Ur.S. flbonnementS'Bedinaun�en: SSonnementS- Preis pränumerando, Tierleljährl. S.Z0 9911, monatl. 1,10 Mk,, wöchentlich 28 Pfg, frei ins HanS. Emzelne Nummer S Pfg, Sonntags- nunimer mit illustrierler Sonntags» Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poft. Zeitungs» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich< Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat, Postabonnenienls nehmen an: Belgien, Dänemark Holland. Italien, Lupemburg, Portugal, Rumäiuen. Schweden und die Schweiz. CrJlMnt Uglich auütr Dloatagj. ÄZ. Jahrg. Berlinev Volksblstk. vie lnlettionz-Levlll»' beträgt für die sechsgespaltcne Kolonel« zeile oder deren Raum 50 Pfg,, für politische und gcwerlschaftliche Vereins- und Verlamnilungs-Anzcigcn SO Pfg. „Kleine Hnicigcn". das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- stcllcn-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchitaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis ä Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: ,,S»iz>lIimoIi»I RerliD". Zcrstralorgan der rozialdemokrati fehen parte» Deutfchlands. Redaktion: 831. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Zlint IV. Nr. lUSS. Lehrer und Pfarrer. Die„Pädagogische Zeitung" eröffnet ihren neuen Jahr gang mit einem Klagelied über die Rückständigkeit de� preußischen Schulaufsicht. Leider fehlen in diesem Klagelied alle schärferen Akzente. Statt drohend mit den alten verrosteten Ketten zu rasseln und warnend anzukünden, daß der große Stand der Volksschullehrer bei fortivährender Mißachtung seiner nächsten und notwendigsten Forderungen schließlich einmal versuchen wird, die Ketten mit Gelvalt zu sprengen, beginnt und endet der Artikel mit sentimentalem feuilletonistischen Geflenne:„Sollen wir mutlos werden? Niminermehr I Es ist ein Trost: Wenn auch der Einzelne im großen Kampfe hinsinkt, das Ganze schreitet fort." Der Trost ist ebenso billig wie trügerisch. Das„Ganze" wird, wenn im bisherigen Fahrwasser weiter gesegelt wird, den Einzelnen gemächlich hinsinken lassen, der Einzelne aber wird verbluten. Vorwärts kommt das Ganze auf diese Weise jedoch nicht, sondern nur durch den rückhaltlosen, entschiedenen, tapferen Kampf des„Ganzen" und durch die einmütige Unter» stützung des hinsinkenden Einzelnen durch das Ganze. Mit dieser Methode haben die bremischen Volksschullehrer unter Führung Holzmeiers und Sannemanns im vorigen Jahre ihren Kampf gegen einen pfäffischen Schulburcaukratcn glänzend gewonnen. Als Holzmeier wegen seiner Agitation gegen den Schulinspcktor gemaßregelt und auf halben Sold gestellt worden war, verloren weder er noch die Kollegenschaft den Halt. Holzmeier kämpfte trotz seiner Maßregelung mit unverminderter Energie weiter, und seinen aufsehenerregenden Vorstoß auf der Münchener Lehrerversamnilung zugunsten der religionslosen Schule unternahm er bereits als Gezeichneter, mit dem Damoklesschwert der Dienstentlassung über sich. Und seine Kollegen sorgten dafür, daß ihm auch während der ein- jährigen Suspension finanziell nichts abging. Die Folge dieses tapferen Auftretens und Aushaltens ivar der glänzende Sieg, den Holzmeier und seine Mitangeklagten Kollegen vor der bremischen Disziplinarkammer erstritten: der orthodoxe Schulinspeftor mußte gehen, und an seiner Stelle steht jetzt ein jüngerer bremischer Akademiker liberalen Schlages, ein ehemaliger Volksschullehrer, der mit Holzmeier gemeinsam das bremische Volksschullehrerseminar besucht hat. Holzmeier aber ist wieder mit vollen Rechten in das ihm über ein Jahr vor- enthaltene Schulamt eingerückt. Die preußischen Volksschullehrer hätten jetzt Gelegenheit, einen ähnlichen Beweis von Solidantät und Tapferkeit zu liefern. Im vorigen Jahre war mehrfach von einem Lehrer K. O. L c i P a ch e r die Rede, der in einem entlegenen oft- preußischen Neste einen erbitterten Kampf mit feinem pfarr- herrlichen Ortsschulinspektor und mit den weiteren„vor- gefetzten" Regierungsbehörden führte. Der ungleiche Kampf hat damit geendet, daß der unbequeme Schulmeister nach einem rasch durchgeführten Disziplinarverfahren kurzerhand aus dem Amte gejagt worden ist. In Preußen macht man das so. Hier wird die Regierung von keinerlei liberalen Bc- denken gehindert, hier hat sie keinerlei liberale Traditionen zu wahren, hier hat sie höchstens zu zeigen, daß sie auch in der Zeit der liberalen Blockgenossenschast genau so reaktionär handelt, wie sie das von jeher gewöhnt gewesen ist. Und hier in Preußen gibt es auch keine Lehrerschaft, die einen gegen den einzelneu gerichteten Schlag sofort als gegen das Ganze gerichtet betrachtet und abwehrt, die leidenschaftlich ausbegehrt und mit eindrucksvoller Geschlossenheit sich hinter den einzelnen stellt. Es ist nicht nötig, den Kampf Leipachers, wie er ihn im einzelnen in einer soeben erschienenen Broschüre(Unwürdig zun: VolkSschullehrer. Mein Kampf um Geist, Gewissen und Lehrfreiheit im„iveltlichen"„Kulturstaat" Preußen 1907. Frankfurt a. M. 1908) darstellt, hier an dieser Stelle zu schildern. Leipacher ist einer von den vielen Lehrern, die den unüberbrückbaren Gegensatz zwischen der ihnen einst ein- getrichterten fauligen Seminarweisheit und der wirklichen, lebendigen und frischen Wissenschaft, besonders auf religiousgeschichtlichem und naturwiffenschafilichem Gebiete, erkannt haben, und die dadurch in einen großen und bitteren Zwiespalt zwischen ihren Amtspflichten und ihrer inneren Ueberzengung geraten sind. Während aber die meisten Lehrer, besonders in Preußen, diesen Zwiespalt früher ober später mit einer Sünde wider den heiligen Geist lernten und gegen ihre bessere Ueberzengung rein Handwerks- mäßig den Kindern toten Formelkram und überlebte kirchliche Hirngespinste einbläuen, gehörte Leipacher zu den ganz ivenigen Lehrern, die frei Und offen ihrer inneren Ueber- j zeugung folgten. Er kennzeichnete die biblischen Wunder im Sinne des aufgeklärten Nationalismus. j So etwas ist natürlich in Preußen eine unerhörte Greuel-: tat! Wie kann ein Volköschnllehrer sich herausnehmen, mit einfachen deutschen Worten zu sagen, was ist! Wie kann er die alte bewährte Staatsmaxime aus den Augen verlieren, daß dem Volke die Religion in ihrer ganzen überlieferten muckerischen Dogmatil erhalten bleiben muß, koste es soviel Vergewaltigung der gesunden Vernunft und der klaren Wissen-! schaff wie es wolle I Leipacher hatte zudem das Glück, ein besonders aus- gesuchtes Exemplar von Ortsgeistlichen als Schulinspektor über sich zu haben. Dieser Herr— Vierhöff ist sein Name--- j ließ gelegentlich einfach die Schulstunden ausfallen, um �während dieser Zeit die Kinder inquisitorisch über ihren Lehrer auszufragen. Und aus dem Material, das der Wackere auf diese Weise sich aus den beeinflußten Kinderaussagen znrecht- schrieb, drehte er dem verhaßten Lehrer, der obendrein seiner pfarrhcrrlichen Autorität nicht genügend Reverenz erwies, einen dicken Strick. Als der Lehrer sich weigerte, an einer Kilchenvisitation teilzunehmen, ivobei er sich auf eine Falksche Verfügung aus deni Jahre 1872 berufen konnte, war das Maß voll.„Die Regierung sagte ganz einfach, ich hätte der Anordnung des Pastors unbedingt zu gehorchen." Da haben wir die schmachvolle Abhängigkeit der Schule von der Kirche wieder in krassester Form, eine Abhängigkeit, die auch aus einer weiteren von Leipacher mitgeteilten Tatsache hervorgeht: Der„Ostpreußische Volksfreund", ein im wider- lich-salbadernden Traktätchenstil geschriebenes orthodoxes und juukerlich-reaktionäres Sonntagsblättlein, wird dort in Ost- Preußen durch die Schulen verteilt. Dadurch hat es das Blatt auf eine Auflageziffer von 80000 bei 20 Pf, Vierteljahrspreis gebracht. Leipacher nennt diese Ausnutzung der Schule als reaktionäres ZettungsvertriebSiustitut mit Recht einen Skandal erster Art. Was werden die preußischen Volksschul- lehrer zum Falle Leipacher sagen und tun? Die erste Nummer des neuen Jahrganges der„Pädagogischen Zeitung" schweigt sich noch aus. Wir haben aber auch wenig Hoffnung, daß die nächsten Nummern irgend etwas Erhebliches zu dieser wichtigen, für die UnHaltbarkeit der kirchlichen Schulaufsicht wie für die Abschaffung des Religionsunterrichts gleich überzeugenden Angelegenheit bringen werden. Wenn einem organisierten Arbeiter Unrecht geschieht, so steht seine Gewerkschaft schützend hinter ihm. Wenn?in Lehrproletarier von der Behörde auf die Straße geworfen wird, so ist er fast stets hüls- und schutzlos sich selbst überlassen. Denn den preußischen Volksschullehrern fehlt der lodernde Kampfeszorn und die opserbereste Solidarität des kämpfenden Proletariats, Und so lange dieses beides bei ihnen nicht vorhanden ist, so lange bleibt neben anderen Unwürdigkeitcn in der Volksschule auch die schmachvolle Tatsache bestehen, daß der Pfaffe und nicht der Lehrer in der Schule das erste und das letzte Wort zu sprechen hat.—__ Sinnlose Schmach. Die sozialdemokratische Wahlagitation trifft heute schon auf den verminderten Widerstand der Gegner. Was noch vor zwei Jahren in weiter Ferne zu liegen schien, ist heute näher gerückt: Die Erkenntnis der U n a u f s ch i e b b a r k c i t und Unaufhaltsam keit der Reform des Drciklassen- Wahlrechts. Wie könnte es auch anders sein? Die politische Entrechtung des Proletariats war gedacht als das wirksamste Mittel, die Ar- beiterklasse politisch einflußlos zu erhalten, sie zu einem Anhängsel bürgerlicher Parteien zu machen und ihre Emanzipation auf- zuhalten. Das Gegenteil ist eingetreten. Gerade der Kampf gegen die Entrechtung sammelt, organisiert und erweckt das Proletariat. Die Tatsache der Entrechtung ist die stärkste Aufreizung zum Kampf, und das Bestreben, sie zu er- halten, zeigt dem Proletariat den Abgrund, der zwischen ihm und den Nutznießern des Privilegs besteht. So treibt die Entrechtung selbst das Proletariat zusammen und gibt ihm schließlich die Kraft, sich sein Recht zu verschaffen gegen die Welt seiner Feinde. Es ist eine EntWickelung, die in allen Ländern zu beobachten ist. in denen die Ungleichheit des politischen Rechtes bestand. In Belgien wie in Oesterreich offenbarte die Ungleichheit des Rechtes den Klassengegensatz, beförderte die Loslösung der Ar- beiterklasse vom Bürgertum und die Entwickelung einer un- abhängigen Arbeiterpartei. Um das zu begreifen, ist es übrigens gar nicht nötig, auf das Ausland zu verweisen. Die Geschichte des preußischen Proletariats selbst bietet ja dafür das beste Beispiel. War nicht gerade die Aufreizung, die im Drciklasscnwahlrccht enthalten war, die wirksamste Förderung der Agitation L a s s a l l e s? Mußte die politische Vergewaltigung zugunsten des Besitzes dem Arbeiter nicht immer wieder di-- Richtigkeit der Klaffeniampflehre beweisen, die, Lassalle in zündenden Worten verkündete, mußte der bornierte Widerstand der liberalen Bourgeoisie gegen die Forderung Lassallcs nach dem allgemeinen, gleichen Wablrecht die Loslösung der Arbeiterklasse aus der liberalen Gefolgschaft nicht außerordentlich beschleunigen? Und wie damals, so heute. Daß im Reiche das gleiche Wahlrecht besteht, macht in Preußen das Unrecht noch unver- ständlicher, widersinniger und deshalb noch empörender! Daß in Süddeutschland dem Arbeiter sein Recht im Staate geworden ist, wie er es im Reiche längst be- sitzt, zeigt die Ausrede der Privilegierten, was für das Reich passe, tauge nicht für den Staat, in ihrer ganzen Absurdität. Da haben sie gleichsam am Mainufcr eine Tafel aufgerichtet, auf der zu lesen steht:„Arbeiter, wenn Du diesen Fluß überschreitest, dann wirst Du Dein Recht verlieren!" Glaubt man wirklich, wir Sozialdemokraten rönnten eine aufreizendere Sprache reden als diese Jnscbrift, eine blutigere Satire auf die Willkür erdenken, als diese Mahnung? Die letzten Jahrzehnte haben überall in Europa die politische Emanzipation des Proletariats gesehen, seine politische Gleichberechtigung gebracht, die ihm zum Mittel seiner sozialen Emanzipation werden soll. Glaubt man in den ent- wickeltstcn kapitalistischen Gebieten, in Sachsen und Preußen. diesem unwiderstehlichen Zug der Zeit Halt gebieten zu können? Töricht wie diese Hoffnung ist, entspringt sie auch einem völligen Nichtbegreifen der sozialen Entwickelung. Das Wachsen des Sozialismus ist unabhängig von den zufälligen Formen des politischen Ueberbaues. so wichtig diese auch für die stetige und gesetzmäßige Entwickelung des Staatslebens sind. Der DespotiS- Expedition: 83l. 68» L-indenstrasse 69. ___ Feruiprecher: Amt IV, Nr. 1984. ' mus Rußlands verhindert nicht das Erwachen des Proletariats zum I Klassenbewußtsein, und die Demokratie Englands oder der Bcr- � einigten'Staaten ist kein Schutz gegen das rapide Wachstum des Sozialismus. Denn Sozialismus und proletarisches Interesse sind identisch, und mit dem Kapitalismus, mögen die politischen Formen, unter denen er entsteht und lebt, auch sein welche sie wollen, er- stärkt zugleich sein Erbe, der Sozialismus. So wird die Erhaltung des Wahlunrechts schließlich nur der Privilegierten eigener Schaden; sie ist möglich, so lange sie das Proletariat nicht beachtet, sie ist nicht länger zu halten, sobald'die Arbeiterklasse das Unrecht und seine Bedeutung erkannt hat und seine Beseitigung mit allem Nachdruck fordert. Denn dann wird der Hinweis auf die Ungleichheit, auf die Rechtlos- machung das schärfste Agitationsmittel, das viele noch Indifferente und abseits Stehende ausrüttelt und zum An» schlutz an die Reihen der Kämpfer bewegt! Das Wahlun- recht wird zum Erwecker des Proletariats und gerade dadurch zum Feind der Privilegierten I So viel'Nutzen dem Proletariat auch die Eroberung der politischen Gleichberechtigung bringt, nicht geriqger ist der Nutzen, den der � Kampf selbst verspricht. Denn die Stellung zum Wahlrecht wird > zum iintrllgbaren Prüfstein für die Arbcitcrfreiindlichkcit der bürgerlichen Parteien! Je schlechter sie die Probe bestehen, desto größer die Zahl derer, die enttäuscht nach dem Verlust ihrer Illusionen die Reihen der Sozialdemokraten verstärken! Das beginnen langsam und zögernd selbst bürgerliche Parteien allmählich zu begreisen. Wenn die Ko n s e r v a t i v e n jede Konzession rundweg verweigern, so ist es nicht nur die Angst vor der Sozialdemokratie. Sic wissen sehr gut, daß selbst die Er- füllung der sozialdemokratischen Wahlrcchtsforderung � ihr noch lange nicht in Preußen die politische Macht gibt, aber sie scheuen den Anfang, der für sie freilich das' Ende ihrer künstlichen Allein- Herrschaft bedeutet. Denn es ist nur die widersinnige W a h l l r e i s e i n t c i l u n g des D r e i k l a s se n w a h l u n- rechts,, das ihnen im preußischen Abgeordnctcnhause nahezu die Majorität gibt. Für alle anderen Parteien bedeutet eine Wahl- rcsorm ein Gewinn. Die Liberalen sind heute durch Kon- s e r v a t i v e und Zentrum vollständig matt gesetzr, deren Koalition in allen Schul- und Kulturfragcn wie in den Fragen der Wirtschaftspolitik die schlimmsten reaktionären Pläne verwirklicht. So hoch die Bourgeoisie es auch einschätzen mag, in den preußischen Junkern eine Prätorianergarde gegen das.Proletari at auszutzattcn: daß diese Prätoriancr das Regiment allein an sich reißen und im Gcfübl ihrer Mackit immer höhcren Sold verlangen, das wird selbst der preußischen Bourgeoisie schon allzu unangenehm. Daraus ergibt sich aber die zwiespältige Haltung der bürgerlichen Parteien, die einerseits zwar die Unmöglichkeit, dqs- Dreiklgssenwahlrecht länger zu halten, einzusehen beginnen, andererseits aber von der Forderung, die allein gerecht ist, nichts wissen wollen, weil sie die Sozialdemokratie allzusehr fürchtet. Aber daß auch dieser Wider- stand überwunden wird, dafür muß eben die soziäl» demokr«tische Volksbewegung sorgen! Noch einmal wird der Wille des. Volkes am 9. Januar mani- fcsticrt werden. Mit Spangung und Erwartung sehen wir auf die Erklärung der Regierung, die uns das Maß von Einsicht zeigen wird, das den Machthabern oben innewohnt. Aber wie immer sie auch ausfallen mag, die W a h l r e f 0 r in steht auf der Tages- ordnung, und unsere Aufnabe wird es sein, daß sie von der Tagesordnung nucht mehr verschwindet, bis das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht auch in Preußen gesiegt hat! tstiachen sind nebensächlich! Die namenlose politische Korruption unserer freisinnigen Presse offenbart sich in erschreckender Weise darin, daß sie das ungeheuerliche Urteil der Köuigsbcrger Justiz völlig ignoriert I Von den Berliner Blättern ist es einzig die ja für den Frei- sinn nicht in Betracht kommende„Volks-Ztg.". die Worte der Kritik findet I Dabei ist seit den Tagen der berüchtigten Leipziger Prozesse kein ungeheuerlicheres Urteil gefällt worden. Dabei handelt es sich um einen politischen Tendcnzprozetz der un- glaublichsten Art! In dem ganzen Artikel befand sich, sei es direkt, sei es indirekt, nicht die mindeste Beleidigung sowohl Wilhelms II. als des Denkmalskomitees. Der Artikel war historisch- politisch, er brandmarkte die preußische Reaktion. Und wegen dieser— strafrechtlich unfaßbaren— Kritik soll der Verfasser auf 1'/« Jahr ins Gefängnis wandern I Welches war die Situation? Im Verlaufe der Jahr- Hundert-Erinnerung der Ereignisse der Jahre 1806 und 1807 beliebte es unserer herrschenden Klasse. in Memel ein „Nationaldenkmal" einzuweihen. Die Ereignisse dieser Jahre hatten nicht nur in der bürgerlichen, sondern auch in der sozialdemokratischen Presse ihre Würdigung gefunden. Während das Gros der Bourgeoispresse die Ursachen des Zusammen- bruches Preußens und der nach ihm einsetzenden Wieder- aufrichtung im Lichte reaktionärer, fälschender Geschichtsausfassung darlegte, war es, neben einigen wenigen bürgerlich- demokratischen Blättern, die sozialdemokratische Presse, die der in der bürgerlichen Presse und Jubiläunisliteratur üppig wuchernden Geschichtslegende energisch entgegentrat. Die Reaktion mochte über diese historische Belehrung der Massen in die Zähne knirschen, aber sie hatte weder ein versa ssungs- mäßiges noch ein strafrechtliches Mittel, diese Volksaufklärung zu hindern! Als nun die Denkmalsfeier in Memel heranrückte, ver- stand es sich für unser Königsberger Parteiorgan von selbst, ' noch einmal zu Ehren der, geschichtlichen Wahrheit m den I byzantinisch-reaktionären Phrasendunst hineinzuleuchten. Das geschah in einem geschichtlich und strafrechtlich durchaus unanfechtbaren Artikel. den man, in An- lehnung an ein Wort eines bürgerlichen Blattes, symbolisch die„Schandsäule von Mcmel" betitelt hatte. Gemeint war bannt, wie der Inhalt des Artikels unzweideutig ergab, die reaktionäre Schande der preußischen Politik, die den Zusammenbruch von 1806 heraufbeschwor, in zweiter Linie jenes reaktionäre Treiben, das auch heute noch Preußen für alle fortgeschrittenen Staaten eutluiirdigt. Die reaktionäre Schmach war gcbrandmarkt: die von 1806 und— freilich nur in drei oder vier Zeilen— auch die von 1907 I Und deshalb, iveil Genosse Marckwald etwas tat, was jeder der drei Millionen Sozialdemokraten als sein nnver äußerliches Bürgerrecht für sich in Anspruch zn nehme» hat und in Anspruch nimmt, wurde er zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt I Wie war das möglich? Einfach so, daß da? Gericht den Ausdruck„Schande" jedes politischen Sinnes ent kleidete, als plumpe, nackte Verbalinjurie auf faßte, die angeblich nicht ein System, sondern Personen treffen sollte I Wäre die Schubert-Kammer ans die politisch-historischen Darlegungen Marckwalds und seines Verteidigers Haase auch nur mit dem geringsten Verständnis eingegangen, hätte sie die M o n st r o s i t ä t solcher Auffassung begreifen müssen! Aber die Schubert-Kammer erklärte souverän alle historischen und politischen Tatsachen für neben sächlich! Sie klammerte sich an den Buchstaben! Dann freilich stellte sie sich auf den politischen Standpunkt, erklärte ohne jede Würdigung historischer und Politischer Tatsachen die Sozialdemokratie und ihren Vertreter Marckwald für„antipatriotis ch", für hämische Begeiferer glorreicher politischer Verdienste— deren Existenz doch gerade durch die Kritik Marckwalds angezweifelt wurde l— und verurteilte ihn als A n t i- P a t r i o t e n und gehässigen Schmäher von Personen zu IV« Jahren Gefängnis. Man greift sich an den Kopf, wenn man derartiges be denkt! Wer„Patriot" oder„Anti-Patriot" ist, vermag doch nur eine Prüfung der historischen Tatsachen zu ergeben! Aber diese Tatsachen wurden von der Schubert-Kammer als „nebensächlich" abgelehnt! Das Gericht stellte sich ein fach u n b e s e h e n auf den Standpunkt der reaktionär- byzantinischen Geschichtslegende und verurteilte vom politischen Standpunkt des vermeintlich persönlich geschmähten Denknialskomitecs auS den Sozialdemo kraten Marckwald zu 1'/» Jahr Gefängnis! Das ist just das. was wir jederzeit als Klassen justiz, als politische Tendenz-Rechtsprechung bekämpft haben I Und trotz dieser Ungeheuerlichkeit schweigt sich die„frei finnige" Presse über dies Urteil völlig aus! Lei' Kampf gegen das neue| Knappkllafls-Zwangsflatat. lllttainontane„MiieolchaN". Im Verlage von I. P. Bachem in Köln ist ein Buch über W i n d t h o r st erschienen. Verfasser ist Dr. E. H ii S g e n, ehemals Redakteur des Düsseldorfer ZentrumSblatteS. Das Buch ist von der Zentrumspresse über alle Maßen herausgestrichen und auf dem letzten Katholikentage als Beweis für die wissenschaftliche Vollwertigkeit deS Katholizismus angepriesen worden. In dem' Abschnitt„Windthorst als Sozialpolitiker" kommt HüSgen auf den Antrag Galen auS dem Jahre 1877 zu sprechen; er geht die Einzelheiten dieses Antrages durch und schreibt dann: „Auch die Sozialdemokraten hatten drei Wochen später als die Zentrumspartei eben- falls einen Antrag eingebracht, der sich inhalt- l i ch in den meisten Punkten mit dem Antrag der Zentrumspartei deckte. Mit den„drei Wochen später" soll der Schein erweckt werden, als ob die Zentrumspartei in Sachen des ArbeiterschutzeS früher aufgestanden fei als die Sozialdemolratie. Dabei vergißt der Biograph Windthorsts, daß im Jahre ISSS bei der Beratung der Gewerbeordnung im Norddeutschen Reichstage die Sozialdemolratie sFritzsche, Bebel. Schweitzer) zahlreiche Anträge zum Schutze der Arbeiter stellte, während die ultramontanen Abgeordneten sWiudt- Horst, Reichensperger, Hompesch usw.) nicht den Mund auftaten. Daun: Wie verhält es sich mit der Behauptung, daß der sozial demokratische Antrag sich mit dem ultramontanen in den meisten Punkten deckte? Die Sozialdemolratie würde sich als Arbeiterpartei ein jämmerliches Zeugnis ausstellen, wenn das der Fall wäre. Der Antrag Galen umfaßt in den annlichen Drucksachen 41 Zeilen, wozu 47 Zeilen Begründung kommen. Er stellt sodann nicht be stimmte auf den Arbeiterschutz bezügliche Forderungen, sondern verlangt nur die Fortsetzung der bereits seit Jahren gepflogenen Erhebungen über die Lage der Arbeiterklasie und die Vorlegung eines Gesetzentwurfes seitens der Regierung unter Hervorhebung einiger Punkte(SomitagSnihe, Schutz der Arbeiter in Fabriken usw.) die in dieser Vorlage berücksichtigt werden sollen. Diese Forde- rungen zum Besten der Arbeiter enthielten sich jeder Bestimmtheit. es waren in der Eile hingeworfene Gedanken ohne greifbaren Inhalt— zudem verquickt mit einer Reihe rück- schrittlicher Forderungen, wie Revision der Frei- zügigkeit. Ei nschrä n kungderGewerbefreiheit usw Der sozialdemokratische Antrag umfaßt in de» amtlichen Druck- fachen 11 Spalten; es war ein vollständig ausgearbeiteter Arbeiter- schubgesetzrntwurf, der sich die Gesetzgebung der wirtschaftlich und sozialpolitisch sortgeschritlenen Länder zum Muster geiiommen hatte. der keine Forderung enthielt, die nicht klar und bestimmt gefaßt und zur Debatte wie zur Ausführung reif gewesen wäre. Der sozialdnnokratische Antrag forderte unter anderm Verbot der Sonntagsarbeit. Höchstarbeitstag von zehn Stunden, von acht Stunden für weibliche und jugendliche Arbeiter. Verbot der Nachtarbeit, Arveitsruhe für Schwangere und Wöchnerinnen. Weitere Bestimmungen betrafen die genaue Regelung des Verhältnisses zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die Errichtung eines Reichs-- gesundheitZamteS, von Gewerbekanimern und Gewerbegerichten, Ein- führung der Gewerbeaufsicht durch ReichSarbeiiSinspektoren. die Sicherung der Koalitionsfreiheit u!w.— alles Dinge, von denen im Antrag Galen entweder gar nicht oder nur in nebelhaften An- deutungen die Rede war. Man mutz annehmen, daß es dem Biographen MudthorstS, als er den oben nnedergegebeuen Satz niederschrieb, lediglich darum zu tun war, die Herrlichkeit der ultramontanen Sozialpolitik zu preisen und daß er in der Boranssetzung von der Güte alles Ultramontanen eS nicht nötig zu haben glaubte, außer dem Antrag Galen auch noch den sozialdemokratischen Antrag zu studieren. Für die Wissenschaft- liche Gründlichkeit des gepriesenen Wmdthorstbuches legt ein solches Verfahren allerdings(ein Zeugnis ab. Dortmund, 5. Januar. In 23 teilweise überfüllten Versammlungen hat die Bergarbeiter- schaft des Ruhrreviers heute dem preußischen Drciklassenparlament ein einhellige? Mißtrauensvotum ausgestellt. Als der preußischen Regierung an der Beendigung deS Streiks von 1005/06 gelegen war, ließ sie durch den Mund Bülows verkünden, daß das Berggesetz „im Sinne der Bergarbeiter" geändert werden solle. Sobald das preußische GeldsackSparlament die Sache in die Hände nahm, sagte» alle Eingeweihten voraus, daß nichts Brauchbares herauskomme» wiirde. Der Landtag der preußische» Junker rechtfertigte das Mißvertrauen der Arbeiter nicht nur, er vernichtete auch alle noch vorhandenen Hoffinmgen. Das Machwerk, das herauskam, nannte selbst die„Rbein-Weslsälische Zeitung", die dienstbereite Magd der rheinisch-weslsätischen Jndu stricllen, einen„gerupften Vogel". Am 1. Januar haben die Ruhr bergleute einen Beweis bekommen, in welchem Sinne das Berggesetz geändert worden ist. Nachdem sich in der Generalversammlung des Bochumer KnappschaftSveremS vom 23. Dezember zwischen Arbeiter Vertretern und Wcrksbesitzern kein Uebereinkommen erzielen ließ, ist laut§ 86 des Berggesetze» daS sogenannte Zwangsstatnt einfach in Kraft getreten, zu welchem heute, wie erwähnt, im Nuhrrevier 23 Bergarbeiterversammlungen Stellung nahmen. In der Versammlung in Dortmund, in welcher der Verbands- Vorsitzende Genosse Sachse referierte, konnte der große Saal der HobertSburg die Masse der Besucher nicht fassen, viele mußten wieder umkehren. Genosse Sachse ging näher aus die Generalversammlung vom 28. Dezember ein. Wenn man nach den Ursache» deS Nicht zustandekommens einer Einigung forscht, so findet man nicht», als den Uebermut der Unternehmer. Noch im letzten Moment machten die Kameraden Schulte und Nobis einen VcrgleichSvorichlag. dessen Resultate für unS das mindeste waren, waS wir beanspruchen mußten. Das am 1. Januar in Kraft getretene ZwangSstatut räumt vor allen Dingen den Unternehmern erhebliche Vorrechte ein Früher waren die Arbeiter mit den Unternehmern gleichberechtigt sowohl im Vorstand wie in der Generalversammlung konnten Ar- beiter Borsitzende sein. Heute haben wir eine Bestimmung, nach welcher diese Posten nur Werksvertreter besetzen können. iLebhafteS Pfui!) Aber eS kommt noch bester. Man hat den Veteranen, den Ehrenmitglieder deS Bergarbeiterstandes, den Invaliden, das Wahlrecht genommen. Auch die Leistungen sind schlechter geworden. Nach dem neuen Zwangs st atut beträgt das Krankengeld 2,50 M. gegen 3 M. vorher. fLebhafte Zurufe.) Referent kommt sodann auf die Anträge zu sprechen, die die Arbeitervertreter auf der Generalversanimluug gc- stellt hatten. Wir beantragten, daß für die Beamten eine besondere Kasse geschaffen werde, weil die Beamten bis jetzt zirka eine Million Mark mehr bezogen, als eingezahlt haben. sHört l hört!) Hätten also die Beamten ihre besondere Kasse, so hätten sie heute ein Defizit von einer Million Mark. Unter den heutigen Verhältnissen haben die Arbeiter für die Beamten diese Suinme ausbringen müssen. Unser Antrag wurde abgelehnt, ebenso wie ein weiterer Antrag, der dahin ging, die Karenzzeit von fünf auf zwei Jahre herabzusetzen. Einen weiteren Antrag, der für die Arbeiter nach" 25 BeitragSjahren Invalidenrente verlangte. erklärten die Unternehmer für undiskutabel. Redner streift dann noch daS bestehende Statut und sagt: Unglaublich ist, welche AnS wähl man unter den KiiappschaftSällesten trifft. Ursprüiiglilp wollte man eine Bestimmung aufnehmen, nach welcher sich der' Netteste in „geregelten VermögenSverhältnissen' zu befinden habe. sSlürmische Heiterleit.) Diese Bestimmung hat man schließlich fallen gelassen. Dafür müsten nach dem geltenden Statut die Nettesten»Un- bescholten" sein. Dies ist den Herren ein Mittel, Kaineraden, die wegen politischer bezw. gewerkschaftlicher sStreik-sBergehen bestraft sind, von den Aeltestciiposten auszuschließen. sPfui.) Ein verdienter und tüchtiger Kamerad, der einmal wegen Majestätsbeleidigung ver- urteilt worden war, wurde als Knappschaftsällefter nicht bestätigt. (Lebhafte Zurufe.) Redner verurteilt dann mit den schärfsten Worten daS Ver- halten deS Zentrums in Sachen deA Berggesetzes und insbesondere deS ehemaligen Bergmanns und jetzigen Landtagsabgeordneten Brust. Sodann untersucht er die Frage, was nun zu tun fei. Zunächst werde man alle? daran setze», die Wirkungen des Zwangs st atutS zu mildern. Man werde den Rechtsweg beschreiten und einer besonders knifflichen und für die Arbeiter schädlichen Auslegung des Statuts evenmell durch Brozeste zu be- gegnen suchen. Von allen Konflikten wegen deS neuen Statuts möge man den VerbandSvorstand in KenutiiiS setzen, der alles tun werde, den Kameraden zu ihrem Rechte zu verhelfen. Weiter werde man von neuem an daS Parlament herantreten und dem Reichs kanzler vor Augen führen, wie er fein Verbrechen gehalten. Vor einem Jahre habe man dem Arbeiter vor- geredet, eS solle in eine neue Aera der Sozialpolitik eingetreten werden. Jetzt werde man Gelegenheit bekonimen, den christlichen und sonstigen indifferenten Kameraden zu zeigen, wie eS mit der Arbeiterfreundlichkeit der bürgerlichen Parteien stehe. Bezüglich der Waffe des Streiks sagt Redner: Dann meine» viele Kameraden: Wir müsten streiken! Ja, wären wir eine kleine, gutorganisierte Berufsgruppe, so stäuden wir schon im Streik. UnS aber hat das Jahr 1305 gezeigt, daß wir eS unS doppelt überlegen müsten. ob wir streiken können oder nicht. ES kommen für unS zirka 300000 Mann in Betracht, die ausreichend zu unterstützen momentan schwer sein würde. Redner schließt mit der Aufforderung, von einem Streik abzusehen, jedoch in eine eifrige und nachhaltige Agitation für den Deutschen Bcrgarbeitervrrband einzutreten.