gartow, Gedelitz. Gorleben. Kr. Lüchow, Großgusborn, Groß» Varchow, Herrenhof, Hindenberg, Kr. Ruppin, Jasebeck, Klein- gusborn, Könau, Langendorf, Elbe, Lebehnke, Meetschow, Möllen- Hagen, Neu-Garge, Plietnitz, Pretzetze, Ouickborn, Elbe, Radegast, Br. Hannover. Schnackcnburg. Kr. Lüchow, Seegenfelde, Strachau. Trickau, Viehle, Vietze, Wcndewisch und Wissulke. Die Gebühr für ein gewöhnliches Gespräch bis zur Dauer von 3 Minuten beträgt überall je 1 M., nur im Verkebr mit Hindenberg, Kreis Ruppin, 50 Pf._ Akkuratesse im Roten Hause. Uns wird aus Lehrerkrcisen geschrieben: Bürgerliche Zeitungen berichteten dieser Tage, daß die städtischen Behörden eine Herab- sctzung der Pflichtstundenzahl der Lehrer an den Gemeindeschulen beschlossen hätten. Die letzte Stadtverordnetenversammlung brachte eine Aufklärung über die Herkunft dieser Mystifikation, die einiger Komik nicht enbehrt. Aus der Tagesordnung stand u. a. eine „Vorlage betr. Herabsetzung der Pflichtstunden der Turnwarte und Turnlehrer bei den städtischen höheren Lehranstalten." In der beigegcbencn Begründung heißt eS:„Die Zahl der wöchent- lich zu erteilenden Pflichtstunden der Gemcindeschullehrer ermäßigt sich gemäß dem Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung vom 25. September.1902— Protokoll 22— nach 23 und 31 Dienstjahren von 26 auf 24 und 22 Lehrstunden wöchentlich, so daß sie also für die in der ersten— obersten— Gehaltsstufe stehenden Lehrer 22, für die in der 2., 3. und 4. stehenden 24, für die übrigen 26 Lehrstunden wöchentlich beträgt. Dasselbe gilt gemäß Beschluß der Stadtverordnetenversammlung vom 9. März lSVS auch für die Vorschullehrer." Die auf der Tribüne anwesenden Lehrer harrten mit gespanntem— Zwerchfell des Augenblicks, da der Herr Stadtschulrat eventl. das Wort nehmen würde zu einer Lorlage, deren Begründung er doch wohl nicht gelesen haben kann. Sie sind in dieser Beziehung nicht auf die Kosten gekommen, schienen aber entschlossen, für die laut„Protokoll 22" ab 25. September 1902 geleisteten Ucberstunden demnächst die Gehaltsquittungen zu präsentieren. In der Tat betragen nämlich die entsprechenden Pflichtstundcnzahlen für Gcmeindeschullehrcr 28, 26 und 24! Es ist doch immerhin eine Leistung, daß in den Drucksachen des Stadtparlaments, die den Beschlüssen dieser Versammlung als Unterlage zu dienen bestimmt sind, sich derartige Unrichtigkeiten einschleichen konnten. Kundige wollen freilich wissen, daß falsche Zahlen in derartigen Druckiachcn und Vorlagen— wenigstens soweit das Gemcindeschulwesen in Frage kommt— nicht eben eine Seltenheit bedeuten. Das wären denn zum mindesten— mildernde Umstände für den Herrn Magistratsoffiziosus. der ja in dem Gerüche steht, durch seine„Auslassungen" die öffentliche Meinung ab und zu irre zu führen. Der Berliner Lehmverein hielt am letzten Freitag seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr H c r t e r» er- stattete den Jahresbericht, der von der reichen Arbeit auch in den vielen Zweigen und Ausschüssen des Vereins zeugte. Interessieren dürfte, daß der Verein zurzeit 3400 Mitglieder zählt; das letzte Jahr brachte einen Zuwachs von 220 Mitgliedern. 350 Berliner Lehrer stehen ihrer Berufsorganisation noch fern. Für die Robert Koch-Stiftung zur Bekämpfung der Tuber» kulose hat der Magistrat 50 000 M. belvilligt und ersucht um die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung. Der Zweck dieser aus Anlaß dzs 25. Jahrestages der von Koch bekannt gegebenen Entdeckung des Tubcrkclbazillus von einem Komitee ins Leben ge- rufenen Stiftung soll die Förderung wissenschaftlicher Arbeiten zur Bekämpfung der Tuberkulose sein. lieber dos Benehmen eines Sittenbeamten schreibt uns eine Leserin:„Seit Oktober vorigen Jahres bin ich Kassierin an einem Kinematographenthcater uno wie alle mehr oder weniger Be» teiligtcn wissen, ist 11 Uhr abends Schluß. Einige Minuten vorher gebe ich die Kasse ab und eile zur nächsten Haltestelle der elck- trischen Straßenbahn, die etwa 10 Minuten entfernt ist. Wie ich nun vorgestern abend auf meinen Straßenbahnwagen einige Minuten warten mutz und zur Erwärmung meiner kalten Füße an der Haltestelle hin- und hergehe, tritt ein graubärtiger Herr auf mich zu, stellt sich als Äriminalbcanitcr vor und verlangt von mir Name, Wohnung und Beschäftigung zu wissen. Da in diesem Augenblick mein tstratzenbahnwagcn kommt, rufe ich ihm alles in Eile zu, lause der Elektrischen nach und komme noch mit, indem ich in voller Fahrt aufspringen muß. Bin ich verpflichtet, stets meine Legitimaiionspapiere bei mir zu tragen? Ich diu weder auffallend gctleidet— im Gegenteil, mehr wie einfach— noch habe ich mich in irgendeiner Weise anstößig benommen. Dazu konimt, daß auch die Straße in meiner Umgebung menschenleer war.— Einem jungen Beamten könnte man seine Unkenntnis zugute halten, aber einem älteren Herrn müßte man doch schon mehr Menschenkenntnis zutrauen, so daß nicht anständige Menschen belästigt werden. Sehr oft habe ich schon auf meinem Weg in der Oranienstraße von einer Seite der Straße zur anderen rennen Verhasiungen seien in den letzten Tagen wieder zu verzeichnen ge- Wesen. Auch der Redakteur des„Revolutionär",«chunemann, sei t�ryastet worden. Die Kritik dcS Referenten an diesen, Vorgehen der Polizei gab dem überwachenden Beamten Veranlassung, die Versammlung aufzulösen. Der fromme„Rcichsbote" wird auch teurer: das Vierteljahres- abonnement wird von 4 M. auf 4 M. 30 Pf. erhöht. Begründet wird diese Mahnahme mit den gestiegenen Arbeitslöhnen für die Herstellung der Zeitung und mit den im Preise gestiegenen Materialien. In den Haaren liegen sich die Frommen Berlin«. Die General shnode hat einen Beschluß gefalzt, der den Kirchengemeinden da« Pfcrrrbesctzungsrecht einschränkt. Darüber sind die liberalen Kirchengemeinden sehr aufgebracht und verschiedene habe» schon heftige Proteste beschlossen. Wie unchristlich! Zur Frage der Speisung notleidender Schulkinder hat der Vorstand des Vereins für Kindervolksküchcn unter Berücksichtigung des Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung vom 12. d. M. Stellung genommen und den hierfür eingesetzten Ausschüssen, und zwar dem Ausschuß des Stadtverordnctenkollegiums und dem Aus- schusse der Schuldcputation, folgenden Beschluß übermittelt: I. Sofern die Stadtverwaltung beschließt, dem Verein zur Durchführung seiner Aufgaben diejenigen Mittel zu getvähren, die er nicht aus freiwilligen Beiträgen aufbringen kann, räumt dieser dem Magistrat das Recht ein, zwei Mitglieder in den Vorstand mit Sitz und Stimme zu delegieren. 