Nr.S. BbonnftnentS'Bedingungen: HBonncmcntS-'X'triS vrammier-mdo? Bisrleljnhrl. 3,90 iSU., monalL 1,10 Mk., wöcbeiiUiÄ 28 Pfg. frei inj HauS. Einzelne Kummer 5 Pfg, Sonntag?- nuntnier mit iDuiiticrtet Sonntag?- Beilage.Tie Nene Well" 10 Pfg. Poll» MBonnemem: 1,10 Mark vro Monat. Eingetragen m die Poit. Zeitung?- Prctslitte. Unter Kreuzband für Tcullchland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für da? Übrige Ausland 3 Mark vro Monat. PostabonnemeMZ nehmen an: Belgien, Dänemark. Holland, Italien. Lurentburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. SS. I-lM. «Sklm laglich lattr fflonta«. Devlinev Volksblakk. Die TnterttonS'Gebülir beträgt für die fechSgefvaltene Kolotiel» zeile oder deren Raum KO Pfg., für volitifche und gewerlichajilichs Bsreind- und BerfammIungS-Anzeigen M Big. „Kleine Snrelgen", das erste ffett- ßcbnittte) Bort 20 Pfg. jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengeitiche und Schlaf- ftellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort ü Pf g. Worts über lä Buchstaben zählen für zwei'Worte. Inserate für die nächste Nummer tnüffet, bis S Uhr nachmittags In der Expedition »dgcgeden werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Adreffe: „Sozlaldcmtkrit BtrüB". Zcntralorgan der fozialdcmohrati fehen Partei Deutfehtandd. Redaktion: SM. 68, Lindenstrasse 69. gernfitredter: Amt IV, Nr. 1983- Die große IReinigung. Horden ist verurteilt, der Prozeß vor der Strafkammer ist zu Ende. Und all der Schmutz, den der Schöffengerichts- Prozeß vor aller Welt bloßgelegt und all das Jämmerliche am deutschen Staatsorgauismiis und am Körper der Herrenkaste, was er enthüllt hat, all das soll nun als nicht gewesen gelten, soll ausgelöscht sein aus dem Gedächtnis der Mitwelt. Eine große Reinigung sollte dieser Prozeß sein, er sollte alles wieder gut machen, was der erste„so schlecht gemacht" hatte. Dem öffentlichen Ankläger war's nicht bloß um die Ehre des Grafen Moltke zu tun. Er ging aufs Ganze, und in den letzten Phaien des Prozeffes hat er mehr um die Ehrenrettung Eulenburgs, als um die des Nebenklägers ge- Kim pst. Und ebenso wichtig war ihm die immer aufs neue wiederholte Behauptung, die Verhandlung habe enviesen, daß nie eine Kamarilla am Hofe Wilhelms II. existierte. Und mit dem Herrn Oberstaatsanwalt behaupten das andere. Ein ganzer Preßchorus folgt seinen Spuren. Nicht bloß konservative, auch freisinnige Blätter sind einig in der Erklärung, daß von den Anklagen Hördens wie überhaupt von den Ergebnissen der ersten Verhandlung nichts geblieben sei. Lediglich an den Bekundungen über die Geheimnisse der Adlervilla geht diese Presse noch scheu vorbei. Wäre das Kriegsgericht in Potsdam nicht, wären die Verfahren wider Lynar und Hohenau nicht, jene Blätter würden womöglich auch die Geschichten aus dem halberleuchtcten Salon der Potsdamer Villa für Märchen erklären. Wir b�ben nicht den starken Glanben der beweglichen Herren, die in den Spalten dieser der heiligen Ordnung dienenden Blätter öffentliche Meinung fabrizieren. Was die Verhandlung, soweit. sie der Kontrolle der Oeffentlichkeit unterstand, ergeben hat, das ist bitter wenig. Das genügt. um festzustellen, daß Graf Monte nicht homosexuell, die Frau v. Moltke dagegen hysterisch ist. Weiter aber reicht'S nicht. Tie politischen, die sozialen Streiflichter, die der erste Prozeß pars, werden davon nicht verdunkelt. Nein, nur noch greller sind sie geworden, seit der Oberstaatsanwalt Jsenbiel das öffentliche Interesse an der Sache nachträglicy entdeckte. Ist es nicht ein laut redendes Zeichen von der Mirtelalierlichkeit, von der Fendalität unserer Zu- stände, daß Graf Moltke und sein Rechtsbeistand nichts gegen den Ausschluß der Oeffentlichkeit bei den wichttgsten Bekundungen einzuwenden hatten. nachdem die bösesten Beschuldigungen, die»mn cntkräfiigt werden sollten, in öffentlicher Verhandlung erhoben worden toaren! Es drückt sich in diesem Schweigen die ttefe Verachtung aus, die unsere Herrschenden gegen alles empfinden, was öffentliche Meinung heißt. Mir den Grafen Moltke ist die öffentliche Meinung über seine Person sehr gleichgültig— nur eines Mannes Meinung ist für ihn von Wichttgkeit, die des Monarchen. Das ist ebenso bezeichnend für die Rückständigkeit der deutschen Zustände wie der andere Umstand. daß Maximilian Hardcn den Hinweis auf sexuelle Nonn- Widrigkeiten seiner Gegner als die beste, als die den sichersten Erfolg versprechende Waffe im Kampfe der Hofcliqnen um die Meinung des Kaisers anwenden konnte. Dieselbe Sprache redet die ganze Geschichte deS Ver- fahrens wider Harden. Eine der Plötzlichkeiten, die unser Staatölcben charakterisieren, fegt die Eulenburg und Moltke aus de» Aemtern. Die Aktion HardenS und seiner Hintermänner ist geglückt. Die Gestürzten sehen sich von aller Welt verlassen. Tie amtlichen Gewalten weigern dem Grafen Moltke die Mitwirkung bei seinem Vorgehen gegen den erfolgreichen Angreifer. Die Staatsanwaltschaft vermag kein öffentliches Jntercffc zu entdecken an der Klage eines Mannes. dem so hieß es jetzt— der Kaiser das Amt abgenommen hat, damit er frei von allen Rücksichten sich reinigen, damit er das Otterngezücht zertreten kann. Dann aber, nachdem der Schöffengerichtsprozeß einen Skandal werden ließ, der nicht nur die gestürzte Kamarilla unheilbar kompromittierte. sondern die monarchische Staatsordnung selbst mit bloßstellte, dann kommt die Erleuchtung von oben, daß die Sache öffent- lichcs Interesse hat. Harden hatte zuviel bewiesen, zu sehr gesiegt.(Er selbst hat cS im Schlußwort der Freitagverhandlung melancholisch kon- statiert.) Die anpassungsfähige regierende Bureaukratie nahm einen schnellen Frontwechsel vor. Bülow hatte vergnüglich zuschauen können, wie jene Leute, die ihm daS Ohr des Kaisers streitig machten, die seine Politik störten, in? Perderben gerieten. Er durfte im eigenen Interesse diese Rolle nicht mehr fortsetzen, als das Ansehen der Krone durch die Affäre selbst geschädigt erschien und als die herrschende Junkerklasse in den Enthüllungen des Schöffengerichtsprozesses sich ins- gesamt getroffen sah. Und so mußte Harden denn alö Opfer der Staatsräson fallen. Mit regem Eifer nimmt sich nnn plötzlich die StaatS- anwalflchaft der anfänglich im Stich Gelassenen an. stößt den SchöffcngcrichtSprozcß als völlig bedeutungslos beiseite und kehrt alle Mittel ihres Amtes gegen den Angeklagten. Hinter verschlossenen Türen wird das Hauptstück des Prozesses ge- führt und zum Schluß die Oeffentlichkeit vor die Erklärung gestellt, daß alles ividerlegt ist, was die erste Verhandlung ergeben hatte, daß Eulenburg niemals unverantwortliche Expedition: 8CQ. 68, Lindcnstraooe 69* Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. Politik gemacht hat, daß eine Kamarilla derer von Liebenberg nur in der Phantasie jener existiert hat, die von ihr sprachen. Der„Retter des Vaterlandes" ist jetzt der zu vier Monaten Gefängnis Verurteilte. ES ist so gekommen, wie er selbst es im Schöffengerichtsprozeß. als er die amtlichen Gewalten fiir sich zu haben glaubte, stolz auf die Aiisnahmestellung. die er damals einnahm, als den üblichen Verlauf solcher Affären in Teutschland hingestellt hat. Der Zeitungsschreiber, der einen preußischen General anzugreifen wagte, wurde vom Staatsanwalt gepackt und soll auf Monate ins Gefängnis wandern. An sich wäre ein solcher Fall wohl geeignet, zum Protest gegen Knebelung des freien Wortes, gegen Knebelung der Presse aufzurufen. Selbst wenn Person und Sache einem so wenig gefallen, wie hier. Ueber die Person Hördens wollen wir jetzt nicht reden, seine Sache aber war" nimmer eine Volkssache, soviel Wesens auch seine Verteidiger um seinen glühenden Patriotismus gemacht haben. Die einzigen Interessenten an dem Fcldznge der„Zukunft" wider die Liebcnbcrger waren Leute, die nichts Sehnlicheres wünschten, als an die Stelle der zu Stürzenden zu treten. Und Hördens Ziel ging nicht weiter, als es dem Interesse dieser Leute ent- sprach. Nicht die Kamarilla an sich, die Kamarilla Eulenburg bekämpfte er. Die praktische Politik besteht für ihn geradezu in der Kunst, des Kaisers Ohr zu gewinnen und die konstitutionellen Garantten sind ihm so gleichgülttg, daß er sich ausdrücklich dagegen vcnvahrt, dem Monarchen daS Befragen privater, unveranttvortlicher Ratgeber zu verdenken. Nur um die Personen dieser Ratgeber handelt es sich. Das ist eine Anschauung, die für den Mann, der seine fragwürdige Politik auf Grund der Zuträgereien von aktiven und inaktiven Höf- lingen und Diplomaten und anderen Leuten Von guten Verbindungen macht, ganz folgerichtig ist, die aber mit einer Politik, für die das deutsche Volk, für die gar das deutsche Proletariat zu engagieren wäre, soviel zu tun hat, wie das Blasen einer Kindertrompete mit Beethovenschcn Sinfonien. Die Sache, die Harden vertrat— oder richtiger hätte vertreten müssen konnte keinen Widerhall bei ernst- haften Leuten finden. Dennoch hätte, wie gesagt, öffentliches Interesse ein Eintreten gegen Preßknebelung auch in seinem �alle fordern können, wenn dieser Held eines Sensationsprozesses nicht sofort zusammengeknickt wäre, als die Sache brenzlich wurde. Es ist natürlich nichts dagegen einzuwenden, wenn ein Angeklagter beim Umfall eines Hauptzeugen, bei der Erschütterung der Glaubwürdigkeit seiner Aussagen dem Kläger Genugtuung gibt. Aber kläglich ist und bleibt die Ausrede, daß in den kleinen pikanten, den Eingeweihten erkenntlichen Spitzen der inkriminierten „Zukiinsts"-Artikel keine Spitzen stecken sollten. Um so kläglicher, nachdem sich Harden in der Schöffengerichts- Verhandlung feines Huttenschen Wagemutes kecklich gerühmt hatte, den er durch daö Schleifen eben dieser Spitzen bewiesen habe. Kläglich war die völlige Aufgabe seiner Behauptungen über die'Eulenburg-Kainarilla. Nur in einem Punkte sind er und seine Verteidiger fest geblieben. Und das ist der wenigst bedeutsame. Zu einer Anerkenntnis, daß Fürst Phil: Eulenburg sich von der An- schuldigung homosexueller Veranlagung gereinigt habe, ließen sie sich nicht herbei. Die Rüch'icht auf die angekündigte Klage Eulenburgs dürfte sie dazu bestimmt haben. Die Oeffentlich- keit hat an dem Austrag dieser Sache sehr wenig Interesse, mit Vaterlandsrettnng hat sie schon gar nichts zu tun. So bleiben als Fazit des langwierigen Prozeffes nur neue Kompromittierungen neben den alten. Die große Reinigung sollte er bringen. Aber er bat nur das, was wirk- lich wichtig war an den Ergebnissen des ersten Prozesses, was über die gewürzte Sensation binausragte, noch einmal nach- driicklich unterstrichen. Es bleibt dabei, daß in der Herren- klaffe Preußens der Verfall grassiert, daß die hervorragendsten Glieder dieser Kaste von Privilegierten in blödem Aber- glauben Zuflucht vor dem Geiste der Zeit suchen, daß die Krone Rai empfing von Menschen, die unter Umständen im Fallen eines Buches die Manifestation übersinnlicher Ge- walten sehen, daß die„vornehmsten" Regimenter als Herren- reiterregimcntcr mißbraucht werden, daß in Hofkreiscn der Klatsch üppiger wütet als in den Kaffeekränzchen von Klein- stadtdamen. Und von dieser privilegierten Klasse, die so übel duftende Geschwüre am Leibe trägt, soll der deutsche Arbeiter sich regieren und drücken und schinden lassen! Und soll geduldig zuschauen, wenn sie. mif ein verderbtes Wahlrecht gestützt, ihm den Zugang zu dem Parlament Pmißens verwehrt! Vaterlandsrettung ist nicht das Werk von Leuten wie Hardcn. Das Proletariat ist der Vorkämpfer alles dessen, was unter der Herrschaft der Privilegierten stöhnt und leidet. Und das Proletariat, bie organisierte, die des Zieles bewußte, die in der Sozialdemokratie vereinigte Masse wird die Zustände schaffen, in denen Siamanlleii vergehen müssen. Der Kampf des Proletariats um die Demokratisierung des Staates, um die Eroberung des gleichen Wahlrechts in Preußen, das ist der Weg. der das Vaterland, d. h. das Volk rettet aus unerträglicher Schmach und Erniedrigung, rettet� aus unwürdigen Zuständen. Und das einzige Verdienst, das Harden konzediext werden könnte, das er aber nie gewollt hat, ist. daß sein Prozeß für diesen Kamps gegen Juntcrherr- schaff und Absolutismus einiges Material beigebracht hat. Steuer-ilttentate. Die„Voff. Ztg." bespricht heute nochmals die Steuerpläue der Regierung. Das blockparteiliche Blatt bestätigt ebenfalls den von uns wiederholt hervorgehobenen Gegensatz. der zwischen Bülow einerseits und Rheiitßaben und Stengel andererseits in dieser Frage besteht. Das Blatt erklärt, daß die Freisinnigen „die Zigarrenbanderolesiener, die auch von anderen Parteien scharf verurteilt wird und nirgends reckten Anklang findet, rundweg verwerfen. Demgegenüber erklären die Herren v. Rheinbaben und v. Stengel, daß sie von direkten Neicksstenern nicktS wisien wollen; sie wollen nur neue indirekte Steuern mid von diesen einen ganz gehörigen Posten. Dem Reichskanzler wäre offenbar ein Aufschub der Sreuerfrage ganz willkoiiunen gewesen. Seine Gegner sagen: nichrs davon; sofortige Erledigmigl Und sie bringen die Zigarrenbanderolesteucr samt dem Spiritusmonopol an den Bundesrat. Dort befindet- sich jetzt die Angelegenbeik." BülowS Hoffnung aus Verschiebung ist zugleich die Hoffnung der Freisinnigen. Da aber diese Hoffnung unter dem Druck der Defizitnöte immer mehr schwindet, so setzen sich die Liberalen für den Plan der Veredelung der Matrikularbeiträge ei». Wir haben wiederholt dargelegt, wie gefährlich dieser Plan ist, der dem Reichs- tag die Verfügung über seine Finanzen nimmt, um diese vollends den Einzellandtagen auszuliefern. Wenn die„Voss. Ztg." sagt, daß diesem Plan nicht grundsätzlich widersprochen werden kann, so haben wir bereits nachgewiesen, daß seinerzeit sogar Bennigsen auf der Einführung direkter Reichssteuern und der Beseitigung der Matrikularbeiträge bestanden hat. ES ist auch durchaus doktrinär, in den Matrikularbeiträgen ein Mittel zu sehen, daS das Etattecht des Reichstags irgendwie sichert. weil der Betrag der Matrikularbeiträge vom Reichstag festgesetzt wird. Ueber diese Festsetzung können sich die verbündeten Re- giernngen jederzeit hinwegictzen, indem sie sich weiter die Beitröge bewilligen, eventuell unter Berufung aus die Zustimmung der Land- tage. Nur die Verfügung über direkte Steuern kann da« Etatrecht deS Reichstags sichern und nach 38 Jahren Reichs Verfassung wäre eS endlich wirklich an der Zeit, den Reichs- tag in bezug auf seine Finanzen von den Landtagen unabhängig zu machen. Wie sehr die Entrechtung des Reichstages der Zweck der geplanten„Veredelung" ist, geht auch ans den Meldungen über die von uns bereits erwähnte Konferenz der süddeutschen Finanzminister hervor. Außer mit den Fragen der Branntwein- und Tabakbestcuerung soll die Konferenz nach einer Meldung der„Franks. Ztg." sich auch mit der Frage der ReichSvcrinögeussteuer und der„Veredelung" befassen. Darüber meldet das Blatt: „Um den von allen Finanzmimstern vertretenen ablehnenden Standpunkt gegen eine Reichsvermögens st euer formell zu wahren, soll eine solche Steuer, und zwar in der Höhe von pro Mille, als bnndeSstaatliche Steuer allen Bundesstaaten'vor- geschrieben werden. ES soll dann ferner dabei bleiben, daß die Bundesstaaten das Reichödefizit durch Matrikularbeiträge zu decken haben. Die Verteilung der Matrikularbeiträge soll'ober nicht mehr nach der Bevölkerungszahl, sondern nach der Steuerkrast der Bevölkerung erfolgen. Diese Stenerkratt soll nicht aus der Basis der erwähnten Vermögenssteuer festgestellt werden. Die Sache würde also darauf hinauSlausen, daß die BuiideSstaaten eine ein- Zeitliche Nermögenssteuer erheben und diese in der Form von Matrikularbeiträgen an daS Reich abliefern." Nach dieser famosen Theorie hätte ldaö Reich daS Recht, den BunidcSstaatcn eine bestimmte Steuercinhcbung borzuschreibcn, was sicher einen starken Eingriff in das Recht der Einzelstaaten bedeutet; es hätte aber nicht dos Recht, dieselbe Bermögenösteucr direkt zu er» heben. Das Ivürde heißen, das Reich respektiert die Verfaffung, wenn es die Einzrlstaaten als Steuereinnehmer verwendet, es verletzt aber die Verfassung, wenn cS dieselbe Steuer selbst er- hebt, ohne die Bundesstaaten zu bemühen. Tie Unsinnigkeit einer solchen Theorie springt in die Augen. Aber hinter dem theore- tischen Unsinn steckt ein praktischer Sinn. Wird die Steuer von den Bundesstaaten erhoben, so haben diese auch in der Praxis die Verfügung darüber, das heißt die verbündeten Regierungen sind sicher, daß ihnen der Reichstag mitsamt seinem EtatLrecht nicht das geringste anhaben kann. Und cin'em solchen reaktionären, den Reichstag depossedierenden Plan wollen die Freisinnigen nicht nu: zustimmen, sondern ihre Organe agitieren sogar dafür. üpker der flolsnialpslitik. Wie schlecht eS NM die SiedelnngSpolitik in Deutsch-Osiastika steht, beweist daS Schicksal einer Anzahl deutsch-russi« scher Bauern, die durch koloniale Reklamc-Broschürcn und die direkte GeschäsiSvermittelung des P a st 0 r S Rosenberg in O st r 0 w 0 am Mcntberg in Bezirk Moschi während des Jahres lOOö angesiedelt worden waren. Einigen der nach Ostafrika gelockten Deutschruffen ist cS so schlecht ergangen, daß sie wieder nach Deutschland zurücktranSporticrt werden mußten. Die anderen wären am liebsten cbeusallZ iviederum nach Europa zurückgekehrt, wenn sie dabei nicht auch den Rest deS Eigentums verloren hätten, das ihnen noch geblieben war. Besonders schlimm erging eö einem dieser Ansiedler, der mit drei anderen Familien im Oktober lgOS in Ostafrika eingetroffen war. Als die Ansiedler am Ziel ihrer Reise angekommen waren, wurde ihnen Land zur Verfügung gestellt. daS absolut crtragS- unfähig war. Infolge des Waffermangels gingen alle Erntet« und Pflanzungen zugrunde, die man mit großer Mühe und unter relativ bedeutenden Kosten angelegt hatte. Einer der Ansiedler, der sich fcbe Existenz angeschnitten sah, derstlchte auf Anraten eines BezirksamtSmannS an der Bah n mit seinen Söhnen Arbeit zu er- halten, was ihm jedoch nicht gelang. Nach weiteren Ver- suchen, sich durch der Hände Arbeit Unterhalt zu ver- schaffen, kam er nach T a n g a, um dort Arbeitsgelegenheit zu suchen. Wie ihm dort aber ganz richtig vmi den, Bezirks- amlmann erklärt wurde, war eS ein ganz aussichtsloses Unternehmen, init den schwarzen Arbeitern, die 13 Pf. Tagclohn erhallen, konkurrieren zu wollen. Dem Manne blieb nichts anderes übrig, als seine» Rücktransport nach Deutschland zu verlangen. Seinem Dräugen wurde denn auch schließlich stattgegeben, jedoch erst, nachdem nian ihm die letzte Barschaft, zirka 600 M.. abverlangt hatte, über die man ihm eine Quittung aus- stellte mit dem Vermerk, sich wegen diese» Geldes wieder mit dem Pastor Rosenberg in Ostrowo auseinanderzusetzen, Pastor Rosenberg verweigerte jedoch die Herausgabe des Geldes. Während sich die Familie dort an der Grenze in erschöpftem Auslände und allen Entbehrungen preisgegeben in einem öffentlichen Asyl befindet, machte das Familienoberhaupt den Versuch, sich bei dem Kolonial a m t resp. Herrn De rn bürg über die von ihm einzuschlagenden Schritte Rat zu holen. Denn dem Manne fehlt selbst das Reisegeld, um nach seiner ehemaligen Heimat zurückzukehren. Er ist absolut rat- und hülfloS und weiß nicht, an wem er sich zu wenden hat. Das Eigentümliche nun ist, daß der so schwer enttäuschte und geschädigte Ostafrikasiedler im Kolonialamt nicht vor- gelassen wurde. Im Gegenteil, nachdem man ihn einmal auf den anderen Tag vertröstet hatte, ist er am anderen Tage von einem Bedienten des Hauses Wilhelmstr. SSM einfach vor die Tür gesetzt worden. Der Aermste ist, genau so klug wie zuvor. ganz verzweifelt wieder nach Ostrowo abgefahren. Wir sollten meinen, daß Herr Dernburg und seine Leute alle Ursache hätten, sich deS durch skrupellose Kolonialreklame um sein Geld Gebrachten so rasch als möglich anzunehmen und ihm mindestens den Betrag zu ersetzen, den man ihm vor seiner Abfahrt nach Deutschland in Tanga abgenommen hat. Gleichzeitig sollte sich daS Kolonialamt näher um das Schicksal der am Meruderg zurückgebliebenen deutschrussischen Familien kümmcrn I Wir hoffen, daß Herr Dernburg uns dankbar sein wird. daß wir ihm Gelegenheit gegeben haben, sich von den Nöten eines LpkerS der ostafrikanischen Siedelungspolitik zu unterrichten, die er besser freilich mündlich und amtlich entgegengenommen hätte!-- politische Gcberlicbt Berlin, den 3. Januar 1303, Die agrarische Wahlrechtsbremse. Da in der nächsten Woche im preußischen Abgeordneten- haus die freisinnige Wahlrcchtsinterpellation verhandelt wird, sind die Agrarier doppelt bemüht, die Re- gierung vor jeder unvorsichtigen Zusage zu warnen. Die „Deutsche Tageszeitung" empfiehlt der Regierung. in der Wahlrechtsfrage überhaupt keinerlei Erklärungen ab- zugeben, sondern sich einfach auf den Standpunkt zu stellen. daß erst die Wirkungen der Novelle zum Land- tagswahlgcsetz abgewartet werden müßten. Begnüge sich die Regierung nicht mit einer solchen Erklärung. sondern gebe sie irgend ein, halbes Versprechen, so werde sie sich nur die Kritik von rechtS und links zuziehen. Das Agrarterhlatt vermutet, daß die Erklärung der Regierung „allgemein gehalten" sein werde, um jeden Anstoß hüben und drüben zu vermeiden. Die Stellung der Kon- servativen zur preußischen WahlrechtSänderung fei ja auf dem letzten Delegierteutage klar und unzweideutig bekundet worden. Mit dieser Haltung und Stimnmng werde die Regierung bei ihrer Erklärung rechnen müssen. Die Junker verlangen also von der Regierung, daß sie jeder Stellungnahme ausweicht und sich alle reaktionären Hintertüren offen hält? Jede„allgemeine" Erklärung kann also nur als hinterhältige Konzession au da? Junkertum angesehen werden. Der Freisinn hat deshalb um so mehr Ursache, eine klare und unzweideutige Stellnugnahme der Regierung zu verlangen. Für jeden neuen Volksverrat würde die ent- rechtete Masse des Volkes mit dem Freisinn gründlichst ab- rechnen!—_ Das Recht des Reichstages. Für die Kontingentierung derEtatdebatten ma6)t heute auch die„Kreuz-Ztg." Reklame. Das Blatt ist aber so vernünftig, einzusehen, daß eine solche Vereinbarung. wenn von den Blockparteien allein unternommen, dem schärfsten Widerstand der Opposition begegnen müßte. Es wären also bindende Vereinbarungen im Seniorenkonvcnt nötig. Da dazu auch die Zustimmung unserer Fraktion nötig ist, so dürsten diese Pläne kaum allzu große Aussichten haben. Wir haben schon einmal bei anderer Gelegenheit bc- merkt, daß die allzu große Ausdehnung der Etatberatung ein gewisser Uebelstand ist. Zlber wie ist er entstanden? Doch nur dadurch, daß der deutsche Parlamentarier im Gegensatz zu jedem anderen nicht die Möglichkeit hat, aktuelle und politisch bedeutungsvolle Dinge sofort zur Sprache zu bringen. Während in den englischen und französischen Parla- menten die Ausbildung des Anfrage- und Jnterpellations- rechtes die Möglichkeit gibt, sofort dringende Angelegenheiten zur Besprechung und eventuell auch zur Entscheidung zu bringen, und im österreichischen Parlament die Dringlichkeits- emträge dasselbe leisten, steht in Deutschland den Parteien nichts Gleichartiges zur Verfügung. Deshalb drängen sich alle politischen Sorgen und Erörterungen bei der Etatdebatte zu- sammen, die dadurch naturgemäß an Ausdehnung gewinnt. Dazu kommt noch, daß der Reichstag verhältnismäßig kurze Zeit zu tagen pflegt, so daß auch dadurch eine Zusammen- drängung aller BeratungSangelegenheiten erfolgt. Man erweitere also das JnterpellationSrecht, reformiere die Geschäftsordnung, verkürze dem Reichstag nicht ungebührlich die Tagungen und die Ausdehnung der Etatdcbatten wird sofort abnehmen. Dazu kommt noch ein anderes. Diejenigen, die eine Verkürzung der Etatdebatten verlangen, um für die Initiativanträge mehr Raum zu gewinnen, verwechseln Ur- sache und Wirkung. Gerade weil die Schwcrinstage nie ein- gehalten werden, sind die Parteien gezwungen, ihre Initiativanträge in der Form von Resolutionen beim Etat -inzubringen, um wenigstens in dieser Form Beschlüsse deS Hauses herbeizuführen. Eine strengere Einhaltung der Schwerinstage würde so gleichfalls dazu beitragen, die Etat- debatten vor allzu großer Ausdehnung zu bewahren. Wenn aber gesagt wird, daß keine Zeit für Initiativ- antrage vorhanden sei, so ist darauf zu erwidern, daß eben jdiese Zeit geschaffen werden muß. indem man den Reichstag nicht eher vertagt, als bis die wichtigsten Anträge durch- bcratcn sind! Es geht aber nicht an, den Reichstag nur als Bcwilligungsmaschine für Steuern und Militärforderungen zu benützen und ihm noch die spärlichen Möglichkeiten zur Kontrolle und Kritik, die ihm die Etatsdebatte immerhin gc- währt, zu nehmen. Wird im Scniorenkonvent eine Garantie geboten, daß die wichtigsten Initiativanträge zur gründ- lichen Beratung kommen, so würde von selbst jede Partei das Bestreden haben, unnütze Zeitvergeudung bei der Etatbera- tung zu verhindern. Ohne diese Garantie bedeutete aber die Etatkontingentierung nur einen neuen Versuch, die Rechte der Minorität noch weiter zu verkümmern. Daß die Block- Majorität das sehnlichst wünscht, können wir begreifen: aber diese Wünsche werden nicht in Erfüllung gehen, woran sich ja der Block, dessen Wünschen auch sonst die Erfüllung nicht gewährt war, nachgerade gewöhnen wird.-- „Neu-Deutschland"! Für Südwestasrika befürchtet Dr. RohrbaÄ in lieberem- snmmung mir der Ansicht der„ S ü d w e st a s r i k a n i s ch e n Zeitung" eine Krise, wenn es mit dem Tempo der Ein- ivandernng noch eine Weile so wie bisher weiter- gehe. ES maß, meint er, vor der Auswanderung nach Südwestafrika unter den gegenwärtigen Verhältnissen direkt gewarnt werden, und die Regierung sollte sich der Notwendigkeit nicht entziehen, auch ihrerseits in amtlicher Form den ÄuS- ivandenmgslnstigen den Rat zu erteilen, ihre Absicht noch eine W e i l e a u i z u s ch i e b e n. bis drüben gesunde Verhält- nisse eingetreten sind. ES scheint also gute Weile zu haben, bis die 100000 Deutschen, die nach Rohrbach in Wiist-West ihre Existenz finden sollten, dort angesiedelt sein werden I Eine Krise droht, wenn noch ein paar hundert Menschen nach Südwest auswandern I Und dabei hat uns das Land 600 Millionen gekostet, kostet es uns auch 1903 und jedes folgende neue Jahr seine 40 Millionen!