(Lebhafter Beifall.) Wächter- Dortmund ist der, Meinung, daß der Sreik als das einzige Mittel unausbleiblich fei. wenn das Parlament nichts tue. (Beifall.) Linke- Dorstfeld fordert zu lebhafter Beteiligung cnt der Be- wegung zur Erringnug deS allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts für den preußischen Landtag auf.(Stürmischer Beifall.) Darauf nimmt die Versammlung einstimmig diese Resolution an: „Die heutige Bergarbeiterversammlung erklärt sich mit dem Verhallen derjenigen Aeltesten. die in der Generalversammlung am 23. Dezember den Statutentwurf der Werksbesitzer abgelehnt haben, völlig einverstanden und spricht ihnen für ihre mannhafte Haltung Anerkennung auS. Die Versammlung betont ausdrücklich, daß nach ihrer Heber- zengung die Schuld an dem Scheitern deS EiiiignngSwcrkeS die- jenigen Werksbesitzer trifft, die den VernilttetungSvorschlag Schulte- Nobis ablehnten. In dem nunmehr in Kraft tretenden Zwang'statut erblickt die Versammlung lediglich ein Produkt der bergaibeiterseindlichen Gesetzgebung des preußilchen Landtages. Die Vorgänge im Bochumer KuappichaflSvcrein haben so deutlich wie nur möglich gezeigt, daß die Bergarbeiter nicht eher zu einem gruudliaie» LebenSschutzgesetz gelangen und ihre alten knappschaftlichen Rechte wieder erhalten, als bis die ganze die Bergarbeiter betreffende Gesetzgebung einem Parlament überantwortet ist, daS aus all- gemeiner, gleicher, direkter und geheimer Wahl hervorgegangen ist." politische üebcrficht. Verlin. den 6. Januar 1908. Wahlrecht nnd»Dicsscitigkeits-Auffassnng". Die konservative Preste setzt ihr frivoles Treiben fort, die.au* dem„elendesten aller Wahlrcchtssysteme" hervorgegangenen„Volks- Vertreter" des Dreiklastenparlamenls zur Abweisung aller Wahlrechts- reformpläne deS„w a h l r e ch t S f a n a r i s ch e n" Liberalismus auf- zuwiegeln. Voran marschiert dabei, wie eS sich für ihn als Leib- organ der für die materielle und geistige Kultur Teutschlands über- flüssigsten Menschenspezies gezicmt, der„Reich Sbote", das von „Salbung" triefende Blatt jenes Teils der evangelischen Pastoren. der sich noch den Teufel mit Hörnern und einem Pferde- fuß vorstellt, sonst aber eine gute Pfründe und eine gute Flasche Rotspohn für sehr nützliche weltliche Dinge hält. Da» ehrsame Blatt meint, daß die WahirechlSanträge schon deshalb zurückgewiesen werden müßten, damit„die Erziehung der Massen wieder mehr in Bahnen gelangt, welche die Erkenntnis um sich greifen läßt, wohin die übertriebene DieSseiligkeitS-Auffastung des Lebens und Strebens führt und führen muß," Schon fühle sich die Arbeiierkiaste allzu mächtig. Deshalb müsse ihren steigenden Ansprüchen unbedingt ein Riegel vorgeschoben werden: „Wer sich im Lande umhört, und dazu werden auch Ab- geordncie Gelegenheit gehabt haben, die ihrer Partei schuldig zu sein glauben, so laut wie möglich in das Geschrei nach Einführung des ReichSwahirechls im größien Einzelstaale einzustimmen, slößr besonders in der Industrie auf slinmien von nicht wenig ein- drucksfähiger und eindringlicher Art. Was sagen die'e Stimmen? In weiten Kreisen der Industrie werde das Sinken der Konjunkiur vielfach als ein kleineres Uebel angesehen, alS wenn die In- duftriearbeiter wie beim Andauern der besseren Verhältnisse wahrscheinlich der Fall gewesen, ihre Ansprüche und Forderungen weiter über- trieben und überichroben halten. In der Industrie wird also vielfach im Eintritt magerer Jahre ein Bundesgenosse geschätzt, um die Ansprüche der Arbeiter zu dämpfen." Daß dem Pustorenorgan die schönen Profite der Industrie mehr gelten als die Besserung der Lebenslage deS arbeilenden Volke?, finden wir durchaus begreiflich. So gläubig es sonst auch in bezug auf die biblischen Mythen ist, dem Wort von den Schätzen, die der Rost frist. traut e» nicht. In diesem Punkt dünkt ihm die»DicS- seitigkeits-Auffassung" doch sicherer.— Nehmen ist seliger, denn geben! Die Steucrnöte im Reich und in Preußen machen neue Steuern notivendig. Und bei der Erörterung dieser Steuer- nöte zeigt sich wieder einmal so recht die eingefleischte Ali- neignug unserer Bcsideuden gegen das Steuerzahlen! Der Freisinn— und teiltveise auch die National- liberalen— sind der Ansicht, daß die neuen Neichssteuern nicht ausschließlich aus indirekten, die nicht- besitzenden Massen belastenden Steuern aufgebracht werden dürften. Die Belastung der Nichtbesitzcndcn soll b c- schönigt, vertuscht werden durch einen kleinen Aderlaß auch der Besitzenden. So schlagen diese Liberalen eine Erhöhung der Reichserbschaftssteuer vor. Natürlich hoffen sie dabei/ daß davon wiederum die Nichtbesitzenden, entfernte arme Verwandte oder Bedienstete, denen ein Legat zufällt, in erster Linie betroffen werden, gar nicht oder nur minimal dagegen die näheren Angehörigen der Erblasser! Die Konservativen, die„StaatSerhaltendcn". das heißt die Erhalter der skandalösen sozialcu Klassenunterschiede, wollen. natürlich von der Erbschaftssteuer nichts wissen. Entschieden bekämpft sie das Agrarierorgan, die„Deutsche TageS-Zeitung". Und sie hofft, daß dieser Stenervorschlag ja auch schließlich unter den Tisch fallen wird. Schreibt sie doch: „Was von den direkten Steuern gilt, das gilt auch von dem sogenannten Ausbau der Erbschaftssteuer. ES ist richtig, daß Bayern und einige andere Bundesstaaten nicht nur für diesen Ausbau zu haben sind, sondern ihn auch mit einer gewifien Wärme empfehlen. Andere Bundesstaaten, auch der größte, hegen aber die lebhaftesten Bedenken gegen die Erweiterung der Erbschaftssteuer,— Bedenken, die nicht beseitigt werden können. Und wiederum, wen» eS auch wider Erwarten gelingen sollte, diese Bedenken zu beseitigen, i m Reichstage würde eine Mehrheit nicht zu erzielen sein. DaS Zentrum kann, ohne sich in den schärfsten Wider- sprnch zu den Landwirten in der Panei zu setzen, nicht für den Ausbau der ErbschaslSstener stimnien; auch die Nationalliberalen würden kaum geschlossen dafür sein, so daß die Mehrheit zum mindesten ganz unsicher fein wiirde." Die Junker haben recht! Auch für die Liberalen aller Schattierungen, auch für die Zentnmlskapitalisten gilt ja das umgekehrte Bibelwort: Nehmen ist seliger, denn geben!—_ Ein Asphalt-Nationalliberaler. Auch einig« Nationalliberale beginnen mit der Frage der preußischen Wahlreform ein etwas beschleunigtes Tempo zu der- langen. Das„Verl. T a g e b l." veröffentlicht einen Artikel von Herrn Dr. Brunhuber, einem Führer der Jungliberalen, der einem Zusammengehen der Nationaliiberalen und Freisinnigen das Wort redet, um wenigstens eine sofortige Abschlagszahlung zu erreichen. Als solche Abschlagszahlung fordert Brunhuber die eheime und direkte Wahl sowie eine Reform der sahlkreiScinteilung. Dies feien die Reformen, die auch der gemäßigte Flügel der Nationallilieralen wiederholt gc- ordert habe. Von diesem ist daher zu verlangen, daß sie das Programm unverzüglich wahr machen und diese For- derungen in einer sofortigen Aktion zugunsten der Reform des preußischen Wahlrechts durchdrücken. Aber Herr Brunhuber scheint an die Reformsreundlichteit seiner Partei nicht allzusehr zu glauben. Er schreibt: „Die Achtung müßte schwinden, wenn das Bewußtsein auf- dämmerte, daß den volltönenden Versprechungen die Ehrlich- k e i t fehlte. Der Nationalliberalismus aber hat die heilige Pflicht, in dieser brennendsten Frage seine Ueverzeugung durch die Tat zu beweisen. Wollen die Nationalliberalen schon kein gleiches Wahlrecht, so haben sie wenigstens jedem Bürger und Wähler gegenüber darauf Rede und Antwort zu stehen, warum sie nicht wenigstens das, was sie selbst versprochen, verwirklicht haben. Es hängt— das weiß ich wohl— nicht allein von ihrem Willen ab, einen Wunsch Gesetz werden zu lassen; aber sie haben Mittel und Wege genug, einer renitenten Regierung klarzumachen, daß sie auch ethische Pflichten in der Politik zu erfüllen hat." Ganz richtig. Aber diese ethische Pflicht besteht wohl in erster Linie darin, die schreiende Ungerechtigkeit der NechtSungleichheit zu beseitigen, mit deren Beseitigung erst ein wirklicher und imcktigcr Fortschritt gegeben wäre. Es ist auch ein Irrtum, daß die Teilreformen, die Brunhuber vorschlägr, viel leichter durchzusetzen wären als eine gründliche Reform. Um den Widerstand det Konservativen, die jede �Reform ablehnen, zu brechen» bedarf eS einer großen und mächtigen Volksbewegung. Die kann aber nur entfesselt werden, wenn cS gilt, das ganze Unrecht, das am Volke verübt ist, zu bc- seitigcn. Für Teilreformcn läßt sich eine große Bewegung nicht hervorrufen. Ohne diese aber ist jede Reform unmöglich. Herr Brunhuber, der ja prinzipiell sich für die Einführung des Reichs- tagSwahlrechts erklärt, täuscht sich, wenn er meint, die Sache, der er dienen will, zu fördern, wenn er seine Forderung abschwächt. Auch hier ist nur die prinzipielle Politik zugleich die allein praktische._ Kamarilla. -lieber die Ablcugnungsvcrsuche der byzantinischen Presse bemerkt die„Franks. Z t g.": „Soweit die politische Seite der Sache in Betracht kommt, können nur politische Kinder annehnren, daß sie durch das neue Verfahren als Fabel erwiesen sei. Ob man die um Eulcnburg eine Kamarilla nennen will oder nicht, darauf kommt wirklich wenig an. Aber daß Eulenburg neben den Reichskanzlern und Mimstcrn großen Einfluß ausgeübt hat, das ist gar manchen eine so bekannte Tatsache, daß kein Pro- zeß sie beseitigen kann. Dieser Einfluß ging nicht auf Fragen der Gesetzgebung und Verlvaltung im einzelnen, wohl aber auf dieBesetzung hoher Posten, und das ist mehr als jenes. Warum sind denn alle Reichskanzler zornig geworden, wenn ihnen der Name Eulenburg genannt wurde? Sic wußten warum. Sie wußten auch, daß derKaiserdurchdieüber- mäßige Verehrung, die der Liebenberger Kreis ihm entgegenbrachte, in seiner Neigung, nach eigenemGutdünkenzuhandcln.bestärktwurde, was ja die Tätigkeit seiner verantwortlichen Ratgeber schon oft erschwert hat." Diesmal ist das Blatt wahrscheinlich nicht bülow-osfiziös, da- für hat es auch recht.—_ Amtswcchsel. Das neue Jahr bringt diesmal eine Reihe besonders auffällige Neubesetzungen hoher VerwallungSposten. Der bisherige Polizei» Präsident von Berlin. Herr Dr. v. BorrieS, der sich seit einiger Zeit müde fühlte, wird RegierungSprändent in Magdeburg. An seine Stelle tritt als Berliner Polizeipräsident der bisherige Landrat des Kreises Teltow, der energischere und schneidigere Herr v. Stuben- rauch. Ferner tritt der Oberpräsident der Provinz Sachsen, Wirk» liche Geheime Rat Freiherr v. WikmowSki am t. Februar in den Ruhestand. Seine Stelle übernimmt der Regierungspräsident Hegel in Allenstein. Der Regierungspräsident v. Bake in Trier ist in gleicher Amtseigenschast an die Regierung in Arnsberg und der Regierungspräsident Dr. Baltz in Magdeburg an die Regierung in Trier versetzt worden. Ferner ist ernannt worden der Ober- präsidialrat Gramsch in Königsberg zum Präsidenten der Regierung in Allenstein. Man braucht energischere Leute.— Ter güldene Handtverksboden. Mehr und mehr verlieren die Kleinmeister die Freude an der bedeutendsten Schöpfung zur Rettung des Mittelstandes: an der Handwerkerkammer. Dieses Geschenk scheint ihnen all- mählich so minderwertig, daß der Handwerkerstand seinen offiziellen Obolus zur Verwaltung des RettungSgeschäfteS zu verweigern beginnt. Der Magistrat in Offenburg. einer kleinen Stadt Badens, teilt in seinem letzten Sitzung«- bericht mit, daß die beträchtliche Zahl von 30 Gewerbetreibenden vor der Zwangsbeitreibung gestanden hätten, weil von ihnen die Beiträge an die Handwerkerkammer in Höhe von 75 Pf. bis 1,50 M. nicht zu bekommen wären. Da als gemeinsamer Grund dieser Zahlungsunfähigkeit die wirtschaftliche Notlage angegeben wurde, veranstaltete die Stadtbehörde eine Untersuchung. Diese stellte fest, daß die betreffenden Kleinhandwerker mit geringen AuS- nahmen einen begründeten Anspruch darauf haben, von dieser Last entbunden zu werden._ Die rheinische Zentrumspartei hielt am 2. Januar eine Sitzung ihres ProvinzialauSschusseS ab. Der Versammlung lag ein Antrag vor aus Einrichtung von Partei- tagen für Preußen und das Reich. In der Aussprache über die nächsten LandtagSwahlen wurde allseitig die Notwendigkeit einer Einschränkung der Doppelmandate betont. Die Vorschläge zur weiteren Ausgestaltung der Parteitage in der Provinz fanden all- gemeine Zustimmung! die Parteitage der fünf Regierungsbezirke sollen künftig im Herbst stattfinden; den einzelnen Komitees wurde zlrr Pflicht gemacht, jährlich mindestens einmal eine Sitzung nach Art der Parteitage abzuhalten. Die„Kölnische Volkszeitung' knüpft an den Bericht eine längere Betrachtung,„um auch die Aufmerksamkeit iveiterer Parteikreise aus die in mehr als einer Richtung vorbildliche Tätigkeit der rheinischen Zentrumspartci nachdrücklich hinzulenken. Wenn überall mit solcher Umsicht und Ausdauer im politischen Leben gearbeitet würde als zurzeit in den Rheinlanden, so würde zweifellos die Gesamtslellnng der ZentruiuZpartei in unserem öffentlichen Leben alsbald eine sehr wesentliche Stärkung erfahren." Das hier der rheinischen Zentrumspartei gespendete Lob ist in der Tat verdient, zum guten Teil wirkt dabei der Umstand mit. daß die gewaltige Tätigkeit des katholischen Volksvereins wesentlich dem Rheinlands zugute kommt.—_ Sozialdemokratischer LandtagSwahlsieg in Bayern. Nürnberg, 6. Januar. Bei der Landtagsersatzwahl im Wahl- kreise Schwabach wurde der Arbeitcrsekretär Hier!(Soz.) mit 2500 Stimmen gewählt. Diese von erfreulichem Fortschritt zeugende Mandatseroberung bringt die sozialdemokratische Fraktion der bayerischen Kammer aus 21 Mann. Bei den Hanptwahlen im Juni vorigen Jahres fiel der Kreis dem liberalen Block zu. der 2723 Stimmen aufbrachte, während 1912 für den Sozialdemokraten und 2154 für den Konfer- valiven fielen. tStichwahlten finden nicht statt, die relative Mehr- heit entscheidet.) Der liberale Abgeordnete hatte bald nach Beginn der LandtagSarbeite» sein Mandat niedergelegt, so daß die Nachwahl erforderlich wurde, die der Sozialdemokratie wieder einmal Gelegenheit gab zu zeigen, daß es mit dem Niederreiten gute Wege hat.—_ Wahlrechtsdemonstrationen in Sachsen-Altenburg. Am 13. und 19. Januar werden im ganzen Herzogtum von den Parteiorgauisationen und Gewerkschaftskartellen geineinsam ein- berufene Massenversammlungen abgehalten, die den Kanips um die Beseitigung des Vierklassenwahl unrechtes zum Landtage verschärfen und gegen das geplante neue ReichS- vereinSgefetz protestieren werden.— Ocftemich. Ein Wahlaufruf der Sozialdemokratie Böhmens. Das böhmische Volk befindet sich seinen Herrschern und Bedrückern gegenüber in einer ähnlichen Situation wie das preußische. Böhmen ist das industriell am höchsten entwickelte Land der österreichischen Monarchie, ein Land der Arbeiter. Bei der letzten Volkszählung wurden in Böhmen 1 8M 056 Männer und Frauen gezählt, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen. Die Arbeiterklasse bildet in Böhmen, wenn man die Familie dazu rechnet, eine Armee von 3,67 Millionen Köpfen, das sind über 56 Prozent der Bevölkerung des Landes. Diese überwiegende Mehrheit der Bevölkerung hat im böh- mischen Landtage keinerlei Vertretung! Aber auch die Bauern, die Kleingciverbetrcibenden und die Handwerker der Städte sind ebenfalls so gut wie ausgeschlossen. Beherrscht wird der böhmische Landtag von den Feudalen, von den Nach- kommen jener Adclsgcschlechter, die während des Mjährigen Krieges nach Böhmen kamen, Taufende vvn Ballern aus ihren Höfen vertrieben haben und immer Feinde jedes Fort- schritts, die Stützen des Klerikallsmus und der schwärzesten Reaktion gewesen sind. Diese kleine Clique kann sich um so leichter in der Macht erhalten, als das böhiilische Volk aller Nationen gespalten ist. Geeint ist nur die sozialdemokratische Arbeiter- schaft! Wie die preußische, so rüstet sich zurzeit auch die böhmische Sozialdemokratie zum Kampfe um das Landtagswahlrecht. Ein Aufruf, den die Sozialdemokratie Böhmens soeben erläßt, schließt mit den Worten: „Oeffnet die Tore des Landtages den breiten Mafien des Volkes l Weg mit den Feudalen und mit den kapnalistischen Cliquen aus dem Landtage I ES lebe daS allgemeine, gleiche LaiwtagSivahlrccht! Sliif zum Kampfe für die poliiische Gleich- bercchiiguug, iür soziale Refonnen, für den nationalen Frieden und nationale Rechte!" Oesterreichs Arbeiter haben schon öfter bewiesen, daß sie, wo man ihnen nicht freiwillig öffnet. wenn'S fein muß. sich selber Eingang zu verschaffen wisjen.— franhreich. Clemeurca«, der Borusse. Paris, 3. Januar.(Eig. Ber.) Clemenceau hat sein Lebenlang mit dem englischen Liberalismus kokettiert. Zur Herrschaft gelaiigr, bemüht er sicb. alle Elnricvllingen nach russischem oder zumiudest preußischem Muster umzugestalten. Er hat die Ueberwachung der Versantmluugeu wieder eiugesührt. die Spitzel und die Staateauwältc zu den wichtigsten Jnstrumeuten der Regierung gemacht. Seine iieuesle Leistung ist die Verschärfung deS Regimes für politische Häftlinge.— In einem Rundschreiben an die Präfelten erklärt er, daß manche Gefängnisse ein„Herd anarchistischer Agitation" geivorden seien; dieser Zustand sei unerträglich. Die Präsekten hätte» die Gefängnis- Direktoren daran zu erinnern, daß die politischen Gefangenen gleich den Verurteilten des gemeines Rechts in ihrer K o r r e« s p o n d e n z der Vorschrift des Visums unterworfen seien I Die politischen Häftlinge sollen also keine schrisiliche Mitteilung erhalten oder absenden, die nicht das Visum trägt, und dieses Visum soll in keinen Falle solchen Korrespondenzen erteilt iverden. die einen Auf- ruf zur Agitation,„aufrührerische Vorschläge oder Ginhejßungen ungesetzlicher Handlungen" enthalten Die Häftlinge solle» daraus aufmerksam gemacht werden, daß bei Uebertretung dieser Bestimmung ihnen jede Korrespondenz, außer mit ihren Angehörigen versagt werden würde I Kein Zeitungsartikel aus ihrer Feder darf befördert werden! Die L i st e der Zeitungen, die die politischen Gefangenen beziehen wollen. ist vorerst dem Minister zur Genehiiiiguiig zu übermitteln I Die Genehmigung zum Besuch der Gefangene» hängt, von den Familienmitgliedern lind vom Verteidiger abgesehen. von der Erlaubnis des Ministers ab.... Die AutorisationSgesuche an den Minister müssen einen Vermerk über die Eigenschaft der Besucher tragen. Endlich soll den Häftlingen eine gemein- same Haft nur dann bewilligt werden, wenn sie kernen Anlaß zur Veranstaltung von Vorträgen oder zur Erregung von Unordnung geben kann. Im anderen Falle ist Zellcnhast oder Einzelhaft zu verhängen. Mit Recht vergleicht der monarchistische(I)„Soleil" dieses neue Clemenceausche System mit der ungleich größeren Freiheit, die die politischen Gefangenen in der B a st i l l e und unter Napoleon III. hatten! Er verivcist darauf, daß bisher auch bisher schon alle politischen Gefangenen— auch wenn sie keine Anarchisten waren— argen Schikanen ausgesetzt waren, und erklärt mit unziveifelhafter Berechtigung, daß Clemenceau als Anhänger einer Partei, die die Aushebung der MeinungSdelikte fordere. Anarchisten nicht mehr schikanieren dürke atS Konservative. Aber daS sind doch nur Argninente politischer Logik und politischer Moral, um die sich der herrschende Auarcho-Bourgeois nicht schert.— Justizmiuister Briand. Paris, 5. Januar.(Eig. Ber.) Seit gestern ist Aristide Briand Justizministcr. Das ist kein übler Witz des Schicksals und ein eigenartiger Stoff für ein rc- publikanischcs Morallesebuch. Es ist immerhin auch ein politisches Ereignis, wenn auch nur zweiten Ranges. Clemenceau hat für einen Augenblick wieder Luft bekommen. Der alte Guyot-Dessaigne ist ihm recht gelegen gestorben, just da ihm der Atem wieder einmal zu stocken drohte. Sein gefährlichster Rivale, der im eigenen Haus, ist borläufig gesättigt. Als Justizministcr ist Briand Vizepräsident des Ministeriums, er ist Herr aller Staatsanwälte Frankreichs und kann auch die Gerichte seine Macht fühlen lassen. DaS ist für ihn eine persönliche Genugtuung, die er, durchwanderter Nachtseiten des Lebens gedenkend, eine Weile gemächlich und den höheren Ehrgeiz zügelnd genießen mag. Mit seinem Uebertritt ins Justizministerium ist die Teilung feines früheren Ressorts verbunden worden. Vom Unterricht nimmt er nichts mit und von den schönen Künsten muß er auch amtlichen Abschied nehmen. Dagegen wird das KultuSrcsfort mit dem Justiz- wcsen verbunden. Diese Veränderung ist sachlich gerechtfertigt, da nach der Trennung von Kirche und Staat die Beziehungen dieser Organisationen hauptsächlich in der Auseinandersetzung über die ehemaligen Kirchengüter bestehen. Die Trotzpolitik des Vatikans hat insbesondere durch daS Verbot, Kultusassoziationcn auf Grund deS TrcnnungSgcfetzeS zu bilden, die allgemeinen Verfügungen des Gesetzes aus der Praxis ausgeschieden und eine mit großen Schwierigkeiten'verbundene Neuordnung notwendig gemacht, z» der namentlich das neue Gesetz über die Verwaltung und Ver- Wendung der verfallenen Kirchengüter, insbesondere der Meß- stiftungn beitragen soll. Bei dieser Regelung können die Gerichte der antiklerikalen Politik der Regierung große Schwierigkeiten bereiten, und Briand ist jetzt dazu auSerschcn, mit den klerikalen Richtern, die in der Provinz sehr zahlreich sind, fertig zu werden. Außerdem dürfte ihm auch die Aufgabe zufallen, den drohenden Skandal wegen der Veräußerung der Güter der aufgelösten Kon- gregagtionen— bei der etliche dem Parlament angehörige oder von der Regierung protegierte Anwälte schamlos Profit gemacht haben— in einer Art zu deichseln, daß die herrschende Clique möglichst wenig kompromittiert wird. Briand traut man die Gc- schmcidigkcit zu, über diese unangenehmen Geschichten den Schleier des Vergesscns zu breiten. Der neue Justizminister tritt sein Amt mitten in einer Aera rücksichtsloser Verfolgungen der gewerkschaftlichen und sozialistischen Propagandisten an. Er wird das Werk seines Vorgängers sicher ohne Abschwächung fortsetzen, aber der Justizminister Briand wird dem französischen Sozialismus weniger Schaden tun als der Anarchosozialist Briand mit seinem eingestandenen Weck der Parteiintrige und Verwirrung. Der Leidtragende der Justiz- sabotage wird nicht die Arbeiterklasse sein.>- Der Streich des Generals. Paris, 4. Januar.(Eig. Ver.) General Drude hat der Regierung, die ihn aus Afrika ab» berufen hat, zum Schluß einen bösen Streich gespielt. Man hatte seinen Tatendrang— vermutlich, um die nvch unsichere Kammer nicht vor den Kopf zu stoßen— zurückgehalten. Als der ihm untergebene Oberstleutnant F r c t a y eines Tages die vor- geschriebene Linie überschritt, bekam er 30 Tage Arrest auszukosten. Der verärgerte Kommandant des Korps von Casablanca demonstrierte nun durch Untätigkeit, auch dann noch, als der Rc- gierung ein cncrgischcrcS Eingreifen wieder wünschenswert er- schien. Es wurde ihm nahegelegt, sich„aus Gesundheitsrücksichten" zurückzuziehen. Seinem Nachfolger aber, dem General d'Amade, der die Protektion der Regierung erworben hat, als er, der An- gehörige der feudalen Kaste, bei den Nonncnaustreibungcn mit besonderer Schneidigkcit vorging, Ivar der Erfolg der Eroberung der Kasbah der Mcdiuna zugcdackit. Die beträchtlichen, für diese Operation gar nicht notwendigen Verstärkungen, deren Absendung der Kricgsministcr angeordnet hatte, legten die Vermutung nahe, daß General d'Amade zu noch Größerem, am Ende zu dem von der Kolonialpartci ersehnten großen EroberungSzuge ausersehcn sei. General Drude aber machte einen Strich durch die Rechnung ocr Marokko-Spekulantcn. Er ergriff mit den ihm zur Ver- fügung stehenden Truppen die Offensive lind ließ die Kasbah nehmen. Die Regierung ist begreiflicherweise wütend. Denn es ist jetzt vor aller Welt klargemacht, daß' die französische Politik über das vereinbarte Maß einer angeblich notwendigen Polizei, aktiyn hinauszugreifen strebt. General Drude soll sich in Paris verantworten, aber es ist verständlich, daß es dabei nicht sein Bewenden hat, vielmehr die Absichten der französischen Regierung von neuem zum Gegenstand von internationale» Diskussionen werden. Die Besetzung der Kasbah der Mcdiuna galt als letzte Sickerungsmaßregel, der die Räumung von Casablanca folgen sollte. Wenn jetzt die Räumung nicht eingeleitet wird, sondern sogar noch neue Truppen nach Afrika geschickt werden, gerät der Marokkohandel wiederum in ein kritisches Stadium, und diesmal unleugbar durch die Treibereien der Finanzclique und ihrer Protektoren, die außer bei den Sozialisten nirgends einen kräftigen Widerstand finden. l�ulZlancl. ES wird weiter gestohlen. Der Elsenbahnini'pektor Gorlschakoff, der mit der Rebison ber Taschkeiilbohn betrau: worden ist, berichtet aus Orenburg an daS VerkeHrSniinistemim. daß er eine ganze Reihe von Mißbräuchen und Entwendungen aufgedeckt habe, die der Bahn einen Schaden von zirka zwei Millionen Rubel zugefügt haben. Einige hohe Bahn- beamte find ihres Postens enthoben. Auö Wladiwostok kommen ganz unglaubliche Nachrichten: Im dortigen Kricgshafen haben die Unterschlagungen und Entwendungen nie dagewesene Diinensioiien angenommen. Es kann hier absolut alle« für geringes Geld erworben werden, beginnend mit Kohle bis Nitroglyzerin und rauchlos Pulver. Der Hafenkonrmandant. Baron Fersen, iah sich vor kurzem gezwungen, lOOfsiziere aus diesem Anlaß dem Gericht zu übergeben!— Welche Zustände dort herrschen, ist aus folgendem Porfall ersichtlich: Eines TagcS wandte sich ein Offizier an die Firma„Kunst und AlbcrS" mit dem Anerbieten, eine beliebige Menge Kohlen aus dem LkriegShafen zu b e- l i c b i g e n, Preise zu verkaufen 1 1 Die Firma schlug dieses An- erbieten auL. Daß aber nicht alle so handeln, beweist die Tatsache. daß vor einiger Zeit die Maschinenteile eines russischen Torpedo- bootes an Japan verkauft wurden.... „Echte",„echtere" und„echteste" Russen. Petersburg, 5. Januar. Unter den Mitgliedern deS Verbandes wahrhaft russischer Leute ist eine Spaltung eingetreten. Vizepräsident Pnrischkewitsch sowie mehrere Gründer des Verbandes sind»ach. einer längeren Prcßfehde gegen den Präsidenten de? Verbandes Dubrowin aus dem Verbände ausgetreten. Puriichkewitsch gründet eine neue allrussische monarchilche Partei mit etwas gemäßigterer Richtung. Gleichzeitig bereitet der Vischdf Hermogcn die Bildung eines allrussischen orthodoxen Verbandes vor.— �erNen. Teheran, 5. Januar.(Meldung der PeterSbnrger Teta- graphen-Agentur.) Der Präsident des Parlaments, der sein Amt niederlegen wollte, da der Gouverneur im Parlament mit dem Tode bedroht worden war, falls er die Leute nicht bestrafen würde, die auf das Tor des Parlaments geschossen und an den Morden auf dem Artillerieplatze teilgenommen hatten, gab nach längerem Zureden seine Absicht auf. Ein Teil der Schuldigen wurde mit Stockschlägcn bestraft. Erst heute zerstreuten sich die bewaffneten Verteidiger des Parlaments vollständig. Die Bedingungen der Verständigung zwischen Parlament und Schah sind unter- zeichnet; jede der beiden Parteien deutet sie zu ihren Gunsten! Auch werden bereits neue Forderungen und Vorwürfe laut.... Teheran, 6. Januar. In der gestrigen Sitzung des Paria- mentö wurde der Text des Ersuchens verlesen, das das Parlament an die ausländischen Missionen um moralische Unterstützung ge- richtet hatte, sowie die Antworten der russischen und der englischen Mission, in denen gesagt ist, die Missionen wollten sich bei dem Schah bezüglich seines Versprechens, die Verfassung streng zu wahren, v-rwcndcn. Die Verlesung dieser Antworten rief lebhafte Begeisterung hervor.— Gestern abend ist der frühere Ministerpräsident Saad cd Dauleh mit seinem Bruder, der zum Gouverneur von Tschermanschah und Kurdistan ernannt ist, aus der Verbannung zurückgekehrt.— Heute sind 118 persische Kosaken mit voller Bewaffnung nach Urmia ausmarschiert.—- Amerika. Der Prozest Pektibone ist nach den letzten brieflichen Nachrichten bis zur Beendigung deS auf die Anklage cnt- fallenden Teils gelangt, worauf Anwalt Nugent den Antrag auf Abweisung der Anklage stellte, da die Staatsanwalt- schaft nicht das geringste Beweismaterial für die Beteiligung des Angeklagten an der Ermordung Steunenbergs beigebracht habe. Der Vorsitzende Richter, Wood, erklärte daraufhin, daß es nicht so sehr darauf ankomme, die Beteiligung Pettibones an der Ermordung Steunenbergs nachzuweisen alS: den Beweis für das Vorhandensein einer allgemeinen Ver- schwörung(!' m erbringen I Im übrigen räumte er ein, daß er die Uebe.