2. Die Verwaltung des Vereins wird in folgender Weise reorganisiert: a) Der Vorstand des Vereins leitet wie bisher die Geschäfte des Vereins, insbesondere die Beschaffung der Mittel aus privater Wohltätigkeit, d) Die Vorsteherinnen leiten wie bis- her den wirtschaftlichen Teil des Vereins, c) Die Geschäftsstelle des Vereins inkluswe des Kastenwesens wird nach dem Rathause oder einer sonstigen städtischen amtlichen Stelle verlegt und von einem vom Magistrat in Vorschlag gebrachten Beamten, der aus Vereinsmitteln besoldet wird, verwaltet, ck) Im Falle der An- nähme dieses Vorschlages wird der Vorstand sogleich eine General- Versammlung einberufen, um die notwendige Statutenänderung durchzuführen. Beim Abspringen von einem fahrenden Straßenbahnwagen ist vorgestern abend der 33 jährige Arbeiter Hermann Pätzold aus Hormsdorf schwer zu Schaden gekommen. Er benutzte einen Straßenbahnwagen der Linie 38 zur Fahrt nach dem Nordbahnhof Gesundbrunnen und versuchte vor dem Eingang zu dem Bahnhof, etwa zehn Meter vor der Straßenbahnhaltestelle, von dem schon angebremsten Motorwagen hcrabzuspringcn. Hierbei stürzte P. so unglücklich auf den Fahrdamm, daß er einen schweren Schädel- bruch erlitt. Er wurde nach der Unfallstation in der Badstraßc gebracht. Mitte» in der Arbeit vom Tod überrascht wurde am Sonntag ein Arbeiter am Kurfürstendamm. In dem bereits fertiggestellten Neubau am Kurfürstendamm 173/74 waren dringende Bohncr- arbeiten zu erledigen, und so wurde auch am Sonntag in den Räumen gearbeitet. Ein Aushülfsbohncr, dessen Nämc nicht er- mittclt werden konnte(üf, brach während der Arbeit leblos zu- fammcn und starb auf der Stelle. Ein von der Unfallstation hinzu- gerufener Arzt stellte fest, daß der Tod infolge eines Herzschlages eingetreten war. Infolge Versagens der Steuerung fuhr in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag ein Automobilomnibuö der Linie 10. Kreuzberg— Ttettiner Bahnhof, vor dem Hause Belle Allianceftr. 8! auf den Bürgerstcig. Trotz sofortigen Bremsens durch den Führer ritz der Wagen einen am Bürgersteig befindlichen etwa Lö Zenti- meter starken Baum um. Bei dem starken Anprall brach die Vorderachse des Wagens auf beiden Seiten. Personen sind nicht verletzt. Vandalen. Gestern morgen kurz nach Oeffnung der National- aalcrie wurde von nichloier Hand das„Flöienkonzert" von Menzel stark beschädigt vorgestmden. In der Mnndpartie deS Königs war ein dreieckiges Loch und in der Mitte der Figur ein rundes Loch ausgeschuitien.— Das Bild wurde sofort aus dem Rahmen entfernt. Gebrüder Herrnfrld-Thrater.„Papa und Genossen" nennt sich die zweiakrige Komödie, die am Sonnabend zum ersten Male über die Bretter dcS Herrnfeldschcn MnsentcmpelS m der Kommandanten- stratze ging. Daß die Gebrüder Herrnfeld einseitig sind, kann nie- wand von ihnen sagen: nicht genug, daß sie als Thcaterdirektoren fungieren, sind sie zugleich ihre eigenen Autoren und eigenen Schau- spieler, als letztere die Hauptdarsteller. Was sie in der neuen Komödie zurechrgebraut haben, dürste sich am besten in dem Satze ausdrücken, den in.dem Drück" der alte Cohn sprach:„Bon der Mischpoke wird man ganz melchugge". Es war ein toller Blödsinn, der zum besten gegeben wurde. Vor lauter Cohns, Meyers und StieglitzenS kennt man sich nicht aus. Die Hauptrolle spielt ein imehelicheS Kind von Cohn-Sohn. Allerlei Znsälligkeiten und Verwechselungen bringen eS dahin, daß der Schwiegersohn de« alte» Cohn der Meinimg wird, er fei wohl gar der Vater dc§ schon 17 Jahre alten Töchlerchens. Auch der Schwiegervater, der alte Cohn, kommt in diesen Verdacht, und es entstehen die drolligsten Situationen, die durch die gelungene Darstellung der beiden Herrnfelds erst das richtige Relief erhielten. Auch die Damen Fret, und Greisin trugen ihr möglichstes zum guten Gelingen des Abends bei. Gelacht und geklatsctit wurde reichlich. Vorher wurde die mit einigen hübschen Melodien ausgestattete Opereticn-BurleSke„Madame Wig-Wag" gegeben. Zeugen gesucht. Personen, die gesehen haben, wie am Sonn- abendabcud zwischen b— 6 Uhr auf der Weidendamincr Brücke ein älterer Mann vom Autobus üchrfabren wurde, werden gebeten, ihre Adresse iw Bureau de« Mctallarbciter-VcrbandcS, Charitv- strahe 3, abzugeben, Erstochen. In dem in Reinickendorf belegenen Filiakholpitale der Stadt Berlin hat am Sonntag der bijährige Hospitalit Alexander P a w l c t t a den 63jährigcn Mitinsassen Erdmann Lehmann mit einem 2b Zentimeter langen dohrartig angc- schliffencn Eilendraht erstochen. Der Tod trat sofort ein. Leh- mann war zu Neckereien aufgelegt, deren Spitze sich gegen Pawlctta richtete. Dieser war darüber schon öfter in hochgradige Erregung geraten, wobei er einmal äußerte, daß er es gelegentlich seinem Gegner gründlich besorgen werde. Wahrscheinlich ist es nun im Lause des Sonntags zwischen beiden Männern wiederum �u einem Zusammenstoß gctommen, denn Pawlctta soll im Vorübergehen einem Aufseher erklärt haben, daß die letzte Nacht für Lehmann gekommen sei. Er hat dann seine Drohung auch wahr gemacht. Gegen 6 Uhr abends eilte er nach der Stube seines Gegners und erstach diesen ohne jeden Wortwechsel. Er wurde alsbald von der Polizei festgenommen. Feucrwehrbericht. Am Sonntag mußte die Feuerwehr mehrere Schaufenstcrbrändc löschen, u. a. in der Schwcdterstr. 6, Hochmeister- straßc IKei. Ferner mußte in der Thaerstr. 47 ein Brand ge- löscht werden, der in einem Zigarrcnladcn aufgekommen war. Wohnungsbräude beschäftigten die Feuerwehr in der Frankfurter Allee 72. Flottwcllstr. 3. Schlesischcstr. 13. Mcndelosohnstr. 1 u. a. Stellen. Dort brannten Betten, Möbel, Kleider, Portieren, Türen, Fußböden, Kisten, Kohlen usw. Kcllcrbrände wurden aus der Bcuthstr. 6,?lltcn Jakodstr. 138, Fchrbellinerstr. 19 a u. a. Orten gemeldet. In den meisten Füllen war Packmatcrial in Brand g. raten. Vor dem Hause Echdclstr. 31 brannte um Mitter- nacht ein Elektro-Automobil. Gleichzeitig wurden in der Brunnen. stratze 31 Lumpen, Holz usw. ein Raub der Flammen. Außerdem Feuerwehr noch in der Schulstr. 88. Hirtenstr. b s usw. gem, schon aus Dankbarkeit für einige reizende Geständnisse, die dem Blättlein in unüberlegtem Eifer entschlüpften. Auf unsere Feststellung, daß die Blockkandidaten, die der sich selbst ernannte Wahlausschnß aufgestellt hat, eine sichere Mehrheit für Spekulanten- interessen bilden, reagiert eS mit der köstlichen Erklärung, es seien 5 Kandidaten ausgestellt, die an Grundstücksspekulation kein Interesse hätten. DaS ist ja famos! S bilden unter 32 eine verschwindende Minorität. Mit der 3. Abteilung zusammen könnten die S ev. 21 Stimmen aufbringen gegen 32 Interessenten für Grundstücksspekulationen. Aber über diese Punkte sind wir mit dem unvorsichtig plaudernden Block orgänchen einig. Sodann macht eS die Mitteilung, Herr Fischer habe ihm gegenüber bestritten, unser Gewährsmann für die neuerlich aufgedeckten Skandale zu sein. Die Richtigkeit dieser Behauptung können wir bestätigen. Wir haben andere Zeugen. Also auch in diesem Punkte Einigkeit I Mit wichtiger Miene wird uns weiter mitgeteilt. eS gebe im Blocklager Männer, die intimere Kenntnis