--_ Flottenvereins-Dichterltis. Wie uns von einigen Lesern deS.Vorwärts" mitgeteilt wird. verteilen die Flaschenbierkutscher der Schöneberger Brauerei an ihre Kunden den schönen Kalender des Deutschen FlottenvcreinS als WeihnachtS- und Neujahrspräsent. Allem Anschein nach ist die Leitung der Schöneberger Brauerei zu der Erkenntnis gekommen, daß eö ihrem Bier an der nötigen Würze mangelt und deshalb zur besseren Verdauung ein Zuschuß an literarischer Würze nicht schaden kann. Zwar mag manchent, der sich de» Flottcnvcreiuskalcnder nur oberflächlich angesehen hat. die Wahl dieser„geistigen" Zukost etwa« sonderbar erscheinen. Wir können uns jedoch dieser Meinung nicht anschließen, denn neben den langweiligen Be- richten über FlottenvereinSreden. Schiffsbautcn, Marinevergrößerungen usw. enthält der Kalender auch einige Blüten unfreiwilliger Komik, die am Biertisch viel Heiterkeit erregen dürften. Ein Meister- stück dieser Art ist ein Gedicht des Landrichters v, Pfister zu Darm- stadt. Herr Pfister dichtet nämlich die deutsche.Muttersprach'" folgendermaßen an: „O Mnttenprach'. wie klingst du schön, Wie bist du mir vertraut, War' auch mein Herz wie Stahl und Stein, Du triebst den Stolz hinaus. Ich fühle wieder wie als Kind, Ob ring« die Welt auch schlecht, Du fächelst wie ein Frühlingswind Die kranke Brust zurecht, Großvater faltet meine Händ' Und spricht zu mir: nun bet'! Und Vaterunser fang ich an, Wie ich wohl früher tat. O Muttersprach', so schlicht und recht, Du alte fromme Red', Wenn bloß ein Mund„mein Bater" sagt, So klingt's mir wie Gebet. llever die kuiiose Reimerei von„schön" auf„Stern",„derirant" auf„hinaus",„Händ" auf„an" und die sonstigen rythmischen Fehler wollen wir in Anbetracht des patriotischen Zweckes der Dichterei, mitleidig, wie wir sind, mit dem großen Darmstädter Poeten nicht rechten: doch das Bild von der Muttersprach', die„wie ein Früh- liugSwind" die kranke Brust.zurecht fächelt", nur damit ein Reim auf„schlecht" herauskommt, ist allzu komisch. Allerdings scheint uns bei dem Dichter Pfister wirklich etwas krank zu sein, wenn nicht die Brust, dann ein anderer Teil seines Körpers, aber dann sollte er ein Beruhigungs- mittel nchnien, anstatt in einem Gedicht aus die Muttersprache den Geist der deutschen Sprache zu beleidigen. Doch die obige Leistungsprobe Pfisierscher Poesie ist noch nicht die schönste. Der FlottenvereinSpoet dichtet weiter: „So herrlich klinget nicht Musik, Singt keine Nachtigall. Mir fließen gleich im Augenblick Die Tränen hell im Fall." Herr von Pfister mag„gleich im Augenblick" seine Tränen so „hell im Fall' fließen lassen, wie er will: wir gönnen ihm diese tränenreiche Erleichterung; aber deshalb braucht er doch noch nicht zu dichten. Uebrigens kann leicht die Reimerei deö Herrn von Pfister in Dannstadt große» Unglück anrichten; nämlich indem sie andere. gleich poetisch veranlagte Seelen zur Nachahmung begeistert. Einer der Leier, die uns den Flottenkalender einsandten, hat sich bereits zu einer Lobpreisung der Psisterichen Dichleritis bewogen gefühlt. Er sandte uns folgendes Poem mit: Wohledler Herr von Pfister, Du Perle der Philister, Poetisches Genie! Klar wie deS Darme« Fluten, Sind Deines Herzens Gluten Und Deine Poesie. Schön find die Verse gerade nicht, wenn auch immerhin noch bester als die des Darmstädter DickterS. Unklar bleibt nur der Ausdruck:„des Darmes Fluten". Sind damit die Fluten des Darm-BacheS gemeint, dem Dannstadt nach einer unverbürgten Sage seinen Namen verdankt, oder die Fluten deS Pfisterschen Darme? 3—_ Das fehlte gerade noch! Gerade jetzt, wo die Steuerkraft des Volkes infolge der neuen Milliardenfordenmgen für Heer und Marine einer außerordentlichen Belastungsprobe unierzogen werden soll, tritt ein früherer Korvetten- kapiiän namens S e b e l i n mit einem Projekt vor die Oeffentlichkeit, dem von vornherein die Sympathien einflußreicher Kreise sicher sind, desten Ausführung aber wieder ungezählte Millionen verschlingen wurde. Bekanntlich wird in kurzer Zeit der Nordostseekanal den De- dürfnisien der Kriegsmarine nicht mehr genügen, weil ja die Dimensionen der Schiffskörper beständig wachsen und weil schon die Größenverhältniffe der neuesten schwimmenden Festungen vom „Dreaditanght'-Ttzp in argem Mißverhältnis zu dem Ouerprofil des Kanals stehen. Um nun diesem Uebelstande abzuhelfen, sind umfangreiche Erweiterungsbauten und Schleusenanlagen geplant. Sebclin erklärt nun diese Erweiterungsarbeiten für überflüssig; er fordert die Aufhebung des Beschlüsse» betreffs Verbreiterung des Kaiser-Wilhelms-Kanals und befürwortet dafür die baldige Herstellung einer neuen Berbindung zwischen Ost- und Nordsee. Nach dem Sebelinschen Projekt hätte diesc-zweite Wasserstraße bei der Eckernförder Bucht ihren Anfang zu nehmen. Sie würde dann in südwestlicher Richtung nach Rendsburg führen, wo sie im Audorfer See den alte» Kanal träfe, um von diesem Knotenpunkt aus direkt westlich an dem Städtchen Haide vorbei nach dem sogenannten„Norder Piep" zu gehen, einer bei Büsum gelegenen größeren Meeresbucht. Die Eckernförder Bucht und das„Norder Piep" sollen zu großen Vorhöfen für den neuen Kanal umgestaltet werden. Die Kosten werden bei einer Gesamt- länge von 71 Kilometern aul 142 Millionen Mark angegeben, wobei aber die Ausgaben für Brückenbauten und für die notwendig werdenden Befestigungsanlagen an den Eingäiigen nicht m i t b e r e ch n e t sind. Zur Begründung seines Vorschlages weist Sebelin zunächst darauf hin, daß während der Erweiterungßarbciten die Möglichkeit von Kanalsperrungen iniolge von Erdrutschungcn nicht ausgeschlossen ist, was in unserem Zeitalter der ständigen ÄriegSfurcht leicht bedenkliche Folgen haben könnte. Dann aber macht er geltend, daß die Aktionsfähigkeit der Flotte durch die Schaffung neuer Auö- falltore bedeutend erhöht wird. Der Zweck des Projekte? ist also ein r e i n m i li t ä r i s ch e r. Vergessen darf man aber nicht, daß dieser militärische Zweck ja erst dann volllommen erreicht wird, wenn beide Fahrstraßen für die g r v ß t e n S ch l a ch t s ch i f f c benutzbar sind; und so schlummert denn im Hinter- gründe deS Sebelinschen Projektes der Plan, den jetzigen Nordost fee-Kanal trotz der zweiten Verbindung zu erweitern. Wir hätten dann insgesamt mit der Klciuigkcil von ungefähr 400 Millione» Mark zu rechnen! Glücklicherweise hat der Vorschlag SebelinS in der nächsten Zeit wenig Aussicht auf Erfolg; den» die Regierung hat das Geld für die Erweiterung des Nordostsee-KanalS bereit» in der Tasche. und sie wird nun durch Unternehmungen so kostspieliger Natur schwerlich den Ausbau ihrer herrlichen Kriegsflotte verlangsamen wollen. Ei»„sozialdemokratischer Kolonialfreund". Die„National-Zeitung" nimmt mit Behagen davon Notiz, daß Richard Ealwcr in seiner„Wirtschaftlichen Korrespondenz" auf Grund der Tarstellung des Ingenieurs C. Heine der Ansicht Ausdruck gibt, daß der Baumwollenbau in den deutschen Kolonien „eine aussichtsreiche Zukunft" vor sich hat. Wäre diese Möglichkci: aber erst allgemein zugestanden, so werde man an den Wirtschaft- lichen Wert der deutschen Kolonien einen anderen Maßstab legen. als dies vielfach üblich sei. Taö schreibt nicht die„National- Zeitung", sondern Richard Ealwcr! Man sieht, daß die Kolonial- prefle alle Ursache hat, sich auf Ealwer al» kolonialpolitischcn Schwurzcugcn zu berufen! Ter Wert der Calwcrschcn Darstellung charakterisiert sich schon dadurch, daß Ealwcr sich nicht damit begnügt, die wirkliche Baum- Wollproduktion in unseren Kolonien in Betracht zu ziehen— mit den Zahlen dieser Produktion könnte er ja freilich auch keinen Staat machen—, sondern daß er allerhand pomh- hafte Zahlen von Baumwollplantagen in unseren Kolonien aus- führt» die erst noch geschaffen werden sollcw! Bisher existieren diese Kulturen erst in den Gründer- Prospekten! Erst wenn diese Versuche wirklich gemacht und erfolgreich gemacht worden wären, könnte er sich ein Urteil über die Aussichten unseres kolonialen Baumwollbauc» bilden. Wie die Versuche aber ausfallen werden, bleibt abzuwarten. Nur so viel steht fest, daß ohne künstltche Bewässerung in Ostafrika, der für den Baumwollbau wichtigsten deut- schen Kolonie, ein in Betracht kommender Baumwollbau ein- geschlossen ist. Ob solch künstliche Bcwäsicrung möglich ist, ganz abgesehen von der Frage der Rentabilität, steht noch dahin, denn nach dem soeben ausgegebenen Verhandlung»- bericht des Kolonial wirtschaftlichen Komitees sollen ja erst wasserwirtschnftliche Erforschungen von Dentschostafrika vor- genommen werden! Alles das kümmert aber einen Wirtschaft«- Politiker vom Schlage Calwer nicht im geringsten! Glücklicherweise gilt Ealwcr innerhalb der deutschen Sozial- demokratie in keiner Weise als die Autorität, als die illn die interessierte bürgerliche Presse anspricht.— Das gefährliche Ballfest. Die siebente Abteilung der Berliner Polizei hat das begreif- liche Bedürfnis, sich von der Blamage zu erholen, die sie sich im GeheimbundSprozcß gegen Trofimofs und Genossen vor einigen Tagen geholt hat. Tic Art, wie sie diesen Rchabilitationsversuch unternimmt, ist sichtbar auf die Kreise berechnet, die sich zu ihrcn Zuhältern hergeben: auf die Philister und Angstmeier des bürgerlichen Publikums. Für diese staatSerhaltendcn Kreise läßt sie durch daö offiziöse Wolffsche Telcgraphenburcau und durch die Berliner Abendzeitungen folgende Schauermär verbreiten: Bei einer geheimen Zusniiimenkunft in der Wohnung eines bekannten russischen Anarchisten in Eharlottenburg, Pestalozzistr. 69, sind gestern abend 17 Russen verhaftet worden. Man fand eine Unmenge Skripturen(!) vor, deren Inhalt gegen den§ 123 des Strafgesetzbuches(Geheimbündelei betreffend) verstößt. ES handelt sich offenbar um eine geheime Sitzung des Zentralkomitees der russischen Arbeiterpartei. Soweit wir es in der kurzen Zeit feststellen konnten, enthält diese Notiz folgende Unwahrheiten: 1. Ter Inhaber der Wohnung Pestalozzistr. 69 in Charlotten- bürg ist ein deutscher Sozialdemokrat, kein russischer Anarchist. 2. Verhaftet sind nicht 17 Russen, sondern 14 Russen und 3 Deutsche. 3. TaZ Zentralkomitee der russischen Arbeiterpartei existiert nicht in Berlin und kann daher hier weder geheime noch öffent- liche Sitzungen abhalten. Daö Ziel dieser Schwindclnachrichte.tr ist klar: Nachdem das Gericht im Prozesse Trofimofs festgestellt hat, daß die russische So- zialdemokratic mit Anarchisten nichts zu tun hat. die Ver- suche der Polizei,„ihre" Sprengstoff- und Waffenfunde unserer und der russischen Bruderpartei an den Hals zu hängen, glatt zu Boden gefallen siard, soll der biedere deutsche Philister wieder graulich, die deutsch-russische Polizei diesseits und jenseits der Weichsel gegen unsere russischen Genossen und gegen unsere Partei wieder scharf gemacht werden. Wir warten cS in Ruhe ab. Inzwischen mag sich die Berliner Polizei mit den Bor- bereitungen zum Neujahrsball der russischen Studenten beschäftigen. Nach unsere»: Informationen betraf nämlich die„gehoime Zusammenkunft in der Wohnung eine» bekannten russischen An- archisten" diese höchst politische Angelegenheit. Die dabei zu ver- wendenden Bomben bestehen, wie wir der siebenten Abteilung ganz diskret mitteilen wollen, aus Pfesjerluchen.—» Kontraktsklaverei. Die Regierungsblätter bestätigen offiziell die gestern von unS geVrachtr Nachricht, datz die Einführung der Legitimationskarten für die ausländischen Saisonarbeiter schon zum 1. Februar geplant ist. Durch Verfügung des Ministers des Innern wird nämlich angeordnet. dast vom 1. Februar 1908 ab zunächst für die aus Rustland und Lcsterreich-Ungarn und deren südöstliche» Hinterländern kommenden Arbeiter JnlandSauSweispapiere— Arbeiierlegitimationskarten— in besonderen, zu dem Zwecke an der österreichischen und russischen Grenze errichteten Grenzämtcrn der Deutschen Fcldarbeiterzentrale zu Berlin auszufertigen find. „Diese Legitimalionskarien", heißt eS in der Verfügung, „werden nach einem einheitlichen Muster auf Grund der Heimats- Papiere durch fprachinndige Beamte der Deutschen Feldarbeuer- zentrale in deutscher Sprache ausgefüllt und von den für das betreffende Grenmmt zuständigen LrtSpolizeibehörden amtlich geprüft und ausgefertigt. Für diejenigen Arbeiter, welche es etwa aus Unkenntnis der neuen Einiichlungen oder aus anderen Gründen unterlafien haben, sich an der Grenze die Karte zu der- schaffen, ist die nachträgliche Ausstellung an der Arbeitsstelle vor- griehen. Dabei sind für die Grenzkreise und für diejenigen Arbeiter, welche sich bei dem Inkrafttreten der neuen Anordnung bereit« in Preußen befinden, gewisse Erleichterungen zugestanden. Da die ArbeiterlegitimationSkarten sterS einen bestimmten Arbeitgeber angeben, so kann der Arbeiter dieArbeits- stätte nur wechseln, wenn die OrtS Polizei- behörde die Karte aus den neuen Arbeitgeber umgeschrieben bat. Entsteht über die Umschreibung Streit, so geht die Sache an den Sandrat. Dieser hat, soweit erforderlich und möglich, nach Anhörung von Vertrauenspersonen, zum Bei- spiel von solchen der Deutschen Feldarbeiterzentrale, der BerufS- aenoffeufchasten oder, sofern eS sich um dem Berggesetz unter- stehende Arbeiter handelt, nach Anhörung der Revierbeamten, schleunigst die Entscheidung darüber zu treffen, ob die Karte um- zuschreiben ist oder nicht. Der standrat ist dabei an eine etwa in der Sache bereit« ergangene richterliche oder schiedsrichterliche Eni- scheidung gebunden, im übrigen trifft er seine Anordnungen vor- behaltlich derartiger Entscheidungen." Arbeiter, welche, ohne im Besitz der vorgeschriebenen Legi- timationSkarte zu sein, in Libeit treten wollen oder in Arbeit ge- treten sind, und sich eine solche auch nachträglich nicht beschaffen köiinen, sollen ausgewiesen und in den dazu geeigneten Fällen über die heimatliche Grenze zurückbefördcrt werden. Die Ausweisung soll nicht stattfinden, wen» kontraktbrüchige Arbeiter in da« aus der LegitimanonSkarte sich ergebende frühere Arbeitsverhältnis zurück- kehren.—__ Hessische Finanzen. Den hessischen Landständen wurde gestern der Entwurf dcsFinanzgesetzcs und der Hauvtvoranschlag für daS Etats- jähr 1908 zugestellt. In dem Schriftstück heißt cS:� Im laufenden Hauptvoranschlaae habe man eine nachhaltige Gesundung der Finanzverhältnisse de« Landes dadurch herbeizu- führen gesucht, daß man durch Erhöhung der Stempeleinnahmen und durch starke Heranziehung der Einnahmequellen des Ausgleichs- fvnds für Zwecke der laufenden Verwaltung die Mittel beschafft habe, um zunächst die am dringendsten empfundenen Bedürfnisse zu defriedigen, gleichzeitig aber auch durch eine angemessene Berminde- rung der Staatsschulden die laufenden Verwaltungsausgaben durch die laufenden VcrwaUungSemnahmcn vollständig zu decken. Im Verfolg dieses Vorgehens ist bei der Aufstellung des neuen Haupt- voranschlagc« vor allem auf eine Befestigung dieser Verhältnisse binzuwirkcn gewesen, und man hat sich demgemäß bei der Ein- stellun� von Mehrausgaben und Neufordcrungcn im Rahmen der natürlichen Steigerung der vorhandenen Einnahmen zu halten gehabt. Bei erhöhter Voranschlagung der Erträge dieser Ein- nahmen war dabei auf den drohenden Rückschlag im Erwerbsleben um so mehr Rücksicht zu nehmen, als die vergleichsweise kurze Gel- kungsdauer des neuen UrkundenftempelgefetzeS ein bestimmtes Urteil darüber noch nicht zuläßt, ob die an jenes Gesetz geknüpften Er- tvartungn einer namhaften Einnahmesteigerung in ihrem vollen Umfange sich verwirklichen werden. Durch Betätigung strengster Sparsamkeit in allen VerwaltungSzwcigien und infolge der Ueber- nähme neuer Lasten auf die Staatskasse war es möglich, den Ab- stbluß des neuen Hauptvoranschlages ohne Fehlbetrag herbeizu- fuhren. Eine famose Kakbalgcrei spielte sich am Donnerstagabend im Leipziger Stadt- p a r l am e n t zwischen den beiden bürgerlichen Parteien, Rats- parteilern»nd Mittelständlern, zum großen Gaudium unserer Ge- nosien ab. Die 72 S'adtverordnclcn sind ziemlich gleichmäßig auf alle drei Parteien verleilt. Tie Ratsparlei als die herrschende in Leipzig be- anipriicht von den drei Piäsidenteiisitzen zwei, den Vorsteher und einen Bizeprqiidenlenvosten. Die MiNelständler dagegen wollen die beide» Llzepräsidenlenposren besetzen. Nur darüber sind sich die feindlichen Brüder einig, der Sozialdemokratie das Recht auf den einen Präsidenienposleii vorzuenthalten. In der ersten Sitzung jedes Jahre« wird das Präsidium neu gewählt. Die gestrige zweffliindige Sitzung verlief so rcsultatlo«— nicht einmal der Präsident wurde gewählt— daß sie aufgehoben und auf den nächste» Dicuchag vertagt wurde. � Der von der RatSparlei wieder präsentierte Präsident Dr. Roth erhielt im ersten Wahlgang von 70 abgegebenen Stimmen 29. Darauf erklärte er das Amt unter den Umständen nicht wieder an- nehmen zu können. Beim zweiten Mahlgang erhielt er nur 28 Klimmen. Nunmehr schlug unier Genosse Pollender vor, erst den zweiten, dann den eruen Vizepräsidenten und hierauf erst den Präsidenten zu ivählen. Dieser Wahlmodus ist zulässig, wenn kein Widerspruch erhoben wird. Der Antisemit Pennewitz war tolpaischjg genug, zu widersprechen, worauf Dr. Roth in dem dritten Wahlgang 31 Stimmen erhielt, die anderen Stinimzeltcl waren wie in de» ersten Wahlgängen unbeschrieben. Nunmehr wurde auf Antrag der RatSvarteiler die Sitzung aus eine Stunde zum Kuhhandeln vertagt. Das Resultat war. daß Dr. Roth im vierten Wahlgang dann wiederum m>r 28 Stimmen erhielt. Daß sich untere Genoffen über die Situation belustigten, versteht sich.„Stolz" erklärte aber ein Rechtsparteiler, so lange die Sozial- demokratie keine NepräscutationSpfiichien übernehme, köune ihr kein Bizepräsidentenposten zugestanden werden. DaS erweckte natürlich nur Heiterkeit. Die Sitzling ivtirde darauf bis Dienstag vertagt, wo der Tanz von neuem losgehen kann.— stallen. Ter Senat gegen die Nachtruhe der Bäcker. In seiner Sitzimg vom 30. Dezember sollte der Senat, vor dem Eintreten in die Ferien, daS Gesetz über die Nacht- ruhe der Bäcker annehmen, das von der Kainmer bereit« an- genommen ist. Wegen Abwesenheit des Referenten, deö Senators C a V a l l a, mußte die Beratung bis nach den Ferien verschoben werden. Dieser Aufschub ist um so unwill- kommener, als bereits in ctiva 200 italienischen Städten durch kommunale Verfügung die Nachtarbeit verboten ist. Die Bäckereien dieser Städte befinden sich nun im Nachteil gegen- über den kleinen Orten, wo nachts noch gearbeitet und das Brot dann früh in die nächstgelcgene Stadt geschickt wird! Diesem Mißstand hätte aber ein Gesetz abgeholfen, das die Nachtarbeit im ganzen Lande verbot, ivie dieS der Re- gieruugLantrag tut. Aber der Senat hatte keine Zeit, um sich mit dieser wichtigen Sache zu beschäftigen.— Ei« Zivilist als KriegSmiuister. Rom, den 31. Dezember,(©ig. Ber.) Die Ernennung eines Kriegsministcrs, der nicht der Armee angehört, wird in der italienischen Presse lebhast kommentiert. Der Rückiritt des Generals B i g a n d ist zwar durch eine 9keihe von Differenzen mit dem KabincttSchef völlig motiviert, trotzdem aber kommt er unerwartet, da diese Differenzen Nicht mehr neuen Datum« sind und Giolitti sie sehr einfach gelöst hat, indem er über den Widerstand deS KriegSministers zur Tagesordnung überging. General Bigand hatte sich gegen die Enquete über die Heeresverwaltung ausgesprochen. Er war Minister geblieben, ob- wohl das Parlament diese Erhebung beschloß. Sodann hatte er neue Millionen für die Militäransgaben gefordert und war Minister geblieben, obwohl Giolitti seine Forderungelt unter den Tisch fallen ließ l Wenn er heute so plötzlich geht, dann werden dafür wohl Gründe maßgebend sein, die dem Publikum unbekannt sind. Uebrigcns war Viganö ein gewissenhafter Minister, und wenn er keine Reforme» in dem so reformbedürftigen Organismus der italienischen Heeresverwaltung durchgeführt hat, so ist daran vor allem die geringe Bewegungsfreiheit schuld, die ihm Giolitti in seinem Neffort ließ. Was den Nachfolger, Senator C a s a n a betrifft, so ist im Prinzip die Wabl eines Nicht-MilitärS natürlich als ein Fortschritt zu begrüßen. Eingeweihte nämlich meinen, daß viele Mißstände der italienischen Heeresverwaltung sich von Minister zu Minister forterben, weil der Generalstab und die Militär- bureaukratie im KriegSministerium den vom Gamaschendienst kom- menden neuen Minister ganz ein'piimen und seiner Bewegungsfreiheit berauben. Ein Nicht- Militär kann sich diesen Einfiüffen leichter entziehen, auch ist er natürlich dem Staatsoberbanpr gegenüber in etwaS selbständigerer Stellung als ein General, für den der König ein direkter B o r g e s e y t e r ist. Daher findet denn auch die Ent- scheidung für einen nicht der Armee angehörigen Minister den unbedingten Beifall der sozialistischen Presse Italiens. Aber auch die liberale und die konservative Oppositions- Preffc spricht der Neuerung ihre Sympatie auS. Ueber die Person des Senators Casana ist wenig zusagen. Man sagt ihm Kompetenz in Miliiärsachen»ach. was ihm auch die Wahl in die oben erwähnte Enquelekonnilission eintrug. Ob er sin Dienste einer der beiden Jntereffencliquen steht, die jetzt im Kriegsminsterium für die Vergebung der großen Artillerielicferungen an die Finna Krupp bczw. an Ansaldo-Armstrong eintreten, muß die Zeit lehren. Daß eS bei dieser Ernennung ohne geheime Nebenabsichten ab- gegangen sein sollte, dagegen spricht die gesamte Politik und die Persönlichkeit des Ministerpräsidenten Giolitti.— Schweden. Im Zeichen des Klassenkampses. Drei Tage vor Neujahr fand in dem nördlich von Helfingborg liegenden Wahlkreise Norra Luggude eine Ergänzungswahl zur Zweiten Kammer statt. Gewählt wurde der moderat schimmernde Klmdidat der Konservativen Otto Persson mit 1293 gegen 816 Stimmen, die für den Kandidaten der Sozialdemokratie, den Kleinbauern Olos Nils so n, abgegeben wurden. Bei der Wahl von 1905 standen in diesem Wahlkreise ein liberaler und ein agrarisch-konservativer Kandidat einander gegenüber, und der libe- rale siegte mit 910 gegen 273 Stimmen. Damals beteiligten sich 50 Proz., diesmal 8 0 Proz. der Wahlberechtigten. Um die Wahl des Sozialdemokraten zu verhindern, verzichteten die Liberalen auf einen eigenen Kandidaten! In der Stadt HöganöS mit Gruben- und Fabrikarbciterbcvölkcrung wurden SIS sszialdemo- kratische gegen 112 konservative Stimmen abgegeben, und in Kattarp mit seiner großen Zuckerfabrik hatte unser Genoffc eben- falls die Mehrheit. Die Landgemeinden, wo auf großen Gütern wahlrechtslose Häusler und Tagelöhner arbeiten, gaben den AuS- schlag für den ionscrvarivcn Kandidaten. Alle Grundsätze preis- gebend hatte sich die herrschende Klasse zusammengerottet. Die „Freireligiösen"— so nennt man in Schweden die außerhalb der Staatskirche stehenden orthodoxen Christen— die eifrige Alkohol- gcgner sind und ein gesetzliches Alkoholvcrbot anstreben, stimmten für den konservativen Kandidaten, der Mitbegründer der Brannt- wcingescllschaft von Höganäs, und aegen den Sozialdemokraten, der Abstinent und Fürsprecher des Alkoholverbots ist! Die antisozialistische Agitation wurde, ganz im Sinne des deutschen ReichslügenverbandeS, hauptsächlich vom„National- verband für Schonen" betrieben. Der Hmiprmacher dieses Ve» bände«, der Großgrundbesitzer und Wasaritter B i r a e r Welinder. eine der größten Leuchten der„vaterländischen" Agitation, konnte diesmal jedoch an dem Wahlschwindcl nicht teil- nehmen. Er hat sich nämlich als großer— Aktienschwindler entpuppt. ist flüchtig geworden und wird run in aller Welt stcckbrief- lich verfolgt. In allen Großstädten Europas ist die Polizei an- gewiesen, ihn zu verhasten, wenn sie seiner habhaft werden sollte. In seinem Hause verkehrten Minister und andere hohe Staats- beamte.— Rußland. Sozialistischer Wahlsieg in Sibirien. Wie die Petersburger Telegraphett-Agentur meldet, Ivurde anl 27. Dezember in JrkutSk der Lehrer T. Beloussoff, der sich zu den Sozialdemokraten zählt, für die Duma gewählt. Sozialdemokraten gegen die Anarchisten. Der„Ruff. Kurier" teilt mit: Die fortgesetzten Verfolgungen der russischen Sozialdemokraten seitens der russischen Administrativbehörde haben dieselben veran- laßt, gewissermaßen zum S c l b st s ch u tz einen energischen Kampf gegen die russischen Anarchisten auszunehmen, die in der letzten Zeit als Anarchisten-Äommunalisten. Anarchisten-Jndividualisten usw. auftreten und unter allen möglichen Vorwänden und bei jeder Gelegenheit nicht nur für die größtmögliche Verbreitung ihrer terroristischen Lehre sorgen, sondern„Expropriationen" ausführen und das in Rußland noch immer herrschende ChaoS aufrecht er- halten. Gegen ein solches Vorgehen der russischen Anarchisten wenden sich nun die russischen Sozialdemokraten und sie begnügen sich nicht damit, ihre Genoffen entsprechend aufzuklären, sondern erklären sogar öffentlich, wie sie sich den Anarchisten gegenüber- stellen. Eine diesbezüglich veröffentlichte Bekanntmachung der russischen Sozialdemokraten hat u. a. den nachstehenden Wortlaut: l. Die russische sozialdemokratische Arbeiterpartei hat mit keinen Anarchisten, wie sie sich auch nennen mögen, irgend etwas zu tun. 2. Die russischen Sozialdemokrastn h alten die Lehre der Anarchisten für höchst schädlich in revolutionärer Beziehung und für durchaus nicht sozialistisch. 3. Diese Lehre und insbesondere die terroristische und expro- priatorischc Tätigkeit der Anarchisten bringt Desorganisation und Unsittlichkcit in die Arbeiterinassen hinein. 4. Indem nun die russischen Sozialdemokraten der Lehre und den Expropriationen der Anarchisten durchaus abgeneigt sind, werden sie mit denselben stets einen Jdcenkampf führen und über- all die ganze Schädlichkeit und die gänzliche Haltlosigkeit des Anarchismus entsprechend erklären. S. Die sozialocmokratischc Partei nimmt nur freiwillige Geldsvenden an und greift niemals zu Drohungen. 6. Jedes Mitglied der sozialdemokratischen Partei, das einer Geldfordcrung durch Drohungen oder einer Teilnahme an einer Expropriation überführt ist, wird sofort aus der Partei ausgeschlossen. Ein Tröpfchen auf einen heißen Stein. Petersburg, 3. Januar. Der Reichsrat hat heute die Gesetzes- vorläge betreffend die Bewilligung eines Kredits von 5 182 000 Rubel für die Verpflegung in den Notstandsgebieten angenommen. TJineinka. Micterstrcik. Vor einiger Zeit berichteten ivir von einer organisierten Widerstandsbewegung italienischer Mieter gegen ihre blut- sangerischen Hauswirte. Jetzt haben 10 000 Ne>v I orker Mieter, die" sich in gleicher Notlage befinden wie ihre italienischen Leidensgefährten, den Kampf um Herabsetzung der Mietspreise gegen ihre HauSPaschas aufgenommen und sogar die erste Schlacht in diesem eigenartigen Kriege gewonnen. Die Wirte hatten mit rücksichtsloser Exmission der Widerspenstigen gedroht, doch vor dem einheitlichen Wider- stand streckten sie— einstweilen wenigstens— die Waffen. Da die Mieter sich nämlich weigerten, die Wohnungen gut- willig zu raunten, so wären E x m i s s i o n s klagen erforderlich, die den Hansherren vorläufig etwa eine Million Mark kosten würden! Sie sahen nun wohl ein, daß sie schließlich doch noch besser fahren, wenn sie da lieber den Forderungen ihrer Gegner(Herabsetzung der Mietspreise) entgegenkommen; jedenfalls sind die Exmissionen bis auf weiteres nicht erfolgt. ES scluveben Verhandlungen zwischen den Streitenden: die Mieter verlangen Herabsetzung der horrenden Preise um 20 Proz., während die Wirte nur biö zu einer Reduktion um 10 Proz. gehen wollen. Soziales. Erfüllung der Wartezeit der AltcrSrentner. MierSrentenanwärter, welche im Laufe dieses Jahres ihr 70. Lebensjahr vollenden, haben an Beitragswochen nachzuweisen, wenn sie nach Eintritt in die Versicherung beschäftigt waren: u) als Arbeiter. Gehülfen, Gesellen, Dienstboten, HaudlungSgehülsen, BetriebSbeamle....... 680—720 Bcitragswochen b) als Hausgewerbetreibende der Tabak- fabrikatiou......... 640—680„ c) als Hausgewerbetreibende der Textil- ' industrie mitBersicherungSpflicht vom Jahre 1894......... 534—574„ d) als Hausgewerbetreibende der Textilindustrie nlit Versicherungspflicht vom Jahre 1896......... 