«e>lgung erlangt habe, die Behauptungen des Kronzeugen Orchard in bczug auf Pettibones Veteiligung an dem Morde seien von den anderen Zeugen nicht genügend be- stätigt»vorden l Im Prozeß gegen Haywood hatte Wood zwar auch die„allgemeine Verschwörung" in den Vordergrund gestellt, aber-hervorgehoben, daß alle Angaben Orchards über die Beteiligung des Angeklagten an dem in Frage stehenden Ver- brechen von andere n Zeugen bestätigt sein müßten, da sonst dessen ganzes Zeugnis in der Luft schwebe... Trotz allem beantragte Richter Wood, den Fall vor die Ge> s ch w o r e n e n zu bringen, da für jedes einzelne der von Orchard gestandenen Verbrechen genügend Beweise beigebracht. seien I Er sei der Ueberzeugung, daß die bereits bewiesenen Tatsachen das Bestehen der Verschwörung im Sinne der Anklage bestätigen, wenn auch keinerlei unabhängige Zeugen- aussagen vorhanden seien, die den Angeklagten mit der Er- mordung Steunenbergs in Verbindung bringen könnten. Anwalt Darrow hat bereits die Eröffnungsrede für die Verteidigung gehalten. Bm der partei* Esperanto. Es wird unS geschrieben: Ich babe niwi die Absicht, Zameichofs geniale Sdbopfung an dieser SteNe dem Genossen S. v. gegenüber zu verteidigen. Das geschieht besser an anderen. Orte. Auch verzichte ich hier auf eine Widerlegung der von S. I). an Esperanto geübten Einzelkritik. Das würde erst recht zu weit führen. Nur in einer bestimmten Richtung möge ich auch an der Stelle, lM der ich angegriffen wurde, meine Meinung sagen dürfen. Ich finde in G. v.'s Artikel gegen mich den Geist einer ganz abscheulichen Unduldsamkeit und ein furchtbares Ber- langen nach Partei uniformität. Konnte das wirklich nicht e r l r a g e n werden, das; ich das Wesen, den Bau und das Maß der leichten Erlernbarkeit einer inlernalionalen, sich schon hoher prak- tischer Anerkennung erfreuenden Hül's-Weltsprache in einer bescheidenen Ecke des von mir redigierten Parteiblattes internationalen Sozial- dcmokraten klar zu machen suche? Es ist ja Unsinn, anzunehmen, daß infolge des Abdrucks der Grammatik und Wortbildungs>ehre nun irgendwelche Arbeiter, die unser anhaltisches Blatt lesen, sich im Schweiße ihres Angesichts mit beängstigender Anstrengung darum bemühen werden, Esperanto nun auch gleich prakiisch zu lernen, um es zu lesen, schreiben und sprechen zu können. So närrisch schätzen die„Volksblatl"leser meine Absicht nicht ein. Wenn aber besonders intelligente Arbeiter, die dafür besonders veranlagt sind, aus dem. was ich im.Bolksblatt" über Esperanto geboten, die Anregung entnehmen sollten,� Esperanto wirklich an der Hand weitergehender Hülssniittel zu lernen, so sehe ich nicht ein, was das sür ein Unglück sein kann. Schon eine große Anzahl Arbeiter sind Esperantisten. Mir schreibt ein Graveur seitenlange Briefe in Esperanto, denen ich keinerlei Angstschweiß anmerke. Doch was für mich in diesen, stalle die Hauptsache ist: Wir sollten weit mehr als bisher de» Grundsatz beachten: In nsesssanis unitas, in dubiis libertas sJn notivendigen Dingen Einigkeit, in zweifelhasten, irrelevanten Freiheit). Wir müssen mehr Individualität in der Partei dulden und keine Uniformität verlangen, wo sie nicht notwendig ist Man lasse in Dingen, die mindestens nicht schädlich sind, mehr Freiheit, und man bilde sich nicht ein, alles sei schädlich, was nicht dem allereugsten Parteibegriff entspricht. Solche Partei- Engherzigkeit schadet uns weit mehr, als sie uns je nützen kann. Zuletzt ist doch die individuelle Freiheit, das eigene Blühen und Gedeihen Glück, und sie soll nur da gehemmt werden, wo das gleiche Recht aller auf solche Gluck bringende Freiheit es fordert. Ertragen können, was nicht schädlich ist, auch wenn man selber es anders beurteilt, diese Duldsamkeit, die Poranssetzung alles blühenden Geisteslebens, fehlt vielen Parteigenossen, die von einem schädlichen Parteifanatismns erfüllt sind. Im Geiste solcher gerade auch für das Parteileben höchst erwünschten Duldsamkeit hätte auch G, D. selbst bei seiner Meinung über das Esperanto die ganze persönliche/ auf Ein- schüchterung, Unterdrückung abzielende Nüance in seinem Artikel gegen mich sich verkneifen können. Damit hätte er sich selber und der Partei mehr gedient. I ch kann den Puff, den er mir gütigst zu erteilen die parleigenössische Liebe hatte, gut vertragen. H. P e u s- Dessau. „ Wir stehen nicht an zu erklären, daß die geringfügige Mino» st. Der„BorwärlS* und die österreichischen Parteiblätter liegen rität von L79 Mitgli-dern der Berliner Freien Vereinigung der „r. Bereitwilligst werden Auskünfte über Präger ArbeilSverhäU- Zimmerer durckmuS nicht im Interesse der allgemeinen Arbeiter- VzIO Uhr. an Sonntagen von 19 bis 12 Uhr vormittags geöffnet 1 ist.-—*■—"—*■.....' auf. nisse„sw, erteilt. Partei- und GcwcrkschastSblätter werden freundlichst um Nach druck ersucht. poUrelllclies»©enebtilebes ufw. bewegung handelte, st?. ter Außerachtlassung aller demokra- tischen Grundsätze und Vergewaltigung der Einigungsfreunde in der Versammlung das Einigungswcrk vertvarf. Tic kommende Einigung in der de-'tfchen Arbeiterbewegung vermag freilich auch das Votum der 279 nicht zu ändern: diese ist eine Notwendigkeit, Thiele von,„Halleschen Volksblatt" angetreten. Die Strafe hat er sich durch eine Erzählung im„Volkskalender" über die In der Pahenhofer-Bierbrauerei in Spandau haben gestern die satirnche Arbeit lollten nicht weniger als die ganzen Pfarrer der Provinz Sachsen beleidigt worden sein. Der scharfe Justizwind, der in Halle a, S. weht, bring, es mit sich, daß fast pernianeiit ei» Mitglied der Redaklion im Gefängnis weilt. Vor Weihnachren ver ließ Genosse Fröhlich die ungastlilve» Hallen und schon ivieder sind ihn, wie auch dem Genosse» Leopoldt mehrere Monate zugedacht ivo> den. Auch gegen den Genossen Thiele schwebt noch ein weilerer Beleidigungsprozeß._ Gewerk kbzftlichz*. Berlin und vlmgegend. Achtung, Metallarbeiter! Die Kollegen von der Berliner Motorwagenfabrik in Reinickcndorf-Ost, verlängerte Koloniestraße, haben wegen Differenzen mit der Firma in der vorigen Woche die Arbeit niederlegen müssen. Tie Kollegen befinden sich noch im Streik. Die Firma ist für Metallarbeiter jeder Branche bis aus weiteres gesperrt. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Aus der Entgegnung des Genossen Pens geht herbor, daß er sich der Konsequenzen, die sein Espcranto-Unterricht haben kann, nicht einmal voll belvußt ist. Oder vermag er die Zahl derer zu kontingentieren, die sich— ans die Anregung im Dessauer Parteiblatt hin— an das Studium des Esperanto machen? Kann Peus verhindern, daß von den 11099 Abonnenten und weit mehr Lesern des Dessauer Blattes auch solche Leser und Leserinnen des „Volksblatt für Anhalt" die Sishphusarbeit auf sich nehmen, denen für dergleichen Beschäftigung noch jede Vorkenntnis, jede Eignung fehlt?- ES sei-übrigens auch noch konstatiert, daß Genosse Peus von den Wirkungen seiner esperantistischcn„BildungS"arbeit nicht immer so bescheiden gedacht und gesprochen hat wie hier oben, Schrieb er doch gm 1ß.,T)ezeinber 1997 im„Vo�ksblatt für Anhalt"; er wolle „den Tausenden(!) unserer Leser die Kenntnis(!) desselben(Esperanto)... auf leichte Weise vermitteln.... Es kann teiuc»(!) Leser geben, der nicht mit Vorlest das Stück Belehrung, das wir täglich über die Weltsprache bieten werden, hinnehmen wird..." Ein Genosse aus Rummelsburg bei Berlin teilt unS in einem neunseitigci, Schreiben seine Erfahrungen ad„Esperanto" mit. Er habe, so schreibt er. wochenlang Zeit und Kraft geopfert, um schließ- lich zu seiner furchtbaren Selbstenttäuschung gewahr zu werden, daß alle Mühe an der Unkenntnis der— Muttersprache endete! Dabei suchte dieser Genosse das Esperanto nicht— ä la Pens— von toten Buchstaben zu erlernen, sondern in einem Kursus der Berliner Esperanlistengrnppe. Zirka 39 Teilnehmer zählte derKursus am e r st e„ Abend, an, dritten waren es nur noch 13, am sechsten Abend, nach welchem unser Genosse den Besuch der Kurse einstellte, nur noch sieben oder acht Teilnehmer I Der Genosse kommt zu dem bitteren Vorschlag: Pens sollte den Anhalter Arbeitern lieber noch deutschen Sprachunterricht erteilen als esperantistischen I— Ueber das, was der Partei und den Genossen schädlich oder »nicht schädlich" ist, wollen wir mit Peus nicht streiten noch rechten. Wir meinen jedenfalls, daß wir bis auf weiteres erst lange. lange noch dem internationalen Proletariat zu bieten haben, was ihm positiv nützlich ist._ Sozialdemokratisches Prcßbnreau. Ueber das zu schaffende Preßbureau meldet die„Mannh. Volks- stimme": Die Vorsteherschast des Bureaus ist dieser Tage nun dem leitenden Redaktcur unseres Frankfurter Parteiblattes,- dem Genossen Dr. Ouarck, angetragen wo, den. Derselbe hat diese ehrenvolle Be- rnsung nach einigem Schwanken mit Rücksicht auf den bisherigen ihm liebgcwordenen Wirkungskreis in Frankfurt jedoch abgelehnt. Diese Meldung unseres Mannheimer Bruderblattes ist nur zum Teil ricknig. Genosse Ouarck war im Prinzip bereit, die Leitung des Preßbureaus in Berlin zu übernehmen. Die Verhandlungen sind aber aus anderen Gründen gescheitert. Der Mensch«i»h sich zu helfen wissen. Aus Halle a. S, berichtet man uns: Ein Jurist, von den, viele noch etwas lernen können, ist der hiesige Rechtsanwalt Oskar Suchsland, frühere Bürger- meister von Luckenwalde. Er hatte gegen den Genossen Redakieur Thiele vom„Volksblatt" einen Piivatbeleidigungsprozeß mit umfang- reichem Zengniszivangsverfahren anhängig gemacht und war damit hineingesalle». Suchsland wurde in zwei Instanzen kostenpflichtig abgeiviesen und von dem Genossen Thiele ersucht, auch die Anwalts- kosten in Höhe von 38,49 M. zu zahlen.— Herr Suchsland lehnte aber die Begleichimg ab mit dem Himveise, Thiele habe, ihn durch Ableugliung der- Täterschaft bezw. Beteili- gung an den inj llriösen Artikeln in einer gegen die guten Sitten v e r st o ß e n d e n Weise vorsätzlich Schaden zugefügt. Nicht er, Snchsland, sonder» Thiele sei nach t? 826 des Bürgerlichen Gesetzbuchs-zum Ersätze der Sachs- land scheu Kosten in Höhe von 61.39 M. verpflichtet.— Damit dürfte der Nnlininalionspunkl der Juristenlogik überschritten sein. Personalien. Ans der Redaklion der Breslauer„Volks- wacht" ist Genosse Georg K a u l ain 1. Januar ausgetreten. abzüge» die Arbeit eingestellt. Diese Arbeit wurde sonst mit 4 M. bezahlt; die Direktion stellte sich aber jetzt auf den Standpunkt, daß sür solch eine Arbeit 3,59 M. genügend seien. Die Direktion lehnt jede weitere Verhandlung ab. Achkung, Klavierarbeiter! In der Sontagsnnmmer des„Bor» wärts" unter Gewerkschaftliches ist ein Druckfehler unterlaufen.. Es muß heißen Firma Schneider in L i e g n i tz und nicht Firma Schneider in Leipzig. Oeutfebes Reich. DaS Ende des Kampfes in der Textilindustrie am Niederrhein. Wie voraus zu sehen war, haben die Samt- und Plüschfabri- kanten in ihrer Generalversammlung beschlossen, ihre Arbeiter vorläufig nicht auszusperren. Sollten aber bis zum 11. Januar die Seidenstossweber die Arbeit nicht aufgenommen haben, dann werden die Samtwebereien in Krefeld am 13. Januar geschlossen. In den Außenbezirken könnte die Aussperrung erst am 25. Januar vor sich gehen, weil dort die lltägige Kündigung maßgebend ist. Diese Beschlüsse werden nicht zur Ausführung kommen, weil der Widerstand, soivcit er sich bei einem Teil der Stoffwebcr noch zeigt, in den näd'sten Tagen vollständig gebrochen ist. Aber durch einen anderen Beschluß, den die Samtfabrikantcn gefaßt, werden die Samtweber schwer geschädigt. Von Montag, den 6. Januar ab wird in den Samtwebereien die Arbeitszeit auf 4 Stunden täglich reduziert. Begründet wird diese Maßregel mit der Be- hauptung, es fehle das zu verarbeitende Material, Ursache sei die Aussperrung der Färbereiarbeitcr. Tatsache ist aber, daß die aus- wältigen Färbereien genügend Material geliefert haben, es handelt sich um eine Schikane der Fabrikanten, für einige Zeit soll den Samtwebern der Brotkorb höher gehängt werden. Nachdem die Sperre von den Fabrikanten aufgehoben worden ist, haben die Christlichen beschlossen, am Dienstag, den 7. Januar die Arbeit aufzunehmen. Den nämlichen Beschlutz haben die Färbereiarbeiter, nachdem die Verbandsfunktionäre ihnen die Aus- sichtslosigkeit des Kampfes vor Augen geführt, gefaßt. Nur die Seidenstoffweber leisten, wie bemerkt, noch hier und dort Wider- stand, doch auch diese werden, da ihnen keine Unterstützung seitens der Organisationen zuteil wird und weil die Gefahr vorliegt, daß die Christlichen die besten Arbeitsplätze besetzen, den Kampf auf. geben müssen. Das Gros der Textilarbeiter nimmt am 7. Janua» die Arbeit auf. Husland. Der Autoomnibusstreik in London. Beide Seiten, Unternehmer wie Angestellte, sind zum weiteren Aushalten entschlossen. Die Unternehmer behaupten, daß sie nur das einführen wollen, was bei ihren Konkurrenten bereits in Gel- tung ist, während die Arbeiter erklären, daß sie die volle Sympathie ihrer Kollegen bei den Konkurrenzgesellschaften haben, und sie fühlen sich stark genug, den Kampf durchzuführen. Die Gesellschaft ver- liert an den Einnahmen pro Tag 799 bis 899 Pfund Sterling (14 999 bis 16 999 M.); die Angestellten würden, wenn der Streik eine Woche dauert, etwa 2999 Pfund(49 999 M.) an Löhnen ver- lieren. Die Unternehmer geben zu, daß die Angestellten durch die Neuordnung eine längere Arbeitszeit haben würden, erklären aber, daß sie dadurch auch ihre Löhne erhöhen könnten. Es ist der Gesell- schaft noch nicht gelungen, mehr als zwanzig Wagen mit Streik- blechern—„Scabs"— zu bemannen. Das Londoner Publikum empfindet die Störung im Verkehr sehr unangenehm und muß sich mit allerlei Wagen begnügen, die von findigen Geschäftsleuten aus den vielbefahrenen Strecken als Ersatz angeboten werden. Eine große Aussperrung wird in den englischen Baumwoll- spinnereien beabsichtigt. Die Unternehmer wollen lieber ihre Fabriken schließen, ehe sie der gestellten Forderung auf eine Lohn- erhöhung nachgeben. In der Unternehmervereinigung, der„Fede- ration os Master Cotton Spinners", wurde eine Abstimmung wegen dieser Frage vorgenommen und das Resultat kürzlich in Manchester bekannt gemacht. 96 Proz. der Unternehmer sollen sich bereit erklärt haben, bis zum 21. Januar ihre Betriebe zu schließen, wenn bis dahin nicht der Streik, der jetzt in vier Betrieben in Oldham besteht, beendet ist. Die Aussperrung würde 159 999 An- gestellte betreffen und 59 999 Weber in Mitleidenschaft ziehen. Letzte JVachncbtcn und Depefcbca Tie Scharfmacher kommandieren. London, 6. Januar.(W. T. B.) Der Ausschuß beS Verbandes der Banmwollspinnereibesitzer erließ an die fünfhundert dem Ver» bände angehörigen Firmen ein Rundschreiben, in dem das zugunsten der Aussperrung ausgefallene Ergebnis der Abstimmung bekannt gegeben wird. Gleichzeitig werden die Spinner angewiesen, ihren Angestellten eine vom 18. Januar ab laufende Kündigungsfrist vou einer Woche zu geben. Opfer der Kälte. Frankstirt a. M., 6. Januar.(B. H.) Die strenge Kälte hat zahlreiche Opfer gefordert. Auf der Bahnstrecke von Benshciin wurde der 71 jährige Arbeiter A. Wüst erfroren aufgefunden. In Alsenz ist ein Arbeiter aus dem Wege vou der Arbeit nach Hause erfroren. In Halver erfror ebenfalls ei» Bäckergeselle aus dem Wege nach seiuei Wohnung._ Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln... Nürnberg, 6. Januar.(B H.) Gestern vormittag ist in einem Pfarrhaus des Dorfes Kraftshof, halbwegs zwischen Nürnberg und Erlangen ein Einbruch verübt worden, als die sämtlichen Bewohner in der Kirche waren. Nach einem hiesigen Blatte sind etwa 39 999 Mark in Wertpapiere», etwas bares Geld uud eine goldene Uhr entwendet worden._ Die gättlichc Weltordmmg. Madrid, S. Januar.(B. H.) In St. Lucar verteilten die Be- Hörden mehrere 1999 Pfund Brot au die Arbeitslosen. Die Arbeit in ganz Andalusien stockt. Bande» ziehen in die Gcgcndeu uud rauben und plündern._ Gefangen enrevolte. London, 6. Januar.(W. T. B.) Ein Gefangener des Distrikts- ; gefSiignisseS von Dartmoor schlug während der Rückkehr vom Kirch- Gegen die Einigung. Der Verein der Zimmerer Berlins und Um- gegend hielt am Sonntag in den„Jndustriesälen" eine außer- ordentliche Generalversammlung ab, um die in der Versammlung vom 15. Dezember abgebrochene Diskussion über die V e r s ch m e l- zung mit dem Verbände fortzusetzen uud über die Frage abzustimmen. Zunächst gab der Geschäftsleiter Fischer eine Er- klämng ab und verlas die Uebertrittsbedingungen, wie sie nun cnd- gültig am 19. Dezember zwischen den Zentralinstanzen des Ver- bandes und der Geschäftsleitung der Vereinigung der Zimmerer Deutschlands unter Berücksichtigung der in der letzten Vereiusver- iammUing geäußerten Wünsche festgesetzt wurden. Es ist darin der Satz enthalten, daß allen Mitgliedern-des Verbandes die freie uneingeschränkte politische Betätigung gewährleistet wird, ein Punkt,' über den bekanntlich bei den früheren Emigungsverhanv- lungen keine Einigung erzielt worden war. Ferner verpflichten sich die Zentralinstanzcn des Verbandes, den das Bestätigungsrecht des Zentralvorstaades betreffenden Absatz 5 des§ 24 des Verbands- statuts in der nächsten Generalversammlung zur Verhandlung zu bringen und für eine bessere Fassung, eventuell für Beseitigung dieser Bestimmung einzutreten. An den Orten, wo der Ilebertritt erfolgt, soll der Vorstand neu gewählt werden, und zwar in der Weise, daß beide Richtungen ihrer Mitgliederzahl entsprechend in dem neuen Vorstand vertreten sind. Bei diesen Neuwahlen der Ortsvorstände scheidet jene Bestimmung über das Bestätigungsrecht des Zentralvorstandes aus. Die Mitglieder der Vereinigung der Zimmerer Deutschlands treten als im Sinne des Verbandsstatuts vollberechtigte Mitglieder in den Verband über. Ter Datum des Uebertritts ist auf den 2. März 1998 festgesetzt; mit diesem Tage beginnen die Pflichten und Rechte der übertretenden Mitglieder. Wer erst nach dem 14. März übertritt, gilt als neueintretendes Mitglied. Das Vermögen der Geschästsleitung wird nach Erfüllung aller Verbindlichkeiten der Hauptkasse des Verbandes zugeführt; ebenso der vierte Teil der Kassenbestände der einzelnen Vereine, während der Rest faint dem Inventar und den Bibliotheken der Vereine den'Ortskassen der Verbandszahlstellen überwiesen wird. In der Vereinigung der Zimmever Deutschlands hört die Beitrags- leiftung am 1. Februar aus. In der beitragsfrcien Zeit bis zum '2.': Maiz haben die Mitglieder ihre Bücher in Ordnung zu bringen und sie an die Geschäftsleitung oder den Vereinsvorstand zwecks Umtausch abzuliefern. Erörterungen und Beschlüsse über die inneren Einrichtungen der Verbandszahlstellen, über das Tele- giertensystem usw., bleiben den Zahlstellenversammlungcn vorbe- halten.— Wenn die Fürsprecher der Einigungsbedingungen sich bielleicht der Hoffnung hingegeben hatten, daß die Gegner nun einen anderen Standpunkt dazu einnehmen würden, so sahen sie sich durch den Verlauf und das Ergebnis der Versammlung getäuscht. Nachdem Czaminski im Sinne der Uebertrittsbedingungen gesprochen batte, stellte Repschläger den Geschäftsordnungsantrag, den Beschluß der vorigen Versammlung, wonach die Mitglieder der Ge- schäftsleitung und des Ausschusses erst nach den anderen Dis- kussionsrednern das Wort erhalten sollten, aufzuheben. Der An- trag wurde abgelehnt; ebenso ein zweiter Antrag, abwechselnd einen Fürsprecher und einen Gegner der Uebertrittsbedingungen sprechen zu lassen. In der eigentlichen Diskussion äußerten sich dann vier Redner gegen die vorgeschlagene Einigung, von denen einer sehr scharf hervorhob, daß es nicht nur die Bedingungen, sondern auch die Grundsätze und die ganze Taktik der Zentralver- bände seien,!oas die Verschmelzung unmöglich mache.„Uns trennt eine ganze Weltanschauung", meinte der Redner. Darauf wurde Schluß der Debatte beschlossen. Ein neuer Antrag Repschlägers, nun noch den Mitgliedern der Geschästsleitung das Wort zu gc- währen, wurde wiederum verworfen! Nur der Referent Wilhelm Schäfer konnte noch in seinem Schlußwort für die Einigung sprechen. Der Antrag, die Uebertrittsbedingungen, wie sie am 19. Dezember vereinbart waren, anzunehmen und somit den Verein aufzulösen, wurde mit 33 gegen 279 Stimmen abgelehnt. Der Vorsitzende Juppenlatz bemerkte dazu, daß die Mitglieder mit diesem Beschluß die ernste Pflicht übernommen hätten, allen Wider- wärtigkeitcn, die sich daraus ergeben würden, allem äußeren Druck standzuhalten. Sodann wurde die Frage an den Geschäftsleiter Fischer gerichtet, ob er und die Geschäftsleitung nun diesem (Beschluß oder dem Einigungsbcschluß der Konferenz der Verein!- gung der Ziminercr Deutschlands folgen wollten. Fischer er- klärte daraus, daß ihm und der Geschäftsleitung, den demokratischen Grundsätzen der Organisation entsprechend, die Beschlüsse der Kon- fcrenz als die der höchsten Instanz der Pereinigpng maßgebend seien, und daß die Geschästsleitung dafür Sorge tragen werde, daß alle Mitglieder des Vereins dem Zentralverband beiträten. Diese Erklärung rief stürmischen Widerspruch hervor. Die Konferenz der Vereinigung hatte bekanntlich Geschäfts- lcitung und Ausschuß mit der Vertretung auf dem bevorstehenden Kongreß der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften betraut. Demgegenüber beschloß nun die Versammlung, sechs Delegierte des Vereins nach dem Kongreß zu senden, und wählte als solche: Elamann, Paul Schäffer, Heinrich Woisel, Oldenburg, Hermann Rupp und I ä n i ck e. Ferner wurde beschlossen, bis auf weiteres keine Gelder mehr an die Ge- schäftsleitung der Vereinigung abzuführen. Darauf wurde der Antrag gestellt, die Mitglieder der Geschästsleitung: Theodor il.„....._ Fischer. Wilhelm Schmidt. Labitzke, Repschlägers Sange einen Warter._ Andere Gelungene machten gemeinsame Sache und Czaminski, die die Uebertrittsbedingungen unterzeichnet nn*'M!'" swci Warlee zu Bode» und verletzten!>M» schwer, haben, wegen vorsätzlicher Schädigung des Vereins auSzu- daß sie in? H-sPtt-l geichafft werden mußten. Die Gefangenen schließen, sowie ein Znsatzantrag, den Ausschluß aus alle 33 Mitglieder, die vorhin dafür gestimmt haben, auszudebncn. Beide Anträge wurden jedoch gegen wenige Stimmen abgelehnt. Man will erst abwarten, was die Fürsprecher der Einigung weiter wurden schließlich überwälngt. DaS Wüten der Cholera. Konstantinopel, 6. Januar.(W. T. B.) Die Sanitätsbehörden wurden heute durch die Stadtpräfcktur von zwei choleraverdächtigen unternehmen werden. Die Versammlung beschloß dann noch, den streikenden Webern Fällen der Bosporusvorstadt Beicos in Kenntnis gesetzt, von denen Verein deutscher Arbeiter in Prag. Reisende Genossen, deren in Krefeld 399 M. zu senden, und dem Vcreinsvorstand 1999 M. einer tödlich verlaufen ist. In Mekka. Mcdina, Dscheddah, Jambo Weg nach oder durcki Prag führt, werden eiugeladcu, das Vereins- zur Verfügung zu stellen, die. wenn nötig, demselben Zweck dienen" f;i,x"""""'-'-»"-«n« X-—» 199 heim, Zeltuergnsse 19, I. Sivck, zu besuchen, das läglich von'/e8 bis sollen. und Abuali sind. 176 neue Cliolerasälle, von deiien 122 tödliche» Ausgang hatten, festgestellt worden._ verontw. Redakteur: Hans Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.; Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: BorwärtSBuchdr.u.Verlagsanstalt Paul SingerLrCo., Berlin LW. Hierzu LBeilagenu-Unterhaltungsblatt Nr. 5. 2S. Jahrgang. L ökilM des Jonnürts" Kcrlim önlkoliliilt. Iienslaz, 7. Jaimat 1908. Die Linigung der Bauarbeiter. Die Freie Vereinigung der Bauarbeiter hielt ihre dritte Konferenz am Sonntag und Montag in Bökers Saal. Weberstr. 17, ab. Die Konferenz war beschickt durch 20 Delegierte aus den einzelnen örtlichen Vereinen der Freien Vereinigung. Außerdem waren anwesend: Töpfer für den Zentralverband der Bauhülfsarbeiter, Kater für die Geschäftökommission der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften, Gehl für die Maurer, P u t t l i tz für die Fliesenleger, Lange für die Isolierer und T h. Fischer für die Zimmerer der Freien Vereinigung. Ten ersten Punkt der Tagesordnung bildete derBerichtdes Geschäftsleiters. Hierzu lag ein gedruckter Bericht vor, welcher die Zeit vom 1. April 1900 bis 30. September 1907 umfaßt. Aus dem Bericht geht folgendes hervor: Bei der vorigen Konferenz gehörten der Freien Vereinigung 8 Vereine an, während der Be- richtszeit sind 13 Verein« hinzugekommen, 3 davon haben sich neuer- dings aufgelöst, so daß die Freie Vereinigung jetzt 18 örtliche Ber- eine mit zusmnmen 2384 Mitgliedern zählt. Im Jahre 1907 hat sich in fast allen Vereinen eine Abnahme der Mitgliederzahl be- merkbar gemacht. Das wird teils aus der ungünstigen Wirtschafts läge, teils aus dem ungünstigen Verlauf des Berliner Streiks er- klärt.— Während der Berichtszeit wurden 137 Agitationstouren unternommen. Die Kosten der mündlichen Agitation betrugen 1973 M.— Für Streiks gab die Geschäftsleitung 10 734 M. aus. Rechnet man die Leistungen der einzelnen Vereine hinzu, so ergibt sich, daß im ganzen an Streikgeldern ausgegeben wurden im Jahre 1903 19 384 M. und im Jahre 1907 bis Ende des 3. Quartals 78188 M. Außer den eigenen Streiks hat die Freie Vereinigung auch Streiks anderer Gewerkschaften unterstützt und zwar mit 1300 M. im Jahre 1906 und 2106 M. im Jahre 1907.— Der Kassenbericht weist eine Einnahme von 23116,08 M. und eine Ausgabe von 21 340,19 M. auf. Das Gesamtvermögen der Freien Bereini- gung beträgt 14 073,67 M. Der Geschäftsleiter Baum fügte dem gedruckten Bericht noch einige mündliche Ergänzungen hinzu und beklagte, daß sich die Solidarität der einzelnen Vereine beim Berliner Streik nicht in wünschenswerter Weise betätigt habe, denn von den ausgeschriebene,! Extrabeiträgen sei nur ein Teil eingegangen, während ein großer Teil noch ausstehe.— Diese Angelegenheit bildete auch in der Diskussion den Haupt- Punkt der Erörterung. Die Vertreter der betreffenden Vereine suchten das unzulängliche Eingehen der Extrabeiträge aus den ört- lichen Verhältnissen zu erklären.— An der Tätigkeit des Geschäfts- leiters hatte keiner etwas auszusetzen. Stach Schluß der Debatte wurde dem Gcschäftsleiter einstimmig Decharge erteilt. In der Sitzung am Montag standen die Einigungsverhandlungcu auf der Tagesordnung. Zwischen den Vertretern der Freien Ver- cinigung und denen des Zentralverbandcs sind unter Mitwirkung des Parteivorstandes am 7. Dezember v. I. Einigungsbedingungen vereinbart, die der Konferenz zur endgültigen Beschlutzfassung vor- lagen. Die Ginigungsbedingungen decken sich im wesentlichen mit denen, die auch zwischen den Organisationen der Maurer vereinbart worden sind. Den Mitgliedern der Freien Vereinigung wird im Verbände die Betätigung ihrer politischen Grundsätze im Sinne des Programms der sozialdemokratischen Partei gewährleistet.— Die ununterbrochene Mitgliedschaft in der Freien Bereinigung wird im Verbände angerechnet.— In Orten, wo Ortsvereine der Freien Bereinigung bestehen, deren Mitglieder nicht im Baufach arbeiten, haben diese sich zunächst dem Verband der baugewerblichen Hülfsarbeiter anzuschließen, der sie später den zuständigen Ber- bänden überweist. Hierbei wird auch die volle Mitgliedschaft an- gerechnet.— In Orten, wo Ortsvereine der Freien Vereinigung dominieren und besondere Kategorien von Bauarbeitern sind, werden diese als Sektionen formiert und erhalten Selbst- bestimmungsrecht.— In Orten, wo von beiden Organisationen Bereine bestehen, sind nach erfolgter Einigung die Verwaltungs- kürperschasten neu zu wählen und im Verhältnis der beiderseitigen Mitgliederzahl zusammenzusetzen.— In Orten, wo nur die Freie Vereinigung besteht, bleibt diese als Filiale des Verbandes mit den acaenwärtigen Funktionären bestehen.— Dies sind die wesent- Ilchsten Punkte der Einigungsbedingungen, die im übrigen noch eine Reihe formaler Bestimmungen für die Verschmelzung enthalten. Baum- Berlin, der über die Einigungsverhandlungen refc- rierte, besprach die Vorgeschichte derselben und begründete die Eini- kleines feuilleton. Theater. Freie Volksbühne(im Neuen Schauspielhaus): Iphigenie auf Tauris, von Wolfgang Goethe. Es muß für den wahrhaftigen Künstler doch ein wunderbar erhebendes Gesühl sein, nach allem modernen Bühnenschnickschnack wieder ein- mal am kastalischen Quell klassischer Dichtung seine Seele rein zu baden. Unvergängliche Gedanken klingen im herrlichsten Tonfall der deutschen Sprache an sein Ohr; ewige Geschicke erschüttern ihn, Geschicke, die die ganze Menschheit miteinander teilt. Es ist eine große Welt, nicht ein Ausschnitt von ihr, die sich da vor uns aus- breitet. Gleichsam über allen Köpfen wandelt der Geist dieser Goethesche» Tragödie, die so recht eine Tragödie ist, weil sie Ver- söhnung bringt, und in ihrer künstlerischen Klarheit und dichte- rischen Reinheit keinerloi Schlacken aufkommen läßt. Hier erwächst nym Darsteller die Aufgabe, als Mittler zwischen dem Dichter und dem Hörer zu stehen, indem er seine Künstlcrschaft steigert und mit ihr die Gemüter in die hohe Region der Klassizität erhebt. Je sicherer er auf dieser Linie zu wandeln weiß, deren Ueberschreiten so leicht verhängnisvoll werden kann, desto tiefere Wirkungen wird er hervorbringen. Gertrud Arnold ist sich dieser ernsten Aufgabe sehr wohl bewußt. Ihr steht die Gebärde der großen feierlichen Worte vollkommen �II WcM. Sie rollt keine hohlen Tiraden. Ihre Iphigenie atmet olhmpische Lust. Sie ist zugleich die hoheitsvolle Pueprrin und eaueo fuijlcudc» Woib, als welche wir sie aus Goethes Händen emofangcn haben und kennen. Was bei Hans Sicbert anfänglich etwas befremdete: die für Orest nicht gerade glückliche Erscheinung und einige routinierte Griffe, die ans Komödiantenhafte streiften, das trat bald hinter die erschütternde großzügige Leistung zurück, und so empsing der Hörer von ihr einen nachhaltigen Eindruck. Auch Franz H ö b l i n g zeigte sich als Pyladcs seiner Rolle gewachsen, weil seiner jugendfrischen Gestalt der Schwung einer hingebenden idealen Freundschaft und eines sieghaften Optimismus recht wohl ansteht. Viktor H a r t b e r g iThoas) und Herbert G o e tz n e r(Arkas) bezeigten redlichen Eifer für ihre Aufgaben. So darf denn diese Aufführung der Iphigenien- tragödie als eine Goethes würdige— auch was die stimmungsvolle Inszenierung angeht— willig und gerne bezeichnet werden, e. tz. Kunst. Ein Maler der guten alten Zeiten. Der 7. Januar ruft die Erinnerung an einen Künstler wach, dem wir bereits aus der Jahrhundert-Ausstellung für einige reizende Eindrücke zu danken hatten. An, 7. Januar l808 ist der Maler Friedrich Eduard M e y e r h e i m zu Danzig geboren worden. So fern seine sauberen, schmucken, zierlich glatten Bildchen heute unserem Empfinden und unseren künstlerischen Aiischauungen stehen, sie grüßen doch in ihrer Ehrlichkeit wie Erinnerungen an Szenen und Erlebnisse eines freund- lichen Kinderlandes. Die sorgsame und mühevolle Gewissen- haftigkeit, mit der Meyerheim seine Bilder bis zu einer fast porzellanenen Glätte durchführte, war die peinliche Alluratesse gung mit dem Verband unter Hinweis auf den Beschluß des inter- nationalen Kongresses in Stuttgart, der die Gegensätze, welche früher zwischen den beiden Gcwerkschaftsrichtungen bestanden, aus der Welt geschafft habe. Ferner verwies der Redner auf die allgemeine Situation. Der feste Zusammenschluß der Unternehmer und deren Absicht, die Arbeiter mit allen möglichen Mitteln zu bekämpfen, mache eine einheitliche, geschlossene Organisation der Arbeiter zur Notwendigkeit. Die Berliner Lohnbewegung habe den Bauarbeitern den Beweis geliefert, daß die Zersplitterung der Organisation die größte Gefahr für die Arbeiter ist. In der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften habe sich eine Rich- tung bemerkbar gemacht, der die sozialdemokratischen Arbeiter nicht folgen können. Die Anhänger dieser Richtung hätten die Befür- worter der Einigung in der schmutzigsten Weise bekämpft. Mit diesen Leuten könne man nicht mehr zusammengehen. Alle diese Dinge hätten der Geschäftsleitung der Bauarbeiter Veranlassung gegeben, ihre frühere Gegnerschaft gegen die Einigung aufzugeben und sich für die Einigung zu erklären. Der Redner empfahl die angeführten Einigungsbedingungcn zur Annahme.