von den Bor gängen— im Unternehmerring— hätten. Stimmt! Auch darin besteht keine MeinungSdifferenz. Wenn die Ringuntcrnehmer Söhne und Schwiegersöhne von Genieindeschöffen beschäftigen, von denen man sagt:„Sie sitzen Ihr Gehalt ab l"— nebenbei bemerkt ganz anständige Gehälter— dann kann man schließlich doch schon Äeimtnis von Dingen haben, die gar nicht einmal als Geschäfts geheimnis gehütet werden. Wie gesagt, auS Dankbarkeit für die köstlich-naiven Geständnisse gestatten wir dem Blockkläfferchen, ruhig weiter zu bellen; es wird schon leiser werden. Gewählt W. Düwcll(Soz.) S. Eisciistädt(Soz. O. Scikcl(Soz.) P. Brühl(Soz.) Alf. Linke sSoz.) Osk. Sander(Soz. Fr. Kcrtzschcr(Soz.) Fr. Stöbcr(Soz.) Ad. Hcckcrt(Soz.) W. Abraham(Soz. Art. Priese(Soz.) Spicckermanu(Soz. bürgert. Kandidat Gast. Gliese(Soz.) Osni. Grauer(Soz. H. NöSler(Soz.) Bei der gestern stattgcfundenen Stadtverordnetenivahl der dritten Abteilung eroberte die Sozialdemokratie von den 16 Mandaten 15. DaS eine Mandat rettete der Block dank der famosen Bezirks� einteilung. In diesem Bezirk wohnen borwiegend Beamte und diese traten, einem„Wink" gehorchend, truppweise an. Aber trotz der Hetze und Verleumdung, trotz der ausgeklügelten Bezirkseinteilung. trotz der Riesenanstrengungen des Blocks erstritt die Sozial demokratie 15 Mandare. DaS ist ei» BeiveiS, daß die reiche verbändlerischen Bäume nicht in den Himmel wachsen, wenn die Genossen ans dem Posten sind. Ter Block hat es insgesamt auf 1383 Stimmen gebracht, während unsere Kandidaten 4150 auf sich vereinigten. Nixdorf. Ein schrecklicher Straßenunfall rief gestern in der Berlinerstraßc große Aufregung hervor. Vor dein Hanse Berliuerstr. 53 wurde der 2>!jähiige Glaöätzcr Fritz Angernieier aus der Prinz Handjerystr. 16 beim Verlassen eines Straßenbahnwagens von einem vorüber- fahrenden Omnibus der Linie 25 erfaßt und eine ganze Strecke mit- geschleift. Erst ans die Znriise von Passanten wurde der Kutscher auf den llnfäll anfmerksam, tvoräils er sofort den Omnibus anhielt. In bewußtlosem Zustande wurde A. davongetragen. Er hatte eine schwere GehlriiersÄntterlMg sowie ganz erhebliche innere Verletzungen erlitten und wurde in recht bedenklichem Zustande in das städtische KrankeichauZ gebracht. Wir man sich lohnenden Erwerb schafft. Herr Walter Fiedler, Inhaber eines„Lehrin st itntS für Schürzen- lonfcktion" in der!Fsarstr. 13, fühlt sich gekränkt durch die Miticilnngen, die wir in Nummer 291 über ihn veröffentlicht haben. Wir stützten uns dabei ans die Angaben einer Frau P., die bei ihm vierzehn Tage hindurch Schürzcmiähen gelernt und dann Beschäfti gung von ihm verlangt batte. Herr F. erklärt, ein Teil dieser Angaben sei unwahr, und er wünscht, daß wir sie richtigstellen. Leider hat er gerade an dem, worauf es uns ankam, nämlich an uns reu Mitteilungen über die Lehr« und Lern- b e d i n g n n g e n, die er stellt, kein Wort zu„berichtigen". Er bestreitet nicht, daß er 7,50 M. Lehrgeld genommen und für die von Frau P. in 14 Tagen geleistete Arbeit keinen Pfennig vergütet hat. Da? Lehrgeld, sagt er. entspreche dem Verbrauch an Material und seinen Bemühungen. Frau P. habe die Lehrzeit nicht mal innegehalten, er habe ihr aber noch ei» paar Tage zugegeben: „selbstverständlich ohne Entgelt", sllgl er hinzu— soll heißen: ohne daß sie ihm noch mehr zahlen mutzte. Angefertigt habe sie in der Lehrzeit nur sieben Schürzen und zivar so mangelhast, daß an Verwertung nicht zu denken war. Hierzu sagt uns Frau P., daß sie ein paar Tage aussetzen mußte und diese später nachholte. Sie meint auch, keineswegs nur sieben Schürzen angefertigt zu haben. Daß Frau P. nach Beendigung der Lehrzeit erst auf wieder- holte Mahnung einen Auftrag von ganzen 16 Sckiürzcn bekam und diese gegen einen Lohn vonlOPs. pro Stück in der von uns' geschilderten Art anfertigen sollte, kann F. gleichfalls nicht bestreiten. Den Streit, der bei Ablieferung der Schürzen entstand, schildert er so, daß nicht Frau P. von ihn,, sondern vielmehr er selber samt seiner Frau von ihr be- schimpft und bedroht worden sei: soviel Mut hätten wir bei der Frau P. gar nicht vorausgesetzt, daß sie Herr» F. nebst Frau in Gegenwart seiner Kunden und Arbcilerinnen gar bedrohen würde. In der Verhandlung vor dem Gelverbegericht soll der Richter so behauptctsF., durchaus der Meinung gewesen sein, daß die Arbeit nichts tauge. Frau P. hat den gegenteiligen Eindruck mit nach Haufe genoinmen. F. fügt hinzu, nubr 1,30 M. habe er dort schließlich für die 16 Schürzen gezahlt, sondern nur 1,00 M. und zwar ans freien Stücken. Wenn Herr F. Wert darauf legt, daß wir seftstelle», er habe sogar noch weniger gezahlt, als wir ihm zu- waute», so wollen wir ihm nicht widersprechen. Gelegenheit zu einer Kritik der polizeilichen Verfügung wird die heute abend in„Wilhelminenhof" stattssndeiide öffentliche Ver- sanunlnng geben, in der auch die Sünden der Gemeindeverwaltung anS Licht treten werden. Die Polizei sorgt doch immer für Stoff! Köpenick. Ein Opfer seines Berufes wurde der 2ö Jahre alte Rangierer Johannes Grutschkuhn von hier. G. hatte auf dem Bahnhos Köpenick rangiert und infolge dcS herrschenden starken Nebels geriet er beim Ankoppeln zweier Waggons zwischen die Puffer. Unglück- licherweise wurde der Kops des jungen Mannes zwischen den Puffern eingeklemmt. Der Hinterkopf wurde dabei vollständig zermalmt, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Erst vor einigen Monaten hatte G. geheiratet. Potsdam. Die Stadwerordnetcn-Stichwnhl in der dritten Abteilung findet am heutigen Dienstag und morgigen Mittwoch statt. Trotzdem unS die Hauptwahl im Vergleich zu der vorletzten Wahl einen erfreu- lichcn Zuwachs sozialdemokratischer Stimmen gebracht hat, darf sich die Arbeiterschaft mit dem Resultat nicht zufrieden geben. Noch ist sie vollständig ohne Einfluß auf den Gang der kommunalen Politik. Die werktätige Bevölkerung kann hier mit einem Schlage eine Aenderung herbeiführen, wenn sie sich geschlossen an der Wahl bc- teiligt und den sozialdemokratischen Kandidaten Schuhmacher Wilhelm Staad und Heilgehülfe Karl Iwan die Stimme gibt. Das Wahllokal ist der Stadtverordnetcn-SitzungSsaal(RathauS 1 Treppe). Am heutigen DienStag wählen alle diejenigen mit den Anfangs- blichstaben A bis L(einschließlich), am Mittwoch, den 18. Dezember, diejenigen mit den Anfangsbuchstaben 11 bis Z. Jeder Wähler gehe möglichst frühzeitig zur Wahl! Gewählt wird von vormittags 11 Uhr bis abends 8 Uhr. Der Bezirk umfaßt die Tcltower und Brandenburger Lvrstadt sowie die Südhälfte der iuileren Stadt. Wahlberechtigt ist jeder, der in der im Juni d. I. aufgestellten Wählerliste eingewogen ist, auch wenn er während dieser Zeit aus dem Bezwk verzogen ist. Verein ehemaliger BeeliUer lZlbteilnng V.) Mttwoch, den 18. De- zcmber, abends 9 Uhr, Sitzung bei Göhlsdorf, Bruimensw. 