480—520 0 o) als Lehrer. Lehrerinnen. Erzieher, Gesellschafterinnen. sonstige An- gestellte, deren dienstliche Beschäfri- gung ihren Hauptberuf bildet u. dgl. 320—360„ Umtausch von alten QuittungSkartcn. Gemäß§ 135 des JnvalidenversicherungSgesetzeS verliert eine OuittungSkarte ihre Gültigkeit, wenn sie nicht innerhalb zweier Jahre nach dem auf der Karte verzeichneten Ausstellungstage zum Umtausch eingereicht ist. Um die Versicherren vor Weiterungen zu schützen, macht die Versicherungsanstalt Berlin daraus aufmerksam, daß alle im Jahre 1906 ausgestellten OuitwngSkarten ohne Rücksicht darauf, ob sie vollgellebt sind oder nicht, innerhalb ziveier Jahre nach dem Tage der Ausstellung— also innerhalb deS Jahres 1908— dem zuständigen Polizeirevier zur Aufrechnung und zum Umtausch vor- zulegen sind. z. B. eine am 4. Januar 1906 ausgestellte Karte spätestens am 4. Januar 1903. Kosten erwachsen den Inhabern durch die Aufrechnung der alten und Ausstellung einer neuen OuittungSkarte nicht. Der Hinweis der Berliner Versicherungsanstalt ist auch für alle anderen Versicherungsanstalten des Reiches zutreffend. Ergebnisse der Juvalideuverfichcrung für daS Jahr 1906. Die dem Reichstage zugegangene Nachweisung umfaßt die 31 JnvolidenverstchernngSanstatten und 9 zugelassene Kassen- einrichtungen, die im Jahre 1906 auf Grund des Invaliden» Versicherungsgesetzes bestanden. Diese 40 Vcrsichermigsträger besaßen am Jahresschluß inS- gesamt 298 VorstandLniitglieder, 42 HülfSarbeiter der Vorstände, 626 Ausschußmitglieder, 364 Kontrollbeamte, 2 Rentenstellen, 124 Schiedsgerichte, 2440 besondere Markenverkaufsstellen und etwa 7400 mit der' Einziehung der Beiträge beauftragte Stellet!. An Wochen beitrage n wurden bei den 31 Invaliden- Versicherungsanstalten rund 640 Millionen Stück verwendet, die einen Erlös von 156 544 529 M. ergaben. Hiervon entfielen auf polnische Arbeiter russischer oder österreichischer Staatsangehörigkeit rund 5.7 Millionen Wochenbeiträge im Werte von 473 883 M. Bei de» Kasieneinrichtungen betrug die Einnahme ans Beiträgen 13 581 641 M. Bei der Abrechnung für daS Jahr 1906 wurden 135 193 Renten als im Jahre 1906 zugegegangen behandelt, nämlich 111885 In- validenrenten. 12 569 Kraukenrenten und 10 739 Altersrenten im durchschnittlichen Jahreöbctrage von 162,88 M., 163,29 M. und fÖO.SO M. BeitragLersiattungen wurden im Jahre 1906 festgesetzt bei 153 224 HeiratSiälleii, 710 llnfällen und 32 827 Todesfüllen, wo- bei sich der durchschnittliche Betrag auf 37,70 M., 78,46 M. und 80,41 M. stellte. Auf diese reichSgeketzlichen Entschädigungen wurden zu Lasten der 40 Versicherungsträger im Rechnungsjahre 1906 102 651 360 M. gezahlt, und zwar an Renten 94 215 214 M., an Bei- lragserstattnngen 8 436 145 M. Die hierzu noch tretende Leistung des Reiches belies sich auf 48 757 607 M. Für das Heilverfahren wurden 13468262 M. aus- gewendet: hierbei sind die von Krankenkassen, von Trögern der Unfall- Versicherung und von anderer Seile gezahlten Kosteiizuschüffe in Höhe von 3 478 139 M. bereits in Abzug gebracht. Der obige Betrag umfaßt unter anderem die Unterstützungen an Angehörige der in Heilbehandlung genommenen Versicherten in Höhe von l 157 239 M. Darüber hinaus tourden aber noch weitere 754 162 M. gewäbrt. Die gesamten Ausgaben für JnbalidenhauSpflege beliefen sich auf 590 563 M. Hiervon wurden durch Einbehaltimg der Reuten der Pfleglinge 153 719 M. erstattet und durch Zuschüsse von anderer Seile 29 089 M. ersetzt, so daß den Versicherungsträgern eine Reinansgabe von 407 754 M. erwuchs. An V e r w a l t u» g S k o st e n überhaupt wurden 15 863 753 M. ausgegeben, was auf 1000 M. der Einnahme auS Beiträgen eine Ausgabe von 93 M., auf 1000 M. der gesamten Ausgaben eine solche von 119 M. bedeutet. Auf die einzelnen Arten verteilen sich die überhaupt als Verwaltiingskosten aufziifaffcnden Aufwenduiigen so, daß von 1000 M. ans die allgemeine Berwaltimg 582 M., auf die Kosten für die Einziehmig der Beiträge 154 M.. auf die Kosten der Kontrolle 97 M. und auf sonstige Kosten 167 M. eiilfielen. Insgesamt haben sich im Jahre 1906 die Einnahmen auf 214 583 183 M.. die Ausgaben auf 133597752 M. beziffert, so daß sich ein VeriiiögenSzuwachs von 80 985 431 M. ergibt. Am Schlüsse de« JahieS 1906 belief sich daS Vermögen der Versicherungsanstalten und der für die reichsgesetzliche Vcr- sicherimg bestimmte Teil deS Vermögens der Kaffeiieinrichtungen auf 1 318 525 631$7., wozu noch der Buchwert der Jnventarien nnt 5 096 435 M. tritt. Von 1000 M. Vermögen waren 18 M. im Kasienbestande vorhanden, während 936 M. i» Wertpapieren und Dar- lehen und 46 M. in Grundstücken angelegt waren. Die dnrchschnilt- liche Verzinsung de« in Wertpapieren und Darlehen angelegten Teiles betrug 3, öS Proz. deS AnkausspreifeS. Hus Induftnc und Kandel. wirb blcS ciuch durch daS berflosieue Weitznacht§fest bestätigt, r In den nüchsien Tngen werden darum im Reichenkach-'Greiz-Geraer das den meisten Kausleute» verminderte Einnahmen brachte. Bei den! Texlilindustriebezirke wieder zahlreiche Arbeiterversammlungen statt hohen Lebensmittelpreisen ist fast der ganze Arbeitsverdienst zur Be- schaffnng des Lebensmiterhaltes erforderlich. Dazu niiniiit das Borg- system stark überhand. Da mm auch noch eine scharfe Kälte ein- Der Umschwung. Verstummt sind die Hochgesänge auf die Konjunktur. Vorbei, � ist's wieder einmal mit der Projettcnjagd kapitalistischer Akteure, geletzt hat, durch welche andere Arbeiterkategorien geschädigt werden, welche alle Winkel des Erdballs nach profitablen Anlagen durch- geht die gesamte Arbeiterschaft schlimmen Zeilen entgegen. � Nie vorher sind die Konjunkturfreuden des Kapitals so gleich- I r r./ mähig international zerronnen wie diesmal. Schon hat der läh- �[, r c'e'1.. � � � 1 t.:»C mcndc Alp des Geschäftsrückganges das Gros der Industrie er- griffen und die Klagen über verminderte Kauflust werden zum Massenchor. In den Haaren liegen sie sich, die noch vor kurzem einträchtig am Strange der Profitmacherci gczerrt, Rohstofflieferant, Halb- zcugfabrikant, Halbzeugkonsument, Agrarier, Industrieller und schnappen in grimmen Pretzfehdebriefen jouiend nacheinander. Dazwischen ertönt das Stöhnen der täglichen Börsen- berichte. Der arme Kranke erhält vergebens in der zweiten Börsen- stunde regelmäßige Morphiuniinjektionen, die nächste Stunde sieht ihn wieder in Apathie, Mattigkeit und melancholischer Stimmung am Kasjaindustricakticn-, Geld-, Anleihewerte- oder irgend welchen Markt. � Der Kapitalismus im Zeichen der Liquidation, so mag man den Gang der Krise vom Punkt ihres Einsetzens überschreiben. Es liquidierte alles, was nur konnte; der phantasievolle Projekten� schmied und das ehrsame, solide Bankhaus, die Trustkompanie und die industrielle A.-G. Man liquidierte in New Aork und in Chi- cagv, in Hamburg und Berlin. Hierbei gingen diverse Millionen diverser Aktionäre und Geschäftsleute verloren, um sich in größeren Sammelbecken wiederzufinden. Der die Börscnrcchnung zunächst quittierte, war der Kleinaktionär, der Kleinindustriclle. Den Kassen der ganz Großen hat die Börsenkrise nichts anzuhaben vermocht— wie imnier. Der Aufkauf der Tenessee. Aktien durch Morgan ist ein solches durck, die letzte Krise vermittelte» Uebergleiten von kleinem, jedoch selbständigem Besitz in die Hände deL großen Eigentums. Eingeleitet durch de» allgemeinen Kursfall d'r Börsenwerte war alsbald jener Punkt erreicht, bei welchem dem Stahltrust die Er- Werbung der gegnerischen Aktienwerte gelang. Der ungeheuere Kapitalsblock siegte kampflos, verlustlos, durch die Wucht seiner Masse, durch die Möglichkeit, zu warten. In seinem Besitze oder was dpsselde ist, in Morgans Gewalt, sind die Papierchen geborgen und harren des Tages, an welchem der Umschwung des Geschäfts eintritt, uni dein Markte mit unmäßigen Kursgewinnen serviert, zu werden und neue Millionen für die Milliardäre von Wallstreet' zu realisieren. Di« Konzentration der Werte oder der Macht über Werte ist ein ökonomisches Gesetz, ein Gesetz, das sich durchsetzt, weil die Eni- Wickelung unseres Geld-, Bank- und Industrieshstems keine andere Logik kennt. Und ob der populärste Präsident dagegen wettert und die Justiz ihre Macht versucht, ob der Mittelstaudsdemagoge in die Fansare stößt und die Scharen ängftlicher Depotengläubiger die Banken stürmen, am Tage nach der Wrise diktiert Herr Morgan Amerika die Bedingungen seiner Hülfe. Leider ist der Kapitalist kleinerer Dimensionen nur der erste, doch nicht der einzige und am schwersten betroffene Leidtragende geblieben. Trotz der tröstlichen Versicherungen derer, die den Markt gerne im Spiegel ihrer Wünsche sehen, ist der Geld- und Börsen- rris« die Produttionskrise auf dem guße gefolgt. Ein Drittel seiner Hochöfen hat der Stahltrust stillgesetzt; die Leistungsziffer der Koks- ösen und Anthraziigruben verringert sich rapide. Die ganz« Pro- duktionskette folgt diesen einschneidenden Rückwärtsbewegungen nach. Arbeiter und Beamte sind in großen Scharen entlassen worden. Wo bleibt da die gerühmte Stabilität der organisierten Industrien, wo bleibt die gcfestcte Position des im Dienste dieses Kapitals Tätigen, auf Ivclche schöne These der deutsche Professor eine neue Gcscllschaftsverfassuiig des Privateigentums und der vollendeten Jntcrcsscnharmonie aufbaute. Nur das Kapital hat gegen früher gewonnen, da es die Produktionskosten beim Eintritt schlechterer Zeiten sofort zu mindern vermag, ohne erst im Kon- kurrcnzkamps BesitzcS'chmälcrung zu erleiden. Gerade durch die Krise ist die Konsolidierung des Trusts, die wir bereits als den eigentlichen Inhalt der Morganschen iEpcrationcn bezeichnet haben, erfolgt. Und in so verblüffend ein- fach« Weise erfolgt, daß man es nachempfinden kann, wenn das große Publikum des Börsentheaters, gedrückt von der Allmacht dieser Börseninatadoren, auch die Krise bereits für ein gewolltes Werk, einen Coup, ein Manöver hält. Wir haben cS mitansehe,, müssen, wie aus dem Uebecmaß von Kapitalsvcrluste», Erwerbs- rückgang, Arbeitslosigkeit und Elend diese eine große Macht des zusammengeballten Großkapitals, das Monopol, verjüngt erstand. Und man frägt nach den Grenzen dieser Macht, nach den Kräften, die dieser neuen, an Gestalt ungleichen, an Umfang alle früheren weit überragenden Völkertyrannis ein Halt zu bieten vermag. Was wir in diesem Jahre erlebt haben, muß ein Schulbeispiel für die ökonomische Fibel der Völker werden. Müssen diese nicht endlich gewahr ioerden, daß hier Kräfte walten, die nicht durch Worte, und auch nicht durch Täten, deren Ziel nach rückwärts ye- wendet ist, zu dämmen sind? Ist es denn hier nicht sinnenfällig, dag nur eine ebenbürtige Idee, die ebenbürtige.Kräfte auszulösen vermag, diese Gewaltherrschaft des Mammons bezwingen kann? Können es wich zwerghaste Gebauten, wie Reglementierung und dergleichen sein, welche diese ursvrünglichen Gewalten, welche Stahltrusts. Milliarden in Schach halten können? Der Kapitalismus wird sein Ende finden ,n der sozialistischen Produktion und der gemeinsamen Befriedigung der Bedürfnisse. durch die Gütcrerzeugung und-Verteilung als Funktion der Ge- sellschaft. Die Dampfkraft in Prenste». Die im kömgl. preußischen statistischen Landesamt abgeschlossene ketz.e AiiSzähliiiig der am 1. April 1907 vorhanden gewesenen Dampskessel. Danipfmaschinen und Schiffsmaschiiien ergibt trotz allen Mitbewerbö von Gas, Petroleum und Wasserkraft ein starkes An- wachsen der Dampfkraft. Insgesamt hat sich die Leistungsfähigkeit aller Dampfmaschinen von 579-1473 auf 0043567 Pferdestärken erhöht. Die ersten Stellen nehmen ein Arnsberg mit 1018 307 und Dussel- dors mit 990 317 Gefamipferdestärken; diese beiden Regierinigs- bezirke haben sonach bei ,;g der Bevölkerung des preußischen Staates Vz seiner Gc'ämtmaschiüenkraft. BemerlenSweri ist. daß die Zahl der großen Maschinen auch im leyicn Jahre wieder eine Steigerung«fahre» hat; eS gibt bereits 601 Maschinen mit über 1000 Pferdestärken, darunter IIS mit 2000 bis 5000 und 25 Niil über 5200?Z. Obenan bezüglich der Kraftleistung standen die Dampfmaschinen der Seeschisse, während an letzter Stelle die 25 754 Lokomobilen mit nur 14.l PS einzureiben sind. Doch tritt auch bei de» Lokomobilen das Bestreben, ihre LeistiingSfähigkeit zu steigern, deutlich in die Erscheinung. Die 1185 im letzten Jahre auf- gestellten Lokomobilen besaßen im Durchschnitt bereits je 24,3 Pferde- stärken._ Tie Biehzufuhren auf den, Berliner Viehhofe im Jahre 1907 waren mit Ausnahme der von Rindern höhere als im Jahre 1906. Es wurden aufgetrieben.' 258 160 Rinder(1906: 26! 218». 208 043 (192922) Kälber, 614114(604891) Hammel und 1412512(1 160 313) Schweine. Die Krise in der Schweiz. Der Export der Schweiz an '/a Million Frank zurückgegangen. Die Stickereifabriken in St. Gallen haben er- hebliche Betriebseiuschränkmige» angeordnet. Der ll h r c n e x p o r t ist im November allein im Konsular- bezirk Cbaux-de-Fonds»m 400 000 Fr. zurückgegangen und es wird eine weitere Verschlechte, ung der Geschäftslage erwartet. In der Auto mobil- und Maschinenfabrik Frauen- selb sind wegen Mangel an Aufträgen zahlreiche Arbeiier entlassen worden, darunter auch solche, die schon 20—30 Jahre in der Fabrik tätig waren. Das Arbeitsamt Rorschach schildert den Arbeitsmarkt als ungünstig und ebenso die Aussichten für die nächste Zukunft. Der Außenhandel der Schweiz betrug im 3. Onortal 402 Millionen Frank in der Einfuhr(3. Ouartal 1906: 360) und 286,6(262) Millionen Frank in der Ausfuhr. finde», die definitive Beschlüsse fassen werden, ob in den Streck ein- getreten wird oder nicht. Die Fabrikanten zeigen sich bei diesem Lohnkauipfe wieder cimiia! in ihrer ganzen Brutalität. Sie pfeifen einfach auf das Los' der arme» Weber, die wegen der unsinnigen Zoll- und Wirtschaftspoliiik unserer Herrichenden am Hungertuche nagen müssen. Das Geldsacksniteresse fleht den Herren höher, trotz ihrer Versprechungen beim Ködern der Arbeiter im Januar 1907. Hoffentlich bringt der bevorstehende Kamps den Arbeitern doch noch eine Anzahl Lorteile und Aufbesserungen. Die Dachdeckergehülfen in Düsseldorf hatten den Unternehmern einen neuen Lohntaris vorgelegt, der eine Erhöhung auf 63 und 65 Pf., sowie Verkürzung der Arbeitszeit von 10 auf 9(8 Stunden vorsah. Zwischen dem Jnnungsausschutz und dem Gesellcnausschuß ist nunmehr eme Vereinbarung getroffen, wonach der Lohn pro Arbeitsstunde von 55 auf 60 Pf. erhöht und die Arbeitszeit von 10 auf 9(2 Stunden verkürzt wurde. Warnung! Wie unseren VerbandSkollcgen wohl ziemlich bekannt ist, habe» unsere ausgesperrten Kollegen in Schwenningen die Produltion von Uhren selbst in die Hand geiioinmen, und sie löniicn mit Genugtnuiig konstatieren, daß die organisiert? Arbeiterschaft in Deutschland sie nicht im Stiche gelassen hat, sondern sie nach Möglich- keil niilerstützt und Uhren bezieht. Wie überall so aber auch hier, finden sich Elemente, die wohl der organisierten Arbeiterschaft das ganze Jahr in den Rücken fallen, sobald sie aber glauben, durch dieselbe ein Geschäft machen zu könne», wie hiingrige Raben sich aus eine solche Gelegenheit stürzen. So haben auch hier ein»aar Burschen ein Zirkular unserer Kollegen e u l w e n d e t und versuchen mit Hülfe desselben, mit de» Verhäl'nisien nicht vertraute Genossen zum Bezüge von Uhren zu veranlassen. Damit derartigen Elementen das Handwerk gelegt wird, ersuchen wir die organisierte Arbciierschaft Teutschlands beim Bezug von Uhren genau auf die Firma unserer ausgesperrten Kollegen zu achten, welche den Nomeii führt: Gebrüder S r e g m a n n, Schwenningen/R. Uhren, welche von Firmen mit anderem Namen angeboten werden, sind nicht von unser, ii ausgesperrten Kollegen verfertigt. Die Aibeilcrpresse ersuchen wir, von vorstehender Notiz Kcnntui? zu nehmen. Die Ortsverwaltung S ch iv e u n i n g e n des Deutschen Metallarbeitir-VerbandeS und die Bezirksleitung de» IX. Bezirks. Eine kapitalistische Knochenmühle. In dem oberfräiikischen Granit- und Marmorwerk in Seussen sind dieser Tage vier Arbeiter schwer oerunglückt. Mit mehrfach ge- brochenen Knochen mußten die Verunglückten in» Spital gebracht werden. Das Unglück wurde verursacht durch das Fehlen von Schutzvorrichtungen. Die erschreckend vielen Unfälle in diesem Werk fallen selbst der bürgerlichen Presse auf. Sie schreibt: Es ist auffallend, daß sich bei der 18jährigen Leitung des früheren Besitzers ein einziger Unfall ereignete, während feit zwei Jahren. feit welcher Zeit das Werk in einen großkapitalistischen Aktienbetrieb mngewandekt ist, die Unglücksfälle sich in er- schreckender Weise mehren<21 Unfälle, darunter sehr schwere). Ferner berichtet die bürgerliche Prcffe, daß der OrtSbürgermeistcr. als er wegen der Unfälle Erhebungen Peranstalten wollte, ganz gehörig an- geschnauzt worden sei.— WaS schert sich das Großkapital um Arbeiterleben? Seine Aufgabe ist nur, Profit zu erzeugen. GevverKscKaftUcKeq. Die Proportionalwahl für das Berliner Gewerbegericht. Vom Ausschuß des Ge'oerbegerichts. Arbeitnehmer, erhalten wir folgende Zuschrift zur Veröffeittlichung: Berlin, 3. Januar l908. Die Berliner„Volks- Zeitung" berichtet in der Nr. 608 vom 30. Dezember 1907 von einer Plenarsitzung des Ans- schnsses des Gewrrbegerichts Berlin. Dieser Bericht ist nicht der Wahrheit entsprechend. In der Sitzimg wurde auf Anfrage der Arbeitnehmer zu- nächst festgestellt und von den Arbeitgebern zugegeben, daß sie vor sieben Jahren gegen die Verhältnisivahl gesprochen und gestimmt hätten. Bon den Arbeitnehmern wurde— genau ivie vor sieben Jahren— betont, daß sie im Prinzip für die Verhältniswahl seien; nur wünschten sie die obligatorische Einführung derselben. So wie es jetzt verlangt tviirde, wäre es nur ein Eiltgegenkommen an die Gegner in Orten, wo diese schtvach sind. Dieselben Gegner wüuschen die Verhältniswahl nicht da, wo s i e stark sind. Nur von den Sozialdemokraten verlangen sie Entgegen- kommen. Beweise wurden beigebracht. Schließlich verständigte man sich im Ausschuß dahin. daß z u r z e i t ein Anlaß, die Verhältnisivahl einzuführen. nicht vorliege. Für Einführung derselben nach drei Jahren bei Neu- berat ung des Ortsstatuts stimmten die Arbeitgeber. dagegen unter genannten Umständen die Arbeitnehmer. Der Vorsitzende entschied sich unter den genannten Um- ständen für Eiiiführung nach drei Jahren. Verlin und dmgegencL Achtung, Hausfrauen, Parteigenossen! Am Sonntag, den 5. Januar, �erscheint wiederum die große Vierteljahrsliste aller Bäckereien von Berlin und Umgegend, welche die Forderungen der Bäckergesellen bewilligt haben. Wir bitten die konsumierende Be- völkerung nach wie vor um tatkräftigste Unterstützung, indem sie sich trotz Aufhebung des offiziellen Boykotts im Interesse der Gc- scllen nach dieser Liste richtet. Ter Vertrauensmann der Bäcker. Zu unserem gestrigen Bericht über die Konferenz der Schiffbauer erhalten wir folgende Zuschrift: In der Nr. 2 vom heutigen Tage ist unter..Gewerkschaftliches" ein kurzer Bericht über die Konserenz der Schiffbauer vom Sonn- tag, den 29. und Montag, den 3V. Dezember v. I. abgedruckt, in welchem neben anderen auch einige Ausführungen, die ich gemacht haben soll, wiedergegeven sind. Da icb einen Berichterstatter des Vorwärts" nicht bemerkt habe, nehme ich an, daß der Berieftt von irgend jemandem, der ein Interesse an einer solchen Vcr- öffentlichung hat, eingesandt worden ist. Ich habe aber zu erklären, daß die kurze Wiedergabe meiner Ausführungen—»ch habe zirka eine Stunde gesprochen— tendenziös entstellt ist und bitte im Interesse der Objektivität folgende Erklärung abzudrucken: Wohl habe ich gesagt, daß die Freie Vereinigung deutscher Gc- werkschaften seit dem 7. Kongreß„nicht anarchistisch", datz sie aber syndikalistisch und revolutionär sei. In bezug auf meine Person habe ich ausgeführt, daß ich «ozialdemokrat bin und bleiben werde, ob innerhalb oder außerhalb der Partei, und daß ich dem Anarchismus nicht zu- neige. Ganz besonders aber muß ich betonen, daß ich kein Wort von Federausrutschen" geäußert habe. Im Gegenteil habe ich aus- geführt, daß ich nicht» zu beschönigen oder zu verteidigen habe, was ich nicH selbst tue oder getan habe, daß ich es aber wohl verstehe. wenn auf der einen Seite sich die Einigungsfreunde bemühen, die Freie Vereinigung deutscker Gewertschaften zu begraben, wenn dann die anderen, die dieselbe erhalten und noch mehr ausbauen wollen, sicb ebenfalls regen, indem sie in Versammlungen, Sitzungen, Versammlilngsberichten, Flugblättern und Ausrufen für ihre Ideen Propaganda machen. Auch kann aus der Satzstellung: „Aber man solle doch einmal bedenken, welch ein Gefühl einem beschleicht, wenn man bald ein Menschenalter für eine Organisalionsform gekämpft und sich dieser geopfert bat, und man sehen muß, wie diese Organisationen nunmehr auseinander- gerissen werden;" herausgelesen werden, als härte ich Wohl mein Bedauern darüber ausgesprochen, sonst aoer die Sache auf sich beruhen lassen. Dem ist nicht so; sondern ich habe weiter dazu ausgeführt, daß ich nach wie vor für die Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften im Sinne der Grundlage, die der 7. Kongreß gegeben hat, weiter agitieren werde. Mit Partcigruß Fritz Kater. Wir können dazu nur erklären, daß für uns auch jetzt noch kein Grund vorliegt, die Objektivität unseres Berichterstatters an- zuzweifcln. Wir haben die Zuschrift de» Genossen Kater aber wiedergegeben, weil auch wir es für berechtigt halten, daß der- selbe seinen Standpunkt genau präzisiert. Bei dem Interesse, das die Arbeiterbewegung gegenwärtig an dieser Sache hat und bei der Rolle, die er selbst in der Angelegenheit nun einmal spielt, ist absolute Klarheit aus allen Seiten erwünscht. OeutCchcs Reich. Zur Lohnbewegung in den söchsisch-thüringischen Webereien. »......——-— Die Unternehmer beharren auf dem Proyenstandpunkt und würdigen lÄasllgung still, in einigen logar über 100, Daß die hiesigen � die Arbeiterschaft gar keiner weiteren Antivort, weigern sich also Arbeiter unter blcieit Umständen keilten_ auskömmlichen Lohn! überhaupt, mit den Arbeitern über die Forderungen zu unterhandeln mehr verdieiien tonnen, ist selbstverständlich. Unter anderem» trotzdciu der GeschäftSzang noch ein ziemlich flotter zu nennen ist! Lerantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Jnscralcnteil vcrantw.: Zül.Gliicke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Pxrlagsanftalt PaillSingerL:Eo.,BcrlinSVV.�Hierzu2VcftögVn�A>nI�haltungSblätt' In der Bocholt« Textilindustrie macht sich die wirtschaftliche Krisis bereits höchst unangenehm bemerkbar. Zwar sind noch keine Arb.iterentlassunge» in größerer Zahl erfolgt, aber in vielen Fabriken stehen schon zahlreiche Webstühle wegen'Mangel an Be- Letzte JVa eh richten und Depefchen. Zur TcxtilarbeiterauSspcrrung. Krefeld, 3. Januar.(V. H.) Die Arbeitgeber haben be» schlössen, am Dienstag die Betriebe wieder zu eröffnen, diese jedoch von neuem wieder zu sperren, wenn nicht die Rcbrzabl der Weber die Arbeit wieder ausiichmen. Niedergebrannte Fabrik. Augsburg, 3. Januar.(B. H.) In der Zwirnerci und Näh- fadeniabrik Goeggingen brach in der heutigen Nacht Großfeucr aus. Das Hauptgebäude mit 59 Masckiinen ist bis auf dir Umfassungs- mauern niedergebrannt. Etwa 590 Arbeiter sind brotlos. Tie Ur- fache des BrandeS konnte noch nicht festgestellt werden. Tic Kälte. Lemberg, 3. Januar.(53. T. B.) Hier herrscht starker Frost. 139 Personen, deren Ohren und Hände infolge der Kälte erfroren waren, nahmen heute die Hülse der freiwilligen Rettungsgesell- schaft in Anspruch. Paris, 3. Januar.(23. T. 33.) In Paris und in zahlreichen 'Gegenden Frankreichs herrscht sehr strenge Kälte, namentlich im Osten, wo die Flüsse ansangen zuzufrieren. ' Wie der Kohlcnwncher wirkt. Nancy, 8. Januar.(B. H.) Zwei Hochöfen haben heute den Betrieb eingestellt. Es heißt, daß zwei weitere Hochöfen im Be- zirke von Lon�vy ausgeblasen werden. Tie Hüttenbesitzer erklären, daß eine Krisis unvermeidlich ist, falls nicht die Preise der Rohleo bedeutend herabgesetzt werden._ Die Cholera. Konstautinopcl, 3. Januar.(Meldung des Wiener Telegr.-Korr.» Bureaus.) In Mekka wurden am 1. Januar 57 Eholerafälle konstatiert, von denen 52 tödlich verliefe». Auf dem französischen Pilgerdampler„SlivernaiS" ereigneten sich im Roten Meere bisher 12 Eholrrnsälle._ Räuber zu Pferde. Russelville(Kentucky). 3. Januar.(W. T. B.) Etwa hundert berittene Räuber erschienen heute am frühen Morgen in der Stadt. Nachdem sie den Polizeichef»nd drei Polizcisoldaten überwältigt hatten, sprengten sie mit Dynamit und setzten in Brand zwei Tabakniederlagen und mehrere andere Geschäfte» vcrwundetm durch Schüsse drei Personen und hielten die Telephonbeamtinncn un» die Polizeisoldatcn drei Stunden lang gefangen. Dr. Z. 25. Jahrgang. i Srilm ks Lowiirls" ßctlintt WIKsblR Zaanabrnd. 4. Idtinat 1008. Geweriikl)aftli(l}e und amtliche Strelliiiatiitik. II. Die Erfolge der Gewerkschaften in bezug auf Ver- besferung der LebenSlag- t>cr Arbeiter sind auS der Statistik nur zum geringsten Teil ersichtlich. Die gewertschastliche Streikstatistik zerfällt seit zwei Jahren in zwei Teile: die Statistik über die Lohnbewegungen, Streiks und Aussperrungen, die in der Hauptsache die Er- folge hinsichtlich der Verbesserung der Lohn- und Arbeits- bedingungen nachweist/) und die Statistik über die Streiks und Aussperrungen, die insbesondere über Zahl, Umsang und Kosreii der Lohnkämpfe Auskunft gibt. Dadurch unter- scheidet sich die gewerkschaftliche Statistik sehr vorteilhaft von der amtlichen, daß diese einen Einblick in das Wirken der Gewerkschaften bei der Regelung der Lohn- und Arbeits- Verhältnisse gewährt, während jene in einseitiger Weise nur über die wirtschaftlichen Kämpfe berichtet und die friedlichen •) Siehe„Correspondcnzblatt" Nr. 43. Jahrg. 