Nr. SOS. nbonnffflentS'BjdIngunsMi: RBoiiiicmcntä• VrciZ»tünumrtanbo j E!cac!icf)cL 3,30 Mk, monatL 1,10 SKT, lvöchcittlich 23 PIg, frei WS Hau», etnjclue SJummct 5 Psg,©onnictj*. nunimct mil illullrierler Sonntags- Scilagc.Die Neue Welt' 10 Pta, Poit- MbonnwneiU: 1,10 Marl jno Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung S- LrctSIiile. Unter Kreuzband tür Deutschland wid Oesterreich- Ungarn 2 Mar!, für daS itbrigr UuSIand 3 Marl pro Monat. PostabonnementZ nekmen an: Belgien, DSnemar!, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Rumänien. Schweden und die Schweig. Qschilni tZzlich aaStr lllsita«. 24. Jahrg. Berltnev Volksblnkk. VI« Inlettlotis-eeDiHi? beträgt für die fechSgespaltenc Koloned- zcile oder deren Naum 50 Pfg,, fit Volitilche und gewcrlichastliche Verein?. und Versammlung?. Anzeigen 30 Pfg. „Rlelne Knreigcn", das erste(fett« gedruckte) Wort 20 Pfg. jedes weiter« Wort 10 Pfg. Stcllcngestiche und Schlaj« ftellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pkg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate tüi die nächste Nummer müssen bis Ii II de nachmittags in der Erdedition abgegeben werden. Die Ervedition tjt bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm• Adresse: „Sozialdemokrat Rcrim". Zentralorgan der rozialdemokratirchen parte! DeutfcMands. Redaktion: 801. 68, Linden&trasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die Criebkralte der Molonialpölitik Will man vom Standpunkte des Sozialismus aus eine richtige Stellung zur kapitalistischen Kolonialpolitik der Gegen« wart gewinnen, so ist es in erster Linie notivendig, sich das Wesen dieser Kolonialpolitik zu vergegcmvärtigen. Eines der interessantestcu Kapitel der K a u t s k y s ch e n B r 0 s ch ü r e über„Sozialismus und Kolonialpolitik" nutersucht dies Wesen der Kolonialpolitik, die zur Kolonialpolitik treibenden ökono« mischen Kräfte des Kapitalismus und ihre Wirkung einer« seits auf die Kolonien selbst, andererseits auf das Mutterland. Ehedem, führt Kautsky aus, waren die Ausbeutungs« kolonieu in erster Linie in Betracht gekonimen als L i e« feranten von Kapital, das ihnen in den verschiedensten Formen(diese Formen selbst hat KautSky in einem voran« gehenden Kapitel untersucht) entzogen wurde. Heute dagegen ist in den kapitalistischen Ländern die Praduktivkraft der Groß« industrie und die Ausbeutung der Arbeiterklasse so enorm entwickelt, daß sie kolossale U e b e r s ch ü s s c— Mehr« werte— liefert, von denen ein großer Teil wieder als n c n e S Kapital verwendet wird. Für dieS aus der Produktion gewonnene Kapital sollen die Kolonien Anlage- Möglichkeiten schassen. Daß das Kapital im Inland? keine Anlagemöglichkeit findet, liegt im Wesen der kapitalistischen Produktionsweise. Tiefe st e i g c r t zwar die Produktivität in der Er- zeugung der Massengüter aufs höchste; sie beschränkt aber gleichzeitig den M a s s e n k 0 n s u m der Arbeiter, die diese Güter produzieren, erzeugt also einen immer größeren Ueberschuß von Massengütern, die außerhalb der Arbeiterklasse verkauft werden müssen. Den Absatzmöglichkeiten im eigenen Lande und in den anderen kapitalistischen Ländern erwachsen immer größere Schranken. Es gewinnt den Anschein, als ob der Kapitalismus an seinem eigenen Widersinn zu Grunde gehen müsse. Die Kapitalisienklasse ist nun, um ihre Herrschaft zu ver- längcrn, auf eine Reihe von Auswegen verfallen. Das nächste Mittel dazu war die Beschränkung der Kon- k u r r e n z und die Gewährung von Extraprofiten durch Schaffung von Monopolen. Auf der einen Seite wurde die Konkurrenz des Auslandes durch Schutzzölle eingeschränkt. An Stelle des Freihandels, der in den fünfziger und sechziger Jahren herrschte, traten Zölle, nicht bloß Jndustriezölle, sondern auch A g r a r. z ö l l e. Zölle. die nicht nur dem Zweck dienten die industrielle Entwickelung zu beschleunigen, sondern die auch den Besitzern der Produktionsmittel auf Kosten der Konsumenten Extraprosite zuschanzten. Wie die Zölle die Konkurrenz des Auslandes möglichst zurückdrängen sollten, so suchte man sich der Konkurrenz im Inlands durch Schaffung von Unternehmerorganisatiouen, daS Kartell, den Trust, zu erwehren. Die Kartelle und Tnists dienten vielfach direkt dazu, die L e i st u n g e n der Betriebe einzuschränken, um die hohen Preise aus- recht zu erhalten. Die Beschränkung der Konkurrenz und die künstliche Ein- schränkung der Produktion bilden aber nicht die einzige Methode, durck/die die Kapitalistenklasse den Kapitalismus zu retten und sich der Notwendigkeit zu entziehen suchte, die vermehrte Produktivität der Arbeit zur Ver mehrung der Konsumgütcrder Arbeiterklasse zu verwenden. Sie sucht auch die überschüssigen Produkte ihrer Betriebe loszuwerden durch ihre Verschwendung. Die wirk- samste Methode dabei ist das Wettrüsten zu Wasser und zu Lande. Jene Verbindung von Militarismus und M a r i n i s m u s, die seit den Mer Jahren des vorigen Jahrhunderts immer enonucre Dimensivuen angenommen haben. Das Genie der Erfinder, so führt Kautsky aus. wird immer niehr von dem Gebiet der Produktivkräfte auf das der Zerstörungskräfte gelenkt. Noch� nie hat die Menschheit ein scheußlicheres und kolossaleres System der Einigung der Produktivkräfte gesehen. Die kapitalistische Produktions- weise bedarf aber heutzutage diok->r ungeheuren Verschwendung menschlicher Arbeitskraft, um ihre Existenz weiter fortführen zu können. „Die U e b e r w i n d 11 n g des Militarismus ebenso wie die des Kartell- und Trustsystems ist aber deute nur noch möglich durch den Sozialismus. Nur in seinem Rahmen, nicht mehr in dem de« Kapitalismus ist Platz für die ungeheuren Pro- dukiivkräfte, die frei iverden, wenn alle die Menschen und Mittel de« Militarismus und MariniSmuS der Produltion und Bedienung von Zer stör 11 ngs Mitteln entzogen und der von K 0 nfuin- Mitteln zugeführt werde». Es hat Sozialisten gegeben, die den Militarismus damit verteidigten, daß er so vielen Ärbeilern Beschäftigung gebe. die sonit arbeitslos bleiben mützien. und die darin einen Nutzen des Militarismus iahen. Wenn bürgerliche Politiker. die den Sozialismus iür einen bloßen Traum hallen, der praktisch für uns nicht in Frage komme, de» Militarismus derartig ver- teidigen, so ist das begreiflich, Ei» Sozialist dagegen sollte in der Tatsache, daß der KapitaliömilS nur noch durch die w ahn» sinnigste und mörderischste Verschwendung den F-ortgang der Produktion zu sichern vermag, doch nur ein Ärgument, und eines der zwingendsten, gegen den Kapi- tali-ZmuS, nie aber für diese Verichwendung erblicken.' Und noch ein anderes Mittel, um der Notwendigkeit zu entgehen, vermehrte Konsummittel für die B e d ü r f t i g e n des eigenen Landes zu produzieren, gibt es für die Kapitalistenklusse: Den Export des Kapitals in das Ausland zum Zweck der Ausbeutung des Auslandes. Der Kapitalismus legt in steigendem Maße sein Kapital im Ausland an. in Berg« werken. Eisenbahnen usw. Um sich aber dagegen zu sichern. daß ihm seine Kapitalien verloren gehen, beraubt es die betreffenden Länder ihrer Selbständigkeit. Und es genügt dem Kapital nicht, daß irgend eine europäische Macht das Land zur Kolonie macht und damit die Sicherheit des europäischeil Kapitals verbürgt. Da jeder Staat in erster Linie in seinen Kolonien die Kapitalisten deS eigenen Landes bcgimstigt, sucht jedes Land sich seine eigenen Kolonien zu schassen. „So entsteht in kapitalistischen Nationen seit den SOer Jahren eine neue Aera der Kolonialpolitik. Deutschland gründet ein Kolonialreich. Frankreich, England und Holland eriveiteru die ihrigen, und kaum sind die Verciiiiglen Staate» soweit, daß sie an einen Kapitalieuexport denken köimen, io bemächtigen sie sich einiger potyiicsijchcn" Inseln, sowie der Pliilippineii, PortoricoS, Kubas. Diese neue Kolonialpolitik hat nichts gemein mit der vergangenen Politik der Griiiidung von A r b e i t s k 0 l 0 n i e n. Nur tropische Kolonien, AuSbeutungSkolonien. sind ihr Objekt. Aber sie ist auch verschieden von der allen Politik der AuSbeutuligSkolonien, die in diesen bloße Gegenstände der Plünderung, des ZusammenraffenS von Reichtum sah. den mau als Kapital iuS Mutterland schleppte. Umgekehrt, es ist eine Politik, die Kapitalien der Kolonie zuführt, Kultur- werke i» dieser aufführt, anscheinend also nicht mehr ver- wüstend, sondern kulturförderud wirkt.' Aber, so setzt Kantsky auseinander, man darf sich durch diesen Schein nicht darüber täuschen lassen, daß die eventuelle daraus erwachsende Hebung der Produktivkräfte mehr als aufgehoben wird durch das gleichzeitige Wachstum des Kriegswesens mit aller seiner Vergeudung von Produktivkräften und seiner Belastung der arbeitenden Klassen des Mutterlandes. Zudem müssen in den Kolonien iür das einwandernde Kapital erst noch künstlich Vcrhältilisse hergestellt werden, die die Ve völkerung zum tauglichen Objekt der kapitalistischen AnS bentung machen. Da heißt es, die Eingeborenen expropriieren, zur Arbeit zwin g en.�wlll das Kapital Profite erzeugen.„Da wiederholen sich die Scheußlich keilen des früheren Kolonialsystems aus der Zeit der Ursprünge lichen Akkumulation deS Kapitals, die Scheußlichkeiten der Cortez und Pizarro. der Clive und Warren Hastings, wie uns die Infamien des Kongostaates zeigen, hinter denen manche Blüten anderer moderner Kolonialpolitik nicht weit zurück- stehen, deutscher wie französischer, englischer wie holländischer und amerikanischer." Aber auch in den alten Kolonien, wo schon eine verarmte und herabgcdrückte Bevölkerung und eine entwickelte Waren produltion besteht, also die Vorbedingungen kapitalistischer Ausbeutung nicht erst künstlich geschaffen zu werden brauchen, liegen die Dinge nicht besser. Selbst wo. lvie etwa in Britisch- Indien, von einem gewissen Wohlwollen für die Eingeborenen gesprochen werden kann, ist die Wirkung der kapitalistischen Kolonialansbeiitung, nicht weniger verhängnisvoll. Sobald aber die koloniale Herrschaft und dainit die Sicherheit der Ausbeutung auch nur im ge ringsten bedroht erscheint, so verschwindet auch sofort das persönliche Wohlwollen, um rücksichtsloser Grausamkeit Platz zu machen, wie die jüngsten Unteldrückuugsmaßregeln der Engländer in Bengalen und Aegypten beweisen. Die moderne Kolonialpolitik ist ebenso wie das System der Kartelle und Trusts und wie der Militarismus ein Mittel, den Zusammenbruch der kapitalistischen Produktions weise, der sich sonst ergeben würde, nach Möglichkeit hinaus zuschieben: .Für die K a p i t a l i st e n kl a s s e ist die Kolonialpolitik eine N 0 t w e n di g l e i t. ebenso wie der Militarismus. Aber es ist eine schlechte Logik, daraus zu folgern, daß nun auch fiirdaS Proletariat die Kolonialpolitik eine Notwendigkeit sei. Warum nicht auch der Militarismus? Sie ist für daS Proletariat uiclit in höherem Grade eine Notivendigkeit, wie der ganze Kapitalismus, llnd wie dieser heute nicht bloß vom prole- tariichc». sondern auch vom altge meinen gesellschaft- l i ch e it Standpnnkt ein tlebel geworden ist. ein H e m m n i S der vollen Entwickelung der Produktivkräfte der Menschheit, so ist auch die Kolonialpolttit, als ein Mittel, dieses Dasein zu verlang er», nicht durch ver- mehrte Entwickelung der Produktivlräfle. sondern durch deren Hemm un g. ebenfalls zu einem U ebel geworden, das zu b e l ä m p f e n ist selbst dort, wo es in anscheinend wohlwollenden Formen austritt." üeheintdiitiilspi'oaeß Crofirnoff und Genoffen. AuS der an interessanten Zwischenfällen reichen Verhandlung vom 23. Dezember tragen wir noch einige Episoden nach, die es besonders wert sind, verzeichnet und der Vergessenheit entrissen zu werden. Gleich zu Beginn der Verhandlung kam es zu einer lebhaften Auseinandersetzung zwischen dem Vorsitzenden, und der Verteidi- gung. Der Vorsitzende war sichtlich bemüht, den Angeklagten Tro- fimoff zum Eingeständnis deS nicht vorliegenden Berliner Geheim- bundes russischer„Schnorrer und Verschwörer" zu bewegen, noch dazu in der besonderen Form, daß Jog« mehrere ,Gruppcn' Expedition: 8Al. 68, laudetistrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. russischer Sozialdemokraten untereinander einen Gchcimbund gc- bildet hätten, lim dies Geständnis zu erreichen, versuchte er die Konstruktion, daß Trofimoff die Einladungen zu dem Vortrage des Angeklagten Strelzow nicht an einzelne Personen, sondern an „Gruppen" gerichtet habe. Als er genug an„Geständnissen" herausgehört zu haben glaubte, machte ihn der Verteidiger Tro- fimoffs, Genosse Dr. Oskar Cohn, darauf aufmerksam, daß Tro- fimoff nicht genug Deutsch verstehe, um der schnellen Rede des Vor- sitzenden folgen zu können. Darauf begann der Vorsitzende wieder das Spiel von suggestiven Fragen und von Geständnissen, die keine waren und sein sollten. Freudig gestimmt über diesen Erfolg, ließ sich der Vorsitzende plötzlich zu folgender Ansprache an Trosimosf gehen:„Sehen Sie, Sie stellen die Sache ganz richtig so dar, wie ich sie beurteile, das paßt nur den Verteidigern nicht."«Doch kaum war ihm des Wort entfahren, mächt' er's im Busen gern bewahren." Denn beide Verteidiger ließen mit ganz eindeutigen Worten etwas von Insinuationen hören, die sie sich verbitten müßten. Der Vorsitzende war klug genug, sich sofort zu entschuldigen und dann während der ganzen sechsstündigen Verhandlung kein Zeichen von Ungeduld mehr zu geben, auch wenn die umfangreichsten Beweise über die politische Stellung der Angeklagten und über den antiterroristischcn Charakter der russischen Bruderpartei angekündigt wurden.— Mit welchem Recht den Verteidigern die Fragestellung deS Vorsitzenden „nicht gepaßt" hat, ergibt sich daraus, daß Trofimoff durch den Tol» mctschcr auf russisch befragt, die Darstellung des Vorsitzenden ab- gelehnt und seine ursprüngliche Angabe, nur Einzelpersonen ein- geladen zu haben, durchaus aufrecht erhalten hat. *»» Der Zeuge von Arnim, Kriminalkommissar und Spezia» list für russische Revolution zu Berlin, wird den Prozeß gegen Trofimoff lind Strelzow nicht zu den angenehmsten Erinnerungen seines der Staatsrettung gewidmeten Daseins zählen. Wir hätten verständnisvolles Mitleid, wenn er den Eifer, womit er in die„Ver- fammlung der Geheimbündler" am 22. Oktober eingegriffen hat, inzwischen zehnmal verwünscht haben sollte. ES ist immer bitter, wenn einem Menscheir gerade auf dem durch Beruf und Neigung vorgcschriedenen Spezialgebiet- Unwissenheit und Verständnis- losigkcit nachgewiesen ivird. So aber ging es diesem Spezialisten für Sozialdemokratie und russische Revolution, als den ihn der Staatsanwalt noch ausdrücklich den erstaunten Zuhörern vorstellte. Seine Kenntnisse der russischen Parteivcrhäktnisse waren die eincS Mannes, der 1003 auf eine wüste Insel verschlagen worden ist und seitdem eine deutsche Zeitung, geschweige denn eine russische nicht mehr gelesen hat. Mit einer geradezu kindlichen Harmlosigkeit kramte der Zeuge von Arnim seine abgründigen Kenntnisse der Parteien der russischen Revolution und ihrer Literatur aus.„Der Angeklagte Strelzow steht sehr weit links." Beweis:„Er ist Mit. arbciter der„Sozialistischen Monatshefte". Auf den Einwurf, dag diese Zeitschrift allgemein gerade für ein sozusagen rechtsstehendes sozialistisches Organ gehalten werde, hat der Zeuge von Arnim, Kriminalkommissar und Spezialist für Sozialdemokratie, sogleich diese Antwort bereit:„Aber die Artikel StrclzvwS waren doch sehr „links so„links", daß sie in der Mostschen„Freiheit" abgedruckt waren." Allerdings mußte dieser Spezialist auf weitere Fragen zugeben, daß er die Artikel Strclzows(die ja doch täglich noch zu haben sind und sogar dem Gericht vorlagen) nicht gelesen habe. Das Scheußliche ist nur. daß der Zeuge von Arnim und andere Leute seines Schlages das Schicksal von Hunderten, ja Tausenden von Aus» ländern in der Hand haben, über die sie die zur Ausweisung führenden Berichte von der„Lästig. keit" verfassen und den russischen Polizei. beamten, die mit Genehmigung des Reich L» kanzlers in Berlin herumspitzcln. dadurch in die Hände arbeiten. ... Ganz schweigsam wurde der Zeuge von Arnim, als Genosse Dr. Cohn ein anderes Spezialgebiet der politischen Abteilung des Polizeipräsidiums berührte: Drei Fälle konnten zur Sprache gc» bracht werden, wo Polizeibcamte sich an Russen mit Geldancrbietungen herangemacht haben, um sie zum Perrat ihrer Landsleute und Parteigenossen zu bewegen. Der eine Fall betraf den Angeklagten Trofimoff selbst. Vergeblich protestierte der Staatsanwalt gegen dieses Vorbringen des Ver« tcidigcrs, aber es soll ihm zugute gerechnet werden, daß er in ehrlicher Entrüstung ein solches Verfahren von Polizeibcamte» un» würdig nannte. ••• Ten Fall des Kriminalkommissars Schöne, der ja gerade eine krasse Bestechung eines Russen zum Landesverrat(gegen Rußland), kompliziert durch Fälschung eiueS Passes, betraf, wollte der Vorsitzende nicht erörtern lassen, weil er mit der Sache Trofimoff nichts zu tun habe. Darum bleibt dieser Fall, den Genosse Bebel»m Reichstage zur Sprache gebracht hat,»ich: minder wahr und für die Moral der Polizei bezeichnend. Und wenn Herr Schöne am 23. Dezember keine Gelegenheit gehabt hat. sich zur Fälschung des Passes und zur versuchten Anwerbung eines Landesverräters zu bekennen, diese Gelegenheit kommt cinmal wieder, und wir haben Zeit zu warten. '.' Von alledem abgesehen, hat der Prozeß noch ein sehr wichtiges politisches Ergebnis: Den unverschämten Versuchen der bürger» lichen Presse, die russische Sozialdemokratie mit terroristischen Einzelunternehmungen, Papiergeldfälschungen usw. in Verbindung zu bringen und die deutsche Sozialdemokratie als die Helferin solcher Unternehmungen und Fälschungen zu verdächtigen, ist ein für alle Male durch gerichtlichen Ausspruch der Boden entzogen. TaS Gericht hat sehr nachdrücklich festgestellt, und zwar unter wiederholter und lebhafter Zustimmung des Staatsanwalts, d a st es keiner- lei Beweise für denantiterroristischen Charakter der russischen Sozialdemokratie brauche, dost e s d i e vorliegende Sache gar nicht anders an- sehen könne, als von dem sozialdemokratischen, antiterroristischcn Standpunkt, den T r o f i m o f f alö Mitglied unserer russischen Bruderpartei, wie diese Partei überhaupt, einnehme. Es war nur folgerichtig, dast der Vorsitzende den Zeugen v. Arnim schroff unterbrach, als dieser Geschichten aus der Pankstrahe erzählen wollte, und wie sich da der Blutdurst der Russen schrecklich gc- zeigt habe. Tie bürgerliche Presse berichtet zwar über den Prozchs aber kein Wort von dieser gerichtlichen Feststellung. Wie sollten sie auch gerade jetzt ehrlich werden! Man hatte die Leser mit»Amtlichen Berichten über Terroristenlager" und blutrünstigen Märchen von der deutsch-russischen Verschwörer- gesellschaft so schön satt gefüttert, dast sie eine längere Zeit von den politischen Früchten des inneren Marktes nichts genießen wollten. Warum durch dos, Geständnis der Wahrheit dem satten Leser die Stimmung verderben? TaS könnte das' Geschäft stören, und Geschäft über alles!— Kein Schmigegedot- nur eine Kitte! Im Harden-Prozeß polemisierte am Freitag der Oberstaatsanwalt gegen den„Vorivärts". Etwas sehr nachträglich entschloß er sich zu einem Dementi der nicht vom „Vorwärts" ausgegangenen, aber von ihm besprochenen Nachricht, daß Oberstaatsanwalt und Vorsitzender den an der unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführten Der- Handlung Beteiligten ein.Schweigegebot auferlegt hatten. Da der.„Vorwärts" auf der Staatsanwaltschaft von Amts wegen jedenfalls äußerst genau gelesen wird, so ist diese Verzögerung von sechs Tagen immerhin etwas auf- fällig. Außerdem ist dem Oberstaatsanwalt der Irrtum unterlaufen, die Nachricht als voni„Vorwärts" ausgehend zu bezeichnen. In dem betreffenden Artikel unseres Blattes, der in der SonntagLnummer erschien, ist die Quelle, aus der die Meldung geschöpst wurde, eine bekannte Gcrichtskorrespondenz, sehr deutlich angegeben. Oberstaatsanwalt und Vorsitzender haben also kein Schweigegebot erlassen. Nur um Diskretion ist ge° beten worden. Das ist allerdings ein Unterschied, da die Befugnis des Gerichts somit formell nicht überschritten worden ist. Aber sehr groß ist dieser Unterschied nicht. Es ergibt sich, daß da» Gericht und der Oberstaatsanwalt den Wunsch hatten, nichts aus der nichtöffentlichen Verhandlung in die Oeffentlichkeit gebracht zu sehen. DaS genügt zur Kennzeichnung der Tendenz des Verfahrens, und daraus kam es uns in unserer Be- sprcchung der Meldung vom Schweigegebot im wesentlichen an. Maßgebende Stellen wünschen, daß möglichst wenig, am liebsten gar nichts von den wichtigsten Bekundungen in diesen Verhandlungen der Oeffentlichkeit bekannt werde. DaS Wenige, was durchgesickert ist,«.- erregt schon das Miß fallen des Oberstaatsanwalts. An der Beurteilung- dcS Prozesses wird also nichts geändert durch die Tatsache, daß daS Schweigegebot nicht direkt, sondern indirekt durch eine Bitte um Diskretion, ausgesprochen wurde. ** •..:rv5 � Der Prozeß wird immer mehr der Ptozeß der Kranketz. Vetzt ist auch Frau v. Elbe erkrankt und nach dem arztlichen Attest dermaßen, daß sie auf Wochen für das Gericht nicht erreich- bar ist. Und ob Hardcn bis zur Urteilfällung aushalten wird? Die wiederholten Hinweise der Verteidigung auf den Umstand, daß seine Aerzte ihm das Erscheinen in der Ver- Handlung widerraten, läßr Ucbcrraschungcn in letzter Stunde nicht ausgeschlossen erscheinen! Die Beweisaufnahme spitzt sich jetzt immer mehr auf die Frage zu, ob Haiden in gutem Glauben und aus guten Motiven gehandelt hat und ob die Zeugin v. Elbe glaub- würdig ist. Tie Fragen, die an das Ehepaar Schwcnniger gerichtet werden sollen, zielen alle nach dieser Richtung. Das Zeugnis deö Wiener Arztes Dr. Frep wird von der Staatsanwaltschaft und der Vertretung des Nebenklägers als Beweis angeführt werden, daß die Beschuldigungen der Frau v. Elbe lvider den Grafen Kuno v. Moltke als die Einbildungen einer Hysterischen zu betrachten sind. Bemerkenswert ist. daß der Liman den Angeklagten in gewissem Sinne im Stich ließ, insofern er verneinte, daß der Ausspruch Bismarcks von der Kamarilla der Kynädcn in sexuellem Sinne zu deuten sei. Die Aussage gab dem Fürsten Eulenburg Gelegenheit, zu beteuern, daß er niemals unverantwortliche Politik gemacht habe. Jndcß zog er den Begriff sehr eng. Am Sonnabend findet die kommissarische Vernehmung der Eheleute Schweningcr statt. Die Verhandlung geht daher erst am Montag weiter. Ob der Abschluß des Prozesses noch im alten Jahre erfolgt, erscheint demnach sehr ungewiß. poUtifebe dcberficbt Berlin, den 27. Dezember 1907, Um den Skalp. Der Kampf um den Skalp Koinls nimmt mit gesteigerter Heftigkeit seinen Fortgang. Die Freunde wie die Gegner Reims arbeiten mit Hochdruck. Sympathie- und Antipathie- kundgcbungen folgen sich in buntem Wechsel. Der bayerische Landesverband des Flotten- Vereins hält am Sonntag eine Delegierten ver samm- lung ab, offenbar um die Delegierten für die Haupt- Versammlung in Kassel derart festzulegen, daß sie nicht wieder, wie in Köln, hinter verschlossenen Türen einem Kompromiß zustimmen können. Auch der Hauptausschuß für B e r I i n- B r a d c n- bürg niacht gegen Keim mobil. Er macht durch ein Rund- schreiben seme Untergruppen darauf aufmerksam, daß außer- halb des Vereins stehende Persönlichkeiten, darunter der Herausgeber einer auf feiten KeimS stehenden Zeitung, die Delegierten für die Kasseler Hquptversammlung zu beeinflussen versuchten. Vermutlich handelt eS sich um die„Verl. Neueste Nachrichten".. Ties Blatt bringt heute eine Zuschrift, die offenbar aus der nächsten Umgebung Keims stammt und alle Anariffe auf Keim als statutenwidrige Anmaßungen zurückweist. Wie in der Kölner geheimen Vorversammlung des Gesamtvorstandes �dcr bayerische Regierungsrat r- jr- r. J y— v. Braun ausführte.- stehen die„Berliner Neueste Nach- richten"„in direkter Abhängigkeit zum Flotteuvereiu". Sie werden also wahrscheinlich vom Flottenverein materiell unter- stiiht. Und daS Präsidium benutzt diele Abhängigkeit des Panzerplattcnorgans um wie schon vor Köln gegen die Mit- gliedcr des Vereins zu intrigieren!— Die unbeliebte Oeffentlichkeit. Ter„Franks. Zig." wird geschrieben:„Ter Antrag des Obcr- siaatsanwalts Js e n v i e l aus Ausschluß der Oesfent- l i ch k e t t im neuen Harden-Moltte-Prozeß scheint auf eine Einwirkung des I u st i z m T» i st c r s zurückzuführen zu sein. Ter Minister hat nämlich eine Verfügung erlassen, in der er mitteilt» daß er sich auf Grund von Vorkommnissen in. neuerer Zeit (Prozesse Moltke-Hardcn und Brandt« veranlaßt sieht, an eine Zirkulärverfügung vom 7. Ottober.7891 zu erinnern, in der die Vertreter der Ariklagcbehörde auf, die B-stiinmungcn. betreffend den Ausschluß der Oeffentlichkeit in den Gerichtsverhandlungen und ihr Recht, diesbezügliche Anträge zu stellen, aufmerksam ge- macht werden. Der Mintstcr fordert die Vertreter der Staats- anwaltschafien und der AmtSanwaltschatten aur. von diesem Recht bei jeder sich bietenden Gelegenheit Gebrauch zu machen, und er weist ferner darauf hin, daß dies ins- besondere zu geschehen habe, wenn Fragen homosexueller Art in. der Verhandlung zur Erörterung ge- laugen würden. Dieser Erlaß ist den Oberstaatsanwälten zugegangen und von diesen den Staatsanwaltschaften und weiter den einzelnen Amtsanwälten übermittelt. Es ist demnach zu cr- warte», daß fortan mehr als bisher der Ausschluß der Oeffentlichkeit beantragt werden wird." Tie Verfügung des Justizministers hält sich innerhalb der gesetzlichen Zuständigkeit, insofern sie sich lediglich an die Staats- anwaltsckaft wendet. Daß sie indes auch auf die unabhängigen Richter ihren Einfluß üben wird, das steht für jeden fest, der die deutsche Justiz kennt. Tie. Sittlichkeit des deutschen Volkes wird also künftig noch mehr als bisher behütet werden, und kranke Stellen am Gcsellschaftskörpcr werden den Blicken der Oeffentlich- lcit noch mehr als bisher entzogen werden. Es ist ein Zeichen der Zeit, daß die Neigung zum Ausschluß der Oeffentlichkeit im GcrichtSverfahren�im Wachsen begriffen ist. Und kein guteS Zeichen! Das Volk hat ein Interesse daran und ein Recht darauf, zu erfahren, wo sich Geschwüre am Gesellschafts- körper zeigen, und es Bezeichnet einen ungesunden Zustand, wenn andere Rücksichten diesem Rechte des Volkes vorgehen sollen. Bei dem Umstand, daß die Justiz von Angehörigen der herrschenden Klassen ausgeübt wird, mutz zudem eine solche Maßnahme ganz von selbst daraus hinauslaufen, vornehmlich bedenkliche Vorgänge in den sogenannten höheren Kreisen, der öffentlichen Kritik zu eni- ziehen. I» der Militärjustiz wird die Oesscnilichkeit regelmäßig ausgeschlossen, sobald ein Offizier gerichtet wird. In der bürger- lichcn Justiz sollen wir anscheinend ein Pendant dazu erhalten. Die Herrschenden müssen vor der Oeffentlichkeit geschützt werden! Rckktionäro Pläne. Seit einiger Zeit wird von reaktionärer Seite eine Agitation für Beschneidung der parlamentarischen Kritik entfaltet. Die 3000 M. Diäten haben den Reichstag von der chronischen Beschlußunfähigkcit befreit. Die Reaktionäre möchten daS gern ausnutzen, um die Parlamentsverhandlungen stärker einzuschränken. Ihnen gc- nügt eS nicht, daß die Regierung es sich stets an- gelegen sein läßt, die Zeit, die dem Reichstag zur Ver- fügung steht, systematisch zu verkümmern. Man ruft den Reichstag möglichst spät ein und sucht ihn möglichst rasch wieder los zn werden, denn das herrschende absolutistische System will möglichst lange von ieder.freien Kritik verschont bleiben. ES ist deshalb auch in keiner Weise Schuld des Reichstages, wenn er keine Zeit zu gesetz- geberischer Arbeit-findet.