Pr. 303. Bbonnfments-Bedingungen: aBomiraienlä- Preis pränumeranda, PicricljShrl. S£0 iDtt, monatl. 1,10 SKt, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags- imuuner mit Multrierter Sonntags« Beilage»Die Neue Welt' 10 Pfw Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingelragen m die Post- Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband sür Deuuchland und vellerreich. Ungarn 2 Marl, sür daZ übrige Ausland 3 Marl vro Monat, Bostabvnnemems nehmen an: Belgien, Dänemark Holland, Italien. Luxemburg, PorNigal. Numüinen. Schweden und die Schweis S4. Jahrg. illchtchl liglich uBtr monUat. Vevlinev Volllsblcrkk. Vit lniertlonz- Sebühr betrügt für die sechsgespallene Koloiict» geile oder deren Baum KO Pfg., sür politische und gewerkschaftliche Bereins- und Bersanmtlungs.Anzeigen SO Pfg. „Kleine Hnsefgen", da? erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg,» jedes weitere Wort 5 Pfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Jnfeiate für die nächste Nummer müssen bis» Uhr nachmittags in der Exvedition «bgegeben werden. Die Erveditiolt ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Zelegramm• Adresse: „Sozlaldtmokrat Rtrlln". Zentralorgan der Cozialdemokratifcben parte» Deutfcblandd. Redaktion: 8 Cd. 68, Lindenstraasc 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Sonntag, den Ä0. Dezember 1307. Expedition» SM. 68» I.indenst?asse 69. Fernsprecher: Amt lV. Nr. 1984. Die Vllhtlgfleil EnHkidliilgrn wird das neue Jahr für das deutsche Volk bringen. Das Jahr 1W3 wird in der politischen Geschichte eine ganz be- sondere Stelle einnehmen. Es wird zunächst die Probe auf die Blockpolitik erleben! Es wird sich zeigen, ob das Blockbündnis vom Freisinn und Agrariertum mit der völligen politischen Bankrotterklärung des Libera- lismus endet. Der Freisinn hat bereits zu erkennen ge- geben, daß er alle Marine- und Kolonialfordernngen zu bewilligen bereit ist. Trotzdem uns der südwe st afrikanische Krieg nicht nur eine einmalige Summe von 500 Millionen, sondern auch— für die 5000 Mann Schutztruppen— einen dnurrnden jährlichen Betrag von 30—40 Millionen kostet, fallen für neue Kolonialbahnen Hunderte von Millionen gefordert werden. Der Freisinn will diese Forderungen bewilligen! Ebenso will er die neue Flottenvorlage bewillige», durch die tn Verbindung mst den DeplaccmentSerhöhnngen für die Schiffe dem deutschen Volke für das nach st e Jahr- z e h n t eine Mehrbelastung von KOOO Millionen auferlegt wird I Dabei hat die Regierung in der Budget- komniission bereits zugegeben, daß spätestens 1912 eine Weitere neue Flottenvorlage zu erwarten ist! Diese kolossalen Lasten für die Weltpositik bedingen weitere kolosiale Steuerlasten. Das jährliche Steuer- d e f i z i t beträgt 250 Millionen, es muß also eine Viertelmilliarde neuer Stenern bewilligt werden l Und es liegt auf der Hand, daß der weitaus größte Teil dieser neuen Steuern aus neuen indirekten Stenern bestehen wird! Neue Bier- und Branntweinstruer«, neue Tabak steuern stehen in Aussicht! Durch solche Steuern würde aber nicht nur in erster Linie der Konsum der nicht besitzenden Klasse verteuert werden, sondern es würden dadurch auch> Zehntausende brotlos gemacht werden! Und das in einer Zeit der Arbeitslosigkeit und Krise! Aber der Block wird auch noch eine andere Probe be stehen niüssen. Dem Freisinn ist von der Regierung als Gegengabe für die Blockliebesdienste eine Reform des preußischen Wahlrechts versprochen worden. Es gilt, die Regierung zu zwingen, eine gründliche Reform der preußischen Wahlrechtsschmach zu gewähren! Es gilt, das allgemeine, gleiche Wahlrecht zu erkämpfen, um endlich das schamlose Drciklastenregiment von Junkern und Geldprotzen in Preußen hinweg� zufegen I Die nächsteu materiellen und die höchsten politische» Jntev essen des Proletariats stehen auf dem Spiele! Es gilt die höchste Kräfteanspaunung, den unwidersteh' lichsteo Kampf des Proletariats! Darum hinein in den Kampf! Sammelt alle in der Existenz Bedrohten. alle Entrechteten um Euer Sturmbanner! Werbt mit aller Kraft neue Leser, neue Abonnenten für den 1 Vorwärts! Der„Vorwärts" wird Euch belehrend, anfeuernd im Kampfe vorauschreiteu! Um aber auch die Erholungspausen anregend auszufüllen, wird der„Vorwärts" vom 1. Januar ab sein tägliches Feuilleton erweitern, dadurch also seinen UnterhaltungS- teil ausbauen! Parteigenossen! Setzt Eure Ehre darein, Eurem Kampf- 0 r g a n im Hause und am Herde des Proletariats die Ver- brcitung zu sichern, die dem Zentralorgan der stärksten Partei Deutschlands gebührt! Vorwärts! 1 Die feinde des Reichstages. Immer deutlicher wird's: Die neuen Steuerpläne sollen nicht nur neue Lasten den schwachen Schultern aufbürden, j sie sollen gleichzeitig zum Mittel werden, die Rechte des Reichstages zu schmälern und seine Macht einzuschränken. Die Regierung besteht zunächst auf indirekten Steuern, auf der Zigarren st euer einerseits, dem Branntwein- Monopol andererseits; aber sie begegnet dabei einem gewissen Widerstand, oder sagen wir lieber, da sie doch zu einem wirklichen Widerstand unfähig sind, einem Widerstreben, der liberalen Parteien, die sich, wenn auch nur mit halben Worten, für direkte Steuern ausgesprochen haben. Sind die Liberalen auch bereit, schließlich nachzugeben, so dock nur dann, wenn sie wenigstens ihren Wählern einige Zugeständnisse präsentieren können. Das nächstliegende Kompromiß für die Liberalen wäre gewesen: indirekte Steuern ■ in der Hauptsache und direkte Steuern als Entschuldigung vor i den Wählern. Zunächst müßte dies auch der Regierung ivünschens- wert erscheinen; denn mit den indirekten Steuern, die sie plant, kann sie allein kaum das Auskommen finden. Das Brannt- weinnionopol nanientlich soll nicht nur dem Fiskus, sondern auch den Brennern erhebliche Gewrnne bringen, so daß seine Ertragssähigkeit ziemlich begrenzt sein wird. Ebenso läßt sich die Zigarrcnstener nur allmählich steigern, soll nicht der Rück- gang des Konsums den Erfolg in Frage stellen. Die Ein- führung der Steuern fällt außerdem in die Zeit der Krise, in der ohnehin der Ertrag der Konsnmsteiiern zurückgehen wird. All diese Momente ließen die Ein- führung direkter Rcichssteucrn als Hiilfsmittel für die Erzielung von indirekten Steuern der Reichsregierung wünschenswert erscheinen. Daher die Lersprechnngen Bülows in Norderney und der fromme Glaube des Freisinns, es würde ihni das Odium indirekter Steuern erspart bleiben. Durch diese Rechnung machten aber alsbald die Konservativen einen dicken Strich. Sie erklärten rundweg, die Einführuiig direkter Reichssteuern verstoße gegen ihre Prinzipien, und sie würden sie deshalb absolut nicht zulassen. Die Regierungen Preußens und Sachsens waren das Sprachrohr der Kon- servativcn, und Rheinbaben gab eine dahingehende Erklärung offiziell im Namen der verbündeten Regierungen im Reichs- tage ab. Um die Gründe für den Widerstand der Konservativen zu verstehen, genügt es nicht, auf die Abneigung der Junker gegen das Steuerzahlen allein zu verweisen. So groß diese Ab- neigung auch sein niag, so wissen die Junker schließlich, daß es mit dem Privilegium der Steuerfreiheit denn doch vorbei ist. Im preußische» Landtag, den sie in der Hand haben, haben sie doch die Einführung direkter Steuern, der Ein- konimens- soivohl als der Vermögenssteuer nicht hindern können. Ihr Widerstand gegen direkte Steuern im Reich muß also noch andere Gründe haben. Diese aber muß ma» ver- stehen, um die Bedeutung der Reichsfinanzreforni überhaupt würdigen zu können. Von jeher haben die Junker gegen den Reichstag, der aus allgeiiieiiien gleichen Wahlen hervorgeht, das stärkste Mißtrauen empfunden: jedoch war 1870 das gleiche Recht eine Notwendigkeit. Ohne die Verankerung im gleichen politischen Recht aller Deutschen war die Einheit des Reiches gegenüber den Partikularistischen Soiiderbeslrebungen nicht zu sichern. Dazu kam die bonapartistische Erwägung Bis- marcks, daß gerade die Entfesselung aller sozialen Kräfte, die das gleiche Wahlrecht bewirkt, das Erstarken der Re- gierungsmacht begünstigt. Bisniarck hatte die Erfahrungen, die er mit dem Privilegienwahlrecht in Preußen gemacht hatte, noch zu gut in Erinnerung, um sich vor dem Pluto- kratischen Wahlrecht zu hüten, das vielleicht wieder die ihm verhaßten Liberalen zur regierenden Partei gemacht hätte. Das allgemeine Wahlrecht gab dem Proletariat eine parla- inentarische Vertretung, die naturgemäß die Liberalen schwächen mußte. Noch wichtiger war die moralische Wirkung. Die Angst vor dem Proletariat trieb das Bürgertum in die Arme der Konservativen, beraubte es jeder Angriffskraft und machte zu- erst Bismarck und dann das„persönliche Regiment" zum absoluten Herrn. Aber versöhnt haben sich die Junker mit dem gleichen Wahlrecht nie. und da sie es nicht vernichten können, suchen sie seine Wirkung so sehr als möglich auf- zuheben durch äußerste Beschränkung der Macht des Reichs- tages. In diesem Bestreben aber finden sie eine Bundes- genossenschaft bei derjenigen Partei, die in der Vormacht Preußens in Deutschland eine Beeinträchtigung ihrer Siellung sehen mußte. Der Kulturkanipf stärkte noch die föderaUstischen Tendenzen des Zentrums. So wurde eS den Regierungen möglich, die Rechte des Reichstages auf ein Mininium zu beschränken, ihin bloß so viel Befugnis einzuräumen, als für die Einheit des Wirtschaftsgebietes, die Armeesragen und die Vertretung nach Außen unbedingt erforderlich waren. Alles übrige blieb den Landtagen überlassen, deren Wahlrecht die herrschenden Klassen vor einem wirkungsvollen Eindringen des Pro- letariats bewahrte. Die Bevorzugung, die Macht der Landtage wirkt aber dem Reichstage gegenüber doppelt; einmal dadurch, daß die Ausdehnung ihrer Kompetenzen den Reichstag allzusehr behindert; dann aber haben die Landtage bestimmenden Einfluß aus die Regierungen der Einzelstaaten. und deren Vertreter bilden den Bundesrat. Ohne ihre Zustimmung erhält kein Beschluß des Reichstages Gesetzes- kraft. Je komplizierter aber im Laufe der Entwickelung die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse werden, desto weniger wird es möglich, daß einzelne politische Parteien, auch wenn sie die Majorität bilden, ihren Vor- schlügen die Form von Gesetzen verleihen. Gewöhnlich ist alles, was sie tun können nur das, bestimmte Wünsche auszusprechen, die in Gesetzesform zu bringen nur Aufgabe der Regierung sein kann, weil nur sie die nötigen Unterlagen dafür zur Ver- fügung hat. Wächst so überhaupt die Abhängigkeit der modernen Par» lamente von der Bureaukratie, so besonders in Deutschland, dessen Reichstag kein irgendwie wirksames Machtmiüel zur Verfügung hat, und dessen Bureaukratie nicht vom Reichstag, sondern wesentlich von den Landtagen aus beeinflußt wird. So hebt die Macht der Land- tage die Wirkungen deS gleichen Wahlrechts zum Reichstag zum großen Teil lviedcr auf. Erst dann, wenn in den Landtagen, insbesondere in Preußen und Sachsen, dessen Regierungen ja in der Praxis den Bundesrat be- herrschen, das gleiche Wahlrecht errungen ist, erst dann kann auch im Reichstage das gleiche Wahlrecht politisch wirksamer werden. Gerade deshalb aber setzen die herrschenden Klassen jeder Wahlreform in Preußen und Sachsen den größten Widerstand entgegen. Wie aber das Proletariat seinen Kampf nach zwei Fronten führen nmß. indem es einerseits das errungene Recht im Reiche möglichst auszunützen sucht, andererseits aber dies Recht durch die Eroberung des Landtagswahlrechts eriveitern und sichern muß. so suchen sich auch die Konservativen nicht nur durch die Bekämpfung der Wahlrechtsbcwegung, sondern auch durch weitere Beeinträchtigung der Macht des Reichs- tags gegen jede Schmälerung ihres Einflusses zu wehren. Als Mittel dafür soll ihnen die geplante Finanzreform dienen. Ein Reichstag, der nicht über seine Steuern verfügen kann, ist von vornherein ohnmächtig. Um dies einzusehen, braucht man nur den äußersten Fall zu setzen, daß der Reichs- tag, um die Regierung zu bestimmten Dingen zu zwiiigeu. den Etat verweigern würde. So gefährlich das Mittel in der Theorie aussieht, so wenig Unannehmlichkeiten würde es praktisch den Regierungen bereiten. Denn die indirekten Steuern ließen sich der Natur der Sache nach sehr leicht iveiter erheben, und ebenso würden die Regierrnigen sich selbst die Matrikularbeiträge weiter bezahlen. In der Art der S t e u e r v e r f a s s u n g liegt daher eine wichtige Ursache für die Ohnmacht des deutschen Reichstages. Es ist ein Parlament, das von seiner juristischen Macht nicht Gebrauch niachen kann, ohne daß sich sofort herausstellen würde, daß dieser juristischen Befugnis keine reale Macht ent- spricht. Nur die Verfügung über direkte Steuern, die bei Ver- iveigerung des Etats nicht gezahlt zu werden brauchen und dann auch nicht gezahlt werden, sichert die Macht eines Parlaments. Die indirekten Steuern und die Matrikular- beitrage erhalten den Reichstag in vollständiger Ab- hängigkeit von dem Bundesrat. Die Beseitigung der Matrikularbeiträge bedeutet somit die Vermehrung der Macht des Reichstages und die Einschrän kimg seiner Abhängigkeit von den Regierungen und seineu Landtagen. Jeder, dem es darum zu tun ist, den Reichstag des gleichen Rechts wirklich zu stärken, die Wirkung der Privilegienlvahlrechte in den Landtagen zu schivächen, inuß daher gegen die Matrikularbeiträge, besonders aber gegen ihre Erhöhung und Verewigung Stellnug nehmen und direkte Reichssteuern fordern. Die Stellung zu der Frage der Matrikularbeiträge wird so zum Prüfstein der Demo- tratie, zum Bekenntnis für und gegen der Reichstag._ „vSterchen" und der finnische MtituflonaHsmus. AuS HelsingforS wird uns geschrieben: In bezeichnender Weise charakterisierte ein bürgerlicher Redner in der Protestvcrsammlung der Konstitutionellen am Ib. Dezember die politische Naivetät der bürgerlichen Parteien, indem er betonte: durch die Bewilligung der L0 Millionen hätte Finnland vom Zaren dock eine bessere Behandlung verdient als die Ernennung Seyns zum Gchülfcn des Generalgouverneurs! Die Bourgeoisie glaubte also, durch die Millionenbewilligung die Gewogenheit der St. Petersburger Kamarilla erkauft zu haben! Sie erhielt aber nur einen neuen Faustschlag ins Gesicht. Dabei macht sich die Bour- geoisie immer noch das Vergnügen, Väterchen als einen guten Kerl darzustellen. Der Zar ist wiederum bloß das Opfer der schlechten Ratgeber geworden? An einem Ernennungssonnabcnd haben die „Bösen" unter anderen Beförderungen auch die SeynS zum Vizegeneralgouverneur von Finnland präsentiert. Das gute ..Bätcrcycn"— mit Arbeiten überhäuft— hat die Liste unter- schrieben und erst nachher erfahren, daß eS den Finnen„unhold" gewesen! Diesen Schritt jetzt gleich rückgängig zu machen, das wäre eine„kaiserliche Blamage", also„mutz ein wenig gewartet werden"! Den Prügelknaben für die Bourgeoisie muß natürlich die Sozialdemokratle hergeben. Die sozialdemokratische Reichstags- oppojitlon und das„unleidliche Betragen" der russischen Revo- lutionäre haben es danach verursacht, daß Finnland abermals schwercn Tagen entgegengehe. Die Folge dieser«Erkenntnis" ist. dah die bürgerliche Regierung sich noch mehr als bisher auf die Sozialdemokratie wirft. Die in der letzten Zeit besonders'häufig erhobenen Anklagen gegen die sozialdemokratische Presse liefern den Beweis. Noch Diel schärfer weht der Wind gegen die Russen. An de? Eisenbahnlinie zwischen St. Petersburg und Wiborg befinden sich zahlreiche Villenortc. wie z. B. Valkcafaari, Ollila. Nuolkala. Kellomäki. Terijoki, Raivola. Musta, m ä k i. U u s i k i r k k o u. er. m. Dort wohnen hunderttausende St. Petersburger Einwohner im Sommer, viele auch im Winter. Diese fremden Einwohner bilden für die örtlichen Bewohner eine geschätzte Einnahmequelle. Es ist nun ganz natürlich, daß viele, die sich in St. Petersburg nicht behaglich fühlten, hier Wohnung suchten. Russische Geheimagenten trieben sich daher immer in Scharen dort herum: Die Ermordung Herzen st eins wurde in Terijoki ausgeführt, und Arretierungen waren keine Seltenheit. Seit einiger Zeit nun aber ist es in dieser Gegend bis inkl. Wiborg genau so arg geworden, wie irgendwo in Rußland: Haussuchungen und Verhaftungen sind alltäglich. Ter Gouverneur von Wiborg tvill gar in Terijoki eine riesige Polizeimacht etablieren: Außer den jetzigen„Stützen der Gesellschaft" beabsichtigt er dort noch zu placieren: 4 Polizeikommissare nebst Gehülfcn, 45 ständige Polizeiwächter, 15 zeitweilige, 15 berittene Polizisten und 10 Geheimagenten! Und diese finnische Polizeimacht soll der russischen nur Handlangerdienste leisten! Die Folge dieser Maß- nahmen ist natürlich, daß die Bewohner diese Ortschaften ver- lassen. Sowohl den Ortsbewohnern wie auch dem finnischen Staatssäckel geht dadurch eine hübsche Einnahme verloren; denn die Bahnlinie St. Petersburg— Wiborg ist bis jetzt die cinträg- lichstc Strecke der finnischen StaatSbahnen gewesen. In Anbetracht der hier dargelegten Tatsachen hat die örtliche Bevölkerung Protestversammlungcn abgehalten, die jedoch vergeblich sind, da ja die finnische Landesregierung mit der russischen unter einer Decke steckt. Die Ernennung Schns rüttelte die bürgerliche Bevölkerung ein wenig auf. Die Proteste waren und find aber recht markloö, da man in den Versammlungen keine Resolutionen gutheißen wollte, die von der Sozialdemokratie beantragt wurden und die neben der russischen Regierung auch die eigene Verwaltung verurteilten. Nach den Anweisungen der russischen Gendarmen verfolgt die Helsingforser Polizei seit langer Zeit die hiesigen russischen Ar- beiter: ihr Verein wurde aufgehoben und ihnen erklärt, daß sie nicht das Recht haben, sich so zu organisieren wie die finnischen Bürger. Sic haben kein KoalitionSrccht, keine Redefreiheit, keine OrganifationSmöglichkcit. Die Arbeiter suchten sich dennoch zu organisieren und einen neuen Verein zu gründen. Dabei wurden sie von der Polizei auf Schritt und Tritt verfolgt. Eigens zu diesem Zweck unterhält die Helsingforser Polizei einen ganzen Trupp Agenten, die mit den aus Ruhland hierher gcsandicn Spitzeln Hand in Hand„arbeiten". Besonders verhaßt machte sich die„leitende Seele" dieser Horde, ein gewisser SuSlin. Einige russische Arbeiter verfielen nun auf die unglückselige Idee, den Spion zu beseitigen. Juslin wurde vor einigen Tagen tödlich ver- wundct und starb. Der Polizeimcister von Berg feierte ihn wie einen Helden und betonte an seinem Grabe, daß der„Ehren- mann" Juslin bald jedem redlichen Bürger Finnlands zum Bor- bild dienen werde! Also glaubt von Berg, daß bald alle Finnen Spione sein werden! AuS der unbesonnenen Tat sind jetzt weitere schwere Ver- folgungen erwachsen. Es wurden gleich in derselben Nacht zwei Arbeiter als der Tat verdächtig arretiert, bald darauf eine ganze Reihe anderer mit der Motivierung, eö habe sich herausgestellt, daß die Arbeiter ein Komplott gegen die Polizei gc- schmiedet hätten! Es hat fast den Anschein, als wäre die Tat der Polizei sehr gelegen gekommen, denn sie gab ihr Gelegenheit, bei der Verfolgung ihr unliebsamer Personen seitdem eine ganz besondere rege Tätigkeit zu entwickeln. Nach und nach erst beginnt die Bourgeoisie zu begreifen, daß kein Finne mehr vor der russischen Polizei sicher ist. Die Presse schlägt endlich etwas lautere Saiten an, und der Senat hat sich nochmals aufgerafft und ein paar allcruntertänigste Anfragen produziert. Zu einem erfolgreichen Protest, zum ernsten Widerstand ist die Bourgeoisie und ihre Regierung zu lendenlahm, und sie haben ja auch die Zeit verpaßt. Schon drohen Gefahren sehr ernster Art. Gerüchten zufolge, die jetzt auch von der Presse verbreitet werden, soll General Kaulbars, der Blutkönig von Odessa. mit 12 000 Mann nach Finnland kommen, um die geheimen Or- ganisationen, die der Staat„nur auf dem Papier aufgehoben" habe, endgültig zu vernichten, d. h. die rote Garde der Arbeiter und die Woima(Kraft)-Gesellschaften der Bürger. Beide Or- ganisationen sollen angeblich Waffenlagcr besitzen, und um diese ausfindig zu machen, soll Kaulbars nach Finnland beordert sein. Zuerst ging daö Gerücht, daß Finnland an Möller-Sakomelski ausgeliefert werden sollte. Als die baltischen Barone diesen Blutkönig für s i ch erobert hatten, kam R e i n b o t t auf den Plan. Den letzten Nachrichten zufolge wollen die Moskowiter aber auch von diesem„Blutigen" nicht lassen. Nun hat Kaulbars in Odessa abgewirtschaftet. Finnland ist von den Greueln des Krieges der Negierung gegen die Bevölkerung noch verschont, da soll es denn an Kaulbars ausgeliefert werden. Die liberale Bourgeoisie der „Kulturwelt" hat alsdann wieder Gelegenheit, Nikolaus II. ein schönes Buch mit wohlklingenden Worten und reizenden Orna- menten protestierend zu überreichen, wie bor einigen Jahren... a»* Petersburg, 26. Dezember.(Bon einem Privatkorrespondenten.) Gestern ist ein Militärzug von 30 Wagen mit Truppen ver- ftftiedener Waffengattungen nach Finnland abgegangen» an- geblich„zur Verhütung des Schmuggels".(!) Auf Anordnung des russischen Kriegsministers und nach Ver- ständigung mit Stolypin und Kokowzow(als Chef des Grenzwache- rorpS) werden jetzt auf der russisch-finnländischen Grenze größere Abteilungen der Schützenbataillon« des Petersburger Militär- bezirkes postiert, um den freien Uebergang der Grenze unmöglich z» machen._ politische Cleberlicht. 'Berlin, den 28. Dezember 1907. Vertrauliches vom Flottenverci». Wir teilten bereits gestern mit, daß, nach der Mitteilung deS Regierung srats v. Braun, in der vertraulichen Sitzung deS Gesamtvorstandes des Flottenvereins vom 11. Mai 1907, die„Berk. N e u e st e n N a ch r i ch t e n" in „direkter Abhäugigkcit" vom Flottcnverein stehen. Der Re- gierungsrat meinte, daß es in Anbetracht dieser„direkten Abhängigkeit" dem Präsidium des Flottenvereins doch habe leicht fallen müssen, die Redaktion deS Blattes an der Beröffentlichung gewisser Artikel zu hindern! Diese sehr reellen Beziehungen des Flottenvereins zu den »Berliner Neuesten Nachrichten," sind um so inter- essanter, als das Blatt als notorisches Panzerplatten- Organ gilt, daS von der Firma Krupp subventioniert wurde und noch heute in ähnlichen Beziehungen zu diesen Kapitali st en kreisen steht. Man ersieht schon aus diesem dreieckigen Verhältnis, daß der Flotteuverein resp. die Leitung des Floltcnvereius in der Tat mit dem Panzerplatten- und Kanonen- kapital aufs innigste liiert ist! » Der Flottenverein unterhält aber nicht nur der- artige Beziehungen zu den Panzerplatten-Jntcressenten, sondern auch zur Marineverwaltung. Ter Präsident erklärte in der erwähnten Sitzung vom 11. Mai 1907 u. a.: „Der zweite Fall, den ich zu erwähnen habe, ist auch noch ein Gegenstand, der uns schon im vorigen Jahre beschäftigt hat.... Es hat ein Schriftwechsel zwischen dem StationSkommando der Ostsee und dem Präsidium stattgefunden und ich möchte noch sagen, daß diese Angelegenheit uns biß zum letzten Winter bc- schäftigt und durch das Schreiben des Stationsvorstandes vom 8. Januar 1907 ihren Abschluß gefunden hat." Ter Präsident rügte am 11. Mai die Absendung von„K a i se r te l e g ra m m e n" von nichtautorisiertcr Stelle, d. h. ohne Genehmigung des Präsidiums. Er bezog sich dabei auf ein Telegramm an Wilhelm II., das der Leiter einer Sonderfahrt für Berlin und Mark Brandenburg abgesendet hatte. Nach dem vertraulichen Stenogramm sagte darüber der Präsident: ...Ich darf wohl den Wortlaut vorlesen.(Verliest die Tele- grammc; dieselben erwecken Heiterkeit.) Hauptmann R ö p e r, der Redakteur dieses anscheinend humoristischen„Kaisertelegramms", verwahrte sich gegen die Heiterkeit der Hauptversammlung folgendermaßen: ..Ich will noch erwähnen, daß Sc. Mazestat der Kaiser auf das Telegramm, da« Ihr Lachen erregt bat, durch Sc. Exzellenz von Lucanus hat erwidern lassen:„Sc. Majestät lassen für den treuen Gruß aus Saßnitz herzlich danken." Merken Sie sich das bitte, meine Herren." Es wäre nicht uninteressant, wenn man den Wort- laut des Telegramms erfahren könnte!— NationallibcraliSmus und Großindustrie. Die rheinisch-westfälischen Großindustriellen, welche die national- liberalen Parteiführer als ihre parlamentarischen KommiS betrachten, und zwar mit einigem Recht, da der größte Teil der zur national- liberalen Wahlagitation nötigen Geldmittel aus ihren Taschen stammt, sind mit den Leistungen der nationalliberalen Reichstags- sraktion höchst unzufrieden. Und da zarte Rücksichtnahme auf ihre KommiS nicht zu ihren Eigenheiten gehört, so haben die Herren Großindustriellen den nationalliberalen Führern öffentlich ihre Mißbilligung aussprechen lassen. Auf der Generalversammlung deS Vereins deutscher Eisen- und Stahl- industrieller, die am 16. Dezember in Berlin abgehalten wurde. rügte Generalsekretär Bueck von oben herab, daß auch die national- liberale Partei im Reichstag für direkte Steuern ein- trete, und daß zweitens der Abgeordnete Strefemann bei der Besprechung der KohlenteuerungS-Jnterpellation nicht genügend die Interessen der Zechen besitze? be- rücksichtigt habe. Infolgedessen, so meinte Herr Bueck, würde» die Großindustriellen sich vielleicht zur„Revision der Stellung der Industrie unfrrr» Bezirks zur nationallidrralru Partei" genötigt sehen. Die Drohung scheint den nationalliberalen Führern an die Leber gegriffen zu haben? denn sie wissen, was hinter dieser Drohung steckt: Entziehung der Subsidien. Die „Rheinisch-Westfälische Zeitung" sucht deshalb die hadernden Gruppen zu versöhnen, indem sie beiden klarzumachen sucht, daß sie aufeinander angewiesen sind: Die Aeußerungen des Generalsekretärs Bueck in der letzten Hauptversaniinlung der deutschen Stahl- und Eisenindustriellen über da« Verhältnis der Großindustrie zur nationalliberalen Partei haben besonders im rheinisch-westfälischen Jndustriebezirk lebhafte Beachtung gefunden. Vor allem tauchte die Frage auf. mit wem soll die Großindustrie sich bei uns politisch verbünden, wenn nicht mit der national- liberalen Partei. Auch derjenige, der die Mißstimmung über die Reden eines jugendlichen nationalliberalen Reichs lagL- abgeordneten versteht und billigt, kann sich andererseits der Tat- fache nicht verschließen, daß zurzeit bei uns ein anderer politischer Anschluß der Großindustrie schwer denkbar ist. Wohl gibt es unter unseren Unternehmern, Beamten, Gelehrten und Geistlichen manche, die konservativ oder freikouservativ sind; aber so hervorragend sie auch als Persönlichkeilen sind, ihre Zahl ist zu gering, als daß sie politisch, besonders bei der Wahl zum Lieichölage, eine selbständige Rolle spielen könnten. Anderseits sind sie politisch zu einsichtsvoll und selbstlos, als daß sie den Versuch machen möchten, durch Organisierung ihrer Freunde eine neue Gruppe in dem ohnehin schon sehr bunten Bilde unserer Partei- karte austreten zu lassen. Von Jahr zu Jahr hat sich immer mehr die Erkenntnis durchgerungen, daß das Heil für die natio- nalen, ftaatserhaltenden Wähler nur in Vereinigungen auf rein nationaler Grundlage in unserem Bezirk zu sichern ist. Jede ein- fettige Parteibestrebung muß zurückgehalten werden Auch die natioualliberale Partei, die doch überall den Kern der nationalen Wählermossen bildet, hat dies eingesehen nnd in weiser Selbst- zucht auf schroffe Verfolgung ihrer Parteiin ter- essen verzichtet." Wie der kleine häusliche Zwist auslaufen wird, ist nicht schwer vorauszusehen. In der Steuerfrage hat sich der Nationalliberalismus bereits den Forderungen der rheinisch-westfälischen Großindustriellen angepaßt— und was die zweite Beschwerde anbelangt, so wird man sicher zukünftig Herrn Strefemann nicht wieder reden lasten bei Angelegenheiten, die das Jntereffe der Kohlen- und Eisen- Magnaten berühren. Die Herren vom Zentralverband deutscher Industrieller können die nationalliberalen Abgeordneten als parla- mentarische KommiS nicht entbehren, und diese nicht die Börsen der Großindustriellen.