3. Gäste will- lomuicn._______ eingegangene Druchlcbnften. Der internationale Tozlaliftenkongref? in Stuttgart. Pou Dr. I. ReicheSberg. 68 Seiten. Verlag: Scheitlw. Spring u. Co. in Bern. . Bauarbeiterschntz. Bericht der Zentraikommisnon jür Bauarbeiter- lchutz für 1906/07. 612 Seiten. Verlag: I. Esstinge in Hamburg. hatte die zu tun, Vorort- JVadmebtem Ter Lichtenberger Block in Wahlnöten. Das Lichtenberger Blockorgänchen macht noch in letzter Stunde den vergeblichen Versuch, durch Geschimpfe die Position der Block- gruppe zu verbessern. Das Schimpfen schenke» wir den Blockgenossen Ober-Tchöucweide. Ein Polizeistückchen. Dem Leiter der hiesigen Jugendorganisation ist nachstehende Verfügung zugestellt worden: „In den Versammlungen der Abteilung Ober-Schöneweide des Vereins sngendlicher Arbeiter und Arbeiterinnen BcriinS und Um- gegend sind wiederholt, in letzter Zeit fast ständig, politische Gegen- stände erörtert worden. Auck in der Versammlung am 10. b. M. wurde über Streiks und die Ausbeutung der jugendlichen Arbeiter, also über politische Gegenftände gesprochen. Offenbar geschah dieses absichtlich und bewußt, eS wurde auch nicht unterlassen, als der Beamte Sie auf diese Tatsache anfmerksam»mchte. Nach§ 8 b. Prenh. VcreinS- gesetzeS v. 11. März 1850 dürfen Vereine, welche bezwecken, politische Gegenstände in Versammlungen zu erörtern, keine Schüler und Lehr- linae als Mitglieder aufnehmen. Da die der hiesigen Abteilung dieses Vereins als Mitglieder angehörigen jungen Leuie fast sämtlich Lehrlinge sind, schließe ich in Geuiäßheit der Vorschrift des S 8, Absatz 2 a. a. O. diese Abteilung bis zur ergehenden richterlichen Entscheidung." Koltmeicr. Herr Äottmeier, welcher seit einigen Tagen die Amisvorsteher- geschäfte in Stellvertretung ausübt, ist ja den Genosse» aus seiner früheren Amtsführung bekannt, als eö galt, der damals einsetzenden Parteibeloegung Schwierigkeiten zu bereiten,- VennileKtes. Raubanfall auf einen Geldbriefträger. In Köln ist gestern früh, wie von dort gemeldet wird, in einem Hause der Drususgassa der Gcldbriefträger Abels von einem Menschen mit einer Flasche auf den Kopf geschlagen worden, so daß er zu Boden stürzte. Der Täter beabsichtigte wahrscheinlich einen Raub, der jedoch mißlaiig. da er durch hinzugceilte Personen festgehalten wurde; die Polizei verhaftete ihn. Der Gcldbriefträger Abels ist nicht unbedenklich verletzt, da seine Kopfhaut vernäht werden mußte. Von der„Köln. Volkszcitung" werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: Ein bis jetzt dem Namen nach unbekannter Mensch hatic in dem Hause Drususgassa 3 einen kleinen Laden gemietet, angeblich um dort Weihnachtsartikel zu verkaufen. Er hatte eine Postaiilveisuna an sich selbst adressiert. Als nun der Geldbricfträger ihm das Geld ausgezahlt hatte, schlug der Mieter den Briefträger auf den Kopf. Abels, der noch weitere Schläge auf den Hinterkopf erhielt, setzte sich zur Wehr und rief um Hülfe, ivorauf Hausbewohner und ein Schutzmann herbeieilten, die den Briefträger auf der Brust des unbekannten Mieters knieend vorfandcit. Ter Briefträger blutete sehr stark. Bei sciner Verhaftung setzte sich der Täter energisch zur Wehr. Er verweigert jede Auskunft über seine Persönlichkeit. Ein badischcr Amtövertündiger, der„O r t e n a u c r Bot e". schreibt in seiner Nr. 285 also:„Wie aus dem heutigen Reichstags- bcricht zu ersehen, ist das gute Einvernehmen zwischen den Block- Parteien und dem Reichstanzer wieder hergestellt, die Krise also beseitigt." Einlage in der„GStterdämmerung"— Siegfrieds Feuerbestattung. Nach einer Meldung aus Stuttgart brach am Sonntag am Schluß der Vorstellung von Wagners„Götterdämmerung" auf der Bühne des JnterimStheatcrS Feuer aus, das durch Jnbrand- geraten der Bahre, aus der die Leiche Siegfrieds getragen wird, entstanden war. Tic Musik hörte auf zu spielen und die Feuer- wehr erschien auf der Bühne. Dem Intendanten, Baron Putzlih, der gleich darauf auch auf der Bühne erschien, gelang es jedoch durch Gesten und mit Hülfe der wieder einsetzenden Musit, da« Publikum zu beruhigen, so daß die Vorstellung zu Ende geführt werden konnte. Gescheitert. An der Küste bei Bahonne scheiterte, nach Pariser Meldung, in der verflossenen Nacht der schwedische Dreimaster „Padusa" aus Poo bei Helsingfors. Von der eis Mann starken Besatzung, welche schwimmend das Land zu erreichen suchte, wurde« sieben Plann gerettet. Das Schiff ging unter. Der Versager. Aus Lorrient wird berichtet: Bei einer Schieß» Übung versagte auf dem Torpedoboote 252 ein Schuß. Als cm Matrose zur Ermittelung der Ursache des Versagers das Ver- chlußflück des Geschützes entfernen wollte, ging der Schuß plötzlich los. Ter Matrose wurde an der Brust verletzt und ins Meer geschleudert. Verschüttet. Nach einem Tclcaramm aus Paris stürzte in Nancy infolge des Sturmes der Arbeitssaal einer Schuhfabrik ein. An 20 Arbeiter wurden verschüttet. Einer derselben wurde getötet. Sieben Arbeiter wurden schwer verwundet. Eine starke Erderschüttcrung wurde, wie aus Siena berichtet wird, am Sonntagnachmittag 2.14 Uhr in der dortigen Gegend verspürt. Schaden ist nicht angerichtet, worden. Vermißtes Schiff. Ter Dampfer„Astoria" der Nnchorlinie ist, New Dorker Meldungen zufolge, seit acht Tagen überfällig und nirgends gesichtet worden. Er hat 500 Passagiere an Bord. Berliner Marktpreise. Au; dem amilichen Bericht»er(»dibchn, Karilballen-Diretiwn.(Großhandel) Ochseullevch la 68 79 vr. ivo Psd., II» 62 67. Iii» 56-59. Bullenfleisch lo 67— 72, TT» 56—66, Kühe, seit 50—58, do, mager 38—46. Fresser 52—60. Bullen, dänisch«'>3—65. Kaibilcisch, Tvpvellendcr 110—125, Maftkäldcr In 83-9J. IIa 73-82, Nälber fler. gen 53—69, fco. ball. 48—34. Hainmriileiich Maj!- i, immer 74—78, Hammel la 66—70, IIa 60-63, Ungar. 0,00, Scheie 45—58. Sckweiiieileiich 50-58 Relnvild Ta per Piunfc 0,00—0,80. IIa 0,50- 0,58. Rotwild la per Pfund 0.40—0,50, bo. IIa 0,00, do, Kälber 0,40— 0,55. Damwild 0,40— 0,55, do, Kälber 0,50— 0,70. Wildschweine per Psd. 0,30—0,45. Frischlinge per Psd, 0,00, Kallinchen, groß, xr, Slück 0,70—1, do, klein 0,40, Hasen, groß per Stück 3,50—4,00, do, mittel und klein Stück 2,00—3/25. Wildemen per Stück 0,00. Falaneiihähne la, junge 2,25— 3,00, do, IIa und alte 1,00- 2,00. Fasaneiiheliuen 1,00—2,00. Waldschnepsen p, Slück 2,00—2,25, do, IIa 1,00—1,50. Hnlmcr alle, p, Slück t, 50-2.00, do, IIa 0.70-1,00, do. junge la 0,8�-1,30, do, IIa 0,50-0,70. Zauben la 0,40—0,50, do, Ila U. alle 0,30- 0,3t do, iial. 0,00. Eiltell la Slück 1,60—2,30, do, IIa 1,30—1,50, do, per Pjd, 0.60—0,65, do, Hamburger per Stück 1,80—3,30. Gäule per Pjund 0,45—0,53, do. Oderbrucher per Pfund 0,40-0,55, Poulets per Slück 0,00. Puteu per Pfund 0,55—0,65. Poularden, deutsche, 0,00, dlio per Pfund 0,00. Hechte per 100 Psd. 77- SO. da. mittel 0.00, do. groß 59. do. matt 0,00. Zander 0,00, da. Heilt 0,00, biia gros; 0,00. SSIeie, Holl. Ca 0,00, de. grofe 0,00, do. klein 118—119. iliilc. klein 64—75, do. klein und mittel 0,00, dito groß 0,00. Wels 0,00. Karpfen, Schuppen-, nnsort. 