Nr.«. flboandnenU'Btdlnsnnsen: Woraitmenlä- Stets PrSnumetando> SietteliShrl. 3,SO SKI, monall. 1,10 MI., WSchentlich� 28 Pfg.'''"" frei WS HauS. Einzelne Nuinmet 5 Pfg. Eomuags- nummet mit Ittufltiectet Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfa. Post- Sibonnement: 1.10 Mail wo Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband silr Teutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, volland. Italien. Luxemburg. Portugal, Siuminieu. Schweden und die Schweiz. SS. Jahrg. vlttlii tigll» auStr mootiat. Verlinev Volksblatk. Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Die InlertionS'GebflDe betrügt sitr die fechsgespallene Kolonel- zeile oder deren Raum b0 Pfg. für doli tische und gewerlschastliche Vereins- und«ersainmlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Hnzcigcn". das erste(feit- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. 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Es soll sich zeigen, ob die Re gicrung die Absicht und die Energie hat, über die konservativ� agrarisckien Hindernisse hinlvegzuschreiten. Es soll sich zeigen, ob der Freisinn sich mit leeren Versprechungen abspeisen lassen wird oder ob er noch soviel Selbstachtung aufzutreiben ver mag, sich noch im letzten Augenblick aus der gouvernemental reaktionären Umgarnung zu befreien. Die Entscheidungen sowohl des Reichstags wie des Landtags sind von einschneidendster Bedeutung. Bon ihnen hängt das Schicksal des Freisinns, hängt die ganze politische Gestaltung der nächsten Zukunft ab. Zunächst wird der R e i ch s t a g die Versprechungen der Blockpolitik zu liquidieren haben. DaS gilt in erster Linie von der Gestaltung des S t e u e r w e s e n s. Ein ungeheures Loch klafft im Rcichssäckel, ein Defizit von einer Viertel Milliarde ist zu decken! Herr v. R h e i n b a b en. die Regierungen der übrigen Bundesstaaten haben sich gegen direkte Reichssteuern ausgesprochen; sie wollen die ungeheure Mehrbelastung durch neue indirekte Steuern gedeckt sehen. Die Liberalen treten für direkte Reichssteuern ein. Aber freilich bilden auch sie sich nicht ein, daß das ganze un- geheure Defizit ausschließlich durch direkte Reichssteuern oder„veredelte" Matrikularbeiträac gedeckt werden könnte. Die direkten Steuern sollen nur das Schönheitspflästerchen bilden, um die neuen indirekten Steuern minder ab- scheulich erscheinen zu lassen. Da aber dies Pittelchen allzu durchsichtig ist, ist insonderheit dem Freisinn bei dem Steucrelend gar nicht wohl zu mute. Gar zu gern möchte er die Sanierung der zerrütteten Finanzen, die Deckung der vom F r e i si n n bewilligten uferlosen kolonial- und Welt p 0 l i t i sch e n Ausgaben so lange als möglich hinausschieben, um nicht allzu früh zur Rechenschaft gezogen werden zu können! Diese jammervolle Politik des Ausweichens, der Retirade kann nicht scharf genug gebrandmarkt werden! Wenn der Frei- sinn die enormen kolonialen Ausgaben bewilligt, wenn er für die M a r i n e v 0 r l a g e eintritt, wenn er dadurch dem Volke eine Milliarde neuer Ausgaben für die nächsten Jahre aufbürdet, so kanu er nicht die Verantwortung für die aus solchen Bewilligungen erwachsenden neuen Steuern ab- lehnen I Und wie sieht es im übrigen mit der Einlösung der liberalen Block-Versprechungen aus? Da ist die Majestäts- beleidigungsvorlage. Wird die etwa so unglaubliche Urteile, wie das Königsberger, künstig unmöglich machen? Keineswegs! Denn Beleidigungen, die aus„Böswilligkeit" und„mit Absicht" begangen werden, sollen nach wie vor be- straft werden. Und man braucht ja nur Sozialdemokrat zu sein, um der Böswilligkeit und des Vorbedachts ohne weiteres verdächtig zu sein! Konservative und Block-Liberale freilich sind über solchen Verdacht natürlich von vornherein erhaben! So ist die famose„Reform" nichts anderes als ein neues Ausnahmegesetz gegen die Sozial demokratie! Ebenso bringt das BereiuSgesetz neben einigen Ver besserungen für einige süddeutsche Staaten direkte Ver- schlechterungen. Das Recht der polizeilichen Auflösung der Versammlungen öffnet der Willkür untergeordneter Polizei organe nach wie vor Tür und Tor! Die wirkliche Vev sammlungsfreiheit für das Proletariat'wird durch die Bestimmung vereitelt, daß für Versammlungen unter freiem Himmel die behördliche Genehmigung erforderlich ist. Vor allen Dingen aber ändert dieses gesetzgeberische Pro- bukt konservattv-liberaler Paruna nichts an der skandalösen Ent- rechtnng der ländlichen Arbeiter! Und ein genau ebenso unzu- längliches Flickwcrk ist die Gewerbeordnungsnovelle, die neben einer Reihe von Unzulänglichkeiten auch eine ganze Reihe bedenklicher Bestimmungen enthält. Den be- rcchtigstcn Forderungen der Arbeiterklasse wird auch nicht an- nähernd Rechnung getragen! Das ist das Ergebnis der Blockpolitik für das Reich! Um den Preis ungeheuer! icher Mehrbelastungen, um den Preis von neuen indirekten, volksaus- wuchernden Steuern in der Höhe von Hunderten von Millionen ein paar armselige Flickereien, die auch ohne die liberalen Handlangerdienste für die Paarung von Weltpolitik und Agrariertum, von Börseanern und Antisemiten nicht zu umgehen gewesen wären l Für all diese Konzessionen an die Reaktion verheißt nun der Liberalismus Zugeständnisse in Preußen! Die preußische Wahlrechtsreform soll die Entschädigung für alle sonstigen Ver- zichte, für alle prinzipiellen Verrätereien des Freisinns sein! Wie aber steht es mit der preußischen Wahlrechtsreform? Wird sie nicht auch nur ein armseliges Scheinbrot sein? Ein Stet« statt des ruhmredig verheißenen Brotes? Nicht durch klare prinzipielle Verfechtung seiner Programmforderungen will ja der Freisinn— das ver spricht er wenigstens— die Drciklassenschmach beseitigen sondern durch schmeichlerische Liebesgabenpolittk an die Reaktion! Nicht fordern will er. sondern bitten, über- reden! Keinen Volks stürm will er entfachen, sondern diplomatisch schachern! Nicht will er die Massen des Volkes auf die Schanze rufen, nicht will er gleich der Sozialdemokratie die Rechtlosen gegen die Privilegierten ins Feld führen, sondern die Schlacht gegen die Reaktion mit dem Papierschwert einiger Bülowschen Redefrüchte schlagen! Wollte der Freisinn die Rechte des Volkes redlich und mannhaft wahren, so konnte er sich auf die Mehrheit des Volkes stützen! Nicht nur die drei Millionen Sozial demokraten, sondern auch die Millionen der Ent rechteten des Zentrums und des Liberalismus würden der Kampf geführt, unwiderstehlich geführt haben l Die Reaktion hätte nachgeben müssen! Aber der Freisinn wollt keinen Kampf, er wollte den Schacher! Aber noch ist der Schacher, der Volksverrat nicht perfekt Noch ist das Kompromiß, durch das die 85 Prozent des ent rechteten Volkes geprellt werden sollen, nicht geschlossen? Appelliert der Freisinn nicht an die Massen, übt das Zentrum schnöde Verrätertaktik: das klassenbewußte Pro letariat ist auf dem Plane! Die Massen der Arbeiter ver- folgen mit Argusaugcn das Spiel, das im preußischen Ab geordnetenhause getrieben werden soll! Gewaltige Volkskundgebungcn werden das am Vorabend des 10. Januar allen offenen Feinden und falschen Freunden des allgemeine« und gleichen Wahlrechts beweisen! Das Volk der Rechtlosen wird vornehmlich sein„Cavv, adsum!"(Hüte Dich, ich bin zugegen!) erschallen lassen! Der Freisinn"darf sich, ja nicht einbilden, es dem Volke gegenüber so leicht zu haben, wie im Zirkus Busch oder in Frankfurt seinen gedrillten und eingeseiften Getreuen gegen über! Das Proletariat wird ihm nicht nur auf den Mund. sondern auch auf die Fäuste sehn I Es sind nicht alle Jahre Faschingswahlen I Die koloniale Seifenblase ist bereits geplatzt, Ernüchterung und Selbstbesinnung bricht sich mehr und mehr Bahn. Der Freisinn wird den Lohn für seine Taten ernten, trotz aller Protektion eines Bülow und eines Liebertl Aber auch die Regierung selb st mag auf die Helfersdienste des Freisinns nicht allzusest bauen l Das Volk der Rechtlosen ist nicht so einfältig, sich durch fade Rede künste narren zu lassen! Es fordert sein Recht! Sein volles, ganzes Recht, das ihm dreister Junkertrutz und kapitalistische Ausbeutergier so lange schmachvoll vorenthalten! Das Volk läßt sich nicht länger mit Versprechungen abspeisen, es will Taten sehen! Tie wiederholt gestundeten Wechsel sind fällig, die Ver- sprechungen müssen eingelöst werden! Geraus mit dem allgemeinen gleichen Wahlrecht! nd seine Zukunft schmiede selbst das Volk, das souveräne! Vertuschte IPeters-Skandak?! Wenn nicht alles trügt, hat den Peters nunmehr in Köln die Nemesis erreicht. Wenn nicht neue Vertuschung schamvoll den Schleier über das Konquistadorentum dieses Menschen deckt, wird er künftig, trotz des Herrn Arendt und trotz seiner neugewonnenen literarischen Bewunderer, für die Oeffentlichkeit ein toter Mann sein. Denn in Köln steht ihm nicht ein sozialdemokratischer Re- dakteur als Verklagter gegenüber, dem die kolonialen Geheimarchive verschlossen sind und der nur mühsam verschüchterte oder gar wider- willige Zeugen aufzutreiben vermag, sondern ein hoher Beamter, ein ehemaliger Landrat und Kolonialgouvemeur, der die PeterS Akte» genau kennt und der den Zeugen den Mund zu öffnen weiß! Aber nicht nur der PeterS dürfte in seiner ganzen Blöße ent- kleidet werden, sondern auch die ungeheuerliche koloniale Ver- tuschungspolitik dürste entlarvt, an den Pranger gestellt werden! Freilich versucht PeterS allen Feststellungen auszuweichen. Er kneift zum Erbarmen. Nur ein winziges Moment aus dem ver- nichtenden Ganzen des Artikels möchte er herausfischen, um der Oeffentlichkeit Sand in die Augen zu streuen. Und getreulich sekimdiert ihm sein Verteidiger S e l l 0, der alles aufbieten zu wollen versichert, um die Beweiserhebung einzuengen! Ja, selbst der Vorsitzende des Gerichts beteuerte. alles nicht absolut„zur Sache" Gehörige strengstens aus der Verhandlung fern- halten zu wollen! Nun, uns könnte das ja recht fein! Wenn PeterS, wenn das Gericht die Erklärungen des ehemaligen Gouverneurs von Ostaftika Bennigsen unwiderlegt ins Land gehen lassen wollen— umso schlimmer für PeterS, für die PeterS-Cliqne, für die Kolonial- Verwaltung I Behauptete doch Bennigsen nicht nur. daß PeterS die Jagodja und den Mabmk aus geschlechtlichen Motiven, ohne jeden politischen Nebengrund, habe hängen lassen, sondern behauptete er doch, daß daS Kolonialamt den PeterS geflissentlich geschont habe, trotzdem eS längst Kenntnis von feinen Verbrechen gehabt habe! Be- hauptete doch dieser hohe Beamte, daß die Disziplinaruntersuchungen gegen den PeterS nur Scheinuntersuchungen gewesen seien. und daß es nur seinem amtlichen Eingreifen zu danken sei. daß nicht auch die dritte Disziplinaruntersuchung eine Faree geworden sei! Behauptete er doch, daß die Peters-Clique den Kolonialdirektor Dr. Kayser terrorisiert, ja ins Grab getrieben Habel Be- hauptete er doch, daß diese allmächtige Clique nicht nur den PeterS, sondern auch ein„Scheusal" wie den berüchtigten Flaschen-Schröder trotz seiner Schandtaten, ja trotz seiner erstinstanzlichen Verurteilung zu 15 Jahren Zuchthaus mit Hülfe des PeterS wieder in ein hohes Kolonialamt habe befördern wollen! Und das will Herr v. Bennigsen alles beweisen! Wir glauben denn doch, daß unter solchen Umständen der umfangreichste Beweis nicht wird abgeschnitten werden können! Denn waS hier behauptet worden ist— nicht von einem Erst- besten, von einem Unkundigen, fondern von einem hohen Kolonialbeamteu, einem Kenner der Akten und Tatsachen— ist doch wohl das stärkste, was bisher über koloniale Korruption jemals behauptet worden ist! Der Prozeß verspricht deshalb hochinteressant zu werden? Und daß dem Peters das Herz in die Hosen fällt, daß er erklärt, bei solcher Prozeßführung die Luft am Verklagen zu ver- l i e r e n. ist nur doppeft geeignet, die Verhandlungen um so auf- merksamer zu verfolgen! Noch etwas Persönliches. Herr S e l 0 erklärte, daß es Peters und ihm ebenso gleichgültig sei, wie der englische Bischof Smithies über Peters geurteilt habe, wie wenn der„Vorwärts" seinen teueren Klienten„Hänge-PeterS" genannt habe. Wir können nur versichern, daß es uns noch unendlich gleichgültiger ist, was Herr Sello samt seinem Peters über den„Vorwärts" zum Zweck petersretterischer Stimmungsmache zum besten zu geben für opportun erachten! Die gleichgültige P e r son des Peters scheidet für uns wirklich aus. Die gönnen wir Herrn Sello und Herrn Arendt. Aber das System Peters werden wir um so sorgfältiger durchleuchten.— Candesverfammlung der wUrtlembergUGeD Vclhspartei. Die angeblich radikalste bürgerliche Partei, die demokratische, hielt alter Uebung gemäß am Montag, dem Dreiiönigstage, ihre Landesversammlung in Stuttgart. Den Verhandlungen voraus ging eine Trauerfeier für den jüngst verstorbenen Führer der württembergischen Volkspartei Friedrich Haußmann, den Zwillingsbruder des Reichstagsabgeördneten Conrad Haußmann. Den Parteibericht erstattete der Vorsitzende des Landeskomitees, Landtagsabgeordneter Dr. Elsas. «Wie stehen wir znm Block?" Die Frage warf der Berichterstatter auf und beantwortete sie folgendermaßen:„Es läßt sich nicht leugnen, daß in den Kreisen der Parteigenossen besonders seit den letzten Ereignissen im Reichstag verstärkter Pessimismus Platz gegriffen hat. Wir müssen uns aber fragen, haben wir überhaupt eine andere Wahl gehabt als vereint mit der Freisinnigen Volkspartei und der Freisinnigen Vereinigung in die lose Verbindung des „Blocks" einzutreten? Nein! Wir haben uns sagen müssen, eS kommt auf den Versuch an. durch Ausschaltung des Ultra- montanismus die Reichspolitik in eine liberale Richtung zu drängen. Wir durften nicht in oppositioneller Negation verharren, da die Möglichkeit vorlag, daß in Deutschland einmal mit einem starken Einschlag von Liberalismus regiert werden kann. Miß- lingt der Versuch, geht es an unsere Grundsätze, dann heraus aus dem Block!" Man sieht, trotz der schmerzlichsten Erfahrungen kann ein alter erfahrener Politiker, ein Demokrat alter Qualität, wie Dr. Elsas es ist, den letzten Hoffnungsschimmer noch nicht fahren lassen, bei dem die Demokratie entnervenden Blockexperiment könnte doch noch ein demokratischer Fortschritt herausspringen. Das ist um so bemerkenswerter, als später eben Dr. Elsas als Referent über Vereinsrecht und Koalitionsfreiheit eine unbarmherzige der- nichtende Kritik an dem Vereinsgesetzentwurf, dieser kernfaulen Frucht der Blockpolitik, übte. Den ReichStagSbericht gab Reichstagsabgeordneter und württembergischer Kammer« Präsident Payer, jetzt Herr v. Payer. Ritter hoher Orden usw. Seine Rede erschöpfte sich in einer krampfhaften Verteidigung der Blockpolitik. Früher mal einer der radikalsten Draufgänger der Volkspartei, ein entschiedener Gegner schwächlicher Halbheiten und gefürchteter Volksmann hat sich Payer zum kompromisselnden Staatsmännchen umgewandelt:„Wir sind im Block und werden drin bleiben, da noch kein Mensch uns eine gescheitere Politik hat vorschlagen können", meinte er. Freilich,„der Block ist nicht gc- chaffcn worden, um der demokratischen Idee zum Siegeslauf zu verhelfen, nicht einmal zu Bülows Vergnügen, sondern nur als Notbehelf. Die Regierung hat die Gelegenheit beim Schopf er- wischt, um den Einfluß des Zentrums zu brechen. DaS mag der Regierung sehr hart geworden sein. Wir kennen die Gründe noch nicht alle, die zur Explosion am 13. Dezember 1906 gefübrt haben. Vielleicht hat das Zentrum der Regierung eine Gcgenrechnung gestellt für die Unterstützung der Regierungspolitik, und die Re- gierung wollte nicht zahlen, weil sie erkannte, daß sie durch die Zahlung sich und die Interessen des Reichs schwer schädigen würde!" So macht Herr v. Payer seinen Leuten die Blockpolitik schmack- Haft! Und dann pries er die Versprechungen des Reichskanzlers Bülow als wunderbare liberale Erfolge. Ersparnisse ini Militärwesen hat der Kanzler versprochen. Leider hat auch Herr v. Payer von diesen„Ersparnissen" noch nichts gemerkt. Wahrscheinlich habe Bülow versäumt, sich vorher mit dem preußische Kriegsminister in Verbindung zu setzen", entschuldigte Herr v. Payer Herrn Bülow, ,aber wenn daß Versprechen auch nur platonisch geblieben i st. s o ist doch jetzt offiziell anerkannt worden, daß Ersparnisse gemacht werden müsse n." Mit dieser Erklärung hat der demokratische „Staatsmann" Herr v. Paycr wohl den Gipfel der Bescheidenheit erreicht. Strafprozetzrcfonn,„Fortführung gesunder Sozialpolitik", angebliche Einschränkung der Majestätsbclcidigungs- Prozesse wurden erwähnt. Daß aber die äußerst fragwürdigen Aendcrungen auf diesen Gebieten eine Frucht der Blockpolitik seien, loagte nicht einmal Herr v. Paycr zu behaupten. Aber die reichs- gesetzliche Reform des Vereins- und Versammlungsrechtes, die ist ein großes Fettauge auf der sonst so mageren Blocksuppe. Tief- einschneidenden Verbesserungen muß freilich auch dieser Entwurf unterzogen werden. Württemberg, Baden, Hessen und Bayern werden zwar in ihren Rechten empfindlich gekürzt, aber„gar so glänzend ist es in Württemberg auch nicht. Die Praxis ist gut, die Schattenseite ist nur, daß diese Praxis durch keine gesetzliche Unterlage garantiert wird". So redete Herr v. Payer noch lange Zeit fort, auch bei den radikalsten Tönen nicht vergessend, sich irgendwo ein Hintertürchen zu reservieren. Und dann beschwor er seine Parteigenossen, die Regierung doch ja nicht zu zwingen, sich in die Arme des Zentrums zu werfen. Wenn die versprochenen Gesetzentwürfe auch nicht Gesetz würden, so würden sie doch ein starkes Werkzeug in der Agitation sein. Also Geduld, und noch- mals etwas Geduld! Die Versammlung, ganz begeistert von der Geduldsrede des volksparteilichcn Führers, klatschte begeistert Beifall und stimmte alsdann einer Resolution zp, in der die Vcrschachcrung liberal- demokratischer Grundsätze durch die Fraktion gutgeheißen und zu- gleich die Erwartung ausgesprochen wird, daß die Herren demo- kratischen Parlamentarier um die Förderung der soeben ber- schacherten Grundsätze sich nach wie vor entschieden bemühen werden. Nach Paycr kam sodann Dr. Elsas mit seinem Referat über BereinSrrcht und Kialitionsfreiheit. Milde in der Form, aber sachlich äußerst scharf wendete er sich gegen die Schönfärberei des Vorredners. Er wies nach, daß c n t- gegen der Behauptung Paycrs die Vereins- und Versammlungspraxis in Württemberg sehr gut gesetzlich fundiert ist. und diese Praxis nicht etwa vom Belieben der Polizei oder der Regierung abhängt. Elsas zitierte weiter das Urteil Posadowskys über die Vereins, und Versammlungsgesetze Norddeutschlands im April 1S07; ein„Totengericht" nannte er das Urteil Posadowskys.„Da hätte man doch erwarten können, daß der Gesetzentwurf etwas anders ausfallen würde, als er jetzt ausgefallen ist. Der§? des Gesetzentwurfes insbesondere ist unannehmbar für jeden Demo- traten!" Mit ätzendem Spott behandelte der Redner sodann die anderen Bestimmungen des Entwurfes. Herr Payer faß dabei und dachte wohl:„Rede du, was du magst! Mein Freund Eonrad Haußmann und ich. wir tun doch, was Bülow will!" Ter Landtagsabgeordnete Staudenmcyer, ein neu- gebackencr Parlamentarier, las noch einen Landtagsbcricht vor. in dem der neuen sozialdemokratischen Landtagsfraktion nachgerühmt wird, daß sie unter der Führung Lindemanns„ihrer Ver- antwortung mehr bewußt geworden" sei.„Zum ersten Male habe sie sich an der Eröffnung des Landtags beteiligt und den Eid in die Hand des Königs abgelegt, bis auf einen„Unentwegten", der aber dafür nachher den König und seine Familie zum Besuch Wildbads, das in seinem Wahlkreise liege, eingeladen habe. Auch die zum ersten Male erfolgte Zustimmung der sozialdemokratischen Landtagsfraktion zum Etat sei Zeuge der Wandlung. Lb das Herz� sie zur Zustimmung veranlaßt oder die Klugheit bczw. die Rücksicht auf die Abhaltung des Internationalen Kongresses sie geboten habe,-möge dahingestellt bleiben. DaS ändere an der Sache nichts; die Tatsachen allein sprechen eine deutliche Sprache." Mit den Referaten war die Tagung beendet. Diskutiert wurde nicht. Soviel läßt sich aber doch sagen: Einer ernsthaften Opposition gegen die das Parteileben verwüstende, die bürgerliche Demokratie bis ins Mark vergiftende Blockpolitik von Hahn bis Payer ist das Bürgertum- n i ch t mehr fähig. Prinzip ist nichts, Schacher alles. Um so mehr Anlaß hat die Sozialdemokratie, ihre Grundsätze mit un- «rbittl icher Schärfe zu vertreten.— Sie Ohtodriifen)» der dritten Duma. Mit der dritten Duma sind die Oiktobristen zum ersten Male inS öffentliche Leben hinausgetreten; denn obwohl sie dem Namen nach bereits über zwei Jahre existieren, sind sie politisch noch Neu- linge: weder die erste noch die zweite Duma, noch irgend ein anderes größeres politisches Ereignis des russischen Lebens haben die oktobristische Partei als solche in irgend einer aktiven Rolle, in einer einflußreichen Stellung gesehen. Das Gesetz des 3.(IS.) Juni hat die Chancen der Oktobristen mit einem Schlage verändert: Aus einem bedeutungslosen Häuflein sind sie förmlich über Nacht zur ausschlaggebenden„führenden" Partei im Parlament— tvenn auch nur im rechtlosen russischen Parlament geworden. Erst im hellen Lichte der Oeffentlichkeit hat sich dann der Oktobristen wahres Wesen offenbart, als dessen Hauptwahrzoichen ihre volle Prin- zipienlosigkeit in die Augen springt. In dem von der oktobristischen Parteikonferenz für die Dumafraktion ausge- arbeiteten Leitfaden heißt es: ihre erste Aufgabe in der Duma solle die Bildung eines„konstitutionellen Zentrums" sein, welches„die Eroberung der Regierungsmacht" nicht im Auge hat! Unter„Eroberung der Regierungsmacht" kann hier nur das Durch- setzen der Forderung eines verantwortlichen Ministe- itumS verstanden werden; darauf verzichten die Oktobristen also und nennen sich dabei doch„konstitutionelle Partei!" Fürwahr, sie spotten ihrer selbst und wissen nicht wie! Trotzdem in demselben Schriftstück auch sonst ein Langes und Breites über Konstitution. konstitutionelle Prinzipien und dergleichen schöne Dinge mehr ge- redet wird, haben die Oktobristen es zustande gebracht, von den fünf Präsidiumsfitzen ganze drei, d. h. die Mehrheit, den „Echt-Russischen" abzutreten, Leuten, auf die das bloße Wort„Per. fassung" eine Wirkung ausübt, wie das rote Tuch auf den Stier. Die flammenden„Konstitutionalisten" haben sich auch gescheut, daS Wort„konstitutionelle Staatsform" in die Antwortadresse auf- zunehmen! Sie, die den Namen des Manifestes vom 17. Oktober tragen, das— recht oder schlecht— als Ausgangspunkt der russische�„Verfassung" gilt, haben zum Präsidenten einen Mann aus ihrer Mitte gewählt, der es nicht für nötig erachtete, dies Mani- fest in seiner Antrittsrede auch nur zu erwähnen! Sic, die in ehrer Deklaration so sehr auf die Rechte der Duma pochen, finden nicht den Mut, an den unbedeutenden EesetzeSvorlagen der Regie- rung auch nur einen I-Punkt zu ändern; sie erklären gerade heraus, die Duma könne' zwar die Regierungsvorschläge betrachten, ein Recht auf ihre Umänderung stehe ihr aber nicht zu! Viel- fach kommt es in den Kommissionen vor, daß sie sich mit mündlichen Erklärungen der Rcgierungsvertreter zufrieden geben und auf Einsicht in die vorgelegten Dokumente verzichten! Die Presse berichtete, daß in den Kommissionen— neben den echt-Russischen — auch die oktobristischen Mitglieder sich beim Eintritt von Regie- rungsvcrtretern von ihren Sitzen erheben: em Vorgang, der in der Geschichte aller Parlamente wohl einzig dasteht. Dieses eines komischen Beigeschmack nicht entbehrende Gebaren ist übrigens nichts weiter als eine Widerspiegelung der gesamten Dumataktik der Oktobristen, welche die Duma zu einer bloßen Jasagemaschinc, zu einem Departement des Ministeriums degradieren. Eine bedeutende Rolle in dieser Burcaukratisicrung der Duma zu spielen, wird zweifellos dem„Block der beiden Zentren"— desjenigen der Duma(d. h. des oktobristischen)'mit dem des Reichs- rats— bcschicden sein. DaS RcichsratSzcntrum besteht aber aus lauter hochgestellten Bureaukratcn, Beamten und Würdenträgern. Diese Busenfreundschaft mit dem urrcaktionärcn Reichsrat ist ein Beweis mehr für die angebliche Reformfreundlichkeit der Lkto- bristen. Wir sagen: ein Beweis me hr, da ein schlagender Bc- weis schon durch daS Zustandekommen und das— trotz gelegentlicher Reibereien— auf längere Zeit hinaus gesickerte Bestehen des Blocks mit den Echt-Russen gegeben ist. Dieses Bündnis hat aber neben soinem Hauptzweck(eine„arbeitsfähige", d. h. der Regierung gehorsame Duma zu sichern) auch den, die Opposition mundtot zu machen, und der oktobristische Präsident Ehomjakoff ist ganz der Mann dazu; denn obwohl er die Redefteiheit der Mchrhcitsredner, teilweise auch die der Kadetten, ganz energisch zu wahren versteht, fällt es ihm nicht ein, durch seine Autorität dem wilden Gejohle und Gcbrülle, welches von der rechten Seite dcS Hauses stets einsetzt, so- bald ein„Linker", besonders aber ein Sozialdemokrat die Rednertribüne besteigt, Einhalt zu tun, ja— er mißbraucht sein Amt dazu, um den Vertretern der Opposition— und hauptsächlich wiederum den Sozialdemokraten— einfach den Mund zu verbieten, wenn sie den Machthabern unangenehme Tinge berühren, wie eZ z. B. bei der Erwähnung der Gurko-Lidval-Affäre der Fall war... Aber auch in manchem anderen kommt der reaktionäre Geist der Oktobristen, welcher der wahre Grund für den auffallenden Wider- spruch zwischen Wort und Tat ist, grell zum Vorschein. Nach der berüchtigten Deklaration Stolypins, die an maßloser Grausamkeit alle Erwartungen übertraf, haben die Oktobristen als Partei kein Wort der Mißbilligung gefunden und sich mit einer einfachen Formel dcS Uebergangs zur Tagesordnung begnügt! Einzelne Vertreter ihres linken Flügels haben zwar oppositionelle Töne angeschlagen, die Mehrheit der oktobristischen Redner aber hielt sich auf dem Niveau der Echt-Russischen. die die Re- gierungserklärung natürlich«voll und ganz" billigten. Diese rührende Uebcreinstimmung mit der Rechten geht soweit, daß der ccht-russische Initiativantrag über Entschädigung solcher Personen, die durch«revolutionäre Exzesse" gelitten haben, auch von vielen Oktobristen mit unterschrieben ist. Bezeichnend ist ferner die Stellung der Oktobristen zum Rc- gierungsprojekt über Unfallsentschädigung und Altersversorgung der in fiskalischen Unternehmungen beschäftigten Arbeiter: ihr Berichterstatter erklärte sich gegen die Vorlage— erstens, weil sie nur eine Teilmaßnahme sei(seltsame Begründung im Munde eines Oktobristen l), zweitens aber, weil dies die in privaten Unternehmungen beschäftigten Arbeiter— neidisch machen würdeil— Mit ihrem reaktionären Wesen bereinigen die Oktobristen eine bodenlose Unwissenheit und Unfähigkeit zu ernster Arbeit. Es fehlt ihnen an elementarsten Kenntnissen parlamentarischer Formen und Technik, an Spezialisten zur Betrachtung von Rc- gierungsvorschlägen, Ausarbeitung von Berichten usw. War doch schon einmal ein von einem Oktobristen erstatteter Kommissions- bericht an die Kommission zurückverwiesen worden, weil er in keiner Weise, weder nach Inhalt noch nach Form, den minimal- stcn Anforderungen entsprach! Dazu kommt noch jeglicher Mangel an gutem Willen. Die Kommissionen können oft ihre Sitzungen nicht abhalten, weil sich nur Mitglieder der oppositionellen Minder- hcit einfinden, die oltobristisch-rechtc Mehrheit aber durch Abwcsen- heit glänzt! Wenn es nur irgend möglich ist, wird die ganze Arbeit auf Vertreter der Opposition abgewälzt usw. Am schönsten aber ist es, daß bereits in der zweiten Dumawoche der Ruf nach Ferien erscholl!... Reaktionär und heuchlerisch, dabei unwissend und träge— dies ist in knappen Worten die Charakteristik der„führenden" Partei in der dritten Duma!--- Politische Qeberlicbt. Berlin, den 7. Januar 1908. Gegen das Ausnahmegesetz! I Gegen die Sprachcnbcstimmung im neuen VereinSgesetz spricht sich Herr Quid de in der„Frankfurter Zeitung" mit großer Entschiedenheit aus. Er schreibt: «Für die Linkslibcralen darf cS in dieser Frage kein Schwanken geben. Völlig unannehmbar ist jede Fassung der Paragraphen, die der Verwaltungsbehörde das Recht gibt, Versammlungen wegen Gebrauchs einer nichtdeutschen Sprache zu verbieten, und völlig unannehmbar wäre ein Gesetz. in das ein solcher Paragraph Aufnahme gefunden Hätte. Es handelt sich da nicht um eine Nützlichkcitsfrage. auch nicht einmal so sehr um unser nationales Interesse, das die Bc- scitigung einer solchen gehässigen, auftcizcndcn Bestimmung ver- langt, sondern um eine der heiligsten, unverrückbaren Grund- anschauungcn der Demokratie, um unsere Vor- stellungen von nationaler Gerechtigkeit und Würde, die wir nicht preisgeben dürfen. Es ist deshalb kaum verständlich, wie die Reichsregicrung, da sie doch aus Annahme des Gesetzes durch den Block einschließlich der Linkslibcralcu Wert legt und deshalb schwerlich die Absicht hatte, wie man sonst vermuten könnte, uns zu brüskieren und zu verhöhnen, einen solchen Vor- schlag überhaupt machen konnte. Als selb st ver ständlich habe ich bis vor kurzem betrachtet, daß in dieser Frage der ganze Linislibcralismus einig sei. Zeitungs- iiotizcn haben behauptet, daß das nicht der Fall sei. daß cS Frei- sinnige gebe, die den§ 7, wenn auch in etlvas gemilderter Form, aber im Wesen unverändert, zugestehen wollten! Ich möchte einst- weilen annehmen, daß das, so bestimmt die Nachrichten auch lauten, unmöglich ist, und daß die Zcitungsmcldungcn den mit Namen genannten Männern bitter Unrecht getan haben. Für uns Demokraten wäre nach meiner Auffassung die Annahme des § 7 eine Verleugnung unseres politischen Glaubens und eine Charakterlosigkeit. Als wir in' Frankfurt am 11. November die große Einigungs- kundgcbung veranstalteten, waren wir wohl alle des Glaubens, daß wir, wenn auch nicht in allen Einzclfragen. doch in solchen Grundfragen des politischen Bekenntnisses einig seien. Möge dieser � Glaube nicht zuschanden werden." Wir müssen Herrn Ouiddc leider seine Illusionen rauben. In Hamburg hat Herr Naumann seine Bereitwillig, keit zum Um fall bereits angekündigt. Er will für das Ausnahmegesetz stimmen, wenn es nur für die polnischen Teile und daS Elsaß nicht gilt. Er will also gerade die polnische Arbeiterbevölkerung Rheinland-Wcstfalens unter das Ausnahmegesetz, das ihnen das Koalitionsrecht raubt, stellen lassen. Wenn Herr Naumann bereits so weit ist, mag sich Herr Ouiddc selber sagen, wozu die Heckscher und Pachnicke bereit sind. UnS will scheinen, als würde Herr Ouidde in der nächsten Zeit der Blockpolitik noch gründlich von seinen Illusionen it werden. i Hartzens Nekrolog. Einst haben die Konservativen, besonders die Mitglieder der Bismarck-Fronde, in Maximilian Horden den Interpreten ihrer ur- eigensten Gefühle gesehen und schmunzelnd die Bosheiten belächelt, die er gegen Wilhelm II. und das Regime Caprivi riStetc; heute. nachdem er sich im Moltke-Prozeß seine Blamage geholt hat. wird er von derselben politischen Koterie, deren Interessen er damals ver- trete» hat, als politischer Gaukler behandelt und mit Ll h l w a r d t auf dieselbe politische Stufe gestellt. So schreibt die offizielle «Konserv. Korrespondenz" in einem Vergleich Haidens mit Ahlwardt und Erzbcrger: „Von den drei Skandalmachern war Ahlwardt der am Ivenigstcn kluge, Harden der scharfsinnigste. Alle drei haben sich von ihren Klatsch-Zuträgern täuschen lassen, aber als der leicht- fertigste und gemeingefährlichste von ihnen hat sich Harden erwtesem Man sagt dein Herausgeber der„Zuknust" tröstend nach, er sei unerschrocken für des VarerlandcS Wohl in die Schranke» getreten. Harden selbst inachte den Wahlspruch Huttens sich zu eigen. Aber ist das Unerschrockenheit, wenn man sich in dunklen An- deutmigen ergeht, die allerlei Ausleguiigen zulassen? Wenn man zwischen den Zeilen die schliiiiinsten Verdächtigungen lesen läßt und dann wehleidig versichert, garnichtS UeblcL haben sagen wollen? Man müßte Harden für einen der ungeschicktesteu und un- überlcgtejtcn Journalisten halten, wenn man glauben wollte, er habe nicht geschrieben, was er wirklich zu schreiben beabsichtigte. Deshalb ist auch da§ andere Lob, das man ihm als einem ivahrheitSliebenden Menschen spendete, uil- bedingt zu beanstanden. Harden hat vielmehr s y st c- ma tisch seine Leser getäuscht. Er hat sie in den Glaubeti versetzt, als sei er über die intimsten Dinge von authentischen Seiten unterrichtet. Er hat mit Verbindungen in den höchste» Kreisen geprahlt und namentlich mit Bis- marckichen Intimitäten sich gebriistct, die immer intimer wurden, je länger der große Kanzler und sein leider so jung verschiedener Sohn Herbert tot ivaren. WaS ist cS nun mit diesen Quellen? Es kann nicht bestritten werden, daß der Herausgeber der.Zukunft" als— Flunkerer ertappt worden ist." Harden und Ahlwardt als wahlverwandte schöne Seelen—» der bitterste Hohn!