Nr.S. RbonnmfntS'Btdin�unsen: «SonnemenJä- PreiZ pränumerando? Lierleljädrl. 330 MI., monatl. 1,10 M., Ivöchenllich 28 Pfg. frei' ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonnlazs- j'.uuuner mil illustrierter Zonniags- Lcilage.Die Neue Welt» 10 Pia. Bost- sQonnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Emaeiragcn m die Post> Zeilungs- Preisliste. Unter Kreuzband rät Deutschland und Oeslerreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Ponugast Rumänien. Schweden und die Schweig 23. Jahrg. Wchtlnt aiN» auBcr Slootaat. Vevlinev Volksblatt. 0I< TnfftffonS'GebflDr bekrägt für die icchsgespaltene KoloneZ- zeile oder deren Raum 50 Psg., für dolltilche und gewerkschaftliche Bereins- und BerlammIungS-Nnzeigen 50 Pfg. „Aleine ZZnreigen", das erste fsell- gedruckte) Dort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Etellcngciuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen vis s Uhr nachmittags in der Exvedition »dgegcben werden. Dte Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Sszlaldtmokrat Btrtlu". Zentralorgan der rozialdemohratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: 8CQ. 68, Lindcnstrasse 69. 8fetnf»tctöcr: Amt IV, Nr. 1983. F Freitag, den B. Januar 1908. Expedition: SA. 68, Lindcnstraeee 69. Kernfprecher: Amt IV Rr. 1984. Die Knebelung äer ruiiilchen volksvei'tl'etei'. Petersburg, 31. Dezember.(Eig. Ber.) Der Dezember ist der Monat der großen politischen Pro zesse geworden, wie sie Rußland noch nicht gesehen hat. Die Reaktion will eben alles liquidieren aus der Epoche der der- sprochcnen Reformen. Der versprochenen Reformen; denn zu wirklichen Reformen kam es ja nicht! Sind es nun aber Rechtsmittel, mit denen die Re gierung. gegen die Abgeordneten der ersten und der zweiten Duma vorging, sind es Rechtsnormen, auf denen die Anklage basiert wurde, ist es die rechtliche Staatsgewalt, die die ersten beiden Volksvertretungen auf die Anklagebank gc fetzt hat? Nein, es ist eine politische Partei, die sich die Gerichtstoga umgeworfen hat, und nicht nach Recht wird da Urteil gesprochen, sondern nach niedrigsten Zweckniäßigkeits gründen. Man braucht nur einen Blick auf die zu Beginn des Dezember veranstaltete Gerichtskomödie gegen die sozialdemo- krotische Frattion der zweiten Duma zu tverfen, um zu sehen, daß in der Tat die Regierung den Weg der Gewalt geht und nicht nach den Rechtssätzen eines Rechtsstqates Händelt. Wer ivaren denn die Richter gegen Zereteli und seine Fraktions genossen? Ehemalige Direktoren des Polizei. departements! Die Wuitsch, Swoljanski, Deutrich— alles Namen, die in Rußland soviel bedeuten wie Polizei. knüppel, Polizeihund, Polizeidiener. Unter solchen Umständen kann es sich natürlich nicht um Rechtsprechung handeln das wird die russische Regierung niemand einzureden imstande ein. Die Prozesse-gegen die-erste und zweite Duma sind und oleiben Gewaltakte, geschmückt mit der ganzen Heuchelei einer verkommenen Sippe. .. Das Urteil in der Sache gegen die sozialdemokratische Fraktion ist bekännt. Die Volksvertreter dieses Frühjahrs sind jetzt Sträflinge! Man hat ihnen Ketten angelegt, sie sind auf dem Wege zu den sibirischen Bergwerken. Und wegen welchen.Verbrechens?— Ja, das wissen die einzelnen Ver urtestten selber nicht! Die ganze sozialoemokratische Fraktion soll der Verbrecher sein. Die Regierung machte ja die Sache kurz ab. Hinter verschlossenen Türen war sie der„Richter". Nichts vernahm und sah die Oeffentlichkeit als nur das Urteil und ein Regierungs-Wischiwaschi. in dem. alte Lügen wieder gekaut wurden. Es genügt zu sagen, daß die russische Presse, die noch nicht ganz im Sumpfe steckt, das„Gericht" als eine Gerichts-Komödie aufgefaßt hat. Jetzt haben wir nun den zweiten Prozeß hinter uns. Es ist bekannt, daß, als am 8.(21.) Juli 19l*> die erste Duma ausgelöst wurde, die Abgeordneten der Opposition nach Wyborg (Finnland) fuhren. Hier wurde der„Wyborger Aufruf" ver faßt, der die Bevölkerung zum passiven Widerstand aufforderte Die Regierung hat kein Recht, so erklärten jene in dem Aufruf, von dem Lande Steuern zu erheben oder Soldaten zu nehmen ohne Einwilligung der Duma. Die Regierung hat die Duma aufgelöst. Das Volk hat jetzt das Recht, Soldaten und Steuern zu verweigern. Wird die Regierung Anleihen aufnehmen, so sind diese— als von der Duma unbestätigt— ungesetzlich, und sie werden nicht bezahlt werden! Dieser Aufruf wurde von 160 Volksvertretern der verschiedensten Parteien unterzeichnet und fand in Rußland die weiteste Verbreitung, obgleich diese Verbreitung auf das schiverste verfolgt wurde. Einige Tage nach dem Erscheinen des Aufnifes, also vor anderthalb Jahren, begann die Regierung die?lnklageaktion. Alle Unterzeichner des Aufrufs wurden in- Auklagezustand versetzt. Es war die Blüte der ersten Duma, der auf diesem Wege die Möglichkeit genommen werden sollte, in die zivcite Duma getvahlt zu werden! Immer wieder hieß es, daß der Prozeß zur Verhandlung kommen solle, immer wieder wurde er aoer aufgeschoben, weil es sür die Regierung wichtig war, die Angeklagten auch von den Wahlen zur dritten Duma fernzuhalten! I Nun hat man das nicht mehr nötig, da die Duma der Reaktion fertig ist. Als Richter im Prozeß der ersten Duma fungierten ebensolche verknöcherten Biireaiikratcnfignren— wenn auch in etwas besser gebiigelter Verfassung wie jene Spukgestalten aus der Polizeiunterwelt, die über die sozialdemokratische Fraktion der zweiten Duma zu Gericht saßen. Die 160 Männer auf den Anklagedänkcn aber bildeten diesmal eine buntere Gesellschaft. Auf den Anklagebänken im überfüllten alten Gerichtssaal, in dem auch über den Depuiiertenrat der Petersburger Arbeiter abgeurteilt worden ist, säßen diesmal nicht nur Sozialdemokraten, sondern auch Vertreter der Bourgeoisie, der besitzenden Klassen. Es war, als ob die erste Duma von den Toten auferstanden wäre. Auch das ganze Präsidium ,�nnt Prof. Muromzew, Fürst Dolgomkoss u. a. an der Spitze, saß da, und dann die besten Redner der ersten Duma: Winawer, Petraschitzki. Kokoschwin, bekannte Verteidiger in politischen Prozessen wie Pergament, Maklakoff, Genosse Ssokoloff u. a. m. Schon in der ersten Sitzung kam es zu Reibungen mit den„Richtern". Bei Nennung der verstorbenen Abgeordneten! Serzenslein und Schirkoff nämlich erhoben sich samtliche An-' geklagte! Dasselbe geschah, als der Name des Präsidenten der ersten Duma, Muromzew, vom Gerichtstisch her ertönte. Den Vorsitzenden brachte das auf. Zwischen ihm und Muromzew kam es zu einer Auseinandersetzung, in welcher der Präsident der ersten Duma das Gericht mit beißendem Sarkasmus seine 'ganze Verachtung fühlen ließ.... Am zweiten Tage begann die Beweisaufnahme, und das gab den Angeklagten Gelegenheit, in längeren Erklärungen ihr Vorgehen bei der Unterzeichnung des Wyborger Ausrufs zu begründen. Als erster sprach Petrunkewitsch.„Wir haben", so führte er u. a. aus,„den Aufruf unterschrieben aus voller Ucberzeugung, und wir haben die Verantwortung nicht ge° fürchtet. Hier soll uns jetzt das ganze Land hören: Äcr Wyborger Aufruf bezweckte nicht Unordnung und Gesetz- Widrigkeit, er wollte der Gesetzlichkeit zum Siege verhelfen! Am Tage der Auslösung der ersten Duma war der Taurijche Palast mit Militär umstellt, man sagt, es seien sogar Kugel- spritzen dagewesen. Der Eindruck war allgemein: Das ist nicht die Auflösung der Duma, das ist der S t a a t s st r e i ch!" Der Redner wies im weiteren nach, daß die Handlungsweise der Abgeordneten nicht in Widerspruch mit der Konstitution stand, und schloß mit den Worten:„Für uns ist die wichtigste Frage das Urteil des Landes." Nach Petrunkewitsch sprach Kokoschkin, der den Wyborger Aufruf in engere Verbindung mit der großen Kette der historischen Ereignisse in den letzten zwei Jahren brachte: „Die erste Duma wollte Rußland stark und frei machen durch die Entwickelung seiner Kulturkräfte. In diesem Bestreben vereinigten sich die verschiedensten Klassen. Die Regierung wollte aber von Reformen nichts wissen. Das Aiiflösungs< dekrct erschien ohne Gegenzeichnung des Ministers, es bestimmte auch nicht den Einberusungstermin der neuen Volks Vertretung!... Als Jurist könnte ich dem Gericht beweisen, daß die Anklage auch einer streng j u r i st i s ch e n Kritik nicht standhält, doch ich will davon nicht sprechen. Wenn das Ge- richt sich aber auf den Standpunkt stellt, daß der Sieger immer im Recht ist, mich darauf sind wir gefaßt. Unser persönliches Ungemach bedeutet nichts gegen das Meer von Leiden, in das Rußland versinkt." Nabukoff erklärte:„Den Umständen nach war die Auf lösung der ersten Duma der erste Schlag gegen die Volks Vertretung in Rußland. Die erste Duma hatte große politische und soziale Aufgaben vor sich, und sie war überzeugt, daß es ihr gelingen werde, dem Lande wieder Frieden zu geben. Das wollte aber die Regierung nicht! An erster Stelle sollte die Lösung der drückenden Bauernfrage stehen; gerade bei dieser Frage aber stieß die Duma auf den größten Widerstand. Man ließ das Volk wieder ohne Rechtsmittel und da mußten wir einen Weg zeigen, den das Volk gehen kann, wenn man sein Recht mißachtet." Luntn, ein 64jähriger Greis aus der Fraktion der„Tru dowiki", erklärte, er habe seinen Wählern versprochen, ihnen Land und Freiheit zu erkämpfen oder zu sterben. „Ich habe nicht nur den Ausruf unterschrieben, sondern ich wünsche, daß er in die letzte Hütte dringt! Der jetzige Kampf ist ein Kamps der alten und der neuen Welt. Die alte Welt ist der Feind des freien Gedankens. Die alte Welt war es. die, um den freien Gedanken niederzuschlagen, die Huligans auf die Straße ließ und Pogroms veranstaltete..." Am dritten Tage hatten die Abgeordneten ihre Sitze nach den Fraktionen eingenommen: gerade wie in der Duma! Auf dem linken Flügel saßen die Sozialdemokraten. Einige von ihnen, so auch der Genosse Ramischivili, als Gefangene. unter der Begleitung von Gendarmen. Diese Sitzung gehörte fast ganz unseren Genossen Jschcrski und Ramischivili, die wiederholt vom Vorsitzenden unterbrochen wurden. Jscherski begann mit dem Hinweis darauf, daß das russische Gericht gar nicht- kompetent sei, da das„Verbrechen" auf sinnischem Boden begangen wurde und nach finnischen Gesetzen beurteilt werden müßte!! Es genüge ja aber. ein Sozialdemokrat zu sein, um außeihalb jedes Gesetzes zu stehen!„Als Beweis dasür haben wir den Prozeß gegen unsere Genossen aus der zweiten Duma. Alle Hand- lungen der verschiedenen Herren Möllcr-Sakomelski, Rennen- kämpf..." Der Vorsitzende fiel dem Redner ins Wort, und Jscherski sprach weiter:„Dieser Prozeß zeigt uns, daß das russische Gericht so geblieben ist. wie es vor zehn und mehr Jahren war I Unsere Ueberzeugung geht dahin, daß das Urteil des Gerichts nicht nur unfrei ist. sondern daß auch..." Wieder unterbricht der Vorsitzende mit der Zurechtweisung, der Angeklagte möge doch mehr Ächtung vor dem Gericht haben! — Jscherski fuhr also fort:„Erst heute können wir vor unseren Wählern Rechenschaft ablegen. Die erste Duma sprach aus dem Herzen des russischen Bürgers, und ihre Reden wurden mit Begeisterung aufgenommen. Der Wyborger Aufruf ist verschieden beurteilt worden. Als wir die Losungen des Auf- rufs im Volk auseinandersetzten, gaben wir uns keinen trügerischen Hoffnungen über ihre baldige Verwirklichung hin. Wir wissen, daß nur die gemeinsame Bcivegung das Jahr 1&)3 in die Geschichte einzeichnete. Nicht an einem Tage waren die Losungen der Oktobertage geschaffen, Jahre schiverster Arbeit waren dazu nöt'g.... Eine Wiederkehr zur Vergangenheit kann es nicht mehr geben. Die erste Duma war die Frucht der Revolution, sie war aus dem Blut und dem Leben vieler Menschen aufgebaut. — Die uns feindliche Macht griff nun zur Gewalt; denn nur die Gewalt bat uns hierhergeftchrt. In Ihnen, meine Herren Richter, sehe ich nur dieselbe Gewalt. DaS Urteil über uns kann nur das Land sprechen, nicht aber Sie! In Ihne? sehen wir die Verteidiger der 130000 GutsbesitzerStolypinS.. („Ich lasse Sie nicht mehr weitersprechen", schrie der Vorsitzende auf,„ich habe schon gesagt, daß Sie die nötige Achtung vor der Staatsgewalt haben müß«en..."),„... welche die Feinde des Volkes und. der Freiheit sind!" schloß Genosse Jscherski unbeirrt seine Rede. Dem nächsten Redner, dem Genossen Ramischwili, sah man die lange Gefängnishaft an: Er ist bleich, und mit schwacher Stimme beginnt er:„Die Anklagcbehörde voi-c-lxmcigt die Motive, die uns zwangen, den Aufruf zu unter- zeichnen. Sie tut das, weil sie fürchtet, auf ein anderes großes wirkliches Verbrechen zu stoßen. Dieses Verbrechen ist die Auseinandertrcibimg der ersten Duma". Der Vorsitzende will ihn nicht weiter sprechen lassen; dem Redner gelingt es aber doch, seine Rede fortzusetzen. Er geht auf die einzelnen Phasen der Geschehnisse ein und zeigt ihren organischen Zusammenhang:„In einer großen Welle wurde der alte Staatsmechanismus zum Stillstand gebracht. Am 17.(30.) Oktober 1905 ward zwischen dem Lande und der alten Staatsgewalt ein W a f f 0 n st i l l st a n d abgeschlossen. Das Land atmete auf, es war auf dem neuen Wege..Da kam aber die Reaktion. Das Land hatte zu rasch die Waffen niedergelegt, es hatte der alten Gewalt zu früh Glauben geschenkt..." Bei diesen Worten hörte der Redner plötzlich auf— er war noch bleicher geworden als zuerst. Nach einigen Sekunden vernahm man seine Stimme:„Ich kann nicht weiter sprechen.. und er sank bewußtlos Zusammen. Unter allgemeiner Erregung würde die Sitzung unterbrochen. Als sie nach einigen Stunden wieder begann, war Rawischwili nicht mehr da. Die Gendarmen hatten ihn ins Gefängnis zurückgeführt... Tags darauf hatte Ramischwili sich soweit erholt, daß er seine Rede fortsetzen konnte. Abermals war er in der Begleitung von Gendarmen erschienen, die ihn die ganze Zeit unter strenger Aussicht hielten. Raimschwilis Rede ging nicht darauf aus, gesuchte Kon- struktionen zu finden, sie war geradlinig und offen, viel offener und stolzer als die Reden der kadettischcn Angeklagten. Der Vorsitzende unterbrach denn auch Ramischwili etwa I6mall— „Der 17.(30.) Oktober," so führte der Angeklagte aus, „war der größte Tag im Leben des russischen Volkes. Das Volk hat da mit eigener Kraft sein Recht erkämpft.. Hier kam es zum ersten Zusammenstoß niit dem Gerichtsvor- sitzenden, Ramischwili ließ sich aber nicht aus der Fassung bringen und fuhr fort:„Das Proletariat war bestrebt, das Volk zunt weiteren Kämpfe aufzumuntern. Umsonst! Das Bestreben der alten Staatsgewalt ging dahin, sich von dem ihr entrissenen Manifest zu befreien.... Wir sind also zu dem gekommen, was wir jetzt sehen: es blieb keine Freiheit mehr übrig, und das Lebm versteckte sich abermals unter der Erde wie vor dem Oktober 1905.... Die erste Duma stand ganz auf dem B 0 d e n d e s M a n i f e st e s. es gelang ihr aber nicht, mit der Regierung zu arbeiten." Der Redner recht- fertigte sodann in längeren Ausführungen den Ausruf und kam schließlich auf den gegenwärtigen Moment zu sprechen: „Jetzt kann die Regierung auch die zehnte Duma ver- treiben— niemand wird sich darum scheren. Das Volk wciß jetzt. lvo es seine Vertreter zu suchen hat: in den Gefängnissen, in der Verbannung, in den Berg- werken! Das Volk tveiß, daß jede Duma, die für sein Recht eintritt, vertrieben werden wird! Jetzt, wo das Volk weiß, daß seine Vertreter in die Bergwerke verschickt sind, wo es den Staatsstreich vom 3.(16.) sah. jetzt, wo es die dritte Duma erlebt hat, zu der die Türen nur den Vertretern der 130000 Agrarier Stolypins geöffnet sind, jetzt weiß das Volk, wo seine Verteidiger sind. Die sozialdemokratische Fraktion war der Meinimg. daß der Aufruf eine zu sanfte Antwort auf den Schlag der Negierung ist..„Das Gericht will nicht hören, welche Antwort die sozialdemokratische Fraktion ge- geben hätte," unterbrach der Vorsitzende erregt.„Für die sozialdemokratische Fraktion war der Ausruf eine zu sanfte Antwort." wiederholte Ramischwili.„wir wollten aber wissen. was das Volk sagt. Gewiß! Sie können uns bestrafen, und wir werden die Strafe tragen. Uebcr uns hat aber auch die ganze Kulturwelt geurteilt! In ganz West- europa waren die Sympathien auf Seite der ersten Duma. D a s ist ein Gericht der Menschheit. Ihr müßt aber wissen: wenn das Land einmal die großen Fragen seines Lebens gestellt hat. kommt Ihr niemals mehr an ihnen vor- bei!... Der Umstand, daß die enstc Duma jetzt auf der Anklagebank sitzt, sagt mir, daß die Regierung nicht ncufc» geben will, und darum hat das Volk das Wort!" Nach Ramischwili wollte keiner der Augeklag- ten mehr sprechen. Die Reihe war an Sein Prokurator, der in unsicheren Phrasen die Anklage aufrecht erhielt! Das Gefasel des Prokurators zu zer- fetzen, fiel der Verteidigung nicht schwer. Teslenko bcschäf- tigte sich mit der f 0 r m a l e n Seite und wieL die Unhaltbar. keit der Anklage auch aus prozessualen Gründen nach. Maklakoff ging weiter imd bewies, daß der Prokurator das Gesetz auf höheren Befehl einfach mit Füßen tritt. Aus allen prozessualen Umständen geht nämlich hervor, daß es sich für die Regierung bei dem Prozeß in erster Linie darum handelt. auf länge Zeit den Angeklagten die politischen Rechte zu nehmen! Der dritte Verteidiger. Pergament, cknalysierte die Anklage von der st a a t s r e ch t l i ch e n Seite. Bein« Verlassen des Gerichtssaales lvuroe den Angeklagten eine Ovation bereitet. Aus der dritten Tuma waren die Abgeordneten aller Oppositionsparteien gekommen, und in ihrem Namen verlas der Abgeordnete Roditschew eine Adresse an die Angeklagten.... »*« PeterSvurz, 2. Januar.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Wie der Telegraph schon gemeldet hat, sind zwei An- geklagte freigesprochen, die übrigen zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Die russische Presse erklärt sich die verhältnismäßige Milde des Urteils durch die im Verlauf des Prozesses dargelegte Uu- Haltbarkeit der Anklage. Uebrigrns zieht das Urteil den Verlust deS Wahlrechts nach sich,«vas ja neben der Diskreditierung der ersten Duma der Hauptzweck dieses ganzen Prozesses war. Die Presse ist einstimmig der Ansicht, daß die Regierung cine schwere moralische Niederlage erlitten hat. Von den Verurteillen wird das llrteil angefochten, worauf der Prozeß wiederholt werden'müßte! Gerüchte in der Presse deuten jedoch an, es stände eine baldige Amnestierung aller l67 Verurteilten bevor. Für den Fall, daß Kautionen erforderlich sein sollten, um die sofortige In- haftierung der Verurteilten zu verhindern, sind allein in Moskau bereits 1'/, Millionen Rubel psammengebracht! Wie jetzt bekannt wird, hat das Ministerium der Polizei befohlen, strengstens darauf zn achten, daß über de» Prozeß gegen die sozialdemokratischen Abgeordneten der zweiten Dnma keine Berichte in die Oeffentlichkeit dringen!! Da$ Kemeler Denftma) vor der fiiiliz. Einige Tage vor der Einweihung de-Z. Nationaldenkmals" in Nemel, am 23. September vorigen JabreS, brachte bekanntlich unser Parteiorgan für Ost- und Westprenßen, die.Königs- berger Volkszeitung", einen Artikel, der an der Hand geschichtlicher Tatsachen die Vorgänge jener Zeit zeichnete, denen das Denkmal gewidmet fein sollte. Der Artikel wurde bald darauf, nur - wenig verändert und gelürzt, in den„Ostpreußischen Landboten" übernommen. Wegen dieser Artikel werden sich am Sonnabend, den 4. Januar, der Genosse M a r ck w a l d, der für den.Landboten" verantwortlich zeichnete, und Genosse Marchjonini als verantivortiicher Re- dakteur der„VolkSzeitung" vor der bekannten Schubert-Stras- kommer in Königsberg wegen Beleidigung von Mitgliedern des DenkmalskomiteeS zu verantworten haben. Das bezeichnendste in dem Gange dieses AnklageverfahrenS ist, daß eS ein freisinnig sein wollende? Blatt war, das durch eine wüste Preßhetze die Staatsanwaltschaft erst auf angebliche Sträflichleit der Artikel aufmerksam mochte. Nach Erscheinen des ersten Artikels äußerte sich zunächst weder das nationalliberale noch das sonst sehr aufmerksame tonservaiive Blatt Königsberg?. Auch Polizei und Staatsanwalt ließen nichts von fich hören. Nur die sogenannte „freisinnige".Königsberger Hartungsche Zeitung" fühlte sieh als Organ deö waschechtesten Blockpatriotismus in seiner überloyalen Gesinnung durch den Artikel verletzt. In ganz unerhört dennnziatorischer Weise fiel eS über den Artikel unseres Parteiorgans, der nur geschichtlich nackweisbare Tatsachen enthielt, her. Alle Register schulmeisterlicher Geschichtsklitterung zog sie, um die enthüllte Junkerschinach und die im Spiegel zeitgenössischer Urteile gezeigte„edle" Luise so zu be- schömgen und zu verhimmeln, wie daö eben nur kläglichster Byzantinismus liberaler Manncsseelen fertigbringen kann. Die „Bollszeitung" blieb natürlich die Erividerung. wiederum unter Hin- weis auf die geschichtlichen Talsachen, nicht schuldig. Erst insolge dieser sich fortspimienden Preßfehde mit dem famosen sfreisinnSblatt wurden das nationalliberalr sowie das konservative Lokalblatt und schließlich auch die—.Norddeutsche Allgemeine Zeitung" auf- merkfam. Als sich nun das Regierungsblatt, übrigens ganz in Sinne des„Hartungschen". der Sache angenommen hatte . und die„Hartungsche" noch weiter hetzte, kam das nunmehr Un- Vermeidlichc— Polizei und Staatsanwaltschaft traten in Tätigkeit l Es wurde— elf Tage nach Erscheinen des Artikels — eine Haussuchung in der Redakiion der.VolkSzeitung" und der Wohnung deS Redakteurs Marckwald vorgenommen. Die gesuchten Maimjlripte wurden natürlich nicht gesimden. Nur einige Notizen, die sich auf einen Vortrag bezogen, den Gcnosje Marckioals in Memel über die Angelegenheit gehalten hatte, fielen der Polizei in die Hände. Aber noch immer konnten die dazu aufgeforderten Beamten leinen direkten Grund für die Hnusstichmigen angeben, obwohl sie dazu gesetzlich verpflichtet geivtsen wären I Auch der Paragraph, auf Grund dessen der Verfasser der Artikel strairechtlich versolgt werden sollte, konnte nicht angegeben werden, trotzdem der K 107 der RetchSstrafprozeßordnnng das ausdrücklich dorschreibt. Unsere Genosien waren mit Recht über dieses Vorgehen erstaunt, doch waren sie umso fesler überzeugt, daß selbst der sindigste Jurist in dem rein geschichtlichen Artikel keine strafbare Handlung finden wüide. Aber sie täuschten fich. Der Staatsanwalt erblickte, wie kpäter bekannt wurde, in dem Artikel eine M a j e st ä t s- beleidigungl Dabei war der Kaiser mit keiner Silbe erwähnt oder auch mir mit den erörterten Vorgängen in die enl- ferntefte indirekte Beziehung gebracht worden. Ans dem Artikel ist auch in keiner Weise zu ersehen, daß der Verfasser auch nur an den Kaiser gedacht haben könnte. Ferner war dem Verfasser äugen- scheinlich nicht einmal bekannt, baß Wilhelm ll. an der Enthüllung deS.Denkmals" teilnehmen werde. Der Artikel erschien bereits einige Tage vor der Enthüllung. Wo da in diesem Artikel eine MajestälSbeleidignng liegen soll, ist wirklich unerfindlich! Inzwischen hatten auch eine große Anzahl der Mitglieder deS DenkmalkomiteeS, die ebenfalls durch die Preßdenunziationen aui- mcrtjam geworden waren, Strafantrag gestellt. Sie fühlten sich durch den Artikel und die der Säule im Siime einer historischen .Kritik symbolisch beigelegte Bezeichnung beleidigt. Bemerkenswert ist dabei, daß einige hervorragende Mitglieder des DenkmalkomiteeS den Sirafanlrag nicht mit unterschrieben haben. Ihnen schien die Sache denn doch wohl zu toll! Zu verwundern isi nur, daß man nichi jeden einzelnen Geldsp end er hat Strafantrag stellen lassen. Denn daß sich ausgerechnet nur die Komiteemitg lieber beleidigt gesühlt haben, weil man einem toten Steine einen Namen gegeben hat, ist mindestens originell. Den gestellten Strafanträgen hat die Slraskammer in vollstem Maße stattgegeben. Und so soll denn am 4. Januar der erstaunt aufhorchenden Welt durch die Gchiivcrt-Straskamnier zu Königsberg auseinandergesetzt und bewiesen werden, wie man durch Wiedergabe einfacher geschichtlicher Tatsache?, ganz unbeteiligte Majestäten und durch Benennung toter Steinmasien Komiteernitglieder beleidigen kann.— llgranlolikervatlve and freisinnige. Tie leitenden Blätter der Agrarkotiservativen haben sich— vielleicht in Erinnerung an den vor einem Jahre vom Reichskanzler an den Strategen des Reichsliigenverbandes gerichteten Wahl-Silvesterbrief das Vergnügen geleistet, zum Schluß des abgelaufenen Jahres ihre Gefährten vom linken Flügel des Blocks zu frozzeln und ihnen ironisch zu verstehen zu geben, daß sie sie nur als Nothelfer in der gegenivärtigen Situation betrachten und bereit sind, sobald sich die erste Gelegen- keit dazu bietet, wieder mit dem Zentrum anzubändeln. Nachdem schon vor einigen Tagen die„Kreuz-Zeitung" der sreisimiigen Konkubine deutlich zu machen versucht hat, daß sie des bereits fast ein Jahr dauert, den Paarungsvcrhkiltiiisses mit dem Freisinn iiberdrüssig ist und nach einer möngZo a trois mit dem Zentrum verlangt, hat nun auch Herr Oertel zur Feder gegriffen, um den Liberalen in der„Deutschen TageSztg." von oben herab zu erklären, wie er sich ihre Stellung im Block denkt— und zwar etwas deutlicher, als das auf einen gewissen guten Ton haltende Blatt der Epigonen des seligen Hammersteins. Herr Oertel bestätigt dem Freisinn, daß er bisher an der mit den neuen Handelsverträgen begonnenen Wirtschaftspolitik nicht gerüttelt hat. und meint, es hätte auch nicht den Anschein.