Kr. 295« RbonnentntS'Bedin�ai�en: ÜSonnnnenti• PretZ prSnumnanto i LierteljShrl. SÄ» MI, monatl. 1,10 MI, wSchsnUich 28 Pfg. frei inä Hau?, Einzelne älummet B Big. Sonntag?» nummer mit illustrierter Sonntag?. Beilage.Die Neue Well" 10 Pfg, Pojt. Monnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post, Zeitung?» PreiSliite. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für da? übrige Uusland !i Marl pro Monat. TostabonnementS nehmen an: Belgien, Dünemarl, Solland. Italien. Luxemburg. Portugal. Buoiänien. Schweden und die Schweiz. CriditlDt lZgllch uStr ISonUgt. 24. Jahrg. Verlinev Volksblatk. Vit lnktrNonx.eedaht betrügt für die fechbgespaltene Kolonef- zeile oder deren Raum 50 Pfg, für dolltifche und gewerlschaflllche Verein?- und VerfammlungS-Anzeigen M Pfg. „lllelne Sn-eigen", da? erste sfett» gedruckte) Bort 20 Pfg, jede? weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- ftellen-Anzeigen da? erste Wort 10 Pfg., jede? weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inferale für die nächste Nummer müsseie bi? S Uhr nachmittag? in der Expedition «bgegeben werden. Die Expedition ist bi? 7 Uhr abend? geöffnet, Delegramm. Adresse: „Sozialdercolirät DhIIb". Zentralorgan der roztaldemokrati feben Partei Deutfchlands. Redaktion: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Strnl IV, Nr. 1983. Mittwoch, den 18. Dezeueber 1907. Expedition: SM. 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Keim-Hriie- NlocK-Iii'iie. Am 18. Dezember findet eine Sitzung des Präsidiums des Flottenvcrcins statt, die zur Keini-Krise Stellung nehmen und darüber beschliefien soll, ob eine Hauptversammlung des Flottenvereins zur Schlichtung der ausgcbrochenen Differenzen stattfinden soll. Vielleicht kommt es freilich nicht erst zu 'dieser Hauptversammlung, verbreiten doch Münchener Blätter die bestimmte Nachricht, daß Keim seinen Posten als Vor- sitzender niederlegen werde; auch Fürst von Salm werde seinen Rücktritt erklären. Es ist ziemlich wahrscheinlich, daß es ähnlich so kommen wird. Denn so hoher Protektion sich Keim auch bisher erfreute, ja im Grunde bis zur Stunde noch erfreuen mag, nachdem die �rage einmal so gestellt ist: Keim oder das bayerische Königshaus, wird Keim weichen müssen, auch wenn ihm das bis zum Augenblick nicht recht einzuleuchten scheint. Verzweifelt beruft er sich darauf, datz Prinz Heinrich von Preußen, der oberste Protektor des Vereins, von allen Schritten des Präsidiums unterrichtet gewesen sei und sie sämtlich g c billigt habe, daß nicht weniger als 20 deutsche Fürsten die. Protektoren des Vereins seien und daß deshalb doch nicht ein Einzelner seinen Willen durchsetzen könne. Ostentativ gibt er der �Zuversicht Ausdruck, daß Wilhelm II. sich unmöglich in die Privatangelegenheiten(!) des Vereins einzumischen ge willt sein könne. Keim vergißt nur verschiedene Umstände. Wenn es sich um die Alternative handelt, entweder den Prinzen eines Königshauses oder einen— sei es um die Block-, um die Flottenpolisik noch so verdienten— simplen General zu brüskieren, wird natürlich der General der leidende Teil sein! Zudem handelt es sich gar nicht um den Prinzen Ruprecht allein. Hinter dein Baycrnprinzen stehen auch unsere preußischen Junker, und deren Einfluß ist ja schließlich noch größer als der eines bayerischen Prinzen! Ganz schief ist es. die Situation so aufzufassen, als handele es sich um einen Konflikt zwischen„Nord und Süd", also, was man gemeinhin darunter versteht, zivischen preußischer Reaktion und süddeutscher Demokratie. Wenn die preußischen Junker mit dem Süden gemeinsame Sache machen, kann es sich doch wahhaftig nicht um etwas handeln, das mit Demokratie irgend etwas gemein hätte. Auch dasMoment der uferlosen Flotten treiberei, die sich der Flottenvcrein undHerrKeim im speziellen zur Aufgabe gemacht haben, spielt bei dem Konflikt nicht die ausschlaggebende Rolle. Namentlich die Angriffe gegen den nach Keims Ansicht allzu bescheidenen Staats sekretär Tirpitz sind nicht sehr tragisch zu nehmen.. Hat doch Tirpitz in der Budgetkommifsion wiederholt die Forderungen der mit dem Flottenverein verbündeten Nationalliberalen gebilligt und den Flottentreibern empfohlen, nur für eine ivillfährigeReichstags Mehrheit zu sorgen. Nichtig ist nur so viel, daß die Konservativen der Keimschen Flottentreiberei recht kühl gegenüberstehen und den alldeutsch nationalliberalen Sachwalter- und Schrittmacherdienst für das Panzerplattenkapital niit recht gemischten Gefühlen zuschauen Dient doch der Uebermarinismuö schließlich nur der treibhaus� mäßigen Förderung des Jndustrialivnius, dessen wachsendes Ilebcrgewicht über die Landivirtschaft unseren Junkern gar nicht gefällt. Aber diese Abneigung gegen den lieber marinismus und die nationalliberalen Flottentreibereien ent springt doch allem eher, als einer Sympathie mit dem„demo- kratischen" Süden, sie ist vielmehr durchaus junkerlich» reaktionären Motiven entflossen. Weshalb im Falle Keim unsere Junker gegen Keim Stellung genommen haben, verrät deutlich genug folgende Auslassung der„Kreuz-Zeitung": „Die Ratio 11 alliberalen waren offenbar gewillt, ihr Parteiregiment auf der ganzen Linie zu etablieren. Die Führung wollten die Alldeutschen übernehmen, die nach der Ausschaltung des Zentrums aus der stiegiernngSiuehrheit des Reichstages ihre Zeit � für ge kommen hielten. ES ist aber doch noch ein großer Unterschied zwischen dem Regieren ohne das Zentrum und dem Regieren gegen daS Zentrum. Diese Partei verteilt nun einmal daS katholische Deutschland; eö geht nicht an, n»r die Nichtkatholiken und Nichtinehrkatboliken als Musicideutsche anzusehen und die Katholiken von den»aiionalen Aufgaben auszuschließen; die Mehrheit innerhalb des Blocks ist jedenfalls nicht geneigt, den antikatholischen Ultras die Führung an zu- vertr auen." Den Konservativen sind also die Nationalliberalen zu üppig und anspruchsvoll geworden. Tie Geltendmachung natioiiallibcral-großindustriellcn Einflusses ist ihnen nicht minder unangenehm, wie die ganze konservativ-liberalc Paarung. Die alte, aus qemeinsanien agrarischen und klerikalen Interessen fließende Liebe zum Zentrum regt sich immer stärker. Unsere Junker glauben, daß die demokratischen Regungen des Zentrums durch dieBlockbnßc hinlänglich abgekühltivorden sind, uni tviedcrum mit ihm gemeinsame agrarisch-reaktionäre Politik treiben zu können. Deshalb ihr Vorstoß gegen Keim, der sich allzu sehr in das Schlepptau der nationalliberalen Panzerplattcnindnstriellen hat nehmen lassen, um nicht eine Abhalfterung zu verdienen. Mit Demokratie hat also die Kampagne gegen den Handlanger der Block- und Weltpolitik nicht daL mindeste zu tun. Fällt Keim, so ist damit nur ein Eckstein auS der Blockpolitik abgebröckelt, cm Stein des Anstoßes für das nach neuer Regierungsfähig- lkeit sich sehnende Zentrum aus dem Wege geräumt! Die iKeim-Affäre ist also im Grunde nichts anderes, als ein neuer Zerf ctzungskeim für die Block- Politik. Daß der Sieg über den Flottentreiber Keim keineswegs einen Triumph über die Flottcnrciberei selbst darstellt, haben wir schon früher nachgewiesen. Seine Flottcnbcgeisterung hat ja auch Prinz Ruprecht ausdrücklich und demonstrativ betont. Und daß das Zentrum nicht wieder in seine weltpolitische Scheinopposition zurückfällt, dafür birgt die ihm zuteil go wordene, so schmerzlich ertragene Lehre. Auch das Zentrum wird alles bewilligen, was die Regierung an Flottenforderungen heute und in ein paar Jahren fordern wird. Und weil es im Grunde völlig egal ist, ob die jetzige Flottenvorlage nach den Wünschen der Keim und Stresemann erweitert oder ob erst Anno 1910 eine neue Flottenvorlage eingebracht wird, unsere Herrschenden den Keim ruhig fallen lassen. Freilich: Undankbar im höchsten Maße— vom Stand punkte unserer marinistischcn und weltpolitischen Fanatiker— wäre die Preisgabe Keims. War doch Keim, wie die be riichtigten Keimbriefe bewiesen, bei seiner Blockwahlagitation nurderHandlangerBülows! In mehr als einem Briefe hat sich ja Keim auf seine Rücksprache mit dem Reichskanzler, auf seine Beziehungen zur Wil helmstraße berufen! Auch konnten ja am 14. Februar 1907 die„Leipziger Neuesten Nachrichten" mitteilen, daß Wilhelm II. beim letzten Hofball den Fürsten Salm, den Intimus Keims, durch die Ansprache ausgezeichnet habe: „Mein lieber Fürst, die Wahlen sind ja vorzüglich ausge falle» und ich freue mich, daß der Flottenverein die Sache so prächtig gemacht hat." Und den Leuten, die ihre Sache„so prächtig gemacht haben, den Keim und Salm, soll jetzt der Laufpaß gegeben werden?! Kein Wunder, daß Herrn Keim dieser Ausgang der Affäre unfaßbar erscheint und daß er noch immer über- zeugt ist, daß ihn seine hohen Gönner nicht im Stiche lassen werden. Meldet doch die Keim-offiziöse„Tägliche Rund schau" noch Dienstagabend, daß der Plan, Keim durch Ein greifen von allerhöchster Stelle zu Fall zu dringen, g e scheitert sei und daß die wahrscheinlich am 18. oder 19. Januar stattfindende Hauptversammlung des Flotten Vereins ebenso wie seinerzeit in Köln den Sieg des Präsidiums ergeben werde. Warten wir es ab. Wir können das mit um so kühlerem Blute, als der Ausgang der Kcimkrise für das Proletariat völlig gleichgültig ist. Ob Keim geht oder bleibt— das Flottenwettriistcn wird fortgesetzt. Und ob an Stelle des Blocks wieder die alte Konstellation der Parteien tritt, ist für die entrechteten Massen nicht minder belanglos. Die Demokratie kann nur durch äußer st en Kampf über die Reaktion siegen, möge diese Reaktion nun das Etikett „Block" tragen oder nicht! Stsskras»» vor Staatsrecht. Die konservative Presse ist verschnupft darüber, daß cm dem Ergebnis des Schacherhandels, der zwischen der kon- servativen Landtagsfraktion und der Regierung hinter den Kultssen über die Ostmarkcnvorlage stattgefunden hat, von der Zentrums- und der entschieden- liberalen Presse Kritik geübt wird. Die„Köln. Volksztg," hatte jüngst höhnisch ihren ehemaligen konservativen Blockgenossen zugerufen:„Die Staatsräson hat triumphiert über das Staatsrecht. Die jedesmalige Majorität wird dem nächst zu bestimmen haben, was und wieviel von Eigem t»m dem einzelnen belassen oder gegeben wird, wofern nur Gründe des„Staatswohls", so wie sie es versteht, dafür an geführt werden können." Und die„Frankfurter Zeitung" meinte, es sei aus geschlossen, daß dies Kompromiß Gesetz werde; denn man könnte ebensogut ein Gesetz machen, das bestimmt:„die Regierung kann über Personen und Eigen- tuni im Staate nach Gutdünken verfüge n." Die„Deutsche Tageszta. wirst sich, unvorsichtiger als ihre erfahrenere Kollegin, die„Krcuzztg.", diesen Vorwürfen gegen- über zum Verteidiger deL von den ostelbischen deutschen Kraut- junkern— die nebenbei bemerkt, vielfach polnischer Ab- stammung sind— mit der Regierung abgeschlossenen Kom- promisseö auf und leistet sich dabei folgende interessante Aus- führungen: „Die theoretische Verkehrtheit der grimdsätzlichen Anschamnig dieser Blätter wird recht gut durch den ersten Satz der„Kölnischen Volkszeitimg" beleuchtet: Wenn hier die Staatsräson wirklich über das Staatsrecht triumphiert hätte, so wäre das mindestens besser als der umgekehrte Zustand. Denn das Staats- recht darf doch nicht der Herr der Staatsräson sein, weil es eben nichts anderes ist und sein kann als der Niederschlag dessen, was die geschichtliche Erfahrung als Forderungen der Staatsräson oder besser des S t a a t s w o h l s erwiesen hat und daS un- unterbrochene geschichtliche Werden weiterhin als seine Forderung erweist." Als vor einiger Zeit der große Stratege des Reichs- Verbandes, der Generalleutnant v. Licbert, verkündete, daß in bezug auf die preußischen Polen der Grundsatz„Macht geht vor Recht!" seine volle Berechtigung habe, fand die „Deutsche Tageszeitung", daß es Herrn v. Liebcrt an dem nötigen politischen Takt im Verbergen konservativer Grund- anschauungen fehle. Mit ihrem eigenen Takt scheint es jedoch nicht viel besser bestellt zu sein, denn der Grundsatz: „Die Rücksicht auf die Staatsräson geht vor Staatsrecht" widerspricht direkt den Argumenten, mit denen sonst die konservative Presse die alten überlebten Vor». rechte der Junker verteidigt. Wenn also die Staatsraison, d. h. die Rücksicht auf das Staatswohl, es erfordert, dann muß das Staatsrecht weichen, denn höher als das überkommene Recht stehen die Forderungen, die„das ununterbrochene geschichtliche Werde n" als seine Forderungen er w ei st. Stellt also der ländliche Großgrundbesitz im Osten sich als nicht verträglich mit dein Staatswohl heraus, so hat der Staat, das heißt die Mehrheit der Staatsbürger, das heilige Recht, entsprechend den Forderungen der„ununterbrochenen geschichtlichen" Entwickclung die Großgrundbesitzer einfach zu expropriieren. Mit dieser Ansicht sind wir völlig einverstanden und' iverden uns dieses schöne Zugeständnis merken für den Fall, daß cS der„Deutschen Tageszeitung" einfallen sollte, sich wieder gegenüber den Forderungen der heutigen sozialen Entwickclung aus alte historische Rechte und mittelalterliche Ueberlieferungen zu berufen. Oder gilt nach der Logik dcS Bündlerblattes der Grundsatz„Staatswohl geht vor Staats- recht!" nur für den polnischen Großgrundbesitz, nicht für den deutschen Grundbesitz polnischer Her» k u n f t? Und auf welche allgemeine Rechtsprinzipien oder Rücksichten auf das Staatswohl stützt sich diese Unterscheidung? Wir sind sogar so zuvorkommend, daß wir die von der „Deutschen Tageszeitung" gestellte Bedingung in Kauf nehmen, nämlich die Bedingung, daß für solche Enteignungen immer„ein besonderes Gesetz" gemacht werden müsse,„das die Objekte der Enteignung klar zu um- schreiben Hab c". Das Bündlerblatt mag sich versichert halten, das„klare Umschreiben der Objekte" wird uns gar keine Schwierigkeiten machen. slatistialliberale liiinUteraspiranten. Unter dem Titel„ N a t io n afl l i.besr a l e Reben» regierung" stellt die„Kölnische V 0 l k s z e i t u n g" einige Sünden der nationalliberalen Führer zusammen. Danach scheint es, daß das Leitmotiv der nationallibcralen Politik in einer Aeußerung zu finden ist, die Herr Paasche gemacht haben soll und die da lautet:„M an treibt doch nicht Politik, um ewig Abgeordneter zu bleibe 11". Zunächst wollte Herr Paasche, wie man schon weiß, Unterstaatssekretär für die Kolonien werden, und einige Zentrumsabgeordnete scheinen diese Kandidatur unterstützt zu haben. Als aus diesem Projekt nichts wurde, sollte nach dem Sturze Posadowskys aus. dem Reichsamt des Innern ein Reichsarbeitsamt für Herrn Paasche losgelöst werden. Dies scheiterte an dem Widerstand Bethmann-Hollwegs. Dann aspirierte Paasche auf die Nachfolge Kochs als Präsidenten der Reichsbank, aber wieder ohne Erfolg. Herr Paasche ist natürlich nicht der einzige Ministerkandidat der Nationalliberalen. Auch Herr Basser mann möchte gern. Deshalb sollte, behauptet das Zentrumsblatt. Herr Nieberding vom Reichsjustizamt weichen, um Bassermann Platz zu machen. Sogar der nationalliberale Abg. Hagemann sehne sich danach, sein Abgeordnetendasein mit einem besseren zu vertauschen. Die„Kölnische Volkszeitung" ist über diese Nebenregierung natürlich entrüstet. Begreiflicherweise. Sind es doch gerade die Nationalliberalen, die am lautesten über die Nebenregierung des Zentrums geschrien haben. Es ist daher auch ganz nützlich, daß einmal darauf hingewiesen wird, daß bei den Nationalliberalen dieses Geschrei nichts anderes war als ein Konkurrenzmänöver, das alle Zeichen des unlauteren Wettbewerbes an sich trägt. Aber ebensowenig hat daS Zentrum irgend einen Anlaß zur Heuchelei. Daß ein Abgeordneter Minister werden will, ist an sich ganz in Ordnung und in jedem wirklich konstitutionellen Land selbstverständlich. In dem absolutistischen Preußen-Deutschland ist es aber so, daß man keine Prinzipien oder wenigstens keine liberalen Prinzipien haben darf, um Minister werden zu können. Daher wird, was anderswo daS begreifliche Ziel eines bedeutenden Parlamentariers ist, in Deutschland das Mittel zur Korrum- pierung der Parlamentarier durch die über de in Parlament stehende Regierung. Herr Paasche weiß sehr gut. daß sein Eintritt ins Ministerium politisch nichts be- deutet. Er weiß, daß wenn er überhaupt liberale Prinzipien hätte, er sie im Vorzimmer des MinisterkabinettL ablegen müßte. Des- wegen ist das Bemühen der nationalliberalen Führer unsäglich widrig. Es handelt sich nicht um eine politische. sondern um eine persönliche Angelegenheit dieser Herren. Das absolutistische Regime drückt die bürger- liche Parlamentspolitik zu einer persönlichen Streberei herab. Man will ja schließlich nicht sein Lebenslang nur Abgeord« neter sein. Gerade Bülow versteht es ja meisterlich, durch Erregung solcher Hoffnungen, durch unverbindliche Versprechungen und halbe Andeutungen auf dem Markte der parlamentarischen Eitelkeiten lohnende Geschäfte zu machen. Aber diese Art Nebenregierung ist eben nur möglich, weil wir keine parlamentarische Regierung haben. Gerade das Zentrum hat' sich jedoch,- als eS noch in der Macht war, an solcher Nebenregierung, die zwar nicht ganz so schäbig, dafür aber auch gefährlicher war alu die nationalliberale, Genüge sein lassen. Es hat nicht das geringste dazu getan, um die Macht der Regierung gegenüber dem Parlament einzuschränken. Im Gegenteil, daZ Zentrum hat im Bunde mit den Konservativen haS Verbrechen des Mardorfs an den Rechten des Parlaments mitgemacht und dadurchchie Stellung dcS deutschen Reichstages noch starker herabgedrückt. Es hat daher wirklich nicht das Recht, über eine Erscheinung zu klagen, die in der Macht- losigkcit des Parlaments ihre Wurzel hat. lind wenn die„Köln. VoltSzeitung" schließlich den Reichs täujlcr bedauert, daß er es unter der ZcntrumShcrrschaft bequemer gehabt hätte, so hcistt auch da» nichts anderes, als dag das Zentrum den Regierungs- absolutiSniuS auch tvciter fördern will, toenn die Regierung nur seinen Willen tun will, anstatt dcS Willens der Nationallibcralcn. Deshalb ist dieser ganze Streit der RcbenregierUng im Grunde ziemlich gleichgültig. Den Voltswillen wollen weder Zentrum noch Nationalliberale ausschlaggebend wissen. Beiden ist der Regierungs- Absolutismus schließlich recht, und nur darum raufen sie sich, wer von beiden d.cn g r ö ß'c rcn Nutzen von diesem Absolutismus haben soll. Der„|]iatin"'Shandal. Paris, 15. Dezbr.(Eig. Ber) Die„Humanito" veröffentlicht heute das V e w e i L d o k u in c n t für die bcdenlenlose Gefälligkeit der Regierung gegen den„Matin". ES ist ein Käblograntm dcö Gouverneurs von Französifch-Westafrika, Herrn Roume, an den Kolonienminister, und zwar an den jetzigen Kolonienminister, Herrn MilliöS-Lacroix, datiert vom 15. Mai diese? Jahres und stellt eine Antwort auf eine Depesche dcS Ministers vom 13. März dar. Der Gouverneur erwidert auf die' Aclitzerung des Ministers, daß der seit der Erpedition verflossene Zeitraum zu groß sei, um noch die Veraniwortlichkeitcn festzustellen und zu entscheiden, ob die Organisatoren der Expedition, d. h. der „M a t i n", zur Deckung der Kosten heranzuziehen seien! Der Gou- verneur verwahrt sich gegen die Entscheidung des Ministers,„daß, um den Vorhaltungen des NrchnungöhofcS zu entsprechen und die Affäre endgültig zu erledigen, der Posten der vorgeschossenen 64 881 Fr. auf das allgemeine Budget der Kolonie zu übernehmen sei". Er weist nach, dah ein solches Verfahren durchaus unzulässig sei; er stellt auch fest, daß der Rechnungshof wiederholt den Nach- weis der Rückzahlung des Vorschnsi.S gefordert habe, den die Kolonie Senegal seinerzeit dem.Matin" gewährte. Er beruft sich auch darauf, daß der Rechnungshof mit rigoroser Sorgfalt darüber wachte, daß Ausgaben, die die Kolonie nichts angehen, auf ihr Budget geschrieben werden: Ein Zirkular des KolonienmiiiisterS vom 20. November 1905(das war v o r der Zeit des Herrn MilliöZ- Lacroix) habe die Gouverneure verpflichtet, persönlich darüber zu Ivachen, daß diele Vorschrift pünktlich eingehalten werde. Man vergleiche nun mit dem Inhalt des ÄablogrannnS die Rechtfertigung des KoloniemninistcrS, die der„Mcssidor" in täglich wachsenden Raten veröffentlicht hat! Der Minister behauptete, er sei bisher ivegen Beschäftigung nüt dem Budget nicht dazu ge- kommen, sich mit der Sache zu befassen. Das Kablogramm be- weist, daß er sich damit befaßt hat— aber in der Absicht, dem „Motin" die Zahlung zu erlassen! Und dies mittels einer unerlaubten, vom Rechnungshöfe wiederholt beanstandeten Mani- pnlatio» I Der„Messidor" wollte glauben machen, der Rechmingshof habe die Angelegenheit noch nicht berührt, wenigstens unter der Minister- schuft dcö Herrn MillieS-Lacroix. aber das Kablogramm zeigt, daß der Minister gerade um den ihm bekannten, wiederholten Reklamationen des Rechnungshofes em Ende zu machen, den Gonverueur zu einer pflichtividrigeu, die StaatSinlcreffen schädigenden Handlnng aufgefordert hat. Zur Geschichte der„Mission Blanchet" hat einer der Teil- n e h m e r. Herr D e r e i m S, cincm Mitarbeiter der„Humanilö" einen interessanten Beitrag geliefert. Der Gedanke ging von Herrn Andrv B e r t h e l o t auS, der jetzt Administrator der Pariser Untergrundbahn ist, nachdem er ehedem als Gent ein berat Berichtersiatter über dieseUnternehmung gewesen war! Mit ihm zusammen arbeitete auch Herr P o i d a y vom„Matin", der sein Blatt zur Verfügung stellte, um den afrikanischen Projekten der Gruppe das patriotische Mänlelchen um- zuhängen. Herrn Poidatz kam diese Reklame obendrein für sein Blatt zugute. Die Erpedition wurde von den Eingeborenen scstgehalien,„ohne daß indes den Teilnehmern ein Leid geschah, da sich ein Häuptling energisch für sie einsetzte. Ihre Estorts aber, die von ihr getrennt worden war, richtete, in der Meinung, daß die Ab- geschnittenen getötet worden seien, unter einer Karawane, der sie begegnete,«zur Sühne" ein grausames Blutbad an. Daranshin forderten die Afrikaner für die Entlassung ihrer Gefangenen ein Sühnegeld von etwa 15 000 Fr. Der„Matin" verlangte von der Regierung Hülfe, und in der Tat wurde auch eine militärische Expedition ausgerüstet. Die Kosten. dieser durch den Abichluß des Freilassungsvertrages überflüssig gewordenen HülfScxpedition find es nun, die der„Matin" nicht zahlen will.... Die Affäre des„Matin" stellt nur einen Einzelfall der bürgerlichen Korruption dar. Einen Einblick in das Ganze ge- währt jedoch das Verhalten fast der gesamten Bourgeoispresic. Es wäre ein falscher Ausdruck, von einer„Verschwörung des Schweigens" zu spreche», wo es sich augenscheinlich um die selbstverständliche Solidarität der schlechten Gcwisscu handelt. Während auf den Straßen das Publikum den Camclots die„Humanitü" aus den Händen reißt, bringen eS die politischen und die unpolitische» Zeitungen der Bourgeoisie fertig, über die Angelegenheit entweder ganz mit Stillschweigen hinwegzugehen oder sie in ganz kurzen. möglichst unauffällig untergebrachten Notizen abzutun. Auch Zeitungen, die unmittelbare Konkurrenten des„Matin" sind, verfahren so. Man darf da nicht etwa an eine ritterliche Kollegialität glauben— die Herrschaften sind sonst nicht so edel. Auch der natür- liche Haß der Geschäftöjourn allsten gegen Journalisten von Gesinnung genügt noch nicht als Erllärung. Vielleicht kommt man dem Rätsel näher, wenn man aus der ursprünglichen, un- genierten Erklärung dcS„Messidor", daß Herr Bunan-Varilla mit dem Kolonienminister wegen einer Landkouzession in Afrika unter- bandelt habe— eine Erklärung, die heute allerdings durch„Berich- tigungen abgeschwächt werden soll— die naheliegenden Schlüsse zieht. Sollte eZ auch a n d e r e ZeituiigSuntemehiner geben, die sich für 5konzessioncn und dergleichen interessieren? Die Enthüllungen der „Humanitü" wären in diesem Falle eine ärgerliche Geschäftsstörung. Einzig der„Messidor" hat die Affäre auSführlicki behandelt, als be- flisiener Anwalt des KolonienministerS. Der„Messidor" protestiert ober stolz dagegen, als offiziöses Olga» zu gelten. Er reitet nicht in fremden Diensten und Geschäften. Maroliko. Diploiiiaten als Gründer. Paris, U. Dezember.