1907, Statistische Beilage Nr. 4. Lohnbewegungen und die ohne Kampf aus paritätischer I Grundlage erfolgten Tarifvcreinbarungen völlig unberück-' sichtigt läßt. Sollte aber die amtliche Streikstatistik nach dieser Richtung erweitert und vervollkommnet werden, dann wäre zunächst eiiie Umgestaltung des ganzen bestehenden Er- hebungssyslems erforderlich, denn wenn eS der Polizei nicht möglich ist, von allen vorkommenden Streiks Kenntnis zu erhalten, oder sich über den Verlauf der zu ihrer Kenntnis gelangten Kämpfe genügend zu informieren, noch viel weniger würde dies Mädchen für alles imstande sein, den Tatsachen entsprechende Berichte über die ohne Arbeitseinstellung ver- laufenden Lohnbewegungen an das Reichsstatistische Amt ge- langen zu lassen. Wie ungenügend das Statistische Amt iibcr Streiks und Aussperrungen informiert wird, geht daraus hervor, daß nach den genauen Feststellungen der General- kommission der Gewerkschaften in den Jahren 1901 bis 1905 nicht weniger als 2li8ä Streiks und Aussperrungen, an denen insgesamt 42 77ö Personen beteiligt waren» in der amtlichen Statistik fehlten. Nachstehende Tabelle enthält die entsprechenden Zahlen für die einzelnen Jahre, wie sie aus der gewerkschaftlichen Statistik und den Vergleichen mit der amtlichen Statistik sich ergeben. Weise vom Neichsstatistischen Amt dargestellt sieht, dann müssen wir allerdings gestehen, daß wir solcher statistischen Logik verständnislos gegenüberstehen. Amtlich wird folgendes festgestellt: Nach der gewerkschaftlichen Streikstatistik haben im Durchschnitt der 5 Jahre 1901—1906 jährlich 1363 Lohn- kämpfe stattgefunden, von denen durchschnittlich pro Jahr 417— 30,5 Proz. in der amtlichen Statistik nicht verzeichnet sind. Zwar zählt die amtliche Statistik für denselben Zeit- räum 8386 Lohnkämpfe und 926399 Beteiligte: doch können diese Zahlen keinen Anspruch auf Zuverlässigkeit machen. Eine Statistik, die den dritten Teil der nachweislich statt- gefundenen Streiks überhaupt nicht registriert, kann nicht ernst genommen werden. Offenbar in der Erkenntnis des beschämenden Zustandes bat das Rcichsstaristische Amt seine Streikstatistik der ösfent- lichen Kontrolle dadurch zu entziehen versucht, daß es nähere Angaben über die von ihm registrierten Kämpfe, welche eine genaue Kontrolle ermöglichten, nicht mehr veröffentlicht. Dennoch war die Generalkommission in der Lage, von den in der gewerkschaftlichen Statistik verzeichneten Lohnkämpfen 1230 mct den amtlichen Angaben in Vergleich zu stellen und ermittelte dadurch, daß den: Statistischen Amt von diesen Kämpfen 257 unbekannt geblieben sind, daß also dieselbe Un- Vollkommenheit, wie sie für die Jahre 1901 bis 1305 fest- gestellt ist. auch 1906 fortbestand. So stellt sich die amtliche Streikstatistik als ein völlig wertloses Machwerk dar. Wertlos allerdings nur für den objektiv urteilenden Statistiker und Sozialpolitiker. Dagegen liefert sie dem Reichslügenverband und seinen Trabanten jedenfalls ganz schätzbares Material, denn bei näherer Untersuchung zeichnet sie sich nicht nur durch geradezu unglaubliche Unvollkommen- heit, sondern mehr noch durch ihre Einseitigkeit und tendenziöse Darstellung aus. Sehr häufig verzeichnet die amtliche Statistik einen Streik, wo es sich in der Tat um eine ganz frivole kleines Feuilleton. Borteile und Nachteile der Hypnose. Von den verschiedenen Aerzten werden neuerdings wieder Versuche angestellt, die den Zweck haben, die Hypnose in weiterein Umfang in den Dienst der Heil- künde einzustellen. Es ist sogar schon der Hoffnung Ausdruck ge- geben worden, daß eö gelingen werde, durck sie die Narkoie zn verdrängen.. Vorzügliche Erfolge� haben nach Angabe von Dr. Oskar Wille in Friedercichs Blättern für gerichtliche Medizin die Profcsiorcn Werterstrand und Ringier mit der Hypnose bei neuralgischen Störungen erzielt. Auch leichtere und schwerere Fälle von Bleich- sucht wurden aus hypnolischein Wege geheilt und Werterstrand ge- langte dabei zu dem Ergebnis, daß die Chlorose(Beichsiicht) cme Krankheit des Nervensystems ist. Bleichiuchtigc bekommen schon nach einigen Sitzungen einen besseren Appetit, warme Hände und Füße und die Kopfschmerzen verschwanden. Ringier wies sogar eine Steigerung des Hämoglobingehalts im Blut bei Vleichiüchtigen nach, die hypnotisch behandelt worden waren. Die Verwendung der Hypnose als Aiiästhelikuin sBeläublingsmittd in der GeburtShülfe und Chirurgie) ist gleichfalls mit bestem Erfolge geschehen. So führte ban Eeden siebenmal schwierige Zahnopcralionen in einer für den Patienten völlig schmerzlosen Weise mit Hypnose aus; Forel operierte grauen Star, von Corval den Blinddarm an hypnotisierten Patienten. Howard entfernte einer hypnotisierten Frau eine Brust. Montoya amputierte sogar einen Unterschenkel und Bourillon wandte die Hypnose bei der Operation eines Darmrisies an. Bon Schrenck-Notzing erklärt, daß die Hypnose den Wcbeuschmerz für daS Bewußtsein der Gebärenden ausschaltet und die Körperlage in einer für den Gcburtsverlaus günstigen Weise regelt._ Bins- lvanger betont den hohen Wert der Hypnose � für die Erschließung eine? großen Gebietes neuropathologische» Erfahrmigs tatsachcn und Großmann weist darauf hm. daß sie als ein äußerst empfindliches Mittel zur Prüfung der augenblicklich vor handenen Nerven- und MuSkelcnergic zuverlässiger sei als die elektrische Prüfung. Trotz ihrer Vorteile aber birgt die Hypnose auch mancherlei Gefahren in sich, die auch von den Nancy-Professorcil zugegeben werden. V. Strümpell nennt sie ein zweischneidiges Schwert, und ähnlich äußert sich auch Jolly, der nachgewiesen hat, daß g-tunde Menschen Kopfschmerzen, Schwindclanfälle, Augentzechen durch das Hypnotisieren bekoimnen können. Bei Geisteskranken sollen sich dieie Störungen noch steigenn_ Ferner toirb die Willenskraft gesunder Menschen dadurch geschwächt, und es bildet sich eine gewisse Sucht nach Hypnose, die sogenannte ~. llststomanie, aus. Zum weitaus größten Teile beruhe» diese ANvNand« wohl darauf, daß die Hypnose Pielfach noch nicht richtig angewandt wird. Die Aerzte müssen unter Neberwindnilg der noch immer wert verbreiteten Vorurteile«och ausgiebigere Erfahrungen durch etgeue� Versuche machen, damit das Gebiet der Hypnose immer mehr wlsienschastliche Grundlagen gewinnt. Theater. Münchens r T h e a t e r. Zu den zirka SO Don Ouichotie- Oder», die die Musikgeschichte bereits kennt, haben die beiden Aussperrung handelt. Für 1906 zählt die amtliche Statistik 116 Aussperrungen weniger, aber 319 Streiks mehr als die Gewerkschastsstatistik. Während die gewerkschaftliche Statistik eine Zunahme der Aussperrungen für 1906 um 66,4 Proz. icnstaiiert. weist die amtliche Statistik nur eine solche von 16,0 Proz. nach, und über daS Resultat der Lohn- kämpfe berichtet die amtliche Statistik daS Gegenteil von dem, was die Gewerkschaften feststellten, wie aus folgender Zu- sammenstellung ersichtlich: Amtliche Statistik... Gewcrkichaftl. Statistik Besouders charakteristisch und die amtliche Objektivität be zeichnend ist es, daß von den in der amtlichen Statistik fehlenden Streiks der weitaus größte Teil erfolg- reich verlaufen ist. Von den 257 in der amtlichen S t a t i st i k für 1906 nachweislich fehlenden Streiks waren 115 erfolgreich, 59 teilweise erfolgreich und 79 erfolglos. Da- durch, daß die mit vollem oder teilweisem Erfolg beendeten Streiks in der amtlichen Statistik fehlen, dagegen die durch- weg erfolglos verlaufenden wilden Streiks, die der gewerk- schastiichen Leitung und Kontrolle nickt unterstehen, amtlich registriert werden, muß sich scldstvcrsländlich das amtliche Gesamtresultat für die Arbeiter ungünstig gestalten. Wenn man dann vollends das Resultat der Lohnkämpfe in folgender •) Einschließlch 101 unbekannten Resultats. Münckiener G c o r g F u ch s als Librettift, Anton Beer-Wal- b r u n n als Komponist eine neue geschrieben. Ihre musikalische Tragikomödie„Don Quichotte" kam am Neujahrstage an der Münckiener Hofoper unter Hosoperndirekior Felix Motllö hin- gebender Leitung zur Uraufführung und brachte den Autoren freund- ticken und FreundeSbetfall. Die' Oper wird aber schwerlich auS Münchens Mmiern herausgehen, denn es fehlt der Bearbeitung des Cervantesfchen Originals die einheiilicke GestalNing und die Bühnen- Wirksamkeit. Und eS fehlt in noch höherem Maße der Musik Beer- Walbrunns inneres Leben. Stil und Charakteristik. ES ist gure Konscrvaioriumömusil klassizistischer Fakiur. alles gediegen, gelehrt. schwerblütig,„deutsch". Für eine musikalische Bühnenfassung des unsterblichen Don Ouichotle-StoffcS gehört Leichtigkeit, romanische Phantasie, Witz. Feuer, Humor, Ironie, Leidenschaft, kurz alles das. was deutsche Pedanten, die sogar hier ihr ewiges Spiel mit Pathos und Sentimentalität nickt lassen können, nicht auf dem Griffbrett ihrer Künste zu führen pflegen. Ausstattung und Darstellung waren glänzend._ m. Humoristisches. DaS Schwein. Einen lustigen Beitrag aus Smülennund einen Aufsatz mit allen orthographischen und stilistischen Sckön- heilen— sendet ein Leser der„Franks. Ztg.". Er lautet: DaS Schwein ist ein großes und ein kleines Tier, je nachdem! Es ist auch ein borstiges Tier, und will oft nicht in den Stall hinein; aber es muß heraus, wenn der Metzger kommt. Der packt eS am Fuß und am Schwanz und der Vatler lupft es an den Ohren. Und dann tun sie cS auf den Wagen. Wenn das Schwein keine Ohren hat. kann man es nickt lupfen; und deswegen muß die Sau Ohrlappen haben. Die Ohrlappcn ißt der Vattcr. Das Schwein ist gar ein gute? Tier und läßt sich metzgcn. Aber dann thut es arg schreien, weil ihm das Stecken nicht gefällt. Den Hern: Brofiehser thut mein Vattcr zur Metzelsuppe einladen und der Herr Pfarrer kriegt den Saukops. Den thut ihm meine Mutter bringen und auch Würste. Der Schulmeister braucht nichts; der hat immer Händel mit meinem Vattcr und thut den Michels so arg verhauen.— Christian Dengelmaier. Notizen. — Freie Hochschule Berlin. In der näcksten Woche beginnen die Vorlesungen der Freien Hockschule über Naiurwissen- schart, Weltanschauung, Kunst und Kunstgeschichte, Sozialpolitik, Heiniatkimde, Physik, Literatur, Medizin. Ferner über englische, französische und rtalieniiche Literatur und Ansängerkurse in diesen drei Sprachen. Die Hörgebühr für die 9— ILstündigen Vorlesungen beträgt 4 M., für die Mitglieder einer großen Anzahl Vereine 3 M. Programme sind in sämtlichen Zweiggeschäften von Löser ti. Wolff und'iu den öffentlichen Lesehallen und Bibliotheken rmentgeltlich zu haben. — Boykott eines Kritikers. Tie Veranstalter und Dirigenten der München er Kaim-Konzettc waren schon seit längerem mit den Kritiken des Mirsikrezenienten der„Münchener Neuesten Nachrichten" Dr. Louis nicht sehr einverstanden, wie cd ja, Die Arbeitnehmer| Die Arbeitgeber hatten Erfolg bei den Ausständen und Aussperrungen vollen 649 teil- weisen 1872 keinen 1803 vollen 1S05 teilweisen 1672 keiner 649 Die ganze Art der amtlichen Erhebung und statistischen Darstellung deute! nicht daraus hin, daß es sich bei der amt- lichen Streikstatistik um eine objektive Darstellung der Vor- gänge, wie sie sich bei der korporativen Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen abspielen,'handelt. Eine Statistik, die für die Beurteilung so wichtiger sozialpolitischer Fragen maßgebend sein soll, kann und darf sich nicht nur darauf beschränken, die bei der Wahrnehmung der widerstreitenden Lohn- und Arbeitsinteresien als äußerste und letzte in die Erscheinung tretenden Kampfmittel und die sich dabei er- gebenden Resultate zu registrieren. Tie organisatorische Regelung des Arbeitsvertrages erfolgt schon jetzt zum über» wiegenden Teile auf dem Wege des paritätischen VerHandelns und mit der Entwickelung der Arbeiter- und Unternehmer- organisationen wird diese Art der Regelung der Arbeits- bedingungen immer mehr in den Vordergrund treten, während die Streiks und Aussperrungen, wo sie im Jntcr- essenkampf zur Anwendung kommen, einen immer mehr feindseligen Charakter annehmen. Um so einseitiger und wertloser wird deshalb die amtliche Streikstatistik, je rascher diese Entwickelung sich vollzieht. Dennoch darf nicht er- wartet werden, daß in absehbarer Zeit eine Wandlung zum Besseren eintreten werde, denn der Reichsvcrband braucht dieses statistische Material zur Bekämpfung und Verleumdung der Arbeiterorganisationen und der Sozialdemokratie. Frozeß Shardcn. Der Angekl. Horden erscheint heute pünktlich zum Termin. Laub» gerichtSdirekior Lehmann eröffnet die Sitzung um 11 Uhr. Der Vorsitzende gibt dem OberstaatSamvalt anheim, seine gestrige Erklärung bezüglich des Fürsten Enlcnburg zu wiederholen und bittet, dabei zu berücksichtigen, daß cS sich hier nur um die Beleidigung des Grafen Moltkc handelt. Oberstaatsanwalt Dr. Jsenilel: Nach ß 229 der Strafprozeßordnung findet gegen einen auS» gebliebeneu Angeklagten eine Verhandlung nicht statt. Ich bin der Meinung, daß hier gestern eine Hanptverhandlung nicht statt- gefunden hat. Im übrigen kann dem Iustizrat Bernstein nach- gegeben werden, daß das zu Protokoll genommen wird, was er wünscht. Herr Justizrat Bernstein hat betont, daß er ganz dasselbe Recht habe, an dem Zeugeneide de? Fürsten Eulenbnrg zu zweifeln, wie ich an dem Zeugnis der Frau v. Elbe gezweifelt habe. Darin hat er vollkommen recht. Im übrigen ist zwischen dem Standpunkt des Herrn Justizrats Bernstein und dem meinigen doch ein kleiner, in seinen Augen vielleicht minimaler Unterschied, nämlich der: daß ick gute Gründe angesiilirt habe, um an dem Zeugnis der Frau v. Elbe zu zweifeln, während Justizrat vernst-in keinen Grund angegeben hat und angeben kann. weshalb an dem beeideten Zeugnis des Fürsten Eulenburg gezweifelt werden sollte. Der Oberstaatsanwalt wiederholt hierauf noch einmal seine Er- klärung bezüglich des Fürsten Eulenburg, die er gestern abgegeben hat. Die Zweifel an der Aussage des Fürsten C Nienburg sind ohne jeden Rückhalt. Der Fürst hat klipp und klar erklärt, daß er nie Sckmutzereieti getrieben habe. Welche Gründe hat Justizrat Bern- stein zu seinen Zweifeln? Von der Zeugenaussage des Fürsten Eulenburg im Prozeffe Brand kann nicht mehr die Rede fein, sondern nur von der Aussage in diesem Prozeß! Fürst zwischen Künstlern und Kritikern öfter vorkommt. Ein Preßgeplänk» knüpfte sich daran, und nun haben in einem populären Konzert die Musiker sich am Dienstagabend plötzlich geweigert, bei Anwesenheit des Kritikers weiter zu spielen. Er zog eü darauf vor, zu gehen, und statt des ausgebrochencn Tumultes kam dann Beethoven«oiedcr zu Wort. Dieser'unerhörten Methode, mißliebige Kritik mundtot zu machen, lvird hoffentlich die Münchener Presse einmütig und nachdrücklich entgegentreten. — Das Wcttsiugen der Tenöre. Nicht nur Boxer, Ringer, Radfahrer und Automobilisten forden: sich heraus, sondern auch Sänger läßt jetzt der Ehrgeiz nicht mehr ruhen, bevor sie sich mit dem Gegner Stimme gegen Stimme gemessen haben. Jeden- I'allS hat der Tenor Conftantino, der sich gegenwärtig auf einer Tournee in Boston befindet, seinen Landsmann Caruso eine Heraus- forderung zu einem Gesangsduell zugehen lasten. Constantino wirft Caruso vor. daß er unrechtmäßig den Titel des„besten Tenors der Welt" für sich in Anspruch nehme; dieser Titel gebühre vielmehr ihm, Constantino. DaS will er in einer Vorstellung beweisen, in der bcioc miteinander um die Wette singen sollen. Als Preis sollen 10 000 Dollar ausgesetzt werden. Es bleibt abzuwarten, ob Caruso sich hierzu bereit erklären wird, um so den Wettstreit der alten Meistersinger zu erneuern. Auf alle Fälle kommt eine hübsche Reklame dabei heraus und das ist wohl auch die Hauptsache. — Der SchmettcrlingSball. Daß die kapitalistische Gesellschaft es an Verschwendungssucht und Tollheit mit der vielbeschrienen spätrömischeu wohl austiehmen kanu, lehrt ein Ballbericht aus Philadelphia: James A. Paul hat am letzten Sonnabend seinen Freunden ein kleine? Ballfcst gegeben, das ihn die bescheidene Summe von 400000 M. gekostet hac. Während die Gesellschaft tanzte, wurden unversehens 000 prächtige Sckmctterlinge über den Hänpteni der Tanzenden los» gelassen. Hilflos flatterte» die exotischen Falter herum, blieben auf den Schullern der Fronen haften, sanken ans die Blumen der Dekoration nieder und fielen bisweilen auch auf die Teller mid Gläser. Monatelang hatten eine Anzahl Sanmikcr Peru durchstreift, um die kostbaren Schmetterlinge zu sangen; viele der Falter gingen beim Transport zugrunde. Der Rest flatterte einige Minuten in dem Ballsaal umher, siel schließlich zn Boden, und unter den Füßen der Tanzenden fanden die leichtbeschwingten Geschöpfe der Tropen ihr Ende. Aber auch die Blumenarrangements, mit denen der Hausherr seine Gäste entzückte, liafcen den Stemvel des Un- gewöhnlichen nicht vermissen. Eine neue Rosensotte, eine Kreuzung von American Bcauty mit einer anderen Edcliorte, bildete das Hauptmotiv der Blumensinfonie, neun Jahre lang hatte die Kunst des Gärtners daran gewirkt, diese neue Rose, die den Namen Wyncmore erhielt, zu züchten und 140 000 M. bezahlte Mr. Paul für die Blumen. Der Saal ward für das Fest im Louiö XVI.-StU besonders aus- gestatret, ein prachtvoller Wasserfall spendete Kühle und Frische. Philadelphia aber. daS„schläfrige Philadelphia", die Quäkerstadt, ist stolz, den New Dorkcrn eiimuil den Rang abgelaufen zu haben und mit der SchmetterlingSscklacht ein„Vorbild vornehmen Gesellschaft«» lebend" aufgestellt zu haben. ©utcnBurg hat ganz klar erklärt: er habe keinerlei Scimiutzereien getlie'ben und mau kann nicht darauf hin« weisen, dah Fürst Enlenburg im Prozesse Brand in seinem Eide nur auf Z 175 des StrafgcietzbncheS hingewiesen hat. Wie soll ei» Mann, der nicht Jurist ist. da-Z nachprüfen, weiche Dinge homosexueller Natur unter den§ i75 fallen, wie konnte der Fürst diese Feinheiten des Paragiaphen unterscheiden. Schon ansang«» Mai erschien der Vertreter des Fürsten bei den, Oberstaatsanwalt am Jftmmnergericht Wachler und forderte ihn zn einein strengen und rücksichtslosen Einschreiten gegen den Fürsten Eulenburg auf, uni festzustellen, ob der Fürst gegen den§ 175 sich vergangen hat. Auf diese Selbstanzeige hin wurde die Strafverfolgung gegen den Fürsten ausgenonunen. Jede Beweismitrel fehlte» aber, der einzige Zeuge war Herr Horden selbst und dieser lebnte es ad. hierüber näbereS zu sagen, da er sich dann selbst vielleicht noch ein Straf- verfahret, lvcgen Veleidiginig zuziehen köimte. Die Staats- anwallschaft in Preuzlau' stellte schliesslich das Verfahren mangels jeden Beweises ein. Seit dein Prozetz Brand, in dem der Fürst zn Enlenburg unter seinem Eide erklärt hat, nie etwa» mit einer öerarligc» Schinuserci zu ru» gehabt zu haben, ist der Fürst nun in die Lage verseht zu sagen:„Jetzt habe ich ge- schworen, nie eine derartige Schmutzeret gela» zu haben, jetzt komme. wer da wolle und behanpie, ich habe es doch getan. Ich stelle ihm frei, wegen Meineides gegen mich vorzugehen. Feder Mann iin ganzen Deutschen Reiche und im Auslände laiin sich als Zeuge melden, oder eine Anzeige gegen mich erstatten. Ich sehe absolut ruhig der weiteren Entwickelung entgegen."— Ich selbst mutz sagen, mehr kann ein ehrlicher Mensch nicht tun.— Der Herr Justizral Berustei» hat ferner eingewandt, eS wäre hier eine Reihe Zeugen geladen gewesen, die zum miildesten etwas Schlechtes über den Fürsten Eulenburg bekunden sollten, und diese Zeugen wäre» nicht vrttwmmen worden. Ich wustte ja garuicht, was die Zeugen bekunden sollten. da Herr Jnstizrat Bernsieiu bis zu dieser Slunde nicht mit- geteilt hat, was diese Zeugen eigentlich bekunden sollten. ES find u. a. die Zeugen Geritz und Kistler vernommen worden, gegen deren Veniehiiinng ich mich anfangs gesträubt hatte. Dieie Zeugen haben auch nicht das mindeste Schlechte über den Fürsten bekundet. Diese Zeugen»lützten etwas wissen, denn sie haben zehn Jahre mit dein Fürsten unter einem Dach gelebt, sich in seiner Um- gebimg befunden, haben aber nicht daö geringste von ei»er gewisse» Neigung bemerkt. Zu den, angeln sei auch ein Artikel der'.Zukunft" vom 30. Nov., in dem die bekannte Geschichte des mein- eidige» Ritters Lindenberg erzählt wird unter der Ueberschrift„Linden- berg und Liedciibrrg", obwohl Fürst Eulenburg schon an, 6. November den Eid iin Bülow-Prozes; geleistet hatte. Auch die Aussage deS Kriminalkommissars v. Tresckow, er babe nicht die Genehmigung. von Gerüchten über den Fürsten Enlenburg auszusagen, sei nicht so auszusassen, wie Jnstizrat Bernstein sie aufgefaßt habe. Hierauf gibt Justizrat Dr. Bernstein folgende Erklärung ab:„Ich bin dem Fürsten Eulenburg nicht seiild. ich habe gegen ihn nicht das geringste Gefühl der Animosität. Hier aber ist er einfach Zeuge. Gericht. Staatsanwalt und Verteidigung sind vollkornnien frei in ihrer Be>ve«Sivürdigung. Sie haben das Recht auch einem be» schworenen Zeugnis den Glauben zu versagen. Auch der Herr Oberstaatsanwalt hat von diesem Rechte Gebrauch gemacht, indem er über Frau v. Heyden, welche ebenfalls ihre Aus- tag« beeidigt hatte, gesagt hat:„Als Zeugin glaube ich ihr kein Wort". Auch Fürst Enlenburg mich eS sich als Zeuge ge- fallen lassen, dcch feine Aussage bezweifelt wird, daß gegen ihn Argumente vorgebracht und Gegenbeweis dnrch andere Zeugen ge- führt tvird. Solche Argumente hat die Verteidigung vorgebracht, solchen Gegenbeweis durch andere Zeugen, die sie dem Gericht ge- naini« hat, angeboten. Im gegenwärtigen Augenblicke besteht die Verteidigung nicht darauf, daß diese Argument« jetzt im einzelnen diskutiert und diese Beweise jetzt erhoben«erden. da es sich hier zunächst nicht um den Fürsten Eulenburg, sondern den Herrn Grafen Moltke handelt und die Verhandlung, schon niit Rücksicht auf den Gesundheitszustand des Angeklagten, nicht ausgedehnt werden soll. Aber dem Gericht»st gesetzlich jederzeit und auch in diesem Stadium de« Verfahrens d i e Erhebung jedeö Beweises freigestellt. Di« Ber- leidigung hat mchtS dagegen. Damit ist wohl auch die Frage der mir angeionnenen Abbitte erledigt. Aber ich möchte hierzu noch er« klären: Wenn ich in irgend einem Falle mich überzeugen würde, daß ich als Verteidiger durch ungünstige Beurteilung einer Zeugen- auasage mich geirrt, so würde ich au» Gründen der Billig- teit eS offen aussprechen. Aber auch dann würde ich das Bedauern, den» allgemeinen Menschenlose deS Irrtums nicht entgangen zu sein, menialS in die Form einer Abbitte kleiden. Denn damit würde ich der für die yerufSmiSübung notwendigen Und gesetzlich gewährleisteten Prärogative der vclteidignng etiva« vergeben, zlck voccn) Abbitte darf ich vielleicht noch beiner«», daß bei den, Studium der Statistik der deutschen Recytspslege mir die Fälle. in denen dw Staatsanwaltschaft sogar freigesprochenen Angeklagten Abbitte geleistet hat. vollkommen entgangen sind. lHeiterkeit.) Der Oberstaatsanwalt meint, auf ein einziges vom Fürsten Bismarck gebrauchte», in seiner Bedeutung noch nicht ein- mal ganz feststehendes Fremdwort würde er nicht einen Vorwurf gegen den Fürsten Eulenburg erheben 1 Das tut kein ver- nünfliger und kein anständiger Mensch I Aber ist e» denn an dem. daß Fürst Bismarck nur ein einziges Mal in der Anftvallling des Zornes mit einem Wort über die Sexualität des Fürsten Enlenburg gesprocven hat. waS wir ihm jetzt nachsprechen? KeineStvegS I ES ist ganz un- erfchütterlich eriviese». daß der Reichslanzler von den» Fürsten Eulen- bürg in sexueller Beziehung so gedacht hat, wie die Verteidigung behauptet. DaS ist klipp und llar erwiesen schon durch das Zeugnis des Geh-RatS Schweninger. Es ist aber auch erwiesen durch Herrn Dr. Lima», der bei seiner letzten Vernehmung von einer bedauernswerten Gedächtnisschwäche befallen ist. Der eigene Bericht der„Leipziger Neueste Nachrichten", deren Chefredakteur Herr Dr. L i m a n ist, bat ineine Beiimkiliigeii über das, was mir Herr Dr. Liinan in der SlböffengenchtSverhmidliiiig mitgeteilt und was ich stenographiert habe, wiedergegeben, ohne daß Hrrr Dr. Lima» dagegen opponier» hat. Er hat mir keineölvegS nur«ine»„Leitfaden" geben wollen U»d die �.Leipziger N e u e st e Nachrichten" haben einen Leitartikel gebracht, der übrigens ganz aus feite» Hördens stand und darin ist gleichfalls von der„Kamarilla der Khnäden" die Rebe. Eventuell könnte ich noch mehr Männer nennen, denen Dr. L i n, a n in demselben Einne Mitteiltinae» gemacht hotte. In München sind Gerüchte über den Fürsten Eulenburg gegangen, ebenso in Wien, und hier in der Berbandlimg hat der Krimiitalkommiiiar b. TreSkow bezüglich des Fürsten Eulenburg nicht dieselbe Genehmigung zur Aussage erhalten wie bezüglich des Grase» Moltke. Voila tont! Graf Moltke hat geklagt, Grat Eulenburg nicht. Er konnte sich von Anfang sagen, d a ß a uS sein erSelbst anklage n i cd t S herauskommen würde. Run noch ein Wort über die Person deS Augeklagten, von dem ja bisher in dieser Verhandlung sehr wenig die Rede war. Der größte Teil der Berhandlinig hat nicht der Belastung deö Angeklagte» ge- dient, sonder» der Entlastung veS Nebenklägers. Dleie Entlastung zu Verbindern, hat die Verteidigung gar kein Interesse. Ich will nun gar nicht panegyrisch von dem Angeklagten sprechen, de», der Slaaisanwall in loyaler Weise ja schon sei» persönliches Recht hat zuteil werde» lasien. Aiigeiioinmen aber, der Verteidiger hätte recht. wenn er etwas ans den Ariikeln herausliest, was»ach der Behauptung deS Angeklagten nicht darin steht, angenommen, der Angeklagte hätte so etwas schreiben wollen, er hätte Beweise gebracht und der Beweis wäre mißglückt— was hat er dann getan? Er hätte von einer Gruppe etwas behauptet, was auf einen dieser Herren nicht zu- triff«. Dann kann man sagen: in bezug auf den Nebeitklägcr hat sich der Angeklagte geirrt. Würbe da— selbst wenn Z 133 nicht zutreffen würde— eine so schwere Strafe, wie sie bea»tragt ist, am Platze sein bei einem Manne, der seit l'/j Dezennien über alles schreibt, waS das öffentliche Jmeresie in Anspruch nimmt, und der sich nun einmal geirrt hat? Wer seit l'/., Jahrzehnte» im Felde steht als Kämpfer, hat auch Feinde, und der Angeklagte ist ein gefährlicher Gegner wegen seines MuleS und seiner Geschicklichkeit Daher kommt eS, daß er sehr viele erbiticrte. zahlreiche und mächtige Gegner hat und die nun Horden alles ausbürde» wollen, was in- folge deS Prozesses an Mißständen und Abscheulichkeiten enthüllt worden ist. WaS hat er denn getan, daß der Sturm der öffentlichen Meinung sich so gegen ibn wendet? Er hat einige Männer vo» Etufluß, den er für schädlich hält, bekämpft. Wenn er dabei belechigt hat, was nach wie vor bestritten wird, so mag er wegen der Beleidigung die er demjenigen, der geklagt hat, zugefügt, bestraft werde,» Aber wer nicht geklagt hat, muß aus dieser Verhandlung h e r a u§ b l e i b e n. Es darf unter keinen Umständen durch Mitteilungen, die ein Dritter an den Obelstaatsauwalt hat ergehen lasien das Urteil des Gerichts mich nur um ein Atom beeinflußt werden. Wenn dem Angeklagte» die bona üäss konzediert wird und man ihm auch lautere Motive konzediert, so muß ihm doch sicher der Schul, deS§ 193 zugebilligt werden. Wenn er sich mit den von ihm erhobenen Vor- würfen geirrt hat, so hat er doch nur mit dem Verstünde geirrt. er hat auS den ihm mitgeteilten Talsachen falsche Schlüsse gezogen. Das wäre dann ein Fehlgriff des Intellekts. Aber sogar die An- klage konzediert ihm. daß er aus lauteren Motiven gehandelt hat in den, Bestreben, seinem Vaterlande nützlich zu sein. Ter Ouell seiner Handlungen ist doch eine billigenSwerre Gesinnung, und deshalb liegt, wenn der Angeklagte überhaupt strafbar erscheint, keinerlei Veranlassung vor, den Mann ins Gefängnis zu schicken. Karden: Ich mochte zunächst ein Wort auf die tadelnden Bemerkungen >md Aufforderungen des Herrn OuerstaotSanivaltS cm mich erwidern Er erwähnte eiuen kleinen Artikel vom Ritter Lindeuberg. So wenig der Verfasier als ich haben den Artikel in irgendwelchen Zusammenhang mit wirklichen oder vermeliitliche» Verschlungen des Fürsten Eulenburg ausgesaßt. ZlveitenS: WaS den Fürsten Eulenburg betrifft, von dem ich ja noch zu sprechen haben werde im Zusammenhang mit dicsei» Prozeß, so möchte ich dem Herrn Ober- staatSaimmlt sagen, daß nach seinem Appell von mir ans alles geschehe» wird, was zur vollen Aufklärnng der Wahrheit dienen kann und daß ich in vollem Vertrauen dabei die Hülse der könig- lichen Auklagebehöide in Anspruch nehmen werde. Ich bitte nun der hohen Gerichtshof um Suischuldigung dafür, daß ich gestern hier nicht erscheinen konnte. Ich glaube, daß der Vorwurf des Ober- staatSauwnlts, der bei dieser Gelegenheit erhoben wurde, daß ich selbst so schroff gewesen sei, nicht begründet ist. In dem Steno- gramni der Schoffengerichtsverhandlimg befindet sich nirgends eine Aeußerung von mir, ivonoch eS mir gleichgültig wäre, ob Fürst Eulen- bürg im Gerichtssaale tot hinsinkt. Ich habe im Gegenteil in jener Verhandlung gesagt, daß eS mir fern liegt, den kranken Mau» zu quäle». Die Tatsachenreihe, die jetzt mit dem Namen„Elbe" etikettiert ist, hat hier einen so großen Rahmen eingenommen, daß ich davon zunächst sprechen möchte. Ich hatte im Hause des Fürsten Bismarck Andrücke einpsaiigkn über de» Eulenburgschen Kreis und insbesondere über die Peri'on deS Fürsten Eulenburg, die nicht nur ein Wort hervorgerufen hatte, ntcht ein inißverstaitdeneS Wort, sondern die aus ganz ruhigen, sachlichen, sehr häufig wiederholten Aeußeruilgen beruhen. Der Kanzler halte eine ungünstige Meinung über den damaligen Grasen Eulenburg. Er sah in ihm nicht etwa einen Böselvicht, schlechten Patrioten oder ähnliches, er hielt ihn an einer gewissen Stelle für gefährlich und wies häufig daraus hin. daß ein Teil dieser Gesährlichteit auf srxualpsychischcn Momente» bemhe. Wie deutlich er sich in dieser Hinsicht ausgedrückt hat, ist leider erivöhnt worden, ist auch beschworen. Ich möchte in dieser Beziehmig nicht mehr sagen als unerläßlich ist. Mir waren die Worte des Fürsten Bismarck bekannt, niir ivar auch bekannt, daß ein Mann wie er. che er ein so hartes Urteil in dieser Beziehung fällte, doch am Ende geprüft hat, was vorliegt. Einige Jahre später nahm sein Arzt und vessen Gattin. die Nichte des Graten Moltke. mein Interesse für die damalige Gattin des Nebenklägers «n Anspruch. Der Eindruck. den die Dance machte, war wirklich ein absolut zuverlässiger. Sie zeigte keinerlei Ex- zentrizität im Wesen. Sie sprach durchaus nicht gehässig von ihrem früheren Gatten, weni» sie auch manches sagte, was mim n einzelnen Punkten mißtrauisch machte. Zwei so wirklich gcsi».