—_ Preußen in der Welt voran! Wie fast alljährlich zur WeihnachtZ-, Pfingst- und Ferienzeit sind uns auch in den letzten Tagen wieder aus allen Teilet» Preußen-DeutschlandS Klagen über den Eisenbahnbetrieb und die bekannte Höflichkeit und Zuvorkommenheit der Eisenbahnangestellten zugegangen. Alle diese Beschwerden zu veröffentlichen hat keinen Zweck; den nachfolgenden Brief wollen wir aber, da er gewisser- maßen typisch für unsere Eisenbahnzustände ist, dennoch zum Abdruck bringen. Ein Genosse aus Arneburg schreibt uns: Unterzeichneter hatte die Feiertage wieder einmal Berlin aufgesucht. Natürlich auf der Hinreise am 22. v. M. schon kolossaler Andrang, in Stendal und eine»stunde Verspätung; aber die Rückreise spottet vollends jeder Beschreibung. Ich suhr am 2. Januar vom Lehrter Bahnhos zurück nach Stendal. Um 2 Uhr mittags wurde der Zug in die Halle gelassen. Um 2'07 sollte die Abfahrt erfolgen. Ein furchtbarer Andrang war schon in der Borhalle zu der Knpierung der Billetts. Im Nu waren die Wagen voll und ratlos standen die Fahrgäste vor den vollen Wagen der vierten Klasse. Wir wurden von vorn nach hinten geschicls und der Veränderung wegen auch mal umgelehrt. Weder dc> Zugführer, noch der Schaffner, noch der StalionSassisieut bc- mühten sich mit unsere Unterbringung. Immer wieder erneute Fragen, wir wurden schließlich aus etnen verschlossenen dritter Klasfe-Wagen verwiesen. Endlich ließ ihn der Assistent össium. Der Wagen war stockdunkel, die Fenstern dicht zugefroren: aber c? war ja Zeit zur Abfahrt, also nur schnell hinein. Ich rief:«Der Wagen»st ja gar nicht geheizt l" Wer lein Beamter war zu sehen. Wir hofften auf Erwärmung. Als wir aus der Halle waren, sahen wir erstaunt auf den Fußboden. Er ivar wie besät mit Apfelsinenschalen und anderem Unrat, die Sitze total verstaubt; noch nie. selbst auf langen Fahrten nach dem Osten habe ich eine solche Masse Unrat in einem dritter Klasse-Wagen gesehen. In Spandau wandten wir uns an einen Unterbeamten der Zug- bcgleitung(ein anderer war nicht sichtbar) wegen Fehlen« der Heizung: erhielten aber natürlich eine recht naseweise Antwort. Acht Erwachsene und sechs Kinder in dem kleinen Kupee. In Wustermark kam es zum Krach, der Schaffner verbat sich den Atisdruck.Bummelei" und verwies unS an den Stationsassistenten, der— schleunigst verschwand.— In Groß- Benitz holten wir den StatlonSasfistenten in den Wagen, er zuckte die Achseln ob der Sauberkeit. Und die Heizlmg? Ja der Wagen vor uns hatte ja auch keine. Es fehlte jede Verbindung. So ging'S weiter. Wir stiegen die nächste Station ohne weiter zu fragen um tu ein Kupee dritter Klasse. ES war Vzt Uhr. Wann und ob die Wagen überhaupt noch Heizung erhalten haben, entzieht sich meiner Kenntnis. Ob die Notbremse wohl in Ordnung gewesen ist? Wer entschädigt unS für die erlittene Erkältung? Es waren 8 Grad Celsius. Der Sieg in Schtvabach. DaS vollständige Resultat der Ersatzwahl zum bayerischen Landtag in Schwabach lautet: Hier!(Sozialdemolrat) 2007, Kohl (Liberal) 2236, Hörl(Bauernbund) 2174 Stimmen. DaS amtliche Ergebnis der Hauptwahl vom 31. Mai 1007 war: Hier! 1002, Hörl 2134, Ribot(Liberal) 2733 Stimmen. Bei der Hauptwahl stand also die Sozialdemokratie an letzter Stelle, der liberale Kandidat hatte 300 Stimmen mchr als der Ver- tteter der Arbeiterpartei erhalten. Auch der Bauernbündler war dem sozialdemokratischen Kandidaten noch um 200 Stimmen voraus. Um so erfreulicher ist der Sieg. Die Liberalen haben an 300 Stimmen verloren, die Bauernbündler die ihren mn nur 20 vermehrt, die Sozialdemokraten haben um 703 Stimmen zu- genommen. Die„Fränkische Tagespost", unser Nürnberger Parteiorgan, schreibt zu dem Ausgang der SonntagSwahl: .... Im Vordergrund der Erörterungen standen nicht die Einzelforderungen an den Landtag, sondern die parteipolitische Stellung der Kandidaten überhaupt. Die Niederlage des Herrn Kohl ist die Niederlage des Block- liberalismus und ein Sieg des sozialistischen Programms, das unsere Redner bis zuletzt mit aller Gründlich- keit besprochen haben. Die Reaktion der Blockpolitik im Reich hat die Wähler ernüchtert und rebellisch gemacht. Sogar in Bayern, wo ein Teil der liberalen Kammerfraltlon sich alle Mühe gibt, demokratisch zu erscheinen."—_ Rußland in Weimar. Nach einem Beschlüsse der Duma muß die russische Gesandt- schaft in Weimar die Koffer packen. Zur AbschicdSfcier hatte am Sonnabend der Gesandte, Baron von Graevcn itz, ein Fest veranstaltet, das— wie die bürgerliche Presse schreibt—„zu ocn Glanzpunkten der diesjährigen Wmtersaison zählen und die Elite unserer ersten Gesellschaftskreise vercinigeir wird". Diese„Elite" jammert nun bitter darüber, daß Rußland aus Weimar ver- schwindet. Allerdings hat es Rußland verstanden. Tausende in ver- schwenderischcr Pracht zu vergeuden, derweil im eigenen Lande Hunderttausende in Elend und Not schmachten. Allein gegen 8000 M. kostete daß zum Abschiedsfest extra aufgebaute Zelt, ohne die Taufende, die das Fest für die„Elite" verschlang. So ist cS begreiflich, dah die bürgerliche Presse schreibt: „Das Verschwinden der russischen diplomatischen Vertretung bedeutet für das gesellschaftliche Leben unserer Residenz einen Vcr- lust, der nicht unerheblich ist; denn die russische Rcsidentur gehörte zu den Mittelpunkten dieses geselligen Lebens, das sich'durch Eleganz und vollendete Form auszeichnete." Hier sieht man, zu was eine Gesandtschaft notwendig ist. Als Gegenstück hierzu verspürt seit Jahren die Arbeiterschaft im Groh- Herzogtum auf dem Gebiet des Versammlungswesens die russische Behandlung. Von„Eleganz und vollendeter Form" natürlich das Gegenteil.—_ Berschlcchterung der Fahrkartensteuer? lieber die Reform der Fahrkartensteuer äußert sich Präsident t>. Mühlenfels in dem Rückblick der„Zeitg. der Ver. Deutsch. Eisenbahn-Verwaltungen" auf das Jahr 1907: „Die Fahrkartenstcuer ist in ihrer für die Benutzung der oberen Klassen hoch st schädlichen, die Abwanderung m die niederen Klassen begüiistigenden Wirkung erkannt und sieht einer Reform in der Richtung entgegen, daß bei Freilassung der Zweipfennig-Klassen die drei oberen Klassen gletchmäßiger als bisher getroffen werden." Dies muß die Befürchtung erwecken, daß die Reform in einer relativen Erhöhung der Steuer für die dritte und einer Verminderung der Steuer für die erste und zweite Klasse bestehen würde, womit daS soziale Mäntelchen, womit man diese lästige und verkehrsfeindliche Steuer geschmückt hatte, glücklich be- scitigt wäre. Die Fahrkartensteuer für die erste und zweite Klasse ist unö ziemlich gleichgültig, doch ist sie steuerpolitisch verfehlt. Die Fahrkartensteuer für die dritte Klasse verträgt aber nur eine .Reform", das ist ihre gänzliche Beseitigung.— Kleinliche Mittel gegen ei» Arbeitersekretariat. Im November vorigen Jahres wurde der Arbeitcrictretär Genoffe Pocsscnecker in Bayreuth durch richterliche Anordnung von der Vertretung Rcchtsuchcndcr vor den dortigen Gerichten ausgeschlossen, nachdem die Bayreuther Rechtsanwälte sich gegen eine derartige Betätigung des Arbeitersekrctariats beschwert hatten. In einem späteren Fall wurde auch vom Landgericht direlt ausgesprochen, daß P. als Ar- beitrrsckrctär nicht zugelassen werden könne, schon aus Prinzip, um den Anwälten teine Sionlurrcnz zu inachen. Gegen obige Anord- nunjj wurde Beschwerde beim bayrischen Justizministerium erhoben. Dieics erklärt jetzt, daß es der Beschwerde nicht näher treten könne, weil die Anfechtung solcher vom Gericht getroffenen Anordnungen nach 8 107 der Strafprozeßordnung unjlatthast sei. In einem anderen Absatz desselben Paragraphen heißt es jedoch, daß die Vor- schrift, die diesem Vorgehen zugrunde gelegt ist, auf Personen, denen durch Anordnung dep Justizverioaltung das mündliche Ver- handeln vor Gericht gestattet ist, keine Anwendung findet. Eine solche Anordnung sollte aber gerade durch die Beschwerde bezweckt toerdcn. Die bayrische Justizvettvaltung scheint sich den Nachsatz der angeführten Gesetzesbestimmung gar nicht angesehen zu haben.—_ Treiklassentvah.rccht. Tie„Berk. VoltS-Zig." schreibt: »Ein wahres Beispiel für daö Karikaturmäßige deS Drei- klassenwahlsystems in der Kommune wird uns auö Elbing be- richtet. Auch dort hat ein einziger Steuerzahler der ersten Wahltlajse soviel Wahlrecht wie die Wähler der beiden anderen Wahlllassen zusammen. Seit sechs bis acht Jahren bildet in Elbing die ganze erste Wahltlasse allein der Geheime Kom- merzienrat Dr. Zicse(von den Schichan-Werkcn). Er„wählt" von den 60 Stadtverordneten der 06 000 Einwohner zählenden Stadt Elbing ganz allein LO; mit anderen Worten: ein einziger Wähler ernennt nach Belieben den dritten Teil der Stadt- verordneten. Es ist unnötig, über die Absurdität eines derartigen Wahlrechtes noch irgendein Wort zu verlieren.— Liberale Wahlrrchteversammlung. Auch von liberaler Seite soll in den nächsten Tagen wieder die preußische WahlrcchtSfrage in der Oeffentlichkcit behandelt werden. Am Freitag, den 10. Januar, abends S'.i Uhr. d. h. also am Abend des Tages, an dem die freisinnige Interpellation im preußi- schen Abgeordnctcnhause zur Verhandlung kommt, wird der Sozial- liberale Verein(Berliner Ortsgruppe der Freisinnigen Ver- cinigung) in den Armin-Hallen, Kommandantcnstraße 08/09, eine öffentliche VoUsversammlung veranstalten, in der der Landtags- abgeordnete Hoff und der Reichstagsabgeordncte Gothein über das Thema sprechen werden:„Die preußische Wahl- reforni und der preußische Ministerpräsident". Eö ist anzunehmen, daß gerade an diesem Tage das Jnter- esse an der WahlrcchtSfrage besonders groß sein wird. Alle Mit- bürgcr, Männer und Frauen, denen darum zu tun ist, noch am Tage der Interpellation zu der Antwort deS preußischen Minister- Präsidenten, die. wie sich schon heute vermuten läßt, nicht in liberalem und demokratischem Sinne ausfallen wird, Stellung zu nehmen, sind eingeladen.— Erledigtes Landtagsmandat. Wie die„Schlesische Zeitung" Meldet, ist der Landtagsabgeordncte für den Wahlbezirk Fraustadt- Lissa-Rawitsch-Gostvn. Stadtrat Schmidt-Rawitsch(freikonservativ) gestorben.—_ Dänemark. Kommmlaler Wahlsieg über die Autisozialisteu. In Esbjerg, der mit dem landwirtschaftlichen©sport Dänemarks cmporgeblühten westjütländiiche» Hafenstadt, fanden am Sonnabend die»kommunolwahlen der ziveiten Wählerklasse statt. Die Anti- sozialisten. denen die Sozialdemokratie allern gegenüberstand, führten den Asihlkampf mit einer Gewissenlosigkeit, dergleichen in Dänemark bis dahin noch nicht beobachtet werden konnte. Sie gaben am Wahltage gefälschte Kandidatenlisten heraus, die der sozialdemokratischen Liste täuschend ähnlich sahen, denselben Atel trugen und auch dieselben Kandidatennamen, mit Ausnahme des Redakteurs S u n d b o, dessen Name durch den eines Drechslermeisters ersetzt war. Die Fälschung wurde jedoch noch bei- zeiten entdeckt, sodaß Snndbo mit 960 Siinimen über den Drechsler- ineister, der 871 erhielt, siegte. Im übrigen wurden die sozial- demokratischen Kaiididateit mit 1019 bis 1020 gegen 812 bis 310 Stimmen der Antisozialisten gewählt. Der besondere Haß der Antisozialisten gegen Genossen Sundbo rübrt daher, daß dieser gewisse wucherische Praktiken deS Unter- nehmertums aufgedeckt hat, was unter anderem dazu führte, daß die Stadt nun ihre Baliarbeiten in eigener Regie herstellen läßt. Türkei. Der Konstitution entgegen. Wie Tifliser Zeitungen melden, fand dieser Tage auf Alt- rcgung der Partei„Daschnakzutjun" in Paris ein Kongreß der Vertreter der revolutionären Parteien fast aller Nationalitäten der Türkei statt. Der Kongreß beschloß, auf revolutionärem Wege ein konstitutionelles Regime in der Türkei zu erzwingen. ES wird zu diesem Zweck unter anderem ein allgemeines revolutionäres Komitee gegründet.— HmeHka. Pettibone freigesprochen! Tie Grubenbesitzer haben die zweite Niederlage in flsreni Kampfe gegen den Verband der Bergleute der West- staaten erlitten: Wie Haywood, der erste Aiigellagte im berüchtigten Prozeß zu Idaho, so ist jetzt auch Pettibone, der als„Mitverfchworener" gegen das Leben des Gouvcr- ncurs Stcuncnberg angeklagt war, freigesprochen lvordcn. Pettibone wurde fast anderthalb Jahre in UntersuchungS- Haft gehalten, die er also unschuldig erlitten hat; seine Gesundheit ist schwer erschüttert. Als kranker Mann stand er vor den Geschworenen, und fünf Wochen lang dauerte der Prozeß: denn die Anklaacbehörde bot noch einmal alles auf, um wenigstens bei diesem zweiten Angeklagten eine Vcr- urtcilung zu erzielen. Man wollte die großen Aufwendungen. die von Staats wegen für den Prozeß gemacht wurden, vor der öffentlichen Meinung rechtfertigen und den Gruben- besitzern die ersehnte Genugtuung geben, aber es gelang auch diesmal mcht. Der Verbrecher H a r r y O r ch a r d gab wieder den wich- tigsten und wertvollsten Staatszeugcn ab, der auch in diesem Prozeß drei Tage lang auf dem Zeugenstand war. Aber die Aussagen dieses vielfachen Mörders besaßen für die Ge- schworcncn doch zu wenig Wert, um einen unbescholtenen und geachteten Mann an den Galgen zu bringen. Der dritte Angeklagte, Charles Mayer, ist schon nach der Freisprechung Haywoodes auf freien Fuß gesetzt worden, und man darf wohl annehmen, daß das Verfahren gegen ihn nun überhaupt eingestellt wird. Cr steht gegenwärtig noch unter hoher Bürgschaft. ES niuß rühmend hervorgehoben werden, daß ohne die moralische und materielle Unterstützung der s o z i a l i st i- schen Partei die angeklagten Führer der Bergarbeiter schwerlich einen gerechten Prozeß erhalten hätten, um so weniger als Präsident Roosevelt selbst sie ja öffentlich als „unerwünschte Bürger" bezeichnet hatte. Die Partei war es, welche die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter energisch aufrüttelte uno sie auf die drohende Gefahr, in der sich Ar- beitcrführer befanden, aufnierksam machte. Taraufhin erst bewilligten die Gewerkschaften einen Teil der Gelder zu- Verteidigung. Die Partei sammelte überall, sie veranstaltete Protestkundgebungen in den großen Städten und wachte sorg- sam darüber, daß den Angeklagten ein unparteiischer Prozeß zugebilligt wurde und daß es der Verteidigung an nichts fehlte._ Vom Mieterstreik. Einige der LZirtc, deren Mieter den eigenartigen Streik ent- fachten, über den mir dieser Tage berichteten, sind nun doch rabiat geworden und haben eine ganze Anzahl Exmissionen durchgedrückt. Natürlich ist durch diesen Schritt die Erregung stark angeschwollen. und es spielten sich in New jyork manche wilde Szenen ab, über die dem„B. T." privatim depeschiert wird: „Zwischen der Polizei und den streikenden Mietern kam cS in New Uork in vier großen Versammlungen zu förmlichen Kämpfen. Uebcr 20 Versammlungsteilnehmer, darunter Frauen und Kinder, wurden verwundet; auch einige Schutzleute erlitten Verletzungen. Die Meetings gZtalteten sich zu Kundgebungen von ausgesprochen sozialistischem Charakter; es wurden rote Fahnen entfaltet, revolutionäre Lieder gesungen und flanunende Reden gegen die Regierung gehalten. Die Polizei drang in die Versaminlungssäle ein und nahm von den Demon- stranten, die sicli weigerten, auseinanderzugehen, eine große An- zahl fest. Blutige Schlägereien waren die Folge. Die meisten der Verletzten wurden nicht in Krankenhäuser gebracht, sondern vorher von ihren Freunden weggeschafft, damit sie nicht verhaftet würden." Wenn der Regierung die Wahrheit gesagt und dem heiligen Hauspaschawm ein Stücklein aufgespielt wird, dann fühlt und ge- b erdet sich auch in der„freien" Union die liebwerte Polizei als Schutz- und Rachekorps des Kapitalismus: sie dringt in drc Ver- sammlungen ein, löst diese auf, arretiert drauf los wie in Preußen- Rußland.— Pconage, so heißt daZ System der Sklaverei in den Südstaaten der Union, vor dem die Einwanderer besonders eindringlich ge- warnt iverden. Dies System besteht darin, daß der Staat seine Strafgefangene» den Pflanzern zur schonungslosen Aus- beutung überliefert. Häufig werden Leute, zumal Fremde, die der englischen Sprache nicht mächtig sind, unter allerlei Vorwänden gefangen gesetzt— z. B. wegen Vagabundierens— und den Pflanzern aus- geliefert, die aus diese Weise zu billigen Landarbeitern gelangen I Die Fremden werden auch oftmals veranlaßt. Kontrakte zu unter- schreiben, durch die sie irgend einem Unternehmer in die Hände gespielt werden, der sie wie Leibeigene, wie Sklaven behandelt. Sie werden nach fernen Gegenden gebracht, wo ihnen die Flucht fast un- möglich ist; sie werde» roh behandelt, schlecht genährt und erhalten ein lächerlich geringe» Entgelt für ihre Arbeit. Zuweilen gelingt es einem Gefangenen, eine Bitte um Erbarmen und Hülfe nach dem nächsten Ort gelangen zu lassen und den Konsul seine? HeimatS- staateS zu benachrichtigen. Die Konsulate von Oesterreich-Ungarn und Italien wissen davon zu erzählen und haben ihre Lanbßleute wiederholt gewarnt und sie von den Verhältnissen in Kenntnis gesetzt.— Vor kurzem erst gelang cS durch das österreichisch-ungarische Konsulat in Louisiana wieder einmal, 16 Leute, darunter 5 Frauen, auS der Pconage zu erlösen. Die Befreiten waren vollständig mittellos, sie hatten weder Geld noch Gepäck bei sich und waren froh, daß sie wenigstens die Freiheit wieder genießen konnten. Eue der Partei. Achtung, Wahlrechtsdemonstration! Die Leiter der Versammlungen in den preußischen Pro- vinzen am Donnerstag werden gebeten, dem„Vorwärts" noch an demselben Abend ein dringendes Telegramm über Verlauf und Teilnchmerzahl der Versammlung, sowie etwaige Zwischenfälle(Auftreten von Gegnern, Absperrung, Auf- lösung usw.) zu schicken. _ Redaktion des«Vorwärts". Die badifchc Parteigcnossenschaft hielt im Frühjahr eine außer- ordentliche Delegierten-Konferenz zu Karlsruhe ob, die sich urit der Vertiefung der Organisation und Agitation befaßte. Der damalige Beschluß, in H e i d e l b c r g für die ReichStagswahlkrcise 12 bis 14 ein besonderes Partei fekretariat zu errichten, ist am letzten Sonntag endgiltig vollzogen worden. In nicht allzu großer Ent- fernung vom Heidelberger Bahnhof ist das Parteiheim der Genossen in stattlicher Form errichtet und feierlich durch eine Konferenz eingeweiht worden. Wie hätte man sich vor einem Dezennium schon denken können, daß die Sozialdemokratie in der unvergleichlich schönen Univerfitätsstadt am Neckar so rasch sich ansässig macht! Genosse Mai er. der zuletzt der.VolkSstimme"°Redaktion in Mannheim angehörte, ist Parteisekretär geworden. Möge es bald soweit kommen, daß der Heidelberger RcichStagSwahlkreis. der in der Entwickclung am nächsten dazu berechtigt ist, einen Sozialdcmo- traten in das Rcichsparlament entsendet! Vom Fortschritt der Presse. Das„Offen burger Volks- b l a t t" soll nach dem Beschlüsse einer Konferenz der Parteigenossen, welchem vom Landesvorstand die Genossen Weber und Willi an- wohnten, erst dann dreimal wöchentlich erscheinen, wenn der be- kanntlich Anfang März stattfindende Parteitag seine Zustimmung ge- geben hat. poUieUicbe», Öcrichtlictics uf». Rcdakteurfreuden. Ein Opfer des ersten großen Bauarbeiter» sirciks in Chemnitz, der sich von Pfingsten an über ein Vierteljahr abspielte, mußte am 7. Januar der verantwortliche Redakteur der „Volksstimme", Genosse Max M ü l l e r, daS Gefängnis auf einen Monat beziehen. Wegen angeblicher Beleidigung des Baumeisters und Stadtrats Tudcrstädt war er zu dieser unverhältnismäßig hohen Strafe verurteilt worden. Tie Grundlage der Anklage mußte der Bericht über eine Streikversani inlung abgeben, in dem geschildert wurde, auf Welche unschöne Weise Streikbrecher aus Böhmen vom Polier des Baumeisters herangeholt und hier unter- gebracht wurden. Die Höhe der Strafe wurde seinerzeit damit be- gründet, daß cö sich um einen dekannten Arbeitgeber handle, der logar Stadtrat ist. Eine Freisprechung. Wegen angeblicher Gendarmen- beleidigung hatte sich der Genosse Artur Molke nbuhr von der„Freien Presse" zu Elberfeld vor dem dortigen Schöffengericht zu verantworten. Ei» Gendarm fühlte sich durch eine Notiz in der„Freien Presse", in der ihm ein dienstliches Vcr- gehen vorgeworfen wurde, beleidigt. I» der Verhandlung gaben die von der Anklage geladenen Zeugen, und auch der Gendarm den Sachverhalt zu. Trotzdem beantragte der Amtsanwalt die Kleinig- keit von zwei Monaten Gefängnis! Das Gericht schloß sich jedoch den Ausführungen des Anklagevertreters nicht an. sprach vielmehr der Presse das Recht zu, Mißstände zu rügen, billigte dem An- geklagten auch die Wahrung berechtigter Interessen zu und sprach unseren Genossen frei._ Hua Xnduftne und ftandd. Bewährte Wirtschaftspolitik. ES bleibt bei der jetzigen bewährten Wirtschaftspolitik I DaS war die Antwort der Regierung auf die von dxr Sozialdemokratie im Reichstage eingebrachte Interpellation über die Lebeitömittcl- teuerung. Und die Junker wihertcn Beifall. Sie hatten Ursache dazu! Für sie hat die neudeutsche Wirtschaftspolitik sich außer- ordentlich gut bewährt. Um in relativen Zahlen die Einnahme- steigerung für die Brotgetrcidcproduzenten zu zeigen, mache» wir nachstehend eine Aufstellung, in der die Erntcmengcn in Preußen, die Tonnenpreise der letzten drei Jahre nach dein Durchschnitt Juli- September und der sich därauS ergebende Geldwert der Ernte zu- fammengestellt sind. Die Zahlen sind den Nachweisen des Kaiserl. Statistischen AmteZ entnommen. Danach betrug: Weizen Roggen { 1900 2 303 233 7 132 804 1906 2 491014 7 291 046 1907 2060 400 7 231309 Preis pro Tonne 1905 170,9 102,1 im Durchschnitt. 1906 176,9 100,6 Juli/September. 1907 210,0 201,0 Gcsamtgeldwert 1900 393,6 1080,0 in 1906 440,6 1134,0 Millionen Mark 1007 44S.Z>457.1 Obwohl der Ertrag bei Weizen im letzten Jahre um ettvaS über 10 Proz. hinter dem deS JahrcS 1906 zurückgeblieben ist, übersteigt er dem Geldwerte nach diesen um über 13 Proz. Der Menge nach ist die letztjährige Ernte die deS JahreS 1900 um 1,4 Proz.. den: Geldwert nach aber um über 34 Proz. überlegen. Von insgesamt 1478,6 Millionen Mark im Jahre 1900 stieg der Geldwert für Weizen und Roggen auf 1070,1 Millionen Mark im Jahre 1906 und auf 1902,3 Millionen Mark ini Jahre 1907. Demnach hat der Konsum für die beiden Brotgetreidearten bei einer um rund 140 000 Tonucil geringeren Mengen im letzten Jahre 423,7 Millionen Mark mehr zu zahlen als im Jahre 190S. DaS sind die Ergebnisse lediglich für Preußen. Zu noch imponierenderen Zahlen gelangt die„Bank- und Handels« zeitung". indem sie für die Ernte Deutschlands die preußischen Durchschnittspreise per November eingestellt und auch Gerste und Hafer in die Rechnung einbezieht. Dabei muß noch b enterst werden, daß in Mittel« und Süddeutschland die Getreidepreise im allgeineinett höher sind als in Preußen. Die Rechnung sieht so aus: 1907/1908 Preis Geldwert Weizen...... 8 479 324 To. 221 M. 7ö8SZl» 000 M. Roggen...... 9 707 859„ 203„ 1 980 845 000„ Gerste...... 3 497 745 173„ 605 109 000.. Hafer...... 9149138„ 173„ I 58? 800 000„ 4 957 684 000 M. 1906/1907 Weizen...... 3 939 063 To. 172 M. 677 604000 M. Roggen...... 9 620 738„ 158„ 1520 866 000„ Gerste...... 3111 309„ 157, 488 475 000„ Hafer...... 8 431 379„ 159„ 1340 589 000„ 4 027 554 000 M. 1905/1906 Weizen...... 3 699 882 To. 170 M. 628 080 000 M. Roggen...... 9 000 827„ 160„ 1 537 092 000„ Gerste...... 2 921953„ 153„ 447 058 000, Hafer...... 6 546 502„ 153.. 1001 615 000„ 5 614 745 000 M. Im Jahre 1907—1908 ist also der Geldwert der deutschen Ernte in den vier Haupiartileln Weizen, Roggen, Gerste und Hafer gegen daS Vorjahr 1906—1907 allein um 910 515 000 M. gestiegen und gegen das Jahr 1905 sogar um 1322 940000 M. DaS ist unstreitig ein schönes Resultat— für die Empfangs- berechtigten. Während die Arbeiterschaft von den Schrecken der Krise bedroht ist, winkt den Gettcideproduzcnten eine Einnahme- steigerung von l'/j Milliarden Mark. Wer aber glaubt, daß damit die Begehrlichkeit der Junker gestillt ist. der irrt. Sie schreien noch immerfort nach weitereit Liebesgaben. Weil sich die neue Schützerei für sie so ausgezeichnet bewährt hat— die ab- solute Höhe des Preises in Deutschland ivird von den Zöllen be- stimmt— verlangen sie nun auch noch„Schutzzoll auf Milch, Butter usw. Den Arbeitern predigen die Minister Bescheidenheit und Zufriedenheit, die Junker verlangen weitere Liebesgaben. Und der vom Zentrum und den Wiemer-Liberatcn eingeseifte deutsche Michel hälts Maul— zu und die Taschen offen. Industrielle Krise— steigender Export. So oft die Aufnahmefähigkeit deS heimischen Marktes infolge krisenhafter Verhältnisse sinkt, kann man die Beobachtung machen. daß daS Kapital Aitstrengungen macht, den Absatz nach außen zu steigern, wie ja auch die Abwaitderimg der Arbeitskräfte durch Wirt- schaftliche Krisen wesentlich beeinflußt wird. Dafür liefern die Vor- gänge in der Gegenwart fast täglich Bciveise. Vor allem natürlich in Amerika. Hier wird ein starkes Anwachsen deS Exports be- obachtet. Baumwolle, Petroleum, Getreide wurden in den letzten Monaten, seitdem die Absatzmärkte des Inlandes mehr und mehr zu versagen beginnen, in wachsenden Mengen auSgesührt. Vorläufig sind cS natürlich die von der Krise besonders getroffenen Industrien, welche das Bedürfnis zeigen, den Ausfall alif den in- ländischen Märkten durch gesteigerten Export tvcttznmachen. So wird aus New Jork gemeldet, daß sechs Dampfer zum Transport von landwirtschaftlichen Maschinen nach Europa gecharrcrl wurden; weitere Anwerbungen sollen folgen. Die Ladung dieser Schiffe wird zusammen mit den Verladungen, die auf den anderen Schiffen innerhalb vier Monaten erfolgen , ollen, auf 23 Millionen Dollar geschätzt. In Amerika richtet man sich also auf einen wachsenden Export an Jndustneprodukten .'in, mit denen man die europäischen Zollschranken übersetzen zu können und die Konkurrenz zu überwinden hofft. Die europäische Industrie wird also in der nächsten Zeit einen forcierten Wettbewerb der Amerikaner zu gewärtigen haben. Nur die Agrarier werden von dem potenzierten Konkurrenzkamps der Industrie nicht beun- rnhigt; im Gegenteil: Je billiger die landwirtschaftlichen Maschinen werden, desto besser für sie. Ihre eigenen Produkte haben sie ja durch hohe Zölle geschützt und die Junker haben bei den Zoll- schachereien daS beste Geschäft gemacht. Die weiter verarbeitende Industrie und die Arbeiter müssen die Zeche bezahlen. Huö der frauenbewegung* An die Genossinnen! Wie durch die Presse bekannt ist, wird ein neuerlicher Ansturm des Proletariats in Preußen gegen daS erbärmliche, volksfeindliche Dreiklassenwahlrecht und für die Eroberung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts ein- setzen. Ihr wißt, daß im Kampfe für dieses Recht auch für die volle politische Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts gefochten wird. Das Wahlrecht, für welches die Sozial- demokratie in die Schlacht zieht, ist entsprechend dem Beschlüsse des Internationalen sozialistischen Kongresses zu Stuttgart das allgemeine Wahlrecht aller Großjährigen, ohne Unterschied des Geschlechts, begreift also das Frauenwahlrecht in sich. Genossiimen! Seid dieser Tatsache eingedenk, wie der Aufgaben, die sie Euch auferlegt! Derselbe Internationale Kongreß, der die Sozialdemokratte zum Kampfe für das volle Bürgerrecht der Frau verpflichtete, machte es den G e- nossinnen zur Pflicht,„sich an allen Kämpfen, welche die sozialistische Partei für die Demokratisierung des Wahlrechts führt, mit aller Kraft zu beteiligen, aber auch energisch dafür zu wirken, daß in diesen Kämpfen die Forderung des allgemeinen Frauenwahlrechts nach ihrer grundsätzlichen Wichtigkeit und praktischen Tragweite ernstlich verfochten wi r d." Genossinnen in Preußen! Sorgt dafür, daß die bevor- stehenden Wahlrechtsdemonstrationen sich überall in un- zweideutiger Weise auch zu Demonstrationen für das Frauen Wahlrecht gestalten! Beteiligt Euch alle, bis zur letzten, an diesen 5kundgebungen des proletarischen Willens. Agitiert mit Eifer dafür, daß die Frauen des werk- rätigen Volkes, Arbeiterinnen, wie Arbeiterfrauen, in Massen den Versamniliiiigcn zuströmen. Beweist durch Eure starke Beteiligung, daß Ihr nicht eher ruhen werdet, bis Ihr Euer Recht erkämpft habt. Ottilie Baader, Vertrauensperson der Genossinnen Deutschlands. Maschinen- und Frauenarbeit. Die Maschine, die die segenspendende Befreierin der Menschheit werden sollte und dercinstmals auw sein lvird, revolutioniert Stadt und Land und mit der zunehmenden VcrkehrSerleichterung drang sie bereits bis in die entlegensten Gegenden, um die dortigen Be- wohner mit ihrem„Segen" zu beglücken. Mit souveräner Verachtung brach sie mit alle» überkommene» Traditionen und pflanzte aller- ortS ihre Standarte in Form hoher, rutzipeiender Schlote aus. Wo früher den Wanderer die köstliche Ruhe des fchiveigsamen Waldes um- fing, arbeite» jetzt stampfend und dröhnend, zischend und rasselnd die Maschine» der Walz- und Sägewerke, der Hammerschmieden oder der Tuwfabrikcn. Hat die Maschine der Menschheit in kultureller Hin- ficht Unermehliches geleistet, fabelhaften Reichtum an Gütern erzeugt »ud. allerdings nur einein kleinen Teil der Bevölkerung, Glück und Wohlstand verschwenderisch in den Schoß geschüttet, so folgte ihr auch andererseits Not, Elend, Hunger und Verzweiflung. Wo sie neues aufbaute, wo unter ihrer Macht grandiose Werke der Kultur erstanden, vernichtete sie zugleich die Existenz Tausender und Abertausender, brachte sie Massen von Handwerkern und Gewerbe- treibenden an den Bettelstab. An Stelle der bis dahin ausschlag- gebenden Muskelkraft und Geschicklichkeit trat in den meisten Ge- werbezweigen die Maschine mit ihrer nie rastenden Emsigkeit, ihrer nie versagenden Kraft und ihrer regelmäßigen, präzisen Leistung. Der Bann de« Znnslalters war gebrochen. Die neue Arbeits- form, deren Haupttätigkeit die Maschine übernahm, ermöglichte es, l!naclc'.itte Kräfte in großer Anzahl zu beschäftigen. Und da die entstehende Industrie einen Arbeitsziveig nach dem anderen der Hauswirtschast cmzog. so war die notwendige Folge die Heran- ziehung der weibliche» Arbeiter in den modernen Produktionsprozeß. Der KapiialiSmuS brauchte nicht nur fleißige, sondern auch willige und billige Hände, und der findige llnternehmergeist hatte eS gar zu bald herausgefunden, daß diese Eigenschaften am ehesten bei Frauen und Kindern vereinigt sind. Und so passierten in Scharen Mütter und Kinder die Tore der Fabrik. Dafür aber warf er die übersättigen und teueren Männer, soweit sie cnt- behrlich waren, hinaus ins graue Elend. ES ist verständlich, daß die Arbeiter, denen jcglichcS Verständnis für die ökonomischen Zu- fammenhänge abging, die Maschinen- und Frauenarbeit als die alleinige Ursache ihres Unglücks betrachteten und diese zu verhindern suchten. Die englischen Gewerkschaften waren noch vor wenige» Jahrzehnten erbitterte und prinzipielle Gegner der Maschinen- und Frauenarbeit. Natürlich ohne jeglichen Erfolg. Die Eniwickelung ging ihren ehernen Gang. Welchen Umfang die Frauen- und slinderarbeil durch die maschinelle Produktion annahm, zeigt der Umstand, daß schon im Jahre 1788 in England in 142 Fabriken GbOOO Frauen und 48 000 Kinder beschäftigt wurden. Man kann es begreifen, daß durch eine derartige Umwälzung das gesamte wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben erschüttert und aufgerüttelt wurde. Zu Tausenden raffte der Hungertyphus die Proletarier hin- weg, Hnngerrevollen entstanden allenthalben und wurden im Namen des Christentums blutig niedergeichlagen, wie es Gerhart Haupt- mann in seinen„Webern" in ergreifender Weise dargestellt hat. Die aufgeklärte, moderne Arbeiterschaft dagegen kämpft heute nicht mehr gegeil die Maschinen- und Frauenarbeit, sie hat längst erkannt, daß nicht die Technik der Produktion, sondern die der Verteilung der Güter deS UebelS Ursache ist.