-'-..----• Unter den europäischen Parlamenten dürfte der deutsche Reichstag am kürzesten tagen. Natürlich bleibt ihm deshalb mir so viel Zeit, um die dringendsten Vorlägen der Negierung zu erledigen, während die Initiativanträge immer seltener zur Beratung kommen. Darunter leiden natürlich vor allem die oppositionellen Parteien: denn die Wünsche der Regierungsparteien werden ohnehin von der Regierung«füllt. Znerst verhindert die Regierung die Opposition daran, ihre Initiativanträge zur Beratung zu bringen und dann wirft sie ihr Unftuchlbarkeit und bloße Negation vor: Mit dem Interesse der Regierung, von der Kritik und Kontrolle der Reichsiagsopposition befreit zu sein, verbindet sich das Interesse der reaktionären Parteien; daher der Ruf nach Kontingentierung. Einschränkung der Debatten und die Drohung, daß man, wcim die Parteien sich nicht in eine solche Beschränlnng fügen, Gewalt ge- brauchen werde. Solches Verfahren ist der Blockinajorität allerdings schon zuzutrauen; aber wir möchten doch den Herren raten, etwas bescheidener zu sein. Erdrosseln läßt sich die sozialdemo- statische Opposition sicher nicht, und sie wird immer die nötigen Mittel finden, um zu sagen, was ihr nötig erscheint. Wir möchten die Herren auch darauf aufmerksam machen, daß die ganze Geschäftsführung dcS Reichstags auf dem Einveriiehmen der Parteien beruht. Versuche, die parlamentarische Redefreiheit nach den Bedürfnissen der Reaktionäre einzuschränken, würde einen Bruch dieses Einvernehmens bedeuten. Die Geschästsführimg würde dadurch sehr leicht in arge Bedrängnis geraten. Die univissenden Leute, die für diese Kontingentierung in neuester Zeit agitieren, scheinen die Geschäftsordnung sehr schlecht zu kennen. Diese garantiert, durchaus nicht, daß die Fraktionen, wie cS jetzt geschieht, in der Regel nach ihrer Stärke zu Worte kommen. Sie verpflichtet vielmehr den Präsidenten, den einzelnen Rednern nach der Reihenfolge der Wortmeldung das Wort zu erteilen. Die Opposition brauchte nur auf der strikten Einhaltung dieser Bestimmung zu bestehen, um die Ordnung in der parlamentarischen Geschäftsführung sehr empfindlich zu stören, so empfindlich, daß sehr bald der alte Zustand wieder vorgezogen würde. Im übrigen ist eS sehr bezeichnend, daß diese reaktionären Bor- schlüge mit solchem Eifer gerade in der„liberalen" Blockära be- trieben ioerden. Diese Aera scheint danach wirklich alle schlummernden reaktionären Gelüste zu neuem Leben zu erwecken.— Falsche Entrüstung. Die„Korresp. deö Bundes der Landwirte" hat einen neuen Beweis dasür entdeckt, daß die Sozialdeniokratie an ihre eigene Lehre nicht glaubt und noch weniger nach dieser handelt. „In Bayern", schreibt sie,„wurde bei den letzten Landtags- wählen ein sazialdemostaiisch« Eiienbahnwerkstötienarbeiter zum Abgeordneten gewählt. Die bayerische Regierimg zahlte diesem Arbeiter aus freien Stücken seinen vollen Arbeitslohn weiter für die Zeit, in der cr, statt zu arbeiten, sein Abgeordncieninandat ausübt—(und zwar als Gegner der jetzigen Staatsordnung)—. Damit aber war dies« Arbeiter und seine staatSfeindlicheii Genossen noch lange nicht zufrieden. Sie forderten noch eine Entschädigung dafür, daß dieser Abgeordneten-Arbeiter nicht Gelegenheit habe, bei Akkordarbeit über den gewöhnlichen Tagelohn hinausgehenden Mehrverdienst zu erwerben. Wie paßt zu diesen Forderungen folgende Nachricht aus München: Die—(von Sozialdemokraten beherrschte) Münchener OrtS- stankenkasse verweigerte dem sozialdemostalischen Abg. Auer, der bei ihr angestellt ist. während seiner Abgeordnetenzeft die Fort- zahlung des Lohnes." Wenn die Herausgeber der Korrespondenz nicht so einfältig wären, würden sie wissen, daß der Kassenvorstand dann, wenn er dem Abg. Auer den Lohn weiter zahlen würde, sich einer Gesetze?- Verletzung schuldig machen würde. Anstatt irgend welcher Selbstsucht oder Knickrigkeit beweist denn auch da? Bcr- hallen des Kraiikciikassenvorstandes lediglich, daß er genau die gesetzlichen Bestimmungen kennt und sich an diese zu halten willens ist. Wäre übrigens die Weiterzahlung des Lohnes gesetzlich gestattet und der Kassenvorstand. hätte in diesem Sinne beschlossen, dann würde die Bündlerkorrespondenz mit nicht geringer«. Entrüstung über die Verschleuderung von Kraiikenkassengetdern lamentiert haben. Polizeiliche Germanisierungsversuche. Fiasko machte die Polizei mit einem Versuch, Vorschriften deL Bürgerlichen Gesetzbuchs zur Germanisierung— nicht nur Polen empfinden solche Versuche als Schikanierung— von Polen anzuwenden. Verschiedene polnische Rittergutsbesitzer und-Besitzerinnen aus der Provinz Posen, Grafen, Barone und Gräfinnen, gründeten einen Familicnverband derer von Szolduski. Gegen die Ein- tragung dieses Vereins in das Vcreinsregister des Amtsgerichts zu Posen erhob der Polizeipräsident Einspruch gemäß§ 61 deö Bürger- lichen Gesetzbuchs, weil es sich um einen Verein handele, der Poll- tiichc Zwecke verfolge. TaS entnahm der Polizeipräsident den Be- stimmungcn des S 20 des Vereinsstatuts, die dem Verein ein Vor- kaufsrecht sichern für den Fall, daß eines der Vcreinsmitglicdcr eines seiner Landgüter verkaufen will. Danach beziocckie, Meinte der Herr Präsident, der Verein, den Landbesitz im Kreise der Familie zu erhalten und den Ucbcrgang an andere, namentlich an Deutsche, zu verhindern. Da cS sich nun beim Kampf zwischen Polonium und Deutschtum wesentlich um einen Kamps um den Grundbessy handele, so sei jenes Vorgehen von eminenter politisckzcr Bedeutung. Ter BezirksauLschusi wicS die von den Verciusmilglicdern gegen den Polizeipräsidenten erhobene Klage ab. Ter erste Senat des preuhischcn Obcr-VerwaltungSgerichtS hob um Freitag d«S Urteil auf und setzte de» Einspruch des PolizeiprSsi- denicn außer Kraft. Gründe: Dem Polizeipräsidenten sei zuzn- geben, daß die durch§ 20 der Satzungen geschaffenen Bestimmungeu den Klägern die Hand böten, um den Uebcrgang des Grundbesitzes der Familie an Deutsche zu verhindern und daß insoweit dem Interesse deS Staates, den Ucbergang polnischen Grundbesitzes in deutsche Hände zu fördern, entgegengearbeitet werden könne. TaS genüge indessen nicht zu der Feststellung eines politischen Zweckes deö Vereins. Dazu würde der Beweis nötig sein, daß dadurch un- mittelbar die Gesetzgebung oder Verwaltung des Staates beeinflußt werden solle. Da hierfür der Pollzciprüiidcnt leinen Beweis geführt habe, so müsse der Einspruch aufgehoben werden. Im vorliegenden Fall ist cS ja gelungen, in letzter Instanz das Vorgehen der Polizei zu korrigieren. Auch handelt es sich um eine Vorschrift, von der der Gesetzgeber schwerlich angenommen hat, sie könnte je mißbräuchlich angewendet werden. Aber gerade diese Um- stände beweisen, wie bedenklich vom Standpunkte des Rechts ans es ist, der Polizei allgemeine Befugnisse zu übertragen. Jede solche Be- fugnis verleitet in einem Polizcistaat, wie es Preußen noch ist, zu mißbräuchlicher Benutzung und Willkür. In einem Rechtsstaat wie England besteht Schutz gegen Polizeiwillkür durch zivilrechtliche und strafbare Haftung für jede Rechtsverletzung durch die Polizei, auch dann, wenn sie in gutem Glauben vorgenommen ist. Der Staatsanwalt klagt nicht! Wie der„V«garbeiter-Ztg." aus dem Saargebiet gemeldet wird, hat die Staatsanwaltschaft die strafrechlliche Verfolgung des od« der Urheber dcS Unglücks auf dem„ Mathilden fchacht" aufgegeben. Nach dem Unglück auf dem..Mathildenschacht", bei dem 20 Bergleute durch einen Seilbruch an der Fördcrschalc das Leben einbüßten, wurde durch die StaatSanwallschast in Saarbrücken eine Untersuchung des Unfalls geführt, die jetzt dadurch zum Abschluß gekommen ist. daß der Staatsanwalt die strafteckitliche Bcrfolgnng des Steigers Müller eingestellt hat. Wie«imierlich, sollte Müller, dem die Besichtigung des Förderseiles oblag, dieses nicht nur unterlassen, sondern« sollte von dem Bruch des Seiles sogar Kenntnis gehabt haben. Nun stellt der Staatsanwalt das Verfahren ein. Warum? Hat die staatsanwaltlichc Untersuchung, fragt die„Berg- arbeiier-Zeitung", ein anderes Ergebnis gezeitigt als die damals von der Verwaltung geführte Untersuchung, die Müller für schuldig fand? Und waZ für ein Rcsuliai? Hat die StaatSänwalischafl überhaupt einen Schuldige» ermittelt und wer ist cS? Freisinnige Polenhast. Wie entsetzlich heruntergekommen mambe freisinnigen Organe bereits sind, zeigt am besten die Tatsache, daß sie sich mit Eifer an der Erfindung neuer Ausnahmegesetze beteiligen. Ein Beispiel dafür liefert die„Königsberger H a r t u n g f ch e Z e i t u n g die folgenden Vorschlag eines EmsenderS veröffentlicht: „Verträge, wodurch Grundstücke von Deutschen an die Polen zu Eigentum, als Pacht oder zu anderer Nutzung über- tragen werden, sind mir gültig unter Genehmigung der königlichen Regierung, in deren Bezirke die Grundslücke belegen sind. Dasselbe gilt bei solchen Verträgen auch nicht deutsch redender o st p r e u ß i s ch c r M a s u r e» mir Polen.' Also Polen dürfen nur mehr mit Genehmigung einer hohen Ne- gierung Grund und Boden erwerben. Denn sie sind„unerwünschte Staatsbürger",„Reichöseinde", kurz heute das, was einst die Frei- sinnigen waren, die allerdings gegenwärtig die verivendbarsteu Rcichslakeien abgeben.—-_ Der beleidigte Offizier. Die Empfindlichkeit der„Erstklassigen" kennt keine Grenzen. Ein Beispiel dafür lieferte eine Verhandlung vor dein Kriegsgericht in Dresden, wo sich wegen verleumderischer Be- leidigung seines Leutnants, Belügens eine? Vorgesetzten und Ungehorsam? der Gardist Fellendorf vom Garderciter-Regiment zu verantworten hatte. Bemerkenswert ist auch hier. daß der Angeklagte wegen ein und deS- selben Vergehens zweimal be st rast wurde. Fellen- dorf war Bursche bei seinem Leutnant. Letzter« befand sich im Oktober dieses Jahres einige Tage auf Urlaub. Während dieser Zeit unternahm der Angeklagte mir dem Geschirr seines Herrn eine Spazierfahrt. Am Tage darauf wurde das Pferd krank, so daß der Roßarzt hinzugezogen werdei, mußte. In seiner Angst, daß« bc- straft werden könne, gab er auf die Frage des RoßarzteS und auch dem Wachtmeister gegenüber an, der Leutnant habe eine schnelle Fahrt mit dem Pferde unternommen und es dadurch überaustrengt. In dieser völlig unbedachten Aeußerung wird der Vor- wurf der Tierquälerei gegen den Leutnant erblickt. Der Angeklagte wurde einige Tage darauf vom Rittmeister wegen Ungehorsam(weil cr trotz Verbotes mit dem Pferde des Leutnants ausgefahren ist) zu d r e�i T a g e n m i t t l e r e n R r r cjst ver- urteilt. Als Füllend orf feine Strafe antrat, sagte er zum Wachtmeister: »Der Herr Leutnant hat mir zehn Mark gegellen, ich soll ruhig meine Strafe verbüßen, er wird schon später für mich sorgen!" Dadurch soll der An- geklagte dem Leutnant den B o r lv u r f der B e st e ch u n g gemacht haben. Fellendorf verbüßte seine ihm auferlegte Strafe. Später stellte sich auf einmal heraus. daß die Straftaten gerichtlich abgeurteilt werden müßten. In den Aeußeningen des Angeklagten, welche dieser offenbar ohne jeden Vorbedacht und in Unüberlegtheit getan hat, wurde außerdem noch das Belügen eine» Lorgesetzteil erblickt. Man stellte den Angeklagten auch noch einmal wegen Ungehoriam unter Anklage, obgleich cr schon deswegen bestraft und die Strafe auch verbüßt hatte. In der Verhandlung vor dem Kriegsgericht gab der Angeklagte an, er habe sich bei den Aeußerungen absolM.lt nichts gedacht und diese nur getan, um sich herauszureden, da man ihn zuerst im Verdacht hatte, die Krankheit des Pferde» verschuldet zu haben. Der Leutnant als Zeuge vernommen gab an, daß er sich durch die Aeußerungen des Angeklagten aufs schwerste lle- leidigt fühle. Der Vertreter der Anklage beantragte wegen der„schweren Straftaten" sieben Monate Gefängnis k Das Kriegsgericht verurteilte den Angeklagten zu der harten Strafe von b Monate» Gefängnis!! indem es zu feinen Gunsten annahm, daß sich der Angeklagte der Schwere der Beleid i- g u n g e n nicht bewußt gewesen sei, und weil er wegen einer Straftat schon eine Strafe erlitten hatte. Ten Angeklagten nahm man sofort in HaftI— Scbwciz. Eesslonsschlus; der Lundcsvcrsammluiig. Bern. 22. Dezember.(Sig. S9cr.) Die Bundesversammlung hat gestern ihre Session nach dreiwöchiger Dauer geschlossen und den Beginn der FruhjahrSsession auf de» Monat März fest- gesetzt. Von den Äcrhandlutigen der letzten Sitzungen sei die Bewilligung der Suvoention serhohung von 26 000 a u f 30 000 Frank für das schweizerische Arbeiter. sckretariat erwähnt, wobei Bundesrat Tcucher erklärte, daß speziell über die Tätigkeit de» Adjunkten Sigg in Genf eine lintersuchung in dem Sinne angestellt werden soll, ob er seine Zeit für das Arbeitersekrctariat verwende!— Mächlcr von St. Gallen versicherte, daß sein Antrag auf Errichtung eines sozialstatistischen Amtes nicht gegen das Arbcitersekretaviat gerichtet sei. Für die Angestellten der Bundesbahnen bis zur Gehaltsgrenze von 4000 Front wurden iVa Millionen Frank Teuerungszulagen bewilligt. Ein Antrag, den Ver- heirateten statt 100 Frank 120 Frank und den Ledigen 00 statt 50 Frank zu bewilligen, wurde abgelehnt. Die Besprechung des Ergebnisses der Volksabstimmung vom 3. November über die neue M i l i t ä r o r g a n r s a t i o n be- wies, daß die große Minderheit von LOuOOO Stimmen den eisen- stirnigen Nadikalen doch stark auf die Nerven gefallen ist, so daß sie Besserung gelobten I So erklärten die Referenten im National, und im Ständerat es als eine Notwendigkeit, das In- slruktionspersonal sorgfältig auszuwählen, die Soldaten taktvoll zu behandeln, in den Mlitärausgaben, namentlich für die Festungen, sparsam zu sein usw. Also schöne Vorsähe, die aber an dem herrschenden militaristischen Geiste der Säbelrasscler gar nichts ändern werden. Bundesrat Forrcr, der„starte Mann", hielt in beiden Parlamenten bei dieser Gelegenheit gewaltige Reden gegen den Antimilitarismus, wobei er gesetzliche Maßnahmen ankündigte, die den AntiMilitaristen einen Maulkord vorbinden sollen, ohne aber die Redefreiheit anzutasten II Auf diese Quadratur des Zirkels darf man gespannt sein. Sicher ist, daß der anti- militaristische Geist in weiten Volkskreisen vorhanden ist und nicht mehr gebannt, sondern durch Ausnahmegesetze im Gegenteil nur gestärkt werden kann. Die angenommenen internationalen Konventionen betreffend das Verbot der industriellen Nachtarbeit der Frauen und der Verwendung von giftigem Phosphor bringen für die Schweiz nichts NeueL I Die Erledigung der Wasserrechtsinitiative wurde vom Nationalrat abermals verschoben, die Kranken- und Unfallversicherung nicht einmal in Angriff genommen! So sieht die von den bürgerlichen Parteien versprochene „Sozialpolitik" ohne die Sozialdemokratie in der Praxis aus.— franhmeb. Hnvä wurde am Dienstag„wegen feiner die Armee beleidigenden Zeitungsartikel" zu einem Jahre Gefängnis und 3000 Frank Geldstrafe verurteilt, seine Mitarbeiter Almereyda und Merlü wurde» in contumaciam zu je fünf(!) Jahren Gefängnis und 20 Wie die gestrige EröffmxngS- sitzung, so mutzte auch die h e u t i g e Sitzung de» indischen National- kongresses abgebrochen werden, da aus Anlajfbcr Präsidentenwahl ein allgemeines Handgemenge entstand, in dem zahlreiche Personen Verletzungen erlitten. Erst die herbeigerufene Polizei stellte die Ordnung wieder her. jVlarokko. General Drude,'ber. erkrankt fftz ha! uzn.die Erlaubnis ge» beten, nach Frankreich z>> iMBWTWi' Die französische Regierung hat daranf den General Damade zu seinem Nachfolger ernannt. Aus Oran werden Vcrstärkmigcn nach Casablanca geschickt ivcrdcn, um kriegerische ll n t ern eh m u n g en g e g en d> e Medstu naS in A n griff z wn e h in e n. General Damade soll die Kaöbah der Mediuua» besetzen und sie den schcristschcn Truppen eiuräninen.i sobald die Sicherheit lvieder hergestellt sein wird.;\_ Hmcnfca." Ei» geharnischter Protest. New Jork, 27. Dezember. Der katholische Bischof von St. Louiö tadelte während der W e i h n a ch t s p r e d i g t in scharfen Worten die Kreuzfahrt des amerikanischen Ge- schioadcrs nach dem Stille» Ozean und erklärte, diese Fahrt bedeute nicht nur eine große Ausgab e für die Vereinigten Staaten, sondern sie sei auch eine böswillige, mit Vorbedacht geplante Bcdrohiuig des Weltfriedens. Sie llionkerenz der Maurer. Die Freie Vereinigung der Maurer Deutschlands hält gegen» wärtig in EchniidtS Festsälen in der Garienstraße ihre Äonserenz ab. deren wichtigste Ausgabe es ist, zu den gewerkschaftlichen Einigungsverhandlungen Stellung zu nehmen und eventuell den Anschluß an den Zentralverband der Maurer zu beschließen. Die Konferenz wurde gestern nachmittag mit einer Ansprache de» Ge- sckiäftsführerö Gehl eröffnet. Er wieö auf die außerordentlich hohe Bedeutung dcr Konferenz hin, erwähnte' den starken Zu- sammenschkuß und die KainpfeSrüstung dcs Unternehmertums auf loirtschaftlichem und politischem Gebiet, die es um so mehr not- wendig machten, daß die Arbeiterschaft sich auf beiden Gebieten immer fester zusammenschließt, um mit ganzer Kraft den Kampf gegen den Kapitalismus führen zu können. Er schloß mit den Worten:„Suchen>vir hierfür die besten Wege und Waffe». Schaffen wir für die Maurer in ganz Deutschland eine einheitliche, geschlossene und unüberwindliche Schanze, an dcr die Unternehmer sich den Schädel einrennen."— Wie die Prüfung der Mandate, die sämtlich für gültig erkläri wurden, ergab, sind 22 Ortsvereine durch 26 Delegierte vertreten; außerdem sind anwesend: die Geschäftsleitung der Organisation durch vier Mitglieder, die Freie Vereinigung der Fliesenleger, die der Bauarbeiter und die der Zimmerer durch die Genoffen Pütt» l i tz, Baun, und Schmidt. Eingeladen ist ferner die Ge- schäftSkommission der Freien Vereinigung der©enx-rkschasteii: ihr Vertreter ist jedoch noch nicht erschienen. Auch der Parteivorstand war eingeladen, hatte es jedoch abgelehnt, einen Vertreter zu senden, einesteils wegen Zeitmangels, anderenteils, um nicht den Anschein zu erwecken, als wollte der Parteivorstand einen be- stimmenden Einfluß auf die Beschlüsse der Konferenz in der Eins» gungLfrage ausüben. Der Vorsitzende Bömclburg des Maurer- Verbandes ist zu morgen eingeladen, um bei der Beratung über die Einigung Auskunft über die Stellung des Verbandes geben zu können. Der GeschäftSleiier Gehl bemerkte zu diesen Ei»- ladungen des Parteivorstandes wie dc-S VerbandSvorsitzcnden, daß hierdurch keineswegs irgendein Einfluß auf die Beschlüsse der Ken- sercnz ausgeübt werden sollte. Der Geschäfts- und Rechenschaftsbericht über die Jahre 1906 und 1907 liegt den Delegierten in einer Broschüre gedruckt vor. Die Vereinigung bestand am Schlüsse dcs Jahrcö 190b ans 23 Ortsvcreincn mit zusammen 3270 Mitgliedern. Aach Verlauf eines Jahres waren eS 25 Ortsvereine und 3398 Mitgliedern und jetzt zählt die Vereinigung 27 OrtSvcreinc, während die Mitgliederzahl in den letzten dreiviertel Jahren durchschnittlich 3310 betrug. Daß trotz Gründung neuer OrtSvereine. ein kleiner Rückgang der Mitgliederzahl eintrat, wird hauptsächlich dem un» günstigen Verlaus der Berliner Lohnbewegung zugeschrieben. An den Lohnbewegungen im Jahre 1906 mar die Freie Vereinigung der Maurer in S Orten beteiligt. Zunächst an dem Streik der Backofenmaurer Berlins, der mit dem Adschluh eineS Tarif- Vertrages endete, wonach der Stundenlohn seit dem l. April ISO? 90 Pf. und die Arbeitszeit 8 Stunden beträgt. Die übrigen Lohn- bewegungen in den Orten Biesenthal, Hasselfelde. Hohegeiß, Jüterbog, Stralsund, Spandau und Wernigerode endeten ebenfalls mit Erfolg. Für Streiks und Maßregelungen im eigenen Berus gab die Vereinigung im Jahre 1900 12 256,33 M. aus, für Streiks in anderen Berufen 1870 M. Im Jahre 1907 war es hauptsächlich der Kampf im Berliner Baugewerbe, der die Kräfte der Vercini- gung in Anspruch nahm. 1859 Mitglieder waren daran beteiligt. und die istreikunkosten beliefen sich für die Vereinigung auf 156 265 M. Im ganzen wurden in den ersten drei Quartalen dieses Jahres rund 165 455 M. für Streiks und Maßregelungen im eigenen Beruf und 7 594 M. zur Unterstützung von Lohnkämpfcn in anderen Berufen ausgegeben, zusammen also 173 049 M. Diese bohe Summe ist, abgesehen von 17 500 M., die von anderer Stelle herrühren, allein durch die Mitglieder der Vereinigung aufgebracht worden. Das Umlageverfahren, das laut Regulativ zur Deckung von Streikunkosten angewandt wird, hat sich im Jahre 1906 gut be- währt und 2015 M. ergeben. Im Jahre 1907 tonnte es nicht an- gewandt werden, weil die Hälfte der Ortsvereine selber am Streik -eteiligt war, die andere Hälfte sowieso Mittel zur Verfügung tcllte. Tie Abrechnungen der Ortsvereine ergaben 1906 eine Ein- , ahmensumme von 61 731,33 M.. wozu noch die alten Kassen- »eftände in der Höhe von 79 342,24 M. kamen. Am Jahresschluß varen die Bestände auf 94 603,90 M. angewachsen. In den drei Quartalen 1907 kamen zu diesen Beständen 125 796,17 M. hinzu, ue Ausgaben beliefen sich jedoch auf 193 693,17 M., so daß die Summ,, ocr Kassenbcständc auf 21 706,90 M. sank. Die Presse, die„Einigkeit", kostete der Organisation im Jahre 906 7743,45 M.; 1907 in den drei Quartalen 5743,24 M. Die Abrechnung der Geschäftsleitung schließt für 1906 mit 1216,83 M. Einnahmen, wozu ein alter Bestand von 6780,89 M. sinzukommt; ausgegeben wurden 10 740,04 M., so daß 5257,68 M. Bestand verblieben. Im Jahre 1907 nahm die Geschäftsleitung vährend der drei Quartale 32 904,23 M. ein, ihre Ausgaden beliefen sich auf 27 558,88 M. Es verblieb ein Bestand von 10 603,03 M. Das Vermögen der Vereinigung, die Kassenbcstände der Ortsvereine mitgerechnet, betrug am Jahresschluß 1906 99 861,58 M., am 30. September 1907 32 309,93 M. Der Geschäftsleiter Gehl gab zu dem gedruckten Bericht einige Ergänzungen. Er hob besonders hervor, daß der Stand .'er Organisation, weder der geringe Mitgliederverlust noch der Rückgang des Vermögens, der ja eine notwendige Folge des langen Kampfes im Berliner Lohngebiet war, irgendwie Ver- anlassung geben könne, trübe in die Zukunft zu blicken. Der revolutionäre Geist, die Opferwilligkeit und Tatkraft der Mit- gliedcr habe sich gerade in diesem Kampfe glänzend bewährt. Mit dieser Gesinnung würden k-De Mitglieder, auch wenn der Ueber- tritt in die andere Organisation beschlossen werde, freudig und tatkräftig für die Ziele der Arbeiterbewegung weiter wirken und streben. In der Debatte, die dem Bericht folgte, wurden zunächst ver- schicdcne örtliche Verhältnisse und innere Angelegenheiten der Organisation besprochen. Unter anderem wurde erwähnt, daß in Hasselfelde im Harz ein Teil der Maurer nicht für die Organi- sation zu gewinnen ist, weil sie neben ihrer Berufsarbeit auf Arbeit in der Forstwirtschaft angewiesen sind, und die Forstver- Weitung ihnen das Koalitionsrecht nimmt. Ferner wurde über die Berliner Lohnbewegung gesprochen. Z c ch l i n, der Vor- sitzende des hiesigen Ortsvereins, der über diesen Kampf be- richtete, wies auf die hohen Summen hin, die die Mitglieder in Berlin selbst dafür aufgebracht haben, und sprach den übrigen Ortsvercinen für ihre Opferlvilligkeit den Dank der Berliner aus. Wenn der Kampf in Berlin auch diesmal mißlungen sei, so werde er in Zukunft sicher zum Ziele führen. Dieselbe Auffassung trat auch in der weiteren Diskussion über diesen Punkt zutage. Metzle- Berlin erwähnt den großen Anteil, den die Polizei am Mißlingen des Kampfes hat. Auf den gesperrten Bauten habe man den Eindruck gewinnen können, als ob jeder Unternehmer dort selbst einen oder mehrere Schuhleute angestellt hätte. Zu einer Bemerkung des Delegierten aus N au e n, daß man dort im Ortsverein Mitglieder des Verbandes aufgenommen habe, die übertraten, weil sie die Elstrabeiträge nicht zahlen wollten, erklärte Gehl in seinem Schlußwort, daß man in Berlin die Aufnahme solcher Leute abgelehnt hätte. Sie seien für die Organisation nicht zu gebrauchen, weil sie im gleichen Falle gewiß auch der Vereinigung untreu würden. Die Geschästsleitung habe an verschiedenen Orten solche Leute organisieren können, habe es aber rundweg abgelehnt. Auch in Wernigerode habe es sich gc- zeigt, daß mit solchen einer Organisation untreu gewordenen Leuten nichts anzufangen sei. Als hier Mitglieder, die, weil sie Akkord arbeiten wollten, aus dem Ortsverein austraten, habe der Verband eine Zahlstelle gegründet, die jedoch nun wieder ein- gegangen sei. Ter Redner sprach ferner über die Frage der Tarifverträge, die er als ein notwendiges Uebel bezeichnete, das in der Praxis der Geiverkschaftsbewegung nicht zu umgehen sei, sowie über den Gedanken des Generalstreiks, für den man nach wie vor eintreten müsse, der aber ja nicht eine Waffe für den ein- zelnen Beruf, sondern für die gesamte Arbeiterschaft sei. Er wies ferner auf die Generalaussperrungspläne der Unternehmer hin und bemerkte schließlich, daß man die Einsicht verbreiten müsse, daß die 5lämpfe immer schwerer werden, und demgemäß mit aller Kraft dafür sorgen müsse, daß die Organisationen der Arbeiterschaft immer stärker werden, bis es möglich sei, die ganze Reaktion zu Boden zu schlagen.