0.09, do. 30— 40er, Schief. 0,00, do. 50er 60—64, do. franz., 60 bis '.Oer 0,00, Plötzen 0.00, do. klein 0,00. Noddolv 0,00. Blei- fiiche 0,00. Bunte Fische 24—31, dito malt 0,00. Barle 0,00, Karauschen 0,00. Bleie 0,00, dilo matt 0,00.?llai,d 0,00. Quappen 0,00. Winter-Rbeinlachs per 10Ö Psd. 0,00, Amerikanischer Lachs la neuer per 100 Psd. 110—130, do. Ca neuer 90— 10Ö. Seelachs per 100 Psd. 20—25. Flundern. Kieler, Stiege lu 2—6. do. mittel Kitte 0,00, Hamb. Stiege 8—6, balde Kitte 2—3, pomm. la Schock 0,00, Ca 0,09. Bückliiige, Kielet per Wall 2—3,00, Straliunder 0,00, engl. Per Wall 3,00— 1,00. Sprotten, Danziger, Kiste 0,80—0,90, do. Rügenwalder, Kiste 0,80—0,90. Aale, groz per Pfund 1,10—1.40, millelgrotz 0.80—1,10 klein 0.60—0,80. Heringe per Schock 5,00-9,00. Schellfische, Mite 4,00— 4,50, dito ftiftc 3,00. Sardellen, 1902 er per Anke, 08, 1904er 98, 1905er 98, 1906er 85— 90. Ichottische Vollberinge 1905 0,00, large 40-44, fnll. 38-40, med. 86—42. deutsche 30-40. Heringe, neue MatjeS. per'/, To. 50— 120. Sardinen, rusf., Fas, <.50-1,60, BraKeringtz Faß 1,20-1,40, So. Büchse(4 Liter) 1.40-1,70, Neunaugen, Schocksaß 11, do. kleine 5—6. do. Nielen- 14. Krebse per Schock 0,00, große 0 00, do. mittelgroße 0,00, dito kleine 0,00 cm 0,00, do. unsortiert 0,00, Galizier, groß 0,00, do. unsortiert 0,00. Eier. Land-, unsortiert per Schock 4.25—5.80. do. große 6,00—6,50. Butter per >00 Psd, la 132-133, IIa 122-128, lila 116-122. abiolleilde 100-106 saure Kurkrn Schock 4,00. Plelsergurlen Schock 4.00. Kartoileln ocr 100 Pttmd Dabersche 3,00—3,25, weiße runde 2,50—3,00, map. bon. 2,75—3,25. Porree, per Schock 1,00— I, iL. Meerrettich, Schock 4—10, Spinal per 100 Psund 5—12, Sellerie, per Schock 3—5, do. pomm, 6—8. Zwiebeln per 100 Psd, 2,00—4,00, Petersilie, grün. Schockbund 0,80—1,25, Koblrabi Schock 0,50- 0,75. Rettich, bäurischer, Stück 0,04-0.10, hiesiger Schock 2,50-3,50, Mobrrübe», 100 Psd, 2,00 bis 2.50. Karotte», hiesige, Schockbund 3.00—4,00. Wirsniglohl v. Schock 3—6. Rotkohl, Schock 3—7. Weißkohl p. 100 Pfd. 1,00—2,00. Blninenkohl, hiesiger 100 Stück 0,60, do. Erfurter 0,00. Rosenkohl, per 100 Psund 10—13. Grünkohl 2,00—5,00. Kohlrüben, Schock 2,0»— 3,00. Pelersilienwurzeln, per 100 Psd. 6—7, Schockbund 4— 5,50. Schnittlauch, Töpje Dutzd. 4—4,50. Tomaten, italienische, per 100 Psund 0,00. Role Ziübcn, per 100 Pfund 2,50-3,00. Rübchen. Beeliher, per 100 Psd. 3-S, do. Tel. tower 10—18. Kürbis p. 100 Pfd. 0,00. Eskarol per Schock 3—6. Endwieit per Schock 3—6. Birnen per 100 Pfd. Tiroler 0,00, Kochbirnen 3—11, Tasclbirnen la 18-25, do. IIa 6-17, Jtal. 20-22, Aepsel. per 100 Pfund, Tiroler la 22—30, do. IIa 12—20, Tiroler, lose, per 100 Pfund 10—14, do. in Kisten 120 Psund 30—70, Most-, hiesige, 2—5, Koch- 5—11. Tafel. äpsel la 15—25, do. IIa 8—12, Amerikaner, per Faß 18—32, Italiener, lose, 100 Psd. 6—13. Wallnüffe, per 100 Psd. sranzusische 32. bis 40, rumänische 20—27. Paranüsse 52—56. Haselnüsse, lange, 100 Psund 42—50, do. runde 32—40. Weintrauben, Almeria, per Faß 8— 20. Ananas I, per Pfund 0,70—0,90, do. II 0,40—0,50. Bananen, gelb, per lOO Pjulsd 8—25. Kokosnüsse per 100 Stück 20—28. Kiach» mandiln 1 per 100 Psd. 70—115. Maronen, itol, per 100 Psund 9—18. Feigen, Kranz- per 100 Pfd. 18—25, do. Trommel- per 100 Psd. 40, do. in Kisten 28—58. Traubenrosinen per 100 Psund 80—120. Zilrvuen, Messina. 300 Stück 8.75-12,00, do. 360 Stück 8,00-11,00, do. 200 Stück 0,00, do. 150 Ssück 0,00. Apfelsinen, 300 Stück 6,u0, do, Murcia 200 Stück 6,00-11,00, do. 300 Stück 7,00-12,00, do, Palmda 420 Stück 11-20, do, 714 Stück 14-21. Mandarinen 0,90-2,00, do. 420 Stück 11,50. Für eeu Fnuaii»er Iinemic iidernimmt die Redakiion dem Publiknin gegenüber keinertei iierauiniorruug. Cheatcr. Dienstag, 17. Dezember. Ansang 7'/. Mr. Kgl. Opernhaus. Therese. Bajazzi. Königl.Schauspiclhnns. DieRaben- steme> in. TeiiricheS. Das ihr wollt. Kammerspiele. Katharina.Grästn von Armagnao.(Zlnsang 8 Uhr.) Neues Schauspielhaus. Alt-Hcidcl- beiP. Rniang 8 Uhr. Berliner. Blaubart. Lessing. Die gelbe Nachttgall. OteueS. Baeearat. «» n>.>ü»er-Tdeater.1 Ge- bildete Menschen. Schiller Charlottenburg. Der Revisor. Friedrich- WilhelmstSdt. Schau» ipielhnus. Jugend von heute. Kleines. Mmidragola. Zentral. Frau Warren» Gewerbe. Theater an der Spree. Throler Krippenspiel. Nesidenz. Ganz der Papa. LorUing. Die lustigen Weiber don Windsor. Komitche Oper. HoffmannS Er Zählungen. Weiten. Die lufttge Witwe. Luitivieldaus. Hufarenfieber. Trianon. Fräulein Josette— mewe Frau. Thalia. Die gcwe Gefahr. Luisen. DaS HeiratSneft. Bernhard Stose. Der Hllttm- besitzcr. Me.trov»!. DaS mutz man seh'tt Apollo. Sylvester Schässer jr. Siegt». GenteS. Walhalla. Spezialitäten. Folies Caprice. Geteilte Liebe. Kasino. Biederlkute. Gebr..Hcrrnfeld. 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Mittwoch: Daccarat. Donnerstag: Baccarat._ Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr; Deber iIeq Brenner nacb Veneilig. Invalidonstr. 67—62: Slornwarto. Zm- Beobachtung: Mars. Latum, Doppelsteme, Nebelflecke. Zirkus Schumann 6 Heute, Dienstag, den 17. Dezember, abends präzise?>/, Uhr: DaS anerkannt- vorzügliche Progr. U. a.: Der grösite und beste Luft- akt der Gegenwart: flivgvnilv vsnvsnil« L Damen, t Herren. ZfovltKt; La table du diable The three Deoions in ihren ausgezeichneten Leistungen und die großart. neuen Spezialitäten. SM- Um 9'/, Uhr:"MW Einzig dastehender Erfolg t �tulllemUecllsr die diesjährige gr. Wasierpantomime. l-usispivlksus. Abends 8 Uhr: Husarenfieber. kleines Thealer. Abends 8 Uhr: Agnoo Sormo. Ulanclragola. Miltivoch: Mandragola. Donnerstag: Mandragola. Freitlig: Mandragola. Sonnabend: Mandragolw_ Thealer des Westens. 8 Uhr: Die luatigo Witwe. Sonntag nachm. 3'/, Ubr halbe Preise: FrUblinxaittkt. Mittwoch und Sonnabend 4 Uhr ;.u kleinen Preisen: Schneawlttchen. Fiiedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Jugend von heute. Ansang 8 Uhr. Mittwoch nachm. 3'/� Uhr: Lügen« iinulchen und WahrhcilSmündchen. .!!>»ds 8 Uhr: Jugend von heute. Donnerstag: KriemhildZ Rache. Lorliing-IKeJter. AdenbS 8 Uhr: Mm Weiber von Windsor. zch nachm. 3'/z Uhr: Rümpel. Abends 8 Uhr: Der Waffen- nnerStag: Der Freischütz. fröbetsAllerlei-Tli6ater Schönhauser Allee 118. DienSIag, den 17. Dezember 1908: f iflf IlidkllflUIlilit. llharakterftück in 4?!btcilungen(sieben Bildein) von Job. Heinrich Miratti. Ans. 8 Uhr Kasscnerössnung 7 Uhr. HSÄllSNI-IllSSlgs. — Direktion: lllebaed»lerwnlsr.