___ Versammlungen— Veranstaltungen. Wilmersdorf. Die zu Donnerstag, den 9. Januar, festgesetzte Ver» sammlung im„Louisen-Park" fällt wegen der Protestversamm- lung aus, und findet am Donnerstag, den 16. Januar, abends 8!� Uhr. im„Louisen-Park" statt.— Fräulein Lutz wird über „Sexuelle Fragen" referieren. Steglitz. Donnersiag keine Versammlung wegen Stattfinden? der Wahlrechtsversammlungen. Getverkfebattlicbes. Bcrlln und llmgcgenck. Achtung? Metallarbeiter! Die Firma Julius Thumann in Forst, N.-L., sucht in der„Berliner Volkszeitung" Arbeitskräfte, ohne daß dafür genügend Platz und Material vorhanden ist. Es ist anzunehmen, daß die Firma, die zurzeit mit den dort be- fchäftigtcn Arbeitern Differenzen hat, sich auf diese Art vor Verantw. Redakteur: HanS Weber» Berlin. Inseratenteil verantw.s Eventualitäten sichern will. Aus diesem Grunde ersuchen wir, den Zuzug nach Forst, Nieder-Lausitz, fernzuhalten. Die Bezirksleitung des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes. Die in de» Gcldschrankschlossercien beschäftigten Metallarbeiter versammelten sich am Montagabend im Harmoniesaal, Invaliden- straße. Cohen hielt einen Vortrag über„Tarifverträge". Zum zweiten Punkt der Tagesordnung lag die nochmalige Abstimmung über die von der Schlichtungskommission der Schlosser getroffene Vereinbarung betreffs eines Tarifvertrages in den Geldschrank- schlossereien vor. In der letzten Versammlung hatten die Geldschrank- schlosser sich gegen den Vorschlag der Kommission, durch den der Einheitstarif geschaffen werden sollte, erklärt, weil die Zu- gesiändnisse zu gering waren, besonders für die HülsZarbeiter. Später wurde aber die Ortsverwaltung aufgefordert, den Vorschlag noch ein- mal zur Beratung zu stellen, was durch die jetzt einberufene Ver- sammlung geschah. Nach einer längeren Diskussion erklärte sich die Majorität für den Vorschlag der Schlichtungskommission und damit für den Einheitstarif unter den Schlossern, wenn auch anerkannt wurde, daß gegenwärtig nur wenig damit erreicht sei.— Die Vertrauensleute wurden aufgefordert, eine engere Verbindung mit der Verbandsleitung aufrechtzuerhalten, besonders ihre Adressen stets rechtzeitig mitzuteilen. Oeutfches Reich. Ein Mißverständnis. Die„Holzarbeiter-Zeitung" bespricht in ihrer letzten Nummer die Statistik der Berliner Wahlvereine über die Organisations- Zugehörigkeit der einzelnen Arbeiter. Sie erörtert dabei die Tat- fache, daß die Parteizugehörigkeit in den Zentralverbänden eine größere sei als in den sog. Loralorganisationen. Dabei schreibt die „Holzarbeiter-Zeitung" u. a.: „Vielfach werde in Gewerkschafts- und Parteikreisen taffächlich auch geglaubt, daß die Lokalorganisattonen aus lauter radikalen Parteigenossen gebildet werden und in den Zentralverbänden sehr viele Mitglieder seien, die von diesen erst zu klassenbewußten Arbeitern erzogen werden müsien. Nannte doch selbst der„Vor- wärts" wiederholt die Lokalorganisationen die„freien GeWerk- schaften" und die Zentralorganisationen Zentralverbände." Die„Holzarbeiter-Zeitung" irrt und wir stellen diesen Irrtum richttg. Wenn er an sich auch belanglos ist, könnten doch die Schluß- folgerungen aus der unrichtigen Behauptung der„Holzarbeiter- Zeitung" von weittragenderer Bedeutung fein. Wir haben allerdings die Zentralverbände ganz richtig so genannt, wie sie sich selbst nennen.„Freie Gewerkschaften" haben wir im Gegensatz dazu aber nicht die L o k a l organisationen, sondern in völliger Ueber- einstimmung mit dem Sprachgebrauch in Arbeiterkreisen gerade die Zentralorganisationen im Gegensatz zu den Hirsch- Dunckerschen. christlichen und gelben Gewerkschaften genannt. Die „Holzarbeiter-Zeitung" läßt sich dadurch täuschen, daß wir von den Lokalorganisationen neuerdings mehrfach als von„Freien Ver- einigungen" sprachen, einen Namen, den wir aber nicht erfunden haben, sondern den sich die Lokalisten selbst gaben, ebenso wie die Verbände den ihren._ Eine bayerische Textilarbciterkonferenz fand in Augsburg statt. Der Textilarbeiterverband hat im letzten Jahre besonders in Nord- bayern gute Fortschritte gemacht. In Südbayern vermochten die fast in allen' Betrieben erfolgten gelben Gründungen den Ver- band nicht umzubringen, ihn immerhin aber im Fortschreiten vorübergehend zu hemmen. Die Denunziation feiert Orgiem In manchen Betrieben getraut sich lein Arbeiter dem anderen mehr seine Mitgliedschaft beim Verbände zu verraten. Nach 32 Dienstjahren wurden Arbeiter, die von ihrem gesetzlich gewährleisteten Koalitionsrecht Gebrauch machten, rücksichtslos entlassen. AuS einem schwäbiichen Textilort berichtete ein Delegierter, daß organisierte Arbeiter nachts bei Regenwetter aus den Fabrikwohnungen lArbeiter- wohlfahrlseinrichtungenl) gejagt» mit Weib und Kind und Hab und Gut nach gcwalt amer Erbrechung der Wohuungstüren ihres Obdachs beraubt auf d e Straße gesetzt worden sind. In Treuchtlingen haben die organisierten Textilarbeiter aus Furcht vor dem Terrorismus des Unternehmers sich tatsächlich vertauft. Sie gingen auf einen schändlichen Handel ein, wonach sie 1 M. pro Woche Zulage erhielten, dafür aber aus der Organisation austreten mußten. Trotz der unerhörten Vergewaltigung der Arbeiter durch die Unternehmer hält der Deutsche Textilarbeiterverband doch stand. Dagegen ist die H i r s ch- D u n ck e r s ch e Organisation durch die gelben Streikbrechervereine vollständig aufgesogen worden. Ruslanck. Niederländische Gewerkschaftskongresse. Wie alljährlich haben auch diesmal wieder gegen Ende de» Jahres verschiedene niederländische Gewerkschaften ihre Verbands- kongressc abgehalten. Besonderes Interesse mußte die Jahres- Versammlung des Verbandes der Schiffs- und Boots- a r b e i t e r erwecken, der ja, außer anderen Konflikten, in Rotter- dam einen schweren Kampf mit dem Unternehmertum zu bestehen hatte. Große Fortschritte hat die Organisation im verflossenen Jahre nicht gemacht; es konnte nur festgestellt werden, daß die Mitglicderzahl nicht zurückgegangen ist. Innere Streitigkeiten, die auch ein gut Teil der Jahresversammlung in Anspruch nahmen, haben offenbar dazu beigetragen, daß der Verband sich nicht stärker entwickelte. Der Verband der Fachverbände hatte es bekanntlich abgelehnt, den Streik in Rotterdam zu unterstützen, dem Grundsatz entsprechend, wonach diese Zentrale der niederländischen Gcwerk- schaften nur die ihr angeschlossenen Organisationen in ihren Kämpfen unterstützt. Der Jahresversammlung lag nun ein Antrag auf Anschluß an den Verband der Fachverbände vor, der vom Hauptvorsitzenden Molendijk und einigen anderen Vorstands- Mitgliedern verteidigt wurde. Er wurde jedoch mit 6 Stimmen bei 8 Stimmenthaltungen verworfen. Man machte auch dem Jnter- nationalen Sekretariat der Transportarbeiter den Vorwurf, den Streikenden in Rotterdam die nötige Unterstützung vorenthalten zu haben, während dies bei dem Kampf in Antwerpen nicht der Fall gewesen sei. Jochade habe Unterstützung zugesagt, aber sein Wort nicht gehalten. Auch habe das Internationale Sekre- tariat nicht für Fernhaltung der Streikbrecher gesorgt.— Der internationale Sekretär I o ch a d e antwortet auf diese Vorwürfe mit einem Eingesandt in der nächsten Nummer von„Het Volk". Er bestreitet, daß er den Vertretern des Niederländischen Schiffs- und Bootsarbeiterverbandes irgendwelche bestimmte Zusage auf Unterstützung gemacht habe. Die Leitung der Internationalen Transportarbciterfödcration habe den Aufruf für die Unterstützung versandt, wenn darauf nicht genügend Geld eingekommen sei, so sei das nicht Schuld des Sekretariats. Den Kampf in Antwerpen habe das Sekretariat erst unterstützt, nachdem 8 bis 10 000 Arbeiter einige Wochen lang ausgesperrt waren. In Rotterdam aber, wo es sich um einen Streik handelte, habe man schon nach acht Tagen um die internationale Unterstützung nachgesucht, und doch sei auf den internationalen Kongressen festgestellt, daß die Or- ganisationen ihr Kämpfe so viel wie möglich mit eigenen Mitteln führen sollten, ehe sie vie internationale Solidarität in Anspruch zu nehmen hätten. Die für die Unternehmer brauchbaren Streik- brecher seien vor allem aus Holland selbst gekommen, und das zu verhindern, sei zunächst Sache der Organisation des eigenen Landes gewesen.— Von den anderen Organisationen, die ihre Kongresse abhielten, ist der Allgemeine Verband der Handels- und Kontorgehülfen zu erwähnen, der dem Verbände der Fach- verbände angeschlossen ist und sich kräftig entwickelt. Seine Mit- gliederzahl ist im verflossenen Jahre von 341 auf bS7 gestiegen. Eine verwandte Organisation ist der A l l g e m e i n e Verband des Handels Personals, der ebenfalls seinen Kongreß ab- hielt. Im verflossenen Jahre haben Verhandlungen über Ver- schmelzung der beiden Verbände stattgefunden, sie waren jedoch er- folglos.___ Knick u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Berlagsanjtalt Dagegen beschloß die Jahresversammlung des Tapezierer« und Dekorateurveroandes, ihren Verband mit dem der Möbeltischler zu verschmelzen. Jener Verband zählt 300» dieser 570 Mitglieder; beide sind dem Verband der Fachverbände angeschlossen. Der über 1700 Mitglieder starke Malergeselle«verband ist ebenfalls dem Verband der Fachverbände angeschlossen. Seine Jahresversammlung ermächtigte den Verbandsvorstand, zwecks Unterstützung von Lohnkämpfen in anderen Berufen der Zentrale der Gewerkschaften jährlich bis zu 500 Gulden zur Ver- fügung zu stellen. Ferner wurde beschlossen, die Regierung auf- zufordern, eine gründliche Untersuchung über die Blciweißver» giftungcn im Malerbcruf zu veranstalten. Der Christliche Textilarbeiterverband„Uni, t a s der 3406 Mitglieder gegenüber 2050 Mitglieder des dem Verbände der Fachverbände angeschlossenen Allgemeinen Textilarbeitervcrbandes zählt, sprach sich auf seiner Jahresversammlung entschieden gegen die konfessionellen Zer- splitterungsversuche der Geistlichkeit aus.„Unitas" soll nach wie vor eine christliche, aber interkonfessionelle Organisation bleiben. Der stärkste Verband, der seine Jahresversammlung abhielt, war der Verband der niederländischen Lehrer. Er hatte vor einem Jahre in 200 Ortsabteilungen 7076 Mitglieder» jetzt sind es 202 Abteilungen mit 7435 Mitgliedern. 5033 Lehrer und 2402 Lehrerinnen sind in diesem Verbände organisiert. Im Verbandsorgan„De Bode" und in Versammlungen wurde im ver- flossenen Jahre ein heftiger Kamps geführt über die Frage, ob sich die Organisation mit Politik befassen solle oder nicht. Dem Kongreß lag nun ein Antrag vor. der dem Verband wie den Ortsabteilungen die Beteiligung an der Maidemonstration und an denDemonstrationcn fürdasallge meine Wahlrecht verbieten sollte. Der Antrag wurde jedoch mit 163 gegen 110 Stimmen abgelehnt. Danach steht es also den Ortsabteilungen des Lehrerverbandes frei, sich, wie daS in vielen Orten schon geschieht, nach wie vor an den großen Demon. strationen der organisierten Arbeiterschaft zu beteiligen. Ein zweiter Antrag, wonach der Kampf für das allgemeine Wahlrecht in das Programm des Verbandes aufgenommen werden sollte. wurde allerdings auch abgelehnt. Ebenfalls verworfen wurde ein Antrag, den Schulrektoren Aufnahme in den Verband zu gewähren. Es bestehen in Niederland starke Interessengegensätze zwischen den „Schulhäuptern" und den Klassenlehrern, weshalb diese in ihrer Mehrheit eine gemeinsame Organisation nicht für zweckmäßig er» achten. Beschlossen wurde, den Kampf für die r e l i g i ö s und politisch neutrale Schule so energisch wie möglich fort- zusetzen. Der Umstand, daß die Geistlichkeit der verschiedenen Konfessionen ihre„besonderen" Schulen immer mehr auszubreiten sucht und darin von der Regierung unterstützt wird, dann das abschreckende Beispiel, das Belgien in dieser Hinsicht bietet, lassen diesen Kampf um die Neutralität der Schule um so notwendiger erscheinen. Der Kongreß nahm dann unter anderem noch eine Resolution zum Schuhe der Kinder gegen Ausbeutung und Ver« Wahrlosung an. Lohnbewegung«» schwedischer vauarietter. Zum Frühjahr wird eS in Stockholm, Kalmar und anderen Städten Schwedens zu Lohn« bewegungen im Baugewerbe kommen. Die Unternehmer planen Lohnherabsetzungen und hoffen damit leichter über die herrschende Krise hinwegzukommen; die Arbeiter halten wegen der steigenden Teuerung Lohnerhöhungen für unbedingt notwendig. In Stockholm haben in einigen Braucken deS Baugewerbes die Arbeiter die Kündigung der geltenden Tarifverträge beschlossen; die Unternehmer beschlossen nun ihrerseits die Kündigung der Tarifverträge aller übrigen Branchen. In Kalmar find die Tarifverträge von de» Arbeitgebern gekündigt worden. Die Krise im Baugewerbe ist keineswegs durch emen Ueberfluß an Wohnungen verschuldet. In Stockholm mußten zum 1. Dezember des verflossenen Jahres über 1000 Obdachlose, eine größere Zahl als je zuvor, die Asyle aussuchen. Die Ursachen sind Mangel an kleinen Wohnungen, ungeheuere Höhe der Mieten und dazu die Arbeitslosigkeit. Nach Aussage eines Armeninspektors ist in der schwedischen Hauptstadt die Wohnungsnot und die Ueberfüllung der Wohnungen in der Lrbeiterbevölkerung schlimmer als jemals. Der Autobusstreik in London. Es wird erwartet, daß die bestehenden Streitigkeiten durch eine Konferenz zwischen Vertretern der Union und der Omnibusgesellschaft beigelegt werden. Sollte die Konferenz fehlschlagen, dann will die Union einen Appell um Unterstützung an die bemittelten Unionen Englands richten. Die Streikenden erhalten eine Unterstützung von 1 Pfd. Sterl.(20 M.) pro Woche, und sie verfügen über keine große Kasse. Sie paradieren mit Fahnen und Bannern durch die Straßen Londons und halten Versammlungen im Hyde Park ab. um den Zusammenhalt zu pflegen. Letzte JVachrichtcn und Depefchen« Ein Keim mit feste« Wurzel«. München, 7. Januar.(B. H.) Wi« die.Münch. N. Nachr.' erfahren, find die Versuche hoher PersSnlichkeite»» General Keim zum freiwilligen Rücktritt zu bewegen» endgültig gescheitert, Nur für„bessere" Kreise. Bochum. 7. Januar.(Privatdepcsche deS„Vorwärts".) Wegen der jlnappschaftSangelegenheit sollte heute im Viktoriasaal eine Ver. sammlung stattfinden, in demselben Saal, wo vor 8 Tagen die Generalversammlung deS KnappfchaftSvereinS stattfand. Me gc- meldet wird, hat der Besitzer des Saale« die Hergabe desselben z» dem Zweck verweigert. Die Versammlung hat nicht stattfinden können und mußten deshalb Taufende von Menschen vor dem Lokal wieder umkehren._ Ungetreuer Beamter. Essen a. Ruhr, 7. Januar.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Essener Strafkammer verurteilte heute den Strafanstalts, sekretär Mohr aus Hamm wegen Unterschlagung amtlicher Gelder zu vier Monaten Gefängnis. Familiendrama. Trier, 7. Januar.(B. H.) Die aus drei Köpfen bestehende Familie Otto hatte sich heute Mittag durch ausströmende Gase ver- giftet. Die Leichen wurden in der Wohnung, die gewaltsam ge- öffnet werden mußte, aufgefunden. Berbraunt. KönigShütte, 7. Januar.(B. H.) Die Frau des Bergarbeiters Wessoly verbrannte bei lebendigem Leibe. Die Frau war am Ofen eingeschlafen, als ein Funken aus dem Ofen die Kleider in Brand setzte._ Neue Kämpfe in Marokko. Paris, 7. Januar.(W. T.) Nach Meldungen aus Casablanca vom 4. Jannar soll die Mahalla Mulay Raschids auf ihrem eiligen Marsche nach der Kasbah Sattat erst von den Ulad Zeyan und dann von den Mdakra geschlagen und ausgeplündert worden sein, nach- dem sie sich geweigert hatte, sich mit ihnen gegen die Europäer zu verbünden. Tie Trümmer der Mahalla sollen völlig erschöpft in Sattat angekommen sein._ imilSinger&CoJSctlinSW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltnngßblattl Kr. 6. 25. Zahrgang. 1 Keilxst des Joriüntts" Kerlim Sollislilntt. Mittwoch, 8. Imnin 1908. Prozeß Peters— v. kenniglea. (BelsidigungZllage Dr. Karl Peters gegen die„Kölnische Zeitung" und Gouverneur a. D. v. Bennigsen.) Köln, 7. Januar 1908. (Telegraphischer Bericht.) Der Beleidigungsprozeb. den der frühere Reichskommissar Dr. Karl PeterS gegen den verantwonlicben Redakteur der „Kölnischen Zeitimg" Gustav B rü gg emann und ihren Berliner Mitarbeiter, den früheren Gouverneur von Neu-Guinea, Rudolf v. Bennigsen angestrengt hatte. nahm heute früh vor dem hiesigen Schöffengericht seinen Ansang. Mit Rücksicht aus die graste Zahl der Zeugen und den voraussichtlichen Umfang dcS Prozesses findet die Verhandlung im Schwurgerichtssaale statt. Den Borsitz führt Amtsgerich'.srat Kühl, der auch den Prozest Roercn— Schmidt geleitet hat. Ten beiden Beklagten steht Rechlsauwalt Dr. Falk- Köln zur Seite, dem Kläger Justizrat Dr. S e l l o- Berlin. Am 20. März 1906 veröffenttichte die„Kölnische Zeitung" einen Artikel, der sich mit den am Tage vorher staltgehabteu Reichstags- debatlen über den Fall Peters und über den vom Abgeordneten Bebel seinerzeit vorgebrachten Tnckerbrief beschäftigte. In dem Artikel findet sich folgende, den Gegenstand der gegenwärngen Anklage bildenden Stelle:„Bon grösterer Wichtig- keit für den Fall Peters ist, daß in dein Aftenmaterial ein Brie' vorhairden ist, den dieser an den englischen Bischof W o o d- Ivood von Magila gerichtet hat und der mit dem Inhalt des gefälschten T u ck e r s ch e n Briefes g roste Aehn- lichteit hat." Die.Kölnische Zeitung" hat am ö. Juli 1907, unmittelbar nach dem Münchener Peters- Prozest, diesen Artikel wiederholt, um zu dokumentieren, dast sie auf den Einwand der Verjährung verzichte. Die von Dr. Peters angestrengte Klage richtete sich zunächst nur gegen den verantwortlichen Redakteur Brüggemann und wurde auf Herrn v. Bennigsen, bekanntlich ein Sohn des verstorbenen nationalliberalcn Parteiführers Rudolf v. Bennigsen, ausgedehnt, nachdem dieser sich als Verfasser deS Artikels öffentlich bekannt hatte. Herr v. Bennigsen berichtigte austerdem in seiner Erklärung einen ihm widerfahrenen Irrtum, dast nicht der Bischof Woodwood, sondern der Bischof Smithics in Magila der Adressat gewesen sei. Die Beweisaufnahme wird sich jedoch über den Rahmen dieses einzelnen Falles hinaus auf die ganze koloniale Tätigkeit des Dr. PeterS erstrecken. Auf Antrag der B e r t e i d i g u n g hat das Gericht als Zeugen geladen: den früheren Gouverneur von Ostafrika Staats- minister v. Soden- Stuttgart, den Afrikasorschcr Grafen Joachim Pfeil, Vizeadmiral v. S ch l e i n i v- Phrmont, Oberstleutnant Roechelmann- Lauban. Eisenbahndirektor Mittel st edt- Berlin, v. Huhn, Tiermaler Kuhnert- Berlin, Hauptmann F o n ck- Berlin, Bezirkshauptmann v. E l p o n s- Bern. Polizei- assistent Neuhaust- Altona. Ingenieur Hermes- Gnoien in Mecklenburg, Eisenbahnassistent Wittstock- Berlin, Magistrats- sclretär Wilhelm- Schöneberg, den früheren Lazarettgehülfen W iest- München, Prof. B o l k e n s- Dahlein. Maler Kallenberg, Kaufmann Strandens- Hamburg. Rechtsanwalt Heine- Dessau und Fräulein Brunn st ein- München. Der schliestlich noch geladene bekannte Zeuge aus dem Münchencr PcterSprozest, Major von Donath, ist wegen Krankheit am Erscheinen verhindert. Als Sachverständiger und Zeuge ist weiter von der Verteidigung gc- laden: Provinzialpater Acker- Kechtsteden. Justizrat Dr. Sello als Rechtsbeistand de» Dr. Peters hat als einzigen Zeugen Freiherrn von P c ch m a n n- Berchtesgaden geladen, der alö Beisitzer an der Aburteilung des Negerboys Mabruk und der Negerin Jagodja mitgewirkt hat. In einem seiner Schriftsätze führt Dr. PeterS zur Begründung der Klage an:„Die Behaupmng, der Privatkläger habe an Bischof Woodwood einen Brief geschrieben, der mit dem Inhalt des gefälschten Tuckerbriefes groste Aehnlichkeit hat, ist für ihn beleidigend. Demi sie besagt nichts anderes, als dast der Privatkläger diejenigen groben Berstöste gegen Recht und Sittlichkeit, deren er sich in dem gefälschten Tuckerbnefe schuldig bekannt haben soll, den Bischof Woodwood gegenüber tatsächlich zugestanden und deshalb zweifellos begangen hat." Die Parteien sind beide persönlich zur Stelle. Mit Rücksicht auf die lange Dauer der Verhandlung wird ein Hülfsschöffe ausgelost. Beini Zeugenaufruk teilte ocr Vorsitzende mit, dast ihm kleines feuilleton. Auf der Wacht am Vesuv. In dem Augenblick, da die Kämpfer der Wissenschaft droben am Vesuv warnend die cstimme erheben, ist eine Schilderung der Gefahren von besonderem Interesse, denen die Vulkanforschcr ins Antlitz schauen müssen, um der Natur ihre Geheimnisse zu rauben und die Menschheit auf kommende Kata- sirophen beizeiten hinzuweisen. Ein früherer Mitarbeiter des Pro- fcffors Matcucci, der ehemalige Assistent am Vesuvobserbatorium, Frank A. Pcrret, erzählt einige fesselnde Einzelheiten aus dem Tagewerk des Vulkansorschcrs. Kaum einen Beruf niag es geben, der mehr seltsame Erregungen mit sich bringt. Tag uird Nacht, Winter und Sommer, die glühendste Hitze und eisiger Frost lösen sich von den Bedingungen des Alltags. Das Dunkel der Nacht wird bei der Beobachtung der leuchtenden Fcuergarbcn zur Tageshellc, der Tag in schwarzem Aschenregen zu undurchdringlicher Nacht. llnerschöpflich sckjeint die Reihe der Arbeiten, von cineni geduldigen, stundenlangen Harren auf einzelne Phänomene, die die Kamera dann festhält, bis zu den nervenspannenden Erregungen eines hastigen Rettungswerles. Uird zwischen diesen Extremen werden Gase zur Analyse eingefangen, die Temperaturen des grollenden Bergriesen müssen gemessen werden, mit dem Stethoskop dringt die Forschung lief ins Herz des Kraters und das Mikrophon prüft alle Zuckungen des Fiebernden. Erfahrung und Gcistcsgegemvart ent- scheiden da oft über das Leben des Beobachters. Ein junger Lava- ström must überschritten werden. Eine teilweise Abkühlung hat an der Oberfläche eine Art felsiger Kruste gebildet. Sie ist nicht hart, sie gleitet und wird langsam fortgczogen von den slüssigen, glühenden Massen, deren grelles Rot drohend hcraufleuchtct durch die lockeren, verkohlenden Steinmengcn. Ein Irrtum in der Abschätzung des Pfades, ein einziger unsicherer Tritt entscheidet ein Lebens- schicksal.„Ich erinnere mich noch einer Nacht ivährcnd des letzten Ausbruches des Vesuvs. Ter Aufenthalt im Observatorium war unmöglich, eS schwankte wie ein Boot auf den Wellen. Wir standen drausten, mit über den Kopf geschlagenen Mäntel», mitten in einem Stcinregeli. Ein Karaüinicr bückte sich, um einen Stein aufzu- heben, er warf ihn fort, weil er heißt ivar; in demselben Augenblick bekam er einen Stein auf den Schädel. Glücklicherweise war das Lavastück lilir ilcin, aber der Karabinier bückte sich nicht mehr. Kerzengerade iliid bewegungslos blieb er stehen, die Mäntel waren ein trefflicher Schutz gegen dies knatternde Schnellfeuer von kleinen Steinen; aber als das Kaliber gröstcr wurde, mußten wir flüchten. Unter sechs Pfund schweren Steinen, die» aus den Wolken fielen, eilten wir weiter, bis wir eine Stelle fanden, wo wir ausharren konnten.... Im vorigen Mai, beim Stromboliausbruch, wollte ich einen vorstehenden Fclsrand in unmittelbarer Nähe des Kraters gewinne!!, um Beobachtungen der Eruption zu erlangen, die nur von diesem Punkt aus gemacht werden konnten. Ich fragte meinen Führer, er zuckte die Achseln und meinte:„Wenn Sie gehen, werde ich Sic begleiten— wir werden zusammen sterben." Ich erklärte, noch eine Stunde warten zu wollen. Nach kaum zehn Minuten bvi ein Ausbruch, der Millionen rotglühender Steine von gewaltigen von dem auf Anordnung des Gerichts als Zeugen geladenen Staats- minister Freiherr von Soden- Stuligart die Mitteilung zugegangen sei. dast er aus d i e n st l i ch e n und gesundheitlichen Rücksichten unmöglich persönlich kommen könne. Vielleicht lasse sich ohne ihn auskommen, sonst ersuche er um seine kommissarische Vernehmung in Stuttgart.— Rcchtsanw. Falk: Ich beantrage die kommissarische Vernehmung und bitte einen Tag dafür anzuberaumen, da ich der Vernehmung des Herrn Ministers beiwohnen will.— Justizrat Sello: Ich halte die Vernehmung des Herrn Staatsminiiters v. Soden auch für wichtig, denn er ist der wichtigste, wenn nicht der einzige Zeuge, auf den»vir Wert legen. Er ist aber lein Tatzeuge.— Vors.: Aber er hat schon>892 cm Kilimandscharo die Verhältnisse ck m t- lich untersucht.— Rechtsanw. Falk: Ich würde cS am liebsten sehen, wenn der Vorsitzende Gelegenheit nehmen würde, diesen Zeugen in Stuttgart persönlich zu vernehmen. Ich nehme an, dast Kollege Sello diesem Wunsche beipflichten wird.— Justizrat Sello: Es bedarf dazu nur der arntS- gerichtlichen Genehmigung. Ich möchte aber bemerken, dast ich nur für den 7. Januar hier geladen bin. Nun erfahre ich aber, dast 5 bis 7 BerhandlangStagr festgesetzt worden sind. Am 13. und 14. Januar findet in Leipzig vor dem Reichsdisziplinarhofe die Bernfungsklage des Gouverneurs von Pultkamer statt. Ich war Verteidiger in erster Instanz und es ist absolut unmöglich, dast an meine Stelle ein anderer treten kann. Wenn die Verhandlung hier länger dauern sollte, must ich den Antrag stellen, am 13. und 14. Januar leine Verhandlung statt finden zu lassen.— Vors.: Ich hoffe, dast wir viel früher fertig sein werden, Ende der Woche.— Rechtsanw. Falk: Ob lvir fertig sein werden, entzieht sich meiner Kenntnis. Wenn das aber nicht der Fall ist, so ist eS wohl selbstverständlich, dast die beiden Tage sitzungsfrei bleiben.— Dr. Peters: Ich habe am 11. Januar in Berlin einen Prozest gegen den„Vorwärts" und kann au dem Tage auch uicht hier sein.— Vors.: Ja. da kann ich mir aber nicht helfen, wir können nicht Rücksicht nehmen auf die Prozesse, die die einzelnen Parteien führen. Ihr persönliches Erscheinen ist ja auch gar nicht angeordnet. Sie könnten sich durch Justizrat Sello vertreten lassen. Der Vorsitzende entlätzt dann die Zeugen, indem er sie auf die Wichtigkeit ihrer Aussagen auftnerksam macht und darauf hinweist, dast es sich um einen Prozeß handele, der in der Oeffeutlichkrit großes Aussehen errege» werde. Nach Verlesung de? Eröffnungsbeschlusses nimmt sodann Justizrat Dr. Sello das Wort für eine Erklärung. Justizrot Sello: Ich sehe mich genötigt, die Verhandlung zu be- ginnen mit einem so flammenden und geharnischten Protest wie irgend nur möglich, gegen die anscheinend von der Gegenpartei beabsichtigte Art der Verhandlung. Der Privatkläger und ich haben nnS in diesem Prozest, der seit ändert- halb Jahren schwebt, auf's strengste bemüht, im Rahmen des Er- össnungsbeschlusseS zu bleiben. ES handelt sich danach in diesem Prozest um den einzigen Punkt, die von dem Dr. Brügge- mann und dem Herrn v. Bennigsen in die Welt gesetzte Behauptung, Dr. Peters habe an den Bischof Woodwood von der englischen Mission einen Brief geschrieben, in dem er die Hinrichtung dcS Negermädchens Jagodja ans geschlechtlichen Motiven zugestanden habe. Das ist der Punkt, wegen dessen Privatklage erhoben worden ist und der hier zur Verhandlung steht. Zu unserem grosten Erstaunen haben wir jetzt aus den Sachverständigen- und Zeugenladungen der Gegen Partei entnehmen müssen, dast eS ihre Absicht ist, de» Peters-Skandal im weitesten Umfange zu erörtern, d. h. die amtliche Tätigkeit de ReichSkommissarS im Nahmen dieser SchöffengerichtSverhairdlung noch einmal von vorne aufzurolleu.— Vors.: Das Gericht würde einem solchen Verfahren widersprechen.