Hbonnemcnts-Bedingungen: tffionnf menlä■ Preis pränumerando, BierteljShrl. 330 SKI., monatl. 1,10 Mk„ wöckienllich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Numnier 5 Pfg. Eonniags. nununer mit illuilrierter Sonntags» Beilage»Die Neue Seit" 10 Pfg. Post- Abonucmcnl: 1,10 Mari pro Monat. Eingetragen m die Post. Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Postabonnements nehinen an: Belgien. Dänemarks Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Ktimüiiicn. Schweden und die Schweiz. ültolm Oglldi auBer ClonBat. Vcrlinev Volksblatt. AF. Jahrg. VIe Inlertlonz-Ledahf deträgt für die sechsgespaltene Kolone?» geile oder deren Rauin 80 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Bersammlungs-Auzcigcn 30 Pfg. „KUsnc Hnreigcn", das erste tiett- gedrucktel Wort 20 Pfg., jedes weiter« Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das-rite Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 18 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis»Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm> Adresse: »SozUUKmoKrat Btrlin". Zcntralorgan der rozialdemokratirchen parte! Deutfcblands. Redaktion: 8W. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1383. Expedition: SM. 68» �.indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Hn die IRecl)l]ofen! Am 10. Janunr gelangt voraussichtlich der von der freisinnigen Fraktion vor dem Schlnst der letzten Landtagssrssion ziiriickgrzogene freisinnige Wahlrechtsantrag im Preußischen Abgeordnetenhause zur Beratung. In ihren Blättern wie hinter den Äulissen arbeiten die Konservativen mit allem Eifer, um die preußische Nrgicrung zu einer inhaltslosen, die Wahlrechtsreform vertagenden Beant- Wartung dieser Interpellation zu bestimmen. Es ist deshalb nötig, daß am Abend vorher, am Donnerstag, 8. Januar, schärferer Form— sogar in ganz Preußen nochmals das arbeitende entrechtete Tagen der Säkularjährung Volk in großen königsbergei' fuftiz. Der Königsberger Denkmalsprozeß hat mit einer geradezu ungeheuerlichen Verurteilung geendet. Die Schubert-Kammer hat den Genossen Marcklvatd wegen angeblicher Beleidigung des Kaisers und der Mitglieder des Denkmalskomitees zu IV« J»hr Gefängnis verurteilt! Wenn unsere liberale Presse noch einen Funken politischen Ehrgefühls besäße, müßte sie sich voller Empörung gegen diesen neuesten Versuch erheben, die historische Kritik, sofern sie in der Presse und bei aktueller Ge- legenheit geübt wird, völlig zu unterbinden. Denn der inkriminierte Artikel war eine rein historische Würdigung der preußischen Junkerschande, die den vielgerühniten Staat Friedrichs des Großen zur Schmach von Jena führte. Er enthielt absolut nichts anderes, als was in zahlreichen Geschichtswerken zu lesen ist, ja was— höchstens in viel Volksversammlttttgen gegen das elendeste aller Wahlrechtssysteme, gegen das heutige plutokratische preußische Klasirnwahlrccht protestiert und energisch seine Stimme für die Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts in Preußen erhebt. Die Sitzung des 10. Januar darf nicht vorübergehen, ohne daß der im Dienste der preußischen Agrarier stehenden Regierung und ihrem Verantwortlichen Repräsentanten, dem preußischen Ministerpräsidenten, Fürsten von Bülow, «nd nicht nur diesem, sondern auch der sogen,„aller. höchsten" Stelle die Entrüstung des Werktätigen Volks vor anderthalb Jahren, in den des preußischen Znsammenbruchs, in zahlreichen sozialdemokratischen Tagesblättern gesagt wurde! Und was damals als selbstverständliches publizistisches Recht betrachtet wurde, ist ein Jahr später zum sträflichsten Verbrechen geworden! Und lediglich deshalb, weil es unserer herrschenden Ge sellschaft gefiel, zum Gedenken jener historischen Epoche in Memel ein„Nationaldenkmal" zu errichten I Wenn es den Herrschenden gefällt, Feste zu feiern und Denkmäler ein- zuweihen, soll die'historische Kritik schweigen!, soll nur der Byzantinismus ein Daseinsrecht haben? Das wäre denn doch eine wunderbare Beugung des Rechts unter das Prinzip einer Staatsräson, die niemals anerkannt worden ist und nie an erkannt werden kann! Der Artikel war rein historischen Inhalts. Er rückte frei lich die Geschehnisse unter den Gesichtsivinkel einer von aller Byzantinerei freien Geschichtsauffassung. Das mochte unseren Byzantinern nicht gefallen, mochte ihr Aergernis erregen Aber glücklicherweise existieren keinerlei Paragraphen des Straf 4.- ns-ti r-. f.,-j.t-c r•«-• 4.•, gesetzbuches, die solches Aergernis ahndeten. Selbst mit dem über die Trerklaßenwahlschmach. über seine Erniedrigung zu des groben Unfugs ist hier nichts zu machen. Die politisch entrechteten, auf ihr eigenes Geschick einflußlosen Bürgern dritter Klasse energisch znm Bewußtsein gebracht wird. Tic Arbeiterklasse ist nicht nur die z a h l r e i ch st e und größte, sondern auch die wichtigste Klasse im Staate, ohne die unsere ganze heutige Kultur rettungslos in sich zusammenbräche. Sie ist das Fundainent unseres ganzen Wirts chaftsbetriebeS, die eigentliche Erzeugnis all der ungeheuren materiellen Werte, auf denen unsere heutige Gcisteskultur beruht. Und diese Klasse, die größte, wichtigste und unentbehrlichste: sie ist im Staate Preußen, dem angeblichen Staate des sozialen Königtums, von jeglicher Vertretung ihrer politischen Interessen aus- geschlossen genug um des Staats- und Gesellschastslebens zu schassen, nicht aber um an der Stätte, wo über ihr Geschick entschieden wird, ein Wort mitzusprechen. Fast an zu frei, frei ist die historische in ungefügen akademischen Wissenschaft und ihre Lehre ist Kritik, auch wenn sie, statt Wälzern, in knappen Zeitungsartikeln geübt wird! Uno wenn der Artikel ausführlich den ebenso kurzsichtigen wie schmählichen Schacher Preußens um Hannover und die arg listige preußische Drückebergerpolitik im Jahre 1805 kennzeichnete, so mögen„nationale" Historiker, wie z. B. O n ck e n. diese Politik damit entschuldigen, daß Preußen einzig das verineintlich preußische Interesse zu wahren 1 gehabt habe; allein anderen Beurteilern steht nichts- destoiveniger das Recht zu, diese Politik des kurzsichtigsten dynastischen Interesses und der ängstlichsten Doppelzüngigkeit ungesctmünkt beim rechten Namen zu nennen. Ebenso ist es das unantastbare Recht der historischen Kritik, die Königin Luise des Heiligenscheins zu entkleiden, den eine byzantinernde Geschichtsschreibung uni sie gewoben hat. Die Gemahlin Friedrich Wilhelms III. genießt ebenso- und zur völligen Rechtlosigkeit verdammt— gut- wenig wie andere Ahnen des Hohcnzollernhauses eines straf- in täglicher harter Arbeit die Grundbedingungen � rechtlichen Schutzes. Einer Kritik ihrer Person sind lediglich wissenschaftliche und ästhetische Grenzen gesetzt. Aber auch die Kritik, die diese Grenzen nicht respektierte, könnte nur vor das Forum der öffentlichen Kritik, nicht vor das des Strafrichters gezogen werden. Mag man also über den wahren Charakter dieser Frau noch so lebhast streiten: die Ansicht des Ab- geordneten B in d e w a l d, daß die unbeschränkte historische Kritik vor dieser„Nationalheiligen" Halt zu machen habe, ist nichts als eine rednerische Abgeschmacktheit dieses antisemitischen Parlamentariers I Welchen Standpunkt man also auch zu den geschichtlichen Exkursionen der„Königsberger Volks-Zeitung" einnehmen, wie sehr man sich in seinen„heiligsten patriotiichen Empfindungen" gekränkt fühlen mochte— juristisch waren sie unaugreisbar I Und dennoch verurteilte die Schnbert-Kammer in Königs- berg den Genossen Marckivald wegen M a j e st ä t s b e l e i d i- g 11 n g und Beleidigung des Denkmatskomitees zu fünfzehn Monaten Gefängnis l Sie braclste das fertig, indem sie zunächst dergestalt eine zwei Millionen sozialdemokratischer Stimmen sind bei der letzten Reichstag?- wähl in Preußen abgegeben worden; aber nicht ein cinzigerBrrtreterdcs arbeitenden preußischen Volkes sitzt im Landtage. Diese schmähliche Rechtlosigkeit muß beseitigt werden. Parteigenossen! Wähler der dritten Klasse! ES gilt Euer Recht! Es gilt den schmachvollen Znstand zu beseitigen, daß im Preußische» Landtag von einer lediglich die einseitigen Interessen einer begüterten Minderheit vertrete., den' Maststät� bnß sie aus der bistorifchen 0,, v s�r. ofc- m,,.> Kritik langst vermoderter Hohenzollernahnen Beziehungen zu Abge°rdneteustl.ar, ohne daß Ihr c.n Wort hmemzureden 1 � regi erenden Hohmizoller konstruierte, die Absicht der habt, über bnrc tvichtigstcu LebenSicchl etit>chicden wird.'Beleidigung Wilhelms Ii. ableitete! Das ist eben das Ungeheuerliche und zur kritischen Abwehr eines solches Versuches geradezu Aufpeitschende! I» dem ganzen Artikel war mit teiner Silbe auf Wilhelm II. Bezug geuoinmen I Auch eine indirekte Bezugnahme ist selbsts mit der schärfsten staats- anwaltlichc» Lupe nicht zu entdecken. Wie könnte auch Wilhelm II. für die höfische Politik vor 100 Jahren verant- wortlich gemacht werden I Und wenn am Schlüsse des Artikels gesagt war, daß die Enthüllung des Denkmals beweise, daß die Junker in 100 Jahren nichts gelernt hätten, so war. nach dem ganzen Inhalt, damit nichts anderes gesagt, als daß der reaktionäre Geist, der Preußen vor 100 Jahren nach Jena führte und den Freiherrn v. Stein ans seinem Amte trieb, auch heute noch herrsche, so war das im historischen Sinne eine ebenso richtige, wie strafrechtlich unfaßbare Feststellung! Oder sollte man heute, im Zeitalter des preußischen Wahl- rechtskampfes, vielleicht nicht einmal den reaktionären Charakter unseres verjunkerten Preußens feststellen dürfen? Nun hat das Gericht sich auf den Titel des Artikels bezogen, der das Denkmal eine ,. Schandsäule" nannte, und daraus auf die Absicht der Beleidigung Wilhelms II. (und der Mitglieder des Denkmalskomitees) geschlossen, der ja der Einweihung des Denkmals beiwohnte. Die Titelüberschrift eines Artikels aber soll den Inhalt dieses Artikels zusammenfassen, sie erhält also ihre Be- deutung aus diesem Inhalt! Und was der Artikel unter „Schande" versteht, ist ja dort klipp und klar dar- gelegt! Es ist keine forinnle Beschimpfung, sondern die drastische politische Würdigung einer historischen Anal y s e. Es ist von politischer Schmach die Rede. Sprechen wir nicht täglich von reaktionärer Schmach, von K u l t u r s ch m a ch? Wann hätte jemals ein Vertreter der also gekennzeichneten Reaktion deshalb wegen Beleidi» g u n g geklagt?! Was uns als Schmach gilt, gilt eben der Reaktion als Ruhmestitel l Genau so, wie wir die Bezeichnung„Hetzer",„Aufwiegler" usw. als Ruhmestitel enipfinden! Worte wie„Schmach" und„Schande" sind eben nichts anderes als Prägungen vom Standpunkte politischer Gegenpole aus, als politische Stigmatisierungen des Gegners. Und hat denn nicht Wilhelm ll. selbst von einer „Rotte von Menschen" gesprochen? Wie kann man da mit dem unsäglich kleinlichen Mittelchen einer vermeint- lichen Verbalinjurie arbeiten! Und da soll die p 0 l i t i s ch- s y m b 0 l i s ch e Be- naminng eines toten Steins als persönliche Be- leidigung Wilhelms II. mit 1'/« Jahr Gefängnis bestrast werden?! Ebenso unglaublich ist es, daß man in ähnlicher Weise eine Beleidigung des Denkmalskomitees konstruiert hat! Fassen wir unsere Ausführungen nochmals zusammen. Die historischen Darlegungen und politischen Nutzanivendungen des inkriminierten Artikels sind strafrechtlich unfaßbar. Ter ganze Artikel besteht aber aus nichts anderem! Er enthält nicht die Spur einer Ehrenkränkung, in der bei un- befangener, juristisch sachlicher Würdigung der Charakter eines strafrechtlichen Delikts hätte erblickt werden können! Aber das Königsberger Gericht machte sich die Sache wunderbar leicht. Es schob den angebotenen historischen Wahrheitsbeweis einfach beiseite, obwohl es mit dem Staats- anwalt die— doch gerade erst zn beweisende!—„anti- patriotische Gesinnung" voraussetzte! Es erklärte die historisch-politischen Tatsachen für belanglos, um gleichzeitig vom politischen Standpunkte ans die' krimi- nelle Verrnchtheit MarckwaldS zu deduzieren! Das ist ein ganz unbegreiflicher, ganz unhaltbarer Stand- Punkt. Entweder mußte das Gericht den Prozeß als politischen Prozeß behandeln. Dann mußte es die weite st gehende politische Beweiserhebung für geboten erachten. Denn nur nach Begreifen des historisch-politifchen Standpunktes des An- geklagten konnte es zu einwandfreier Würdigung seincS Artikels gelangen. Dann mußte die vermeintliche Verbal- injurie glatt unter den Tisch fallen> Oder das Gericht mußte die'Politik völlig aus dem Spiel lassen. Dann aber durfte der„ a n t i p a t r i 0 t i s ch e" Standpunkt des Verfassers nicht zur Konstruktion irgendlvelcher vermeintlicher Beleidigungsabsichten herhalten I Die Schnbert-Kammer hat sich iveder auf den einen noch den anderen Standpunkt gestellt. Sie ist politischen Er- wägnngen ausgewichen, die den Angeklagten ent- lasten mußten, sie hat politischen Erwägungen� R a um gegeben, wo sie b e l a st c n d für Marckmald waren! Das wird, wie wir ohne weiteres zugeben wollen, über den Politisch-Historischen Horizont der Schubert-Kammer gehen, ihr also gar nicht zum Bewußtsein gekommen sein. Aber der Prozeß ist gerade durch diesen Mangel an politischem Verständnis— in Moabit erklärte ja unlängst ein Richter selbst, daß er von der Sozialdemokratie, also von Politik nicht das mindeste verstehe!— ein politischer Tendenz- prozeß schlimmster Art geworden I Ein freisinniges Blatt hat den Prozeß durch sein denunziatorisches Gebaren angezettelt I Wird die a n st ä n- d i g e r e Freisiinispresse die Verfehlung der„Köiügsberger Hartungschen Zeitung" durch g bührende Kritik dieses un- geheuerlichcn Urteils wieder gut zu machen suchen? Darum erscheint massenhaft zu den am Donnerstag, den 0. Januar, stattfindenden Protestversammlttngen and bekundet den Herrschenden Euren Willen, mit der Drei- klassenschmach aufzuräumen. Auf znm Kampf für das allgcmciue, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht! Klarheit! Mit großer Spannung sieht das deutsche Proletariat der Re- gierungscrklärung über das preußische Wahlrecht entgegen. Noch einmal wird die Sozialdemokratie in großen Versammlungen am 3. Januar die Regierung an ihre Pflicht mahnen, den Zustand zweierlei Rechts, die Entmündigung des größten Teiles des preußischen Volkes endlich zu beseitigen. Aber auch die Nutz. nicßer des Unrechts sind nicht mützig. Tie Herren Preußens und Deutschlands, die Junker, sind unablässig bemüht, das Geständnis der Regierung zu hintertreiben, daß das Dreiklassenwahlrecht end- lich fallen muß. Ginge es nach ihnen, so müßte die Regierung, statt ein Bekenntnis zur Notwendigkeit der Reform abzulegen, die «nJmüiefni Massen durch die Verweigerung chreS Rechtes aufs äußerste provaziercn. Und schon werden Stimmen laut, die an- kündigen, daß auch diesmal der Wunsch der Kon- servatiben für die R e gierung Befehl sei. Eine parlamentarische Korrespondenz weiß zu melden: Wie verlautet, wird die preußische Regierung eine Reform dcS Wahlrechts für die nächste L e g i S l a t u r p e r'i o d e in Aussicht stellen. Der Ministerpräsident. Fürst Bülow ist der Meinung, daß das Wahlrecht in Breußen Mängel hat, die der Abstellung bedürfen. Wie diese Mängel abzustellen sind, wird in den kommenden Monaten zu erwägen sein, diese Erwägungen dürften aber so kompliziert sein, daß nicht daran gedacht werden kann, dem jetzigen Landtage noch Re- formvorschläge zu machen; auch wird es gut sein, die Wirkungen der Wahlrechtsreform von INS erst abzuwarten. Die Erwägungen gehen nicht von dein Gedanken aus, das Reichs- tagswahlrecht in Preußen einzuführen, sondern es müssen unter Beibehaltung des Dreiklasscnwabl- s y st c m S Mittel und Wege gefunden werden, das Uebergewicht oer oberen Klassen zugunsten dir dritten Klasse zu mildern und eine anderweitige Wahlkreiscintcilung vorzunehmen. Die Re. gierung hat zunächst ein große? Interesse, den Standpunkt der einzelnen Parteien in der WahlrcchtSsragc kennen zu lernen. Er st hiernach kann sie ihre Maßnahmen ein- richten. Denn es ist selbstverständlich, daß die Regierung sich mit der Mehrheit des Landtags ins Einvernehmen setzt und ihre Wünsche berücksichtigt. Wäre diese Mitteilung richtig, so würden dadurch allerdings die Wünsche der Konservativen in einer Weise erfüllt, die sie selbst wohl kaum mehr zu hoffen gewagt haben. Denn daß das Drei- klassenwahlrccht mit all seiner Sinnlosigkeit, Ungerechtigkeit und Unsittlichkcit nicht mehr zu halten ist, das haben nicht nur Frei- sinnige und Zentrum, sondern sogar Rationallibcrale und Frei- konservative zugeben müssen. Wenn die Regierung auch jetzt nichts anderes in Aussicht stellt, als ein elendes Flickwerk, daß am Wesen der Entrechtung der Bolkömasscn nichts das Geringste ändert, so zeigt sie, daß sie absolut unfähig ist, auch die dringendsten Bedürfnisse der Zeit zu erfüllen. Einmal auf die Dreiklassenschmach aufmerksam gemacht, empfindet der Arbeiter das Privilegienwahlrecht als persönliches Unrecht. Welche Gefühl« muß es in ihm erwecken, wenn ihm die Regierung wirklich ankündigen sollte, daß an diesem Un- recht nicht gerüttelt werden darf, daß statt einer Reform die Per- ewigung des Dreiklassenshstems geplant sei. Aber so groß auch unser Mißtrauen gegen die preußische Regierung ist, so genau wir ihre Abhängigkeit von den Junkern kennen, so müssen wir doch jene Mitteilungen mit dem größten Zweifel aufnehmen. Denn schließlich muß sich auch die preußische Regierung sagen, daß Preußen kein Gutsbezirk mehr bleiben kann, der nach Grundsätzen regiert wird, die überall in Preußen bankerott gemacht haben. Kein Staat mit fort- geschrittenem und entwickeltem Proletariat ist eher zu einer ruhigen und ungestörten politischen EntWickelung gekommen, als bis er das Prinzip der Rechtsgleichheit verwirklicht hatte. Und Preußen, der Staat mit einer so hoch entwickelten, intelligenten, politisch geschulten und organisierten Arbeiterklasse, dieser Staat sollte wirklich allein imstande sein, der überall siegreich vordringenden' Demokratie den Weg zu verlegen? Nein, die Regierung hat keine andere Wahl, als zu erklären, daß auch dem preußischen Proletariat sein wichtigstes politisches Recht nicht auf die Dauer vorenthalten werden kann. Sie kann das um so weniger, als das Proletariat dieses Recht sowohl im Reiche als in vielen Einzelstaaten bereits besitzt. Die Regierung kann vielleicht den schließlich doch vergeb- liehen Versuch machen, den Sieg unseres Rechtes durch eine Reihe von Uebergangskompromissen aufhalten zu wollen. Daß wir gegen diese Kompromisse einen schweren und zähen Kampf werden führen müssen, um den vollen Erfolg des gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts zu erringen, das wissen wir und sind ihn zu führen bereit. Aber Eines darf nicht mehr zweifelhaft bleiben, daß das Dreiklassenwahlrccht beseitigt werden muß und daß die Beseitigung des Dreiklassenwahlrcchts sofort in Angriff genommen wird. Sie LkbkchsfKUeiier. Während gestern Herr Müller-Meiningen erklärt hatte, daß die linksliberalen Parteien gewillt seien, auch für in« direkte Reichs st euern zu stimmen, wenn diese nur mit einigen direkten garniert werden, weiß Herr Schräder in einem Artikel des.Verl. Tagebl.", worin er auch auf die Frage der Finanzreform zu sprechen kommt, nichts von diesem liberalen Umfall zu erzählen. Es wäre wirklich an der Zeit, daß die Frei- sinnigen sich entschließen, der Oeffentlichkeit über ihre Stellung- nähme in dieser wichtigen Frage Rechenschaft zu geben! Die Bereitwilligkeit des Freisinns, indirekte Steuern zu akzcp- tieren, kann um so weniger entschuldigt werden, als bei A u S- gc staltung der Erbschaftssteuer daS ReichSdcfizii leicht beseitigt werden kann. Es scheint sogar, daß die bayerische Regierung, wenn anders die„Münchcner Neuesten Nachr." gut unterrichtet sind, im Bundesrate ernstlich auf den Ausbau der NeichScrbschaftssteuer hinwirken will, trotz aller Widerstände des preußischen Finanzministers und der preußischen Konservativen. Auch in dieser Frage zeigt es sich, daß die bayerische,Regierung, die einem Landtag gegenübersteht, der auL allgemeinem und gleichem Wahlrecht hervorgegangen ist, für die Bedürfnisse des Volkes weit mehr Verständnis zeigt, als die preußische oder sächsische Regierung. Auch daß die bayerische Re- gierung von der sogenannten Veredelung der Matrikularbeiträge nichts wissen will, ist zu begrüßen. Daß aber die Erbschaftssteuer sehr leicht genügend er- tragreich gestaltet werden kann, um daS Reichsdefizit zu beseitigen, hat erst kürzlich Herr Justizrat Bamberg er in der„Deutschen Juristenzeitung" nachgewiesen. Bamberger verweist darauf, daß das schrankenlose Verwandtenerbrccht weder geschichtlich noch logisch, auch nicht durch Berufung auf den Familiensinn zu rechtfertigen sei und daß nach dem sozialpolitischen Empfinden der Gegenwart unberechtigt« Interessen Privater hintere denen der Gesamtheit zurückstehen müßten. Wenn heute bei einem Todesfall nahe An- gehörige fehlen und ein Testament nicht vorhanden ist, so sind entfsrntere Verwandte des Erblassers regelmäßig im Unklaren, ob und eventuell welchen Teil des Nachlasses sie erben. Weder bei Juristen noch bei Laien gibt es in dieser Frage eine Spur von sicherem natürlichen Rechtsbewutztsein. Bamberger schlägt deshalb vor, daß künftig das Erbe dem Staat zufallen soll, wenn keine nahen Angehörigen vorhanden sind und kein Testament errichtet worden ist. Er schätzt die Ein- nahmen der Reichskasse in diesem Fall auf rund SOV Millionen Mark jährlich. Seine Berechnung stützt sich auf amtliche Materialien, die dem Entwurf des Erbschaftssteuergesetzes beigegeben sind. Danach belauft sich das in Deutschland durch- schnittlich jährlich zur Vererbung gelangende Vermögen auf 4 000 Millionen. Erfahrungsgemäß gelangen hiervon Ä, also Millionen, an die Deszendenten und den Ehegatten. Es bleiben mithin KM Millionen übrig, die an Aszendenten uno en Seitenvcrwcmdte fallen. Erbfälle zugunsten von Aszendenten kommen so wenig in Betracht, daß sie für die Berechnung außer Ansatz bleiben können. Obwohl nun die testamentarischen Zu- Wendungen an Seitenverwandte selten sind, wird doch angenommen, daß die volle Hälfte auf testamentarischem Wege an Seitenber- wandte fallen. Dann verbleiben noch immer EM Millionen, welche nach bisherigem Recht beim Fehlen eines Testaments den Seiten- verwandten, nach der Reform dem Reiche zufallen würden. In Wirklichkeit wäre die Summe wahrscheinlich noch höher. Soweit Bamberger. Daß diese Berechnung durchaus richtig ist, beweisen auch die glänzenden Resultate, die man in England mit der Erbschafts- stcuer gemacht hat. Der Ausgestaltung der Erbschaftssteuer steht nur ein einziges Hindernis entgegen: Die Abneigung der Be- sitzenden, besonders der Junker, die Ausgaben, die sie so weitherzig bewilligen, wenigstens zum Teile mitdecken zu helfen. politische deberlicdt. . Verlin, de» 4. Januar lstOZ Wieder eine verpuffte Polizeiaktion. Die Berliner Polizei hat Pech. Insonderheit Herr v. Arnim, der Sicherheitskommissar gegen revolutionäre Russenumtriebe. Er hatte wieder einmal einen so schönen Coup unternommen. 17 russische Revolutionäre, Propagandisten der Tat, Anarchisten, hatte er, wie die Polizei- offiziöse Bourgeoispresse— und die ganze Blockprcsse ist polizeioffiziös geworden— niitteilte, in Haft genommen. Er glaubte damit endlich das Zentralkoinitee der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands hinter Schloß und Riegel gebracht zu haben. Aber ach, es ivar wieder ein- mal nichts I Von den 17 Verhafteten sind bereits 16 wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Sie werden, soweit sie AnS- länder sind, ja wohl ausgewiesen werden. Zur Ausweisung gehört ja nicht viel. Wie wenig dazu gehört, hat ja Herr v, Arnim im Trofimosf-Prozeß auseinanderzusetzen sich hart- näckig geweigert. Es gehört dazu nur, daß man sich „lästig" gemacht hat. Und die preußische, in Sonderheit die Berliner Polizei ist so ungeheuer empfindlich gegen russische Belästigungen, sofern sie nicht von russischen Polizeiorgane» ausgehen. Daß man die sechzehn entlassen hat. beweist. daß gegen sie nicht daS geringste vorlag. Und man konnte kein Anklagematerial gegen sie zur Stelle schaffen, trotzdem man bei ihnen nachträglich die umfangreichsten Haussuchungen vorgenommen hatte. Der Coup des Herrn v. Arnim ivar eben mißglückt. Die Inhaftierten hatten aber nichts destoweniger einen Tag und zwei Nächte preußisches Polizeiasyl genossen. Sie können sich nunmehr beschweren, sofern sie nicht vorher bereits vorsorg- licherivcise über die Grenze abgeschoben worden sind! Und der eine Mann, der noch nicht enthaftet worden ist, ist nur deshalb länger in Haft behalten worden, weil er einen falschen Namen angegeben hat. Das ist eine Straftat, die, einem Beamten gegenüber begangen, natürlich schwerste Ahndung verdient, auch wenn, wie gerade der Trosimoff- Prozeß bewiesen hat, Russen alle Ursache haben, jeder Be- kanntschast mit preußischen Polizei- und Universitätsbehörden auszuweichen. Das ist der neueste Streich der Berliner Polizei. Hoffent- lich aber fiihlt sich Herr v. Arnim durch solche kleine Miß- erfolge in seiner Tätigkeit nicht abgesctzreckt. Die Blockpresse giert ja förmlich nach neuen Russenenthüllungen!— Das Zentrum und die Landarbeiterfrage. In der„Kölnischen V o l k S z e i t u n g" finden sicb aus den letzten Tagen mehrere Aeußerungen zur Landarbcitcrfrage, inS- besondere zum KoalitionSrecht der ländlichen Ar- beiter. In einer Zuschrift aus landwirtschaftlichen Kreisen wird eS als unsittlich und unklug bezeichnet, wenn die Landwirte, die im Vereins- und Genossenschaftswesen vom KoalitionSrecht einen so weitgehenden Gebrauch machen, diese? Recht den Landarbeitern vor- enthalten wollten. Unklug sei eS deshalb, weil heute in den meisten Gegenden Deutschlands es überhaupt gar keinen ländlichen Arbeiter- stand mehr gebe; durch die Organisation der Landarbeiter, könne eS nicht schlimmer, sondern höchstens besser werden, da nur auf diele Weise wieder Arbeiter für daS Land gewonnen werden könnten. Auf dem Lande müsse den Arbeitern ebenso wie in der Industrie Ge- legenheit gegeben werden, ihre Lage zu verbessern: „WaS nützt eS uns, daß wir den Landarbeitern daS KoalitionS« recht, daS Recht zum Streik verweigern, wenn wir keine Landarbeiter haben. Schaffen wir allgemeine Verhältnisse fürsorgender Natur für die Arbeiter, gewinnen wir dadurch einen Zuzug von Arbeitern für die Landwirtschaft und räumen wir diesen Arbeitern jede persön- liche Freiheit ein, die wir für uns selber in Anspruch nehmen." Um das zu erreichen, sollen die landwirlschastlichen Arbeiter des Betriebes als„freie Taglöhner auf eigener kleiner Scholle" an- gesiedelt werden, wozu die Landwikte zu mäßigen Preisen Grund und Boden und öffentliche Anstalten das Geld zum Bau von Wohn» Häusern hergeben sollen; ein Landarbeiter, der sein eigenes kleines Bcsiytum: Häuschen, Acker, Garten, Federvieh, ein Schwei» usw. habe und dann auf dem benachbarten Gute„einen den Zeitver- hältnissen entsprechenden Verdienst" finde, werde nie zum Streik greifen. Der Vorschlag läuft also i»i Grunde nur darauf hinaus, die Arbeiter durch die Seßhaftigkeit der agrarischen Ausbeutung, der sie sich jetzt durch die Flucht zur Industrie entziehen lönilen, desto sicherer auszuliefern. Im übrigen muß sich der Verfasser dieser Zu- schriit von einem anderen landwirlschaitlichen Gewährsmann der „Kölnischen Volkszeitung" nachweisen lassen, daß daS von ihm vorgeschlagene Mittel durchaus nicht imstande sei. die Arbeiter ans Land zu fesseln. Nur das Gesinde sei noch einigermaßen zuverlässig, nicht aber der freie Landarbeiter. Die Arbeusverhältnisse in der Industrie seien eben grundverschieden und eS gehe nicht an, die Arbeit in der Landwirtschaft so einzurichten, wie die Industrie eS zu tun vermöge. Herr Herold will den Landarbeitern das KoalitionSrecht geben, aber sie tollen eS nicht amvenden können, wenn eS für sie am wert- vollsten ist: in der Erntezeit; ein anderer ZentrumSniann will eben- falls die Gleichberechtigung für die Landarbeiter, aber durch die „eigene Scholle" soll ihnen die Lust zum Streiken ausgetrieben werden; ein dritter endlich hält es mit der allbewährten Gesinde- sklaverei, mit ihrer Rechtlosigkeit und unbeschränkten AnSbeutmigS- Möglichkeit. Wo man den uliramontanen„Arbeitcrfreund" kratzt, kommt der Ausbeuter zum Vorschein.