— Tie gestrige Sitzung endete damit, daß dem Geschäftslciter wie der Geschäftsleitung einstimmig Dccharge erteilt wurde. GetverK IchaftUcbc� Zu Tode gepeinigt. Ein Sensationsroman des Reichslügen- Verbandes. Die bürgerliche Presse und niit ihr die sich„unparteiisch" nennenden Blätter füttern bekanntlich fast regelmäßig bei jedem Streik ihre Leser mit erbaulichen Geschichten, worin der Verworfenheit streikender Arbeiter die leuchtende Tugend der Arbeitswilligen gegenüber gestellt wird. Just wie in den Schund- und Kolportageromanen die engelreine Unschuld von teuflisch bösen Menschen verfolgt, ja in den Tod getrieben wird, so haben in jenen Schauergeschichten die braven Streik- brecher grausamste Verfolgung zu erdulden, sterben als Helden auf dem Schlachtfelde ihrer wahren Arbeiterehre, während sich die herz- und gewissenlosen Verfolger und Mörder der irdischen Gerechtigkeit zu entziehen wissen. Der Reichslügenverband ist ein Hauptlieferant und Kol- portenr dieser neuen Schundliteratur. Wenn sich früher die Verfasser von Schauerromanen die Finger wund schreiben mußten, uin ihre 100 Lieferungen voll zu machen und trotz des schönen Regulators, der den Abonnenten als Prämie versprochen wurde, noch einen erträglichen..Ehrenlohn" zu verdienen, so können sie jetzt im Dienste des Reichsverbandes leichter zu Gclde kommen. Sie müssen nur hübsch Obacht geben, ob bei irgend einem Streik nicht irgend etivas passiert, was sich mit der nötigen Phantasie zu einem kleinen Schauer- roman verdichten oder breittreten läßt. Selbstmorde sind ja etwas Alltägliches, kommen sie aber in einem Berufe vor, wo gerade gestreikt wird, so ist eS klar. daß. sei nun der Selbstmörder ein Streikender oder ein Arbeitswilliger, die Sozialdemokraten es waren, die ihn in den Tod ge- Lerantw. Redakteur: Hans Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.: hetzt haben. Blut muß natürlich fließen in diesen Geschichten, am liebsten in Strömen, das ergötzt die Leser. Und die Re- dakteure der„anständigen" Presse, die im übrigen vielleicht einen Verein pr Bekämpfung der Schundliteratur unterstützen, greifen jene Schauergeschichten mit Behagen auf. „Zu Tode gepeinigt", ist ein altbewährter Romantitel. Manches arme Dienstmädchen ist schon darauf hineingefallen und hat allwöchentlich ihren Groschen geopfert, um spannenden Lesestoff und schließlich noch obendrein einen nicht miiider wertvollen Gegenstand als Prämie zu erwerben. Warum sollte der Reichsverband es nicht auch mit jenem Titel ver- suchen? Kalt überläuft es die Leserl„Zu Tode gepeinigt" wurde der 45 Jahre alte Schnhniachergeselle Albert Joschus, der sich am 9. Dezember im Park von Sanssouci erschossen hat. Die Schuhniachergesellen von Potsdam streikten, Joschus kam zugewandert und arbeitete, ließ sich nicht abbringen vom Pfade der Tugend. Selbstverständlich waren es die Strei- kenden, die ihn in den Tod getrieben. Aber der Reichs- verband gegen die Sozialdemokratie hatte dafür noch ein be- sonderes Beweismittel. Er behauptete in seiner Korrespondenz, Joschus habe sich auf einer A b s ch i c d s p o st- karte an seinen Arbeitgeber als Opfer des Streiks bezeichnet und geschrieben, er sei von seinen Berufskollegen in den Tod getrieben. Die Karte schloß, so hieß es, mit den schönen Worten:„Ich sterbe als Held, hoch leben die Preußen!" Erst brachte die Potsdamer Presse— mit Ausnahme der „Potsdanier Tageszeitung", die über die Ursachen des Selbst- mordes nichts zu berichten wußte— die Geschichte in dieser Gestalt, dann wanderte sie im Aufputz des Reichsverbandes nach Verlin und durch Deutschland. Wir wandten uns dieserhalb an den Schuhmachermeister Voigt in Potsdam, bei dem Joschus gearbeitet hatte. „Es ist alles Quatsch, was die Blätter über die Karte geschrieben habe n", er- klärte er.—„Ja, was stand denn eigentlich auf der Karte?"—„Da stand drauf ungefähr:„Ich bin durch den Zimmermeister D-- und den Justizrat"— des Namens erinnere ich mich nicht—„in Jastrow gefallen". Wir fragten weiter, ob denn Joschus gar nichts davon geschrieben hätte, daß ihn die Streikenden arg belästigt und so in den Tod getrieben.„N e i n ," antwortete Herr Voigt,„n i ch t s der- gleichen, auch nichts von„Ich sterbe als Held" oder„Hoch die Preußen". Man hätte sich nur gleich an mich wenden sollen, dann wäre der ganze Quatsch nicht geschrieben worden." Die Karte selbst hatte Herr Voigt leider nicht mehr in Händen. Die Polizei hatte sie abgeholt. Ein Wachtmeister war zum zweiten Mal gekommen, damit ihm Herr Voigt bei der Entzifferung der sehr undeutlichen Schriftzüge behülf- lich sei.— Sollte diese Karte zu irgend welcher Untersuchung Veranlassung geben, so wird man �vohl dev vermeintlichen Uebeltäter wo anders als unter am Streik beteillgt gewesenen Schuhniachergesellen suchen muffen, vielleicht unter Leuten, die dein Reichsverbande nahestehen. Aber wir haben natürlich keine Ursache, die Postkarte eines in höchster seelischer De- Pression denkenden und handelnden Menschen gegen irgend jemand zu Verdächtigungen auszunutzen. Wir wandten nnS serner an den Ortsvorsitzenden des Schuhmacherverbandes, Genossen Rosenberg. Er teilte uns mit. daß Joschus während des Streiks zugewandert und arg betrunken ins Streikbureau kam, und daß er dort sagte, er wolle ins Krankenhaus und, wenn er keine Auf- nähme finde, müsse er arbeiten. Die Streikleitung schickte ihn dann, um ihn auf gütlichem Wege los zu werden, zu einem Schuhmachermeister, der zeitweise an Säuferwahnsinn leidet. Man sagte scherzhast zu ihm, er müsse bei dem Meister aber täglich zwei Liter Schnaps trinken. Dort wurde er aber hinausgewiesen. Die Streikenden hielten ihn nicht für geistig normal und befolgten auch ihm gegenüber, als er dann bei Voigt arbeitete, streng die An- Weisung der Streikleitung, die Streikbrecher nicht zu belästigen. Herr Voigt hat allerdings auch erklärt, daß Joschus bei der Arbeit fleißig und nüchtern war, aber„toll auf die Weiber" gewesen sei. Beide Beobachtungen brauchen einander nicht zu widersprechen, da sie zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten gemacht sind. Wer weiß heute, was den Mann bedrückte? Nur so viel kann unter allen Umständen konstatiert werden. daß der Verstorbene selbst die Streikenden in keiner Weise beschuldigt hat. Ursache an seinem Tode zu sein. Diese Be- schuldigung ist von dem Autor des Selbstmordromans den wirklichen Tatsachen frech hiuzngelogen worden. Und mit schmatzendem Behagen verbreiteten die„Post" und ähnliches Gelichter die Lüge weiter. Nicht einmal der Vorwand ent- schuldigt sie, die Feststellung des wirklichen Tatbestandes habe unüberwindliche Schwierigkeiten gemacht. Die Auskunft, die w i r bereitwilligst erhielten, wäre natürlich jeder anderen Re- daktion geworden. Aber freilich, was sollen die Gegner der Arbeiterbewegung mühselig die Wahrheit suchen, wenn die bequeme Lüge ihren Zwecken nützlicher erscheint! Berlin und Umgegend. Achtung, Dreher! Der Streik im Autobau der Allgemeinen Elektrizitätsgescllschaft dauert unverändert fort. Der Betrieb ist gesperrt. Jeder Kollege meide den Betrieb. Deutscher Mctallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Zwei Seelen in einer Brust. In unserer DienStogsiiiinimer zilierten wir ans dem Stöcker- scheu.Reich" einen gröblichen Anwurf gegen den„Vorwärts", dem nach Meinung der Siöckerschen das«Herz im Leibe lache" ob des in Aussicht stehenden RieieiikampscS im Bau- gewerbe� Wir wurden zu.Hetzern" gestempelt, während das christliche Organ zu„Verhandlungen in friedlichem und veriöhulichem Sinne" riet. Das geschah in der ersten Beilage der Numnier 375»»ter der Rubrik„Blättcrschau". Eine Nummer Ipäler ist der soziale Rundschauer im„Reich" ganz anderer Meinung. In iwch nich! 48 Stunden ist der guie Mann zu der zweifellos richtigeren Ueberzeugmig gekommen, daß die Bauunternehmer den Kampf unter allen Uniftänden wollen. weil sie— wir sagten es in uiiierer Abwehr— die Situation für einen Feldzug gegen die Arbeiierorganifalionen für geeignet halten. Und so bekennt das«Reich" Stöckers freimütig: „Was Bcrtiu und Umgebung anbetrifft, so besteht hier be- züglich des Tarifs gegenwärtig ei» Interregnum, da vorlä»sig ohne einen solchen gcarveitet wird. Wir wiesen jedoch seit Eintritt des provisorischen Friedens mi> vollster Berechtigung darauf hin, daß auch dem Berliner Baugewerbe im nächsten Frühjahr eine schwere Knie bevorstände. Der inzwischen erfolgte, stets engere Znsammenschlutz der Arbeitgebervcrbände und die letzten Vorgänge geben uns zweifellos recht, denn gerade wie hier die Verhällnisse liegen, e r ich eint e s v ö l ljjj a u S g e f ch lassen, daß lhlGlocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsan statt> die hiesigen Arbeitgeber die ihnen in dieser Beziehung günstigen Verhältnisse unbenutzt vorübergehen lassen werden." Das ist so ungefähr der gleiche Standpunkt, den der„Vor- Ivärts" immer vertreten hat. Wie würden aber die Stöckerschen vor Entrüstung schäumen, wenn wir ihnen an der Hand obiger AnSlassnng imputieren ivollten, sie hetzten und ihnen lache das Herz im Leibe bei den Kriegsrnstungen der Unternehmer I Für diesmal wollen wir unS über den bekehrten Gegner freuen und seinen deinnächstigen Umfall in aller Gemütsruhe abwarten. Gelber GründungSschwindel. Ueber gelbe Gründungen erzählt- dieser Tage Herr Emil S ch ö p s l i n wider seine ursprüngliche Absicht in einer OrtS- Verwaltungssitzung des Metallarbeitcrverbandes. Er sei in diesem Frühjahr bei einer Firma in Weißensee in Arbeit getreten, plauderte er. Tort bestand ein gelber Berein, gegründet von Streikbrechern. Herr ScHöpslin wurde auch Mitglied dieses Ver- eins, später auch Schriftführer und kam in dieser Eigenschaft mit den Herren Beiersdorf und Lebius zusammen. Herr Schöpflin hat dann auch die bekannte Tatsache mitgeteilt, daß der gelbe Ver- ein in Weißensee sich aufgelöst bat. Hierbei machte Herr Schöpflin die uns noch nickt bekannte Mitteilung, daß der Arbeitgeber in Weißensee, in dessen Fabrik der gelbe Verein bestand, zwar bei Gründung des Vereins demselben eine Summe Geldes stiftete, bei Auflösung!>es Vereins aber bekamen die Mitglieder nur ihre eigenen Sporgelder heraus. Das Geld, das der Unternehmer für den Verein gestiftet hatte, ist nach der Auflösung wieder in die Kasse' des Unter- nchmcrs zurückgeflossen. Nach Aussage deS Herrn Schöpflin haben die Mitglieder des gelben Vereins niemals einen Pfennig von dem Geld gesehen, das der Arbeitgeber mit pompöser Ankündigung im„Bund" geschenkt hatte. Nach Beendigung seines Arbeitsverhältnisses bei der fjjirma in Weißensee kam Herr Schöpflin zu der Firma Sudikatis. Bald nachdem bekamen eine Anzahl der bei der Firma Sudikatis beschäftigte» Arbeiter und Arbeiterinnen eine Einladung zu eincr vom Bund der gelben Vereine einberufenen Versammlung zwecks Gründung eines gelben Vereins bei Sudikatis. Die Einladungen trugen die Unterschrift deS Herrn Schöpflin. Auf Befragen erklärte dieser in der Sitzung des Metallarbeiterverbandcs, daß sein Name ohne sein Wissen und damit natürlich auch ohne seine Zustimmung unter die Ein- ladungen gekommen sei. Auf unsere darüber geäußerten Zweifel, daß die gelbe Leitung sich erdreistet, ohne Recht und ohne Zu- stimmung des Herrn Schöpflin dessen Namen zu benutzen, hat Herr Schöpflin folgende schriftliche Erklärung unterschrieben: Erklärung. Hiermit erkläre ich. daß die Unterschrift(mein Name) unter die Einladungen, durch welche die Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Sudikatis zu der am 22. 11. 07 anberaumten Ver» sammlung der gelben Arbeitervereinigung eingeladen wurden, ohne mein Wissen und ohne meine Zustimmung erfolgt ist. Es liegt also ein Mißbrauch meines Namens vor. Emil Schöpflin. Auch die weiteren Erzählungen des Herrn Schöpflin waren sehr interessant. So, daß die Mitglieder der gelben Vereine die Zeitung unentgeltlich erhalten. Diese Kosten trägt stet» der Arbeitgeber. Allerdings nur äußerlich. In Wirklichkeit ist auch das Schwindel. Denn selbst diese Kosten treibt er bequem von den„Gelben" wieder ein, indem er ihnen möglichst niedrige Löhne zahlt. So bringen denn die Gelben die Kosten für die eigene Knebelung auf. Die Unternehmer.gründen" die gelben Organisationen ganz kapitalistisch mit anderer Leute Geld! Oeutfehea Reich. Kamps in der Glasindustrie. AuS Köln wird gemeldet: Die Glasarbeiter der Rheinischen Glashütten-Aktienaesellschaft Köln- Ehrenfeld hatten wegen Lohn« streirigleiten ihre Kündigung eingereicht. Daraufhin hat die Firma alle/i anderen Arbeitern und Arbeiterinnen gekündigt, weil die anderen Betriebe in der Fabrik von den Oefen vollständig abhängig sind. Die Kündigungszeit beträgt 14 Tctge. Letzte JVachnchtcn und Depe leben« Die Einschränkung des Koalitionsrechts. Hamburg, 27. Dezember. lPrivatdepesche des„Vorwärts".) Die Klage des HafenbetriebSvereins gegen den Verband der Hafenarbeiter führte heute zu folgendem Urteil: „Durch einstweilige Verfügung wird gegen eine vom Kläger zu leistende Sicherheit von 1000 M. den Beklagten zu 1. 2 und 4 (Hähnel, Döring und Häusler) bei einer Haftstrafe von vier Wochen, dem Beklagten zu 5(Gesamtverband der Hafenarbeiter) bei einer Geldstrafe von 1500 M. für jeden Fall der Zuwider- Handlung verboten: 1. den Zuzug von Hafenarbeitern nach Hamburg irgendwie, sei es unmittelbar oder mittelbar, zu stören, insbesondere öffent« liche Warnungen vor solchem Zuzuge zu erlassen oder zu ver- anlassen, 2. die vom Kläger angenommenen Kontraktsarbeiter als „Streikbrecher" zu bezeichnen, sonst verächtlich zu machen oder zu: Aufgabe ihres Kontraktes zu beeinflussen. Die weitergehenden Anträge des Klägers werden abgelehnk. Die durch den Antrag des Beklagten zu 6(Mitgliedschaft der Ham- burger Schauerleute) entstandenen besonderen Kosten trägt der Kläger, die übrigen Kosten fallen den Beklagten zur Last. Die neueste Eiscnbahn-Katastrophe. New Dork, 27. Dezember.(B. H.) Bei Camden(New Derseh) stieß ein Exvrcßzug auf der Pcnnsylvania-Zweiglinie nach Atlantic Cith mit einem Lotalznge zusammen. 8 Personen bliebe» tot, 14 liegen noch unter den brennenden Trümmer». Eine MordSgeschichte. Taebris, 27. Dezember.n Wege der Revision führen können. Es würde sich aus alledem die Unannehmlichkeit einer doppelten Ver- nehmung des Schweningersdien Ehepaares ergeben, weil doch dann erst das Gericht sich schlüssig machen müßte, ob die Zeugen zu vereidigen seien. Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbicl: Ich habe keinen Verdacht, daß sich diese Zeugen irgendwie der Beihülfe schuldig gemacht haben. Wie ich Herrn Harden kenne, hat er gewiß ganz selb- ständig gehandelt, und ich habe nicht das geringste Bc- denken, das Ehepaar Schwcninger sofort zu vereidigen. Justizrat Bernstein: Z 356 Ziffer 3 scheint mir nicht vorzu- liegen. Angekh Harden: Herr Gehcimrat Schwcninger hat mir nie- mals auf diese Sache Bezügliches mitgeteilt. Um es zu veröffent- licheu. Er hatte keine Ahnung davon, was und wie ich schreiben würde, er ist an m ei n e n Artikeln völlig u n- beteiligt. Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbicl: Hat Herr Harden nicht auch einmal den Versuch zu einer Verständigung zwischen dem Ehe- paar Moltkc machen sollen? Harden: Es handelt sich nicht um einen Ausgleich, soirdern darum, daß ich ersucht wurde, den Versuch zu machen, mit Justizrat Sello die Ehescheidungs fache zu be- sprechen; das war der Wunsch, der«nir von der Frau Gräfin und deren Anwälten ausgesprochen wurde. Mit Justizrat Sello war ich sehr gut bekannt und glaubte, etwas Nützliches zu erreichen. Der Gerichtshof zieht sich hierauf zur Beratung zurück. Der Beschluß geht dahin: Ter Gerichtshof beauftragt den Assesior Langer, sich nach München zu begeben und den Gcheimrat Dr. e-chweninaer und dessen Ehefrau in ihrer Wohn«'-" Schwanitz eidlich zu vernehmen, und zwar den Geheimrat Schwcninger als Zeugen und Sach. verständigen und seine Ehefrau als Zeugin. Die Vernehmung koll am Sonnabend. 10 Uhr» stattfinden und dem Schwcningerschen Ehepaar sollen die vom Staatsanwalt und von der Verteidigung formulierten Fragen vorgelegt werden. Hierauf wird der aus Wien angekommene Dr. med. Frey a!S Zeuge und Sachverständiger vernouimcn. Er hat die frühere Gräfin Moltic iin Jahre 1897 kennen gelernt und hat sie eine Zeitlang behandelt. Er fand sie im Zustande tiefster Depression, stöhnend und über Schmerzen iin Unterleib klagend. Die Diagnose lautete auf Blinddarmentzündung. Tie tiefe Gemütsdepression der Frau Gräfin nahm immer n«ehr zu. es zeigte sich eine hoch- gradige Nervosität und der Zustand der Anämie. Die Frau Gräfin bekam heftige Zuckungen und nahm soviel Opium, daß sie längere? Zeit in einen Zustand tiefer Lethargie verfiel. Der Zeuge gab ihr den Rat, sich in ein Sanatorium zu begeben und diesen Rat befolgte sie nach einigem Zögern. Dort verschwanden die tiefen nervösen Erschütterungen und auch die Symptome der Blinddarm- entzündung hörten merkwürdigerweise auf. Retrospektiv glaubt der Zeuge, daß die damalige Diagnose etwas modifiziert werden müßte und es sich in Wirklichkeit nicht um eine Blinddarm- cnrzüitdung gehandelt haben dürfte, sondern um eine schwere >'. e r v ö s e Störung, um einen Zustand, der bei hysterischen und schwer nervösen Menschen vorko:nmt, d. h. um eine Pfeudo- Appendicitis. Präs.: Sie sind im Ehescheidungsprozeß der damaligen Gräfin Moltke vernommen worden und haben damals erklärt, daß nach Ihrer Ansicht die Frau Gräiin hochgradig hysterisch und in ihrer Selbstbeherrschung beeinträchtigt sc!; Sie sprachen von ihrcin Stimmungswechsel, ihrer Gedankcnflucht und ihrer ab- normen Phantasie. Dr. Frey: Es sind jetzt neun Jahre darüber vergangen, ich kann mich auf alle Einzelheiten nicht mehr genau entsinnen. Bors.: Hat die damalige Frau Gräfin Moltke Ihnen A e u ß e- rungen dahin gemacht, daß ihr Mann hoinosexnell sei? Dr. Frey: Ich bitte, mir die Beantwortung dieser Frage zu erlassen. Ich bin als Arzt gezwungen, daö Berufsgeheimnis z» «Vahren. Der Oberstaatsanwalt fragt den Zeugen nochmals ausdrück- lich, ob die Frau Gräfin eine hochgradig hysterische Person sei. Dr. Frey: Er könne bcstiinmt aussagen, daß er bei der früheren Gräfin Moltke eine außerordentliche hysterische Veranlagung für dargetan erachte. Die Frau Gräfin babc eine hohe Intelligenz, eine tiefe Geistesbildung, ein hohes ethisches Empfinden, gepaart «nit seltener Vorurteilslosigkeit. Damit stehe ihre HandlungS- iveise in einem so diametralen Gegensatz, daß schon aus diesem Grunde das Vorliegen von Hysterie wahr- scheinlich sei. Dazu haben sich ganz bestimmte Stigmata der Hysterie gesellt, daß nach seiner Ansicht die Gräfin für viele ihrer Handlungen und Aussprüche nicht Vera ntto ortlich gemacht werden könne, da die Phantasie dabei hervorragend mitspiele. Auf weitere Fragen bekundet der Zeuge noch: Die Gräfin sei von einer großen Launenhaftigkeit gewesen, zeigte einen hoch- gradigcn Wechsel ihrer Gefühle: sie war gclviss ermaßen„Himmel- aufjauchzend und zu Tode betrübt". Sie habe ckzronische Zuckungen au verschiedenen Teilen ihres Körpers, auch der locus Iizstericus sei vorhanden, dagegen könne er die Frage des Oberstaatsanwalts, ob die Gräfin hypercrotisch sei, nicht bejahen; er könne auf Grund feiner Beobachtungen sie k a u in für eine sehr sinnliche Natur erkennen. Daß sich hysterische Leute auch unter Uinständcn zu Boden werfen und mit dem Köpf an die Wand schlagen, kominc vor, Justizrat Dr. Sello stellt durch Befragen des Zeugen und an der Hand cinesBricfeö des Zeugen vom 21. November 1898 fest, daß der Z c u g c sich der G r ä f i n gegenüber hat verwahren«nüssen, daß sie«hin eine Aeußcrung über die angebliche Perversität des Grafen Moltkc in den Mund legen wollte, die sie in Wahr- hcit selbst getan hatte. Justizrat Bernstein sucht aus anderen Briefen des Zeugen Dr. Frey festzustellen, daß dieser augenscheinlich früher selbst von den glänzenden Eigenschaften der früheren Gräfin Moltke überzeugt gewesen sei und wohl erst später zu einer abweichenden Ausfassung über die Glaubwürdigkeit der Frau Gräfin gekommen sei. Auch der Angeklagte habe der Frau glauben zu müssen gc- meint. �,.,, Der Zeuge Dr. Frey bleibt mit aller Bestiinmthelt dabc«, daß bei der Frau v. Elbe eine schwere Hysterie vorliegt. Von feiten des Geh. Medizinalrates Professors Eulenburg und des Dr. Magnus.Hirschfeld werden an den Zeugen eine Reihe «nedizinischer Fragen gerichtet. Der Vorsitzende richtet an Dr. Hirschfeld die Frage, ob er diese Fragen an den Dr. Frey zu einer Grundlage seines Gutachtens verwenden wolle. Ober- staatsanwalt Dr. Jsenbicl: Ich glaube, es kommt dem Herrn Dr. Hirschfcld darauf an. festzustellen, ob die G r a f i n Moltke andere Leute ebenso getäuscht hat. wie er sich selbst von iihr hatte täuschen lassen.(Versteckte Heiterkeit.) Nach Erledigung einer weiteren Anzahl rein «nedizinischer Fragen erklärt der OberstaatSamvalt: Ick bin voll- kommen über den Zustand der damaligen Gräfin Moltke in- forinicrt. Ich bitte deshalb die Herren Sachverständigen, sich zu äußern, ob sie noch irgend welche Fragen oder Feststellungen bei der Vernehmung des Herrn Dr. Frey wünschen. Da sämtliche Sachverständigen die Erklärung abgaben, daß ihnen die bisher getroffenen Feststellungen vollkommen genüge«,. wird die Vernehmung des Zeugen abgeschlossen. Es folgt eine kurze Mittagspause. Es iolot darmis die Vernehmung des Zeugen Chefredakteur Dr. Paul Lima». Justizrat Dr. Kleinholz: Sie sollen vernommen werden über eine Acußerung des Fürsten Bismarck über den Fürsten Eulenburg. Zeug«: Es kann sity nach meiner bestimmten Erinnerung mir um ein: Unterredung handeln, die ich mit dem Fürsten Bismarck hatte in der Zeit, als die Prozesse gegen Leckert-Lüdow und v. Tausch schwebten, im Jahre 1896/97. In dieser Zeit war ich o f t i n F r i e d r i ch s r u h a l s G a st d e s F ü r st c:«. Bei diesen Unterredungen bildete das Hauptthcma die Frage, w i e weit der Prozeß Tausch gegen den Fürsten Bis- marck geführt wurde. Es trat damals in den Zeitungen die Behauptung auf, die Hintermämner des Herrn v. Tausch befänden sich in Friedrichsruh. Bisinarck geriet darüber in sehr heftige Erregung, nainentlich auch wegen der Anwendung des Wortes„Hintermänner" aui ihn und seinen Sohn. Bei dieser Gc- Icgcnheit war es, wo er das Wort „Die Kamarilla der Hintermänner" und später die„Kamarilla der Kynäden"(Päderasten) prägte. Ich muß gleich sagen, er hat auch dann auf einen fragenden Blick von «nir ieincnZwcifeldarübergelassen.daßer den Ausdruck noch in eincin besonderen Sinne meinte und ich habe damals verstanden, daß dieser Sinn auszudrücken wäre mit den Worten, mit denen Götz von Berlichingen die Kom- mrssaredes Kaisersverabschied ct. Diese Bemcrkui�gen waren locsentlich gerichtet gegen den dar-'-aligen Grafen Philipp von Eulenburg, der ja auch in dem Prozeß irgendwie be- teiligt tvar. Daß bei den, Ausdruck«Kamarilla der Kynäden" sexuelle Momente den Fürsten irgendwie beeinflußt haben könnten, kann ich nicht sagen. Das habe ich damals nicht angenominen und nehme es auch jetzt nicht an. Diese Auffassung kann nur durch eine Jdecnassoziation erweckt worden sein, durch Veröffentlichungen, die heute in der Presse kursieren. Ich hatte den Eindruck, als wenn der Fürst bei seiner Aeußcrung a u f e t n e n Schelinen anderthalbc setzen wollte, als wenn er sagen wollte: Die Hintermänner sind ja anderswo. Bei dieser Ge- legenhcit fiel das Wort von der „Liebenberger Tafelrunde", das von Bismarck z u c r st g c p r ä g t wurde. Es wurde im Anschluß daran das Thema der Beeinflussung des Kaisers durch unverantwortliche Ratgeber erörtert. Bei dieser Gelegenheit sprach der Fürst davon, daß der Kaiser umgeben sei von einer Anzahl von Männern, die nicht beamtet sind, ine dennoch aber auf ihn, der sich selbst gegen alle Einflüsse gefestigt glaube. einen starken Einfluß ausüben. Dieses Thema ist dem Fürsten nahe- gelegt worden durch die Tatsache, daß die Ursache se i» e r E n t- lassung von ihm in dem Einfluß dieser Ratgeber c r b l i ck r w r d e. Er ist dauernd der Ansicht gewesen, daß Liebcnbcrgcr Einflüsse auch dafür die Ursache waren, daß später die Entfremdung zwischen dem Kaiser und ihm nicht abgenommen hat. Oberstaatsanwalt: Harden hatte ausdrücklich betont, daß Fürst Bismarck ein außerordentlich schlechter Menschenkenner wäre. Harden: Ich habe mich darüber ausführlich anSgesprochen, auch wie ich das meinte. Ich weiß nicht, ob ich das hier wiederholea muß? Fürst Enlcnburg: Ich habe zu dem Hause Bismarck stets in den a l l c r f r c u n d l i ch st e n Beziehungen gestanden. Die a l l c r i n t l in st e F r c u n d sich a f t hat mich mit dem Grafen Herbert Bismarck verbunden, eine Freundschaft, die den Charakter ungefähr trug, wie sie mich mit dem Grafen Moltkc verbindet. Nachher, als die außerordcnt- lich beklagenswerte Trennung zwischen dein Fürsten Bismarck und Se. Majestät stattfand, hat der Verkehr vollkmnmcn aufgehört -wischen mit und dem Hanse Bisinarck. Mir ist sehr wohl von un- endlich vielen Seiten bekaant geworden, in loclcher Weise man mein Auftreten in Friedrichsruh damals beurteilt hat. Ich halte es für möglich, daß man geglaubt hatte, weil ich gerade zu dem Hause Bismarck bisher in guten Beziehungen stand»— ich hatte stets daö Recht, uneingcladen an den Tisch des Fürsten zu kommen, und dort habe ich so viel erlebt, daß ich ein gutcsRccht hätte, meine Erinnerungen niederzuschreiben, was ich aber sicher nicht tun werde, da ich Ermiicrungen im allgemeinen mehr für Wahrheit und Dichtung halle— man hat infolgedessen das Gefühl gehabt, als der Fürst ging, hätte ich auch gehen müssen. TaS habe ich nicht getan, und aus guten Gründen nicht getan. Ich kann mit gutem Gewissen ver- sichern— und ich stehe hier unter incincm Eide—, daß ich in der unglückseligen Zeit der Gegensätze wahrhaftig nicht dazu beigetragen habe, dieselben noch zu verschärfen. Ter Fürst war eine vulka» «i i s ch e Natur und gebrauchte vulkanische Ausdrücke. Er war auch vulkanisch in seinem Haß, und wenn er das häßliche Wort aegen mich gebraucht hat, so war das ein Partherpfeil, der sehr geschickt gewählt war. Aber ick denke mit tiefer Dankbarkeit an die Zeir zurück, in der ich das Glück genossen habe, in seinem Hause zu«veilen, und ich denke mit Trauer an di: Zeit zurück, wo ich von jener Seite Feindschaft erlitten habe. Zeuge Dr. Paul Liuum: Noch einige Bemerkungen gegenüber dem Wort„Partberpfeil". Ich habe tatsächlich unter deni Aus- druck„Kamarilla der Kinäden" nichts anderes verstanden, als eine llcbcrsetzung des Wortes„Kamarilla der Hintermänner". Fürst zu Enienburg: Es ist von Herrn Dr. Liinan gesagt worden, der Fürst Bismarck habe sich darüber bellagt, daß in der nächsten Umgebung des Kaisers sich unverantwortliche Ratgeber bc- fundcn hätten, mit anderen Worten, keine beamteten. Sc. Majestät hat das Recht, zu sich zu rufen, wen er will»nd welchen Beamte«« er«vill. Ich bin Beamter gewesen, vereideter Beamter; habe den Kaiser begleiten müssen, sogar in Vertretung des Auswärüaen Amts so und so oft aus Nordlandreisen, Jagdausflügen usw. Dazu kann der Kaiser wählen, wen er will. Ich bin deshalb unendlich oft mit S r. Majestät in amtlichen Gesprächen und in amtlichen Aufträgen beschäftigt gewesen. Ich habe niemals darin auch nur den Schatten von einem Unrecht emvfindcn können. Wäre ich Besitzer von Licbcnberg und weiter nichts gewesen und hätte der Kaiser niich rufen lassen, so hätte ich dem Kaiser gesagt: Von den Tingen bitte ich mir nichts zu sagen, denn ich könnte in den Geruch kommen, unverantwortlicher Rat- geber zu sein. Justizrat Dr. Sello: Ich habe den Fürsten zu Eulenburg doch richtig verstanden, daß der Botschaftsrat Lecomtc nach Liebenberg gekommen ist auf ausdrückliche Anregung des Hofmarschallamtcs Sr. Majestät. Es ist also nicht richtig, daß Herr Lecomtc erst durch den Fürsten Eulcnburg Sr. Majestät vorgestellt worden ist? Fürst zu Eulenburg: Das wäre bollständig absurd, dem« ein Botschaftsrat Ivird stets durch den Chef der Mission Se. Majestät vorgestellt. Und Herr Lecomtc ist nur ein einziges Mal in Lieben- berg auf Wunsch Sr. Majestät gewesen. Das erste Begegnen Sr. Majestät mit diesem Beamte» der französischen Botschaft hatte schon längst auf dem vorgeschriebenen Wege stattgefunden. Harden: Ich habe auch niemals behauptet daß der Fürst zu Eulcnburg den Herrn Lecomtc Sc. Majestät vorgestellt hat. Oberstaatsanwalt: Wem« Sc. Durchlaucht der Fürst zu Eulen» bürg sagte, Herr Lecointe sei nur einmal in Liebenbcrg gewesen, so heißt das nur: er sei nur einmal zu gleicher Zeit mit Sc. Majestät dort gctvescn. Fürst zu Eule«, bürg: Das ist allerdings so geincint gewesen. Vorsitzender: Wann hörte Jbrc Botschaftstätigkcit auf? Fürst zu Eulcnburg: In« Jahre 1992. Ick babe von dem Mo- ment an auch nicht einen Augenblick Politik ge- m a ch t. Vorsitzender: Nur das eine Mal, als Herr Lecomtc Ihnen Nachrichten auS Paris brachte, sind Sie, wie Sic sagten, zum Reichskanzler gegangen und haben«hm Mitteilung gemacht? Fürst zu Eulenburg: Ich begegnete Herrn Lecomtc in Berlin, der eben von Paris kam. Ich fragte ihn, was es«icucs gebe.