— Justizrat Sello: Ich werde bei jeder Zeugenvernehmung dem Versuche, die Prozeß- Verhandlung aus ein anderes Gebiet, als auf die Frage der Gründe, die am ö. Juni 1892 am Kilimandscharo zur Hinrichtinig der Jagodja geführt haben, mich mit allen prozessualen Mitteln aufs äußerste widersetzen. Ich fange damit an. indem ich erkläre, dast die Ladung von 20 Zeugen und Sachverständigen in dieser Sache, die wie gesagt seit anderthalb Jahren schwebt, mir am 2. oder 3. Januar dS. IS. mitgeteilt worden ist. Diese Mitteilung traf mich zu einer Zeit, in der ich, wie derjenige Herr, der sie mir zukommen liest, natürlich genau wußte, in einem anderen grosten unser ganzes Vaterland bewegenden Dimensionen Hunderte von Metern hoch in die Luft schleuderte. Krachend stürzten sie nieder, kein Fleck jener Stelle blieb verschont. Wir sahen uns schweigend an, das Vordringen zu jenem Fclsrand wurde einstweilen verschoben.... Vom Vesuv habe ich noch eine ähnliche Erinnerung, die mich noch heute schaudern macht. Damals war eine riesige Gas- und Aschcnwclle unsere Feindin, ein heftiger Ostwind blies sie auf uns zu. Einige fünfzig Personen, Männer, Frauen und Kinder, hatten sich in die Baracken geflüchtet, aber diese boten nur unzureichenden Schutz. Es galt das Observatorium zu erreichen. Nur sechzig Meter entfernt von uns lag es, wir konnten es nicht sehen, denn die Asche tauchte alles in finstere Nacht, und die Gase machten das Atmen unmöglich. In dem Augenblick, da man die Augen öffnete, füllten sie sich durch Sand und Asche, die mit solcher Wucht daher getrieben kamen, dast die Lippen auf- gerissen wurden und bluteten. Rur sechzig Meter, aber ein Weg ins Dunkle und Ungewisse. Die fünfzig Menschen wurden schliestlich aneinandergeseilt, das Ende blieb am Barackentor und dann wanckte die Mcnschenkctte in die Nacht, unzählige Mal vergebens, bis endlich die Observatoriumstür erreicht war. Mehr tot a!S lebendig kamen wir an, jeder hatte die Gase geatmet, aber eS war unmöglich, Sauerstoff zu gewinnen, da es an Materialien fehlte. Acht Stunden lang verbrachten wir in der giftigen Atmosphäre, um die Lampe tanzten Sand- und Aschcnflocken und hüllten den Raum in Dunkel. Um Mitternacht wechselte der Sturm und die Gase entwichen. Mit Ausnahme eines jungen Menschen überlebten wir alle die fürchter» lichen Stunden." Frank Pcrret erzählt noch von einer rvaghalsigen Expedition, die Professor Mattcucci mit ihm und drei Karabinicrcn zur Quelle eines LavastromS unternahm. Unter fürckitcrlichcn An- jtrengungen, durch glühende Sandwolten, arbeitete sich die tleinc Schar vorwärts. Die Hitze war so grost, dast Bäume in Flammen aufgingen, ehe der Lavastrom sie erreicht hatte. Dann, mit einem furchtbaren Donner zerrist die felsige Bergtoand, wie ein Tuchfctzcn, und eine weistglühcnde, flüssige Lavasäule sprang hundert Fust hoch in die Lüfte.„Es war das einzige Mal, dast ich rennen mutzt?, — und wir sind gerannt I Trotzdem eilten lvir bald wieder zurück und photographiertcn das unheimliche Schauspiel." Nicht umsonst setzten die Männer der Wissenschaft bei diesen wagemutigen Studien ihr Leben aufs Spiel; wie sie heute den drohenden Ausbruch des Vesuvs vorher ankündigen, so können die Vulkanforschcr auf Grund ihrer Beobachtungen schon jetzt einen neuen grosten Ausbruch des Aetna vorhersagen, der voraussichtlich noch in diesem Jahr statt- finden wird.—_ Notizen. — Vorträge. Ucber Rembrandt hält Fritz Stahl am Mittwochabend 9 Uhr einen durch zahlreiche Lichtbilder erläuterten Vortrag im Schiller-Saal. Charlottenburg. Dieser Vortrag eröffnet eine Reihe von 14 durch Lichtbilder erläutertcu Vorträge»: „Klassiker der bildenden Kunst". Abonucmeutsprcise für den ganzen Zyklus von 14 Vorträgen zum Preise von 6 M.(auch in 2 Hälften zu je 3 M.) und Einzelkarten zum Preise von 0,60 M.(einschliestlich Garderobe) sind an den Kassen beider Scknller-Theater und abends an der Kasse des Schiller-SaaleS zu haben. Prozest tätig und während mein Klient in London war. Eine solche Benachrickitigung inust ich geradezu als Farce bezeichnen. Ich stelle demgegenüber prinzipiell den Antrag, dast die Gegenpartei u n S diejenigen Punkte bezeichnen soll, über die die von ihr geladenen Zeugen vernommen werden sollen, damit ich eventuell eine Aussetzung der Verstand- l u n g e n zwecks Einholung von Informationen beantragen kann. Der Privatllägcr, der doch das groste Interesse hat, seine Ehre wieder hergestellt zu scheu, hat sich darauf beschränkt, einen einzigen Zeugen zu dieser Verhandlung zu laden, umso mehr must ihm Gelegenheit gegeben werden, sich gegen- über diei'ein Uebersall zu rechtfertigen und sachgemäß zu verteidigen. Vert. Rechtsanw. Falk: Was der Herr Privatkläger über die Art der Z e n genta dun g sagt, kann uns v ö l li g gleich- gültig sein. Es ist richtig, daß der Kollege Sello sehr spät in den Besitz der Zeugenliste gekommen ist. Ich kann das nicht leugnen, aber die Gründe dafür sind sehr einfach. In gewissen Zeitungen ist von Dr. Peters und seinen Freunden in allen möglichen Artikeln immer und immer wieder betont worden, in Köln müsse die Sache gründlich aufgerollt und alles klargestellt werden. Immer wieder haben wir in einigen Zeitungen von Herren, d i e d e in H e r r n D r. P e t e r S sehr nahestehen, die An- kündigung gelesen, dast der Zeuge So und So nach Köln vorgeladen werden solle. Da haben lvir selbstverständlich gewartet, ob wir eine Milteilung über diese Zeugenladnng erhalten würden. Wir haben sie nicht bekommen und als es uns zu lange wurde, haben w i r endlich die Zeugenladungen selbst vorgenommen. Wir iverdcn jedenfalls nichts tun, um zlizlilassen, dast man in diesem Prozest einen einzelnen Punkt herausgreift und den Versuch macht, den Zusammenhang ander? dar» zustellen, als er wirklich i st. Es ist Anklage wegen des ganzen Artikels erhoben worden. In diesem Artikel bildet der Brief, den Dr. Peters an Bischof Smithtcs geschrieben hat, bloß einen Punkt. Ob dieser Punkt groste Bedeutung hat oder nicht, ist eine Sache für sich. Der Artikel gipfelt in dem Satze: Wenn das gesamte Material gegen Tr. PeterS bekannt wurde, da»» würde kein Mensch mehr wage», ihn zu verteidigen, auch Dr. Arendt nicht mehr, der sich bisher die größte Mühe für Dr. Peters gegeben hat. Die Zeugen, die ich geladen habe, sollen ausnahmslos dazu dienen, dieses darzutun.— Dr. PeterS: Ich kann nur bestätigen, was Jnstizrat Sello sagte, dast ich heute morgen l/ä9 Uhr zum ersten Male mit ihm von der langen Zeugen- liste gehört habe. Ich kenne die Zeugen zum Teil noch nicht ein- mal dein Namen nach.— Vors.: EL ist selbstverständlich, dast die Verhandlung im Rahmen des Eröffmmgsbeschlusses bleibt, eS wird also nichts von falscher Berichterstattung, nichts von Mißhandlungen zur Sprache kommen, denn davon steht in dem Artikel lein Wort. Es wird hierauf der inkriminierte Artikel verlesen. Vor s.(zum Angeklagten v. Bennigsen): Sic wollen also beweisen, dast Dr. PewrS die Tötung des Mabruk und der Jagodja nicht aus sachlichen Gründen hat vornehmen lassen, sondern aus Eifer» sucht und auS sexuellen Motiven. Angekl. v. Bennigsen: Für mich kommt cS darauf an, weil ich infolge dieses Artikels so schwer angegriffen wurde, darzulegen, wie ich zu meiner Stellung- nähme gekommen bin, und ob überhaupt dieser Artikel als Beleidi- guug aufgefaßt werden kann. Aus dem Zusammenhang des Artikels geht klar hervor, daß er sich überhaupt gar nicht gegen Dr. PeterS, sondern gegen Dr. Arendt richtete, der in der betreffenden Reichstagssitzung wieder einmal den Versuch machte, den angeblichen Tncker-Brief dem Abg. Bebel als Schimpf vorzuhalten und durch unrichtige Dar- st e l l u n g des Tatbestandes die Affäre PeterS in falsches Licht zu rücken. Gegen dieses Auftreten des Dr. Arendt habe ich mich gewendet und dabei auseinandergesetzt, wie eS sich mit dem Tucker-Brief wirklich verhält. ES mußte mir. der ich die Verhältnisse genauer kannte, daran liegen, bei dieser Gelegenheit noch einmal in das richtige Licht zu rücken, wie es mit der Sache des Tuckerbricfcs steht. Der Tnckerbrief hat in den RcichstagSverhandlungen vom März 1896 nicht — Der Sieger. Der Münchencr Musikkritiker, den da? Kaim-Orchester vor einige» Tagen boykottierte, erklärt hohnlachend, dast er sich nicht einschüchtern liest und erst dann den Saal verliest, als das unterbrochene Konzert in seiner Anwesenheit längst seinen Fortgang genommen hatte und er als unzweifelhafter Sieger da? Lokal verlassen konnte. — F r a n z ö s i s ch c'r Oberleutnant und k ö n i g l. preußischer Professor in einer Person wird voraussichtlich H e n'r i Martin darstellen, dessen Benisung als Nachfolger Joachims wir gestern meldeten. Herr Martin sehr die Presse davon in Kenntnis, dast bei seiner Berufung kaiserliche Wünsche mitspielten und dast er auch in der amtlichen Stellung an der Berliner Musik» Hochschule Franzose und Oberleutnant der Reserve im französischen Heere zu bleiben gedenke. Vorausgesetzt, daß der Herr Minister die Berufung gntheistt.(Aber Herr Martin, bei der Protektion!) Die Musik genießt demnach in Preußen die in zivilisierten Ländern übliche internationale Gastfreundschaft, was man von anderen Ge» bieten bekanntlich nicht behaupten kann. — Gustaf af G e ij c r st a m. der durch seine zahlreichen Romane und Novellen sich nicht allein in seinem Heimatland Schweden, sondern auch im übrigen Europa und namentlich in Deutschland einen großen Leserkreis erworben hat. vollcndele am 5. Januar sein 50. Lebensjahr. Sein erstes Buch, eine Novellen» sammlung, veröffentlichte er im Jahre 1882. Er war ein eifriger Anhänger der in Schweden Ende der siebziger Jahre emporblühenden uatnralistischen Richtung. Er hat viele Erzählungen aus dem Leben kleiner Leute geschrieben, die von starlein MeiischlichleitSgefühl zeugen. Seine späteren Werke zeichnen sich vor allem durch intimste Schilderung des Secleiilebens aus, der zulvcilen ein Zug ins Mystische anhaftet. Die Psychologie deS Ehelcbens und dessen Pro- bleme treten in dem Roman„Die Komödie der Ehe", und die Gc- fühlswelt des Familienlebens in seinem„Buch vom Brüderchen" stark und lebendig hervor. Alö eines seiner besten Werke gilt sein Roman„NilS Tüfvasson und seine Mutter". Die genannten wie mehrere andere seiner Bücher sind in deutscher Uebersetznng er- schienen. — Die Kommune ans der Bühne. Jnr P a r i s« r Odeon-Thcatcr fand die Generalprobe von Gustave GcsfroyS Schauspiel„Die Arbeiterin" statt, daS während der Belagerung von Paris und der Kommime spielt. AntoineS realistische Jnszeincrung und Suzanne DespreS leidenschaftliche Darstellung der Arbeiterin sicherten dem Dran,a, auf daS wir ausführlicher zurückkommen werden, den Erfolg. — Sozialreform im Theater. Der Direktor des Berliner Schillertheaters, Dr. Löwenfeld, Hai einige lobenS- werte, wenn auch nur infolge der sonst üblichen Versklavung der Schauspieler bemerkenswerte Reformen eingeführt. Gage und Spiel- gcld sind in ein bestinmitcs Verhältnis gesetzt, nach dem die Gage drei Viertel und daS Spielgeld ein Viertel ausmachte» und das Spielgeld nur 1ö0 mal garantiert und der Abzug in Behinderungs- fällen auf das halbe Spielgeld beschränkt wird. Außerdem ist auf die berüchtigte Kündigung«m Probemouat verzichtet worden. die Rolle gespielt, die man ihm später zu- wies. Der Tuckorbrief ist damals vom Abg. Nebel verlesen worden, aber ebenso auch die anderen gegen Dr. PeterS vorliegenden Beweismittel. Im Laufe der Verhandlungen, als Kolonialdirektor Dr. K a y s e r sich diesem Beweismaterial gegenüber in die Lage gebracht fühlte, aus den vorhandenen Akten außerdem noch tatsächliche Mitteilungen zu machen, ergab sich dann. daß diese tatsächlichen Mitteilungen viel schwererer Natur»varen als der Tuckerbrief. DaS ist in jenen RcichStagssitzungen ganz klar zum AuSdnick ge- kommen. DaS hat nicht nur der freisinnige Abgeordnete Lenzmann, nicht der Zentrums- Abgeordnete Lieber, sondern auch der konservative Abgeordnete v. Massow gesagt. Also in der ganzen PeterSafsäre ist eS von außerordentlicher Bedeutung, zu betonen, daß der Tnckrrbrirf niemals irgend welche Bedeutung für das Urteil über PeterS gehabt hat. Mit Schuld an der Verdrehung ist leider auch der verstorbene Kolonialdirektor Kays er selbst, der sich in den ReichstagSsitzungen des FahreS lSvö ebenso ängstlich an den Tuckerbrief geklammert hat, wie später Dr. PeterS und seine Freunde. Kahser hat das getan, weil er sich schuldig fühlte. Weil er das Aktenmalerial kannte, auf Grund dessen er längst gegen Dr. PeterS hätte vorgehen müssen. Da hielt er sich dann an den Tuckerbrief als einem Novum fest, um endlich die neue Untersuchung gegen Dr. PeterS einleiten zu lönnen. Es ist aber nicht richtig, wenn Dr. Peters behauptet. daß nur auf Grund des T u ck e r b r i e f e S die dritte Untersuchung gegen ihn eingeleitet worden sei. Wir wissen ja nun alle, wie es mit dem Tuckerbrief steht. Als Tuckerbrief cMiert er nicht; aber es besteht ein Brief an den englischen Bischof Smithies, der mit dem Tuckerbrief große Aehnlichkeit hat. Er ist ebenfalls an einen englischen Bischof gerichtet und enthält die Mitteilung über einen Ehebruch des gehängten Boys Mabruk und die Hinrichtung der Jagodja. Dein Dr. PeterS selbst lvar die Existenz dieses Briefes äußerst peinlich. In der DiSzipliiiaruntersuchnug hat er sie bis zum letzten Augenblick geleugnet und erst nach starkem Drängen des Untersuchungsrichters hat er dem damaligen Besitzer des Briefes. dem Major v. gcnrio, die gewünschte Genehmigung zur Auslieferung deö Briefes an die deutsche Bolschaft in London erteilt. Noch in einer öffentlichen Er- llärung im August 1906, die in der„Post" erschienen ist, be- streitet Dr. PeterS die Existenz eines zweiten Briefes an den Bischof SmithieS mit dein Bemerken:.Der einzige Brief. den ich in dieser Angelegenheit an den Bischof geschrieben habe." Damit ist die Existenz dieses Briefes also erwiesen. Aber ganz abgesehen hiervon ist eS überhaupt für Dr. PeterS gar kein« Be- leidigung. wenn man sagt, daß er den fraglichen Brief an den Bischof Tucker geschrieben habe. In dem Tuckcrbrief sollte PeterS nach den Mitteilungen Bebels in dem Reichstage ge- schrieben haben, daß er mit der aufgehängten Jagodja gewissermaßen nach afrikanischem Gebrauch verheiratet ge- ivesen sei und daß ihm nach afrikanischem Recht zu- stand, die Ehebrecherin mit dem Tode zu bestrafen. In der- selben ReichStagSsitznng, in der Bebel von dem Inhalt des an- geblichen Tuckerbriefes Kenntnis gab, äußerte schon der Zentrums- abgeordnete Lieber, als der Kolonialdirektor Kayfer aus dem nach den Akten bereits vorliegenden tatsächlichen Material Mitteilungen gemacht hatte, diese Darstellung sei für Dr. PeterS in seinen Augen fast noch entwürdigender, wie die Bebelschc Darstellung, und der freisinnige Abgeordnete Lenzmann setzte sogar hinzu, daß, wenn daS, was der Kolonkoldirektor vorgetragen habe, auf Wahrheit beruhe, Peters entweder verrückt oder ein Scheusal sei. In der Disziplinaruntersuchung gegen Dr. Peters ist dann tat- sächlich festgestellt worden, daß er sich in Unterredungen mit den Zeugen Bronsart v. Schellendorf, Kuhnert, Miltelstedt, HermeS usw. aus den Standpunkt gestellt habe, daß er ein Recht gehabt habe, den Mabruk bezw. auch die Jagodja wegen Ehebruchs zu hänge». Meine fragliche Behauptung kann aber auch schon deshalb keine strafbare Beleidigung de« Dr. PeterS sein, weil ich den Beweis dafür antreten werde, daß für die Hinrichtung sowohl des Mabruk wie der Jagodja die geschlechtlichen Beziehungen mastgebend gewesen sind. In ganz Deutsch-Ostasrika ist von Eingeborenen und Europäern der Tatbestand stets so aufgefaßt worden. Gouverneur v. Soden, Bischof Smithies und Herr v. Below, die sich zunächst mit dieser Frage zu beschästigen hatten, haben die Uebcrzeugung gehabt, daß Mabruk und die Jagodja wegen ihrer geschlechtlichen Beziehungen ihr Leben am Galgen verloren haben. Auch war man in Deutsch-Ostasrika allgemein desGlaubens. daß die folgenden drei schweren Expeditionen des Leutnants v. Bülow. der am Kilimandicharo seinen Tod fand, v. Manteusfels, die erfolglos blieb, und v. Scheeles, der erst durch seine große Energie etwas er- reichte, nur notwendig geworden waren durch das unentschuldbare Verhalten des Dr. PeterS.„Küstenklatsch", sagt Dr. PeterS. soll eS fein, aber davon kann nach dein Gutachten der hier anwesenden Sach- verständigen nicht die Rede sein. Auch ich selb st halte un« verrückbar an der Ueberzeugung fest.datz PeterS den Mabruk und die Jagodja aus geschlechtlichen Motiven hat hängen lassen! Ich habe niemals, wie Dr. PeterS behauptet, den Stand- punkt der Disziplinarurteile vertreten. Ich habe vielmehr immer die Ansicht vertreten, daß sie nach Form und Inhalt viel zu milde sind und dieser Ansicht häufig in der deutlichsten Form Au-Z- druck gegeben. Schon ehe ich nach Afrika ging, hatte ich in der Provinz Hannover über die Persönlichkett des PeterS viel UebleS gehört und meinen Vater, der mit Peters m kolonial- politischen Beziehungen stand, mit Erfolg gebeten, dafür zu sorgen, daß. wenn PeterS unser Haus besuche, ich nicht mit ihm zusammenträfe. Auch sonst habe ich es stets vermieden, die per- svnliche Bekanntschaft von PeterS zu machen. Ueber die Kiliman- dsckarr- Affäre waren damals schon dunkle Nachrichten hinauf- gedrungen. Mich hatte eS sehr geärgert, daß, als ich, der seit vielen Jahren preußischer Landrat war und bei Vor- gesetzten und Untergebenen das größte Ansehen genoß, beschlossen hatte, nach Afrika zu gehen, von allen Seiten hören mußte: Was wollen Sie denn da unten? Da gehen ja nur Leute hin, die etwas auf dem K-rbholz haben, nur schlechte Elemente. Ich nahm mir vor, diesen Gerüchten be- sondcrü sorgfältig nachzugehen. Schon von dem Dampfer aus schrieb ich»-.ock, auf der Hinreise nach den vielfachen Gesprächen, die ich mit den an Bord befindlichen alten Afrikanern gehabt hatte, an mci»e Mutter einen Brief, in dein ich ihr mitteilte, daß ich erfahren hätte, daß Dr. Peters einen schwarzen Diener und eine schwarze Dienerin ans persönlichen Gründen habe hängen lassen. Die in diesem Briefe niedergeschriebene Ansicht über Dr. Peters fand ich am Kilimandscharo überall bestätigt. Ich erfuhr auch, daß die Gerichtssitzungen, die Dr. Peiers auf dem Kilimandscharo den Hinrichtungen hatte vorausgehen lassen. Scheinsitznngen waren zur Berdeckung strafbarer Handlungen. Ich hatte den jetzt verstorbenen Begleiter des Dr. Peters am Kilimandscharo, Fahnke, während der 9 Monate, die ich Wißmann als Gouvenieur von Deutsch-Ost-Afrika vertrat, kommissarisch im Gouvernements- dienste aitgestellt, ohne zu ahnen, daß er an der Kilimandscharo- Affäre beteiligt sei. Als ich später von seiner gutgespieltcn Gerichts- beisitzerrolle hörte, ließ ich ihn sofort kommen und vernahm ihn zu Protokoll. Ich hielt ihm in ernsten Worten vor, wie er dazu ge- kommen wäre, sich zu einer solchen Tat mißbrauchen zu lasten. Jahnke hat dann, ohne einen«nisten Per- such der Rechtfenigung zu machen, den ganzen Vorfall damit zu entschuldigen versucht, daß er dem Befehle seines Bor- gesetzte» habe nachkommen müsse»! Ich habe ihm geglaubt und ihn inr Dienste gelassen, habe aber später erkennen müssen, daß ich leider mich jn der Person dieses Jahnke doch getäuscht hatte. Schon ehe die dritte Untersuchung gegen Dr. PeterS angeordnet war, stand bei mir auf Grund meiner Erfahrungen und der Aktenkenntnis fest. dast die beiden ersten Untersuchungen nur Scheinuuter- suchungeu gewesen»varen und den Namen Untersuchung gar nicht verdienten, daß man sie absichtlich hatte im Sande verlaufen lassen. Damals war ich geneigt, die ganze Schuld dem vcr- storbenen Kolonialdirektor Kahser zuzuschreiben. Seitdem habe ich mich überzeugt, daß bei dieser Gelegenheit ebenso wie bei allen späteren Versuchen. PeterS wieder in den Reichsdienst zu bringen. Kahser die schweren Vorwürfe gar nicht verdient, die ihm von vielen Seiten gemacht worden sind. Er war ein un- gewöhnlich fleißiger, gewissenhafter, unterrichteter und tüchtiger Be- amter und wurde zu seiner ganzen Haltung in der PcterS-Affäre nur durch die Drohungen und Machinationen der Peters-Prcfse und der Peters-Freunde gezwungen. Leider war Kahser ein sanfter, schwacher, nachgiebiger Charakter. DaS war in diesem Falle sein Unglück; denn die Peters- Affäre hat wie ein Wurm an seinem Marke gezehrt und ihn frühzeitig ins Grab gebracht.(Mt erhobener Stimme.) Das«erden wir beweisen! AIS der Auftrag zur dritten Untersuchung nach Ostafrika gelangte. da entsinne ich mich, daß mein Freund Freiherr v. Manteuffel, ein Mann auf den man sich vollkommen ver- lassen konnte, zu mir sagte:»Bennigsen, dieser...— ich ver- meide den Ausdruck, den er gegen PeterS gebrauchte— hat z« allen anderen Schandtaten auch noch eine Akten- fälschung in der Kilimandscharoaffäre auf dem Gewissen." Ich fing daraufhin an die Akten zu studieren und fand, daß Peiers den unbegründeten Feldzug gegen den Häuptling Malamia. statt wahrheitsgemäß mit dem Fortlaufen der Weiber, mit dem Fortlaufen eines Mannes und der Spionage der Jagodja erklärt hatte, immer von der Meinung ausgehend, daß auch die dritte Untersuchung nur eine Scheinuntersuchnng werde, habe ich es durch Hinweise in den Akten, durch Aus- rufungszeichen und durch einen Sonderbericht, den ich er- erstattete, den Herren in Berlin möglichst schwer gemacht, diesen Puntt zu übergehen. Denn wir waren drüben außerordentlich miß- trauisch gegen Berlin geworden. Immer wieder tauchte die Nachricht auf, daß PeterS Gouverneur von Deutsch-Ostasrika werden solle. Ich habe damals öffentlich erklärt— und wer mich kennt, weiß, daß ich meine Erklärungen wahr mache— daß im Falle der Ernennung des PeterS ich aus den» Kolomaldienste ausscheiden und mein Abschiedsgesuch damit be- gründen würde, daß ich unter einem PeterS nicht Beamter bleiben könne. Gleichzeitig kündigte ich an, daß ich die ganze Kilimandscharo-Affäre veröffentlichen würde. Wie nahe damals daS Unglück war, das über unser schöne» Deutsch-Ostasrika hereinzubrechen drohte, haben wir zu unserem Schrecken erfahren, alz im Jahre lSW in dem gegen den berüchtigten Friedrich Schröder geführten Prozeß ein Brief einer sehr nahen Verwandten von Schröder verlesen wurde, in dem e» dem Sinne nach hieß: Sorge doch nur dafür, daß man eine Zettlang in Deutschland nichts UebleS von Dir hört, denn nun ist eS bald so weit, daß Peters Gouverneur wird, und dann sollst Du ein hoher Beamter w Deutsch-Ostasrika werden. Also den Schröder, der damals in der ersten Instanz für ein Sammelsurium von Berbrechco 15 Jahre ZuchthanS erhalten hatte, in zweiter Instanz leider nur noch 6�/« Jahre Gefängnis, den Schröder. den Herr v. Tiedemann alö Zeuge im Münchencr Prozeß mit den Worten charakterisierte: Der Bruder von Dr. Schröder war vielleicht ein Mensch, auf den der Ausdruck„Tropen- kollcr" zutraf, der ist ein ganz bekanntes Scheusal, und der ist nach Afrika gezogen worden, obwohl er schon hier fortwährend am Tropenkoller litt, dieser Schröder sollte nach dem Witten deS Dr. PeterS und seiner Freunde ein hoher Beamter in Deutsch-Ostafrika werden. Auch glaube ich, daß der und seine Freunde von Berlin auS schützend über Schröder die Hand geh>lten hat. DieBlälter, die die PeterS« Interessen wabrilehmen, haben damals Herrn v. Reden, meinen Freund, als Richter, und den Kolonialdirektor Dr. Kayser an- gegriffen, obivohl der letzlere auch nicht das geringste mit der Einleitung und Durckiführung deS Prozesses zu tun hatte. Seitdem bin ich den gefährlichen Aspirationen Dr. PeterS' und seiner Freunde NetS wie auch in dem inkriminierten Artikel entgegengetreten. Nach meiner Ansicht kann es nicht geduldet werden, daß jemand mit einer solchen afrikanische» Vergangenheit wie Dr. PelrrS in misrrcm »ssrntliche» Leben eine Nolle, sei es als Beamter, fei es als Politiker, spielt. Das aber sst noch immer das Ziel, das Pel-rs und seine Freunde zu erreichen suchten. Erst kürzlich mußte die nationallibcralo Partei de» Reichstags in ihrem o f f i- zielten Organ eine nationalliberale ReichStagskandidatur deS Doktor Peters energisch von' sich abschütteln. DaS ist der Zweck, zu dem milde Urteile unseres obersten Disziplinarhofes gröblich geschimpft werden, und zu dem jeder Mann, der jemals als Beamter, Zeuge oder Schriftsteller dem Dr. Peters eittgegeutritt, durch die ganze Welt verfolgt oder nach seinem Tode als geistig minder- wertig hingestellt wirdl Wie viele Männer sind schon ganz grundlos der Mitarbeit am Tuckerbrief beschuldigt worden. Als be- kannt lourde, daß ich der Verfasser des inkriminierten Artikels sei, habe ich, der bis dahin noch unbescholten war, in kurzer Zeit folgende Worte gegen mich in der PeterS Presse gefunden:„Mit- arbciter an» Tuckcrbrief, Helfer der Sozialdemokratie, Kolonial- spekulant, treibende Kraft in allen möglichen Angelegenheiten, er gebraucht den Titel Gouverneur a. D., um Mißverständnisse hervorzurufen, er hat die Südseemseln einmal gub eruiert." Ich brauche wohl kein Wort zu erwähnen darüber, daß ich niemals, besonders auch nicht in der P e t e r S- A f f ä r e mit der Sozial- dcmokratie in Verbindung stand. Mich rühren diese Beschimpfungen nicht und wenn noch mehr kommen, so lege ich sie zu den übrigen. Aber einmal haben mir doch die PeterSschen Angriffe gegen einen Beamten sehr schwere Stunden bereitet. Als der Vorgänger des Dr. PeterS am Kilimandscharo. Herr v. E l tz, seinen mutigen offenen Brief an Dr. PeterS erscheinen ließ, um die Vorgänge am Kilimandscharo ins rechte Licht zu setzen, fiel die Pcters-Presse wie toll über ihn her. Mir gingen damals, als stellvertretendem Gouverneur, nach Dar-eS-Salaam die„Leipziger Neuesten Nachrichten" zu. in denen v. Eltz aus seinem früheren Leben Wcchsrlfälschungeu und andere schwere Vorwürfe gemacht wurden! Eltz soll ja allerdings vor feinem Eintritt in die Koloniallaufbahn, die übrigen» Dr. Peters herbeiführte, ein etwas abenteuerliches Leben geführt haben. Aber er war die ganzen Jahre am Kilimandscharo für unL tätig und hat sich große Verdienste erworben. Was sollte ich tun? Ich habe nach reiflichem Ermessen die Zeitung in einen eingeschriebenen Brief gepackt und an Eltz geschickt mit dem Aufttage, enttveder sofort den Abschied ein- zureichen oder öffentlich gegen die Zeitung zu klagen. Nach einiger Zeit erhielt ich den Brief zurück und bekam die Nachricht von dem plötzlichen Tode v. Eltz. Ich schrieb den Tod meinem Briefe zu. nachher erfuhr ich, daß daS Hinscheiden des Eltz die Folge einer Tropenkrankheit gewesen sei. Er war so seinen Verfolgern durch den Tod entgangen und schweres Leid ist ihm erspart geblieben. Aus persönlichen Gründen habe ich Dr. PeterS nie bekämpft, ich kenne ihn auch nicht, er ist mir ganz gleichgültig. Ich bin ihm auS sachlichen Gründen entgegen getreten, weil der bequeme Grundsatz: Was mich nicht brennt, da» blase ich nicht, meiner Natur völlig entgegen läuft und weil ich in allererster Linie eine öffentliche Betätigung des Dr. PeterS in unserer all- gemeinen wie in unserer Kolonialpolitik für verderblich halte. Die Gründe für meine Anschauung liegen für einen ernsten nachdenklichen Menschen, der sich mit der PeterS-Angelegenheit näher beschäftigt hat. offen auf der Hand. Hierauf nahm Dr. PeterS daS Wort zu einer kurzen Erklärung: Herr Präsident! Ich werde nur kurz antworten. ES scheint, daß hier solche Dinge vor- gebracht werden, die erst Gegenstand einer längeren Beweis- führung fein sollen. Herr v. Bennigsen hat Beschuldigungen wiederholt, die bereits als vollständig unwahr nachgewiesen sind.— Bors.: E» handelt sich hier zunächst erst um einseitige Behauptungen der Gegenpartei.— Dr. PeterS: Herr v. Bennigsen sagte, ich hätte>hn verklagt auf den ganzen Artikel hin. DaS ist nicht richtig. Ich habe ihn verklagt wegen der Behauptung. daß der Tucierbrief in ähnlicher Form existiert. Der Inhalt des TuckerbrieseS ist gekennzeichnet durch die Rede des Abg. Bebel. Wenn ein solcher Brief geschrieben worden wäre, so gebe ich zu, wäre die Kennzeichnung Bebels richtig gewesen. ES ist aber längst nachgeiviesen, daß der Brief und die in demselben behaupteten Tat- fachen unrichtig sind. Die ganze Entrüstung deS Reichstages, dos Herrn Lenzmaun und der anderen Herren waren nur darauf be- gründet, daß die Angaben Bebels richtig feien. Nun haben ober alle Erhebungen längst ergeben, daß die Hinrichtung des Mabruk und der Jagodja nicht im Zusammenhang mit sittlichen Per- fehlungen steht. ES ist längst nachgewiesen, daß Mabruk und Fagodza keine Beziehungen zu einander hatten. Ich habe durch dcu örafen v. Arnim-Muskau im Reichstage mein Ehrenwort christlich abgegeben und verlesen lasten, daß ich einen Brief solchen Inhalts weder an Tucker noch einen anderen Bischof ge- schrieben, noch daß ich derartige Handlungen begangen oder zu- gegeben habe. Trotzdem tritt Herr v. Bennigsen auf und erklärt, daß ich einen solchen Brief geschrieben habe, wenn auch nicht au Tucker. so doch an Bischof SmithieS. Die Uebercinstimmuiig, die in Wirklichkeit zwischen dem Tuckerbrief und dem Brief an SmithieS besteht, ist lediglich die, daß beide Male der Adressat ein eng- liicher Bischof ist und beide Briefe mit Tinte aus Papier ge- schrieben sind. Der Inhalt ist ein gauz anderer. In dem einen Briefe soll ich geschrieben haben, ich habe die Hinrichtung MabrukS und JagodjaS wegen ihres Verkehrs mit einander vornehmen lassen, während in dem anderen an SmithieS gerichteten Brief das gerade Gegenteil steht. Diesen un- wahren Behauptungen will ich nun endlich ein Ende machen, deshalb klage ich überall in Deutschland. Auf die üdrigen Behauptungen des Herrn v. Bennigsen einzugrhen, habe ich keine Beranlassnug. Er hat eS hier so dargestellt, wie eS ja auch in München versucht worden ist, als ob eine hinterlistige Clique hinter mir stände und hat ge- sprachen von einer PeterS« Presse und einer Peters- Meute. Mir ist von der Existenz einer PcterSpresse gar nichts bekannt, cS gibt in Deutsckiland nicht eine einzige Zeitung, über die ich verfüge. Mir ist auch nicht bekannt, daß in Deutschland eine einzige Zeitung schützend die Hände über mich hält. Ich muß mich dagegen wehren, daß Dinge hereingebracht werden, die gar nicht zur Sache gehören.— Vors.: Das Gericht wird fdjon dafür sorgen, dasj die Beiveis- aufnähme m ihren Grenzen blelbt. Verl. RechtSanw. Falk: Ich möchte doch endlich einmal wisse», wodurch Herr PeterS denn beleidigt worden fein soll.— Bors.: Das wird das Urteil ervellen.— Verteidiger RechtSanw. Falk: Ich möchte gern die Auffassung der Gegenpartei hören.— Justizrai Sello: Ich bitte eine längere Panse eintreten zu lassen, damit ich mich mit dem völlig unvorbereiteten Privat- kläger besprechen kann. ES sind hier mir einer ausgesuchten Technik eine Anzahl Feinde deS Dr. Peters als Zeugen und Sachverständige geladen worden und wir müssen nun unsere Bemühungen daransetzen, durch Ladung von Zeugen auch unsererseits eine ausgleichende Gerechtigkeit herbei- zuführen. Nach einer längeren Pause verliest dann der Vorsitzende zunächst ein Sckreiben des. JustizministerS Dr. B e f e l e r. wonach dem Bezirkshauptmann v. E l p h o n S die Genehmiginig erteilt wird. üver die im Antrage des Gerichts genannten Gegenstände auS- zusagen, ebenso über alle anderen Umstände, die nicht die AuitS- Verschwiegenheit betreffe». Dieselbe Genehmigung bar der Staats- sekrelär des ReichSkolonialamt« dem Freiherr» v. Soden erteilt, während für Herrn v. Reden die Genehmigung des Auswärtigen Amts zur AuSiage noch aussteht. Ferner ist dem Gericht zugegangen ein Schreiben an den Bischof SmithieS vom S April l893 im Original, soioie die Aussage de» Leutnants a.D. Bronsart von Schellendorff und die Aussage des verstorbenen K o n s u l s Bau mann. Bert. RechtSanw. Falk beantragt, das Schreiben an den Bischof Smithies, das in englischer Sprache abgefaßt ist. durch gerichtlichen Dolmetscher i»S Deutsche übertragen zu lassen. — Privatkläger PeterS: Der vorgelegte Brief«st nicht der- jenige, den ich an den Bischof SmithieS abgeschickt habe. Dieses hier ist gewisserinasten mir ein Entwurf oder richtiger: Diesen Brief habe ich anSmithic» abschicken wollen. Als der Brief aber geschrieben war, habe ich mir gesagt, daß ich nicht einem englischen Bischof Berichte über amtliche Vorgänge er- statten könne. Ich habe daher einen anderen kürzeren Brief an ihn abgehe» lassen.