—_ Eine koloniale Gründung. Die Finanz, die während der letzten ReichstagSwahl auS gefchäft- lichen Gründen kräftig für die Kolonialpolitik eintrat, schickt sich nun. nachdem sie den demnächstigen Ausbau der deutschen Kolonien auf ReichSkosten für gesichert hält, mit dem ihr eigenen Geschäftssinn an, ihre Profite aus den Kolonien zu ziehen. Da die schönen Eisenbahnbauprojekte des Herrn Dernburg infolge der traurigen ReichSfinanzlage vorläufig zurückgestellt werden mußten, ver- suchen eS die Herren Finanziers einstweilen mit der Gründung von kolonialen Land- und Bergwerkögesellschaften. So meldet die„Köln. Ztg.": Unter der Firma Deutsche Farm- gesellschaft, Aktiengesellschaft in Düsseldorf, wurde eine Akriengesell- schaft gegründet, die sich mit dem Erwerb, der Verwertung und Beleihung von Grund- und BergwerkSbesttz. Betrieb von Land- und Viehlvirtschaft sowie von industriellen Unternehmungen und Handelsgeschäften aller Art sowie auch mit der Beteiligung an Unternehmungen befaffen will, die denselben Zweck haben oder die Zwecke der Gesellschaft in irgend einer Weise zu fördern geeignet sind. DaS Grundkapital beträgt 5 Millionen Marl. Die Gründer der Gesellschaft sind: Liebig Ertract of Meat Com- Pen»), Limited, London, Bankier Ludwig Dclbrück-Berlin, Bankier Maurice Glhn-London, Bankier Charles Eugen Giinther-London, Bankier Wilhelm v. Mallinckrodt-Antwerpen, Graf v. Schwerin- Löwitz. Die Gründer haben sämtliche Aktien übernommen. Zum Vorstand wurde Rentner Otto Günther-Düsieldorf ernannt. Die Mitglieder des ersten Aufsichtsrats sind: Bankier Ludwig Delbrück- Berlin. Bankier Maurice Giyn-London. Bankier Charles Eugen Günlhsr-London, Bankier Wilhelm v. Mallinckrodt-Ainwerpen und Graf HanS v. Schweriii-Löwitz. Also auch der Präsident deS Deutschen Landwirtschaftrats Graf Hans v. Schwerin auf Läwitz befindet sich unter dem internationale» Gründerkonsortium trotz seiner sonstigen Anti- paihie gegen das internationale Börsen- und Bankkapital: oder entspringt diese Antipathie vielleicht nur' dem Neid auf die schönen Profite der anderen?—_ Klerikale Diplomatie. Der Bischof Benzler von Metz. der einst von der offiziöses Presse als der träumerische Mönch von Maria Laach geschildert wurde, hat zum 50 jährigen Priesterjubiläum des Papstes einen Hirtenbrief verfaßt, i» dem er zeigt, daß er mit größter Gewandt- heit den Ton zu treffen weih, den man so gern im Vatikan hört. �„In de» schwierigen Zeitverhälinisien der Gegenwart", heißt es in dem Schriftstück,„sehen wir Pius X. mit sicherer Hand das Steuer der Kirche führen und das Scviffleiu Petri durch die auf- geregten Wogen de» Irrtums und der Verfolgung lenken. Wie er den Anmaßungen feindlicher Machthaber gegenüber sich als den Borkämpser der kirchlichen Freiheit und Nnabtiängigkeit erwiesen hat, so im Kampfe gegen den Irrtum als den Hort der katholischen Wahrheit. Nachdem er schon eine ganze Reihe falscher Lehren ge- brandmarkt und verurteilt hatte, sprach er in seiner jüngsten wahr- hast großartigen Enzyklika das Verwerfungsurteil über den Modernismus aus. ein Lehrsystem, das die GlaubenSivahrheiten anscheinend zeitgemäßer, moderner auffasse» wollte, in Wirklichleit aber sie ihres übernatürlichen göttlichen Charakters entkleidet." Benzler ist bekanntlich Bischof von„Kaisers Gnaden". hat aber durch fein Verhalten in den letzten Jahren deS Kaisers Gunst verloren. Als kluger Seelenhirt macht er deshalb der in Rom herrschenden Kurie und ihrem Oberhaupt seine Reverenz.-» Die Stenerpläne der Regierung. Die Regierung arbeitet jetzt mit großem Eifer an der Durch» setzung der neuen Steuern. Zunächst geht es ihr um das Spiritusmonopol und die Z i g a r r e n st e u e r. Die Projekte sind bereits dem Bundesrat zugegangen, der sich damit in der ersten Sitzung nach Neujahr beschäftigen soll. Mit diesen indirekten Steuer» will sich aber die Regierung nicht begnügen. Sie würden auch allein zur Deckung des Bedarfes nicht ausreichen. Deshalb fall dem Bundesrate auch eine Lorlage über eine anderweitige Erhebung derMatrikularbeiträge zugehen, die vorschlagen wird, diese Beiträge nicht nach der Kopfzahl der Bevölkerung, sondern nach der finanziellen LeistungZ- fähigkcit der Staaten zu erheben, und so Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg und die Hansestädte mehr zu belasten und die Klein- staaten zu entlasten. Die augenblickliche Reise des Staatssekretärs von Bethmann-Hollweg hängt eng mit dieser Frage zu- sammen, die er den drei Königreichen mundgerechter machen soll. Ueber die politische Bedeutung dieses Planes sprechen wir im Leitartikel. Wir möchten hier nur noch hervorheben, daß der Plan um so gefährlicher ist. als er bei den bürgerlichen Parteien kaum auf großen Widerstand zu stoßen scheint. Die Freisinnigen haben gute Lust, diese angebliche Reform, die die Finanzen des Reiches von den Privilegienlandtagen gänzlich abhängig macht, ihren Wählern als Errungenschaft anzupreisen, weil dadurch an- gcblich weitere indirekte Steuern vermieden werde». Als bestände auch nur der geringste Grund für den Reichstag, indirekte Steuern zu bewilligen! Der Reichstag ist in gar keiner Zwangs- läge, wohl aber die R c g i c r u n g. Sie muß nachgeben, wenn der Reichstag festbleibt. Und dashängtzueinem großen Teil vom Freisinn ab. Er braucht bloß die indirekten Steuern zu verweigern, und sie werden im Reichstag keine Maw- rität finden. Der Freisinn trägt also die volle Vcrant- Wartung und die Verbindung der indirekten Steuern mit der „Reform" der Matrikularbeiträgc steigert noch diese Ver- antlvortung. Weniger verantwortlich ist, daß daö Zentrum der Reform der Matrikularbeiträge Geschmack abgewinnt. Das ent- spricht nur seinen föderalistischen Traditionen. Tie„Kölnische Volkszeitung" erklärt denn auch bereits ihre Zustimmung zu dem Plane, der die Rcichstagsrechte verkürzen soll. Um so not- wendiger wird es sein, daß unsere Agitation den Volksmassen zeigt, wie gefährlich diese Pläne der Regierung sind. Keine i n d i- rekten Steuern, keine Reform der Matrikular- beitrüge, sondern direkte Reichs steuern muß unsere Forderung lauten.—_ Das Siechtum der bürgerlichen Demokratie. In Baden wird am Silvesterabend daZ in Konstanz erscheinende Organ der demokratischen Volkspartei, die Benedehsche „Äonstanzer Abendzeitung" ihr Erscheinen einstellen. Bei einem kaum tausend Abnehmer erreichenden Abonnentcnstandc mußte der sie verlegende Buchdrucker große pekuniäre Opfer bringen, ohne Aussicht zu haben, von der demokratischen Partei entschädigt zu werden. Die ursprünglich recht entschiedene Haltung der„Abend- zeitung"— redigiert wurde sie eine Zeillang vom früheren Sozialdemokraten Hülle-Erfurt— nahm in dem Maße ab. als das demokratische Schifflcin ins Kielwasser deS Blockflaggschiffes geriet. Zuletzt war sie so verblockt, daß man keine Spur vom Einflüsse des Herr» Venedey mehr erkennen konnte, der unter den badischen Demokraten immer- hin noch der Hüter alter Traditionen ist. Bekanntlich wurde vor einigen Wochen auch daö zweite demokratisch- volksparteiliche Blait Badens, der in Karlsruhe erscheinende„L a n d e s b o t e", auf die Aussterbeliste gesetzt. Die freisinnige Tante zu Mannheim war dafür bestimmt, das Lichtlein der bürgerlichen Demokratie in einer Ecke ihres Altars ausflockern zu lassen. Da trafen die Finanziers wegen des„Bad. LondeSboten" noch einmal ein Abkommen mit dem Bcr- läge. Es scheint sich dabei mehr um ein ehrenvolleres Begräbnis zr handeln.—_ Flottcnvcrcinliches. Ans Bayern schreibt man nnZ: Als es vor einigen Jahren zum„guten Ton" gehörte, in jedem Orte einen Flottenverein zu gründen oder diesem beizutreten, da schwamm ganz Bayern auf den» Wasser. Maffenhaft traten die gut- gesinnten Leute den Ortsgruppen bei. zumal die ersten Ver- anstaltungen deS neuen Vereins mit Militärmusik bei freiem Entrce arrangiert wurdeir. Nun. nachdem ein bayrischer Prinz wegen der bekannten Vorgänge in Berlin seinen Austritt auS der bayrischen Vorstandschaft erklärt hatte und andere Flottenfreunde mit klingenden Namen, wie Fürst Thurn und TaxiS, Graf Fugger usw., scincin Beispiel folgten, da hielten es auch die Mitglieder, denen bisher die Militärkonzertc des Flottenvereins so gut gefallen hatten, für angebracht, auS dem Flotteuverein auszutreten. Dutzendweise lösen sich gegenwärtig die Ortsgruppen in den Provinzortcn auf. Wenn auch nicht allen, so doch dem allergrößten Teil dieser bisherige» FlotteuvereinLmitglicder ist die Flottenmanie eineS Keim und die.Uiiehrerbietigkeit" eines Stresemann ganz wurscht, sie nehmen die Gelegenheit wahr, der nur gezwungen— standes halber oder aus AeschäftSriicksichten— mitgemachten Flottenfexerei den Rücken zu kehren, was natürlich die guten Bürger und Patrioten aber nicht hindert, wieder ein begeistertes Mitglied des FlottenvcreinS zu werden und dessen Lichtbildervorträge mit Regiinent-Monzert wieder massenhaft zu besuchen, sobald oben der Wind aus anderer Richtung weht.— Rückwanderer. Die in den Vereinigten Staaten von Amerika auSgebrochene Wirtschaftskrise veranlaßt viele der dort während der letzten Jahre tätig gewesenen fremden Arbeiter nach Europa zurückzuwandern. Um den preußischen Staat davor zu schützen, daß ihm unerwünschte nichldeutsche Elemente zur Last fallen, hat der Minister des Innern. wie ofjiziell mitgeteilt wird, schon im Jahre 1004 die in Deutsch- land konzessionierten Auswanderungsunternehmungen zur Ueber« nähme einer Garantie veranlaßt, wodurch sie sich verpflichtet haben, für die Durchbeförderung der außerdeutschen Rückwanderer in ihre Heimat zu sorgen und dem Staat und den Gemeinden die Kosten abzunehmen, die ihnen durch diese Rückwanderer erwachsen. Bon agrarischer Seite ist angeregt worden, einen Teil dieser Rückwanderer für die Arbeit in preußischen landwirtschast- lichen Betrieben zu gewinnen. Wie eS scheint, haben diese Versuche aber bisher keinen Erfolg gehabt, denn die«Verl. Korrespondenz" berichtet darüber: „In der Prefle ist auf die Bedeutung dieser Frag- schon hin- gewieien und die Ansicht ausgesprochen toorden, daß eS wohl möglich erscheine, für den inländischen Bedarf an Arbeitskräften aus rückwandernden Volksgenossen wenigstens teilweise Befriedigung zu. schaffen. Diese Möglichkeit ist jedoch schon deshalb sehr beschränkt, weil unter den Rückivanderern nur wenige Deutsche sind; zum überwiegenden Teile bestehen sie aus österreichisch- ungarischen oder russischen Staatsangehörigen. Aber auch abgesehen hier- von wird der gedachte Zweck jedenfalls nur in be- schränkte m Riaße zu erreichen sein. Ueberwiegend handelt eS sich bei diesen Rückwanderern um verhältnismäßig be- m i t t e I t e L e u t e, die der alten Heimat lediglich einen kurzen Besuch abstatten und bei besserer wirtschaftlicher Konjunktur als- bald nach Amerika zurückkehren wollen, also um«ine Art von interozeanischen Saisonarbeitern. Daß sie in so besonders großer Zahl gerade die letzte Zeit zu dem Heimatsbesuche benutzt haben, erklärt sich aus der augeublicklichen wirtschaftlichen Lage in Amerika und aus der Niedrigkeit der Fahrpreise, die gegen das Vorjahr ganz erheblich zuiückgegangen sind. Fast alle diese Reisenden wünschen so schnell wie möglich in ihre Heimat zu ge- langen und denken nicht daran, in Preußen ein Arbeits- engagement einzugehen."— Landtags-�inanzpolitik. Wie gefährlich es ist, den Landtagen, deren Zusammensetzung sie meist zu einem gefügigen Werkzeug der besitzenden Klassen macht, das Steucrrccht zu überlasien, zeigt nicht nur das Beispiel Sachsens, dessen Einkommensteuer schon das Einkommen des Proletariers von 400 Mark erfaßt, sondern auch ein Vorgang, der sich im Mciningcr Landtag kürzlich abgespielt hat. Das Herzogtum hat eine vorzügliche Finanzlage. Die Regierung hat nun beantragt, die unteren Einkommen bis zu SOS Mark von der Steuer zu befreien; gleichzeitig hat sie eine Vermögens- st c u c r vorgeschlagen. Beide Reformen wurden vom Finanz- ausschuß abgelehnt, und eS ist kein Zweifel, daß der Landtag sich diesem anschließen wird. Der Ausschuß ist der Meinung, daß die Steuerbefreiung„das Band, das die Arbeiterschaft mit den? Staate verknüpft, allzusehr lockern" würde! Offenbar haben die Herren zum Schaden auch noch den Spott fügen wollen. Dagegen will der Landtag die Gelegenheit benützen, um eine Entlastung der mittleren Einkommen von 700 bis 3000 Mark anzubahnen. Wir sind nicht nur für eine Ent- lastuny, sondern sogar für die Steuerfreiheit der Einkommen bis 3000 Mark, und diese könnte auch ohne weiteres durchgeführt werden, falls die Progression bei den höheren Einkommen schärfer gestaltet würde; aber eS ist doch höchst charakteristisch, daß die Einkommen bis zu 000 Mark, die in Preußen steuerfrei sind, in Meiningen trotz der guten Finanzlage steuerpflichtig bleiben sollen. Indes kommt die Warnung zur rechten Zeit; zeigt sie doch, daß die Erhöhung der Matrikularbeiträge von den Privilegienlandtagen sehr gut als Vorwand benützt werden könnte, um gerade durch stärkere Heranziehung der kleinen Einkommen die Erfordernisse zu decken. Auch vom rein stcuerpolitischcn Standpunkt aus ist die „Reform" der Matrikularbeiträge eine Gefahr.— Strafverschärfung. Genosse Karl Liebknecht scheint sich bei den Herren da oben keiner besonderen Beliebtheit, zu erfreuen. Die Abneigung gegen unseren Genossen zeigt sich neuerdings in einer ebenso klein- lichen wie lächerlichen Maßregel. Liebknecht, der von der Aus- Übung seiner Rechtsanwaltschaft, gegenwärtig durch die„ehrenvolle Haft" verhindert ist, braucht einen Substituten. Dazu bedarf es nach IZ 25 der Rechtsanwaltsordnung, wenn der Vertreter nicht an denselben Gerichten bevollmächtigt ist, der Genehmigung durch den Justizmin.ister. Diese lvird sonst auch anstandslos erteilt. Das Ersuchen Liebknechts wurde aber abschlägig beschieden. Tie Maßregel hat allerdings keine große Bedeutung, denn Lieb- knccht wird sich jetzt einfach durch seinen Bruder vertreten lassen; aber für den engherzigen Geist, der in unserer Justizverwaltung herrscht, ist dieser kleinliche Racheakt so recht bezeichnend.— Schweiz. Die Staatsschulden der Schweiz betragen 1048 Millionen Frank, wovon 1222 auf den Bund sbezw. die Bundesbahnen) und 420 Millionen auf die 25 Kantone entfallen.— frankmek. Der Ausgang des„Mati«"-Ska»idals. Paris, 20. Dez. fEig. Ber.) Nach mancherlei sensationellen, alle Ueberraschungen der Kriminal- roinantik erschöpfenden Wendungen ist die Affäre des„Malin" zu einem Ausgang gelangt, der wohl nicht alle verschlungenen Linien ihres Jntngengeivebes, aber um so mehr die Unsauberkeit der bürgerlichen Regiermigs- und ZeitungSgewerbe aufdeckt. AlS die„Humanilö" die Existenz der Schuld des„Matin" und ihre Nichtbezahlung aufgedeckt und die Rechtfertigungsversuche des Kolonieiiministers' durch die Veröffentlichung der Dokumente vereitelt hatte(die den Beweis für die Bemühung des Ministers, dem„Matin" die Bezahlung der 04 000 Frank auf illegale Art zu erlassen, vollkommen erbrachten). er- reichte sie zunächst, daß der Waffenstillstand zwischen den Herren Milliös-Lacroix und B u n a u- V a r i l l a in die Brüche ging. In der Kammer gab der Kolonienminister, vom Genossen Rouanet interpelliert, bekannt, daß er an den Gouverneur von Westafrika um die entscheidenden Akten gekabelt habe. Der „Malin" ober reagierte in dreisten Zuschriften an die Abgeordneten und Minister, in denen er— nach der alten Taktik des ver- folgten DiebeS— Herrn MillieS- Lacroir der Lüge be- schuldigte und Lärm schlug wegen d-S Dokumentendicbstahls. von dein kein anderer profilierte als er selbst! Und nun folgt eine Sensation der anderen: Das Konkurrenzblatt des„Malin",„Le Journal", � das von jetzt an der OsfiziosuS des KoloiiienministerS wird, veröffentlicht eine L i st e der im Ministerium entwendeten «chriftslück«. Sie umfaßt nicht weniger als neun Nummern I Ter Kolonienminister scheint zur energischen Verfolgung der Ent- Wendung und ihrer Nutznießer entschlossen— da wird nach einem Ministerrat am Sonnabend ein ojfizielleS Eommuniqus ausgegeben, das erklärt, daß nur die Bank Bönard, die die tviission Blanchet „organisiert", nicht aber der„Matin", der„bloß" die Initiative gegeben habe, haftbar gemacht werden könne! Clemenceau desavouiert also öffentlich seinen vom „Matin" in der rüdesten Art angegriffene» Kollegen. Das Conimuniqus ist in den Abendblättern erschienen, aber die Morgenblätter des nächsten Togeö veröffentliche» eine nicht minder offizielle Note, die besagt, die Ausscheidung des„Matin" auS der Angelegenheit fei nicht die Meinung des Ministerrats, sondern nur die einiger Minister gewesen! Das„Journal" gibt die Erläuterung des' unerhörten Vorgongs: Der Kolonienmimster habe vom Mmislerpräsidenten das sofortige Dementi unter An- d r o h u n g seiner Demission erzwungen! Clemenceali hat also erst MilliöS-Lacroix preisgegeben, um den Häupling der bourgeoisen Zuhälterpresse, den Bniiau-Varilla, und er Hai Bunmi-Vanlla preisgegeben, um sich s e l b st zu rette», da der Rücktritt eines Ministers— und noch dazu unter diesen lim- stäiidcn— die allgemeine Ministerlrise notwendig herbeigeführt hätte.... Die Kanonade zwischen dem Kolonienminister und dem„Matin" erreicht nun ihren Höhepunkt. Das„Journal" veröffentlicht jeden Morgen neue Beiveisc für die Verantwortlichkeit deS„Matin" und oieser gibt neue Memoranden voll Beschimpfnugen heraus, bezeichnenderweise mit Umgebung seines Lesepublikums,'das bis zuletzt von der ganzen Affäre nichts erfahren hat! Sodann ein neuer Theatercoup: Am Montagvormittag erhält der Mini st erPräsident zwei der ent- iv endeten Dokumente zugestellt! Ein Unbekannter hat sie beim Hausmeister des Ministerium« abgegeben! Unter diesen Dokumenten befindet sich die Kopie eines an den „Matin" gerichteten M a h.n b r i e f S. also— der Beweis dafür, daß es eine Lüge ist, daß man von dem Blatt noch nichts ge- fordert habe. Die Dache des„Matin" ist nicht mehr zu halten..'.. Da bringt der Christabend die rettende Friedensbotschaft: Herr B v n a r d, Chef der Firma Bünard u. SarislowSky. in deren Interesse der„Matin" seine famose„patriotische" Kampagne unternommen hat. die in der Entsendung der Misston Blanchet ihre» Reklainegipfel hatte, erscheint beim Ministerpräsidenten und erbietet sich, dem Staat die vorgeschossciic» 00 000 Fr. zurückzuerstatten! Die Firma habe sich dazu vertragsmäßig ve»pflichtct, sei aber bisher„noch nicht ge- mahnt worden I" Es ist ganz zweifellos, daß das Bankhaus ein- gesprungen ist, weil eS Clemenceau schließlich unmöglich geworden war, den„Matin" zu decken. Ob Herr Bsnard oder Herr Bimau-Varilla jetzt offiziell als Zahler auftritt ist gleichgültig. Der französische Staat hat — dank der Kampagne der„Hnmanito"— sein Geld wieder. Aber das ist freilich alles, und eS ist recht wenig. 00 000 Fr. spielen im Haushalt der Republik tvahrlich keine schwer- wiegende Rolle. Zlber mehr bedeutet die nachgewiesene Tatsache, daß ein schmutziges, aber mächtiges Jobberblatt für eine Kombination von privaten Unternehmerinteressen und eigenen Neklaniegesckiäften die Intervention des Staates erlangen, daß es sich jahrelang seinen rechtlichen Verpflichtungen gegen den Staat entziehen, daß eS Minister zum Schweigen oder zu schuldhaftem Beistand bewege» kann. Und unbestreitbar ist es ferner, daß daS Schweigen der bürgerlichen Zeitungen, auch nach der Enthüllung des Schwindels, gezeigt hat, daß die K o r r u p t i o n die Lebenslust ist, die einer den, anderen in stiller Vereinbarung gönnt, weil sie alle in ihr gedeihen.— Dänemark. Im Folkcthing, daS seine Sitzungen bis zum 8. Januar aus- fetzte, stand vor Weihnachten noch ein kleiner Nachtragsetat auf der Tagesordnung. Der Umstand, daß für das laufende Budgetjahr 15 000 Kronen für die durch ihre ungeheuerliche„Seßhaftigkeit" berüchtigte Landcsverteidigungskommission nach- verlangt werden, vcranlaßte den Genossen Andreas.cn, zn.be- merken, daß diese Konlmission, die an dem Beratungstage genau 5 Jahre und 208 Tage„tükig" war, im laufenden Jahre nur zwei Sitzungen abgehalten. habe und daß ihr Weiterbestehen geradezu ein Skandal sei. Der Präsident rügte diesen?lusdruck, und Andreasen erwiderte, er könne keinen besser passenden finden. Die Liberalen schwiegen, desgleichen die Konscrdativen, auf deren letztem Parteitag das Weiterbestehen der Kommission als ein Verbrechen bezeichnet worden war! Jedenfalls werden unsere Ge- nosscn bei der Ausschußbcratung und bei der zweiten Lesung noch nähere Auskunft darüber verlangen, wozu eigentlich die 15 000 Kronen der Kommission dienen sollen, die innerhalb sechs Jahren ihre Aufgabe. Vorschläge zur Verbilligung des LandeSverteidigungs- lvcfenS zu machen, in keiner Weife erfüllt hat. Ferner kam der von der sozialdemokratischen Fraktion schon wiederholt eingebrachte Gesetzentwurf über den gesetzlichen Acht- stundentag zur Beratung, den Genosse S a m u e l s e n begründete. Ein kleiner Erfolg war es, daß sich dicSmal der Wortführer der Konservativen, Dr. Birck, für den gesetzlichen Achtstundentag wenigstens in Betrieben, in denen Tag und Nacht gearbeitet wird. aussprach. Der Wortführer der Liberalen meinte; eS sei möglich, daß sich mit der Zeit immer mehr Abgeordnete dem sozialdemokratischen Gesetzentwurf anschließen würden.... Daß dies geschieht, ist ja eben die Absicht, die unsere Parteigenossen da- mit verfolgen, daß sie ihre sozialen Gesetzentwürfe immer von neuem cinbriugeii. Diese Taktik hat sich bewährt, und sie wird icherlich Erfolg haben auch bei diesem Gesetzentwurf, der nun wieder einmal einem parlamentarischen Ausschuß überwiesen wurde.— Hnienfca. Der Jahresbericht des Sekretärs für Handel und lssewerbe, Oskar S. Strauß, beschäftigt sich unter anderem auch mit der Ein- Wanderung der Orientalen und läßt durchblicken, daß man mit den Japanern reckt vorsichtig umgehen müsse. Er empfiehlt aber auch eine Durchsicht der Gesetze, welche die Chinese u ausschließen. In China würde man wieder zum B o y l o t t ameri- kanischcr Waren schreite», wenn der Ausschluß der Chinesen fort- bestände. Der Boykott, der vor einigen Jahren eingeleitet wurde. habe große Nachloirlungcn gehabt. Von 1005 bis 1907 sei der Export nach China um rund 50 Proz. zurückgegangen, wobei freilich auch noch andere Gründe mitwirkten. Die gleich- mäßige Behandlung der Frage für die Vereinigten Staaten wie für die Kolonialbcsitzungcn sei nicht angängig; denn auf den Inseln liegen die Verhältnisse vielfach anders. Die Gesetze der Ausschließung von Chinesen seien so streng durchgeführt worden. daß sich im Jahre 1007 auf dem Fcstlande nur 70000 Chinesen befanden, also weniger als ein Zehntel Prozent der Bevölkerung. Während des letzten Fiskaljahres wurden nur 875 Chinesen ins Land gelassen! Das Gesetz sollte so umgestaltet tverden. daß nicht der Ausschluß der Chinesen als Hauptsache erscheint und die Zulassung nur als A u s n a h m e. Der Bericht gibt bekannt, daß die Einwanderung in diesem Jahre t 285 340 Personen betrug, also 184 014 mehr als im Vor- jähre, und 285 880 mehr als im Jahre 1005.(Dabei ist die jüngste Rückwanderung natürlich noch nicht berechnet.) Zurückgewiesen wurden 13 004 Personen. Die Einfuhr von Waren betrug in diesem Jahre 1 434 421 425 Dollars, die Ausfuhr 1853 718 034 Dollars, eine bedeutende Zunahme des Handels gegenüber dem Borjahre. vie Llnigmig der(Baurerorganiiationen. Der zweite Verhandlungstag der Konferenz d e r F r c! c n Vereinigung der Maurer begann mit einem sticfcrat des GcschäftslciterS Gehl über dis Einigungsverhanblungen und ihr ErgevniS. Einleitend erwähnte der Redner die Agitation, die von einem Teil der Mitglieder der Freien Vereinigung der Gewerkschaften in Ver- sammlungcn, in der„Einigkeit" und in einer„Flugschrift zur Aufklärung der Mitglieder der Freien Gewerkschaften" gegen die Einigung betrieben lvird. Die Leute, die hier die Fürsprecher der Einigung in gehässigster Weise angriffen, seien meist erst kurze Zeit Mitglieder dieser Gewerkschaften. In jener„Flugschrift" heiße es, daß die Gewerkschaftsleitungen, die für die Einigung seien, dafür einträten,„obwohl diese Personen bis jetzt jede Einigung weit von sich gewiesen haben". Der Redner weist demgegenüber darauf hin, daß die GeschäftSkommission der Freien Vereinigung der Gcwerk- schaftcn sich schon im Jahre 1001 und dann wieder 1003 prinzipiell für die Einigung erklärt hat und mit ihr einer der Unterzeichner jener Flugschrift, der selbst im Jahre 1001 in'einem Schreiben der GeschäftSkommission den Gedanken der Einigung niedergelegt hat. Der Redner schilderte dann ausführlich die EntWickelung der Ei n ig ungSbc strebungen. Die Geschäftsleitung der Maurer hat bekanntlich seinerzeit auf die Anfrage des Parteivorstandes geantwortet, daß man bei der gegen- wärtigen Situation, dem Kampf im Baugewerbe, eine positive Antwort nicht geben könne. Nun hätten aber gerade die außer- ordentlichen Schwierigkeiten, die daraus erwuchsen, daß bei diesem Kampf nicht weniger als 7 Organisationen in Frage kamen, gezeigt. wie notwendig die Einigung ist. Aber selbst wenn nur die Maurer in irgendeinem anderen Ort, wo die Freie Vereinigung Mitglieder hat, eine Lohnbewegung einlettcn wollten, hätten sich aus dem Zwie- spalt der Organisationen Schwierigkeiten über Schwierigkeiten er- geben. Dazu komme die starke Entwickclung der Unternehmer- organisation, die Macht, die sie im Berliner Lohnkampf entfaltete, ihr neuester Gcneralaussperrungsplan, was allerdings eine Eini- gung der Arbeiterorganisationen um so notwendiger erscheinen lasse. Die GcschäftSIcitung habe sich nun den Zcntralvcrband der Maurer genau angesehen, sein Statut, seine EntWickelung wie seine Taktik und sei zu der Ucberzcugung gekommen, daß nichts einen klassen- bewußten BcrufSgcnosscn verhindern könne, dieser Organisation anzugehören. Der Zcntralvcrband sei noch kein Ideal einer Or- ganisation. Er müsse weiter ausgebaut werden. Wenn die bis- herigcn Mitglieder der Vereinigung sich Mühe gäben, den Verband in ihrem Sinne auszugestalten, würden sie auch innerhalb des Verbandes als klassenbewußte Arbeiter freudig weiterwirken. Nachdem der Internationale Kongreß in Stuttgart mit der Neu- tralität der Gewerkschaften aufgeräumt und eine Zicsolution an- genommen habe, die der Tendenz entspricht, welche die Freie Ver- cinigmig in sozialdemokratischer Hinsicht vertreten habe, sei jeder Grund, der gegen die Eingung angeführt werden konnte, gefallen. Unter den Gründen, die jetzt die Gegner der Einigung anführten, sei kein einziger, der sich bei näherer Prüfung als stichhaltig er» weise. Ter Redner zeigte, wie alle diese Gründe sich als Schein- gründe erweisen, und verurteilte cS, daß die Gegner der Einigung hinter dem Rücken der Organisationsleitung in gehässigster Weise für ihre Ansicht Propaganda machten, wie sie auch am Freitagabend bei der Konferenz der Delegierten ihre Flugschrift nur an solche Kollegen verteilten, von denen sie wußten, daß sie sich nicht für die Einigung erklärt hatten. Der Redner sprach ferner über die Enttoickclung der Freien Vereinigung der Gcwerk- schaftcn. Stuf dem siebenten Kongreß habe man durch die Pro- grammändcrung allen denen entgegenkommen wollen, die in der alten Form eine Llrt Gewissenszwang erblickten. Nun hätten aber diese daS Programm im Sinne syndikalistisch-anarchistischer Ge- werkschaftcn ausgelegt. Die Töpfer hätten einen dahin zielenden Antrag zum achten Kongreß angenommen und die EinigungSgcgner in geheimer Sitzung eine Resolution gefaßt, in der sie sich für AntiparlamentariSmuS usw., wie auch dafür aussprechen, daß die Vertreter dieser Ideen nicht mehr den sozial- d c m o k r a t i s ch e n W a h l v e r c i n c n a n g c h ö r e n s o l l t c n. Diesen Bestrebungen könne die Vereinigung der Maurer nicht folgen. Sie werde sonst dadurch gänzlich zerrieben werden. Sic müsse auch in Zukunft ihre Agitation in sozialdemokratischem Sinne betreiben. Die reinliche Scheidung, die die EinigungSgcgner wünschten, sollten sie haben. Die Einigung sei nun nicht nur müg- lich, sondern auch nützlich und notwendig. 23 OrtSvereine der Maurer hätten sich bei der Umfrage für die Einigung erklärt und nur 3 dagegen. Inzwischen hätten sich auch noch zwei von diesen OrtSvercinen nachträglich dafür erklärt. Der Redner wies dann kurz auf die Einigungsdcdingungcn hin, wie sie bei den Vorhand- lungen am 27. November aufgestellt wurden. Sic liegen den Tele- gierten gedruckt vor und sind auch den Ortsvcrcinen schon am 4. Dezember üvcrsandt worden. Sie bestehen aus 12 Slbschnittcn. In dem ersten Abschnitt wird den Mitgliedern der Freien Vereint- gung bestätigt, daß nach den Grundsätzen des Verbandes jedes Mit- glicd sich nach seiner Ucberzcugung politisch betätigen kann, auch im Sinne des Programms der Freien Vereinigung, einschließlich des Massen- und Generalstreiks. Im zweiten Absatz verpflichtet sich der Vorstand deS Zentralverbandcs dem nächsten Vcrbandstag einen Antrag auf Beseitigung des ihm nach ß 5 des Verbands- statutS zustchendcii BcstätigungsrechtcS zu den Orts- oder Zweig- vcrrinSvorstandswahlcn einzubringen und für Annahme des An- trage» zu lvirtcu. Die weiteren Abschnitte handeln von den Be- stimmungen über den Zusammenschluß selbst. Es wird darin unter anderem festgelegt, daß nach dem Zusammenschluß eine Neuwahl der Zwcigvcreinslcitungen und der sonst etwa noch bestehenden Körperschaften stattfinden soll, wobei den bisherigen Mitgliedern der- Freien Vereinigung eine ihrer Zahl entsprechende Vertretung gc- sichert lvird. Wird die Eingung erzielt, so soll der Uebertritt zum Zcntralverband am 1. März 1008 erfolgen.— Ter Redner empfahl schließlich der Konferenz im Namen der Geschäftsleitung folgende Resolution: Die Delegierte» der 10. Konferenz der Freien Vereinigung der Maurer Deutschlands erkennen die Zweckmäßigkeit einer ein- heitlichcn Organisation im Maurergewcrbe an und erklären sich mit dem Verhallen der Geschäftsleitung betreffend die Eini- gungSbestrebungcn des Parteivorstandc» vollkommen ein« verstanden. Sie akzeptieren die in der gemeinsamen Sitzung am 27. Ro- bcmber ausgearbeiteten„Einigungsbcdingungcn" und verpflichten sich, in ihren Ortsvcreinen dahin zu wirken, daß auf Grund dieser Vereinbarungen die Verschmelzung mit dem Zentral- verband erfolgt. i'ln die Mitglieder der Freien Vereinigung der Maurer richtet die Konferenz das dringende Ersuchen, den Vereinbarungen ebenfalls zuzustimmen und dafür einzutreten, daß in allen Orte» der Uebertritt zum Zentralvcrbande einmütig und gc- schlössen vollzogen tverden kann. Die Geschäftsleitung wird angewiesen, für die Durchführung des Konfercnzbeschlusses. dort wo es ratsam erscheint, alle er- forderlichen Maßnahmen zu treffen; sie darf ihre Funktionen erst dann als erledigt betrachten, wenn der Anschluß an den Jen- tralvcrband von allen OrtSvercinen erfolgt ist. Die Geschäftsleitung. Dem Referat G e h k L folgte eine lebhafte, doch sachliche Debatte. £ie meisten Redner sprachen sich mehr oder minder entschieden für >!o Einigung unter den vorliegenden Bedingungen aus. W i t t st o ck tFranz.-Buchholz) hält dagegen wohl im Prinzip die Einigung für wünschenswert, meint jedoch, daß die Zentral- verbände sich durch ihre Unterstützungseinrichtungcn den Hirsch- Dunckerschcn Gewerkschaften näherten und nicht den Eharaktcr echter Klasscnkampforganisationen hätten. P a c t r o w(Stralsund) erklärt, daß man in diesem Ortsvcrcin mit der Einigung warten möchte, bis der Verbandstag der Maurer getagt hat, namentlich um die endgültige Beseitigung des Bestätigungsrechts abzuwarten. Außerdem sind es örtliche Umstände in Stralsund, wie das Vcr- hältnis zum Arbeitcrkastno, was diesen Ortsverein verhindert hat, unbedingt für die Einigung einzutreten. Müller(Spandau) ist unter den vorliegenden Bedingungen nicht für die Einigung ein- genommen. Bömelburg, als Vertreter des Zentralverbandes der Maurer, antwortet auf die verschiedenen gegen den Verband er- hobenen Einwendungen und Bedenken. Von den rund 3 Millionen Mark, die der Verband in den ersten drei Quartalen dieses Jahres eingenommen habe, seien l 150 000 M. für Streiks, allein aus der Zentralkasse, aufgewandt worden, und nur ungefähr 200 000 M. für Kranken-, 60 000 M. für Stcrbeunterstützung. Die Unter- stützungseinrichtungen seien eben nicht Selbstzweck, sondern nur Mittel zum Zweck, dazu da, den Gedanken der Solidarität zu be- festigen. Auch die Leitung des Verbandes habe von jeher dagegen gewarnt, daß mit den Unterstützungseinrichtungen zu weit gegangen werde. Das Bestätigungsrecht sei bei Gründung des Verbandes in das Statut aufgenommen worden und den Begründern unter den damaligen Verhältnissen zweckmäßig erschienen. Von dieser Bc- stimmung sei niemals in dem Sinne Gebrauch gemacht worden, daß etwa der Verbandsvorstand ihm mißliebige Personen abgelehnt hätte. Die Bestimmung selbst sei überflüssig. Man könne sicher sein, daß sie auf dem nächsten Verbandstag beseitigt werde, zumal die Verbandsleitung wie die Gauleitungen für die Streichung seien. Im übrigen könne man sich unbedingt darauf verlassen, daß die Vereinbarungen von feiten des Verbandes erfüllt werden. Alles, was darin niedergelegt sei, entspreche nur der ehrlichen Uebcr- zcugung der Verbandsleitung wie den Tendenzen des Verbandes. Nachdem sich noch mehrere Redner geäußert hatten, unter an- deren Z e g l l n, der darauf hinwies, daß in Berlin bei den Abend- und Morgcnsprachcn sich nur 26 Mitglieder gegen die Einigung er- klärt haben, und der selbst ganz entschieden dafür eintrat, war die Debatte erschöpft. ES folgte namentliche Abstimmung. Von den 27 Delegierten stimmten 24 für die Resolution der Geschäftsleitung und damit für die Einigung auf Grund der ver- einbarten Bedingungen, 3 dagegen, und zwar die Delegierten von sfranz.-Buchholz, Düsseldorf und Spandau. Zum nächsten Punkt der Tagesordnung: Der Kongreß der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften führt der Referent Heinrich Metzke unter anderem aus, es könnte manchem scheinen, daß man nun nach dem Einigungs- beschluß keine Ursache mehr habe, sich noch mit dieser Angelegenheit zu befassen. Da aber die Freie Vereinigung der Maurer jene Vcr- einigung nicht nur mitgegründet, sondern auch lebhaft an ihrer Tätigkeit teilgenommen habe, sei es selbstverständlich, daß die Maurer auch ein starkes Interesse an dem achten Kongreß haben. Im übrigen hält der Redner unter den jetzigen Verhältnissen die Auflösung der Freien Vereinigung der Gewerkschaften für geboten und empfiehlt folgenden Antrag der Geschäftsleitung der Konferenz �ur Annahme: „Die 16. Konferenz der Freien Vereinigung der Maurer Deutschlands beschließt, an den Beratungen des 8. Kongresses der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften teilzunehmen und sich durch Delegierte auf dem Kongreß vertreten zu lassen. Die Konferenz als oberste Instanz der Freien Vereinigung wählt die Delegierten, welche die gesamte Vereinigung zu ver- treten haben. Sic erwartet von den Delegierten ein einmütiges und takt- volles Vorgehen im Sinne des Konfcrenzbeschlusses und empfiehlt die Auflösung der Freien Vereinigung deutscher Ge- werkschaften zu beantragen und diesen Antrag mit aller Eni- schiedenhcit zu vertreten." Der Antrag wurde nach kurzer Debatte mit 24 gegen 3 Stimmen angenommen. Sodann wurde beschlossen, den Kongreß mit 12 Dele- gierten zu beschicken. Als Delegierte wurden gewählt: die Mit- glieder der Geschästsleitung Gehl, Metzke, Heller, Zschoch und Z e g l i n, ferner Kling und Main(Berlin), Kleist (Königsberg), Richter(Rüdersdorf), P a c t r o w(Stralsund), Schräder(Wernigerode) und Scholz(Friedrichshagen). Damit war die Tagesordnung erledigt. Der Vorsitzende August Dietrich schloß die Konferenz mit einigen anregenden Worten an die Delegierten, in ihren Ortsvcreinen für die Durch- führung der gefaßten Beschlüsse tätig zu sein und dann auch in Zukunft weiter zu wirken in dem Geiste, der sie bisher geleitet habe. SewerKfcbaftUcbes. Eiu TerroriSmnSfall. Wir stellten gestern einen angeblichen Terrorismusfall aus Anlaß der Schuhmacherbewegung in Potsdam richtig. Die Scharfmacherpresse in ihrer Mehrheit wird natürlich trotz alledem keine Veranlassung nehmen, ihre Schilderung des Vorfalles zu korrigieren. Heute sind wir in der angenehmen Lage, ihr bestätigen zu können, daß es in Potsdam in der Tat nicht ohne Terrorismusfall abgegangen ist. Vor einiger*Jeit hat in Potsdam eine Gerichtsverhand- kung wegen„Streikvergehen" könnte man sagen, stattgefunden, die für den Reichslügenverband allerdings nicht verwertbar ist. Die Anklage der Staatsanwaltschaft richtete sich nämlich gegen einen Schuhmacher meister, Gablokoff mit Namen, wohnhaft Kaiser Wilhclmstraße 44 in Potsdam. Der hatte am 25. Oktober einen stteikenden Gesellen mit einer langen Reitpeitsche so arg miß- handelt, daß klaffende Wunden auf Arm und Hand die �olge waren. Zwei andere Streikende entrissen ihm das gefährliche Werkzeug, bevor er jenen gänzlich krumm und lahm schlagen konnte. Gablokoff behauptete vor Gericht. er sei von den Streikenden belästigt und beschimpft worden; sein Entlastungszeuge, ein Vizefeldwebel, der zur selben Zeit im Laden anwesend gewesen war. hatte aber davon nichts bemerkt. Der Angeklagte kam für seine Roheit mit 15 M. Geldstrafe davon. Er war nur zweimal, und„nur" wegen Gewerbcvcrgehen vorbestraft, was das Gericht bei der Straf- abmessung als nicht ins Gewicht fallend ansah. Berlin und Umgegend. Gewerkschaftliche Grenzkonflikte. Zu diesem Artikel erhalten wir folgende Zuschrift: Der Zweigvereinsvorstand Berlin des Verbandes der bau- gewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands verwahrt sich entschieden gegen die Behauptung der nicht genügenden Interessenvertretung der Dachdeckerhlllfsarbeiter während des Streiks. Die Unzufriedenheit der Hülssarbeiter gegen die Leitung rührt lediglich aus der Ausforderung her, die statutarischen Extrabeiträge zu leisten. Von den Dachdeckern wird denselben insofern Vorschub geleistet, als diese erklären, die Hülfsarbeiter brauchen keine Extra- beitrüge zu zahlen. Dem Zweigvereinsvorstand ist davon nichts bekannt, daß die am 22. Dezember vom Dachdeckerverband einberufene Versanunlung der Hülfsarbeiter auf Wunsch und Veranlassung der„Sektion" der Hülfsarbeiter im Bauarbeilerverband stattgefunden hat. Die versuchte Einigung der Dachdecker zwischen den Hülfs- arbeilern und unsere Ablehnung dazu sieht folgendermaßen aus: Die Differenzen vom Streik wegen Zahlung der Miets- entschädigung wurden in der Versammlung am 15. September er- ledigt. In derselben waren sowohl der Genosse Görnitz vom Dachdeckerverband, wie der Genosse K ö r st e n als Vertreter des Ausschusses der Berliner Gewerkschaftskonimission anwesend. Nur die vom Kollegen B e i e r nachgesuchte Fühlung beim Dach- deckerverband betreffs Uebertrilt bot den willkommenen Anlaß zum weiteren Eingreifen der Dachdecker. Die nun von den Dachdeckern beantragte abermalige Schlichtnng durch den Ausschuß der Berliner Gewerlickiaftskommission lvnrde von diesem mit der Begründung ab- gelehnt, dieies sei Sacke der beteiligten Gewerkschaften. Um endlich Klarheit zu schaffen, beiichieten wir unserem Haupt- vorstand und beantragten Regelung durch die beiderseitigen Haupt- vorstände. Aus diesem Grunde lehnten wir eine telephonische Ein- ladung der Dachdecker zur Vorstandssitzung ab und teilten dieses brieflich dem Vorstand der Dackdecker mir. Die Regelung durch die Hauplvorstände ist nicht erfolgt, sondern mit Zustimmung der beiderseitigen Hauptvorstände der General- kommission der Gewerkschaften Deutschlands überwiesen worden. Dieses rst der wahre Sachverhalt, welcher der örtlichen Leitung der Dachdecker wohl bekannt ist. Um so sonderbarer und unverständ- licker ist die Handlungsweise der Leitung in diesem Falle. Wir enlhallen uns jedes weiteren Kommentars dazu, alles weitere wird ja die Verhandlung vor der Generalkommission ergeben. Der Zweigvereinsvorstand deS Verbandes der bangeiverblickeu Hülfsarbeiter. I. A.: Karl Gräber. Zu den ders bemüht Orten, ist. veudkcbes Reich, Knebelungsversuche. in denen das Unternehmertum beson- die industrielle Arbeiterschaft in die gelben Gewerkschaften hineinzutreiben und dadurch ihrer stehen neben einem Verein reichstreuer Arbeiter drei sogenannte Werkvcreine für drei Betriebe der Metallindustrie. Mit allen Mitteln werden in diese Vereine die Arbeiter hineingczwungen und mit Vorliebe wählt man dazu die mehr oder weniger offene An- drohung der Brotlosmachung. Das alles genügt aber wohl noch nicht, so daß die Firma R. Wolfs jetzt dazu übergeht, eine„A r- beiter-Jnvaliditäts-, Alters-, Witwen- und W a i s e n u n t e r st ü tz u n g s k a s s e der R. Wolfsschen Werke" zu gründen. Tie Satzungen dieser„Wohlfahrts"einrichtung sind (o monströs, daß es sich verlohnt, einiges daraus wiederzugeben. Mitglied der Kasse kann nur werden, wer gleichzeitig dem gelben Werkverein angehört, noch nicht 45 Jahre all und gesund ist und sich ausdrücklich damit einverstanden erklärt, daß ihm wöckzentlich 40 Pf. Beitrag vom Lohn abgezogen werden. Die Kasse soll vom Vorstand des Werkvereins verwaltet werden, der genaue Tagebücher über die Mitglieder, deren Ehefrauen und Kinder zu führen hat. Die Mitgliedschaft erlischt und damit jeder Unterstützungsanspruch: beim Austritt aus dem Werkverei.n, beim Austritt aus der Arbeit der R. Wolsfschen Werke, bei Entlassung wegen Arbeitsmangels, bei Ausschluß aus dem Werkverein wegen Verstoßes gegen dessen Satzungen und, neben noch einer Reihe weniger bemerkenswerter Gründe, namentlich auch dann, wenn das Mitglied einer freien Gewerkschaft„oder sonstigen sozialdemokrati- scheu Vereinigung" angehört oder sich durch Ein- treten für sozialdemokratische Ideen als Ange- höriger dieser Partei dokumentiert." Das Eintritts- aeld beträgt 3 M1. Die Beiträge werden nur zurückgezahlt: beim Todesfall, doch nur an leibliche Erben(eine kinderlose Witwe er- hält also nichts), bei Abgang vom Beruf und bei Ausschluß aus der Kasse. Im ersten Jahre wird nichts, im zweiten sechs Zehntel, im dritten sieben Zehntel, im vierten acht Zehntel, im fünften neun Zehntel des Betrages vom 6. bis 10. Jahre der volle Betrag und vom 11. Jahre der volle Betrag einschließlich IVz Proz. Zinsen zurückgezahlt. Unterstützungsanspruch steht den Mitgliedern erst zu. nachdem sie vom Eintritt in die Kasse mindestens zehn Jahre ununterbrochen auf den Werken gearbeitet haben, lieber das Vorhandensein der Erwerbslosigkeit entscheidet der Vorstand des Werfvereins. Der Bezug der Altersrente beginnt mit dem 65. Lebensjahre. Wer dabei weiterarbeitet, erhält nur 20 Proz. der Rente. Der Empfang einer Invaliden rente schließt ein Weiterarbeiten auf den Wolfsschen Werken a u Trotzdem heißt es weiter, daß mit jedem weiteren Jahre, welches das Mitglied im Wolfsschen Werke verbleibt, die Rente, auch die Invalidenrente, st e i g t I Wer also die Rente voll bezieht, wird n i e eine Steigerung derselben zu v e r z e i ch- nen haben, sei er nun Invaliden- oder Altersrentneri Die Rente beträgt nach 10 Jahren 200 M. und„steigt" 20 Jahre lang um je 10 M. und weitere 15 Jahre um ie 5 M.. so daß nack 45 M i t- g l i e d s j a h r e n der Höchstbetrag von 450 M. erreicht ist. Man hat also in geradezu raffinierter Weise Vorsorge getroffen, daß niemand mehr als 200 M. beziehen kann, ganz abgesehen davon, daß es ein Leichtes ist, den Rentenbezug überhaupt zu verhindern! Aber da- mit noch nicht genug! Sämtliche Leistungen der Kasse werden nur in solcher Höhe bestritten, wie— Mittel vorhanden sind II Sollte der Fall eintreten, daß die Ansprüche an die Kasse größer sind als Mittel für den Zweck vorhanden sind, so tritt eine ent- sprechende Ermäßigung der Leistungen ein! Bei alle« dem ist eine Beschreitung des Rechtsweges bei den ordentlichen Gerichten ausgeschlossen. Streitigkeiten werden durch ein drei- gliederiges Schiedsgericht entschieden, dessen Obmann ein AufsichtS- ratsmitglied ist, das natürlich in engsten Beziehungen zu der Firma steht. Wer in die Kasse aufgenommen werden will, hat einen Auf- nahmeschein zu unterschreiben mit der Erklärung, daß er jedem sozialdemokratischen Verein oder solchen Bestrebungen fernsteht. Dem Anschein nach wird also in dem Statut viel versprochen. in Wirklichkeit sind es taube Nüsse. Kein anderes Leitmotiv waltet hier ob, als die Arbeiter zu fesseln, indem man sie in den Wahn versetzt, daß ihnen, wenn sie nicht ganz„artig" sind, der Anspruch auf Unterstützungen verloren geht, die dabei aber mehr als schemenhaft sind. Werden die Arbeiter sich in diesen Leim- ruten fangen?_ Warnung vor Zuzug nach dem Hamburger Hafe»— ein Vertragsbruch? Wie schon kurz berichtet, hat der Hafenbetriebsverein, bestehend aus Reedern. Stauern, Schiffsagenten und anderen Arbeit- gebern im Hamburger Hafen, gegen den Hafenarbeiter- verband eine Klage angestrengt, das Gericht möge feststellen, daß der zwischen den Parteien am 9. April 1907 nebst Zusatz vom 18. April geschlossene Vertrag nicht am 1. Oktober 1907 erloschen ist. Ferner beantragt der Kläger, den Beklagten zu verurteilen: 1. Bei einer gerichtsseitig entsprechend der Wichtigkeit dei Angelegenheit hoch anzusetzenden Strafe zu verbieten: a) den Zuzug von Hafenarbeitern nach Hamburg in irgend einer Weise, sei es direkt oder indirekt, zu stören, insbesondere öffentliche Warnungen vor solchemZuzug zu erlassen oder zu vcr- anlassen, b) die von dem Kläger angenommenen Kontraktarbeiter als „Streikbrecher" zu bezeichnen, sonst verächtlich zu machen oder zur Aufgabe ihres Kontraktes zu beeinflussen; 2. aufzuerlegen, zur Sicherung des Klägers gegen fernere Verletzungen des abgeschlossenen Vertrages einen Betrog von 50 000 M. bei der Hinterlegungsstelle des Amtsgerichts zu hinter- legen.» Ferner verlangt der Kläger, den Beklagten zur Vornahme dieser Handlungen zu verurteilen: Innerhalb drei Tagen nach Rechtskraft des Urteils die Re- daktionen des„ V o r w ä r t s des„Hamburger Echo" und des.Stettiner Volksboten" aufzufordern(!), den er- kennenden Teil des Urteils in ihrer näcksten, noch nicht ab- geschlossenen Nummer auf Kosten der Beklagien zu veröffentlichen, ferner den erkennenden Teil des Urteils ohne Auslassungen oder Zusätze im„Hafenarbeiter" aufzimehinen. Im Falle Nicht- erfiillungeii fordert der Kläger die Ermächiigung, den erkennenden Teil des Urteils in anderer geeigneter Weise zur Kenntnis der Hafenarbeiter und inländischen Arbeirsvermitlelnngen zu bringen und zwar bis zum Höchstbelrage von 3000 M. auf Kosten der hierfür als Gesamtschuldner haftenden Beklagten. Der Kläger behält sich außerdem die Gelteudniackung weiteren Schadenersatzes vor. Außer dem Hasenarbeilerverband richtet sich die Klage gegen die Mitgliedschaft der Hainburger Sckauerleute, gegen die Vorsitzenden dieser Korporalionen und gegen zwei weitere Verbands- funklionäre. Die eigentliche Klage, auf deren Begründung wir später zurückkommen werden, gelangt am 28. Januar 1903 vor der Zivilkammer lll des Landgerichts Hamburg zur Verhandlung. Auf dem Wege der einstweiligen Verfügung verlangen die Kläger die Inkraftsetzung der unter 1 und 2 ansgekührten Punkte bis zur Entscheidung der Klage. Ueber diese Verfügung wurde schon am vorigen Sonnabend verhandelt, aber die Urteilsverkündung wurde bis Freiing, 27. Dereniber, ausgesetzt. In den Veröffentlichungen in den genannten Blättern:„Vor Zuzug nach dem Hamburger Hafen wird gewarnt!" erblicken die Kläger eine Verletzung des abgeschlossenen Ver- träges, weil nach ihrer Behauptung es Ende Oktober und An- fang November an Arbeitskräften für die Hafenbetriebe gemangelt haben soll, da nach diesem Vertrage die Anstellung von 2000 Kon- haktarbeitern zulässig sei, sie aber nur deren 1300 gehabt hätten. Dagegen wenden die Beklagten ein, daß von friedlichen Zuständen im Hamburger Hafen keine Rede sein l ö n n e, da die Verbandsmitglieder, die keine Kontraktarbeit ein- gehen, zurückgewiesen und an deren Stelle auswärtige Arbeitskräfte eingestellt würden. Die Beklagten bestreiten auch, die Urheber der Veröffentlichungen zu sein. Der Rechtsbeistand der Beklagten, Dr. Blitz, nannte das Verfahren des Hafenbetriebsvereins, aus- wärtige Arbeiter heranzuziehen und Hunderte von einheimischen Arbeitern nur vorübergehend zu beschäftigen resp.„warten" zu lassen, ein geradezu frivoles. Wahr sei, daß im„Vor» wärt s" eine mit dem Namen Hähnel, dem Vorsitzenden der Schauerleute, unterzeichnete Warnung gestanden habe. Dafür könne aber der Beklagte Hähnel nicht verantwortlich gemacht werden. Dieser habe an einen Berliner Bekannten einen Brief geschrieben, der eine Situatwnsschildcrung im Hamburger Hafen enthielt. Diese private Mitteilung sei ohne Willen und Dazutun des H. dem„Vorwärts" zugegangen. Der„Stettiner Volksbote" habe dann die Warnung abgedruckt. Obwohl extra im Vertrag fest- gesetzt wurde, es dürfe kein Hamburger Hafenarbeiter zur Ein- gehung eines Kontraktverhältnisses gezwungen werden, hätten ver, schicdene Betriebe entgegen dem Vertrage gehandelt, ohne vom Kläger daran gehindert zu sein. Auf ein höfliches Schreiben des Vorsitzenden Döring über das Borgehen des Klägers habe dieser in brüskem Tone geantwortet, er werde nach eigenem Er» messen weitere Arbeitskräfte nach Hamburg heranziehen. Damit habe der Kläger dem Hafen- a r b e i t e r v e r b a n d den Fehdehandschuh hinge- warfen. Man scheine also die hiesigen Arbeiter zur Eingehung des Kontraktverhältnisses zwingen zu wollen. Der klägerische An- walt, Dr. Ehlers, sprach von einer wüsten Agitation und. einem fortgesetzten Terrorismus der Hamburger Hafenarbeiter gegen die Kontrakt- und auswärtigen Arbeiter und machte in sittlicher Ent- rüstung über die Veröffentlichung der Warnung im„Vorwärts". Wenn die Warnung in diesem Blatte gegen den Willen des Herrn Hähnel veröffentlicht worden sein sollte, dann müsse eine Fälschung vorliegen, die eine große Zerrissenheit im Lager der Arbeiter er- kennen lasse. Was nützen dann die geleisteten Unterschristen? An wen solle man sich da halten? Dr. Blitz trat dieser Scharfmacher- Philippika entgegen und erbot sich, für die weiteren Verhandlungen den Beweis dafür zu erbringen und sich darüber vernehmen zu lassen, daß tatsächlich durck ein Versehen das Schreiben des Hähnel im„Vorwärts" veröffentlicht worden sei. Es lieg« mithin gar keine Ursache vor, mit">~-.._ Felde zu ziehen. werden. Den Ausgang des Prozesses letzten Nummer mitteilen können. bombastischen Ausdrücken gegen ein Versehen zu Die Klage müsse in allen Teilen zurückgewiesen haben wir bereits in unserer Achtung, Metallarbeiter! Wegen Zugehörigkeit resp. Tätigkeit für die Organisation wurden vor einiger Zeit von der Direktion der Eisen- und Stahl- werke(vormals G. Fischer) in Singen. Amt Konstanz eine Anzahl Arbeiter gemaßregelt. Da bis jetzt durch die zweideutige Haltung der Direltion eine Verständigung unmöglich war. bleibt die seiner- zeit verhängte Sperre bestehen. ES ist deshalb Ehren- Pflicht aller Metallarbeiter, Zuzug strengstens fernzu- halten. Arbeiterfreundliche Blätter werden um Nachdruck ersucht. Die Bezirlsleitung des Deutschen Melallarbeiterverbande». Letzte JVacbnchtcn und DcpcFcbcn, Ein staatserhaltendes Element. Genf, 23. Dezember.(B. H.) Der rusfische Polizeispitzel Gourowiez ist wegen Erpressungen von den schweizerischen Behörden ausgewiesen worden._ Ueberschwemmung, EanneS, 28. Dezember.(B. H.) Im Tale von St. Eassien ereigneten sich infolge starker Regengüsse zahlreiche Ueberschwem- mungen. Zahlreiche Wohngebäude befinden sich in kritischer Lage. Das Elend der Arbeitslosigkeit. Cincinnati, 28. Dezember.(B. H.) 30 000 Obdachlos« sind den letzten Tagen hier angelangt. Tie öffentlichen Asyle sind überfüllt. Die Armenbehördcn treffen besondere Mahregeln zu» Linderung der Not. in Verautw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: XH. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: VorwärtsBuchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer L- Eo.. Berlin S\V,' Hierzu 3 Beilage«. Nr. 303. 24. Jahrgang. 1. KtilM des JotiMtlo" Kerlim So« Iii««, 29. 1907. Die Greuel von Riga. Des öfteren schon haben wir Gelegenheit nehmen müssen, von den barbarischen Scheusäligkeiten zu berichten, die in Rigas Folterkainmern vor sich gingen und— gehen. Wir sehen uns veranlaßt, heute mit Benutzung neueren Ma- terials, das uns zur Verfügung gestellt ist, auf die grausen Schrecken von Riga zurückzukommen. Die weltberüchtigt gewordene Rigaer Geheimpolizei betreibt im„Museum" ihre„Untersuchungen", d. h. ihre tierischen Folterungen, munter fort! Am 20. April d. I. wurden in Torpat 40 Menschen verhaftet. Siebzehn von diesen(mit Namen: 1. Fritz Zirnl, 2. Johann Zirnl, 3. Nicolai Sudmahl. 4. Arthur Sudmahl, 5. Eduard Skrautz, 6. Oswald Neuland. 7. Eduard Sommer, 8. Fritz Bulle, 9. Johann Lehmann. 10. Alexander Lehmann, 1l. Alfred Micloc, 12. Heinrich Bevand, 13. Eduard Pochla, 14. Marie Damberg. 15. Marie Glasowskaj, 16. Helene Obst, 17. Ida Lehmann) wurden vom Gendarmcricrottmeister Prokaschinsky in Dorpat angeklagt. Mitglieder der sozialdemokratischen Kampfesorganisation des nordlivländischen Rayons zu sein.— Nach zwei Monaten wurde das Aktenmaterial behufs weiterer Untersuchung von der Gendarmerie an den Unter- suchungsrichter Repninsky voni 4. Polizeirayon in Dorpat gesandt. Bei diesem befand sich das Aktenmatcrial 4 Monate. Während dieser Zeit wurde eiu Verhör vorgenommen, das — nach Aussage des Untersuchungsbeamten— rein for- in e l l war. Am 23. September fuhr Sweginzcw, der Gouverneur Livlands. in Begleitung des berüchtigten Geheimpolizeichefs „Grcgus" und einiger anderer bekannter Agenten der Ge- Heimpolizei Rigas nach Torpat. Sie besuchten dort die Ge- fängniszellen der 17 Inhaftierten und fragten die einzelnen nach ihren Familiennamen. Nach diesem improvisierten „Verhör" beschloß man in Dorpat, die Häftlinge der Geheim- Polizei von Riga zu übergeben!— „Geben Sie die mir." sagte Gregus,„ich werde sie zwingen, die Wahrheit zu sagen. Bei mir werden sie sich das Herz erleichtern!.. Einer der Verhafteten(Fritz Bulle), in welchem ein Agent der Geheimpolizei einen in den Prozeß der 36(Ver- urteilung Mai und Juni 1906) verwickelten, aber vom Ge- richt freigesprochenen Angeklagten erkannte, wurde noch selbigen Tages nach der rigaischen Geheim- Polizei übergeführt. Einige Tage darauf, am 1. Oktober dieses Jahres, wurden noch weitere zehn Verhaftete nach Riga gebracht.(1. Fritz Zirnl, 2. Johann Zirnl, 3. Arthur Sudmahl, 4, Nicolai Sudmahl, 5, Oswald Neuland, 6. Johann Lehmann, 7. Heinrich Bevand, 8. Eduard Pochla, 9. Eduard Sommer, 10. Marie Tamberg.) In der Geheimpolizei guartierte man sie in feuchte, kalte Kammern(Karzer) ein. in denen es von Ungeziefer wimmelte. Tie tägliche „Nahrung" bestand aus% bis% Pfund Brot... Gleich die erste Nacht begannen die„Verhöre", die Folterungen. Diese massiven„Verhöre" finden aus guten Gründen des Nachts statt! Die Henkersknechte waren alle besoffen: schreiend und fluchend zogen sie die Verhafteten an den Haaren zum Verhör! Als Anfangsmittel kamen Kaut- fchukschläger und aus Draht geflochtene Schläger zur Ver- .vendung. Unter den Qualen dieser Schläge wollte man die Inhaftierten dazu bewegen, ihre richtigen Familiennamen anzugeben: denn man glaubt ihren Angaben nicht. Alsdann erfolgte die Frage:„Hast Du an Raubüberfällcn und Er- mordungcn teilgenommen?" War die Antwort ver- n c i n e n d, so wurde weiter gemartert. Den Beschuldigten mutete man zu, Geschehnisse als ihre eigenen Taten anzuerkennen trotz der Angabe, daß sie weder an dem betreffenden Orte waren, noch irgendwelche Kenntnis von der betreffenden Tat hatten. Als sie sich anheischig machten, ihre Unschuld durch Zeugen nachzuweisen, erhielten sie die Antwort:„Als Zeuge fungiert die Nagaika! Bekenne! Weiter haben wir nichts nötig. Nachher werden wir dich nach den,„Griesenberg"(Richtplatz für die zum Tode ver- urteilten Politischen) führen samt deinen Zeugen!" Erwies sich die Nagaika als wirkungslos, so schritt man zu schärferen Mitteln. Dem Gequälten wurden Mund, Hände und Füße gebunden. Man preßte die Füße gegen die Brust, sodaß sich die Knie und das Kinn berührten. Als- dann wurden die im Handgelenk gebundenen Arme über beide Knie gestülpt, indem man einen Stab oben an den Armen und unter den Knien durchstieß. Dadurch wurde eine dauernd gebückte Stellung des Körpers erreicht. Den so Ge- knebelten legte man auf die Bank, setzte sich auf seinen Kopf und begann das„Verhör". Die Henker, die die ganze nun folgende Prozedur sehr fröhlich stimmte, schlugen über den ganzen Körper, auch auf die Geschlechtsteile, wobei einer rief:„Halt! wir haben eine gute Stelle ge- fuuden? Schlagt, Kinder!" So bearbeitete man in drei aufeinanderfolgenden Nächten Eduard Sommer, dem noch viele Tage nach der unmenschlichen Quälerei Blut aus der Harnröhre floß. Mit Oswald Neuland nahm man noch barbarischere Handlungen vor. Dem in oben beschriebene gebückte Stellung Gezwängten legte man, da alle anderen Mittel versagten, eine glühende Eisenplatte auf das Gesäß! Dem Fritz Zirnl schlug man mit Gummischläuchen auf die Fußsohle, riß ihm die Haare aus, schlug ihn ins Gesicht. Als auch dies nichts nützte, schritt man zur Anwendung eines Spezial- Marterinstruments: Man setzte ihm ein zangenförmiges Instrument auf den oberen Kiefer und die obere Znhnreihe, dann schlug man auf die Zange, wodurch eine heftige Er- schütterung des Gehirns erzielt wurde: außerdem lockerten sich die Zähne und es entzündete sich der Kiefer, was ent- setzliche, dauernde Schmerzen verursachte. Den Zirnl II schlugen und marterten sie wie die Vorigen, rissen ihm den Bart aus, schlugen ihn auf die Halsarterie(Schlagader)! Die rechte Fußsohle wurde ihm blutig geschlagen, dann er- faßte man das gesunde Bein und zog ihn daran, sodaß er gezwungen war, auf dem wunden Bein nachzuhüpfen! Von hinten trieb man ihn mit Nagaiken an. Der Ge- marterte fiel in Ohnmacht, wurde mit 5roltwasscrgüsscn wieder zur Besinnung gebracht, und dann begann die Prozedur von neuem. Ter so Behandelte konnte eme Woche lang nicht mehr ans den Füßen stehen. Dein Nicolai Sudmahl wies man eine Photographie vor und forderte ihn auf, anzuerkennen, daß dies seine Schwester sei. Als er es verneinte, gaben sie ihm je dreimal 45 Schläge auf die Fußsohlen. Nachdem„gestand" er, konnte aber keinen Namen angeben, weil er in Wirklichkeit gar keine Schwester hatte! Als er es ablehnte, anzuerkennen, Teil- nehmer an der„Expropriation" bei der libauischen Draht- fabrik gewesen zu sein, band man ihn auf die vorbcschriebcne Art, hob ihn so in die Luft und schmetterte ihn auf den Boden! Dies- wirkte: er„anerkannte" das ihm auf- oktroyierte Verbrechen, trotzdem er davon gar nichts wußte. Dasselbe Verbrechen begangen zu haben, anerkannte auch Arthur Sudmahl, obwohl er sich zur Zeit der Expro- priation nachweisbar in Riga aufgehalten hat. Zu Arthur Sudmahl sagte übrigens Gregus:„Gestehe ein, was ich dir vorgeschrieben habe, widrigenfalls ich dich verhaue, daß dich niemand mehr erkennt: im schlimmsten Fall schlägt man dich tot! Weißt du denn, wo du dich befindest? Hier ist das rigailche Museum!" Marie Dambcrg wurde von den Geheimpolizisten in ge- meinster Weise behandelt: einer äußerte, man solle sie ver- gewaltigen(was übrigens bereits in zwei anderen Fällen vorgekommen ist). Nach einigen Tagen fiihrte man sie nach dem Mitauer Polizeirevier(Riga), wo sie zusammen mit Prostituierten eingesperrt wurde, die der„Politischen" ins Gesicht spuckten! Zur selben Zeit, als sich die 17 auf der Geheimpolizei befanden, brachte man einen bereits Verurteilten namens Lippe aus dem Mitaucr Gefängnis nach Riga. Man hatte gegen ihn eine neue Anklage erhoben. Das„Verhör" mit ihm dauerte vier Stunden. Man fiihrte ihn in das Spezial- zimmer, das die Geheimpolizei„Museum" nennt: hier wurde ihm eine eiserne Vorrichtung auf den Kopf gezogen und mittels einer Schraube immer fester angedreht. Die durch diese Manipulation erreichte Pressung verursacht unaussprechliche Schmerzen. Lippe„gestand", was nur immer von ihm ver- langt wurde: denn solchen Höllenqualen sind nur wenige Sterbliche gewachsen. Nach den Folterungen, die Nachts stattfinden, kommt der Prokureursgehülfe Volkoff angefahren, um die auf Grund der Tortur zusammengestellten„Protokolle" durch- zulcsen und unterschreiben zu lassen. Verweigert der Be° schuldigte die Unterschrift, so fangen die Mißhandlungen von vorn an... Weshalb V o l k o f f die Unterschriften abverlangt, bc- darf einer Erklärung: Auf Grund einer ministeriellen Ver- fügung sind Protokolle, die von der Polizei unter Anwendung von Torturen erzielt wurden, vor Gericht illusorisch. Auf die plumpste Art sucht man nun die Gerichte zu täuschen: denn V o l k o f f wird doch nicht foltern!! Die Fälle sind sehr häufig, daß man aus anderen Städten Gefangene nach Riga bringt, um sie dort durch die Tortur gesprächig zu niachen. Es scheint, daß der Ruf der Rigaischen Geheinipolizei seit den letzten Veröffentlichungen im„Vorwärts" nicht gelitten hat. In erhöhtem Maße und unter Anwendung neuer Marterinstrumente arbeitet die Rigaer Polizei lustig drauf los, läßt sie in ihren Folter- kammern das Blut ihrer wehrlosen Opfer dahinströmen. Nikolaus II darf stolz darauf sein, daß er„Menschen" wie Gregus und Komplicen als Diener hat... Grober Mug. Unser Zenira�Bildungsausschutz ist gerade am Werke, die ersten Richtlinien für die ihm seit Mannheim übertragenen hoch- wichtigen Aufgaben zu ziehen. Unsere lokalen Bildungsausschüsse im ganzen Reich mühen sich in treuer Hingabe und regem Pflicht- cifer, die ersten tastenden Schritte auf dem uns allen noch nicht genügend bekannten jungfräulichen Boden zu tun. Da ist es Parteipflicht, diesen Bemühungen nach Kräften forderlich zu sein. zum mindesten sie in keiner Weise zu stören, die in ihre Arbeit vertieften Genossen nicht durch nebensächlichen, minderwertigen KrimSkramS zu zerstreuen und abzulenken. Unsere» Wissens ist bis dato über Gedanken- oder Rücksichts- losigkcit dieser Art nirgends geklagt worden. Dem Genossen Pcus blieb eS vorbehalten, im„Volksblatt für Anhalt" seit Mitte dieses Monats systematisch cigenbrödlerischc„Bildungsarbcit" höchst zweifelhafter Natur zu treiben. Seit dem t-l. Dezember nämlich serviert unser Dcssauer Parteiorgan den Arbeitern Tag für Tag eine Lektion„E L p e r a n t o", und dieser grobe Unfug soll„etwa einen Monat lang" andauern.... Was ist„Esperanto"? Nach Peutz eine„Weltsprache"! Nach Ansicht des Erfinders, gründlicher Kenner und b e- rufe n er Interpreten dieses Kunstprodukts soll es eine inter- nationale HülfSsprache werden. Werden! Nicht sein! Es ist sehr wichtig, dies mit allem Nachdruck hervorzuheben, weil durch diesen Umstand die Grobheit des Defsauer Unfugs um so schärfer charallcrisiert wird; denn könnte man sich die Empfehlung einer internationalen HülfSsprache vielleicht noch gefallen lassen, sobald es sich um ein bis zu einem gewissen Grade abgeschlossenes System handeln würde, so muß es als leichtsinnig und unbedacht bezeichnet werden, den Arbeitern viele, für parteithcorctische miD zur Bereicherung ihres Allgemeinwissens weit besser ver- wendbarc Zeit zu nehmen, indem man sie mit dem Studium einer „Sprache" behelligt, deren Fundament noch nicht feststeht, an der von vielen Baumeistern gerade noch herumgebastelt, die von ihren Hauptrcpräscntanien selber erst als allenfalls brauchbare Grundlage für eine künftige HülfSsprache bezeichnet wird! Ganz abgesehen aber auch von diesem Gesichtspunkte, muß deS Genossen Pcus schwärmerische Empfehlung des„Esperanto" als grober Unfug bezeichnet werden, weil die Erlernung dieser „Weltsprache" für Arbeiter mit ungeheuren Schwierigkeiten verbunden ist. Pcus behauptet das Gegenteil, da er im Banne einer fast unglaublichen Selbsttäuschung steht. Genosse PeuS, als akademisch gebildeter Mann, hat Gelegenheit gc- habt— auf der Schule, während der Studienjahre und auch später noch— die Muttersprache(was bei Arbeitern zumeist leider n i eh t der Fall war) genauer zu studieren, außerdem sich mit der lateinischen, griechischen, französischen, hebräischen, auch wohl der englischen, möglicherweise noch mit dieser oder jener anderen Sprache mehr oder minder eingehend zu beschäftigen. Nun ist das„Esperanto" hauptsächlich aus romanischen Wurzeln aufgebaut, die unseren akademisch Gebildeten in Fleisch und Blnt übergegangen sind und von ihnen mit einer gewissen Selbstvcr- ständlichkcit im Schrift- wie im Sprachgebrauch verwandt werden. Also: weil es dem Genössen Pcus keine oder nur geringe Schwierigkeit macht, sich in Sprachschatz und Grammatik dcS „Esperanto" einzuleben, glaubt er, das müsse unseren in der prcußisch-deutschcn Volksschule„ausgebildeten" Arbeitern und Ar- beiterinnen ebenso leicht und gut glücken, fühlt er sich von keinerlei VcrantwortlichkeitSqefühl dedrückt, wenn er seine Leser zu einem Studium verleitet, das ihre Kräfte übersteigt und sie von viel näher liegenden, weit wichtigeren Dingen ablenkt und abhält. lind nun ein paar Beispiele zum Beweise dafür, daß Pens in der Tat unter dem Banne eines verhängnisvollen Selbstbetruges | steht. Mit seinen lateinischen, griechischen, französischen Sprach- keimtnissen nimmt er natürlich„Esperanto"-Worte wie die folgenden ohne weiteres in sich auf: birumlo lSchwalbes, dlruclo(Blut- egel), talpo(Maulwurfs, eikonio(Storch), testuäo(Schildkröte), perärilco(Rebhuhn), Koko(Hahn), pasero(Spatz), rano(Frosch), oigno(Schwan), miozoto(Vergißmeinnicht), palpebro(Augenlids, kvankam(obgleich), ttizo(Schwindsucht) usw. usw. Die von keiner romanischen Sprach-Tradition beleckten Arbeiter und Arbeiterinnen haben, sobald sie sich an das Studium des„Esperanto" machen, alle diese und tausend andere Wörter einfach zu erlernen, sie in bitterer, mühsam bitterer Gedächtiiisarbeit ins Gehirn hinein- zmannnen, ohne sich der helfenden Stelzen bedienen zu können, die den„Akademikern", den.Intellektuellen" beim selben Studium durch ihre sonstigen Sprachenkemitnisse geliefert werden. Geradezu tragisch muß ihr Glaube an Pens für solche Arbeiter werden, die hier und da ein paar fremde Sprachwurzeln mifgelese» haben und nun auf die Autorität des Parteiblattes hin meinen, die „Wettsprache" gar besonders leicht bewältigen zu können. Das Gegenteil wird der Fall sein. Wem die Wurzel„clsz"(10) gegenwärtig ist, dem wird cS doppelt und dreifach schwer fallen, sich— ohne Kenntnis des Lateinischen, Französischen, Italienischen— daS Worr cksziroeo als Seh n sucht einzupauken, und vor Wort» Ungetümen wie poschwlogo(Taschenuhr) wird er ohne g r ü n d- l i ch e Sprachkenntnisse nicht minder hülfloS dastehen als sein vor- kenntnisloser Leidensgefährte. Dazu kommt noch cinS:„Esperanto"-Stiidiercnde. die nur die deutsche Sprache„kennen", haben geradezu unsägliche Schwierig- leiten zu überwinden, wenn die romanischen oder sonstigen Sprach- wurzeln dem Klange nach deutschen Wurzeln' von total anderer Vedeutung gleich sind. Die Bi?dauern§werlen müssen sich unter Mühen, die einem in«eine Kenntnis mehrerer Sprachen Ver» rannten nicht begreiflich sind, von ihrer Muttersprache sozusagen emo n z ip ieren.iimgeivisse hochwichtige Bestandteile einer Kunstsprache a la„Esperanto" in sich aufzunehmen. Ein paar Beispiele: Daß „lango" Zunge Dedeutet, wird PeuS„selbstverständlich" finden Der sprachiiukundige deutiche Arbeiter wird sich bemühen müsien, will er dies Wort lernen(nicht einfach wie ein„Romanist" konstatieren: lang(o)----- Zunge), er wird sich bemühen müssen, erst die Fäden zu durchschneiden, die i h n rein anloinatisch von lang(o) zum deutschen Worte„long" führen. Dasselbe gilt für Hunderte von anderen Worten: komso) nicht Korn, sondern Horn! aU(a> nicht alt. sondern hoch 1 tnodei-(a) hat nichts mit„Moder" zu UN, auch nichts mii„modern", es heißr: mäßig I jung(i) hat mit jung oder Junge nichts zu tun, cS beißt: anspannen! ksrb— beißen! fort(a)— statf I du= 2 1 dir(i)— sagen! iriir(i)— sich wundern! sangio)—- Blut 1 sabKo)— Sand(nicht Säbel oder Säveli! strang(a)— sonderbar l fidel(a)— treu! trabso)— Balken I ost(o)= Knoctien I usw. usw. Wem denlfche Provinzialismen, Nieder- oder Hochdialcltc ver» traut sind, ohne daß er sich durch die Bekanntschaft mit fremden Sprachen in eine Schutzhülle kleiden kann, die ihn vor Entgleisungen behütet, für den ergeben sich nickt weniger, sondern mehr Schwierigkeiten, da die Fülle der Möglichkeiten, in Irrtümer und Trugschlüsse zu verfallen, zunimmt: inang(i)— essen I lud(i) — spielen! gaut(o)— Handschuh! radi(o)— Strahl I fossi) — graben(nicht etwa— Fuchs) usw. usw. Zu alledem komint, daß„Esperanto" selbst für Kenner einer oder mehrerer romanischer Sprachen gewisse nicht zu unterschätzende Schwierigkeiien hat. Um wie viel mehr für solche, die an einer andere» Sprache als deutsch noch nicht einmal gerochen haben. Durch einige 30 Prä- und Snf-fixe lVorsetz- und Airhängesilben) werden Bedeiitiiiigsniiaiicen von z.T. für eine„Hüls ssprache" viel zu penibel ausgeaibeiteter Schattierung gebildet, Niianceu. die der nnakademische Duichichniltsredner und-schreiber bewußt kaum in seiner Muttersprache benutzt, geschweige denn in einer Hülsssprache ü la„Esperanto", die ihm schon rein technisch stets etwas Fremdes. Uiigewobirtes, Angekünsteltes bleiben muß. Sehr wenige Beispiele werden hier mehr als genügend sein: imporivstroodzino — die Frau des Kaisers!! gepoidistoj= die Portiersleute! pafi» lego— die Kanone! l maljunulo---- der Greis!! cigsmio----- Zigirrrcntasche! cigaringo— Zigarrenspitze!! Dazu kommen die sechs Partizipien(Mittellvorte) im„Esperanto". Deren kennt die deutsche Sprache nur 2, z. B.: schlagend. g e s ch lagen. Wer lateinisch oder gar griechisch gelernt, wer die schwierige Lehre vom iogeiiannten partkiphtm coniunotum(verbundenen Mittelwort) auf der Sdiulbank mit Mühe und Not in sich aufgenommen hat. den, wird's— vielleicht— nicht schiver fallen, die 6 Esperanto-Partizipien zu erlernen und anzuwenden. Für den deutschen Proletarier aber mit seiner oft- oder westelbischen Durch- schnittS-„Bildung" erhebt sich hier ein Hindernis, an dem selbst minder dilettanlische Sprach-Unterweisungen als die im„Volks- blatt für Anhalt" dargebotenen scheitern iiiüsien. Wie gesagt: Eine Sprache, die selber noch lange nicht„fertig" ist. bietet Genosse Pens den Arbeitern! Mit dieser unfertigen Sprache sollen sie die Unfertigkeitcn verlleistern, die ihnen unsere Voltsschule, unsere„Kultur" ans den Lebensweg gegeben hat. Noch deutlicher würde es werden, daß hier in der Tat grober Unfug vorliegt, wenn wir genügend Raum hätten, um zu beweisen, daß alles das. was wir oben voni„Esperanto" und seiner Un- geeignetheit als„Weltsprache" gesagt haben, nicht mir für d e n t s che, sondern ebenso für sranzösischo. spanische, italienische, englische, für— polnische und alle, alle sonstigen Arbeiter gilt. Der romanische, der slawische Esperanto- Adept muß Wörter lernen wie: bo- danrindo(!)— leider, lornisto----- Schüler, forgesi----- vergessen, baldau — bald, anstatan— anstatt usw. Der Slawe, ftir den pan der Herr ist. soll cS ins Stammwort für Brot umlernen, er soll(ohne die mm« zösischcn Kennlnisse des Genossen Pens!) sich„spielend" einprägen. daß domago(der Schaden) mit dem ihm geläufigen Worte domi«) — Haus nichts zu tun hat! Für den italienischen Arbeiter soll vi» plötzlich nicht mehr die Straße, sondern„dein" bedeuten, tr» nicht drei, sondern sehr, cio nicht dies, sondern allcS. Die„Jargon" Redenden sollen sich abgewöhnen, wenn sie„goj(i)" hören oder lesen, instinktiv an den Christen, den Russen, zu denken, sie sollen ,.goj/„ Milloncn Mark in Eigenproduktion hergestellt. Tie Vereine des' allgemeinen Verbandes zählten 238 097 Mitglieder mit 58 Millionen Mark Umsatz, von dem für ö'/, Millionen Mark in eigener Produktion hergestellt waren. Am 31.'Dezember 1906 gehörten dem Zentralverband 900 Konsumvereine an mit nahezu 208 Millionen Umsatz. In der Warenverleilung waren 8307, in der eigenen Produktion 1452 Personen beschäftigt. Der Zentralverband ist in 7 Unterverbände nach geographischen Bezirken eingeteilt. Den höchsten Umsatz hatte der sächsische Ver- band mit 64, den niedrigsten der Verband der Konsumvereine der Provinz Brandenburg und der angrenzenden Provinzen mit 13>/z Millionen in 69 Vereinen. Breslau hatte im Jahre 1905/06 nahezu 17 Millionen, dann folgte Leipzig-Plagwitz mir einem Umsatz von 13092 082, Dresden mit 62/3 Millionen, Hamburg gegen 6 Millionen, erst an 35. Stelle steht Berlin mit 1'/« Millionen in seinen beiden Vereinen._ Miss Industrie und Handel Di« Schiffahrtsverhältnisse auf der Oder erfahre» in Fachkreisen eine herbe Kritik. Ein Kleiuschiffer, der in- folge der Unzulänglichkeit der Schiffahrtsstraße im Herbst 1907 von Mitte September bis zum Dezember(!) still liegen mußte, schreibt uns darüber: „Seit vielen Jahren, und zwar seit dem Freigeben der Fabrt auf der kanalisierten Oder, trifft die Oderschiffahtt fast alljährlich eine schlimme Periode, dieselbe wird mit dem Ausdruck Ver- sommenmg bezeichnet. Ter Grund dieses Ucbelö ist darin zu suchen, daß die kanalisierte Srreckc. von Cosel-Oderhafen O.-Schl. biö Neißemündung, welche 12 Staustufen aufzuweisen hat, das Befahren und Lagern der Schiffe mit vollschiffigem Tiefgang gestattet, auch wenn der eigentliche Wasserstand der Oder ein ganz niedriger ist. Sobald nun die Schiffer mit vollbeladenen Fahr- I zeugen an die Werterreise denken wollen, mafle» dieselbeu vorher ableichtern, was aber mit großen Umständen und Geldkosten verbunden ist. ES besteht nun auch seit dem 3. Mai 1906 eine Polizei- berordiiuna über die Liegezeit der Schiffe auf der kanalisierten Oder, dieselbe ist am 27. April 1907 umgeändert worden. Es heißt darin im§ 1 wörtlich:_„Fahrzeuge, die ihres Tiefganges wegen unterhalb der Schleuse Reißemüiidung nicht schwimmen, haben rechlzeilig zu leichten." Für das Ableichtern und die Fahrt durch fünf Staustufen ist eine Frist von 14 Tagen vorgesehen. Gegen dieses Zeitmaß ließe sich wohl nichts einwenden. Nun aber zu den, vielbesprochenen Ableichter, r. Das letztere ist leibst- verständlich nur in ein anderes leeres Fahrzeug zu ermöglichen, ein solches muß sich betreffender Schiffer dann selbst engagieren. auch fast immer die ganzen Ableichrerkostcn tragen, obwohl diese nun dem eigentlickien Frachisatz an Höbe vielfach gleickkommen, denselben auch noch übersteigen. Dies ist besonders dann der Fall. wenn bei sehr niedriger Fracht abgeschlossen werden mußte und nachdem dann die Siaustnsen mit vollbeladenen Schiffen gefüllt waren, da der Wasserstand ihnen die Weiterfabrt nicht mehr gestattete. ES tritt dann fast immer, nachdem zirka 600 bis 800 Fahrzeuge ihres überladenen ZnstandeS wegen vom Verkehr ausgeschlossen sind, ein bemerkbarer Mangel an Kahnranm ein, wodurch natur- gemäß die Schiffsfrachten ganz rapide in die Höhe gehen, und daS Ableichtern demzufolge fast zur Unmöglichkeit macheu. Unter solchen Umständen entsteht die Frage, ob die Oder in ihrer Eigenschaft als Verkehrs- und Beförderungsmittel immer als sicher und zuverlässig gelten kann. Diese Frage einfach mit„Ja" zu beanuvorten, erscheint unter den jetzigen Verhällnissen mehr als bedenklich. Darin Aeuderung zu Ichaffen, ist die Polizeiverordnung vom 27. April 1907 nicht allein ausreichend; sie wird auch voraussichtlich niemals günstigen Erfolg zeitigen." Der Einsender schlägt nun eine Abänderung der Polizei- Verordnung in folgender Form vor: „FallS der Schiffer mit seinem Fahrzeug unterhalb der Schleuse Neißemündung Wassermangels wegen nicht schwimmt, verpflichtet sich derselbe, innerhalb einer Woche abzuleichtcrn. Die dadurch entflehenden Koste» sind mit drei Fünftel» vom LadungSbeteiligtru zu tragen, die übrigen zwei Fünftel sind von dem Schiffer selbst zu zahlen, außerdem hat letzterer mit seiner Manuschasr und der- jenigen des Leichterfahrzeugs das Ueberladen zu bewirken." Eine derartige Verordnung ist leider unter unserem heutigen privatkapitalistischen Wirtschaftssystem unmöglich. Ja. wäre sie möglich, so unterliegt es für unS keinem Zweifel, daß die groß- kapitalistischen Verlader ihre ZahluugSpflicht durch Vertrag auf den kleinen Schiffer abwälzen würden. Die Fachzeitung„Das Schiff" schlägt deswegen auch ganz richtig vor. daß die Strompolizei in den oberen Odcrhäfen eine Beladung nur bis zu derjenige» Tauchtiefe zulasse, welche ein glattes Durchschwimmen an der Neißemündung gewährleistet. Dagegen wehren sich aber gerade die Kleim'chiffer, obgleich eine solche im Interesse des Verkehrs sehr wohl mögliche, ja notwendige Verordnung gerade den Erfolg haben würde, die Knappheit des KabiiraumeS von der Neißemündung an die Abfahrtshäfen zu verlegen, die Frachten zu steigern und damit im Effekt das zu erreichen, was der Einsender der Zuschrift mt unS verlangt. Die ganze Angelegenheit ist für die Schiffahrtstreibenden aber auch politisch äußerst lehrreich. Lediglich im Interesse der konservativen Junker vernachlässigt unsere Re» gierung die Schiffahrtsstraßen! Die wirkliche Bc- icitigung des Mißstandes durch Regulierung oder Äanalisierung der Oder unterbleibt aus politischen Rücksichten. Ja, man läßt aus solchen schon bestehende Wasserstraßen versallen! So ist das ver Fall mit dem Spree— Oder-Kanal, der wichtigsten Verbindung zwischen Schlesien, Berlin und der Nordsee. Bei Eröffnung des Kanals war der zulässige Tiefgang in» Kanal 1,60 Meter. Seit 1906 dürfe» die Schiffer den Kanal nur noch mit 1,50 Meter befahren. Als die Handelskammer von Breslau das Ministerium mir Abhülfe ersuchte, entschloß sich die Regierung, einen Teil des Kanals instand zu setzen, die Sttecke Große Tränke— Fürstenberg aber„vorläufig" liegen zu lasten. Wir befinden uns also in der Gefahr, neben dem berühmten MittellandLkanal- Stummel einen neuen Stummclkanal zu erhalten, indem man einfach eine der größten Wasserstraßen verfallen läßt! Und alles durch die Junker, und alles für die Junker I Was Wuildcr, wenn die Schiffer anfange», politisch rebellisch zu werden!_ Deutschlands Ernte. Nach den Ermittelungen des Statistischen AinteS sind in der letzten vier Jahren folgende Ernten erzielt worden: 1904 1907 Weizen. Roggen. Gerste. Kartoffeln 3 479 324 9 757 859 S 149 138 45 538 279 1905 1906 in Tonnen 3 804 828 8 699 882 8 939 568 10 060 762 9 606 827 9 625 738 6 936 008 6 546 502 8 431 879 S« 287 192 48 328 353 42 936 702 Die diesjährige Winterweizenerzeugung ist infolge der un- günstigen Witterung die kleinste seit vielen Jahren. Nur einmal war eit 1899 die Ernte noch geringer als jetzt, nämlich im Jahre 1901. Damals betrug sie nur 1 927 994 Tonnen. Ein großer Teil des Ausfalles wird ausgeglichen durch den Mehrertrag der Sommer- weizenernte, die eine bisher nie gekannte Höhe erreicht hatte. Zurück- zuführen ist dieses Resultat auf den Mehranbau im Sommer an Stelle des umgepflügten Winterweizens. Die deutsche Roggenproduttioii übertrifft dagegen die Vorjahre. Außergewöhnlich umfangreich sind die Hafer- und Gcrstenernten in Deulschland gewesen, beide haben noch nie erreichte hohe Ziffer» aufzuweisen: 1907 1906 1905 1904 Sommergerste. 3497 745 3111309 2 921 953 2 948184 Hafer.... 9 149 138 8 431 379 6 546 502 6 936 003 Die Kartoffelernte ist ebenfalls erheblich größer ausgefallen als rm Vorjahre. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Erkrankungs- ziffer in diesem Jahre sehr hoch ist und nur einmal übertroffen wurde. ES ivare» nämlich erkrankt: im Jahre 1907 6,4, 1906 3,9, 1905 6.8. 1904 1.3, 1903 6. 190L 6,3 Prozent. Die Ernteergebnisse von Klee. Luzerne und Wiesen sind in diesem Jahre gecmger als im Jahre 1906. Stellt man für die Erntemengen die sich in der Woche vom 17. bis 22. Dezember ergebenden Durchschnittspreise der Berliner Börse ein, dann berechnet sich der Wert der Brorgetreideeiiiie auf 2 824 599 322 M. im Jahre 1906 und auf 2 776 997 806 M. im Jahre 1907, mithin im Jahre 1907 452 393 434 M-ehr. Vom Wirtschaftsjahr 1907. In der letzten Sitzung der Aeltesten trug der Präsident de« Kollegiums einen Rückblick aus das Jahr 1907 vor. Der Bericht schließt niit folgenden Worten:„Wir bc- chließen das Jahr 1907 mit einem Gefühl der Unsicherheit betreffs der weiteren Eniwickelung iiiisereS Handels und unserer Juduslrie- Die Lage dcS Geidmnrktes fordert alle Bcteiiigten zum Maßhalten und zu einer weisen Beschränkung auf. unsere Gesetzgebung aber ist deutlich darauf hingewiesen, dem Verkehr nicht nur nicht neue Bc- 'chränkungen aufzuerlegen, sondern ihn von den Fesseln zu be- reien, die ihm in den letzte» zebn Jahren auferleg» ivordcn sind, und die ein Handels- und Industriestaat ivic Deutschland nicht tragen kann ohne Schädigung der wirtschaftlichen Interessen des ganzen Landes." Eine neue Eiscubahnverbindung zwischen Rußland und Sibirien wird zu Beginn deS JahreS 1908 eröffnet, die gegenüber der bisher benutzten Strecke durch Mittelrußtand über MoSkaii-LIjäsan eine Ver- kürzmig um elwa 320 Kilometer von St. Petersburg aus bedeutet. Die neue Linie gehl von St. Petersburg über Wologda. Wjätka. Perm und Tschcljabinsk nach Jrkutsk. Wöchentlich sollen je ein bis Jiknlsk durchgehender Schnellzug und je ein gemischter Zug zwischen Wologda und Wjätka, täglich je zwei Personenzüge zwischen Petersburg und Wiätka nach beiden Richtungen verkehren. Am 25. Dozembor dieses Jahres starb nach langen Leiden unser langjähriger Vorsitzender, Herr Emil Röhn. Der Verstorbene ist uns allen, Vorstandsmitgliedern sowohl als auch Kassenbeamten, stets ein treuer Freund gewesen, dessen Andenken wir in Ehren halten werden. Die Beerdigung findet am Montag, den 30. dieses Monats, nachmittags 3 Uhr, aul dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde statt. 2221b Vorstand und Beamte der Ortskrankenkasse für das Gewerbe der Tischler und Pianofortearbeiter. Todes-Anzeige. 2(m Mittwoch, den 25. d. M., verschied nach kurjem schweren Leiden unser lieber Vater, Schwieget- und Großvater. dc> Tischler ElmiI Röhn im 58. LcbenSjabre. Die Beerdigung findet am Montag, den 30. d. M., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen« Kalle des Zentral-Fricdhojes in griedrichsfeldc aus statt. Dies zeigen an 21855 Die trauernden Hinterbliebenen. Sozialiieniokraiiseiier Walilverein für den 4. (Lanbsderger Viertel.) Stadldezirl ISO. Den Mitgliedern �ur Nachricht, daß unter langjähriger Genosse, der.filavicrarbeiter JHmil Kölm wohnhast Zorndorserstr. 11 gestorben ist. Ehre seinem Andenke« l Die Beerdigung findet am Montag, 30. Tci-ember, nachm 3 Uhr, von der Leichenhalle deC Zentral-grtedhose» in FnedrichS« selbe ans statt. Ilm rege Beteiligung ersucht 231/19 Ter Vorktlind. üevlsciie!' SolZAi'iieitei'-VerdSlll! Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Klavier arbciter Emil Röhn am 25. Dezember verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Montag, den 30. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichcn« Halle des ZentralfricdhoseS in FricdrichSfeldc aus statt. 103/3 Um reg« Beteiligung ersucht Oie Orisverwaltung. Zentral- Kimilitn- und ZterbekassederZiiiinikrer. riliele ScdSneberg. loeloa-«�Nivolge. Am 2S. d. MtS. starb unser Mitglied (iustav punät. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnlag, de» 29. d. Ml«., nach- mittags 3 Uhr. von der Halle des �chönebcrger Arfedhose« an» statt. Rege Beteiligung erwartet 259/10 Der Voi'Htand. Wein der Ziinraerer Berlins und Umgegend. Todes« Anzeige. Slot 28. Dezember verstarb unser langjähriges Mitglied Gustav Pundt (Zahlstelle Schönebcrg). Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. d. Mi»., nach- mittag» 3 Ubr, von der Leiche». balle des Schöncberger Fried- Hose« au» statt. Um rege Beteiligung ersucht 258/4 Der Vorstand. Todes-Anzetge. Um 26. Dezember verstarb nach kurzem schweren Leiden unsere treue Mitarbeiterin, die ZeitungS- trügcrw .Anna Müller. Ehre ihrem Andenke« t Steltgtigsspedltlon A. Hintze n. Co., Filiale: LychenerslraBe 123. Danksagung. Jür die vielen Beweise herzlicher teeimabme bei der Beerdigung meine» lieben Manne« sage ich allen Freun» den und Bctanuten, insbesondere pcm Gesangverein„Hostming III" IFriedrichSberg) mcinm herzlichsten Dank. 2222b Müililt nebst kt indcrn, SozialiSeoioitrat. NverEifl für den (Landsberger Viertel). Bezirk 49la, Teil II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Tischler Heiuried Bossdorf wohnhast ttochhannftr, 32 gestorben ist. Estre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Montag, 30. Dezember, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des FricdboseS der Freireligiösen Ge> meinde, Vappel-Slllcc, auS statt. Ilm rege Betetligiing ersucht 264/1 Der Vorstand. FrBiefereiDlpgOauarlieiter Berlins und Limgegend. Todes- Anzeige. Ülm 27. d. M. starb nach langen schweren Leiden unser treue» Mit- glied, der Kollege Albert Bolsdorf im 42. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag, den 3l. d. DI, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen FriedhosS in FricdrichSseldc au» statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 31/16 Der Vorstand. aemscher Hoizai�ciler- Verband Todes- Anzeige. Den Mitgliedeni zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler RelnM Boßdorf am 26. Dezember verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Becrdignng findet am Montag, den 30. Dezember, nach- mittag» 3 lkhr, von der Leichen- Halle ans dem Friedhos der Frei- religiösen Gemeinde auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 103/2 Die Crtoiirrttmltuiig. VeM der Bueii- und Steindritckerei-Blillsarlieiter o. IrtieKeriniieo Deutselilaiids. Oi'(*vcrwaHung llerlin. Zahlstelle II.(HQifsarbeiter.) Todes» Anzeige. Am 27. Dezember 1907 starb nach kurzen und schweren Leiden unser Mitglied und Kollege Paul Schumann im 24 Lebensjahre. 30/8 Ein ehrendes Andenken bewahrt dem Verstorbenen Die Zahlstelle II Berlin. Die Beerdigung findet-un 30. Dezember 1907, nachmittags 2 Uhr, von der Wohnung in Mahls- dors, Röntgcnstr. 4, aus statt. Verein der Stereotypeure und Galvanoplastiker Berlins nnd Umgegend. Am 27. d. MtS. verschied nach längerem Leiden unser werte» Milglied, der Stcreotypeur Wchael Palesch im 41. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Montag, den 30. d. Ml«., nachmittags 2 Uhr, von der Halle des st. Puis-Kirchhoscs in Wilhelms- bera, Berlincritr. 31, ans statt. Rege Beteiligung erwartet Der Vorstnnd. Todes-Slnzeige. Den Kollegen und Kolleginnen hiermit zur Nachricht, daß die ZeitnngSauSträgerin .A.nna Müller am 26. Dezember nach kurzem, schwerem Krankenlager sonst«nt- schlasen ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 30. b. MtS., nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle der Gethsemane-- Gemeinde in Nordend auS statt. 13662 Tie Kolleginnen der„Vorwärts-- Spedition „Nord" A. HIntzo dt Co. C. Man, Lychenerstraße 133. SozialdemokfütiscIierWaliivereln dos l BerL Reichstags-Vablkrelses. Bezirl 96. Am Donnerstag, den 26, De- zember, verstarb nach langem Leiden unser Mitglied, der Zimmerer Kar! �nklsrn. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet heule Sonntag, den 29. Dezember, nachmittags 31/, Uhr, von der Leichenhalle des Schöncberger Kirchhofes, Maxstraßc, au» statt 231/9 Der Vorstond. Am Freitag, den 27. Dezember, vormittags?>/, Uhr. starb nach langem schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Großvater und Schwiegervater, der Maurer Prita Schröter. Die Beerdigung findet am I Montag, den 30. Dezember, nach- 1 mittag» 3 Uhr, vom Trauerhaiise. Stephanstraße 28, au» nach dem I St. Johannis-Kirchhos in Plötzen- see statt. Die trauernden Hinterdllebenen. I Witwe Sehrttter 2227 nebst Kindern. Sozlsldeniokratischer Wa'ilverein des BMReiehslags-ffaWkreises. Todes- Anzeige. Am 27. Dezember oerstarb unser Mitglied, der Maurer priedrich Schröter Stephanstraße 28. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause aus nach dem neuen Johannis- Kirchhos in Plötzcnscc statt. 269/5 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorslnnd. Zentral-ferW der Maurer j Oeutsehlands. Zwelgvercln Berlin.— Bezirk Moabit. Am 27. Dezember 1907 verstarb unser langjähriges Mitglied Prifcz Schröter, 58 Jahre alt, am Magenkrebs. Ehre seinem Niidenken l Die Beerdigung findet am Montag, den 30. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, vom Trauer» hauie Stephanstr. 28 an» statt. Ilm recht rege Beteiligung ersucht 210/13 Der Vorstund. Am 28. d, SB. verstarb unser Mitglied Lmil hange (Bezirk 0. II.) im Btller von 36 Jahren an den Folgen eines Unfalls. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 30. Dezember, nach- mittags 3 Uhr von der Leichen- Halle des Kirchhoses der St. Andrea«- und MarkuSaemeinde in Wiwelmsberg- Hohentchön- bausen, Berlinerstraße 33/31 auS statt. Um rege Betelltgmig ersucht Die VerdandSleitung. ZeMerbind der Glasartielter und Arbeiterinnen Dentseblands. Zahlstelle Berlin.-'> Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied Gtto Röske am 27. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 30. Dezember, nachmittag« 21;, Uhr, vom Lajani«» flrantenhaufe, Bernaucrstraße, au» statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 73/ 12 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herz- licher Tctlnabme bei der Beerdigung meiner geliebten Frau 22230 Berta Virdi«r.« sage ich hiermit allen Verwandten, Bekannien und Freunden, sowie den Mitglieder» de« Arbeiter-Radfahrer- Vereins Berlin(M. d. Arb.-Radj.-B. „Solidarität") meinen ticlgesühlten Dank. Der trauernde Gatte Karl Wirth verltn O,, Grüner Weg 64. Dnnlesngnng. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden de: der Beerdigung unserer lieben Tochter Berta Fliegner lagen wir allen Verwandten und Bekannten, den Gesangvereinen der Musil- instrumcntcnmachcr und„Vorwärts I SO." sowie den Kolleginnen und Kollegen der Firma Paul Mengcrv u. Söhne unsern herzlichsten Dank. 2221b Unlnllle Ullegner. da! Todes- A nzelge. Mermit die traurige Nachricht, ! unser lieber Sohn mily Schöbe! noch kurzem Leiden verstorben ist. Di« Beerdigung findet Montag nachmittag 3 Uhr von der Leichen- Halle des EmmauS- Kirchhoses aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen Familie Schöbet. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Manne», unseres guten Vaters und Großvaters, des Steindruckers Karl Scheidenreich sagen wir alle» Verwandten, Freunden, Kollegen und Bekannten, inSbeiondere dem Gesangverein„Sencselder" sowie den Genossen de» sozialdemotratischen Wahlverein» Rixdors unseren innigsten Dank. 2187b Angnste tScheldenrelch nebst Kindern u. Enkelkindern. Danksagung. Sage hiermit allen Verwandten, Freunden, Bekannten und Kollegen, dem„Verein Berliner Droschien- sührer", der„Prodntliv-Gcnossenichast Berliner Taxameter- Fuhrhcrren" sür die zahlreiche Beteiligung und schönen Kraiizspeudeu bei der Beerdigung meine» lieben Mannes, des Droschken- suhrherr» Willi Blegler, meinen herzlichsten Bant Witwe Marie Blegler und Tochter Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten sür die zahlreiche Beteiii- gung sowie für die herrliche» Kranz- spenden bei dem Begräbnis unserer ticben Cicrtrnd den besten Dank. 2243b A. Luck nebst Familie Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Tcstnahmc bei ver Beerdigung meines lieben Manne», de» Tischlers Umil llerrmaiin sage ich dem Sozial- demokratischen Wahlverein Zehleiidorf und Umgegend, sowie dem Deutschen Holzarbeiter- Verband(Zahlstelle �ochoneberg) und den Kollegen sowie dem Chrj der Firma A. Wcgner und allen Freunden und Bekamitcn meinen herzlichsten Dank. 22486 Witwe Luise llcrrmann, Schlachtentee._ Nttbiiiid der Isolierer, Äeiiihohlcger Deutschlnnds.(Ahl. tt, Stelnholzleger.) Sonntag, den SS. Dezember, nachmittags 3 Uhr, bei iieuseldek (früher Patt), Dragonerstr. 15: Geueral-Uersummluitg. TageS-Ordnung: 1. Kassenbericht vom 4. Quartal. 2. Jahresbericht mde». 3.' M Mtd Reilwahk deS S. Kongreß. 4. Verbands- Vorstandes. 3. Dahl eines Delegierten zum angelegenheilen, A: /nähme neuer Mitglieder. Der wichtigen Tagesordnung entsprechend ist eS Pflicht jede» Kollegen, pünktlich zu erscheinen. Die Mitgliedsbücher sind mitzubringen, da dieselbe» eingezogen werden sollen. 281/19__ Der Vorstand. I der r. m «u Montag, den ti. Januar 1908, abends pünktlich 8'/„ Uhr- in„Trösels Festsälen", Neue griedrichftr. 35: ZelltiWverzsmmIiing o-r Lavkiervr. (General- Versammlung.) Tage S-Ordnung: 107/17 1. Jahresbericht. 2. Neuwahl des Vorstandes. 3. Verschiedenes. gMU" Mitgliedsbuch legitimiert.'Vü Um zahlreiches und pünttlicheS Erscheinen ersticht Die Ssktlenslellung. ÄchtonarsEhuhmaeher. Alilg! tu den Montag, den 30. Dezember, vormittag» S'/- Uhr. „Jndustie-Sälen", Beuthstr. 18/S1: Okftiltl-Sllilihniildimelsliiimlnng TageS-Ordnung: 1. Der Anfang der Wirtschaftskrise und die ZlrbcitSIosigkcit in der Schuhindustrie und im Handwerk. 2. Diskussion. 3. Verlchicdcncs. Die arbeitslosen Kollegen in der Schuhindustrie und im Handwerk werden zu dieser Bcrsanimlung ganz besonders eingeladen. 170/7 Der küuheculer, NB. Die Abstempelung der ArbeitSIoscnfcheine erfolgt am Montag in dieser Versammlung.— Tle VertrauenSmännersitzung am Montag, den 30. Dezember, fällt an». ~Rliimen' o. Kranzbinderei von Auj]. Mcisr. 21096* nur Waficriorftrafte Nr. 37a. Jerlluer Arbeiter* Radfairer-VereiD" Mitglied des Arbeiter» Radsahrer-BundeS „Sottdarttitt". VORArSIR Sonntag, d. SO. Dezember: 3. Abt. 2 Uhr- Johannisthal (Senstlcben). Start: Marianncnplatz. 4. Abt. VI, Uhr: Arbcitcr-Wohl- fahrt»-Ausstellu»g. 6 Uhr: Treff- Punkt im EIysium. Start: Küstriner- Platz. 5. Abt. 2 Uhr: Wilhelmsruh(Schnei- der). Start: Elnsium. 6. Abt. VI, Uhr: WaidmannSIust > EchwcizerhauS.) Start: Ldcrberger- straße 28. U/eizIahr, K. Januar: 3.?tbt. 2 Uhr: Baumschulenweg (Zabank). Start: Marianncnplatz. S.Abt. 2 Uhr: Wilmersdorf. Start: EIvsium. ö. Abt. 2 Uhr: Schönhol,. Start: Oderbergcrstr. 28. Bei schlechtem Wetter sämtliche Abteilungen per Bahn. Gäste will- kommen._ 6. Abtcfiuna: Dienstag, 31. Dez, in Obligos Festlälc», Lchwcdtcrstr. 23: Otroste Silvester-Feier bestehend in Konzert, Theatcraufführung, Epe- zialitätcn, komische Pantomime und Tanz. Anfang 9 Uhr. Villelt 80 Ps. Alle SporlSgenossen und Bekannten sind dazu srcundlichst eingeladen. Montag, den 30. Dezember, oben» 9 Uhr. Klosterstr. 101, bei Bosse: Fahrwartsthung. 22/16 Orts- Krankenkasse der vreeNsler und verlv. Gewerbe. Montag, den 13. Januar 1908, abends von 7'/, bis S'/a Uhr: Wahlversammlungen im„Gewerktchastshause"(Saal I), Engel-Ufer 15. I. Bctfammlung sämtlicher groß- jähriger Mitglieder der Kasse nach § 49 des Statuts bchuss Wahl von 175 Vertretern dcrjelben pro 1908. II. Eine Versammlung sämtlicher Arbeitgeber der Kasse, ivelchc Beiträge für die Miiglicder au» eigene» Mitteln zahlen, findet am Montag, den 13. Januar 1908. abends von 8 bis 9 Uhr, im„GrtverkschastSbanse" tTaal 1X1. Engcl-Ufer 12. stall, bc« Hu|a Wahl von 83 Bertretenl derselben pro 1908. BC* Für die MtgNeder legitimiert da« Kassenbuch, für Arbeitgeber die letzte Ouilkting der Kasse über gc- zahlte Beiträge. Montag, den 0. Januar 1908, abends TU bis 81/. Uhr, findet im GetverkschaftShanse"(Saal I), Engel-User 15, eine Versammlung sämtlicher grokjähriger Mitglieder der Kasse bchuss Sltijstellung von Kandidaten zur Bertrctcrivahl pro 1908 statt. Um recht zahlreiches Erscheinen er- sucht 2012b Dor Vorstnnd I. 9t: Gustav Dicdt, Hasenheide 49. Orts- Kraukenkasse der Mtlfiauiktr. Optiker «.verwandte» Gewerbe zu Berlin. Die von der Gencraloelsammluiig am 27. Mai 1907 brichlosfene XI II. Abänderung zum Kassen slawt. betreffend die Zahlung der durch SchwangerschaftSbeschwerden hervor- gcruseneilEriverbsuiisähiateit und Bc- zahlungvon Hebammeudlenstcn, Z 19, ist vom BeztrtSauSschuIi genchnligt und tritt am 30. Dezember 1997 tu Krajt. Drnckcremplarc dieser Abänderung sind im Kassenlotal abzuheben. Berlin, den 29. Dezember 1907. 280/18 Der Vorstand. Sie kaufen am besten bei uns! 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An überraschend kurzer Zeit hat sich in der Nähe der Reichechauptstadt eine bedeutende Braunkohlenförderung und Brikettfabrikation entwickelt. Die dentschen Brannkohlengrnbcn mit der höchsten Förderung liegen meistens in den Berg- rcvieren O st- und W e st- � o t t b u s. Die Grube„Klara" bei Welzow mit 936251 Tonnen Rohkohlenförderung und 334 232 Tonnen Brikettfabrikation stand 1966 damit an der Spitze aller Brauukohlenwerke Deutschlands. Die Gruben „Wilhelininenhiitte" bei C l e t t w i tz,„N.nate" und„Eva" bei Dobristroh.„Anna Mathilde" bei S e d l i tz.„Heye" bei S ä r ch e n.„Anna" bei Z s ch i p k a u,„Marie II" bei K l e i n- R ä s ch e n.„Mariannenglück" bei Kausche hatten sämtlich über 500090 Tonnen Förderung. Von den 56.4 Millionen Tonnen deutscher Braunkohlenförderung 1906 lieferte die Provinz Brandenburg 14,6 Millionen Tonnen. Tic niederlansitzer Grubenindustrie hat sich rapide ausgedehnt. Sie versorgt jetzt schon Berlin mit einem bedeutenden Teile seines Brcnnstoffbedarss und erweitert hier immer mehr ihren Absatz. Vor einigen Wochen haben sich die niederlansitzer Werke zu cineni fesler formierten Verkaufssyndikat vereinigt, dessen erste Tat die abermalige Erhöhung der Brikett- preise war. Das hat auch in bürgerlichen Kreisen böses �lnt gemacht; aber dieselben Kreise standen kühl oder feind- lich den Bestrebungen der Braunkohlcnarbeiter gegenüber, als diese im Herbst für höhere Leistung auch besser bezahlt zu>verden verlangten. Mit Hülfe von Streikbrecher- Horden allerschlimnister Art wurden die Lohnsklaven in ihr Joch zurückgetrieben. Der grösite Teil der bürgerlichen Presse verzeichnete das mit Genugtuung. Den Dank statten die Braun- kohlengrubenbesitzer ab durch neue Preiserhöhungen, obgleich die Produktionskosten inzlvischcn nicht gestiegen sind. Für die Tonne Lansitzer Briketts werden jetzt im Berliner Grosihandel 15—16 M. gezahlt! im Kleinhandel, der für die grosie Masse(Hansbi and) nur in Betracht kommt, werden pro Doppelzentner 2—2,30 Mark gefordert und müssen bezahlt werden, da der Ring der Verkäufer eng geschlossen ist. Den Händlern werden von den Braunkohlensyndikalisten die Ver- kaufspreise plus Handelsgewinn vorgeschrieben. Wir haben uns daher an die Grubenherren zu halten, wenn wir die Be- Wucherung der Konsumenten beurteilen wollen. Auch die Braunkohlenindustriellen behaupten, die ungc- henerliche Wertung der Brennstoffe sei vorzüglich die Folge der erhöhten Arbeiterlöhne. Mit diesem Argument haben die Herren während des Lansitzer Bergarbeiterstreiks die Spiest- biirger und Bierbankpolitiker gegen die Arbeiter aufgehetzt. Sehen wir uns aber die auf den Unternehmerangaben beruhende offizielle Statistik an, dann kommt heraus. Die Braun kohlen we Goldgrube li für ihre Besitzer! lieber die allgemeine Entwickelnug des brandcnburgischen Braunkohlenbergbaues orientiert folgende Tabelle: Auf de» Kops des oberirdischen �beschäftigt. � Nebenanlagcn(Brikettfabriken nsw.) Der Durchschnittslohn der erwachsenen männ- lichen Obcrtagsarbeiter betrug 1906 in West-Kottbus 3,36 M., in Ost-Kottbus 3,29 M. Ein Fünftel bis ein Sechstel der Arbeiter ist bei der Fabrikation von Briketts und Naßprcst- steinen beschäftigt. In? Regierungsbezirk Frankfurt a. O. wurden 1906 rund 4 Millionen Tonnen Braunkohlenbriketts fabriziert. Da zu einer Tonne Briketts zirka 3 Tonnen Roh- kohle verbraucht werden, so sind beinahe sechs Siebentel der Rohkohlenförderung zu Briketts verarbeitet worden. Das ist wohl zu beachten, wenn man die Rentabilität der Werke kennen lernen will. Wenn ein � Werk so gut wie keine Roh- kohle verkauft, dann ist der für die Rohkohle amtlich er- mittelte Preis nur ein imaginärer, kann mir als Verrechnungspreis für das eigene Werk gelten. Um eine Tonne Briketts herzustellen, verbrauchte ein Werk zirka 3 Tonnen Rohkohle. Es fehlen in der offiziellen Statistik leider die speziellen Angaben über die Zahl der Pressen und der daran beschäftigten Personen im branden- burgischcn Gebiet. Wir müssen deshalb die Angaben über den ganzen Obcrbcrgaintsbezirk Halle, zu dem Brandenburg gehört, benutzen. Die Brikettfabrikation ist ani grohartigsten eingerichtet in der brandenburgischen Braunkohlenindustrie. Diese kommt daher nicht zu kurz, wenn wir aus den ober- bergamtlichen Verhältnissen den Schluß fiir Brandenburg ziehen. Brikett- und Naßpreststcinprcssen waren im Betrieb 1896: 371, 1900: 469, 1906: 605. Jede Brikettpresse lieferte durch- schnittlich 1896: 8932, 1900: 11 193, 1906: 13 042 Tonnen. ein außerordentlicher technischer Fortschritt. Bei der Fabri- kation von Briketts, Nastpreßsteinen und Handformsteinen waren beschäftigt 1896: 4638, 1900: 5997, 1906: 7305 Per- sonen. Rechnen wir sämtliche Arbeiter lediglich als Bc- dienung für die Pressen an, so koinmen wir für 1896 zu 12,4 Arbeitern, für 1906 zu 12 Arbeitern pro Presse. Lassen wir die Fabrikation von Naßprcßsteinen und Handformsteinen auch ganz außer acht, und berechnen wir für 1896 auch 12 Personen pro Brikettpresse, dann stellt sich als Jahres- leistung für die betreffenden Arbeiter heraus 1896: 788, 1906: 1087 Tonnen Briketts. Wir bemerken, dieses sind die Turchschnittsresnltate im'ganzen Halleschen Oberbergamts- bezirk, wo noch viele Brikettsabriken nicht auf der Höhe der Technik stehen. Die Vetriebsergebnisse speziell der Brikett- fabriken in der brandenbrugischcn Lausitz sind sehr bedeutend bessere, weil hier die größten und besteingerichteten Brikett- fabriken liegen. Beispielsweise hatten pro Presse eine Jahres- Produktion: die Gruben Ilse über 14 700, Klara fast 16 000, Heye über 23 800 Tonnen Briketts! Hier entfällt auf den Brikettarbeitcr eine Jahresleistung von mindestens 1800 Tonnen. Ter Durchschnittslohn der erwachsenen männ Wenn die Kohlen- und Brikcttpreise nach der Arbeiter- cntlohnung bemessen wären, dann würde die Bevölkerung nicht über Answucherung zu klagen haben. Wer des Kohlenwuchers anztiklagen ist, geht aus unseren Darlegungen klar hervor!__ Vermilcktes. Zahl der Werke Zahl der Arbeiter Griibenarbeiterseiitfie gorbmmg FSrder.-Wer Tonnen 6 971 917 10 37;") 636 14 603 134 Förderung Förder.-Werl Tonnen Mark 1806 10S 0 236 6 971917 1 064 1 957 1900 105 12 440 10 375 636 IIS? 2 394 1006 92 13 63t 14 603 134 1 607 3 053 Diese Zahken erzählen von einer ganz austerordentlichen Zunahme der Arbeiterleistmig und des ans einen Arbeiter entfallenden Förderwertes. Es handelt sich hierbei nur um die bei der Gewinnung und Förderung beteiligten Arbeiter. Stellen wir nun gegenüber was der Arbeiter pro Schicht (300 pro Jahr) an Förderwert liefert und welche Bezahlung er erhielt. Wir bringen nur die den Kern der Belegschast bildenden be st bezahlten Untertagsarbeiter in Anrechnung (in Mark): Durchsibnlttl. Durchschnittslohn pro Schicht Wert d.Arbeiicr- Revier Ost-KottbuS Revier Wcst.Kvttbilö'°'!