— Polenbckämpfung. Man weiß, daß die polnischen Ansiedler im Osten unier einem Ansnahniegesetz stehen, das eS der Regierung möglich macht, den Leuten auf ihrem eigenen Grund und Boden die Ge- nehmignng zum Erbauen eines Wohnhauses zu versagen. Die Regierung macht auch von dieser abscheulichen Befugnis oft Gc- brauch. Die armen Landwirte haben sich nun damit zu helfen gesucht, daß sie in alten Zigeuner- und ZirkuZwagen Hausen? Dem ersten dieser Landwirke haben die Polen durch allgemeine Sammlungen einen Wohnwagen gestiftet. Tie Methode fand bald Nachahmung. Aber die preußische Negierung läßt sich nicht so leicht von einem Unrecht abbringen. Versucht man eS, ihr das Unrecht unmöglich zu machen, so fügt sie dem alten sofort ein neues hinzu. Einem gewissen PeplynSki in Wiepczowice und Garzkowsli in Lindenbusch wurde dieser Tage von dem Gemeinde- Vorsteher in Lindcnbusch folgender Ukas in preußischer Sprache zu- gestellt: Nach einer Anzeige dcS Bezirksgendarmcn haben Sie sich in Ihrer wagenähiilichei! Behausung einen FeuerungSherd errichtet. Da Ihnen auf Ihrer Ansiedelung die Errichtung von Feuerung?- anlagen untersagt worden ist, so fordere ich Sie hiermit auf, die in Frage konimende Kochvorrichtung unverzüglich zu ent- fernen. Sofern dies nicht innerhalb drei Tagen nach Zu- stellung dieser Aufforderung geschehen sollte, so wird Ihnen auf Grund des ß 132 des Gesetzes über die Allgemeine Landesvcr- waltung eine Ordnungsstrafe in Höhe von 30 M. auferlegt werden. gez. Friese. Obgleich GaczkowSki gegen die Verfügung sofort Einspruch er- hoben hat, versuchte am 23. v. M. im Auftrage dcS Gcmcindcvor- steherS der VollziehungSbcamte den Betrag von 10 M.— Kosten für die amtliche zwangsweise Entfernung des Ofens— einzuziehen. Da freiwillige Zahlung nicht geleistet wurde, wurde der ganze Wohnwagen gepfändet und VcrsteigerungStermin nach Ablauf einer Woche anberaumt. Die„Gaz. Grudziagzia" bemerkt hierzu: „Diebischen Zigeunerbanden ist es erlaubt, in geheizten Wohn- wagen zu Hansen, nicht aber den Polen auf ihrer eigenen Scholle und in ihrem Vaterlande."— Blockpolitiker Naumann. Hamburg, 4. Januar 1908, In einer am Freitagabend in Hamburg stattgefundriren, von über 1000 Personen besuchten liberalen Versammlung sprach Reichs- tagSabgeordneter Naumann über„Blockpolitik und Steuerfragen", wobei er äußerst vorsichtig allen knisflichon Fragen aus dem Wege ging. Nur in einem einzigen Satz streifte er die Frage der prcußi- Wahlrechtsreform, indem er sich gegen die von sozialdemokratischer Seite erhobenen Vorwürfe wendete, daß die Liberalen die Wahl- rechtSfrage als Farce behandelten. Tiefe Vorsicht war bei den Hamburger„Liberalen" auch geboten, denn unter diesen befinden sich bekanntlich viele WahlrechtSräuber, die ein nach der Größe des GcldsackS abgestuftes Wahlrecht für etwa» Selbstverständliches halten. Die Blockpolitik feierte Naumann alseine Großtat des Reichskanzlers, dessen politische Existenz von einer parla- mentarischcn Mehrheit abhängig sei. Diese Abhängigkeit bedeute einen Schritt in dsr Richtung zur parlamentarischen Rcgierungs- form. Der Redner behauptete, Genosse Bebel habe kurz vor Erlaß oes Bülowschen Silvesterbriefes in Hamburg gesagt, der Freisinn müsse aufgerieben werden, während Genosse Bebel in der Versamm- lung des ersten Hamburger Wahlkreises lediglich geäußert hat, der Freisinn müsse scharf bekämpft werden, wenn er wieder Volksverrat beginge. Den Block bezeichnet Naumann als ein„zarte? Ge- wachs", von dessen beiden extremen Flügeln sich keine 20 Mann absondern dürften, sonst ginge der Block auseinander. Tie Koa- lition konfervativ-lrberal fei notwendig gewesen, um der schlim- mcren Koalition konservativ-ultramontcm vorzubeugen. Beim Block, der rein rechnungsmäßig betrachtet werden müsse, handele eS sich um keinen Gesinnungsverband, sondern um einen reinen Zweckverband. Er habe lange für einen demokratischen Zusammen- schluß von den Nationalliberalen bis zur Sozialdemokratie gc- arbeitet, aber diese habe immer nur von der Verfaultheit des Libc- ralismus geredet, wodurch viele Liberale auf die andere Seite ge- trieben worden feien. Bezüglich der zu schaffenden neuen Reichs-Einnahmequellen redete er der„kapitalistischen Steuer" das Wort, man solle dort das Geld nehmen, wo es am reinsten und klarsten zutage trete, so bei Erbschaften. Am Schlüsse seiner Rede sagte Naumann, die Sozialdemokratie berge in ihren Reihen wohl viele tüchtige Kräfte, aber diese allein vermöchten nichts auszurichten. Auf Anfrage eines Tabakinteressenten, wie er sich zur Zi- garren-Banderolensteuer stelle, antwortete Naumann, er würde sich mit dieser aussöhnen können, wenn dafür daS unheilvolle Schutz- system fiele. Auch im fchutzzollfteien England würden hohe Zölle auf Tee, Kaffee und Zigarren erhoben. „Es lebe der König und seine Jäger." Vor etwa Jahresfrist verbot bekanntlich der preußische Land- wirtschaftsministcr v. Arnim-Kriewen den preußischen Forst- beamten, Mitglieder des„Verein? preußischer Forstbeamten" zu sein. Anlaß zu diesem Eingriff in das Tcreinigungsrecht der Bc- amten gab dem Minister ein Artikel der„Wochenschrift für deutsche Förster", in dem sich der Satz befand: „ES ist recht bedauerlich, daß die Staatsregicrung eine so loyale Beamtcnklasse(die königlichen Förster) förmlich auf Abwege drängt. ES scheint an maßgcl>ender Stelle nicht gewürdigt zu werden, daß die Förster großen Einfluß auf die ländliche Be- völkernng und auf die Waldarbeiter-massen haben, was bei de» Wahlen wohl viel ausmachen dürfte." Den Beamten steht nach der Verfassung so gut wie jedem Preußen das Vereinsrecht zu. Mithin durfte man annehmen, daß die Förster ihr Recht dem Minister gegenüber energisch wahren würden. Bei der staatserhaltenden Gesinnung der Forstbeamten hätte man auch erwarten dürfen, daß auch die bürgerlichen Par- teien für das Recht der Beamten eingetreten wären. Indes es kam anders. Der Vereinsvorstand betonte, daß der Verein keinen Einfluß auf die Wochenschrift habe, und der Vorsitzende sprach ausdrücklich feine Mißbilligung über den Artikel aus. Trotz diesen freiwilligen Demütigungen blieb der Ministcr lbei seinem Verbot. Die Herren der konservativen Partei ließen die Förster, die vielfach Wahlarbeit für sie verrichtet hatten, völlig in Stich: der Mohr hatte seine Schuldigkeit getan, also konnie er gehen. Dieser Tage ist nun der„Verein preußischer Forstbeamten", der den Wahlspruch führt:„Es lebe der König und seine Jäger" eines sanften Todes gestorben. Die unteren Beamten können auch aus diesem Vorgang ersehen, daß sie Stricke gegen ihr eigenes Recht drehen helfen, wenn sie die„staatscrhaltcndcn" Parteien unterstützen. Ehristlich-soziale Versammlnngssitten. DaS Siöckersche„Reich" berichtet über eine Ziegler» Versammlung in Lage(Lippe), wo der christlich-, oziale Redakteur Nafflenbeul über daS Tbema redete:„Wie schützen sich die lippeschen Ziegler vor den Folgen der wirtschaftlichen Krise?" In der Diskussion ergriffen auch mehrere Sozialdemokraten das Wort,„Die AuSsübrunge» der sozialdemokratischen Redner— so heißt eS dann im Siöckcrblatt— fanden aber bei der Versammlung keinen Anklang und nur mit Mühe konnte der Vorsitzende den sozial- demokratischen Rednern Gehör verschaffen, da d i e Versammlung sie ständig durch Schlußrufe und Getrampel unterbra ch," Wie würde da? Christenblatt den Mund aufreißen und über Terrorismus und RowdieS zetern, wenn daS christlichen Arbeitern in einer soziaideiiivkratischen Versammlung geschehen wäre!— Asphaltliberale Agitation. ®fr bcn die Asphaltliberalen zur Wahrung ihres Liberalismus gegen die freisinnigen Parteien führen müsien, dauert ungeschwächt fort. Beide Teile suchen dabei die Wähler auf ihre Seite zu bringen. Tie Asphaltlibcralen, denen die größere Intelligenz zu Gebote steht und auf deren Seite auch das frei- sinnige Programm ist, sind dabei in einigem Vorteil, um so mehr, da sie sich nicht einschüchtern lassen. Da hat kürzlich der liberale Verein des Ederkreises, wie uns aus Waldcek berichtet wird, sich zu einer Resolution verleiten lassen, die von Herrn Potthoff, dem Vertreter Waldecks im Reichstag, Unterstützung der Blockpolitik verlangt. Darauf hat Herr Potthoff in einem Flugblatt goaniwortet, in dem er seine Wähler ganz »gründlich über �as Wesen der Blockpolitik aufklärt. Herr Potthofs meint, bisher sei der Versuch gelungen, die Blockpolitik mit der Wahrung der liberalen Grundsätze zu vereinigen, denn der Block hat bisher nochnichtsgetan.alsgeredet. Ob aber auch, wenn es zu Taten konimt, sich die Wahrung liberaler Grund- sätze ermöglichen lassen wird, darüber hat Herr Potthoff gewichtige Zweifel. Er findet in der Blockpolitik nichts anderes als d i e persönliche Politik des Für st en Bülow. Die Konser- vativen wollen von ihren Interessen weder bei der Wirtschaft?- Politik noch beim Wahlrecht das geringste aufgeben. Daher sei es auch nicht genügend, daß die Liberalen ihre Ueberzcugung nur hegen, sondern sie müssen sie auch anwenden, wenn sie sich nicht um jeden Kredit bringen wollen. Die Phrase vom natio- nalen Block imponiert Herrn Potthoff nicht im geringsten. Mit dem Worte national sei selten so viel widerlicher Miß- brauch getrieben worden, wie im letzten Jahre. Bisher sei der einzige Gewinn nur die Ausschaltung des Zentrums gewesen. Aber heute schon könne man sehen, daß Bülow nicht daran denkt, den ZcntruniSgeist zu bekämpfen, dazu seien auch Konservative und Zentrum zu nahe miteinander verwandt. Der Block sei nur eine vorübergehende Erscheinung, die wahrscheinlich bei der Frage des preußischen Wahlrechts ihr Ende finden werde. Ueber dieses Wahlrecht meint Potthoff: „Die Reform dcS preußischen Wahlrechts ist der Kern- und Angelpunkt aller Politik in Deutschland. Auch im Reiche können keine Fortschritte gemacht werden, so lange in Preußen auf Grund des elenden Wohlrechts die konservative Reaktion unbeschränkt herrscht. Erst wenn da? Volk tatsächlich die Männer seines Vertrauens in den Landtag wählen kann, wird dieser zur Volksvertretung, erhält er Macht und Rückhalt, die ihn zum Mitregierer des Landes machen, während er doch jetzt so gut wie einflußlos ist. Also Wahlrechtsreform! Das muß die wichtigste Forderung des Liberalismus sein. Da kann dem Reichskanzler auch kein Ausweichen und Vertrösten helfen. Da muß er Farbe bekennen. In der Wahl- rcchtssrage aber wird der Block versagen. Wenn die Liberalen nicht auf die Durchsetzung dieser Reform verzichten wollen, so wird die Paarung dabei ihr Ende erreichen." Auch wir sind der Meinung, daß die Wahlrechtsfrage für die Zukunft der bürgerlichen Demokratie in Deutschland entscheidend sein wird. Gelingt es den„Fraklionspolitikern" und„Klapper- beinen", die Führung zu behalten, dann ist daS Ende der bürgcr» lichen Demokratie nicht mehr aufzuhalten. Ins eigene fleisch geschnitten. Der am 1. Dezember in Kraft getretene Ministerialerlaß über den Grenz verkehr der Militärpersonen an der sck lesisch- russischen Grenze hat schon jetzt eine seltsame Wirkung zu ver- zeichnen. Fast sämtliche Geschäftsleute. Händler usw. in MySlowitz. Kaltolv'tz. Beuthen und anderen Grenzstädte» sind in höchster Er- cegung. Alle jene russischen Offiziere, die früher täglich von SoSnowice herüberkamen, um in Kattowitz usw. reiche Einkäufe zu machen— sie waren gute Kunden, denn sie zahlten bar— niache» jetzt ihre Einkäufe„drüben". Wie die Grenzblätter melden, ist die Zahl der einkaufenden und sonstwie geldausgebenden russischen Offiziere bis auf knapp 1» Proz. heruntergegangen. Die noch kommen machen gar kein Hehl daraus, weshalb ihre Kameraden fortbleiben: Sie empfinden den stüher nie be- stehenden Patzzwang und die noch lästigere und zeitraubende Patzkonirolle als eine lästige Unbequemlichkeit. Dafür setzen sich allerlei Spekulanten mit deutschen Waren„drüben" fest— und die in den Grenzorten wohnenden Deutschen habe» das Nachsehen. Recht komisch wirkt deshalb eine offiziöse Notiz über diese . höherenortS" nicht vorhergesehenen Folgen, die man in die „Schlesische Zeitung" lanzicrt hat. Darin heißt es. datz „die nicht erwartete Einschränkung des russischen Besuches diesseits nur bedauert wird".„Prenhi'cherseits(!) war eine der- artige Beschränkung... sicherlich nicht beabsichtigt und wohl auch nicht erwaitet." Dann aber folgt das schönste: „Die Anregung zu den verschärfenden Grenzbestimmnngen ist auch keineswegs von unseren Behörde» ausgegangen, sondern sie sind auf Perniiliissiiiig der russische» Regierung erlassen worden. Durch die Schlntzbestiinninngeii der Verordnung ist auch aus- driicklich angedeutet datz diesseits der Wunsch besteht, datz die Beschränkungen iin Verkehr russischer Militä, Personen hauptsächlich auf Uiiieroffiziere und Mannschnften mit dem Per- bot deS WnffentragenS angeivendet werden sollen, während im übrige» die bisherige» guten Beziehnnge» f e i n e r l e i A e n d e- r n» g e 11 erfahren sollen. In dieiem Sinne dllrften die äugen- blicklich beobachteten BerkehrSeiiischränkungen auch nicht von Dauer sein." Auf Veranlassung der russischen Regierung I Ganz selbst- verständlich. Und ebenso selbstverständlich ist eS für den Geist der preußischen Regierung, datz„man diesseits" derartige Wirlungen nicht vorauszusehen imstande ist.— Sebwdz. Die nene Arbeitsordnung der städtischen Arbeiter in Bern. Bern, 2. Januar.(Eig. Ber) Mit dem 1. Januar ist in Bern eine neue Arbeiisoidiinng für die Arbeiter der städtischen GaS-, ElektrizitätS- und Wasserwerke in Kraft getreten, die verschiedene schätzenswerte Neuerungen bringt. So ist die tägliche Arbeitszeit auf 3 Stunden herabgesetzt worden und mit dem 1. Januar I9l)v wird sie weiter auf S Stunden reduziert. Für die Arbeiter des Bauamies beträgt die Arbeitszeit ist/z Stunden im Sommer und hörtistens 0 Stniiden im Winter. Nach"einjähriger Dienstzeit werden die Arbeiter definitiv angestellt. Der Miuiiimllohn beträgt■4,50 Fr., der Maximalloh» 8.S0 Fr. In den ersten süns Dienstjahren tritt alljährlich eine Lohnerhöhung von je 20 Rp. pro Tag ein. in einigen Fällen nllerdingS nur von ll) Rp Im 7. und 8. Dienstjahr« erfolgen abermalige Lohnerhöhungen. Mir dem l. Januar wurden die Löhne um LO Cts. taglich erhöht, nachdem schon im verfiossenen Jahre eine Teuerungszulage von 30 Ctö. bewilligt worden war. Bei ordentlichem Milirärdienst wird der volle, bei autzerordentlichem der halbe Lohn weiter bezahlt. Die bezahlten Ferien betragen nach den ersten zwei Dienstjahren 4, nach S Dienstjahren 6 und nach 10 Dienstjahren 12 Tage. In Betracht kommen ungesähr 450 Mann. franhrdcb. Nniversalministcr. Vriand ist dazu auscrschcn, an Stelle dc8 verstorbenen Guyot- Dessaigne daS Portefeuille des Justizministeriums zu übernehmen. Außerdem soll er den Kultus beibehalten, angeblich weil er auf diesem Posten momentan„unentbehrlich" oder„unersetzlich" ist, d. h. weil ohne Ihn das TrennungSgcsetz nicht hinreichend in Aktion gebracht werden kann.(Den Unterricht soll der bis- herige Handelsminister Doumergue übernehmen, den Handel der Führer der radikalen Linken, Abgeordneter Cruppi.) Die er rief, die Geister, wird Clemenceau nicht wieder los. Der vielgewandte Briand: erst ward er Renegat und Minister, dann hätte er seinen Chef beinahe gestürzt, jetzt wird er Universal- minister, wächst er dem Ministerpräsidenten über den Kopf— warte nur balde wird er auf Clemenccaus Sessel thronen.»>- Lelgien. Ein Jahr der Krise. Aus Brüssel wird uns geschrieben: Das Kongoproblem lähmt die ganze Politik und löst die Parteien auf. Das letzte Jahr war ein Jahr der völligen Untätigkeit. Gegen das Proletariat allerdings ist der Eifer der Herrschenden immer lebendig, i h m gegenüber sind jene bereit, ihre inneren Zwistigkeitcn beiseite zu stellen. Die Kosten der parlamentarischen Anarchie und des außerparlamentarischen Absolutismus muß die Arbeiter- k l a s s e bezahlen.. Das zeigte sich, als in der Kammer eine auS den radikaleren Elementen der Linken und der sozial- politischen Gruppe der Rechten zusammengesetzte Majorität bei der Beratung des Berggesetzes, entgegen dem Wunsche der Regierung, für die im Limburger Becken künftig in Be- trieb zu setzenden Gruben den Achtstundentag b e- schloß. Die Regierung Smet de Naher gab ihre De- Mission, und ein königlicher Erlaß zog den Gesetzentwurf im April zurück! Dieses verfassungswidrige Verfahren gegen- über einem qültigen Parlamentsbeschluß hat die Aera der Krise eingeleitet, die jetzt noch fortdauert und!>urch die A n- nexionsfrage in ihr entscheidendes Stadium getreten ist. Nach wochenlangen Verhandlungen, die durch die Reisen Leopolds in die Länge gezogen wurden, kam endlich das Kabinett de Trooz zustande, das in der Kammer sofort auf eine starke Feindseligkeit stieß. Die Politik der Unredlichkeit, zu der es vom König berufen war, offenbarte das neue K'a- binett gleich, indem es den eben zurückgezogenen Gesetzent- wurs dem Senat vorlegte. Die Kammcnnühle mahlte unter- dessen weiter, ohne Mebl zu geben. Mit deniselben Effekt wie die Beratungen des Berggesetzes endete später auch die der Lex Cooiemans, welche die Sprachenfrage im Mittelschul- Unterricht regeln sollte und nach wochenlangen erregten De- batten resultatlos verlief. Jni August brach in Antwerpen ein wirtschaftlicher Kampf aus, der Belgien beinahe mehr in Spannung hielt als alle politischen Treibereien. Der brutale Widerstand der Unternehnier sowie die Heranziehung der englischen Streik- brecher in dem gigantischen Kamps der Docker lösten in der Arbeiterschaft ungeheure Energien aus, und die Solidarität der Enterbten feierte bewundernswerte Triumphe. Der Kampf, reich auch an dramatischen Höhepunkten und Span- nungen, dauerte bis Ende September und brachte neben den errungenen Erfolgen der Holz- und Getreideverladcr auch der Dockerorganisation einen Aufschwung und eine Festigung ihres moralischen Einflusses. Die Gemcindewahlrn im Oktober haben das politische Bild nicht verrückt. Jstr wesentlichstes Merkmal war der Sieg des sozialistisch-liberalen Kartells, das, pmal in den Industriezentren mit sozialistisch denkender Arbeiterschaft, eine entscheidende Rolle spielte und für die Zukunft eine noch verichärstere Gruppierung gegenüber dem Klerikalismus verspricht. Im übrigen hatte die belgische Arbeiterbewegung im verflossenen Jahre kein? großen Schlachten zu führen. Die Gewerkschaftsbewegung hat einen bedeutenden Aufschwung zu verzeichnen, der a. u. auch auf dem in Brüssel abgehaltenen internationalen Bergarbeiterkongreß zum Ausdruck kann Sehr lebhaft wurde auch in diesem Jahre das Verhältnis von Partei und Gewerkschaft diskutiert, das im besonderen Fall? der Bergarbeiter, die bisher der Gewerkschastskonimission nicht angeschlossen sind, auch den letzten Gewerkschaftskongreß zu Weihnachten beschäftigte. Tie Kongosrage hat in der sozialistischen Partei eine lebhafte Diskussion über das kolonial-politische Problem im allgemeinen hervorgerufen. Der Parteitag selbst beschloß, die Deputierten zur Ablehnung der Annexion unter allen Bedingungen zu verpflichten. In das neue Jahr hinein grinst mit noch verzerrteren. noch drohenderen Mienen die Krise, deren Schwären nun der durch den Kongovertrag heraufbeschworene Konflikt zwischen Parlament und König zum Aufbrechen bringen wird..... Kongo. Brüssel, 3. Januar.(Eig. ver.) Die Frage der Annexion des Kongostaates hat eine allgemein- politische und eine kolonialvoliti sche Seite. Beim Auf- rollen des Problem« in Belgien ist die völlige Zerfetzung der alten Parteigebilde zutage getreten. Eine feste Ma- jorität existiert in der Kammer nicht mehr, und bei den wichtigsten Abstimmungen ist die Regierung von einer wechselnden Koalition abhängig, in der sich Klerikale und Doltrinär-Liberale vermischen. Besonders bei den Klerikalen tritt die Absonderung einer deniokiansch nuancierten Gruppe hervor, die sich, nnmentlicki durch Konzessionen auf sozialpolitischem Gebiete, bemüht, da« wachsende Mißvergnügen der arbeitenden Massen gegen die herrschende Partei zu beschwichtigen. Die Zerbröckelung der bürgerlichen Fraktionen schwächt nntürlich das Parlament gegenüber der Regierung, und so ist dieses„Mustcrland des KonstitutionaliSniuS' einein kaum ver- hüllten Absolutismus in die Hände gefallen. DaS Charakteristische dieses Znstandes ist, daß nicht wie in anderen Ländern eine dynastische Tradition die Kraft deS Absolutismus schwächt. König Leopold selbst ist mit einer anerkennenswerte» Offenheit tälig, auS den Beziehungen zwischen Monarch und Volk alle Elemente pietätvoller Sympathie auszuscheiden. Er beleidigt die BourgeoiSmoral durch die absichtliche Oeffentlichkeit seiner Beziebungen zur Baronin Vaughan, denen er schließlich die„Weihe" �iner Ehe linker Hand verliehen hat, und durch die Rücksichtslosigkeit in seinem Verhalten bei der Nachlaß- affäre der verstorbenen Königin. Wie eS denn überhaupt die Lebens- regel diese? Monarchen ist, beim Persönlichen wie beim Politischen Geschäft und Verstand allein entscheiden zu lassen. Selbstverständlich kann man all' diesen Umständen nur eine sekundäre Bedeutung in den jetzige» Wirren zuschreiben. Leopold betreibt eben sein Königsgewerbe als ungenierter G e- s ch ä s t S m a n n. und die belgische Bourgeoisie ist schließlich nüchtern genug,«m eine Sache wie de» Kongohandel, der die Politik des Landes heute völlig beherrscht, auch ihrerseits vom bloßen Stand- punkte ihre? wirtschaftlichen Interesses zu betrachten. Wenn sich das Parlament jetzt trotzdem anstellt, als wolle eS die verfassungsmäßigen Freiheiten der Nation verteidigen, so darum, weil Leopolds Profilsucht die Grenzen überschreitet, die ihr die Rücksicht ans die Interessen der Bourgeoisie setzen müßte! Seitdem der König in seinem Briefe vom Juni 1906 seine famose„Schenkung" des KongostaateS in der Weise präzisierte, daß Belgien diesen Staat ausgeweidet und mit derBteikugeltückischer Vorbehalteund Privilegiendes jetzigen Souveräns belastetüberiiehmensoll. und seitdem der Ministerpräsident der erbitterten Kammer die Beschwichlignngsrede spendete: eS handele sich in der Botschaft des Königs nicht um eine strikte Willenskundgebung, sondern um„feierliche Ratschläge", seitdem hat. sich übrigens in der Situation eigentlich nichts geändert. Der von der Regierung vorgelegte Kongoverlrag ist eine Wiederholung jener„feierlichen Ratschläge"! Da sich nun dieKanimer seinerzeit durch eine demonstrative Betonung ihrer Souveränitätsrechte festgelegt hat, Leopold aber in seinem GeschäftsfanalisniuS nicht nachgeben will, ist die belgische Politik in eine Sackgasse geraten. auS der vielleicht ohne g e- waltsamen Durchbruch kein Ausweg zu finden ist. Die letzten Regierungen, zuletzt der eben verstorbene de Trooz, haben sich bisher durch die Schwierigkeiten durchgewunden, indem sie den prinzipiellen Erklärungen des Parlaments ihre Reverenz er- wiesen, während sie gleichzeitig Vollstrecker der absoluten Gelüste des Königs waren. Im Augenblick steht der Kongovertrag, der übrigens, mit Ausnahme der direkt bestochenen Presse, von der Oeffent- lichkeil als unannehmbar bezeichnet wird, in der 17. Kommission zur Beratung. In dieser Kommission haben außer den Sozialisten die Repräsentanten der Jungklerikalen Beernaert und DelantSheere in einer Erklärung den Kongovertrag rund verworfen, und die liberale Linke hat in einem eigenen Meeting mit Berufung auf die von der Kammer im Dezember vorigen Jahres angenommene Tagesordnung ebenfalls gegen die Erwnrgung der Sonveränitätsrechte Belgien? demonstriert. I» der Kammer also keine Majorität, der König unnachgiebig und die Wahlen vor der Tür— in diesem Dreigestirn von Wirrnissen und Konflikten versumpft gegenwärtig die belgische Politik. Alle großen Aufgaben, wie die Militärreform, die Aenderung deS Wahl- rechts, die Einführung deS obligatorischen Unterrichts sind heute mehr als je von dem auch in normalen Zeiten gerade genügend unläligen und unfruchtbaren Parlament ferngehalten. So ertötet daS Krisenelend in dem klerikal herunterregierlen Belgien nicht nur jeden Atem einer lebensfähigen und wirksamen Politik— es lähmt auch vollends die matte Tätigkeit des GeietzgebungSapparateS, dessen einmal klerikal und einmal manchesterlich nuancierte Voltsfeiiidlichkeit sich jetzt als verfolgte Unschuld und als Opfer der Krise gebärden darf.... Bfvih*. Imperialismus und Einwanderungsfragen. Die Schivierigkeiten der Verwaltung eines an RegienmgS- formen und Völkerschaften so gemischten Reiches, wie des britischen, zeigen sich gegeniväitig in Transvaal in drastischer Weise. In dieser selbständigen Kolonie wohnen 7000 Hindu, von denen etwa 180 in der britisch-indischen Armee mit Auszeichnung gedient und an dem Aufbait des britischen Reiches mitgeholfen haben. Indische Soldaten fochten im Jahre 1882 in Aegypten, 1885 im Sudan, 1900 in Peking. Die selbständigen britischen Kolonien sind nun aber samt und sonders gegen die asiatische Einwanderung. Die Gründe dieser antiasiatischen Politik sind hauptsächlich w i r t- schaftlicher Natur. Die weißen Kolonisten können nämlich nicht mit den Asiaten konkurrieren I In Transvaal herrschte aus diesem Grunde schon seit vielen Jahren eine Abneigung gegen die asiatischen Einwanderer, aber so lange das alte Regime dauerte, mußte Transvaal sich auf Drängen der englischen Regierung diese Eimvauderung gefallen lassen. Als Transvaal dann zur Äronkolonie wurde, hielt die englische Regierimg ihre alte Politik aufrecht und betrachtete das Reich als ein Ganzes, dessen Bürger die gleichen Rechte haben. Seitdem Transvaal aber zur selbständigen Kolonie wurde, durfte sich die englische Regierung in seine inneren Angelegenheiten nicht mehr einmischen. Das Transvaaler Parlament nahm ein Gesetz an, das die allgemeine Ein- ivanderung gewissen Beschränkungen unterwirft und die bereits ansässigen asiatischen Einwanderer zur Anmeldung bei der Polizei verpflichtet... Diese Anmeldung könnte allenfalls als eine einfache Maßregel betrachtet werden, in der nichts Degradierendes liegt— in Deutschland zum Beispiel muß man sich ja ebenfalls an- und ab- melden. Aber in Transvaal ist erstens die Annieldung eine AuSitnhmemaßregel, da sie nur für Asiaten gilt, und ferner ist sie mit einer Prozedur verbunden, durch welche die Asiaten tatsächlich zu Verbrechern gestempelt werden; denn wie die deutsche Polizei Verbrecher. Anarchisten, gelegentlich Wohl auch Sozialdemokraten einer Zivangs- photographierung untenvirft, so unterwirft die Transvaaler Polizeiinaßregel die Asiaten einer ZwangSauftiahme der Finger abdrücke, die ja ein noch besseres Kennzeichen darstellen als die Photographic I Gegen diese Prozedur protestieren die indischen Einwohner Transvaals, und sie sind besonders darüber entrüstet, daß die englische Regierung diese Maßregel bestätigte. Und die Hindu haben recht; denn: sind sie ein Teil des britischen Reiches, so darf man von ihnen nicht nur Lasten verlangen, sondern ihnen auch die Vorteile gewähren. Will die englische Regierung ihnen nicht daS Bürgerrecht im Reiche gewährleisten, so soll sie I n d i e n freigeben. Die englischen Imperialisten fühlen die Schivierigkeiten, in die sie durch die antiasiatische Agitation der selbständigen Kolonien geraten sind. Aber sie können nichts dagegen tun. Die Vorgänge in Transvaal werden ohne Zweifel die Zlgitation in Indien verschärfen und der Reformbewegung Vorschub leisten. Der Führer der asiatischen Opposition in Transvaal ist der indische Rechtsanwalt Ghandi, der der obenerwähnten Polizeimaßregel bereits passiven Widerstand entgegensetzt. Em Induftnc und Kandel. Znr Frage der Tabaksteuer. Ein ehemaliger Zigarrensabrikant, ein Herr Dr. Lißner, ist unter die Freunde einer erhöhten Tabalstener gegnngen. Er hat ein Buch geschrieben, in dem er es unternimmt, nachzuiveisen, daß die Zigarre ganz gut ein Steuermehr von netto 50 Millionen Mark mifönngen kann, was nacb fachmännischer Berechnung eine Mehrbelastniig von über 80 Millionen Mark voraussetzt. Auf der letzten Haupt- Versammlung des Deutschen Tabakvereins(E. V.) beschäftigte man sich mit dem Lißnerichen Buche. Dem Verfasser wurde ziemlich unver- bUiml der Vorwurf gemacht, daß er für ein fertiges Urteil die statistischen Beweise gemacht habe, indem er Zahlen ganz willkürlich zuiaiimleustellte. AuS den Aiisfhhriiiigen des über diesen Punkt referierenden Herrn Syndikus Schloßmacher heben wir folgendes hervor: „... Ich muß noch auf ein? aufmerksam inachen. Herr Dr. Lißner. welcher von sich rühmt, daß er 15 Jahre lang einem ausgedehnten Fabrikationsbelriebe vorgestanden habe, übersieht, daß eS vollständig unrichtig ist. die Ernte und die Einfichr eines Lahres' Bestreben, daS Lohnniveau zu lenken. � Die Preise gehen hinaus. zusainnienzuwerfen, um daraus den Verbrauch eines betreffenden die Löhne werden gekürzt I Das ist die Jutcressciihauuome zwischen Jahres zu konstruieren. Die Ernte des Jahres kommt erst im Kohlenmagiiatentum und Bergarbeitern. folgenden Jahre in Betracht, weil der Tabak erst dann fermentiert � Boykott deutscher Fabrikate in Russisch-Polen. Die offizielle mrd ver°rbe't..ngssad.g ,st: man mug al.o m.mer, wenn man das ��ndels- und Industrie-Zeitung". die nichts.neniger als polen- Einfuhrjahr festgestellt hat. das vorherige Jahr al� Ernlejahr Rundlich gesinnt ist, bringt in ihrer letzten Nunirner aussehen- "-bmen und diese beiden Summen addieren Wir haben basnatür- aus»Marchs über den m Uene ge etzten lich getan, weil es nur so einzig nchtig»st. Auf diesem Wege er-'-----— halten wir folgende Perioden: Tabakverbranch pro Kopf der Bevölkerung 1861 und 1362 mit 1,12 Kilogramm 1863 bis 1866, 1,87, 1867„ 1870, 1,36 1871, 1876„ 1,763 1877/79„ 1878/79, 1,753 Nun kommen die Jahre nach der Steuer: 1879/80 bis 1884/85 mit 1,455 Kilogramm 1885/86„ 1889/90., 1,488 1890 91. 