— Beklagter». Bennigsen: Von uns wird be- ü r i t t e n, daß es sich itrn einen Entwurf handelt. Ich frage den Kläger. ob er nicht diesen Brief dem englischen Major Zenric zur Beförderung übergeben hat. Dr. PeterS: Ich schrieb am Morgen an Bischof SmithieS diesen Brief oder wenn man will, den Entwurf, aber er ist nicht abgesandt worden. Als ich einige Zeit später den Major am Kilimandscharo traf, gab ich ihm den anderen Brief und diesen Briefentwurf zur Einsicht, aber nicht, damit er ihn an SmlthieS abgebe. DaS wäre unsinnig gewesen, denn an Tmithies hatte ich schon den Brief abgesandt. In beiden Briefen aber steht daS Entgegengesetzte von dem. was in dem Tuckcrbriefe angeblich gcnanden haben soll.— DaS Gericht beschließt die Uebersctzung dieses Briefes durch einen Dolmetscher vornehmen zu lassen.— Dr. Peters: Herr Präsident! Ich habe mich noch zu den Anträgen zu äußern. Ich fühle mich natürlich nicht beleidigt durch eine sachliche Kritik der„Kölnischen Zeitung" und ihres Mitarbeiters über meine amtliche oder s o n st i g e Tätigkeit. Ich fühle mich auch nicht beleidigt, wenn Herr v. Bennigsen meine amtliche Tätigkeit als ein Unglück für Deutsch-Ostafrika bezeichnet. DaS ist leine Sache. Beleidigt fühle ich mich durch den Passus. der mir vorwirst, ich hätte einen Brief an den Bischof Woodwood geschrieben, der Aehnlichkeit mit den An- gaben des Tucker-BrieseL hat. Daraus muß der Leser den Eindruck gewinnen, daß ich einen Brief geschrieben habe. worin ich zugebe, daß ich mich mit dem aufgehängten Mädchen nach afrikanischen Verhältnissen verheiratet und sie nach afrikanischem Brauche als Ehebrecherin init dem Tode bestrast habe, daß ich also den ganzen Inhalt der Behauptungen des Abg. Bebel im Reichs- tage durch den Brief zugegeben habe. Ich fühle mich beleidigt, einmal weil ich zugegeben haben soll, einen solchen Bnes geschrieben zu haben, zweitens, weil behauptet wird, ich hätte an den englischen Bischof eine derartige alberne Erklärung abgegeben. Als drittes kommt hinzu, daß ich im Reichs- tage mein Ehrenwort verpfändet habe, einen solchen Brief nicht abgeschickt zu haben und einer solchen Handlung nicht fähig zu sein. Darum kühle ich mich beleidigt, aber nicht durch alles das, waS über meine amtliche Tätigkeit gesagt worden ist. Hier handelt es sich um unwahre'Behauptungen.— v. Bennigsen: Ich habe nicht be- hauvtet, daß der Tuckerbrief geschrieben worden ist, ich bin aber überzeugt, daß eine Namensverwechselung vorliegt. Wir werden ja wohl noch im Laufe der Verhandlung Klarheit über den Tuckerbries erhalten. Herr Dr. Peters behauptete ja im Juli vorigen Jahres. daß er eS wisse, wer den Tuckerbrief geschrieben habe, ja »nan behauptete sogar, daß ich der Hintermann des Tuckerbriefes bin. Ich habe mich darauf beschränkt, der„Post" eine Berichtigung zuzusenden. Aber eine NanienSverwechselung liegt zweifellos vor. Man hat in Afrika von einem Briese gesprochen, und man hat als naheliegend konstruiert, daß der Empsänger Tucker gewesen sei, der Bischof am Kilimandscharo, und man hat nicht an den Bischof von Magila gedacht. Derjenige, welcher solche Kom- binationen gemacht hat, hat zweifellos gehört, daß Briefe existieren und er hat auch gewußt, daß Dr. Peters renommiert hat, solche Sachen begangen zu haben. Ich habe nur von einer Namensverwechsclung gesprochen, und ich weiß nicht, weshalb gerade hierin eine Beleidi- gung liegen soll.— Rechtsanw. Falk: Ich möchte nunmehr meine Anträge begründen. Ich bin bisher der Meinung gewesen, daß der ganze Artikel zur Anklage steht. So heißt eS auch im EröffnnngS- bcschluß. Ich hielt gerade für die schwerste Beleidigung de» Satz: „Wenn alles, tvas in den Akten über Dr. Peters steht, bekannt wäre, würde auch selbst Dr. Arendt von dessen Verteidigung Abstand nehmen." Wenn ober Dr. PeterS sich dadurch nicht beleidigt fühlt, so würde unsere Beweiserhebung wesentlich erleichtert werden. Ich bin jedoch der Meinung, daß der Gegenstand der Beweisaufnahme die Be» hauptung sein muß. daß Dr. PeterS sich gewisse Berfehlnnge» hat zuschulden kommen lassen. Als in der vorigen Perhandlung der Vorsitzende fragte, ob ein Vergleich möglich sei, erwiderte Justizrat S e l l o: Ich kann mich nicht vergleichen, bevor nicht das Materielle der Eiterbeule aufgestochen ist. Es kommt mir nun nicht darauf an, zu beweisen, ob der Brief ge- schrieben ist oder nicht, sonder» daß Dr. PeterS sich Verfchlmigen schuldig gemacht hat.— Bors.: Wie sie ihm vom Abg. Bebel vor- geworfen sind?— RechtSanw. Falk: DaS steht nicht in dem Artikel, aber meinetwegen auch da. Wir behaupten: 1. Dr. PeterS hat den Mabrul zu Tode prügeln lassen, ohne Recht durch ein Verfahren. daS kein Verfahrcu war. bloß aus sexuelle» Motive». 2. Auch die Hinrichtung der I a g o d j a ist bei Peters auf geschlechtliche Beziehung zurückzuführen. 3. Dr. PeterS ist sich bewußt gewesen, ein Unrecht sowohl an Mabruk als auch an der Jagodja begangen zu haben. Beweis dafür ist, er hat in dem Bericht an seinen Vorgesetzten Freiherrn v. Soden den Vorgang nicht richtig dargestellt. 4. Eine ganze Reihe von Zeugen weiß, daß Dr. PeterS am Kilimandscharo mit dem Vorgange renommier« hat. Und nun kommt der Zusammenhang mit den Briefen. Er hat sich gerühmt, er habe so verfahren, wie eS in Afrika üblich ist, so wie jeder Häuptling verfahre» würde. Diesen Beweis treten wir an. Nun ist in der Disziplinar- vcrlmndlung. welche mit der Amtsentsetznng endete, ihm im Urteile zugute gehalten worden, daß ihm seine Auffassung über die Z u- stände anf der Station mildernd zur Seite stehen müssen. Wir wollen den Beweis führen, daß sich in dieser Beziehung das Urteil geirrt hat und daß die Zustände auf der Station und in der Umgegend bei den Negerstämmen ihm gar keine Bcranlassimz geben konnten, so borzugehen. Eine Aehnlichkeit finden wir darin, daß Dr. PeterS eS für notwendig befunden hat, keine Handlungen zu beschönigen und zwar dem englischen MissionSbischof gegenüber, der erklärt hatte: Mit diesem Mörder will ich nichts zu tun haben. Den empfange ich nicht. Wir behaupten, daß Dr. PeterS in dem Briefe falsche Angaben gemacht hat und sich dessen bewußt war. In dem zweiten Brief, der ein Entwurf sein soll— ich behaupte aber, daß eS ein Brief war— ist die Rede von dem ehebrecherischen Verhalten einer Dienerin, von ivelcher jetzt behauptet wird, daß sie die Konkubine deS Frcihcrrrn v. Pech- mann sei. Der Verteidiger begründet hieraus ausführlich seine BeweiSanträge. Er beantragt, den Schriftsteller v. H n h» und noch andere Zeugen zu vernehmen, falls gesagt werden sollte was in den Vorstadicn geschehen ist— daß in den beiden ersten Unlersuchungen die Unschuld des Dr. PeterS dargetan worden sei. Die Zeugen solle» bekunden, daß die Untersuchung nicht so geführt wordrn ist, wie sie hätte geführt werden müssen, weil Kolonialdirektor Dr. Kahscr einem außerordentlichen Druck von feiten des Dr. PeterS und srinrr Freunde erlege» ist. Jnstizrat S e l l o: Ich vertraue der Gerechtigkeit und Billigkeit deS Gerichtshofes, daß er nach dem Grundsatz: �.uckiatur st alcsra pars auch gegenüber den von anderer Seite benannten Zriigeii und Sachverständigen unseren Anträgen auf Ladung von SachvcrslÄldigen nachkommt. Ich beantrage, den als Zeugen geladenen Herrn v. P e ch m a n n ebenfalls als Sachverständigen zu laden sowie ferner den früheren Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, Generalleutnant v. Liebert und den Asrikareisenden v. Thiel- mann- Lübeck. Dieser ist einer der ältesten Afnlaner und hat als Begleiter des Dr. Petcrö die Einin Pascha- Expedition mitgemacht. Er kennt die ganze menschliche und kolonisatorische Tätigkeit des Dr. PeterS nicht nur vom Hörensagen und knim unö am besten Auskunft geben über die gesamte Individualität des Dr. PeterS als Mensch, Beamter und Kolonisator.— Verl. Falk: Der Ladung der fierren v. Lieber und Thiclmann stimme ich zu. dagegen wider- preche ich der Beniehmung des Herrn v. Pechmann. Dieser war m Dr. Peters abhängig und i st der Mitschuld verdächtig an der Dr. PeterS zur Lgst gelegten Handlung.— Das Gericht beschließt die telegraphische Ladung der Herren v. Liebert und Thielmann als Sachverständige unter der Voraussetzung, daß ein Kosienvorschuß von 400 M. seitens des PrivatklägcrS geleistet werde. (Heiterkeit.!— Justizrat Selto: Ich möchte nochmals daran erinnern, daß wir auf dem Standpunkte stehen, daß es sich im gegenwärtigen Prozeß lediglich um die Frage handelt, ob Dr. Peters einen Brief ge- schrieben hat. der Aehnlichkeit mit dem Briefe hat, den er nach Aus- sage de- Abgeordneten Bebel geschrieben und in dem er ein Geständnis abgelegt haben soll. Wir werden deshalb nicht der Erörterung aus dem Wege gehen können, ob Dr. PeterS diese Hand- lungen begangen zu haben zugestanden hat. Jeder weiteren Ausdehnung der Verhandlung werden wir uns widersetzen, nicht weil wir einer ausgedehnteren Erörterung ans dem Wege gehen wollen, sondert, weil ein solcher Peters- Prozeß bereits schwebt. Er schwebt in München, wo er in erster Instanz für Dr. PeterS einen sehr günstigen Ausgang genommen hat, und er kommt demnächst in zweiter Instanz zur Verhandlung, da von beiden Seiten Berufung eingelegt worden ist. Wir haben keinen Anlaß, diesen PeterS-Prozcß zu verdoppeln. nicht weil ivir Feinde deS Dr. PeterS sind und den afrikanischen Küstenklatsch fürchten, sondern wir widersetzen uns der Ausdehnung auf das britische Gebiet. Hier handelt es sich darum, ob Dr. PeterS am 3. April 1002 einen ähnlichen Brief, wie ihn der Abg. Bebel bezeichnet hat, geschrieben hat.— Dr. Peters: Ich habe in Deutsch- land jetzt achtmal Veranlassung gehabt, wegen Beleidigung zu klagen. Wenn jeder Prozeß, den ich für den Rest meines Lebens führe, sich ausbilden soll zu einem Tribunal über mein ganzes Leben als Afrikareisender. Beamter und. Kolonisator, so könnte ich davon Ab st and nehmen, künftig wegen Be- leidigung zu klagen. Ich habe nicht Lust, eine solche Aus- Wucherung des Klageverfahrens zuzulassen. Der Verteidiger hat auf Grund eines Briefes, den er nicht kennt, schon Schlußfolgerungen gezogen und Behauptungen ausgestellt. Ich konstatiere hier öffentlich, mit welchen Mitteln die Verteidigung arbeitet.— Verteidiger Falk: Dr. PeterS hat eS für richtig befunden, von einer AnSwucherung des Privatlebens zu sprechen und von den Mitteln der Verteidigung. Ich erkläre, die Beweisaufnahme kann hier in keinem Punkte abgeschnitten werden, selbst wenn sie nicht zum Tstomu probandi gehört. Ich verlange darum— ich bitte— daß mit Rücksicht auf das Strafmaß Beweis erhoben werde. ES ist ein Unterschied, ob ich jemand beleidige, der ein t a d e l l o s e r E h r e n m a n n ist, oder jemand, der sich irgend etwas hat zu schulden kommen lassen. Ich kenne genau die beiden Ucbersetzungeu des Briefes, die existieren: die Uebersetzung der „Bossischen Zeitung" und die Uebersetzung bei Dr. Scharlach. DaS Gericht lehnt die weitere von Dr. Falk beantragte Zeugenvernehmung ab.— Bert. S e l l o zieht den Antrag auf Vernehmung des Herrn V. Pechmann als Sachverständigen zurück. Dann tritt wiederuin eine längere Pause ein. Nach der Pause wird zunächst beschlossen, daß zu der kommissari- scheu Bernehmung in Stuttgart auch der Protokollführer des Gerichtshofes aus Köln mitgenommen werden soll. ES werden dann sofort Disziplinarurteile gegen PeterS ver- lesen. Sowohl die Disziplinarkammer für Rcichsbeamte wie der DiSzipliiiarhof in Leipzig haben bekanntlich die AmtSentfeyung gegen Dr. PeterS ausgesprochen. Dr. PeterS hat sich, wie noch erinnerlich sein dürfte, in dem Münchener Prozeß im Sommer vorigen Jahres lange gesträubt, die Urteile herauszugeben: er erklärte. daß sie anf unrichtigen Boraus- sctznngen beruhten und er infolgedessen genötigt sein würde, wenn er sie herausgäbe, gleichzeitig einen umfangreichen Gegenbeweis an- zutreten. DaS Auswärtige Amt, die damals dem Reichs- kolonialamt noch übergeordnete Behörde, hatte gleichfalls die Herausgabe der Peterö-Akten abgelehnt. Alsdann aber PeterS' Prozeßgegner einen Gerichtsbeschluß herbeizuführen suchte, der Dr. PeterS die Herausgabe der Akten auf- erlegen sollte, legte dieser die beiden Urteile vor. Ihr Inhalt ist seitdem bekannt, der Wortlaut auch in einer im Berlage der„Miinchener Post" erschienenen Broschüre veröffentlicht. In der Verhandlung wird zunächst das erste Ur» teil verlesen. Nach Beendigung der Verlesung nimmt Dr. PeterS das Wort: Diese Urteile sind von uns niemals als juridisch einwandfreie Dokumente akzeptiert worden. Ich wenigstens habe das niemals getan. Ich will nicht die bona fides der Herren, die die Urteile gefällt haben, bezweifeln. Auf zwei Punkte möchte ich jetzt gleich antworten. Mein Rechtsbeistand. RecbtSanwalt R o s en t ha l in München, hat auch mehrere jursstische Einwände gegen die Urteile erhoben. Ich be- beantrage auch seine Broschüre nachher zu verlesen.— Juslizral Sello(zu Dr. PeterS); DaS ist prozessual unzulässig. Wir können den Inhalt nur mündlich vortragen.— Dr. Peters: Dann für jetzt nur einen Punkt. Man hat mir in den Urteilen den Vorwurf gemacht, daß ich an den Gouverneur v. Soden falsche Berichte erstattet hätte. Diesen Vorwurf habe ich innner be- sonder» unsiimpatbisch empfunden. Man hat gesagt, daß ich die Expedition gegen de» Hänvtling Malamia dadurch hervorgerufen hätte, daß ich die Heransgave der drei weggelaufenen Weiber verlangte. Das erkläre ich hier öffentlich für eine Unwahrheit. Ich wußte gar nicht, wo die drei weggelaufenen Weiber waren. Ich sckickle zu dem mir befreundeten Häuptling Mareale, um ihn um Auskunft zu bitten, ob er wisse, wo die Weiber seien. Er erklärte mir, daß er es nicht wisse, daß ich aber zu Malamia schicken könnte, bei dein der Vater eineö der Mädchen wohne. Sie können mir glauben. eS handelt- sich da nicht um sexuelle Fragen, sondern um etwas ganz anderes, wenn Eingeborene weglaufen. Ich erkläre. daß damit endlich diese Anschuldigungen aus der deutschen Presse verschwinden: Ich habe durchaus nicht falsch berichtet. Ich ließ nun zu Malanna hinschicken und verlangte, daß er mir den Mann herübcrschicken sollte, damit ich ihn nach dem Verbleib der Leute vernehmen könnte. Malamia verhöhnte meine Abgesandten. riß die deutsche Flagge herunter, tanzte aus ihr herum und sagte: Die Deutschen seien Schlapp- schwänze, sie hätten sich auch von den Wahehe schlagen lassen Ich schickte dem Mann einige Granaten in sein Lager herüber, da hatte er die Unverschämtheit— jeder Afrikaner wird mir zugeben, daß das eine Unverschämtheit ist. zu sagen: das sei kein Kunststück, aus der sicheren Station die Granaten herüber zu schicken, ich sollte einmal in seine Residenz kommen. DaS habe ich auch getan. Ich schickte. den Unterosfizier Wilhelm herüber, der auch eine Razia ab- hielt.— Bors.: DaS steht ja aber allcS inben ver- lefenen Urteile»t. Dr. PeterS: Dasteht aber auch das Falsche, daß ich die Herausgabe der drei Weiber verlangt hätte, das ist nicht richtig.— Vert. RechtSanw. Falk: Anf diese Aussage haben wir sehr energisch, aber auch sehr energisch und anSführlich zu erwidern: Dr. PeterS: Ich habe noch einen weiteren Punkt zu berühren. Die Station am Kilimandscharo soll nicht gefährdet gewesen sein. Tatsächlich war sie es aber von allen Seiten, besonders von dcr Muschi- feite, Ivo der Sohn des Häuptlings mit den Rebellen ging, während ich dem Häuptling die deutsche Flagge gegeben hatte. Er stand allein unter meinem Schutz und bat mich um Schutz, als er von den anderen Häuptlingen angegriffen wurde. Ich befand mich also in großer Bedrängnis. Drei meiner Bolen waren dazu aufgegriffen und in schmählichster Weise verstümmelt worden. Ich stand dort unten als kaiserlicher Kommissar und hatte von Sr. Majestät den Aufttag erhalten, das dortige Gebiet der deutschen Herrschaft einzuverleiben. Durfte ich da tatenlos bleiben, zu- mal ich mich stark genug fühlte? ES ist tvahrlich kein Vergnügen, in Afrika zu fechten. Wenn ich den Weg der kriege- rischen Lösung betrat, so tat ich das, weil ich eS für notwendig hielt. Niemand kann mich deswegen zur Verantivortimg ziehen. DaS fei hiermit vor aller Oessentlichkeit festgestellt(Dr. Peters wendet sich während seiner Ausführungen wiederholt direkt zu dem übersüllren Zuhörerraum.) Ich brauchte auch bei der Hinrichtung deS Mabruk und der Jagodja keinen Beisitzer zuzuziehen, ich hatte diktatorische Gewalt über Leben und Tod der Schwarzen. Ich wurde nach dem Kilimandscharo geschickt, nach- dem ich die Emin Pascha-Expedition durchgeführt hatte. Ich hatte sie durchgeführt, leitweise mit Diplomatie, teillveise aber mit KriegSgewalt. Ans meiner Berufung zum Reichskommissar an den Kilimandscharo entnahm ich, daß die Mittel, die ich angewendet hatte, gebilligt wurden. Man gab inir ja auch volle Freiheit in meinen Entscheidungen, und erst nach Jahren wurde ich dann wegen eine« bestimmten Falles unter Anklage gestellt. Ich lvill, daß die Wahrheit endlich an den Tag kommt, deshalb prozessiere ich gegen jene Herren. Ich beschwere mich über die„Kölnische Zeitung" und Herrn p. Bennigsen, weil sie kritiklos die alten Unwahrheiten weitcrgetragen haben. Ich soll zu den Leuten am Kilimandscharo gesagt haben, sie sollten alleS verschweigen, sonst bekämen sie teilte Träger. In Wirklichkeit habe ich die betreffenden Farbigen 12 Stunden hängen lasse», damit sie jeder sehen könnte. Es gibt übrigens kein Mittel, etwa? unter den Farbigen zu verbleiten, als wenn man ihnen sagt, sie sollten nichts verraten. Ich wollte im Gegenteil mit meinen harten Mitteln die rebellischen Häuptlinge einschüchtern. Dann sagt man, ich hätte die Hinrichtung durch den Zeugen Wiest nicht vornehmen lassen dürfen ohne Zustimmnng des führenden Offiziers. Darauf kann ich nur sagen, daß es mir gar nicht möglich gewesen wäre, über den Kops des früheren Offiziers Broniart v. Schellendorff hinweg dem Unteroffizier zu befehlen, die Hinriibtung auszuführen. Wenn ich es dennoch getan hätte, hätte Bronsart v. Schellendorf sofort nach Dar-es-Salaam berichten müssen. Das hat er aber nicht getan. Er hat noch nach diesem Verfahren bis 1805 mit mir freundschaftlich verkehrt und hat in Briefen seine Anerkennung für meine Tätigkeit am Kilimandscharo zum Ausdruck gebracht. Erst 1898 sagte er plötzlich, ich hätte über seinen Kopf hinweg einem Unteroffizier einen militärischen Befehl erteilt. Ich will die bona ödes der Herren, die das Urteil gegen mich gefällt haben, nicht bezweifeln, aber für mich sind die Urteile in leiner Weise maßgebend.— Vert. Dr. Falk: Die Erklärungen, die irgend ein Angeklagrer gegen die ihn aburteilenden Richter und gegen die Urteile selbst losläßt, können natürlich die Feststellungen des Urteils in keiner Weise entkräften. ES wird Sache der freien richterlichen Beweiswürdigung sein, zu prüfen, welche Bedeutung die Feststellungen dieser beiden Urteile für das kgl. Schöffengericht in Köln haben. Ich will Herrn Dr. PeterS deshalb nicht folgen, sondern an ihn nur die kurze Frage richten: tat Exzelleyz Gouverneur v. Soden ausgesagt, daß Dr. eters ihm nicht zu berichten brauchte? Ist daS richtig? PeterS: Bei gerichtlichen Maßnahmen, wie der Hinrichtung deS Mabruk und der Jagodja brauchte ich nicht zu berichten. Allerdings will ich zugeben, daß eS Exzellenz v. Sode» vielleicht er- wartet hat— Dr. Falk: Soll das der Inhalt der Aussage deS Freiherrn v. Soden in dem Prozeß gegen Dr. Friedl Martin lein.— Justizrat Sello: Nein, gegen die, M ii u ch e n e r Post". — Vert. Fall: In dem Prozeß qegen Dr. Martin hat Exzellenz v. Soden eidlich bekundet, daß ein Bericht notwendig gewesen sei.— Justizrat Sello: Dann bitte ich Herrn v. Soden über diesen Widenpruch zu befragen.— v. Bennigsen: Ueber die Lage am Kilimandscharo können wir unS erst klar werden, wenn die Zeugen und Sachverständigen vernommen sind. Ich werde erst dann Gelegenheit nehmen, meinen Standpunkt darzulegen. Ich bitte Herrn Dr. PeterS, folgende Fragen zu beantworten: Er hat erklärt, er habe nicht gewußt, wo die Jagodja gewesen sei, ob bei dem ivtuschl oder bei dem Mariale oder beim Malamia. Wo sollte dcun dann eigentlich die Jagodja spioniert haben?— Dr. PeterS: Zuerst nahm ich an, daß sie zu Mariale gegangen sei. Beim Malamia fand ich sie aber auch nicht, folglich mußte sie bei Muschi sein und spioniert haben. Sie soll schließlich bei Malamia gewesen sein, de» ich wegen Rebellion zum Tode verurteilt hatte, den ich aber nicht bekommen hatte, so daß er wahrscheinlich heute noch lebt.(Heiterkeit.) Dagegen bekam ich den Vater und Bruder des Malamia: aus deren Aussagen und auS den Bekundungen der StationSweiber erfuhr ich, daß die Jagodja alle Mädchen zu Malamia führen sollte.— Vors.: Und deshalb haben Sie wohl auch die Jagodja für die SiSdelSführerin gehalten?— Dr. PeterS: Ja, außerdem gestand sie eS selbst zu. v. Bennigsen: Gibt Dr. PeterS zu, daß Bischof SmithieS lein Deutschen fei nd war und daß er erklärt hat, einen Mörder empfange er nicht, mit dem«volle er nichts zu tun haben?— Dr. PeterS: Was Smithies hinter meinem Rücken über mich gesagt hat. weiß ich nicht. Wenn er es mir gesagt hätte, würde er etwas anderes von mir zu hören bekommen haben. Im übrigen kann ich»ur sagen, daß ich damals trotz aller Sympathien für England gegen die britischen Missionen sehr vorstchiig war. Ich wußte, daß britische Intrige» gegen Deutschland im Werke waren, daß man unö daö Ktlimandscharogcbiet streitig zu machen suchte. Ob speziell SmithieS deutschfrennölich oder feindlich war, lveiß ich nicht. Ich sagte mir nur beim Schreiben de« fraglichen Briefes: warum sollst du dich vor dem britischen Missionar rechtfertigen?— Deshalb unterließ ich die Abfendung des ersten Briefes und sandte den zweiten Brief ab. der weniger entgegen- kommend, ja ein bißchen hochmütig gegenüber SmithieS war.— RechtSanw. Falk: Wir wollen durch das Zeugnis des P a rer Acker beweisen, daß SmithieS kein Dentschenfeind, sondern ein vornehmer und loyaler Mann war. gleichwohl hat er über Dr. PeterS gesagt, daß er mit einem Mörder nichts zu tun haben wolle.— Bors.: Wollen Sie auch beweisen, daß der Kläger um diese Aeußenmg gewußt bat?— RechtSanw. Falk: Stein da« nicht. v. BenuiAscn: Ich möchte durch das Zeugnis des Pater Acker auch noch feststellen, daß SmithieS überhaupt nichts mit dem Kitt- inandscharo zu tun hatte. Bischof für den Kilimandscharo war Tucker und Bischof für Zanzibar war SmithieS.— Justizrat Sello: WaS Herr SmithieS über Herrn Dr. PeterS gesagt hat, ist für uns ebenso gleichgültig, als wenn etwa die Redaktion de«„Vorwärts" den D r. Peters „HängepeterS" nennt. Die Anträge der Gegen- Partei gehen auf EtimmungSmacherei hinaus und sind für die Beurteilung. des vorliegenden Falles ganz belanglos.— Vert. RechtSanw. Falk: Wir sollten doch vermeiden, einander per- sönlich anzugreifen. Wenn wir Anträge stellen, so tun wir eS nicht um einer StimmungSiiiachcroi willen, sondern weil wir sie für erheblich halten. Das, was die Gegenpartei dazu sagt, berührt unsere Anfsassung nicht im geringsten.— Es wird dann das Urteil der kaiserlichen DiSzipliiiarkauimer in Leipzig, der BeruftmgS- instaliz, verlesen.— Justizrat Sello verläßt währenddessen den Saal. Als auch Peters den Saal verlassen will, macht ihn der Vorsitzende darauf aufmerksam, daß ein Vertreter der Klage- Partei anwesend sein müsse.— Dr. PeterS: Ich ivollte nur hinaus- gehen, weil ich dachte, daß ich das. was in den DiSziplinarurrcilcn Itehl, schon genügend kenne. PeterS setzt sich also wieder, als jedoch Justizrat Sello den Saal lviedcr betritt, verläßt er ihn schlerniigst. Die Verlesung de« zweitinstanzlichen Urteils wird nicht mehr zu Ende geführt.— Rechtsanwalt Dr. Falk: Ich stelle den Antrag, den SachverständigenPater Acker auch als Zeugen überdenEharakter de» Bischof SmithieS und die E r k l ä r u n g e n zu hören. Ich bitte ferner, die von mir genannten Zeugen durch das Gericht direkt laden zu lassen. � Bors.: Ja, vorausgesetzt, daß Sie für die Kosten aufkommen.-- Justizral Sello: Also die Gegenpartei hat eö nicht nötig, einen Kosienvorschuß zu hinterlegen.— Vors.: Nein, die Gegenpartei ist in ganz Köln als sehr zahlungsfähig bekannt.(Große Heiterkeit.) Die weitere Verhandlung wird auf Mittwoch 9 llhr vertagt. ver Wechsel im berliner Polizei- Präsidium. Nun ist es doch wahr geworden, was kürzlich als unverbürgtes Gerücht umherlief, daß der Polizeipräsident v. BorrieS seinen jetzigen Posten verläßt, um eine höhere Stellung einzunehmen. Zwar geht er nicht, wie manche Leute anfänglich wissen wollten, al» Regierungspräsident nach Arnsberg, aber doch in eine gleiche Stellung nach Magdeburg. Wie sich Herr b. Norries einem Mit- arbciter des„Berliner Tageblatt" gegenüber geäußert hat. sei ihm die Ernennung eines Nachfolgers vollständig überraschend gekommen; allerdings habe er vor einiger Zeit den Minister des Innern gebeten, ihn mit Rücksicht auf seine Nerven auf einen ruhigeren Posten zu versetzen. Ob das Amt eines Regierungspräsidenten für Magdeburg ein solches ist, entzieht sich unserer Kenntnis, cS muß aber wohl angenommen werden, da Herr v. Borrics„oben" sehr in Gunst stand und man gewiß bereit war, seinen Wünschen zu entsprechen. An seine Stelle tritt der Landrat des Kreises Teltow-Beeskow, Herr v. Stubenrauch. Wie immer, wenn in hohen Stellen ein Wechsel eintritt, beeilt sich die bürgerliche Presse, den scheidenden Personen Weihrauch zu streuen und die neuen mit großen Hoffnungen zu enipfangen. Das geschieht auch im vorliegenden Falle. Wir haben keine Ur- sachc, in diesen Ton einzustimmen. Ein Personenwechsel in leitenden Stellen ist für uns von sehr sekundärer Bedeutung: das System bleibt, das können wir auch von dem gegenwärtigen Wechsel im Berliner Polizeipräsidium sagen. Das„Berliner Tageblatt" rühmt dem scheidenden Polizei- Präsidenten nach: „Iii den fünf Jahren, die er als Nachfolger des Herrn b. Windheim Chef der Berliner Polizeiverwaltung gewesen ist. hat sich vieles gebessert. Herr v. Borries genießt trotz seines zurückhaltenden Wesens, trotz seiner Scheu, persönlich allzusehr in den Vordergrund zu treten, eine gewisse Popularität in Berlin— ein Beweis, daß seine Leitung des Polizciwesens den Wünschen und Gewohnheiten der Berliner Bevölkerung entgegen- kam. Auch Herrn v. Borries sind nicht alle Blütenträume gereift, viele Aufgaben harren noch ihrer Lösung: aber die Schaffung der Verkehrskommandos nach Londoner Muster, die radelnden Schutzmannspatrouillen, ein höflicher Tor der ausführenden Organe dem Publikum gegenüber, das sind Verdienste, die An- erkcnnung fordern. Der wachsenden Bedeutung Berlins als Ircmdenstadt hat der demnächst scheidende Polizeipräsident auch auf seinem Arbeitsgebiet stets Rechnung getragen, und man kann ihm das Zeugnis nicht verweigern, daß er das Verkehrs- wcsen von Groß-Bcrlin mit Anteil verfolgt hat." Was hier das„Tageblatt" von dem Wirken des Herrn v. Borrics zu sagen weiß, ist nicht allzuviel und auch nicht einmal vollständig richtig. Soweit uns bekannt, ist eine durchgreifende Reform auf dem Gebiete des Polizeiwesens unter der Leitung des Herrn v. BorrieS nicht erfolgt. Es ist richtig, daß der scheidende Polizeipräsident den Wunsch hatte und ihn auch durchzuführen suchte, daß die Polizei dem Publikum gegenüber sich eines Höf- lichcn Tones bedienen sollte. Diese löbliche Absicht hat er aber nicht durchzuführen vermocht und polizeiliche Uebergrifse gegen das Publikum sind unter ihm keineswegs seltener geworden. Viele Personen, die schon auf der Polizeiwache zu tun hatten, werden uns diese Behauptung gern bestätigen. Dagegen aber müssen wir uns wenden, wenn Herrn v. Borries in puncto der Berkehrspolitik ein Loblied gesungen wird. Das „Berliner Tageblatt" braucht sich nur bei einigen ihm besonders nahestehenden Berliner Stadtverordneten zu erkundigen, in welcher Weise gerade die Stadt Berlin in dieser Beziehung behandelt worden ist. Man komme nicht mit der Ausrede, daß der Berliner Polizeipräsident nur Mittler zwischen der Stadt und dem Eisen- bahnministcrium gewesen sei. Auch auf sein Konto sind lang- jährige Verzögerungen zu fetzen. Monate- und jahrelang mußte oft die Stadt auf einfache Anfragen an den Polizeipräsidenten warten, wie in einer im Vorjahre vom Magistrat vorgelegten Vorlage be- treffend die Ausführung städtischer Linien urkundlich nachgewiesen wurde. Ob und inwieweit das unter dem neuen Präsidenten Herrn v. Stubenrauch geändert werden wird, steht noch dahin. Dem neuen Manne wird nachgeredet, daß er gerade auf dem Gebiete des Verkehrswesens in seinem bisherigen Wirkungskreise durch die Förderung des Teltower Kanalprojektes und der Uebernahme der Schiffahrt und verschiedener Privatbahnen auf den Kreis einen „weiten Blick" offenbart habe. Wenn es hiernach auf diesem Gc- biete besser werden sollte, so sollte uns das sehr freuen. Soweit die Arbeiterbewegung in Frage kommt, wird wohl durch den Wechsel keine erhebliche Acnderung eintreten. Eine reaktionäre Gesetzgebung und Verwaltung benützt ja die Polizei nur als Mittel, um die aufstrebende Arbeiterbewegung niederzuhalten. Und der neue Mann hat ja nach dieser Richtung bereits den Befähigungs- Nachweis durch seine Verfolgung der Jugendorganisationen er- bracht. Tie„Post" scheint speziell diese Ausgabe als die höchste anzusehen, indem sie schreibt: „Die unter seinem Vorgänger Herrn v. Borries eingesetzte erfolgreiche Bekämpfung der russischen Terroristen und ihrer sozialdemokratischen Gefolgschaft in Berlin wird von Herrn v. Etubenrauch sicherlich kraftvoll weitergeführt werden. Auch der immer gefährlicher auftretenden sozialdemokratischen Jugend- Organisation wird Herr v. Stubenrauch in seinem neuen Amte besonders wirtsam entgegentreten können. Tie frische und herz- crguickende Art, mit der er den Bestrebungen organisations- bedürftiger„Stifte" im Kreise Teltow entgegengetreten ist, sind noch in bester Erinnerung." Unserer Meinung nach gäbe es für einen geschickten Leiter des Berliner PolizeiwcsenS bessere Aufgaben als die Vergeudung zahlreicher Kräfte in einer nutzlosen, gänzlich überflüssigen Tätig- kcit, wie es die Ucberwachung und Verfolgung der politischen Bc- wcgungen und Vereine eine ist. Man nehme die Kräfte und benutze sie dazu, der Kriminalpolizei frisches Blut zuzuführen, damit die Zahl der uncntdecktcn Morde sich wenigstens in etwas vermindert. Daran wird man aber nach Lage der Sache kaum denken dürfen. Wir glauben vielmehr, alles in allem genommen, daß der alte Faden auch unter dem neuen Chef der Polizeiverwaltung ruhig weitcrgcsponnen werden wird. Die Arbeiterbewegung wird das nicht weiter altcricren, sie wird unbekünunert um polizeiliche Schikanen und Drangsalicrungen ihren Weg weitergehen. GencKts-�emmg. Ist da» Verteilen von Boykottslugblättern grober Unfug? Trotz der wiederholten Verneinung dieser Frage durch das Reichsgericht und Kammergericht versuchen Gerichte unterer Ord- nung und die Staatsanwaltschaft wiederholt zu einer entgegen- gesetzten Auffassung in dieser klaren Frage zu gelangen. Wir können heute über drei Fälle berichten, in denen diese Frage ab- gcurtcilt ist. Der erste Fall wurde voni Schöffengericht Lübben» die beiden anderen Fälle vom Kammcrgericht entschieden.