(Lig. Bcr.) Die„gumanitS" gibt heute die Namen her französischen D i p l o m a t en in Marokko bekannt, die Aktien der Marokko-Grundungcn der Schneider- schen Gruppe besitzen. Es sind dies Herr de Saint- Aulaire, er st er Sekretär der Gesaudtschast in Tanger. Er ist Aktionär der Loeietö Immobiliere du Maroc et dos colonies africaines. Außer ihm sind Graf de C h c ri sey. der zweite Ge s an dts ch a ftssc krc tär, und der französische Konsul Marinaeco Cavolacci ebenfalls� Aktionäre dieser Gesellschaft. Graf de Eherisey ist aber auch Aktionär der Comvagnie Marocaine. Die Liste ist aber keineswegs vollständig. Auch bei anderen Gesellschaften sind Diplomaten— das ganze diplomatische Korps beim M a k h z e n, wie die „Huinaisttö" sagt— beteiligt. Unter diesen Umständen ist es wahrhaftig nicht wunderlich, wenn die diplomatischen Berichte die„Aiotivendigkeit" zn handeln" hervorheben. Die Socistö Ammobilivre hat sich die Aufgabe gestellt,„liegende Güter aller Art zu kaufen". Ter dilligste„Kauf" ist aber vom altcrshcr der Raub. Namentlich dann, wenn auch die Betriebskosten dieses Geivcrbes auf andere abgewälzt werden könnten. In diesem Falle sind es die französischen Bürger, deren Leben und Gut die Agenten und Aktionäre der Expansionspolitik in Anspruch nehmen, um die Geschäfte der JmmobUiöre usw. in die Höhe zu bringen. Es ist übrigens nicht übel, zu konstatieren, daß die Liste der an den marokkanischen Gründungen Beteiligten einem Auszug aus dem Almanach des französischen Adels gleicht. Es wimmelt da von Grafen, VicomtcS, Marquis. Die Schneidersche Sippe gehört, seitdem sie unter dem Kaiserreich ihren Millionenbefitz begründet hat. der reaktionären Gesell- schaft an. Das hindert aber die„radikale" Regierung nicht. ihre Diplomaten noch immer aus ihr zu rekrutieren und die Republik den feudalen Kapitalisten dienstbar zu machen. « w • Ucber die Stimmung der Marokkaner wird in einem Tanger-Brief der„Vossischen Zeitung" geschrieben: ..... Der Haß gegen die Franzosen ist... bei den Eingeborenen iin LSachse» begriffen. Bezeichnend für diesen Haß ist folgende auö Rabat stammende Notiz der hiesigen englischen Zeitung„Al-Moghreb Al-Aksa": Beim Stamme der Bern Hassen erörtert man die migen- blicklichc Lage öffentlich auf den Straße» und unter anderen Redensarten, die niederzuschreiben nicht klug wäre, heißt cS: Wir würden die Engländer und Deutschen mit Freuden willkommen heißen, aber das verachiuiigswürdige Regime mit der Einmischung der gegenwärtigen Ein- dringlinge werden wir niemals annehmen: sollten die anderen?iatioiieii uns nicht helfen, so werden wir mit allen Chrisieit im Lande aufräumen; cinkiweilen betrachten wir mir die Franzosen a!Z nnsere Feinde." Auch die offizielle französische Zeitung entdeckt endlich, daß cS im Lande gäre, und findet, daß man noch nie eine solche nationale Be- wegung im Marolko beobachiet habe ivie augenblicklich. Daß sich diese Bewegung ganz allein und ausschließlich gegen Franlreich richtet, mögen die Franzosen wohl ebenso gut wissen wie jeder andere Europäer, doch wird cS iiatüriich verschwiege». Das sron- zvsischc Blatt stellt die Behauptung auf. daß eö sehr viele Araber gebe, die eine Modermsierung Marokkos mit Freuden begrüßen würden. Das mag vielleicht' richtig sein, doch. wissen die meisten Araber auch, wie wenig ihre GlanbeiiSgenossen in Algier und Tunis von der Modernisierung Nutzen gezogen Habel» nnd wie dort das niedere Volt nicht viel besser behandelt wird als das liebe Vieh; mag ihnen also die Einführuiig europäischer Sitten recht sein, in iedein Falle graut ihneu davor, daß die Franzosen sich damit zn schaffen machen, und man lan» wohl sagen, daß sie sich dem mit allen Kräften widersetzen werden." «» • Der Vorstoß der Franzosen von der algerischen Grenze auS wird fortgesetzt. Wie der Pariser„Matin" meldet, ist die Kolonne Brauliöre in Scher a a angelomme». TagS vorher ist cS nach dem„Petit Parisien" bei Scheraa zwischen der Kolonne Bran- liöre und den Bein Enasie» zu heftigen Kämpfen gelounnen. Wie der„Matin" nieldct, soll dem Stamme der Beni S n a s s c» unter folgenden Bedingungen Friede gewährt werden: Zahlung einer Geldbuße von 100 Fr. für jede Familie, Erbauung einer Slraße über den Paß von Gerdiitz, wodurch eine direkte Verbindung von Port Say nach Udschda hergestellt würde, Rückgabe der von den Beni Snnssen erbeuteten Lebelgewehre, sowie schließlich Recht des freien Durchzuges in den Gebieten sämtlicher Stämme. Der Sultan scheint die Hülfe der Franzosen gegen die Präten- deuten in Anspruch nehme» zu wollen. Auö Fez»vird nach Paris gemeldet, daß Abdul Asis die UlemaS von Fez beauftragt' habe, ob das mukelinaiiische Gesetz die Mitwirkung ausländischer Truppen bei der Bekam pfuitg aufrührerischer S t ä m in e zulaise. Die Mehrzahl der Priester hat diese Frage bejaht.— Briefe auS Rabat melden, daß Mulay Hafid dem Sultan Abdul Ästö seine Unterwerfung angeboten habe. vorausgesetzt, daß dieser sein gegenwärtiges Ministerium entlasse.— politische �leberlicdt. Berlin, den 17. Dezember 1307. Eine„liberale" Errungenschaft. Da der freisinnige Blockflügel bisher irgend welche nennenS- werten Erfolge aus seinem KonkubinatSverhältnis zu den Konier- vatiben nicht aufzuweisen vcnnag. so greift die freisinnige Presse dazu, ihrer Leserschaft selbst die zweifelhaftesten sauren Blocksrüchte als große„liberale" Errungenschaften aufzuschwatzen. Sogar da? bedeutungslose Schreibe» de« Kanzlers an die Bundes- rcgierungen über die Einschränkung deö ZeugniSzwangcü wird als großer Erfolg der Blockpolitik gepriesen. Die„Voss. Ztg." meint, daß das Schreiben des Fürsten Bülow in weiten Kreisen dcS Volkes lebhafte Befriedigung erregen werde, und preist die Bülowsche Anweisung als die„Erfüllung alter volkstümlicher und gerechtfertigter Forderungen"; und selbst daS „Verl. Tagebl." ruft bewundernd auS:„In aller Stille hat der Baum der Blockpolitik zu einer neuen Frucht angesetzt". Der Freisinn wird tatsächlich von Tag zu Tag bescheidener in seinen Ansprüchen an die liberale Blockära. Welche Bedeutung hat denn daö Bülowsche Schreiben? Unter Umgehung de« Reichsjustiz- amtes, das seit einiger Zeit mit den Justizministerien der Einzel- staaten Beratungen über Aenderungcn der Strafprozeßordnung pflegt, werden von oben herab die Bundesregierungen ausgefordert, in bestimmter Richtung ihre» Einfluß auf die Gerichte geltend zu machen. Das ist eine Einwirkung auf die Justiz, die nicht nur in ihrer Form höchst sonderbar ist, sondern auch den Grund- sätzcn des Rechtsstaates in keiner Weise entspricht. Diese Anweisungen von oben herab, mögen sie nun eine Milderung oder Verschärfung der bisherigen Rechtspraxis bezwecken, müssen unbedingt als unzulässig« Beeinslussungen der Justiz gelten. Stellt sich ein Mißstand in der Strafprozeßordnung heraus, muß er gesetzlich geändert werden, nötigenfalls durch Not- Paragraphen, nicht aber durch ministerielle Verfügungen und An- Weisungen. Zudem aber sind derartige Anlveistmgen wertlos; denn es bleibt den Gerichten überlassen, wie weit sie ihnen Beachtung schenleu und ihnen folgen wollen. ES hängt also ganz von den Richtern und den Staatsanwälten ab, wie weit des Kanzler».Anregung" Wirk- samkeit erlangt. Hier wird'S so gehandhabt, dort anders— je nach subjektiver Laune und Einsicht. Das ist ein fauler Zustand. Nicht ministerielle Anweisungen, sondern bestimmte Rechtsgarantien sind erforderlich.--___ Ein gefährlicher Plan. Dem Freisinn nützt sein Sträuben nichts. Die Deckung des Reichsdefizits soll durch weitere Belastung der schwachen Schultern erzielt werden. Als erstes wird der famose Plan de« B rannt« w e i n in o n o p o l 3 zu verwirklichen gesucht. Heute hält der Bundesrat eine Sitzung ab, die sich mit der Vorlage beschäftigt. Diese soll schon im n ä ch st c n Januar dem Reichstage zugehen. Geplant ist die B e r st a a t l i ch u n g des S p i r i t u s h a n d e l s. Die„Liberale Korresp." macht über den Inhalt der Vorlage folgende Mitteilung: „Die Liebesgabe soll den Brennern noch auf zehn Jahre zur H ä l f t c bewilligt werden. Der Preis des Bräunt- weinS soll für alle Zukunft so normiert werden, daß der Wert der Schlenipe den Brennern stets als G e Iv i n n übrig bleibt. Ter Preis soll jedes Jahr fixiert werden, und zwar durch einen Ausschuß, der folgendermaßen zusammengesetzt ist: Ein Teil der Vertreter wird geioählt vom Reichs- tage, ein tvcitcrcr voit den L a n d w i r t s ch a f t s k a m m e r n, und ein dritter Teil ivird ernannt vom R e i ch S r a u z l c r mtd anderen ReichSbchördeu. Daö agrarische ll c b e r g e w i ch t in diesem Ausschuß würde dadurch' vollständig gewährleistet sein." Wir gestehen, daß wir diese Pläne für eine ungewöhnlich große Gefahr halten, gegen die mit größter Energie anzukämpfen sein wird. Die angebliche Reduktion der Liebesgabe ist trügerischer Schein. Daö Entscheidende ist einzig und allein die Festsetzung dcS B r a n n w e i n p r e i s e s. Und nun urteile man. was es bedeuten würde, darüber einen Ausschuß bestimmen zu lassen, der fast ganz aus Agrariern bestehen wird, also aus Leuten, die an der Festsetzung des Preises persönlich interessiert sind. Die Vertreter dcö Reichs- tagcö, der eine agrarische Majorität hat, werden agrarisch sein, die Vertreter der Regierung, dieses Vollzugsausschusses der Junker, ebenso und die Vertreter der Landwirtschastskammcrn erst recht. Und diese Leute werden für sich und ihre Klassen- genossen aus den Stcucrgcldern die Preise zu bewilligen haben. Es ist fast so, als würde das Reich den Junkern einen Wechsel aus- stellen, dessen Betrag die Junker selbst ausfüllen dürfen. � Demgegenüber treten die anderen Gefahren eines Spiritus- Monopols, so groß sie an sich sind, zurück. Die Verstaatlichung des Handels bringt eine große Anzahl Menschen in die stärkste Abhängigkeit von einer Regierung, die ihre Wirt- schastlichc Macht stets in der rücksichtslosesten Weise zu politischen Zwecken mißbraucht. Das Interesse des Staates am Branntweinadsatz steigert die Gefahr, daß der Antialkoholbcwcgung neue Schwierigkeiten erwachsen werden. Die Verteuerung dcv Branntweins aber durch die in dem Monopol enthaltene"Stcuercrhöhnng trifft gerade die Aermsten der Armen am empfindlichsten. Deswegen muß dieses Monopol den stärksten Widerstand hervorrufen. So schlecht auch das deutsche Volk am 25. Januar gewählt hat. so wird selbst der Reichstag, den die Hottentotten- wählen über uns verhängt haben, es sich doch gründlich überlegen müssen, bevor er einem so verderblichen, die Korruption geradezu züchtendem Gesetz seine Zustimmung gibt.— Ter gerüffelte Block-Kanzler. Nach Zentrinnsblättern hat Fürst Bülow an den katholischen Pfarrer Reiter inHolzhanscn(Baherisch-Schwabcn) ein Schrsibcn gerichtet, in dem es heißt: „Ich schätze die treue Mitarbeit der katholischen Kreise Deutsch- landS au dein großen Werke der sozialen Versöhnung besonders hoch und wünsche, daß auch Ihrem BelchrungS« und Gebetbuch ein voller Erfolg beschieden sein möge zum Besten unseres deutschen Arbeiter- stände L." Die„Franks. Ztg." teilt nun einige Stellen aus dem„Be- lehrungS- und Gebetbuche" mit, das der Pfarrer Reiter verfaßt und das dem Reichskanzler so sehr gefallen hat. Es heißt unter anderem in diesem,„Pflichten und Rechte des christlichen Arbeiters" betitelten Buche: „... Luther, Calvin und so viele andere, die durch ihren Abfall von der Kirche unsägliches Unheil stistelen. wären nie Ketzer geworden, wenn sie sich nicht von Ehrsucht und Stolz hätten beherrschen lassen: Eitelkeit und Dünkel war eö. daß sie mit nenen Lehren auftraten... daß sie an ihrem Irrtum scsthieltcn, obwohl sie in ruhigen Augenblicken denselben erkannten." Die freisinnige Presse meint, Bülow täte gut, künstig nicht so freigebig mit Anerkennungsschreiben zn sein. Denn offenbar habe er da«„Belehrnngs- nnd Gebetbuch" gar nicht gelesen. Wer weiß? Vielleicht stand soviel zur Vcrdummung der Arbeiter darin, daß er über die Ausbrüche des zelotischen Konfessionshasses großmütig hinwegsah 1 Bülow wäre dabei nicht einmal weitherziger gewesen, al» der Block-Freissnn. Denn dieser hat sich bei der Blockmahlkainpagnc ruhig die Unterstützung deS Liebert-VerbandeS gefallen lassen, obwohl es in dessen Flugschriften von schmutzigen Bcr- leumdungen der Sozialdemokratie und ihrer Vorkämpstr wimmelte. von Verleumdungen und niederträchtigen Anwürfen, gegen die die Angriffe gegen die Reformatoren ein Kinderspiel sind. Zudem ist es doch drollig, daß gerade die publizistischen Vertreter dcö be- schnitteiien Börsenkapitals die Anrempelung der Luther und Calvin so schmerzlich empfinden I ?!icht satisfaktionöfähig'{ Herr Liebermann v. Goimenberg fühlt sich durch die abfällige schnodderige Kritik, die sich die„Tägl. Rundschau" über seine Aeußc- nmgen in der Budgeikommission des Reichstages geleistet hat, in seiner Dpezialehre tief verletzt und hat, wie die„Köln. VolkSzeitung" berichtet, gegen dieses Blatt die Beleidigungsklage erhoben. Wir finden vom Standpunkt des Herrn Liebermann diese Hand- lung recht sonderbar; zum mindesten hätte er doch seinen ritterlichen Anschauungen nach den Heraiisgeber der„Tägl. Rnndschan", den Herrn Heinrich Rippler, auf Pistolen fordern müssen. Oder sollte er gar den Chefredakteur des„KaiserblatteS" für nicht satisfaktionSfähig halten?—_ „Hunde find wir ja doch." Den Nationalliberalen wird cS ungemütlich. Ihre Oppositionsgelüste sind von Bülow schnell erstickt worden. Sie sahen ein, daß sich so etwas nicht für sie schickt und versprachen. wieder brav zu sein, auch ohne daß Paasche oder Bastermann das fiel ihrer Sehnsucht erreichen und Minister werden. Die„Köln. eitung" erklärt feierlich, daß die nationallibcrale Partei mit dem jetzt unbequemen Horden nichts zu tun haben will. Auch will sie einen Strich machen unter die Angelegenheit Paasche- Eine m. Sie ist überhaupt gegen alle Angriffe auf die Regierung, wozu sich die alte» Nationalliberalcn nur durch die bösen Jung- liberalen haben verführen lassen. Für Blockparteien schicken sich solche Angriffe nicht. Man muß vertrauensvoll, meint sie, mit der Regierung zusammenarbeiten- Jahre von semer Strafe abgebiistt hat, begnadigt worden ist. Herr Hahn hat einst cme bedeutende Rolle im geschäftlichen und Gesellschaftsleben Dresdens gespielt. Im Krisenjahr»002 brach das Bankhaus, dessen Besitzer er war. zusammen, der völlige Ruin wurde indes durch eine Hülfsaktion der Dresdner Bank verhindert. Bei dieser Gelegenheit wurden die Verfehlungen Hahns aufgedeckt. Verfolgung antimilitaristischer Propaganda. Köln, 17. Dezember. Hier befinden sich zurzeit sechs Angeklagte, die teils hier wohnen, teils aus Holland sind, in Untersuchungshaft wegen Auf- rcizun g von Personen des Soldaten st an des. be- gangen durch die Broschüre„Soldatenfrcuud, mit Gott für König und" Baterland". Ter Hauptangeklagtc ist ein auS Wien gebürtiger, zuletzt in Arnheim wohnhafter Schreiner tzoermann. Oekterreick. Wien, 17. Dezember. Im schlcsischen Wahlbezirk Frelstadt- Oderberg wurde der Sozialdemokrat D a s z y« s t i in den Rcichsrat gewählt. » Von den wenigen Wermutstropfen, die unseren tapferen österreichischen Genossen am 14. Mai d. I. in den Freuden- becher fielen, war der bitterste: der Durchfall des Genossen DaSzynski, dieses bekannten und bedeutenden Vertreters der polnischen Sozialdemokratie Oesterreichs. Am l4. Mai siegte in Freistadt- Oderbcrg Genosse Reger mit 6901 Stimmen gegen 2481 Stimmen der beiden gegne- rischcn Polenparteieo. Genosse Reger trat jetzt zugunsten DaszynskiS zurück, dem nun der sichere Kreis im ersten Wahl- gang zugefallen ist. Qchwdz. Teuerungszulage«. Bern, 17. Dezember. Der S länderat bewilligte mitrags- genläst 2,8 Millionen Frank für Teuerungszulagen an das Personal der Bundesbahnen für das laufende Jahr und erledigte das Budget der Bundesbahnen für 1908._ Tie Finanzen dcS Äantonö Zürich. Zürich, 16. Dezember.(Eig. Ber.) Die vor einigen Jahren erfolgte Steuererhöhung von 4 auf 4'ch Proz. zur Beseitigung des chronisch gewordenen Defizits hat die Einnahmen des Kantons Zürich in einem solchen Maße erhöht, daß das Defizit, das Ende 1903 3 983 901,26 Frank betragen hatte, Ende 1906 bereits bis auf 77 068,99 Frank getilgt war und heute wohl ganz verschwunden ist. Tiefe Dcfizitperiode war von gewissen Gegnern, so auch von Frei- Herrn v.»dcyl zu Herrnsheim, zu einer skrupellosen Hetze gegen unseren Genossen, RegierungSrat Ernst, benutzt worden, der>daran so unschuldig war wie der Wormser Lcderbaron selbst. Das Budget pro 1903 sieht an Einnahmen 23 817 490 Frank, an Ausgaben 23 369 810 Frank vor. Snglanä. Tie Wirkung der deutschen Flotteuvorlage. London, 14. Dezember.(Eig. Ber.) Es dürft« auch in Deutschland bekannt sein, dast Mr. W. T. St« ad, der Heraus- gcber der„Review of Reviews", einer der hervorragendsten Pacifisten und einer der Urheber der cngllsch-dcutschen Freund- schaftsbcsuche ist. Noch vor einigen Jahren sagte er mir, nun sei die Zeit gekommen, auch für eine Besserung der englisch-deutschen Beziehungen zu wirken. Und er begann nach und nach seinen Einflust nach dieser Richtung geltend zu machen. Er war hoch- erfreut über die Monarchcnbegcgnungcn und glaubte, die Aera des Völkcrfriedens habe bereits ihren Anfang genommen. In dem heute erschienenen Hefte seiner Revue aber gibt er folgenden Kommentar zur deutschen Flotteuvorlage: „Fürst Bülow konnte sich selbst überzeugen, dast der Besuch des Kaisers die Mißverständnisse auf beiden Seiten beseitigt hat. die während der letzten zehn Jahre ihren Schatten auf die Welt warfen. Aber beim ersten Verschwinden der Mistvcrständnisse und bei der Herstellung friedlicher und freundlicher Gefühle zwischen England und Teutschland sehen wir uns einer Plötz- lichen Steigerung des deutschen Flottenprogramms gegenüber.. Man kann es sich kaum erklären, warum Deutschland, dessen Beziehungen zu seinen Nachbarn freundlicher geworden sind, so viele Millionen mehr zu seiner Verteidigung ausgibt. Es kann selbstredend kein Zweifel darüber aufkommen, was John Aulls Antwort auf dieses Programm sein wird. Er wird sage», es tue ihm leid, aber er könne nichts dafür, er müsse in aller Höflichkeit die Herausforderung annehmen. Er will nichts weiter als den Lütns quo. Er hat keine nennenswerte Armee; seine einzige Verteidigung ist die Flotte. Die Aufrcchtcrhaltung seiner Seeüvcrniacht ist eine Lebensfrage.für ihn. Wir sind bereit, den Ltatuz quo ausrecht zu erhalten, entweder durch die Herabsetzung oder die Richtvermchrung der Rüstungen. Aber wenn die Sechcrrschaft sich aus diese Weise nicht sichern läßt, so sind wir entschlossen, sie durch Wettrüsten zu sichern(!) Wir werden nicht viel davon sprechen, aber für jedes neue deutsche Schiff werden wir zwei auf Stapel legen. Das ist die Formel unserer Sicherheit. Wir werden diese Frage ebenso wenig diskutieren wie ein Swimmer die Frage, ob er den Kopf über Wasser halten müsse. Wir müssen es einfach tun. außer wen» wir Selbstmord begehen wollten... Wir sind eine Fricdcnspartci und eine FreihandclSvartei, und unsere Insel kann nur dann friedlich leben und sich Nahrungsmittel schassen, wrnn wir den Ozean frei haben.' Wenn schon Sicad so spricht» mit welchen Gefühlen müssen erst die Sccpolitikcr und Wasserenlhnsiastcn die neue deutsche Flotteuvorlage betrachten?— Wir haben übrigens schon bor zwei Wochen cms den Ernst der Scerüstungcn aufmerksam gemacht « London, 15. Dezember. Ter erste Lord der Admiralität, Lord Tweedmouth, hielt gestern bei einem Festmahl der Livcrpooler Schiffoinakler eine Rede, in der er zunächst an- erkannte, dast den Steuerzahlern durch die Ausgaben für die Flotte große Lasten anserlegt würden, und dann erklärte, die englische Flotte müsse hinreichend stark sein, um Eng- landö Uebergelvicht zur See zu sichern. Ties sei kein aggressiver Ton, denn die Regierung habe weder die Absicht noch den Wunsch, irgend eine fremde Macht anzugreifen; aber dem englischen Handel müsse Schutz gewährt werden. Er wie seine Kollegen seien bestrebt, so sparsam wie möglich zu wirtschaften; wenn sie jedoch große Forderungen zu stellen hätten, müsse das Land sie unterstützen. London, 17. Dezember. Der Kriegsminister Haldano hielt in Hanleh eine Rede, in der er auf die wachsenden Be- völkerungen von Deutschland und den Vereinigten Staaten hinwies. Er sagte, die Zeit könnte kommen, wo England nicht gänzlich von der Flotte abhängig sein könnte und sich auf das Landesvcrtcidignngswcsen verlassen müßte.... finnlanck. Unter der Knute. Die Gewalttaten der russischen Despotie gegen Finnland und Finnlands Staatsbürger mehren sich von Tag zu Tag. Wie Stockholms„Sozialdemokraten" und andere Blätter melden, ist der finnische Genosse T i d c r m a n, der längere Zeit in Petersburg im Gefängnis saß, nun auf admmi- strativem Wege nach dem sibirischen Gouvernement Tobolsk verbannt worden, und zwar auf drei Jahre! Das Verfahren ist umso infamer, als man offenbar nicht imstande war, irgend eine Anklage gegen ihn zu erheben. Weiter wird aus Petersburg berichtet, daß der General- gouvcrneur Finnlands, Gerhard, am Sonnabend sein Abschiedsgesuch eingereicht hat. Dies ist ein Erfolg der Hetzereien der russischen Regierungspresse. Gerhard klagt übrigens gegen drei Redakteure der„Nowojc Wremja" wegen Verleumdung. Ein Vergleichsversuch blieb erfolglos, die Sache soll nun gerichtlich entschieden werden. Ein Gerücht will wissen, daß nicht der dem General- gouverneur kürzlich als Gehülfe zur Seite gestellte Gehn, sondern— General K a u l b a r S Gerhards Nachfolger werden soll, jener Gewaltmensch, der u. a. in Odessa die Schreckensherrschaft der schwarzen Banden einführte.... perlten. Muhammcd Ali Mirza, Persiens Schah, hat sich— bis jetzt wenigstens— denn doch gehütet, die Dinge zum äußersten zu treiben. Zu dieser Mäßigung hat wohl nicht wenig das Verhalten Englands beigetragen, welches zugunsten der vom „König der Könige" gefangen gehaltenen Minister, zunial des Premierministers Nasir cl Mnlk, so energisch intervenierte, daß der Schah die Gefangenen freigab. Die letzten Depeschen melden: Teheran, 16. Dezember.(Petersburger Telegraphen- Agentur.) Da? Volk strömte bei dem Parlamentsgebäude und der benachbarten Moschee zusammen und nahm die dort vorhandenen Waffen an sich. Die Gegner des Parlament« versammelten sich auf dem Artillerieplatz. Das Parlament beschloß, statt eine Abordnung an den Schah zu senden, eine schriftliche Anfrage an ihn zu richten. Teheran, 17. Dezember.(Telegramm der Deutschen Kabel- tclegramm-Gefellschaft.) Der Staatsstreich war scheinbar für den gestrigen Abend geplant, wurde aber nicht ausgeführt. Tie Lage ist ernst. Augenblicklich ist eine Art Stillstand ein- getreten. Ter Schah hat eine beruhigende Antwort an das Paria- mcnt erlassen. Morgen wollen alle politischen Klubs im Parlament Versammlungen abhalten. Wenn der Schah dir? verhindert» sind Strastenkämpfc unvermeidlich. Im Süden Persiens stockt der Handel infolge von Unruhen. Alle Posten und Karawanen werden ausgeplündert, die Briefe werden zerrissen. Die Unsicherheit in den Städten ist groß, da allenthalben Morde und Einbrüche vorkommen. Europaer sind nicht bedroht. London, 17. Dezember. allein eine Blamage für Briand, der in der Kammer behauptet nahmen, er enthalte nicht mehr als das, was die Unternehmer schon früher zu bewilligen sich bereit erklärt hatten. Nachdem die Verhandlungen soweit gediehen waren, sollte noch über verschiedene Einzelbestimmungen des Vertrages verhandelt werde». Ehe diese Verhandlungen ihren Anfang nahmen, reichten die Unternehmer die Kündigung des alten Vertrages ein, der nunmehr am 23. Januar abläuft. Es ist dann über die noch zu erledigenden Einzelheiten des neuen Vertrages verhandelt worden, aber ein Resultat ist dabei nicht erzielt worden. Meinungsverschiedenheiten stehen sich besonders hinsichtlich der Forderung gegenüber, welche besagt, daß in den Betrieben, wo die Löhne unter dem allgemeinen Durchschnitt stehen, eine entsprechende Lohnerhöhung stattfinden soll. Die Unternehmer verlangen, dass vor Abschluß des Ver- träges die in den einzelnen Betrieben geforderten Lohnerhöhungen eingereicht und darüber verhandelt werde. Die Arbeiter haben demzufolge zwei Betriebe namhaft gemacht, die unter dem Durch- schnitt stehen, aber eine Verständigung ist nicht erzielt, denn die Unternehmer verlangen nach wie vor, eS sollen die entsprechenden Forderungen für alle Betriebe eingereicht werden, was die Ar- beiter nicht für durchführbar halten.— Es fragt sich nun, wie sich die Tarifangelegenheit weiter entwickeln wird. Die Arbeiter stehen auf dem Standpunkt, daß sie den Unternehmerm bis zur äußersten Grenze entgegengekommen sind und dass cS also nicht an ihnen liegt, wenn der neue Tarif bis jetzt noch nicht zustande gc- kommen ist. Das Vcrbalten der Unternehmer lässt nach Ansicht der Arbeiter darauf schließen, daß der Arbeitgebersckutzverband vielleicht eine Aussperrung der Siockarbeitcr beim Ablauf des Ver- träges plant. Es wurde jedoch die Ansicht ausgesprochen, daß die Arbeiter den Kampf, an dem nur die Unternehmer schuid wären, nicht sonderlich zu fürchten haben. Ein Redner sagte, nach der im Berliner Rathause kürzlich abgehaltenen Konserenz für die Holzindustrie sei ein grösserer Unternehmer der Stockbranche an ihn herangetreten und habe im Laufe einer Unterredung gesagt, wenn es zu einer Aussperrung käme, dann würde er, der Unternehmer, den Achtstundentag und eventuell Toppclschichten einführen und möglichst viele von den Ausgesperrten einstellen.