>e Menschen wie die Schweningerschen Eheleute sahen nichl den ger.gsten Grund zu einein Mißtrauen gegen diese Frau, und auch ihre Rechtsvertreter hielten sie für durchaus glaubwürdig. Ich habe dann eingehend die Ehescheidmigsakien geprüft und mir mein Urteil gebildet. Fünf Jabre lang habe ickl dieie Sachen wie andere Erlebiiisie bei mir gehabt, e» war gar kein Grund vorhanden, mich irgendwie mit der Angelegenheit zu beschäftigen. Ich habe ja auch von der Ehe gar nicht« geschrieben. Der Redner geht hierauf eingehend aus die ein- zeinen Artikel ein, um zu zeigen, daß die dorn» gesuchten Beleidi- gungen nicht ausgesprochen seien. Er wendet sich u. a. dagegen, daß »ur er es gewesen sei. der von einer Kamarilla gesprochen habe. Dutzende von anderen Zeitungen haben lange Zeit vorher schon etwas von einer Eulenburg.Kamarilla veröffentlicht. Ob eine Kamarilla bestand oder nicht werde ihn, sehr schwer gelinge» nachzuiveisen, denn so lange eS Höfe gibt, werde sich niemand bereit finden zu be- eiden, daß eS eine Kamarilla gibt. Das Welen einer solchen bestehe ja gerade darin, daß sie»»sichtbar sei. ES werde eine Kamarilla natürlich nicht im Telephonlnich zu finden sein. Ebenso wie seine politischen Gegner mitunter Tatsachen veröffentlichen, deren Nichtigkeil sie vor Gericht nicht beweisen können, so ist eS auch in diesem Falle kehr schwer, in derartigen Fällen eineri vollgültigen BeiociS zu erbringen. Wenn z. A. jemand schreibt. ein Minister sei aus diesem oder jenem Grunde gegangen und er soll dies vor Gericht beweisen. so wird eS heißen. er ist aus Gesundheitsrücksichten gegangen.— Der von ihm in dein bekannten.Nachtgespräch" gebrauchte Ausdruck„der Süße" könne zwar für den so Genannten ein geivisieS unangenehmes Gefühl verursachen, niemals aber beleidigen. Wenn man sich die moderne satirische Literatur ansehe, so werde man noch ganz andere viel schärfere Ausdrücke finden, ohne daß die mit dielen beleglen Personen sich beleidigt fühlen.— Der Angellagte wendet sich ferner dagegen, daß von feiten des Fiirlten Eulen- bürg und deS Grafen Moltke in der Verhandlung behauptet worden fei, eö Härten bei den vielfachen Uaterredmigeli. die zwischen dem Fürsten Enlenburg und dem„französischen Herrn" Lecointe sich»iemals da« Gespiäch»i» politische Dinge gedreht. ES sei dies genau so, als wenn er selbst sagen würde, er habe in den letzten vierzehn Tagen nicht mit den Justizräten Dernstein und Kleinbolz über den Prozeß gesprochen. Lediglich in diesem Zu- s a nr in e n treffen zivischen Eulenburg urid Lecointe habe er eine Gefahr gesehen, und wenn er daS sage, so spreche er nicht vo» seiner eigenen kleinen Perjon, das hätte» ihm auch andere Leute gesagt, die heute noch an verantwortungsvoller Stelle stehe». Dies müsse er heute aussprechen. Nach dieser Beleuchliuig der einzelnen Artikel bemerkt der An geklagte zum Schluß: Die Berbiudiing deS Wortes„warm" mit .Gunst" ist leider eine stilistische Schiväche von mir. Ich habe zu verschiedensten Zeiten und in verschiedenen Anikeln vom.warmen Eckchen" und dergleichen gesprochen nnd kein Mensch hat daran ge- dacht, diesem Worte einen schmutzigen Beigeschmack zu geben.— Diese Artikel ali'o lind diese Sätze haben das alles hervorgerufei», was»un geschehen ist! Niemand hatte in der ganzen Zeit gesagt: Hier wird dem Grafen Moltke Schmutzereicn vorgeworfen. Die Sache» sind überhaupt gar nicht verstanden worden oder fie wurden gar nicht beachtet. Die Möglichkeit, irgend etwaZ darin zu finden, war ganz ausgeschlossen. Der einzige, der. sich über daS. was ich meinte, offen ausgesprochen bat, war i ch. Es ist für mich gar keine Frage, daß ich keine Absicht der Beleidigung und nicht einmal das Bewußtsein der Belerdigmig halte. I ch habe gestattet. daß Freiherr v. Berger den Herren gesagt bat. welche An- schauuiig ich über die Herren habe. Freiherr v. Berger hat hier unter seinem Eide gesagt, daß ich nur gewisse Nonn Widrigkeiten de« Empfindens gemeint habe. Im Buch des SanitälSratsDr. Moll über„Konträres Sexiialeinpfiudeu" sind die ver- schiedenen Zwiichenstnfeii bezeichnet, die auf diesem Gebiete in Frage kominen. Man soll doch also mir nicht immer tutterschieben. daß ich etwas gesagt haben soll, was nicht in den Artikeln sieht. Ich habe nur den Standpunkt eingenoinuien. daß mir Vre Herren ans psycho- logischen und politischen Gründen in ihrer Stellung nicht Vertrauen erweckend wären. Wenn der Stärkere von ihnen seine Hand aus dein Spiele ließe, wäre»»ir das andere gleichgültig, denn ich habe gegen den Grafen Moltke nie etwas gesagt, wir haben i». Gegenteil eine ganze Reihe genieins-basilicher Freunde und Freundinnen— v. Berger, v. Keßler, Lilli Lehmann, Graf Boß u. a Ich habe niemals öffentlich ein Wort gesagt, waS die Ehre deö Grasen Moltle affizieren könnte. Graf Moltke muß doch selbst lange Zeit dieses Gefühl gehabt haben, den» es dauerte doch sehr lange, ehe er den Älostcrprobst Otto v. Moltke zu niir schickte. Dieter kam nicht als Äartelllräger. sondern er behielt sich die Möglichkeit vor. als Karlellrräger demnächst einzugreifen. DaS Geipräch mit den» Herr» Klosierprobst war ei» sehr langes und delikates, es ist nicht ein Wort fixiert worden. Der Herr Kloster- propst trat dann aber plötzlich mit einem Schriflstück hervor, welches er Protokoll nennt. Ich will ihm keineswegs die bona ficksa ab- iprecven. aber kann doch wohl behaupten, daß ihn fein ErinnerungS- vermögen im Stich gelaffen hat. In meinen Artikeln war eine Silhouette des Grafen v. Moltke entworsen, die nicht zu gefallen brauchte, die nicht Hochachtung auS- drücken sollte, aber auch nicht Mißachtung ausdrücken konnte. Graf Moltke war mit ganz kleinen Strichen so charakterisiert, wie ihn sehr nahe Verwandte— ich könnte mich auch auf einen Neffen deS Grafen berufen— geschildert haben. Die Dominante dar»» ist das, was ich offen, aber ohne bitteren Beiklang die Hingebung an den Fürsten Eulenburg nennen mutz. Irgend etwas Weitergehendes hat meines Wissens niemand in den Artikeln gc- fpnden, insbesondere nicht Frhr. v. Bcrger, insbesondere nicht Graf Reventlow. Beide Herren habcn's beschworen. Da kam da? Ereignis des kaiserlichen Eingriffs. Niemand ist legitimiert, hier darüber zu sprechen, als Graf Moltke selbst. Er hat ja einiges darüber gesagt. Ich glaube nur, datz vielleicht begreifliche tiefe Mitzstimmung gegen mich, der Groll, den die Umstände rechtfertigen, datz dieses Gefühl die Darstellung ein klein wenig beeinfluß hat. Ich will nicht wiederholen, was Herr Justizrat Bernstein schon darüber gesagt hat, datz nicht anzunehmen sei. der deutsche Kaiser richte sich ber seinen Beschlüssen danach, was in der„Zukunft" gestanden hat. Das Wort:„Alle« hängt davon ab, wie dem Kaiser die Sache dargestellt wird", hat ja seine Berechtigung. Damals hietz es aber, es seien langwierige Vorträge gehalten worden und dann sei die Berab- s ch i e d u n g der Herren verfügt worden. Jetzt seit kurzer Zeit geht eine andere Version um, ictzt hcitzt eS: ja den Herren ist gar keine Ungnade widerfahren, sondern man hat ihnen nur Gelegenheit gegeben, sich zu reinigen und sie werde» wiederkehren in dem alten oder noch höheren Glanz. Das könnte mtch, was die Person deS Grafen Moltke betrifft, nur freuen. Aber ich halte diese. Version doch fir unwahrscheinlich, ich kann mich überhaupt nicht des Falles erinnern, datz Persönlich- leiten in hoher Stellung bei uns. weil etwas über sie geschriebur ist, was man für unwahr hält, sich aus dieser Stellung entfernten. Dazu kam daö Verhalten der TageSPresse. Die Tatsache, datz ich eine Herausforderung erhalten und abgelehnt halte, wurde in die Zeitungen gebracht lind daraus wurden Rückschlüffe gezogen auf daö, was geschehen sein sollte. Entweder hatten die Herren ilberhanpt nicht gelesen, was ich geschrieben habe, sie erinnerten sich nickt daran, oder sie wollten zeigen, datz sie olles schon vorher gemutzt haben, kurz: eö erschien eine grotzc Anzahl von Artikel«. in denen alles mögliche dem Fürsten Eulenburg, dem Grafen Hohenau usw. vorgeworfen wurden, zum Teil in recht beleidigender Form. Am 6. Januar war noch alles wahr. Dann bildete sich ein Nebelschleier um alles das, was ich in dem halben Jahre geschrieben hatte. Da trat ich auf und sagte: Das ist ja gar nicht wahr, das habe ich ja gar nicht behauptet. Nun hietz eö überall: Horden kneift. Ich hatte in einigen umfangreichen Artikeln ganz kurze kleine Warnungs- signale erlast'en und dabei einige Herren sekundenlang beleuchtet. SS ist nicht nachweisbar, datz durch diese kleinen Bemerkungen grotze Sensation erregt werden konnte. Wenn wirklich verfügt worden ist: Reinigt Euch, so hat sich bisher doch nur einer gereinigt: Graf Moltke. Der eine Graf, der jetzt bor dem Kriegs- g e r i ch t steht, ging ins Ausland, Lecomte wurde ab- berufen. Eulenburg machte den mitzglücktcn Ver- such, mich in derselben Sache, wo ich angeklagt war. als Zeuge vernehmen zu lassen und nur Moltke klagte. Da mutzte ja der Glaube entstehen, nur Moltke kann klagen, ein Irrglaube. AIS die Verhandlung kam, habe ich den Fehler gemacht— zum ersten und letzten Male— mich durch die Presse in meiner Haltung beein- flussen zu lasien. Ich sagte mir: jetzt will ich nichts tun, was als Schwäche gedeutet werden könnte. Dadurch kam in Verbindung mit der hätzlichen Protokollangelegcnheit deS KlosterprobsteS da? pathetische Wort zustande: „Lieber ins Zuchthaus als vergleichen l'" Ich bodaure die glänzenden Stilisten, die auf diesem Wort. daS m der Hitze der Verhandlung fiel, herumreiten und nun daraus verweisen datz doch Bergleichsverhandlungen schwebten. Ja, diese Verliandlungcn haben geschwebt, ich war nicht aktiv daran beteiligt, aber ich wäre bereitzueinemVergleichgewescn. Wer will mir daraus einen Vorwurf machen? Die ganze Verhandlung will ich nicht rechtfertigen, soweit sie mich bctrifst, obgleich ich(zu Bernstein gewendet) ja immerhin nicht der Schlimmste war. lHeiterkeit.) Ich sagte auch dort: Zwingen Sie mir nicht Beweise aus. die ich nicht führen will. Das Gericht hat mich zu den Beweisen gezwungen, für die sich nierin Verteidiger gerüstet hatte. Man ist doch schlietzlich im Schöffengericht zu einem freisprechenden Urteil gc kominen, man hat doch auch dort Frau v. Elbe für glaubwürdig gehalten Und c i n Jurist hat doch zum mindesten auch im da- malrgen Gericht gesessen. Mutz i ch nun die Sachen anders gesehen haben? Nach dem Prozeh habe ich nur einen Wunsch gehabt: die völlige Entgiftung der Sache. Ich habe in diesem Verjähren von Ansang an die änfierfle Nefignation vetviesen. ich habe in jedem Stadium der Sache aui-schlietzlich nach politischen Motiven gehandelt. Ich Hab« es für notwendig gehalten, in jedem Stadium den Hotz auf mich zu nehmen, habe mich nicht in Eitelkeiten gewiegt oder gesagt: man werde mir Kränze flechten — und so ist eö denn gekommen, datz in der ganzen Sache nur auf mich geschimpft worden ist. ES ist doch beispiellos, datz man wäh» rcnd eines schlveb-.-nden Prozesses in öffentlichen Organen versucht, aus tausend Schlünden den Gerichtshof noch immer wilder zu inachcn und Artikel zu schreiben gegen meine Person, die dem Richter nahelegen, datz dieses Scheusal doch in die Wolfsschlucht ge- warfen werden müsie. Daö ist doch ein« Schmach für den ganzen B>.ruf! Und wenn es sich um das Vorgehen deö Staatsanwalts in diesem Prozetz handelt— welche Artikel würde Geheimer Rat Dr. Jsenbiel gelesen haben, wenn eö sich dabei auch nur um einen dritten Redakteur des„Vorwärts" gehandelt hätte! Aber hier handelt cs sich ja nur um den scheu sali gen Horden. Ich könnte ein Schreibt» med ÄZiplomatt» borlcgen, der bon seinem hiesigen Botschasterposi�? seht in sein Vaterland zurückgekehrt ist. In diesem Schreiben heiht eS:„9lUe leitenden Männer diese» Landes find einig darin, dajz Sie etwas LluSgezeichnctes getan und man bewundert, wie in Deutschland alle» ausgezeichnet funktioniert." Auch bei un-Z haben mir recht viel, recht mächtige Männer mit recht gutem Namen gc- sagt: Es war doch eine recht anständige und mutige Sache. Ich Hab« sie jedenfalls als solche gefühlt.. Was konnte mir auch die Aktion nützen? Nicht den geringsten Vorteil hatte ich von ibr. Wenn ich heute zurückblicke, so mutz ich sagen: So tief bedauerlich es mir persönlich ist. datz ein Mann, den ich aus den Schilderungen anderer Leute gekannt habe und der mir als ein ganz charmanter und liebenswürdiger Herr geschildert ist, sehr viel gelitten hat, so mutz ich doch sagen, es ist das nickt meine Schuld. Menschenwerk ist immer Stückwerk! Wo ist der Meister, der da nicht einen Fehler macht? Fürst Bismarck hat einmal gesagt, datz bei allen Fehlern, die man ihm vorwirft, er doch immer das Bestreben gehabt hat, seinem Lande zu dienen. Aehnlichcs kann ich in die viel kleineren Verhältnisse übertragen, auch von mir behaupten. Nun soll ich dafür eingesperrt werden und ich soll eine ganz ungeheuere Geldstrafe, nämlich die hohen Prozetzkosten auch der ersten Instanz bekommen? Wenn ick mich prüfe in meinem Bewutztsein, so mutz ich sagen, ich babe es nicht verdient! Aber ich appelliere nicht an Ihre Milde. Wenn Sie glauben, datz es notwendig ist und es dem Lande nutzt �— dem Grafen Moltke wird es nicht nutzen— dann verurteilen Sie mich! Ich bitte um Ihren Spruch? Das Gericht zieht sich hierauf zur Beratung zurück. Der Vor- sitzende vertündet eine Pause bis l> Uhr. Nach S?Lstündiger Beratung verkündete der Vorsitzende Land- �crichtSdirektor Lehmann das Urteil des Gerichts dahin: 1. Der Angeklagte wird wegen Beleidigung im Sinne des § 186 in Tateinheit mit ß 185 St.°G.-B. zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. 2. Alle Exemplare der„Zukunft", die die inkriminierten Artikel enthalten, werden eingezogen und die Platten und Formen sind zu vernichten. 3. Tic Kosten des Verfahrens mit Einschluß der dem Nebenkläger erwachsenen notwendigen Auslagen werden dem An- geklagten auferlegt. 4. Dem Nebenkläger, Generalleutnant Grafen Kuno v. Moltke, wird die Befi/gnis zugesprochen, den Urtcilstcnor 6 Wochen nach Ausfertigung des Urteils in der„Zukunft" auf der ersten Tcxtfeite, ferner in der.Vossischen Zeitung", dem „Berliner Tageblatt", der„Krcuz-Zeitung", dem„Hannoverschen Courier" und der„Kölnischen Zeitung" auk Kosten des An- geklagten öffentlich bekannt zu machen. Aus den UrtcilSgründen heben wir folgendes hervor: In prozessualer Beziehung wendet der Angeklagte ein. datz das Privatklageversahrcn auch nach Ucbernahme der Straf- Verfolgung durch die Staatsanwaltschaft weiter seinen Gang hätte gehen müssen. Es fei unzulässig gewesen, datz das Privatklagc- verfahren unter Aufhebung des ersten Urteils eingestellt und auf Grund einer neuen Anklage das jetzige Verfahren erfolgt fei. Nun stellt sich aber das gegenwärtige Verfahren, wenn es auch durch den auf Intervention der Staatsanwaltschaft im Privat- klageverfahren ergangenen Einstellungsbeschlutz veranlaßt worden ist, als ein neues Verfahren dar, welches auf einem selbständigen Eröffnungsbeschlutz beruht und durch keine andere prozessuale Vor- auSsetzung als diejenige des Strafantragcs des Belcidkgtcn bedingt war. In diesem Versahren ist für die Entscheidung der innerhalb dieses Bereichs liegenden Frage, od der EinstellungSbcschlutz mit Recht oder Unrecht ergangen ist, kein Raum. In materieller Hinsicht weist der Angeklagte den Vorwurf der Anklage zurück, in den inkriminierten Artikeln den Grafen Moltke homosexuell hingestellt zu haben. Er will lediglich darauf hingewiesen haben, datz zwischen dem Fürsten Eulenburg und seine» Freunden, zu denen auch Graf Moltke gehörte, eine normwidrige, wenn auch ideelle Männerfreundschaft bestehe und datz diese dem Kaiser nahe- stehenden Personen wegen ihres süßlichen weibischen Wesens einen unheilvollen Einfluß ausgeübt hoben. Als politischer Schriftsteller habe er sich verpflichtet gehalten, diesen Einfluß zu brechen. In- folgedessen habe er. wie er selbst in einem Artikel zugibt, die Angehörigen des Freundeskreises gehöhnt und verspottet und aus das Normwidrige einzelner zum Licbenbcrger Kreise gehörigen Personen hingewiesen. Tie Verhandlung hat aber ergeben, daß er mehr getan bat. er hat den Grafen Moltke und den Fürsten Eulenburg als homosexuell hingestellt. Ter erste Angriff gegen ihn findet sich tn dem„Zukunft"»Artikel, in dem von„zwei Aestheten mit verschiedener Sinncnrichtung" die Rede ist. Durch die starke Betonung dcS Gegensatzes wird zum Aus- druck gebracht, datz das Schöne und Genußreiche, was der Prinz beim weiblichen Geschlecht findet, der Graf in entgegengesetzter Richtung, also beim männlichen Geschlecht, findet. So ist die Stelle sofort vom Freiherr» v. Bcrger gelesen und verstanden worden und auch vom Angeklagten gemeint gewesen, denn er leitete aus der sexuellen Narmwidrigkeij die politische Schädlichkeit ab; wie er dem Grafen Reventlow gegenüber selbst erklärt hat. als er sagte, daß er aus diesem Grunde das sexuelle Moment hineinziehen mutzte. Auch bei den übrigen inkriminierten Artikeln führt der Vorsitzende ans, datz der Gerichtshof der Auslegung des LberstaatSanwaltS gefolgt ist und die Einwendungen des Angeklagten nicht für stichhaltig angesehen hat. Ter Angeklagte meint nun, eö stehe nichts von homosexueller Betätigung in den Artikeln; er mutzte sich aber klar darüber sein, dah� ein Homosexueller ein solcher Mensch sei, der sich homosexuell betätigt, datz dies also mit aktiver Homosexualität identisch ist. Deshalb hat der Angeklagte einen Erfolg der Artikel nach dieser Richtung hin unzweifelhaft in seinen Willen aufgenommen und ist strafrechtlich dafür verantwortlich zu machen. ES sind dies Tatsachen, die geeignet sind, den Nebenkläger verächtlich zu machen und ihn in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen. Schon durch den bloßen Vorwurf homosexueller Neigung wird nach der Auffassung aller norinaldenkenden Volkskreise der davon Betroffene in seinem moralischen Wert herabgesetzt; geradezu verächtlich aber wird er, wenn er diese Neigung betätigt. Der Makel wird um so größer, wenn es sich um einen Mann handelt, der vermöge seiner hervorragenden Stellung dienstlich und moralisch vorbildlich wirken soll. Die mündliche Verhandlung hat nun ergeben, daß der gegen den Grafen Moltke erhobene Vorwurf nicht nur nicht erweis ich wahr, sondern direkt unwahr ist. Graf Moltke hat eidlich bekundet, datz er nicht in unsittlicher Neigung zu Männern hingezogen wird und nicht normwidrige Gelüste an sich gespürt, geschweige denn betätigt hat. Die Beweisaufnahme hat auch nicht den geringsten Anlaß gegeben, an der Richtigkeit dieser Erklärung zu zweifeln. Gras Eulenburg hat ebenfalls eidlich bekundet, daß ebenfalls zwischen ihm und dem Grafen Moltke lediglich ein rein ideelles Freundschaftsverhältnis besteht, welches, in jungen Jahren, in jugendlicher Schwärmerei gefchlohen. durch gemeinsame künst- lerische Bestrebungen sich immer enger gestaltet und bis ins Alter den idealistischen Z»g beibehalten hat. Von Erotik ist dabei keine Spur. Gras Moltke steht sittcnrei» da. kein Makel haftet ihm an und blank und fleckenlos steht sein Ehrenschild da. Horden, der diese Ehre durch üble Nachrede verunglimpft hat, ist nach§ 186 zur Rechenschaft zu ziehen. Er hat sich aber auch nach§ 185 schuldig gemacht. Zunächst dadurch, datz er den Nebenkläger als „Süßen" bezeichnet hat, ferner dadurch, datz er mit Bezug auf die Liebenberger Tafelrunde sagte„sie habend schon warm genug". Dadurch hat er auf die Homosexualität der Mitglieder der Tafel- runde hingewiesen und einen Anklang an eine landläufige Be- zcichnuug geliefert. Tie Beleidigungen sind auch nicht verjährt, denn es handelt sich um ein einheitliches fortgesetztes Delikt; die beleidigenden?lei>tzerungeii beruhen auf einem einheitlichen Vor- satz und sind als eine Tat anzusehen, die erst in dem letzten An- grisfsariitel ihren Abschluß erlangten. Der Strafantrag ist hier- nach rechtzeitig gestellt. Ter Angeklagte kann auch nicht den Schutz des Z 193 in Anspruch nehmen, denn auch als politischer Schrift- steller hat er nicht das Reckt, politische Interessen unter Verletzung der Ehre anderer zur Geltung zu bringen. Was die Strafzumessung betrifft, so konnte von einer Geld- strafe bei der außerordentlichen Schwere der Be'eidignug nicht die Rede fein: sie war nur durch eine Gefängnisstrafe zu sühnen. Datz der Angeklagte als politischer Schriftsteller seine politischen Gegner so scharf wie möglich belämpst. ist sein Recht; aber dreimal hätte er es sich überlegen sollen, che er die vit» sexuslis bestimmter Personen in die Oeffentlichkeit zerrt, und der Verdacht kann nicht zurückgewiesen werden, datz auch eine Sensationslust mit im Spiele war. Gerade die von ihm gewählte Form seiner Artikel deutet daraus hin. Die schärsste Rüge verdient eö aber, wenn mit einer Leichtfertigkeit wie in diesem Falle vorgegangen wird. So wie in diesem Falle darf kein ernster politischer Schriftsteller handeln. Ganz besonders unvorsichtg war eö, einer Frau Glauben zu schenken, die einen erbitterten Ehescheidungskamps geführt hat und bei der eL dock, nahe lag. datz sie die Tinge subjektiv gefärbt ansah. mag auch die Person der Dame dem Angellagten und anderen Personen einen glaubhaften Eindruck gemacht haben. Ihm war aus den Ehescheidungsaktcn bekannt, datz die Dame von Tr. Frey als hysterisch bezeichnet war und an schw.erer Trional- Vergiftung gelitten hatte. Er wußte ferner, datz sie sich in dem EheschcidungSprozetz gegen den Vorwurf, ihren Ehemann als homosexuell bezeichnet zu liabcn. in zweiter Instanz gewehrt hat. Trotz- dem hat er es nicht für nötig erachtet, vor der Publikation Herrn Sanitätsrat Dr. Moll oder Herrn Gcheimrat Eulenburg, welche Mitarbeiter der„Zukunft" wären, sein Material zu unterbreiten. Wenn der Gerichtshof trotz all dieser erschwerenden Momente dem so mahvollen Antrage der Staatsanwaltschaft lediglich beigetreten ist, so ist das in Rücksicht darauf geschehen, datz die Gefängnis- straie den Angeklagten bei seiner geschwächten Gesundheit harter trifft als einen anderen gesunden Menschen« Danach rechtfertigt sich die Entscheidung des Gerichts. Ich schließe hiermit die Verhandlung. )Zus der partei (fstt Jubiläum der dänischen Sozialdemokratie. ES war am 30. Dezember 1882, als der Handschuhmacher Peter Christian Knuds cn zum Geschäftsführer des Sozialdemokratischen Vcr- bandes in Dänemark gewählt wurde. Seitdem hat er dieses Amt des Parteivorsttzcnden der dänischen Sozialdemokratie ununter- brachen bekleidet. Damals, vor 2ä Jahren, war der Sozialdemo- trat, ich« Verband ein kleiner, auf Kopenhagen beschränkter Verein niit einigen Hunderten von Mitgliedern; jetzt ist er über das ganze Land verbreitet und zählt Über 80 000 Mitglieder. Außerdem sind d0 000 Arbeiter gewerkschaftlich organisiert.„Socialdcmokraten", -u dessen tüchtigsten Mitarbeitern P. Knuden damals schon ge. börte, zählte zu jener Zeit kaum 3000 Abonnenten, jetzt sind es mehr als SS 000. und daneben ist eine sozialdemokratisch» Provinz- presse cmporneblüht. die ebenso stark über das ganze Land ver- breitet ist. Damals hatte die Sozialdemokratie weder im dänischen Reichstag noch in einer anderen öffentlichen Körperschaft einen Vertreter, und bei den FoltctbingSwahlen von 1881 waren 1600 sozialdemokratische Stimmen abgegeben worden. Bei den Folkc- thingswahlen von 1006 aber wurden Tl 000 sozialdemokratische Stimmen abgegeben und 24 Kandidaten der Partei gewählt. Im Landsthing hat die Partei jetzt vier Vertreter, i» der Stadtvcrord- netenverfammlung von Kopenhagen 18. in ihrem Magistrat zwei Räte und einen"Bürgermeister. Dazu kommen Hunderte sozial. demokratischer Vertreter in den Stadt- und den Kirchspiclräten der Provinzorte. An dieser gewaltigen Entwickelung hat Genosse Knuds«, von Anfang als einer der Tüchtigsten mitgearbeitet. Er wurde 18!8 in Randers geboren. Als im Mai 1872 bei der „Schlacht auf Nörrefälled' in Kopenhagen die bewaffnete Macht gegen die Arbeiterschaft mobil machte, da lag Knudsen als Rekrut im' Kastell von Kopenhagen, stand aber schon mit seinem ganzen Fühlen und Denken aus Seiten der Sozialde-mokratie. Im Jahre 1800 wurde er in seiner Vaterstadt als LandSthingsmann gewählt. Nachdem cr acht Jahre im Laudöthing tätig gewesen war, wurde er in das Folkething gewählt, und zwar in Randers. Seit 1003 ist er FolkethingSmann des 10. Äopcnhagcncr Wahlkreises. 