„alb ob man irgendwo die ernstliche Neigung hege, mit dieser Wirtschaftspolitik zu brechen." Aber trotz dieses guten Verhaltens fühlt sich die„Deutsche Tagesztg." durchaus nicht„saturiert." Wer so etivas behaupte, meint sie, beweise„eine unbegreifliche Blödheit": „Niemand kann kühler, nüchterner und ruhiger über den Block und feine Bedeutung denken als wir. Mit dem Herzen find wir nie bei der Blockpolitik gewesen, sondern nur mit dem abwägenden kritischen Verstände. Wir wüßten auch wahrhaftig nicht wer mit dem Herzen dabei sein könnte,— abgesehen von den Mischmaschpolitikern, die weder Fisch noch Fleisch, weder kalt noch warm sind, die in jeder Verwässern ng eine Verbesserung sehen und deren Weizen zu blühen scheint, wenn die alten scharfen Gegensätze zu Zeiten zurücktreten. Ja. wir können uns auch uicht denken, daß Fürst Bülow mit ganzem, vollem Herzen bei der Blockpolitik sei. Dazu ist sie zu sehr Eintag S Politik, zu wenig kraftvolle, geschlossene, klare ZulnnfiSpolitik. Er hält sie. wenn wir ihn richtig ver- stehen und beurteilen, nur für eine derzeitige Notwendigkeit „in Ermangelung eines bessern". Und darin stimmen wir mit ihm überein. Nach dem Wahlergebnisse de« nui, vergangenen Jahres war eine andere Politik schlechthin unmöglich. Ob sie geplant war. daraus kommt'S jetzt nicht mehr an. Daß sie vorläufig eine unumgängliche Nolwendigkei, ist, liegt auf der Hand. Geht sie in nächster Zeit und durch uns in die Brüche, so werden die Berhältniffe keinesfalls bester, wahrscheinlich schlechter. Anders würden die Dinge liegen, wenn der Block durch die Bock- beinigkeit unserer unentivegten Demokraten gesprengt würde, und anders werden sie liegen, wenn erst einig« Zeit vergangen sein wird." Mit anderen Worten: heute ist noch nicht möglich, die Zentriunsagrarier wieder zu einem klerikal- konservativen Kartell heranzuziehen, deshalb ist es„vorläufig"(in der „Deutsch. Tagesztg." ist dieses Wort fettgedruckt) noch cine Notwendigkeit, sich die Freisinnigen als Blockgesährten gefallen zu lasten: doch die Zeit heilt alle Wunden, auch die politi- schön, und»vcnn„ e r st einige Zeit vergangen fein wird", dann«vird man den» Freisinn ungeniert den Fußtritt auf den Allerivcrtesten applizieren können. Man muß es also ehistweilen noch mit ansehen, daß die Freisinnigen eine geivisse Rolle spielen, allerdings nur. lvenn sie, wie bisher, sich bescheiden verhalten und nicht ernstliche liberale Forderungen stellen, denn, meint daS Bündlerblatt, die„Rücksichten auf die Blockpolitik und den Kanzler haben ihre Grenze— eine Grenze, die wir wenigstens nie über- schreiten werden und nicht überschreiten können, weil wir da- durch unser ganzes politisches Prestige einbüßen müßten. Die Blockpolitik ist nur eine vorübergehende taktische Not- wendigkeit. Sie darf nicht grundsätzlich, nicht programmatisch werde»." Schließlich erklärt das Blatt, daß die Konservativen zwar. um die„vorläufig notwendige Politik" nicht scheitern zu lassen. klcilie Opfer bringen würden. niemals aber würden sie liberalen Forderungen Zilgeständitisse machen. die gegen die„agrarische Weltanschauung" vcr- stoßen: „Eines können wir unter keinen Umständen opfern: unsere Ueb-rzcugnng. unsere Weltanschauung, unsere Grundsätze. Wollten»vir das tun. so würden wir, um einen kleinen EintagSerfolg zu sichern, die Ziikunft gefährden. Die ruht nicht auf dem recht zerbrechlichen und bröckeligen Block, sondern auf dem festen Grunde der monarchischen, historischen, staatS- erhaltenden, agrarischrn Weltanschauung." Tiefer kann dem Freisinn die Verachtung der Agrarier kaum ausgedrückt werden, als eS in dem Artikel des Herrn Oertel geschieht. Trotzdem»Verden die Fretsilinigen am Block festhalten und»veiter von der„liberalen Acra" und den Er- folgen der liberalen Blocktaktik phantasieren— bis die Konservativen die Zeit für gekoimnen erachten, sich wieder mit dem Zentrum p koalieren, die Freisinnigen hinaiiSziischineißc» und sie verächtlich zu jenen ziveifelhaflen lukullischen Geiiiiffen aufznfoidern. zu denen vor einigen Jahren Herr von Diest- Da vcr die preußischen Minister euilild. politische Ucbcrftcht. Berlin, den 2. Januar 1903 Die WahlrechtSerklärung der Regierung. Die„Kreuz-Zeitung" setzt ihre Kampagne g c g e>» jede A ender ung des preußischen Drei- k l a s s e n w a h l r c ch t s mit großer Enerate fort. Es handelt sich offenbar nicht nur um eine Einschüchterung des Freisinns. der ja olfftehin verschüchtert genug ist, sondern um cine Beeinflussung der Regierung, die endlich am 10. Januar cine präzise Erklärung über ihre Stellung zur Reform abgeben soll. Auch die Vermutimg der„Fraulfurtcr Zeitung" dürste richtig sein, daß die Mahuimg des Jnnker- blattes an eine höhcreStelle gerichtet ist. Dafür spricht nach der Meinung des BlatteS der Versuch, eine Acildennig des preußischen Wahlrechts als eine Stärkung deS sozialdemokratischen EinslnfseS hinzustellen. Wir haben schon einmal darauf hingewiesen, baß die VerschiebtniH- der Negiemngserklärung auch mit der Ab- Wesenheit deS Kaisers begründet wurde. Jetzt wird von der„Franks. Ztg." neuerdings auf die Mitwirkung des Kaisers an der Erklärung der preußischen Regierung verlviescn. Es ist ja bei den halb- absolutistischen Regsirungsformen Preußens auch ohne»oeitereS klar, daß die Krone großen Einfluß auf eine so wichtige Stellungnahme der Regierung nehmen wird. Der In- balt der RegierrmgSerklärung wird also auch in d�r Richtung von großer Bedeutung sein. daß er über die Stellung Klaeheit schaffen»vird, die die Krone zur Entrechtung des Volkes in Preußen einnimmt. Die Anhänger der Monarchie rühmen ihr immer nach, daß sie unparteiisch über den Klassen stehend einen wichtigen Faktor für den Ausgleich sozialer und poli- tischer Gegensätze bilde. Wir sind neugierig, wie weit diese Auffassimg durch die Erkiänmg zur Reform des preußischen Wahlrechts bestätigt»Verden wird. In den Wahlrechtskämpfeii in Oesterreich»md Bayern hat ja die Dynastie ihren ganzeii Einfluß zugunsten der Einiührung des gleichen Rechts mit anerkenilensiverter Energie geltend gemacht. Es»vild lehr reich sein, die Stellung der Dynastie in Preußen zu den» gleichen Problem kemien zu lernen,— Der Zweck der Uebnng. In der Sitzung� des Haiden- Gerichtshofes am Donnerstag, die keine Sitzung sein sollte,»veil der Angeklagte fehlte, hat der Oberstaatsamvalt Jsenbiel noch deutlicher al bisher erkenne»» lassen, welches das öffentliche Interesse ist. da. die Staatsamvaltschaft nach dem Schöffengerichtsprozeß plötzlich an der Belcidigungskla ,e des Grafen Mottle entdeckp Die Erklärung, die der Vertreter der Anklage für den Fürs' Eulenburg abgab, zeigt, wohin das Verfahren zielt. Iii daß der Zweck der Nelmng bereits erreicht ist, lehrt ein Blu. in die bürgerliche Presse. Sic vergießt fast ohne Ausnahme Tränen der Rührung über die unschuldig verfolgt. Liebenberaer, und der Umstand, daß das Zeugnis d Frau v. Elbe erschüttert ist, ist ihr zum vollgültigen Bewe geworden, daß eine Kamarilla der Liebenbcrger nie bestände. hat. WaS haben die Herren, die die bürgerliche öffentlich Meinung machen, doch jür ein kurzes Gedärm! Wie. der Wind in den höheren Regionen weht, das er sieht man ans einer Meldung des„Berl. Tagebl.".»vonack Graf Kuno Moltke sofort nach der. UrteilsfäUimg im Prozej Harden reaktiviert»verdcn wird. Der Kaiser beabsichtige dxn Gra sc? Moltke durch cine ganz besondere Ehrung ausziizeichncn und ihi aus einen der höchsten militärischen Posten zu bc rufen. Es soll sich dabei um eine Stellung in der unmittc bare»» Umgebung des Kaisers handeln. Graf Kuno wird also volle Genugtuung haben. Ob l solchem Umstände nicht doch noch in letzter Stunde ein Ver gleich zu stände kommt? Man könnte fast vernmten. daß d Frist, die die Verschlimmerung in Haidens Befinden schaff von seinen Freunden für ihn zu nutzen versucht werde. Kontraktsklaverei. Während andere, nicht auf der sittlichen Höhe der preußische Monarchie stehende Staaten der Kontraktsllavmi mit strengen geser lichen Maßnahmen entgegenarbeiten und z. B. die Gesetze der nore- anierikanischen Union jede Einführung von Arbeitern auf tVontral verbieten, schickt sich belaninlick die preußische Regierung an, di. Kontraktsllavcrei in ein sesteS System zu bringen. Nachdem sie Ü» preußischen Bbgeordnetenhause für ihren Plan, Grenzkontrollämter zur Verhinderung des sogen. KontraktbrucheS der polnisch-russtschen un galiziichen Saisonarbeiter einzurichten, die allgemeine Zuslimmun gefunden hat, selbst bei den Freisinnigen, hat sie mit außcrgewöhn sicher Eifrigkeit alle Vorarbeiten getroffen, damit die neue preußisch zivilisatorische Sinrichlung, wie die„Schlef. Ztg." berichtet, schon.an- t. Februar WS Leben treten kann. Außer den bereits bestehendei VermittelungSäintern der deutschen Feldarbeiterzentrale längs der russische» und österreichischen Grenze, die hierbei Verioendung finden. werden verschiedene neue Uebergangsstellen errichtet, so daß die Gesanitzaht der Grenzkontrolleurämter etwa 30 betrogen wird. Die Einrichtung ist so gedacht, daß die von den Arbeitern bei- gebrachten Heimalpapiere gegrüft und aus Grund derselben JnlandSlegitunationSkarten ausgestellt werden. Diese werden, nach dem sie durch einen Polizeibeamten beglaubigt worden sind, den Arbeitern, für die sie bestimmt find, ausgehändigt, so daß letztere i Besitz derselben di« Reise nach ihrem Bestimmungsort antreten. T:. Heimatlegitimationrn dagegen werden dem Arbeitzeber, bei dem � Arbeiter in Beschäftigung treten, z n g c st e l l t und diesem entwec durch die Post übersandt oder gegebenenfalls durch einen Begleitet: Arbeiter Die Unslinligkcit dieser Behauptung ergibt sich schon aus der Tatsache, daß ja das Institut des einjährigen -Dienstes für unsere Besitzenden längst besteht. Die Söhne der besitzenden Klasse können derartig durch- --gebildet werden, trotz der nur einjährigen Dienstzeit, daß �'sie sogar Reserveoffizier werden, während die zweijährig Dienenden es höchstens bis zum Unteroffizier bringen können. Wenn man zu behaupten wagen wollte, daß eben die h ö h e r e Schulbildung die einjährige Dienstzeit er- -. mögliche, so steht ja einer Verbesserung unserer Volksschulen * nicht das geringste im Wege I Die Herren Agrarier»vollen freilich möglichst dumme Arbeiter. Auch deshalb ist ihnen ,. die zweijährige Dienstzeit ans Herz geivachsen, weil sie es der - Heeresvenvaltimg ja ermöglicht, den Herren Agrariern die Soldaten als Ernteurlaubcr zu billigeren Preisen zur Verfügung zu stellen, als sie freien Arbeitern bezahlen . müßten 1—_ . V Um Nheinbaben. Die„Deutsche Tageszeitung" gkaubte vor einigen Tagen versichern zu müssen, daß die Frage der Nachfolgerschaft sür den preußischen Finanzmiirister wirklich nicht erörtert zu werden brauche, da sich ja v. Rheinbaben nach wie vor des„vollen Per- trauen« der m a ß g e b cn d st e n Stelle" erfreue. Die„National- Zeitung" bemerkt dazu, daß Herr Rheinbaben selbst wohl diese Notiz inspiriert haben müsse, da sie ja bon der„maßgebendsten Stelle" schioerlich verursacht worden .sei. Die„Post" und die»Deutsch« Tageszeitung" hin- wiederum erklären diesen Kommentar der.Naiioiial-Zeitung" für einen bösartigen Verdächtigungsversuch. Die„Post" fugt noch hinzu, daß der prenßischc Finanzminister solch schnöden Undank gerade von der„National- Zeitimg" an» ' wenigsten verdient habe. Sei es doch dem Eingreife» des Herrn v. Rheinbaben in kritischer Zeit zu danken gewesen, - daß die„Rational-Zeiinng" heute überhaupt»och existiere. Es scheini (»danach, als ob Herr v. Rheinbaben srncrzeit um die . Sanierung der vor dem Zusammenbruch stehenden„National-Ztg." im beioi, deren Maße verdient gemacht habe. Z» dieser Anspielung der„Post" bemerkt noch die T ä g l. Rundschau", daß ihr zivar bekannt sei, daß Herrn v. Rheinbaben und Herr Ministerinl- oireklor Alihoff seinerzeit bei d-cr„lvtünchen. Allgem. Ztg." Retterdienst« leisteten und ihre Scherlisicrimg anbahnten; von den Beziehnugeii RheinbabenS zu dein nationalliberalen Blatte .höre sie Indes durch die„Post" zum erstemnal.-- Wistuba gegen die„Deutsche Zeitung". . Als im Dezember lA?G. kurz vor der Auflösung des Reichstags, der Zentruinsabgcordnete R o e r e n verschiedene Mihstände in den dentichen Kolonien ansdeckte, beschäsligte sich die„Deutsche Zeitung" mit der Person deS früheren Kolviiialbcamte» Wistuba, den sie als den Gewährsmann MoerenS bezeichnete. Wistubli schickte der „Deutschen Zeitung" eine Berichtigmig. Die Redaktion knüpfte daran eine Polemik, welche eine Anzahl scharfe Ausdrücke in bezug auf Wffluba enthält. Wislnba hat daraufhin die Redakteure Eichler und Pelerenz von der.Deutsche» Zritmig" wegen Beleidigung verklagt. Am Donnerstag fand die Verhandlung vor dein Schöffen« gericht statt. Da es sich nur um formal« Beleidigung ans j» ISö Handelle, so fand keinerlei Beweiserhebimg statt. Die beiden Be« tagten wurden zu je 20 M. verurt.itt,— Cingarn. Allgemeines Wahlrecht. Am 1. Januar hat dor Miyisterpl'äsidefft Dr. W�kerle Kciin Rcnjahrsompfang die übliche Begrüßiingsalisprache mit riner längeren Rede beantwortet, in der er cinigo Neformen ankündigte, darunter das allgetneine Wahlrecht. Hoffentlich niiiimt Weierle sein Versprechen endlich etwas ernster als sein„Duell" mit Polonyi. Sonst konnte es ihm und seinen Sippen im neuen Jahre leicht vassier.'n, daß ihnen das uilgarischo Proletariat„Beine macht".— Schweiz. Absinthverbot. Genf, 2. Januar.(B. H.) Das am 2. Februar 1007 an. genommene Gesetz, bezüglich Verbot des AbsinthverkausS, ist gestern in Kraft getreten. Zur Dnrchsilhrung des Gesetzes sind strenge Vorkehrungen getroffen worden. Lelgieu. Ter Tod des Miiiisterprütidente». „■«... Brüssel, l. Januar 1906.(E!g. Ber.) Mit dem--�nifierpräs, deuten T« Trooz ist keine Persönlich« reit von sta.ler Eigenart und rcpräseniatloer politischer Bedeutung von der Vildflache verschwurden. Die Muiistersckjcht dieses kleri- kalen Tutzendstaatsmaiins. die nur etwas über ein halbes Jahr gedauert hat, war von Anfang an eine Verlegenheitsschöpfung. und sie Härte sich auf die Tauer nicht einmal als.eine wirtsame erwiesen. De Trooz hat mit einer geivissen Routine das Mittleramt besorgt, worin sich seit der Zersetzung der klerikalen Majorirät und besonders seit der Verschärfung des Kongokonfliktes so ziemlich die ganze Regierungskunst in� Belgien erschöpft. Unter dem Ministerium �smet de Naher Chef der inneren Per- waltung, trat De Tpooz an die Spitze der Regierung, als S m c t de Naher durch seine schamlose Intrige gegen das von der Kammer beschloffene Berggesetz die unbeschränkte Tienstbarkeit der Altklerikalen gegen den GroßkapitaliLmus demonstriert hatte. Tie Politik des FortwurstelnS hätte allerdings auch ohne den Tod ihres Leiters wohl kaum die allernächste Zeit überleben können. Tie Äongosrage steht vor der Enischeidung, und die Unnachgiebig- keit des Königs hat den Konflikt zwischen der Mehrheit des Parlaments und dem Ministerium, das die Pläne deS Königs vertritt, akut gemacht. Unter diesen Umständen bedeutet der Tod De Trooz' eine Erschwerung der politischen Lage und treibt die Krise der E n t- scheidung entgegen. Tie Wiedereröffnung der Kammer steht unmittelbar bevor, vorläufig ist aber ein Weg der Lösung nicht abzusehen. Man weiß auch nicht, wer die Nachfolge des Per- storbenen übernehmen soll. Die Wiederkehr Smet de Nayer'S scheint ausgeschlossen, eine Regierung unter der Führung H e I l e p u t t e's, des unstreitig fähigsten unter den klerikalen Politikern, gleichfalls, da Helleputte einerseits beim konservativen Flügel der Rechten Mißtrauen begegnet, andererseits durch seine prononzierten Anschauungen in der Anncxionssrage moralisch ge» bundcn ist, dem Kongogcschäft des Königs Widerstand zu leiste»'. Spanien. Bclngcrungsznstaiid. D-e Vomöeirerplojion, durch die am 31. Dezember in Barcelona ein Schutzmann getötet, ein anderer Schutzmann und ein Händler schwer verwundet»vurdcn, hat öen König veranlaßt, ein Dekret zu unterzeichnen, durch das für Barcelona ein Teil der«vcrfassungs- mäßigen Garantien" zeitweilig aufgehoben wird. Rußlanä. Unruhen! Der„Frankfurter Zeitung" wird aus Odessa gemeldet: Im Gouvernement Bcssarabicn herrschen starke Unruhen, die durch das letzte Rundschreiben des Ministers des Innern betr. die sofortige Steuererhebung hervorgerufen wurde»,. Es kam zu blutigen Zusammenstößen zwischen der Polizei und Bauern, bei denen elf Polizisten und Bauern getötet und viele verwundet wurden. Es sind Dragoner nach dem Gebiet der Unruhen kommandiert worden.— Hus der partei. GemrindcratSwahken in Württemberg. Stuttgart, 2. Januar.(Eig. Ber.) Am Dienstag, den 31» Dezember, fanden die Stuttgarter Gemeindeivahlen nach dem Proporzsystem statt. Die Wahlbeteiligung ivar so stark ivie noch nie. Es wurde um neun Mandate gekämpft, darunter drei sozialdemokratische. Die Sozialdemokratie behauptete ihre drei Sitze. Unsere Stimmenzahl stieg von 6898 bei der Ge- meinderats.vahl im Jahre IVOö auf 8358. Gewählt wurden die drei bisherigen Gemeinderäte Sperka, Dietrich und Würz. Ein viertes Mandat entging der Partei mit nur 12V Stimmen Minorität. Die nationalliberale Partei erlangte gleichfalls drei Mandate, die Demokraten, Konseroaiiven und das Zeiltrun» erhielten je einen Sitz. Bei den Gemeinderatsivahlen im Lande ist zu»nelden, daß die Sozialdemokratie in einer ganzen Reihe von Orten Mandate gewonnen hat. In Heidenhein» eroberte sie zwei-von vier Mandaten. es ziehen damit die ersten Sozialdemokraten in den Gemeinderat ein. Ferner erlangte sie in Gmünd zivei Mandate, in Sckmeidheim zwei, in Riedenberg ein, in Weitingen ein und in Ruith ein, in Böttingen eroberte sie alle drei zur Wahl stehende»» Mandate. Bem Fortschritt der Prefie. Die„Koinmunale Praxig" erweitert ihren Umfang von wöchentlich>2 auf 16 Seiten. Der Kreis der Mitarbeiter, der im letzte» Jahre erheblich erweitert ivurde, soll»veiter ausgedehnt werden, um eine Reihe der wichtigsten Probleine aus der Arbeiterpolitik und der Wirtschaftspflege der Gemeinden von Herdorragenden Sachkundigen behandeln zu lasicn. Der für preußische Gemeinden wichtige und bedeutungsvolle Uebcr- gang zu einer Neuordnung der Schulverhältnific»vird Gelcgcicheit zu einer eingehenden Darstellung dieser Verhältnisse bieten; die Jahrhundtrtfcier der Einführung der Steinschen Städteordnung lvird durch hifiorisch-krttische Untersuchungen ihre Würdigung finden. Die erhebliche Erweiterung des Umfangcs der Zettschrift und ihr innerer Ausbau zivingen zu einer geringfügigen Erhöhung dcö Preises, der fortan für das Vierteljahr 3 M. betragen»vird. Um«ine unnötige Vermehrung der Portospesen hintanzuhalten, lvird der Umschlag abgeschafft. Im Saarrevier tritt an die Stelle der als Kopfblatt der Frankfurter„Volksstiinüie" erscheinenden„Saarwacht" vom l. Januar ab die„Volkswacht", die bon der Straßburger Vollsdruckrrei, Fisiale St. Johann, gedruckt wird. Das Vcr- breitungsaebiet soll das industrielle Lothringen, daS Saarrcvier und das Fürstentuni Birkcnfcld sein. Personalien. Genosse Dr. Frabz Mehring ist ai»l 31. De- zembcr aus der Redaktion der„Leipziger Volkszeitung" geschieden. Unser Leipziger Parteiorgan widmet ihm die folgenden ehrenden Abschiedsworte: „Schon zu Schoenlanks Lebzeiten war Mehring ständiger Leit- artikler der„Volkszeitung". Nachdem Schoenlant die wesentliche Aufgabe seiner journalistischen Tätigkeit darin erblickt hatte,»nit verhältnismäßig geringen finanziellen Mitteln und unter Aufgebot seiner ganzen erstaunlichen Arbeitskraft und seines unermüdlichen Fleißes in der„Leipziger VolkSzeitung" ein Vorbild für die längst als notwendig erkannte Reform der deutschen Parteiprcsse zu schaffen, übernahm eS später Mehring, das Leipziger Parteiblatt zu weiterer Entwickekung nach innen und außen zu bringen und ihm die streng konsequente Haltung zu geben, die diesen Mann sehr schnell zum bestgehaßten deutschen Sozialdemokraten gemacht hat. Wir sind sicher, daß Mehring selbst es billigt, wenn wir heute darauf verzichten, seine Verdienste um die deutsche Sozialdemo- lratic, besonders aber uin die„Leipziger Vollszeitung" im ein- zelnen zu schildern. Andererseits haben wir auch in dieser Stunde &eS Scheidens keinen Anlaß, all der Anwürfe seiner Feinde zu gedenken. Aber am Ende seiner bisherigen Tätigkeit sür die„Lcip- zigcr VollSzcitung" sei cS gesagt, daß in zahlreichen Fällen Mehring die Zielscheibe persönlicher Angriffe war, obwohl cr. der in Berlm seinen regelmäßigen Aufenthalt hatte, der Vcranlafimtg solcher Angriffe völlig fernstand, ja sie zuweilen nicht einmal billigte. In allen Fallen aber übernahm Mehring in kollegialer Solidarität die volle journalistische Verantwortung; entschädigte ihn doch für die dabei seiner Person widerfahrene Unbill das schöne Bewußtsein, daß das fenter Leitung unterstellte Kampforgan ge- rade in den Zeiten der schwersten politischen Bedrängnis sich cincS fortgesetzten Aufschwungs erfreute. Dieser ständig zu« nehmende Erfolg war in erster Linie Franz Mehring zu danken. Tie Gcschichtsblälter, die init der politischen Verfolgung der„Leip, ziger Volkszcitung" gefüllt wurden, sind wahrlich nicht die un- rühinlichjtcn—-trotz der schtvcren Opfer an Freiheit und Gut, die diese Verfolgung unserem Blatte auferlegte. Franz Mehring geht, aber des sind wir sicher, daß auch er »nit stolzer Freude sich der Tage und Jahre erinnern wird, die ihn mit der„Leipziger VolkSzeitung" verbanden und die dem großen Kampfe für die Befreiung dcö arbeitenden Volte» geweiht waren." Von der finnische» Sozialbcinötratie. DaS bisherige Organ orr fchwedischsprechenden Sozialdemokraten Finnlands,„Arbeiaren", mußte fein Erscheinen im November des nun verflosienen Jahres einstellen. Der Versuch, es ans einer dreimal wöchentlich er- scheinenden Zeitung zu einem Tageblatt zu eriveitern,»vor miß» lungen. Man hatte gehofft, die Äbonnenwnzahl auf bvvv zu dringen. sie stieg jedoch kaum aus 3övv. Unter diesen Umständen tonnte da- Untern'ehmen nicht mehr ansrechierhalten werden. Inzwischen ist jedoch in HelsingforS eine neue sozialdemokratische Zeitung schivedischer Sprache begründet worden. Sie führt denselben Titel wie die Parteiorgane in Stockholm, Kristiania und Kopenhagen:„Social- demotraten" s„D«r Soüaldeniokral"). Das Blatt soll ziveitnal wöchentlich etjcheinen. Die Probeminuner, die am 23. Dezember er- schien, ist sehr tnhaUreiÄ und vielversprechend. poUrcUichcs, Gerichtliches ukw. Bier Monate unfreiwillige StaatSprnsion. die er wegen am geblicher Beleidignngen über sich ergehen lassen mußte, hat Ge- nasse Haus Deisel von der„Bergischen Arbeiter- st im ine" zu Solingen am Donnerstag verbüßt. kommunales. Stadtverordnetcn-Vcrsgmmlmig. l. Sitzung vom Donnerstag, den 2. Januar 190?, nachmittags 3 Uhr. Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung, der ersten im neuen Jahre, steht zunächst die Einführung der wieder- b e z w. neugewählt en Mitglieder. Bekanntlich sind von den 43 Stadtverordneten, welche im regelmäßigen Turnus im No- vember v. I. von der Drittelerneuerung betroffen wurden. 47 wiedergewählt worden. An die Stelle des zurücktretenden Stadt- verordneten Kreltling ist Baumeister Licbeherr getreten. Tie Versammlung wird von dem Alters-Vorsteher, Stadtvcr- ordneten Bracke(N. L.), eröffnet, und zunächst geleitet. Nachdem die Wieder- und Neugewählten unter Führung der Stadtvcrord- nctcn FäHndrich, G c r i ck e, K u h l m a n n, Runge, Eellriegel und Sassenbach in den Saal eingezogen, richtet berbürgermeister Kirschner an sie eine längere Ansprache, tu der cr besonders der Verdienste des bisherige» Borstehcrö Dr. Langerhans gedenkt, und vollzieht dam: die Verpflichtung der Herren auf die Städteordnung. Auch der Alterspräsident richtet darauf Worte freundlicher Bcwillkommnung an die Einge- führten. 3!ach der Geschäftsführung hat sich die Versammlung am An- sang jedes Kalenderjahres neu zu konstituieren. Es wird daher nunmehr zur Wahl dcs Vorstehers und des Vor- steher-Stellvertreters geschritten. Zuvor stattet der Alterspräsident dem bisherigen Borstand der Bersamm- lung den Dank für feine Geschäftsführung im abgelaufenen Jahre unter allgemeinem Beifall ab; die Mitglieder erheben sich einmütig von den Plötzen. Der Wahlakt für den Posten deS Vorstehers geht unter dem Vorsitz des bisheriges Vorsteher�StellvertretcrS M i ch e l e t vor sich. Es»vcrdeit 131 Stimmzettel abgegeben, von denen 109 auf den Stadtverordneten Michclct(Fr. Fr.) lauten; auf den Stadtvcr- ordneten Kacmpfmd die hohe Ehre,«daß Sie nrich an Ihre Spitze stellen wollen. verpflichtet mich zu tiefgefühltem Dank. Ich verhehle mir nicht die große Schwierigkeit der Aufgate, die Nachfolge eines Langerhans anzutreten, des so hochverehrten langjährigen Vorstehers und Seniors der Versammlung. Aber ich hoffe auch, daß die 14 jährige Periode, die ich an seiner Seite hier sitzen und von ihm, meinem Lehrmeister und licven Freunde, lernen durfte, auch nicht spurlos u» mir vorübergegangen sein»vird. Und da ich, der ich auch schon mehr als 40 Jahre im öffentlichen Leben stehe, stets den Grundsatz befolgte, niemals zu versagen, wenn meine Mitbürger mich zur Hülfcleistung aufrufen, so schrecke ich auch vor der neuen Aufgabe nicht zurück und nchine mit Dank Ihre Wahl an.(Beifall.) Wir dürfen ja überzeugt sein, daß wir iir unseren Arbeiten von dem Vertrauen der Mitbürger getragen sind. Lassen Sic uns fortfahren, in Gemeinschaft mit dem Magistrat in gleicher'Weise wie bisher zu arbeiten. In diesem Sinne und Geiste und mit der gewohnten tlnpartoilichteit werde ich bestrebt sein, Ihrem Rufe nachzukommen. Wir werden die Städteordnung, das Palladium unserer Selbst- Verwaltung, zu wahren und zu erhalten suchen, daß sie so, wie sie uns überkommen ist, auch unverküinmcrt in die Hände unserer Nachfolger im Amte übergehen kann. Wir»vollen danach trachten, daß oie Rechte, die sie uns verleiht, geachtet und erhalten werde». Aber lassen Sie uns auch nimmer der Pflichten vergessen, die sie uns überträgt. Und dann lassen Sie uns sorgen, daß Berlin, die Haupt- und Residenzstadt, in allen Fragen der Kultur unter Verwertung der von anderen komlnunale» Berlvaltungcu gemachte» Fortschritte fortfahren möge, an der Spitze der deutschen Städte zu marschieren.(Beifall.) Ich bitte Sie bei meiner Amtstätigkeit um Ihre Nachsicht und Unterstützung mit dem Wunsche, daß es mir gelingen möge, dem Vertrauen, das Sie in mich setze», zu cnt- sprechen und den Anforderungen zu genügen, die Sic an Ihren Vorstchcr zu stellen nicht allein berechtigt, sondern auch verpflichtet sind.(Beifall.) Bei der Wahl des Vor st eher- Stellvertreters werden 131 Stimmzettel abgegeben, davon sind 10 unbeschrieben. Von den gültigen 12l entfallen 71 auf Stadtverordneten Easst, (A. L.), 31 auf Stadtverordiietcn Singer(Soz.), auf Stadtvcr- ordnete» Kaempf(A. L.) 13, auf Michel«! und Borgmann je zwei, auf Dove und Tolisdorf je eilte Stimme. Stadtverordneter Cassel ist gewählt. Stadtv. Lasse»: Ich nehme die auf»ntch gekommene Wahl mit bestem Dank an. Auch ich gelobe für den Fall, daß ich berufen sein sollte, den Vorsteher zu vertreten, die Geschäfte nach meinem besten »onnen und mit strengster Unparteilichkeit zu leiten. Ich bitte um Nachsicht Und Unterstützung, auch von denjenigen Herren, die mir ihre Stimme nicht gegeben haben.(Beifall. j Ter Stadtverordcte Cassel nünmt hierauf den Platz zur Linken deö Vorstehers auf dem Präsidium ein. 'Nunmehr wird durch den Oberbürgermeister Kirschner die Einführung und Verpflichtung des zum unbesoldeten Stadt- rat gewählten Geheimen Jnsttzrats Professor Dr. M o s s e voll- zogen. Namens der Versammlung»vird das neue Magistrats- mitglied tn längerer Ansprache von dem Vorsteher Michelet be- grüßt, der dabei zugleich Anlaß nimmt, dem ausgeschiedenen Stadtrat Hübncr und seiner segensreichen kommunalen Wirksamkeit Worte lebhaftester Anerkennung zu widmen. Es folgt die Wahl von 3 Beisitzern und 3 Stell- Vertretern derselben. Tic bisherigen 3 Beisitzer waren Stadtvv. Ger icke(Fr. Fr.), Fr ick(N. L.) und Licbenow (A. L.). Stadtv. Singer(Soz.) schlägt für den Posten eines der 3 Beisitzer den Stadtv. Borgmann vor. In dem gemeinsamen Wahlgange werden Gericke mit 92. Frick mit 90 und L> e b c» o w mit 84 Stiinincn wieder- gewählt; Borgmann erhält 39 Stimmen. Die Gewählten nehmen die Wiederwahl an. Als Bcisttzer-Stellvcrtreter fungierten bisher die Stadtvv. Bracke(N. L.), Alt»lud Fälni brich(A.£.). Auch hier wird vom Stadtv. Singer der Kollege Borgmann in Vor» schlag gebracht. Der Wahlgang ergibt auch hier die Wiederwahl der bis- herigen Funktionäre, ivelche 85, 84 und 78 Stimmen erhalten' Borgmann bleibt mit 49 Stimmen in der Minderheit. Damit ist die ZIeukonstituierung der Versammlung vollzogen. Ter Eintritt in die Geschäfte wird mit dem üblichen Kaiserhoch eröffnet. Die Verlosung der Mitglieder in die ö Abteilungen soll durch das Bureau besorgt werden. Auch im Jahre 1908 werden die ordentlichen Sitzungen der Versammlung an den Donnerstagen von 5 Uhr nachmittags ab statthaben. Die Vorbereitung der Beschlugfassung über die Z u s a m m c n- s c tz u n g der ständigen Ausschüsse wird einem besonderen Ausschusse überwiesen; demselben AusschiMe soll auch die Vor- bercitung für die Abordnung der Mitglieder in die Verwaltungs- . deputatic.i und Kuratorien, sowie für die Zuteilung der Stadt- bezirke an die Mitglieder behufs der Aussührung von Recherchen obliegen. Die noch in Funktion befindlichen Sonderausschüsse Werden auch für 1908 bestätigt. Nach diesen Formalien geht die Versammlung um?48 Uhr an die Erledigung der eigentlichen Tagesordnung. Die Beratung der Vorlage betr. die Einrichtung einer Wald- srholungs statte in Buch wird abermals zurückgestellt. Bezüglich der Neuregelung der Anstellungs- und B c- soldungsverhältnissc der Assistenzärzte an den städtischen Krankenhäusern ist es im Ausschusse nicht gelungen, eine größere materielle Sicherstctlung der Assistenzärzte mit über 8000 M. Gehalt gegen Unfallgcsahren durchzusetzen, vielmehr ist ein bezüglicher Antrag mit allen gegen 1 Stimme abgelehnt worden. Der Ausschutz empfiehlt lediglich, von der Magistratsvorlage Kenntnis zu nehmen. Referent ist Stadtv. I a c o b i(A. L.) Ohne Debatte beschlictzt die Versammlung nach dem Ausschntz- antrage. Die Petition des Schriftsetzers und Schiedsmanns Gustav Hering, Kuglerstratze IL, um Gewährung einer Entschädigung für Hergabe eines Zimmers zum Zwecke der Ausübung des Schiedsmannsamtes oder Beschaffung eines Amtszimmers für die Stadtbezirke 948/49 be- antragt der Petitionsausschutz dem Magistrat zur Berücksich- t i g u n g zwecks Beschaffung eines Amtsraumes zu überweisen. Ausschutzreferent ist Stadtv. Bruns lSoz.). Stadtv. Gericke: Meine Freunde können für diesen Ausschutz- antrag nicht stimmen, halten vielmehr die Statuiorung einer solchen Matznahme für sehr bedenklich, weil sehr bald andere Ehrcnamtsinhaber mit gleichen Anträgen auf Amtszimmer oder Entschädigung an uns herantreten würden. Die 325 Schieds- mannsbezirke sind bisher gut bestellt gewesen, auch ohne Ent- schädigung oder gelieferte Amtsräume; die betresfenden Herren hatten immer ein Zimmer ihrer Privatwohnung für diese Amts- geschäfte. übrig. Das sollte auch für die Folge so sein. Sind doch sogar schon Bezirksvorsteher mit ähnlichen Ansprüchen hervor- getreten, was der Magistrat mit Recht abgelehnt hat. Wo fängt denn schließlich der Begriff des Ehrenamtes an und wo hört er auf? Wir bitten Sic, den Ausschutzantrag abzulehnen. Stadtv. Feuerstein(N. 11.): Wir Witzen alle die Verdienste unserer Kommunalbeamten draußen zu schätzen. Aber 90 Proz. der jetzigen Schiedsmänner würden, wenn man sie zur Abstimmung veranlatzte, gegen diesen Antrag sein. Die Schiedsmänner haben nur die Verpflichtung, die Termine nicht verjähren zu lassen, sie brauchen aber nicht sofort Termin anzuberaumen, sondern lassen verständigerweisc die Gemüter erst einige Wochen sich abkühlen. sZustimmung und lebhafter Widerspruch.) Der Petent hatte nicht notwendig, seiner Schwiegermutter wegen das Schiedsmannsamtes ein Zimmer zu kündigen.(Große Heiterkeit.) Stadtv. Zylicz(A. L.): Die große Mehrzahl meiner Freunde stimmt wegen der Konsequenzen gegen den Ausschutzantrag. Stadtv. Leid(Soz.): Die gegen den Ausschutzantrag gemachten Einwände sind doch recht dürftig. Herr Feuerstein hat sachlich gar nichts Stichhaltiges vorgebracht(Widerspruch): die anderen Herren haben nur vor den Konsequenzen gewarnt. Das kann aber doch nicht ausschlaggebend sein. Ist der Antrag gerecht und dillig, so mutz ihm Folge gegeben werden. In dem Ausschuß.würde die Statistik ins Feld geführt; es komme nur eine kleine Anzahl Sachen, etwa 60, jährlich auf jeden Schiedsmann. Diese Rechnung hat aber ein großes Loch, denn sie zieht nur die Zahl der Anträge, aber nicht die Zahl der Benutzungen des Zimmers in Betracht. Abgesehen davon handelt es sich doch vor allem darum, ob das Verlangen des Schiedsmanns Hering billig ist; es sollte, doch maß- gebend sein nicht der Besitz allein, sondern auch die Fähigkeit, das SchiedSamt auszuüben. Ich empfehle dringend die Ucberwcisung der Petition an den Magistrat zur Berücksichtigung. Stadtv. Ladewig(N. L.): Auch Herr Üeid hat keine Gründe für den Antrag vorgebracht. Machen wir. eme Ausnahme, so geben wir jedem anderen Kommunalbeamten denselben Anspruch. Nur solchen Bürgern sollen solche kommunalen Äemter übertragen werden, welche auchüber die nötigen Räume verfügen; sonst müssen sie eben auf ein derartiges Amt verzichten. Nach der Theorie des Kollegen Leid müßten auch Leuten ohne Wohtiung solche Aemter übertragen werden können. Stadtv. Stadthagen(Soz.): Der Grundsatz des Kollegen Ladewig scheint mir doch sehr anfechtbar. Zu Schiedsmännern sollen Personen genommen wepden, die die nötige Erfahrung und Um- slcht haben. Es kommt aber doch hier nicht auf eine grundsätzliche Entscheidung an, sondern darauf, einem Schiedsmann ein Amts- ztmmer zu bestimmten Zeiten zur Verfügung zu stellen. Es handelt sich um«inen hervorragend tüchtigen Schiedsmann. Herr Feuer- stein exemplifizierte auf die Schwiegermütter: auch die anderen Herren, die gegen den Äusschutzantrag gesprochen haben, sind alle verheiratet. Ich bin unparteiisch, denn ich habe keine Schwicger- mutier.(Heiterkeit.) Es ist uns initgeteilt, daß die übermeiften der Fälle, die der betreffende Schiedsmann zu behandeln hatte, zu einem freudigen Ereignis(stürmische Heiterkeit)... Ergebnis ge- führt haben. Die Mehrarbeit, die der Mann zu leisten hätte, wenn man ihm ein Schulzimmer überweist, ist er zu leisten bereit. Das Ideal des Herrn Feuerstein ist allerdings das. Ideal des betreffen- den Schiedsmanns.nicht, den Her Lündgerichtspräsident als einen sehr tüchtigen Schiedsmann bezeichnet hat. Es handelt sich ja blotz nm diesen Einzelfall, keineswegs um die Durchbrechung ein�s Prinzips. Machen Sie doch nicht aus der Mücke einen Elefanten l Stadtv. Sonnenfeld(A. L.): Im Einzelsalle kann die.Norm geWitz zu einer Härte führen; weichen wir aber einmal von der Norm ab, so kommen wir zu einem Willkürsystem, und das können wir nicht mitmachen. Nicht joder, dex zur Ausübung eines Ehren- amts fähig ist, ist auch zur Uebernahme in der Lage. Damit schließt die Beratung. Der Referent weist.im Schlußwort noch besonders hatauf hin, datz die hier vorgetragenen Gründe auch im Ausschuß sämtlich erörtert worden sind, daß trotz- dem aber die Mehrheit zu ihrem Beschlutz gekommen ist. Der Ausschutzantrag wird abgelehnt. Für die Verwaltung des st.ä d t i.s ch e n U n t e r f u ch u n g s° «mts für hygienische und gewerbliche Zwecke soll eine besondere Deputation gebildet werdep. «tädtv. Dr. Jsaac(N. L.) beanstandet, daß der Versamm- kung nur drei Stadtverordnete zustehen sollen und beantragt, den Magistrat zu ersuchen, statt drei deren vier in die Deputation zuzulassen. Dieser Antrag wird angenommen. Nach langem Harren hat die Versammlung endlich den vom 1?. Dezember v. I. datierten Entwurf eines revidierten Statuts der Sparkasse der Stadt Berlin vom Magistrat erhalten.—• Die wichtigsten materiellen Neuerungen, die der Magistrat vorschlägt, sind: 1. Erhöhung des Maximums der Ein- tage von 1000 aus 3000 M., der monatlichen Einzahlungen von 300 auf 500 M.z 2. Erhöhung der ohne Kündigung binnen vier Wochen abzuhebenden Höchstsumme von 100 auf 200 M. Von einer Erhöhung des Zinsfußes von 3 Proz. ist nicht die Rede; dagegen soll der Betrag von 10 Pf., der bisher bei Ab- Hebung des ganzen Guthabens für das Buch selbst zu zahlen war, «us 20 Pf. crhöhr werden. Verantw. Redakteur: Ha«S Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.; Stadtv. Rosenow(N. L.) beantragt Ausschutzberakung. Tie Vorlage und ihre Begründung destätige die Berechtigung der in der Bürgerschaft und in der Versammlung wiederholt laut gc- wordenen Beschwerden. Die Vermehrung der Zahl der selb- ständigen Sparkassen sei erfreulich, auch die Erhöhung der Einlagen auf 3000 M. Der Wunsch, das Maximum auf 5000 M. zu er- höhen, werde im Ausschuß näher zu erwägen sein. Vexatorisch für kleine Sparer sei u. a. die Bestimmung, datz das Buch jetzt 20 Pf. kosten solle. Stadtv. Dove(A. L.) befürwortet ebenfalls Ausschutzprüfung, im wesentlichen aus de» Gesichtspunkten des Vorredners. Stadtv. Deutsch(soz.-fortschr.) hält auch seinerseits nähere Prüfung in einem Ausschusse für notwendig, lieber die Höhe des Zinsfußes sollte nicht sowohl die Versammlung als das Kuratorium zu befinden haben. Manche Bestimmungen seien entschieden zu rigoros. Stadtv. Stadthagen: Darüber, datz mehr Sparkassen errichtet werden sollen, kann man sich nur freuen, denn die Beschwerden des Publikums gingen nicht nur dahin, daß es zu schwer war. sein Geld loszuwerden, sondern richteten sich auch dagegen, datz die Art der Abfertigung manchmal sehr wenig freundlich gewesen ist. Nach welchen Grundsätzen der Magistrat bei der Aenderung des Re- glements verfährt, hat er leider nicht mitgeteilt. Wir müssen uns doch zunächst über das System klar werden, ob die Sparkasse den Bedürfnissen der ärmeren, der arbeitenden Bevölkerung dienen oder mehr eine bankdepositenmätzigc Verwaltung haben soll. Ich ver- misse auch eine Zusammenstellung der Sparkasscnstatuten der Vor- orte; nach meiner Kenntnis ist weder hier noch in Berlin bisher der Zweck erreicht, jener minderbemittelten Bevölkerung entgegen- zukoinmcn. Für ein dem Kämmerer neu zugestandenes Einspruchsrecht fehlt es ebenfalls an jeder Begründung. Bielleicht wäre �u erwägen, ob für kleinere Beträge ein höherer, für größere eiil niedrigerer Zinssatz zu normieren ist.(Widerspruch.) Alle er- wähnten Materialien sind zur Beschlutzfassung über die Vorlage notwendig. Die Vorlage geht an einen Ausschutz von 15 Mitgliedern. Die Vorcnt würfe zum Erweiterungsbau der V. P f l i ch t- fortbildungs schule, Langestr. 30, und zum Neubau einer Fach- und Fortbildungsschule Linienstr. 162 gehen auf Antrag der Stadtvv. Crem er und G l atz el(Fr. Fr.) an einen Ausschuß von 15 Mitgliedern. Die Borlage betreffend Begründung eines Verkchrsvcrbandcs mit de» Vorortgemeinden ebenso wie die Berichterstattung über den Antrag Arons wegen Uebernahme von städtischen Arbeiten in eigene Regie setzt die Versammlung von der Tagesordnung ab. Für den Rechnungsaus schütz referiert sodann Stadtv. Sassen dach(Soz.) über eine Anzahl von R e ch n u�n g c ,i sowie über den Jahresabschluß des Verwaltungsfonds der Sparkasse, der Hauptstistungstasse und der Verwaltung der städtischen Wasser- werke für 1906. Die Rechnungen werden dechargiert, die vor- gekommenen Etatsüberschreitungcn und außer dem Etat geleisteten Ausgaben vorläufig genehmigt. Um 9 Uhr bricht die Versammlung die Beratungen ab. Gewerfcrcbaftlicbcs. Tie Schisfbauer und die gewerkschaftliche Einigung. Die 6. Konferenz der„Vereinigung der Schiff- bauer und im Betriebe verwandter Arbeiter Deutschlands" fand am Sonntag, den 29. und Montag, den 30. Dezember 1907, in dem Lokal des Herrn Halwatz, Stralaucc Allee 17e. statt. ES waren 20 Delegierte aus 13 Ortschaften anwesend und vertraten 556 Mitglieder. Ter Ausschutz war durch 3 Personen vertreten. Als Vertreter der Freien Vereinigung deutscher Ge- werkschasten war anwesend der Genosse Fr. Kater, sür die Ge- schäftzjleitung der Zimmerer Deutschlands der Genosse W. ö ch m i b t. Ter Zentralvorständ des Verbandes der Schiffs- Zimmerer war durch 6 Personen vertreten; ebenso hatten die Zahl- stellen des Verbandes: Fürstcnberg au der Oder und Breslau je einen Vertreter entsandt. Die Tagesordnung der Konferenz war- folaende: 1. Geschäfts- und Rechenschäftsbericht von 1907. 2. Bericht über den Stand der Verschmclzungsfrage mit dem Zentralverband der Schiffszimmerer Deutschlands und unsere weitere Stellungnahme hierzu. 3. Der 8. Kongreß der Freien Vereinigung deutscher GeWerk- schaftcn. 4. Wahl des. Vertrauensmannes und Ausschusses. 5. Verschiedenes. Der Vertrauensmann Jonny Hinrichsen erstattete seinen Tätigkeitsberichl und beschränkte seine Ausführungen auf einige � Ergänzungen des gedruckt vorliegenden Rechenschafts- berichtcs. Hiervon sei erwähnt, datz durch das Vorgehen sämtlicher Vereine, begünstigt durch den flotten Geschäftsgang im letzten Jahre, die Stundenlöhne im Gewerbe zwischen 5—22 Proz. erhöht wurden. Der Höchstlohn(Bootsbauer Berlin) beträgt 63 und der niedrigste(Alt-Rüppin) 35 Pf. pro Stunde. Die vor Jahren vor- herrschenden Klasscnlöhne sind in allen„Vereinen" beseitigt, ebenso ist die zehnstündige Arbeitskeit nunmehr überall zur An- crkennung gebracht worden. Zur Durchführung der Lohn- bewcgungen war die Summe von zirka 3000 M. erforderlich. Die Gesaiiiteiniiahmen bcliefen sich inklusive Bestand 1906 auf 11221.29 Mark. Ihnen stand eine Ausgabe von 9061,97 M. gegenüber. Zu dem Ueberschutz von 2159,32 M. kommt noch ein Uebcrschutz von 155,90 M. aus den Verwaltungsgeldern des Ausschusses. Nach längerer Debatte wurde dem Ausschutz und dem Vertrauensmann einstimmig Decharge erteilt. Neber den zweiten Punkt der Tagesordnung referierte eben- falls der Vertrauensmann Hinrichsen. Referent erklärte, datz die Schiff- und Bootsbaucr den vom Parteivoestand angebahnten Einigungsbestrebungen von vornherein sympathisch gegenüber ge- standen hätten. Aus dem Grunde seien sie ja auch von den anderen befreundeten Berufen vielfach angerempelt worden. Zwischen beiden Körperschaften(Verband und Vereinigung) seien Ueber- trittsbcdingungen vereinbart worden. Dieselben lauteten: „1. Die Erwerbslosenunterstützung ist für die Mitglieder der Vereinigung vom Tage des Ucbertritts bis zur General- persammlung des Zentralverbandcs im Jahre 1909 fakultativ. Wer auf die Erwerbslosenunterstützung Anspruch erhebt, hat auch erhöhte Beiträge zu zahlen. 2. Die Vertretung im GewerkschaftsaiiSschnh(Berlin) soll einem Mitglied« der Vereinigung übertragen werden. 3. Das Recht der Entscheidung über Streiks und Sperren liegt in den Händen des Bezirksleiters. 4. Der Üebertritt erfolgt nach erfolgter Urabstimmung der Vereinigung und Zustimmung des Gesamtvorstandes der Schiffs- Zimmerer unter voller Anrechnung der bisherigen Mitgliedschaft. Wer beim Üebertritt auf die Erwerbslosenunterstützung Anspruch erhebt, dem werden die Beitragswwochen seit dem 1. Juli 1905 voll angerechnet. Wer später erklärt, an der Unterstützungs- einrichtung teilnehmen zu wollen, hat die statutengemäßen Ver- pflichtungen(52 Wochen Karenzzeit) zu erfüllen. 5. Für Berlin und Umgegend wird ein neuer Agitations- bezirk eingerichtet, der seinen Sitz in Berlin hat und dem hauptsächlich die bisherigen Vereine der Vereinigung unterstellt sind. 6. Die Geldangelegenheiten innerhalb der Organisation regelt die Vereinigung bis zum Uebertrittstermine selbst." Vorstehende„Bedingungen" gelten jedoch nur bis zu der nächsten Generalversammlung deS Verbandes 1909 und das weitere soll der Generalversammlung überlassen bleiben. Dieser Umstand hat die Mitglieder der Vereinigung veranlaßt, in ihrer großen Majorität zu beantragen, die Verschmelzung bis zum Jahre 1909 hinauszuschieben, wenn nicht der Verband zuvor anderweitige Schritte unternimmt. Hierauf fand eine längere Debatte statt. Sämtliche Redner waren überzeugt von der No l w e n d i g k e i t einer Verschmcl- 'Tb. Glocke. Berlin. Druck u.VerlaglVorwäctsBuchdr7u.Vtrlagsanstalt zung im allgemeinen Interesse: aber eine bestintmie Erklärung seitens des Vcrbandsvorstandes, wie er sich aus der nächsten Generalversammlung zu den vereinbarten Bedingungen stellen würde, wurde verlangt., Auch Genosse Fritz Kater beteiligte sich an der DcbattS und schickte voraus, datz er die Einingungsangelcgenhcitcn durchaus nicht vecinslussen wolle. Nur die vom Referenlen angeführten Behauptungen wolle er richtig stellen. Demnach sei die Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften seit dein 7. Kongreß nicht a n a r ch i st i s ch auch nicht s y n d i k a l i st i s ch geworden, sondern ihre Tendenz sei eine sozialdcmo- k ratische. Auch Redner selbst lege Wert darauf, zu betonen, datz er(Kater) Sozialdemokrat sei und auch bleibe bis zum letzten Atemzuge. Auch hätte Redner noch niemals verkannt noa, ve- stritten, datz ein einheitliches Vor- und Zusammengehen der Ar- beiterschast bei ihren Aktionen von absoluter Notwendigkeit sei. Es könne aber auch niemand auftreten und behaupten wollen, die der Geschäftskommission angegliederten Gewerkschaften hätten bei „Aktionen" nicht solidarisch gehandelt. Aber man solle doch einmal bedenken, welch ein Gefühl einem beschlcicht, wenn man bald ein Mcnschenaltcr für eine Organisationsform gekämpst und sich dieser geopfert Hai, und man sehen mutz, wie diese Organisationen nun- mehr gewaltsam auseinander gerissen werden. Datz hierbei einem auch einmal die Feder ausrutsche, tonne man ih mwohl nachfühlen. Nachdem die Vertreter des Verbandes sich ebenfalls geäußert hatten, gclang<*.als Ergebnis der Debatte folgende Frage zur Ab- stimmung: „Sind Sie Delegierten der 6. Konferenz gewillt, auf Grund der Vereinbarung, die jedoch für die Mitglieder der Vercinlgizng nur bis zur nächsten Generalversammlung des Verbandes 1909 als zu Recht bestehend zu betrachten sind, den Üebertritt zuni 1. April 1908 zu vollziehen?" Dies wurde mit 5 gegen 18 Stimmen abgelehnt. Hierauf ge- langte mit 14 gegen 9 Stimmen folgende Resolution zur An- nähme: „Die Delegierten der 6. Konferenz erblicken im Punkt 3 der vereinbarten Bedingungen zu wenig Eiitgegenkommen von seitcn des Zeniralverbandes. Aus diesem Grunde ist die Ver- schnielzung bis zur nächsten Generalversammlung des Verbandes zu vertagen. Die 6. Konferenz fordert mit aller Energie das Selbstbcstimmunasrecht der einzelnen Ortsvereine und erwartet von der Generalversammlung des Verbandes die Zustimmung."' Damit ist die Einigung nicht aufgehoben, sondern nur auf- geschoben. Der 8. Kongreß der Freien Vereinigung deutscher Gcwerk- schaften wird seitens der Vereinigung der Schissbauer durch 3 Tele- gierte beschickt. Zu Punkt 4 der Tagesordnung lehnte der bisherige Ver- traucnsmann eine Wiederwahl ab. An dessen Stelle wurde Max I a n k e gewählt. Ter bisherige Kassierer Otto G r a tz e wurde einstimmig wiedergewählt. In den Ausschuß wurden Blank und Gustav Wulff wiedergewählt. Nach Erledigung des Punktes„Verschiedenes" erfolgte Schluß der 6. Konferenz. Oeutlck,«» Keicst. Auf einen zehnjährigen Bestand kann jetzt auch der Verband deutscher Gastwirts« gehülfen zurückblicken. Mit dem 1. Januar 1898 trat diese Geweikschast ins Leben, nachdem seit dem Jahre 1891 einige lokale Kellnervereinigungen bestanden, die sich der modernen Arbeiter- bewegung angeschlossen hatten. Dem Zentralverbande traten mit dem 1. Januar 1898 nur neun Lokalvereine mit 915 Mitgliedern bei. In den nächsten zwei Jahren brachte eö die Organisation nur aus 12 Verwaltungsstellen mit 1387 Mitgliedern. Auch in der Folgezeit hat sich diese Gewerkschaft nicht einer so rapiden Entwickelung zu erfreuen gehabt, wie wir sie an einer großen Zahl anderer Zentralverbände beobachten konnte». Wenn wir aber die großen Schwierigkeiten bedenken, die sich der Agitation in den Kreisen der gastwirtschastlichen Arbeiter mid Angestellten entgegenstellen, dann wird man die erzielten Erfolge immerhin al-Z sehr erfreulich bezeichnen müssen. Langsam aber stetig hat der Verband seine Reihen verstärkt, immer aber ist die Zunahme in größeren Proportionen erfolgt. Ter letzte Vcrbandstag(April 1906) vereinigte erst 3908 Mitglieder, da>Z Jahr 1907 schliefet mit etwa 7000 Mitgliedern in 65 Zahlstellen ab. Hierzu kommen 500 Mitglieder, die der Ver- band der Cafö-Ange st eilten durch seinen An- schlutz dem Zentralverbande zuführt. Der Gastwirts- gehülfenverband marschiert also mit schnellen Schritts» auf das erste Zehntauseud Mitglieder los. In etwa Jahresfrist soll der Zusammenschluß mit dem Hoteldiener-Verband, der heute etwa 3000 Mitglieder zählt, vollzogen werden. Dann wird allmählich die Zeit kommen, wo auch die vielgeplagten gastwirt- schaftlichen Angestellten ihren berechtigten Fordeningen mehr Nach- druck verleihen können. Keine Arbeiterkategorie hat es mehr nötig, als gerade diese._ Achtung, Former und Gießereiarbeiter! In Chemnitz bei der Firma Chemnitzer Eisengießcrei-Gesell» schaft befinden sich die Former, Maschinenformer und Kernmacher wegen Reduzierung der Aktordpreise im Streik. Deshalb ersuchen wir die Kollegen, etwaige Arbeitsangebote dieser Firma zurückzu. weisen. Chemnitz ist bis auf weiteres für Former und Gießerei- arbeiter gesperrt. Deutscher Mctallarbeiterverband. letzte J�aebriebten und Vepelcden. Explosion. Bremen. 2. Januar. Folgenschwere Explosionen fanden heute abend an 4 verschiedenen Stellen im Telegraphcntunnel statt, bei welchen ein Telegraphenarbeiter schwer verletzt wurde. Die eisernen bczw. Steinplatten auf den Einsteigschächten wurden mit großer Gewalt in die Luft geschleudert; durch den Luftdruck wurden mehrere Schaufenster eingedrückt. Die Feuerwehr eilte sofort zur Hülfeleistung herbei und leitete die Aufräumungsakbeiten. Die Ursache ist zurzeit noch unbekannt. Auf dem Eise eingebrochen. Krefeld, 2. Januar.(B. H.) In Sterkrade ist gestern eine Anzahl Personen auf dem Eise eingebrochen. Zwei Mädchen und ein Knabe wurden bisher als Leichen gelandet. Streik der Berkehrsangestellte«. London, 2. Januar.(W. T. B.) Ungefähr tansend Schaffner und Führer der hiesigen Motoromnibussc sind infolge der Mit» teilung, datz ihr Gehalt herabgesetzt werden würde, da die Motor» omnibus-Gesellschastcn durch den Wettbewerb der neuen Tunnel- bahnen Verluste erleiden, in den Ausstand getrete».— Von den Angestellten der elektrischen Straßenbahn streiken nur noch die der Londoner Roadcar-Gesellschaft. Streik. Baku, 2. Januar.(W. T. B.) Heute brach ein Streik in einer großen Anzahl hiesiger Naphthawerkc aus. Würger Cholera. 51onstantinopel, 2. Januar.(Meldung des Wiener K. K. Tcl� Korr.-Bur.) In der Zeit vom 13. bis 31. Dezember sind in Mekka, Medina, Jamba und Dschedda sowie im Lazarett von Ebusaad 565 Cholerasälle vorgekommen, von denen 417 tödlich verliefen. AaulSingerLcSo.. Berlin SV/. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltvngsblatt Nr. 2. 25. Jahrgang. I KtilU i>cs Jonnärtö" Sttliutt Jlallisliljll. fttifng, 3, Imiiiat 1008. LemMhsitliche und amtliche Streihitatiitilc. h Ueber die in Teutschland vorkommenden Streiks und Aussperrungen, über deren Umfang, Tauer und Resultat wird von den Gewerkschaften durch deren Zentralstelle, die Generalkommission, seit dem Jahre 1890 eme Statistik go führt. Erst acht Jahre später nahm der damalige Staats� sekretär im ReichSamt des Innern, Graf Posadowsky. Veranlastung, die amtliche Statistik über die Streiks und Aussperrungen einzuführen. Während die gewerkschaftliche Streikstatistik aus kleinen Anfängen heraus sich zu einer der verdienstvollsten und wichtigsten Sozialstatistiken entwickelte und besonders in den beiden letzten Jahren erhebliche Erweiterungen und Vcr- besserungeu erfahren hat, ist die amtliche Streikstatistir bis heute geblieben, was sie von Anfang an war: ein zwar um- fangrecches, aber inhaltloses Werk, das jeder praktischen Be- deutung entbehrt. Beide Statistiken, die amtliche und die gewerkschaftliche, obgleich angeblich einem und demselben Zwecke dienend, beruhen auf sehr verschiedenen Grundlagen. Wird für die gewerkschaftliche Statistik das Material durch die Funktionäre der Organisationen durch zweckentsprechende Fragestellung mittels einheitlicher Formulare gesammelt und durch die Zentralvorstände der Generalkommission über- mittclt, so sind mit der Beschaffung des Materials für die amtliche Statistik die höheren Verwaltungsbehörden betraut, die sich als Mittelspersonen der unteren Polizciorgane bedienen. Das auf diese Weise an das Rcichsstatistische Amt gelangende Material wird dort aus Grund von Zeitungsnachrichten berichtigt und ergänzt. Man braucht auf dem Gebiete der Statistik nicht sehr dewandert zu sein, um zu erkennen, daß die Art der amtlichen Erhebung jeder Zuverlässigkeit bar ist. Die Angaben in den beiden Statistiken weichen denn auch, wie das gar nicht anders zu erwarten ist, stets sehr erheblich voneinander ab. Tie Abweichungen sind derart, daß, soweit der Erfolg der Streiks und Aussperrungen in Frage kommt, die amtliche Statistik so ziemlich das Gegenteil von dem berichtet, was die gewerkschaftliche Statistik enthält. Nach der gewerkschaftlichen Statistik*) haben in den 16 Jahren von 1890 bis 1906 insgesamt 14 922 Streiks und Aussperrungen in Teutschland stattgefunden. Davon in den letzten drei Jahren 7128— 49,8 Proz. Im Jaffre 1906 fanden 3-180 Lohnkämpfe statt, an denen insgesamt 316042 Personen beteiligt waren. Tie bisher höchste Zahl von Streikenden und Ausgesperrten wies das Jahr 1900 aus, nämlich 007 964. Im Jahre 1900 kamen durchschnittlich 218 Beteiligte aus jeden Lohnkanipf, 1906 dagegen nur 91. Trotzdem sind die von den Gewerkschaften im Jahre 1906 für Streiks und Aussperrungen aufgewendeten Kosten bedeutend höher als 1900. Es wurden insgesamt für Lohntänipse ver- ausgabt: 1900 10 933 721 M., 1906 jedoch 13 297 862 M. Während 1905 im Durchschnitt die Kosten für jeden Streikenden resp. Ausgesperrten 21,02 M. betrugen, belausen sich dieselben im Durchschnitt 1906 auf 42,08 M. Bon den Gesamtansgaben wurden ini letzten Jahre 89,5 Proz. aus den Kassen der Organisationen gezahlt und 10,5 Proz. durch Sammlungen ausgebracht. Für Jöie Jahre 1890 bis 1906 betragen die Gesamtausgaben für Streiks und Aussperrungen 53 956 061 M. Von den 3480 Lohnkänipfen des Jahres 1906 wurden 2045 � 58,8 Proz. um Verbesserung der Lohn- und Arbeits- bedingungen gcfiibrt, während der Abwehr von Verschlechte- rnngen, einschließlich der Bekämpfung der Aussperrungen, 1430— 41,2 Proz. der Kämpfe dienten. Tie Zahl der Aus- sperrungen allein betrug 421 oder 12,1 Proz. aller Lohn- [kämpfe. Es endeten von den Lohnkämpfen mit vollem Er folg 1838— 53,8 Proz., mit teilweisem Erfolg 765— 22,1 Prozent, ohne Erfolg 714— 20,9 Proz. Von 101 Kämpfen I ist der Ausgang nicht bekannt und 62 Kämpfe waren am 1. Januar 1907 nicht beendet. Wie sich die Streiks und Aussperrunge:: und deren Er- folge auf die Industrie- und Gewerbegruppea verteilen, zeigt folgende Tabelle: *j Siehe..Correspondenzblatt" Nr. 5», Jahrg. 1907, Stati- stischc Beilage Nr. 5. Kleines feuilleton* Tstcarer. Sckiller-Theater 0.