— Im Ein- Verständnis mit der Kommission gab die Versammlung ihrer Meinung dahin Ausdruck, daß die Verhandlungen mit den Unter- nchmern noch nicht abgebrochen, sondern abgewartet werden soll, ob die Unternehmer mit Vorschlägen an die Kommission heran- treten. Hierauf nahm die Versammlung Stellung zu der nächstens in Leipzig stattfindenden Drechslerkonferenz des Holzarbeiter- Verbandes und wählte zwei Delegierte zu derselben. hat, hinter der Gewerkschaft stehe nur eine ganz unbeträchtliche Minorität._ Kulis auf englischen Schiffen. Die Zahl der indischen Seelente in der englischen HandelSiiiarine nimmt immer mehr zu. Nach einer Veröffentlichung des Handelsministeriums ist die Zahl der Seeleute der Handelsmarine überhaupt von 172 773 im Jahre 1891 auf 20l 408 im Jahre IVOS gestiegen. Der Zu- ivackiS kommr fast ausschliesslich auf die Hindus mit 17 103 und sonstige Ausländer mit 11 022, während in derselben Zeit die Zahl der britishen Seeleute nur um 510 Mann stieg. Jnsgesaml waren im letzten Jahre 38 386 Jndicr ans den englischen Handelsschiffen lälig: hiervon 2613 als llntcrosfiziere und 753! als Stewards. Aus diesen Zahlen ist ersichtlich, dass auch die engli'ckcn Reeder be- müht sind, ihre Schiffe mit billigen und willigen Arbeitskräften zu bemannen. Letzte JVacbricbten und Oepe leben. Städtische Regie. Essen a. Rhr.» 17. Dezember.(Privatdepcsche des„Vorwärts".) Die Remscheider Stadtverordnetenversammlung faßte heute abend in ihrer Sitzung einstimmig den Bechluß, die Reuischcidcr Straßen- bahn käuflich z» erwerben. Die Uebernahme der Bahn erfolgt am 1. Januar 1917. Zur Krisis im Flottenverei». Karlsruhe. 17. Dezember.(W. T. B.) Der Borstand bcS badischen Landesausschusses des Flottcnvereins hat der„Süd- deutschen Rcichskorrespondenz" zufolge eine Resolution gefasst, wonach die vom Präsidium des Hauptvereins vollzogene Wahl des Generalmajors Keim zum gcschäftsführcnden Vorsitzenden bedauert und die Hoffnung ausgesprochen wird, dass das Präsidium mit Rück- ficht auf die in weiten Kreisen des Vereins herrschende Stimmung Mittel finden werde, um ernste Folgen der Krisis abzuwenden. Deutfcbes Reich. Ja der Acrogengas-Grscllschaft zu Hannover ist cS nach einem unS von dort zugehenden Telegramm wegen fortgesetzter Differenzen zum Streik gekommen. Beteiligt sind Dreher, Schlosser, Klempner usw. Zuzug von Metallarbeitern ist fernzuhalten. Die Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. Aussperrung der Tabakarbeiter in Emmerich. In Emmerich, einem Städtchen von vielleicht 10000 Ein- wohnern, an der holländischen Grenze gelegen, spielt sich ein ernster Kampf zwischen Ltapital und Arbeit ab. Die dortigen Zigarren- fabrikanten waren im vorigen Jahre gezwungen worden, einer Forderung auf Lohnerhöhung nachzugeben. Diese Schmälerung ihres Profits ging ihnen zu Herzen und sie versuchten nun den Lohn wieder dadurch herunterzubringen, dass sie schlechtes Material verarbeiten ließen. In der Tat erreichten die Zigarrenarbeiter den Lohn nun nicht mehr, den sie vor der Bewegung erzielten. Be- sonders schlimm war es in dieser Beziehung bei der Firma Müller Komp., und wurde der Arbeiterausschuh zu verschiedenen Malen vorstellig, um auf gütlichem Wege Abhülfe zu schaffen. Aber sowohl diese Vorstellungen als diejenigen der Vertreter des deutschen Tabakarbeiterverbandes waren erfolglos, die Differenzen spitzten sich vielmehr in einer Weise zu, dass sämtlichen Arbeitern bei Müller gekündigt wurde. Die organisierten Tabakarbeiter ver- hängten nun die Sperre über Emmerich und veranlassten eine Anzahl unverheirateter Kollegen, den Ort zu verlassen. Jetzt egt- ließen die Unternehmer drei Vorstandsmitglieder des Verbandes. Dies war das Zeiten für die noch arbeitenden Verheirateten, die Kündigung einzureichen. Die Unternehmer machten, anstatt endlich Verhandlungen anzubahnen, bekannt, dass, wenn die Differenzen bei Müller nicht schleunigst beigelegt würden, sämtliche Tabak- arbeiter und Arbeiterinnen, mit Ausnahme der Sortierer, aus- gesperrt würden. Die Letzteren erklärten sich aber sofort mit den übrigen Arbeitern solidarisch und beschlossen, in den Streik zu treten, wenn die Aussperrung erfolge. Der Bürgermeister des OrteS hat sich schon grosse Mühe gegeben, um die Sache beizulegen, aber bis jetzt ohne Erfolg. Die Arbeiter wollen die Arbeit auf- nehmen, wenn ihnen besseres Material geliefert wird; sie wollen nur den Lohn erzielen wie früher. Den Unternehmern aber ist es um eine Zertrümmerung der Organisation, des deutschen Tabakarbeiterverbandcs, welchem alle Arbeiter angehören, zu tun. Dass die Aussperrung einen schweren wirtschaftlichen Schaden für den Ort im Gefolge hat, kann man daran ermessen, dass bei der kleinen Einwohnerzahl des Ortes zirka 300 Arbeiter und Arbeiterinnen in Betracht kommen. Ein„deutsch-nationalcS" Brrräter-Stücklcin. Leipzig» 17. Dezember 1907.(P r i v a t t e le g r a mm des V o r w ä r t S".) Die BuchhandlungSgehülfen in Leipzig haben heute die passive Resistenz aufgehoben, nachdem die deutsch- nationalen HandlungSgehülfen mit den Unternehmern gemeinsame Sache gemacht und einzelne deutschnationale HandlungSgehülfen sick ogar zu Denunzianten hergegeben hatten. Auch die Allgemeine Vereinigung der BuchhandlungSgehülsen hatte eine mehr unter- nehmerfreundliche als gehülfenfreundliche Haltung in diesem Kampfe eingenommen, so dass der Kamps nicht mit Aussicht auf Erfolg weitergeführt werden konnte. Die BuchhandlungSgehülfen werden ich nunmehr wegen dieser Verrätcrei mit den Auchorganisationen auseinandersetzen. Husland. Ein Sieg der Lrhrergewerkschaft. Paris, 14. Dezember.(Eig. Ber.) In vereinzelten ländlichen Departeinenis, wo die isolierten Dorflehrer der Presston der Bürgermeister und Präfckten besonders tark ausgesetzt sind, war eS in den letzten Monaten der Regierung gelungen, die Mitgliedschaften der Lehrcrgewerkschaft zu schwächen und manche Regieruugsorgane sprachen schon von einem Zusammen- bruch der Lehrerbewegung. Eine gründliche Widerlegmiz dieser Behauptung bedeutet der Ausgang der vor einigen Tagen vor- genommenen Neuwahlen für den Lehrer-DcpartemeutSrat des Seine- Departements. ES ist dies die Körperschaft, die seinerzeit, als Ein neuer Bankkrach. Stettin. 17. Dezember.(W. T. B.) Die„Ostsee-Zeitung� meldet aus Stargard: Vorstand und Aufsichtsrat der Storgardre Bant haben heute mittag nach mehrstündiger Sitzung beschlossen, die Zahlungen einstweilen einzustrUen. Der Bcschlutz ist gefaßt worden, weil man das Ergebnis des Vorschlages auf Bewilligung eines Moratoriums abwarten will, den die Bank vor einigen Tagen ihren Gläubigern unterbreitet hat. Es sind bereits wiederum über 199»00 M. Spareinlagen gekündigt worden. Die Kamarilla. Teheran, 17. Dezember.(Meldung des Reuierschen Bureaus.)' In Ucbereinstimmung mit einer gestern vom Parlament ge- faßten Resolution erklärt eine Kundgebung des persischen Volkes an die Mächte, daß der junge Schah von Personen beeinflußt ist» die gewöhnt an daö alte, despotische Regiment, die Verfassung ver- letzen. In dieser Kundgebung werden alle Rationen der Welt auf- gefordert, das persische Volt bei der Verteidigung seiner Rechte zu unterstützen. Tie beleidigten Ungarn. Budapest, 17. Dezember.(W. T. B.) Abgeordnetenhaus: Graf Theodor Batthyanh besprach den im österreichischen Parlament angenommenen Antrag, in dem die österreichische Re- gierung angewiesen wird, die ungarische Regierung darauf auf- merksam zu machen, daß sie daö Nationalitätengesetz aufrichtig durchführen solle. Der Redner bezeichnete die Annahme dieses Antrages als eine Infamie.(Stürmischer Beifall. Der Präsident ruft den Redner zur Ordnung.) Dieser stellte fest, dass kein öfter- reichischcr Minister gctzcn diesen Beschluß das Wort ergriffen und die Einmengung in die inneren Angelegenheiten Ungarns zurück- gewiesen habe. Graf Batthyany ersuchte den Ministerpräsidenten, seine Pflicht zu erfüllen und auf das energischste vorzugehen, damit für diese Verletzung der Nuabhängigkcit Ungarns Genug- tuung geboten werde. Ministerpräsident Weierle ergriff unter grosser Spannung das Wort und sagte, der gestern gefaßte Beschluß des österreichischen Parlaments sei beispiellos in der Geschichte der Völker, da jene Grenzen überschritten worden seien, welche die Beziehungen der Völker zu einander regeln. Ich habe Grund und das Recht, vorauszusetzen, sagte Wckerle, dass die österreichische Re- gierung jene Weisung, die ihr das Parlament erteilte, nicht be- folgen, sondern diesem Beschluß gegenüber Stellung nehmen wird. Sollte eine österreichische Regierung sich finden, die diese Weisung befolgt, so wird jede ungarische Regierung einen ähnlichen gegen die Unabhängigkeit des Staates gerichteten Eingriff entschieden zurückweisen. Ich mutz, schloß der Ministerpräsident, unS für daS zugefügte Unrecht Genugtuung verschaffen, sowie die Garantie er- halten, daß diese Insulte nicht ohne Ahndung bleiben; auch dürfen wir ähnlichen Insulten künftighin nicht ausgesetzt sein.(Allge- meiner Beifall.)_ Hafenarbeiterstreik in Easablanca. Paris, 17. Dezember.(W. T. B.) Aus Easablanca wird vom 14. d. Mts. gemeldet, dass sämtliche eingeborene Hafenarbeiter in den Ausstand getreten seien, obgleich ihre Löhne infolge der Besetzung der Stadt durch die französischen Truppen erhöht wurden._ Wie wür's mit Scheiterhausen? Rom, 17. Dezember.(B. H.) Der Papst hat das Komitee, welches die Pilgerfahrten nach Rom organisiert, aufgelöst. Es sollen fortan keine Pilgerfahrten«ach Rom mehr unternommen werden, solange die Freimaurer in Rom am Ruder sind. Streik der Droschkenkutscher. New Jork, 17. Dezember.(W. T. B.). Eintausend Droschken- kutschcr sind in den Ausstand getreten und verlangen Erhöhung der Löhne sowie kürzere Arbeitszeit. Verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil vcrontw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwättsBuchdr. u. Berlagsanstalt WaulSingerLeCo.» Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Nr. 295. 24. Jahrgang. 1. KkllM des.Amiirls" Kerlim PsldsdIM WiUiMlk 18. Zrimbn 1907. Die Ermordung des mazedonikl)en Revolutionärs Boris Sarafoff. Sofia. 15. Dezember.(Gig. Ber.) Wieder find zwei Opfer des rasenden BrudcrkampfeS im ?ager der mazedonischen Revolutionäre gefallen. Boris Sarafoff und Iwan Garwanoff. beide Führer einer der Hauptströmungen der mazedonischen Befreiungsbewegung. wurden durch die Kugel des Bandenchefs Paniza, eines An- Hängers von Jane Sandansky, niedergestreckt. Boris Sarafoff ist der Held vieler blutiger Schlachten gewesen, die dem türkischen Heere auf den mazedonischen(Sc- filden geliefert wurden. Er war 1303 der Hauptkriegsführer im großen mazedonischen„Aufruhr". Damals hatte der Sultan 300000 M. ausgesetzt für den, der ihm den Kops dieses un- erschrockenen Bandenchefs brächte.... Und jetzt ist SarafoffS Haupt durch die„brüderliche" Kugel Panizas durchbohrt.— Friedloser Zwist herrscht innerhalb der mazedonischen Or- ganisation. obwohl sich seit zwei Jahren ihre verschiedenen Flügel der Form nach geeinigt haben. Im Grunde sind es bedeutend voneinander abweichende Auffassungen über Ziel und Mittel, die Reibungen zwischen den verschiedenen Lagern hervorrufen; doch kommen auch noch starke persönliche Macbtstreitigkeiten hinzu. Die Gruppe Sarafoff glaubt, auf die Befreiung Mazedoniens durch die direkte Mithülfe der bulgarischen Re gierung hinwirken zu müssen. Das ist ihrer Meinung nach der einzige Weg, zum Ziel zu gelangen, wobei sogar die Möglichkeit, Bulgarien in einen Krieg mit der Türkei zu ver- wickeln, in Erwägung gezogen wird. Auch erhält diese Gruppe alle Geldmittel durch die bulgarische Regierung. Man bo schuldigt sie überhaupt, die niazedonische Bewegung an die bulgarische Hofkamarilla verraten zu haben, welche die mazc> donische Frage für ihre eigenen Zwecke in gewissenlosester Weise auszubeuten versteht. Das Kriegsgeräuich um Maze donicn ist ja das Ablenkungsmittel, unter dem es der Re gierung gelingt, ihre Mißbränche zu vertuschen. Die Richtung Sandansky ist dagegen der Meinung, daß die mazedonische Befreiungsbewegung im Grunde eine Sachs der im Innern Mazedoniens selbst lebenden Bevölkerung bleiben soll, deren Vertreterin die innere mazedonische Orgainsation ist. Man soll demgemäß diese Bevölkerung zunächst zu einer höheren Kultur erziehen, damit sie lerne, von den dereinst eroberten Reformen den rechten Gebrauch zu inachen, s dieser Gruppe befinden sich auch einige sozialdemokratische Mitläufer, wie eö der Mordnrtcilövollstreckcr Paniza einst selber war. Leute, deren demokratisches Empfinden ihnen gebietet, sich dem korrumpierenden Einfluß der Hof kamarilla in den mazedonischen Reihen zu widersetzen. Die Fehde zwischen den beiden Lagern nahm in der letzten Zeit einen großen Umfang an, und es kam zu der heerenden Kämpfen der Banden beider Flügel untereinander. Der T c r r o r i s m u s ist das Hauptkampsmittel auf beiden Seiten: ein Vorgehen, durch das die feindlichen Brüder in ihrem Kampfe wider die Sultausmacht sich selber schwächen Die Ermordungsszene selbst bietet ein abschreckendes Bei spiel der Tragik, die diesem sclbstzcrfleischenden Streite inne� wohnt. Ter Vollstrecker des Urteils seiner revolutionären Organisation. Todor Paniza. kaum L7 Jahre alt, ist ein bo geistertet, seiner Aufgabe leidenschaftlich ergebener Mann. Als das LoS, Sarafoff und Garwanoff zu töten, auf ihn gefallen war, inszenierte man in einer gemeinsamen Versammlung in Anwesenheit von Sarafoffs Freunden einen heftigen Streit zwischen Paniza und Sandansky. Danach begab sich Paniza nach Sofia, tvo er als angeblicher Neberläufer von der Gruppe Sandansky Annäherung an Sarafoff suchte. Bald war denn auch das Vertrauen Sarafoffs in Paniza so groß, daß er diesem die Organisierung einer Bande anvertraute und ihm die dazu erforderlichen Waffen und Geldmittel verschaffte. Vorgestern abend teilte Paniza seinen„Freunden" Sarafoff und Garivanoff mit, daß er nun nach Mazedonien gehen und Abschied nehmen wolle. Sarafoff lud Paniza und Garivanoff zu sich ins Haus. Nach einer freundlichen Unterredung, als Sarafoff um Mitternacht beide Gäste bis ans Haustor begleitete, zog Paniza im dunklen Korridor seinen Revolver, tötete die beiden Freunde und ver- schivand spurlos. Man sagt, er sei sofort über die Grenze gegangen. Die Polizei hat bisher seine Spur nicht gefunden, obwohl sie Haussuchungen in großer Zahl abhielt. Ihre ganze biöheiige Ausbeute beschränkt sich auf den Fund von einigen Dutzend Karabinern. Am Sonntag fand in Sofia die Beisetzung Sarafoffs und Garivanoffs statt. An ihr beteiligten sich Abordnungen der mazedonischen Vereine aus ganz Bulgarien, Armenien, aus Genf und Bukarest sowie weite Kreise der Bevölkerung. Die Häuser trugen Trauerschmuck. Eine offiziöse Depesche meldet: Sofia, 16. Tczcniber. Auf Ersuchen des Untersuchungsrichters besiblotz die sobrauje Aufhebung der Jiumuuität und A u S-- l i c f c r u n g des Abgeordneten Strafchiiniroff, welcher der iiNellekttiellen Milfchuld an der Ermordung Sarafoffs und Garwa» noffs bezichligt wird. Während der AiislicfcriingSdebaiten kam es zwischen dem der Regierungspartei angehörigen Abgeordneten Jvnoff und dem Nationalisten Siawoff im Sigungssaale zu einer Rauf- szenc, die in den Wandelgängen ihre Fortsetzung fand.... Parteitag der Sozialdemokratie Oftpreußens. Am Sonntag, den 1ö. Dezember, tagte in Königsberg der Parteitag für Ostpreußen. Von den 17 Wahlkreisen dieses Bezirkes waren nur zwei Kreise nicht vertreten, deren Delegierte plötzlich verhindert wurden, die Reise zu unternehmen. Im ganzen iwuen 31 Delegierte anwesend. Aus dem vom Parteisekretär erstatteten Tätigkeitsbericht des Agitationskomitces ging hervor, daß nach dem für die Provinz Ostpreußen so unglücklichen Verlauf der letzten Reichstagswahl die Organisation doch nicht gc- litten hat, wie allseits befürchtet wurde. Der Mitgliederbestand in den Äreisorganisationen hat sich im allgemeinen nicht nur gut gehalten, sondern ist in mehreren Vereinen ganz beträchtlich gc- stiegen, trotz des Mangels an Kräften und der unzureichenden Mittel, die für die Agitation zur Verfügung standen, und obgleich die Gegner noch nie mit solch gemeinen Mitteln des Tcrrorismus, der Lüge und Verleumdung der Aufklärungsarbeit der Sozial- demotratic entgegengearbeitet haben wie während und nach der letzten RcichLtagswahk. Lebhafter Beifall der Delegierten und der zahlreichen Zuhörer wurde einem zündenden Vortrag des Genossen H a a s e über„Diepreußische Wahlrechtsfragc" zuteil. Bon großem Interesse, auch für weitere Partei- und Gewerk sckaftskreise, war die Verhandlung über den Punkt der Tages Ordnung:„Die Landarbeiterorganisatio n". Nach einem ausführlichen Referat des Parteisekretärs, Genossen Linde, über dieses Thema setzte eine lebhafte Diskussion ein. Es handelte sich darum, ob die Landarbeiter weiter vom Zentralverband der Fabrikarbeiter Deutschlands zu organisieren seien oder ob, wie der Referent befürwortet hatte, für die Landarbeiter eine eigene Organisation zu gründen sei. In Anbetracht der Tatsache, daß es dem Verband der Fabrik- arbeiter, dessen Mitgliederzahl sich im allgemeinen in den letzten Jahren nahezu verdoppelt habe, im Laufe von 17 Jahren nicht ge lungen ist, nennenswerte Erfolge bei der Organisation der Land arbeiter zu erringen, eine andere bestehende Gewerkschaft aber nicht in Frage kommen kann, ist nach Ansicht des Referenten die Gründung einer eigenen Landarbeiterorganisation unbedingt not Ivendig. Tie politische Organisation allein genügt schon lange für die Landarbeiter nicht mehr. Die Rechtsverhältnisse der Lanb arbeiter in den verschiedenen Bundesstaaten sind so ungleiche, daß da« Hineindenken und Hineinleben in die verschiedenartigen Land- arbeiterverhältnisse nur einer Verwaltung möglich ist, die sich allein mit dieser Materie beschäftigen könne. Fabrikarbeiter und auch die im Westen und Mitteldeutschland arbeitenden Schnitter» kolonncn, Akkordschnitter und Erntearbeiter beziehen Wochenlöhne von 13 bis 22 M. und darüber, während die Landarbeiter der äst- lichen Provinzen, die sich auf Jahresverträge vermietet haben, ihren Lohn in der Hauptsache in Naturalien, Ackerland und Wohnung, aber nur sehr geringen Barlohn(monatlich L bis 10 M.) erhalten. Auch das erschwert die Organisation der Landarbeiter im Fabrik- arbeiterverband. Die unorganisierten und unaufgeklärten Landarbeiter sind den Gewerkschaften als Lohndrücker und Streikbrecher gefährlich. In der Politik bilden sie die konservative Wählermasse, die die re- aktionären Mehrheiten in den Parlamenten bilden helfen. Partei und Gewerkschaften sind daher gleich interessiert bei der Lösung der Frage der Landarbeiterorganisation. Beiden muß sie über- tragen werden; so auch wird man nur in der Lage sein, solch eine voraussichtlich kostspielige Organisation dauernd zu unterstützen. Der Referent empfahl daher folgende Resolution: „In Erwägung, daß die wirtschaftlich elende und rechtlich unwürdige Lage der Landarbeiter, die unter einem schlimmen Ausnahmegesetz stehen, außer durch die Tätigkeit der sozialdema kratischen Abgeordneten in den Parlamenten nur durch eine selbständige Landarbciterorganisation gehoben werden kann; in weiterer Erwägung, daß im Hinblick auf das geringe Einkommen der Landarbeiter eine solche Organisation nur ge- meinsam von Partei und Gewerkschaften geschaffen und durch dauernde tatkräftige Unterstützung seitens beider Körperschaften erhalten und ausgebaut werden kann, ersucht der Ostpreußische Parteitag den Varteivorstand, gemeinsam mit der General- kommission der Gewerkschaften Deutschlands die Gründung einer selbständigen Landarbeiterorganisatio» in die Wege zu leiten." In der Diskussion, die ein« sehr ausgiebige und lebhaste war, traten fast alle Redner im Prinzip für eine eigene gewerkschaftliche Landarbeiterorganisation ein. Insbesondere schilderten Kenner der Landwirtschaft, unter anderen der Großgrundbesitzer Genosse Hofer-Skaisgirren die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit solcher Organisation. Dann wurde die Resolution Linde ein- st i m m i g angenommen. Einstimmige Annahme fanden auch noch zwei Anträge bei diesem Punkte: I. Nachdem der Versuch der Junker und ihrer Regierung mißlungen ist, die Landarbeiter durch ein Kontraktbruchgcsetz zu knebeln, gehen die Junker mit aller Macht daran, die Land- arbeiter durch Bildung kleiner Zwerggütcr(„Rentengüter") an das platte Land und an sich zu fesseln. Weil die Rentengütcr absichtlich so klein geschaffen werden(5— 6 Morgen), daß sie den Besitzer und dessen Familie nicht ernähren können und diese so gezwungen werden, auf den umliegenden Gütern zu arbeiten, warnt der Parteitag die Landarbeiter, solche Güter zu erwerben. Wird der Plan der Großgrundbesitzer, überall solche Rentengütcr zu bilden, verwirklicht,, dann sind die In. habcr in ihrer Lohnarbeit völlig auf die umliegenden Güter angewiesen und die Junker können die Hungerpeitsche noch rücksichtsloser schwingen, als es ihnen schon jetzt möglich ist, wo der Landarbeiter ungebunden ist und nach Jndustricorten ab» wandern kann. Ebenso warnt der Parteitag die Landarbeiter bor allen anderen Versuchen, sich durch käufliche Erwerbung(Erbpacht u. a.) von Wohnhäusern seßhaft zu machen. 2. Um ein genaues Bild über die Lohn-, Arbeits- und Wohn- bedingungen der Landarbeiter zu gewinnen, und damit dem Gerede der Junker über die hohen Landarbeiterlöhne wirksam entgegentreten zu können, wird das Probinz-AgitationSkomitee beauftragt, statistische Erhebungen über die Lebenslage der Landarbeiter, der erwachsenen wie der jugendlichen anzustellen, und daL Resultat dieser Erhebungen baldmöglichst zu Veröffent- lichen. Ohne Debatte wurde cin Antrag angenommen: den Partei- vorstand zur Bewilligung der Mittel für die Errichtung einer Wanderbibliothek aufzufordern. Ferner soll der„Ostpr. Landbote" mehr wie bisher die Bekämpfung des Alkohol» mißbrauchs pflegen. Auch soll für Aufllärung der Arbeiter- jugend mehr getan werden. Zum Vorsitzenden des Agitationskomiteeö wurde Genosse Otto Braun gewählt. Em der Partei. SeenianiiSverbmid und Reichstagsfraktio». Wir erhielten folgende Zuschrift: „Die kritischen Auslassungen unseres Zentralvorsitzenden Genossen Paul Müller auf den, verflossenen Verbandstage des Secmannsverbandeö in Teutschland gegen die Stellung der sozialdemokratischen Fraktion des Reichstages bezw. einzelner ihrer Mitglieder bei Erörterung seemännischer Fragen im Reichstage gegenüber hat dem„Vonvärts" und anderen Partei- blättern in den Hafenorten zu einer scharfen und zum Teil recht persönlich zngespivten Kritik an Müllers Verhalten und Ausführungen Veranlassung gegeben. Die kritischen An- Merklingen des„Vorwärts" und der übrigen Parteiblättcr lassen den Schluß zu, daß e S sich bei der von Müller geübten Kritik und seinen >v e i t e r e n Ausführungen in d i e s e r A n g c l e g e n- h e i t lediglich um einen reinen per- sön lichen Vorstoß, um eine rein persönliche Meinungs- undWillenskundgebnug unseres Zeutralvorsitzenden gehandelt habe. Wir möchten im Juteresse der Sache diesen Schluß von vorn- herein als falsch bezeichnen und erklären, daß Müller die Kritik an der Haltung der Fraktion im vollsten Einverständnis des unterzeichneten Zcntralvorstandcs geübt hat. Wir billigen seine Aussührungen durchaus' zumal dieselben nicht nur zu- treffend uitd cinwandsfrci waren, sondern auch, weil seine zum Ausdruck gebrachte Auffassung in dieser Angelegenheit i n den Kreisen derseemännischenArbeiterschaft sehr stark verbreitet ist. Da auch Kritik an Müllers diesbezüglichen früheren kritischen AuSsührungen im„Seemann" in der Parteipresse geübt worden ist, wollen wir nicht unterlassen zu erklären, daß wir auch die diesbezügliche Stellungnahme Müllers im „Seemann" billigen. Wir erklären weiter, daß wir uns durchaus dem Müllerschen Abwehrartikel im„Seemann" der Kritik des„Vorwärts" gegenüber anschließen, weil die A r t, in der Kritik an Müllers Verhalten und Aussührungen geübt worden ist, eine scharfe Abivehr erforderte. Auch wir sind Parteigenossen und glauben deshalb zu der Erklärung berechtigt zu sein, daß es Müller vollständig fernliegt und ferngelegen hat, die Partei zu verhöhnen oder ihre Fraktion in unerhört und taktloser Weise anzugreifen. Müller hat nach dein uns vorliegenden Material ausgesprochen, was ist, und darin können wir eine Taktlosigkeit und Schmähung der Partei und ihrer Fraktion nicht erblicken. Seemanns-Verband in Deutschland. Der Zentralvorstand. I. A.: Fr. Köhler. 