1807 wurde er als Stadtverordneter gewählt und seit 1902 ist er Magistratsrat in Kopenhagen. Im verflossenen Sommer wurde er zum Mitglied der isländischen Verfassungskommission ernannt alö einer von des„Rcickieö guten Männern", die über eine bessere Regelung der Verhältnisse Islands zum Mwttcrlandc beraten sollen. Genosse P. Knudsen hat als Parteiwrsitzcnider wie in seinen zahlreichen anderen Aemtcrn die langen Jahre außerordentlich viel gearbeitet und gewirkt und ist jetzt noch in seinem 00. Lebens- jähre unermüdlich tätig im Dienste der Partei und des Volkes. Zahlreich sind die Beweise de, Dankbarkett, die ihm an seinem Jubiläumötage als Partcivorsitzenden zuteil wurden. Em der fraiienbewegirnof. Plötzliche Freundschaft. Unsere Agitation und Organisation unter den Dienstboien hat den Eifer auch anderer Kreise erweckt. Besonder» ist eS das Zentrum, daö nun Dienstbotcnorganisationcn ins Leben ruft. Auch im Lager der bürgerlichen Damen regt es sich neuerdings. Man steigt wohlwollend zu den Mädchc», herab. Sie sollen cr, kennen, daß alles Heil von den Herrschaswn kommt. Die Lage der Hausangestellten wird dadurch nicht um ein Jota gebessert. Wie die Damen durch Vereine das Los ihrer Angestellten„verbessern", ist zur Genüge bekannt. Der Berliner Verein für Hausangestellte, der jahrelang unter der Oberhoheit einer ganzen" Anzahl Haussraucn stand, ist unter dieser Leitung niemals eine KampfeLorgauisation gewesen und cr hat nichts geleistet. Aber nicht allein, datz sich jetzt verschiedene Parteien als Refter der Dienstboten aufspielen, auch die gewerbliche Spekulation scheint sich ihrer annehmen zu wollen. So wurde kürzlich bekannt gegeben. daß eine neue Dienstbotenzeitung unter dem Titel„Der häusliche Dienst" in Berlin erscheinen soll. Welche Richtung diese Zeitung haben wird, geht aus der Notiz nicht hervor. In der Hauptsache scheint es sich um eine neu zu erschließende Geldquelle zu handeln. In dem angeführten Programm heißt es nur: ... sie soll den im häuslichen Dienste stehenden Mädchen ein Führer und Berater in ihrem Berufs- und Privatleben werde». Sie soll ihnen die Erkenntnis erschließen, datz zahllose der heute bestehenden Uebelstände durch ihre eigene Kraft und durch ihren festen Willen gehoben werden können; sie soll aber auch ihr StandcLbewutztsein heben, d. h. sie soll ihnen zum Bewutztsein bringen, datz die„Ehre" eines Standes darin besteht, datz man ihm„Ehre macht" und ihn so aus eine immer höhere Stufe der Volltonimenheit hebt. Aber auch(l) die berechtigten Interessen der Dienstboten sollen nach außen hin vertreten werden. Nur eine auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehende Organisation und deren Presse vermag den Hausangestellte» wirksame Hülfe zu leisten; eine Zeitung ohne Organisatwn ist vollständig machtlos. Was man auf jener Seite unter berechtigte Interessen der Hausangestellten versteht, ist genügend bekannt und läht uns schon vor dem Erscheinen der Zeitung keinen Zweifel über deren Charakter._ Ter erste Dienstbotenverein i» der Schweiz. In Zürich ist kürzlich der erste Dienstbotcnvcrein in der Schtveiz gegründet worden� cr soll dem Schweizerischen Ar- beitcrinnenverband als Sektion angeschlossen werde». Bezüglich der Dicnstbotcnberhältnissa in der Schweiz fei orlentiereiü, bemerkt, das; hier eine„Eesindeordnung" nicht besteht. Es gilt der freie Arbeitsvertrag mit den ortsüblichen Künoigunge», die wohl meistens 14 Tage betragen. Für die Entlohnung bc- stehen Wockcnlohn und MonatSioh» nebeneinander. Erjterer beträgt häufig 4, 5, auch 6 Frank, eS dürften auch niedrigere und höhere Löhne vorkommen. Die MonatSlöhne betragen 15, 20, 25, 80 bis 40, für Köchinnen usw. bis 60 und 80 Frank. Dia Arbeitszeiten sind hier so ungeregelt wie anderwärts. Der Sonn- tagnachmittag ist nicht immer und gewöhnlich nur für einige Stunden frei. Tie Kost dürfte zum großen Teil befriedigend sein. Vom Logis ist das nicht zu sagen, es besteht sehr häufig aus einem unhcizbaren und nur durstig„möblierten" Raum mit schlechtem Bett. Ucbcr die Behandlung wird im allgemciucn nicht geklagt, natürlich kommen aber in Einzelfällen krasse Uebcrgrifje vor. Streitigkeiten finden nach dem gemeinen Recht und vor dem ordentlichen Richter ihre Erledigung. Die Zahl der Dienstboten in der Schtveiz betrug nach der Volkszählung im Jahre 1000 insgesamt 14 704, davon 3854 männ- lichc und 10 850 weibliche. Wenn diese Angaben auch kaum genau sind, denn sie enihaltcn einmal auch hauswirtschaftlich beschäftigte amilienglieder. während andererseits in den verschiedenen anderen erufsgruppcn Dienstboten enthalten und in der besonderen Gruppe„Persönliche Dienste usw." nicht angeführt sind. Aus jeden Fall ist hier eine bedeutende Agitations- und Oeemmtnftm,.;- arbeit zu verrichten._ Berichtigung. In dem Artikel über die Frauenbewegung in der gestrigen Nummer sind zwei Unrichtigkeiten enthalten. ES mutz nicht heißen„2000 in Bildungsvercinen organisierte Genos- sinnen", sondern 12 090. Ferner sind eö nicht lOVV Genossinnen, die freiwillige Beitrüge zahlen, sondern 10 990. 6ericbt9-2citu!ic|* Der Bürgermeister als Gchülfe beS Staate». Datz der Bürgermeister in einzelnen Fällen als Gehufte deS Staates angesehen und somit der JustizsiskuS für ihn haftpflichtig gemach, werden kann, hat jüngst dnS Neichsger ckt anläßlich einer Schadenersayforderung des ÄulSbesitzers au-3 W. ausgesprochen. Gegen I. war im Jahre 1905 irrtüinlich ein Strafversahren wegen Meineid eingeleitet worden. Dabei wurden von der Polizei drei Kreidezcichmuigen mit Rahmen und Glas in feiner Wohnung bc- 'chlagnahnit. Auf Ersuchen des UntertuchungSrichtcrS wurden diese Bilder vom Bürgermeister nach Köln geschickt. Hierbei war der eine Bilderrahmen stark beschädigt und das Glas zerdrückt worden. Als I. wieder autzer Strafverfolgung geletzt worden war. wurden die drei Bilder vom Gerichtsiekretär nach W. znrückgeschickt. Aus diesem Transport erlitt abermals ein Bild Beschädigungen. I. klagte deshalb gegen den JustizfiskuS auf Schadlos» Haltung k ü c"di e B> l d e r. DaS Landgericht verurteilte den beklagten Fiskus zu voller Gewährung von Schadenersatz dem Grunde nach, da auch der Bürgermeister die Bilder schlecht verpackt und den Schoden herbei- geführt habe. Gegen diese Entscheidung hatte der Fiskus Be- r u f u n g eingelegt und geltend gemacht, datz der Bürgermeister nicht als Beamter des Fiskus zu betrachten iei, sondern nur der Gerichtssekretär, der die Bilder zurückgeschickt hat. DaS Ober» landeögericht Köln erkannte jedoch auf Zurückweisung der Berufung, indem eS hervorhob, daß der betreffende Bürger- meister durch den Auftrag deS UnlersuchungSrichierS Gehiilfe des Staates geworden sei und somit Hüiföbeamter deö Beklagten, welcher dann auch für die durch ihn verursachten Schäden aus- zukommen habe, Die vom beklagten FiSkuS gegen das oberlandeSgerichtllche Urteil eingelegte Revision wurde von, Reichsgericht zurück- gewiesen. Wie»»klagen au»§153 erhoben werben. »m 24. Juni 190? ging der Maurer Primus mit einigen Kollegen in der Nähe des Neubaues des Adlonschen Hotels am Pariser Platz. ES kamen einige Baiiarbeiter vorbei. Im Vorüber- gehe» sagte Primus zu einem:„Hier wird gestreikt I" Der An» geredete, der Bauarbeiter G r o tz, wendete sich an einen Schutz- mann. Dieser ststierte zunächst Hern, Primus zur Wache. Die weitere Folge war eine Anklage. Herr Primus sollte den Groß durch das Wort.Streikbrecher" beleidigt und außer- dem noch„körperlichen Zwang" gegen ihn ausgeübt haben. um ihn zu nötigen, an einer Arbeitseinstellung teil» zunehmen. Dadurch sollte er gegen ß 153 der Gewerbe- ordnuno verstoße» und zugleich eine versuchte Nötigung im Sinn« de» ß 240 Strafgesetzbuchs begangen haben. Herr Primus war sich cincr solchen Handlung absol»» nicht bewußt. Glücklicherweise waren einige Kollegen in seuier nächsten Nähe gewesen, so daß cr ihr« Ladung als Zeugen beautragen konnte. Das Gericht lehnte aber zunächst die Zeugenladung ab. Erst im Termine setzte der Verteidiger. Rechtsanwalt Heine, die Ladung durch. In der ziveiten Haupwerbandlung. die am 3 Januar vor dein Schöffen» gerickte Bcrlin-Mitte stattfaiid. ergab sich nun folgendes: Der Tchutzman». der die Sistierung vorgeiu mmen hatte, hatte überhaupt nichts gehört. Vier Zeugen bestätigten, daß der Angellagte nichts weiter gesagt halte al».Hier wird gestreift!" und daß er gar nicht nahe genug an den Groß herangekommen war. um ihn irgendiot« anrühren zu köimcn. Groß selbst, der endlich auch als Zeuge ver» uolnmen wurde, konnte nur bcstäkigen. daß der Augeklagte ihm garuicht nahe gekommen war. Die Worte, die der Angeklagte ihm zugerufen halte, hatie Groß nicht genau gehört. Iluicr diesen Umständen beantragte der Amts an w alt selbst Freisprechling, aus die dann auch erkannt wurde. Das ganze Verfahren wäre nicht nötig geivesen, wenn sorg- sältige ErmitMimgen vorausgegangen wären oder wen» das Gericht es abgelehnt hätte, auf eine so schwach vorbereitete Anklage hin dak Hauplverfahren zu eröffnen. ßrlefkafden der Redahtfon. Sie(nrlttlCrfit Sverchs»»,»» flnfcei Plnben', rahe CT*. 8,; hieltet Hof, btl,f«r(SIttflnnft. vier Treppen, OW Fatirftutil TJWJ iDorfiemiftlIxti von?y, bl? w/,»de aveiid, tiatt.(iUSitncl 7 Ulir. fDiiimbriibS lieglni» die Sprechsiuiide UNI Ii Udr. Jeder 4iutrn ein ü uil» Und.' und eilte ftadt ale Atert, eichen deizutiige«. Brieiliche«liuhiuci wird nicht erteilt. Eiline Kranen trage mau in der Lvrechslunde vor. O.«. 6. Setzen Sie sich mit einem Verlag, z. B. dem des„Bormärlö* dlrel! in Verb!»du»g.— P. 61, 99». Sie sind im Jriium. 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Frau Gebauer, Lausitzer Platz 1.-f3 Boteufraurn finden sofort lohnende Bcschäsligung Schützenftrahe 24/25.» Im Arbeitsniarkt durch besonbcrcn Trmk bervorgebobeue Anzeigen kosten 110 Pf. die Zeile. Geldschrank schlosser, die durchaus selbfländig arbeiten können, gegen hohen Lohn gesucht. Reisegeld wird vergütet. 14632» t-l. H. Stoinfortb, Bremen. Berantwortlichcr Redakteur: HauS Weber. Berlin. Für den Inseratenteil vcrantw.: TP. Glocke, Berlin. Druck u.Lcrlaa: Vorwärts Buchdruckerci u. BcrlagSairilalt Paul Singer 6: co., Berlin SW. Hr. S. 25. Jahrgang. 2. Keilte Ks Lomarts" Kttliner Ntilksdlktt. ZumMi, i. Itniiat 1908. keitrsge für das auer=Denkmal. Oskar 20,—. Von einem Bildhauer, Geburtstagsfeier 5,—, Neberschuh vom Bandagisten-Bergniigen l>,70. Ueberichnh vom Nekrutenabschied Rudolf Pilaski 2.2ö. Von den organisierten Vteiall- arbeilern der Firma Eckert 12.05. Bezirk 213, Teil II 5,—. Loiterie- verein„Pechvogel" 4,86. Kollegen der Finna Swvenow 10,—. Verband deutscher GastwirtSgebiilfen Charloltenburg 10,—. Weitere Beiträge für das Auer-Tenkmal sind zu richten an den Kassierer Em'i! Boeske, BerbandSbureau, Berlin LW. 68, Lindenstr. 69. 3er Kampf um das Kirchenaustritts Plakat. Der Auktionator und Ncchtskonsulent Fiedler ist seinerzeit vom Schöffengericht zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Beamten- beleidigung in zwei Fällen. Den Widerstand soll Fiedler ge- leistet haben, als Schutzleute in seiner Wohnung erschienen, um am Fenster hängende Plakate zu beschlagnahmen, woraus angezeigt wird, daß Formulare für den Austritt aus der Landeskirche dort zu haben sind. Gegen das Urteil des Schöffengerichts hat sowohl Fiedler wie der Staatsanwalt Berufung eingelegt. Infolge- dessen kam die Sache am Freitag vor der Strafkammer zur Verhandlung. Es handelte sich um zwei Fälle polizeilichen Vorgehens gegen Fiedler, die sich im Oktober 1906 ereigneten. Im ersten Falle kamen einige Polizeibeamte in Fiedlers Wohnung und verlangten die Herausgabe des Plakats. Tie Beamten beriefen sich auf einen Gerichtsbeschluß. Fiedler verweigerte die Herausgabe der Plakate. weil sich der Gerichtsbeschluß auf ein Plakat bezog, welches die unentgeltliche Abgabe der Formulare anzeigt, während das bei ihm aushängende Plakat anzeigte, daß er die Formulare für 1 Pf. por Stück abgebe. Die Beamten entfernten sich darauf und holten sich weitere Informationen vom Dirigenten der Abteilung VII des Polizeipräsidiums. Ter Dirigent erteilte den Beamten den Befehl, die Plakate zu beschlagnahmen, obgleich für diese Plakate kein die Beschlagnahme verfügender Gerichtsbeschluß vorlag. Am 4. Oktober gingen dann drei Beamte zu Fiedler, um den Befehl ihres Vorgesetzten auszuführen. Fiedler war überzeugt, daß das Vorgehen der Polizei ungesetzlich sei. Er weigerte sich deshalb, das Plakat gutwillig herauszugeben. Tätlichen Widerstand will er den Beamten jedoch nicht geleistet haben, aber die Beamten, sagt cr. hätten ihn und seine Frau tätlich angegriffen und an den Haaren gepackt. Er zeigt auch einen Zlevolver und ein Taschenmesser vor, welchg Gegenstände er den Beamten aus den Händen geschlagen habe. Tie Polizeibeamten behaupteten dagegen, Fiedler habe sie angegriffen und nachdem sich einer von ihnen mit dem Plakat schon aus der Wohnung entfernt hatte, hätten die beiden anderen— zwei kräftige Schutzleute— sich mit dem ungewöhnlich kleinen und schwächlichen Fiedler und dessen ebenso schwächlicher Frau eine Viertelstunde herumgebalgt, um sich von ihren An- greifern zu befreien. Der eine Schutzmann sagt sogar, ihm sei bei dem Kampf mit dem schwächlichen Mann bc- reits die Kraft ausgegangen. Nachdem die Polizeibeamten mir dem erbeuteten Plakat sieg »eich abgezogen waren, hängte Fiedler vier neue Plakate des selben Inhalis in sein Fenster. DaS gab den Anlaß zu einem zweiten Vorgehen gegen Fiedler. Am 24. Oktober rückten sieben Polizeibeamte bor Fiedlers Tür an, um den Eroberungszug gegen die Plakate zu eröffnen. Wieder verweigerte Fiedler die Herausgabe. Diesmal beriefen siai die Beamten nicht mehr auf den Gerichtsbeschluß, sondern sie sagten, sie hätten den Auftrag, die Plakate in polizeiliche Verwahrung zu nehmen, weil durch den Aushang derselben eine widerrechtliche Handlung fortgesetzt werde. Fiedler forderte die Beamten auf, seine Wohnung zu verlassen, da sie kein Recht hätten, die Plakate fortzunehmen. Wie Fiedler an gibt, war er im Begriff, sich vom Flur, wo diese Unterredung stattfand, in seine Küche zu begeben, aber ehe er dazu kam. habe ihn einer der Beamten am Genick gepackt, um ihn zu Boden zu werfen. Er habe sich aus den Händen des Beamten zu befreien versucht, sei aber zu Boden geworfen und dadurch mißhandelt worden, daß einer der Beamten ihm eine Kette um die Hand- gelenle legte und die Kette s o stark zusammenzog, daß sie sprang. Einer der Beamten behauptet, er sei zuerst von Fiedler gestoßen worden und deshalb sei das gewaltsame Vor- gehen gegen Fiedler notwendig gewesen. Tatsache ist, daß Fiedler nach diesem Zusammenswp mit den Beamten bewusitlos und mit blutendem Kvpf im Flur liegend von Leuten, die sich auf der Strahe angesammelt hatte», gefunden und nach der llnfallslatio» gebracht wurde, wo er erst nach zweistündigen Bemühungen des Arztes sich so weit erholt hatte, daß er entlassen werden konnte. Als Fiedler bewußtlos am Boden lag, holten die Beamten einen Schlosser, ließen die Tür des Zimmers öffnen, wo die Plakate hingen und wehrten mit vorgehaltenem Revolver und der Drohung: „Zurück oder wir schießen" denen den Eintritt, die auf Ersuchen der Frau Fiedler zu deren Schutz in die Fiedlersthe Wohnung wollten. Natürlich endete die polizeiliche Attacke mit einer sieg- reichen Erbeutung der für unheildrohend gehaltenen Plakate. Der Staatsanwalt beantragte gegen Fiedler eine G e- fang nis strafe von sechs Monaten. Ter Verteidiger, Rechtsanwalt Wolfgang Heine, führte auS: Bezüglich des Tatbestandes könne man wohl annehmen, daß beide an den Raufereien beteiligten Parteien übertreiben. Die Beamten machen durchaus nicht den Eindruck, als ob sie die objek- tive Wahrheit sagen. Es ist doch. ganz undenkbar, daß zwei be- wasfnete Beamte eine Viertelstunde gebrauchen sollen, um den Widerstand eines schwachen Mannes und einer Frau zu brechen. Im zweiten Falle will nur ein Beamter einen Stoß vom Ange- klagten erhalten haben. Selbst wenn das so wäre, so rechtfertigt das nicht das Zu bodenwerfen und die Fesselung des Angeklagten. Was die Rechtsfrage anbetrifft, so lag im ersten Fall ein Gerichtsbeschluß vor, der sich aber nicht auf das vom Angeklagten ausgehängte Plakat bezog. Trotzdem wurden die Beamten, die dies wußten, von ihrem Vorgesetzten veranlaßt, das Plakat zu beschlagnahmen. In di-sem Falle mußten die Beamten also wissen, daß ihr Vorgehen rechtswidrig war, und wenn sich der Angeklagte dem widersetzte, so hat er sich nicht st r a f b a r gemacht.— Im zweiten Falle lag überhaupt kein Gerichtsbeschluß vor. Preßerzeugnisie— und ein solches ist das Plakat— dürfen aber nicht ohne Gerichtsbeschluß beschlagnahmt werden. Die Beamten befanden sich also hier nicht in rechtmäßiger Ausübung ihres Amtes. Wenn angenommen wird, daß die Be- ernten durch den Befehl ihres Vorgesetzten salviert sind, so gilt das nur für solche Fälle, wo die betreffende Behörde für den Erlaß einer solchen Anordnung örtlich und sachlich zuständig ist. In diesem Falle war die Polizei sachlich nicht zuständig, denn sie hat kein Recht, die Beschlagnahme eines Preßerzcugnisics anzuordnen. Hierzu ist in jedem Falle ein Gerichtsbeschluß erforderlich. Das wußte der Angeklagte. Nicht um den Beamten Schwierigkeiten zu machen, sondern um sein Recht zu wahren, widersetzte er sich der Beschlagnahme. Soll denn die feste juristische Ileberzeugung eines Laien nichts gelten, Ivenn der Irrtum den Beamten selbst bei rechtswidrigem Vorgehen vor Strafe schützt? Aus diesen Gründen beantragte der Verteidiger in erster Linie Frei- f p r e ch u n g. und für den Fall der Berurlcilung eil» geringe Geldstrafe. Der Staatsanwalt entgegnete auf diese Rechtsaus- führungcn: Der Schutzmann, der eine Beschlagnahme auszuführen hat, braucht überhaupt keinen Grund anzugeben. Für ihn genügt die Weisung des Vorgesetzten, er braucht nicht zu sagen, auf Grund welcher Bestimmung er das Plakat beschlagnahmen will, sondern er braucht nur sagen: Ich will das Plakat haben. Ter Verteidiger erwiderte: Wenn diese Doktrin richtig wäre, dann hätte sich der Bürgermeister von Köpe- nick des Widerstandes schuldig gemacht, wenn er sich, wie manche Leute später verlangten, den Gendarmen wider- setzt hätte, die der falsche Hauptmann zu seiner Unterstützung heranzog. Wenn es so wäre, wie der Staatsanwalt sagt, dann könnte ja die Polizei unter Berufung auf die Strafprozeßordnung jedes Preßerzeugnis als Beweismittel in Beschlag nehmen und die Bestimmung des Preßgesetzes, wonach Preßerzeugnisie nur durch Gerichtsbeschluß in Beschlag genommen werden dürfen, wäre da- mit unwirksam gemacht. Das Gericht sprach den Angeklagten im ersten Falle von der Anklage des Widerstandes gegen die Staatsgewalt frei, weil der Angeklagte glauben konnte, die Beamten befänden sich nicht in rechtmäßiger Ausübung ihres Amtes, da sich der Gerichtsbeschluß auf einen anderen Wortlaut des Plakates bezog. Der Beleidigung der Beamten habe sich der Angeklagte aber schuldig gemacht. Im zweiten Falle hielt das Gericht für erwiesen, daß sich Fiedler des Widerstandes gegen die Staatsgewalt schuldig gemacht habe. Denn da das Aushängen der Plakate durch Gerichtsurteil als widerrechtlich erkannt sei, so sei die Polizei berechtigt gewesen, die Fortsetzung dieses widerrechtlichen Zustandes zu verhindern.— Fiedler wurde wegen Widerstandes in einem Falle und wegen Be- amtenbeleidigung zu einer Gesamtstrafe von zwei Mo- natcn Gefängnis verurteilt. berliner JVacbncbten* In der Ansprache des ObrrbürgenneistrrS Kirschner an die wieder- bezw. neugcwählten Siadtverordnelen in der letzten DonnerStagssitzung der Stadtverordnerenversammlung befinden sich folgende bemerkenswerte Sätze: „Die Bürgerschaft hat durch Ihre Wiederwahl bezeugt, daß sie mit Ihrer bisherigen Tätigkeit zufrieden ist, daß Sie das früher Ihnen geschenkte Vertrauen aucki heute noch besitzen. Ich kau» Ihnen zu diesem haruionisaien Einvernehmen zwischen der Bürgerichaft und ihrer Vertreluug nur Glück wünschen. Die Städteordniing von 1808, deren hundertjähriges Bestehen wir noch in diesem Jahre feiern werden, hat in ihrer Einleitung als Ziel der Selbst- Verwaltung angegeben, daß durch die tälige Mitwirkung der Bürgerschaft an den Geschäften der Verwaltung der Genieinsiiui crivecki und erhalten werden tolle. Wenn wir in der Menge der täglichen Arbeit, wo sich immer mehr praktische Frage auf prak- tische Frage drängt, häniig den Eindruck gewinnen, als sei nur der kluge Veriland beieiligt, so darf doch noch nicht vergessen werden, daß der wahre Wert der Selbstverwaltung auch aus idealem Gebiete liegt, darin liegt, daß der Sinn, das Jnteiesse, die Teilnahme sät die Allgemeinheit geweckt und erhallen wird, der Gemeillsinn. von dem die Städtcordnung spricht." Was hier der Herr Oberbürgermeister von dem Vertrauen der Bürgerschaft zu den gewählten Siadtverordneten sagte, klingt zwar ganz schön, trifft aber nicht ganz zu. Der Wille der Bürgerschaft tomint bei dem heutigen Dreiklasscnwahlrecht nicht zum Ansdriick. Auf die Zlisammcnsctznng des SladtparlamcntS übt der Geldsack seinen Einfluß aus. Der Besitz ist maßgebend bei der Wahl der Siadiverordnetcn. Wie kraß dieses Wahlunrecht ist, gehl allein daraus hervor, daß sämtliche 16 enigesührlen Herren der I. Abteilung zusammen nicht soviel Stimmen ans sich vereinigten, wieZein Vertreter der III. Abteilung. Erst wenn auch für die Kommune das allgemeine gleiche ge- Heime und direkte Wahlrecht gilt, kann mit Recht davon gesprochen werden, daß die gewählten Vertreter von dem Vertrauen der Bürger- schaft getragen werden; eher nicht. lieber den Silvesterrummcl in der Friedrichstadt erhalten wir noch nachträglich folgende nicht uninteressante Schil- derung: Wenn das Treiben, das sich in der Neujahrsnacht alljähr- lich in dem genannten Stadtviertel abzuspielen pflegt, nach all- seitigem Urteil in den letzten Jahren an seinem ursprünglichen Wesen, ivohl infolge der strengen Polizcimaßrcgeln, vieles ein- gebüßt hat, so boten die letzten Vorgänge in den mitternächtlichen Stunden der Ungebundenheit, des Spektakels und auch der Roheit gerade noch genug. Ein ungemein starkes und kriegerisch aussehendes Polizei- anfgebot hatte schon vor 11 Uhr die in Betracht kommenden Straßenpunkte besetzt. Ucbcrall blitzten die Helmspitzen der Ordnungsmänner und scharf klangen die Hufschläge der Polizei- vserde auf dem gefrorenen Asphalt. Die trockene, sternenklare Winteruacht war den Lindenbummlern günstig, schwarz, unüberseh- bar fluteten zwei Menschcnströme zu beiden Seiten die Friedrich- straße herauf. An der Torothcenstraße staute sich die Menge, die Schutzleute hielten den Zug aus und lenkten ihn durch die Seiten- stroßeii ab. Dieser Teil der Friedrichstraße bis zu den Linden blieb bis nach Mitternacht für jeglichen Verkehr gesperrt. Die Paffage war an beiden Eingängen durch Tore geschlossen, auch die gastlichen Pforten der Cafes wehrten den Eintritt und düster starrten die sonst so märchenhast erhellten Räume den Vorüber- ehenden entgegen. An der Kreuzung der Linden und der Friedrichstraße erreichte kurz vor 12 Uhr der Trubel seinen Höhe- Punkt. Bis dahin hatten die Polizisten noch leidlich vermocht, den Verkehr zu regeln und die Leiberkctte in Bewegung zu halten, und wo die Kraft und Autorität der Fußmannschasten versagte, griffen die Berittenen mit Erfolg ein. Von diesem Zeitpnntt ab waren aber auch sie machtlos. Die Menschen standen eingekeilt, daß auch kaum einer den Arm noch rühren konnte. Geradezu beängstigend und lebensgefährlich wurde die Situation, als die Glocken das neue Jahr ankündeten. Ein iannibalisches Geschrei durchbrauste gleich einem Orkan die Lüfte. Aus den hellerleuchteten Fenstern der Hotels und Privatwohnungen scholl ein vielstimmiges„Prosit Neujahr", das unten ein tausendfaches Echo fand. Viele hatten sich mit Papicrtrompeten versehen und tuteten, unbekümmert um die Nerven ihrer Mitmenschen, in den greulichsten Mißtönen das neue Jahr an. Papierstreifen schwirrten" durch die Luft und„der- hcddcrtcn" sich in dem Takelwerk der Damenhüte, bunte Flitter regneten auf die Menge nieder und auf den Köpfen zahlreicher Passanten leuchteten grellfarbige Papiermützen. Endlich gab es Luft, die Mauer setzte sich langsam und schwerfällig in Bewegung, während von aller Lippen ein erlösendes„Gottseidank" kam. Die Friedrichsiraße nach der Dorotheensiraße zu war freigegeben worden, sodaß die Masse nach dieser Seite Abzug fand. Wer mitten in diesem Strudel Ivar, für den gab es tein Entrinnen, der wurde mitgerissen. lind nun bot sich dem Beschauer ein eigen- artiges, buntbewegtes Bild. An Alter» Geschlecht und Nationalität verschieden zogen die Menschen einzeln oder gruppeniveise vorüber. Wcißbärtige, würdige Greise, die Gattin am Arme, hohe und niedere Militärs, Gigerl, mit 20 Zentimeter hohen Stehumlege- kragen, das Monocle im Auge, Studenten, mit zerhackten Ge- ichterw junge Damen, mit elegantem Griff die Röcke»gerafft und die seidenen Iupons und die hohen Stiefeletten zeigend, Gym- nasiasten, halbwüchsige Burschen, das gekniffte Hütchen verwegen auf dem r-chten Ohr, sie alle zogen in öunter Abwechselung und in rascher Reihenfolge vorbei. Hier schlenderten Russen in lebhafter Unterhaltung hin. Engländer folgten, stumm und gelassen um sich blickend, krausköpfige Neger zeigten vergnügt ihre blendend weißen Zähne, Japaner gingen mit verträumten Augen einher und selbst der bezopfte Sohn des himmlichen Reichs fehlte nicht. Nach Mitternacht kam die Radaustimmung der rauhbeinigen Elemente, mit Kragen oder KNöpstuch, zum Turchbruch. Besonders die halbwüchsigen Bürschch-rn suchten Betätigung für ihre über- schüssige Kraft. Mehr wie einmal entstanden bedrohliche Szenen und die Beamten hatten keinen leichten Stand. Hinter den Be- rittenen zog auf Schritt und Tritt eine johlende,"pfeifende, nach Hunderten zählende Rotte in provokalorischcr Absicht einher, und es soll anerkannt werden, daß die Polizeimannschaften sich maß- voll und zurückhaltend verhielten. Die Zylinderhütc waren auch diesmal ein vielgesuchter, aber auch seltener Artikel. Ein junger Herr begab sich mit seiner Dame tn den Schutz einiger Polizisten, um den„Steifen" vor der Zerstörung zu retten. Unten an der Mittelstratze fiel aber doch ein Faustschlag darauf, zum Glück war es ein Klapphut, der bei dieser Attacke heil und unbeschädigt blieb. Auch sonst fehlre es nickt an Auswüchsen, die man nickt als Harm- lose Silvesterscherze entschuldigen kann, sondern die schon bedenk- lich an Brutalität und Roheit grenzen. In der Leipzigerstratzc ging es heiterer und gesitteter zu, und wenn mau zufällig in eine punschfröhliche Gruppe hineingeriet und sich plötzlich von einem Dutzend zarter Frauenhände umschlungen fühlte, während ein vielstimmiger Chorus im süßesten Flötenton uns ins Ohr gellte. „Prosit Nenjahr", so nahm man das nicht weiter übel. Endli"» leuchteten die farbigen Augen der sehnlichst erwarteten Elektrischen in der Ferne auf und bald führte sie die fröhlichen Leutchen der heimatlichen Gefilden zu._ Eine neue Feuerwache. Der Magistrat von Berlin bat sich gestern mit dem Entwürfe für den Neubau einer Feuerwache am Schiller-Hain, nahe der Miillerslraße, beschäfrigl. Der Entwurf mit dem in Höbe von rund 400 000 M. abschließenden Kostenanschläge wurde angenommen. Es wird dies die 17. Feuerwache in Berlin werden und die zweite, die mit Automobilen ausgerüstet werden soll. Die 16. Feuerwache, welche ebenfalls Automol'ilbetricb erhält, wird jetzt in der Schön- lnnker Straße erbaut. Sie geht ihrer Vollendung entgegen und soll im Frühjahr dieses Jahres fertiggestellt werden. Unter der Einwirkung einer Kälte von 1Z Grad Celsius war gestern morgen an verschiedenen Stellen der Stadt, so in der Gcrtraudtenstratze, an der Moltkebrücke usw. das Holzpflaster gerissen. ES zeigte Spalten von 1 bis 2 Zentimeter Breite, die sich längs und quer über die Fahrdämme hinwegzogcn. Auch das Asphaltpflaster Ivar spröde geworden und wies auf freien Plätzen, wie am Königsplatz, Brandenburger Tor, Risse auf. Freitag früh lvar die innerhalb des Weichbildes Berlins nur schwer gefrierende Spree auf ausgedehnte Strecken mit einer Eisdecke überzogen, die sich aus der Unterspree bis nach Spandau hinzog. Am gestrigen Tage ist in der Nähe Berlins mit der Eisernte begonnen worden. An den für den Eisschlag freigegebenen Stellen waren 5uinderte von Arbeitern beschäftigt, die die bis zu vier Zoll starken crisblöcke aussägten und bis Mittag so bedeutende Vorräte geschnitten hatten, daß die Einfuhr in Angriff genommen werden konnte. In der weiteren Umgebung Berlins ist die Eisstärke eine derartige, daß die Bahnen auf öffentlichen Gewässern freigegeben werden konnten. Gestern erfolgte die polizeiliche Abnahme der Eisbahn auf dem Frauentag bei Köpenick. An den Messungsstellen des Müggelsees wurde eine Eisstärke von vier Zoll ermittelt. Die Bahn dürfte voraussichtlich bereits am Sonntag freigegeben werden und ist dann für die ganze Ausdehnung des Gewässers sicher, weil eine Aufeisung der Fahrrinne in diesem Jahre nicht stattfinden durfte. Auch der sehr schwer gefrierende Tegeler See, der vor- gestern noch große offene Stellen aufzuweisen hatte, ist seit gestern früh geschlossen. Jetzt setzt der See stark Eis an, sodaß die Tegeler Seebahn, wenn auch nur teilweise, bei Anhalten des Frostes in nächster Woche dem Sportverkehr übergeben werden kann. Die Landesversicherungöanstalt Berlin hat folgendes Rund» schreiben an die hiesigen Krankenkassen betreffend Anfertigung von Gebissen für die Kassenmitglieder erlassen: „Vom 1. Januar lS08 ab werden wir in unserem Vcr- waltungsgebäude eine eigene Zahnklinik errichten, in welcher die Anfertigung von Gebissen für unsere Versicherten erfolgen soll. In Betracht kommen solche Versicherte, deren Zahnschäden nach dem Urteil unseres Vertrauensarztes eine schwere mit Wahr- scheinlichkeit