— Ansang 8 Ubr. Ganz der Papa. Schwank in 3 Akten von Mars und DesvalliereL. Deutsch v. M. Schönau. Baron des AubraiS: Rich. Alerander. Xentrsl-�kester. Gastspiel des Hebbel-Theatcr». Abends 8 Uhr: Frau Warrens Gewerbe. Drama in 4 Akten von Beruh. Sbaw. Luisen-Theater. Reichenbergerftr. 34. Abends 8 Uhr: Das Heiratsnest. Mittwoch zum erstenmal: Ein gast- lichcS Hau«. Donnerstag: Ein seltsamer Fall. Freitag: Erziehung zur Ehe. Sonnabend nachm.: grau Holle. Abends: Am Tage de« Gerichts. Sonntag nachm.: Am Tage des Gerichts. Abends: Ein seltsamer Fall. Montag: Ein seltsamer Fall. Melropol-Thelller Anfaiie präzise 8 I hr. Gr. Bevue in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Srene gesetzt von Direktor Richard Schultz. G. Thielseher, F. Massary, Giampieiro, B. Rauchen überall gestattet. Sonntag:, S3. Dezember, nachmittags 3 Uhr: Die Herren von Maxim. XIII. Sainon. Zirkus Bu»eli! Dienstag, 17. Dezember, abends 7'/. Uhr: Zluftreten der nenenqagierten! Künstler Mr. A. Rnffln[ unerreichte Assendressnr. Kremo-Familyll Geschw. Pichls. Elown Cottrel. Ferner Herr E. Schummm, Neu- hressuren. Frl. Eüclle Preval,! Schulrellcrin. Auf der Hallig! DicSj. gr.AuSst.-Pani. d.Firk. Busch.! Sturm und SchiffSiinteraaug! Die Wunder der Tiefsee. Lulon-, Speise- u. 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Dezember: Gastspiel des Operetten. Ensembles (Zentral-Thcater) „Die Geisha". _ Anfang 8 Uhr._ Sanssouci ICatlbuser. Straße 6. Direktion: Wilhelm Reimer. Heute Dienstag wegen gr. Vereins- Festlichkeit NWf geschlossen.-Aag Sonntag, Montag und Donnerstag: BotainsH.Sänger und Taiizkränzchc». (©cn(. Soiree-Progranim.) Beginn Sonntags 5 Uhr, wochentags 8 Uhr. Gr. grauNurterstr. 132. Der Hüitcnbesister. Ansang 8 Uhr.— Wochcntagspreise. Mitttvoch Ensemble- Gastspiel des Zentral-TyeaterS: Die Puppe. Donnerstag: Die BInthochzelt. ».00,__ Kasino-Theater. Lothringerftr. 87. Täglich 8 Uhr: Bicderkute. Rombiiie in 4 AkteD?. Bob. IU. Vorher daS glänz, bunte Programm. Mittwoch, den 18. Dezember: Wohl- tättgkcitS-Vorstcllung. W. Koaeks Theater Dtrektto» Reb. Olli,«runilenür. 1«. SUf Zum letzten Male:-WA HdSKllI». WeihnachtSschausp. v. M. Oulttsihreiber. Ansang 8 Ubr. Entrer 30 Ps. Mittwoch bis Freitag: Geschlossen. Sonnabenv: Wni-la Sttnart. Ab 8 Uhr: DaS wunderbare Weist nacht«. Programm mit(9 Uhr): Siegwart Gentes in seinem Skaisch: 91« Opernprobe u.<9'/,Uhr): Silvester Sebitlfer jr., der berühmte Unwerialkünstler. Sonntag, den 22. Dezember cr., nachm. 3'l, Uhr bei kleinen Preisen: Pamlllen-Vorelellting mit Tiegwart GcnteS und Tylveftcr Tchäffer jr. Ossssgö-Hinles. Adenäs 8-11 Uhr. Die singenden Engelsköpfe Slartln Kettner Erna FrUhlicb und das großartige- Dezrmvcr-Programm. Parodie-Theater. DreSdenerstr. 97. Ansang S'/j Uhr. l etzte Anfftihrnngcii von Zapfenstreich, Das Ungeheuer und Monna Banna. Freitag, den 20. Dez. Gala-Premlere: WilbeiiD M.-"' Weinbergsweg 19/20, Rosonth. Tor Anfang 8 Uhr. Das koloss. Dezember- Programm. 12 Akrobaten Lorch 12 zirzensische Spiele. SidO Colin! Clalron �WsZs »Ein Künstlerfest.- »arr, Iniil.«».»A. 12 iatornatlon. Spezialitäten 12 DM Tuimel: Regimentskapelle, Schrammcln.— Theaterbesuchern kreier Einttitt. DUeater �«11«« OupI'lvG Linionstr. 133, Ecke FriedrlchstraSd, Rabbi Meserltsch* Bunter Teil. Geteilte l-lebe« In Borderritnng: Mal was Anderes. Lokalrevue in 1 Akt n. 3 Bildern mit Musik Vau Eaprice. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Welhnachts- Programm! Ansang wochcnt. 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Donnerstag, 26. Dezmbr. (2. Feiertag): Gr. Welhnachls-Bfineliz- Matinee. Rcichshallen-Reltaurant: Militär. Konzert. P alast-Theater _ Burgstraftc 34. Heute 8 Uhr Tpy Entree 20 Pf. Lona Rev�e Tableaux vivants Luna-Quartett Damen-Ensemble. Hee and Shee,6aV�CIe und 9 Am Eharakterbild von Hossmann. Attraktionen 9. heiligen Abend Trianon-Theater. Heute und solgende Tage 8 Uhr: »lÄ llMll!-«M st«. eine Marli wöchentliche Teilzahlung Uelert elegant», lertlg» Ccrren-jKtoiien. braaU lOr»lu«*. Mass-Anfertigung feinste Verarbeltang. Unrautie«sdetieser Sita J. Kurzberg,, HanptgeachMt: Rcten'.halerstr, 40/41 im iUckeecben Markt. S. Grschlft; A.4.1unav(lbl>rl)cke 1,1. WarrmK*®' «UV»" Gebr. Herrnfeld- TIaeater. 57 Kommandantenstraße Nr. 57. Vorverkaus ab 11 Uhr. Die Novität Papa und Kenossev. 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Abendabtollung im liaisen- Theater: □ □ □ □ Erziehung zur Ehe. Mitglieder werden noch in allen LüfBF ifiahlstcllcn aafgcnomiuen. Gasfkarten ä 1 M. können alle Mitglieder der Nachmittagsabteilungen in den Zahlstellen und beim Obmann im Theater erhalten. Sonntag, den LS. Dezember, nachm. 8 Uhr: Berliner Theater 3./4. Abteilung: DasTal des Lebens. 227; 9» Neues Schauspielhaus 14 /15. Abteilung: Judith. Der Vorstand. In Vertr.: G. Winkler. Sonntag, den 22. Dezember, 6 Uhr nachmittags: Oewerkschaitshaus. für Klein und Groß arrangiert von JViargarete W alkotte« Mitwirkende: Frl. Margot Lassen, Herr Emil Walkelte, Marg. Walkotto, Herr Bernh. Nitzsche am Flügel, ein Kind, eine Tanzpantoniiine. Entree 30 Pf. im Vorverkauf bei Herrn Kersch, Engelufer 15. Abendkasse 40 Pf. •---- 281/7* SST* 1. Weihnachts■ Feiertag 1907: Qewerkschaftstiaus. Hdtcrci* Weihnachts- Hbend« Leitimg: Margarete Walkotte. Mitwirkende: Herr Willy Hagen, Frl. Lassen, Frau(Ika faulet, die lustige Schwiegermutter, Herr Emil Walkotte, Margarete Walkotte— eine Ueberrascbung.— Am Flügel Herr Nitzsche. Entreo 75 Pf. im Vorverkauf bei Tim. Horsch, F.ngcluier 15. Abendkasse 1 M. _ □ dem andern, daß die allorMlligste Bey.ngsqnolle Groß- Berlins, das Q □ □ □ Mmkm'F-Zremer Tabvik-Ettgroslager Schötieberg, Akazienstr. II, vorn I Tr. sich befindet. Versuchen Sie Julia... 100 Stück 3 M. 30 Pf.\ Hochfeine Exelsior.. 100 Stück 3 M. 40 Pf.| S Pf» Licencia.. 100 Stück 3 M. SO Pf. 1 Zigarre! Wie Sie dort Zigarren stets 25 Prozent billiger kaufen, so haben Sie auch sämtliche deutschen Zigareftenmarken 25 Prozent unter Originalpreis, z. B. Garbaty.„Königin von Sabaa o. M. 100 St. 2,50 M., Josetti, „Juno" 100 St. 1,50 M..„Vera" 2.25 M. usw. 1006L* Merken Sie sich also die Adresse, denn Geld sparen, heißt Geld verdienen.— Verkaufszeit von früh 9 Uhr bis abends 9 Uhr. 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Feiertag in Mühls, Mariannen- ßrancha der Kusikinstrumenten-Arbeiter. Freitag, den 27. Dezember 1907(3. WeihnachtssFeiertag), im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15, großer Saal: Aeihuachts-vergiiügeli bestehend in KONZERT SSg KONZERT ausgeführt vom„Senen Tonkünstler-Orchcster". Dirigent: Franz Hollfelder. ■„Berliner Ulk-Trio". Eröffnung 4'/, Uhr. Nach dem Konzert: Billett inklusive Tanz 50 Pf. □ □{ In den Pausen linde! zur Belustigung der Kinder Im Hebensaaie Kasperle-Thealer statt Anfang pröz. 6 Uhr. TANZ. Während der ersten beiden Teile ist das Rauchen nicht gestattet. } B sj Speculatius rhctnifcheS Welhnachtsgcbäck. Pfund 1,20 19. Kolonialwaren, Odst- und Gemüsekonserven billigsL (Lieferung frei.) tt45L* Rudolf Krüger, w,dfs0üaBne,e24' Aliiiiitn- nnb fii-flii;biiibrrri m\ Robert Meyer,. nur Msrlanuln-Slraße 2. H. Pfau Klofterstrafte 30(T. I. 6347). Bruchbänder und Bandagen, Gerade- Halter, Leibbinden, ortkepäd. Apparate, künstL Glieder, KcrsettS u. alle Artikel zur Kraiikenpflsge. 