2. Vorsitzender. F. Waack. Hierzu haben wir zu bemerken, daß es uns nie eingefallen ist, den Kritikern der Fraktion irgend welche Schranken zu setzen. Was wir bemängelt haben, ist Ort und Zeit, da Müller mit seiner so- genannten Kritik einsetzte, und die in der Parteigeschichte unerhörte Drohung, die er aussprach. Und außerdem richteten sich unsere Be- Merklingen nicht gegen Müller als Vorsitzenden des Seemanns- Verbandes, sondern gegen Müller als Parteigenossen und sozial- demokratischen Reichstagskandidaten. Müller war als Delegierter auf dem Parteitage in Mannheim. Dort stand die Tätigkeit der Fraktion zur Debatte und dort hätten abfällige Bemerkungen über die Tätigkeit oder Unterlassungen der Fraktion vorgebracht werden müssen, wenn nach Ansicht eines Genossen die Fraktion falsch gehandelt oder etwas unterlassen hatte. Dort schwieg Müller. Zum Parteitag in Essen sandte er keine» Antrag, der die Fraktion aus ihre„Unterlassungen" aufmerksam machte. Selbst in dem Geschäftsbericht an den BerbandStag stimmt er auf Seite 36 der Fraklwn zu. Alle Erklärungen Müllers klaren den Widerspruch zwischen diesem Geschäftsbericht und der Rede Müllers nicht auf. Im Geschäfts- bericht heißt es, die Seeleute verdanken ihrer Bewegung und der sozialdemokratischen Fraktion die Besserungen. Und in der Rede sagt Müller, die sozialdemokratische Fraktion hat den Seeleuren gegen- über so sehr ihre Pflicht verletzt, daß die Seeleute sich au die Parteien wenden müssen, die alle die von den Sozialdemolraten beantragten Besserungen bekämpft haben. Was war nun in der Zeit zwischen der Abfassung des Geschäftsberichts und Ende Oktober geschehen, das Müller cin Recht zu seinen Aeußernngen gab? In dieser Zeit konnte die Fraktion nichts getan oder unterlassen haben, wodurch die Interessen der Seeleute verletzt wurden, denn der Reichstag war gar nicht versammelt. Am 14. Mai wurde er vertagt. Der Umschwung in den Ansichten Müllers über die Fraktion trat also in einer Zeit ein. als der Reichstag nicht versammelt war, und darum behaupten wir. daß nicht eine Unter- lassung der Fraktion, sondern eine Sinnesänderung MiillerS Anlaß zu den Auseinandersetzungen gegeben hat. Im Interesse der Seeleute haben wir diese unerhörte Drohung gerügt, das Material, welches geeignet ist, die Forderung einer Besse» rung der Gesetzgebung für die Seeleute zu unterstützen, künftig nicht mehr der sozialdemolratischen Fraktion, sondern den Gegnern zustellen zu wollen, also den Vertretern der Parteien, die bei der Beratung der SeemannLordnung und dem Seeunfallversicherungsgesetz jede Verbesserung zu hindern suchten._ Gemeindewahlen. In V i n g st bei Köln wurde in der 3. Abteilung der sozial« demokratische Kandidat mit 22t Stimmen gegen 191 der vereinigten Klerikalen und Hirsch-Dunckerschen geivählt. In W i 3 m a r wurden im 4. Bezirk bei der Wahl in der 3. Klasse drei Sozialdemokraten mit 87—89 Stimmen gegen 28 bis 31 der Gegner geivählt. Die Sozialdemokratie hat in Wismar jetzt 16 Mandate, die gesamte Bertreterschaft der 3. Klasse ist in ihren Hällden._ Vom Fortschritt der Presse. Seit längerer Zeit schon ist die Abonnentenzahl der ,. V o l k s st i m m e" zu Frankfurt a. M. in stetigem Wachsen und besonders in diesem Jahre hat sie einen erfreulichen Ansschivung genommen, so daß die Partciinstaujen den Ankauf von geeigneten Gebäuden vornehmen mußten. Das Grnnd- stück Großer Hirichgrabe» 17 wurde erstanden. Der Umbau ist jetzt ertig und die Räume sind ihrer Bestimmung übergeben worden. Große helle Räume sind fiir die Redaktion und Expedition geschaffen. Auch für den Zeitnilgsvcrsaitd und das Druckercigeschäft sind neue Säle erstanden und eine neu aufgestellte Maschine besorgt neben der bereits vorhandene» eine schnelle Bedienung der Abonnenten. Ein prächnger großer Lichthof gibt den neuen Anlagen das Aussehen eines großen FabnkbetriebeS. Die Gebäude reichen vorläufig auf eine lange Reihe von Jahren und außerdem sind noch zwei große Flügel zur eventuellen späteren Benntzling vorhanden. Eine nachahmenswerte Einrichtung. Das„Hamburger Echo" teilte in seiner letzten SoniitagSnuimner mit, daß die Hamburger Parteibuchhandluug Sonntag, den 15. tiud 22. Dezember, von ll'/3 morgens bis 8 Uhr abends geöffnet sei. poUreUtebes, Gmchttichco ufw. Abgeblitzte KonsiimvereinSgrgner. Der Rabattsparverein in Stettin, der unter antisemniicher Leitung steht, führt seit Jahren einen gehässigen Kampf gegen den dorligcu Koilstimverein. Auf olche Angriffe hin wurde im.B o l kö b o te u" ein Artikel ver- öffeutlicht, der das Rabattmarkeusystei» einer kritischen Würdigung unterzog und daraus naheliegende Schlüffe drastischer Form zog. Dem Rabattsparverein wurde nebenbei über die Art seiner Agitation die Wahrheit gesagt. Durch alle diese Auslassungen fühlt- sich der Vor- stand des geiiainiteii VereiuS beleidigt und klagte gegen den verautwori- lichen Redakteur des„VolkSvolen" Genossen O u c s>' e l. DaS Schöffengericht sprach ihn aber frei, während die Strafkammer— als Berufiingsiiistanz— gegen ihn auf 50 M. Geldstrafe erkannte. Gegen dieses Urleil wurde von Quessel Revision eingelegt, die den Erfolg halte, daß die Sache ans Landgericht zurückverwiesen wurde, ivelches nunmehr auf Freisprechung erkannte. Da noch ver- ichiedeiie Klage» des RabattsparvereinS gegen den„Volksboten" und eine Klage des Vorstandes des KonsumveieinS gegen obigen Verein anhängig sind, ist das Urteil besonders beachtenswert I» die preußische Freiheit kehrte am Montag Genosse Zander von der Frankfurter„V olksstimme" zurück. Er hat'e durch eine Kritik der bc— kannten Jnsterburgcr Schießaffäre sich 2 Monate Gefängnis zugezogen, da. wie c» in dem Urteil hieß, die Presse nicht verpflichtet sei. solche Urteile zur Kenntnis ihrer Leser zu bringen. An anderen Orten erfolgte wegen derselben Sache Frel- sprechung. Em Induftm imd Kandel. Verein dentscher Eisen- nnd Stahlindnstrieller. Auf der am Montag in Düsseldorf stattgefundenen General- Versammlung des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller mackte Generalsekretär Bneck bei Erstattung des Geschäftsberichtes verschiedene interessante Bemerkungen. Zunächst bedauerte er. dost die Großindustrie seit dem Ablebe» des Herrn Stumm keine tat- kräftigen parlamentarischen Vertreter mehr habe. Mit der national- liberalen Fraktion sei man nicht zufrieden, die Großindustriellen würden ihr Verhältnis zu dieser Partei wohl ändern müssen.— Da wird man Herrn Bneck ein Mandat verschaffen müssen mit der Weisung, sich den Freikonscrvativen anzuschließen. Bei Besprechung der wirtschaftlichen Lage bemerkte er nach der„K. Ztg.", es unterliege keinem Zweifel, daß die Eisen- und Stahlindustrie gegenwärtig noch reichlich beschäftigt sei. Dafür spreche auch die Tatsache, daß die Roheisenerzeugung in den ersten 10 Monaien des laufenden Jahres keine Abnahme erfahren und auch der Verbrauch im Oktober mit 1 183 670 Tonnen sich auf derselben Höhe gehalten gehalten habe wie im Oktober des vorigen Jahres.— Wenn Herr Bneck die gegenwärtige Lage zeigen wollte, mußte er die Produktion des letzten Monats berücksichtigen. Und dann hätte er konstatieren müssen, daß der Versand des StahlverbandcS im November dieses JahreS bei Formcifen auf 85 091 Tonnen zurückgegangen ist von 129 921 Tonnen im November des Vorjahres, und daß auch der Versand von Halbzeug eine Einbuße von rund 4000 Tonnen er- litten hat. Aber trotz der Schönfärberei sieht Herr Bueck eine trübe Zukunft, weil die Eisenindustrie nicht genügend durch— Zölle ge- schützt sei. ES fei daher notwendig, schon jetzt Vorbereitungen zu treffen, um nach Ablauf der bestehenden Handelsverträge einen für die Eisenindustrie günstigeren Zolltarif durchzusetzen.— Da erkennt man die nationalen Politiker. Weil bei niedergehender Konjunktur die vom Kartell diktierten Preise sich doch nicht wie gewünscht halten lassen, müsien die— Schutzzölle weiter erhöht werden. So macht sich die Eisenindustrie auf Kosten der anderen das Leben leicht, und das nennt man.Schutz der nationalen Arbeit". Sodann wurde verlangt Herabsetzung der Gütertarife und Erhöhung der staat- lichen Auftragsbestände an rollendem Eisenbahnutatcrial. Bei dieser Forderung entdeckte Herr Bueck seine soziale Ader. Wegen des Wagenmangels hätten die Arbeiter von August 1906 bis 1907 eine Lohneinbuße von rimd 600 000 M. erlitten. Und im laufenden Jahre sei der Wagenmangel noch größer gewesen.— Einmal heißt es, der Mangel an Arbeitern habe eine weitere Steigerung der Kohlen- Produktion verhindert, dann wieder liest man, Wagenmangel sei an der unzureichenden Förderung schuld.— Natürlich brach Herr Bueck auch eine Lanze für die Syndikaie und betonte mit besonderem Nach- drucke die Notwendigkeit, durch Stäiknng der Organisation gegen die Arbeiter zu rüsten. Das werden sich hoffentlich besonders die Metallarbeiter merken. Die Auslassung des Herrn Bueck sollte die Gelben mit der Nase daraus stoßen, daß sie die Geschäfte der Industriellen besorgen, zu ihrem eigenen und der Gesamtheit Schaden._ Preisherabsetzung. Wie berichtet wird, hat der Verein für den Verkauf von Siegerländer Roheisen den Preis für Spiegeleifcn für das erste Vierteljahr 1908 um 5 Mark für die Tonne ermäßigt, und es sind hierzu für diesen Zeitraum schon größere Posten Spiegel- eisen gekauft worden. Die.Kölnische Zeitung" meldet aus Nürn- berg: Der Verband deutscher Messingwerke ermäßigte die Grund- preise von 147 auf 139 Mark für Blechs und von 137 auf 129 Mark für Stangen. Außerhalb des Verbandes stehende Werke bieten noch bedeutend billiger an. Braunkohlen-VerkaufSgemrinschast. Eine Versammlung der Braun- kohlenwerke der Niederlansitz beschloß die Gründung einer Verkaufs- Gemeinschaft unter der Firma Ricdcrlausitzer Brikelt-Verkaufsgesell- schaff m. b. H. In der Verkatlfsgemeinschast ist eine Brikettproduktion von rund 4 Millionen Tonnen vereinigt. Die Sirnirns-Schuckrrt-Wcrke erzielten im letzten Geschäftsjahre einen BetriebSgewmn von 17 321 580 M. gegen 12 547 852 M. im Vorjahre. Nach Abschreibungen in Höhe von 5 410 003 M. jim Bor- jähre 2377 895 M.) verbleibt ein Reingewinn von 10165 531 M. gegen 8998 721 M. im Vorjahre. Der aus die Gesellschafter zur Verteilung kommende Gewinnbetrag stellt sich auf 8 986 538 ,M. gegen 8 092 387 M. für das Jahr 1905/06. Die ElcltrizitätS-Aktien-Gesellschaft vormals Schlickert u. Eo. in Nürnberg hat nach dem Geschäftsbericht ar.s Anlagen, Unternehmungen und Effekten einen Gewinn von 5 330 232 M. erzielt gegen 4 251 300 M. im Vorjahre. Der Reingewinn stellt sich auf 3 882424 M.(im Vorjahre 3 204 134 M.). Die Siemen?«. Halske-Aktien-Gesellschaft brachte einen Geschäfts- gewinn chon 10 974 825 M. heraus. Nach Absetzung von 1 379 409 M. für Abschreibungen verbleibt ein Reingewinn von 8 717 363 M. gegen 7 964 729 M. im Borjahre. Die Aktionäre, die im Vorjahre„nur" 10 Proz. erhielten, erhalten diesmal 11 Proz. Lohnhrrabsryungen in der Eisenindustrie. In Dortmund haben eine größere Anzahl von mittleren und kleineren Betrieben des Eisen- und MetallgewerbeS im Einvernehmen mit ihren Arbeitern bis auf weiteres eine Lohnherabsetzung von zirka 15 Proz. vor- genommen. Die Betriebsleitungen gaben den Vertretern der Ar- beiter Aufschluß über den gegenwärtigen Stand der Arbeitsgelegenheit und stellten die Arbeiter vor folgende Wahl: entweder müßten die Betriebe Arbeiterentlasiungen vornehmen, oder es müßten jede WoÄe ein paar Feierschichten eingelegt, oder endlich eö müßte eine 15prozentige Lohnherabsetzung für die nächste Zeit vorgesehen werden. Die Arbeiter waren grundsätzlich gegen Eutlaffimgen, aber nach einiger Neberlegung auch gegen die Einlegung von Feierschichten. Sie entschieden sich für eine vorübergehende allgemeine Lohnherabseyung. wobei ihnen ziigesichert wurde, daß bei einer einsprechenden Hebung des Auftragsbestandes die alten Löhne alsbald wieder in Kraft treten sollten. Die„ArbeitSm.-K." bemerkt dazu:„ES ist nicht ausgeschlossen, daß die jetzige Lohn- Herabsetzung schon zum Frühjahre ivieder wegfallen kann. Das Bor- gehen der Dortmunder Betriebe ist in jeder Beziehung beachtenS- ive-t: einmal deshalb, weil die Betriebsverwaltungen den Vertretern de. Arbeiter die augenblickliche Lage mit weitgehender Offenheit dar- legten und nicht über die Köpfe der Arbeiter hinweg beschließen, sondern mit diesen zusammen sich über die zu ergreifenden Maß- regeln besprechen wollten. Sodann aber haben auch die Arbeiter dadurch, daß sie Entlassungen auf alle Fälle zu vermeiden suchten. ein gutes Beispiel gegeben. Ob in dem vorliegenden Falle die Lohnherabsetzung der Einlegung von Feierschichten vorzuziehen war. das entzieht sich für den Fernerstehenden einer richtigen Beurteilung." Änse in Ainerika. New?1ork, 6. Dezember. Während diekapitalistische Presse die Situation noch immer so darstellt, als ob man es nur mit einer durch die„ternporäve Störung des Geldmarktes" ver- anlaßte Stockung zu tun habe, lassen die über die bedeutendsten Industrien in fast allen Landesteilen eingehenden Nachrichten als sicher erscheinen, daß wir es mit einer tvenigstenS partiellen industriellen Krisis zu tun haben. Seit der schweren Krisis von 1893 bat die Konzentration der hauptsächlichsten Industrien riesige Fort- schritte gemacht, und da die an deren Sjitze stehenden..Generäle der Industrie" stets genau über den Stand deS Weltmarktes unterrichtet sind, so schränken sie die Produktion beizeiten ein. wenn „Gefahr im Anzug" ist. Damit ist dann für die in diesen Jndu- strien überzählig gewordenen Arbeiter die Krisis in vollem Maße da, indem sie den Winter und Sommer über keine Aussicht auj lvnstige Beschäftigung haben.(Nur während der Erntezeiten wäre dies zum Teil der Fall.) Aber auch für die noch in Tätigkeit bleibenden Arbeiter fällt etwas ab. Die Unternehmer benutzen die schöne Gelegenheit, um die Löhne herabzudrücken, worüber jetzt täglich Nachrichten eingehen.— Ein starker Prozentsatz der auS dem Ausland stammenden cntlaffcnen Arbeiter kehrt in die Heimai zurück.— Obwohl angeblich im„Geldmarkt" wieder normale Zu- stände herrschen, werden an den Eisenbahnen und einer Reihe In- dustrieortc die Löhne noch immer zum großen oder größten Teil in Schecks ausgezahlt. Ja, dieses„System" hat sich in der letzten Woche noch weiter ausgebreitet. Und die Minenarbeiter in Gold- ficld, dem bedeutendsten Golddistrikt Nevadas, sind gegenwärtig die einzigen, welche sich dagegen wehren und zum Streik gegriffen haben.— Bei der Untersuchung verschiedner der hiesigen Bauken und Trust-(Vertrauens-) Gesellschaften hat sich ergeben, daß mit den Geldern derselben in der wildesten Weise gcwirtschaftet worden ist. So hatte die Brooklyn Borough-Bnnk u. a. auf eine..Gemälde- sammlung alter Meister", welche für den Zweck von einem mit 40 Dollar pro Woche honorierten Künstler„zusammengemalt" worden war. ein hohcö Darlehen gegeben. Ter frühere Präsident dieser Bank hat Selbstmord begangen, wie vorher schon sein Kollege von der„Knickerbockcr Trust Co.", welche ihrerseits die Selbst- entleibung mehrerer ihrer Depositoren..auf dem Gewissen hat", welckie über den vermeintlich in Aussicht stehenden Verlust ihres Geldes in Verzweiflung geraten waren. Em der frauenbe�egung. Ein großer Schlag— ins Waffer. Der Bildungsvcrein für Frauen und Mädchen in Lichtenberg sollte, wie wir seinerzeit berichtet haben, gegen die heilige preußische Vereiusgesetzordnung verstoßen haben, indem er sich mit politischen Angelegenheiten beschäftigte. Solche verbotswidrige. siaatSgefährliche. gesellschaftsstürzende Betätigung war erblickt worden in der un- bestreitbaren, polizeilich protokollierten Tatsache, daß in einer Ver- sammlung ein Redner über— preußische VoltSschiilverhältuiffe ge- sprocken hatte. Man denke: in einem Bildungsverein wird über Schulverhältnisse gesprochen I Doch das Auge des Gesetzes wacht. Der Ucbcrwachende löste die staatSgeföhrliche Versammlung auf, die Behörde ordnete die Schließung des ftaatSgefährlichen Vereins an und der Staatsanwalt leitete gegen die drei Vorstandsmitglieder ein Strafverfahren ein. Im Verlauf diverser Monate scheint dein Staats- anwalt jedoch die Erleuchtung gekommen zu sein, daß VolkSschutftagen sozusagen dock auch Bildungsfragen sind und daß eine Erörterung dieser Angelegenheit vor Gericht gerade nicht geeignet sei. daS Konto „polizeiliche und staalSanwaltliche Mißgriffe" zu entlasten. Diese ErlenntniS sehen wir in dem folgenden: Beschluß. In der Strafsache gegen 1. die Frau Anna Hoffmann geb. Gebauer, 2. die Frau Helene Golisch geb. Maynbardt, 8. die unverehelichte Johanna Krumm. wegen Vergehens gegen§Z 8, 10 der Verordnung betreffend da? VersammlungS- und BereinSrecht vom 11. März 1850 werden auf Antrag der königlichen StaaiSanwallschaft die drei genannten An- geschuldigten au» dem tatsächlichen Grunde deS mangelnden Be- weises außer Verfolgung gefetzt. Die vorlänsige Schließung des.Vereins für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse Lichtenberg" wird aufgehoben. Die Kosten deS Verfahrens fallen der StaalSkaffe zur Last. Berlin, den 3. Dezember 1907. Königliches Landgericht HI. Strafkammer 2. gez. Haafe, Frankel, Mennecke. Ausgefertigt. Berlin, den 9. Dezember 1907. Ziegenbalg. als Gcrichtsschrciber deS Köngl. Landgerichts III, Strafkammer 2. Nun dürfen die Lichtenberger Frauen wieder über preußische Schukverhälwiffe sich unterrichten lassen— wenn die Polizei es nicht durch Versammlungsauflösung verhindert. Hoffentlich wird die Behörde nun auch bald die Antwort finden auf die ihr wegen der damaligen Bersammlungsauflösung zugegangene Beschwerde. Bürgerliche Dicuftbotenfreundr. Die kräftige Entwicklung der freien Dienstbotenorganisation hat im katholischen und evangelischen Lager einen unglaublichen Eifer erweckt. Ueberall melden sich Freunde, die sich der Sache annehmen, so daß die bürgerliche Frauenbewegung zurzeit einem aufgestörten Ameisenhaufen gleicht. Der fromme.Reichsbote" bat jetzt auch dem Erguß eines Mitarbeiters Raum gegeben, dem wir einige niedliche Geständnisse entnehme». Wir erfahren zunächst, daß die Dienstboten- frage eine der wichtigsten Fragen des sozialen Leben? der Gegen- wart ist. Wohlgemerkt, erst seit sich die Sozialdemokratie der unter- drückten und rechtlosen HauSiklaven angenommen hat. andernfalls würde den Frommen die Dienstbotenfrage ebenso gleichgültig sein. wie die Frage der türtischen Haremsfrauen. Ferner wird geklagt, daß jetzt schon durch die Steigerung der Löhne und des Schwindens des ZusammeiigehöngkeitSgeflihks zwischen Herrschaften und Angc- stellten erster? sich nach Hütfskräften umsehen müssen, dadurch werde aber„das Gefühl der Zugehörigkeit, daS bisher die Kinder des Volke? mit ihrer Dienstherrschaft verband, mehr und mehr gelockert." Dadurch bilde sich ein Verhältnis heraus,„daß sich analog der durch Klassengegensätze und sosialdeniokrn tische Verhetzung getrübten Stellung der Arbeiterschaft zu dem Fabrilherrn zum Nachteil der Dienstherrschaft, wie be'onderS auch der Angestellten selbst entwickelt." Daß die Löhne der Dienstmädchen exorbitant hoch gestiegen sind, können wir absolut nicht finden. Und von dem familiären und harmonischen Verhältnis zwischen Herrschaft und Dienstmädchen war früher ebenso wie heute, wenig zu merken. Daß die Dienstmädchen sich nicht mehr alles gefallen lasten wollen, daß sie sich von der Herrschaft und deren Angehörigen das„gemütliche Du", noch die Rüpeleien der lieben Sprößlinge verbitten, kurzum. wenn das, was man unter gebildeten, gesitteten Mer.schen Selbstgefühl und Standesbewußlsein nennt, bei den„dienenden" Schichten znm Turchbruch gelangt, so kann das nur als ein Zeichen des Furt- schritts und der kulturellen Entwickelung angesehen werden. Das aber hassen die christlichen Demagogen. Daß die Dienstmädchen mit den Lehrlingen verglichen und au« eine Stufe gestellt werden, wollen wir noch besonders hervorheben. Weiter meint das fromme Haupt. die Erfüllung unserer Forderung bezüglich Abschaffung der Gesinde- ordnnng würde die„häusliche Erziehung" der Dienstboten unter- graben. Da seht die Freunde! Gleichen Kolibers sind die Ausführungen einer adligen Dame in einem anderen bürgerlichen Blatte. Sie' berichtet über ein Referat von der kürzlich ftottgefundenen evangelischen Dienstboten-Konferenz. an der allerdings durchweg„Damen" teilnahmen. Die Ergebnisse der Tagung sind die folgenden: Hausftauenorganisationen sollen gegründet werden, natürlich zur Belehrung der Hausfrauen über die Pflichlcn gegen ihre Dienstboten. Ein Dicnstvertrag sowie„HauS- dicnst-AuSichüsse" sind in Aussicht genommen. Geioäbrung eines LkraukengeldzitschnsseS(was längst schon gesetzlich festgelegt sein sollte), ferner— bitte nicht lachen— Errichlung einer„Aussteuer- kasie"(I), die aus den Ersparnissen der— Dienstmädchen unter- halten werden soll. DaS ist doch neth fürwahr I Auch Jungfrauen- Vereinigungen und Wohlfahrtsausschüsse sollen errichte« werden: die Hauptsache aber ist und bleibt:„religiöö-sitlliche Erziehung der Dienstboten". To kommt die Sozialdemokratie freilich nicht mit. Wir ver- langen ja für die Hausangestellten mir Anerkennung des von unserer Seite ausgearbeiteten DienstboteiivertragcS, sowie menschenwürdige Behandlung. Wahrung der persönlichen Freiheit und Abschaffung der Gesindeordnimg. Diese Forderungen beleidigen den Geldbeutel und den Herrschaflsdüukel der Besitzenden, deshalb suchen sie mit allerhand wertlosen SchönheitSpslästerckien die häßlichen Auswüchse der Heuligen Hanssklaverci zu verdecken. Unsere Aufgabe soll ek sein, mit dem Humbug aufzuräumen. HandlungSgehülfcn«nd Frauenarbeit. In den Kreisen der HandlungSgehülien macht sich in neuerer Zeit ein moderner Zug geltend und ein Teil von ihnen vermag sich ans die Daner nicht der Einsicht zu verschließen, daß sie in dem Bestreben, die Francuarbeit auszurotten, einem Phantom nachjagen. Darob ist nun im kaufmäiiiiischen Lager ein heftiger Streit cnt- braiint, der zu einer Spaltung führte, indem der Verein der denlschen Kaufleute rasch entschlossen zur Griniduiig ciner HandlungS- gchülfinnen-Orgaiiuation schritt, der er aus seinem letzten Delegierten- läge alle bisher vorenthaltenen Rechte einräumte. Auch der Leipziger Verband der deutschen HandlungSgehülfen.erkennt jetzt die Frauen- arbeit im Handelsgewerbe als einen vollberechligten Faktor an, verkündet Achlung vor der Kollegin und hofft, den Nach- teilen, den die.starke Zunahme der weiblichen Arbeitskräfte nach sich ziedt. dadurch zu begegnen, daß er die Berufsbildung der Frau fördert." Neben dem Fvribildungsschnlzwmig verlangt er gleiche Lehrzeit für beide Geschlechter und zwar, wie der Beriasser des Artikels offenherzig schreibt:„allerdings mit dem Hintergedanken, daß dadurch der Zustrom gehemmt und infolgedessen die ivcibliche Konkurrenz eingeschränkt werde". Hier kommt der Pferdefuß zum Vorschein. Einen größeren Gefallen könnte man den Herren wirklich nicht erweisen, als ihnen vier Jahre hindurch die Tochter deö ProletarialS als Botinnen und kür sonstige„LehrkingSarbciten" un- entgeltlich zur Verfügung zu stellen. Das muß man dem Teutscbnationalen HandlungSgehülfen- Verband lassen, konseguenter ist er jedenfalls wie leine OefinmingS- brüdcr von den übrigen Verbänden. Er verlangt nach wie vor unentwegt Abschaffung der Frauenarbeit, HerallSdrängimg der Frauen auS dem Handelsgewerbe. So lange das kaufmännische Proleiariat au» seinem TtandeSdünkel nicht zum Klassenbewußtsein erwacht, so lange werden seine Bemühungen, seine Lage zu ver- bessern, erfolglos bleiben._ Versammlungen— Veranstaltungen. Rcinickcntwrf-Ost. Mittwoch, 18. Dezember, bei Hoffmann. See- und Aegirstraßcn-Ecke: Vortrag. Frau Albetzky:„DaS WeihnachlSfest". Gcridnö-Zeitung. Nachzügler vom Milchlricge beschäftigen noch immer die Gerichte in Form von BeleidigungS- klagen. Uebcr eine solch» hatte gestern die 8. Strafkammer zu befinden. ES standen sich der Vorsitzende deS Verbandes der Milchhändlergenoffenschaft, Milchpächter Carl Lulav und Dr. C. J. Enge!, der frühere wissenschaftliche Beirat des Vereins zur Bc- kämpfung der Säuglingssterblichkeit gegenüber. Erstcrcr unter Beistand des Rechtsanwalts Dr. Flatau, letzterer unter Beistand deö Rechtsanwalts Brückmann. Als die Wogen des MilchkriegeS sehr hoch gingen und die Milchhändlcr zum Vertrieb dänischer Milch übergingen, erließ der Verein zur Bekämpfung der Säug- lingssterblichkeit ein Merkblatt, in welchem vor der dänischen Milch gewarnt wurde. Der Verband der Milchhändler veröffentlichte darauf ein Flugblatt:..An die Einwobner Groß-BcrlinS" und tritisicrtc darin die Tätigkeit des Vereins zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit in sehr abfälliger Weise. EL wurde darin ausgeführt, daß der Verein sein Ziel, die Säuglingssterblichkeit zu vermindern, nicht erreiche, vielmehr infolge der wissenschaftlich verfehlten Methode deö Dr. Engel gerade daö Gegenteil eingc- treten ist, da sich die Säuglingssterblichkeit vergrößert habe. ES wurden in dem Flugblatt auch einzelne tatsächliche Behauptungen aufgestellt, z. B. daß die Fütterung der dem Verein unterstehenden Kühe in unzulässiger Weise geschehe, daß altes Bettstroh zum Lagern der Kühe verwendet werde, daß Polizeiverordnungen mit ihren positiven Verboten seitens des Vereins übertreten würden. daß der Verein in Wahrheit nur die Interessen der agrarischen Milchzcntralc betätige und fördere usw.