„Philister". Liisispiel in drei Akten von Johannes Wiegan d. � Das Publikuni des Stiller- Theaters nahm das Wiegands-be Lustspiel in freundlicher Silvester- slimnmng dankbar aus. Der Berfasier. der mehrmals vor dem Vor- hange erscheinen konnte, gehört dem Kreise der politisch und religiös freisinnigen Bremer Bolksschullehrer an, der sich das preutzische, reallionäre BevormiindungSilistem iiichl. wie sonst überall im Lande, slillichiveigend gesalicn lasten will. ES ist bezeichnend, datz ein Pfarrer und ein Schulinst eltor in der Spietzbürgersippe des Stück- chcnö am übelsten als Heuchler und als Mitgiftjäger ab- schneiden; was indesten den Bremer Senat nicht gehindert hat, nach einer erfolgreichen Aufführung dem Autor einen vorläufig einjährigen Urlaub für weitere literarische Arbeil zu bewilligen. Es war kein übler Einfall, Philisierseelcn durch die Restexe, welche die plötzliche Ailöficht auf eine Millioneuerbschast in ihnen" auslöst, zu beleuchten. Jedoch die Ausführung weist mit der gegebenen Situation im floinöbienjimte nicht viel anzufangen. Die blösten Unwahricheinlichkeiten überwiegen das lustspiclinästtg Ueber- raschende und die Absichten treten, die Tendenz in Ehren, allzu absichtsvoll, zu wenig durchsponnen und verwebt mit Momenten konkreter Charakteristii hervor. Die Eltern Riemann. das Fräulein Tochter, Seel- und Schulsorger, die bei Gelegenheit der angeblichen Ricmannschen Erbschaft ihr Herz entdecken, blamieren sich nach Kräften und müssen dann am Schlust erleben, dast der Verstorbene sein Vermögen statt für jene, für eine simple Schullehrerin, die so wenig wie»hr Bräutigam, der freie und feinfinnige Doktor Müller, den Wen des Geldes zu schätzen weist, bestimmt hat. Der Doktor wird davon em AlterSasyl für solche, die um ihrer Ueberzeuguug willen Amt und Brod gcopfeN baben, gründen l Herr K i r s ch n e r war als Zahnarzt Riemann von einer ausgelassenen Posienkomik, die, wenn auch zum sonstigen Stil nicht gerade Postend, sehr viel zu dem Erfolge beitrug. Marie Gundon und Gusti Becker gaben der Gansnatur der weiblichen Liuie, Herr Werner-Kahle der Bonhomie des DoktorS charakteristischen Ausdruck. Den Abschlust des Abends bildete in einer ausgezeichneten Besetzung Hartlebens Streiks a. Aus- sper- rungen Baugewerbe......... Metällindustrie.Maschm.» u-SHiffdau Textilindustrie....... Handel und VcrkehrSgewerbe.. Bergbau.......... Bekleidungsindustrie...... Holzindustrie........ NahrungS- u. Genußmittelindustrie Industrie der Steine und Erden. Papier- und Lederindustrie.,. Polnglaphische Gewerbe.... Gärtnerei.......... Sonstige Berufe....... llX>2 im 73 201 21 132 7ä4 101 103 74 02 0 130 Beteiligte Person. 02 357 60 581 23 120 23469 11 269 11 460 39 050 6 861 7 236 7 6 077 723 20 051 Ausgabe Mark Mit vollem Erfolgbeen- dete5rämpfe Kabl°!0 3480 j 316 012 j 2 566 363 D 660 889 453 482 669 89t 651 503 322 513 1890 040 283 857. 356 635 80-0 267 968 180 6123 760 835 13 207 862 717 229 30 145 9 67 434 41 65 23 12 5 56 55.1 53,4 41,6 71,1 42,9 50,7 59,1 25,5 63,1 37,9 13,0 55,6 40,3 1838 1 53,7 Die meisten Lohnkämpfe fanden demnach im Baugewerbe statt, die besten Erfolge aber hatten prozentual die Organi- sationen des Transportgewerbes. 81 Proz. aller Lohnkämpfe wurden von den folgenden 13 Organisationen geführt: Holzarbeiter 608, Maurer 590, Metallarbeiter 370, Zimmerer 957, Bauhülfsarbeiter 244, Transportarbeiter 156, Fabrikarbeiter 126, Schuhmacher 78, Textilarbeiter 72, Tabakarbeiter 70, Töpfer 62, Maler 61, Lithographen 54, und 85,5 Proz. aller an den Lohnkämpfen be- teiligten Personen entfallen auf die folgenden 13 Verbände: Metallarbeiter 62 137, Maurer 37 932, Holzarbeiter 34 966, Textilarbeiter 23 120, Bauhülfsarbeiter 21 080, Fabrik- arbeiter 19 601, Maler 16 207, Bergarbeiter 11260, Hafen- arbeite? 10117, Transportarbeiter 10086, Zimmerer 8614, Schuhmacher 6630 und Buchbinder 0309. Angriffstreiks fanden 1906 2040 statt. Von diesen endeten mit vollem Er- folg 1121— 55,7 Proz., mit teilweisem Erfolg 538— 26,7 Prozent und ohne Erfolg 321— 15.9 Proz. Ilm Vcr- t' ii r z u n g der Arbeitszeit wurden 53 Streiks gc- führt, um Lohnerhöhung 919, um Verkürzung der tzlrbeitszcit und Lohnerhöhung 832. um die Beseitung mißliebiger Personen 48 und wegen an derer Forderungen fanden 193 Streiks statt. Von den an AngriffstrcikS beteiligten 183 756 Personen hatten vollen Erfolg 91 693— 49,9 Proz. und teilweisen Er- folg 62 374— 33,9 Proz. Vom Jahre 1900 bis einschließlich 1906 fanden insgesamt 5889 Angriffstreiks mit zusammen 794 392 Beteiligten statt. Davon hatten vollen Erfolg 3066 Streiks mit 235 947 Beteiligten und teilweisen Erfolg hatten 1536 Streiks und 215 417 beteiligte Personen. AbwehrstreikS wurden lull mit zusammen 38 930 Beteiligten geführt. Es endeten davon mit vollem Erfolg 570— 57,7 Proz. und mit teilweisem Erfolg 120= 12,0 Proz. Von den Beteiligten hatten vollen Erfolg 18 147— 46,7 Proz. und teilweisen Er- folg 5788— 14,9 Proz. Ursachen des Abwehrstreiks waren bei 16 die Forderung der Unternehmer, aus der Organisation auszutreten, bei 268 Maß- r c g e l u n g, bei 322 L o h n r e d u z i c r u n g, bei 41 Verlängerung der Aroeitszeit. Die Nicht- ein Haltung der a l l g e in c i n ü b li ch e n Lohn und Arbeitsbedingungen führte iii 136 Fällen zum Streik, desgleichen die Einführung einer lustige Komödie vom abgerissenen Knopf. ckt. Humoristisches. 1907-1008. tauptsache ist jetzt, wie wir wissen, le böse 7 ist rausgeschmissen, Und kehrt für alle Menschenbrüder In dem Jahrzehnt gewist nicht wieder; Daß dieses Jahr es beffer macht MS das mit 7— habet 81 — Pyrhia 1 908. Durch die hohen Milchpreiie werden die Kühe gröstenwahni, nnig und wollen sich nur noch von..Herren im ftrack" melken lasten.— Bernhard Dernburg tritt seine zweite Akrikareise em: der Vorsicht halber nimmt er sich von Borchardt ein Viertelpsimd Datteln mit.— Durch ein besonderes Gesetz werden dichtende Kadetten von allen anderen Dienstleistungen befreit. König Leopold schenkt seiner lieben Freundin Vaughan den Äongostaat. >n dem sie sich als Frauenkönigin krönen lästt.— Italien erhält ein neues Ministerium: Nasi, Rinaldo Rinaldini, Fra Diavolo. i-Lustige Blätter.") Notizen. — Theaterchronik. Der Vorstand der Gesellschaft für Verbreitimg von Volksbildung und die Berti etung des Schiller- Theaters in Berlin haben beschlopen, das Märkische Wander- Theater biö zum 1. April l993 fortzusetzen. Die künstlerifchen Leistungen haben alleiseits lebhaste Anerkennung gefimden. so dast die beteiligten beiden Gesellschaften gern weitere finanzielle Opfer übernommen haben. ES ist zu hoffen, dast das Untcriiehmen ein dauerndes wird. Diese Möglichkeit besteht allerdings nur dann, wenn Vereine. Gemeindebehörden und Privatpersonen auch weiterhin ihr Interesse für die Sache betätigen. Im Januar spielt das Thealer u. a. in Fürsienberg. Becskow. Storkow. Nauen, Neu-Ruppin, Gransee. Zehdenief, Templin. Stjrifj, Wittenberge. Pritzwalk. ES ist in AuS- ficht genominen, auch der Mark benachbarte Orte in Pommern. Mecklenburg, der Provinz Sachsen und Niederschlesien zu besuchen. Alle Anfragen beantivortet die Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung. Berlin kW., Lübeckersir. 6. — Der Berliner Goethe-Bund will ober soll sich nach dem„Verl. Tagebl." auflösen. Wenigstens ist das klipp und klar beantragt. Als'der Goethe-B:md als Folge der Proteftdewegimg gegen die Lex Heinze im Jahre 1900 gegründet wurde— gleichzeitig in verschiedenen Städten—. da glaubte manch Ehrlicher ans dem Volk der Künstler und Schriftsteller, eine neue Epoche dentswen Geisteslebens stände vor der Tür. Aber die Herren, die die Be- wegnng führen sollten und im Wortcmochen grost genug taten. leiteten sie, als es zu arbeiten und mit den Massen Fühlung zu ge- Winnen galt, aufs tote Gleis. Niemals ist eine elementar entstandene Bewegung so kläglich verpufft wie die Goethebundsache. Als in München die Vorstandsmitglieder der dortigen Sektion daS Geld ver- reist hatten, hörte ihr Interesse am Bunde auf. In anderen Orten lBremen. Stuttgart) suchte man wenigstens praktisch etwas zu leisten. Der Berliner Bund versank in einen sehr ausgedehnten Winterschlaf, den nur noch der AnflösungSbeschlust aus einen Moment unterbrechen wird. ES ist nicht schade druni. DaS liberale Bürgertum, da-S sich gern als Hüter der Kultur ausspielt, hat noch einmal mit aller Deut- lichkeit bewiesen, dcch es zu diesem Amt weder Kraft noch Fähigkeit besitzt. Fabrikordnung in 29 Fällen. Schlechte Be« Handlung der Arbeiter gab in 33 Fällen Veranlassung zum Streik und aus anderen Ursachen fanden 169 Ab- wchrstreiks statt. Die Gesamtzahl der von 1900 bis 1906 stattgefundenen AbwehrstreikS betrögt 4256. Beteiligt waren daran 162663 Personen. Vollen Erfolg hatten davon 2163 Streiis und 75 796 Personen, teriweisen Erfolg v66 Streiks und 27331 Personen. Aussperrungen fanden 421 statt, und zwar wurden ausgesperrt insgesamt 93 356 Arbeiter und Arbeiterinnen. In den Jahren 1900 bis 1906 fanden insgesamt 1005 Aussperrungen statt, wobei 344 449 Personen ausgesperrt worden sind. Von den Aus- sperrungen des Jahres 1906 endeten 142— 34,6 Proz. mit vollem Erfolg für die Arbeiter. Von den sämtlichen 3480 Lohnkämpfeit des Jahres 1903 wurden 2626— 73,4 Proz. durch Vergleich beendet, und zwar 574 durch Verhandlungen zwischen den ein- z e l n e n Unternehmern und ihren Arbeitern, 1247 durch Verhandlungen zwischen Vertretern der Unternehmer und Vertretern der örtlichen Organisation der Arbeiter. In 520 Fällen wurden die Verhandlungen von Vertretern der U li t e r n e h m e r und Vertretern des Zentral« Vorstandes zusammen mit Vertretern der örtlichen Organisation geführt und in 24 Fällen unterhandelten die Vertreter des Zentral vor- st a n d e s lilit den Vertretern der Unternehmer allein. Vor dem Einigungsamt resp. dem VorsitzendLn deS Gewerbegerichts wurden 153 und vor d r i t t e n Per« fönen 108 Vergleiche abgeschlossen. Ueber die Organisationszugehörigkeit der Streikeuden oder Ausgesperrten enthält die Statistik folgende Angaben: Von den 316 042 überhaupt an Streiks und Aussperrungen Beteiligten waren 264 059-in die Streiklisten eingetragen, so daß deren Organi- sationsvcrhältnisse festgestellt werden konnten. ES waren ge- werkschaftlich organisiert 234 171— 88,7 Proz. der in den Streiklisten Verzeichneten oder 74,1 Proz. aller an Streiks und Aussperrungen Beteiligten. 6 Monate vor Beginn des Kampfes waren organisiert 156 947 59,4 Proz. der in die Streiklisten eingetragenen Personen. Daran zeigt sich die riesige Fluktuation in dem Mitgliederbestände der Ge- werkschaften. die denselben die Durchführung ihrer Kämpfe erschwert und die nur durch den weiteren Ausbau der Unter- stützungseinrichtungcn der Gewerkschaften nach und nach be- seitigt»verden kann._ Prozeß fjarden. (Neunter T a g.) Horden erscheint nicht. Nach Eröffnung der Sitzung durch Landger.-Dir. Lehmann erklärt der Verteidiger Justizrat Bernstein: Der Angeklagte ist gestern abend sehr s cd w c r erkrankt. Ich bitte, den Professor Eisenderg über den Zustand deS Angeklagten zu hören. Pros. Dr. E i s e n b c r g: Ich kann erklaren, daß Herr Harden gegenwärtig so krank ist, daß er nicht kommen kann. Er klagt über schwere Kopfschmerzen, der, PulS ist viel schwächer geworden, der Kranke ist in Schweiß gebadet und vermag kaum die Augen zu öffnen. Er befindet sich in einem derartigen Zustande der Er- schlaffung, daß ich es für unmöglich erklären muh. daß Herr Harden heute hierher kommt. Ich habe angeordnet, daß er den heutigen Tag über im Bette bleibt; wenn das geschieht, so ist es nicht unmöglich, daß er sich soweit nn Laufe des Tages erholt, daß er morgen kommen kann. Bisher aber hat jeder Versuch deS Herrn Harden, sich einporzurichten, einen OhnnlachtSanfall zur Folge. Vors.: Würde vielleicht eine Verhandlung in der Wohnung deS Angeklagten möglich fein y. Prof. Dr. Eisenberg: Ich glaube, Herr Harden wird bei seinem jetzigen Znstand nicht in der Lage sein, der Verhandlung'zu folgen. Morgen könnte er vielleicht vor Gericht erscheinen. — Professor Albert Hoffa, einer unserer bekanntesten Orthopäden, ist auf der Reise in K ö l n gestorben, als er eben von einer Konsultation in Annverpen zurückkehrte. Die Zuckerkrankheit, die zur BcrkaUung der Herzgesäße führte, hat seinem Leben ein frühes Ende bereitet. Hoffa war als Sohn eines deutschen Arztes i8vS in der Kopkolonie geboren, hatte in Deuischland seine Studien gemacht und in Würzburg das Arbeitsgebiet, auf dem er später eine io kruchtbare Tätigkeit entfaltete, die Orthopädie, gefxmden. Der Laie Hessing, der unzähligen Menschen dank seiner praktischen Genialität durch die von ihm konstruierten Apparate ivieder den Gebrauch ihrer Glieder ermöglicht hat, regte Hoffa an. dieses System der Stützapparate und künstlichen Glieder in wissenschaftlicher Weife auszubauen. Hoffa einwickelte bereits in Würzburg als Praktiker, als Masseur, als Operateur, als Lehrer und Darsteller eine äußerst mannigfache Tätigkeit. Daß diese Heilmethode der Apparate endlich auch die gc- bührende wissenschaftliche Beachtung und Anwendung gefunden hat, ist zu gutem Teil fein Verdienst. Seine Methode, die angeborene Hüstgelenkverrenkung operativ zu behandeln, ist allgemein anerkaiutt, sein Lcbrbuch der orthopädischen Chirurgie maßgebend geworden. Als Hoffa dann naäi Berlin berufen wurde, steigerte er feine Leistungen aufs äußerste. Seiner mciischenfrenndlichcn.Natur war es der' schönste Erfolg, daß das für krüppelhafte Kinder be- stimmte Cecilienbeim in Hohenlychen geschaffen und seiner Leitung unterstellt wurde. — Der Zar verbietet. Der russische Bühnenschriftsteller Viktor Protopopow hatte ein Tendcnzstück geschrieben:»Die schwarzen Raben", in dem das Sektenwesen und besonders die Anhänger des .Kronstädter Priesters Johann gegeißelt lverden. Das Stück hatte einen starken Erfolg. Am Sonntag erschien aber der Bischof von Saratow bei Stolypin und drang daraus, das Stück zu verbieten. Da Stolypin sich weigerte, suchte der Bischof beim Zaren eine Audienz nach, deren Resultat das absolute Verbot der»Schivarzen Raben" war. — Es lebe die Astrologie! Die deutschen Astrologen wollen nicht länger in ihrer Bericnnung und Vereinsamung verharren. Sie wollen einen Standesverein gründen und verlangen in jeder Weise Berücksichtigung. Wie der„Franks. Ztg." berichtet wird, will der Verein Kosmos— alio nennt sich die Organiiation der Zeichen- deuter— Wanderlehrlurie für Astrologie einrichten und nicht minder will man darauf hinwirken, daß die Bedeutung und der Wert der Astrologie„der geduldigen Mutter der Astronomie", nn öffentlichen ErziehlliigSweien berücksichtigt wird. Schutz soll jeder gewerbsmäßige Astrologe genießen, der eine Fachprüsung vor einer aus Mitgliedern des Vereins zusammengesetzten Kommission besteht.„DaS Volk der Denker soll doch vorauschreiten, wenn cL gilt, einer unterdrückten Wahrheit zum Siege zu verhelfen." Der Verein besitzt auch schon ein Organ, das Zentralblatt für Ollultismus, in dem es an kulturpathologisch recht interesianten Don Omxoterien gegen die-sri-„MateriaIislen" keineswegs fehlt. Der Verein wird auch in V e r l i n sicherlich In der besten Gesellschaft Anhänger und Mitglieder genug finden» Vors.: Dab Herr Harden irotz seiner Krankheit der Verh-md- luitg folgen kann, davon haben wir UNS in den bisherigen Verhand- lunqen Lberzeugr.,_ Prof. Dr. Eisenberg: Aber nur mit der groh'en An- ftrengung konnte er der Verhandlung folgen. Ich habe jede Ver- antwortnng von vornherein abgelehnt, für den Falk, da? sich aus der Verhandlung eine Schädigung der Gesundheit des Herrn Harden ergeben könnte. Jscnbicl für Enlenburz. Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbrel: Ich möchte noch eure Erklärung abgeben. Herr Justizrat Bernstein hat eZ neulich ■ nicht für gut befunden, dem Fnisten Eulenburg Abbitte zu leisten und Eeuugtuung zu gewähren. Er hat Beziig genommen auf eine Erklärung deS Fürsten Enlenburg am S. Roveniber im Brand- Prozeß und hat diese Erklärung verglichen mit der de« Fürsten Bülow. Da« ist Geschmackssache, darüber läßt sich nicht reckten. Jedenfalls folgt daraus nicht das mindeste für eine Schuld des Fürsten Eulcnburg. Der Herr Fürst Philipp zu Eulenburg bat den Strafantrag. wie er mir gestern ausdrücklich mitgeteilt hat. gegen Herrn Harden wegen Beleidigung mit Rücksicht auf die Artikel der.Ziiklinst- deswegen mibt ge- ftellt, weil er sich sagte, anf diesem Äege könne er sick feine Genugtuung verschaffen, insbesondere nicht nachweisen, daß er von jeder sexualen Versehlinig völlig frei sei. In einem BeleidigiiiigSverfohren gegen Harden würde mir erwiesen werden können, daß die Tat- fache, Fürst Eulenbnrg habe sich sexual verfehlt, nicht erweis- lich wahr sei. Dem Fürsten lag aber daran, daß diese Tatsaihe nicht bloß als nicht erweislich wahr, sondern als völlig unwahr erwiesen loci de. Füist Enlenburg hat deshalb nicht gegen Herrn Harden. sonder» gege»i sich lelbst Stratantrag gestelli inid gegen sich selbst beantragt. eine Untersuchung auS K l7ö deö Slr G.-B einzuleiten. Dem Antrag ist stattgegeben worden, die Uliterilichung ist eingeleitet und geführt worden nnd in ihr ist Herr Harden vernoinme» worden als Fenge. Herr Harden hat nicht da» mindeste gegen den Fürsten Enlenburg zu bekunde,, dersncht. sondern hat sich unter der Angabe, daß er ja sonst selbst wegen Beleidigung verfolgt werde» könnte, darauf be- schrankt, sein Zeugnis in dieser Bezieinnig abzulehnen. Der Siaals- miivalr in Proizlcu, hat infolgedessen das Verfahren gegen den Fürsten Enlenburg mangels jeden Beweises eingestellt uiid de» Fürsten hiervon verständigt. Troydcm wird nun dabei geblieben. daß der Fürst Eulenbnrg sich derartige Verfehlungen habe zuickulvcn iominen lassen. Wenn er da« getan hätte einem klaren und einwandfreien Zeugnis gegenüber, daß er nirnials eine Schmutzerei begangen habe, so würde er sich deö Meineids schuldig g e in a ch l h a b e n. Der Fürst bittet desivegeii dringend jeden Menschen, der noch einen Funken GercchtigkertS- gesüht verspürt., ihn zn dennnzieren wegen Verlegung der Eidespflicht, iosern der betreffende irgendeine» Zeugen dafür bei- bringen könnte, daß der Fürst sich eines Vergehens gegen 8 175 oder irgendeines anderen sexuellen Vergehens schuldig gemacht habe. Sosern eine solche Dennnziatioli eingereicht wird, winde von der StaotSanwaltichafst wie ich versichern kann, jeder Zeuge darüber vernommen werden, möge er wohnyt, wo er wolle, im Deutschen Reiche oder im Auslände. Der Fürst scheut sich vor keine», Zeugen und es würde die Unter- suchung gegen ihn unbedingt mit der größten Schroffheit eingeleitet»verde», inoge sie führen zu ivelch-'m Erfolge sie wolle. Fürst Enlenburg hat serner daraus ausdrücklich hiiigeivleien. daß. tvie festgestellt worden ist, F r e i b e r r v o n B e r g e r nicht auf seine Jntenlionrn, sondern lediglich o»S eigenem Anlriebe zu vermiiteln versucht hat. Als etwas Gegenteiliges in den ichötten- gerichllichen Verhandlungen zuroge zu rreten schien, hat der Fürst fosort seine RechtSve'.t.eicr nach Hamburg zu Freiherr» v. Bcrger gc- schickt und hat den'etben befragen tasten, ob er wirklich bebaupie» wolle, daß er in seinem, des Fürsten Austrage oder auf sein An- suchen irgendwelche Vermittelung gesührl habe. Freiherr v. B.rger hat damals«rllärt, daß er lediglich ans eigenem Antriebe gehandelt habe und daß alle« wahr sei. was Fürst Enlenburg hierüber crllärt habe. Freiherr v. Berger ha» ausdrücklich auch er- klärt, daß er nichts über die Abreise nach Territet auf Ansuchen des Fürsten... Vorsitzender: Gehört denn da» noch zur Sache. Herr Ovcrsiaaisanivalt? Bisher habe ich angenominen, daß Sic nur eine Erllärung des Fürsten Eulenbnrg vortragen ivollten. Ich bitte. nur diese Erklärung abzugeben und nicht ans die Sache einzugehen, denn da«»vürde sonst schließlich einen RevistonSglUnd bilden. Oberstaatsanwalt: Ich sage das alles als Erklärung de» Fürsten Enlenburg.— Vorsitzender: Herr Harden würde aber sage» köiinen:„Darauf würde ich erwidern, wozu ich jetzt nicht in der Lage bin". Bis jetzt habe ich die Erklärung lediglia, aufgefaßt als eine Erklärung des Fürsten Eulenburg zn seiner Recht- fertigung. die mit der Sache nicht« zu tun hat. Jetzt aber wurde ich bedenklich, als Sie auf die Sache eingehen wollten. Genügt eö nicht, was Sie bisher gesagt haben?— Oberstaatsanwalt: Roch nicht ganz l— Vors.: Dann bitte ich. das andere lieber zu sage», wenn der Angeklagte da sein wird.— O b e r st a a t S a» iv.: Wir verhandeln ja jetzt gar nicht, weil der Angeklagte nicht hier ist. WaS ich sagte, war eine Erklärung außerhalb der Verhandlung.— Vors.: Ich habe doch Bedenken. Ich möchte doch keine Gründe zur Revision schassen.— Ober» st a a t« a ii w.: Ich muß mich fügen, füge mich aber blntenden Herzens und muß mir vorbehalten, sobald Herr Harden da ist, alle« zu»viederholen. Ich möchte mir noch eine Erklärnng abgeben auf Wnitsch de« Frhrn. v. Varnbühler Eö könnte zn Mißverständnissen führen, daß ich ihn als nach den Behauptungen Horden« zur Gruppe gehörig angegeben hatte»nid nicht erwähnte, daß Herr Harden dieö ausdrücklich zurückgenommen hat. Vors. teinfallend>: Das gehört auch wieder zur Sache. Die Weitrrführung der Verhandlung. Oberstaatsanwalt: Herr Harden pflegt gegen kranke Leute sehr mitleidlos zu sein. Als damals Fürst Euleiibnrg wegen schwerer Erkrankimg hier nicht erscheinen tonnte ohne Grsährdung seines Lebens. da wurde Herr Harden gefragt. ob es ihm gleich- gültig sei, daß, wenn der Fürst gezwnngen würde, hier zu erscheinen. er plötzlich tot zusainnienbräche. Er beantwortete diese Frage mit einem lalten Ja. Ich glaube, einem solchen Manne gegenüber darf man auch bei einer Erkrankung ziemlich scharf sein. DaS AnSbleiben des Herrn Harden könnte ja de» Erfolg haben, die ganze Ver- Handlung zunichte z» machen Wir müssen alle» versuchen, um heute noch weiter zuverbandeln. Ich beantrage deshalb, die Herren Med» Rat Dr. Hoffmann und Geh.- Rat Zivingenberg sofort zu Herrn Harden zn eiilienden und scsizustellen, od eine Verhandlniig in der Wohnung deS Herrn Horde» heute noch möglich ist. Wenn die Sach- verständigen diese Möglichkeit bejahe», so beantrage ich. daß sich der gesamte Gerichtshof noch heute in die Wohnung deS Hern, Horden begibt und unter möglicher«ufrechlerhaltiing der Oeffentlichkcit die Verhandlung zu Ende führt. Sollten die Aerzte zu dem Ergebnis kommen, daß heute eine Verhandlung nicht möglich sei, so bitte ich weiter zu prüfen, ob die Verhandlung morgen hier stattfinden kann. Justizrat Bernstein: Ich teile die Ansicht des Vorsitzenden. daß Erklärungen im gegenwärtigen Augenblick prozessual bedenklich find. Ich begnüge mich deshalb in b-zng auf de» Fürsten Eulen- bürg damit, zu erwidern: Für mich ist Fürst Eulenbnrg ein Zeuge wie jeder andere. Er hat elwas ausgesagt und. ein Teil dieser«u«- sage mußte von der Verteidigung bczioeiselt werden. Alle« weiiere kann die Verteidigung nicht kümniern. Waö da» vom Herr» Ober- ttaatSamvalt wiederholte Wort„Abbitie" betriffi. so betone ich, daß oer Oberstaatsanwalt seinerseits in beziig auf die Frau v. Elbe ?le!agt hat:.Der Zeugin glaube ich kein Wort I" Das- elbe Recht mnß der Verteid'gung zustehen.— Was die angcbliäie Aenßerung des Herrn Harden betrifft: es sei ihm gleichgültig, ob jemand tot zusammenbricht, so weiß ick von solcher Aeiißcrnng nichlS und überlasse eS Herrn Harden, sich hierzu zu crtlären. Aber ich mutz biiien. zu Protokoll zn nehmen, daß der Oberstaatsanwalt da« Wort ergriffen und diese seine AnS- flihrungen gemacht hat. Ich lege Wert darauf, daß protokollarisch festgestellt werde, daß der Oberstaatsanwalt Erklärungen abgegeben hat.} Vors. Sandger.-Dir. Sehmann: Ich habe den Herrn Ober- staatSanwalt sofort unterbrochen, als er etwas sagte, waS nach meiner Meinung nicht zur Sache gehörte. Als der Oberstaatsanwalt anfing zur Sackie zn reden, babe ich ihn also sofort unterbrochen und der Oberstaatsanwalt hat sofort geickwicgcn. Jnstizrat Bernstein: Ich bestätige, Iva» der Herr vorfitzende soeben gesagt hat, bitte aber trotzdem zu protokollieren, daß der Herr Oberstaatsanwalt im Rainen des Fürsten Eulcnburg eine Er- klärung abgegeben hat. Oberstnatsaiiwalt Dr. Jsenbiel: Dann bitte ich aber auch zu Protokoll zu nehmen, daß ich sofort geschwiegen habe. als darauf hingeiviesen wurde, daß meine Worte nicht zur Sache gehörten. Jnstizrat Bernstein: Ich weiß, daß Herrn Harden alles daran liegt, die Sache zu Ende zu führen. Es wäre für ihn nicht anständig und auch nicht veriiünitig. die Sache zn vcrichleppen. Jr fanden Her, n Horden im Bett liegend und in einem Zustande nervöser Erschlaffung, der für uns nach bester lieber zeugnng die Verhandlungssähigkeit ausschließt. Irgend eine Veränderung örtlicher Natur in dem früheren Befinden konnten wir nicht feststellen, die rechtsseitige Brustselleiiizüiidung besteht weiter und Fiebererscheinirngen sind nicht aiisgelreten. Wir sind daher der festen Ueberzrngung. daß Herr Harden morgen wieder verhandlungssäbig sein wird, mächten aber den Aiitrag stellen, daß zur größeren Sicherheit dem Angeklagte» die Morgenstunden noch eitva« mehr zu seiner Ruhe und Erholung auszumitzen, Gelegenheit gegeben und deshalb die Verhandlung morgen erst um 11 Uhr be- gönnen wird. Oberstaatsanwalt: Herr Harden hat selbst in AnS- ficht gestellt, daß er morgen kommen wolle? Geheimrat Professor Eulenburg: Jawohl, in feste Aussicht. Medizinalrat Dr. H o f f m a n n: Ich kann mich den AuS- führungen de« Geheinirats Eulenbnrg nur anichließen. Vorsitzender: Das Gericht hat beschloffen: Die Der- Handlung wird bis morgen 11 Uhr vorntillagS auSgcsetzt. kouferru! der yrtchsler ykutschlands. Leipzig. 81. Dezember. Zunächst wird über da» Referat TahlkeS und über die zu diesem Punkt geftelliwi Anträge diölutiert. Die Anträge ver- langen leils die Abschaisnng, teils die Regelung der Allordarbeit. Die verschiedenartige Aussagung, od Lohn- oder Akkordarbeit für die Arbeiter das vorteilhastere sei und welche Entlohnungsart zu einem Einheitstarif« führe, kommt in der Debatte lehr drastisch zum Ausdruck. Im allgemeinen ist die Auffassung von der Akkord- arbeit als der jetzt beizubehaltenden Entlohnungsart in den Kreisen der Drechslergehülfen vorherrschend. � L c i p a r t meint, daß die Konferenz nicht zu entscheiden habe. od Akkord- oder Lohnarbeit, man solle sich auf praktische Beschliiffe beschränken. Zunächst komme ja wohl nur ein Einheitstarif für Massenartikel in Betracht. Deinhardt führt aus, daß ein Einheitstarif nur auf der Grundlage der Akkordarbeit ausgestellt werden könne. Die Forde- rung au» Abschaffung der Akkordarbeit sei keine gewerkschaftliche, sondern eine politische(7 Red.), indem sie mit der Beseitigung deS Aapitolismuö zusammenfalle. Die Lohnarbeit sei nichts weiter als verschleierte Akkordarbeit, von der Aussassung müßten sich die Drechsler aber auch befreien, als ob die Maschine in ihrem Ge- werbe keinen weiteren Eingang finde und nicht immer mehr ver- bessert werde. In wenigen Jahren werde auch in der Drechsl.rei der Großbetrieb berrsche» und dieser werde die Drechsler zur Ein- sührung eines Einheitstarifes zwingen» Ein solcher Einheitstarif beschränke sich aber dann auf bestimmte Grundformen, die den ort» lichen Tarisen als Basis zu dienen hätten. In seinem Schlußivort führte D a h l k e aus, daß die Redner, die für die Abschaffung der Akkordarbeit gesprochen haben, die Eni- Wickelung des Gewerbes nicht genügend berücksichtigt hätten. Die schwächeren Gehülfen würden durch die Lohnarbeit geschädigt, weil bei dieser die Leistung eines tüchtigen Gehülfen als- Minimal- leistung angesetzt wcree. Der eirznsetzenden Zentralkommission seien die Lobnlisten aller Orte einzuschicken, au« denen dann die Grundlage für einen Einheitstaris geschaffen werde. Folgende Beschlüsse wurden hieraus gefaßt: l. Im Hinblick darauf, daß die Holzdrechsler zum sehr großen Teil mit Tischlern in Fabriiberriebcn zusammenarbeiten, wird der Hauptvorstand ersucht, die Zahlstellenverwaltuntzen anzuhalten, bei einzureichenden Forderungen oder Tarisabschlüffen für die Tischler die Geltung derselben auch auf die Solzdrcchsler auszudehnen. II. Angesichts der so unterschiedlichen ArbeitSshsteme im Drechslergewcrbe wird die Zeniratkommission der Drechsler beauftragt. über die Frage der Akkord- und Pensumarbeit sowie Mindestleistung Aufklärung in den Kollegenkrciscn zu schaffen, um thnen den Vorteil eines geregelten Lohnsystems zum Bewußtsein zu bringen. III. Die Einführung von Minimalakkordtarifen unter Zu- grundelegung eines MinimallohneS ist anzustreben. IV. Tie Einführung eines angemessenen Mindestlohnes für jeden Ort und dessen Garantie bei Akkordarbeiten ist ebenfalls an» zustreben. In der Nachmittagssitzung referierte Leipart über . Organisationtzfragen. Er behandelte die Drcchslcrorganisationcn vom Jahre 1K8S an. Nachdem im Jahre lW3 der Deutsche Holzarbeiterverband ge- gründet worden war, haben die Drechsler aus ihrer Konferenz in Kassel gegen eine starke Minderheit die Verschmelzung mit dem Holzarbeitcrvcrbond beschlossen. Die über die Mitglieoerzahl ge- führte Statistik weise aus, daß, abgesehen von Einzelfällen, der Beitritt der Drechsler zum Holzarbciterverband weit stärker war als vordem zur Trechslervcreinigung. Die Zahl der organisierten Drechsler im Holzarbeitcrverbande betrage gegen 1838 im Jahre 1893 bei der Verschmelzung. 