— Damals spielte gerade die Marokkoangelcgenhcit — und er erzählte mir über die in Paris herrschende Strömung. Das war mir so interessant, daß ich zum Reichs. kanzlcr, mit dem ich sehr befreundet bin, ging u>«d ihm dies mitteilte. Das ist daö ganze, was ich bezüglich Marokkos getan habe. Ich habe mit Sc. M a j c st ä t niemals über Marokko gesprochen, mit Se. Majestät überhaupt nicht über Politik gesprochen. Wenn Se. Majestät die Gnade hatte. mich nach Rominten oder anderswo einzuladen, so haben wir nicht über Politik gesprochen, es sei denn, daß zufällig irgendeine be. stimmte Frage im Vordergründe stand, über die dann Sc. Ma» jcstät gelegentlich auch wohl einmal mir mir. wie mit jedem anderen gesprochen haben mag. Ich habe absichtlich nicht über Politik ge- sprochen. Der nächste Zeuge, Graf Ernst v. Rrventlow, bekundet: Am Abend des 13. Dezember v. I. habe ich mit Herrn Harden eine mehrstündige Unterhaltung gehabt. Kurz vorher waren m der „Zukunft" Andeutungen gefallen, die teilweise von der übrigen Presse aufgenommen, soweit ich es beurteilen kann, aber nirgends verstanden worden waren. Herr Harden hat mir wiederholt aus- gedrückt, daß es ihm sehr unangenehm gewesen sei, das sexuelle Moment in diese Sache mit hineinziehen zu müssen. Er sagte dabei auch noch, daß er die Gewißheit habe, daß ihn die Beteiligten verstehen würden. Als erste Folge der Artikel betrachte er die Abreise des Fürsten zu Eulcnburg nach dem Süden, so daß er nicht nöiig habe, noch deutlicher zu� werden. Wie mir Herr Harden wiederholt versicherte, habe er sich verpflichtet gefühlt, diese An» deutungen erscheinen zu lassen, da er eben auS der be» Haupte ten Normwidrigkcit die politische Schäd» l i ch i c i t ableitete. Ich erkundigte«nich speziell über den Grafen Moltke, weil die liberale Presse seinerzeit Andeutungen gebracht hatte, nach welchen der Graf Kuno Moltke alö zukünftiger Reichskanzler in Betracht komme. Herr Harden erklärte mir, daß es ihm außer« ordentlich peinlich sei, schon wegen des denunziatorischen Charakters, den die Oeffentlichkeit seinen Artikeln uirterlcgen könirtc, in dieser Weise zu Werke gehen zu müssen. Nach diesem Gespräch war ich der festen Ucberzeugung. daß für Herrn Garden vci der Veröffentlichung der Artikel ausschließlich Politische Gründe maß- gebend waren. Vors.: Sie sind doch später noch einmal mit Herrn Hardcn zusammengetroffen? Zeuge: Jawohl, cS war dies im vergangenen Sommer. Bei dieser Unterredung sagte Herr Hardcn, cS wäre ihm besonders un- angenehm, daß es nun doch zum Skandal gekommen sei. Tie ganze Sache hätte man viel geräuschloser erledigen können. Auch dieses Mal versicherte mir der Angeklagte, daß ihm von vornherein jede Absicht einer Beleidigung ferngelegen habe. Er habe keines- falls an daö sexuelle Moment als Hauptsache gedacht, sondern nur politische Momente in erster und einziger Linie berücksichtigen wollen. Bors.: Das sexuelle Moment sollte doch aber das Mittel sein, um jenen angeblichen„Kreis" zu tprengen. Zeuge: EL war ja auch allgemein bekannt. daß im Milieu des Hofes ein eigentümlicher Ton herrscht, der anderen höchit incrkwürdig vorkam. Der- artige Gerüchte bestanden schon seit langer Zeit, ohne daß natür- lich"jemand an eine Beimischung des sexuellen Moments dachte. Ter Oberstaatsanwalt richtet an den Zeugen noch eine ganze Reihe von Fragen, die der Zeuge dahin beantwortet: Er habe bc- Züglich des Nachtgesprächs zwischen dem„Harsner" und dem „Stiften" auch nicht gleich gewußt, worauf es hinauslaufen sollte. Er habe keineswegs den Eindruck gehabt, daß es Herrn Harden darauf ankam, dem Nebenkläger Unannehmlichkeiten zu bereiten, sondern daß er nur einen politischen Zweck verfolgte. Bezüglich des Grafen Moltke habe er gesagt, daß»icser ohne Bedeutung und ohne Asptrationen, daß er harmlos, aber insofern schäd- I, ch sei, daß man ihn als ein W c r k z e u g d e s F ü r st e n Eulenburg betrachten müsse und dies bei seiner Stellung als Generaladjutant nicht außer acht gelassen werden dürfe. Auf die Frage des Oberstaatsanwalts, ob er bestimmte Tatsachen be- züglich des angeblich eigentümlichen Tones bei Hofe beibringen rönne, antwortet der Zeuge verneinend; es sei ihm schon seit Jahren bekannt gewesen, daß sich bei vielen Hofbeamten eine gewisse Weichlichkeit bemerkbar mache. Ueber das Ehclcbcn des Grafen Moltke habe ihm Harden keine Mitteilung gemacht, sondern nur gesagt, daß die Ehe gcschleden sei und daß Graf Moltke dem weiblichen Geschlecht ab- geneigt sei. Für ihn hätten aber solche persönlichen Sachen ,m Hintergründe und das politische Gespräch im Vordergründe gestanden. Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel: Weshalb hatte denn Herr Harden einen so tiefen Haß gegen den Grafen Moltke? Er hat doch vor dem Schöffengericht die Anregung zu einem Vergleich mit der Erklärung abgelehnt, daß cö zwischen ihm und dem Grafen keinen Vergleich gebe und er lieber ins Zuchthaus gehen würde. Zeuge: Haß hat ihm ferngelegen, er hat vielmehr bedauert, daß er auf den Grafen Moltke zurückgreifen müsse, denn er halte ihn für sehr unbedeutend. Auf eine Frage des Justizrats Dr. Sell» bestätigt der Zeuge. daß er der Verfasser des Buches:„Kaiser Wilhelm und die Byzantiner" sei. Von der Clique Eulenburg habe er(Zeuge) schon lange Zeit sprechen hören, daß Gras Moltke dazu gehörte, sei ihm nicht bekannt gewesen. Nach seiner Meinung habe der Angeklagte wohl die Ansicht, daß jener ganzcÄreiSinder Abnetgung gegen das weibliche Geschlecht einig sei. Borsivenber: Das kann man doch vom Fürsten Eulen- bürg wohl kaum sagen, denn dieser hat doch acht Sinder. Harden: Ich habe den Zeugen geladen, um folgendes von ihm zu hören: l. daß er in dem Gespräch vom 13. Dezember den bc- stimmten Eindruck gewonnen hat, daß mir der Gedanke, sexuelle Verschlungen zu betonen und der Standpunkt eines Sittenrichters völlig ferngelegen habe, es für mich vielmehr nur auf die Schilde- rung einer gewissen Atmospbäre ankam, L. daß er das bestimmte Gefuhl hatte, daß ich ausschließlich in dem Wunsche geschrieben habe, nach meinem subjektiven Wissen dem bleiche zu nutzen. Aus diese Feststellung, daß ick schon damals diesen Standpunkt cingc- nommc» und nicht erst später— wie mir imputiert wird— kommt es mir besonders an. Ich bin nicht von einem Rachcgefühl oder dem Wunsch, einen Menschen zu ärgern, geleitet worden, sondern von dem— vielleicht irrigen— Wunsche, mit dieser Sache und in dieser Situation dem Vaterlande nützlich zu sein. Der Zeuge Graf Reventlow bestätigt dies durchaus aus dem Eindruck, den er gewonnen und bekundet auf verschiedene Fragen des Jpstizrats Bernstein, daß er Harden schon eine Reihe von. Jahren kenne und fest davon überzeugt sei, daß dieser bei seinem Vorgehen unerlaubte Motive nicht gehabt Kabe, wie er auch fest davon überzeugt sei, daß Harden bei ollen seinen politischen Aktionen nur immer den Nutzen des Vaterlandes im Auge habe. Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel weist nochmals auf HardenS Erklärung hin, daß er lieber ins Zuchthaus gehe, als sich mit dem Grasen zu vergleichen, Harden entgegnet aber, daß dies mit einem„Haß" gegen den Grafen Moltke doch gar nichts zu tun habe. Er habe solchen Haß nie empfunden und empfinde ihn auch heute noch nicht. Tie biSjetzt vorgeschlagenen Zcugep sind(bis auf das Schwe- ningersche Ehepaar) erledigt. Fürst Eulenburg wird endgültig entlassen. Tie nächste Sitzung wird vom Vorsitzenden auf Montag 10 Uhr anberaumt. Ber IPoftitzer ,e wird toieder der Arbeitersekretär Engler> Freiburg kandidieren. Die Mtionalliberalcn stellen den landwirtschaftlichen Inspektor Niest- AaldShut aus.___ Eine Bekehrung. In Holland wirkt schon seit einigen Jahren der katholiselje Pfarrer Dr. van den Brink, den deutschen Genossen durch die Uebersetzung seiner Propagandaschrift„Ein katholischer Pfarrer ala Sozialdemokrat' bekannt, in den Reihen der Sozialdemokratie. Jetzt ist ein zweiter katholischer Geistlicher Hollands zur Sozialdemokratie gekommen, der Kapuziner Pater Eölcstinie, oder, wie er mit weltlichem Namen heißt, Johann van Vorst. Er hat allerdings, im Unterschied vom Genossen van den Brink, der gläubig geblieben ist, den Glauben verloren. Genosse van Borst gehörte zu den bekanntesten Rednern der katholischen Partei, und auch als Kanzclredner hatte er sich einen Namen gemacht. Oft ist er Sozialdemokraten in Versammlungen ent- gegcngetreten. Er. der ausging, der Sozialdemokratie ihre An- Hänger streitig zu machen, ist bei dieser Arbeit selbst Sozialdemokrat geworden. In Antwerpen hat er seinen Beitritt zur Partei erklärt — eine Reise nach Deutschland, die ihm seine Oberen verordnet hatten, wohl weil sie hofften, er werde am deutschen Zcntrums- wcsen vom Sozialismus genesen, hat seine Entwickelung nicht auf- halten können._ Sozialdemokratische Wahlrrfolge in der Schweiz. In Bern find im zweiten Wahlgang unsere Genossen Müller und Zagrnggr» in den Gemeinderat gewählt worden. Die beiden Sitze hatten bisher schon unserer Partei gehört. Der Gemeinderat sMagistrot) besteht aus zwei Sozialdemokraten, fünf Freisiimigen und zwei Kons«- valiven._ Verdiente Ehrung. HelsingforS, 24. Dczemvcr.(Eig. Der.) Der Redakteur des.A r b e t a r e n", Genosse U s e n i u S. besten Strafzeit, die er infolge eines„MajestätSbeleidigungs- Prozesses" abzusitzen hatte, heute früh ablief, wurde von den organisierten Arbeitern unter Absingen sozialdemokratischer Lieder vom Gefängnis in feierlichem Zuge abgeholt und in das Arbeiter- bauS begleitet und dort begeistert begrüßt. Es war ein schöner Morgengruß für die noch schlaftrunkenen Bourgeois. Die Polizei konnte diese Demonstration nicht zahlreich vertreten. verhindern. Sie war aber äußerst Soziales. Einpökeln kann ich Sie doch nicht! Für den Arbeiter ist bis ins höchste Alter gesorgt-- Staats- betriebe sind Musterbetriebe. Oft werden diese Bchauptnngen auf gestellt, ober durch ihre SBiedelholung werden sie nicht richtiger. Ein kleines Vorkommnis. das unlängst i» der R e i ch s d r n ck e r e i pasfierie, ist geeignet, ein Licht auf das soziale Empfinden der höheren Beamten zu werfen. In der Reichsdruckcrei wurden drei Arbeiterinnen, die drei bis acht Jahre lang vorwurfslos als Wäscherinnen im Betriebe beschäftigt waren, gelündigt. Beschwerden und Gesuche, sie in irgend einer Stelle des großen Betriebes ein- zustellen, waren erfolglos, wiewohl fortdauernd jüngere Arbeiterinnen eingestellt wurden. Ihnen wurde geraten, sich an den Direktor. Geheimen Oberregierungsrat Landbeck zu wenden. Dieser nahm ihre Eingabe entgegen und sagte dann: was soll ich denn mit Ihnen machen? ich kann Sie dochnicht einpökeln. Die Frauen legten dar, daß sie das auch keineswegs wünschten, sondern nur Arbeit haben wollten. Für solch« Personen, entgegnete der Geheime ObcrregierungSrat, habe ich überhaupt keine Arbeit, es bleibt dabei, Sie sind entlassen. Und dabei blieb'S. Und doch besaßen die drei Arbeiterinnen die vom Minister für Sozial- Politik den Arbeitern gepredigten vier Kardiuoltugcnden: Fleiß. Nüchternheit, Sparsamkeit und Zufriedenheit, so lange sie in Stellung ivaren. in reichlichstem Maße. Daß sie sich nicht einpökeln lassen, sondern Arbeit haben wollten und es als eine große Un- billigkeit empfanden, ohne irgend einen Grund nach achtjähriger Tätigkeit aufs Pflaster gelvorfen zu werden, wird als ein Zeichen allzu unzufriedenen Gemüts schwerlich ausgelegt werden können. Vielleicht predigt der Sozialnnnister Arbeitern, die immer noch einen Rest von Vertrauen dazu haben, daß der Staat nicht nur zur Aus- beutung der Arbeiter bestimmt fei, demnächst: laßt Euch einpökeln, Vertrauensärzte oben auf— Professoren und Spezialärzte unten durch! Am 28. Januar 1905 stürzte der 46 Jahre alte Maschinist F. auZ Duisburg beim Reinigen einer Maschine mit der Leiter um, schlug hierbei mit der linken Brustseitc auf hervorstehende harte Mauerkantsteine und Eisenteile und blieb unter Erguß eines starken Blutsiromes aus dem Munde bewußtlos liegen, so daß ihm seine Kollegen wie tot vom Platze tragen mußten. Die erlittenen Verletzungen bestanden in einer starken Oucftchung des linken Lungenflügels, des Rippenfelles sowie der linken Arusiseite überhaupt. Der Kassenarzt Dr. Müller hielt die mehrfach wiederkehrenden Lungenblutungen für lebensgefährlich und sorgte mit dafür, daß F., sobald er transportfähig war. was etwa 6 Wochen dauerte, der L u n g e n h e i l a n st a l t in Holsterhausen überwiesen wurde. Chefarzt Dr. Köhler stellte bei Einlieferung d-ti2 Kranken an dessen beiden oberen Lungenlnppen Zeichen der beginnenden Lungentuberkulose feft. Unter sorgsamster Pflege er- holte sich dann F. zusehends, und nach mehreren Monaten konnte er als erheblich gebessert entlassen werden. Seine Versuche, wieder Dienst zu tun,� mißlangen indes größtenteils. F. mußte wegen Schwäche und tschwindelanfälle und hinzngetretenec nervöser Stö- rungen nicist feiern und konnte im übrigen nur mit einer ihm zur Seite gestellten HülfLkraft zeitweilig den Dienst versehen. Be- ständig in neroSsrr Anfregung befand sich dann der Ärantc, als ihm nach Verlauf von einem halben Jahre seitens der Lagerei-Beruss- grnossenschast dir Nnfallcente mit der verblüffende» Begründung verweigert wurde, das, sein Leiden ein„altes" fei und mit dem Nn- falle in keinem Zusammenhang stehe! Dieser Bescheid mußte den Unglücklichen um so mehr aufregen, als er trotz seiner 46 Jahre noch nicht ein einziges Mal kraut gewesen war. ES ließ sich auch trotz eingehendster Nachforschungen seitens der Berufsgcnossenschaft nicht der geringste Beweis für ein früheres Lungenleidcn entdecken. Und dennoch wurde F. gerade dieserhalb mit seinen Ansprüchen ab- gewiesen!— Er legte nun natürlich Berufung ein gegen den be- rufsgenossenschaftlichen Bescheid, doch auch daS Schiedsgericht für �vr'lsiterversicherung zu Düsseldorf bestätigte lediglich die berufs- genoissuschaftliche Abweisung. Nun stellte sich aber auch heraus, daß derselbe Arzt Dr. Müller, der den lebensgefährlichen Unfall des F. kannte und ihm zur schleunigen Uebcrswdelung nach Holster- hausen behülflich gewesen war, es gewesen, der in seiner Eigenschaft als berufSgenossenschaftlichcr Bertraucnsarzt das„alte" Lungenleiden des F. entdeckt und dementsprechend an die Berufsgenosten- schuft berichtet hatte! Und an der Hand deö Dr. Müller'schcn Gutachtens hatte auch noch ein anderer Arzt, Dr. Balser, in Mainz, ein sogenanntes Obergutachten angefertigt, in dem gleichfalls die vom Chefarzt Dr. Köhler entdeckte beginnende Lungentuberkulose als ein„altcö" Leiden bezeichnet wurde. Wie konnte solches„Ober- gutachten" zustande kommen, ohne daß der Arzt den Patienten je gesehen hatte? F. legte nun Rekurs beim Rcichsversicherungsamte ein. Da sowohl der Chefarzt der Lungenheilanstalt Holsterhausen als auch»wch ein anderer Arzt Dr. Sch- sowie der Nervenarzt Dr. G. die Leiden des verunglückten Maschinisten als eine direkte Folge des Uufallö bezeichneten, so sandte ihn das ReichSversicherungS- amt zur Untersuchung in die Universitätsklinik zu Bonn. Dort wurde F. von einem jungen Assistenten untersucht, der ihn ,,s» gesund wie ein Fisch" fand. Auf dem Rciourwegc von Bonn fuhr F. borsschtigerwcise nochmals nach der Heilanstalt tzolsterhausen. um von Dr. Köhler nach gründlicher Untersuchung abermals fest- stellen zu lassen, daß die im Anfangsstadium befindliche Lungen- tuberkulöse eine direke Folge des Unfalles und daß F. nicht nur nicht„gesund wie ein Fisch", sondern direkt arbeitsunfähig sei. F. führte dann weiter beim Rcichsversicherungsamte Beschwerde über die Art der Untersuchung in Bonn. Die Folge war. daß er abermals nach Bonn gesandt und zum zweiten Male untersucht wurde. Diesmal nicht wieder von einem jungen Assistenzarzt. Doch daS Gutachten über ihn blieb dasselbe. Zuauterlctzt ließ sich der inzwischen vor Aufregung nervös gewordene Maschinist F. noch von dem leitenden Chefarzt des Kaiserin Augusta-Krankciihauses in Köln, Professor Dr. Hochhaus eingehend untersuchen. Das Rc- sultat war, daß Herr Professor Hochhaus sich rückhaltlos auf den Standpunkt der Herren Dr. Köhler und Dr. Schöncwald stellte, die das Lungenleiden bezeichnen als die Folge der Lungen, und Brust- quetschung durch den Unfall.— Trotzdem wurde der bis zu feinem Unfälle kerngesunde Mann auch vom Reichsversicherungsamte ab- gewiesen!! Vier ärztliche Gutachten bestätigten also den Anspruch des Verletzten vollauf, darunter das Gutachten des Leiters der Lungen- Heilanstalt, der längere Zeit den Patienten beobachtet hatte und das eineö angesehenen LccterS einer Krankenanstalt. Und trotzdem wurde der auf dem Schlachtfeld der Arbeit Verletzte mit seinen Ansprüchen abgewiesen! Eine solche Unbilligkeit wäre in einem vor den ordentlichen Gerichten abzuurteilenden Schadenersatzprozeß schwerlich möglich. Die Rechtsprechung der Versichcrungsbehörden, die durch soziales Empfinden, freieste Bcweiswürdigung und Be- wciserlcichtcrung die Rechte des Arbeiters besser als die der ordent- lichen Gerichte wahrnehmen sollten, verschlechtert sich zusehends mit der wachsenden Macht des Unternehmertums und der Eigen- artigkeit ärztlicher Gutachten gegenüber Arbeitern. Huq Induftrle und Handel* Die Ergebnisse der Bergwerke, Salinen und Hütte» in Teutschland im letzten Jahrzehnt. Die Nummer 4 der VicrteljahrShefte zur Statistik des deutschen Reiches 1907 enthält detaillierte Angaben über die Ergebnisse der deutschen Bergwerke, Salinen und Hütten iwä Mengen und Werten. Au« den Angaben über die Geldwerte der Produltion in den letzten 10 Jahren geben wir diese Zusammenstcllmig: Wert in 1000 Mark. Bergwerks- Salze aus Hochofen- btttwu' Rohelsen- crzeugnisse Lösungen Erzeugnisse Erzeugnisse Verarbeitung 1897 859 290 43 420 350 147 185 038 1 015 309 1898 938 890 47 814 378 752 205 673 1 147 149 1899 1 051 631 49 684 453 875 243 168 1 356 995 1900 1 263 244 62 209 551 146 240489 1 404 658 1901 1313 873 64 173 401 774 217 061 1 190 931 1903 1235 759 59 805 455 690 217 125 1280 107 1903 1 311 950 63 883 525 007 336 531 1336 607 1904 1 363 789 66 885 320 786 256 775 1 444 414 1905 1 417 719 76 774 578 724 290 003 1 618 734 1906 1 637 130 80 487 715 188 848 817 1 782 401 Ms BergwerkSerzeugnisse gelten: Kohlen. Graphit, Asphalt, Erdöl, Mineralsalze und Erze; als Salze aus Lösungen: Chlor- natrium(Kochsalz), Chlorkalium, Chlormagnesium, schwefelsaure Alkalien, schwefelsaure Magnesia und schwefelsaure Erden; als Hoch- ofenerzeugnisse: Gießereiroheisen, Gußwaren erster Schmelzung, Besscmerroheisen, Thomasroheisen, Stahl- und Spiegeleisen, Pnddel- roheisen, Bruch- und Wascheisen; als Metallhütlenerzeugnisse: Zink, Blei, Kupfer, Silber und Gold, Zinn. Arsenikalien, Schwefel, Schwefelsäure und Vitriole; unter der Rubrik Roheisenverarbeitung sind zusammengefaßt: Gußeisen zweiter Schmelzung, Schweißeisen und Schweißstahl. Die Rubriken: Hochofen- und Mctallhüttenerzeugnisse wie auch besonders Roheisenverarbeitung sind getreue Spiegel der Konjunktur- kurve. Bis 1900 geht es scharf aufwärts, dann folgen zwei Jahre starker Werteverminderung. Mit 1902 beginnt eine neue Periode der Aufwärtsbewegung, die besonders im letzten Jahre mit einem sehr starken Schwung nach oben weist. In den Werten der Bcrgwerlserzeugnisse kommt die Krise viel weniger scharf in Er- scheinung. Hier brachte das Jahr 1901 sogar eine noch erhöhte Wertziffer. Nnr für das Jahr 1002 ist eine relativ unbedeutende Abschwächmig eingetreten; im folgenden Jahre ist die Wertziffer von 1901 schon wieder erreicht und dann geht es ununterbrochen weiter hinauf. Da zeigt sich die Wirksamleit des Kohlensyndikats. Dieses hat den ProdultionsauSfall ausgeglichen durch Hinaufsetzen der Preise; es hat für seine Mitglieder die Kosten der Krise auf die Kohlenkonsumeuten abgewälzt. Je mehr die Weiterverarbeiter der SyndikatSpolitik nacheifern, um so stärker wird der Druck auf die Arbeiter als Hauptleidtragende. In den Jabren 1901 und 1902 ist der Wert der BergwerlSproduktion sogar über den in der Roh- eisenverarbeitung erzielte» hinausgewachsen, während letzterer vorher erheblich größer war und ihn in den letzten Jahren auch wieder kräftig überholt hat. Um noch eiuen Vergleichsmaßstab zu gewinnen für die Gesamt- entWickelung, haben wir die Werte aller Gruppen zusamniengestellt. Die so gewonnenen Ziffern haben aber keinen absoluten Wert, weil in den Wertzahlen in der Weiterverarbeitung ebenfalls die für das Rohmaterial aufgewendeten Summen wieder erscheinen. So sind in den Werten der Roheisenerzeugung auch die Selbstkosten für Kohlen und Erze enthalten, werden aber, soweit sie bereits in der ersten Rubrik(BergwerkSerzeugnisse) aufgeführt sind, bei einer Zusammen- legung doppelt eingestellt. Die durch Addierung der verschiedenen Gruppenzahlen gewonnenen Ziffern haben demnach nur Vergleichs- wert. SS betrug: Gesamtwert, Gegen daS summe Vorjahr in-s» oder— 1000 Mark in Prozenten 1897... 2 543 201— 1808... 3717 784 4 6,8 1999... 3158 358-st 16.2 1900... 3 61174« 4-13.3 1901... 3 277 812— 9.2 1902... 3 198 685— 2.7 1903... 3 468707 411.6 1904... 3 652 099 4- 6,3 1905... 3 991 903 4. 9,3 1906... 6 664 023 4 39.1 Im Jahre 1906 ist der Wert der Erzeugung um 74 Proz. größer als im Jahre t902, und um 118 Proz. über den des Jahres 1SV7 hinausgewachsen. Die tatsächliche prozentuale Steigerung bei den Werten aus der Roheisenverarbeitung ist aber erheblich größer, sie stellt sich für die beiden Periode» auf 125 resp. 174 Proz. Der Menge nach ist die Erzeugung in dieser Gnrppe aber nur um 68 resp. 8S Proz. gestiegen. Daraus ergibt sich, daß die Wertsteigerung zu einem ganz erheblich großen Teile aus Preis- erhöhungen resultiert._ Die Krise in der schweizerischen Uhrenliidustrie hat zu der Reduktion der täglichen Arbeitszeit auf sechs Stunden in den Fabriken für goldene Uhrenlchalen geführt. Mit Ausnahme von Genf gilt diese Belrieböeinschräiikung für sämtliche Orte der Industrie. Bon Weihnachten bis Neujahr bleiben die Betriebe gänzlich geschlossen. Voraussichtlich werden die übrigen Ziveige der Uhren« Industrie in kurzer Zeit in Mitleidenschaft gezogen werden. Belrirbscinschränkmig in den Bunuiwollspmnrreicn. Aus Boston wird berichtet: Die Veruetcr von 80 Proz, der Baumwollspinnereien in Neivengland stimmten einer Einschränkung der Produktion um 25 Proz. zu._ Em der frauenbe�vegung. Dienstboten als Erpresser! Auf den ersten Blick könnte dieses Wort einen ganz schrecklich anmuten. Warum sollen die Dienstmädchen. nachdem sie schon der Unehrlichkeit, der Lügenhaftigkeit und der Unsitllichkeit beschuldigt ivm den, nicht auch, um die Liste der Laster und Untugenden voll zn mache», zur Erpressung greisen? Hören wir. was der„Beobachter" des„Berliner Lokal-Auzeiger", der ja in den Kreisen der.gnädigen Herrschaften' engere Fühlung hat wie lvir, in seinen WelimachlS- Plaudereien erzählt. Er betpricht verschiedene Zuschrisien, die ihm zugegangen seien, in denen sehr geklagt werde, daß Leute, deren Leistungen oft noch mehr als entsprechend bezahlt würden, in osteutaiiver Weise an Weihnachtsgeschenke mahnen. Einer der Schreiber nenne dies gar„Erpressung". ES heißt da: „Insbesondere unsere Küchenfeen und unsere Mädchen für alleS oder nichts benutzen die Gelegenheit vorübergehender und im allgemeinen durchaus nicht erwiiu'chrer Anwesenheit der Hausfrauen in der Küche, nn, möglichst ostentativ von den„noblen". „großartigen",„königlichen" Geschenken zu sprechen, die ihnen bei selig entschlafenen Herrschaften zuteil gelvorden, und sie leiden dabei zweifellos an der Schwäche, alle Zahlen und Gegenstände doppelt zu sehe». Solche durchaus nicht zarten Hinweise versetzen uns doch direkt in die Zwangslage, uns nun auch„nobel",„groß- artig",„königlich" zu zeigen, nicht dem eigenen Triebe, aber der Befürchlung folgend, daß bei ciner Enttäuschung wir nach dem Feste— vereinsamt und dienftbotenloS in unseren, Heim sitzen." Das Wort„königlich" trägt schon den Stempel der„Herrschaft- lichen" Erfindung offenkundig an der Stirn, da dieser Ausdruck wohl eher dem Sprachschatz im„oberen" Kreise entstammt, als dem der Hausangestellten. UebrigenS haben diese Weihnachlsbescheruiigen der Herrschaften an ihre Hausangestellten, da sie in der Mehrheit von beiden Seiten als ein Teil des wohlverdienten Lohnes an- gesehen werden, einen eigenliimlichen Charakter, Allerdings be- trachtet die„Gnädige" nur beim Engagement das Weihnachtsgeschenk als Ergänzung des GehaltS. am Heiligabend stellt sie cS mit salbungsvoller Miene als reinen Ausfluß ihres allgütigen Herzens hin. Daß die„wohltätigen" Gemüter hierbei- ihren „Rebbach" machen wollen und auch machen. ist ganz natürlich. Deshalb kann es für uns nur eine Losung geben: fort mit all' diesen Ueberlieferungen aus der„guren. alten" Zeit. Wer fleißige Hände braucht, möge sie auch entsprechend entlohnen. Die Dienslbote» werden dabei besser fahren und die Herrschafleu haben keinen Grund mehr, bezüglich ihre? Personals über„Er- preffung" zu klage». Selbst dem„Beobachter" ist die Sache etwas zu stark, denn er äußert sich:„Jedenfalls zeugt eö von einer merk- würdigen Verbohrtheit, hier von einer Art von„Erpressungen" zu sprechen." Den Dienstbolen aber können wir nur raten: Hinein in die Organisation, hinein in die Reihen der Kämpfer und Kämpferinnen. nur dann tverdet Ihr Euch ein gerechtes Lohn- und ArbeitSverhällmS erringen können I____ VU Millionen Fabrikarbeiterinnen. Die Frcm gehört ins HanS! Mit svlcher abgedroschenen Phrase wehren sich die diversen NückwärtSler gegen die wirtschaftliche und politische Gleichstellung der Frau mit dem Manne. Daß der Ab- lehnimgsgrund Phrase ist, das beweist die Statistik. Die Zahl der Fabrikarbeiterinnen nimmt rasend zu. Immer mehr Frauen und Mädchen werden in das Erwerbsleben hineingestoßen, müssen den Weg zur Fabrik suchen, müssen ihre Arbeitskraft in den Dienst in- duslrieller Gewiimmacherei stellen. Im Jahre 1906 nahm die Zahl der Fabrikarbeiterinnen um 64 070 zu und stieg damit auf 1 245 843. An dieser Steigerung sind alle AlterSgrade beteiligt, wie aus der folgenden Gegenüberstellung ersichtlich ist. Es wurden beschäftigt: Arbeiterinnen 1904 1905 1906 über 21 Jahre alt. 608 950 633 918 668 820 von 16-21 Jahre alt 379179 406 829 426 200 von 14—16. 127484 135 673 145 325 unter 14 Jahre alt. 410V 4 474 4 619 insgesamt....1 119 713 1 180 894 1244 964 Zu der Gesamtsumme kommen noch 870 Arbeiterinnen im Herzogtum Braunschweig, für welche die Altersstufen nicht an- gegeben sind. In welchem Verhältnis die einzelnen MerSstufcn an der Zu- nähme in den letzten zwei Jahren beteiligt sind, zeigt diese Zu- sammenstellung: Arbeiterinnen Zunahme über 16—21 14—16 unter unter in 1906 LlJahre Jahre Jahre 14 Jahr. ISJahr. insgesamt gcgenlSOt alt alt alt alt alt Absolut. 