— Hiergegen veröffentlichte Herr Dr. Engel eine scharfe Abwehr, die alle tatsächlichen Angaben des Flugblattes für bewußte Unwahrheiten erklärte. Darauf wurde von Herrn- Lulay und zwei anderen Herren des Vorstandes deS MilchhändlervcrbandeS die Beleidigungsklage gegen Dr. Engel angestrengt, die dieser mit der Widerklage beantwortete. Letztere gründete sich auf den Inhalt des Flugblattes und den von der Gegenseite dem Gericht eingereichten Schriftsatz, der die Anwendung des K 187 begründen sollte und deshalb mehrfach den Ausdruck„Verleumdung" in Anwendung brachte. Das Schöffen- gericht sprach seinerzeit beide Parteien frei. DaS Gericht nahm an, daß beide Parteien in gutem Glauben an den Inhalt ihrer Veröffentlichungen gehandelt haben, daß ihnen der Schutz des � 193 zur Seite stehe und aus der Form eine Absicht der Be- leidigung nicht hervorgehe. Hiergegen hatte nur Herr Dr. Engel Berufung eingelegt. DaS Landgericht kam aber nach längerer Verhandlung zur Verwerfung der Berufung. Das Gericht stellte fest, daß das Flugblatt eine Erwiderung sei gegen daS Merkblatt deS Vereins, auf dem auch der Name des Dr. Engel verzeichnet war. DaS Flugblatt sei nicht gegen letzteren gerichtet gewesen, sondern gegen den Verein und habe dartun wollen, daß der Verein nicht die Eriolge erziele, die er erstrebe. Schon objektiv liege eine persönliche Beleidigung deS Dr. Engel nicht vor, sollte eine solche aber doch herausgelesen werden, so stehe den Wiederangeklagten der Schutz des§ 193 zur Seite. Behauptungen wider besseres Wissens seien in keiner Weise nachgewiesen. Was den inkriminierten. von Dr. Flatau herrührenden Schriftsatz betreffe, so enthalte er formell keine Beleidigung, denn bei der Anwendung„verleumderisch" handle es sich doch nur um einen gesetzlichen Ausdruck, dessen Anwendbarkeit zur Begründung einer Klage auS§ 187 nicht verschränkt werden könne._ Ter Riesen-BetrusSprozelf» über dessen Beginn vor der 3. HülfSstraftammer des Landgericht» I wir vor mehreren Wochen berichtet hatten, ist nunmehr gestern endlich zu Ende geführt worden. Der Ingenieur und Agent Karl Rohlmann war vor der Strafkammer wegen ciner großen Anzahl DarlebnSschwindelcien angeklagt, die er in der Weise verübt hatte, daß er sich von Darlehnssuchcrn vorher eine Gebühr zahlen ließ, für welche angeblich eine Auskunft eingeholt werden sollte, Diese Auskünfte, welche von einem Winkclauskunftsburcau gc- liefert wurden, lauteten sämtlich ungünstig und der Angeklagt: behielt die weit über die Kosten der Auskunst hinausgehende Ge- bühr für sich. Dieser betrügerische Gcsihäftsbetrieb brachte dem Angeklagten einen großen Verdienst ein, bis sich eines TagcS die Kriminalpolizei, bei der ganze Stöße von Anzeigen gegen Röhl- mann eingegangen waren, ins Wittel legte und den Angeklagten. verhaftete. In der Strafsache gegen ihn wurden über 269 Zeugen vernommen, die zum Teil wegen, allzu großer Entfernung ihres Aufenthaltsortes vom GcriclitSsitze kommissarisch vernommen wer den mußten. Infolge des kolossalen Zcugenapparatcs dauerte die Ver- Handlung annähernd vier Wochen. Das Gericht verurteilte den Angeklagten schließlich wegen fortgesetzten Betruges dem An- trage des Staatsanwalts gemäß zu einem Jahre Gefängnis, Bin der unverantwortlichen Polizei. Aus Halle a. S. berichtet man uns unterm 16. Dezember: Die Bankangestellten Sauer und Bahn von der Sächsischen Effekten» dank klagten vor dem Schöffengericht gegen den Redakteur Oliersch von der„Posener Zeitung" wegen Beleidigung. Der Beklagte hatte im Juli in seiner Zeitung eine Notiz veröffentlicht, nach der er vor dem Ankauf von Wertpapieren warnte, da den Angeboten solcher Papiere mit Mißtrauen zu begegnen«värc. Die Anbieter der Papiere wären sofort der Polizei zu überliefern. Die Privat» klägcr fühlten sich durch die falsche Notiz schwer beleidigt und ver- langten die Bestrafung des Redakteurs, da jene Warnung schlimmer als ein Steckbrief erscheine. Der Vertreter des Beklagten berief sich aber darauf, dag der Redakteur jene WarmingSnotiz von der Posener Polizei mit dem Ersuchen um Veröffentlichung erhalten habe. Tic Polizei sei auf Grund des Allgemeinen LandrechtS befugt, Warnungen zu veröffentlichen, um das Publikum vor Schaden zu schützen. Auf bestimmte Personen habe sich die Warnung nicht bezogcin Dag Wertpapiere in der Provinz Posen angeboten worden seien, sei richtig. Polizeiassesior Dr..Auerbach und Kriminalkommissar Schulz von Posen geben zu, die Warnung in drei Zeitungen lanziert zu haben und der Vertreter der Privatkläger wies darauf hin, daß die Posencr Polizei ausicrordentlich unvorsichtig gehandelt habe. Das Gericht erkannte an, dasi die Notiz beleidigend ist, sprach den Beklagten, der nicht rechtswidrig gehandelt habe, aber frei. Von einem Vorgehen gegen die Polizei versprachen sich die Kläger nichts. Der vorstehende Fall ist geeignet, Richter darüber aufzuklären, daß sie völlig nebenbei hauen, wenn sie einen Redakteur ver- urteilen, der wahre Tatsachen verbreitet, von denen nicht alles bis auf das Tipfclchcn über dem i nachzuweisen ist. Der Polizei stchn ja reiche Mittel zu Gebote, um die Wahrheit zu ermitteln, und trotzdem veröffentlicht sie, wie dieser Fall zeigt» höchst un- vorsichtig nicht hinreichend geprüfte Behauptungen. 7» Pfennige— 6 Monate Gefängnis. Ter Handelsmann F. Heinrich hatte der Tochter einer seiner Kundinnen eine Anzahl Käse zum Kauf aufgedrängt unter dem falschen Vorgeben, die Mutter des Mädchens habe ihn beauftragt, diese Ware abzuliefern. Er erhielt dafür 2 M., während die Käse angeblick? nur lPO M. wert seien. Das Landgericht Magdr- bürg sah dies als Betrug an, da er sich einen rechtswidrigen Ge- winn verschafft und das Vermögen der Kundin um 70 Pf. geschädigt habe. Er büßt diesen Frevel als rückfälliger Verbrecher mit sechs Monaten Gefängnis; das drakonische Urteil wurde vom Reichsgericht am Montag bestätigt. Sind Gesetze, die solche Bluturteilc vorschreiben, mit gesunde»! Rechtsempfinden vereinbar?_ Ter sittliche Pfaffe. Wegen Sittlichkeitsverbrcchen>var der Pastor Alwin Eduard Böttcher vom Landgericht Hildesheim zu 7 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er hatte sich an einer Konfirmandin vergangen. Als er von der Mutter dcö Kindes zur Rede gestellt wurde, äußerte er:»So hat sie es Ihnen doch erzählt!" Tarauf verlegte er sich aufs Bitten, doch von einer Anzeige abzusel>en. Er sei jetzt 11 Jahre Seelsorger in der Gemeinde, und sie wollten doch um des lieben Friedens willen Freundschaft halten. Vor Gericht wollte er sich an nichts mehr erinnern können, gab jedoch die Möglichkeit der Verfehlung zu. Er entschuldigte sich damit, daß er unter Ausschluß der freien Willensbestimmung gehandelt habe. Das Land- gcricht stellte fest, daß auch seine Dienstboten unter des Pastors unzüchtigen Angriffen zu leiden gehabt hätten. Die Revision, in der Pastor Böttcher Ablehnung von Bcweisantrögcn rügte, wurde am Montag vom Reichsgericht verworfen. Ein cefci!cskiindil>er Veaniter. Ein Slrasniandat erhielt ein Parteigenosse in Benrath bei Düsseldorf, weil er sich an einer Agitation für unser Parteiblatt beteiligt hatte, ohne im Besitze einer— Gewcrdelegitimation zu sein. Diesen Witz hat der Polizcikommissar in Benrath aus- ersonnen, trotz aller Vorhaltungen war er nicht zu bekehren. Das Gericht muh ihm nun noch bescheinigen, daß er nicht einmal die kür ihn hauptsächlich in Betracht kommenden Gesetzesbestimmungen kennt. Hätten wir Vorschriften, die eine tatsächlich wirksame Ver- ontwortlict'kcit der Beamten wie z. B. in England garantieren, so wären solche und tausend andere Anklagen unmöglich. Versammlungen. Eine Vranchcnvcrsammliing der Eise»-, Metall- und Revolver- brcher, die gut besucht war, hielt der Deutsche Mctallarbcttervcrband am Souutag in den Musikcr-Festsälcn ab. lieber die Arbeits- Verhältnisse der Dreher in den Werken Volta-, Brunnen- und Acker st raße der Allgenr einen Elcktrizitätsgescllschaft referierte W e g n c r. Nach einer historischen Einleitung gab er auf Grund einer letzthin ver- aiistaltetcn Umfrage eine Nebersicht über die jetzigen Arbcitsvcr- hältnissc in den verschiedenen Abteilungen der genannten Werke. Zur Frage der Arbeitszeit ist meist angegeben worden:„Normal 2 Stunden"; beim Vorkommen von Schichten mit dem Hinzufügen: bei Schichten 8 Stunden. Ganz vereinzelt sind auch 8 St'ntden als normal angegeben worden. Die Einzelfcststcllungen betrafen immer je eine bestimmte Abteilung. Bezüglich des Ucberstunden- Wesens und„SchichtcnschiebenS" liegen die Dinge recht verschieden. Neben Abteilungen, wo cS nicht vorkam, und solchen, wo cö nicht so sehr in die Erscheinung trat, gab es andere, die den Unwillen der Versammlung erregten. So machten z. B. in einer Abteilung mit 42 Drehern und 16 Revolvcrdrehern 24 Kollegen bis zu dreu Ucbcrschichtcn pro Woche. Diese Kollegen, meinte Redner, seien dringend zu ermahnen, der 1200 arbeitslosen Dreher zu gedenken. Ter Akkordstundensatz, der„geschrieben" wird, ist auch recht ver- schieden. Vielfach wurde in den Antworten auf die Umfrage betont, daß„ständige" oder„häufige" Streitigkeiten wegen Redu- zierung oder versuchter Reduzierung der Akkordprcisc vor» kommen. Auch Klagen über die Behandlung durch bestimmte Meister oder Vorarbeiter sind laut geworden. Zu erheblichen Unzuträglich- leiten führte der Versuch, der in einer oder zwei Abteilungen mit Einsührung der amerikanischen Arbeitsmethode gemacht wird. —- Zusammenfassend tonnte Redner feststellen, daß in den Ab- tcilungen, wo die Kollegen am besten organisiert wären, auch die Arbeitsverhältnisse ain erträglichsten seien. Genosse Eduard Bernstein hielt dann einen intcr- cssantcn Vortrag über:»Tie jetzige wirtschaftliche Lage unter de- sondcrcr Berücksichtigung der Maschincnindustrie". An den Vortrag, der lebhaften Beifall sauo. schloß sich, keine Diskussion. Dagegen wurde nunmehr über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Dreher in der A. E. G. rege diskutiert. Aus den Ausführungen ergab sich für die Dreher die Lehre, daß sie noch mehr zusammenhalten müßten, um den Mißständen abzuhelfen und einer Verschlechterung vorzubeugen. sozialdemokratischer Lese- und Tiskutierklub„Heine". Heule abend 8>/z Übe Sitzung bei Bolze, Rodcnbergstr. 8. Lese- und Tiekutierklild„Südost". Heute abend 8'/, Uhr bei TollSdorf, Möelltzceslr. S8: Sitzung. Gäste willkommen. Tr«tfch>er Nrbcitcr-Zkbsti»entc»b>iiid. Ortsgruppe Berlin. Heute abend'Iß Uhr im„Konlgsladt-Kasino", Holzmarktstr. 72: Vortrag. Gäste willkommen!_ Ternufcbtcs. Blinde Buchdrucker. Unter dieser Ucberschrist läßt sich die„B. Z. am Mittag" aus Paris schreiben, daß der Blindenlehrer Eriiest Vanghan den Blinden ein neues Gewerbe eröffnet habe, nämlich die Bnchdruckerlnnst. »Seine Erfindung ist sehr einfach und darum sehr praktisch. Er bat nämlich Setzkästen fiir die Blinden konstruiert, die»m'ere gewöhn- ticken Buchlettern enthalten. Nur ist an jedem Behälter der Buch- stabe der Blindeuschrift angebracht worden. Der Blinde erlernt es iebr bald, sich in diesen Kästen zu orientieren, und vermiltelst seines Tastgesühles gewinnt er sehr schnell eine große Uebnng in der neuen ihm cNivloffencn Kunst." Diese blinden Setzer haben den sehenden Setzern das eine voraus, daß sie sich nicht wie die letzteren mit dem schlecht leser- ticken Manuskript herumzuärgern brauchen. Ob die Blinde» nicht auch noch ohne Druckfehler setzen, wird uns leider nicht verraten. Gin schweres Unglück ereignete sich nach einer Meldung aus Nordhausen zwischen Halle und Kastel. In der Nähe von Groß- Werlber wollte ein Geführt die Gleise passieren, alö der Wärter gerade die Schranle niederließ, so daß der Wagen weder vor- noch rückwärts komite. In diesem Augenblick näherte sich ein SchncNzng und überfuhr das Gefährt. Der Kutscher B>öder und die beiden Pferde wuiden sofort getötet, ein anderer Kutscher rettete sich reckt zeitig dnrcb Abspringen. Die Frau deS Gelöteten, die sich zufällig an der Unglücksstelle befand, brach vor Schreck ohnmächtig zusammen. Geriiftciiistnrz. Nach einer Meldung ans Graz stürzte in dem benachbarten W a l t e n d o r s ein Gerüst ein. Zwei Arbeiter wurden tödlich, zwei leicht verwundet.' Ein Familiciitiranm. Der Fabrikbeamte Knbal in Taur erschlug einer Meldung aus Eger zufolge, aus Eifersucht seine schlafende Ehefrau und dmchschuilt sich dann selbst den Hals. Der Mörder hinterläßt vier Kinder._ SchiffSunfälle. Wie au» Trieft gemeldet wird, sollten gestern abend 3tX1 sfos- Wanderer in einem Leichterschiff zu dem Answandererdampfer.Gcrthy" gebracht werden. Kurz vor der Ankunft bei dem Dampfer stieg eine große Anzahl der AuSivandercr ans Deck deS Leichters, welches unter ivren, Gewicht zusammenbrach. Drei Personen wurden schwer. 21 tctcht verletzt. Wie au» London gemeldet wird, ist der englische Schooner .Galaia" i» der Nordsee gesunken. Nachdem die Besatzung 24 Stunden lang mit dem Tode grläinpft hatte, gelang eS dein dänischen Schooner »Pekere»", die Schiffbrüchigen anfzunehmen. Dieselben wurden gestern in Dover an Land gebracht. Die Grnbenexplosio» bei Jolonde. lieber die Grubenkatastrvph« bei Jolonde liegen heute weitere Meldimgen vor. ans denen hervorgeht, daß eine Anzahl Menschen limS Leben gekommen sind. Aus Birmingham im Staate Alabama wird gemeldet, daß bei der Explosion 90 Arbeiter verschüttet wurden. Nur 14 konnten bisher lebend zutage gefordert werden. 50 Leichen wurden geborgen. Eine andere Meldung besagt, daß von den bei der Explosion in dem Bergwerke bei Jolonde Verschütteten nur 35 Leichen geborgen sind._________ eingegangen« Druckfcbriften. Von der»Neuen Zeit" sSlultgart. Paul Singer) ist soeben da« Ii. Heft de« 2/, 619 U'U Ntir abcnde statt.«icössllet? Ilde. ToiniabendS beginnt dir Sprechstunde am<1 lldr. Jeder iilnfrag»>it ein Vuchilabe nnd eine.stabt als Merkzeichen belziifüge». Briefliche'Ilutwort wir» nicht erteilt. Eilig» Jrngen«rage man in der Sprechstunde vor. Viederutan«. Das Aibcitcrsekreiarial bcsindet sich Engeluser 15. Die Berusnng würde aussichtslos sein, wenn etwa der Verstorbene Unsall- oder Invalidenrente bezogen hat— F. D. 0. 1. Die Rückz>ihlung könnte noch immer geltend gemacht werden. 2. Das Datum müßte der Einzahlende angeben: er war ja im Besitz der Oniltung. 3. Gebühren cnlstehcn nicht. 4. Die Klage wäre beim Gericht anzustellen.— G. ZV. Teilen Sie dem betrefscndcn, angeblich Bevollmächligten mit, daß Sie die Miele aus Grimd einer notariell beglaubigten Bollmacht ihm aushandigen würden, oder hinterlege» Sie die Miete.— K. St. 48. Die Münzpreisc sind uns un« bekannt. Sie ivcchseln außerordentlich.— K. 4. Unseres Wissens ja. Zweckmässig ist cö aber, früh, kurz nach 11. zu ci scheinen. — M. Z. 13. 1. Der Bräutigam. 2. Etwa 20 M. monailich.— L. W. 141. Ja, das Normale ist ungefähr drei Psund.— Slniia. Wenden Sic sich an die SlislnngSdepulation, Poststr. 16.— H. R. 21. Melden Sie sich beim Polizeipräsidium, dann haben Sie zunächst ein Vorcxavicn beiul Arzt zu bestehen(Rechnen, Lesen, Sedsähiglcit und dergl.), bicraus werden Sic in die Liste der Hcbammcn-Anwärlcrinnen eingetragen. Nach etwa zwei bis 3 Jahren erfolgt die Aufforderung, eine» sechsmonatigen Kursus in der Eharitee mitzumachen. Die Kosten betragen 300 M. Nach'Absolvierung deS Kurses erfolgt die Hebamineiiprüfung und Zulassung als Hebamme.— O.®. 20. Eine Porttcisrau unterliegt der Krankenversicherung nicht, in der Regel aber der JnvalidcnvcrsichcrungSpflicht. Bestehen Zweiscl a» der JnvalldenversichcrungSpflichligkcit, so erholten Sie von der VersichcrungS- anftalt, am Köllnischen Markt, im Einzcljall Auskunft.— R. Ä>i. Nein. — 21. K. 57. 1. Legen Sie im Termin den Sachverhalt dar und warten Sie de» weiten Verlaus ab. 2. Ob in der Aussage ein Meineid gesunden werden kann, hängt von der Gesamlsachlage ab.— P. fr. W« Selbstverständlich nicht. Der schroffe Ton ist wiederholt von uns kritisiert worden. — tu. F. Die betreffenden find nicht wahlberechtigt.— Rodtkc. Wir führen leine Prozesse, Sic müsse» sich direkt an einen Anwalt wenden. — 21. R. 101. Der jüngere Beschluß ist güllig.— W. T. 19. 1. Leider ja. 2. Die juristische Sprechstunde dehnt sich hnnsig bis zehn nnd lpätcr au». Einen Anspruch ans Abfertigung habe» aber nur die, die bis acht c> scheinen.— E. St, 101. Ihre Nichte lönnle einen dahin acrichtetc» Antrag an das Vormnndschastsgericht stellen.— R. 52. Nein, Sie haben nur das Recht, aus Beschaffung der nötigen Reparatur und aus Schaden- ersah zu klagen.— Bredow 28. Richtig ist: Der und der trögt ein Gc« dicht vor.— H. G. 010. 1. In solchem Falle würde nicht- die sechs« wöchige, sondern eine vierzehntägige Kündigungsfrist bestehe», weil kein Gesindeve, bältnis vorliegt. 2. Die Arbeit nach der vereinbarten Zeit lörnien Sie ablehnen. 3. u. 4. Legen Sie das Sie betreffende SachvirbällniS genauer dar. Sind Sie von einem OfsizlcrSkastno engltgiert, so gehören Sie nicht zum Gesinde. Sind Sic von einer Herrschast engagiert, so würden Sic Gesinde fei».— P. B. 19. Höchst unwahrscheinlich. — Jalousicarbeiter. Monatlich 20 M. gelten als nngcmeffcn.— I. M. 39. Uns ist die belreffcnde Kasse nichl bekannt. Wenden Sie sich an Gc- nassen SiinanowSki, Engeluser 15.— G. 2. Ja.— K. 8. Beantragen Sie Abweisung der Klage. Legen Sic dar, wie der Sachverhalt gewesen ist und beantragen Sic, eventuell Ihre Schivcslcr als Zeugin zu hören.— W. Tch. 50. Der erste Termin aus dem Gcwcrdcgcrichl Ist lediglich ein BergleichSIermi». Zu dem zweilen werden die Zeugen geladen, können auch mitgebracht werden. Eine eidceslalllichc Versicherung wäre zwecklos.— W. 101.' 1. bis 3. Die Höhe der Kosten richtet sich nach der Höhe de! Objekts, Ein Anwalt ist nicht ersordcrltch, ebcniowciiig die vorherige Ein- seiidung von Geld. 4. Leider ist da jetzt nichts mehr zu machen.— RowaiveS. 1. Ja. 2. Sie müssen einen dahin gerichtete» Antrag an die Gemeinde richten. — C. K. 100. Ihre Ansprüche gehen aus den, Kastenslalut hervor, daS in Ihrem Btsih ist, eventuell aus Antrag von der Kasse Ihnen gegeben wird. Witternngsübersicht vom 17. Dezember 1907. SloNonrn Iii Ii *> E i"E H£ 5 ®? i- Silin I Swinemde"76 NNW 2 bedeckt U'o Hamburg 777 SSO Berlin 777 Ri» Franks. a M 777 SO München>770 SO Wien 782 NNW 2 bedeckt 2 bedeckt 1 heiler LtvoUenI 1 wollig » K n-- A Ü ß? H& — 1 0 0 -1 —9 —3 Wettcr-Prognose»ur Mittwoch, de» 18. Dezember>907. Ein wenig kälter, zeitweise ansklarend. vielfach nebelig bei schwachen nordwestlichen Winden: leine wesentlichen Niederschlage. An unsere Inserenten, welche Inserate größeren Umfanges für die nächste Sonntags-Nummer aufzugeben beabsichtigen, richten wir die höfliche Bitte, dieselben bis Donnerstag nachmittag 5 Uhr in unserer Haupt-Expedition aufzugeben. Verlag des„Vorwärts". „Sciilafe paetnt". Proisl. gratis u. fronlco Vcrsd. nach anstvfirts. - Mittwoch— Donnerstag— Freitag- verabfolgen wir trotz unserer billigen Preise und neben der Gewährung von Rabatt-Marken bei einem Qee'mt- Einkauf von I I 5» c» -tv>"W ZT T vi ev � �2 Ii O S| 'o y? t*"Ssl p H «O<3 i A Aus es.fiiOaBon von dieser Vergünstigung sind Genussmittel und wenige andere Artikel, bei welchen wir an Verkaufspreise gebunden sind Wir bemerken ganz besonders, dass die Photographie- Bons auch für Kinder- Aufnahmen berechtigen. f 5° Co �& CZ Z � s— es � 55 K» Co Z � Co . folstMztsii. Solide Preise. Teilzahlung gestattet. k'P. noi-jxQNIQl'ttSP, Berlin Frnchtstrastc S8. lepplleellLii ®, kauft man am preiswertesten t�Ar jelit nur direkt in der Fabrik IZorlin C., Prenzlaucrftr. IIa. 8. Strohniand ei. Alte Steppdecken werden aufgearbeitet. �fflte�errenartikel,!! yelzroaren. BW GrSsttr Auswahl in HerrenhQten, Schirmen, wasche, Krawatten und Sticken. ntttzpn f. Knaben u. Madchen. Bon I Man S•/« Raball. 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Sdlnic Ks.Amiirls" f ctlintt Mittwoch, 18. AtMber 1907. Partei- Hngelcgenbciten. Marieiifrlde. Den Genossen zur Nackricht, daß am DonnerStaa, den 19. Dezember, abends 8 Uhr. eine Mitgliederversammlung des ÄZahlvereinS stattfindet. Tagesordnung: 1. Die jüngsten Vorgänge in der Gemeindevertretung. 2. Diskussion. 3. Bereinsangelegen- bciten und Verschiedenes. Ehrenpflicht eineö jeden Genossen ist es, für regen Besuch zu agitieren. Gäste, auch Frauen, haben Zutritt. _ Der Vorstand. Berliner JVacbrichten* Der Weihnachtsbaum. Vor einigen Tagen standen sie noch im winterlichen, schweigenden Walde und träumten vom kommenden Frühling, von Vogelsang und Sonnenschein. Aber jäh ward ihr schöner Traum zerstört. Einige rasche Axthiebe und sie lagen, in der Blüte der Jugend geknickt, am Boden. Rasche Hände griffen sie und warfen sie rückwärts auf den Wagen, der sie von der mütter- lichen Scholle weg. auS der heimlichen Waldesruh nach der nächsten Eisenbahnstation brachte, wo sie wie die Heringe auf- ciuandergepackt. die Reise nach der Großstadt antraten. Und nun stehen sie im Kot der Straße, im Glänze der vielen Lampen und blicken verwundert und traurig in das beängstigende Gewühl des Vcrkehrlebens. 