1894 95„ 1,51 1895/96„ 1900/01„ 1,65 1901/02. 1905 06„ 1,60 ... Herr Dr. Listner macht noch iveitere statistische Fehler, die ihm, als einem alten Fachmanne, nicht hätten passieren sollen. Er bat natürlich das Kapitel der Arbeiterentlasiungen besonders eingehend zu behandeln nötig gehabt; er beruft sich dabei auf die Gewerbe- statistik, um, da er wohl innerlich das Gefühl halle, dast seine Beweisführung mit dem Konsumrückgang vielleicht doct> anfechtbar sei, noch weiteres Beweismaierial beizubringen. Er stellt eine Statistik auf, lvonach im Jahre: 1861 3 323 Beiriebe mit einem Gesamtpersonal von 58 36l Pers. >875 10 268.„„„. 110 781 1882 15 226.., 113396 vorhandelt waren. Das ergibt in der Zeit von 1861 bis 1875 eine Steigerung im Gesamtpersoiial von 90 Proz. Dann bleibt eS ziemlich gleich! es tritt eine Stagnation ein. Demgegenüber steht die Verbrauchs- berechilimg voi, Herrn Dr. Listner: im Jahre 1861 mit 1,49 Kilo gramm bei 34,5 Millionen Einwohnern und einem Gesamtverbrauch von 514050 Doppelzentnern! im Jahre 1875 bei 42,4 Millionen Einwohnern 633 250 Doppelzentner Verbrauch und pro Kopf der Bevölkerung unverändert 1,49 Kilogramm! der absolute Verbranch hätte sich also um zirka 23 Proz. gesteigert. Herr Dr. Listner mutet uns also zu, zu glauben, dast um einen Mehr verbrauch von zirka 23 Proz. durch die Fabrikation zu ermöglichen. zirka 90 Proz. mehr Gesamipersonal erforderlich gewesen wäre. Daraus folgt gleichfalls, wie falsch die Verbranchsberechnnng Listners ist. Setzt man unsere Verbrauchsstatistik ein, so hätten die 58 361 Pelsonen Gesamtpersonal im Jahre 1861— 386 000 Doppel zentner und die 110 781 Personen Geminipersonal im Jahre 1875 740 000 Doppelzentner zu verarbeiten gehabt. Das sind gleiche. einwandfreie Verhältniszah en. Herr Dr. Listner renntet für das Jahr 1875 mit einer Zahl von 110 781 Perionen! die Arbeiterzahl nahm aber in 1876, 1877, 1873 bis zum Sommer 1879 fortwährend zu. Das bedingte schon der mit der Bevölkerung steigende absolute Verbrauch an Tabak. Als dann im H> t bst 1879 ein groster Teil der Zigarrensabrikanlen Versuche machte, we igsteuS etwas höhere Preise zu erzielen, zunächst etwa l'/s M. pro?»isend, stiestcn sie bei der Kundschaft auf groste Schwierig- leiten und w wen gezwungen, soweit sie nicht nachgeben wollten, ihre Fabrikation zu reduzieren. Vom Herbst 1879 ab durch die Jahre 1880 und 1881 hindurch find also tatsächlich weniger Arbeiter be- schäfligr gewesen, anster von der Zigarreuindustrie auch von der unter dem beginnenden Rückgang des Absatzes leidenden Rauch- tabakindnstrie, und es ist sicher, dast die Personenzahl, welche Herr Dr. Listner für 1882 angibt, nämlich 113 396, noch lange nicht wieder die Höhe der bei Eintritt der Steuer, Juli 1379, beschäftigten Personen erreicht hatte. Diese letztere Zahl ist jedenfalls nicht unwesentlich höher als 113 396 geivesen und das obschon die Bevölkerung sich von Juli 1379 bis 1882 eben- falls weiter vermehrt hatte. Dazu kam, dast der Rückgang sich nicht überall gleicbmästig geltend machte. Die süddeutsche Zigarrenindustrie blieb davon im grosten und ganze» nicbt nur verschont, sondern nahm fortwährend zu, weil sie nun die billigen Sorten fast allein herstellte, welche im übrigen Deutschland nicht mehr fabriziert werden konnten. So kam es, dast. während in Süddeutschland die Arbeiter- zahl ivuchs, sie im übrigen Deutschland sehr empfindlich abnahm." Gegen eine kürzlich von der„Deutschen Volksw. Korresp." ver- öffentlichte Statistik, die auch dem Zwecke der Propagierung einer erhöhten Belastung des Tabaks dient, polemisiert die„Südd. Tabak- zeilung". Der Verteidiger einer höheren Steuer hatte berechnet. dast der Ertrag pro Kopf der Bevölkerung in England 6.3, in Frank- reicb 9, in Italien 4 und in Deutschland dagegen nur 1,6 M. beträgt. Dazu macht das erwähnte Fachdlait folgende Berechnung: Zahl der Löhne nur an Selbständiae Arbeiter. Arbeiter ge- �wstand.ge Boykott deutscher Fabrikate in Rusfisch-Polen. „Obwohl genaue Angaben noch fehlen— so schreibt das Blatt — wird jetzt schon die Bebachtung gemacht, dast dieser Boykott aus den Güterverkehr eingeivirkt hat; verschiedene Waren ans Deutsch- land passieren die hiesigen Zollämter in weit geringerem Mäste wie bisher. Andererseits ist eine merkbare Belebung in den Handels- beziehungen mit Galizicn eingetreten, zugleich ist eine verstärkte Nachfrage der innerrussischen Erzeugnisse zu verzeichnen." Als charakteristisches Symptom der Boykottbewegung meldet »ichen, die AnSgelperrten zu unterstützen. Und auch der Zentral» vorstand des Deutschen Textilarbeite-. Verbandes hat seinen ersten Bcschlnst dahin geändert, dast die Ausgesperrten ihre statutarische Unterstützung erhielten. Tie Voroands�ertreter we-den auch jetzt für eine Beendigung deS Kampfes eintreten, und auch aller Wahr- scl>einliasteit nach eine Majorität für ihre Ansichten zu- sammenbringen. In den nächsten Tagen finden die Ver- sammlungen statt, in welchen die Arbeiter zu den Vorschlägen der llntcrnehmer Stellung nehmen. Tie Ehrisllichen lsattcn sich schon vor der Versammlung des Fabrikantenverbandes für Ausnahm, der Arbeit erklärt. Tie Scharfmacher an der Arbeit Gemäß der von den Berliner Schleissteindrehern im Bau» gewerbe erhaltenen Direktiven haben auch die Münchener dasselbe Blatt, daß österreichische, französische und englische Firmen i Scharfmacher die am 18. August 1905 abgeschlvsscnen Tarife g e- ihre Agenten nach Russtsch-Polen entsandt haben, am die dortigen Absatzbedingungen genauer kennen zu lernen.— Auch ein Beitrag zum Kapitel„Schutz der nationalen Arbeit"! Selbständige Fabrikdetriebe Gebülfen zahlt in runder usw. Summe 26 000 13 Mill. M. 55 000 15 ,, 25 000 6„ 187 500 89„ In den für Deutschland angeführten Zahlen sind die zahlreiche Arbeiter beschäftigenden HülsSindnstrien nicht berücksichtigt worden; ebensowenig die int Rohtabakhandel beschäftigten Personen. Frankreich Oesterr.-Ungarn Italien Deutschland -! Monopol 6691 Händler Monopol 25000 Eine neue preußische Anleihe. Zur allgemeinen Ueberraschung tritt die königliche Seehandlung plötzlich mit einer neuen preußischen Anleihe in unbestimmter Höhe an den Markt. Diese Anleihe soll gewähren für die ersten 10 Jahre, nämlich bis Ende März 1918, 4 Proz., für weitere 5 Jahre, nämlich bis Ende März 1923, 3� Proz., für die folgende Zeit, also vom 1. April 1923 ab, 3'/z Proz; Die Zinsen werden am 1. April und t. Oktober, erstmalig am 1. Oktober 1903, fällig. Der Zeichnungs- preis beträgt 98'/, Proz. Bei der ungünstigen Lage des Geld- Marktes kann es nicht verivundern, dast die neue Emission an der Börse verstimmend wirkte. Vorgestern ist ein schlechter Ausweis der Staatsbank herausgekommen, der wohl manche Hoffnungen auf eine baldige und erhebliche Erleichterung der Verhältnisse am Geldmärkte zerstörte und nun gestern das Vorgehen der preußischen Regierung; die 3proze»tige Staatsanleihe büßte sofort l'/zProz. ein, die Bankenwerte verloren zirka l1/« Proz. Lohnhcrabsetzungen im Kohlenbergbau. Nach Angaben der„Berg- arbeiier-Zeitung" haben auf den Zewen„Hasenivinkel".„Friedlicher Nachbar" und„Baaker Mulde" Reduzierungen der Gedinge und Schichtlöhne stattgefunden. Aus Zeche„Viktor" ist durch Anschlag bekannt gegeben worden, daß mit dem l. Januar die Löhne um 10 Proz. gekürzt werden. Aus„Adolf Hansemann" soll sogar ein Abzug von 15 Proz. in Aussicht genommen sein. Auf„Reckling- hausen II" wurden den Schleppern und Pferdetreibern 20 Pf. pro Schickt abgezogen. Auf„Shamrock" hat man das Gedinge um 5. 10 und 15 Pf. pro Wagen gekürzt. Auf „General Blumenthal" wurde bis zu 30 Pf. pro Wagen ab- geWgen. Dieie Angaben beziehen sich auf das Ruhrrevicr. Aber auch ans Lolhringen-Lnxemburg kommen Nachrichien von Lohn Herabsetzungen im Bergbau. Auf der der Luxemburger Bergwerks (3ewerK febaftUebe� Die Scharfmacher von der andern» Fakultät. Die Unteriiehmerverbände des Baugewerbes und der H o l z i n d u st r i e scheinen tatsächlich gemeinsame Sache gegen die Arbeiterschaft machen zu wollen. Nachdem die Kündigung der Verträge im Baugewerbe in weiten Bezirken vor sich gegangen ist, verkündet nunmehr auch der Arbeit- geber-Schutzverband für die Holzindustrie solche. Die Fach- zeitung der Holzindustriellen und Tischlermeister bringt folgenden Erlast: Vertragskündigungen. Nachdem sich die am 9. bis 11. Dezember v. I. in Berlin ver sammelt gewesenen Vertreter derjenigen Bezirksverbände, deren Verträge im Laufe dieses Jahres ihr Ende finden, hatten über- zeugen müssen, daß der Holzarbeiterverband nicht gesonnen ist, der niedergehenden Konjunktur entsprechend seine Ansprüche bei Abschluß neuer Verträge in mätzigen Grenzen zu halten, und nachdem die hier geführten Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern der Bczirksverbände Stuttgart, Elber feld, Osnabrück und Luckenwalde ergebnislos ver laufen waren, ist es zur Kündigung der Verträge in nachstehenden Städten gekommen: Kassel, Chemnitz, Darmstadt, Detmold, Eisenach, Elberfeld, Elbing, Essen, Forst(N.-L.l, Frankfurt a. M., Hamburg, Herford, Jena, Luckenwalde, Magdeburg, München, Neu- münster, Osnabrück, Posen, Potsdam, Stutt- gart, Wiesbaden und Z o p p o t. Die einheitliche Kündigung aller am 1. April 1903 ab- laufenden Verträge machte sich schon aus dem Grunde notwendig, weil mit Sicherheit zu erwarten war, daß der Holzarbeiter- verband in der Hälfte der oben benannten Städte seinerseits kündigen und die zweite Hälfte der Verträge um ein Jahr still- schweigend verlängern würde, um die Arbeitgeber getrennt zu schlagen. Um diese für die Arbeitgeber drohende Gefahr zu verhüten, wurde am 11. Dezember von den Vertretern dcr�Verbände ein- stimmig die Kündigung der Verträge beschlossen. Die Ver- träge von Stuttgart und Osnabrück sind am 31. De- zember 1907 bereits abgelaufen, der Vertrag von L u ck e n- walde läuft am 21. Januar d. I. und der von Elberfeld am 28. Februar d. I. ab. Die Verhandlungen in Stuttgart sind vorläufig gescheitert, denn der Lokalvorstand des dortigen Holzarbeiterverbandcs hat das an anderer Stelle dieses Blattes zum Abdruck gebrachte Entgegenkommen der Arbeitgeber als nicht geeignet für eine Arbeiterversammlung abgelehnt. Ob die beiderseitigen Zentralvorstände, wie verabredet, am 24. d. M. in Leipzig zusammentreten, hängt davon ab. ob in Stuttgart weiter gearbeitet oder gestreikt wird. Es versteht sich von selbst, daß sich unsere Mit- glieder während dieser kritischen Zeit streng an die Satzungen halten müssen. Der Zentralvorstand. In der Mehrzahl der genannten Orte wird also der Kampf in der Holzindustrie entweder zeitlich zugleich oder in kurzer Aufeinanderfolge mit dem im Baugewerbe entbrennen. Es wird klarer und klarer, daß wir es dabei mit keinem blinden Zufall, sondern einem bewußten Hand in Hand gehen der in Betracht kommenden Unternehmerorganisationen zu tun haben. Herr R a h a r d t und Herr F e h l i s ch arbeiteten Hand in Hand!_ Berlin und Umgegcna. Achtung, Klavierarbeiter!-In der Pianofortefabrik von Schneider in Leipzig befinden sich die Kollegen seit dem 23. De- zember im Streik. Der Unternehmer ist bemüht, aus anderen Orten, auch von Berlin, Arbeitswillige heranzuziehen. Hoffentlich wird kein Berliner Kollege auf ein solches Arbeiter- gesuch des Fabrikanten Schneider hereinfallen. Die Branchenleitung des Holzarbeiterverbandes. ve»>tfcbeg Reich. Zur Aussperrung in der Textilindustrie am Niederrheim Zu der Aussperrung der Samtweber wird es nicht kommen, denn allem Anschein nach wird der Kampf wohl im Lauf« der näch- stcn Woche beendet werden. Erzielt wurde für die Weber nichts, die Unternehmer lehnten strikte jede Lohnerhöhung ab, obwohl sie in allen ihren Publikationen zugeben mußten, daß die Lage der in der Stoffweberei beschäftigten Personen eine sehr schlechte sei. Nachdem alle Verhandlungen mit den Verbandsvertretern von den Seidenbaronen abgelehnt worden waren, hat der Lberbürgevmeister jich sehr um eine Beendigung des Kampfes bemüht. Auch nur das geringste für die Streikenden herauszuschlagen, ist ihm nicht ge- lungen. Erreicht hat er nach längeren Verhandlungen, daß die Sperre versuchsweise aufgehoben wird. In einer Versammlung des Fabrikantenverbandes, die am Freitag unter Zuziehung des Oberbürgermeisters tagte, ist man sich dahin schlüssig geworden, am Dienstag, den 7. Januar, die Betriebe zu öffnen und die Ar- bciter ohne Kündigung einzustellen. Diese Maßnahme hat den Zweck, die Leute jeden Augenblick wieder aufs Pflaster setzen zu können. Der Beschluß der Fabrikanten geht nämlich dahin, daß, wenn bis zum II. Januar, mittags 12 Uhr, nicht zwei Drittel der Streikenden die Arbeit aufgenommen haben, die Aussperrung weiter kündigt. Die KundigungAsrist läuft am 31. März 1908 ab. Seitens der Gewerkschaften wurde der Tarif nur von drei, nämlich den Maurern, Zimmerern und B a u h ü l f s- arbeite un, gekündigt. Mit der Kündigung hat der(Arbeit- geberverband den Organisationen gleichzeitig gegenüber dem bis- berigen Vertrag einen bedeutend verschlechterten Tarifentwurf übersairdt und verlangt bis Mitte Januar Antwort! Tie Scharfmacher haben außer den obengenannten Ol- gunisationen noch die Tarife der Holzarbeiter, Handels» und Transportarbeiter, der Säger, Parkett. leger und den Arbeitern in den Parkettfabriken ge- kündigt und gleichzeitig einen bedeutend verschlechterten Tarif- entwurs vorgelegt. Auch die mit den Bauarbeitern im ganzen Wurmt hake abgeschlossenen Tarife wurden vom Arbeitgeber- oerband gekündigt. Es steht also außer Zweifel fest, daß der Ar- beitgeberverband die Arbeiterorganisationen in einen ernsten Kampf drängen will._ Kampf in der Münchener Schichiildustrie. AuS München schreibt man uns vom 3. Januar 1908: Nachdem der zwischen der Organisation und den Münchener Schuhindustriellen im vorigen Jahre abgeschlossene Tarif von beiden Seiten gekündigt wurde und die eingeleiteten Verhandlungen sich zerschlugen, beschloß eine vollzählig besuchte Versammlung der in der Schuhindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen in ge- heimcr Abstimmung mit allen gegen drei Stimmen, in den Ausstand zu treten. Gemäß dieses Beschlusses traten heute die Arbeiter und Arbeiterinnen in sechs Fabriken in den Aus stand. Bei dem heutigen Appell meldeten sich 229 Kollegen und Kolleginnen. die 125 Kinder zu ernähren haben. Die Zahl der Ausständigen dürfte sich am Sonnabend um zirka, 200 erhöhen, da an diesem Tage in der Schuhfabrik von Gebrüder Rcgensteiner die Kündi. gungSfrist abläuft. Da die von den Fabrikanten gemachten„Zu, gcständnisse" eher einer Verschlechterung als einer Verbesserung gleichkommt und die bedeutungsvollsten Tarifforderui»gen von de» Fabrikantenvereinigung rundweg abgelehnt wurden, wird der Kamps ein sehr schwerer werden. Zuzug nach München ist daher strengsten! zu meiden. Ausland. Der Autoomnibusstreik in London. Ueber tausend Angestellte im Außcnbetrieb der„London Road Car Company", Gesellschaft für Autoomnibusbetrieb, traten am Donnerstag einmütig in den Streik. 200 Wagen konnten nicht fahren und 300 Angestellte in den Garagen wurden durch den Streik in Mitleidenschaft gezogen. Tic Streiker wehren sich gegen eine neue„Regulierung" der Lohn- zahlung. die auf eine größere Ausbeutung und Hervorbringung einer heftigeren Konkurrenz unter den Angestellten gerichtet ist. Die Gesellschaft will nicht mehr Tagelohn zahlen, sondern„Stück- lohn" nach der Zahl der Fahrten. Gegenwärtig verdient ein Motormann OM- Schilling pro Tag und ein Kondukteur 5 Schilling, nach sechs Monaten Dienst. Nach dem neuen Vorschlag sollen bestimmte Summen für die einzelnen Touren festgesetzt werden. Die Streiker behaupten, daß sie dadurch weniger ver- dienen würden und noch länger arbeiten müßten wie bisher; sie appellieren an das Publikum, indem sie erklären, daß durch die größere Hast im Betriebe auch die Gefahren im Verkehr wachsen würden. Die Streikenden betrachten es auch als eine große Un- gerechtigkeit. daß sie die Zeitverluste tragen sollen, wenn der Autobus durch einen Unfall aufgehalten wird oder seine Maschinerie in Unordnung gerät.— Außerdem ist ein Schichten- Wechsel in der Arbeit geplant, der viele Angestellte überflüssig machen würde.— Es gelang der Gesellschaft am ersten Tage» etwa 20 Wagen in Betrieb zu setzen. Letzte JVaebriebten und vepelcben. Vom Eisenbahnzug überrannt. Bunzlau, 4. Januar.(B.§.) In der Nähe von ObersiegerS- dorf wurde ein Fichriverk von einen, Eisenbahnznge überfahre». Der Kutscher und ein Pferd wurden getötet. Ein erstklassiges Regiment. Metz, 4. Januar.(B. H.) Wie zuverlässig verlautet, steht die Verlegung des 9. Dragonerrcgimcnts(Weiße Dragoner) nach Sankt Avold bevor. Die Maßnahme wird in Zusammenhang mit unlieb- samen Wechselangelegeiihkitcu gebracdt, um derentwillen auch zwei Leutnants bereits verabschiedet worden sind. Ein sauberer Direktor. Belgrad, 4. Januar.(B. H.) Der Direktor der Knpferbcrg» werke wurde von Arbeitern dabei ertappt, wie er sich an einem jungen Arbeiter verging. Die Polizei konnte nur mit Mühe verhindern, daß er gelyncht wurde. Die Arbeiter, die sich auch über gcriugcu Lohn zu betlagen hatten, sind sämtlich in de» Ausstand getreten. Räuberischer Uebcrfall. TifliS» 4. Januar.(W. T. B.) Eine Bande von 50 Räubern hatte in der letzten Nacht zwischen den Stationen Bcjukkjassi? und Karz und Karjash der transkaukasischen Bahn daS Gleis zerstört, um einen Postzug zu berauben. Ein dem Postzugc vorausgeschickter vor sich geht. Die Stoffweber würden unter den Umständen am Militärzug mit einer Schutzwache entgleiste, wobei siebe» Soldaten 13. und die Arbeiter der Hülssindustrie am 20. Januar ausgesperrt, verwundet wurden. Die Militörwache feuerte aus die Räuber. Daß Maßregelungen nicht vorgenommen wenden dürfen, hat« bon denen sie�beschossen wurde und die dann in der Dunkelheit ver- der Oberbürgermeister gewünscht und diesen Wunsch zu erfüllen, haben sich die Unternehmer bereit erklärt. Die Zentralvorstände der beiden in Betracht kommenden Ar- beiterorganisationen, der Deutsche Textilarbeiterverband und die Christlichen, waren bei Eintritt der Aussperrung schon für Auf- Hebung des Kampfes, sind aber mit ihrer Meinung damals nicht durchgedrungen. Infolgedessen ist den Streikenden keine Unter- sttitzung gezahlt worden und nur diejenigen der Christlichen haben Geld erhalten, welche sich bereit erklärten, den Weisungen des Vor- standes zu folgen. Auch war den Ausgesperrten die Unterstützung schwanden. Der Postzng, in dem, wie verlaulet, zwei Millionen transportiert wurden, wurde die Nacht hindurch auf der Station Karjasy zurückgehalten. Morgens wurden auf einer Brücke unweit der Katastrophe eine Höllenmaschine, Gewehrpatronen und Ver- bandmaterial gefunden. Explosion in einer Bank. Kansas City, 4. Januar.(W. T. B.) Im Erdgeschoß der First Natioualbank erfolgte heute mittag eine Bombenexplosio», durch welche mehrere Besucher ernste Verletzungen erlitt.». usi t'tiuvuu. �«1 uci. uci•cu�t'inuurger koergirerio«. jianoes gu sorgen. AU») pcn uie uiutcjm�urrg gesellschaft gehörigen Grube.Leltingcn" ist laut Anschlag eine Lohn-' verweigert worden, wenigstens sollten sie solange kein Geld er- rcdnsieriing von 5 Prozent vorgenommen worden. Äuf Grube halten, bis der Kampf von den Streikenden beendet werde. Die „St. Paul" in Rätzlingen tritt vom 1. Jcniuar ab ein gleich großer Erregung unter den organisierten Arbeitern des Niederrheins war I" Lohnabzug ein._ Offenbar handelt jS sich �hier um das allgemeine» infolge dieser Matznahmen sehr groß. Das bcwog dann die Christ-'__ Verantw. Redakteur: Hans Weber. Berlin. Inseratenteil verantw7: Th. Glocke, Berlin. Druck u.VerIag: BorlvärlsBuchdr.u.VerlagsanstaIt Paul Singer Lc Co., Berlin LW. Hierzu IBcllagm. fri 25. Jcl)tjmti. � Li» IMcnurteil. �Vorläufiger telegraphischer Bericht.) Königsberg, 4. Januar. Vor der Strafkammer des hiefigen Landgerichts hatten sich heute die Genossen M a r ch i o n i n i und M a r ck w a l d wegen Maj>.stäls» beleidigung und Beleidigung des Memeler Denkmalskainilees zu verantworten. Inkriminiert ivar ein Artikel der K ö n i g s b e r g e r „Volkszeitung" zur Einweihung des„Naiionaldenkinals" in Memel am 23. September 1907. In dem Artikel bat der Genosse Marckwald die schwächliche und antiuationale Politik Friedrich Wil- Helms III. gegenüber Napoleon und den Leichtsinn der Königin Luise vor und nach der Niederlage auf Grund historischer Tal>achen gekennzeichnet. In diesem Artikel erblickte die Staatsanwoltschaft eine Majesläts- beleidigung. allerdings erst zehn Tage»ach seinem Et scheine» und nachdem die block-sreisinnige Äönigsberger„Hartungsche Zeitung" Tag für Tag scharf gemacht hatte. Den Vorsitz in der heutigen Verhandlung führte der bekannte Landgerichlsdircktor Schubert, die Anklage vertrat Staatsunivalt Vögeler, die Verteidigung lag in Händen des Genossen Rechtsanwalts Hugo H a a s c- Königsberg. M a r ch i o n i n i erwiderte auf die Anklage, daß er bereits im September die Redaktionstätigkeit aufgegeben und von dem Artikel keine Kenntnis gehabt habe. Genosse M a r ck w a l d bekannte sich als Verfasser des Artikels. Marchionini habe von feiner Aufnahme tatsächlich nichts erfahren und er übernehme die volle Verantwortung. Er habe den Artikel im Juterefie der historischen Wahrheit geschrieben und halte auch jetzt»och jedes Wort davon aufrecht. Verteidiger Rechtsamvalt H a a i e beantragte zum Beweise der in dem Artikel erwähnten historischen Tatsachen die Professoren Lehmann- Berlin und Bauer- Königsberg zu laden und eine Reihe von Stellen aus ihren Werken zu verlesen, um die Richtigkeit der Marckwaldschen Darstellung zu erhärten. Doch lehnte das Gericht alle Vcweisanrröge der Verteidigung ab, da»ach seiner Ansicht die historische» Tatsachen für die Beurteilung der Strafsache unerheb- lich seien. In seinem Plaidoher führte Staatsanwalt V ö g e l c r des längeren auS, dast nach seiner Ansicht der Artikel nur geichrieben sei, um den Kaiser, von dessen Erscheinen zur Deukmalseulhüllung der Augeklagte Kenntnis hätte haben müssen, und die Mitglieder des Denkinalskomitees in der öffentlichen Meinung herabzusetzen. Die Angeklagten hätten aus vatcrlandsloscr Gesinnung heraus die patriotische Feier stören wollen. Er beantrage deshalb gegen Marckwald ein Jahr und sechs Vlonate Ge- sängnis uitd für Marchion ini neun Monate Ge- f ä n g n i S. Marchtonini habe als verantwortlicher Redakteur ge- zeichnet und sei ebenfalls für schuldig anzusehen, da er seine Pflicht nicht erfüllt habe, die Aufnahine des Artikels in die Zeitung zu ver- hindern. Verteidiger Rechtsanwalt H a a s e betonte, das; Marchionini frei- gesprochen werden müsse, da der Verfasser des Artikels dem Ge- richte bekannt sei und er von der Aufnahme des Artikels keine Kenntnis haben konnte. Der Staatsanwalt sei erst zehn Tage nach Erscheinen des Artikels eingeschritten, aufgestört durch das Geschrei der bürgerlichen Presse. Erst nachträglich habe man dann aus Aerger über den Artikel künstlich den Tatbestand der Mnjestäts- beleidigung zu konstruieren gesucht. In Wahrheit richte sich der Artikel nur gegen Byzantinismus und Servilismus und gegen selbst von patriotischen Geschichtsschreibern gemihbilligte Geschichtslegenden zur Ver- herrlichung von Mitglieder>, des Hohenzollern- hauseS, in.der gerade zur Zeit der Denkmals- Iv e i h e Unglaubliches g e l e i st e t worden fei. Der Artikel sei rein historischen und wahrheitsgemästen Inhalts, keine lebende Person sei darin irgendwie genannt oder beleidigt. Er beantragte daher die Freisprechung beider Angeklagten. Der Staatsanwalt zitiert in seiner Entgegnung, um die antipatriotische Gesinnung Marckivolds zu beleuchten, einen Artikel der„Königsberger VolkSzeitung" falsch, wie ihm durch die auf Morcklvalds Antrag erfolgte wörtliche Verlesung der Stelle sofort nachgewiesen wird. Marckwald macht« dann längere historische Ausführungen, in denen er nachwies, das; sein Urteil über Friedrich Wilhelm III und die Königin Luise vollkoinmen zutreffend und durch Zeitgenossen aufs beste verbürgt sei. Er habe seinen Artikel aus wahrer Vater- landsliebe geschrieben, und um den falschen Patriotismus zu brandmarken. TaS Gericht sprach nach kurzer Beratung den Genoffen Marchionini frei und> kleines feuUlcton« Politische Märcheo. Von Feodor Sologub. Der sterbenö frohe Tote. Es war einmal ein sterbenS- froher Toter, der spazierte aus dem Gottesacker umher, grinste und war guter Dinge. Die anderen Toten redeten ihm inS Gewissen: „Bleibe doch demiitiglich liegen, erwarte das jüngste Gericht, liege da und bereue Deine Sünden I* Doch der Tote spricht: „Fällt mir gar nicht ein, ich fürchte nichts Man hält ihm vor: „Sofern Du so arg gesündigt auf Erden, so kommt da? alles an den Tag, man stöstt Dich in die Hölle, ins siebenfache Feuer, in den siedenden Pechschlund, in die tausendfachen Qualen, in alle Ewigkeit— und die Teufel werden, wohlgesichert, sich an unseren Qualen weiden." Doch der sterbensfrohe Tote lacht darob:„So etwas schreckt unsereinen nicht mehr: ich komme aus der Reußen Land«:." Die drei Spuckpfützen. Ein Mann ging dahin und spuckte dreimal aus. Dann ging er davon. Drei Spuckpfützen blieben zurück. Da sprach die eine: „Wir sind da. doch der Mann ist weg!' Die zweite sprach: „Der Mann ist nicht mehr da!' Doch die dritte: „Er ist nur deshalb dahergekommen, um uns herzusetzen. Wir sind das Ziel des Menschenlebens. Er ist weg, aber wir sind dageblieben."