Ur. 300. flbonnementS'Bedingungen: Lionnements> Preis pränumerando? Bicrtcljährl. 330 ÜRf., monoll. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Psg, frei ms HauS. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntag-. nummer mit Multrierter Sonntags. Beilage„Die Neue Welt' 10 Psg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preislille, Unter Kreuzband iür Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Poslabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 24. Jahrg. CrfdKlDt täglich aoBer tnontais. Berliner Volksblnkt. Die InfertionS'GebObr beträgt für die fechSgespaltone Kolouef« zeile oder deren Raum 50 Psg,, für politische und gewerlschastliche Verciiis- Und Vcrsammlungs. Sinz eigen 30 Psg. „Kleine Snreigen", das erste fscU- gedruckte) Wort 20 Psg,, jcdcS weitere Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlas- slellcn-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg,, jede? weitere Wort 5 Pfg, Worte iibcr 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate Iür die nächste Nummer müssen biS S Uhr nachmittags in der Expedition Abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Adresse: ..SnlzliUliollM Berlin". Zcntralorgan der roztaldcmohrattfchcn parte» Deutfchlands. Redaktion: SCO. 68, Lindenstraese 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. 6xpedition: SRI. 68, Lindenstrasec 69. Fernsprecher: Amt IV Nr. 1984. LntlaMe(ieheimbiinckler. Die Razzia auf russische Verschwörer, die vor einigen Wochen mit so großem Tam-Tam eingeleitet wurde und die dann in dem famosen Waffen- und Papierfunde in der Pank- straffe ihren glorreichen Triumph erlebte, hat auch den Kandi- daten der Medizin T r 0 f i m 0 f f und den Schriftsteller Streltzow wegen Geheimbündelei resp. Verstoßes gegen die Bestimmungen des Vereinsgesetzes aus die Anklagebank gebracht. Heute fand nun vor der siebenten Strafkammer die Verhandlung statt. Und da3 Ergebnis der Haupt- und Staatsaktion? Wenn je ein kreißender Berg ein Mäuslein gebar, so diese Anklage wegen Geheimbündelei! Der Inspirator und Kronzeuge der Staatsanwaltschaft, Kriminalkommissar v. Arnim, der Dezernent für den Ueberwachungsdienst der Russen, hatte mit wahrem Ameisen- sleiß Hälmchen um Hainichen zum Beweis dafür zusammen- getragen, daß Trofimoff der Leiter eines gefährlichen Terroristenbundes sei, der an den friedlichen Gewässern der Spree sein polizeischeues, verbrecherisches Unwesen treibe. In der Anklageschrift wurde mit Bedeutung darauf hingewiesen, daß unter den auf der Wahlstatt, d. h. auf dem Fußboden des Zimmers, in dem die aufgespürte und aufgelöste Geheim- „Versammlung" stattgefunden, auch ein Fetzen Papier gefunden worden sei, das den Namen Mirski getragen habe, also eines Mannes, bei dem man einen Koffer mit doppeltem Boden gefunden haben will. Und Herr v. Arnim er- klärte dann in der heutigen Verhandlung als Zeuge, daß die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Rußlands zwar„offiziell", d. h. in ihrem Programm und ihren Proklamationen den Terror verwerfe, daß aber der schreckliche Pankstraßenfund beweise. daß die Mitglieder der genannten Partei, zu denen Trofimoff nach Ausweis der von ihm stammenden Einladungen usw. gehöre, dennoch eine höchst gefährliche Gesellschaft sei. Leider wurden vom Vorsitzenden diese interessanten„Expektorationen", als was sie der Vorsitzende selbst bezeichnete, unterbrochen. Leider, denn sonst hätte man noch die wunderbarsten Kombinationen er- leben lönucn, Herr v. Arnim, der Dezernent für Russen» fachen, gab nämlich gleich darauf einen kleinen Beweis dieser erstaunlichen Kombinationsgabe. Er schilderte den Schrift- steller Streltzow als höchst gefährliches Individuum. sei er doch Mitarbeiter der—„Sozialistischen Monatshefte", habe doch die Mostsche„F reihe its" Artikel von ihm gebracht! Die Verteidiger stellten sogleich durch ein unbarmherziges Jnquisitorium fest,. daß Herr v. Arnim nicht wußte: erstens, daß Most seit 2'/« Jahren v e r- st 0 r b e n ist. zweitens ivelchen Inhalt die fraglichen Artikel der Mostschen„Freiheit" hatten, und drittens, ob es sich nicht etwa nur um Zitate gehandelt habe, gegen die am Ende nur polemisiert wurde. Nach solchen Proben erklärt es sich, daß das Gericht auf alle Pank st raffen- und Terroristenkombinationen des Herrn v. Arnim keinerlei Geivicht legte, ja daß es unter aus- drücklicher Dcsavouicrung des in derselben Richtung sich bc- ivegenden„unglücklichen" Konstruktionsversuchs der An- k l a g e s ch r i f t von der Annahme ausgehen zu wollen er- klärte, daß Trofimoff, ebenso wie seine Partei, die russische Sozialdemokratie. Gegner des Terrors sei. Von der Anklage blieb also nur so viel bestehen, daß Trofimoff als Sekretär einer ausländischen Ortsgruppe der Sozialdemokratischen Partei Rußlands eine polizeilich nicht angemeldete„Versammlung" abgehalten habe, in der Streltzolv. dessen Zugehörigkeit zu irgend einer Gruppe überhaupt nicht ,u erweisen war, einen ftaatSwissenschaftlichen Vortrag gc- halten hatte. Wobei zugegeben wurde, daß dieser Vortrag einen durchaus akademischen,„rein doktri- uärcn" Charakter getragen hatte! Und wegen der Teilnahme an dieser fürchterlichen„geheim- bündlerischen" Aktion waren nicht nur sämtliche Teilnehmer der Ausweisung verfallen, sondern Trofimoff mußte auch. bevor man ihn, dem im achten Semester Studierenden aus- tvics, noch tvegen Geheimbündelei prozessiert werden. Und da man seltsamertveise Fluchtverdacht annahm, wurde der Geheimbündler auch noch so und so viele Wochen ein- gesperrt und trotz des Angebots einer Kaution nicht auf freien Fuß gesetzt! Aber der Prozeß war nicht allein deshalb interessant, weil er den Zusammenbruch der Geheimbundsanklage und der verwegenen Terrorisniuski">lbinationen darstellte, sondern mehr noch ivegcn der Feststellung der völligen Vogelfreiheit russischer Gäste, speziell auch russischer Studierender I Trofimoff und sein Verteidiger behauptete und bewies, daß russische Studierende sich bereits durch die Bekundung des leisesten politischen Interesses ans Messer liefern. Sobald sie eine sozialdemokratische Zeitung lesen, eine Volksversammlung besuchen, russische Verhältnisse, ja gesellschaftliche Verhältnisse ganz allgemein erönern, machen sie sich„lästig", werden sie ausgewiesen, relegiert und weiter denunziert. Durch dieses unerträgliche Ueberwachungs- und Denunziationssystem würden die Russen geradezu ge- iTwungen. auch die harmlosesten Zusammenkünfte der Kenntnis der Polizei zu entziehen! Der Vorsitzende meinte, er könne ja den Russen das politische Interesse nachfühlen, aber da sie Gäste Deutschlands seien, müßten sie auch die deutschen Gesetze respektieren; täten ?e das, so lege ihnen in Deutschland kein Mensch etwas in den Weg. Leider verträgt sich dieser liebenswürdige Optimismus so I gar nicht mit der rauhen Polizei- und Universitätspraxis. Die Polizeipraxis ist derart, daß sie selbst das Kopf- schütteln des Staatsanwalts und des Vor- sitzenden hervorzurufen geeignet ist. Der Vor- sitzende war offenbar des guten Glaubens, daß zwar die bei „Geheimbündelei" Betroffenen wegen ihrer Miß- achtung des preußischen Vereinsgesetzes die gerechte Strafe der Ausweisung treffe, nicht aber Personen, die sich ohne Gesetzesübertretung politisch zu unterrichten suchten. Aber die Verteidigung stellte sofort fest, daß jeder Russe aus- gewiesen und relegiert wird, der sich„lästig" macht. Und Herr v. A r n i m weigerte sich unter Berufung auf das Amtsgeheimnis beharrlich, einmal zu definieren, was denn e r unter diesem kautschukartigen Begriff alles verstehe Leider lehnte auch der Gerichtshof den Antrag der Vcrteidr gung ab, bei der vorgesetzten Behörde des Herrn Kommissars für ihn die Ermächtigung auszuwirken, doch einmal dar zulegen, was ein Ruffe eigentlich überhaupt tun darf, um nicht Gefahr zu laufen, von Herrn v. Arnim unter die „Lästigen" rubriziert zu werden! Nicht minder interessant waren die Bekundungen eines anderen Zeugen, des Universitätsrichters Geheim rats D a u d e. Der Herr Venveigerte die Beantwortung der meisten Fragen der Verteidigung, indem er sich auf sein Dienstverhältnis, auf die inneren Beschlüsse der Universität und des Ministeriums berief. Da er aber auf alle Fragen, für die er harmlose Er- klärungen abgeben zu können glaubte, antwortete, ließ die jedesmalige Verweigerung einer unbequemen Frage die nötigen Schlüsse zu. Uebcr die Verbindung zwischen Polizei und Universität wurde nur soviel de kannt, daß die Polizeibehörde jedesmal die Universität schleunigst von der Austveijung in Kenntnis setzt, da mit die Ausweisung auf der Exmatrikcl gewissenhaft vermerkt werden kann. Diese„Empfehlung" nicht nur für andere deutsche, sondern auch für russische Univcrsi täten wird aber noch interessanter dadurch, daß der Grund für die„Löschung" der Immatrikulation nicht nur auf der ersten Seite der Exmatrikulation vermerkt wird. sondern auch noch zum zweiten Male unter genauer Angabe der polizeilich mitgeteilten Auswcisungs gründe im Führungsattcst! Auf die Frage, warum man den Uni versitätszeugnissen so sorglich die polizeilichen In- formationen einverleibe, verweigerte der Herr Gehcimrat die Auskunft! Ebenso hüllte er sich in den Mantel des Amtsgeheimnisses, als er befragt wurde, aus welchen Gründen er denn russische Studierende bei ihrer Jmmatriku lation davor gewarnt habe, die von russischen Studierenden in aller Oeffentlichkcit errichtete Lesehalle zu besuchen! So ergab die Beweisaufnahme, daß Polizei und Universität in trautester Gemeinschaft die Ueberwachung russischer Studierender ausüben und ebenso gemeinsam jeden Verstoß gegen die wohlmeinende Vormund- schaft durch Ausweisung, Relegation und S t i g- matisierung des„lästig" Gewordenen ahnden! Ein wunderbares Kulturbild! Daß die preußische Polizei den Organen Nikolaus' des Blutigen jeden möglichen Liebes- dienst erweist, ist zwar für einen mitteleuropäischen Kultur- staat alles eher als eine Ehre, aber immerhin im Charakter „preußischer Traditionen". Daß aber auch die Universitäten dem gehetzten russischen Freiwild, den Anhängern der poli- tischen Ideale europäischer Zivilisation, noch extra den polizeilichen Acchtungsstempcl aufbrennen, ist eine Schmach für die deutsche Kultur I Der„Geheimbund" der Anklage hat sich kläglich vcr- flüchtigt. Die Strafe— 6 Wochen Gefängnis für Trofimoff, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt erachtet wurden, und 10 M. Geldstrafe für Streltzow— beweist das zur Genüge. Dafür ist ein anderer Geheimbund umso drastischer erwiesen worden: der Bund der Preußischen Polizei mit den Polizeischcrgen Väterchens, der Geheimbund zwischen der russisch- borussischen Polizei und unseren Univcrsitäts- behörden!_ Cin Mang vom Ende? Die bremischen Volksschullehrer haben iu den letzten Jahren oft und in rühmlicher Weise von sich hören und reden ge- macht. Im Mai 1905 jprachen sie sich als erste L-Hrcrkorporation in Deutschland in einer klaren, unzweideutigen Resolution kür die Beseitigung des Religionsunterrichts aus. Sie begnügten sich aber nicht mit der einfachen Forderung, sie begründeten sie auch in einer Denkschrift mit so schlagenden und triftigen Gründen, datz das Auf- sehen, das diese Denkschrift machte, und die Zustimmung, die sie ins- besondere von der Parteipresse erfuhr, wohl berechtigt waren. Zur weiteren Befestigung und Vertiefung ihrer Bestrebungen gaben sie vom Juni 1905 an neben dem alten langweiligen Bremer Scbulblatt ein eigenes„Organ für freiheitliche Erziehung in HauS und Schule" heraus, das sie nach altbrcmischer Tradition„Roland" nannten. Es kam ihnen dabei wohl hauptsächlich auf die Inschrift auf dem Schilde des bremischen Rolandstandbildes an, die lautet:„Vryheit do ick ju openbar". Auf der letzten deutschen Lehrcrversammlung in München, also auf einer weit sichtbaren Tribüne, brachten die bremischen Lehrer ihre radikalen Prinzipien in der Religionsfrage wiederum mit Un» erschrockenheit zur Geltung, so daß die offenen klerikalen und die heimlichen liberalen Dunkelmänner abwechselnd Ach und Weh schrien. Und die letzte rühmliche Tat der bremische» Volksschullehrer war ihr hartnäckiger und schließlich siegreicher Kampf gegen einen orthodoxen Schulinspektor in Bremen. Bei allen diesen Kämpfen handelte es sich mehr oder weniger um einen Sturmlauf gegen religiöse Reaktion und liberale Muckerei, ein Kampf, der von jeher in Bremen guten Boden gefunden hat. Aber es mischten sich auch andere Elemente mit in den Kampf. So standen die bekannten pädagogischen Reformer Gansberg und Scharrelmann von vornherein mit im Vordergrunde der Bewegung, so klangen aber auch politische Untertöne mit hinein. In der ersten Zeit scheint man freilich darauf iveniger geachtet zu haben, weil der Kampf um den Religionsunterricht die Aufmerksamkeit zu sehr auf sich lenkte. Aber nachdem dieser Kampf zu einem vorläufigen Ende gelangt ist, konnte mau aus dem„Roland" mit um so. größerer Deutlichkeit auch seine politischen Grundsätze heraushören. Dabei handelte es sich vernünftigerweise nicht um irgend cin neues politisches System. Worauf es dem„Roland" in politischer Beziehung ankam, war zweierlei: er wollte zunächst die Abhängigkeit der Schule und der Pädagogik von den treibenden wirtschaftlicheir und politischen Faktoren der Zeit in die richtige Beleuchtung rücken, und er wollte ferner, als eine einfache Folgerung dieser Tendenz einer so durchaus Volks- und schulfrcundlichen Partei wie der Sozialdemokratie zum mindesten die Gleichberechtigung innerhalb der Lehrerschaft erkämpfen. Bekanntlich ist cin Lehrer heutzutage lieb' Kind bei der Behörde, wenn er ein konservativer Agitator ist, man duldet es auch noch— besonders in der gegenwärtigen Zeit der Blockpolitik— daß er sich im liberalen Sinne bc- tätigt; aber man ivirft einen Lehrer kurzerhand zum Tempel hinaus, wenn er sich öffentlich zur Sozialdemokratie bekennt. Der Bremer„Roland" hatte die vollendete lliffinnigkeit dieser preußisch- deutschen Maxime erkannt, ganz abgesehen davon, daß die bremischen Volksschullehrer einen praktischen Anschauungsunterricht dadurch ge- nosien, daß sie bei allen ihren ernsten Kämpfen nur die bremische Arbeiterschaft stets rückhaltlos auf ihrer Seite hatten. Jetzt ist es aber wegen dieser Grundsätze auch ümerhalb der radikalen bremischen Lehrerschaft zu einer ernsten Krisis gekommen. Ein Teil der Schulreformer, besonders die vorwiegend feuillctonistisch tätigen, ökonomisch und politisch gar nicht geschulten Gansberg und Scharrelmann, haben sich zwar die praktische Unterstützung der breuii- schen Sozialdemokratie gern gefallen lassen. AIS aber die bisherigen eigentlichen Führer der bremischen Bewegung, die Lehrer Sonne- mann und Holzmeier, von denen ersterer der Redakteur des„Roland", letzterer sein wichtigster Mitarbeiter war, bei ihrer grundsätzlichen und entschiedenen Vertretung der Tendenzen des„Roland" mit dessen vorsichtigen Hamburger Verleger. Alfred Janssen, zusammenstießen. stellten sich die Fcuilletonisten Gansberg und Scharrelmann nicht Schulter an Schulter neben ihre tapferen Kollegen, sondern sie traten als prinzipienlose Rechnungsträger auf die Seite des Verlegers. Herr Janffen hatte der Redaktion stirnrunzelnd vorgehalten, daß ihm„die Hinneigung zur Sozialdemokratie, die materialistische GeschichtS- aufsassung. die Abneigung gegen Religioix" nicht passe und daß er aus diesem Grunde nicht länger Lust habe. Opfer für das Unter- nehmen zu bringen. Die Redaktionskommission des„Roland" hätte einmütig dem Verleger, der in so unerhörter Weise seine Kompetenzen überschritt und den„Roland" auf das Niveau irgendeiner be- liebigen Zeitschrift niederdrücken wollte, die Türe weisen müssen. Statt denen knickte die Mehrheit der RedaktionSkomnnssiou, bestehend aus Gansbcrg und den Brüdern Heinrich und Wilhelm Scharrel- mann, vor dem Machtworte des Verlegers zusammen und drängte statt des Verlegers den bisherigen zielklaren Redakteur Sonnemanu und den verdienten und opferbereiten Holzmeier hinaus. Wie Sonnemann in einer Zuschrift an unser Bremer Partei- blatt mitteilt, haben er und Holzmeier in der RedaktionSkomiuissiou den Standpunkt vertreten,„daß die Pädagogik vou den ökonomischen, sozialen und politischen VerhälMissen unzertrcnu- lich" sei. Demgegenüber haben die übrigen drei den bornierten Standpunkt verfochten, daß die Pädagogik mit der Politik gar nichts zu tun habe. Holzmeier verweist in einem Artikel in der„Bremer Bürger-Zeitung" gegenüber dieser Acußerung auf die jüngsten Schulkämpfe in Preußen. Er hätte auch darauf hinweisen können, daß gerade Ganöberg die enge Zusammengehörigkeit von Pädagogik und Politik bereits am eigenen Leibe bat spüren müssen, als er im letzten Sommer vom bremischen Disziplinargerichtshof zu einem Verweis und zu 200 M. Geldstrase verurteilt wurde, wobei die Urteilsbegründung betonte, daß das Gericht scharf daran gewesen wäre, den bremischen Staat von einem Beamten zu befreien,„der in derartiger Weise gegen seine vorgesetzte Behörde und gegen die Schnlvcrhältnisse in Bremen zu Felde zieht." Gansberg hatte damals in einer ersten tapferen Aufwallung dem bremischen Senat sein Amt vor die Füße geworfen. Aber er ließ sich rasch überzeugen, daß er im Interesse der bremischen Schule sein Lehramt beibehalten müsse. Dieses klägliche Zurückhufen enttäuschte damals schon alle charaktervollen Elemente in der bremischen und außer« bremischen Lehrerschaft. Jetzt hat Gansberg vor aller Welt bekundet, daß er nur seiner innersten Natur gefolgt ist, als er in diesem Sommer klein beigab. Und so wie er selbst eine Sünde wider den heiligen Geist begangen hat, so ist er nunmehr auch eifrig bemüht, den übrigen radikalen Lehrern Bremens dieselbe Selbstentmanrnuig zuzumuten. Sonnemann hat die Redaktion des„Roland" nieder- gelegt, weil er sich von dem kapitalistischen Verleger nicht seine Ueberzeugung modeln lassen will, Gansberg aber hat keinen Anstand genommen,!it da-Z von Sonnemann verschmähte Joch zu kriechen Er wird in Zukunft den„Roland" so redigieren, das; Herr Janssen in Hamburg damit zufrieden ist. Von einer Hinneigung zur Sozialdemokratie wird man fürderhin im„Roland" nichts mehr spüren, denn Gansberg und gar erst Scharrelmann „neigen" nicht zur Sozialdemokratie. Man wird auch vom Wesen der materialistischen Geschichtsauffassung im„Roland" nichts mehr erfahren, denn die Gansberg und Scharrelmann verstehen selbst nichts davon. Und in der Religionsfrage Ivird man nicht so derb und un- höflich zupacken, wie es Sonnemann, Holzmeier und Gertelmann zu tun gewohnt waren, sondern man wird zuvor Glacehandschuhe an- ziehen und in dem bekannten üsthetisch-verschwommenen Tone, der niemand wehetut, über die religiösen Probleme salbadern. . Für die größere Oeffcntlichkeit, insbesondere für die klaffen- bewußte Arbeiterschaft hat der„Roland" damit sein bisheriges Interesse, verloren. Jetzt muß eS sich darum handeln, ob die radikale brcinische Lehrerschaft sich für Sonnemann und Holzmeier, ihre bis- herigcn zielbewußten und aufrechten Führer in allen grundsätzlichen und ernsten Fragen, entscheidet, oder ob sie den schönrednerischen, prinzipienlosen Feuillctonisten GanSberg und Scharrelmann folgt. Im letzteren Falle wäre es mit der führenden Stellung derbremischenLehrer- schaft, die sie sich in den letzten Jahren in der fortschriltlichcn Lehrer- bewegung zu erringen verstanden hat, vorbei, die.Roland"-Krisis wäre dann der Anfang vom Ende einer hoffnungsfrohen und taten- frischen Strömung der zeitgenössischen Lehrerbewegung. Sehr bald würde dann die bremische Lehrerschaft wiederum ein so gleichgiilligeS Glied in der liberalen Lehrerschaft Deutschlands sein wie sie es früher gewesen ist.