2946 Drechsler standen im j Vorjahre mit in der Lohnbewegung. Aber ebenso erfreulich wie der organisatorische Aufschwung sei auch die erreichte Besserstellung. Ter Redner behandelt dann die Frage der Einsetzung einer oder mehrerer Zentralkommissionen. deren Lösung und Entscheidung er der Konferenz überläßt. Für die Stock- und die Gnmmidrechslcr bestehen schon Zentral- kommissionen. ES frage sich nun. ob diese bestehen bleiben sollten und ob für die anderen Branchen auch solche zu wählen seien. oder ob für das gesamte Drechslergewerbe«ine einzige Kommission eingesetzt werden solle. Selbstverständlich könne es sich bei den Kommissionen nicht um Zentralnebcnstellen neben dem Verbands- vorstand handeln, sondern um diesem untergeordnete Glieder. In der nun folgenden Diskussion wurde neben der Frage über die Einsetzung einer oder mehrerer Zentralkommissionen mich die wegen der ScktionSbildung innerhalb der Verwaltungsstellen bc- handelt. Mit der Annahme folgender Anträge war dieser Punkt er- ledigt: 1. Die Zentralkommission der Siockdrcchfler wie die der Hartgummidrechsler, zu denen auch die Zelluloidarbciter gehören. bleiben bestehen. Der Sitz der crstercn ist Berlin, der der zweiten Kassel. 2. Für die Knopfarbciter wird eine Zcntralkommission ein- gesetzt, deren Sitz nach einem Beschluß der Knopfarbeiier Schmölln werden soll; doch ist dieö noch nicht definitiv, da sich der Vorstand noch darüber aussprechen wird. 3. Für die übrigen Branchen der Drechslerei: Horn, Holz usw.. wird eine Zentralkommission mit dem Sitz in Leipzig eingesetzt. DeS weiteren wurden einige Anträge angenommen, die sich mit der Tätigkeit der Zentralkommissionen beschäftigen. Von allgemeinem Interesse ist die von der Knopfarbeiter- konfercnz angcnomnrene Resolution: „Tie in Leipzig tagende Konsercnz der Perlmutter-, Stein- nuß- und Horn knopfarbeiier Teutschlands muß als Ergebnis der ausführlichen Debatten feststellen, daß die Lohn- und Arbcitöver- Hältnisse in diesen Branchen als äußert ungünstig zu bezeichnen sind. Die Löhne sind so niedrig, daß eine Aufbesserung dringend nötig ist; durch Verkürzung der Arbeitszeit in den meisten Be- trieben mutz ein Ansgleich herbeigeführt werden. Als erstreben«- wert bezeichnet die Konserenz und fordert die Kollegen auf. für die Durchführung einzutreten: 1. Tort, wo eine längere Arbeitszeit vorhanden, Herabsetzung derselben auf wöchentlich b4 Stunden. und zwar mit Rücksicht auf die technische Entwickelung und die erhebliche Auönützung der Arbeitskraft des einzelnen. 2. Ver- ineidung aller Ueberstnndcn. Wo solche unvermeidlich sind, ist ein Mi, destaufschlag von 19 Pf. zu fordern. 3. Die Ruhepausen dürfen zu Nebenarbeiten, wie Aussuchen nnd Wiegen von Material in der Steinnuß-, sowie Spalten der Knöpfe usw. in der Perlmutter- brauche, nickt verwendet werden. 4. Dort, wo die Entlohnung noch vicrzehntägig geschieht, muh für achttägige Lohnzahlung ein- getreten werden. 5. Werkzeuge, Lele. sowie sonstige Zubehöre zur Arbeit sind vom Uniernebmer unentgeltlich zu stellen. 6. Dem einzelnen Arbeiter ist das Material in eingerichtetem Zustand zur Verfügung zu stellen. Die Steinnüsse müssen geschält, die Bürger- schalen geklopft geliefert werden. Wo dieses nicht geschieht ist dies- Arbeit besonders zu bezahlen. 7. Das Prämiensystem, wo es noch besteht, ist zu beseitigen und seiner Einführung energisch Wider- stand entgegenzusetzen. 8. Das Ueberwurfsystem, wie eö nameni- lich in Schmölln noch üblich ist, ist abzuschaffen. Gleichwie der Unternehmer seinen Abnehmern rur 144 Stück als zum Gros gehörig liefert, müssen auch die Arbeiter verlangen, daß für sie diese Stückzahl alö Gros berechnet wird. Tie Bezeichnung„Satz" an Stelle von Gros, die von den Unternehmern beliebt wird, ist, da dieses eine Schädigung der Kollegen bedeutet, zurückzuweisen. 9. An den einzelnen Orten sind einheitliche Preise für die gleiche Arbeit durchzuführen. In den einzelnen Orten und Betrieben sind Lohn- und Akkordpreislisten unter Angabe der Art der Herstellung der einzelnen Artikel, Verwendung der Maschinen usw.. aufzu- stellen. Diese Listen sollen von einer Zentralstelle verarbeitet und zusammengestellt den einzelnen Orten zugestellt werden. Die Kol- legen haben die niedrigen Lohnsätze in die Höhe zu bringen, um hierdurch einen Ausgleich herbeizuführen. Für gleiche Arbeit ist uiich für Arbeiterinnen der gleiche Lohn zu fordern. 19. Di- ?ieiinarbeit ist, wo es möglich ist, zu beseitigen und mit Entschieden- eit zu bekämpfen; dort, wo den Kollegen Gelegenheit hierzu gr- boten ist. haben sie aus sanitären und organisatorischen Gründen n u r in den BetriebSräumcn der Unternehmer ihr« Arbeiten aus- zuführen. 11. Zur Ausrechterhaltung der engeren Verbindung unter den Knopsarbcitcrn innerhalb deö Verbandes, zur Unter- stütznng deS VerbondSvorstandcs in der Agitation unter den ZZropf- arbeitcrn, zur Austnnstserteiluny in beruflichen Fragen und zur Sammlung der bestehenden Preisverzeichnisse und deren Bc- ardeiiung ist eine Zcntralkommission eingesetzt. Diese Kommission soll auch Tarife und Akkordpreisc des Auslandes, insbesondere Oesterreichs und Italiens, sammeln und zusammenstellen und die deutsche,' Tarife mit den ausländischen Kollegen austauschen. 12. Um die Beschlüsse durchführen zu lönnen, wird es sämtlichen An- gehörigen der Knopsbranche zur heiligsten Pflicht gemacht, ihrer gewerkschaftlichen Organisation, dem Deutschen tzolzarbeiterver- bände, anzugehören und unaushürlich für dessen Ausbreitung tätig zu sein." Nachdem noch einige rein organisatorische Anträge und Wünsche diskutiert, wurde die Konferenz nach den üblichen Dank- reden an die Leipziger Kollegen und an das Bndenu um 7 Uhr abends mit einem Hoch aus den Verband und auf die international? Gewerkschaftsbewegung geschlossen. Soziales. Rechtsprechung gegen Arbeiterschutz. Die Rechtsprechimg unterhöhlt in wachsendem Maße die Arbeiter- schutzvorichriften insbesondere aus zwei Wegen. Einmal werden die gegen Unternehmer, welche Arbeiterschutzvorschriften übertreten haben, anSzilwersendeli Strafen so niedrig gegriffen, daß die Geringfügig- tcit der Strafe im Verhältnis zu dem Gewinn, den das gesetzwidrige Verhalten des Arbeitgebers gebracht hat, wie eine Aufforderung zu neuen Verletzungen der zum Schutze der Gesundheit von Arbeitern gegebenen Gesetze wirkt und mit Recht als Prämie für Gesetzesverletzungen durch Arbeit- geber bezeichne» wird. Dieser Mißstand ist so ungeheuerlich, die Darlegiingen der Gelverdeinspektoren und der sozialdemokratischen Presse über diese als Hohn aus Schutzgesetze empfundene Tatsache so eindringlich und einwaiidssrei. daß selbst die GcwerbeordnnngS- »ovelle einen Vorschlag zur Verminderung der Zahl der Fälle ge- macht hat. in denen die in der Regel auffallend niedrige Strafe in einem für den Unternehmer recht günstigen Verhältnis zu dem Geld- geiinnu steht, den er durch seine strafbare Haudlung erzielt hat. Die Novelle schlägt einige Erhöhungen der Minimalstrafen vor, leider ohne die Aburteilung Arbeiterlammern oder aus allen Teilen der Bevölkerung entnommeuen, vom Volk gewählten Richtern zu übertragen. Ein zweiter Weg, auf dem die Rechtsprechimg gegen Arbeilerschuyvorschriften revoltiert, ist der noch viel gefährlichere Weg der Fort-Jnterprctaiion der Tchutzbestimmmigen. Fortdauernd baden wir Fälle zu registrieren, in denen gelehrte Gerichte, leider aber auch Gewerbegerichte den Begriffen„Arbeiter".„Gewerbe", „Werksiätte".„Fabrik" so lange mir Exhaustoren, JnfilirationZ- apparaten und ähnlichen Folterwerkzeugen juristischer Handwerks- betriebe zusetzen, bis alles Leben. Gast und Blut den miß- handelten Begriffen genommen ist und sie in ihr Gegenteil umgeivandelt sind. Wir erinnern beispielsweise an die Umformung von Heim arbeitcrn oder von Kolonnen arbeitcrn. ja von Akkord orbeitern zu Unternehmern; ferner an die im ver- gangeuen Jahre vollzogene Degradientng der Werkstättenbetriebe der Eisenbahnen zu Nichtgewerbebetrieben, an die Deduktion, eine Gobbelinieppich f a b r i k sei keine Fabrik.— weil ihre Erzeugniffe künstlerischen Wert habe» usw. Gelangt die Recht- sprechung durch die grobkörnigen Torturn, ittcl erster Ordnung nicht zu dem ihr genehmen Ergebnis, fo werden die feineren Apparate aus der Geheiinlammer der Hanripaltt-Abteilnng in Anwendimg gebracht. Versagt auch dann noch alles Hantieren und Experimenticreii in der juristischen Hexenküche, dann gelingt hier und da ein Meisterstück juristischer Jongleur- und Akrobaten-Technik„ohne alle Apparate". Der Begriff wird semer irdischen, gemeinen Sülls entkleidet, fcbe Beziehung zum werktätigen Leven wird cxfiliriert und stehe da: im Brutofen der juristischen Begriffshülle erhält die Recht- sprechung statt eines inhaltsvollen Begriffs das„Ding an sich". losgelöst von allen Beschwernistcn der Wirklichkeit. Dieser Extrakt wird als Wirklichkeit„tatsächlich festgestellt" und— befreit ist der Unternehmer von der Arbeiterschutzvorschrift. DaS Ergebnis kann auch kein Staatsanwalt durch„tatsächliche Feststellung", durch Dar- lcguugen über Verletzungen von„Rechts"-Norinen ändern. Eine der beliebtesten.Feststellungen" geht dahin: Die und die Fabrik ist zwar eine Fabrik, aber der Fabrikbesitzer hat noch ein anderes Unter- liehmen, das das Hanptunternehmen ist. Die Fabrik ist nur ein Rcbenbetrieb des keine Fabrik darstellenden Hauptbetriebes, a l s o— ist die Fabrik keine Fabrik. Sela. Allah weiß es bester l Unsere Leser wissen, daß wir mit dieser Kritik der gegen An- Wendung von Arbeiterschutzvorsckriften gerichteten Rechtsprechung keineswegs scherzen. Leider gibt eS keinen Jahresbericht der Gewerbeinspckloren. keinen Jahrgang einer Arbeiterzeitung, der nickt in Hülle und Fülle Beispiele für den beschriebenen Defekt unserer Gesetzgebung und den klaffenden Ritz zwischen Rechtsprechung und Rcchtsbewutztsein bringt. Bor kurzer Zeit hat wieder einnial eine Verhandlung vor dem Kammergericht einen Tchulfall für solche Art juristlicher Jnter- pretatiousluust geliefert. Der Fall lag folgendermahen: Dre Schutzbestimmungen der Gewerbeordnung für Arbeiterinnen und jugendliche Arbeiter s§ 137 ff.,§ lSIl in Verbindung mit der Buudesratsverordnung vom 13. Juli 1900, betreffend die AusführungSdestimmungen über die Beschäfliguug von jugendlichen Arbeitern und von Arbeiterinnen in Werkstätten mit Motorbetrieb, sollte Herr Jandorf als Direktor der Aktiengesellschaft Kaiser-Cafv und Kaiserkeller in Berlin übertreten haben. Er wurde dafür verantwortlich gemacht, datz in der Wäscherei jenes grotzen RestauralionsbetriebeS, die mit elektrischen Motoren arbeitet. Arbciteriinien Sonnabends nach B'/j Uhr abends tätig waren, ohne daß ein Ueberstniideuverzeickniö für die an 40 Tage» zulässige Längerarbeit gemätz Ziffer 7 der Bundesrats- Verordnung geführt wurde. Das Landgericht I sprach den Angeklagten frei und führte aus: Die angezogenen Bestimmungen fänden hier keine An- Wendung. weil es sich bei der W ä j ch e r e i um keinen selb- st ä n d i g e n Betrieb handle, sondern nur um einen Reben- oder Hülfsbetrieb eineS anderen Unternehmens. das als RestaurationSbetrieb nicht unter die Bestinunungen falle. Die von der DtaatSanivallichaft eingelegte Revision wurde vom ersten Strafsenat des KaminergericktS verworfen. Matzgebcnd wäre, datz die Wäscherei nur ein Anhängsel des Gast- wirlsckaftsbetricbeS sei. Sie sei deshalb weder eine Fabrik, noch eine Werlställe. ES werde darin nichts hergestellt oder bearbeitet. waS für andere Geschäfte oder Einzelpersonen bestimmt sei, sondern waS im Nestaiiralionsbetriebe verbleibe. Dieser Aushöhlung der winzigen Schutzbestimmnngen durch die Rechtiprecknng gegenüber ist eine klarere einheitliche Ge- stallung der RcchlSverdältniste auS dem Arbeitsverträge, eine B e- seitigung deS Gestrüpps von Ausnahmen, das unsere Gewerbeordnung in solcher Fülle liefert, datz die Regel fast ver- schwindet, vor allem aber die Mitwirkung von Arbeitern bei der Ueberwackung der Arbeitcrschnyvorschriflen und bei der Ab- urteilung über Berlevungen der Arbeitersckutzvorschriften dringend erforderlich. Die GewerbeorditungSnovelle bedarf eines Ausbaues auch nach dieser Richtung hin. Ist Krankheit»der Pietät ein EutlassnngSgnind? Die Firma Gebr. JaroczynSki sendet uns zu imserem Bericht über die Verhandlung vor dem tlaufniannsgericht über die Klage von Frl Lovser gegen diese Firma in Nummer 304 eine Berichtigung unter Bezugnahme ans§ ll deS PretzgesetzeS. Wiewohl die Eilsendung keineswegs den Anforderungen deS zitierten Paragraphen entspricht, geben wir ihren weseniltchen Inhalt nach- stehend wieder. Herr I. führt an: 1.„Es ist nicht wahr, datz Frl. Looser behauptet hatte, am Gomiabcud. dem Tage nach der Beerdigung ihrer Sckivester, krank gewesen zu sein. Wahr ist vielmehr, datz Frl. Looser überhaupt nicht um Urlaub gebeten hatte und datz sie nur zu ihren Kolleginnen gesagt hat, sie iverde deS TrauerfallS wegen drei Tage zu Hanfe bleiben. Daraufhin ist ihr gelagt worden, sie dürfe nur am Freitag fehlen, am Soiuinbend müsse sie im Geschäft sein, worauf sie das Geschäft verlieh mit den Worten, ihre Mutter würde ihr das nicht erlauben. 2. ES ist nicht wahr, datz sie uns gegenüber ihr Fehlen am Sonnabend durch ein ärztliche? Attest entschuldigt bat. Wahr ist vielmehr, datz sie ohne weiteres am Sonnabend ge- fehlt bat; wahr ist weiter, datz wir sie durch Rohrpostbrief am Soilnabend aufgefordert haben, sofort ins Geschäft zu kommen, widrigeuiallS sie sofort entlassen sei. Auch daraufhin hat sie sich nicht mit Krankheit entschuldigt, sondern unS per Einschreibebrief milgeteilt. datz sie die Entlassung nicht anerkenne. Herr I. scheint anzunehmen, datz es nur darauf ankomme, waS er vor Gericht behauptet hat. und zu übersehe», datz ein objektiver Bericht d>e Anführung deS Klägers enthalten mutz. Frl. Looser hol vor Gerickt behauptet, datz sie a m Sonnabend k r a u k ge- Wesen sei, und sie hat dem Gericht ein ärztliches Attest vorgelegt. Das Gericht kam zur Bcrurteilniig des Beklagten, weil kein Grund zur Entlassung vorlag. Mithin lönnen wir unseren Bericht nur in volle in Umfange aufrechterhalten. Eue Induftnc und Ftendcl. Der internationale ArbeitSmarkt im Jahre 1W7. Im ersten Halbjahre IVO? war der BcschäsligimgSgrad kn den wichtigsten Industrieländern so flott oder noch floller als 1900. Von Juni aber irat eine plötzliche Wendung ein. ES trat namentlich in Amerika eine Stauung deö zlilvandcrnden Angebotes ein, der durch die fluchtartige Rückkehr nach Europa in etwas ab- gcholsen wurde. In England waren in Prozent arbeitslos: Jan. Febr. März April Mai 1903... 4.6 4.4 3.9 3.7 3.6 IVO?... 4.2 3,9 3,6 3.3 3.4 Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nov. 1906. 3.7 3.6 3.8 3.8 4,4 I.B 1907. 0,6 3,7 4,0 4.6 4,7 5,0 Die ungünstige Wendung des Arbeitsmarkieö ging auch in England von der Eisenindustrie ans. In der Nobeisenindustrie war zwar die Beschnftigungsgelegenheit noch bis zum vierten Ouartal flott, in den wellervcrarbciteudcn Industriezweigen dagegen, so hauptsächlich im Maschinen- und Schiffbau trat schon früh- zeitig ein Nachlasien der Beschäsligmig ein und rief eine gesteigerte Arbeitslosigkeit hervor. Die Silnarion am Arbeitsmarkt für Schiff- bauarbeiler verschlechterte sich so, datz im September die Arbeitslosenziffer 1l.7 Proz. betrug gegen 6,5 Proz. im September 1906. Ziemlich das ganze Jahr hindurch erhielt sich in der Textilindustrie eine befriedigende Nachfrage nach Arbeitskräften. Wenig vesriedigend blieb die Lage des ArbeirsmarkteS für Bauarbeiter. In Frankreick, dessen Konjunkturschwankungen weniger direkt auf die Gestaltung der Aulnahmesähigkcit des Weltmarktes zurückzuführen sind, behielt der Arbeitsmarkt fein günstiges Gepräge wesentlich länger als in England. Die Prozentziffem der Arbeitslosen waren in den einzelnen Monaten folgende: 1906 1907 1906 1907 Jan. 11,6 7.8 Juni 3.5 6.7 Mai 7,7 5,9 Rov. 7.9 9,4 der des Febr. März April 11.5 9.4 8.5 9.3 7.4 7.1 Juli Aug. Sept. Ott. 6.3 7.5 5.9 7,5 6.0 7.5 0.5 8.0 Zuerst wurde in der A u t o m o b i l i n d u st r i e und in Kleineisenindustrie der brctaguiichen Küste die Verschlechterung ArbeilSmarktes offenkundig. Von hier breitete sie sich in der Metall- industrie langsam, aber entschieden weiter aus. Als befriedigend war die Lage des Arbeitsmarktes im Tcxtilgewerbe zu bezeichnen. wenn auch in der Seidenindustric von Lyon die tote Saison länger andauerte als in den Borjahren. Die Bautätigkeit ivar lebhaft und sehr umfangreich, so datz immer Nachfrage nach Arbeitskräften bestand. In Belgien setzte der Abstieg schon im Mai des Berichtsjahres ein. in welchem die Arbeilslosenziffer um 0.1 Proz. höher war alö im Jahre zuvor. Eine vorübergehende Besserung von August bis Oktober konnte die ungünstige Wendung nicht mehr ans- gleichen. Auch in Belgien ging die Depression vom Eisengewerbe aus. während im Bergbau und in der Textilindustrie die Geschäfts- läge das ganze Jahr hindurch immer noch befriedigend blieb. Un- günstig stellte sich aber sehr frühzeitig der ArbeitSmarkt in der für Belgien wichtigen Glasindustrie sowie im Handschuhgewerbe. In O e st e r r e i ch wurde der Arbeitsmarkt nur wenig von dem Rückgang der Weltmarktkonjunktur beeinflntzt. Die Andrangsziffern des ÄrbeitSmarkteS zeigen sogar in den Monaten des laufenden Jahres noch eine ummterbrockene Abnahme gegenüber 1906. woraus freilich keineswegs schon aus den BeschästlguugSgrad selbst> zu schliehe» ist. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika zeigen die ArbeitSlosenzisfern bis zum September keine besonders uiiaünstige Bewegung. Im August eist schnellte die Arbeitslofenziffer plötzlich und stark hinauf. In den einzelnen Monaten betrug die Pcozcntziffer der ArbeitSlofen: Auch in den Vereinigten Staaten ging der Rückgang de? Bc- schäftignngSgradeö vom Metnllgeiverbe ans; er setzte so jäh und gleich so stark ein. datz dadurch der gesamte ArbeitSmarkt sofort empfindlick gestört wurde. Bald pflanzte sich der Rückgang aus das Eisengewerbe fort._ DiSk-iithrradsetzimg. Ganz unvermutet überraschte die Bank von Englaud am ersten Börsentag im neue» Jahre mit einer Herab- setzung deS Diskonts. Und die Ermähigung beträgt gleich ein volles Prozent; die Rate wurde von 7 aus 6 Proz. herabgesetzt. Die Ver- anlassung dazu soll daS Nachlasien des GoldhungerS in Amerika ge- geben haben. Ob das der Anfang einer Erleichterung auf dem internalionalen Geldmarkt ist, mutz allerdings noch abgewartet werden. Zahlungsschwierigkeiten. Die, Frankfurter Zeitung" meldet auS New Aork: Der Scabord Airlinie, die viertausend Kilometer Eisen- bahnen umfatzt. ist es, inmöglich, die fälligeirBondSzinseii zuzahlen. Indessen schietzen zwei Bankfirmen daS für den Kupon erforderliche Geld für gewisse llntcrgeseliichafre» vor. Jedock ist aiisckeiiicnd durch den Konkursverwalter die Reorganisation des ganzen Systems ivahr- ickeinlich. Einen dahin gehenden Antrag hat die Minorität der Aktionäre bereits an den Bundes, ichler Priichard in Süd-Karolina gestellt. Die Kontrolle der SearbordS Airlinie ist in den Händen deS Stratzenbahnmagnatcn Ryan, der gegen die KonkniSerklärmig ist.— Demselben Blatt zufolge wird die Bundesregierung demnächst Klage zur Auflösung des Harriman-BahiiensystemS erheben. Huö der Frauenbewegung. Die proletarische Irauenbewegung im Jahre 131)7. DaS verflosiene Jahr bedeutet einen Eckstein in der Frauen- betvcgung. Fleitzige Agitation hat überall im Reiche der Partei neue Kämpferinnen zugeführt. Nicht nur in den Grotzstädten und Industriezentren, die von jeher unsere festesten Burgen waren, ist die Bewegung gewachsen, auch in Schlesien, Bayern usw. hat sich eine Schar von Genossinnen zusammengefunden, die nun für eifrige Wcitcrverbrcitung unserer Ideen sorgen. Erfreuliche Re- sultate sind auch in verschiedenen kleinen Orten zu verzeichnen. Tie neu gegründeten Vereine haben in kurzer Zeit eine Verhältnis- mätzig grotze Anzahl von Mitgliedern aufgenommen. Uebcrall regt es sich. In Württemberg konnte bis vor kurzem von einer Frauen- bewegung fast gar keine Rede sein, jetzt sind auch dort die Frauen auS ihrem Gleichmut ansgeriiltelt. Die„Gleichheit", die dort bis dahin so gut wie gar nicht bekannt war, hat nun in vielen Orten Abonnenten gewonnen. Die agitatorisch tätigen Genossinnen haben cS sich aber auch allerorts angelegen sein lassen, tüchtig zu arbeiten. Wo die Genossinnen keine eigenen Versammlungen veranstalten konnten. traten sie in den allgemeinen Versammlungen mit anfeuernden Worten für die Frauenbewegung ein, ermunterten zur Anteil- nähme an der Wahlarbcit und vor allem zum Beitritt in die Or- gunisationen und förderten die Verbreitung unserer Presse. Ein Flugblatt, eigens für die Frauen geschrieben, gelangte in 1000 009 Exemplaren zur Verteilung. Bei den Wahlarbeilen haben die Genossinnen, wertvolle Hülfe geleistet. Sie halsen beim Flugblatt- und Stimmzctrelaustragen, schrieben Listen und Adresse», sammelten Geld auf Listen usw. Am Tage der Wahl waren Genossinnen in den Wahlbnreaus beschäftigt. Sie teilten Stimmzettel aus und holten säumige Wähler an die Urne. Das Resultat der Rcichötagswahl entmutigte nur für eine kurze Zeit, mit frischem Mute gingen die Genossinnen erneut an die Arbeit. Und der Erfolg blieb nicht anS. An polizeilichen Schikanen hat es auch im letzten Jahre nicht gefehlt. Verschiedentlich sind i» Prcutzcn Frauenbildungsvereine aufgelöst, weil den vcreinögesetzlichcn Bestinunungen zuwider ge- handelt sein sollte. Dabei ist es allerdings auch vorgekommen, datz sich die Polizei geirrt hat und diesen Irrtum eingestehen mutzte. So ist z. B. in Lichtenberg bei Berlin die polizeiliche Schlietzung nach Monaten wieder aufgehoben lvordcn. Solche Plänkeleien schaden der Frauenbewegung absolut nicht, sie stärken nur den KampfeSmut der Genossinnen. Die Genossinnen dürfen sich über- Haupt rühmen, eine ziemliche Fertigkeit in der Vermeioung der gefährlichen Klippen deS VercinsgcscheS erlangt zu haben. Die Genossinnen in Hamburg, Bremen, in ganz Sachsen, sowie in einigen anderen deutschen Bundesstaaten, die sich heute schon politisch organisieren dürfen, lönnen unter viel freieren Verhält- nissen die Agitation betreiben als in Preutzen. Die Erfolge sind auch dementsprechend bessere. Die Zahl der politisch � mit den Männern gemeinsam organisierten Genossinnen beträgt gegen 11 000, zirka 4500 mehr als im vorigen Jahre. Tori, wo nach dem Gesetz nur unpolitische BildungSvereine bestehen dürfen, für diese aber die Grundbedingungen fehlen, sind Ouittungskarten für freiwillige Parteibeiträge«ingeführt worden. Im Jahre 1906 war diese Einrichtung noch wenig verbreitet, im letzten Jahre ist jedoch ein bedeutender Fortschritt zu verzeichnen. Es sind reichlich 1000 Genossinnen, die solche Beiträge leisten. Die Frauenbildungsvereine haben jetzt einen Bestand von nahezu LOCO Mitgliedern. Regelrechte Schulung, theoretisches Wissen crhakken die Genossinnen in den Lese- und Diskutier» abenden. In Zirkeln von 25 bis 30 Personen kommen die Ge» vosjinncn gewöhnlich alle 14 Tage einmal zusammen, um sich über die Grundsatze und Forderungen, später über die EntWickelung des Sozialismus' und über das Wesen und Wirken unserer Partei unterrichten zu lassen. Diese Lcseabendc sind mit der Zeit sehr beliebt geworden, ein Zeichen dafür, datz auch bei den Frauen ein grotzer Bildungshunger zu befriedigen ist. Zu der Ausbildung der Genossinnen hat ln hervorragender Weise die„Gleichheit" bcigcrragcn, und ihre wachsende Auflage ist ein Beweis dafür, wie sehr sie den Genossinnen Leiterin und Führerin geworden ist. Zurzeit wird die„Gleichheit" in 84 000 Exemplaren gedruckt; die Zahl der Leserinnen dürfte erheblich größer sein. Neben der allgemeinen Agitation widmeten� sick viele Ge» nossinnen der Orgarisicrung und Aufklärung der Dienstbolen. In verschiedenen größeren Städten Deutschlands entstanden Dienst« botenorganisationen. Die kurz vor dem preußischen Parteitage ab- gehaltene außerordentliche Fraucnkonferenz beschäftigte sich aus- schließlich mit der Dicnstbotenbcwegung. Die Aussprache der Tele- gicrtinnen ist der jungen Bewegung überaus dienlich gewesen und hat der W-nterentwickelimg und dem Ausbau der Organisationen weitere Bahnen gewiesen. Von Grotz-Berlin speziell ist sehr erfreuliches zu berichten. Die Organisationen sind bedeutend ausgebaut worden. Vor allem ist die Zahl der freiwilligen Beitrag zahlenden Genossinnen ge- wachsen. Im Teltow-Becskower Lireise, wo die Karten bisher nicht eingeführt waren, sollen diese jetzt zur Ausgabe gelangen. WaS oben von dem Erfolg der Lcseabcnde gesagt wurde, trifft für Berlin und deren Vororte ganz besonders zu. In manchen Orten der Provinzen ist leider Mangel an tüchtigen Leiterinnen. In Berlin sind erfreulicherweise genügend Kräfte vorhanden. Dadurch, datz hier nur kleinere Gruppen von Genossinnen die Leseabcnde bilden, lernt die Vertrauensperson jede einzelne genau kennen, und sie kann daher bei irgendwelchen Aktionen günstig über die Kräfte disponieren Durch ihr Eingreifen bei gewerkschaftlichen Kämpfen haben die Genossinnen sehr wertvolle und erfolgreiche Arbeit geleistet. Als die Bäcker im Frühjahr streikten, veranstalteten die Genossinnen in Berlin und einigen Vororten öffentliche Versammlungen, die alle massenhaften Besuch aufwiesen. Durch die Aufklärung der ic diffcrentcn Massen und dem solidarischen Verhalten der Ge- nossinnen ist den Bäckergesellen eine nicht zu unterschätzende Hülse geleistet worden. Die Opferfreudigkeit und der KampfeSmut der Genossinneu haben beim Jandorf-Boykott ei»e treffliche Probe bestanden. Die Frauen haben eS satt, länger dem öffentlichen Leben fern- zustehen. Der Drang zum tätigen Mitarbeiten ist längst erwacht und wird sich bei passenden Gelegenheiten auch weiterhin in die Praxis umsetzen. Das Zusammenarbeiten mit den Genossen gestaltet sich immer erfreulicher. Wohlgcrüstet mit Erkenntnis und gutem Willen für den BesreiungSkaiupf des Proletariats, treten die Anhängerinnen der sozialdemokratischen Frauenbewegung inS neue Jahr hinein. Wann und wo die Pflicht ruft, sie werden auf dem Poswn�scin. Lichtenberg. Da die durch den Amtsvorsteher in Licktenberg an- gcorduele Sckliestnng des Vereins für Frauen und Mädchen der arbeitenden Klaffe durch gerichiliche Verfügung wieder ausgehoben worden ist. findet am Montag, den 6. Januar, wiederum eine Brreiiisversamcklung statt und zwar bei Gebr Arnhold. Frankfurter Chaussee B— 6. Tie Veiiammlung. zu der Gäste Zutritt haben, bc- ginnt pünktlich um ö'/g Uhr._____ Bersamnilungcn— Veranstaltungen. Berlin. Montag, den 6. Januar. 