— Es entstand nun eine lange Debatte, die sich bis zum Abend hinzog. Gegen die Einigung sprachen besonders die Delegierten aus Magdeburg und aus Hamburg. Sie erklärten, daß ihnen die vorliegenden Einigungsbedingungen keine genügende Garantie für die Wahrung des �selbstbestimmungsrechts der einzelnen Mitgliedschaften im Verbände bieten. Allerlei örtliche Streitigkeiten mit dem Verbände, die teils mehrere Jahre zurückliegen, wurden gegen die Verschmelzung ins Feld geführt. Die Hamburger, welche den dortigen Verein der Abbruchsarbeitcr vertraten, machten geltend, daß die besonderen Verhältnisse dieser Arbeitergruppe eine voll- kommen selbständige Verwaltung verlangen, die ihnen als Sektion des Verbandes nicht zuerkannt werde. Die Berliner Vertreter sprachen für die Einigung aus den vom Referenten angeführten Gründen.— Töpfer- Hamburg, der den Zentralverband ver- trat, suchte die Bedenken der Hamburger Delegierten zu zer- streuen, indem er an der Hand der Einigungsbedingungen nach- wies, daß ja das Selbstbestimmungsrecht der örtlichen Vereine auch im Verbände gewährleistet werde und daß die Wünsche der Ham- burger in den Einigungsbcdingungen ja in weitestem Maße be- rücksichtigt worden seien.— Gegen Ende der Diskussion ersuchte Theodor Fischer- Berlin die Magdeburger und Hamburger Dele- gierten, alle kleinlichen Bedenken und alle persönlichen Momente beiseite zu lassen und nur den großen Gedanken im Auge zu be- halten, daß die Einigung der Gewerkschaften eine Notwendigkeit im Interesse der gesamten Arbeiterbewegung sei und daß die so- zialdemokratischen Arbeiter doch auch die Beschlüsse der Parteitage zu befolgen haben, die sich für eine einheitliche Gewerkschaftsorgani- sation aussprachen. Nach Schluß der Debatte wurde folgender Antrag in nament- ltcher Abstimmung mit 17 gegen 7 Stimmen angenommen: Die Delegierten nehmen Kenntnis von dem Resultat der Einigungsverhandlung mit dem Verband der baugewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands unter Vorsitz des Parteivorstandes und'erklären sich mit der Stellungnahme und dem Vorgehen der Geschäftsleitung hierbei voll einverstanden. Die Delegierten erkennen die Notwendigkeit einer einheit- lichen geschlossenen Organisation der Bau-, Erd- und gewerb- lichen Hülfsarbeiter Deutschlands an; sie können sich der Tatsache nicht verschließen, daß gegenüber den festgefügten, gegen uns ge- richteten Organisationen der Arbeitgeber, eine solche der Arbeit- nehmer jetzt mehr denn je entgegenzustellen ist. Aus diesem Grunde verpflichten sich die Delegierten, für die am 7. Dezember vereinbarten Bedingungen einzutreten, und für deren Durchführung in ihrem Ortsverein Sorge zu tragen, damit alle Vereine, die der Fr. V. d. B. D. bisher angeschlossen sind. am 1. März sich dem Verband der baugcwerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands anschließen. An sämtliche Mitglieder der Fr. B. d. B. D. richten die Delegierten den dringenden Wunsch, den Bedingungen ihre Zustimmung zu geben. Zur Durchführung der Konfercnzbeschlüsse erhält die Ge- schäftsleitung den Auftrag, die nötigen Maßnahmen, die dazu erforderlich sind, einzuleiten, und sind deren Funktionen nicht eher als erledigt zu betrachten, bis der Anschluß der Ortsvereine erfolgt ist. Die Geschäftsleitung. Als letzter Punkt der Tagesordnung wurde der 8. Kongreß der Freien Vereinigung deutscher Gewerk- s ch a f t c n besprochen. Nachdem Beck- Berlin über diesen Punkt kurz referiert hatte, beschloß die Konferenz, den Kongreß durch 6 Delegierte zu beschicken, die daselbst im Sinne der Beschlüsse der und Ordnungsliebe einer einfachen Natur, die ihre Bilder gern so blitzblank putzte wie die Hausfrau ihre Stübchen auf seinen Interieurs. Dieselbe Andacht zum Kleinen lebt in Meyerheim, wo sie sich zu gleicher Zeit in der Literatur in Stifter äußerte; ein idyllisch realistischer Zug geht durch seine Vauerngeschichten wie durch die damals ausblühende Dorfnovclle. Der junge Eduard geriet auf seinen ersten Kunstfahrten ins romamische Fahrwasser. Die inalerischen Baiideukmäler der Vaterstadt Danzig reizten ihn zu sorglicher Abkonterfeiung, so daß er 1832 seine Ansichten auS Danzig in zehn lithographierten Blättern herausgeben konnte. In Berlin unter Schadow in seinem Sireben bestärkt, unternahm er Wände- rungen durch die Mark Brandenburg lange vor Frnitane und machte auch hier perspektivische Zeichnungen von den mittelalterlichen Backsteinbauten. Das ihm eigenlümliche Feld des realistischen Genres betrat er 1834 mit der reizenden..Kegelgesellschaft", einem prächtigen Stück Alt-Berlin voll charakteristischer Gestalten und ge- mütlichster Behäbigkeit. Und als er dann 1836 in seinem»Schützen- fest" das Leben der westfälischen Bauern, wie es Jmmermann im »Oberhof" geschildert, in festlicher Frische darstellte, war sein Ruf begründet und eine lange Reihe ähnlicher Werke folgte. ES sind die harinloien und an sich so wenig besagenden Szenen deS stillen Familienlebens, die Meyerheim als erster vorgeführt hat und die >päter bis zum Ueberdruß von der deutschen Genremalerei wieder- holt wurden. Bei ihm aber haben alle diese unbedeutenden Szenen ein eigenes Gesicht, eine heimatliche Wärme. Humoristisches. »»Der Schwur de? Schahs. Der Schah von Persien Mohammed Ali war. von russischem Einfluß aufgestachelt, der Meinung, der Konstitutionalismus sei ein schädliches Jmekt und müsse durch Pulver und Blei vernichtet werden; zu diesem Zwecke hatte er sich schon eine größere Menge Pulver(natürlich persisches Insekten- pulver) angeschafft. Die Russen reizten ihn zum Widerstände gegen Volk und Parlament. Aber auch das Volk und das Parlament waren bereit, ihre Interessen mit ihrem Blute zu verteidigen. Und so schien es einen Augenblick, als ob die Truppen des Schahs und diejenigen des Parlaments aneinander geraten ivürden. Aber es siegte, wie in Rußland, der Parlamentarismus. Der Schah unterwarf sich ihm und leistete einen feierlichen Eid auf die Verfassung. Indes ist jetzt ein neuer Streit um die Norm des Eides entbrannt. Die offizielle Preffe berichtet, der Schah habe geschworen: „Ich gelobe es und schwöre es, daß ich die Verfassung beobachten will." Der größte Teil der Zuhörer behauptet aber, der Schah habe geschworen:„Ich gloobe es schwerlich, daß ich die Verfassung beobachten will." Das Volt verlangt deshalb stürmisch, der Schah solle einen neuen Eid leisten; und dieser holt sich wieder bei seinen russischen Freunden Rat. Endlich hat man sich auf allen Seiten über eine neue EideSnorm geeinigt; der Schah soll schwören:»Ich gelobe, daß ich alle Zeit die Verfassung ebenso treu und ebenso gewissenhaft halten und lieben werde, wie mein Vetter und Bruder, der Zar aller Neuffen." — I u r i st e n.»Wenn der ß 7 des Vereinsgesetzes durchgeht, dürfen wir Juristen überhaupt nicht mehr in öffentlichen Ber- Konferenz zu wirken haben. Die Konferenz stellt den Antrag auf Auflösung der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften und verpflichtet die Delegierten, diesen Antrag geschlossen zu vertreten. Als Delegierte zum Kongreß werden gewählt Baum- Berlin. Mayha k-Wernigerode, S a s s e- Berlin, D u p k e» Berlin« N o r g c l- Berlin und M e ck i n- Erkner. Die Hamburger verzichteten auf ein Kongreßmandat, weil sie sich ohne Zustimmung ihres Vereins nicht aus den eben an» genommenen Antrag verpflichten konnten. Es wurde ihnen an- heimgestcllt, einen siebenten Delegierten durch ihren Verein wählen zu lassen, falls derselbe den Kongreß beschicken wolle. Damit war die Tagesordnung erledigt. Der Vorsitzende N o r g e l schloß die Konferenz mit dem Wunsche, daß die Dele- gierten für die Durchführung der Einigung wirken, damit eine einheitliche Organisation der Bauarbeiter zustande kommt. Sa; beleidigte(Hemeler national- denkmal vor Geriebt. Zur Ergänzung unseres Berichts tragen wir noch nach: Vorsitzender: Angeklagter Marckwald, Ihnen Wird gmi Last gelegt, der Verfasser des Artikels zu sein. Marckwald: Ich erkläre, daß ich den Artikel geschrieben und in die Druckerei gegeben habe. Die Darstellung meines Kol- legen ist absolut richtig. Er konnte von dem Artikel nicht die not- wendige Kenntnis haben, da er tatsächlich nicht mehr dauernd in der Redaktion tätig war. Die Zeich, iungsändcrung war nur noch nicht vorgenommen. Vorsitzender: Wir gehen dann auf den Artikel ein. Sie haben da die Ausdrücke„Schandsäule" und„Tragikomödie" ge- braucht. Was stellen Sie sich unter Schandsäule vor und warum haben Sie den Artikel geschrieben. Marckwald: In einer Schandsäule sehe ich eine Säule, die an irgend eine Schande erinnert. Den Ausdruck habe ich zu» erst in einer Beschreibung des Denkmals, die durch mehrere'Blättcr ging, gelesen. Es hieß da:„die Borussia stützt sich auf eine zer- brochene Schandsäule". Dann habe ich den Artikel geschrieben, um der Geschichtsfälschung, die damals in den bürgerlichen Blättern getrieben wurde, entgegenzutreten, soweit das in einem Zeitungs- artitel möglich war.— Unter Tragikomödie verstehe ich eine Hand» lung, die zugleich'heitere und ernste Gefühle auslöst. Irgend ein spöttischer Gedankt ist mir bei dem Ausdruck nicht gekommen. Auch habe ich in keiner Weise an den Kaiser gedacht, wie ich überhaupt an Personen, auch an die Herren des Denkmal- komitees nicht im geringsten gedacht habe. Dem Artikel kann keinerlei beleidigende Absicht zugrunde gelegen haben, da er sich ja in keiner Weise mit beteiligten Personen beschäftigte, sondern nur eine geschichtskritische Beleuchtung des Denkmals enthielt.— Für den.Landboten" bin ich verantwortlich. Die Uebcrschrift ist ge- ändert worden, weil die bürgerlichen Blätter in dem Ausdruck Schandsäule etwas besonders Anstößiges fanden. Im übrigen habe ich den Artikel im„Landboten" nicht zusammengestellt. Wer cS gemacht hat, gebe ich aber nicht an. Staatsanwalt Paeseler stellt fest, daß Marckwald am 10. September, also sechs Tage vorher, in Memel einen Vortrag gehalten hat, der sich mit derselben Materie beschäftigte. Marckwald: Ja, das wird stimmen, ich war aufgefordert, dorthin zu kommen und die Sache historisch zu beleuchten. Nunmehr wird durch den Vorsitzenden der Artikel„Die Schandsäule in Memel" verlesen. Da er sehr schnell und leise liest, ersucht der Verteidiger, etwas lauter zu lesen. Vorsitzender: Angeklagter Marckwald, was sollte dieser letzte Satz bedeuten: Die Arbeiterklasse weiß, daß, wenn Menschen schweigen. Steine reden, und daß künftigen Geschlechtern die Scbandsäule zu Memel von Preußens Schmach zu Beginn nicht nur des 19., sondern auch des 20. Jahrhunderts beredtes Zeugnis ablegen wird." M a r ck w a l.d: Das Denkmal in Memel ist ein Borussia- denkmal und stellt demnach symbolisch Preußen dar. Ich bin nun der Ansicht, daß alle Borussiodenkmäler aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts uns an die Schande Preußens erinnern. Preußen ist nicht nur den westeuropäischen, sondern auch den anderen beut- scheu Staaten gegenüber ungeheuer rückständig. Und die Ursache hierzu ist das D r e i k l a s s e n w a h l s y st e m. Württemberg ha! längst das sammlungen reden I"—»Wieso?"—»Na, dann darf doch nur deutsch gesprochen werden?"_(»Jugend".) Notizen. — 019 Nachfolger Joachims als Leiter der Geigen- klaffen an der Berliner Hochschule für Musik ist Henri M a r ei n berufen worden. Der junge Künstler— er ist erst 33 Jahre alt— hat als Geigenspieler sich längst einen geachteten Namen geschaffen; er ist zurzeit in Genf tätig. Martin hat sich in Berlin längst als ebenso glänzender wie gefühlsinniger und edler Meister erwiesen. Er ist denn auch von Joachim selbst noch als Nachfolger vorgeschlagen worden. — Max Bruch beging am Montag seinen 70. Geburtstag. AlS Lehrer für Komposition wirkt er seit Jahren an der Berliner Hochschule für Musik. Als Komponist ist er— der schon als Knabe einen Preis der Mozartstiftung errang— besonders durch seiiis Chorwerke hervorgetreten. zu deren bekanntesten»Frithjof", „OdysseuS",„Das Lied von der Glocke" gehören. — Bühnenchronik. Albert Heine, ber zurzeit als Regisseur am Münchener Hostheater tälig ist. wurde für das Berliner Theater— hauptsächlich als Charakterdarsteller— verpflichtet. Heine steht von seinem Wirken am königl. Schauspiel- hause her. dem er in den neunziger Jahren angehorte, noch im guten Andenken als scharfrealistischer Künstler. — Thcaterchronik. Felix P h i l i p p i S neuestes Schauspiel»Die Ernte" hat merkwürdigerweise seine Uraufführuiig am Wiener Deutschen Volkstheater erlebt. Das Stück ist ein sog. spannendes Schauspiel, das die Entdeckung eines jungen Liebes» paares, daß sie Geschwister sino, bühnenmäßig verarbeitet.— Karl Goldmark, der bald 78jährige Komponist, hat daS Win termärchen in einer lyrisch-iveichen Musik vertont, der auch volkstümliche, frisch anmutende Züge nachgerühmt werden. DaS Werk kam kürzlich an der Wiener Hofoper zur ersten Aufführung und hatte lebhaften Erfolg. — B i l d e r s ä l s ch u n g e n großen Stiles Ist man in München auf die Spur gekommen. Die betriebsamen Fälscher. die im Alis- und Jnlande förmliche Fabriken dieses Genres unter« halten, stellen sonst meist älter- Kunstwerke— von antiken Münzen. Stawen angefangen bis zu praeraffaelitischen und Renaissancegcinälden herab— mit verblüffender Echtheit her und begnaden damit nicht nur Berliner und Amerikanische ParvenuS, die sich eine Galerie mit und ohne Ahnen- bilder einrichten, sondern selbst erfahrene Kunstkenner. Die Münchener Händler, von denen man zwei mitsamt sechs Agenten verhaftet hat, haben dagegen gefälschte LenbachS. BöcklinS, Menzels usw. verlrieben. Dag bei dem erschreckenden Elend, daS bei dem Kunstproletariat herrscht, sich auch arme Teufel finden, die ihre in der heutigen Gesellschaft sonst unverivertbaren Talente für ein Schundgeld zu solchen Künsten verleiten lassen, ist nicht weiter ver- wunderlich. Der Schwindel, der in der beginnenden kapitalistischen Wirtschast allgemeines Prinzip war. hat auf dem Gebiete der mcht beliebig reproduzierbaren Waren heute noch eine unbestreitbare Domäne. allgemeine Wahlrecht eingeführt. In Bayern und Baden hat man ern fast allgemeines Wahlrecht. Fast nirgends hat das Volk so wenig Rechte, wie in Preußen. Jeder zurückschallende Historiker muß daher bei jedem Bvrussiadenkmal zu Beginn des 20. Jahrhunderts an die Schande Preußens erinnert werden. Auf Antrag des Verteidigers, Rechtsanwalt Haase, wird ein Artikel aus der„Königsberger Allgemeinen Zeitung" der lesen, in welchem eine Beschreibung des Denkmals enthalten ist Darin ist ausgedrückt, daß auf dem Denkmal tatsächlich eine Schandsäule abgebildet ist. Eine zerbrochene Schandsäule, auf die sich die Borussia stützt. Verteidiger Rechtsanwalt Haase: Es wird dem Angeklagten der Vorwurf gemacht, in dem Artikel nicht erweislich wahre Tat- fachen veröffentlicht zu haben. Der Herr Staatsanwalt hat Be- Weismittel angeführt, u. a. den Artikel in der„H a r t u n g s ch e n Zeitung", worin dem Angeklagten Geschichts klitterung und Behauptung unwahrer Tatsachen vorgeworfen wird. Er habe kein klares Bild über die geschichtlichen Vorgänge gegeben. Ich habe es nun für meine Pflicht als Verteidiger ge- halten, den Antrag zu stellen, den Archivrat und jetzigen Geschichts- Professor Lehmann darüber zu vernehmen, daß sämtliche in dem Artikel behaupteten Tatsachen richtig sind. Ich habe jetzt sogar ein Interesse daran, den Beweis dahin zu erweitern, daß alles dies von den Lehrstühlen der Universitäten gelehrt wird. Ich weiß zwar, daß dem nichts im Wege steht, Teile aus Werken im Plai daher zu verlesen, ohne daß sie zum Gegenstand der Verhandlung gemacht sind. Es ist für die Beurteilung des Angeklagten von weittragender Bedeutung, festzustellen, ob er Geschichts klitterung getrieben und unwahreTatsachen behauptet hat, oder ob er nur wahre Tatsachen mit einer gewissen Borsicht vorgetragen hat. Unter diesen Umständen muß ich den größten Wert darauf legen daß zum mindesten die Briefe, bie Friedrich Wilhelm III. an Napoleon geschrieben hat, verlesen werden. Ferner muß ich Wert darauf legen, daß zum mindesten der Brief des Königs an Stein verlesen wird. Tann aber muß ich Wert darauf legen, daß alles das verlesen wird, was namentlich nicht nur Humboldt, sondern auch Delbrück und Lehmann festgestellt haben über die Königin Luise. Zur Erläuterung meines Antrages verlese ich die Briefe deL Königs Friedrich Wilhelm III. an Napoleon. Dann möchte ich zum mindesten hinweisen auf die Briefe der Königin Luise, die in der„Deutschen Rundschau" veröffentlicht sind. In einem Brief vom 5. November 1807 schreibt Luise:„Wir haben zum Diner vier Gänge, zum Abend drei Gänge. W i r leben von der Luf t." Ich glaube, daß diese Anträge genügen werden. In beantrage daher, aus den angeführten Werken von Lehmann, Bauer und der„Deutschen Rundschau" die angeführten Stellen zu vcr- lesen und den hiesigen Professor KrauSke zu vernehmen, der die Richtigkeit dieser Tatsachen bestätigen wird. Der Staatsanwalt beantragt, den Antrag abzulehnen, da die Richtigkeit der behaupteten Tatsachen unerheblich ist. Nach kurzer Beratung wird verkündet: Die BeweiSantrSgc werden abgelehnt, da die Feststellung, ob die geschichtlichen Tatsachen richtig sind, nicht für die Verhandlung von bedeutendem Belang sein können. Die strafbare Handlung kann nur in Ausdrücken, die heute lebende Personen verletzen sollen, gesehen werden. Staatsanwalt: Als der Kaiser nach hier kam, wurden ihm damals begeisterte Grüße entgegengebracht, nicht zum wenigsten durch die Presse. Dazwischen erschien der Artikel der„Volks- zeitung", der die Feier in Memel herabsetzte. Zunächst hat man die Artikel immer damit zu decken gesucht, daß Personen gar nicht genannt seien. Es kommt aber darauf gar nicht an, da nach Reichsgerichtsentschcidung gerade die versteckten Beleidi- gungen die schlimmeren find. Die geschichtlichen Re- miniSzenzen sind chr die Anklage nicht von Belang. Es sind durch den Artikel Personen von heute und nicht durch geschichtliche Dar- stellungen verstorbene Personen getroffen worden. Der Artikel war dazu geeignet, Personen in der Achtung herabzusetzen. Er war ferner dazu geeignet, den Kaiser herabzusetzen. Die Tendenz deS Artikels ist entschieden unpatriotisch, und des- halb war der Gedanke einer Majestätsbcleidigung sehr naheliegend. Der Kaiser hat sein großes Interesse durch tätiges Eingreifen bekundet, und wenn dann diese Feier, deren Mittelpunkt der Kaiser war, eine Tragikomödie genannt wird, wenn das zu enthüllende Denkmal als eine Schandsaule be- zeichnet wird, und noch die zu feiernden Vorfahren ge- schmäht werden, dann ist die Frage der Majestätsbeleidigung unbedingt zu bejahen. Gewußt habe Marckwald ganz entschieden, daß der Kaiser kommen werde und wie die Stimmung in Memel war. Trotzdem hat er diese Artikel gebracht und auch eine Rede in Memel gehalten, die sich mit der Sache beschäftigte. Er hat also sicher mit vollem Vorbedacht gehandelt und auch den Artikel zur Herabsetzung des Kaisers und des Denkmalkomitees bewußt geschrieben. Der AngeNagte Marchionini hat. wie er selbst sagt, in der fraglichen Zeit doch noch vorübergehend in der Redaktion gearbeitet. Und wenn er nun den Artikel mit der bezeichnenden Ueberschrift sah, mußte er sich über den Artikel klar werden. Er ist zum mindesten nach dem dolus eventualis strafbar. Er hat sich durch Zeichnung deS Artikels der MajestStSbeleidigung schuldig gemacht. Bei der Beleidigung der Mitglieder deS Denkmak-KomiteeS liegt die Sache ähnlich: Die Beleidigung ist begangen durch Schmähung des Werkes, das die beleidigten Personen aus patriotischem Gefühl errichtet haben. Die Angeklagten sind beide wegen Majestätsbeleidigung vor- bestraft. Das und auch die Stimmung, die Aufregung, die der Artikel bei den Patrioten, die es ehrlich mit ihrer Vaterlandsliebe meinen, hervorgerufen hat. muß jetzt als strafschärfend in Betracht gezogen werden. Die Veröffentlichung der Artikel gerade in d e r Zeit der höchsten patriotischen Stimmung ist beinahe eine ehrlose Handlung, denn das innerste Ge- fühl eines großen Teiles der Bevölkerung ist bewußt und bis ins tiefste verletzt worden. Jeder anständige Mensch, allgemein ge- sprochen. sollte doch das innerste Gefühl anderer achten und würdigen. In Anbetracht all dieser Tatsachen und Er- wägungen ist eine harte Strafe gegen den Verfasser des Artikels, den Angeklagten Marckwald. am Platze. Ich beantrage für jeden Fall der Beleidigung ein Jahr Gefängnis, zusammengezogen zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis, ferner ist die Verhaftung des Angeklagten auszusprechen. Der Angeklagte M a r ch i o n i n i ist milder zu bestrafen. Ich beantrage gegen Marchionini neun Monate Gefängnis, ferner ist die Einziehung der Zeitungen und der Platten zu verfügen. Verteidiger Rechtsanwalt Haase: Für die Schuld des An- geklagten Marchionini ist beute nicht der aeringste Beweis er- bracht. Marchionini ist seit dem 15. September nur noch hin und wieder auf die Redaktion gekommen, um seinem Vertreter etwas zu helfen. Er konnte sich um die Redaktionsgeschäfte gar nicht kümmern, weil er mit den Vorbereitungen zu seiner Abreise nach Berlin beschäftigt war. Ich halte eS für selbstverständlich, daß der Gerichtshof den übereinstimmenden Angaben der beiden An- geklagten über diesen Punkt Glauben schenkt. Ter Angeklagte Marckwald hat die volle Verantwortung für die Artikel übernommen. Er hat auch nicht nur erklärt, sondern auch den Beweis dafür angetreten, daß er den Artikel nicht leicht- fertig, sondern auf Grund eingehender wissenschaftlicher Studien aeschrieben bat. Er bat ! nur geschichtliche Feststellungen veröffentlicht. Ich behaupte, es wäre niemand eingefallen, in dem Artikel eine strafbare Handlung zu sehen, wenn nicht ein Blatt, das sich liberal nennt, die„Königsberger Hartungsche Zeitung, vielleicht um frühere Sünden zu büßen, ihr hyperpatriotisches Herz entdeckt und ein großes Geschrei über den Missetäter in der„Volkszeitung" erhoben hätte. Jetzt wußte ich, daß der Staats- anwalt einschreiten würde. Jetzt war der Dolus da, und nun suchte man einen Tatbestand zu konstruieren. Selbst der nationalliberale Führer, Justizrat Dr. Krause, hat die Ansicht ausgesprochen, daß eine strafrechtliche Verfolgung des Ar- tikels nicht möglich sein würde. Ebenso der konservative RcichstagSabgeordnete K r e t h. Der bekannte Professor Hans Prutz hat sich in ähnlicher Weise wie der Angeklagte über die byzantinische Verhimmelung des Hohenzollernhauses ausgesprochen. Und nun frage ich. w a s steht in dem Artikel, auS dem sich die Empörung und Entrüstung herauslöst, die auch in dem Plaidoyer des Herrn Staatsanwalts zum Ausdruck gekommen ist. AuS dem ganzen Artikel sind zwei Worte herausgelöst und an denen werden die Angeklagten auf- gehängt. Der Staatsanwalt meint, der Kaiser könne auch beleidigt werden, ohne daß er im Artikel genannt sei. Aber wo findet fTch auch nur ein Hinweis, eine Beziehung auf den Kaiser? Nirgends! Soll es denn nicht mehr erlaubt sein, Angriffe gegen die Junker zu richten und ihnen ihr Sündenregister vorzuhalten. wie es alle Historiker tun? Nun hat man ferner eine Beleidigung des Denkmalkomitees konstruiert. Ich bitte den Herrn Staats- anwalt. mir zu bestätigen, daß die Herren den Strafantrag erst gestellt haben auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft und eine An- zahl der Herren es sogar abgelehnt haben, den Strafantrag zu stellen. Hierzu gehört auch der Staatsmini st er von Moltke. Der Angeklagte hat den Artikel gerichtet gegen Byzantinismus und ServilismuS und dafür soll er auf l'/h Jahre inS Gefängnis? Ich bin über- zeugt, daß Sie zur Freisprechung beider Angeklagten kommen müssen. Der Staatsanwalt erwidert, der Angeklagte Marckwald sei durchaus nicht glaubwürdig. Marchionini habe von dem Artikel Kenntnis haben müssen. Bei dem Schlußpassus deS Artikels habe der Angeklagte an den Kaiser denken müssen. Redner zitiert eine Stelle aus der„Volkszeitung", wo gesagt sein soll, daß die Sozialdemokratie nur ihren Patriotismus für wahr, jeden anderen für Schwindel erklärt. Wir werden uns das hehre Bild, welches wir von der Königin Luise haben, durch solche Artikel nicht nehmen lassen. Verteidiger Rechtsanwalt Haase: Der Herr Staatsanwalt hat den Wunsch ausgesprochen, daß das Bild, wie es auf Grund der Geschichtslegcnden entstanden ist, im Volke erhalten bleibe. Er wird es aber dem An- geklagten Marckwald nicht verdenken, wenn er auf Grund seiner Kenntnis der Geschichte den Wunsch hat, dieses Bild der Wahrheit gemäß umzugestalten. Ich habe mich vorher über das Strafmatz nicht ausgesprochen, weil ich das nicht für nötig halte. Wenn der Herr Staatsanwalt den Antrag auf Verhaftung stellt, so möchte ich doch darauf hinweisen, daß der Angeklagte bisher nie davor zurück- geschreckt ist, die Folgen seiner Tätigkeit zu tragen. Er würde es weit von sich weisen, sich einer, wenn auch noch so hohen Strafe, durch die Flucht zu entziehen. Auf Antrag des Angeklagten Marckwald wird der vom Staatsanwalt zitierte Artikel über den Patriotismus der Sozial- demokratie verlesen. Hierbei wird festgestellt, daß der Artikel einen ganz anderen Sinn hat, als der Staatsanwalt behauptet. Angeklagter Marckwald: Derselbe Herr Staatsanwalt, dem soeben schlagend bewiesen worden ist, daß er einen Artikel von mir, ganz gelinde gesagt, völlig mißverständlich zitiert hat. hat meine persönliche Ehren- haftigkeit angezweifelt. Er sagt, ich hätte die Verfasserschaft des Artikels erst zugegeben, als mir nichts anderes mehr übrig blieb. Ich habe jedoch, als die Anklage kam, es sofort für meine selbst- verständliche Pflicht gehalten, die volle und alleinige Ver- antwortung für den Artikel zu übernehmen. Vielleicht hat der Herr Staatsanwalt deshalb, weil er mir das Ehrgefühl abspricht, auch meine sofornge Verhaftung beantragt. Ich lege kein Gewicht auf die Ansicht des Herrn Staatsanwalts über meine Ehre. Wohl aber lege ich Gewicht auf die Ansicht meiner Parteigenossen hier- über. Selbst wenn die gegen mich verhängte Strafe noch hinaus. gehen sollte über das vom Herrn Staatsanwalt beantragte Straf- maß. so würde ich mich doch nie dieser Strafe durch feige Flucht entziehen. Mein Verteidiger hat in seinem glänzenden und meines Er- achtens unwiderleglichen Plaidoyer dw j u r i st i s ch e n Gründe zusammengefaßt, welche eine Freisprechung bedingen. Mir selbst wird es, und zwar schon angesichts des hohen beantragten Straf- maßeS, nicht verwehrt werden können, Ihre Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen, wenn ich die Gründe zusammenfasse, die mich moralisch zur Veröffentlichung meines Artikels berechtigten. Schmachvolle Zustünde waren eS in der Tat, welche zum Zusammen- bruch der alten preußischen Monarchie bei Jena führten. Zur Begründung dieser Behauptung berufe ich mich auf den größten Verherrlicher des Hohenzollernhauses, Heinrich v. T r e i t s ch k e. Vom Jahre 1705 an bis zum Jahre 1806 war die auswärtige Politik Preußens eine ununterbrochene Kette von antinationalen Handlungen gegen die deutsche Nation. Immer rief Preußen Frankreich zu ülfe, um ein möglichst großes Stück von anderen deutschen daaten zu erhalten. T re i t sch ke schreibt, der Wettkampf der dynastischen Habgier habe vernichtet, was im Reiche noch vorhanden war an Treu und Glauben, an Pflicht und Ehre. Kaum war die Schlacht von Jena geschlagen, da war der König zum Frieden unter den demütigendsten Bedingungen bereit. Ich will mich nicht eingehend über die Behauptung ver- breiten, daß die Königin Lnise am gebrochenen Herzen gestorben sei. Man hat mir vorgeworfen, ich hätte lein Verständnis für den Sd>merzensschrei einer geprüften Mutter. Aber dann darf es keine Komödie sein, wie in diesem Falle. Die Königin hatte ein- fach die ihr von Hardenberg aufgeschriebene Roll« auswendig ge- lernt. Die Volkserhebung im Jahre 1813 mußte dem Könige auf- gezwungen werden. Würde ein Journalist, der alles dies weiß, seine Pflicht gegen die Wahrheit und gegen die Wissenschaft gröblich verletzen, wenn er anläßlich der Enthüllung eines der Erinnerung an jene Zeit gewidmeten Denkmals nicht den Mut findet, den geschichtlichen Ent- stellungen und Unwahrheiten rückhaltlos ent- gegenzutreten? Den Inhalt des Artikels billige ich auch heute noch vollkommen. Ich habe damit nur meine Pflicht getan. Nach dreiviertelstündiger Beratimg verkündet der Vor- sitzende das Urteil: ES kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß der Angetlagte beabsichtigt hat, mit seinem Artikel die Aufmerksamkeit seiner Leser darauf zu lenken, daß in Memel nicht ein National- d c n k m a l. sondern eine Schandsäule errichtet wird. ES ist vollständig unglaubwürdig, wenn der Angeklagte erzählt, daß er mit dem Ausdruck Schande nur das preußische Dreiklasscnwahl- recht habe treffen wollen. Davon ist in dem Artikel überhaupt nicht die Rede. Die ganzen historischen AuL- führungen sind in dem Artikel nur gemacht, um den An- fang und den Schluß in einen Zusammenhang zu bringen. Die Teilnehmer an dem nationalen Fest sollten herabgewürdigt werden. Als Teilnehmer kam in erster Linie l in Frage der Kaiser. Mit einem Pathos, der in einer Volks- ! Versammlung mehr angebracht ist als im Gerichtssaale, hat der Angeklagte lange historische Ausführungen gemacht. Diese Tat- fachen sind als unerheblich betrachtet worden. Was die Täterschast des Angeklagten Marchionini anlangt, so hat der Gerichtshof den Angaben der beiden Angeklagten in diesem Punkt Glauben ge- schenkt und Marchionini wird daher freigesprochen. Der An- geklagte Marckwald ist bei der Tat mit großer Ueberlcgung vor- gegangen. Er wollte einen Bombeneffekt erzielen. In An- bctracht seiner vielen Vorstrafen erschien eine Gesängnisstrase von 1 Jahr und 3 Monaten am Platze. Der Angeklagte wird sofort in Haft genommen, da kein Anlaß vorliegt, von der Regel abzuweichen.— Auf Antrag des Verteidigers beschließt das Ge- richt, daß Marckwald gegen eine Kaution von 10 000 M. frei- zulassen ist.__ Blann werden die Invalidenrenten erhöht? Allenthatben spricht man jetzt von der großen Teuerung, verlangt oder gewährt Teuerungszulagen, weil mit den festgesetzten Ge- hätler» nicht mehr aiiszntommen ist. „Vater Staat" soll den Gemeinden mit gutem Beispiele voran- gehen, beißt es und den Beamten eine Aufbesserung ihrer Gehälter gewähren. Das ist nicht nur allein Tagesgespräch, sondern wird in manchen Fällen auch bereits pratiisch durchgeführt. Sogar die Pensionen sollen erhöht Werden, wie die deutsche Lehrerschaft jetzt ernsthaft fordert, da die seitherigen Sätze unzureichend sind, der herrschenden Teuerung nicht stand halte» können. Gut l Das alles für die Beamten! Und die Arbeiter? Diese haben kein festes, lein sicheres Einkonniien, statt Teuerungszulagen, jetzt Arbeits- l o s i g k e i t oder Lohnreduktron zu gewärtigen! Und erst die I>i v a l i d e n der Arbeil? Wenn die Pensionen der Beamten nickt mehr ansreichen, die jährlich 1—2000 M. oft betragen, was sollen da erst die Invaliden- und Altersrentenenipfänger sagen? Mit Recht hat unsere Fraktion schon vor 10 Jahren im Reichs- tage bei der Beratung des JnvalidengesetzcS von den ausgeworfenen Hnngerreiitc» gesprochen. Und wie haben sich seit diesen Jahren die wirtschaftlichen Verhältnisse geändert, trotz enormer Teuerung sind diese Hungerrenten geblieben, auch der Reichsznschuh wurde nicht erhöht. Wer denkt bei dem chronischen Dalles der Regierung an die Erhöhung dieieS Zuschusses? Die armen Invaliden müssen deshalb notgedrungen sich mit der erbärmlichen Rente zufrieden geben, die im Höchstfälle beträgt in Lohnklasse I 133 Mark pro Jahr -„ ll lvö.„„ III 102. -» IV 217 m h m V 229..„ DaS sind Durchschnittsrenten und müssen deshalb Tmifende mit noch viel niedrigeren Sätzen zufrieden sein. Renten von 135 M auch in Lohnklasse II und III sind keine Seltenheit. In vereinzelten Fällen sehen auch die Laudes-Versicherungsanstalten selbst ein. daß diese Hungen enten nicht mehr ausreichen, obschon sie niemals aus- gereicht haben. So schreibt die Landes- Versicherungsanstalt „W e i m a r": „Da sich die Höhe der Renten nach Zahl und Höhe der ge- leisteten Beiträge richtet, so sind diese z. Z. naturqemäß noch gering, und schwanken von 115 M. bis 220 M. jährlich. Dieser Betrag erwies sich als zur B e stre i t u ng dernötigstcn Lebensbedürfnisse namentlich in den Fällen als unzulänglich, in denen andere Einkommens- quellen oder die Unter st ützung durch Familien- angehörige nicht zu Gebote standen. Insbesondere traf dies aus alleinstehende Personen zu. denen eS außerdem an einem geeigneten Unterkommen und der erforderlichen Pflege ge- brach." Aus Hunger, auS Not müssen deshalb diese Aermsten ihre letzten Kräfte wagen und ei» neues Arbeitsverhältnis aufnehmen, sofem sie den Unternehmern ihre Invalidität verheimlichen können. Sie werden zu Lohndnickern wider Willen, weit sie ja wenig mehr leisten können. belasten die Krankenkasse» aufs neue, siechen dann früh dahin, da der Rest der Kräfte aufgebraucht ist. Die Versicherungsanstalten geben nur langsam dazu über. eigene Anstalten für Invaliden zu errichten, um dlesen Aufnahme zu gewähren. Sie geben damit zu. daß die Rentenempfänger mit diesen Beträgen nicht mehr auskommen können. Als die Novelle zum Jnvalidengesetz am 1. Januar 1000 in Kraft trat, welche es den Versicherungsanstalten ermöglichte, eigene Jnvalidenheime zu errichten, war es die Versicherungsanstalt „Thüringen", welche dw erste Anstalt zum Preise von 75 000 M. käuflich erworben hatte. Diesem Beispiele folgten bald andere Ver- sicherungsanstalten, so daß nach den„Amtlichen Nachrichten des ReichsversicherungsamteS" Nr. 4 1007 heute die Versicherungsanstalten „Berlin",.Oberbayern".„Schwaben und Neuburg".„Tdüringen". „Braunschweig".„Hansastädte" usw. eigene Jnvalidenheime be- sitzen, neue errichten, zirka 030 Invaliden heute untergebracht sind! Doch was will diese kleinere Zahl bedeuten!! Der Bericht der Vetsicherungsanstatt„Thüringen" gibt unS auch genauen Aufschluß über die Höhe der Pflegelosten eines Invaliden. Die Ernährung beträgt, wobei die einzelnen Speisen genau aufgezählt sind, pro Tag S4 Pfennige, für Wäsche. Miete, Heizung. Taschengeld usw. wurden noch 4t Pfennige pro Tag verausgabt, so daß sich ein Pflegetag auf 1,05 Mark stellt. Man denke, bei eigener Anstalt, bei 14 527 Pflegetagen, rationeller Wirtschaft und Beschäftigung der Pfleglinge nach Möglichkeit, eine Ausgabe von 1,05 M. pro Tag--- 31 Mark pro Monat. Nun beträgt aber die MonatSrente nur 12 bis 16 Mark!! Die Versicherungsanstalten haben deshalb oft mehr als den doppelten Betrag der Rente aukzuwende», um die Renten- empfänger unterzubringen. Aus welchen Mitteln soll nun der„freie" Rentenempfänger diese Zuschüsse leisten? Die Versicherungsanslatt„Niederbayern' schreibt in ihrem Be- richt pro 1006. daß sie auch der Jnvalidenhauspflege ihre Aufmerk- samkeit geschenkt habe. Statt eine eigene Anstatt zu erbauen, hat fie ihre Invaliden in Privaipflege gegeben, und sie bemerkt: „In dem mit dem Aiyl Sl. Jordok in Landshnt sBesitzer und Verwalter I. Filsermoyer) verbundenen Jnvalidenhame der Ver- stcherungsanstalt für Niederbahetn finden Rentciicmvfänger und Rentenempfängerinnen Aufnahme mit bester Verköstigung und Pflege ohne Unterschied der Konfession.' Als Pflege s ätze sind ieitcnS der Versicherungsanstalt für männliche Personen 40 Mark und für weibliche S5 Mark monatlich zu zahlen." „Die Jnvalidenhauspflege verursachte einen Aufwand von 44 349 Mark, wovon 25 158 Mark durch Renten und andere Einnahmen swie Armenpflegezuscbüsse, Uniollrente uiw.j gedeckt lourden, so daß ein Zuschuß von 10 190 Mark verblieb." Die viel größere Veisicherungsanstalt„Schlesien" hatte nur den Betrag von 15 520 Mark für Jnvalidenhauspflege aufgewendet. Da kein eigenes Heim vorhanden, so bat die Bersicherniigsanstalt die Pfleglinge in Privatanstalte» untergebracht. Der Pflegesatz betrug pro Tag 1,06 Marl durchschnittlich,„worauf eine dutchichnittliche Einnahme von 0,42 M. in Anrechnung kam, so daß die Versicherungsanstatt im Durchschnitt täglich einen Zuschuß von 0,64 Mark für jede» Pflegling zu leisten hatte". Die Rente betrug also pro Tag nur 42 Pfennige, während der Pflegesatz 1,06 Mark betrug. Auch die Versicherungsanstalt„Württemberg" besitzt noch kein eigenes Jnvalidenhaus. hatte aber im Jahre 1006 insgesamt 107 Rentenenipsänger in fremden Heimen untergebracht. Sehr billige Pflegesätze boien ihr die vorhandenen Stiftungen, Stifte, die nur 250 M. pro Jahr Pflegegeld verlangen. Die Pflegennstalt Liebenau z. B. I Marl vro Tag Pflegegeld und„ISMark jährlich ffli Bettmiete— zusammen 377 pro Jahr. DaZ Männer- heim Karlshöhe verlangt dagegen 400 M. pro Jahr als Pflegegeld. So kam es, daß die Versicherungsanstalt auf die eigemlichen Renten in Höhe von lv 778 M. nur noch 8938 M. in bar zuichietzen mutzte: weil die grotze Mehrzahl der Invalide» zu einem Pflegesatz vo» 250 M. pro Jahr untergebracht wurden. Doch überall die gleiche Erscheinung! Sehr niedrige Renten und erhebliche Zuschüsse der Versicherungsanstalten zu den Pflegesätzen. Alle Berichte sprechen von einer erheblichen Zunahme der Anträge auf Jnvalidenhauspflege. Kein Wunder I W e r k a n n mit 35 bis42Reichspsennigen pro Tag sich selbst ernähren? Wer soll als Rentenempfänger auch damit noch eine Familie erhalten? Die Hungerrenten schreien förmlich nach einer Erhöhung! Ob der Blocktanzler wohl eine Ahnung davon hat? Soziales. Deutscher Aerztetag 1908. Der deutsche Aerztetag 1S08 wird vom 25. bis 27. Juni in Danzig stattfinden. Als vorläufige Tagesordnung sind folgende Gegenstände festgestellt: 1. Unterweisung und Erziehung der Schul- jugend zur Gesundheitspflege; 2. Bericht der Krankenkossen- tcnnmission über die gegenwärtige Lage auf dem Gebiete der Reform des Kronkcnversicherungsgesetzes. Im Anschluß hieran soll das Verhältnis der Aerzte zu den freiwilligen Hülfskasfen zur Be- sprechung gelangen. 3. Der Beschlutzfassung zu dem von feiten des Verbandes deutscher Lebensversicherungsgesellschaften zur Regelung der zukünftigen Honorierung der hausärztlichen und Vertrauens- ärztlichen Zeugnisse gemachten Vorschläge, sowie eventuell zu dem Entwürfe eines neuen Vertrages mit dem Verbände. Weiter ist beschlossen worden, von einer Kommission an der Hand eines von dieser zu entwerfenden Fragebogens durch Rundfrage bei den Bundcsvereinen eine Ergebung veranstalten zu lassen über die Bc- ziehungen der Aerzte zu den Berufsgenossenschaften. Rechtsprechung gegen Arbcitcrschutz. Am 3. d. M. berichteten wir unter dieser Ueberschrift über die Verhandlung vor dem Kamnicrgrricht. welche die Arbeiterichntz- Vorschriften nicht auf den Wäswebetrieb der Altiengesellschast Kaiser- Eafö und Kaiserkeller angewandt wissen will, weil die Wäscherei als Nebenberrieb des RestaurationsbetriebeS weder eine Fabrik noch eine Werkstätte sei. In diesem Bericht ist infolge eines Druckfehlers als Name des angeklagten und freigesprochenen Diiektors der Aktien- gesellschast Jandorf genannt, in Wirklichkeit heißt er Tonndorf. )Ziis Induftm und k)andel. Aussichten. Im Jahresbericht der Berliner Handelskammer wird die Wirt- schaftslage durchaus nicht sehr optimistisch beurteilt, der Verfasser glaubt aber dock, die Krise werde keine sehr tiesgehenden Wirkungen haben. Es wird in dieser Beziehung bemerkt: Unerfreulich ist, daß die beiden Hauptfaktoren, welche den Rückfcklag herbeigeführt haben: die Teuerung deS Kapitals und die Teuerung der sämtlichen Lebens- bedürsnisse nebst der daraus folgenden Schwächung der Kaufkraft der Bevölkerung, zunächst noch schwer auf dem Erwerbsleben lasten. Indessen fehlt es doch nicht an Gründen, welche eine Milderung dieser unleugbaren Schwierigkeilen erbosten lassen. Die Knappheit des Kapitals rührt wesentlich her aus der sehr starken Anspannung der Gewerbtätigkeit diesseits und jenseits des Atlantischen Ozeans, sowie ferner aus der Er- schütterung deS Kredits in den Vereinigten Staaten. Der geiverb- lichen Tätigkeit ist bereits seit längerer Zeit durch den ganz abnornt hohen Zinsfutz die Bremse angelegt worden; sie wirkte hüben mit mätziger, drüben mit sehr grotzer Kraft, was in der Stillegung zahl- reicher Betriebe oder Betriebsteile, in der rücksichtslosen Entlassung von Arbeitern und in dem überaus starken Rückstrom von Aus- Wanderern aus den Vereinigten Staaten nach Europa zutage tritt. Ist somit auf ein Nachlassen des Kapitalbedarfs in der Industrie zw schließen, so müssen andererseits die gewaltigen Geldsunnnen, welche durch die Kreditkrists der Vereinigten Staaten vom Markte ver- schwunden sind, doch über kurz oder lang wieder zum Vorschein kommen und als Kapital Verzinsung suchen. Aus der Seite des Konsums, der Kaufkraft der deutschen Be- pölkerung, sprechen für eine Erhaltung des bestehenden Standes zu- uächst die günstigen Einnahmen der landwirtschaftlichen Bevölkerung aus den letzten Jahren. Aber auch die hohen Löhne und Gehälter der Arbeiter und Angestellten werden wohl, wie oben dargelegt, im allgemeinen nicht wesentlich zurückgehen. Die Zahl ihrer Bezieher wird vielleicht mit dem Umfange der Beschäftigung der Industrie noch etwas zusammenschrumpfen, doch wird der Kviiservatisinus, den die deutsche Industrie im Gegensatz zum Beispiel zur nordameri- konischen in der Erhaltung ihres Arbeiterstammes zu üben pflegt, dazu beitragen, auch hier Ueberstürzungen zu verhindern, den Arbeitern ihr Brot, der Industrie aber und den Landwirten die breite Abnehmersckaft zu erhalten. Daß die Arbeiter selbst angesichts der abgeschwächten Konjuiiktnr und des reichlicher gewordenen An- gebotS von Arbeitskräften Störungen des sozialen Friedens ver- »neiden werden, ist von ihrer gewachsenen wirtschastlichen Einsicht und taktischen Schulung zu erhosten. Der Absatz nach dem Auslande sieht sich der im Jahre 1906 eingetretenen ungünstigen Veränderung seiner handelspolitischen Bedingungen gegenüber. Die stattliche Zu- nähme seines Gesamtumfanges— für je die ersten neun Monate 1907 gegen 1905 um reichlich eine Milliarde Mark oder etwa um 25 Proz. — kann ja noch nicht als für die Dauer verbürgt gelten, aber sie läßt doch immerhin der Hoffnung Raum, daß unsere Industrie, wenn auch unter manchen Verschiebungen in den ausgeführten Artikeln und in den ausgesuchten Ländern, doch schließlich die ihr notwendige ausländische Kundschaft sich werde zu wahren wissen. Die Hoffnung wird verstärkt im Hinblia auf die niehrerwähnte Ver- besierung der technisck-organisatorischen Voraussetzungen unserer kommerziellen Leistungsfähigkeit. Ihr gegenüber verliert namentlich •auch der vielfach als übermächtig gefürchtete industrielle Wettbewerb ider Vereinigten Staaten auf dritten Märkten viel von seinen Schrecken._ Annullierung von amerikanische» Aufträgen. Im Textil- und Bekleidungsgewerbe macht gegenwärtig die Annullierung von amerikanischen Aufträgen von sich reden. Unter der Einwirkung der sehr günstigen Konjunktur hatte» die Amerikaner auf lange Zeit hinaus ganz erhebliche Aufträge erteilt, ohne dabei mit der Mög- lichkeit einer«bfchwäckuug der Aufliahinefäbigkeit deS amerikanischen Marktes zu rechnen. Infolge der im letzten Viertel des Jahres 1907 eingetretenen Depression hat diese Aufnahmefähigkeit abgenommen und die erteilten Auflräge sollen reduziert oder rückgängig gemacht werden. In den Kreisen der deutsche» Fabrikanten nimmt man zu diesen Annullierungen eine verschiedenartige Stellung ein. Man sucht einesteils auf die amerikanischen Wünsche einzugehen, obgleich man sich sagt, daß ein Teil der amerikanischen Einkäufer die Auf- träge nur annulliert, um bei einem niedrigeren Preisniveau sofort wieder einen Teil der Aufträge neu zu erteilen. Andere Fabrikanten wollen freilich die Amerikaner zwingen, die bestellten Waren inner- halb der verembarten Frist zu den abgemachten Preisen ab- zunehmen. Krise in der Schwarzwäldcr Nhrenindustrie. In Schwenningen, wo heute in einer Anzahl Uhrenfabriken 3488 Arbeiter und außerdem noch 553 Heimarbeiter beschäftigt sind und die Jahresproduktion ö 312 000 Stuck Uhren umfaßt, ist ein starker Mangel an Aufträgen eingetreten, so daß die tägliche Arbeitszeit von O'/e auf 8 Stunden herabgesetzt wurde. Fischmärkte in der Schweiz. Die herrschende Teuerung hat die Behörden in St. Gallen. Winterthur, Schaffhausen, Biel und ver- schiedenen anderen Gemeinden, denen sich noch inimer weitere an- reihen, veranlaßt, den direkten Bezug von Seefischen(aus Geeste- münde) zu organisieren und sie zum Serbstkostenpreise an da? Publikum abzugeben. I» St. Gallen wurden in kürzesler Zeit 30 Zentner abgesetzt an Käufer aus alle» Kreisen der Bevölkerung. Huö der frauenbe�egung. Der Kampf um politische Gleichberechtigung. Daß wir uns der Existenz eines FrauenstimmrechlsverbandeS erfreuen, dürfte den meisten Leserinnen m, bekannt sein. Ein solches Gebilde besteht jedoch nicht nur, eS hat sogar ein besonderes Organ. Dieses erscheint als Beilage zur.Frauenbewegung- und wird redigiert von Dr. Anita Augspurg. DaS Blatt hat vielleicht ein paar Dutzend Abouneiitüinen, von denen auch vielleicht einige die Stimmrechtsartikel lesen. Das ist das, was von der bürgerlichen Fraueuslimmrecklsbewegung zu erwähnen ist. Ein neuer Beweis dafür, daß den bürgerlichen sogenannten liberalen Gründungen keine Kraft, kein Saft innewohnt. Od der Liberalismus den weiblichen oder mälinlichen Unterrock anzieht, er ist immer gleich waicklappig. Und das ist ganz natürlich. Die konservativen und zenlrüinlichen Bestrebungen sind getragen von einer festen Weltanschauung, der Liberalismus der Kopich, Wiemer, Augspurg ist ein Konglomerat von Volkstümlichkeit, Phrase. Inkonsequenz, Großmannssucht und Feigheit. Und daher die Unfruchtbarkeit des Liberalismus, daher der Uebermut der Reaktion. Niemand, der auch nur etwas politisches Verständnis besitzt. kann sich der Einsicht versckließen, daß die augenblickliche Macht und das Selbstbewußtsein der Reaktion eine echte, rechte Blockfrucht ist. Der offizielle Liberalismus hatte es tatsächlich in der Hand, die Wahlrechtsreform in Preußen zu fördern. Die Blockpolitik war die Existenz Bülows. Ohne den Liberalismus konnte die gegenwärtige Regierung nach dem Ausfall der letzten Reichstagswahl nicht weiter wursteln. Der Liberalisinus konnte seine Bedingungen stellen, er konnte, er mußte die Wahlrechtsreform fordern. Was aber tat er? Er erging sich in Bekundungen der Ergebenheit für den Block. Und Ironie der Weltgeschichte: Anstatt daß die Liberalen die Be- dingungen stellten: Bülow akzeptiert unsere Forderungen oder er fliegt, erklärt der Reichskanzler: entweder der Liberalismus kuscht, küßt die konservative Peitsche— oder ich gehe! Natürlich der Liberalismus kuscht! Darf man sich da noch Wundern, daß die Reaktion kühner denn je das Haupt erhebt? Und die bürgerlichen Frauen haben den Liberalen da« Umfallen wahrlich nicht erschwert. In der voraufgegangenen Wahlrechts- bewegung, bei den Wahlrechtsdemonstrationen, hörte man nichts vom Franenstimmrecktsbund. nichts von einer Stimmrechtsbewegung. Die liberale Frauenpartci ist gerade so wie der Blocksreisinn auf das Sprüchlein eingeschworen: Stille, stille, kein Geräusch gemacht! Dabei wollen wir allerdings auch freimütig koustatieren. daß die Anteilnahme der proletarischen Frauen bei den bisherigen Wahl- rechlSattionen uns durchaus noch nicht befriedigt. Gewiß waren Frauen teiltveise massenhaft in den Versammlungen erschienen, aber der große Zug fehlte. Der Kampf für Eroberung des Reichstags- Wahlrechts in Preußen wird in hervorragender Weise zu einer Deinonstration für die politische Befreiung der Frau— wenn diese zielbewußt und energisch in den Kampf eingreift. Auf dem letzten Parteitage ist in der Frage der Taktik dahin entschieden worden, daß bei allen passenden Anlästen die Forderung deS aktiven und passiven Wahlrechts für die Frau erhoben werden soll. Eine bessere Gelegenheit, die Forderung mit in den Vorder grund zu schieben, als die preußische Wahlrechtübewegung, gibt es aber nicht. Daß die Proletarierinnen. daß die klassenbewußte Arbeiterschaft dabei nicht auf nachdrückliche Unterstützung der bürger- lichen Frauen rechnen kann, das hat die Erfahrung bewiesen. Der sogenannte Liberalismus muß naturgemäß ein sehr unsicherer Kantonist auf diesem Gebiete sein. Er steht, wie bemerkt, nicht auf dem sicheren Fundament einer siefgewurzelten Weltanschauung, er jagt nach Wohlfahrtsbröcklein, die vom Tische der Regierung und der Jnnkerclique abfallen; er begnügt sich gern mit einigen Scheiw konzessionen, die seinen eigenen Portemonnaieinteresten nicht schaden und der großen Masse Sand in die Augen streuen. Wirkliche Reformen, allgemeine gleiche Staatsbürgerrcchte für Mann und Frau, müssen in letzter Linie denen zugute kommen, die das Bürgertum als seine wirtschaftlichen Gegner betrachtet. Und da ist es erklärlich, daß der Liberalismus nicht mit Begeisterung und Energie für das Frauenwahlrecht eintritt. Und weil die Klasteninteressen der bürgerlichen Frau mit denen des liberalen Mannes zusammenfallen und viel stärker sind als der moralische Trieb, die Rechtlosigkeit der Frau zu bekämpfen, so können auch die bürgerlichen Frauen sich nicht zu energischen Wahlrechtskäinpfen auf- rasten. ES ist gut, sich da? zu vergegenwärtigen, dann verfällt man nicht auf den irrigen Gedanken, man werde event. von jener Seite Unterstützung finden. Das Proletariat muß sich mit der Tatsache abfinden, daß es den Emanzipationskampf allein durchzuführen hat und die proletarische Frau muß wissen, daß die Eroberung politi- scher Gleichberechtigung mit dem Manne in der Hauptsache ihr Werk sein mutz. �_ Die englischen Frauen ersinnen immer neue Mittel, um vor die Oeffentlichkeit mit ihrem Anspruch auf das Wahlrecht zu treten Letzten Freitag organisierten sie in acht Polizeigerichts- Höfen von London eine Kundmachung. Nach jedem Gericht begab sich eine Delegation von Frauen, nahm im Zuhörerramn Platz und wartete auf die Gelegenheit, daß eine Frau als Angeklagte dem Richter vorgeführt wurde. Ganz gleichgültig, welche Anklage vorlag, die Frauen erhoben sich sofort z» einem lauten Protest dagegen, daß eine Fran verurteilt werde auf Grund von Gesetzen, die nur von Männern gemacht seien. In einigen Fällen ließen die Richter die Frauen hinauswerfen, andere begnügten sich mit Drohungen gegen die Ruhestöreriniien; ein Vorsitzender forderte die protestierende Frau sehr energisch auf..den Mund zu halten". In einem Gericht ließ man sie, als der Frauenrechtlerei verdächtig, das Lokal nicht be- treten. Ein Richter war sehr höflick und erklärte, daß er seines Amtes wallen müsse; die Frauen erwiderten ebenso höflich, daß sie das wohl verständen und nichts gegen seine Amtshandlung einwenden. sondern die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf das Un- recht lenken wollten, welches den Frauen dadurch geschieht, daß man sie nicht als gleichberechtigt ansieht. Versammlungen— Veranstaltungen. RIxdorf. Dienstag, den 7. Januar, abends 8l/z Uhr, bei Tiel, Berg- strahe 151/152. Vortrag. Genosse Skur.Japanische Kultur." Sonnabend, den 11. Januar, Maskenball bei Felsch, Knesebcckstr. 49. Friedenau. DienSrag, den 7. Januar, bei Grube Generalversamm- lung. MilgkiedSbuch mitbringen. Gerichts-Zeitung. Zweierlei Recht? Vor dem Rixdorfer Schöffengericht wurden dieser Tage zwei sehr bemerkenswerte Anklagen verhandelt. 1. In dem einen Fall handelt eS sich um einen hundefeindlichen, gestrengen HauSwirt. Der Hauswirt August Kimmel, der in seinem Hause Treptow. Ecke Elsen- und Kiefholzstratze, eine Schankwirtschaft betreibt, war wegen Mißhandlung der Arbeiterfrau Fischer, einer Mieterin des Kimmelschen HauseS, angelkagt. Der Hauswirt Kimmel hatte dem Ehepaar Fischer befohlen, ihren Hund abzuschaffen. Am 30. Mai vorigen Jahres stand die Ehefrau Fischer mit ihrem Hunde vor der Haustür und wollte soeben die Haustür auf- schließen, um sich nach ihrer Wohnung zu begeben. Plötz, ich nahte der gestrenge Hauswirt Kimmel, machte nockmal auf sein Hunde- verbot aufmerksam und entriß der Frau Fischer mit Gewalt deren Hausschlüssel mit den Worten:„Sie dürfen passieren, der Hund aber kommt nicht rein in mein Haus!" Frau Fischer fragte: „Wie kommen Sie dazu, mir meinen Hausschlüssel wegzunehmen?" Bei längerem Hin- und Herstreiten rief Frau Fischer dem Kimmel zu:„Kommen Sie mir nicht noch einmal so frech, sonst haue ich Ihnen eine in die Fresse." Nach der Aussage zweier Augenzeugen schlug der Hauswirt Kimmel hierauf der Arbeiterfrau Fischer mit der Faust ins Gesicht und ins Genick, daß ihr der Hut vom Kopfe flog. Es sammelte sich eine größere Menschenmenge an, die gegen Kimmel und für die nun ausgesperrte Arbeiterfrau Partei nahmen. Frau Fischer bat einen gerade nebenan schließenden Wächter, ihr das Haus aufzuschließen. Dieser verweigerte jedoch» ihr das Haus aufzuschließen. Wie lange die arme Frau schließlich noch nachts auf der Straße kampieren mußte und ob sie überhaupt mit dem Hunde Einlaß in fraglicher Nacht gefunden, ging auS der Gerichtsverhandlung nicht hervor. Der Amtsnnwalt billigte dem Angeklagten, der von Fran Fischer durch ihr Verhalten und ihre beleidigenden Worte gereizt worden sei und in der Erregung gehandelt habe, mildernde Nm- stände zu, hob hervor, daß die Tat des Angeklagten einer Frau gegenüber eine ziemlich rohe sei und beantragte 25 M. Grldstrafc. Tos Gericht kam gar zu einem freisprechenden Urteil. In den Gründen hieß es. der Angeklagte sei von der Frau Fischer gereizt und beleidigt worden und habe eine Beleidigung mit einer leichte» Körperverlehung auf der Stelle erwidert. Mithin sei er zwar für schuldig aber für straffrei zu erklären. Uns dünkt, eine Verurteilung wegen roher Beleidigung und wegen Nötigung hätte dem Rechtsempfinden mehr entsprochen, dem Gesetz nicht widersprochen. 2. In dem zweiten Fall vor demselben Gericht war nicht ein Hauswirt, sondern ein einfacher Handelsmann Max Braun an- geklagt. Der Fall interessiert auch durch die hineinspielende Frage' Ist ein Butterbrot ein gefährliches Werkzeug? Der Angeklagte kam am 14. Oktober 1907 von einer Geschäfts- tour durch die Emserstraße. Er hatte stark gezecht und befand sich in sehr ausgelassener Stimmung. Er begegnete den Arbeitern Kühn, Jäger und Halpcrt. Aus Uebermut schlug er diesen mit einer großen Stulle eines Bauernbrots im Vorübergehen ins Ge- ficht. Von einem Schutzmann wurde er zur Wache gebracht und Anklage wegen tätlicher Beleidigung gegen ihn erhoben. Der Amtsanwalt hält eine solche Belästigung von Passanten für eine große Roheit, die eine ganz exemplarische Strafe verdient und be- antragt 2 Wochen Gefängnis. Auch das Gericht schloß sich dieser Ansicht an, ging aber noch über den amtsanwaltlichen Antrag hin- aus und verurteilte den Angeklagten zu 4 Wochen Gefängnis. Der gewiß nicht schöne und nicht zu billigende„Scherz" dürfte eher als grober Unfug wie als Beleidigung anzusehen sei. Sicher- lich wird die Konstruktion der Stulle zu einem gefährlichen Werk- zeug lebhaftes Bedenken erregen. Wie viele Studenten würden im Gefängnis sitzen, wenn wegen ähnlicher Radantaten gegen si« gleich hohe Strafen ausgeworfen würden! Ein eigenartiges Jagdabcntcuer führte gestern den Berliner Schriftsteller HanS H y a n unter der An« klage des Jagdvergehens vor oic 1. Strafkammer des Landgerichts III. Hyan hatte am 20. Juni v. I. auf der Jagd einen Rehbock geschossen, diesen aber nicht so getroffen, daß er auf der Stelle verendere. Der Bock tat sich vielmehr unweit des Schützen schwer verletzt nieder und Hyan hetzte nun seinen sehr scharfen Hund auf das kranke Wild. Jetzt wurde der Bock flüchtig und ging über die Grenze in die königliche Forst. Dort faßte und würgte ihn der Hund, worauf das gut dressierte Tier durch lautes Bellen, beim Bocke stehend bleibend, seinen Herrn herbeirief. Der Jäger ging nun. unter Zurücklaffung seines Gewehres, in den Wald hinein, um seinen Hund zu holen. Bei ihm angekommen, sah er, daß der Rehbock noch mit den Läufen schlug, und fing nun den Bock ab, um dessen Qualen zu beenden und um ihn auch für den recht- mäßigen Besitzer, nämlich den Forstfiskus, zu sichern. Dann rc- quiriertc er einen Wagen, fuhr nach der zuständigen Försterei und brachte den Förster Schulz mit seinem Fuhrwerk zu dem erlegten Wilde hin. An Ort und Stelle angekommen— es war inzwischen 11 Uhr nachts geworden—, übergab er dem Förster den Bock, ja, er half ihm denselben noch aufbrechen. Trotzdem wurde Hyan von dem Vorgesetzten des Schulz, dem Oberförster Brewer, wegen Jagdvergehens zur Anzeige gebracht. In der vom Ober- förster selbst geleiteten Voruntersuchung wurde behauptet, H. habe die Absicht gehabt, sich den Bock anzueignen.— Dieser Vorfall. der für die Jägerwelt ein über die Person des Angeklagten hinaus- gehendes Interesse hat, war seinerzeit in Liebenwalde Gegenstand einer Schösfengerichtsverhandlung. Der vom Rechtsanwalt Dr. Halpert verteidigte Angeklagte wurde dort zu 10 M. Geldstrafe verurteilt. DaS Gericht hatte sich allerdings auf den vom Sach- verständigen, Schlotzverwalter Dehnickc in Königs-Wustcrhausen, vertretenen Standpunkt gestellt, daß Hyan jede eigennützige Ab- sichj ferngelegen habe, hatte indessen in der Tatsache des AbnickenS eine Art der Jagdausübung erblicken zu müssen geglaubt und war so zur Verurteilung gekommen.— Einen wesentlich anderen Standpunkt nahm die Berufungskammer ein. Zum Termin waren außer Herrn Dehnicke noch der Jagdvcttvalter Haß und von feiten der Staatsanwaltschaft wiederum Oberförster Brewer als Sachverständiger geladen. Nach Schilderung der Sachlage durch den Angeklagten, dein voller Glauben beigemessen wurde, und Bc- leuchtung der Rechtslage durch Rechtsanwalt Dr. Halpert, glaubte der Gerichtshof auf die Sachverständigen verzichten zu können. Es wurde als erwiesen erachtet, daß sich zwar der Angeklagte der Jagdausübung durch das Abnicken des Bockes objektiv schuldig gemacht habe, daß ihm aber andererseits das Bewußtsein einer solchen Handlung und somit der Verletzung einer fremden Rcchtssphäre vollständig ferngelegen habe. Er habe im Gegen- teil geglaubt, das Interesse seines Reviernachbarn zu wahren und tatsächlich alles getan, was dazu dienen konnte. Deshalb wurde auf Freisprechung erkannt und die Kosten wurden der Staatskasse auserlegt. Für einen schweren Straßenunfall wurde gestern der aus der Untersuchungshaft vorgeführte Kutschet Albert S t i ck e l vor der 5. Strafkammer des LangcrichtS I zur Verantwortung gezogen. Die Anklage lautcic auf fahrlässige Tötung. Als am 11. November an der Haltestelle der Straßen- bahn an der Ecke der Münz- und Schönhauser Straße verschiedene Personen vor dem Straßenbahnwagen standen, um ihn zu besteigen. stieben sie plötzlich auseinander, da sie sahen, daß der Angeklagte mit seinem schweren Lastwagen im Trabe dahcrgefahren kam und ohne Rücksicht auf die am Straßenbahnwagen harrende Menge sowie unter Mißachtung des strengen polizeilichen Gebots, an haltenden Straßenbahnwagen langsam vorbeizufahren, im schnellen Tempo zwischen Straßenbahnwagen und Bordschwelle sich hindurch- zwängen wollte. Mehrere Personen, die in dringender Gefahr waren, retteten sich noch durch schnelle Flucht auf den Bürgersteig; einem 73 Jahre alten Mütterchen, der Frau Lanzke, gelang dies aber nicht mehr Sie wurde dicht an der Bordschwelle von einem der Pferde erfaßt und zu Boden geworfen. Der Angeklagte hatte die Herrschaft über die Pferde gänzlich verloren, er vermochte den Wagen nicht zum Stehen zu bringen und so ging denn Vorder- und Hinterrad des mit 80 Zentner belasteten Wagens über die Un- glückliche hinweg. Sie ist bald darauf gestorben.— Das Gericht hielt eine ganz exemplarische Strafe für einen so rücksichtslosen Wagenführer am Platze und verurteilte den Angeklagten zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis. Von ähnlich hohen Strafen gegen rücksichtslos« Autobesitzer ist uns nichts bekannt. Unferm Genossen 23746 Panl Thlelmann zu seinem Geburtstage die herz lichsten Glückwünscke! Die Genossen des 398. Wahlbezirks. V_ J Unferm Kollegen 23756 Qusfav Otte ein donnerndes Hoch zu feinem 50. Geburtstage! Die Steinmetzen Otto Metzlng Nfg. SoziaideinokratisciierWalilvereiii des 2. Berliner WaliMes. Am Freitag, den 3. Januar, verstarb nach kurzem Leiden unfer Mitglied, der Buchbinder Fritz John. Ghrc feiuent Andenke»! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 7. Januar, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichenballe des katholischen St. Mathias- Kirchhofes, MarienhöhedeiMmien- darf, aus statt. 210/1 Der Torstand. Todes-Anzeige. Am 4. Januar, abends 6 Uhr, entschlief nach schwerem Leiden mein tnnigstgeliebter Mann, unfer guter Vater, der Sattler frdtfl! Kästoer im 56. Lebensjahre. Die tiefbetrübte Gattin nebst Kindern. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 8. Januar, nach- mittags>/z3 Uhr, von der Leichen- Halle des Simons- Kirchhojes, Britz, aus statt. 2385b Verband der Sattler Ortsverwaltung Berlin. Am Sonnabend, den 4. Januar, verstarb nach langem Leiden unser Mitglied 156/2 Ehrhard Kästner (Werkstatt C. Heining Höht.) Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. Januar, nachmittags 2,/3 Uhr, von der Leichen- halle des Simeon-Kirchhoses in Britz aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Ole Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme bei der Beerdigung unserer leben Tochter Ell» sagen allen herz- ichsten Dank. Albert Druf u. Frau. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, das! mein lieber Mann und unser guter Vater, Onkel, Bruder und Schwager, der Kasfiercr des Tertilarbeiter-VerbandeS Georg Treue nach langen, mit großer Geduld ertragenen Leiden am Sonntag, den 5. Januar, an Herzlähmung verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 9. Januar, nach- mittaas 2 Uhr, vom Tiauerhause in Lichtenberg, Kronprinzenstr. 47, nach dem Gemeinde-Friedhose, Bornidstraße, aus statt. Dies zeigen um stille Teilnahme bittend triesbetrübt an 15402 Ww. Pauline Treue nebst Sohn. Äzlaiiletiiolll'altskItei'Valilvenüll kirr den veiirK Lichtenberg. Den Parteigenossen zur Nach. richt, daß unser Mitglied, der Kassierer des Textilarbeiter- Verbandes Georg Treue verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 9. Januar, nach- mittags 2 Uhr, vom Traucrhause Kronprinzenstr. 47, aus statt. Um rege Belelligung ersucht 14/1 Der Todesanzeige. Am Sonntag, den 5. Januar, früh 3 Uhr, verstarb nach zwei- jährigem Leiden unser früherer langjähriger Kassierer Georg Treue im Alter von 47 Jahren. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet am Donnerstagnachmittag um 2 Uhr vom Trauerhause aus. Krön- prinzenstr. 47 in Friedrichsberg, aus dem neuen Lichtenberqcr Friedhof statt. 197/1 Der Vorstand des Deutschen Textil- Arbeiter-Verbandes. Danksagung. Für die rege Beteiligung und die reichen Kranzspenden bei der Beerdi» gung meiner lieben Frau I-lnn Bdrst sage ich allen Bekannten und Ver- ivandtcn, insbesondere dem Verband der freien Gastwirte, dem Personal der Jndustria, dem sozialdemokratischen Wahiverein deS dritten Kreises, dem Verein Kucki und der Privat-Theater- gesellschaft meinen innigsten Dank. 23736«tto Bit r st, Gastwirt. ZeotraI-Kraol(eD-D.Sterbel;asse der Zimmerer Dentseblands. (Eingeschriebene Hülsskasse Nr. 2.) Am Sonntag verstarb im Alter von 71 Jahren unser langjähriges Mitglied, der Zimmerer (justav Glagow. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 7. Januar, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- balle des Schöneberger Friedhofes, Maxstraße aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 259/1 Der Borstand. Danksagung. Für die mir bewiesene Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Zimmerers Mann Schwarz sage allen Verwandten und Bekannten meinen herzlichsten Dank. Luise Schwarz 23836_ nebst Kindern. Kinmtn- lind tzrailtbinberti von ködert Meyer,. not Mimlnuleu-Straße 2. Liepnersche Sterbe- nnd Krankenunter- ftÜtzNNgkasse S!r. S3. Mittwoch, de» 13. Januar er., abds 8 Uhr, im Kassenlokal, Linienstr.8: General- Versammlung. T ages-Ordnung: 1. Rechenschajtsbericht der Revisoren. 2. Neuwahl deS ausscheidenden Vor- stehers. 3. Neuwahl des ausscheiden- den Revisors. 4. Besprechung über 34 der Satzung. Der Borstand. Verelnslians! Großes Vereinzimmer sür Sonn- abende.auch kleines Zimmer und Kegel- bahn noch einige Tage srei. Fritz Bohso, X. 31, Brunnenstr. 41. Gewerkschaftlich organisierter Gastwirt. und Orts- Krankenkasse der ir. verwandter Gewerbe zu Berlin. Die für das Jahr 1908 gellenden Vertreter obengenannter Kasse werden zu der am 270/2 Donnerstag, den 16. Januar er., abends im bleuen Klnblianse Kommaiidantcnstr. 72, stattfindenden OrdentliclieB General-Versanunliing hiermit eingeladen. Tagesordnung: ErgänzungSwahlen zum Borstand. Die Wahlveisammlungen finden in getrennten Räumen statt und zwar V."" ArdeiwiMr- Vorstandsmitgliedern und drei Stell- Vertretern pro 1908/t909, " 8 W"" Zrdeiigkdtt- Vorstandsmitgliedern und zwei Stell- Vertretern pro 1908/1909. Im Anschluß hieran findet um g'/z Uhr die gemeinschaftliche Genesalveseaniliilling statt mit der Tagesordnung: 1. Wahl eines Ausschusses zur Vor- Prüfung der Jahresrechnung pro 1907. 2. Vorlegung des mit dem Verein Berliner Kassenärzte abzuschließenden Vertrages. Die Türen zu den Wahlräumen werden während der Wahl geschlossen. Berlin, den 5. Januar 1908. Der Vorstand. Gustav Rahtvw, Vorsitzender. Paul Dorist, Schriftführer. Die für Tonnerstag anberaumte Bercinsversammlung findet erst am Dienstag, den 14. Januar, statt. Wir bitten die Vertrauenspersonen, davon Kenntnis zu nehmm und den Mitgliedern dies bekannt zu geben. Zu der am Sonntag, nachmittags 4 Uhr, stattfindenden Jubelfeier des„Festes des Zehntausend" gelten für unsere Mitglieder die Quittungsbüchcr als Legitimation. Ohne dasselbe keine» Einlast, Gäste haben keinen Zutritt. Der Gamrorstand. Albert Massini, Vorsitzend». H.& P. Uder, Berlin SD, Ift, Sngel-Gfcr 5. Tabak-Grodiandlnng und Tabakfabrik. r Rauch-, Kan-.Schnnpffabake, Zigarren, Zigaretten.~dW Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiedervertäufer.• Größte Auswahl gelagerter Zigarren in allen Preislagen. retten zu 0fl9in�p'e�- L e i h- Haus Friedrich-Karl- Pla]z72. ..., Beleih, v. Brillant., Gold- u. Silbersach. - Charlottenbwrg= Uhren, Büch., Wäsche. Kleidungsst. rc. Pelzwarenliaus des Westens von E.P. Jokisch, Kürschnermstr., Hohenstaufensfr. 63, nahe Wimerfeldtplatz. Inventupw Ausverkauf. PeSzmuffen Jeglicher Art besonders billig, Pelzstolas sowie Pelzjacken zu bedeutend herabgesetzten Preisen, seltenes Angebot, grelle Auswahl. Zalm-Klli. beliebige Dell- zahlung. Olga Jacobson, 8't;Xid,e;6-. Ortaverwaltnng Berlin. Bureau: Berlin N. 54, Brunn enstt. 188, Restaurant Wille. Amt lila, 4835. Aetituux! Wir empfehlen bei Veranftallung von Vergnügen usw. den geehrten Borständeu. Komitees und Saalinvaberu unseren kostenlosen Arbeitsnachweis, Brunnenstratze 188. Geschäftszeit titgltch von 10'/,— I Uhr mittags. Kapellen vom grbßtm bis kleinsten Orchester stehen jederzeit zur Verfügung. Der Vorstand. KkeumstismuL Gicht-, Gliederreillen, Nervenschmerzen, Hüftweh etc. sind oft unerträglich. Deshalb gebrauche man PeZeftels JlMriKlltn" (Aelherisches Kiesernadel- Wald- wollöl). Einfaches u. unschädliches Naturprodutt von starler durch- greifender, schmerzstillender Wir- tung. lausende verdanken ,.EIek- trikum" ihre Gesundheit, Fl. f.— u. 2.—. Die Wirkung wird noch erhöhl durch d. inneren Gebrauch von lleioheis Wachholder-Extrakt „Medice", Fl. 75 Pf., M. 1.50 u. 2.50, in den Drogerien und Apotheken erhältlich u. zu bezieh, durch Otto Reichel, Stllf Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Plg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Plg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. j Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN fllr die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-E peditlon, Lindcnstrasse 69, bis S Uhr angenommen. Verkäufe. DepPitdemttFarbenleblernJadrtk- Niederlage(Brcfce ftrnnffnrurftrafc» 9, parterre kein Laden. Mauerboss, fit Gardinenvau» Grolle Frankuirler- ftraße S. parterre. Kein Laden. Mauerhoff. 19 Ttevvdecken billigst Fabrik Große Frankiurterstraße 9. parterre �t DotalauSderkans meines EngroS- »lid Filialenlagers: Gadrinen, Stores, Tüllvettdecken 10 bis 20 Prozent Rabatt. E. WcißcnbergS Teppich- Haus. Große Franksurterslraße 125. Teppiche mit Farbensehiern zum vollständigen Ausverkauf jetzt mit 10 Prozent Extrarabatt. Große Franksurterslraße 125. 851i� Dotalausverkauf meines Engros- und Filialenlagers: Tuch- und Plüsch- decken, Beloctine- und Plüschporticrcn in allen Preislagen durchweg mit 10 Prozent Ertrarabatt. Große Frank- surterstraße 125._ seSV* Gteppveckcn, Fabrikmuster, Stück 3,25. 3,85. 4.85. 5.50. 6,50, 8,50 usw. E. Wcißcnbergs TcppichhauS. Große Frantsurlerstraße 125. 57K� Läuferrefte, jetzt spottbillig. slraße 125. 4 bis 6 Meter lang, Große Frankfurter- 88SI* Reste sür Sosabezügc ausreichend, Wolle und Plüsch, mit 10 Prozent Rabatt. E. Weißenbergs Teppich- Haus, Große Franksurterstraße 125.* Kelle, Bettvorleger, große Auswahl vo» 1,25 an. Große Jranksurter- ftraße 125.__ 90ft* Nähmaschinen. Vergüte bis 20.00 wer Teilzahlung kaust oder nachweist. Sämtliche Systeme. Postkarte genügt. Brauser, Frankfurter Allee tOI, Laden.__ 297011* Gaskronen, Petroleumtronen ohne Anzahlung, Kochet, 00. LouiSBöttchcr (selbst): Boxhagenerstraße 32(Bahn- Verbindung Warschauerstratze), Rei« Gekendorserstraße 116. Schönhauser Allee 80. Potsdamerstraße 81. Rix- dors. Kaiser Friedrichstraße 247.» Steppdecken ipollbillig. Fabril Grog« Franljurterilraße 60. 29S3K* Hygienische Bedarfsartikel, billigste Bezugsnuellc. Drogerie Weinbergs- weg 1. SöK* Möbelfabrik. Oranienstraße 58, direlt Moritzplatz. In meinen fünf Etagen stehen komplette Wohnungs eiiirichtungen in jeder Preislag« vom Einfachsten bis zum Elegantesten. Besondere Gelegenheit biete ich in verliehen gewesenen, fast neuen Möbeln, die bedeutend herabgesetzt find. Besichtigung erbeten, ohne Kauf. zwang. Aussallcnd billig verlause ich ShaisetongueS 20, Schlaf- sosa 33, Sattettaschensofa 45, Paneelsosa 55, hochelegante Gar nitur 75, Säulentrumeau 33, Bettstelle mit Matratze 16, AuSzieh- tisch 18. Muschelspind, Verttlo 30. Gekaufte Möbel können drei Monate kostenfrei lagen,. Teilzahlung gc stattet. Kein Laden, dirett Fabrik. Auch Sonntags geöffnet. Muster> buch gratts._ 2892 l!' Deppilvek(jebierdasle) m allen Größen sür die Häisle deS werieS im Teppichloger Brünn. Hackelcher Mark! 4. Babnbos Vörie. 264/11» Mobeltiichlcret liefert gediegen, Wohnungseinrichtungen äußerst billig Bunte Küchen. Auch Ratenzahlung. Kein Laden. Harnack, Tischlermeister. Dresdenerstraß« 124. nahe Koilbuler Tor. Genossen erhalten 3 Prozent.* Winterpaletat». Gehrockanzüge, Jackettanzüge, Bettenverkauf. Gar- dtnenverkaus. Wäscheverlaus, Pfänder- verkauf, Verschiedenes spottbillig. Psandleihhaus, Weidenweg neunzehn. Metallbettcn- Kinderbetlftelle. Kinderwagen, gebrauchte, zurück- gejetzie. Schneider, Kursüriten- straxe 172(Dennewitzstraße). K3K» GaSheizösen k k k Sparsyftemc! I 6,00. Gcschloiienc Zweilochgaskvcher l 5,00. Gasbügelapparate billig. Bronzegaskronen! I Gaszuglaiistitn! 9.00. Gaslyren I Vit- Wohlauer. Wallnertheaterftraße 32._ 65K* Seltener Kauf l Damenjacketts, Paletots, Kostüme, Mäntel(Reise- muster), teils aus Seide, durchweg 9 Mark. Julius Neumann, Belle- allianceftraße 105._ 73K* Krankheitshalber verkaufe meine Möbel zu spottbilligen Preisen. Arndt, Grünerweg 72. j-lt Restauration mit vollem Aus- schank, zwei BereinSzimmer, zwei Kegelbahnen krankheitshalber unter günstigen Bedingungen zu verkaufen. Näheres Gross, Kaiserstraße 17. t44 Nähmaschinen kaufen Sie immer 20 Mark billiger im großen Näh- maschlnen-VcrkaufZ-Gcschäst.E.kkuntzc, Mechaniker, Langcslraßc 9.V__ f63r �llnznge» Paletots, zurückgebliebene Matzsachen nach Inventur sür die Hälfte des sonstigen Wertes. Bluhm u. Co., Friedrichstraße 212 I. Kein Laden l___ 23806 Konkurrenzlos! Anzüge nach Maß mit Anprobe nach Inventur Serie l 38, Serie II 42, Serie III 45. Bluhm u. Co., Englische Herrenmoden. Fricdrichstraße 212, I. Etage. 2379b Umzugshalber verkaufe Bett stellen, Spinde, Sofa, Spiegel, Tisch, Stühle, Uhr. Bilder, Gaskrone, Näh- Maschine, Steppdecken, Küchensachcn spottbillig. Schuhmann, Waldemar straße 27, vorir l._ 2381b Wirtschafts-Lachen v erkauft wegen Auswanderung Koopmann, Swine- münderstraße�tt_______ t60 WinterpaletotS! Jackettanzügc, Gehrockanzüge, Psänderverkauf.Ricsem auswahl! Ilhrenoerkaus, Schmuck fachen. Bettenverlaus, Ääscheverkaus, Gardincnverkau s. Tcppichverkaus! Allerbilligste Kausgelegenhctt I Pfand- leihbaus Hermannplatz 6. Sonntags ebenfalls geöffnet._ t57* Restauration sofort zu verkaufen, geht gut, sehr billig. Paul Strenger, Wcißenburgcrftraße 74._ Restauration wegen Todessalls sofort billig zu verkaufen. Geht gut. Miele mit Wohnung IlOO Mark. Brauerei Hilst. Bönning, Tilsiler- ftraße 69.-s34 Lokal mit Tanziaal verlaust Leh mann, Licbcnwalocrstraße 36. v65 Nestauration, Rixdorfi großes BereinSgeschäst, Miete 3000,"/., Preis 5500, Brauerei gibt 2000, ver- taust Bollralh Co. Elsasserslraße 21. Matraue«, 2 saubere, 90 breit, verlaust sehr billig Fetting, Tempel- hos, Neuestraße 5. 2378b Sofa, Plüschbczug. nagelneu, 40,00, 48,00. Herbst, Tapezierer, Gips- ftraße 31. 2887b WinterpaletotS, Anzugeoerkaui, Uhrcnverkaus, Goldsachen, Silbersachen spottbillig PsandleihhauS, Küftrincr- platz 7._ 82ft* Federbetten, Stand 11,00, große 16,00, Wäsche, Decken, Gardinen spottbillig PsandleihhauS, Küstriner- platz 7.__ 81K» Kinderwagen, Krnderöettstelle. Sommer, Wienerstraße 51. 2275b* Grünkramgeschäft verkaust billig. Große Wohnung, billige Miele, auch mit Fuhrwerk. Wegen Uebernahme einer Schlächterei. Gropiusstraße 1, Gesundbrunnen. f77 PianinoS in allen Sttlarten, neue. gebrauchte, 150 Mark an. Teil- zahlung. Weberstraße 1—2, Piano. sabrik. 99/16* Elsholz. Kamiker, frei. straße 6. GropiuS- 2272b* Boltssänger- Gesellschaft»Henry Salze". Manlcustclstruße 41.-sß Paienifliiiuati Wenet. ftralie 94a. Gittchiner. 255öK' Lernt die Muttersprache beherrschen! Erfolgreichen, leicht faßlichen Unterricht in Wort und Schrift der deutschen Sprache erteilt Damen und Herren (separat) auch abends ein tüchtiger und gewissenhafter Privatledrer. Die Stunde kostet eine Mark. Eine Unter- nchtsitunde wöchentlich genügt Gefällige Angebote find unter G. 4 an Erpedttion des.Lorwärts" zu richten. Klavier-, Violin-. Gesang-, Man- dolinen-, Zitherunterricht. Monats- Honorar 4,00 an, höchste Ausbildung. Jahresbesuch: 905 Schüler. Gor- mannstratze l(Rosenlhalerslraße).* Ersten Osterseierlag Saal mit Theaterbühne(Harmonie) Invaliden- ftraße la zu vergeben. B. Hcnsel. 'Die Beleidigung gegen Herrn Bud- zinsli nehme ich zurück, erkläre ihn sür ehrenhaft. E. Heidrich, Zossencr- straße 55.__ t94 Komiker, billig, wohnt Köpnicker straße 147. Schwartz. 2376b Vermietungen. �Vobnunxen. Prächtige Balkonwohnungen sosorl zu vermieten Soldinerstr. 32. 2992K» Dreizimmer-Wohnung sofort Wiü mersdors, Wilhclmsaue 105, beim ___ Portier._ t9ö.___ J_________ Vcrantworilichcr Redakteur: Hans Weder, Berlin. Für den Lnseratentcil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Berlaa:Borwärt»Buchdruckeret u. Berlagsanftalt Paul Singer Lc Co., Berlin SWt Zwei Stuben und Küche vorn, eine Swbe, Küche Ouergebäude billig vermietet Osten, Mainzerstraße 17. Zimmer. Möbliertes Zimmer sür 1—2 Herren zu vermieten Nostizstraße 52, IV links. 2313b Möbliertes Zimmer, 1-2 Herren, herrliche Aussicht. Baumschulcnweg. Trojanstraße 6 II. Bahnhof. t894b Möbliertes Zimmer, schöne ÄuS- ficht, Woche 3 Aiarl, Kncsebccksttaße 67. Hinterhaus 1, Müller.-j-5? Schlafstellen. Möblierte Schlafstelle vermietet Frau Jacobcy, Wiesenslraße 10. Iii.» Schlafstelle, Balkonzimmer, 13,00 inklusive, Urbanstraße 65, rechter Ausgang II.__ 21756 Schlafstelle Wallstratze 35, vörnIII. Schlafstelle"uisenuser ls. Vicrentc Mietsgesuche. Möblierte Zimmer in der Nähe deS Gvwcrlschastsbauscs sür die Zeit vom 12. Januar bis 15. Februar gesucht. Offerten mit Preisangabe an Joh. Sassenbach, Engeluser 15. 300/1 �.rbeitsmurkt. Stellengesuche. Bicrabzteher sucht noch Beschäs- tigung. Postkarte. Hcinrttz, Winter- seldlstraßc 27_ 768 Tchneideri» sucht Beschäftigung. Frau Guckenburg. Gräsestraße 65». vorn IV._■j04 oder Bureau-Reinigung Kontor sucht Lau. Rixdors. Goethestraße 12. Bitnoer Sindtiiewiei diite, an, Arbeit Ltüdie werden abgebotl und iirnckgetieiert A. Gläier. Maiack- t age 27 l468b Stellenangebote. Paiispapiernrbeiter, mit der Fabrikation vollständig vertraut, sür größeren Betrieb gesucht. Offerten mit Lohnansprllchen und oussühr- lichcn Angaben über die bisherige Tätigkeit unter H. 5 an die Expedition dieser Zeiiung erbeten. 2377b Lkhrsräulein verlangt Danicir» schneideret Schulz, Neue Schönhauscu» straße 5. 292/S Betcgerin verlangt Kursürstenstt-aße 7. Leistensabrik, 29/15 Boteniraiicn finden dauernde und sehr lohnende Beschästtgung Pols. damersttaße 33. 99/6* Botenfrauen finden dauernde und sehr lohnende Beschästtgung Alt» Moabit 13S, Laden. 98/19» Botensraur» finden dauernde und sehr lohnende Beschästtgung Schöne» berg, Borbergstraße 8, Laden. 93/20* Im Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten SV Pf. die Zeile. Selbständiger Werkmeister und Zuschneider von größerer Gama�cheu- fftOctf in Süddeulschland zum baldigen Eintritt gesucht. Die Stellung ist dauernd und wird bei guten Leistungen sehr hoher Gehalt bezahlt. Offerten und event. Zeugnis- abschrislen unter ,.S). 4(M>5" an Haasenstein u. Bogler A.- G.. Frankfurt a. Main. 200/15 Deutscher Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. Wegen Streik» und Differenzen ftnd gesperrt: Für vergoider: Seifert a. Beier Huselandftraße. Für Korbmacher: Schürwagen Fruchtstr. 61. Werner. Paliiaden- slraße 91. Lettlost. Teitower. ftraße 31, Holze, Oranienstraße Habitz, Laüfitzerslraße, Lemke Köpenick, Schloßstr. 6. 77/1'. Die Ortsverwaltung deS Holzardeitcr-Bcrba.-de» Nl. 5. 25. Jahrgang. 2. Kilqt Ks ,|on«iirto" Sttliiitt Pollioliliitt. Iltnstag. 7. Jaunar 1908. BscoJiiSöe Hm Mtwoch findet für Berlin und Vororte der Zai)labend ftatt. parte!- 5Zngelegenkeiten. Wilmersdorf. Am Mittwoch, den 8. d. M„ abends 8'/z Uhr findet die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tages- oronung: l. Bericht des Vorstandes, des Kassierers und der Spe- dition. 2. Neuwahl des Gesamtvorstandes. 3. Vereinsaugelegen- heilen. Verschiedenes. Vor Beginn der Versammlung werden die Bezirkssührer Beiträge entgegcunehinen. Zur Erledigung einer dringenden Parteiarbeit ersuchen wir die Genossen, um 6 Uhr an demselben Abend sich in ihren Bezirks- lokalen einzufinden. Genossen I Die Notwendigkeit der Parteiarbeit sowie die Wichtigkeit der Generalversaininlung erfordert es, dag alle Genossen zur Stelle sind.' Der Vorstand. Steglitz. Da am Mittwoch der übliche Zahlabend stattfindet, fällt die Verjaininlung aus und wird in allen Bezirken reger Besuch erwartet. Trcptow-Baumschulenwcg. Die heutige Versammlung fällt aus. Zum morgigen Zahlabend werden die Genossen ersucht, unter allen Umständen eine Stunde früher zu erscheinen. Der Vorstand. Der Zahlabend am Mittwochabend findet Umstände 7Vz Uhr statt und zwar in folgenden Lokalen: Köpenick. halber bereits um Altstadt: Augustin. Grünstr. 14: Kietz-Vorstadt: Zeidler, Müggel- heinier Strafie 29! Cöllnische Vorstadt: Seidel. Grünauer Stratze 31; Damm-Vorstadt: Ritter, Bahnhofstr. 44.— Wir ersuchen dringend. zur festgesetzten Zeit anwesend zu sein. Der Vorstand. Erkner. Die Genossen werden darauf hingewiesen, daß am Mittwoch, den 8. Januar, die Generalversammlung des Wahlvereins stattfindet. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es dringend not- wendig, daß alle Genossen erscheinen. Kaulsdorf. Den Genossen zur Kenntnis, daß am Mittwoch Zahlabend stattfindet. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand.' Pankow. Die Generalversammlung des Wahlvereins findet heute abend y.ß Uhr im Gesellschaftshause, Kreuzstr. 3/4, statt. Tagesordnung:' 1. Bericht des Vorstandes und der Revisoren. 2. Stalutenberatung. 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Stellung- nähme zur Kreisgeneralversammlung. 5. Verschiedene«. Die Genossen werden dringend ersucht, zahlreich und pünktlich zur Stelle zu sein. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Wilhelmsruh. Den Genossen zur Nachricht, dah die Mitglieder- Versammlung heute nicht stattfindet. Dafür wird den Genossen zur Pflicht gemacht, morgen Mittwoch den Zahlabend bei Barth. Viktoriastratze 7, zu besuchen. Der Vorstand. Spandau. Am Mittwoch, den 8. Januar: Zahlabend in allen Bezirken. DaS Erscheinen aller Genossen ist unbedingt notwendig. Am Donnerstag, den 9. Januar, findet bei Schwabe. Seegefelder- stratze, eine öffentliche Versammlung für Männer und Frauen statt, in welcher wuchtiger Protest eingelegt werde» soll gegen das elende Landtagswahlrecht. Männer und Frauen Spandaus! Erscheint in Massen in dieser Versammlung. Der Vorstand. LerUner JVacbrichtcn. Achtung! KaufmannSgerichtSwahle»! Die Listen der Arbeitgeberwähle r. liegen vom 3. bis 9. Januar im Wahlbureau des Magistrats, Poststraße 16 aus. Nur der kann am Wahltage wählen, der in die Wählerliste ein- getragen ist. Wir machen darauf aufmerksam, daß alle Gewerbe- treibenden wahlberechtigt sind, die einen kaufmännischen An- gestellten(Buchhalter, Reisenden. Expedienten, Lageristen, Maschinenschrcibcrin, Verkäufer, Verkäuferin, Lehrling. Lehr- mädchen) beschäftigen. Als Legitimation gilt die Bescheinigung der Eintragung in das Handelsregister oder die Gewcrbesteuerquittung. Wir ersuchen die Gewerbetreibenden, für ihre Eintragung in die Wählerliste zu sorgen. Stadtrat O. Scharfer ist plötzlich im Alter von 63 Jahren in der Nacht zum Sonntag gestorben. Am vergangenen Donnerstag klagte er bereits über Unwohlsein infolge eines Falles, wohnte aber der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung noch bei. Stadtrat Schaefer war Vorsitzender der städtischen Marklhallendeputation, Mitglied der städtischen Schuldepntation und als solches Dezernent für die städtischen Schulbauten. Ferner war Schaefer Mitglied des Kuratoriums der Hauplstiflnngskasse, städtischer Militärkommissar bei den Landwehrersatz- und Aushebungskommissionen. AuS der Praxis eines Kinderarztes. Dem Kinderkrankenhause in der Reinicken« d o r f e r st r a tz e, daS früher ein Untemehmen privater Wohl« tätigkeit war. aber seit einigen Jahren der Stadt gehört, ist oft nachgerühmt worden, dah es eine Musteranstalt sein wolle. Um so mehr sind wir erstaunt über daS folgende Vorkommnis, das uns auS diesem Krankenhause berichtet wird. Eine Familie N. mutzte ein Kind. daS an Diphtherie erkrankt war, dem Kinderlrankenhause übe:weisen und sollte vorsichtshalber auch ein zweites Kind dort untersuchen lassen, ob eS bereits angesteckt worden sei. Frau N. begab sich mit diesem Kinde, einem Knaben von knapp 4 Vz Jahren, nach der Anstalt und wurde auf Saal 20 einem Arzt vorgeführt. Der Arzt— seinen Namen hat man uns leider nicht angeben können— wollte dem Jungen ein löffelähnliches Instrument in den Mund stecken, um die Untersuchung vornehmen zu können. Als nun der Kleine, dem diese Manipulation Unbehagen bereitete, sich dagegen wehrte, gab der Arzt ihm einen Schlag ins Gesicht. Das Kind hatte an einem Mundwinkel eine wunde Stelle, die mit Schorf etwa in der Grötze eines Markstückes bedeckt war. Der Arzt wiederholte seinen Versuch und mühte sich ab. dem Jungen den Mund zu öffnen. Dabei platzte der Schorf, ein Blutstrahl spritzte heraus und ergötz sich über die Jacke des Jungen sowie über den weitzen Kittel des Arztes. Der Arzt sprang auf und ries ärgerlich:.DaS ist ja ein ganz gefährlicher Esel!" Während dann die Mutter daS Blut zu stillen suchte, ent- wickelte fich zwischen ihr und dem Arzt ein erregtes Zwiegespräch. das von ihr folgcndcrmatzen dargestellt wird: Der Arzt habe ge- schimpft:«Das Scheusal fasse ich überhaupt nicht mehr an!" Darauf habe sie geantwortet:.Herr Doktor, das ist ja auch nicht nötig,' Er:.Dann erziehen Sie doch Ihre Kinder anders.' Sie:.Wenn das Kind nicht still hält, kann ichs auch nicht ändern.' Sie nahm ihre« Jungen und sagte zu ihm:„Na, dann wollen wir nur gehen.' Aber nun fuhr der Arzt, der wohl in- zwischen zur Besinnung gekommen war. hastig dazwischen:„Bleiben Sie hier, erst mutz ich das Kind verbinden'. Er stillte das Blut und bedeckte die Wimde Schlietzlich wiederholte er nochmals den Versuch, dem Jungen den Mund zu öffnen. Wieder wehrte sich der Junge, aber durch einen Handgriff, den jetzt der Arzt am Halse des Kindes ausübte, wurde es erreicht, datz der Mund ffich auftat und die Untersuchung vorgenoinmen werden konnte. Der Arzt entlieh Mutter und Kind mit den Worten:„Morgen um zehn sind Sie wieder hier: denn so heilt das nicht'. Frau N. hat es vorgezogen, nicht wiederzukommen, weil sie diesen Kinderarzt nicht ein zweites Mal bemühen wollte. Den Angaben, die sie uns über jenes Vorkommnis machte, hat sie die Versicherung hinzugefügt, sie habe trotz der grotze» und begreiflichen Erregung. in die sie durch dieses Benehmen des ArzteS versetzt wurde, sich in keinem Punkte verhört. Wer kann uns sagen, wie der Arzt heitzt? Wir möchten seinen Namen gern weitesten Kreisen bekannt- geben. Der Herr Doktor wird ja wohl mal dem Kinderkrankenhaus den Rücken kehren und die dort an den Kindern anner Leute erworbenen Kenntnisse in einträglicher Privatpraxis zum Segen der Kinder von Bemittelten verwerten wollen. Da wäre es vielleicht ganz interessant, wenn später einmal festgestellt werden könnte, wie der- selbe Herr als Privatarzt die Kinder seiner wohlhabenden Kund- schaff behandelt. Aber am Ende wird nach dieser Veröffentlichung er selber das Bedürfnis verspüren, sich bei uns zu melden und der Darstellung der Frau N. seine eigene Auffassung entgegenzusetzen._ Aus der Verlustliste der Steuerverwaltung. Wie weit in Berlin bei der Steuereinziehung die tat- sächlichen Einnahmen hinter den ausgeschriebenen Beträgen zurück- bleiben, darüber kann man sich aus den alljährlichen Verwaltungs- berichten der Steuerdeputation des Magistrats unterrichten. Der Prozentsatz derjenigen Beträge, die als Reste in das folgende Jahr hinübergenommen werden müssen oder wegen Unbeitreiv- lichkeit bczw. wegen NichtVerpflichtung niedergeschlagen werden müssen, ist bei den einzelnen Steuerarten verschieden. Er wechselt auch im Laufe der Jahre, und zwar zeigt sich hierbei ein unver- kennbarer Einfluß der jeweiligen Wirtschaftslage auf das Ergebnis der Steuereinziehung. Jnter- essant in dieser Hinsicht ist besonders das Einziehungsergebnis der Einkommensteuern. Die Einkommensteuern sind die allgemeinsten Steuern; sie erfassen den größten Teil der Bevölkerung. Sie sind auch die wichtigsten, weil sie den höchsten Ertrag liefern. Im Steuerjahr 1996(laufend vom 1. April bis zum 31. März folgenden Jahres) muhten bei der G e m e i n d e- E i n k o m m e n- st euer von ihrem Sollbetrag 3,23 Proz. wegen NichtVerpflichtung und 2,96 Proz. wegen Unbeitreiblichkeit niedergeschlagen werden und 2,14 Proz. mutzten als Rest ins folgende Jahr mit hinüber- genommen werden, sodaß die Jsteinnahme nur 92,57 Proz. des Sollbetrages brachte. Da aber auch hiervon noch 1,55 Proz. für Rückzahlungen abgingen, so blieben als Reingewinn nur 91,92 Proz. Bei der Staats-Einkommensteuer, die ja durch die Steuerverwaltung der Stadt mit eingezogen wird, betrugen die Niederschlagungen wegen Nichtvcrpflichtung 3,93 Proz., wegen Un- beitreiblichkeit 2,31 Proz., die Reste 1,98 Proz., also die Jstein- nähme 91,78 Proz., serner die Rückzahlungen 9,96 Proz., mithin die Reineinnahme nur 90,82 Proz. Beachtung verdienen besonders die Niederschlagungen wegen Unbeitreiblichkeit. sie zeigen seit mehreren Jahren eine ununterbrochene Zunahme. Ihr Anteil war in den vier Steuerjahren 1993, 1994, 1995, 1996 bei der Gemeinde-Einkommensteuer 1,42 Proz., 1,51 Proz., 1,73 Proz., 2,96 Proz., bei der Staats-Einkommensteuer 1,54 Proz., 1,79 Proz., 1,99 Proz., 2,31 Proz. des Sollbotrages. Für die Staats-Einkommensteuer werden in den JahreS- berichten der Steuerverwaltung neben diesen Hauptzahlen noch die besonderen Einziehungsergebnisse der beiden Gruppen von Einkommen unter 3999 M. und über 3999 M. mitgeteilt. Sie sind sehr lehrreich. Im Steuerjahr 1996 mutzten bei den Einkommen über 3999 M. vom Sollbetrag der Steuer nur 2,64 Proz. wegen NichtVerpflichtung und nur 9,26 Proz. wegen Unbeitreiblichkeit niedergeschlagen werden und nur 1,19 Proz. blieben in Rest. Dagegen betrugen bei den Einkommen unter 3990 M. die Niederschlagungen wegen NichtVerpflichtung 8,47 Proz. und wegen Unbeitreiblichkeit 9,54 Proz. des Sollbetrages der Steuern und in Rest blieben noch 4,76 Proz., sodatz schließlich nicht viel mehr als drei Viertel der ausgeschrie- benen Steuern hereingebracht werden konnten. Am schärfsten ist der Gegensatz zwischen den beiden Gruppen bei den Niederschlagungen wegen Unbeitreiblichkeit. Stellt man auch diese aus den letzten vier Jahren zusammen, so ergeben sich für 1993— 06 bei den Einkommen über 3999 M. nur 9,32 Proz., 9,27 Proz., 9,25 Proz., 9,26 Proz. des Steuersolls, aber bei den Einkommen unter 3999 M. 6,77 Proz., 7,32 Proz., 7,92 Proz., 9,54 Proz. des Steuersolls. Der Anteil der Niederschlagungen wegen Unbeitreib- lichkeit ist bei den Einkommen über 3999 M. nicht größer geworden, dagegen ist er bei den Einkommen unter 3999 M. so beträchtlich gestiegen, datz hier im letzten Jahr die als u n b e i- t r e i b l j ch niedergeschlagenen Beträge fast schon ein Zehntel des ganzen Steuersolls dieser Einkommengruppe aus- machten. Einkommenschätzung und Steuerveranlagung zeigen uns den Gegensatz der Klassen, in die die Gesellschaft sich scheidet. Vervoll- ständigt wird aber dieses Bild noch durch das Ergebnis der Steuer- einziehung, wie es in oen oben mitgeteilten Zahlen sich darstellt. Der Unbemittelte entbehrt viel schwerer die paar Mark Steuern. die er von seinem geringen Verdienst hergeben mutz, als der W«hl- habende die Hunderte von Mark, mit denen sein bedeutendes Ein- kommen besteuert wird. Die Sozialdemokratie fordert eine Ein- kommensteucr, die mehr als bisher die Wohlhabenden belastet und dafür die Unbemittelten entlastet. Aber das ist eine jener„umstürzlerischen" Forderungen, pon denen die besitzende Klasse nichts hören mag. Arbeiter-VildungSschule Berlin. Durch die am DonnerS- tag stattfindenden Holksvcrsannnlnngen veranlaßt, fällt die Bibliothek st un de an diesem Tage aus. Die Mitglieder, welche zu diesem Abend per Karte geladen tvaren, werden gebeten, am F r e i t a g. den 10. d. M.. abends zwischen 8 und 9 Uhr zu erscheinen. Tmisende von Schlittschuhläufern bevölkerten am Sonntag den Müggelsee, dessen Eisbahn noch am Sonnabend polizeilich frei» gegeben worden ist. Der Verkehr nach der gewaltigen Elsbahn war ein bedenkender. Auch die übrigen Natureisbahnen auf der Havel, Oberspree nnd Dahme waren gut bem.vt und nictn minder stark war der Verkehr ans den Kunsteisbahnen in Berlin. Der Eissport hat auch eine Anzahl Opfer gefordert. So ertrank in der Oberspree bei Marienlust ein Swlitischnhläufer. Ein junger Mann halte sich auf eine verbotene Stelle hinanfgeivagt und er sollte seinen Leichtsinn mit dem Tode büßen. Vom nahen Forst ans beobachteten Spaziergmiger, wie er plötzlich im Eise einbrach und unter der Eisdecke verichivand. So- fort vorgenommene Rettungsversuche hatten leider keinen Erfolg mehr. In größler Lebensgefahr schwebten zivei Geschwister bei einem Unfall, der einen glücklicheren Verlans iiehiiien sollte. Alls der Havel bei Schildhorn waren die beiden ebeitfalls an einer nicht freigegebenen Stelle Schlittschuh gelaufen. Sie kamen dabei an eine Stelle heran, die schon einmal aufgehauen ivorden und die nur mir einer dünnen Eisschicht überzogen war. Die Unvorsichtigen stürzte» beide ins Wasser und wären auf ihre jämmerlichen Hnlfernfe nicht Spazier- gänger zu ihrer Rettung hinzng.'eilt, so wären sie ziveifellos er- trunken. Auf der Westeisbahn stieß der Gymnasiast Artur Lassalli, Brückenallee 35 wohnhaft mit einem anderen Schlittschuhläufer so heftig zusammen, daß er mit voller Wucht auf die Bahn geschlendert wurde nnd eine schwere Ausrenkung des linken Armes erlitt. Einen koinplizierten Armbrnch zog sich der Student Fritz Stmiber aus der Chansseestratze zu, der beim Eislaufen auf dem Müggelse< stürzte._ Das Opfer eines AufschlitzerS ist am Sonntag ein vierjähriges Mädchen in Charlottenbnrg ge» worden. Amtlich wird über den Vorfall, der an die Kinderschlächierei in der Prenzlauer Allee erinnert, folgendes gemeldet: Berlin, 6. Januar. Gestern nachmittag gegen 5 Uhr wurde die Tochter des in Charlottenburg, Knobelsdorffstr. 