—_ Der fünfte Tag. In borgerückter Nachmittagsstunde wurde am Montag den im Vestibül des Kriminalgerichtsgebäudes zu Moabit hoffnungslos wartenden Journalisten die Ankündigung zu teil, das; die Oeffentlichkeit wieder hergestellt worden sei. Zwei Stunden durften sie darauf noch zuhören, wie zwei Zeuginnen und ein Arzt zu dem Thema vernommen wurden, ob die Frau v. Elbe glaublvürdig ist oder nicht. Schließlich be- kamen sie noch zu hören, daß der Professor Schweninger nebst Gemahlin in München kornmiffarisch vernommen werden sollen. Die wichtigen Sachverständigengutachten, die nach der Versicherung des Gerichtsberichts in der geheimen Sitzung erstattet worden sind, durften die Vertreter der Presse nicht hören. Obgleich es ihnen sicherlich nicht eingefallen wäre, sie der Oeffentlichkeit in einer Form mitzuteilen, daß die Mit- teilung eine unzüchtige Handlung dargestellt hätte. Die Sorge um die Sittlichkeit des deutschen Volkes ist arg groß, und das Gericht tut offenbar lieber zuviel als zu wenig. Infolge dieser ängstlichen Sorge ist die Presse denn auch heute nicht in der Lage, bestimmt anzugeben, ob das Gerücht, die Frau v. Elbe und der Gutachter Dr. Hirschfeld seien am Montagnachmittag umgefallen, begründet ist. Der Bericht muß sich mit dein vorsichtigen Worte„s o l l" sal- Vieren, und die Mitteilung verliert so bedeutend an Wert. Jedenfalls ist große Reserve geboten, denn der eine Teil dieses Gerüchts, daß Frau v. Elbe manche ihrer Aussagen im«chöffengerichtsprozeß abgeschwächt oder umgedeutet habe. erscheint durch das in der Oeffentlichkeit hervortretende eifrige Bestreben des Oberstaatsanwalts, die Glaubwürdigkeit der Zeugin v. Elbe zu erschüttern, nicht gerade bestätigt zu werden. Der Umfall Dr. Hirschfelds aber wird gewissermaßen als die Folge deS Ilmfalls der Frau v. Elbe und der Er- schütterung ihrer Glaubwürdigkeit hingestellt. Daß ein Um- fall Hirschfelds für Moltke sehr viel wert ist, bedarf keiner näheren Darlegung, daß Herrn Hirschfclds Ansehen dadurch nicht vermehrt wird, desgleichen nicht. Dagegen helfen alle Beschönigungen der Herren nicht. Nach den Dispositionen, die der Vorsitzende am Schluß der Verhandlungen traf, ist nicht ausgeschlossen, daß der Prozeß bis ins Jahr 1908 hinein dauert. Ser Ausgleich perfekt! Aus Wien wird uns geschrieben: NUn hat auch das Herrenhaus seinen Beschluß gefaßt, Md so ist der Ausgleich zwischen Oesterreich und Ungarn erledigt! Zwar muß im ungarischen Abgeordnetenhanse das Gesetz über die Ouote noch gegen die kroatische Totredcrci verteidigt werden, aber da die General- dcbatte am Donnerstag-bereits geschlossen wurde, so steht der rechtzeitige Abschluß nicht mehr in Zweifel. Am 1. Januar werden die neuen Verträge, welche das wirtschaftliche Ver- hältnis beider Staaten bestimmen, in Oesterreich und in Ungarn Gesetz sein. Eine Periode zehnjähriger Wirren und schwerer Krisen schließt damit ab, und wie imnier sich die Sachlage nach zehn Jahren gestalten wird— für ein Jahrzehnt jedenfalls ist die Z o l l e i n h e i t beider Staatengebiete festgestellt und unerschiittcrbar. Daneben treten alle dualistischen Fragen und Sorgen weit zurück. Um den Ausgleich bewegte sich seit zehn Jahren die Politik in beiden Staaten, und die Irrungen und Wir- rungen, die dieses Dezennium österreichisch-ungarischer Ge- schichte ausmachen, haben ihren letzten Grund in den Aus- gleichsschwierigkeitcn. Um sich für seinen Ausgleich die Majorität zu sichern, erließ Badeni die berüchtigten Sprachen- sordernngen, durch welche die Jungtschcchen. damals die tschechische Hauptpartei, inS Netz der Regierungsparteien geködert werden sollten und von denen der Auflösungsprozeß des Kuxienparlamentes datiert. Ueber den Ausgleich fiel das erste Kabinett Gautsch, an ihm verblutete sich das Ministerium Thun, und an den ungarischen Wirren zersetzte sich des begabten Körbers Regierung. Ein anderer Ausgleich hätte dem Parlament des allgemeinen Wahlrechtes auch nicht zugemutet werden, und ein anderes Parlament als das, trotz seiner vielen Kinder- krankheiten im Mark gesunde Volkshaus hätte die in Verruf gekommene Ausgleichsarbeit auch nicht ans Ziel tragen können. Während des Kampfes um die Wahlrcform war es das Hauptargunient der Volksfeinde: das demokratische Par- lament werde unfähig sein, den großen und unpopulären Staatsnotwendigkeiten gerecht zu werden.„Wer wird für den Ausgleich stimmen, wenn die braven Großgrundbesitzer mangeln werden?" so schallte es der Krone entgegen, die die „Verwegenheit" besaß, sich auf das„Abenteuer" des all- gemeinen und gleichen Wahlrechts einzulassen. Und ohne die Wahlreform wäre der Ausgleich unmöglich gewesen; denn erstens hätte die Regierung einen so guten Vertrag nicht heimgebracht, als sie ihn jetzt erzielte, da sie in den Ver- Handlungen mit Ungarn die Rückficht auf das neue Haus nicht außer acht lassen durfte;.zweitens haben die Privi- legienparteien der Fähigkeit ermangelt, sich über die schäbigste Demagogiepolitik zzl erheben, eine die Gesamtheit berührende Frage'vorn Standpunkte der Gcsamtinteressen zu werten. So erhärtete der Ausgleich die alte Wahrheit, daß die schöpferische Kraft, die fruchtbare Energie in unserer Zeit nur der Demokratie gegeben ist.„Grafen haben es ver- dorben, Bureaukraten haben es nicht vermocht", so sagte ein bürgerlicher Abgeordneter in der Dcbatte,„aber die Demokratie hat es zuwege gebracht!" Die Sozialdemokraten haben für den Ausgleich, wie selbswerständlich, nicht gestimmt, aber ebenso selbstverständlich haben sie es unterlassen, ihm irgend welche besondere Schwierigkeiten zu machen. Sie haben sogar dazu bei- getragen, ihn auf das Geleise der parlamentarischen Ver- Handlung zu führen. Wie seinerzeit dargelegt, konnte er auf die Tagesordnung nur im Wege eines Dringlichkeits- antragcs gelangen, zu dessen Bejahung aber nach der Ge- schäftsordnung eine Zweidrittelmehrheit notwendig ist. Da- für, daß er verhandelt werde, hat nun auch unsere Fraktion gestimmt, was ebenso durch die parlamentarischen Verhältnisse geboten war, als es in der Sache selbst begründet liegt. Ist doch der Ausgleich, der die Zolleinheit mit Ungarn verbürgt, ein Vertrag zum Freihandel, also eine Mil- derung und Abschwächung der Ausschreitungen des Zoll- schutzes, die in dem Zolltarif gegenüber dem Auslande vor- liegen. Und aus ihrer Klassenlage sind die Arbeiter die überzcugtesten Anbänger dieser Zolleinheit: an ihr beteiligt als Produzenten, die den ungarischen Markt für die öster- reichischc Industrie erhalten wollen, und als Konsumenten, die die. ungarische Lebensinittclproduktion nicht entbehren tonnen. Weitaus bessere Anhänger und bessere Stützen als die„Patrioten", die in der Zolleinheit nur ein Bedürfnis der Großmachtstellung wahrnehmen und erfüllt sehen wollen. Was kann nun das Ergebnis der kommenden zehn Jahre sein? Ist das, was jetzt vereinbart wurde, wirklich— wie die Ungarn meinen— ein Trennungsausgleich? Der letzte Ausgleich also, dem die Trennung unbedingt und automatisch nachfolgen wird? Das ist nicht wahrscheinlich. Es mag kommen, daß der Verkehr zwischen Oesterreich und Ungarn eine Zwischcnzollinie zu überwinden haben wird, aber diese„Zollinie" wird immer mehr eine politische als eine wirtschaftliche Einrichtung sein. Was heute zur Aufrichtung der Zollschranken drängt: das Bedürfnis Ungarns, sich eine eigene Industrie zu schaffen, wird bald gegen sie streiten; denn die Schaffung einer Jndnstrie geht heute von der Groß- und Massenindustrie aus, und die ist ohne ein größeres Wirtschaftsgebiet nicht zu begründen, ist innerhalb eines begrenzten Gebietes und einer rückständigen Wirtschaft nicht möglich. Also wird Ungarn auf den öfter- rcichischen Markt so angewiesen sein, wie Oesterreich ans den ungarischen. Je mehr sich beide Wirtschaftsgebiete ökonomisch einander nähern, desto leichter wird der Ausgleich ihrer Interessen sein. Um so mehr, als in. den kommenden zehn Jahren die staatliche Kraft Ungarns sicherlich nicht stärker werden wird. Das allgemeine Wahlrecht, dessen Einführung keine Hinterlist vereiteln kann, wird in Ungarn ebenso die Macht der herrschenden Klassen wie die der herrschenden Nation schwächen: damit wird aber der sogenannten Un- abhängigkeitsbewegung der eigentliche Stützpunkt entzogen. Neue Formen werden entstehen, aber die Kraft der Wirtschaft- lkheu EntWickelung wird in ihnen allen ihren Ausdruck finden.__ politifcbe debcriicbt. Berlin, den 23. Dezember 1907. Meinungsfreiheit. Unsere Meldung von der Matzregelung des Mar-- burger Universitätsprofessors Schücking wird heute auch vom„Verl. Tagebl." bestätigt. Schücking ist Mitglied der Frei- sinnigen Vereinigung und man kann begierig sein, was diese Regierungspartei gegen das Attentat auf die freie MeinungS- äutzerung unternehmen wird. Schücking ist gematzregelt worden, weil er Gegner der prcutzischen Polenpolitik ist. Er hat dieser Gegnerschaft in einer Weise Ausdruck gegeben, die sich durchaus innerhalb der gesetzlichen Schranken ge- halten hat; denn sonst wäre sicher die Staatsanwaltschaft ein- geschritten. Die Regierung mißbraucht also ihr Disziplinarrecht, um den Professoren noch engere Schranken für ihre Meinungsüutze- rungen zu ziehen als den übrigen„Untertanen". Dabei be- gnügt sie sich nicht damit, sich in die eigentliche Lehrtätigkeit einzumischen, sondern sie verlangt von den Unglücklichen, die sich zu preutzischsn Universitätsprofessoren hergeben, auch außerhalb der Hör- s ä l e den Verzicht auf Ueberzeugung. Tun sie es nicht, so werden sie verwarnt!" Außerhalb Preußens würde es natürlich ein Ricsengelächter erregen, wenn so eine gleichgültige und vorüber- gehende Erscheinung wie ein preußischer Dutzendminister einen Gelehrten„verwarnen" würde. Herr Holle, von dessen Existenz vor seinem Amtsantritt die meisten Leute. keine Ahnung hatten, kann, sich aber das Recht herausnehmen. Gelehrte, die ihrer lieber- zcugüng Ausdruck geben, zu schurigeln— und in Preußen nehmen das die Universitäten— die Stätten„der freien Wissen- schaft"— mit allem gebührenden Respekt auf. Irren wir nicht, so besteht eine Professorenvereinigung, die sich die Wahrung der Rechte der Universitätslehrer zur Aufgabe gemacht hat. Wir sind wirklich begierig, ob die Herren sich gegen diesen Ein- griff in die Rechte eines der ihrigen energisch zur Wehr setzen werden. Die liberalen Blätter sind vorläufig sehr zurückhaltend. Glauben sie denn noch immer ihren Lesern weismachen zu können, daß der Abgang StudtS das preußische Unterdrückungssystem im geringsten erschüttert habe?— Mißbrauch von Vereinslisten. Durch die Spruchpraxis des Kammergerichts sind die GeWerk- schaften bekanntlich den Bestimmungen des 8 2 des Vcrcinsgesetzes unterworfen und somit verpflichtet, der Polizei ein regelmäßig zu ergänzendes Mitgliederverzeichnis einzureichen. Wie diese Be- stimmnng zugunsten des Unternehmertums angewendet, wie von der Polizei solche Listen den Unternehmern in die Hände geliefert werden, .ergab wieder drastisch eine Strafkammerverhandlung zu Göttin gen, in der sich Genosse Edmund Graf ans SangerShausen(Bezirks- lcitcr des Demschen Bergarbeitcrvcrbandes) wcgen Aufreiznng verschiedener Klassen der Bevölkerung zu Gewalt- tätigkeiten gegeneinander"(§ IM des Strafgesetzbuchs) zu ver- antworten hatte. Der Anklage lagen Aeutzerungen zu gründe, die Ge- nosse Graf in einer. Rede über„Die Polizei im Dien st e d e s U n t e r n e h m e r t u m S" am 17. Oktober im Schützenhause getan haben sollte. Diese Versammlung war veranstaltet zum Protest gegen eine Beeinträchtigung des KoalitionSrcchts. Die Arbeiter der S ch wert sp atf a b rik in Lauterbcrg, die geschlossen dem Berg- arbeiter-Verbande beigetreten waren, hatten gegen den Tcrrorismus des Geldsacks und der Polizei einen harten Stand. Die junge Organi- sation sollte aus diesem Ausbeutungsparadiese durchaus vertrieben werden. Dabei fand man natürlich die Behörde sofort hülfsbereit. Der Landrat des Kreises Duderstadt verschaffte sich, von der Bochnmer Polizei eine Liste der Lauterberger Mitglieder des Bergarbeiter-VerbandeS, und mit dieser Liste entsandte er stracks einen Gendarmen in die Fabrik, wo dieser nun im holden Verein mit dem Herrn Arbeitgeber" die Arbeiter zur Rede stellte, ob sie Mitglieder des BergarbeiterverbandeS seien. Als nur 6 von 36 Arbeitern zunickten, hielt. er den übrigen seine Liste vor die Augen:„Ihr(!) steht aber anch drin!" Der- Gendarm— Wachtmeister Böhm-— verweigerte in der Verhandlung die Auskunft, zu welchem Zwecke das Mitglieder- Verzeichnis besorgt worden sei, und zwar berief er sich auf An- raten deS Staatsanwalts auf sein—„Amtsgeheimnis"! Ein merkwürdiges Amtsgeheimnis dessen sich der Beamte erst erinnerte, als er sich wegen eines denunziatorischen Verrats des A m t s g e h e i m n i s s e s öffentlich verantworten sollte! Der Angeklagte Genosse Graf legte vor Gericht dar, daß er lediglich seine Verbandslollegen ermahnt habe, sich ihre russischen Kameraden zum Vorbild zu nehmen, die trotz aller Greuel und Schikanen zäh an ihrer Organi- sation f e st h a l t e n. Das G e r i ch t vermochte denn auch zum Glück den russischen Blutdeduktionen des Staatsanwalts nicht zu folgen und.sprach den„Angeklagten" frei. Das Urteil führt ans, daß der§ 130 nur von einer Aufreizung verschiedener Bevölkerungsklasien handle, die Polizeibehörde aber leine solche Be- völkernngsklasse sei. UeberdieS stellte das Gericht fest, daß der „Angeklagte" in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe, indem er die dem deutschen Arbeiter durch das Gesetz verbrieften Rechte, besonders das K o a l i ti o n S r e ch t, schützen wollte. Ein nur knappes Pflaster auf die Wunde der Polizei ist eS, daß das Gericht Genossen Graf wegen formaler Beleidigung des Gendarmer zu A) M. Geldstrafe verurteilte.— Der Kampf gegen die Turnvereine. In Theitzen bei Zeitz besteht ein Turnverein, an dessen Ber» aiistaltungen auch Perionen von 11— 17 Jahren bisweilen teilnehmen sollen, wie behördlicher Spürsinn sestjjesleflt haben will. Da» durfte natürlich nicht geduldet werden. Die Regierung hat daher dem Borsitzenden mitgeteilt, daß es sich un, einen Jngendunterrichr handelt, für den gemäß der allerhöchsten Kabinettsorder vom 10. Juni 1831(I) der Nachweis der wissenschaftlichen und sittlichen Befähigung und die Genehmigung der Schulausstchtsbehörde zu erbringen ist. Zugleich wurde dem Verein bis zur„Beibringung dieser Erforder- nisse". was für �sozialdemokratische" Vereine natürlich ein Ding der Unmöglichkeit ist; die Zulassung jugendlicher Personen zu den Ber- anstalmngen sowie die Erteilung von Jugendunterricht an jugendliche Personen oder die Abhaltung von Hebungen mit solchen verboten. Nun besteht aber der Verein schon seit 35 Jahren und hat sich erst im Sommer dieses Jahres dem Arbciter-Turn.erbnnd an- geschlossen. So lange er also— Zl'/z Jahre lang— der deutschen Turnerschaft angehörte, hat er ungehindert Jugendunterricht erteilen können, niemand hat von ihm verlangt, die Genehmigung der Schulaufsichtsbehörde einzuholen, keine Behörde hat gefunden, daß die Mitglieder keine„Wissenschaft- liche und fittliche Befähigung" haben. Was 34'/2 Jahre, rechtens Ivar, ist nun— nachdem der Verein aus dein bürgerlichen Lager ausgeschieden ist— plötzlich anders geartet. Und die Sache hat noch einen Haken. Dem bisherigen Vorsitzenden deS Vereins, demselben. dem obiges Schreiben zuging, wurde bei seiner Einlassung ans dem Militärdienst die Befähigung als Unteroffizier zu- g e s p r o ch e n. Er ist also„wissenschaftlich und sittlich befähigt" zum Ausbilden von Soldaren, nicht aber zur Unter- richimig jugendlicher Personen. Das ist ein Beitrag für unser„auf- geklärtes" Jahrhundert._' Das Urteil gegen de» Gouverneur Horn. Der Disziplinargerichtshof hat am Montag daZ Nrtci! gegen den Gouverneur Horn gefüllt. Er hat die Entscljcidung der Disziplinarkammer vom 4. Mai, die auf Dienst- e n t l a s s u n g lautete, dahin abgeändert, daß gegen Horn nur auf Strafversetzung und eine Geldstrafe von 300 M. erkannt wurde. Wir werden auf das Urteil noch eingehender zurück- kommen.— Preußen in der Wett voran: Die„ Rh ein is ch- Westfälische Zeitung" bespricht eine Schrift des Syndikus Dr. Martens'(Dortmund), betitelt „Zum Kampf ums preußische Wahlrecht". Die Schrift gibt eine historische Uebersicht über die■ Entwickelung des parlamentarischen Wahlrechts in England, Frankreich und Nordamerika sowie in den deutsche» Einzelstaaten. Wenn man das preußische Wahl- recht, so schreibt das Essener Blatt, ans diese Weise mißt und wägt an den Wahlrechten anderer Zeiten und Länder, wird man die„ e r st a n n l i ch e Beobachtung machen, daß in den ebengenannten Ländern, die vori deutschen Doktrinären imnier als Borbilder der„Freiheit" gepriesen werden. daS Wahlrecht mehr Beschränkungen aufzuweisen hat als in Preußen und Deutschland". Das ist allerdings eine sehr„erstaunliche Beobachtung", umso „erstaunlicher", als die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" auf Grund der MartenSschen Unterslichungen sich gegen„jede Demokratisierung" des preußischen Wahlrechts wendet— was doch wohl sagen will, daß das Dreiklassenwahlsystem noch nicht den Gipfel der Demokratie bedeutet. Weiter findet eS das Essener Blatt„merkwürdig", daß gerade im Westen, den niaii sonst als politischen Gegensatz dem„reak- tionären Osten" gegenüberzustellen pflege, in der letzten Zeit sich „die nachdrücklichsten Stimmen gegen die Ein- ührung deS ReichStagSwahlrechteS in Preußen erhoben haben". DaS finden wir nun nicht weiter verwunderlich. Denn eS ist bekannt, daß ein rheiiiisch-westfälischer Schloljunker es an politischer Bornicriheit und Brutnlüät mit jedem ostelbischen Krautjunker auf- nimmt, ebenso wie es bekannt ist, daß das jonniaiistische Handlanger- tum der industriellen Scharfmacher im Westen die Sache seiner Brot- Herren ebenso gut zn führen weiß, wie die Kreuzzeitungsritter die Sache deS Junkertum«. DaS beiveist die„erstaunliche Beobachtung", daß Preußen bezüglich seines Wahlrechtes allen anderen Ländern, mit Einschluß von Frankreich, England und Nordamerika, voraus ist. Ghristlichnationale„Gleichberechtigung". Die christlichnationale Arbeiterbewegung verkündet als ihre Auf- gäbe die„Anerkennung des Ärbeiterstandeö als vollberechtigtes Glied der bestehenden Gesellschaftsordnung". Wie dieses Programm zu verstehen ist, zeigt ein Artikel deS Stöckerblattes„Das Reich". worin bezug genommen wird aus den Beschluß der Nürnberger Stadtbehörde, den Sozialdemokraten die städtische Festhalle für ihren nächsten Parteitag zu überlassen. Das Stöckerblatt ist sehr er- grimint, daß„diese herrliche deutsche Stadt der Sozialdemokratie die Tore städtischer Gebäude öffnet". DaS sei cm„Zeichen für d i e s chlaffe Haltung deS Bürgertums. daS doch niemals die Sozial- demokratie als eine ir geudwie gleichberechtigte politische Richtung ansehen sollte", Weiter stellt daS Blatt eine Rechnung an. wonach es bei äußerster Kraftanstrengung des Bürgertums lvohl möglich wäre, den Sozialdemokraten das Nürnberger Reichstagsmandat zu nehmen. Allerdings werde diese Aussicht von Jahr zu Jahr geringer, wenn „von Stadt wegen die Sozialdemokratie noch mit einem gewissen Nimbus umgeben" lverde, wie das durch die Ueberlassung der städtischen Fesihalle geschehen sei. Das schreibt ein Blatt, das sich als hervorragende Stütze der christlichnationalen Arbeiterbewegung anpreist und infolgedessen die .vollberechtigte Einordnung des Arbeiterstandes in die heutige Gesell- schaft" als seine Aufgabe anerkennt. Man weiß nunmehr, was von der„Gleichberechtigung" der christlichnationalcn Stöckerlinge zu halten ist, und wenn diese Sorte wieder mal über„sozialdemo- kratischen Terrorismus" winselt, lvird man ihr den Nürnberger Artikel des Stöckerblattes vor die Nase halten, der nichts weiter bezweckt, als die gesamte nichtklerikale Arbeiterschaft mit den schäbigsten Mitteln des Unrechts und der Gewalt zu terrorisieren.