(.Berecht. Uebersetzung von Paul Barchan.) Medizinisches. Nasenatmung und Schnupfenbekämpfung. Tie Schulärzte haben im Lauf der letzten Jahre die gesundheitliche Bedeutung der Rasenatmnng betont nnd wiederholt gefordert, dag der Lehrer die Kinder darüber aufkläre. Gut durch die Nase zu atmen, ist für die Gesundheit wichtig. Die Erfahrung lehrt, daß Kinder, die ständig mit offenem Munde atmen, nicht gesund sind. Diese Kinder müssen daher vom Schularzt untersucht werden, ebenso wiederholt solche, die einen chronischen Schnupfen oder Anlage zu Polypen in der Nase haben. Die Zuführung der zum Leben notwendigen Lust darf auf ihrem Wege nach de» Lungen hin keine Einengung erfahren. Die natürlichen Zukiihrungswegc aber sind die Nasenlöcher. Diese miiffen also frei sein, dlinder, die durch den Mund atmen, pflegen auch nachts AN schnarchen. Durch das Atmen mit oem Mpnde trocknet die Kehle aus und eine Anlage zu Hals- und Kehlkopflciden wird befördert. Insbesondere find, wie Dr. Ensch im„Zentrolblatt für i>cs Lstmiills" liftliiift verurteilte Marckwald zu einem Jahre und 3 Monaten Gefängnis bei sofortiger Verhaftung. Wenn in dem Artikel von einer Tragikomödie die Rede sei, und der Angeklagte gewußt habe, daß der Kaiser bei dieser„Tragi- koniödie" mitivirken werde, so erkenne man ohne weiteres die Ab- ficht, den Kaiser herabzivetzen. Ebenso sei eS eine Beschimpfung, wenn man jemand irawsage. daß er an der Enthüllung eines Denk- mals teilnebuie, da§ eine„Schandsäille" fei. Dadurch fei der Kaiser, der im Mittelpunkt der Feier gestanden habe, die zur Verherrlichung seiner Vorfahren bestimmt war. aufs schwerste beleidigt worden. Durch dieselben Wendungen sei auch das Deukmalkomitee beleidigt«ordeii. Bei der Schwere der Beleidigung rechtfertige sich die Höhe der Strafe. Genosse Marckwald, der sofort verhaftet wurde, ist in- zwischen auf Antrag des Genossen H a a s e gegen eine Kaution von lOOllo M. vorläufig aus freien Fuß gesetzt worden. Hus der parteu Die neue„Nene Zeit". Die erste Nummer der„Neuen Zeit" mit erweitertem Umfang und Inhalt, wie sie der Neujahrsprofpekt verhiest, ist in der soeben erschienenen Nummer 14 heransgekomnicn. Als besondere Beilage gliedert sich die Nr. l des Feuilletons dem Hefte an. Sie koninit einem längst gehegten Wunsche vieler Leser unseres wissenschaftlichcit Organs entgegen. Die erste Nummer verspricht, das; die Neueinrichtung eine wert- volle Ergänzung des von der„Neuen Zeit" Gebotenen sein wird. Die Nummer, die als erste schon am Sonn- abend in Berlin ausgegeben wurde— eine Erscheinungs- weise, die künstig beibehalten werden soll— hat folgenden Inhalt: Eine Schraube ohne Ende.— Die Novelle zur Gewerbe- ordnung. Von Hermann Molkenbnhr.— Jules Guesde und die französische Arbeiterbewegung. Von Ch. Rappoport(Paris).— Eine Unuvälzung der Kriegstechnik. Von Hermann Wendel.— Die Privatangestellten und die staatliche Versicherung. Bon Paul Lange(Hamburg).— Literarische Rundschau: Das Buchgewerbe und die Kultur. 6 Vorttäge. E. Bernstein, Jgnaz Auer. Das Feuilleton bringt folgende Beiträge: Fickles Reden an die deutsche Nation. Von F. Mehring. Eine literarische Umfrage. Von H. Ströbcl Die Utopie eines Fabiers. Von C. Korn.— Bücherschau: Otto Julius Bierbaum, Prinz Kuckuck. F. M. Dostojewski. Die Dämonen, Giosnö Earducci, Ausgewählte Gedichie.— Dom BildungSauSschuß: Jugend- lstcratur und Sozialdemokratie. Wissenschaftliche Wanderkurse.— Lose Blätter: Fichte über den heutigen Byzantinismus. Aus Lichtenbergs Maximen._ Doch eine Mandatscrobermig in Stuttgart. Stuttgart, 3. Januar. DaZ heute abend endgültig festgestellte Resultat der G e- meinderatSwahl ergab einen Fehler in der in der vorigen Meldung mitgeteilten vorläufigen amtlichen Uebersicht. Die Sozial- demokraten hatten nicht nur ihre drei Mandate behauptet, sondern ein neues Mandat hinzuerobert, so daß sie nunmehr vier Mandate besitzen. Die Gesamtzahl ihrer Gemeinderatömandate beläust sich numnehr auf elf. Die Volkspartei(Demokraten) verlor fünf Mandate und behauptete nur eins, das Zentrum geht leer aus. Unsere Toten. In Bern ist unser Parteigenosse Professor Dr. Adolf Vogt im hohen Alter von 83 Jahren gestorben, nach- dem ihm seine bekannten Brüder Karl und Gustav im Tode vor- ausgegangen. Er war der erste Redakteur der„Helvetischen Typo- graphia" und zwar von 1857 bis 1859. Lebhaft hat er für den Ächistundentag der Arbeiter gekämpft, den er namentlich vom physio- logischen Standpunkt aus für berechtigt erklärte. Die Schopfheimrr Nachwahl zum badischrn Landtag. Es wird uns miigeteilt: Zwecks Stellungnahme zur Nachwahl im Landtagswahlbezirk fand am 29. Dezember eine sehr gut besuchte Konferenz in Schopf- heim statt; als Venreter deS badischen Landesvorstandes war Partei- sekretär TrinkS anwesend. Die Konferenz beschloß ain Wolflkampf teilzunehmen. Als Kandidat wurde Genosse Müller, Sattler- moister in Schopfheim, einstimmig aufgestellt. Unsere Meldung in Nr. 392 vom 28. Dezember 1997, wonach Genosse Arbettersckretär Engler kandidieren werde, ist demnach zu berichtigen. allgemeine Gesundheitspflege" ausführt, Ohrenfluß und Schwer- Hörigkeit bei Kindern meist eine Folge des MllndatmenS. In ein- zelncn Fällen konnte der Arzt sogar Taubheil aus jahrelange Mund- atmung zurückführen. Ein hartnäckiger Tchiiupfen, wie ihn viele Menschen das ganze Fahr»ich« loS werden können, sollte niemals unter- schätzt, sonder» als eine immerhin bedenkliche Erscheinung angesehen werben, die sofortigen ärztlichen Rat erheischt. Tröltsch behauptet, daß bei Le»ten im Älter vo» 29— 3V Jahren unter dreien stets einer sei, der nicht normal höre. Im SäuglingSalter ist der Schimpfen stets energisch zu bekämpfen, weil er die Grundlage zu vielen Hals- und Rachenkraiikheiten im späteren Alter bildet. Notizen. — Theaterchronik. In Berliner Theatern finden nächste Woche folgende Erstaufführungen statt: im N e u e n T h e a t e r am 7. Januar Karl Streckers Drama„Rudolf Schlosser", im Kleinen Theater am 9. Januar Andre G i d eS„König C a n d a u l e S", im L u st s p i e l h a u s e am 19. Januar S k o- w r o n n e k s Lustspiel„Panne"(auf deutsch: Automobilunfall), im Lessingtheater am 11. Januar G. Hauptmanns„König Karls Geisel". — Ein neue? Drama von HeijermanS.„Sonder- bare Jagd" betitelt, wurde in Rotterdam zum ersten Male aufgesührt. — Im Institut für Meereskunde spricht am Dienstag, den 7. und Freitag, den 19. d. M., abends 8 Uhr, Dr. B i d l i n g- m a i e r- Berlin über„Ebbe und Flut". — In der Bibliothek dcS Kunstgewerbe- museums, Prinz- Albrechtstr. 7a, finden monatlich wechselnde Ausstellungen statt(im AusstellungSsaal, der an allen Wochenlagen von 19—19 Uhr geöffnet ist). In diesem Monat ist K 1 i n g e r S neuestes Griffelkunstwerk„Epithalemia" nebst älteren Sachen von ihm ausgestellt. — Zum Direktor de? Berliner prähistorischen Museums ist zum l. April Prof. Schuchhardt, bisher Direktor am Kestiier-Mnseum in Haimover, berufen worden. — Eine Theaterlun st- Ausstellung soll am 1. April in Paris eröffnet werden. Eine retrospeklive Abteilung wird auf die ältesten Perioden der Theateikunft zurückreichen, während die moderne Abteilnng das 16. Jahrhundert und die folgenden Epochen bis zur Gegenwart umfaßt. AuS dem 16. Jahrhundert ivird mau die Dekoralionsskizzen der berühmten„Ealnndria" deS Kardinals Bibbiena, die in Bologna aufgeführt wurde, sehen: die Skizzen werden jetzt in der Bil�liothek von Bologna aufbewahrt, und die italienische Regierung hat sich bereit erklärt, sie für die Ausstellung zu leihen. Besonders reich wird die Theaterkunjt des 18. Fahrhunderts vertreten sein. Der italienische Sammler Sambon, der auch eine 0 1!l§ 1 1(l!l Somtag. 5. larniw 1908. polizeiliches, Gerichtliches uto. Nach bcnchmtein Muster. Bekanntlich wurde Genosse Liebknecht zur Verbüßung seiner Festungshaft aufgefordert, noch bevor man ihm das schriftliche Urteil eingehändigt hatte. Die gleiche Praxis hat auch in Mühlhausen i. Th. Eingang gefunden. Genosse M a r k e w i tz von»„Volksblatt" wurde am 3. Dezember»vegen Richterbeleidigung von der berühmten Erfurter Sttafkammer zu vier Wochen Gefängnis verurteilt und muß sich jetzt hinter Gefä�gn'smauern begeben, ohne daß ihm das Urteil bisher zugestellt wurde. Preußische Gencktspraxis! Diese Freiheitsstrafe wurde bc- kairntitch wegen gebührender Kritik an einem Urteil verhängt, durch das der Poirzeikommisiar. Sauden von Langensalza für Verprügelung eines Kindes, das er zum Geständnis zwingen wollte, mit 299 M. Geldbuße„bestraft" wurde. Er erfreut sich also goldener Freiheit, der Redakteur jedoch muß brummen I Soziales« DaS Silvestergeld. WeihnachtS- oder Silvestergelder, die als Exiraprämle neben dem vereinbarten Lohne für„gute Führung" und unter der Vor- aussctzung„guter Führung" in Aussicht gestellt werden, werden in der Regel nicht für cinklagbar erachtet, weil und wenn ihre Ge- Währung lediglich von dein guten Wille» des Versprechenden ab- hängen soll. Anders liegt cS, wenn aus den Umständen erhellt, daß dem Arbeiter ein Zlnspruch auf die Prämie zustehen, die Prämie ein Teil des Lohnes- sein sollte. In solchen Fällen geht ein Arbeiter, der das ganze Jahr hindurch im Hinblick auf das ihm in Aussicht gestellte Silvestergeld sich ganz besonders gut geführt hat, seines Anspruchs auf die Prämie auch dann nicht verlustig, wenn der Chef fünf Minuten vor Weihnachten oder Siloester einen Grund sucht und findet, den Arbeiter zu entlassen oder seine Führung zu beanstanden. Täs wurde kürzlich in einer Verhand- lung vor der achten Kammer des hiesigen Gcwcrbegerichts au» erkannt. Der Arbeiter M. hatte lange Jahre hindurch bei der Firma B. rrgelmähig ein„Silvestergeld" von 35 M. bekommen. Nachdem er nun im vorigen Jahre nach zehncinhalbmonariger Tätigkeit entlassen worden war, verlangte er neben seinem Lohne die Auszahlung der Prämie in Höhe von 35 M. Er wies nach, daß der Firmcninhaber bei Gelegenheit von Verhandlungen über Arbeitszeit und Bezahlung der Feiertage erklärt hatte: die Feier- tage könne er nicht extra bezahlen, aber er entschädige seine Leute für den� entgangenen FeiertagSlohn durch die Extraprämie. Bei dieser Sachlage erkannte das Gericht den Anspruch des Klägers zwar nicht in voller Höhe, aber doch anteilig als berechtigt an, und zwar wurde der anteilige Betrag auf die zehnoinhalbmonatige Tätigkeit auf SO, 35 M. berechnet. Vom Aschenbrödel Volksschule. Um dem bis zur Unerträglichkcit gesteigerten Lehrermangel m Preußen abzuhelfen, wird zurzeit zu allerhand künstlichen Lock» Mitteln gegriffen. Nur das natürlichste Mittel, eine ausreichende Dotierung der Lehrkräfte, wendet man nicht an, um jungen Leuten die Ergreifung des LehrcrberufeS begehrenswert erscheinen zu lassen. Die sorgenfreie Existenz würde ohne weiteres den Mangel an Nachwuchs beben. Doch da der Bolksschullehrcr ausgesprochener- niaßcn möglichst knapp gehalten werden soll, so überläßt man ihn seinem Schicksal, sobald er in Amt und Würden gelangt ist. Fast wie unlauterer Wettbewerb mutet es da an, wenn z. B. die evan- gclische Pröparandenschule in Striegau in der Presse inseriert, daß den jungen Präparandcn, die neben 36 W. an Schulgeld einen Pensionspreis von 899 M. pro Jahr während ihrer Ausbildungs» zeit zu entrichten haben, bis zu 249 M. au laufenden Unter- stützungen und bedürftige Schüler außerdem noch aus einer Stiftung bis zu 499 M. an Stipendien erhalten können. Ein geradezu idyllisches Verhältnis in der Stricgauer Präparandenanstalt! Die jungen Leute machen insofern noch ein„Geschäft", als ihre Zu- Wendungen eventuell die Kosten des Studiums um einige hundert Mark übersteigen! Wie indes die Kehrseite der Medaille aus- sieht, ist zwar im allgemeinen bekannt, doch dürfte der Notschrei eines Duisburger Lehrerö in der Duisburger bürgerlichen Presse gewiß allgemein interessieren, da aus der Veröffentlichung er» sichtlich, wie man bemüht-st, innerhalb der Lehrerschaft selbst noch gewisse Gegensätze zu schaffen, die ja immer dazu dienen müssen, ie.u oeherrschen und gefügig zu machen. Es heißt in der Zuschrift: „Ein ganzes Jahr lang wartete die Duisburger Lehrerschaft bereits auf die allen anderen Beamten schon lange gewährte EIc» haltSaufbesserung, die zwar weit hinter den geäußerten Wünschen und der Verteuerung der Lebensmittel zurückblieb, aber dennoch von der Königlichen Regierung zu Düsseldorf abgelehnt worden Anzahl von Antiken,, die auf das Theater Bezug haben, zur Ver- fügnng stellt, gibt wertvolles Material zur Geschichte der italienischen Komödien im 13. Jahrhundert. Die Porzellanmannfaktur von Ssvres stellt eine ganze Serie von Theaterporträts und-Szenen aus. Auch das Ausland wird reich vertreten sein. — Die Inselgruppe der Philippinen im Stillen Ozean ist zum Teil noch unbekanntes Gebiet. Es gibt gegenwärtig keine genaue Karte der Gruppe; man kennt nicht einmal die Zahl der Inseln. Die ungenauen spanischen Karten zeigten etwa 1299 Insel», während die Amerikaner, die seit dem Jahre 1898 die Philippinen besitzen, schon mehr als die doppelte Anzahl festgestellt haben Gegenwärtig sind fünf Dampfer vom amerikanischen Küsten» Vermessungsdienst mit einer genauen Vermessung der Küsten mrd Feststellung sämtlicher Inseln, die zur Philippinengruppe gehören, beschäftigt. Die Arbeiten werden zehn Jahre in Anspruch nehmen, dann erst wird man eine genaue geographische Karte der Insel- gruppe besitzen. Als Ergebnis der bisher geleistete» Arbeit wurde jüngst gemeldet, daß über 2599 Inseln gezählt worden sind. ' Ue'brigens sind sogar die allgeinein bekannten großen Inseln der Philippinen im Innern zum Teil nvch unbekannt. Was wir von den Philippinen hören, das spielt sich zumeist in den Küsten- gcgenden ad. — AuS der Geschichte deS Regenschirms. Wenn man über irgend eine Neuerung lacht, soll man sich nicht allzu bemerk- bar machen, damit man nicht als„arm an Geist" aus die Nacklvelt komme. Lacht man doch so oft. als wenn eS sich um die größten korheitcn handelte, über Dinge, die später so ganz natürlich er» scheinen. Die Geschichte des Regenschirmes kann als ivaruendeS Beispiel dienen. Der Regenschirm ist, was wohl bekannt sein dürfte, chliiesiichen Ursprungs; er kam erst im 13. Jahrhundert über Persien nack Europa und tauchte hier zuerst in England aus. Es lvar im Jahre 1789, so erzählt die„Revue hebdomadaire", als ein englischer Schriftsteller namens Hanway die Vorzüge des neuen Gegenstandes zu erproben beschloß: mit einem großen Regen- schirme bewaffnet, zeigte er sich eines TageS auf den Straßen von London und erregte natürlich ungeheueres Aufsehen. ES war ein Skandal, ein Menschenzusammenlauf, wie man ihn noch nicht erlebt hatte: die Dienst», ädchen lachten den Literaten auS und riefen ihm spöttische Worte nach; die Gassenjungen aber benutzten, um Hanway ihre Mißachttmg zu beweisen, ganze Hände voll Straßen- schmutz, die sie gegen den unglückseligen Regenschirm schleuderten. Man schien allgemein der Neberzeugung zu sein, daß Hanway ein Attentat gegen die guten Sitten begangen habe. Und diese Szenen wiederholten sich mehrmals, und mehrmals mußte der Neuerer den Regenschirm wechseln oder sich neue Seide aufspannen lassen für die alte, die ihm durch Sleinwürse zerrissen worden war. Er hatte den Mut. allen Angriffen- Widerstand zu leisten, und der Regenschirm blieb schließlich Sieger. WS» und darauf der Etttscheibuna des Ministers anhcimgegekm wurde. Wegen der zunehmenden Not hatte die Lehrerschaft un- deschadet der Genehmiguna oder Nichtgenehmigung der GehaltS- neuregelung an die städtische Verwaltung ein Gesuch um Ge» Währung einer„NotstandSznlage" gerichtet. Dabei hatte die Lehrer- schaft die Hoffnung, das; ihr jetzt endlich einmal eine Weihnachts- freude bereitet werden würde. Und wirklich! Die Weihnachtsbcschcrung kam! Wer es nach- sühW'ann, was eS heiht, bei den»auf? schönste geordneten" Duisburger Schulverhältnisscn, wo nicht selten SV, vv und mehr Schüler von einer einzige» Lehrkraft in nicht einmal sehr modernen Schulzimmern zu unterrichten sind, alö Lehrer tätig zu sein, da- neben wohl gar unentgeltlich Nachhülfestunden an Schwachbegabte, Vertretungsstunden für erkrankte Lehrer oder in neueingerichtetcn Schulklassen zu erteilen, außerdem dann zu Hause die erfordcr- lichen schriftlichen Arbeiten für die Schule usw. zu erledigen, in der dann noch etwa freien Zeit mit Stundengeben, Schriftstellern. Unterricht an Fortbildungsschulen und sonstige recht wenig oder gar nicht mit dem Lehrerberuf zu vereinbarenden Tätigkeiten das tägliche, immer teurer werdende Brot(an Fleisch nicht zu denken) beschaffen zu helfen, der wird auch nachfühlen können, wie wohl einem solchen geplagten Mcnschenkinde eine Ferienruhepause tun muh. Mit dem diesjährigen Schulschlutz kam aber auch die AuS- zahlung der„Gehaltserhöhungen". Und da sage einer, eS herrsche kein soziales Empfinden mehr in der Welt! Wer genug hat, dem soll noch mehr gegeben werden, damit für den, der's wirklich nötig hat, nichts übrig bleibt. Das lehrt folgende Zusammenstellung. An der Aufbesserung sind beteiligt: ») säiiirliche Lehrerinnen mit je tOV M. b) 63 Rektoren und Hauptlehrer mit durchschnittlich je 3e Ursachen und Verhüluna. Vortrag von Dr. med. Pseiffer. lö Seiten. Verlag: R. Schmidl in Mettzen. AuS einer deutsche» Republik. Nach eigenen Etlebnifle» von Dr. Phil ft. Mann. Verlag: A. Brost in Zürich. Jährlich Tt, Ailieiter-Biidungsscliiile Berlin. Sonntae, den 10. Januar 1908, in l'reyers Fcatsälen. KoppenNirnBe 29: Siebzehntes Stiftungsfest. Konzert. Gesang. Festvortrag. Mitwirkende; Slnronle-Orchesikep(zirka 60 Künstler) unter Leitung des Kapelliueisters Zimmer. Gesangverein„Sencfelder" (M. d. A.-8.-B.). Nach dem Konzert: TfiTIZ« Billetts im Vorverkaof 60 Pf., an der Kasse 70 Pf. inkl. Programm. Billetts sind zu haben in der Bibliothek, Grenadiere trolle 37, Donnerstag abend von 8—9 Uhr- bei Liehr, Grenadierstraße 35; Korsob, Engel-Ufer 15; Gottfr. Schulz, Kottbueer Tor; Raul, Barnim- Straße 42; Vogel, Lortzingstraße 27; Fahrow, Ravenö straße 6; Lorenz. Knppenstraße 28 und an der Kasse__ 6/2 Lese- und Disku(ier-Klub„Süd-Ost". Sonntag, den 18. Januar 1008: 17. Stiftungsfest in Kellers Pest.aien(Inhaber Freyer), Koppenstr. 29 □ □□ Großes Konzert. □□□ Mitwirkende: Berliner Sinfonie-Orchester, Maximilian Fischer. Gesangverein„Kreuzberger Harmonie"(M. d. a.-s.-b.). Festrede. GeÄsnsenoni Paul Singer. Volktt.iUiger-OeaellMchart Tlax Schmelzer. □ □□ Turnerische Aufführungen. □□□ ======== Großer Ball.= Eintritt 40 Pf., an der Kaase SO Pf. Kasseneräftnung 4 Uhr nachmittags.— Anfang 5 Uhr. Um zahlreichen Besuch bittet Da. Komitee. Allen Freunden und Gönnern zum Jahreswechsel die besten Glückwünsche! fei- Kall tapanr n. b, H. CigMlIöMlill Direktion Carl Bayer. 23376 Allen werten Kunden, Freunden und Gönnern herzlichste � � Glückwünsche im neuen Jahre! � gl Glückwünsche un neuen Jahre! a « önitei„Sl-ist", franz iiier,»m,«. ä» x Lieferant der Radlahr-, Gesang-, Lotterie- u. Sparvereine seit 1880| Von der Reise zurück. 99/1 Dr. Emil Hirsch. Arzt. N-, Schul stf. 2(ft. Reinickendarserftr. 70) Für Kassenkranke- halte ich allster meiner Sprechzeit noch ,4l>rntl*ta ti•• In der Kasseepause: 103/2 Hteater-VorsteHittix usw. Entree 60 Pfennig. S Entree 60 Psenntg. Freunde und Gönner der Genossenschast ladet sreundlichst ein I Schwarzer Friedrichsberg Udler Fronkfuptep Chau.aee t (rrUhor 120). Sladlbshnslatiiin Frankl. lllee Infi. Qcbr. Feimsprj�Friedrjchsbe� Jeden Sonntag; Im Kttnlc.aale: GPOßGP Sali 1 Anfang 4 Uhr. unter Leitung des Herrn O. Bürger* Anfang 4 mir. Jeden Hontag: 15181-* Solree der Apollos Sänger. «W Anfang 8 Ehr. Cd« � Nach der Vorstellung: Tanz»Kränzchen. � � IZi»l I von 1 W. 50 Pf. an bis zum gediegensten platten losen Zahnersatz. Plomben von 1 M. an, sowie Kronen, Ii rü eben, iftxitline nach neuestem Verfahren: Keparul uren. Im- arbeil ungen sofort a billigst. Auf Wunsch Teilzahlung gestattet Garantiert fast schmerzlose Behandlung! Viel« Anerkennungen, Zahnschmerz atille sofort i. Zahn-Atelier Wilhelm Sokofzer, BIHeäuTnau 46 Prinzenstr. 46,». Etage ach- Sozialtlemokral. Halilvereio Reinickendorf- West. Todes- Anzeige. Am 1. Januar verstarb plötzlich und unerwartet unser ällesleS Mitglied, der Gemeindcocrlreler Paul Schilling. Im Kampfe(flt die Jntereii-n des arbeilenden Volkes stand der Versloibene mehr als drei Jahr- zehnte in den vordersten Reihen. Die Parteigenossen werden dem- selben ein ehrenvolles Andenken bewahren. Der» Vorstand. 0.«L: G. z e l l w o ck. Tag und Stunde der Beerdt- gung wird später betaunt ge- macht. Zähne m«. 2? es g 6 N i Das Komitee. Märkischer Kof, Ä,i»!Äl8c- Der fleine T»al ist an Soiinabrudett u. Tonntage» zu vergeben. (ZroLer Lall. Im großen Saale jeden«onntag: Ansang 4 Uhr. Ben Schira Cigaretten sind die besten. Marke A.. 2 Plg.,- Ultra.| 3 Pfg. Käuflich in allen CigarrtogoschaHen. MbKien. Ifervieiilpnp-lppn -------- mit selbsttätigem Papiereinlcger.- Friedrich Fischer Bethanien- Ufer 8» BERLIN• Bethanien- Ufer 8 Telephon Amt IV, 4543. Ständiges Lager In Kontor-Mobel, Roll|a!oiisle-Schränken, Selbstöftner-Schränken, Schreibtischen etc. "' Aul Wunoch Eztra-Anfertlgung.- Lieferant der meisten Gewerkschaften Dentschlandt. Aprrch- iiiafdiinrn, yiüttrn» Wchrn«. hält jeder« na nn. 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Um rege«elelttgung bittet >77/1 Tie Qrtsverwaltnng. Vrrband drr Malkr, lackikrer, Aiilfttichtr nsm. Filiale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht. daß unier Mitglied, der Kollege tAuxust Hebold am 2. Januar verstorben ist. Ehr« seinem And enkenl Die Beerdigung findet am Montag, den S. Januar, nach. ntlttaas 3>/j Uhr, nun der Leichenhalle des schniargendorser Kirch- hoscS aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 131/2 Die Ortaverwaltung. Für die vielen Bewelse inniger Teilnahme bei der Beerdigung mein»? lieben Mannes sage ich allen Freund n und Bckannlen meinen herzlichsten Dank. Ww. BoBdorf nebs: Umbeni. DunkHagnng. Für die rege Beieiligung und die reichen Kranzspenden bei der Bc- erdigung meine» lieben Mannes, Sohnes und Schwiegersöhne«, unseres guten Valci S, Bruders und Schwagers, des Tischlers Hermann l�sws sagen wir allen Bekannlen und Ber. wandten, insbesondere den ChcsS und den Kollegen der Firma Sachse u. Hesse, dem sozialdemokratischen Wahlvcrein de« 4. ReichstagS-Wahl- kreises und den Sängern sowie dem Denlichen Holzarbeiter- Verbände unseren innigsten Dank. 23S2b Im Namen der Hinterbliebenen: Ww. Anna Law« geb. Hostmeister, _ Franz Law«._ OPa Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Priuzenstr. 41, Jlnüp'™, 10-2,5-7. fionntogo 10-12, a-4. war»Ml Anhalt der Jnlirate «birniinnil dir Rrdntiion dem vublitiun grnriiiiber keinerlei Reeannvoeinn«. 'Chcaxcr. Sonntag, 5. Januar. Freie Volksbühne. Nachmittags 3 Uhr: t. i>I b t e i l u n g: im Neacn Schauspielhause: Iphigenie auj Zauns. 15./ 16. Abteilung, nachmittags 3 Uhr: im Berliner Theater: Ledige Leule. Neue freie Volksbühne. Nach- mittags 2>/z Uhr: Exlravorstellung in den Kammerspieleu: Frühlings Erwachen. Nachmittags 2'/, Uhr: 21. Ad- teilung im Deutschen Theater: Das Wintermärchen. NachoiittagS 8 Uhr: 2. Abteilung im Neuen Theater: Ueber den Wassern. Nachmittags 3 Uhr: 5. Abteilung im Schiller- Theater 0.: Das Glück im Mnlel. Nachmittags 3 Uhr: 10. Mteitung im Friedrich- Wilhelmstädtischcn Schauspielhaus: Nathan de> Weise. Nachmittags 3 Ubr: Ertrnvvrstellung im Schiller-Theater Charlotten- bürg: Heimat. Montag, abends 8 Uhr: 18. Ab- teilung im Lortzing-Theater: Die lustigen Weiber von Windsor. Ansang 7'/, Uhr. ZtSnigl. DpernhauS. Madame Buttersty. Montag: Aida. Königl. ZchauipielhanS. Met Lävm um nichts. Montag: Der gehörnte Siegsried. SiegsiiedS Tod. Neues tgl. Dperntheater. Figaros Hochzeit. Deunches. WaS ihr wollt. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kamm erspiele. Liebelet(Ans. 8 Uhr.) Montag: FrühlwgS Erwachen. (Ans. 8 Uhr.) Ansang 8 Uhr. Sorhing. Die Zauberflöte.(Ans. Vi. Uhr.) Nachmittags 3 Uhr: Der Troubadour. Montag: Die lustigen Melder von Windsor. Berliner. Blaubart. Montag: Dieselbe Vorstellung. Neues schauipielhauS. Zwischen Ja und Nein. Montag: Judith. Lesfing. Die gelbe Nachtigall. Nachm. 3 Uhr: Die versunkene Glocke. Montag: Die Wildente.(Ansang VI. Uhr.) Neues. Baccarat. Montag: Dieselbe Vorstellung. KleineS. Mandragyla. Nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Montag: Mandragola. T.i.i»., i». es» Uner-Thealer.) Die Schmuggler. Nachm. 3 Uhr: DaS Glück Im Winkel. Montag: Philister. Die Lore. Schiller Eftarlottenburg. Kollege Crampton. Nachmittags 3 Uhr: Heimat. Montag: Der Richter von Zalamea. Friedrich- BSilhelmiiädt. Schau- spieltians. Madame SanS- Göne. Nachm. 3 Uhr: Nathan der Weise. Montag: In Vertretung. Weile». Ein Walzerlraum. Nachmittags 3'/« Uhr: Die lustige Witwe. Montag: Sin Walzertraum. Tbearrr an de« Spree. Hoku». pokus. Nachm. 3 Uhr: Der Attienbuditer. Montag; HoluSpokuS. Komische Dper. Tiefland Nachmittags 3 Uhr: HossmannS Er- Zählungen Montag: Tiesland. Zentral. Frau Warren« Gewerbe Nachm. 3 Uhr: Schneeweifjchen und Rosenrot. Montag: Frau Marren« Gewerbe. Reiidenz. Ganz der Pava Nachm. 3 Uhr: Der Hütlenbesttzer Montag: Ganz der Papa. Luiien. Zirlnslcule. Nachm. 3 Uhr: Romeo und Julia Montag: Zirkusleule. $»»>,>, eil,»,.». Husarensteber. Nachmittags 3 llbr: Unsere Käte. Montag: Husarensieber. Triano». Fräulein Joselte— mein, Frau. Nachm. 3 Uhr: GaslonS Frauen Montag: Fräulein JoscUe— meine Frau. Thalia. Die gelbe Gesahr. Nachmittags 3 Uhr: Bi» früh um Fünsc. Montag: Die gelbe Gesahr. Bernhard Roie. Die Verlobung im Bett. Die oberen Zehn- tausend. Nachmittags 3 Uhr: Othello. Montag: Die Verlobung im Bett. Die obere» Zehntausend. Earl-Haverlanv- Theater. Spe- zialiläten. Montag: Dieselbe Vorstellung. i0l,iro»>>i. Das mutz man seh'n. Nachmittags 3 Uhr:' Die Herren von Marim. Montag: Das mutz man seh'n. Ilvotlo. Hymack. I-a belle Alexia. Gentes. Nachmittags 3'/, Uhr: Familien- Dortlellung. Montag: Hymack. La belle Alexia. Gentes. ZNalbnll». Spezialitäten. Montag: Dlrselbe Vorstellung. Folie«<5aprirr. Mal was andres. Dunkle Punkte. Eine anständige Frau. Montag: Dieselbe Vorstellung Gebr. Herrufeld. Papa und G«. Nossen. Nachmittags 3 Uhr: Dte Meyer- Hains. Montag: Papa und Genossen. Parodie. Zapsenslreich. Tannhäuser. Monna Vanna. Nachm. 3>/z Uhr: Wilhelm Tell. Das Ungeheuer. Monna Vanna. Montag: Zapsensteich. Tannhäuser. Monna Vanna.(Ans. 8'/, Uhr) Kasino. Biederleute. Rachmittags 4 Uhr: Nick Carter. Montag: Biederleute. Wintergarten« Robert Steidl. Spe- zialitäten. Paiixgc. Die singende» Engels- köpie. Spezialitäten Borussia. VariStS, Ackcrstr. 6/7. Spezialitäten. Reichsballe«. Steltmer Sänger. IIr»»ia. T»»hr»Ii,»he tx-ttl. 8 Uhr: Kairo und die Pyramiden. Montag, nachm. 4 Uhr: Frühlings- tage an der Rivirra. Abends 3 Uhr: Kairo und die Pyramiden. Sternionrik, Jiivalidenllr. 57/62. BeHinei- Theater. Gastspiel d. Neuen Operetten.Theatees. Abends 3 Uhr: BIsiM Neues Theater. Abends 8 Uhr: Baccarat. Hieraus Gastspiel der Tänzerin Miß Maud'Allan: Vision der Salome. Montag: Baccarat. Hieraus Vision der Salome. Dienstag zum erstenmal: Rudols Schlosser. Ansang 8 Uhr._ Kleines Theater. Nachm. 3 Uhr: Wachtasiyl. Abends 8 Uhr: Ajcne» Sornia. Mandragola. Montag: Mandragola. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag: Mandragola_ Theater des Westens. 8 Uhr: Kin»Valxertranin. Operette von Oskar Strang. Sonntag nachm. 3'/, Uhr halbe Preise: I»Ie luHtlge Witwe._ Priedricti-Wilhelrnstädtisches Schauspielhaus. Nachm. 3 Uhr: Nathan der Weise. Abends 3 Uhr: Madame Sans Qöne. Montag. DtenStag: In Vertretung. Mittwoch: Kriemhilds Rache Donnerstag: Jugend von beute. � Lortzing-Theater; Nachm. 3 Uhr: Ter Tronvaoour. Abends 7ll, Uhr: Die Zauberflöte. Montag: Die lustige» Weiber von Windjor. Ansang 8 Uhr. Dienstag: Die Zauberflöte. An- lang 7'/, Uhr. Lusispieihaus. Nachm. 3 Uhr: UiiNere Kttte. Abends 8 Ubr: Hinaarenfleber. Residenz-Theater. — Direktion: Richard Alexander.— Ansang 8 Ubr. Ganz der Papa. Schwant in 3 Akten von MarS und DeSvallisreS. Deutsch v. M Schöiia». Baron des AubraiS: Rich Alexander. Sonntag, den 5. Januar, nachui 3 Uhr: Ter Hüttenbestyer�_ ZentralsTheater. Gastspiel bc« Hrbbrl'IhcaterS. Nachm 3 Uhr: Zchueeweistche» und Rosenrot. iKleine Preise.) Abend« 8 Ubr: �rau TDarrenS(Kctverbe. Drama m 4'Akten von Bernd. Shaw. tMm an der Spree Kdpenickerstr. 68, dicht am tiaimhof JannowltcbrQcUe raqllch 8 Uhr: Neu, Ueiliner Poas, dl Uesang n. T&nz von Louis Hernriann. Neu: Neu. Auf sihrlftl. od. teleph lie.iell. (IV, 2835) werden d. Blllots in Berlin u«ilmtl. ororten gegen Nachn.(onne jede Preiserhöh.) in die Wobnaugen Beschickt) Scli iller-TIi eater. Naqm. 3 Uor; Ter Attienbudlker. Letzte Borstellung, halbe Preise. Z Ressege-Theelel. «heuls zwei Vorstellungen; < Nachmittag-s 3—7 Uhr(kleine J Preise), abends 8—11 Uhr.| | Die Tochter des Herodias.| \ Cavaltere Girotto JThe 6 Jdols. j Rudolf Mälzer. j Die singenden Engelsköpfe.; J(Prolongiert.)» Schiller- Theater 0.(Wallner-Tbealer). Sonnlag, nachm. 