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DIeS zeigen tief betrübt an � Die trauernden Hinterbliebenen. Die Trauerfeier findet am ! DienStagnachmiltag 2'/, Uhr im slerbehaufe Gros;- Lichlerselde, Dessauerstr. 18. statt. 94/4 Dan h«agung. Allen Fi cunden und Perwandten, sowie den Genossen der Bezirke t02. 103,>04 meinen herzlichsten Dank für die große Teilnahme bei der Bc- erdigung meiner mir durch den Tod enlrissenen lieben Frau 198lb Minna Olberg. Der trauernde Gatte Max Olberg. Danksagung. Allen Verwandten. Freunden und Bekannten unseren herzlichsten Dank für die liebevolle Beteiligung bei der Beerdigung meiner lieben Frau und gtttcn Mutter. Willielm Funk nebst Tochter und Eltern. Teppioke Kisssnxostoii Teppiche mit Webefehlern, zirka 200X300 11.75. 250X350 19 50. 300X400 20 00. Tischdecken, Sofa- decken, Steppdecken, Stores, Portieren, Felle spottbillig. ToppiehhnnsL. LefeYl'e Berlin nur Potsdamerstr. 106b (kein Laden). Kacb Auswärts per Nachnahme. 94/5 ifscn 12362 Ä 4€€66€€€ 9 0 Unserem Genossen 12362 Ernst Menzel§ % zu seinem 60. Geburtstage S] V die hrrzlichste Gratulation. � q Die Genossen des 499. Bezirks, p Sozialdemokratischer Walilvereini Reinickendorf- Ost. Am Sonnabend verstarb unser alter, treuer, braver Genosse,»der Tischlermeister Reinrich Klingmann Herbstr. 10. Ein glühender Hasser der Bourgeoisie ist in ihm dahingegangen. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet am Dienstag, den 17. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle deS Gemeinde-FAedhofeS in der Humboldtstraße aus statt. 222,17 Der Ttorttand. Gosanijvsisin„Glück zu" (M. d. A.-S.-B.). Hierdurch die traurige Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der SangeSbruder Reinrich Klingmann gestorben ist. Wir verlieren in ihm«inen treuen Sangesbruder. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 17. Dezember, nach. mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Gemeinde-Fnedhoses w Reinickendorf, Hmnbotdtstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet iS7bb Ter Vorstand. ihm Sonntag, den 15. d. Mts., srüh um 4 Uhr, verstarb nach längcrem schweren Leiden mein lieber Man», unser Vater, der Schristsetzer t980b Georg Schumann im 51. Lebensjahre. Dies zeigt tiefbrtrübt an Frau Martha Schümann| geb. Witsche! nebst Kindern. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 48. d. M., von der Leichen- balle deS Kirchhofs der Nazareth- uHmchtöe, Reinickendorf. Bertinerstraß!, nachmittags 2 Uhr. statt. Todes-Anzeige. Am Sonntag, den 15. d. M., I t n erstarb unser lieber Kollege s Georx Schumann � ( im 61. Lebensjahre. Wir eeiUeren in ihm einen 1 nnjerer bravsten und ausrichiigsten 1 Freunde und Mitarbeiter und! werden seil, Ai.denken stet» inj l Ehren halten.- Dnd Personal 1 der vnchdriickerei Paß& Oarteb I G. m. 6. H. Oeutschef jMetallarbeiter-Verbandl Verwaltungsstelle Berlin. T odes- Anzeige. Den Kollegen zur lliachrichl, daß I der Werkzeug- Kühn unser Mitglied, macher Eruno | gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen ! Mittwoch, den>8. Dezember, nach mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle deS Schöneberger Kirchhofes in Schöneberg, Maxstraßc, aus i ItatL Rege Beteiligung erwartet | 94/16 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbelter-Yerbandl Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß s I unter Mitglied, der Schmied Herrn. Thimm | am 12. d. M. gestorben isL Ehre seinem Andeuken t 1 161/18 Die Ortsverwaltung. Orls- Krankenkasse der Kariler und Siebmaober zu Berlin. Todctt- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, ! daß der 2. Vorsitzende, Herr tEeopold Schmahl j nm 14. Dezember, im Aller von 133 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet am ! Dienstag, den 17. Dezember, nachmitlagS 2 Uhr, von der t Leichenhalle des BariholvmüuS- KirchhoseS in Weißenfec statt. | 280/13 Der Aorfland. 25. Januar und 29. Februar noch zu vergeben. 11292* billig zn haben Brunnensir. 133 bei Fett- D Uhe. Berantwortljcher Redakteur: HanS Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdruckeret n. VerlagSanstalt Paul Singer Le Co., Berlin SW. Nr. 294. 24. Jahrgang. rilnp des„ Dienstag. 17. Dezemlier 1907. Parteitag für das weitlicbe Weittale». ilamcn, 15. Dezember. Am Soimabend und Sonntag fand im stimmungsvoll geschmückten Saale der Wirtschaft Wesselmann in Kamen der Parteitag für das westliche Westfalen statt. Zu diesem Agitationsbezirk gehören die Wahlkreise Dortmund-Hör de. Bochum- Gelse ukirchen, Hamm-Soeft, Rccklinghauscn und Arnsberg-Olpe- Meschede. Anwesend waren ii Delegierte und zwar von Dortinund 20, von Bochum 11, von Hamm-Soest 6 und von Recklinghausen 6. Außerdem waren zugegen S grauen und zwar auö Dortmund 5 (1 ohne Mandat), aus Bochum 3 und aus Hamm-Soest 1. Vertreten waren ferner die Lorstände der Kreisvereine Dortmund, Bochum, Hamm- Soest und Necklinghausen sowie die Redaktionen und Druckereien der Parteiblätter.' Den Bericht des Lande 3 Vertrauensmannes er- stattete Genoge Max König: Die Organisation hat ihre Feuerprobe bei den plötzlich notwendig gewordenen Reichstags- Wahlen tS0S/07 glänzend bestanden, obgleich man besonders im Ruhrbecken mit den christlich organisierten und den eingewanderten idisferenten Arbeiterniasscn harte Kämpfe zu bestehen hatte. Die Werbearbeit für die sozialdemokratischen Organisalionen hat- recht erfreuliche Ergebnisse gezeitigt. Im Wahlkreise Dortmund ist die Zahl der Ortsgruppen von 19 im Jahre 1905 auf 57 im Jahre 1907 gestiegen, die Zahl der Mitglieder von 6000 1905 aus 6075 1907, im Wahlkreise Bochum in demselben Zeiträume die Orts- gruppen von 10 aus 77, die Mitglieder von 314 aus 4510. im Wahl- kreise Hamm-Soest die Ortsgruppen von 4 auf 22, die Mit- glirder von 197 auf 1449, im Wahlkreise R e ck li n g h a u s e n die Ortsgruppen von 4 auf 22, die Mitglieder von 41 auf 1250. Insgesamt ist also in den zwei Jahren die Zahl der Ortsgruppen von 34 auf 131, die Zahl der Mitglieder von 4052 auf 13 234 gestiegen. Von den sozialdemokratischen Reichstags- Wähler« waren politisch organisiert in Dortmund 15 Proz.. in Bockum 11 Proz., in Hamm-Soest 20 Proz., in Reckling- hausen 8 Proz., in Arnsberg 15 Proz. Große Schwierigkeiten bereitete der Organisationstätigkeit die wohl beispiellose Fluiluation der Arbcitcrmass'en im Ruhrrcvier. Die Kassenverhältnisse haben eine hochcrsreuliche Besserung erfahren. Während noch im vorigen Jahre die Einnahmen der Wahllreisvereine 21»20 M. betrugen, wurden in diesem Jahre 47 500 