— Aus dem Oldenburger Landtage. Die erste Lesung des Etats, die in den letzten Sitzungen statt- fand, führte zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen dem Parlament und dem Finanzministcr. Bereits vor den Plcnar. Verhandlungen verlautete, daß durch die neue Steuerreform die Einnahmen des Finanzjahres 1308 gegenüber dem Voranschläge um über 1300 000, IM. höher seien und daß aus diesem Grunde der Finanzausschuß eine Erhebung der Einkommensteuer von nur La Proz. des veranschlagten Betrages vorschlage. In den Sitzungen des Finanzausschusses wandte sich bereits der Finanzministcr gegen eine derartige Herabsetzung und drohte sogar mit dem Verlassen seines Postens, falls der Beschluß zur Annahme gelänge. Daß der Ausschutz eine eventuelle Demission schließlich gar nicht ungern sehen würde, bewiesen die Ausführungen des betreffenden Bericht- crstatters im Plenum, der wünschte,«daß bei eintretender Vakanz eine Ministcrstclle eingezogen würde, da er fürchte, es sei für drei Minister nicht genügend Beschäftigung vorhanden". Der Minister betonte, daß es besser wäre, statt schon jetzt auf die gesamte Ein- kommensteuer IS Proz. nachzulassen, die unteren Steuerstufen im nächsten Jahre mehr zu entlasten. Scharf wandten sich die ein- zelnen Redner gegen die Anlegung eines derartigen Reservefonds, besonders Genosse H u g führte verschiedene Fälle an, in denen Ein- kommen, die sonst 10 M. Steuern zahlten, jetzt etwa das Doppelte entrichten müssen, und verlangte, daß den Arbeitern ihre Beiträge für die beruflichen Organisationen angerechnet werden. Auf eine Anfrage des Genossen Hug über die Stellung der Regirrung zu den Stcucrprojckten des Reiches und zum Vereinsgesctz erhielt er keine Antwort. Keine Antwort ist auch eine Antwort! lind so darf man sich wohl keiner Hoffnung hingeben, daß Oldenburg im Bundesrat gegen seinen„großen Bruder" Stellung nehmen wird. Im Laufe der Debatte machte ein bürgerlicher Abgeordneter die Bemerkung, daß die Arbeiter jetzt richtig zur Steuer heran- gezogen würden, die sie ungern bezahlten, aber ohne Murren 40 M. Streikgelder pro Jahr nach Hamburg abführten. . Die Genossen Schulz, Heitmann und Zeidler entgegneten ihm und betonten mit Recht, daß, wären die Arbeiter nicht gewerkschaft- lich organisiert, sie nicht auf so hoher Kulturstufe ständen. Nach mehrstündiger Debatte beschloß der Landtag nach den Anträgen des Finanzausschusses in namentlicher Abstimmung mit 36 gegen 1 Stimme, daß nur LS Proz. der Einkommensteuer wie auch der Vermögenssteuer für 1908 erhoben werden, daß die Ausgaben für den Ausbau des Hunte-Ems-Kanals zum Betrage von 390 000 M. zu Lasten der Kanalbaukasse angeliehcn und in zehn Jahren ab- getragen werden. Ter zweite Tag der Etatsdcbatte führte wieder zu scharfen Zusammenstößen zwischen den Sozialdemokraten und den bürgcr- lichcn Abgeordneten. Grund war das Verlangen der Regierung, wie im vorjährigen Etat auch im neuen S000 M.- für einen Beamten der Handelskammer zu bewilligen, der berufen ist, als Wandcr- rcdncr für die Hebung des Kleinhandels und Handwerkes tätig zu sein, in Wirklichkeit seine größte Aufgabe jedoch darin erblickt, die Konsumvereine zu bekämpfen. Die Genossen Hug und Heitmann wandten sich energisch gegen eine derartige Verwendung von Staatsgeldern. Die Mehrheit bewilligte jedoch auch für das nächste Jahr die SOOO M. Ter Rest des Etats wurde rasch erledigt; man hatte Eile, in die.Weihnachtsferien zu gehen.— Bon einem Schntzmant» erschossen. Aus München wird uns geschrieben: Am Sonnabend, morgens kurz nach Uhr, wurde in der Schellingstratze der 27jährige Student der Chemie Friedrich Moschel von Lambsheim, B.-A. Frankenthal, von dem Schutz- mann Ulrich Schauer erschossen. Nach dem Pölizeibericht ging der Student, stark johlend und schreiend durch die Schellingstraße, wurde von den Schutzleuten Schauer und Dobler verwarnt und als er mit Beleidigungen antwortete, festgenommen, worauf er Wider- stand leistete. Schauer wollte den Säbel ziehen, konnte ihn aber nicht fassen, da sich der Säbel während des Geraufes verschoben hatte. Schauer drohte daher dem Exzcdenten, von der Schußwaffe Gebrauch zu niachen und tat es auch, als der Exzedcnt von ihm nicht ließ; der Schutz ging oberhalb des rechten AugeS in die Stirne und führte den sofortigen Tod herbei. Moschel hatte am Freitag abend mit einigen Freunden in einer Wirtschaft zusammen ge- festen bei einer intimen Weihnachtsfeier. Als er nach Hause ging, trug er ein Christbünmchen in der Hand. Nach Aussage eines Augen- zeugen waren es aber die Schutzleute, die den Studenten provo- zierten. Der Augenzeuge beobachtete genau, wie Moschel von einem der Schutzleute„verwarnt" wurde. Ein Schutzmann ging Moschel nach, rief mehrmals: Sie! dann ritz er den Studenten mit Gewalt von hinten herum. Gleichzeitig rief der Schutzmann dem über- raschten Studenten zu: Wie können Sie mich ms Gesicht schlagen?. Moschel erklärte darauf: Ich habe Sie nicht geschlagen, reißen Sie mich nicht so herum. Der Schutzmann ließ dann Moschel gehen. Ich glaubte, erzählte der Augenzeuge weiter, den Fall damit er- Icdigt und ging etwa 20 Schritte weiter, da hörte ich jemanden singen:„Lustig sein, fröhlich sein." Der Sänger war, wie ich später bemerkte, Moschel. Ich kehrte um. um die Schutzleute, deren schroffes Auftreten mir aufgefallen war, weiter zu beobachten. Die Schutzleute haften, als ich hinkam. Moschel bereits in ihrer Mitte und rissen ihn kräftig herum, was sich Moschel nicht gefallen ließ. Es kamen einige andere Herren hinzu, die die Schutzleute fragten, was denn los sei. Einer der Schutzleute antwortete: Widerstand gegen die Staatsgewalt. Ich gesellte mich zu diesen Herren, erzählte ihnen meine erste Beobachtung und bemerkte, da sei es kein Wunder, wenn ein Widerstand provoziert würde. Die Schutzleute waren mit Moschel inzwischen vorwärts gegangen, plötzlich sahen wir, daß Moschel auf dem Boden lag und schrie: Lassen Sie mich los! Es hatten sich auch einige Leute angesammelt. die ebenfalls den Schutzleuten zuriefen: Lagen Sie den Mann doch los! Ein Schutzmann aber erhob den Revolver gegen die Zu- schauer und rief: Zurüö� oder ich schieße! Alles wich zurück, im nächsten Moment krachte ein Schuß und Moschel lag als Leiche auf dem Boden.— Der Schutzmann Schauer, der Revolverheld, vcr- schwand dann sofort vom Schauplatze, auf dem sich selbstverständlich eine starke Menschenmenge ansammelte. Die Staatsanioaltschaft hat gegen den Schutzmann Schauer das Verfahren wegen Totschlags eingeleitet.. Rheinschiffahrtsavgäben.' Die badische Regierung nahm soeben Veranlassung, durch den Minister v. B o d m a n n in der Budgetkommission ihre Stellung zur Frage der RheinschiffahrtSabgaben zu kennzeichnen. Aus dieser Kundgebung darf man schließen, daß Baden im Bundesrat die für das eigene Land schädliche Einführung solcher Verkehrszölle so lange bekämpft, als die Bedenken ihrer Unverträglichkeit mit der Reichsverfassung nicht beseitigt sind. Bekanntlich verriet die Regierung anläßlich der Beratungen über die Mainkanalisation, daß ihr die Flußschiffahrtsabgaben nicht für alle Zukunft ein Gränel sind._ Ongfam. Das„Duell". Wir glaubten, Exjustizminister Polonhi und Ministerpräsident Dr. Wekerle würden ein paar Löcher in die Luft schießen. Das ist nun bei dem„Duell", das die beiden am Sonnabend„ausfochtcn", doch nicht geschehen. Sie haben keine Löcher in die Luft ge- schössen, sondern gehauc». Mit richtigen Säbeln I Es fanden zwei„Gänge" statt— resultatlos, unblutig. Darauf ward der „Kampf" eingestellt und die„Gegner" versöhnten sich, ob unter Um- armuugeii und Küssen, darüber liegen keine Meldungen vor- Mit tränenerstickter Stimme soll der wackere Polonhi den Beleidigten unter Darreichung seiner biederen Rechten um Verzeihung gebeten haben. Ob das alles richtig ist, wissen wir nicht. Nur soviel steht fest, daß nach diesem„Duell" beide wieder komplette Ehrenmänner sind: der Wekerle und der Polonhi.— frankmeb. Die Flucht vor dem Kassierer. Paris, 22. Dezember.vas ich auf den jähen Nebergang von dem ruhigen Landleben in das GroWadtlcben schieben zu müssen meinte. Ter Zeuge hat in der Ehcscheidungssachc der Frau v. Elbe mehrere Gutachten abgegeben. Danach ist bei Frau v. Elbe die Nervosität in den Jahren 1898 und 1899 noch hochgradiger geworden; sie litt an Schlaflosigtcil und dagegen wurde ihr Trional verschrieben. Im Jahre 1899 stellten sich allerlei auffällige psychische� Symptome ciik,"ö7e ursprünglich zu falscher Diagnose Veranlassung gaben. Sie litt cm Neuralgien, an allgemeiner Körperschwäche, so daß sie manchmal hinfiel, an Ohnmächten, heftigen Nervenchoks u. dergl. Sie diktierte manchmal erregte Briefe, die sie dann gar nicht absandte. Ich hielt es für Ncurastheitic und riet ihr, eine Nervenheilanstalt aufzusuchen, was von ihr aber abgelehnt wurde. Sic wurde immer elender, konnte eine ganze Zeit gar nicht mehr aufstehen, zeigte große Empfind- lichkcit gegen Geräusche, litt an Appetitlosigkeit, und schließlich wurden sich die Acrzte darin einig, daß es sich um Trioitalvergiftung handelte, infolge allzu reichen Genusses des Trionals.— Präs.: Was können Sie uns über die Wahrheitsliebe der Frau v. Elbe sagen?— Zeuge: Ich habe nie die Wahrnehmung gemacht, daß Frau v. Kruse unwahrhaftig sei. Ich habe mich aber mit ihr nur über Krankhcitssachen unterhalten. Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel: Sind Sic nicht der Meinung, daß Frau v. Elbe hysterisch ist?— Zeuge: Nein, während ihrer Ehe mit Herrn v. Kruse habe ich sie nicht für hysterisch gehalten. Später hat sie sich ja sehr gereizt gezeigt.— Justizrat Bernstein und Justizrat Kleinholz richten mehrere Fragen an den Zeugen, die er dahin beantwortet: er habe nicht die Ansicht, daß die spätere Gräfin Moltke von Anfang an hysterisch gewesen sei. Oberstootsanwal«: Dann bleibt mir nichts übrig, als den Pros. Strübing-Grcifswald, der charaktcristisckte Merkmale der Hysterie festgestellt hat, ebenso den Dr. Frey-Wien, der in dem Ehcschcidungsprozetz ein Gutachten abgegeben hat, als Sachvcr- ständige bezw. Zeugen zu laden. Beisitzer Landgericktsrat Dr. Fritischen: Ist dem Angeklagten ctlvas von der Trioitalvergiftung bekannt gewesen?— Horden: Ja, es ist wohl davon gesprochen worden, ich habe auch aus den Ehescheidungsakten davon etwas gelesen, aber irgendwelche Folgen dieser Vergiftung waren nicht bemerkbar. Prof. Schweninger. durch den ich ja die Frau v. Elbe kenne, hat mir gesagt: es sei keine Svur davon vorhanden, sie sei völlig klar und ruhig und spreche klug und zurückhaltend. Ter Gerichtshof beschließt. Dr. Frey am Freiing um 11 llhr zu vernehmen. Justizrat Dr. Bernstein: Ich biftif, den Beschluß der Zeugeiivernehinung des Geheimrots Prof. Dr. Schweninger dahin zu ergänzen, daß er auch als Sachverständiger bcr- nommcn wird. Bors.: Die diesbezüglichen Fragen können ja�in den Entwurf für die kommissarische Vernehmung hineingebracht werden, über den wir am Freitag noch zn beraten haben. Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel: Bei der Beratung des Ent. Wurfs für die kommissarische Vernehmung werde ich es mir nicht nehmen lassen, umsangreiche Fragen zn hemitrageu. Ich möchte auch auf den Antrag, Prof. Schweninger als Sachberständigen zu vernchmen, bemerken, daß er niemals Frau v. Elbe ärztlich bc- handelt hat. Bors.: Er ist aber der einzige Arzt gewesen, mit dem sie gerade in der kritischen Zeit gesellschaftlich in Berührung�am.. Ter Vorsitzende verkündet sodann, daß am Sonnabend keine Sitzung stattfindet, weil an. diesem Tage L an dgerichtsrat Simonson und ein Assessor nach München fahren, um Prof. Schweninger, der durch Krankheit am Erscheinen verhindert ist, kommissarisch zu vernehme n. Ilm ö'/a Uhr wird die Sitzung auf Freitag, den 27. d. Sa- 10 Uhr vormiitags, vertagt. Eue der partei» Ein Obergenosse als NeichSlügenverbondsmitglied. Diese sensationelle Enthüllung brachte dieser Tage die»Kor» respondenz" des RcichslügenverbandeS. Sie teilte mit: „Am 14. März 1907 ging bei der Hauptstclle deS Reichs- Verbandes eine Beitrittserklärung ein fJ ahresbeitrag 10 Mark, Spende 5 Mark), die unterzeichnet war„Emil Kcrfin, Hauseigentümer, Berltn dl."0, Paul- stratze 3 2 b."_ Es folgt dann die Feststellung, daß dieser HaiiSetgentnmer Emu Kerfin identisch ist mit dem ehemaligen sozialdemokratischen Stadt- verordneten K e r f i n imd daß das Haus Pankstraße 32b jenes ist, in dein das Waffen- und Papicrlagcr ntssischer Sozialdemokraten ge« funden wurde. Wer die Stotiz der NeichölügettverbandZ-Korrespondenz liest, imtg den Eindruck gewtnueit, daß Genosse Kerfin 15 M. an die Kasse des Reichslügenverbandes gezahlt habe. Die„Dculsche'TageSzeituiig" hat denn auch einfach mitgeteilt:„Er(Kerfitts zahlt außer dem Bettrage von 10 Mark noch eine Spende von 5 Mark." In Wirklichkeit hat Genosse Kerfin au die Kasse de? Reichs- lilgeiivetbandes nichts gezahlt und denkt natürlich auch nicht daran, etwas zn zahlen. Wenn die„K. d. R.-V/' hätte ehrlich sein wollen, so hätte lie ntiitetlett miisscit, das; der ReichSlügenverbattd ans jetteS Schreiben hin. das seine Korrespondenz jetzt triumphierend ver- öffentlichte, 15 Mark durch Poslaus trag vom Genossen Kerfin einzuziehen suchte nnd dosi Genosse Kerfin die Zohlmig verweigert hat, so daß der ReichSlügenverbattd noch heule auf die 15 M. wartet. Man wird zugeben, daß dieser Umstand nicht uebensächlich ist, und daß gewisseithaste Leute durch die IahlttitgS- verweigerinig veranlaßt worden wären,?tachforschtittgcn darüber an- zustellen, wie die Beitrittserklärung zustande gekommen ist. Mindestens bättcn sie das getan, che sie das Schriftstück gegen den angeblichen Absender in der Oeffentlichkeit ausgespielt hätten. Wenn die ReichSverbandsleute beim HnuSetgcntümcr Kerfin angefragt hätten, weshalb er detttt sein schriftlich gegebenes Wort nicht halten wolle, so würden sie sofort erfahren haben, daß Genosse Kerfin ttieutols eine solche Beitrittserkliirtmg geschrieben, noch abgesandt hat! S c i n N a nt e i st v o n D r i t t c n g c in i ß b r a u ch t iv o r d c Ii! Wenn die„K. d. R,- V." die ZahltittgSverweigernng KcrfinS mitgeteilt hätte, so würde die Oeffeuilichkeit diese Erklärung_ oder eine ihr nahekommende selbst gefuitden haben. Sie hätte sofort erkennen können, daß das Gerede von dem Obcrgcitosscn, der Mit- glied deS RcichSliigetiverbandeS sei, Unsinn ist. Der„Korrcspondetiz" deS NeichSliigeiivirbandes lag aber daran, den Eindruck des Gegenteils zu erwecken, und so teilte sie die Wahrheit mir halb mit— die wichtigste Hälfte hackte sie ihr ab. Sie hat nicht gelogen, bewahre: Sie hat die Wahrheit gesagt. Aber sie hat sie so gesagt, daß eine Falschnitg der Endeffekt ist. Saubere Kumpane, die Leute von der „Korrespondenz" des NeichsvcrbandeS. Der KömgSbcrger Schaubsättlenprozeß. Am Sonnabend. 4. Januar findet der Attssehen erregende Prozeh gegen zwei Redakteure der„K ö n i g s b e r g c r V o l k§ z e i t u n g" statt wegen des vielgettanttten Artikels zur Enthüllung deS Memeler Nationaldenkinals. Es ist nicht nur. gegen den berautwortlich zeichnenden Redakteur, Geitossen M a r ch i o n i n i, sondern auch gegen den vermeintlichen Vcrfaffer des Artikels, den Genossen Marckivald Anklage erhoben worden und zwar wegen Majestäts- beleidig ttng und Beleidigung des Denkmals» k o m i t e e ö._ potizelUcbes, CScncbtHchca uTw. Eine Geiidarmeitbeleidigiiug. Vor dem Schöffengericht zn E l st e r iv e r d a standen dieset Tage drei Genossen aus B o ck w i tz unter der Anklage. eilten Gendarm beleidigt zu haben. In dem Bockwitz-Lauch- h a m m e r s ch e n I n d u st r i e b e z i r k e. in dem bis dahin nichts von einer Arbeiterbeioegutig zu spüren war, haben unsere Genossen seit etiva drei Jahre» einen außerordentlich energischen Kampf i»n Versammlungslokale geführt. Noch bei der letzten NeichStagswahl, die unserem Kandidaten Genossen Fleißner in diesem Bezirke sleider nicht im Wahlkreise) eine überwältigende Majorität brachte, mußten sich unsere Genossen bei strenger Kälte in Scheunen usw. versammeln. Dieser Kampf förderte die Betvegttttg außerordentlich und führte schließlich zum Siege, da sämtliche 13 Saalbesitzcr der Gegend ihre Säle zur Berfiigung stellten. Aber der Kampf hat ungeheure Opfer gekostet. Genosse Reichard erhielt olleitt neben hohen Geldstrafen in verschiedenen Strafsachen 4>/z Monat Ge- s ä n g tt i S. der Pcirteivcrtrcnieitsmcmn Genosse S l a r l e 14 Tag« Gcsäuguis und andere Genossen hohe Geldstrafen. Die Grubenberwaltnitgen und die Leiter des Eisenwerkes Lauch- Hammer halten alles aufgeboten, die Beivegung niederziihalteü, und ganz besonders tat sich bei der Verfolgung der in LattchHaitinter stationierte, im„Vorwärts" schon oft geitaitnte Gendarm Park hervor. Im August hatte tum tu Halle gegen den Genossen Fröhlich vom „Halleschen Volksblatt" ciu Prozeß stattgefunden, in dem dem Gendarm zum zweitenmal bestätigt wurde,' daß er nicht in der reckt- Mäßigen AnStibting seines Amtes gehandelt, als er cincS TagcS mit Streikposten auf der Dorfstraße ins Handgemenge geriet. In' diesem Prozeß waren neben dem Gendarmen auch eine Anzahl Bockwitzcr Genossen als Zengeii anwesend. Der Gendarm liebte es nun, trotz einer hohen Kilometergelder als Zeugengebührcn attS Sparsamkeits- rücksühten IV. Klasse zu fahren und, wie bei allen früheren Pro- zessen, in dem Wagen, in den sich unsere Genossen setzten. Auf der gattzen Heimfahrt von Halle lnS über Elsterwerda sollen mm die oben erwähnten Genossen durch Singen von Spottliedern ans den Gendarm die Ehre dieses Mannes verletzt haben. Sie haben dem Beamten vorgeworfen, daß sein eigener Sohn g e« i o h l c n habe und nicht bestraft worden sc i. An biete Tatsache. die die Anklage nicht bestreitet. haben unsere Genossen recht drastische Bcmcrkmigcn geknüpft. Anklage ivar nur aus 185 erhoben. Die E r nt i t t e I u n g S a k t e n gegen den stehlenden G e n d a r nt e n s o h tt waren„nicht m e h r zu finden' beutete. .er gewesen, lvie der Amtsrichter den Aitgsklagten bc- Prozeß endete damit, daß Genosse Reichard zu vier TZ o ch e. Genosse Köhler zn zwei Wochen Ge- fängnis, Genosse Thiemc zu SV Mark Geldstrafe verurteilt wurden. Auch ein Bild auS unserem Polizeistaat. Strafkonto der Presse. Wegen Vergehens gegen die ZZ 17 und 18 des Pre�gesctzes hatte sich am Sonnabend der Nedakteur der„K v n i g s b e r g e r V o l k s z e i t u n g" Genosse Marchionini vor der Königsbcrger Strafkammer zu vcrant- Worten. In dem Bericht über eine Gerichtsverhandlung gegen den ehemaligen Redakteur des Witzblattes„Japper" hatte die„Königs- berger Volkszeitung" zur besseren Erläuterung einige Stellen aus dem schriftlichen Urteil, das ihr vom Verteidiger des Angeklagten zur Verfügung gestellt war, wörtlich abgedruckt. Nun hatte aber der verurteilte ehemalige Nedakteur des„Japper" gegen das Urteil Revision angemeldet. Das Urteil war also zur Zeit der Veröffentlichung noch nicht rechtskräftig. eS darf also aus dem Aktenmaterial des noch schwebenden Verfahrens nichts veröffentlicht werden. Vergeblich wies der Verteidiger Marchioninis darauf hin, dajz mit der Veröffentlichung einiger Tatsachen nichts Neues, sondern nur das, was öffentlich verhandelt worden lvar, gesagt worden fei, außerdem betonte er, das; der Angeklagte sich im guten Glauben befand, da er nicht wußte, daß Revision eingelegt worden war und daß er das Material von einem Rechtsanwalt erhalten hatte. Der Staatsanwalt beantragte trotz alledem 150 Mark Geldstrafe und das Gericht verurteilte den fahrlässigen