3 Ubr: Ida« Clliieli Im Winkel. Schauspiel in 3 Alt. v. H. Sudermanu. Sonntag, abends 8 Uhr: Isle tzielimngglei'. Komödie in 4 Allen v. Arlur Dinier. Montag, abends 8 Ubr: Philfoter. Hieraus: Die Lore. Dienstag, abends 8 Uhr: College Crampton. Schiller. Theater Charlodenharg. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Heimat. Schauspiel in 4 Alt. v. H. Sudermann. Sonntag, a b e» v s 8 U h r: Kollege Crampton. Komödie in 5 Akten von Eerhart Hauptmann. Montag, abends 8Ubr: H er Richter von Zalamea. Dienstag, a d e» d S 8 Uhr: Her Revisor. Seh il ler-Saal Cc'ÄVJlKS') Sonntag abends 8 Uhr: W. A. Mozart-Abend. Dienstag abends 8 Uhr: Lieder-Abend. Maria Seret(Gesang) und Maria Bergwein(Klavier). Panoptikum 165 Friedrichstr. 165 Castan's Das Schlangen-Ungeheuer mit seinen 27 Jung/en. Däumling, der kleinste Mann der Welt! Zirkus Schumann Heute Sonntag, den 5. Januar, nochmitt 3'/, Uhr, abends 71/, Uhr: 2 gr. Fest-Vorstellungen 2 Nachmittag« auf allen Plätzen ohne Ausnahme ein Kinv frei. Jedes weitere Kind unter 10 Jahren halbe Preise(auher Galerie). In der Nachmittags-Vorstellung zum Schluß: Die lußige» tikidelhrrgtr. Mit der urdrolligen Regenszene und komischen Einlagen. Außerdem in beiden Vorstellungen gleich reichhaltiges Programm. Aufireten der berühmten HJvin-Familie in ihren sensationellen Leistungen. Abends zum 14 Male: Amerika. Original-Manegelchaustück des ZirtuS Alb Schumann. 120 schwarz« Leute. Kroßr Kraudhatallrophk auf drm Sroadluay in Pno i)orh. EMRPRQStmiE q b. i_ H3: I. GroSe SpeziaMten- VofHtellune. erstklaff. Künstler. Beginn Sonnt. 5 U., Wochent 8. U. Germanta-pnielU-ßale Chausseostr. 110. Karl Richter. Jeden Sonntag: Otto Steiders Hamburger Danger. StelS neues Programm. Ansang 6 Ubr. Eintritt 50 Ps. Nachdem m_____ Familien- Kianzchen.— Von 5 Uhr ab im weißen Saal: Viroßer Hall. Jeden Mittwoch: Otto Steiders Hamburger Sänger und Freitanz. Donnerstag, den 9. Januar 08: 2. Großes Bockbier-Konzert. Nachdem: Familien- Kränzchen. und daS großartige Jannar-Prograniin. Entree 60 Pf. Vorverkauf 40 PI. Im unteren Konzertsaal täglich die allvreruti-n Rilitilr- Kapellen: Seder, PrjvwarSki, Görisch. Ncumann, Offeneh, Lüttich. F. Happoldts Neuer Konzert«aal. 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Wer die Eniwickelung unserer Purteibeweg-ung seit �uyren ver- folgt, der kann der Einsicht nicht sich verschlietzen.�dasi mit derem Anwachsen leider nicht allgemein die geistig« Fortentwickclung Schritt gehalten hat. Der aus dem Entwilkelungsgesetz beruhende wissenschaftliche Sozialismus hat sich noch längst nicht in allen Köpfen unsererGenossinnen und Genossen einen dauernden Platz erobern können. Die aus Umwandlung der kapitalistischen Wirtschasts- ordnnwg in ein« sozialistische gerichteten Bestrebungen, die Kämpfe zur Abschaffung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, die Wirtschastsordnuirg nach dem Grundsatz: alles für und alles durch die Gesellschaft, bedingt die weitgehendste Ersetzung des Gefühlssozialismus durch den des Verstandes und der Erkenntnis. Und hier erwächst der Frau, als der Trägerin und Erzieherin einer neuen Generation, eine schöne, eine grotze Aufgabe. Daher kann es nicht gleichgültig sein, wie die Frauenwelt lebt, wie sie sich beschäftigt, welche Bildungsmittel ihr zur Verfügung stehen. Lei>der sind aber gerade die Bildungs- und Erziehungsmittel für die Frau noch dürftiger als für das männliche Geschlecht. Die ganze Erziehung der Mädchen leidet unter Borurteilen und überlebten Gebräuchen. Daher hält es auch sehr schwer, die Frauenwelt mit dem wissenschaftlichen So- z i a l i s m u s, mit den Zusanuncnhängen des wirtschaftlichen und politischen Lebens vertraut zu machen. Tie moderne Arbeiter- bewegung bemüht sich, und anerkanntermasien mit Erfolg, den Wissensdrang des männlichen Proletariats zu befriedigen durch Er- richtung von Bibliotheken, durch Abhaltung von Kursen auf allen Wissensgebieten. Auch fehlt es nicht an Be- strcbungen. den Schönheitssinn und das K u n st v e r st ä n d- n i s der Arbeiterschaft zu wecken und zu heben. Dadurch werden Wünsche und Sehnsuchtsgefühle in der Menschenbrust wach, die mit Allgewalt nach einer Gesellschaftsordnung drängen, die die all- gemeine Befriedigung der ausgelösten Bedürfnisse ermöglicht. Dies Ziel lägt sich schneller erreichen, wenn die Frauenwelt vom soziali st l scheu Geistebeseelt iit und im Bewußtsein, für die eigene Befreiung und für die Erlösung ihrer Klasse aus Schmach und Elend zu kämpfen, die Reihen ihrer männlichen Klassengenossen verstärkt. Um die erwünschten Erfolge bei der Frau zu erreichen, empfiehlt sich, neben der bisherigen noch eine besondere Agitations» weise, die auch nach Inkrafttreten des neuen Vereins- und Ver- sammlungsgejetzes befolgt werben kann, vornehmlich dort, wo keine Frauenbildungsvereine beuchen. Durch öffentliche Frauenvcr- sammlungen werden die Frauenmassen aufgerüttelt, es werden Abonnentinncn für die.Gleichheit" und auch Mitglieder für die Vereine gewonnen, aber oas genügt nicht. Tie Frauen sollen über die Arbeiterbewegung aufgeklärt werden, sie sollen das Wesen des Sozialismus begreifen lernen. Die Aufklärung der Frauen nuisi gerade ic i c die der Männer im kleinen Kreis durch Abhaltung von Lehrftunden, Kursen und dergleichen gefördert werden. Der Unterricht muh den formalen Fertigkeiten und dem Begriffsvermögen angepasst sein und darf sich nur langsam aufwärts bewegen. Gewinnt die Frau bei einem solchen Elementar- kursus Freude am Denken und Debattieren, dann muh sie aufge- fordert werden, an den Kursen oder Unterrichtsstunden der Genossen teilzunehmen. Dadurch ist es möglich, die Idee des Sozialismus auch bei den Frauen zu vertiefen,>die gesamte Bewegung zu fördern. Im Winter ISO? wurde im Rheinland in fünf Orten der Versuch mit solchen Kursen gemacht, und in diesem Winter soll i.n niederrheiniischen Agitationsbezirke in acht Orten ein weiterer Versuch gemacht werden. An den Vortragsabenden können die Leserinnen der„Gleichheit" und die Beitrag zahlenden Genossinnen teilnehmen. Der Vortrags- zyklus umfaßt icchs Abende. Jeder einzelne Vortrag dauert eine Stunde, dem eine Stunde Redeübungen folgt, wobei durch Frage- ftellungen auf den Vortrag eingegangen wird. Die Themen der sechs Abeirde sind folgende: 1. Die Eniwickelung der nienschlichcn Gesellschaft und daS Wesen der kapitalistischen Gesellschaft. 2. Der kommunistische Gedanke und seine EntWickelung zum Sozialismus. 3. Erläuterungen des Programms von Passus 1— 6. 4. Erläuterungen des Programms von Passus k— 10. 6. Die Arbeiterinneuschutzgesetzgebung. 6. Der Weg zum Zukunftsftaat. Durch diese Art der Agitation bekämpfen wir den stärksten feind: den Unverstand der Massen,'am gründlich. e n und erfolgreich st cn und geben der Frau und Mutter Mittel in die Hand, ein frei denkendes Geschlecht zu er- ziehen._ K. ♦ Die dänischen Frauen und der Wahlrechtsentwurf der Sozialdemokratie. Der Verfassungsvorschlag der sozialdemokratischen Folkethings- fraktion, der vor allem auch den Frauen Täncnnarks das Wahlrecht bringen soll, liegt gegenwärtig einein Parlamentsausschiisi zur Prüfung vor. Dieser Ausschutz hat allerdings, ausser der konstituierenden, noch leine Sitzung abgehalten. Nun hat sich der W a h l r c ch t s v e r ba n d der dänischen Frauenver- eine, der Taufende von Frauen verschiedener Bevölkerungsklassen umfatzt, an den Ausschutz mit der Aufforderung um schleunige Durchführung des sozialdemokratischen Vorschlages gelvandt. Es heißt in dieser Aussorderung: „Solange Männer nur Männer wählen, die Gesetze geben sollen, kann von einer Volks Vertretung und allgemeinem Wahl- recht nicht gesprochen werden. Das Volt sind Männer und Frauen, und eine Volksvertretung mutz darum von Männern und Frauen gewählt sein, und sie mutz geprägt sein nicht allein von der Intelli- genz der Männer, sondern auch von den gleichen Fähigkeiten der Frau. Nur hierdurch wird die beste Garantie dafür geschaffen, daß die Gesetze den Bedürfnissen der ganzen Gesellschaft entsprechen." Serickts- Leitung. Die fortinterpretierte Penston des PulvcrarbeitcrS. Der Pulverarbeiter Karl Votz in Spandau war seit dem 1. März 1375 in der königlichen Pulverfabrik zu Spandau als Pulverarbeiter l>eschäftigt und wurde am 31. Mai 1905 nach vorheriger vierwöchent- licher Kündigung wegen eingetretener gänzlicher Dienstunfähigkeit entlassen. Nach seiner Entlassung wurde ihm vom Reichsmilitär- fiskus eine jederzeit widerrufliche Gnadenunterstützung von vier Fünftel der einem Reichsbeamten von gleichem Einkommen und gleicher Dienstzeit zustehenden gesetzlichen Pension in Höhe von 725,20 M. gewährt. Von diesem Betrage bringt der Fiskus jedoch die von V. bezogene gesetzliche Invalidenrente rm Betrage von 220,20 M. in Abzug, so daß V. monatlich nur 42.25 M. erhält. Er behauptete darauf im Klagewege, daß er bei seinem zuletzt be- zvgenen jährlichen Gehalt von 1554 M. und seiner Mjädrigcn Dienstzeit einen Rechtsanspruch auf eine ohne Abzug zu zahlende Pension in Höhe von 903,50 M. jährlich oder 75,55 M. monatlich habe. Ihm stehe die Pension nach§ 28 der Vorschriften zur Ver- waltung der königlichen Pulverfabrik zu; denn er habe seine Stellung nur unter der Zusicherung angenommen, daß ihm im Falle der Erwerbsunfähigkeit ein Ruhegehalt von dem bezeichneten Betrage gewährt werde. Der beklagte ReichsmilitärfiskuS bestreitet dies, indem er unter anderem ausführt, daß die Unterstützung nach § 28 Abs. 3 der angezogenen Bestimmungen nach vieljährigen treuen Diensten im Falle der Invalidität nur«in Aussicht" gestellt worden sei. Auch sei durch eine spätere Aenderung der Bestimmungen, die der Kläger mit den anderen Arbeitern unterschrieben habe, der Widerrus dieser Unterstützung durch das Kriegsministerium aus- gedrückt worden. Das Landgericht Berlin verurteilte den RcichSmilitärfiSkuS zur Zahlung des beanspruchten Betrages auf Grund des§ 28 der Verwaltungsvorschriften der königlichen Pulverfabriken. Die spätere Aenderung sei nur von redaktioneller Bedeutung und daS „Jnaussichtstellen" von dem Gesetzgeber der früheren Kabinetts- order selbst als„Anspruch" ausgefatzt worden. Auf die Berufung des beklagten Fiskus entschied das Kammer- gericht zu Berlin für Abweisung des Klagcanspruchs. DaS Kammer- gcricht führt aus, daß die Unterstützung nur eine Gnadenunter- stützung sein sollte. Der Kläger sei wicht als Beamter angestellt, sondern nach Z 10 der Verwaltungsvorschriften als Arbeiter auf monatliche Kündigung angenommen„und nach der allgemeinen Gewerbeordnung" zu behandeln gewesen. Wenn das Landgericht angenommen habe, daß dem Kläger ein„Anspruch" zustehen sollte, so gehe es fehl, denn die Einleitung dieses Satzes des 8 28 laute: „denselben Anspruch haben auch.. Aus dieser Bezugnahme auf das„Jnaussichtstellen" gehe hervor, daß das Wort„Anspruch" nur diejenige Art von Anspruch bedeute, von welcher im vorher- gehenden Satze die Rede gewesen sei, also kein Recht, sondern ein Anspruch auf die Aussicht. Später seien auch durch allerhöchst ge- nehmigte Aenderung der Berwaltungsvorschrift vom 13. November 1865 die Worte„denselben Anspruch" durch die Worte„dieselbe Aussicht" ersetzt worden. Entgegen einem anders mutenden Urteil des Oberlandesgerichts Kassel in einer ganz ähnlichen Sache vom Jahre 1896 führt das Kammergericht weiter aus, daß man hier die eigentümlichen Vertragsverhältnisse in Betracht ziehen müsse. Bei einem privaten Arbeitgeber wäre freilich die vertragliche„In- aussichtstellung" eines Ruhegehaltes ziemlich zwecklos, da der Willkür Tür und Tor geöffnet würde. Bei einem staatlichen Institut könne letzteres als ausgeschlossen gelten.— Die vom Kläger gegen dieses Urteil des Kammergerichts eingelegte Revisson blieb erfolglos und wurde vom Dritten Zivilsenat des Reichsgerichts zurückgewiesen.— Entgegengesetzt dieser Entscheidung hatte auch das Reichsgericht damals die Revision des Fiskus gegen das Urteil des Oberlandes- gcrichts Kassel zurückgewiesen, da es sich um Auslegung von nicht revisiblen Verwaltungsvorschriften handelte. Das Landgericht Kassel hatte dem damals klagenden Pulvcrarbeiter Völkcl die volle Pension aus den Erwägungen zugesprochen, daß das Jnaussichtstellen einer Unterstützung sonst gar keinen Zweck hätte, denn durch daS Fest- setzen einer Unterstützung sei nicht beabsichtigt worden, die Arbeiter mit einer unsicheren Hoffnung, bei der sie eventuell das leere Nach- sehen haben könnten, abzuspeisen. Demnach ist nunmehr höchstgerichtlich festgestellt, daß ein Ar- beiter sich täuscht, wenn er auf ein vom ReichSmiltärfiskus in Form des„Jnaussichtstellen" abgegebenen Versprechen sich verlätzt. Datz diese Interpretation den Grundsätzen von Treu und Glauben entspricht, dürfte schwerlich anzunehmen sein. Schutz vor Schutzleuten. Am Donnerstag verurteilte die Beulheuer Strafkammer den Polizeisergeanten Rindfleisch aus Aiitoiiieiihütle zu drei Monaten Gefängnis. Er hatte einem Bergmann Schlietzketten um den Hals gelegt und mit de in Säbel 20 scharfkantige Hiebwunden beigebracht. Trotz des feigen und brutalen Vorgehens des Polizisien hotte der Staatsanwalt nur— eine Geld si rase von 50 Mark be- antagtl_ Zum preußischen Vcrclnsgcsetz. In Langendreer tagte am 28. April>907 eine Versammlung des polniichen Turnvereins„Socol". Es erschien ein Polizeibeaniter, der von der nicht angemeldeten Veriammlimg erfahre» halte. Als man ihm die Bescheinigung über Anmeldung einer Versammlung nicht vorzeigen konnte, löste er die Veriammlung unter Be- nitullg aut 8 5 des preußischen Vcrciiisgeietzes auf. Er ging davon aus, datz es eine Vertammlmig zur Er- örlerung öffentlicher Angelegenheiten sei, welche der Anmeldung bedürfe. Das Borslandsimialied Stanka entfernte sich n i ch t s o- fort. Er wurde wegen Uebertretung des Z 15 des VereinSgesetzes vom Landgericht Bochum zu einer Geld st rase ver« urteilt.§ lb bedroht den mit Strafe, der sich nicht„sofort" ent- fernt, nachdem der Abgeordnete der Ortspolizeibehörde die Tw- sammlung für aufgelöst erklärt hat.--- Der zweite Strafsenat des Kammergerichts hob dieser Tage das Urteil auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung an das Landgericht zurück, indem er ausführte: Der§ des Gesetzes spreche ausdrücklich von einem Abgeordneten der Orrspolizeibehörde. Die Worte ergäben, datz es nicht ein be- liebiger Polizist sein könne. ES müsse ein Abgeordneter sein. Und datz es sich nicht um einen ein für allemal ab- g e o r d n e t e n Polizisten handeln könne, sondern nur um einen lolchen für den Spezialfall, das ergebe sich aus 8 wonach die Ortspolizeibehörde zwei Polizeibeamte oder andere Perionen in Bersammlungeu gemäss 8 1«als Abgeordnete" schicken könne. Nur ein derartiger, für den Einzel- fall bestimmter Abgeordneter dürfe auflösen. Ob eS sich um einen solchen hier handele, müsse erst noch festgestellt werden._ Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- Nutzung sür jedermann, SV., Alerandrtnenstr. 26. Geöffnet täglich von 6'/,— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. In den Lesefälen liegen zurzeit Mb Zeitungen und Zeitschriften jeder Arl und Richtung aus. Frcireltgiäse Geiiielnde. Sonntag, den 5. Januar, vormittags 8*1, Uhr, in der neuen Gcmeindeballc, Pappel-Allce 15—17: Versammlung mit sretrcligiöser Vorlesung,— Vormittags 10'/, Uhr in der Schulaula, Kleine Franksurterftr. 6: Vortrag von Herrn Pros. Dr. A. Gehrke:„Taten und Ziele der Aufklärung". Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Hülfskasse der Graveure, Ziseleure und verwandten BerufZgenossen in Berlin. Montagabend 8—10 Uhr im Reslamant Stehmann, Luisen- ufer t, Sitzung. Soztaldrmotratischer Lese- und Diskutirrklub„Heine". Montag- abend 8'/, Uhr Sitzmig bei Bolze, Rodenbergstr. 8. Witterungsstberstcht vom 4. Januar 1908. Si«ti»»eii e E if . if. _=§}« c ö-l" l> "Ss aeua n M H Sj I I SwMeind»!763W! 4 bedeckt Hamburg i 767 WSW 4 bedeckt Berlw 767« Frau ff. a SP 771 0 München 772 O Wien 771 RO 1 bedeckt 1 wölken! t wölken! I___' «euer I t*c ä( 5" H 1 2 heiter-19 1 Schnee—10 4 wolkig 1 2 2 bedeckt 2 2 wollen!— 9 taparanda 75651 ctersburg 745 NW — 5'Scllly|766DNO —15' lderdeen>771 WNW — lSBan»>766 ONO 1 wvlkenl—12 I i j Wetterprognose für Sonntag, de« S. Januar 1998. Etwas wärmer, zeitweise aufklarend, vorwiegend trübe mit geringer Niederschlägen und mäßigen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wasserftands-Nachrichten der LandeSanstait für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. 4- bedenket Wuchs,— Fall.—>) Unlerpegel.— Treibeis. st EiSstand.—') Grundeis.>) Starkes Treibeis.—') Starkes GrundeiS- treiben.—') Auf ein Drittel Slrombreite Eis. Brunnen- str. 17-18 gen Nachf. Veteranen- Straße 1-2 Großer Inventur-Räumungsverkauf Zurückgesetzte Artikel in allen Abteilungen. Die Preise sind teilweise bis zur Hälfte des Wertes ermäßigt, j Dentseher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Montagi den 6. Januar, abends SVa Uhr: Vertrauensmänner- Versammlungen der Bezirke und Branchen. Tages»Ordnung: 1. stricht der Obleute. 2. Krricht der Nertrallevsmiivner. 3. Verblindsangelegenheiten. 4. Werkitatt- lüliielrgkiihkite». 5. Zlerslljiedeiles. I» diesen Vertrauens, niinner-Versaniniliingen werden die neuen für daS Jahr 1908 gültigen Vertrauensmännerkarten ausgegeben. In den Versammlungen der Tischler steht noch alS besonderer Punkt auf der Tagesordnung:„Die Verbreitung des Fachblattes für Holzarbeiter durch die Beitragsammler und WerkstattvertrauenSleute" Auch erfolgt die Ausgabe von Probenummern. Die in den Vororten arbeitende» Mitglieder der Zahlstelle Berlin werden ersucht, Vertrauensleute zu entsenden. Dieselbe» besuche» die BertrauenSinänner-Berfammlnugen ihrer Branche oder die von ihrer Werkstatt aus am nächsten einberufene Vczirksvertrauensmäuuer-Versammluug. Zllle Werkstätten müssen vertreten sein. Witaghedsbuch legitimiert. Die Versammlungslokale sind folgende: Verein für grauen u. stladehen der Arbeiterklasse. Montag, de« S. Januar, adcndS 8'/, Uhr, im Neuen Klnbhaufe. Kommandantenstratze 72: 55/, Erster vorirag ans dem Vortragszyklus: „Ilir Gkslliillitt dkl Fraulnrntivillitlnug�. Wall? Zeple?! Gälte willkommen. vei- 1'isehler. � Schuir, Mitienwalderstr. 15. Süden bei«Ilclus, Wagertorftr.«8. Südosten! n. l! bei Nluh», Ma»��«�. 05. S9V Diese Versammlung beginnt um 5'/, Uhr(gleich nach Feierabend). klvlail I(altes Viertel, UdlCH 1 bei Walter. AndrcaS-Festsale. AndreaSstr. 21. nctaii II(zwischen Fruchtstraste und Fricdrichsbcrg) bei Qltgn, nalvil N Memelcrstr.«7. I>e5U!c!ie slororle Koi'doZten fci Bockcp, Wcberstr. 17. Rosemüaler u. Schönhauser Vorstadt Bautischler. SSWÄT* Die Versammlungen der Bautischler finden erst SJ*"®' am Montag, den 13. Januar statt.. Drechsler u.Treppen. gseländer.Branche. K0rd6n Bei Otthllng, Brunnenstr. 79. 0St6n bei Schneider, Fried enstr. 67. Südosten u. Südwesten stramm, mMtw. 123. Auch die Drechsler in den Tischlereien müssen Vertraucnsleuie entsende»r Msschinenarbeiter Abends 6 Uhr(gleich»ach Feierabend). Korden und Moahit bei Lerche, Gleimstr. 63. Südwesten bei die vi, Fontane-, Eete Blücherftrahe. Südosten bei»ahn, Laustber Play 8. Osten und Kordosten im Ost.Kafino.Frankfurter Allee i60. »Morl-Irei»«».» gSÄfÄ"» Musikinstrumentens Arbeiter abends 8 Uhr im6Ie«erh»chai't»hau»e, Engelufer is, Saal». TageS-Otdnung: 1. Vortrag über: Fabrikordnung und Arbeiierrecht. 2. Bericht der Branchenkommisüon. I. Verbands- und BranchenangelegenHeiten. Möbelpvlierer. OSteii bei»«eher, Wcberstr. 17. Südosten im„Märkischen Hof«, Admiralstr. 18°. Korden bei Haas, Brunnenstr. 196. Möbelmag�azins arbeiter u. Beizer bei Grapcutln. Skaliycrstraste 102. Vergolder abends 8 llhr bei xflerkonaUI, Andrcasstr. 26.— Die Miigliedrr der Branchenkominission müssen schon um'/,8 Uhr zur Stelle sein. Modell- und Pabriks Tischler bei Aghten, Pflugstr. 5. Bodenleger abends 8 Uhr im Gc verhachanshau»«, Engeknser 15. Saal ll). Die NominissionSmitglieder müsset, schon um'Iß Uhr zur Stelle(ein. Korbmacher bei HoiTmann, Koppenstr. 47. Kammacher bei Walter, Ad.lbertstr. 62. Bilderrahmens macher de! Mühle. Mariannenstr. 41. BV Diese Versammlung beginnt um 6 Uhr. dalousie- Arbeiter bei MUhle, Mariannenstr. 41. Stellmacher bei Woblfalu-t, Rosenthaler VerciusyauS. Rofenthalerstr. 57. Pinsetzer Sonntag, 5. Januar, vormittag? 19 Uhr,»«»eher, Wcberstr. 17: Aiiijfmöfiitlidjf Kranchen-ilersamuilliug. � Orts- Krankenkasse der Weber und verwandten Gewerbe. Verftammlung: sämtlicher Arbeitgeber, sowie der aroüjährigen Mitglieder obiger Kasse, am Sonntag, den 12. Ja nuar 1908, vorm. 10'/, Nur, m Flechs gr. Saal, Feucht, tr. 36a. Tagesordnung lv'/, Uhr vor- Mittags: Wahl von 35 Detegierlen der Arbeitgeber sür das Jabr 1303. Die Arbeiigcber legitiinicren sich durch Nennung der Firma. Tagesordnung ll'/, Uhr vor- mit ags: Kabl von 222 Delegi'ci-ten der Kasi.mmiiglicdersür das Jnhr itVS Kann das Äadlresultat vor Schluß der Versammlung an diesem Tage nicht bekannt gegeben werden, so sinoet die Ve> kündung des Dabl- rciullats am Sonntag, den l9. Januar in demsclden Lokal und zur selben Stunde statt. Wablberechtigt und wählbar sind sämtliche grohjähi igen Kassenmiiglieder über 21 Jahr alt.(K 48, Absatz 2 des Statuts.) DaS Ouillungsbuch ist als Legiti- malion von den Kassenmitgliedern am Eingang des Saales oorzuzeigen. Das Wahllokal wird um 12 Uhr geschiossen, da um diese Zeit der Wahlakt beginnt. Berlin, de» 5. Januar 1308. Der Vorstand C. Rclitinaiin, Boi litzender. P. Liepelt, Schristsührer. Achtung! Dienstag, den 7. Januar, abends 8'/, Uhr, Frnchistr. 30a: Au1«>tcII"ng v«n 222 Kandidaten der Mitglieder zur Delegiertenwahl sür das Jahr 1308. L33öb Der Vorstand. Ems Kranken- u. BepMskasse 1 SchQtifflacher n. Berufs' en. Berlins (E. H. Nr 27). Sonntag, de» l9. Jniiiiar 1908, nachmitlags 4 Ubr, bei Kube, Alte Jakobstr 75: Genera!- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vierteljährlicher und jährlicher Kaffciibcricht. 2. Neuwahl des Vorstandes und Ausschusses. 3. Inner« Kassenangelegenheileit. Ouiitungsbuch legitimiert. 233eb Ter Vorstanb. £'n> Katarrhen der Atmungsorgane.— Bio-Makz ist völlig alkoholfrei, sparsam im Gebrauch, ivcil es bis zum lebten Tropfen auSgcdraucht werden kann, und billiger als viel« andere KräsiigungSmittcl. '/, Dose 1.90 M.,»/. Dos« 1 M. Zu haben in Apotbeken und Drogeiihaiidlungen. Wo nicht, versenden wir 2 kleine oder l große Dose sür 2 M. franko gegen Nachnahme oder Voreinsendung dcS Betrages. Gebr. Patermann,«zcmZabrLei'UnfriecienTUZ. r r. Uskn Lgllin L. A, AlexanderePlatz. Ecke Landsberger Straße 62— 63. Besonders in den Abteilungen für; ■�<0js Leibwäsche, Kettwäsche, lhauswäsche. Lischwäsche, Leinen- Baumwollwaren gelangen große Posten zu attjtargewöhnlieh zurfickgesctzten freisen zum Verkauf. 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Und so wird dieses Jahr in der Geschichte dieses Staates seine Stelle als das Wahljahr finden, als das Jahr, in dem zum ersten Male auf Grundlage des allgemeinen und gleichen Wahlrechts gewählt ward, das Jahr, in dem Oester- reich seine erste Volksvertretung erhielt. In dem neuen Par- lament hat der Umwandlungsprozest des Kuricnhaufes, das von der ständischen Gliederung ausging, seine feste Gestalt erhalten, und in dem Ausgleich mit U n g a r n. den nach so vielen vergcb- liehen Anläufen dieses Jahr»rwirklicht hat. ist die zehnjährige Staatskrise zu einem Ruhcpunkte. zu einem Abschlug gelangt, der zwar nur für eine begrenzte Zeit gelten soll, aber die Keime einer zukünftigen Staatsform zweifellos in sich trägt. So war das Jahr die Liquidierung einer Vergangenheit, und der Ausblick in neue Zeiten. Das neue Parlament, dessen Wirken die pessimistischen Spekulanten in den düstersten Farben geschildert hatten und besten „Unfähigkeit" in dem Kampf um die Wahlreform das beliebteste Argument aller Volksfeinde war, dieses junge Parlament hat sich glänzend bewährt, und eS hat nach der Herbstscssion. die seine erste Arbeitstagung war, von allen Seiten das rühmlichste Abgangs- zeugnis erhalten. Es hat natürlich seine Kinderkrankheiten, und von dem Ideal einer ziclbewugtcn, harmonisch gegliederten Ver- sammlung ist es noch weit entfernt. Uebcrhaupt wird man bei einem Hause mit b16 Mitgliedern, einem Hause, welches i m kleinen das Völkerkonglomerat darstellt, das der österreichische Staat im großen ist, bei einem Hause, dem die lenkende Kraft der Ueberlieserung vollständig mangelt und dem von seinen Vorgängern als einzige Erbschaft die stete Bereitschaft zur Obstruktion hinter- lasten wurde— man wird bei dem österreichischen Abgeordneten- hause noch für lange aus ästhetische Genüsse verzichten müsien, und wer von einem Parlament erwartet, daß eS„in Schönheit" zu leben verstehe, der wird bei diesem gärenden, von Leidenschaften geschüttelten Parlament des Nationalitätenstaates nicht auf seine Kosten kommen. Aber das war ja im Kurienparlament nicht bester, und auch in den Manieren unterscheidet sich das demokra- tisierte Haus von den gerühmten Zensusparlamenten nur zu seinem Vorteil. Doch der grundlegende Unterschied zwischen Ver- gangcnheit und Gegenwart ist. daß das neue Parlament leben will, daß es seine Stelle im Leben des Staates begreift und sich weder von dem schleichenden Absolutismus noch von der dcma- gogischen Obstruktion beiseite schieben läßt. Es gibt den Re- gierenden besondere Rätsel auf, und die sachlichen Schwierigkeiten. derer es Herr zu werden hat. sind nicht gering. Jedoch es verfügt über eine robuste Konstitution, es ist gesund im Mark, eS gibt dem Staate endlich das. was er zehn Jahre hindurch zu seinem und der Völker Schaden entbehren mußte: einen arbeits- und leistungs- fähigen gesetzgebenden Körper. Das junge, ungelenke Haus ist mit dem Ausgleich, dem die Privilcgienparlamente zehn Jahre in weitem Bogen aus dem Wege gingen, spielend fertig geworden. und es ist fähig, gesetzgeberische Ausgaben zu lösen, die man den privilegierten Abgeordneten gar nicht vorzulegen wagte. WaS die Privilegierten immer und überall leugnen möchten, das wird durch die Erfahrung in Oesterreich zur Gewißheit bekräftigt: DaS allgemeine Wahlrecht hat sich an dem alten, beharrenden Oesterreich geradezu als Verjüngungsmittel bewährt. Auf der schmalen Schicht der Besitzenden kann ein moderner Staat seine Grundlage nicht mehr finden, er kann die Entfesselung aller Volkskrästc nicht entbehren, soll er nicht seine eigene Entwickelung in Frage stellen. Nur das gleiche politische Recht bewahrt den Klassenkampf, die bewegende Kraft aller Entwickelung, vor jenen Verfälschungen und Entstellungen, die den Staat nicht minder treffen wie die unterdrückten Klassen selber. Ein wahres E r n t e j a h r war das Jahr Neunzchnhundert- undsieben für die Sozialdemokratie. Zum ersten Male konnte sie ihre Kräfte auf dem Kampffelde des gleichen Rechtes messen, und wahrlich, sie hat die Probe auf das Exempel des allgemeinen Wahl- rechtes glänzend bestanden. War die Wahlreform ein Zeugnis ihrer fortstürmenden Kraft, so waren die Wahlen ein Zeugnis ihrer politischen Macht. In ihnen wurde erhärtet, daß sich die gesamte Arbeiterschaft in Oesterreich im Namen der Sozial- demokratie sammelt und über alle nationalen Unterschiede hinweg zu der geschlossenen, internationalen Partei steht, welche brüderlich alle umschließt, die unterdrückt und ausgebeutet sind und an der Befreiung des Menschengeschlechts von der Fron des Kapitalismus arbeiten. Der glorreiche Wahlsieg hat sich im Hause selbst fortgesetzt, in dessen Mittelpunkt die sozialdemokra- tische Fraktion steht: inmitten des bürgerlichen Chaos die einzige prinzipielle Partei, die zwar die äußeren Zeichen der politische» Macht verschmäht, aber politische Macht dennoch in umfassendem Maße besitzt und übt. Es ist weder gelungen, die Sozialdemokratie im Parlament in dem Sinne zu„isolieren", daß die bürgerlichen Parteien schrankenlos herrschen können, noch wird es jemals ge- lingen, unsere Fraktion zu entmannen, daß sie ihre Wesensart, die den rastlosen Kampf gegen alle Lebensäutzerungen der kapita- listischen Ordnung gebietet, ablegt oder abschwächt. Die Sozial- demokratie vergißt auch keinen Augenblick, daß die Wurzeln ihrer Kraft in den Massen selbst ruhen, und deshalb ist ihr die Samm. lung der Kräfte im Innern der Partei, die Organisation in jeder Form und Gestalt, die dieses Jahr so erfreulich gebracht hat. trotz des herrlichen Wahlsieges die eigentliche Jahresbilanz. Ein gutes Jahr haben wtr verabschiedet, und die tatenfrohe Entschlossenheit, der kampffreudige Sinn der sozialdemokratischen Parteien in Oesterreich bürgen dafür, daß die sozialdemokratische Hochkonjunktur in Oesterreich keiner Krise unterworfen sein wird. Das britssche Kelch im Zahre 1907. Aus London wird uns geschrieben: Der hervorstechendste Zug am Berichtsjahre in Groß- britannlen war der Kampf um die sozial! st ische Bewegung. Sowohl in der Presse wie in Versammlungen war der Sozialismus der am meisten diskutierte Gegenstand. Die Liberalen waren bemüht, den Beweis zu erbringen, daß sie das Gute, das der Sozialismus enthält, schon längst an- erkannt haben, ohne sich indes mit den Sozialisten identisi- zieren zu wollen.