�"���' Lohnkl. I LohnN. ll LohnN. I Lohnkl. II burgisch. Braun- kohlen-Bcrgbau 2,47") 6.52 2,78 7.98 3.09 10.27 1806 1900 1906 Wenn 2,10 2 66 2,92 8.U') 3,68 4,11 2,33 3.03 3,47 wir auch die bcstbezahlte Arbeiterkategorie in West-Kottbus herausgreifen, so kommen wir doch zu dem Re- sultat, daß 1896 der Arbeiterlohn 4 8 P r o z. von dem Werte der Leistung ausmachte, 1906 nur noch 40 Proz.! Der A n- teil des Arbeitslohnes am Förderertrage ist also ganz erheblich verringert worden! Die inzwischen vorgenommenen Preissteigerungen sind dem- nach nicht durch Lohnverbesscrungen verursacht. Jeder brandenburgische Braunkohlenbergmann lieferte 1896 durchschnittlich 3,5 Tonnen auf die Schicht, 1906 aber 53 Tonnen! Der Schichtverdienst der Bestbezahlten erhöhte sich währenddem um 97 Pfennig, dagegen förderte jeder für 3,75 M. Rohkohle mehr! Das betrifft die Untertagsarbeiter, deren Zahl sich in der Periode 1900/1906 von 4460 auf 3903 verringert hat. Der weitaus größere Teil ist in Tagesbauen und in den "> An dieser Stelle sind die Ziffern für 1897 eingesetzt, da nnS die für 1896 nicht zur Verfügung standen. Der llMerschied der Ziffern beträgt für beide Jahre jedoch nur wenige Pfennige, so daß das Gesaintresultat und die Schlußfolgerungen durch die Einstellung dieser Ziffern nicht beeinflußt werden. e n anderes Re at l'che" Arbeiter blieb 1906 noch unter 3.50 M.: es sind in den r k e find wabre Brikettfabriken aber auch zahlreiche Frauen und , � jugendliche Arbeiter tätig, deren Durchschnittslohn nur 1,64— 1,73 M. betrug. Wenn man den pro Tonne Briketts bezahlten Arbeitslohn auf 50 Pf. schätzt, so ist das sicher nicht zu niedrig. Wenn wir bei unserer den Werks Inhabern sehr günstigen Berechnungsmethode bleiben, so stellt sich für den Braunkohlenbrikettarbeiter in der Lausitz ein täglicher Leistungswcrt von 50—60 M. heraus, wofür ein Schichtlohn von kaum 3 M. gezahlt wird, erwachsene Männer, Frauen und Jugendliche zusammengenommen. Die A r � beitslcistung i st kolossal g e st i e g e n I Beispiels� weise lieferte jede Brikettpresse ani dem Werke Heye durch schnittlich 1896: 12600, 1900: 17 000 und 1906, wie schon mit geteilt, 23 800 Tonnen!!! Fast eine Verdoppelung der Eo zengung bei gleichbleibendem Arbeiterpersonal! Der Ar- beiterlohn(für Erwachsene) ist während dieser Zeit von 2,42 auf nur 3,26 M., d. h. um 30 Proz., gestiegen! Ter Lohn ist sowohl bei den Grubenarbeitern wie bei den Brikettfabrik arbeitern weit hinter der Leistungszunahine und Wertsteigung der Produktion zurückgeblieben. Für eine Tonne Briketts wird bestenfalls ein Arbeitslohn von 50 Pf. gezahlt. Dem gegenüber halte man fest, daß in Berlin die Preise für Lausitzer Briketts um mehrere Mark erböht worden sind! Wir haben gezeigt, daß die A r b e i t e r l ö h n e diese Wucherpreise nicht verschulden. Wo der immense Profit bleibt, wird dem Wanderer schon klar, wenn er in der Lausitz die gewaltig sich ausdehnenden, immer mehr vergrößerten Werksanlagen betrachtet. Die ©rilbcuherren und höchsten Beamten bewohnen prächtige Villen, die Lohnsklaven Hausen in unbeschreiblich kultur- widrigen Höhlen, wie wir anläßlich des Streiks eingehend geschildert haben. Die Arbeiter in dieser hochprofitablen Industrie leben mit ihren Familien in der kümmerlichsten Weise. Kartoffeln mit Leinöl und Schwarzbrot sind für viele Familien die hauptsächlichste Nahrung. Für das Jahr 1897 berichtete der Vcrginspcktor von West-Kottbus, die Lebensmittelpreise im Revier seien„zum Teil ziemlich hohe". Das Pfund Rindfleisch kostete 45— 55, Schweinefleisch 60— 70, Kalbfleisch 55— 70 Pf. Diese damals„ziem- lich hohen Preise" sind heute weit überholt. Manche Fleisch- arten und Fleischawaren sind um 40— 50 Proz. teurer geworden. Es ist keine Uebertreibung, wenn wir sagen, daß zahlreiche brandenburgische Bergarbeiter- fa milien nicht einmal an Sonntagen Fleisch. nahrung zu sich nehmen k ö n n en. Diesen erbärm- lich situierten Lohnsklaven auch noch die Schuld an dem Kohlenwucher aufzubürden, ist der Gipfel der„Arbeiter- freundlichkeit". Der erschossene Major. In der ostpreußischen Sladt Allen stein ist der Major v. Schönebeck mit einer Schußwunde in der Stirn tot aufgefunden worden. Herr v. Schönebeck lag in seinem Schlafzimmer. Die Lage der Leiche, die Richtung des SchußkanalZ und das Fehlen jeden Motivs zu einem Selbstmord ließen von vornherein den Verdacht aufkommen, daß der Major ermordet worden sei. Diese Ver- mulungen haben sich als richtig erwiesen. Eine weitere Mitteilung besagt: Nach dem bisherigen Ergebnis der Untersuchung muß Selbst- mord als ausgeschlossen gelten. Die Uiitersnchung wird fortgesetzt. Major v. Schönebeck lebte in geordneten Verhältnissen. Bisher wurde keine Spur von dem Täter entdeckt. Anscheinend liegt Mord aus Rachsucht vor. Das Verbrechen hat eine gewisse Aehnlichkeit mit der noch heule unaufgeklärlen Ermordung des Majors v. Krosigk in Gumbinnen. Eine spätere Meldung lautet: Bereits gestern wurde in Allenstein eine Verhaftung vorgenommen, die mit dem an dem Major v. Schönebeck begangenen Morde in Zusammenhang steht. Das Allensteiner Kriegsgericht bewahrt allerdings im Interesse der Unter- suchung daS größte Stillschweigen über die Persönlichkeit deS Ver- dächiigen, bittet aber die Bewohner Allensteins um„zweckdienliche" Mitteilungen. Daraus scheint hervorzugehen, daß entweder die gegen den Verhafteten vorliegenden Schuld- beweise noch einer wesentlichen Ergänzung bedürfen, oder daß über- Haupt ein Unschuldiger oder nur Mttschuldiger hinter Schloß und Riegel gesetzt worden ist.— Das Hans, in dem Major v. Schönebeck wohnte und erschossen wurde, liegt nach allen Seiten hin frei und wird nur von Gärten und Gräben umgeben. Major v. Schönebeck schlief allein im Erdgeschoß, während die Familie— seine Gattin und zwei sechs und acht Jahre alte Kinder— sowie die Dienerschaft im ersten Stock wohnten und auch dort schliefen. Diese Unistände, die isolierte Lage des Hauses und das ge- trennte Schlafen der Faniilie machen es ertlärlich. daß der auf dem Major abgegebene Schuß weder in der Stadt noch im Hause gehört worden ist. Major v. Schönebeck wollte am zweiten Weihnachtsfeiertage an einer Jagdgesellschaft teilnehmen. Als der Diener ihn am Morgen wecken wollte, fand er den Major halbangekleidet tot auf der Schwelle deS Schlafzimmers. Neben dem Erschossenen lag der Militärrevolver, zu dem der Major anscheinend im letzten Moment gegriffen halte. In der Trommel des Revolvers fanden sich aber noch sämtliche Kugeln. Der tödliche Schuß ist aus einer kleinere» Waffe ab- gefeuert worden, denn die Kugel, die den Major selbst tötete, ist von geringerem Kaliber. Im Nebenzimmer war ei» Fenster geöffnet, von diesem aus sührlen Fußspuren durch den Schnee. Der Mörder ist durch dieses Fenster in das Haus des Majors eingedrungen und später wieder geflohen. Major v. Schönebeck ist anscheinend durch daS Geräusch im Nebenzimmer geweckt worden. Er kleidete sich notdürftig an, griff nach seinem Revolver und wollte in das Nebenzimmer gehen. Noch vorher öffnete der eingedrungene Unbekannte selbst die Tür und gab auf den Major aus allernächster Nähe— der Rand des Schnßkanals an der Stirn war vom Pulver verbrannt und gc- schwärzt— den Schuß ab. Major v. Schönebeck sank sofort tot zu- sammen, und der Mörder, der daS Verbiechen böchst wahrscheinlich aus Rache begangen hat, entkam, ohne daß irgend jemand im Hause auf ihn aiifiiierkiam geworden war. Eisrnbahimnfälle. Amtlich wird ans Wiesbaden vom gestrigen Tage gemeldet: Vormittags 1t Uhr 46 Min. stihr der Penoiien- zng 396, von Nicderlahuslein kommend, im Gleis 7 des hiesigen HaiiptbahnhofeS auf den Prellbock aus, wodurch die Maschine ent- gleiste. Vier Reffende wurden leicht verletzt. Einer Melbung aus Leipzig zufolge überfuhr der 8 Uhr 49 Min. im Dresdener Babnbof von Dresden eintreffende Personen- zug 464. der von zwei Lokomotiven gezogen ivurde, beim Einlaufen in den Bahnhof einen Prellbock. so daß die Führungslokoniotive die Stirnwand des BuhichossgebäudeS durchbrach und in daS Zimmer des Wagenmrislers eindrang. Personen sind nicht verlebt. Die Lokomotive, die die Säulen und Wände zerlrünunerte, ist starl be- schädigt. Fischhallen-Brand. Ein Telegramm ans Geestemünde vom 28. Dezember belogt: Die 499 Meter lange AiiltionShalle am Fischereihafen steht vollständig in Brand. Das Feuer greift noch iveiter um sich. Wie aus einer späteren Meldung hervorgeht, ist das Feuer durch Kurzschluß entstanden. Die Ge> stemünder" und die Bremerhavener Feuerwehr sowie mehrere Spritze, ihampfer waren die ganze Nacht hindurch mit der Bekäinpsuug des Brandes beschäftigt. Gestern früh wurde auch die gesamte in Lehe garnisonierende Matrosen- artillerie zur Hülfelcistung aufgeboten. Bis gestern mittag war daS Feuer noch nicht gelöscht. Erdbeben. Meldung. Eine Meldung aus Hamburg besagt: In der Nacht vom 25. aus den 26. Dezember wurde von de» Apparaten der hiesigen Hauptstation für Erdbebenforschung ein Ferubebcn von mäßiger Stärke aufgezeichnet: Anfang ll Uhr 44 Mi». 3 Sek. Ein- setzen der 2. Vorlämer l t Uhr 48 Min. 3 Sek. Beginn der Haupt- bewcgimg 11 Uhr 53 Min. 8 Sek. Der Herd wäre demnach zirka 3909 Kilometer entfernt. Die Dauer der Registrierung beträgt un- gefähr Stunde. Dieses stimmt init den au« TifliS vorliegenden Nachrichten überein, daß dort ei» Beben registriert wurde, dessen Herd in der kleinastatischen Türkei liegt. Ehczwist. Einer Meldung aus Mittweida zufolge erschoß im Nachbarorte Kockisch gestern nachmittag nach einem Wortwechsel der 43 jährige Schachtnicitter Nimz seine 34 jährige Ehefrau. Dann verwundete er sich lebensgefährlich. L.vl»snilv Karpfen Eiskarpfen zu billigsten Tagespreisen. - In allen Griilien vorrUtfg. Um Verwecbseluagea za vermeiden, achten Sie genan auf unsere volle Firma. D eulsche Qampffiscliefsi-Oesellscliaft ffOFiSBß" (Größte nocliaceflscIiercl-Gesellttchaft Uontschlands.) Filiale: Berlin C. 2, Bahnhof Börse, vagen 8—10. Seefiscb-KocbbQcber..,....., gratis. Verkstiis-I�iedeHsxen Prlniscnatr. 80 am Moritz-Platz. WilsnackerstraBe 57 b. cl. Dreysestraße. Tel.: Amt II 2039. Gr. Franklurterstr. 85 I Schles Bahnh., Bog. 8/9, bei d. Marsiliusstraße.| Madalstr.b.d.Fruchtst. WilmersdorterstraBe III j Tegel, Troskowstr. 14, am Stuttgarter Platz. I Pcko Schlicpcrstraßo( Tel.: Charlottciib.671S| Tel.: Tegel 114. I luvaUdonstr. 131(vis-i-vis Stcttinor Bahnhof). Zentral- Fernspr. : Amt III, No. 8804. Potsdamerstr. t12a b. d. Lützowstraße. Tel.-Amt VI 7190. Spandau, Breitoslr. 51 (am Markt). Tel.; Spandau 718. Seefische-YolksnahrunnÜ Großer Schellfisch ohne Kopf mit Kopf im Anschnitt 35 Pf. Cabliau im Anschnitt 30 PI. 8 Sil mit Kopf im Anschnitt S5 Pf. "Alle übrigen Sorten Seefische zu billigsten Tagespreisen. Ger. Kicsenluchshcringc 15—30 Pf. pro Stück. Pf.pr.P74. 27 20 9üt den Inhalt der Inserate Ii>er»ininit die Redakti»« dem ttnblitnm iieflenüber(einerlei «eeanltniirnina. Chcater« Tonntag, 2S. Dezember. Freie Bolksbühne. Nachmittags Z Uhr: 18./1Y. Abteilung: iin Ncncn Schauspielhause: Judith. Mittwoch, 1. Januar: 20. Zlb- triliing: Judith. II. /Ii Abteilung, nachmittags II Uhr: im Berliner Theater: Ledige Leute. Mittwoch, t. Jan.: 13./>4. Abteilung: Ledige Leute. Reue Freie Boltöbühne. Nach- mittags 3'/} Uhr: Extra- Vorstellung m den Kammer- spielen: Frühlings Erwache». Nachmittags 2'/, Uhr: IS. W- leiiung im Deutschen Theater: Das Wintermärchen. Nachmittags 3 Uhr: 1. Abteilung im Neuen Theater: lieber den Wasser». Nachmittags 3 Uhr: 3. Abteilung (2701-3000), 4. Abt.(voll) im «chiller-Theatcr 0: Der Kaiser- jäger. � Nachmittags 3 Uhr: 8. Abteilung )7651— 1:000), 0. Abt.(doB) im Friedrich-Wilhelmslädt.Schauspiel Hause: Nathan der Weise. Nachmittags 3 Ubr: 12. Abt. 01701-12000), 13. Ml. fooll) im Tchiller-Tvcater Charioiien bürg: Der Richler von Zaiainea. NachmittaaS 4 Uhr: Kinder »achmiiiag in den Musikersälen Montag abend 8 Uhr: 17. Abteil. im Lmhing- Thealer: Zar und Zimmermann. Ansang 7'/. Uhr. Königl. Opernhaus. Die Meister singcr von Nürnberg. �Ansang ? Uhr.) Rvniag: Mianvn. Kitnigl. SchmtspielhauS. Die Nabensteincrin. Tloniag: Wöp von Lerlichlnaen. (Ansang 7 Uftr.) Neues igt. Oprrntheater. Wie die Alken sungen.(Ansang 7 Uhr.) iDenetichcs. Waü ihr wollt. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kammerspicle. GygcS und sein Siing. Ansang 8 Uhr. Montag: Katharina, Grasin von Armagnac. Lorching. Die Zauberflöte. NaSimiitags 3 Uhr: Der Frei- Montag: Zar und Zimmermann. Aniang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Zwischen Ja und Nein. Montag: Zar Peter. Pürsten. Ein Walzertramn. Nachm. 3 Uhr: D>c lustige Witwe. Montag: Ein Dalzcrirauun Berliner. Blaubart. Montag: Dieselbe Vorchellung. Reifing. Die gelbe Nachtigall. Nachm. 3 Uhr: Di« Weber. Montag: Der Bund der Jugend, Neues. Baecarat. Montag: Dieselbe Borstellimg. e» iWiitinei-iotuiei.) ktollege Eramplon. Nachnr. 3 Uhr: Der Kaiserjäger. Montag: Kollege Erampton. Schi»er Ikharlottenburg. Ter Sievisor. Nachmittags 3 Uhr: Der Richter von Zalamca. Montag: Der Revisor. Friedrich- SLilhelmstädt. Schau- sPiethailS. Kriemhilds Rache. Nachm. 3 Uhr: Raihau der Weise. Montag: Madame Lans Gene. Kleines. Mandragola. Nachmittags 3 Uhr: Ein Puppen- Heim. Montag: Mandragola. Residenz. Ganz der Papa. Nachm. 3 Uhr: Der Schlaslvagen- kontrolleur. Montag: Ganz der Papa. Zentral. Frau Warrcns Gewerbe. Nachmittags 3 Uhr: Tie Geisha. Montag: Frau Warrens Gewerbe. Nachm. 3 Uhr: Prinzessin Gold' traut. Theater an der Spree. Holus potus. Nachm. 3 Uhr: Am grünen Weg. Momag: HotuSpotus. Komische OPcr. Tieslatrd. Nachmittags 3 Uhr: HostmaimS Er- Zahlungen. Montag: Tiefland. L»st> r> l e>»»»s..-dusarensieber. Nachmittags 3 Ubr: Unsere Käte. '.Nontag: Husarensieber. Trianon. Fräulem Joselte— meine Frau. Nachm. 3 Ubr: Eyprienne. Montag: Fräulein Josettc— mcwe Frau. Zlbalia. Die gelb« Gefahr. Rochmiltags 3 Uhr: Ihr Sechs- Mochag: Die gelbe Gefahr. Luisen. Amerikascppl. Nachmittags 3 Uhr: Die Nhnfrau. Montag: Krieg im Frieden. Beruhard Rose. Die Verlobung im Bell. Die oberen Zehn- tausend. Nachm. 8 Uhr: Die Frau Kom- merzicnrat. Montag: Der Hültenbesttzer. Pratcr. Der Mann im Monde. Nachmittags 3 Uhr: DaS Opfer- lamm. Montag: Zwischen zwei Herzen. Gart Häticrland Theater. Spe- zialitälen. lvleironol. Das muh man sch'n. Nachmittags 3 Uhr: Die Herren von Maxin,. Montag: DaS musi man seb'n. dlpolto. Sylvester Schüfser fr. Siegw. Gentes. mittags 3'/j Uhri Familien- Vorstellung Montag: Sylvester Schäfer jr. Siegw. GenteS. Walhalla. Spezialitäten. Falles Capriee. Mal was andres. Dunkle Punkte. Eine anständige Frau. Montag: Diefelbe Borstellimg. Parodie. Wilhelm Tcll. Tannhäufcr. Monua Vanna. Nachm. S'if Uhr: Wilhelm Tcll. Zapjenfteich. Montag: Wilhelm Tcll. Tann- Häuser. Monna Vanna. Kasino. Biederleute. Nachmittags 4 Uhr: Ein Sohn deS Volkes. Montag: Biederleute. Gebr. Herrnfeld. Papa und Ge- nassen. NachmiltagS 3 Uhr: Die Meyer- Hain. Montag: Papa und Genossen. Wintergarten. Robert Steidl. Spe- zialitaten. Pasingr. Die singenden Engels- köpfe. Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Retchsdallen. Stet tiner Sänger. Ilninln. Taiibriiiirnsie 8 Uhr: Kairo und die Pyrannden. Nachmittags 4 Uhr: Frühlings- tage an der Riviera. Montag: Kairo und die Pyramiden. Nachmittags 4 Uhr: Sizilien. Sonnabend 4 Uhr: Sizilien. Ttenimime, J»oalid«nnr. 47/62: Zur Beobachtung: Mars. Saturn, Doppelsterne. Nebelflecke. DerUnvR- Theater. Gastspiel d. Neuen Operetten-Theaters. Täglich 8 Uhr:-Mg SIMM Neues Thealer. Abends 8 Uhr: Baccarat. Montag: Baccarat. Dienstag: Baecarat. Ans, 7 Uhr. Kleines Thealer. Nachm. 3 Uhr: Sin Puppenheim. AbcndS S Uhr: Gorma. Mandragola. Montag: Mandragola. Dienstag 7 Uhr: Mandragola. Nittwoch nachm. S Uhr: Maria Magbaiene. Abends; Mandragola. Tlieater des Westens. 8 Uhr: Ein Walnertraum. Operette von Oskar Stranh. Sonntag, den SS, Dez.. Mittwoch, 1. und Sonntag, S. Januar, nachm. 3'J, Uhr zu halben Preisen: Tic lustige Witwe. Sonnabend. 4. Jan., nachm. 4 Uhr, zu lleinen Preiien: Hansel und Grete!. Dienstag. 31, Dezember lTilvester) beginnt die Borftellnng um 7 Uhr. Friedrich-Wiliielnistäiltisctiss Schauspielhaus. Nachm. 3 Uhr: Natt»,» der Weise. Abends ö Uhr: Kriemliiläs l�scke. Montag: Madame Sans Ginc. Dienstag 7 Uhr: Madame Sans Käns. Mittwoch nachm. 3 Uhr: Jugend von beute. ZlbendL 8 Uhr: Madam« San» Gene. LorfzingThGäter. Nachm. 3 Uhr: Ter Freischüst. A b« n d s 8 U h r: Die Zauberflöte. Montag 8 Uhr: Zar u. Zimmermann. Dienstag 7 Uhr: Der Trompeter von Säckiitgem Mittwoch nach»:. 3 Uhr: Undiiie. Abends 7'/a Uhr: Tie Zanberflöte. Hezite-IMk. — Direktion: Richard Alexander.— Anfang 8 Uhr. Ganz der Papa. Schwank in 3 Akten von Mars und DcSvalliörcS. Deulsch v. M. Schönau. Baron des AubraiS i Rich. Alexander. Sonntag, den 29. Dezember, nachm. 3 Uhr: Ter Schlafwagenton' trolleur. Mittwoch, de/, 1. Januar, nachm. 3 Ubr: Giuc HochzcitSuaiht. Lustspielhaus. Nachm. 3 Ubr: Unsere Kitte. Abends 8 Uhr: Knsarenflebcr. Hans Fischer als Gast._ ZentralsTheater. Gastspiel des Hebdcl-TheaterS. 3 Uhr halb« Preise: Oie Geisha. Abends 8 Ubr: J�-rau Warrens Gewerbe. Drama in 4 Alten von Bcrnh. Shatv. Montag 3 Uhr: Prinzessin Gold- traud. 8 Uhr: Frau WarrenS Gewerbe. Luisen-Theater. Reichenbrrgerstr. 34. Nachmittags 4 Uhr: Die Ahufrau. Abends 8 Uhr: Zlnierikaseppel. Montag: Krieg im Friede,». Dienstag: Ge'chlosien. Mittwoch, 3 Uhr: Berlin, wie cS weint und lacht. Zirtui Operetten-Gastlpiel. S Uhr: Zirkusleuie. Zum 1. M.: Freitag: Zirkuslcitt». Scliiller- Schiller. Theater 0,(Wallnce-Tdealer). Sonntag,»ack m. 3 Uhr: ver KaiserFit«er. Komödie in 3 Auszüge» v. H. Brcnnert und H. Ostwaid. S o n»> a g.' a i> e» o s 8 Uhr: KoNeAe Orampton. Komödie in 5 Akten von Gerhart Hauptmann. Montag, abends 8 Uhr: Kollege Orampton. Dienstag, abends 8 Uhr: Zum ersten Mal«: Philister. Hieraus: Die Lore. Theater. Sohtller-Thoater Charlotienhurg. Sonntag, nachm. 3 Ubr; I>er Riclitc- von Zalamca. Schauspiel in 8 Auszügen v. Calderon de la Bai ca. Deutsch von Adolf Wilbrandt. Sonntag, aoensSL Ubr: tter Revisor. Lustspiel in 5 Alten v. Nikolaus Gogol. Deutsch von E. o. SchabelSIy. Montag, a o e ii d s 8 Uhr: Ver Revisor. Dienst ii g, abends 8 Uhr: College Cranipton. f!, 21«'t* 2» 9 c Panoptikum W«.O i-C«. II S 165 Fiicdrlchstr. 165 Das Schlangen-Ungeheuer mit seinen 37 Jungen. Däumling, der kleinste Mann der Welt! I XIII. Saison irkus SJuschl Bahnhof Börse. Sonntag, de» 39. Dezember: große auSerord. fl 2 Nachmittags 4 Uhr und abends 7'l} Uhr.— Nachm. 4 Uhr zahlen Kinder unter 10 Jahren auf allen Sitzplätzen halbe Preise. In beiden Borsteltungeu: The Kremo Koniily. I» beide» Borstellungen: Bros. Clarkonians aus Amerika I I» beiden Borstellungrn: Kesekvister Vledis. In beiden Borstellungen: Vortiihren und Reiten der besten Schul., Freiheils- u. Springpferde. Fit beiden Borstellungen: Auftreten sämtlicher Clowns mit den neuesten Witzen und SpäBen. Nachm. 4 Uhr, zum 6. Male: Jokel und Koko. Große Humorist. Wasscrpantomime in 2 Bildern. Abends 7% Uhr: Ans der Hallig! Gr. Manegc-AnSst,- Pantomime in 4 Bilder». Mörfer Theater Bnrgersäle. Bcrgstrasic Nr. 147. Mittwoch, de» 1. Januar 1908: Die Kiiidtt der(Mein. Lustspiel in i Akten von Wolzogen. Anlang 7'/, Uhr._ �cakzmdaSpm «öpeuickcrstraße 68. Nachm. 3 Uhr bei ca. halbe» Preisen: Der Alktienbudiker Mit Joseßne Bora. Abends 8 Uhr: Das größte Zugstück der Saison! Hokuspokus. Neue Berliner Posse mit Gesang und Tanz von LouiS Herrmann Aken! Hienl Ziiseiidmig von Liiietts. Auf schristl. oder telcphonische Bc- stellung(Antt IV 28ZS) werden die BillcttS auch zu hiilvestcr und DTcuJahv ohne Preiserhöhung in Berlin und sämtl. Vororten in die Wohnung ge- schickt. Täglich 8 Uhr i H o t u s p o k n s. sWWMIMk D tSr. Fraiikknrterstr. l32. Tic Berlobung im Bett. Anfang 8 Uhr.— Sonntagsprcise. üskusSehuiusuu Heute Sonntag, den 29. Dezember, nachm. 8'lc Uhr und abends 7>/, Uhr: 8L7.MTliTiI.l!sl!l-Vlji'Z!e!!l!UgöU. Nachmittags aus allen Plätzen ohne Ausnahme ein Kind frei. Jedes weitere Kind unter 10 Jahren halbe Preise(außer Galerle). Nachmittags zun, Schluß: Dielnstlg:«ii Heidolbrrjper. In beiden Borstellungen: Die phänom. Threo Rcnious. 'AbcndS zum 8, Male: Amerika Original'Maiiegeschaiistiick des ZirkuS Albert Schumann in 4 Alten u. eigens dazu engagierten IÄO schwarzen Leuten. Besonders hervorzuheben: GrokkKraiidhutustrojiheaiif drmsroudivilymNwNorh. Schlnst-Zlpotheose mit vollständig neuen feenhafte» Licht- und Wasscresfrtten. Nente Ullä kolxencke läge: /luktretei, roa: Robert Steidl, Liane de Vriis, Kitty Gordon, Tan Kwai- Treppe, Flood Brothers. Starr and Leslle, Boganny- Truppe. Oie Tiller Girls, Brunins. La Bdrat, Toqud, Tenji> Truppe, Oer Biograph etc. Heute nachmittag 3 Uhr: popiiläFes Konzert gon Johann Strauß aus TVlcn. 48 Manu Orchester. Preise 0,50, 1,00, 1,50 M. nachmittags S'/o Uhr: Kieine Preise! Zum lebten Male in einer MieD-Vm!eiIii!Zg. � ylvestcr Ichäsfer jr., d. bcrühm. Uniocrsalkünstlcr.— Außerdem das kolossale Programm mit Sicgwart GrnteL in feinem Skatsch: lli» Opern- prodo. Abends 8 Uhr: Zum letzten Male an einem Sonntag: Tie Tezember-Zittraktionc». Ncisi! Tie Z goldenen Jungfrauen. Neu! Sanssouci sfg. Direkt ion: Wilhelm Reimer. Heute Sonntag, u-Montag: RoflDiannsfioriilSänger Gr. Glite> Soiree und und Tanztränzchcn. Sonntag Beginn 5, Wochen- tags 8 Uhr. Dienstag(Silvester): Extra> Silv.-Ult-Borst. atif Tanz. DicnSIag, 7. Januar 1908: 1. gr. Spezialitäten- Borstcllung. Erst- llassige Künstler. Tlrau!». V/isscnachnktiici,es Theater. Taubcnstr. 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Abends 8 Uhr: Kairo und die Prraniiden. Morgen Montag 4 Uhr: Sizilien. 8 Uhr; Kairo nnd die Pyramiden. Berliner Jlpanuin Unter den Linden 68a Eingang Sohadow-Straße No.14. Heute Sonntag EintriltEprais aar 25 p*. iteiohhaltigsto Ausstellung der Welt an lebenden Seetieien, Beptilieir sto._. 95/17 Weinbergsvieg ,9/20, Rosenth. Tor Heute 2 Vorstellungen Nachmittags 3, it.: kleine Preise. Jeder Erwachsene ein Kind sreL Abends H Uhr. In beiden Borstellungen: Das grofte Programm. Tienstag.»I. Tczcmber z ftirolle billveNtor• Feier. Spezialitäten, Bell, S Kapellen. Ueberasch., 2 Regimentc-Kapelien. Aiifaug 9'/� Uhr. W. Koacks Theater imetnuii: stob. Olli. BrumienNr. 10. In der Irre. Schauspiel n. d. neuesL„Morgenpoft". Roman. Ansang 7 Uhr. Entree 30 Bs. Nach der Vorstellung: Tana:. Morg. u. solg. Tage: In der Irre. Dienstag: GroLer Silvester-Ball. "Theater Folles Capriee Llnlenstr. ,32, Ecke Frledrlchstrafle. Mal was Jlnderes. Revue mit Gesang in 3 Bildern. Bnnhie Punkte. Eine anstttndlKe Fran. Anfang 8 Uhr. Gebr. Herrnfeld- Theater. 57 Kommandantenstraße Nr. 67, Borverlaus ab 11 Uhr. Heute Sonntag 8 Uhr abends die elfolgreichste Novität: Papa u.(jenossen. Komödie in 2 Alten m. d. Autoren Anton nnd Donat Herrnseld. Vorher: �aänme>Vig-Wgg. Nachm. 3 Uhr(halbe Preise): Ble Reyerhalne. Morgen: Papa nnd Y-ienosaen und Iladame Wlg• Wog. Am Silvester-Abend: BV Riesen-Lacb-Programm! mit austergewöhnlicheu lieber- raschungen. Billettvorverkauf schon heute! Parodie-Thealer. Drcsdenerstr. 97. Ansang 8 Uhr. Zum 50. Mal«: Zapfensireich. Monna Vanna. WP- TannbäuHer, rtpg Nachmittags S'/.j Uhr halbe Presse: Wilhelm Tcll. Zapfenstreich Brunnen-Thealer vadftraße 58. Direkt.: Bemh. Rose. «onntag. den 29. Dezember 1907: iiachtiL 3 Uhr: Die Schauspieler des Kaisers. Abend? 7 Uhr: Hotel Klingcbufch. Nach der Vorstellung: Großer«all. Vorverkauf vormittags 10—1 Uhr. Montag, den 30. Dezember 1907, Hotel Klingebufch. Louis Keiler5 Festsäie llnbüdlss! A. Freyer) i nimm iio iii> Koppenstraße 29. mammmmmmmm Dienstag, den 31. Dezember 1907(am Silvester-Abend): Großer Ball beio7Äkrtera XXX Sensationelle Ueberraschungen. XXX A. Frey er(v-�n-u-el Koppensn. 29. WSßB*1 Sehenswert der 14 Meier hohe Weihnachtsbaum mit seinen 800 strahlenden Glühlichtern. vrtÄ 8 Melropol-Thealer Kachmittag-; 3 Ohr: Abends 8 Uhr; Gr. Revue in 4 Aktoc(12 Bildarn) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Ssono gesetzt von Direktor Bichard Schultz. ß. TMelscIep, F. Massarj, B. ßafiuaod, Kenlit!', ßiampielro. JcsepiiL Ran dien goutattet. Am 31. Dezember(Silvester); ii sr.Siivester-Cabaret Um ia l'hi-: Fanfaren- Silvcktcrjabc]. ConfeHisohlaeht. Ueberraschungen. Tanzkränzshen. Sonnabend, d.dannaz-; I. Großei' Meiropal-Ttieater-ßall. Reiclishallen-Tliealer. Stettiner Sänger Ansang wochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Tienstag,»|. Tez., Cr. Silvester- Dik-Soiree mit Tanztränzchcn. Reichshallcn-Rcstaur.: Militär- üvneerL -IdM IM" Oharlottendurg, PotsdamcrstraOe II, Neu! Elkgnut! Juteressunt! Täglich Vorstellmtg von 5—11 Uhr. Sonntags von 3—11 Uhr. Stetiger Eingang von Neuheiten. Dalast-Theater Bnrgftrahe 34. 9W Heute lIS Uhr-MU Entree 60 Pf.-MW Der Riesen-Weihnachts- Spielplan. Lm heiligen Abend Lebensbild. Lona Revde Luna=Qiiartett Legel usw. i Passage-Theater. Heute zwei Vorstellungen: Nachm. 3— 7 Uhr(ermäßigte Preise), abends 8—11 Uhr. Die singenden Engelsköpfe j Martin Kcttnor Erna Frählich " und das großartig: Ms Dezclllbcr-Programm. Kastno-Theater. Lothringerftr. 37. Täglich 8 Uhr: Ueber 60 Mal auSvc, laust l Glänzender Enolg! VUMlvrleiite. Komödie in 4 Allen von f. Misch. Sonntag nachm. 4 Uhr: Ein Sohn des Volles. �Mittwoch, 1. Jan.. nachm. 4 Uhr: -oingvögelchen— Blumcnsirauß. Llvsium Heute Soniitag. 39. Dezember: Qroßep KaSi Zlnsang 5 Uhr._ Eatrce frei. Landsberger Allee 40-41. , Moritiplafz.. i imlheateriaal TägllCA; J Gas neue r- Ansang 8 Ubr. Entrce 50 Ps Sonntags 7 Uhr.(Sonntags reserviert i M.. Enlrce 50 Pf.) FamiliciibillettS a 40 Pf. täglich Niiiläi'-konzei'l. Lecker, PrzywarSIi. Görisch, Neumann, Oifcney und Lültich. decken Sonntag: I«ei Vorsteümigen. Nachmittags 4 Uhr, Abends 8 Uhr. X Kappoldts neuer Konzertsaal Hasenheide, Eingang Gräiestraße. Sonntag: Oroße Matinee. 12— 2 Uhr. Kasäeneröfinung 11 Uhr. Abends; Bockbierfest. Silvester: Großes Konzert u. Ball. 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Morgen Montag, 8l/z Uhr, im„Kaiscrhof" Kranoldplatz, Generalversammlung t'Bericht des Vorstandes und der Funktionäre; Neuwahl deS Vorstandes und der Funktionäre; eventuell Vortrag.—- Zutritt haben nur Mitglieder(Mitgliedsbuch legitimiert). Der Vorstand. Lankwitz. Den Mitgliedern deS Wahlvereins zur Nachricht, daß die fällige Monatsversammlung am Dienstag, den 31. d. M., ausfällt. Dafür findet ain Mittwoch, den 8. Januar, eine General- Versammlung statt. Stralau. Auf unserem Weihnachtsvcrgnügen am ersten Feiertag in den Markgrafensälen sind irrtümlich ein Schirm und ein Winter- Überzieher vom Garderobeninhaber herausgegeben worden. Da letzlerer für die betreffenden Sachen hastbar ist, bitten wir, die- selben im Restaurant Markgrafensäle oder an der Garderobe daselbst abzugeben. Der Borstand. Wahlverein Elchwaldc und Umgegend. Die Generalver- s a m m l u n g des Vereins findet heute, Sonntag, den 29. De- zeniber, nachinittags 5 Uhr. in Heinrichs„ S e g l e r s ch l o tz" in Hankels Ablage statt. Da auszer den Neuwahlen der Funktionäre noch andere wichtige Angelegenheiten zu erledigen sind, ist pünktliches und vollzähliges Erscheinen Pflicht der Mitglieder, Der Vorstand. Berliner JVacbricbtens Die Fernsprechgebnhrenordnung soll geändert tverden. DaS Reichspostamt hat eine Denk- schrift ausarbeiten lassen, die in einer Konferenz am 7. Januar künftigen Jahres zur Grundlage von Besprechungen gemacht werden soll. Eingeladen sind zu der Konferenz Vertreter der Industrie, des Handels, der Laudivirtschaft und des Hand- Werks. Die Denkschrift beschäftigt sich hauptsächlich mit den Verhältnissen des Ortsverkehrs und sucht hier nachzuweisen, das; bei den Pauschgebührenanschlüssen die Gesprächsbclastung außerordentlich groß ist und von Jahr zu Jahr steigt. Die Postverwaltung lvill infolgedessen diese Art Gebühren ganz und gar abschaffen. Unter Berücksichtigung von weiteren Aenderungen, die bei den Fernsprechgebühren stattfinden sollen, schlägt die Rcichspostvcrwaltung folgenden Tarif vor: l. Die Pauschgebühr wird aufgehoben. ES gibt nur noch An- schlüfie gegen Grund' uud Gesprächsgebühren. 