37, wohnenden Malers Julius Michlke namens Else, geboren am 5. Oktober 1993 zu Grandcnz. im Hansflur des genannten Grundstücks von einem bisher noch nicht ermittelten, anscheinend dem Arbeiterstande angehörenden etwa 29 Jahre alten Manne mittels scharfen Instrumentes am Bauche schwer verletzt und nach dem Krankenhause Westend übergeführt. Dort ist das Kind sofort operiert worden, wobei folgende Verletzungen festgestellt wurden: Der anscheinend mit einem scharfen Messer ans- geführte Schnitt ist mindestens 29Zentimcter lang, er soll nach Ausspruch des Arztes von oben nach unten geführt sein und geht vom rechten Lippenbogen senkrecht bis unter die Nabelhorizontale zwei Finger von der Mittellinie entfernt. Durchschnitteir sind drei Rippenknorpel in der rechten Bauchhöhle, daS Zwerchfell, der Leberlappcn und der Magen am unteren Rande. Geschlechtlich gebraucht soll das Kind nach dem äußeren Befund nicht sein. Die Aussicht ans Erhaltung des LebenS war sehr gering, da mit einer Bauchfellentzündung ge- rechnet werden mußte. Der Täter hat dem Kinde, wie die Bc- sichtigung der Kleidung ergab, diese anscheinend hochgehoben und den Schnitt durch das geschlossene Trikot geführt. Das Kind war nicht vernehmungsfähig. Wie nun die sofort eingeleiteten Recherchen ergaben, haben um die angegebene Zeit die in demselben Hause wohnende zwölfjährige Luise JeSke mit ihrem fünf Jahre alten Bruder Berthold und der Verletzten vor dem genannten Grundstück auf dem Bürgersteig ge- spielt und dabei bemerkt, wie der junge Mann mehrere Male vor dem Hause auf- und abging. Das vierjährige Kind soll dann in das Haus gegangen und der Mann ihr gefolgt sein. Kurze Zeit darauf ist er wieder auf die Sträße zurückgekommen und hat der JeSke zugerufen, sie solle in daS HauS gehen, die Kleine sei hin- gefallen. Hierauf soll sich der Mann mit eiligen Schritten die Sophie-Charlottenstraße entlang in der Richtung nach dem Kaiser- dämm entfernt haben. Als nun die JeSke sich zur Haustür begab und diese öffnete, kam ihr die Verletzte taumelnd entgegen und sagte:«An, mir tut mein Bauch so weh." Da die JeSke sah, datz das Kind blutete und sich nur mühsam fortschleppte, klingelte sie an der im Hausflur be- findlichen Wohnungstür des Bahnarbeiters Adolf Wolff, der daS Kind, das mittlerweile an der Treppe niedergesunken war, sofort nach der im Ouergebäude liegenden elterlichen Wohnung trug, von wo es mittels Krankenwagens nach dem genannten Krankenhause geschafft wurde. ferner wurde ernrittelt, datz gegen 5 Uhr-nachmittags ein Mann, auf welchen die beigefügte Personalbeschreibung zutrifft, die Bahn- steigsperre B des Bahnhofs Westend passiert hat, dessen rechte Hand und Fahrkarte nach Angabe des Bahnsteigschaffners mit Blut be- sudelt lvar. Ob dieser Mann als Täter in Frage kommt, lietz sich bisher nicht feststellen. Vom Polizciprädium Charlottenburg ist folgende Bekanntmachung erlassen worden: Am 5. d. M., nachmittags gegen 5 Uhr, wurde der vierjährigen Else Miehlie im Hause des Grundstücks Knobelsdorffstr. 37 zu Charlottenburg von einem unten näher bezeichneten Manne mittels scharfen Instruments— Messer— der Bauch aufgeschlitzt. Das Kind ist den Verletzungen erlegen. Der Täter wird wie folgt beschrieben: Etwa 29 Jahre alt, mittelgroß, blasses Gesicht, Anflug von dunklem Schnurrbart, blonde Haare. Bekleidet war derselbe mit Jockey- oder Radfahrermütze, grauem Jackett und dunkler Hose, spricht Berliner Dialekt. Sachdienliche Mitteilungen, insbesondere über die Persönlichkeit des Täters, sind an die Kriminalpolizei, Charlottenburg, oder an die nächstgelegenen Polizeireviere zu richten. Inzwischen ist auch bereits eine Verhaftung erfolgt. Es ist ein Arbeiter Albert Stricker, der gestern in Charlottenbnrg gewesen ist. Schutzmänner trafen ihn abends in der SiegeSallee im Bereich des dritten Reviers. Stricker bestreitet jede Schuld. Die beiden Zeugen machen keine bestimmten Angaben. Der Bahnsteig- schaffner Waldow sagt. Stricker sei wahrscheinlich nicht der Mann, den er mit blutender Hand in der kritischen Zeit sah, Lucie JeSke glaubt bald, er sei der Täter, bald wieder nicht. Weil Stricker aber über Blutflecke an seinem Anzug noch nicht genügende Ans- kunft gegeben hat. so wurde er mittags nach Charlottenbnrg ge- bracht, um dort gestern nachmittag bei der Oeffnung an die Leiche geführt zu werden. Ein großer Einbrnchsdicbstahl in ein Warenhaus ist in der vorgestrigen Nacht verübt worden. Eine auS etwa sechs Köpfen be- stehende Einbrecherbande drang in das Warenbans von Emil Gold- stein, Greifswalderstr. 192, ein und erbeutele für nahezu 19 999 M. Waren. Die Täter nahmen ihren Weg durch den Keller. Sie mußten, um in den Verkaufsraum gelangen zu können, drei schwere eiserne Türen erbrechen und zu gleicher Zeit traten drei Stemmeisen in Funktion. In dein Laden richtete» die Diebe eine heillose Ver- Wüstung an. AuS sämtlichen Regalen rissen sie die Verkaufsqegen, stände keraus und»vaS ihnen nicht begehrenswert erschien, schlcu- derten sie auf den Erdboden. Nur wertvollere Waren, wie seidene Blusen, kostbare Teppiche, Vorläufer usw. eigneten sie sich an. Sie packten ihre Beute in groste Koffer und Re'isekörbe und schleppten alles ungehindert davon. Als das Verkaufspersonal gestern morgen da» Warenhaus betrat, bot sich ihm ein Bild der Verwüstung. Ein Lirbesdrama hat sich Sonntagabend in der Brunnenstr. 163 abgespielt. Die dort wohnhafte 21jährige Näherin Minna Janz haite mit dem Schneider Ferdinand F. ein Liebesverhältnis unter- halten, das auch zu einer Heirat führen sollte. Im nächsten Monat wollten die beiden Hochzeit feiern. Sonntagnaibmittag suchte F. feine Braut in deren Wohnung auf. Das junge Mädchen, das in dem Glauben war, der Bräutigam nehme die Sache mit demHeiratea nicht mehr ernst, stellte ihn daraufhin zur Rede, und es kam nun zwischen dem Vaare zu einem heftigen Auftritt. In der Erregung eilte die I. an die Kommode, holte einen Revolver hervor und jagte sich vor den Augen des Bräutigam-- eine Kugel in die Brust. F. hatte die Braut an der Ausführung ihres Vorhabens hindern wollen, cr war jedoch schon zu spät gekommen. In bedenklichem Zustand wurde die Schwerverletzte nach dem Lazarus-Krankenhause gebracht. Zu der Explosionskatastrophe in Halensee ist noch mitzuteilen, daß der verunglückte Arbeiter Müller im Krankenhause seinen schweren Verletzungen erlegen ist. Der andere Arbeiter Neumann, der auf so entsetzliche Weise bei der Katastrophe unis Leben ge- komme» ist. heißt Max Neumann, ist 23 Jahre alt, unverheiratet und wohnte Wassertorstraße 65. Schwere Brandwunde» erlitt die kleine Lucie Bot) bei einem Brande, der gestern mittag in einer Wohnung in der Gaudhstraße 7 auskam. Die Feuerwehr brachte das Mädchen nach dem Lazarus- Krankenhause in der Bernauer Straße. lieber einen Selbstmord»ach einem Kampf mit Polizeibeamten wird berichtet: Am Sonntagnachnrittag erschien auf der Wache des <38. Polizeireviers die 21 Jahre alte Frau Ramin und teilte mit. daß sich ihr Schwager, der von der Polizei gesuchte geisteskranke 23 Jahre alte Verbrecher Wilhelm Ramin in der Wohnung seiner Geliebten, der Näherin Auguste Reggentin, im Hanse Metzer Straße 43, anfhaltc. Die Schutzmänner Mehrow und Peisker sowie der Kriininalbeamte Sesser begaben sich sofort nach dem genannten Hause, um den als gewalttätig bekannten Menschen zu holen. Trotz �mehrmaliger Aufforderung öffnete Ramin die im Keller des Seitenflügels brlcgeiie Wohnung nicht, so daß man einen Schlosser herbeirief. Während dieser an dem Türschloß beschäftigt war, stieg Rainin aus dem Kellerfenster und gab auf den Kriminal- schutzmaim Sesser, der auf dem Hose stand, einen Schuß ab. Die Kugel drang durch den Wintcrüberzieher und glitt an einem Notiz- buch, das im Jackett steckte, ab. Sesser tannielte zurück und rief die übrigen Beamten. Darauf sprang Mehrow auf den Hof und schoß, da er Rainin mit erhobencni Revolver am Kellerfenster hocken sah. zwei Kugeln auf ihn ab. Da Ramin sich nicht mehr rührte, glaubte Mehrow, ihn getroffen zu haben und schritt auf ihn zu. Diesen Augenblick benutzte Ramiii, um in den Keller zurück- zuschlüpfen. Inzwischen hatte man die Türe geöffnet und sofort ftel ein Schutz. Nun betrat der Bruder des Gewalttätigen das Wohn- ziinmer und erklärte, Ramin habe sich erschossen. R. lag schwer atmend ans einer Feldbetlstclle mit einer Schußwunde in der Herz- gcgend. Als ein herbeigerusener Arzi erschien, war der Tod bereits eingetreten. Der Revolver, aus dem R. geschoffen hatte, enthielt noch vier Patronen. Außerdem wurde in der Nähe des Fensters eine geöffnete Pappschachtel mit scharfen Patronen gesunden. Selbstmord verübt hat der 36 Jahre alte Restauratenr und Kaffenrendant der Kranken- und Begräbniskasse Deutscher Kuischer, Alfred Scholz. Bliimenstc. 47. A. Scholz war lange Zeit Reudant obengenannter Kasse nnd hatte in seinem Lokal in der Blumen- ftraße eine Zahlstelle des Vereins inne. Schon seit einige» Tagen trug Scholz ein eigeinümliches Weien zur Schau. Als nun ganz uncrlvarlet eine Nevision der Kasse vorgenommen wurde, äußerte Scholz zum Revisor, tvenn nicht alles klappe, schieße er sich tot. Welches Resultat die Revision hatte, ist noch nicht bekannt. Jeden- falls enlttc sich Sch., nur noldürftig mit Strickjacke und Filz- Pantoffeln bekleidet und ging nach dem Friedrichsbain, Ivo er sich eine Kugel in den Kopf jagte. Noch Lebenszeichen von sich gebend, brachten ihn Schutzleute mittels Droschke nach dem Krankenhaufe, wo er bald darauf feinen Verletzungen erlegen«st. Die Leiche ist von der Staatsanwaltichaft noch nicht freigegeben. Tödlicher Uiiglürkssall eines Greises. Im Straßenverkehr seinen Tod g.efnnden hat gestern nachmittag ein Greis. Der 70 Jahre alte Karioffelhändler Karl Ohlschoioski aus der Zomdorferstr. 11 hatte am KreuzungSpunkt der Warschauer, Petersburger Straße und Frankfurter Allee den Fahrdaimn überschreiten wollen. Er nbersgh dabei das Herankominen ei»es FonrngewagenS der Firma Röhr- lein u. Co. und wurde von der Deichsel umgestoßen. Die Räder gingen dem alten Mann« über den Kopf hinweg und zermalmten diesen fast vollständig. Auf dem Transport nach dem Krankenhaus am Friedrichshain erlag O. den schweren Verletzimgen. Die OrtSvcrwnIluiig Groß-Bcrlin des Verbandes der freien Gast- und Schankwirte bringt den Kollegen sowie den Gewerischafts- und Parteigenossen hiermit zur Kenntnis, daß in unserem soeben er- schieuenen Mitglicdervcrzeichnis bedauerlicherweise einige Arbeits- nachweise Ausnahme gefunden haben, die nicht den Ansprüchen der modernen Arbeiterbewegung entsprechen. Die DrtSverwaltnng Groß-Berlin. I. A.: G. Die S« e r, Schriftführer. Berliner Asiflvcrcin für Obdachlose. Im Monat Dezember 1967 nächtigten im Männerasyl 21 2ö6 Personen, wovon 8793 badeten, im Frauenasyl 3776 Personen, wovon 175ö badeten. Der Schiller-Saal, Charlottenburg, eröffnet heute da? neue Programm für die Monate Januar bis Avril. ES umfaßt eine Reihe zyklischer Veranstaltungen, die sich auf 14 bezw. 12 Wochen erstrecke» und an denselben Wochentage» zu der gleichen Stunde wiederlehren. Eine wesentliche Neuerung gegen die friihere» Ver- anstaltungcn bietet die Leitung damit, daß sie zu sämtlichen Zyklen Abounemenlshefte ausgibt, sowohl für de» ganzen ZylluS als für die erste und zweite' Hälfte gesondert. Diese Abonnements sind unpersönlich und also übertragbar. Die Abonnementsheste für 14 Veranstaltungen kosten 6 M.. nur für die an den Dienstagen stattfindenden Liederabende sind drei Preise angesetzt, nämlich 6 M.. 12 M, und 18 M. An den Somilagen finden abends 8 Uhr Dichter- und Tondichterabcnde statt. Der Mittwochabend (3 Uhr) ist den„Klassikern der bildenden Kunst" gewidmet, wobei die Vorträge durch Lichtbilder erläutert werden. Für die Freitag- abende sind 14 Vorträge über«Komponisten der Neuzeit", ei läutert durch Gesang und Jnstcninenialmusik. angesetzt. Für die Lieder- abende(am Dienstag) sind hervorragende Sänger und Pianisten ge- Wonnen. Der Sonnabend bringt zwei Veranstaltnngen in einem 12stündigen ZylluS. Abends(9" Uhr) wird Dr. Max Bnrkhardt über„Das deutsche Lied" sprechen. Seine Vorträge werden von ihm selbst am Klavier erläutert und außerdem. durch. den Ge- sang von Marietta Weinhör und Hjalmar Artberg illustiieri werden. Die Aboiinemcutsheste und die Eintritlskarten zu den einzelnen Abenden sind an den Kassen und in den Billettabteilungen beider Schiller-Theater und bei Werlheim zu haben, wo auch überall im- cingettlich das neue Programm deS Schiller-SaalcS ausgegeben wird. Wintergarten. Das Jamiarprogramm dieser Variotübühne enthält verschiedene recht akzeptable Nummern. Urkomisch wirkt ein Affcn-Variüiö-Theater. Der Äffe als Kapellmeister in Frack und weißer Weste, die Noten vor sich liegen habend, handhabt mit Vir- tuosität den Taktstock und dirigiert seine Kapelle in einer Weise, daß ein wirklicher Kapellmeister seine helle Freude daran haben könnte Und dann die Produktionen der Künstler, tvenn der Vorhang aufgeht! Musikvirluosen, Akrobaten, Antipodenschieber, alles ist da; nichts fehlt, ivaS zu einem wirklichen Varielö gehört. lieber eine, volle, reine Stimme verfügt die Sängerin Ruth Vincent vom Lyric-Theater in London; ihre Vorträge find ein Genuß. Vollendetes leistet auch der Vogxlstinnneniinitator Alexander auf seinem Gebiete. Auch die' Kaufmann- Trupps ist wieder da. Diese aus acht Dainen bestehende Ge- sellsch fft erweist sich als geschulte Radfahrerlruppe. Weniger wert ist die Pariser Soubrette Marths Dermin g. An Varietsbühnen zweiten und dritten Ranges findet man in dieser Güte Dutzende von Soubretten, man braucht sie nicht erst von Paris zu beziehen. Daß Robert S t e i d l als Humorist wieder vollen Erfolg halte, braucht nicht besonders betont zu werden. In den Arbeitcriiliicnhcime» B r ü ck e n st r a ß e 8 und K o t t- buser Ufer 33 finden am Dienstag, den 7. Januar, Vorträge von Aerzlinnen über Gesnudheitslehre statt. Die Teilnahme ist un- entgeltlich. Gäste sind sehr willkommen. Ein sehr gefährlicher Kcllerbrand kam am Montagabend in dem I n d u st r i e g e b ä u d e in der Beuthstrahe zum Ausbruch. Dort brannten in einem Keller des Postamts 19, angeblich infolge von Kurzschluß, Kabel und Petroleumvorräte. Der 17. Löjchzug fand bei seinem Eintreffen schon eine kritische Situation vor. Das über dem Keller befindliche Postamt schien gefährdet, auch befürchtete man, daß die in dem Nebenkeller, einer großen Automobilremise, lagernden Benzinvorräte in Brand geraten könnten. Durch ener- gisches Vorgehen und tüchtiges Wassergeben gelang es schließlich, die Flammen auf den Keller zu beschränken. Du. Kabel und der Rohrposttunnel waren so beschädigt, daß sie nicht mehr benutzt werden konnten. Die Automobile des„B.T." und„Verl. Lokal- Anz." waren vorsichtshalber aus dem Keller entfernt worden. Feurnvehrbertcht. Zahlreiche Wasserrohrbrüche und Brände von Weihnachtsbäinneii baben in den letzten Stunden die Feuerwehr beschäftigt. Wasserrohrbrüche. Ueberschwemmungen wurden imier anderem aus der Kcnbarinenstr. 1, Landsbergerstr. 43, Kurfürsten« straße 96 usw. gemeldet, und Taniienbaiimbrände mußten unter anderem in der Stephanstr. 21, Knrfürstenstr. 29 usw. gelöscht werden. Im Neubau des Hcbbel-Tbeaters in der Königgrätzer- straße 54 kam nachts Feuer aus. Es brannte dort eine Bau- bude. Um die Flammen zu löschen, mußte die� Wehr kräftig Wasser geben. Der 7. Zug hatte längere Zeit in der Jnsterbnrgerstr. 18 zu tun, wo ein Spähnekeller in Flamme» stand. Um an den Brandherd zu gelangen, mußte ein Rohrfnhrer mit einem Sauerstoffapparat ausgerüstet werden. Vor dem Hanse Gitschiner Straße 112 brannte nachis um 12 Uhr eine Bezin- antoniabildroschke. Knchenbrände beschäftigten die Wehr in der Lüderitzstraße 56, Friedenstratze 17 und an anderen Stellen. Am Belle-Alliance-Platz 14 brannten Möbel sowie das Zwischengebälk vom Erd- und Kellergeschoß. Der 26. Zug wurde abends um 6 Uhr nach der Nikolaikirche gerufen. Neben einem Tiirmdach brannte ein Schornstein ohne Gefahr für die Türme. In der Weißenburger Straße 7t wurden trockene Blumen ein Raub der Flammen und in der Französischen Straße 37 brannten Fußböden, Balken usw. Wohnungsbrände entstanden in der Orauienstraße 98. Oranienburgev Strotze 53, Höchste Straße 20 usw. Ferner halte die Wehr in der Dreibundstraße auf einem Neubau, Dalldorfer Straße 1, Burgsdorf- straße 13, Köthener Straße 12, Friedrichstraße 227, Petersburger Straße 58, Withelmstraße 166 und an anderen Orten zu tun. Vorort- Z�acbrickten. Wilmersdorf. Der Tod eines Offiziers, der bereits vor einem Vierteljahr durch Erschießen erfolgte, beginnt jetzt erst ein öffentliches Interesse zu gewinnen. Im Hause Kaiser- Allee 222, Ecke Schaperstraße, wohnte der aus Kassel stammende 37 Jahre alte Privätoberförster LewandowSki mit seiner 36 Fahre alten aus Sternberg gebürtigen Ehefrau. Lewandoioski war Ober- förster aus dem v. Klitzingschcn Gute Stephanowo bei Benischen in Posen und oft dienstlich von hier abwesend. Seine Frau soll nun, wie Hausgenossen wissen wollen, wiederholt Herrenbesuch empfangen haben. Am Sonntag, 29. September, kam der Oberförster ganz unvermutet um 6 Uhr nach Hause. Er merkte, daß etwas nicht in Ordnuitg war, und wollte, da cr im Schlafzimmer nie- mand fand, in da» daneben gelegene Ankleidezimmer gehen, in dem er einen Schatten an den Glasscheiben der Tür vorbei- huschen sah. Der Verdacht wurde noch stärker, als er die Tür verriegelt fand nnd feine Frau ihn von dem Versuche, sie zu öffnen, zurückhalten wollte. In großer Erregung schoß er nun mit seiner Browningpistole durch die Tür in daS Ankleidezimmer hinein. Die Kugel durchschlug die Türfüllung und drang dem Lentnant v. Schmid aus Spandau, der sich in dem Ziinmer befand, in den Unterleib. Frau L. eilte darauf zum Pförtuer hinunter und teilte ihm mit. einem Herrn, der zum Besuch bei ihrem Manne und ihr weile, sei ein schweres Unglück zugestoßen. Beim Ankleiden 'ei aus dem Revolver, den er in einer besonderen Tasche der Beinkleider trage, cin Schuß losgegangen und das Ge- schoß sei ihm in den Unterleib eingedrungen. Mit Hülfe der Frau deS Oberförsters brachte der Pförtner den Verletzten in eine Droschke und mit dieser zu einem Arzt, der ihn verband. und dann nach dem Krankenhause bringen ließ. Hier starb v. Schmid bereits nach sechs Stunden. Die Darstellung, daß ein Unglück ge- fchchen sei, erschien an sich durchaus glaubwürdig, weshalb die Leiche zur Beerdigung freigegeben wurde. LewandowSki löste bald darauf seinen Haushalt auf. Die Stütze 'einer Frau, ein Fräulein Supply, zog nach Brandenburg a. H., das Ehepaar wurde am 22. November als„unbekannt auf Reisen" abgemeldet und wohnt seit Anfang Dezember am Kurfürsten- damin 163/4. Von Brandenburg aus machte nun Ende vorigen Monats die frühere Slütze die Mitteilung, daß es sich bei jenem Voifall am 29. September nicht um ein Unglück, sondern um ein Verbreche» handle. Die Schöneberger Kriininalpolizei leitete darauf eine Untersuchung ein, die zur Verhaftimg des Leivaudowski führte. Er legte ein Geständnis ab und wurde der Staatsanwaltschaft zugeführt._ Groft-Lichterfclde. Tie ordentliche Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins erfreute sich eines guten Besuches. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung daS Andenken der ver« slorbenen Genossen in üblicher Weise. Den Jahresbericht gab Genosse Eichler. der unter anderem auch den flauen Besuch der Vercinsversamnilungen durch die Mitglieder rügte. Den Kassenbericht erstattete Genoffc Karl Pints. Dem- 'elbcn ist zu entnehmen, daß die Gesamteinnahme während des verflossenen Geschäftsjahres 389,36 M. betrug, wovon �27,54 M. an den KreiS abgeliefert wurden. Ter Mitgliederbestand war am 1. Januar 1907 342, am 31. Dezember L93. Die Lokaltommission gab ihren Bericht durch den Genossen Schönwettcr, der hauptsächlich die Sperre über das Reisenschc Lokal behandelte und die Ursachen derselben eingeltend beleuchtete. Nach 'etiler(des Redners) Meinung hätten Mitglieder des Zentralvor- itandeS durch einseitige Informationen von der Reisenschen Seite ihr Urteit über daS Verhalten der Lichtcrfelder Genossen trüben lassen. In der Diskussion nahm Genosse Wenzel daS Wort, um den VerstandSbericht zu ergänzen und auch über die Sperre des Reisen- ichen Lokals sich zu äußern. Nach seiner Meinung müsse sich in olchen Fällen der Zentralvorstand, unbeschadet seiner sonstigen Stellungnahme, in erster Linie an die Leitung der örtlichen Or- gcmisation wenden, um sich zu lnsormieven. Diese trage die Verantwortung� für alle an dieser Beziehung getroffenen Maß- nahmen. Jeder Parteigenosse, der unsere örtlichen Verhältnisse kenne, wisse aber, daß die Ursachen der Differenzen mit dem Wirt Reisen in dessen Verhalten zu suchen seien und daß e r der sozial- demokratischen Arbeiterjchast den Fehdehandschuh hingeworfen habe. T-ie Sperre sei vollkommen berechtigt und müsse— ohne den Gc- ttchtssiskus zu füttern— durchgeführt werden- In den Vorstand wurden die bisherigen Genossen wiederge- wählt, mit Ausnahme des 1. Vorsitzenden, an dessen Stelle Genosse Wenzel einstimmig berufen wurde, und des ablehirenden Genossen Platz, für den nunmehr Genosse Otto Pints als Beisitzer fungiert. Als Bibliothekar wurde Genosse Frebe, in die Lokalkommission die Genossen Schönwettcr und Wiemann, als Revisoren Kohl und Hering gewählt. Bezirksführer sind: Otto Wenzel, Ziege, Huhn, Tillack, Preschcr. Schulze, Penzel, Laban, Mahlow, Paul Pints, Noack. Zum Punkt„Aufstellung der Kandidaten zur Gemeindevcr- treter-Wahi" entspann sich eine lebhafte Debatte über kommunale Angelegenheiten, an der sich die Genossen Pints, Eichler, Hering, Baskowski und Wenzel beteiligten. Hieraus wurden als Kandi- datcn nominiert: Karl Pints, Zigarrenhändler, Kaspar Wenzel, Zcitungsexpedient und Ernst Ziege, Maurer. Ein Ausschlußantrag gegen das Mitglied Maler Becker wurde gegen zwei Stimmen angenommen und dem Vorstand zur weiteren Behandlung überwi-�n. Charlottenburg. In der am 3. Januar im„Volkshause" stattgehabten Sitzung der Cbarlotteiibiirger Gewerkschaftskomiiiission wurden zu den am 16. Jannar stattfiiideiideii Gewerbegerichtswahlen folgende Kandidaten aufgestellt: 1. Bezirk: Paul Lindenblatt, Kimst- und Landschaslsgärtner. und Adolf Richter, Porzellandreber; 2 Bezirk: Karl Gräber, Bauhülssarbeiier, Wilhelm G r i x, Zimmerer, uno Emil Lehmann, Maurer: 3. Bezirk: Albert B i l l i a n, Gürtler, Otto Eckhardt, Schlosser. Karl Neu- mann, Kutscher, und Fritz Thun ack, Bauiischter: 4. Bezirk: Rudolf Handle, B-mlrnisSarbeiter, und Heinrich W o s ch k e, Putzer; b. Bezirk: Albert Lange, Maler, und Heinrich Pfefferkorn, Bautischler: 6. Bezirk: Johann David, Maurer, und Wilhelm Stelter, Zinimerer: 7. Bezirk: Hans Hannemann, Kellner, und Fritz Schulz, Kutscher; 8. Bezirk: Franz Huxol. Schneider. Vorher erläuterte der Obiiiaim, Genosse F l e m m i n g, die Technik der Wahl. An der sich hieran anschließenden Diskussion be- leiligtcn sich die Genossen Gebert, Ahrens, Wilde, Scveible, Scheel, Kropf imd Huxol. Zum Revi'or wurde noch der Genosse Böhla, GastwirtSgehülse, gewählt. Nicht vertreten waren unentschuldigt die Buchbinder, Friseurgehülfen und Schmiede. Lichtenberg. Ein braver Streiter, der Genosse Georg Treue, ist uns in der Nacht zum Sonntag im Alter von 47 Jahren durch den Tod entrissen. Mehr als zwei Jahre hat der Verstorbene an den Folgen eines Schlagaiifalls leiden müssen. Treue, der als Hauptkaisierer des Verbandes der Textilarbeiter in der Gewerkschaftsbewegung sich der größten Achtung erfreute, hat auch in der Partei im letzten Jahr- zehnt seinen Mann gestanden. Die Lichtcnberger Genossen betrauten ihn mit dem Amte eineö Gemeindevertreters, das er bis zu seiner Erkrankung gewissenhaft verwaltete und erst im verflossenen Jahre niederlegte. Sein Andenken wird, wohlverdient, in Ehren gehalten werden. Ein tragisches Geschick will eS, daß mit dem Verstorbenen nunmehr der sechste der acht am Anfang dieses Jahrzehnts in die Gemeindevertretung eingezogenen Parteigenossen aus dein Leben scheidet. Die Beerdigung des Verstorbenen findet am Donnerstag- nachmittag 2 Uhr von der Kronprinzenstraße 48 aus statt. Potsdam. Beim Schlittschuhlaufen ans dem Schwickowsee brachen vorgestern der sechzehnjährige GastwirtS'ohn Emil Geiisicke und der Maurer- lehrling Deege aus Müielbusch auf der dünnen Eisdecke ein und ertranken, ehe ihnen Hülfe gebracht werden konnte. Auf dieselbe Weise wäre bald der in der Mühlenstraße zu Rowawes wohnhafte Heizer Teubner, der bei der Teltoivkanal-Danivsschiffahrt beschäftigt ist, ums Leben gekoinnien. Er wollte auf Schlillschnven unterhalb der Kaiserbrücke den Friedrich-Leopoldkanal von der Glicnicker Park- leite her durwfabren und geriet dabei in vollem Tempo in ein offenes Wasserloch. Der Chaussecaufsehcr Schenke bemerkte den Unfall und eilte dem mit dem Tode deS Ertrinkens Ringenden zur Rettung herbei mit einer Tetwichstaiige, die er von einein benach- varten Giundsinck holte. Mit Hülfe eines Rettungsringes, der an» dem Dampferdepot geholt wurde, gelang dann die Rettung des völlig erstarrten Manne» aus den eisigen Fluten. Sembts- Leitung. Wahrnehmung berechtigter Interessen durch Gewcrkschaftsbeamte. Wegen vermeintlicher Beleidigung deS Direktors Hühn von der Erfurter Straßenbahn-Gesellschaft war der besoldete Gewerk- schaftssekretär Himpcl vom Verbände der Handels- und Transportarbeiter in Berlin zu einer Geldstrafe von 166 Mark verurteilt worden, und zwar als verantwortlicher Redaltcur deS Vcrbandöorgans „Courier". Die Beleidigung wurde in einein unter den Mit- teiluiigen für Straßenbahn- und OmiiibuSaiigestellten erschiene»!» Artikel gefunden, der sich über Mängel an den Schienen- und Weicheiianlagen der Erfurter Straßenbahn ausließ, die nicht beseitigt würden. Inkriminiert war ein Passus, daß Beschwerden der Wagenführer nutzlos feien und diese bei Zusammenstößen bestraft und für Materialschaden vcrant- wortlich gemacht würden. DaS Landgericht nahm an. eS sei die Wahrheit nicht erwiesen, und Direktor Hüh», der den Straf- antrag gestellt hatte, sei beleidigt. Der Schutz des Z l93dcS Strafgesetzbuchs(Wahrnehmung berechtigter Interessen) wurde dem Angeklagten verweigert. Nur das Interesse, zur Vergrößerung deS Verbandes beizutragen. habe er gehabt. Wenn die» Interesse auch ihn anging, so könne eS doch nicht rechtfertigen, einen anderen öffentlich bloßzustellen. Er hätte der Polizei Anzeige machen können. Es sei aber nicht eine Wahrnehmung öffentlicher Jmeresseit. ohne Rücksicht daraus, ob eS erweislich wahr sei oder nicht, etwas zu behauplen, bloß um es zu besprechen. Der Angeklagte legte Revision ein. Diese kam am Freitag vor dem zweiten Strafsenat des Kamiiiergerichts zur Verhandlung. Rechtsanwalt Kurt Rosenfeld als sein Vertreter plädierte nameinlich für Zubilligung deS Schutzes des§ 193 des Reichs» StrasgesetzbnchS, indem er hervorhob, daß eö sich um einen be- loldetcn Gcwerkscvastsbeamtcn handele, der ihm anvertraute Interessen wahrlichine, wozu er berufsmäßig verpflichtet sei. Es sei übersehen, daß Angeklagter der Angestellte einer Organisation sei, die sich über ganz Deutschland erstrecke, und daß er berechtigte Interessen der Miiglieder wahrnehme.