Uebertretcr des Gesetzes zu 10Ü Mark Strafe. Bor den Gerichten zu WeißenfelS und Halle, so wird uns aus Halle berichtet, stand am Sonnabend und Montag der Genosse Leopoldt vom„V o l k s b l a t t" für Halle. In Weißen- fels gab man ihm vor dem Schöffengericht wegen Abdrucks einer Bohkottrefolution Ivo M. Geldstrafe. In Halle venirteilte ihn das Schöffengericht wegen Beleidigung eines Landgendarmcn Pari zu sechs Wochen Gefängnis. Der Staatsauwalt hatte drei Monate be- antragt. Wäre Leopoldt ein Student gewesen, der Laternen zer- trünnuert oder einem Polizisten den Spazierstock auf dem Kopf kaput schlägt, dann wäre er vielleicht auch init einer Geldstrafe davon- gekonnnen. So vergriff er sich aber an der geheiligten Person eines Landgendarmen und warf diesem eine Pflichiwidrigkeit vor— Gen- darmen handeln bekanntlich immer pflichtgemäß— und da mußte natürlich auf Gefängnis erkannt werden. Soziales. Ländliche Wohmmgcn und Arbeiterquarticre im Königreich Preußen. Tie Flucht der Arbeiter vom Lande in die Städte ist der dauernde Schmerz der Agrarier. Skrupellos nutzen sie ihre politische Macht für ihre rein wirtschaftlichen Profitintereffen aus. Aber alle möglichen Versuche, ein neues Hörigkeitsverhälwis durch LegitiinationS- zwang, Kontraltbruchgesctze, Strasbestiminungen usw., alle Hülfe der Polizei- und Gerichtsbehörden können das Festhalten der Land- arbeitersklaven nicht bewirken, nicht endgültig die Landarbeitcrflucht aufhalten. ES gibt nur e i u Mittel; Schaffung m e n s eh e n- würdiger Lohn- und Existenzbedingungen für die ländlichen Arbeiter. AnS der trostlosen Mtfcre des Landarbeiters fei für heute etwas aus dem wiederholt von uns behandelten Kapitel der ländlichen Arbeiterwohnungen und Arbeiterauartiere hervor- gchobeir. Wir zitieren aus einer wiederholt von uns benutzten amt- l i ch c n Quelle, dem von der Medizinalabteilung des preußischen Ministeriums der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegen- heften bearbeiteten Buch über das Gesundheitswesen des preußischen Staates im Jahre 1905. Niemand erwartet von einer Arbeit eines preußischen Ministeriums, daß es die Ver- Hältnisse auf dem Lande— dem Herrschaftsbereich des Junker- und Agrariertums— zu schwarz malt. Im Gegenteil kann man immer damit rechnen, daß solche Schilderungen mit rosenroter Tinte gemalt sind. Und>vaS sagt die Medizinalabteilung über ländliche Wohnungen in Preußen? In den abgelegenen Ortschaften des NegicrunZbezirkes(Dum- binnen ficht man massive Gebäude nur selten, dagegen häufig Lehmkaten mit nicht zu öffnenden Fenstern. Der Kreisarzt von Niederung traf in seinem Amtsbezirk vier aus Torfrase u erbaute Häuser und eine Erdhütte. Im Regierungsbezirk Allen stein und im Kreise SenSburg wurden noch einige Erdhöhlen als Wohnungen an- getroffen. In dem Dorfe Z e m b l a u im Regierungsbezirk Danzig fand der Kreisarzt gelegentlich einer TyphuSepidemie keinen einzigen Abort im Dorfe. Nur allmählich machen die alten Lehm- und Strohkatcn im Regierungsbezirk Köslin gcsundheitsgemäßen Neubauten Platz. Daß ein einziger Raum zwei verschiedene Familien, Federvieh, Kartoffeln und Kohl beherbergt. kommt iin Regierungsbezirk B r o m b e r g auf dem Lande „oft" vor. Mehrere, von Siechen bewohnte Gemeinde- Häuser im Landkreise Oppeln mußten geräumt werden. Die Armenhäuser der Dörfer im Regierungsbezirk Merseburg werden vielfach als dürftig geschildert, einige gar für unbewohnbar erklärt. In einem Arbeiterhaus in» Regierungsbezirk Schleswig lagen Schweinestall, Abtritt und Wohnung unter einem Dach, zwischen Schweinestall und Küche war eine VerbindungStür. Die Mietshäuser der Tagelöhner im Regierungsbezirk Lüneburg und auch die häufig vermieteten Gemeindehäuser sind meist„ohne Dielung, Schornstein, Abort und Brunnen." Besserung zu schaffen„gelingt »mr allmählich." Ueber die„ländlichen Arbeiterquarticre" wird aus den» Regierungsbezirk Allen stein gesagt, daß es eigentliche Schnitterhäuscr kaum gibt. Die große Zahl der Wander- arbciter wurde vielfach in Scheunen untergebracht, wobei „oft eine Trennung der Geschlechter nicht stattfand". Ueber- belcgung, Fehlen von Krankenstuben kamen im Regierungsbezirk Potsdam„häufig" vor. In den Quartieren des Ritterguts Stolpe im Kreise Nieder-Varniin war eine Reihe von Cholcrncrtraiikuiige» vorgekommen. Die Quartiere waren stark über- füllt. ES fehlte die vorgeschriebene Krankenstube. Bei den Arbeiter- Wohnhäusern auf den Gütern fehlte es oft an einer Abortanlage, einmal wurde daS auch bei einer—— Domäne festgestellt. Geradezu unglaublich ist die Mitteilung in dem Buche über die Art der Unterbringung von Bahnftreckenarbeitcrn. Diese waren in hölzernen Baracken tim Kreise Regenwalde, RegicrungS- bezirk Stettin) untergebracht. Bei der Revision des Kreisarztes, die von der Ortspolizei veranlaßt worden war, stellte es sich heraus, daß in den Baracken der Schlafraum zu stark belegt, das Stroh unsauber war und Waschgclegenheit und Aborte fehlten. Die Massenquartiere der Saisonarbeiter im Regierungsbezirk Stralsund wurden wegen„der häufigen Verschleppung ansteckender Krankheiten' ständig von der Polizei überwacht, Die Ausbreitung der Pocken, die von den Russen fast in jedem Jahre eingeschleppt werden, wurde geradezu bedingt dadurch, daß die ausländischen Arbeiter bei einzelnen ein- heiniischen Familien verteilt wurden. Das Massenquartier für die beim V a h n b a u beschäftigten galizischen Arbeiter, daS in einer Scheune aufgeschlagen worden war(in Ncudorf, Kreis Goldbcrg. Regierungsbezirk L i e g u i tz), inußte aufgehoben werden. Im Kreise Schleswig ist es mit der Trennung der Geschlechter in den Quartieren.vielfach" schlecht bestellt. Aus dem Kreise Hadersleben wird folgendes„Kulturbild" wörtlich vorgetraacn: „Auf einem Hofe hausten in einem geräumigen Zimmer drei Ehepaare mit Kindern und ein junger Mann; eine Frau war eben entbunden, während die andere kurz vor der Entbindung st a n d." Im preußischen Abgeordnetenhaus war neulich gar viel von Kontraklbruch ländlicher Arbeiter die Rede. Es wurde von keiner Seite auch nur der Versuch einer Begründung dieser Behauptung aufgestellt. In Wahrheit liegt es oft so: Die ländlichen Arbeiter können überhaupt keinen Vertrag brechen, weil er von den „Herren" von vornherein durch Nichteinhaltung der Vertrags- bestimmungen verletzt wird und überdies von Anfang an ungültig ist, da er ein wucherischer gegen die guten Sitten verstoßender AnZbeutungsvcrtrag ist. Es gehört die ab- gebrühteste Schamlosigkeit hartgesottener Sünder dazu, unter diesen Umständen gar neue Maßnahmen nicht gegen die profitsüchtigen Großgrundbesitzer, sondern gegen die ausgebeuteten Arbeiter zu verlangen. Vorstehend ist auf Grund der amtlichen Quelle wieder einmal der Nachweis geführt, daß die Herren in einer empörenden, die Gesundheit seines Mitmenschen verachtenden, der Sittlichkeit ins Gesicht schlagenden Weise ihre Verpflichtung ver- letzen, den Kontrakt brechen und dann über Kontraktbruch der mit Fug und Recht dem barbarischen Absolutismus raffgieriger Großgrundbesitzer entfliehenden Landarbeiter zetern. Das, was für den Bruch deS Vertrages durch die Besitzer rücksichtlich der Nichtgewährung von menschenwürdigen Wohnungen gilt, gilt nicht minder, wie wir oft gezeigt haben, rück- sichtlich aller übrigen Berpflichtungen der Großgrundbesitzer. Dringend erforderlich ist ein Gesetz zum Schutz der Landarbeiter gegen die Großgrundbesitzer. /3iis Indufme imd Dandd. Getreidespckulation. Lange bevor die sehr problematischen Ernteschätzungen der Regierungen vorlagen, bevor noch das Getreide ausgereift, gc- schnitten und gedroschen war, viel früher: während die junge Saat noch im Keime unter der schützenden Erd- und Schneedecke überwinterte, begannen die Hausse- und Baisse-Trcibereien, an denen die arischen Großgrundbesitzer ebenso eifrig wie die semitischen Händler sich beteiligen. Ehe noch die großen Vorräte der Rekordernten von 1905 und 1906 aufgezehrt und ein sicheres Urteil icher die Ernte von 1907 möglich war, wurden die Bor- bereitungen zu einem neuen Raubzuge getroffen. Tie Ernte- resultate sind nunmehr bekannt und auch von Argentinien, dessen Ernte zeitlich die letzte ist, welche für die Weltapprovisionicrung in Betracht kommt, liegen bereits Meldungen vor. Das allgemeine Resultat steht nun zweifellos hinter den Ergebnissen der glänzenden Vorjahre zurück, aber zusammen mit den Borräten reicht die Wclternte doch aus, um den Bedarf zu befriedigen. Nichtsdestoweniger zeigen die Getrcidepreise seit geraumer Zeit eine hartnäckige Tendenz zur Aufwärtsbewcgung, und zwar an allen Weltplätzcu des Gctreidehandcls. Daß dabei die Speku- lation im Spiele ist, kann man täglich den Börsenblättern ent- nehmen. Vor einiger Zeit ließ man sich aus Argentinien die denkbar günstigen Nachrichten kabeln.„Das Resultat ist ein sehr gutes, die Exportfähigkeit des Landes wird wesentlich größer sein als in» Vorjahre", hieß cS am 15. Dezember. Zwei Tage später wurde die Welt mit einer„Verschlechterung der Dreschergebnisse" überrascht, und gleichzeitig machte man die betrübende Mitteilung, daß die Wintersaaten in Rußland schlecht stehen. Eine neuer- liche Verteuerung der Brotfrucht sei zu befürchten, und selbstver- ständlich wurden die ungünstigen Nachrichten mit einem Hinauf- rücken der Wctzenpreise(in Berlin gleich um 4—5 Mark) prompt beantwortet. Die Abschwächung dcS Eiscnabsaties. Im kürzlich erschienenen Noveinberberichte konstatiert dxr Stahl- Werksverband zu», erstenmal den Rückgang des Absatzes und die Verminderung der Nachfrage. Der Versand in Halbzeug, Ober- baumaterialien und Forineisen sank vom Oktober aus November um 15 877 Tonnen. Die Lage des Jnnenmarktes erforderte Preis- ermäßigungen und eine Aufrechterhaltuiig der höheren Preise für das erste Quartal 1903 wäre„nicht zu rechtfertigen" gewesen. Danach rechnet der Verband im nächsten Jahre mit weiteren Preis- Herabsetzungen, und offenbar tut dies auch'der Konsum, denn er hält sich augenicheinlich zurück, obgleich die Bezugsverpflichtungen erleichtert wurden und die Vorräte abgenommen haben. Im einzelnen stellt sich der Ab'atz gegenüber dem Vormonat wie folgt: Oktober November Tonnen(Rohstahlgewicht) Halbzeug....... 120 014 115 891 Oberbaumaterial..... 188 998 222 074 Forineisen.....■. 129921 85091 408 933 42$ U56 Per Arbeitstag ergibt sich eine Differenz von 1370(17S27 gegen 16 257) Tonnen. Der Bericht nennt dies in Anbetracht der Geldverhältnisse und der Jahreszeit„recht befriedigend". Im Ober- baubedarf trifft dicS allerdings zu; da ergibt sich sogar eine Steigerung, und da eS sich nicht um Lieferungen für die Staats- bahnen handeln soll, ist die Versandziffer»im so erfreulicher. Teutschlands Rvheisenerzcugmig. In den abgelaufenen elf Monaten dieses Jahres betrug die Roheisenproduktion Deutsch- lands 11 939 385 Tonnen, gegen 11408 429 Tonnen in der gleichen Zeit des Vorjahres. Im Monat November betrug die Erzeugung 1 112 225 Tonnen gegen 1 138 676-LOimcn im Oktober und 1 061 572 Tonnen iin November des Vorjahres. Hibernia. Tic Vergwerksgesellschast„Hibernia" erzielte in der Zeit vom Januar bis November 1907 einen Bruttogewinn, der unter Schätzung des Gewinnes pro Dezember die Ausschüttung einer Dividende von 14 Proz.s ermöglicht. Huö der frauettbewegung. Eine Kritik der bürgerlichen Frauenbewegung. Die SittlichkeitSftage! Stagnation trotz aller Vorträge, trotz der vorhandenen Organisation, trotz der sich bahnbrechenden Ueber- zeugung von den verschiedensten Seiten aus, daß� eS Punkte gibt, denen alle Richumgen zustimmen, daß Ziele aufgestellt find, denen alle Strömungen in dieser Frage sich zuwenden können. Wäre nicht die Mutterschutzbewegung vorhanden, wir_ würden überhaupt keine Stoßkraft in der Sitilichkeitsbewegung verspürt haben. Reform der Ehegesetzgebung I Auch hierin gibt es Fragen, in denen eine gemeinsame Arbeit zu erzielen wäre. Leider werden die Reformvorschläge für die Aenderung des Gesetzes durch die ent- stellende Polemik einiger Führeriime» der� gemäßigten Richtung zu einem wahren Raltcukvnig tollster Mißverstäiidnisse gestempelt. Sie konstruieren sich ein wunderliches Gebilde i» ihrer Phantasie, weit sie selbst fern dieser Bewegung stehen; sie bekämpfen Grundsätze, die nicht vertreten werden, greifen Ansichten an, die nicht aus- gesprochen sind,— kurz, sie rufen Verloirrtmg hervor, dadurch aber Schwächung in dieser hochwichtigen Frage. Die Reform des Strafgesetzbuches! Die Regisrung kündigt bc- ständig die bevorstehende Resor», an. Die radikale Richtung»n der Frauenbewegung bemüht sich unausgesetzt, die Frauen aus die Not- wendigkeit hinzuweisen, ihre ganze Kraft in der nächsten Zeit auf bestimmte Paragraphen des Gesetzbuches zu verwenden, die durch- aus eine völlige Aenderung erfahren müssen. Sülle, fast überall Stillei Oder ist vielleicht eine großartige stille Arbeit im Gange? Wir nehmen gern Belehrung an. wenn dem so tft._ Sollte es den Frauen keine schmerzliche Lehre für immer gewesen sein» daß sie zu spät beim Bürgerlichen Gesetzbuch kamen? Und nun zu der niemals eudeiiden Bildungsfrage! Es ist frei- lich ein Kongreß für diese Frage abgehalten ivorden. Wir wollen nicht noch einmal hier ans die vielen Fehler eingehen, die dabei bc- gangen worden find. Man hat sich in Kassel auf eine inittlere Linie geeinigt, man ist auch von dem preußischen Kultusminister empfangen worden. Aber daS Resultat, wo bleibt das Resultat? Ruhe des Grabes scheint die Folge zu sein. Nichts verlaute», nichts rührt sich — Propaganda, Aktionsfähigkeit, Stoßkraft fehlen eben. So urteilt ein bürgerliches Frauenorgan, die„Frauenbewegung". Trotz dieser so aekeimzeichneten Unfruchtbarkeit glauben die wetb- lichen Ausgaben der liberalen Blockpoliiiker nichls besseres tun zu können, als bei ihren gelegentlichen Kränzchen die sozialdemokratische Unfruchtbarkeit zu verdammen._ Für das Franenwahlrecht in Dänemark. Das kommunale Franenwahlrecht ist in dem dänischen Regierung?- entwurf zur Reform des kommunalen Wahlrechts enthalten, dessen Vetivirklichung allerdings vorläufig im Landsthing gescheitert ist, nicht des Frauenwahlrechts wegen, sondern weil dieses„Herrenhaus" die Uebermacht der Wohlhabenden in den Gemeindevertretungen nicht eingeschränkt wissen will. Für die Einführung des staats- bürgerlichen Frauenwahlrechts liegt dem Folkething ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion vor. Inzwischen entfalten die dänischen Frauen selbst eine eiftige Wahlrechtsagitation. In Kopenhagen fand kürzlich ein Frauenwahlrechts-Kongreß statt, ans dem 38 von den 40 Frauenvereincn Dänemarks vertreten waren. Hier wurde ein Landesverband für das Franenwahlrecht gegründet, dessen Ziel die völlige Gleichberechtigung der Frauen mit den Männern bei allen politischen wie kommunalen Wahlen ist. Auch wurde beschlossen, ein Bcrbandsorgan herauszugeben, das monatlich erscheinen soll. Sericbts-Leitung. Die Hamburger Straßenordnung— ein Kampfmittel gegen ausgesperrte und streikende Arbeiter. Es ist erreicht! wird die Polizeibehörde Hamburgs ausrufen, der vom Hanseatischen ObetlandeSgericht als Ncvisionsiiistanz die Machtbefugnis zugesprochen worden ist, ein Präventivverbot gegen das Betreten gewisser Stadtteile auszusprechen. Auf Grund der Straßenordnung muß in der„Republik" Hamburg jeder Aufforderung eines Polizeibcamten zum Weitergehen Folge gegeben werden, vor- behaltlich der Beschwerde des Betreffenden. Das subjektive Ermessen des Polizisten feiert höchste Triumphe, denn er braucht nur zu befürchten, daß durch die„Ansammlung" eines einzelnen Menschen die öffentliche Ruhe und Ordnung gestört werden könnte, um zu seinem Vorgehen „berechtigt" zu sein. Bei der letzten Ausspeirung der Hafenarbeiter erließ die Polizei ein Verbot gegen das Betreten der Hafengegend. Dieses Verbot richtete sich nur gegen Ausgesperrte. Auf Grund der ihnen erteilten Instruktion trieben die Polizisten jeden Ausgesperrten quS der Hafengcgend, und jeder Ausgesperrte oder jeder Streikposten, der nicht sofort die Beine in die Hand nahm, erhielt eine hohe Strafverfügung. DaS ObcrlandeSgericht hat die Revision eines SchauermanneS verworfen, weil die Polizeibehörde auf Grund der Straßenordnung im Interesse der öffentlichen Ordnung berechtigt sei, derartige Präventiv- maßnahmen zu treffen, damit keine Aus- schreitungen passieren können. Die Lübecker Streilposteitverordnung wurde bor Jahren vom Reichsgericht fiir ungültig erklärt, weil gegen die Gewcrbeordnnng verstoßend. In Haniburg versucht man wie in Preußen und Sachsen mit Hülfe der Straßenordnung den Arbeitern. das Streilrechi illusorisch zu machen. Ein Gesetz zum Schutz des KoalitionSrechtS der Arbeiter ist dringend erforderlich. Ein Bauernprozeß spielte sich in dieser Woche vor der Strafkammer zu Offen bürg (Baden) ab, der unter den Reblcuten der Ortenauer Gegend große Unzufriedenheit erregt. Sie sollen der Verbreitung der' Reblaus Vorschub geleistet und sich deshalb gegen das Reichs- gesctz vorn 6. Juli 1904 und die badische Verordnung vom 18. Oktober 1905 vergangen haben. Diese mittclbadischen Winzer siild bestrebt, ihre immer geringere Erträgnisse liefernden Rcb- sorten hohen Alters wegen abzuschaffen. Vom Anbau einer amerikanischen Rebsorte, die erwiesenermaßen einen ganz erheblich höheren Ertrag liefert, erhoffen diese ökonomisch gedrückten Bauern ein Emporkommen aus der verzweifelten Lage ihres Winzer- standcs. Ihre Hoffnung ist durch Gesctz und Verordnung, durch Anklage und Bestrafung vernichtet worden. Viele Bauern, welche infolge der eingeleiteten Untersuchung ihre Bestellungen rückgängig zu machen ftlchcn, sind ganz trostlos»wer die Verurteilung ihrer etwa 5 0 vor der Straftammer erschienenen Bcrussgcnosscn. Sa gering die Geldstrafe ausfiel, es heißt auch hier: Wir haben ein Gesctz, und nach diesem Gesetz müßt Ihr sterben. Der Anbau amerikanischer Reben oder deren Kreuzungsarten ist verboten, weil dieselben, wie behauptet wird,„re b l a u L f e st" sind. DaS heißt: Das gefürchtcte Insekt beeinträchtigt als Schmarotzer auf diesen Pflanzen das Wachstum nicht, zerstört aber beim Ucbergang auf unsere einheimischen Rcbbestände diese vollständig. Auch will man mit dem Verbot die Produktion gernigercr Wcinqualitätcn ver- hindern. Die Verteidigung bestritt die Anwendbarkeit der gesetzlichen Bestimmungen auf diesen Fall, wo man diese An- Pflanzungen aus im Lagtze angesäten amerikanischen T» a u b c n- kernen gezogen hat. Die beiden Sachverständig»» gaben direkt entgegenstehende Meinungen kund. Den Bauern wurde die Milderung der Fahrlässigkeit eingeräumt. Es sollen noch eine große Anzahl Bauern an die Reihe kommen. Demnach müßte das Land schon ganz vcrrcblaust sein. Die Aufregung ist eine grc ße. Da es aber keine temperamentvollen Südsranzoscn, sondern g-etwilligc Zentrumsbaucrn voller MittelstandShosknung sind, wird" cS nicht zur Aaucrnrebcllion kommen. Schankwirtschaftsbctricb? Der Direktor eines Krcfclder Barietc-Theaters, Herr Troisi, sollte sich gegen die Vorschrift einer Polizeivcrordnung von 1897 vergangen haben, welche die Duldung von jugendlichen Personen unter IL Jahren bei Variete-Vorstellungen untersagt, die Gast- und Schankwirte veranstalten oder veranstalten lassen, vorausgesetzt, daß ein höheres Interesse der Kunst nicht obwaltet. Herr Troisi läßt in seinem Theater auf eigene Rechnung Bier umsetzen. Seine Vorstellungen sind nach sachverständigem Urteil als Ganzes keine mit höherem Kunstintcresse, wenn auch gc- wissen Einzelleistungcn das höhere Kunstinteresse zugesprochen wird. In zweiter Instanz wurde er wegen Ucbertrrtung jener Bemdmnig verurteilt. Das Kinnmergericht hob dieser Tage jedoch das Urteil auf und vettvies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht zurück. Die Verordnung spreche von Gast- und Schankwirten, die derartige Vorstellungen, wie sie näher in der Verordnung bezeichnet würden, unternehmen oder unternehmen lassen. Es sei aber noch nicht jeder Theater- direktor, der cinwal Ausschank betreibe, ein Gast- oder Schankwirt i»n Sinne der Verordnung. Das wäre nur der Fall, wenn in seinem Gewerbebetriebe der Ausschank die Hauptsache bildete. Solche Theater gebe es ja auch, wo die Vorstellungen nur zum Trinken veranlassen sollten. Hier fehlten darüber nähere Fest- stellungen. DaS Landgericht müsse sich nochmals mit der Sache beschäftigen. Diese Entscheidung steht im Widerspruch zu der sonstigen Rechtsprechung des Kammcrgerichts, die sogar ein einmaliges Ge- statten, im Laden eine Flasche Bier zu trinken, als strafbare Aus- Übung des Schankgewcrbcs erachtet hat. Kgr den Jndalt der Inserate (tliernimmt die Redaktion dem vubiitnl» aegcniibcc keinerlei Tieraiilniorrnng. Cheater. Heute Dienstag bleiben die Theater _ geschlossen. Berliner Theater: Heule: Gescblonsen. Morgen Blaubart DonnerZtag.nachmZUhr: Blaubart. Abends: Blaubart. Neues Theater. Heute: Geschlossen. Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Sonnabend: Baccarat. _ Ansang 8 Uhr. Kleines Theater Heute: Geschlossen. Mittwoch nachmittags 3 Uhr: Ein Puppcnheim.(Nora.) Abends 8 Uhr Mandragola. Donnerstag nachm. 3 Uhr: Maria Magdalenc. Abends: Mandragola. Freitag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Abends 6 Uhr: Mandragola. TMer des Westens. Nachm. 3 Uhr zu lleincn Preisen: Sttsncclvittchcn u. die siebe» Zwerge. AfiendS: Geschlossen. Friednch-Wiltielmstädtischss Schauspieihaus, i Heute: Geschlossen. Mittwoch 3 Uhr: Der blinde Passagier. Abends 8 Uhr: Madame SanS ELne. Donnerstag nachm. 3 Uhr; Nathan der Weile. Abends 8 Uhr: Der ge- hörnte Siegsried. SicgsriedS Tod. Freitag nachm. 3 Uhr: Der blinde Paisagicr. AbcNdS 8 Uhr: Madame Sans Ksne. l-ortiing-ItieJter! Heute: Geschlossen. Mittwoch nachm. 3 Uhr: Rigoletto. SlbendS 8 Uhr: Der Trompeter von Säckingen. Donnerstag nachm. 3 Uhr: Die lustigen Weiber von Windsor. WendS 8 Uhr: Die Zauberslöte Freitag nachm. 3'/, Uhr: Rümpel- ft ilzchen. Abends 3 Uhr: Undine. Besiilenz-Ilieater. • Direklion: Richard Alexander.• Zlnsang 8 Ubr. Ganz der Papa. Schwank in 3 Alten von MarS und DeSvalliöreS. Deutsch v. M. Schönau. Baron des Aubrais: Aich. Alexander. Mittwoch den 25. Dezember, nachm. 3 Uhr: Ldette. Donnerstag, 23. Dezember, nachm. 3 Uhr:(Line Hochzeilsnacht. Lustspiefihaus. Heute: Geschlossen. Mittwoch und Donnerstag nachm. 3 Uhr: Renoioa SchüHsr. Abends 8 Ubr: llusarenilebcr. HanZ Fischer als Gatt._ Zentral'Theater. Gastspiel des Hebbel-Theaterö. Heute: Geschlossen. Luisen-Theater. Reichenbergerstr. 34. Heute: Geschlossen. Mittwoch nachm: Berlin wie eS koeint und lacht. Abends: Krieg im Frieden. Donnerstag nachm.: Maria Stuart. Abends: Das Heiralsnest. Freitag nachm.: Der Leiermann mid sein Pflegelind. Abends: Em gasiltcheS Haus. Sonnabend i Ubr: Frau Holle. Abends: Krieg im Frieden. Sonntag nachm.: Die Ahnsrau. Abends: Amerilaseppel. Montag: Krieg im Frieden._ ERNIimStTtlMTE (Sr. Arankinriertlr. 132. Heute: Geschlossen. Morgen: Die Verlobung im Bett. Ansang 8 Uhr.— Soimtagspreise Heute: Geschlossen. An beiden Weibnachtsseiertagen nachm 31;, Uhr bei kleine» Preisen: Me Familieu-lforstelliifig. tnds 8 Uhr: Glite-Borsteltung. Abends Theater Folles Caprice jnienstr. J32, Ecke Friedrichstraße. Heute Dienstag: Geichlossen. Morgen und jolgende Tage: Mal ms jkderes, Dunklo Punkte. Eine anstündise Fraa. Schiller- Schlller-TheaierO-CSBannec-Tbeater). Dienstag: Geschlossen. Mittwoch nachm. 3 Uhr: Rosmersholiu. Schauspiel in 4 Ansz. v. Henrik Ibsen. Deutsch von Wilhelm Lange. Mittwoch, abends 8 Uhr: Pin Pnllissenient. Schauspiel in süns Auszügen von Björnsljerne Björnson. Donnerstag nachm. 3Uhr: Zlnrla lStnnrt. Donnerstag, abends8Uhr: Belternttneke. VZtester. 8chIIIer-lheater LharloNendurg. Dienstag: Gesehlossen. Mittwoch nachm. 3 Uhr: Gehiliiete Menschen. Volksstück in 3 Auszügen von Viktor Läon. Mittwoch, abends 8 Uhr: Gilt« von Berllchlnxen. Schauspiel in 5 Auszügen von Johann Wolsgang v. Goethe. Donnerstag nachm. 3Uhr: Der Dichter von lKnlnmen. Donnerstag, a b e n d S 8 U H r: Weh' dem, der lägt. Zirkus Schumann Heute Dienstag, d. 24. d.M., geschlossen. Mittwoch, den 25., Donnerstag, den 26. und Freitag, den 27. d. M., nachm. 3'/., Uhr und abends 7'/, Uhr: ÄV- Je-5*2 ß Gala-Fest- Vorsteilunp, C In jeder Vorstellung: Das Scnsatlonsprogramm. Abends zum Schlug: KmEnks. Qrigiual-Manegeschaustück des Zirkus Albert Schumann. Achtung:! An allen 3 Weihnachtsfeiertageu Nachmittags zum Schlug: Die reizende Pantomime Wk lnstigeu Hkidelbkrgkr mit den urdrolligen Regenszenen u. sämtlichen neuen komischen Einlagen. Nachmittags ein Kind srei. (JEzakim'$aSßiw Köpenickerstrasse 68. Heute: Geschlossen. 1. Feiertag: Nachm. 3 Uhr: Am grünen Weg. Abends 8 Uhr: Hokuspokus. L. Feiertag: Nachm. 3 Uhr: Ter Aktieubndiker. Abends 8 Uhr: Hokuspokus. 3. Feiertag. Nachm. 3 Uhr: Tiroler Krippen- spiel. Zlbends 8 Uhr: Hokuspokus. Metropol-Theater Heute geschlossen. Morgen Mittwoch, den 25. u. Donnerstag, den 26. Dezember 1907, nachmittags 3 Uhr: rn Abends 8 Uhr: Gr. Kevue in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Eollaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. G. Thielselier, F. Massary, I. Danuami, Bemler, Giampietro, Anfang präzise 8 Uhr. Heute geschlossen. Morgen Auftreten von: Robert Steldl, Liane de Vribs, Kitty Gordon, Tan Kwai• Truppe, Flood Brothers. Starr und Lcslie, Boganny• Truppe, Die Tiller Girls, Brunins, La Bdrat, Toqud, Tenji• Truppe, Der Biograph etc. ßH rrpi a Variete-Theater Weinbergsweg 19,20, Rosenth. Tor Heute geschlossen. An beiden Weihnaehtsfei erlagen; 2 Vorstellungen 2 Nachmittags S'/jU.: kleine Preise. Jeder Erwachsene ein Kind fiel Abends 8 Uhr. Dienstag. 31. Dezember: Grolle Silvester- Feier. Tunnel: Rgtskapelle, Schrammein. Theater-Besucher freier Eiiitritl. C'harlottenburg, PotsdamerstritBe 11. ilfu! Elkgliut! IutkresslNlt! Täglich Vorstellung von 5—11 Uhr. Sonntags von 3—11 Uhr. Stetiger Eingang von Neuheiten. XIII. Saison. Zirkus IS us cli i Heute: Geschlossen. An allen 3 Weihnachtsseiertagen: I ls 2 Große Gala-Vorstellungen, j Nachm. 4 Ubr und abends T/, Uhr. Nachm. 4 Uhr zahlen Kinder unter lv Jahr. aus all. Sihpl. halbe Preise.! Austreten sämtlicher Clowns mit den neuesten Witzen und Spähen. Nachmittags 4 Uhr: Aokei and Koko. Die entsprungenen Assen m der Sommerfrische. Große Humorist Waiserpantomlme j in zwei Bildern. •"uS, W kt gdij! 7'l W.�foacks Theater Direktion: Rob. Dill. Sruiinenstr. 16. An allen drei Feiertagen: In der Irre. Schauspiel n. d. neuest.„Morgenpost'« Roman. Am 1. Feiertag: Ansang 8 Uhr. 2. und 3. Feiertag: Ansang 7 Uhr. Btlletworoerkaus täglich a. d. Kasse. j Passage-Theater. Abends 8—11 Uhr. «Die singenden Engelsköpfe» Martin Kettner Kr na Fröhlich und das großartige Dezember-Programm. Gehl. Hermfeld- Tlieater. 57 Kommandantnislraße Nr. 57. Ansang 8 Uhr. Vorverkauf ab II Uhr. Meute: Geschlossen. Morgen Mittwoch(i. Feiertag); Sie erfolgreichste Novität; Papa U. Genossen. Komödie in 2 Akten mit den Autoren Anton n. Donat Herrn- selb in den Hauptrollen. Borheu: Madame Wig-Wag. Nachmittags 3 Uhr(halbe Preise): Die Me�erhains. Parodie-Theater. Dresdenerstr. 97. Anfang 8 Uhr. An allen drei Feiertagen: Zapfenstreich. Tannhäuser. Monna Vanna. Air allen drei Feiertagen nachm. 3'L Uhr zu halben Preisen: Zapfen- streich. Will, et», Tell._ nc 3 ifal 3. Berliner Reiehslags■ Wahlkreis Donnerstag, 26. Dezember 1907(2. Weihnachtsfeiertag): Weihnachts- im gr. Saal der Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59. Mitwirkende: Festrede: H. Schulz; Violine: Frau Am. Radwanor- Birnbaum; Rezitation: Max laurence; Klavier: Leo Kestenberg; Männerchor„Union"(M. d. A.-S.-B.). Billett 30 PL 226/3 Anfang präzise 12 L'hr. Zu recht zablreiohem Besuch ladet ein Der Vorstand. JE J L 1 B Urania. Wissenschaftliches Theater. Heute: Geschlossen. Mittwoch u. Donnerstag 8 Uhr: Kairo und die Pyramiden. Freitag 4 Uhr: Am Golf von Neapel. 8 Uhr: Kairo und die Pyramiden. Invalidenstr. 57— 62: Sternwarle. Zar Beobachtung: Mars, Saturn, Doppelsterne, Nebelflecke. Sanssouci sS'e. Direktion: Wilhelm Reimer. Wegen Vorbereitungen zum Weihnachtssesl geschlossen. An allen 3 Feiertagen Große Extra- Frst-Bor- stellungen. Hochaktuelles Programm. Elite-Toiree von BollDiaiiiisMil.Säiip' Danzkränzchen. Am Dienstag, den 7. Ja». 1908: 1. gr. Speztatitiiten-Vorstellung. Kasino-Theater. Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr: Heute: Geschlossen. Biederkute. UdieiDÜkteiiv. ßob. Misi Vorher das glänz, bunte Programm. � Morttz-plstz«, . imlhcatcriaal tagllCTU; Das neue F-PröBMI Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Sonntags 7 Uhr.(Sonntags | reserviert 1 M., Enlree 50 Pj.i Famitienbilletts a 40 Pf. Aich Miiilär-Konzerl. Leder. Przywarski, Görilch, Neumann, Osseney und Lüttich. srisnon-Ihesler. Heute: Keschlosseu. An allen Weihnachtsseiertagen 3 Uhr: Wie!» Josette- nieine Frau, 1. Weihnachtsseiertag 3 Uhr: Cyprienne. 2. Weihnachtsseiertag 3 Uhr: Gastons Frauen. Reiehshallen-Tliealer. Heute: Keine Soiree der Stettiner Sänger. Ansang a. I.u. 2. Feiertag: 7 Uhr. Ansang am 3. Feiertag: 7'/3 Uhr. Donnerstag, den 26. 12. (2. Feiertag): Große Weihnachtsfost- Gonef iz- Matinee. Zum 1. Mate: Die Südwest-Atrikaner. WeihnachtSbitd u. Mensel. 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Matineen haben der zweite, der vierte und der sechste Kreis wie alljährlich auch in diesem Jahre an den, zweiten Feiertage veranstaltet, um für ein geringes Eintrittsgeld den Parteigenosten einige� an- genehme Stunden zu bereiten. Der zweite Kreis hält seine Matinee im großen Saale von Kliem, Hasenheide 13/15, ab. DaS Eintrittsgeld beträgt inklusive Garderobe 30 Pf. Der dritte KreiS veranstaltet seine Matinee im großen Saale der Arn, inhallen. Kommandantenstr. 58/59. Der Preis der Billetts ist auf 39 Pf. festgesetzt. Der vierte Kreis hat zwei Matineen arrangiert, und zwar im „Konzerthaus Sanssouci", Kottbusersir. 6(Auftreten der Volkssänger- Gesellschaft Üewandowsky) und in„Kellers Festsälen"(Inhaber Frcyer), Kovpenstr. 29(Auftreten der Gesellschaft Strzelewicz). In beiden Lokalen: Konzert, ausgeführt von Zivilberufsmuftkern. Das Billett kostet 30 Pf. Der sechste Kreis hat folgende Veranstaltungen getroffen: 1.. 2. und 3. Abteilung(Schönhauser Borstaot) rn den Gesamt- räumen der Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 19, und Berliner Prater-Theater, Kastanien-Allee 7/9. Unter Mitwirkung des„Berliner Ulk-Trio" und der„Bolkssängergesellschaft Hugo Anke". 4. und 5. Abteilung(Rosenthaler Borstadt) in BallschmiederS Etablissement, Badstr. 16. Mitwirkende:„Renoth und Huber", steirischeS Gesangs- und Jodler-Ductt. Gesangverein„Neu erwacht" (M. d. A.-S.-B.), Chorineister H. Bleib Elite-Streich-Orchester des Musikdirektors Herrn F. Blume. 6. Abteilung(Oranienburger Borstadt). Germania-Säle, Ehanssee- straße 119(großer Saal). Unter gütiger Mitwirkung des Gesang- Vereins„Nordwacht"(M. d. A.-S.-B.) und Otto Steidls„Ham- buroer Sänger". "7. und 8. Abteilung(Moabit). 1. Artushof, Perlebergerstr. 26. Mitwirkende:„Vereinte Sangesbrüder", Turnverein„Fichte", Theatergesellschaft Balzöe. 2. Kronen-Brauerei, Alt-Moabit 48/49. Gesangverein„Liederlust II", Turnverein„Fichte". Theatergesellschaft Loewe. 9. mrd 19. Slbteilung(Wrdding) in den PharnSsälen, Müller- straße 142. Ausgeführt von der HauSkiinstlerkapelle(Harmonium- Aufführung) und den Viktoria-Sängern(Herreir Görn, Bajohr, Härtung und Scbauß) sowie der Opernsängerin Frl. Schüle und ersten Soubrette Frl. Ellen Ranse. Rauchen verboten. l l. Abteilung(Gesundbninnen) im Bernhard Rose-Theater, Bad- straße 58 und bei Schirni(Jnh. Franke), Badstr. 19. Unter Mit- Wirkung des gesamten und beliebten Personals des Bernhard-Rose- Theaters— in beiden Lokalen. Der Eintrittspreis beträgt 25 Pf. Sämtliche Veranstaltungen beginnen um 12 Uhr mittags. Da in keinem der genannten Lokale offene Kaste stattfindet, tun die Genossen gut, fich vorher mit Billetts zu versehen, die bei den Bezirksführern zu haben sind. Außerdem veranstaltet der zweite Kreis am Mittwoch, den 25. Dezember(1. Weihnachtsfeiertag) ein Winterfest in den Gcsainträumcn der Viktoria-Brauerei, Lützowstr. 111/112. Mit- wirkende: Berliner Sinfonie- Orchester(Dirigent: Maximilian Fischer). Gesangverein„Liedertafel Berlin IV."(Chormeister: Herr F. Stempel). Gnörich-Jescheck-Ensemble. Nach der Vorstellung: Bull. Herren zahlen 59 Pf. nach. Anfang 6 Uhr. Garderobe 19 Pf. Eintritt 39 Pf. Rirdorf. Achtung! Billetts für das W e i h n a ch t S f e st sowie zur Theatervorstellung sind nur noch in der Parteispeditton Ncckarstr. 2 in beschränkter Zahl vorhanden und bitten wir die Mit- gliedcr, sich recktzeilig damit zu versehen.— Die Bibliothek ist bis zum 2. Januar 1993 geschlossen. Der Vorstand. Sttalau. Die Genossen werden nochmals auf die am 1. Feiertag stattfiiidcnde WeihnachtSfeicr des Wahlvereins in den„Markgrafen- fälen" anfmerksain gemacht. Beginn des Konzerts 6 Uhr, Saal- öffnung 5 Uhr. Billetts sind an» 1. Feiertag im Restaurant Gnnd- lach, Markgrafendainm 3, noch zu haben. Die Genossen werden ersticht, sich mit ihren Familien zahlreich einzufinden. Der Vorstand. Küttigs- Wustcrhauseil und Umgegend. Den Parteigenossen zur Kenntnis, daß am Sonntag, den 29. Dezeniber, vormittags 19 Uhr, in den drei Bezirken Könias-Wusterhausen, Hohcrlehme-Wildau und Niederlehme je eine BezirkSsitzmig stattfindet, welche sich mit der anfangs Januar stattfindenden Generalversammlung des WahlvereinS beschäftigt. Die Parteigcnostcn, welche mit ihre» Beiträgen iin Rückstände sind, werden ersucht, dieselben in der Sitzung zu be- gleichen. Pflicht eines jeden Genossen ist eS, zu erscheinen. _ Der Vorstand. Berliner J�acbricbten» Tie juristische Sprechstunde fällt heute abend, an den beiden Feiertagen und am 27. d. M aus. Der Brotpreis steigt mianfhaltsam, Ist, m er teuerer wird das Brot, richtiger gesagt: immer kleiner und leichter wird eS bei gleich hoch bleibendem Preise. Das Resultat der Ermitte- lungen, die fiir Berlin von dem Statistischen Amt der Stadt hierüber angestellt werden, ist nun auch für November 1907 vorgelegt tvorden. Die Wägung der Brote, die in, Akovcmbcr in verschiedenen Bäckereien Berlins— gcgenwärttg in 40— gekauft worden waren, ergab pro Fünfgroschenbrot ein Durch- schnittsgewicht von nicht mal mehr läOO Gramm, also von weniger als drei Pfund. Der hieraus berechnete Durchschnitts- preis für 1000 Gramm Brot war nun schon 33'/2 Pf., während er im November 1906 noch 27'/« Pf., im November 1903 noch 253/1 Pf., im November 1904 imch 23'/? Pf. gewesen war. Die städtischen Kassen und Bureaus werden der Feiertage wegen am Heiligabend um 1 Uhr geschlossen. „Christbaum" G. m. b. H. Auf was nicht alles spekulative Unternehmer verfallen! Sie haben herausgefunden, daß sich eine Notwendigkeit ergeben hat, be- stimmten BevölkcrnngSkreisen die Sorge um den WeihnachtSbarnn abzunehmen. Unter dein Namen„Christbaum" hat sich eine Gesell- schast mit beschränkter Haftung aufgetan, die diese Sorge über- nehmen will. DaS soll erreicht werden, daß sie Bäume für die Feiertage vermiet und je nach der Höhe deS Mietspreises mit Schmnck versieht. Die„Post" ist außer sich über diese Grimdun� und wettert, was das Zeug hält, gegen die„Gefühllosigkeit', die fich hierin offenbare. Sie jafnnwrt u. a.: „Der liebe, grüne Weihnachtsbaum, das uralt deutsche Symbol des ewigen Sonnenlichts, die Freildenfackel, die unsere Ahnen lodern ließen, um der steigenden Sonne entgegenzujauchzen, durch den Stern von Bethlehem mit einem neuen feinen Gehalt j verschen, eins der wichtigsten Wahrzeichen der UnVergänglichkeit reichsten deutschen Gefühlslebens, wird nun auch durch Profit- lüsterne Spekulation ir6 den Schmutz des Geschäftsstaubes gezerrt. Die holden Reize, welche die Weihnachtstanne mit dem be- strickendsten Zauber umkleiden, da§ sorgliche Aussuchen des schönsteif Baumes, das geheimnisvolle Einbringen in das Haus, das fröh- liche Schmücken im verschlossenen Zimmer, vor dessen Tür die Kindlein lauern und in jedem Rascheln die beglückende . Nähe einer freundlichen, freudespendenden Macht ahnen, sie sollen schwinden, und so wie geschickte Hände ein Schaufenster schmücken, so wird sich künftig der Berus des„Christbaumschmückers" herausbilden, der sich gewiß bald bis zu der in unserer Zeit unvermeidlichen höchsten technischen Höhe erheben wird. Wo war bisher ein Bäumchen, so verkrüppelt, daß es nicht doch einen Käufer gefunden hätte, der es glückselig seinen frohen Kindern entgegen nach Hause trug? Von nun an werden die Bäumchen wohl künftig tadellos zurechtgestutzt erscheinen, um allen gesellschaftlichen Ansprüchen zu genügen, dafür wird ja die Gesellschaft m. b. H.„Christbaum" sorgen. Es ist gar traurig, wenn den Deutschen die Freude am Lichterbaum zur„Sorge" wird, und wenn Eltern, allzu beschäftigt, nicht mehr Zeit finden, ihren harrenden Kindern das Bäumchen zu schmücken. Es ist nicht zu- fällig, daß die„Jugend" in ihrer jüngsten Nummer mit dem häßlichen geschmacklosen Weihnachtswitz paradiert, daß da ein Lümmel zum anderen sagt:„Ich kann die Familiensimpelei nicht leiden! Ich lasse Mama die Weihnachtsgeschenke immer beim Oberkellner der Bar für mich abgeben."'Merkt ihr noch nichts, ihr Deutschen? ES gilt euer Familienleben, langsam und fast unbemerkbar wollen euch die Zerstörer die Seele nehmen. In der toten Form suchen sie den lebendigen Kern zu ersticken, den Jahr- tausende nicht ersticken konnten. Haltet den Weihnachtsbaum in Ehren, nicht als nötige gesellschaftliche Form, sondern als Mittler zum Unvergänglichen, Starken, Lichten, würdigt eure Feste nicht zur Fratze herab, nehmt ihren lebensvollen Inhalt in euer tiefstes Herz, in euer Gefühl auf und schafft einen Wall starken, von den Altvordern überkommenen Gefühls gegen die Fluten deS platten und häßlichen Geschäftssinnes, die unser gut deutsch Land und unsere deutschen Feste zu erniedrigen versuchen! Laßt uns eine echte Weihnacht feiern!" Es liegt uns fern, uns mit der„Post" über die Bedeutung des SelbstschmückenS des Weihnachtsbaumes auseinanderzusetzeff, uns interessiert nur. daß die„Post" eS traurig findet,„daß den Deutschen die Freude am Lichterbaum zur Sorge" wird, und„wenn Eltern, allzu beschäftigt, nicht mehr Zeit finden, ihren harrenden Kindern das Bäumchen zu schmücken". Uns interessiert das um deswillen, weil dadurch die„Post" gerade die Gesellschaftskreise trifft, die zu den bemittelten gehören. ES ist doch gar kein Ztveifel, daß außer größeren Geschäftsleuten gerade die besitzenden Klassen es sind, denen das Schmücken des Weihnachtsbaumes Sorge macht. Selber etlvaS tun, ist ihnen unangenehm, sie haben ihre Leute dazu. Ob diese Arbeit nun Angestellte oder andere Leute verrichten, ist doch gleichgülttg. Auf die Trägheit dieser BevölkerungSkreise ist ja die neue Gründung„Christbaum" G. m. b. H. zugeschnitten. Warum also das Geschrei?