500 000 dieser jugendlichen, immergrünen Waldkinder sollen in Berlin an- gekommen sein, eine stattliche Zahl, die allenthalben aus den Plätzen und Straßcuzügen sich gleich kleinen Wäldchen auf- gestellt haben und mit ihrem frischen tiefen Grün und ihrem ozonhaltigen Duft bei den Vorübergehenden eine Weihnacht- liche Stimmung hervorzaubern. Vorläufig halten die Händler noch streng auf Preise, während sich die Kauflustigen mit dem Gedanken trösten, daß sie vor Toresschluß immer noch einen Baum bekonuuen und zwar zu einem er- mäßigten Preise. Tatsächlich sind im vorigen Jahre beträchtliche Mengen Tannen übrig geblieben und mußten vernichtet werden, andererseits mußte so manche ärmere Familie, die ihre kleinen Lieblinge gerne nnt einem Bäumchen erfreut hätte, ohne ein solches aus- kommen. Haufenweise konnte man aber noch wochenlang die unverkauften Tannen auf den Plätzeu liegen sehen. Auch ein sprechendes Zeichen unserer idealen Zustände. Wie so manche„Anleihe", die das Christentum bei den alten heidnischen Vorfahren gemacht, ist auch der Tannenbaum aus dem vorzeitlichen Hcidenkultus auf uns überkommen. Ist er doch das Sinnbild, das Shnibol des immergrünen, nie ver- siegenden Lebensbaumes, des Sieges der licht- und fegen- spendenden Sonne über die finsteren Schicksalsmächte. Heule ist der freundliche Baum kein Privileg irgend einer religiösen Glaubensgemeinschaft, köck und mutig hat er sich einen Platz in jedem Heim erobert, gang gleich, ob die Eigentümer ihren Gott in Gestalt eines alten, weißbärtigen, allgütigcn und strafenden, segnenden und fluchenden Mannes anbeten, oder ihn in der unendlich großen, wunderbaren und erhabenen Natur verehren und einen Geist als Genius der Freiheit und Erlösung, als Rächer allen Unrechts betrachten, der de-' rufen ist, die vielgebrauchte Phrase aller Heuchler und Mucker, Friede auf Erden! in die Tat innzusetzen. In der gestrigen Sitzung der städtischen Icrkchrsdepntation gelangten eine Anzahl von Angelegenheiten zur Beratung und Beschlußfassung, die keine weittragendere Bedeutung Häven. Von größerem Interesse war nur die erstmalige Festsetzung des Etats für den städtischen Straßenbahnbetricb. Die Eröffming dieses Betriebes ist nunmehr für das zweite Quartal des nächsten Jahres in Aussicht genommen und als von sozialdemokratischer Seite dem Befremden über diese abermalige Verzögerung Ausdruck gegeben wurde, erklärte der Dezernent, zu einem früheren Termin könne nien nicht auf die genügende Zahl von Schienen rechnen. Die Schienen seien seit langein in Auftrag gegeben und zwar beim Stahlwerksverband, der die einzige Stelle sei, bei der bestellt werden könne. Der Stahlwerksvcrband seinerseits bestimme die Fabrik, die die Bestellung auszuführen habe, und die Fristen, innerhalb derer geliefert werden solle. Auf irgendwelche Bindung dieser Fristen lasse sich der Verband überhaupt nicht ein. Man sei eben völlig vom Stahlwerksvcrband abhängig! Aus einem kleinen Beisviel zeigt sich hier wiederum, welch ungeheuerliche wirtschaftliche Macht in den Syndikaten, dem Stahfl werlsverband, dem Kohlenshndikat u. a. vereinigt ist. und wie rück- sichtslos diese Macht zum Vorteil des Verbandes und zum Schaden für die Interessen der Allgemeinheit ausgeübt wird. KrankcnhauLkosten und Wahlrecht. Gestern tagte unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Reicks die wegen„Herbeiführung einer gesetzlichen Bestimmung, daß die in Form von ÄrankenhauSbehaiidlinig gewährten Armenunterstützungen für de» Verlust des Wahlrechts nicht in Bckract» kommen", ein- gesetzte, ans Mitgliedern des Magistrat? und der Stadtverordneten- vcrsamnilung bestehende Deputation. Dieser gehörten von uni'erer Seite die Genossen Singer und Stadlhagc» an. Nach längerer Debatte gelangten zwei Anträge Singer- Kämpf zur Ab- stimmung. Der e r st e ging dahin: den Magistrat zu ersuchen, in Erwägungen darüber zu treten, inwieweit es möglich ist, für die Personen, welche Krankenhanspflege empfangen haben, aber die Kosten nicht vorauszahlen können, die Wahlberechtigung aufrecht zu halten. Dieser Antrag wurde c i n st i m m i g angcnominc». Ein weiterer, von denselben Antragstellern unterzeichneter Antrag, bei dem Reichstage um Erlaß eines Gesetzes vorstellig zu werden, das festlegt, daß die Gewährung von KrankenhauSuuterstützung in Form von Kraiikenhausbehandlung die Wahlberechtigung nicht beein- trächligt, wurde mit Stimmengleichheit abgelehnt. Für die Ab- lchnung war das Motiv maßgebend, der Antrag erübrige sich, Ivenn der Magistrat einen Weg im Sinne des ersten Antrages mit der Stadtverordnetenversammlung vereinbare. Hervorgehoben werden mag, daß der Magistrat von Siegen um das Wahlrecht den Siegen ern nicht durch Gewährung von Kraiikenhausbehandlung zu bceinlrächtigen. u. a. im Anfang dieses Jahres beschlossen hat: der Verlust eines Wahlrechtes tritt auch dann nicht ein, wenn Auf- nähme in einem Krankenhause gewährt ist, falls die Natur der Krankheit diese Aufnahme erforderte. Unsere Fraktion im Noten Hause hat bekanntlich seit langem zu dem gleichen Zweck Unentgelt- lichlcit der Krankenhausbehandlung verlangt. Der Berliner Armenvcrwaltnng znr Nachachtnug. Eine nachahnienslverte Verfügung hat die Charlotten- hurger Armendirektion an ihre Kommissionen erlassen. Sie sucht den alten Grundsatz„doppelt gibt, wer schnell gibt" zur Geltung zu bringen. Wie anderswo, hat die Armendirektion die Beobachtung gemacht, daß die Erledigung von Unter- i stützungsgesuchen hin und wieder außerordentlich verzögert worden ist. Die Gesuche liegen zu lange bei dem Kom | missionsvorsteher, ehe sie ein Ärmenpfleger zur Prüfung et hält. Obgleich der Armenpfleger Eile empfiehlt, dauert es so doch längere Zeit, bis ein Beschluß der Kommission herbei geführt wird. Den Armenkommissionen wird deshalb von neuem die schleunige Erledigung aller ihnen zugehenden Unterstützungsgesuche zur Pflicht gemacht. Besonders bei Per- soncn, die noch keine Unterstützung erhalten haben, sollen sie sich stets die Lage der HülfSbedürftigen vor Augen halten. Der Bedürftige hat ein Gesuch eingereicht und tvartel nun von Tag zu Tag, daß jemand erscheine, um seine Lage zu untersuchen chnd ihm zu helfen. Durch schnelles Eingreifen zur rechten Zeit und mit den rechten Mitteln können häufig viel höhere spätere Aufivcndungen entbehrlich werden. Einem Ilnterstützuiigs- gcsuch, namentlich von ungeübter Hand, kann man häufig nicht ansehen, ob nicht größte Eile geboten ist, um unwider- dringlichen Schaden zu vermeiden. Auch die Geschäftsstelle der Armendirektion bearbeitet alle Gesuche und Anträge mit größter Beschleunigung, nötigenfalls in Ueberstunden. Diese Verfügung verdient alle Anerkennung und Nach- ahmung, nicht zuletzt in Berlin. ES genügt nicht, Wenn alle nach dem Mühlendamm pilgernden Armen nach Schema 1? nach dem Zimmer 36 oder 36 verwiesen und hier nianchmal in einer Weise abgesimden werden, die schon längst allgemeine Erbitterung hervorgerufen hat. Auch in Berlin ist zu rügen, daß es Armenvorsteher gibt, die Gesuchstcller ohne weiteres abweisen, ohne überhaupt ihr Gesuch zu Protokoll genommen und geprüft zu haben._ Tie Allgemeine Berliner Omnibusgesellsmaft hat, nachdem jetzt die Tarisfragc vorläufig geordnet ist, die Kündigung von vier Linien beim Polizeipräsidmn zurückgezogen. Der Betrieb der Ge- scllschaft bleibt also in dem bisherigen Umfang aufrechterhalten. Dagegen hat sie beschlossen, mit dem Ende des Jahres am 31. De- zembcr eine Linie wegen mangelnder Benutzung eingehen zu lassen. An ihre Stelle wird am 1. Januar eine neue Linie treten. Ein- gestellt wird am Silvesterabend der Betrieb der Linie 26 Moritz- Platz— Wintcrfeldtplatz. Neu eröffnet wird dafür am NeujahrStag eine Linie bv mit der Bezeichnung Blücherplatz— Schöneberg. Tie neue Linie geht vom Blüchcrplatz durch die Bcllcallianccstraßc, die ?)orkstraßc, Göbenstraßc, Potodamerstraße und Gruncwaldftraße vis zur Ecke der Martin-Luthcrstraßc. Dort erhält sie ihre End- haltstelle bei dem neuen Amtsgericht. Mit der Speisung hungernder Schulkinder beschäftigte sich am Montagabend der Sladlverordneten-Auöschuß, der zur Vorberatung der Magistratsvorlage über die Einstellung erhöhter und neuer Zu- Wendungen sowie von Beiträgen in de» StadthauShallSetat für 1993 eingesetzt war. Nach langer Beralung wurde beschlossen, der Ver- sanunlung folgenden Antrag zu unterbreiten:„Die Stadtverordneten- Versammlung ersucht den Magistrat, sofort noch für diesen Winter Einrichtungen zu schaffen, welche es ermöglichen, daß diejenigen Schulkinder, die nach erfolgter Feststellimg im elterlichen Hause warmes MittagSessen nicht bekommen können, ein solches gegen Zahlung der Selbstkosten in der Schule erhalten. Kindern be- dürftiger Eltern kann dieses Essen kostenlos gegeben werden, wenn die Rektoren oder die Cchulkoinnrissiouen solches für notwendig er- achten. Die Gewährung von freiem Essen soll nicht als Armen- Unterstützung gelten." Eventuell wird der Magistrat ersticht, dem Verein für Kinder- Volksküchen in Berlin neben den in diesem Jahre bereits zu- geweiidetc» 3609 M. weitere 12 000 M., also zusammen 18 000 M Unterstüvimg zu gewähren. Hierüber soll dem Plenum sofort, d. h. noch vor Weihnachten, berichtet werden._ Unter der Bcrantioorlnng eines Pastors. Der„KindcrrettungSverein" in Berlin, eiir An- hängiel des Berliner„HauptvereinS für innere Mission", bemüht sich, für u n e h e l i ch e K i u d e r d i e V ä t e r zu ermitteln und diese zur Erfüllung ihrer Pflicht gegen Mutter und Kind an- zuhalten. Die Verantwortung für die Tätigkeit dieses„Kinder- rettungsvereinS" wird von einem Pastor Wilh. Pfeiffer getragen. Herr Pfeiffer führt die„Generalvormundjchaft" über viele Hunderte unehelicher Kinder, und in seinem Namen werden auch vom Bureau deS Vereins die Briefe versandt, durch die die Väter an ihre Pflicht gemahnt werden. Vor Monaten berichteten wir. daß einer dieser Briefe an eine falsche Adresse geraten war. Ein verheirateter Mann— wir nannten damals auf feine ausdrückliche Bitte feine volle Adresse: Tischler meist er Otto Scheibe, Fruchtstraße 36a— erhielt vom„KiiiderrellungSverein" uuterm 13. Juni die Auf- foiderung, sich als Vater eine» am 27. Mai geborenen unehelichen Kindes zu bekennen. Herr Sch. wurde durch diese Zuschrift, die mit seiner richtigen Adresse versehen war, nicht wenig überrascht. Da er unschuldig war, wie das Kind selber, so lief er zum Bureau deS Vereins und forderte Aufklärung. Zunächst antwortete man ihni keck, eK stimme schon, eine Verwechselung sei ausgeschlossen. Aber am 20. Juni kam ein Entschuldigungsbrief, worin zugegeben wurde, daß eine„Verwechselung mit einem Herrn gleichen Namens" passiert sei. Dieser andere Herr Scheibe, der wirkliche Vater deS Kindes, wohnte nun freilich in einer anderen Straße. Wir stellten damals fest, daß er von der Multer bereits in der Entbindungsanstalt als Vater genannt worden war, und daß schon am 7. Juni die Armendirektion ihn unter seiner richtigen Adresse, die von der Mutter angegeben war, benachrichtigt hatte, er lvcrde zur Kostendeckung herangezogen werden. Erst am 27. Juni kriegte dann auch dieser wirkliche Vater von dem seines Irrtums ,n»e gewordenen„KindcrrettungSverein" die Aufforderung, fich als Vater zu bekennen. Herr Sch. aus der Fruchtstraße ist, wie gesagt, verheiratet. Durch jenen Brief wurde ihm der eheliche Friede gestört, und er selber kam bald auch in der Leute Mund. Er fühlte sich beleidigt, stellte gegen die Vorsteherin vom Bureau des Vereins Strafantraq, wurde aber vom StaatSanioalt auf Privatklage ver- wiesen. Nm nun zunächst mal sicher zu erfahren, wen er eigentlich zu verllagen habe, ersuchte er den Pastor Pfeiffer schriftlich. ihm die schuldige Person zu nennen. Jener Brief war nämlich nur unterschrieben gewesen„Der designierte Vornnind", ohne daß ein Name hinzugefügt war. Auf Sch.'s Anfrage kam von dem Herrn Pastor— keine Antwort. Sch. schickte einen zweiten Brief, diesmal eingeschrieben. Unter Hinweis auf die erste Anfrage machte er den Pastor ausdrücklich darauf aufmerksam, daß er sich beleidigt fühle und diejenige Person zu verklagen beabsichtige, die sich als strafrechtlich verantwortlich bekennen wolle. Und von dem Herrn Pastor kam-- wiederum keine A n t w o r t I Die Verjährungsfrist lief ab, und der Beleidigte erhielt keine Genugtuung. Sch. mußte die Sache als erledigt ansehen und versuchte seinen Grimm über den ihm unter der Verantwortung eines Pastors widerfahrenen Schimpf hinunterzuwiirgen. Da kam plötzlich ein neuer Brief des„KinderrcttungsvercinS", datiert vom 10. Dezember, adressiert an„Herrn Tischler Otto Scheibe, Fruchtsir. 36". worin ihm gc- schrieben wurde:„In Sachen Ihres Kindes Artnr teile ich Ihnen mit, daß ich damit einverstar.den bin, daß Sie in Zukunft die Ali- mente direkt an die Mutter Ihres Kindes zahlen. Der Vormund, pr. LS. Pfeiffer fUnterschrift unleserlich)." Ein Tischler Otto Scheibe wohnt nicht Fruchlstr. 36; es konnte wieder nur der Fruchtstr. 36a wohnende Scheibe geineint sein, und diesem wurde denn auch der Brief zugestellt. Da hatte er also eine Wiederholung der früheren Bunimelei! Aufs neue brach üöer ihn eine schwere Störung seines ehelichen Friedens herein: nun galLs ja seiner Frau als„bewiesen". Der Mann ist geradezu verzweifelt darüber, daß eS kein Abwehr mittel geben soll gegen die Leichtfertigkeit, mit der vom„Kindcrretlungsverein" unter Verantwortung de» Pastors Pfeiffer solche Briefe versandt werden. Wieder wandte Sch. sich an uns. Wir haben daraufhin fest- gestellt, daß der wirkliche Vater nach wie vor dieselbe Wohnung inne hat, die der„Kinderrettungsverein" seit Juni kennt. Für den wirklichen Vater, den richtigen Sch., lvar dieser neue Brief bestimmt, den das Bureau wieder an den falschen Sch. adressierte. Interessant ist auch der Anlaß zu diesem Brief: wir sehen da, wie gut der Herr Pastor über sein Mündel unterrichtet war. Der richtige Sch. hatte nämlich am 14. Oktober vorschriftsmäßig an den Bormund Pastor Pfeiffer Alimente nach dem Vereinsbureau geschickt, wie die un» vorgelegte Postquittung ausweist. Das Geld wurde aber nicht der Mutter zugestellt, fanden» dem Waisenhaus überlviefen. oblvohl das Kind, das zunächst in Privat- pflege gegeben worden war, schon seit Juli»!) sich wieder bei der Mutter befand. Noch Ende November halte die Mutter dieses Geld nicht erhalten. Erst nachdem sie durch den Vater davon erfahren und dann beim Verein gemahnt hatte, bekam sie am 10. Dezember ihr Geld. Die Mutter versichert übrigens, in der ganzen Zeit seit Juli habe sie niemals den Vormund Pastor Pfeiffer oder eine von ihm beauftragte Person in ihrer Wohnung zu s e h e n g e k r i e g t. erst am 13. Dezeinber habe eine Danie sich bei ihr blicken lasten. Nach so beschäineuden Erfahrungen gab der Berein einem Wunsche der Mutler»rach und verzichtete darauf, noch den überflüssigen Mahner des Vaters spielen zu wollen. Das Bureau wollte daS dein Vater mitteilen. Es schrieb ihm noch am 10. Dezember den Brief über die direkte Zahlung der Alimente und versah diesen Brief mit der Adresse— des falschen Scheibe. Noch emmal soll jetzt versilcht»Verden, dem Herrn Pastor Pfeiffer eine Auskunft darüber abzuringen, wer für diese skaildalöse Bummelei die straf- rechtlichen Folgen überiiehmen will. Es ist in der Tat zu wünschen, daß mal durch ein gerichtliches Verfahren festgestellt wird,»n i t welchem Maß von Gewissenhaftigkeit der„Kinder- rettungsverein" unter der Verantwortung des PastorsPfeifferarbeitet. Bei Errichtung des städtischen UnterfuchungsamteS am Mühlcndamm»vurde allgemein die Forderung gestellt, daß dort unentgeltliche bakteriologische Untersuchungen bezüglich Übertrag- barer Krailkheiten ausgeführt werden sollten. Bisher bestand eine vom Kultusminister erlassene Verfügung, nach der eine Anzahl Uniersuchungsanstalien die ihnen von Aerzten zugesandten Objekte kostenfrei zu untersuchen hatten. Es schien, als ob die Verfügung in Vergessenheit geraten sei. Auf eine Anfrage der„Deutschen Mcdizmischen Wochenschrift" antwortete der Direktor der Medizinalabteilung dts Kultusministeriums, Geh. Rat Förster, daß das Jilstitut für Infektionskrankheiten weiterhin solche Unter- suchiingen ausführt. Zurzeit fiird Verhandlungen im Gange, die Ausführung bakteriologischer Untersuchungen für Berlin und Vor- orte in weiterer Ausgestaltung der bisher erlassenen Vorschriften andcttveit, und zwar dahin zu regeln, daß die Stadt Berlin in vier Bezirke geteilt und jeder Bezirk einer besonderen Unter- fuchungsanstalt zugeteilt wird. Diese vier Anstalten sind: Institut für Jiifektionskrankheitcn, Hygienisches Institut der Universität, Städtisches Untcrsuchungsamt für gewerbliche und hygienische Zwecke und daL Städtische Kranke»»haus am Friedrichshain. Die ei»»- leitenden Verhandlungen sind abgeschlossen und liegen zurzeit dem Magistrat der Stadt Berlin zur Genehmigung vor. Es ist an- z»inchmen, daß diese neue Regelung im Laufe des Monats Januar k. I. in Kraft treten wird.„Ich bemerke ausdrücklich, daß die vier Anstalten auch die von praktischen Aerzten zu diagnostischen Zlvccken geivünschten bakteriologischen Untersuchungen von infektiösem Material auszuführen, und zwar unentgeltlich auszuführen haben." Ein Missionar vom Staatsanwalt gesucht. Gegen den Mis- sionar Joh. Ernst Wilh. Heinrich ThonraS, eine» geborenen Berliner, der gegenwärtig sich" in Wisconsin(Ainerika) aufhalten soll, hat die Staatsanlvaltschast II ein Strafvollstreckungscrsuchen cr- lassen. Thomas, der setzt 39 Jahre alt ist, wurde vor 12 Jahren »ocgen Verletzung der Wehrpflicht von der ersten Strafkammer de? hiesigen Landgerichts II zu einer Geldstrafe von 160 M.(eventuell 16 Tagen Gefängnis) verurteilt. Es wird nun um Beitreibung der Geldstrafe oder Vollstreckung der Freiheitsstrafe ersucht. Wenn wir uns recht er-inncrn. war Herr Thomas in sciirer Eigenschaft als Missionar auf dem Gesundbrunnen tätig. Dort suchte er mit Vorliebe Frauen zu bekehren, während die Mäni»cr auf der Arbeit waren. Mehr»vie cimnal hat Herr Thomas mit dem Besen Bekanntschaft gemacht, wenn er zu aufdringlich wurde. Der»vahre Jakob Nr. 26(Wcihnachtsausgabe) ist soeben In Berlin eingetroffen und gelangt heute in der Buchhandlung Vor- wärts, Lindenstr. 69, und in allen Parteispeditionen zur Ausgabe. Falschmünzer benutzen den gcgenlvärtig in den Geschäften herrschenden Weihnachtstrubcl zur Verbreitung von Falsifikaten. Ha»lptsächlich sind es falsche Zweimarkstücke, die soivoyl auf dein Weihnachtsmarkt als auch in Geschäften der nördlichen Stadtteile in den Verkehr gebracht»verde». Bei»»ur geringer Vorsicht können sich jedoch die Geschäftsleute vor Schaden schützen, da die Fäl- schungcn ziemlich ungeschickt ausgeführt sind. Die Münzen sind von grüu-blauer Farbe»»»»d machen den Eindruck, als ob sie stark abgenutzt wären. Die Schrift soloohl als auch das Adlerbild sind verschlvommen und von auffallend breiter Prägung. Schon hier- durch allein wird die Fälschung, die sich auch außerdem stark fettig anfühlt, leicht kenntlich, dagegen ist sie im Klange von dem echten Zweimarkstück nicht zu unterscheiden. Ncbcr die letzten Mordtaten hört man so gut wie nichts»„ehr. Weder erfährt die Oeffentlichkeit etwas, wielveit die Ermiitelüngen»regen der crinordeten Wirt- schaftcrin Plath gediehen sind, noch weiß jemand, wer nun»virklich der Kindermörder ist, noch ist bis jetzt irgend etwas Positives über den Täter des ennordeteu Kausinanns Lehmann in Moabit— vis-a-vis dein Kriininalgericht— bekannt gclvorden. Handelt es sich um Kapitalverbrechen, so verfolgt die Kriininalpolizci überhaupt eine seltsame Taktik. Die Presse erfährt direkt von der Polizei so gut wie nichts, obwohl die Polizei die Presse gar nicht ent- bchren kann bei ihren Er»»ittclungcii. Es geht in dieser Aezichung sogar soweit, daß der Presse nicht emmal direkt die Mitteilung von einem Morde zugeht. Ilnd die Oeffentlichkeit hat doch ein emmcnteS Fnleresse an einem solchen Vorkonlmnis. Was in dieser Beziehung in die Presse gelangt, kommt erst durch Vermittelung einer der Polizei nahestehenden Korrespondenz hinein und die Zei- tungen müssen diese noch bezahlen. Unser Blatt erhält aber nicht einmal diese Korrespondenz, weil loir die Dreistigkeit besessen haben, die Mitteilungen dieser Konespondenz erst unter die kritische Lupe zu nehmen und nicht jede Sensationknachricht ohne weiteres unseren Lesern kritiklos vorsetzten, wie dies andere Zeitungen tun. Aber wir wissen uns zu trösten; was wissenswert ist, erfahren unsere Leser auch ohnehin. Aber interessant ist doch festzustellen, daß nicht in jeder Abteilung dcS Polizeipräsidiums in gleicher Weise verfahren wird, wie in der Kriminalabtcilung. Wir haben cS erst in jüngster Zeit erlebt, daß die Polizei über ihre Tätigkeit amtliche Nach- richten ausgab. In diesem Falle handelte es sich allerdings um keinen Mord, sondern um einen Schriften- und Waffcnfund. Noch dazu um russische Schriften und wie die Polizei sich ausdrückte, um revolutionäre Schriften, wenn auch noch niemand den Inhalt kannte. In diesem Falle ging es auf einmal, da konnte die Polizei amtlich an die Presse berichten, sogar auf Poleiniken ließ sie sich ein, während sie sich bei Kapitalverbrechen auSschweigt. Aber eS ist auch möglich, dast die Polizei nichts zu berichten weist. In diesem Falle müßten wir ihr diesen Unistand mildernd anechnen. Bei einem Ziminerbrande in der Thuriieiherstr. ö schwebten Montag abend vier Kinder des Arbeiters Lehmann in größter Lebensgefahr. Ter Mann war auf Nachtarbeit gegangen und die Frau hatte die Kinder unbeaufsichtigt in der Wohnung zurück- gelassen, als sie Einkäufe besorgte. Den Kindern waren nun Streichhölzer in die Hände gefalle», mit denen sie spielten und dabei Betten und Möbel in Brand sehten. Die älteren von ihnen fingen an zu schreien und da auch Rauch durch die Fenster der Wohnstube drang, so wurden Hauövewohncr aus den Borgang aus- merksam. Der Molkereibesitzer Litzki trat die Türfüllung ein und holte drei Kinder aus der brennenden und total verqualmten Wohnung. Das noch fehlende vierte Kind hatte sich in seiner Angst unter das Bett verkrochen und wurde hier von einem Schutzmann hervorgeholt. Die später erschienene Feuerwehr löschte den Brand leicht ab.' Ein Portemonnaie mit"5 M. Berbandsgeldern und 15 Beitrags- marke» vom Handels- und Transportarbeilerverband ist am Montag früh auf dem Wege von der LandSbergerstrnste bis Alexanderplatz verloren worden. Der ehrliche Finder wird gebelen, da der Verlierer ersatzpflichtig ist, das Gefundene bei Moggi, Landsbergerstr. 10, Hos parterre, abzugeben. Wer ist der Tote? Gestern wurde auf dem Tempelhofer Felde in der Nähe des Franzosenpfuhls die Leiche eines ungefähr 20 bis Ul Jahre alten Mannes, anscheinend eines Schlächters, auf- gefunden. Die Leiche ist 1,68 Meter groß, hat braunes, kurz ge- schorenes Haar, große etwas gebogene Nase und ist bekleidet mit schwarzer Hose, dunkclgraukariertcm Jackett, Schlächterjackc, dar- unter brauner, wollener Unterjacke, wollenem Hemd, gez. E.>5. l, weißer, wollener Unterhose, blauen Strümpfen, defekten Zugstiefeln. Bei der Leiche wurde vorgefunden eine Flasche mit einem Rest Lysol.?iuf dieser befand sich ein Etitett mit Aufschrift: Lysol, Hobenzollern-Apothekc, Rixdorf. Die Leiche befindet sich in der Halle deck Neuen Tempelhofer Kirchhofes, Gcrnianiajtraße. Nach- richten über die Persönlichkeit des Toten werden in jedem Polizei-? rcvicr, bei der Kriminalpolizei, Alczanderstr. 8 bis 6, Zimmer 334, L Treppen, und bei dem Herrn Amtsvorstcher zu Tcmpclhof schrift- lich oder mündlich zu fcivSL IV. 48. 07 entgegengenommen. Das Berliner Aquarium hat, nachdem mehrere Sendungen von Mittclmeer-, Nordsee- und amerikanischen Arten eingetroffen sind, seine Fischbcstände nach verschiedenen Richtungen ergänzen können. Tic?!llrdamcrikancr sind Süßwasserfische, Bewohner von.Flüssen und Seen und gehören einigen Gattungen der in der Union bürch zahlreiche Spezies verbreiteten Barschfische an, von denen eine Anzahl teils als Speise-, teils als Aquarienfisch auch zu uns gebracht worden sind. Dem MittelmccrNbtet cntstaumien drei Au- gehörige der in Bau und EntWickelung und Wesen eine besondere Stellung i» der ganzen Klasse einnehmenden Gruppe der quer- mäuligen Knorpelfische, d. h. der Haie und Rochen, und zwar, ist jeder von den jüngst eingetroffenen Gästen der Vertreter einer nndcrcn Familie; der eine von ihnen, ein Nagelroche, ist auch iviri- schaftlich wichtig, indem er unter all seinen Verwandten das feinste Fleisch besitzt und darum viel gegessen wird. Gegenüber diesen durch ihre verschoben viereckige Gestalt etwas abenteuerlich erschei- ncndcu Fischen mgchcii einige andere Neuantömmliiige einen recht ansprechenden Eindruck; in erster Linie gilt dies von den reizenden kleinen, in Blau, Llivenfarbe und Rotorange prangenden Säge- barschen aus dem Rittelmeer, die in den warmen Meeren eine geradezu wuifdervare Farbenpracht entfalten. Fcuciwehrbrricht. Ein größeres Löswaufgebot wurde Montag- abend um 9 Udr nach dein Warcnhause Jandorf an der Ecke der Gr. Kranksurterftrahe und AndreaSstraste alarmiert. Dort war in einem Dckianfeiister Papier in Brand geraten. Die Gefahr konnte bald beseitigt werde». Gleichzeitig hatte der IS. Zug einen Brand in der Ratlienowerstr. 49 zu löichen. In der Veteranensir. 10 brannten Betten. Kleider. Papier u. a. in einer Kellcnvobming und in der Fehrbellinerstr. 19» in einem Keller Lampen usw. Ein diitler Kellerdrand beschäftigte daiii, die Wehr in der Libanerstr. K. Am Vinetaplatz 4 mußte ein Wohniliigsbrand und in der Swinemimder- straße 47 ein Bodenbraird gelöscht werden. Kisten. Körbe, Säcke usw. wurden hier ein Raub der Flammen. Vorort- richten. Eharlottenbnrg. Die Einrichtung einer Schulzahnklinik zum 1. April IVOS be- antragt der Magistrat bei der Stadtverordnetenversammlung. In der Begründung wird auf die ledhaften Klagen hingewiesen, die. über die schleckte Beschaffenheit der Zübnc bci Schülern uni» Schülerinnen geführt werden. Mehr als 90 Proz. aller Schulkinder leiden an Erkrankungen der Zähne; die Folge hiervon ist, daß die ganze Entwickclung des Kindes ungünstig beeinflußt wird, da der Blutarmut, der Bleichsucht, der Skrophulose und mancherlei �n> fektionskrankheitcn durch kranke Zähne Vorschub geleistet wird. Selbst die Tuberkulose soll nach sachverständigem Urteil häufig ihre letzte Ursache in den kranken Zähnen finden. Für die Schule bestehen die nachteiligen Folgen kranker Zähne— abgesehen davon, daß durch den Fäulniögeruch kranker Zähne die Luft oeö Klassen- zimmcrs verschlechtert wird— vornehmlich darin, daß die Kinder durch Zahnschmerzen oft verhindert sind, dem Unterricht aufmcrk- sam zu folgen und daß durch die körperliche Unpäßlichkeit auch die geistige EntWickelung beeinträchtigt wird. Mit Rücksicht darauf, das; die bisherige Belehrung der Eltern über die Folgen der schlechten Beschaffenheit der Zähne resultatlos geblieben ist, hat sich der Magistrat entschlossen, auch für die Behandlung der Zahne zu sorgen. Von dem Vorschlag, mit einigen Zahnärzten im Nebenamt einen Vertrag abzuschließen, hat der Magistrat Abstand genommen, er Ivill vielmehr nach dem Muster von Straß- dura eine Schulzahnklinik errichten. Zur Untersuchung und Be- Handlung sollen allmählich sämtliche Kinder der Gemcindeschule und des Kindergartens zugelassen werden. Die Untersuchung soll auch während der Schulzeit erfolgen dürfen, während die Be- Handlung tunlichst in die schulfreie Zeit verlegt werden soll. Die Behandlung ist unentgeltlich, ein Zwang zur Behandlung kann nicht ausgeübt werden, doch soll die Schule durch Belehrung und Ermahnung der Eltern und Kinder auf eine möglichst allgemeine Inanspruchnahme der Klinik hinarbeiten. Ein gewisser Druck wird insofern ausgeübt, als zur Aufnahme in die Waldschule, die Wald- crholungsstättc, die Fenentolonie und den Kindergarten nur Kinder ohne kranke Zähne zugelassen werden sollen. Als Ort für die Klinik ist ein Stockwerk des Hinterhauses Bismarckstr. 