59 870 47 021 17 841 519 18 860 125 251 I» Proz. 9,33 12,40 14.0 lZ.4l 13,95 11,18 Also in den jüngsten Altersstufen ist die relative Zunahme am allergrößten. DaS ist eine bemerkenswerte Erscheinung. Der kapitalistische Hunger nach jungem Menschcnfleisch wächst! Wie die obigen Zahlen ergeben, sind im letzten Jahre 149 944 Arbeiterinnen unter 1« Jahre alt. im Laude der Kämpfer für Erhaltung der Aschenbrödelstellung der Frau, in Fabriken beschäftigt gewesen, lind unter dieser Sckar befanden sich 4619 weibliche Kinder I Im Lande der berühmten Sozialpolitik werden in steigendem Maße Kinder in die Fabriken gestoßen, dem gewinnlüsternen Kapital über- antlvortetl Und da stellen sich die Priester der kapitalistischen Religion hin und erklären: Wir brauchen keine Rechte für das weibliche Geschlecht! Dieselben Phraseure. die pathetisch versichern, sie wollten die Nation stark und groß machen, schimpfen auf die, die energischen Schutz für die Trägerinnen eincS jeden Volksstammes, für die Mütter des Nachwuchses verlangen. Kinder 1 die schon in der Vorreife als kapitalistische AliSbeutungS- objekte mißbraucht werden, können unmöglich gesunde Kinder, gc- suude Müner werden. Kinder gehören nicht in die Fabrik, ganz besonders weibliche Kinder nicht; die gehören ins Haus. Aber die salbungsvollen Hüter der Heiligkeit des FamilienlebrnS, sie wollen von Einschränkung der Ausbeutung der weiblichen Arbeitskraft nichts wissen, sie wollen diese wehrlos und ausbeutungSsähig erhalte». Und das nennt sich Christentum und Erhalter der— göttlichen Weltordnung I_ Versammlungen— Veranstaltungen. Berlin. Heute Sonnabend,»achmitiags 5 Uhr: Weihnachtsfeier. Britz. Sonntag, den 29. Dezember, von 4 Uhr nachiniltagS an, findet bei Weniger in Britz, Werderstraße Ecke Rungiusstraße, Weihnachtsfeier statt. Wcißeuser. Sonntag, den 29. Dezember, bei Herrn Ullrich, Rölke- straße 20: Gemütliches Beisammensein. Ueberraschungeu. Eingegangene vruckkkriften. Pluins. Hest 52. Kritische Wochenschrist für Vollswirischast und Finanzwesen.(Herausgeber: Georg Bernhard.) Verlag Berlui-Charlotten» bürg, Goethestraßc 69. Ter Kampf. Sozialdemokratische Monatsichrist. Heft 4, Vlerlcllahr 1,50 Kr. Einzelheit 50 Heller. Verlag: Wim IV, Mariabilierstr. 67- Unsere Weinstuben werden auch in diesem Jahre am Sylvester von Nachmittag 5 Uhr an geschlossen bleiben, BERLIN W. 8 Leipzigerstr. 25. M. Kempinski& Co. — Sylvester-Punsch von Rum, Ärak, Glühwein. n. 2- nnd 1 ja. Sherry Schlummer-Punsch. fl 2,°° u.!,-s m Ananas, Burgunder-Punsch fl S.-n.-,.Fi.l,« ml. Bowlen-Mosel, Bowlen-Extrakte, Tischweine empfiehlt und versendet in betannt ausgezeichneter Qualität Georg Andree, üi Pmlierslr. 1-2. 3Ian verlange Preisliste! �5tiga525g5g52SgSZS2SZ5£Siaiibadi»5g5Z5HS25Z5g5di»ad5g5B5g5ZSg hdboeieieSeSggSgSgfigSgSHSgSiihiüiiaiibdufiiadiuadSHSgSHSgSHSggSgSHSESgSaiuafldSgSffigSaSZSgSZSasgSHSZSHSZSs; dSHSc IV arenhaus fl fl fl fl fl fl fl fl fl Wilhelm Siein Berlin N>, Chausseestrasse 70»71 fl fl fl fl fl \J nser Angebot für Sonnabend, den 28. bis Dienstag, den 31. Dezember er, so lange Vorrat: Zum Sylvester Burgunder-, Ananas-, Glühwein-, Schlummer-, Kaiser-, Arac-, Rum- und Rotwein-Punsch '/» Flasche 80 PI-»'/, Flasche 1.40 M. Eiercognac...... n.«*« 1.1 D Samos.......... Fi�ch. 1.05 Rum............. V: Flasche 1.05, 1.30 Deutsch. Cognae v. fi�. 1.05, 1.30 Arac............. v, nasche 1.7 0 Rotwein Flasche 68, 85 1.10,1.25, 1.45 Deutsch. Schaumwein Fl. 1.35. 1.80. 3.25 Pfannkuchen..... stach 4 Pf» stack 9 Pf. Glaswaren Groggläser...............««ck 10, 12, 25 pl Rot- und Reinweingläser stock 12, 23, 42, 48, 60 Pf. Likörbecher und-Kelche stock 6, 8, 15, 18 Pf. Portweingläser.......... stock 18, 20, 25, 38, 42 pl Zitronenpressen.......... stock 10 Pf. Champagner- Becher........ stock 7, 25, 38 Pf. Champagner- Kelche........ stock 28, 33, 55, 60 pl Gambrinustulpen Krystaii....... stock 38 Pf. Weinkaraffen Kryetsii geschliffen.... stock 1,45 m. Glasbowlen................... stock 3.50,3.7 5,4.50 m. I Scbersarüliel Knallbonbons.................. otz. 18 Pf bis 2.25 m Knackmandeln, Haselnüsse etc. SLle«*?: Dti 55 Pf Luftschlangen......................... ss stock 10 Pf. Klettenkarten......................... io stock 20 Pf. Pfannkuchen mit Papierfoiiung................. otz. 38 pt NeulahrsKarten Visitenkarten mit couverts............ otz. 10, 20, 30 Pf Neu ahrski rten........................<2 st0cle 10 pt. Neujahrskarten........................ e stock 10 Pi Neujahrskarten........................ s stock 10 Pf. Giessblei Karton mit LOffcl... 7 5 Pf, Karton ohne LOffel... 55 Pf. Dienstag, den 31. Dezember: Scbuppen- und Spiegel- Ii arpfen. Fieiscbwaren Feine Leberwurst...... pfund 95 Pf. Mausschinken......... Pfund 1.20 m. Fr. Schweinekottelets p�nd 85 Pf. Harte Schlackwurst..Ptund 1.10m. Rotwurst............... pfund 48 Pf Zwiebelleberwurst..... ptund 43 Pf.| Harte Meitwurst...... p,u"d 35 pt. Thür. Fleischwurst..... Ptund 95 Pf-! Pomm. Schinkenspeck P'undl.OöM, Zitronen...... Dutzend 40 Pf. Apfels nen Dutzend 30, 45 Pf. Ananas......... Pfund 60 Pf. Donnerstag den z. Januar 1908, sind unsere Verkcutsrüinne der Inuentur wezen eis 5 Dür nachmittajs reschlissen. !32SS5aSHS2S2S2SHSHSH5HSE5SS25SS5S?S252S2SH; 5? l�S552S252S3C2ES5H52S�SHS2S�5SSHS?5HS2S?SE5?5aSHSeSH5a5fi52S2SH5SESS?�ES? W5?- " Verantwortliches Redakteur: HanS Weber, Berlin. Für den Inseratenteil veranin».: TH.GIocke�Bcrlin. Druck u. Verlag:AorwcrtS Buchdruckerei u. V'erlagSanjtalt Paul Singer üc�Co. Berlin LV» Moa. 24. 2. Ktilllge des Lllllllillts" Kttliktl NolkdlM. Partei- �ngelegenkeiten. Achtung! Am Sonntag, den 29. Dezember, nachmittags t/zS Uhr findet bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75 eine sffcntliche Schiffemrfiimmlung statt, in welcher der Genosse Hei.. richSrröbel referieren wird. Die Genossen, welche die Verbreitung der Handzettel in den einzelnen Kreise» itbernornmen haben, werden gebeten, dieselben an den ihnen bekannten Stellen in Empfang zu nehmen. Die Genossen der VI. Abteilung des 6. Kreises treffen sich bei Wilhelm D a h m s. Schlegelstr. 9. Die Agilalionskommission. Dritter Wahlkreis. Die diesjäbrige Silvesterfeier findet am DienStag. den 31. Dezember im grofien Saale des Gewerkschafls- Hauses, Engel-Ufcr 15. statt. Anfang 9 Uhr. Eintritt inklusive Tanz 29 Pf. Garderobe 19 Pf. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Karlshorst. Den Parteigenossen zur Nachricht, dafi die Weihnachrsbescherung für die Kinder am Sonntag, den 23. Dezember, abends 7 U h r. im Lokale des Herrn W. Bartels stattfindet. Die Liste zum Einzeichnen der Kinder ist nunmehr geschlossen. Entree pro Person(Erwachsene) 19 Pf. Der Vorstand. KöaigS-Wusterhausen und Umgegend. Die Parteigenofien werden auf die am Sonnlag. den 29. Dezember, vormittags 19 Uhr statt- findenden Bezirkssitzungen aufmerksam gemacht. Die Lokale sind folgende: Kömgs-Wnsterhausen bei Witwe Lange, Hoher-Lehme- Wildau bei Schumann, Nieder-Lehmc bei Koch(Jägerhaus). Die Parteigenossen werden ersucht, vollzählig zu erscheinen. Der Vorstand. Scheukcndors bei Königswusterhausen. Sonntag, den 29. De- zember, nachmittags 3 Uhr findet dieWLahlvereinsversammlung im Lokal von Otto Pälfch statt. Auf der Tagesordnung steht ein Vor- trag deS Genossen Lüdke über:„Modernes Naubrittertum". 2. Diskussion. 3, Bericht unseres GemeindeverlretcrS. 4. Verschiedenes. Gäste, auch Frauen haben Zutritt. Vollzähliges Erscheinen der Mitglieder erwartet Der Vorstand. Nowawcs. Am morgigen Sonntag, vormittags von 9—12 Uhr, findet in folgenden Lokalen das Einkassieren von Beiträgen des WahlvereinS statt: 1. Bezirk: Otto Hiemke, Wallstt. 55. 2. Bezirk: Karl Gruhl, Priesterstr. 69/ 3. Bezirk: Ludwig Richter, Groß- Beerenstr. 59. Dort wird auch die Broschüre über den Hochverrats- prozefi gegen Liebknecht zum Preise von 19 Pf. ausgegeben. Auch werden neue Mitglieder aufgenommen. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Bernau. Heute Sonnabend, den 28. Dezember, abends 8>/z Uhr, findet die Mitgliederversammlung des Wahlvereins im Lokal des Herrn K u n tz e, Bürgenneisterstratze, statt. Tagesordnung:„Der ivifienschaftliche Sozialismus". Referent wird in der Versammlung bekannt gegeben. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Mühlenbcck(Bezirk Nieder-Schönhausen). Die am 29. dS. MtS. fällige Wahlvereinsvcrsammlung fällt aus. Nudow. Sonntag, den 29. d. M., nachmittags 4 Uhr, findet bei Palm die letzte diesjährige Mitgliederversammlinig statt. Die Ge< «offen werden gebeten, zu dieser Versammlung zahlreich zu er- scheinen und die Mitgliedsbücher in Ordnung zu bringen. _ Der Borstand. Berliner)Vacbricbten* In den Wärniehallen. Wir biegen am Alexanderplatz um die Ecke und schlendern an den Stadtbabnbogen entlang in der Abficht, einmal einen Blick in die tiefste Tiefe groszstädiischen Elends zu werfen. Beinahe wären wir in den„Prälaten" hineingeraten, prallen aber beim Anblick der weihgedeckten Tische, an denen gutgekleidete Gäste an Speis und Trank sich gütlich tun, der- dntzt zurück. Das kann doch unmöglich eine„Wärmehallc" sein I Endlich haben wir unser Ziel erreicht und treten in den elektrisch erleuchteten und gut geheizten Raum. Ein Wärter fordert uns höflich aber bestimmt auf, weiter hinten Platz zu nehmen, ein Irrtum, der sofort in Liebensivürdigkeit um- schlägt, als wir den Zweck unseres Besuches angeben. Und nun fassen wir die ungewohnte Umgebung näher ins Auge. Die langgestreckte Halle ist an beiden Enden mit Bänken versehen, auf denen die Besucher eng zusammengerückt sitzen, während die Küche sowie die Schuhmacher- und Schneider- Werkstatt ungefähr in der Mitte liegen. Reparaturen an Kleidern und Stiefeln werden unentgeltlich ausgeführt. Die Handwerker erhalten 2 M. pro Tag nebst Beköstigung. Als wir eintreten sind ungefähr 800 Obdachlose' anwesend, diese Zahl steigt sonst auf 1200— 1300. Grauenhast ist der Anblick dieser zum grohen Teil zerlumpten, durch Schicksals- schlage, niangel hafte Erziehung. Alkohol und sonstige zer- setzenden Einflüsse heruntergekoninlenen, degenerierten Eben- bilder Gottes. Die Feder eines Gorki oder Zola würde hier dankbaren Stoff finden. Man glaubt wirkliche Tppen aus dem„Nachtasyl" vor sich zu sehen. Ob sie 30 oder 60 Jahre zählen, sie sehen sich alle gleich. Die schäbigen, schmierigen, schlotternden Kleider, die fahlen, grünlichen oder auch roten, aufgedunsenen Gesichter, der stiere, brütende, ausdruckslose Blick gibt der Menge einen monotonen, gleichmähigen Anstrich. Einzelne erzählen' sich ihre täglichen Erlebnisse in kurzen, abgebrochenen und zusammenhanglosen Lauten. Die meisten blicken stumpfsinnig auf einen Fleck. Sie kennen keine Leiden- schaften, haben außer dem notdürftigsten Unterhalt keinerlei Bedürsuisse; unter der Wucht des täglichen Kampfes sind sie zermürbt, geknickt und zerschlagen, zusammengebrochen. Hoffen und Streben haben sie verlernt.„Biel Elend, aber alles selbst verschuldet I" erklärt uns unser Begleiter im Brustton der Ueberzengung. Wir sind zwar nicht ganz derselben Meinung, sehen aber von einer fruchtlosen Debatte ab. Es erfordert schon starke Nerven, diesen Haufen Elend täglich anzusehen. Und doch ist es nur ein kleiner Bruchteil, der hier konzentriert� ist. Ansiallend viel Gc- brechl-che und Krüppel finden sich darunter. Männer mit vertrümmtem Rücken, mit einem steifen Genick, von Gicht, Reußen und sonstigen Krankheiten Geplagte und Entstellte. Wah.. Schrcckensgestalten. vom schönen, kraftvollen Körper des Menschen, von Geist, Gemüt. Selbstbeiviißtsein wenig oder gar nichts mehr. Unwillkürlich denkt man an die Worte, die Schiller der klagenden Göttin Ceres in den Mund legt:„Find' ich so den Menschen wieder, dem ivir unser Bild geliehn. dessen schöngestalte Glieder droben im Olympus blühn Eine Ausnahme machen nur die Jungen, die besonders stark vom Lande zuströmen und die Halle nur vorübergehend benutzen. Merkwürdig hierzu klingt die Tatsache, daß die Nach- frage nach ländlichen Arbeitskräften daselbst eine beträchtliche ist, doch liegt dies ausschließlich an dem Nmstande. daß die ge- botcneu Löhne lächerlich gering sind. Spätestens nach drei Tagen kehren diejenigen, die ihr Glück auf dem Lande versuchen wollten, enttäuscht zurück, mit dem Ausspruch, lieber per- hungern zu wollen ohne Arbeit, als hungern zu müssen bei schwerer Arbeit, für 3 Mark(!) Wochenlohn, die sie noch nebenbei für Nahrungsmittel ausgeben, um den knurrenden Atagcn zu stillen. Unter diesen Umständen verzichten sie lieber aus den„Segen" der Arbeit. Uebrigens auch eine niedliche Jllnstration zu der Frage der Lentenot auf dem Lande, charakteristisch aber für das soziale Verständnis der Agrarier. Das Leben in der„Wärmehalle" spielt sich ruhig und friedlich ab. Ruhestörer werden nicht geduldet. Auch ist der Genuß von Branntivein nicht gestattet. Dagegen sind für gekaufte Marken zu haben: eine Tasse Kaffee mit Milch und zwei Stück Zucker für 4 Pf., Vollmilch 4 Pf., trockene Schrippen 2 Pf., bestrichene 4 Pf., bestrichene Stullen desgleichen, eine Portton Suppe 5 Pf., Hungrige, die kein Geld besitzen, er- halten auch ohnedies Essen. Noch eine schöne Episode wollen wir erwähnen. Als wir noch mit dem Verwalter sprachen, trat zu dieseni ein Mann in Arbeiterkleidung und überreichte ihm ein Markstück, mit der Bitte, dafür Snppenmarkcn an Hungrige zu verschenken. Ans unsere verwunderte Miene erfahren wir, daß dieser Mann die Halle, vielleicht auch die Werkstatt, gelegentlich in der Not in Anspruch gmornmen hat und sich nun hierfür erkenntlich zeigen will. Solche Fälle sollen nicht so selten sein. Zu gleicher Zeit brachte eine Dame zwei Paar neue Strümpfe zum Verschenken,— ein Tropfen Wasser auf einen heißen Stein. Wir verlassen das Lokal mit dem entsetzlichen Bewußt- sein, daß hier taufende menschlicher Wesen zusammenkommen, hoffnungslos, rettungslos im Pfuhl des Elends, des Lasters und der Verkommenheit versunken, zu denen sich täglich neue gesellen. Und die heutige Gesellschaft steht dieser grauen- haften Erscheinung ratlos gegenüber und mit Wohltätigkeits- pflästerchen sucht man diesen Schandfleck notdürfttg zu ver- decken. Doch ihr Bemühen ist vergeblich, denn nur eine von Grund aus umgestaltete, sittliche und gerechte Gesellschafts- ordnung wird imstande sein, diese Eiterbeule am Volkskörper vollkommen zu beseitigen._ Die Krankenhäuser der Stadtgemeiude Berlin haben im Etatsjahr 1006, über das jetzt die Krankenhausdeputton ihren Jahresbericht erstattet hat, 43 960 Kranke behandelt. An dieser Zahl ivaren beteiligt: das Krankenhaus im Friedrichs- Hain mit 13 150 Kranken, das Krankenhans in Moabit mit 12 158, das Krankenhaus am Urban mit 9992, das Virchoiv- Kraukcnhails mit 3942, das Krankenhans an der Gitschiner- straße(nur für Frauen) mit 2381, das Kinderkrankenhaus mit 2337. Gegenüber dem vorhergehenden Etatsjahre ist die Gesamtzahl der Kranken um 553 l gestiegen, daS bedeutet eine ganz außerordentlich starke Zunahme. Hiervon kommen allein 3942 auf das Virchow-Krankenhaus, das ja erst im letzten Etatsjahr eröffnet wurde. Das Virchoiv-Kranken- Hans war nur erst in der zweiten Hälfte des Etatsjahres und auch da zunächst noch nicht voll in Betrieb; es wurde im Ottober 1906 eröffnet, während daS Etatsjahr vom 1. April bis zum 31. März des folgenden Jahres reicht. Mancher wird sich vielleicht Wundern, woher plötzlich jener Zuwachs von 553l Kranken gekommen ist, den die Gesamt- zahl der behandelten Kranken im Etatsjahre 1906 gehabt hat. In dieser Hinsicht kann es allerdings als auffällig erscheinen. daß in den fünf vorhergehenden Etatsjahren 1905, 1904, 1903, 1902, 1901 das Mehr nur 790, 489, 1111, 2746, 1562 bettagen hatte. Es braucht aber niemand zu glauben, daß in 1906 der Gesundheitszustand der Be- völkerung Berlins um so viel ungünstiger gewesen sei. Die Krankenhäuser unserer Stadt haben im letzten Jahre hauptsächlich deshalb ein so außerordentliches Mehr an Kranken gehabt, weil, wie gesagt, das Virchow-Krankenhaus hinzugekommen war, sodaß nun mehr Betten zur Ver- f ü g u n g standen. Die Erhöhung der Krankenzahl hätte schon in den vorhergehenden Jahren ähnlich stark sein können, wenn nicht damals der ständige Platzmangel dazu genötigt hätte. die Zahl der Aufnahmen möglichst zu beschränken. Nach der plötzlichen und bedeutenden Mehrung der Ausnahmen, die inzwischen eingetreten ist. läßt sich die Größe der Krankenhausnot ermessen, unter der die Be- völkerung Berlins zu leiden gehabt hat, weil die Gemeinde- Verwaltung zu spät an die Errichtung eines neuen Krankenhauses herangegangen war. Die Berliner ArmenkUchcn gelten zwar immer noch als ein Unternehmen privater Wohl- tätigkeit, aber schon seit langem werden sie größtenteils aus Mitteln der Stadt erhalten. Früher war ihnen alljährlich von der Stadt ein Pauschbetrag gewährt worden, wofür sie dann der Armendirektion eine bestimmte Zahl von Portionen zur Verfügung stellen mußten. Erst im Winter 1995/96 wurde zu dem anderen Verfahren über» gegangen, den Armenküchen aus dem Stadtsäckel genau die von der Armendirektion bestellten Portionen zu bezahlen. Durch die Armenkommissionen wurde ermittelt, wieviel Portionen vor- aussichtlich erforderlich sein würden, und die Armenküchen hatten ein entsprechendes Quantum Suppen zu bereiten. In demselben Winter wurde auch eine 510»trolle darüber eingeführt, wieviel Portionen durch die Armen, die an die Armen- küchen gewiesen worden waren, wirklich abgeholt wurden. Dabei ergab sich die überraschende Tatsache, daß von den 432 555 Portionen, die von der Armendirektion bestellt worden waren und von ihr bezahlt werden mußten, nur 323 452 abgeholt wurden. 199193 Portionen, reichlich 25 vom Hundert, wurden nicht ab- geholt. Der Armendirektionsbericht über das Jahr 1995/96 be- merkte hierzu:„Die angegebene Tatsache beweist, daß vielfach die Speisemarken von den Unterstützten nur entgegengenommen waren, um nicht den Anschein zu erwecken, daß sie diese Form der Unter- stützung verschmähten. Ob unter diesen Umständen sich die Gin» richlung der Speiseaust»ltcn noch rechtf-ctigt, mutz weii-cer Beobachtung und Erwägung vorbehalten bleiben." In der bürgerlichen Presse wurden diese Ausführungen der Armendirektion mit einer gewissen Genugtuung registriert. Nun, war» ja„bewiesen", daß die Armenkommissionen vielfach ohneGrund um Unter- stützung angegangen worden waren! Ein Blatt ertlärte geradezu:„Man sieht, wie auch hier der Schwindel blüht." Die Armendirektion hat das neue Verfahren beibehalten, sie hat aber im folgenden Winter, in 1996/97, nur 363 799 Portionen bestellt. Auch über die Abholung durch die Armen wurde wieder eine Kontrolle geübt. Und was ergab sie diesmal? Ter Armen- direktionZbcricht für 1996/97, den der Magistrat kürzlich ver- öfsentlicht hat, teilt mit. daß von den 363799 bestellten Portionen nur 32 171 nicht abgeholt wurden. 32 171 von 863 799, das sind noch keine 9 vom Hundert.„Dieses günstige Ergebnis", sagt der Bericht, „ist durch bessere Ordnung und Uebersicht, ins- besondere auch dadurch erreicht worden, daß die Armen- direktion bei den Bestellungen kürzere Fristen eingehalten hat und sich hierbei möglichst nach dem wirk- lichen durch die Blocks nachgewiesenen Umsatz der einzelnen Küchen hat richten können." Es hat größtenteils an der Armendirektion selber gelegen, daß im vorhergehenden Winter eine so bedeutende Zahl von Portionen drübergeblieben war. Die Armendirektion hatte sich mit ihren Bestellungen zu wenig nach der Tag für Tag wechselnden Höhe des Bedürfnisses gerichtet. Viele Arme ver- zichten eben freiwillig auf weitere Inanspruchnahme der Armen- küchen, sobald sie wieder mal ein paar Groschen verdient haben. Natürlich müssen dann die für sie bereit gehaltenen Portionen drüberbleiben, und zwar wird die Zahl dieser Portionen um so höher steigen, je seltener die Armendireition feststellen läßt, wieviel Portionen jeweils gebraucht werden. ES kennzeichnet die bürger- liche Presse, daß sie hinter dieser Erscheinung nichts anderes ver- mutete als einen von den HülfSbedürftigen verübten„Schwindel". Beachtung verdient übrigens, daß die tatsächliche In- anspruchnahme der Armenküchen im letzten Winter bedeutend stärker war als im vorletzten. Im vorletzten Winter waren diese Küchen SVj Monate offen gehalten worden, und die Bedürftigen harten 323 452 Portionen abgeholt; im letzten Winter erstreckte sich der Betrieb nur auf 3 Monate, aber abgeholt wurden in dieser Zeit 331 529 Portionen. Der Tagesdurchschnitt stellte sich im vorletzten Winter auf 3989 Portionen, im letzten aber auf 3643 Portionen. Im letzten Winter wurde die überhaupt höchste Portionenzahl, nämlich 4233, am 15. Februar gezählt, anderer- seits die überhaupt niedrigste, 2243, am 1. Januar. Der Bericht hebt hervor, die Beobachtung habe ergeben, daß die Zahl der ab- geholten Portionen an Sonn- und Festtagen und mehr noch bei dem Monatswechsel fiel. Wie die Armendirektion sich das erklären zu sollen glaubt, darüber schweigt der Bericht. Das Kaufmannsgericht zu Berlin begann seine Tätigkeit im Sommer 1995. Heber sein zweites Geschäftsjahr, das Jahr 1996(beginnend mit dem 1. April. endend mit dem 31. März folgenden Jahres), hat es kürzlich den Rechenschaftsbericht erstattet. Dieser Bericht ist der erste, der sich auf ein volles Jahr erstrecken kann. Eine Verglcichung der Er- gcbnisie von 1996 mit denen des unvollständigen Vorjahres ist nicht möglich. In 1996 gingen 4494 Klagen ein. Hiervon wurden 175 noch vor Abhaltung eines ersten Termins erledigt, so daß für die Rechtsprechung 4319 jllagen verblieben. Von diesen wurden er- ledigt: 1639 durch Vergleich, 34 durch Verzicht, 995 durch Klage- rücknahme oder Ruhenlassen, 18 durch Abgabe an andere Gerichte, 33 durch Anerkennungsurteil, 391 durch Versäumnisurteil, 499 durch kontradiktorisches Urteil(hiervon 224 mit Beweisaufnahme, 163 ohne Beweisaufnahme, 17. nach Eidesleistung durch eine Partei). Die übrigen 899 Klagen waren bis zum Ablauf des Berichtsjahres noch nicht erledigt. Im ganzen wurden im Berichtsjahr 3429 Klagen erledigt, darunter waren 1293, die durch die Kammern ab- gemacht wurden. Unter den Klägern waren die Herren Prin- zipale sehr in der Minderheit. Nur 199 Klagen(von überhaupt 4494 eingegangenen) waren von Prinzipalen angestrengt worden, dagegen 4295 von HandlungSgehülfen, darunter 1245 von weib- lichen Personen und 52 von Lehrlingen. Zum kontradiktorischen Urteil gelangten von den 199 Klagen der Prinzipale 14, von den 4295 der Gchülfen 395. Der Kläger gewann(mit seinem ganzen Anspruch oder doch mit dem wesentlichsten Teil) in 5 von 14 Prin- zipalsklagen und in 198 von 395 Gehülfenklagen. Die Höhe des Objektes war(wenn alle 4494 ein» gegangenen Klagen berücksichtigt werden) die folgende: bis 29 M. bei 397 Klagen, über 29 M. bis 59 M. bei 644 Klagen, über 59 M. bis 199 M. bei 933 Klagen, über 190 M. bis 299 M. bei 1982 Klagen. über 299 M. bis 399 M. bei 557 Klagen, üb-r 399 M. bei 737 Klagen. Bei den übrigen 234 Klagen war der Wert deS Streitgegenstandes nicht angegeben. Die niedrigste Klagesumme war 1,89 M., die höchste 18 675 M. Für Klagen vor dem KaufmannSgerichte ist die BerufungSgrenze auf 309 M. festgesetzt; die Silagen mit berufungsfähigem Objekt waren 17,3 Proz. aller eingegangenen. Der Streitgegenstand war: 1952mal Zahlung rückständigen Gehaltes, 2734mal Gehalts- oder Entschädigungsansprüche wegen Entlassung aus der Stellung vor Ablauf der vertragsmäßigen Zeit und ohne Aufkündigung, 298mal Ausstellung eines Abgangszeug» nisses, 6mal Berechnung und Anrechnung der von den Angestellten zu leistenden Krankenversicherungsbeiträge, 6mal Auslösung des Lchrverhältnisies, 19mal Fortsetzung des Lehrverhältnisses. 45mal Konventionalstrafen, 246mal Schadenersatz, 33mal Herausgabe von Papiren, Sachen usw., 15mal Fortsetzung bezw. Lösung des Dienst- Vertrages. 