Ur. 304« RbonnnntnlS'Bedlngungen- Ittonnementä» PreiZ" pränumeranda i SimcljäbtL 330 Tit.. monall. 1,10 TOf, wöchenllich 28 Psg, frei ins Haus, Einzelne Nummer S Pfg, Sonnlags» numnier mi> illuilrierler Sonniaqs- Beilage.Die Neue Well. 10 Pia, Post- Abomienienl: l.lO Marl pro Monat. Eingetragen m die Poll, Zeimngs- Preislille. llmer Kreuzdand lür Teutschland und Oeslerreich» Ungarn 2 Marl, für das Ldnge Ausland 3 Marl pro Monat Pollabonnements nehmen an: Belgien, DSnemarl, Holland, Italien, Luxemburg Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweig. 84. Jahrg. vlchiln« täglich loBcr Eontagt. Verlinev Volksblertk. Ol« InfertlonS'Gebfllir Beträgt für die iechsgelpallene Kolonel- zeile oder deren Raum 30 Psg. für politische und gewerlschastlichc Vereins- und Lersammlungs-Siuzeigen 30 Pfg, „Kleine Hnrcigen", das erste ssett- gedruckle) Wort 20 Psg,. jedes weiicre Won tv Psg, Stellengesuche und Schlaf- stellen Anzeigcn daS erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort S Psg, Worte über 1b Buchslaben zählen sür zwei WoNe. gnleiale lür die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition »dgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm» Ndresfe: „SMialdcmohMt Berlin". Zcntralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SRI. 68, Lindcnstrasae 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1983. DieuStag. den BI. Dezember 1907. Expedition: SRI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1984. ZebnitundCDtag für Arbeiterinnen. Die am 22. d. M. von uns veröffentlichte und kurz be- sprochene Gewerbeordnungsnovelle bleibt hinter den be- fcheidensten Wünschen nach Sozialreform weit zurück. Statt eines grotzzügigen, von der Sozialdemokratie seit Jahrzehnten geforderten zureichenden Arbeiterschutzes für alle Kategorien für Arbeiter bietet die unter einseitiger Berüch sichtigung der Wünsche des Scharfmacherverbandes zustande gekommene Novelle kaum ein arntseliges Flickwerk für einen Teil gewerblicher Arbeiter. Der Gesetzestext ist wenig übersichtlich, die Begründung zeichnet sich keineswegs durch leichte Verständlichkeit oder Eingehen aus die zu regelnde Materie aus. Es erscheint angebracht, die einzelnen Teil? der Novelle des Näheren zu beleuchten. Wir beginnen mit dem Prunkstück des Gesetzentwurfs: der Einführung einer z e h n st ü n d i g e n H ö ch st- arbeitszeit für Arbeiterinnen in Betrieben, in denen mindestens ist Arbeiterinnen beschäftigt werden. Das bißchen, was hier zugunsten der Arbeiterinnen vorgeschlagen wird, ist durch jahrzehntelange politische Aufklärungsarbeit und durch eine Reihe schwerer gewerkschaftlicher Kämpfe durch die Arbeiter mühsam errungen. Wir fürchten schon zu weit zu gehen, wenn wir überhaupt von einer über die theoretische Anerkennung der gebieterischen Notwendigkeit der gesetzlichen Festlegung einer kürzeren Marimalarbeitszeit als der zurzeit bestehenden hinausgehenden Errungenschaft sprechen. Denn der Zehnstundentag der Novelle läßt eine außerordentlich große Reihe von Aüsnahinevorschriften zu, die das kaum Zu- gestandene durch eine Hintertür wieder beseitigen. Wie steht es mit diesen Ausnahmen? Sic übertreffen die heute zu- lässigen Ausnahmen von? E l f st n n d e n t a g d e r F a b r i k- arbeiterinnen noch bedeutend. Di? Gewerbeordnung kennt schon heute 4 große Kategorien von Ausnahmen des zurzeit bestehenden elfstündigen Marimalarbeitstages für Fabrikarbeiterinnen,?kach der Gewerbeordnung können schon jetzt in folgenden Fällen Ausnahmen zugelassen werden: t. Wegen außergewöhnlicher Häufung der Arbeit kann die untere Verwaltungsbehörde aus die Dauer von 2 Wochen mit Ausnahme des Sonnabends und für höchstens 40 Tage Ausnahmen bewilligen. Tieselbe Befugnis steht der höheren Verwaltungsbehörde zu. Diese kann auch für mehr als 40 Tage Ueberarbcit zulassen jedoch nur unter der Voraussetzung, daß die Arbeitszeit so geregelt wird, daß ihre tägliche Dauer im Durchschnitt der Betriebs- tage des Jahres die regelmäßige gesetzliche Arbeitszeit nicht überschreitet. Für Wertstätten mit Motorenbetrieb, die nicht als Fabriken zu betrachten sind, durch Verordnung vom 0, Juli 1900 den Fabriken gleichgestellt sind, ist nach der Bundesratsverordnung vom 13. Juli 1900 eine Ueberarbeit au 40 Tagen ohng Bewilligung einer Behörde zulässig, nur bei Bewilligung von mehr als 40 Tage ist Erlaubnis der unteren Verwaltungsbehörde notwendig. Für Konfektions- betriebe(Bundesratsverordnung vom 47. Februar 1904) endlich stehen den Unternehmern 6 0 Ueberarbeitstage frei. 2. Wenn Naturereignisse oder Unglücks- fälle den regelmäßigen Betrieb einer Fabrik unterbrochen haben, so kann Ueberarbeitszeit bis auf die Dauer von vier Wochen durch die höhere Verwaltungsbehörde auf längere Zeit durch den Reichskanzler zugelassen werden. In drin- genden Fällen solcher Art sowie zur Verhütung von Unglücks- fällen kann auch die untere Verwaltungsbehörde Ueberarbeit bis auf die Daner von 14 Tagen gestatten. Aehnliche Be- stimmnngen gelten für die Motor- und für die Konfektions- Werkstätten. 3. Wenn die Natur des Betriebes oder Rücksichten auf die Arbeiter in einzelnen Fabriken es erwünscht erscheinen lassen. kann eine andere Regelung der Arbeitszeit durch den Reichs- kanzler(für Motor- und Konfektionswerkstätten durch die höheren Verwaltungsbehörden) zugelassen werden. 4. Für Fabriken, welche mit ununterbrochenem Feuer betrieben werden, oder welche sonst durch die Art des Betriebes auf eine regelmäßige Tag- und Nachtarbeit angewiesen sind oder deren Betrieb eine Ein- teilung in regelmäßige Arbeitsschichtcn von gleicher Zeitdauer nicht gestattet oder seiner Natur nach auf be- stimmte Jahreszeiten beschränkt ist, kann der Bundesrat Ausnahmen gestatten. Solche Ausnahmen sind für die Steinkohlen-, Zink- und Bleierzbergwerke und Kokereien des Regierungsbezirks Oppeln und für Konserven- fabriken zugelassen. 5. Für Fabrikationszweige, in denen regelmäßig zu gewissen Zeiten ein vermehrtes Arbeitsbedürf- n i s eintritt, kann ebenfalls der Bundesrat Ueberarbeit zu- lassen, jedoch für höchstens 40 Tage im Jahre, falls nicht die Arbeitszeit so geregelt wird, daß ihre tägliche Dauer im Durchschnitte der Betriebstage des Jahres die regelmäßige gesetzliche Arbeitszeit nicht überschreitet. Alle diese Ausnahmen sind ohne irgend einen Schutz gegen Mißbrauch durch die Novelle auf- rechterhalten und noch vermehrt worden. Daß die Ausnahmen durchaus nicht nur auf dem Papier stehen, zeigt ein Blick in die Gewerbeinspcktionsberichte. Tie trieben, und zwar in 2431 Fällen durch die höheren Ver- waltungsbehörden, in 5477 Fällen durch die unteren Ver- waltungsbehörden, gestattet war. Diese Ueberarbeit betras 197938 Arbeiterinnen; die Zahl der bewilligten Ueberstunden betrug 246487 9. Die Vermehrung der Ausnahmebestim- mungen der Novelle besteht zunächst darin, daß wegen außergewöhnlicher Häufung der Arbeit sowohl die untere wie die höhere Vertvaltungsbehörde 60> statt 40) lleberzeitarveitstage zulassen darf. Ferner- soll der Reichskanzler„wenn b e- sondereVerhältnisse es erwünscht erscheinen lassen",— was läßt sich in den schwammigen Begriff alles hineinlegen I— eine anderiveitige Regelung der Arbeits- zeit gestatten können, falls die Dauer der Beschäftigung elf Stunden täglich und 60 Stunden in der Woche nicht über schreitet. Eine Begründung dieses abnormen Vorschlages fehlt. Statt die bestehenden Ausnahmen zu beseitigen oder zum mindesten mit einem Schutz zugunsten der Arbeiter zu umgeben, sind also die Ansnahnien noch s 0 erheblich ver mehrt, daß man int Zweifel sein kann, ob eine so normierte Höchstarbeitszeit von 10 Stunden nicht für eine Reihe von Arbeiterinnen Ver schlechterungen des zur Zeit bestehenden tat- sächlichen Zustandes herbeiführt. Die Novelle enthält zum Schutz gegen Umgehung der Maximalarbeitszeit weder ein Verbot der Weggabe von Arbeiten an Dritte, wie es beispielsweise mit Erfolg Westanstralien vorgeschrieben hat. noch die Schutz Vorschrift dahin, daß Ueberzeitarbeit-höher entschädigt werden muß. Solche Schntzvorschriften enthält zum Beispiel die Seemannsordnung, die Werkstätten- und Fabrikgesetze von Westaustralien und Basel. Der Zchnstundentag der Novelle kann endlich nicht unerheblich dadurch noch beeinträchtigt werden, daß der Begriff Fabrik fortan ausscheiden soll. ES sollen statt dessen die Vorschriften über Kinderarbeit und Frauenarbeit aus alle Betriebe Ainveiidung finden, in denen in der Regel niindestens zehn Arbeiter beschäftigt werden. Daß der Begriff Fabrik ein schwankender ist und daß in den letzten Jahren von Gerichten selbst Fabriken mit 90 und mehr Arbeitern nicht als Fabriken angesprochen worden sind, ist in den Geiverbeinspektoren-Berichten und von uns häufig getadelt. Dagegen, daß dieser Art der Beseitigung der Arbeiter schntzvorschriften ein Ende bereitet werde. ist nichts ein- zmvenden. Aber der neue Vorschlag ist völlig um zulänglich und keincsivegs durch Rücksichten aus Arbeiter interessen bestimmt worden. Welcher verständige Grund spricht denn dagegen. daß die Schutzvorschristen auf alle, und nicht nur aus größere Betriebe Anwendung finden? Weshalb sollen die Rücksichten auf das geistige, körperliche und sittliche Wohl der Arbeiterinnen und auf das Gemeimvohl. die für eine Höchstarbeitszeit gebieterisch sprechen, schweigen, wenn nicht 10, sondern 9 Arbeiterinnen zusammen oder auch nur eine Arbeiterin in einem Betriebe beschäftigt werden? Die Novelle gibt keinen Grund hierfür an und kann keinen angeben, weil es keinen gibt. Ihr Vorschlag bedeutet insofern sogar eine Verschlechterung gegenüber dem heutigen Zustand, als heute eine Reihe von Betrieben weit tvemger als 10 Personen als Fabriken anerkannt iverden. Die Frage, ob der Ersatz des Begriffs Fabrik durch„Betrieb mit ivenigstens 10 Personen" ein hinreichender ist, ist entschieden zu verneinen. Durch die neue Begriffsbestimmung dürfte eine nicht unerhebliche Zahl von Arbeiterinnen und Kindern den Schutzvorschristen entzogen sein, denen sie bisher unterlagen. Wie ist denn die Regierung zu ihrem Vorschlage gekommen? Die Vorlage will durch die neue Begriffsbestimmung keines- wegs den Arbeitern entgegenkommen, sondern nur das er- füllen, wozu das internationale Berner Uebereinkommcn von 1905 die r ü ck st ä n d i g st e n Staaten verpflichtet hatte. Bei der Berner llebereinkunft stellte es sich heraus, daß die Art und Weise des Verbots der Nachtarbeit von Frauen und Kindern rücksichtlich des Geltungsbereichs der Schutzvorschriften in den verschiedenen Ländern sehr verschiedenartig geregelt ist. Die Schutzbestintmungen finden Anwendung aus alle B e- triebe mit mehr als fünf Arbeitern und auf alle Motorbetriebe in Dänemark, Italien und Portugal, auf alle Betriebe mit mehr als fünf Arbeitern oder mit Personen unter 18 Jahren oder mit mehr als zehn Ar- beitern in Teilen der Schweiz, auf Betriebe mit mehr als 20 Arbeitern, auf Mxtorbetriebe, Betriebe mit Arbeits- teilung usiv. in O e st e-r r e i ch- U n g a r n, auf eine Ziffern- mäßig unbestimmte Anzahl von Arbeitern bei gewissen Merk- malen des Großbetriebes: in Deutschland, Nor- wegen, Schweden und Teilen der Schweiz. Bei der V. ratung des Berner Uebereiukommens war man sich darüber klar, daß keines tvegs die Arbeiterschutzvor- schriften für Betriebe mit weniger als zehn Personen nicht notwendig seien. Man einigte sich dahin, eine internationale Verpflichtung zur Re- gelung für alle Betriebe mit mehr als zehn Personen zu übernehmen, weil Betriebe, die mit iveniger als zehn Personen arbeiten, wenn sie dezentralisierte Arbeiterbetriebe sind, über- wiegend für die Deckung des lokalen oder nationalen Bedarfs, nicht aber für den Weltmarkt arbeiten, es also Sache jeder Nation sei. die verhältnismäßig wenigen Frauen in diesen Frauen sich in Betrieben befinden, die regelmäßig mit mehr als zehn Arbeitern arbeiten. Statt die Arbeiterinnenschutzvorschriften auf alle Betriebe auszudehnen oder niindestens den vorgeschritteneren Ländern entsprechend, den Begriff der Fabrik anszudehnen, hat die ?!ovelle sich damit begnügt, fast das M i n d e st maß dessen, was die internationale Uebereinknnft für den Umkreis des Verbotes der Frauennachtarbeit verlangte, bei der Ausschaltung des Begriffes Fabrik anzuwenden. Nur um eine Ziffer geht die Novelle unter das Berner Mindestmaß herab. Die Berner Konvention verlangt als Minimum eine elfstündige Nachtruhezeit für Betriebe mit mehr als zehn Arbeiterinnen, die Novelle für Betriebe mit m i n d e st e n s zehn Arbeiterinnen. Das ist alles. was die Novelle an Schutz für Arbeiterinnen bietet. Von der Freigabe des Sonnabend- nachmittag, von einer Ausdehnung des Schutzes auf Schwangere, Verntehrung des Schutzes für die Arbeiterinnen bis achtzehn Jahren usw. kein Wort I Der durchlöcherte Zehnstundentag, wie ihn die Novelle vorschlägt, ist beschämend kleinlich und rückständig gegenüber ausländischen Staaten. Seit 63 Jahren kennt England einen gesetzlichen Zehnstnndentag für Frauen und in den Textil- fabriken eine 56�2 stündige WochentagSarbeitszeit, Frank- reich hat seit 1904 den Zehnstnndentag und eine Reihe kantonaler Bestinimungen der Schweiz und Gesetze Australiens gehen weiter bis zum Achtstundentag. Hierzu tritt das absolute Fehlen einer gesetzlichen Be- grenznng der Arbeitszeit für erwachsene männliche Arbeiter. Wir erinnern daran: Oesterreich hat seit 1885, die Schweiz sei 1877 für alle erwachsenen Fabrikarbeiter den Etsstnndcntag, Nordamerika den Nenn- und Achtstnnden- tag, Frankreich für alle erwachsenen Arbeiter in Motoren- betrieben den Zivölfstunden-, für gentischte Betriebe den Zehnstundentag, selbst Rußland hat seit 1897 für Fabriken mit Motorenbetrieb, Bergwerke, Eisenbahnlverkslätten und Staatsbetriebe den 1 1% Stunden- und am Sonnabend den Zelmstundentag. Kalifornien und Delaware für öffent- liche Arbeiten den Achtstundentag, W e st a u st r a l i e n(ähnlich Nen-Seeland) eine Wochentagsarbeitszeit von 48 Stunden oder 8� Stunden täglich, ähnlich Nen-Seeland. Basel kennt für alle Betriebe den gesetzlichen Neun- und Zehnstnndentag. Deutschland liegt an der Kette der Scharfmacher. Die not- wendigste Sckmtzbestimmung für männliche Arbeiter fehlt der Novelle, fi'r ennamicne weibliche Arveitcrinnen schlägt sie einen so durchlöcherten Zehnstundentag vor, daß die Ausnahmen fast die Regel überwiegen. Weit, weit ab von den so berechtigten Forderungen der Arbeiterklasse aus den Achtstniidentag für alle Arbeiter gibt die Novelle selbst in dem Teil, der noch als ihr bester anzusprechen ist, fast nichts. Die weiteren Vorschriften der Novelle sollen in einem ferneren Artikel besprochen iverden und eine Zusamnienfassnng der Forderungen folgen, die in einer wirklich sozialpolitischen Novelle zur Geiverbeordnung für die Arbeiterklasse notwendig und erreichbar sind, um dem Arbeiter die Möglichkeit zu geben, an den Errungenschaften der Kultur, die auf seiner geistigen und körperlichen Arbeit beruht, auch teilzunehmen. Berichte für 2906 erweisen, daß Ueberarbeit.in 2610 Be- � Betrieben zu schützen, da drei Fünftel bis drei Viertel der Sie bayerUchen Slialpjäger. Da der bayerische Landesverband des Flotten» Vereins offenbar befürchtete, daß es ihm bei der Hauplversawm» lang in Kassel ebenso ergehen köiinte, wie bei der im Mai oleseS Jahre« stattgefnndenen Hauptversammlung in Köln, halte er am 20. Dezember eine besondere Delegicrtenversamnilnng nach München einberufen. Die Landesdelegierten für Kassel sind durch diese Versammlung aus ein ganz bestimmtes Programm festgelegt worden. Zwar gab man sich den Anschein, als ob man den Delegierten.keine bestimmte Marschroute' nach Kassel mitgeben wollte, allein diese Beteuerungen wurden Lügen gestraft durch den ein st immigen Beschluß, daß die nach Kassel zu entsendenden Delegierten den Rücktritt KeimS von der Stelle deS gefchäftsfnbrenden Vorsitzenden zu verlangen hätten l Zu Delegierten wurden gewählt: ReichSrat Frhr. v. Würtzburg, Graf du Moulin und Regierungsrat v. Braun, also dieselben Personen, die auch in Köln die bayerische Opposition vertreten hatten. Der erste Vorsitzende deS bayerischen Landesverbandes, Oberst v. Spieß, gab eine Schilderung des dreijährigen Kampfe« de« bayerischen Landesverbandes gegen da«.System Keim'. Die Belehrung des Volke« über die Notweuvigkeit einer starken Flotte sei in Bayern nur möglich, wenn jede verletzende Form der Agitation vermieden, wenn alle Angriffe gegen politische Parteien unterlassen würden. ES müsse auch entschieden Front gemacht werden gegen jeden Versuch, die Autorität der Reichsregierung und des Marine- amtes zu untergraben. An der früheren Verstimmung zwischen Deutschland und England sei die allzu lärmende, gewalt- tätige Agitationsart des Flottenverein« mit schuld. — Man sieht, der bayrische Landesverband nimmt sich der vom Flottenverein angegriffenen Regierung und Marineverwaltung viel energischer an, als die angegriffenen Stellen selbst. Freiherr von T i r p i tz hatte ja bekanntlich den Herren Stresemann und Konsorten gegenüber in der Budgetkommission nicht« anderes zu erwidern, al« daß diese Herren dafür sorgen möchten, daß ihre weitergehenden Schiffsbauprojekte eine Majorität im Reichstage sändenl Und so richtig es auch ist, daß der Lärm des Flottenvereins in England große Mißstimmmig erregt Bot, so sicher ist es andererseits, daß die Tatsache des forcierten Flotten- rüstens durch die Gesetze von 1000, 1906 und die Von allen bürgerli'chen Parteien unterstützte neueste Marinevorlage noch viel schlimmere Bedenken in England miszulöscn geeignet find! Der Salvierungsversuch des Obersten v. Spieß ist also ziemlich m i ß g l ü ck t I Der Freiherr v. Würtzburg Behauptete, es sei„Widersinn und Un- Wahrheit", auch nur emferntestc Beziehungen deö Landesvorstandes zur Zentrumspartci zu Behaupten. Daran ist nur soviel richtig, daß dem Borstand des Bayerischen Flottenvereins keine Zentrumsanhänger angehören. Daß aber die Rücksichtnahme auf das Zentrum die Triebfeder der ganzen Bayerischen Opposition dar- stellt, Bemeist gerade das Protokoll üBer die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattgehabte Sitzung des Gesamtvorstandes des Flottenvereins vom 11. Mai dieses Jahres. Keim hatte in der Tat ganz recht, wenn er erklärte, daß sein Skalp in erster Linie den Herren Erzberger uud S ch ä d l e r zum Opfer gebracht werden sollte I Der Kampf, der in Kassel entbrennen wird, wird nach dem Verlaus der diesmaligen Krise ohne Pardon geführt werden. Keim wird aller Wahrscheinlichkeit nach auf der Strecke bleiben. Aber wenn der Flottenverein den Versncki machen sollte, aus der Opferung Kehns die Harmlosigkeit des Flottenvereins herzuleiten, so ist es gerade unsere Aufgabe, den Nachweis zu führen, daß durch den F l o t t e n v e r e i n und durch das forcierte Flottenrüsten auch ohne die Flottcntreibcrcicn Keims ein unerträglicher Zu st and geschaffen wird, der nur in einer weltpolitischen Katastrophe sein Ende zu finden vermag I � Oer umgestülpte Prozeß. Der Harden- Prozeß vor der Strafkammer wird immer mehr zur Umstülpung des Hardcn-Prozesses vor dem Schöffen- gericht. Eine Feststellung in diesem Prozeß nach der anderen wird umgestoßen und ins Gegenteil verkehrt. Graf Moltke wird weißgewaschen und seine einstige Gatlin, die verfolgte Unschuld des ersten Prozesses, schwarz augestrichen bis zur völligen Vertenfelung. Der Montag ivar ein schwarzer Tag für Harden. Alle Sachverständigen zeugten für die normale Gcschlechtlichkeit Moltkes— auch Dr. Max Hirschfeld ließ ihn im Stich und schloß sich seinen geehrten Herren Vorrednern an. Er suchte seinen Rückzug mit einer eleganten Kanonade zu decken, aber mußte trotz alledem ein Stück seines wissenschaftlichen RufeS auf der Wahlstatt lassen. Zugegeben, daß dem Herrn Sachverständigen im Schöffen- gerichtsprozcß vom Vorsitzenden aufgegeben tvnrde, die Aus- sage der Frau v. Elbe zur Grundlage seines Gutachtens zu nehmen, zugegeben, daß diese Aussage den Eindruck der Glaiibmürdigkeit machte— der wissenschaftliche Sachverständige hätte denn doch wohl einige Bedenken verspüren dürfen, ob auf so schmaler Grundlage ein so einschneidendes Gutachten aufzubauen sei. Einer der anderen Sach- verständigen hat mit Fug bemerkt, daß er sich, selbst wenn er die Aussage der Zcugm v. Elbe im Schöffengerichtsprozeß für wahr gehalten hätte, gehütet haben würde, aus solch spär- lichcm Material schon weitgehende Schlüsse auf homosexuelle Veranlagung des Grafen Moltke zu ziehen. Nach den Sachverständigengniachten ist nicht mehr daran zu zweifeln, daß Graf Äuno v.. Moltke seinen Prozeß gewonnen hat. Für die Oeffentlichkeit ist das aber an diesem Prozeß das minder Wichtige. Ob Graf Kuno v. Moltke die Weiber haßt oder gern hat und ob seine ehemalige Frau ein Drache oder ein Engel ist, das kann ernsthaften Leuten sehr egal sein. Für sie haben nur die politischen Enthüllungen des Prozesses Bedeutung und die sind durch die Uinstülpnng des Schöffen- gerichtS- Prozesses in keiner Weise erschüttert. Im Gegenteil, noch schärfer als im ersten Prozeß ist das Bild der Kamarilla aus dem Nahmen getreten. Bände über die politische Ver- fassung Deutschlands spricht der eidlich erhärtete Satz Bismarcks, ein kaiserlicher Adjutant könne wegen seiner ständigen Anwesenheit um diePcrson desKaisers die deutsche Politik mehr beeinflussen als ein Reichskanzler I Möglich ist das natürlich nur, wo der Wille eines einzigen, des Monarchen, allein entscheidet. Mög- lich nur in einem Staate, dessen Konstitution ein wesenloses Schemen ist, dessen wahre Verfassung der Absolutismus ist. Ebensowenig wie die politischen Enthüllungen werden natürlich jene über die gesellschaftlichen Zustände in den Kreisen unserer Herrschenden durch die Unistülpung des Prozeffes um- gestoßen. Das Bild der Moltkeschen Ehe wird nicht besser. wenn die Rolle des Schuldigen wechselt. Die Verseuchung gewisser Arnieeteile durch die hochgestellten Päderasten nicht weniger schlimm, weil sie in dieser Prozeßverhandlung nicht mehr erwähnt wurde, der intellektuelle Verfall in den Kreisen der Edelsten und Besten, der sich in Spiri- tismus, Gesundbeten usw. bemerkbar macht, nicht kleiner, wenn den Liebcnbergern nicht Homosexualität nach- gesagt werden kann. Natürlich wird das die Junkerpreffe nicht abhalten, die Neinwaschung Moltkes für eine Rein- Waschung seiner Klasse auszugeben. Erst im neuen Jahre wird der Prozeß beendet werden. Am Donnerstag soll Harden sein Schlußwort sprechen. Oer Kampf ums Knappfchaftsftatut. Bochum, 28. Dezember. Die Generalvers ammlung des Allgemeinen Knappschaftsvereins, die über das Wohl und Wehe von über 300 000 Menschen zu ent- scheiden hatte und der von allen- Seiten der Bevölkerung die größte Bedeutung zugesprochen wurde, wäre beinahe der Auflösung ver- fallen. Welche Ironie: am VorslandStisch der Vertreter des Ministers, Geheimer Ober-Bergrat Dr. Steinbrink, ein Wachtmeister erscheint, um die Versammlung zu überwachen, der Vorsitzende, Bergrat Wcidtmann. fordert den Beamten auf, das Lokal zu verlassen, der Polizeimann weigert fich, der Aufforderung zu folgen. Wiederholte Hinweise darauf, daß er das HauSrechl verletzte, fich des Hausfriedensbruches schuldig mache, lassen ihn kalt, er droht sogar, die Vermmmlung aufzulösen. Endlich reichte der Vorsitzende telegraphisch Beschwerde beim Regierungspräsidenten ein und kurz darauf verschwand— wohl auf höhere Anweisung— der Diener der heiligen Hermandad I- Der Vertreter der Regierung spielte den swmmen Zuschauerl Der preußische Staat war also wieder mal durch die löbliche Bochumer Polizei, die mehr zu sagen hat als ein preußischer Re- zierungsvcrtreter, gerettet. Nach der von den Scharfmachern ver- langten Spruchpraxis ist es übrigens erklärlich, wenn die Polizei glaubt, überall die Nase dabei haben zu müssen. Aus der Versammlung selbst ist hervorzuheben, daß die Unter« nehmer es offensichtlich darauf angelegt hatten, die Arbeiterschast durch Rücksichtslosigkeit zu reizen. Schon vorher hatten die Werks- l Vertreter beschlossen, die Anträge der Arbciterbertreter abzulehnen. Sie wollten keine friedliche Einigung. Die Aeltesten beantragten namentliche Abstimmung bei den Beschlußfassungen. Das lehnten die Werlsvertreler ab, und Bergassessor Kleine hielt eine provokatorische Rede, in der er erklärte, eS liege keine Veranlassung vor, den Wünschen der Arbeiter entgegenzu- kommen!!! Und gemäß des vorher gefaßten Beschlusses lehnten denn auch die Werkvertreter' den Entwurf der Arbeiter einfach ab. Die Arbeitervertretcr konnten natürlich nicht für die von den Werks- Besitzern verlangten Verschlechterungen stimmen. So fiel denn auch der Entwurf der Werksvertreter und zwar mit 235 gegen 88 Stimmen. Um aber auf jeden Fall eine Einigung herbeizuführen, machte der Aelteste Schulte, unterstützt von Nobis, Eckardt uud Genoffen. zuguusten der jüngeren Invaliden, einen weiteren Vorschlag und zwar, den Beilrag von 93 Pf. auf 1 M. zu erhöhen. Nach einer Beratung von 5 Minuten wurde auch dieser Antrag seitens der Bergherren abgelehnt(mit 1910 gegen 300 Stimmen) und das Schicksal de-» Statuts war somit besiegelt. So ist also nach heißem Kampf und Ringen das Los der Bergarbeiter vielleicht auf Jahre hinaus ver- schlechtert worden, denn das neue ZwangSstotut bedeutet eine Verelendung des Bergarbeiterstandes. Wen trifft die Schuld an dem Mißlingen des Vergleichs? Dem Starrsinn der Unter- nehmer! Die Aeltesten haben ihre Schuldigkeil getan und immer und immer wieder versucht, zu einem friedlichen Abschluß zu gelangen. Vergessen werden darf nicht, daß indirekt das Zentrum für die Miß- Handlung der Bergarbeiter verantwortlich ist. Ohne die ultramon- tauen Verrätereien, speziell bei Beratung der Bergnovelle im Jahre 1905, hätten die Scharfmacher das„Steine stait Brotgesetz", wie es das Organ des christlichen Gewerkvereins bezeichnete, nicht erhalten. Den Dank für die Verschlechterungen mögen die Arbeiter beim Zentrum anbringen. Essen, 29. Dezember. Eine öffentliche, zahlreich besuchte Bergarbeitervcrsammlung fand heute hier unter dem Vorsitz des Genossen Pickart im van der Loa- schen Saale statt, um den Bericht über die Bochumer General- Versammlung von gestern entgegenzunehmen. Der Referent Waldecker gab einen interessanten Ueberblick über die gestrige Versammlung, stellte das neue von der preußischen Regierung oktroyierte Statut dem alten gegenüber und bewies an Hand von Tabellen, daß letzteres bedeutendere Verschlechterungen gegen bisher mit sich bringe. Redner gedachte der Stellung der Bergleute im Mitlelaller, wo dank ihrer Macht durch Organisationen selbst Fürsten und sonstige hohe Herren um ihre Gunst buhlten, während jetzt der Bergarbeiterstand ein miß- achteter sei, denn die geringe Pensiou zwinge den alten Bergarbeiter resp. seine Familie, die Armenpflege oder öffentliche Wohltätigkeit in Anspruch zu nehmen. Zum Schlüsse ivurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Die heutige Bergarbeiterversammlung erklärt sich mit dem Verhalten derjenigen Äelteste». die in der Generalversammlung vom 28. Dezember 1907 den Statuteiitwurf der Werksbesitzer ab- gelehnt haben, einverstanden, und spricht ihnen für ihre mannhafte Haltung ihre Anerkennung aus. Die Versammlung beront ausdrücklich, daß nach ihrer Ueber- zeuguug die Schuld au dem Scheilern ihres EiniguugswerkeS die- jeuigeu Werksbcsitzer treffe, die den Vermuteluugsvorschlag Schulte-Novis ablehnten. In dem nunmehr in Kraft tretenden Zlvangsstatut erblickt die Versammlung lediglich ein Produkt der bergarbeiterfeindlichen Gesetzgebung des preußischen Landtage«. Die Vorgänge im Bochumer Knappschaflsvercin haben so deutlich wie nur möglich gezeigt, daß die Bergarbeiter nicht eher zu einem gründlichen Lebeusschutzgesetz gelangen und ihre alten knappschaftlichen Rechte wieder erhalten, als bis die ganze, die Bergarbeiter betreffende Gesetzgebung einem Parlamente überantwortet ist. das aus all- gemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlen hervor- gegangen ist.—_ Die Kadetten In der dritten Onrna. Trotz aller Eintönigkeit und Farblosigkeit der dritten Duma hat sich in den anderthalb Monaten ihrer Tätigkeit dennoch Material genug angesammelt, um einige Schlüsse über die Rolle und die taktische Richtung der einzelnen Parteien zu ermöglichen. Rebe» den Oktobristen(von denen wir ein andermal sprechen wollen), sind es besonders die Kadetten, deren Auftreten Aufmerksamkeit verdient. Während sie in der ersten und auch wohl in der zweiten Duma noch die führende Rolle innehatten, sind sie diesmal durch das Gesetz vom 3.(tS.jJimi in die Reihe» der parlamentarische» Opposition zurückgeworfen worden. Wir haben bereits früher („Vorwärts" Nr. 218„Die Kadetten auf dem Marsch nach rechts") unserem Zweifel darüber Ausdruck gegeben, ob sich die Kadetten der Bedeutung dieser Stellung bewußt sind und ob sie aus ihr die einzig mögliche Konsequenz ziehen, d. h. eine wahrhaft oppositionelle, auf Kritik der Regierung und der sie unterstützenden Parteien gerichtete Taktik befolgen werden. Unsere Zweifel haben sich als vollauf berechtigt erwiesen; denn die Kadetten zögerten nicht, alle Verpflichiungen, die aus ihrer nunmehrigen Stellung resultieren, mit Füßen zu treten. Was die Kadetten in der dritten Duma ganz besonders charak- terisiert, ist der Umstand, daß sich von ihnen so gut wie gar nichts sagen läßt: vom ersten Tage an waren sie ängstlich bemüht, sich so wenig wie möglich bemerkbar zu machen, und sie haben sorgfältig alles vermieden, was bei ihren rechtsstehenden Nachbant. den Oktobristen, Anstoß erregen könnte. Spult doch der Traum eines kadetlisch-oktobristischen Blocks noch immer in den Köpfen der Kadettenführer, die sich wenig darum kümmern, wenn auf der Jagd nach diesem Gebilde ihrer Phantasie der letzte klägliche Rest ihrer demokratischen Prinzipien flöten geht. Freilich liegt eS ja in der kompromißsüchtigen, zu Halbheiten geneigten Natur der Kadetten, dem Beispiel jene« von der Feder des großen Satirikers Schedrin gezeichneten russischen„Liberalen" zu folgen, der seine Refoniibestrebnngen zuerst.nach Maßgabe der Möglichkeit" zu verwirklichen suchte, dann sich mit„wenigstens etwas" zufrieden gab und schließlich seine Tätigkeit„der Niedertracht ent- sprechend" einrichtete.