22 in Aussicht enommett, mit der Leitung sollen zwei Zahnärzte betraut werden. ie ihre ganze Kraft der Anstalt zur Verfügung zu stellen haben. Tie Kosten sind nicht erheblich, sie betragen voraussichtlich 8600 M. für einmalige und 12 500 M. für laufende Ausgaben. Der Schritt, den der Magistrat hier tut, ist zweifellos er- frculich. Es sei aber daran erinnert, daß auf die Notwendigkeit der Untersuchung der Zähne der Schulkinder gerade von sozial- demokratischer Seite seit Jahren bei icdcr Gelegenheit hingewiesen loordcn ist. Es zeigt sich vier wieder einmal, daß die sozialdcmo- traiischen Anregungen, wenn ihnen aucy zunächst keine Folge gc- leistet wird, sich schließlich doch Bahn brechen. In der Sitzung der Charlottenburger Gcwcrkschaftskommisüon rcfericrtc der Sekretär der Berliner Gcwcrkschaftskommission, Gc- nosse Alwin Körsten, über die Vorteile einer Verschmelzung der Eharloticnburgcr mit der Berliner GewertsachstSkommission. In der darauf folgenden lebhaften Diskussion wurde von den meisten Rednern der Verschmelzung prinzipiell das Wort gesvrochen; einige Bedeuten derselben wurden vom Referenten in seinem Schluß- warte zerstreut, indem er die größtmöglichste Bewegungsfreiheit zusicherte. Somit wurde beschlossen, diese Frage in allen der Eharlottcnburger Gewerkschastskommissioti zugehörigen Gcwcrk- schaften zu erörtern, und das Resultat, ob für oder wider die Verschmelzung, in einer der nächsten Sitzungen mitzuteilen, die dann das weitere veranlaßt. Genosse Flemming berichtete hieraus über die Einiguiigsvcrhandlungen zwischen Metallarbeitern und Gewerkschaftskommission. Es sei eine Einigung durch Vermittelung der Berliner Gcwcrkschaftskommission zustande gekommen. Das Ergebnis der Verhandlung sei folgendes: Die Berliner Gewerk- schaftskommission habe sich bereit erklärt, die schulden der Metall- arbeiter von der Gewcrbegcrichtswahl 1906 in Höhe von 160 M. an die Charlottenburger Kommission_ zu zahlen, wenn dieselbe ihren Beschluß vom 12. Juli d. I., der sich gegen die Metallarbeiter richtet, aufhebt. Redner erinnert an die unliebsamen Vorgänge bci der Delegiertenwahl zur Allgcm. Ortskrankenkassc und er- sucht, sich den Einigungsverhandlungen anzuschließen. Gegen eine Stimme wurde der Beschluß vom 12. Juli aufgehoben und somit die Einigung besiegelt. Genosse Richter von den Metallarbeitern erklärte hierauf, daß mit dem Fallen des Beschlusses vom 12. Juli, die Metallarbeiter von Stunde an sich wieder der Charlottenburger Gewerkschaft-- iommission anschließen. Namens des Ausschusses berichtete Gen. Flcmming ferner über die Gestaltung des diesjährigen Jahres- berichtcs der Kommission. Die Berichte der einzelnen Gewerk- schaften sollen diesmal fortfallen, an Stelle deren soll ein Rück- blick auf die gewerkschaftliche Bewegung am Orte gegeben werden. Der Bericht wird in Höhe von 500 Exemplaren an die Funktionäre der Gewerkschaften gratis abgegeben. Für die Mitglieder der ein- zclncii Gewerkschaften soll der Bericht zum Preise von 10 Pf. ab- gegeben werden. Die Vorschläge des Ausschusses gelangte» zur einstimmigen Annahme. Sodann wurde eine lebhafte Agitation für die bald statt- findenden GewerbegcrichtSwahlcn befürwortet. Ein Automobil gestohlen.'Ein ungewöhnlich dreistes Diebes- stück hat sich gestern ein Automobilmardcr in der Hardcnbergstraße geleistet. Vor der großen Ausstellungshalle, in der bekanntlich gegenwärtig die internationale Automobil-AuSstellung stattfindet, standen eine größere Anzahl von Kraftwagen. Ein als Chauffeur verkleideter Dieb, der die Wagen und deren Führer genau bcob- achtet hatte, setzte sich in einem günstigen Moment auf eines der Automobile und. fuhr davon. Erst als. der Besitzer und der Chauffeur wieder zurückkamen, wurde der Diebstahl bemerkt. Das Automobil hat einen Wert von 5000 Mark. Keine freie Arztwahl für die Armenpflege. Auf Grund einer Anregung der Stadtverordnelcnversainmlung hat sich die Armen- direktion mit der Frage beschäftigt, ob sich die Einführung der freien Arztwahl'für die Armenpflege empfiehlt. Tie Armen- direktion erachtet die unbcschräntte freie Arztwahl, d. h. die Zu- lctssung aller Charlottenburger Aerzte, die dazu bereit sind, zur Behandlung von Armenkranken für nndurchsührdar, ja sie hat zurzeit sogar die Einführung einer beschränkten freien Arzt- wähl, also die Zulassung einer gewissen Zahl von Acrzten zur Be- Handlung von Armenkranken mit freier Wahl unter diesen für die Kranken abgelehnt. Die Armendircktion geht von dem Standpunkt aus, daß es notwendig ist, den Armenkommisstonen auch fernerhin in der Persoii� des ihnen zugewiesenen Stadtarztes einen ständigen Berater zur Seite zu stellen, der an den Sitzungen der Kommission teilnimmt, sofort über alle in seiner Behandlung befindlichen Per- sonen Auskunft erteilen und durch sein Gutachten für die Not- wcndigkcit oder die Höbe einer Unterstützung mit Ausschlag geben kann. Einen Ersatz für die freie Arztwahl, wenn auch in be- schränktcm Umfange, bildet der Beschluß der Armendircktion, daß ausnahmsweise ein Armenkranker auf seinen Antrag auch einem andern als dem an sich zuständigen Stadtarzt zur Behandlung überwiesen werden darf. Eltrrnvcrein für freie Erziehung.(Verein Freier Kindergarten.) Auf das heute, Mittwoch, den 18. Dezember, im großen Saale des Voltshauses, Rosincnslr. 3, stattfindende Mint c r f e st(Spiele, Kasperle-Theatcr, Weihnachtsüberraschungen) wird noch einmal hingewiesen. Anfang 4 Uhr. Eintritt für Kinder 10 Pf., für Erwachsene 20 Pf. Lichtenberg. Vci der gestern stiittgefnndrneu Stadtverordnetenwahl der zweiten Abteilung wurden 530 Stimmen abgegeven. von denen 433 auf die Blockkandidaten entfielen.' Im einzelnen ergeben sich folgende Resultate: Wähler- Abgegebeue Sozial-, zahl Stimmen dem o trat a Bezirk 1.. 296 129 28 101 , 2.. 291 157 28 129 , 3.. 255 110 23 93 , 4.. 281 128 18 110 1123 530 97 433 Da die Blockbriider ihren letzten Mann herangeholt haben, lväre für uns ein noch viel günstigeres Resultat zu erzielen gewesen. Dos Ergebnis zeigt, daß es gut gewesen lväre, locnii die Genossen mit mehr Zuversicht und mit einem organisierte» Schlepperdienst in der zweiten Abteilung vorgegangen wärt». Rixdork. Ein Brandunglück, wobei eine ältere Frau schwer zu Schaden kam, hat sich vorgestern nacht in der Änescocckstraßc 61 zugetragen. Die im dritten Stock i�ohnhaftc Witwe Marie Hcidmann hatte beim Schlafengehen das Malheur, die brennende Petroleumlampe vom Tisch herunterzustoßen. Es erfolgte eine Explosion und dcS brennende Petroleum ergoß sich über den Tisch und den Tcppich hinweg. In kurzer Zeit stand fast das ganze Zimmer in Flammen. Frau H. wurde vor Schreck ohnmächtig und sie stürzte besinnungslos zu Boden. Erst als der Rauch aus der Wohnung herausdrang, ivurden die Nachbarn auf das Feuer aufmerksam. Sic drangen in die Wohnung ein und retteten die Ohnmächtige aus dem brennenden Zimmer. Frau H. hatte aber inzwischen so große Mengen Rauch eingeatmet, daß sie in bedenklichem Zustande in das städtische Krankenhaus gebracht werden mußte. Das entstandene Feuer wurde durch die alarmierte Feuerwehr bald gelöscht. Eine» bedauerlichen Unfall erlitt gestern der Radfahrer Willi Bauer, Wullcnweberstr. 9, der für eine Firma Besorgungen zu erledigen hatte. Beim Passieren der Lindenstrahe sprang ihm an der Ecke der Reuenburgerstraße ein Hund an dos Rad, wodurch Bauer so unglücklich zu Falle kam, daß er bewußtlos auf dein Pflaster liegen blieb. Durch einen Schutzmann per Droschke nach der Unfallstation Tempelhofer Ufer 1» gebracht, wurde bei dem Verletzten eine Gehirnerschütterung festgestellt und seine Uebcr- führung in die elterliche Wohnung veranlaßt. öchöueberg. Die Stadtverordnetenversammlung hatte in ihrer letzten Sitzung wiederum eine fast zur Regel gewordene Debatte über das höhere S ch u I lv e s en, die nahezu zwei Stunden in Anspruch nahm. Sie lieferte den Beweis, daß cö den Herren von den bürgerlichen Parteien vor allem darauf ankommt, möglichst viel für die höyeren Schulen und möglichst wenig für die Gemclndc- schulen zu tun. Im wesentlichen drehte es sich jedoch nur um Per- tretung von Bezirksintcrcssen. Die Stadtverordneten der einzelnen Bezirke erhoben gegenseitig Beschwerde, daß der eine Bezirk gegen- über dem anderen bezüglich der höheren Schulen im Nachteile sei. Die ganze Debatte lief zum Schluß wie du- Hornberger Schießen aus.— Eine Petition des Schöncbergcr Lerztevcreins um Uehcrnahme des Krankcntra» Sport wcs-ns in städtische Regle wird als erledigt angesehen, da der Magistrat bereits die nötigen Schritte i» dieser Angelegenheit unternommen hat. Dem Antrage der liberalen Fraktion betreffend Schaffung einer Reichsbank st ekle in Schöneberg wird zugestimmt. Alte Klagen brachte.ein Antrag der Stadtverordneten Bnloy und Genossen, in dem verlangt Ivurdc, daß der Magistrat dafür sorgen möge, daß möglichst bald eine O in n i b u 4 l i n i e„Boye- rischer Platz— Anhalter Bahnhof" eingerichtet Wird. Allgemein ivurden die schleckten Beriehrövcrhältnisse gerügt und von einigen Seiten verlangt, daß die Stadt an die Errichtung von Omnibus- linien in eigener Regie herangehen müsse. Der MagistratSvcrtrctcr ivandte sich gegen die eigene Regie. Er hält es für angebrachter, den bestehenden Omnivusgesellsct)aften iür Errichtung neuer Linicil einen Zuschuß zu gewähren. Seiner MeinUikg nach wäre nur die Gewährung von Zuschüssen positive Arbeit, alles übrige seien nur allgemeine Nedensaricii. Von sozialdeuiokratischcr Seite wurde verlangt, daß man in eigener Regie vorgehen müsse, wenn iiian etwas schaffen wolle. Durch die Acußcrungcn des Magistratsvcr- treters wird ja den Privatgesellschaften nur nach mehr der Rücken gestärkt, um die Einwohnerschaft schröpfen zu können. Schon heute verlange die Omnibusgesellschaft für die Weitcrführuiig der auf dem Wintcrfeldtplatz endigenden Omnibuslinie von der Stadt einen jährlichen Zuschuß von 20 000 M.— In der Abstimmung wird zwar dem Antrage des Stadtverordneten Bulah zugestimmt, der sozial- dcmokrcrtische Antrag auf Einrichtung i» eigener Regie aber ab- gelehnt. Sogar die Mitglieder der liberalen Jraltion stimmten gegen den letzteren Antrag. Von der Mitteilung des Magistrats, daß vom Ministerium die Genehmigung für die kürzlich bcschlossene Anleihe von 14 Mi!« lioncn Mark eingegangen sei, wurde Kenntnis genommen. Treptvw-Bailuischulenwcg. Aus der Gcuiciiidcvertrctiiiig. Zunächst wurde zur Errichtung eine- Sporiplatze-, welcher von einem Konsortium mit einein Kapital von l'/j. bis 2 Millionen Mark auf dem der Siadt Berlin gc- börigeu Terrain zwischen Neuer Krug-Allee. Görlitzer Eisenbahn, Dammweg und Eichbusch-Allee errichiet werden soll, im Prinzip die Zustimmung erteilt._ Geplant ist eine Nadrennbahn, ein '25 000 Meter großer See mit vier Fontäne». Familien- bädcr und Strandpromenade: außerdem Schlitlschuhbahn und An- tage» zu sonstigen Velustiguiigen.— Die Zahl der Bennehrung der Geiiieiildeverordneteii von 12 auf 18, welche von den bürgcr- lichcn Vereinen beantragt war, ergab eine längere Debatte. Von unseren Genossen wurde es auf Grund des rapiden WachstiimS der Gemeinde, dessen Eniwohnrrzahl 20000 zum 1. April 1908 erreickien dürste, als eine Notwendigkeit bezeichnet, die Zahl der Gcmeindeverordncten zu vermehren. Mit 9 gegen 5 Stimmen ivurde dieser Antrag in namentlicher Abstimmung abgelehnt. Mit der Majorität stimmte auch außer den in Berlin lind sonstwo wohnenden Geineiiideverorditeten der Stadtverordnete Fähnrich- Berlin, welcher unseres Wissens keinen Pfennig Steuern an Treptow zahlt und auch nicht al- Gemeindcvertreter gewählt worden ist. Nach einer alten Ueberlieferuiig, als Treptow selbständiger Guts- bezirk wurde, hatte Berlin das Recht, zu den Sitzungen einen Herrn zu delegieren. Trotzdem aus dem Gutsbezirl schon längst eine stattliche Gemeinde geworden ist, wird an diesem alten Brauch festgehalten. Es wäre an der Zeit, daß die Bcrtrelung mir diesem alten Brauch aufräumte.— Die verlängerte Wienerstraße heißt nickil mehr List- sondern Grätzstraße.— Zum Bau der Treptow-Sternwarte. hatte die Vertreimig vor drei Jahren die horrende Summe von" 200 M bewilligt; diese Summe wurde auf 1000 M. erhöhl und soll bei der Gnuidsleiiilegung ausgezahlt werden. Auf Anregung unseres Genosse» Gramenz sollen die Sleiiererheber angewiesen werden, an noch näher zu bezeichnende» Abenden Gelder in Empfang zu nehmen. Ein Antrag der Lehrer um Gehaltserhöhung und um eine namhafte sofort zahlbare Teuerungszulage wurde, nachdem der Antrag unserer Genossen, hierüber öffentlich zu verhandeln, abgelehnt war. in nichtössentlichcr Sitzung nach längerer Debatte dem Gemeindevorstande bei Auf- slelluiig de- Etats zur.wohlwollenden Berücksichtigung überwiesen". Rummelsbnrg. Dir Wahl zweier unbesoldeter GemeindcschSffcn. welche die Runimclsburger Gemeindevertretung in ihrer letzten Sitzung vorerst vorznnehmen hatte, lieferte so recht einen schlagenden Beweis dafür — wie skrupellos die beiden hiesigen Grundbesitzervereine ihre Macht- siellung in der Gemeindevertretiing ausnützen. In einer Bor- besprechiliig für diese Wahlen präsentierten die Vertreter des Box- Hagener GruildbesitzcrvereinS für einen dieser Posten einen Herr» Warnstädt. Bon diesem Herrn war uns bekannt, daß er zivar zweifacher Hausbesitzer sei und seit kurzen, in der Gemeinde Ruiinnelsburz wohnt, sonst aber„och keine andere gemeinnützige Tätigkeit ausgeübt hat. Al- »un von unseren Genossen mid auch von zwei bürgerlichen Vertretern darauf hiiigewicsen wurde, daß man doch unmöglich jemand mit einem so wichtigen und verantwortnngSvollcn Amt betrauen kann, von dessen Befähigung und bisherigen Tätigkeit rein gar nichts bekannt ist— da erhob sich der Gemeindcvertreter Krägenbring in seiner ganze» Größe und stieß im Bnistto» der Ueberzcuguiig die Wort« auS:.Meine Herren. Herr Warnstädt ist von den beide» Griindbesitzervercinen eiiislimurig gewählt worden, ich meine, damit ist die Sache doch hier erledigt". Dieses rrnvorsichlige aus der Schule plaudern wurde wohl reckt unangenehm empfunden und erzeugte auch einige reckt verdutzte Gesichter, auch gab eS unseren Vertreter» eine gute'Veranlassinig, diese, die Gemeinde ans das chwerste schädigende Rebenregicrung einmal aüfS schärfste zu kritisieren. Leider wird aber, solange das Hausbesitzerprivileg in der Ge- meindeverwaltung besteht, an der Tatsache nichts zu ändern sein, daß vielfach sehr ivichtige Beschlüsse statt in der Geiileindepertretiing in den Erilndbeiitzervereinen erledigt werden. Denn alle Kritik, mag sie auch noch so berechligt sein, schüttelt sich diese Slrt Gemeinde- veriretcr so schncll wie ein Pudel wieder ab. Bei der Dahl selbst erhielten im zweiten Wahlgange Genosse Tempel sowie Warnstädt je 11 Stimmen. DvS Los enischied für Herrn Warnstädt. Als zweiter unbesoldeter Gcmeindcschösfe wurde in der Stichwahl der bisdcrige Schösse Kleemann mit 14 gegen 10 Stimmen, welche auf unseren Genossen Tempel entfielen, auf weitere 6 Jahre gewählt. Aucv von Herr» Kleema»», der bereits 6 Jahre daö Amt eines Schöffen be» kleidet hat, ist nur bekannt, daß er eine gewisse Uebimg darin erlangt hat, bei Abstimmungen möglickist gleich schnell mit dem Bürgermeister ziisaiiimen die Hand zu erhebe». Hierauf wurde der zum Gemcindeschöffen gewählte, bisherige Gemeindevenretcr Stiebitz in sein so sehnlichst erstrebtes Ann eingeführt. In nicht öffcnt- sicher Sitzmig beschäftigte sich die Vertretung dann uocv mit dem AnstelltnigSgesuch des Baumeisters Hirsch auf Lebenszeit. Unsere Vertreter gaben ihrer Berwundernng darüber Ausdruck, daß, nachdem inan erst kürzlich einen aus Lebenszeit angestelltcii Baumeister mit 15 000 M. abgefunden hat, um denselben überhaupt nur los zu werden, und gieichzeitig dabei gelobt hat— niemals wieder eiiicn Bauleiter auf Lebenszeit aiizuftellen, die Eemeiiidcvertretniig sich schon wieder mit einer solchen Angelegenheit beschäftigen soll. Der Bürgermeister gab die Erklärung ab. daß er im Prinzip auch jetzt noch gegen die Anstellnng auf Lebenszeit sei, und nur d a s ü r stimme, weil es sonst nicht ausgeschlossen ist. daß der Herr Bau- meister seine Stellung kündigt— auch eine solche Logik soll man anerkennen. In Wirklichkeit baven auch hier die Grundbesitzerdcreme bestimmend eingewirkt. Auf eine Anzapfung unserer Vertreter machte der Vorsitzende desN'.lmmelöburger GrundbcsitzcrvereinidaS verblüffende Ziigeständniö, daß der Baumeiftcr gern besoldeter Schöffe werden wollte, da hier- für aber im Grundbcsitzerverein keine rechte Stimmung vorhanden war, so hat man den Baumeister für diesen Posten fallen gelassen— und ist sich dann einig geworden, denselben als Entschädigung für den verlorenen Posten aus Lebenszeit anzustellen. Auch gegen diese offensichtliche Schacherpoliti! wandte sich unser Genosse John in scharfer Weile, er erreichte aber nur damit, dnff der neugebackene Schöffe Stiebitz mir Bravour erklärte, die Gnmdbcsitzervereine tun nach wie vor, wa-d ihnen beliebt. Der Antrag selbst wurde nach längerer erregter Debatte bis auf weiteres vertagt. Johannisthal. Aus der Gemeindevertretung. Zu Beginn der letzten Sitzung wurde der als Schöffe gewählte Herr Mitsching durch den Gemeindevorsteher eingeführt. Herr Mitsching. der im Orte alö gröffte Stütze der Kirche bekannt ist und auch als Verttauensniann der konservativen Partei genannt wird, hat sonnt sein Ziel wieder erreicht. Zur Ein- iührung des OrtS-KanalisationSstatutS gab der Gemcindevorsteber bekannt, das; nach eingeholten Informationen der jetzige Entwurf bis auf kleine Aenderungen von der Aufsichtsbehörde genehmigt würde. Die Höhe der von den Grundbesitzen, zu leistende» Bei- träge bleibt späteren Beratungen vorbehalten. Damit ist das ichrciende Unrecht beseitigt, daß die Kosten der Kanalisation durch den allgemeinen Steuersäckel gedeckt werden. Die Gnindbcsitzer haben denn auch schon in weiser Fürsorge vor Jahren ihre Mieten demenisprecheiid gesteigert und damit ein gutes Geschäft gemacht. Wie sich die Grundbesitzer aber andererseits gegen die Erfüllung von Pflichten sträuben, zeigt die fortwährende Klage über die Straßen- '.limgnng, die von Alters her seitens der Grundbesitzer besorgt wurde. Tie Besprechung in dieser Angelegenheit halte zum Resultat, eö mit den Grundbesitzern»och einmal auf gütlichem Wege zu versuchen, die Sttaßenreinigung zu besorgen. Die Einsvrüche der beiden Grundbesitzer Herrn Schulz und Herrn v. Trütschler gegen die Linienführung der Moltkcstraße wurden abgelehnt. Die Einsprüche gegen den Bebauungsplan der Pnrkgesellichatt seitens der Friedrich- sttaßenanlieger sind bis auf einen zurückgezogen. Die Herren ichemen es" sich überlegt zu haben, daß die Steigerung des Wertes ihrer Hinterländer größer ist, wenn sie mit dicien an die Straße kommeil, als ihnen das Fleckchen Erde, das sie durch die Straßen- fühnmg abtreten müßten, einbringen könnte. DeS weiteren wurde beschlossen, Stcnerrückstände unter l Mark nicht mehr einzutreiben, da hierdurch zu hohe Kosten verursacht werden. Durch die Kohlen- tcnernng ist die Bewilligung einer EtatSüberschreitung von 400 M. für Heizung und Reinigung der Schule notwendig geworden. Britz. DivhtheritiSertrankungeu sind in einer Klaffe der hiesigen zweiten Gcmeindcschule ausgebrochen. Bon ö7 Schülerinnen fehlen gegenwärtig 32 Mädchen. Davon sind laut Anzeige des Rektors bei der Polizeivcrwaltting 17 an Diphtheritis erkrankt. Eine Schließung der Klaffe ist bisher noch nicht erfolgt, da es angeblich der Kreisarzt nicht für nötig hält. Nach einer Mitteilung des Gemeindevorstehers tritt die Dipbtheritis nicht epidemisch auf, sondern beschränkt sich nur auf einige Häuser in den Straßen nördlich des Teltowkanals, banptiächlicb in der Jahnstraße! Wie dem auch sei: icdcusalls ist die beste Gewähr dafür, daß die Krankheit auf andere Kinder nicht übertragen wird, dadurch gc- geben, wenn die betreffende Klasse vorläufig geschlossen wird. Alt-Glienicke. Die Arbeiterschaft im Kampfe gegen die LebenSmittelve�cummg" sollte daö Thema lauten, über das Genosse Ritter in einer von Frauen und Mannen, gut besuchten Äolksversaminlung zu sprechen beauftragt war Die Versammlung harrte jedoch vergeblich des Referenten. Nachdem die Versammlung bereits bis 9� Uhr vertagt und der Referent noch nicht erschienen war, trug der Arbeiter- Gesangverein daS stimmungsvolle Lied:„Mit goldenen Schwinge» fließt rauschend die Zeit" vor. Alsdann teilte der Vorsitzende Genosse D ü vre in längeren Ausführungen den Versammelten mit, ans welchen Gründen die Bersnniinliing einberufen sei. Die gegen- wältige Zeit dränge die Arbciierichaft zum genosseNschasllichcn Zusanimeisichluß. ES soll sich deshalb in nächster Zeit nochmals eine Berinmmlung mit diese», T Heina beschästigcn. in welcher dann sicher ein Referent zugegen sein werde. Die Diskussionsredner ermahnten die Versammelten in der gegenwärtig bewegten Zeit unablässig für die Organisation und Arbeiterpresse zu agitieren, damit die Arbeiter- klaffe der kommenden Kämpfe gcioappnet gegenüber steh«. Mir zwei vom Gesangverein vorgetragenen Liedern wurde die von, besten Geist beseelte Lersainmlung geschlossen. Pankow. Eisenbahners Tod. In der Ausübung seines Beruft hat der 32jährige Weichensteller Anton Höpncr seinen Tod gefunden. H. war auf den, Pankowcr Rangierbahnhof tätig gewesen. Beim Ucbcrschreiten der Gleise wurde er von einem abgestoßenen Rangierwagcn erfaßt und unter die Räder gerissen. Der Waggon ging über den Verunglückten hinweg. H. wurde an den Armen und Beinen sowie im Gesicht so schwer verletzt, daß er kurz nach semer Einliefernng im KreiSkrankenbauL starb. NowaweS. Die Frage der Linienführung der elektrischen Strassen- bahn gab in der letzten Gcmcindcvcrtretcrsitzur.g wieder zu einer ausgedehnten Debatte Veranlassung. ES lagen Antrüge hierzu vor vom Neucndorfcr Haus- und Grundbesitzerverein, vom Nowawcser Hauöbefitzervcrcin, von, Verein„Nordost" und von der Finanz- und Wcgckonnnission. Die Neueniorfer Hausbesitzer beantragten, die Bahn durch die Groß- beercnstraße bis zum Trcwitzer Bahnhof zu führen; dieser An- trag war für die Vertretung von vornherein unanncbmbar, wenn nicht der Gemeinde eine kolossale Schuldenlast aufgebürdet werden sollte. Die Anlagckosten für diese Strecke, die NowatveS allein üvcrnchmcn müßte, da cs Potsdam abgelehnt hat. daran zu Parti- zipieren, würden sich auf 250 000 M. stellen. Das hieraus ent- springende Einnahmc-Soll von 40— 45 000 M. wäre nur durch eine Besetzung jedes Wagens bei viertelstündigem Verkehr mit 8— 10 Personen zu erreichen, für welche Frequenz aber auf dieser Strecke nicht die geringste Aussicht besteht, so daß die Folge ein großes iDefizit wäre. Ein ähnliches Resultat würde die Verwirklichung des Antrages des Nowawcser Hansbesitzervercins und dcö Vereins „Nordost" ergeben, welcher«ine Linienführung durch die Priester- und Wallstrahe bezweckt, da sich Potsdam nur bereit erklärt hat, diesem Antrage insoweit beizustimmen, daß die Linie auf Gemein- .samkcitskostcn nur bis zur Wallstraße geführt wird, die Weiter« führung durch die Wallstraßc bis zur Plantage inüßte daher Mc Gemeinde auf eigene Kosten übernehmen; somit fand auch dieser Antrag nicht die Zustimmung der Vertretung. Ter Antrag, der Finanz- und Wegekommission lautete dahin, die EicmeinsamkeitS- linic durch die Lindenstraße bis zur Plantage zu führen. Diesen Antrag wollten die Vertreter Dartsch und Schwarze dahin ab- geändert iMbcn, daß die Linienführung nur bis zum Rathanse bor» genommen werden solle. Diesen Vorschlag bekämpfte Genosse Gruhl, indem er betonte, daß wir keine Vcranlassnng haben, die GemeinsamkeitSanlage nicht voll auszunutzen und Potsdam etwas zu schenken. Es könne dies um so Weniger geschehen, als bei einem rventuellen späteren Ausbau des Straßcnbahnnctzcs nach Neu- babelöbcrg NowawcS dann die Kosten der Linic bis zur Plantage allein tragen müsse. Gegen wenige bürgerliche Stimmen wurde schließlich der Antrag angenommen, die Linie durch die Linden» siraße bis zur Plantage zu führen. Bezüglich der Verteilung de? ttcberschusses rcsp. Defizits wurde mit Potsdam folgendes der- cindart: Wenn die Einnahme durch die in Nolvawcs verkauften Fahrscklcine nach Abzug der ans Rvwatves entfallenden Betriebs- und Anlagetosten ein Defizit für letzteren Ort ergibt, trägt PotS- dam die Hälfte dieses Defizits, jedoch nur bis zu einem solchen von 20 000 M.; bei Ueberschüssen bis zum Betrage von 20 000 M. erhalten NowalveS und Potsdam je die Hälfte des Ucverschusscs; Von der überschießenden Summe erhält NowaweS zwei Tctttck und Potsdam ein Drittel. Da ein Ausbau dcö StraßcnbahnnetzeS in NowawcS aus allgemeinen Gcmcindemitteln der hohen Kosten Wegen nicht möglich ist, wird von der Vertretung beabsichtigt, die etwaigen lledcrschüsse der«Straßenbahn zu einem Fonds anzu- sammeln, um später aus diesem Fonds die Linie zu verlängern. Ter Fahrpreis der Linie Lindenstraßc-NowawcS— Alter Markt- rcsp, Wilhelmsplatz-PotSdam soll 10 Pf. betragen; man hofft, die Linie im Herbst nächsten JahreS in Betrieb nehmen zu können. — Ei» weiterer Beschluß der Vertretung betras die Pflasterung der Lindcnstratzc. Dieselbe soll von der Wilhelmstraße bis zum Thalschen Grundstück zweiteilig mit Kupfcrschlackcnstcinen gepflastert werden; der mit Bordsteinen einzufassende Mittelteil. der das Geleise der elektrischen Bahn ausnehmen soll, wird mit Rasen versehen. Vom Thalschen Grundstück bis zur Plantage»- straße ist, da die Straße dort schmäler ist. nur ein Straßcndamin vorgesehen; dieser Teil wird mit dem aus dem anderen Teil gc- wonnenen alten Material gepflastert werden, da bei einer eben» Wellen Höhcrlcgnng der Eisenbahn, von der man hofft, daß sie in den nächsten Jahren erfolgen wird, eine Umpflastcrung dieser Strecke vorgenommen werden muß. Die Gesamtkosten der Neu- regulierung dieser Straße betragen 220 000 M. Da der Wert dcö gewonnenen Materials auf 17 000 M., die Anlicgcrbeiträgc auf 62 000 M. veranschlagt sind und der Kreis Teltow 28 000 M. zu der Regulierung beiträgt, entfallen auf die Gemcindckass« 113000 Mark Kosten. Eine», Antrage der Finanz- und Wegckommission, die An- liegcr in der nengepflastertcn Fricdcichstraße mit 50 Proz. zu den Kosten der Pflasterung, toelche 39 000 M. betragen, heranzuziehen. stimmte die Vertrewng zu, ebenfalls einem solchen auf Anlegung eines Schmuckplatzcs am Schnittpunkte der Karl- und Plantagen- straße. AK, sc» A»n>ni orr �uirrai« nberiiimnu Die Redatiion de», vndlidin- argenüdrr keinerlei ?