61mal Rückzahlung von Kautionen, 28mal Feststellung von Ansprüchen, 21mal Ansprüche aus Verletzung von Konkurrenzklauseln, 18mal Erteilung von Buchauszügen, Imal Freigabe zum Fortbildungsschulbcsuch, Imal Urlaubsbewilligung. Die Dauer der Erledigung war für die durch kon» tradiktorischeS Urteil beendeten Prozesse zunächst noch sehr beträcht- lich. Der Bericht gibt eine Zusammenstellung für 592 Klagen dieser Art(wobei 93 aus dem Vorjahr unerledigt hinübergenommene Klagen mitgezählt sind). Keine davon wurde vor Ablauf der ersten Woche erledigt, nur 5 konnten in 1 bis 2 Wochen, 52 in 2 Wochen bis 1 Monat erledigt werden, bei 285 aber vergingen 1 bis 3 Mo- nate, bei 169 noch mehr als 3 Monate bis zu ihrer Erledigung. Eine Besserung in dieser Hinsicht ist erst im laufenden Geschäfts- jähr seit Eröffnung einer neuen, fünften Kammer eingetreten. Neuerung im NenfahrSbriefverkehr. Beim Neujahrsbriefverkehr wird diesmal eine wichtige Neuerung eingeführt. Sie ist im vorigen Jahre im kleineren Umfange versucht worden und kommt jetzt im größeren Maßstabe zur Durchführung. Die Leerung der Briefkasten geschieht in Teutschland im allgemeinen durch Boten zu Fuß oder Radfahrer, während sie im Ausland vielfach mit Hülfe von Fuhrwerl bewirkt wird. Die Masse der aufgelieferten Sen- düngen hatte schon beim vorigen Jahreswechsel in Berlin derartig zugenommen, daß man an einzelnen Stellen versucht hatte, zur Einsammlung Fuhrwerk zu verwenden. Die Maßregel hat sich so gut bewährt, daß sie in diesem Jahre allgemein zur Anwendung kommt. In Berlin wird sie bei etwa 39 der größten Postämter stattfinden, die die Auflieferungen bearbeiten. Auch in den größeren Vororten wird Fuhrwerk verwendet, so in Charlottenburg, Schöne- berg, Wilmersdorf, Friedenau, Steglitz, Pankow und Rixdorf. Die Verwendung des Fuhrwerks beschränkt sich auf den 31. Dezember, dem Tage der Hauptauflieferung. Zur Verwendung kommen Paketbestcllwagen, die mit einem Pferde bespannt sind. Das Ein- sammeln der Briefe ist freilich der kleinere Teil der Arbeit der Post. Sie kann wesentlich erleichtert werden, wenn jedermann seine Marke» möglichst früh kauft und alle Sendungen deutlich und sorg- sältig adreffiert, bei Mittel- und Großstädten Straße und Haus- nummer, in Berlin auch Himmelsrichtungen und die Nummer des bestellenden Postamtes angibt. Nicht anonym! Eine der unangenehmsten Seiten im postalischen Verlehr bilden bon jeher anonyme Zuschriften. Es gibt in der Tat kaum eine größere Feigheit, als eine so gemeinnützige Einrichtung, wie es die Post ist, für solche Zwecke tu benutzen. Ganz besonders blüht dieser grobe Unfug, um einen milden Ausdruck zu gebrauchen, zu Neujahr. Die Neujahrskartenindustrie erleichtert leider die Unsitte, denn eL werden Karten in den Handel gebracht, die das Zotige kaunt inehr überbieten können. So lange derartige Neujahroseuduiigen auf Harm- lose Scherze und Anulkungen beschränkt bleiben, will man nicht allzu viel dagegen sagen, obwohl der Anonymität immer etwas Uli- moralisches anhaftet. Aber man soll doch auch bedenken, daß Neu- jahrSbrie°e, die über den Charakter der Harmlosigkeit weit hinausgehen und sich in Schmutzereien gefallen, auf empfängliche Gemüter recht bedenklich einwirken können. In vielen Hunderten von Fällen ist solch ei» schmutziger Brief die Ursache gewesen, daß zwischen glückliche Menschen der Stein des Anstoßes geworfen und aus unüberlegtem Spaß bitterster Ernst wurde. Sogar zum Selbst- nrord sind auf diese Weise zartbesaitete Seelen schon getrieben worden. Würde nur der zehnte Teil der anonymen Briefschrciber fich feststellen lasten, so hätten die richterlichen Behörden wochenlang mit Beleidigungsklagen zu tun. Das beste Mittel gegen solche Sckmutzereien ist: nicht lange über den Urheber nachgrübeln. sondern sofort in den Papierkorb oder in den Ofen mit dem anonymen Wisch._ Die WeihnachtSfeiertage brachten endlich den so lange ersehnten WitteruugSumschlag. Schon am ersten Festtage war die Temperatur bis auf 1 Grad Wärme gefallen und die am späten Nackmiittage eingetretenen Niederschläge erfolgten in Schneeform. Allerdings verschioand die Schneedecke wieder ziemlich sclmell auf den Straßen, doch setzte unmittelbar darauf ein leichter Frost ein, der besonders im Laufe des zweiten Feiertages beständig zunahm. Donnerstag- abend um 10 Uhr war die Temperatur auf minus 3 Grad gefallen und gestern morgen zeigten die Therniometer innerhalb der Stadt ö Grad und in den Außeustadtteilen 8 Grad Celsius Kälte an. Dieser WitteruugSumschlag verschaffte den Berlinern wenigstens noch für den dritlen Feiertag die so sehr ersehnte Eisbahn. In der verflossenen Nacht war auf allen Kunsteisbahnen tüchtig gegossen worden, so daß die Mehrzahl derselben bereits am gestrigen Vor- mittag eröffnet werden konnten. Die Tiergartengewäster sowie die Seen in der Umgebung Berlins waren gestern morgen mit einer leichten Eisdecke uberzogen und die Spree zeigte schon geringe Treibcismassen. Diele Taufende von Weihnachtsbäumen sind in diesem Jahre übrig geblieben. Es wurden weit mehr Tannen angefahren, als notwendig waren. So lagern auf dem EngroSmarkt am Tempel- hofer Feld und auch am Bahnhos Friedenau große Mengen von Weihnachtstannen. Aber auch zahlreiche Kleinhändler vermochten ihre Bestände nicht zu verkaufen. Trotzdem am Heiligabend die Preise für die Baume um die Hälfte zurückgingen, blieben noch Tausende in den Straßen und auf den Plätzen zurück. Was will denn die Polizei noch!? Wenn jemand ein Straf- mandat, das ihm die Polizei anhängt, innerhalb der festgesetzten Frist bezahlt, dann hat er doch wohl Ruhe vor weiteren Belasti- gungen? So sollte man cS erwarten, gewiß; aber wer mit der Polizei zu tun triegt, der kann leicht die merlwürdigsten Dinge er- leben. Beim Jandorf-Boykott ist manche unserer Genossinnen in die Lage gekommen, die Polizei genauer kennen zu lernen. Zahlreiche Genossinnen aus Berlin und den nächsten Vororten unterzogen damals opferfreudig sich der mühevollen Aufgabe, vor den Jan- dorfschen Warenhäusern Boykottzettcl zu verteilen. durch die die Bevölkerung über den Anlaß jenes Boykotts unterrichtet werden sollte. Eine Fran R. aus Berlin ging nach dem Jandorfschen„K a u f h o u s o c Z Westens" am Wittenbergplatz, um dort als Zcttelverteilerin tätig zu sein. Genossin R. wurde hierbei von einem„Geheimen" erwischt, mußte sich nach irgend einer Polizeiwache schleppen lassen und kriegte hinterher ihr Strafmandat. Fünf Mark sollte sie dafür blechen, daß sie mitgeholfen hatte, Jandorfs Kunden über den Boykott aufzuklären. Das Geld mußte innerhalb 8 Tagen bezahlt werden, Genossin R. zahlte aber schon am ö. Tage. Durch die Post übersandte sie die fünf Mark der Berliner Polizeihauptkosse, und zwei Tage später bekam sie von dieser Kaste eine Empfangsbestätigung zugeschickt. Die Uebeltäterin glaubte, das; hiermit die Sache erledigt sei, aber sie wurde hinterher eines anderen belehrt. Nach einiger Zeit fand sich ei» Polizcibeauiter bei ihr ei» und richtete an sie die wunderliche Frage, wem sie denn das Geld zugeschickt habe. Frau N. legte ihm die Empfangsbestätigung vor und ersuchte ihn, sich davon zu überzeugen, daß die„Königliche Polizeihaupt- kasse" zu Berlin sich als Empfängerin bekannt hatte. Der Mann ging kopfschüttelnd von bannen. Ginige Zeit verstrich, da kam wieder ein Polizeibcamter und fragte aufs neue nach dem Empfänger des Geldes. Und wieder präsentierte Genossin R. ihm die Empfangsbestätigung und wies ihm nach, daß sie die „königliche Polizeihauptkaste" zu Berlin mit jenen fünf Mark bc- glückt hatte. Auch dieser zweite Bote schüttelte den Kopf und ging seines Weges. Es dauerte nicht lange, da meldete sich ein dritter Polizeibcamter, und zum dritten Mal mußte sie sich über den Empfänger des Geldes ausfragen lassen. Zum dritten Mal kramte sie die Empfangsbestätigung heraus, und mit einem Schütteln des KopfeS retiriertc auch dieser dritte Wißbegierige. Frau R. dachte, nun werde mans ihr endlich glauben, daß die Strafe für ihren Frevel längst bezahlt war. Aber da kam ein vierter Beamter, die-- mal anscheinend ein Vollziehungsbeamter, und forderte, daß sie noch 6 0 Pf. bezahle. Wofür!? Sie verstand den Mann dahin, daß sie das Geld zu Unrecht an die Berliner Polizei geschickt habe. Die Polizei von Ebarlottenburg habe Anspruch dar- auf gehabt, und dorthin sei es von Berlin aus überwiesen worden. Die Ucberweisungskosten seien von ihr nachzuzahlen, außerdem müsse sie auch noch Mahngebühren entrichten. Frau R. war nicht wenig überrascht. Damals, als sie vor dem „Kaufhaus des Westens" Zettel verteilte, hatte sie sich nicht darum gekümmert, wo dort die Grenze zwischen Berlin und Charlotten- bürg zu suchen ist. Sie hatte sich auch das Polizeibureau, in daö sie geführt wurde, nicht daraufhin angesehen, ob es zu Berlin oder zu Charlottenburg gehöre. Und schließlich hatte sie auch das Straf- mandat nicht vom ersten bis zum letzten Buchstaben mit derjenigen Aufuicrksamkeit durchgelesen, die solchen Schriftstücken allerdings gebührt. Erstaunt war sie jetzt darüber, das; die Beqliner Polizei ihr den Empfang des Geldes bestätigt hatte, ohne sie über ihren Irrtum aufzuklären. Von einer Mah- nung ist ihr nichts bekannt. Eine mahnende Zuschrift ist nicht in ihre Hände gelangt, und aus den ihr unverständlich gebliebenen Reden der drei Beamten, von denen sie in ihrer Wohnung heim- gesucht wurde, hat sie gleichfalls keine Mahnung herausgehört. Dem dritten Veainie», der nun 50 Pf. von ihr forderte, erklärte sie, va wolle sie sich doch erst mal noch genauer erkundigen, wofür sie be- zahlen solle. Der Beamte antwortete:„Na, dann wollen wir schreiben: fruchtlos." Damit empfahl er sich— und Genossin Lt. harrt nun der weiteren Dinge, die etwa noch kommen sollen.' Dom Magen der Kirche. Nicht nur von den Lebendigen, sondern auch von den Toten will die Kirche ihren Tribut. UnS wurde gestern eine Steuer- Veranlagung der evangelischen Kirchcubehörde vorgelegt, nach der eine Frau B. zur Kirchensteuer veranlagt ist. Diesmal kommt die Kirche nur ein bißchen sehr spät, Frau V. ist bereits am S. März 1502 gestorben. also vor zirka sechs Jahren. Es ist also wirklich beim besten Willen nichts mehr zu holen, und die Kirche wird fich schon trösten müssen, ohne die Kirchensteiler der Frau S. auskommen zu mästen. UebrigcnZ auch ein Beitrag zu dem Kapitel von der Ordnung in den Kirchenbüchern. Dem Verdienste seine Krone. In der Acra der Blockpolitik sind in letzter Zeit auch verschiedene NathauSfreisiunige mit Titeln bedacht worden. Erst wurde der Stadtverordnete Bamberg Koinmerzienrak, dann bekam der Stadtverordnete Haberland den gleichen Titel und jetzt ist der Stadtverordnete Justizrot Cassel zum Gehet in e n Justizrat avanciert. Sie haben sichs auch ehrlich verdient. Bei Todesfällen im Krankenhäuse scheint von verschiedenen Verwaltungen städtischer Krankenhäuser nicht mit der notwendigen Gewissenhaftigkeit verfahren zu werden, wenn eö gilt, die Todesnachricht an die Angehörigen gelangen zu lasten. Wir haben erst kürzlich von einer solchen Nachlässigkeit der Verwaltung deL Krankenhauses Moabit berichten müsten und heute müssen wir eine gleiche Klage über das Krankenhaus am Friedrichs- Hain erheben. In diesem Kraulenhause lag ein Kranker namens Sonntag. Von feinen Söhnen wurde er sonntäglich bemcht. Als die beiden Söhne wiederum am 22. Dezember zum Besuch in? Krankenhaus kamen, wunderten sie fich. den Vater nicht im Bett zu finden. Auf Befragen bei Kranken, die neben dem Vater lagen. erfuhren die beiden zu ihrem Schrecken, daß dieier bereits in"der Nacht vom vorhergehenden Sonntag zum Montag, vom 15. zum 10. Dezember gestorben und am Donnerstag, den 19. Dezember beerdigt worden fei. Die Angehörigen waren ohne jede Nachricht von dem Tode des Baterö geblieben. Die Söhne«vandtcn sich daraufhin an die Verwaltung um Auf- klärung. Dort wurde ihnen gesagt, daß der Vater angegeben habe. die Adreste dcS ältesten Sohnes sei Nixdorf. Nnrnbcrgcrstr. 35. während er in Wirklichkeit Heidelbergerstr. 35 wohnt. Die Meldung von dem Tode des alten Sonntag fei nach Nnrnbcrgcrstr. 35 ge- gangen, aber als unbestellbar zurückgekommen. Damit scheint sich die Verwaltung begnügt zu haben, obwohl auch Rixdorf ein Ein- Wohnermeldeamt hat, bei dem hätte angefragt werden können Be- merkt sei, daß diese zurückgekommene M'eldung den Angehörigen nicht vorgelegt werden konnte. Auffällig ist. daß der älteste in Rix- dors wohnende Sohn vou der Siechenhausverwaltung die Mit- teilung erhielt, daß der Vater, der bis zum 1. November im Siechen- Haus war, an diesem Tage nach dein Krankenhaus am Friedrichs- Hain gebracht worden fei. Später sprach ei» Veauslragter der Armendireklion wegen Bezahlung der Krankenhauskoslen vor, i» beide» Fällen wurde der Sohn gefunden und zwar in der Wdelb ergcrstraße. Dazu kommt, daß dieselbe Adresse der verstoÄvne Sonntag in seinem Notizbuch hatte, das in dem Kasten de?«eben dem Bette stehenden kleinen Tischchen lag. Nach alledem muß geschlossen werden, daß man sich in ver- schiedenen Krankenhäusern mit der Benachrichtigung an die An- gehörigen von im Krankenhause Verstorbener nicht viel Umstände zu mache» scheint. Ein derartiges Versahren ist nicht nur aufs schärfste zu rügen, sondern erheischt schleunigste Slbhülfe. Die Direktion des Krankenhauses ist veraniivortlich für diese Geschäftsführung. Möge sie sich rechtsertigen, wenn sie es kann. Eingebrochen wurde in der Nacht vorn 23. zum 24. Dezember in der Automolnlhandlung und Reparaturwerkstatt von Hoest und Peters, Lindenstraße 34, und hierbei außer einigen Pncnmatic- mänteln ein gelb lackiertes Hinterrad einer Clcinent-Droschke, montiert mit Excelsior-Gummiglcitschutz 820X125, gestohlen. Die Spitzbuben, welche durch Zertrümmern mehrerer Scheiben eines Glasdaches Futritt zu den Räumen erlangt hatten, verließen den Ort ihrer Tätigkeit durch das Nachbargrundstück, Fcilnerstraße 13, des morgens Uhr. wo sie noch einen blaugcstrichcncn Leiter- lvagen, wie ihn Kinder zum Spielen benutzen, zum Fortschaffen der Beute stahlen. Heber die Verhaftung der Berliner Juwelenbiebe in Czernowitz wird noch berichtet: Eine aufsehenerregende Wendung nahm heute die Untersuchung gegen das Diel-cspaar Lupascu-MichaleSeu. Tie Polizei nahm vom ersten Augenblick an. daß die Nanctte MichaleScu die Perlen nicht verkauft, sondern versteckt habe. Da eine Leibes- Visitation erfolglos blieb, so wurde angenommen, daß die Diebin die Perlen verschlungen babc. Das ihr hieraus eingegebene Abführ- mittel förderte auch eine Perle zutage. Zwei Perlen, die sich außer- dem noch in ihrem Magen befanden, wurden durch ein ihr verab- folgtcs Brechmittel herausgeholt. Durch diese Prozeduren und durch die große Aufregung der Müchalescu kamen später plötzlich noch 53 Perlen zum Vorschein, die sie an einer anderen Stelle ihres Körpers verborgen hatte.— Damit sind sämtliche öl Perlen, die zu dem gestohlenen Perlenkollicr gehörten, wieder herbeigeschafft worden. Graf Pückler-Klein-Tschirne, der bekanntlich zur Beobachtung seines geistigen ZustandcL der städtischen Irrenanstalt zu Dalldorf überloicscn worden war, ist, wie das«Berliner Tageblatt" zu melden weih, jetzt in einer Privatirrcnanstalt in Schlesien unter- gebracht worden. Die ärztliche Untersuchung hat ergeben, daß Graf Pücklcr schon seit Jahren an Wahnvorstellungen leidet. Das wußten Laien schon seit Jahren. Drei schwere Automobilunfälle habe» sich an den WeihnachtS- feiertagcn ereignet. An der Ecke der Alexandrinen- und DrcSdener- straße wurde ein unbekannter, ctlva 50 Jahre alter Herr von der ?lutomobildroschkc Nr. 4117 überfahren und lebensgefährlich ver- letzt. Er hatte noch kurz vor dem Herannahen des Kraftwagens den Fahrdamm überschreiten wollen und wurde vom Vorderteil des Autos erfaßt und niedergerissen. Die Räder gingen über ihn hin- weg und in besinnungslosem Zustand wurde der Uebcrfahrcne nach der Klinik am Mariannen-Ufer gebracht. Er hatte einen schweren Schädelbruch sowie einen komplizierten Oberschenkelbruch erlitten. — Ein zweiter schwerer?lutomobilunfall trug sich an der Ecke des KurfürstendammeS und der Nürnbcrgerstraße zu. Ter Portier Wilhelm Krüger aus der Mcineckestraße 4 hatte einem Dienstmädchen einen Kösfer getragen. An der erwähnten Kreuzung gc- riet er gegen einen Bedagwagen, den er nicht hatte herankommen sehen und wurde auf den Fahrdamm geschleudert. Ter Chauffeur konnte es nicht mehr verhindern, daß die Vorderräder des Gefährts über K. hinweggingen. Der Ueberfahrene wurde schrecklich zugc- richtet. Am rechten Oberschenkel, der ihm gebrochen wurde, ragte ein zersplitterter Knochen weit heraus. Außerdem hat K. an- scheinend auch innere Verletzungen erlitten.— Ebenfalls von einem Bedagwagen überfahren wurde vorgestern ein etwa 40jährigcr un- bekannter Herr in der PotSdcnncrstratze. An der Haltestelle an der Lützowstraße wollte er einen Straßenbahuwagen besteigen, als ein Bedagwagen in eiligem Tempo vorübergefahrcn kam. Ter Fremde wurde umgestoßen und unter die Räder geworfen. Schwerverletzt fand er im Elisabcth-ÄrankcnhauS Aufnahme. Am� Heiligabend vergiftet hat sich die 21jährige Verkäuferin Emma Sckru, die in der Konditorei von Gerhold in der Schönhauser Allee 33 angestellt war. Das junge Mädchen hatte am WeihnachtS- abend beim Nachzählen der Tageskasse 50 Pf. �zu wenig vorgc- funden. Da das Geld fehlte, wurden ihm Vorwürfe gemacht. Die 5. nahm sich dies derartig zu Herzen, daß sie den Entschluß faßte, sich noch am Weihnachtsabend das Leben zu nehmen. Kurz vor der Bescherung holte sie sich in einer benachbarten Drogerie Lysol und trank das Gift. In fast hoffnungslosem Zustand wurde die Lebens- müde nach dem LazaruStrankenhauS gebracht. Am Weihnachtsabend gestorben ist der Maurer Emil Lange, Box- hagcnerstraße 7. der am 18. Dezember beim Vau Kronen- und Markgrakenstraßen-Ecke schwer verunglückte. Ein trauriger Weih- nachten für Frau und Kinder. Unter dem Verdacht, der Urheber deS StranSherger Eisenbahn- Unglücks zu sein, ist in dem Moselort Nenmagen ein Mann verhaftet worden, der sich Karl Bongert ans Werden in Mecklenburg nennt. Ob er wirklich der Täter ist, steht dahin. Wege» zweifacher Unterschlagung wurde der hiesigeKrimin al- s ch u tz m a u n N e u w a l d von England hierher gebracht und am Heiligabend in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Neuwald. der Familienvater ist, war bei der Kriminalpolizei beschäftigt, aber noch nicht fest angestellt. In amtlicher Eigenschaft hatte er sich einen Brillantring und ein Armband, die beschlagnahmt worden waren und aufbewahrt werden sollten, angecignet. Ein tödlicher Automobilunfall ereignete sich gestern abend in der DreSdcnerstroßc gegenüber dem City-Hotel. Dort wollte der 53 Jahre alte Privatier Albert Kreutzer, Sebastiaiislraßi 70 wobn- hast, den Fahrdamm überschreiten, als eine Automobildroschke herannahte. K. versuchte, dem Gefährt auszuweichen, glitt jedoch hierbei aus und stürzte so unglücklich gegen das Voidergestell des Kraftwagens, daß er etwa einen Meter weit fort- geschleudert wurde und die Siädcr deS Automobils über ihn hinweggiiigen. Der Schtvcrverletzte wurde noch lebend nach der Unfallstation in der Alexandriuenstraße gebracht, wo der anwesende Arzt einen schweren Scdädelbruch und eine Zertrümmerung des rechten Unterschenkels feststellte. Er sollte nach dem Krankenhause Am Urban überführt werden, verstarb jedoch schon auf dem Transport dorthin. Ein heftiger Zusainmcnstoß eine? Straßenbahnwagens mit einem Lastwagen der Meierei Bolle fand gestern nünag gegen 12 Uhr in der Kaiserin Augusta-?lllee statt. In der Skähe der Löweschen Fabrik versuchte der Führer des von Moabit kommende» Last- ivagenS das Straßenbahugleis zu kreuzen, obwohl an? der entgegen« gesetzten Ltichiung ein Straßenbahnzug der Linie V sGerichlSring) herannahte. Der Milchwagen fuhr mit voller Wucht gegen die Vorderplattform des StraßnibadnwagcnS, wobei der Kutscher Wäsche und der Mitfahrer Wundschowski vom Bock auf den Straßendamm herabstürzten. Ersterer erlitt Verletzungen im Gesicht, der Mitfahrer Kontusionen am reckten Arm. Beide mußten sich nach der Unfall- station in der Hutten straße begeben, wo ihnen Verbände angelegt wurden. An dem Straßenbahnwagen wurde die VorderplnUfonn eingedrückt und der Komroller beschädigt; er mußte aus dem Be- triebe gezogen werden. Die Berliner Fencruichr hatte während der WeihnachtSfeiertage eine größere Zahl von Bränden zu löickcn. Unter anderen einen großen Dachsmhlbrand in der Bcrnanerstraße 2l. Dort stand»m 7 Uhr abends der Boden mit dein Dachsmhl in geramner AuS» debnung i» Flammen. UH diese zu löschen mußte die Wehr mit mehreren Schlauchleitungen von Dampsspritze« längere Zeit kräftig Wasser geben. Tannenbäume, Gardinen usw. brannten in der Baiuimstr. 39. Thomasiusstr. 27, Essenerstr. 23 und an anderen Stellen. Im städtischen Krankenhause am Friedrickshain war am ersten Feiertage früh um 9 llbr Feuer ausgekommen. Papier. Tische u. a. wurden dort im Pavillon 16 ein Raub' der Flammen. Die Kranken wurden durch den Brand nicht beunruhigt. Der lt. Zug wurde am 1. Feierläge nach der Blückerstr. 84 gerufen. Tort hatte sich der verheiratete Kutscher St. in Adwesen- heit seiner Ehehau und seiner erwachsenen Kinder an einer Tür- klinke seiner Wohnung erhängt, die Feuerwehr konnte nicht mehr helfen. Der Tod war schon eingetreten. Durch die Explosion einer Spiritus-Glühlampe kam in der Wiener- straße ü7d Feuer aus. I» dem Eckhause Waldstr. 1 brannten in einem Paoierladeii Kartons, Papier u. a. und in der Gneisenaustr. 93 Pelzwaren usw. Spielwaren, Packmaterialien usw. gingen früh um 8 Uhr in der Kaiserslr. 47/18 in Flammen auf. Wegen eines Kellet« brandeS hatte die 4. Kompagnie zweimal in der Turmstr. 09 zu. tun. Holz brannte dort. In Stralau, Markgrafeildamm 4, mußte ein Schaufensterbrand gelöscht werden. Balken. Fußböden, Wände, Decken usw. brannten in der Weißenburgerstr. 35, Demminer» straße 19, Kommaudaiitenstr. 15, Linienstr. 244 II und an anderen Orten. Kohlenbrände wurden unter anderen aus der Prinzen- straße 30, Anklamerstr. 35. Hollmannstr. 33, Zimmcrftr. 35 ustv. gemeldet. Ferner hatte die Feuerwehr in der Demmlnerstr. 27, Wichmannstr. 5. Triftstr. 47a. am Hnlleschen Ufer usw. zu tun, wo Betten und Möbel in Wohnungen, Kleider auf dem Boden uiw. in Brand geraten waren. An einigen Stellen mußten die Feuer- »tänner, um an den Brandherd zu gelangen, das Gebälk aufreißen. Die Entstehung fast sänitlicher Brände ist auf Unvorsichtigkeit zurück- zuführen. Gestern abend nach 11 Uhr entstand infolge eines g e f ä h r- l i ch e n W o H n u n g s b r a n d e S eine große Aufregung in dem Hause Peteröburgerstr. 43. Dorr waren Möbel. Betten nsw. in Brand geraten und der Familie Meyer der Rückzug über den brennenden Korridor versperrt. Die Frau Ida Meyer rief ans dein Fenster um Hülfe, nachdem sie vergeblich versucht hatte mit ihren drei kleinen Kindern über den Korridor den Ausgang zu erreichen. Zmn Glück erschien die Feuerwehr. Alle vier Personen wurden in Sicherheit gebracht. Frau Meyer hatte Brandwunden an den Armen, Hände» uild Beinen erlitten, die ihr von Samaritern der Wehr verbunden wurden. Gleichzeitig wurde am Alexandcrplatz ein Mann, der überfahren worden war. aus seiner Notlage befreit. Ferner hatte der 15. Zug in der Emdeuerstr. 21 zu tun, wo Brcunuiaterialieu in einer Back- stubc brannten. Freitag früh um 8 Uhr mußte der 17. Zug in der Kon:mandaiite»str. 47 cmen Schaldeckenbrand löschen. Ter 7. Zug tvurde fast gleichzeitig nach der SttauSbcrgerstr. 16 alarmiert, wo das Zwifchcngebälk brannte. Außerdem rückte die Wehr noch nach der Büschingstr. 29, Schillingstr. 17/18 und anderen Stellen zum Feuer aus._ Vorort- JSachricbten. Nixdorf. Denket auch der Armen am Feste der Liebe, also wurden die Leser deö„Nixdorfer Tageblattes" in der WcihnachtSmimmer ennahut. Mtt solchen Ermalnmngcn glauben die sogenannte» unparteiischen Blätter der Not niio dem Elend Rechnung tragen zu müssen. Und sie haben wahrlich allen Anlaß hierzu. I» den Tausenden von Arbciterfamilicn, in denen grgenlvärtig die Mutter Sorge Einzug gehalten hat und noch Blätter vom Schlage des„Nixdorfer Tag:- blattö" anzutreffen sind, gärt c3. Da muß von Zeit zu Zeit einmal ei« Wort fallen, als ob es solche Blätter ernst meinten mir der Linderung des grausigen Elends. Dock, die private Wohltätigkeit hat noch nie der Not den Garaus gemacht. Und die parteiischen und unparteiischen Blätter verhüten es peinlich, ihre Leser über die Ursachen der Not- läge der arbeitenden Bevölkerung aufzuklären. Würden sie dieS tun, sie erwiesen auch ihren eigenen Jittcrefsen den schlechtesten Dienst. Deshalb ist eS auch zu verstehen, wenn das„Nixdorfer Tageblatt" betont:„Wohl find Staat, Gemeinde und zahlreiche Vereine bestrebt, die?tot der Armen mid Elenden zu linder», allein die Zahl derer, die bittend ihre Hände ausstrecken, ist zu groß, um überall ausreichend Helsen zu können, der verschämten Armen gar nicht zu gedcukeu, die lieber in Jammer und Sorge zu« gründe gehen, che sie öffentliche Wohltätigkeit in Anspruch nehmen oder sich zu den verschiedenen Christbescherungen drängen, die von edlen Menschen'reunden veranstaltet iverdcii. Hier kann Staat und Gesellschaft nicht allein eingreifen, hier. muß jeder einzelne bestrebt sein, sein Scherjlein beizutragen, zur Liv.Leruna des Elends." Kann c3 wohl eine größere politische Heuchelei Zeven als die, deren sich das unparteiische Blatt in vorstehenden, bedient? An dem Elend trägt der Staat und die Gemeinde nicht minder wie die aegenwäriig herrschend- Klasse die Schuld. Erste ce sind mit der letzteren verwachsen und eS wäre ihnen ein Leichtes, die gegenivärtige Not deö Volkes zu lindern. Es sind also nur Verlegcuhcitsphrase» die angewendet werden, um den Widerspruch zu verkleistern, der sich aus dem sogenannten Fest der Liebe und der rauhen Wirklich- leit ergibt. Britz. Eine weitere Ermäßigung der Einkemmcnstcrer von 120 auf 110 Proz. ist in Britz zu erwarten. Noch im Jahre 1901 war Britz der höchstbesteucrte Vorort, da sein kommunaler Einkommen» fteuerzuschlag nicht weniger als 270 Proz. betrug. Britz bat auf dem Gebiete der Rosenkultur in den letzten Jahren einen erheblichen Aufschivnng genommen, der zu der Ermäßigung des Steuersatzes wesentlich beigetragen hat. Weisiensee. Die L'ireuik der Gemeinde Wcißensee ist den Gemeinde- Vertretern jedenfalls als Wcihnacktsgabc auf den Tisch gelegt worden. Im Jahre lOOö, dem 2üjährigen Bestehen der Gemeinde dleu-Weitzcnsec. wurde beschlossen, die jeht vorliegende Chronik herauszugeben. Dieselbe umsaht zwei Teile, einen geschichtlichen mit 242 Seiten und eine Urtundcnsammlung mit verschiedenen Illustrationen. Der Verfasser ist der in Pctershagcn wohnende Pfarrer Alexander Gicrp. Außer der weit zurückliegenden Vor- gcschichte der Germanen, der Elavcn und Wenden, des Rittertums, der Astcrlchnsherren usw. wird gezeigt, welche Macht die Kircke damals ausübte. Der Teil dieser Darstellung dürfte für alle Ortschaften der Provinz Brandenburg zutreffen. Da Herr Gicrtz Pfarrer ist, so verwundert eS weiter nicht, dah die Kirche eine "auptrollc in der vor uns liegenden Chronik spielt. Mit keiner Silbe sind die unglückseligen baulichen Verhältnisse aus den Gründcrjahren erwähnt, ferner ist mit keiner Silbe des Tadels der unwirtschaftlich angelegten Straßen gedacht, von dem miserablen Pflaster gar nicht zu reden. Nur alles Schönfärberei. Viele Seiten beschäftigen sich mit der Erbauung der Bethanienkirche und zeigen den Werdegang bis aufs Tipfclchen auf dem i. Selbst die von der Arbeiterschaft in einer Versammlung gefaßte Resolution gegen die Hergabe von 80 000 M. aus Gemeindemittcln ist erwähnt und der Verfasser schreibt von einem Sturm der Entrüstung, welcher sich von mehreren Gcmeindeverordncten erhob, hierbei natürlich nur die Vertreter der Arbeiterschaft im Auge habend. Wie nicht weiter zu erwarten war, wird auch die Person des verstorbenen Gemeindevorstehers Feldmann ganz besonders als Organisator und Förderer der Gemeinde gefeiert. Man soll die Toten ruhen lassen, daher schweigen wir notgedrungen. Tie Abbildungen, welche am Schlüsse angefügt sind, zeigen zum Teil Bilder neueren Datums, woran der Chronist wohl schuldlos ist; jedoch vermissen wir alte historische Bilder, unter anderem die Gebäulichkeiten des ersten AmtövorsteherS Wölsche an der Scharnwcberstratzc, das alte Armen- Haus mit seinen Jnnenräumen, die Siechenbaracke usw. Die Friedrich-, Charlottenburger- und Langhansstraße unter Wm'scr wären schöne Erinnerungen für unsere Nachfolger. Alles in allem bietet die Chronik das, was den Ort nach außen hin als glänzend darstellt, aber von einer Zeitgeschichte verlangt man mehr Wahrheit und Objektivität._ Oeffentliche Bibliothek und Leseball« zu unentgeltlicher Bc- nuhung Jür jedermann, BW., Alcxandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von .'i1/»— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen In den Lefefälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art von 9— t und S— 6 Uhr. -onntag. den 29. Dezember, vormittags, Zersainmlung mit stelrcllgiSfer Do» und Richtung auS Freireligiöse Gemeinde f!, Uhr, im Rathaus(Saal 109): V lefung.— DannittagS 10Jj,1 Uhr in der Schulaula, Kl. Frankiurtcrstr. ö. Dortrag von Frl. Ida Alt mann:»Aus eigener Kraft".— Nachmittags 4 Uhr: Einweihung der neuen Gemeiudehalle, Pavpcl-All« 15—17. Feit« rede: Herr Dr. B r u n o W t I l e. Tamen und Herren als Säfte sehr willkommen. Verniilcdres. Wie ist das möglich? Aus Essen a. d. Ruhr wird folgendes gemeldet: Als der Polizcisergeant Dieckmann sich am 24. d. M. um einen Verletzten bemühte, der versucht hatte, sich den HalS zu durch- schneiden, und ihn zur Anlegung eines Verbandes nach der Wache bringen wollte, wurde er von den Brüdern Karl und Wilhelm LahschieS überfallen und mit Messern dedroht. Trotz wiederholter Aufforderung, zurückzubleiben, fielen die Brüder immer wieder über den Beamten her und brachten ihm sechs Stiche bei. Nun gab der Beamte mehrere Schüsse ab. durch die Karl Lahschicö schwer verletzt und sein Bruder getötet würde. Dieckmann wurde inS Krankenhaus gebracht. Feuer brach, einer Petersburger Meldung zufolge, gestern vor- mittag auf dem Nikolaibahnhof aus. Tie Abteilung für Gepäck und Postpakete ist ausgebrannt und der Wartesaal erster und zweiter Klasse beschädigt. Erdbeben. Nach einer Meldung aus Schcmacba wurde gestern früh gstj Uhr ein t Sekunden dauerndes Erdbeben, das in der Richtung von Westen nach Osten ging, verspürt. Die Cholera bei den russischen Mettapilgern. Eine Meldung auS Konstantinopel vom Lv. Dezember besagt: Der französische Dampfer„Niverne". der vorgestern mit russifchen Mekkapilgern an Bord hier eingetroffen ist. hatte auf der Fahrt von Sinope nach Konstantinopcl drei Cholerafällc zu verzeichnen. Dieselben dürften auf Infektion zurückzuführen sein, der die Pilger in Sinope infolge nicht genügender Maßregeln des Sanitätsrates ausgesetzt waren. Auf Grund eines Jradcö geht der Dampfer nach Dfchcdda weiter. Kriekk»ften 6er k�eäaktlon. Tie inristisch- Sl>tt»ftonv»i erteil«. Silig» Fragen«rage man in der Evrechstnildc vor. Jurich. DaS wäre nur dadurch möglich, daß daS Polizeipräsidium eine Namensänderung zuläfst Die Gcftatiung der Namensänderung würde 50 M. tosten.