2. Die Grundgebühr beträgt in Netzen von 1 bis 1000 Anschlüssen.... 50 SD?. „„„ 1001 bis 5000 Anschlüssen.. 65„ ., 5001 bis 20 000 Anschlüssen.. 80„ „ 20 001 bis 70 000 Anschlüssen. 90„ „ ,,„ mehr als 70 000 Anschlüssen für jede angefangene» weiteren 50 000 Anschlüsse je 10 M. mehr. 3. Für jede hergestellte Verbindung wird eine Einzel- gesprächsgobüho von ö Pfennig erhob«». Wen» tu einem Rechnungsjahr von einem Anschluß ans mehr als 2000 Gc- spräche geführt werde», ermäßigt sich die Gebühr für die Gespräche von 2001 bis 6000 um je'/s Pfennig und für die weiteren Ge- ' spräche uni 1 Pfennig. 4. Der Teilnehmer darf sich von Dritten für das Gespräch im Ortsverkehr cincir Betrag bis zur Höhe von 10 Pf. erstatten lassen. 5. Tie Ferngebührcn betragen bis 25 Kilometer 20 Pf., bis 50 Kilometer 25 Pf., bis 100 Kilometer 50 Pf., bis 250 Kilometer 75 Pf., bis 500 Kilometer 1 M, bis 750 Kiloinctcr 1,50 M., bis 1000 Kilometer 2 M., über 1000 Kilometer für jede weiteren 250 Kilometer 50 Pf. mehr. Tic Aufhebung der Pauschgebühr, um die es sich Vorzugs- weise handelt, wird eine verringerte Inanspruchnahme des Fernsprechers zur Folge haben. Das scheint, nach der Bc- gründung der Denkschrift zur urteilen, auch die Absicht des neuen Tarifs zu sein. Daß damit dem Verkehr gedient bezw. genutzt wird, kann nicht behauptet werden. Zu dm Kaufmannsgerichtswahlen. Ter Magistrat von Berlin hat gestern allen in den Wähler- liste» verzeichneten wahlberechtigten Kaufleuten besondere Benachrichtigungen für die am 12. Februar». I. stattfindende Wahl der Beisitzer für das Berliner KausmannSgericht zugehen lassen. Die Empfänger dieser Benachrichtigungen können aus den Karten entnehmen, ob sie in die Wählerliste eingetragen sind. Alle diejenigen wahlberechtigten Kausleute, die eine solche Karte nicht erhalten haben, wollen nunmehr die vom 3. vis 9. Januar nächsten JahreS öffentlich im Wahlbureau, Poststraße 16, von nachmittags 4 bis abends 7 Uhr und Sonntags von 10 bis 1 Uhr ausliegenden Wählerlisten einsehen. Wer nicht eingetragen ist, muß dann einen besonderen Antrag auf Eintragung stellen. Wahlberechtigt sind alle Kausleute, die das 25. Lebensjahr vollendet, in Berlin ihre Handelsnieder- lassung haben und mindestens einen Handlungsgehnlfcn oder Handlungslehrling regelmäßig das ganze Jahr hindurch oder zu ge- wisse» Zeilen des Jahres beschäftigen. Für die wahlberechtigten HandlmtgSgehiilfc» sind Wählerlisten nicht angefertigt. Es genügt vielmehr zur Ausübung des Wahl- rechts ein Zeugnis des Prinzipals oder der Polizeibehörde, durch das bestätigt wird, daß der Betreffende bei der iin Zeugnis bezeich- neten Handelsniederlassung, und zwar innerhalb seiner Wahlstelle als HandlungSgehülfe beschästigt ist. Für die Handlungsgehülfen ist der Wahllcrmin auf Sonntag, den 9. Februar, von 10 Uhr vor- mittags bis 3 Uhr nachmittags festgesetzt. Ter neue Omnibustarif. Der Polizeipräsident von Berlin gibt jetzt bekannt, daß er in Ucbcrcinstimmmlg mit dem hiesigen Magistrat für die mit Pferden betriebenen Omnibuslinien der Allgemeinen Berliner Omnibusgesell- schast folgenden Tarif festgesetzt hat: a) ein einzelner Fähnchen,(auch für Teilstrecken) kostet 10 Pf. b) zwei Fahrscheine für Teilstrecken kosten..... 15 Pf. c) fünf Fahrscheine für Teilstrecken kosten..... 30 Pf. Der neue Tarif tritt am 1. Januar 1908 in Kraft. Eisenbahnburcaukratie. Wahre Schafsgeduld wurde gestern morgen dem Publikum zu- gemutet, das vor 8 Uhr den Nordring über Rummelsburg in An- fpruch nahm. Der 7.31 auf Bahnhof Frankfurter Allee fällige Zug blieb annähernd 15 Minuten vor der Station Nummelsburg liegen. Nachdem er glücklich Einfahrt erhalten hatte, ahnten die Passagiere gewiß nicht, daß du nochmaliger Aufenthalt von 15 Minuten in RummelSburg ihrer harren würde. Während nun auf den Mittel- bahnstcigen dieser Station ein Zug nach dem anderen zur Abfahrt gelangte, blieb der Nordring beharrlich stehen, so daß das I Publikum in nicht gerade schmeichelhaften Worten für die .«-üenbahnverwaltung sich Luft zu verschaffen suchte. Bei "einigem guten Willen wäre es nämlich möglich gewesen, die Paffagiere darüber zu unterrichten, daß die Züge, welche den Mittelbahnsteig passieren, vor Abgang des Nordringzuges zur Abfahrt gelangen. Diese Information unterblieb also, wie es auf der Stadt- und Ringbahn überhaupt seltener Gebrauch ist, ein- getretene Differenzen der Zugfolge anzuzeigen. Die bureaukratische Eisrnbahnverwaltung überläßt die unerquicklichen Folgen derartiger Zugverspätungen dem Publikum, das wohl das Fahrgeld zu cnt- richten, aber auf eine fahrplanmäßige Beförderung gegebeuenfalls zu verzichten hat. Daß um die genannte Zeit ausnahmslos Arbeiter und allerhand Angestellte die Bahn frequentieren, deren pünktlicher Autritt um 8 Uhr verlangt wird, sollte einer staatlichen Eisenbahn um so mehr Veranlassung sein, durch geeignete Maßnahmen Zug- Verspätungen zu verhindern, auf alle Fälle aber das Publikum rechtzeitig zu unterrichten, das sich dann schon selbst zu helfen wissen wird. Ueberhaupt sollte die königl. Eisenbahndirektion der Stadt- und Ringbahn gerade in den frühen Morgenstunden eine genaue Be-- obachtung deS Verkehrs anordnen. Die beängstigende Fülle einzelner Züge, als auch die Unzulänglichkeit und mangelnde Beleuchtung einzelner Bahnhöfe, wie beispielsweise des Stadlbahnhofes Jannowitzbnicke, ist dringend der Abhülfe bedürftig. Gegen die Schundliteratur. Die Schundliteratur hat in Berlin leider noch eine große Ver- breitung. Schweres Unheil hat sie schon angerichtet. Weite Volks- kreise sind durch sie geradezu vergiftet Wörde«. Für schweres Geld werden den Abonnenten die niedrigsten Sensationen aufgehängt und jedes Streben nach Höherem, Edlerem wird eistickt. Da ist es nur mit Freude zu begrüßen, daß die Vorwärts- Buchhandlung bestrebt ist, durch Verbreitung einer billigen Unterhaltungsliteratur dieser Schundliteratur entgegenzutreten. Durch die Herausgabe der „ F r e i e n S t u n d e n" hat die Buchhandlung sich bemüht, auf diesent Gebiete eine Lücke auSzufüllcit. Bei Beginn deS neuen JahreS sei noch besonders auf die„Feeien Stunden" hingewiesen. Jede Woche erscheint ein 21 Seiten starkes Heft zum Preise von 10 Pfennigen. Uebcr den Inhalt des neuen Jahrgangs finden unsere Leser alles Wissenswerte in dem in der heutigen Nummer beiliegenden Prospekt._ Tolle Szenen spielten sich am Mittwochabend vor den rheinischen Winzerstubcn in der Leipzigerstraße av. Das Zuggitter war vorgezogen und die einlaßbcgehrcudcn Ankömmlinge schoben sich auf dem Bürgersteig in einem dichten Knäuel hin und her. Innen aber stand der Portier mit würdevoller Miene, wie der Cherub vor dem Eingang des Paradieses, um di« Außenstehenden von den„heiligen Hallen" abzuhalten. Das Lokal war wegen llebcrfüllung ab- gesperrt. Männlcin und Weiblcin aber standen unentwegt in der bitteren Kälte mit blau gefrorenen Nasen und trippelnden „Eisbecncn", und sehnsüchtig flogen die Blicke hin zu dem Bachus- tempcl. Die Kerrcn baten den Portier in den rührendsten Tönen, die Damen mit Iveinerlicher Stimme und feuchten Augen, sie doch tvenigstcns hineinzulassen. Aber es half nichts, der Gewaltige war unerbittlich. Mit Nachdruck verwies er auf seine dienstlichen Ob-. licgcnhciien, von denen er so wenig abweichen dürfe, wie der Soldat auf Paste»..... Jetzt verläßt ein Neger, der fortwährend die Zunge heraus- streckt und die Augen verdreht, mit zwei Töchtern Europas das Lckal. Irgendein Angestellter kommt eilfertig hinterher, laut rufend: 3 Personen, nur 3!" Ter Portier öffnet das Gitter gerade so weit, daß die 3 sich hindurchdrängen können. Doch mit einem wuchtige» Anprall wirft sich jetzt der Mcnschenklumpcn auf die schmale Ocffnung. Röcke werden niedergetreten, Hühneraugen malträtiert und Korscttsrangen geknickt. Mit wahrer Todesver- achtung haben sich die beiden Angestellten der Menge entgegen- geworfen.„Nur 3 Personen, nur 3!" klingt es verzweifelt durch den wilden Tumult. Endlich gelingt es ihnen, das Gitter zu ver- schließen. Aber fünf oder sechs Personen haben sich dock, durch- geschlagen und atmen jetzt, schnaufend, mit erhitztem Gesicht auf. Zwar find die„Angströhrcn" böse mitgenommen, die Kleider zer- knüllt, die Haarfrisur, die Frucht dreistündiger Mühen, zerzaust, aber das schadet nichts, sie sind doch drinnen, während die anderen draußen stehen und mit Wut und Neid auf die Glücklichen schauen. Diese Szene wiederholt sich, so oft einige Gäste heraustreten. Des Schicksals Tücke wollte es auch einmal, daß die Braut sich tapfer durchschlug, während der blasse Jüngling mit der genial gcschlunge- ncn Krawatte schmerzlichen Blickes draußen stand und wie ein ver- wnndeter Löwe grollend nacki dem„Stern seiner schlaflosen Nächte" schaute, der„so nah und doch so fern" war. Ein alter Droschkenkutscher aber meinte kopfschüttelnd zu seinem Kollegen:„Nu kick man bloß det dußlichc Volk, als ob sie for ihr Geld«ich ooch wo anders wat kriegten!" Wieder nicht der Richtige. Der als angeblicher Urheber des Strausberger Eisenbahnunglücks in Ncumagen an der Mosel ver- haftete Schlosser Bongert scheint schuldlos zu sein. AnS Trier wird gemeldet: Bisher ist eS nicht gelungen, irgendwelche Beziehungen des Verhafteten zu der Strausberger Katastrophe nachzuweisen. Tic neuen Bcstiminungcn für Neujahrsgriißc. Für den Neu- jahrsbricfverkchr stellen wir die wichtigsten Bestimmungen zu- sammen. Sie sind zum Teil in allerletzter Zeit abgeändert worden. Werden die Grüße als Drucksachen verschickt, so kann man auf gedruckten Visitentartcn solvie auf Weihnachts- und Neujahrs- karten die Adresse des Absenders, seinen Titel sowie gute Wünsche, Glückwünsche, Danksagungen oder andere Höflichteitsforinen handschriftlich hinzufügen. Diese Zusätze dürfen aber höchstens aus fünf Worten oder den üblichen Anfangsbuchstaben bestehen. Druck- sachentartcn dürfen 11,1 Zentimeter breit und 18,8 Zentimeter lang sein. Karten von wesentlich anderer als rechteckiger Gestalt, z. B. in Form von Flundern, Kleeblättern, Bierseideln, sind zur offenen Versendung nicht geeignet. Offene gedruckte Karten mit der Bezeichnung„Postkarten" sind zur Beförderung gegen die Trucksachentaxe zulässig, wenn sie sonst den Bedingungen als Drucksachen entsprechen. Büchern. Musikalien, Zeitungen, Zeit- schristen, Bildern und Landkarten darf man eine Widmung hinzu- fügen. Modcbildcr und Landkarten dürfe» ausgemalt werden. Postkarte» dürfen in Form, Größe und Papierstärke nicht wescnt- lich von den amtlichen Formularen abweichen. Die Aufschrift Postkarte brauchen sie nicht mehr zu tragen. Bilderschmuck und Aufklcbungen auf der Rückseite und auf den linken Teil der Vorderseite sind insoivcit zulässig, als dadurch die Eigenschaft als offene Postkarte nicht beeinträchtigt wird und die aufgeklebten Zettel der ganzen Fläche nach befestigt sind. Warenproben oder ähnliche Gegenstände darf man nicht beifügen. Die Zentralmarkthallc I(Detailhalle) sowie sämtliche anderen Berliner Markthallen sind am Montag, den 30. Dezember, abends bis 9 llhr und am 31. Dezember während des ganzen Tages ununterbrochen für den Verkauf geöffnet sind. Einen neuen Anschlußbetrieb eröffnet die Große Berliner Straßenbahn in Gemeinschaft mit der Südlichen Berliner Vorort- bahn am 1. Januar. Es wird dadurch eine Verbindung zwischen dem Zcntralvichhof und Rixdorf hergestellt. Ter neue Gemein- schaftsdctricb wird dadurch hergestellt, daß die bisherige Linie Zentralviehhof— Moritzplatz bis zum Hcrtzbcrgplatz in Rixdorf verlängert wird. � Die Linie geht dann von der Samariterstraße beim Zentralvichhof über die Landsberger Allee, den Alcxanderplatz, den Spittelmarkt und das Äöttbuser Tor nach Rixdorf. Die Bc- triebsstrccke der Großen Berliner Straßenbahn geht vom Zentral- Viehhof bis zum Kottbuscr Damm an der Ecke der Kaiser Friedrichstraßc. Betriebsstrccken der Südlichen Berliner Vorort- bahn sind�vom Kottbuser Tamm, Ecke der Kaiser Friedrichstraßc bis zum Hertzbergplatz in Rixdorf. Beide Gesellschaften erheben gemeinsam einen Fahrpreis von 10 Pf. Die verlängerte Linie 65 ivird sich mit der Linie 58 Zentralvichhof— Rixdorf zwischen dem Zentralviehhof und dem Hermannplatz zu einem Betriebe von 7tzb Minuten ergänzen. Der erste Wagen geht Werktags vom Zentralvichhof 5,19 Uhr, vom Hertzbergplatz 6,32 Uhr, der letzte von der Samariterstraßc IIP! Uhr, von Rixdorf 12,47 Uhr. Sonntags beginnt der Betrieb im Norden erst 6,04 Uhr, am Hertzbergplatz 7,17 Uhr, dauert aber ebenso lange wie Werktags. Siemens u. Halskc teilt mit, daß in der Silvesternacht auf den Linien Pankow bezw. Nieder-Schönhauscn nach Mittelstraße an- schließend an den Fahrplan noch folgende Sondcrzüge verkehren: Ab Pankow, Mendclstraße, 12,10; 12,30; 12,50; 1,10; 1,30; ab Nieder-Schönhauscn 12,20; 12,40; 1,00; 1,20; 1,40. Ab Mittelstraße, Ecke Friedrichstraßc, nach Pankow, Mcndclstrahc, 1,00; 1,20; 1,40; 2,00; 2,20; nach Nieder-Schönbausen 1,10; 1.30; 1,50; 2,10; 2,30; nach Franz.-Buchholz, ab Prinzcn-Allce(Ecke Bcllcrmann- stratze), 1,43, Anschluß an den Zug 1,20 ab Mittelstraße. Auf der Linie Behrcnstraße— Treptow findet zwischen Bchrenstraße und Wiener Brücke bis 1 Uhr 54 Minuten nachts 10 Minuten-Bcrkehr statt. Weihnachtspaketstatisiik 1907. Rückgang der Auflieferung in Berlin. Der WeihnachtSpakctverkehr hat in diesem Jahre nach der jetzt vorliegenden Statistik im Berliner Bezirk zwar wieder erheb- lich zugenommen, aber doch sichtlich unter der Ungunst der wirr- schafrlichen Verhältnisse gelitten. Tie Zahl der aufgegebenen und eingegangenen Pakete in der Zeit vom 12. biö 25. Dezember hat in Berlin 1907 fast 2Vj Millionen erreicht, genau 2 477 888. Gegen Weihnachten 1906 bedeutet dies eine Zunahme von 24 873 Stück. Tic Zunahme rührt aber ausschließlich von den eingegangenen Paketen her, bei denen sie 39 086 betrug. Bei in Berlin aufgegebenen Paketen zeigt sich also zum ersten Male seit vielen Jahren ein kleiner Rückgang von 4213 Paketen. Bei den Ortspostanstalten Bcr- lins waren in der Zeit vom 18. bis 25. Dezember nicht weniger als 12 267 Beamte beschäftigt. Es entfallen davon auf die eigentlichen Beamten 3327, ans die Unterbcamten 5071, auf die Postboten 3869. Zur Bewältigung des Postfuhrverkehrs wurden täglich 2431 Pferde verwendet. Eine wenig angenehme amtliche Weihnachtsüberraschung ist den Bewohnern der an der Kremmener Bahn belegenen Vororte zuteil geworden. Die Eisenbahndirektion hat die Durchführung des Vororts- Verkehrs nach Velten davon abhängig gemacht, daß die in Betracht kommenden Gemeinden Zuschüsse zu den allerdings nicht unbeträcht- lichen Kosten, die anS den Ausbauarbeiten der Strecke entstehen, leisten sollten. Wenn auch hiermit eine Anzahl der interessierten Ortschaften einverstanden sind, stößt die Forderung der Bahnver- waltung besonders in Velten auf Widerstand, da diese Gemeinde schon ganz erhebliche Aufwendungen im Interesse des Zustande» koininenS der Bahnstrecke Berlin-VelteU'Kremmen gemacht hat. Die der Bahnverwaltung bei diesem Anlas; gemaäiten Znwen- duxgcn an Gelände und barem Gelde dürften sich auf etwa '/-Million Mark beziffern. Das dem Staate damals zur Verfügung gestellte Terrain ist hinreichend für die notwendigen ErweiterungS- bauten des zukünftigen Vorortbahnhofs. Allerdings ist der Bau eineS Lokomotivschuppens in Velten erforderlich und die Kosten für diesen soll die Gemeinde nunmehr aufbringen. ES erscheint auch nicht ausgeschlossen, daß seitens der Besitzer der Kachclfabriken und Ziegeleien in Velten und Umgebung im Interesse eines Zustande- kommenS des Vorortverkehrs wenigstens ein Teil der geforderten Beisteuer aufgebracht wird. Die übrigen Gcmcindcbezirke an der Bahnstrecke, die allerdings mit weniger bedeutenden Posten heran- gezogen werden sollen, Hube» sich zur Aufbringung der erforderlichen Mittel der Eisenb�hndireltion gegenüber bereit erklärt. Schwere Tage. Das Oberzcremonicnamt veröffentlicht jetzt die Liste der Winterfeste, die am königlichen Hose im Laufe des Winters stattfinden. 1. Januar: ReujahrSgratulation beim Äaiserpaar. 17. Januar: Fest des Hohen Ordens vom Schwarzen Adler. 19. Januar: KrönungS- und OrdcnSfcst. 21. Januar: Große Cour für das diplomatische Korps, für sämtliche Damen und für die Herren vom Zivil. 23. Januar: Militärcour. 27. Januar: Gcburtsfcst deS Kaisers. Die Hofbälle folgen dann an den nächsten Mittwochen, der Fastnachtsball findet am DienS- tag, den 3. März, statt. Gleichzeitig mit dieser Liste läßt der Obcrhofmarschall Graf A. zu Eulcnburg die übliche Hofansagc für die Neujahrsgratulation beim Kaiserpaarc ergehen. Die an- läßlich des Todes der Königin-Witwc Karola von Sachsen an- gesetzte Hoftrauer wird für den 1. Januar abgelegt. Das werden schwere Tage werden für die Hofgesellschaft. Nahezu fünfzig Jlnföllc sind am Freitag nachmittag und am Abend infolge deS Schneefalles in den Straßen Berlins herbei- geführt worden. Die Schneeflocken riefelten nur langsam nieder und dadurch wurde auf den Bürtzersteigen und auch auf den Fahr- dämmen eine Glätte hervorgerufen, die für die Passanten außer- ordentlich gefährlich werden sollte. lieberall sah man ans den Straßen Pevsonen stürzen, und leider sollten eine große Anzahl der Unfälle einen recht verhängnisvollen Verlauf nehmen. In die Rettnugswacheil und Unfallstationen wurden etiva fünfzig Per- sone» eingeliefert, die bei der Glätte erheblich zu, Schaden gc- kommen waren. Zum weitaus größten Teil hatten sich die Ver- unglückten Arm- und Beinbrüche zugezogen. Unter den Verletzten befindet sich auch der Pfarrer Rosenberg von der Kaiser Wilhelm- Gedächtniskirche. Herr R. glitt am Kurfürstendamm aus und stürzte so unglücklich, daß er sich zweimal den linken Oberarm brach. Auf einzelnen Stationen hatien die Acrztc und Heil» gehülfen fortwährend zu Fall gekommene Personen zu verbinden. Die Hauptschuld an den zahlreichen Unfällen trägt wohl der Um- stand, daß zu Beginn des Schneefalles so gut wie gar»licht gestreut lvurdc. Erst in den späten Nachmittagsstunde» bequemten sich die meisten Hausverwalter dazu, die Anrgerstcige mit Sand oder Asche zu bestreuen. Auch am gestrigen Vormittag kamen wieder mehrere Passanten beim Ausgleiten auf den Bürgcrstcigen zu Schaden. Durch den starken Schneefall find vorgestern auch empfindliche Stockungen im Berliner Straßenverkehr hervorgerufen worden. Es wurde den Pferden außerordentlich schwer, die Fuhrwerke in dem Schnee vorwärts zu bewegen, und vielfach konnte man bc. obachten. daß die Tiere gänzlich abgemattet mitten auf den Gleisen stehen blieben und nicht von der Stelle zu bewegen waren. Die Omnibusse wurden zum Teil mit Vorspann versehe», und auch bei den Lastfuhrwerken mußte die Bespannung verstärkt werde,?. Im Straßenbahnbetricbe mußten die Salzstrcuwagen in Aktion treten. DaS'fingierte Eiscnbahnattentat bei Karlshorst vor Gericht. Vor dem Schöffengericht in Köpenick ivurde gestern das fingierte Eisenbahnattentat bei Karlshorst, worüber wir seinerzeit berichteten, verhandelt. Bekanntlich hatte der Hülfsiveichenstellcr Richard Gclling ans Köpenick angegeben, daß er beim Abgehen der Strecke zwischen Sadowa und Karlshorst von zlvci Männern, die es auf ein Eisen» bahnattentat abgesehen haben sollten, überfallen worden war. Im Laufe der Untersuchung gestand G. dann cni, daß er soivohl den Uebcrfall als auch den angeblichen AttentatSveriuch fiiigim habe, um sich dadurch in ein günstiges Licht bei der Elsenbahnverlvatlung zu stellen. Gesten» stand er nun lvegen groben Unfugs vor dem Schöffengericht. Er wurde zu Zwei Wochen Gefängnis der- urteilt. Aus dem Dienst war G. schon damals entlasten worden. Wieder eine Verzweiflungstat. Durch Arbeitslosigkeit in den Tod getrieben wurde der 28 Jahre alte Mechaniker Hermann Kieler aus der Man- teuffelstr. 20. Ä. hatte vor etwa drei Wochen seine Stellung ver- loren und seitdem suchte er vergeblich nach neuer Beschäftigung. Er geriet mit seiner Familie in die gröstte Notlage. In der Lcr zweiflung griff der Unglückliche zum Strick. Während seine Frau gestern abend die Kinder zu Betr brachte, erhängte er sich in der Küche am Türpfosten. Bei der Rückkehr der Frau war der Lebens- müde bereits tot._ Der Polizeipräsident veröffentlicht folgende Warnung: In hiesigen Zeitungen wird von dem Hierselbst Friedrichstr. IIS wohnhaften Gr. Lindekuh das Mittel Meseinbryanthenium gegen Menstruations- sloruiigen usw. angepriesen. Das aus der gepulverten Römischen und gemeinen Kamille bestehende, durch geringe Mengen von Gras bestandteilen und Samen verschiedener Art verunreinigle Mittel wird zu dem Preise von 10 M. verkauft, während sein wirklicher Wert etwa 80 bis 40 Pfennige beträgt. Vor Bezug dieses Mittels, dem die ihm beigelegte Wirkung nicht innewohnt, und dos ebenso wie alle ähnlichen unter anderen Namen angepriesenen Menstruations Pulver lediglich auf Ausbeutung leichtgläubiger Frauen berechnet ist, lvird hiermit gewarnt. Im Zeichen des Verkehrs. Aus Aulaß der am 1. Januar 1908 im königlichen Schlosse stallfindenden Gratulalionöcour, des Salut schiestenö im Lustgarten und der großen Paroleausgabe im Zeug' Hause werden von etwa 10 Uhr vormittags ab bis nach Beendigung der Feierlichkeiten— elwa gegen 1 Uhr nachmittags— die Kaiser Wilhelm- und die Schloßbrücke, der Lustgarten, die Schloßfreiheit und der Platz am Zeughause für Fuhrwerke, Reiter und Fußgänger lach Bedark gesperrt werden. Im wissenschaftlichen Theater der Urania gelangt in dieser Woche allabendlich der neue, mit zahlreichen faroigcn Bildern und Wandelpanoramcn ausgestattete Vortrag„Kairo und die Phra midcn" zur Darstellung. Um auch den Schulkindern Gelegenheit zu geben, während der Ferien die Urania zu besuchen, finden täglich um 4 Uhr Nachniiltagsvorstellungcn zu kleinen Preisen statt, und zwar werden nachstehende Vorträge gehalten werden: Sonn- tag, Mittwoch und Sonnabend„Frühlingstage an der Riviera"— Montag und Donnerstag„Sizilien, Lebens- und Naturbilder aus klassischen Städten"— und Dienstag und Freitag„Am Golf von Neapel". Die Unterrichtskurke für Arbeiter der Freien Studentenschaft bcrmi stalten für ihre Hörer am heutigen Sonntag, den 20. Dezem her, nachmittag» 6 Uhr, in den Zentralfestsälcn. Alte Jakobstr. 32, einen Äunstabend:„Weihnachten. Ein Märchenabend für Groß und Klein". Milwirkende: Maria Holgers Kündigungsfrist und Feiertage. Eine jüngst getroffene Entscheidung des Reichsgerichts bestätigt, daß der Wortlaut des§ 193 des Bürgerlichen Gesetzbuches(Ist an einem bestimmten Tage oder innerhalb einer Frist eine Willens- erklörung abzugeben oder eine Leistung zu bewirken, und fällt der bestimmte Tag oder der letzte Tag der Frist auf einen Sonntag oder einen am ErklärnngS- oder LcistimgSorle staatlich anerkannten allgemeinen Feiertag, so tritt an die Stelle deö Sonntags oder dcö Feiertags der nächstfolgende Werltag) auch ans Mietsverträge anzuwenden ist. Zu der erwähnten Entscheidung kam eS anläßlich eines RechtS- ireiteS der Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Konsumvereine in Hamburg gegen die Waren- o m m i s s i o n s b a n k in Hamburg. Die Großcinkaufs- gesellschaft hatte von der Beklagten mehrere Räume gemietet. Im ß 4 der Vertragöbesliminungen war dargelegt worden, daß jeder Teil dem anderen sechs Monate vor Ablaut der Vcrtrogszcit der Vertrag stillschweigend fortbestehe unter gegenseitiger sechs« monatlicher Kündigungsbefugnis auf den 31. März oder den 30. September eines jeden Jahres. Die GroßeinkaiifSgesellschafl kündigte mittels zweier Briefe, die der beklagten Warenkomniissions- bank am 2. April 1907 zugegangen waren, auf den 30. September 1907. Ter eine Brief war bereits am 31. März 1907 abgesandt worden. jedoch erst am 2. April in die Hände der Beklagten gekommen, weil auf den 3l. März nnd den 1. April 1907 die Osterjeiertage fielen. Die Beklagte bestritt die Rechtzeiligkeit der besagien Kündigung Ivcgen NichteinhalUing der sechsinonailichen Frist. Während das Landgericht Hamburg den Standpunkt der Bcklagien vertrat lind die Klage abwies, erkannte das Oberlandesgericht Hamburg dahin, daß die Kündigungsfrist als innegehalten zu betrachten und die Kündigung deshalb auf den 30. Sepien, ber 1907 rechtswirksam sei. Das Oderlandes- gericht gründete fei» Urteil aus de» angeführten§ 193 B.@.«33. Der dritte Zivilsenat des Reichsgerichts er« kannte auf Zurückweisung der Revision, indem er darlegt, daß die Kündigung immer spätestens am 31. März oder 30. September für das andere Halbjahr zu erfolgen halle, der § 193 des Bürgerlichen GesetzbluticS aber rechtmäßig vom Ober- landcSgericht angcwandt�ivorden sei. Der BernfungSrichter habe bei seiner Beurteilung der Sachlage auch erwogen, ob nicht etwa die AuSlegungövorschrift des§ 193 des Bürgerlichen Ge'etzbuche« durch abioeichenden Parteiwillen ausgeschlossen worden sei. Dies wäre z. B. der Fall gewesen, wenn die Parteien gewollt hätten, daß die Monate zivischeu geschehener Kündigling und Veriragsende unter allen Ilm ständen unverkürzt ablauten sollten. Einen solchen Parteiwillen ließe jedoch— wie der BerufungSrichter unanfechtbar festgestellt habe— der Verlrag nicht erkennen. Haftung deö Gastwirtes für Verkehrssicherheit. Während der Abivesenheit dcö Gastwirts K. am Brühl zu Leipzig von seiner Wirtschaft brachten Bierfahrer das von K. bestellte Bier und schafften dieses, nachdem sie von den Angestellten des K. den Schlüssel erhallen hatten, i» den Keller. Die Bierfahrcr hatten den Kellerein gang aber nicht genügend verivahrr und kam infolgedessen der Buchhalter Kaiser auö Leipzig, der den un- verwahrten Kellereingang für den gleich dahinter liegenden Wirlschafiseingang hielt, zu Schaden. Kaiser behauptet, infolge des Unfalles dauernd erwerbsunfähig geworden zu sein, und niachls nun den Gastwirt K. hierfür veraniworilich, weil dieser schuldbafter- weise nicht dafür gesorgt habe, daß während der Einbringung des Bieres durch die Bieifahrer der zur Kelleröffuung führende Ein- gang verivahrt worden sei. Landgericht L e i p z i g und O b e r l a n d es g er i ch t Dresden traten dieier Auffassung bei, indem sie annähme», daß der beklagte Gastwirt sowohl gegen den Abs. 1 dcS§823 deö Bürgerlichen Gesetzbuches wie gegen Absatz 2 in Verbindung mit§ 367 Ziffer 13 deS Strafgesetzbuches verstoßen habe. Da sie aber weiter annahmen, daß auch ein Verschulden deS Klägers bei dem Unfall mitgewirkt habe, io verurteilten sie den Gastwirt nur zur Tragung des Schadens in Höhe von drei Vierteilen. Dieses Urteil wurde vom Beklagten durch Revision� an- gegriffen und gerügt, daß bei Bewertung der verkehrswidrigen Sorg- losigleit des Beklagten dieser zum mindesten darüber hätte beftagt werden müssen, ob er das Kommen der Bierfahrcr in seiner Abwesenheit habe voraussehen können. Das Oberlandesgericht hatte eine Verurteilung des Beklagten eintreten lassen, weil dieser gar nicht behauptet hatte, daß er ein Kommen der Bierfahrcr in seiner Abivesenheit nicht habe voraussehe» können. Im übrigen war das Berufungsgericht davon ausgegangen, daß es Pflicht des Beklagten war, für einen solchen Fall der Bierabliefening die nötigen Vor- lebrunge» zu treffen und Anweisungen zu erteilen. Der s e ch st e Zivilsenat des Reichsgerichts erkannte auf Zur ii ck- Weisung der Revision deS Beklagten, indem er ausführt, daß die Revision irre, wenn sie meine, nicht der Beklagte, sondern der Kläger hätte behaupten und beweisen müssen, daß der Beklagte die Ankunft der Bierfahrer während seiner Abwesenheit hätte vor- aussehen können. Gegenüber dem festgestellten Sachverhalt, daß an einem Orte, an dein Menschen verkehren und über den der Bellagte die Ver- fügnng hatte, ein gefahrdrohender Zustand bestand und zwar infolge einer Verrichtung, die der Betrieb des GastwirtSgewerbeS mit sich bringt, und die auch in Abwesenheit des Gastwirts vorgenommen zu werden pflegt, wäre es Sache dcö Beklagten gewesen. Umstände dar- zulegen, aus denen sich ergeben würde, nicht bloß, daß diese Ver- richtung nicht mit seincin Wissen geschehen, sondern auch, daß er sie nicht habe voraussehen können. Eins der frauenbeivegung. Tie Arbeiterin. Das Organ der süddeutschen katholischen Arbeitermuc»b creine „Tie Arbeiterin" bringt in einer AbonnementSeinladung sich selbst ein voll gerüttelt Maß Lob dar. Unter anderem heißt eS dort: Gerade unsere katholischen und christlichen Arbeiterorgaire sind eS, die bei ihrem energischen Eintreten für die gerechten For- dcnmgen der Arbeiterschaft auf der anderen Seite dahin streben, daß die gesteckten Ziele auf schiedlich- friedlichem Wege erreicht werden. Ii, ganz besonderer Weise tut dies euer Verbandsorgan dadurch, daß es feine Leserinnen aus die brennend steil Punkte in der Arbeiterinnensrage ausmerlsam macht. Was nicht zu leugnen ist! Zu den brennendsten Punkten gehört die ungeheuerliche Lebenömittelleuerung! DaS Blatt nimmt auch Notiz davon. Aber nicht elwa in folgender Weise: Die LebenSmittelteuertma ist in hervorragender Weise eine Folge der deutsche» Zollpolittl. Für diese ist iii erster Reihe das Zentrum verantwortlich. Ohne die Mithülse des Zentrums wäre» die neuen Zollsätze nicht zur Geltung gekommen. DaS Zentrum will von der Teuerung, von der Nor des Volkes nichts wissen, darum verhinderte es die Fortsetzung der Debatte über die LebenSmittelleuening im Reichstag. Das Zentrum will dem armen Volke nicht helfen, darum sprach sein Redner gegen Aus» Hebung der das Brot verteuernden Zölle. Für die weitgehendste» Forderungen der Junker setzt das Zentrum stets seine ganze Macht ein und der Agrarier Wünsche werden erfüllt. Stehen Arbeiter- forderungen auf der Tagesordnung, dann ist das Zentrum sehr. sehr bescheiden, dann kann es nie etwas erreichen. Der größte Feind der Arbeiterschaft ist das heuchle» ische gentium. Wie gesagt, so schreibt die„Arbeilerin" nicht, wie sie ttm müßte, wenn sie den Leserinnen sagen wollte, was ist. Da der Zweck die Mittel heiligt, soll den katholischen Arbeiterinnen die Lebensmittel- teuerung als unabwendbares Geschick erscheinen. Die„Arbeiterin" weiß sich anders keinen Rat, als den Leserinnen, die mit jedem Groschen rechne» müssen, die Anschaffung eines Küchen- und Wirt- schaftskalcnders zu empfehlen. Und das spreizt sich als Vertreterin von Arbeitelinneninteressen, und ist doch nichts anderes als eine Schutz- garde fiir die Volksbeivncherer. Bannherzigkeit oder Gerechtigkeit? Die außereheliche Mutterschaft ist ein Schandfleck! Von tankend frommen Lippen tönt es iniiner lvicder. Und immer Ivieder über- iviuden sich tausend erbarinnngSvolle Herzen auö christlicher Nächsten- liebe den„Gefallenen" und„Verlorene»"„Hülfteich" zu sein. Und schönten sich nicht, im Dienste dieser Nächstenliebe und wohl aus- gerüstet mit den, pharisäischen Hochmut dessen, der sich hoch erhaben suhlt über„solchen Schmutz", die imglücklichen Opfer ihreü Wohl- ttm» in den Staub der Demut und schweigenden Ernirorigung z» treten. Und fühlen die Verantwortliug nicht, die sie, diese geheiligten „Stützen der Gesellschaft" für alle die Zilstände trifft, die zur außer- ehelichen Mutterschaft und von da auf schlüpfrige»» Pfade nur allzu» leicht zur Proslitntion führen. Wie haben sie'S gut, avc diese„barmherzigen" Frauen und Töchter. Wohlbehiitct wachsen sie heran. Die Pforten der Bildung öffnen sich weit für sie, und lockender Lebensgenuß umschmeichelt sie überall. Keine Arbeit beschmutzt ihre Finger, keine Sorge umwölkt ihre Stirn. In harter Fron verbringen die Annen ihre Tage, als� eine unendliche graue Ocde liegt daö Land ihrer Zukunft vor ihnen. Und jung sind sie doch auch. Und wenn sie am Abend von der Arbeit heimkehren, sehen sie doch auch die blitzenden Spiegel- scheiben der Prachtauslagen und alle die Herrlichkeiten, die da auf gestapelt sind. Aus den hell erleuchteten Gärten und Restaurants tönt ihnen Musik und fröhliches Stimmengewirr entgegen. Und auch ihnen umschmeichelt der FrühlingSwind Sinne und Seele. Und wenn sie für eine kurze Stunde des Glückes mit dem Elend vieler Monate oder vielleicht eines ganzen langen Lebens ge- zahlt haben, dann kommt das Pharisäertum der Barmherzigkeit, schmettert sie hinab auf den Grund der tiefsten Verachtung, bevor es ihnen hilft, faltet die Hände und spricht!„Herr Gott, ich danke dir, daß ich nicht bin wie jene!" Und ihre Schmähung ersteckt sich erst recht auf jene, die an Stelle der christlichen Barniherzigkeit die soziale und ethische Gerechtigkeit setzen wollen. Jenes Menschentums, das da sagt: So wie die Religion, ist auch die Ordnung der geschlechtlichen Beziehungen die unverletzliche, keiner fremden Kritik oder Einmischung unterstehende Privatangelegenheit eines jeden. Soweit der Staat dabei interessiert ist. das heißt, als berechtigter Sachwalter des volklichen Fort- beftandes und Gedeihens, hat er das Recht und selbst die Pflicht, durch Schaffung vernünftiger Ehcgesetzc ordnend in die Geschlechts- sphäre einzugreifen. Und weiter: Man kann auf dem Standpunkt stehen, daß Ehe und Faniilie, d. h. also die eheliche Mutterschaft, den Gatten sowohl wie auch den Kindern weit bessere Garantien und Entwickelungs- Möglichkeiten in körperlicher, geistiger und sittlicher Beziehung bieten, als die flüchtige außereheliche Geschlechtsverbindung. Diese Ansicht darf uns aber nicht dazu verleiten, das Verhalten jener, die sich der Familiengemeinschaft entzogen haben, von vornherein als sittlich minderwertig zu charakterisieren. Wer aus Temperaments- oder irgend lvelchen Zufallsgründen zum Bruch mit der bestehenden Ordnung kam, oder wer glaubt, von der Sicherung absehen zu sollen, die Staat und Gesellschaft in Forin rechtlicher Ordnung den Geschlechts- bezichungen gegeben haben, der hat das zumachen. Eines aber ist sicher: Die Frau, die einem vaterlosen Kinde das Leben gibt, hat ein Recht auf den Schutz und die Hülfe der Allgemeinheit. Nicht Barmherzigkeit muh ihr werden, sondern Ge rechtigkeit. Wenn eine solche Mutter sich tapfer zu ihrem Kinde bekennt und alle die Sorgen und Lasten trägt, die sonst der Familiengemeinschaft auferlegt sind und von gar vielen Damen aus den Mann, soweit die ökonomische Versorgung in Betracht kommt, auf Dienstboten und Schule, soweit es sich um Pflege und Erziehung handelt, abgewälzt werden, dann ist die außereheliche Mutter achumgswerter als die uichtstuerische Ehcdrohne. Die bekannte Frauenkennerin George Egerton sagt in ihren Tiffonanzen; „TaS einzig Göttliche im Weibe ist der mütterliche Instinkt. Jede guw Eigenschaft, die das Weib besitzt, geht daraus hervor oder kann nur vereint mit diesem Gefühl bestehen. Unterdrückt man eS. so wird es wie ein Gift, das alles Gesunde und Gute in ihrer Natur vernichtet. Ich habe oft gedacht, daß ein Mädchen, daö einem unehelichen Kinde das Leben gibt und sich tapfer bc- müht, es gut aufzuziehen, ehrenhafter handelt als die verheiratete Dame ans der guten Gesellschaft, die auf allerlei Mittel sinnt, um sich der Mutierschaft zu entziehen..... Sie bleibt dem edelsten Empfinden ihres Wesens, dem tiefeingewurzcltcn Gattniigsinflinkt. dem Mutterdrang treu, der sie hoch erhebt über alles Tierische und die erhabenste Uneigennützigkcit und Hingebung in ihr zur Entfaltung bringt." Da aber kommen die Satten, denen daö Leben mit jedem anderen Glilck auch das der Mutterschaft gegeben, und es konmicn die an Geist. Gemüt und Leib gleich Unfruchtbaren, denen selbst der Wunsch und Wille zur Mütterlichkeit fehlt, und maßen sich an. un- umsiößliche Vorschriften darüber zu erlassen, wann, wo und wieso der mütierliche und der Geschlechtsinstinkt des Weibes sich geltend inacheit dürfe. Gerade die durch die Fülle der Gaben Bedachten, die sollten aufstehen und das Glücksrecht ihrer enterbten Schwestern fordern und verteidigen bis zum letzten Atemzuge. Fort mit dem Pharisäertum! Nicht Barmherzigkeit, sondern Recht und Gerechtigkeit den Rechtlosen! Ordnung den Geschlechts lediglich mit sich aus- Mocden-Spieiplan der ßcrliiicr Cbeater. Königk. Oprrntiaus. Sonntag: Meistersinger von Nürnberg. Ans. 7 Uhr. Montag: Mignon. Dienstag: Der Postillion von Lonjumeau. Ans. 7 Uhr. Mittwoch: rUvabro parö. Aida. Ans. 8 Uhr. Donnerstag: Therese. Lajazzi. Freltag: Salome. Ans. 8 Uhr. Sonnabend: Carmen. Sonntag: Madame Buller fly. Montag: Aida. l. Schauspielhaus. Sonntag: Die Rabenstemerln. Montag: lerllchingen. Ans. 7 Uhr. Dienstag: Der Schwur der Treue. Prinz Friedlich von Homburg. Donnerstag: Die Raben- Freitag: WallcnslelnS Lager. Die Piccolomint. Sonnabend: '~' Sonntag: Viel Lärm um Nichts. Montag: Der ge- siegsriedä Tod. Köni Götz von Mittwoch: ftcwerin. WallcnsleinS Tod hörnte Siegsiied. Neues königt. Lpern Theater. Sonntag: Wie die Allen srntgen. Ansang 7 Uhr. Mittwoch: Iphigenie aus TauriS. Sonntag, den b. Januar: Figaros Hochzeit. Anfang Uhr. Ternsches Theater. Sonntag, Montag, DicnZtag, Mittwoch: SSaS ihr wollt. Don»crStag: Ein SommernachtStraum. Freitag, Sonnabend, Sonntag, Montag: Was ihr wollt. TeutscheS Theater< K a m m e r s p i e I i). Sonntag: GygeS und lein Ring. Montag: Katharina. Gräsin von Armagnae. Dienstag: Liebelei. Mitschuldigen. Ans. 7°/. Uhr. Miiiwoch: Frühlings Erwachen. Donnerstag: Wespenster. Freitag: Frühlings Erwachen. Soimabend: Esther. Elektra. Sonniag: Liebelei. Montag: Frühlings Erwachen. Berliiicr Theater. Allabendlich: Blaubart. Sonnabendnachmiltag ll Uhr: Till Eutcnipiegel. Lessiug-Thcatrr. Soimtaguachmittag ö Uhr: Die Weber. Abends: Die gelbe Nachtigall. Montag: Der Bund der Jugend. DlcnSt-ig: Die gelbe Nachtigall. Mittwoch: Die Etüden der Gesellschaft. Nachmittags : Uhr: Roseumontag. Donnerstag: Die gelbe Nachtigall. Freitag: Der Biberpelz. Sonnabend: Nora. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Die versunkene Glocke. Abends: Die gelbe Nachtigall. Montag: Die Witdentc. Anfang Uhr. Neues Theater. Allabendlich: Baccarat. Neues Schauspielhaus. Sonntag: Zwilchen Ja und Nein. Montag: Zar Peter. Ans. i'h Uhr. Dienstag bis Sonntag: Zwischen Ja und Nein. Montag: Judith. Donnerstag- und Sonnabendnachmiltag 3 Uhr: Frau Holle. Kleines Theater. Jeden Abend: Mandragola. Heute nachmittag 3 Uhr: Ein Puppcnhcun. Miltwochnachmittag 3 Uhr: Maria Magdalcne. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Nachtasyl. Trianon-Theatcr. Sonntag und solgende Tage: Fräulein Josette— meine Frau. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Cyprienne. Mittwoch- und nächsten Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Gastons Frauen. Komische Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: HofsmannS Erzählungen. Abends: Tiefland. Montag: Tiesiand. Dienstag: Die verlauste Braut. Ans. 7 Uhr. Mittwoch: Tiestand. Nachmittags 3 Uhr: Carmen. Donners- tag: Dtr vcrkauste Braut. Freitag: Tiestand. Sonnabend: Die verkaufte Braut. Sonnlagnachiniltag 3 Uhr: HofsmannS Erzählungen. Abends: Tiefland. Montag: Die verlauste Braut. Tbcater dcS Westens. Jeden Abend: Ein Walzcrtraum. Heute, Mittwoch- und' nächsten Sonntagnachmittag Lst. Uhr: Die lustige Witwe. Sonnabendnachmiltag 4 Uhr: Hansel und Grete!. Lilslsplelhll»s. Allabendlich: H ufarensieb er. Heute nachmittag 3 Uhr: Unsere Kätc. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Pension Schöller. Sonnabend- nachmittag 3 Uhr: Peter Gcrneklein. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Unsere Käle. Schiller-Theater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Kaiscrjäger. Abends und Montag: College Crampton. Dienstag: Philister. Die Lore. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Wilhelm Dell. Abends: Philister. Die Lore. Donnerstag: Der Revisor. Freiing: Philister. Die Lore. Sonnabend: Der Revisor. Sonnlagnachinitlag 3 Uhr: Das Glück im Winkel. Abends: Die Schmuggler Montag: Philister. Die Lore. Schiller- Theater Charlotlenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Richter von Zalamea. Abends: Der Revisor. Montag: Der Revisor. Dienstag: Kollege Crampton. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Abends: Kollege Crampton. Donnerstag: Der Richter von Zalamea. Freitag: Der Richter von Zalamea. Sonnabend: Kollege Crampton. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Heimat. Abends: Kollege Crampton, Montag: Der Richter von Zalamea. Friedrich- WilhelmstädtlschcS Schauspielhaus. Sonntagnach- mittag 3 Uhr: Nalhan der Weile. Abends.' KriemhildS Rache. Montag, Dienstag: Madame«ans Gsnc. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Jugend von heute. Abends: Madame Sans Könc. Donnerstag, Freitag: In Ver- lreluilg. Sonnabend: Madame Sans Gene. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Nathan der Weise. Abends: Madame Sans Gene. Montag: In Bcr- tretung. Residcnz-Theatcr. Soillliagllachmittag 3 Uhr: Der Schlafwagen- Kontrolleur. Abends und folgende Tage: Ganz der Papa. Mitlwochnach- mittag 3 Uhr: Eine Hochzeitsnacht. Zeutral-Theater. Allabendlich: Frau Warrens Gewerbe. Sonn- tagnachmittag 3 Uhr: Die Geisha. Montagnachmittag 3 Uhr: Prinzessin Goldlraut. Mittwochnachmiltag 3 Uhr: Die Geisha. Somiabendnachmittag 3'/. Uhr: Schnecweißchen und Rosenrot. Sonntag, dm 5. Januar, nach- mittag 3 Uhr: Die Geisha. Thalia-Thenter. Sonntag, den 2g. Dezember, nachmittags 3 Uhr: Ihr liscchsuhr-Onkel. Abends und folgende Tage: Die aclbe Gefahr. Mittwochnachmiltag 3'/, Uhr: Staatsanwalt Alexander. Sonntag, den 5. Januar, nachmittags 3 Uhr: Bis srüh um Fünse. Montag: Onkel Bräsig. Lortiing- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Freischütz. AbendS 8 Uhr: Die Zauberslöte. Montag: Zar und Zimmermann. Dienstag: Der Trompeter von Säkkingcn. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Undinc. Abends: Die Zauberslöte. Donnerstag: Der Troubadour. Freitag: Die Entführuiig aus dem Serail. Sonnabeildnachmittag ä'l-, Uhr: Rumpelstilzchen. Abends: Der Trompeter von«ällingen. Sonntagnach- mittag 3 Uhr: Der Troubadour. Abends: Die Zauberflötc. Montag: Die lustigen Weiber von Windsor. Lutien-Theater. Soimtaguachmittag 3 Uhr: Die Ahnsra». AbendS: Amcrikasevpel. Montag: Krieg im Frieden. Dienstag: Geschlossen. Milt- wochnachmiltag 3 Uhr: Berlin wie cS weint und lacht. Abends: ZirkuS- leute. Donnerstag: Die Geisha. Freitag bis Montag: Zirkusleute. Sonnabendnachmittag 4 Uhr: Frau Holle. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Romeo und Julia. Bernhard Rose- Theater. Sonntag, Diensiag, Mittwoch, Freitag, Sonnabend und Sonntag: Die Verlobung im Bett. Die oberen Zehn- tausend. Montag: Der Hüttcnbesitzer. Donnerstag: Tic Bluthochzeit. Solmtagnachmitlag 3 Uhr: Die Frau Kommerzienrat. Mitlivochnachmittag 3 Uhr: Der Hüttcnbesitzer. Sonnabendnachmütag 4 Uhr: Sncewtttchcn. �' zpbratcr an 8er Sprer� Sonntagnächnüitag?kkhr: Am grünen Weg. ds und solgende Tage: HvkuSpokuS. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Der Abends und solgende Tage: HvkuSpokuS. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Aktienbudiker, sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Altienbudiker. Aietropol-Theatcr. SonntagnachmittagS 3 Uhr: Die Herren von Maxim. Allabendlich: Das mutz man seh'n! Mittwoch- und nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Herren von Maxim. Bvöllo-Theaier. Sylvester Schässcr Siegw. Gentes. Spezialitäien. iilb 1. Januar: tzhmack. La belle Alexia. Heute, Mittwoch- und nächsten Sonntagliachmittag 3'/, Uhr: Familienvorstellung. Waihalla-Thearcr« Spezinlikäten. Pasiagc-Thcatcr. Allabendlich: Die singenden EngelSköPse. Spe- zialitölcn. Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. Casino-Thratrr. Allabeuditch: Biedcrlcute. Heule nachmittag 4 Uhr: Ein Sohn des Volkes. Mutwochuachmitlag 4 Uhr: Singvogelchen. Der Blumcnstrautz. Nächsten Sonntagnachmittag 4 Uhr: Rick Carter. Gebr. Herrnfeld- Theater. Allabeiidlich: Papa und Genossen. Heute und MittwochnachmittagS 3 Uhr: Die Meyerhaiiis. Figaro- Theaier. Allabendlich: Paris. Die Klaue. Unterm Bett. Reichshalle«- Theater. Allabendlich: Stetttner Sänger. Folie» Eaprice. Allabendlich: Mal was anders. Dunkle Punkte. Eine anständige Frau. Prater-Thcatcr. Sonntag und Mittwoch: Der Mann im Monde. Montag: Zwischen zwei Herzen. DoilnerStag: Othello. Freitag: Onkel Bräsig. Heute nachmittag 3 Uhr: DaS Opjerlamm. Mittwochnachmittag 3 Uhr: DaS Kätbchcn vo» Heilbroim. Parodic-Thraier. Sonntagnachmittag 3'/. Uhr: Wilhelm Tcll. Zapsenstrcich. Allabendlich: Zapsenstreich. Tailllhäuscr. Monna Vanna. Nächsten Sonntagnachmittag 3'l3 Uhr: Wiyclm Tcll. Zapscilstreich. tlrilllia-Theairr. Taubcmlratze 48/49. Jeden Abend: Kairo und die Pyramiden. Heute. Mittwoch- und Sonnabendnachmittag 4 Uhr: Frühlings- tage an der Rivicra. Montag- und Donnerstagnachmittag 4 Uhr: Sizilien. Dienstag- und Frcitagnachmittag 4 Uhr: Am Golj von Neapel. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62. ßriefkaften der Redahtion. Tie juristisch- Evrechstlilide studct Liudellstraste Nr. 3, zweiter Hos, dritter Eingang, vier Treppen, lllM" Fahrstuhl~QMI wochentäglich von 7tz, bis u>/, Ilhr abend? statt. Gcölslir« 7 Uhr. eonilabends beginnt die Sprechstmidc nm«»Hr. Jeder Anfrag?«lt riu Buchstabe nud cine Kahl als Mertzciche» bcizuiiige». Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage mau in der Sprechstunde vor. P.<2. 13. Selbstverständlich ist der AnStrctendc �berechtigt, Kirchhöfe zu besuchen, welche er will.— Wissen ist Macht. 1. Ja. 2.?luS sicherheltspolizellichen Gründen bcr Baupolizei. 3. Nein.— C. 2. SV. Nein, tzinderiüsse werden Ihnen nicht in den Weg gelegt. Nur werden Sie nach dreimonatlichem Hiersein zu den Steuern herangezogen.— Steuern IS. Zweckmätzig ist es, vor der Heirat einen Ehevertrag zu schlietzen, in dem der Bräutigam daS Eigentum seiner Braut anerkennt und aus sein Vcrwaltnngs- und NietzbrauchSrccht verzichtet. Ein solcher Bertrag mutz notariell ge« schlössen werden.— H. N. SS. Nach tz 59 und kl der Laudgemelnde- ordnung werden eine Woche vor dem Wahltage die in der Wählerliste ver- zeichneten Wähler durch den Gemeindevorftcher mittels ortsüblicher Bc- laniitmachung zu den Wahlen berufen. Die Bekaimtiiiachung muh den Raum, den Tag und die Stunden, in welchen die Stimmen bei dem Wahl- vorstände abzugeben sind, genau bezeichneu. Jeder Wähler mutz dem Wahl- vorstand mündlich zu Protokoll erklären, wem er seine Stimme geben will. Die Wählerliste ist vorher in dem Zeitraum vom 15. bis 30. Januar auö- zulcgeli. Zur Wahl werden nur die berufen, die in der Wählerliste ver- zeichnet stehen. Während der Ausleguiig der Wählerliste kann jeder Stimm- berechtigte gegen die Richtigkeit der Liste bei dem Gemeindevorsteher Ein- spruai einlegen. Demnach ist das von Ihne» beschriebene Verfahren un- zulässig. Zwingen können Sic die Gemeindevertietung zu einer Verlegung der Wahizcit nicht, wohl aber mit Aussicht aus Erfolg einen dahin ge- richteten Antrag stellen.— M. W. Lim 31. Dezember d. I. ist es verjährt. — A. K. S. 1. Die Teilung unter den Erben geschieht nicht in der Weife, datz nur ein Teil des Nachlasses zur Teilung gelangt, sondern der gcsanite Nachlatz bildet die Tcilungsmasse. Zum Nachlatz gehören alle Aktiva und Passiva(wirklich Vorhandenes und Schulden). Nicht das Eingebrachte. sondern ivas vom Eingebrachten noch übrig war, gehört zum Nachlatz, auch die Beerdigungslosten gehören zu den Nachlatzschulden. 2. Da das Kind vor der Mutter vecstorbcu ist und ein Testament nicht vorliegt, so würde Ihnen als Witwer die.Hülste des Nachlasses zustehen. Außerdem erhalten Sie als voraus alle zuin ehelichen Haushalt gehörigen WirtschafiSgegen- stände sowie die HochzeitSgeschenkc. Die danach vervleibende Hülste fällt den Eltern Ihrer verstorbenen Frau oder, salls solche nicht mehr leben, den Geschwistern der Verstorbenen zu.— A. F. S7. sie irren sich. — 91.®. 109. Etwa 10 M.— E. H. S. Ob im Einzelfall für HauS- rciniger Jnvalidenmarken zu kleben sind, richtet sich nach dem Inhalt des Vertrages, in Zweiselsällen erteilt die Versicherungsanstalt Auslunst.— A.-VI, i» A. 1. und 2. Unseres Erachtcns nein.— Z, G. 02. Ja.— 51<£. Der Antrag ist an das Amtsgericht des Wohnsitzes des Bc« treffenden zu richleii.— H. G. 072. Lbne Kenntnis des Einzelfalles ist bea — A. K. 105. Falls die Betreffenden Erben geworden sind, so hasten sie nach Kräften des Nachlasfes siir die Schulden desselben.— P.®. 25. 1. Wiederholen Sie die'Anfrage unter Angabe, wie alt daS Kind ist und welche Beschäftigung Sie meinen. 2. und 3. Nein. 4. Die mündlich oder schristlich gelroffcne Abrede über Ausschiutz der Kündigungsfrist ist gültig.— I. 2. Rixdorf. GerichtStostcn verjähren in Preutzen in 4 Jahren nach Ablauj des Jahres, in dein sie fällig gewesen sind, oder in dem zuletzt Zivangsvollslrcckungsversuch stattgesunden hat.—<£, F. 64. Jede Kirche setzt ihrerseits sest, von welchem Betrage an sie Steuer erheben will. Die katholische Kirche erhebt von 1200 M. Einkommen an Steuer.— P. P. 91. T. 016. Sie erhalten von der Obcrpostdirektion aussührlichcn Bescheid, auch die Anstellungsbedingungen aus Wunsch zugesendet.— 9870. Nein. — Kulmbach 199. S 9 des Tarifvertrages ist keineswegs ungültig. Die Ansicht des Gcwcrbegcrichtsvorsitzenden, datz er gegen Z 122 der Gewerbeordnung verstotzc, ist irrig.— F. M. 30. Eine Strafanzeige wäre nicht ganz ohne Aussicht aus Erfolg.— W. St. 32. Ihnen steht nach dem von Ihnen Dargelegten ein Erbrecht nicht zu.— W. 100. 1. und 2. Nein. 3. Ja, salls nicht das Gegenteil im Vertrage vereinbart ist.— T.®. 1. lind 2. Beantragen Sie bei dem'Amtsgericht, in dessen Bezirk Sie wohnen, Ihnen einen AilScinandersctzungSschcin zwecks Wiederverheiratung zu er- leileii. 2. Geburtsurkunden, Heiratsurkunde, dae> init RechtStrast versehene SchcidungSurteil und der AuSciiiandersetzungsschein. Es. ist zweckmätzig, vor der Ehe einen Ehevertrag notariell oder gerichtlich(nicht Anmcldestubc) zu schlietzen. Aus Seite 22S Nr. 22 dcS dem„Aibeilerrecht" beigefügten „Führers' ist ein Beispiel sür solchen Bertrag gegeben. DaS Buch liegt den öffentlichen Lesehallen auS. Für die Kostcu macht es keinen Unter schied, ob der Bertrag gerichtlich oder notariell geschlossen wird. — P. 100. Ein Erblasser kann nach Belieben ein Teftament errichten. Während seiner Lebzeit kann dasselbe nicht angesochtcn werden. Nach seinem Tode können die PslichtteilSberechtigten(Eltern, Gatte, Kinder) das Testament anfechtcu. Dadurch, datz ein Sparkassenbuch aus sreillden Namen geschrieben wird, wird es nicht Eigentum des betreffenden. ES mütztc eilt Ucbergabeucrtrag(Schenkung, Kauf oder dergleichen) hinzutreten.— R. 3. U. U. Die auswärtige Lottcriegesellschast gilt als Schwindel- geschalt.— E. W. 1. und 2. Wenden Sie sich an den Magistrat mit einem dahin gerichteten Antrag und richten Sie, falls Ihr Antrag ab- nt werden iollle. eine Petition an die Stadtveroidnctcnversammlung. Indessen Unentgcltlichkeit besteht nicht in allen Fälle».— cit in Witterungsüberjicht vom 28. Dezember 1007. etattnai Hamburg Berlin Fraiiks.a M München Wien Wetter. Prognose für Sonntag, den 29. Dezember 1907. Veränderliches, vorwiegend trübes Frostwcltrr mit leichten Schnccjällek und mäßigen nordöstlichen Winden. Berliner Wetterbureo«. »Li c ü H I» WaisersiandsNaci, richten der Latldesanstalt für Kewäfferkundc, miigetcilt vom Berliner Wettcrbureau. Wasserstand M c m e l, Tilsit P r e g c l, Jnsterburg Weichsel, Thor» Oder, Ratibor , Krassen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Bordamm Elbe, Leitincritz , Dresden , Barby , Magdeburg am 27.12 cm. 94-) 24') 200 228 215 1763) 120 69') 73 -23 291 218 seit 26.12. cm') +14 —18 +~ +16 + 2 — 1 -13 — 7 + B + 8 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau , Rathenow") Spree, Sprcmberg BceSlow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSAl » Kaub . Köln Neckar, Heilbroim Main, Werthelm Mosel, Trier -)+ bedeutet Wuchs.— Fall.—') Untcrpcgel.—*) EiSstand. ') Aus zwei Drittel Stroinbrcite EiStrcibe».') Grundeisgang. II- Oip Preise beliebige Tell- zahlulig. Isc-obzoi,. Empfehle den Parteigenossen zum Fest 12222* Zisarren- Wein-Liköre in nur vorzüglicher Qualität und in alle» Preislagen UN, HstZMUsi. täglich verdienen Hfiitdler u. sonst geeignete Personen mit eingeführten Spezialitäten.»3/9* Prospekte gratis und franko. lahns' Teehaus, Gr. LichterfeideS. Lebeode Karpfen Pfd. 85—100 Pf. ll. 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