8M> Uhr. im„Neuen KknhhanS". Kommandantenstr. 72. Erster Vortrag deS Vortragszyklus „Zur Geschichte der Frauenentwickelung". Rcferentin: Frau Wally Zepter. ßriefkarten der Rcdahtton. IU(nrmitrtit SvrrckNnnve fin»et Ltndenftrahe OTr.», zweiter Hot. dritter Sinnani,. vier Treppe». DHY Fabrstndl-HWYZ tmnticmiitiliit, vo».'/« bW»'/« Ubr abend, statt.(Acättnet 7»I,r Cvnnnbcnbb bralmti dir Sprechstunde»m 0 Mir. Jeder Attsra»'>n ei» 'viichscabe n»b eine Jabl als cklertzeiche» beiziisiiae». Hr, etliche II»flu ort wirb nicht erteilt,(filiqc Frauen träne man in ver Svrechsinnde bor. P. T. 100. Der»on Jbnen angeführte Umstand beiechtlgt Sie nach dem Gefeh nicht, von Ihrem Verkäufer Rücknahme des(Zc- lchäslo zu verlangen ES wäre nur Einigung In Güte möglich. t. P.. Rnppinerstrasie 21. Ist hie Beschnfsenheil her Wohnimg erhehlich gesunhheilsgekäh'dend. so ist der Mieter herechtigl, ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist Anfhehnng des Vertrages und Schadenersatz zu verlangen. In solchem Falle ist es ratsam, mit her Klage aus Anshebniig des MietS- Vertrages und auf Schadenersatz ein Attest des Arztes über dle GefiinhheiiS- gefäindung zu ßhen eichen un um Anberaumimg eines nahen Termins zu ersuchen.— I. B. in BS. Die Anzeige wegen Diehstahlö ist noch keineswegs verfährt. Sle kann innerhaih fünf Jahren erfolgen. In dem von Ihnen erwähnten Fall winde aber die Anzeige schwerlich Erfolg haben. Eme Verpflichtung auf Ersatz heS von Ihnen veranSlaglen Annoncen- geideS hat her Betreffende nickt.— M. M. C. 1090. Rein. — 13. Kl. S. Grundsätzlich lehnen wir die Empsehlimg hestimmter Firmen, Aerzte, Rechtsanwälte ulw. ab.— Nannyiistr. 4« Leider ja.— 3« 0. Die Klage auf Schadenersatz, wäre nicht ausfichtsio», Sie mühten aber die Unhianchbarteit beweisen. DaS Endergebnis wird von der Anficht des Gerichts über den Wert der oft weit auseinandergehenden fachner- ständigen Gulackien abhängen.— N. H. 58. Do kein bestimmter Preis acrcinvart ist, jo würde der angemessene Preis zu zahlen selu. Bei der Zwesscihafligleil welche Höbe von sachverständiger Leite als angeniesten erachtet wird, raten wir zur Zahlung.— Z. A. 43. 1. Wenn die Liefe» rung der Ware zwecks Wciterocrkaiij erfolgt war und seit 1903 cln An» erkernitniS nicht erfolgt ist, so ist die Forderung seit Abtaus des Fadres 1907 verjährt. Handelte cS sich um eine Warenuejerung tür da» HauS zum eigenen Gebrauck. so isl unter derselben Boiaussetzmig die Verjährung schon mit dem Schlug deS Jahre» 1905 eingetreten. 2. Nein, Sie müssen aber beiveiscn, datz die Zahlung ersolgl ist. Zum Beweis der Zahlung lönnen Zeugen angejührt, auch der Eid zugeschoben werden, auch ein PosteinlieseriingSschei» würde beweisend sein, sosern der Gegner nicht beweist, datz das Geld sür andere Forderungen gezahlt ist. F. Pichelsdorf. 1. Wer Im Jahre>907 aus der Landeskirche aus- geschieden, bat vom St. Dezember I90S ab Kirchensteuer nicht mehr zu zahlen. 2. Ein- solche Belcinbarung wäre gültig.— K. 001. Sie leben auch obnc Vertrag nuher Gütergemeinschaft. Zweckmähig ist eS aber, vor der Heirat cinci! Vertrag zu schiictzcne. M dem der Bräutigam das Eigen» tum der zukünftigen Ehefrau anerkannt, ans Niehbrauch und BerwaltungS» recht verzichtet und Bestmuiiungen wegen des geinelnfam Erworbenen trifft. Rixdorf 36. Teilen Sie uns Ihre Adresse mit. wir werden Ihnen ein Verzeichnis derartiger Schrillen senden.— Ameise. Keineswegs werden die Anieijen von der Forftveiwalluiia gepstegl und dergl. Ebenso Irrig ist die Ansicht, dah Ameisen eine Haut»der eine Wunde ziehen. Der Angriff eines grögeren HaufeiiS Ameisen kann auhcrordenllich gefährlich werden. WitternngS iiberstch« vom L. Januar IVOS. SlaHnu» es; o 5 6 1 4 S 5? Ii Ii £Si'1« BOln ciS. is" !S* • fr» Jfe I I Lwinemde 770 3 Hanivnrg"77 030 Berlin 1777 910 hankU®! 772 NO Illünchen 1709 NO Wien 771 N Wcttcr-Prognoic für Trocken und vorwiegend schwachen öfllfchen Winden. 2 wolkig ! 4! wollig ' 2 wolkig hhalbbd. 0 bedeckt llwollenl Staltomii ki.! 2s J C s i IB1— I «- 0« .= «euer »st c» Ii HS I i', — 0 Haparanda 702R Swolkenl— 15 —5 Pete. S bürg 769 ID 1 bedeckt—IS — 8 Scilld.705 ONO 5 bedeckt j 4 —10 ideme» i 776 ANW t walkenli —7. Barr» 1 700 ONO! Obedeckl -Iii Ii III Freitaz. den 8. Januar IVOS. heiler bei ziemlich strengem Frost«Md Berliner Wetterdureau. _2 -3 SoziaiüenokratisctierWaliivereiD des 6. Berliner VabHes. Wachraf! Am 29. Dezember verstarb unser Mitglied, der Arbeiter Qtt« Peetz Oderbergcrstr. 42. Die Beerdigung fand am DonnerSlagnachmiitag aus dem städtischen gricöhose in Friedrichs- selbe statt. Eftrc seinem Andenke» Z 224/1 k>oe V«in»ta»«l. Januar verstarb nach schwerem Leiden unser 173/1 Verband der freien Gast- u. Schankwirte Deutschlands Zahlstelle Berlin. sur Nachricht, lollege» Den Mttgliedenr dah die Frau deS Voi'srt Lina geb. ttoManuka, Waldemarslr. 20 verstorben ist. 74,'2 Die Beerdigung sind et am Sonnlag, den 5. Januar 190S, nachmittags 3 Ubr, von der Leichen- Halle des sankt Thomas Kirch- hoses. Rixdors, Hermannstraßc. auö statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung Stukkateure. Am! langem, Kollege Karl Dannehl, Dunckerslrastc 0, im 61. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Sonntag, den 5. Januar. mittags 12 Uhr. von der Leichenhalle des Friedhofes der Gethsemancgemeinde in Nordend- Schönhauscn statt. Zahlreiche Beteiligung, besonder» der Zahlstelle Norden, erwartet Ose Ortsverwaltungd. Filiale Berlin des Zentral Verbandes der Stukkateure. Tanj/aguiiy. Allen denen, �dic meinem sieben Manne die letzte Ehre erwiesen haben, insbesondere dem Verbände der Maurer, sowie für die reichen Kranz- spenden sagen wir nnlcren besten Dank. Frau Lank« nebst Kindern. vfr Hygienische rteueet Katalog U EmpfohL viel Aersto nProf. grat. tUX Qammivaienlabdk i. ümpteni. v« Berlin hT' tY-C onchs iras» st/83. S)f Hen Verwandten und Bekannten �-4 die traurige Mitteilung, daß mein lieber Mami, der Bürsten- mache? Karl Völz plötzlich verstorben ist. U68Ü Tie Beerdigung findet am Sonnabend nachmittags 1','z Uhr von der Leichenhalle de» Thomas- KirchhoieS aus statt. Fra.. Bertha Völz, Nerdand der Maler, iacklerer.AuKreichtr asw. Filiale Berlin. Nachrat l Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Kollege Wilhelm Wolf am 20. Dezember verstorben ist. Ehre seinem Andenkens 131/1 Die Ortsverwaltnng Salamander-Stiefel werden nach den neust n Errungenschaften der Technik von geschulten Arbeitern aus besten Kohstolfen hergestellt und sind als das hervorragendste Ersengnis der deutschen Schuh• Industrie ........ anerkannt......—— Cohwlsprata Mr Damaa o. llorraa huxoecosfühmar SflLflMflNDER Danksagung. Für die große Beteiligung und die. zahlreichen Kranzspenden bei der Be- crdigstng meines lieben Mannes, unteres guten Vaters, BmdcrS und LnkelS, des SchristietzerS Atlotk blecke sagen wir allen Tetlnehmerti, ins- besondere den Smgcrn der„Dypo- graphia" und„Sintracht" iurtigsleir Dani. 23I2H Die irauernileii Hiulcrbllebcoeu. Verband der Schneider und Schneiderinnen. Nachruf. Den Mitgliedern geben wir hier- mit betaimt, daß die Kollegin Kfsuse am 30. Dezember gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! 162/1 vis ortsver�attung. scmm.QEL. Centrale: W. Fr-<3richsh'. 182 C. K5nig>k Srs„Botiiiiitfü" Sttlinct Nxlksbllill. Freitag, 3. Januar 1908. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste. Der«Verband der Portiers und Berufsgenossen Berlins und Umgegend", Bureau: Besselstr, 20 (Vorstand: I. A.: C. Kurgas. PriNzenstr. 97) teilt in seiner Ein- ladung zur nächsten Generalversammlung gleichzeitig mit, datz genannter Verein am 18. Januar 1908 in den Räumen der„O d d- Fel low-Loge". Alte Jakobstrave 123. sein„20 jähr ig es Stiftungsfest" feiert. Wir weisen darauf hin, das; das betreffende Lokal der organisierten Arbeiterschaft zu Versammlungen nicht zur Verfügung steht. Die Lokallommission. KimigS-Wustcrhausen und Umgegend. Die Parteigenossen werden auf die am Sonntag, den S. Januar, nachmittags 31/., Uhr, im Lokale des Herrn Wedhorn(Alteö SchützetihauS) stattfindende Generalversammlung des Wahlvereins hingewiesen. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes, Neuwahl desselben. Parteiangelegenheiten und Verschiedenes. Das Erscheinen eines jeden Parteigenossen ist in Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung dringend nötig. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Grosibccrcn. Am Sonntag, den 5. Januar er., findet im Lokale des Herrn Heinze Punkt 6 Uhr eine Mitgliederversammlung deS Wahlvereins statt. Tagesordnung: Neuwahl des Vorstandes, Srellnngnahme zu der devorstehenden Gemeindevertreterwahl und Verschiedenes. Um pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Berliner JVaebriebten. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Die erste Sitzung im neuen Jahre begann mit einer langen Reihe von Förmlichkeiten. Tie im Herbst gewählten Stadtverordneten wurden in ihr Amt eingeführt und vom Oberbürgermeister Kirschner mit einer Rede be- grüßt, die in warmen Worten besonders des alten Langer- Hans gedachte. Die Neuwahl des Vorstandes, die dann folgte, brachte keine Ueberrajchungen. Zum Vorsteher bezw.'einem Stellvertreter wurden Herr Michelet und Herr- Cassel gewählt. Michelet mit sehr großer Mehrheit. Cassel mit einer nur mäßigen Stimmenzahl, die ihm wenig Freude bereitet haben dürfte. Bei der Wahl des Stellvertreters hatte die sozialdeNrokruatische Fraktion den ihr zukommenden An- spruch auf diesen Posten geltend gemacht und für Genossen Singer gestimmt. Es verstand sich von selber, daß hier auf Unterstützung aus den Reihen der freisinnigen Mehrheit nicht zu rechnen war. Aber auch bei der Wahl der Beisitzer bezw. ihrer Stellvertreter blieb die sozialdemokratische Fraktion, die hier beide Male für Genossen Borgmann stimmte, mit ihrem Anspruch ziemlich ohne Unterstützung aus freisinnigem Lager. Es ist erst wenige Wochen her. daß die Mehrheit mit lautem Geschrei für das„Recht der Minderheiten" eintrat. indem sie für die Gewerbegerichtswahlcn Berlins das Pro- portionalwahlsystem als Wünschenwert bezeichnete. Bei der gestrigen Neuwahl des Vorstandes der Versammlung schloß dieselbe Mehrheit nach altem Brauch wiederum die sozial- demokratische Minderheit vollständig von der Besetzung der acht Aemter aus und brandmarkte hierdurch jene Schwärmerei für das„Recht der: Minderheiten" als heuchlerische Komödie. In derselben Sitzung fand die Mehrheit noch ein zweites Mal Gelegenheit, ihre echt-freisinnigen Grundsätze zu be- tätigen. Das war bei den Verhandlungen über die Petition eines Schiedsmannes,, der die Beschaffung eines A mtszi m m ers oder eine Entschädigung für das von ihm selber herzugebende Zimmer forderte. Der Petitionsausschuß hatte sich für Berücksichtigung ausgesprochen, aber im Plenum wurde dieser Vorschlag von dem gesamten Freisinn heftig be- kämpft. Fünf Freifinnsmänner, darunter der urkomische Herr Feuerstein, traten auf den Plan und eiferten gegen den begehrlichen Schiedsmann. Ihrer Reden Sinn war der. daß ein Mensch, der nicht mal ein Zimmer drüber hat, eben nicht Schiedsmann sein könne. Unser Genosse Leid hielt dem Frei- sinn die Konsequenz vor. die sich aus solchem Standpunkt er- gibt. Sie läuft darauf hinaus, daß nach der Meinung und dem Wunsch der freisinnigen Mehrheit nicht die Fähig- keit. sondern der Besitz darüber entscheiden soll, ob ein Bürger Schiedsmann sein darf oder nicht. Genosse Stadthagen hob hervor, daß amtlich anerkaimt worden sei. mit wie gutem Erfolge gerade dieser Schiedsmann— dieser Mensch ohne überflüssigem Zimmer— bisher sein Amt ausgeübt habe. Aber alles hielt die Mehrheit nicht ab, den Antrag des Ausschusses niederzustimmen. Man sieht, wie ängstlich der Berliner Stadtfreisinn darüber wacht, daß mög. lichst keines der Hindernisse weggeräumt wird, die es den Un- bemittelten erschweren, ein kommunales Ehrenamt zu über- nehmen und auszuüben._ Wohltätigkeit auf Kosten des Arbeiters. Vor dem Geiwerbegericht Berlin wurde am Donners- tag eine Klage verhandelt, die in eigenartiger Weise eine gewisse Sorte von Wohltätigkeit beleuchtete. Als Kläger erschien ein Ar- bester B.. Beklagter ivar ein Herr Schepmann, sein früherer Arbeitgeber. Schepmann ist Inhaber einer Pumpenfabrik. Da er als strenggläubiger Katholik gilt, so hat man ihm die Per- waltung der sogenannten Brockensammlung des katho- lischen Charitasverbandes übertragen. Von ihm war B. nicht nur in der Fabrik beschäftigt worden, sondern auch in der Brockensammlung, die auf dem Jabrikgrundstück Chaussoestr. 88 untergebracht ist. B. arbeitete dort anderthalb Jahre, dann wurde er eines Tages ohne Kündigung entlasseu. Er forderte nun Zah- lung des Lohnes für 14 Tage mit 39 Mark und außerdem Rück- gewäyrung von 19,50 Mark, die Sch. ihm früher mal vom Lohn abgezogen hatte. Sch. ließ vor Gericht sich vertoeten durch einen Herrn Walischeck, der im Betrieb„Inspektor" tituliert wird, aber den Eindruck eines nicht fertiggewordenen Theologen macht. Dieser Herr W. erklärte dem Richter kühl, er könne keinen der beiden An- spräche als berecktigt anerkennen, und auf den Vorschlag eines Ber- gleiches gehe er nicht ein. Er erzählte, B. sei dem Herrn Sch. zu- geführt worden durch die„Jugendfürsorge" des Charitasverbandes, die sich der Insassen von Herbergen, Asylen usw. annehme und sie zu bessern suche. Zunächst habe man B. in der bei der„Jugend- fürsorge" üblichen Weise entlohnt, d. h. nur mit Speisemarken für die Voltsspeiseanstalten und nri» Schlafmarken für die Herberge zur Heimat. Da er sich gut geführt habe, sei er später gegen festen Lohn in bar als regelrechter Arbeiter eingestellt worden. Sch. habe damals keine Kündigung mit ihm vereinbart. Kündiflung sei direkt ausgeschlossen worden durch die Arbeitsbedingungen, die B. unter- schrieben habe. W. legte ein bezügliches Schriftstück mit Bs. Unter- schrist vor, B. erklärte aber, die Unterschrift rühre nicht v o n t h m h c r. B. mußte vor Gericht seine Unterschrift wieder- holen, um eine Vergleichung zu ermögliche u. Auch wurde noch ein Lchnzettcl vorgelegt, der zugegebenermaßen von ihm unterschrieben war. Porsitzender und Beisitzer machten ihn ans die starke Aehn- I�lichkeit aller Unterschriften aufmerksam, aber B. versicherte immer wieder, die Arbeitsbedingungen habe er nicht unterschrieben, jene Unterschrift müsse gefälscht sein. Er blieb auch hierbei, als der als Zeuge vernommene Werkführer, ein Schwager Schepmanns, aussagte, B. selber habe unterschrieben. Weniger günstig für Schepmann und die Seinen gestaltete sich die Verhandlung über den zweiten Streitpunkt. 19,50 Mark hatte er seinem Ar- b e i t e r B. als„K o st g e I d" abgezogen, loeil dieser in dem katholischen Kinderheim zu Heinersdorf, an das er für einige Wochen ausgeborgt worden war, Beköstigung erhalten hatte. B. brauchte dort für Beköstigung nichts zu zahlen, die Oberin sagte ihm das ausdrücklich. Als Sch. ihm hinterher„Kostgeld" vom Lohn abzog, erkundigte sich B. bei der Oberin, ob das Heim sich etwa von Sch. habe bezahlen lassen. Die Oberin verneinte daS. Bor Gericht erklärte nun der Herr„Inspektor" W., dem B. sei von vornherein gesagt worden, daß er Beköstigung draußen erhalte, sich aber dafür einen Lohnabzug gefallen lassen müsse. Sch. habe, das hob W. hervor, seinen Arbeiter dem Heim umsonst zur Verfügung gestellt. Aus des Vorsitzenden Frage, ob demi Sch. noch Kostgeld an die Anstalt gezahlt habe, antwortete W. zunächst ausweichend. Erst nach eindringlicher Mahnung gab er zu, daß das Heim sich nichts habe zahlen lassen. Hierzu bemerkte der Sborptzeilde, dann habe wohl die dem Heime c r lv i e s e n e Wohltat durch den dem Arbeiter auferlegten Lohnabzug zum Teil ausgeglichen werden sollen. Das Gericht kam schließlich zu dem Urteil, Sch. habe die 19,50 Mark zurückzugeben, Abzug wäre nur zulässig gewesen,,, wenn Sch. selber dem Heim ein Kostgeld gezahlt hätte. Andererseits müsse Bs. Forderung eines Lohnes für »och 14 Tage zurückgewiesen werben, weil durch seine Unterschrift die Kündigungsausschließung bewiesen sei. Da das Gericht die Unterschrift als echt und somit die KündigungsauSschlietzung als bewiesen ansah, so war Herr Schepmanns Vertreter der Notwendig- keit überhoben, sich über die besonderen Gründe zu äußern, die zu Bs. plötzlicher Entlassung geführt hatten. Das war recht schade; das Gericht hätte dann vielleicht über den Betrieb der Brocken- sammlung allerlei Merkwürdiges zu hören gekriegt. «Für Kinder." Weihnachten ist wieder einmal vorüber und wir Großen sind von neuem in die erste Reihe gerückt, die wir eine kurze, märchen- schöne Zeit ihnen überlassen mutzten, den Kleinen und Allerklcinsten: unseren Kindern. Was aber ist in jener kurzen Zeit nicht alles angepriesen, ge- malt, gespielt und gedichtet worden unter der Marke„Für Kinder". Da möchte eine gewinnsüchtige Ueberproduktion all die Hunderte von Ueberflüssigkeiten, nachdem sie sie den Großen als notwendig ausgehalst, auch noch in die Kinderstube schmuggeln. Da sind Kindcrbälle, auf denen die Kleinen zu Affen der Erwachsenen dres- siert werden. Kindervorstellungen— wie überflüssig! Das Kind erlebt in einer Stubenecke buntere Komödien, als aller Flitterkram sie ihm je vorführen kann: auf cincin Sonnenjlimmer, der in das Dämmerlicht seiner Stube fällt, tanzen ihm Lichtgeistcr herrlichere Neigen, als alle Tänzerinnen eurer Zirkusse. Das Kind, soweit es noch unverfälscht und unverdorben aus den Händen der Natur, ist Künstler, schassender Künstler. Es malt seine ureigensten Bilder auf jeden Bretterzaun, auf jede Haus- wand, bis— der Schutzmann kommt und es ihm verbietet; singt seiner eigenen Seele Melodie, spricht die eigene Sprache, bis— der Schulmeister ihm die seine beibringt Der Schutzmann, der Schulmeister und der Unteroffizier, das sind so recht die Rachegeister, den Menschen aus seinem Kindheits- Paradies zu verjagen. Wie wenig Verständnis aber auch von denen, die ihin am nächsten stehen, von Eltern und Künstlern, der Kindesnawr cnt- gegengebracht wird, kann man in der Weihnachtszeit täglich mit Erstaunen sehen. Bringen da Dichter ganz drollige Geschichten auf den Markt, an denen allerdings die Erlvachsenen sich über Kinder amüsieren können; liesern Maler recht gelungene Körritaturen von Kindern, die woyl in den Witzblättern der Großen sehr ergötzlich wirken: aber nie und nimmer vermöchten, ein herziges Kinbermäulchen in erwartungsvollem Staunen zu öffnen, ein einziges Kinderjauchzen auszulösen. Das Kind hat ja noch gar nicht jene närrische Eitelkeit der Erwachsenen, die ihr eigenes, oft so Inhalt- und bedeutungsleeres Alltagsdasein immer und immer wieder von den Künstlern vorge- schmeichelt sehen wollen. All diese Szenen, wie das Kind sich nicht waschen und kämmen läßt, wie es faul oder fleißig, brav oder un- gezogen ist, haben in der Darstellung für das kindliche Gemüt nur dann einen Wert, wenn sie vergoldet sind von einem echten, sonnigen Humor. Statt seiner aber findet man meist nur eine ölige, moraltriesende Pädagogik. All die Voraussetzungen, die dem Erwachsenen eine Dichtnng, ein Bild interessant oder langweilig machen, sind ja für das Kind noch gar nicht vorhanden. Das Kind ist Heide, völlig Heide. Ost noch lange, nachdem kirchlich gesinnte Eltern angefangen haben, eS mit irgend einer dogmatischen Religion zu päppeln. Es sieht noch mit Traumaugen in eine wundersam belebte Welt. Bäume und Steine sind ihm beseelte Wesen, bei denen seine eigenen Wünsche und Hofsnungen ein Echo finden. Und sie, jene armen Großstadt- linder, denen die Natur draußen ein verschlossenes Zauberroich bleibt, auch sie sehen doch noch in dem Stiefelknecht des Vaters einen verwunschenen Prinzen, im Fußschemel der Mutter eine böse texc. Irgend ein Wunder wäre ihnen das selbstverständlichste ing von der Welt. Sie wissen ja noch nichts von physikalischen oder anderen Gesetzen. Auch nicht von moralischen Gesetzen, sofern Eltern und Erzieher sie ihnen nicht am eigenen Leibe fühlbar machen. Darum sind auch alle unsere herrlichen alten, echten und rechten Kindermärchen so köstlich heidnisch und unmoralisch. Von diesem Stairdpunkte aus sollte man auch die Kriminalität der Jugendlichen betrachten lernen und nicht gleich bei jeder Hand- lung von Kindern, die unseren Äulturbcgrisfcn ins Gesicht zu schlagen scheinen, in blassem Entsetzen über die sündige Verdcrbtheit der heranwachsenden Jugend nach vom Strafrichter schreien. Min- bestens die Hälfte aller kindlichen Verbrechen entspringen einer noch zu überschwänglichen Phantasie, die an der Sonne wahrer Elternliebe, im feinfühligen Verständnis von Lehrern, Früchte reifen könnte, die einst der Gesamtheit zum Segen würden; wäh- rend sie heute in Besserungsanstalten und Gefängnissen, sich mit Gift und Haß vollsaugend, zu Feinden der Menschheit heran- wachsen. Für Kinder malen, für Kinder dichten— nur wenigen begnadeten Künstlernaturen ist es gegeben, die noch den Weg zurückzu- finden wisse» ins lange verschüttete Zaicherreich. Und ihr anderen, die ihr selbst den Weg nicht mehr findet, jagt wenigstens eure Kinder nicht allzu früh hinein in unsere mitleidslose Staatsord- nung, in der Vernunft und Gold auf dem eiskalten Richerstuhle sitzen. Was wären alle Reiche der Verheißung gegen das eine köstliche, das wir alle einst besessen: das Reich der Kinderträume! Der Müggelsee ist zu. Eine alle Anhänger deS Eissports er- freuende Kunde kommt aus Fricdrichshagen. Der Müggelsee, welcher die beliebteste Eisfläche für die Berliner Schliitschnhläuser und Segelschlittenfahrer bietet. ist mit einer Eisfläche überzogen, die stelbrnweiie bereits die Stärke von zwei Zoll bat. Falls die Kälte anhält, wird das Eis bis Ende dieser oder Anfang nächster Woche die für die polizeiliche Abnahme erforderliche Stärke von fünf Zoll besitzen und dementsprechend die Bahn freigegeben lverde». Es sei jedoch darauf hingewiesen, daß daö Betreten des Müggelsees vor der polizeilichen Freigabe streng verboten ist. Gendarme und Polizeidiener der anliegenden Ortschaften haben die Anweisnng, für die Jnnehaltung der Polizeiverordnung Sorge zu tragen und Uebertreter der Bestimmungen zur Anzeige zu bringen. Das Blk- treten der polizeilich nicht freigegebenen Eisfläche wird mit einex Geldstrafe bis zu 60 Mark belegt. In Berlin ist der Landwehr- und Luisensrädtische Kanal zu- gefroren und die Lokalschiffahrt auf diesen beiden Verbinduugs- kanälen unterbrochen. Die Obcrspree ist mit ungeheuren Treibeis- »lassen bedeckt, die sich zwar stellenweise versetzen, doch konnte die Fahrrinne bisher durch Schleppdampfer offen gehalten werden. Im Eise eingebrochen und ertrunken ist der Musiker Strecker aus dem Dorfe Bindow au der Dahme, der am Silvesterabend in einem Bergniigungslokal bei Schmöckwitz gespielt hatte. Er wollte gegen 2 Uhr morgens sich nach Hause begeben und ist allem Anscheine nach in der Dunkelheit von, Wege abgekommen und auf das Eis der Dahme geraten. Ob St,, der vollständig nüchtern war, versucht hat, den Weg über das Eis abzukürzen, ist nicht festgestellt. Er brach ein und fand seinen Tod in den Fluten,— Ein zweiter Unglücksfall auf dem Eise ereignete sich am 31, Dezember in Köpenick. Dort tummelten sich mehrere Knaben ans der Eisfläche der Spieeausbuch- iu»g, dem sogenannten Franentog, obwohl das Betreten des Eises noch verboten ist. Hierbei brach der 12jShrigc Schüler K. ein. konnte jedoch, bevor er ernsten Schaden genommen hatte, gerettet werden. Die NeujahrSnacht ist diesmal im allgemeinen etwas ruhiger und„harmloser" verlaufen als in den vergangenen Jahren. Es kam allerdings zu recht zahlreichen Ausschreitungen, doch trugen sie keineswegs einen so schweren Charakter als dies in den letzten Neu- jahrsnächten der Fall war. Die Polizei batte außerordemlich um- fangreiche Maßnahmen getroffen, um größere Ausichreiilmgen im Keime zu ersticken, Ihr Hauptaugenmerk hatte sie natürlich wieder auf die Friedrichs» atze, in der sich ja bekanntlich in der Ncujahrsnacht Zehn- tausende einzufinden pflegen, gerichtet. Schon um ll Uhrzog ei» größeres Polizeiaufgebot aus. Der Engpaß zwischen der Behrensträße und den Linde» wurde für jede» Verkehr vollständig abgesperrt und Unter den Lindeil, an der, Kreuzung der Friedrichstratze gab eS gleich- falls Absperrungen. Kurz vor 12 Uhr wurden die Schutzmanns- Posten noch bedeutend verstärkt und auch die berittenen Polizei- beamten rückten jetzt gruppenweise an. Ebenso waren zahlreiche Kriminalbeamte auf dem Posten. Inzwischen hatten sich ganz ge- wältige Menschenmassen angesammell und besonders zwischen der Französischeiistraße und der Behrensträße wogten die Mengen auf und ab.„Rechts gehen!" hieß es fortwährend bei den Schutz- leuten und auf diese Weise gelang eS auch. größere Ansammlungen und Stockungen zu vermeiden. Auch zwischen deü Linden und dem Bahnhof Friedrichstraße hatten sich enorme Menschen- massen angesammelt, und auch für diesen Teil der Friedrichstratze halte die Polizei die weitgehendsten Matznahnren getroffen. Als um 12 Uhr der erste Glockenschlag ertönte, erbrauile ein viellausend- stimmiges„Prosit Neujahr"!, und nun spielte sich der übliche Neu- jahrsrummel ab. Man konnte jedoch diesmal die Beobachtung machen, datz sich das Publikum weit ruhiger und„harmloser" be- nahm als in den letzten Nerijahrsnächten. Die Polizei brauchte nicht so oft einzuschreiten, als dies früher der Fall war. Ein Umstand kam ihr dabei allerdings zu Hülfe: es zeigten sich so gut wie gar keine„Wichslöpse". Nur in ganz vereinzelten Fällen wurde einer sichtbar und gleich begann natürlich die Jagd nach dem Opfer. Auf dem Promenadenwege Unter den Linden war eine„fliegende" Polizeiwache eingerichtet worden und alle Sistierten wurden dort eingeliefert. Nach Fest- stellung der Personalien wurden sie bis auf einige wieder auf freien Fnh gesetzt. In der Chausseestratze. am Webdingplatz, auf dem Gesundbrunnen und in der Frankfurter Allee kam es zu gröberen Auftritten. Im ganzen dürften in der NeujahrSnacht etwa achtzig Pertonen zu Schaden gekonnuen sein. Einige Rettnngs- wachen, Unfallstationen und Samiätswachen waren die gaiize Nacht hindurch in Anspruch genommen. In ber unmittelbar an der Friednchstratze belegenen Unfallstation 13 wurden allein 18 Verletzte verbiliiden. Drei von ihnen hatten sich beim Abschietzen von Revolvern schwer verletzt. Auch einige Verunglückte waren darunter. Auf der Sanitälswache in der Lindowerstratze wurden 14 Verwundete eingeliefert, von denen die meisten überfallen und recht übel zu- gerichtet worden waren. Einige der Verletzten mutzten nach Kranken« Häusern gebracht werden. Ein nichtswürdiger Bubenstreich ist in der Silvesternacht in der Gneisenaustrotze verübt worden. Als gegen 1 Uhr morgens der Straßenbahnwagen Nr, 1641 der Linie 36(Rrenzberg-Scbönholz) den Straßenzug zwischen Sckileiermacher- und Bärwaldstraße durch- fuhr, wurde plötzlich, vermutlich von dem linksseitigen Bürgersteige, ein Schuß abgegeben. Die Kugel zersplilterte an der Seitenscheibe des Siraßenbahnwagens, doch blieben die in diesem befindlichen Fahrgäste glücklicherweise unverletzt. Leider konnte der Urheber deS Bubenstreiches nicht ermittelt werden. Bor de» Zug geworfen. Ein entsetzlicher Vorgang hat sich am Neujahrstag auf ber Schlesischen Zweigbahn Berlin-Kaulsdorf ab- gespielt. Der 21 Jahre alte Mechaniker Friedrich Hermann aus der Friedenstr. 