_ Pharisäer! Dicht bei der Reichshauptftadt, auf Schöneberger Gemarkung. wo die„Millionenbauern" wohnen, die vor ein paar Jahrzehnten bei der Erschließung Schönebergs zur Stadt zu reichen Leuten wurden, hat man auf freiem Felde in einer Erdhöhle einen Arbeiter mit seinen drei Kindern entdeckt, die dort mangels einer Wohnung sich ein erbärmliches Unterkommen verschafft haben. Nach bürgerlicher Zeitungsmeldung handelt eS sich um einen durchaus fleißigen, durch Not und Unglück in seinen Verhältnissen hernntergekommenen Arbeiter und seine drei Kinder. Der älteste, etwa 12—13 Jahr alte Knabe mache einen etwas geistesschwachen Eindruck i„hinter ihm liegen in einem Haufen Lumpen seine beiden zum Skelett abgemagerten sechs und acht Jahre alten Brüder. Sobald sie aus der Schule kommen, kriechen sie hungernd und frierend unter die schmutzigen, von Wasser triefenden Decken, wo sie sich in den Schlaf weinen. DaS bißchen trocken Brot, das die Acrmsten täglich anf ihrer Tafel sehen, verdient der Vater mühsam mit GelegenheitS- arbeiten. Aber zum Sattesten, auch bloß zu einer warmen Mahlzeit, reicht'S nicht..." So rinnen die Träneubächlein der mitfühlenden Zeitungsschreiber. Die Pharisäer! Sie waren dabei, als es galt, dem Volke die notwendigsten Lebensmittel zu verteuern; sie sind heute dabei, den Armen neue Lasten aufzuerlegen zugunsten der Kanonen« und Pcmzcrplnttenfabrikanten, der Heer-, Marine- und Kolonialinteressenten; sie sind dabei, wenn es gilt, der nichtbesitzcnden Klasse das Mitbestimmungsrecht im Staats- und Gemeinwesen vorzuenthalten. Und jammern dann mit heuchlerischem Schluchzen über die Früchte der von ihnen gewollten und verteidigten Wcltordnung, wenn ein- mal das Elend sich zu augenfällig und ohne jede Hülle zeigt».. Pharisäer!\ Zu der bestehenden Teuerung und Knappheit der Kohlen und des Koks ivird amtlich von den städtischen Gaswerken berichtet:„Infolge der Beschäftigung der Industrie war eine so rege Nachfrage nach Koks vorhanden, daß nicht nur die gesamte Koks- Produktion des laufenden Jahres, sondern auch noch 33 322 Tonnen aus dem vorjährigen Bestände abgesetzt werden konnten. Auch der strenge und lange andauernde Winter hat den Äoksabsatz günstig beeinflußt.— Für die zur Gasproduktion erforderlichen Kohlen mußten höhere Preise gezahlt werden. Die Kohlenbeschaffung gestaltete sich noch schwieriger als im Vorjahre. Der Wagen- mangel der Eisenbahn hielt daZ ganze Jahr über an. Auch der Bezug von Kohlen auf dem Wasserwege war durch die ungünstigen SchiffahrtSverhältiüsse im August und September erschivert. Schließlich mußte eine Kohlengrube in England wegen eines Kohlenbraudes ihre Liefe- rungkrn an die städtischen Gaswerke gänzlich einstellen. Die Zufuhren an Kohlen waren unter diesen Umständen völlig ungenügend und eS gelang auch nicht, die vollständig erschöpften Vorräte genügend zu ergänzen. Die Zahl der GaSkonsumenten, die GaS durch ge- wöhnliche Gasmesser bezogen, ist um 17 989, die der Konsumenten, welche Automaten benutzten, um 5946, der Gasoerbrauch aber um 16 Millionen Kubikmeter gestiegen. Der Gesamtgasverbrauch stellte sich auf rund 243'/« Millionen Kubikmeter, die durch Automaten ab- gegebene Gasmenge allein auf Ill'/z Millionen Kubikmeter Gas. Der größte Gasverbrauch an einem Tage, nämlich: 1 198 599 Kubik- meter, hat am 18. Dezember stattgefunden. Bei dieser Gelegenheit möchten wir darauf hinweisen, daß die städtischen Gaswerke den kleinen Leute» ungeheuere Preise fiir KokS abnehmen, Preise, die durch nichts gcrecktferttgt sind. Allgemein wird über diese hohen Preise Klage' geführt. Der Geschäftsgang bei den städtischen Gaswerken ist so, daß mit großen Abnehmern von KokS Abschlüsse gemacht werden zu einem bestimmten Preise. Das mag notwendig sein, entbindet aber die Verwaltung der GaS- werke nicht der Pflfcht, ein genügendes Ouanlum für den Kleinverkauf zu reservieren und an kleine Leute abzugeben. Daß aber in diesem Falle derartige Preise genommen werden müssen, wie das jetzt geschieht, ist ein Verfahren den städtischen Bürgern gegenüber, das entschieden gerügt werden muß. Die Taschendiebe hatten am goldenen Sonntag einen reichen Erntetag. Ganz besonders hatten sie ihre Tätigkeit auf die Leipziger- und Friedrichstraße verlegt. Aber auch in den größeren Waren- Häusern benutzten die Langfinger das Menschengewühl, um ihrem unsauberen Gewerbe nachzugehen. Die Geschäftsleitungen hatten überwachende Beamte aufgestellt und auch eine ganze Reihe von Kriminalbeamteif waren auf dem Posten. So konnte denn auch gar manchem Taschendieb, der auf frischer Tat ertappt wurde, das Hand- werk gelegt werden._ Drei Tragödien. Drei blutige Tragödien, bei denen sechs Menschen getötet oder verletzt wurden, sind noch kurz vor dem WcihuachtSfeste in die Chrom! Berlins einzuzeichnen. Am verhängnisvollsten verlief ein LiebeSdrama, das sich Sonntag nachmittag im Hause Ackerstr. 86 bollzog. Dort erschoß der 27jährige Bauarbeiter Baumgarl seine 2vjährige Geliebte Marie Budde und richtete dann die Waffe gegen sich selbst. Ueber die näheren Vor- gänge wird mitgeteilt: Der in der Hussitenstr. 15 wohnende Baumgart unterhielt seit längerer Zeit ein Verhältnis mit Marie Budde, die in der Ackerstr. 86 im zweiten Stock seit Oktober dieses Jahres eine kleine Stube innehatte. Das junge Mädchen war bei der Allgemeinen Elektrizitätsgescllschast beschäftigt. Baumgart aber war seit längerer Zeit arbeitslos. Es fiel auf, daß das Mädchen sich am letzten Freitag krank melden ließ und zu anderen Arbeiterinnen äußerte:„Wenn ich in den nächsten Tagen nicht wiederkomme, dann bin ich totgeschossen." Sonntag mittag kaufte sie noch in einen: Grünkramkeller ein. Bald nach 1 Uhr hörten Hausbelvohncr zwei Schüsse und einen kanten Aufschrei, der aus der Stube deS Mädchens kam. Als der Hauswirt die Stubcntür öffnete, stand Marie Budde an die Wand gelehnt. Unmittelbar darauf siel sie tot zu Boden. In der Mitte der Stube lag Banmgart, dem das Blut aus der linken Schläfe rieselte. Die Polizei und zwei Aerzte wurden herbei- geholt, die den bereits eingetretenen Tod des Mädchens feststellten. Es hatte einen Schutz in die Brust erhalten. Baumgart lebte zwar noch, wurde aber in hoffnungslosem Zustande nach dem Lazarus- Krankenhause gebracht, wo er bald darauf starb. Ueber eine zweite blutige Tragödie, einen Mord- und Selbst- Mordversuch wird berichtet: In der Nacht zum Sonntag gegen 11 Uhr gab der vor kurzem aus der Privatirrenanstalt Lankwitz beurlaubte geisteskranke Kanzleisekretär beim kaiserlichen statistischen Amt August Stärke, Stephanstr. 24 in seiner Wohnung aus seine Ehefrau einen Revolverschuß ab. Die Frau wurde nicht erheblich an der Stirn verletzt. Gleich darauf schoß sich Stärke in die linke Brustseite. Anscheinend schwer verletzt ivnrde er der Charitö zu- geführt. Die Ehefrau ist in der Wohnung geblieben. Mord- und Selbstmordversuch liegt auch einer mysteriösen Liebes- tragödie zugrunde, die zwei Berliner Familien in Trauer versetzt hat. Die 18 Jahre alte Tochter eines Hausbesitzers O. aus dem Westen Berlins unterhielt mit dem 23 Jahre alten M., einem Nach- barSsohn, ein Verhältnis. Die Eltern deS Mädchens waren aber gegen eine Verlobimg, und in der Verzlveiflung hierüber beschlossen die beiden jungen Leute, aus dem Leben zu scheiden. Der junge Mann wurde mit einer Schußwunde im Kopf in seinem Geschäft in der Fruchtstraße aufgefunden und liegt vernehmungSnnfähig in einem Krankenhaus. In einem lichten Moment konnte er nur mit- teilen, daß er das Mädchen erschossen habe. Bisher ist aber dessen Leiche noch nicht gefunden worden. Nach einer anderen Meldung soll sich das Paar in Stettin aufgehalten haben und dort zur Ausführung seines Vorhabens geschritten sein.__ Herr Kommerzienrat Biixenste'm als Zolleinnchmer. In der „Welt am Montag" lesen wir:„Die schöne mittelalterliche Institution des Tor- und Brückenzolls säugt au, sich wieder einzubürgern. Der kgl. Kommerzienrat Herr Büxenstcin erhebt neuerdings den Zehenten von jedem, der sich darauf versteift, den Durchgang über B s Grund- stück zu benutzen, der von Wilhelmstr. 9 zu Friedrichstr. 249 führt. Wir hielten die Nachricht anfangs für einen schlechten Scherz, mußten uns aber überzeugen, daß die Sache ihre Richtigkeit hat. Am Tore fordert ein bärbeißiger alter Herr gebieterisch die«Paßkarte". Wer so rückständig ist, keine zu besitzen. Ivird mit dem Hinweis zurückgewiesen:„Im Kontor des Herrn KommerzienratS sind Karten a 2 M. pro Vierteljahr zu haben!" Als wir zwei Schutzleute, die in der Nähe das Trottoir bespuckten, über das Kuriosum interpellierten, äußerten sie lachend:„Wir dürfen selbst ohne Karten nicht durch I" Daß der Durchgang über V.'s Grundstück gesperrt ist und viel« Pastantcn dadurch genötigt sind. einen erheblichen Umweg zu machen, ist auch uns mitgeteilt worden? daß aber der Besitzer des Grundstücks für die Benutzung des Durchgangs Entree erhebt, ist auch uns neu und mutet recht sonderbar an. Ein schwerer Straßrnbahnuufall hat sich am Sonntagnachnüttag auf dem Gesundbrunnen zugetragen. Vor dem Bahnhof Gesund- brunne» war der 36 Jahre alle Gürtler Friedrich Becker aus der Grünlhalerstraße im Begriff gewesen, den Fahrdamm zu über« schreiten. Er versuchte noch dicht vor einem heransausenden Straßen- bahnwagen der Linie 35 die Gleise zu überschreiten. Der Unvor- sichtige wurde jedoch von der Vorderplatlsorm erfaßt unb eine Strecke mitgeschleift. In besinnungslosem Zustand wurde Becker nach dem Lazarus-Krankenhaus gebracht. Er hatte so schwere innere und auch äußere Verletzungen bei dem Unfall erlitten, daß so gut wie gar keine Hoffnung vorhanden ist, ihn am Leben zu erhalten. Nach verbüßter Strafe Selbstmord verübt. Nachdem er eine vierjährige Gefängnisstrafe in Tegel verbüßt hatte, hat sich gestern der Kaufmann Felix Stahr das Lebe» genommen. St. hatte zuletzt eine vierjährige Gesäugnisstrafe zu verbüßen. Vor einige» Tagen war die Strafe zu Ende und St. konnte wieder entlassen werden. Die Lust am Leben schien er aber jetzt verloren zu haben. Von seinen Ersparnissen, die er durch Gefänguisarbeiten erworben hatte, kaufte er sich Lysol und suchte dann wieder die Strafanstalt Tegel auf. An der Hinteren Mauer trank der Lebensmüde das Gift. Er wurde später von Spaziergängern als Leiche aufgefunden und nach der Leichenhalle des Tegeler Friedhofes übergeführt. Große Aufregung rief ein Selbstmord hervor, der Soimtag nachmittag ain Tiergarten-Ufer ausgeführt wurde. Eine unbekannte etwa 35 Jahre alte Dame hatte im Tiergarten einen Spaziergang unternommen und am Tiergarten-Ufer angelangt legte sie ihren Hut, den Schirm und eine Tasche auf eine Bank und schritt hierauf direkt auf den Schiffahrtskanal zu. Vor den Augen zahlreicher Spaziergänger kletterte sie über das Geländer hinweg und sprang in den Kanal hinab. Auf ihre Hülferufe kamen einige Schiffer aus Kähnen hinzugenidert, doch sie vermochten die Selbstmörderin nicht mehr zu finden: sie war bereits untergegangen. Die Lebensmüde, deren Leiche nicht gelandet werden konnte, hat ihrer Kleidung nach den besseren Ständen angehört. Zusammenstoß zwischen Feuerwehr und Straßenbahn. An der Ecke der Neuen Köllig- und Lietzmaimstraße erfolgte gestern(Montag) mittag gegen 1 Uhr ein heftiger Zusammenstoß zwischen einer mechanischen Leiter der Feuerwehr und einem Straßenbahnwagen der Linie 74(Königstor— Schöneberg). Der Wagen der Feuerwehr kam aus dem Depot in der Kcibelstraße find wollte nach der Lietz- mannstraße. Bei der Kreuzung der Reifen Königstraße kam es zu der Karambolage. Von dem Motorwagen 2831 der Straßenbahn gingen bei dem Anprall drei Scheiben in Trümmer. Außerdem wurde eine Seitenwand arg beschädigt. Personen kämen glücklicher- weise nicht zu Schaden. (fiit Ueberfall lvurbe am SonntanaBcnö auf den Kaufmann Paul Scharkert, der in der Memelerstr. 47 eine Kolonialwarenhandlung betreibt, verübt. Unter dem Vorwand, das Gesckiäst zu kaufen, stellte sich gegen Abend ein junger Mann ein, um über den Kaufpreis zu bcrhandeln. Nach einigen Besprechungen sehte sich der Gc- sck'äftSinanN hin, um den Kaufvertrag niederzuschreibe», während der Käufer im Zimmer auf- und abging, MS er mit dem Schriftstück fast fertig war, bekam er von dem sich Rehfuß nennenden Fremden plötzlich hinterrücks einen Schlag auf den Kopf, der ihm eine neun Zentimeter lange Fleischwunde beibrachte, AIS der Schläger sah, daß er sein Ziel, den Kaufmann zu töten oder wenigstens zn be- täuben, um ihn berauben zu können, nicht erreicht hatte, ergriff er das Bund mit vier Schlüsseln und entkam mit deren Hülfe durch die Flur- und Haustür, Als der Tat verdächtig ist ein Kaufmann namens Kerber verhaftet worden. Ei» cntsehlichcr StraswnSahiniiifall hat sich vorgestern mittag in der Landsberger Allee zugetragen. In der Nähe der Petersburger- straße versuchte der 30 Jahre alte Kutscher August Funke, Lange- straße 83/89 wohnhaft, von einein in der Fahrt befindlichen Motor- wagen abzuspringen. Er glitt auf dem schlüpfrigen Trittbrett ab und stürzte unter den Wagen, Die Hinterräder gingen dem Aermsten so unglücklich über die rechte Hand, daß diese vollständig abgequetscht wurde. Nur an einem Stückchen Haut hing sie am Unterarm, Außerdem erlitt Funke schwere innere Verletzungen und einen komplizierten Armbruch. In besinnungslosem Zustand wurde er in das Krankenhaus am Friedrichshain eingeliefert. Sein Zustand ist hoffnungslos. Leichenfund. DaS königliche Polizeipräsidium teilt mit: Am M. d, M„ vormittags gegen K)'/» Uhr, tourde im Landwehrkanal vor dem Hause Königin Augustastr. 51 die bereits in Verwesung übergegangene Leiche einer männlichen, anscheinend dem Arbeiterstande angehörenden Person gelandet. Bei der Leiche wurde eine Umhüllung zum Militärpatz sowie ein dazu gehörendes Futteral mit der Auf- schrist„Gefreiter Walter Otto Friedrich Trippler, Jahresklasse 1900" borgefunden, Trippler kann nach der Farbe des Militärpaß- Umschlages bei der Provinzial-Artillerie und zwar bis zum Jahre 1900 gedient habe». Beschreibung: Zirka 30 Jahre alt, 1,65 groß, anscheinend dunkelblondes Haar, trug dunklen Jackettanzug und Zug- stiefel, Mitteilungen werden von der Kriminalpolizei zu 10 086 IV. 41. 07 entgegen genommen. Die Freie Volksbühne bringt in ihren nächsten Ver- anstaltungen zur Aufführung:„Goethe: Iphigenie auf Tauris". Henry B e r n st e i n:„Die Kralle". D ö r- mann:„Ledige Leute". Maeterlinck:„Das Wunder des heiligen Antonius". Mongron:„Der Arzt seiner Ehre". Mokiere:„Der eingebildete Kranke". Fulda: „Robinsons Eiland". Mozart:„Entführung aus dem Se- rail" und„Figaros Hochzeit". Im Theater an der Spree wurde am Sonntag viel und herzlich gelacht. Den Anlaß hierzu gab die Erstaufführung der von einen! alten Possenveteranen, Louis Hermann, verfaßten Berliner Posse init Gesang in 4 Akten„Hokuspokus". Es geht etwas toll in derselben her. Ein ehemaliger Barbier Wilhelm Caruso Prassel, der in der Säuglingslottcrie gewonnen hat, hat sich in den Kopf gesetzt, der Welt partou etwas NeneS, etwas Besonderes vorzumachen. Die höhere Magie ist fein Ideal. Um seinen Plan ausführen zu können, engagiert er die Tochter eines bankrott gewordenen Köpenicker Wäschereibesitzers unter der Bedingung, diese vor der Welt als seine Tochter ausgeben zu dürfen. Während der Vater des Mädchens das Faktotum spielt, mich ein Zauber- lehrling die sonderbarsten Hiilfeleistungen verrichten, damit der Blödsinn in Szene gehen kann. Der Lehrling aber ent- brennt in heißer Liebe zu der Wäschetochter und eS kommt in der Folge zn den eigenartigsten Konstellationen. Durch einen fein an- gelegten Plan der Schwester Prassels, der Olga, wird Prassel schließlich von dem faulen Zauber gründlich kuriert. In das Stück sind zahlreiche mehr oder minder gute Witze und Couplets ein- gestreut, von denen die von Josefine Dora vorgetragenen, unter anderen:«Da sucht man's im", stürmischen Applaus ernteten. Herr Hans Senius gab einen vorzüglichen Illusionisten ab, während Heinz Gordon als Zauberlehrling und Albert Blumenreich als pleitegegangener Wäschereibesitzer und Faktotum ganz annehmbar waren. Neben der Dora tat auch Frl. Else Henze ihr Bestes. Ist auch das noch nicht das Stück,, das sich Herr Spandow wünscht, so steckt doch neben dem Blödsinn eine ganze Portion Scherz und Humor in der Neuerscheinung. DaS Bernhard Rose-Theater hat auch noch schnell eine Novität geliefert durch Aufnahme des einaktigen Schwankes;„Die Verlobung im Bett"; außerdem gelangt noch das Volksstiick:„Die oberen Zehntausend" zur Aufführung. Zirkus Schumann. Gerade noch zu Weihnachten hat unS ocr Direktor Schumann eine neue Pantoiniine beschert.„Amerika zur Zeit der Sklaverei 1863" betitelt sich das neue Manege- schaustück. Wir werden aus eine Farm geführt zur Zeit des Bürger- krieges in den Vereinigten Staaten. Unter den Sklaven gärt es. Zwar sind die Sklaven des Farmers Brown unter Aufsicht des treuen Dieners Bob und der langjährigen Dienerin Mary ihrem Herrn zugetan. Das ändert sich aber, als der reiche Sklavenhändler Tom Jack erscheint, in dessen Wucherhänden der gutmütige Plautagenbesitzer steckt. Weil der nicht zahlen kann, muß er Haus und Hof verlassen. Die Sklaven der Farm unter Führung Bobs empören sich jetzt und beschließen, die Flucht zn er- greifen,. nachdem der Sklavenhändler, der sein Recht auf die schöne Marv geltend machen will, gefesselt worden ist. Er wird aber bald befreit und nun beginnt eine wilde Jagd nach den ge- flohenen Negern, wodurch so auch die zirsensische Äunst Gelegenheit zur Entfaltung bekommt. Im Gebirge werden die Ausreißer er- wischt und nach dem Sklavcnmarki geführt, um hier verhandelt zu werden. Da, als die Händler bei der besten„Arbeit" sind, er- scheinen berittene Policeinen, um das Dekret des Präsidenten Lincoln zu verkünden, daß die Sklaverei aufgehoben sei. Große Freude unter den Schwarzen. Das vierte Bild zeigt uns New Dork im Jahre 1907. Der Neger bewegt sich als freier Bürger unter den Straßeupasianten, wie unter der Bevölkerung iiberhaupt. Wir sehen das Leben und Treiben auf dem Broadway und werden Zeuge einer großen Brandkatastrophe, die in einem der Wolkenkratzer ausbricht. Die Feuerwehr tritt in Tätigkeit, und es bietet sich uns ein malerisches Bild, das in der Schlußapotheose seinen Höhe- und Glanzpunkt findet. Die Inszenierung war ganz nett, zumal dafür Sorge ge- tragen war, daß über 100 echte Schwarze mitwirkten. Im Schluß- bilde feierte die Beleuchtungstechnik wahre Triumphe. Herr Schumann, der das neue Schaustück entworfen, wurde wiederholt gerufen. Auch der erste Teil des Programms enthält einige sehr gute Nummern, es seien nur die Kunstradfahrer De three Demons und die Reitkünste düs Direktors Schumann hervorgehoben. Es mag Mühe genug gekostet haben, dem Pferde, das Herr Schumann ritt, den La Matschiche beizubringen. Die Treptower Sternwarte wird am 2. Weihnachtsfeiertage, Donnerstag, den 26. d. M., nachmittags um 2 Uhr wieder geöffnet. Nachmittags«m 5 Uhr führt Direktor Dr. Archenhold in einem mit zahlreichen Lichtbildern ausgestatteten Vortrage:„Ein Ausflug in die Sternentvelten" in die Astronomie ein. Das Thema für' den 7 Uhr-Vortrag lautet:„Geschichte der Kometen mit besonderer Be- rücksichtigung der bevorstehenden Erscheinung des Halleyschen Kometen". Auch am 3. Feiertage, den 27. Dezember, findet nach- mittags um 5 Uhr ein Vortrag über:„Die Bewohnbarkeit der Welten" statt.— Führungen durch das astronomische Museum finden jeden Tag von 2—8 Uhr abends statt. Die Sammlungen sind in letzter Zeit durch Ankauf von alten Porträts und Eindruckblättern, durch leltene Kometeiwrscheinuugeu und durch Darstellungen aus der Luft- schiffahrt bedeutend vermehrt worden. Feiicrwehrbcricht. Gestern abend um 8 Uhr fiel im Warenhause H. Tietz am Alexanderplatz und zwar in dem im 2. Stock befind- lichcn Schuhlvarcnlager der Dcckenschutz von einer 2—3 Onadrat- ineter großen Fläche herab. Die Feuerwehr sperrte die Unfallstätte ab, das zahlreich anwesende Publikum blieb ruhig. Personen wurden nicht verletzt. In einem Drogcnkellcr in der Elsasserstr. 38 war nachts ein Ballon mit Salmiak ausgelaufen. Durch Aufgießen von Essig wurde die Gefahr von der Feuerwehr beseitigt. Vor dem Hause Königstr, 39 brannte das Benzin auf einem Automobil. Durch die Erplosion einer Petroleumlampe kam in einer Wohnung in der Mantcuffelstr. 