— Tie Konservativen erklärten, daß die Liberalen nur verkappte Sozialisten seien und das Land dem sicheren Ruin entgegenführten l Das wirksamste Gegen-! gift gegen den Sozialismus sei die Sozialresorm, die aber Hand in Hand mit einer Tarifresorm(Schutzzollpolitik) gehen müsse. Sänitliche Wahlen, sowohl die parlamentarischen wie die lokalen, wurden unter diesen Umständen zu Agitationen für und wider den Sozialismus. Tie Londoner Grafschafts- wählen brachten den Gemäßigten, als den Verteidigern des Privateigentums, bedeutende Erfolge: zum ersten Male seit ! deni Bestände des Grasschaftsrats erhielten die Gemäßigten, ! die sich„Munizipalresoriner" nannten, eine starke Mehrheit. j Dagegen sind die städtischen Wahlen in Großbritannien nicht schlecht für die Sozialisten ausgefallen, die 45 Mandate verloren und 5t) eroberten. Von weit größerer Wichtigkeit waren die Parlamentärs- scheu Nachwahlen, die in Iarrow und Colne Valley überraschend günstig für die Sozialisten ausfielen und großes Aufsehen erregten, besonders des Genossen Grayson glänzen- der Sieg, der ans Grund eines unzweideutigen sozialrevo- lutiouärcn Prograuims errungen wurde. Tie sozialdemokratische Föderation(S. D. F) hat im Berichtsjahre 56 neue Zweigorganisationen gegründet, dar- unter eine in Ladysmith-Natal, bekannt durch die Belagerung der Briten im Burenkriege 1899/1900. In den verschiedenen Lokalbehörden sitzen 124 Mitglieder der S. D. F. und im Parlament der Genosse William Tborne. Der Etat der S. D. F. belief sich in Einnahmen und Ausgaben auf 300 000 M. Tie Parteidruckerei hatte einen Umsatz von 140 000 M. Die S. D. F. setzt bei ihren Mitgliedern eine außerordentlich große Aufopferungsfähigkeit voraus: alle Agitation, rednerische wie schriftstellerische, wird gratis geleistet. Tie Unabhängige Arbeiterpartei(Jndependent Labour Party— I. L. P.) ist bekanntlich mit der gewerkschaftlichen Arbeiterpartei verbunden und liefert ihr die Offiziere. Sie ist die Seele der Arbeiterpartei und die Verniittlerin zwischen den politisch organisierten Gewerkschaften Großbritanniens und dem internationalen Sozialismus. Sie hat deshalb eine bedeutende Mission zu erfüllen. Angesichts dieser Mission fällt es den ausländischen Beobachtern schwer, die I. L. P. unter die Lupe zu nehmen. In der gegenwärtigen Phase der briti- scken Arbeiterbewegung ist die I. L. P. mit ihrer etwas ver- schwonimenen sozialistischen Theorie das geeignetste Instrument. GrößereSchärfewürdedieBewcgung spalten. DieI.L.P.Hatim Berichtsjahre 170 neue Zweigorganisationen gegründet. Sie ist durch etwa 800 ihrer Mitglieder in den verschiedenen Lokab bchörden vertreten, im Parlament durch 18. Man muß im des berücksichtigen, daß sie gleichzeitig Mitglieder der Ar beiterpartei sinb und von dieser unterstützt wurden. Ihr Etat ist auch viel bedeutender als der der S. D. F. Die Fabian Society, die nur eine Art sozialistischer Orden sein will und nur der Elite der sozialpolitischen Redner und Schriftsteller die Mitgliadschaft gewährt, wuchs im Be- richtsjahre von 1100 auf 1780 Mitglieder. Sie hat eine be- deutende Tätigkeit entfaltet. Neue Gruppen und neue Bil- dungsanstalten wurden geschaffen, darunter Studienzirkel über das Verhältnis des Sozialismus zur Kunst und Philo- sophie, zur Biologie und zur Jugenderziehung. Der Ankauf des liberalen Wochenblattes„New Age"(lies: Nju Ehosch— Neue Zeit) und dessen Verwandlung in eine sozialistische Zeitung darf den Fabiern als ein Verdienst angerechnet werden. Ueber die Lage der gewerkschaftlichen und sozialistischen Arbeiterpartei(Labour Party) werden wir demnächst aus An- laß der am 20. Januar zusanrmentretenden 8. Jahreskonferenz in Hull ausführlich berichten. In ihr liegt der Schwer- Punkt der proletarischen Bewegung Großbritanniens. Alle anderen sozialistischen Organisationen sind nur Pioniere. Wir können diesen Bericht über den britischen Sozialis- mus nicht schließen, ohne dem Gedanken Ausdruck zu geben, daß das dringendste Bedürfnis gegenwärtig darin besteht, eine tägliche Arbeiterpresse zu gründen. Der Bewegung fehlt ein geistiger Mittelpunkt, um den sich die große Zahl der zersplitterten sozialistischen Intelligenzen Großbritanniens sammeln könnte. Erst wenn dieser Mittelpunkt geschaffen ist, wird zwischen dem festländischen und dem britischen So- zialismus eine größere geistige Harmonie hergestellt werden können. Die Wahlrechtsbewegung der Frauen hat im Berichts- jähre viel Lärm und Fortschritte gemacht, aber auch manches Unerquickliche ans Tageslicht gefördert. Die ehrlichsten und s o zi a l i st i s ch gesinnten Elemente wurden verdrängt, und die Bewegung geriet in die Hände unverantwortlicher Per- sonen. Wer die Bewegung finanziert, wer ihre Politik diktiert, weiß man nicht. Zuweilen scheint sie von irgend- einem geheimen konservativen Zentrum zum Zwecke der Erschütterung der liberalen Regierung geleitet zu stzin. Es ist deshalb ratsam, ihr gegenüber eine abwartende Hai- tung einzunehmen. In nächster Zukunft ist ohnehin keine Aussicht auf irgendwelchen Erfolg der Bewegung. Im Gegensatz zu Großbritannien, wo sich so viele Keime eines neuen Lebens zeigen, befindet sich Irland in der alten agrarischen Unzufriedercheit und unter dem alten Banner von Homerule. Ohne eine vorherige Erledigung n a t i o- n a l e r Fragen scheint für größere Kulturfragen kein Sinn vorhanden zu sein. Auch diejenigen Iren, die mit Homerule unzufrieden sind, wissen nichts Besseres als sich um die Parole„Schinn-Fäin"(eine Art von anarchistischem Nationalismus) zu scharen, dessen Ideale in Schutzzoll, gäli- schem Idiom und anderem nationalistischen Firlefanz be- stehen. Ein Irland in fast hundertfach vergrößertem Maßstabe ist Indien. Das Berichtsjahr war das fünfzigste seit der in- dischen Rebellion im Jahre 1857. und diese Erinnerung hat vielsach die Unzufriedenheit verschärft, die sich in den gebll- beten Kreisen der indischen Völkerschaften seit Jahren kund- gibt und die Folge der autokratischen Regierungsweise ist. Das unmittelbare Ziel dieser politischen Reformer ist nicht bis Loslösunq Indiens von England, sondern die Erringung größerer politischer Freiheiten, damit den gebildeten Kreisen größerer Einfluß auf die Verwaltung des Reiches verschafft werde. Das Programm dieser Bewegung ist in die zwei Worte zusammenlsefaßt: ,.S u a r a d s ch und S u a d e s ch i" (Selbstregierung und Selbstwirtschaft), und ihr höchstes Ziel ist, Indien zu einer selbständigen Kolonie Englands zu machen, wie Kanada, Südafrika und Australien. Leider ist die Bewegung gespalten und verschwendet ihre Energie in inneren Kämpfen, wie dies die Vorgänge auf dem vor weni- gen Tagen in Surat abgehaltenen allgemeinen indischen Kon- gresse gezeigt haben, wo die extremen Elemente alle Beratungen unmöglich machten. Beachtenswert ist die Tatsache, daß die irischen Schinn-Fsinisten in engster Verbindung mit den extremen Nationalisten Indiens stehen. Erfreulicher sind die politischen Zustände in den südafri- kanischen Kolonien. Transvaal und Oranicn erhielten freie Verfassungen. Tie Parlanientswahlen ergabcH in beiden Kolonien Burenmehrheiten, die ihre alten Führer zu Ministern machten. Tie chinesischen Minenarbeiter sendet man nach ihrer Heimat zurück, um den Eingeborenen und den Europäern Beschäftigung an den Goldgruben geben zu können. — In Natal wurde der drohende Zulukrieg durch den Edel- mut des alten Häuptlings Dinizulu. der sich freiwillig dem Gericht stellte, vennieden, und die Regierung setzte die aus Anlaß des vorjährigen Zulukrieges verhafteten Schwarzen wieder in Freiheit. Schließlich gewinnt der Gedanke einer .Föderation der südafrikanischen Kolonien überall an I Kraft, und es ist wahrscheinlich, daß im nächsten Jahre ein südafrikanischer Kongreß zu diesem Zwecke stattfinden wird. In Anstralicn und Ncusccland werden noch immer Per- suche gemacht, die nationale Entwickelung mit Arbeiterschutz und sozialem Frieden zu vereinigen: denn von einer sozialisti- . schen Entwickelung im europäischen Sinne kann dort nicht die ? Rede sein. Es handelt sich bei allen australischen Reformen i vielmehr darum, die kapitalistische Entfaltung durch Arbeiter- Politik im Zügel zu halten. Im Berichtsiahre wurde vom Appellgericht? Neuseeland ein Urteil in Arbeiterfragen ab- gegeben, das das gewerbliche Scknedswesen gegen die Interessen der Arbeiter stärkt: Bricht ein Streik ans. nachdem das Schiedsgericht sein Urteil gefällt hatte, so sind die Strei- keiiden mit einer Geldstrafe zu belegen oder zu einer Gc- fängnisstrafe bis zu einem Jahre zu verurteilen!— Die australische Bundesregierung rrägt sich jetzt mit dem Plane, das Schwitzsystem, das angeblich schoi, zum xtcn Male ab- geschafft ist, wieder abzuschaffen. Das Schiedsgerichts- Wesen, die Lohpäintcr. die Arbeiterschutzgesetze haben offenbar dem Uebel nicht abgeholfen. Der Plan, wie ihn der Bundes- finanzminister Sir William Lyne am 1. Oktober 1907 an- kündigte, soll darin bestehen, sämtliche heimischen Waren mit einer Verbrauchssteuer zu belegen, aber diejenigen Waren davon zu befreien, die unter„anständigen" Be- dingungen hergestellt wurden. Was unter„anständigen Be- dingungen" zu verstehen ist. wurde nicht erklärt. Gewöhn- lich versteht man darunter„gewerkschaftliche Be- dingungen". Die Ausführung jenes Planes nun kann auf zweierlei Weise erfolgen: erstens durch die gewerkschaftliche Kontrollmarke, was die Unterstellung der ganzen australischen Produktion unter gewerkschaftliche Aufsicht be- deuten würde. Diese Methode ist aber offenbar zu gut, um unter kapitalistischen Verhältnissen angenonimen zu werden. Zweitens kann der Plan ausgeführt werden durch die Er- nennung eines Verbrauchssteueramtes, das über die Anstän- digkeit oder Unanständigkeit d-r Herstellung'»er Waren zu entscheiden hätte. Bei der Vorliebe der Aufiralasiaten für „Aemter" hat diese zweite Methode bessere Aussicht. Im Verbrauchssteueramte würden offenbar sowohl Arbeitgeber wie Arbeitnehmer sitzen. Wir werden diesen Plan im Auge behalten und..falls er verwirklicht werden sollte, über ihn berichten. In Kanada war die Einwanderung der Japaner nach Britisch-Kolumbia die Hauptfrage des Berichtsjahres. Ein Vertreter der kanadischen Regierung wurde zum Zwecke der Regelung dieser Frage nach Tokio geschickt, wo ihm das mündliche Versprechen gegeben wurde, daß die japanische Einwanderung auf ein Minimum reduziert werden soll.... In der äußeren Politik des britischen Reiches sind nur zwei Ereignisse erwähnenswert: das Abkommen mit Spanien und Frankreich, das die Aufrechterhaltung des stalns quo im Mittelmeer zum Zwecke hat. und der Aus- gleich mit Rußland, betreffend Persien, Afghanistan und Tibet. In den letzten Wochen des Berichtsjahres ist es— aus Anlaß der konstitutionellen Unruhen in Persien— zu einigen Unstimmigkeiten zwischen der britischen und der russischen Regierung gekommen. Nähere Informationen liegen nicht vor, aber es scheint, daß der Beschluß Englands, sich in per- fische Angelegenheiten nicht einzumischen, die Ursache der Unstimmigkeiten war.— Frankreich im Jahre 1907. Aus Paris wird uns geschrieben: Wenn man die geschichtliche Bedeutung eines Zeitraums an seinen lärmenden, spannenden und aufregenden Vorfällen bemessen will, mutz man das vergangene Jahr für Frankreich als wenig belangreich ansehen. An dramatischen Knalleffekten war die französische Politik diesmal recht arm. Von der Episode der Winzerrevolte abgesehen, verlief das äußere Leben der Nation in einem trägen Gleichmatz, und wenn die parlamentarische Atmo- spbäre zeitweilig von heftigem Wetterleuchten erfüllt war, so hat der Blitz der Ministerkrisen doch nicht eingeschlagen.— Aber dem kritischen Blick wird das Werk des Jahres nicht al» gleichgültig erscheinen. Eö bedeutet nämlich einen Verhängnis- vollen Fortschritt der gesellschaftlichen Zersetzung der dritten Republik, die Zerbröckelung deS Restes der denwkratischen Jllu- sionen, denen kalte Spekulanten und optimistische Gemütsmenschen in den Jahren der DreYfuSkrise zu einer flüchtigen Regeneration verholfen hatten. Die unvermeidliche, der sozialen Organisation selbst entspringende Verschärfung der Klassengegensätze wurde durch ein Rcgierungssystem gefördert, das die rücksichtslose Vertretung der kapitalistischen Interessen mit skrupelloser Machtgier der leitenden Personen verbindet. In der äutzeren wie in der inneren Politik kamen die Interessen deS GrotzkapitalS zu ungehemmter Geltung, während das Klein- biirgertum mit den ZirkuSipielen der patriotischen Demagogie abgefüttert wurde. Die ausgreifende Fortsetzung der imperialistischen Kolonialpolitik, auS welcher der Klüngel der großen Gründer allein Nutzen zieht, wurde mit einer brutalen Aktion gegen das Proletariat kombiniert, auf dessen Kosten die gegensätzlichen Jnteressen der bürgerlichen Schichten ihren vorläufigen Aus- gleich in der vollständigen Sistierung der politischen und sozialpolitischen Reform fanden. Die Aera Clemenceau- Briand wird durch eine Unfruchtbarkeit charakterisiert, deren Kläglichkeit darum nicht geringer wird, weil sich zum Unvermögen die tückische Absicht, zum Mangel au Ernst der zynische Ver- rat gesellt. Wie sehr die bollendete Wendung zum sozialen Konservatismus selbst die konseauente Durchführung der aniiklerikalen Polilit hemmt, das zeigte sich schon in den ersten Monaten des Jahres, als eS galt, angesichts der Weigerung der Kurie, sich dem Trennungsgesetz unter- zuordnen, die religiöse Freiheit der Bürger mit der Souveränilät des Staates in befriedigender Weise zu vereinbaren. Briand liest nch mit dem Vatikan in Verhandlungen ein. die zu keinem Resultat führten und nur die Ratlosigkeit der Bourgeoisrepublik verrieten. Clemenceau aber prägte damals das seinen Kollegen bloststelleiide Wort von der.Inkohärenz", in die mau geraten sei. Ein Gesetz über die Verweildung der Kirchengüter, das am Ende des Jahres von der Deputicrtenkammer verabschiedet wurde, hat zwar manche Detailfragen geregelt— so vor allem die der Meb-Stisiungen— aber im ganzen beruht die Organisation deS katholischen Gottesdienstes heute auf einem tatsächlichen Zustand, nicht aus den Bestimmungen deS TrennungSgesetzeS und der Novelle vom Januar lSl>7. die durch die Unnachgiebigkeit Roms enikrästet worden ist. Eine kleine Revanche für die Blamage, welche die vatikanischen Politiker dem liebewerbenden Herrn Briand zugefügt hatten, verschaffte sich die Regierung zu Ostern durch die Veröffent- lichung der Papiere deS Sekretärs der ehemaligen Pariser Nunziatur, Abbs Montagnini, Papiere, die neben allerhand erbaulichen Enthüllmigezi aus dem Liebeslebcn der vatikanischen Diplomatie kompromillierliche Details über das Eingreifen der Kirche in die innere Politik Frankreichs erbrachten. Aber der kirchenpolitische Streit wurde von dem Kampf um das Gewcrkschaftsrccht in den Hintergrund gedrängt. Im April spitzte sich der Konflikt zwischen der Regierung und den Beamten- gewerkschakten zu. Zugleich griff das Ministerium zu brutalen Mab- regeln gegen die gesamte Gewerkschaftsbewegung. Eine Reihe von syndikalistischen Fühiern wurde verhaftet und auf Grund des gegen die Presse gerichteten Gesetzes von 18Sl(eineS der einst von Clemenceau und seinen radikalen Gefährten aus das heftigste bekämpften.verbrecherischen Gesetze") angellagt. Am Borabend des 1. Mai lieb die Regierung die Syndikalisten Levy und Bousquet in Hast nehmen. Da« Schicksal dreier beiden teilten etliche Unter- zeickner eines Aufrufs, der die Soldaten aufforderte, nicht auf Streikende zu schieben. Die Führer der Postbeamten wurden geinab- regelt, ebenso der Lehrer Nogre, trotz des Freispruchs des Dis- zipliuarrats! Und immer deutlicher trat es zutage, dab der repräsentative Mann dieses neuen gefellschaftSretterifchen Kurses Briand ivar, der Exgcneralstreikler.... � In einer denkwürdigen parlamentarischen Schlacht, die vom 7. bis zum 14. Mai dauerte und deren Höhepunkt I a u r s S zivei Sitzungen füllende Anklagerede gegen Briand und Briaiids System lvar, taten die Sozialisten den Verräter ab. In seiner zynischen Verteidigung bekannte sich Briand ohne Scheu zu eine», sozial» revolutionären Programm. Clemenceau selbst fühlte sich beinübigt, den von der Rechten in Gnaden bcwillkonlninclcn Kollegen zu desavouieren und eine Fortsetzung der radikalen Reformpolitik zu— versprechen. Die Rivalität der beiden Minister tritt von da an in immer neuen Episoden zutage. Wohl haben Briands Intrigen Clemenceau selbst noch nicht zu Fall gebracht, aber die radikale Politik ist tot.— Im Mai begann die Bewegung der Winzer im Süden heftige Formen anzunehmen. Ihr Schlagwort ivar zunächst der Kamps gegen die Weinfälscher, und zur K larheit über ihr Ziel ist sie bis zuletzt nicht gelangt. In ihren Mitteln aber gelangte sie, nach ins riesenhafte anschwellenden Meetings, zur Taktik der Revolte, mit Steaerverweigernng und Streik der Gemeiiideverwaltimgen. Die Agitation rib alle Klassen der Bevölkerung mit, auch die Weinbau- arbeitet;. Der sozialistische Bürgermeister von Rarbonne, F e r r o u l, war ihr geistiger Leiter, während der.Winzerheiland" Marcellin Albert bald nur noch ein Strohmann, war. der schlieb- lich in Lächerlichkeit endete. Die Regierung hatte anfangs der Agitation mit spöttischer Gleichgültigkeit und Untätigkeit zugesehen. Als die Sinintio» ernst wurde, griff sie zu einer unheilvolle» provokatorische» Gewaltiaktik. Die Verhastnng FerroulS wurde die Veranlassung zu einem schauerlichen Blutbad(20. Juni). Die BourgeoiSmajorilät in der Kammer gab dem Ministerium die be- gehrte unbegrenzte Vollinachll Am 21. kam eS zur Revolte des 17. Regiments in Beziers, nachdem schon früher andere Truppen- ableiiungen ihre Synipathien für die Winzer demonstriert hatten. Die Bewegung verlies sich schlieblich wieder, nachdem das Parla- ment einige Schntzmabregeln gegen die Weinfätscher beschloffen hatte. In den Sommermonaten trat die Marokkopolitik wieder in den Vordergrund. Schon Ende März hatte die Ermordung de§ Arztes Dr. Ma ucha m ps in Marrakesch den Vorioand zu einem Vorinaisch und zur Besetzung von N d s ch d a gegebe». Am 31. Juli wurden iu Ca sa b la n ca, nicht ohne eigene Schuld, acht Europäer er- niordet. Die Kolonialclique schrie nach einem Racheseldzug, und Schiffe und Mannschaften wurden anSgesandt, ohne dah man daran gedacht hätte. daS Parlament zu befragen! Spanien nmbte dabei den unfreiivilligen Waffenbruder spielen. In einen» neuen Geldbuch hat sich die französische Regierung im November bemüht»achzn- weisen, dah sie über daö Politeimandat von AlgeciraS nicht hinaus- gegriffen habe und keinerlei EroberungSabsichten verfolge.— Eine Verletzung der algerischen Grenze durch den Stamm der Beni Snassen lieferte den dritte».Zwischenfall". Die durch diesen ver- anlahten Operationen sind noch im Gange, und daS Ende ist nicht abzusehen. Die Regierung scheint nicht gewillt, sich den Trei- bercien der FinanzierScliqne, die Marokko unter sich aufteilen und am gesteigerten Militarismus und MariniSmuS profitieren möchte, zu widersetzen. Die Diplomatie selbst aber ist an den marokkanischen Gründungen finanziell interessiert.... Die jämmerliche Ohnmacht der radikalen Politik muffte auch den bürgerlichen Wählern klar werden. Die Einkommen- st euer, deren Entwurf Anfang Februar vorg-legt worden war, ist ihrer Verwirklichung keinen Schritt nähergerückt. Sie hat ihre Feinde selbst im Miilisterinin. Ebensoioenig wurde mit der Altersversorgung Ernst gemacht. Nicht einmal die Reform der Kriegsgerichte und die Abschaffung der Todesstrafe wurde er- ledigt. Eine mehr als symbolische Bedeutung für die a n t i- proletarische Teirdenz der Regierung hatte die Berufung des wütendsten Gegners des RnhetagSgesetzes. Maujan. zum Staats- sekretär deS Innern. Da die Radikalen den Verrat ihres alten Programms nicht zu rechtfertigen vermochten, wärmten sie, um ihre Ankläger zu verleumden, die alberne Debatte über den.Ami» patrionSmiis" auf. Besonders nach den Kongreffen von Nancy und Stuttgart hallte die demokratische Presse von diesem Un- fiun wider. Mit den„geistigen Waffen" dieser Art konnte die Bourgeoisie natürlich nicht auf Erfolge hoffe». Sie ließ nicht ab von ihren Versuchen, die sozialistische Gefahr stärker zu beschwören. Wohl noch niemals seit dem Fall der Kommune hat die Sache de« Proletariats in Frankreich so viele Märtyrer gefordert wie im ver- gangenen Jahre. Unzählige Sozialisten und Gewerkschaftler sind zu grausam schweren Freiheitsstrafen verurteilt worden. Strebsame Staatsanwälte vollbrachten wahre Meisterstücke jesuitischer Ge- sellschaftsretterci. Den ivürdigen Abschlnff des GerichtSsahrcS bildet die Verurteilung HervöS, der— für ein Preffdelikt!— ein Jahr Gefängnis bekam. Aber auch Todesopfer hat da? Clemenceau-Brkandsche System vom Proletariat gefordert. Die Füsilade von Raon l'Etape am 28. Juli reiht sich der Schlächterei von FourmieS würdig an. Diese Verstärkung der bürgerlichen Kampftendenz des Staates hätte auf feite der Arbeiterschaft eine Verbesserung der Organisation und eine sorgfältige Prüfung der Kampfmethoden dringend notwendig gemacht. Leider bleibt in dieser Beziehung noch viel z» wünschen. Groffe Ausstände, wie die der Pariser Bäcker und der Gafthansangestellten, serner der groffe SeemannSstreik gingen infolge der mangelhaften Vorbereitung verloren. Von umfangreichen Streik- bewegnugen hatte nur die der Pariser Elektrizitätsarbeiter den erwarteten Erfolg. Erwähnt fei noch der glückliche Abschluß der Aussperrung von Fougäres. DaS Verhältnis zwischen der GewerkschastSorganisation und der sozialistische» Partei ist zieinlich unverändert geblieben. Der auf dem sozialistische» Parteitage in Nancy erneuerte Versuch, dieses Verhältnis gemäß den in der Internationale vorherrschenden und jetzt auch in Stuttgart von ihr b e st ä t i g t e n Grundsätzen zu ordnen, blieb erfolglos, da die Mehrheit der snzialislischen Partei das von ihrer Seite mit Vorsicht bewahrte Nebeneinander vorzieht._ Sie russischen Finanzen. Zwei wichtige Fragen sind es, die im Vordergründe deS Jnlcr- csscS stehen: daS Agrarproblem und die Finanzfrage. Beide sind Lebensfragen des russischen Staates. Bleibt der Grund und Boden im Besitze des Adels, so bleibt die Entwicklung der Landwirtschait in der Zukunft gehemmt; behält die russische Bureaukratie auch fernerhin die Möglichkeit, über die russischen Finanzen nach eigenem Gutdünken zu verfügen und wird die Finanzpolitik in derselben Richtung weiter getrieben wie bisher, so ist der finan- zielle Bankerott unumgänglich. Der Privatdozent der Petersburger Universität, Bogoljepoff, nennt das russische Finanzsystem„eine organisierte Räuberei"; der Moskauer Professor Oseroff charakterisiert es mit dem Wort ..ein vom Spiritus vergiftetes Budget", und der russische Finanz- minister glaubt behaupten zu können, daß sich das russischen Budget von dem der europäischen Staaten nickt unterscheidet. Die in- direkten Steuern machen im russischen Budget fast 60 Proz. aller Einnahmen aus. Allein die Getränksteucr beträgt über 30 Proz. aller Einnahmen! Diese Steuer ist mit dem Nettoertrag von 482 Millionen Rubel in Wirklichkeit auch der wichtigste Einnahme- Posten. Der andere groffe Einnahmeposten aus den Eisenbahnen kommt faktisch nur als ein AuSgabeposten in Betracht. Das Kapital, das die Regierung in die Eisenbahnen investiert hat, stieg im Jahre 1906 auf 6897 Millionen Rubel, die obligatorischen Zahlungen für die Eisenbahnschulden betrugen 240 Millionen Rubel. Der Verlust bei den Eisenbahnen machte 1900 3,b Mil- lionen Rubel, 1906 aber schon 10 3, 6 Millionen Rubel aus! Es sind also die indirekten Steuern, auf die das russische Staatsbudget fufft. Sie haben sich seit dem Jahre 1881 um 28 Proz. vermehrt, während die direkten Steuern nur um 6 Proz. gestiegen sind. Tie Zuckersteuer wurde um 2373 Proz. und die Tabaksteuer um 281 Proz. erhöht! In den ersten sieben Monaten des Jahres 1907 haben sich im Vergleich zum Vorjahr bei der Tabakakzise Mindereinnahmen von 3,27 Millionen Rubel, bei dem fiskalischen Branntweinverkauf von 2,27 Millionen Rubel er- geben. So fangen die wichtigsten Einnahmequellen an zu versagen. Die Ausgaben steigen dagegen unaufhörlich. Die.Landes- Verteidigung" erfordere, erklärte in der Duma der Finanzminister. eine Erhöhung der Kredite um 55, b Millionen Rubel! Allein die Ausgaben für Gefängnisse stiegen um 3 Millionen Rubel, die Zahl der Insassen hat um 60 Proz. zugenommen. Zur Deckung dieser Ausgaben mutz eine neue Anleihe auf- genommen werden. Tie Höhe dieser Anleihe berechnet der Minister aus 196 Millionen Rubel. In Wirklichkeit braucht aber Ruffland bedeutend mehr Geld. Die Ausgaben für Kulturzwccke sind auffer- ordentlich niedrig berechnet. Für das VolkSaufklärungsininistermni sind nur 53 Millionen Rubel veranschlagt und dies bei einer Bevölkerung von 140 Millionen! Die Ausgaben für die„not- leidende Bevölkerung" sind auf 7 732 000 Rubel berechnet, während allein für die Unterstützung der hungernden Bevölkerung des Gouvernements Tschernigow mindestens 8 600 000 Rubel notwendig sind. Das Verkchrsministerium beansprucht eine Erhöhung des Kredits um 46 Millionen Rubel. Nun hat aber die Regierung in der Budgetkonjmission der zweiten Duma erklärt, dah eine Million Rubel notwendig ist, um die Eisenbahnen binnen 6 Jahren in Ordnung zu bringen. Für den gleichen Zweck muff man bei den Wasserwegen, Kanälen und Flüssen nach der Schätzung von Fachmännern 400 Millionen Rubel haben. Jährlich müssen fast 300 Millionen Rubel aufgebracht werden, um die schon vor- handcncn Eisenbahnen und Wasserwege für den Verkehr über- Haupt brauchbar zu machen. Aufferdcm müssen auch noch die 1!4 Milliarden Mark in Betracht gezogen werden, die die Re- gicrung an das Ausland bis zum 1. Juli 1911 zurückzahlen soll. Es ist also viel mehr Geld notwendig, als die Regierung an- gibt. Der Finanzminister Kokowzcw wünscht, daß die Duma sich aus.eigener" Initiative für eine höhere Anleihe aussprechen soll. Das wird wahrscheinlich auch geschehen. Bei den jetzigen hohen Diskontsätzen wird die Regierung äufferst hohe Zinsen zablen müssen. Schon bei der Anleihe von 1906 zahlte sie nominell 5. tatsächlich aber zirka 7 Proz. Und dazu Millionen— Schmiergelder. Die neue Anleihe wird unbedingt den Kurs der alten russischen Papiere drücken. Es fragt sich nun aber, ob Ruffland die Zinsen aufzubringen imstande sein wird. Im Jahre 1908 hat Ruffland fast 362 Millionen Rubel Zinsen zu zahlen. Nun weist aber die Bilanz für das erste Halbjahr 190? im Vergleich zum Vorjahre eine Verschlechterung um 6 6,7 Proz. auf. Die Ausfuhr ging um 52 Millionen Rudel oder um 11,7 Proz. zurück, wobei sich die Ausfuhr von Weizen um 46,4 Proz., von Hafer um 78, von Roggenmehl um 63, von Kartoffeln um 39 Proz. vermindert hatte. Im ganzen war die Ausfuhr der Lebensmittel. Produkte um 26,6 Proz. weniger als im Vorjahre, während die Einfuhr dieser Produkte nach der.Kornkammer Europas" um 2 2. 6 Proz. gestiegen war. Wird die Duma an diesen Zuständen etwas ändern können? Von der Zusammensetzung dieser Duma abgesehen, ihr Budget- recht ist vollständig illusorisch. Die Berichte der Budgetkommission der zweiten Duma beweisen, wie die Bureaukratie das Ein- greifen der Duma zu verhindern weih. 50 Proz. aller Ausgaben unterliegen der D u m a k o n t r o l l c überhaupt nicht. Aufferdcm verfügt die Bureaukratie über einen Fonds von 600 Millionen Rubel, der sozusagen eine private Angelegenheit der Bureaukratie ist. Die übrigen der Duma- kontrolle unterstehenden Ausgaben verteilen sich nach den Ressorts folgendermaffcn: bei den Ausgaben des Hofministeriums ist dieser Prozentsatz gleich Rull, bei den Ausgaben des Heiligen SynooS — 1, bei denen des Kriegsministerinms— 13, bei denen des Ministeriums des Innern und des Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten— 19 Proz. Hauptsächlich sind es nur die Be- triebskosten, die die Duma zu kontrollieren hat! Daher stellte die Bureaukratie der Duma bei ihrer Kontrolle noch auffcrordentliche Schwierigkeiten in den Weg. ES wurde ihr verboten, Fachmänner zuzuziehen. Nicht einmal der Bericht des Staatsininisteriums wurde vorgelegt! Viele Ausgaben bezogen sich auf vertrau, liche Gesetze, deren Text auch die Budgetkom- Mission nicht bekommen konnte! Solcher geheim- gehaltener Gesetze gab es allein 160 im Ressort des Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten. Es ist klar, daß nicht nur in diesem Jahre die Duma keine Gesundung der russischen Finanzen herbeiführen wird, sondern dag sie überhaupt bei Aufrechterhaltung der jetzigen„Grund- gcsctze" aufferstande ist, auf diesem Gebiete etwas zu leisten. Frei- willig wird die Bureaukratie und der Adel nicht in die Enteignung ihres Besitzes einstimmen. Das alte Regime, oder die Eroberung einer wirklichen Ver- fassung: In dieser Frage hat Ruffland die Entscheidung zu treffen. Soziake* Landflucht. So wie die neulich von un? mitgeteilten Berichte der Ver» sichermigSaustalten für Ost- und Westprenffen sprechen auch die Be- richte der LaiideSvelsicheruiigsanstalten.Pommer»",„Schlesien" und.Niederbahern" zablenmäffig von der Laiidflucht..Pommern" berichtet, daff in den Jahren 1391— 1906 iusgeiamt 475 835 fremde OuiilimgSkarten forlgeiandt, dagegen 670 734 eigene Ouitlungskarten eingegangen sind. Im Jahre 1906 wurden 37 622 Karten fort- geschickt und 76 995 Karten von auswärts arbeitenden Pommern sind eingegangen. Der Hauptstrom der.Auswanderer" zieht sich nach ..Berli»" nnd„Brandenburg", wie folgende Zahlen beweisen. Es wurden übersandt: nach.Berlin".. 3410 Karten von„Berlin".. 22 793 Karten ,„Brandenburg" 8291..„Brandenburg" 26 405, Der Bericht von„Schlesien" lautet:„Die im vmjährigen Ge- schäktsberichte schon hervorgehobene starke Abwanderung an Versicherten auS Schlesien in die Bezirke der westlichen Versichermigö- anslalten hat auch im Bericktsjabro noch angehalten."„Diese Äb« Wanderung fand nameuilich in die Bezirke Brandenburg, Berlin. Westfalen und Ryeinvrovinz stall, während beim König- reich Sachsen ein erheblicher Rückgang gegen daS Vorjahr eintrat." Es wurden abgesandt an die fremden Versicherungsanstalten 45 224 Karten, eingegangen sind dagegen 144 375 Karlen, davon allein aus„Berlin" 26 004,„Branoenburg" 32 219.„Sachsen" 27 535 Karten; während nach„Berlin" mir 2891, nach„Branden- bürg" 8903 und nach„Sachsen" 9185 Karlen übersandt wurden. „Niederbayern" bringt eine Uebersichl, wonach an fremde Ver- sichcrungsanstalle» 30 010 Oniltungskarlen eingesandt, dagegen nur 7102 Karlen an diese übersandt worden sind. Die größte Ab» Wanderung aus Niederbayern erfolgte nach„Oberbayern" mit 17 280 gegen 3927,„Oberpsalz" 3486 gegen 1740,„Mittelfrauken" 1892 gegen 255 Karten. Die wirtschaftlich schlechte und fast rechtlose Lage der Land- arbeiter würde eine noch stärkere Landflucht erklärlich machen. Holzarbeiter in Sndwestdcutschland. Die Südwestdeuliche Holz- Berufsgenossenschaft umfaßt die Bundesstaaten Würneinberg, Baden, Hessen und Effaff-Lothringeit. Versichert waren nach dem letzten BerwalrmigSberichre im Jahre 1906: 9388 Betriebe mit 47 268 Arbeitern Gegen das Jahr 1905 ein Zugang von 348 Beirieben und 1879 Versicherten. Die Zahl der Fabrikbetnebe beträgt 4496. die der Handbetriebe 4892. Die Hand- betriebe sind um 3 gegen das Borjahr zurückgegangen und b e- schäftigen 231 Arbeiter weniger. Während in den Fabrikbelriebcn 40 323 Arbeiter beschäftigt werden, haben die Hand- betriebe ivir 6824 Arbeiter aufzuweisen. Ein Rückgang deS Kleingewerbes ist zu verzeichnen. Der Durchschliiltslohn eines Versicherten betrug im Jahre 1905: 914 M., im Jahre>906: 962 M. und zwar in Württemberg 952 M., in Baden 978 M.. in Hessen 983 M. und in Elsaff-Lothnngen 919 M. Die Zahl der llnfälle ist von 2085 aul 2224 gestiegen, so daff auf>000 Versicherte durchschnittlich 47,17 Unfälle entfallen. Eni- schädigt wurden nur 785 Vertctzle. Von diesen entschädigten Unfällen ereigneten sich allein 488 an ArbeitSmaschinen. Als Folgen der Unsälle bezeichnet der Beiicht in 24 Fällen Tod. in 469 Fällen teilweise und in 292 Fällen vorübergehende Erwerbsbcschränkung, wäbrend kein einziger Unfall völlige Erwerbsunfähigkeil znr Folge halte. Sehr gefährlich sind die S ä g e w e r t e. die allein 582 Unfälle -u verzeichnen baiten, ihnen folgen die Möbelfabriken mit 386 Un- fällen, bie Bauschreinereien mit 24t. mechanischen Schreinereien mit 138 Unfällen niw. Die Berlifsgenossenschaften haben es auch in der Hand, die gefährlichen Betriebe mit hohen Beiträgen zu belasten. So zahlt z. B. eine Bautischlerci mit Handbetrieb pro 1000 M. Jahreslohn nur 3.l0 M., ein Sägewerk dagegen 52 M. Der Geschäftsbericht ist sehr mangelhaft ausgefallen, er verzeichnet bloß, daff 4282 Betriebe revidiert worden sind, ohne uns die Zahl der gefundenen Verstöße gegen die Unsallverhütungsvorschriflen anzugeben. Ebenso sehll jeder Nachweis über den Ausgang der Berufungen geger die Neutenbeicheide._ Versammlungen. Zentralverband der Dachdecker. In der letzten Mitglieder» Versammlung nahm die hiesige Verwaltungsstelle Stellung zu den Aufgaben des nächsten VerbandStageZ. Der Referent, Zentralvorsitzender G. D i e h l- Frankfurt, wies einleitend zunächst auf die Gefahren hin, welche den Kollegen seitens des organisierten Unter» nehmertnms drohen, hierbei besonders erinnernd an die VerHand- lungcn des Deutschen Arbeitgcberbundes für das Baugewerbe am 21. Oktober 1907. Auch ihm sei von dem Arbeitgebervcrband für Rheinland-Westfalen ein Tarif zugesendet worden. Wir gehen schweren Kämpfe» entgegen, die ausgcfochten werden auf Grund der Machtverhältnisse. Beide kämpfenden Parteien erleiden hierbei wirtschaftliche Nachteile. Da komme eö denn darauf an. wer der Stärkere ist, um seinen Gegner besiegen zu können. Wenn die Unternehmer des Baugewerbes versuchen, möglichst einheitliche Tarife für ganz Deutschland zu schaffen, so haben sie in erster Linie die Vernichtung der Arbeiterorganisationen im Auge: sie wollen„Herr aus den eigenen Bauten und Wcrkplätzen sein". Die Verhältnisse liegen aber anders als z. B. im Buchdruckgewcrbe. Unsere erste Aufgabe wird also sein, unsere Organisation weiter auszubauen, die Agitation intensiver zu betreiben. Dazu brauchen wir Leute, die von ihrer Tagesarbcit freigemacht werden müssen, die ungehindert und uneingeschränkt für die Organisation arbeiten können. Eine weitere Ausgabe wird sein der Ausbau der Unter» stützungSeinrichtungen. Dieser ist notwendig, um die Fluktuation der Mitglieder zu vermindern, ferner eine Linderung der sozialen Not derselben herbeizuführen, nicht zuletzt aber auch die Frau für die Organisation zu interessieren. Leider könne noch nicht an die Einführung einer Arbeitslosenunterstützung gedacht werden, um so eher ist aber die Schaffung einer Ärankeuunterstützung möglich. Auch mit einer Beitragserhöhung wird sich der Verbandstag be» schäftigen müssen. Dafür mögen in Zukunft die Extrabciträge fortfallen; sie schädigen nur die Organisation. Redner zeigte an der Hand von Zahlenmaterial noch, in welch rapider Weise die Ausgaben an Streikunterstützung von Jahr zu Jahr gestiegen sind. Auch das nächste Jahr wird hohe Anforderungen an die Organi» sation stellen. Laufen doch da in fast sämtlichen großen Städten die Tarife ab, für die 1800— 2000 Kollegen in Betracht kommen. Redner schloff seine Ausführungen mit der Aufforderung, für den weiteren Ausbau, für die Stärkung der Organisation zu wirken, damit sie in Zukunft dem Unternehmertum gerüstet und schlagfertig gegenübersteht.— In der Diskussion wendete sich Fr. N e u m a n n gegen eine Erhöhung der Beiträge. Den Vorteil davon hätten doch nur die Beamten. Die llnterstützungseinrichtungen betrachtet c: nur als Lockmittel. Wir seien eine Kampfcsorganisation und kein UnterstützungSverein. Henkel war der Auffassung, dah die Extrasteuer nicht beseitigt zu werden braucht, nur solle man damit die neugcgründcten Filialen verschonen. Er wendete sich gegen etwaige Anstellung von Beamten; man möge die gröfferen Gaue einfach in kleinere zerlegen. Ferner ist er wie Weiüke. Gre- gorschzewski. Höppner, Tirlich, Sauer und Alt» haus für eine Beitragserhöhung. Görnitz wendete sich in tängeren Ausführungen gegen Diehl. Er erklärte sich gegen eine Beitragserhöhung angesichts der gegenwärtigen Arbeitslosigkeit, ebenso gegen Anstellung von weiteren Beamten. Empfehlenswert sei die Errichtung von lokalen Streikfonds. Was die Urabstimmung über die Verschmelzung mit den Maurern anbetrifft, so würde dieselbe am besten nach dem Verbandstagc stattfinden. Nach einem Schluhworte des Referenten, in welchem er besonders die Auö, führungen von Neu mann glossierte» wurde die Veriammluna geschlossen. lisch beendeter Cagcrauinalpc Preise bedeutend ermäßigt für Restbestände in allen Abteilungen und für die während des lebhaften Weihnachtsgeschäfts angeschmutzten Waren. Besonders erwähnt seien einzelne Marken Tischzeuge, Handgestickte Decken und Läufer, Bettwäsche, Bunte Bezüge, Damen- u. Kinderwäsche(Musterstücke), Morgenröcke, Weiße und farbige Unterröcke, Wollene und seidene Blusen, Schürzen, Farbige Oberhemden in einzelnen Weiten, Taschentücher, Gardinen, Steppdecken, Leinen, Baumwoll- u. farbige Waschstoff-Reste- Montag und Dienstag, den 6. und 7. Januar: 3 Braut-Ausstattungen zur Besichtigung. :□ BERLIN W. Leipzigerstr, 20-21. F. V. GRÜNFELD Landeshuter Leinen- und Gebild-Weberei. Bis auf Weiteres Geschäftsöffnung 8Vj Uhr.------- je— JIlarkgrai'enHäle Jn0tle7ph£ Berlin 0. 93. Markgrafen- tfamm 84. Jnkaber: Hei-tnann Schölts. 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Für den AnjerattiueU veramwG Ttz»«erktn. Druck«. Verlag: Borwäravuchdruikere, u. vertag-änstatl Paul Singer& So.. Berlin SW. Nr. 4. 25. Jahrgang. 4. KnlM Ks JstiMtts" Serlim Sonntag, 5. Januar 1908. Bm tlTittwocl) findet für Berlin und Vororte der Zablabend statt. parte!- Hnöfelecfcnhcitcn. Achtung. 5. Wahlkreis. Tie zweite Abteilung hält diesmal, MittwoS. gemeinsamen Zahlabcird bei Borde, Reue Äönigstratze Nr. 7. ab. Der Abteilungssührcr. Wilmersdorf. Am Mittwoch, den 8. d. M., fällt für unseren Ort der Zahlabend aus. dafür findet die Generalversammlung des Wahlvercins statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes, des Kassierers und der Spedition. 2. Neuwahl des Gesamtvorstandes. L. Vereinsangelegenheiten. Verschiedenes. Genossen! Bei der Wichtigkeit dieser Versammlung wird be- stimmt erwartet, daß alle Mitglieder zur Stelle sind.� Vor Beginn der Versammlung werden die Bezirksführer Beiträge entgegen- nehmen. Ansang Punkt 8l-- Uhr. Der Vorstand. Johannisthal. Tie Parteigenossen werden auf die am Diens- tag, den 7. d M., abends dM- Uhr, bei Alb. Trautmann stattfindende Generalversammlung des Wahlvereins aufmerksam gemacht. Tages- ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Neuwahl des Vorstandes und der Funktionäre. 3. Vereinsangelegen- heiten und Verschiedenes. Das Erscheinen aller Parteigenossen ist bei der Wichtigkeit der Tagesordnung unbedingt nötig. Der Vorstand. Stralau. Den Genossen zur Nachricht, daß ab 1. Januar 1308 eine Neucintcilung der Bezirke erfolgt ist unter gleichzeitiger Auf- Hebung des Hauskassicrcrsystenis. Ter 1. Bezirk umfastt folgende Straßen: Tunnelstraße, Friedrich-Jungc-Straste und Alt-Stralau bis zur Bahn Zahlabendlokal bei Paul Schöps, Alt-Stralau 17. Der 2. Bezirk umfaßt die Straßen Alt-Stralau 09/70, Mark- grafcndamm 1/10; Zablabendlokal: Markgrafcndamm 3 bei Chr. Gundlach. Ter 3. Bezirk umfaßt die.sdäuser Markgrafcndamm 11/19; Zablabendlokal: Ernst Schmidt, Markgrafendamm 16. Nächster Zahlabend Mittwoch, den 8. Januar. Zahlreichen Besuch erwartet Ter Vorstand. FranzSsisch-Vuchholz. Den Genossen zur Kenntnis, daß die am Mittwoch, den 8. Januar, fällige Mitgliederversammlung deS Wahlvereins ausfüllt. Dafür findet in allernächster Zeit eine Volksversammlung statt. Näheres wird noch bekannt gegeben. Der Vorstand. Pankow. Tic statutenmäßige Generolversammlung findet am Dienstag, den 7. Januar, abends Uhr, im..Gesellschaftshaus", Kreuzstr. 3/4, statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Statutenberatung. 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Stellung- nähme zur Kreisgeneralversammlung. 5. Verschiedenes. Die Genossen werden dringend ersucht, zahlreich und pünktlich zur Stelle zu sein. Der Vorstand. NotvawcS. Am Mittwoch, den 8. Januar, abends SVj Uhr, findet die Versammlung des Wahlvercins im Lokal des Herrn Schmidt, Wilhclmstr. 8, mit folgender Tagesordnung stptt: 1. Ge- schäftliches. 2. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. 3. Wahl des Vorstandes und der Funktionäre. 4. Wahl von Tetegierten zur 5lreiSgeneralocrsammlung. S. Verschiedenes. Die Wichtigkeit der Tagesordnung macht das Erscheinen samtlicher Mitglieder not- wendig._• Ter Vorstand. Berliner rfaebriebten* Der Tiergarte» im Winter. Einsam und verlassen liegt er da. Wo an heißen Sommer- tagen das vornehme Publikum lachend und plaudernd unter dem schattigen Laubdach einhcrwandelt, wo an milden Abenden unzählige Pärchen sich ewige, unverbrüchliche Treue schwören und kosend und tuschelnd die Bänke drücken, herrscht jetzt die starre Ruhe, die schweigende Eintönigkeit des Winters. Rur ein vaar Kinder mit frischen roten Wangen tollen und haschen sich gegenseitig. Sperlinge hüpfen im Gebüsch herum, niedliche Meise» rutschen in Schlangenwindungcn um die Baumstämme und klopfen mit dem kleinen Schnabel emsig die Rinde nach Larven ab, während hoch über den kahlen Wipfeln eine Krähe krächzend und mit schweren Flügel- schlagen vorüberfchwebt. All die kleinen Gäste, die in der warmen Jahreszeit den Park beleben, sind verschwunden, spurlos, Gott weiß wo sie stecken, die Igel, die Wiesel, Kaninchen und was sonst noch alles kreucht und fleucht. Tie große blaßrote Sonnenscheibe steht schon trotz der frühen Mittagsstunde schräg über den vornehmen Villen der Tiergartenstraße und ihre letzten Strahlen zittern matt und kraftlos durch das blätterlose Gcäste der Bäume. Ten harten, starren Boden deckt der Schnee, zwar dünn, durchsichtig, fast armselig zu nennen, aber immerhin Schnee, und man freut sich, ivcnns nicht anders ist, und über das ivenige. Die weißen Marmorblöcke der Sicgesallee leuchten gespensterhaft zwischen den dunklen Stämmen hervor. Elegante Automobile sausen in polizeiwidrigem Tempo die Srraße entlang, dahinter trotten müde Droschkenpferde schwerfällig ihren Weg. Die Zelten, in der schönen Jahreszeit der Sammelpunkt ungezählter fröhlicher Menschen, erheben sich in einsamer Ruhe: nur aus dem Innern dringt gedämpfte, leise Musik, und hinter den großen Fensterscheiben sieht man die distinguierte Gesellschaft ihren Mokka einnehmen. Außen harren die Kutscher und Chauffeure, aus ihrem dicken, wulstigen Pelz sieht nur die blaugefrorene Nasenspitze hervor. Wir schreiten die stillen, leeren Wege iveiier und gelangen an das Brandenburger Tor. wo wir sofort in dem hastenden Gewirr der Fußgänger, Reiter. Radfahrer und Fuhrwerke aller Art untertauchen.___ Wie die heutige Gesellschaft daS Eleud beseitigt. Tie gegenwärtige Arbeitslosigkeit und die Not, die sie im Gefolge hat, zwingt viele Leute dazu, ihre Mitmenschen um milde Gaben anzuflehen. Es heißt zwar, das hätte heutzutage niemand nötig, die Stadt sorge ja für die Armen; allein, wer die Unterstützimgsfätze unserer Armeuvenvaltung kennt, wird uns zustimmen, wenn wir sagen, daß das. was den Armen gewährt wird, zum Sattessen zu wenig. zum Verhungern zu viel ist. Nun kommt hinzu, daß Leute, die über keine feste Wohnung verfügen, überhaupt nicht berücksichtigt werden. Was also tun? Leben will jeder. Er muß sich entweder etwas nehmen, also stehlen oder er muß betteln gehen. Der größte Teil bettelt lieber, als daß er stiehlt. So kam auch der arbeitslose Drechsler Z. auf den Gedanken, das Mitleid seiner Mitmenschen in An- spruch zu nehmen, er klopfte an verschiedenen Türen um milde Gaben an, bis ihn der Schutzmann erwischte. Der nächste Weg ist der zum Revier. Von da gehts mit der„grünen Minne" nach dem Polizeipräsidium am Alexandervlatz. Am andern Tage wird er mit vielen anderen Leidensgefährten vor den Richter geführt und in knapp zehn Minuten ist er mit einem Dutzend des gleichen Delikts Angeklagten verurteilt zu drei, fünf, acht oder vierzehn Tagen Haft, je nachdem er schon vorbestraft ist. Und das von Rechts wegen! Die zu wenigen Tagen Haft Verurteilten verbüßen die Strafe sofort an Ort und Stelle, die längere Haft aufgebrummt bekommen haben, weiden mit dem„grünen Wagen", der an eine Elektrische angehängt wird, nach Tegel geschafft. So ging's auch dem arbeitslosen Drechsler Z. Er hatte 1-4 Tage geschärfte Hast zu verbüßen. Als die Zeit um war, gab man ihn einen Schein, daß die Strafe verbüßt war und ohne einen Pfennig ließ man den armen Teufel zum Gefängnistore hinans. Die Gerechtigkeit hatte ihres Amtes gewaltet. Was soll so ein armer Kerl nun tun? Arbeit hat er nicht, auch keine Aussicht, solche zu bekommen. Es bleibt ihm kein anderer Weg offen, als wieder zu betteln, bis ihn wieder der Schutzmann packt. Dann beginnt der Kreislauf von neuem, bis der Richter zu der Meinung kommt. er lzabe es mit einem Arbeitsscheuen zu tun. Dann gibts Nebcnveisung an die Landespolizeibehörde und die letzte Zu- flucht ist das Arbeitshaus. So beseitigt die heutige Gesellschaft daS Elend. Ihr laßt den Armen schuldig werden, Dann überlaßt ihr ihn der Pein. Unter der Verantwortung eines PastorS t Der.Kinderrettungsverein" bat lange auf die Er- klärnng warten lassen, die er der Ocffeiitlichkeit schuldete, nachdem im„Vorwärts" gezeigt worden war, mit kvelchem Maße von Gewissenhaftigkeit nian dort die Suche nach den: Vater eines unehelichen Kindes betrieben hatte. Es handelt sich, wie unseren Lesern noch in Erinnerung sein wird, um die Angelegenheit des Tischlermeisters Otto Scheibe(Frucht- straße 36a). der im Juni durch eine Zuschrift aus dem Bureau des „RinderreltungsvercinS" zu Unrecht der Vaterschaft an einem un- ehelichen Kinde beschuldigt worden war und im Dezember trotz längst erfolgter Aufklärung des Irrtums in einem zweiten Briefe des Bereinsbureaus aufs neue als Vater dieses Kindes bezeichnet ivurdc. Jetzt endlich äußert sich hierzu der Pastor W i l h. Pfeiffer, der für die Tätigkeit dieses Vereins verantwortlich ist.Durch das Pastorenblarl„Reich" läßt er eine Erwiderung veröffentlichen, über die dieses Blättchcn dreist und gotteö- sürchlig die Ucbcrschrift„Zur Richtigstellung" gesetzt hat. „Richtiggestellt" wird in Pastor Pfeiffers Antwort nichts, leine unserer Angaben über jene Angelegenheit wird darin be- stritten. Im Anschluß daran wird nur der Versuch gemacht, daS im Bureau des„KiuderrettungsvereinS" begangene Versehen zu erklären und zu entschuldigen. Dieser Entschuldigungsversuch ist aber von der Arr, daß durch ihn die Sache des Herrn Pastors noch sehr verbösert und sein.Kinderrettnngsverein' geradezu gcbrand- martt wird. Die Mutter des KindcS bat, so erzäblt der Herr Pastor, im Juni um Uebernahme der Vonmmdschast durch Pfeiffer und„be- nannte als Vater einen Tischler Otto Scheibe". Beim Gericht wurde Amraa auf Verpflichtung zum Vormund gestellt und„dann Anfrage an den Tischler Otto Scheibe gericbtet, ob er sich als Vater des Kindes bekennen wolle".„Da die Mutter", so fährt der Pastor fort,„die Adresse des angeblichen Vaters nicht genannt hatte, im Adreßbuch aber ein Tischler Otto Scheibe als in Berlin. Fruchrstr. S6a wohnhaft, verzeichnet stand, ging da? Schreiben dorthin ab". Wir trauten unseren Augen nicht, als wir diese„Entschuldigung" lasen. Also daS Adreßbuch ließ man darüber entscheiden, welchem Tischler Otto Scheibe, man die Aufforderung zuschicken sollte, sich als Vater zu bekennen und binnen acht Tagen zu anilvorten, wenn er nicht verklagt werden wolle! Wenn es wahr ist, daß im Bureau des „KinderrcttnngsveremS" so verfahren wurde— der Herr Pastor selber versichert'S— dann ist dort mit einer Leichtfertigkeit, mit einer Gewissenlosigkeit gehandelt worden, deren Gemeingesährlichkeit jedem sofort einleuchten muß. Nehme» wir einmal an, die Mutter eines unehelicheit Kindes käme zur Redaktion des„Vorwärts", sie gäbe unS irgend einen Pastor Wilhelm Pfeiffer als den Vater deS Kindes an und wir gelangten dann nach Befragung des Adreß- bucheS zu dem Schluß, daß der Pastor Wilhelm Pfeiffer vom „Kinderretbingsverein" der Vater sei. Was würde dieser Herr Pfeiffer dazu sagen!? Und was würde uns blühen, wenn wir ihn an seine vermeintliche Aatcrpflicht mahnen wollten!? Herrn Scheibe in der Fruchtstraße schickte Pastor Pfeiffer durch sein Bureau einen kurzen Entschuldigungsbrief, nachdem fest- gestellt tvorden war, daß es sich um einen anderen Tischler Otto Scheibe handelte. Trotzdem passierte im Dezember die nochmalige Verwechselung. Sie wird jetzt von Pfeiffer damit erklärt, daß ctne expedierende Dame, die erst neuerdings eingetreten war,„diese Akten noch nicht kannte", in ihnen einen Brief des fälschlich beschuldigten Scheibe fand und nun iviedcr ihn rür den Vater hielt.«Er hatte nam- lich", sagt der Pastor,„immer wieder Briefe geschrieben, die zu den Akten gekommen waren". Gewiß, Herr Pastor! Aber gerade aus diesen Briefen, durch die er erfahren wollte, wer eigenllich für jene Bummelei verantwortlich zu machen sei, und auf die Sie niemals geantwortet haben, war zn schließen, daß er nicht der Vater ivar. Der expedierenden Dame ist das entgangen; man sieht, wie im Bureau des„Kinderrettungsvereins" gearbeitet wurde. Der Herr Pastor versichert, daß er daS nochmalige Versehen„natürlich lebhaft be- dauert". Ihm sei aber„nicht verständlich, luie Herr Otto Scheibe, Fnichtstr.. 36a, s i cki durch das Schreiben beleidigt, also in seiner Ehre gekränkt fühlen kann." Er, der der Herr Pastor, könne auch„durchaus nicht anerkenne»", daß dieses Schreiben„geeignet sein sollte, den ehelichen Frieden des Herrn zu stören". Jener Entschuldigungsbrief habe doch Ausklärung gegeben. „Wenn der Ehefrau des Herrn Otto Scheibe", so fährt Herr Pfeiffer fort,„die Mitteilung allein nicht genügte, hätte sie nur den darin benannten Herrn Otto Scheibe aus- zusuchen oder im Bureau des KinderrettungSvereinS nachzufragen brauchen, nm die bündigsten Beweise dafür zu erhalten, daß es sich nur nm ein Versehen handelte. Es ist ihre eigene Schuld, lvcnn sie eL borzog. unseren Angaben und den Beteuerungen ihres Ehemannes zu mißtrauen."-Man weiß wirklich nicht, was man zu solcher Keck- heit sagen soll. Der Beleidigte und seine Frau müssen diese Am- Wort g e r a d e z u iv i e Hohn empfinden. Wir erfahren jetzt von Herrn Scheibe, daß Herr Pfeiffer kürzlich an ihn einen Brief ge- schickt hat, der sich ähnlich äußert und ähnliche Zumutungen enthält. Der Herr Pastor scheint nicht zu begreifen, daß er selber die Pflicht gehabt hätte, sich zu dem Beleidigten und seiner Frau zu bemühen und persönlich Aufklärung zu geben. Ihm fehlt offenbar das rechte Verständnis für die ganze Schwere des Verdrusses, der Herrn Sch. bereitet worden ist. Auch hat er es immer noch unter- lassen. Herrn Sch. den Namen der schuldigen Person zu nennen! Zum Schluß sucht Pastor Pf. seinen Verein noch gegen den Bor- wlirs in Schutz zu nehmen, daß die Mutter des am 27. Mai ge- borenen, von Pfeiffer bevormundeten Kindes erst am 13� Dezember eine Helferin des Vereins in ihrer Wohnung zu sehen gekriegt habe. Pf. muß zugeben, daß das richtig ist, aber„bereits am 7. Oktober" sei eine Helferin„in der Wohnung" gewesen, nachdem die Mutler ihr Kind am 18. Juli sso sagt Pfeiffer selber) aus einer Privatpflege wieder zu sich genommen hatte. Vom 18. Juli bis zum 7. Oktober sind nahezu>2 Wochen! Pfeiffer sagt, iiizlvücheu habe die Mutter regelinäßig über das Kind berichtet, ihm scheint das genügt zu haben. Der Besuch vom 7. Oktober ist uns in der Familie nicht bestätigt worden; aber vielleicht hat die Helferin die alte, fast taube Großmutter angetroffen, die sich heule an nichts mehr erinnert, und aus mißverstaiidenen Worten eutnabm wohl die Helferin die irrige Meinung, das Kind sei in Waisenpflege gegeben. Der zweite Besuch wurde dann erst am 13. Dezember gemachl, und erst jetzt wurden Kind und Mutter angetroffen, das gibt auch Pf. zu. So also hat der„KillderrettungSbcrein"ae- arbeitet, für den der Herr Pa st or verantwortlich ist! So hat Pastor Pfeiffer, der sich kürzlich in einem Aufruf für seinen Verein als„Berufsvormund und Pfleger über mehr als tausend Kinder" bezeichnete, sich seines Mündels angenommen I_ Die Liste der bewilligten Böckrreien wird am nächsten Sonntag erscheinen. Für den Fall deS Niedergangs grösserer Schnccmasscn hat die Große Berliner Str-inenoahn mit der Städtischen Straßenrcinigung ein gemeinsames Zusammenwirken vereinbart, durch welches in den Hauptverkehrsstraßen eine beschleunigte Fortschaffung der Schnccmasscn von den Straßendämmcn und dadurch eine Aufrecht- erhaltung des Straßenbahnverkchrs erreicht werden soll. Es ist crsorderlicki, so schreibt der Polizeipräsident, daß während dieser Arbeiten die Geleise der Straßenbahnen nicht durck andere Fuhr- werke befahren werden. Sämtliche Schutzleute sind anzuweisen, während dieser Zeit die Fuhrwerte von den Straßenbahnglcisen fernzuhalten und überhaupt alle Maßnahmen zur Beseitigung des Schnees auf das energischste zu unterstützen. Die Probestrecke der Schwebebahn in der Brunnenstraße ist seit kurzem vollendet und vom Berliner und Rixdorfer Polizeipräsidenten besichtigt worden. Gestern unterzogen die Mitglieder der Verkehrs- deputation den Bau einer eingehenden Besichtigung. Der allgemeine Eindruck ist der, daß er weniger ungünstig wirkt, als vorher an- genommen wurde. Dagegen bleibt immerhin sehr ernsilich die Erwägung der Frage offen, ob in engen verkehrsreichen Straßen, wie wir solche in Berlin in zahlreichen Fällen haben, nicht doch die Durchführung einer Schwebebahn geeignet ist, den Verkehr zu stören, 10 000 Marl hat ein ungenannt sein wollender Mitbürger dem Oberbürgermeister Kirschner übermittelt mit der Bitte, den Be- trag zur Beschaffung von Brennmaterialien für bedürftige und würdige Berliner Familien zu verwenden. Opfer der Kälte und des Eises. Erstarrt aufgefunden wurde vorgestern vormittag in der Haupt- straße in"Reinickendorf die 10jährige Schülerin Agnes Müller, die voil ihrer Mutter nach dem Rathaus geschickt worden war. Das- Kind wurde unterwegs von leichtem Unwohlsein befallen und setzte sich auf einen Trcppencingang in der Hauptstraße nieder. Als die Kleine von Hausbewohnern aufgefunden wurde, war sie bereits völlig erstarrt. Auf der Rettungsstation der freiwilligen Sanitäts- ivache gelang es den Bemühungen eines hinzugerufcncn Arztes, die M. wieder in das Leben zurückzubringen.— Erfroren aufgefunden wurde die seit dem Silvesterabend vermißte 66 Jahre alte Frau Noack aus Rummelsburg. Die N., die geistesschwach war, entfernte sich gegen 8 Uhr abends aus ihrer Wohnung in der Bahnhofstr. 10 und die sofort aufgenommenen Nachforschungen nach ihrem Vcr» bleib waren ergebnislos. Gestern morgen wurde die Leiche der Noack auf dem Begräbntsplatz der Pankower Gemeinde aufgefunden. Wie der hinzugezogene Arzt feststellte, war die Greisin erfroren. Der Tod war schon mindestens vor 36 Stunden eingetreten.