— H. R. 78. 1. Nein, daS Amtsgericht entscheidet. 2. Die Beschwerde wäre an daS Amtsgericht und Landgericht zu richten. Sie hätte aber wenig Aussicht aus Erfolg. Sobald Anklage gegen Sie erhoben ist, wird auch über die Beschlagnahme entschieden.— 404 W. 1. bis 3. Nein: Spielschulden sind nicht cinklagbar, ebenso wenig sind Sie berechtigt, wegen Spielschutden Gegenstände cinzubcbalten. 4. In der Regel mit Seist und Wasser. Ob im Einzelsalle eine andere Behandlung erforderlich ist, hängt von der Art des Stoffes ab.— ist. L. 4-t. 1. Jede Kirchcnsynod« bestimmt die Höbe der Kirchensteuer In Berlin ist bei einem Einkommen von 1500 M. ab Kirchensteuer zu zahlen. 2. In solchem Falle haben beide zu zahlen. — U. 79. 1. In Nr. 252 tst die Freisprechung mitgeteilt. 2. Darüber muß in besonderem DiSziplinarverjahren erkannt werden. 3. Sie können irgend eine Form wählen.— Otto 30. Etioa 00 M. werden als an- gemessen erachict werden.— O. Z. 00. 1 und 2. Nein— C. K. 78. Lassen Sie sich eine vollstreckbare Aussertigung des AnertcnntinsseS geben und betreiben Sie die Zwangsvollstreckung gegen die Konkursmasse. Ob die Koinpensation des Konkursverwalters, die dieser dann im Prozeß geltend zu machen hätte, durchgreifen wird, dürste recht zwcijclhnjl sein.— — K. ivtüller. Das Dersahren ist uns nicht bekannt.— Äst. C. 18. 1. Ja. 2. Ja, aber er kann Herausgabe der Kinder verlangen. 3. Das Berliner Gericht ist zuständig.— R. B. 80. 1. Nein. 2. Die mit einem nicht aus Akkord angestellten Wcrksührer verelnbavte KündignngSsrist muß mindestens 1 Monat betragen. Die 14 tägige KündigungSstist ist un- gültig. An ihre Stelle tritt die gesetzliche von sechs Wochen zum Quarials- ersten.— Rixdorf. W. G. 100. Im Fall einer Klage würden Sie leider verurteilt werden.— C. P. 02. Sie müssen zunächst ein Schcidimas- urteil erwirken. Ist Ihr Main, unausstndbar trotz privater Forschungen unb Anfragen bei den Polizeibehörden sein Aufenthalt nicht zu erkunden, so wird öt'enlliche Zutiellung gewährt. Sie dürfen nicht vor der rechts- kräftigen Scheidung heiraten, sonst würden Sic sich der nüt Zuchtbaus- strase bedrooleu Bigamte schuldig machen.— W. TS. 1000. Nein. — A. M. 103. 1. DaS ist zulässig, stellen Sic einen dahingehenden Antrag. 2. OessenIIiche Klinik der Cbaritö.— G. B. 100. Leider ja.— <3. M. 17. Eine amtliche Taxe für Hebammengebübren besteht nicht. Der Berein der Hebammen Berlins und der Vororte erachtet 10 30 M. für eine Entbindung, 1—2 M. für jeden Besuch vor und nach der Eni- buidung, 2 M. für einen Nachtbcsuch, 5—8 M. für eine Nachtwoche für angemessen. Die Regierungsverordnung vom 4. Januar 1899 erachtet als niedrigste Sätze 4-10 M. für eine eimache Entbindung, 50 Pj. für einen Tagesbesuch und 1—2 M. für euien Nachtbcsuch. Die hiesigen Gerichte erachten in der Regel zwischen den beiden Sätzen llegwe bei Leuten mit geringem Einkommen. Sind Gebühren vereinbart, so ist die Vereinbariiziz maßgebend. 2. Darüber bestehen keine Bestimmungen. 3. Nein. — Hunbefcind. Wir kommen in den nächsten Tagen aus den Gegenstand zurück. Aber warum verschweigen Sie Ihren Raulen 3 Haben Sie nicht den Nut, sich zu nennen? Verltner Marktpreise. Ans dem amtlichen Berich« der städlilchen Marklballen-DIrcktion.(Großbaiidcl.) Ochsensteilch la 70 72 vr 100 Psd.. ll» 64 60 lila 66 59. Bullenfleisch I,. 67-72. Na 56-66. Kübe. seit 50— 58, do. mager 38-46. Fresser 52-60, Bullen, dänische 53-65. Kalbsteisch, Dopvcüender 115-130. Mastkälber la 85-95 tla 75 84, Kälber ger. gen. 55—71, da. ball. 50—56. Haiimielstellch Mast- lammer 74—76, Hammel l» 66 TD, Na 60 65. im gar. 0,00, Schafe 43—58. Schwei,«estestch 52 60 Redwlld la ver Pfund 0.65-0,80. N, 0)50—0.60. Rotwild la per Psund 0.45—0.48. do. Na 0.00, do. Kälber 0,45—0,50. Damwild 0,40—0.55, do. Kälber 0,50—6,70. Wildschwenie per Psv. 0.30—0.50. Frsschlinae p. Pfd. 0,50—0,65. Kaninchen, protz, Stück 0.80—1,00, do. Nein 0.50. Hasen, groß per Stück 3.50— Z.90, do. mittel und Nein Stück 2.00-3.25. Wildenten v. Stück 0,00. Falenenhähne I», junge 2,25—3.25, do N» und alte 1,50—2,00. Fasanenhenncn 1.00—2,00. Waldichnepjen p. Stück 2,00—2,25, do. II» 1,00—1,50. Hühner, alle. o. Slnck 1,60—2,50, dito II« 1,00-1,40, dito junge 0,00, dito IIa 0,00. laude» la 0.62, do. Ha u. alte 0,30—0,40, da. ital. 0.»5. Enten la Stück 1,80—2.60, do. IIa 1,00—1,75, do. per Md. 0,00, do. Hainburgrr per Strick 0,00. Game p. Pfd. 0.40-0,55. do. Odcrbrucher p. Psd. 0.60— 0.62. do Ueberstände. p. Psd. 0,40-0.50. Boulets p. St. 1,10. Puten p. Pfd. 0,60—0,80. Poularden, deutsche, 2,00—3.60. Hechte per 100 Pfund 0,00, do. mittel 0,00, do. groß 0,00, do. matt 0,00. Zander gross-nnilel 0,00, dito groß 0,00. Schleie. Holl. IIa 0,00, dito uns. 95—103, dito flc n 0.00. Aale, Nein 0,00, dito klein und mittel 0.00. dito groß 0,00. WelS 0,00. Karpfen, 00— 35er 73—76, do. 70er, Gallzier 0,00, do. 40— 50er. Lausitzer 0.00, do. französische 70 bis lOOtr 61—65.-Llöpen 0,00, matt, kloin 0,00, Roddow 0,00. Blei- fischt 0,00. Bunlc Fijche 0,00, dito klein 0,00. Bars« 0,00. Karauschen, matt 0,00. Bleie 0,00. Aland 0,00. Ouappcn 37—41. Winter-RhcinIachS per 100 Psd. 0,00, Amerikanischer LachS la neuer per 100 Psd. 110—130, do. Na neuer 90—100. Seelachs per 100 Pfd. 20—25. Flundern. Kieler, Stiege In 2-6. do. mittel Kille 0,00. Hamb Stiege 3—6. balbe Kiste 2—3, poinm. I» Schock 0.00. Na 0,00. Bücklinge. Kieler per Wall 2—3.00. Straümrder 0,00, engl, per Wall 3,00—3,50. Sprotten, Danzigor, Kiste 0,80—0,90, do. Rügen walder, Kiste 0,70—0,80. Aale, groß per Pfund 1,10—1.40. millelgroß 0,80—1,10. stein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5,00—9,00. Schellsische, Kiste i/ jtzffte" 50 ,oe»-■ 4,00, dito'/a Kiste 2,50. Sardellen, 1902 er per Anker 98, 1804er 38, 1905et 98, 1906er 85—00. Schottische Bollderiiigc 1905 0.00, large 40-14, lull. 38—40, med. 36—42. deutsche 30-40. Heringe, neue MatjeS, ver To. 50—120. Sardinen, ruff., Faß 1,50-1,60. Bratbermge Faß 1,20-1,40, fco. Büchse(4 Liter) 1,40— 1,70. Neunauge». Schocksaß II, da. llcinc 5—6. do. Ziielen- 14. Krebse per Schock 0,00, große 0 00, do. mitlelgroßc 0,00. dito tlcine 0,00 cm 0,00, do. unsortiert 0,00. Galizier, groß 0,00. Secmuschel» 100 Lt. 1,00. Eier, Land-, unsortieri per Schock 4.00—5.80, do. große 6,00—6,50. Butler per 100 Psd. la 133-133, Na 123-128. ffla 116—123. absalleitde 100-106. Saure Gurken Schock 4,00. Pseffergurkon Schock 4.00. Kartoffeln vor 100 Mund Dabcrsche 3,00—3,50, weiße runde 2.50—3X0, map;, bon. 2,75—3,25. Porree, per Schock 1,50—1,75. Mecrreltlch. Schock 4—10. Spinal per 100 Pfund 20—25. Sellerie, per Schock 4—6, do. pomm. 6—8. Zwiebel» per 100 Psd. 2,00— 1,00. PelersMc. grün, Schockbund 0,80—1,25. Rettich, bäurischer, per Stück 0,04—0,10, hienger, per Schock 2.50—3,50. Mohrrüben, 100 Psund 2,00 bis 2.50. Karotten, hiesige, Schockbund 3,00—4,00. Wirsinatohi p. Schock 3—6. Rotkohl, Schock 3—7. Weißkohl p. 100 Psd. 1,00—2.00. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 0,00. Rosentohl, p-r 100 Psund 20-25. ver 100 Pfimd 2,50—3,00. Rübchcn, Beelitzer, per 100 Pfund 3—8, do. Tcltolvcr 10—18. VSkaro!, per Schock 5—6. Endivien, per Schock 3—6. Birnen per 100 Psd. Tiroler 0,00, Kochbirnen 3—11, Tafelbirnen I» 18—25, fco. IIa 6—17, Ital. 18—22. Aepjc!, per 100 Pfund, Tiroler la 22—30, do. IIa 12—20, Tiroler, lose, per 100 Pfund 0,00, do. in Kisten 120 Pfund 32-50, Most-, hiesige, 2-5. Koch- 5—11, Tafel- äpscl la 15—24, do. IIa 8—12. Amerikaner, per Faß 18—30, Italiener, lose, 100 Psd. 8—12. Wallnüfle, per 100 Psd. französische 32 bis 35, rumänische 22—28. Paranüsse 52—60. Haselnüsse, lauge. 100 Psund 42—56, do. runde 40—45. Weintrauben, Älmeria, per Faß 10—18. Ananas I, per Pfund 0,90—1,00. do. ll 0,40—0.60. Banane», gev, per 100 Pfund 8—25. Kokosnüsse per 100 Stück 20—28. Krach- mandei» per 100 Pfd. 70—115. Maronen, ital., per 100 Pfund 9—18. Feigen, Kranz- per 100 Psd. 20-25, do. Trommel- per 100 Pfd. 40. So. in Kisten 20—58. Traubenrosinen per 100 Pfund 80—120. Zitronen. lRelsma. 300 Stück 9,00-11,00, do. 360 Stück 9,00—11,00, do. 200 Stück 0,00. do. 150 Stück 0,00. Apselsiiien, 300 Stück 0,00, do. Murria 200 Stück 7,00—11,00, do. 300 Stück 7,00-10,00, do. Valencia 420 Stück 12—20, do. 714 Stück 14—18. Mandarinen, Schachtel 0,90—2,00, do. 420 Stück 11,50, do. 100 Psund 20-22. Datteln, per 100 Karl. 40—15. JohamliZbrot, per 100 Psund 11—15. «Aitterungvübcrsicht vom L7. Dezember 1007. »euer 2 bedeckt 1 Nebel 7 beb eckt öbedeckt »«! BÄ Ä i z* s» ! I i— 6 —27 8 2 —3 Wetter. Prognose für Sonnabend. den SS. Dezember 1007. Ziemlich trübes, nebeliges Frostwelter mit Echncesällen und mäßiger nordöstlichen Winden. Berliner SetterBnreau. Wasserstands-Nachrtchte« der LanbeSanslalt für ÖewSsserkunde, milgctcssi vom Berliner Wetterburcau. Wasserstand M c m e l, Tilsit P r e g c l. Jnstervmm Deichsel. Thorn Oder, Ratibor , Krassen . Frantsurt Warthe, Schramm , LmidSberg Netz«, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barbq , Magdeburg am 26.12 cm. 06') 10 218 206 214«) 160 118 70 86 -16 286 210 seit 25.12. cmt) — 2 _ o -10 -fl4 _ 2 4-20 -F 5 + 2 0 -15 +28 +24 Wasserstand Saale, Erochlitz Havel, Spandau » Rathenow�) Spree, Spremberg , BeeSkow Weser, Münden . Minden Rhein, MmstmilianSair , Kaub » Köln Neckar, Heiibronn Main, Wertheim Mosel. Trier am 26.12 am 168 113 133 130 146 32 146 338 165 200 75 181 93 seit 35.13. cm') Q - 1 + 1 -18 + 3 + 2 + 2 — 5 + 3. — 15 — 3 I 0 .-11 ')+ bedeutet Wuchs,— Fast.—») Untcrpegtl.—') EiSstand. O Höchster Wasserstand am 25. um 6 Uhr nachm.: 217 cm. Aiir oen Juvall ver Jniera» äiiernitti«»« die 91rbnfiii>» dru, Pnblitn», grgeniivce teiuerlei ?iera»li»>or»»»q. Bamsmammmmmmmm Chcater. Sonnabend. 28. Dezember. Ansang 7'/. Uhr. Königl. Opernhaus. LaTravIata. ilönigt. Schauspielhaus. Wilhelm Tell. Deutsches. WaS ihr wollt. Kammer spiele. Frühlings Er- wachen. Ansang 8 Uhr. Alliang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Zar Peter. Nachmittags 3 Ubr: Frau Holle. Loruing. Der Trompeter vou Säk- llugen. Nachmittags 3'/, Uhr: Rümpel- stilzchcn. TOesiru. Ein Walzcrtraum. Nachmittags 4 Ubr: Schneewittchen. Berliner. Blaubart. Nachmittags 3 Uhr» Till Eulen- fpiegel. «effing. Tom andren User. vieucs. Laccarat. Du-inr,«»..«allner«Tbealer.) GeSildele Mensche». Schiller Eharlotlenburg. Maria Stuart. Friedrich> Wilhelmstädt. Schau, spielhaus. Madame SanS Göne. .'lleincS. Mandragola. Residenz. Ganz der Papa. Zentral. Frau WarrenS Gewerb«. Nachmittags S'/, Uhr: Schnee- weißchcn und Rosenrot. Theaecr an der Spree. HokuS- poku?. Nachmittags 4 Uhr: Dornröschen. Komiiche Oper. Die oertaujtc Braut. Lnkttuielbunö. Sufarensteber. Nachmittags 3 Uhr: Peicr Gm«e- klein. Drianon. Fräulein Jofette— meine Frau. Thalia. Die gewe Gefahr. Nachmittags 4 Uhr: Schneewittchen. Luiie«. Krieg im Frieden. Nachmittags 4 Uhr: Frau Holle. Bernhard llioie. Die Vcrtobung ß» Bett. Die oberen Zehn- taulond. Nachmittags 4 Uhr: Nax und Moritz. Prater. Othello. Nachmittags 3 Uhr: Rotkäppchen. Mecropol. DaS muß man leh'n. «volio. Sylvester Schäffer jr. Sienw. Gentes. Walhalla. Soezialitälen. Folie» Gaprice. Mal was anders. Dunkle Punkte. Eine anständige Frau. Parodie. Wilhelm Tcll. Tanilhäuscr. Monna Panna. Kasino. Biederleute. Gebr. Herrufeld. Papa und Genossen. Wintergarten. Robert Sieidl. Spe- zialttäten. Paiiage. Die singenden Engels- köpfe. Spezialitäten. NeichSdallen. Slettiner Sänger. »r»»in. Tanvrniir.isie«»«'«». 8 Uhr: Kairo und die Pyramide». Sonnabend 4 Uhr: Sizilien. Dternwarre. Jiioalivenm. 57162: Zur Beobachtung: Mars, Saturn, Doppelsterne. Nebelflecke. Uvi-IInezr 1'livnt«;»'. ÜV Täglich: BlaM Neues Theater. Abends 8 Uhr: Baccarat. Sonntag. Montag: Baccarat. Dienstag: Baccarat. Ans. 7 Uhr. tileines Theater. Abends 8 Uhr: Agnen Sorm». �landragola. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Ein Puppcnhcim.(Nora.) AbendSS UHr: Mandragola. liieatek' lies Ueslells. 3 Ubr: läln dVe»I»Oi»tenilnl, Operette von Oslar Strauß. Sonntag nachm. 3'/, Uhr zu halbe» Dreisen: Tie lustige Witwe. Seil tiler-Tli eater. Schlller-Thoater Cfiarlottenborg, Schillar-Thealor 0. sWalllicr-Tdeaier». Sonnabend. nbenfcS 8 Uhr: Gebildete n�nschen. Volksstück in 3 Auszügen von Viktor Lson. Sonntag. II a w m. 3 Uhr: vee KalscrjllKcr. Sonntag, avenos» Uhr: linllezxe Oe»n>pt»n. Montag, abends«Uhr: College Crampton. So n nahe n b. abends 8 U h r: Tlnrta Stnnrl. Schauspiel in 5 Auszügen von Friedrich Schiller. S o n ii i a g, nach m. 3 Ubr: Itzee Richter von Zalnmca. So n n tag, abends 8 Uhr: Her Ucvlnor. Montag, abends 8 Uhr: Itzer Kcvlaor. Panoptikum 165 Fricdriclistr. 165 Castan's Das Schlangen-Ungeheuer mit steinen 27 Jungen. Däumling, der kleinste MaiiD der Welt! Zirkus Sciiumann Heute Sonnabend, den 28. d. M., abends präzise �l|, Uhr: XV. Grande Soirc'c High-Life. Gala-Programm unb zum 8. Male: Amerika enr Zelt d. Shlavcrcl 1863. Original- Maiirgrschaustüit des Zirkus Albert Schumann in 4 Akten u. eigens dazu engagierten ISO schwarze» Leuten. Besonders hervorzuheben: Große Lirmidkatakrophe auf dkl» Lroadwmj iu New Vorli. Zchlust-Apotheoie mit vollständig neuen feeiihasteu Licht- uud Wasseressekten. Sonntag: 2 Galavorstellungen. Nachm. ein Kind fiel, Trianon-Tlieater. Anfang 8 Uhr. Fräulein Josette- neitie Fpaa. Xlll. iÜalKon. Zlrkns Mnseli I Sonnabend, den 28. Dezember. abds. 7'/, Uhr: Ciidii-id l>//.0 Uhr: 2tuf der Hallig k j Sonntag, den 29. Dezember: 2 gr. auBerord. Gala-Vorstollg. Z! Nachm. 4 Uhr und abends Tl, Uhr. I Nachm. 4 Uhr zahlen Kinder unter i lOJahr. auf all. Sitzpl. halbe Preise. I Nachmittags 4 Uhr: 5«hel und Koko. Die entsprungenen Affcn in der Sommerfrische. Auf der Sallig! Luisen-Tlteater. Weidicubcrgcnlr. 34. Nachmittags 4 Uhr: Fran Holle. MendS 6 Uhr: Krieg im Friedett. Sonntag nachnu: Die Ahl, fran. Abends: Amerikaseppek. Mcntag i Krieg im Frieden. fs!el!s!vk-�iilislms!el!!lsi:!iss Stepleitiaus. Madame Sans Gene. Anfang 8 Ubr. Somilag nachm. 3 Uhr: Nathan der Wesse. AbendS 8 Uhr: Kricin- HUdS Rache. Montag: Madame Sans Göne. lortimg-ILiegter Nachm. O'/a Uhr: Rumpelstilzchen. AbendSSUHr: Der Trompeter o.Zädnngtn. Sonnlag nachm. 3 Uhr: Der Freischütz. Abends T'ia Uhr: Die Zauber» flöte._ Lusispielhaus. Nachm. 3 Uhr: Peter Gernetteiu. Abend« 8 Ubr: Hngarcnflebcp. Hans Fischer als Gast._ Residenz-Theater, — Direktion: Richard Alexander.— Ansang 8 Ubr. Ganz der Papa. Schwank in 3 Akten von Mar» und DcSvallidreS. Deutsch v. M. Schönau. Baron des Anbrai»: Rich. Alexander. Sonntag, den 29. Dezember, nachm. 3 Uhr: Der Schlafwageukan- trolle»?. Mittwoch, den I. Januar, nachm. 3 Uhr;(vine Hochzeitsnucht. ZentralsTheatcr. Gastspiel dcs Hebbel-Theaters. Nachmittag 3'/, Uhr kleine Preise: Schuceiveiftchen und Rosenrot. AbendS 8 Uhr: Frau WarrenS Geiverbe. Drain» w 4 Akten von Dernh. Shaw. MDMMM Gr. Fraiitiiirlerstr. 132. Die Berlobuug im Bett Aitsmlg.8 Uhr.— Woche, üagSprrsse. TlraaLa. >iViLsvnsoka.ktIic:k«s Theatsr. 4 ühx: Sizilien. Abends 8 Uhr: HaSro uud die Pyi-auiiden Invulidenstr. 67—62: Sternwarte. Zar Boobachtuiiy;: Mars. Saturn, Doppelsterne, Nebelflecke. Rixdorfer Theater Bürgcrsiile, Bergstrasje Nr. 117. Mittwoch, den 1. Januar 1908: Die Kinder der(Menz. Lustspiel in 4 Akten von SÖoIjogctt. Ansang 7'/. Uhr._ W. �Toacks Theater Dirckiwu: Bob. Olli. Brunucullr. 16. In der Irre. Schauspiel n. d. neuest.„Morgenpost'. Roman. Ansang 8 Uhr. Entree 80 Pf. Nach der Vorstellung: l'uui. Morg. u. solg. Tage: In der Irre. Sonnabend, den 4. Jan. Extravor« stellung: Deborah. Ll'asino-Theater. Lothringerikr. 37. Täglich 8 Uhr, lieber 60 Mal ansocrtaust l Glänzender Ersolg I ZSIeÄvi'lQatv. Komödie in 4 Slkten von ü. Misch. Sonntag nachm. 4 Uhr: Ein Sohn des Volkes. Mittwoch. 1. Jan.. nachm. 4 Uhr: Singvögelcheii— Blumenstrauß. kstrodie-Thellter. DrcSdmerstr. 97. Anfang 8 Uhr Zum 40. Male: XapLenstroleli. Monna Vanna, Sonntag 3>sz Uhr halb« Preis«; Wilhelm Dell. Zapfenstreich. VöflmerZZlk'Ii'w. | Berliner i i anpreise. Felix Soheoer Stnlinlmtr.tt Dienstag, den 31. Dezember, im großen Saale des QewevUscha|ishaittses, Engel-Ufer 15: Silvester- Feier •' unter Mitwirkung des VolkAhnmoristen Herrn Balze. Anfang 9 Uhr.__ Eintritt Inkl. Tanz 20 Pf._ 226 4 Der Vorstnnd. Meiropol-Theaier Beute Ktim 104. Male: Gr. Kevue in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt von Direktor Richnrd Schultz. G. TMelseliep. F. Massarj, B. DariMoil. Beniier, Gianiiiietro, Jösepbi. Anfane 8(Jhr. Rauchen gest. Sonntag. 29. Dezember, nachm. 3 Uhr: m m Am 31. Oszember(Silvester): Sas iii in ssiili! (rSiluester-Caharet (Im IS L'hr: Fanfaren• Sil ve«tcrjul>el. Confettischlacht. Ueberraschungen. Tanzkräiizeiiea. Sonnabend, 4. Januar: I. GroBer Melrcpol-Tiieatef-Ball. Gebr. Herrnteld- Tljeatcr. 57 Kommaiidanlcnstroge Nr. 57. Zlnfang 8 Uhr. BorvevtlUis ab 11 Uhr. Die ersolgreichste Novilät: Papa u. Genossen.! Komödie in 2 Akten m. d. Autoren j Anton und Donai Hermseld. Vorher: Madame Wig-Wag.i Morg. nachm 3 Uhr(halbe Preise):| Die Hcjcrlialus. AbcndS 8 Uhr: Papa und Oenossien und üludaine Wlff- Wag. Am Silvester-Abend: Rieseü LacIi Programmlj mit aiisicrgewöhiilichen lieber- raschungen. Billettvorverkauf schon heute k! Acltvrstr. 0—7. Isxlick: liiestef- und Spezialitäten-Vorstellung. Auftreten 15 Künstler- Spezialit. Raucher bevorzogen allgemein Ä Zan Z* SivriSH Zigarettenfabrik„HÜlU", Dresden. Am zweiten WeihnachtSseicrlage verschied nach langem, schwerem Leiden plötzlich und unerwartet mein innig geliebter Gatte, unler guter Vater, Bruder, Schwiegervater, Liifcl und Schwager, der Theaierdircklor und Gastwirt Aegidius Diez im 54. Lebensjahre. Landsberger Allee 76/91 und Lichtenberg, Röderflr. 11/13. Wir verlieren in dem Enlschlasenen einen unersetzlichen F2r- ssrger I Um stilles Beileid bitten im Namen der Familie Frau Louise Diez geb. Zastrow. Waldemar Diez als Sohn. Frao Frieda StrOwing als Tochter. Alfred Strüwiog als Schwiegersohn. Die Beerdigung findet vom Trauerhause Lichtenberg, Röder- strahe tt/13, aus am Montag, den 30. Dezember, nachmitlags 2 Uhr, aus dem Pius-Kirchhose in Hohen-Tchönhausen statt. (jrsnd-�estsiirsiit mit Stadlküche MiSTr.,«.!»lianiS-Säle Ju|0We7n"au. Sonntag, de» 29. Dezember 1907, im Titauen-Saal i Große humoristische Soiree der Vlktorlu-Slinger, Dirigent Herr(üdrn. Empire-Saal: Teil2"ReUBllOJI» BaN-Orchefter. Im Wilhelm Busch-Aiestanrant! liitnat>vi--Fi'«ll««n».«i-t. f aiast-Theater _ Bnrgsiraste 34. Heute 8 Uhr WJ LflgT- Entree 30 Pf.-7W« Der Riesen-Weihnachts- Spielplan. Am iieiiigeu Adeud Lebensbild. Lona Rev6e Luna= Quartett Leg61 usw. �ÄieLiiJ" SM-Eisltalin, Äöbcniclerfteafje 68. Nachm. 3 Uhr bei ca. balben Preisen: DornrUschen. Abends 8 Uhr: Hokuspokus. Nene Berliner Posse mit Gesang und Tanz von Louis Herrntann. Sonntag 3 Ul:r bei kleinen Preisen: Arn grlineti Weg. Abends 8 Uhr: Hokuspokus. t Passage-Theater.| Abends 8—11 Uhr. 3 Die singenden Engelsköpfe Bartln Sfoftncr Erna Fröhlich und daZ grostartize Dezember-Programm. keicksksiieu-Ikealer. 8tettlaer 8l»nger Ansang wochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Dienstag, 31. Dez.: Lr. SiWesier- Üik-Soiree mit Danzkrniizchen. Reichshallen-Nestaiir.: /Wilifar-KonzeiT. Sanssouci SottDuser StrsBe 6. Direktion: Wilhelm Ralmer. Sonntag, Montag und Donnerstag: BllüüiZiiliZ kiliTilll.Sziigep und Danzkränzchr». Morgen Sonntag: Gr. Elite- Soiree und ES?- Tanz, gtgr Sonntag Leginn 5, wochentags 8 Uhr. Am Siloester-Wend: Extra-Zilvester-UU- Vorstellung. Dienstag, 7. Januar 1008: I. gr. Spezialitäten- Vorstellung. Erst- llasfige Kiinstfer. Eingang Erbanxtraßc und(ilcibointraUen- Ecke, eröffnet. gofastoffe Riesenauswahl aller Qualitäten. Wolle- Dncfal llooqnett«. PIBsch Sattellaschen Muster b. näh. Angabe franko. Elilil['Mm. o"enten"t'r 188. Kellers Festsäle, Koppenstraße 29. 1. Januar I008. abends 7'l, Ehr: Lustige Neujahrs-Feier. _ Leitung: Margarete Walkotte. 1 Ana I anH die bedeutendste deutsche L.C11C L,ctll(J Parodistin als Gast. Frl Becker, Konzortsängerin. Frau llka Panlef, die lustige Schwiegermutter Marg. Walkotte, Knill Walkotte, Herr Beruh. Xitatttcbe am Flügel Herr Wicnicr. Entree 50 Pf.— Im Vorverkauf bei Herrn Horsch, Engel- Ufer 15 n. in Kellers Festsälen. An der Abendskasse 60 Pf. AnscblieGend: BALL! Altersvalber Bolel- Restaurant sofort billig zu vcr- t kaufen. Seit Jahren Hauptquartier der Bäcker-, Schlächter- lind anderer Vereine. Voriresjliche Lage. Billige Miete. Günstige Gelegenheit für ener- gischcs Ehepaar. Englisch nicht not- wendig. Deutscher Verkehr.* Cfjcrten: Weiler, 10 Leman Street, Whitechapel, London E. Wegen Aufgabe der Musikwerkej ÄgfcefeSonh�Sprecliinascliinenusw. zu sehr billigen Preisen zu kaufen. Trotzdem bleibt die Abzahlnng wöchentlich nur[ ==== Eine Mark 1 Zu jeder Maschine vier doppelseitige la Platten gratis Gegen Cassa 30 pCt. Rabatt. fablaxij Große Frankfurterstraße 37 Eane ätiark wöchnitltlte Tcil-adlung tiefer« elegante fertige 1852 tletren-sjnrderolieii Ertaz für Maaß. Anfertig unq cucti Haas., Tadellose tlutfuSruag. Julius Fabian, Schneidermeister, Gr. Frankturtersti. 37, a Elnaang ettaasbetset Platz. n. ?un»e Gänse, junge HDhner, Tauben empfiehlt reellst F. Wegner, Berlin, Mariannenstr. 3t. fette. junge Enten, Heute und folgende Tage: Auftreten von; Robert Steidl, Liane de Vribs, Kilty Görden, Tan Kwai• Truppe, Flood Brothers. Starr und Leslie, Boganny• Trupps, Die Tillcr Girls, Brunins, La Bdrat, Togos, Tenji• Trappe, Der Biograph etc. Theater Folies Capriee LInienstr. 132, Ecke Friedrichstraße. Xal was Anderes. Revue mit Gesang i» 3 Bildern. Itznnkle Piinkte. Eine anMtliiuligc Frau. Ansang 8 Uhr. Ansang 8 Uhr. Eulree 50 Pj. Sonntags 7 Uhr.(Sonntags reserviert I M., Entree 50 Ps.i FamilicnbillettS a 40 Pf. Nch Kiiitäl'-Koniel'l. Lecker, PrzpwarSki, Görisch. Neumann. Ofieneq und Lültich! Gliarlnttenburg. PotNtlanierfitruUe 11. ilru!(Flroaut! lutfrfjlnnt! Täglich Vorstellung von 5— U Uhr. SonniagS von 3—11 Uhr. Sieiigcr Eingang von Neuheiten. nur Ich kaufe -—•T-««Idpcrle „Marke Kaminfeger*4 ait den prächtigen Geschenken in jedem Paket, spricht Anna zur Marie, verlange oieje Marke auch, und Du wirst sicher nichts anderes mehr laujen. In den meisten Kcschästcn a 15 Ps. zu haben. Borsichl beim Einlaus I Man achte aus den ges. gesch. Namen.Goldperle" und den Kaminscger l ifabribnl: Karl Gentner, Göppingen. Allcinverkauss. Berlin u. Umgeg.: Andrea« LsSp»r, keflin 80., losephtzlr. II. Fernsprechamt IV, 6266 erasMe das FruhsliJcK tri Sanafoncriund KUnlKa, für KranKe und«a Kräftigung DedüdÜp ictoria- Brauerei| Fernst Amt Kr, 3835 Akticn-Ocscllsehaft "WT*™ Berlin und Stralau Ä�tTi!rccher: cmpflchlt in Gebinden und Flanchen t Victoria Saatzer�Bräu(Pilsener Art) Victoria ExportsBier(Münchener Art) Victoria TafeSsBier(ganz hell) BocksBier(hochfein) # I# Q ZentrafTerliaiiiJtlerDacliieekep. Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachrichi. dost unser langjähriges Mitglied iFrsBize ¥oig4 am 24. Dezember gestorben ist Ehre seinem AudenkeuZ Die Beerdigung findet am S onntag. den 23. Dezember, nach- mittags 2st« Uhr. von der Leichen- halle des neuen Schäneberger Kirchhofes(in der Maxsirastej aus siait. Zahlreiche Beteiligung erwartet 57)11 0er Verstand Am Dienstag, den 24. De- zember, abends T/, Uhr. verstarb plötzlich mein lieber Mann und guter Vater, der Schrislsetzer Edwin kie�er im Alter von 40 Jahren. Um stilles Beileid bitten Diiwe Boss Heye« geb. Marks nebst Tockiler. Mutter. Schwestern. Brüdern und Eltern. Die Beerdigung findet am ! Sonnabend, den 28. d. M.. nachm. 2'/, Uhr, vom Trauelhause See- siräste 68f au«, nach dem Nazareth- lirchbos in West-Reinickendors statt. Dezember starb nach j > dreitägigem Krankenlager an Herz- iähmiiug unser treuer Mitarbeiter.| | der Faktor Kerr El!«!» kexer. Wir verlieren in deni Dahin- geschiedenen einen fleistigen tüchtigen Mitarbeiter. LILSb I Er ruhe in Frieden! Berlin, den 27. Dezember t307. j Beinke«S Grnnwald, Buchdruckerei, Prinzen siraste 49. Am 24. Dezember, kurz vor seinem 50jährigcn BcrusSjubiläum. starb nach achllägigem schweren Leiden ganz unerwariet unser allverehrter Mitarbeiter, der Schrislsetzer ksrl Schmidt ausGrciisten(Schwai'zb.-SonderZ- hausen) im 65. Lebensjahre. Sein Andenken wird sleiS in Ehren bewahren Das Personal der Königl. Hosbuchdruckerei von L. 8. Minier& Sohn. Die Beerdigung findet heute, Zonnabend, den 28. Dezember, ! nachm ltags 3 Uhr. aus dem Geihsemane-Kirchhose stt Nordend > llait. 2t8Zb Danksagung. 13702 Sage allen Freunden und Bc« kannten, besonders den Hausgenossen sür die stille Teilnahme und die vielen Kranzspenden bei der Bc- erdiginig meiner lieben Frau, unserer guten Mutter unseren herzlichsten Dank. Gustav Habermann und Kinder. Dr. SimmeS Spezial-Arzt für Haut-( und Harnleiden. Priiizenslr.4l,"""" am 10—2. 5—7. Moritzplatz, Sonntags 10—12, 2—1 Dr. Schünemann övezial-Arzt sür 1492* Bant-«»,1 Bit rn leiden, Frane nkrun Ii bell en. Friedrichsir. 203, Ecke Schützenstr. 10—3. 5—7, äomit. 10— 13 Uhr. PelzioareQ direkt aus der Fabrik, auch im Einzel- bcrkaus zu Engrospreisen. Stolas, Kolliers, Mutten, lehr schick garn.. Oawsnhvte, Karotts, Herren-, r.nahen- und IckSd- eben. Garnituren, FußsSike, Jagdtaschen, Pelztepp. SämtL gangbaren Pelzartc» a. Lager. Grage Auswahl. Bestes Material. Keine Baiarware, leine Rcilcinuster oder segenannt» Gelegenheitskäuse, trotzdem billiger. F. ECaimati, jetzt nur kommniibnittriistr. 15.», gegenüber Beulbstr.. beim Döuhossplatz. Verkans bis 9 Uhr abends. SomuagS gcüpnct. Tclevhon I 3917._• x A. B. KosS) 5? KoliIen-GroO-Haiuliiini; Berlin 0. 3»,•ilroiitbergerftr. 16. Preise sür nur la Marken ab Platz von lO Ztr. an: Prtma la Halvfteine(betannte Marten).. pr. Ztr. 97 Ps. , Pfannerschaft... i.gz . la Diu, iiuiii pr.Ztr.(nu bis 120 Stck.)... 1,05 25. , la Ilse u Akiv.... i.oz M. . laStiithrazitEaddp.ZIr 3,40M. Koks, Sieintohlen usw. zu den hilligsten Tagespreisen. Anliejerung srciücller je nach Lnanlum pr. Ztr. 10— 15 Pj. mehr.— Bei Original» Lerantwortlicher Redakteur: HanS Weber, Berlin. Für den Laggons und gröberen Abschlüssen _____________ verlangen Sie meint Spezial-OsserL gnferottntel! veramw.: Th. Glitte, BerlinT�Dnick v. Verlag? BorwärS Buchdruckeret u. ÄerlagianstaU Paul Singer& Eo.. Berlin SW� Kr. 302. 24. Jahrgang. z. Mm Ks Lmiirls" Knlim KIIisM. Iomadeid. W DWiber IM. Sie Lhre äer arbeitswillige». Ein Glasschleifcr namens Düsing hat sich einreden lassen, der„Vorwärts" habe ihn beleidigt. Düsing hat deshalb auf freund- schaftliches Zureden von der Seite, die ihn vcranlaßte, sich bc- lcidigt zu fühlen, unseren verantwortlichen Redakteur, Genossen Weber, verklagt und stand ihm gestern vor dem Schöffengericht gegenüber. Am 1. Mai hatte der„Vorwärts" ein kammcrgerichtlichcs Urteil besprochen, welches in einer Zivilklage dem damaligen Kläger Düsing einen Schadenersatzanspruch zuerkannte gegenüber einem Bevollmächtigten des Glasarbeitcrverbandes, von dem das Kammcrgcricht annahm, er habe den Düsing aus der Arbeit ge- bracht, indem er die Arbeitsniederlegung der übrigen Arbeiter an- drohte, falls Düsing. ein früherer Arbeitswilliger, der auch noch aus anderen Ursachen die Achtung seiner Mitarbeiter verscherzt hatte, nicht entlassen werde. Die Drohung verstoste gegen die gute Sitte. — Dies Kammevgerichtsurteil hatten wir an der Hand der Urteils- bcgrünvung kritisiert und in der Kritik gesagt:„Wenn hundert ehrenhafte Arbeiter sich weigern würden, mit einem, den sie als notoarischen Lumpen kennen, zusammenzuarbeiten, so kann das nach dem Kammergerichtsurteil als Verstost gegen die guten Sitten an- gesehen tverdcn. falls nur festgestellt wird, daß dieser Lump eine von der Mehrheit seiner Arbcitsgenosscn abweichende Stellung im Loynkampfc hat." Durch diesen Satz ist natürlich nur angedeutet, welche Mög- lichkciten sich vorkommcndcnfalls auf Grund des irrigen Kammer- gcrichtsurteils ergeben könnten. Eine Bezugnahme auf die Person des Düsing ist nach dem Zusammenhange, in dem der an- geführte Satz vorkommt, völlig ausgeschlossen. Trotzdem bezieht Düsing das Wort„Lump" auf sich. Das ist um so auffallender, als kein Mensch, der die Kritik des Kammergerichtsurteils liest, auf den Gedanken kommen kann, dem Düsing durch seine Klage Ausdruck gibt. Düsing selbst würbe auch wohl keine Beleidigung in unserem Artikel gefunden haben, wenn ihn nicht jemand der- anlastt hätte, sich beleidigt zu fühlen. Wer anders könnte wohl dieser jemand sein, als irgend ein Unternehmer- verband, der ein Interesse daran hat, die ganz besondere Ehre der Arbeitswilligen zu schützen und den„Vorwärts" verurteilt zu sehen?— Dast Düsing nicht aus eigenem Antriebe den Prozest angestrengt hat, ist durch fem Verhalten vor Gericht erwiesen. Die Klage ist. nämlich erst nach Ablauf der Verjährungsfrist ein- gereicht. Düsing behauptet aber, auf den am I. Mai erschienenen Artikel sei er erst nach dem 1l. Juni aufmerksam gemacht worden. so dast also die Klagefrist innegehalten sei. Wer"den Kläger auf den Artikel aufmerksam gemacht und ihn beranlastt hat, sich be- lcidigt zu fühlen, sagte Düsing nicht, oder wohl richtiger: er durfte es nicht sagen, denn sein Anwalt, der sich als Vor- mund des Klägers zu fühlen schien, hinderte ihn daran, auf die von Weber und seinem Verteidiger, Dr. Kurt lltosenfeld, gc st eilte Fragen zu ant. warten, welche dahin gingen, ob nicht der Arbeitgeber- verband die Klage vcranlastt habe. Ter Vorsitzende des Gerichts gab der Meinung Ausdruck, dast es doch sehr zweifelhaft sei, ob der Ausdruck„Lump" über- Haupt auf den Kläger bezogen werden könne, und wenn eine dies klarstellende Notiz im„Vorwärts" erschiene, dann könne doch der Kläger die Klage zurücknehmen.— Weber erklärte sich zu einem Vergleich auf dieser Grundlage bereit und betonte, er habe schon vor dem Schiedsmann erklärt, dast der betreffende Ausdruck, wie aus dem Artikel selbst hervorgehe, sich nicht auf die Person des Klägers beziehe.— Der Anwalt des Klägers wollte aber sich mit dieser den Tatsachen entsprechenden Erklärung nicht be- gnügen, sondern in aller Form eine Ehrenerklärung für seinen Klienten haben. Das lehnte Weber natürlich ganz entschieden ab, weil er dem Düsing gegenüber gar keine Veranlassung zu irgend einer Ehrenerklärung habe.— Der Vorsitzende bemühte sich wiederholt, den Kläger zur An- nähme des Vergleichs zu bewegen, aber Düsing, beeinflutzt durch leinen Anwalr, lehnte den Vergleich' ab.—„E r darf sich nicht vergleichen, denn der Arbeit- geberverband will es nicht," sagte Weber. Voraussetzung einer Strafverfolgung wegen Beleidigung ist, dast der Strafantrag rechtzeitig, das heistt innerhalb drei Monaten nach Kenntnis von der Beleidigung und der Person des Be- leidigenden, bei Gericht, Polizei oder Staatsanwalt gestellt ist. Die Strafverfolgung ist nur statthaft, wenn diese Voraussetzung vorliegt. Werden nicht vom Kläger Tatsachen angeführt, die bc- weisen, dast der Antrag rechtzeitig gestellt ist, so ist die Klage wegen Mangels einer wesentlichen Prozcstvoraussetzung abzuweisen. Im vorliegenden Fall ist Strasantrag erst am Ii. September gestellt. Der Angeklagte Weber beantragte— unter Protest gegen eine Bc- weislast—, den Schiedsmann darüber zu hören, dast Kläger den Artikel bereits vor dem 11. Juni gekannt hat. Das Gericht bcschloh, dem Antrage stattzugeben und deshalb die Verhandlung zu vertagen._ ömchts- Zeitung. TaS hannoversche Verbot von Sammlungen für gültig erachtet. Der Agitation für den A r b e i t e r t u r n e r b u n d diente eine Versammlung, die in Blumenthal stattfand. Am Vorstandstische fast u. a. der Genosse Westphal. Es wurde von ihm ein Antrag auf Veranstaltung einer Sammlung zwecks Deckung der Unkosten gestellt, Der anwesende Gendarm erklärte eine nicht genehmigte Sammlung für unzulässig. Von der Erledigung jenes Antrags wurde Abstand ge nommen. Dagegen veranlasste jemand, der später nicht festgestellt wurde, die Ausstellung eines Tellers aus dem Vorstandstische, Während man nun nach der eigentlichen Versammlung gemütlich beisammen lvar, legten die Teilnehmer freiwillige Beiträge auf den Teller, indem sie an den Tisch herantraten. Es kamen M. zusammen,— Westphal wurde demnächst in zweiter Instanz vom Land- gericht Verden wegen Ucbertretung des alten hannoverschen Polizeistrafgesetzbuchs zu einem Verweise verurteilt. Er sollte den§ 119 übertreten haben, welcher den mit Strafe bedroht, der ohne Erlaubnis eine Sammlung(Kollekte) von Geld oder sonstigen Beiträgen oder von Unterschriften dazu unternimmt. Westphal wurde als Akitunternehmcr einer solchen Sammlung an- gesehen. Das Landgericht führte aus: Bei der Auslegung des§ 119 komme in Betracht, dast 8 121 von der Anivcndbarkeil deS§ 119„Samnilungen bei Mitgliedern einer Gesellschaft oder eines Freundeskreises durch ein Mitglied derselben" ausnehme, Dakaus ergebe sich, dast§ Ilü im übrigen in einem sehr weiten Sinne aufzufassen fei. Als Sammlung im Sinne des§ 119 müsse jede Tätigkeit angesehen werden, welche bewirke, dast freiwillige Beiträge hergegeben würden zu einem bestimmten Ziveck. Daruin handle es sich hier und Angeklagter, der am Vorstandstische fast, sei als Teil- nehmer der Sammlung anzusehen. Die AiiSnahmen des 8 121 träfen auch nicht zu. Ein geschlossener Personenkreis, zu dem Dritte nicht Zutritt hatten, habe nicht vorgelegen. ES könne deshalb nicht von einer Gesellschaft die Rede sein und ebenso wenig von einem Freundeskreise. Angeklagter legte gegen daS Urteil Revision ein, die Rechts- anwalt Dr. Kurt Rosenfeld eingehend rechtfertigte. Der er st c Strafsenat des Kammergerichts der- warf aber das Rechtsmittel mit folgender Begründung: ß 119 des alten hannoverschen Polizeistrafgesetzbuchs sei noch gültig. Er gehöre zu den Bestimmungen dieses Gesetzes, die durch die Verordnung von 1867 ausdrücklich auftechterhalten seien und er gelte noch jetzt, weil daS Reichs-Strafgesetzbuch bei der Reform die Materie nicht geregelt habe. Er sei hier auch ohne Rechtsirrtum angewandt worden. Davon, dast die Sammlung eine öffentliche sein müstte, spreche die Bestimmung überhaupt nicht. Ein Vorliegen der Ausnahmen des 8 121 sei ohne Rechtsirrtum vom Landgericht aus tatsäckilichen Gründen verneint worden. Die Entscheidung trifft daS richtige nicht, denn nie und nimmer kann das Sitzen an einem Vorstand'stisch als„Sammeln" erachtet werden. DaS Kammergericht übersieht auch, dast zwar die Vcr- ordnung von 1867 88 119 und folgende des althannöverschen Straf- gesetzbuchs wie manche anderen veralteten, reaktionären PolizeistaatS- Vorschriften aufrechterhielt, dast sie aber diese Vorschriften lediglich so wie sie nach h a n n ö v e r s ch e m Gesetz und Rechtsprechung zu verstehen waren, übernommen, aber nicht durch preustische Juristen- Interpretation geändert wissen wollte. Die Juristen auch deS reaktionären Hannovers waren viel zu sehr mit gegen Ostelbien modernem Rechtsempfinden durchtränkt, als dast sie je eine Jnter- prctation, wie sie jetzt beliebt ist, gebilligt hätten. Aber sei dem wie ihm wolle: wnS dem einen recht sein soll, sei dem anderen billig. Ist die haunövcrschc jkollektenverorduung so auszulegen, wie sie vom Rammergericht jetzt ausgelegt ist, weshalb werden dann nicht der Flottenvereiu, der Reichsvcrband und dergleichen eifrige Sammler auf Grund der Kollektenverordnung angeklagt? Vermischtes. Der Wiener RegimentSkassendieb verhastet. Der Kaflendieb Leopold Goldschmidt, der am 21. Dezember die Kasse deS 42. Artillerieregiments um 39 990 Kronen beraubt hat, ist, wie aus Wien berichtet wird, am Donnerstagabend in Freistng in Bayern verhaftet worden. Man fand bei ihm noch 21 249 Kronen und 89 M. Goldschmidt kam nach Freising mittels eines Motorrades, das er in LandShul für 699 Kronen gekauft hatte. Dem Verkäufer des RadeS kam eS verdächtig vor, dast Goldschmidt daS Rad kaufte, ohne zu handeln und auster den 599 Kronen noch weitere 1909 Kronen sehen liest. Er verständigte die Polizei von seinem Verdachte, die wiederum der Polizei in Freising Mitteilung machte, die ihrerseits sofort die nötigen Mastregeln traf. Kurz nach 2 Uhr fuhr Gold- schmidt durch Freising und wurde vor der Polizeiwache von einem Schutzmann angehalten und behufs Feststellung seiner Personalien auf die Polizeiwache gebracht. Hier gab Goldschmidt zunächst eine Reihe falfcher Namen an, zeigte einen Heimatschein mit dem Namen Oefner, Fabrikantensohn, gab aber schließlich zu, der Kassenräuber zu sein._ Feuer im Theater. Nach einer Meldung aus Madrid brach in R e q u c n a(Provinz Valencia) im Theater eine Fcuersbnmst aus. wodurch eine furchtbare Panik entstand. Bei dem Gedränge wurde ein Mädchen totgedrückrf zwei andere wurden schwer, viele Frauen leicht verletzt. OelesenlielMM! Damen Tanz-Schnhe»»» fubicem 6»tin,«tu»» Spauge, nur solang* Vorrtl...................... jjamen Lacktnch-Spangen-Schnlie mit durch- bmhcner Spange, nur solange Vorrat. Damen veisse Leder-Spangen-Schnhe-»»«•- •tut Ledersoble o. hob. Absats, nur solnnga Vorrat Damen Goldtnch- Spangen-Scbolie u» ah«. neueste, nur solange Vorrat...................... Hamen weisse Leder-Spangen-Schnhe m. dorcu- U genahter Ledersoble u. beb. Aba, nur solang* Vorrat Damen Ealhlack-Spangen-Scbnbe teicht«nd elegant, nur solang* Vorrat................... ,,, H elegant, nur solange erreO Tanz-Schuhe tu moderner Form, aar solange Vorrat............................... Damen Gemsleder-Tanz- Schuhe obn* Spang., 950 ■ehr Echiclc...................................... 9 M Damen weiss Leder-Spangen-Scbuhe mit mehre, er 00 reo Spangen................................ 6.75 V M Damen Goldkäfer-Spangen-Schnhe.ehr aPm, C 75 hochmoderne Ausfunrang................... 7,75 tß M Damen Ia Kalblack-Spangen-Schuhe mhoch-£50 moderner Ausaiauung................ 8.60, 7.50 V M Damen Gesellscbalts-Schnhemitoitterapan««,£75 hochelegant......................................%ß m Damen weiss Glaceieder-Spangen-Scbnhe mit 000 darchbrocinCloidstick., das AUerniinste 12.50, 10.00 O M II|| ee Ä Herren Ball- u. Gesellschafts-Stiefel: Echt CbeTTean-Schnttr-SUelel mit Lack-| A50 ■ierkappe, netfeste Form..................... A W M SCbnOr* Stiefel mit bestem Kalblaekbesata, f O .Original Qoodyear-Well", das Liegau teot* A£ 50 M iJßeac6ün&e\ \ Mt; •: Atteste u. bedeutendste Schuhwaren• Fabrik veutslbtonSs welche ausschliesslirii eigene Geschäfte unterhatt*. .................n. : Jian; \&nau,a(ifüfaene\ 1 1» : fy/mecti&eCungm- : den. eu vmruuaen.'x Mehr eigene— in 83 Städten des Deutschen Reiches beflndlicbe Geschäfte. Davon in Berlin und C., Roteuthalcrstr. 14 C., Gertraadtenetr. 22 vie-ä-vIsd.Petrikirche frnberSpittelmarkt 15 W., Potsdamerstr. SO Wir bitten genaa auf die Hausnummer Cft nu a'.Ilten 311 W., Schilistrasse 16 SO., Oranicnstr. 32, awiseben Oranlcnpl. und Adalbertstra-so SO., Oranienstr. 2 a SO., Wrangelslr. 49 8W., Friedlich Str. 240-241, am liali. Tor NW., Turmstrasse 41, Ecke Oldenburgerstr. NW., Beusselatr. 29 NW., Wilsuackerst. 22 O., Andreasstrasae SO O., Frankfurter AUse US Umgegend: N., Danzlgerstrasee t N,, Mflllerstrasse 3 N., Friedrich-Strasse 127, schräggegeaober der Oranienburg» rstr. N,, Rclnickendorler- Strasse 21 Charlotteabnrg> nur Wilnsersdorlerstr. 122*123 Rixdorf: Bergstrasse 30-31 . Potsdam: Braadenhnrgcrstrasse 54 Partei-Speditionen: Kenfrum I: Fritz Zinke, M-merstr. 89. Xciitriim II: Siliert H a h n i i ch, Slugilststr.!i0, Eingang Ioachimsiratze. S. tzVltKINt'ett«, W e st e n: Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14, Hoch parterre. Süden und Südwesten: Hermann Werner Gneisenauftr. 72. staden. Wnblkr»'!«: St. Fritz. Priiizenstr. 3t, Hos rechts pari. :v1> I ki'c im: On e n: Rovcrt W e n g eis, RüderSdorserstr. 3, am Küstrinervlatz.— Wilhelm Mann, PclerSburgerplatz 4(Laden). 4.«Iillircl», Südosten: Paul Böhm, Latisitzerplatz 14/15 /Laden». S. Leo Zucht, Jmmauuelkirchstr. 12(Hos). 0. WiihlUroiK(Moabit und llannavlertcl): Karl Anders, Salzwedelerstr. 8, im Laden. HV«>»t>U»ir: Karl Weiße. Nazaretbkirchstraste 40. und VorstaNt: Hermann Raschle, Ackerstr. 36. Singang Slnklamerstraste. tZe?»«» n<1ki'»»»<>n: F. Trapp, Stettincrstr. 10. VaH'xtnilt: Karl MarS, Lychenerstr. 123. 4It-44Il«?nt«!kv: Wilhelm Dürre, Ziudoiverstr. 83 N. Clini-Iotfcnbiivg: Gustav Scharnb crg, Sesenheiinerftraße 1, Eile Goetdesiraße, Laden. Ltz'ilnivi'ietoi'f.IIltle'iii»««: Georg Jecse, Berlinerstr. 46, Laden. I�IvIttvndvi'K, id'i'ieeli-Iclixt'olete, tzVilltelulsdorx: Otto S e i t e I, Kronprinzenstraße 50, l. IIi>i»nivI»,1»u>'tr, IIoxN»svn:Sl. Rosenkranz, M-Boxhagen 56. <«i'tinn»: Otto Schröder, Köpenickerstr. 1. und ITalkcnders: G. Pfeifet, Bohnsdorf, Ge- noffenschaftshaus. kitx,k«>-i': M. Heinrich, Reikarstraße 2, im Laden. p»? Ii i»u i'xQ»«t» n f: Gustav K a m i n s k y, Cuiiostraste 2. �«'UiinQboi'N: Wilhelm Bau ml er. Marlin Lulherstr. 51, im Laden. Tompelhof: A!. Müller. Berlinerstr. 41,42. Olier-HcliOnetvcUIo: Julius©i tttiotu, Edisonstr. 10, I. Biieder-McliUiicncide: BonakoloSkn. Hasseliverderstr. 3. d«»t>,»»»t»ltt>al: Franz Hünold, Kaiser Wilhetmstr. 18 III, Eingang Parlftrafje. : Erich Steuer, Haikenberastr. 5, H. liste»'!»!»»««;»: Friedrich Baumann, Luikenwalder- ftraiie 4b. ü tiprnick: Friedrich D o i ck, Kietzerstr. 6, Laden. li'i'Isdcneui-�tcixMta-�iUelvnei«-: H. B e r n f e e, Schloßstr. 110, Sof I, in Steglitz. Bestell mtgen«tthiuen entgegen in Steglitz: . M o h r, Duppelstr. 32, und Fr. S ch e 1 1 h a s e, Ahorustr. 12a. lNunivi,»!<,>>«': Hermann R e i ch a r d t, Chansieestr. 27. Hauitisckulvmv va: Stock. Ernstsir. 2, II. '»«pteMv: Ziob. Gramenz. Kiesholzstratze 412. Laden. Ason-tzVoikenne«: K u r t F u h r m a u n. Sedanstr. 105, parterre. AvIntokv>i«Ioi>I'- 1 1 1> o 1»i sru h und Sohttnholz: P. G u r s ch. Provinzstrabe-Ecke Grünerweg(Eingang Grünenoeg). Votrol. ttouilkirrrnleiv, Wittenuu,>VulilmaiinMliiHt, llerniMdorf und Kcinickemlorf• West: Paul Kienast, Borsigwalde, Räuschslrasje 10. I�iu>korv.XIeU»I>mi<,r»I>I<', Xvutkon. und IIt»ik«I« �.dlasv: SllfonL G r ä tz, Eichivalde, Krouprinzeustr. 82, 1. stpoltarv: Wilhelm Ketzler, Hohersleinweg 7. : Wilhelm I a p p e, Priesterstr. 46. Sipniid»«: Koppen. Jagoivstr. 0. Zlakl,«!«»'? und liaulzdorr; Albert Schmidt, MahISdors, Voigt- strasje 2. Säniiliche Partesltietatm- sowie alle wiffenschassstchen Werke werden geliefert Annahme von Inseraten str den„Uorwärts". Oer Bitte aasschneidon.~W0 der Ovtsuevein Berlin. Sonntag, den£9. Dezember, vormittags 10 Uhr: MitgiiedersVersamml&eng: bei Boeker, Weberstraße 17. Tages-Ordnung: „Zur Jahreswende46. Referent: Genosse Waldeck Manasse, Zahlreiches Erscheinen erwartet Achtung! (130,'14] Achtung! Der Torstand. Vcrbaiid der Mimr, Itciiiholslczcr und vemandteu Kkrufsgenosseu Denislhlailds. {Ahl, I SsoSierer.) Sonntag, den 39. Dezember, vormittags präzise 10 Uhr: Ailßcroriiriilliiiit Gciicral-Nersaiuiiilnug bei Boeker. Weberstraste 17. 281/18 Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht vom 3. und 4. Onartal. 2. Bericht deS Vorstandes. 3. Neuwahl des GesiimtvorstandeZ. 4. VerbandZangelegenheiien. ■ Der hochwichtigen Tiigcsordnung wegen ist es Pflicht eines jeden Aiitglicdes, zu erscheine». Im Slustrage des Borstandes: ZI. Botzke. > llölllscliss Metallarbeiter-Verband. Zranche der Former und Zerufogeuojfen und für den Kezirü 11 Moabit). Heute Sonnabend, den 28/ Dezember, abends 8'/» Uhr, NN grasten Saale der Germania-Prachlsiile, Ehausseestr. 110: �steoaomisLker Vortrsx: Line VsÄenmg äurek das Weltall. Ausgestattet mit über 100 Lichtbildern. Bortragender: Herr Direktor Dr. Archenhold. Nach dem Vortrag- Tanz. H�eu. die am Tmz�teil».ehmcn. zahlen Die Kollegen werden ersucht, mit ihren Damen recht zahlreich zu erscheinen. 191/8 Dir Brancheuleitung. Üteujahrskarten! Bekannt billigste Bezugs- eiueUe für Händler und Wiederverkauf er. Witzkarten, 100 Stck. 30,40 n.65Pf.— Transparcnt-Wltzpost- karton— Geprägte Golddrnckpostknrton 1008, lOOStck. 65 ff. Gröflte Auswahl in besseren und ganz feinen Karten. S.& Q. Saulsohn, Kal8ereWimelmVtraB"'l9«. 1—-—■- 1 Kahe der Münzstraße.■■■-..* Zur Aufklärung! M. SchmcisterS Saucen, Würsel dient nicht, wie oielsach irrtümlich ange- nommen wird, als Zusatz oder Ber- besserung für fertige �ancen, sondern zur ursprünglichen Herstellung der- seiden ohne irgend welche weitere Zu- lat. ttebernll zu haben. 5S9L" G Schmei8ers Nährmittel-Fabrik, M. m. b. H., Leipzig. Filiale Berlin, Oranienburgerstr. 17. Amt lila 4729. �givnisokv Ncdarrsartlkcl, Gummiwaren, 1000e Unerk. V. f rof. u. Acrzt. empf., bill. Apoth. S. Schweitzers Fab. hyg. Präp,. Berlin 0., Holz- inaf ktstr. 69-70. Off. ve rlaner Ober-SeiiönewEide. Allen Freunden und Bekannten empfehle mein SISL� Weil!- lind öafli5vbb!ör-l.lika!. üdnord 8ivl«i. Reuleaux.Ohmstrahen.Eckc. jeder Handwerker sollte zur Hrbdt die Lederhose Herkules tragen. Unerreichte Lcistungsiähipkeit. Allein-Verkans. Sehr starkes Leder in praklisiheil grauen u. braune» Stressen, auch eiusarbig. Am Bund ans einem Stück gearbeiiet. Sehr feste Kapp- nähte. Haltbarste Pilot- Taschen. Graste Firnen umsonst. Aj Die Herkules- Hofe-lit. 50 Monteur-Kackeüs.Ediion", ctblblau Slöpev oder Drell 2 42.63 Moiiteiir-Hoien„Edison". echtblau Köper oder Drell 2 M. 25 Manchester-HoseiiGambitnus<> M. 50 Manchest-IackettSGambrinuS 1 1M.50 Ma!er.KitteI...... 3,50. 3 M. 40 Mechaniler-Kitlel(braun) 3,35, 3 M. 75 Weiste Ledeidosen..... 4,50. 3 M. Kessel-Anzüge.. 7,25. 6,—, 5 M. 5.0 Weiste Jacketts für Friseure, Kellner Konditoren, Köche uiw. Die Preise gelten für normale Grösten. Ilaer Soim Bruefeiistr.il. ffüouifec(tr.39/30. Gr. Frankfurterstr. 20. Haupt-Katalog gratis und franko. Bei Bestellung von Hosen ist dl« Vundweile und die Schrittlänge, bei yackcits und KU!e!n die tSrustiocite anzugeben 39542* Nachdruck i vrrbote»! Ro4e*|* Lotterie Gesamtgewinnw. 150 000 Mark. Los 3.30 M., Porto, Liste 30 PI Haimoverselie Lotterie Hauptgcwinnw. 50000 Mark. Los 3.— M.. Porto, Liste 30 Pf. Rote und Hannoversche Gewinns zahle kulantes! in bar. Berliner Vogel-Lotterie ! nur noch sehr wenig Lose! 4. 50 Pf., 11 St. S.— 51,, P. u. L. 30 Pt Gustav Haase, Berlin lVeue KUnlgstr. 80.* Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doopclt. SSSä y Kleine Anzeigen ANZEIGEN IOr die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr. für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-E>pedltlon, Undcnstrossc 69, bis S Uhr angenommen. Verkäufe. Feftgefcheiife! Ueberrafchuhgen i Riesen answabl! Jedermanns aller billigste Kaiiigelegenheit! Dar wie nach dem Fest I Sichert Ihnen daS tocltbekannie, cmPiehienSwerle Pfand leihhauS Hennaimplatz 6. Exiragroster Uhrenverkaus, rtctlctiueifauj, Ringe. verlaus, Piänderverfauf. Schmuck iachen. Silberne Spazierstöcke! �opoit. billige Wiiiierpaietois l Vornehme Gehrockanzüge, Jackettanzüge. Herren. bostn. Steppdecken, Plüschdcckcn, Schlasdecken. Ausstcuerwäsche! Stau. ncndbilligerO�ardinciivertaus. Teppich. verkauf. Wäschrverkaui, Brautbetten. VenniewnaSbett, Bcttstücke, Damen iachen. PelzstolaS und BerschiedetteS. EinkaufSguelle zur weitgchcttdstcn Empfehlung! PsandlcihhauS Her. maimplatz 6. Cottniags ebenfalls geöffnet. Totaiausverkaiif meines EngroS- und FilialeniagerS: Gadrinen, Stores. Tülibelideckeu tO bis 20 Prozent Rabatt. E. WeistenbergS Teppich bauS, Graste Frantfurterstraste 125.- Teppiche mit Farbensehlern zum voliständigctt Ausverkauf jetzt mit 10 Prozent Extrarabatt. Graste Fraiikfurlerstraste 125. 2986ä+ Totalausuerkauf meines Engros und FilialeniagerS: Tuch- und Plüsch decken, Beivetine- und Plülchporlieren in allen Preislagen durchweg mit 10 Prozent Sxtrarabatl. Graste Frank furterslrastc 125. 2987K* Steppdecken. Fabrikmuster. Stück 3.25, 3.85, 4,85, 5.50. 6.50, 8,50 uiw, E, WeistenbergS Teppichhaus, Graste Franlsurterstraste 125,_ 2388ft+ Lauser reite, 4 bis« Meier lang", jetzt fpottbillig. Graste Franksurtcr. straste 125. 2989R* Reste für Sofabezüge ausreichend. Wolle und Plüsch, mit 10 Prozent Rabatt. E. WeistenbergS Teppich. bauS, Graste Frantjurterstraste 125.» Felle, Bettvorleger, graste Auswahl von 1,25 an. Graste Fraitliurtcr- straste 125. 299151* Rvsettberg, Kottbuserdamm 98. Ich mache aus meine Niesenauswahl in DamenjacketiS, englischen Damenpaletots, Abendmänlel ausmerkiam; ebenso Äädchenkleider, Mädchenjacken, Knabenanzüge, KnabenpateloiS. Ich verkauie zu tvahrhaften Spottpreiseu. Enorme'Auswahl'Astrachan, Breit- fchwanz zu Tamenjacketts, Eisbär« ftoffe zu Kindcrmäiitcln, seinite Tuche zu Kouümen zu Spottprelleit; gerippte Eamtrefte zu Knaben- jitjügen. 2976K* Trppickie!(jfblevbnfle) Grösten für die Hälite Im Teppliblagei Brünn. Hackeicher Markt 4. Babtibol«irle, 261, 1' in allen 1 Wollen Sie einzelne des Weites 1 oder ganze DohnungS< leppickienitiFardemebterngabrit Niederlage Graste Fi aiikiiirieriiratze 9, parterre kein Laden. Manerhost, ft Gardine» va»s GtosteFinnk'iiriet straste s. parterre, Kein Laden. Mauerboji.,_ 1+ Sieppdecken billigst Frbvil Grast« gratikinrt er straste 9. parterre + 1 Gaskrour». Petroleum krönen ohne Anzahlung, Wockiet.OO. LouisBöttchcr (selbst): Boxhagenerstraste 32(Bahn- Verbindung Warschauerstraste), Nei- nickendorserstraste>18, Schönhauser Allee 80, Potsdamerstraste LI, Rix darf. Kaiser Friedrichstraste 247,' Nihmaschtiten. Vergüte bis 20.00 wer Tellzahluiig laust oder nachweist. Sämtliche Systeme. Posttarie genügt. Brauser, Frautsurter Allee 10t, Laden. 2970K* Sieppdrefe» spottbillig, Fabrik Eroge granliurleritraste 60. 2993K* Speickirrmöbesl KIe!dcrichränke Taschcnsojas. Rustvaumbüfelt, Saulcn- trumeaus 35,—. Schreibtische, Pistich- arnitur. Spcisctijche. Sosalische, Muscheischränkc 18,—, Englischbetlcn, Muschelbetten. MarmorioUeltcn, Ruhe- bctt 10,—, Garderobenlpind, Flur- garderoben, moderne Küchen, alles spottbillig. Möbclspeicher, Brunnen- straste>82.__ 47K* MonatZanzüge und Äiulcr« pnteiotS sowie Joppen von ü.OO. Holen von 1.50, Gehrockauzüge von 12.00, FrackS von 2,50. sowie für kor viticni« Figuren Nette Garderobe zii itainiend billigen Preisen, aus Piandletbeii verfallene Sachen kauit man am billigsten bei Nay, Mulack- straste 14. 2153b* Loihringerstraste 26 hingehen, ll 30 Prozent b-lliger als im Si gefchnft I Verkauf nur Hof im Sp> und fünf Etagen! Gröstte Nusr WohnungS-Einrichiung von 200 an 1 Bessere Möbel noch bill Speisezimmer, eichen, kam 700 Marl! Salons. Herrenzlw Schlafzimmer, Klubsessel. Lede Lederstühle. Viele Möbelbä staunen über meine billigen Pt Trotz der Billigkeit nur reelle, Möbel. Zlnsbewahrung und Tt Port frei I Jeder Mensch, ob und reich, wird beim Möbekkaus sriedeiigeiiellt, wenn eS irgend i iich ist Verkauf nur Hos im SP« Wer eine WvbnuugS auch hen'schasiiiche Möbel, tausen zerstrasti Gegen oder AbzahlungSgeschäst der gehe noch Loihrin hin. Hos im Speicher. ZahIungSerleichieruiig! Emrichh 250 Mark nttl Speisezimmer, Sali Schlaizimmcr, Herreitzimmer. KI sesicl tu grostcr Auswahl I Slren Diskretion! Besichtigung irr'( Etagen! Zlnsbewahrung und Tra Port frei I Geöffnet 8—8. Lolhrinx straste 26, Hoi, Schönhauser Tor. Tambouriermaschincn, Original Holcmeyer mit Krcuzspulenhäiter, zur Mützen- und Huisabrikation. Bei Abzahlung kulanteste Bedingungen. Allesttiger Fabrikant Bellmann, Gollnowitraste 26, nahe der Lands- bergerilratzc._ L834K* Hockihonieliine Herrenanzüge, HerrenpaleloiS, ieinsten Mastiioiikii herrübrend,>8—38,00. Täglich, Sonn- tugsverlaus. DeuilcheS BerlaudbanS. Jägerstraste 63, I._ 2778K* Ilhren, Gold- und Silbersachen kaust man gu! und billig bei Adalbert Schütz, Beuiselsiraste 26. 284tK Hcrrettiahrrad, Dameniabrrad wie neu, 45,00. Holz, Biumen- straste 36 b 2999K* Pfandleihhans! Nixdors, straste achwndsiinizig. Spottb Beiietiverkauf, Wöscheverkaui. Z Paletots, Herrcngarderobe, Gat .tr'cglywingcr, sten« fachen, Spotlpretic. Winterpalctots, MonalSa! wenig getragene, vouöMart an, AiiSwnhi im jede Figur, auch elegante Garderobe auS erste zugSauellc, 20 Prozent billig« im Laden, direkt vom Schn metficr Paul Fürftenzelt, nur Roicn. tbalcrstraste>0. Ncbcrzählige Herrenpai Herrenanzüge, nur hochseinfte führung, ousverkaust Engroä einzeln zu Engrospreisen. Et Ans- tagsverkauf 12—2. straste 37. III. Neue Friedrich. rolrosa Inlett. straste 3«. Plattdiethe AlidreaS. Laädbett, zwei Deisbeilen, ittiicn. zweischläfrig 18.00. SiuSfl Damastbezüge, graste Laken Psaiidlcibe AndreaSstraste 38. Baiieriidectbett, Ünterbett, zwei Hygienische Bedarfsartikel, billigste Bezugsquelle. Drogerie Weinbergs- I Kissen 27,00. Psandleihe __ weg 1. 35k*) straste 38. Fahrgeld wird vergütet. Lcrunlwortlicher Redakteur: HanS Weber, Berlin. Stellenangebote. Farbigmacher verlangt Joseph- raste 15.__ i-137 Ichreibfedernfabrlk sucht einen itanzeliarbeiter sür fraiizöslsche rchniile. ES werden nur solche be- äcknchiigt, weiche Schreibsedernslanzel. ereits gemacht haben. Ausführliche Iffertcn Ö. 5. on die Expedition. 8K* �nnakme-SteUen ZLontr«,»»: 'tVostsn: . Schmidt. Kirchbachstr. 14. Outen: I. Mann, Pciersburgerplatz 4. > Weugeis, RüderSdorserstr. 2. »ftav Bogel. Koppenslr. L3. Xvz-dosltvn: Zucht, Jmtnanueltirchsir. 12. . Rrul, Äarniuistr. 42. Korden: Raschfe, Ackerstr. 36. Trapp, Etetunerstr. 10. ?, Jnvalidenstr. 124. Xordneuten: SiUdsvonton: Werner, Gneisenaustr. 72. Schröder, Hagcibcrgcrstr. 27. Aiidctz: . Frist, Prwzcnstr. 3t. Gutschmidt, Kottbujer Damm S. Sfldoiiten: Ml Böhl», Lauiitzer Platz 14/15. Harsch. Engel-Uicr 15. Cknrlottendtirx: Scharnbcrg, Scieuheimerstr. 1. Frlcdriclikbcrg: Settel, Kronsrinzenstr. 50. Itixdorf: KuniiuciMburK: Mosenkranz. Ali-Boxhagen 56. KchUns�burj;: IH.Bnuiiiler.Marlil, Lulherstr. 51. WciUcntfc«: Ftihtuiailll, Sedanstr. 105. I. Schillert, Köliig-Ehausfee 39a ICciuIckcudorf: (Surfrf), Provinzstrabe, Ecke Grünerweg. Treptow: Grameuz, Kieibolzstr. 418. gut den Inseratenteil perantw.: Th. Glocke. Vcrltn. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Lerlagsaiistalt Paul Singer& Co.. Berlin S\V.