112, der sich schon seit Jahren in der städtischen Anstalt in �öublgarten befand, hatte 14 Tage Weihnachtsnrlanb erhalten und gestern sollte er wieder durch zwei Wärter nach der Anstalt zurück- gebracht werden. Aus der Station Biesdorf gelang es ihm, seinen Wächtern zu entrinnen. Ehe eS den beiden gelang, ihren Pflegling wieder zu ergreisen, hatte sich dieser vor die Maschine eines heran- brausenden ZngeS geworfen. Durch Zurufe von Bahnbeamten brachte der Zugführer den Zug zum Stehen, In bewußtlosem Zu- stand wurde H, hervorgezogen. Der Bedauernswerte hatte einen schweren Schädelbruch erlitten und die rechte Hand war ihm zermalmt worden. In fast hoffnungslosein Znstand wurde er in das Kraulen- Haus am Friedrichshain eingeliefert. Ucber den Mißbrauch mit Arbeiterwochenkarten weitz eine Korrespondenz z» berichten: „Der Mißbbrauch mit Arbeiterwochenkarten hat derart an Umfang zugenommen, datz sich die Eisenbahnbehörde genötigt gesehen hat, energisch gegen die Verstöße vorzugehen. Die Er- leichterniig, die bei den Wochenkarten im Preise besteht, sollen der arbeitenden Bevölkerung zu gute kommen; bekaimtltch ist ja auch für Lösung einer solchen Karte eine Bescheinigung des Arbeitgebers maßgebend. Diese letzte Bestimmung ist nun in der letzten Zeit scheinbar nicht durchweg streng beobachtet worden, denn in den letzten Wochen wurden verschiedent- lich Sistierungen von Inhabern solcher Karten vorgenommen, die ergaben, datz der Besitzer nichts weniger als ein Arbeiter ist, Unter den Betroffenen haben sich sogar zwei Hausbesitzer und Arbeitgeber einer nicht unbeträchtlichen Zahl Angestellter ergeben. Durch derartige betrügerische Manöver wird das Wesen der Arbeiterkarten illusorisch, so datz sich die Behörde veranlaßt sah. den-Beamtinnen der Schalter erneut Weisung zu geben, bei der Ausfertigung dieser Karten genau nach den bestehenden Borschriften zu handeln und im Zweifel die ersuchte Karte so lange zu ver- weigern, bis ein vollgültiger Betveis der Zugehörigkeit zur Arbeiter- schaft erbracht sei." Ob das hier mitgeteilte über den Mißbrauch mit Arbeiterwochen- karten richtig ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Sollten in ein- zelnen Fällen Besitzende sich diese für Arbeiter getroffenen Ber- güirstignngen zunutze gemacht haben, so tadeln auch wir daS; solche Einzelfälle sollten aber die Eisenbahndirektion nicht veraiilasien, den Arbeitern bei Lösung der Wochenkarten noch mehr Scherereien zn machen, als das ohnehin jetzt schon der Fall ist. Schon jetzt be- trachten die Fahrkartenverkmisenmieu Personen, deren Beruf eS mit sich bringt, in» Kragen und Schlips zur Arbeit zu kommen, sehr mißtrauisch und machen erhebliche Schwierigkeiten. Diese noch zu vennehren, lieat sicherlich kein Ankah bor, auch einige Fälle etwaigen Mißbrauch? begrimden eine Verschärfung nicht. ' In den Wnrrnhiluser» sind während der Weihnachtswoche von den Patrouille» der Kriminalpolizei 96 Personen beim Laden- und Talchendiebstahl festgenommen worden. E« befinden sich unter ihnen nur wenige gelverbsmöstige Diebe, die meiste» sind unbestrafte Per- sonen..welche der Gelegenheit, zu billigen LZeihnachtSgeschenten zu kommen, nicht widerstehen konnten. Ein Unglücksfall ereignete sich gestern abend gegen S'/, Uhr auf den, neuerbauten Bahnhof Jiiiigfernheide. Ein Fahrgast stieg, als bereits der Zng im Gange war� auf der verkehrten Seile, dem Bahn- ' steig des neuen Bahnhofes aus und geriet zlvischen Trittbrett und Bahnsteig. Dem Verunglückten war. obwohl der Zugführer den Zng sofort halten liest, der Wagen über die Fitste gegangen. Do der . Bedauernswerte vollständig eingeklemmt war, so muhte erst da« ' Trittbrett abgesägt werden, bevor er aus seiner entsetzlichen Lage befreit werden konnte. In bedenklichem Zustande wurde der Per- unglückte von der Unfallstelle getragen. In der Urania Tanbenstr. 48/49 iverdeit von Januar Bis März folgende Vortragsreihen stattfinden: Professor Dr. B. Donath„Die pbt>sikalischen Grundlagen der Musik und der Malerei", Sonnabends 8 Uhr. gemeinverstäiidlich mit Experimenten. Beginn 11. Januar .1968: Professor Dr/ F. Rathgen„Einführung in die anorganische Experimentalck'emie Donnerstag 8 Uhr, gemeinverständlich, Beginn 16. Januar 1963; Dr. C. Thesing.Abstammungslehre und moderne Entivickelungstheorie" Dienstags 8 Uhr, gemeinverständlich, mit Lichtbildern, Beginn 14. Januar 1993: KonstruktionSiugeiiieur A. Äestner „Unsere moderne Stahl- und. Eisenindustrie" Freitags 8 Uhr, ge.meinyerständlich mit Versuchen und Ltchtbüdetn, Beginn 10. Januar 1908; Direktor O. Krell„MotorballonS und Flugmaichinen" Miit- woch» 8 Uhr, gemeinverständlich mit Lichtbildern und Versuchen, Beginn 16. Januar 1908' Privatdozent Dr. F. Ristenpart„Die 'Sonne und ihr Reich" Freitags 8 Uhr. gemeinverständlich mit Licht- bildeni im grosten Auditorium der Urania-Sternwarte, Jnvaliden- strahe 57/62, Beginn 10. Januar 1903; Prosesior Dr. B. Donath „ElekirizitätSlehre" DienStagS 6— 8 Uhr Hörsaal Taubenstrastc 4N/49, Voraussetzung: Kenntnis der elem. Mathematik. Karten zu samt» lichen Vortragsreihen täglich an der Kasse deS JnstiiutS Täuben- ftraste 48/49 von 10 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends erhältlich. Vermißt wird seit Freitag vormittag, den 28. Dezember 1907, Frau Emma Reichelt, Berlin N., Sivinemünderstraste 70; 48 Jahre, gut minelgroste kräftige Figur, granmeliertes Haar, trug schivarzen. Fallenpaletot, schivarzen Hut mit scknoarzer Feder, schwarze Lederhandschuhe, rosaseidenes Tuch unter dem Mantel, Brosche und Ohrringe mit Türkisen und Brillanten. Trau- ■ring gez. C. R. 1879. Im Mantel. die Firma D- Lewin. in der Taille der Name Posse. Für den Nachwcts des Verbleibs der Ver- niistlcn sind 109 M. Belohnung ausgesetzt. Nachrichten an Karl Reichelt. Berlin N., Swineinünderstr. 79, oder Polizei. Fenernachrichten.„Feuer im königlichen Schlost Bellevue" alar- mierte gestern vormittag»in 10 Uhr die Berliner Feuerwehr. Da jede Meldung von einen. Brande in einem königlichen Gebäude an sämtliche Wachen als„Mitielfener" weiter gegeben wird, rückten so- fort ein Dnyetid Löschzüge unter der Leitttng des Branddirektors Reichel nach dem Schlofie aus. Dort war durch-Ueberheiztmg eines Ofens Feuer ausgelommen. da? bald gelöscht werden konnte. Ein bedauerliches Brandimglück ha/ sich in der vergangenen Nacht in der Dreödenerstr, 92 zugetragen. Dort war aus nicht er- miltelter Ursache, vermutlich durch Unvorsichtigkeit, in einem Mäd'chen- zimmer im Eidgefchost des Seitenflügels Feuer ausgekommen. Als 'die Gefahr bemerkt wurde, stand da« Zimmer mit den Möbeln, Betten, Fustboden. Schaldecke» schon vollständig in Flammen. Die alarmierte Feuerwehr fand bei ihrem Eintreffen in dem Zimmer einen total verbraniiten menschlichen Körper und zwar den des Lehrmädchens Gertrud Echönrock. Die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt und fortgeschafit. Das Mädchen war bei dem Schlächtermeister C. Heimann in Stellung und fall in später Nacht- stunde zu Bett gegangen sein. Wegen eines nicht alltäglichen Unfalls wurde die Feuerwehr nach der Tanbenstr. 2> gerufen. Dort ivar gestern vormittag um 9 Uhr eine Antomobildroichke der Bedag-Gefellichaft in die Baugrube der Untergniiidbahn gestürzt. Der Chauffeur war mit leichten Ber- letzungen davon getoinmen. Die Fenerwehr beseitigte weitere Ge- fahren' durch Absteisungen einer beschädigten freistehenden Stütze. Die Bedagdroschke wurde von der Gesellschaft Mittelst eines Krahnes aus der Baugriib« wieder heraufgeholt. Der Wagen war stark be- schädigt und mußte fortgeschafft werden. Wegen eines Dachst,, hlbranves erfolgte ein Alarm nach der Mantensselstr. 7..Die Feuerwehr mußte lräftig Wasser geben, um die Gefahr für daö Han« zu beseitigem In der Neuen Jakobstr. 16 braninen Regale u. a. in einem Geschäftsraum. Der 6. Zug löichte den Brand niit einer Dampffpritze. Unter den Linden lS mußte gestern früh 7 Uhr ein Kellerbrand gelvicht werden. In der Dnnckerstr.>9 brannten Möbel usw. Kellerbrände wurden ans der Gartenstr. 67, Chansseestr. 4. Waldenburgerstr. 29. LandSbergerstr. 19 und ver- schtedeneu anderen Stellen gemeldet. Mit der Löschmig des Brandes in der Woldeiibergerstrahe hatte die Wehr längere Zeit zu tun. Am' HolsteinSr Ufer 2 brannte eine Tischlerei und gleichzeitig in der Kesielilr. 24 Balken, Fußböden usw. WeihnachtSbänine. Gardinen und Möbel gingen Neujahr in /der Krenzbergstr. 7, Hannoverscheii- straße 2. Sberswaldetstr. 21. Manteusfelstr. 71 und anderen Orten rii Flammen auf. Wohtiiingsbrände mußten in der Pallasstr. 5. MendelSiohnstr. 13. Tilsiierstr. 11. Kreiiimenerstr. 8, nick Reichstags- user 8, in der Marienbnrgerstr. 88. Griebeitowstr. 17 uiw. gelölcht werden.' In der HcinerSdorferstr. 15 braiinle Holzwolle lt. a., in ber Rochstr.» 18 ein Laden, in der Philippstr. 7 das gmischengebälk. in der Markgrasenstraße— Baugrube der UutergruudbähN— ein. Kollsofen usw. Vorort- I�admdrten. WismerSdorf. Die Abschaffung der Listenwahl und AbSnderung der Mahlzeiten bezwecken zwei Petitionen, welche der liberale Verein an den Magistrat und die Stadtverordnelenversämniluiig gesandt hat. In her ersten Petition, die sich mit der Abschaffung der Listenwahl be- fchäftigt, wird u. a. folgendes betont: „Die bisherigen Wyhlen haben gezeigt, daß die Listenwahlen den Wifien weder der Geianttbevölkeriiiig noch der einzelnen Stadt- teile gehörig zum Ausdruck bringen. Die Listenwahl ermöglich! es, die Minorität im ganzen Orte, selbst ivenst sie in einzelnen Stadtteilen die Majorität bildet, von der Verirsnmg ganz atiszuichließei!. Ferner ist es denjenigen Stadtteilen, welche die größere Zahl Wähler stellen, möglich, ohne Rücksicht auf die weniger b. Völker te» oder weniger stenerkrafkigen Stadtteile sämiliche Stadtverordnete nach eigenem Willen zu stellen. ES ist daher ein dringendes Be- dürsniS. die Anzahl der Vertreter der einzelne» Stadlbezirke ge- fetzlich festziilegen und jeden Bezirk seinen Vertreter selbst wählen zu lassen. Bei dieser Feststellimg ist u. E. im Sinne der Städte- ordnung neben der Wahlerzahl die Zahl der Einwohner und die EixiivickeliiiigSfähigkeit der einzelne» Bezitke wejenilich mit zu Bermksichngeii. Die Listenwahl erweist sich auch aus dem praktischen Grunde als uirhalibar, daß für jeden Stadtverordnelen. der aus iigend einem Grinido sein Amt niederlegt(Wegzug, Krankheit usw.) die ganze Stadt zur Neuwahl, berufen werde» mutz. Bereits bei den.Stadtverordnetenwahlen haben wir darauf hin- gewiesen, daß durch die Listenwahlen ein großer Teil der werktätigen Bevölkerung von der städlischen Berwallnitg ausgeschlossen wird. Wir haben auch nicht versäumt, der- Vermutung Ausdruck z» geben, daß die Anwendung des Listenwahlsystems nur den Zweck haben sollte, die Sozialdemokraiie aus der Stadtverordnetenversammlung fernzuhalten. Wir können deshalb nur wünschen, daß die Petition in der Stadt- verordnetenversammlung die nötige Unterstützung findet. In der Peiltton, die sich mit der Abänderung der Wahlzeit be- schäsiigt. wird darauf hingewiesen, daß eS unter den bisherigen Verhällnissen einem großen Teil der Wähler nicht möglich war, ihr Wahlrecht auszuüben. Die Petition verlangt für die erste Abteilung eine Wahlzeit an einem Tage ununterbrochen von 11 Uhr vorinittagö bis 8 Uhr abends, für die zweite und dritte Abteilung eine solche an je einem Tage ununterbrochen von 11 Uhr vorntittagS biö 9 Uhr obendS. In bezug auf die dritte Abteilung wird es als erforderlich gehalten, daß die Wahlen an einem gesetzlichen Sonn- oder Feiertage vor« zunehmen seien. Diese Petition besagt nichts anderes, als was die Sozialdemokratie feit vielen Jahren programniatifch fordert. Es einspricht nur dem Gebot der Gerechtigkeit, wenn den um ihre Existenz ringenden Arbeitern die Möglichkeit geboten wird, ihr Wahlrecht so auszuüben, daß sie keine materielle Schädigung erleiden. Insofern begreifen wir eS, daß der liberale Verein sich zu dieser Anschauung empor- geschwungen hat. Ob seinen Forderungen jedoch der WilmerSdorfer Magistrat und die Siadlvcrordnetenverfainmlung znfliminen würden, ist eine andere Frage.' Rixdorf. Ei» recht unheimlicher Sellistmordkandidat ist der 6t Jahre alte Machaniker Max L. aus der Berlinerstr. 41. Vorgestern abend wurde L. von seinen Angehörigen plötzlich vermißt und va er sich infolge längerer Arbeilölosigkeit und Familienzerwürfnisse in einer recht ver« schlagencn Stiiiimung befand, ahnte man nichts Gutes und suchte nach dem Verschivundencn. Man entdeckte ihn schließlich im Keller. L. hatte sich dort eingeschlossen, um sich ungestört das Leben nehmen zu können. Er drohte jeden zu erschießen, der eS ivagen werde, ihn (u stören. Uin seiner Drohung auch den nötigen Nachdruck zu geben, euerte er einen blinden Schuß ans einem Revolver ab. Als man aber trotzdem die Tür geöffnet hatte, sah man gerade, wie L. leblos zu Boden stürzte. Er batte sich mit Zyankali vergiftet und wurde in hoffnungslosem Zustande in das städtische Krankenhaus ge- bracht. Schöneberg. Mit Blumen geschmückt in den Tod gegangen ist gestern abend um lO Uhr die 21 jährige Telephoiiistiii Lnife Großmann, die in der Koburger Straße 9 ein Zimmer in der ersten Etage des Hanfes bewodnte. Infolge des Knalles mehrerer Schüsse ließen die HaiiS- bewohner und ein vom nahen Polizeipräsidiuin zu Hülfe gerufener Schutzmann die Stubentür durch einen Schlosser gewaltsam öffnen. Den Eintreleiiden bot sich ein eigenartig feierlicher und zu- gleich tief erschüllenider Anblick dar: daö ganze Zimmer war mit einer großen Aiizahl LickNer festlich erleuchtet und mit einer Menge frischer Blumen geschinnckt. während aus dem Sofa, völlig entkleidet, daö junge Mädchen mit roten Rosen im Haar. lag. Der Unterleib wies mehrere Schußwunden auf, die sich die G. mit dem noch von hrer Rechten umklammerten Revolver beigehracht hatte. Der Tod muß unmittelbar nach dem Abfeuern des Revolvers eingetreten sein und wurde durch den herbeigerufenen Arzt festgestellt. Ein in Friedenau. in der Stierstraße wohnender Prüder ivtirde sofort benach« richtigt. Nach den Aussagen von Bekannten liegt daS Motiv zum Selbstmord in unglücklicher Liebe. Trebbin(Kreis Teltow). Aus der Stadtverordueten-Bersammknng. In der letzten Sitzung de? alten Jabres wurde die Geiundheitskoimnission. auö acht Mitgliedern bestellend, bis auf den verzogenen Maurermeister Böhm, an" dessen Stelle Maurermeister Buchner getreten ist, wiedergewählt. Desgleichen die bisberigeu Führer der Pflichlfeuerwehr. Als Nacht- wächier und städtischer Arbeiter wurde nach dem Beschluß des Magistrats der Arbeiter Spietecke mit dreimonatiger Kündigung an- gestellt. Hierzu chatte ichou früher der in dieser Sitzung leider nicht anwesende Genosse TrebuS Protest eingelegt. Mit Recht hatte er darauf hingenUefen, daß man einem Menschen, der des Nacht? feine Pflicht getan habe, nicht zu», Uten könne, das Tagewerk eines städtischen Arbeiter» zu verrichten. Zur Prüfung der JaKresrechimng wurden die Stadivv. Schottntüller, Rathnow, Fenger. Binge, Köppen und Wichert gewählt. Sodann wurde zur Beschlußfasiiing über die Gültigkeit der Stadtverordnetenwahl gemäß§ 10 des ZuflrindiofcitS- geseyeS> geschritten. Nachdem der Stadtverordneten-Voriteher beiannt« gegeben hatte, daß die Wahl richtig ausgeschrieben und bekannt- gegeben worden war, teilte er auch noch mit. daß selbst von der Kanzel herab beim HanpigotteSdienst ans die Wichtigkeit der Wahl hingewiesen worden ist. Die Kirche bei allem. Gegeii de» Wahlakt ist Emiprtich erhoben worden. Sodann wurde die Wähl unseres Genossen Morgeiirotb angekochten, weil er nicht preußischer Staats- angehöriget sei. Es wurde jedoch sogleich richtiggestellt, daß derselbe schon lange naturalisiert ist. Die Abflimmung ergab eine Un- gültigkeitserklärnng mit 0 gegen 2 Stimmen be, 3 Stimm» enthaltiingen. Die Auflassung an den Mühlenmeister Maaß wnrde gegen 4 Stimme» abgelehnt. Mit 16 Stimmen wurde die Regelung der Feldstraße an deii Viagistrat znrückveriviesest. Pankow. Neber den voraussichtlichen Abschluß de» Rechnungsjahres 1906 wurde seinerzeit in einem Bericht mit großer Emphase erklärt, daß der voraussichtliche Ueberschnh für 1906 zirka 190000 M. betrage» würde. Wie nuiiiiiehr feststeht, beträgt der Neberschuß gegen den Voranschlag nur 43 161 69 M. Die miglückliche Prophezeiung der Geineiiideverwaliiiiig wird darauf zurückgeführt, daß unter anderem 30 000 M. Nmiatzstetier weniger eingegangen sind als im ersten halben Jahre, in>ve!che»> Zeitraum die Uinlatzsteuer 180 000 M. einbrachte. Desgleichen erforderte das Krankenhaus, über beste» Einnahme» und Ausgaben keine Erfadriinge» vorlagen, einen Zuschuß von 30 847.69 M.. wädrend nur ein gnsckniß von 6000 M. oiigeiiommcn war. Am Scblunc deS Rechnungsjahres stauben noch über 42000 M. Ein- nadmereste zu Buch, welche auf das nächste Rechnungsjahr überschrieben werden. An Mehreinnahmen sind zu verzeichnen an direlten statt 570 800 M. 636 545 29 M.. also ein Mebr von 79 745.29 M., desgleichen an direkten Stenern statt 286 400 M. 342 865,03 M., das ist ein Mehr von>06 436.03 M. Auch die Kaiialisations- und WasterwerkSverwaltuna haben ein Mehr von 35o7,08 M. gebracht. Erbebliche Zuschüsse erforderten wiederum die Schnleir. So belastet die Realschule bei einer durchichmitliche,, Schülerzahl vo» 753 die Gemeinde mit 55 470.49 M. Auf einen Realichüler entfällt also ein jätirlicher Zuschuß von 73,66 M. Dieie Summe erhöht sich ans 99,94 M. bei Benickiichtigimg der Verziniring und Tilgung deö«»lagelapiials Im nächsten Jahre dürfte sich der Zuschuß noch ganz bedeinend steigern, wen» man die Uebernahme der höheren Mädchenschule durch die Gemeinde und die Erbaunno und Inbetriebnahme deS NcalgyimiasiuniS in Betracht zieht. Auch die Gemeinde schulen erfordern 219412,14 M. Zuschuß; dazu kommen für Verziiining und Tilgung der für Gerne, ndeschiildaiiteu auf. geiioimnenkN Anleihen noch 59 689.47 M. Es enifällt bei einer diirchichniitlichen Schülerzahl von 4220(Bestand im Okiober l90gi auf einen Geineinde'chüler ein jährlicher Zuschuß von 32 M. Dies« Slimme erhöbt sich mit der Verzinsung und Tignng des Anleidc- kapiials ans 66.14 M. Da die DiirchschnitlSbevölkeriiiigszahl im Jahre 1906 33300 Einwohner betrug, soentsallen auf den Kopf der Vevöikeinna aii Echnlsttsten 8,40 M. jährlich. Der preußische Staat, welcher sich alle Rechte in Bezug auf die Volksschule vorbehält, zahlt bei einer Belastniig der Gemeinde in der Höhe von 279 101,89 M. gnn-e 7o00 M. als Beitrag zum Dieiuieinkommen der Lehrer und L. hrerinnen. Bei den' kommenden Landiagsivahleit haben unsere Gen osten alle Veranlassimg, in ihrer Agitation auf diesen ünerhörlen Mißstand hmzmoeisen. Potsdam. Von eineut Soldaten des?. Garde-Artillerikkegimeitts elend zu« gerichtet ivurde am ersten NeujahrStage abends ein vom Tanz heim- kehrendes Mädchen. Dasselbe wurde in der Kaiser-Wilhelm-Slratze von dem Soldaten verfolgt und mit dem Mester bearbeitet. Em dem Rowdy entgegentretender Schutzmann wurde ebenfalls mit dem Messer verletzt; einem Passanten gelang eö endlich, dem Burschen das Messer zu entreißen. Das Mädchen mußte, nachdem ein herbei- gerufciicr Arzt einen Notverband angelegt hatte, nach dem städtischen Kraiikeiihaiise transportiert werden, während der Messerheld nach der nächsten Militärwache gebracht wurde. Gerichts-Leitung. Verhinderte Prozeßverschleppung. Ein am letzten Tage des verflossenen JahreS vor dem Berliner Ka»finai»iSgericht verhandelter Prozeß dauert bereits fast ein Jahr. Die Entscheidung des Rechisstreits hängt von der Beaniwortung der Frage ab, ob die Verkäuferin Anna S. von dem Kaufmann Herm. Siemberg. Inhaber deS KnnstiustilutS„Germania", mit 73 oder mit 100 M. Monatsgehalt engagiert worden war. Während S1. be- hatiptete, daS- erflere vereinbart zu haben, erklärte die Angestellte, beichlvören zu können, daß 100 M. Gehalt feftgeietzl wurden. Nachdem in mebrcrc» Terminen die Beweiserhebung»och keine Klarheit ge- schaffen halle, trat der Beklagte im letzten Termin plötzlich mit der Vor- her niemals aufgestellten Behauptung hervor, die Klägerin sei für einen erheblichen Teil der Zeit, für die sie Bezahlung verlange, über- Haupt nicht tätig gewesen und machte außerdem den Einwand, daß ein Zeuge, der in eincnt früheren Termin vernommen wurde, nicht vereidigt worden sei. Das Gericht lehnte alle Bew ei»antrage de» Beklagten ab. Der Eimvand, daß Klägerin während der angegebenen Zeit nicht tätig war. sei abzulehnen, weil Beklagter diesen Einwand erst jetzt mache, obwohl der Prozeß schon ein Jahr schwebt. DaS Gericht erblicke in diesein erst jetzt vorgebrachten Ver- teidigungömittel die Absicht des Beklagten, den Prozeß zu verschleppen. Der Beweisantrag sei nach ß 279 der Zivilprozeßordnung in Verbindung mit ß 16 deö Kauf- »laiinsgerickitögesctzcs als verspätet anzusehen. Im Sinne dieses Gesetzes liege es, die Prozesse schnell zu erledigen. Beklagter könne auch nach so langer Zeit nicht den Einwand der Nicht- Vereidigung des Zeugen erheben. Auf Grund der Zeugenaussage und des schlechten Eindrucks, den die AnSlasirmgen des Be- klagten im Verlaufe des Prozesses auf das Gericht gemacht haben, habe daS Gericht beschlosten, der Klägerin den r t ch t e r l i ch e n Eid über die vereinbarte Gehaltszahlung von 100 Mark auf- zuetlegen. � Nachdem Klägerin den Eid geleistet hatte, wnrde der Beklagte zur Zahlung des eingeklagten Betrages verurteilt. Wie die Schmiedrinming das Gesetz mißachtet. Die Kontrolle de« Arbeitsnachweises der Schmicdeinniiitg glaubte der Obermeister dadurch unterbinden zu können, daß er dem zur Ausübimg der Komrolle berechtigten Gesellenansschuß- initgliede G e r l a ch den Aufenthalt im Arberisnachweislokal unter- sagte und ihn, als er auf seinem Recht bestand, hinauSweisen und wegen Hausfriedensbruch anzeigen ließ. G e r l a ch hatte sich infolgedessen am Donnerstag vor dem Schöffen ge.richt zu verantworten. Nach den Angaben des Angeklagten und dem Ergebnis der Betveisaufnahnte liegt der Angelegenheit folgender Tatbestand zu gründe: Der Junungö- vorstand änderte eigenmächtig und ohne den Gesellenausschuß, beziehungsweise die Kommission für Arbeits« vermiitelung und HerbergSwestn, zu hören. die Arbeite- nachweisordnung in bezug auf die Verm-ttclung von Au»hülfe stellen. Gerlach, als Verlreler der Gesellen in der Kommission für ArbeitSverinittelung und HerbergSweseii, besuchte den Arbeitsnachweis und»rächte den Herbergswirt, der als Arbeits- vermittler fungiert, darauf ausinerlsam, daß die ohne Mitwirkung des GeselleiiaiisichusieS verfügte Aenderung ungültig ist und deshalb die Vermiitelung nach den Bestimnuuigc» der alten Arbeits- nachweisordnung vorz>i»ehmen ist.— Später hat die Gewerbe« deputation des Magistrat» diese von Gerlach. hezw. dem GesellenauSschliß v e r t r e t e n e A n s i ch t für richtig erklär t.— Au» Anlaß dieser MeimmgSvsrschiedenhrit zwischen dem JmumgSvorstaiid und den, Gesellenausschuß hat der Obenneistcr dem Ausschuß», itgliede Gerlach schriftlich mitgeteilt, der JnttunaSvorstand habe Gerlach seines Amtes als Mitglied der Kommission, für Arbeits« vernsitlelung und Herbergswesen enthoben, der Aufenthalt im Arbeilü- nachwrislolal werde ihm verboten.