- Das Schöfsengericht Lübbe» verurteilte, wie wir bereits kurz meldeten, lö Arbeiter zu insgesamt 080 M. Geldstrafe(2 zu je 100 M., 13 zu je 60 Mk.) wegen„groben Unfugs", weil 2 von ihnen Flugblätter verbreitet hatten, die von der Boykotticrung des Lokals des Gastwirts Schneider in Steinkirchen Kenntnis gaben, die anderen 13 Passanten in anständiger Art von dem Sachverhalt in Kenntnis setzten. In diesem Fall liegt jetzt das schriftliche Er- kcnntnls vor. Die schriftliche Urteilsbegründung gipfelt in dem lapidaren Rechtsirrtums-Satz:„Nach der ständigen Rechtsprechung ist der Boykott überhaupt nur zur unmittelbaren Erlangung besserer Lohnbcdingungen zulässig, die Boykotticrung eines Lokals demnach in jedem Fall strafbar". Die Berufungsinstanz wird wohl zur Freisprechung der Angeklagten kommen. 2. und 3. Fall: In den beiden dieser Tage vor dem Kammer- gcricht verhandelten Prozessen endete der eine mit dcrZmsprechung Verantwortlicher Redakteur: Hgns" Weber, Berlin. Für der der Angeklagten, während im zweiten vorläufig die Aushebung ihrer Verurteilung erzielt wurde. Im ersten Prozeß handelte es sich um die Delegierten zum Prenzlauer Gewcrkschaftslartcll, im zweiten um Genossen aus Benrath bci Düsseldorf. Der Sachverhalt war wie folgt: Schulz, Blank, Schmidt, Zühlsdorf und Schemel, die Mitglieder des Gewerkschaftskartells in Prenzlau, hatten unter den Mit- gliedern der von ihnen vertretenen Gewerkschaften Flugblätter vcr- breitet, die ihnen den Besuch der einen Wirtschaft von Reicher nahelegten und zum Meiden der übrigen Lokale aufforderten, weil die Wirte ihre Räume zu Arbeiterversammlungcn nicht hergäben. Das sollte nach dem Willen der Staatsanwaltschaft grober Unfug sein. Das Landgericht sprach jedoch die Angeklagten frei und führte aus: Die Absicht sei gewesen, den im Flugblatt aufgc- führten Wirten die Arbciterkundschast zu entziehen und sie so in ihrem Einkommen zu schmälern. Nach Verbreitung der Blätter sei auch ein Rückgang des Verkehrs eingetreten. Eine Belästigung und Beunruhigung der betroffenen Wirte sei mit der Handlung verbunden gewesen. Eine solche, durch Verbreitung von Flug- blättern bewirkte Aufforderung zum Boykott sei an sich noch nicht strafbar. Wohl aber könne es strafbar sein als grober Unfug, wenn durch die Art und Weise der Verrufserklärung oder durch die Art ihrer Veröffentlichung das Publikum in seiner Allgemeinheit un- mittelbar belästigt werde, und zwar dergestalt, daß in dieser Be- lästigung zugleich eine Bcrlcyung oder Gefährdung des äußeren Bestandes der öffentlichen Ordnung zur Erscheinung komme. Die Belästigung oder Beunruhigung müsse hiernach eine unmittelbare Wirkung der fraglichen Handlung sein und sich direkt gegen das Publikum richten. Nicht aber sei der Tatbestand des groben Un- fugs schon dann gegeben, wenn die gefährdende Handlung sich zu- nächst auf einen ganz bestimmten PcrsonenkreiS erstreckt. Wollte man auch im vorliegenden Falle annehmen, daß die Beunruhigung der Wirte auf andere(ihre Liferanten usw.) weiterwirkte, so wäre das doch keine unmittelbare Wirkung der Flugblattvcrbreitung, wie sie der Begriff des groben Unfugs erfordere, sondern nur eine mittelbare. Im übrigen sei nicht anzunehmen, daß die Handlung für sich allein geeignet gewesen wäre, den äußeren Bestand der öffentlichen Ordnung zu verletzen. Das Vorliegen groben Unfugs sei somit zu verneinen bei der hier in Betracht kommenden Hand- lung. die sich unmittelbar nur gegen einen bestimmten Personen- kreis richtete. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein, der Rechtsanwalt Theodor Liebknecht vor dem zweiten Strafsenat des Kammer- gerichtS mit Rcchtsausführungcn entgegentrat. Gemäß seinem Antrage verwarf der Senat die Revision der Staatsanwaltschaft mit der Begründung, daß kein Rcchtsirrtum vorliege. Entscheidend sei die Feststellung, daß unmittelbar nur die boykottierten Gast- wirte belästigt oder beunruhigt worden seien. Grober Unfug könnte aber nur in Frage kommen, wenn das Publikum in seiner Allge- meinheit unmittelbar durch die Boykottierung belästigt würde. Die Angeklagten seien mit Recht freigesprochen. In der Benrather Sache liegen die Dinge insofern anders, ackS die Angeklagten Arbeiter, Hüllenhütter und Gründken, des Sonn- tags die Bohkottzcttel, herausgegeben von der Lokalkommission. auf der Straße an Passanten verteilt hatten. EL handelte sich um die Boykottierung zweier Gastwirtschaften. Die Angeklagten wurden vom Landgericht Düffeldorf wegen groben Unfugs und wegen Verrichtung einer öffentlich bemerkbaren Arbeit am Sonn- tag(Verordnung über die äußere Hcilighaltung der Sonn- und Feiertage) verurteilt. Das Düsseldorfer Landgericht rechnete an sich mit dem Begriff des groben Unfugs, wie er im obigen Fall definiert worden ist, und führte dann aus: Die Verteilung der Boytottblätter sei geeignet gewesen, eine Beunruhigung und Bc- lästigung herbeizuführen, nicht bloß bei den boykottierten Wirten. sondern bci allen Geschäftsleuten, die von der Arbciterkundschast abhängig seien. Aber auch die Möglichkeit einer Gefährdung des äußeren Bestandes der öffentlickien Ordnung sei vorbanden. Es läge die Möglichkeit nahe, daß von den Wirten abhängige Per- soncn und auch gewisse Gäste zu offenem Widerstand gegen die Boykotter und ihre Maßnahmen angereizt würden und daß es so vielleicht zu Menschenansammlungen vor dem Lokal und zu Tätlich- leiten kommen könne. Es sei also auch die Gefährdung des äußeren Bestandes der öffentlichen Ordnung zu besorgen und damit die weitere Voraussetzung des groben Unfugs gegeben. Der erste Strafsenat des Kammergerichts, der in dieser Sachc zu verhandeln hatte, gab am 6. Januar der von Rechtsanwalt Dr. Krawinkel aus Düsseldorf vertretenen Revision statt, hob die Vorentscheidung aus und verwies die Sache an das Landgericht zurück: Die Feststellungen reichten in bezug auf groben Unfug nicht aus. Es sei nur die abstrakte(allgemeine) Möglichkeit einer Gefährdung des äußeren Bestandes der öffentlichen Ordnung fest- gestellt. Das genüge jedoch nicht. Im vestimmten Einzelfall, müsse der äußere Bestand der öffentlichen Ordnung gefährdet er- scheinen. Das sei nachzuprüfen.— Ferner seien noch nähere Fest- stellungen hinsichtlich der Anwendbarkeit der Verordnung über die äußere Hcilighaltung der Sonntage erforderlich. Sports-BeleidigungSprozeß. Ein Belcidigungsprozeß, dessen Ergebnis in Sportkreisen seit mehreren Monaten mit großer Spannung erwartet wurde, wurde gestern vor der 147. Abteilung des Amtsgerichts Berlin-Mitte ver- handelt. Wegen Beleidigung des bekannten englischen Jockeys Warne war der Eportrcdaktcur der„B. Z. am Mittag". Dr. Tonalies angeklagt.— In einer Nummer der ,.B. Z. am.Mittag" erschien im November v. I. ein Artikel, welcher sich mit der Lizenz- Verweigerung gegenüber dem Jockey Warne beschäftigte. Diesem war von der technischen Liommission des„Union-Klubs" mitgeteilt worden, daß ihm jedes weitere Lizenzgesuch für die hiesigen Renn- bahnen in Zukunft vcrpzeigert würde. Begründet wurde diese Lizcnzverweigcruiig damit, daß Warne wiederholt fahrlässig gc- ritten war. In den Kreisen der Leute, die in Ermangelung anderen Verstandes„mit Pserdevcrstand" ausgerüstet sein wollen, wollte man jedoch noch mehr darüber wissen, weshalb dem sehr erfolgreichen Jockey die Lizenz verweigert worden war. Es wurden allerlei Ge- rüchtc in diesen Kreisen kolportiert, denen die„B. Z. am Mittag- Raum gab. In dem zur Anklage stehenden Artikel wurde u. a. auf einen Borfall auf der Dresdener Rennbahn Bezug genommen. In dem„Preis von Struppen" ritt Warne ein Pferd„Vera", welches allgemein als Favorit galt und hoch bcwcttct wurde.„Pera" landetc aber als Letzter im Feld, während der Sieg von„Koralic" davongetragen wurde. Es wurde nun die Behauptung aufgestellt, Warne habe„Vera"„yegullt", um der von ihm selbst gewetteten „Koralie" zum Siege zu verhelfen. In dem Artikel wurde dem .Kläger deshalb der Vorwurf„betrügerischen Reitens" gemacht. Wegen dieses Vorwurfes stelltc Warne Strafcintrag wegen Beleidigung gegen Dr. Donalies, der den fraglichen Artikel verant- wortlich gezeichnet hatte. Nach einer mehrstündigen Bcweisauf- nähme, in der eine Reihe Zeugen vernommen wurden, kam folgen- der Vergleich zustande: Nachdem die Verhandlung kefncn Beweis für ein betrügerisches Reiten des Herrn Warne ergeben hat. nimmt der Beklagte die in dem Artikel der„B. Z. am Mittag" ausge- sprochene Behauptung des betrügerischen Reitens zurück-" DaZ Verfahren wurde hierauf eingestellt." Zur Lage der Postbeamten. Ein Postbeamter mußte sich gestern in der Person des Ober- Postschaffners August Leymann vor der 1. Strafkammer des Land- gerichts II wegen Unterschlagung im Amte verantworten.— Der Angeklagte ist seit vielen Jahren bei der Postbehörde angestellt und hat stets seinen Dienst gewissenhaft und treu versehen, so daß ihm seine Vorgesetzten das beste Zeugnis ausstellten. Zuletzt war L. aus dem Postamt 29 in der Bergmannstraßc in der Brief- abfertigung beschäftigt. Im Herbst d. I. liefen eine große Anzahl Beschwerden ein, daß Briefe, die bei dem Postamt 29 aufgegeben oder dort eingelaufen waren, entweder vollkommen verschwanden oder Spuren zeigten, daß sie schon einmal geöffnet worden waren. Da die verschwundenen Briefe sämtlich Ilcinerc Geldsummen und Inseratenteil verantw.? Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag iBortvärt» Papiergeld enthalten hatten, lag der Verdacht nahe, daß auf dem Postanitc ein Postmardcr sein Wesen trieb. Auf den Angeklagten siel nicht der geringste Verdacht. Erst als mit Hülfe besonders präparierter Briefe festgestellt wurde, daß die übrigen dort ange- stellten Postbamten nicht die Täter sein konnten, wurde ein der- artiger Brief auch unter die Postsachen gemischt, die durch die Hände des Angeklagten gingen. Nunmehr stellte cö sich heraus, daß Lehmann tatsächlich der Briefmardcr war. Eine Durchsuchung förderte aus seinen Taschen noch mehrere andere Briefe zutage. die der Angeklagte an demselben Tage unterschlagen hatte. Ter auf frischer Tat ertappte Angeklagte legte sofort ein offenes und reumütiges Geständnis ab und bekannte unter Tränen, daß ihm die Not, in die er durch eine schwere Krankheit seiner Frau geraten sei, zu den Verfehlungen verleitet habe. In der gestrigen Verband- lung gab außerdem Medizinalrat Dr. Hofsinaiin sein Gutachten dahin ab, daß bei dem Angeklagten eine erhebliche geistige Minder- Wertigkeit vorliege. Das Gericht erkannte auf 4 MoncKe GesäiigniS und beschloß eine bedingte Begnadigung des Angeklagten zu be- fürworten. Hcilmittelschwindel„Augenwohl". In einer großen Anzahl bürgerlicher Zeitungen erließ vor einiger Zeit die Gesellschaft„Augcnwohl" große marktschreierische Anzeigen, in denen sie unter der Bezeichnung„Augcnwohl" ein Mittel empfahl, durch dessen Gebrauch das Tragen von Brillen überflüssig, schwache und kranke Augen gesund würden. Der Stadt- rat zu Chemnitz veranlasste ein Strafverfahren gegen den Geschäfts- führer der Gesellschaft, Kaufmann Müller in Berlin, der vom Schöffengericht Chemnitz wegen Uebertretung der sächsischen Ver- ordnung vom 14. Juli 1907, den Verkauf mit Heilmittel betr., mit 150 Mark Geldstrafe belegt wurde. Dagegen ljatte Müller Bc- rusung eingelegt. Das Landgericht verwarf diese.— Vom gerichtlichen Sachverständigen wurde„Augemvohl" unzweifelhaft als völlig wertlos und der dafür verlangte Preis als weit über den Wert seiner Ingredienzen hinausgehend bezeichnet. Es besteht „Augenwohl" aus Kochsalz. Borsäure, Glyzerin und Alkohol, ist gelb gefärbt und mit Rosenöl parfümiert. Unverständlich ist, weshalb bei diesem Tatbestand nicht gegen die für die Gesellschaft Verantwortlichen wegen Betruges und gegen dl« bürgerlichen Blätter wegen Leihülfe hierzu vorgegangen wurde. Vermischtes. Der verhungerte Pfarrer! Wie der„Landesbotc" in Badem Baden meldet, fand nian den Pfarrer der altkatholischen Kirchengemeinde, der nach Ablauf seiner Probezeit von dein KirchenaiiSschuß nicht gewählt und dessen Versetzung nach Furtwangen auf den 6. Januar vorgesehen war, halb verhungert und erfroren in seinein Belle, so daß die llebersührimg ins Krankenhaus erforderlich war. Schon zur Abhaltung der WeihiiachtSscier war der Pfarrer nicht er> schienen. Er war damals nirgends aufzufinden, bis am 4. Januar die Tür erbrochen wurde. Erfroren aufgefunden wurde nach einer Meldung aus St. Ingbert der Waldarbeiter Adam Neger aus Hohenecken und ein Oßjähiigci Invalide von Rcichenbach. Gekentert. Ein von Fiume nach Veglia abgegangenes Segel- schiff wurde einer Meldung aus Trieft zufolge vom Sturme zum Kentern gebracht. Trotzdem ein Regieriingsdanipfer zur Rettiing abgegangen, konnte weder von dem Schiffe noch seinen'Insassen eine Spur gesunden werden. Gerettet. Eine Vieldimg ans Queen Ltolvn von gestern bc- sagt: Der Dampfer der Canadian- Pacific-Eisenbahngesellschast „Mannt Royal" von Antwerpen nach St. John(Neu-Braunschwcig) mil 234 Auswanderern unterwegs, der seit 17 Tagen überfällig war passierte heute Kinsale auf dem Wege nach Queenstown. Berltuer Mnettpretsc. Aus vem amllichen Berich! der stäMilche, Marktballen-Direktion.(Großhandel.) Ochsenffeilch la 70-72 vr. 100 Pjd., IIa 64 09. Qla 56-59, Bullen, leisch la 67-72, IIa 56-66, Kühe, seit 50—58, do. mager 38—46, Fresser 52—60, Bullen, dänische 53—65. Kalbfleisch, Dopvcllendcr 110—130, Mastkälber la 90—100, IIa 80—89, Kälber gcr. gen. 60—76, do. boll. 50—50. Hainuielsleilch Mast» tämmer 76—78, Hammel la 68—72, IIa 62—67, Ungar. 0,00, Schaf» 47—60. Schweiiieilcllch 53—61. Reliivild la per Pfund 0,65—0,72. II, 0,50—63. Rotwild la per Psuild 0,43—0,48, do. IIa 0,22—0,40, do. Kälber 0,40—0,51. Damwild 0,40—0,52, do. Kälber 0,40—0,70. Wlldschivciiie per Psd 0,30—0,45. Frischlinge p. Psd. 0,00. Kallinchen, groß, Stück 0,80—1,10. do. klein 0,50—0,70. Hafen, groß per(glück 3,50—3,70, do. mittel mit klem Stück 2,00—3,00." Witdentcn per Stück 0,00. Fasanenhähne la, junge 2,75—3,25, da. IIa und alte 1,50—2,50. Fasaiicnhciiiici! 1,00—2,25. WalLschiiepseii per Stück 2,00—2,25, do. IIa 1,00—1,50. Hubncr, la der irtück 1,50—2,00, dito IIa 1,00—1,10, Tauben la 0,00, do. IIa 0,00, do. alte 0,00, do. italieiiifche 1,09—1,10. Gilten la Stück 1,80—3,00, do. IIa 1,30—1,60, do. per Pfd. 0,00. do. Hamburger, per Stück 2,75—3,40. Wäiije p. Psd. 0,15—0,55, do. Oderbrncher p. Psd. 0,45-0,57. Ponlcts p. St. 0,00. Puten p. Psd. 0,60-0,70, do. IIa 0,50—0,58. Poularden, deutsche, 0,00. Hechle per 100 Piuud 82—90, do. mittel 73, do. groß 63—67, do. groß-inittcl 82. Zander, groß 113—129, dito lteiii-mittcl 0,00, do. russ. IIa 0,00. Schleie, IIa 0,00, dtto uns. 124, dito klein 0,00. Aale, llcin 103, dito klein und mitlcl 89—94, dito groß 0,00. KclS 0,00. Karpjen, 25er 0,00, da. franz. lOOer 63—65. Plötzen 37—46, groß 0,00, klein 0,00. Tlci« fische 0,00, matt 0,00. Bnnie Fifche 32, dito klein 0,00. Börse 0,00, Karauschen 73. Bleie, matt 35— 10. Aland 0,00. Quappen 35—40. Wintcr-RhcinlachS per 100 Pfd. 0,00, Amerikanischer Lachs U neuer per 100 Pfd. 110—130, do. IIa neuer 90—100. Seelachs per 100 Pfd. 15—20. Flundern. Kieler, Stiege la 2—6, do. niiilel Kille 0,00, Hamb Stiege 3—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 0,00, IIa 0,09. Bücklinge. Kieler per Wall 2—3,00, schwedische 2—2,50, englische 3,00—3,50. Sprotten, Danziger, Kiste 0,80—0,90, do. Rügenwalder, Kiste 0,70—0,80. Kaie, grag per Pfund t.lO— 1,40, mittelgroß 0.80—1,10, klein 0.60—0,80. Heringe per Schock 5,00—9,00. Schellfische, Kille 4,00, dito V; Kiste 2,50. Sardellen, 1903 er per Anker 08, l 904er 98, 1905er 98, 1906er 85— 90. Schottische Vollberinge 1905 0,00, larga 40—44, ruli. 38—40, med. 36—12, deutsche 30—10. Heringe, neue MatjcS, vcr'1, To. 0,00. Sardinen, vusf., Faß 1,50—1,60. Bralberinge Faß 1,20—1,40, fco. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen,«chacksaß 11, fco. kleine 5— 6, fco. Riefen» 14. Krebse per Schock 0,00, große 0.00, do. mittelgroße 0,00, dito kleine 0,00 cm 0,00, do. unsortiert 0,00, Gatizier. groß ODO. Seenruschelu 100«t. 1,00. Gier, Land-, imsorlierl per Schock 4,00—5,80, do. große 6,00—6,50. Butler vcr 100 Psd. la 123—124. IIa 116—123. lila 112-115, abfallende 100-106. Saure Gurken Schock 4,00. Pseffergurken Schock 4.00. Kartolleln per 100 Piund Dabersche 3,00—3.50, weiße runde 2.50—3,00, mag. von. 3,00—3,25. Porree, per Schock 1,50—1,75. Meerrettich, Schock 4—12. Spinal per 100 Pfund 20—25. Sellerie, vcr Schock 3—6, do. pomm. 6—3. Zwiebeln ver 100 Psd. 2—3. Vclerfilic. grün, Schockbund 0,80—1,50. Rettich, bayrischer, per Stück 0,06—0,10, hiesiger, per Schock 0,00. Mohrrüben, 100 Psimd 3.00 biZ 4,00. Karotten, per 100 Pfund 10—15. Dirüugtohl v. Schock 4—7. Rotkohl, Schock 4—3. Weißkohl p. 100 Pfd. 1,50—2,50. Blumenlohl, hiesiger 100 stück 0,00, do. Gi-fuilcr 0,00. Rosenkohl, per 100 Pfund 13—30. Grünkohl 6,00—8,00. Kohlrüben, Schock 3,00—4,00. Peterfilienwurzeln, ver 100 Psd. 6—7, Schockbund 4—5,50. Schnittlauch. Töpfe Dutzd. 4— 5,00. Tomaten, kanarische. per Kiste 1,50—4,00. Roie Rüden, per 100 Pfund 2,50—3,00. Rubchen, Beelitzer, vcr 100 Pfund 3— 8, do. Tcltowcr 10—18. E-larol, per Schock 18—20. Gnbimen, per Schock 20—22. Birnen per 100 Pfd. Tiroler 0,00, Kochbirnen 3—7, Tasclbirncn la 18—25, fco. IIa 6-17, IIa!. 10-22. Aepsel, per 100 Pfund, Tiroler la 22—30, do. IIa 12—20, do. lese, per 109 Psnnd 0,00, da. in Kisieii 120 Pfd. 30-50, Most-, hieß, 100 Psd. 0,00, Koch. 5-11, Tafel- äpscl la 15—24. da. IIa 3—12, Amerikaner. pcrFaß 10— 30, Italiener, lose, 100 Psd. 8—12, do. in Körben per 100 Psd. 17-23, do. i» Kisten 10-25. Wallnüsse 0,00. Paranüsse 0,00. Haselnüsse, lange, 100 Pfund 0.00, do. runde franz. 0,00. Weintrauben, Almeria, per Faß 8—15. AnanaS l, per Pfund 0.90—1,10, do. U 0,40—0,60. Bananen, gelb, per 100 Pfund 8—20. Kokosnüsse per 100 Stück 0,00. Krach» inandeli» per 100 Psd. 70—115. Maronen, ital., per 100 Psuild 9—20. Feigen, Kranz- per 100 Psd. 20-40, do. Tmumel» per 100 Psd. 40, do. in Kisten 23—58. Traubenrosinen per 100 Psnnd 80—120. Zitronen, Melsiiia, 300 Stück 8.00-9,00, fco. 360 Sinti 9,00-9,50, do. 200 Stück 0,00, fco. 150 Stück 0,00. Apfelsinen, 300 Stück 0,00, do. Murcia 200 Stück 7,00—11,00, fco. 300 Stück 6,00—11,00, do. Balencia 420 Stück 10—27, do. 714 Stück 12—18. Mandarine», Schachlei 0,90—2,00, fco. 420 Stück 0,00, do. 100 Pfund 17—22. Dattel», per 100 Kart. 35—45. JohamliSbrot, per 100 Pfund 11— 15.___ Suchdruckerei u. Bcrlagsaiistalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 6. 25. Jahrgang. Kilm Ks Lswiirls" Kcrlim ZsIksblM Mittwoch, 8. Janvar lM. Heute Mittwoch findet für Berlin und Vororte der Zahlabend statt. Partei- Angelegenheiten. Steglitz. Die Parteigenossen werden anfgefordert, zur Flug- blattverbreitung am heutigen Abend 7 Uhr, vor dem Zahlabend, möglichst zahlreich zu erscheinen. Lankwitz. Am heutigen Mittwoch, abends 8s4 Uhr, findet bei Rettger, Calandrellistraße 27/29, die Generalversammlung des Wahlv-reins statt. Tagesordnung: Abrechnung, Bericht des Bor- ftandes und der Funktionäre. Wahl des Vorstandes und der Funktionäre, Veremsangelcgenheiten und Verschiedenes. Die Wichtigkeil der Tagesordnung erfordert das Erscheinen sämtlicher Mtglieder. Der Vorstand. Britz. Die Genossen werden ersucht, zu einer heute abend stattfindenden Handzettelverbreitung sowie zum Zahlabend recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. Lichtenberg. Die Parteigenossen werden auf den am Sonn- abend, den 11. Fanuar, in den„Prachtsälen des Ostens", Frank- furter All»- 151/152, stattfindenden Unterhaltungsavend aufmerk- sam gemacht. Billetts sind bei sämtlichen Bezirkssührern zu haben. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Grünau. Heute abend findet um 7 Uhr von der„Grünen Ecke" aus eine Flugblattverbreitung statt, an derselben teilzunehmen ist Pflicht aller Parteigenossen. Der Vorstand. FriedrichShagen. Donnerstag, den 9. Januar, abends 9 Uhr, im Saale der Witwe Lerche, Rundteil: Volksversammlung. Tagesordnung:„Das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahl- recht zum preußischen Landtag". Arbeiter! Parteigenossen! Er- scheint zahlreich in der Versammlung. Schmargendorf. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß am Mittwoch, den 9. Januar, abends 7 Uhr, vom Wirthaus Schmargen- dcrf aus eine Handzettel-Verbreitung stattfindet. Die Partei- genossen werden ersucht, sich zahlreich � daran zu beteiligen. Der Vorstand. Potsdam. Am Donnerstag, den 9. Januar, abends 3 Uhr, findet im„Viktoriagarten" eine große Prote st Versammlung gcgen das preußische Dreiklassen-Landtagswahlsvsten, statt. Die Porteigenossen wollen für zahlreichen Besuch der Verssammlung Sorge tragen. Die diesmonatliche Wahlvereinsversammlung findet infolgedessen erst acht Tage später, am Mittwoch, den 15. Januar, statt. Falkcnhagen-Seegefcld bei Spandau. Die erste Generalver- sammlung des neugegründeten Wahlvereins findet am 9. Januar im Vereinslokal lSchöneberyl in Falkenhagen statt. Die reich- haltige Bibliothek befindet stch bei A. Skaruppc, Falkenhagen 4lk.— Am Sonntag, den 12. Januar, öffentliche Volksversammlung im neuen Saal bei Schöneberg; Tagesordnung:„D er Wahlrechts- kämpf in Preußen'. Hierzu Donnerstag von Schöneberg aus Handzettelverteilung. Alle Genossen müssen erscheinen. Der Vorstand. Tegel. Am heutigen Mittwoch, abends 8 Uhr, Handzettelver- tcilung von den bekannten Bezirkslokalen aus. Nachdem Zahlabvnd. Donnerstag, 9. Januar, abends 8 Uhr. Volksversammlung in Trebeschs Festsälen, Bahnhofstraße 1. Parteigenossen! Es ist Eure Pflicht, für Massenbesuch Sorge zu tragen. Der Vorstand. berliner JVaebnebten. Gesindel. Die Kaufmannsgcrichtswahlen in Berlin, die für Handlungs- gchülfen am 9. Februar stattfinden, werfen ihre Schatten voraus. Gegen die Flugblätter, die die klassenbewußte Handlungsgehülfcn- Organisation, der Zentralverband der Handlungsgehülfcn und Gchülfinnen Deutschlands, verbreitet hat, können die gegnerischen Verein« nichts sachlich erwidern, infolgedessen arbeiten sie nach der alten bewährten Methode des Verleumdens. Die Leiter des antisewischen Dcutschnationalen Verbandes haben nicht umsonst während der letzten Rcichstagswahl ihre Organisation in den Dienst des RcichSlügenverbandes gestellt, sie wenden seine Taktik des gewissenlosen Verleumdens auch bei dieser Wahl an. Jedes Mittel ist ihnen recht, und da sie unter Aus- schluß der Oeffentlichkeit agitieren, sind ihre Lügen selten zu kon- trollieren. Gemein und feige, das ist die Devise dieser Herren. In der letzten Nummer der„Brandcnburgischen Wacht" (Berliner Organ des antisemitischen Deutschnationalen Verbandes) muß der Leitartikelschreiber zwar die Tätigkeit der Beisitzer des Jentralverbandcs im Ausschuß des Berliner Kaufmannsgerichts anerkennen, aber herabgesetzt muß der Zentralvcrband doch auf jeden Fall werden, und deshalb werden seine Beisitzer einfach persönlich angepöbelt. Es wird dort gesagt, daß die Beisitzer deS ZcntralverbandeS in einem kleinen Berliner Vorort wiederholt bestraft seien, darunter einer wegen Beleidigung und Wider- stand mit vier Monaten Zuchthaus(1!) und wegen vorsätz- licher Brandstiftung mit fünf Jahren Zuchthaus, Ehrverlust und Polizeiaufsicht. Für wie dumm müssen die geistigen Führer des antisemitischen Verbandes ihre Mitglieder halten, daß sie es wagen, ihnen solche Märchen aufzutischen. Sic sollten doch einmal das Strafgesetzbuch studieren, damit die Strafen, die sie erfinden, auch im Einklang mit dem Gesetz stehen. So sind aber die Größen des antisemitschen Verbandes. Was ihnen a» Geist und Wissen fehlt, ersetzen sie doppelt durch— Wahrheitsliebe. Und wie christlich denken die Herren: Sic wollen Milde walten lassen und den Ort der Geschichte nicht nennen, um die Beisitzer zu schonen. Nur schade, daß es böse Menschen gibt, die behaupten, daß die Herren nur aus Feigheit den Ort nicht nennen, weil sie eine Klage fürchten, bei der sie den Wahrheilsbeweis antreten müßten. Diesmal wird ihnen aber ihre„Anständigkeit" nichts nutzen. Einer der Herren war nämlich noch nicht genug geschult in der Taktik des Ncichslügenverbandcs; er verriet in öffentlicher Versammlung den Ort dieser schrecklichen Begebenheit. Jetzt werden sich nun die früheren Kandidaten dieses Ortes ein Vergnügen daraus machen, vor Gericht von den Herren zu erfahren, wann sie im Zuchthause gesessen haben.— Und nun, ein Schauspiel für Götter! Die ganze vom Reichs- lügenverband gespeiste Presse druckt diese Moritat nach.— Ja. Friedrich der Große hatte doch recht, als er nach der Schlacht bei Zorndorf sagte, mit solchem Gesindel muß man sich herumschlagen.— Nicht immer freilich glückt es, derartige Verleumder für ihr schneidiges Vorgehen zu belohnen; häufig erfahren die Betreffenden gar nicht, daß sie von unsauberen Elementen verleumdet worden sind. Daß aber die stille, ehrabschneidendc Tätigkeit dem anti- semitischen Deutschnationalcn Verbände den gewünschten Erfolg bringen wird, glauben wir noch nicht» Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten-Versamm- lung am Donnerstag, den 9. Januar d. I., nachmittags 5 Uhr. Berichterstattung über die Vorlage betreffend die Einrichtung einer Walderholungsstätte für 209 schwächl'che und schulpflichtige Kinder auf dem. Gelände des städtischen Rittergutes Buch.— Vorlage be- treffend Begründung eines Verkehrsverbandes mit den Vorort- gemeinden.— Berichterstattung über den Antrag von Mitgliedern der Versammlung betreifend die Uebcrnahme von städtischen Ar- bcitcn in eigener Regie der Gemeindeverwaltung.— Bericht- crstattung über die Vorlage betreffend den Abschluß eines Ver- träges mit dem königlich preußischen Fiskus über den ehemaligen Botanischen Garten hicrselbst und die Festsetzung einer neuen Baufluchtlinie für die Grunewaldstraße vorlängs dieses Ge- ländes.— Vorlagen betreffend die Verwendung des städtischen Geländes an der Gcke der Plantagen- und Antonstratze für eine Eemeindedoppelschule— die Anrechnung von Hülfslehrerzeit auf das Bcsoldungsdienstalter der Oberlehrer an den städtischen Gym- nassen, Realgymnasien, Oberrealschulen, Realschulen, Real- gvmnasialklassen für Mädchen und höheren Mädchenschulen— die ileberweisung eines Grundstücks an den Zentralverein der Deutschen Luther- Stiftung— die Freilassung des fiskalischen Grundstückes Am Lustgarten Nr. 5/6 von der Grundsteuer, solange es als öffentlicher Schmuckplatz dient— den Verkauf eines im Dorfe Buch gelegenen, der Stadtgemeinde Berlin gehörigen Grundstücks— das spezielle Projekt für den Bau eines Anschluß- gleises von der Fleischvernichtungsanstalt bei Albertshof nach dem Gutshofc daselbst.— Abstandnahme von der Erbauung von vier Feldscheunen auf den städtischen Rieselfeldern und Verwendung der dafür bewilligten Mittel zum Ankauf von zwei Riesendresch- Maschinen— und den Erwerb einer zur Freilegung der Reinickcn- dorfer Straße erforderlichen Fläche.