— Im Eise eingebrochen ist der 22jährige Kaufmann Richter, der sich gestern nachmittag von Ncu-Seeland nach dem Bahnhof Erkner begeben wollte. Um den Weg abzukürzen, überschritt der junge Mann die Eisfläche des Dämmcritzsccs, geriet auf eine dünne Stelle und brach ein. Er wurde von Augenzeugen des Unfalles in bewußtlosem Zustande aus den kalten Fluten gezogen, erholte sich jedoch wieder solvcit, daß er nach seiner Wohnung gebracht werden tonnte.— Ertrunken sind in der Oder zwei Knaben, der 10 Jähre alte Schüler B. Schmolte und der 12jährige Erich Wolland aus Frankfurt. Sä,, war in eine Buhne geraten und ertrank, bevor Hülse zur Stelle kam. Der kleine Wolland hatte sich ohne Er- laubnis der Eltern auf das Eis der Oder begeben und ist von dort nicht wieder zurückgekehrt. Zweifellos ist auch er eingebrochen und ertrunken.— Beim Schlittschuhlaufen stieß der' 20jährige Kauf- mann Weigert aus Oberschoneweide mit einem anderen Schlitt- schuhläufer zusammen, stürzte und fiel so unglücklich, daß er einen Schlüsselbeinbruch erlitt. Der Verunglückte wurde nad> einem Krankenhause übergeführt._ Tödlicher Absturz aus einem Stabtbahnzuge. Die Unsitte, noch während der Fahrt aus einem Stadtbahnzuge hcrauszuspringen, hat der 63 Jahre alte Gärtner Karl Georgi aus Charlottenburg mit dem Tode büßen müssen. G. war vom Bahnhof Friedrich- straße gekommen und wollte am Bahnhof Charlottenburg den Zug verlasse». Noch während sich der Train in der Fahrt befand, öffnete der alte Mann das Coupe und trat auf das Trittbrett hinaus. Er kam nun zu Fall und stürzte mit dem Kopf auf den Bahnsteig. Die Beine wurden ihm zwischen Bahnsteig und Tritt- brctt eingeklemmt. G. erlitt so schwere Verletzungen, daß er bald darauf starb. Eine beachtenswerte Mitteilung für Schlittschuhläufer wurde unS gestern gemacht. Der jetzt von Schlittschuhläufern sehr besuchte Wannsee hat noch gefährliche Stellen, die für den Unkundigen zu einer Gefahr für das Leben werden können. So ist der zwischen Kladow und der Insel Schwanenwerder liegende Schwanenteich nicht zugefroren und es tummeln sich da noch zahlreiche Wildenten und einige Schwäne nmher. Gestern nachmittag ist ein Knabe in das Wasser gefallen, der sicher ertrunken wäre, wenn er nicht von einem zufällig in der Nähe weilenden Arbeiter aus dem Wasser gezogen worden wäre. Der Lebensretter teilt uns diesen Fall mit, um Leute, die an dieser Stelle nicht Bescheid wissen, vor Unglück zu bewahren. Ein ausgesetzter Knabe. Am 28. Dezember 1907, nachmittags gegen 8V4 Uhr, ist auf dem Treppenpodest des Vorderhauses Kott- buser Ufer 33 ein etwa drei bis vier Wochen alter Knabe ausgesetzt ausoefunden worden. Bekleidet mit weißem Hemd, Barchcndjäck- chcn; er war in weißes Barchenwickeltuch eingeschlagen. Nachrichten zur Ermittelung der Mutter nimmt jedes Polizei- revier sowie die Kriminalpolizei zu den Akten 10 246, lV. 41. 07, entgegen. Das Kind befindet sich in dem Städtischen Waisenhaus, Alte Jakobstraßc. Die mysteriöse KindeSentführung. Zu der Kindcsentführung im Westen Berlins wird uns gemeldet, daß«die angebliche Frau Rosa Girod das kleine Mädchen gestern wieder nach dem Gesinde« Vermietungsbureau zurückbringen ließ. Die Wohnung der Vornehmen Frau ist noch nicht ermittelt, trotzdem die Polizei um- fangreiche Nachforschimgm angestellt hat. DaS Kind wurde seiner Mutter wieder zugestellt. Einen schweren Verlust hat am Donnerstagabend in der Zeit von'AS bis 9 Uhr eine Geschäftsinhaberin erlitten, indem sie auf dem Wege von der Äommandantenstr. 82 durch die Grünstrahe, Seydclstratze und Alte Jakobstrahe, eventuell auch in der Leipziger Stratze ihre gesamte Barschaft verlor, die sie gerade forttragen wollte. Diese befand sich in einem kleinen Täschchen in Gcsta� den 15 Hundertmarkscheinen. Die Verliererin setzt für Wieder- erlangung eine hohe Belohnunii auL; sie heißt Lübke und wohnt Äommandantenstr. 52, Quergebäude III. In der Baruther Straße hat am Freitagmorgen ein Arbeiter ein Damcnportemonnaie mit Inhalt gefunden. Da nach dem Inhalt zu schließen ist, daß eine arme Arbeiterin dasselbe verloren hat, möchte er es gerne abgeben und bittet die eventuelle Verliererin, �iich bei Freund. Baruther Straße 12, zu melden. Eine Niesenschlange, die bei Tierkundigen große Aufmerksam- keit erregt, wird gegenwärtig m Castans Panoptikum gezeigt. Es handelt sich um die PzNlnm retieuiatus, eine Gitter- oder Netz- schlänge, ein Exemplar von seltener Größe. Das Tier, das auf Sumatra gefangen wurde, hat eine Länge von 8,40 Meter. Das Interessanteste ist. daß diese Schlange in der Gefangenschaft Junge gebrütet, eine durchaus seltene Erscheinung. 27 Junge sind lebend in einem besonderen Käfig zu sehen, wovon die meisten schon eine Länge von einem Meter haben und zwar nach einer Zeit von etwa drei Wochen. Arbeiter-Samariter-Kolonne. Montag abend 9 Uhr 2. Ab- tcilung Brunnenstr. 154. Vortrag über: Ertrinken— Ersticken— Bewußtlosigkeiten. Daran anschließend praktische Uebungen. Neue Mitglieder können jederzeit eintreten. Gäste haben einmaligen freien Zutritt. Vorort-]N ach richten. Charlottenburg. Klage gegen den Beschluß der Stadtverordneten- Versammlung, wodurch die Wahl unserer Genossen Flemming und Scharrnberg im fünften Bezirk für gültig erklärt wurde, ist. wie die»Neue Zeit" meldet, von freisinniger Seite beim Bezirksausschuh angestrengt. Bekanntlich war gegen die Gültigkeit der Wahlen Protest erhoben, der sich daraus stützte, daß durch das gesetzwidrige Verhalten des der liberalen Fraktion aiigehörigen Wahlvorstehers eine so große Anzahl von Wählern um ihr Wahlrecht gekommen sei. daß dadurch das Resultat der Wahl beeinträchtigt wäre. ES ist den Protestler» aber nur gelungen, in drei Fällen den Nachweis zu führen, daß Wähler um ihr Wahlrecht gekommen sind, und diese drei Fälle konnten daS Resultat nicht beeinflussen. Jetzt erlassen die Herren nun einen Aufruf, durch den sie weitere Zeugen für ihre Behauptung suchen. Ob es ihnen gelingt, bleibt abzuwarten. Der Beschluß der Versammlung wurde in namentlicher Abstimmung mit 26 gegen 16 Stimmen gefaßt. Für die Gültigkeit der Wahl stimmten auch Mitglieder der liberalen Fraktion, darunter die Stadtverordnete» Dr. v. LiSzt. Dr. P enzig und der Stadtverordnetcnvorsteher Kaufmann. Die Charlottenburger Stadwerordncten halten ihre erste Sitzung im neuen Jahre am Mittwoch, den 8. Januar, ab. Auf der Tages- Ordnung steht außer der Neuwahl des Vorstandes und der Wahl von Mitgliedern für eine Reihe von Kommissionen der sozialdemo- kratische Antrag betreffend Maßnahmen gegen die Ar- b e i t s l o s i g l e i t. Nixdorf. Ein gefährlicher Flatterfahrer ist hier festgenommen worden. In letzter Zeit wurden im Südosten von Berlin zahlreiche Boden- diebstähle verübt, jedoch gelang cS nie, der Täter habhaft zu werden. ES wurde angenommen, daß die Diebstähle von einer größeren Bande verübt werden. Die in den hiesigen Pfandleihen angestellten Nachforschungen führten zu der Feststellung, daß verschiedene aus Bodendicbstählen herrührende Gegenstände von der Frau des Ar, beiters Zeller, Kopfstr. 34, versetzt worden waren. Vorgestern wurde Z. auf Veranlassung der hiesigen Kriminalpolizei in seiner Wohnung verhaftet und bei einer Durchsuchung seiner Behausung Sjroße Posten Wäsche aller Art, Schuhwaren und andere Gegen- tände, ferner ein Stoh Pfandscheine über aus Diebstählen her- rührende versetzte Gegenstände vorgefunden. Aus den in der Wohnung des Z. beschlagnahmten Waren heraus konnten dem Zeller sofort neun Einbruchsdiebstähle nachgewiesen werden. Er hat ferner in dem alsbald erfolgten Verhör gestanden, Einbrüche in den Häusern Kottbuser Straße 22, Kottbuser Ufer 2, Köpenicker Stratze 1, Boppstr. 3 zu Berlin, ferner in der Lenaustraße, Fulda- und Kopfstrahe in Rixdorf verübt zu haben. Wilmersdorf. Die Arbeiterfamilie Slbmidt in der Mannheimer Straße 39 Hierselbst ist geilem sSonnabend) von einem schweren Brand- Unglück betroffen worden. Frau Schmidt hatle ihre drei Kinder allein in der Wohnung zurückgelassen, um Einkäufe zu machen. Während dieser Zeit ging das älieste der Kinder, ein fünfjähriges Mädchen, nach der Küche und machte sich am Kochherde zu schaffen. Dabei fingen die Kleider Feuer und im Nu stand das.Kind in bellen Flammen. Noch ehe Hülfe gebracht melden konnte, war die Kleine verbrannt. Die Leiche wurde nach dem Schauhause geschafft. Lichtenberg. Einen ciitsetzlichen Tod hat der 48 Jahre alte Fabrikarbeiter Hermann Fehrenz gekunden. F. war in der Schraubensabrit von Sudicatis u. Co. in der Straße Alt-Boxhagen l2/14 tälig gewesen. Er wollte eine Anzahl schmutziger Putzlappen in die Feuerung des HeizlanalS werfen, und al! er die Tür des Ofe»S öffnete, schlug eine mächtige Stichflamme heraus und setzte die Kleidung des Mannes sofort in Brand. Im nächsten Augenblick glich F. einer lebenden Feuersäule. Auf die SchmerzenSschreie des Bremienden eilten andere Arbeiter nach dem Feuerungsraum, in dem sich F. allein befunden hatte, und erstickten die Flammen durch Ueberwerfen von Decken. F. hatte aber bereits so schwere Brandwunden am ganzen Körper davongetragen, daß er bald darauf starb. Treptow-Baumschnlenweg. Heber einen Vorgang, der unter den Passanten der Neuen- Krug-Allee am Neujahrstag nachmittags gegen 4 Uhr Aufsehen erregt hat, wird uns von einem Leser folgendes berichtet: Zwei Burschen im Alter von 14 bis 15 Jahren in der Uniform der Jugendwehrkapclle schleppten am genannten Tage jeder eine schwere Ledermappe mit Noten auf dem Rücken. Der kleinere und schwächere konnte sich nur unter den größten Anstrengungen fortbewegen. Die jungen Burschen muhten die Schien von der Wohnung des Direktors bis zu der etwa 15 Minuten entfernten Haltestelle der Strohenbahn tragen, um von dort aus nach dem Lokal von Bötzow zu fahren. Der Leser bemerkt im Anschluß an diesen Vorgang mit Recht, dah es unverantwortlich ist, solche jungen Leute überhaupt zu solchen Zwecken zu verwenden. Es kommt hierbei noch hinzu, dah auf diese Weise den Berufsmusikern eine arge 5konkurrenz bereitet wird von Menschen, die, anstatt dah man sie in öffentlichen Lokalen bis in die Nacht zu Musikaufführungen verwendet, notwendiger» weise ins Bett gehörten. Eichwalde. DaS hieüge Gaswerk wird, auf Beschluß der Gemeindever» trelung, nicht an einen Unternehmer verpachtet, sondern von der Gemeinde in eigener Regie betrieben werden. Die Rentabilität des Gemeindegaswertcs soll gesichert sein. Mit der Eisenbahnver- waltung soll wegen EaSlieferung ein besonderer Vertrag geschloffen werden. Wcistensee. Bewilligung von Mitteln zur Gewährung freien Frühstücks au Schulkinder stand auf der TageZordnuug der letzten Gemeinde- vcrtretersitzung, und zwar nicht auf Anregung unserer Genossen, sondern auf Anregung des Vorstehers des neu errichteten Wohl- fahrtSamts. Alles war daher gespannt, aus dem Munde eines Oberstleutnants a. D. die im Orte herrschende Not zu erfahren. Was Wunder, die Enttäuschung blieb nicht aus. Im Oktober v. I. wurden von den Rektoren Erhebungen angestellt, die das Resultat zeitigten, daß 96 Kinder ein warmes Frühstück benötigten. Jede Portion berechnete man mit 7 Pfennige, wofür 14 Liter warme Milch und 1—2 Schrippen geliefert werden sollten. Damit dem Kinde die Scham des Almosenempfanges genommen wird, soll eS pro Portion 1 Pfennig zu den Kosten beitragen. Nun müßte man meinen, daß, wenn die Erhebungen bereits im Ottober vorgenommen worden sind, den Kindern längst daS beantragte Frühstück ge- währt wurde. Weit gefehlt. Laut Berechnung wurde für die Mo- nate Januar und Februar die Summe von 345,69 M. gefordert. Diese Summe war selbst einigen bürgerlichen Vertretern zu winzig; dieselben machten daher allerhand Vorschläge. Von unserer Seite war es dem Genossen Taubmann vorbehalten, die ganze Art der Erhebungen durch die Schulrektoren zu beleuchten. Er kennzeichnete daS Gebaren der Besitzenden.durch Veranstaltung von Wohltätig. kcitSakten aller Art, den Armen gegenüber sich in ein gewisses Licht zu setzen. An der Hand einer ArbeitSlosenstatiftik wies er nach, daß die Erhebungen vom Oktober wertlos sind. Wolle man wirklich Wohltätigkeit üben, so müssen die zur Verfügung stehenden Mittel unbegrenzt sein. Zum mindesten forderte er, vorläufig 3999 M. dem Wohlfahrtsausschuß zur Verfügung zu stellen.. Dieser Antrag rief unter den Bürgerlichen einige Sensation hervor; es kamen die wunderlichsten Anschauungen zutage. Die Genossen Peukert und Fuhrmann besprachen die augenblickliche Wirtschaftslage. Von bürgerlichen Seite wurden noch zwei Antrage gestellt, wovon der eine 1999 M., der andere für die Monate Januar, Februar und März je 599 M. zur Verfügung gestellt wissen wollte. Der Antrag unserer Ge. nossen wurde gegen ihre Stimmen abgelehnt und der Antrag, je 599 M. für di-e ersten drei Monate zu gewähren, angenommen. Welchen Wert die Erhebungen hatten, ersieht man daraus, wie die A nnut festgestellt ist. trotzdem die Bevölkerung im ganzen Ort gleichartig ist. In der 1. Gemeindeschule kamen 29 Kinder in Frage, in der 2. acht, in der 3.«drei, in der 4. 25, in der 5. 19, in der 6. 29 und in der 7. sieben Kinder. DaS Schulkollegium hat für den Bau der Realschule und des Realgymnasiums eine Turn- halle vorgesehen, trotzdem in'der vorhergehenden Sitzung dieser Antrag mit der Begründung abgelehnt wurde, daß die in der Nähe liegende Gemeindeturnhalle zur Verfügung stehe. Dieser einmal gefaßte Beschlutz sollte rückgängig gemacht werden, da hiervon die Genehmigung der Errichtung des Realgymnasiums abhänge. Das Selbstbestimmungsrecht wurde denn auch wieder preisgegeben. Mit allen gegen die Stimmen unserer Genossen und des Herrn Raspe wuvdc dem Wunsche des Schulkollegiums Rechnung getragen.— In der geheimen Sitzung wurden zirka 75 Morgen Land zum Preise von 6799 bis 6899 M. pro Morgen angekauft. Auf dieses Terrain spekulierte die alte Kirchengemeinde, um hier eine Begräbnisstätte zu errichten. Man trägt sich mit dem Gedanken, einen erheblichen Teil des Geländes zu Parkanlagen zu verwerten. Das Gelände grenzt an der Gemarkung Hohenschönhausen und zieht sich herauf bis zur Gartenstraße. Reinickendorf. Große Aufregung rief ein schwerer Unglücksfall hervor, der sich vorgestern in der Hauptstraße zugetragen hat. Der Kutscher Friedrich Lemke, Eharlottenstr. 83 wohnhaft, war mit einem Ge- spann der Firma Schmidt u. Müller, GreifSwalder Straße 296, durch die Hauptstraße gefahren, als die Pferde durch die Signale eines vorübcrsausenden Automobils scheu wurden und durchgingen. In wilder Karriere rasten die Tiere dabin. Ein schwerer eiserner Träger, der dabei vom Wagen herunterstürzte, traf einen vorüber- gehenden Passanten und brachte ihm eine Verletzung bei. Auch L. wurde vom Bock hcruntergcschleiidert. Er fiel unglücklicherweise vor die Räder und wurde überfahren. In bewußtlosem Zustande wurde er nach dem Paul Gerhardtstift gebracht, wo die Aerzte lebensgefährliche Verletzungen bei ihm feststellten. Die Pferde, die inzwischen weitergerast waren, konnten erst nach längerer Jagd angehalten werden._ Vermilcktes. Drei Kinder erstickt. Einer Meldung aus Gommern zufolge fanden in dem benachbarten Seitzkau bei einer Feuersbrunst, welche nachtS ausbrach, drei Kinder den Erstickungstod. Beim Schlittschiihlliufen ertrunken. In Emden brachen auf der überschwemmten Hammrich beim Schlittschuhlaufen ein Landwitt mit seiner Frau und Schivester ein und ertranlen. Bestien als Jrrenivörter. Ein Telegramm an? B u d a p e st berichtet, daß i» Szenlio ein Insasse des aortigen städtischrii Kranken- Hauses, der zur Beobachtung seines Geisteszustandes dort interniert war. von zwei Wärlern derart mißhnndelt wurde, dah er wenige Siimde» darauf seinen Geist aufgab. Eine strenge Uirtersuchnng ist eingeleitet worden. Sturm auf dem Schwarzen Meere. Auf dem Schwarzen Meere wütet, wie ans einem Telegramm aus Sewastopol hervorgeht, ein iürchierttcher Schneesturm Die Verbindung zwischen den Hafen- Plätzen ist unterbrochen. Zahlreiche Schiffe erlitten Schiffbruch und sonstige Havarien. Erdbeben ans Jamaika. Nach einer Meldung der„New Dork Times" aus Broivnsiown auf Jamaika hat dort gestern morgen ein heftiges Erdbeben stattgefunden. Man befürchtet, daß aus der Insel großer Schoden angerichtet worden sei. I» den Bereinigten Staaten endeten im vergangenen Jahre 19782 Personen durch Selbstmord. Getötet durch Automobile wurden im vergangenen Jahre 324 Personen, während die Zahl der Verletzungen durch Automobile in die Taufende geht. CClocken-Spielplan der ßerliner Cheater. Königl. OPernliauS. Sonntag! Madame Putlerfly. Montag: Aida. Dienstag: Das Rheingold. Mittwoch: Der Evangelimann. Donnerstag: Die Walkiire. Ans. 7 Uhr. Freilag: Aida. Sonnabend: Siegfried. Ansang 7 Uhr. Sonnlag: Die lustigen Weider von Windsor. Montag: Salome. Ansang 8 Uhr. «onigl. TchanspielbanS. Sonntag: Viel Lärm um Nicht». Montag: Der gehörnte Siegsried. Siegsrieds Tod. Dienstag: Die Rabensteinerin. Mittwoch: Aus Nissenskoog. Donnerstag: König OedipuS. Ansang 8 Uhr. Freitag: Die Rabensteinerin. Sonnabend: König Heinrich V. Sonntag: Hamlet. Montag: Die Rabeniteinelin. Nciics königl. Lperii-Theater. Sonntag: Figaros Hochzeit. Ansang 7>/z Uhr. Mittwoch: Fidelis. Ansang 3 Uhr. Sonntag, den 12. Januar: La Traviata, Ans. T'/j Uhr. Deutsches Dhcater. Sonntag. Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag: Was ihr wollt. Freitag: Die Räuber. Ans. 7 Uhr. Sonuabend, Was ihr wollt. Sonntag: Die Räuber. Montag: WaS ihr wollt. Deutsches Dheater(Ka m m e r s p i e l e). Sonntag: Liebelei. Montag: Frühlings Erwachen. Dienstag: Gygcs und sein Ring. Mittwoch: Katharina, Gräfin von Älrmagiiac. Donnerstag und Freitag: Frühlings Erwache». Sonnabend: Esther. Eieltra. Sonntag: Frühlings Erwachen. Moniag: Rosmersholm. Berliner Theater. Allabendlich! Blaubart. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Till Emenipiegel. Lessiiig-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die versunkene Glocke. Abends: Die gelbe Nachtigall. Montag: Die Wildente. Ansang 7'/, Uhr. Dienstag: Die gelbe Nachiigall. Mittwoch: Die Stützen der Geselischasl. Donnerstag: Rosmersholm. Ans. 7,/.j Uhr. Freitag: Die gelbe Nachtigall. Sonnabend: Kaiser Karls Geisel. Ansang 7>/z Utzr. Sonntagnachinitlag 3 Uhr: Die Weber. LlbcndS: Kaiser Karls Geisel. Monlag: Der Biberpelz. 'Kette» Dheater. Sonntag und Momaz: Bacearat. snenZkag(Aiff. T'/j Uhr), Mittwoch, Donnerstag und Freitag: Rndols Schlosser,«onn- abend Baeearat. Sonnlag: Rudolf Schlosser. Montag: Baccarat. Neues SchansPielhauS. Sonntag: Zwilchen Ja und Rein. Montag: Judith. Dienstag bis Donnerstag: Zwilchen Ja und Nein. Freitag: Zar Peter. Ans. 7'/, Uhr. Sonnabend, Sonntag und Montag: Zwischen Ja und Nein. Mitr«voch- und sonnabendnachmittag 8 Uhr: Frau Holle. Ktrines Theater. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Nachtasyl. Sonntag- abend bis Mittwoch: Mandragola. Donnerstag und Freitag: Der König EandauleS. Sonnabend: Mandragola. Sonntaziiachinittag 3 Uhr: Maria Magdatene. Sonntagabend und Montag: Der König EandauleS. Triauvu-Theaier. Heute nachmittag S Ubr: GastonS Frauen. Sonntagabend und folgende Tage: Fräulein Josette— meine Frau. Nächsten Soniitagnachmittag 3 Uhr: Ehprienne. Komilche Oper. Sonntagnachmittag Z Uhr: HostmannZ ErzZblungeu. Abend»: Tiefland. Montag: Tieflantz. Dienstag: Die oerkausle Braut. Mittwoch: Tieiland. Donnerstag: Die verkanst« Braut. Ficilag: Tiefland. Sonnabend: Die verkaufte Braut. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Tosca. Abends: Tiesland. Moniag: Die verkauite Siaut. Tbeater de«»lestens. Jeden Abend: Ein Waltertraum. Heute und nächsten Sonnlagnachnnttag 39� Uhr: Die lustige Witwe. Mittwoch- und Sonnabendnachmittag 4 Uhr: Hansel und Gretel. vnstipieltzau». Heute nachmittag Z Uhr: Unsere Kitt. Sonntagabend bis Donnerstag: Huiarenfieber. Freiiag bis Montag: Panne. Nächsten Sonnlagnachmittag 3 Ubr: Pension Schöller. Schitter-Tdealet<». Soniilagnachmillag 8 Uhr: DaS Glück on Winkel. Abend«: Die Tchmuagler Montag: Philister. Die Lore. Dienstag: Calttge eramvtou Mittwoch: Die Hermannsschlacht. Donnerz- tag: Philister. Die Lore. Freilag: Die Hermannsschlacht. Sonnabend: College Eranipton. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: DaS Glück in» Winlcl. Abends: College Cramplon. Montag: Der Revisor. Tchiller-'Theater Cha>Iotienburg. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: eimat. Abend»: College Cramplon. Montag: Der Achter von Ialamea. ÜenSlag: Der Ztcviior. Mittwoch: Philister. Die Lore. Donnerstag: College Crampton. Freitag und Sonnabend: Der Revisor. Sonntag- nachmittag 3 Ubr: Der Richter von Zalamea. Abends: Reiterallackc. Montag: Kollege Crampton. Friedrich. CvilhelmstSdtischeS Tckausplelhattö. Sonnlagnachmittag 3 Ubr: Natdan der Weise. AbendS: Madame San« Göne Montag und Dienstag: In Vertretung. Mittwoch: Kriemhilds Rache. Donnerstag: Jugend von beute. Freilag und Sonnabend: In Vertretung. Sonnlag. nachmittag 8 Ubr: Rathan der Weise. Abend»: Madame Sans Güne. Montag: In Vertretung. Residenz. Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Hllttenbesttzer. AbendS und solaende Tage: van» der Papa. Nächsten Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Haben Sie nichts zu verzollen? Zeiitrttl-THratrr. Allabendliw: Frau Marrens Gewerbe, sonn- tagnachmitl«, 3 Ubr: Schneewcitzchen und Rosenrot. Thalia-Theuter. Sonntagnachmittag 3 Uhr: BiZ früh um Fünfr. Abends, Montag, DienSlag. Mittwoch und Donnerlag: Die gelbe� Gefahr. Freitag. Sonnabend und Sonnlag: Der Verschwender. Nächsten Zonnloa- nachmittag 3 Ubr:»o die Liebe hinfällt. Montag: Er und seine Schwestc. Lorhing-Theater. SonMagnachmillag 8 Uhr: Der Troubadour. AbendS: Die Zauberstöte. Ansang?>/» Uhr. Montag: Die lustigen Weiber von Windior. DienSlag: Die Zaubet flöte. Ansang 7'/, Uhr. Mittwoch: Der Tromvcter»on SäkNngen. Donnerstag: Der Troubadour. Ansang 7't, Uhr. Freitag: Die Enisührung aus d-m. Serail. Mittwoch, und Sonnabendnachmittag 3'/, Uhr: Zlumpelstilzchen. Abends und Sonntagabend: Der Trompeter von Sälttngen. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Martha Montag: Unbestimmt. Luite». Tbeatrr. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Romeo und Julia. Abends und Montag: ZIrluSleittc. Dienstag: Krieg im Frieden. Mittwoch und Donnerstag: Cgprienne. Freitag: Die örzieherung zur Ehe. Sonnabend- nachmittag 4 Uhr: Max und Moritz. Abends: Der Leiermann und sein Pflegebnd. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Romeo und Julia. Abends und Montog: Cypriemte. Bernhard Rose- Thraker. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Othello. Sonnlagabenb. Montag. Donnerstag. Sonnabend und Sonnlag: Die Per» lobung im Bett. Die oberen Zehntausend. Dienstag: Der Hütttnbrsitzer. Mittwoch: Die Geisha. Freitag: Die Btuthochzeit Sonnabendnachmttlag 4 Uhr: Tausend und eine Nacht. S-nutagnachmittag 3 Uhr: Die Blut- Hochzeit. Theater an der Spree. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Der Aktien» budiler. AbendS und folgende Tage: HoluZpokus. Nächste» Sonntag» nachmittag 3 Uhr: AuSgennesen. NietroPot.Tlieaier. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Die Herren von Maxim.•tUabendtich: Da» muh man seh'n l Nächsten Sonntagnach» mittag 3 Uhr: Die Herren von Maxim. Avollo, Theater. Heul« und nächsten Sonnlagnachmittag 3>/, Uhr: Familienvorstellnng. Allabendlich: Hymack. Alexia. GenttS. Spezialitäten. Walhalla Theater. Spezialitäten. Pafiage-Theater. Allabendlich: Die singende» Engelllöpse. Spe» zialiläten. Wintergarten. Wabendllch: Spezialitäten. Caiino. Theater. Heute und nächsten Sonntagnachmittag 4 Uhr: Nick Carter. Allabendlich: Biederleute. Gebr. He>rnfrld< Theater. Allabendlich: Pava und Genossen. Heute und nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die MeyerhainS. Jigaro- Theaier. Allabendlich: Pari«. Die Klaue. Unterm Bett. ReichsdaUen> Theater. Allabendlich: Slettincr Sänger. Folie« Caprtce. Allabendlich: Mal«aS andres. Dunktt Punkte. Sine anständig« Frau. Parodie. Theaier. Heute und nächsten Sonntagnachmiltag Z'/, Uhr: Dilbelm Teil. Das Ungeheuer. Monna Parma.. Sonntag bis Freitag: Zapfenstreich. Tannhäuser. Mann« vanna. Sonnabend bis Monntag: Nachtasyl Rosenmontag. Tanuhiuter. Carl Havcrtand.Thcater.»peztalttätea. Ans.» Uhr. Sonntag« 7 Uhr. Ilranta-Theater. Taudenltraß««8/4S. Jede« Abend: Kairo und die Pyramiden. Ab Freitag: Eine Nilsahrt bt« zum Pvellcn Katarakt. Montag und Sonnabendnachmittag 4 Uhr: Frühlingstag« an der Riviera. Sternwarte- Jnoalidenstr. 87—82. ßrUfbaftcn der Rcdahtlon. Sl« fnettttttfif Svrechftnnde findei Ltttdentiraftr Sie. 8, zweiter Hos, dritter Eingang, die» Treppen, Fahrstuhl-ggrA wvihcntagltih von?>', dt»»«/, Uhr adendo statt. Weöfliiet 7 Uhr. «»»»abends beginnt dt» epreihtlnndc»m o Ilbr. Jeder Antrage>?t rto Vnihsiabe n»d eine„ynhl als idterszetihen beizntügcii. Prietliche Antwort wird»iibt erteilt. Eilige Kragen trage man in der EvreN, stunde bor. Cr. 9. 1. Schriftliche Mietsverträge find in Preußen slempelystichilg, wenn die Miete nach der Dauer eines Lahres berechnet mehr als 309 M. beträgt. Der Mielsstenipel wird für die Zeit vom l. Januar bis I. Januar gezahlt. Die Slempelabgabe beträgt ein Zehntel vom Hundert des MictS» ziutes. Der Mindellbetiag ist 50 Pf. Der Stempel bei cuier Miete bis zu 500 M beträgt 50 Pf., bei mehr als 500 bis lOOO M. l M., bei mehr als 1000 bis l500 M. l.60 58k. Demnach haben Sie nur 50 Pf. zu zahlen. 2. Ja. 3. Rein. 4. Klagen Sie aus Aiistassung. Wenn Ihr Vertrag etwa nur schriftlich, ober nicht gerilytlich oder notariell abgeschlossen sein sollte, so ist er ungüllig.— Neye. Keineswegs brauchen Sie noch einmal AuSkunst zu erteilen. Heben Sie sich den Brief aus, wir werden gelegentlich auch den von Ihnen angegebenen Fall erwähnen.— M. H. 899. I. Nicht verstänolich. L. Ja.— R. S. 199. Keinesfalls sind Sie zur Zahlung verpflichtet. Auch Ihre Frau ist zur Zahlung nicht ocrpslichtet, wenn die Unterschrist von ihr zu einer Zeit geleistet war, m der sie noch nicht voll« jährig war.— I. H. 999. 1. und 2. Ja. 3. Ein Ausländer(Nicht- deutscher) kann naturalisiert werden, hat aber kein Recht aus Natiiralisatlon. Der Regierungspräsident bezw. in Berlin der Polizeipräsident entscheidet über das Gesuch. Für den Fall der Genehiiiigltna desselben sind 50 Mark Gebühre» zu zahlen. — C. I. 88. Wenn, wie es scheint, im Jahre 1900 die RechtSschuld noch anerkannt ist, so würde Verjährung noch nicht vorliegen, Sie würden bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk Ihr Schuldner wohnt, aus Zahlung llagcn könne».— Nk. Ü». l. Nein. 2. Sie leben außerhalb Güter» gemeiuschast. 3. Ja. 4. und 5. Ihre Frau könnte aus Zahlung gegen Sie klage». Ihre Forderung würde aber den der übrigen Gläubiger nicht vor» gehen.— H. Der Ledige wird von seinen EUent beerbt. Wenn beide Eltern noch leben, so säklt die Erbschast nur den Eltern zu, die Geschwister, Nesse» ober Nichten erben nicht mit. Leben dagegen zur Zeit de» Todes des Erblassers nur noch sein Boter»der seine Mutter, so erben':r übe» lebende Elternteil und die Abkömmlinge des anderen, all» die Geschwister, talbgelchwister, eveinuell Neffen und Nichten de» Berstorbenen. In Ihrem all würde also die Halbschwester an-tellc ihrcS Vaters mittl ben. fall» der Vater verstorben ist. Die Angabe hierüber und über näheres fehlt leider in Ihrer Frage.— Hermann Wtm. in W. 1. und 2. Ja. 3. Rem. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marfthallen-Dlrektion über den Großhandel tn den Zenlral-Rarkthallen. Marktlage: Fleisch: Ztisuhr schwach. Geschäft still, Preise unoeräiiderl. Wild: Zusuhc reichlich, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Geflügel: Zufuhr genüg nd. Geschäft wenig lebhaft, Preise in Gänsen gedrückt, sonst gut. Fisch«: Zujuhr ebvaS reichlicher, Geschäft ruhig, Preise besrttdigend. Butter und Käse: Eeichäst ebvaS lebhafter, Preise unvcrändert. Gemüse, Ob st und Eüdirüchte: Zufuhr tniihiz, Geschäft i» Gemüse lebhast, sonst ruhig. Preise wenig oeründal. MÄJ., .WeM-üiiZvZrwk Enorm billiK! aussergewöhnlicb bill ge nnd gute Emkauisgelegenheit Plüseli- Pal etots prima Velours dl Nord Kelden-Aitractsn and rebi auch für gans starke Danen pas-en i. jetzt 30. 3( früher<10— ISO 2000 Kostüme D» pr mt l och n engl. 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