>n»»»»ornnifl. Chcaicr. Mittwoch, 16. Dezember. Ansang T/3 Uhr. Kai. OvernhauS. Salome.(Anfang 8 Uhr.) Köittgl. Schauspielhaus. Auf KssraSkoog. Teul'cues, Ein Sommernachtstraiim, Kamnierlvlele. Gefpenfter.(An» sang 8 ttltir.) NcurS Schauspielhaus. Zar Peter, RachmütagS 3 Uhr: Frau Holle. iin'ang 8 Uhr. Berliner. Blaubart. NachmiltagS 3 Uhr: Till Eulen- spiegel Lesfing Vom anderen User. Neues. Barcarat. 2>i(i»r> o rr>u»er. Theater.) Gebildete Menschen. Schiller Eharlottenburg. Der Revisor. Friedrich- BZtlhelmftädt. Schau- spielhanS. Jugend von heute. NachmiltagS 20. Uhr: Lügen» mäulchen u. DahrheltSmündchen. -ileinrs. Maiidragola. Zentral. Frau ÄarrenS Gewerbe, Nachmittags 3'/. Uhr: Schnee- Wetschen und Noicnrot. Theaier a» der Spree. Tiroler Krippciispicl. NachmiltagS 4 Uhr, Die Hclnzel« Männchen. Neiidenz. Ganz der Papa Lorping. Der Wasleuschinied. Nachmittags 2'/3 Uhr: Rumpelstilzchen, Komische Oper. Tiefland, Bdrstni. Die lustige Witwe. Nachmittags 4 Uhr: Schucewlttchen, L iiii■». i e 1 1, ,1 ii S. Husarcusieber. Nachmiliag» 3 Uhr: Peter Gerne- tlei». Driauo». Fräulein Josette— meine Frau. Zllalia. Die gelbe Gesabr. Nachmillaa» 4 Uhr: Rottäppchen. Luise». Em gastliches Haus. Nachmittags 4 Uhr: grau Holle. Bmiuard inofe. Die Pirpvc. Praler. Zwischen zwei Herzen. NachmlllagS 3 Uhr: ,NoIläppchen. «vieim-iM. Da» nur, man Ikh'n, Slpollo. Sylvester Schässer jr. Sicgw, Gentes. •lOnUmiin. Svezialilälrn, Foltes Caprice. Gelclltc Liebe. Kanno. Biedeilcut«, Gebr. Herrnfeld. Papa und Ge- nossc». Palas». Am heiligen Abend. Spezialitäten. Parodie. TaZ Ungeheuer. Japsen- slreich. Monna Vanna, Wintergarten. Speztallläten. Neichshnllrii. Slcttinrr Sänger. Pafiag«. Die singenden Engels» lir-iui«. Taudeuu,-ihr(M in. Abends 8 Uhr: 3. Vortragsabend de» Wlssenschasllichen Vereins, Prof Dr. Hergesell, Strahburg i E. �ternmarie, Juvalldeuiir»? nr: ZurBeobachtung: Mar», Saturn, Doppclstcrnc, Rebelslelke. öerliner'slieslei', IZzstsp, So» fieuon 0?oeoii,-1'dssters, Aachm, 3 Udr: Till EuleiifPirgelS luftige Streiche.- Abends 3 Uhr: Klaubatt. Kom. Oper in 3 Allen v, I. Offenvach, Ansang 8 Ubr. Morgen u. svlgeudc Tage: Blaubart. Heues Tstesler. Anfang 8 Uhr. Baccarat. TonnerZlag: Baccarat. Frcllag: Baccarat. ltleines Ilieslei'. Abends 8 Uhr: Sorma. Mamlra�ola. TonncrSiag; Mandragola. Frei lag: Mandragola, Sonnabend: Mandragola._ "Theater des Westens. 8 Ubr:(>l«a IuhUkc tVttne. Sonntag nachm. 3V4 Uhr halbe Preise: irrUhliiigiflart. Mittwoch und«on imbend 4 Uhr zu lleinen Dreisen: Si:>ins«l»itte>'en Liistspielhaus. Nachm 3 Uhr: Peter Gernckleiu. Abend» S Uhr: Nii»ar«allek»oi', MMh'WilijglinztSMekgz 5eksu8piöIt»ZU8. Nachm.»'/, Ubr: Litacnmänlchen und Wahrhcitsiuuudchcn. Abends 3 Uhr: .luvend von heute. Donnerstag: KriemhildS Rache. Freilag zum erslenmal: Wadauic Sa»S Ghue. �ortiing-Iliester; Naqm. 3'/, Uhr: Sinnipelsttizchen. AbendS 8 Uhr: Der Waffenschmied. Donnerstag: Der Freischütz. Frrilag: Die Zaube, flöte. Ansang Uhr. Soiinabend nachmittag Z'.iz Uhr: Rumpelstilzchen. AbendS 8 Uhr: Die Zauberslbt«. Zeentral-Tkeatsr. Gastspiel des Hebbcl-TheaterS. Nachmittags B'ls Uhr: Schnerwetschen und Rosenrot. AbcudS 8 Uhr: �rau WarrenS««etverbe. Drama i» 4 Akten von Beruh. Sbaw. Schiller Schiller- Thedtar 0. iVaklncr-Tbeaier). Mittwoch, abends 8 Uhr: t!«? killtet« ZleniieliQN. VoltSstück in 3 Auszügen von Viktor Löon. DonnerSiag. abe»dS8Uhr: va» viert« Gebot. Freitag, oben et 8 Uhr: Dan vierte Gebot. Theater. Schiller.Theatcr Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Nevluor. Lustlpscl in 3 Akten v. Nikolaus Gogol. Deulsch von E. v. SchabelSky. Donnerstag, abelldS8Uhr: ltvlterattaelt«. Fretlag, adeudS 8 Uhr: Der Nevlnor. Zirkus Scltumann Heute, Mittwoch, den 18. Dezember, abends präzise 7'/, Uhr: Grand« WoSpc« c'qoeotre. Elite-Programm. U. a.: Die phänomenaken E 'khsgenckSi, ISanvartis. The three Demons in ifirai Icnsation.'llcii Leisluiigen. Ferner: Die mosiarllgcn neuen Spezialitäten. MM�Um»ff, Uhr: Sin lottW die diesjährige gr. Dasserpantomimc. Aelitsmg! An allen WrihnachtS-oeie, tagen nachmittags zum Schll:st: Tic reizende Pantouiimc Die lästige» Hridtlbtrgrr mit den urdrolligen Regciifzciie». .isusllem!iee><3i' XIII.«»I�on. Zftrkns Blasch Mittwoch, 18. Dezember, abends 7';, Uhr: Grolle Vorstellnnff. U. a.: liremo Family. Geschw. VichiS. Mr. Allred Rasfin. Aiseudrcssui cn. LeS BastlenS. Ge- schu-ister Pissinli. Feiner Fräulein Eilclle Preopl, Schub eilcrm. Her: Ernst Schumann, Neudressuren DicSj. gr.AuSst.-Paiit. d.Zirt.Busch. Äinrm und ÄichlssSiiiitergang. Die Wunder der Ttefsce. Vorher daS grosse Programm. Uranta. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr; 8. Vortrags- Abend des Wissenschaftlichen Voreins. Prof. Dr. Hergesell, Straßburg I.E. Invalidenstr 57— 62: Sternwarte. Zur Beobachtung: Mars, Saturn, Doppelsterno, Nobelflecke. Rixdorfer Theater Bürgcrsäle, Bcrgstrasie Nr. 147. Donnerstag. 26.Dez. fi.WcihnachtStag) Gburley!, 1'ant«. A.aug 7ff, Uhr. Freitag, den 27. Dezember: Gastspiel des Opereiten-EnsembleS (Zeiitral-Theater) „Di« Gelnba". _ Ansang 8 Uhr._ Residenz-Theater. - Direltum: Richard Alexander.— Ansang 8 Ubr. Ganz der Papa. Schwan? in 3 Atlen von Mars und DcSvalliereS. DciUsch v. M. Schönau. Baron des Aubrais: Rich. Alerander. l.llt8RR-IIlSg!öl. Reiliienbergerftr. S4. Premiere. Lin gastlich Hans. Donnerstag: Sin seltsamer Fall. Freitag: Erziehung zur Ehe. Solniabcnd nachm.: Frau Holle. AbendS: Arn Tage deS Gerichts. Sonntog nachm.: Am Tage deS Gerichts. AbendS: Em sellsamcr Fall. Montag: Sin stlisamcr Fall. »süWMIIsUN »Kr. Frauttnrlerltr.>32 Ensemble- Gastspiel deS Zentral-TheaterS. l) i o puppe. Anfang 8 Uhr.— WochcntagSprclse. Doimeröiag: Die Blnlhochzcit._ 1 taelroiiol-Thealer Anfans; prfizlite S Chr. ■[i:|i Gr. Kovuo in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor HoUaender. In Szene gesetzt von Direktor Ricbord Sonultz. G. Melier, F. Massary, B. Darmaotl, Bender, Giampietro, Joseph!. Bauchen ilborul! gestattet. Sonntne, ä'f. Dezember, nachmittags 3 Ubr: Die Herren von Maxim. TEealaandaSpm Köpenickerstraste 68. Täglich 8 Uhr: Tiroler Krippenspicl. Sonntag, den 22. Dezember: Zum erste» Male: wraF* Zum erste» Maie:-qssg Hokuspokus. Posse mit Gesang und Tanz. Von konie Herrmann. Nepertoir der Feiertage: AjHokuspoktts. NachmiltagS 3 Uhr: 25. Am grülic» Weg. 2S. Der Altienbuditcr. 27. Tiroler Ärippeiispiel. W.5toLeks7kestsr Dlrelli-iu: 8od. Oi». tUuiiiienitr. in. Heule Freitag: Geschlossen. Sonnabend l Aurl» Gtimrt. Sonntag zum letzten Male: Slurla Stuart. In Vorbereitung: J„ der Irre. Schauspiel n. ö.„Morgenpost'-Roman. f Passage-Theater, t Auftroten von: Robert Steidl, Liane de Vrlbs, Kltty Gordon, Tan Kwai• Truppe, Flood Brotliers. Starr and Lesile, Boganny* Truppe, Die THIcr Girls, Brunlns, La Bdrat, Toqod. Tcnsi• Trappe, Der Biograph etc. 316 8 Uhr: Das wunderbare Weih- »achtS- Programm mit(9 Uhr): Slegwurt Genien in(einem Skalsch: Die Opernprobe u.(9'/. Uhr): Sylvester SeliülTer Jr., der berühmte Untversalkünstler. Soiinlag. den 22. Dezeiliber er., nachm. 3'/. Uhr bei Nelnen Preisen: Femlllsn-Vörslollung mit Ziegwart Genies und Sylvester Schässer jr. Abends S— 11 Uhr. Die singenden Engelsköpfe ülartln Kettner Erna Fröhlich - jy und das großartige"7� Dezember Programm. � iL alhailä- Variete•Thealer Weiiibergswsgt8;20. Rosenth. Tor Ansang 8 Uhr. Das kotoss. Dezember. Programm. 12 Akrobaten Lorch 12 zirzensische Spiele._ 0V Colinl Clniron WPj „Cssin Ugnstlerfest.« Harry Arndt, ST& IS internation. Spezialitäten IS DSM- Tunnel: RegimentSkapelle, Schrammeln.— Theaterbesuchern freier Ginhitt Dalast E Bur! •Theater Burgstraste 24 Heute 8 Uhr U9' Entrcc SO Pf. Lona Rev�e Tableaux vivants Lima-Quartett Dmnen-Ensomble. Hee and Shee,6"3�/' 9 Attraktionen 9. heiligen Abend Charakterbild von Hvsffnanu. und kareSie-Theater. DreSdenerstr. 07. Anfang 81/, Uhr. I.etxtc Anfruhrtingen von Zapfenstreich, Das Ungeheuer und Atonna Bnnua. Freitag, den 20. Dez. Gala-Premierx: sei!.- tabiuser. Theator Polles Caprice Linionstr. 132, Ecke FrlodrichstraBe. Rabbi Meseritsch. Bunter Teil. Geteilte Liebe. Morgen DonnerStag: Premlere» Kai was Anderes. Revue in 1 Akt».:t Bildern mit Musik»oh( iW Versammlung"WW der Merkjllittlitrtrankllstkllte und Mitgliedsbuch legitimiert. S9/t6 Ausschiisjuiitgtieder. Der Obmaun. Linzetraxene oenossenscdalt mit descdrünleter ilattpllicdt. Ickorxon Donneratog eröffnen wir Rixdorf, Emserstraße 33 unsere 18. Verkauftteile. (Jcschiiftszeit von 8—1, 3—8. Sonnabend bis 9 I hr. Sonntag geaehlosscn. 212(3_ Der Voratand. Sl> beitSiiactNveiS: Hof I. Amt 3, 1239. Bermaltuiigsstelle Berlin. Hanvtbureau: vharitdstraSo Z. Hoj III. Amt 3, 1987 Der WeihiiachtSfetertoge wegen erfolgt die Auszahlung der E«?- Arbeitslosen- und KrankenunterstiiNnng au folgende» Tagen: Für den 20. nnd 21. Dezember am Freitag, 20. Dezember. „ 22., 23. u. 24. Dezember am Sonnabend, 21. Dezember. „ 25. und 26. Dezember am Montag, 23. Dezember. „ 27. und 28. Dezember am Dienstag. 24. Dezember. „ 29. und 30. Dezember am Freitag, 27. Dezember. „ 31. Dezember am Sonnabend, 28. Dezember. Zlm ZV. und 31. Dezember und 1. Januar ISV8 bleibt der Zlrbeitsnachweis und das Bureau der Rraukenuutersiüyuug g e f ch t o f f e n k Die erste Auszahlung erfolgt wieder am Donnerstag, den S. Jaunar 1998. Die Kollegen werden ersucht, dieses zu beachten I Den Aollegen zur Nachricht, das, Broschüre» im Bureau zu haben sind betressend die Berhandiungen des Reichstages über den Gesetzentwurf betreffend die gewerblichen Berufsveretne. Zur Mitglieder ist der Preis SS Pf.(Buchhändlerpreis 7S Pf.). l9l(l_ Die Ortavcpwaltwng. Originelle Spielwaren! Muslkclown, grosse. öchnur spielt die Clown mit Trommel, massive Figur, darch Ziehen an der armonilia, Stück 50 tch 'Ig. und ähntiene Luftschiffer, Auslührungen mit Uhrwerk, 1,25 Mk. VoxIrsparbUchte, kann nur von Ein Eihfen geSIInct werden. 75['Ig- Vezirtruhe, zerspringt der Oeffnung, 45 Pfg.(wieder brauchbar) MocilSRiscn juiii|,.vr. Krieo- Crosse Auswahl jeweihten hei der 0_„ bewegliche Wagen, A-tc, schiffe, la Uhrwerk 60 Kg, 1.20 5 origineller Gesohonh■•ptikoi. 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Freie Diskussion für jedermann. 269/1* Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der kltnberntvr. Soeben ist erschienen: QMrook Kritft aus der ßtide an meine inngen Freunde von Jürgen ßrand Mtt ßuchrchmud» vom Terfaffer. Preis geb. M. 1,50. Porto 29 Pf. Der BlldungsausrdtuS schreibt über das Buchs „Frcuno wrano- otetet in diesem vortrefflich ausgestatteten Büchlein zwölf Briese, die cr den Kindern in den zwöls Monaten des Jahres aus seinem.lUeiibrook" schreibt. In jedem dieser Briese lernen die Leser ein besonderes Kapitrl der Natur kennen. Ader die Art, in der dies geschieht, ist nicht eine ermüdende, langwcilig-bclehreiidc, sondern das Buch ist mit dem Herzen geschrieben und geht zu Herzen. Ernst und innig spricht hier der ältere Freund zu der Jugend auch von dem Zartesten und Gebeimnisvollsten, auch vom Geheimnis der Menschwerdung. DaS Buch ist eine der besten Jugendschristen und sollte in keinem Arbctterheim sehlen." Auch jeder Erwachsene wird an dem Buch Vergnügen sindcn. Unser Mald. Ein Volksbuch von Lurt Srottewite. Herausgegeben von Milkelm ßölfcbc. Mtt 20 HbbUdungcn auf Runftdruchpapfcr. Preis broschiert M. 2,50. Porto 20 Pf. PretS gebunden M. 9)—. Mlbelm ßSlsche schreibt in seinem Vorwort: ... Das Wer! will ein Volksbuch sein. ES erzählt von ewem mweräutzerllchen Besitz des VoffeS: dem Walde. Möchte es beitragen zum Genutz dieses Besitzes, der uns bewahrt, ihn für ein glelchgültiaeS Gut»u halle::. Stärler als je tut es heute not. datz das Wort«Heimatschutz" bis in alle Tiefen des Volkshcrzens Mnge als ein Nus zur werktätigen Mithülic. Lagt uns den Wald vor siimloscr Zerstörung sür irgendein vergängliches Augeiidlicksiiitercffe schützen und wir bewähren einen besseren Patriotismus als der ist, der nur in werllosem SlhiicnkultuS sich auszuleben wcitz,— wir bewähren einen Patriotismus sür unsere Kmdcr und Enkel, die hosientlich noch mehr Zeit und Ruhe haben werden alS wir, um das zu genießen, was wir hier ihnen gerettet haben.' Lichtglaube und Zukunftsionnen. Gedicht« von Robert Seidel. PreiS elegant gebunden M. 2,50.— Porto 20 Pf. Robert Seidel tft dem arbeitenden Volke kein Fremdling. Robert Seidel ist dem arbeitenden Volke ein alter Bekannter und lieber Freund. Seilt erstes Bündchen Gedichte„Aus Kamvsgcwühl und Einsamkeit' ist in vielen Tausenden verbreitet und seine Gedichte in der„Neuen Well", im.Wahren Jakob", im„Süddeutschen Postillon" und anderen Zeltschristcn haben viele ersreut und erhoben. Eine grotze Anzahl seiner Lieder find in Musik gesetzt und werden gen: gesungen. Auch tn seinem neuen Band Poesien glüht und sprüht das poetische Feuer, und dichterische Kraft erhebt den Leser zu lichten Höhen. Wer Licht und Wärme sür sein Gemüt braucht, wer des Trostes und der Ermutigung sür den Kamps bedarf, wer sich rnst Glauben und Zuversicht sür die Ideale der Zulunft ersüllen will, wird in diesen Gedichten Befriedigung finden. In zweiter Auflage ist erschienen: Sonntage eines gyoltftZdtisdKN Arbeiters in der ffotur« Mit Buchschmuck und einem Porträt des Verfassers. Von Gurt Grottevnte. Herausgegeben von Mlhelm Kölsche. Preis broschiert 60 Pf., gebunden M. 1,—» Porto 10 Pf. üllllhelm ßölfehe tagt In seinem Vorworts „Ich glaube, datz es in der ganzen Literatur nicht leicht wieder so schlichte Naturschilderungcn gibt, mit so scheinbar allere'.nsachstcn Mitteln, wie in diesem Büchlein." AuS den preßstlmmen erwähnen wir: „Leipziger Volkszcltung" vom 16. Dezember 1905: Der Verstorbene wollt« nicht nur Wisiensstosi oerbreiten, er wollte auch vor allem sehen und beobachten lehren, und um das zu leisten, lud cr die Leser in den Aussätzen, die hier gesammelt vorliegen, in seiner stillen Art ein, mit ihm Spaziergänge zu machen, aus der Grotzstadt hinan?, in die sreie Natur hinein. In jedem Monat erfolgt eine solche Einladung, und aus jedem Spaziergang lätzt cr den Herrn Tanzmann, den er ausschickt, sür die Jahreszeit charakteristische Elscheiniingen dcS Naturlebens zu beobachten, daran Betrachtungen anknüpfen und Ausklärung geben. Das alles in seiner stillen, Ichlichten Art. an ein Publikum denkend, das lernbegierig ehrlichen, geraden Aus- druck der Gedanken sucht und blendende Feuillelonmätzchen instinkliv abweist, ersüllt von der Freude zu lehren und darzustellen, auch Spötzchcn einschiebend und komische Lichter aussetzend. Das bei- gegebene Porträt des Verstorbenen wird den Lesern dcS Büches noch besonders willkommen sein. öiichhliildlulig Nsribiirtg, Keriiil SW. 68,»nat. es. Trianon-ThealeF. Heule und folgende Tage 3 Uhr: Frlulein Josette- 1» Fraii. ohne Anzahlnng Kfj Pf. wüwöGh. Teilzahlung S Steppdecken, Tischdecken, Teppiche. Portieren, Gardinen, Läuferstoffe, Uhren. Spiegel, Bilder, Herren-, Knafaengarderobe, Bellen, Bettwäsche M. Meiseis, 6r. 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Diese Tugenden Hot der Staats- sckretär für Sozialpolitik nur den yemerblichen und ländlichen Ar- beitern empfohlen: bei der Pflege dieser Tugenden kann der Kapi- taliSmuo wunderbar gedeihen und die Sozialpolitik auf dem alten Flecke stehen bleiben. Anders als danach die Arbeiter denken sollen, denken die Ar- beiter im Weinberg des Herrn, die Geistlichen, rücksichtlich ihrer Arbeit. Sic befinden sich jetzt in einem lebhaften Lohnkampf ustd wollen von Zufriedenheit nichts wissen. Das ergab die Beratung der außerordentlichen Landessynode zu Hannover über die Fest- setzung eines neuen Lobntarifes für die Geistlichen. Ter Staat hat vorgeschlagen 2400 M. Anfangsgehalt, steigend in 24 Dicnstjahrcn bis auf 6000 M. nebst freier Dienstwohnung. Diese neue Besoldungsordnung bringt eine Gehaltserhöhung um— 27 Prozent! Das ist den geistlichen Herren noch nicht genug. Sie verlangen 270V M. Anfangsgchalt, Höchstgehalt in 2! Jahren und Anrechnung der Militärzeit. Warum auch nicht? Ist doch der Militarismus auch eine von der Kirche gesegnete Ein- richhmg. Diese weitergehenden Forderungen hat die Regierung nun aber, wie andere Kapitalisten gegenüber den Arbeitern, ab- gelehnt. Darob gerieten die Herren in der Synode in Eni- rüstung, sie seien enttäuscht und stellten in Aussicht, daß ihre Lohn- bewegung damit nicht beendet sei. Der Pastor Schädla aus Verden sagte das Folgende, das auch für die Arbeiter von großem Interesse sein muß: „Wenn es auch nicht in der Absicht der Geistlichen liegen könnte, in ihren Gehaltsrcformbcstrebungcn nach Sammlung von Schätzen zu trachten, so müsse doch die einfache Sorge um den Pfarrerstand die Ueberzcugung diktieren, daß die?l u s- bcsscrung um 27 Prozent durchaus keine ge- wältige sei und in keinem Verhältnis zu der prozcntualvielhöhercnStcigerungder Kosten der Lebensbedürfnisse, welche sich in den letzten Dezennien vielfach mehr als verdoppelt bätteiu stehe. Unter diesen Umständen bedeute der an die Adresse der Staatsrcgierung gerichtete Dank für das Zehn- millionengc'ckenk eigcnrlich nichts tvciter als der Dank eines ge- bildeten höflichen Mannes. Angesichts der doch notorisch für das gesamte Volk geschehenden schwierigen Arbeit des G c i st l i ch c n sei es zu bedauern, daß die ge- stellten Wünsche nicht erfüllt worden seien." Ein anderer Redner stellte die Forderung auf:»Jeder Geist- liche in Stadt und Land hat Anspruch auf ein jt a n d c L g e m äß c s Pfarrhaus." In der Befoldungövorlage steht, daß der Geist- liche als Zubehör zur Dienstwohnung einen Hausgarten er- halten soll. Da verlangte derselbe Herr, daß cL heißen soll:„eingefriedigten Hausgarten"! Wir sehen, daß" die geistlichen Herren alles andere, nur nicht zufrieden sind. 27 Prozent vlehaltszulogr,— das sind in 4V Dienst- jähren statt 150 000 M. 100 000 M. Einkommen, also etwa 40 000 M. Mehreinkommen durchschnittlich für die Geistlichen— nennt man nicht gewaltig. Warum bieten diese Herren nicht ihren Einfluß auf, um der weit schlechter gestellten und zahl- reicheren Kategorie ländlicher und gewerblicher Arbeiter zu einer 27prozentigen Lohnaufbesserung zu verhelfen? In Wahrheit predigen sie diesen Zufriedenheit und sinnen darauf, den Arbeitern durch die Kirchensteuern noch mehr zu n c h m e n. Zur Boykottfrage. Das Sberlandesgericht Colmar Hai am 9. d. Mis. im Bohkott- prozeß der Mülhaufer Wirte-Jnming gegen die„Mülhaufer volkszeitung" und den Vorstand des Sozialdemokratischen Vereins Mülhausen das Urteil des Landgerichts Mülhausen, das die Bc- klagten zum Schadenersatz verurteilte, aufgehoben. Zur Feuerbestattung in Bayer». Wie seinerzeit berichtet, lehnte das bayerische Ministerium die Gesuche verschiedener Städte um Zulassung der Feuerbestattung in Bayern ab, weil das Polizcrstrafgesctzbuch nur von„Beerdi- aungen" spricht, und die Feuerbestattung somit unzulässig sei. Im Stadtmagistrat Nürnberg kam der Referent für das Bestattungs- Wesen zu der entgegengesetzten Ansicht: da das Polizeistrafgesetz- buch die Feuerbestattung nickt verbiete, sei sie auch gestattet, und es bedürfe gar keiner Genehmigung hierzu. Er beantragte� ein Krematorium auf Stadtkostcn zu erbauen und dann, falls die Regierung ein Verbot der Inbetriebnahme erlasse, dessen Auf- Hebung auf dem Prozcßwcge zu erzwingen. Die Sache wurde einem Ausschuß überwiesen, der nun begutachtete,„in Rücksicht auf den derzeitigen Stand der Sache von der Erbauung eines Krematoriums abzusehen". Der Mazistrat schloß sich diesem eigenartigen Gutachten_ WaficrstandS-Nachrichtc» der Landesanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburcau. vafferstand Memel, TUM P r e g e l, Jnsterburg W e t ch I e I. Thor» Oder, Ratibor » Krassen , Franksurt Warthe, Schriimn . LandSbcrg Netze, Bordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg am tSü2. cm 352°) 64°) 147 143 123 143 30 50 l? —91 142 IIS seit 13.12. cm') -21 -81 — 3 4-28 T 6 +18 4- 8 4- 3 — 8 -12 4-35 4-11 Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Spandau , Rathenow') Spree. Svremberg , BccSkow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau » Kaub , Köln Neckar, Hcilbronn Main, Wertheim Mosel, Trier am 16. l2. 124 98 119 104 133 56 100 430 236 373 120 169 291 seil 15.12 cmv 4-12 4- 4 4-1 0 0 4-20 -11 4-19 —10 4-42 4-65 4- 4 4- 3 0 4- bedeute» Wuchs,— fiaH.—«) Unlervegel.—*) EiSNaud Offene Grkliirmtg für sämtliche Alumnenten des„Uormkrts". Nicht Reklame, londem Tatsachen sind überzeugend für die Leistungsfähigkeit meines Angebotes. Was Sie später tun wollten, tun Sie sofort und versäumen Sic nicht, de» jetzt vor Weihnachten stattfindenden sich anzusehen und Ihren Bedarf in Damen- und Ktrrder-Wardcrobe zu decken. Jnventnr- Ausverkauf Ulüschiiiliiitel, Aürchiiluiiiiiud, DDMiim, Stoien, ßMm. 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Bezirk) verstorben ist Ehre seinem Andenken 1 Die Bccrdiaung findet heute Mittwoch, nachmittags 3 Uhr, von der Leichendalle deS Ziixdorfcr ftricdhoscS(Mariendcrfcr Weg) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 221/9 Der Vorstand. Km 18. d. M. verstarb nach kurzen, schweren Leiden mein innigst geliebter Eatic. unser guier Valer. Bruder, Schwager und Lnkel, der Werkmeister tieinrick Lebveider im Aktcr von 57 Jahren. Dies »eigen mit der Bitte um stille Teilnahme ticsdetrüdt an s1990b Berlin, den 17. Dezember 1907. Gotzleritrahe 18. Witwe Ann» Schneider, geb. Brathz und Tochter. Die Beerdigung findet am 19. d. M., nachmittags 1 Uhr, oon der Leichenhalle dcö Berliner KemcindesricdhoiS in Friedrichs- leide auS statt. 19906 *** Typogpaphaa Schon wieder hat der Tod und einen unserer bcwährtestenSangcs- bi-üdcr entrisse». Am Tönning morgen starb an den Folgen einer Lveraiion unser treues Mitglied. Kolleg« Veorg Lekumson. Wir weiden seiner stets in Ehren gcdenlen! Die Vcerdignng findet Hente nachmitiag 2 llhr von der Leichenhalle des Nazaretb-Kirchhoses sisteinickendors, Bcrlinerstraßej aus stait. Diejenigen Sang-Sbrüder, welche sich jrci machen können, find ge> beten, unserem verstorbenen Kameraden das letzte Geleit zu geben. Der Vorstand. Ei». Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzeos(r.4UdicÄ 10-2, 6-7, Öosrnta�s 10-13, 2-i. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die vielen Krmiz- spenden bei der Beerdigung unseres lieber. Eiitschlasenen. dcS(tzastwirtei Gustav Schmidt sagen wir allen Verwandten, Freun- den und Bekannten sowie deniLoit ric l verein �Koiberger Sprudel" Miseren herzlichsten Dani. IMTH ; Faenilirt Scltmldt. Wäsche, Wäsche 5% Wäsche 5% Sacob(Solde IIS G-. Frankfurterstr. 115 Wäsche, Wäsche 5% Wäsche 5% Lieferant für alle Rabattvereine. Karl Pirnaus „OsteKasino". Empsehle den gechrt?» Herrschasten mein- �äle für Bereine. Hochzeiten. 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