M. vereinnahmt; außerdem wurden während der Reichslagswahlbewcgung 32 000 M. aufgebracht. Ohne baß es die Mttgliederzahl beeinträchtigte, hat Hamm- Soest den MonatSbcittag von 20 auf 30 Pf. erhöhl. Bochum einen Wochen beitrag von 10 P'. eingeführt. Der Wahlkreis Dortmund- Hörde erhebt einen Extrabeilrag von 20 Pf. pro Ouartal, welcher in den ReichscagswahlsondS fließr. Tie Frauenbewegung ist in guter EntWickelung begriffen, ebenfalls sind im Wahlkreise Dortmund Ansätze zu einer Jugendorganisauon Vorhände:!. Tie Vorarbeiten zur Reichstags wähl vollzogen sich schnell und präzise. Was in der siebenwöchigen Wahlkampagne geleistet ist, stellt den Genosien da? beste Zeugnis aus. Es sind"im AgitationS- bczirke- 7V„ Millionen AgitanonSichriflen zur Verteilung gekommen und neben den Vereinsversammlungen. Sitzungen usw. haben 203 öffentliche Dählcrversammlungen stattgefunden. Tic Gegner arbeiteten fttupelloö. Besonders hitzig gestaltete sich der Wahltampf in den Riesenwahlkreisen Bochum und Dortmund. Nichtsdestoweniger wurden die beiden Wahlkreise glänzend behauptet. Zentrum und National- liberale blieben in ihrem Wachsrum erheblich hinter uns zurück. Die sozialdemokratischen s-timmen stiegen. i im Wahlkreise Bockum von 39 135 auf 42 430, ,, m Dortmund„ 83 305„ 38 842, ,„ Hamm-Soest, 5 497„ 7 246, „ Recklinghausen„ 8 397„ 11415. Die Presse hat gute Forlschritte gemacht; das Bochumer „Volksblatt" konnte erst neulich von einer hocherfreulichcn Steigerung der Auflage berichten und die Dort m n n d c r „Arbeiterzeitung" Hai trotz des Abganges von Essen und Duisburg ihre alte Austags ungefäbr erhalten.(Bravo l) Ferner hat der B i l d u n-z S a u S s ch n ß für den Winter einen ö k o- no mischen Kuriuö in Aussicht genommen, den Genosse Rühle halten soll, lieber mangelnde Aufmerksamkeit der Gerichte können wir uns nicht beschweren. Die Redakteure unserer Zeitungen erlitten mehrfache Geld- und Freiheitsstrafen und auch der Berichterstatter ging als Verleger der Agitationsschrift „Wahrheit" einen Monat ins Gefängnis. Die erledigten Gemeindewahlen haben für imS die besten Erfolge gebracht. (Beifall.) Von den vorliegenden Anträgen betreffen die meisten Organi- satton, Agitation und Preffe. Ein Antrag verlangt, daß alle drei Monate eine Gemeindevertreter- Konferenz stattzufinden habe, ein anderer, daß Schritte unternommen werden, die Wahlkreise Esse n und DuiSburg-Mülhoim dem Agitationöbezirk anzugliedern. Der' letztere Antrag wird damit begründet, daß der größte Teil des westlichen Westfalens die gleichen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse habe, wie die beiden genannten Kreise. Der Antrag wurde angenommen. Runge-Bochum beantragt:„Der Parteitag beauftragt die Landeskommission, zwecks besserer Agitation unter den Polen mit der Organisation der polnischen P. P. S. eine bessere Verständigung herbeizuführen. Bon Bochum ist weiter der Antrag gestellt, für das Industrie- gebiet ein polnisches Organ hcranSziigeben. Mehrere Redner sind dafür, daß unter den polnischen Arbeitern des RuhrrcvierS die in Kattowitz erscheinende„Gazetta Robot nicza" propagiert werden möge. Dieser Vorschlag wird der Landeskommission zur Berücksichtigung überwiesen. Boy der Herausgabe eines polnischen Organs will man abschen. Bei der Berichterstattung über den Internationalen Kongreß entspinnt sich über die Einlvanderung fremder Arbeiter, einem Plinlt, der für die Arbeitgeber dcS Industriegebietes von besonderem Interesse ist. eine lebhafte Debatte. Die Ge° nassen von Buer hatten beantragt, auf die GewertschaftS- presse hinzuwirken, daß jede Kritik über die Einwanderung ausländischer Arbeitskräfte unterbleibe. Der Antrag wurde scharf be- tämpst, besonders unter dem Hinweis, daß durch die fremden Elemente die Wurmkrankheit iuS Ruhrrevier gebracht worden sei und daß die fremden Arbeiter stetS als Lohndrücker durch das Unternehmertum eingeführt würden. Der Antrag Buer wurde ab- gelehnt. Die Beschlüsse deS Internationalen Kongresses wurden gegen 4 Stimmen gutgeheißen. Genosse H u c- Esten referierte über die Landtagswahlen 1908. Die Wahlen zum preußischen Landtage seien besonders des- halb wichttg, weil die deutsche Politik hauptsächlich im preußischen Landtage gemacht werde. Er empfiehlt eifrigste Beteiligung an den Wahlen im Jahre 1908. Man müsse versuchen, auch in bürgerliche Kreise einzudringen und sie gegen das miserabelste aller Wahlgesetze auf die Beine zu bringen. Genosse Scheibe- Dortmund warnte vor Kompromissen und meint insbesondere, daß mit den christlich organisierten Arbeitern wie in allen ernsten polnischen Fragen auch in dieser Frage nichts anzufangen sei. Genosse König sprach über die Vorbrcitungen zur Landtag?- Wahl. Er faßt seine Ratschläge in folgendem Antrage zusammen: 1. Der Provinzialparteitag setzt ein Zentral-Landingswahlkomitee ein, das die Landeskommission mit dem LandcSverlrauenSmann bildet; 2. jeder Landtagswahlkreis bildet ein Kreiskomitee, das aus drei Mitglieder» bestehen soll: 3. der Parteitag macht den Parteigenossen zur Pflicht, unverzüg- lich die Vorarbeiten für die LandtagSwahl, besonders die Erwerbung der preußische» Staatsangehörigkeit, in die Hand zu nehmen; 4. zwecks Gründung eines Landtagswahlfonds hat das Zentral« LandtagSwahlkomitee sofort Geldsammlungen durch Herausgabe von Sammellisten usw. im ganzen Agitationsbezirk in die Wege zu leiten. Der Antrag wird angenommen. Zum LaudeSvertranenSmann wird hierauf Genosse Max König wiedergewählt. Als Ort für den nächsten Parteitag wird Annen gewählt. Mit einem begeisterten und begeisternden Appell zu weitere. fruchtbringender Parteiarbeit schloß Genosse König den Parteitag. WafierstandS-Nachrichtcn der LandcSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Weiterburcau. Wasserstand M e m e l, Tilsit P r c g c l, JnsterLiwg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Kroffen Frankfurt Warthe, Schnmm , Landsbcrg Netze, Vordamm Elbe, Leilmeritz , Dresden , Barby » Magdeburg am 1 seit 15.12. 14.12. cm 373J) 143 116 150 120 117 128 72 47 25 —79 107 101 cm•) —23 — 5 +22 +14 4-12 + 4 +14 +10 4- 3 -16 — 7 +16 +10 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau , Rathenow Spree, Svrcmberg „ BceStow Weser, Münden , Minden Rhein, ManrniiianZa , Kaub , Köln Neckar, Hcilbron» Main, Wertheim Mosel. Trier 0+ bedeutet Dachs,— Fall.— Unierpegel.—•) Eisstand. _ WittcrungSSderficht vom 16. Dezember 1907. SttlUncn »euer l I Haparandck 774 NO Petersburg 771 0 Ectlly Mcrdeev Parti 763 SSW, 3 bedeckt 764 S' 3 bedeckt »s c r. d t 5S? £< i 2hebeckt—17 1 wölken!—17 ( 771 SA 1 Nebel �—1 I Smiächst aufllarend und trocken bei mühigen südöstlichen Winden, kälterer Nacht und langsam steigender TagcStcmpcratur: später wieder zunehmende Bewölkung. Berliner W-lterb».-«,. Sensationelle Gelegenheit! 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