— Der Vertreter der Ober st aatSan waltschast verriet erheblichen Mangel von Kenntnissen der tatsächlichen Verhältnisse, aber auch der Judikatur de» Reichsgerichts, durcki seine Gegeiiauöfühnmgen, die darin gipfelten. eigentlich hätte der Angeklagte, der im Solde deS Verbandes Miiglieder gewinnen wollte, für sein Portemonnaie gearbeitet. Der Anwalt trat dem scharf entgegen und betonte, höchstens könnte man sogen, Angeklagter habe für daS Portemonnckie der Mitglieder seincS Verbandes gearbeitet; aber auch damit tvürde man den ideellen Kuliurbestrebungen der Gewerkschaften nicht gerecht. DaS Kammergericht trat den Ausführungen des Verteidigers bei, hob die Vorentscheidung aus und verwies die Sache zu nochmaliger Ent» scheidung an das Landgericht zurück. Das Landgericht hake im Anschluß an da? Reichsgericht aller- dings richtig ausgeführt, daß der Redakteur nicht berechtigt sei, unter dem Vorwande, berechtigte Interessen wahrzunehmen, die Ehre anderer zu verletzen. Aber das Landgericht habe nicht berück- sichtigt, daß Angeklagter nicht bloß Redakteur, sondern gleichzeitig Gewerkschaftssekretär sei. DaS hätte nicht unberücksichtigt bleiben dürfen. ES hätte ge- prüft werden müssen, wie weit Angeklagter als Gewerkschafts- sekretär berechtigt sei, die Interessen der Straßen- bahner wahrzunehmen, und ob ihm in dieser Eigenschaft ZIVI zur Seite stehe. Das Versäumte müsse das Gericht nachholen. Wenn ihm dann an sich der Schutz des§ 193 zugesprochen würde, wäre selbst- verständlich iveiter zu prüfen, ob aus der Form oder den Umständen die Absicht der Beleidigung hervorgehe. Diese Entscheidung steht, soweit sie das landgerichtliche Er- kenntniS aushebt, im Einklang mit der Judikatur deS Reichsgerichts. Das Reichsgericht hat übrigens in einem in den 80er Jahren entschiedenen Fall darüber hillausgehend anerkannt, daß der Redakteur eines Fach blatteS, eines BlatteS zur Vertretung bestimmter Berufsiutcresien auch alsRedakteur berechtigte Interessen wahrnimmt. Unterschlagung von Kassengeldern. Wegen Unterschlagung von 5999 M. zum Schaben der Sterbe- und Untcrsiützungskasse des Gast- und IchantwirtöverrinS Wedding lmtte sich der langjährige Kasscnrcndant und Gastwirt Paul Karl Gaspers vor der Strafkammer am Landgericht IV zu verantworten. Gaspers, der in der Müllerftr. 49s früher eine gutgehende Gastwirt- schaft betrieb, war seit 1891 Rendant des Gestwirtsvereins Wedding. Er- selbst setzte die Kassenrevisionen an und hatten die Kassen- revisoven bis zum Jahre 1997 alles in völliger Ordnung gefunden. Sehr überrascht war deshalb der Verein, als GaSpcrs im August vorigen Jahres, als er Sterbegeld für einen verstorbenen Kollegen auszahlen sollte, dem Vorsitzenden des Vereins Roedcr einen Brief übersandte, in dein er mitteilte, daß außer einliegenden 199 M. das ganze Vermögen des Vereins verloren sei. Seitens des Vereins wurde nun gegen Gaspers Anzeige erstattet. In der Verhandlung vor dem Landgericht gab G. zu, seit IL Jahren Unterschlagungen begangen zu habe». Da er immer selbst die Kassenrevisionen anzu- setzen gehabt hätte, so wäre«S ihm möglich gewesen, zu diesem Tage die fehlenden Kassenbeträge von der Bockbrauerei, Landre, Richter und anderen Brauereien zu leiben, nach stattgehabter Revision hätten die Betreffenden dann ihr Geld wieder zurückerhalten. Im August vorigen Jahre» wäre es dann zum Klappen gekommen; nur durch schlechte Geschäfte und aus Not getrieben wollte er so ge- bandelt haben. Der Vorsitzende des Vereins, Gastwirt Roeber, be- ziffcrt den Schaden auf über 9999 M. und bestreitet, daß Gaspers aus Not gehandelt habe. Ter Verein ist sogar jetzt noch der An- ficht, daß Gaspers das Geld hinter sich habe. Der Staatsanwalt � beantragte g.'gen GasperS eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten. Tas Gericht glaubte nicht, daß der Angeklagte aus Not gehandelt habe und erkannte ans 5 Monate Gefängnis. Vermilcbtes. Zum Mord in Allenftein. Die Anklage gegen Hmiptinann v. Goeben wird in diesen Tagen erhoben werden. DaS Verfahren soll, wie die.Allensteiner Zeitung" schreibt, nicht mit dem gegen Frau v. Schoenebeck verknüpft werden, was an sich zulässig wäre durch Ueberweisung der Strafsache an die Zivilbehörde. Dagegen sprickit unter anderem der Umstand, daß voraussichtlich gegen Frau v. Schoenebeck eine längere Beobachtung ihres Geisteszustandes beantragt werden wird. Dadurch mußte auch die Sirafsache gegen Frau v. Schoenebeck aus längere Zeit verschoben werden. Feuer in der Kasrrne. Sonntagnacht brannte AugSburger Meldung zufolge ein Flügel der Kaserne deS Cbevauxlegers-Reginieiits nieder. Der abgebrannte Flügel stößt an die Ulrichsbrche an, die zeitweilig sehr gefährdet war. Der Flügel brannte vollständig aus. In den oberen Stockwerken befanden sich Mannschaftskleidnngsstücke, von denen im Werte von etwa 139 999 M. verbrannt sein sollen. DaS Feuer ist. wie die„Augsdurger Abendzeitung" meldet, vermutlich durch Klempner verursacht worden, die gestern auf dem Dach ge- arbeitet haben. Boa Steinen begraben. Wie aus Osnabrück berichtet wird. wurden in einer Mergelgrube des DobergeS bei Bünde zwei Arbeiter von herabstürzenden GesteinSmasien erschlagen. Ein Dritter wurde schwer verletzt. Eiscnbahnunfälle. Amtlich wird a»S Koblenz gemeldet: Am Sonnabendabend 6 Uhr 49 Minuten fuhr im Bahnhos Weißenturm der von Koblenz kommende Eilzug III infolge Uebcrfahrens deS Haltsignals mit dem entgegenkommenden Güterzuge 6994 zusammen. Reisende des Eilzuges 1l1 wurden nicht verletzt. Vom Personal des Güterzuges 6904 wurden einer schwer, zwei andere leicht verletzt. Der Verkehr wurde zunächst durch Umsteigen aufrechterhalten. Gegen 9 Uhr konnten Züge durchgeführt werden. Nach einer Meldung aus Paris stieß bei Cousance in der Nähe von Bar-le-duc ein Giiterzug mit einer Lokomotive zusammen. Der Maschinist der Lokomotive und ein Schaffner wurden getötet. Wie ans Crcmona berichtet wird, stieß in der Nacht ein von Treviglio kommender Zug mit einem von Brescia kommenden zu- sammen. Zehn Personen erlitten leichte Verletzungen. Der Verkehr wurde nicht gestört. Ins Herz gestochen. Am Sonntagabend gegen 8 Uhr wurde nach einer Meldung aus Fr a n k f u r t a. M. in der Allstadt der l8jähnge Wctterbeobachier beim physikalischen Verein Paul Würz von einem Unbekannten ins Herz gestochen. Der äußerst gefährlich Verletzte wurde nach einer Klinik gebracht, wo er einer Operation unterzogen wurde. Sein Befinden war am späten Abend be- friedigend. Risiko der Arbeit. Auf der königl. Schachtanlage bei Knurow brach einer Meldung auS Zabrze zufolge beim Fundieren von Eisenträgern ein 19 Meter hohes Gerüst zusammen. Sechs Arbeiter der Donnersmarckhütte stürzten in die Tiefe. Ein Arbeiter war so- fort tot. die übrigen sind lebensgefährlich verletzt. Dampfkesselexpkoflo«. Bei Oncsiant explodierten, wie aus Brest berichtet wird, am Sonntag die Kessel eines argentinischen Dampfers. Der Dampfer sank; die aus elf Personen bestehende Besatzung wurde gerettet._ Ruderverein Vorwärts. Wegen unsere Sitzung am Donnerstagabend aus. den 19. d. Akts, statt. der Protestversammlungen fällt Die Sitzung findet am Freitag, Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-DlreMon über den Großhandel in den Zciitral-Markihallcn. Marktlage: Fleisch: Zusuhr stark, Geschäft rege, Preise für Hammelfleisch anziehend, siir Kalbfleisch nachgebend, sonst unverändert. Wild: Zufuhr reichlich, Geschäft sehr still, Preise wenig verändert. G eflüg c I: Zusuhr genügend. Geschäft sehr still, Preise in Gänsen gedrückt, sonst besriedigend. Fische: Zusuhr mäßig, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft befriedigend. Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr reichlich, Geschäft schleppend, Preise behauptet. WitterungSübersich» vom 6. Janaar 1908. ise ClaHnitn i| O~ c 5 5|B !. I atun .! I Lwviemde 768 WSW 3 heiter Hamburg 769 WSW Berlin!77lW Franst. uM 774 �SS Münch«!; 776 Still Wien 775©till » s c 7. e« S» K 5= — 1 Station«! h c 5 i§ Bf I japaranda 743 jl Betersburg 791 S TO -- 767 W 768 SSW |774S Otün vi 4 wolkig L Schnee 4 Regen 4 wolkig 1 Nebel bwolkenl'— 3 1 bedeckt! GScillq Lbalb bd— 13' llberde«! Nebel j— 10 Paris Nebel 1—5' Ii I Wetterprognose für Dienstag, den 7. Januar 1908. Wärmer, zunächst noch trübe mit Negensällen und ziemlich starken westlichen Winden; später wieder zeitiveise ausklarcnd. Berliner Wetterbureaip Waflerstands-Nachrichten der LandeSanstait für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Welicrbureau. »c ct. S v g« * s- -13 -14 9 6 - 7 lud- Wasserstand M e m e I. Tilsit P r e g e l. Jniterburg Weichsel. Thom Oder, Ratibor . Krosscn , Frankfurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netz», Vordamm Elbe, Leilmeritz , Dresden , Blirbb , Magdeburg >)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unlerpegel.—•) Eisstand. —•) Starkes Gründels.') EiSstand, höchster Wasserstand am 4. um 4 Uhr nachmittags 143 cm.— � Schwaches Treibeis.— 7) Starke» Treibeis.— •) Treibeis. itznt ecn Jntinii ert Anternrc übernimmt sie Redattio» drin B»blie»i» gegeniider keinerlei Veraniwortung. Frau WarrenS Gewerbe. G- Ukearer. Dienstag, 7. Januar. Ansang 77. Uhr. Königl. Opernhans. DaS Rhein- gold. ktönigl. Schansptelhans. Die Rgbensleinerln. Deiitiches. WaS ihr wollt. Kammerspiele. Gyges und sein Ring.(Ans. 8 Uhr.) Aivang 8 Ubr. Lorüing. Die ZauberMe.(Ans. 7'/- Uhr.) Berliner. Blaubart. NeueS SchauiPielhanS. Zwischen Ja und Nein. Nachmittag» 3 Uhr: Frau Holle. Lessing. Die gelbe Nachtigall. Reueo. Rudolf Schlosser. Kleines. Mandragola. So illr.<» evoUner-Theater.) Kollege Erampton. Schilter Chartottrnbnrg. Der Revisor-. Friebrick,- Wilbelmstödt. Schon- fpielhans. In Vertretung. Wesieii. Ein Walzcrtraum. Dheaier an der Spree. HokuS- polus. Komi'che Oper. Die verkaufte Brauk Zentral. Reiidenz. Ganz der Papa. Luisen. Krieg im Frieden. V ii< i> t> i r I Ii« iiö. Hus arcnfieber. Trianon. Fräulein Joselle— meine Frau. Thalia. Die gewe Gefahr. Bernhard Rose Der>>üttenbesitzer Bnrgerl. Schauspielhaus. Onkel Bräsig. Eari-Hoverland- Theater. Epe« zialitäten. Mrirotioi. DaS muß man seh'n. Apollo. Hymack. La belle Alexia. GentcS. Walliatla. Spezialitäten. Folirs Gaprice. Mal was andre». Dunlle Punkte. Eine anständige Frau. Gebr. Herrnfeld. Papa und Ge- Nossen. Parodie. Zapfenstreich. Tannhäuser. Monna Banna. Kakino. Bikderieute. Wintergarten. Robert Steidl. Spe- zialitäten. Pai ige. Die singenden Engel»- kövsc. Spezialitäten Borussia> Bart�t«, Ackerstr. 6/7. Spezialitäten. ReitliSIiaUen. Steltiner Sänger. Ilr-inio Z-gudeiihtiisie 8 Uhr: Kairo und die Pyramiden. Tterniviirie, Fnvalldenni s?,»--. KerHuer Theater. Gastspiel d. Neuen Operetten-Theaters. Abends 8 Uhr: Kart. llr&nla Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/40. Abends 8 übr; Kairo und die Pyramiden. Sonnabend, 11. Jan., nachm. 3 Uhr: Tiii-EEuIenspiexd. Preise um die Hälfte ermäßigt. Neuell Theater. Zum erstenmal: k�uclolk Lchlosser. Ansang 7,8 Uhr. Mittwoch: Rudolf Schlosser. Hieraus: Vifion der Salome. Donnerstag: Rudolf Schlosser. Hieraus: Vision der Salome. Kleiuez Theater. AbendS 8 Uhr: Agnen Sorma. Mandragola. Mittwoch, Donnerstag, Freitag: Mandragola. Sonnabend: Mandragola. Theater des- Westens. 8 Uhr: Ein tValxorrmnni. Operette von Cäfnr Strauß. Sonntag nachm. 37« Uhr batbe Preise: __ Iii« InNtijfe Wttwc. Sohlller-Theater o.lWallner-Tdeaier). Dienstag, abends 8 Uhr: vnllox«! 4'i'»i»ptnii, Komödie in 5 Akten von Gcrhart Hauptmann. Mtttwoai. abend« 8 Uhr: vi« HSvnmmxMcIiIackt. Donuerslag. abend«8Udr: Ptaillater. Hieraus: Die l-oro. SclitlSer-Theater. Schiller-Theater Charlottenburg. Dienstag, abend« 8 Uhr: Der Kevlnor. Lustspiel in 5 Alten v. Nikolaus Gogol. Deutsch von E. v. Schabelsky. Mittwoch, abend« 8 Ubr: DkilNater. Hieraus: DI« I.or«. Donnerstag, abends8Uhr: Kollege Crampton. Scliiller-Saal Dienstag abends 8 Uhr: LicderiAbend. Maria Seret(Gesang) und Maria Bcrgwcin kKlavier). Mittwoch abend» 8 Uhr: Vortrag von Fritz Stahl: Rembrandt (1. Teil). Erster Zyllu«: Klassiker der bildenden Kunst. » Arn! Etegant! lutrrrlfnnt! Täglich Vorstellung von 9—11 Uhr. Sonntag» von 3— 11 Uhr. Chari Ottenburg, Polsdamerstr. II. Stetiger Eingang von Reubetten jeslei' Haben Sie sehen I f reieUoIhsbßhne � Freitag, den 10. Jannar, 87, Uhr: W Loptslng-Xheatcr: liUlscn-Theater: g DieEntlriiDsaiisiieitiSeran. Erziehung zar Ehe. � Mitglieder werden noeb in allen Zablstellen aulgenommen. wwwwwwww A Werbet Freitag ® Mi,j,kd£r f Gastkarten Werbet Mitglieder $ß) für die � Abend- abteilungen a 1 IHarh L anob In beiden Theatern beim. Obmannn abends 7 bis 8 Uhr. Werbet Mitglieder für die Abend- abteilungen die Sonntag, den IS. Januar, naebm. 8 Uhr: Berliner Theater Friedrich-Wl Ihelmstadtisches Schauspieliiaus. In Vertretung. Anfang 8 Uhr. Mittwoch: Kriemhild« Rache. Donnerstag: Jugend von heute. Freitag, Sonnabend: In Ver« tretnng.__ £ortzing-Oper. Rclle- Allianceatrnile 7—8. Dienstag. 7. Jan., abend» 77, Uhr: vis Zauberllöte, Mittwoch nachm. 37, Uhr: Rümpel- llilzchen. Abends 8 Uhr: Der Trompeter von Säckingen. Donnerstag 77, Uhr: Die Zauberflöte. Freitag 8 Uhr: Die Entführung aus dem Serail. tjusispiviksus AbendS 8 Ubr: Hnfarenfieber. I.li!8ön-Iiikatör. Retchenbergerttr. 84. Abends 8 Ubr: Krieg im Frieden. Mittwoch z. erstenmal: Eypriennc oder: Wir lassen uns scheiden. Donnerstag: Cyprienne oder: Wir lassen uns scheiden. Freitag: Erziehung zur Ehe. Sonnabend nach»,. 4 Uhr: Max und Moritz. Abends: Der Leier-! mann und sein Pflegekind. Sonntag nachm. 3 Uhr: Romeo: und Julia Abends: Cyprienne oder: Wir lassen unS Icheiden. Montag: Cyprienne oder: Wir i lassen unS scheiden. Dentsehen Konzerthallen, Av der Spandauerhräcke 3. hesuclü??? 17/18. Abteilung: Ledige Leute. Neues Schauspielhaus 4S! 2/8 Abteilung: wBt ipipie aul Ms.% S Zirkus Schumann Heute Dienstag, den 7. Januar, abends 77, Uhr: Außeronientl. Gr. Vorstellung mit bei vorragendem Programm, sowie die ganz vorzügliche Künstler-Fainily Klein, Um 7,10 Uhr: Amerika zur Zelt der Sklaverei 1883 in 5 Akten, hierzu ILO mitwirkende schwarze Leute, hervorzuheben: Ait große KrlliidhlMropijt in einem Hotel auf dem Aroadway in Atw York. Eine natürliche Tampssprttze in voller Tütigkeit. Bollständig neue, feenhafte Licht» und Wassereffekte. UixliossA Theater Bürgerfäle. Bergstratze Nr. 117. Mittwoch, den 8. Januar 1393: DieSizen ötrCEsellsdialf. Schauspiel in 4 Akten v. Henrik Ibsen. Ansang 3 Uhr._ XIII. Satnon. Zirkns filnnch! DienStag, den 7. Januar 1398. abends 77, Uhr: CiroO« Vorstellung, Huste, b. Herrn KommilfioiiSrats j Guat. Stensbeck, Dir. d. Berliner TattersallS als Gast. Gros. Olar-! koniansnus•Jlmriifa. Sensationell.! TheKremo Fanttty. 10 Personen, j .rerner: Frl. Maitha Mohnke als I Schuir. Herr Ernst Schuiiiaiin, I Ncudresi. Fräul. Estelle Prenal. Um 7,19 Uhr: Aus der Hallig! Gr. Mancge-Ausst.-Pant d. Zirkus I Busch in 4 Bild. Gas Geheimnis der tauchenden Sirenen. Vorder bo« große Programm!| 26. Kunstabend im Rathauses Montag, den SO..Tanuar, 87, Uhr; beutfehe Roanantlke Einlaßkarten a 30 Pf. nur noch in den Zahlstellen zu haben. «wfc, Wagner-Feier«orx Sonnabend, den 15. Februar, Im Mosart-Saal. 240/2* Der Vorstand. In Vertr.: G. Winkler. s Residenz-Theater. — Direktion: Richard Alexander.— Ansang 8 Ubr. Ganz der Papa. Echwank in 3 Sitten von MarS und DeSoalliäreS. Deutsch v. M. Schönau. Baron deS Aubrais: Rich. Alexander. Sonntag, den t2. Januar, nachm 3 Uhr: Haben Sie nichts zu ver- zollen? M Köpenlckerstr. 68, dicht am B 1 jj Balm bot Jannowitzbi-ttcke T I | Täglich 6 Uhr: 3 Neae Bei Uner Poese m. Gesaug u. Taoz von Louis Herrmano. Neu» Neu! Auf st hrlfthod. telepb. Besiel). (IV,-2835) werden d. Bllleta in Berlin u.»Sinti.> ororten gegen Nach n.(ohne jede Preisrrhöh.l I in die Wohnungen geschickt I ZentraloTheater. Gastspiel deS Hebbel-Theaters. AbendS 8 Uhr: Frau Warrens Gewerbe. Drama in 4 Akten von Bernh. Shaw. Tsdsksrdeiler-IZeiiosseitzeilüst Uawdurg IZkMMMM ä Gr. graiistnrieritr. 132. Der Ntlttenbegltnes». Anfang 8 Ubr.— WochcntagSPreise. Mittwoch Ensemble- Gastspick dcS Zentral-IheaterS: Die Geisha. Donnerstag: Die Verlobung im Bett. Die oberen Zehntausend. Oos Programm der Attraktionea OV und Novitäten."W Abend» 8 Uhr: Is Seilt tleila, Walzerwain""S";,".*!,'.""1 Mann mit de» Handschu�� tz»ietx,vart Hlente» in seinem Sketsch: DI« Dpernprobe. Die 3 goldenen Jungirauen. W. Koacks Theafer Direktion i Hob. Olli. BrmiueiiNr. 18. Der größte Erfolg der Salso» I» der Irre. Schauspiel n. d. gkcichn.„Morgetipost*. fltoman. Anfang 8 Uhr. Entree SO Pf. Ehren- und VorzugSkarten"" und 9}( Donnerstag: Gel gültig 1 Rame. empLsblt ibro anerkannt vormixUohon llllüljtztsiigsrrsii. W'abrlknlederlas« Trianon-Theater. Fg Fräulein Josette- meine Frau, coiimng nachm.: Cyprienne. Vertr: Udo S ta ngen b er 2, Amt 4t Zigaretten u. Tabak en gros. 9400. 40 Verkaufsstellen in Berlin und Vororlas. Melropol-Thealer Anfttng prttzlse 8 Chr. Gr. Kevue in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Eollaender. In Szene eesetzt von Direktor Richard Schultz. B. G. TWelseliep, F. Itary, i ete. Banobcn KOHtattet. Sonntap:, den 18. Janaar, nachmittags 3 Uhr: Die Herrn von Maxim. Neues Programm. Ruth Sl. Tincent Gesan gskünstlerin. Kaufmann-Truppe reizende Radfahrkilnstlennnen. Rochoz Affen Oer Affe als Kapellmeister. Robert Steidl der beliebte Humorist, und viele andere erstklassige Spezialitäten. e"* Passage-Theater. Abends 8 Uhr: Die Tochter des Herodias. Cavaltere Qirotto The 6 Jdols. Rudolf Mälzer. Die singenden Engelsköpfe. a Ifariefe-Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor Abends 8 Uhr: Das große Programm. 01« erste Sensation im neuen Jahr: Der Kraltjonyleur Acosta. j A elcktriMcho Sterne musikalisch AusswitungSaft, Bestruni, Komiker. Pi olongierk 1 Prolongiert I 18 Akrobaten l.oreh 18. 46 Varl�t�kUnMtler. Tunnel: RegimentSkapeile, Tiroler Thealerbesuchern freier Eintritt Psroltie-Ibeiiter, DreSdenerstr, 97. Ansang 8 Uhr. OV Vorletzte Woche."WS Zum 68. Male: Tsptensti-eieli. Tannhäuser. Monna Vanna. Sanssouci gui»«'� Direktion: Wilhelm Reimer. Heute Dienstag: 1. Große Spezialiiäteo- __ SUanznummern! I Erstklassige Künstler.-W» Sonntag Beginn b Uhr. Wochentags 8 Uhr. Reiclisliallen-Theater. r Ä». Ansang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. alast-Theater Pala «W- Burgftrasje 24. Heute 8 Uhr BS' Entree 80 Pf. Der Januar- Spielplan. Ees 4 Orans. Paul Richard. Manöverliebe. Burleske. $ lycniAMa \VumteT4eüter Inh.: J. I.eetchkotVHki. Ackerstraße 6-7. Täglich: Theater- und Spezialitäten- Vorstellung. Auftret. v. 15 Künstler-Spezialit. FröbeP Allerlei-Theater Schönhauser Allee 148. Dienstag, den 7. Januar 1908: Gastspiel desBernii.te-Tlieaters. Liane, die zweite Frau. Schauspiel in 5 Zilien nach d. gleich. namigen Erzählungen v. E. Marlitt i. d..Gartenlaube v. P. Blumenreich. Kassen eröfsnung 7 Uhr. Zlnsang 8 Uhr. Gehl. Herrnfeld- Theater. 57 Kommandantenftrahe Nr. 57. Ans. 8 Uhr. Porverkaus 11—2 Uhr. Die von der gesamten Press« als ersoigreichster Schlager bezeichnete Novität: Komödie in 2 Akten m. d. Autoren Anton und Donat Herruseld in den Hauptrollen. vorder: Madame Wig-Wag. Morgen: Dieselbe Vorstellung Sonnlag nachm. 3 Uhr: Dir Mayerhains. uggenftqcßn .. � Morltz-plati, Wf. imThcateuaal taglicK; i und das pßaptige Januar-Propmoi. Entree 50 Pt. Vorverkauf 40 Pf. Im unteren Konzerisanl täglich die altt-i-e,-»tvn U i I i t Uv Kapollon: Seder, Przywarski, 1 Görisch, Neumann, Osseney, I LüIIich.' F. HappoSdts Nrnri* KonzortHaal. Hasenheide(Eingang Giäseslrahe Hallestelle Fichlestrahe). Olenstsg: 1. Lustiger Abend Mittwoch: Kunstabcnp. Donners- lag: 2. Lustiger Abeud mit Ueberraschuiigen. O Sonntag: 2 Konzerte.(Mittags Matinee.) Anerkannt sehr leistungsfähig ist die Welt-Firma Gräfrath bei Solingen Gebrüder Rauh Stahlwarenfabrik, Versandhans I. Range«. illeinige Fabrikaoteo der berühmten Uinba DDIIIIIIT" Solinger Stahlwaren HlQl&C„DUlLLJuil SfversendÄiräO TilgC Zlir PfObe! Rasier-Carnituren„Colonia" No. 2210. Unöbertroffen praktisch u. billig Fein polierter llolabaMten, verttchliellbar, mit verittell barem KaMicr-8plegel, enthaltend sämtl. Rasier-Utensilien; 1. Ein hochfeines Silberstahl• Rasiar- metser für jeden Bart passend, fein hohl geschliffen and fertig zum Gebrauch, 2. einen guten Streichriemen, 3. eine Oese SchSrlmasse, 4. ein« Dose antisept Rasierseife, 5. einen Rasierpinsel, 6. einen vernickelten Rasiernapf. A II«» nnaammen DUF 3 M, Nfl 9911 D'e8e",e Garnitur, Hü. 4411. aber Raslermesser mit Schutzvorrichtung für Ungeübte(Verletzung ausgseohloesen)«», Q RH U mit Anleitung,»UI 0)JU M, Haarschneidemaschine „Perfekt" No. 264 mit zwei Aufschiebekämmeu für 3, 7 und 10 mm Haarlänge mit G ebrauch sanweisung, wonach jedermann sofort H,Z'■ nur 4,30 M. OaarschneliemascIiiM „Syinbolo" Ho. 284'/2 .ÄS?,"üi 3,50 M. Diese Maschine kann per Doppelbrief versandt werden MSS' AurtrttB« von 15 K. an erfolgen porteifrei innerhalb Deutschlands n. Oesterreich- Ungarns. unter Nachnahme oder :egen Voraua es Betrages. D JU l6rSJ00g®SeJ? Vorauszahlung fiaraDlieschein: sehen wir bereitwilligst um oder zahlen Betrag zurück. Umsonst und portofrei Uiustrierten Pracht-Katalog �„TonX": tend und zwar; Alle Arten Sollnger Stahlwaren, Haus- und KOchengeräte, Werkzeuge, ob Luxus- u. Geschenkartikel, Waffen, ept Waren, BRILLANT Bijouterie-, Gold- und Silberwaren, Uhren, Lederwaren, Pfeifen, Zigarren, Stäcke, Schirme, eöOBiu' maolti. Musikinstrumente, Kinderspielwaren und viele rMBnitVlVlHriKfci andere Artikel in größter Auswahl. Wir bemerken, daß nur elegante, gediegene und preiswiirdige Ware zum Versand kommt. Uelnr 6000 lebende Anerkennungsschreiben besUtlgen 60t« und Qualität unserer Waren. Bei Samniel-Aafträgen Extra■ VcrgQ asilgangea. Dr. Schilnemann Svezial-Arzt für 14758* Hant- an«l llurnlelden, Franc n krank Ii«iten. Frledrichstr. 203, Ecke Schüyelistr. 10-8. 5-7. Soiiin. 10- 1 8 Übt. ygienische lledarrttartikrl, Gummiwaren, lOOOe Anerk. V. Prof. u. Aerzt. empf., bill. Apoth. S. Schweitzers Fab. hyg. Präp., Berlin 0., Holz- marktstr. 69-70. OH..erlang Srjindungen tauft oder stnanzlert. Offerten unter K*. 8V6B an llnawcn» »t«ln& Vogler A.-ti., Jennkiurt a. M.• Theater Folies Caprlce Linienstr. 132, Ecke FrledrlehstraSe. Berlins Tagesgespräch 1 Alst was Anderes. Revue in 3 Bildern. Dunkle Funkte. Eine unHtttndl|-o Fraa. Anfang 8 Uhr. Kasino-Theater. Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr: Gehet l Monat total ausverkauft. Nur noch kurze Zeit! UteiteA'Ieiit«. Sonntag 4 Uhr: Rick Carter. 4iHygienis(� Bea&nsaraktl. Neuest Katalog O. Ein p fehl viel Aerzteu Prof. grat. ajj B. Onger, Gammiwueal&krik Berlin NW- Friednchsirass« 91/92 Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41,Äpu.z. 10—2,6—7. Lonntags 10—12,2—4 Zur Aufklärung! M. Schmeiher» Saucen- Würsel dient nicht, wie vielsach irrtümlich angenommen wird, aiS ljulatz oder Ber- besserung für fertige sauren, sondern zur ursprünglichen Herstellung der- selben obne irgend welche wettere Zutat. Ueberall zu haben. 5�98' M. SchrneiEors Nährmittel-Fabrik, G. m. b. H., Leipzig. Filiale Serlin, Oranienburgerstr. 17. Amt lila 4729. Händler nnd Hansierer verlnuglPretOIlsieüb ttiir»..B<>nd-. Lcder- u. Etahlwaren,«eisen und alle einschlägigen«rlllet von Vilbel», So»n»»d«rg(Inh.». ItoMnitsln). Hamburg 4«,«rohnenmarft 24. Speziat- SnaeoS- Betchätl nur illr Händler. Hausierer und Maeltreiieude vcrland llberallhiu gegen Nachnahme. ArtiöiHiltuiigsscIiuIe Berlin. Schullokal: Grenadierstr. 37, Hof geradszu 1 Tr. Sehrplati für das 1. Quartal 1908. Montag: Natnrerkenntuls. Die chemischen Elemente. Atom- nnd Elektronen-Theorie. Die Radioaktivität Die Formen nnd die Erhaltung der Energie. Die Gravitationsgosetze. Das Weltall. Die Nebular-Hypothese. Sonne, Planeten und Fixsterne. Die Erde im Weltraum. Der Moni Die Entwickelung der Erooberfläche. Die Erdzeitalter. Das Lebensproblem nnd oie Entwickelung der Lebewesen. Der Darwinismus. Die Abstammung des Menschen. Die Urzeit des Menschen. Vortragender: Emannel Warm. Montag; Nationalökonomie äkonemle. II.) CElnfllhrang I» die National Das geschichtliche Eingreifen des Kapitals in die Produktionsbedingungen. Der Charakter der Wirtschaftsgeschichte seit dem Ausgang des Mittelalters. Die Entwickelung der mittelalterlichen Produktionsweise über Kooperation und Manufaktur hinweg bis zur grollen Industrio der Gegenwart. Der Einfluß dieser gescbichtlicben Umwälzungen auf die Lage der Arbeiterklasse. Vortragender; Julian Borohardt. Dieser Kurens findet in Tempelhol bei M o k u 1 y, Berliners tr. 0, statt. Montag; Geachlchte.(Die neueste deutsche Geschichte, die Geschichte der deutschen Sozialdemokratie.) Die fünfziger Jahre. Marz und Engels. Laseaile. Der preußische Verfassungsstreit. Krieg und Wahlrecht Die Gründung des Milliardensei egen. Lassalleaner nnd Eise- Nacb dem Sozialistengesetz. ngc 1 Eii m Krankheit des s belegt hatten, Deutschen Reiches. nacher. Das Sozialistengesetz. Vortragender: Heinrich Schals.(Dieser Kursas findet in Steglitz bei Sohellhaee, Ahornstr. 15a, statt Dienstag: Rednerschale. 1. Wiederholung: Die Bedeutung und Notwendigkeit der freien Rede. Die Grenzen der natürlichen Beredsamkeit Die Redekunst Die Rede nach Form und Inhalt Dispositionslehre. 2. Technische Hülfsmittol: Die Registratur. Die Nachschlage- Bibliothek. Das Mannskript 3. Praktische Uebangen im Reden und Diskutieren. Vortragender: Max Granwald. Die Teilnehmer dieses Kursus, die den wegei Lehrers unterbrochenen Kursus des letzten Quartal zahlen nur 50 Pf. nach. Für Neueintretende, wie üblich, 1 M. Mittwoch: Qesetzcalninde.(Die Entwickelung des deutschen Rechts.) I. Bis zur Schwelle der Neuzelt. 1. Wesen and En tetehang des Rechts. Privatrecht und öHontliches Recht Triebkräfte der Entwickelung: Soziale Organisation und Gewalt Wirtschaft und Recht 2. Die Rechtsverhältnisse der alten Germanen. gericht Die Stellung der Kirche im Frankenreich. 4. Die Ausbildung des Feudalsystems. Das deutsche Königtum. Die Recbtebücher. 5. Der Bauernstand. Freie Bauern und Hörige. Herrenrocht und Volksrecht 6. Das Städtewesen. Wirtschaftliche Grundlagen. Schutz und Rechtsbildung. Die Leistungen der genossenschaftlichen Organisation. Die Städtebünde. Städtische Verfassungskämpfe. Gilden und Zünfte. 7. Die Gesellenverbände. Die unehrlichen Leute. Die Rechtsstellung des Proletariats. 8. Die Kirche und das Kirchenrecht Das Zinsverbot Die Juden. 9. Das Straf recht Von der Bulle zur Folter. Die Ketzerverfolgung. Das Femgericht>0 Kaisertum und Landesfürsten. Die Kurfürsten. Der Reichstag. Der Landfriede. Die Kreiseinteilung. Die Landstände. XL Der Niedergang des Bauemstandes und der Volksfreiheit Der Sieg dos Fürstentums. Das römische Recht 12 Kircbenrevolatiop and Bauernkriege. Die Niederlage des deutschen Volkes. Vortragender: Simon Katzenstein. Donnerstag: SiatlanalOkonomle.(ElnfOhrung la die IhM- retlsche Natlenalfikonomie. Zweiter Teil). 1. Wiederholung: Kapitalistische Wirtsehaftsordnnng, Ware, Gebrauchswert, Tauschwert, Geld, Preis. 2. Die Verwandlung von Geld in Kapital. 3. Die Ersohoinungsfonnen des Kapitals. 4. Mehrwert 5. Arbeitskraft, Arbeitslohn. 6. Die Entwiokelungs- tendenz der kapitalistischen Weltwirtschaft Vortragender: Max Granwald. Auch hier gelten dieselben Bedingungen wie(Ol den Dienstag- Kursus in Redeübung. Freitag: lilteratargeachletate.(Von der Rmlutlontdichtung bis zur neuesten Zeil.) Bertbold Auerbach. Friedrich Bodenstedt Ohristian Grabbe. Friedrich Hebbel Otto Ludwig. Viktor v. SoheHeL Annette v. Droste-HülshoS. Emannel Geibel Julius WoUL Gottfried Keller. Konrad Ferdinand Meyer. Wilhelm Raabe. Vortragende: Frau Regina Ruhen. Sonnabend: Geschichte.(Moderne Ketonlalgeechichtc.) 1. Die Spanier in der neuen Welt 2. Ostindien und die Portu- f lesen. 3. Niederländische Kolonialpolitik. 4. Dia Anfänge er englischen Kolonialpolitik. 6. England and Amerika. 6. Die Engländer in Ostindien. 7. Französische Kolonialgeschichte. 8. Englische Kolonialgeschichte im 19. Jahrhundert 9. China und die Grollm>>''bte in'-r deutschen Kolonialgeschichte. Vortragender: Dr. A. Conrad y. In Berlin beginnt der Unterricht in Bfatarerbenntnls t Montag, den 80. Januar; Hednersrbnle: Dienstag, den 81. Januar: Gesetaesknndo: Mittwoch, den 88. Januar; Katlonalökononile: Donnerstag, den 83. Januar; l.ltc- ratiirgeHChlchte: Freitag, den 84. Januar; Geschichte: Sonnabend, den 85 Januar; Geschichte in I8teglltx: Montag, den 80. Januar; Nationalökonomie in Tempel- hof: Montag, den 80. Januar. Jeder Kursus erstreckt eieb auf zehn Abende nnd beginnt pünktlich um O(ihr und endet pünktlich um'/,KK Uhr. Die reichhaltige Bibliothek ist an diesen Abenden von 8—0 Uhr geöffnet, Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Unterrichtsgeld für jedes Fach beträgt pro Kursus 1 Mark und ist spätestens am zweiten Abend zu zahlen. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt am besten gstr. 37; Kahrow, Ravensstr. 6; Borsch, Engelufer 15; Schellbase, Steglitz, Ahornstr. Iba Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Otto Gelthner, Berlin NO. 18, Friedenstraße 70 III, rechts Geldsendungen an den Kassierer U. Uöulgn, Berlin S. 59, Hasen- beide 56, zu senden. Oer Voratuud. Bruch-Pollmann cmPfieblMeln 8ag(i inBruchbsndagen, Leibbinden, Giradehatlern, Spritzen, Suspensorien idiuir sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. 8i«I«r l.Ori».>,.Hül!s.Krai,ke»kaste» «e.-ll» M.. 1469." cht Ltrthringrr frtrnljr 00. Alle Bruchbänder mit elastischen Pe- loten, angenehm u. weich am Kärpe». Stempel-Zyub'it von 15308* Robert Hecbt, Berlin 8., Craniritjtr. 142, liefert schnell und billig alle Arten Tteinpel in bester üussührung. »autieuut-Tppcu»Perfekt« zum Zusammeniehen einzelner Borter sowie ganzer Sähe von 1,50 2«. an verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für de» Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: vorwärts Luchdruckerei u. LerlagSanstalt Paul Singer& Go„ Berlin SW.