— Gerlach protestierte gegen, diese nngesetzliche Verfügmig deS JnnungsvorstandcS und berief sich darauf, daß der JmiungSvorstaiid kein Recht habe, ihn seines Amtes zu enihebeir. Ein solche» Recht stehe nur der Geiverbedevntion deS Magistrats zu. Als Gerlach hierauf wieder den Arbeitsnachweis befuchle, wies ihn der Herbergswirt, einer An- Weisung de» Obermeisters folgend, hinaus. Gerlach bestand auf keinem Rechte. Ein Schutzmann wurde geholt und Gerlach wurde Wege» Hausfriedensbruch angezeigt. Das Gericht legte besonderen Nachdruck auf die Prüfung der Frage, ab Gerlach berechtigt war, au» eigenem Antriebe de» Arbeits- nachwei» zu kontrolliere», oder ob«S dazu eines besonderen Ans- trage» des ObeimetsterS oder der Kommissiou für ArbeilSvermittelung und HerbergSweseii bedürfe. Der Verteidiger Rechtsanwalt Wolfgang Heine machte dagegen geltend: Es koinme gar nicht darauf an, festzu- stellen, ob Gerlach zur Ausübung der Kontrolle eines Auftrage» bedürfe. auch die MeiniingSverschiedenheiten zwischen dem JnnungS- vorftand und dem Geselleiiaiisschutz babe ja da» Gericht niwt zu eiiischciden. Hier bandele es sich mir um die Frage, ob der Angeklagte subjektiv überzeugt war, er befinde sich im Recht. Daß er diese tteberzeugimg hatte, könne nicht bezweifelt werden»nd deshalb tonne auch von einem HauSstiedensbrnch keine Rede sein, der An- geklagte müsie also freigesprochen werden. Das Gericht erkannte auf Freisprechung, weil der Angeklagte geglaubt bade, er sei berechtigt, ans dem Arbeitsnachweis zu verweil«», ivm alko daS Beivußtseili, sich rechtswidrig daselbst aufznvalten. gefehlt habe. Der verhandelte Fall beweist von neuem, wie dringend not- wendig ein Schutz gegen ungesetzliche Anordmiiigen von JnmmgS- volstnnden und die zivil- und strafrechtliche Hafoing der JnnungS- vorfwndsinitglieder für ihre Anordnmtgen nnd Besch üsse ist. Dem isichi durch de» Grundsatz deS BlvckgeneralS und der ihm gefügigen liberalen nnd konservativen Truppen„Macht geht vor Recht" ver- bildete» Machtbeivnßtseiit widetspricht die iingrhencrlich« Talsache, daß der Arbeiter, der für«chtnng vor Gesetz und Recht einirat, und nicht der Obermeister und die I n n» n g S m itg l i e d e r angeklagt wurden, die die auch vatr der Aufsichtsbehörde mißbilligte GeietzeSveeletzung sich zuschulden kommen ließen. Ihr Armenhaus ist ein Saustall. Ein bezeichnendes Licht auf die gemeingefährliche Wirkung mancher Nriiienhänfer u»d Zwangserziehniigsaiistallen warf eine Verhandlung, die dieser Tage vor der Straflaminer in Kaisers- läutern statt>a»d. Vor den Schranken des Gerichts stand ein Halbfimpcl. der mit seiner zurzeit als total blödsinnig in der Heil- und Pflegeanstalt zu Fra»ke»thal nMergebrackiten Schwester Blulichande verübt Hatto. Der Angellagte war früher eiimial wegen Diebstahls der Zwangs- erziehmigsanstalt in Speyer überwie'en»nd wegen de» si'ht zur Verhandlung stehenden Falles der Jrrenaiiftalt Klinge, inumsier zur Beobachtung überwiesen ivordcn. Einer der dorligen A e r z t e erklärte nun in der gestrigen Sitzung als Gutachter u. a.: Der Angeklagte leide an aitgeborencm Schwachsinn und sei ein Opfer der sozialen Zustände, in denen er großgezogen wnrde. Für ein derartiges Produkt empfehle sich die Anstalt i» Speyer nicht. Erleider festen Ueberzeugung, dntz doch noch etwa? aus dem An- geklagten, der ein harmloser und �ulmiltiger Mensch sei, hätte iverden können, wenn er eine bessere Erziehung gchobl hätte. Der Lachversiändige erklärte den Angeklagten kür beswräittt znrelbnungS- fähig. Noch schlimmer erging cd in der Verhandlung der Ver- ivaltung deö Heimatortes des Angeklagten, Sittcr-, bei Alsenz. ES wurde festgestellt, datz die Familie deS Angeklagten. Mann. Frau. Sohn und Tochter im dortigen Armenhause, da« nur ein einzigeSZimmer enthält, untergebracht ist und d a st die vier Personen in einem Bett schlafen. Der Untersuchungsrichter bezeichnete den Zu- stand dieses ArmenhaufeS als geradezu grauenhaft und der ärztliche Sachverständige erklärte dem als Zeugen geladenen Adjnnllen von Sitters im Privatgcspräch:„Ihr Armenhaus ist. k u r z g e« sagt, ei» S a n st a l l!" Daö Gericht verurteilte den An- geklagten zu einem Monat Gefängnis und erklärte diese Strafe als durch die Unterfuchuirgshaft verbätzt. Vermischtes. Die Allcnfteincr Tragödie hat, nachdem der Hauptmann v. Goeben eingestanden hat. den Major v. Schönebeck erfchosien zu haben, ibre vorläufige Klärung gefunden. Dir halten es deshalb auch nicht für angebracht, uns gleich bürgerlichen ScnfationSorganen in fpaltcnlangen Berichten mit dieiem Vorkommnis zu beichaitigen, sondern werden, wen» nicht autzerordentliche Dinge hervortreten, die wert find, mitgeteilt zu werden, unsere Leier später von den Verhandlungen vor dem Ge- richl unterrichten. Die„Allensteincr Zeitung" bringt folgende, ihr von amtlicher Seite zugegangene Mitteilnng: Ueber das Geständnis des Hauptmanns v. Goeben können nähere Angaben noch nicht ge- macht werden, da die Verhandlungen über die Mitschuld der Frau v. Schönebeck noch schweben. Hauptmann v. Goeben will nach seinem Geständnis die an sich vorbedachte Tat in einem an Wahnsinn grenzenden Zustand von LiebeSraierei begangen haben. Nach- forschnngen nach der angeblich in die Alle geworfenen Schutzwaffe sind im Gange. Der Frost. Infolge der strengen Kälte in der letzten Nacht f— 16 Grad CelfiuS) ist, wie ans Posen berichtet wird, die Warthe vollständig zugefroren und die Schiffahrt ganz eingestellt. Ein Raubmord. Nach einer Meldung aus Hannover ivnrde gestern morgen im Haufe Rotzmnhle Nr. 1 die dort wohnhafte 5? Jahre alte Näherin Schulze mit durchschnittener Kehle aufgefunden. Die Leiche lag in der Kommer vor dem Bett. Schrank und Kommode standen offen, so datz man auf einen Raubmord schlirtzcn kann. Näheres mutz erst die sofort eingeleitete gerichtliche Untersuchung ergeben. Der Mord ist anscheinend in den frühen Morgenstunden ausgeführt. Gegen 4 Uhr wurde von Hausbewohner» ein Mann bemerkt, der um diese Zeil das Haus verlietz. Bestimmte Anhaltspunkte über die Person des Mörder? sind nicht vorhanden. Auch eine Silvestcrfcicr. In Kassel wurden bei einer Schlägerei in der Silvesternacht fünf Personen durch Messerstiche schivcr ver- letzt, zwei davon tödlich._ Dreißig Bergleute verschüttet. Wie wir berichteten, hat aus der Karthagozechs bei San Antonio lNeu-Mexilo) eine Explosion stattgefimden. Ein weiteres Telegramm aus San Antonio besagt, datz durch die Explosion drcitzig Bergleute verschüttet wurden. Man befürchtet, datz alle tot sind. Waffenexploston. Einer Meldung au? London zufolge erfolgte vorgestcrni in einer Wafienhandlnng nahe der Gnildball eine Explosion. Ein Angestellter der Waffenhandlung wurde getötet, mehrere sind verletzt, zivei Personen werden vermitzt. Der Materialschaden ist bedeutend. Die Rattenfänger von San Franr'.Seo. Die Bekämpsimg der Pest in San Francisco fft. wie aus London berichtet wird, durch die Behörden mit grotzem Erfolg durwgefiihrt worden. Es wurden 13V 006 Natten eingefangen. 114 000 Stück wurden einer bakteriologischen Untersiichnng unterzogen, von denen sich 106 als pestkrank erwiesen. Die Ausgaben betrugen 200 000 Dollars. Auf dem Kriegspfade. Nach Nachrichten aus BluefieliS (Ainerika) Haben sich die Indianer an der MoSgnitoküste gegen die Negierung Zelayas, den sie für den Tod ihres Häuptlings ver- antworilich machen, erhoben. Der Koinmandant der englischen Kriegsschiffe hat zum Schutze der fremden Jnlcressen Truppen landet, da er die Lage für ernst ansieht. GC der HandkungSschiilse» und Gehülsinnen TciUichiaiidS. Ortsgruppe Berlin. Freuag, den 3. Januar, abends 0 Uhr, im Nelchenberger Hof, RelchenSergerstr. 147: O c s s e n t l i ch e B e r- s a m in l u n g. Jeder erscheine I Clngegimgem Druchfchriftcn. Dchulspetfnng armer Kinder. Bon Dr. med. J. Ka»p. 25 Stilett. Verlag: C. Hcyniann, Berlin Vf. 8. Zeitschriften-Vdrestbuch 1903. Herausgegeben von H. O. Sperling. Sclbllverlag in Stuttgart. Ein weltgeschichtliches Ereignis von Robert Rühe. 1,20 M. Der« lag: H. Wallhcr, Berlin W. 30, WafierstandS-Nachrlthte» der LandeSanslcilt sür Gewässerkunde, mitgetcllt vom Berliner Wetterbureau. Oafferstand Memtl. TiliU Vre gel. Jnlterburg Weichsel. Thorn Oder. Natibor , Krassen . Franliurt Warthe, S-tirimm „ Landsberg Netze, Vc-rdamn, Elbe, Letuneritz . Dresden , Barbn . Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel. Svandau . RatbenowH Spree, Spremberg „ Bccskow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau . Kaub , Köln Neckar, Hcilbronn Main, Werlheim Mosel, Trier - am sl. 1. cni HS 100 109 110 140') -Kl 48 140 157 40 seit 31.12 cm1) — 5 — lt —11. 0 — 2 + 1 — 4 — 8 — 4 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.— ch Grnndeis. ch Treibeis. ch llnterpegel. ch ElSstand. jjrilt am �iiuaii ort JuirruK ät>rr»i»»mt sie Rednkiton»ei» vudtttuni gegeniiver krinerlet Berniilwvriiinq. �Kearer. Freitag, 3. Januar. Ansang 7'/, Ubr. jtönlgl. SchausPieltiauS. Wallen- stcinS Lager. Die Piceolomiui. DeuikchrS. WaS Ihr wollt. Kammerspiclc. Frühlings Er- wachen.(Ans. S Uhr.). ilnfmig 8 Udr. Königl. OvernbaiiS. Salome. Lortiing. Die Enljührung cuis dem Sercil. Berliner. Blaubart. Neues SchauivieihauS. Zwischen Ja und Nein. Lessing. Der Biberpelz. Neues. Baccarat. Kleines. Manbragola. S»,>i>r,«»..W»«»er-Theater.) Der Philister. Die Lor«. Schiller Ebarlottenburg. Der Zlichtcr von Zatamea. Friedrich- Tvilhklmliädt. Schau- spielhaus. In Vertretung. Wellen. Ein Walzcrtranm. Theater an der Spree. pokus. Komische Oder. Tiefland. Zentral. Femi Narren« Gewerbe. Neiideiiz. Ganz der Papa. Luisen. ZtrkuSlcute. u»„>t>ieit>.>»». Husarenfitbrr. Trianon. Fräulein goseite— meine Frau. Thalia. Die gelbe Kesahr. Berniiard Stoie. Die Verlobimg im Bett. Die oberen Zehn- tausend. Prater. Onkel Bräüg. Earl-Haverland- Theater. Spe- zlalltäten. Mecrovo,. Das muh man feh'n. oii-allo. Hymack. La bello Alexia. Walliallai Svezialiiöirn. FolieS Eaprice. Mal waS andres. Dunkle Punkte. Sine anständige Frau. Parodie, gavsenstrelch. Tannhäuser. Monna Banna. Kasino. Biederlrute. Gebr. Herrnfrld. Papa and Ge- nosten. Wintergarten. Robert Steldl. Spe- (iatuilm. Pal-,>qe. Die fingenden Engels- köpfe. Spezialitäten Borussia. ParitttS. Ackcrflr. V/7. Spezialitäten. Nrtaiviiallen. Stelttner Sänger. IIr»»>n. 4„» t> c II II r II sj t c t n. 8 llkir: Kairo und die Pyramiden. Nachmittags 4 Uhr: Am Gols von Ncopcl. Ste>n».nrre. K'ivaltdenstr. Zur Beobachtung: Mar«. Salurn. Dopveisterne. Nebelflecke. N?nllti<-n ThentorT-" Gastspiel ci. Neuen Operelten.Theateri. Abend» 8 Uhr: Msudsrt. Soniiabend, den 4. Januar, nachm. 3 Uhr: Till-ikulenspirgel. lieber die Hälsle crmätzigie Prcife. fiiealek lies Veslens. 8 Ubr: Win WalKertraaui. Operette von Oskar Strautz. Sonnabend, 4. Jan., nachm. 4 Ubr, zu kleinen Preisen: Häusel und (Bretel. Friedrich-WilhelmsMisclies Schauspielhaus. In Vertretung. Ansang 8 Uhr. Sonnabend: Madame Sans GSne. Sonnlag nachm. L Uhr: Nalhan der Weise. Abends: Madame San« Köne. l-ortiing-I�egter Abends 8 Uhr: vis Entlrmig ans dem Serail. Sonnabend iiuchm. Zch.Ubr: Rumpelstilzchen. Abends 8 Uhr: Der Trompclcr von Säckingen. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Trau- badour. Abends 7'/, Uhr t Die gauberflite. Lustspielhaus, Abends 8 Ubr: Hnsarenfieber. Relenz-Theater. — Dlrrktion: Richard Alexander.— Anfang 8 Ubr. Ganz der Papa. Schwank in 3 Akten von Mar« und DeSvallidreS. Deutsch v. M. Schönau. Baron des Aubrais: Nich. Alexander. öonntaa, den ö. Januar, nachm. 3 Uhr: Der Htittendesttzer._ Scli Iiier- Schiller. Theater 0. lWallner-Tdecnerj. Freitag. abendS 8 Uhr: I'IiiltAten. Lnstspiek in Z Ansz. v. Joh. Wiczand. Hieraus: I»Iv Komödie In 1 Akt o. O. ß. Hartleben. ©oiinnhfiiö, abend« v U y r: Der Revisor. @ o n n i n g. n a lv in. 3 Ubr: Das Ol tick Im Winkel. S o ii ii l« a. a d e ii d s s Hat: Die Sehasnygler._ Tlieater. Sshtller. Theater Charloltenburg. Freitag, abends 8 Ubr: Der Richter von Kalanica. Schauspiel in 3 Auszügen v. Ealderon de la Bai ca. Deutsch von Adols Dllbrandt. Sonn a de ii d. ade ii o«« Ubr: Rollere Oamptoa. Soiintaa, n a w in. 3 Uhr: Heimat. Sonntag, ade ii d« ZUdr: liollexe Qrampton. Mm Sie selim Zentral'Theater. Gastspiel de» Hebbel-Theater». Abend« 8 Ubr: Frau Marrens tvcwerbe. Drama in 4 eckten von Bcrny. Shaw. Luisen-Theater. Meichrnbergerstr. 34. Operelten-Gafispiel. Zirknslente. Anfang 8 Uhr. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Frau Holle. Abend« 8 Ubr: ZirtutleUic. Sonntag nachm. 3 Ubr: Romeo und Julia. Abend«: glrkuZleule. Montag: Zirkusleule. kMMMsMk ». U Neues Theater. AbendS 8 Uhr: Baccarat. Sonnabend: Baccarat. Sonniag und Montag: Baccarat. liiaslsplrl der Tänzerin Miß Maud Allan: Salome Biston. Nieines Thealei-.. AbendS 8 Uhr: Az-nes Sorma. Hantlrngola. Sonnabend: Manbragola. Sonntag nachm. 3 Ubr: Nachlafbk. Mcnd» 8 Ubr- Manbragola. Montag! Manbragola. I Gr. ftrimrhituvftt iHL I Die Verlobung im Bett. JJ Dir ober. Zehntansend Ainang 8 Uhr. DochkiilagSpreise. Loiinadend nachm. 4 Uhr Kinder- voillellung: Schneewittchen. Abend«: Die Verlobung im Bett. Die oberen Zehnwuscnd._ TMeron der Spree Küptnickiritr. 18,«iodt»m Uaimbof Jannowitohrack» raqlich 0 Uhn Neu« Uai llner fon« m. Ucaaug d. Tans von Louis Horrniann. Neut Neui Auf si h rlftl. od. telepb. Bc.-ielL UV.■aas) w-rden d. Blllot» in Berlin u Skmtl. oronen �euen .Nach».(Onns«da PrrlserbAh.) iB die IVohnungeu geschickt! Dafc yröKste I Ziijs�iücli der Saigon• di# Deutsehen Konzerthallen, An der SpandauerhrMe 3, besucht??? Zirkus Schumann Heute Freitag, den 3. Januar, abend« Prä».?>/, Uhr: Rrlllante Vorntellnng;. Austr. säitttl. ncuengag. Künstler u. a: Ifll>ln.??milltl 3 Personen, hervor- nlvl«>l!NIIIIv, ragend in ihren sen- satlonellen Leistungen. Un>>/..l0 Uhr: Amerika zur i�eit der Gklaverci 1863. Original-Manegenschaustück des ZirkuS Albert Schninann In 4 Alten u. elgrnS dazu engagierten 120 schwarzen Leuten. GroßkKrandhntnstropIjranf hrmKroadniliyin Arniijorh. Schlust-Apothrole mit vostständkg neue» feenhaften Licht- und Wafiercsfekten. XIII.«alsaa. Zirkus Basel# Freitag, den 8. Januar 1908: abendS 7>f. Uhr: Xom gela-Adond! Zluin 100. Idole! Nns der Hnstig k TieSj. AuSst.- Bant d. ZIrtu« Busch in 4 Bild. Oac Phänomen der tauchenden Sirenen. Voiher: Austr et. d. Hrn. tZuet. Stonedeclt, Dir. d. Berliner Tatlrrsall« n. tgl. sächs. Kommiss.- Nat« alv vast. Ferner: gros. vlarkenian», au« Amerika. The Krem» Family. Frl.EstellcPreval. Schuir. Hrn. Ernst Schumann m d. neuest. Drefi. Elown Franyoiö, llaoaMnl, CoNrel. Magrini usw. Soimtag: S Vorsteiiungen. Melropol-Tliealer Anfang; prfinlse 8 Chr. Gr. Revue in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Bollaender. In Szene cesetzt von Direktor RleVmrd Schultz. C-Thielschep, F. Massarjf, B. Darusaiiii. Bemler. Giampielro, Josephi ete. Ranchcu sestattet. norgren Sannabend, 4. Jnnnar: Erster großer Metropol-Theaterball 8«nntn((, den S. Januar, nachmittags 3 Uhr: Die Herrn von Maxim. Trianon-Tlieater. tlnlang 8 Uhr. FrSuIeio Josstie- msiiis Frau. Bruunen-Theaier Badstrahe 58. Direkt.: Bernh. Roee. Freitag, den 8. Januar 1008; Hotel Klinqebusch. Vr!g.-Volk«stück mll Gesang u. Tanz in 5 Bild. v. R.Knelsel u.E. Jacobson. Kasseneröffnug 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. Vorverkauf vormittags 10—8 Uhr. Du« Programm der Attraktionen: pur Hymack'HW der Mann mit den Handschuhen. La belle JUexia- Walzerwahn von Tlary u. A Ifred dlarquard Die 3 goldenen Jungfrauen, Prownqlsrt: Sleswart Oentes. Nädfite FainIIIelivorstellilng Sonntag. den 5. Januar, nachm. 3'L Uhr. Kleine Preise. Gebr. Herrnfeld- Theater. 57 Kommaiidantenstrahe Kr, 57. ?tnf. 8 Uhr. Vorverkauf 1 1—2 Uhr. Die von der grsamken Prelle al« ersolgrelchstcr Schlager bezeichnete Novität: Komödie in 2 Akten m. d. Autoren Anton und Donat Hcrrnseld. Vorder: Maclame Wig-Wag. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntagnacbmitiag 3 Ubr: Die Meyerhains. KV Cause, gj; Enlen, tunge HDhner, Tauben empfiehlt reellst r. Wegnor, Berlin, Martannenstr. 34. TlrnnK». Wiesenschafdiches Tlieater. Tanbenstr. 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Am Golf von Xcapcl. Abende 6 Uhr; Kairo nnd die Pyramiden. Maud Rechet, Äffenthester. Robert Steldl, Humorist. Marlhe Oerminy, PariserSoobrette. Meldt Herrmann, Zauberkünstler. Ruth Vincent, Enff" lischo Operetten- Sängerin. Gebrüder Schwarz, Komiker Die 8 Tlller Girls, Englische Gesangs- und Tanz• Truppe. Die 2 Avalos, \Jymnajitiaohe Produktion. Kaufmann- Trupps, Weibliche Radfahrer. La Berat, Fantasietftnzerin. Gre- gory-Truppe, ReifenroUer und Jongleure. Die Quelrelos, Spanlsohe Akrobaten. Alexander, Vogel- stinuaen-lmltator. Oer Biograph «to. • Passage-Theater, i Abends 8 Uhr: 1 « Cavaliere Qirotto BaQvIrtnoMO. A Der Größte aller Zeiten. «Tbeb Jdols. «Rudolf Mälzer. «Die singenden Engelsköpfe. fProlongiort.) f Dalast-Thealer IT vurgstraste 84. 6W Heute 8 Uhr rtWUZ jM Wntrv« XO Pf."MU Der Januar- Spielplan. Ees 4 Dräns. Paul Richard. Manöverliebe. _ Burleske. WTfTöäcks Theater Dircttiwii; Rod. Olli. Bruiliirnnr.>s. In der Irre. Schauspiel n. d. letzien.Morgenpost'- Roman. Ansang 8 Ubr. Enlre« SO Vs. Ehren- und Vorzug« karten gültig! Sonnabend cinm. Aull.: Dedorah. oder: Christ«. Jüdin. Volksstück. Kastno-Theater. Lothringcrllr. 37. Täglich 8 Uhr: Bcki'ZhlMttijtälWvei'wlt. Nur noch kurze Zeit! IMvctarivutv. Sonntag 4 Uhr: Nick Carter. Parodie-Theater. DrrSdenerstr. 97. Anlang 8 Uhr. Zum 50. Mal«: Zapfenstreich« Tannhäuser« Monna Vanna. Sonntag S'/d Ubr halbe Preise: Das Ungeheuer. Monna Banna. Vhcntcc Folles Capric© llnlensfr. 132, Ecke Priedrlchstrade. Berlins Tagesgespräch! W v)d& Anderes. Revue in S Bildern. Dunkle Punkte. Eine auNtilndlse Frau. Anfang 8 Uhr. Reidishailen-ThealBr. Mncr Uff. Ansang: Wochentags 8 Uhr. «lountagS 7 Uhr. Sanssouci TZTZ Direktion: Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag, Donnerstag: Tanz-Kränzchen. Stets neues Programm. Beginn: Sonntags 5 Uhr, Wochentag« 8 Ubr. Nächsten Sonntag: Grobe Ellte-Selree. Tanz. Dienstag, 7. Jan. 1908: f. Grobe SpezIalitSten-Vor- Rur erstklatfige Künstler. XrrmAta l VamüMeatzr andJZstiafa Ind.: J. LeachkotTHki. Ackerstraße 6-7. Täglich: Theater* und Spezialitäten- Vorstellung. Auflret. t. 15 Künstler-Sperfalit F. Happoldts Neuer Konzertsaal Jeden Sonntag. Dienstag und Donnerstag: ütT Großen Konxort 9(1 hervorragender Mililärkapellen. Am 8. Januar: 1. Kunntabend. felztsaren direkt au« der Fabrik, auch im Ginjö verkauf zu Engrospreisen. Stolas, Kolliers» stlutten, sehr schick garn., GamsnhtNe, Garotts, tierren-, Knaben- und MSd- chon- Garnituren, PuBsllek«, Jagd- tasohen, Pelztepp. ©dmtl. gangbaren Pelzarten a. Lager. «JiroHe Auswahl. Bestes Material. Keine Dazarware, keine Reifcmuster oder sogenannte Gelegenheitskäufe, trotzdem dilliger. f. Kaiman,"="' jetzt nur aammanbmitcnstr. 13, f. gegenüber Brutbstr..beim Dönhostplatz. Verkälts bi« k> Uhr abends. Sonniag« geössnet. Telephon I 8317.» 8aal für SiX> Personen mitgrostcr Bühne zum l5. Februar (Sonnabend) noch zu ver» geben.(Dicht am Rosenthalcr Tor.) iffrlt» HVIiiiv, Brunnenstr. 1S8. Arlicitönacl weis: ZZcrwüstuiigSstcllc Berlin. Haiiptblirea»: Hos I. AmtS. 12ZS. CharittslraBe 3. Hof III. Amt 3. ISS 7 Sonntag, den F. Jannar 1908, vormittags Uhr, im«SngUsoken Karten", Alexanderstraße 27 c: Versammlung der Bauansciiläger. TageS-Ordnung: 1. Vericht der AgitationSkommission. S. Diskussion. S. Neuwahl der Komuiission. 4. Verbands- und Branchenangelegenhcilen. 5. Verschiedenes. Mitglicdöbnch legitimiert. Aclitunp! Rohrleger! Achtung! Sonntag, den F. Jannar 1908, vormittags 10 Uhr, in Jfieyers Tesfsalen, Sebastianstraße 39: Allgemeine Versammlung fccirpflVlcgtt und f)ClfCC Berlins u. Umgegend. TageS-Ordnung: 1. Die Entwickclung unseres Verbandes. Referent: Kollege A. Cohen. S. Diskussion. 3. Branchenangelcgenheilcn. Wir forden, die Rodrlegcr uud Heiser Berlins und Umgebung aus, zahlreich und pünktlich in der Versammlung zu erscheinen. diS. In dieser Versammlnng werden noch Billetts für den am 12. Januar lS08 im GciverlschaftShause(Laal 4) stattfindenden Vortrag des Herrn Dr. Archcnhold ausgegeben und machen wir die Kollegen besonders darnus ausmerlsam, dag dcrlcibe Punkt 5 Ubr abends beginnt. Ten Kollegen z«r Nachricht, daft Broschüren im Bureau zu haben sind betreffend die Ver- Handlungen des Reichstages über den Gesetz- entwurf betr. die gewerblichen Bcrufsvereinc. Für Mitglieder ist der Preis 25 Pfennige (Buchhändlcrpreis 75 Pfennige). 110/1 Die OrtHverwaltang. ........................ Zentral-Verband der Utaurer Deutschlands. Ztveigverein Berlin.— Sektion der Putzer. Aclitung!! /tebtung! 3lm Sonntag, den 8. Fannar 1VO8, vormittags 10 Uhr, in den„Zlrminhallen", Kommandantensir. SS/oll: W*r Mitglieder-Versammlung."91 TageS-Ordnung: 1. NeujahrSgrub vom Gesangver-in. 2. Bericht deS Vorstandes. 3. Antrags der- Bezirks, nur 2 Kollegen im Bureau anzustellen. 4 Normierung der Kandidaten zur Vorstandswahl. S. Verschiedenes 133'! Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne dasselbe keinen Zutritt.'Mx? Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Borstand. I.?l.: E�Tchulze. Heute Freitag, abrndS 8'/. Uhr, im Gcwertschastshause, Engel-Ufer 15: Sitzung lien Vnlsvenwsllung. AM" Zur Beachtung! «. SkÄ�lMUslMMs'-IiM.MWgc» IVIonlsg, Cßvn v. Isnuai' IS0S statt. Die Lokale werden in der SonntagSausgavi des„Vorwärts' bekannt gegeben. Die Ortsvcrwaltnng. Linsetaer, Sonntag, den 5. Januar, vormittags 10 Uhr, in Boekers Lokal. Weberstr. 17: Branchen- Versammlnng. TageS-Ordnung: l. Bericht der Kommission. 2. Neuwahl der Kommission. 3. Verbands- angelegenheit und Verschiedene«. Die Kollegen werden ersucht, vollzählig und pünktllch zu erscheinen. Kontrollkommission der � � brtsvsnvatwng SsrUn. � Die nächsten > Braucheu-Bersammlnugeu kinden an nachsolgenden Tagen statt: Geschirrbranche: Mittwoch, den IS. Januar lsos. Treibricmenbranche: Montag, den s. Januar isos. Taschen-, Koffer- und Galanteriebranche: Dolmerstag, den 9. Januar 1908. Militärbranche: Sonnabend, den 4. Januar 1968. Linoleumleger und Teppichnäher: Donnerstag, 9. Januar. Wagenbranche: Donnerstag, den 9. Januar 1963. Eiscnmöbel- und Lcderftuhlpolstercr: Freitag. 16. Jan. Sektion Charlottenburg: Montag, den 6. Januar 1908. Um zahlreichen Besuch der Braitchenvcr'ammlungen ersucht IMe Ort-veiMvaltang. i«|Ifu! Ettgnnt! lutfrrlfnnt! flieater„WßSlßHi Täglich Vorstellung von 5-11 Uhr. _ Soimtags von 3—11 Uhr. Charlottcnbnrg, Potsdamerstr. II.(Stetiger Eingang von Neuheiten. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Priuzensir. 41, ÄS., 16—2.5—7. Sonntaps 10— 12, 2— 4. Jerlioer IrMfer- Raifahrer-fepeiB'* Mitglied des Zlrbeitere Radjahrer-Bundes »Solidarität«. V«tAA'vIK dionntax, den 5. Jannar: 2. Abt. 1 Uhr: Friedrichshagcn (Graue,). Start: Fontane- Pro- mcnade 15. 3. Abt. 1 Uhr: Pichclslverdcr (Freund). Start: Marianucnplatz. 4. Abt. 2 Uhr: Treptow(Schwarzer Adler). Start: Kültrinervlatz. 5. Zlbt. 2 Uhr: Baumschuleiiwea (Zabauk). Start: Elysium. 6. Abt. 1 Uhr: Birten wcrder. Start: Oderbkrgerstr. 23. Schlittschuhe mit- bringen. 8. Abt. 1 Uhr: Spandau(Kumle). Start: Daldstr. 8. Die Touren sind von jetzt an Franz Krause. Lhchenerstr. 130, einzusenden. 10/1 veulieblaad, grösstes für Bettfedem Erste Bettfedernfab. m. elekt Betriebe Gustav Lustig BERLIN S. 390 Prinzenstr. 46 v-rlendit geg. Nachnabme garantiert neue und gut entstäubte, gut tüllcnde Bettsedcru v- üsd. M. 0.554.00-1.2?! prima Hnlbdanncn M. 1.75: Gänse- rupsfcder» M. S.OO: priuia weiße blänfehalbvaniien M 2.50-5.00-5.50 echt chines. wionapolbaune»> M. 2.85, echt russisch. Mata-> o-H por-GSnsedauue» M. 5.50) S« Bon den Taunen genügen 5—4 PId zum grob Oberbett.— Gänsefedern zoass» y 1 1/ D—--i-i------ [, R->ben>M.0.S0 pertSsundi Gänse- sch achtfederu, wie sie von der Sane lallen, mit allen Launen M. 150. Proben und Preisliste gratis. Um- tausch oder Rücksenduna gestattet. tverpactung tosiensrei. Letztsähriger Uuisatz über 2666 Zentner Lettsedern, von keinem zweite» Betten- u. Bett» federngeschäft erreicht. gsranlierl unr-chädHch kefn vollständig ungefährljch kein reiben kein bürsten Modernes Waschmi ttel Henkel& Co. DüsseldorF. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 P(g. Stellenge. uviie und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doopelt. Verkäufe. Dotnfnushcrfnnf meines Engros- unb Filialenlagers: Gadrincn. Stores, Tüllbetldecken 10 bis 20 Prozent Rabatt,(i. WeisienbergS Teppichhaus. Große Frantsurterslrasie 125.* Drppichc mit Farbensehlern zum vollständigen Ausverkaus jetzt mit 16 Prozent Extrarabatt. Große Franklurterslrasie 125. 56K� ' DofalauSbertaut meines Engros- und FUialenIagcrs: Tuch- und Plüsch- decken, Velnetine« und Plüschportieren in allen Preislagen durchweg mit 10 Prozent Extrarabatt. Große Frank- snrlerstratze 125.__ 57R+ Steppdecken, Fabrikmustcr, Stück 3.25. 3.85. 4.85. 5,50, 6.50. 8.50 uiw. E. WeihenbergS TeppichhauS. Große Iran ls urlcrilrasie 125. 5SK� Lltuserresie, 4 bis 6 Meter lang, jetzt spottbillig. Große Frankjurtei. llraße 125. S3K» Neste sür osabezüge ausreichend. mit 10 Prozent Wolle und Haus. Große Franksurlerilratze 125.* Felle. Bettvorleger, große Auswahl von 1,25 an, Große Franksurier- straße 125.__ 61 K* Teppiche!(seblerballe) in allen Größen iüt die Hallte des WeiieS tm Zeppiiblnget«rüim. Hacke>chet Mar« 4. Sabiidoi«öne. 261/1» Speichermöbel: Kleiderschränke To ichensoias, Nußbaumbüsett, faulen- lrumeaus 35,—, Schreibtische, Plüsch- gartitlur, Speisellsche, Sofatische, Muschelschränke l8,—, Englischbetten, Muschclbellen.Marmorloilcllcit, Ruhe- holt 10.—, Garderobenspind, Flurgarderoben, moderne Küchen, alle? |pr"billig. Möbelspeicher, Lrunncn-- straße 182. 47A» Teppiche luiiFarveiiieblcniFabrtl Niederlnge Graiie izi»ti6,i,->erm>ige 9 parierte kein Laden. Mauerboff. tt j Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahme- stellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Ubr, In der Haupt-E pedltlon, Llndenstrasse 69, bis S Uhr angenommen. pariert e lein unoen. lauueiquii. n «U n rh tu r Ii linu«»t osi'' oufnrtet• rtiasje 0, parterre Kein Laden. .„ � Mauerboff. Steppdecke» billigst Febril Große Fralitinrieritraße 9. parierte 41 Winterpaletots! Jackettanzüge. Kehrockanzüge, Riesenauswahll Pfän- derverkauf, Uhrenoelkauj, Schmuck- fachen, Bettenoerlaus.Aussteueriväsche. Gardincnverlau s, Tcppichocrfaus I Slllerhilligste Kausgelegenhclt! Psand- leihtiaus Hermannplatz 6. Sonntags cbcusalls geössnet._ j■(57* CBnotroucn, Petroleumfronen ubue Anzablung, Woche 1.00. LouisBöltcher (selbst): Boxhagcnel straße 32(Bahn- oetbindniig Warschauerslraße), Ret- nickcndorserstraße 116, Schönhanser Allee 80, Potedamcrstraßr 81, Rix- dvrs, Kaiser Friedrichstraße 247,» Nälimaschinen. Vergüte bis 20,00 Laden. 29703.» Monafsanziige und Winter- puieiois sowie Joppen von 5.00, Ho:i» oon 1,50, Geaiockaitzüge voll >2.00, Fracks oon 2,50. lowic sür for- viltente Figuren Neue Garderobe zu slanneitp billigen Preiie», aus Piiiiidletden oenallene Suchen kauii ma» am billigsten bei Naß, Muluck- ttraße 14._ 2288b» 10.00, Deckbett, Unterbett. Kissen, rolrosa Inlett. Psandlelhe Andreas- itrage 38. S0K» Laiidbctt, zwei Deckbetten, zwei Kisicn, zweijchläsrig«8,66, Aussteuer- Damaslbezüge, große Lalen 1.06, Psanbleihe Aiidreasilraße 38. SM»" Bnurrndeckbekt. Unterbett, zwei Kissen 27.00, Psandlelhe Andreas- straße 38. Jahrgeld wird vergütet.» Steppdecken spottbillig. Fabrik Große Fianliuncrilraße 60. 2993(1* �Hygienische Bedarfsartikel, billigste Bezugsquelle. Drogerie Weinbergs- weg l,_____ 35K» Gaöhelzöfen!!! Zparshlteme!! 6,00, Geschlossene Zweilochgaskochcr I ö.tX). t�a�büliellivvarate billia ,>AAs»VssA-SS�------___ o.w. Gasbügelupparate billig. Bronzegaskrone»! I Gaszuglampen l Guslyren I l1/». Wohlauer. ...... 65K» 9,00.(sustyren i Walliierthcatei straße 32. Bollratst Co., Elsasserstraße vertäust Bau-, Möbeltischlerei spott- billig, eventuell Teithaber erwlluscht. igvrrcn. Geschöst sosort verläustich Rixdors, Reuterswuße 64�_ j57 llmziigshalber~Derfauft zwei Zimmer-, Küchen-EIurichtung Koop- mann, Swinemiinderstraße 41, vorn I. Waldparzelle Osten billig. Ketter- mann. Blumenslraße 9. 292/9 Mehlwürmer. 2 Schock tb Psennia Aiiuenslraße 50. 231 lo Dnntetiliemden. Herzfasson, mit gestickt« Passei, 25. Herrenbemden 1.30, Bettbezug nebst zwei Kopskisscn 4,75. Normalwäsche, Slrbeiterhemden. so- wie einzelne Reiiemuller spotibillig. Wäschesabril Salomonsky, Dirckien- straße 21, Alexanderplatz. Sonntags geössnet_ 240/12 Pianino, hohes, kreuzsaillg, 140.60 Mark, Turmsiraße 8 I. 96/49 Gänse l 58 Pfennig, Gänse l sind zum! irischgeschlachlet ieikaus Sama- riterslraße 21, vis-a vi» ZeMral-Bieb- hos, Paul Host. 96/17» VerZdiiecteues. Allen Genossen, Freunden und Bekannten, sowie Vereinen und(Se- werkschasten ein fröhliches Neujahr wünscht Georg Picleke, Waldstraße 8. Nehme Eie Beleidigung gegen derrn Rittwach zurücki Schlicht, '- 2269b» stralauer-Allee 17. Lernt die Muttersp, ach« beberrichenl Ertolgreichen, leicht faßlichen Unterricht in Wort und Schritt der deutichen Sprache erteilt Damen und Herren (separat) auch abends ein tüchtiger und gewisselibasler Privatlebrer, Die Stunde kostet eine Matt. Eine Unter« richtsilunde wöchnulich genügt Ge- fällige Angebole sind unter 6. 4 an Expedition des»Vorwärts» zu richten. Paieuiaiiwalt Wesiel. Gilichnier- Maße 94» 2555 CT* Kuiistttupseret von Frau KoloSky Edartullenburg. Goetdeni aße 84. I.» Danzunterricht Fricke, neuerbaute »Arminhallen», Kommandanten- straße 58/59 Januar beginnen neue SomiiagSkurie, Miltwoqskurse, DonnerStagslurs«._ 42a* Platina, Gold, Silber. Gebisie, Kehigold, phvlographiiche Rückstände, sowie sämlliche gold- und silber- baltigen Abfälle kauft Goldschmelze Köpenickerstraß« 29. Telephon IV. 6958,_ 96/2* Klavier-, Vloiin-, Gesang-, Man- dolinen-, Zitheruuterrichl. MonalS- Honorar 4.00 an, höchste Ausbildung, Jahresbcsuch: 905 Schüler. Gor- mannstraße l