— Antrag von Mitgliedern der Versammlung betreffend die Ueberwachung der Zahnpflege der Schulkinder in Berlin. Der„Wahre Jakob" ist einen Tag später eingetroffen und ge» langt erst heute zur Ausgabe, was die Leser beachten wollen. Zeichen der Zeit! Bei den Orts-, Betriebs- undJnnungSkranken- kassen Berlins stieg der Mitgliederbestand bis Anfang Dezeniber 1907 auf nahezu drei Viertel der ersten Million, ge- nauer: auf 749 593. Im ganzen hat aber das Jahr 1997 einen ungewöhnlich geringen Zuwachs gebracht; für den Zeitraum von Dezember bis Dezember betrug er diesmal noch keine 13 990 Mitglieder, während in 1996 noch 32 999 Mitglieder, in!995 sogar 48 999 Mitglieder hinzugekommen waren. Man sieht, um wieviel inzwischen der Bedarf an Arbeits- kräften sich verringert hat und Wie sehr die Abwärtsbewegung bereits im Gange ist. Im Kreis- lauf des Jahres hat unter allen Monaten in der Regel der Dezember den höchsten Mitgliederbestand. Aber schon bis Januar vollzieht sich dann ein rascher und so tiefer Absturz, daß die Zahl des Dezembers erst wieder vom Mai an überschritten wird. Wie tief mag diesmal zu Beginn des neuen Jahres der Mitglieder« bestand gefallen sein? Sehr bemerkensivert ist die Tatsache, daß das letzte Jahr der Zahl der männlichen Krankenkassenmitglieder im Endergebnis überhaupt keinen Zuwachs mehr gebracht hat. Einen Zuwachs hat diesmal nur noch die Zahl der weiblichen Mitglieder gehabt. Anfang Dezember 1996 und Anfang Dezember 1997 waren in allen Orts-, Betriebs« und Jnnungskrankenkassen Berlins 479 573 bezw. 479 477 männliche Mitglieder und 266 346 bezw. 279 116 weibliche Mitglieder. Anfang Dezember 1997 stand also die Zahl der männlichen Kassenmitglieder um rund 199 tiefer, die Zahl der weiblichen um rund 13 999 höher als Anfang Dezember 1996. Auch das verdient Beachtung, daß die Gruppe derjenigen Mitglieder, die als freiwillig Versicherte weiterzahlen, stark zugenommen hat, wie das regelmäßig in Zeiten der Beiriebseinschränkungcn und Arbeiterentlassungen zu beobachten ist. Anfang Dezember 1996 und Anfang Dezember 1997 waren die Freiwilligen 14 369 bezw. 15 628 männliche Mitglieder und 23 694 bezw. 26 792 weibliche Mitglieder. Im letzten Jahre stieg ihr Anteil an der Zahl aller Versicherten bei den männlichen Mit- gliedern von 3 Proz. auf jetzt 3lb Proz., bei den weiblichen von nicht ganz 9 Proz. auf jetzt 9'/b Proz. Begehrliche Armenkommissions- Borsteher. Der begehrliche Schiedsmann, über dessen Bitte um Gewährung eines Amtszimmers oder einer Entschädigung für Hergäbe seines eigenen Zimmers die Stadtverordneten in ihrer letzten Sitzung verhandelten, steht mit solchem Wunsch nicht allein da. Das„Gemeindcblatt" des Magi- strats veröffentlicht in der neuesten Nummer das Protokoll der letzten Versammlung der Armenkommissions-Vorsteher. Wir sehen da. daß gleich ein ganzer Armcnkreis, d. h. eine zusammenhängende Gruppe von Armenkommissionen eines Stadtteils, einen Antrag auf„Erhöhung der Entschädigung" eingebracht hat. Eine Entschädigung überhaupt zu fordern, haben die Armen- kommissions-Borsteher nicht mehr nötig; eine solche kriegen sie schon lange, sie beträgt gegenwärtig 25 M. pro Monat. Im Armen- etat wird zwar gesagt, das sei eine„Entschädigung für die mit der Führung des Vorstcheramtcs verbundenen baren Auslagen", in Wirklichkeit aber stellt sich dieser Betrag doch nur als Entschädigung für das hergegebene Zimmer dar. Im 16. Armenkreis war die Mehrheit der Vorsteher zu der Ansicht gelangt, daß die 399 M. pro Jahr noch zu wenig seien, und so wurde von dort aus eine Erhöhung beantragt. Der Antrag hat allerdings in der allgemeinen Vorsteherversammlung noch keine Mehrheit gefunden. Er wurde begründet, und nachdem dann keiner der Antragsteller noch weitere Worte der Empfehlung hinzugefügt hatte— wohl deshalb nicht, weil sie dos nicht für nötig und den Antrag für hinreichend be- gründet hielten—, ging die Versammlung zur Tagesordnung über. Wir zweifeln nicht, daß er wiederkehren wird. Und auch davon sind wir überzeugt, daß eines TageS sich in der allgemeinen Vorsteher- Versammlung eine Mehrheit finden wird, die diese Forderung zu der ihrigen macht. Es wird dann auch nicht mehr lange dauern, bis die Armendircktion, der Magistrat und die Stadtverordneten- Versammlung dem mehr oder minder sanften Druck der not- leidenden Hausbesitzer, Rentiers usw. usw., die die Armen- kommissionen leiten, in williger Gefügigkeit nachgeben und die geforderte Entschädigungserhöhung gewähren. Der Schwatz, daß die Inhaber solcher kommunalen Ehrenämter grundsätzlich keine Entschädigung kriegen sollen, ist zwar in der letzten Stadlverordneten-Sitzung von Rednern des Freisinns wieder vor- getragen worden, um auf gute Manier den begehrlichen Schicds- mann abtun zu können. Aber ernst genommen hat diesen Einwand wohl kein Mensch in der Sladtverordneten-Bcrsammlung. auch reiner der Freisinnigen, schon deshalb� nicht, weil die Armen- kommissions-Vorstcher, wie gesagt, längst eine Entschädigung kriegen und darum keineswegs geringer von ihrer Würde denken. Immerhin berührt es etwas eigentümlich, daß viele Armen- Vorsteher mehr an sich als an die Armen denken. Eine Befür- wortung der Erhöhung der niedrigen Unterstützungssätze wäre eher angebracht. Gegen die Pfefferkuchen-Rcvolution. Am gestrigen Dienstag war bei Hildebrand in der Spandauerstraße„süßer Kehraus", dos heißt Verkauf der weihnachtlichen Pfefferkuchen. Reste zu„Wohl- tätigkeitspreisen", solange der Vorrat reicht. Um 8 Uhr früh hatten sich etwa hundert Personen beiderlei Geschlechts, meistens aus bürgerlichen Kreisen, bei dem Laden eingefunden, und zur Ordnung dieser Leute, die sich durchaus ruhig und gesittet betrugen, war ein sechsköpfiges Schutzmannsaufgcbot zur Stelle. Ein Wachtmeister stand entblößten Hauptes hinter der Ladentür, fünf Schutzmänner bildeten eine dichte Kette über die ganze Seite des Bürgersteigcs hinweg. Und dahinter standen Kopf an Kops die hundert„Pfeffer- kuchen-Rcvolutionäre". So war also glücklich der gesamte Bürger. steig gesperrt. Alle Passanten, die an dieser lebhaften Verkehrs- stelle während der Vormittagsstunden nach vielen Tausenden zählten, mußten den Umweg über den gefahrvollen Fahrdamm machen. Richtiger und einfacher wäre es doch wohl gewesen, der Länge nach nur die Hälfte des Bürgersteiges für die Pfefferkuchen- interessenten zu sperren. Aber„viele Köpfe, viele Sinne"— und deshalb wurde es verkehrt gemacht. Ob nicht zwei Schutzleute für die paar Menschen auch genügt hätten? Der süße Laden der be- sorgten königlichen Hoflieferantenfirma wäre sicherlich nicht ge- stürmt worden._ Der neue OmnibuStarif ist seit dem 1. Januar in Kraft getreten. Bekanntlich hatte die städtische Verkehrsdeputation anfänglich der Gesellschaft auf ihren Antrag zugebilligt, anstatt 5 Pfennig für die Teilstrecke. 6 Pfennig erheben zu dürfen. Die Gesellschaft lehnte dieses Zugeständnis. weil zu geringfügig, ab und es kam durch Vcrmittelung des Polizei- Präsidenten auf dessen Vorschlag ein Tarif zustande, nach welchem die Strecke 19 Pf. kostet, zwei Teilstrecken 15 Pf. und fünf Teil» strecken 39 Pf. Wie nun in einer von Aktionären der Gesellschaft einberufenen außerordentlichen Generalversammlung mitgeteilt wurde, ist die Wirkung dieses neuen Tarifs für die Gesellschaft eine sehr ungünstige. Die Wagen fahren vielfach leer und wo das nicht der Fall ist, macht die Ausgabe der neuen verschiedenartigen Fahr- scheine erhebliche Schwierigkeiten. Es wird so kommen, wie auch schon vorausgesagt wurde, daß die Gesellschaft durch die Aufhebung der Fünfpfennigstrecken schweren Schaden erleidet. Interessant ist aber, daß da, wo die Gesellschaft Konkurrenz hat, noch Fünfpfennig. strecken bestehen. Von dem neuen Tarif der Allgemeinen Berliner Omnibus- gescllschaft werden nämlich drei Linien der Gesellschaft nicht be. troffen. Es sind dies die Linien Nr. 17 Großgörschen-Bahnhof— Dönhoffplatz, Nr. 25 Blücherplatz— Rixdorfer Ringbahnhof und Nr. 59 Blücherplatz-Schöneberger Amtsgericht. Auf diesen Linien gibt es noch die alten Teilstrecken zu 5 Pfennig, und zwar geschieht dies deshalb, weil die Wagen des Berliner Spcditeurvereins, auf denen die ganze Fahrt 5 Pfennig kostet, einen großen Teil derselben Tour durchfahren wie die drei Omnibuslinien. Wenn-die Allgemeine Berliner Omnibusgescllschaft bald nach dem Inkrafttreten des neuen Tarifs diesen durchbricht, so hat sie damit selbst diesem famosen„Tarif" das Urteil gesprochen. Die Verwaltung wird wohl bald zu der Erkenntnis gelangen, daß es das beste für sie wäre, sich mit der Verkürzung der Teilstrecken zu begnügen und auf allen Linien zu dem alten Fünfpfennia- tarif zurückzukehren. Das Glatteis. das sich am Montagabend und nachts bildete, hat schweren Schaden angerichtet, es sind zahlreiche Personen mehr oder weniger schwer verletzt worden. Gegen 9 Uhr abends ging über Berlin ein Gc- witter nieder, welches mit ziemlich heftigem Regen begleitet war. Im Laufe einer halben Stunde wurden sechs elektrische Ent- ladungcn beobachtet, doch konnte der Donner nicht gehört werden. Die kühlen Regentropfen vereisten sofort auf den Bürgersteigen und Stratzendämmen und bedeckten diese mit einer Eisschicht von 2 bis 3 Millimeter Höhe. Für die Straßenpassanten gestaltete sich die Situation außerordentlich gefährlich, da cö'kaum möglich war. auf dem glatten Pflaster zu gehen, und fortgesetzt stürzten Personen zu Boden. Viele Passanten suchten sich dadurch zu helfen, daß sie sich Tücher um die Schuhe banden, um so einigermaßen Halt zu gewinnen. Die Straßenbahnwagen wurden gestürmt, um so mehr, als auch auf der Hochbahn durch die Vereisung der Schienen Kurzschluß und Betriebsstörung herbeigeführt worden war. Auf den Unfallstationen und Rettungswachen hatten die Aerzte und Heilgehülfen ununterbrochen mit dem Verbinden und Schienen solcher Personen zu tun. die bei der Glätte gestürzt waren und Knochenbrüche erlitten hatten. Ferner wurden viele Personen durch Privatärzte behandelt oder nach den Krankenhäusern über- geführt. Soweit es sich feststellen ließ, sind über 190 Personen verunglückt. Infolge der Vereisung der Schienen der Hochbahn trat eine Verkehrsstörung ein, die durch Kurzschluß herbeigeführt worden war. Beim Fahren der Züge entwickelten sich infolge der bei der Vereisung unterbrochenen Rückleitung deS Stromes gewaltige Flammengarben, die dann schließlich Beschädigungen der Leitungen verursachten. Um VAO Uhr stellte sich die Notwendigkeit einer Beschränkung des Betriebes heraus, der um 11 Uhr ganz- lich eingestellt werden mußte. Heute morgen um 4 Uhr konnte der Verkehr wieder in vollem Umfange aufgenommen werden. Eine Ehcdrama. Mit dem Tode eines Ehepaares endete eine Familientragödic, die sich gestern morgen im Osten der Stadt abgespielt hat. In der Voigtstraße 18 wurde die 49 Jahre alte, von ihrem Gatten getrennt lebende Ehefrau Pauline Frick von ihrem gleichaltrigen Manne, dem Tischler Rudolf Frick, erschossen. Nach VerÜbung der Tat tötete sich F. selbst durch einen wohlgezielten Schutz. Familien- zwistigkeitcn haben den Anlaß zu dem Drama gegeben. Ein Raubanfall auf eine.Hausbesitzerin ist am Montagnachmittag ausgeführt worden und wird durch rote Plakate des Polizeipräsidiums weiteren Kreisen wie folgt mitgeteilt: 1990 Mark Belohnung. Heute(Montag) nachmittag gegen 2 Uhr ist auf die Haus- besitzerswitwe Auguste Conrad geb. Röring separierte Otto, den 9. 9. 84 in Berlin geboren, in ihrer Wohnung, Sebastian. straße 71, vorn eine Treppe links, ein Raubanfall verübt worden. Der Täter hatte eS offensichtlich auf die Mictseinnahmen der Frau abgesehen. Mit einem eisernen Instrument, einer Verdeck- stütze für einen sogenannten Gardincnmöbclwagcn, die schon längere Zeit im Freien gelegen hat und an zwei Stellen bereits geschweißt worden ist, hat der Täter der Frau Conrad mehrere Kopfwunden beigebracht. Als Täter kommt offenbar ein mit den Verhältnissen der Conrad vertrauter Mensch in Frage, der gegen 2 Uhr das HauS betreten hat. Er ist etwa 28 Jahre alh von mittlerer Grösse und zeigt ein abgelebtes Gesicht. Er trug einen braunen, steifen Filzhut mit gerader Krempe. Die ausgesetzte Belohnung wird denjenigen Privatpersonen zugesichert, die zweckdienliche Angaben zur Sache machen können. Ter Polizeipräsident, v. Borries. Das HauS, in dem der Anschlag verübt wurde, gehört seit mehr als zwanzig Jahren der Frau Conrad, die früher an einen Haupt- mann verheiratet war. Montagnachmittag erschien in der Wohnung der Witwe Conrad ein Mann unter dem Vorwande, ein Kontor mieten zu wollen. Während die alte Frau sich in ein kurzes Gespräch mit ihm ein- ließ, wurde sie plötzlich von ihm auf das Sofa gedrückt, am Halse gewürgt und dann mit einem Eisenstück auf den Kopf geschlagen. Ter Angreifer hatte aber anscheinend die Energie feines Opfers unterschätzt. Tie alte Frau wehrte sich verzweifelt, und in dem -ningen gelang es ihr, das Eisenstück zu fassen und festzuhalten Zugleich rief sie um Hülfe. Diesen Moment benutzte der Ein. dringling, um spurlos zu verschwinden. Niemand hat ihn das Haus verlassen sehen, die Polizei nahm daher an. dass er sich in dem Gebäude verborgen halte. Er konnte bisher aber nicht ge- funden werden._ Ein neues schweres Perbrechea wird vom Tempelhofer Felde gemeldet. Dort wurde eine Frauens Person unter Umständen tot aufgefunden, die auf einen Mord schließen lassen. Uebcr die Tat werden folgende Einzelheiten ge- meldet: Gestern früh 7 Uhr sah ein Arbeiter, der über das Feld ging, die Leiche westlich vom- Steuerhaus etwa 300 Schritte abseits von der TempeUiofer Strasse liegen und benachrichtigte alsbald die Polizei dcö 31. Reviers. Tie Tote, die zunächst unbekannt war, wurde später festgestellt als eine Obdachlose Antonie Glässer, die am 0. Juli 1887 zu Wirsing geboren wurde. Diese war Stammgast des Tempelhofer Feldes. Nach ihren Erzählungen wohnte sie früher einmal in der Dorkstrasse in erträglichen Verhältnissen. Sie hatte dort eine grosse Wohnung, von der sie abvermietete. Schick salsschläge brachten sie herunter. Nachdem sie eine Zeitlang ver schwunden gewesen war, wurde sie im Oktober v. I. in Tempelhof wieder aufgegriffen und mit der üblichen Verwarnung und der Aufgabe, sich eine Wohnung zu suchen, entlassen. Seitdem wurde sie von Sicherheitsbeamtcn nicht mehr gesehen. Wo sie die letzten Tage gewesen ist. weiss man noch nicht. Der Befund, der sich der Kriminalpolizei darbot, läßt auf einen gewaltsamen Tod und einen Sadisten als Täter schliesscn. Zwischen den Beinen lag die Schuapsflaschc. Die Stiefel waren ausgezogen, das schwarze Tuch- jackett, die Bluse und das Hemd aufgerissen. Die freiliegenden Brüste weisen Bisswunden auf. Male am Halse deuten auf Würgen hin. sie können aber auch von einem fest anliegend getragenen Halstuch herrühren. Ein Weissblau gestreiftes Tuch, anscheinend ein Anstaltstuch, scheint der Ermordeten in den Mund hinein- gcstossen worden zu sein, ob zu dem Zweck, sie am Schreien zu ver- hindern oder sie zu ersticken, bedarf noch der Feststellung. Räch den näheren Feststellungen veröffentlicht das Polizei- Präsidium unter Ausschreibung einer Belohnung von 1000 M. eine Kundmachung, der wir folgendes entnehmen:„Alle Personen, die über die Glässer, ihre Gepflogenheiten, die letzte Wohnung oder ihren Aufenthalt in den letzten Tagen Auskunft geben oder sonst sachdienliche Angaben machen können, werden ersucht, der Kriminal- Polizei oder den Revieren sofort Mitteilung zu machen. Die Bc- lohnung ist. wie die Bekanntmachung weiter sagt, wie üblich, für Privatpersonen bestimmt, die zur Ermittelung der Ucbcrführung des Täters beitragen." Die Leiche wird photographicrt und dann nach der Halle gebracht, weil der Fundort auf Tempelhofer Gebiet liegt. Der Geburtsort der Ermordeten ist nach den neueren Ermittelungen nicht Wirsing, sondern Breslau. Die erwähnten Blutspurcn scheinen von einer Verwundung der betreffenden Körperseitc herzurühren. Das Tuch steckt so fest im Munde, dass es nicht von der Ermordeten selbst hincingenommcn worden sein lcnrn. ES muss vielmehr von einem anderen hineingcstohcn worden sein, und zwar mit grosser Getvalt. Denn die Unterlippe und Fleisch des Unterkiefers sind über die Zähne hinweg mit in den Mund hineingepreßt worden. Nachdem der Erkennungsdienst unter der Leitung des Kriminalinspektors Klatt die photographischcn Aufnahmen gemacht hatte, mußte die Leiche einstweilen noch am Fundort bleiben, weil noch eine Gerichtskommission erwartet wurde. » Der KindeSmord in Charlottenburg. Der Mord an der kleinen Else Miehlke harrt noch immer der Aufklärung. Der Arbeiter Albert Stricker aus der Galvanistrasse, der als verdächtig verhastet worden war, mußte gestern nachmittag wieder freigelassen werden, da er sein Alibi nachweisen konnte. In: Laufe des gestrigen Tages sind alle deutschen Irrenanstalten durch Rundschreiben von dem Verbrechen in Kenntnis gesetzt worden, da von der Polizei mit Sicherheit angenommen wird, dass der Auf- schlitzer geisteskrank und daher schon in einer Anstalt gewesen ist. Ebenso sicher darf angenommen werden, dass sein Anzug bei der grausigen Tat stark mit Blut besudelt worden ist. An der Kreissäge drei Finger der linken Hand abgeschnitten hat sich am' Sonnab�ndnachmittag in der Tischlerei von D i t t m a r, Kadinerstrasse 21. ein junger noch nicht 16jähriger Hausdiener. Der junge Mann sit nun Zeit feines Lebens Krüppel, dem es sehr schwer werden wird, sein Brot zu verdienen. Es ist dies wieder eine neue Mahnung an die in solchen Be- trieben angestellten Zuschneider und Vorarbeiter, einem solchen jungen Menschen Arbeiten an derartigen gefährlichen Maschinen verrichten zu lassen. Schweres Unheil ist Montagnachmittag durch ein führerloses Gespann in der Alexandrinenstrasse hervorgerufen worden. An der Oranienstrahc war dem Droschkenkutscher Bcrgner das Pferd durchgegangen. B., der aus dem Bock gesessen hatte, wurde auf die Strasse heruntergeschleudert und schwer verletzt. Das wilde Tier raste nun weiter und an der Kreuzung der Ritterstrasse fuhr cS in die Familie des Sattlers Elmer aus der Simconstrasse 2l hinein. Während es den Kindern und dem Ehemann gelang, sich noch rechtzeitig in Sicherheit zu bringen, wurde die Frau nieder- gerissen und überfahren. In bewuhtlosem Zustande wurde sie nach der nahen Unfallstation gebracht und nach Anlegung von Not- verbänden in das Krankenhaus am Urban eingeliefert. Sie hatte schwere innere Verletzungen sowie einen komplizierten Unter- schenkclbruch erlitte». Ueberfaliren und getötet. Als gestern nachmittag gegen Uhr der Friseur Bernhard Danicke beim Ueberschreiten des Fahrdammes der Ehristianiastrahe einem Gcschäftswagen ausweichen wollte, wurde er von einem in entgegengesetzter Richtung fahrenden elek- irischen Droschkenautomobil überfahren. Di« Rader gingen ihm über den Kopf und den Unterleib hinweg. Auf dem Wege zum Arzt verstarb der Bedauernswerte. Aus dem Fenster der dritten Etage gestürzt ist im Laufe des gestrigen Nachmittags ein vier Jahre alter Knabe namens Neu- mann, im Hause Putbuserstratze 30 wohnhaft. In einem unbc- wachten Augenblick machte sich das Kind am Fenster zu schaffen, wo- bei es plötzlich in den Hof hinabstürzte. Schwer verletzt wurde der Kleine zu einem Arzt gebracht, wo er jedoch nach kurzer Zeit ver- starbt Die Berliner Zensur, eine der amüsantesten preußischen Ein- richtungen, schien nach ihren letzten heldenmütigen Anstrengungen, die der vergeblichen Rettung der russischen Korruption galten— die Korruption siegte bekanntlich im Reuen Theater— sich verdienter Erholung zu erfreuen. Indes sind nach einem noch nicht zensurierten Sprichwort nur gute Gewissen saufte Ruhekissen. Und so folgte bald ein neuer Streich. Richard Alexander heißt der Unglücks- mann,_ der zum Opfer erkoren wurde. Er hatte ausuahms- weise in seinem sonst französischer LaScivität— wie die guten Patrioten öffentlich sagen, die sich insgeheim so gern daran erfreuen — dienenden Residenztheater eine deutsche Burleske von Lippschitz und Davis herausbringen wollen.„Gretchcn" benamset. Dieses verteufelte Stück, das so unschuldig heißt und in dem von guten Bürgern bevorzugten Wiener Burgtheater bereits einige Generationen— vergiftet hat, gefiel zwar den obligaten Ber lincr Zensoren, wie Direktor Alexander verlauten läßt, nicht aber dem Berliner Polizeipräsidenten v. Borries, der bis zur letzten Minute seines nunmehr doch beschränkten Daseins Pflichteifer l>c- kündet. Also der Herr soh sich die Probe an und verbot. Kategorisch. Denn eö handelt sich um Wohltätigkeitsstistungen in dem Stück, in die gefallene Mädchen kommen. Da besagte Anstalten nach Herrn v. Börnes nicht in einem lächerlichen Licht erscheinen dürfen— was durch die Verwendung auf der Bühne erfolge— so... usw. Außerdem kommt auch eine Erlaucht in— man denke— Gardedukorps-Uniform vor, der sich in eines dieser Gefallenen verliebt hat. Ob so etwas im Leben vorkommt, loiffen wir nicht. Aber auf einer Berliner Bühne darf so etwas nicht vorkommen. Punktum.... LinkSum.. Abtreten I Wegen eines sehr gefährlichen KcllerbrandcS wurde gestern abend um 4 Uhr die Feuerwehr nach der Neuen Hochstr. 30 gegenüber dem Humboldthain gerufen. Tort war in dem Drogcnkeller der Firma R. Riemer angeblich aus Unvorsichtigkeit Feuer aus- gekommen, das an den Vorräten, besonders aber an Terpentin, Kienöl, Benzin usw. sowie an den Regalen und dem Hausrat reiche Nahrung gefunden hatte. Als die Feuerwehr erschien, war die Situation schon eine kritische. Das Treppenhaus ivar total verqualmt. Die Hausbewohner fühlten sich beunruhigt, weil ihnen der Ausgang versperrt war. Um die gcängstigten Personen vor unüberlegten Schritten abzuhalten, ließ Brandmeister Steiner Mannschaften über Hakenleitern vordringen und Luft machen Beim Vordringen zum Brandherd wurde ein Feuerschutzanzug sFeuertauchcr) mit Erfolg benutzt. Durch energisches Wasscrgebeu gelang cS schliesslich, den Brand auf den Keller zu beschränken, der fusshoch unter Wasser stand. Gleichzeitig wurde ein großes Löschaufgebot nach der Zossener. strasse 35 entsandt, weil von drei Seiten Alarme einliefen. Dort stand ein Schaufenster in Flammen. Fünf Berbandsbllcher des Deutschen HolzarbcitervcrbandeS sind am Sonnabend, den 4. Januar, verloren gegangen. Der Finder wird gebeten, dieselben bei Eschcnfeld, Kleine AndreaLstrasse 21, abzugeben. Fcuerwehrbericht. In der letzten Nacht hatte die erste Kam pagnie einen grossen Brand in der Dircksenstrahe 12/13 zu löschen. Dort stand um 2 Uhr neben dem Polizeipräsidium ein Stätteplatz in Flammen. Alte Schuppen und Hölzer usw. brannten dort. Durch kräftiges Wassergebcn mit drei Schlauchleitungen gelang es. die Flammen auf dem Platz, der dem Fiskus gehört, und einen Stein des Anstosses bildet, zu beschränken. Die Entstehung des Brandes ist nicht ermittelt. Um 1 Uhr nachts kam am Kottbuser Ufer 44 Feuer aus, wobei Gardinen, ein Tannenbaum u. a. in Brand gerieten. Gestern früh um 7 Uhr brannte Baerwaldstrasse 04 ein Bohlenbelag, Korkenvcrpackung u. a. Terpentinöl wurde in de: Ritterstrasse 78 ein Raub der Flammen. In der Ackcrstrasse 31. Flensburgcr Strasse 25, Buchholzer Strasse 2 und anderen Stellen muhten Wohnungsbrände gelöscht iverde«. Ferner wurde die Wehr nach der Hochstrasse 32b, Boigtstrasse, dem Michaelkirchplatz(Bc dürfnisanstalt), und anderen Orten gerufen. Vorort- JVadmehtens Schöneberg. Stadtverordnetenversammlung. Einen st ür mischen Verlauf nahm die erste Sitzung des neuen Jahres. Aus den Vorgängen läßt sich mit Sicherheit schliehen, dass auch die kommenden Sitzungen ein gleiches Bild geben werden. Die Stadtverordneten waren vollzählig erschienen. Die Einführung der neu- rcsp. wiedergewählten Stadt- verordneten übernahm der Oberbrügermeistcr Wilde. Er wies bei dieser Gelegenheit darauf hin. dass die Stadtverordnetenbersamm lung jetzt auf ein lOjährigcs Bestehen zurückblicken könne. Die Ein- wohncrzahl Schünebergs habe sich in diesen 10 Jahren von 70 000 auf 101 000 vermehrt. Der Haushaltsplan schloss im ersten Jahre mit 5 Millionen Mark ab, während für 1008 21 Millionen Mark angesetzt sind.— Insgesamt wurden 27 Stadtverordnete verpflichtet, darunter 15 neugewähltc. Ten letzteren gehört auch unser Genosse MolkcnbuHr an. Zum B o r st e h e r wählte die Versammlung den Stadtverord neten Lohausen(Liberale Vereinigung) mit 33 gegen 20 Stimmen, die auf den Stadtverordneten Rhcinbacher(Liberale Fraktion) fiele». AIS Stellvertreter wurde Stadtverordneter Hepner (Unabhängige Vereinigung) mit 35 gegen 28 Stimmen gewählt. Als Beisitzer wählte die Versammlung die Stadtverordneten Band- mann(Liberale Vereinigung) und Marre(Unabh. Vereinig.), und als deren Stellvertreter die Stadtverordneten D ä u m i g(Soz.) und Knorr(Unabhängige Vereinigung). Die aus acht- zehn Mitgliedern bestehende Liberale Vereinigung hatte somit die Mehrheit bei der Besetzung des Bureaus ganz ausgeschlossen. Der Stadtverordnete Dr. Bossberg(Lib. Fralt.), der das in einem Zwischenruf treffend kcnnzcichucte, erhielt vom Vorsteher dafür sofort den ersten Ordnungsruf. Es folgte darauf die übliche Rede des Vorstehers mit dem Kaiserhoch. Der Stadtv. Gottschal!(Lib. Frakt.) protestiert dagegen, dass der Vorsteher in dieser Rede sich im Namen der Versammlung für eine Einverleibung der Vororte in Berlin ausgesprochen habe; das sei nicht der Wille der Versammlung. Bei dieser Kritik der Rede des Vorstehers erhielt der Stadtverordnete Dr. Voßberg den zweiten Ordnungsruf. Der Vorsteher glaubte diesen OrS- nungsruf noch mit einer besonderen Mahnung bekräftigen zu müssen. Er erlaubte sich sogar zu erklären:„Wer sich rcni- tent benimmt, wird an die frische Luft gesetzt!" Diese Worte riefen langandaucrnde stürmische Szenen hervor, man fordert« den sofortigen Abtritt des Vorftehers. Eine lange und heftige Debatte schloss sich an diesen Vorgang. ES zeigte sich, dass der »cugewählte Vorsteher der ungeeignetste Mann au diesem Posten ist. Die Redner der liberalen und der sozialdemokratischen Fraktion gingen mit dem Vorstelicr scharf ins Gericht. Sie wiesen darauf hin. daß er die Geschäftsordnung mißbrauche. Der Vorsteher bc- rief sich auf den ß 48 der Städteordnung, der ihm seiner Meinung nach das Recht gebe, schärfere Massnahmen gegen einzelne Stadl- verordnete zu unternehmen. Unsere Genossen Magna» und Molkenbuhr zeigten an der Hand der Geschäftsordnung, daß diese Drohungen keinerlei gesetzliche Unterlagen haben. Der Bor- steher nehme sich ein Recht heraus, das er nicht besitze. Die Liberale Fraktion verlangte, dass der Vorsteher Abbitte leiste. Der Herr blieb aber fest; er hatte ja oie Mehrheit hinter sich, die ihm in seinem geschästsordnungswidrigcn Vorgehen zur Seite stand. ES wurde dann zur Bildung des Wahlausschusses ge- schritten. Demselben gehören an: 4 Mitglieder der Unabhängigen Vereinigung, 2 Mitglieder der Liberalen Vereinigung, S Mitglieder der Liberalen Fraktion und 2 Sozialdemokraten.(O b st und Wollermany)� ' Tie regelmässigen Sitzungen sollen auch im kommenden Jahre des Montags abgehalten werden.— Es folgte die Beratung des sozialdemokratischen Antrages: „Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat, Auskunft zu geben darüber, ob und wann die von der Versammlung einstimmig angenommenen Anträge zur Schaffung von A ö't- standsarbeiten sowie Errichtung einer Wärmchalle und Untcrkunftsräume für städtische Arbeiter verwirklicht werden." Die Dringlichkeit dieses Antrages wird von der Versammlung anerkannt. »tadtrat W a l g c r erklärt, dass sich der Magistrat bereit? mit den Anträgen beschäftigt habe. Tie Deputation des städtischen Arbcitsnachtveiscs sei der Errichtung einer Wärmchalle schon Mitte Dezember näher getreten. Tie Mehrheit der Teputation war aber !>cr Ansicht, dass die Arbeitslosigkeit und die Kälte noch nicht gross genug sei. um die Wär:nehalle zu errichten. Die Angelegenheit sei deshalb aus 4 Wochen vertagt worden. In dieser Woche werde aber eine neue Sitzung stattfinden, um die Sache zum Abschluß zu bringen. Stadtv. F r i tz s ch(Soz.) erklärt sich von der Antwort des Magistrats nicht befriedigt. Er findet cS unbegreiflich, wie man die Verzögerung derartig begründen könne. Wenn im Magistrat so weiter gearbeitet werde, so wird es Mitte Mai oder Juni werden, che die Wärmchalle geschaffen sei. Redner vermißt auch in den Er- klärungcn des MagistratsvertreterS die Auskunft, wie es mit der Schaffung von Notstandsarbeiten und Untcrkunftsräume» für die städtischen Arbeiter stehe. Stadtv. Dr. Voßberg(Liberale Fraktion) schließt sich den Ausführungen des Vorredners an. Redner macht besonders den Stadtrat Walger für die Verzögerung dieser Angelegenheit vcrant- wortlich. Stadtrat Walgcr meint, dass man mit der Errichtung der Wärmehalle noch Zeit genug habe. Die BedürfniSfragc fei für Schöneberg noch nicht entschieden. Betreffs der Notstandöarbeiten l)abe der Magistrat den einzelnen Deputationen den Auftrag ge- geben, sich mit der Beschaffung derartiger Arbeiten zu beschäftigen. Stadtvv. D ä u m i g(Soz.) und H o f f ma n n(Soz.) ver- urteilen ebenfalls das langsame Arlx'iten des Magistrats in dieser Angelegenheit und fordern eine Beschleunigung. Sic erwarten, dass der Magistrat in der nächsten Sitzung mit entsprechenden Vorlagen kommt. Sodann kamen nicht weniger als vier Anträge betr. Vocbc- reitungen zur Wiederwahl des Oberbürgermeisters Wilde zur Beratung. Einige der Herren Antragsteller wollten diese Angelegenheit jedoch in nichtöffentlicher Sitzung erledigen. Die Mehrheit entschied sich jedoch für eine Beratung in öffentlicher Sitzung. Nachdem die Vertreter aller bürgerlichen Fraktionen ihre Lobcshymncn auf den Oberbürgermeister beendet hatten, bc- schlössen sie, am 20. Januar die lebenslängliche Anstellung des Ober- bürgcrmcisters beschließen zu wollen. Die jetzige Amtszeit� wäre erst in 2 Jahren abgelaufen. Schluß der öffentlichen Sitzung um 12*i Uhr. Treptow-Baumschulenwcg. Im Ortsteil Baumschulenweg ist das Einwohnermeldeamt B, Kiefholzstrasse 181, zu einem Zweigbureau für kleinere Polizei- angelegenheitcn crlveiiert worden. Insbesondere werden daselbst entgegengenommen: Vorbereitende Anträge, wie z. B. Anträge auf Erteilung von Abzugsattestcn, Patzattesten, Heimatsscheinen, Jagdscheinen, Wandergcwcrbescheinen, Führungszeugnissen, aus Gewährung von Alters- und Invalidenrente, auf Erstattung der Hälfte des Wertes der für die Invalidenversicherung verwendeten Beitragsmarken, Fundauzeigen und dergleichen. Ferner werden daselbst Radfahrcrkartcn, Arbeits- und Dienstbücher. Arbeitskarten und Lebensatteste ausgestellt, Unterschriften beglaubigt und kleinere Genehmigungen angefertigt. Das Zweigburcau ist an den Wochentagen von S Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags geöffnet; an Sonn- und Feier- tagen ist das Bureau geschlossen. Charlottenbnrg. I» der Lehrlingßvermittelung dcö städtischen Arbeitsnachweises Ebarlottenburg ist im Interesse einer fachgemäßen Auswahl von Lehrstellen die Einrichtung getroffen, daß die zur Entlassung kommenden Schulkinder zur frühzeitigen Angabe ihres bcab- sichtigtcn Berufes veranlasst werden. So sind schon jetzt Knaben angemeldet, die für Ostern 1008 eine Lehrstelle suchen, und zwar nicht nur in den stets begehrten Mctallgcwcrdcn(als Eleltro» techniker, Mechaniker, Maschinenschlosser, Klempner), sondern auch im Baugewerbe(als Maurer, Zimmerer. Stukkateure) sowie als Tischler, T a p e. zierer, Glaser. Schlächter, Schneider, Schuh- macher, endlich als Kaufmann und Schreiber ufw. Auch haben sich eine Anzahl Mädchen gemeldet, die eine Lehrstelle als Schneiderin, Putzmacherin, Buchhalterin. Ver- küuferin suchen, sowie auch solche, die bereit sind. Dienst- boten st ellcn anzunehmen, in denen sie für den bäuslichcn Beruf ausgebildet werden. Die Vcrmittclung im städtischen Arbeitsnachweis Charlottenburg, Kirchstrasse 5. i» der Nähe der Luiscntirche, sowie in der Zweigstelle für weibliches Hauspersonal am Wittenbergplatz 4, Ecke Bayreutherstrasse 8, ist für beide Teile kostenlos. Friedrichshagcn. Bei einem heftigen Zusammenstos) eines Straßenbahnwagens mit einem Berliner Geschäftsfuhrwcrk auf der Köpenickerstrassc erlitt der Kutscher Röder schwere Verletzungen. R. befand sich vorgestern nachmittag auf der Fahrt von Friedrichshagen nach Berlin, als das vor dem Geschäftswagcn befindliche Pferd plötzlich scheute und unmittelbar vor einem entgegenkommenden Zug der Köpenick«! Straßenbahn zur Seite bog. Der Wagen schleuderte, Ol. stürzte vom Bock, und zwar so unglücklich, dass er zwischen seinen eigenen Wagen und den Strahcnbahnwagen geklemmt lvurdc. Er erlitt schwere innere Verletzungen und mutzte nach einem Krankenhause übergeführt werden. Die beiden Wagen blieben unbeschädigt. Spandau. Dem Landrat von Hahnko ist das Landratsamt im Kreist Ost- Havelland übertrage» worden. Wasterstaudv.Rachrichte» der Landesanstalt I'lr Kewässertunde, milgetcilt vom Berliner Nettcrbureau. Wasserstand Memel, Tllfi, Pregel. Jnftcrdurg W e i ch I e l, Thor» Oder, Ratibor « Krassen . Fransturt Warthe, Schrinnn . Landsderg Netze. Vordamm Elbe, Leitmeritz » Dresden » Barby » Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau , Rathenow') Spree, Sprcmberg , BeeStow Weser, Münden , Minden Rhein, NaximillanSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbroim Main, Werlhetm Mosel, Trier >)-f bebentet Wuchs,— Fall.—') Uniervegel.—•) EiSstand. — ff Eis durch SiSdampser ausgebrochen.—") Schwacher Grundeisgang. —') Grundetsgang— 0 Schwache» Treibet».—•) Treibeis.—• Starke» Treibeis- Donnerstag, den S. Januar, abends 8 Uhr: Volks-Versammlungen I. Kreis Drasels Festsäle, Neue Friedrichstraße 36. II. Kreis Kliems Festsitte, Hasmheidc 13-1? Zählte, Dennewitzstr. 13, III. Kreis Armin-Hallen, Kommandantenstr. 68-69. Gewerkschaftshmls, Engelufer 15. IV. Kreis Urania, Wrangelstr. 