— Die beiden Fälle, in denen die Kadetten sich einigermaßen„hervorgetan' haben, legen beredtes Zeugnis davon ab: Mit vollem Bewußtsein deffen, was sie tun, haben sie bei der Beratung der Antwortadresse ihren Antrag auf Einstellung der Worte „konstitutionelle Staatsordnung" zurückgezogen, ohne ihn zur Abstimmung zu stellen, d. h. ohne den Versuch zu machen, die offenen An- hä»ger einer Versaffung um sich zu scharen. Statt deffen haben sie für die zweideutige oktobristische Fassung(„erneute Staatsordnung") gestimmt unter dem fadenscheinigen Vorwande, dadurch die Einmütigkeit der Duma gegenüber der auf dem Worte.Selbstherrschaft' bestehenden Rechten zu betonen. Dieses Vorgehen von Leuten, die sich bei jeder Gelegenheit mit ihrem strengen KonstiwtionaliSmuS brüsten, verdient als das gebrandmarkt zu werden, was eS ist:„als schmählicher, durch nichts gerechtfertigter Verrat der eigenen Ueberzeugungen". DaS zweite bemerkenswerte Auftreten der Kadetten betrifft den sogenannten Zwischenfall Roditichew. Roditschew schleuderte in Beantwortung der nraßloS reaktionären Regierungsdeklaratton dem Herrn S.olypin in einer glänzenden Rede eine schroffe, aber wohl- verdiente Beschuldigung ins Gesicht. ! Nicht nur daß daraufhin die kadettische Fraktion ihren an- erkannten Führer als Bock in die Wüste jagte und ihn zwang, fich wie ein Schuljunge vor dem Minister zu eulschuldigen, sie tat noch ein übriges: sie stimmte in die Stvlypin von der Rechten dar- gebrachte Ovation ein. angeblich um zu zeigen, daß sie die Person von der Sache scheide.... In Wirklichkeit ist diese widerliche Banchrutscherei nur ein Auswuchs jener superklugen kadetlischen Politik, die auf krummen Wegen, durch Loyalitätsbezeugungen und Antichambrieren bei Bcinistcrn„wenigstens etwas"— unter völligem Verzicht auf das übrige— zu erreiche» trachtet.„Immer langsam voran"— das ist stets der Wahlspruch der Kadetten gewesen, und dieses lang- sanie Vorgehen hat sie immer mehr und mehr nach rechts geführt. Die klägliche Rolle der oktobristische» Gefolgschaft, die sie freiwillig übernommen haben, wirft ein grelles Licht auf die politische Ver- fumpfung, in welche die Kadetten nun wohl auf Nimmerwiedersehen versunken sind._____ poUtifchc Oebcrlicbt Berlin, den 30. Dezember 1907, Vom Reichsvcrleumdungsvcrband. Der Licbcrlsche„Reichsverband gegen die Sozialdemokratie" ist mit Energie bemüht, seine Einrichtungen auszubauen. Hat er auch bei den letzte» Reichstagswahlcn trotz der ihm zngeflossciien großen Geldmittel im ganzen nur verhältnismäßig wenig geleistet, so hat doch schon dieses Wenige genügt, ihm ans konservativen und liberalen Kreisen manche neue» gntzohlcnden Mitglieder und Gönner ziizusührcn. Und diese reichen Milte! sollen alsbald zur Erweiterung der Organisalion, der Rednerschulen und zur Einrichtung einer große» eigenen Druckerei Verwendung finden. Vor einem Jahre hatte der Reichsverband nur drei Geschäflsstellen. heute hat er deren zehn in verschiedenen Städten, und fast in gleichem Verhältnis hat die Zahl der sogenannten Ortsgruppen zugenommen. Besonderes Augenmerk hat in letzter Zeit die Geschäftsleitung des Verbandes auf die Gründung von Rednerschulen gerichtet. Visher hatte der Verband nur sieben sogenannte„fliegende Rednerschulen". Nach uud nach aber soll in den nächsten Monaten die Gesamt- zahl auf 21 gcbrachi werden. Dabei verfolgt die GeichäflSführung die Taktik, hauptsächlich junge Arbeiter zu„Rednern" hcranzudrillen, da sie sich viel größeren Erfolg davon verspricht, diese in sozialdemolraiische Versammlungen zu dirigieren, als Leute, die nicht selbst am Wer!- tisch gestanden haben und deshalb nicht vor den Arbeitern als „Staiidesgenossen" paradieren können. Da die VerbaudSleitung die Lehrkräfte gut honoriert und bei der Auswahl nichr allzu wählerisch ist, findet sie genug„Lehrer" für ihre Rednerkurse. An den bisherigen sieben„fliegenden Rednerschulen" waren 47 Lehrer tälig, darunter 3 RcichStagsabgeord- nete. 1 Landtagsabgcordnetcr, 3 RcchlSanivälte, 5 Profefforeu. 6 Acrzte, 3 Arbeiteriekretäre, 8 Redakteure. 6 Generalsekretäre und Beamte des ReichSverbaudeS. 4 Schulmänner, 2 Juristen. 5 Offiziere a.D., 3 Fabrikbesitzer. 1 Stadttat, 1 Jiigenienr und 1 Bergrat. Um den Drill— von einer systematischen etgentlichen Ausbildung kann keine Rede sein— zu vervollständigen, soll zum März nächsten Jahres i» Berlin eine Rcdnerschule für Fortgeschrittene, eine Art Redner- Hochschule, errichtet werden. Außerdem sind besondere AnSbildungs- kurie für BolkSschullehrer und, wie eS scheint, auch für Unterbeaintc geplant. Ferner soll die Hcrausgabe von Broschüren, Flugblättern usw. stark vermehrt und zum Zweck der schuellercn uud billigeren Her- stellung solcher Machwerke eine eigene Druckerei errichtet werden. Bisher fehlt eS nur an Schristsiellern, die den hochgestellten Anforderungen der Gcfchäftslcitung an journalistischer Skrupellosigkeit und Flachheit genügen; doch haben sich die Herren Generalleutnant v. Liebert und der Landtagsabgeordnetc Julius Vorster, die sich beide bisher als höchst leistungsfähig auf diesem Gebiet bewährten, aufopferungsvoll angeboten, in die klaffende Lücke zu treten.—_ Konservative Sehnsucht. Das„Fest der Liebe" hat auch der alten„Kreuzzeitung" die Zunge gelöst uud läßt sie einer sonst klug verhallciien Sehnsucht wieder Ausdruck geben. So brauchbar und bequem auch der Frei- simi ist, so möchten doch die Konservativen am liebsten zurück zu ihrer alten Liebe, zum Zentrum. Sonst finden sie offenbar Geschmack an der Paarung. Aber ungenügsam, wie sie sind, genügt ihnen die schmächtige Freisinnsliebste nicht, sie möchten mit gleicher Lieb noch inehr umfaffen. Deshalb soll nach Wünschen der.Kreuzzeitung" da-? Zentrum in die Paarung mit auigenoinmen werden; und man muß gestehen, daß das Verlangen sehr verständlich ist. Denn dcrBlock. der zur Ausschaltung des Zentrums gegründet wurde, treibt in Wirklichkeü eine Politik, die um yichts weniger»eaktionär als diejenige loar. die zur Zeit der konservaliv-klerikal-nationalliberalen Herrschaft getrieben wurde. Für die Liberalen ist allerdings dieses Programm etwas peinlich: denn die„Kreuzzeitung" will den Block nur deshalb festigen, damu das Zentrum zur späteren Mitarbeit herangebildet werde. Wenn die alten Zentrumssührer die Festigkeit des Blocks eingesehen haben. dann werden sie„langsam den Anschluß au die anderen bürgerlichen Parteien vorbereilcn. und die Regierung wird ohne Zweifel einen ehrenvollen Frieden dem jetzigen Kriegszustände vorziehen". Man kann nicht offenherziger sein. Der Block dient den Kon- servativen dazu, dem Zentrum zu beweisen, daß eS ein für allemal auf Seitensprünge, wie eS die Kritik der Kolonialskandale oder die Abstriche an den militärischen RegierungSsordcrungen sind, zu ver- zichte» habe.'Zuerst kommt der Freisinn und leistet den Konser- vativeu die Dienste, die das Zenirum verweigert hat; ist aber da; Zentrum gezähmt, dann ist der Freisinn überflüssig und lästig. Man braucht sich dann auch in Kultur» uud kirchlichen Fragen keinen Zwang mehr anzutun, sich von keinem Kanzler niehr den ver- haßten liberalen„Geist" anpreisen zu laffen, sondern man kann mit dem Zentrum vereint den braven Freisinn wieder die Absätze der Junkerstiefel kosten laffen. Vorläufig ist freilich das Zenttum noch spröde. Die„Gernmnia" erklärt sehr energisch, daß eS mit dieser Regierung keinen Frieden geben kann. Sie registriert zwar mit Vergnügen„das Geständnis, daß man mit der Ausschaltung des Zentrums einen schweren Fehler gemacht habe", aber von einem„ehrenvollen Frieden' mu Bülow könne keine Rede sein. DaS Zenttum brauche sich nicht „erziehen" zu laffen und Fürst Bülow stehe und falle mit seine; Blockpolitik. Aber man braucht das nicht allzu ernst zu nehimu. Zur gegebenen Zeit wird das Zentrum schon heimfinden und scittv jetzige zarte Rücksichtnahme auf die Konservaliven, sein Versagen als Oppositionspartei, seine Zurückhaltung in der preußischen Wahl- rechtsfrage, daS alles zeigt nur. daß das Zentrum der Meinung ist, daß der Zeitpunkt, wo es wieder mit den Konservativen zusammen die Reichsgeschicke lenken wird, nach seiner Meinung nicht mehr sehr fern ist.—_ Christlicher Mistmut. DaS Organ des christlichen Holzarbeiter-Ver« Bandes stellt in seiner letzten Nummer eine Betrachtung über die Erfolge der Arbeiterbewegung im abgelaufenen Jahre an und kommt dabei zu folgendem Ergebnis: „Die RcichStagöwahl hat das soziale Gewisse» der Herrschenden nicht geschärft und auf dein durch sie gelockerlen Boden konnte dann im Jahre ISO? auch die durch Arbeirgeber gesäte und von inanche» cinfluhreichen Leuten sorgsam gepflegte Frucht gedeihen, die zur Genüge unter dem Namen gelde Gewerlichaflen, nationale, reichs- treue und valerläudische Arbeitervereine bekannt isn Bahn frei!— Ines} es nach der Neichstagsivahl seiieus der christlichnationalen Ärbeitcrichaft. Und heule? Die gelbe Bewegung schießt üppig inS Kraut und jede selbständige Arbeiterbewegung hat gegenüber dem Unverstände der vcrichiedenste» Kreise einen äußerst schwieligen Stand. Selbst der so glanzvoll verlaufene zweite deutsche Arbeiterkongreß hat, soweit sich überschauen läßt, nicht ver niocht, die indifferenten Arbeiter- Massen aufzurütteln und den bei der Neichstagswahh entfachten nationalen Gedanken in nationale Taten sozialer Art bei Regierung und Bürgertum umzusetzen." Das christliche GewcrlschastSblatt erklärt dann, daß die Arbeiter- schaft die Wurzeln ihrer Kraft in der S e I b st h ü l f e zu suchen habe. Die Vorgänge des Jahres 1907 bewiesen,„daß die Arbeiter- schaft in Zukunft noch mehr als bisher ihrer eigenen Kraft vertrauen muß, daß sie vor allem ihr Heil nicht in erster Linie von jener Institution erwarten kann, die die Gemein- schaft aller darstellt: vom Staate und desien Vertreterin, der Regierung.* DaS klingt, nach dem Gerede und Getue auf dem christlich- nationalen Kongreß, recht mißmutig und trostlos. Aber es muß zugestanden weiden, daß aus diesem Mißmut ein gut Teil besserer Erkenntnis spricht. Vielleicht kommen die christlichen Arbeiter noch mit der. Zeit dahinter, daß ebenso wenig wie auf den Staat und die Regierung, so auch auf die bürgerlichen Parteien, mit Einschluß des ZenlnnnS, ein Verlaß ist und daß die Selbsthülfe der Arbeiter. richtig verstanden, nur im Rahmen einer einzigen, großen, llasscn- bewußten Arbeiterbewegung zu üben ist.— Tie westfälische Landwirtschnftskammer gegen das Konlitionsrecht der Landarbeiter. Der Vorstand der Landwirtschaftskanimor für die Provinz Westfalen hat beschlossen, der nächsten Haiiptverfammlnng folgende Resolution zur Annahme zu empfehlen:„Veranlaßt durch die bezüglichen Verhandlungen des deutschen Reichstages und des preußischen Abgeordnetenhauses spricht sich die Haupt- Versammlung der Landivirtschastskannner für die Provinz Westfalen nachdrücklich gegen alle Bestrebungen ans, die daraus gerichtet sind, daö Konlitionsrecht auf die ländlichen Arbeiter und Dienstboten auszudchucil, tvoil sie dadurch eine unabsehbare Schädigung nicht allein der Landwirtschaft, sondern der gesamten Volkswirtschaft erblickt."— Hintzpetcr. In Bielefeld ist, wie der Telegravh meldet, am Sonnlag der Geheiinrat Professor Dr. Hintzpeter gestorben, der ehe- malige Erzieher des Kaisers. Am 9. Ott. 18�1 in Bielefeld geboren, studierle Hmtzpeter von 1846—1859 in Halle und Berlin Philologie»nd Theologie, dann unterrichtete er kurze Zeit am Bielefelder Gym- nasium nud wurde 1851 Erzieher in der Familie des Grafen Görtz- Schlitz. Im Jahre 1866 wurde er vom damaligen Kronprinzen als Erzieher für seinen Sohn, den jetzigen Kaiser, gewonnen. In der Erzieherstellung blieb Hintzpeter bis 1877.— Ein neues Stücklei» preußischer Polizciwirtschaft macht in Wilhelmshaven großes Aufsehen, richtet eb sich diesmal doch nicht gegen die Ärbeitcrichaft, sondern gegen eine Militär- l a p e l l e. Am 1. Wcihnachtssciertage hielt das Musikkorps der 2. Matrosendivision ein Nachmittagslonzert ab, dein abends ein zweites in einem anderen Lokal folgen sollte. Dem Eharatlcr nach waren sich beide Konzerle gleich. Kurz vor dem Beginn des Abend- konzerts erhielt der Miisikdirigent Wöblbier die Nachricht, daß die Polizei sämtliche Programnmummeru bis auf zivei gestrichen hahe. Auf lein persöiilicties Vorsielligwerde» und nach Aufstellung anderer Konzerlslücke konnte das Konzert abgehalten werden. DaS Vor- gehen des Polizeichefs Regierungsassessors Molsi stützt sich aus die hannoversche Sabbatordnung vom 22. August 1900, wonach an den ersten Festtagen nur die Aufführung ernster Musikstücke gestattet ist. Da feststeht, daß die erst getvählten Konzerlslücke ernsleu Eharalters waren und die Polizei gegen andere Musikaaf- führungcn keinen Einspruch erhob, hat der Besitzer des betr. Lokals beim Stantsmiiiisterium Beschwerde erhoben, auf deren Verlaus man recht gespannt sein darf._ Zur Charakteristik der bürgerliche» Presse. In der sogenannten unparteiischen, zumeist regierul«gS„liberalen" Presse findet man oft ein Inserat deS in Köln wohnenden„be- rühmten Wahrsagers* H. Belterman». der sich gegen gutes Geld er- bietet,„wahr" zu sagen über„Ehe. Kinder, Prozeß, Lotterie, Sterbe- fälle in der Familie, Geschäiiliches, Erbschaften und Veränderungen". Wie kürzlich in einem in Nürnberg verhandelten Slrasprozeste bekannt tvurde, hat de» Bcntelschneider in der kurzen Zeit von drei Wochen dort nicht weniger als 446 Dumme, meist Mädchen und junge Ehefranen, gefunden, die ans das Inserat hineingefallen sind. Ein Kölner Polizeibeamter bekundete in dem Prozeß als Zeuge, daß der„Wahrsager" ein im höchsten Grade anrüchiger Mensch sei. der schon viele Strafanslalteii absolviert, Zuhälter gewesen und wegen eines Einbruchs in die Krimüialjchutzwache anderthalb Jahre Gesängnis erhallen habe. ES ist interessant, die Namen der Zeitungen kenneu zu lerne», die durch zum Teil wiederholten Abdruck des hau dg reif- I i ch e n S ch iv i» d e l i n> e r a t s für schmutziges Geld dem Be- triiger sein Gewerbe überhaupt e r st ermöglicht haben. Das Inserat hat gestanden in folgenden Zeitungen:„Ostdeutsche VoUszeümig" iJvsterbiirgl.„Posener Neueste Nachrichte»".„Danzigcr Neueste Nachrichten",„Graudenzer Gesellige",„Straliunder Zeitung", „Ehenmitzer Neueste Nachrichten",„Zwickauer Tageblatt*,„Ersurier Allg. Anzeiger",„Eisenacher Tagespost"..Geraer Zeitung".„Bres- louer General-Anzeiger",„KöiiigShürter Tageblatt",„Badische Presse" (Karlsruhe),.Mannheimer Geiinral- Anzeiger",„Nürnbelger General- Anzeiger" u. a.—__ Zknarlhistenhatt im Nnhrgebict. Eine Weihnachtsfreiide hat dem anarchistenfürchtigen Spieß- bnrgertum die Polizei des Bergarbeitcrdörschens A l st a d e u bei Oberhäuser, bereiict. indem sie am Freitag zweiAnarchisteu festnah m. Was die beiden Sünder verbrochen haben, ist nicht zu erfahren, vorerst legt ihnen die polizeifroinme Presse nur anarchistische Propa- ganda zur Last. Gewiß kein Grund zur Festrrohme. Aber im Reich deS Polizeikommisiars Buriie, von dessen staaiserhaltendem Eifer unsere Genossen so maiicheS Lied zu singen wissen, sind solche Dinge be- greislich. Die Fesigenoiirnieuen verweigerten bisher jede Aü-kuiift über Herluuft und Namen.--_ Italien. Wechsel im Kriegsuiimstcrnim. Rom, 29. Dezenrber. Der König hat das EiitlasnmgSgesuch des Krrcgsininislers General Vigrnio genehmigt unter Verleihung des GroßkreuzeS des St. Mauritius- und LazaruS-OrderrS. Zum Nach- folger VigauoS wurde der Senator Ingenieur Severiiw C a j a n a ernannt. Rußland. Finanzpolitik. Tie Hungersnot nimmt gewaltige Diniensionen an. Ans cillen Ecken und Enden des Riesenreiches lausen schreckliche Nachrichten vom Hunger ein. Nach der of f i z i e l l c n Statistik sollen 21 Gouvernements mit 43 Millionen Ein- wohnern„Mangel an Getreide" haben..». Die Getreide- preise haben eine für Rußland imerporte Hohe erreicht und der russische Bauer durchlebt nun schon das dritte Hungerjahr nacheinander. Während er aber vor Hunger umkommt, wird aus Rußland massenweise Getreide ausgrsührt und zu Schleuderpreisen auf dem Weltmarkt verkauft; denn um die Steuern und das Pachtgeld zu zahlen, muß der Bauer fast sein ganzes Getreide verkaufen, verkaufen so schnell wie nur möglich, und die Regierung ihrerseits bietet alles mögliche auf, um das den Bauern entrissene Getreide ins Ausland zu schaffen: Sie hat im Auslande 12 Milliarden Schul- den aufgenommen, und dorthin fließen jährlich 5l)0 Millionen Mark Zinsen. Die Negierung ist daher bemüht, etwas Gold von dort ins Land zurückzubekommen!„Wir werden selber Hunger sterben, aber unser Getreide ausführen," er- klärte der frühere Finanzminister Wischnegradsky. Die Getreideausfuhr in diesem Hahrc war eine ge- waltige: 369 Millionen Pudl Die Händler machten glänzende Geschäfte, dem Bauern aber wurde die letzte Krume Brot ent- rissen und ins Ausland geschickt.— Es ist klar, daß die Hungersnot eine beständige Erscheinung im russischen Leben bleiben muß, solange Nikolaus und seine Rcgierungskiinstler im Lande hausen. Finnland. Schritt für Schritt! Helsingfors, 39. Dezember.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die russische Regierung bereitet neue Eingriffe in die finnischen Verhältnisse vor. Jetzt mischt sie sich in Finnlands Verkehrswesen ein: Soeben erging an den diesigen Senat eine Verordnung des Generalgouverneurs, im Anschluß an die Havarie der Zarenjacht„Standart" eine Untersuchung in der finnischen Lotsenverwaltung einzuleiten! Tie russische Regierung maßt sich des serneren sogar a», Schritte gegen Finnlands Beteiligung an internationalen Kongressen zu unternehmen!! Indien. Vom Nationalkongrest. Snrat, 28. Dezember.(W. T. B.) Die gemäßigten Mitglieder des indischen Nationallongresscs hielten heute eine Sitzung ab. Laipatrai unterstützte die Wahl Ghoses als Vorsitzenden. Es wurde ein Ausschuß ernannt mit der Aufgabe, die Wiedereröffnung des Kongresses in seiner ursprünglichen Gestalt ni die Wege zu leiten. Curat, 29. Dezember.(W. T. B.) Die Gemäßigten, welche zwei Drittel sämtlicher Delegierten darstellen, haben eine neue Kongreßorganisation ausgearbeitet behufs Erlangung der kolonialen Selbstregierung auf verfassungsmäßigem Wege. Sie hoffen, daß, nachdem die Extremisten jetzt ausgeschaltet sind, die Regierung sie unterstützen und den Mohammedanern eine weitgehendere Beteiligung an der Bewegung gestatten werde. Die Extremisten hielten eine gesonderte Versammlung ab; sie beabsichtigen, eine fortschrittlichere Politik zu verfolgen. London, 30. Dezember.(B. H.) Aus Surat wird gemeldet: Die Auslösung des indischen Kongresses veranlaßt- einen vollsran- digen Bruch zwischen den Gemäßigten und den Radikalen, welche nach der Auslösung jeder für sich Meetings abhielten. Die Radi- kalen äußerten sich zugunsten einer Politit des Widerstandes gegen die Regierung._ Berichtigung. In Nr. 301 in der 2. Beilage(Artikel:„Die norwegischen Kommimalwahlen") haben sich ein paar Fehler ein- geschlichen: ,Jn Kristiania sind 27 Sozialdemolraten gewählt hiicht 271), ebenso in Stavanger 17(nicht 171). Die Tat- sackte, daß als Summe der in den Städten gewählten Sozialdeipokratei, die Zahl 350 angegeben ist, läßt übrigens die beiden hoben Zahlen schon als fehlerhast erkennen. Die beiden am Ende des betresiaudeu Absatzes genannten Städte heißen nicht Sardö und Sadsö, sondern Bardo und BadsS.— Hus der Partei. Konferenz der sozialdemokratischen LandtagLabgrordneten in den Thürluger Staaten. Jena. 29. Dezember. Im Gewerkschaftshause„Zum Löwen" trat heute vormittag die von 23 Abgeordneten besuchte Konferenz zusammen. Bon den neun Thüringer Vaterländern sind es ihrer sechs, in denen zusammen 29 sozialdemokratische Abgeordnete sitzen.— Die Verhandlungen fanden unter der Leitung der Einbcrufer, der beiden Partcisekre- täte, statt. Nach ein paar Begrüßungsworten des Abgeordneten Leber- Jena wurde in einem kurzen Referat die Thüringer Eisenbahnfrage vom Abgeordneten H o s m a n n- Saalfeld behandelt. Nach eingehender Debatte wurde in einer Resolution zum Ausdruck gebracht, daß den jammervollen Zuständen auf dem Gebiete der Eisenbahnpolilik in Thüringen nur durch Schaffung von Neichseisenbahnen ein Ende bereitet werden könne. An die Regierungen der in Betracht kommenden Staaten wird das Er- suchen gerichtet, in energischer Weise dafür zu sorgen, daß den zur Ohnmacht verurteilten Thüringer Kleinstaaten ein größerer Einfluß auf dem Gebiete des Eisenbahnwesens zugestanden wird, zumal diese Frage auch in finanzieller Beziehung von weitgehendster Be- deutung für die Kleinstaaten ist. 'Abgeordneter Bock- Gotha referierte über die Finanz- kalamität der Thüringer Kleinstaaten. Er betoute zunächst, daß die Finanzverhältnisse der Kleinstaaten ausschließlich beeinflußt werden durch die Finanzverhältnisse des ReidheS Trotz der Vielgestaltigkeit der Steuerverhältnissc in den einzelnen Staaten ist die Auspowerung der Massen überall die gleiche. Das Umsich- greisen der Militärverscuchung bedeutet für die Massen des Volles in den Kleinstaaten eine ganz empfindliche Steigerung der Lasten. Deshalb sei es geboten, in-erster Linie gegen die gegenwärtige Art der Reichspolitik im allgemeinen zu protestieren und das Ver- langen auf eine Erweiterung der Reichöerhschaftssteuer und Ein- führung einer Vermögens-, sowie einer progressiven ReichSein- kommensteuer wiederholt zu stellen. In einer entsprechenden Re- sclution wurden diese Forderungen nach lebhafter Debatte ein- stimmig beschlossen. DaS Vereins- und Ver sammlungsrecht der neun Thüringer Vaterländer wuvde in einem kurzen Referate vom Ab- geordneten B a u d e r t- Weimar behandelt und in Vergleich zu dem Entwürfe des Reichs- Vereinsgcsctzes gestellt. Ohne Debatte wurde einstimmig der Resolution zugestimmt, in der betont wird, daß der betreffende Entwurf nicht nur keine wesentlichen Ver- lvsscrungen, sondern für einige Staaten sogar noch Be rschl ech- t c r u n g e n enthalte und leine Gewähr dafür bietet, daß die gerade in ein paar Thüringer Staaten beliebte Polizeiwilltür beim Verbot sozialdemokralischcr Versammlungen beseitigt wird. Aus diesem Grunde wird an die sozialdemokratische ReichStagösraktion das Ersuchen gerichtet, dem Entwurf nicht zuzustimmen. Abgeordneter K ä p p l c r- Altenbura behandelte kurz die Wahlrechtsfrage und in welcher Weise man sich eventuell in den einzelnen Thüringer Staaten an den Wahlrechtsdemonstra- tirnen zu beteiligen haöe. Nach lebhaftem Austausch der ber- schiedensten Ansichten beschloß man, den zu dieser Frage aus dem preußischen Parteitag gefaßten Beschlüssen die Sympathie mit der Versicherung auszusprechen, dafür sorgen zu wollen, daß auch in den Thüringer Staaten die Arbeiter geschlossen sich an den not- wendig machenden Kämpfen zur Erweiterung der wichtigsten Bolls- rechte beteiligen. Beschlossen wurde ferner, eine Zentralstelle zur Samm- lung des parlamentarischen Materials der Thüringer Kleinstaaten zu schaffen. Abgeordneter Leber- Jena wurde mit der Ein- richtung betraut. Da die Beratungen der Konferenz allen Erwartungen ent- sprochen haben und sich die Zweckmäßigkeit solcher Zusammenkünfte herausstellte, wurden die Parteisekretäre Baudert und Leber beauftragt, bei Bedarf in absehbarer Zeit wieder eine solche Konfc- renz einzuberufen._ Genosse Keir Hardie verunglückt. London, 30. Dezember Nach einem Telegramm aus Wel- l i n g t o n ist der sozialdemokratische Führer Keir Hardie bei einem Automobilunsall schwcr verletzt worden. Der Sozialismus in der Türkei. Die Tifliser Zeitung„Semlja" bringt interessante Mittei» lungen über eine angehende Arbeiter- und Baucrnbcwegung in der Türkei. Die Revolution in Rußland und in Persien üben auch aus die muselmännische Einwohnerschaft eine große Wirkung aus. Tie Arbeiter und die Bauern beginnen gegen ihre Ausbeutung anzu- kämpfen. So streikten unlängst 80 Arbeier einer Seidenstickerei- wertstakt in Diarbekir. In dem Bezirke Wana bemächtigen sich die Bauern der Kloster-gutsherrlichen Ländcreicn und zahlen kein Pachtgeld. An vielen Orten weigerten sich die Einwohner eine neue Steuer zu entrichten; sie wurde aufgehoben. Vor kurzem wurde in der Stadt Wana eine sozialistische Partei ge- gründet unter dem Namen:„Türkische revolutionäre Föderation". Sie steht auf dem Boden des Klassentampfcs und stellt in ihrem Programm eine ganze Reihe allgemeiner sozia- listischer Forderungen aus. Außerdem fordert sie, daß die Bauern, welche 5 Jahre fremdes Land bebaut haben, Eigentümer desselben werden, und daß solche, die zu wenig Land haben, solches aus dem Staatsfonds bekommen sollen. Hm Industrie und Kandel. Der preußische Fiskus als Kohlenvcrkänfcr. Auf die Anschuldigung,-sie trieben Kohlenwucher, antworten die Privatgrubenbesitzer, das könne siboii deshalb nicht wahr sein, weil die Staatsgruben noch höhere Preise erhielten. Diese Behauptung ist nicht unzutreffend. In O b e r s ch l e s i e n sind 1906 in Betrieb gewesen die Fiskalgruben König, Königin Luise, Bielschovitz und Knurov mit einer Belegschaft von 18089 Kopsen und einer Förderung von 5 811 937 Tonnen Eteiutohlen. Die fi§- kalischen Gruben lieferten 20 Prozent der oberschlesischeu Förderung. Unstreitig könnte der Fiskus mit einer so bedeutenden Fördermenge niederhaltend auf die Preise ein- wirken. Indessen betrug 1906 der Haldenwert pro Tonne Förderung der an Private verliehenen oberschlesischeu Gruben durchschnittlich 7,27 M,, während die Fiskalgruben über einen Tonnenivcrt von 8,05 M. berichten. Vergleichen wir die Preisentwickelung im Laufe eines Jahrzehnts, dann lommt folgendes Resultat heraus: Es betrug der Haldenwert pro Tonne ) 1896 1906 Steigerung M. lvk. M. Oberschlesien überhaupt.. 5.50 7,61 2,11 Fiskalische Gruben dortselbst 5,83 � 8,05 2,22 Der FiskuS hat also nicht nur höhere Preisstcllungen, sondern er hat auch eine stärkere Preissteigerulig vorgeuommeil wie die Privatkapitalisten. Noch viel volksfeindlicher ist die fiskalische Grubcnwirtschaft im Saargcbict. Dort hat sie keine Koukiwreiiz. Nach lürzlicken Mitteilungen aus dem hessische» Maingebiet hat sich nämlich der Saarfistus mit dem rheinisch-westfälischeu K o h l e n s y ii d i tat über das Absatzgebiet und im Anschluß daran auch über die Normalpreise ver- stand igt, mit welchem Erfolg, zeigt diese Aufstellung: Der Haldeitlvert pro Tonne Steinkohlen betrug in t396 1906 Zunahme Preußen überhaupt.. 6.72 M. 8,79 M. 2.07 M. Wmmgcbiet..... 7.71„ 10.07. 2,36 Saargebiet(fiskalisch). 8,99„ 11,85„ 2,86„ Wieder ist der Saargrubcnfisluö in der PreiSflellung und Preis- erhöhung weit voraus. Wir haben daS bei Aachen belegene Wurm- gebiet mit zu», Vergleich herangezogen, weil cS von de» preußischen Kobiendisllikle» dem Saargebict am nächsten liegt und ihm vielfach in sozialer Hinsicht ähnelt. Von den großen Steii'kvhleubezirkcu Preußens hat das fiskalische Saargebiet die weitaus höchsten Durch- schiiitlspreise, das ist unwiderleglich. Man kann das auch-nicht etwa einer geringwertigen Leistung der Arbeiter in die Schuhe schieben. Von dem Haldenwert der Sleinkohlenförderung ciltfielcn auf jeden beschäftigte» Arbeiter 1896 1906 Zunahine M. M,«Ii. in Preußen überhaupt.... 187S 2408 535 auf den fiskalischen Saargrube» 2055 2678 623 Die fiskalischen Gruben haben durchschnittlich den höchsten lieber- schuß pro Arbeiter, Das JahreSlohiieinkommeii der fiskalischen Saar- bergleute ist von 1896 bis>906 nur um 189 M, gestiegen: wie oben ersichtlich nahm in derselben Zeit der Wert der Ärbeiierleislung um 623 M. zu. Die außerordeniliche Heraufsetzung der Saarlohlen- preise ist demnach nur zum kleinsten Teile durch'die Lohnerhöhuuacn gerechtfertigt._ Der Flaschriignhautomat tritt seine Herrschaft an und macht die Arbeitskraft der bisherigen zünftigen Flaichenbläser überflüssig. Die deutsche Flascheiiiudustrie hat iiu»»ichr daü Owensche Patent für viele Millionen erworben, um vorzubeugen, daß die Ernnder durch besondere Gesellschaften daö Verfahren ausnützen lassen. Für etwa neun europäische Staate» fand die Patent- erwerbliug statt, nachdem mau im Jahre 1904 mit der eiigliiche» Compam, durch die Gerreiisheimer Glashütteuwerke Verhaiidluiigen angeknüpft hatte. Seit diesem Jahre wurden in Manchester andaiiernd Proben angestellt, zu welchen die Aktien- gcscllschaft für Glasindustrie Dresden(vorm. F. Siemens) daü in Deutschland zur Verwendung gelangende Gemenge in ganz be- deutenden Quantitäten verarbeitete. Die Reiultgte' dieser Verniche destäligen, was über diese neue Erfindung verbreitet worden war. Ohne Beihülfe einer menschlichen Arbeitskraft fertigt der Automat in der Stunde 850 bis 1000 Stück Bier- oder Champagnerflaschen an. welche dieselbe Glätte wie gedrehte Flaschen aufweisen und die geblasenen Flaschen an Haltbarkeit noch übertressen. Zu einer Reduktion des Preises der Flaschen ver- wendet die deutsche Flaschenindiistrie diese Erfindung zunächst nicht; sie will mittels hoher Abschreibungen für die Maschinen die be- deutende» Paleiitkostcn decken und vorläufig nicht mehr als 10 Proz. der heutige» HerstellungSmenge als Äutomatenprodult auf den Markt bringen._ Neue BctettigungSzifferu im Kohlcnfyndikat. DaS Syndikat gibt die ab 1. Januar 1908 gülligen neuen BeteilianngSzissern seiner Mitglieder bekannt. Danach stellt sich die Gesamtsumme der Beteiligung für 1908 für 1907 in Kohlen auf 76 676 457 Tonnen gegen 76 425 834 Tonnen „ Kols„ 14 142 850., 13 086 993 „ Briketts. 3212 810„, 2 839 910, Es erhöhen sich demnach die Gesamtziffcrn gegen die bisherige Beteiligung in Kohlen um 250 623 Tonnen 0,33 Prozent , Kot«„ 1055 857,--- 8.0. „ Briketts„ 372 900,=- 13,1 In Kohlen ist die Beteiligung demnach nur gering, während si, in Koks und Briketts recht beträchtlich erscheint. Die geringe Er> höbung in Kohlen ist erklärlich. Die EinschätzrnigSziffern der Zechen sind an und für sich so reichlich, daß selbst in der HochtoiijunlUir diese, Ziffern vielfach nicht erreicht wurden. Arbeilermangel und auch Wageumangel hinderten die Zechen, sich- darin noch weiter auszu- dehnen, und so kommt in Kohlen eine verhältnismäßig nur geringe Erhöhung in den Vcteilignngsziffern in Frage. Ans der Ziegclindiistrie. Der diesjährige Gesamtabsatz des Dortmunder Verkaufsvercins für Ziegeleifabrikate betrug 60 Mill. Stück Ziegelsteine. Da 130 Mill. Stück vorhanden waren, blieben 70 Mill. auf Lager. Der Bedarf für die Periode 1008 lvird auf SS Mill. geschätzt. Infolgedessen brauchen nur rund 30 Mill. Stück produziert zu iverden. Das bedeutet eine ProdukliouSeiuschräiikuug von 75 bis 80 Proz. Der VorftandSvorichlag, eine Einschränkung von 60 Proz. vorzunehmen, fand die Zustimmung der Mitglieder. Die Preise dürsten um etwa zwei bis drei Mark pro 1000 Stück zurückgehen. Em der Frauenbewegung. Versammsuntfen— Veralistastungen. Rixborf. Dienstag, den 7. Januar, 81z Uhr, bei Thiel, Berg- straße 151/152 Portrag Genosse Skur:„Japanische Kultur". Mittwoch, 1. Januar, keine Versammlung. Am 11. Januar: Maskenball bei Felsch, Knesebeckstratze.- � Her mit dem Wahlrecht! Für die Arbeiterinnen ist die Politik schon lange kein Blümchen Rührmichnichtan mehr. Die Sozialdemokratie hat schon im Anfang vörsandt,' das sich als einen Bettelbrief darstellt. Üm 6 ewerS�febaft lieber. Die„Gelben" nnd ihre Hilitermänner. Für die gelben„Gewerkschaften" besteht in Berlin ein „Ausschuß zur Förderung der Bestrebungen vaterländischer Arbeitervereine", für den die Herren Generalmajor z. D. v. L o e b e l l, Freiherr v. Reibnitz und Justizrat Franz Wagner verantwortlich zeichnen. Dieser Ausschuß hat kürzlich ein langes am Kopfe als„vertraulich" de- zeichnetes Rundschreiben an die Großindustriellen des Reiches der sieozigor Jahre des vergangenen Jahrhunderts versucht, die Frauen der arbeitenden Klassen aufzuklären über die Wichtigkeit der politischen Fragen. Unsere ersten Vorkämpferinnen erzählen uns von den Schwierigkeiten der Agitation unter den Frauen. Waren doch bis dahin die Frauen überhaupt nicht daran gewöhnt. zu denken und nun erst gar sich mit politischen und gesellschaftlichen Angelegenheiten zu beschäftigen. Waren sie doch in dem Grundsatze erzogen: Die Frau schweige in der Gemeinde!— Gewiß war es schwer, an die Arbeiterfrauen mit unseren Ideen, mit unserem Wollen heranzukommen. Doch durch die unermüdliche Arbeit einiger Frauen, hinter denen die sozialdemokratische Partei stand, wurde das Interesse der Frauen erweckt und jetzt sehen wir schon eine nach vielen Tausenden zählende Frauenschar, die sich stolz zu unserer Partei bekennt. Freudig können wir aus unsere Ge» nossinncn schauen, die wir unter den denkbar schwierigsten Um» ständen für uns gewonnen haben. Vielgestaltig waren die Polizeischikanen, die unS das Ber» fammlungsleben erschwerten. Jede freiere Regung der Arbeite- rinncnvereiue wurde geahndet. Weil sich ein Verein mit öffent- lichcn Angelegenheiten beschäftigte, wurde er aufgelöst, oder doch unter Polizeiaufsicht gestellt und zu jeder Versammlung war polizeiliche Ueberwachung zur Stelle. Aus öffentlichen Versamm- lungen wurden die Frauen entfernt, weil der überwachende Beamte die Versammlung zu einer sozialdemokratischen Vereinsveraustaltung stempelte. Kurzum, alle Mittel waren recht, um den Frauen die Teilnahme am öffentlichen Lebe» zu erschweren. Man wollte sie möglichst Viel Geld zu bekommen, wird dem Unternehmertum die Sache recht vielverheißend ausgemalt. Der„Förderungs ausschnß", wie er sich kurz nennt, soll nach dem Rundschreiben „durch eine Reihe von Maßnahmen dahin wirken, daß fol geude Erkenntnis in der Arbeiterschaft zur Herrschaft gelangt 1. Die Interessen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind nicht gegensätzlich, sondern parallellaufend. 2. Die Interessen der deulschen Arbeiter sind nicht international, sondern national. 3. Die AnfwäitScntwickelnng der deutschen Arbeiterschaft, ins besondere ihre Lebenshaltung steigt und fällt mit der poli tischen und wirtschaftlichen Erstarkung des Reiches." Zu 1: Die Phrase, die in der jahrzehntelangen Geschichte der Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine so über alle Maßen oll absurdum geführt worden ist. lebt hier neu auf. Zu 2: Die Erfahrung aller großen Lohiibewegnngen, insbesondere der Bergleute, Verkehrs-, Hafen- usiv. Arbeiter beiveisen das Gegen teil. Zu 3: Man will die Arbeiterschaft auf Grund dieses Satzes für die Zoll-, Flotten«, Wettrüslungs«, Kolonial- und dergleichen Politik einsangen. Die Werbekraft der gelben Verbände„gegenüber den sozialdemokratischen Vereinen soll insbesondere dadurch gesteigert werden, daß sie ihren Mitgliedern und deren Familien für einen sehr niedrigen Beitrag mehr praktische durchaus von diesem fern halten. Es ist auch gar nicht so lange Vorteile bieten als jene." Das letztere könnte natürlich bei her. daß Graf Posadowsky im R-ichötage erklärte, er wolle gern den � niedrigen Beitrag nicht geschehen, und so kommt das Zrauen die Betätigung in Berufsvereinen erlauben, aber- die Rundschreiben, nachdem es noch die von dem„Bund der WVÄS S SS"ÄÄ SKä'«4* w r—-«» gezwungen, den Kampf ums trockene Brot— denn weiter reicht es v0"., Bcrlimr.luvlchug zu fordernden Maßnahincn auf heute nicht— ohne Rücksicht auf ihre Gesundheit, viel weniger nock gezahlt hat, zur Hauptsache: den von dem Großunteniehmer- auf den Wohlanstand aufzunehmen. Nun soll das neue Jahr den Frauen mehr Bewegungsfreiheit auf politischem Gebiete bringen. Das neue Bercinsgcsetz wird den Frauen jedenfalls die- selben Rechte sichern wie den Männern. Beide Geschlechter werden gemeinsam in politischen Vereinen sich betätigen können, auch der Frauen Wort wird gehört werden und ihr Rat den gleichgesinntcn Männern willkommen sein. Die Frauen werden Gelegenheit haben, zu allen politischen Fragen Stellung zu nehmen, sich gleich dem Manne politisch zu schulen. Wenn es sich aber darum handelt, die gewonnene politische Einsicht in die Tat umzusetzen, wenn es daran geht, als Reichsbürger zu handeln, dann bleibt die Frau wieder abseits stehen. Das Tor zum höchsten Recht, zum Wahl- recht, ist ihnen noch verschlossen. Wir sagen, noch verschlossen, denn nach unserer Meinung kann es nur eine Frage der Zeit. sein, bis de» Frauen auch das Wahlrecht zugestanden wird. Ihre Aufgabe wird es sein, diese Frist möglichst zu verkürzen. Lesen wir die Begründung, die die Regierung dem Vereinsgesetzentwurf mit auf den Weg gibt, so finden wir in bezug auf die Frauen einen Passus, auf den bisher unseres Erachtens noch nicht genügend hingewiesen äst. Es heißt da: „Die Entwickelung der letzren Jahrzehnte hat dahin geführt, daß die Teilnahme der Fauen an öffentlichen Angelegenheiten eine erhebliche Steigerung erfahren Hais ihre Betätigung ist nickt nur im Handel, im Gewerbe und in der Industrie, sondern auch im übrigen öffentlicher! Leben in aussteigender Bewegung de- gxiffcn. In manchen Stellungen des öffentlichen Dienstes, die .früher ausschließlich oder fast ausschließlich von Männern bc- kleidet wurden, insbesondere auf dem Gebiete der Armen- und Waisenfürsorge, der Gewerbeaufsicht, des Post- und Telegraphen. tum zu spendenden Geldmitteln. Es heißt da: „Die Haupianfgabe des Ausschusses wird aber die sein, Maß- regeln zu ergreifen, durch welche auch ans die»och nicht ans dem Boden der varerländiichc» Arbeitervereine stehende Ardeiterichafi in diesem Sinne eingewirki wird, insbesondere durch geeignete Literatur und Abhaltung von unterhaltenden s!) und belehrenden Vorträgen. Der Ausschuß wird sich hierzu der verschiedensten Mittelsorgane bedienen, wie des„Per- eins für V o l ks k u l r n r" und ähnlicher unpolitischer Organisationen. Sowohl für die allgemeine als wie für die ort- liche Einwirkung durch den Ausschuß sind Anregungen und praktische Vorschlage seitens der Herren Förderer sehr erwünscht. � Da der Grad der Wirkung, welcher erzielt iverden wird, inl ivesentlichen von dem Umfange der verwendbaren Mittel ab- hängt, so bittet der Ausschuß um möglichst reichliche Ueberweisnug »o» Geldbeiträgen. Da die m e i st e»(l) Herren, welche unsere Bestrebungen iinterstiitzen, dir Nennimg ihrer Rainen nicht gewünscht haben, so iverden von allen Förderern die Name» ohne ihre aus- drückliche Gciirhiiiigiiilg nicht dekaiiiltgegebe». Zuschriften werden erbeten an den Vorsitzenden des Förderungsausschusses. Herrn Generalmajor z. D. v. Loebell. Berlin LVV. 11, Hafcu- platz 10. Geldsendungen e v e n t I auch unter C h i f s r e s!) an die kouigl. SeehaudlnitgShaüptkasse. Berlin\V. 56, mit der Bezeichnung: Für das Konto FörderniigsaiiSschnß." Ein edlcs Uiitenwhmen. das in solchem Matze d asLi ch t der Oessentlichkeit zu scheuen hat. Der„Bund der vaterländischen Arbeitervereine" soll ivohl auch dadurch nicht in seiner„Werbekrast" beeinträchtigt werden, daß man bei den Onittnngen der Spender und Förderer die Namen 8» ÄT* SSSTJg ÄÄTÄ SS I ,»sb.n.°. m--- Run». ständigen und mit Verantwortung verknüpften Tätigkeit sind die' ichtsiben erwähnt, dag dein„on c bish-er 4j SSereine Frauen an der Lösung öffentlicher Aufgaben in der Gegenwart beigetreten sind. EtivaS Näheres über den Jungradikale Draskowitsch, es hätte niemals in Serbien eine solche Korruption wie jetzt geherrscht, da in dem gegenwärtigen Kabinett jeder Minister seine eigenen Angelegenheiten betreibe» und keine Kontrolle von den Ministerkollegen ausgeübt werde. Auch die von der Regierung abhängige Skuvschtina sei hierzu un- fähig und müsse durch eine neue, unabhängige ersetzt werden. Ministerpräsident Pasitsch wies den Vorwurf der Korruption zurück einigten Mörtelwerke erhalten, und z.oar in Form eines Lohn-"llärte, daß die radikale Partei immer dagegen angekämpft abzuges. Die Kutscher erhielten bis dato einen Wochenlohn von. 29,50 M., jetzt erhalten dieselben einen solchen von 13 M. pro Woche, d. h. alle diejenigen, welche Fuhren nicht machen. Für diese 13 M. I Berantw. Redakteur: Han� Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwäusBuchdr. u. Verlagsanjtalt WgulSingerMo..BerI>n äW, Hierzu 3 Bei lagen u. UaterhaliungSblatt Htm 24,»,«. 1. Ktilllgt M LmlMg" Kttliner pölkölildtt. Prozeß Warden. Siebenter Taz. Die Verhandlung vcginnt mit der Verlesung dcS Protokolls Lbcr die in Schloß Schwancck stattgefundene Vernehmung des Geh. Rats Prof. Dr. Schweninger und dessen Gattin. Die Vernehmung war eine eidliche. Geh. Rat Prof. Dr. Schweninger gab folgende Aussage ab: Graf Kuno Moltke ist der Onkel meiner Gattin. Ich habe ihn von Anfang der Lvcr Jahre an ab und zu. jedoch sehr seilen, gesehen und auch dann immer nur weniges mit ihm gesprochen. Ich habe gegen den Grafen in keiner Weise eine irgendwie feind- lichc Gesinnung. Ich stehe auch jetzt noch mit dem Grafen auf dem Gruß- und Höflichkeitsstandpunkt. Der Angeklagte Hardcn wurde mir im Jahre 1892 in Varzin von dem Fürsten Msmarck vorgestellt. Daraus entwickelte sich ein dauernder Verkehr, der auch heute iwch besteht. Wir haben während meines hiesigen Wohnsitzes seit dieser Zeit sehr freundschaftlich miteinander ver- kehrt und duzen uils seit drei bis vier Jahren. Zweimal war Hardcn bei mir in Schloß Schwaneck. Harden hat mir meines Wissens über den Sinn und Zweck der Artikel nichts Wesentliches mitgeteilt. Die frühere Gräfin Moltke, jetzige Frau v. Erbe, habe ich meines Wissens erst 1909 während meines Aufenthaltes in Lichtcrfeldc kennen gelernt. Sie ist dann vielleicht 1902 oder 1908 öfter eingeladen und uncingcladcn zu uns gekommen. Seil dieser Zeit haben wir sie wenig oder gar nicht mehr gesehen. Ich glaube während der Zeit, wo die Gräfin mit mir und meiner Frau ver- kehrte, die Gräsin ziemlich genau kennen gelernt zu lMbcn. Unsere Gespräche uxircn nicht nur rein konventionelle, sondern wurden allmählich sehr vertraulich insofern, als sie sowohl ärztliche Fragen als auch die ehelichen Zerwürfnisse betrafen. Meine Unterredungen auf ärztlichem Gebiete waren nicht von langer Dauer, da ich es im allgemeinen abgelehnt habe, Frau v. Elbe ärztlich zu behandeln. Ich glaube, daß sie an wiederholten Blinddarm- bczw. Wurmfortsatz- attacken gelitten hat. Von einer angeblichen Trionalvergistung habe ich nichts mehr beobachtet, hätte sie aber beobachten müssen, falls ihre Wirkungen noch vorhanden gewesen wären. Dieses Urteil kann ich aus Grund meiner Beobachtungen als Arzt, aus Grund der mit ihr geführten Gespräche und auf Grund meiner langjährigen Erfahrungen überhaupt abgeben, obwohl ich die Gräfin nie körperlich genauer untersucht, sondern ihr nur hin und wieder, wie ich glaube, einen ärztlichen Rat erteilt habe. Meine Uebcrzeugung war die, daß Frau v. Elbe zuviel gedoktort, zuviel Gift zu sich genommen hatte, wenn das richtig ist, was sie mir über ihre Trionalvergistung gesagt hat. Als ich sie kennen lernte, hielt ich ihre Gesundheit für fest, mit Ausnahme der gelegentlichen Blinddarmstörungen. Das bewies meines Erachtens schon die Tat- fache, daß ihr Körper die schädliche Wirkung solcher angeblicher Mengen von Trional und anderen Mitteln verhältnismäßig schnell überwunden habe. Meines Erachtens kann die Ursache über mir von ihr mitgeteilten Erkrankung zum Teil vielleicht auch in der angeblichen ehelichen Richtdesriedigung gelegen haben. Es braucht meines EraStens die Ursache der Erkrankung nicht lediglich die Trionalvergistung gewesen zu sein. Wieviel dazu eheliche Zcr- würfnisse, Unbefriedigtheit, gesellschaftliche Ansprüche und anderes beigetragen haben, möchte ich nicht entscheiden. In diesem Sinne habe ich mich auch, soweit ich mich zu erinnern glaube, auch zu Harden geäußert. Welche Folgen im allgemeinen von einer schweren Trionalvergistung zurückbleiben, läßt sich ohne weiteres nicht entscheiden, ohne zu wissen, wie oft. wie viel und bei wem das Trional angelvandt ist. Ich gebe übrigens zu, daß meine Er- fahrungen über Trionalvergistung ziemlich gering sind. Gewiß wird bei langem Gebrauch und bei sehr in Anspruch genommener Gehirntätigkeit der häufige und starke Trionalgebrauch auch auf das Erinnerungsvermögen schädigend wirken. Wenn die Ber- giftung zu Schwund- und degenerativcn Erscheinungen durch die Tauer und den starken Gebrauch des Giftes geführt hat. dann ist an eine Restitution des Erinnerungsvermögens nicht zu denken. Bei der Frau Gräfin war von einer akuten Trionalvergistung nichts, von einer chronischen womöglich noch weniger zu merken. Ob Frau v. Elbe in der Zeit, während der ich mit ihr verkehrte, und sie gesehen habe, über Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, fiebcrischc Erregungen oder Rcrvenzuständc geklagt hat, kann ich heute nicht mehr sagen. Es kann sein, es kann ober auch nicht sc im Ich kann mit Bestimmtheit aussagen, daß sie von solchen Zuständen, die sie während des Zusammenseins mit dem Grafen Moltke gc- habt haben will, erzählt hat. Auf jeden Fall kann ich sagen, daß ich die Frau Gräfin zu der Zeit, als ick sie kennen lernte, und während der ganzen Zeit unserer Bekanntschaft für eine geistig gesunde Frau gehalten habe. Ich habe die Ueberzeugung und habe sie auch Herrn Harden gegenüber in den häufigele» 1900 bis 1906 entweder im Beisein der Gräfin oder über sie geführten Gesprächen ausgedrückt, daß mir als Menich und Arzt die Gräfin durchaus normal, glaubwürdig und nicht zu phautasiischen Uedrrtreibuiigen geneigt erschien, wenn ich auch iiieine und auch Herr» Harden gegen- über erklärt haben könnte, daß sie auch in der Erregung einmal etwas ine lir getagt haben kann, als sie verantworlen konnte: deswegen habe ich sie aber»och nicht für hysterisch gehallem Hysterie hielt ich sürausgeschlosiem Ihre Darstellung war ruhig, klar, kalt und gelassen und für eine in einen io schwierigen' Prozeß veiwtckelte Frau sogar un- gewöhnlich verständig»nd sicher abgegeben. Frau V Elbe hat mir gelegentlich, soweit ich mich eriiinere. Miileiliiiigen über ihr Ehelebei, gemacht. Sie bat mir erzählt, daß idr Gatte sie gektiiffeil bat. Sie kann aber au» gesagt haben: Gras Moltke hat mich geschlagen. Die Gräfin hat mir die zwischen ihrem Gatte» iliid ihr vor» gekonimeue» Streitigkeiten stets in der Weise dargestellt, daß ich daraus'chließen»inßte, ihr Gatte trage die alleinige Schuld an den Srreitigkeilem Sie hat sich auch mir gegenüber, das weiß ick genam über blaue Stellen, die von Mißhandlungeit ihres Gauen herrühre» sollten, bekwgt. Es ist mir nichts davon bekannt, daß sie sich selbst initiinter zu Boden geworfen, sich mit dem Körper gegen Möbel gewälzt und niii dem Kops gegen die Wand gestoßen habe. Sie hat ferner einmal betreffs des Ber- bätlnisseS des Grafen Moltke zum Fürsten Eulenburg in meiner Gegenwart ungefähr geäußert:.Der Grai hat den Fürsten mehr lieb als mich." Im übrigen sind mir Gerüchte über angebliche perverse geschlechtliche Reigunge» im Kreise des Fürsten Eulenburg schon zu Lebzeiten des Fürsten Bismarck zu Obren gekommen. Ter Name des Grafen Moltke ist bei diesen Gerüchten nicht er- wähnt worden. Tatsachen in dieser Richtung weiß ich nicht. Ich persönlich Halle den Eindruck, daß der Graf Moltke ein süßlicher, weibischer Mann war, ei» Eindruck, der meines Wissens in Schlesien und in der Bekannt- schaff meiner Frau geteilt wurde. Ich kann mich enimeri,. daß die Gräsin in meiner Gegenivart von den angeblichen Aetlßerungen ihres Gauen:„Fralien sind Klosetts",.er wolle sie als Märchen haben" erzählt hat. Au» Kosenamen ihres Gatten gegenüber dem Fürsle» Eulenburg hat sie mir genannt. Die angebliche Tascheiiluchaffäre habe ich, wie ich glaube, erst aus den Zeitungen ertahren. Den Wunsch. Horde» kennen zu lernen, hat die Gräfin uns. das heißt meiner Frau und mir gegenüber geäußert. Sie sagte dabei ineiner Erinnerung nach. Harden könile ihr vielleicht einen Rat geben. Aus Grund dieffs Wnnsches haben wir, daö heißt meine Gattin oder ich die Gräfin mit Harden bekannt gemacht. Ich weiß nicht mehr, will aber nicht i» Abrede stellen, daß ich Herrn Harden Muteiliingen über das mir und nieiiier Frau von der Frau l). Elbe Mitgeteilte gemacht habe. Ich kann mich insbesondere nicht mehr eriliitern, daß ich Herrn Harden erzählt habe. Frau v. Eibe verde verfolgt, boykomert. gequält. Als möglich gebe ich eS ober zu. Ich kann mich aber darauf besinnen, daß ich Herrn Harden. der nach meiner Ansicht keine rechte Freude an der Sache hatte, gebeten habe, sich der Frau und ihrer Lage anzunehmen, da sie Mitleid verdiene. In den Gesprächen mit Harden ist von mir erwähnt worden, Graf Kuno Moltke treibe zwar nicht selbst Politik, sei für seinen Freund Eulenburg aber als Beobachter, Bcrtrauensinann, Berichterstatter sehr wichtig. Woher ich dieses weiß, ob ich es insbesondere von Frau v. Elbe weiß, kann ich heute nicht mehr sagen. Ich kann mich auch nicht erinnern, daß ich Herrn Harden über einen Grund der angebliche» Antipathie EulenbnrgS gegen Frau v. Elbe Mitteilungen gemacht habe. Ich habe Herrn Harden gegenüber bei diesen Gesptächen auch Bismarcks Urteil über den Fürsten Eulenburg erzählt. Insbesondere. daß der Fürst Otto v. Bismarck und fein Sohn Herbert das Wirken des Fürsten Eulenburg namentlich auf dem Gebiete der Peisonalien und in der Rolle eines befrcun- deten unverantwortlichen Ratgebers für un- heilvoll gehalten und wiederholt auch von einer geflissentlich abnormen Veranlagung des Fürsten Eulenburg gesprochen hat, die, verbunden mit einer Neigung ins Mystische, nebel- Haft Schwärmerische, den Fürsten Eulenburg nicht zum Benrauten eines regierenden Fürsten qualifiziere. Woher die An- ficht des Fürsten Bismarck stammt, der Fürst Eulenburg sei geschlechtlich abnorm veranlagt. kann ich nicht sagen. Ich erinnere mich ferner an die Aeußerung des Fürsten Bismarck:.Ein kaiserlicher Adjutant, der sich offiziellgar nichtmit Politik beschäftige, könne auf politische Entschlüsse mehr Einfluß haben. als ein Reichskanzler, schon weil er den Herrn öfter sehe und sich schmiegsamer dessen Stirn- m un gen anpasse." Ich entsinne mich dem Sinne nach an folgende Worte, mit denen Bismarck die Ableugnung einer Kamarilla-Politik ab- zutun pflegte:„Wenn solche Sachen so dumm gemacht würden, daß der regierende Herr die Absicht merkt, oder daß sie von draußen haarscharf nachweisbar sind, könnte sich eine Kamarilla nirgends halten." Ich glaube au» diese Aeußernngen Herrn Harden mitgeteilt zu haben. Ich kann jedoch nicht mit Bestimmtheit sagen, ob diese politischen Aeußernngen von mir Horm Harden im Zusammenhange mit den Aeußernngen der Frau v. Eibe gemacht worden sind. Als Harden von uns mit Frau v. Elbe bekannt gemacht wurde. standen wir mit Frau v. Elbe so intim, daß wir uns duzten. Ich erinnere auch daran, daß in meiner Gegenwart von Frau v. Elbe davon gesprochen worden ist, daß Graf Moltke, solange er dem Berliner Hofe nahe war. sehr häufig dem Fürsten Eulenburg über die poliuschen Vorgänge und Stimmungen berichtet habe. Ich erinnere mich dagegen nicht, daß ich Zweifel in diese Aeußernngen gesetzt habe. Ich glaube mich auch der Aeußerung der Frau v. Elbe zu ent- sinnen, sie sei von ihrem Gatten in ihr Zimmer eingeschlossen und ferner, sie sei von ihm entlassen tvorden. Ich glaube mich auch ferner zu erinnern, daß Frau v. Elbe einmal gesagt hat: das sei ja das schlimme, daß niemand glauben wolle, wie schlimm und gc- waltfam gegen sie der Graf gewesen sei, den die Welt nur als sanften und etwa« sentimentalen Herrn kenne. Aus welchem Anlaß sie diese Aeußernngen getan hat, weiß ich nicht mehr. Ich kann auch nicht mehr sagen, ob Frau v. Elbe in diesem Zusammenhange den Grafen Moltke ironisch den.süßen Kuno" oder.Tüti" genannt hat. Diese Ausdrücke sind vielmehr damals schon seit langer Zeit mir bekannt gewesen und oft auf Moltke an- gewandt worden. Darüber, ob Herrn Harden von Frau von Elbe außer den Ehe- alten weiteres Material zur Verfügung gestellt worden ist, ferner darüber. Wellben Zweck Frau von Elbe bei der Weilergabe ihrer Erlebnisse an Hardcn verfolgt hat, ob sie insbesondere eine Ver- öffcntlichung oder Verwertung in der Politik gewün'cht und erbeten hat, weiß ich nicht. Ich kam, nichts darüber sagen, zu welchem Zweck Frau v. Elbe die Hülfe des Herrn Harden erbeten hat. Ich vermutete und vermute noch heute, daß sie durch ihn eine Be- ichleimigung des Eheprozesses wünschte. Wenn ich einen Zweifel an der Glaubwürdigkeit und der ungetrübten Geisteskraft der Gräfin gehabt hätte, hätte ich Harden, dessen schlechten GesnndheitSzustand und Ueberbürdung mit ernster, ehrlicher Arbeit ich kaimte, nicht gebeten. Zeil und Blühe an die Sache der Gräfin zu verioenden. Wenn ich lagen soll, warum Harden die inkriminierten ANikel geschrieben hat. so kann ich nur meiner lieber- zeugung dahin Ausdruck geben, daß Harden sich weder von petsönlichem Haß noch unlauteren Motiven hat leiten lassen und daß er den Grafen Moltke nicht als unehrenhaften Mann. sondern das an einer bestimmten Stelle schädliche Werkzeug eines anderen bezeichnen wollte, auch daß er als Politiker diese Erwähnung im ReichSinteresse für nötig hielt. Zch halte Hern» Harden für un- fähig, sich als Politiker und Publizist von anderen als sachlichen Beweggründen leiten zu lassen. Er ist nach nleiner Ansicht auch da, Ivo er manchen objektiv irrend zu sein scheint, von dem leiden- schaftlichen Wunsche erfüllt, nach bestem Wissen dem Baterland zu dienen. Gerüchte über den Grafen Moltke in sittlicher Beziehung sind insofern zu meinen Ohren gc- langt, als ick gelegentlich über ihn und seine Freunde den Ausdruck „Frontvclwcchsclung" gehört habe. ES ist dieser Ausdruck meines WiffenS schon vor der Trennung der«veidcn�Ehegailen gebraucht worden Wo der Ausdruck gefallen ist. kann ich aber nicht mehr sagen. Zch habe mich nicht darum gekümmert, ob dieser Ausdruck eine tatsächliche Grundlage hat. Frau Magdalenr Schweninger, geborene Gräfin Moltke, bekundete:„Ich bin die Nichte des Grafen Kuno v. Moltke. Eine feindliche Sliinmnng gegen meine» Onkel habe ich niemals gehabt, habe sie auch jetzt nicht Ich habe es nur als eine gewisse Zurückietzinig einpfunden, daß sich, in der Zeit der Trennung meiner ersten Ehe mit Franz v. Lenbach niemaild aus meiner Familie»m mich künnnerte, habe aber diese Enipfindnng, so weit ich mich erinnere, nicht laut werden lassen. Mit Fr ui von Elbe bin ich aui Grund eines Biiefes, in vom sie mich bat. sie einmal zu besuche», näher bekannt geworden. Sie teilte mir dabei mit. daß sie in Scheidung mit Gras Moltke läge, daß sie sehr traurig sei und große Schwierigkeiten mit der Scheidung, die schon sehr lange dauere, habe. Sie tat mir sehr leid. Wir traten dann auch wegen des Mitleids, das ich mit ihr empfand, in näheren Verkehr. Sie fragte mich, wie man ihr helfen könne, um den Prozeß zu be- schleunigen. Mir ist eS so, als wenn Frau von Elbe dabei de» Wunsch ausgesprochen habe, anS diesem Grunde mit Harden bekannt zu werden Es kann aber auch sein, daß mein Mann oder ich ihr den Namen Harden zuerst genannt hat. Gleich bei der ersten Begegnung mit Harde» in meiner Wohnung sprach Frau von Elbe mit lh>n über die Eiiizelheiten ihres Ehelebens und ich glaube mich insbesondere zu erinnern, daß sie bereits damals im wesentlichen alles das gesagt hat, was sie nach den Zeitniigsberichlen in der Schöffengerichts- Verhandlung ausgesagt hat. Bei diesem ersten Gespräch machte Frau von Elbe aus mich einen kühlen, gelassenen und glaiibivürdigen Ein- druck. Ich glaubte ihr jedes Wart. Ich persönlich habe schon aus meiner Kiiiderzeil ebenfalls die Erinnerung, daß mein Onkel Kuno ein etwas südlicher und weibi'cher Mann war Ich selbst habe auch die Freundschaft zwischen Molikc und Eulenburg wiederholt zu beobachten Gelegenheit gehabt und sie ist mir als eine b e- ionderS sentimentale und mir unsympathische aufgefallen, ohne daß ich dabei an irgendwelche perverse Neigungen ge- da»! habe oder denke. Aus dem von mir mit angehörten Gespräch zwischen Frau v. Elbe und Harden besinne ich mich insbesondere noch darauf, daß Frau v. Elbe von Mißhandlungen seitens ihres Gatten gesprochen und daß sie auch ihrem Gatten allein die Schuld an den ehelichen Zwistigkeiten beigemessen bat. Frau v. Elbe hat mir als Zweck ihres Bckanntwerdens mit Harden nur mitgeteilt, daß sie eine Hülfe im Prozeß haben wollte und es war und ist meine feste Ueberzeugung, daß Frau v. Elbe niemals ein publizistisches Eingreifen Hardens in ihrem Prozesse erwartet hat. Ich kann endlich sagen, daß Harden sich nur sehr ungern mit der ganzen Ehescheidungsgeschichte befaßt hat. Ich schließe das ans der zurückhaltenden Art und Weise, wie Harden die Mitteilungen der Frau b. Elbe aufgenommen hat. Ich glaube nlich an» einer diesbezüglichen Aeußerung des Herrn Hardcn dunkel zu erinnern."— HardcnS Bermittelung im Ehekcheibungsprozest Moltke. Im Anschluß an die Verlesung des Protokolls vetont der An- geklagte H a r d e n. daß die Hülfe, die er der Frau b. Elbe bringen sollte, nicht darin bestehen sollte, daß etwas aus ihrem Ehe- schcidungsprozeß veröffentlicht werden sollte. Gesagt habe sie ihm nichts davon und wenn sie mit einem Worte etwas Derartiges nur angedeutet haben würde, würde jede weitere Verbindung mit ihr unmöglich gewesen sein. Seine Hülse sollte nur darin bestehen, daß er sich mit dem Justizrat Dr. Sello. den sie für einen fanatischen Verfolger hielt, in Verbindung setzen und für einen Ausgleich ein wenig plädieren sollte. Der Darstellung, die Hardcn über seine Schritte, die er bei Justizrat Dr. Sello unternommen, widerspricht Justizrat Dr. Sello. Er sei mit Harden mehr als bekannt gewesen und sei erstaunt gewesen, eines Tages von Herrn Harden ganz plötzlich einen Brief zu erhalten, in welchem er etwa schrieb:„Ich möchte gern einmal kriminalistisch mit Ihnen plaudern. Ich habe über einen Prozeß, den Ihr Kollege, der Rechtsanwalt Dr. Silbcrstcin, für den Grafen Moltke führt, Mitteilungen e r st a u n- l i ch e r Art zu machen. Ich habe Material zur Hand, das einen der größten politischen Skandale in Deutschland hervorrufen könnte." Justizrat Sello bekundet, er sei darüber ganz entsetzt gc- Wesen und habe Herrn Harden ersucht, nicht nur eine Person zu hören, sondern beide Teile, und habe ihm angeboten, auch das der Gegenseite zu Gebote stehende Material zur Kenntnis zu nehmen. Bald darauf habe die Korrespondenz einen sehr gereizten Ton an- genommen und ihm sei nicht mehr Gelegenheit gegeben worden, Herrn Harden sein. Material zu unterbreiten. Angeklagter Harden widerspricht seinerseits dieser Tarstellung und behauptet, daß der Justizrat Dr. Sello zuerst einen gereizten Ton angeschlagen habe. Dieser habe sogar bedauert, einen gereizten Brief geschrieben zu haben. Die Beziehungen zwischen ihm und dem Justizrat seien Jahre lang die allcrfrenndlichstcn gewesen, der Justizrat habe ihm auch in dem ersten gereizten Briefe gesagt, daß er an seiner bona kiäcs nicht zweifle. Justizrat Dr. Sello erwidert, daß im Anschluß an jene Korrespondenz eine jahrelange Entfremdung zwischen ihm und dem Angeklagten eingetreten sei. Oberstaatsanwalt Dr. I s c n b i e l: Herr Harden sagt, er habe mit dem Justizrat Dr. Sello Rücksprache nehmen sollen, um ihn für Frau v. Elbe milder zu stimmen. Wenn er also private Hülfe in einem Eheschcidungsprozeß leisten sollte, so stimmt doch damit nicht seine Hindeutung auf den„größten politischen Skandal in Deutschland". Harden: Ich habe nur darauf hingewiesen, daß sich diese Sache zü einem großen politischen Skandal answachscn könnte. Solchen zu verhindern, war der Zweck meines Schreibens. Ich habe aus der Eheschcidungsgeschichte der Frau v. Elbe nichts, aber auch gar nichts publiziert. Es sei ein Irrtum dcS Justizrats Dr. Sello, daß durch diese Angelegenheiten eine Entfremdung zwischen ihnen eingetreten sei. ES wird sodann in der Zeugenvernehmung fortgefahren.' Frl. M c y c. die 1897 eine Zeit lang Kammerfrau bei der damaligen Gräfin Moltke, jetzigen Frau v. Elbe, in Potsdam war, erklärt, daß sie in dieser ihrer Tätigkeit furchtbar unter der Launenhaftigkeit der ganz unberechenbaren Frau zu leiden .gehabt habe. Sie quälte alle ihre Leute, war sehr ungerecht, und nach ihrem ganzen Charakter könnte ihr niemand etwas recht machen. Sie tadelte alles und sagte ihnen auch in moralischer Be- ziehung manches nach, was nicht wahr war. Die Leute hätten alle de» Grafen sehr bedauert, der nur von der größten Liebenswürdig- keit und Freundlichkeit zu ihr war. Nie hat man von ihm ein unfreundliches Wort gehört, während sie ihm mehr als einmal eine sehr böse Szene machte. Der gesamten Dienerschaft habe der Graf sehr leid getan. Die Behandlung der Dienerschaft seitens der Gräfin war derartig, daß eine Angestellte einmal sagte: Lieber Schweine hüten, als in diesem Hause bleiben! Die nächste Zeugin, Frau v. d. Marwitz, geborene v. Prill- Witz, eine Nichte des Grafen Moltke, beantwortet eine Reihe von Fragen des Justizrats Dr. Sello etwa dahin: Die Mutter der Frau v. Elbe, Frau v. Heyden, habe ihr bei einer Gelegenheit ihr Herz über ihre, wie sie sagte, ungeratene und verlogene T o ch t e r ausgeschüttet. Sie habe ihr. so sagte sie weiter, schon viel Kummer gemacht, sie sei in jeder Weise lieblos und ver» logen gewesen. Dieses Ausspruchs entsinnt sich die Zeugin ganz genau, ob- gleich ihr der Vorsitzende vorhält, daß Frau v. Heyden ihn be. stritten habe. Von ihrem ersten Manne habe die' Frau v. Elbe wegen ihrer Heftigkeit Schläge bekommen. Als die Ehescheidung im Gange war, hat die Zeugin von der Frau v. Elbe die Bitte unterbreitet bekommen, zwischen ihr und dem Grafen Moltke zu vermitteln. Sie gab dabei zu, daß sie an allem schuld und ihr Gatte immer sehr lieb zu ihr gewesen sei; sie liebe ihn sehr. Die Zeugin hielt ihr vor. daß sie ja ihren Gatten geschlagen habe, was sie bestritt. Sie bat die Zeugin, doch alles zu tun, was in ihren Kräften stehe, um die Ehe nicht zur Trennung zu bringen. Auf n-eiteres Befragen erklärt die Zeugin noch: Ich kenne meinen Onkel sehr genau und weiß, daß er als Offizier außerordentlich beliebt war und in Offizierskreisen allgemeine Hochachtung und Verehrung genoß. Man hätte Scheu getragen, in seiner An- Wesenheit etwas Unzartes, Unfaires zu sprechen. Er hat eine prachtvolle musikalische Begabung, selbst trefflich komponiert und hatte eine hochideale Auffassung von der Ehe. Baronesse Saß war Gesellschafterin bei Frau v. Kruse bis zu deren Verheiratung mit dem Grafen Moltke. Sie schildert den Charakter der jetzigen Frau v. Elbe als einen sehr lcichifertigcn! sie sei im Benehmen gegen Herren, die in ihrem Hause verkehrten, kokett gewesen. Auch wahrheitsliebend sei sie nicht gewesen. Kurz vor ihrer Verlobung mit dem Grafen Moltke habe zwischen ihr und dem Grafen ein Zerwürfnis stattgefunden. Da habe die da- malige Frau v. Kruse sich dahin geäußert: Sic wolle den Grafen v. Moltke nur heiraten, um nicht mehr den Namen Kruse zu tragen. Sie habe eben Gräfin Moltke werden wollen und gesagt: wenn sie sich verheiratet bättc und Gräfin geworden sei, würde sie sich wieder scheiden lassen. Justizrat Dr. Sello: DicS war zu derselben Zeit, wo die Frau v. Kruse glühende Liebesbriefe an den Grafen Moltke schrieb. ES folgt bicrauf die Bernebmnng der Gräfin Danckelmann, geb. Grasin Moltke, Schwester des Privatklägers. Sie äußert sich in folgender Weise: Ich habe den Namen der Frau v. Kruse, der jetzigen Frau v. Elbe, zum ersten Mal im Herbst 1892 gehört aus einem Brief meines Bruders, des Grafen Kuno Moltke, der mir von dem tiefen Eindruck schrieb, den es auf ihn gemacht hätte, als er an der Seite eines schwerkranken Mannes eine blühende Frau sah, die den Mann zu pflegen hatte. Im Herbst erhielt ich dann von ihm einen Brief, in dein er mir mitteilte, er sei verlobt mit derselben Frau v. Kruse, von der er mir damals schrieb. Dieser Brief schloß mit den Worten:„Etwas des Glücks zubiel für einen alten Knaben wie ich." Im Januar bin ich mit der Braut meines Bruders zu- sammengekommen; ich war von dem ersten Eindruck sehr befriedigt, sie zeigte sich geistvoll und liebevoll. Die ersten Launen von ihr habe ich an mir selbst erfahren. Als ich im Opernhaus einen Ohn- machtsanfall bekam und mein Bruder mich ins Foyer brachte, war sie darüber sehr gereizt, beim nachfolgenden Souper rührte sie nichts an. Bei einer anderen Gelegenheit, als sie über Blinddarm- entzündung klagte, hatte ich ihr einen Arzt geschickt, der sie unter- suchen sollte. Sie war darüber sehr ungehalten, und der Arzt sagte niir, er hätte keine Spur von Blinddarmentzündung gefunden. Schließlich wurde sie immer launischer, sie war eifersüchtig aus mich und auf alle Freunde meines Bruders, der inzwischen nach Wien gereist war. Er erhielt nach Wien von Frau v. Kruse viele schlecht- gelaunte Briefe und schließlich ein Telegramm, das so gereizt klang, daß mir mein Bruder telegraphierte, ich möchte nach Wien kommen. Bei meiner Ankunft sagte er mir, er hätte an Frau v. Kruse geschrieben, daß es besser sei, die Verlobung zu lösen. Tarauf kam eine Mitteilung von ihr, sie würde nachts ankommen. Sie erschien dann in später Nachtstunde an der Tür meines Schlaf- zimmers, schrie und table. Sie könne das Telegramm nicht geschrieben haben, sonst wäre sie wahnsinnig gewesen, sie liebe meinen Bruder viel zu sehr. Endlich brachte ich sie so weit, daß sie nach Hause fuhr, es war wohl IM Uhr morgens. Am anderen Morgen suchte sie mich wieder auf. Sie warf sich immer gegen die Tür, rang die Hände, fiel mir zu Füßen, immer beteuernd, sie liebe Graf Kuno so grenzenlos; sie machte auch Andeutungen, daß sie nicht leben könnte ohne meinen Bruder. Ich sagte, sie sollte doch auch an die Erziehung ihres Sohnes denken, noch sei eS an der Zeit, von dem Bruder zu lassen. Sie er- widerte:„Ich liebe nur Kuno und will ihn besitzen, was ist mir der Sohn?" Diese Szenen setzten sich fort. Am nächsten Tage war der Dienst Moltkes vorbei. Bei dem Wiederschen hing sie an seinem Halse und schwor, daß alles Mißverständnisse seien. Sic bat und flehte mich an, ich glaubte ihr und bat meinen Bruder, sich mit ihr zu versöhnen.(Mit schluchzender Stimme:) Das ist die schwer st c Schuld meines Lebens, denn mein Unglück- licher Bruder mußte darunter aus das tiefste leiden. Zwei Tage darauf frühstückten wir zusammen, da war Frau v. Kruse schon wieder launisch. Sie bat mich dann, mit ihr nach Berlin zu fahren, um die Brautkleider zu kaufen. Sie sagte mir dann, wie peinlich es ihr sei, allein vom Hotel zu ihrer Hochzeit zu fahren und niemand zu haben. Auf meine Hinweise aus den Vater und die Mutter der Frau v. Kruse sagte sie mir: Der Vater ist mir nichts, die Mutter ist nicht präsentabel. Darauf erklärte ich mich bereit, in diesem Falle Mutterstelle �u vertreten. Alle meine Rührung aber verschwand als ich sah, wie Frau v. Kruse dann bei den Ein- käusen bei Gerson die armen Modi st innen behandelte und quälte. Dann waren wir auf Peterwitz im Schloß der Gräfin Pourtales. Dort machte sie meinem Bruder erregte Szenen, man hörte das Schreien bis auf den Schloßplatz. Als dann die unglückselige Nordlandreise kam, an der Gras Moltke teilnehmen sollte, wollte sie meinen Bruder von der Teilnahme an dieser Reise abhalten. Sie forderte meinen Bruder aus, mit ihm im Garten spazieren zu gehen. Er kam nach zwanzig Minuten zurück, bleich und aufgeregt. Er bat meinen Sohn, den Grasen Tankelmann, doch einmal im Garten zu suchen, die arme Lilly sei ganz verzweifelt wegen der Nordlandreise. Nach langem vergeb- lichen Suchen kam die Gräfin schreiend auf Graf Dankelmann zu, klammerte sich an seinen Arm und sagte:„Rette mich vor ihm, Dein Vater ist mir erschienen!" Als sie ins Schloß zurückgekehrt war. hörten wir sie noch von oben schreien. Ich ging in mein Zimmer und sah, wie mein Bruder sie um die Taille gefaßt hatte und zu beruhigen versuchte. Sie riß sich los und warf sich gegen die Schlaf st ubentür mit Kopf und Rücken. Vom Fürsten Eulenburg erhielt ich dann einen Brief, in dem es hieß:„Ich kann Dir nicht sagen, wie ich unter dem Geschick Kunos leide. Ich habe keine Ruhe und zerbreche mir Tag und Nacht den Kopf, wie das zu Ende gebracht werden könnte, denn das mutz es, wenn wir den Kuno nicht zugrunde gehen' lassen wollen. Seit gestern hat er ein geschwollenes Auge." Das war im März lgvg. Acht Tage darauf traf mein Bruder ein. Er sah so aus, daß ich ihn nicht wieder erkannte. Nach und nach erzählte er mir das ganze Elend seiner Ehe. Schließlich streifte er den linken Aermel auf und zeigte mir Wunden, wohl an 20, wie von einem Naubvogel mit Krallen heransgehackt. Er sagte, diese Wunden hätte ihm seine Frau beigebracht. Ich erhielt dann von der Gräfin einen Brief, i» dem sie mich bat, einen Ver- föhnungSversuch zu unternehmen. Sie sei zu dieser Bitte durch eine spiritistische Manifestation gekommen. Ein geschlossenes Buch hätte am anderen Morgen auf ihrem Tisch gelegen, und wäre darin die Stelle unterstrichen gewesen:„Wende Dich an sie! Das sollte von Meinem verstorbenen Mann herrühren. Aus Befragen des Oberstaatsanwalts und des Justizrats S e l l o bekundet die Zeugin, ihr Bruder habe viele Frauenfreund- schaften gehabt, er sei immer ein edler Charakter gewesen. Auf die Frage des Vorsitzenden verzichten alle Be- teiligten aus weitere Beweisaufnahme. Es folgen die Gutachten der Sachverständigen. Medizinalrat Dr. H o f f m a n n antwortet auf die Frage, ob nach seiner Ansicht der Graf Moltke homosexuell sei: Auf Grund dessen, was wir hier gehört und gesehen haben, hZbe ich keinerlei Anhaltspunkte dafür gesunden, daß bei dem Herrn Nebenkläger Homosexualität vorliegt. AuS der Verhandlung ist hervor- gegangen, daß die Aussage der Frau v. Elbe eine der Quellen, wenn nicht die einzige Quelle ist, aus der die Anschuldigungen gegen den Grafen Moltke geflossen sind. Da muß man Frau v. Elbe ärztlich darauf hin beleuchten, ob diese Quelle eine solche ist, auö der die reine, objektive, lautere Wahrheit quillt. Ich glaube ja, daß Frau v. Elbe meint, nach bestem Wissen die Wahr- hcit zu sagen, aber man muß doch an ihre schwere Trionalvergiftung auö dem Jahre I8v8/l8v9 denken. Frau v. Elbe hat mehr als fünf viertel Pfund Trional genossen, und solche chronische Trional- Vergiftung hat ganz bestimmte Erscheinungen im Gefolge und geben ein Krankheitsbild, wie es sich bei der Frau v. Elbe zeigt. Aus einer solchen Zeit kann man keine klare Erinnerung haben und Frau v. Elbe hat ja hier selbst bekundet, daß sie eine Lücke in Gedächtnis hat. Bei einer solchen Patientin kommen durch die Phantasie Zeichnungen und Bilder zutage, die der objektiven Wahrheit nicht entsprechen. Dr. Frey hat uns hier eingehend dargetan, daß Frau v. Elbe schwer hysterisch sei. ihre Einbildungs- kraft sehr groß ist. sie leicht in Erregung gerät, und der Herr Ober- staatsanwalt hat ganz recht, wenn er auf das Wort hinwies: quoevis liysterica menckax. Wenn man aus solcher Quelle schöpfen soll, dann darf man der betreffenden Person nur so weit tranen, als man sie kontrollieren kann aus ihre Reproduktionsfähigkeit. Frau v. Elbe nun war keine zuverlässige Quelle. Sie war eifcr- süchtig gegen jedermann. Aus dieser Quelle können wir nichts folgern, was als Unterlage für unser Gutachten dienen kann. Die Aeußerungen, die von der Frau dem Grafen Moltke in den Mund gelegt werden, sind nicht gegen die Ehe im allgemeinen ge- richtet gewesen, sondern hatten nur auf diese Ehe Bezug. Die Behauptung, daß der Graf Rot auflege und was Frau v. Elbe in bezng auf die ihr einmal verdorbene Weihnachtsfreude gesagt hat, hat in der jetzigen Verhandlung eine mehr als harmlose Auf- klärung erhalten, ebenso die Szene mit dem Taschentuch, die als Persiflage setzt hier dargestellt ist. In den Augen der Frau v. Elbe ist daraus ganz etwas anderes geworden. Es kann aus dem, was diese Verhandlung ergeben hat, absolut nichts gefolgert werden, was für eine Homosexualität des Grafen Moltke sprechen könnte. Es mag� sein, daß der Verkehr des Grafen mit seinem Freunde, dem Fürsten Eulenburg, ein etwas schwärmender oder, wie Herr Harden sagt, verhimmelnder war; aher es handelt sich dabei doch nur um ideale, künstlerische Schwärmerei. In dem kürzlich in der„Voss. Ztg." hervorgehobenen Briefioechsel zwischen � Goethe und Zelter, Wagner und LiSzt kommen noch ganz andere schwärmerische Ausdrücke vor, ohne jeden erotischen Beigeschmack. Gegen ein etwaiges Vorhandensein einer„unbewußten Homo- scxualität" müßte man im vorliegenden Falle energisch Front machen, denn hier handelt es sich nicht um einen jungen Mann, sondern um einen Mann, der die Liebe selbst genossen hat und wissen mutz, ob seine Freundschaft frei von erotischem Beigeschmack ist. Ich halte Homosexualität nicht für vorliegend. Justizrat Kleinholz: Herr Sachverstandiger, würden Sie annehmen, daß Herr Harden als Laie im Jahre löllL die auf Hysterie hindeutenden Krankhcitssymptome bei der Frau von Elbe erkenn.'» tonnte? Medizinalrat Dr. Hosfmann: Wie auch schon Herr Dr. Frey hier gesagt ha. sind gerade bei der Frau v. Elbe die Krank- heitssymptome' sehr schwer und wahrscheinlich von einem Laien gar nicht zu erkennen. Justizrat Kleinholz: Konnte Herr Harden nicht, nach dem ganzen Eindruck, den Frau v. Elbe aus ihn machte, vielleicht an- nehmen, daß Frau v. Elbe völlig gesund ist? Medizinalrat Dr. H o f f m a n n: Das konnte er allerdings. Justizrat Kleinholz: Konnte der Angeklagte nicht aber auch, wenn er, infolge des glaubwürdigen Eindrucks der Frau von Elbe, ihre Angaben als absolut wahr hielt, auf den Gedanken kommen, daß tatsächlich auf seitcn des Grafen Moltke eine Homo- sexuelle Veranlagung vorliegend ist? Medizinalrat Dr. Hoffmann: Wenn er das. was ihm die Frau v. Elbe erzählte, als wahr betrachtet hat, so tonnte er aller- dings zu dieser Annahme gelangen. Vors.: Meinen Sie, daß Herr Harden, wenn er von den Ehescheidungsaktcn Kenntnis gehabt hat, bei dieser Annahme fest- halten durste? Medizinalrat Tr. H o f f m a n n: Wenn der Angeklagte die Gutachten in der Ehescheidungssache gelesen hatte, so mußte er sehr vorsichtig sein. Justizrat Kleinholz: Glauben Sie, Herr Sachverständiger, daß der Angeklagte damit rechnen konnte oder mußte, daß ihm Frau o. Elbe die bewußte Unwahrheit mitteilen würde? Medizianalrat Dr. Hosfmann: Herr Harden ist nicht der einzige und wird auch nicht der letzte sein, der von einer hystcri- schen Frau getäuscht wird. Jlistizrat B e r n st e i n: Wenn Sie, Herr Sachverständiger, hören, daß uns ein bekannter Mediziner, wie Herr Geheimrat Professor Dr. Schweningcr, eidlich erklärt hat, er habe absolut keine Veranlassung gehabt, an der ZurechnungSfähigkcit und Glaubwür- digkeit irgendwie zu zweifeln, wurden Sie dann annehmen, daß Frau v. Elbe in noch viel größerem Maße auf Herrn Haiden als Laien einen glaubwürdigen Eindruck gemacht hat? Medizinalrat Dr. H o s s m a n n: Ich glaube diese Frage schon beantwortet zu haben. Ich persönlich bin der festen Ueberzeugung, daß Frau v. Elbe auf Harden den Eindruck der vollsten Glaub- würdrgkeit gemacht hat. Justizrat Bernstein: Frau v. Elbe hat in dem ersten Termin auf die deutliche Frag? des damaligen Herrn Vorsitzenden erklärt. daß jene Aeußerung des Grafen Moltke: die Ehe sei eine Eochonnerie usw., sich nicht auf ihre eigene Ehe beziehen, sondern aus die Institution der Ehe im allgemeinen. Würden Sie nicht, wenn ein Mann derartige Aeußerungen von Klosett, Eochonnerie usw. macht, hieraus auf eine abnorme sexuelle Veranlagung schließen? Medizinalrat Dr. Hoffmann: Auf derartige Aeußerungen allein würde ich eine derartige schwerwiegende Annahme niemals stützen. Justizrat Bernstein: Ich bitte im Anschluß hieran festzu- stellen, daß, wie aus dem Urteil des Schöfsengerichts hervorgeht, das erste Gericht dem Zeugnis der Frau v. Elbe vollen Glauben geschenkt hat. Falls diese Tatsache bestritten werden sollte, so würde ich die Verlesung des ersten Urteils beantragen. Graf Moltke: Ich bitte darum, hier nochmals sagen zu dürfen, daß ich niemals die Aeußerung gebraucht habe:„Ich hasse diese Frau!" Jene Aeußerungen von-- Eochonnerie und-- habe rch nicht in der Wut gesagt und auch nie auf meine eigene Ehe bezogen. Ick, will hier nochmalz feststellen, daß ich gesagt habe: „Wenn die Liebe und Hochachtung als sittliche Basis zur Ehe fehlt, dann ist tatsächlich die Ehe eine.........." Sachverständiger, Sanitätsrat Dr. Moll: Ich habe aus der Verhandlung keine Spur von Homosexualität des Grase» Moltke entnehmen können, keine Spur von Homo- sexueller Veranlagung oder irgend welcher homosexueller Richtung, weder bewußter noch unbewußter. Ich kann sagen, daß ich nicht das Geringste gefunden habe. Die Freundschaft mit dem Fürsten Eulenburg darf nicht so bewertet werden, wie eine gewöhnliche Freundschaft. Selbst wenn solche zärtlichen Ausdrücke zwischen den Freunden gewechselt sind, wie behauptet worden, so muß man doch daran denken, daß es sich hier um eine Freundschaft handelt. die 40 Jahre währt, in welcher die beiden Freunde durch gemein- same künstlerische Interessen verbunden sind. Eine solche Freund- schaft könnte nicht so bewertet werden, wie eine andere Freund» schaft, selbst, wenn noch krassere Ausdrücke vorkämen. Ich kann mir nicht denken, daß bei dem Grafen Moltke irgend etwas Sexuelles vorliegt. Ich habe während der ganzen Verhandlung aviolut nicbts von einem jogenannien feininiiieu i-'ii'trhiati n-i dem Grafen Moltke bemerkt, keine Spur von weibischer Richtung, höchstens könnte ein Uebclwollcnder in dieser Beziehung vielleicht geltend machen, daß hier Graf Moltke hin und wieder ein Riech» fläschchen benutzte. Aber selbst bei femininen Einschlägen kann man überhaupt nicht gleich auf Homosexualität schließen. Wenn man daraufhin Untersuchungen anstellen wollte, würde man bei vielen Männern dies oder jenes Feminines finden. Was das an- gebliche Schminken und dai� Lieben von Süßigkeiten betrifft, was dem Grafen nachgesaA wurde, so hat diese Verhandlung gerade daS Gegenteil erwiesen. Auch in dem Benehmen des Graten gegenüber seiner Ehefrau ist nichts Homosexuelles zu bemerken. Bis kurz vor der Trennung der Ehe hat der Graf seine ehelichen Pflichten erfüllt. Auch in dem Verhalten des Grafen dem weiblichen Ge- schlecht gegenüber ist nichts zu finden, was aus Homosexualität I inweist. Auch wenn alle Aeußerung«" der Frau von Elbe als wahr ftstständen, würde ich daraufhin niemals Homosexualität behauptet, sondern gesagt haben, es müßte dann noch weiterer Beweis erhoben werden. Ich lege diesen Aussagen der Frau aber gar keine Be- deutung bei. Den Satz„quaevis Kysteriea rnendax" kann ich nicht unterschreiben. ES gibt eine ganze Anzahl Hysterischer, die ebenso wahrheitsliebend sind, wie andere. Aber hier hat sich, namentlich naw der Darstellung der Gräiin Danckelmann. en, Bild der v>n,>.>,»> dargestellt, daß ich aus diesem Grunde einer solchen Persönlichkeit so leicht nicht Glauben schenken würde. Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel: Da bei böswilliger AuS- lcgung der Gebrauch des Riechfläschchens aus femininen Einschlag gedeutet werden könnte, müßte doch festgestellt werden, ob der Herr Gros immer das Riechfläschchen anwendet, oder nur l ier während der Verhandlung. Gros Moltke: In'»em Fläswchen befindet sich englisches Riechsalz, welches ich benutze, weil ich seit dem Oktober meinen Schlaf eingebüßt habe. Auf eine Frage des Justizrais Bernstein gibt Sanitätsrat Dr. Moll zu, daß Harden keine besondere Veranlassung haben mochte, an der Glaubwürdigkeit der Frau v. Elbe zu zweifeln. Die letztere glaubte ja selbst an die von ihr vorgebrachten Sachen uno konnte nicht nur einen Laien, sondern auch einen Mediziner leicht täuschen. Auf weitere Fragen der Verteidiger Justizrat Bernstein und Kleinholz sowie des Oberstaatsanwalts erklärt SanitätS- rat Dr. Moll nochmals, daß Havden der Frau». Elbe viel eher glauben konnte, wie er selbst als Sachverständiger. Er selbst habe mit Behauptungen hysterischer Frauen die Erfahrung gemacht, daß er in solchen Dingen überhaupt nichts mehr glaube. Justizrat Bernstein: Hat nichf Harden der Frau v. Elbe glauben müssen, nachdem sie ihm von Prof. Dr. Tchwcninger vorgestellt worden war. zu dessen Menschenkenntnis er das größte Vertrauen hatte und nachdem die Ehefrau dieses Arztes, die Nichte des Grafen Moltke, die Glaubwürdigkeit nicht angezweifelt hat? SanitätSrat Dr. Moll hält dicS für möglich. Auf eine weitere Frage des Jusiizrats Dr. Bernstein erklärt der Sackwerständige: Er habe die„Zukunft" von ihrem Er- säicinen an gelesen und würde annehmen� daß an der lieber- zeugungstreue Hardeus bei dem, was er sagt, kaum zu zweifeln sei. Bismarcks Zeugnis. Harden: Ich betone auch hier, daß ich niemals eine Homo- sexualität dcS Nebenklägers behauptet habe, sondern nur eine cro- tisch betonte Freundschaft und ein Abweichen von der Norm deS ScxualempsiudcnS. Wird es für den Herrn Sachverständigen von Einslutz sein, daß diese Freundschaft zu einem anderen Manne bestand, von dem nach zwei beschworenen Aussagen der Gründer des Deutschen Reiches gesagt hat, daß er pervers veranlagt sei? Vor s.e Von zwei beschworenen Aussagen kann doch keine Rede sein, denn Tr. Limans Aussage war doch anders. Harden: Würden Sic für den Fall, daß der Reichskanzler sich über die zweite Person so geäußert hat, auch ein anderes Urteil über Moltke haben? Dr. Moll: Ich kann das nur verneinen; dann müßte erst der Nachweis erbracht werden, daß Fürst Eulenburg eine solche Nei- gung dem Grafen Moltke gegenüber schon betätigt hat. Harden: Würde die Acnderung JhreS Urteils eingetreten sein, wenn man daS erste Urteil über Eulenburg in der hier an- gegebenen Form von Bismarck hörte und dann in glaubwürdiger Weise dasselbe Urteil über die zweite Person vernimmt? Dr. Moll: Voraussetzung ist die Nichtigkeit des BiSmäcckschen Urteils. Vors.: Bismarck war doch aber ein schlechter Menschen- kenner, wie der Angeklagte selbst zugab. Oberstaatsanwalt: Nack dem, waS hier in der Beweis- aufnähme festgestellt ist. kann also von einer erotisch betont«: Freundschaft nicht die Rede sein. Dr. Moll: Nein. Gehcimrat Prof. Eulenburg: Ich kann mich den beiden Borgutachtern unbedenklich an- schließen. Ick habe keine Spur von irgend einer homosexuellen Veranlagung, Empfinden oder Betätigung bei dem Grafen Moltke erkennen können. Eine unbewußte Homosexualität kann ich über- Haupt nicht zugeben, ich stehe in dieser Beziehung auf dem Stand- Punkt Wcstfahls. Ich muß sagen, daß ickp in den dem Grafen Moltke imputierten Aeußerungen nichts besonderes finden kann. ES sind Aeußerungen, die nicht einmal originell sind. Ausdrücke der Verstimmung, die ich in keiner Weise für die angebliche Homo- sexualität verwerten kann. WaZ die Tasckcntuchszcnc betrifft, so loürde ich, wenn es sich hier um eine Persiflage gehandelt hat, dies nicht als ein glückliches Vorgehen einer als krank anzusehenden. Person gegenüber betrachten können. Auch ich kann den Satz „quaevis hysterica menckax" nicht als richtig ansehen. ES gibt ja hysterische verlogene Personen, die aber schon vorher verlogen waren. Eine hysterische lügt niemals, sie sagt aber auch niemals die Wahrheit, diese beiden Begriffe kennt sie eben nicht. Sie konstruiert sich etwas, woran sie selbst nicht glaubt.� An der Hysterie der Frau v. Elbe ist nicht zu zweifeln. Sie dürfte auch nicht erst in oer unglücklichen Ehe mit dem Grasen Moltke ent- standen sein, sondern namentlich nach den Bekundungen der Gräfin Danckclmann schon früher bestanden haben. Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel: Unsere Meinungen über die Glaubwürdigkeit hysterischer Personen gehen gar nicht weit auseinander. Sie legen nur das Hauptgewicht aus daS Wort „Lüge" und ich auf die Unwahrhaftigkcit. Justizrat Bernstein richtet an den Sachverständigen die- selben Fragen, wie an die bisher vernommenen, ob Horden den An- gaben der Frau v. Elbe Glauben schenken durfte und ob Harden unlautere Motive zuzutrauen seien. Gcheimrat Eulenburg: Die Möglichkeit, von Hysterischen getäuscht zu werden, ist außerordentlich groß, auch mir ist das oft passiert. Niemand ist vor. solcher Täuschung sicher, am wenigsten ein Laie. Ich kenne Harden seit langen Jahren, ich würde ihm bei jeder Art seines Vorgehens niemals unlautere Motive zutrauen. Graf Moltk«: Ich Möchte, um alle Mißverständnisse zu be- scitigen, noch einmal die mysteriöse Toschcntuch-Afsäre erörtern. In der SchöffengerichtSverhandlung wurde eidlich ausgesagt, diese Szene sei ans dem Nebenzimmer beobachtet worden von Frau v. Elbe und ihrem Sohn. Hier ist es schon nicht mehr ganz so zweifelsfrei gelassen worden. Ich möchte diesen Gegensatz nur konstatieren. Ich hatte wochenlang nicht in persönlichem Verkehr mit dem Eulenburgschen Hause gestanden, nur um Szenen zu ver- meiden. Als ich das Taschentuch fand, wollte ich emen gewissen Fühler kurz vor dem Zusammenbruch unserer ganzen Ehe aus- strecken, um zu sehen, ob das eine Brandfackel bilden oder harmlos hingenommen würde. ES wird hierauf Dr. Magnus Hirschfeld vernommen. Der Sachverständige bekundet folgendes:„Ich habe mein Gutachten vor dem Schöffengericht über den jetzige» Herrn Nebenkläger— in der Hauptsache— auf die beeideten Zeugenaussagen der Frau v. Elbe gestützt. Es lag damals keine Veranlassung vor, an der Wahrheit dieser Aussage zu zweifeln, zumal sie von dem Herrn Vorsitzenden des Schöffen- erichts ausdrücklich als Grundlage des zu erstattenden Gutachten ezeichnct worden war. Diese Grundlage ist durch die neue Beweisaufnahme vor der Strafkammer wesentlich erschüttert worden, und zwar zunächst da- durch, daß die Zeugin Frau v. Elbe ihre frühere Aussage in tat- sächlicher Beziehung abgeschwächt hat, bezw dieselbe nicht mehr in der früheren bestimmten Form aufrecht erholten hat. Sie selbst hat während dieser Verhandlung, als ihr eine subjektive Färbung der Ereignisse vom Herrn Oberstaatsanwal! vorgehalten wurde, ausgerufen:„Kann denn ein Mensch, der solche Nöte erlitten hat, noch objektiv sein?" Es komnit hinzu, daß bei der Zeugin nach dem Gutachten des Herrn Dr. Frey ein neuropathischcr Zustand vorlag, namentlich auch während der Zeit der Ehe, welcher geeignet war, sowohl ihr EmpsindungSIcben, als auch die Erinnerungsbilder stark zu beeinträchtigen. Endlich steht der beeideten Aussage der Frau v. Elb« auch jetzt das beeidete Zeugnis des Grafen Moltke entgegen, welcher im Gegensatz zu ver früheren Verhandlung eingehende Erklärungen zu den einzelnen Behauptungen der Zeugin abgegeben hat, deren Darstellung die Zeugin zum Teil selbst bestätigte. ES ist natürlich ganz etwas anderes, ov jemand vom Institut der Ehe im all- gemeinen sagt:„Die Ehe als solche ist eine Schlveincrei" oder nach starkem ehelichen Zwist den, sexuellen Verkehr mit den Worten ablehnt:„Solche Ehe ist eine Eochonnerie". DaS ist ungefähr das gerade Gegenteil. AuS so stark erschütterten Unterlagen be- stimmte Schlüsse zu ziehen, ist überhaupt nicht mebr möglich. Die Aussagen einer Persönlichkeit, bei der sich die pathologische Pseudo- logie(Unwahrhastiakeit) bis zu einer Pseudoappcndixilis steigern kann, find für die Begutachtung über einen Dritten nicht mehr ver- wendbar. Immerhin hat die Beweisaufnahme vor allem auch in dem, was der Herr Nebenkläger selbst unter seinem Eide ausführte, eine Reihe von Symptomen geliefert, deren psychologische Analyse notwendig ist. Von vornherein kann es sich aus Grund der Bv weisausnahme vor der Strafkammer wieder lediglich um die Frage handeln, welche ich auch das vorige Mo! nur erörtern konnte, ob bei dem Herrn Nebenkläger eine ihm selbst unbewußte Abweichung seines sexuellen Empfindens vorliegt. Ich möchte hierbei bemerken, daß im sachmännischen Sprachgebrauch unter Homosexualität zu» nächst nur die EuipsindungSrichiung, nicht aber eine Betätigung derselben zu verstehen ist. Daß eine solche rein vergeistigte Homo- sexualität vorkommen kann, ist nicht zweifelhaft. Alle Autoritäten bestätigen dies und besonders ist auch hervorgehoben, daß die so Veranlagten sich selbst täuschen und zu täuschen suchen, indem sie vielfach ihre Liebe als Freundschaft ansehen und Eigenschaften deS anderen hervorsuchen, durch welche sie die Stärkung ihrer freund- schaftlichen Zuneigung vor sich und anderen zu erklären suchen. Für einen Dritten ist es oft sehr schwierig, objektiv diesen Unter» schied zwischen einer starken Freundschaft und Liebe festzustellen. Wir müssen imS dabei der psychologischen Mcibode bedienen, welche sich auf Gefühlsäußerungen stützt. Dies ist namentlich von Sommer in seinem Werke über Kriminalpsychologie eingehend be- gründet. In dem konkreten Fall kommt es weniger auf die G e- sühlsrichtung u..d die G e f ü h l s st ä r k e. als auf den G e- f ü h l s t o n an. Dajj derselbe in dem vorliegenden Falle den Freunden gegenüber ein ungewöhnlich inniger ist, muß zugegeben werden. Selbstverständlich könnte man daraus allein keine Homo- fexualität folgern, selbst wenn man den Zeitcharakter berücksichtigt; denn was im Briefwechsel und in der Ausdrucksweise zur Zeit von Goethe und Jean Paul unter Freunden ganz gewöhnlich war. ist in unserem technischen und militärischen Zeitalter anders zu be- werten.— Entsprechen die von der Frau v. Elbe mitgeteilten scharfen Aeußerungen über die Frauen, die Ehe, den normal- sexuellen Verkehr, die Schwangerschaft usw. der Wahrheit, so konnten sie bei einem Manne von so hohem ästhetischen Empfinden und solcher Feinfühligkeit nur durch tiefe Contrainstinkte gegen das Weib erklärt werden. Waren sie aber objektiv unrichtig, so ent- fielen natürlich damit auch die daraus gezogenen Schlüsse. Der Herr Nebenkläger selbst erklärt seine Abneigung in dem besonderen Falle durch die.psychisch und physisch ungewöhnlich große Leiden- schaftlichkeit" seiner Ehegattin. Er verglich sie in dieser Vcrhand- lung mit einem Vulkan, einer Dynainitboinbc und sagte u. a.: »Das Wort Eulenburg wirkte wie eine Zündschnur". Offenbar lag 'c der Frau v. Elbe eine bis zum krankhaften Eifersuchtstvahn gesteigertc Eifersucht vor, die— wie es nicht selten vorkommt— sich nicht auf Frauen, sondern auf die Freunde, zu denen der Herr Nebenkläger sich geistig hingezogen fühlte, bezog und daraus erklärt sich die subjektive Färbung, welche die Zeugin, ohne den Begriff der Homosexualität zu kennen, ihren Mitteilungen gab. Besonders wichtig scheint mir aber auch die hier ausführlich geschilderte>t-zene während der VerlobuiigSzeit des Herrn Grafen Moltke im Theater, wo dieser seiner Schwester, der Gräfin Danckelmann, zu Hülfe eilt und es dann zu dem ersten großen Streit kommt, nach welchem der Nebenkläger fest entschlossen war die Verlobung zu„rangieren". Er hat uns mitgeteilt, daß er schließlich auf Bitten der Verivandten und keiner Braut nachgegeben habe, namentlich als diese ihm schrieb:»Ich will mit dem Rest der Liebe zufrieden sein, den Du mir noch geben kannst!" In diesem Zeitpunkt vcrschürztc sich der Knoten, den zu enttvirren erst der gegenwärtigen Verhandlung gelungen ist. Nach allem resümiere ich mein Gutachten über die Beweissragc wie folgt: Aus den Grundlagen, wie sie diese Verhandlung vor der Strafkammer ergebe» hat, läßt sich ein Schluß ans eine Homo- sexuelle Veranlagung des Grafen Moltke nicht mehr ziehen."_ LberstaaiSanwali Tr. Jsenbiel: Sie hatten doch früher in der poetischen und musikalischen Veranlagung des Privatklägers einen femininen Einschlag erblickt. Dr. Hirschfeld: Nur in ihrer Gesamtheit habe ich die einzelnen Eigenschaften als Kennzeichen des femininen Einschlags betrachtet. Vors.: Auf poctisch-musikalischem Gebiete ist doch aber die Minderwertigkeit des weiblichen Geschlechts so groß. Tr. H i r s ch f e l d: Das ist richtig, aber auf der anderen Seite hat gerade der stark brutale Vollmatm meist keine Begabung auf diesem Gebiete aufzuweisen. Oberstaatsanwalt: Tann würden Sie unter Voll- Männlichkeit nur eine gewisse Roheit verstehen? Tr. Hirschfeld: Nein, ganz gewiß nicht. Männlichkeit und Weiblichkeit sind sehr schwankende Begriffe. O b c r st a a t s a n w a l t: Es ist das wohl doch bloß das Ge- schützfeuer, das den eklatanten Rückzug decken soll. Sie treten doch wohl vollständig von ihrem Gutachten vor dem Schöffengericht zurück. Dr. Hirschfeld: Jawohl, das muß ich tun; ich glaube, das kann mir' nur zur Ehre gereichen, wenn ich bei der veränderten Grundlage zu anderen Schlüssen komme. Oberstaatsanwalt: Meinen Sie nicht, daß die Grund. läge für Ihr damaliges Gutachten nicht nur verändert, sondern vollständig beseitigt ist-..... Dr. Hirschfekd: Diese Frage kann ich besahen. Oberstaatsanwalt: Ich kann wohl feststellen, daß seht „ach Ihrer Meinung beim Grafen Moltke weder Anhaltspunkte für Homosexualität noch für erotisch betonte Freundschaft vor- Händen sind. Tr. H i r s ch f c l d: Ich halte den Ausdruck„erotisch betonte Freundschaft' nur für ei» Synonym für„geistige Homosexualität". Es entspinnt sich dann noch eine längere Debatte über den Begriff»femininer Einschlag" zwischen dem Vorsitzenden, Ober- jtaalsanwalt. den Sachverständigen Dr. Moll und Dr. Hirschfeld und Justizrat Sello. Dr. Hirschfeld stimmt zum Schluß der Aus. legung zu. die Justizrat Sello mit den Goctheschen Versen gibt: „Vom Vater Hab ich die Statur. Des Lebens ernstes Führen,— Vom Mütterchen die Frohnatur. Die Lust zu fabulieren." AIS letzter Sachverständige« Wird Geh. Sanitätsrat Dr. Zwingcnbcrg vernommen: Ich bin 37 Jahre in der Familie des Grafen Moltle ärztlich tätig. habe vier Generalionen kennen gelernt und bin in diesen 37 Jahren eine Art Vertrauensmann in dieser Familie geworden. Da ich namentlich mit den weiblichen Mitgliedern auf sehr gutem Fuße stand und das weibliche Geschlecht für solche Schwächen, wie sie dem Grafen Moltke nachgesagt werden, ein sehr feines Gefühl haben, so möchte ich betonen, daß mir auch niemals auch nur die allergeringsten Andeutungen nach dieser Richtung hin gemacht worden sind, oder daß ich selbst etwas Derartiges bemerkt hätte. Ich muß mich durchaus dem Gutachtcii anschließen, die der Gerichts- Hof nun schon von drei Acrztcn gehört hat. Wenn Herren von solcher wissenschaftlicher Bedeutung sprechen und alle drei einig sind, noch dazu in einer Stellung, wo sie von der Verteidigung gc» laden sind, so kann doch der Gericktsbof nicht mehr den mindesten Zweifel darüber haben, daß Graf Kuno Moltke auch nicht eine einzige Spur von Homosexnalilät aufzuweisen hat und eine aktuelle Homosexualität gar nicht behauptet worden ist. Ich erkläre also: Er ist nicht homosexuell und war es nie. Limans Zeugnis. Es entspinnt sich hierauf ein längerer Disput über die AuS- sage, die der Zeuge Dr. Liman gemacht hat.— Justizrat Dr. Bernstein liest aus seinem Notizbuch die Aeußerung Dr. LimanS vor, die dieser vor dem Schöffengericht machen wollte, aber nicht machen konnte, da er nictit vernommen wurde. In dieser Aeußerung, die Dr. Liman dem Verteidiger diktiert habe, heißt eö, Fürst Bismarck habe von den„Hintermännern im doppelten Sinne, auch im phnfischen Sinne, gesprochen, und mit Bezug auf die Liebenberger Hintermänner das Wort„Kynäden"(Päderasten) gebraucht. Der Oberstaatsanwalt meist demgegenüber darauf hin. daß nur gelten könne, was Dr. Liman hier gesagt habe. Danach habe der Zeuge nicht den Eindruck gehabt, daß in dem Wort„Kynäden" etwas Geschlechtliches angedeutet werden sollte, sondern daß hier- mit eine ähnliche Antwort erteilt werden sollte, wie sie Götz von Berlichingen den kaiserlichen Räten gab. Justizrat B e r n st c i n behauptet dagegen, daß das Wort Kynäden nur eine einzige Deutung, und zwar in ge- schlccktlicher Richtung, zulasse. Er beantragt die noch- malige Vernehmung des Zeugen Dr. Liman. Auf telephonischen Anruf erscheint hierauf Dr. Liman noch- nials als Zeuge. Er wiederholt, daß der Fürst Bismarck, als davon gesprochen wurde, daß im Tanschprozeß auf Hintermänner im Sachsenwakde hingewiesen wurde, dies übertrumpfen wollte und den Ausdruck„Kamarilla der Kynäden" in Anwendung brachte. Ein geschlechtlicher Beigeschmack sollte damit nach seiner Ansicht nicht verbunden sein. Justizrat Bernstein hält dem Zeugen lviederholt vor, daß dieser ihm doch genau die Stelle diktiert habe, in welcher es hieß: Fürst Bismarck habe von den„Hintermännern auch iin physischen Sinne— siehe Eulenburg—" gesprochen. Der Zeuge erklärt hierzu, daß er dem Justizrat nur mitgeteilt habe, was er vor dem Schöffengericht habe aussagen wollen. Was er diktiert habe, habe nur ein Leitfaden fein sollen, er habe über die Worte des Fürsten weiter keinen Kommcuiar gegeben, sondern sei sofort aus das übergegangen, was ihm wichtig schien. Seine Unterhaltung mit dem Fürsten Bismarck un Sachscnwalde, bei welcher der Fürst das Wort von der Kamarilla der Kynäden ge- braucht, habe etwa zwei Stunden gedauert. Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel: Ich bitte, präzise die Frage zu beantworten: Hat Fürst Bismarck die Worte gebraucht: „Hintermänner im doppelten Sinne, auch im physischen"? Zeuge: Nein. Hieraus wird endgültig auf jede weitere Beweiserhebung ver- ziehtet. Um 4 Uhr wird die Sitzung auf Dienstag W Uhr vertagt. ES sollen Dienstag die PlaidoyerS und Donnerstag der Schluß- Vortrag des Angeklagten stattfinden. vek Morl! In killenltein. Der Mord an dem Major v. Schönebeck hat bereits am Sonn- abend zu einer Verhaftung geführt. In seiner Wohnung wurde unter dem Verdacht, den Mord verübt zu haben, der Haupt- mann v. Gocbcn vom Masurischen Jeldartillcrieregimcnt Nr. 73 verhaftet. Es wird berichtet, v. Gocben habe viel im Hause des verstorbenen Majors verkehrt. Am Abend des ersten Weih- nachlstagcö wollen die Burschen und anderes Hauspcrsonal zwischen 12 und l Uhr nachts Licht in den oberen Flurräumcn deS Hauses. in dem Major v. Schönebeck wohnte, beobachtet haben. Am anderen Morgen wurde dann die Leiche des Stabsoffiziers gefunden. Der Verhaftete bestreitet mit aller Entschiedenheit, sich während der Nacht im Hause des Majors befunden und die Tat verübt zu haben. Angenommen wird, das Drama habe sich folgendermaßen ab- gespielt: Der Major hörte zwischen 1 und 2 Uhr nachts ein Ge- rausch. Er verlieh darauf das Bett, öffnete den Gewchrschrant, entnahm diesem den Revolver und ging auf den Korridor zu, aus welchem daS Geräusch drang. Zuvor hatte er das elektrische Licht eingeschaltet und stand nun, als er die Tür seines Schlafzimmers öffncre, in voller Beleuchtung, während sein Gegner im Dunklen blieb. Dieser Gegner muß denn auch, als er den Revolver in der Hand des Majors gewahrte, sofort geschossen haben und. da er die Korridortür, die vorher wahrscheinlich das Geräusch verursach: hatte, nicht schnell genug öffnen konnte, über die Leiche des Er- mordeten hinweg durch das Fenster des Schlafzimmers ins Freie gelangt sein. Wie verlautet ist ein Offizier mit einem beim ver- hafteten Hauptmann gefundenen Revolver, dessen Duplikat in Allenstein nicht zu finden ist, nach Königsberg abgereist, um dort Nachforschungen über die Herkunft der Waffe anzustellen. Allenstein, 33. Dezember. Die„Allensteiner Zeitung" schreibt: In der schwebenden Mordangelegenheit v. Schönebeck möchten wir ausdrücklich daraus hinweisen, daß die mancherlei im Umlauf be- findlichcn alarmierenden Gerüchte und Veröffentlichungen ledig- lich als Vermutungen und Kombinationen aufzufassen sind. Wie wir zuverlässig erfahren, stehen erwiesene Tatsachen noch lcincs- falls fest; denn die ganze Angelegenheit befindet sich noch im Sta- dium der Voruntersuchung. Eine Aufklärung wird erst die Unter- suchung schaffen, die mit allem Eifer betrieben wird, aber noch nicht abgeschlossen ist. Wie weiter berichtet wird, soll der verhaftete Hauptmann v. Goeben am Morgen der Tat um 7 Vi Uhr vor dem Hause vor. gefahren sein, um Major v. Schönebeck zur Jagd abzuholen. Als er von der Tat erfuhr, warf er einen Blick auf die Leiche, ging dann nach oben, um die Majorin zu tröste» und ihr zu versichern, er werde alles ordnen. Tie Majorin wurde darauf vom Haupt- mann in die Obhut des Rittmeisters Gractz gebracht. Auch sie bc- streitet jede Kenntnis von dem Täter. Zur Verhaftung des Hauptmanns v. Goeben soll Blätter- Meldung zufolge, ein Brief geführt haben, den dieser an die Ehe- frau des Ermordeten geschrieben hatte, und der bei der HauS- suchung aufgefunden wurde. Als auffällig wird bezeichnet, daß der Verhaftete bald nach Auffinden des Körpers um einen Urlaub gebeten habe, der nicht bewilligt wurde. Frau v. Schönebeck, die angeblich zu ihrer Mutter reisen wollte, ist vom Kriegsgericht nahe- gelegt worden, die Stadt lieber nicht zu verlassen. Ucbcr die Persönlichkeit des Hauptmanns v. Gocben macht die.Mil.-pol. Korrespondenz" u. a. nachstehende Mit- tcilungen:„Ursprünglich Seemann, wurde v. Goeben noch als Fähnrich durch einen Sturz aus der Rahe Militärinvalide und trat dann im Jahre 1800 beim Feldartilleriercgiment von Scharnhorst in Hannover ein, in dem er später Adjutant der Reitenden Ab- tcilung war. Bei der Neuformierung 1899 wurde v. Goeben in das 62. Fcldartillerieregimcnt nach Verden versetzt, nahm bei Aus- bruch des BurcnkricgcS den Abschied und trat als Artillerieoffizier zuerst in die Dienste des OrangesrcistaatS. General Botha, der die Tüchtigkeit Goebens bald erkannte, beauftragte ihn im Früh- jähr 1990 mit der Bildung eines deutsch-burischen Späherkorps. das bis zur Verwundung seines Führers den TranSvaalcrn vorzügliche Dienste geleistet hat. Im Winter 1909 aus 1901 wurde v. Goeben als Oberleutnant beim Feldartillerieregiment Graf Waldcrsee in Itzehoe angestellt und 1902, ohne Besuch der Kriegsakademie, zum Generalstab kom- mandiert. Im Winter 1903 sandte man den jungen Offizier zwei- inal auf Sondcrmission in das mazedonische Aufstandsgcbiet. Fürst v. Bülow enipfing v. Goeben zur persönlichen Berichterstattung, und schon 1903. noch als Oberleutnant, wurde der vielseitige Offizier in den Großen Generalstab versetzt. Tie Beerdigung des Majors v. Schönebeck fand am Sonntag- nachmittag 2 Uhr in Allenstein statt. SericKts- Leitung. „Kreuzlguiig Christi"— eine„Lustbarkeit"» auch Lehrbilder— eine„Lustbarkeit". So entschieden die höchsten Gerichtsinstanzen in Preußen. Bei seinem Stiftungsfest ließ der polnische Turnverein Sokol in Katto- witz einen LichtbildecvoUrag halten. Es wurde das Leben und Wirten eines poluischen Helden in Bildern vorgeführt, die Rechts- anwalt Dr. Sayda erläuterte. Das Fest war als öffentliche Ver- sammlung zur Erörterung öffentlicher Angelegenheiten angemeldet. Sayda und Bankdircktor SzybcrSki erhielten trotzdem als Ver- anstalter eine Antlage wegen Ucbcrtreibung der für Schlesien er- lassenen Polizeivcrordnung über die polizeilich� Beaufsichtigung öffentlicher Lustbarteiten. Diese schreibt bor, daß öffentliche Lustbarkeiten eine bestimmte Zeit vorher unter Angabc des Pro- gramms usw. der Polizei anzuzeigen seien. Die Angeklagten bc- tonten, daß sie mit der Anmeldung einer Versammlung alles getan hätten, was zu tun war. Eine Lustbarkeit sei die Lichtbildervor- führung nicht gewesen. Sie habe einen ernsten Charakter gehabt und habe der Belehrung und Anregung in politischer Beziehung dienen sollen. Die Verordnung für die Lustbarkeiten könne des- halb nicht in Betracht kommen. Die Angeklagten wurden jedoch vom Landgericht Venthen vcr- urteilt: Das Gericht nahm an, Llistbarkeiten seien alle Veranstaltungen, die der Ergötzung oder Unterhaltung nach Absicht des Veranstalters dienen sollten. Wenn nun auch die hier ange- führten Lichtbilder im Endzweck dazu bestimmt gewesen seien, die polnische Bevölkerung zur großpolnischen Bevölkerung heranzu- ziehen, so hätten sie doch unmittelbar eine Unterhaltung und Er» göhniig bieten sollen. DaS Publikum habe sich auch eine solche davon versprochen. Ter Vortrag SavdaS könne nur als eine Er- läutming zu den Lichtbildern angesehen werden. Tie Lichtbilder- vorsiihning hätte darum nach den Vorschriften über öffentliche Lust- barkciten angemeldet werden müssen. Die Angeklagten legte» Revision ein. DaS Kammergericht verwarf aber dieser Tage das Rechtsmittel, indem es ausführte. Das Landgericht habe den Begriff der öffentlichen Lustbarkeit richtig gewürdigt. Zum Begriff der Lustbarkeit sei nicht crsorder- lich, daß sich das Publilum vor Lachen wälzen müsse. Es brauche keineswegs sehr lustig herzugehen. Selbst in der Ausstellung von Bildern:„Die Kreuzigung Christi", könne nach Annahme des prenßisckjen ObcrverioaltunASgcrichts eine Lustbarkeit gefunden werden. Ein Vereinsgesctz sollte der Wiederholung ähnlicher AuSlegun» gen einen Riegel vorschieben. Ist es wirklich nötig, daß man der Polizei vorher Anzeige machen muß, wenn Leute lustig sein wollen? Ein Polizeiitaat, der das verlangt, setzt sich dem Gc- lächter und der Verachtung der Welt aus und zeigt die dringende Notwendigkeit seiner Umgestaltung. Ist Kranklieit oder Pietät ein Entlassungsgrund? Tic Firma Gebr. Jaroczlmdki, Burgstraße, wurde von der An- gestellten Else Looser einer Gchaltsfordcrung wegen vor dem hiesigen Kalismannsgericht verklagt. Tie Klägerin war bei der Firma als Lagcristin für 8ö M. pro Monat angestellt. In den letzten Tagen des Oktober starb ihre Schwester. Sic erhielt Urlaub für den Tag der Beerdigung, einen Freitag, fehlte aber auch an dem darauffolgenden Tage. Sie behauptete, an diesem Sonnabend kraut gewesen zu sei» und brachte ein ärztliches Attest für ihren leidenden Zustand. Der Beklagte behauptet, daß es sich um reli» giöse Motive handelte, ferner darum, daß die Klägerin ihm als Chef Trotz bieten wollte. Als fromme Jüdin hätte Fräulein Looser drei Tage trauern wollen; Herr Jnroczynski meinte aber, daß an einem Tonnabend keine Trauer herrschen dürfe, er habe ihre Dienste notwendig in seinem Engrosgescbäft für Scknirzcn und Blusen an einem Sonnabend gehabt. Als sie nicht erschien, sandte er ihr die Entlassung, weil sie den Gehorsam verweigert habe. Fräulein Looser protestierte dagegen, kam am Montag ins Geschäft und stellte dem Chef ihre Dienste zur Verfügung. Diese wurden nicht an- genommen. Sie klagte nun ans Zahlung von 93,59 M. Das Gc- richt verurteilte den Beklagten zur Zahlung der verlangten 93,50 Mark, da kein Grund zur Entlassung vorlag. Zententverbnnd der Handlungsgehülse« und Gehülfinnen Teniichiolids. Bezirk NO. Donnerstag, den 2. Januar, abends 9 Uhr, in„PachmaS KlubdauS", Landsbcrgerstr. 39: Vortrag des Stadw. Franz Kobkc:»Friede aus Erden und den Menschen ein Wohlgcsallcn". Gäste willkommen. FretreligtSie»eiiieinde. Mittwoch, den 1. Januar, vm-mlttagS 8'/, Mr. in der Gemcindcballe, Vappcl-Allec 15—17: VcAaminlnng mit ircireltgiöler Vorlesung.— Vinmittags lO0;» Uhr in der Schulaula, Kleine Frantiurlerslr. ä: Fcstoortrag von Herrn E. V o g t h e rr- Wiesbaden. Dame» und Herren als Gäste lehr willtommen. Sinc!e/, bis tl'/a lldr abends statt. Geöflu« 9 Ilbr. aommbciiti» liegt»»« die Kbrrrtiftmibe»I»« Übt. Jeder Slutrag» irt«in tiuititiabe»IIb etile ZabI als SlertzeiNicii beizutügcii. Brieillitie Slutwort wirb nicht erteil», wilige(tragen»rage man in der Sprechstaube bor. R. 2. 18. Wir haben erst am 19. Dezember mitgeteilt, daß Br« Werbungen aus der Paderstein-Stistung unter Angabe der Religion bis zum 3t. Dezember an die Siistungsdeputation, Pvststrasie 16. eiuzuretchcn sind. Die Bewerberinnen müssen in Berlin wohnen.— E. W. 30. 1. Er- hebe» mehrere auj die Miete Anspruch, so ist das geratenste, die Miete bei der Hiiitcrlcgimgsstelle zu Hinte, legen. 2. Die Verjährungszeit beträgt 30 Jahre.— Zt. B. 10. Leider wenden Sie sich recht spät au uns. Zweck- inätzig wäre cd, Sic legen dem Gericht in einem Schristsatz den Sachverhalt dar. oder noch besser, Sie ersuchen einen Anwalt um Ihre Verteidigung. Der wesentlichste Punkt ist der, dasi Sie sich in gutem Glauben besundc» babcn.— F. O. 10. Ob Ihr Vorgänger oder der Wirt ein Recht auf Exmission gegen Sie hat. ist ohne Einsicht in Ihren Vertrag unmöglich zu beantworten.— L. T. 8. t. Eine besondere Anrede beüeht nicht. 2. Leider ja.— 2. SO. t. und 2. Nein.— M. ft. 100. New. 21. Z. 30. 1. liebet„Roland, Deutscher Valksveinchcrungsverein auf Gegenseitigkeit' ist im„Vorworts" vom 8. Dezember unter Soziales„Zum Schwüldelkasseinveseii' ausführlich berichtet und auch dargelegt, dag ein Einwand gegen die Klage wegen Betiugcs und Wuchers vielleicht nicht ganz aussichtslos ist 2. Gegen den Käuscr können Sie mit ZluSsicht aus Eisolg ltagen. In«tesern die Frau sür Wäsche allskomnien soll, ist nicht ersichtlich. — H. Bl. 1000. Wenden Sie sich direkt au de» Magistrat.— B. 91. 7. Keiiiesmegs.— B. 33. Wenden Sie sich an die Gewerlichast der Maurer, Engel-User 15.— Etz. 3. Eine Stadlhebamme bat dieselben Gebühre» wie eine andere zu beanspruchen.—<0. ft. 05. UnS nicht bcfaimt.— E. W. 41. Die Kasse ist»ach Ihrer Darlegung zur Bezahlung deS Arzte» nicht verpflichtet Sie hätte» den Fall der Kasse vortragen lollcn. Vielleicht trägt sie aber nachträglich aus'Antrag einen Tcll der Kosten bei. — O. K. 100. t. DaS ist möglich. 2. Elwa 6 Monate. 3 und 4. Ja. — F. P. 07. 1 und 3. Ja. salls nicht etwa Bestimmungen Ihres Vcr- trage» dem entgegeiistehe». 3. Den Betrag würden Sic von der Miete in Abzug bringen können. wen» nicht etnia im MictSvertrag eine cingcgeiisteheiide Bestiiniming sich befindet. Es Ist unmöglich, über Rechte und Pflichten aus Verträgen genaue Auskunft zu geben, ohne Einsicht in diclelben oder In eme Abschrisi genommen zu haben. — M. H. 75. Wenn ein Invaliden- oder Liltcrsreiilncr nach cincr anderen wtadl zieht, so braucht er lediglich an den Vorstand der Ver- sicherniig-nnstalt dcii Antrag zu richten, die Rente durch die Vostanstalt de» iicile» Wohnorte» auSzahIcn zu lassen.— H. P. Düisrldars 3. Ein itatzrilersekretär, der der Ansicht ist. dasi eine Derusmig feiiicn Ersoig haben würde, handelt durchau» sachgemätz, wenn er den Rat erteilt, Berusung nicht einzlllegen. In dem von Jdiicn gcichilderlen Fall würde nach der Praxi» de» ReichsoersicheruiigSointeS der Rekurs auch völlig zwecklos ge> wesen sein.— I. BS. 1 11. Ist nichts vereinbart, so können die moiiatS« weise wohneiidcii Sbambregariillte», möblierte Herren, Schlafburschen usw., mir bis ai» 15. zum 1. kündigen. Kündige» Sie am 1. zinn>5., so müssen Sie den vollen Monat zahlen.— G. 1052. l. Nein. 2. Nur Ihr Eigen« luin könnte, fall» Sie verklagt werde», gevsäudet werde». 3. Warten Sie eine Klage ruhig ab.— Rixvorf K. L. 200. Nach der Beschreibung des Inhalts Ihres Vertrages sind Sie nicht zur Reinigmig der Slrage und nicht zuin Schneesegen verpslichtot.— W. Nl. 108. I. Ja. 2. Nein. — 100. Ö. B. Ein Darlehen verjährt in 30 Jahren. Der Kläger hat zu beuieisen, dag daS Darlehen gegeben ist. DaS kann er, auch wenn lein Schrlltjlück vorliegt, z. B. durch Zeugen oder durch EideSzuschirbung.— ffiit oeu Jiinal««er Jnieraie kuerni»»»» die Redaktion dem Vublittim gegriiiiber teiuerlei Ztrra»5worruii». Zheater. Der Nach- U!ld Die Dienstag, 31. Dezember. Ansang 7 Uhr. Königl. OpernftauS. Der Posttllon von Lonjumeau. Loroing. Der Trompeter von Säl- Hinge». Weste». Ein Walzertraum. Neues. Baccarat. Friedrich- Wilhelmstiidt. Schauspielhaus. Madame SanZ- (Zöne. Residenz. Ganz der Papa. Komische Oper. Die verkaufte Braut. Zentral. Frau WarrenS Gewerbe. ii»>i>i>> e l b»» S. Husarenncbcr. Trianon. Fräulein Josclte— meine Frau. Anfang T/ä Uhr. Königl. Schauspielhaus. Schwur der Treue. Neues kgl. Operutheater. mittags 2'/:, Uhr: Hän Gretel. Die Puppensee. Deutsches. Was ihr wollt. jiammerfpicle. Liebelei. Mitschuldigen. Ansang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Zwischen Ja und Nein. Berliner. Blaubart. Lessiug, Die gelbe Nachtigall. SniUler t». lWailliei» t.Izeater.) Der Philister. Die Lore. Schiller Charlotteubnrg. Kollege Crainpton. Kleines. Mandrazola. Theater an der Spree. HoluZ- pokuS. Thalia. Die gelbe Gefahr. Luisen. Geschloffen. Bernhard Rose. Die Verlobung im Bcit. Die oberen Zehn- tausend. Pratcr. Der Mann im Monde. Carl-Haverland- Theater. Epe- zialitätcn. Wteirovvl. DaZ muß man seh'n. Ilpollo. Svlvcster Schässcr jr. Sicgw. Genies. Wallialla. Svezialitäten. FolieS Gaprice. Mal waS andres. Dunkle Punkte. Eine anständige Frau. Parodie. Wilhelm Teil. Tannhäuscr. Momia Vanna. Kasino. Biederleute. Gebr. Herrnfeld. Papa und Ge- noffen. Wintergarten. Robert Stcidl. Epe- zialiläten. Pas'nge. Die singenden Engels- kövfe. Spezialitäten Borussia- BariHtö. Ackerstr. 6/7. Spezialitäten. RetaisiiaUcn. Steltiner Sänger. Uro»»». Tandrnsir.ihe t»«>tl>. ' 8 Uhr: Kairo und die Pyramiden. Nachmittags 4 Uhr: Am Gols von Neapel. Ster>ii»»r«e. Jnvalidenllr. 67182: Zur Beobachtung: MarS, Saturn, Doppclfterne, Nebelflecke._ UerDnor Theater. Saitsplel d. Neuen Oporetten-Tlieaters. Ansang T'/a Uhr. Blaubart Neues Thealer. Abends 7 Uhr: Baccarat, Mittwoch: Baccarat. Donnerstag: Baccarat. Kleines Thealer. WcnbS 7 Uhr: Ajpues Sorma. llamlrsiggola. Nittwoch nachm. 3 Uhr: Maria Magdalenc. Abends: Mandragola. DonncrSlag: Mandragola. Freitag: Mandragola. sliektlöf lies Vesleiis. 8 Uhr: W-in �Valaiertraain. Operette von Oskar Strauß. Mittwoch, l. und Sonntag. 5. Januar, nachm. S'U Uhr zu halben Preisen: Die lustige Witwe. Sonnabend, 4. Jan., nachm. 4 Uhr, zu tieinen Preisen: Häusel und Gretel. DienSIag, 31. Dezember tSiivester) beginnt die Borslellung um 7 lliir.___ FriedriGh-Wilhelmstadtisches Schauspielhaus. Madame Sans G&ie. Anfang 8 Uhr. Mittwoch nachm. 3 Uhr: Jugend von heule. AbcndS 8 Uhr: Madame Sans Gene. lortzing-Theater; Abends 8 Uhr: DkrTroulpttrrv. Säckinyt». Mittwoch nachm. 3 Uhr: Undine. Abends 7>/, Uhr: Die Zaubc, flöte. DonnerSIag: Der Troubadour. Freitag: Die Entsührwlg aus dem Serail. �usispüviksus. Abends 8 Uhr: Husareufieber. ' Beranlwortl icher Redakteur Ulrania. WlZZLnsakaktliottes 1'lieaisr. DaubsQstr. 4S/4S. blsctrraittagv 4 Ulli: An» Volk von Neapel. 8 Uhr: Kairo and die Pyramiden Residenz-Theater. — Dircktton: Richard Alexander.— Ansang 8 Ubr. Ganz der Papa. Schwank in 3 Akten von MarS und Desvalliöres. Deutsch v. M. Schönau. Baron des AubraiS: Rich. Alexander. Mittwoch, den 1. Januar, nachm 3 Uhr: Eine Hochzeitsnacht. Ztentral=Theater. Gastspiel des Hebbel-Theaters. Abends 7 Uhr: Frau Warrens Gewerbe. Drama in 4 Akten von Beruh. Shaw. Luisen-Theater. Reichenbergeritr. 34. Heute: Geschlossen. Mittwoch. 3 Uhr: Berlin, wie es meint und lacht. Abends 8 Uhr: Zum 1. Male: Zirkusleute. Ope. rcttcn-Gastspicl. Donnerstag Operetten- Gastspiel: Die Geisha. Sonntag nachni. 3 Uhr: Romeo und Julia. Abends: Zirkusleute. Montag: ZirluSleute._ mmosETitMi Gr. Franksurlerktr. 132 Die Berlobung im Bett. y Die ober. Zehntausend. Ansang 8 Ubr.— WochentagSpreise Mittwoch nachm. 3 Uhr: Die Hütten- Lesitzer. Abends 8 Uhr: Die Per- lobung im Bett. Die oberen Zehn- lausend, eronntagspreise. Donnerstag: Die Biuthochzeit. Rixdorfer Theater Burgcrsälc, Bcrgftrafte Nr. 147. Mittwoch, den 1. Januar 1303: Die Kinder der Ertellem. Lustspiel in 4 Alten von Wolzogcn. _ Ansang 7-/, Uhr._ Melropol-Theater Heute am 31. Dezember(Silvester) am 8 Uhr: Das muß man seh'n Gr. Kevuo in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. ß. Tliielsclier, F. Massary, B. Darmanil Beniier, Giampietro, Josephi ete. (7m 11(Jhr: Hr. Silvester-Kabarett Neu! Salome-Parodie! von Julius Freund. Tin ia(Jhr; Fanfaren- htilvesterjabel. Konfettlsehlaeht. Ueberraschungen. Tanzhrtahen. Ende 4 Uhr. 3 Musikkapellen. Rauchen gestattet. Hittwoch, den 1. Januar, uaohniittags 3 Uhr: Die Herren von Maxim. Abends 8 Uhr: Das muh man seh'n! Sonnabend, 4. Januar: I. CroSer Metropol-totef-BaO. Seh III er-Tli eater. Schiller-Theater Charlottenburg. Dienstag, abends 8 Uhr: College Crampton. Komödie in 5 Akten von Gerhart Hauptmann. 9'/, Uhr: Lehtes Sluftreien von Zylvesttr Schäffer jr. dem berühmten llnivcrsalkniiftler. Vorher ab 8 Ubr zum letzten Male: Aas kotossale Programm mit Siegwart Gentes in seinem Stalsch: l»e Cpernprobe. ' Pessage-Theaies. Rente: verlins xrükte Silvesler-Peier 4 der sür die eine Nacht vereinigten Etablissements g Passage-Theater 4 Caharot T. d. I. Inden 82 i Cubaret Ulcrabead. 3 Eintrittspreis pro Person 3 M. Ansang der Vorstellungen 3 Uhr, S Einlaß ab 8','3 Uhr. •wwwwwwwweir— �-- Schi lief* Theater o. sWallner-Tdearer). SienStag, abends 8 Ubr: Zum ersten Male: Philister. Luftspiel in 3 Aufz. v. Ich. Wiegand. Hieraus: IMe Tore. Komödie in 1 Alt v. O. E. Hartleben. Mittwoch nachm. 3 Uhr: Wilhelm Teil. Mittwoch, abends 8 Ubr: Philister. Hieraus: Hie Tore. Donnerstag, abends8Uhr: Her Revisor. Zirkus Scltumann Heute Dienstag, den 31. Dezember, abends präz. 7>s, Uhr: Silvester"(HS Ende der Vorstellung tO»;, Uhr. Gala-Vorstellung! Zum 10. Male: Amerika Original-Manege, chaustuck des ZirkuS Albert Schumann in 4 Akten u. eigens dazu engagierten ISO schwarzen Leuten. Besonders hervorzuheben: Große Krandkatakrophe auf demKroadmayiu NemNork. Schlust-Apotheose mit vollständig neuen feenhaften Licht- und Wasserefsekten. Morgen Mittwoch, den l. Januar: Zwei Gala-Feftvorftellnngen. Nachmittags ein Kind frei Kehl. Hemtfeld- Theater. 57 Kommandanienstraße Nr. 57. Ans. 8 Uhr. Borverkaus 1 1—2 Uhr. Heute: Silvester-Abend. OV* Riesen-Lach-Programm! alleroriginellster Art: die von der gesamten Presse als ersolgreichsler chlager bezeichnete Novität: Kov.vdie in 2 Akten m. d. Auloren Anton und Donat Herrnfeid. Vorder: Msdame Wig-Wag. Punkt 12 Uhr: Anbruch einer neuen Zeit. Gruß an das .Neue Jahr" von Hugo Pollack unter Eanlaren-lubelklängen vom Tropeterkorps d. Garde-Kürassier- Regiments. Großer allgemeiner GralulationSakl in den Pracht- soyers u. Wintergarten, begieilel von der gesamten Theaterkapelle unter Leitung des Kapellmeisters und Komponisten L. Jtal. Große Volksiänger-Zoiree nach Wiener Art. Arrangiert von iL u. D. Herrnfeid, unter Mit- Wirkung hervorragender Künstler. Heute: Silvester-Vorsteüung Anfang 8 Uhr. Ende nach 12 Uhr. Morgen: Premiere. Neues Programm. Palast Bur, iW Heu •Theater Burgstrafte 24. Heute 8 Uhr m AM- Cntree SO Pf.-MW Abschieds-Auftreten des Dezember-Spielplans. Lebensbild. Bruimen-Tbeaier Badstraße 58. Direkt.: Sernh.««»«. Dienstag, den 31. Dezember 1937 1 Große Silvester-Fest-Borslellung. O diese Weiher! Schwank In 4 Ausz. von R. Kneisel Nach der Vorstellung: Groher Silvester-BaN. Kasseneröfsnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Vorverkauf vormittags lO— 2 Uhr. W. Koacks Theater viretlio» Rod. Oill. Brunnenitr t«. Großer Siloester-Vall. Berstärktes Orchester. Allerlei lleberraschiingeu. Anfang 8 Ubr. Entree 30 Pf. Morg. u. folg. Tage i In der Irre. Schauspiel». d. letzte».Morgenpost"- Roman. Mittwoch, nachm. 3 Uhr: liiaria Stuart. Mittw ock>, abends 8Uhr: Kollege Crampton. Donnerstag, abendS8Ubr: Her Richter von Zalaraea. XIII. Saison. Zirkus Bäsch DienStag, den 31. Dezember, abends 71/, Uhr: Große Vorstellung. Bros. Clarkanians, aus Amerika. The Kremo Family. Um VslOUHv: Auf der Hallig k Mttwoch, l. Januar(Neujahr): 2 groBe Gala- FesWorstellungen 2 Nachm. 4 Uhr und abends 7,l3 Uhr. Nachm. 4 Uhr zahlen Kinder unter 19 Jahr, auf all. Sitzpl. balbe Preise. Nachmittags 4 Uhr: Jokei and Knko. Die entsprungenen Affen in der Sommerfrische. Abends 7' 1, Uhr: AufderHallig! BS alnalla- Variele Theater Weinbergsweg I9;20. Rosenth. Tor Heute Dienstag, Auf. 91/- Uhr: Silvester-Feier in den Gesamlräumen d. Walhalla. SpeelalitSten, Ball, S Kapellen, Ueberasch., 2 Regiments-Kapellen. GroOer Jubei und Trubel Präzise IL(Jhr: Einzug des neuen Jahres! Eintritt 1 M. usw. Fröbeis Allerlei-Theater Schönhauser Allee 148. Dienstag, den 31. Dezember 1907: Große Silvester-Fest-Vorstellung. Gastspiel lies Bernbiose-Ttieaters. Hotel Klinqebusch. Orig.-Volksstück mit Gesang u. Tanz in 5 Bild. o. R.Kneisel u. E. Jacobson. Nach d. Vorst.: Gr. Tilversterball. Kasseneröffnug 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. Kastno-Theater. Lothringcritr. 37. Täglich 8 Uhr: Ucbcr 60 Mal ausverkauft l Glänzender Erfolg I BlccVci'Icntc. Komödie in 4 Akten von}. Misch Mittwoch, 1. Jan., nachm. 4 Uhr: Singvögelchen— Blumenstrauß. Parodie-Theater. DrcSdenerstr. 97. Ansang S'/j Uhr. Zum 52. Male: Zapfenstreich. Monna Vanna. Tannhäuser. Reichsiialieo-Ttieater. Heut»: Gr. Silvester-Olk-Soiree der Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Nach der Soiree: Tanzkränzclien. Ballmusik des gesamten Musikkorps dss 3. Barde-Feldartlllerie- Regiments »nler peifönlicher Leitung de» tgl. Musikdirigcnten Hrn. Splegelbeeg. Entree 5v Pf. gM- Ellr den Ball ist nichts nachzuzahlen."ME Theater l�oHcs Caprfc© linienstr. 132, Ecke FriedrichstraBe. Hai was Anderes. Revue mit Geiana in:t Bildern. Uimkic i Unkte. Eine anständige Fran. Ansang 8 Uhr. Sanssouci Kotlbusee StraBe 6. Direktion: Wilhelm Reimer. Heute Silvesterabend: Extra- Silvester-Ulk- Vorstcllung der Festprogramm l U. a. Neu: DerRaubmörder. Posse Polonlse. Bilveslüf-BsII. BegrUBung d. neuen lahres. Großer Silvefter-Mt. Jeder Teilnehmer erhall gratis Punsch und Plannkuchen. Allst 8 U. EntteeMPf. SperisitzöOPf. Morgen: Fest-8ciree. X Heujahrskränzchen. Dienstag, 7. I. 03: 1. Gr. Spezialität.- Vorstellung. Erstklassige Künstler. l�TUAMa yVanäeTMater 'mau) SeAtiale, Ackerstr. e— 7. Täglich: Theater- und Spezial itäten-Vorstellung. _________ Anftreten 15 Künstler-Speaiaht._ Hans Weber. Berlin. Kür den Wnseratentell versmlw.: Th. Glvcke» Berlin. SÄckü�Berlag: BorwärG Vuchdruckeret u. BerlagsanstaU Paul Smäer�lit Eo.. Berlin LW. iX,? Heue Welt"ST Hlenstag, den 31. Hezember 1007: Großer Silvester-Ball � verbunden mit Gratis! Punsch- und Pfannkuchen- Polonäse! Anfang 9 Uhi-. Entree 60 Pf. morgen Mittwoch, den 1. Jannar 1008: 2 Großes Militär= Streichs Konzert tma' .. IV�ffinhraaRnll. Kellers Festsäle, Koppenstraße 29. 1. Jannar lOOS, abends 7'/» Chr: Lustige Neujahrs-Feier« Leitzing: Margarete Walkotte. <3 z3 I Q tl H üis bedeutendste deutsche LeVlIC L-dliy Parodistin als Gast Frt Becker, Konzertsängerin. Frau Ilka Panlet, Herr Wiemcr, Margarete Walkotte. Emil Walkotte, Herr Beruh. Vitzsche am Flüge L Entree 50 Pf.— Im Vorverkauf bei Herrn Horsch, Engel- Ufer 15 u. in Kellers Festsälen. An der Abendskasse 60 Pf. AnschlioCend: ß Ar L L! WVM WMMWVWMWWWW Germania Pracht-Säle| Chaasseestr. 110 Cäfl Rißllisl" Chaasseestr. 110 I Hlenstag, 31. Hczember(Silvester): i Große Extra�Soiree der Otto Steidts Kamburg. Sänger Anfang 9 Uhr.— Entree 50 Pfennig. DM- Im weißen Saale ven 8 Uhr ab: U.VTT.'9y Von 11 Uhr an in sämtlichen Sälen: Grover SIIvester-Rall verbunden mit Gratis-Puiisch- und Pfanukuchen-Polonäse. Neujahr 1908: Otto Steidls Hamburger Sänger. Donnerstag. 2. Januar 1008: 1. Großes Bockbicrreat. I Silvestm-Feier im Gewerkschaiishause. « «£> :• Die Parteigenossen und Gewerkschaftsmitglieder werden freundsichst 9 eingeladen, den Silvesterabend im Restaurant deö Gewcrkjchafis-? m Hauses zu verleben. l4c>0b? « Musikalische Unterbaltang. X X Reichhaltige Spelsenkartc.» 9 Richard Anernstln. 9 Schirms Festsäie Inhaber Joseph Franke. Habe noch Sonnabende Im Februar und März zu vergeben, auch sind VereinSzmuner mit Pianino und Kegelbahn noch einige Tage frei. 2261b' Joseph Franke, V. 20, Badstraste 19. Telephon: Amt lila. 4944. Trianon-Theaier. Ansang 7 Uhr. fräiilein Josetle- ineine Frau. Morgen nachm. 3 Uhr: GastonS Frauen. (31 orl tz platz) Jnh.: Albert Böhme Dienstag. 31. Dezember 1997: Gloßg Silvester-Feier in allen Prachlräumen.-UtzZ Im oberen THeatersaal nach der Vorstellung: Silvestcr-Raill. Am ReojahrStage: Große Gala-Vorsleliung mit vollständig neuem Programm ilf-MrJesM" Charlotten bnrg, PotsdamerstraUe 11. Nrll! Eirgaiit! Illterrssant! Täglich Vorstellung von 6—11 Uhr. Sonntags von 3—11 Uhr. Stetiger Eingang von Neuheiten. Qossmanns Festsäle Bes.: 0. Ernert �HV.,Kreuzbergstr.48. Heute: Großer Silvester-Ball. Pfannknchcn and PnnNch-Polonäse. Wiederbeginn Friek- Krause-Sänger Freitag, 3. Januar. Slyslum Landsberger Allee 40-41. Heute Dienstag. 31. Dezember t 8iIvesler-RsII. Um 12 Uhr: Graste Punsch- und Pfaniikucheii-Poloiiäse gratis. Ansang 3 Uhr. Entree frei. l. Januar l9v8: Neujahrs. Ball« Ausaug 5 Uhr. Entree frei. tfiUMtaik tliiueD lUt.Scill...-,— I ösbni z". ü trrl. milde Ij> ge feäch8.Nia'/Ä-�<�� folge. -$ Aorxte. Direktor — Alfxtd öliz. Che. Hin Dr A§ h«. Internat Tie*ncli. acjidstcr Koiuan üci �0�'- öegenwiirt. 1130Suit~ c:l. 20") Abbild U. •0 b Ute Tdf oröBClL,*1 60 rvd.. zu bez. d ti> LUz Nat: rbeilanotalt * pjjtpdfu- Rmle.'.n 1 eHnclio. H. Pfau C., Klosterftraste 30(2. L 6317), Binchbänder und Bandagen, Gerade- Halter, Leibbinden, orlbopäd. Avparate, künstl Glieder, Korsetts u. alle Artttel zur Krankenpflege. 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Auch auf wirtschaftlichem Gebiete bereiteten sich im Januar schwere Kämpfe vor- Am 1- wurden die Führer der Automobildroschken ausgesperrt, weil sie sich nicht eiiivcrstanden erklären wollten mit einem herabgesetzten Lohntarif, den ihnen die Unternehmer, für welche an demselben Tage eine erhöhte Taxe in Kraft getreten war, zur Anerkennung vorlegten, Am 3. veiaffenllichte der„-vorwärts' den Silvesterbrie. d e s R e i ch s k a II z l e r s an den Vorsitzenden des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie. Am 5, verurteilte das Landgericht den Genossen Stürmer wegen angeblicher Beschimpfung der christlichen Kirche, die er in einem Vortrage in Adlershof begangen haben soll, Am 6, verbreiieien die Genossen Berlins ein Flugblatt zur Reichstagswahlagilurion. Ani 8, fanden Massenversammlungen statt, die eben falls der Agitation für die ReichStagswahlen dienten. Eine dieser Versammlungen im Südosten des vierten Wahlkreises wurde aufgelöst, weil— Frauen anwesend waren. Am 10. hielt der Holzarbeiterverband eine größere Zahl von Versammlungen ab, die zu der von den Unternehmern angedrohten Aussperrung Stellung nahmen, Am 12, eröffnete das organisierte Unternehmertum den von langer Hand vorbereiteten Kampf gegen den Holzarbeiter-Verband. 3177 Holzarbeiter wurden an diesem Tage ausgesperrt, Am 14. war die Zahl der ausgesperrten Holzarbeiter auf 4304 gestiegen. Am 25. fanden die ReichStagswahlen statt. Die Genossen von Groß-Berlin behaupteten im harten Kampf mit den skrupellos arbeitenden Gegnern unsere sieben Mandate und sicherten damit Berlin in seiner Position als Hochburg der Sozial demokratie. Am 30, schlosien die Maschini st en in den Brauereien einen Tarif mit den Unternehmern ab.— Die Posamentiere wurden an demselben Tage ausgesperrt. Februar. Am 4, hatten die Genossen des zweiten Wahlkreises den Tod eines bewährten alten Muläinpsers. des Genossen Hohmann zu beklagen. Am 5. hatte der erste Berliner Wahlkreis die Stich- wähl zu vollziehen, bei der die gemeinsam gegen uns kämpfenden bürgerlichen Parteien den Kreis noch einmal für den Freisinn retteien, Am 17, hielt der Schneiderverband eine große Versammlung ab, welche die Tarifbewegung der Herren- Maßschneider einleitete, Am 21, wurde den Sichtenberger Parteigenosten unser Gemeinde- Vertreter Wilhelm Tieke durch den Tod eulrissen. Am 23, spielte sich vor den Schranken des Gerichts einer jener Tendenzprozesse ab, die sich gegen die Arbeiierbewegung richten. Angeklagt waren 18 HülsSarbeiter'aus der Druckerei des„Lola l- Anzeiger', welche einen Kollegen zum Eintritt in den Verband gedrängt haben sollten, was als Er- Pressung und Vergehen gegen Z 153 der Gewerbeordnung angesehen wurde- 17 Angeklagte wurden freigesprochen und einer zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt, Am 24, fand die Massenverbreitung eines Flug- b l a l l S statt, welches bestimmt war, Abonnenten für den„Vor- wärts" und Mitglieder für die sozialdemvlratischen Wahlvereine zu gewinnen, Am 27, beschlosten die Unternehmer die Aussperrung der Herren- Maßschneider, welche nach einigen Tagen beginnen sollte. Aber die Arbeiter kamen dem zuvor. Als Antwort ans den Aussperrungsbeschluß legten 900 Maßschneider am 28. die Arbeit nieder. März. Am t. wurde ein Teil der organisierten Tapezierer und Kleber ausgesperrt. Den Anlaß dazu bot der Umstand, daß die Organisation bei der Erneuerung deS Tarifvertrages eine Aufbessernng der Löhne forderte. An demselben Tage kam vor dem Schöffengericht eine Klage gegen den„Vorwärts" zur Verhandlung. Vieruudzwanzig Junker in den russischen Ostseeprovinzen traten gl-ichzeiiig als Kläger aus und verlangten die Bestrafung des Genossen Weber wegen Beleidigung und die Zuerkennung einer Buße von 144 000 M. Diese Summe forderten die feudalen Junker zur Reparierung ihrer angeblich verletzten Ehre. DaS Gericht wies jedoch die Klage als unbegründet ab. Am 2. führten die Unternehmer der Herren-Maßbranche die beschlossene Aussperrung aus und setzten 2500 Arbeiter auf die Straße. Am 11. fand in Lichtenberg die Gemeindeverord- n e t e n w a h l statt, bei der unsere Parteigenossen die Mandate der drillen Abteilung behaupteien. An deniielbe» Tage wurde der Lohnkampf der Auto- droichkenführer durch Verhandlung vor dem Einigungsamt beigelegt. Am 12. verhandelten die Holzarbeiter mit den Unter- nehmern vor dem Einigungsamt. Ein Vergleich kam nicht zustande. Der Kamps wurde mit crueiiler Energie fortgesetzt. Am 14, eroberten die Parteigenossen in Alt- Glienicke bei der@ e in e i ii d e w a h l zwei neue Sitze. so daß sie über vier sozialdeniokratiiche Gemeindevcrordnete versiigen. Am 10. traten die Möbeltransportarbeiter in den Streik. Am 19. stellte der Bäckervcrband einen Tarif- entwurf auf, der als Grundlage für die in Aussicht stehende Lohnbewegung gelten sollte. Am 23. hoben die Möbeltransportarbeiter ihren Streik auf, der keinen Erfolg gebracht hat.— Die Tapezierer erklärten die allgemeine Lohnbewegung als beendet. An deniselbeu Tage verhandelte das Einigungsamt über die Lohnbewegung im Baugewerbe. Da der Tarif- Vertrag mit dem Ende des Monats ablief, hotten die Arbeiter- organisationen für den Fall der Erneuerung des Vertrages eine Lohncrhöhimg und die Einführimg des AchtstiindentageS gefordert. Die letztere Forderung lehnten die Unternehmer mit aller Entschieden- heit ab. Die Verhandlungen vor dem Einigungsamt hatten deshalb kein Ergebnis. April. Am dem Ostermontag, fand in Berlin der VerbanbStag der Portefeu iller statt, Am 2. legten die Lau dschaftSgärtner die Arbeit nieder. Die Drahtarbeiter und die Leitergerüst- bauer beschlossen den Streik. Am 6. traten die Dachdecker bei einigen Firmen, welche die Forderungen der Arbeiter nicht anerkannten, in den Streik. Daraus erfolgte die Aussperrung. Am 10. wurde Genosse A d o l f R i t t e r im 39, Kommunal- Wahlbezirk als Stadtverordneter gewählt an Stelle des nach auswärts verzogenen Genossen Gründe!, Am 10, wurde das klassenbewußte Proletariat durch die Nachricht vom Tode des Genossen Jgnaz Auer tiefschmerzlich berührt. Am 11. wurde der Lohnkampf der Herren- Maß schneider beendet, nachdem ein Tarif mit erhöhten Lohnsätzen vereinbart worden war, Am 12, nahmen die Maurer, Zimmerer und Bau- arbeiter entscheidende Abstimmungen über die Lohnbewegung vor Mit großer Mehrheil wurde beschlossen, an der Forderung des A ch l st u n d e n l a g e s f e st z u h a l t e n. Am 14, erlebte Berlin eine der größten und eindrucksvollsten Leichenfeiern. Das Proletariat geleitete seinen un- vergeßlichen Jgnaz Auer zur letzten Ruhestätte. Im Trauerzuge ereignete sich ein betrübender Unfall, Genosse August Weber wurde plötzlich vom Tode ereilt. Am 17. fällte das Einigungsamt einen Schiedsspruch zur Lohnbewegung im Baugewerbe, der einen Vertrag mit Beibehaltmig des Neimstundenlages auf drei Jahre und eine geringe Lohnerhöhung empfahl. Am>8,'brachte der„Vorwärts" ein Kapitel ans dem Berliner Polizeisumpf. Er machte Miileilung von der Entlarvung des K r i in i n a l f ch n tz m a n n s Paul D i e l r i ch, der unter der Maske eines sozialdemokratischen Arbeiters im Wahlverein herum gespitzelt halte. Am 21, wurde ein Flugblatt zugunsten desBoykotts von Schneidergefchäften verbreitet.— An demselben Tage fand die Generalversammlung deS Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Groß-Berlins statt. An den folgenden Tagen nahmen die Arbeiterorgani- sationen im Baugewerbe Stellung zu dem S ch i e d s- spruch des EinigungsamteS. Das Ergebnis der Ab stimniungen war die Ablehnung des Schiedsspruchs. Am 2b. wurden die Genossen wieder durch eine Trauerbotschaft betroffen. Diesnial war es Robert Schweichel, dem der Tod die Augen für immer geschlossen hatte. Am 27. stand der„Vorwärts" wieder vor Gericht, Sein vcraniwortlicher Redakieur HanS Weber wurde wegen Be- leidigimg eines Eiseiibahiipräsidcnleii zu 600 M, und wegen Auf forderung zur Begehung einer stra'baren Handlung zu 20 M, ver- urteilt. Es handelte sich in diesem Falle um die Aufforderung, einer ungesetzlichen Versauimlimgsauflöiung nicht Folge zu leisten. Mai. Die Feier des 1. Mai gestaltete sich auch in diesem Jahre zu einer imposanten Kundgebung des Berliner Proletariats, Ani 7. verurteilte das Gericht den Genossen Wenzel in Groß L i ch t e r f e l d e zu einer Geldstrase von 300 M., weil er in einem Flugblatt eine gegnerische Verleumdung der Lichterfelder P a r l e i g e n o s i e n gekeiinzeichuel und widerlegt halte, wodurch nach Ansicht des Gerichts der Redakteur vom„Groß- Lichterfelder Lokal-Anzciger" beleidigt sein soll. Am 11. beschäftigte sich das Einigungsamt wieder mit dem großen Kampf in der Holzin du st rie. Es fällte einen Schiedsspruch, den die Geneialversaminluiig des Holzarbeiter- Verbandes am 12, und die Generalversammlung der Arbeilaeber am 13. annahm. Dadurch war die Aussperrung, welche seit Mille Januar über die Arbeiter verhängt war, beendet, Am 13, nahm in Berlin der Verbau dstag der Töpfer seinen Anfang, Am 14, verhandelte der Bäckerverband mit der tceien Ver-cinignug der Bäckermeister vor dem Einigungsamt- s wurde ein Schiedsspruch gefällt, dessen Inhalt der Verband nunmehr als Forderung gegenüber den Jnmiiigen ausstellte, Am 18,, dem Pfiiigslsonnabend begann die Aussperrung der Maurer, Zimmerer und Bauhülssarbeiter, Tamil hatten die Unternehmer den Angriff auf die Arbeiter er- öffnet und das Signal zu dem großen Kampfe gegeben, der für die folgenden Wochen im Vordergrund des allgemeinen Interesses stand, Während der Pfingsttage hielten die Transportarbeiter uad die Handschuhmacher ihre Verbandstage in Berlin ab, Am 25, wurde wieder ein alter Parteigenosse. Jakob Bam- berger durch den Tod aus unserer Mitte gerissen, Am 23, beantworteten die Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter den Angriff der Unternehmer mit dem Streik. Am 29, traten die Bäcker in den Streit, da alle Versuche, mit den Jiinuiigen zu einer Verständigimg zu kommen, fehlgeschlagen waren. In den Kamps, den die Bäcker für die Ver- besteruug ihrer elenden Lage tüdrien, griff auch die Arbeiterschaft Berlins kräftig ein und unterstützte die Kämpfenden dureb den Boykott,— Der Bäckerslreit sowie der Kampf im Vangeioerbe bildeten auch im Monat Juni die bedenisanisten Ereigniffe in der Arbeiterbewegung Berlin? und wurden in Versammlungen und in der Presse lebhaft erörtert. Am 2. beschlossen die Putzer, zugunsten der Maurer die Arbeit niederzulegen, An demselben Tage wurde der Anschlag eines Unter- nehinerringeS gegen den Bäcker streik bekannt. Das Hefeiyndikat sperrte allen Bäckermeistern, welche die Forderiingen der Geicllcii bewilligt hatten, die Lieferung von Hefe Fast schien es, als sollte dieser Schlag den beabsichtigten Erlolg haben, doch noch im letzten Augenblick gelang es der Sireikleilinig, den bedrohten tariflrcucn Meistern Hefe in ausreichendem Maße zu beschaffen. Am 4, beschäftigten sich 25 VolkSversamm- l u n g e n mit dem B ä ck e r st r e i k. Das Proletariat Berlins bekundete den Streikenden seine vollste Sympathie und sagte weit- gehendsle Unterstützung durch Beachtung des Boykotts zu, Ant ll. erklärten die Bäcker den Streik für be- endet. Sie hatten an Erfolgen erreicht, was den Umständen nach zu erreichen möglich war,— In der Folgezeit führte die Arbeiter- schaft den Boykott weiter, während die Polizei den nichtbewilligenden Meistern dadurch zu Hülse kam, daß sie die Eiitfernung der Plakate verlangte, durch welche die tarislreuen Bäckermeister ihren Kunden anzeigten) daß sie mit ihren Geselle» in Frieden leben. Am 12, nahmen die Dachdecker die Arbeit wieder auf, nachdem durch vorhergegangene Verhandlungen eine Ver- släiidigung erzielt worden war. Doch bald darauf hieß es. die Eiiiigimgsbediiignngen seien mißverstanden, den Arbeitern solle weniger zugeslaiideii werden als sie annahmen. Die Arbeit wurde aufs neue niedergelegt. Am 20, fand vor dem Einigungsamt die endgültige Bei- legung deö Dachdecke r'streiks statt, der nun, nach einer Daner von 11 Wochen beendet wurde.— Der Monat Juli brachte wenig Ereigniffe, die von bestimmten Tagen aus datiert werden können. Der bevorstehende Jnternationake Soziali st e n kongreß gab Anlaß zu Erörterungen in der Presse und die Parteiorganisationen trafen ihre Vorbereitungen zu demselben, sie diskulierten die auf der Tagesordnung des Kon- giesses stehenden Angelegenheiten und wählten ihre Delegierten zum Kongreß, Das gesmah am 7. in der Generalversammlung des Kreises Teltow-Beeskow, am 10, in den sechs Berliner Wahlkreisen und am 20, im Kreise Niederbarniin, Ani 14. fand eine Konferenz der Krankenkassen der Provinz Brandenburg statt. Am 28, veranstaltete der Verein der Lehrlinge und jugendliche n Arbeiter eine Prolesiversammlung gegen Maß- nahmen, welche die Polizei gegen die Aufklännig und' die Organi- sanon der jungen Leute ins Werk gesetzt hatte. " August. Am 9. wurde der allgemeine Streik im Bau» gewerbe ausgehoben und die Forlsührung des EiuzelkampfeS in«"«ficht gestellt. Am 11. tagte die Generalversammlung deS Ver« bandes der Sozialdemokratischen Wahlvereine von Groß-Berlin. Der Vorstand erstattete den Geschäfts- bericht, der einen erfreulichen Forlschritt der Bewegung konstatierte. Zur Beratung der Abänderung des Verbandsstar'nis kam es aus formalen Gründen nicht.— Genosse Singer präzisierte in der Generalversammlung die Stellung der Partei und des Partei- Vorstandes im Kampfe für die Beseitigung des preußischen Dreiklasse n Wahlrechts und konstatierte unter Hinweis auf die llnzuverläisigkeit des bürgerlichen Liberalismus, daß der Kampf für die Erringung des Reichslagswahlrechts in Preußen nur von der Sozialdemokratie konseyiieut und entschieden geführt wird. In der zweiten Hälfte des Monats gaben der bevorstehende Parteitag und die Konserenz der Provinz Brandenburg unseren Parteigenossen Anlaß zu Erörleruiigcn und Veranstaltung von Ver- sammlungen. Diskussionen und D e l e g t e r t e n w a h l e n zurProvinzialkonferenz und zum Parteitag fanden statt am 13. in den sechs Berliner Wahlvereinsn und am 18. in Teltow-Beeskow. September. Am 1. wurde die Parteikonferenz für Berlin und die Provinz Brandenburg abgehalten, Am 3. erstaltetten. die Delegierten vom Jnter- nationalen Kongreß Bericht in den Berliner Wahl- vereinen. Die Stellung, welche die Sozialdemokratie zur Kolonial- Politik einzunehmen hat, wurde im Anschluß an die Kongreßverhand- lnng lebhaft diskutiert und auch später noch verschiedentlich in der Presse erörtert. Am 11, verurteilte die siebente Strafkammer den Genoffen Peters, Vorstandsmitglied des Vereins der Lehrlinge und juaend- lichen Arbeit-?- wegen Aufreizung zu in K l a s s e n h ä ß zu 50 M- Die(fw'bare Handlung fand das Gericht in der Ver- breilung eines LiiS-rbuches, welches das„aufreizende" Lied enthält: „Ihr habi die Macht»i Händen, wenn Ihr nur einig seid". Am 15, sammelten oie geulralverbände der HandlungSgehülfen und der Transporiarbeiker mit Hülfe der organisierlen Parteigenossen bei den Geschäftsinhabern Unterschriften für die Herbei- s ü h r u n g des A ch t u h r l a d e n s ch l u s s e s. Am 27. wurde in den Berliner Wahlvereinen Bericht vom Parteitage erstattet, der vom 15. bis 21. in Essen abgehalten worden ist. Am 28. fand die Generalversammlung deö Kreises Niederbarnim statt, die sich außer mit dem Partei- tagsbericht auch mit der Stellungnahme zum bevorstehenden preußischen Parteitag befaßte. Oktober. Zu Anfang deS Monats wurde der Streich bekannt, den die Berliner politische Polizei gegen unsere Partei» schule zu führen gedachte, indem sie zwei Lehrern der Schule, den Genossen P a n n e k o e k und H i l f e r d i n g die Ausweisung androhte, falls sie ihre Lehrtätigkeit fortsetzen würden. In den ersten Tagen des- Oktober setzte die Agitation für die Stadtverordneten wählen in Berlin, Charlotten- bürg und Schöneberg ein. Zahlreiche Versammlungen, die im Laufe des Monats abgehalten, wurden, dienten der Koinmunalwahl- bewegiing. Am 3. traten die Töpfer in den Streik, unreine von den Unternehmern beabsichtigte Verschlechterung des Lohnlarifs abzuwehren. Am 5, begann der Streik der Hausdiener, Packer usw. im Warenhause A, Jandorf u, Co, Es galt, eine die Arbeiter entrechtende Strafbeslimmung im Vertrage' zu Falle zu bringeil. Am 14. wurde im Germnniasaal in der Chanffeestraße der vom Vorstände des Verbandes der sozialdemokralischeu Wuhlvereine Groß- Berlins veranstaliete Vortragszyklus über National- ö k o n o m i e eröffnet. Am 15, nahmen die Generalversammlungen der sechs Berliner Wahlkreise Stellung zum preußischen Parteitag. Am 10, fand in Kellers Saal eine imposaiilc Volksversammlung statt, Ivo Genosse Bebel über die Blockpolitik sprach. Am 17. verbreiteten die Parteigenossen eine AgitationS» nummer des„Vorwärts". Am 18, begann im„Deutschen Hof' in der Luckmierstraße der zweite von Groß-Berlin veranstaltele Vortragszyklus über Nationalökonomie, Am 20, gingen die Genoffen mit gutem Erfolge an die Ge- winming von Abonnenten auf den„Vorwärts" und Mitgliedern der sozialdemokratischen Wahl- vereine, Am 21. fand in der„Neuen Welt" eine Massen- d e m o n st r a t i o n gegen daS Urteil des Reichsgerichts im Hoch- verrat sprozeßLiebk ii echt statt. In der Versammlung sprachen die Genossen Richard Fischer und Karl Liebknecht, der am Tage daraus die ihm vom Reichsgericht auferlegte Feftungsstrafe von''/e Jahren antrat. 51 in 27. hieli der Verband der sozialdemokratischen Wahlvereine Groß-Berlins eine Generalversammlimg ab. welche verschiedene nolivendig gewordene Ülbäiideruugen des Statut? beschloß, die vorher vo» den Parteigenossen in den Wahlkreisen beialen worden waren. Auch wurde bekannt gegeben, daß die Ge- »offen aus den kurz vorher abgehaltenen" Zahlabenden de» Boykott über die Firma Jan darf beschlossen hatten. Am 29, wurde der Töpfer streik beendet, da eine Einigimg mit den Unternehmern zustande gekommen war. November. Am 2. fand die Stadtverordnetenwahl in Schöne- b e r g statt. Unsere Parleigenossen behaupteten ihre beiden Mandate und gewannen zwei neue Mandate. Am 3. wurden in Groß-Berlin 1 200 000 Flugblätter verbreitet, welche die Bevölkerung zum Boykott der Jondorfschen arenhäuser aufriefen, um den Streik der Hausdiener zu unterstützen. In der daraus folgenden Woche wurde der Boykott mit großer Energie diirchgeiührt. Am 0, wurden die Stadtverordnetcnwahlen in Berlin vollzogen. Unsere Partei behauptete die 13 Mandate der dritten Slbteiluug, die sie in den diesmal zur Wahl stehenden Be- zirken schon bisher im Besitz hatte. An demselben Tage fand auch in C h a r l o t t e n b u r g die Stadtverordnete ii wähl statt mit dem Erfolge, daß unsere Parteigenossen sechs Mandate der dritten Abteilung be- haüpteten. 5iin 9, kam eine Einigung mit der Firma Jandorf zustande. Infolgedessen koimie der Streik beigelegt und der Boykott, der seine Wirkung getan hatte, aufgehoben werden. Am 11. spielte sich vor Gericht eine Episode ab aus dein lampfe, den der Bäckerverband gegen Mißstände m Arbeitsnachweis der Innung führt, Genosse Schneider vom Bäckerverband wurde wegen formaler Beleidigung verurteilt, aber dem Arbeitsvermittler der Bäckenimung wurde nach- aclviesen, daß er sich öster von Arbeitsuchenden bat bestechen lassen. Am 18. protestierte eine Versammlung gegen polizeiliche Mastnahmen, welche den Hweck haben, der Jugend das Turnen im Arbeiterturnverern„Fichte" unmöglich zu machen. Am 19. tagte eine auheror deutliche Frauen- ! o n f e r e n s. welche sich mit der D i e n st b o t e n f r a g e be- ichäftigtc und Mastnahmen zur Förderung der Organisation und Agitation unter den Dienstmädchen beriet. Vom 21.— 23. erregte» die Vei Handlungen deS preuhischen Parteitages das allgemeine Interesse.— Umniltelbär daraus setzte in Preusten die Bewegung sür die Erringimg eines demo- kralischen Wahlrechts ein. I» Berlin wurden zu diesem Zivccke am 24. Flugblätter verbreitet und am 2(5. eine graste Zahl massenhast besuchter DemonstrationSvcrsammlungen abgehalten. Im Laufe deS Monats fanden unter Mitwirkung des Partei- Vorstandes mehrmals Verhandlungen zwischen Vertretern der beiden gewerkschaftlichen Organi- . s a l i o n S r i ch t u n g c n statt. um eine Verschmelzung dieser Organisationen herbeizuführen. Dezember. Ain 1. und 2. beschäftigte sich eine Kotiferenz der Vereinigung der Zimmerer mit der Berschmelzlmgsfrage und stimmte den Bedingungen zu, welche die Vertreter beider Organi- salionen vereinbart hatten. Am 3. wurde in den Generalversammlungen der Wahlvereine Bericht vom preustischen Parteitag erstattet. Am 12. stimmte eine Versammlung des Z e n t r a l Verbandes der Maurer den mit der Lokalorganisation vereinbarten Uebertrittsbedingnngen zu. Am 16 wurde die Stadtvcrordnetenwahl in Lichtenberg vollzogen. Unsere Parteigenossen eroberten IS von den 16 Mandaten der dritten Abteilung. Am 2S. beipraw der„Vorwärts" die Ergebnisse einer von der Berliner GewerkschaftSkomnnssion aufgenommenen Statistik über den Umfang der Arbeitslosigkeit. Am 27. und 28. tagte die Konserenz der Freien Ber- einigung der Maurer, welche den mit dem Zentralverband vereinbarten Uebertrittsbedingnngen zustimmte. Das Werk der gewerkschaftlichen Einigung, welches gegen Ende des alten Jahres bedeutend gefördert wurde, wird im neuen Jahre zum befriedigenden Abschirrst gelangen. Ein Bruderzwist, der die gewerkschaftliche Bewegung in früheren Jahren störte, ist damit aus der Welt geschafft zum Nutzen der gesamten llassenbewustren Arbeiter- bewegung._ Partei-?Zngelegenkeiten. Zur Lokalliste. Am Sonnabend, den 4. Januar, veranstaltet das Personal der„Allgemeinen Müllverwertungs-Ge« felis chaft m. b. H.", Charlottenbnrg, in den Räumen des „K a i s e r Friedrich-Zelt". Berlinerstr. 88. einen Maskenball: in Grost-Lichterfeldr sind zum 11. Januar folgende Veranstaltungen geplant: im Restaurant von H e n n t g Maskenball des„Gärtnervereins 1904", im„ S ch ü tz e n h a u S Zehlendoiferstraste, Maskenball deS„ G e s a n g v e r e i n s Eintracht". Ebenfalls am 11. Januar findet ein Vergnügen des„Beerdigungsvereins von Maririidorf" im Lokale von Rauh, Dorfilraste. statt. Alle oben genannten Lokale stehen der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung und machen wir daher die Angehörigen der Vereine, soweit dieselben einer auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Organisation angehören, aus die eventuellen Folgen eines Boykott- brucheS aufmerksam. Die Lokalkommission. Dritter Wahlkreis. Die diesjährige Silvesterfeier findet heute abend im groste» Saale des GewerkschafiohauseS. Engel-Ufer 15. statt. Anfang 9 Uhr. Eintritt inkl. Tanz 20 Pf. Garderobe 10 Pf. Ilm zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Schöneberg. Die Genossinnen und Genossen treffen sich am Silvester im E. Obstschen Tunnel zum gemütlichen Beisammensein. _ Der Vorstand. Berliner J�aebriebten. Auf der Eisbahn. Tausende zogen am Sonntag hinaus nach den spiegel- blauten Eisflächen, und die Schlittschuhe klirrten und rasselten am Arme, als freuten sie sich schon darauf, nach der langen Untätigkeit auch wieder einmal in Bewegung gesetzt zu werden und aus dem Grunde schon, um die Nützlichkeit ihres Daseins augenscheinlich zu demonstrieren. Bis herab zu den Kleinsten in Pnmphöschen und kurzen Rockchen waren die Eissportler vertreten. Ob auch der grimmige Papa Winter wacker und mit vollen Backen den schneidenden Nordwind blietz, sie ließen sich nicht iiit geringsten beirren, munter und flüchtig, mit roten, frischen Gesichtern und glänzenden Augen glitten sie über die harte, polierte Fläche. Der Handwerker, der Kaufmann, die Kontoristin, allen laS man es von den glücklichen Gesichtern ab, welche Freude es ihnen bereitete, durch die kalte, beißende Luft zu fliegen, ihre vom ewigen Sitzen steif und ungelenkig gewordenen Glieder zu dehnen und zu recken. Ein prächtiges Bild entfaltete sich, als die Dunkelheit hereinbrach und die vielen Lichter entflammten. Scharf hoben sich die dunklen Gestalten von dem hellen Hintergründe ab. und der Eisspiegel warf die Reflexe der zitternden Fläminchen tausendfach zurück. Lockend, schmeichelnd, prickelnd quollen die Klänge der Musikkapelle tzurch die starre Winternacht und die Reihen der Esläiifer wiegten, neigten, bogen sich in sanftem Rhythmus, als wären sie durch geheimnisvolle Macht mit der Musik verbunden. Besonders den jungen Pärchen hing der Himmel voller Baßgeigen, stumm und glücklich sich gegenseitig in die Augen sehend, huschten sie dahin. Indem sie je eine Hand in den Muff steckten, hatten sie die beste, billigste und diskreteste Tele- graphie zum Herzen und sie verdienen sicherlich im ganzen Jahr nicht so viel, als diese Unterhaltung nach Silben bc- rechnet bei Stefanus kosten würde. Amor aber, der kleine Schelm, lag irgendwo versteckt und schürte die Glut, manchen Pfeil mag er verschossen haben.„Ach, daß sie ewig grünen bliebe.. Ein Bräutigam, dessen Braut anscheinend nicht laufen konnte, führte mit rührender Aufopferung seine gewichtige Zukünftige Schwiegermama in kühnen, eleganten Kurven über die schinimernde Decke und der freudige, stolze Ausdruck in dem Antlitz der Dame verriet, daß sich der junge Ehekandidat durch diesen pietätvollen Akt den manchmal etwas dornen- reichen Weg zum schwiegermütterlichen Herzen geebnet hatte. Die Eispächter mögen sich nicht wenig gefreut haben über das verspätete Wiihnachtsgeschenk und schmunzelnd werden sie dem fröhlichen Treiben zugesehen haben, das sich bis in die späten Abendstunden hinzog. Allerdings, die„richtigen und wilden" Schlittschuhläufer verachten mit mitleidigem Lächeln diese „Kindereisbahnen", ihr„Feld ist die Welt", das heißt die weite Umgebung Berlins. Ihnen tonnen nur die endlosen Strecken der Spree und die unabsehbaren Flächen der Seen imponieren, Stellen, die nur wagenmtige Läuser passieren und Ivo kein Hindernis ihren Flug aufhält. Für alle diejenigen aber, denen Lust und Zeit fehlt, um derartige Exkursionen zu unternehmen, bilden die Fahrten auf den„Kindereisbahncn" eine reizvolle und gesunde Abwechse- lung in dem öden Einerlei des Alltags und glücklich mag der sein, der sich unter der aufreibenden und zermürbenden Fron ini Dienste des Kapitalismus noch so viel körperliche Frische und Elastizität bewahrt, um diesem harmlosen und kräftigen- den Vergnügen obzuliegen. Länge wird es so wie so nicht danern. Ein milder Tauwind verwandelt sehr schnell das schöne Eis in eine trübe, schmutzige Masse und mit dem Eis- laufen ist's auZ._ Vom„Ueberfluß" der Armenlüchen. Aus dem Armendirektionsbericht über das Jahr 1906. der vom Magistrat kürzlich veröffentlicht worden ist, haben wir vor etlichen Tagen die Mitteilungen über den Betrieb der Zlrmenküchen im Winter 1300/(17 wiedergegeben. Die Annendirektion erzählt da, daß die Suppen, die sie bei den Armenküchcn bestellt und bezahlen muß, oft durch die nnt Anweisung versehenen Armen gar nicht abgeholt werden. Das ist nun allerdings für die Armendirektion sehr verdrießlich. Aber noch verdrießlicher ist sür die Armen, daß manchmal nicht genug Suppen bereitgehalten werden, um alle mit Anweisung versehenen Familien bc- friedigen zu können. Daß auch dieses Gegenteil vorkommen kann, davon steht in dem Armendirektionsbericht nichts. Wir wissen nicht, ob es schon in früheren Wintern vorgekommen ist. In dem dies- jährigen Winter aber hat mcrn's bereits erleben müssen. Haben die Ersahrungen der letzten Jähre zu dem Entschluß geführt, fortan bei der Bestellung der bereit zu haltenden Suppen lieber ein Zuviel von Vorsicht anzuwenden, so daß der frühere„Ueberfluß" nunmehr durch Knappheit und Mangel abgelöst werden soll? Will man's in diesem Winter erreichen, daß auch nicht eine einzige der von der Armendirektion bestellten Portionen drüber bleibt? Machen läßt sich das in der Weise, daß die Armendirektion weniger Suppen bestellt, als die?lrmcn- kommissioncu den Hülfesuche nben be» willigen. Für diejenigen Portionen, die etwa nicht abgeholt werden, finden sich immer noch genug Hungrige, wenn Anweisungen auf mehr Portionen ausgegeben sind, als die Armenküchcn zubereiten. Bei diesem Verfahren kann sich's auch mal ereignen, daß doch mehr Arme ihre An- Weisung präsentieren, als erwartet worden waren. Für einen armen Teufel, der Hunger hat, ist es ja nicht angenehm, wenn ihm nur noch der leere Suppenkessel gezeigt werden kann. Aber er darf sich damit trösten, daß die Sparsamkeitsfanatiker der Armendirektion am Ziel ihrer Wünsche sind. In diesem Winter wurden die Armenküchen am 16. Dezember eröffnet. Schon in der ersten Woche war bei manchen Küchen der Zulauf so stark, daß von den Suppen nichts drüberblieb. Ueber die Armcnküche in dcr Lychener Straße ist uns mitgeteilt worden, daß sie an manchen Tagen nicht mal alle Personen, die mit Anweisung kamen, bcfrie- digen konnte Unter den Annen, die dieser Küche zugewiesen sind, hat das eine starke Erregung hervorgerufen. Die Folge war, daß viele schon lange vor der Mittagstunde die Küche belagerten und in sinnlosem Drängen als erste an den Suppenkessel zu gelangen suchten, weil sie fürchteten. mit leerem Topf heimkehren zu müssen. Auf Grund der Klagen, die unö zugegangen sind, stellen wir das öffentlich fest. ES ist dringend nötig, daß die Armendirektion eine Wiederholung solcher Vorkommnisse verhütet. Nebenbei bemerkt: die Ver- Walter der einzelnen Küchen dürfen unter keinen Umständen für die Speisenzubereitung mehr Materialien verbrauchen, als ihnen im Hinblick aus die bestellte Portionenzahl vorgeschrieben ist. Wollten sie eigenmächtig mebr Portionen zubereiten, so müßten sie durch reichlicheren Wasserznsatz ihre Suppen„der- längern". Die Armendirektion wird gut daran tun, sich nicht an den dürren Zahlen genügen zu lassen, die sie sich über die „zuviel" bestellten Portionen herausrechnet, sondern sich ein bißchen mehr um die tatsächlichen Verhältnisse zu kümmern. Welchen Wert soll man solchen Zahlen beimessen, wenn dem Ueberfluß, den manche Küchen nicht loS werden können, ein Mangel gegenübersteht, der in anderen Küchen sich bemerkbar macht I Uebrigens wollen wir hier auch das feststellen, daß nicht mal den Annenkonunissionen immer die nötige Zahl von Anweisungen zur Verfügung steht, so daß sie manchmal den Armen die erst für den folgenden Monat be- stimmten Blocks einhändigen müssen, weil für den laufenden Monat keine Blocks mehr da sind. Der„Ueberfluß" der Arvienküchen stellt sich, wie man sieht, doch etwaS anders dar, als die Armendirektion ihn uns schildert. Und selbst da, wo'was drüberbleibt, hat bei einigem guten Willen die Verwaltung nicht nötig, es als Viehsutter wegzugeben. Die Portionen, die die Armendirektion als„zu- viel" bezahlen muß, finden dankbare Abnehmer unter den Obdachlosen, die vor den Armenküchcn geduldig warten, während die Töpfe voll dampfender Suppe an ihnen vorüber- getragen werden. Sie wollen als die letzten zugelassen werden, um ohne Marken die Reste in Empfang zu nehmen, die etwa noch im Kessel zu finden sind. Wir wissen nicht, ob das sich mit der„Instruktion" verträgt und nicht am Ende den Interessen des ViehfutterabnehmerS zuwiderläuft. Aber man kann es nur billigen, wenn menschenfreundliche Küchenvorsteher auch diese Obdachlosen nicht hungrig wegschicken, so lange noch etwas da ist._ Der Magistrat von Berlin hat neuerdings die Einrichtung ge- troffen, daß Druckexemplare der für die Stadt Berlin erlassenen wichtigeren Ortsstatute, Sieuerordnungen, Regulative usw. zu einem mäßigen Preise an interessierte Privatperionen abgegeben werden können. Die Verkaufsstelle für diese Druckschriften bc- findet sich im Rathause, Zimmer 2. Gegen die Wolinungsenqueten der Ortskrankenkasse der Kauf- lrutc hatten die Hausbesitzer mobil gemacht. Ihnen waren die Enqueten sehr unangenehm und sie liefen Sturm in den HauS- bcsitzervercinen und den HauSbesitzerorganen. Dabei blieb es nicht. Ter Pr>>ußischc Landesverband der Haus- und Grund- besitzervereine wandte.sich an die Aufsichtsbehörde und verlangte ein Verbot, nach welchem die Kasse angehalten wird, derartige Er- Hebungen zu unterlassen. Die Aufsichtsbehörde wies die Haus- besitzcr ab, worauf diese sich beschwerdeführend an den Ober- Präsidenten wandten. Aber auch hier haben die Leutchen kein Glück gehabt, wie nachstehendes Schreiben an den Preußischen Landes- verband der Haus- und Grundbesitzervercinc beweist. Diesem ist folgender Bescheid zugegangen: Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg. O. P. 23 226. Potsdam, W. 11. 1907. Zur Beschwerde vom 11. Oktober 1907. In dem Bescheide vom 24. August d. I. hat der Magistrat in Berlin die Gründe dargelegt, die ihn veranlaßt haben, dem Antrage des Landesverbandes auf Untersagung der Ver- anstaltung von Wohnungserhebungen und der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse durch die Ortskrankenkasse für den Gewerbe- betrieb der Kaufleutc, Handelsleute und Apotheker nicht statt- zugeben» Den Ausführungen dieses Bescheides trete ich durchweg best In der Vornahme von Wohnungsuntersuchungen und bezüglichen Veröffentlichungen kann eine gegen die gesetzlichen oder statu- tariseixm Vorschriften verstoßende Handlungsweise der Kasse, die ein Einschreiten der Aussichtsbehördc rechtfertigen würde, nach den bestehenden Bestimmungen nicht gefunden werden Es ist als feststehend anzusehen, daß die Beschaffenheit der Wohnung bei vielen Krankheiten, insbesondere bei der Tuberkulose, eine Hauptquclle der Erkrankung bildet und die Anordnungen deS ArzteS durch die Berücksichtigung dieses Gesichtspunktes mit bc- stimmt werden. Wenn die Krankenkasse in Erkenntnis dieses Zusammenhanges zwischen Krankheit und Wohnung das Be- streben betätigt, Material zu gewinnen, um es den Kassenärzten zugänglich zu machen, so muß anerkannt werden, das die hierauf gerichteten Maßnahmen der Kasse den Kassenzwecken cntsprcchcn. Kann daher die Beschwerde nicht damit begründet werden, daß die Kasse zu den in Rede stellenden Veranstaltungen rechtlich nicht befugt ist, so trifft auch die Bezugnahme auf§ 29, Abs. 2 des ÄrantenversicherungSgcsetzeS nicht zu. Abgesehen davon, daß die Erhebungen bei Gelegenheit deS Besuches der Kranken von den Krankenkontrolleuren nebenbei aufgenommen werden und besondere Kosten von Erheblichieit hierdurch nicht erwachsen, stellen sich die etwaigen Mehrkosien als Ausgaben dar, die in Verfolg der Kassenzwecke entstehen und deshalb als Verwaltungskostcn angesehen werden müssen. Sind, wie die Beschwerde anführt, in den Veröffentlichungen der Kasse Unrichtigkeiten, Uebertrcibungen und Entstellungen des Sachverhalts enthalten, so wird in Frage kommen, in gccigncrer Weise auf ibrc Richtigstellung hinzuwirken. Tie generelle Unter- sagung der Erhebungen durch die Aufsichtsbehörde würde etwaige Mängel des gewonnenen Materials nicht zu rechtfertigen der- mögen. gez. v. Trott zu Solz. Hoffentlich sind die Herren Hausagrarier nunmehr kuriert. Sic mögen nur für gute Wohnungen Sorge tragen, dann werden sie die WohnungSenquctcn nicht zu scheuen haben. Ter neue Omnibustarif. Der neue Tarif ftir Pferde- omnibusse wird von der Allgemeinen Berliner LmnibuS-Gcsellschaft am 1. Januar eingeführt. Jede einzelne Fahrt kostet 10 Pf. Für Teilstrecken werden Fahrscheine, gültig ftir zwei Fahrten zu 15 Pf. »nd für fünf Fahren zu 30 Pf. ausgegeben. Diese Fahrscheine sind in Kartenform auf Papier gedruckt: sie sind auf jeder Linie benutzbar. Bei dem Fahrschein zu 30 Pf. befinden sich an den Ouerscitcn die Daten 1. bis 31. An den beiden Längsseiten und der einen Qucrseite Raum für fünf Fahrten sl— V) sowie für jede Fahrt die Teilstrecken 1— 8. Die Teilstrecken sind auf jeder Linie numeriert und zwar in beiden Fahrtrichtungen verschieden. Ein Verzeichnis der Teilstrecken, aus dem die Nummer, die jede Teil- strecke hat, zu ersehen ist, hängt in jedem Wagen aus. Tie Fahr- scheine werden vom Schaffner für die benutzte Teilstrecke, den Tag und die Tageszeit, vor- und nachmittags, gelocht oder durch- strichen. Für die Wagen, die bis 12�, llhr mittags die Endhaltc- stelle verlassen, gilt die Tageszeit als„vormittags", für die späteren „nachmittags". Nach Lochung des Fahrsebeines für Teilstrecken durch den Schaffner wird von diesem ein Kontrollschein ausgegeben, der während der Fahrt aufzubewahren und mit dem Stamm» fahrschcin auf Verlangen vorzuzeigen ist. Ein Fahrschein kann auch von mehreren Personen benutzt werden. Es wird dann für so viel Fahrten gcloebt, wie Personen darauf fahren. Jede Pcrjon erhält einen Kontrollschein. Dieser Schein ist auch für die mit- fahrenden Personen' nur gültig, wenn der zugehörige Stammschcin im Wagen vorgezeigt werden kann. Sparküsscnsilialen. Es wird darauf hingewiesen, daß am 2. Januar eine neue S p a r k a s s c in der Pücklerstr. 43/44, in der dortigen Markthalle, cröftnct werden wird. Diese städtische Sparkasse D gibt g r ü n e Bücher auL. Am 15. Januar wird dann die 4. städtische Sparkasse am Arminiusplatz(Markthalle Moabit) er- öffnet. Diese Sparkasse C gibt graue Bücher aus. Die über die ganz- Stadt verbreiteten Annahmestellen der städtischen Spar» lasse nehmen nach wie vor Einzahlungen entgegen. Die Straßenbahn in der Silvesternacht. Die Straßenbahn richtet in der Silvestern icht einen ununterbrochenen Betrieb aus den Linien 1. 11, 34 und 78 ein. Auf 50 weiteren Linien wird der Betrieb verlängert, so daß die letzten Wagen gehen bei Linie 3 ab Retteldeckstraße 2.58, Alcxanderplatz 2.54; 5 ab Gncisenaustraß« 3.22, Schönbauser Allee 3.14: 6 ab Gotzkomslystraßc 4.29, Spittclmarkt 5.17-, 7 ab Rirdorf 3.38, Moabit 3.36; 12E ab Bcusselstraße 4.12, Görlitzer Bahnhof 5.10; 14 ab Moabit 2.23, Marheinctcplatz 3.20; 23 ab Gesundbrunnen 1.00, Schöneberg 2.08; 25 ab Tegel 2.00, Unter den Linden 3.00; 29 ab Bris 2.35, Sccstraße 3.10; 32 ab Reinickendorf 1.00, Unter den Li irden 1.45; 33 ab Pappelallec 1.35, Eharlottenburg 2.40; 36 ab Reinickendorf 5.00, Krcuzberg 6.10; 36 ab Schönholz 12,56, Keeuzberg 2.10; 37 ab Lcrgmaanstraße 4.45, Demminerstraße 5.35; 38 ab Gesundbrunnen 5.54, Krcuzberg 5.32; 40 ab Eisenacherstraße 2.24. Swuicmünderstraßc 3.33; 47 ab Nordend 2.53, Rixdorf 4.31; 48 ab Nixdorf 4.05, Schönbauser Allee 5.20; 53 ab Rirdorf 5.35, Tanzigerstraße 5.5-1; 54 ab Schönhauser Allee 4.03. Savignyplap 5.10; 57 ad Niederschönhausen 3.07. Viktoria Luiseplatz 3.19; 58 ab Moritzplatz 3.14. Zentral-Biehhof 4.11; 60 ab Tanzigerstraße 3.47, Wartburgplatz 2.52; 61 ab Weihen- lec 2.46, Wartbnrgplatz 4.00; 62 ab Weißense- 2.24, Dönhoffplatz 3.16; 65 ab Moritzplatz 4.07, Zentral-Viebhof 3.19; 69 ab Friedrichs- felde 2.40, Wartburgplatz 4.13; 71 ab Lichtenberg 3.00. Wartburg- platz 4.20; 74 ad Schöncberg 4.59, Knieprodcstraße 6.06; 76 ab Rummelöburg 1.00, Leipziger Platz 2.00; 80 av Eharlottenburg 3.51, Schinkelplatz 4.40; 81 ab Eharlottenburg 4.59, Zentral-Biehhof 5.07; 8? ab Schlesisches Tor 1.25, Zoologischer Garten 2.28; 83/64 ab Treptow 1.20, Behrenstraße 2.09; 87 ab Treptow 3.04, Schöncberg 4.07; 9] ab Görlitzer Bahnhof 2.09, Halensce 2.'20i 93 ab Görlitzer Bahnhof 3.49, Eharlottenburg 3.56; 95 ab Hasenhcide 2.31, Friodrichstraße 3.00; 96 ab Mariendorf 3.13, Behrenstraßc 3.57; III ab Swinemünderstraße 2.11, Eisenacherstraße 3.02; A ab Linkst raße 3.47, Halensce 3.13; D ab estegliv 1.34, Zoologischer Garten 2.12; E ab Steglitz 4.29, Linkstraße 5.10; F ab Steglitz 2.07, Zoologischer Garten 2.39; N ab Eharlottenburg 4.23, Kupfergraben 5.06; O ab Wilmersdorf 1.38, Kupfergraben 2.23; P ab Eharlottenburg 2.06, Dönhoffplatz 3.00; Q ab Halensee 2.30, Stetriner Bahnhos 3,50; V ab Schönhauser Allee 3.24, Kurfürstendamm 2.19. Omnibus und Hochbahn in der Silvesternacht. Die Automobil- Omnibuslinie 4(Hallesches Tor— Ehausseestraße) verkehrt in der Silvesternacht bis 4 Uhr morgens, die Hochbahn ununterbrochen auf der ganzen Strecke über den Leipziger Platz. Eine LicbcStragödie, der zwei junge Menschenleben zum Opfer gefallen sind, hat sich in dem Forst bei Klein-Machnow abgespielt. In einer Schonung in der Nähe deü SchlitzenhauieS Zehlendo-rf wurden Somnagmmgen die Leichen eines enva 30 Jahre alten ManneS und eines zirka 20 Jahre alten Mädchens aiifgefnndev!. Soweit die Polizei bisher fesistellen tonnte, handelt e» sich um: einen Kaufmann Jürgens aus Weißensee und um dessen Geliebte! Hilda aus Friedenau. Spaziergänger fanden Sonntagmorgcn�in der zehnten Stunde die beiden Leiche» und sie benachrichtigten scforr die Polizei in Klein-Machnow. Da eö sich aber um Zehlendorfer Gebiet handelt, so nahm sich die zuständige Beböide der Sache an. ES wurde festgestellt, daß I. erst seine Geliebte durch zwei Schüsse in die rechte Schläfe getötet und sich dann selbst durch eine Kugel in die Stirn entleibt hat. Zweifellos hat aber I. mit der Einwilligung seiner Geliebten gehandelt. Es geht dies aus ejnem Briefe hervor, der in der Tasche des jungen Mädchens vorgefunden wurde und in dem sie von ihren Eltern Ab- schied nimmt. Die Schreiberin bittet die Eltern in dem Abschieds« briefe dafür um Verzeihung, daß sie ihnen großen Kummer bereite. Sie sei aber mit ihrem Geliebten zu dem Entschluß gekommen. gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Aus welchen Motiven sie 3u diesem SSritt gekommen sei. darüber war in dem Schreiben nicki» zu lesen. Bei Jürgens wurde eine Rechnung und eine Luiitulig über einen Revolver, der erst vor wenigen Tagen gekauft worden war, vorgefunden. Nachforschungen der Polizei nack den Angehörigen deö Paares hatten noch keinen Erfolg. Die Leichen wurden nach dem Klein-Machnower Gemeindcfriedhos übergeführt. Die Persönlichkeiten der beiden Toten sind nachträglich als der 31 Jahre alte Brauer Rudolf Jürgens aus Weißensee und die Wjährigc Hilda Förster aus Schöneberg festgestellt worden. Bierzehnstünbige Arbeitszeit am Sonntag hatten zahlreiche An- gestellte des Kaufhauses des Westens zu leisten. Es wird berichtet, dag Angestellte von morgens Ö bis liill Uhr nachts arbeiten mutzten mir einer etwa zweistündigen Unterbrechung. Allgemein fiel dies aus und erregte allenthalben großes Aufsehen. Augenscheinlich handelte cä sich um Aufnahme der Inventur. Der TodeSsturz eines Geisteskranken aus dem vierten Stock- Iverk rief gestern in der frühen Morgenstunde in der Liebcnwalder- stratze ungewöhnliches Aufsehen hervor. Im vierten Stockwerk des Hauses Liebenwalderstratzc 7 wohnte der 27jährige Schuhmacher Franz Wodtank. W. war stark nervenkrank und oft traten bei ihm Krankheitserscheinungen des Irrsinns zutage. Gestern in früher Morgenstunde erhob er sich von seinem Lager, öffnete das Fenster und stürzte sich kopfüber in die Tiefe hinab. Mit zer- schmetterten Gliedern blieb der Unglückliche auf dem Bürgersteig liegen. Ein hinzugerufcner Arzt konnte bei dem Lebensmüden nur noch den Tod infolge Genickbruchs feststellen. Ein tödlicher Straßcnbahnunfall, der zu besonderer Vorsicht beim Ueberi'chreiten der Fahrdämme mahnt, hat sich gestern in der PotLdamerstratze ereignet. Die Frau deS Kaufmanns Hmh. Rubensstratze 20 in Schöneberg wohnhaft, versuchte gegen S Uhr nachmittag in der Nähe der Eichhornstratze die PotSdamerstratze zu überschreiten, als ein Stratzenbahnwagen der Linie 74 herannahte. Dieser Wagen hatte die Haltestelle Verlasien und befand sich noch in langsamer Fahrt. Frau H. versuchte nun an der hinteren Plattform vorbeizugehen, ohne zu beachten, daß zu derselben Zeit aus entgegengesetzter Richtung ein Stratzenbahiizug der Linie 78 Herannahle. Der Motorwagen des letzteren war bereits an dem Zuge der Linie 74 vorbeigefahren und die H. geriet nunmehr zwischen den Motor- und Anhängewagen deö ZugeS der Linie 73. Die Frau wurde niedergerissen und geriet unter die Vorderplattform des Anhängers. Mit einem Bruch des linken Oberarms, schweren inneren Verletzungen und einer Wrmde am Kopfe wurde die Ver- unglückte auf eigenen Wunsch nach ihrer Wohnung gebracht, wo sie gegen 9 Uhr abends den schweren Verletzungen erlag. Im Stadtbahnzuge crschosien. Große Aufregung rief Sonn- tag abend die Tat eines Lebensmüden unter den Fahrgästen eines Südringzuges hervor. Kurz vor Einfahrt in die Station Schmargendorf holte er einen Revolver hervor und vor den Augen der Mitfahrenden jagte er sich eine Kugel in die recht« Schläfe Ein Passagier, der dem Selbstmörder gegenüber saß, hatte diesem noch die Waffe entreißen wollen, doch hatte der Lebensmüde mit einer derartigen Schnelligkeit gehandelt, daß es bereits zu spät war. Tie Kugel hatte den Tod fast auf der stelle herbeigeführt. In dem Selbstmörder, besten Leiche von der Polizei beschlagnahmt worden ist, wurde der 34jährige Kaufmann Philipp Bernstein aus Eharlottenburg festgestellt. Unbekannt verstorben ist ein Obdachloser, der gestern früh Ecke der Wins- und Danzigerstrahe aufgefunden wurde. Der Aermste hatte sich aus einem unbebauten Platz zum Schlafen niedergelegt und ist jedenfalls erfroren. Ein anfkehenerregender Selbstmordversuch wird dem„Berk. Tagebl.* auf dem Zentrum Berlins gemeldet. Der Kaufmann William BreSlaucr, Inhaber des bekannten großen Fleisch- und AurstwarcnhauseS von Samuel Breslauer. schoß sich in scinein Kontor Klost-erftr. 91 eine Revolverkugrl in den Kopf. Anscheinend ist aber keine Lebensgefahr vorhanden. William BreSlaucr, ein erst 28ähri«-r Mann, hielt sich längere Zeit in Amerika auf. Vor zweieinhalb Jahren kehrte er nach Berlin zurück, um nach dem Tode seiner Mutter das Geschäft des Vaters fortzuführen. In Berlin und Eharlottenburg gründete er mehrere Filialen; ferner verband er sich mit einem Teilhaber, um Ecke König- uitd Neue Friedrichstraße ein in großem Stil angelegtes»rituelles Nestau- laut" mit prunkvollen Festsälcn zu eröffnen. Es sollte am Neu- jahrstage eingeweiht werden. Mit einer Schuhwaffe eine schwere �Handverlehung erlitten hat der Buckdruckcrinvolide Scher in der Skalitzerstraßc; er mutzte cin Krankenhaus aussuchen. Eine Droschke mit Pscrd von der Straße gestohlen. Die Eoupedroschtc Nr. 399l, mit einem braunen Pferde bespannt. ivurdc am Sonntag früh gegen'/HS Uhr vom Droschkcnhalteplatz Sckleicrmackerstratze, Ecke Blücherstraße, gestohlen. Der Kutscher halte auf einige Augenblicke seinem Hintermann die Aufsicht seines Wagens üdergcbcn; als er aber wieder an seinem Platze eintraf, war sein Fuhrwerk verschwunden. Zwei halbwüchsige Bengel hatten die Gelegenheit ausgenutzt, sich auf den Bock gefetzt und mit dem Gefährt das Weite gesucht. Ter Hintermann des Bcstohlenen, der in scmem Wage» Platz genommen hatte, war iin Halbschlaf der Meinung, sein Kollege sei unbemerlt auf den Bock gestiegen. Gestern, Montag früh, teilt das Polizeipräsidium mit. daß das Gespann in Mahlow mit Beschlag belegt sei und vom Eigentümer in Empfang genommen werden kann. Mustkliebende Einbrecher haben in der vorlehicn Nacht dem Fabriketablisiement von Cohn u. Schultz in der Alexandrincn- stratzc 98 einen Besuch abgestattet. Tie Diebe hatten es aus Musik- apparaie und Walzen abgesehen. Sic erbeuteten vier Apparate und nicht wenigcr als 369 Vlatten und Walzen. Die bcstohlene Firma hat durch den Einbruck>sdi«bstahl einen ganz erheblichen Schaden erlitten. Vermißt. Am 2ö. September d. I. hat sich der Buchhalter Mar tzotopp, am 26. Oktober 1878 zu Berlin geboren, aus seiner Wohnung, Woldcnbcrgerstr. 24, entfernt und wird seitdem ver- mißt. Er ist 1,67 Meter groß, hat blondes Haar, blaue Augen, Anflug von Spitzbart, längliches, schmale-, blasies Gesicht. Bei seinem Fortgänge war er mit schwarzem, steifem Hut, grauem Rock- anzug, neuen Schnürstiefeln, schwarzen Strümpfen und Wäsche, gezeichnet M. H., bekleidet. Personen, ivelche über de» Verbleib des Vermißten Auskunft geben können, werden gebeten, ihre Wahr- nehmungen der Kriminalpolizei oder einem Polizeirevier münd- lich oder schriftlich zu den Akten 7423, IV/17 07, mitzuteilen. Einen erheblichen Verlust hat am Sonntagnachmittag zwischen bis ü Uhr ein Dienstmädchen erlitten, das auf dem Wege vom Strausbergerplatz nach dem Alexanderplatz und der Kaiser Wilhelm- Jt ratze ihren ganzen Monatslohn im Betrage von über 2» Mar! verlor. Derselbe befand sich in einem graulcdernen Portemonnaie. das sich in einem blauen mit Weißblech beschlagenen Pompadour befand. Der eventuelle Finder wird um Angab: gebeten an Bertha Hildebrandt, Kaiser Wilhelmstr, 17. vorn 2 Treppen, bei Luft. Die Linicnstraße von der Dragonerstraße bis zur Füsilier- firaße wird behufs Ausführung von Tnnnelarbeiten vom b. Ja- uuar 1908 ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Zeugengesuch. Am 10. Dezember 1307 zwischen S bis 6 Uhr nt der Arbeiter Satz auf dem Ringdahnhofc Wcißensee beim Ein. steigen vom Trittbrett deS Zuges abgeglitten und zwischen die Räder gefallen, wodurch ihm das eine Bein vollständig abgefahren worden ist. Ein Herr hat darauf die Notbremse gezogen und den Zug zum Stehen gebracht. Um nun feststellen zu können, wem öie schuld an diesem Unfälle bcizumesien wäre, werden Zeugen dieses Vorfalles und namentlich der Herr, welcher die Notbremse ge- zogen hatte, ersucht, ihre Adresse an Frau Satz, Berlin dl. 31, Gartenstr. 62 im Keller, gelangen zu lassen. Bei der Matinee im ArtuShos" am 2. Feiertage hat ein Be- sucher eine wertvolle Haarbürste verloren. Ter Besitzer kann die- selbe bei dem Genossen Vieth, Emdenerstr. 23, in Empfang nehmen. Feucrwehrbcricht. In den letzten Stunden hatte die Feuerwehr zahlreiche Brände zu löschen. Unter anderem hatte die 1. Kompagnie gestern früh um 7 Uhr in der Magazinstr. 3/3 zu tun. wo eine Baubude in Flammen stand. Gleichzeitig wurde die 2. Kompagnie nach t-lralau gerufen. Dort war die Holzbeklcidnng eines Oel- behälters auf dem Dachboden der dortigen Jutespinncrci in Brand geraten. Die 4. Kompagme hatte nacht» einen großen Brand in der Tegelcrstr. A7 zu löschen. Ein Stallgebäude mit großen Vor- röten an Heu und Stroh stand dort um 2 Uhr in Flammen. Um diese zu löschen mußte die Wehr mit mehreren Schlauchleitungen Wasser geben und beim Vorgehen zwei Steckleitergänge benutzen. Tie Pferde konnten sämtlich in Sicherheit gebracht werden. In der Rungestr. 18 kam in einem Fabrikgebäude Feuer aus. Als der 3. Zug an der Brandstelle ankam, brannten im 3. Stock deö dritten Senenflügels Regale, Kästen, Wollwarcn und anderes. Die Feuer- wehr fuhr mit einer mechanischen Leiter auf den Hof und drang über diese von außen bis zur Brandstelle vor. Durch kräftiges Wasiergcbcn gelang es, den Brand auf den Fabrikraum zu be- schränken. Vor dem Brandenburger Tore geriet abends um 7 Uhr eine Automobildroschke in Brand. Als die Feuerwehr erschien, stand das Auto schon total in Flammen, so daß sie eine Schlauchleitung vorncbmen mußte, um etwas zu retten. Ein zweites Automobil brannte abends um 7 Uhr vor dem Hause Kronprinzen Ufer 13. Weihnachtsbäume gerieten an vielen Stellen in Brand. Unter anderem in der Danzigerstr. 2 und Wicnerstr. 38b, wo außerdem noch Regale, eochuhc usw. in einem Schuhmacherladen verbrannten Wohnungsbrändc beschäftigten die Feuerwehr in der Romintener- straßc 13, Paulstr. 1, Raupachstr. 6, Tieckstr. 3, Burgstr. 27, Köpe- nickcrftr. 124, Burgstr. 2 und anderen Stellen. Möbel, Gardinen, Holz, Kohlen. Fußböden, Balken usw. wurden dort cin Raub der Flammen. Wegen eine» Teerbrandes in einer Fabrik wurde die Wehr nach der Zebdenickerstr. 21 alarmiert und wegen des Brande» von Rüstbrettcrn lief ein Alarm vom Neubau Charlottenstr. 11/12 cin. Der 7. Zug hatte nachts in der Äönigsbcrgerstr. 31 zu tun, wo zur Rettung einer Person mit Erfolg ein'Sauerstoffapparat benutzt wurde. Außer dieser Hülfe mutzten noch mehrere Hülfe- leistungen an verschiedenen Stellen gewährt werden. Vorort- I�admcKten. „Ein Mithnwort" glaubt da? von der Clique de» ReicksverbanbeS gespeiste„Teltower KreiSblatt' an feine Abonnenten richten zu müssen. Dieses Blatt, das vor der letzten ReickStagswahl die Hetze gegen die Sozial demokratie mit aus die äußerste Spitze treiben half, glaubt, daß die Gefahr nahe ist, daß die bürgerlichen Parteien infolge der Hotten tottenwahlsiege in einem„falschen Optimismus' verfallen. Be- kanntlich sollte der Teltower Kreis bereits bei der letzten Reichstags wähl der Sozialdemokratie abgenommen werden; als dies nicht ein- traf, spornte das.Kreisblatt' dazu an. gegen die Wahl Zubeils in- folge„vorgekommener Unregelmäßigkeiten" bei der Wahl Protest einzulegen. Ganz besonders aber plädierte eS für unablässige Agitation, um bei der zulünstigen ReichStagSwahl das Ideal, den Teltower Kreis den Konservativen— den Herren vom Mist— zu erobern, zu erfüllen. Die Znuahme der Abonnenten auf die sozialdemokratische Presse. sowie die Stärkung der sozialdemokratischen Organisation hat dem sehnsüchtige» Wunsch des Blatte» einen starken Dämpfer aufgesetzt. Das Blatt schreibt nämlich: „Der Kampf im Januar dieses Jahres galt den Lebens- bedingungen deS Vaterlandes, und eS handelte sich um Wahlen, bei denen die nationalen Instinkte wie kaum je zuvor wackgerufen waren. Die Sozialdemokratie aber steht auch nach ihrer Niederlage in achtunggebietender Stärke da und ist mit verdoppeltem Eifer und sichtbarem Erfolge bemüht, ihre Mitgliedcrzahl zu erhöhen, ihre Organisation auszubauen und so die Sckarte wieder auszuwetzen. Will daher das Bürgertum bei den nächsten Wahlen, bei denen die Konstellation der Verhältnisse kaum eine so günstige sein dürfte, unangenehme Ueberraschmigen vermeiden, so sind Wachsamkeit und Fleiß auf seiner Seite dringend nöiig.' Eine weitere Gefahr glaubt das Blatt in dem„geistigen Nieder- gange" der Sozialdeniokratic zu finden. Das ist um so komischer, als das„Teltower Kteieblat!" den Sozialismus bisher nur mit der Brille unserer Vulgärvlonomen betrachtet hat. nach deren Anlickt be- kamittich das Marxicke Lehrgebäude schon zehnmal niedergcrisssn ist. Wenn es in den Köpfen der Arbeiterschaft ebenso aussehen würde wie in dem Kopfe des„Telioioer KrciSblatt'-RedakleurS, so lönnte das zutressen. DaS ganze Elaborat ist nur der schlagendste Beweis dafür, daß in dem LandratSorgan auch nicht das geringste Ver- ständnis über die wissenschaftliche Bewegung deS Sozialismus vor- haitden ist. Gerade die Wucht der Argumente und die Wissenschaft- lichen Ideen sind die Triebträste der sozialistischen Bewegung, gegen die verblödete Hirne vergeblich kämpfen müssen. Und daß die Arbeiterschaft mehr wie bisher sich der geistigen Hebel im Kampfe bedienen will, dafür bürgt die ständige Zunahme der BildungSinitlel und VilduugSiiistitute. Mag das Blatt auch die siegeslrunkenen Geister zum Kampse aufsorderir, die Arbciterliass? des Kreises Teltow ist doppelt gerüstet. Neiniltendorf. An, Totenbett ihrcS MamieS Selbstmord verübt hat die 64 Jahre alte Ehefrau Ernestine Haale aus der Residcnzstr. 97/98. H., cin früherer Platzwächtcr. war an den Folgen etneS erlittenen Blut- stiirzes gestorben, und die LebenSgefähriin glaubte, den Verlust ihres Mannes nicht versck merzen zu können. Sie entschloß sich daher, ihm in den Tod nachznsolgen. Sie kaufte sich Lysol und trank das Gift an dem Sterbebett des Mannes. Bald darauf wurden die Nachbars- leule durch ein starkes Stöhnen, da? au» der H.schen Wobming herausdrang, aufmerksam gemacht. Als man die Tür zum Schlaf- zimmer össnete, bot sich den Eintretenden ein trauriger Anblick. Im Bett lag der Ehemann alö Leiche, während seine Frau davor auf dem Erdboden liegend mit dem Tode rang. Ein sofort hinzu- gerufener Arzt wandle bei der allen Frau alle nur erdenklichen Gegenmittel an. doch vergeblich. Unter seinen Händen verschied Frau H. N icder-Tchöi, hausen. Eine große Aufregung rief gestern gegen Mittag unter den Ve- wohnern der Kettler-»nd Sachicnstraße der Selbstmord eines Soldaten hervor. Der Musketier Lemcke von der 4. Kompagnie des 20. württeinbergischeit JiifaittericregimentS schoß sich zwei Kugeln durch die rechte Schläfe. Hinzueilende Bewohner fanden den Lebens- müden mit dem Tode ringend vor. lieber die Motive der Tat ver- mochte der Soldat keine Änsluiift mehr zu geben. In seinem Besitz and man noch vier schatse Palronen und 11.23 M. vareS Geld vor. Seine Leiche wurde in das Schauhaus gebracht. Vermischtes. Großfeuer in Hamburg. Eine Meldung auS Hamburg besagt; Großfeucr wütet am dichtbevölkerten Stcindamm. Die etwa fünf Etagen hohe Pianofortefabrik von E. Kruse steht in hellen Flammen. In Seenot verlassen. Der Kapitän des am Sonntag in Hamburg angekommenen Dampfers„Stadt Witten' berichtet, daß vor der Wefermündung ein norwegischer Dampfer»nit einem Schuncc unbekannter Nationalität zusammenstieß, worauf der Dampfer seinen Kurs auf die Elbe fortsetzte und den Lotsen- dampfcr vor der Wefermündung benachrichtigte, daß der Schuncr Notsignale gegeben habe. Ter Schuner tvurde jedoch von dem Lotsendampfer nicht aufgefunden, so daß angenommen wird, daß dieser untergegangen ist. Fünf Monate unschuldig in Nniersuchungöbaft mußte der Opernsänger Richard Kraus, zurzeit in Aachen, sitzen, der im Mai d. I. unter dem Verdachte, Juwelen geraubt zu baben, verhaftet wurde. Der unschuldig Verhaftete hat eine wadre Leidensgeschichte binter sich. Dem„Berliner Tageblatt" schreibt Kraus folgendes: Im Frühjahr d. I. wurden in verschiedenen Städten von zwei Gaunern Juwclendiebstähle verübt, darunter auch cin Fall in Aachen. Die Polizei Ivar auf der Suche nach den Verbrechern, und ein Kriminalbeamter lenkte den Verdacht auf mich, da ich dunkle Haare wie einer der Gesuchten trug. Das war der ganze Ver- dachtsgrund. Ich wurde den Bcstohlenen gegenübergestellt und eine Frau glaubte, in mir einen der Täter wiederzuerkennen. Auf Grund dieser Aussage wurden mir vielleicht zwanzig andere Ver- brechen, die von den beiden Dieven begangen wurden, zur Last gelegt. Mein Alibinachweis und meine Unschuldsbetcuerungen. daß es sich um einen Irrtum bandele, wurden mir immer als belanglos abgelehnt. Dann wurde noch em Kaufmann verhaftet, er sollte Iniedet der andere der beiden Täter sein, also mein Koot- plice. Ich habe den Mann im Leben nie gesehen; das wurde mir aber nickt geglaubt. Ich wurde wie cin schwerer Verbrecher(ob- wohl doch nur cin Verdacht bestandl von Stadt zu Stadt gebracht und überall den Beschädigten gegenübergestellt. Die meisten sagten. ich sei es nickt gewesen, einige sagten, ich hätte Aehnlichkcit mit einem der Täter. Obwohl ich nachgewiesen habe, daß ich die ganze Zeit, während die mir zur Last gelegten Delikte begangen wurden, mich nie von Aachen entfernt habe, wurden diese Beweise erst nach einer fünfmonatigen Untersuchungshaft berücksichtigt, und in der Hauptvcrhandlung hat sich meine Unschuld herausgestellt; gleichzeitig wurde bewiesen, daß ich das Opfer einer Personett. Verwechselung geworden war. Ich wurde freigesprochen und sofort aus der Haft entlassen. Wer will mir nun den körperlichen, seelischen und materiellen Schaden vergüten? Da ich Ausländer bin, habe ich nicht einmal Anspruch auf Entschädigung. Bei meiner Entlassung hatten die Behörden nur ein Achselzucken mit dem Be- merken:„Ja, es ist traurig, aber das kann jedem passieren l" Kraus ist leider nicht der einzige, dem so etwas passiert. Eigentlich müßten die Beamten, die den Alibibeweis des Angeklagten ab- lehnten, für den materiellen Schaden desselben aufkommen. Kessel-Explostou. Einer Meldung aus Hamburg zufolge ist in der dortigen Salpeterfabrit Sonnabend abend cin Kessel explodiert. Ein Arbeiter wurde sofort getötet, zwei sind schwer und mehrere leicht verletzt. Die Ursache deS Unglücks ist noch nicht aufgeklärt. Ucber den Fund einer zerstücktlten Leiche wird aus Bremen gemeldet: In einem Graben an der Hcmmstraßc ist der vollständig unbekleidete Rumpf mit den Oberfckjenkeln einer weiblichen Person, ferner deren Arm und Unterschenkel gefunden worden. Die Beine scheinen vor der Abtrennung in den Gelenken gebrochen zu sein. Die Leiche ist wahrscheinlich vor etwa einer Woche in den Graben geworfen worden. Ucber die Person der Toten konnte noch nichts festgestellt iverden. Nach einer späteren Meldung ist der Kopf der Ermordeten in der Nähe der anderen Körperteile gefunden worden. Erdbeben. Nach einer Meldung au» Stuttgart zeigten gestern früh auch auf der Erdbebenwarte Hohenheim die Instrumente cin starkes Fernerdbeben an. Die Bewegungen der Instrumente dauerten reicklich zwei Stunden. Der Herd des Erdbebens ist etwa 10 000 Kilometer entfernt. Zugeflogener Ballon. In der Nähe von FerriereS St. Hilaire, Dcp. Eure, ging, wie aus Paris berichtet wird, ein Ballon nieder, dessen Hülle zerrissen war und in dessen Korb sich mehrere Ballast- stücke, ein Ucberrock, eine Handtasche, ein Revolver sowie ver» schicdene aeronautische Instrumente befanden. Die Ballonhülle trägt den Namen Mallet-Paris. Mallct erklärte einem Bericht- erftatter, es sei nicht ausgeschlossen, daß es sich um den vor mehreren Wochen in Bordeaux ausgestiegenen und seither vcrschwundcnM Ballon„Fernando Duc' handele. Feuer im„Kien"-T»pp. In Volcnee brach, Pariser Meldung zufolge, in einem Theater während einer kincmato- graphischen Vorstellung infolge eines Rufes„Feuer" im Zuschauer- räum eine furchtbare Panik au«. In dem Gedränge wurde ein Mädchen getötet, zwei andere Kinder wurden sehr schwer und eine große Anzahl von Kindern leicht verletzt. Wetter- Prognose für Dienötag. den»1. Tezemder k»v7. Etwas läUcr, zeitNeis: ansNarend, vielfach nebelig bei schwachen twrd« östlichen Winden; keine wesentlichen Niederschläge. Berliner Wetterdur»»» Wasterftandö-Nnchrtchten der LandeSanslalt für Neivästerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m- l. Tillit P r c g c l. Jntterburg Weichsel, Thum Oder, Ratibor , Jltroff ttl , Franksurt arth e. Schrimm » LandSbcrg Netze, Vordamm Elbe, Leitmerttz , Dresden » Bardo Magdeburg 0+ bedenket Wuchs.— stall.—°) Unlerpegel—«) Eisstand. 0 EiSlieiben.') Gründet».«) schwaches GtundtlS.— Aus der W e l ck s« l ist st e I l e n w e i s e E i s st a n d eingetreten. Ol». Simmel Speziai-Arzt ffir Haut- und Harnleiden. Printensir.4l,£fiÄ, 10— 2.6— 7. Sonntatrs 10— 12. 2— 4 Erfindungen kaust oder finanziert. Offerten unter F. 8063 an Hannen. nteln& Vogler A.-ti.« Franksurt a.«vt.• GtsWstriiffimg. Allen Kollcaen und Genossen. Freunden und Bekannten zur Nach- richt, daß wir mit heutigem Tag« im Hause Eadinerstr. 22»ine Speise- Wirtschaft erössnen. Um gütige Unterstützung bist« Ii. Czach nebst Frau. n__ I sürSOOPetsonen mit großer AHhI Bühne zum 15. Februar �(Sonnabend)»och zu ver» geben.(Dicht am Rofenihalcr Tor.) FrltE Wllkc. Brunncnstr. IM Partei- Speditionen: Z?viitrain 1: Fritz Zinke, Mauerstr. 83. II: Albert H a h n i s ch, Augustftr. 50, Ein�ani, Foachlmstrahe. S. W e st e n: Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14, Hoch- parterre. , Süden und Südwesten: Hermann Werner, Glieisenaustr. 72. Laden. ?. Wahlkreis: St. Fritz, Prwzenstr. 31, Hos rechts pari. t. Wahlkreis: O'l e n: Robert W e n g« IS. RüderSdorserftr. 3, cun Knslnncrplatz.— Wiihelni M a>: n, Pctersburgcrplatz 4(Laden). Wahlkreis, S ü d o st e n: Paul Böhm, Lausitzcrplatz 14/1S (Laden). 5. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmanuelkirchstr. 12(Hos). a. Wahlkreis Hloablt und Uansaviertel): Karl Anders, Satzwcdelerstr. 8, im Laden. We,i«ll,»s: Karl Weihe. Nazarethkirchftrahe 43. RaKealhaler und Oranienburger Vorstadt: Hermann Naschte. Acker str. 33. Eingang Anklamcrftrage. Oes« nelbninae»: F. Trapp, Stcttincrstr. 13. Srhbnlianser Vorstadt: Karl Mars, Lychenerstr. 123. Alt-OIIenleke: Wilhelm Dürre, Rudowerftr. 83 ll. Oharlotteiibarg: Gustav Scharnb erg, Sesenheimerstraße 1, Ecke Koetheslrahc, Laden. Wllniersdorf-Ilalensee: Georg Feese, Berlinerftr. 43, Laden. I-Iehtenber�, Friedrichsfelde, Wllhelmsberg: Otto Seile!, Kronprinzenitrahe 50, I. .Bnninielsbnrg, Boxhagen:A. Rosenkranz, Alt-Boxhagen 56. Grünau; Otto Schröder. Köpenickerstr. l. Bohnsdorf und Falkenberg: G. Pseiser, BoHnsdors, Ge- nossenschastshaus. Blxdorf: M.Heinrich, Neckarstraße 2, im Laden. kilehniargendorf: Gustav Kaminsky, Eunostrahe 2. Viel,»neberg: Wilhelm Bäum l er, Martin Luthcrstr. 51, Im Laden. Tempelhof: M. Müller, Berlinerftr. 41/42. Ober-feiehiinetvelde: Julius G r u n o w, Edisonstr. 13, I. Xieder-Hehünewelde: BonakowSkh, Hasselwerderstr. 8. Johannisthal: Franz Hünold, Kaiser Wilhelmstr. 13 III, Eingang Parkslratze. Vdiersiiof: Erich Steuer, Hackenbergstr. 5, II. lliünigs-Wasterhaasen: Friedrich Baumann, Luckenwaldcr- strane 4b. Biipeniek: Friedrich W o i ck, Kietzerstr. 6, Laden. Friedenau■ �teftzlitz- SUdcndc: H. B c r n s e e, Schloßstr. 113, Sos I, in Sieglitz. Bestellungen nehmen entgegen w titegilts: . Mohr, Düppelstr. 32, und Fr. S ch e I l h a s e, Ahornstr. 15». Mariendorf: Hermann R e i ch a r d t, Chaussecstr. 27. Baunisehuieniv eg: Stock, Ernststr. 2, II. Treptow: Rob. Gramenz, KiesHolzstratze 412, Laden. dien- Weiileusee: Kurt Fuhrmann, Sedanstr. 135, parterre. Beliiiekendorf- Ost, Wllheiiusruh und 8ehttniioix: P. G u r I ch. Provinzslratze-Ecke Grünerweg(Eingang Grünerweg). Tegel, Borsigwalde, Wittenau. Waidiuannslust, liernisdorf und Kelnlckendorf- West: Paul Kienast, Borsigwalde, Räuschstrage 13. Bankow-Xiedersehünlinusen: G. F r e i w a l d t, MüHlenstr. 73. Bernau-ltüntgentai: Heinrich Brase, Hoheslcinstr. 74, Part. Clchwuldc, Zeuthen,«lersdorf und ilunkels Ablage; Alsons Gr ätz, Eichwalde, Kronprinzenstr. 82, I. Teltow: Wilhelm Kegler, Hohersteinwcg 7. Xonawes: Wilhelm Joppe, Priesterstr. 46. vipandau: K o4> p e n, Jagowstr. 9. Bahlsdorf und Uaulsdorf: Awert Schmidt, Mohlsdorf, Boigt- stratze 2. Sämttiche Partciliteratur sowie alle wissenschastlichen Werke werden geliesert. Annahme von Inseraten für drn„Normärts". ■MF" Bitte ausschneiden. Allen Parteigenossen, Freunden und Bekannten die herzlichsten Glückwünsche zur Jahreswende. jtabert Schulz Ober=Schöneweide, Tabbertstr. 5. 1399L Orllen meinen werten Gäncn und � Vereinen, die mich in diesem Jahre besuchten, wünsche ich ein Frölilichks nrues Jahr! Zugleich bringe ich mein herrlich am Walde gelegenes Lokal in empsehlcnde Erinnerung. 13382 Murant Waldschlößchen Eichwalde ' Emil Witte. Zum Silvester lebende Karpfen.; GrOte, Badstr; 45/46.| Köpenickerstr. 68, diebt cm Babnbof Jannowitzbracke Täglich 8 Uhrs NeueBeiliner Posse m. Uesang u. Tauz von Loois Hernnann. Maua Neu a Auf sihrlftl. od. telepb. Bestell. IIV,'4835) werden d. 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Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 1. Januar 1338. nachmittags 2 Uhr, von der Leichen- halle des Steglitzer Kirchhofes aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 126/13 Die Drtsverwaltung Zentral-Verband der Töpfer Deutschlands. Filiale Berlin. Todes-Anzeige. Am Sonntag, den 23. Dezember, verstarb plötzlich der Kollege �Ider-l Eehrnann (Bezirk Schönhauser Vorstadt) im Aller von 34 Jahren, Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den l. Januar 1338, mittags 12'/, Uhr, von der Leichen- halle des 6)eIi>semane-Kirchhoses in Nieder-Sdzöiihauscn-Noröend aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 231/17 Der Borstand. KFanken-Ünterstiitzungs- und Begpähnis- Verein lür Bau- unil gewerbliche UiiHsarbelter Berlins und Umgegend. Todea-Anaselge. Am 27. Dezember starb nach langem Leiden unser treues Mit- glicd, der Bauarbeiter. widert Bohndorf im 42. Lebensjahre. Ehre seinem Audenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 31. b M., nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen Friedhofes in Frtedrichssetde aus statt, Um zahlreiche Beteiligung ersucht 37/7 Der Borstand. Am Sonnabend, den 23. Dez.. verschied nach langem schweren Leiden unser einziger lieber Sohn Richard Oundelach im 23. Lebensjahre. Die Beerdigung findet Dienstag- nachmittag 2 Uhr vom Trauer- haujc, Manleufielstrahe 135, nach dem St. Emmaus« Kirchhof statt. Um stille Teilnahme bitten Faul Gundelach u. Frau. Dr. Schünemann Svezial-Arzt lür l43L' Baal- aa.i Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedriclistr. 203, Ecke Scknivenstr. 10— Ä. 5—7, Sonnt 10— iL Uvr. Am Sonntagabend Tj, Uhr. j 1 starb nach kurzem Krankenlager 1 unser hochverehrter Kollege, der! Schristsetzer AdoSf üiecke im 62. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am\ Mittwoch, den 1. Januar, nachmittags 3 Uhr. aus dem Parochial- klrchhoj, Boxhagenerslraße, statt, vis Kollegen der | Vossischen Zeitung.! T�pographia. Ten Mitgliedern die betrübende! Nachricht, daß unser langjähriges i Mitglied, Kollege Adolf Niecke j im 62. Lebensjahre, am Sonntag,. den 29. d. M.. abends 73/4 Uhr. j plötzlich verstorben ist. Wir werden semer stets in I Ehren gcdcnlcn. Die Beerdigung findet am j Ncujahrslage. nachmittags 3 Uhr, aus dem Parod/mi-ftudiboj, Boxhagenerslraße, Ecke Mainzerstraße, slatl. Die Sänger werden gebeten, recht zahlreich an der Beerdigung j teilzunebmen Der Boritand. GlBlinlruckei' u. um. Berufe. (Deutscher Senefeldsr-Bund.) Todes-Anzeisie. Am 28. Dezember l'Ju7 verstarb unser Kollege, der Lithograph Otto Hoffmann im Aller von 24 Jahren an Lungentatarrh. .Ehre seinem Andenken? Die Beerdigung findei am Dienstag, den 31 Dezember, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Heilig« Kreuz- Kirchhofes. Maiiendors. aus stall. Die Verwaltung der Filiale III. iDvaliden-önterslützungskasse! d.Steiodruekeru.LjthQgrapiieo.| Die Beerdigung des am 28. De- 1 zember verstorbenen Lithographen! Otto HoflniaDO findet statt am Dienstag, den I 31. Dezember, nachmittags 3'/, Uhr, i von der Leichenhalle des Heiligen jl Kreuz-Kirchhoses. Mariendors. 2262b Das Komitee. Verband d.haugewerhllchen ttltlfsarhelfer Deutschlands. Zwelgverein Berlin u. Umgegend. Bezirk Rosenthaler Vorstadt. �Tschruk. Am Sonnabend, den 28. Dez.. verstarb unser langjähriges Mit- glied, der Putzerttäger 48/17 Gnstnv Wolf im Alter von 47 Jahren an der Proletarierkrankheit. Ehre seinem Andenken k Der Zweigvereinsvorstand. Für die vielen Beweise Herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Klempners Willi Wiakier sage ich den Kollegen u. Kolleginnen, sowie dem Sozialdeinokr. Wahlverein, dem Metallarbeiier-Perband, und vor allem dem Ehes der Firma Emmerich u. Schöning meinen besten Dank. Wwe. Wartha Winkier. Danksagung. Allen Denen, die meinem lieben Mann die letzte Ehre erwirsrn haben, lnsdesondere dem Verband der Dachdecker, sowie sür die reiche Zrranzspende sage ich meine» besten Dank, 2249b Witwe Voigt. LSliiiurU' und hrauiliinhfm von Robert Meyer,. ii n r illnriflniifn»Slrnßf 2. Feiuer Hamburger Familien-Kaffee-Ersalz. Vorzügstches Kasseegetränk von hohem Nährwert, aus gerösteten Nähr- bohnen hergestellt von ktencl. Kleiner, Hamburg. Detail-Verkausspreise:'/. Psund 50 Ps..'/, Psd. 25 Pj..'/. Psd. ISPs. In allen Kolonialwarcnliaiidl. käuflich. 1137L« Frilz Markgraf,»■'0- Xene UOnigstr. 5. .& P. Uder, hakAd lierlin NO. I« 6ngcl-Ufer 5. Fabrik-Lager sämtlicher gangBarer Kautabake. I; Nordhäuser Kautabak stets frisch zn billigsten Engros-Preisen. äk.x«iuinortIic6« Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.:Th. Glocke, Berlin. Druck u.VerlagtVorwärtSBucbdruckerei u. Lerlugsanslalt Paul Singer Sc Co., Berlin SW. Nr. 304. 24. Jahrgang. Z. Ktikge i>cs Fmiills" Knlimr WIllsM Dienstag. 31. Dezember IM. Soziales. AuS Oft- und Weftpreuße«. Die Berichte der Landesversicherungsanstalten„Ostpreußen' und „Westpreußen" lasten erkennen, wie traurig die Ivirischastliche Lage der Landarbeiter ist. Wir geben deshalb nachstehend auS den letzt- erschienenen Berichten einen Auszug: In beiden Versicherungsanstalten dominiert daZ agrarische Ele- ment und können deshalb beide Berichte nicht denen mit über- wiegender industrieller Bevölkerung gleichgestellt werden.„Ost- Preußen" rühmt sich, viel für den Bau von Arbeiterwohnungen zu tun. Aus diese Weise werden wohl in„unabsedbaren" Zeiten die „Schweineställe" aus dem Lande verschwinden, und zwar durch Hülse der Arbeiter selbst, die ihre Beiträge zur Versicherung zu zahlen haben. Die agrarischen Provinzen konimen aus diese Weise nicht allein zu gesunden Arbeiterwohnungen, sondern auch zu neuen Krantenhäusern. Laut Bericht hat diese Versicherungsanstalt die Summe von 1.2 Millionen Mark für den Bau von Arbeiter- Wohnungen und b40 000 M. für Krankenhäuser ausgegeben. Der Allgemeine Wohnungsbau-Verein zu Königsberg hat die Verpflichtung übernommen, bei dem Bau von Wohnhäusern„das aus der IH. Deutschen KlmstgeiverbeauSstellung zu Dresden von der Landes- Versicherungsanstalt erbaute ländliche Arbeiter-EinfamilienhauS tun- lichst zu verwerten"! Ob es gelingen wird, das mit der„goldenen Medaille preisgekrönte Heim" überall zu errichten? Die Versiche- rungeanstalt ist ja auch sehr bescheiden, denn sie triumphiert schon: „Tatsächlich wird ein solches HauS genau nach dem Dresdener Musler in Drugehnen, Kreis Fischhausen, gebaut" l Lllso ein H a u s I Und darüber solch Geschrei! .Westpreußen" nimmt sich der n o t l e i d c n d e n Landwirtschaft direkt an. Aus Seite 23 des Berichts heißt es:„Zur B e- friedigung des landwirtschaftlichen Kredit- bedürsnisseS sind 1564000 Mark ausgeliehen worden"!! Was man alles aus dem Gesetze doch machen kann, das doch in erster Linie für die„Invaliden und Alten" geschaffen wurde!! Hat das Rcichsvcrsicherungsamt auch hierzu seine Zu- stimmung gegeben? An„sozialdemokratische" Arbciterherbergen wird bekaniitlich keine Hypothek gegeben, für die„Bcsriedigung des landivirtschastlichen Äreditbedürsttisses" sind aber die Invaliden- Versicherungen da! „Ostpreußen" hat dagegen dem„ A r m e n u n t c r st ü tz u n g L- verein zur Verhütung der B e t t e l e i" die Summe von 44 856.23 M. und„dem Gemeindekirchenrat Drengfurr eine Hypothek für das Iünglingsheim" gegeben. Die„Bettelei" soll verhütet werden, deshalb gewährt man die „hohen Altersrenten", die laut Bericht in„Westpreußen" durchschnittlich„sich auf>47. Z7" pro Jahr stellen! Der Bericht hebt extra hervor, daß sich unter den betvilligien Renten„eine im Be- trage von 200,40 M. und eine im Betrage von 211,80 Di." be- findet! Donnerwetter! Das ist viel Geld! Die Invalidenrenten stellen sich durchschnittlich bei Männern aus lZö.SS M., bei Frauen auf lZll.Zl Di. pro Jahr. In„Ostpreußen" wurden im Jahre 1906 insgesamt V353 Anträge auf Invalidenrente gestellt<1005: 10794) s«„Westpreußen" 4747 Anträge„„„(1005: 5 322). Davon wurden in„Ostpreußen' nur 4939, in„Westpreußen' twr 2839 bewilligt! Wo bleibt da die„Rentensucht"? „Oswreußen" berichtet, daß eine imtsasiende Revision der Renten- empfänger vorgenommen wurde und dadurch 343 Renten entzogen werden konnten, so daß nur noch 44 007„Rentner" für Invalidenrenten vorhanden sind. Die Zahl der A l t e r S r e n t n e r ist von 6665 im Jahre 1905 aus 5925 im Jahre 1906 zu rückgegangen! „Westpreußen" hat leider keine vergleichenden Zahlen angegeben, sondern man kann nur aus den Ausgabetiteln den Rückgang der Altersrenten ersehen. ES wurden für Altersrenten verausgabt: im Jahre>905: 452 704.26 M. „ 1900; 409 486.62,! Für Heilverfahren hat„Ostpreußen" im Berichtsjahre 304 776.72 M..„Westpreußen" 163 046,45 M. verausgabt. Wie sehr die K r a n k e n v e r s i ch e r u n g in dielen Provinzen noch im arge» liegt, ergibt sich daraus, baß z.B.„Ostpreußen" von den Krankenkassen nur 16174 M.,„Westpreußen" 10 910 M. Ersatzleistungen zurückerhielt! lieber die Landflucht geben unS beide Berichte interessante Aufschlüsse.„Ostpreußen" schreibt: „Von den hier anfbewahrten Ouitwngskarten waren aus den Bezirken fremder Versicherungsanstalten, also von solchen Personen, die auS Ostpreußen verzogen sind, eingegangen: bis Ende 1905 703 140 Ouittuiigskarten(darunter 71 939 Nr. 1) im Jahre 10O6_ 86 410_„_(, 4 489, 1) zusam.Ende 1906 789 550 Ouillungskarten(darunter 76 428 Nr. 1) Von Versicherten, die auS fremden Anstaltsbezirken nach Oft- (ireußen verzogen, sind eingegangen und an die betreffenden An- wlten abgegeben: bis Ende 1905 123 623 OuittungSkarten(darunter 16 020 Nr. 1) im Jahre 1906 14 574__„___(„__ 978._ 1) zusam. Ende 1996 138 197 OuittungSkarten(darunter 16 993 Nr. 1) „We st preußen" berichtet: „Um eine Vergleickmng des Austausches eigener mid fremder Ouittuiigskarten zu'ermöglichen, haben wir die in dem vorjährigen Geschäftsbericht aus diesen Jahren veröffentlichten Ergebnisse hier mit zum Abdruck gebracht. Name» der BersicherungS-Anstalt im Jahre 1003 eigene QuiltungS- karten an uns eingeliefert fremde OuillungS- l karten von! uns abgesandt im Fahre 1004 wurden im Jahre 1005 eigene OuillungS- karten an uns eingeliefert Summa 70587 j 18712 j 71716 Wohin das ländliche Proletariat strömt, ersieht man auS der folgender Zusammenstellung: Die Versicherungsanstalt„Berlin" gab im Jahre 1905: 15 651 Karten nach„Westpreußen" zurück und erhielt von dieser nur 822. „Brandenburg" gab>6 759 Karten zurück und erhielt 1 847 .Rheinprovinz"„ 7 545„»»» 383 „Westfalen", 7 045,, 447 „Hannover ,. 2 0l7„ 333 Welche„hohen Löhne" in der Provinz Westpreußen bezahlt werden ergibt sich auch auS dem Bericht. ES heißt da: Der Erlös aus dem Markenverkauf verteilt sich auf: a) 4 620 196 Wochenbeiträge I. Lohnklasse 14 Pf. b) 5 121 282. II.' 20' c) 2 008 430, HL, 24. d) 957 684, IV., 30. _ o) 601 376„ V.„ 36„ fremde OuittungSkarten von uns abgesandt eigene Ouiltungs- karten an uns eingeliefert fremde OuillungS- karten von uns abgesandt im Jahre 1906 eigene OuillungS- karten an uns eingeliefert fremde QuiltungS- karten von unS abgesandt zusammen 13 308 968 Wochenbeiträge........ Mit anderen Worten: über 4>/„ Millionen Wochenbeiträge wurden entrichtet von Personen, die weniger alö 1,20 M. Tageloh» hatten, über 5 Millionen von Personen, die 1,20 M. bis 1,80 M. Tagesverdienst, über 2 Millionen Marken von Personen, die 1,80 bis 2,80 M. verdienten und nur Million Marken von Personen, die mehr alS 2.80 M. pro Tag verdienten! Und gegenüber solchen Verhälmiffen sucht der Block die Er- füllung der sozialdemokratischen Forderung zu vereiteln, menschen- würdige Verhältnisse für die Landarbeiter zu schaffen, und ruft nach neuen Hörigkeitsmaßnahmen gegen die Landarbeiter! An die aus- ländischen Arbeiter, gegen die vom 1. Februar ab mit den StaatSverlrägen unvereinbare Legitimationsbeschränkungen eingeführt werden sollen, um die nach Deutschland Gelockten von einer Flucht vor den agrarischen Gefilden abzuhalten, kann nicht dringend genug der Ruf gerichtet werden: Laßt Euch nicht nach Preußen anwerben! Der Nicderhaltung der Lebenslage der deutschen Arbeiter gilt die Beschäftigung der in Deutschland fast rechtlosen ausländischen Arbeiter. Konftrenz der Drechsler Deutschlllnds. Leipzig, den 29. Dezember. Die Drechsler der verschiedenen Branchen halten in Leipzig eine Konferenz ab, um die gewerblichen und organisatorischen Ver- Hältnisse zu beraten. Dieser allgemeinen Konferenz ging heute eine Konferenz der Knopfarbeitcr Voralls. Vertreten waren die Orte: Berlin, Breslau, Hamburg, Hannover, Hartha, Gardclegen, Frankfurt am Main. Frankenhansen, Gößnitz, Kelbra und Schmölln. Ferner sind vom Vorstand des Deutschen Holzarbeiterverbandes die Ge- Nossen Leipart, Becker und D e i n h a r d t, für den Drechsler- verband Oesterreichs die Genossen Suckancck, Mctsche und Roth erschienen. Die Tagesordnung lautete: Di« Lage in der Knopfindustrie und die Möglichkeit eines Einheitstarifes. Riedel-Sckzmölln referierte über di« Lage in der Knopfindustrie. Schmölln ist in Deutschland die Knopfmetropole; eS find da etwa 1200 Personen beschäftigt. In der Hauptsache werden Steinnußknöpfe hergestellt. Die Knopfindustrie wurde in den 30cr und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts eingeführt. Mit der Einführung der Maschinen ging es mit den Lohnabzügen los. Jeden Lohnabzug suchten die Arbeiter durch vermehrte Tätigkeit auszugleick)en; freilich vergeblich.' Jede vermehrte Tätigkeit reizte die Unternehmer zu immer neuen Abzügen. Es wurden schließlich die Abzüge nicht in Geldsorm gemacht, sondern man führte in Schmölln das sogenannte Ueberwurfsystcin ein. Dieses besteht nun darin, daß die Arbeiter statt 144 Stück 168— 170 pro Gros machen müssen. Alle bisherigen, zum Teil langwierigen Kämpfe ver- mochten dieses Ausbeutungssystem v'cht zu beseitigen. Die Unternehmern hielten den Arbeitern bei seder Lohnbewegung die ausländische Konkurrenz, sowohl die österreichische wie die italienische entgegen. Lange Zeit hindurch hintertrieben die Unternehmer die Organisierung der Arbeiter durch Maßregelung der agitatorisch tätigen Kollegen sowie durch allerlei andere Mittel. Erst als die Unternehmer 1804 einen 75prozentigen Lohnobzug zu machen ver- suchten, erhoben sich die Arbeiter und wehrten sich durch partielles Streiken mit Erfolg dagegen. Der Durchschnittsverdienst beträgt in Schmölln 16,75 M. wöchentlich. Neben dem Fabrikbetrieb gibt es in der Kmopfindustrie auch die Heimarbeit. Frauen und Kindern wird für das Gros Knöpfe aufnähen 2 Pf. gezahlt. Erst das Kinderschutzgesetz hat hier etwas gebessert. Eine andere Methode, den höheren Lohn wieder herein- zubekommen, wenden die Unternehmer mit der Lieferung schlechteren Materials an. Sehr zugute kommt den Unternehmern der Um- stand, daß sie keine Lehrlinge ausbilden brauchen. Jeder ungelernte Arbeiter kann bei der Arbeitsmethode in Schmölln arbeiten. Jetzt 27 200 75 527 25 126 85 271 25 932 muß man erst mit der Lohnregulierung da anfangen, wo die niedrigsten Löhne gezahlt werden, um dann auf einen EinheitL- laris zu kommen. M e t s ch e- Wien entwarf nun ein sehr düsteres Bild von der sozialen Lage der Knopfarbeiter Oesterreichs. Die Unternehmer klagten dort über den Mangel an jungen Arbeitern in derselben Zeit, als sie die Arbeiter maßregelten, weil sich diese organisierten. Der Redner schilderte die Entwickelung der Knopsindustrie, nament- lich soweit es die Steinnußknopfindustrie betrifft. Lange Zeit hindurch glaubten die Arbeiter, daß die Maschine einzuführen unmöglich sein werde; heute freilich ist dies entschieden, soweit die Steinnußknopfindustrie in Frage kommt. In Nordböhmen mag es etwa 2000, in Wien 600 Knopfarbeitcr geben. In Wien sind die Knopfarbeiter gut organisiert. Im einzelnen schilderte der Redner die Kämpfe mit den Unternehmern und die ungeheuren Schwierig- keilen beim Organisieren der Arbeiter. In den verschiedenen Be- zirkcn der Knopfindustrie dominiert die Heimarbeit mit all ihrem Elend: Frauen- und Kinderarbeit, erbärmliche Löhne, Zwischen- meistertum. In manchen Orten sind die Bauarbeiter im Winter hausindustriellc Knopfarbeitcr. Statt daß die Fabrikanten selbst die Maschinen kaufen, muß sie der Heimarbeiter anschaffen. Selbst bei diesen traurigen Verhältnissen ist es doch vorgekommen, daß sich die Arbeiter erhoben unb Lohnforderungen gestellt haben. Bei einem solchen Streik hat der böhmische Fabrikant Rietschrl die Arbeiter auf Schadenersatz verklagt, wobei es dann offenkundig wurde, um die Schadenersatzsumme festzustellen, was die Unter- nehmer an den Arbeitern verdienen. Der Arbeiter, der einen Gulden Lohn bekommt, hat dem Unter- nehmer zwei Gulden verdient. Recht treffend wurden die antisemitisch gesinnten Klein- und Zwischenmeistcr gezeichnet, daß sie beim Großunternehmer, dem Juden, sich gegenseitig unterbieten und so das Geschäft herunter- bringen. In Kürbitz sind die Kinder der Frauen den ganzen Tag über mit in der einen Knopf- fabrik. So. verschieden wie die Löhne ist auch die Arbeitszeit. In Wien besteht die Ostündige, in Teplitz in einem Betriebe die 94Lstündige und sonst die l0- bis 12stündige Arbeitszeit. Die Unternehmer suchen die Organisierung der Arbeiter durch alle terroristischen Mittel zu verhindern. Das Ueberwurfsystcm kennt man in Oesterreich nicht, dafür aber das Prämiensystem. Im allgemeinen hat die technische Entwickelung die Lage der Arbeiter in der Knopfindustric verschlechtert. B ö t t ch e r- Frankenhauscn referierte nunmehr über die Möglichkeit eines Einheitstarifes. Zunächst verbreitete er sich über die Einführung der Perl- mutterknopfindustrie und deren Entwickelung in Deutschland. Der Kauptsitz der Perlmutterknopfindustrie Deutschlands ist Franken- Hrusen. Weitaus schwieriger als in den Steinnußlnopfbctricben war die Einführung der Maschine in den Perlmutterknopfbetrieben. Ein Einheitstarif wäre für gewisse Grundarbelten sehr wohl mög- lich, einzuführen. Bor allem müsse versucht werden, an Stelle des Akkordlohnes den Wochenlohn einzuführen. Der Redner schlug schließlich vor. eine Kommission einzusetzen, die die Grundlage für einen Einheitstarif ausarbeiten solle. In der nun folgenden Debatte gab der Wiener Delegierte Suckancck ein ausführliches Bild über die Verhältnisse in der Perlmutterindustrie Oesterreichs. Daß die Technik in der Perl- mutterknopfindustrie einziehen werde und diese umwälze, hält der Redner für unwahrscheinlich. Die Delegierten der obengenannten Orte schilderten nun ouL- führlich die örtlichen Verhältnisse, wobei sich zeigte, daß sowohl die Löhne als auch die Arbeitszeit an einem und demselben Orte sehr verschieden sind. Das Vorstandsmitglied Becker faßte die Debatte dahin zu- sammen, daß an die Einführung dcS Einheitstarifes vorläufig nicht zu denken sei; daS beweise das ganze vorgebrachte Material. Die gleiche Auffassung drückte Leipart auS. Die Ab- fchaffung der Akordarbeit könne jetzt nicht gefordert werden. Viel- leicht werde eS später möglich sein, einen Einheitstarif aufzustellen. Vor allem aber müsse die Heimarbeit abgeschafft werden, ebenso der unwürdige Zustand, daß Arbeiter dem Unternehmer nock Roh- Material liefern.— Die Konferenz stimmte seinem Vorschlage auf Einsetzung einer viergliederigen Kommission zu. die Vorschläge auszuarbeiten hat. Dieser gehören außer den beiden Referenten zwei Wiener Genossen an. Eingegangene Dnichrchrlfttn. 18. IahreS- und Kagendericht der Berllnrr KewerktchaftSkommlffion und Bericht de« ArbciterlekretartatS Berlw 1906. 84 Seilen. Verlag der Berliner Gewerkichaftslommilsion. Berlin. Engel-User 15. Kann und soll das Englische an unseren Gymnasien als obllgatoii- sches tzehrsach ctngestthrt werden? Von Pros. Dr. Mellmann. Verlag! Pult- kammer u. Wüklbrccht. Berlin. Franiösischestr. 28. Kaufhaus Gebr. Preuss Beussel-, Ecke Huttenstraße wünschen ihren lieben Kunden, Freunden und Gönnern ein glückliches neues Jahr! 4. Wahlkreis. Mittwoch, den 4. Januar lUOS. abends 5 Uhr, bei Granman«, Nauntinstr. 27: Oeffentliche Versammiung. Tagesordnung: Agitation, Kirliie und Sozialdemokratie. Referent: Reichstagsabgcordneter Xude!!. K-ch Zchilit: Gciiiiilllllics Ktisl»i»iitiisci» mit Tan;. 2eo,i' Der Einberufer. Dritter Wahlkreis. Dienstag, den 31. Dezember, Im großen Saale des QewsrUschaJtshauscs, Engel-Ufer 15: Silvesters Feier unter Mitwirkung des Volkshnmoristen Herrn Balz«. Anlaog 9 Uhr, Eintritt Inkl. Tanz 20 Pf. 226,4 Der Vorstand. Deulicher fflclallarbcitcr-Pcrtianl Arbcitonacliwcln; Hof I. Amt HI. 1«30. Verwaltungsstelle Berlin. ClmriteHtruße 3. nanpt'ICnrcaa: Hof III. Amt II«. 10S7. Vertrauensmänner. Ac!ll°n3! Anlählich des Neujahrtages finden die am t. Januar fälligen Bezirks vertrauenSinänncrkvnferenzcn nicht statt. Die für den Monat Januar bestiinmtcn Konferenzen werden den Kollegen durch besondere Einiadnngen bekannt gegeben. 191/10' Die Ortsverwaltung. Leih-Haus ----- Ckai'lottenburg------- Frledrlch-Karl-Platz 12. Beleih d. 6iillant., Gold- u. OilbiUoch., Uhren. Büch, Wäsche, KlcidungSst. ic. 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Siido»«tc»: Paul Böhm, Lausttzer Platz 14/16. P. Horich, Engel-Ui« 15. »»-t«ttcnb»i-g: G. Scharnverg, Seieuheinierstr. 1. I'i'kcdR-Icbxboi-g: C' Scifcl, Kroiiprmzeilftr. 50. Kixdoi-r: M. Heinrich, Neckaritr. 7. Gourad, Hermaiuiftr. 50. Itl>i»»i«:t»>b»i-g: A. Noieutrniiz, AU-Boxoagen 51 �ebiine-beeg: With.Böiiiiiler. Marlin 2ulherstr. 21. WcilioiiMee: St. Fnliri»»»», Sedauilr. t05. Iul. Schillert. Köiiig-Ehauisee 29». K c i nie kc ndorf: P. Gurlch, Provüizsiraße, Ecke Grünenveg. Di-vprosv: R. Gramenz, Kieiholziir. 412.