zur Invalidität führende Gesundheitsstörung be» fürchten lassen, deren Hebung durch ein Gebiß erfolgen kann. Da die 5trankenkassen gesetzlich verpflichtet sind, ihren Mit- gliedern zahnärztliche Behandlung und in zahlreichen Fällen auck; Gebisse zu bewilligen, so übernehmen wir durch unsere Maß- nahmen einen Teil der den Krankenkassen obliegenden Berpflich- tungen. Wöhrend andere Versicherungsanstalten die� Krankenkassen zu den Kosten der Gebisse heranziehen, werden wir die Kosten der Gebisse allein tragen, dagegen die vor der Lieferung des Gebisses notwendige Mundbehandlung den Krankenkassen auf deren Kosten belassen. . Anträge auf Gebißbewilligung werden somit vom 1. Januar 1908 ab in folgender Weise von uns erledigt werden: Nach Untersuchung und Anerkennung der Notwendigkeit eines Gebisses durch unseren Vertrauensarzt werden die Antragsteller unter genauer Bestimmung derjenigen zahnärztlichen Behandlung (Zahnexiraktion, Behandlung des Zahnfleisches usw.), lvclche der Gebißanfertigung vorauszugehen hat, an ihre Krankenkassen ver- wiesen. Sobald durch deren Vermittelung und auf deren Rosten die notwendige Vorbehandlung deendet ist, werden den betr. Patienten in unserer Klinik Gebisse angefertigt werde». Indem wir den Krankenkassen von diesem gleichzeitig im Interesse der Äersicherten wie der Krankenkassen liegenden Ver- fahren Mitteilung machen, ersuchen wir, uns durch schleunige Er- ledigung iilnerhalb der den Kassen hierbei zufallenden Tätigkeit unterstützen zu wollen." Versuche mit Holzpflaster zur Einfassung von Straßenbahn- schienen. In asphaltierten Straßen sind hier mehrfach Versuche gemacht worden, die eingebauten Schienen der Straßenbahnen mit Holzklötzen einzufassen, um so einen unmittelbaren Anschluß des Asphalts an die Schienen zu vermeiden und die häufigen Aus- besserungen zu verringern. Diese Versuche haben, gleichgültig, ob die Holzklötze in Langreihen parallel zu den Schienen oder voll- schichtig und senkrecht zu diesen verlegt worden sind, zu einem befriedigenden Ergebnis nicht geführt, auch ist in dieser Beziehung ein wesentlicher linterschied zwischen Klötzen aus Weich- und solchen aus Hartholz(Taliolv Wood) nicht festzustellen gewesen, ebensowenig wie man bei den mast sehr ausgedehnten Vcrsuchöstrecken sich ein Urteil darüber hat bilden können, ob der Mißir'olg der nicht ganz festen Lagerung der Schienen, den Schienenstößen oder der Art des Holzes und der Verlegung zuzuschreiben ist. Es besteht deshalb bei der städtischen Verwaltung die Absicht, bei dem bevor- st ehenden Bau städtischer Straßenbahnen, bei denen eine höhere und fester gelagerte Schiene zur Verwendung gelangt, diese Versuche in größerer Ausdehnung fortzusetzen. Zahnpflege der Schulkinder. Die Stadtverordneten Barth(A. L.) und Dr. Ritter(Fr. Fr.) haben der Staviverordiietenversammlung folgenden, von zahl- reichen Kollegen unterzeichneten Antrag unterbreitet:„Wir be- antragen: Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, zu erwägen, ob zwecks Ueberwachung der Zahnpflege der Schulkinder in Berlin besondere Einrichtungen notwendig und durchführbar sind, und eventuell Mittel ni den Etat Hinzustellen, um einen Versuch in dieser Richtung zu machen." Es verdient desonders verzeichnet zu werden, daß�rcisinnige Stadtverordnete auch einmal mit einem an sich nützlichem Antrag .Jiommen, wie der obige einer ist und der sich auf die Zahnpflege der Gemeindeschulkinder bezieht. Oft kommen wir nicht in die Lage, über einen solchen Antrag berichten zu können, immer waren ev die sozialdemokratischen Stadtverordneten, denen man' diese Anregungen überließ. Wir wollen aber nicht unterlassen, festzu- stellen, daß von unseren Genossen schon längst diesbezügliche An- regungen gegeben worden sind, aber von den Herren Gegnern be- kämpft wurden. lieber die Sparsamkeit der EiseaVahnverwaltnng wird von Fahr- gasten der Stadt- und Ringbahn Klage geführt. ES wird uns mit- geteilt, daß früher in jedem Winter in sämtlichen Wagen der Stadt- und Ringbahn schon von Slnfmig Oktober an Fußdecken gelegt worden seien, die aber in diesem Wimer fehlen-, die Passagiere könnten es vor Kälte an den Füßen kaum aushalten. Hvsscntlich bedarf es nur dieses Hinweises, die Eisenbahnverwaltung an ihre Pflicht gegen die Fahrgäste zu erinnern. Tie Franenleiche ans dem Grabe. Ein Leichenfund, der noch der Aufklärung bedarf, ist gestern auf dem Begräbnisplatz an der Gaillardstraße gemacht worden. Bei einem Kontrollgange stieß der Friedhosöinspektor auf eine Frauentciche, die längs über ein Grabmal hingestreckt lag. Er benachrichtigte sofort die Polizei und diese ließ Sanitätsrat Tr. Stenger herbeirufen, der jedoch die Todesursache nicht feststellen konnte, da die Leiche vollständig er- starrt war. Turch den Frost war der Körper steif gefroren" Es konnte nur konstatier« werden, daß die Leiche seit etwa 18 Stunden aus dem Grabe gelegen hatte. Ob die Unbekannte, bei der Aus- wcispapicrc nicht vorgefunden wurden, ein Opfer des Frostes gc- worden ist, oder ob sie an dem Grabe Selbstmord verübt hat, bedarf noch der Aufklärung. Die Leiche ist beschlagnahmt worden. Sie wird gerichtsärztlich obduziert werden und erst durch die Ob- duktion wird genaueres über die Todesursache festgestellt werden. Die unbekannte Tote dürfte etwa 50 Jahre alt gewesen sein. Tie .Kleidung besteht aus schwarzem Rock, schwarzer Bluse, grauem Cape, rot gestreiftem Unterrock, gestrickter sckwarzcr Weste und aus weißer Wäsche mit dem Monogramm H. N. Am Bcttrand erschossen. Selbstmord verübt hat die zwanzig- jährige Tochter Hertha des Regierungsrats Göbel aus der Häuft- straße Z. Das junge Mädchen kränkelte seit längerer Zelt an hochgradiger Nervosität und sie zeigte in den letzten Wochen ein schwermütige» Wesen. Gestern morgen wurde sie von den Eltern im Schlafzimmer tot ausgesunden. Fräulein G. hatte sich am Abend, am lliande de» Bettes sitzend, eine Revolverkugel ins Herz gejagt, so daß der Tod aus der Stelle eintrat. Das Opfer eines tödlichen Antomobilunfalles ist ein un- bekannter Mann in der Chausscestraße geworden. Er versuchte nachts vor dem Grundstück Chausseestr. 126 dicht vor einem heran- kommenden Automobil den Straßendamm zu kreuzen. Der Chauffeur konnte nicht mehr früh genug anhalten und der schwere Kraftwagen ging über den Mann hinweg. Man brachte ihn' nach der Unfallstation, wo aber der Arzt nur nocb den Tod feststellen konnte. Tie Leiche ist dem Schauhause zugeführt worden. Angenehme NeujahrSüberraschung. Einen recht niedlichen Silvesterscherz machte sich die Geschäfts- keitung eines großen Cafes im Westen mit ihren Gästen. In Lokalen, die in der Neujahrönacht ihre Pforten geöffnet halten, besteht vielfach der Brauch, daß Eintrittskarten verkauft werden, deren Nominalwert auf die Speisen und Getränke in Zahlung genommen wird. Gewöhnlich leistet der Gast diese Zählung durch Uevcrgabe eines der Eintrittskarte angefügten ab- rcißbaren Nontcr-Eoupons an den Kellner. Auch in dem erwähnten Cafe wurden Karten ä 1 M. an- geboten, bei denen der fehlende Coupon durch den der Karte auf- gedruckten Vermerk ersetzt war:„Dieselbe(— d. h. 1 M.—) wird bei Zahlung der Zeche in Anrechnung gebracht." ES wurde nun den TageSgästcn, die sich zum Ankauf einer solchen Eintritts- karte nicht sofort entschließen konnten, vom Kellner mitgeteilt, daß solche auch in der Nacht bei dem Portier gelöst werden könnten. Wer also eine Karte in der Ncujahrsnacht vom Portier kaufte, mußte danach natürlich glauben, daß auch in diesem Falle nach dem ausgedruckten Vermerk der Press von 1 M. auf die Zeche an- gerechnet werde. Doch die neckische Geschäfiskeitung dcS CateS hatte es anders beschlossen, wohl in dem Bestreben, ihren Gästen einmal eine wirkliche Neujahrsüberraschung zu bereiten. Mit den Darbietungen der Musikkapelle allein ist eL nicht getan, obwohl das Programm sehr lustig war und seriöse Weisen, wie die des alten uno abgedroschenen Liedes„Heb immer Treu und Redlich- keit", dem Zweck entsprechend vermieden wurden. Als aber die Gäste ihre bei dem Portier gekauften Eintrittskarten an Zahlungs- statt präsentierten und vom Kellner durch einen Fingerzeig auf die Karte darüber belehrt wurden, daß ja der betreffende Vermerk durchgestrichen sei, malte sich auf den Gesichtern der also Genas- führten eine wirkliche, ungeheuchclte, waschechte, ganz brillant ge- lungcne und höchst moderne Neujahrsüberraschung. So amüsierte sich denn alles vorzüglich� ganz besonders die Erfinder dieses Spaßes, die den genialen Einfall gehabt hatten, den lästigen Vermerk auf der Karte, anscheinend unter Anwendung eines Kautschukstempels, zu überschwärzen. Auch der Portier chpß eine närrische Freude gehabt haben, als er fortwährend Karten an Leute vertaufte, die trotz der guten Straßenbeleuchtung nicht ein- mal nachsahen, ob vieleicht der wichtige Vermerk inzwischen über- schwärzt worden sei. lind der ulkige Pikkolo des vornehmen CafeS in der PotSdaincrstraße wird noch jahrelang vergnügt in sich hineinschmunzeln, wenn er an diese gelungene Nculahrsüber- raschung zurückdenkt._ Eine mysteriöse Kinbesciitführung, die ihren Ausgang in einem Gesindcvermietungsbureau im Westen Berlins nahm, beschäftigt zurzeit die Kriminalpolizei. Am 80. Dezember v. I. erschien in jenem Mietskontor eine etwa 3Sjährige, sehr elegant geileidete Dcmie von mittelgroßer, starker Figur, anscheinend eine reiche Russin oder Polin. Sie trug ein wertvolles Persianerjackett und fragte sofort nach einem Fräulein Neuburg, da» sie engagieren wolle. ES wurde ihr mitgeteilt, daß hier wohl eine Namensverwcchsclung vor- liege, denn nicht ein Fräulein Neuburg, sondern Neburg'suche Stellung durch das Institut. Tie vornehme Dame nannte sich Pri- vatiere Rosa Girod, Leipziger Straße 22 wohnhaft. Sie verstand sich dazu, die Neburg, die Mutter eines kleinen Mädchen? von drei Wochen ist, als Hausmädchen zu mieten. Auch suchte sie noch eine Amme für eine Bekannte, die angeblich in der Dorotheenstr. 61 wohnen sollte. Zufällig war auch eine Amme mit ihrem Kinde in den, Kontor anwesend. Auch diese wollte Frau Girod mieten. Hieraus fuhr die Dame mit den beiden Mädchen in einer Droschke davon. Unterwegs- überredete sie die Neburg, ihr das kleine Mädchen gegen eine vorläufige Abfindung von 100 Mark zu über- lasten. Die 26jährige junge Mutter war mit diesem Porschlage auch einverstanden. Sie nahm die 100 Mark in Empfang und entfernte sich, um ihr Kind zu holen. Während dieser Zeit versuchte die Dame, auch die Nnime zur Hergabe ihres Kindes zu überreden. es gelang ihr aber nicht. Hierdurch zerschlug sich mich das Engage- ntent und die Amme wurde zurückgeschickt. AIS dann die Neburg ihr Kind brachte und es der Fremden übergeben hatte, erhielt sie von dieser ihr Dienstbuch wieder Zurück mit dem Bemerken, daß sie ihren Dienst erst am 1. Januar anzutreten brauche. Tie anfangs über die Unterbringung ihres Kinde» sehr erfreute junge Mutter wurde aber sehr enttäuscht, als sie am anderen Tage in der Leip- ziger Straße 22 erschien und feststellte, daß eine Frau Girod über- Haupt dort nicht wohne. Sofort angestellte Ermittelungen ergaben, daß auch die zweite angegebene Adresse in der Torotheenstratze sin- giert war. Die von diesem Vorkommnis benachrichtige Polizei hat bisher die Spur der ÄindeSentfühveriii noch nicht finden können. Allem Anschein nach ist es bei diesem Vorgange auf eine Kindes- Unterschiebung abgesehen. In der Mordsache, die Wirtschafterin Plath betreffend, wird «liS mitgeteilt, daß der unter dem Verdacht der Ermordung der Plath in Haft genommene Soldat Kasimir Kopolittski gestern auS der Haft entlasten worden ist, da sich der Verdacht als nicht stich- haltig erwiesen hat. Und dabei wußte seinerzeit die von der Polizei gespeiste 51omspondenz ziemlich bestimmt ZU mcldcn, daß in K. der wirkliche Täter gefaßt worden sei. Eine schwere Explosionökatastrophe» bei der ein Familienvater den Tod in den Flammen gefunden und ein zweiter tödliche Brandwunden davontrug, hat sich gestern abend in der Johann-Gcorgen-Stratze in der Nähe deS Kursürstendainmcs zugetragen. In dem Fabrikgebäude Johann-Aeorgcn-Straße 8 be- findet sich die Fabrik chemisch-präparicrter Papiere von Senzig u. Mellis. In dem Fabrikbctricbe wird auch vielfach mit explosiven Stoffen gearbeitet. In einem Räume, in dem diese Stoffe cnt- halten sind, sollten gestern abend gegen 6 Uhr die Arbeiter Richard Neumann aus der Prinzenstraße und Albert Müller aus der Stromstraße 60 einen größeren Ballon mit Benzinäther umfüllen. Die beiden Leute hoben das schwere Gesäß empor, und während sie die flüssige Masse umschütteten, bildeten sich in dem Raum Gase. M. und N. bemerkten dies jedoch erst, als es bereits zu spät war. Durch die in dem Raum brennende Lampe wurde schließlich eine folgenschwere Explosion herbeigeführt. Unter lauter Detonation erfolgte die Explosion. Im nächsten Augenblick stand fast der ganze Raum in hellen Flammen. Dem Müller gelang eS. sich durch schleunige Flucht aus dem Feuer zu retten. Die Flammen hatten ihn aber bereits erfaßt und einer Feuer- säule gleich stürzte er nach dem Hofe. Durch Ucberwersen von Tüchern gelang es hinzuspringendcn Fabrikarbeitern, die Flammen an dem Brennenden zu ersticken. Dagegen war cS dem Neumann nicht mehr geglückt, das Freie zu gewinnen. Die alarmierte Feuerwehr aus Wilmersdorf und au» Eharlottenburg machten sich sofort an die Rettung des ManneS. Mit dem Rauchhclm geschützt drangen einige der Mannschaften in den brennenden Raum hinein und sie trugen N., der leblos am Boden lag, heraus. An eine Rettung war jedoch nicht mehr zu denken. Der bedauernswerte Mann war bereits fast gänzlich verkohlt. Einige hinzugerufcne Aerzte konnten nur noch den Tod feststellen. Müller wurde in einer Droschke nach der Unfallstation am Zoologischen Garten gebracht, wo er die ersten Notverbände erhielt. Er war fürchterlich zugerichtet. Am ganzen Körper, im Gesicht und an den Armen war ihm daS Fleisch förmlich heruntergebrannt. Der Aermste hatte die Besinnung bereits verloren. In hoffnungslosem Zustande wurde er nach dem Krankenhaus Moabit übergeführt. Die Löschmann. schaften hatten etwa eine halbe Stunde mit dem Ablöschen des cnt- standencn Feuers zu tun. Ncumann hatte im 27. Lebensjahre gestanden, während Müller bereits 58 Jahre alt ist. Beide waren schon seit längerer Zeit in der genannten Fabrik tätig gewesen. Berliner Dolkö-Ehor. Am Sonntag, den ö. Januar, abends 7 lllir vercinstaltel der Volks-Ebor im großen Saal der Hochichnle für Musik, Fafanenstr. 1, einen Franz Liizt-Abend. Außer Fräulein Mientje van Lammen, Herrn Hjalmar Arlberg und dem Volks-Cbor wirk! auch Herr Conrad Ansorge mit, einer der gefeiertsten Pianisten der Gegenwart und direkter Schüler Franz Liszts. Eine kleine Anzahl Einlaßkarten a 60 Pf. einschb Textbuch sind noch bei Horsch im Gewerkschoflöhause zu haben: eine Abeiidkaste stndet nicht statt. Im Zirkus Busch gab eS am Donnerstag für Freunde des Pferdesporrs etwas Besonderes. Der Direktor des Berliner Tatter- lall, Herr Gustav SienSbeck, leibhaftiger Roininissionsrat, ritt die hohe Schule mit einem englischen Vollblüter und soll nach Meinung von Sachverständigen Hervorragendes auf diesem Gebiete leisten. DaS Apollothcater hat das neue Jahr mit einer erheblichen Erneuerung seines alten Programms eröffnet. An die Stelle des Universalkünstlers Sylvester Schässer, der nach Wien avgercist ist, sind neue Kräfte getreten. To ist zunächst ein neues Ballett: „Jungdeutschland zur See", in dem weibliche Matrosen „unsere blauen Jungcns", wie sich unsere Patrioten auszudrücken belieben, variieren. Denkt man sich die drallen Anzüge und die glanzvolle Beleuchtung weg, bleibt nichts übrig, was erwähnens- wert wäre. Annehmbar dagegen waren die Romanis, die mit Kaiserfanfaren, sowie mit eigens konstruierten Musikinstrumenten eine angenehme musikalische Leistung zu Gehör brachten. Einen Erfolg errangen Max und Alfred Marguard mit ihren Szenen„W a l z c r w a h n". in denen da» Publikum durch den grotesken Tanz des Paares, durch den alles, was im Zimmer nicht niet- und nagelfest ist, umgetanzt wird, in schallende Heiterkeit versetzt wird. Eine glänzende Nummer ist M. Hymack, der Hyp- nose simuliert und in dieser Verfassung die sonderbarsten Mani- pulationcn vornimmt. Kragen, Krawatte, Handschuhe verwandeln sich im Nu. Er hat plötzlich rote Handschuhe, dann grüne, gelbe, im nächsten Augenblick violette. Prächtiges"bietet„Henry de Vry" mit seinen Reproduk- tioneir der modernen Goldschmiedekunst, und eine Disposition der Direktion ist es, daß Sieg wart Gentes, ein trefflicher Komiker, prolongiert wurde. Meßters KoSmograph bringt ein gutes komisches Bild, betitelt„Der Schnellzeichner". Fenerwehrnachrichten. Vorgestern abend um 7 Uhr kam in der städtischen Sparkasse am Mühlendamm 1 Feuer aus. Regale mit Akten und Sckaldecken brannten dort. Ter 20. Zug konnte die Gefahr schnell beseitigen. Gleichzeitig hatte die Feuerwehr in der Dcrfflingerstr. 6, Hocbstädter Straße V und anderen Stellen zu tun. Möbel und Gardinen brannten dort. Als die Wehr in der Hochsiädter Straße 9 beschäftigt war. wurde sie nach der nahen Hennigsdorfer Straße 25 gerufen. Dort war ein Mann infolge von Gasvergiftung erkrankt. Mit Erfolg wurde ein Bratscher Apparat zur Wiederbelebung des Mannes benutzt und dann auf Anordnung eines Arztes der Mann nach seiner Wohnung in der Liebenwalder Straße 3 geschafft. Am Kottbnser Damm 33 hatten die Züge 8 und 11 längere Zeit mit der Löschung eines Dachstulilbrandes zu tun. Mit drei Schlauchleitungen mußte kräftig Master gegeben werden, um eine weitere Ausdehnung zu verhüten. Die Löschung war durch die Kälte sehr erschwert. DaS Wasser fror bei jedem Stillstand in den Schläuchen. Diese waren so erstarrt, daß sie an mehreren Stellen platzten. Gleichzeitig mußten zwei Schaufensterbrände in der Putlitzstraße 15- und Voigtstr. 6 gelöscht werden. In der Oranienstr� 184 mutzte der 8. Zug einen Küchenbrand löschen. Betten u. g7 brannten dort. Gestern hatte der 5. Zug in der Dunckerstr. 86 zu tun. Dort stand das Zwischcngebälk, eine Bretterwand usw. in Flammen. Außer- dem mußte die Wehr noch naef, der Buchholzer Straße 6/7, Rheins- berger Straße und anderen Stellen ausrücken. Vorort- JVaebnebtem Adlershof. Die Konslimzenosienschast von Ablershof und Umgegend hat sich auch im verflossenen Geschäftsjahre svom 1. September 1906 bis 31. Riigust 1997) gut entwickelt. Die Mitgliederzahl stieg von 668 ans 1053 und der Umsatz in den vier Verkinifsstellen von 202 525,73 Mark im Vorjahre auf 286 720,58 M. Der Umsatz der einzelnen Verkanssstellen ist: AdlerShof 107 057,87 M,. Alt-Gliemcke 50 395,10 Mark, Grünau 7 1 029,73 M,, Ober-Schvneweide in elf Monaten 44 370,11 M, und in der Lanbenkolonie der Arbeiter-Baiigenostenschaft „Paradies" bei Bohnsdorf 13 867,72 M. Der Durchichnirtsmnsatz pro Mitglied betrug 294,37 M. Bei der GroßeiukmisSgeseflschaft deutscher Konsumvereine wurde für 70 595,08 M, gelmifr— 28 Proz. deS gesamten Einkaufswertes, welcher 252 941,21 M. belnig. Der Reingewinn belrng 15 367,95 M. den Mitgliedern wurden 5 Proz., das sind 14 336 M., auf ihren Umsatz zurückvergület. Die lieEettialjme der Veriaufsstelie Ober-Schöneweide bau dem Rixborfer Käuferverein„Selbsthülf?" am 1. Oktober 1906 hat sich gut bewährt. Nach der Uebernahme hatte die LerkausSstello im Oktober 1906 3034,23 M. und stieg von Monat zu Monat, bis im Monat August 1397 5033.57 M. Urm'atz erzielt wurde. Entsprechend der Leren guten Entwickelung der Genosteuschasl hatte sich denn auch die Generalversaininlulig am 1. Dezember 1007 mit der Beratimg über Maßnahmen zur weiteren Ausdehnung speziell der Verkaufsstelle Adleröhof zu befassen. Nach gründlicher Dar- stellimg der mangelhaften Verkaufs- und Lagerräume in Adlershof, welche eine weitere AuSdehming der Genossenschaft nicht mehr zu- lasse», und nach eingehender Diskussion wurde die Erwerbung eiucS Grundstücks von der recht gulbesuchren Ver'ammlung betcklossen und die Verwaltung beauftragt, die»otweudigei» Schritte sofort vorzunehmen. Zur Erhöhung des Betriebskapitals ivnrde beschlossen, die GeschäflSauteile von 20 ans 30 M. zu erhöhen. Auch wurde darauf hingewiesen, daß sich die Mitglieder mehr an der Entnahme von Hausanteilen a 5 M. und an der Sparkasse beteiligen mögen. Dem Beschlüsse auf Erwerbung eines Grundstücks ist die Verivaltung nachgekommen und hat einen notariellen Kautvertrag kür das Grundstück Adlersbof, Bismarckstr. 11, zu einem Kanspreise von 23 000 M. abgeschlossen. Die Allfinssung soll Ende März 1903 ertolgen. Da» Gnmdstiick hat einen Fiächemnhalt von 1314 Onadratmelem und bietet nach grüßt- möglichster AuSnutzimg als Wohnhaus noch Raum genug, um nach einigen Jahren Gebäude für die Eigenproduktion zu errichten. Die ganze Chitwickelmig der Genossenschaft zeigt, daß die Verwalluna wie auch die Genossen vom besten Geiste beseelt sind. Schenkendorf. Neber modernes Raubrittcrtum referierte in einer s.hr gut besuchten Mitgliederversammlimg des Wahlvereins Genosse L ü d k e. Die smtfvierielslündigeit Ausführungen des Nedncr». in denen er den Raubzug unterer herischenden Klassen ans die Taschen der Steuer- zahler treffend beleuchtete, fanden lebhaften Beifall. An der DiS- lussion beteiligten sich im Sinne deS Referats die Genossen Klose und Äolberg. Hierauf erstattete Genosse Kolberg den Bencht von der Gemeindevertretung. Unter anderem nah:» Redner Vcr- anlassnng darauf hinzuweisen, daß für 280 Schulkinder nur zwei Lehrer am Orte seien. Das sei ein unerträglicher Zustand. Nicht zwei, sonder» vier bis fünf Lehrer gehörten dazu, um ciue solche Schnlerzahl zu unlerrichteu. Nachdem noch verschiedene andere Angelegenheiten besprochen worden, wurde die Leriammlung geschlossen. Reinilkendorf. Ei» braver Parteigenosse ist plötzlich dahingeschieden: der Genosse Paul Schilling in Reinickendolf. Schilling betvohnle in der Berlinerstraße 4 eilte Junggesellenwohnung. Um nicht in der Kneipe zu liegen, bezog Schilling von verwandtschaftlicher Seite sein Mitlag- essen. Gestern früh wurde bemerkt, daß das Mittagessen vom Tage zuvor noch vor seiner Tür stand und nicht in die Wohnung hinein- genonimen war. DaS erregte Verdacht. ES wurde daraufhin die Wohnung geössnet, wobei festgestellt wurde, daß Schilling tot war. Anscheinend ist Sch. am Neujahrstage von einem Herzschlage ge- troffen worden. Die Leiche wurde von der Staatsamvallschast beschlagnahmt. Wann sie freigegeben wird, steht noch nicht fest. ES muß damit gerechnet werden, daß die.Beerdigung etwas plötzlich stattfindet und zwar nach Freigabe. Mit Schilling ist ein alter verdienter Kämpfer um unsere Sache dahin- gegangen. Schilling gehörte zu denjenigen Genoffen, die bereits unter dem Sozialistengesetz im Niederbarnimer Kreise wirkten und speziell in Reinickendorf eifrig arbeiteten. Die Reinickendorfer Ge- »offen schickten Schilling in die Gemeindevertretung, wo er nach besten Kräften die Interessen der arbeitenden Bevötkernng Reinicken- dorfS lange Jahre wahrnahm. Alle, die den so plötzlich aus seinein Wirkungskreise Geriffcnen näher kannten, werden den Verlust, den unsere Bewegung und speziell die in Reinickendorf betroffen, schwer empfinden, aber auch dem braven Kampfgenossen ein ehrendes An- deilkcn bewahren. Weistensee. Ein aufregeitder Vorgang spielie sich vorgestern in dcr Lothringen-Straße 12 ab. Tort wohnt das Fränkelsche Ehepaar. Der Ehemann, der augenblicklich seiner Dienstpflicht beim Militär genügt, hatte längeren Urlaub erhalten. Vorgestern soll eö zwischen ihm und seiner jungen Frau zu einer Auseinandersetzung gekomuien sein. Nachdem er sich wieder nach seiner Garnison entfernt hatte, öffnete Frau F. das Fenster, sprang auf das Fensterbrett hinauf und wollte sich au» dem dritten Stockwerk aus den Hof hinabstürzen. Sie blieb aber mit dem Rock an dem Blumenbrett hängen. Vcr- gcblich bemühte man sich, die Lebensmüde wieder hochzuziehen. Ter Nock ritz schließlich los und Frau I. stürzte nun in die Tiefe yinab. Unten blieb die Selbftmordkandtdatin auch noch an einer gespannten Wäscheleine hängen; hierdurch wurde da» Aufschlagen auf den Hof ganz beträchtlich gemildert. Tie Lebensmüde kam infolgedessen mit schweren Verletzungen an beiden Beinen davon, Pankow. Dreiste Diebe statteten in der vorgestrigen Nacht dem Posa- dowsky-HauS, Wollankstr. 75, einen Besuch ab. Di? frechen Burschen yoben von außen eines der großen Fenster vollständig aus und orangen dann in das Restaurant von Kaiser. In aller Stühe gaben sie sich nun einem langen Zechgelage hin. Nach Beendigung de» Gelages machten sich die Einbrecher an das Ausplündern des Nestau- eants. Sic eigneren sich für etwa 1000 Mark Gegenstände an. AIS der Gastwirt morgev.'ö das Lokal betrat, wurde ihm eine recht unangenehme Ilcbcrraschung zuteil. Vermischtes. Großfeucr brach, wie eine Meldung ans Augsburg besagt« gestern nacht gegen 11 Uhr in der großen Zwirnerei und Nähfadcn» falirik Göppingen auS. Um 3 Uhr stürzte daS Gebäude in sich xn- sammen; die Maschinen wurden vernichtet. Die Löscharbciten waren infolge der starken Kälte sehr behinderr. Mord oder Selbstmord? Nach einer Meldung an» Frankfurt a. M. wurde im Hause Hasenpfad 16 zu Sachscnhausen die Ssjährige Witwe Mathilde Deibel mit einem Schuß in der rechten Schläfe tot aufgefunden, während ihr 26jähriger Sohn ebenfalls mit einer schweren Schußwunde im Kops bewußtlos am Boden lag. Wer die Schüsse abgefeuert hat, ist noch nicht aufgeklärt. Man ver- mutet, datz Frau Deibel, die in letzter Zeit an hochgradiger Ncr- vosität litt, mit ihrem Sohn im gegenseitigen Einverständnis in den Tod gegangen ist und daß«die Tat wahrscheinlich in der Sil- vesternacht zur Clussührung gelangte. 27 Grad Kälte. In Erfurt sank gestern in den frühen Morgenstunden die Temperatur auf Minus 27 Grad Celsius. Drei Menschen verbrannt. Bei einem Großfeucr, daZ gestern früh in Elberfeld ausbrach, sind drei Me»?chen ums Lebe» gekommen. Der„Bolkszeitung" wird von dort gemeldet: Heute such um 5 Uhr brach im Wäschegeschäft von Gesier im Hotel Monopol Großfener ans. Die Flammen zerstörten daS Treppenhaus bis zum vierten Stockwerk. Ein dort wohnender 65jährig«r Kutscher Söthe, dessen 24jährige Tochter und 17jähriger Sohn erstickten und verbrannten. Treibeis auf dem Rhein. Wie auö Köln berichtet wird, führt der Rhein Treibeis ans der ganzen Breite, ebenso seine Neben- flüsse. Die Schiffbrücken wurden ausgefahren. lieber einen Eisenbabnunsall wird amtlich vom gestrigen Tage aus Kassel gemeldet: Heute vormittag 9.55 Uhr ist der mit 20 Mi- nuten Vilrspäiuiig anflcTömnrcnc Schnellzug 70(AtanTfutt a. M. bis?s!tona) bei der Einfahrt in den Bahnhof Kaffcl-Obersradt auf den bydrauüichrir Vrellbock aufgefahren. Zwei Wagen sind gering beschädigt. Fünf Reisende meldeten leichte Kopfverletzungen durch Herabfallen von Gepäckstücken. Die Ursache des Unfalles konnte noch nicht festgestellt meiden. Ccrmutlich ist die Glätte der Schienen infolge des flarken Frostes von Einflust gewesen. Eine Temonstration ans dem Bahnhof. Aus Paris wird ge- meldet: Infolge der durch die Kälte verursachten Verzögerung der IIb fahrt eine: Anzahl von Eifenbahnzügen demonstrierten etwa .'