9. Drachenburg, Vor dem Schlesischen Tor. Boekers Gesellschastshaus, Weberstr. 17. Elyfium, Landsberger Allee 40-41. Kellers Feftsäle(Jnh. Freyer), Koppenstr. 29. Markgrafen-Säle, Markgrafendamm 34. n. Kreis Altes Schützenhaus, Linienstr. 5. VI. Kreis Fröbels Allerlei-Theater, Schönhauser Mee 148. Bernhard Rose-Theater, Badstr. 58. Fritz Wille, Brunnenstr. 188. Norddeutsche Brauerei, Ehausseestr. 64. Raabes Salon, Kolbergerstr. 23. Pharus-Säle, Müllerstr. 142. Moabiter Gesellschastshaus, Wiclefstr. 24. T elto w-Beeskow Adlershof. Beyer, Bismarck-Straße 10. Alt-Glienicke. Witwe Haberecht, Friedrichstr. 2. Britz. Landhaus, Ehausseestr. 97. Charlottenburg. Volkshaus, Rosinenstr. 3. Friedenau. Rhemschlotz, Rheinstr. 60. Grünau. Jägerhaus, Bahnhofstr. 1. Johannisthal, Senftleben, Friedrich- und Köpenickerstr.°Ecke. Köpenick. Stadttheater, Friedrichsttaße. kanksssitz. Bräuert, Marienfelderstr. 17a. GreN-kichterleide. Kaiserhos, Am Kranoldplatz. Klariendort. Purschke, Ehausseestr. 305. Nieder-Schöneweide. Restaurant Hafselwerder. Nowawes. Singer, Priesterstr. 31. Rixdorf. Hoppe, Hermannstr. 49. ii Thiel, Bergftr. 151. Schöneberg. Obst, Meininger Straße 8. Steglitz. Birkenwäldchen, Schützenstraße. Tempelhof, Wilhelmsgarten, Berliner Straße 9. Treptow-Baumschulen weg» Wernicke(Restaurant „Zur Rennbahn"). WiimersdoHf. Luisenpark, Wilhelmsaue 112. Königs-Wusterhausen. Wedhorn(Altes Schützeich.) Zehlendorf. Gesellschastshaus, Karlstraße 12. Nieder-Barnlm Friedrichshagen. Witwe Lerche(Bürgersäle), Rundteil. Lichtenberg, Prachtsäle des Ostens, Frankfurter Allee 151. Gher-Schöneweide. MörnerS Blumengarten. Pankowi zugleich für Nieder«Schönhausen u. Franz.* Buchholz, in Pankow„Zum Kurfürsten", Berliner Str. 102. Reinickendorf. Wilhelmsruh, Restaurant„Seepark". Reinickendorf*Ost, Marktstraße 2—3. Rummelsburg. Witwe Weigel, Türrschmidtstraße 45. Tegel. Trebesch�s Festsäle, Bahnhofftraße 1. Weißensee. Schloß-Restaurant, König-Chaussee. Tügeg-OrdMg in allen Uechaimlnugen: „Der Mahlrechtskampf in Urenßen." Die Referenten werden in den Uerfammlungen bekanntgegeben Wilmel«0 Fl«m, nieiiit i> Wch», es H«M jich m Gin W! vle vinboruter. Grmlchlne Krtskr»ilkriksjjlk für U-Miimersiililf miii Wgegklid. DeKanntmachung. K rank env er Haltung�-Vorschriften. §!. Die Kranken haben den Vorschriften dcS Arztes unbedingt Folge «u leisten; insbesondere ist ihnen nicht gestattet, außerhalb der von dem Arzir genehmigten, aus dem Krankenschein vermerkten Ausgchzeil ihre Wohnung zu verlassen. § 2. ,TÜr die Dauer der Krankheit dürfen von dem erkrankten Mitgltedc keinerlei Arbeiten oder die Genesung hindernde Handlungen vorgenommen werden. H 3. Der Besuch von Schankstätten ist im allgemeinen verboten, ebenso ist der Gebrauch von nicht ärztlich verordneten Medikamenten und der Genuß Nicht verordneter Spirituosen unrcrsagt. § 4. Den mit einer Legitimation des Vorstandes versehenen Kranken- besuche»» ist der Eintritt in die Wohnräume der Kranken jederzeit mit Ausnahme der Nachtstunden von abends 9 bis morgens 6 Ubr zu gestatten. Denselben muß der Krankenschein vorgelegt und jede Auskunft erteilt werden, welche aus die Krankheit Bezug hat. Den Krankenschein hat der Kranke, außer wenn er sich zum Arzt oder zur Kasse begibt, in der Wohnung zurück- zulassen, damit der Krankcnbesucher, wenn er den Kranken nicht antrifft, sich von der bewilligten Ausgehzcit überzeugen kann. Z b. Jedes erkrankte Kasscnmitglicd hat die Beendigung seiner Krankheit unter Beisugung des Krankenscheines, in wclchcin der Tag der Genesung vom Kassenarzt vcnuerkt ist, innerhalb zweier Tage nach dem Tage der Genesung beim Kasscnoorstande anzuzeigen. tz 6. Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Vorschriften werden mit Ordnungsstrasen bis zum dreifachen Betrage des täglichen Krankengeldes sür jeden einzelnen Ucbcrtrctungssall geahndet. Wiederholte Zuwider. Handlungen ziehen sofortige Einste, erung in ein Krankenhaus nach sich. Ausgefertigt aus Grund beS Beschlusses der Generalversammlung vom 19. Dezember 1907. D e u t s ch- W i I m e r s d o r s, den 27. Dezember 1907. Der Borstand. Genehmigt: P. H a n u s ch k e, Vorsitzender. Deutsch- Wilmersdorf, den 31. Dezember 1907. Der Magistrat. I.. 3. S t e> n v o r n. 270/3 Oderbmeher Tettgänse u. Stopfgänse!! täglich frisch und in großer Auswahl. 208/19 Qänsefleiseh mit Smira o W. 70 jlf. Gänsefleisch«h»r ßfulm(%«,'')»W. 40 Pf. Glinisiekleln usw. ?rima Qänseschmalz,°"rei.'.',°" a W. l,20 M. yroße geräuekerle yänsekeuien zum Rohessen, a Stück 70 Pf. Anerkannt ff. GilnMeleberwurttt a Psd. 2 M., Würstchen znm Warmcssen 3 Paar ÄS Pf. und 3 Paar 80 Ps. Hermann Leißner, Berlin C., Klosterstr, 95, Eckhaus Kaiser-Wilhelm- Str. IL Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Ptg, Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.» das erste Wort (fettgedruckt) 10 Ptg. 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Dravp, Slctttnerstt. 10. Kart MarS, Lqchenerstt. 123. Karl Weifte, Nnzarethkirchstr. 49. L. Dechand, Ruheplatzstr. 24. H. Vogel. Lortzingstr 37. A. Dieft, Jnvalidenstt. 124. Xordsvesten: Karl Anders, Salzwedelerstr. 8. W. Schrolle, Gotzkowskysw. 29. l�iidrvesten: H. Werner, Gneisenauitr. 72. H. Schröder, Hagelbergerstr. 27. tzzaden: St. Frift, Prlnzenstr. 31. F. Gutschmidt. Kottbuscr Damm 8. Südosten: Paul Böhm, Lausitzcr Platz 14/15 P. Ho.,ch, Engel-User 15. Oknrlottenknrxf: G. Scharnverg, Sesenheimerstr. 1. �riedriekskerjx: C. Settel, Kronprinzenstr. 50. Klxdorf: M. Heinrich, Ncckarstr. 7. Eonrad, Hcrinannstr. 50. hnnimelsdur/x: A. Rofeiikranz, Alt-Borpagen 56. * Mchöneber�: Wilh.Bäumler.Marlin Luther ftr.51. >VeiUense.e: K. Fuhrmaii», Scdanstr. 105. Jul. Schillert, König-Chauffee 39a. Neinleleendorr: P. Gurfch, Provinzflraßc, Ecke Grünerweg. Dreptov: 245/2» R. Gramenz, Kiesbolzstr. 412. verantwortlich« Redakteur: Hans Weber, Berlin, Für de» JnseratenteU vercmtw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Bttlag: VorirärtS Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW» Nr. 6. 25. luljrgatuj. 3. SrilU des Jotmätts" KnlimWMM Mitwolh, 8. Januar t908. Soziales. Ablehnung des LaudratS durch Dr. Pape. Der besoldete Gemeindeschöffe Dr. jur. Pape in Wcißensee ist durch die Eigenmächtigkeit und Eigenartigkcit bekannt geworden, mit der er dem Gesetz zuwider als Borsitzender des Gewerbegerichts und als Kommissar für Krankenkassenängelegenheiien zuungunsten der Arbeiter Verfügungen traf. Wir haben über dieselben seinerzeit eingehend referiert. In den zuständigen Gerichtsinstanzen ist be- kanntlich das Verhalten des Dr. Pape gegenüber dem Krankenkaffen- vorstand als gesetzwidrig anerkannt worden, die Staatsanwaltschaft hatte ein Einschreiten gegen ihn als Vorsitzenden dcS Gewerbe- aerichtS wegen Amtsmistbrauchs abgelehnt. weil die subjektiven Momente eines strafbaren Tatbestandes fehlten. Die ver- schiedenen Konflikte des Herrn mit den, Krankenkassen- vorstände. mit Parteien. die bor dem Gewerbegericht ihr Reckt suchten, und mit Gemcindevertretern und mit der Geminde- Verwaltung führten dazu, datz Dr. Pape schliestlich von Amte sus- pendiert und aus halbes Gehalt gestellt wurde. Am Montag fand in dem Disziplinarverfahren der e r st c T e r m i n vor dem Kreis- ausschust deS Niederbarnim er Kreises statt. Bei Eintritt in die Verhandlung lehnte der Angeklagte den Vorsitzenden Landrat Graf v. Rödern als befangen ab. v. Rödern hat, als indirekter Vorgesetzter des Dr. Pape, gegen diesen auch das Untersuchungsvorfahren geführt und Dr. P. glaubt an das Vor- handensein einer persönlichen Animosität. DaS Gericht hob infolge- dessen den Termin aus. Hätte Dr. Pape den AblehnungSanttag vor dem Termin ge- stellt, so hätte bereits am Montag in der Sache selbst verhandelt werden können. Welche Fälle im einzelnen dem Dr. Pape im Disziplinarverfahren zur Last gelegt sind, war nicht zu ennitteln. Ausländische Arbeiter in der schlcsischen Landwirtschaft. Im ß 4 des Jnvalidengesetzes wurde bekanntlich bestimmt, dast ausländische Arbeiter, z. B. Russen, die als Arbeitskräfte nur für eine bestimmte Dauer im Jnlande beschäftigt werden dürfen, der Versicherungspflicht nicht unterliegen Eö sind dies die sogenannten „Erntearbeiter", die nur„kurze Zeit" beschäftigt werden sollen. Eine genaue Kontrolle ist wohl nie durchgeführt loorden, denn unsere Agrarier sind wahrheitsliebende Staatsbürger, ihr„Ehrenwort" genügt. Aergerlich genug für sie, dast sie auch noch die Hälfte der Jnvalidenbeiträge zahlen müssen, während der ausländische Arbeiter von Beiträgen verschont wird, weil er ja nicht als Versicherter gilt. Man hört aber selten, wie groß die Zahl dieser„Sachsengänger" des Auslandes ist. Deshalb ist eine Mitteilung des letzten Ge- schäftsberichtes der Landesversicherungsanstalt„Schlesien" doppelt interessant. Es heistt da auf Seite IS dieses Berichtes:„Für Aus- länder auf Grund des§ 411 deS JnvalidenversicherungsgesetzcS sind 1 334 MS halbe Wochenbeiträgc im Werte von 104 42S,SS M. entrichtet worden, so dast die Einnahme auS diesen Beiträgen um 27 67 7 Mark gegen die des Vorjahres gestiegen ist. Hiernach sind für ausländische Arbeitskräfte in der schlesifchen Landwirtschaft ZM Prozent mehr an Beittägen zur Invalidenversicherung aufgewendet worden als im Vorjahre. was auch durch die nachstehend mitgeteilte Anzahl beschäftigten Personen und deren längere Beschäftigungs- dauer bestätigt wird." Nach erfolgter Auszählung waren am 1. Juni 1906 beschäftigt im Regierungsbezirk Breslau.. „ Liegnitz.. „ Oppeln..____ Zusammen 39 445 Ausländer „gegen das Vorjahr 13,4 Prozent mehr, wobei die Zu- nähme hauptsächlich auf den Bezirk Liegnitz entfällt. Die durch- schnittliche Beschäsrigungsdauer betrug hiernach 34 Wochen, also durchschnittlich fünf Wochen länger als im Bor- jähre."! Unsere Agrarier bringen alles fertig. Und die Arbeitslöhne? Berechnet man die obigen Zahlen, so ergibt sich ein Wochenbeitrag von sieben Pfennigen (Vij von 14 Pf.)— weniger als l.ZO M. Tagclohn! Zur Heilbehandlung der Trunksucht. Bekanntlich lehnen es die meisten Landesversicherungsanstalten entschieden ab, die Heilbehandlung Trunksüchtiger zu übernehmen. Erst die letzte Konferenz der südwestdeulschen Versicherungsanstalt zu Karlsruhe verhielt sich noch ablehnend dieser Frage gegenüber. Da- gegen stellte sich die Versicherungsanstalt„Württemberg" auf den entgegengesetzten Standpunkt und hat„die Fürsorge für Trunk- süchtige grundsätzlich für zulässig erklärt". Sie macht„nur" den Vorbehalt,„dast AlkoholiSmuZ mit Veränderung von Intelligenz und Charakter ausgeschlossen sein soll" I! 16 387 Ausländer 11293 11 76S Von einer Uebcrnahme des Heilverfahrens der Trunksüchtigen kann man deshalb, trotz aller schönen Worte des Geschäftsberichts dieser Versicherungsanstalt, doch da nicht gut reden. Wirklich Trunk- süchtige haben sicher schon ein gut Teil von„Intelligenz und Charakter" verloren. Laut Bericht ist auch nur in fünf Fällen bis jetzt das Heilverfahren übernonrmcn worden. ES handelte sich um zwei Schreiner, einen Fabrikarbeiter, einen Packer und einen Koch. Hier- von waren vier untergebracht in einer Trinkerhcilstätte und einer in einer anderen Heilstätte.„Die Kur dauerte in eincmFall drei Monate, in eincmFall vier Monate, in zwei Fällen sechs Monate und in einem Fall neun Monate." ~m Durchschnitt kamen auf einen Fall rund 470 Mark Pflege- ten". Und das Resultat?„Von den fünf Pfleglingen sind vier no ch erwerbsfähig und in ihrem alten Beruf tätig, ein Pflegling muhte invalidiert werden. Im ganzen sind die gemachten Erfahrungen befriedigend." Die Versicherungsanstalt gewährt deshalb den Anstalten,„welche sich die Bekämpfung des übcrmästigen Alkoholgenusies zur besonderen Aufgabe gemacht haben", Darlehen zu dem Zinsfüße von 3 Proz. Den Familiengliedern der in Heilbehandlung genommenen Alkoholiker wurde regelmästig die gesetzliche Unterstützung gewährt.«Die b e- teiligten Krankenkassen zeigten srch stets bereit, das entsprechende Krankengeld zur Verfügung zu stellen!" WitterungSdberslch» vom 7. Januar 1908. Statt««» iL E ÜS «s a >«>— - 1:l B e je � Ib •tttei Swtnnnde j 747 W Hamburg 75t WSW sierlw!752W Kraiih.a Vi 760® München(764®® Wien 764 WSW 4 Regen "bedeckt 4 bedeckt 6 Regen 6 bedeckt 1 Nebel »s c e- » ü 5** 4 4 4 1 1 -8 Etattauen L e i S »= I I Haparanda 747 N Petersburg 742 NO Scilly(754 WSW .'lberdeeo 1 751 WNW Part» 763 SW WeUee Mä e» -t! ßj? ti s 4ivolkenl—17 2 Schnee—14 5 wolkig 1 wolkig 4 bedeckt Wetterprognose für Mittwoch, de« 8. Januar 1008. Ein wenig kühler, zeitweise ausklarend, vorwiegend trübe mit Nieder- schlagen und lebhaften südwestlichen Winden. Berliner Wetterbnreau. gut oen Juvali ort Juicruie kberiiimm» sie Nedattiou dem Publittn» gegenüber keinerlei Beraiittvortung. Cbcatcr. Mittwoch, 8. Januar. Anfang 7>/a Uhr. König!. Opernhaus. Der Evangeli- mann. Köntgl. Schauspielhaus. Auf Riffenskoog. Drutiches. Was ihr wollt. Kammcrspiele. Katharina, Gräfin von Armagnac.(Ans. 8 Uhr.) Aniang 8 Uhr. NeueS kgl. Operuthrater. Fidello. Lorfitna. Der Trompeter von säkkingcn. Berliner. Blaubart. Neues Schauspielhaus. Zwischen Ja und Nein. Nachmittags 3 Uhr- Frau Holle. Lesstug. Die Stutzen der Gesell- schaft. Neues. Rudolf Schlosser. Kleines. Mandragola. Sitdlie,«•(WnUitct-Theater.) Die Hermannsschlacht. Schiller Charlottenbnrg. Philister. Die Lore. Friedrich- üSilhelmstödt. Schau- spiclhaus. Kriemhilds Rache. Westen. Ein Walzerttaum. Nachmittags 4 Uhr: Hansel und Gretcl. Dhearcr an der Spree. HokuZ- polus. .Komische Oper. Tiefland. Zentral. Frau Wartens Gewerbe. Residenz. Ganz der Papa. Luisen. Cyprienne. Luftib tel Ii»«s. Husarenficver. Trianou. Fräulein Josette— meine Frau. Thalia. Die gelbe Gcsabr. Bernhard Roic. Die Geisha. Bürgert. Schauspielhaus. Zwischen zwei Herzen. Earl-Haverlaiid> Theater. Spe» zialitäten. Mriropoi. DaS muß man sch'n. »lpollo. Hymack. ha bcUe Alexia. GcnIcL. Walhalla. Svezialitäten. Folics Gaprice. Mal waS andres. Dunkle Punkte. Eine anständige Frau. Gedr. Herrnfcld. Papa und Ge- Nossen. Parodie. Zapsenstrcich. Tannhäufer. Monna Wanna. Kasino. Bicderlcuie. Wintergarten. Robert Sleidl. Spe- zialitäten. Pasinge. Die Nagenden Engels- köpfe. Spezialitäten Borusiia- VariEtE, Ackerstr. 6/7. lopczialitäten. Neichshatten. Slciliner Sänger. Ilruiiin. Tnudeiisirasic 4N/49. 8 Uhr! Kairo und die Pyramiden. Sternwarte, Jiivalidenttr. 57/62. verZiner Theater. Caatsniel d. Neuen Operetten-Theaters. Abends 8 Uhr: Blaubart. Sonnabend, 11. Jan., nachm. 3 Uhr: Till Eulenspiegel. P> eise um die Hälfte ermätzigt. Neues fdesler. Anfang 8 Uhr. l�uäolf Lehlosser. Donnerstag: Rudolj Schlosser. Hieraus: Vision her Salome. Vom 14. bis 17. Januar: Gastspiel Elconora Düse. Kleines Thealer. Wends 8 Uhr: Agnes Sorma. Mandragoia. Donnerstag: Mandragola. Freitag: Zum 1. Maw: Der König Candaulcs.(AgneZ Sorma.) Sonnabend: Mandragola._ Thealer des Westens. 8 Uhr: Ein Wulzertranm. Operette von Oskar Straust. Sonntag nachm. 3'/, Uhr halbe Preise: vi« Instiir« Wttwe- Friedrich-Wilhelmstadtisches Schauspielhaus. Ansang 8 Uhr. Kriemhilds Rache. Donnerstag: Jugend von heute. uaoend: In Ver- Freitag. ttctung. ponuo LortÄng-vper. ßelte-Atllnneesti'nUe 7—8. Mittwoch, 8. Jan., abends 8 Uhr: Der Trompeter v. Säckingeu. Donnerstag TL Uhr: Die Zaubcr- flöte. Freitag 8 Uhr: Die Entsühnuig aus dem Serall. bustspivlbaus. Abends 8 Uhr: Husarenfieber. Residenz-Theater. — Direktion: Richard Alexander.— Ansang 8 Uhr. Ganz der Papa. Schwank in 3?lrtcn von MarS und Dcsvalliercs. Dcuisch v. M. Schönau. Baron des Llubrais: blich. Alexander. Sonntag, den 12. Januar, nachm. 3 Uhr: Habe» Sie nichts zu verzollen?__ ZentralsTheater. Gastspiel des Hcbbel-TheatcrS. Abends 8 Uhr: Frau Warrens Gewerbe. Drama in 4 Akten von Bcrnh. Shaw. Luisen-Theater. Reichenbergerstr. 34. Abends 8 Uhr: Cyprienne oder: Wir lasten uns scheiden. Donnerslag: Cyprienne oder: Wir lassen uns scheiden. Freitag: Erziehung zur Ehe. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Max und Moritz. Abends: Der Leier- mann und sein Pflegekind. Sonniag»achin. 3 Uhr: Romeo lind Julia. Llbcnds: Cyprienne oder: Wir kästen uns scheiden. Montag: Cyprienne oder: Wir lassen uns scheidet». MW WIM Kr. Friinktiirleritr.>32. Gastspiel des Zentral- Theaters: VI««vistin. Ansang 8 Uhr.— Wochentagspreise. Donnerstag: Die Verlobung im Bett. Die oberen Zehntausend. Trianon- Theater. �6 fräiilein Josette- meine Frau. Sonntag nachm.: Cyprienne. Sciilller-Tlieater. Schiller- Theater 0. iWallucr-Tdeaier). Mittwoch, abends 8 Uhr: Hvninnnn8«cI,Incbt. Ein Drama in 5 Auszügen von Heinrich v. liUeist. Donner Slag,abindS8Ubr: l'dlltstei». Hieraus: vi« l,ore. Freitag, abendS 8 U b r: »tv Hcnniannssoblncbt. Schiller-Theater Charlattenburg. Mittwoch. obendS S Uhr: Philister. Lustspiel in 3 Aufz. v. Joh. Wiegand. Hieraus: IMo Lore. Komödie in 1 Akt v. O. E. Hartleben. Donnerstag, abendSSUhvt Kollege Crumpton. Freitag, a b e n o S 8 Uhr: »er Revisor. �eliiller-Saal /Schiiler-Theater� \ Charlottenbare Mittwoch abends 9 Uhr: Vortrag von Fritz Stahl: Rembrandt (1. Teil). Erster Zyklus: Klassiker der bildenden Kunst. Freitag abends 9 Uhr: Vortrag von Dr. Paul Erttl i Bruckner. Erläutert durch Instrumentalmusik. Anton Zirkus Schumann Heute Mittwoch, den 8. Januar, abends 7'/, Uhr: Große Vorstellung hervorragendes Programm, sowie die ganz vorzügliche KOnstler-Familie Klein. Um'/alO Uhr, Ende gegen ll Uhr: Amerika cur Zeit der Sklaverei 1863 in 5 Alten, hierzu ISv mitwirkende schwarze Leute. (Me SraMatastrophe in einem Hotel auf dem Kroadwny in Nern Norli. Eine natürliche Tampfspritze in voller Tätigkeit. Bollständig neue, feenhafte Licht- und Wastereffekte. XJ11. Saison. Zirkus BaNch Mittwoch, den 8. Januar 1906, abends VI, Uhr: GroBe Vorstellung. Austr. b. Herrn KommissionsratS Guet. Stenebeck, Dir. d. Berliner Tallersalls als Gast. Gros. Clar- konians auS Amerika als Gast. DaS phänomenalste aus dem Ge- biete der Lustarbeit. The liremo Tamiig,>0 Personen, steil! Mist Ella, Taiijscilkünsllerin. Neu! Herrn E. Schumann, Ncudrestur. Frl. Estcllc Preval, Schulreiterin. Um'1,10 Uhr: Auf der Hallig! Gr.Manegc-Ausst.-Pant d. Zirkus Busch in 4 Bild. Gas Geheimnis der tauchenden Sirenen� Theater nn der Spree f KSpenlckerttr. 68, dicht am Bahnhof JannowitzbrÜcko Täglich 8 Uhr; ! „HoKuspoKus' NeueBetlinerPosso m.Ucaaug u. Tanz von Louis Uerrmann. Neui Neui AufschrlftL od. teleph. Bestell. (IV, 2535) werden d. Billets iu Berlin u. sämtl.> ororten gesen Nacbn.(ohne Jede Preieerhöb.) in die Wolmongcn geschickt! Das grössfte. Zugstück der Saison. Fröbel5 Allerlei-Theater Schönhauser Allee 148. Mittwoch, den 8. Januar 1908: Gastspiel des Bernyose-Ilieaters. Liane, die zweite Frau. Schauspiel in 5 Allen nach d. gleich- namigcn Erzählungen v. E. Marlitt i. d.„Gartenlaube" v. P. Blumenreich. Kasteneröffnung 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Programm der Attraktionen OV und Novitäten.~WM Abends 8 Uhr: La He lleila, KÄ Wataraato"'SÄ.'Lli'r4 'Jtf Hymack-WU der Manu auit den Handschiiheit. dtirxivart vontes in seinem Skeisch: vi« Opernproh«. Die 3 goldenen Jnngfrauen. Kasino-Theater. Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr: Nur noch bis Donnerstag. den ist. Jaunar: »ivdvA'Kente. Frettag. 17. Januar: Zum 1. Male: Die Freuden der Häuslichkeit. Sonntag 4 Uhr: Nick Eartcr. VycniöMa SlkirieieMeakr Ind.: J. I-cschhoavakl. Ackerstraße 6-7. Täglich: Theater- und Spezialitäten- Vorstellung. Anftret. r. 15 Künstler-Spczialit. Urania Wißsenschaftliohes Theater. Taubens tr. 48/49. Abends 8 Uhr: Kairo und die Pyramiden. Melropol-Theater Anfang präzise 8 Uhr. Gr. Revus in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt von Direktor Biobard Scnultz. G. Wseber, F. Massary, BJannaiid. Bender, Joseph! etc. Rauchen gestattet. Sonntag, den 13. Jannar, nachmittags 3 Uhr: Die Herren von Haxim. Gebr. Herrnfeld- Theater. 57 Kommandanten straße Nr. 57. »Inf. 8 Uhr. Barverkauf 11-2 Uhr. Die von der gesamten Presse als ersolgreichster Schlager bezeichnete Novität: Komödie tn 2 Akten m. d. Autoren Anton und Donat Herrnseld in den Hauptrollen. Vorher: �iadsnie Wig-Wag. Morgen: Dieselbe Borstellung. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Maherhains. Theater Celles Caprice Llnienatr. 132, Ecke Friedriohstrafie. Berlins Tagesgespräch! Kai was Anderes. Revue in 3 Bildern. Dunkle Punkte. Eine anständige Fran. Anfang 8 Uhr. Montiplati,. JMf. imlheatGrsaal tagllCnsS und das pßartlge Januar-Programin. Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf. Im unteren ttonzerlsaal täglich die allerersten Ulttititr- Kapellen: Becker, Przywarski, Görstch, Neumam,, Osteney, Lüttich. iL alkalla. Variefe-Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Wends 8 Uhr: Das große Programm. Die erste Sensation im neuen Jahr: Der Kraitjoogieur Acosta. W elektrische Sterne musikalisch AuSstattungsakt. nestram, Komiker. Prolongiert I Prolonglett I Vt Akrobaten I.orch IS. 46 Varl6t6kUnstler. Tunnel: RegimentSkavellc, Tiroler. Theaterbesuchern freier Eintritt. Parodie-Idealer. Dresdenerstt. 97.'Ansang 8 Uhr. Vorletzte Woche."M« Zum 63. Male: Ztapfenstrolola. Tannhäuser* Monna Vanna. Berliner illk-Trio. Felix Scheuer U Stiilitnliritr.l. Snglisehen Unterricht, einzeln und im Zirkel, erteilt 3S37L* üestnid Swienty, Schöncbcrg, Sedanstrahe 57, III. freie Vereinipng der Maurer Deutschlands Orfsverein Berlin. 129; i Sonnabend, den II. Januar, In den Gesamträumen der Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10— 11t Großer Kostüm=Ball. Die Säle sind entsprechend dekoriert. Die Musik wird von Mitgliedern des Verbandes der Zivilberufsmusiker ausgeführt. Kaffcepaneo von IS— ll Uhr. Billett 50 Pt. Anfang 9 Vhr. Billett 50 Pt. Bude??? Dio verehrten Gäste werden gebeten, möglichst in SommertoileUe zu erseheinen. Es ladet freundlichst ein Das Komitee. Rixdorfer Theater Bürgersäle, Bcrgstrasie Nr. 147. Mittwoch, den ö. Januar 1308: Schauspiel in 4 Akten o. Henrik Ibsen. Ansang 8 Uhr. Neues Programm. Ruth St. Vincent Gesangskünstlsrtn. Kaufmann-Truppe reizende Radfahrkünstlerinnen. Eoohez Aflcn Oer Affe als Kapellmeister, Roheit Steidl der beliebte Humorist, und viele andere erstklassige Spezialitäten. i üS3üE555flÄ5>änn5ÄSX5Ä3aj Passage-Theater. Abends 8 Uhr: Die Tochter des Herodias. Cavaltere Girotto The 6 Jdols. Rudolf Mälzer. Die singenden Engelsköpfe., W.�foacks Theater Dtretliu» Hob. Olli. t>rn»»enNr In. Der größte Ersolg der Saison. In der Irre. Schauspiel n.d.glelchn...Morgenpost-- Roman. Ansang 8 Ubr. Entree 30 Ps. Ehren- und VorzugSkartcn gültig I Donnerstag: Geld und Name Achtung! Achtung l Hesenleger und Kulfsarheiter Berlins. Am Tonnerstag. de» S. Januar 1S08, abends 8 Uhr, in den„Musikersälcn", Kaiser-Wilhelm-Straße lßrn: Oeffentliche Uersammlung. Z TagcS-Ordnung: Die Ablehnung der Verhandlung mit unserer Tarifk-immission vor dem Einignngs- amt des Gewerbegerichts seitens des„Verbandes der Flicsengeschäfte Berlins". AUT- Kollegen I Erscheint in dieser Versammlung Mann sür Mann. Die Wichtigkeit der Tagesordnung liegt cui der Hand.__[281/6]_ Die Tarifkommission. I. A.: O er m. P u t t I i tz. Zentralnerband der Töpfer Bentseblands == Male Serlin.= Den Kollegen zur Kenntnis, daß die am Donnerstag, den 9. d. M., stattfindenden Bezirksversammlungen pr'izitc 7(Ihr eröffnet werden, damit die Tagesordnung bis'/z9 Uhr erledigt ist und die Kollegen die Protest- Versammlungen noch besuchen können. 102/l Die Versammlungen für Kömxs-Wusterlmusen und Spandau finden am Donnerstag nicht statt; die für Könixs-Wusterfiausen ist am frcitag, den 10.'Januar._ Die Verbandsleitung. Reichshallen-Theater. r sanier, Anfang: Wochentags 8 Uhr. GonntagS 7 Uhr. Sanssouci sfe Sireltion: Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag, Donnerstag: und Tanz. Stets wechselndes Programm! Sonntag Beginn 5 Uhr. Wochentags 8 Uhr. alast-Theater Data Burgstrahe S4. Heute 8 Uhr-MW IM- Lntrev£0 Pf. Der Januar- Spielplan. Ees 4 Orans. Paul Richard. Manöverliebe. Burleske. Spottbillig!! Land- u. 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Wer ein LieWer von Vögeln ist. dem wird setzt Gelegenheit ge. boten, in der am 16. Januar statt. findenden IMF* Groben"WB Berliner Vogel-iolin (ein Glück oersuchen. Nur sehr wenig Lose und grotze Cdancen. In der v. 4.— lt. Januar Rosenthaler«tr.11.12fiQt1finbciiben Ausstellung können die Gewinne besichtigt werden. l.o»e A 50 PI., Porto und Liste 30 Ps. extra sind in Lotterie» und Zigarrengeschästen �lr.kM.WU�go°' zu baden_ �92/ 1 0» -«er je« j« Ntll! Elegliilt! Intkrtssaut! Täglich Vorstellung von 6— ll Uhr. Sonntags von 3—11 Uhr. Berlin II. Den Mitgliedern zur Nachricht,| dag daS langjährige Mitglied, der Dreher Hugo Arold nach schwerem Leiden im 3ö.LebcnS- jähre verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 253/1 Die Lrtsverwaltnng.! Verband der Sattler. ===== Ortsvcrwaltung Berlin.====== Die zum Donnerstag, den S. Januar, angesetzten Branchenversamnrlungcn d« Tllschtn-, Koffrr- und Galauterikbranllje, der Teppichnäher nild i'inolenmleger und der Mllgtndranchk fallen der Partewersammlungen wegen diesmal aus. 166/4__ Die Ortnverwaltnng. Deutschlands. l2ah,»,«>llo Berlin) Sezirksversammlungen: Rp'/ieL- f Donnerstag, den S Januar, nachmittags S Uhr, OCllFK 1. bei Plelicbe. valdftr. 8. 7 Freitag, den 10. Januar, nachmittags 5 Uhr, 1» bei Obiglo, Zchwedterstr. 23—24 7 Freitag, den 10. Januar, nachmittags S Uhr. »» bei Krans, Dunckerstr. 8. 4 Donnerstag, den 9. Januar, nachmittags 5 Uhr. • bei l-ltfln, Memelerstr. 67. 5 Freitag, den 10. Januar, nachmittags 5 Uhr. • bei Bercht, Rittcntr. 75, 4» 74/3 Freltag. den 10. Januar, uachmittagS 5 Uhr. bei Höckel. Kaiser-Wilbelin-Straste 18n Die Ortaverwaltnng. Allen Freunden und Bekannten die traunge Nachricht, daß unsere Tochter Trencken plötzlich gestorben ist. Die Be- erdigung smdet DonnerStagnach- mittag 4 Uhr aus dem Michael- Kirchhos. Mariendorfer Weg, stall. Die trauernden Hinterbliebenen. Fam.Snniniee, Lübbenerftr. 13. Danks>agn»g. Für die zahlreichen Beweise berz- licher Teilnahme bei dem Hinscheiden meines innigstgelieblen Mannes Otto Kraune sage ich hierdurch allen lieben Per- wandten. Freunden und Bekannten, besonders den Herren Ehess der Firma Hirsohhorn sowie dem gesamten Per- sonal meinen liesgesühltcstcn Dank. Hedwig Krause geb. Scholler. Danksagung. Für die rege Beteiligung und die reichen Kranzspenden bei der Beerdi- gung meiner lieben Frau i�uiss Rochau sage ich allen Verwandten und Be kannten meinen herzlichsten Dank. 2400b Karl Rochau nebst Kindern. Dr. SimmeS Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. PrinzenstMUXutz. 10—2.5— 7. SonntajfB 10—12,2— t. Verwaltung Berlin.----------- Donntrstag, den 0. ianuar, abend* pdnktllch 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshause, Saal 1:_ ipF* Versammlung."WW l. Vorlrao de« Herrn Grünspan über»Flüssige Luft, die Wctt bei 190 Gr»d Külte«, a Geschästliche». -- Gaste willkommen."Wt_ SO/1 Dei Zahlreichen Besuch erwartet »«i» Vorstand. .. R�uchvr'Sie Pnanouien ■ � ifearettg'-' � felztnaren direkt aus der Fabrik, auch im Einzel verkauf zu Engrospreisen. IStolas, Kolliers, Hullen, sehr schick garn., llamenhiite. gare«*, Herren-, Knaben- und Mädchen. Garnituren, FuBsteke, Jagdtaschen, Poletepp. Sämtl. gangbaren Pelzarten a. Lager. Große Auswahl. Beste« Material. F. Kaiman,'Sr jewi nur Kouiuiaudaiitenstr. IS. I, gegenüber Beuthsw., beim Dönhossplatz. Verkauf bis 0 Uhr abends. Sonntags geöffnet. Telephon I 3Sl7.« Keine Bazarware, leine Reisemuster oder sogenannte Gelegenheitskäufe, trotzdem billiger f Haoen Sie Stoff? > ich rertiffr iafon Anzug od. P*/eto i 1 nach Mosa, schick, daurrh. Zatattn, I nonZO Mtrh an. 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Sonntags geöfinet 8—10, 12-2 Uhr Ich wiederhole meine Bitte, zum Einkauf in meinem Geschäft möglichst die Vormittagsstunden zu wählen, da nachmittags zu stark.Andrang. SozlaliiBnioki'äiiseb.WabiyereiB liixclorf. TodcH-Anzclge. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Sattler Päiiz flecker (20. Bezirk) verstorben ist. Ehre seinem Audeukcu! Die Beerdigung findet Witt- J wech, nachmittags 3'/. Uhr, von 1 der Leichenhalle des neuen Rix- I dorser Friedhofes, Mariendorser Weg, aus statt. Um rege Leleiligung ersucht ! 234/1 Ter Vorstand. Verband der Sattler Ortsverwaltung Berlin. Am 4. Januar verstarb nach langer, schwerer Krankheit unser Mitglied 156/3 Paul Hecker (Werkstatt Neust, Jnh. Trutz). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 8. Januar, nach- mittags Z'/z Uhr, von der Leichen- Halle des Rixdorfer Kirchhofes (Mariendorser Weg) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Watüverein für Britz. Todes-Anzeige. Den Genossen zur Nachricht, dast unser Mitglied, der Schristsetzer Max Koch am Sonnabend, den 4. Januar, plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mittwoch nachm. 3 Uhr von der Leichenhalle des Heilig Kreuz- Kirchhofes(Mariendorf) aus statt. Die Genossen, welche an der Beerdigung teilnehmen, werden ersucht, sich um'1.2 Uhr bei Weniger, Werderstraste, zutreffen. 202/1 Der Vorstand. Zentralverband der Töpfer Deutschlands. Filiale Berit■. Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht. dast am 6. Januar der Kollege krsnx Pohl (Bezirk Schönhauser Vorstadt) im Aller von 52 Jahren an Lungenentzündung verstorben ist. Ehre seinem Andeute« k Die Beerdigung findet am Donnerstag, 9. Januar, nachm. 3 Ubr, von der Leichenhalle des Kirchhofes der Gethsemane-Ge- meinde in Nordend auS statt. 192/2 Der Borstand. Deutsches iMetallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berttu. Todes- A nzeige. Den Kollegen zur Nachricht, dast | unser Mitglied, der Gürtler Otto Zorn | gestorben Ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung flndel heute i Miitwoch, den 8. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen alle des Heiligkreuz-Kirchhofes Mariendörs, geldslrastr. au» statt. Rege Beteiligung erwartet U0t3 Die Ortsverwaltung. b Zentralverband deutscher Textilarbeiter. Filiale Uerlla. Dodesauzeige. Am Sonntag, den 6. Januar, früh 3 Uhr, verstarb nach zwei- mdrigem Leiden unser lieber Kollege jj Georg Treue iih 47. Lebensjahre. Ehre fclneni-Andenke»! Die Beerdigung findet an: Donnerslagnachmittag 2 Uhr vom Trauerhause aus. Krön- vrinzeliltr. 47 in FricdrichSberg. auf deni neue» Lichtenberg« Friedhos statt. 197/2 Um rege Beteiligung ersucht 110« Vorstand. Danksagung* Für die Beweise herzlicher Teil- nähme bei der Beerdigung meines lieben Manne», Vater» und Sohne«, des Tischlers MarUn Broda sagen wir allen Kollegen, Bekannten und Vcrivandten, insbesondere der Direktion und de» Kollegen derAItien- gesellschast sür BauauSjührunaen unseren imrigsten Tank. 2407b tzVw, Broda geb. Sobcck, ZI alter mid Soliu and Verwandte. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Sc Co., Berlin SVV»