194 Feuer aus. Wegen eines Wasserrohr- bruches erfolgte ein Alarm nach der Bramisbergerstr. 5. Früh um 3 Uhr brannten auf dem Oftbahnhof Preßkohlen. Küchen- und Wohnungsbrände wurden aus der Barnimstr. 2, Fidicinstr. 1, Neuen Jakobstr. 5, Stromstr. 24, Landsbcrgcrstr. 60, Rathenowerstr. 19 und anderen Stellen gemeldet. AuS anderen Anlässen hatte die Feuer- wehr dann noch in der Dresdenerstr. 44, Elbingerstr. 46 und anderen Orlen zu tun._ Vorort- JVacbnchten* Lichtenberg. Die Stadtv crvrdnctcnwahlrn haben vorläufig ihr Ende gefunden. Ersatzwahlen werden erst danu vorzunehmen sein, wenn die im Januar zu erwartenden Wahlen zum Magistrat erfolgt sind. Das Organ der„Blockherreu" orakelte am Vorabend der Wahl:„Am 16., 17. und 18. Dezember wird die Entscheidung von unseren Mit- bürgern darüber getroffen werden, welche Grundsätze und welcher Geist in der jungen Stadtgemeinde herrschen sollen. Die bürger- lichen Parteien haben sich vereinigt, um in gemeinsamer Front gegen die Sozialdemokratie Stellung zu nehmen. Die Taten der bürger- lichen Kandidaten sind ihre Richterl Die Stunde der Abrechnung ist gekommen." Die„Abrechnung" ist nun erfolgt: 4257 Abstimmende erklärten sich für die Kandidaten der Sozialdemokratie und 1805„ver- einigte Bürger" stimmten fnr dieKandidaten des„Block". Gewiß deutlich! In der dritten Wählerklasse brachte der Block von 10134 ein- geschriebenen Wahlern 1332 Stimmen ans! In der zweiten Wähler- klaffe folgten dem Blockriife429 abstimmende von 1123 eingeschriebenen Wählern. Ja selbst die„Edelsten des Block", deren die junge Stadt 78 Stimmberechtigte in der Wählerliste aufweist, stellten nur 44 Abstimmende! Wahrhaftig eine Generalabrechnung! Die Ab- rechnung in hier dargestellter Fonn aber wurde gegeben trotz oder wegen einer Agitation, die der„Blockagitation" des Jahresanfang würdig zur Seite steht. Die Manieren des Reichslügenverbandes, offener Wahlschwindel und ein bisher noch nie dagewesener Terror verschönten das Wahlrecht, dessen Beseitigung und Ersatz durch das Reichstagswahlrecht ein„Unrecht" sein soll. Gemeinde- und Staatsbeamte bildeten die Wahlvorstände, Eisenbahnbeamte und»arbeitet fanden ihre Vorgesetzten im Wahllokal. Gemeinde- beamte, Postbeamte hörten die freundliche„Ermahnung": wer nicht in den Verdacht sozialdemokratischer Gesinnung kommen will, der niuß sein„Wahlrecht" ausüben! Und die Kleinmeister und Kleingewerbetreibenden? O heiliger Vorschußbankdirektor! Das heuttge Kommunalwahlrech� hat auch hier wieder Heuchler ge- zeitigt und korrumpierend gewirkt. Eine weitere Blüte des„Wahl- rechts" ist, daß die Wähler der dritten Klaffe, die in 16 Bezirken zu wählen hatten, jeder einem Stadtverordneten seine Stimme geben durfte und erst in sechs Jahren wieder zur Wahl aufgerufen ivird. Anders die der zweiten Klaffe; hier durfte in den vier Bezirken jeder Wähler für vier Stadtverordnete stimmen, während gar jeder der 44„erstklassigen" Wahler in einem Bezirk für— 16 Stadt- verordnete seine Stimme in die Wagschale werfen durfte. Die letzteren werden nun alle zwei Jahre au den Wahltisch treten. Während die dritte Wählerklasse sich auf die„gesetzliche Mindcstzahl" der Hausbesitzer(8) beschränkte, ivählte die ziveite Klasse zioöls dieser Mehrinteressierten. Daß bei den„Erstklassigen" der Mensch erst beim„Hansbesitzer" anfängt und ein anderes Individuum daher zur Vertretung dieser„Stadtedelsten" nicht berufen werden kann, ist selbstverständlich. Es werden daher unter den 48 Stadtverordneten „36 Herren vom Besitz und Bildung" wirken, die dann noch im Magistrat durch einige„Vertraucnsleute" Unterstützung finden werden. Neben den verschiedenen Unternehmergruppcn heben selbst- verständlich noch die Terraingesellschaftcn, auch die VerkehrSgcsell- schaffen sGroße Berliner) ihre„Vertretung" und nicht zu vergessen ist, daß auch die—„Lehrer" und Militäranwärter in je einen, Mandat den Lohn für treue Blockhülfc einheimsen durften. Nun die 15 Sozialdemokraten sbisher 7) werden das Vertrauen der Mehrheit der Wähler zu rechtfertigen sich bemühen und den Boden für weitere Abrechnung gewissenhaff vorbereiten. Rixdorf. Todessturz vom Wagen. Verhängnisvolle Folgen hatte gestern für den 44 Jahre alten Kutscher Wilhelm Wentzel anS der Steinmetzstr. 103 ein Unfall. W. war mit einem Kohlenwagen durch die Herinaiiiistraße gefahren. Nicht weit vom Hermannplatz entfernt wurde er plötzlich von eincin Schwindclanfall heimgesucht und er stürzte kopfüber ans die Straße hinab. Unglücklicherweise schlug er mit dem Kopse auf das Pflaster auf, so daß er sich einen schweren Schädelbruch zuzog, an dessen Folgen er kurz darauf starb. Die Leiche ist polizeilich beschlagnahmt worden._ Friedrichsfelde. Wir der Gemcindcvorstaiid den Grundsatz: „Gleiches Recht für alle" befolgt, wurde in der letzten Gemeinde- vertretersitzung wieder einmal klar illustrielt. Der in letzter Zeit in so erfreulichem Wachstum begrisieue Arbeiterturnperei» hatte an den Geineindevorstand den Antrag gestellt, ihm die Turnhalle zur Be- Nutzung überlassen zu ltwlleii. Besagter Verein glaubte, daß das, was dem an Mitgliedcrzahl weit schwächeren bürgerlichen Turnverein gestattet sei, ihn, nicht vorenthalten werden könne. Doch da halte man sich getäuscht. Es wurde dem Verein vom Gemeinde- und Schulvorstandc geantwortet, daß dem Antrage nicht stattgegeben werden könne, da die Turnhalle jeden Abend besetzt sei. Diese«igen- artige Begründung vcranlatzte den Arbeiterturnverein, sich einmal davon zu überzeugen, ob die Turnhalle jeden Abend in Anspruch ge- nommen wird. Nach mchrivöchentlichen Beobachtungen stellte er fest, daß an zwei Abenden in der Woche der bürgerliche Turnverein mit ll— 12 Turnern in der Halle übt. Hierauf interpellierte Genosse Pinseler den Gcmeindeporstehcr, ivarnm dem Arbeitertnrnverein die Benutzung der Turnhalle untersagt sei. Er erhielt eine recht bezeichnende Antwort. Der Gemeindevorsteher erklärte, eine solche Interpellation vorausgesehen und vorsichtigerweise den Schulrektor um Auskunft ersucht zu haben, inwieweit die Turnhalle noch frei sei. Hiernach wäre der Montag und Donnerstag für die Lehrer zu llebnngszwecken reserviert, während der Dienstag, Mittwoch und Sonnabend vom Turnverein„Eiche" besetzt sei. Frei sei nur der Freitag, dieser müsse jedoch zu Lüstlings- und ReinigungS- zwecken frei bleiben. Als Genosse Pinselet an der Hand der Enquete die Benutzung der Turnhalle darlegte. gab es lange Gesichter. Die Dringlichkeit der Jnter- pellation wurde gegen die Stimmen unserer Genossen abgelehnt, nachdem der Gemeindevorsteher vorweg erklärte, er sei gegen die Dringlichkeit.— Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.— Eine lange Debatte rief die Genehmigung der Kanalisation des Ricgerschen Terrains hervor. Dieser Terraingescllschaft war im Sommer irrtümlich die Genehmigung erteilt, ihr Gelände selbst nach einem zu genehmigenden Projekt zu kanalisieren. Getrennt von der Schmutz- wafferkanalisatioii sollte die Regenentwässerung ebenfalls unterirdisch erfolgen. Die Kanalisationskommission hatte sich in mehreren Sitzungen mit dieser Angelegenheit zu befassen. Die Terrain- geiellschaft kam fortgesetzt mit neuen Anträgen, so unter anderem, daß die Gemeinde ihr die Anlage der unter- irdischen lltegcnentwässcrung crlaffen sollte, weil— dieselbe nicht durchführbar sei. Als Entschädigung wollte die Gesellschaft an die Gemeinde großmütig 10 000 M. zahlen. Der Gemeindebaumeiftcr Mölk wurde beauftragt festzustellen, ob die unterirdische Regen- eiltwässcrung der Vorflut wegen nicht durchführbar sei. Dieser kam jedoch über gewundene Erklärungen nicht hinaus. Später erbot sich die Gesellschaft 40 000 M. zu zahlen, falls ihr Gelände nicht zur Pumpstation Karlshorst, sondern zur Pumpstation Friedrichsfelde entwässert würde. Der Anschlußkanal sollte auf Gemeindekosten ausgeführt lverden. Selbstverständlich sollte die Gemeinde auch aus die unterirdische Regenentwässerung verzichten. Der Gemeinde- Vertretung wurde nun vorgeschlagen, ihre Zustimmung zu erteilen. Das Projekt sollte in der Sitzung vorgelegt werden. Nichts geschah, und auf Anzapfung durch Genossen Pinseler er- klärte der Gemeindebaumeister, das Arbeitsprojekt müsse von der Gesellschaft erst aufgestellt werden. Pinseler führte nun aus, daß es unmöglich sei, die Zustimmung zu erteilen, so lange nicht ein Projekt vorliege und so lange nicht die eventuellen Kosten des Anschlußkanals festständen. Redner warnte davor, in den früheren Fehler zu verfallen. Die Angelegenheit wurde gegen den Widerspruch des Gemeindevorstehers an die Kommission zurück- verwiesen.— Ein eigentümliches Licht auf da« Ueberstundemvesen im Gemeindeburecnl warf der Antrag um Nachbewilligung von 790 M. Hiernach find bei der Aufstellung der Steucrlislen innerhalb sechs Wochen von einzelnen Beamten 127 M.. also beinahe ein Monatsgehalt, für Ileberstunden liquidiert worden. Von unseren Genossen wie auch von bürgerlichen Vertretern wurde das Ueberstunden- wesen in diesem Umfange scharf kritisiert. Die Summe wurde bewilligt. Die Viehzentrale hatte als Nachtrag zur Polizeiverordnung folgenden Antrag gestellt:„Der Zucht- und Magerviehabteilung der Zentrale für Biehverwertung in Berlin ist der Handel mit Vieh auch außer- halb der festgesetzten Macktage und Marktzeiten gestattet, jedoch lediglich in dem ihr auf dem Magerviehhose zum ansschlietzlickien Gebrauch zur Versügung stehenden kleinen Stalle." Da in der Be- willigung dieses Antrages eine außerordentliche Begünstigung der Viehzenirale gegenüber den anderen Viehhändlern erblickt wurde, er- folgte einstimmige Ablehnung. Weihensee. Ans der Gemeindevertretung. Dem besoldeten Schöffen Dr. Klam- roth wurde vom Minister des Innern gestattet, den Titel Bei- geordneter zn führen. ES erfolgte die Festsetzung der Jahres- rechnung für 1905; nach dein Antrage der Finanzkommission tourde» die Ueberschreitungcn deS Voranschlages für das Rechnungsjahr 1903 nachträglich genehmigt. Die Jahresrechnung für 1905 tourde fest- gesetzt in Einnahme mit 3 536 899,90 Mark, in Ausgabe mit 2 438 933,68 Mark. Die Errichtung einer Sparkasse ist vom Obcrpräsideitten genehmigt worden. Es erfolgte die noch- malige Durchberatung des OrtsstatutS. Danach werden Ein- lagen von 1—5000 M. entgegengenommen. Auch werden Sparmarken ausgegeben, Spargeldcr können durch Boten aus den Wohnungen abgeholt werden. Der Zinsfuß beträgt 3 Proz., der Vorstand ist ermächtigt, denselben bis aus 5 Proz. zu erhöhe». Die Ernicdrigimg des Zinsfußes darf nur mit Genehmigung des Oberpräsidenten geschehen. Durch die Post können Gelder eingezahlt sowie ab- gehoben werden. Die Eröffnung der Sparkasse erfolgt am 1. April 1908. In den Vorstand wurde unter anderen der Genosse Fuhr- mann delegiert.— Ein Hauswirt schuldet der Gemeinde 500 M'. an Umsatzsteuer. Trotz der Gestaltung von Teilzahlungen wurden diese seit längerer Zeit eingestellt, so daß zur Pfändung geschritten werden mußte, die fruchtlos ausfiel. Die Beschlagnahme von Mieten wurde seitens der Ehefrau des„Besitzers" bcaustandet. da nach einem Vertrage ihr der Nießbrauch des Grundstückes zusteht; die Gemeinde hat nun eine Klage angestrengt. Derselben wurde seitens der Vertretung beigclretcii, da mau allseitig der Annahme war, daß hier nur eine„Schiebung" vorliegt.— Der Geflügelziichtcrvereiii hatte eine Beihiilfe zur Ver- anstaltung einer Ausstellung beantragt: da hierzu Mittel nicht zur Vytfügnng stehen, wurde der Antrag abgelehnt. Einige Mitglieder dieses Vereins befanden sich auf der Zuhörcrtribüne und erwarteten das Schicksal ihre» Antrages. Als diese merkten, daß wenig Aussicht auf Ertolg, verließen sie demonstrativ die Tribüne. Hierbei ist zu bemerken, daß es sehr oft vorkommt, daß Jnteresseiite» solcher An- träge nur so lange ausharren, bis die Anträge erledigt sind.— In der geheimen Sitzung wurde beschlossen, den juristischen Hülfsarbeiter Dr. Albert lviederilin auf ein Vierteljahr weiter zu beschäftigen.— Dem Verfasser der nunmehr erschienenen Chronik Herrn Prediger Giers aus Pctershagcn wurden außer seinen baren Auslagen 500 M. zu gemeinnützigen Zwecken bewilligt, ebenso dem Bureaudirektor Atzlcnbach für seine Mitwirkung 300 M,— Für das Gutachten der Rentabilität des Elektrizitätswerkes sowie das Sachverständigenurteil müssen 1800 M. gezahlt werden. Reinickendorf. In der letzten Gcmeindcvertrctcrsitzmiq gab der Vorsitzende zu« nächst Kenntnis von der letzten Äasicnrcuision. Hierzu bemerkte der Beigeordnete Rcichhelm, daß die Wertzuwachsstcuer bis jetzt zirka 50 000 M, eingebracht habe. Es stehen aber noch mehrere größere Posten ans, so daß der Etatanschlag von 86 000 M. bis Schluß des Etatjahres sicher erreicht, wenn nicht überschritten werden ivird. Gemeiiideverordnetcr Nikolaus und Genosse Schiller monierten sodann, daß das Einziehen der Stenern seit letzter Zeit besonders zeitig erfolgt sei, was der Bürgermeister Wille dadurch erklärt, daß einige Beamte zu sehr überlastet seien. Von: 1. April nächsten JahrcS würde Abhülfe geschaffen. Des weiteren teilte der Bürgermeister niit, daß zum 1. April nächsten Jahres zwei Lehrerinnen und ein Lehrer und am 1. Oktober ein Letirer und eine Lehrerin notwendig werden und daß ferner genügend Mittel im nächsten Etatsjahr zur Verfügung gestellt lverden müssen, um bei nicht vorhergesehenen umfangreichereii Einschulungen Hütfskräfte einstellen zu können. Die Gemeindevertretung genehmigte die Vorlage. Eine längere Debatte entspann sich beim Punkt„Festsetzung der Grundsätze für die Bewilligung von Schulgeld- freiheit für Schüler des Realgymnasiums". DaS Kuratorium bcan- tragtc, daß wenn drei Kinder einer Familie die Schule zugleich besuchen, prinzipiell das dritte Kind vom Schul- geld befreit sein soll und von den Gemeindeschülern 5 Proz. durchschnittlich diese Vergiinstigniig genießen sollen. Unsere Genossen O h l und Schilling bekämpfte» wiederholt diesen kleinen Prozentsah Freistellen für begabte Volksschüler, doch mnsonst. Schließlich wurde es dem Kuratorium freigestellt, nach Bedarf Be- freiung vom Schulgeld eintreten zu lassen. Zur Weihnachtsbeschcrung für OrtSarme wurden 200 M. bewilligt; ebenso nach kurzer Debatte die Einslellnng eines zweiten PolizeitvachtmeisterS. Alsdann lvurde der von unseren Genossen bereits vor einem Jahre gestellte All- trag, die Zahl der Gcmeiiideverordnetcn auf 24 zn erhöhen, verhandelt. Hierzu beantragte der Gemeindevorstand, die Zahl der Gcmeindevcrordneten von 15 ans 18 zu erhöhen und die Zahl der Schöffen von 5 auf 6. Bürgermeister Wille, Schöffe Kühnemann und der Gemeinde- verordnete Bäcker meinten, daß bei einer Vermehrung der Gcmeindeverordneten auf 24 sehr leicht Beschlüsse gefaßt würden, die für die Gemeinde verhängnisvoll werden könnten: eine Ver- mehrnng der Gemeindevertreter soll nur analog dem Wachstum der Gemeinde stattfinden, die Erhöhung der Vertreter auf 24 müsse einer späteren Zeit vorbehalten bleiben, etwa bis der Ort stadtreif sei. Van unseren Genossen Ohl und Schilling tvnrde der Antrag —*■ seine Begründung auf» lebhafteste bekämpft mit dem Hinweis, daß die Zahl der Beamten sowie die zu erledigenden Lerwaltungs- angelegenheiten beständig vermehre und der Antrag des Gemeinde- Vorstandes nur Flicktverk sei, Trotzdem wurde der Antrag des Gemeindevorstandes angenommen. Eine längere heftige Debatte zeitigte die Genehrnigniig des mit der königlichen Eiienbahndirektion zu Berlin wegen des Betriebes der Industriebahn abzuschließenden Vertrages, in welcher Herr FalZrtKefttzer Bäcker nicht nur seine eigene, sondern auch die Interessen seiner Kollegen, der Herren Fleck Sollne, Gebr. Schöning und andere der daran beteiligten sehr scharf Venrat, indem er der Gemeindevertretung vorwarf, die Interessen der besten Steuerzahler des Ortes nicht genügend berücksichtigt zu hoben. Vom Bürgermeister Wille, Beigeordneten Rcichhelm und Schöffen Schemel wurden die Angriffe zurückgewiesen, der Beschluß jedoch ausgesetzt. DaS Projekt vom Neubau der fünften Gemeindeschule, deren Kosten auf 444 000 M. veranschlagt find, fand Annahme. Vom Genossen Brange wurde gewünscht, daß auch von der neuen pro- jeltierlcn Straffe ein Eingang geschaffen werde, womit der Gemeinde- vorstand sich einverstanden erklärte. Bernau. In der Stadtverordnetenversammlung am 20. Dezemßsr wurde der wiedergewählte Ratsherr Plettner in sein Anw eingeführt. Der Magistratsvorlage wegen Versicherung der städtischen Kassengelder, Zinsscheine usw. gegen EinbruchSdiebstahl stimmte die Versammlung zu, desgleichen dem Vertrage, welchen die Stadt mit dem Nacht- Wächter'Rödler als städtischer Desinfektor einzugehen gedenkt. Aus der Niederbarnimer Kreiskasse soll ein Darlehen von 70 000 M. zu vier Prozent Zinsen und zwei Prozent Amortisation zur Be- streitung der Kosten für die Neubauten auf dem städtischen Nestaurations-Etablissement am Licpnitzsce aufgenommen werden. Tie Versammlung stimmt dem zu. Zwecks Erbauung eines städtischen Krankenhauses soll ein 30 2S7 Quadratmeter groffes Terrain, welches an der Ladebnrger Chaussee gelegen ist. zum Preise von 24 251.81 M. von der St. Marienkirche und deren Obcrpfarre erstanden werden. Die Kosten für Katastermaterial, Stempel und Gericht glaubt die Kircheugemeinde nicht tragen zu können, weshalb die Stadt dieselbe mit übernimmt. Zum Schlaff nahm der Vorsteher sowie auch der Bürgcrineister in recht bewegten Worten von drei als Stadt- verordnete scheidenden Abschied. Der erste gehörte der ersten Wahl- abteilung dreiffig Jahre ununterbrochen an. Die anderen zwei, von denen einer gleichfalls 30 Jahre und einer 18 Jahre Stadt- verordneter in der dritten Wahlabteilung waren, sind nun durch die Wahl unserer Genossen Krüger und Träger ihrer Tätigkeit enthoben worden. Spandau. In der Generalversammlung des WahlvrreinS erstatteie Genosse B ö h l e Bericht vom preußischen Parteitag. An den fast ein- ständigen Vortrag knüpfte sich eine rege Diskussion, an welcher sich die Genossen Szmidlowski, Leidner, Scholz, Strehlke, Golz, Pieper und Thomas beteiligten. Einige Redner meinten, man solle bei irgend welcher Aktion gegen das Drciklass enparlamcnt den Frei- sinn nicht von vornherein vor den Kopf stotzen, da es auch unter ihnen noch Leute gebe, welche es ehrlich meinten; auch könne man aus eigener Kraft nichts erzielen, sondern sei im Kampf gegen das Junkertum auf alle freiheitlich denkenden Elemente an- gewiesen. Von der Mehrheit der Redner wurde jedoch betont, daß sich die sogenannten freisinnigen Elemente gerade hier als die Hauptfcinde der Arbeiterklasse erwiesen hätien; das hätte die letzte Rcichsiagswahl sowohl als auch die jetzt stattgsfundencn Stadtvcrordnelenwahlcn schlagend erwiesen. Wer angesichts der Verhandlungen im Reichstage über das Rcichsvereinsgcsctz an dem Verrat der Freisinnigen noch zweifeln und zu einem Pakt mit dem Freisinn noch raten könne, der sei überhaupt nicht mehr zu vcr- stehen. Wohl müsse zugegeben werden, daß wir aus eigener Kraft gegenwärtig noch nichts erzielen könnten; mit den papierenen Rc- solntionen werde man das gleiche und geheime Wahlrecht für den Landtag nicht erringen, damit locke man keine Katze hinter den Ofen vor. Die Hauptaufgabe für uns aber sei, durch Aufklärung und Organisierung unsere Reihen zu stärken. Hierzu fehle aber vor allem eine Presse am Orte. Mit dem„Vorwärts" könne man bei den Staatsarbcitern nicht eindringen. Einige Redner bedauerten noch, daß der Parteivorstand keine Direktive gegeben habe darüber, was nun weiter geschehen solle. Man tappe da vollständig im dunkeln. Erwidert wurde hierauf, daff es ein schlechter Stratege sein müsse, der vor der Zeit seinen Feldzugsplan verrate. Im allgemeinen erklärte sich die Versammlung mit den Verhandlungen und Beschlüssen des prcuffischcn Parteitages einverstanden. Hier- aus gab Genosse Schmidt den Bericht über den Stand der Buch- Handlung und Expedition, welcher von Genossen K ö p p e n noch ergänzt wurde. Aus demselben geht hervor, daß der Ucberschuß der Buchhandlung vollständig durch die Expedition ausgezehrt wird. Tics liegt in erster Linie in den hohen Transportkosten für die Zeitung, welche pro Monat bei 1100 Exemplaren 120 M. auS- machen, so daff das Geschäftsjahr mit einem Defizit von 810,17 M. abschliefft. Es entspann sich über den Bericht eine eingehende Debatte, an der sich eine ganze Reihe von Genossen beteiligte. Sllle Redner betonten, daff Mittel und Wege gefunden werden müfftcn, um den Transport anders zu gestalten, damit er billiger werde. Tie Versammlung beauftragte den Borstand, Schritte bei der Geschäftsleitung des„Vorwärts" zu unternehmen, um eine anderweitige Regelung des Transportes herbeizuführen. Die Wahl einer Landagitationskommission wurde einer kombinierten Sitzung zur Beratung überwiesen. Vermischtes. Großfeuer brach nach einer Meldung aus Ludwigshafen vor- gestern abend 10 Uhr im Lager der Pure Oil Company im dortigen Hafen aus. ES entstand im Magazin, wo 2400 Fässer sa 150 Liter) Petroleum lagerten. Im Nu explodierten die Fässer und in wenigen Angenblicken stand das ganze Terrain in Flammen. In den Tanks konnten noch rechtzeitig die Ventile geöffnet iverden, so daff eine weitere Gefahr beseitigt wurde. Das brennende Petroleum floß in Strömen in den Rhein, der teilweise eSenfalls in hellen Flammen stand, so daff die auf dem Flusse liegenden Schiffe sich schleunigst in Sicherheit bringen mufften. Der angerichtete Schaden wird auf 1 Million Mark geschätzt. Ei»«hsteriöser Leichcnfund. Aus Heidelberg wird gemeldet: Gestern abend 11 Uhr wurde vom Streckenwärter etwa 800 Meter vom Bahnhof FriedrichSfetd ans der Strecke nach Schwetzingen die gräfflich verstümmelte Leiche einer etwa 18— 20 jährigen weiblichen Person aufgefunden. Das Gesicht der Leiche war bis herunter zum Kehlkopf fürchterlich aufgerissen, so daff ei» Wiedererkennen nicht möglich war. Da die beiden Hände je zwei Schnitte trugen, durch welche die Pulsadern geöffnet waren, so ist die Möglichkeit vor- Händen, daff kein Selbstmord vorliegt, sondern daff die Leiche erst nachträglich auf die Schienen gelegt wurde, um die Tat zu verioischcn. � Vo» Erdmassen verschüttet. In Leipzig wurden gestern mittag. wie von dort berichtet ivird, bei dem Schleusenbau in der änheren Saalselderstrahe vier Arbeiter von einstürzendem Erdreich verschüttet. Einer ist tot, einer schwer, die beiden anderen leichter verletzt. Schiffsunfall. Gestern vormittag geriet einer Meldung aus Bremerhaven zufolge der deutsche Schleppdampfer„Wilhelmine", der mit dein Tankleichter I nach Hamburg bestimmt war, im Dwasgatt auf Grund. Als der in Fahrt befindliche Leichter an dem Schleppdampfer vor- beikam, wurde letzterer durch die. unklar gewordene Schleppleine umgeriffeil und zum Sinken gebracht. Die im Maschinenraum be- findlichen Leute. Maschinist und Heizer, sind ertrunken, die übrigen retteten sich auf den Leichter, der durch den von Hamburg kommenden Schleppdampfer„Konkurrent" ans die Reede bugsiert wurde. Ein neues Erdbeben. Nach einem Telegramm aus Breslau registrierte die dortige Erdbebenwarte Krietern gestern nacht von 2 Uhr 20 Minuten ab ein starkes Erdbeben, dessen Zentrum sich in einer Entfernung von etwa 9000 Kilometern befindet.- Die Cholera uutcr den Mckkapilgern. Wie aus Konstanti- nopcl gemeldet wird, sind von einem zwischen Medina und Mekka befindlichen Pilgerzuge 18 Pilger an der Cholera erkrankt. Zebn von ihnen find bereits gestorben.' Freireligiöse Gemeinde. Mittwoch, den 25. Dezember, vormittags, 8�/, Uhr, im Rathaus kSaal 10g): Versammlung niit freireligiöser Vor- leiunn.— Vormittags ICPH Uhr in der Sckulaula. KI. lvranliurteritr. ö. lcsüng.— Vormittags 10°/, Uhr' in der Schulaula, Kl. Frankjurterstr. 6. Festvorlrag von Herrn E. V o g t h e r r- Wiesbaden. Donnerstag, den 26. Dezember, vormittags 8'/, Uhr, im Rathaus (Saal 10g): Versammlung mit freireligiöser Vorlesung.— Vormittags lO3/, Uhr in der �chulaula. Kl. Franksurlersw. 6: Festvorlrag von Herrn Bruno Wille.— Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Eingegangene JDruckfckriften. Von der„Renen Zeit"(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 12. Heft des 26. Jahrgangs erschienen. Es hat folgenden Inhalt: Sand- schlösser.— Angriffskrieg oder Verteidigungskrieg? Jaures über den Ursprung des Dcuisch-Französischen Krieges. Von W. van Ravcstejn jun. (Rotterdam).— Das Problem der Arbeitsverschiebuna. Von Ernst Lange. — Zur Elcndsgcschichte der schlesischen Textilarbeiter. Von Hermann Jäckcl. — Die technischea Angestellten und das Ersinderrccht. Ein Kapitel über die Ausbeutung des„neuen Mittelstandes". Von Paul Lange(Hamburg). — Literarische Rundschau: Die Mutter als Erzieherin. Von 0. Z. Erinnerungen der Kaiserin Katharina II. Von R M.— Notizen: Morgan, Anoionv Society. Bankrotte in Amerika. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanslalten und Kolportcure zum Preise von 8,25 M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Heft kostet 25 Pf. Probcnummcrn stehen jederzeit zur Verfügung. Vriekkasten der Redaktion. Tie juristische Eprcchstniide stnvct Liudcnftrahe Nr. 8, zweiter Hof, dritter Eingang, vier Treppen, Fahr st u l, l"WU wocheiltägtich vo»?>/z bis O'h Uhr abends statt. Geöffnet? Ilhr. CouuabendS beginnt die«prechstiiude NM V Ilhr. Jeder Ansrag->1» ei» Buchslabe und eine Zahl als Merkzeichen beizntiigc». Briefliche'Autwori wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstmidc vor. R. M. 109. 1. und 2. Die Forderung ist keineswegs verjährt, der Bräutigam würde mit Aussicht aus Erfolg zu verklagen sein.— P. W. 5. Sie tun am besten, die Miete zu tiintcrlcgen. Anders würde es liegen, wenn ein gerichtlich bestellter Administrator die Miete verlangen würde. Diesen könnten Sie zahlen. Hinterlegen Sie nicht, sondern zahlen Sie dem Verwalter oder dem Dritten, der die Beschlagnahme erwirkt hat, so setzen Sie sich der Gefahr aus. noch einmal zahlen zu müssen, wenn das Gericht anders entscheidet.— R. 51. 101. 1. Ja. 2. Wenn nach Annahme des Gerichts das Grundstück durch die Abtrennung ganz oder wesentlich un- brauchbar für Ihre Zwecke würde, so können Sie Abnahme �des ganzen Grundstücks verlangen, 3, Keineswegs,— 2. 14. Sie würden die Anmeldung bei dem Magistrat in Berlin vornehmen können, Marthastrastr 18. Leider könucii Sie lediglich auf Beseitigung des Mist- standes und aus Schadenersatz gegen den Wirt klagen, aber weder Ziehen noch einen Abzug von der Miete inachen.— F. R. Ja.— B. 901. 3. 1. Lassen Sic durch einen Arzt die Wohnung untersuchen und feststellen, daff ihre Beschaffenheit mit erheblicher Gcsundheitsgesährdung ins- besondere für das Kind verbunden ist. Sodann klagen Sie beim Amis- geeicht aus Aufhebung des Mieisvertragcs und Schadenersatz wegen Ge- sundheitsgejährdung. 2. Die Sachen haften nach wie vor für die Miete, Wasserstands-Rachrichten der LandcSanstait für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wctlerbureau. Wasserstand M e m e I. Tilsit P r e g e l, Jnstcrburg Weichsel, Thorn Oder, Ralibor , Kroffen , Frankfurt Warthe, Schrimm Landsbcrg Netze, Dordamm Elbe, Leitnieritz , Dresden . Barby Magdeburg am 22 12 om 2673) 853) 2<) 202 168 153 100 110 46 76 —95 184 138 seit 21.12. cm•) + 1 + 4 — 4 +129 +23 — 1 —12 + 4 + 4 +101 —13 +41 + 9 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau „ silathenow S) Spree, Sprcmberg „ Bceskow Weser, Münden „ Minden Rhein, Maximiliansau , Kaub , Köln Neckar, Heilbrorm Main, Werlheim Mosel. Trier am 22,12, ein 190 98 128 140 142 75 116 358 188 268 61 158 ! 128 seit 21,12, om') +66 — 8 _ 2 +34 + 2 +23 — 8 —10 —17 -21 + 6 0 - 7 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.— *) Eistreiben._ s) Unterpegek.—•) Cisstand, WitterungSüberficht vom SS. Dezember 1007. Swliiemde ! Franff.a M München Wien StaNenen V£ s£ Haparandn 772'ji Petersburg 773 zzW Scilly ,765 NO Aberdee» i 763 Zg Paris i 763 SSO ««11« sc tit S» n: 2 wölken!—29 1 ischnce—20 3 bedeckt 1 wollenl 2 bedeckt Wetter. Prognose für Dienstag, den 34. Dezember 1007. Etwas kühler, zeitweise heiter, vielfach nebelig bei schwachen nordwestlichen Winden; keine wesentlichen Niederschläge, Berliner Wetterbureau Berliner Mnrttprclke. Aus Dem anillichc» Bericht der städtischev Vlurkthallcii-Direktion,(Grohhandel.) Ochsenfleisch I» 70—72 vr, 100 Pfd., IIa 64 69, lila 56 59, Bullenslcisch la 67-72. IIa 56-66, Kühe, feit 50— 58, do. mager 38—46, Fresser 52—60, Bullen, dänische 53—65. ftaltiflcilch, Doppellender 115—130, Mastkälbcr la 85— 95, IIa 75— 84, Kälber ger. gen. 53—71, do. Holl. 50—56. Hammclsieiich Mast- lämmer 71—76, Hannnek la 66-70. IIa 60—65, Ungar. 0,00, Schafe 15—58. Schlveineslelsch 52—60. Rehwild la per PsuiiD 0,65—0,80. IIa 0,00. Rotwild la per Pfund 0,45—0,50, do, IIa 0,40, do, Kälber 0,50—0,55, Damwild 0,40—0,60, do, Kälber 0,60—0,70. Wildichweinc per Pfd. 0,00, Frischlinge p, Psd, 0,60—0,80. Kanilichell, groff, Stück 0,80—0,90, do, klein 0,30—0,70, Hasen, groff per Stück 3,50—3,80, do, mittel und klein Stück 2,00—3,25, Wildenten p, Stück 1,50—1, 75. Faianenhähue la, junge 2,25—3,25, do, IIa und alte 1,50—2,00. Fasancnhenncn 1,00—2,25. Waldichnepsen p, Stück 2,00—2,25, do. IIa 1,00—1,50, Hühner, alle, v, Stück 1,50-2,75. dito IIa 1,10-1,40, dito junge 0,00, d!to IIa 0,00, Zanbeil la 0,50—0,75, do, IIa it. alte 0,30—0,40, do, ital, 0,85—0,90. Enlen la Stück 0,00, do, IIa 1,50—2,00, do, per Psd, 0,65—0,70, do, Hamburger per Stück 2,50—3,30,+>üiik per Pfund 0,45—0,58, do, Oderbrucher per Pslmd 0,48—0,60, Ponlets per Stück 0,00, Puten per Pfund 0,65—0,80, Poularde», deutsche, 0,00, dito per Pfund 0,00. Hechte per 100 Psd, 0,00, do, mittel 0,00, do, groff 0,00, do, malt 0,00. Zander groff-mittcl 0,00, dito groff 0,00. Schleie, Holl, IIa 0,00, dito groff 0,00, dito flc'n 0,00. Aale, klein 0,00, dito klein und mittel 0,00, dito groff 0,00. Wels 0,00. Karpfen, 40— 50er 60—65, do, 50er, Schlesischc 60—65, do, 50— 60er, Laufitzer 59—64, do, französische 70 bis 100er 60—69, Plötzen 0,00, matt, klein 0,00. Roddow 0,00. Blei- fische 0,00. Bunte Fische 0,00, dito klein 0,00. Barse 0,00. Karauschen, matt 0,00. Bleie 0,00. Aland 0,00, Quappen 0,00. Winter-Rheiirkachö per 100 Psd. 0,00, Amerikanischer Lachs la neuer per 100 Pfd. 110—130, do. IIa neuer 90—100. Seelachs per 100 Psd. 20—25. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6. do, inittei Kille 0,00, Hamb, Stiege 3—6, halbe Kiste 2—3, pomm, la Schock 0,00, IIa 0,00. Bücklinge, Kieler per Wall 2—3,00, Strallundcr 0,00, engl, per Wall 3,00—3,50, Sprotten, Danzigers Kiste 0,80—0,90, do, Rügeuwalder, Kiste 0,70—0,80. Aale, gros per Pfund 1,10—1,40, mitteigroff 0,80—1,10, klein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5,00—9,00, Schellfische, Kiile 4,00, dito'Ii Kiste 3,00. Sardellen, 1902 et per Anker 93, 1904er 08, 1903er 98, 1906ct 85—90. Schottische Vollberinge 1905 0,00, karge 40— 44, füll. 38—40, rned. 36— 12, deutsche 30— 10. Heringe, neue MatjeS, oer•/, To, 50—120. Sardinen, ruff., Faff 1,50-1,60, Bratberinge Faff 1,20-1.40, do, Büchse(4 Liter) 1,40-1,70. Neunaugen, Schocksaff 11, do, kleine 5—6, do. Riesen- 14. Krebse per Schock 0,00, groffc 0 00, do, mittelgroffe 0,00, dito kleine 0,00 om 0,00, do. unsortiert 0,00, Galizier, groff 0,00. Seemuscheln 100 St. 1,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 4,00—5,80, do. groffe 6,00—6,50. Buttel ver 100 Psd. la 132-133, IIa 122-128.[IIa 116-122. abfallende 100-105. Saure Gurken Schock 4,00. Bseffergurken Schock 4,00. Kartolscln per 100 Piund Dabersche 3,00—3,25, weiffc runde 2,50—3,00, mag. bon. 2,75—3,25. Porree, per Schock 1,00—1,25, Meerrettich, Schock 4—10. Spinat per 100 Pfund 5— 10. Sellerie, per Schock 3—5, do. pomm. ö— L. Zwiebeln per 100 Pjd. 2,00—4,09. Petersilie, grün, Schockbimd 0,80—1,25, Rettich, bayrischer, per Stack 0,01—0,10, hiesiger, per Schock 2,50—3,50, Mohrrüben, 100 Pfund 2,00 bis 2,50. Karotten, hiesige, Schockbund 3,00—4,00, Wirsingkohl v. Schock 3—6. Rotkobl, SchockL— 7. Weiffkohl p. 100 Psd, 1,00—2,00, Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 0,00, Rosenkohl, per 100 Psund 10-18. Grünkohl 2,00—5,00. Kohlrüben, Schock 2,00—3,00. Pclersilieiiwurzelii, per 100 Psd, 6-7. Schvckbund 4-5,50, Schnittlauch, Töpse Dutzd. 4-4,50. Tomaten, kanarische, per Kiste 3,00—5,00. Rote Rüben. per 100 Pfund 2,50—3,00, Rübchcn, Beelitzer, per 100 Pfund 3—8. do. Teltower 10—18. Eskarol, per Schock 5—6. Endivicn, per Schock 3—6, Birnen per 100 Pfd. Tiroler 0,00, Kochbirne» 3—11, Tafclbirncn la 18—25, do, IIa 6—17, Ital, 18—22. Aepfel, per 100 Pfund, Tiroler la 22—30, do, IIa 12—20, Tiroler, lose, per 100 Psund 0,00, do. in Kisten 120 Psund 32—50, Most-, hiesige, 2—5, Koch- 5—11, Tafel- äpsel la 15—25, do, IIa 8—12, Amerikaner, per Faff 18—30, Italiener, lose, 100 Psd, 8—12, Wallnüsse, per 100 Psd, französische 32 bis 35, rumänische 22—28. Paranüsse 52—60, Haselnüsse, lange, 100 Psund 42—56, do, runde 40—45, Weiniranben, Almeria, per Faff 10—20. Ananas I, per Psund 0,80—1,00, Do, II 0,40—0,60, Bananen, gelb, per 100 Pfund 8—23, Kokosnüsse per 100 Stück 20—28. Krach- Mandeln per 100 Psd, 70—115, Maronen, ital,, per 100 Psund 9—18. Feigen, Kranz- per 100 Pfd. 20—25, do, Trommel- per 400 Psd. 40, od, in Kisten 28—58. Traubenrosinen per 100 Pfund 80—120, Zitronen, Messina. 300 Stück 9,00-11,00, do, 360 Stück 9,00-11,00, do, 200 Stück 0.00, do, 150 Stück 0,00. Apfelsinen, 300 stück 0,00, do, Murcia 200 Stück 7,00-11,00, do, 300 Stück 7,00-10,00, do, Valencia 420 Stück 12—20, do, 714 Stück 14—18. Maiidariiicn, Schachtel 0,90—2,00, do. 420 Stück 11,50, do, 100 Psund 20—25. Datteln, per 100 Kart. 40—45. Johannisbrot, per 100 Pfund 11—15. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Verwaltungsstelle I. (herein Verl. Hansdicuer 1883.) Nachruf. Den Mitglieder» diene hiermit zur Nachricht, daff unser lang- jähriger Kollege itafgusi Huwe am 18. d, M., der Kollege Lok- Deezynna am 17. d, M. verstorben ist, Ehre ihrem Audellken! 51/2_ Die Ortsverwallung, Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daff nilicre Mitglieder, Ziseleur Stupm und Lackierer Jokann Feige gestorben sind. Ehre ihrem Andenken! Die DrisverwalUmg. OeiUsclier Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Schöncberg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daff der Kollege, Tischler Päu! Hermann verstorben ist. Die Verwaltung. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 25. Dezember, nachmittags 3 Uhr, vom Zchlcn- dorser Friedhos ans statt, Verband der Sattler Ortsverwaltung Berlin. Am 21. Dezember»erstarb nach schwerem Leide» unser Mitglied Nermsan �skliscd. (Werkstatt 0, Sclliller.) Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung sindet heute, Dienstag, den 24, Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Charits- Kirchhofes, Müllcrstraffen- und Seestraffcn- Ecke ans statt. Um rege Beteiligung ersucht Oie Ortsverwaltung. Am Sonnabend, den 21, De- zember, früh 4 Uhr, starb unser lieber Kollege, der Schriftsetzer Fritz Schmidt im Atter von 26 Jahren, Sein Aiidcnken werden wir j stets in Ehren halten, Die Kollegen der Buchdrnrkeret Sitteufeld. Die Beerdigung findet am 26. Dezember, nachmittags 2 Uhr, von der Halle des St. Georgen- Kirchhofes, Landsberger Allee, aus statt, 2121b Kttiitien- Iiiiii lu'flii;(iiiihrm uoii Robert Meyer,. nitt Mlmauuell-Mnßt 2. Cr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzen str. 41, ÄÄ. 10— 2.5— 7. Sonntaprs 10— 12, 2— 4. Srfindtragen kauft oder sinanziert, Offerten unter 1*. 80(iS an Haascu- Htcln& Yogier A.-G., Frankfurt a. M.» Allen Verwandten und Be- kannten die traurige Nachricht, daff am Sonnabend, den 21. d, M,, meine liebe Frau Marie Hermus geb. Lcbmann verstorben ist. 21166 Dies zeigt tiefbctrübt an Fritz Hcrmns. Die Beerdigung sindet am ersten Feiertag, nachmittags 2 Uhr, aus demZionS-Kirchhof, Nordend, statt, Danksagung. Sage allen Freunden und Be» kannten meines lieben, unvergefflichen Mannes, Daters, Bruders, Onkels und Schwagers, des Formers ktnjl Hempel, der so schnell durch Ucbcrsahrcn autz unserer Mitte gerissen wurde, be- sonders den Kollegen der Firma Gc- bauet, dem Metallarbeiter-Verband, dem Gesangverein„Unverdrossen". Dem 6. Wahluerei» für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung meinen tiefgefühlten Dank, 2117b Die trauernde Witwe Hnopcl nebst Kindern. Danksagnttg. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau und Mutter 21136 Anna Jolitz sage ich hiermit meinen ticsgesühllcstcn Dank. Die trauernden Hinterbliebenen Ucrmttun Jolitz nebst Kinder». Allgemeine Orts Krankenkasse z» Spandan. Durch VorstandSbeschkuff vom 14. Dezember 1907 machen wir laut S 66 des Statuts aus den unterm 9. Ro- vembcr 1907 vom BczirksauSschutz in Potsdam genehmigten I, Nachtrag -um revidierten Statut aufmerksam, welcher am 30, Dezember 1907 in Kraft Kitt, Zu beachten sind folgende Acndc- rungen: Sämtliche Versicherte werden ihrem Arbeitsverdienst entsprechend in Klaffen eingeteilt mid ersuchen wir, de» Verdienst aus der Anmeldung genau anzugeben. z 13 Ziffer ,! Zeile 1—4 ist daS KranlengctD für die l. Klasse von 1,80 M, auf 2,00 M. II,„neu. 1,50„ III.. von 90 Ps.. 1,00„ IV.„ CO.. 50 Pp sestgesetzt, 8 30 sind die Beiträge für die I. Klasse statt 78 Ps, aus 84 Ps. II,„neu, 63, III.. statt 39 Ps,. 42. IV.„ wie bisher„ 21, Aufferdem werden vom 30, Dezember 1907 ab die Beiträge sür die Ver- sicherten von einem BeittagSsammler abgeholt werden. Die Ausrechnung erfolgt monatlich und schliefft mit dem letzten Sonnabend im Monat, Die Beiträge bis zum 28, Dezember 1907 cinschltcfftich bitten wir in Anbetracht der Um- änderungen so bald wie möglich im Kassenlokal zu regeln. Sic An- und Abmeldungen müssen in Der bisherigen Weise im Kasjen« total erledigt werden, Der Vorstami. 280/14 Wolf, Vorsitzender. Achtung! OrtskraieiassederHanilwerkep KU Spandan. Den Arbeiigebern zur Kenntnis, daff vom 30, Dezember 190? ab die Beiträge für die Versicherten von einem BeitragSiaiumter abgeholt werden. Die Aufrechnung erfolgt iiiouattich und schliefft mit dem letzten Sonnabend im Monat, abgeholt werden die Beiträge im Laufe des folgenden Monats, Die Beikäge bis zunl 28. Dezember 1907 cinschliefftich bitten wir in Anbetracht der Um- änderungen so bald wie möglich im Kassenlokal zu regeln, Die An- und Abmeldungen müssen in der bisherigen Weise im Kasse». lokal erledigt werden, 280/15 Der Vorstand. Job. Beyer, Vorsitzender. Das VevbandslmretM ift am Dienstag, den 2� De- zcmbcr(Heiligabend) und am 31. Dezember(Silvester) nur bis 2 Uhr mittags geöffnet. DaS Bureau ist geschloffen.. am Dienstag, den 24. Dezember,»achnnttagS, . Mittwoch,„ 2ö., den ganzen Tag, . Donnerstag,„26., den ganzen Tag, . Freitag,„27., den ganzen Tag, „ Dienstag,„ 31., nachmittags, „ Mittwoch, ,, 1. Januar, den ganzen Tag.f Für diejenigen Arbeitslose», welche am Freitag, den 27. Dezember, Arbeitslosenunterstützung zu bekommen haben, wird die Unterstützung am Freitag, den 27. Dezember, vormittags von 9—12 Uhr, im Zimmer 11. ausbezahlt. 98/19- Die �CvOcitSlindjUldfe sind am 25., 2S. und 27. Dezember und am 1. Januar geschlossen. Lebende Karpfen Pfd. 85—95 Pf. ff. Eiskarpfeu Pfd. 55-60 Pf. Sciielißsciie in allen Größen Pfd. 20-40 Pf. Rabliau Pfd. 22 im Anselm. 25 Pf. SpeeUI-Grosshandlung und V«r»»nd fllr Nordsee-, Ostsee- o. Süsswasser-Fische ; Lacis. Hemmer, Kret«. Kami, tsslern, Uosciielo elc. tili in,, s„lLii» rat..,- Tifll. 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