>000 Reisende heute vormittag auf dem Bahnhof St. Lazare. Sie zerbrachen Fensterscheiben und Bünte. Die Polizei nahm etwa öl) Verhaftungen vor, von denen zehn aufrechterhalten wurden. Erdbeben. In S i c n a wurde gestern nacht, wie eine Meldung von oort besagt, ein Erdbeben wahrgenommen. Ein Sturm. In Trieft wütet seit 24 Stunden eine fürchter- Bora, welche großen Schaden anrichtete. Die Arbeiten im Frei- Hafen mußten eingestellt werden. Ein Mächter des Wellenbrechers wurde vom Sturme ins Meer geworfen und ertrank. Auch in der Stadt wurden mehrere Personen zu Boden geworfen und verletzt. Brennende Petrolrumquevcn. In den Petroleumgruben in Tirgviste wütet, Bukarester Meldung zufolge, ein großer Brand. Bisher wurden drei Tote und vier Verwundete geborgen. Man befürchtet noch weiter« Mcnschenverlufre. Brand im Eisenbahn-Tchlaswagen. Aus Petersburg Wird ge- meldet: Ter gestern abend fällige Schnellzug aus Wirdallen traf infolge eines Brandes im Schlafwagen mit sechsstündiger Ver- spätung hier ein. Ter Schlafwagen verbrannte. Tie Ursache des Feuers soll in der schadhaften.Heizvorrichtung liegen. Die dreißig Passagiere des Schlafwagens kamen mit leichten Verletzungen davon. Das gesamte Handgepäck wurde ein Raub der Flammen. Explosion in einer Munitionsfabrik. Stockholmer Meldung zu- folge fand in der Moriebcrger Munitionsfabrik eine anscheinend durch elektrilchen Kurzsidluß verursachte Explosion statt. Das TrockenhauS flog in die Luft, mehrere andere Gebäude wurden beschädigt. Zwei Arbeiterinnen sind getötet worden. Verltner Mnrftvretsr.?lnS oem amtlichen Bericht der gSMUchen Blar'ldnllen-Düettion.((Srofedanbel) Ochlenbeilch la 70 73 or 100 Pli>.. IIa 64 60 lila 56 59 Bullculleisch I-. 67-72. IIa SS- 66. Kube. Iclt .■•0—58, do. mogcv 38—45. gicjfcr 52—60, Bullen, dänische 63—65. Onlbfltilch. Doppelleudcr 113-135. Matttälber t» 05 105 IIa 85 94 Kälber ger. gen 65-81, do. boll. 50—56. Honiinellleilch Malt« I. mmev 74- 76. Hammel la 66 70 II» 60 65 ungor. 0.00, Schate >5—58. Sifmiemericilch 55 63. Rebwild la ver Plunv 0.65-0.80. IIa 0,50- 63. Rotwild la per Piund 0.45—0,50, do. IIa 0,00, do. Kälber 0,45—0,65. Damwild 0.40—0.55, do. Kälber 0,50—0.65. Wildlaiweine ver Pfd. O.Zg— 0,40. Frischlings p. Pfd. 0.50—0.70. Kaiiinchsn, groh, Stück 0.80—1.10, do. klein O.OO. Hafen, groß per Stück 3,50—3.80. do. mittel und Nein Stück 2.00- 8.00. Wildenten p. Stück 1.70—1.75. Falanenhälme In, junge 2,25—3,00, do. IIa und alte 1,50—5.00. Fasimenhennen 1,00—2,00. WaldlchnepslM per Stück 2,00—2.55, do. Na 1,00—1.59. Hüduee la ver Slück 1,50—2.50, dito IIa 1.00-1,40, Tauben la 0,00. do. IIa 0,00, do. alle 0,50, do. italienische 1,00. Sine» la Stück 2,00- 3,40, do. IIa 1,30—1,60, do. per Pfd. 0,65—0,68, do. Hamburger ver Slück 2,90—3,40. wäuie v. Pia. 0.45- 0.55. do. Oderbrilcher p. Psd. 0.50- 0.60. Poulet« p. St. 0.70-1,00. Puten v. Psd. 0,65-0.75, dc> II» 0,50—0,63. Poularden, deutsche, 0,00. Hechle vor 100 Diund 70—80, do. mittel 0,00, do. groh 65. do. groh-wittcl 0,00. RanCei, aroh.mittel 0,00, dito klein 74-75, do. russ. lla 35-39. Schleie, II» 50-66, dito uns. 0,00, dito kle n 0.00. Oaie. klein 0,00, dito klein und mittel 0.00, dito groß<1,00. WclS 0.00. Karoten, 25er 0,00, do. 100er 0.00. do. lla 37. Plöpcn 26-36, groß 43-48.«ein 16-22. Blei- fiiche 0,00. Bunte Fische 0.00, dito klein 24. Barse 5s-53. Karauschen, malt 0,00. Bleie 0,06. Aland 0,00. Quappen 27. Winter- RheinlachS per 100 Psd. 0,00, Amerikanischer Vach»>a neuer ver 100 Bsd. 110—130, do. IIa neuer 90— 100. Seelachs per 100 Psd. 15—20. Klundern. Kieler, Stiege la 2—6. do. mitsei Kille 0,00. Hamb Stiege 3—6. bnlde Kille 0—3. pomin. la Schock 0,00, IT» 0,00. Bücklinge, Kieler per Wall 2—3.00. schlvedische 1.50—2, englische 3,00—3.50. Sprotten, Tanziger, Kiste 0,80—0.90, do. Rügenlvalder,' Kiste 0,70—0.80. Ante, groz ver Pfund 1.10—1.40. mtliclgvoj O.bO— 1J0 klein 0,00—0,80. Heringe ver Schock 5,09-9.90. Schellsllche, Küre 4,00, dito'/„ Kiste 2.50. Sardellen. 1902 er per Anker 98. l904cr 98,>995er 98, lV06er 85—90. Schoitilche Bollderuig« 1905 0.00, laex» 40 44. kull. 38—40, mock. 36—42. demich« 39-40. Heringe, neue Matse». ver To. 50—120 Sardinen, ruff.. Faß 1.50-1.60 Bratderinge Faß 1.69-1,40, do. Büchse 14 Liters 1.40-1.79. Neumutgen. Eckocksatz II, do. kleine 5—6. do. Nieien- 14. Krebse per Schock 0,00, große 0 00, do. mittelgroße 0,00, dito lleine 0,00 rm 0,00, do. unsortiert 0,00. Nalizier, groß 0,00. Seemuscheln 100 St. 1,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 4,00—5.80. do. große 6,00—6,59. Buttel ver 100 Psd. la 123 124 lla 116-12'![IIa 112-115 abiallendt 100-108 Same Mnrten Schock 4.00. Pieklergurken Schock 4.09 Kartonem oer 100 Pmnd Daberlche 3,00—3,50, weiße rund« 2,59—3,90. rnnp. bon. 2,75—3,25. Porree, per Schock 1,59—1,75. Meerrettich. Schock 4—12. svinal ver 100 Psund 10—25. Zellen«, per Schock 4-6, do. pomm, 6—8. Zwiebeln oer 100 Pfd. 2—3. Peieriilie, grün. Zchuckbund 0,80-1,50 Rettich, baorilcher, per Stück 0.06-0.19, hiesiger, per Schock 0.00. Mobrrüde», 100 Psund 2,00 bis 400 Karotte», hieüge. Schockbund 3,00-4,00. Wiriingtodl o. Schock 3—6. Roltobi, Schock 3— 7. Weißkohl p. 100 Psd. 1.00-2,50. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 0.00. do. Cnurtcr 0,00. Rosenkohl, per 100 Pfund 18—30. Grünkohl 6,00—8,00. Kohlrübe», Schock 2.0"— 3,00. Peteriillenwurzeln, ver 100 Psd. 6—7, schockduiid 4—5,60 Schnittlauch, Töpfe Dutzd. 4-5.00. Tomaten. kanarische, per Alst« 2.00-4.00. Roie Rüben, ver 100 Pfund 2,50—3.00. Rübche», Beelitzer, per 190 Piuiid 3—8, do. Teltower 10—18. vskarol, per Schock 5—6. Sndlvie», per Schock 3—6. Birnen per 100 Psd. Tiroler 0,00, Kochbirnen 3—11, Tajelbirnen la 18—25, bo. IIa 6—17, Jial. 10—22. Aepfel, per 100 Pfund, Tiroler la 22— 30, do. IIa 12—20, bo.[ose, per 100 Pfund 0,90, do. in Kisten 120 Psd. 32-50, Most., Kies., 100 Psd. 2-6, Koch. 5-11, Tniel- äpsel la 15—24, do IIa 8—12. Amerikaner, per Fuß 18-30, Italiener, lose, 100 Pfd. 8—12, t. Korb. 21—23. Wallnüsse. ver 100 Psd. sranzöftiche 0,00, rumänische 9,99. Paranüsse 52—69. Haselnüsse, lange, 100 Pfund 42—56, do. runde 40—45, Weiniranben, Almeria, per Faß 9—13. Ananas I, per Pfund 9,90—1.10. do. II 0,40—0.60. Banalleii, gell'. ver 109 Pfund 8—25. Kokosnüsse per 100 Stück 0,00. Krach- mnndeln per 100 Pfd. 70—115. Maronen, ital., per 100 Pfund 9—18. Feigen, Kranz- per 100 Pfd. 20- 25, do. Trommel- per 100 Pfd. 40, 00. in Kisten 28—58. Tranbenrosinen per 100 Pfund 80—120. Zuronen. «eistua. 300 Stück 8,00-11.00, do. 360 Stück 0,00—11,00, do. 200 Stück 0.00. do. 150 Stück 0,00. Apfelsinen, 300 Stück 0.00. bo. Mnreia 200 Stück 7.00-11.00, do. 300 Stück 7.00-10.00, do. Vnieiiem 420 Stück 12- 20. do. 714 Stück 14-18. Mandarinen, Schachtel 0,90-2,00, do. 420 Stück lt. 50. do.>00 Psund 17-2-2. Tattiln, per 100 Kart. 38-'K Johannisbrot, per 100 Psund 11—15. «Nitternnsslibersicht vom 3. Januar 1968. swtnemde 773® Hamburg! 776 I SQ Berlin 776 Still .tzranki.a M 773NO München 772 O W'en 776 NW Lheiter—10 Haparaiida 74SS 2 wölken!—9 PelerSbm'g � halb bd.— ll! Icilly 765ONO 4ivolke»>— 15lgb«rdeen 775W Swoikenl'— 17 Parti 766 ONO 1 woltenl—16 4 Schnee—10 l llbedeckt! S 1 heiter\— 8 Otoollcnl— IC • 1 Bl>ettrr.P»os»ose für Sonnabend, den 4. Januar 19«8. Gelinder bei ziemlich frischen nordwestlichen Dulden, zunehmender Bewöllung und leichten Scha.esällen. Berliner Wetterburea a. WasserstandV-Nachrlchtr« der LandeSanilalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M c m e l. Tilsit P r e g e 1. Jnitervurg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krossen , Frankfurt Warthe, Schrimm » Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leiwieritz , Dresden , Bardo . Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau , Ratbenow°) Spree, Svremberg , Beeskow Weser, Münden . Minden Rhein, MaximilimSau , Kaub , Köln Neckar, HeilSronn Main, Wertheim Mosel, Trier am 2. l. om 120 103 106 154 152 52 ISO») seit 1.1. cm') + J5 —« - 4 — 1 — a —22 +14 — 5 + e 0 0+ bedeutet Wuchs,— Fall.— UnleiPegcl»»■) Gründels. ') Elsitand.-°) Treibeis.—•) Starkes Treibet«._ Au» am an Jiiirnue ü vernimm» die Medakiiou dem Pnbiürn» geaeiiliver teinerloi 2»era,>ii«oei«,>q. Udeare?. Sonnabend, 4. Januar. tzlnsang 7'/, Uhr. Köntgl. Opernhaus. Lärmen. Röntgt. Schauipielhaus. Wallen- steinS Tod. De«»k»ties Was ihr wollt. Kammerspiele. Esther. Elektra. (An,. 8 Uhr.). Aniaiig 8 Uhr. Lorblnq. Der Trompeter von Sällingen. Nachmittags 3'/, Uhr: Rümpel- stilzchen. Verliuer. Blaubart. Nachmittags 3 Uhr: Till Eulen- spiegel Rrnrs Schauspielhaus. Zwischen Ja und Nein. Nachmittags 3 Uhr: Frau Hollo. Heising. Nora. Neues. Baccacat. Kleines. Mandragola. GnilUn«».(Wullner-Tdealer.) Der Revisor. Schiller Ebarlottcnb»»rg. Kolleg« llramplon. Friedrich- ZPilhelmstädt. Schau- spielhaus. Madame Sans- Göne. Wessen. Ein Walzerwaum. Nachmittags 4 Uhr: Häusel und Grete!. Theater an der Spree. Hokus» pokuS. Komische Oper. Die verkansie Braut. Keineat. Frau WarrenS Gewerbe. Nessdeuz. Ganz der Papa. Luisen. ZIrkuSIcute. Nachmittag» 4 Uhr: Frau Holle. L»ft>»ie>»,>>.S. Hiisarensieber. Nachmittags 0 Uhr: Peter Gerne- klein. Triniton. Fräulein Josette— meine Frau. Tbalia. Die gelbe Gefahr. Nachmittags 4 Uhr: Schneewittchen. Bern mied Moie. Die Verlobung im Bett. Tie oberen Zehn- tausend. Nachmittags 4 Ubr: Schneewittchen. Prater. Onkel Bräsig. Earl-Hnverland-Theater. Spc- zialitäten. Meiropo. Das muß man seh'n. tt»nllo. Hvmack. La bello Alexia. Walballa. Sveziniiläien. Iolies Enpeice. Wa! waS andres. Dunkle Puntle. Eine anständige Frau. Parodie. Zapsenstreich. Tannhäuier. Mauna Panua.(Aus. Lst, Uhr.) Kasino. Biederlertte. Gebr. Herrufeld. Papa und Ge- Nossen. Wintergarte». Robert Stcidl. Spe- zialitäten. Päd, ige. Die singende» EnzelS- köpfe. Spezialitäten Aonisiia- BariPtE, Ackerstr. 6/7. Spezialitäten. Neichsiinlien. Stettiner Sänzcr. tlr>!»>n.?,> a de»>', he 8 Ubr: Kairo und die Pyramiden. Nachmittags 4 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. 'Zte> iimarir. Ii validenftr. 67/62: Zur Beobachssmg: Mars, Sawrn, Doppelfterne, Nebelflecke. «t-nllnvn T'Iiowt«-»'. Gastspiel d. Neuen Operetten-Theaters. Abends 8 Uhr: Blaubart. Heute nachm. 3 Uhr: Till Eulenspiegel. Bedeutend ermäßigt« Preise. Heues Theater. SlbenbZ 8 Uhr: Baccarat. Sonntag und Montag: Baecarat. Hierauf Gastspiel der Tänzerin Miß Maud Allan: Salome> Vision. Dienstag zum erstemnal: Rndvlj Schlosse«__ Kleines Thealer. Abends 8 Uhr: Agnes Sorma. Mandragola. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Abend« 8 Uhr: Mandragola. Montag: Mandragola._ Frisdricti-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Madame Sans G6ne. Anfang 8 Ubr. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nathan der Weise. Abends: Madame Saids Gäne. Montag 8 Ubr: An Vertretung. iortzingTheater; Nachnu 3'/z Uhr: tNumpelssiizcheu. Abends«Uhr: DtrTrompkitrv.Söll'.mgtn. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Trou- badour. Abends?'/, Uhr: Die Znuberflöte. I» i I tr r-�Is Sat«r. 8ehItt»r-Th«Ul«e 9.iWallner-Z.t>eaieri. Sonnabend, abend»«Ubr: Nei- Ilevls»»e. Lustspikl in 5 Allen v. Nikolaus GogoO Deutsch von E. v. EchabelSky. S o n Ii i n g. nachm. 3 Ubr: vas PINieZt In, Wlnleel. Eon Hing, abends b Ubr: vße Mchmosgler. Mo ii tag. abends 8 11 br: PbHiNtcr. Hieraus: I>le 1-ore. Schfl!er-�aal Sonntag abends 8 Uhr: W. A. ONozart-Zldond Dienstag abends 8 Uhr: Lieder-Zlbend. Maria Seret und Maria Bcrgmet» lKlaoier). Svtillloe.Thsatoe Ohsrlottsnburg. Sonnabend, abend» 8 Ubr: läoltezxe Crnmpton. Komödie in 5!ificn von Gerhart Haiiptmann. Sonntag, n a w in. 3 Uhr: lZelurat. Sanntag, abends 8 Uhr: Kollcgo Crunipfon. Montag, abend« 8 Ubr: Der Richter von Zalaiuea. /Aohiller-ThcaterV 1 Chiirkoltonburg:/ Luisen-Theater. tftefrltrnbergcrftr. 31* Nachmittags 4 Uhr: Frau Holle« Abends 8 Uhr: Zlrknslcnto. Sonntag nachm. 3 Uhr: Romeo und Fulia. Abends: Zirkusleute Montag: ZirkuSleute. Urania. Wissenschaftliches Theater, Taubenstr. 48/49. Naohmittegs 4 Uhr; FrSblinggtage an der Riviera. Abends 8 Uhr: Kairo and die Pyramiden* (Gesang) »IMMIiM Gr. ttranflurierltr. 182 DieBerlobung im Bett. Die ober. Zeliutausenb. Änsang 8 Uhr.— Wochentagspreise. Nachm. 4 Uhr Kindervorstellung: Schneewittchen.( die Dentsehen Konzerttiaüen, An der Spandanerbrficlie 3. taclit??? LusispieThaus. Nachm. 3 Uhr: Pctrr Gcrueklein. Abends 8 Ubr: IluHarenflcfocr. Zirkus Schumann Heute Sounabend, den 4. Januar, abends präz. 7'/, Uhr: XVI. Orando Soirdc High Life. Die phänomenale Künstlerfamilic WM- Klela-WA? und Amsriks zur Zeit der Sklaverei 120 mitwirkende schwarze 8 Theater des Westens. Ubr: Hin?Valzcrtranin. Cperetle von Dakar Strauß. Soimabend, 4. Jan., nachm. 4 Ubr, iw tleiueu Preisen: Häusel und Grrtcl. IlöziiiWi-IIiögiel. — Direktion: Ricdsrd Alexander.— Ansang 8 Ubr. Ganz der Papa. Schwank in 3?iNen von Mar« und Desoalliäre«. Deutsch o. M. Schönau. Baron de« Aubrais: Ziich. Alexander. Somitaq, den 5. Januar, nachm 3 Ubr: Ter Hütten besiner._ ZentralaThcafer. Gastspiel des Hebbel-Theaters. Nachm� ö'/, Uhr: Schnccweiiicheii und Rosenrot. (Kleine Preise.) s Passage-Tlieater. 1 Abends 8 Uhr: Tochter des Herodias.» j Cavalidre Girotto E «The 6 Jdols. 1 «Rudolf Mälzer. jDie singenden Engelsköpfe. fProltmadert.' 1863. Leute. Große KroMlitMophk auf dem liroadmay in Dem Nork. Natürliche Dampsspritze in Tätigkeit Vollstäudia neue feenhafte Licht- und Kvnssereifrkte. Sonntag: L Vorstellungen. Nnchniittag«: Die hljliyen iitidelberger. Ein Kind frei. .-f Xlll. SniNon. Zirka« BBti$sclij Sonnabend, den 4. Januar 1908, j __ abends Vi, Uhr: JIBT"(jinln• Abend.' .'instr. b. Herrn Gu«t. Slonsbeck, 1 | Dir. b. Berliner Tattersalls und I gi oßherzo�il. Schweriner Kommiss.- Rats als Slall. TheKremo Family gros. Olarkonians au« Amerika.! .Zerner: Frl. Martha Mohuke ai« I Schuir. Herr Ernst Schumann. Reudrejf. Fräul. Estelle Prenal.. lim°/,t0 Uhr: Ruf der Hallig! l»r.Maiiege-lltlSst..Pant d. Zirkus Busch in 4 Bild. Das Geheimnis\ der tauchenden Sirenen. Sonntag: S Vorstellungen. "mau Weinbergsweg 18/20. Rosenth. Tor Anfang 8 Uhr. Das kolossale lanuar-Pregramm. 12 Akrobaten Lorch 12 zirzensische Spiele, 8 Colini Clnia on 8 „Ein Küiiftlerfest«. Harry Arndt, Humorist. IIS internation. Spezialitäten 19 äfdF* Tunnel: 4 Kapellen. Theaterbesuchern freier Eintrltt. Maud Roehez, Affentheater. Robert Steidl, Humorist. Marthe Dermlny, Pariser Soubrette. Metel Herrmann, Zauberkünstler. Ruth Vinoent, Enj- lisehe Operetten- Sängerin. Gebrüder Schwarz, Komiker. Ole 8 Tiller Glrla, Englische Gesanmi- und Tanz-Truppe. Die 2 Avolos, Gymnnstisehe Produktion. Kaufmann-Truppe, Weibliche Radfahrer. La Berat, Fantasietänzerin. Gregory-Truppe, Reifenroller und Jongleure. Die tzuelrolos, Spanische Akrobaten. Alezander, Vogel- atimmen-Imitator. Oer Biograph oto. Melroiiol-Theaier Hent© Erster großer Metropol-Theaterball Beginn 11 Uhr. Moppen Sonntnar, den 5. Jnnnar, nachmittags 3 Uhr: « Die NenoüeillnerPoss« m-Uesang a. Tanz von Louis Herrmann. Naui Neu: Auf si hrlftL od. telepb. ßeatell. (IV, 2835) werden d. Billols in Berlin u sknitl. ororten gegen Nachn.(ohne jede Prelserhnh.) ia die Webnnogen geschickt! , Das grösste, • Zugstück der ,Sat on, v: Abends Trlanon-Tlieater. Ansang 8 Uhr. Frluleio Josetie- aeiae Fmn. W.KosißUs Theater Dtret»»» floh. Olli. Briiiiiieuilr. 18. Große Extra-Norstellung! l�eborah ober: Ehrist und Jubln. Anfang 8 Uhr. ffintree 30 Pf. Nach der Porslellung: Xnuz, Sonntag: Deborzib. Oebr. Herrnleid- Tlicatcr. 67 Kommandanlenlwaße Nr. 57. Ans. 8 Uhr. Vorverkaus 11— 2Uhr. Die von der gesamten Presse als ..... r Schlager bezeick Novität: Komödie in 2 SMen m. d. Autoren Anton und Donat Herrnfeld. Vorder: Madame MTg-Wag. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntagnachmittag 3 Ubr: Die Meyerhains. Palast-Theatei' _ Bnrgstrafte 24. SSP- Heute 8 Uhr"M SHT* Entroo 30 Pf.-M> Der Januar- Spielplan. 1.08 4 Orans. Paul Richard. Manöverliebe. Burleske. Parotlie-Tlieater. Ansang 8 Uhr Male: DreSbenerstr. 97. Zum S7. Tsptonstreioli. Vsnnkäuser. �vnna Vanna» Sonntag 3'/, Ubr halbe Preise: Das Ungeheuer. Mouua Wanna. TsnssoueZ flottduaer. StraSe S. Direttion: Vkilhelm Reimer. Soiintag, Montag, Donnerstag: MUWliMKM Tanz- Kränzchen. Stets neue« Programm Beginn: Sonntag« 5 Uhr, Wochentag« 8 Ubr. Nächsten Sonntag: Grell« füte-Seiree. Tanz. Dienstag, 7. Jan. 1908: 1. Grelle Spezlalitäten-Vor- »leltung. Nur erstklassige Künstler. Tlxtnt«» Folies Faprice Linienstr. 132, Ecke Friedrlohstralle. Berlins Tagesgespräch: Kai was Anderes Revue in 3 Bilder». Dunkle Punkte. Eine unNtiimUxe Pran. Aiisaug 8 Uhr. Reichshalien-Ilieater. Nnsang: Wochentags 8 Uhr. Sonntag« 7 Uhr. |ciitr Arbritkr, jeder Handwerker sollte zur Hrbcit die?fliciiiofc llorknleH h.igen. Unerreichte Leisiuiigsiähigkelt. Allcin-Pkrtlmf. Sehr starkes steder In prakiijltieli grauen u. braunen Strcileii, auch einfarbige»ZInt Bund aus einem Stnst gearbeitet. Sebr fcftc Ziavp näbte. Haltbarste Pilot- Tasche». Große Flicken umionst. ,m™ Die Herkules. Hose �.Ut. 50 Monteur-Jacketts„Ediion", cchlblan Slödei ober Drcll L M. Kb Monienr-Hoien„Edison�. cailblau Köoer oder Drsll 2 M. 25 Manchester-HoseuGambriiiuS K M. äst P>a»chest.-?ackettSGaillbriliris l IM. äst M,iler..stillel...... 3,öü. 2;IK. 40 Mechauiler-Kittel(braun) 3.3ö 2 M 75 Weiße stederbosen.... 4,51. 3 M. Kestel-Nnjstge.. 7.25. 6.—.» VI. 50 Weiße Jacketts für Friseure, Kellner, ilondilore». Köche usw. Die Preste geilen für normale Größen. Ilaer S�oiivi Brneteniir.il. Gliaufleeftr.2S/SV. «lr. Kranksiirterstr. 2«. Haupl-Kalalog gratis und franko. Bei Bestellung von Holen ist die Bundivcite und die Schrilllänge, bei Sackells und Killein die Brustweile oniluaeben 14711?» RkMliWig dkl J»>km DkWliilds. lkuronn: vsi'IIii C. 54, Dragoncrstr. 15, Hof I— Fernsprecher Amt 3, Wo. 2049. S'ciintflö, drn 5. luiinar 1908, voriuittags lOjlljr, in dtnJndnjkitsaltu, Zeuthkr. 20: flußerordentliciieGeneralvcrlatninlung des Vereins der Zimmerer Berlins und Umgegend. TageS-Ordnung: Fortsetzung der Diskussion der Versammlung vom 15. Dezember und Abstimmung über die eingegangenen Der Borstand. I. A.: Albert Juppenlach. Anträge. 257/1 Aligrm. lWs-sirnnknlknffe für die lMkilcht. Hnvtriitbeluebk iliMllotirndnrgs. Die Arbcitiiehmer-Dclegiertcn wer- den hierdurch zn einer Wahloersamm- lung zwecks Vornahme der Wahl zweier den Arbeilnebnieni angehöri- gen Vorstandsmitglieder an Stelle der ausgeschiedenen Herren Scheuer- brand und Billion 270/1 auf Freitag de» ly.Januar 1908 abends 8 Uhr nach dem kleinen Saale des Bolkshauies in(kbarlottcnburg, Rosinenstrastc 3 eingeladen. Die Delegierten erhalten außerdem eine schristliche Einladung, welche als Legitimation dient. Der Kahlakt wird eine Stunde nach Eiöffming geschlossen. Eharlolienburg, den 2. Januar 1308. Der Kasse avorsichende« gez. Mlh. Ahreas._ SlrbeitSnacknveis: Hos I. Amt 3. 1233. BerwalNliigsstelle Berlin. Hauprbureau: LhsritssIrsLe 3. Hos UI. Amt 3. 1387. vss prugrumm cker Ailrsktionen: Hymack der Mann mit de» Handschiisteu. 1» dölle tlexiz- Walzerwaim von II u ry u A II red.71 r.r-gaurd Die 3 goldenen Jungfrauen. Prolongiert: Siesrwart Gentes. Nächste Familienoorstellung Sonntag. den 5. Januar, nachm. o'l3 Uhr. Kleine Prelle. Inst.: 4. 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Potsdamer- straße 25. Charlottenburg. Zahlst. 131,'Albert Otto, Marchstr. 23. Nordwesten. 168, K. Seidler, Beustelstr. 66. 173, Otto Ackermann, Zwingli- straße 20. 171, Friedr.'Agthen, ver- lichingenstr. 1. 178, Aug. Schwarz, Wittstocker- straße 19. 173, Karl Jüngling, Franklin- straße 17, 181, Gg. Felsmann, Reuchlin- straße 6. Norden. Zahlst. 180, W. DamS, Schlegelstr. 3. 186, Knst Günther, Brunnen- straße 36. 137, Aug. Schröter, Oder- bergerslr. 31. 135, Karl Döblinz, Brunnen- straße 73. Köpenick. Zahlst. 163, Max Jvppich, Bahnhos- straße t. 172, Fritz Wölk. Kietzerstr. 6. Steglitz. Zahlst. 170, W.Näther.Marksteinstr.l. , 171, ist. Fritjch, Florastr. 2a. Lichterfelde- West. Zahlst. 183, H. Lähn, Neue Dorsstr. 7. 110/2 Spandau. Zahlst. 175, F. Böhl«. Linden-Ufer l7. , 176,(sujt Riestow, Seege- selderstr. 65. m 177, F Schuster, Dröh- mannerstr. ll. » 130, Adolf Johansen, Lyn«- straße 8. , 193, JuL Schröter, PichelZ- dorferstr. 5. Lichtenberg. Zahlst. 181. Emil Pühl. Pfarrstr. 71. Reinickendorf-West. Zahlst 182, A. Rohde, Eichborlistr.43. Tegel. Zahlst 131, Gerhard HalseS, Bruno- straße 23. Qber-Schöneweide. Zahlst 188, W. Gobel, Wilhelmlnen- hosstr. 45. » 183, SS. echevf, Wilhelmincir hosstr. 52. Die Ortöverwaltung. Zentralverband der Lederarbeiter. im ■ Filiale I Berlin.<■ Sonntag, de» 5. Jaiinnr, vormittags 10 Uhr. „TulksRurtcn-Tlicator", Eingang Bcllermannstrahe: Kasino-Theater. Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr: WamemM Nur noch kurze Zeit! IZRVÄGI'lONt«. Sonntag 1 Uhr: Nick Carter. Mitglieder- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Forisetzung des Berichts des Kuratoriums und DiSktlsston. 2. Bericht des Vorstandes. 3. Vcreinsaiigelegenheiten. Zahlreiches sowie pünktliches Erscheinen erwartet 114/1 Her Vorstund. I. St.; F. Runge, Sisbahn KarpSentelch Ts'epiowei' Park. ss/is 40 000 Qnndratmeter Eisfliiclic. Uls 10 Uhr abends arcUfTnct. Großes Konzert. Ernst Bauer. £tne «ZchenUiche Tilljndlung tteftte elegante lerttqe 13523 I SelkM-gliriiMdei! 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Janum 1308 meine liebe Fiau, unsere Schwester, Schlviegeriochier und Schwägeriu, Frau 2313b Heppner geb. Neumann nßfl) furzen, schweren Leiden gestorben ist Um stilles Beileid bittel Iticliard Heppner. Die Beerdigung findet Sonn- abend nachmiitag 3 Ubr von der ! Leichenhalle des Neuen Nazareth- lirchhoseS aus statt. Todes- Anzeige. Am l. ds. Mls. wurde mir meine liebe Frau 2320b Miflns Grieger geb. Lippelt Plötzlich und unerwartet durch den Tod enlriffen. 2320b Um stilles Seileid bittet der trauernde(Saite Faul Grle�er, Gastwirt, Schönhauser Allee 97. Die Beerdigung findet am Montag, den 6. dS. MtS., nachmittags 2'/, Uhr von der Leichen- Halle der Eharitä auS nach dem Eharits- Kirchhos(Plüllerftraße) statt. Allen Freunden und Betaiinlen die traurige Mitteilung, daß unsere Tochter 23i6b im Alter von 3 Jahren verstor- den ist widert l»rnk u. grau, Jabiistraße 21. Die Beerdigung findet am Sonntagnachmiltag 2 Uhr aus dem Mariendorser Kirchhos statt Danksagung. Allen denen, die ineinem lieben Mann bei der Beerdigung die letzte Ehre erwiesen haben, insbesondere der Freien Bereinigung der Bauarbeiter, sowie sür die reichen Kranzspenden meinen herzlichsten Dank. 216/2 Witwe Bokadorl'. Danksagnng. Für die große Beteiligung und die zahlreichen Kranzspenden bei der Be erdigung unseres lieben SohneS Richard Gundelach sagen wir allen lieben Verwandle», Freunden und Bekannten Miseren innigsten Danl, 1187L Faul Gnade lack und Frau. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten, dem Sparverein Fleißige Biene, den Kollegen und Kolleginnen der Vorwärts-Spedition.Nord" für die zahlreiche Beicilignng, sowie sür die herrlichen Kranzspenden bei dem Begräbnis meiner lieben grai: und Unserer guten Mutler, Tochter und Schwester Anna HltUer(geb. Hofimann) bellen Dank. 2323b Theodur Mütter nebst Kwdern und Verwandle». Danksagung. Für die mir bewiesene Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Malers TV. Klein sage allen Verwandten, Bekannten sowie dem Gesangverein„Zukunst 1". dem soziaid. Wahlverein und dem Verband der Maler herzlichen Dank. TiiereMe Klein 11892 geb. Stamm. Zur Aufklärung! M. Schmeißers Saucen-Würfel dieni nicht, wie vielfach irrtümlich angenommen wird, als Zusatz oder Ver- besselung sür fertige Saucen, fondern zur ursprünglichen Herstellung der- selben ohne irgend welche weitere Zu- tat. UebcraH zu haben. 5892' M. Schmeißers Nährmittel-Fabrik, G. m. b. H., Leipzig. Filiale Berlin, Oranlenbiirgerslr. 17. Amt lila 4729. X A. B. Koch 5? Koiilen-Croß-Handluiiy Berlin 0. 34, Brombergerslr. 16. Preise sür nur la Marken ab Platz von 16 Ztr. an: Prima ia Halbsteine(bekannte Marken).. pr. Ztr. 67 Bs. Pfannerschaft... 1.02 M. Ia Tiaiiiaiit pr.Zir.(1 10 bis 120 Stck.)... 1.05 M. Ia Jlse u.Nkw.... 1.05 M. !a'1lnthrazit(5adsp.Zir.-t.40M. Koks. Steinfollleu usw. zu den hilligsien Tagespreisen. Anlieserung frei Keller je nach Ouanium pr. Ztr. >0—15 Ps. mehr.— Bei Original- Waggons und größeren Absdstüffen verlangen Sie meine.ppcziai-Ofierte. Todes-Anzeige. Am Dienstag, den 3t. Dezember, abends 3 Uhr, verschied nach lang- jähriger Krankheit und schweren Leiden mein innig geliebter Mann, guter Sohn und fürsorglicher Ontel, der chirurg. Instrumenten- macher Konrad kommer. Die trauernden Hinterbliebenen Witwe Fmllle Bnnimer nebst Muller und Nichte. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 5. Januar, nach »mittags 3 Uhr, von der Halle des Golgaiha- FriedhoseS, Barsus. straße. aus statt. 232lb Älliene Kranken- M SierMasse der IMarbeilerS (Cr. H Nr. 23. Hamburg). Filiale Berlin 5 Am Dienstag, den 31 Dezeniber.I verstarb nach schweren Leiden unier langjähriges Mitglied, unser lieber Freund, der chirurgische In strumentemna ch er Konrad kommer. Wir verlieren in demselben ein zu jeder Zeit pflichigetreueS Mit- glich, dessen Andenlen wir steis in Ehren hallen werden. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 5. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Golgatha-Fricdbojes auS statt. 2322b vis Ortsverwaltung. Am 1. Januar, vormittags I l 1 Uhr, verichied nach kurzem.( schwerem Leiden inso'ge Blul- Vergiftung mein inniggcliebter j Mann, der Tischler AJtat'tiu Broda 1 DieS zeigen tiesbeirübt an Frau Herta Hrod», Witwe, und Kind, Mutier und Geschwister. Die Beerdigung findet am I Sonntag, den 5. Januar, nach- mittags"2 Uhr, von der Leichen- halle des Friedrich Wcrderfchen i Kirchhofes, Bergmannstraße. aus statt. 2333b Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege. Tischler Mar tili Broda am 1. Januar insolge Blut- vergistung verstorben ist. Ehre seinem Andeilke«! Die Beerdigung findet am Scnntag. den 5. Januar, nach, mittags 2 Uhr, von der Leichen- halle des Friedrich Werderlchen KlrchhoseS, Bergmannstraße. aus statt. 77/6 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Allen Freunde» und Bekannlen die traurige Nachiichl, daß mein innigst geliebter Mann, unser guter Vater, �ohn und Bruder Btäo Krause im 32. Lebensjahre nach langem schweren Leiden am Dannerslag. 2. Januar, sansl enljchlasen ist. DieS zeigen an 2334b Die tieftrauernden Hinterbliebenen Die Beerdigung findet am Montag, 6. Jaiuwr, nachmittags 31/, Uhr, von der Leicheni alle der Thomasgemeinde auS ftalt. �Rsl-Verdzul! ller KtNer Deiitsehlanfls. Zwetffveretn ütcvlln. Bezirk Süden. Todcs-Anzeige. Am 81. Dezember verstarb Plötz- lich im Aller von 6t Jahren mi Schlagansall unser Kollege (jottiried /Nüdius Glimmltr. 8. 136/l Ehre seinein tzindenkenl Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 4. Januar, nach- mittag« 3 Ubr, von der Leichen- halle des Kreuz-Kirchhofes in Mariendors, Feldstraße aus statt. Um rege Beleiligung ersucht Oer Zweigvereinsvorstzand. Jtllen Verwandten und Bekannten ** die traurige Mitteilung, daß am 1. Januar meine liebe Frau. untere gute Mutter. Tochter. Schlviegeriochier, Schwester, Schwägerin und Tante Uiise Rochau geb. Röhr, Grenadierstr. SO im 46. Lebensjahre sanft ver. starben ist 2318b Die Beerdigung findet an, Sonntag, den 5. Januar, nach- mittags 2 Uhr, von der Leiche». hallo des Georgen. Friedboses in Weißensee, Rölkeslraße 33—123. auS statt. Für die Hinterbliebene«: Karl Kocleaa. Zichriftliche» Nebenerwerb! Abschreiben von Werken und Adresse« vergibt Hub. Keiner Fleck, Kelz. Bez. Aachen. 38/15 Hans Weber, Lerlin. Für de» Inseratenteil verantw.i Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt» Luchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW»