Nr. 7. RbonntmtntS'ftdingungen: /UonncmcnJä- Preis pränumerando, Vierleljährl. 3.30 MI., monatl. t.lv MI.. »vöchentkch LS Psg. frei ms Haus. Einzelne Nummer Z Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter SonntogS. Beilage»Die Neue Welt" 10 Psg. Pofl- Sibonncment: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen m die Post-Zeitungs- Drcislisle. Unter Kreuzband lür Deutschland und Oesterreich< Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonnementZ -.tijuun an:»elgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. CrMxlit UgN» ioCti Blontäat. Berliner Volksblnkk. 25. Jahrg. vie lniertiottz- Gebühr beträgt für die fcchsgcspaltene Kolons» zcUe oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gcwcrlschastliche Vereins« und Vcrsammlungs-Anzcigcn 30 Psg. „Uteine Jänreigen", daS erste(fett« gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaj- stcllen-Anzeigcn das erste Wort 10 Psg.. jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 8 Uhr nachmittags in der Expedition »bgcgcbcn werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Delegramm. Adresse: „S«zlal4(fli«brit RcrliD". Zentralorgan der rozialdcmokratifcbcn parte! Deutfcblands. Redaktion: SM. 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1983. Szepedirisn: SCQ. 68, Ltndcnatrass« 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1984. Das Avgeardnetenhans der Urwilegierten wird am Freitag- mittag 12 Uhr über das Uecht des Uaikes beraten! Entrechtete! Zeigt heute abend durch den Massenbesuch der MahlrechtsNersammlnngen Gnern nnerschnttertichen Witten, Ener unverkürztes Uecht zu erringen! Wahlrecht und Zunker. In der Einleitung zu seiner Geschichte der französischen Revolution 1789 bis 1814 schreibt der liberale französische Geschichtsschreiber F. Sl. Mignet: Sobald eine Reform notwendig geworden und der Augenblick ihrer Durchführung gekommen ist, so hält sie nichts auf und alles toird ihr förderlich. Glücklich dann die Menschen, wenn sie sich verstehen können, wenn die einen abträten, was sie zu viel haben, wenn die anderen sich mit dem begnügten, waö ihnen fehlt; die Revolutionen verliefen friedlich und der Geschichtsschreiber hätte weder Ausschweifungen noch Unglück zu berichten. Er brauchte nur zu zeigen, wie die Menschheit klüger geworden ist. freier und glücklicher. Aber bis jetzt bieten die Jahrbücher der Völker, wenn es sicki um Opfer handelt, kein Beispiel einer solchen Klugheit; wer Opfer bringen sollte, verweigert sie; wer sie wünscht, dringt sie ab, und daS Gute geschieht wie das Schlechte durch Anwendung der Gewalt und mit der Roheit widerrechtlicher Eingriffe. Seit Mignet jene Sätze niederschrieb, sind über 80 Jahre vergangen, und die Welt hat eine lange Reihe neuer re« volutionärer Kämpfe erlebt. Doch noch immer gilt Mignets Wort, daß die Bevorrechteten sich nicht dazu zu verstehen vermögen, Rechte, die unhaltbar geworden sind, freiwillig ab« zutreten. Noch immer spotten die Herrschenden der Lehren der Geschichte, und wie früher schieben sie die zur Notwendig- keit gewordenen Reformen weiter und weiter hinaus, bis endlich die Gewalt die Rolle der Geburtshelferin übernimmt und nun mit revolutionärem Griff auch manche jener Ein- richtungcn vernichtet, die wahrscheinlich, wenn die Geburt des neuen Rechts auf dem Wege der Refonn erfolgt wäre, sich noch längere Zeit gehalten hätten. Das neueste Beispiel dafür bietet Rußland. Wäre die Verfassung des 17. Oktober vor zwei Jahrzehnten erlassen und wäre sie von der russischen Bureaukratie— was allerdings in Anbetracht des korrupten Charakters dieser Menschensorte kauin als wahrscheinlich angenommen werden darf— loyal durchgeführt worden, so würden Rußland voraussichtlich nicht nur die jetzigen inneren Wirren» sondern auch die Menschenopfer auf den mandschurischen Schlachtfeldern er- spart geblieben sein. Auf dem Wege zum modernen Rechts- staat hätte es seine Machtstellung im europäischen Völker- konzert behalten, während es jetzt nahezu ausgeschaltet ist. Heute ist es zu dieser Verfassung schon zu spät. Die aufgepeitschte revolutionäre Energie verlangt weit größere Zugeständnisse als den Oktobererlaß und mag auch augenblicklich eine gewisse Ermattung die nissischen Volkskämpfe unterbrochen haben, so ist es doch nichts als eine lächerliche Illusion der russischen Staatskurpfuscher, wenn sie vermeinen, auf der Basis des Oktobererlasses oder gar einer noch inhaltsloseren Scheinkonstiwtion das Land in ruhige Bahnen zurückleiten zu können. Nur eine der konservativen Parteien Europas hat he- wiesen, daß sie ein gewisses Verständnis für die Unaufschieb- barkeit notwendiger Reformen besitzt und daß sie versteht, sich dann, wenn Äenderungen des bisher geltenden Staats- rechts nötig geworden sind, nicht nur den drängenden Fordeningen der Zeit anzupassen, sondern sogar selbst die Durchführung der Reform in die Hand zu nehmen: nämlich die englische konservative Partei. Mehrfach hat sie im letzten Jahrhundert, besonders unter Disraelis Leitung, ihre Kraft für die Erweiterung der politischen Rechte der ärmeren Volksklassen eingesetzt. Be- kanntlich war es ein konservatives Kabinett, das 1867 in Großbritannien das sogenannte Haushaltungsstimmrecht durchführte. Als zu Ende der 50 er Jahre des vorigen Jahrhunderts die Wahlrechtsbewegung in England ein- setzte und am 1. März 1860 Rüssel und darauf am 12. März 1866 Gladstone dem englischen Unterhause ein die Ermäßigung des Wahlzensus forderndes Gesetz vorlegte. opponierten zwar zunächst die Konservativen; nachdem sie dann aber durch die Wahlen zur Herrschaft gelangt waren, die Agitation für die Wahlrechtsänderung das Land aufwühlte, und es in London zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Volk und Polizei kam, da griffen die leitenden Staatsmänner des konservativen Kabinetts selb st zu einer gründlichen Wahlrechts- änderung. Am 18. März legte Disraeli dem Unterhause ein Reformgcsetz vor, das alle früheren liberalen Forderungen weit hinter sich ließ, indem er den Wahlzensus vollständig abschaffte. Am 13. Juli 1866 passierte, von Disraelis Energie geleitet, das Gesetz im Unterhause die dritte Lesung, und am 15. August erlangte es durch königliche Genehmigung Ge- setzeskraft. Preußens Junkertum hat jene tiefere Einsicht indiestaatlichenEntwickelungsbcdingungen nie besessen. Zähigkeit und Hartnäckigkeit im Kampfe für seine politischen und materiellen Interessen sind ihm nicht abzusprechen: aber es hat keinen Politiker hervorgebracht, der sähig gewesen wäre, über die Augenblicksinteressen seiner Kaste hinweg die Entwickelungsbedingungen des Staates zu erkennen und die Tagesfragen unter, dem Gesichtswinkel des allgemeinen Geschichtsverlaufs zu begreifen. Engherzig jede Machtposition verteidigend, ohne Verständnis für die Volks- secle wie für die Entwickclungstcndenzen der Gegenwart, steht das preußische Junkertum heute noch auf jenem Niveau der politischen Auffassung, auf dem vor Beginn der französischen Revolution die französische Aristokratie stand. Wie diese die Stimmung des französischen Bürgertums nicht begriff, wie es verächtlich auf den Krämer und Handwerker und den vcr- tierten sronpflichtigen Bauern herabsah und sich dem Glauben an die Festigkeit der Staatsmacht überließ, so verlacht auch heute der Junker die Ansprüche der arbeitenden„Kanaille" und rechnet darauf, daß, wenn diese sich einfallen lassen sollte, zu raisonnieren, die Repetiergewehre sie bald zur Raison bringen würden. Und doch könnte das preußische Junkertirm, wenn ihm nicht seine Selbstsucht den Blick trübte, aus der Geschichte lernen, wie wenig Flintenschüsse und Bajonette über- lebte Einrichtungen aufrecht zu erhalten vermögen, und wie schnell sich oft revolutionäre Umschläge vollziehen. Wie sicher und unantastbar erhaben über das Bürgertum fühlte sich nicht die französische Aristokratie, als an dem sonnigen Frühlingstag des 4. Mai 1789 der Zug der Depu- tierten sich zur Ludwigskirche bewegte. Keiner dieser hoch- adeligen Herren sah in seiner angeborenen Weisheit die Dinge voraus, die wenige Monate später über Frankreich herein- brachen. Sie fühlten sich so sicher, so selbstbewußt, daß sie höhnisch jede gemeinsame Beratung mit dem dritten Stand ablehnten, und die getrennte Beratung und Abstimmung nach Ständen als unveräußerliches selbstverständliches Standes- recht verlangten. Und drei Monate später war ihre Kraft bereits gebrochen! Der Hof mit seiner aristokratischen Gefolg- schaft hatte nicht nur vor dem aufständischen Pariser Volk kapitulieren müssen, auch die von den adeligen Gutsherren wegen ihrer sklavischen Unter- würfigkeit verachteten Bauern hatten sich erhoben. In den östlichen und mittleren Teilen des Reichs: im Elsaß, in der Franche Comtä, in Burgund, der Dauphins, Beaujolais. in der Auvergne: überall gingen die Schlösser des Adels in Flammen auf. Zu starken Rotten ver- einigt, zogen die Bauern von einem Herrenhof zum anderen, vernichteten die Feudalurkunden und brannten die Adelssitze nieder, so daß, als am 4. August 1789 die Nationalversamm- lung sich mit den Vorgängen zu beschäftigen begann, die Ver- nichtung der alten Feudalherrlichkeit tatsächlich bereits voll- zogen war, und die Deputierten eigentlich nichts mehr zu tun hatten, als diese Vernichtung rechtlich zu sanktionieren. Vielleicht wird das preußische Junkertum den Vergleich mit der Aristokratie Frankreichs als eine Herabsetzung seiner Charaktereigenschaften und seiner Bedeutung für den preußi- schen Staat betrachten. Wann hätte auch eine herrschende Kaste, inochte ihre Existenz auch bereits zun, ollgeincin fühl- baren Hindernis jeder gesunden Entwicklung geworden sein, sich nicht als absolut unentbehrlich für das Wohl und den Bestand des Staates betrachtet? Im Grunde besteht jedoch kein zu großer Unterschied zwischen beiden Kasten, und es ist mehr als wahrscheinlich, daß unter Berücksichtigung der ver- schiedenartigen Gesellschastsverhältnissc der Geschichte einst das jetzige preußische Junkertum weit mehr als„p a r a s i t i s ch" gelten wird, denn der französische Adel zu Beginn der großen Revolution. Zwar besitzt das preußische Junkertum 1, i ch t mehr das Privilegium der Steuerfreiheit, wenn auch der grbße ländliche Grundbesitz vielfach steucr- politisch begünstigt ist: aber wie einst die Aristo- kratie in Frankreich, besetzt es fast aus- schließlichallchöhercnVerwaltungS.', Mili- tär- und Hofämter, und während der fran- zösische Adel bloß die gutsuntertänigen Bauerna usbeutete. lebt heute das preußische Junker- tum nur noch aus Kosten des ganzen arbeitenden Volkes» das ihm in Form von Liebesgaben, Zoll- erhöhungeu, künstlich bewirkten Preis- steigerungen der landwirtschaftlichen Pro- dukte usw. härtere Fronden leisten muß, als ein st der fro„Pflichtige Bauer Frankreichs der französischen Aristokratie. Und diese Kaste, die nur noch künstlich durch der Volksmasse abgezwackte Sub- sidien erhalten wird, macht dieser selben Masse das Recht der Anteilnahme an der Gesetz- gebpng, das Recht der legislativen Ver- tretung ihrer Interessen streitig! DaS ist eine der seltsamsten Anomalien des heutigen Staatslebens, Aber wenn es auch bisher der Junkerschaft gelungen ist, sich im preußischen Abgeordnetenhaus die herrschende Stellung zu sichern und das arbeitende Volk von der Vertretung feiner Interessen im Landtage auszuschließen, so ist cö dennoch eins recht gefährliche Illusion der Herren, wenn sie meinen, es werde ihnen auch ferner gelingen. Die preußische Arbeiter- klaffe hat die stetige Verhöhnung und Verletzung ihrer Lebens- interessen in dem preußischen Junkerparlamente satt. Eis fordert dieselben Rechte, die in den süddeutschen Parlamenten die Arbeiterklasse bereits errungen hat— und sie wird ungeachtet alles Wider st rebens der Land- und Schlotjunker diese Forderung durch- setzen? Stetig schreitet die wirtschaftliche Entwickclung vorwärts, die Industrie, das städtisch gewerbliche Getriebe werden zu immer wichtigeren Faktoren des Staats- und Wirtschafts- lebens. Und zugleich mit dieser wirtschaftlichen Entfaltung reckt und dehnt sich in den wirtschaftlichen Zentren die Ar- beiterschaft. Immer mehr wird sie sich ihrer besonderen Interessen und ihrer Stellung als wichtig st e Klasse des heutigen Staats, als Trägerin der gesamten modernen Kultur bewußt, Diese nicht zu bestreitende Entwickelung mag den Junkern und der Junkerbureaukratie unbequem sein, aber sie schaffen sie nicht dadurch aus der Welt, daß sie sie ignorieren. S i e müssen ihr Rechnung tragen— und wenn nicht, dann wird es für sie dereinst, vielleicht schon recht bald, eben- falls heißen:„Zu spät!" Mit dem reaktionären Wahlrecht wird dann um so gründlicher auch ihre alte Machtstellung hinweggeschwemmt. Das heutige Dreiklaffenwahlrecht ist unhaltbar geworden, Auch kleine Zugeständnisse der Herrschenden, wie z. B. die geheime Abstimmung oder eine Neueintcilung der Wahlkreise, vermögen es nicht mehr zu retten. Die Arbeiterklasse ver« langt daS allgemeine, gleicht, geheime und direkte Wahlrecht, und sie läßt sich nichts abhandeln! Sie Cnbedter Bordellltatfe vor dem lubcckifcheo(Parlament. Iin Verlauf eines Prozesses, der am Schluß des Monais Ok- ?oVcr 1907 gegen einen Lübecker Polizeibcamtcn namens Mahn Wegen Urkundenfälschung und Unterschlagung geführt wurde, kam an das Tageslicht, daß die Lübecker Polizei ohne Wissen der gesetzgebenden Körperschaften eine von den Vordellwirte» nnd Bordevmädchcn gespeiste L-Kasse führt, die den verschiedensten A necken dient. AuS derselben wurden nach den Meldungen der Bläter Gratifikationen bezahlt, die Defizite bei Schunniannsfestcn gedeckt, an einzelne Leute zinsfreie Hypotheken gegeben und Badereisen bewilligt: Eine Kontrolle der Kasse fand überhaupt nicht statt. In der Lübecker Bevölkerung entstand natürlich eine große Erregung, als nun: diese Tatsachen erfuhr. Es wurde für s e l b st verständlich gehalten, daß der Senat in der gesetzgebenden Körperschaft, der Bürgerschaft Aufklärung über die Angelegen heit geben würde. Man hatte sich aber getäuscht! Wohl wurde in einer BürgcrschastSsihung mitgeteilt, daß der Senat sich mit der Sacke besaßt habe, daß auch nicht alles in Ordnung gewesen sei; der Senat wolle den Karren schon wieder aus dem Dreck ziehen. Die Bürgerschaft solle nur hübsch ruhig sein. DaS wäre sie ihrer Mehrheit sicherlich auch am liebsten gewesen, wenn nicht acht Sozialdemokraten und auch einige wenige andere Leute, die nicht vor dem Senat zusammenknicken, in der Bürgerschaft sähen. So kam denn am Montag ein Antrag zur Verhandlung, der lautete „Welche Schritte hat der Senat in Sachen der gegen Recht und Gesetz bestehende»„S"-Sassr unternommen?" In der Begründung hob der Antragsteller hervor, daß d i ganze Existenz der Kasse ungesetzlich sei, da sie auf keinem Beschluß der gesetzgebenden Körperschaften beruhe. Weiter wurden alle Angaben über die unglaubliche Verwendung der Kaffengelder wiederholt. Und der Senat? Er mußte durch seinen Vertreter zugeben, daß die meisten Gerüchte wahr gewesen sind, daß Gratifikationen aus �)er Bordellkasse ge zahlt worden sind, daß das Defizit eines Schutzmanns festes aus der Kasse gedeckt wurde.?luf die anderen Be Häuptlingen ging der Senator nicht ein. Daß die Kasse gegen Gesetz und Recht bestehe, wurde nicht bestritten. Wenn man daraus schlußfolgern würde, der Senat wolle darum jetzt die Bordellkasse ausheben, so würde man sich gewaltig irren; nur be( England Deutschland 10,4 Jahre 7,6 Jahre 4,6„ 4,6„ 11,5„ 10,6„ 9,8„ 4,9„ 8,7„ 6,3. SckiiffSgattung Linienschiffe... Panzerlreuzer.. Große Kreuzer. Kleine Kreuzer Torpedobootszerstörer Tie Tabelle beweist unwiderleglich, daß Frankreich 13,9 Jahre 7.5.. 11.4„ 14.0.. 7.3. sich in den SchtffSbeständon Englands und Frankreichs außcrordent- lich viel ältere Schiffe befinden. So lange man deshalb nicht die Unrichtigkeit unserer Berechnungen nachgewiesen hat — und das dürfte schwer fallen! so lange können wir Behauptungen obiger Art nur als bewußte Irre- sührungcn oder aber alL leichtfertige Schwätze- rcien bezeichnen.—_ Reichsländische Germanisation. Nicht allein Gesetz, Polizei, Staatsanwalt, sondern auch das — Staudesamt dienen im Reichilandc der Gcrmanisation. DaS Standesamt darf bei dieser vaterländischen Aufgabe nicht zurückbleiben und es hat darauf zu achten, daß ja die Vornamen den Kindern nicht in französischer Sprache gegeben werden. Erst vor ein paar Tagen meldete die reichüländischc Presse, daß ein Vater erst nach längerer Auseinandersetzung und erst nachdem die Weisung vom Ministerium des Innern kam, seinen neugeborenen Sohn Fernand statt dem deutschen Ferdinand nennen dürfte. Und jetzt meldet der in C o l m a r erscheinende„Elsässcr Kurier", daß man einem Vater, der sein Tochterchen Jeanne nennen wollte, bedeutete, dieser Name sei unzulässig, man könne ihm nur « ine Johanna zubilligen. Ter Mann dankte für diese Gnade. Er kann nicht verstehen, was das Standesamt in sein Recht der Namengebung hineinzureden haben soll. „Obersozialdemokrat Fsürst Biilow" nennt die„Kölnische Volkszeitung" den gegenwärtigen Kanzler des Deutschen Reiche«. Das Blatt spielt an aus de» KönigSberger Schandsäulcn-Prozeh und meint, dieser werde der Sozialdemokratie ebensogut agitatorische Dienste leisten wie die preußische Polenpolitik. bei der die Regierung als die Vorfrucht der Sozialdemokratie erscheine. Die „Kölnische Volkszeitung" rät der sozialdemokratischen Reichstags- fraktwn. den Aeuhskanzler zu ihrem Ehrenmitglieds zu ernennen, denn er führe„mit der ganzen Macht des preußischen Staates einen für die Sozialdemokratie geradezu vorbildlichen Axthieb gegen rechtmäßig erworbenes Eigentum". Gut gesagt, aber es ist merkwürdig, daß daS Zentrum so gar keinen Blick hatte für die Schwächen, Fehler und Sünden des Staatsmannes Aülow in der langen Zeit, die der Blockpolitik vorausging. Oder sollte das darin seinen Grund haben, daß damals Bülow und das Zentrum ein Herz undeineSeclc waren?—_ Preußische Willkür. Eine Vorlage, wie sie nur in einem so durch und durch volksfeindlichem Hause, wie es das preußische Drei. klassenparlament ist, denkbar erscheint, ist die Enteignungs- vorläge geg«„ die Polen. Selbst den preußischen Kon- scrvativcn schlägt das Gewiflen. Freilich steckt hinter den Gc- wisiensregungen zugleich die Sorge um die Erhaltung der hohen Güterpreise. Dazu kommt in weiten landwirtschaftlichen Kreisen die Angst vor der Tätigkeil der An siede- lungSkommlssion. deren Willkür selbst sehr„nationalen" Leuten bedenklich erscheint. DaS zeigt deutlich eine Zuschrift, die d>-.Vos. Neuest. Nachrichten" veröffentlichen und die zugleich auch die völlige Sinnlosigkeit der«eucrt Kommissionsfassung bedeutet. Die Zuschrift lautet: „Mit dem Enteignungsgesetz sollen in erster Linie die Polen getroffen werden. Wer garantiert uns aber dafür, daß dieS geschieht? Mit der Enteignung kann jeder der känig- lichen Staatsregierung mißliebige Deutsche getroffen werden. Das Enteignungsgesctz wird d i e Deutschen ebenso wie die Polen treffen. Wir sind in die Ostseeprovinzen gekommen, um unsere Zukunft zu sichern, und nicht, um ein Spielball der königlichen Staats- regierung zu sein. Es hat sich geradezu eine Panik her- ausgebildet, als die Enteignungsvorlage im Abgeordnctenhause erschien, und jeder atmete aus. als sie nicht angenommen wurde. Geht für Posen und Westprcußen das Entcignungsgcsetz durch, so werden in den Nachbarprovinzen von Banken und Privatleuten die Güter noch billig aufgekauft, und in ganz kurzer Zeit ist die Sachlage dort so wie bei uns, denn irgendwo müssen doch die Verkäufer bleiben. Warum also neuen Aufruhr schassen?" Daß die Enteignungsvorlage zugleich ein Schlag ins Gesicht für alle wirklichen Liberalen bedeutet, hat kürzlich in einer Ver- sammlung in Marburg sehr gut Profeffor Schücking, der bc- kannte StaatKrechtslehrer, ausgeführt. Er sagte: „Was die neue Enteignungsvorlage anbetrifft, so ist es kaum möglich, sie mit parlamentarischen Ausdrücken zu kennzeichnen. Man weist darauf hin. daß auch sonst Enteignungen stattfinden, wenn das öffentliche Interesse eL gebieterisch fordert. Aber der ungeheure Unterschied ist der, daß jedes Privateigentum dem öffentlichen Interesse weichen mutz, auch das de» Königs, ganz ohne Rücksicht auf den Besitzer. Hier aber wird die Enteignung bestimmt durch die Nationalität deö Eigentümers. Tarin liegt das furchtbar Unmoralische der ganzen Sache, die Enteignung wird mißbraucht als Kampfmittel einer nationalen Mehrheit gegen eine Minderheit." Aber was kümmern das Drciklaflenparlamcnt solche Er- wägungcn. Bevor sie den Bankrott der Polenpolitik eingestehen. handeln sie zehnmal lieber wider die Moral, schädigen sie das Interesse Teutschlands in der auswärtigen Politik.— Das Zentrum empfiehlt sich. In Cochem an der Mosel hat am Sonntag der Abgeordnete Trimborn eine Rede gehalten über die Grundprinzipien des Zentrums und deren Anwendung in früherer und jetziger Zeit. Es versteht sich, daß nach der Meinung des Redners das Zentrum das Muster einer Partei ist. die nicht untergehen kann und darf, erst recht nicht in der jetzigen Zeit, gegenüber den Ge- fahren der Blockpolitik: „Die Botschaft vom 17. November 1881 vertritt die Auf- fassung: daß das Reich ein Gemeinwesen sei, welches auf den sittlichen Fundamenten deö Volkslebens bc- ruht. Von diesem Standpunkt aus erscheint es als eine absolute Notwendigkeit, daß im Reiche die Partei in ungebrochener Stärke erhalten bleibt, welche, wie keine andere, für die Erhaltung der sittlichen Grundlagen im Volke gekämpft hat. namentlich, indem sie dem Wirken die freie Bewegung gesichert und den christlichen Charakter der Volksschule möglichst zu er- halten strebt. Der soziale Friede kann auf die Dauer nur er- halten bleiben, wenn die Sozialreform großzügig und nachdrücklich weitergeführt wird. Der Block als solcher bietet hierfür wegen seiner heterogenen Zusammensetzung keine Gc- währ; alle unbefangenen Sozialpolitiker hoffen vor wie nach auf das Zentrum. Tie größte Gefahr droht dem Reiche von der Sozialdemokratie, solange sie an ihrem Klassen- standpunkt festhält, ist sie trotz der guten Ideen, die TaüS ihr hervorgegatigen sein mögen, eine große Gefahr für das Reich. Ihre Ueberwindung oder Bekehrung ist eine Lebensfrage für das Reich und die Einzclstaatcn. Diese Frage kann nicht gelöst werden ohne die Partei, die sich bisher als festestes Bollwerk gegenüber der Sozialdemokratie gezeigt hat. Diese Ucberzcugung läßt uns den Gefahren, die uns vom Block drohen, ruhig ent- gegensehcn." DaS Zentrum als Schützer des sittlichen Fundaments im Volks- leben— siehe den Zolltarif, der dem Volke die Lebensmittel verteuert und damit auch seinen sittlichen Bestand schädigt; siehe weiter die Heeres, und Flottenbcwilli» gungcn, die der VolkSvcrhetzung und dem Massen» m o r d dienen. Das Zentrum als Förderer der Sozialrcform — siehe die völlige Unfruchtbarkeit des Reichs- tagcs auf sozialpolitischem Gebiete in der langen Zeit, da das Zentrum im Reichstage re» gierende Partei war; siehe die Perggesetzgebung im preußischen Abgeordnetenhause, von der der christliche„Bergknappe" sagte, daß sie den Arbeitern Steine statt Brot gebe. Da» Zentrum als festestes Bollwerk gegen die Sozialdemokratie— siehe München. Mainz und das heilige Köln, wo der Abgeordnete Trimborn bereit? damit ge- rechnet hatte, nicht wiedergewählt zu werden. Wir glauben nicht, daß Herr Trimborn mit dieser Art, seine Partei zu empfehlen, viel Glück haben wird.—_ Tie Komödie ist aus. In der Dienöiagsitzung des Leipziger Stadtparla« in e n t s wurde das Präsidium, um dessen Besetzung die beiden bürgerlichen Parteien in der Sitzung vom 2. Januar so ernst rauften, daß diese vertagt werden mußte, glatt gclvählt. Zum Be- ginne dieser Sitzung erklärte ein Führer der Ratspartei, daß sie sich mit den Mittelständlern geeinigt hätten; der Kuhhandel ist also inzwischen perfekt geworden. Die Ratsparteiler stellen, wie bisher, den Präsidenten, die Mittclftändlcr die beiden Vize, obivohl beide Gruppe» zusammen nur 20 Proz. der Wähler vertreten, lvährend die sozialdemokratische Fraktion 3V Proz. dieser. Diese Tatsache wurde den Herrschaften von unseren Genossen i» nachdrücklichster Weise unter die Nase gerieben. Genosse P o l l c n d e r bezeichnete auch die Ausführung des RatSparteilerS, daß sie sich im Interesse der Stadt geeinigt hätten, für eine dreist? Anmaßung, den Kuhhandel als im Interesse der Stadt liegend auszugeben.—__ Einen auffallenden Borstoß gegen den Flotteuverein beziehungsweise gegen die Stürmer und Dränger desselben unter« nahm soeben die Ortsgruppe Breslau dieses Vereins. In scharfer Weise wandte sich dort Oberpräsidialrat Geh. Ober- rcgierungSrat Dr. Michaelis gegen„gewisse Praktiken" des FlottenvcreinS. die man für Schlesien nicht gutheißen könne.(In Schlesien kann man nämlich mit der von Keim ver- trctenen Blockphrase nichts anfangen, noch weniger mit der ZentrumSfrefserei, da man in Schlesien auf das Zentrum direkt angewiesen ist.) Daraus crllärt sich. was dieser hohe Herr Kritiker über die Leitung des Vereins vor- trug. Herr Michaelis verriet zunächst den Anwesenden, daß die bevorstehende Hauptversammlung in Kassel nur eine Komödie sei. Er habe den Eindruck gewonnen, daß auf den Hauptversammlungen nichts Wichtiges ver» handelt werde, und daß das. woraus cö ankomme, sich„alles hinter den Kulissen" vollziehe. In Kassel werde lediglich abgewickelt. was der Vorstand in seiner Sitzung beschlossen hätte. Davon aber höre und sehe man nichts. Auch der Konflikt mit Bayern und die Sache mit Keim seien ein Beweis,„daß sich hier Tinge abgespielt haben hinter den Kulissen, die uns nicht bekannt sind". Keims Agitation sei nichts für Schlesien und auch die Haltung des Vorstandes zur Flottcnvorlage sei bedenklich und politisch unklug. Man müsse doch bedenken, daß der Kaiser sie gutgeheißen habe, da dürfe man sich doch im Flottciwcrcin„kein besseres Urteil anmaßen". Man müsse doch M G e4 d-k n a p p h e i t berücksichtigen und solle lieber für eine kräftige— Bierstener(!) eintreten, damit Geld einkomme! Zum Schluß wandte sich dieser Redner scharf gegen diejenigen, die immer auf andere Länder ver- weisen und behaupten, daß den Deutschen noch viele Schisse, fehlten. Das sei nichts, denn das gäbe„eine Schraube ohne Ende, denn jedes Land macht es dann ebenso".(Ei ei! So benutzt man bereits den„Wortschatz der Sozialdemokratie"!) Die Ver- sammelten, alles Leute der„besten Kreise" Breslaus, nahmen zum Schluß eine Entschließung an, worin ausgesprochen wird, daß Keims Geschäftsführung„die Gefahr einer dem Rahmen des 8 2 der Satzungen nicht entsprechenden Agitation von neuem als drohend heraufbeschwöre". Nach seinem Vortrage wurde der Nc- ferent als Delegierter Breslaus für Kassel nominiert und de- auftragt, seinen Standpunkt auch in der Hauptversammlung zu vertreten. Dieser Vorstoß ist insofern besonders bemerkenswert, als er ein weiteres Symptom ist zu der in Schlesien unausbleiblichen Annäherung von Konservativen und Zcn- trümlern. Die Fanatiker der Blockpolitik werden diese Metamorphose mit gemischten Gefühlen verfolgen.— Für den LanbeSauSschuß von Elsaß-Lothringen machte sich infolge der Berufung des bisherigen liberalen Abgeordneten Götz in Weißenburg zum Direktor der direkten Steuern im Reichslande eine Nachwahl für den Kreis Weißenburg nötig. Sie endete mit einem Siege des liberalen Landwirtes Wolf, der von den 84 abgegebenen Wahlmänncrstimmen der Gemcinderät? des Kreises im ersten Wahlganae 41 und im zweiten Wahlgange 45 erhielt. Der klerikale Kandidat erhielt in beiden Wahlgängen 38, eine bäuerliche Sonderkandidatur im ersten Wahlgange 5 Stimmen, die sich im zweiten Wahlgange auf den Liberalen mit vereinigten. Trotz des Sieges bedeutet das Resultat der„Wahl" einen Rück- schritt flir den reichsländischen Liberalismus, der bei der letzten Wahl im Jahre 1906 im ersten entscheidenden Wahlgange noch 47 Stimmen erhielt._ 8cbwdz. Der Züricher Antistreik-Gcsetzentwurf. Zürich, 5. Januar.(Eig. Ber.) Der„Vorwärts" berichtete im August 1907, daß der Rc- gicrungsrat des Kantons Zürich gegenüber der vom Bürgerverband inszenierten Streikinitiative eine ablehnende Haltung einnehme. dagegen dem KantanSrat einen Gegenvorschlag vorgelegt habe, nach welchem einige Paragraphen des Strafgesetzbuches eine ivesentlichc Verschärfung erfahren und die Arbeiter und Angestellten öffentlicher Betriebe des Streikrcchts beraubt würden. Die kantonS- rätliche Kommission, die das Gesetz vorzuberaten hatte, crllärt sich nun mit der Ablehnung der Streikinitiative einverstanden und stimmt auch der vom RcgierungSrat beantragten Abänderung des Strafgesetzbuches zu. In bezug auf die einzelnen Punkte decken sich die Vorschläge der Regierung und der Kommission ziemlich. Diese Vorschläge bezwecken in der Hauptsache, daß die Aufreizung zur Begehung von strafbaren Handlungen und zur Widersehung gegen amtliche Verfügungen, das Eindringen in Geschäftsräume und Werkplätze, die Verletzung von Amts- und Dienstpflichten durch Arbeiter und Angestellte öffentlicher Betriebe unter Strafe gestellt werden. Tie kantonsrätliche Kommission konnte aber doch nicht umhin, ihrer echt scharfmacherischen Gesinnung noch durch eine besondere, von. den regieruugSrätlichen. Vorschlöacn-abweichende Ausnahme- bestimmung Ausdruck zu verleihen. Sie wilfitt das Strafgesetzbuch den neuen unerhörten Kautschukbegriff der„ernstlichen Bc- lästigung" einführen. Der Strafe, die auf Nötigung angedroht ist. soll unterliegen,„wer rechtswidrig oder mit Ueöerschreitung seines Rechts, durch körperliche Gewalt, Drohung oder ernstliche Bc lästigung jemand von der Ausübung seines BeruseS abhält oder abzuhalten versucht". Die Kommlssionsminverycit, bestehend aus unseren drei Genossen Oberrichter Lang. Rechtsanwalt Dr. Farbstein und Stadtrat Walter(Winterthur), ist natürlich für Abweisung der Initiative sowie der Gegenvorschläge des RegierungörateS und der KommissionSmchrheit. Für den Fall aber, daß die zitierte Bestimmung angenommen werden sollte, schlägt die Minderheit folgenden Zusatz vor:..Mit der gleichen Strafe wird belegt der Arbeitgeber, der durch Anwendung körperlicher Gewalt, Be- leidigung. erhebliche Belästigung. Drohungen, insbesondere durch Drohung mit Nichtanstellung, Entlassung oder Vcrrufserklärung Arbeiter bestimmt oder zu bestimmen sucht. Vereinigungen, deren Zweck in der Erlangung günstigerer Lohn» und Arbeilöbedinguiigen besteht, nicht beizutreten oder aus solchen Vereinigungen auszutreten. oder es Arbeitern, weil sie an solchen Verbindungen oder an Streiks und Lohnbewegungen teilgenommen haben/"durch irgendwelche Mittel erschwert oder zu erschweren sucht. Arbeit zu finden". Selbstverständlich wird die sozialdemokratische Partei alles daran setzen, die ungeheuerlichen Ausnahmebestimmungen zur Knebelung der Arbeiterschaft im KantanSrat und, wenn dieser jenen zustimmen sollte, in der Volksabstimmung zu Falle zu bringen. Schon hat sie ihre Posten bezogen, indem sie den Krediten für die neuen Sochschulbautcn ihre Zustimmung zu versagen bc- schloß, wenn nicht Initiative und Wegenvorschlcige vorher begraben würden. Der große Stadtrat der Stadt Zürich hat allerdings mit allen bürgerlichen gegen die sozialdemokratischen Stimmen bereits eine Subvention von 1 250 000 Frank für die Hochschulbauten bc- willigt, der Beschluß unterliegt aber der Bolksavstimmung. und da ist es leicht möglich, daß die sozialdemokratische Obstruktion durchdringt.— franhrdch. Paris, 8. Januar.(W. T. B.) Wie hiesige Blätter melden. hatten sich etioa 40 Soldaten de« 7. Dragoner-Regiments in Fontainebleau, denen ein NeujahrSurlaub verweigert worden war. eigenmächtig aus der Kaserne entfernt und waren erst nach 8 Tagen wieder zurückgekehrt. Ein Regimentsbefehl, nach dem bis auf loeitereS jeder Urlaub zu verweigern sei, wurde in mehreren Exemplaren zerrissen. Der Regimentskommandeur soll bei», Kriegsministerlum die Verlegung dcS Regiments nach ein« anderen Garnison beantragt haben. Ferner wird von drei Artilleristen der Garnison Douay, die mit Arrest bestraft waren, gemeldet, daß sie aus der Kaserne ent- wichen sind, sich nach Lille begeben und auf dem dortigen Bahnhof lärmend« Auftritte verursacht höben, wobei sie Rufe, wie:„Nieder mit der Armee I Hoch Hervel" ausstießen. Erst einer starken Militärpatrouille gelang es, die Artilleristen zur Ruhe zu bringen. Italien. DaS„edle" Beispiel der rigorosen New Dorker Hauswirte findet in Rom. woselbst das Wohnungsclend bekanntlich unbeschreiblich ist, Nacheiferung. Das„B. T." erhält folgende Privatmeldung: Rom. 7. Januar. Heute sollten endlich(l!) die Mieter der„Soeieta Risana- mento", die sich weigern, ihre Mieten zu bezahlen, in Massen ex- mittiert werden. Um Unruhen vorzubeugen, willigte die..Spcicta" ein. die Exmittierung bis zum 11. Januar zu vertagen.— 10 000 Demonstranten durchzogen gegen abend die von der Ar- dcitcrbevöltcrung bewohnten Stadtviertel und zwangen die Ar» bester bedeutender Betriebe, die Arbeit einzustellen. Während der Demonstration wurden allerlei Exzesse verübt. i „Societa Risanamento", das heißt auf deutsch etwa: Ver» bcsserungS- Genossenschaft. Eine niedliche„Verbesserung". wenn solche Gesellschaft mit sozialem Mäntelchett noch ruppig« und rigoroser vorgeht als die privaten Häusbesitzerl Schweden. Der See- und LandmilitarismuS. lctztcu Herbst ernannte die schwedische Regierung letzten Herbst ernannte die schwedische inegicrung vc- kanntlich ein„Vertcidigungskomitec", in das sie unter anderen auch einen Sozialdemokraten, den Abgeordneten B r a n t i n g, delegieren wollte. Unser Genosse lehnte es aber ab, einem Komitee anzugehören, dessen Tätigkeit statt auf Erleichterung auf Erschwerung der militärischen Lasten hinauslaufen mußte. Nun hat das Verteidigungskomitee die ersten Lebenszeichen von Die Feuerbestattung t Zu ötefent Zweck werden alle Berliner begegnete im Reichslande Elsaß-Lothringen bei den Behörden bis-'Mitglieder aufgefordert, unverzüglich ihre her großer Abneigung. Verschiedene Eingaben der FeuerbestattungZ- M i t g l i e d s b ü ch e r zu ordnen und sie der Ge» vereine'an den Landesausschuß und an die Regierung, unterstiiht durch den Straßburgcr Gemeinderat um Einführung der fakuk- tativen Feuerbestattung blieben wirkungslos. 1904 erklärte ein Regierungsvertrctcr, daß die Errichtung von Krematorien lediglich von der Erlaubnis der Ortsbehörde abhänge, 1907 dagegen vertrat ein ministerieller Bescheid die Meinung, die Feuerbestattung in Elsaß-Lothringen sei so lange verboten, bis nicht eine reichsgesetz- sich gegeben. Es hat Anfragen an das Marine- und das Kriegs- ljche oder landesgesetzliche Regelung erfolgt sei, und die letztere sei' regeln, Ministerium gerichtet, die auf Verlängerung der D i e n st-! zurzeit nicht in Aussicht genommen. Jetzt haben die Feuer- � zeit: bei der Marine auf 2 Jahre oder weniger, jedoch jeden- bestattungsvereine von Straßburg und Metz eine erneute zalls auf mehr als 365 Tage, bei der Infanterie von jetzt Eingabe an den Landesausschuß um Zulassung der fakultativen Dadurch, daß dann> Feuerbestattung gemacht._ 8 Monaten auf ein volles Jahr hinauslaufen! geübte Mannschaften länger bei der Fahne bleiben, will man an den fest angestellten Kräften sparen und— wenn möglich— eine Erhöhung der Militärbudgets vermeiden. So sollen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Verstärkung des Militarismus den Konservativen zu Liebe und keine Erhöhung der Aus- gaben, um der besonderen Forderung der Liberalen entgegen- zukommen. Die beiden Ministerien sollen nun untersuchen, wie diese Maßnahmen wirken würden. Vermeidet man auf dem geplanten Wege wirklich eine Steigerung der militärischen Staatsausgaben, so wird selbstver- ständlich vor allem doch die Arbeiterklasse die Kosten tragen müssen, wenn die jungen Männer für eine entsprechend längere Zeit aus dem Erwerbsleben herausgerissen werden und des gewohnten Arbeitsverdienstes verlustig gehen! /ZmeHfu. Professorenwcisheit. Der Präsident der angesehensten und be- bcutcndstcn Hochschule in den Vsreinigten Staaten, der Harvard- Universität sbei Boston) hielt in diesen Tagen eine große Rede, die Sensation erregte durch die darin enthaltenen heftigen An- griffe gegen..die Feinde der Freiheit amerikanischer Bürger". Diese Feinde sind nach Prof. Dr. Elliot die Anhänger der un- "bedingten Schutzzollpolitik und— die Gewerkschaften der Arbeiter. Gegen diese„beiden großen Feinde der Freiheit", die immer ge- fährlichcr werden, sollten die Bürger eine allgemeine Protest- bewegung organisieren, so fordert Elliot. Sie sollten sich auflehnen gegen den Zwang, unter dem sie stehen, denn niemals in der ganzen Geschichte der Vereinigten Staaten seien die Bürger weniger frei gewesen als gegenwärtig.— An den Kapitalismus als Feind der Freiheit denkt Elliot natürlich nicht, dagegen ent- rüstete er sich schon bei früheren Gelegenheiten über die„uner- hörte Thrannei" der Gewerkschaften, und die kapitalistische Presse nahm jedesmal mit großem Behagen von dem Urteil des„hoch- gelahrten" Mannes Notiz, der von der Gewerkschaftsbewegung und der kapitalistischen Entwickelung der Verhältnisse seines Landes offenbar nicht das mindeste versteht. Soziales* Vom Segen der„Fürsorgeerziehung. Aus H a l l e a. S. berichtet man uns unterm 7. Januar: Erst jüngst kenilzeichneleil wir die Heuchelei, die von den bürgerlichen Parteien mit den so sehr„sittlichen" Institutionen wie Fürsorgeerziehung usw „getrieben" wird, als ein junges Mädchen aus Halle in„Fünorge" kam und dort von einein Bauernsohn geschlechtlich mißbraucht wurde Man antwortete damals, das sind Ausnahmen, in der Regel wirke die Fürsorge nur gut. Am Dienstag beschäftigte man sich in Halle abermals und zwar in der Strafkammer und im Schwurgericht mit den,„Segen" der Fürsorgeerziehung. Es handelte sich in beiden Fällen um Fürsorgezöglinge, die vorsätzliche Brand- st i f t u n g e n begangen hatten, um von der Fürsorge- erziehung los und ins Gefängnis zu kommen. I. Vor der Strafkammer erklärte der 16jährige Fiirsorgczögling Friedrich Böttcher von Lauchstädt, der von der Anstalt dreimal ausgerückt war, er hätte in der Anstalt immer hungern müssen. Nur, um von der Fürsorgeerziehung in das Gefängnis zu kommen, habe er am Morgen des 8. Dezember auf der Flur voi, Schkopau einen Strohdiemen in Brand gesetzt. Nach der Tat sei er 'ofort zu einem Gendarmerie-Wachlmeister gegangen und habe diesem mitgeteilt, tvas er getan habe. Das Gericht verurteilte den Jugend� lichen zu sechs Monaten Gefängnis. II. Vor dem Schwurgericht beklagte sich der 18 jährige Fürsorge zögling Gustav S i e b e r t aus Neukirchen, der bereits achtmal ent' wichen ist, über schlechte Behandlung. Er behauptete, geprügelt worden zu sein. Einige Zöglinge erklärten. es werde„nicht viel geprügelt". Der Hausvater mußte aber selbst zugeben, daß er den Angeklagten mit dem Ochsenziemer verprügelt hat. Siebert zündete am Morgen des 11. Dezember an der Trothaer straße die Feldscheune des Amtmanns Nagel an und zwar, wie er vor Gericht sagte, un, ins Gefängnis zu kommen, wo er zum wenigsten keine Prügel nrchr bekomme. Der junge Mensch hatte durch seine Tat einen Schaden vock 43 800 M. an- ( �richtet. Man verurteilte ihn unter Zubilligung mildernder Um- täude zu— zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust. Solche Fälle fordern gebieterisch eine Reform der Jugend fürsorge, deren heuchlerisches System Körper, Geist und Sittlichkeit der ihr Anvertrauten geradezu verelendet und vergiftet und die meist ohne Spur eigener Schuld der Fürsorgeerziehung Anheimgefallenen deni Elend preisgibt und zu Verbrechern erzieht. WaS von einem Schuljunge» verlangt wird. Der dreizehn- jährige Schüler Fleifchmann war für den Nachmittag gegen einen Wochenlohn von— 3 sdrei) Mark von der Firma Goldman n als Laufbursche engagiert. Ueber die Zeit, die zur Erledigung der Geschäftsgänge nötig ist. kam es zwischen ihm und seinem Arbeitgeber des öfter» m Meinungsverschiedenheiten, weil die Firma meint, die jungen Beine des mit dem Riesen- lohn von wöchentlich drei Mark angestellten Schulknaben müßten schneller laufen, um der Firma den entsprechenden Mehrwert bringen zu können. Mehr als einmal wurde der Junge bei seiner Rückkehr mit der Versicherung empfangen, er hätte den Weg.in der Hälfte der Zeit gut und gern machen können. Eines schönen TagcS kam G. zufällig dazu, wie sein Laufbursche auf einem großen Fabrikhofe stolz ein Geschästsdreirad und'noch obendrein der Konkurrenz lenkte. Ein furchtbares Verbrechen! Herr Goldmann glaubt sich sofort darüberklar zu sein: der Junge habe nebenbei noch eine zweite Stellung angenommen— deshalb bleibe er immer so lange aus. Die Folge ist die so« fortige Entlassung des Jungen. Der erscheint nun dieser Tage unter dem Beistand seiner Mutter vor dem hiesigen Gelverbegericht. Er klagt auf 14 Tage Lohn- entschädigung, da er Anspruch auf 14tägige Kündigung habe. In der Verhandlung stellt sich die R a d f a h r g e s ch i ch t e als für den Kläger harmlos heraus: in, Hinblick auf den für die Zukunft ihm vorschwebenden Beruf als Dreiradfahrer hat er einen ihn, be- kannten Hausdiener und Dreiradfahrer gebeten, ihn doch mal eine „Probefahrt" machen zu lassen, und der hatte nichts dagegen ein- zuwenden gehabt. Das war alles. Als schreckliche„Pfl,ch, widrig- kcit" muß der Kläger zugeben, daß er wohl auch mal auf der Straße stehen geblieben sei, um zuzusehen, wie„Pferde umgespannt" wurden. Das hätte selbstverständlich eine Entlassung nicht gerechtfertigt. Leider ließ sich die Mutter auf einen Vergleich ein. Beklagter zahlte 4 Mark. Die Zcugcngebühren— der Hausdiener, der die„Probefahrt" gestattet hatte, ist als Zeuge zur Stelle— müssen die Parteien sich teilen. Der Zeuge, der durchaus nicht den Eindruck macht, als ob er Geld übrig habe, ist aber großartiger als der Beklagte. Er schenkt dem Jungen die eine Mark; nur vom Beklagten läßt er sich eine Mark Gebühren auszahlen._ Gewerkfdhaftliches* . A» alle Mitglieder der Bereinignng der Zimmerer und verwaudteu Berufsgeuossen Deutschlands! Kameraden! Die siebente Konferenz hat sich für eine einheitliche Organisation im Zimmerergewcrbe entschieden. Mit 27 gegen 20 Stimmen ist der Anschluß an den Zentralverband der Zimmerer Deutschlands beschlossen. Die Geschäfts- leitung der Vereinigung ist beauftragt, zur Durchführung dieses Beschlusses alle not- wendigen Maßnahmen einzuleiten, sie soll ihre Funktion erst dann als erledigt betrachten, wenn der Anschluß der Vereinigung an den Zentralverband erfolgt ist. Dieser Entschluß, der, gestützt auf die Beschlüsse des sozialdemokratischen Parteitages in Mannheim, des inter- nationalen Sozialistenkongresses 1907 in Stuttgart, sowie auf die Beschlüsse des Parteitages in Essen, nach den Grundsätzen unserer Organisation für alle angeschlossenen Vereine Gültigkeit hat, soll in, letzten Augenblick von einem kleinen Kreis von Personen illusorisch gemacht werden. Man will das unter dankenswerter Mithülfe des Parteivorstandes mühsam aufgebaute Einigungswerk hintertreiben. Vier von den sieben in Berlin gewählten Delegierten, darunter auch der Vorsitzende des Berliner Vereins, haben es für angebracht ge halten, entgegen den Beschlüssen der Konferenz und entgegen allen demokratischen Grundsätzen gegen die Einigung zu propagieren. Es wird die Behauptung aufgestellt, daß der Anschluß an den Zentralverband weder im Interesse der deutschen Zimmererbewegung, noch im Interesse der Mitglieder der Vereinigung liege, daß die Rechte der Mitglieder bei den Einigungsverhandlungen nicht in genügender Weise gewahrt sind, ja man scheut sich nicht, öffentlich zu erklären, daß die Mehrzahl unserer Mitglieder Gegner jeder Einigung sein sollen. Dem gegenüber sei darauf hingewiesen, daß die Anregung zur Einleitung der Einigungsverhandlungen von einigen Organisationen ausgegangen ist, die sich gleich nach dem Mannheimer Parteitage selbst an den Parteivorstand gewandt haben, und daß die Geschäftsleitung erst nach Aufforderung durch den Parteivorstand im Juli 1907 init ausdrücklicher Zustimmung der Berliner Organisationslcitung offiziell zu der Frage Stellung genommen hat. Eine spätere Umfrage unter den Mitgliedern hat das Vorgehen der Geschäftsleitung bestätigt. In Berlin allein erklärten sich 1363 Mitglieder dafür und Nur 436 dagegen. Aehnlich war das Resultat in den auswärtigen Organisationen. Zur Aufklärung der Mitglieder ist ferner eine Broschüre herausgegeben, in welcher imnierergewerbe unter crhältniffe ausführlich die Frage der Einheitsorganisatton im Berücksichtigung der augenblicklichen besprochen kvurde. Auch Hiermit erklärten sich die Mitglieder einverstanden: ebenso billigten sie die Einberufung der Kon- ferenz am 1. und 2. Dezember 1907. in der die Frage des Uebertritts endgültig entschieden werden sollte. Es konnte daher mit Recht angenommen werden, daß die Einigungsbestrcbungen ohne nennenswerten Widerspruch ihre Erledigung finden würden. Auch bei den Verhandlungen der Geschäftsleitung mit den Zentralinstanzen des Verbandes unter Leitung des Parteivorstandes am 19. November 1907 machte sich auf beiden Seiten das Bestreben bemerkbar, die Frage der Einigung einer befriedigenden Lösung entgegen- uführcn. Ganz besonders sei aber crivähnt, daß bei den Zcrhandlungen keiner der Beteiligten— auch nicht die späteren Gegner— irgend welche Einwendungen erhoben haben, vielmehr der- pflichteten sich die T ei l n e h m e r im S i nn e d e r getroffenen Abmachungen zu wirken. Kameraden! Trotz dieser Tatsachen hat man eS verstanden, in Berlin bei einem Teile der Mitglieder dsn Glauben zu erwecken, als sei die Frage der Einigung nur ein Komödienspiel. Unter Ausschaltung derjenigen Vorstandsmitglieder und Delegierten, die für die Einigung eintraten, sind Sitzungen ein- berufen, in denen mit der Organisation unverantwortlichen Personen die Pläne zur Zertrümmerung des Einheitsgedankens ent- worfen wurden, die man später in den Versammlungen auch zum Ausdruck brachte. Nachdem eine am 15. Dezember 1907 abgehaltene Versammlung resultatlos verlief, tagte die Fortsetzung derselben am 5. Januar 1908. In dieser Versammlung ist auf Betreiben der Gegner der Einigung unter- Vergewaltigung der Mitglieder der Geschäftslcitung zum Gaudium des Ansbeutertums beschlossen worden, die vereinbarten leberkrittsbedingungen abzulehnen. Von gut 600 anwesenden Vereinsmitgliedcrn stimmten 279 für die Ablehnung und nur 33 fiir die Annahme, während der übrige Teil sich der Ab- timniung enthielt. Kameraden! Nach den bisherigen Gepflogenheiten mußten die Beschlüsse der Majorität, sofern sie sich mit den statutarischen Bestimmungen deckten, zur Ausführung gebracht werden. Der Beschluß der 279Einigungsgegncr entspricht aber auf keinen Fall den statutarischen Bestimmungen. Nach dem Regulativ der Vereinigung bildet die Konferenz die oberste Vertretung; ie entscheidet über alle Fragen, welche die Gesamtorganisation betreffen. Die einzelnen Vereine sind verpflichtet, den Be- chlüssen in jeder Beziehung Rechnung zu tragen. Aber kann selbst in Berlin bei 1800 und mehr Mitgliedern der Vcr- sammlungsbeschluß als Majoritätsbeschluß gelten, nach- dem mehr als die Hälfte der Versammlungsteilnehmer sich an der Abstimmung nicht beteiligten? Die Geschäfts- leitung kann diese Frage nicht mit„Ja" beantworten; sie steht vielmehr auf dem Standpunkt, daß die mit den Zentralinstanzen des Verbandes verein- karten U e b e r t r i t t s b e d i n g un g e n unverzüglich zur Ausführung ge langen. s ch ä f t s l c i t u n g zum Umtausch zu übermitteln. ! Es ist dafür Sorge getragen, daß jedes Mitglied eine i Legitimationskarte erhält, die so lange Gültigkeit hat, bis ihm das neue Buch ausgehändigt wird. An die Mitglieder der auswärtigen Organisationen richten wir die Bitte, ebenfalls bis Ende Januar ihre Beiträge zu sowie genau nach den im Protokoll der siebenten Konferenz enthaltenen Uebertrittsbedingungen zu verfahren, da es wahrscheinlich ist. daß die Einigungsgcgncr überall versuchen werden, den Nebertritt in den Zentralverband zu hintertreiben. Kameraden! Die prinzipiellen Gegensätze, die uns bisher vom Zentralverband der Zimmerer trennten, sind aus- geglichen: auch die Gegner der Einigung haben dies aus- drücklich anerkannt. Was jene Leute dennoch veranlaßt hat, gegen die Verschmelzung zu stimmen, sind Bedenken formeller Natur. A�er auch diese Bedenken sind glücklicherweise bei den erneuten Verhandlungen mit dem Zentralverband beseitigt. Gegen den Anschluß können maßgebende Gründe nicht mehr angeführt werden. Wir appellieren daher an unsere Mitglieder, aller- ortS den Ucbertritt in den Zentralverband in der vereinbarten Weise vorzunehmen. Alles wettere ergeben die in den nächsten Tagen er- scheinenden Flugblätter. Mit kameradschaftlichem Gruß Geschäftsleitung und Ausschuß T h. F i s ch e r. F. L a b i tz k e. W. S ch m i b t. W. Repschläger. F. Czeminski. Berlin und Umgegend. Achtung, Schäftebranche! In der Lederhandlung und Schäfte» stepperei von Rodde, Martgrafenstraße, sind Differenzen aus- gebrochen. Die Kollegen haben die Kündigung eingereicht. Verband der Schuhmacher. Ortsverwaltung Berlin. Deutrehes Reich. Ein geschickter Zug! Vor einigen Tagen veröffentlichten wir eine Anweisung des Arbeitgeber-SchutzverbandeS in der Holzindustrie an seine Orts- verbände, überall die in diesem Frühjahr ablaufenden Verträge zu kündigen. In dem betreffenden Schriftstück wird zugleich an- gedeutet, daß eine für den 24. d. Mts. in Leipzig verabredete Zusammenkunft der Hauptvorstände von Unternehmern und Ar- beitern wahrscheinlich nicht stattfinden werde. Dies hänge davon ab, ob in S t u t t g a r t, wo die Unternehmer den Arbettern nur schwer annehmbare Bedingungen gestellt hatten, gearbeitet oder gestreikt werde. Die Stuttgarter Holzarbeiter haben nun im Interesse der Allgemeinheit ein Opfer gebracht. Ein Privattelegramm meldet uns von dort: Stuttgart, 8. Januar. Die Verhandlungen der Lohnkommission der Möbeltischler mit dem Arbeitgeber-Schutzverbande für das Tischlergewerbe haben zu einer Einigung geführt. Eine gestern abend abgehaltene sehr stark besuchte Möbelarbeiter- Versammlung hat in einer geheimen Abstimmung die V e r- einbarungen gutgeheißen. Der Lohnkampf in Stutt- gart würde damit vermieden, und die Bahn zu weiteren Verhandlungen in den anderen Städten Deutschlands frei sein, Achtung, Schuhmacher! Die Schuhfabrik von A. FuchS in Brandenburg a. d. Havel annonziert im hiesigen„Lokal-Anzei�er" »ach Arbeitskräften. Wir»rächen hiermit bekannt, daß die dortigen Arbeiter sich feit dieser Woche im Ausstand befinden. Zentralverband der Schuhmacher. Gauverwaltung Berlin. Der Kamps in der Textilindustrie am Nirderrhei» ist beendet; ein Teil der Arbeiter kehrte schon am Dienstag in die Betriebe zurück, während der Rest am Mittwoch die Arbeit auf« nahm. Bekanntlich hatten die Christlichen vor der offiziellen Auf- Hebung der Sperre schon beschlossen, den Kampf abzubrechen. Auch die Arbeiter der Hülfsindustrie sahen schnell das Nutzlose eines ferneren Kampfes ein, nur die Seidenstoffwcber leisteten einen energischen Widerstand. Diese Leute waren so erbittert, daß sie zuerst trotz der Beschlüsse ihrer Kollegen von einem Abbruch des Kampfes nichts wissen wollten. Eine ihnen von den gesamten Ar- beiterauSschüssen vorgeschlagene Resolution, in welcher die Aufnahme der Arbeit empfohlen wurde, gelangte erst nach vieler Mühe und dann in geheimer Abstimmung mit sehr knapper Majorität zur Annahme. In der Resolution wird den Verbandsvertretern ein Miß- ttmiensvotum ausgesprochen, ihnen wird die Schuld an der Nieder- läge aufgehalst, weil sie durch ihr Verhalten— die anfängliche Verweigerung der Unterstützung— den Unternehmern den Rücken gestärkt haben sollen. Hoffentlich lassen die niederrheinischen Texttl- arbeiter sich von ihrer augenblicklichen Stimmung nicht hinreißen, der Organisation den Rücken zu kehren. Durch ein solches Tun würden sie in der Tat dem Unternehmertum einen Gefallen erweisen. Letzte JVacbrichtcn und DepeFebea Feuersbrunst. Rom, 8. Januar.(58. H.) Eine Feuersbrunst zerstörte in Comavecchio das Armenviertcl. Mehr als zehn Personen sollen in den Flammen umgekommen sein. Biete find verlebt worden. In Seenot, Antwerpen, 8. Januar.(B. H.) Während des heutige» heftigen Sturmes ist der Dampfer„Australia" gegen den Rkiein- dampfer„Bereinigung Nr. 21" geworfen worden. Der Rhcin- dampser begann sofort zu sinken, konnte aber von vier Schleppern ans Ufer gebracht werden. Antwerpen, 8. Januar.(B. H.)' Der Schleppdampfer „Gerling" berichtet, daß im Aermelkanal zwei franzäsische Torpedo- boote, denen er begegnete, den Wellen preisgegeben waren. Der Schlepper nahm beide ins Schlepptau. Ein Boot verschwand, man befürchtet, daß eö gesunken ist._ Der neue Minister. Brüssel, 8. Januar.(W. T. B.) Der bisherige Präsident dee Teputiertcnkammer Schollaert ist an Stelle des verstorbenen Ministerpräsidenten de Trooz zum Minister beS Innern ernannt worden._ Mann über Bord! Ryborg, 8. Januar.(W. T. B.) Der Steuermann des im hiesigen Hafen liegenden holländischen Schiffes„Twee ZuesterS" ist nachts über Bord gefallen und ertrunken. Der Ertrunkene heißt Carl Max Hertel aus Berlin und ist 32. Jahre alt. Lerantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil veremtw.: ZH. Glocke, Berlin. Druck u. Perlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Ugul SingerL-Eo., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Uaterhaltungsblatt Kr. 7. 25. Iahrglmg. L WIM des Jotmätts" Kerlim MlKsdw Donverstag. 9. Januar l998. KeicKstag. 74. Sitzung. Mittwoch. 8. Januar, nachm. 2 ifl�c, Am Bundesratstisch: Kommissare. Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung und begruht die Abgeordneten zum Neuen Jahre. Der Präsident teilt mit, daß er die Interpellation Graf Kanitz u. Gen. st.) betreffend den Bankdiskont am Dienstag, den 14. Januar, auf die Tagesordnung zu fetzen beabsichtige. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Beratung des Antrages Graf v. Hompesch u. Gen.(Z.) betreffend Erhaltung und Förderung des Handwerkerstandes und deS kaufmännischen Mittelstandes. Das Schlußwort erhält der Abg. Irl(Z.). Redner geht unter großer Unaufmerksamkeit des schwach besetzten Hauses auf die einzelnen Punkte des An- träges ein und äußert seine Genugtuung darüber, daß die vcr- schiedcnen Parteien den Forderungen der Handwerker heute freundlicher gegenüberstehen, als früher. Er schließt: Meiner Entrüstung muß ich Ausdruck geben über die Art der sozialdemo- kratischen Agitation unter den Lehrlingen; es muß jeden Menschen empören, zu sehen, in welcher Weise versucht wird, den jungen Leuten die Religion aus dem Herzen zu reißen.(Beifall im Zentrum.) Der Antrag wird in seinen einzelnen Teilen mit großer Mehrheit angenommen. Nächster Gegenstand der Tagesordnung ist die Beratung des Antrages Frhr. von Richthofen-Damsdorf u. Gen.(k.): �Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, die Borarbeiten zu einem Gesetzentwurf betr. die Pensions- und Hinterbliebenen- Versicherung der Privatbeamten so zu fördern, daß derselbe bei Beginn der nächsten Rcichstagssession zur Vorlage gelangen kann," Abg. Frhr. v. Richthosen(k.) begründet den Antrag in längeren, auf der Tribüne im Zusammenhange unverständlich bleibenden Ausführungen. Abg. Dr. Strescmann(natl.): Die vom Reichsamt des Innern herausgegebene Denkschrift hat unter den Privatbeamten große Enttäuschung hervorgerufen, weil aus ibr hervorzugehen schien, daß die Privatbeamten 15 Proz. ihres Gehaltes zur Er- reichung der gewünschten Versicherung aufwenden müßten. Die Denkschrift entwirft nicht ein vollkommen zutreffendes Bild von den Verhältnissen. Das Streben der Privatbeamten nach einer Versicherung entspringt dem Streben, der Proletarisierung ent gcgcnzuwirkcn; hierbei müffcn sie unterstützt werden. Man wird mit geringeren Beiträgen, als die Denkschrift annimmt, aus- kommen können. (Vizepräsident Dr. Paaschs unterbricht plötzlich den vom Hause mit großer Unaufmerksamkeit angehörten Redner und ruft:.'.Hier baden fremde Personen keinen Zutritt! Bitte, verlassen Sic den Saal!"— Unruhe und Verwirrung im Hause und auf der Tribüne, zunial da nicht festzustellen ist, ob im Gefolge eines Ab- geordneten ein fremder Herr sich in den ReichStagSsaal verirrt oder aber Vizepräsident Paasche irrtümlich einen neu gewählten polnischen Abgeordneten für einen Fremden gehalten hat.) Durch einen Ausbau des Jnvalidcnvcrsichcrungsgesctzcs wird man die Wünsche der Privatbcamten nicht erfüllen können, es wird sich vielmehr um ein besonderes Gesetz, um die Ein- richtung einer besonderen Versicherung handeln müssen. Unsere wirtschaftliche EntWickelung geht dahin, daß es dem Handwerk und dem Kleinhandel immer schwieriger wird, sich zu behaupten, daß sie aber teilweise ersetzt werden durch die neuen Kategorien des Mittelstandes, die jetzt an die Gesetzgebung herantreten. Wir können diese EntWickelung nicht ändern, aber wir wollen ihre Schärten mildern.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. Linz(Rp.): In den Kreisen der Privatbeamten selbst sind zwei Richtungen vorhanden: die eine will die Versicherung durch einen Ausbau der Arbcitcrvcrsichcrungsgesetzgebung er- reichen, die andere wünscht eine besondere Versicherungskasse für die Beamten. Im Reicbsamt des Innern scheint man sich für ein Doppclsystem der Versicherung entschlossen zu haben, wenigstens für die Beamten mit einem Gehalt unter 2000 Mark. Wir glauben, die Regierung ist damit auf dem richtigen Wege. Abg. Sittart(Z.) erklärt die Bereitwilligkeit seiner Partei, an der Versicherung der Privatbcamten mitzuarbeiten. Der von der kleines fcinllcton. AuS der Geschichte der Weltpost. Ein Europäer, der einen Brief nach Buenos Aires, Melbourne oder Sönl schicken will, wirst ihn, mit einer Auslandsmarke versehen, in den ersten besten Briefkaste». Die Sache ist so einfach, daß er sich nicht einmal fragt, worin die Einrichtung besteht, die so vorzügliche Verbindungen ermöglicht. Wir sind so sehr an die Bequemlichkeilen des Postverkehrs gewöhnt, daß wir uns kaum vorstellen können, wie anders es früher war. Und doch brauchen wir nur dreißig Jahre zurückzudenken. un> ganz andere Verhältnisse zu finden. Wer damals einen Brief nach überseeischen Ländern schicken wollte, konnte ihn nicht in einen Kasten werfen, weil er die Taxen und die an den Versand gc knüpften Bedingungen nicht" kannte. Er mußte also auf das Postamt gehen. Fand er hier einen Beamten, der imstande war, Auskunft zu geben, was keineswegs immer der Fall war. so bedurste e-Z dazu doch langen Suchens. Die geforderte Taxe war gewöhnlich so hoch, daß der Absender oft genug auf die Aufgabe seines Briefes verzichtete oder ihn wieder nach Hause trug, un, ihn leichter zu machen. Zur möglickjsten Gewichtsverminderung überseeischer Briefe verwandle man besonders dünneS Papier und schrieb niit blauer Tinte, die leichter sein sollte als die schwarze. Statt des Kuverts schrieb man die Adresse auf die Außen- seile des gefalteten Briefes. Wer erinnert sich nicht jenes Liebespaares. das einander Briefe mit einem kleinen Strichlein auf dem Umschlag sandte, das nach vorheriger Uebcreinkunft bedeuten sollte:„Ich bin ge- sund und liebe Dich noch". Um aber das Porto zu sparen, refüsierte der Enlpfängcr jedesmal den Brief— in dem keine geschriebene Zeile stand. In einem solchen Bilde faßt der belgische Sekretär des Weltpostvereins in Bern. Hubert KrainS, den Forschritt deS modernen Weliverkehrs zusammen, dem er in seinem soeben erschienenen Buche .DUnioti postalo universelle" eine eingehende Schilderung ge- widmet hat. Neben zahlreichen technischen Einzelheiten wird hier eine Geschichte des Wellpostgedankens geboten, die viel Neues enthält. Der erste, der auf die Nolioendigkeit einer internationalen Konferenz zur Vereinfachung und Vereinheitlichung des PostdiensteS hinwies, war der amerikanische Generalpostineister Blair, und seiner Anregung der- dankte die Pariser Konferenz vom 11. Mai 1863 ihr Zustandekommen, die von 15 Staaten beschickt wurde. Doch hatte sich schon 1811 der deiitsche Schriftsteller Kläber dahin ausgesprochen:.Wie Kunst und Wissenschaft müßte auch die Post in kosmopolitischen! Sinne geleitet sein universalen Charakter erhalte». Im Interesse der Menschheit sollte man sie wie eine der ganzen Kulturwclt gehörende Institution betrachten und behandeln, denn wo sie nicht besteht, ist die Kultur noch in chaotischer Nacht befangen. Da-Z Band, das die Post mit der geistigen Welt aller Kulturnationen verbindet, ist so eng, daß man sie wie eine Weltpostanstalt auffassen muß, tvcnn man ihre hohe Bedeutung erkennt." Ein Deutscher war eS denn auch, dem daS Verdienst gebührt, dem Plan des Weltpostvereines, der damals.in der Lust" lag. die erste praktisch rcalifierbare Gestalt gegeben zu haben. Der Geh. Oberpostrat Heinrich Stephan arbeiwte im Jahre 18S8 ein Memorial darüber auS. das 1871 der- I Reichsregierung vorgeschlagene Weg einer Kombination der allge- meinen Versicherung mit einer Sonderkasse erscheine als geeigneter Weg zur Lösung der Frage. Abg. Dr. Mugba»(frs. Vp.) bedauert, daß bei einer so wichtigen Angelegenheit ein Vertreter der Regierung nicht an- wesend ist. Die Hauptfrage, ob eine Sonderkasse errichtet oder die Versicherung der Privatbeamten an die der Arbeiter an- gegliedert werden solle, kann nur entschieden werden, wenn seitens der Regierung reichhaltiges Material herbeigeschafft wird. Die Angestellten mit einem Gehalt unter 2000 Mark sind bereits in der Alters- und Invalidenversicherung, ohne daß sich irgendwie Unzuträglichkeiten daraus ergeben haben. Ich würde es für falsch halten, daneben eine Sonderkasse für die Privatbeamten zu schaffen, vielmehr sollte man der bestehenden Versicherung weitere Lohnilassen hinzufügen.(Bravo! bei den Freisinnigen.) Abg. Schmidt-Berlin(Soz.): Auf das Wohlwollen der Arbeitgeber kann man die Privat- beamten nicht verweisen. Aus eigener Initiative gewähren die Arbeitgeber nichts. Die Einkommensverhältnisse der Privatbcamten sind derartig gering, daß sie eine Versicherung zu fordern haben. Bei dieser Versicherung eine Grenze nach oben festzulegen, ist für uns ohne Bedeutung. Die Forderung, die Versicherung der Privatbeamten nicht an die bestehende Versicherung der Arbeiter anzulehnen, sondern ab- gesondert von der Jnvalidenversichrung der Arbeiter eine besondere Kasse einzurichten, wird damit begründet, daß diese Kasse der Privatbeamten dann ein größeres Maß von Selbstverwaltung bc- kommen würde. Im Gegensatz dazu müssen wir betonen, daß wir das Bestreben haben, unsere Versichcrungsgesctzgebung zu z e n- tralisieren und einheitlich zusammenzufassen; da wäre es doch wohl sehr bedenklich, aufs neue wieder eine besondere Kasse einzuführen. Die Verhältnisse der Privatbcamten zeigen uns auch nicht eine Einheitlichkeit, sondern geben uns geradezu ein Bild der Zerrissenheit. Ich erinnere nur daran, wie ungleich die Verhältnisse auf dem Gebiete des Arbeitsvertrages sind. Ich bin doch der Meinung, trotz der Ausführungen einiger der Herren Vorredner, daß bei der Forderung, für die Privatbeamten eine gesonderte Kasse zu errichten, Standesvorurteile mitspielen.(Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Die Sozialdemokratie ist von jeher dafür eingetreten, eine Versicherung auch der besser- gestellten Arbeiter durch besondere erhöhte Stufen der Invalidenversicherung einzuführen. Sie kann den bürgerlichen Parteien den Vorwurf nicht er- sparen, daß sie sich gegen diese Anträge seit der Schaffung des In- validenversicherungSgefetzes bis zum heutigen Tage gesträubt haben. Unter„Arbeiter" verstehen wir auch diejenigen, die ihre geistigen Fähigkeiten zum Exwcrb ausnutzen, die geistigen Arbeiter, die nicht unter und nicht über den Handarbeitern stehen, sondern neben ihnen. Sind doch die Einkommensverhült- Nisse einer großen Zahl von Privatbcamien nicht besser als die einfacher Lohnarbeiter. Nicht mit der Lohnarbeiterschaft, sondern mit den privilegierten Älasscii stehen die geistigen Arbeiter in einem immanenten Widerspruch. Jeder, der sich im Dienste des Kapitals müht und quält, sollte sich seiner loichtigen Aufgabe im Produktionsprozeß und der Klasscnsolidarität der Arbeiter bewußt werdcn. Die Sozialdemokratie ist beim Handelsgesetzbuch für den Schutz der kaufmännischen Angestellten, für die gesetzliche Regelung der Rechte der Notariats- und Anwaltsgehülfcn eingetreten und fordert die Invalidenversicherung nicht nur für die Privat- angestellten, sondern auch durch Ausdehnung der Selbstvcrsicherung für die kleinen selbständigen Gewerbetreibenden, die Meister und die Leute mit freiem Erwerb, die nach ihren sozialen und Ein- kommensvcrhältnisscn einer Sicherstellung dringend bedürfen. Nach der gegenwärtigen finanziellen Berechnung der Landes- Versicherungsanstalt wären allerdings sehr hohe Beiträge sowohl für die Invaliden- wie für die Witwen- und Waisenvcrsicherung notwendig. Diese hohen Beiträge könnten allerdings von den An- gestellien allein nicht geleistet werden, sondern müßten zu einem erheblichen Teil von den Unternehmern getragen werden. Die große Zahl der anderen Einzelfragen will ich nicht bc- sprechen. Ich will nur noch cirunal hervorheben, daß uns außer- ordentlich dringend das Bedürfnis nach einer Vereinheitlichung unseres gesamten Versicherungswesens erscheint und daß wir diese Einheitlichkeit der Versicherung nicht abermals durch befoydere Kasi'encinrichtungcn und Sondergefetze in Gefahr bringen wollen. (Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) öffentlicht und über das auf dem Berner Kongreß vom 15� September 1874 verhandelt wurde. 22 Staaten waren vertreten und nach vierzehn Sitztingen war das Programm des Vereins festgestellt. Die Postkarte war damals now eine Neuerung; 1855 hatte Stephan sie den Abgesandten der deutschen Postverwaltungen aus der Karls- ruher Konferenz zu der Einheitötaxe von einem Silbergroschen im JnlandSverkehr empfohlen, war aber mit seinem Vor- schlage aus fiskalischen Gründen nicht durchgedrungen, so daß der österreichische Postdirektor Herrmann ihm 1869 mit der Zweikreuzerkarte znvorkain, die der Norddeutsche Bund dann am 1. Juli 1870 als Silbergroschen-Korrespondenzkarte ebenfalls ein- führte, um sie erst 1872 auf das halbe Porto herunterzusetzen. 1875 kannten schon ungefähr 20 Länder die Jnlandspostkarte, so daß ihrer Einführung alS internationales Verkehrsmittel im gleichen Jahre nichts ernstlich emgeaenstand.— Für den nächsten Weltpost- kongreß. der reglcmentsmäßig in sechs Jähren in Madrid tagen muß. werden folgende Forderungen genannt: Herabsetzung deö inter- nationalen Briefportos auf 20 Cts.(15 Pf.). Abschaffung deS Straf- portoS, die von der Schweiz schon längst durchgekührt ist, Herabsetzung der Minimaltaxe für Geschäflspapiere von 25 Cts. auf 10 Cts., Ver- Minderung der Zolldeklarationen und allgemeine Erhöhung der Gewichtsgrenze für Pakete, Freigabe der Kategorie„Warenmuster" für Sendungen aller Art mit Erhöhung der Gewichtsgrenze aus ein Pfund. Einführung direkter Geldanweisungen nach England, Amerika und Rußland. Von einigen Staaten werden bedeutend radikalere Forderungen gestellt, so von Neu-Secland der Antrag auf Einführung des internationalen Einheitsportos von 10 Cts., von den Vereinigten Staaten die internationale Briefinarke, doch haben sie wenig Aussicht, in nächster Zeit angenommen zu werden. Theater. Neues Theater:„Rudolf Schlosser". Drama in vier Akten von Karl Strecker. Was wohl der Verfasser, der selbst in einem Berliner Blatte des Amtes alS Theaterkritiker waltet, gesagt haben würde, wenn dieses unglückselige Geisteskind alS Pro- bukt irgend eines beliebigen Müller oder Schulze die weltbedeutendett Bretter überschritten hätte? Vcnnutlich wäre ihm kein Wort des Spottes und des Hohnes zur Kennzeichnung des blutigen Dilettantismus, der prätentiös-banalen Verschrobenheit zu scharf ge- wesen I Aber allerdings beliebigen MüllerS und Schulzes gegenüber würde, so wunderliche Mißgriffe in der Auswahl der Premieren für das Neue Thealer auch schon passiert sind, wohl vorher bereits das kritische Gewissen der Bübttenleilung in Aktion getreten sein. Man hätte das Ungetüm mit den üblichen schineichelhäfien Ausdrücken des Bedauerns zurückgesandt und dem Verfasser auf diese Weise die Blamage, den» Publikum aber drei Stunden peinlichster Verdrießlich- keit erspart. Soweit sich überhaupt etwas wie ungefähre Umrisse eines Themas, eines Planes in dem Stück erkennen lassen, scheint Hermann BahrS bekanntes Schauspiel„Der Meister" bei der Schöpfung Pate ge- landen zu haben. Was dort in psychologisch schlagkräftiger Pointierung entwickelt wird: das Schicksal eines genialischen, ttn SchafienSeifer ganz vom elementarischen persönlichen Fühlen los- gelösten Mediziners, das wird hier unter konsequenter Vermeidung Hierauf vertagt sich das Haus auf Donnerstag 1 Uhr.(Gesetz über den Unter st ützungswohnsitz, Vogelschutzgcsctz, Maß- und Gewichtsordnung, Haftung des Tierhalters.) Schluß 6 Uhr. Hbcfcordnctenbaue. 7. Sitzung vom Mittwoch, den 8. Januar, 1 Uhr. Am Ministertische: Freiherr v. R h e i n b a b e n. Präsident v. K r ö ch e r eröffnet die Sitzung mit geschäftlichen Mitteilungen. Aus der Tagesordnung steht zunächst die Entgegennahme von Borlage« der Staatsregierung.(Etat.) Finanzminister Freiherr v. Rhcinbaben: Ich habe die Ehre, Ihnen vorzulegen die allgemeine Rechnung über die Einnahmen und Ausgaben im Jahre 1904, die Uebersichl über die Eiintahmen und Ausgaben im Jahre 1906 und den Etat für 1908. Der Abschluß für das Jahr 1906 staud noch im Zeichen der wirtschaftlichen EntWickelung und ist als ein besonders günstiger zu bezeichnen. Ich hatte im vorigen Jahre den Ueberfchuß aus 1906 mit 30—37 Millionen in den Etat eingestellt. Bei der Eisenbahn- Verwaltung hat aber der strenge Winter 1906 eine erhebliche Ber- Minderung der Einnahmen und eine ebenfalls sehr starke Vermehrung der Ausgaben zur Folge gehabt, sodaß der Mehrüberschuß aus den Eisenbahnen nur etwa 15 Millionen beträgt gegenüber dem an- genoinmenen Mehrüberschuß von 36>/z Millionen. Günstiger gegen- über dem Etatansatz waren die Ergebnisse der Verwaltung der direkten Steuern und des Finanzministeriums. Insgesamt schließt das Jahr 1906 mit einem Mehriiberschuß von 40,5 Millionen ab, während er auf nur 36—37 Millionen angenommen war. Der von mir im vorigen Jahre in Aussicht gestellte Wirtschaft- liche Rückgang ist im Jahre 1907 eingetreten. Die Geldknappheit hat sich hauptsächlich aus dem Baumarkt geltend gemacht. So haben sich denn auch die Ausgaben der Bauverwaltung erheblich erhöht, und es wird die Ermächtigung erbeten, die Ueberschreitungen bei einzelnen Bauten derartig zu Lasten der gesamten Bau- Verwaltung zu nehinen, daß die tu einem Jahre überstiegenen Bau- raten im folgenden Jahre herabgemindert werden. Die Eisenbahnverwaltung wird einen Mütderüberschnß von 81 Millionen ergeben.(Hört! hört!) Minderergebnisse werden sich auch zeigen bei der Bergverwaltung und den indirckten Steuern. Voraussichtlich ivird das Jahr 1907 mit einem Defizit von rund«8 MiNionen abschließen, oder, ivenn die Eisenbahnverwaltung ein günstigeres Ergebnis erzielen sollte, von 45—55 Millionen Mark. Für das Jahr 1908 müssen wir mit dem weiteren Rückgang der wirtschaftlichen Konjunktur rechnen. Aber wir brauchen unS nicht dein Kleinmut hinzugeben. Wir werden hoffentlich auch minder günstige Zeiten überwinden durch Selbstvertrauen und Arbeitsamkeit. Ein längs, tmcrer Gang unserer wirtschaftlichen Entwickeluug wird vom Standpunkte der Erziehung der Ration nicht unerwünscht sein; wir müssen unö auf uns selbst besinnen. Wir müssen uns die Frage vorlegen, ob wir uns nicht vielfach an einen Zuschnitt unseres Lebens gewöhnt haben, wie er nicht den tatsächlichen Verhältnissen entspricht. (Sehr wahr! rechts.) Wir wollen uns eingedenk sein, daß wir auf dem mageren Boden der Mark uns zur Höhe emporgearbeitet haben. Ich glaube, wir müssen auch in der Staatsverwaltung uns überlegen, ob wir stets nur die besten und vollkommensten Einrichtungen treffen müssen, oder ob wir nicht auch öfters uns mit minder guten Einrichtungen begnüge» können. Auch die zunehmende Berschulduug der Gemeinden halte ich füt bedenklich.(Sehr richtig!) Man sollte auch da daran denlc» weniger Einrichtungen ans Anleihen zu legen, lieber die voraus- sichtliche Gestaltung des Geldmarktes in 1908 kann ich mich nicht äußern. Ich halte es da mit dem Finanzmann, der sagte:„Wenn ich Prophet gelernt hätte, brauchte ich mich nicht so zu schinden." (Hctterlcit.) Der Etat für 1908 verlangt mehr als der vorjährige: 322 Millionen, dazu kommen zirka 90 Millionen für die Mehraufwendungen für die Gehälter der Geist- lichen, Beamten und Lehrer. Wir haben uns nach Möglichkeit bc- müht, die Ausgaben einzuschränken. Den Anleihemarkt slarl in An- spruch zu nehmen, wenn es sich um dauernde Ausgaben handelt, jeder Spur von Geist, Natürlichkeit und Charakteristik in Formen einer wunderbar konfusen Fabel aufgetischt. Der eine Zug. daß der Professor Rudolf Schlosser, der große Mann in seines Schöpfers Augen, am Bett des sterbetiden Freundes auf Autorenrechte pocht, daß er im kleinlichsten Gelehrten-Eigensinn seine Manuskripte auö de» Wohnung des Toten heimlich entwendet, gibt eine Vorstellung der hier an die Geduld der Hörer gestellten Zumutungen. Den Gipfel des Lächerlichen erklimmen die Rodoniomaden deS letzten AkicS, wo dieser Herr, nachdem er sich von seiner Frau ge« trennt hat und vom Schöffengericht wegen des Manuskripten-Dieb- stahl« zu vier Wochen Gefängnis verurteilt ist, sich ein Giftfläschchen aus dem Laboratorium holt, um vor demselben einen tiefsinnigen Selbftmordmonolog zu halten. Eigentlich hätte ja die Menschheit von wegen dieses skandalösen Schöffengerichts verdient, daß er sie ihrem Schicksal überlasse, aber in rührend schöner Großmut beschließt der Edle zuguterlctzt. weiter zu leben und zu schreiben. Rudolf Christians und Marie Reisenhofer mußten sich für die beiden Hauptgestalten einsetzen. Für Applaus war vorgesorgt; ein paar ehrliche Zischlaute kamen dawider nicht auf. ät. Notizen. -«Theater- und Musikchronik. Eine„Freiheit« liche Bühne" ist von Karl Böttcher gegründet worden: sie will„soziale moderne Dramatik freiheitlicher Richtung" pflegen. Als EröffmuigSvorstellung geht am nächsten Sonntag, imchmittagS 3 Uhr im„Theater an der Spree" K. Böttchers Drama „Ausgewiesen" in Szene. das zwölf Jahre lang wegen angeblicher„Gefährdung öffentlicher Ordnung" polizeilich vcr- boten war. — Henri Marteau heißt der Violinmeister, Franzose, Reserveleutnant und vermutlich Nachfolger Joachims und nicht Marlin. wie hier gestern zu lesen stand. Marteau(auf deutsch Hammer) klingt auch viel französischer als Martin. — Böcklins Gefilde der Seligen, die auf einer Weltkunstreise beschädigt worden waren, sind glücklich wieder aus- gebessert und an ihre alte Stelle im Böcklin-Saale der National« Galerie gebracht morden. — Obacht. Pfarrer! In dem österreichischen„Kor- respondenzblatt für den katholischen KleruS" fand sich neulich fol- gende Warnung:„Ein Rat als Warnung. Einer der selbst vor kurzem ordentlich hineingefallen ist, erlaubt sich, seinen hochwiirdigen Herren Milbrüdcrn den guten Rat zu erteilen, niemals eine Haus- hällerin aufzunehmen. wenn dieselbe nicht ein von einem verlaß- lichen Arzre ausgestelltes Gesundheitszeugnis beizubringen im« stände ist." Wie die„Wiener Arbeiterzeitung" versichert, dürfte e-Z sich um einen sogenannten Schnupfen handeln, dem ein Hochwürdiger zum Opfer gefallen ist. Der warnende Rat ist also sehr angebracht. Denn es ist in der Tat nicht auszudenken, zu welchen ntoraliichci, und sonstigen Konflikten es konnnen mag, wenn die Pfarrköchinnen nicht mehr gesund in das Pfarrhaus kommen. ist mir vedenilich. Wir dürfen die Zniunft nicht zu stark belasten, um die Gegenwart zu entlasten� Bei der Eisenbahnverwaltung wird die Zukunfl ohnehin sehr große Anfgaden haben. Ich erinnere nur darmt, daß die Elektrisierung der Berliner Stadtbahn allein die Kleinigkeit von 330 Millionen kosten würde. Erhöhte Aufwendungen miissen wir machen für die schnelle Ausschließung unserer Kohlenselder im Westen. Bon dem Mehrbeträge von 442 Millionen, den der Etat fordert, wollen wir nur 40 Millionen durch eine niästige Erhöhung der Einkommensteuer aufbringen. Bei der Verwaltung der indirekten Stenern Planen wir eine orgauisatorische Uuigrstaltnug, da die jetzige Organisation nicht mehr den heutigen Verhältnissen entspricht. Bei der Eisenbahn- Verwaltung ist ein Minderüberschusi von 15 Millionen Marl an- genommen. Im Kultnsetat werden 16.3 Millionen Mark mehr gefordert. ES sollen 12 neue Seminare und drei neue Präparandenanstalten eingerichtet werden. Ich schließe mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß es uns mit festem Mut in gemeinsamer Arbeit gelingen wird, die Schwierig- leiten infolge der wirtschaftlichen Depression im Interesse dcS BolkeS und des Staates zu überwinden. sAeifall rechts.) Damit ist der erste Punkt der Tagesordnung erledigt. Es folgt die Beratung des Antrages der Abgg. B a ch m a n n und Genossen snatl.): Die StaatSregierung um alsbaldige Vor- legung eines Gesetzenlwnrfs zu ersuchen, durch den die Haftung deS Staates, der Gemeinden und anderer Ztoiummialvrrbande siir de» vou ihre» Beamte» in Aiisübiiiig der diesen aiwertrauten öffentlichen Gewalt zugesiigten Schaden einheitlich und in einer den RechtZ- anschauungen der Gegenwart entsprechenden Weise geregelt wird. Abg. Dr. Röchling snatl.) begründet den Antrag, indem er unter anderein daraus hinweist, daß diese strage bereits im Reichstage zur Verhandlung gekommen sei, der Staatsselretär des Reichsamt« des Innern' aber erklärt habe, daß diese Materie von den E i» z e l st a a t e n geregelt werden müsse.(Im einzelnen bleiben die AuSfühnnigen des Redners auf der Tribüne un- verständlich) Justizminister Dr. Befeler: In der StaatSregierung herrscht Einverständnis über die Notwendigkeit einer einheitlicheit Regelung der Haftpflicht der Beamten Da die Absicht besteht, mich im Reiche ein solche« Hastpflichtgesetz vorzuschlage», so bedurfte es einer Verständigung mit den ReichSäintern: denn ein preußisches Gesetz müßte mit dem Reichsgesetz im Eiiiklang stehen. Die Ver- ständigung mit den ReichSäintern ist erfolgt, und die StaatSregierung wird voraussichtlich»och während der jetzige» Tagung dem Landtage einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen. sBeifall.) Abg. Böhmer lk.) tritt im allgemeinen für den Antrag ein. Abg. Dr. Röchling snatl.) zieht mit Rücksicht auf die Erklärung des Ministers seinen Antrag zurück. Abg. Mertin ssk.) und Abg. Cassel sfrs. Vp.) erklären zur Geschäfts- orditung, daß auch ihre Parteien dem Antrage zustimmend gegen- überstehen. Es folgt der Antrag des Abg. Hammer sk.) und Genoffen. die StaatSregierung zu ersuchen, den Erlaß deS Ministers der öffent- liche» Arbeiten über daZ staatliche VerdingungSwesen in der Richtung zu ändern, daß bei den staatlichen Submissionen mehr als bisher Sachverständige aus Haiidlvcrkcrkrcisen gehört ivcrden sollen. Abg. Hammer sk.) begründet den Antrag kurz. Mmisier Breitenbach begrüßt die Anregung deS Antrages wohl- wollend. Abg. Eckert sfk), Euler(Z.) und Rosenov sfrs. Bp.) befürworten den Antrag. Abg. Lusensky snatl.) beantragt die Verweisung dcS Antrages cm die Kommission für Handel und Gewerbe. Abg. Fclisch sk.) tritt für einen weiteren Ausbau deS Sub- missionswesens ein und bemerkt, daß er bisher nicht gewöhnt qc- Wesen sei, daß die Freisinnige Volkspartei den Antragstellern der Rechten in solchen Fragen das Leben besonders leichi mache. Abg. Roscnow sfrs. Vp.): Diesen Vorwurf muß ich zurückweisen. Ich habe mich stets an den KommissronSarbeiten beteiligt» und wir werden dies auch jetzt tun. Abg. Felisch sl.): Ich erkemie an, daß Abg. Rosenow in der Kominiision ausgezeichnet gearbeitet hat; bisher habe ich aber nicht gewußt, daß die Freisinnige Volkspartei gerade eine Partei der Handwerker gewesen ist. Ich freue mich, daß aus einem SauluS ein Paulus geworden ist.(Heiterkeit.) Der Antrag geht an die Konnnission für Handel und Gewerbe. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzimg Freitag 12 Nhr: Freisinniger Wahlrechtsantrag. Schluß 4 Uhr. parlamcntanrcbcö. Die sozialdemokratische ReichstagSfraktion hat in ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, angesichts der Aufregung, welche aus Anlaß des brüsken Verhaltens der Grubenbarone gegen ihre Arbeiter in der Frage der Neuregelung des KnappschaftS- kaffenwcsens unter den Bergarbeitern, besonders im Ruhr- rcvier, entstanden ist, folgende Interpellation einzubringen: Die Unterzeichneten richten an den Herrn Reichskanzler die Anfrage, ob er eine Novelle zum Krankenversicherungsgesetz vor« zulegen gedenkt, welche die Berhälrniffe im LtnappschaftSwesen in einer für die Arbeiter befriedigenden Weise regelt? Es gingen ein: AuS dem Reichstage: Alphabetisches Inhaltsverzeichnis zum ReichshauShaltS- Etat 1008. Uebersicht über die Bauausführungen und Beschaffungen der Rke ichseiseubahnver waltung. Resolution Basscnnann: die verbündeten Regiermigen zu er- suche», einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen die Arbeits- zeit und die SonmagSruhe in Kontoren und sonstigen kaufmännischen Betrieben, die nicht mit offenen Verkaufsstellen verbunden sind, ge- regelt wird. Aus dem preußischen Abgeordnetenhause: Allgemeine Rechnung über den Staatshaushalt für da? Etats- fahr 1904 snebst Anlagen). Uebersicht von den Staatseinnahmen und-Ausgaben mit dem Nachweise von de» EtatSüberschreitnngen und den der nach- träglichen Genehmigung bedürfenden außeretats mäßigen Ausgaben für daS Etatsjahr 1906(nebst Uebersicht von den VerwaltüngSemiiahmen und-Ausgaben der preußischen Zentral- genosienschafiSIasse für das EtatSjahi 1S06). Uebersicht der Entschließungen der känigl. Staats- r e g i c r u n g auf Beschlüsse des Hauses der Abgeördneten aus der 20. Legislaturperiode. Nachweisung über die von der StaatSforstverwaltung beschäftigten Arbeiter, der Löhne, Arbeitszeit, Krankenversicherung, Betriebs- Unfälle usw. Nachrichten von dem Betriebe der unter der preußischen Berg«, Hütten- und Saliiicii-Verwaltliiig stehenden StaatSwerke während des ElaatsjahreS 1906(nebst 8 Anlagen). Verzeichnis der eingegangenen Petitionen. Nachweisung der durch Kauf und Tausch vorgekommenen Flächenzugänge sowie... Fläche nabgänge bei der Domänenperwaltung für das Etatsjahr 1906 snebst Denkschrift). Desgl. von der Forfiverwaltung. M Cebluz ein Ehrenmann? In Nr. 172 des„Vorwärts" vom 26. Juli 1907 stellten wir das aus Anlaß eines bestimmten Falles in Abrede. Lcbius hat den Genossen Mermuth als verantwortlichen Redakteur des„Vor- wärtS" angeklagt. Er fühlt sich dadurch beleidigt, daß wir ihn nicht als Ehrenmann anerkennen. Den Anlaß zu unserer gelcgent- lichen Kennzeichnung des Herrn Lebius bot ein von ihm her- rührender, in seinem gelben Gcwerkschaftsblatte»Der Bund" ver- öffentlichter Versammlungsbericht, worin dem Genossen Adolf Eohen eine Aeuherung in den Mund gelegt wurde, die dieser, unserer Information nach, nicht gebraucht hat. Am Mittwoch standen sich LebiuS und Mermuth vor dem Schöffengericht gegenüber. Der Verteidiger Mermuths. Dr. Kurt Rosen selb, erhob Widerklage und legte zur Begründung derselben fünf Nummern des Lebius'schen Organs „Der Bund" vor, ivorin der„Vorwärts" in der schmutzigsten Weise beschimpft wird. Der gegen angebliche Verletzung der eigenen Ehre so empfindliche Kläger spricht in seinen Artikeln von Lügen. Die im„Vorwärts" standen, von Heuchelei und Fälschung der roten Presse, von infamen Lügen der„Vorwärts"- K l i q u e, von schamlosen Lügen des roten Hetz- b l a t t e s usw. Ferner erbot sich der Verteidiger, zu b e w e i s c n. daß die Vergangenheit des Klägers«ine der- artige ist, daß man ihm mit vollem Recht die Eigenschaft alz Ehrenmann absprechen könne. ES könne erwiesen werden, daß sich LebiuS der Erpressung schuldig gemacht habe. Er habe von dem bekannten, für namhafte liberale Blätter tätigen Reiseschriftstellcr Karl May in Dresden ein Darlehen zu erhalten versucht, und als er mit seinem Verlangen abfiel, sei Herrn May durch eine mit„L." unterzeichnete Post-, karte mitgeteilt worden, LebiuS habe die Absicht, einen Artikel gegen ihn zu schreiben und in der„Sacblenpressc" zu tvrömntlichen. Also hier habe sich der Kläger als Rcvolvcrjournalist betätigt.— Ferner könne erwiesen werden, daß Lebius, als die Affäre der Gräfin Montignoso spielte, von ihm selbst gefälschte Briefe veröffentlichte, um nach einer bestimmten Richtung hin Stimmung zu machen. Weiter legte der Verteidiger einen vom Kläger verfaßten Artikel vor mit der Ucbcrschrift: „Bekenntnisse eines frühere» Sozialdemokraten." In diesen„Bekenntnissen" sagt Herr LebiuS, daß er gleichzeitig für ZcntrumSblätter, für nationalliberale Blätter und auch für sozialdemokratische Zeitungen gearbeitet habe. Ferner könne durch Zeugnis dcS Genossen Bredenbeck in Tortmund bewiesen werden, daß Lcbius einen Artikel für die„Rheinisch-westfälische Arbeiter- zeitung" schrieb, worin er angab, daß er der Polizei Berichte gc- liefert, also als Polizeispitzel fungiert habe. Die Veröffentlichung dcS betreffenden Artikels habe Bredenbeck jedoch verhindert. Lebius be st ritt, daß er Herrn May gegenüber in der angeführten Meise gehandelt habe.- Die Angaben Mahs, sagte er. könnten nicht als glaubwürdig gelten, denn May habe wegen schwerer EigcntumSverbrcchen acht Jahre im Zuchthause gesessen. Daß er gleichzeitig für die»ationalliberalr und für die sozialbemo- Presse schrieb, gab LebiuS zu. Mit Zentrumsblättern will er jedoch keine Gemeinschaft gehabt haben. Sein Hinüber- und Hcrübcrwechseln aus dem national- liberalen und sozialdemokratischen Lager erklärt er so: Er sei im Herzen nationaldemvkratisch. Bei den Nationalliberalcn habe die demokratische und bei den So- zialdemokraten die nationale Seite seines Herzend keine Befriedi- gung gefunden. Ob er die nationaldemokratische HerzcnSbefriedi- {jung jetzt bei Den gelben Gewerkschaften unter der Protektion der ärgsten Scharfmacher und reaktionärsten Arbciterfeinde zu finden glaubt, sagte Herr Lebius nicht.— Daß er als Polizeispitzel tätig gewesen sei. be st ritt Lebiuö und stellte in Aussicht, er werde jeden verklagen, der diese Behauptung aufstellt. /Bezüglich des von LebiuS herrührenden BersammlungsbcrichtcS im-Bund" wurde festgestellt? daß Lcbius die Aeuherung Cohens nicht richtig wiedergegeben hat. Nach LebiuS soll Cohen gesagt haben:„Nur nicht zimperlich. Kok- legen. Wir werden doch hier nicht-debattiercn. Faßt die Hallunkcn (die Gelben) am Genick. Schlagt dem Gesindel die Knochen im Loibe zusammen."— Nach der gerichtlichen Feststellung — der auch die Aussage eine? Gelben zu Grunde lag— hat Cohen «gesagt:„Wenn zu mir einer käme und an mich das schamlose An- sinnen stellt, die Gelben zu unterstützen, dann würde ich ihn die Treppe hinunterwerfen."— Auf die Frage des Vorsitzenden an den Zeugen Genossen Wuschick, warum Cohen das Vorgehen der Gelben als schamlos bezeichnet habe, erklärte Genosse Wuschick: Weil alle Gewerkschaftsorganisationen, gleichviel ob eS freie, Hirsch- Dunckersche oder christlich-nationale Organisationen seien, das Vor- gehen der Gelben als ehrlos und gemein betrachten. Das sei z. B. m einer Resolution des letzten christlich-nationalen Arbeiterkon» greffes ausgedrückt worden. Daß Lcbius der letzte ist, der ein Recht hätte, sich über solche Aeußerungen zu entrüsten, da» belegte der Verteidiger durch eine Stelle aus dem„Bund", worin LebiuS diese „gelbe Formel" aufstellt:„Dem Tüchtigen mehr, dem Untüchtigen weniger, dem roten-Hetzer ab« einen Fußtritt, dtt ihn an die frische Luft be- fördert." Doch diese Feststellungen waren für da? Urteil deS Gerichts nur von geringer Bedeutung. ES legte vielmehr das Hauptgewicht darauf, daß dem Kläger die Eigenschaft als Ehren. mann abgesprochen wurde. Das— sagte der Vorsitzende bei der Urteilsbegründung— sei unter allen Umständen eine Beleidi- gung, für die rein Wahrheitsbeweis zulässig sei. die auch nicht durch den§ 193, auf den sich der Beklagte berief, straf- loZ gemacht werde. Die Widerklage loieS das Gericht bei vier Artikeln mit der Begründung ab, daß Genosse Mermuth zurzeit des Erscheinens der„Bund"-Artiker nicht verantwortlicher Redakteur des„Vorwärts" gewesen sei. Bei dem fünften Artikel, der den Ausdruck Lüge enthält, sei die Widerklage abzuweisen, weil nicht festzustellen sei, ob der Ausdruck in der Abwehr von unwahren An» griffen des„Vorwärts" gegen den„Bund" geschrieben sei. Es verurteilte den Beklagten wegen Beleidigung aus ß 155 zu einer Gelbstrafe von 190 M. und sprach dem Kläger die Befugnis zu. das Urteil im„Vorwärts" zu veröffentlichen. Die Beleidigung— sagte der Vorsitzende— sei eine schwere, die Strafe würde erheblich höher ausgefallen sein, wenn nicht in der Verhandlung manches zur Sprache gekommen wäre, was den Kläger nicht im besten Lichte erscheinen läßt. « Das Gericht hat also die Prüfung der Frage, ob LebiuS ein Ehrenmann ist, abgelehnt und den Zweifel an seiner Ehrenhaftigkeit für eine unter allen Umständen strafbare Beleidigung erklärt. Jedenfalls wird die Berufungsinstanz doch nicht umhin lönncn, dem Beklagten zu gestatten, daß er gründlich in die Vergangenheit des Klägers hineinleuchtet und dadurch die Frage zur Entscheidung bringt, ob LebiuS noch verlangen kann, als Ehrenmann anerkannt zu werden. Die Ansicht des GerichtSvorsihenden. der WahrheitS- beweis dafür, daß Lebiuö kein Ehrenmann ist, sei nicht zulässig, findet in dem Gesetz keine Stütze. Kus der parte!» Eine wieder eroberte Position. JnWakterShausen(Herzogtum Gotha) fand am Dienstag eine Stadtverordneten-ErgänzungSwahl statt. Der sozialdemokratische Kandidat wurde dabei mit 339 Stimmen gegen den Kandidaten der vereinigten bürgerlichen Parteien gewählt, der 304 Slimmen erhielt. An der Wahl beteiligten sich 929 der ein- geschriebenen Wähler. Mit diesem Siege haben die Genossen von WalterShausen die ihnen verloren gegangene Mehrheit im S t a d t v e r o r d n e�t en- kollegium wieder erlangt. Sie haben jetzt sieben, die Bürger- lichen fünf Sitze im Stadwarlainent. Die Ordnungspresse hat seinerzeit ein großes Freudengeheul angestimmt, als die sozialdemokratische Mehrheil in Waltershausen gebrochen wurde. Die Waltershausencr Genossen haben dafür gc- sorgt, daß diese Freude von kurzer Dauer war. BUdungsbestrebunge» im Ruhmvier. Die gewaltigen organisatorischen und agilatorischen Aufgaben, die die Parteigeiiosien im Ruhrrevier zu leisten haben, machten eS lange Zeil unmöglich, der Bildungssrage die gebührende Beachtung zu schenken. Von gelegentlichen Borträgen und anderen Ver- anstalningen abgesehen,'war bisher von einer einheitlichen und planmäßigen Arbeit in dieser Hinsicht im Ruhrrevier nicht die Rede. Nach den NeichStagswahlen, die uns so glänzende Fortschritte brachten, kam man endlich dazu, auch die Lösung der BtldungSfrage mit stärkerem Nachdruck anzustreben. In den Wahlkreisen Dort- mund-Hörde und B o ch n m konstituierten sich Bildiingsansschüsse, deren lange und schwierige Arbeit jetzt das erste greisbare Resultat gezeitigt hat. Genosse Rühle- Leipzig lvird in Dortmund und in Gesenkirchen und Witten iWahlverein Bochum), einen Zyklus von acht Vorträgen über den wissenschaftlichen Sozialismus abhalten. Die Vortragsfolge begann am Montag in Dortmund. Der� erste Vortrag erfreute sich eines über Erwarten starken Zuspruches. Es hatten sich viele Parteigenossen von auswärts eingefunden. ES war fast kein Orr deS Wahlkreises, der nicht Besucher gestellt hatte, trotzdem der verhältnismäßig frühe Beginn Uhr) die Beteiligung der auswärtigen Parteigeiiosien nicht begünstigte. Sogar aus dem Wahlkreise Hanim-Soest saus Unna und Niederwasier) waren Teil- nehmer anwesend. Dieser zahlreiche Bestich ist ein erfreuliches Zeichen des BildungsdrangeS der Genoffen. Einen WahlfondS haben die Genoffen der Wahlkreise Leipzig» Stadt und Land zu gründen beschlossen. In einer Partei- versamnilung der beiden Kreise wurde ein Antrag angenommen, in dem eS u. a. heißt: für Schaffung eines allgemeinen Wahlfonds für den Agitation?» Leipzig verpflichlen sich die organisierten Genoffen. einsckiließ- lich der wetblichen Mitglieder, jedes Kalendervierteljahr einen Extra- bcilrag von 10 Pf. an das AgiiaiionSkomitee abzuführen. Die erlangten Gelder sollen zur Deckung des Defizits der ver- floffenen Reichstags- und LandtagSwahl dienen. Nach der Tilgung dcS Defizits ist auS den Mitteln ein Wahlfonds anzusammeln, auS dem die Kosten für die Reichstags-, Landtags-, Stadtverordneten- und GeweinderatSwahlen gedeckt werden. Sammellisten zu Land- tags- und Stadtverordnetenwahlen dürfen nicht mehr ausgegeben werden. Zu anderen als Wahlzwecken dürfen Gelder aus diesem Fonds nicht verwendet werden. Vom Fortschritt der Presse. DaS„Volksblatt für K oburg und Gotha' hat eine Auflage von 9000 Exemplaren erreicht. Perseualien. In die Redaktion der Mannheimer„Volks- stimmet" tritt als Nachfolger deS LokalredakteurS Genossen M a i e r nach einem von der Hauptverwaltung des Miillervctbandcs in der.Mühlenarbeiterzeitung" veröffentlichten Sekrelärgesuch der Genosse Adam R e m m e l e, der frühere Leiter des Ludwigöhafener städtischen Arbeitsamtes. ßrirfkaften der Rcdahtion. Tie siiriftilAc Evrcchstiiiide findet Linvcnftrnfte Nr. 3, zweiter Hof, dritter Eiuganz, vier Trcvvc», SftF" F a h r st u l> l-CMI tupificntäfllldi von?>/> biö v'/t Nvr abend? statt. tNeöffnei 7 Nhr. SounabeudS begiim» die evreifistuude um N Ilbr. Jeder Anfrag->tt ein Buchstabe und eiue Kadi als tvlerk, eichen betjufiigen. Brieflich« Attlwor» wird nicht erteilt. Eilig« Jrage» trage man in der Evrcchstuude vor. C« U. 3193. Sie basten für die Schulden Ihres MimneS nicht und sollten gegen die eingetretene Psändung schleimigst JnterventionSklagc erbeben und einen EinstellungSbeichlutz Hevbeisübren.— 21. T>. 430. Die Mutter ist im Recht.— H. D. 100. 1. Der Vormund hat zu entscheiden. 2. Die Psändung wäre zulässig. Komincii Sie um Ratenzahlungen ein. — W. R. 8. Die Kosten ivcrden teilweise aus Staatskosten verrechnet. � C.£, 105. Sic können sich schon seht direkt an das Regiment wenden.— L. 43. Eine Lagerung findet nicht statt.— M. BS. 42. Sie würden gut tun, unter Mtnalmie des Beschlusses, der die Fürsorgeerziehung anordnet, die jurististh« Sprechstunde auszusuchen, damit Ihnen niitgcteill weroen kann, welche Schritte zwecks Aushebung des Beschlusses zu ergreisen sind. — Streitende E. I. AuSkunst über Spieliegeln vermögen wir nicht zu crtcUen. Die Parteien können unter sich vereinbaren, welche Regeln zu gelten haben.— Z. B. 1. Sind sämtliche Ziehungen der Lotterie, an der der Betressende beteiligt war, erledigt, so hat er kein Recht, mit denselden Bersonc» weiterzuspieien. L. So viel wie jeder andere.— SB. B. 6. üine Klage wäre nicht völlig aussichtslos. Zwecks Anstellung der Klage sollten Tie das Arnicniccht erwiiken. Ob und inwieweit Ihre Organiiation Ihnen Betbülse leinen würde, vermögen wir nicht zu cnlschcidcn.— M. K. Die Frau ist nicht verpflichtet, das Weihnachtsgeschenk zurückzugeben, Ihre Klage beim Gewerbegecicht bat Au-Zstchl aus Ersolg.—®. G. 100. Nein.— 1000. SB). SBi. C. Eine Verurteilung ist unter von Jonen angegebenen Umständen möglich.— E. G. 20. Nein, zur GrojijährigkeilSerllärnng ist guslimmmig des Vaters ersorderllch.— X.?). Z. 1. Ja. 2.«ein. — M. W. M. 90. Eine Enterbung kanu nur auS bestimmten Gründen stattfinden. Der Enterbte kann da» Testament nach dem Tode deS Erb- losser« ansechien, während Lebzeiten des Erblassers kann er gegen dessen Absicht nicht« tun.— R. Vogt. SB. K. t Wenn Sie nicht klagen wollen, so ersuchen Sie den Arbeltgeocr um schrislllche Anerkennung deS Restes. 2. Etwa bv Mark.— G.-2. DaS Gesep betreffend AbzablungSgeschästr vom Mai lLS4 besteht nach wie vor zu Recht.— t5t>. F. O. 305. Ist durch die Beschaffenheit Ihrer Wohnung eine erhebliche GesundheitS- gefährbung vorwiegend, so können Sie ohne Einhaltung einer KündiguiigSfrist den Verlrag ausheben und Schadenersap ver- langen. Nichten Sie ewe dahingehende Klage an das Amtsgericht und beantragen Sie unter Beifügung eines ärztlichen Attestes cwen nahen Termin.— I. L. 100. Ja.— Berg. Ehrbrg. Nein. � O. H. 17. Eigene Münzen oder eigenes Papiergeld zu verbrennen oder zu vernichten, ist eine Dummheit, aber nicht strasbar.— E. Pape 08. Die Klage hätte Aussicht aus Eisolg. Suchen Sie die Bewilligung des Arrnenrcchls nach und strengen Sie dann dieselbe an.— Alfred V. Ein Grund zu einer sosortiaen Entlassung liegt nach dem von Ihnen Vor- geiragenen nicht vor. Ihre Braut ioll Ihre föelialtSaiispriiche beim Kaus- niannsgericht geltend machen.— SP. 13. Sic können den Versuch einer Ehescheidungsklage machen. Leider ist wenig Aussicht auf das Durchdringen derielben, da Sie zu lange mit der Anstellung der Klage gezögert haben. Die Dinge, die sechs Monate zurückliegen, tönnen als ScheidungSgrund nicht mehr zur Geltung kommen.— A. j;. Ja.— D. 10. Ja.— H. T. L. 101. Die Karlen sind nach dem Gesetz durchaus zu- lässig und geben keine Veraulaffimg zu einer Klage.— M.-iii. Rem. —®. 30a. Sie können die Zahlung ablehnen, würden aber ivcgen ver- späteler Anmeldung Strafe erbalten können.— WilHelmsriiHe 16 und 17. 1. Fällt der letzte Zadlungstag aus einen Sonn- oder Feicriag, so braucht erst am nächsten Wochentage die Miete gezahit werden. 2. Schndcnersah wegen der Mäuseptage würden Sic verlangen können, wenn angenommen wtro, dafi den Vermieter ein Verschulden trifft.— Tg. Wenden Sie sich an de» Verein„Haiisflege" Abteilung dcL Berliner FiauenvercinS. Bureau Unter den Ltnden lk, Quergedäude s Treppen, Diciiolag ll— 12'/. Ubr. — H. H. 1. 1. lind 2. Ja.— A. SO.£. ES würden die PsäiibungS- kosten entstehen; die etwa durch eine JnlerventionSklage Ihnen erwachsenen Kosten können Sie Ihrer Forderung nicht zurechnen.— T. K. Nein A. G. 100. Wenden Sie sich an die Oberpostdtieklion. Sie erhalten die Bedingunaen zugesandt.— H. W. 19. DaS Amtsgericht zu zuständig. Die Großjährig leitSerklärung vor vollendeten Sl. Lebensjahr aber nach . cücnbctcm 18. 2cBcitS{a5i; ersolzt, ftcim bcr Mündc! und der Vater oder laH-Z dieser verstorben ist die Mutter cinwilligl und die GrobjäbrigkcitS- erllärung nach Anlicht des(Berichts im Interesse des Mündels liegt. — R. Z. 31. Zum Kaninchensang initlcts Frettchens ist die Erlaubnis des sSrundeigentümerS und des Jagdbercchtigtcn ersorderlich. Wenden Sie sich an den Magistrat.— C. M. Rixdors«y. Sie sind zur Zahlung ver- pflichtet.— H. F. IttV. Ei» Mindcrjährigcr, der das 18. Lebensjahr vollendet hat, kann aus Antrag durch das ÄonmmdschastSgerichl sür volljährig erklärt werden, wenn er selbst oder der Jnhade der elterlichen Ge- wall sin Ihrem Falle also die Mutter) einwilligt. Ohne Einwilligung der Mutler ist der von Ihnen beabsichtigte Ersolg nicht zu erreichen. — ti.®. 70. Beschweren Sic sich beim Polizeipräsidium, cvcnt. beim Minister deS Innern.— A. 10. Nein.— M. Z. 32. l Ja. 2. Die Erlaubnis kann crlcilt werde>.— O. T. 32. ES wird ein objektiver Be- richt gegeben. Ein stenographischer Bericht würde etwa 6 Bogen des.Bor- wärts" einnehmen.— Z. M. 16. Einen dahingerichtetcn Antrag können Sie im Bureau sür städtische Heilanstalten, Neue Friedrichstr 9—10. oder in der Versicherungsanstast am Köllnischcn Park 8, stellen.— M. 87. Nein. — ft. 708. Sic können ohne Begründung Einspruch einlegen. Verjährung liegt, wenn der Zahlungsbesehl im vorigen Jahre zugestellt wurde, nicht vor.— F. Z. SO. Wenden Sie sich an die chirurgische Abteilung in der Ebaritö.— L. 10. Wiederholen Sic Ihre Ans rage unter wörtlicher Mitteilung der Aufforderung.— C. 0». 08. Maffgebend ist der Wortlaut des Vertrages.— Müller. Sie müßten die Verabredung nachweisen. Gelingt Ihnen der Nachweis, so würde die Vereinbarung sür die Dauer von süns Jahren Gültigkeit haben. Sie würden demnach sür zwei Jahre aus Schadenersatz klage» können— K. Z. 100. Ihre Mutter soll sich beschwcrdesührend an die Armendirektion wenden.— Biktoria 33. Haben Sic den Versicherungsvertrag abgeschlossen, so sind Sie auch zur Einlösung der Police verpflichtet, würden eventuell zur Zahlung verurteilt werden.— D. 3S. 1. Nein. 2. Nein, eS sei denn. daß vorgespiegelt ist. die BertragSvcrlängerung würde eintreten. Dann läge Betrug vor und der Verkäuscr würde strasrechtlich und zivilrechtlich hasten. 3. Ja. — CT- M. 8. Entsagen Sic der Erbschaft, dann haben Sic sür die Schulden nicht zu hasten, sonst nach Maßgabe der Höhe der Erbschaft.— M. V. 100. 1. Die Trauung eines Mädchens als Jungsrau ist auch dann nicht strasbar. wenn die Jungsrauenschnst nicht besteht.— 2. Ab- treibungen und Abtreibungsversuche sind mit Zuchthaus, bei Annahme mildernder Umstände mit Gcsängnis bedroht. Die Verjährungsfrist beträgt 10 Jahre.— ZI. II. 1. Ein eigenhändig geschiiebencs unter Angabe des Ortes und deS TageS verfaßtes und unterichriebeucs Testament ist gültig. Zeugen, Beglaubigungen und dergleichen sind nicht ersorderlich. Es genügt also ein eigenhändig geschriebenes Testament, etwa des Inhalts: Berlin, den 1. Februar 1908. Ich bin unverheiratet, meine Eltern sind auch bereits verstorben. AIS alleinigen Erben setze ich Fräulein£. ein.'August Echuzle. Notwendig ist, daß das ganze Testament eigenhändig ge- und unterschrieben wird. 2. Ansprüche an die Kasse stehen dem Bc- treffenden nach Maßgabe des KrankenkassenstatuteS zu.— R. Z. Nein. — M. K. 77. 1. Nach erfolgter Ehescheidung besteht lediglich sür die Frau, nicht für den Mann, eine Wartesrist. Die Wartesrist beträgt zehn Monate und kann aus Antrag beim Amtsgericht von der Ersüllung der Wartesrist Abstand genommen werden. Solchem Antrage wird in der Regel stattgegeben, wen» durch Attest eines Arzte« oder einer Hebamme erwiesen wird, daß andere Umstände nicht vorliegen. 2. und 3. Nein.— iel!,»»s. Husarcnflcbcr. Trianon. Fräulein Josctte— meine Frau. Thalia. Die gelbe Gefahr. Bernhard Noie. Dte Verlobung im Bett. Die oberen Zehntausend. Bürgerl. SctmuspielhauS. Dorf und Siadt. Earl-Hapcrlaud- Theater. Spc- zlalitätcu. iviciropv. Das muß man sch'n. Slpollo. Hymack. La bollo Alozia. Gentes. Walhalla. Spezialitäten. Folie» Eapricc. Mal was andres. Dunkle Punkte. Eine anständige Frau. Gebr. Hcrrnfeld. Papa und Ge» nassen. Parodie. Zapfenstreich. Tannhänser. Mauna Panna. Kasino. Biederlcute. Wintcrgartcu. Robert Steidl. Spe- zialilätcu. Pai-ogc. Die singenden Engels- köpse. Spezialitäten Borussia> Bari6t6. Ackcrstr. 6/7. Spezialitäteii. Neichshallen. Steltincr Sänger. Nra»!.> Taudensiraste tN-IO. 8 Uhr: Kairo und die Pl)ramiden. Sternivarle, Jimalidenni 07-62. Berliner Theater. Gastspiel d. Neuen Operetten-Theaters. Abend« 8 Uhr: Blaubart. Soimabend. 11. Jan.. nachm. 8 Uhr: Till Eulenspiegel. Ucbcr die Hälfte ermäßigte Preise. Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Rudolf Schlosser. Hieraus: Maud Man: Vision der Salome. Freitag: Dieselbe Borstellung. Vom tl. bis 17. Jauuar: Gastspiel Eicon ora Duite. Kleines Theater. Agnes Sorma. Zum 1. Male: Der König Candaules. Ansang 8 Uhr. Freitag: Der König llandaule». Sonnabend: Mandragola. Sonntag nachm. 3 Uhr: Maria Magdalene. AbcndZ 8 Uhr: Der König Candaules.(Agnes Sorma.) Theater des Vestens. 8 Ubr: Ein IValzertranm. Operette von Oskar Strauß. Sonntag nachm. 3'it Ubr halbe Preise: Hie lustige Witwe. Saal Bechstcin. Linkstr. 42. Sonntag, 12. Jan., 8 Uhr; Premiere. Der Weg zum Lachen. Huna. Meist erw.(Busch. SchUoht, Presber, Baabe, Ostini) rezitiert v. Dr. Alfred Daniel. •U.l,2I3,4M.BoteätJBoct, Wertheim. Fnedrich-WühelmstädtiSGlies Schauspielhaus. Jugend von heute. von Ansang 8 Uhr. Sonnabend: In Ver. Freiiag, trctung. Sonntag«achm. 3 Uhr: Nathan der Weise. AbcndS 8 Uhr: Madame Sans Gönc. lortzingTheater. Donnerstag, 9. Jan., abends 71/, Uhr: Die Entführung aus dem Serail Freitag 3 Uhr: Die Entführung au« d. Serail. Sonliabciidnachm.3'/zUhr: Ruinpelslilzchcu. Abends 8 Uhr: Der Trompeter von Säckinge». Abends 8 Uhr: Husarenfieber. "ResidenRtieater. — Direktion: Riehard Alexander.— Ansang 8 Ubr. Ganz der Papa. Schwank in 3 Akten von Mars und DcSvallisreS. Deutsch v. M. Schönau. Baron des Aubrais: Rich. Alexander. Sonntag, den 12. Januar, nachm. 3 Uhr: Habe« Sie nicht» zu ver- zollen? Zentral>Theater. Gastspiel des Hcbbcl-TheaterS. Abends 3 Uhr: Frau Warrens Gciverbe. Drama in 4 Akten von Beruh. Shaw. luissn-Msr. Ncichenbergcrstr. 34- «lbend» 8 Uhr: Cyprtenn© oder: Wir lasten unS scheide«. Freitag: Erziehung zur Ehe. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Max und Moritz. Abends: Der Leier- mann und sein Pflegelind. Sonntag nachm. 3 Uhr: Romeo und Julia. Abends: Cyprienne oder: Wir lassen uns scheiden. Montag: Eypricnne oder: Wir lassen uns scheiden. UWWtm»? >Kr. Fraiikiurierstr. 132 Die Verlobung im Bett 5JJ Die ober. Zehntausend. Ansang 8 Ubr.— WochcntagSpreise Freitag: Di« Bluthochzeit._ TKeatezmdaSpw Köpeuickerstraste 68. Täglich 8 Uhr s Hoknspokns. Berliner Posse mit Gesang u. Tanz. Sonntag nachm. 3 Ubr: �na- gewiesen. sErössnuilgsvorstell. der Freiheitlichen Bühne.) Kixlllisfös Jheslsr Bürgcrsäle. Bcrgstraffc Nr. il7. Sonntag, den 12. Januar 1908 s Heimat. Schauspiel in 4 Akt. v. H..Sudcrmamt. Ansang 7'/, Uhr. Montag, den 13. Januar: Bolls- Vorstellung zu halben Kaffenprcisen: Di« Kinder der Exzellenz. Ans. 8 Uhr. bleues jProxrarnin. Ruth St. Vincent Gesongskünstlorin. Kaufmann-Truppe reizende Radfahrkünstlennnen. Eochcz ASon Der Affe als Kapelimeisfer. Robert Steidl der beliebte Humorist, und viele andere erstklassige Spezialitäten. ScIiiiler-TlieiUer. Schiller- Theater 0.(Wallner-Tbcaier). Donnerstag. abendS8Uhr: Philister. Lustspiel in 3 Ausz. v. Joh Wiegand. Hieraus: K»ie Eni-e. Komödie in 1 Akt v. O. C. Hartleben. Freitag, abends V Ubr: Di» Hennannsschlacht, S o n» a d e n d, abends«Uhr: Kollege Crampton. Schiller-Theater Charlottenburg. Donnerstag, abendS8Uhr: Kollege Crampton. Komödie in 5 Akten von Gcrhart Hauptmann. Freitag, abends S Uhr: Der RotIoof. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Revisor. Schiller-Saal(VÄSEK?) Freilag abends 9 Uhr: Vortrag von Dr. Paul Ertcl; Anton Bruckner. Erläutert durch Instrumentalmusik.(1. Vortrag de» ZykluS: Kontponillen der Neuzeit)._ lionp-TllPalPP WPtlPffll" Neil! flfpnnt! Ziitmffut! liliill. � ItulCl„ 1! CüllUU Täglich Vorstellung von S— ll Uhr. * SonnlagS von 3—11 Uhr. Chariottenbnrg, Polsdamerstr.n. Steliger Eingang von Neuheiten. Mus Schumann Heute Donnerstag, den 9. Januar, abends 7'l3 Uhr: Gala-Vorstellung mit hervorragendem Programm, sowie die ganz vorzügliche Klinsflsr-Familik Klein. Um O'/a Uhr,— Ende gegen 11 Uhr: Amerika zur Zeit der Sklaverei 1863"VE in 5 Sitten, hierzu 120 mitwirkende schwarze Leute.— Hervorzuheben: Alk große Krllvdkatastrophe in einem Hotel auf dem Kroadinoy ut Uno York. Eine natürliche Tainpfspriüe in voller Tätigkeit. Vollständig ncne. feenhafte Licht- _ und Wastereffckte. Sonntagnachmittag 1 Kindfrei, weitere Kinder halbe Preise. UlelropotThealei' An fang prUzlso 8 Uhr. Gr. Revue in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor HoUaender. In Szene eeserzt von Direktor Richard Schultz. li. Thielseher, F. Massary, 6. Daimoil Bender, Ciampietro, Joseph! ete. Rancbeii gestattet. Sonntag, den 12. Janaar, nachmittags 3 Uhr: Die Herren von Maxim. rPassaBe-Theater t Abends 8 Uhr: I Rudolf Mälzer «Die Tochter des Herodias \ Cavaliöre Girotto 1 The 6 Jdols Trio Fassio Die singenden Engelsköpfe (Prolongiert). 'WVS.V» WOWWWS- XIII. Saison, Zirkus Bu�ch Donnerstag, den S.Ianuar 1908. abends 7>/, Uhr: Rrove Vorstellung. Sras. vlarkonians aus Amerika. Das Phänomenalste aus dem Ge- biete der Lustarbeit. Austreten des terrn KommisflonSralS Gustav tensbeck, Dir. d. Berlin. Tatter- fall» als Gast, steu! Mist Ella. Tanzscilatt. stev! The Krem» Family, 10 Personen. Ferner: Frl. Estelle Preval, Schulreiterin. Herr Ernst Schumann. Neudreffuren. Um'1,10 Uhr: Auf der Hallig! Gr. Mancgc-'Allsst.-Pant d. ZtrkuS Busch in 4 Bild. Gas Phänomen der tauchenden Sirenen. GOGAGj IM OG OOGOOG Z f rcicVolksbuhnci Freitag, den 10. Jannar. 8'i, Uhr; I liOrtzl ng.Theater: DieEutlrunsausdemSerail. Erziehung zur Ehe. u« Isen Theater: Mitglieder werden noeb In allen Zahlstellen aulgenommen. Werbet Mitglieder für die Abend- � abteilungen Freitag: Gastkarten a 1 Slark � auch in beiden Theatern beim, Obmannn abends 7 bis 8 Uhr. Werbet Mitglieder für die Abendabteilungen Sonntag, den IS. Jannar, nachm. 3 Uhr; Berliner Theater 17.118. Abteilung; Ledige Leute. Neues Schauspielhaus 2.13. Abteilung: Ipbpe ü Taft 26, Kunstabend im Rathanse: iSontag, den SO. Jannar, 8'/. Uhr: Deutfdfc Romantik* I Einlaßkarten a 30 Pf. nur noch in den Zahlstellen zu haben. tu»*. Wagner-Feier Sonnabend, den 15. Febrnar, Im IHozart-Saal. i 240/2* Der Vorstand. In Vertr.: 6. Winkler. Das Programm der Attraktionen IM» 1 und Novitäten."V» Abend« 8 Uhr: La teile äleiia,'l/J.ffiV, Wateerwata WM' Hymack"MU der Mann mit den Handschuhen. Siegwart Gentes in seinem Sketsch: Die Opornprobe. Die 3 goldenen Junglrauen. ♦teiiiniPi E W.Koacks Theater DtrekUvu: Rob. Olli. Brunueultr. 16, Graste Gxtra-Borstellung! Geld und Name. Schauspiel n. d. glcichnam. Roman. Ansaug 8 Uhr. Entree 30 Ps. Nach der Vorstellung: Tans. Sonnabend. 11. Jan.: Gesoblossen. Stadt-Theater Moabit. All-Moabit 47—49. Donnerstag, den 9. Januar 1908: Liane, die zweite Frau. Schauiptel in 5 Akten nach d. gleich- namigen Erzählungen v. E. Marlilt i. d.«Gartenlaube- v. P. Blumenreich. Nach der Vorstellung: Großer Ball. Kasseneröffnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Gebt. Herrnfeld- Theater. 57 Kommandantenslraße Nr. 57. Ans. 8 Uhr. Vorverkauf ll—2 Uhr. Die bisher unübertroffene erfolgreichste Novität: Papa und Genossen. Vorher: Madame Wig-Wag. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Maycrhains. Variete-TKeaf er Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Abends 8 Uhr: Das große Programm. Ole erste Sensation Im neuen Jahr: Der Kraftjongleur Äeosta. lA elektrische Sterne musikalisch AuSstattungSakt. Rcettrum, Komiker. Prolongiert I Prolongiert l 12 Akrobaten I.orcb 18. ■4® VartAtAkUnstler. Tunnel: Regimentskapelle, Tiroler. Theaterbesuchern freier Eintritt. Urania Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Abends 8 Uhr: Kairo und die Pyramiden. Kasino-Theater. Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr: Nur noch biS DonnerStag. den 10. Januar: vIvtlvrlvatS.. Freitag, 17. Januar: Zum 1. Male: Die Freuden der Hänslichteit. Sonntag 4 Uhr: Nick Carter. Theater r alast-Theater _ Burgstraste 24. SV* Heute 8 Uhr"WS SV Entree SO Pf.-MW Der Januar- Spielplan. Des 4 Dräns. Paul piedard. Manöverliebe. Burleske. Parodie-Theater. DrcZdcnerstr. 97. Anfang 8 Uhr. Vorletzte Woche.'WU Zum«4. Male: /»pkeRstreicli. Tannhäuser. Monna Vanna. Folies Caprice Linienetr. 132, Ecke FriedrichstraBe. Berlins Tagesgespräch! W«äs Anderes. Revue in 3 Bildern. Dunkle Punkte. Eine anMtandlgo Frau. _ Anfang 8 Uhr. Reiclisiiallen-Theater. r. Anfang: Wochentag« 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Trianon-Theater. AU FrXületB Josetfe- meine Frau. Sonntag nachm.: Cyprienne. Sanssouci Direktion: Wilhelm Rolmer. Sonntag, Montag, Donnerstag: und Tanzkränzchen. Durchschlagend. Erfolg de« neuen Soiree- Progruinins! ___ Hochaktuelle chlager!-ME'SM1 Sonntag Beg. 5 Uhr. Wowent. 8 Ubr. AAAAÄAfrUBfib&iÄAÄAÄifcÄÄlfeÄ Schi» Eingang Gräsestr. Straßenbahn Nr. 3. 7. 16, 28. 29. SO. 49. 50, 63, 55, 05, I. ü, V. Donnerstag: Sustiger Abend Sonnlag: Grosses Konzert. Inh.; J. Ecschkoivskl. Ackerstraße 6-7. Täglich: Theater- und Spezialitäten- Vorstellung. Auftret v. 15 Künstler-Spoeialit. Entrae 50 Pf. Vorverkauf 40 PI. Im unteren Konzertsaal täglich die aliereraten ÜHIitar- Kapellcn: Becker, Prjywarski, Görisch, Neumann. Offeney, j Lüttich. jyiC j&VC. ZiSSC ÜSSC IsSSC -liAX. IM! 2sKC GEMÜSE-KONSERVEN Junge Schoten lllo°!°43 pf- Junge Schoten IIdo/u52 Junge Schoten I oL 80 Pf. Kaiserschoten Dose 1■ 1 0 Kaiserschoten XU™ 1.25 Stangenspargel III 90 pf. Stangenspargel ll�»1.iv Bruchspargel�Ä 60 pr. Bruchspargel extv"Dorse I.20 Grünkohl 35 pr. Weisskohl v»°°-e 35 pf. Wirsingkohl v, 35 pf. Karotten in Streifen ViDose 30 Pf. Karotten v, dos« 48, 68 pf. Znaimer Gurken s,-. I.20 Gewürzgurken Qia« 70 pf. FRÜCHTE-KONSERVEN Melangefrüchte v. o. 90 pf. Erdbeeren naturen% d. 93 pf. Sauerkirschenm pf. Mirabellen v1o.65,v3d.40 pt FISCH-KONSERVEN Ostsee-Bratheringe Dose 47 Pf. BisnnarckheringeDoae47 pf. Heringe In Gelee Dose 35 Pf. Aal In Qelee Dose SO Pf. Gabelbissen Do«. 75 pf. Olsardinen Dose45pf. Kirschen oline steine Lies 36 Pf. Stachelbeeren 26 pf. Apfelmus v. dos« 60 pf. Rheinisch Kraut�D.45 pf. Franz. öl8ardinenoäel.2o Langusten v, dos® 1.40 Langusten v» 90 pf. Hummern la v, v-«» 2.50 Hummern la v« 75 pf. Eckt NornberLsr Ochsenmaulsalat 60 pf. Dose ca. 1 Pfund TEE Souchong-Tee pfu-a 95 pr. Souchong-Melange i n m iv v rtoai 1.50 1.80 2.40 3.20 4 Mk. i m Kongo-Tee piuna 2.20 4«--. Ceylon-T ee--km«, 3 Mk. Pecco-Melange prund 4.30 Mk. MOSELWEIN 1905« Oberbilliger 80 pr. 1904" Sennheimer 1 mh. 1904« Winningen 1 Mk. 1905" Crettnachen I.10 1902" Sehl Cochemen I.35 1905" Aylen 1.45 1905" Niederemmi. Gintenslay 1.70 1904" Rübertberger 2Mk. Tee von R. Twinlng& Co., Ltd. Queens-T ea??Ud'ZA 5 Mk. �2.50 Kings-Tea �TPrSdogi. 4 Mk. P�d2 Mk. Ceylon-Tea p-k«»»> piwid-»ei. 2.50Mk. Pak»« ä Vi Pfund»ngl. 1.30 Mk, Paket ä Pfund engl, 7 0 Pf. inkl. Flasche RHEIN-u PFALZWEIN 1905" Gaubickelsheimen 75 pr. 1904" Bretzenheimen 90 pr. 1904" Laubenheimen 1«k. 1904" Rüdesheimen I.20 1904" Deidesheimen 1.40 1903« Rauenthaler 1.so 1904" Nierstein. Heiligenbaum 1.10 1893" Ockenheimer Hölle 2.40 1900" Liebfraunmilch 2.60 KOLONIALWAREN Rangoon-Reis p�nd 1 6 pf. Bassein-Reis p�d 16 pf. Java-Reis Pfund 23,28,35 pf. Gemischtes Backobst pfund 32, 48, 75 pf. Französische Pflaumen pfund 45, 50, 65, 70 Pf. Kalifornische Pflaumen pfund 42, 48» 55, 65 Pf. Türkische Pflaumen Pfund 26, 32 Pf. FLEISCHWAREN Zervelatwurst Pfund 1. 20 Salamiwurst p�d 1.20 Plockwurst p�nd l.io LandleberwurstpfundOO p» Rotwurst I Pfund 70 pt. Mausschinken«.. (ca. 2—3 Pfund schwer) Pfund I• 1 0 FRISCHE FRÜCHTE Apfelsinen Dtr.28, 40 pf. Zitronen otz. 35, 45 pf. Mandarinen».te 80 pf. Kochbirnen Pfd. IQpf. Ananas pfund 68 pf. Maronen Pfund 10 pf. Datteln Karton 40 Pf. Feigen Körbchen 35 Pf. Sprotten Kis4VS65pr. BORDEAUXWEIN 1904" 1905" 1905" 1904« 1905" 1904" 1905« 1904" Chät-LarscheBeaurech 80 n Beychevelle st juii»n 1 mh. Chat. Mouton d'Armailhacq grand vin Pauillac 1.20 Chat. La Tour de Möns 1.30 grand vin margeaux Chat. Föntet CanetÖ'?!.40 Chat, du T ertre grand vw 1.50 Chat. Brane Cantenac 1.80 grand vin margeaux Chat. Palmer 2»«-. Adriablume ÄnDalmvfa 1.10, tü 1 0 Mk. Eljenwein föÄä L20. Go,dkrFt I.75 Verantwortlicher Redaltcur: HanS Geber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.iTli. Glocke, Berlin. Druck u.Vcrlag: Vorwärts Buchdruckcrci u. Vcrlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Dr. 7. 25. IlchWng. 2. WzM ka„Pormirta" pfrliiift pollialilatt. Butiaiiaua Prozeß Peters— v. Bennigsen. Köln, 8. Januar 1908. (TelegraphisSer Bericht.) Zweiter Berhandluiigstaz. Nach Eröffnung der heutigen Sitzung durch den Vorsitzenden Ämtsgenchtsrat Kühl erbittet der Rcchisbeistand des VrivnlklägerS Jufti�rat Dr. S e l l o- Berlin für Dr. Peters das Wort einer periönliitieii Bemerkung, da unbedingt über einen Vorgang in der gestrigen Sitzung Aufklärung geschaffen werden müsse. Ich glaube. so fuhr dann Juitizral Sello fort, mit grotzer Bestimmtheit in den gestrigen Ausführungen des Privatbcklagren v. Bennigsen verstanden gu haben— obivohl es mit sehr leiser Stimme gesprochen wurde, so dah es deshalb wohl nicht von allen verstanden werden iolltc—: »Er habe ihn(Dr. Peters) immer aufgefaßt als ein schädliches Ungeziefer(Heftiger Widerspruch seitens der Beklagten, ihres Ver- teidigerS sowie auf der Sachverständigcnbank.).— Borst: Das ist nicht gesagt worden, ich habe es nicht gehört und würde eS jedenfalls gerügt haben.— Es wird dann mit der Verlesung des Urteils des RrichsdiSziplinarhofeS fortgefahren. Dieses Urleil der Berufungsinstanz ist für Dr. Peters noch ungünstiger als das der Disziplinarkammer. Die Disziplinarkammer hat angenommen,„dag Dr. Peters als Reichs- kommissar die ihm obliegenden Pflichten: 1. im Fahre 1891 bei der Hinrichtung des Mabrnk, 2. im Jahre 1891 und 1892 bei der Berichterstattung an den vorgesetzten Gouverneur verletz» und durch dies Berhalten im Amte sowie durch lein Verbalien außer dem Amte, 3. im Winter 1393/94 bei dem Gespräche mit dem Koniul Baumann der Achtung, die sein Beruf erfordert, sich unwürdig gemacht habe, während eine einsprechende festste lhrng hinsichtlich des Kampfes mit Malamia, der Bestrafung der Weiber mit Kettenhaft, der Hinrichtung der Jagodja und der Aeutzcrungen zu Mittelstädl und Hermes nicht getrbffen werden konnte." Hingegen hat der kaiserliche DiSziplinarhof für die Schutzgebiete unter dem Borsitz des Kammergerichtspräfidenlen Brinkmann für festgestellt erachtet: „Taft der Angeschuldigte Dr. PeterS als kaiserlicher Kom- missar im Jahre 1891 1. bei der Hinrichtung deS Negers Mabrnk, 2. bei der kriegerischen Bermlttelung mit dem Häuptling Malamia, Z. bei der Verurteilung dreier Negerinnen zur Durch- peitschung sowie bei der Ausführung dieser Strafe, 4. bei der Hinrichtung der Jagodjo im Jahre 1892, 5. in den Jahren 1891 und 1892 bei der Berichterstattung an den vorgesetzten Gouverneur in zwei Fällen die ihm obliegende» Amtspflichten verletzt und durch dieses Ber- halten im Amte sowie 6. im Februar 1892 bei dem Gespräche mit den Ingenieuren Mittelstädt und Hermes sowie im Winter 1893/94 bei dem Gespräche mit dem Konsul Dr. Baumaun durch sein Berhalten außer dem Amte der Achtung, welche sein Berns erfordert, sich unwürdig gezeigt hat." Beide Gerichte haben auf Grund vieler Feststellungen bekanntlich Dr. Peters zur Dienstentlassung verurteilt.— Justizrat Sello: Im Anschlutz an die Verlesung dieser beiden Urteile möchte ich doch feststellen, datz dem Privalkläger Dr. Peters durch einen Gnadenakt des Kaisers im Juni ISOS Würde und Rang eines ReichSkommissarS a. D. wieder erteilt worden ist. ». Beunigfen: Herr Justizrat Sello hat gestern gegen mich und meinen Rechtsbeistand in bezug auf die Hereinziehung des Bischofs SmithieS den Vorwurf der SlimmungS macherei erhoben. Wenn er das getan hat, so mag ihm dabei als Entschuldigung zur Seite stehen, dast er die biographischen und damaligen VerkehlS- verhältnifle Deutsch-OstafrikaS nicht kennt. Die Kara>va»enstraste von Kilimandscharo bis zur Küste ging damals über die MissionS- st a t i o n M a g i l a. Der Bischof SmithieS wohnte in Magila und hatte daher von den Vorgängen am Kilimandscharo sowohl von den Eingeborenen wie den Europäern eingehende Kunde erhalte» und zwar in durchaus glaubwürdiger Weise, sonst hätte der vornehme, würdige, milde denkende Mann«nd Priester nicht eine so schroffe Aeutzernng über Dr. Peters getan. Sonst hätte er sich nicht an den Gouverneur v. Soden mit der Forderung gewandt, eine Disziplinarnutersuchung gegen Dr. PeterS«in zuleiten und sonst hätte er nicht gedroht, datz er sich andernfalls an die englische Presse wenden mühte. Es ist also ganz natürlich, datz in der PeterS-Angelegenheit der Bischof SmithieS eine hervorragende Rolle spielt. Gouverneur von Soden hat in dem P r o z e h Dr. Friedl Martin folgendes ausgesagt:„Dann möchteich doch hinzufügen, datz ich von dem Privalkläger— das war Dr. Peiers— damals erwartete, datz er selbst die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen sich beantrage» würde. Den» der Privatkläger war von der englischen Misston insbesondere dem Bischof SmithieS öffentlich als Mörder bezeichnet worden. Gegen diesen Borwurf hätte er sich am besten durch eine amtliche Untersuchung verwahren können." Dr. PeterS hat gester» hier gejagt, er wisse nicht, was SmithieS hinler seinem Rücken über ihn gesagt habe.— Nach der eidlichen Bekundung des Gouverneurs v, Soden hat SmithieS den Dr. Peters öffentlich einen Mörder genannt. PeterS hat ferner gestern gesagt, datz er noch später einen Brief von SmithieS erhalten habe. Das ist ganz«»möglich. Denn sowohl der erste Brief, von dem Dr. PeterS zugibt, datz er ihn geichrieben hat. wie auch der zweite Brief, den er einen Entwurf nennt, seyen zeitlich und sachlich vor- au«, datz Dr. PeterS bereits eine» Brief von SmithieS in Händen batte. ES trifft also in diesem Falle der Vorwurf der Slimmuiigsmachcrei nicht denjenigen, der daS Zeugnis des Bischofs SmildicS in die Berhandlung hineinzieht, sondern denjenigen, der den Bischof Smildies. der in ganz Deuifch-Ostairika und weit darüber hinaus für seine Tätigkeit die grötzte An- erkennung gefuuden hat, bezichligl, er handele auS e»g lisch- politischen Motive». Bischof Snuthies ist einer derjenigen von den Zeugen zur PeterS- Affäre, die über das Grab hinaus mit Ber- leuoidungen verfolgt werden nur um Dr. PcterS zu reinigen. Dr. Peters: Diese Ausführungen des Herrn v. Bennigsen sind meiner Meinung nach voll von Irrtümern und Widersprüchen. Zu- nächst ist eS falich. datz die Karaivanenstratze nach der Küste über Magila führte. Dann kann ich nur nochmals erklären, datz ich von der Seutzerung deS Bischofs SmithieS nie etwa» erfahren habe, als bis Herr v. S o d e n sie mir i n D a r- e s- S a l a a m mitteilte. Sie können mir glauben oder nicht, das ist mir voll- kommen gleichgültig,(zu Herrn v. Bennigsen) zwischen uns werden sich ja ohnedies noch weitere Auseinandersetzungen außerhalb des Gerichtssaales abspielen müssen, aber vor meinen deutschen Landsleuten erkläre ich und kann es nur immer und immer wieder erklären, datz ich von den Aeutzernngen de» Bischofs SmithieS über mich nichts aewuht habe. Jäi habe gestern nicht gesagt, datz Biicbvf SmithieS deutschfeindlich gesinnt war. Ich bestreite es auch gar nicht, wenn Herr v. Bennigsen, der ihn wahrschein- licb auch nicht kennt, ihn einen edlen Mann nennt. Das mng möglich sein. Ich habe auch nicht gesagt, datz er gegen mich -intrigiert hat. Ich habe nur auSgesüprt, datz ich allen Grund hatte, , gegen die britischen Missionen in Deutsch- Ostairika mitztrauiich zu j sein. Herr v. Bennigsen weitz genau, datz ich damals nnierer Ration - ihren Besitz sichern mutzte. Wenn Herr V. Soden sagt, ich hätte eine ' Untersuchung gegen mich selbst beamragen müssen, so kann ich nur erividern, datz damals diese ganze Sache für mich keine causs celebre war. Damals handelte es sich wirklich um mehr: Es 1 galt dieses grotze Gebiet für Deulschland zu eriverbeu. Im Jahre 189s beanlragte ich dann, datz eine Untersuchung gegen mich eröffnet werde. Ich tat es. weil man diesen Küstenklatsch ! rn Deutschland gegen mich politisch zu verwerten stichle. Denn K ü st e ii k l a t s ch ist alles,»nd Sie. Herr v. Bennigsen, scheinen , eine Menge Küstenklatsch gehört zu haben. Küstenllatsch ist es, glauben Sie es mirl Und wenn Sie eS mir nicht glauben, 'o soll es mir auch gleichgültig sein.— Bors.: Ich mutz doch bitten, datz Sie Herrn v. Bellingsen hier nicht immer persön- l i ch angreifen', er hat Sie bier im Saale auch nicht persönlich angegriffen.— Dr. PeterS(fortfahrend): Also 1895, als der sozialdemokratische Führer v. Volkmar heftige Angriffe gegen mich richtete, beantragte ich ' Sie Untersuchung gegen mich. Die Folge war, datz der damalige Reichskanzler Fürst Hohenlohe mich bat, als Landes- Hauptmann mit erhöhtem Rang und Gehalt nach dem Taiigaiijika zu gehen, ich lehnte aber ab. Ich glaube, datz diese meine Mitteilungen v'elmehr zur Sache gehören, als irgend eine Aeutzening des Bischofs SmiibieS. 1905 hat mir dann der Kaiser. wie schon Justizrat Sello betont hat. Würde und Rang eines ReichskommissarS wieder verliehen. Bors.: DaS ist auch nicht bestritte» worden, v. Bciiiliksen: Ich kann nur erklären, daß ich Dr. Peters persönlich nicht besämidigt habe, den Bischof SmithieS ver- lenmdkt zu babeu. Aber ich habe solche Berleumdungen sehr oft in der Peters-Presse gelesen. Bors.: Das mag ja sein, aber wir wollen doch möglichst wenig hineinziehen, was die Presse sagt und nur Talsachen vorbringen.— RechtSainv. Sello: Wir kommen mcbt einen Schritt weiter.' wenn wir feststellen, was Bischof SmithieS auf einer Karawaneustratze von Farbigen und Europäern gehört hat. AuS eigener Wissenschaft hat er jedenfalls nichlS gcwutzt. Erheben wir also über die Vorgänge selbst Beweis!— Bert. Rechtsanio. Falk: Der Brief deS Bi'chof SmithieS ipielte in den Ausführungen der Gegner gestern eine grötzere Rolle als heute. Gestern bekämpfte die Gegenpartei alle unsere Beweisamräge mit dem Einwände, datz es lediglich auf diese» Brief anlomme. Ich stelle deshalb unter Beweis, datz SmithieS keineswegs deulschfemdlich war, sondern politische Zwecke überhaupt nicht verlolgte, datz er sich lediglich der Missioustäiigkeit unter den Eingeborenen widmete, datz er ein Mann von vornehmster DeulungSart, ausgeprägtestem Gerechtigkeitssinn und strengster Wahrheitsliebe war. der sich nicht bereit hätte finden lasse», Anschuldigungen gegen Europäer aus blotzeS Gerede hin und ohne sie sorgfältig nach- zuprüfen, weiter zu geben und datz er den Dr. PeterS gleich- wohl einen Mörder geiiannt hat. Für diesen Teil meiner Beweis- anträge benenne ich als Zeugen de» Provinzialpater Acker. Ich habe noch einen weilereu BeweiSautrag: Bei den Akte» deS ReichskolonialamtS befindet sich die ganze Korrespondenz SmithieS-PeierS. Gerade mit Rücksicht a»f die Einwände der Gegenseite beantrage ich, von dem ReichSkolonialamt die Briefe SniilhieS-PeterS und Soden- Smithies einzufordern. Es befinde» sich bei de» Akten nicht nur Briefe des Dr PcrerS an SnuthieS, sondern auch die Briefe, die SmithieS an Dr. PeterS geschrieben hat. Sie werden genau ergeben, was SmithieS dem Dr. PeterS damals vorgeioorfen hat. Ferner befindet sich bei den Akten ein Brief des Bilchof Sinithies an de» Gouverneur v. Soden, worin er diesem Mit- teilunge» von den Verfehlungen deS Dr. PeterS macht. Daraufhin Hai der Gouverneur v. Soden den Bericht von PeterS eingefordert. und PeterS hat geantwortet, datz Mabruk nichl wegen Ebevruchs gehängt worden sei. Im Z>isam»le»ha»ge mit dem Smilhiesbrief, um de» es sich hier handelt, wird eS notwendig sein, alle diese Briefe einzufordern.— Dr. PcterS: Ich kann mich diesem Antrage nur anschlie.tzen. Ich habe persönlich das grötzte Jiitereffe daran, datz diese yanze Korrespondenz einmal herausgegeben wird, damit endlich einmal die Tuscheleien, als ob beim ReichSkolonialamt noch elwaS gegen mich liege, ihr Ende finden. Als ich später die Untersuchung gegen mich beanlragte. wurde sie eiiigeieitet, und die Folge war. datz ich als Grenz- ko»u»issar zwischen Deutschland und England bestätigt wurde. Am >8. Mai 1894 erhielt ich ein Patent des Kaisers, daS von dem RcichSkanzlerS Grafen Caprivi gegengezeichnet war, in dem mir der Dank für meine gefährliche Tätigkeit und der Wunsch des Kaisers übermittelt wurde, datz»ch mit demselben Eifer in ihr fortfabren möge. DaS Amt d e S R e i ch S k o m m i s i a r S, das ich bis dahin nur kommissarisch verivaltet hatte, wurde mir definitiv übertragen. DaS ist doch für diesen Prozetz von großer Wichtig- kett. Das ist doch eine Techargc, wie ich sie mir nur denken kann. Wer sollte denn in Dentschland Decharge erteilen töimen. wenn eS nicht der deutsche Kaiser könnte. Der Bischof SmithieS ist auS meinem Leben ausgeschieden, weil er niemals darin war. Ich kenne ihn gar nicht, ich glaube ein Haifisch hat ihn einmal aufgefressen(Heiterkeit).— Bert RechtSanw. Falk: Dr. Peterv hat sich auf den Siaiidpunkt de§ DireklorS einer Erwerbs- g e s e l l s ch a f t oder einer G m. b. H. gestellt, der sich lagt: Ich habe für dasjenige, was ich getan habe, von der Geueralveisamin- liing Decharge bekommen. Dieser Standpunkt ist aber für einen Beamten unmöglich. Dann hat es Dr. Peters auch für nötig befunden die Person deS Kaisers in dir Sache hineinzuziehen. ES ist mir vollständig unmöglich, darauf zu antworten. Im übrigen kann ich nur noch hiiizufiigen, datz das. was Peter« hier vorbringt. ja auch schon beim Disziplinarverfahren vor- gebracht, aber vom Gericht zurückgewiesen wurde.— DaS Gericht lehnt den Antrag. Pater A ck e r als g e u g e n zu ver- nehmen, a b, nimmt dagegen den Antrag auf Einforderung der Korrespondenz au« den DiSziplinarakten an.— Bert. Falk: Ich beantrage, datz die eingegangenen Protokolle über die Zeugenaussagen der Herren Leutnant Bronsart v. Schellendorf und Generalkonsul Bauniann verlesen werden.— Dr. PeterS: Ich habe dazu zu bemerken, datz. wen» die beiden Aussagen verlesen werden. ich im Interesse der Gerechtigkeit das Gericht bitte, auch die Zeugen zu hören, welche über die G l a u b>o ü r d i g k e i t der beiden Herren etivaS auszusagen haben. Heber die Glaubwürdigkeit deS LeutuanlS v. Schellendorf ist in München zu den Akten eine Aussage niedergelegt worden, neue Zeugen können benannt werden. Wie weit die Glaubwürdigkeit des Generalkonsuls Baumarm geht, wird vom gerichlS medizinischen Standpunkt festzustellen sein.— Vors.: Welche Zeugen haben Sie zu benennen?— Dr. PeterS: Für die Glaubwürdigkeit deS Leutnants v. Schellen- dors benenne icli al§ Zeugen Maler Kunert, Herrn Oskar W o l s f. Dr. S ch r ö d e r- P o g g-e l l o w. die Direktoren der Kilimandscharo- Planlagen- GeseUlchaft, welche eidlich bekunden werden, datz Leutnant v. Sche-llendvrf der Gesellschaft 1b 000 Mark weggciwuinien habe.— Verteidiger Falk: Ich be- antrage die Verlesung der Protokolle. Gefepliche Grttiide für eine Ablehnung gibt es nicht. Wie weit de» Beweisanträgen auf Prüfung der Glaubwürdigkeit stattzugeben ist, wird später zu er- ivägen sein.— Justizrat Sello: Dr. Baumann war ein sehr kranker Mann, er ist unler traurigen llniständen zugrunde gegangen. Ich beantrage die Ladung des Dr. med. Martens aus Berlin, der Dr. Baumann bebandelt bat. Dr. Baumann bat seine Aussage, die er in der ersten Instanz gemacht hatte, ' widerrufen, der Disziplinarhos hat ihn aber nicht vernommen. Wir berufen uns" auf Zeugen. datz er sich noch auf j seinem Totenbette gesehnt hat, seine frühere Aussage gegen ' Dr. Peters richtig zu stellen.— Vert. Falk: Ich halte den Be- ! weis für erheblich, aber ich trete in jedem Punkte den Gegen- lieweiS an. Ich beantrage, den Rechtsanwalt Andrae aus Braun- schweig zu laden, der die Richtigkeil einer mir in Abschrift vor- liegenden Ehrenerklärung des Dr. PeterS bestätigen wird. Der Ver- teioiger will die Erklärimg verlesen.— Dr. Peters(einfallend): Welche? Datum trägt die Erklärung?— Vert. Falk: Sie ist am lO. Februar 1903 ausgestellt uiid trägt die Unterschrift: Karl PeterS. Ich verlese sie nach der„Vossischen Zeitung".— Dr. Peters(eill- tallend): Nein, nein, die„ B o s s i s ch e Z e i t u n g" zählt für mich nicht(Heiterkeit). WaS in der„Bossischen Zeitung" steht, ist eo Ipso falsch.— Bors.: Ach bitte, lassen Sie solche Beiiierklingen. — Vert. Falk: Nach der..Vossischen Zeitung" lautet die Ehren- erklärung, welche die Üeberschrift trägt:„Ehrciierklärnng für Leutnant Bronsart v. Schellendorf(Dr. PelerS ruft: Ach du lieber Gott!) (Heilerkcit). folgendermatzen: „Ich habe im November vorigen JahreS auf Grund von Mit- teilungen absolut einwandfreier Zeugen gegen Herrn Leutnant o. D. Bronsart v. Schellendorf den Vorwurf erhoben, datz er Ver- fasser— d. h. Fälscher— des vielgenannten TuckerbriefeS fei. Inzwischen habe ich auf Grund neueingegangene» Materials konstatieren können, daß mein Vertrauensmann mit dieser Mit- teilung im Jrrtuin war und Herr v. Bronsart mit den» Tucker- brief nichts zu tun hat. ES freut mich, dies im Interesse eines afrikanischen Kameraden hiermit feststellen zu können. Ich will auch in eine später erhobenen Ein- Wendungen gegen die Glaubwürdigkeit deS Zeugen v. Bronsart zurücknehmen. Allerdings muß ich nach den kürzlicke» offiziösen Erklärungen doch annehmen, datz Herr v. Bronsart als erster, wenn auch privatim, Hern» Gcheiinrat Hellwig hinter meinem Rücken Mitteilung über die damaligen Vorgänge am Kilimandscharo gemacht hat. Ich finde dieses Vor- gehen weder gentlemanlike noch kameradschaftlich; indessen ist für diesen Punkt Herr v. Bronsart nicht mir, sondern seiner damoligen vorgesetzten Behörde im Auswärtigen Amte Rechenschaft schuldig. Berlin, den 10. Februar 1903. Dr. Karl PeterS." Bors.: Herr Dr. PeterS, haben Sie diese Erklärung geschrieben? Erinnern Sie sich?— Dr. PeterS: Ich gebe zu, diese Erklärung abgegeben zu haben, Aber ich muß dazu erklären,.... Bert. Falk: Ich war mit meinen Ausführungen noch nicht fertig. In dem Münchener Prozeß sind eine Reihe von Zeugen gegen die Glaubwürdigkeit deS Herrn v. Bronsart vorgebracht und weitere Zeugen noch genannt worden. Nach dem Protokoll der Münchener Verhandlungen ist Herrn v. Bronsart auch vorgeworfen worden, gegen den§175 ver- st o ß e n zu haben und landesflüchtig geworden zu sein. Herr v. L i e b e r t, der auch hier erscheinen soll, hat de- kündet, daß die Offiziere nichts mit ihm zu tun haben wollten. Ich lege das Protokoll einer Verhandlung bcS EhrcnratS des Ossi- zierkorpS der Echutztruppe unter dem Vorsitz des Grafen v. G ö tz vor. Es handelte sich damals um eine Forderung, und dieses Protokoll stellt fest, daß die Anschuldigungen gegen den Lcut» nant a. D. v. Bronsart nicht gerechtfertigt seien und daß der Erlaß deS Verbotes mit ihn» zu verkehren, auf» gehoben werde. Für die Echtheit deS Protokolls benenn? ich als Zeugen ebenfalls Herrn R. A. Andreae in Braunschweig.— ES ist hier ferner Beweis angeboten worden, datz Leutnant v. Bron- fart als Direktor der Straußenzüchtungs-Gesellfchaft 15 000 M. „genommen" habe, wie Herr PeterS sich ausdrückt. Er hat aber nichts genommen, er hat nur leichtsinnig gewirtschaftet. denn er ist kein Kaufmann. Im übrigen hat Herr Dr. PeterS die verlesene Erklärung nur auf sehr nachdrückliches Per- langen deS Herrn v. Bronsart abgegeben. Was den Konsul Baumann anbetrifft, so wiffen Sie schon auS dem verlesenen Urteil, nach welchen Richtungen sich die Bemängelung seiner Glaubwürdigkeit bewegt. Hierzu habe ich schon gestern den Rechts- anwalt Heine aus Dessau vorgeladen. Herr Heine war Referendar beim Konsulat in Sansibar und ein guter Bekannter des Dr. Baumann in der Zeit, wo er die von ihm bekundeten Wahr» nehmungen gemacht hat und auch in der Zeit, wo Baumann sich darüber geäußert hat. Ich stelle den Beweisantrag, bei der Per- nchmung der Zeugen Heine-Deffau und Martm-Berlin als Sachverständigen Professor Aschaffenburg-Köln zu- zuziehen; denn er ist die geeignete Persönlichkeit, um anzugeben, ob in der kritischen Zeit die Geistestätigkeit des Herrn B a u m a n n intakt gewesen ist oder nicht. M. Peters: Was die Vernehmung über die Geisteskrankheit Baumanns anbetrifft, so möchte ich mich dazu nicht äußern. Ich mutz aber erklären, und wende mich damit im wesentlichen an die Gentleinen in ganz Deutschland. Herr Dr. Baumann hat die Acußerungen gemacht, nach einem Essen, welche? ich ihm zu Ehren im Hotel Bristol gegeben habe. Ich bin vielleicht stark in eng- tischen Auffassungen befangen, wenn ich erkläre: Wenn jemand als Gast geladen ist und dann nachher über den Gastgeber Bemcr» kungen macht, so nimmt man in England davon nicht viel Notiz. Ob Herr Baumann damals geisteskrank war oder nicht, will ich nicht unter Beweis stellen. Es gehört auch gar nicht zu diesem Pro» zesse. Dr. Martin wird unter seinem Eide bekunden, datz Dr. Bau- mann noch auf dem Totenbette gesagt hat, seine erste Aus» sage sei falseh verstanden worden und er habe in Berlin um eine Gelegenheit gebeten, sie richtig zu stellen.— Nun zu Herrn v. Bronsart. Meines ErachtenS ist in München von mir nicht gesagt worden, daß er sich gegen den§ 175 vergangen habe. Ich weiß nur aus den Ehescheidungsakten, daß als Grund für die Ehescheidung ein solches Vergehen angeführt wird. ES liegt mir nichts daran, solchen Schmutz herbeizuziehen, aber im Jnter- esse der Glaubwürdigkeit deS Zeugen muß ich das doch sagen. Daß v. Bronsart die 15 000 M. genommen hat, hat er selbst zugegeben; er hat allerdings erklärt, seine Frau, von der er jetzt geschieden ist, habe dieses Geld verausgabt. Weiter wird Herr Kuhnert be» künden, daß Leutnant v. Bronsart ihm einen Wechsel auf die Deutschafrikanische Bank gegeben hat, für den keine Deckung vor- handen war. Major v. Tiedemann hat von v. Bronsart einen Check auf eine Berliner Bank bekommen, bei der Bronsart gar kein Konto hatte. Exzellenz v. Licbert hat in München ausgesagt, daß in Dar-eS-Salaam die Offiziere sich geweigert haben, mit v. Bronsart zu verkehren, aber ich ziehe dieses gar nicht einmal in Betracht.— Vert. Falk: W i r bestreiten alles, was, hier gesagt worden ist und treten den Gegenbeweis da- gegen an.— Auf Verlangen vom Justizrat Sello äußert sich Dr. PeterS noch zu seiner Ehrenerklärung für Bronsart v. Schellen- dorff.— Dr. PeterS: ES ist absolut richtig, ich hatte Grund zu glauben, daß Bronsart v. Schellendorff den Tuckerbrief gefälscht hatte. Mir ist eS ganz lieb, daß die Sache mit dem Tuckcrbrief hier zur Sprache kommt. Ich erfuhr, daß ich mich über v. Bronsart, den ich für den Verfasser gehalten hatte, getäuscht hatte. Die Ah- geordneten v. Kardorff, Dr. Arendt und Rechtsanwalt Scharlach bekamen Mitteilung, wer die Fälschung wirklich begangen hat. Soweit ich nicht durch mein Ehrenwort gebunden bin, werde ich darüber Auskunft geben. Bert. Falk: Ich bitte, den Privatkläger darauf aufmerksam zu machen, daß die clauzula generales in seiner Erklärung dtel weiter geht, als bloß auf die Zurücknahm« der Anschuldigungen wegen deS Tuckerbriefes.— Das Gericht beschließt hierauf, den Zeugen Dr. MartenS-Berlin vorzuladen unter der Voraus- setzung, daß der Privatkläger einen Kostenvorschuh von 100 Mark hinterlegt. sHeiterkeit.) Außerdem soll als Sachverständiger Pro- fcssor Aschaffenburg-Köln zugezogen werden. Dagegen hat das Gericht die Beweisanträge, die sich aus die Glaubwürdigkeit des Leutnants von Schellendorff beziehen, als unerheblich abgelehnt. Es wird dann zur Vernehmung der Tatzeugen über die Vorgänge am Kilimandscharo geschritten. Als erster Zeuge wird der damalige Lazarettgehülfe Wiest(München) der- nommen. Er war bei der Urteilsfällung nicht zugegen, wurde aber mit der Hinrichtung beauftragt und hat sowohl die Hinrichtung des Mabruk wie die der Jagodja vollzogen. Bei der ersten Hinrichtung sagte ihm der Sekretär I a h n k e, der Mann habe einen schweren Einbruch begangen. Mabruk befand sich zunächst lange Zeit an der Kette, dann wurde er ihm zur Hinrichtung übergeben. Ueber die Motive habe er nichts gehört. Er wisse auch nicht, ob ein Urteil gefällt sei.— Vors.: Sagte Ihnen Dr. Peters, das Urteil solle morgens in aller Frühe vollstreckt werden, damit es nicht Aufsehen errege?— Zeuge: Mir ist nicht mehr alles gegenwärtig, aber gerade damals, 1902, bin ich von Leutnant v. Bülow eidlich vernommen worden. Das Urteil an der Jagodja habe ich vollstreckt. Es war ein allgemeines Gerede, daß sie wegen Spionage hingerichtet werde. Die Weiber waren durchgebrannt, ich muhte bei Malamia nach ihnen fragen, kam aber von dort unverrichteter Sache zurück. — Bors.: Sie können auch nicht sagen, ob Dr. Peters aus Eifersucht wegen Beziehungen zwischen Mabruk und der Jagodja die Hinrichtung hat vollziehen lassen?— Zeuge: Nein, davon weih ich nichts.— Beklagter v. Bennigsen: Ich bitte an jeden Tatzeugen die Frage zu stellen, wie es auf der Station mit den Kettengefangenen gehalten wurde. Es ist nämlich in Dcutsch-Ostafrika auf geregelten Stationsbetrieben üblich, dah Leute nur an die Kette gelegt werden, wenn sie wirklich unter schwerem Verdacht stehen, also in Untersuchungshaft sich befinden, oder wen« ein S ch a u r i sie zur Kettenhaft ver- urteilt hat. Diese Frage ist außerordentlich wichtig, weil die Jagodja hingerichtet sein soll wegen ihrer Flucht aus der Kettenhaft. Andererseits wird aber gesagt, sie sei wegen Spionage hingerichtet worden. Ich weih nun nicht, worauf man heute mehr Wert legt. Es ist das als wichtig festzustellen, ob die Leute willkürlich auf Anordnung von Dr. Peters an die Kette gelegt wurden. Wenn das möglich ist, dann wäre es auch möglich, dah Leute, weil sie sich ungerechtfertigter- weise aus der Kettenhaft befreit haben, vom Leben zum Tode geführt worden sind, also unschuldig.— Dr. Peters: Die Ketten- Haft wurde von mir immer nur nach Anhörung der betreffenden Schwarzen verhängt. Jeder hatte Gelegenheit, sich zu verteidigen. Jedem war bekannt, dah. wenn er aus der Kette floh. ein Leben verwirkt habe. Ich hatte die Entscheidung, wer an die Kette zu legen sei oder nicht. Ich bin mir nicht bewußt, jemand zu Unrecht an die Kette gelegt zu haben. Ich möchte bei dieser Gelegenheit betonen, dah, wenn das Gericht es wünscht, ich jetzt die Beweise dafür vor- legen werde, wer den Tuckerbrief wirklich geschrieben hat. In bezug auf Herrn Bronsart v. Schellendorff habe ich mich geirrt und habe meinen Irrtum offen eingestanden. Es findet sodann� eine eindringliche Vernehmung des Zeugen Wiest statt, der erklärt, sich der Einzelheiten heute nicht mehr genau zu erinnern.— Bert. Falk fragt ihn. ob die Jagodja ur- sprünglich eine Suria, d. h. die bevorzugte Konkubine deS Dr. Peters gewesen sei. Im Urteil heißt es aber, sie sei eine allgemeine Lustdirne gewesen. Er frage, ob die Jagodja im Offiziers Hause gewohnt habe und ob der Zeuge be- künden könne, daß sie auch mit Unteroffizieren verkehren könne, sowie ob ein wesentlicher Unterschied zwischen der Jagodja und den Weibern deS Unteroffiziers Schubert bestanden habe.— Zeuge: Ich weih nur, daß die 3 Weiber im Stationshause wohnten. Mit dem Kommissar wohnte nur der Freiherr v. Pech- mann zusammen, lieber die gcfchlcchtlickien Beziehungen weih ich nichts. Ich habe mit den Weibern nicht verkehrt, auch Unter- offizier Wilhelm nicht.— Bert. Falk: Machten Sie dem Kom- missar Mitteilung von den Hinrichtungen, als er gerade beim Frühstück sah?— Zeuge: Ich erinnere mich nicht mehr.— Dr. Peters erklärt, dah die Weiber sich tagsüber in einer be- sonderen Hütte aufhielten, also dort wohnten.— Zeuge: Ich weih allerdings, daß die Weiber dort kochten. Meistens sind sie wohl aber im Stationsgebäude gewesen.— Dr. Peters: Nein, sie wohnten in einer besonderen Hütte. Ich erkläre, niemals ist das widerliche Konkubinatswesen so dezent ausgeübt worden als am Kilimandscharo. Die Weiber wohnten in einem besonderen Hause.— Bert. Falk: Ist dem Zeugen irgend ein Fall bekannt, in dem Kettengefangene, die entflohen, nur aus diesem Grunde hingerichtet wurden?— Zeuge: Nein.— Bors.: In dem vorliegenden Falle hat der Privatkläger gesagt, dah er der Jagodja in der Kette angedroht habe, sie für den Fall ihrer Flucht mit dem Tode zu bestrafen.— v. Bennigsen: Ich möchte nur darauf aufmerksam machen, dah der Zeuge in seiner untergeordneten Stellung auf der Station ein Urteil über die Frage, ob die Todesstrafe für Flucht aus Kettenhast zu- lässig war oder nicht, sich kaum hat bilden können. Mit Hülfe der Sachverständigen werden wir beweisen, dah das nicht der Fall war. Nächster Zeuge sist der MagistratSsekretär Wilhelm auS Schöne- berg bei Berlin. Er war 1891/92 mit Dr. Peters am Kili- mandscharo: Ich kam 1391 zum Kilimandscharo, wo Dr. Peters als Reichskommissar fungierte. Ich übernahm das Kommando der dort stationierten Truppen vom Leutnant Bronsart v. Schellendorff, der den Befehl erhalten hatte, nach der Küste zu marschieren. Ich war Kommandoführer und als solcher durchaus selbständig. Am 5. Dezember 1391 erhielt ich den Auftrag, nach der Station Muschi zu marschieren, um den dortigen Posten zu verstärken. Am 25. Dezember kam ich zurück. Am 1. Januar sollte ich zunächst den Maler Kuhnert ein Stück Weges nach der Küste begleiten, eine Brücke bauen, einen Streit zwischen zwei Häuptlingen schlichten und dann eine Karawane nach dem Kilimandscharo zurückbegleiten. Den Streit zwischen den Häuptlingen schlichtete ich, aber die Karawane, die ich begleiten sollte, fand ich nicht vor. Am 24. Januar erhielt ich von Dr. Peters einen Brief, der mich aufforderte, unverzüglich zurückzukehren. Während der Dauer meines Aufenthaltes auf der Kilimandscharostation von Ende November bis Anfang Dezember 1891 passierte die Geschichte mit den Weibern. Auf der Station hielten sich mehrere Weiber auf, die zu ihr in keinem Dienstverhältnis standen, sondern nur so berumlungerten.— Vors.: Wie viel waren das? — Zeuge: Vier oder fünf.— So viel ich wahrnehmen konnte. hielten sich die Weiber bei den einzelnen Herren auf, besonders bei Dr. Peters und Frhru. v. Pechinan». Ein oder zwei Weiber hielten zu Dr. Peters, die anderen zu Herrn v. Pechmann. Eines Tages waren diese beiden Weiber weggelaufen, abgeblich wuhte man nicht, wo sie waren. Aber mit derselben Sicherheit, mit der meine Frau weih, dah ich heute hier als Zeuge vernommen werde, wuhten wir. dah sie zu Malamia geflohen waren. Denn der Vater der Jagodja hielt sich ebenfalls bei Malamia auf. Wiest erhielt zuerst den Auftrag, die Weiber zurückzuholen, kam aber ohne sie wieder und deshalb wurde mir befohlen, sie zu holen. Aber auch ich muhte ans dem Dorfe deS Malamia unverrichteterweise zurückkehren. Ob die Schwarzen bei meiner Aufforderung, die Weiber herauszugeben, die deutsche Flagge heruntergerissen haben, weih ich nicht mehr. Wenn ich aber in der Disziplinaruntersuchung so ausgesagt habe, wird eS so richtig sein. Darauf befahl Dr. Peters mir, ein Geschütz aufzustellen und einige Granaten hinüberzuwerfcn. Es mögen wohl 30—40 Granaten in das Dorf des Malamia hinübergeschossen tvorden sein. Am Tage darauf kamen die Weiber zurück.— Bors.: Freiwillig? Zeuge: Ich glaube ja. Dr. PeterS hielt dann ein Schauri mit ihnen ab, ich war nicht dabei, weih aber, dah sie zur Ketten- und Prügelstrafe verurteilt wurden. Die Prügelstrafe wurde von einem fchwarz-m Gefreiten ausgeführt. Eines TageS kam dieser schwarze Gefreite /u mir und sagte, die Jagodja sei schon so zerschlage», dah nicht nie r wcitergeschlagen werden könnte. Ich ging hinunter zu der Barre, wo die Jagodja an der Kette lag und lieh sie mir vorstellen. Ich nahm die Lappen weg. mit denen ihr Körper bedeckt war. DaS war schon sehr schwer, da die Lappen an der Haut klebten. (Entrüstungsrufe im Zuschauerraum,) Unter den Lappen fand ich aufgerissene Wunden und das rohe Fleisch trat zutage. Ich ging zn Dr. Peters und sagte ihm, dah die Jagodja schon so zerschlagen sei, dah sie nicht mehr geschlagen werden könnte. Dr. Peters aber mit- wartete mir: Warum soll sie nicht zerschlagen sein. Oder warum soll fie nicht weiter geschlagen werden? (Grohe Bewegung.)— Bors.: War die Jagodja auch körperlich herunter?— Zeuge: Sie war ein junges Mädchen von 16 bis 17 Jahren, ein unschuldiges Wurm. (Erneute Entrnstungsrufe im Zuhörerraiim.) Da kein Arzt auf der Station war. wies mich Dr. Peiers an den Lazarettgehülfen Wiest, der sich gutachtlich darüber änhern sollte, ob sie weiter geschlagen werden könnte. Wiest untersuchte das Mädchen und kam zu dem Schlüsse, dah es nicht weiter geschlagen werden durfte. Am 25. Dezemher war ich dann von Malamia zurückgekommen und blieb bis zum 1. Januar aus der Kilimandscharo-Sianon. In diese Zeit fallen einige Unterhaltungen, die ich mit Dr. Peters gehabt hatte. Dabei kamen wir auch auf die Weiberaffäre zn sprechen, auch auf Malamia. In München vergah ich auszusagen, dah zwischen mir und Dr. Peters Differenzen darüber ent- standen lvaren, weil ich meinen Bericht über den Zug zu Malamia viel früher abgeschickt hatte als er. Er lieh mich merken, dah er das nickt für richtig Halle und sagte mir, dah er deswegen meine Abberufung von der Kilimandsckaro- station veranlassen wollte.— Bors.: Glauben Sie, dah Dr. Peters ärgerlich war. weil Sie ihn vor der Abiendung des Berickles nicht gefragt halten, oder dah es ihm überhaupt unbequem war. dah über den Zug zu Malamia etwas heraus kam?— Zeuge: Ich halte den Eindruck, dah ihm das unbequem ivar. In den Unterredungen mit Dr. Peters zwischen Weihnachten und Neujahr äuherte ick mich über die Jagodja dahin, daß ich am liebsten mit der ganzen Sache nickts zu tun habe» würde; denn ich vermutete, dah sie ebenso wie Mabruk aiifgchäiigi werden würde und glaubte dies aus einige» Redewendungen des Dr Peters schon herauszuhören.— Bors.; Wie kamen Sie denn zu solcher Auf- saffiing?— Zeuge: Weil mir bekannt war, dah auch bei der Hinrichtung des Mabruk geschlechtliche Motive mit ausschlaggebend waren. Das hatte ich von den Soldaten hunderte Male gehört.— Bors.: Ob das Gericht auch sachliche Unterlagen hatte, wissen Sie nicht?— Zeuge: Nein, das weih ich nicht.— Nach meiner Ansicht bestand kein Grund, die Jagodja in Kettenhaft zu legen. Sie stand in keinem dienstlichen Verhältnis und hatte die Berechtigung jederzeit weg- zulaufen. In meiner Ansicht, dah ich dem Dr. Peters unbequem war, wuvde ich durch die Tatsache bestärkt, dah er mich am l. Januar ohne jede Vorbereitung abnmrfchieren lieh, obgleich ich nicht einmal recht marschfähig war. Am Tage vorher hatten wir nämlich Sil- vcster gefeiert.(Heiterkeit.) Sobald ich weg war, wurde das bekannte Gericht zusammengesetzt, das die Jagodja zum Tode verurteilte. Am 5. Januar wurde die Jagodja hingerichtet.— Bert. Falk: Sie halten es für ausge- schloffen, dah die Jagodja mit einem anderen als mit Dr. Peters, höchstens noch mit Herrn v. P e ch m a n n Beziehungen unterhalten hat?— Zeuge: Jawohl.— Bert. Falk: Hat der Zeuge mit der Jagodja, während sie in Ketten lag, gesprochen?— Zeuge: Ja.— Bert. Falk: Was sagte sie ihm über die Veranlassung ihrer Haft?— Zeuge: Sie sagte, sie wisse es nicht. Vert. Falk: Die Jagodja ist beschuldigt. Berrat verübt zu haben, was war da überhaupt zu verraten? Gab es auf der Station strategische Ge- Heimnisse?— Zeuge: Nein, die Befestigungen waren so provisorisch, dah, wenn wir unbeobachtet angegriffen worden wären, wir leicht über den Haufen gerannt werden konnten.— Vert. Falk: Konnte zeder in die Station hinein?— Zeuge: Uns waren ja alle Leute, die auf die Station kamen, persönlich bekannt.— Vert. Falk: An Konspirationen der umliegenden Negerstämme glaubtenSienicht?— Zeuge: Nein.— Vert. Falk: Konnte der Maler Kuhnert ohne Begleitung die Station verlassen? Vors.: Das kann er uns ja selbst sagen.— Vert. Falk: Ueber die Zeugenaussage des Malers Kuhnert stehen gewisse Prädikate in den Disziplinarurteilen, daher meine Frage.— Zeuge Wilhelm: Herr Kuhnert blieb ja ganze Tage von der Station weg um zu malen.— Bekl. v. Bennigsen: Glaubt der Zeuge, dah für die Hin- richtung geschlechtliche Motive ausschlaggebend waren?— Zeuge: Ausschlaggebend nicht, aber mitbestimmend.— Dr. Peters: Sind Sie bei einer Hinrichtung zugegen gewesen?— Zeuge: Nein, ich wurde ja weggeschickt.(Heiterkeit.)— Dr. Peters: Sie erzählten von einer Karawane, die Sie nicht gefunden hätten, und folgerten daraus, daß ich Sie absichtlich weggeschickt hätte. In Wirk- lichkeit hielt ich das Gebiet für unsicher.— Zeuge: Ich war doch kurz vorher ohne Begleitung durch das Gebiet marschiert und habe nichts bemerkt.— Dr. Peters: Sie haben nichts bemerkt, aber es war unsicher.(Heiterkeit.) Sie sprechen von dem Gefühle, das Sie hatten, Ihre Gefühle inter- essieren aber das deutsche Publikum sehr wenig.(Heiterkeit.)— Bors.: Das ist eine Kritik der Zeugenaussage, die Ihnen nicht zusteht. — Dr. PeterS(zum Zeugen): Sie wollen also behaupten, dah ich Sic wegschickte, um die Jagodja hängen zu können? Nein, mein lieber Herr, da irren Sie sich.(Heiterkeit.)— Juslizrat Cello: Ist Ihnen bekannt, dah in der Gerichtssitzung vom 5. Januar Dr. Peters sich für eine mildere Bestrafung der'Jagodja aussprach?— Zeuge: Nein.— Justizrat: Sello: Wuhten Sie daß den Kettengefangencn wiederholt die Todesstrafe für den Fall der Flucht angedroht war? — Zeuge: Nein.— Justizrat Sello: WaS wissen Sie über den Ver- kehr zwischen dem Mabruk und der Jagodja?— Zeuge: Nichts. — Vert. Falk: Kennen Sie einen Fall, in dem ein Kettengefangener zum Tode verurteilt wurde?— Zeuge: Nein.— Ich finde es natürlich erklärlich, wenn Gefangene die Freiheit erlangen wollen. Wenn die Jagodja wirklich so schlecht gewesen wäre, wie Dr. Peters es hinstellt, so hätte er doch froh sein sollen, dah er sie los war.— Dr. Peters: Haben Sie nicht gemeldet, dah die deutsche Flagge heruntergerissen worden sei?— Zeuge: Dessen erinnereichmichnicht.— Dr. Peters: Haben Sie nicht gemeldet, dah das Lager bei den Muschi sehr gefährdet sei?— Zeuge: I a.— Dr. PeterS: Und habe ich Sie nicht, als Sie meldeten, die Jagodja sei blutig geschlagen, zu Wiest geschickt.— Zeuge: Ja. Als nächster Zeuge wird der Direktor der Kolonialen Eisenbahnbau-BetriebS-Gesellschaft in Char- lottcnburg, Mittclstaedt, vernommen. Zeuge ist bereits in der Disziplinarverhandlung gegen Dr. Peiers vernommen worden und hat damals eine Aeuherung des letzteren zu ihm, dem Zeugen, wiedergegeben, nämlich, daß er einen jungen Neger, der mit einem Negermndchen oder dem Mädchen eines Offiziers verkehrt habe, im Interesse des Prestige habe hinrichten lassen. Der Zeuge bestätigt beute diese Aeuherung, sie sei am 6. Februar 1892 gefallen. Des Datums erinnere er sich genau, weil es der Geburtstag seiner Frau war. Peters kam vom Kilimandscharo, er war mein Gast. Ich hatte eine Sudanesenbedeckung bei mir. Peters fragte mich, wie ich mit den Leuten auskäme, da ich doch keine weihen Offiziere hätte. Ich sagte, daß es sehr gut gehe. Wenn die Leute sich etwas zuschulden kommen liehen, würden sie bestraft. Er fragte mich, welche Strafe mir zustände. Ich erwidert«., daß ich den Ein- geborenen bis zu 15 Hieben, einen Sudanesen bis zu 25 Hieben bestrafen dürfe. Darauf erwiderte Dr. Peters, so m i l d e Strafen feien nicht angebracht, er pflege unter 50 Hieben überhaupt nicht zu diktieren. Hieran knüpfte sich ein Gespräch, in welchem Dr. Peters auS» einandersetzte, wie wichtig es sei, dah die Europäer in der gegen- wältigen Situation in Afrika ihr Prestige als Reichsbeamte und Weihe wahrten. Dabei fiel eine Aeuherung, die er, Zeuge, so aufgefaßt habe, daß Dr. Peters am Kilimandscharo einen Diener, weil derselbe mit dem Mädchen eines seiner Offiziere verkehrt habe, habe hängen lassen. Ich glaube, mich nicht geirrt zu haben, denn meine Erinnerung wird unterstützt durch einen Brief, den ich nack Hause schrieb und in welchem ich diese Aeuherung ebenso wiedergab.— Vors.: Sie standen in Privatdiensten und hatten trotzdem das Recht zu bestrafen?— Zeuge: Ja, es war damals eine kritische Situation, kurz nach der Niedermetzelung der Expedition Zilewski.— Tr. Peters: Sicherlich werde ich die Aeuherung, wenn der Herr Zeuge es sagt, gc- macht haben. Ich will darlegen, aus wclckcn Eindrücken ich diese Aeuherung allein gemacht haben kann. Die ganze Gegend hinter Tanga war rebellisch. Ich legte dem Zeugen dar, daß ich verant- wortlich und daher die gröhte Strenge geboten sei.— Zeuge: Ganz richtig, die Situation war kritisch. Ick habe in der„Kol- nischen Zeitung" gelesen, daß hier in den Vordergrund gestellt werden soll, ob damals die Situation am Kilimandscharo friedlich war oder unfriedlich. Ich kann nur erklären, dah die Situation am Kilimandscharo dieselbe gewesen sein dürfte, wie in der Gegend von Tanga. Auch dort wird die Niederlage des Leutnants Zilewski bekannt gewesen sein, es war nötig, mit der grögien Slreiige vorzugehen und von den«chariüeu Mahregeln Gc- brauch zu machen. Das hat auck der älteste und erfahrenste Leutnant T e n z l e r gesagt, der in dem Ruf stand, äußerst»lilbc zu sein Ich kann uiiler meinem Eide aussagen, dah ich. wenn ich damals in eine kritische Situation gekommen wäre, lediglich ans Prophylaxe hätte schießen lassen, indem ich lieber ei» paar Ein- geborene geopicrt hätte, als mich der Gefahr auszusetzen, dah hinterher ein grohes Debacle entstanden iväre.— Verl. Falk: Hat der Zeuge den Brief bei sich?— Zeuge: Jawohl.— Vert Falk: Dann stelle ich den Antiag. den Brief zu den Akten zu geben.— Der Vorsitzende ersucht den Zeugen, den Brief vorziilescn.— Zeuge Mitlelstädt: Ich niöchte vorausschicken, dah der Brief am 2l. Fe- bruar 1892 geschrieben ist. Er ist in Tagebuchform at'gefaht und doppelt geschrieben, das eine Exemplar ist an meine Mutter, das andere an ineine Frau abgegangen. Aber ick möchte betonen, dah der Brief nicht geschrieben ist, damit er ein st als Zeugnis vor Gericht verwertet werden sollte.— Der Verteidiger verliest den Brief, in welchem sich folgende Stellen befinden: „Das wichtigste Ereignis ist, dah wir hier den Reichs- kommisiar Dr. Peters zu Gaste hatten. Er kam von Kilimandscharo, in seiner Begleitung befand sich Freiherr v. Pech- mann. Wir haben die Herren zum Frühstück und dann auch zum Mittagesie» dagehabt. Dr. Peters ist in übertriebener Weise für Ostafrika eingenominen. Er erzählte, dah wenn ein Küchenjunge Zucker stibitze, er Hiebe bekomme. Unter 50 Hieben fange er überhaupt nicht an, das Prestige müsse gewahrt werden. Er habe kürzlich einen Boy. welcher bei dem Mädchen eines seiner Offiziere an- getroffen wurde, aushängen lassen. Das sind alles seine eigenen Erzählungen. Ich hatte ihn nicht bei der Abreise begleilet. Bon Bombo, meiner früheren Station, wurde mir einige Tage später berichtet, dah, als Dr. Peters Wasser verlangt hatte und eS ihm nicht schnell genug gebracht wurde, er den Dorfältesten habe verprügeln lassen. Als er Futter für seinen Esel verlangte und eS nicht schnell herbeigeschafft wurde, habe er dem Dorfältesten ein Streichholz an die Lippe« gehalten und dann sei das Futter schnell zur Stelle gewesen. Dem Ueber- bringer zahlte er nur'/zz von dem, was ich ge- w o h n t w a r z u z a h l e n. Als der Mann bei ihm Klage führte, erhielt er von Dr. Peters noch iiä Hiebe als Draufgeld. (Heiterkeit.) Er äuherte auch, sobald er Bezirlshauptmann in Tanga sein werde, das allerdings unter dem milden Tenzler verbummelt wäre. wolle er sine Anzahl Eingeborener aufhängen lassen und die Dorfälicsten verprügeln. Abgesehen von seinen Ueberlriebenheilcn. die nicht blohe Worte sind, hat er die gesunde Ansicht, daß wir nicht dazu da sind, um Humanitätsduselei zu treiben, sondern dah die Schwarzen a n S- genutzt werden mühten. Aus Wihmann ist er ebenso giftig wie umgekehrt." Zeuge gibt den Brief zu den Akten.— Dr. PeterS: Ich bcstreile incht, dah der Brief bona ticks geschrieben ist, sicherlich habe ich das auch so gesagt, denn eS liegt in der Richtung meiner damaligen Anschauungen. Freiherr v. Pechniann und ick waren mit unseren zehn Mann den ganzen Weg herunter in Gefahr gewesen, jeden Augenblick niedergelnallt zu werden, am Kilimandscharo waren wir inmitten einer rebellischen Bevölkerung. Alle meine Mahnahmen hatten nur den Zweck, Ruhe zu schaffen. Ich war am llianibara- gebirge angefallen worden, man schoß auf mich. Die Anschauungen über die Behandlung der Eingeborenen zwischen Herrn v. Soden und mir waren sehr verschieden, da die Berhältnisse an der Küste andere sind als am Kiliniandscharo.— Vert. Falk: Ich bitte, die auherordentlich wichtige Erllärung des Herrn Privat- tlägers protokollieren zu wollen, „daß seine Aeußcrung sicherlich so gefallen sei, denn das entspreche seine» Anschauungen." Vors.: Das bedarf keiner Protokollierung, denn wir haben es alle gehört. v. Bennigsen bestreitet, dah die von Dr. Peters als rebellisch bezeichneten Gebiete für die Zustände am Kilimandscharo in Betracht kämen.— Dr. Peters ist anderer Ansicht. ES wird dann als Zeuge Freiherr o. Pcchmann(Berchtesgaden) aufgerufen.— Vert. Falk: Ich bitte. Herrn v. Pechmann erst nachträglich zu vereidigen mit Rücksicht darauf, dah, wenn Verfehlungen stattgefunden haben, er als Mittäter in Betracht komme.— DaS Gericht beschkicht, den Zeugen vorher zu vereidigen.— Zeuge v. Pechmann bekundet nach der Ver- eidigung: Er babc bei der Fällung des Todesurteils als Beisitzer mitgewirkt. Mabruk habe einen Einbruch unter erschwerenden Umständen verübt und zugestanden. Zuerst hatte er.ge- leugnet. Nachdem aber die Stationsmädchen aetommen waren und gesagt hatten, sie wollten jetzt gestehen, dah Mabruk den Einbruch verübt habe, wurde er herbeigeholt und legte ein Geständnis ab.— Bors.: Ist das aber auch kein Irrtum?— Zeuge: Nein. Wir besprachen zuerst die Sache, Dr. PeterS wollte zunächst nicht die Todesstrafe verhängen. Aber gerade ich sagte: Herr Doktor, es geht nicht. Denn wir haben, als die Tat begangen wurde, angekündigt, wenn der Täter sich freiwillig meldet, wird er milder bestraft, wenn aber später, strenge. Er sollte dann mit dem Tode bestraft werden.— Vors.: Es ist also sicher, daß der Boy später den Diebstahl eingestanden Hai?— Zeuge: Ja. Wir waren ja sehr erstannt, daß dieser Bursche, der bisher sehr ordentlich gewesen war, und der als erster Diener das höchste Vertrauen des Stationsleiters besaß, den Diebstahl begangen hatte.— Vors.; Haben Sie irgend einen Anhalt dafür, daß Dr. Peters den Mabruk aus anderen Motiven hat hängenlassen, etwa wegen geschlechtlicher Beziehungen zu der Jagodja?— Zeuge: Das wird immer wieder behauptet, aber es ist v o l l st ä n d i g ausgeschlossen.— Vors.: Hat Dr. Peters mit dem Mädchen verkehrt?— Zeuge: Das weiß ich nicht.— Bors.: Haben Sie mit ihr verkehrt?— Zeuge: Ich glaube auch, bestimmt kann ich es nickt sagen. Sexuelle Momente sind für die Hinrichtung ausgescklossen.— Justizrat Scllo: Sind Sie der Meinung, daß der Einbruch des Mabruk eine Gefährdung der Weißen bedeutete?— Zeuge: Ganz entschieden, weil damit bewiesen wurde, wie wenig Respekt der Dieb vor den Europäern hatte. Ich stand unter dem Eindruck, daß diese Frechheit nicht geduldet werden dürfe.— Vors.: War denn unbedingt die Todesstrafe notwendig, oder wäre nicht auch eine mildere Strafe möglich gewesen?�— Zeuge: Nein, hier war die Todesstrafe angedroht. Auf einem solch verlorenen Posten mußte sie dann auch verhängt werden.— Justizrat Sello: Sie haben den Posten, aus dem sie sich als letzte Europäer be- fanden, als einen verlorenen Posten betrachtet, der nur aufrecht erhalten werden konnte unter Aufbietung aller Energie?— Zeuge: Jawohl.— Jnstizrat Scllo: Halten Sie auch heute noch Ihre damaligen Maßnahmen für richtig?— Zeuge: Ja. vollständig(mit erhobener Stimme): F ch würde auch beute wieder sofort ohne Bedenken unter den damaligen politischen Zu st änden die Todes- st r a f e verhängen.(Lachen und Unruhe im Publikum.)— Vors.: Das Publikum muß sich aller Beifalls- und Mißfalls- änßerungen emhallen, sonst lasse ich den Saal räumen. — Der Zeuge erklärt weiter, ihm sei nicht das geringste bekannt, daß geschlechtliche Beziehungen zwischen Mabruk und der Jagodja bestanden hätten. Verteidiger Falk: Aber es zirkulierten doch Gerüchte?— Zeuge: Gott, ja, Ge- rückte! Mir siel auch auf, daß an dem Tage der Verhaftung des Mabruk meine Dame verschwand.(Heilerkeit.)— Jnstizrat Scllo: Das Verschwinden dieses zweiten Mädchens ist bisher noch nichi genügend betont worden. Nicht mit der Jagodja, sondern mit dem Mädchen des Herrn v. P e ch m a n n scheint Mabruk Umgang gehabt zu haben. Ich möchte noch eine sehr ernste Frage an diesen vereidigten Zeugen stellen: Sie halten es positiv für ausgeschlossen, daß die Hinrichtung des Mabruk in irgend einem Zusammenhang mit sexuellen Beziehungen des Dr. Peters zu der Jagodja steht?— Zeuge: Das halte ich positiv für ausgescklossen.— Justizrat Scllo: Und das nehmen Sie aus Ihren Eid?— Zeuge: Jawohl.— Der Zeuge erklärt dann weiter, daß die Situation gefährlich gewesen sei. Das sei auch erklärlich, denn Dr. Peters hatte den Auftrag, Land zu erwerben, die deutsche Flagge zu hissen und im Namen Seiner Majestät das deutsche Recht dort zu wahren. Das geht doch nicht mit Samthandschuhen. das geht nur mit Energie durchzuführen. Wenn ich draußen als Vertreter Sr. Majestät des Kaisers stehe, wenn ich für das deutsche Recht eintrete, dann will ich mal sehen, wenn mir irgend jemand entgegentreten wollte.— Vert. Falk: Ich bitte aus dem Disziplinarurteil seslziistellen, daß von dem Zeugen, der sich in einer von Peters abhängigen Stellung befand, gesagt wird. er habe widerspruchsvolle und schwankende Aussagen gemacht.— Der Vorsitzende bestätigt das.— Zeuge v. Pcchmann versichert, er habe immer nach be st em Wissen undGe- wissen ausgesagt. Hierauf folgte die Verlesung der Aussage deS Leutnants Bronsart v. Schellendorff, in der es heißt, daß Mabruk zu einem Mädchen einbrechen wollte. DaraufhinseiDr. Petersgegenden Mabruk sehr aufgebracht gewesen, er habe den Einbruch als eine große Frechheit bezeichnet, die nur mit dem Tode bestraft werden könne. Auf die Einwendung des Zeugen, daß das wohl eine zu harte Strafe sei, habe Dr. Peters erwidert, die eingeborenen Häuptlinge würden ebenso gehandelt haben. Zouge erklärt auf das bestimmteste, daß er Dr. Peters gegenüber keinen Zweifel darüber gelassen habe, daß er mit der Hinrichtung nicht cinver- standen war. Er habe sich auch selbst geweigert, die Hinrichtung durchzuführen. Zum Schluß der heutigen Sitzung wird Gras Joachim Pfeil als Sachverständiger vernommen. Er soll darüber gehört werden, ob die Maßnahmen des Dr. Peters notwendig lvaren oder nicht. — Graf Pfeil: Ich stehe der Affäre Peters völlig indifferent gegen- über, ich habe noch nicht einmal die Verhandlungen der früheren Peters-Prozesse gelesen. Wenn ich hier urteilen soll, muß ich zu- nächst wissen, welcher Rasse die Reger angehören, unter denen Dr. Peters damals lebte. Ich kann zugeben, daß. wenn die Station unter sehr kriegerischen Völkern angelegt war. sehr große Strenge in der Handhabung der Disziplin angebracht>var. Ich habe aber aus meiner persönlichen Kenntnis der Kilunandscharo- bclvohner nicht hinreichend die Ucberzeugung gewinnen können, daß sie im Vergleich zu anderen mir bekannten afrikanischen Stämmen so wild und so kriegerisch sind, daß ich zu irgend einer Zeit genötigt gewesen wäre, mit so unglaublicher Härte gegen die Eingeborenen vorzuaehen. Ich enthalte mich aber eines Urteils, inwieweit sie hier notwendig war. Die Zeugenaussagen wider- sprechen sich und ich kann deshalb ein abschließendes Urteil nicht ab- geben. Hierauf wird die Weiterverhandlung auf morgen. Donnerstag. früh vertagt. Em Indurtm und Handel Tie Verteuerung der Lebenshaltung. Die Jahre 1906 und 1997, die gesegneten Jahre für Unter- nehmcr und Agrarier, haben der arbeilenden Bevölkerung eine unerhörte Verteuerung der Lebenshaltung gebracht. Die Verteuerung tritt markant in Erscheinung durch Gegenüberstellung der Waren- preise verschiedener Jahre. Die„Voss. Ztg." macht regelmäßige Zu- sammenslellungen. bei denen die Preise für den Durchschnitt der Jahre 1889/1898 gleich 100 gesetzt werden. Danach ergeben sich für einzelne Waren folgende Jndexpreise: Durchschnitt 1889 98 1905 1907 Roggen... Berlin... 100 102.7 142.7 Weizen... Berlin... 100 101,1 130,3 Hafer... Berlin... 100 98.1 121,3 Gerste... Breslau.. 100 102,2 111,1 Spiritus.. Hamburg.. 100 106,8 143,4 Rubol... Haniburg.. 100 88,9 146,2 Mi'S... Hamburg.. 100 110,3 171,4 Reis. Rangoon Bremen... 100 105,6 115,5 Tabak. Kentucky Bremen... 100 118,7 190,2 Rinder... Berlin... 100 120,1 127,5 Schweine.. Berlin... 100 122.9 104,5 Kälber... Berlin... 100 134.6 154,9 Hammel.. Berlin... 100 134,1 139,9 Butler, l. Sorte Berlin... Ivo 111.8 120,7 Schmalz.. Bremen... 100 109,2 133,3 Das sind ganz enorme Preissteigerungen, denen nur für einzelne Artikel und meist nur geringfügige Nachlässe gegenüber stehen. Das schwerwiegendste dabei ist, daß auch jetzt, wo die Arbeitsgelegenheit ichon merklich abschwächt und überall das Bestreben hervor tritt, die Löhne zu drücken, die hohen Preise in Geltung bleiben und damit die Lebenshaltung auf das allerschlinnnste beeinträchtigen. ErzeugungSeinschränkungcn im Montangewerbe. In keinem Monat des Jahres 1907 war die arbeitstäg- l i ch e Leistung in der Roheisenindustrie größer als im No- vember. Sie stellte sich nämlich auf 46 102 Tonne� gegen nur 44 003 Tonnen im Vorjahr. Bei näherem Zusehen zeigt sich aber doch in einzelnen Erzeugungsgebietcn schon eine Abnahme'der Er- zeugung, so seit Oktober in Schlesien, in Hannover und Braun- schweig sowie in Pommern. Von den verschiedenen Roheisensorten sind es P u d d e l- und Bessemerroheisen, deren Er- zeugung abgenommen hat. Diese Erzeugungseinschränkungen sind ohne Einwirkung von Kartellbeschlüssen erfolgt. Mit Januar 1903 greifen nun auch die Roheisensyndikate in die Gestaltung der Roh- eisengewinnung ein: das Siegerländer Roheisen- s y n d i k a t führt bis auf weiteres eine Erzeugungseinschränkung von 25 Proz. oder absolut ausgedrückt von zirka 18— 19 000 Tonnen monatlich durch. Noch unzweideutiger weist aber auf den Umschlag die Produktionseinschränkung für Koks im Haupt- bezirke der deutschen Eisenindustrie hin. Die Koksherstellung wird dadurch um 10 Proz. oder etwa um 150 000 Tonnen monatlich ver- mindert werden. Man rechnet also mit einem geringeren Bedarf der Eisenindustrie. Es ist daher auch zu vermuten, daß die Hoch- ofenwerke in Rheinland-Westfalen und in Lothringen-Luxemburg schon bald eine mäßige Einschränkung vornehmen werden. Die Rohcisensyndikate berücksichtigen aber in ihrer Preispolitik die Verschiebung der Marktlage nicht genügend. In der Weiter- Verarbeitung und in der Fertigindustrie sind die Berkaufs- preise in einer erheblichen Abschwächung begriffen, während die Preise von Roheisen in der Hauptsache noch ihr hohes Niveau inne zu halten suchen. Hier liegt ein arges M i ß v e r- h ä l t n i s vor. Auch das rheinisch-wcstfälische Kohlensyndikat wird ein Entgegenkommen in der Preisbemessung zeigen müssen. 25 Proz. Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr zur Verteilung zu bringen, beschloß der Aufsichtsrat der Bielefelder Maschinenfabrik vorm. Dürkopp u. Ko. Da werden die Aktionär« sich ja über die Krise hinweghelfen können. Der Spiritusring. Während die Regierung jede positive Mit- teilung über ibre angeblichen Absichten, ein Bra»uiwei»nivnopol in Deulicklaud einzuführen, vermeidet und sich hinsichtlich ihrer agrarisck-fiskaliscken Pläne in Schweigen hüllt, sind die Herren vom Spirilusring eifrig am Werke, die Vorleile der siaatlickcn Preis- fixierung(darin soll die Verstaatlickung bestehen!) womöglich jetzt ickon zu eskomptieren. Wiederholt haben sie in den letzten Mouaien die Preise iür Spiritus hinaufgesetzt, und wenn sie damit zögerten so nickt aus Rücksicht für die Verbraucher, sondern einfach deshalb, weil der Moment für ihre Preiserhöbung nicht günstig war. Bald lauteten die Berichte über die Knrtoffelcrule zu unbestimmt, bald waren die Kartonelpreise nicht hoch genug. weil für die Kartoffeln keine anderweitige lohnendere Verwendung gekunden werden konnte und der Kartosfelmarkt von einer Baisse heimgesuckl war. Im allgemeinen ist der Kartoffelpreis hoch und demgemäß auch der Spiriiuspreis, Für November ließ die Spirituszentrale eine weitere Erhöhung eintreten. Jetzt ist man eben über die Kartoffelernte orientiert und offenbar mich ichon über die Pläne der Re- gierung unterricklel, die ja den Brennereien näher sieht als den Ab nehmern. Die Folge war. daß der ans den letzteren bestehende „Beirat" des Ringes, welcher die Rolle deS fünften Rades an, Wagen spielte, sich auflöste. Natürlich wird das die Preispolitik des Syndikats nicht im geringsten irritieren, und alle Pioteste der Kon sumenten, der Spirituoseninteressenten wie der Spiritus verarbeitenden Industrien werden an der Sachlage nichts ändern. Die Herren vom Ring wissen, was sie wollen, und sie können sich auf ihre Regierung verlassen. Dafür, daß die Industriellen dem Regime mit der agrariich-iiiduslriellen Paarung politische Borspaniid.ieiiste und Borichnb leisten dürfen sie sich bei Gelegenheit, wie der Spiritusring beweist, von ihren konservativen Freunden, die die Spiritusbrenner unterstützen, übervorteilen lassen. Motiviert wurde die letzte Preiserhöhung damit, daß die Breimereie», die trotz des diesmal unbeschränkten Betriebes schon bisher mit ihrer Erzeugung gegen 1906 zurückgeblieben wären, auch für die nächste Zeit eine Berringerung der Produktion in Aussicht genommen yätten, Auck sei die Nachfrage des Inlandes in allen Zweigen größer gewesen als 1906, und da überdies der Kartoffelpreis an- dauernd fest und die Klagen über die Haltbarkeit der Karloffel immer allgemeiner würden, sei die Hinaufsetzung der Preise für prompte Lieserung eben nötig. Bus der frauenbewegunc� Arbeiterinnen, Genossinnen, auf zun, Wahlrechtskampf! An den heute(Donnerstagabend) stattfindenden Wahl- rechtsdeinonstrationen müssen die Genossinnen, müssen die werktätigen Proletarierinnen in großer Schar sich beteiligen. Es gilt die Dreiklasscuschmach zu beseitigen. Aber das nicht allein! Dieser Kampf soll und muß in hervorstechender Weise eine Demonstration für Eroberung der staatsbürger- lichen Gleichbcrechtignng der Frau sein. Und dies hervor- stechende Merkmal wird gegeben durch Massenbeteiligung des weiblichen Geschlechts. Ist es schon eine Schmach und Schande, daß den Männern in Preußen noch das allgemeine gleiche und geheime Wahlrecht fehlt, um vieles größer ist die Schmach, daß die Frauen, die mit den Männern gleiche Pflichten haben, als Staatsbürgerinnen mit unmündigen Kindern aus einer Stufe stehen. Die Frau, die der Gesellschaft den Nachwuchs erzieht, die in Fabrik, Hütte und Werkstatt Neichtümer schaffen hilft, die Steuern zahlt, die alle Lasten trägt, ist nur Objekt der Gesetzgebung. Das ist ein unerträglicher, ein unwürdiger Zustand, dem ein Ende bereitet werden muß. Aber freiwillig will die herrschende Gesellschaft die Recht- losigkeit der Frau nicht ausheben, freiwillig will man auf die Instrumente der Unterdrückung und Ausbeutung der arbeitenden Klasse nicht verzichten. Das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht für beide Geschlechter zu allen gesetzgebenden und Verwaltungskörpcr- schaften muß in zähen Kämpfen errungen werden. Darum, Genossinnen, tut Eure Pflicht! Zeigt durch Massenbeteiligung, daß Ihr nicht gewillt seid, den Kultur und Gerechtigkeit hohnsprechenden Zustand noch länger zu dulden, demonstriert für die politische Gleichberechtigung! Arbeiterinnen, Genossinnen hinein in die Versammlungen! Serkdts-TeiUmg. Ist Polizei und Staatsanwaltschaft an der Unsicherheit in den, Straßen Berlins schuld? Diese Frage wirft sich angesichts der täglich zunehmenden Mordtaten in Berlin einerseits und des Eingriffs der Polizei und Staatsanwaltschaft in Dinge auf, die in einem Rechtsstaat diese Behörden nichts angehen sollten. Da wird unter dem Titel „Erhaltung der Sicherheit des Verkehrs' und dergleichen gegen Arbeiter vorgegangen, die friedlich von ihrem gesetzlich gerecht- fertigten Strcikrecht als Streikposten Gebrauch machen. Ja, selbst ein Arbeiter, der einen Streikposten ersucht, das Gepäck seines Schwiegervaters tragen zu helfen, wird von des Schutzmanns Majestät auf höheren Befehl zum Weitergehen aKfgesordert und sistiert, ja schließlich von Polizei und Staatsanwaltschaft angeklagt. ann es da wundernehmen, daß die Berliner Polizei meistens einen Mord, fast nie den Mörder entdeckt? Welcher Bagatellen halber ein Haufen von Beamten der Sicherheitspolizei, der Staatsanwaltschaft und der Gerichte in Bewegung gesetzt werden, zeigt wieder mal folgender kürzlich vor dem Kammergcricht verhandelter Fall: Der Fabrikarbeiter H.a.b ermann und der Ar- beiter Alisch sollten die Bestimmung der Charlottenburger Straßenpolizei-Verordnung übertreten haben, wo- nach den polizeilichen Anordnungen Folge zu leisten ist, welche zur Erhaltung der Ordnung und Sicherheit des Verkehrs auf der öffentlichen S-raße ergehen. Habermann, der seinen Schwieger- vater von der Bahn abholen wollte, traf am 15. Juni 1907 in der Nähe des Charlottenburger Bahnhofes den ihm bekannten Streik- Posten Alisch und fragte ihn unter anderem, ob er ihm beim FortsckMffen des Gepäcks helfen wolle. Ein Schutzmann ver- langte von ihnen, sich zu entfernen. Dieser Auf- forderung sollten sie nicht unverzüglich gefolgt sein; daher die An- klage. Alisch wurde vom Landgericht freigesprochen, weil der Schutzmann ihm keine Zeit gelassen habe, der Aufforderung zu folgen, sondern ihn feststellte, als er gehen wollte. Haber- mann dagegen wurde zu einer Geld st rase verurteilt. ES wurde vom Gericht angenommen, er hätte durch eine Aeußerung zum Ausdruck gebracht, daß er nicht Folge leisten wolle. Habermann legte Revision ein. Rechtsanwalt Theodor Liebknecht machte für ihn geltend, daß es in dem Urteil an jeder Ausführung über konkrete Umstände fehle, woraus der Beamte die Befürchtung hätte erlangen können, das Verweilen von H. und A. könnte zu Störungen der Ruhe und Ordnung des öffentlichen Verkehrs führen. Es sei nur festgestellt, daß der Be- amte von seinem Vorgesetzten die Anweisung hatte, auf die Streik- Posten zu achten, daß sie den Verkehr nicht störten. Nichts sage das Urteil davon, daß der Schutzmann geglaubt habe, zur Erhaltung der Ordnung und Sicherheit des Verkehrs einschreiten zu müssen. Schon daraus müsse die Aufhebung des Urteils folgen. Der er sie Strafsenat des KammergerichtS hob das Urteil hinsichtlich Habermanns auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Der Senat folgte im wesentlichen den Ausführungen des Anwalts und meinte, die Feststellungen der Vorinstanz ge- nügten nicht zu der Verurteilung. Zwischen dem'„Verkehrs- interesse", auf das der Schutzmann achten sollte, und der„Er- Haltung der Ordnung und Sicherheit des Verkehrs auf der öffcnt» lichen Straße" im Sinne der Verordnung sei zu unterscheiden. Es wäre nicht zu erkennen, warum der Schutzmann gerade die beiden Leute als verkehrsstörend aufgefaßt habe. Ihr« bloße Existenz an jener Stelle genüge auch nicht, auf bevorstehende Störungen der Ordnung und Sicherheit zu schließen. Denkbar wäre ja. daß die Wcgweisung begründet gewesen wäre. Das Urteil lasse das aber nicht erkennen. ES müsse deshalb nach- geprüft werden, ob die Wegweisung zur Erhaltung der Ordnung oder Sicherheit des öffentlichen Verkehrs ergangen sei. Und abermals werden drei Richter und ein Staatsanwalt die Sache zu prüfen, den Schutzmann zu hören haben— und zu gleicher Zeit wird sich in Berlin vielleicht abermals ein Mord ereignen, dessen Täter die Polizei und Siaatsanwaltschaft schon deshalb nicht ermitteln können, weil ihre Tätigkeit durch Dinge in Anspruch genommen ist. die nicht nach Schutz durch, sondern Schutz gegen die Polizei geradezu schreien._ Ein schwerer Bauunfall bildete die Grundlage einer Anklage wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung, die gestern den Maurer- polier Kunow vor die 3. Strafkammer des Landgerichts I führte. Der Rcgicrungsbaumeistcr B u d d e b e r g führte im Frühjahr 1906 auf dem Grundstück Jnvalidcnstr. 16 einen Neubau auf. Die Maurerarbeiten hatte vertragsmäßig der Maurermeister Sten- g e r t übernommen und in dessen Auftrag hatte der Angeklagte als Maurerpolier die Direktive auf dem Bau. Der Bau war im Juni 1906 bis zum ersten Stockwerk aufgeführt. Als am 30. Juni ein bcladener Mörtelwagen der Berliner Mörtelwerke und ein mit Steinen beladener Wagen des Fuhrgeschäfts von Hennig in Tempel- hos in den Hof eingefahren waren, um dort abzuladen, brach das auf Pfeilern ruhende Kellergewölbe infolge des Abweichens des einep Wagens von der auf dem Gewölbe hergxrichteten Bohlen. bahn unter der Last zusammen. Wagen, Pferde und mehrere Per» sonen wurden dabei mit in die Tiefs gerissen. Zur Bergung der Verschütteten mußte die Feuerwehr requiriert werden. Der Stein. träger August Schumann wurde mit schweren Verletzungen aus den Trümmern hervorgezogen. Er hatte neben verschiedenen Knochenbrüchen noch schwere innere Verletzungen davongetragen und verstarb bald darauf im Lazaruskrankenhause, wohin er sofort transportiert werden mutzte. Der Arbeiter Julius Lange hatte sich bei dem Sturz in die Tiefe mehrere Wunden an Kops, Brust und Beinen zugezogen und der Arbeiter Otto P o r a t h erlitt einen Beinbruch und innere Verletzungen. Die Untersuchung nach den Ursachen des schweren Unfalls und nach der strafrechtlich verant- wortlichen Persönlichkeit hat lange Zeit in Anspruch genommen. Es sind mehrere Gutachten Bausachverständiger eingezogen worden, die verschiedene, zum Teil nicht übereinstimmende Momente ins Auge faßten, die in ihrem Zusammentreffen das Unglück verschuldet haben könnten. Die Untersuchung erstreckte sich auch darauf, inwie- weit ein Verschulden des Bauherrn und des Maurermeisters, deren Anordnungen der Anacklagte aus- geführt hatte, vorlag. Schließlich ist die Sache— wie der S t a a t s- a n w a l t sich bedauernd ausdrückte— gerade bei dem wirtschaftlich Schwächsten, dem Angeklagten, hängen geblieben. Nach dem End- gutachten des kgl. Baurats F e l tz i n sei das Unglück darauf zurück- zuführen gewesen, daß die Pfeiler schlecht gemauert und die darauf liegenden Träger schlecht montiert waren, daß die Bohlenfahrt von schlechter Beschaffenheit war, die Radabweiser ungenügend waren und dadurch das verhängnisvolle Abweichen deS einen Wagens von der Bohlenfahrt ermöglicht wurde, ferner daß noch sonstige Mängel im Trägersystem nachweisbar waren. Für die ersten beiden Mängel wollte der Sachverständige den Angeklagten verantwortlich machen. Dieser bestritt jede Schuld und hatte durch Just.zrat LoeWY einen großen Zeugenapparat in Bewegung gesetzt mit dem sich der Gerichtshof volle fünf Stunden zu beschäftigen hatte. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten drei Monate Gefängnis, während Justizrat Loewy ausführte, daß die Schuld wesentlich der Bauleitung zuzuschreiben sei und der An- geklagte strafrechtlich nicht veranwortlich gemacht werden könne. Der G e r i ch t s ho f schloß sich diesen Ausführungen an und erkannte auf Freisprechung._ Zur Lage der unteren Beamten. Der Eisenbahnassistcnt Ernst L a d e w i g von Könnern, ein Familienvater von achtKindern im Alter von% bis 14 Jahren, bezog 1800 M. Jahresgehalt und unterschlug in bitterer Not als Billetteur 122 M. Das Schwurgericht in Halle erkannte die man�el- hafte Bezahlung des Beamten an, mußte ihn aber zu der nie- d r i g st zulässigen Strafe von ö Monaten Gefängnis ver- urteilen. m <■: s••;< Grosse Post. Seidenstoffe jssl Wert bU 3.50....... Meier Grosse Post. Seidenstoffe Q75 Wert bis 4.75...... Meter 4»>» Grosse Posten schw. Meneilleux Meter 1'° 230 3°° Grosse Posten schw. 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Partei-?Zngelegenkeiten. Achtung, Wahlrechtsdemonstration! Die Leiter der heutigeil Abendversammlungen sn Berlin und den Vororten iverdcn gebeten, sofort nach Schluß der Versammlungen einen kurzen Bericht über den Verlauf derselben durch besonderen Boten an die Redaktion des„Vorwärts" gelangen zu lassen. Zur Lokalliste. In Lankwitz veranstalten am Sonnabend, den U.d.M. der„Man d o lin enk lu b Lankwitz" in„Dohns F e st sälen", Sonnabend, den 13. d.M. der„Musikverein Crescendo" im Lokal von Aug. S t e f a n i und der„Rauch- k l u b Havanna" in, Lokal„Zur grünen Linde" Maskenbälle. Sämtliche vorgenannten Lokale stehen der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung, mithin sind alle Billetts zu dortigen Veranstaltungen zurückzuweisen. Zum 18. Januar er. hat der„A r b e i te r g e s a n g v e r ein Lankwitz� in„Ebels Re st auran t" ebenfalls einen Masken- ball arrangiert. Da uns dies Lokal zu allen Versammlungen zur Verfügung steht, so ersuchen wir, alle dort getroffenen Veranstal- tungen wirksam unterstützen zu wollen. Die Lokalkommission. Sechster Wahlkreis sl.. 2., 3. Abteilung, Schönhauser Vorstadt). Zu der am Sonnabend, den 11. Januar, im Berliner Prater- Theater statlfindenden Theatervorstellung, in der„Wilhelm Tell" zur Aufführung gelangt, sind noch Billetts a 30 Pf. in der Zeitungs- spedilion von Karl Mars, Lychener Straße 123, zu haben. Das Komitee. Wannsee. Sonnabend, den 11. Januar, abends 8 Uhr, General- Versammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und Neuwahl desselben. 3. Die Gemeindevertreterwahl. 3. Vereinsangelegeiibenen und Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Genossen, pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. Rudow. Sonnabend, den 11. d. M., abends 8 Uhr, findet bei A. Palm die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tages- ordnung: 1. Beiicht des Vorstandes und des Kassierers. 2. Neuwahl des gesamten Vorstandes. 3. Vcreinsangelegcnheiten und Ver- schiedcneS. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht aller Ge- noffen pünktlich zu erscheinen. Königs-Wustcrhauscn und Umgegend. Die Parteigenoffen werden auf den am Sonntag, den 12. d. M., im Lokale des Herrn Wedhor» von, Wahlverein veranstaltelcn Künstabend, welcher unter Leitung des Herrn Hartwig, Schauspieler am Charlottenburger Schiller- Thealer, staufindet aufmerksam gemacht. Kasscneröffnung b Uhr, Aiifaug Punkt ll'/z Uhr. Zahlreichen Besuch erivartet Der Vorstand. Berliner JVaebrIebten« lieber die Viehzählung von 19l)7 wird jetzt für Berlin vom Statistischen Amt der Stadt ein vorläufiges Ergebnis bekanntgegeben. Die Zäh- lung war umfangreicher als die von IRKit es wurden diesmal nicht nur Pferde, Rinder, Schafe, Schweine gezählt, son- dern auch Maultiere, Esel, Ziegen, Federvieh, Bienenstöcke. Unter 29 525 Grundstücken Berlins waren 8381, auf denen Tiere der bei der Zählung berücksichtigten Art gehalten wurden. Wird der Vieh- und Schlachthof ausgeschaltet, so waren in dem ganzen übrigen Berlin 52 657 Pferde, 11368 Stück Rindvieh, 112 Schafe. 1512 Schweine vorhanden, ferner 23 Maultiere, 56 Esel, 571 Ziegen, 59 766 Stück Federvieh, 77 Bienenstöcke. Gegenüber dem Vorjahr hat die Zahl der Pferde sich wieder uni 1164 vermindert, während sich ver- mehrt hat die Stückzahl des Rindviehs um 261, die Zahl der Schafe um 39, die der Schweine um 48. Auf dem Vieh- und Schlachthos wurden diesmal gezählt nur 1366 Stück Rind- dich, 2369 Schafe, 665 Schweine, außerdem 16 Pferde. Der Zähltag war ein Montag(2. Dezember). In 1966 wurde die Zählung an einem Sonnabend(1. Dezember) vorgenommen und ergab da selbstverständlich sehr viel höhere Ziffern, 5665 Stück Rindvieh, 8624 Schafe. 8514 Schweine, außerdem 15 Pferde.— Die einzelnen Stadtgegenden sind be- grcislicherweise s c h r u n g l e i ch an dem Viehstand beteiligt, anr stärksten sind e« die Außenbezirke. Tie Pferde sind zahl- reich besonders in den Stadtteilen mit Kasernen für Ka- valleric oder Artillerie, z. B. im östlichen Teil Moabits, in der Oranienburger Vorstadt, im westlichen Teil der Tempel- hofer Vorstadt usw. Zahlreich sind sie aber auch in einigen Stadtteilen, die keine solche Kasernen haben, aber Hauptsitze des Fuhrwesens sind, z. B. in der äußeren Hälfte des Stra- lauer Viertels mit 4915 Pferden, im Königsvicrtel mit 3347, im äußeren Teil Moabits mit 3226, aus dem Wedding nu! 3689, auf dem Gesundbrunnen mit 2968 usw. Rindvieh fand sich in besonders großer Zahl in der äußeren Hälfte des Stra- lauer Viertels(1253 Stück, außerdem noch 1366 auf dem in diesem Stadtteil liegenden Vieh- und Schlachthof), ferner im äußeren Teil Moabits(999), in der Oranienburger Vorstadt (868), auf dem Gesundbrunnen(828), auf dem Wedding (742) usw. Tie Zahl der Schafe ist, wenn vom Vieh- und Schlachthof abgesehen wird, für das übrige Berlin so gering, daß ihre Verteilung über die Stadt kaum Interesse bietet. Schweine wurden, immer abgesehen vom Vieh- und Schlacht- Hof, besonders in den nördlichen Stadtteilen gezählt, auf dem Gesundbrunnen(399), in der Oranienburger Vorstadt(167), auf dem Wedding(142), im äußeren Moabit(113) usw. Auch die Ziegenzucht blüht noch besonders im Norden: die Ziegen waren am zahlreichsten auf dein Gesundbrunnen(99) und auf dem Wcdding(95). Von den übrigen Vieharten sei hier imr noch das Federvieh erwähnt. Gezählt wurde das meiste Federvieh auf dem Gesundbruniten(8357 Stück), in der Königstadt(6678), in der äußeren Hälfte des Stralauer Viertels(5519), aus dem Wedding(4764) usw. Die Vieh- Haltung ist im ganzen noch am stärksten in den Stadtteilen Gesundbrunnen und Wcdding, sowie im äußeren Moabit, in der Königstadt und im äußeren Stralauer Viertel. Ein Gegenstück bildet die Friedrichstadt, in der die letzte Zählung nur noch 755 Pferde. 49 Rinder, 486 Stiick Federvieh und sonst weiter kein Vieh(kein Schwein, kein Schaf, keine Ziege usw.) ergeben hat._ Die Gesnndheitsverhältnisse in Berlin waren in dem jetzt zu Ende gegangenen Jahr 1967 sehr ungewöhnlich. Wird man es glauben wollen, daß ge- rade die Sommermonate,� die in anderen Jahren durch die höchste Sterblichkeit gekennzeichnet wurden, diesmal die nie- drigsten Sterbeziffern gebracht haben? Die Sterblichkeit des i diesjährigen Juli ergäbe, wenn das ganze Jahr hindurch die i Sterblichkeit so gering gewesen wäre, für das Jahr nur 413,35 Sterbefälle pro Tausend der durchschnittlichen Bevölke- rungszahl. Hiermit hat diesmal der Juli unter allen Mo- naten des Jahres die allerniedrigste Sterbeziffer, das ist für Berlin eine sehr regelwidrige Erscheinung. Ihm stehen am nächsten der Juni mit 14,29 Sterbesällen pro Tausend und der August niit 14,65 pro Tausend. Auch noch der Sep- tember hat nur 14,87 pro Tausend, aber in allen übrigen Monaten geht die Sterbeziffer hinaus über 15 pro Tausend bis zu dem Maximum 17,61 pro Tausend, das auf den Januar 1967 fiel. Im Jahre 1966 stand an der Spitze der Monat August mit der bedeutenden Sterbeziffer 18,68 pro Tausend, während das Minimum mit 13,67 pro Tausend auf den Oktober fiel. Ter Juli, der in 1967 das Minimum 13,35 aufweist, hatte in 1966 die sehr viel höhere Sterbeziffer 16,66. Im Jahre 1965 stand gleichfalls der Monat August an der Spitze und zwar init der erschreckend hohen Sterbeziffer 22,68 pro Tausend. Der Juli hatte in jenem Jahre, das uns auch im ganzen eine recht hohe Sterbeziffer brachte, die Sterbe- Ziffer 18,14 pro Tausend. Das Minimum fiel damals mit 14,89 auf den November. Die eigenartigen Sterbeziffern des Jahres 1967 sind zustande gekommen unter dem Einfluß der abnormen Witterungsverhältnisse dieses Jahres. Die Sommermonate waren feucht und kühl, so daß in ihnen die Kindersterblichkeit nur eine mäßige Höhe er- reichte. Ungewöhnliche Hitze, die manchem Kinde zum Ver- derben wurde, trat bereits im Mai ein, der uns sogar schon den heißesten Tag des ganzen Jahres(!) brachte und dies- mal mit der beträchtlichen Sterbeziffer 15,93 pro Tausend abschloß. Eine ähnlich hohe Sterbeziffer gab es dann erst wieder im Herbst, der diesmal durch sein unfreundliches Wetter ein böses Andenken hinterlassen hat. Ihm fielen auch ungewöhnlich viele Kinder zum Opfer, darunter wohl manches schwächliche, das bei normalen Witterungsverhältnissen viel- leicht schon der Sommerhitze erlegen wäre. Ueber die Tnnnelprojekte der Großen Berliner hat sich jetzt auch Professor Blum von der Technischen Hoch- schule zu Hannover in einem Gutachten geäußert, das er im Auftrage des Berliner Magistrats erstattet. Er kommt dabei zu folgenden Schlußfolgerungen: „Als Hauptfehler des Entwurfs ergeben sich: Einzelne Stadtteile werden durch den Fortfall der direkten Straßenbahnverbindungen lvirtschaftlich geschädigt. Durch den Fortfall vieler direkter Straßenbahnlinien und zahlreicher Haltestellen werden für viele Reisende die Fußwege verlängert, die Gesamtwege unbequemer und zeitraubender, während ein Ersatz durch eine wesentliche Abkürzung der Fahr- zeit in der Unterstraßeubahn kaum zu erzielen ist. Der Umsteigevcrkehr wird umfangreicher und unbequemer. Der Straßenverkehr wird durch die Stauungen vor den Tunneleinfahrten gehindert. An den wichtigeren Stationen, also den kritischsten Vcrkehrspunkten Berlins, wird der Ver- kehr der anderen Beförderungsmittel zunehmen. Die Unterstraßenbahn wird von zahlreichen Stockungen im Oberflächenbetrieb nicht unabhängig. Die Folgen der Stockungen werden aber noch schlimmer als jetzt, weil unter Umständen zahlreiche Reisende längere Zeit im Tunnel fest- gehalten werden und weil Verkehrsumlenkungen viel weniger möglich sind als jetzt. Die geplanten Unterstraßenbahnen er- ichivercn und verteuern andere wichtige Verkehrsmittel, be- sonders den Bau des dringend notwendigen Nord-Süd-Tunncls Unter den Linden und den Bau der beabsichtigten Nord-Süd- Schnellbahnen. Entivurf und Betriebsplan sind hinsichtlich der Sicherheitseinrichtungen unreif. Der vorgeschlagene„straßenbahnmäßige" Betrieb ist gerade cm der wichtigsten Stelle un- durchführbar." Dieses Gutachten schließt sich demnach im wesentlichen dem des Regierungsrats a. D. Kemmann an. In der gestrigen Sitzung der städtischen Schuldeputatio« winde der Entwurf des Geh. Baurats Dr. Ludwig Hoffinann zum Neubau einer arotzen Gemeindedoppelschule in der Tegeler Stratze nahe dem Rudolf-Virchow-Krankenhause vorgelegt und nach eingehender Be- raNmg angenommen.__ Der Kaiser und die Untergrundbahn. Der Kaiser besichtigte mit mehreren Herren semes Gefolges den Untergrundbahnhof am Reichskanzlerplatz in Cyarlottenburg. Die Wände und die Decke dieses unmittelbar an der Döberitzer Heerstrahe liegenden Bahnhofes sind nach künstlerischen Entwürfen des Professors Grenandcr mit Tonfliesen belegt, die aus der Ton- fliese nfabrik des Kaisers in Kabinen bezogen wurden._ Auf der Hauptwache in der Lindenstraße 4l> fand gestern früh eine Vorstellung der Feuerwehr vor dem jetzt hier weilenden Lord Rupert G n i n e ß, dem Dezernenten des Londoner Feuerlösch- Wesens, statt, die mit einer Alarmierung der Hauptwache schloß. Dem Sachverständigen wurden vier Züge vorgeführt, die alle Phasen eines Angriffs demonstrierten. In schneller Reihenfolge wurde ein Leitermanöver sowie ein Löschmanöver und anderes vorgeführt. Nachdem mehrere mit Petroleum getränkte Holzstöhe von einem Oberfeuermann abgelöscht waren, wurden Rettungs- und Atmungsapparate gezeigt und näher erläutert. Lord Gninch sprach sich anerkennend über die Leistungen aus und begab sich dann nach der Zugwache 11 in der Wilmsstratze und zum Schluß nach der noch im Bau begriffenen Zugwache 4 in der Schön- lanckerstrahe, die eingehend besichtigt wurden. Die Schulverwaltung geht folgende Zuschrift an, die die„Verl. Volksztg." veröffentlich. Dieselbe lautet: Berlin, 7. Januar 1303. In der Ge.meindeschule 258, Löwestr. 14/15, muhte gestern, am ersten Tage nach den Schulferien, der Unterricht ausfallen, weil die Schulzimmer cisigkalt Waren. Tie Zentralheizung war während der Ferien außer Betrieb gesetzt worden, so dah sich die Kälte der vorigen Woche in den Schulzimmern festgesetzt hatte. Auch der Schuldiener der betreffenden Schule hatte durch diese Mahnahme der Schulverwaltung sehr zu leiden. Da seine Wohnung der Zentralheizung angeschloffen ist, sind seine Wohn- zimmer infolge der Außerbetriebsetzung der Zentralheizung jetzt bei dem eingetretenen Tauwetter kalt und feucht. Das Wasser rinnt an den Wänden herab, so dah die Möbel und sonstigen Gegen- stände in den Zimmern stockig wurden. Es mühte doch für den Schuldiener eine Wohnung angewiesen werden, in der sich dieser auch in den Ferien vor der Kälte und vor den Folgen eines so plötzlichen Witterungsumschlagcs schützen kann. Dah die Kinder noch einen Tag länger frei haben, werden diese nicht bedauern. Aber in Rücksicht auf deren Ausbildung mühte von der Schul- Verwaltung gefordert werden, daß diese dafür Sorge trägt, dah nach den Ferien infolge kalter Schulzimmer keine Aussetzung des Unter- richte stattfinden rnust- Dcr Austritt aus der Kirchengcmeinschaft läßt sich.mitunter doch nicht ganz mühelos bewirken. Wir ver- öffentlichten vor etlichen Tagen die Zuschrift eines Parteigenossen, der in dieser Hinsicht eine ärgerliche Erfahrung hat machen müssen. Er und seine Frau hatten dem Gericht ihre Absicht deS Austrittes aus der evangelischen Landeskirche schriftlich mitgeteilt, und beide gingen dann vier Wochen später zum Gericht, um dort persönlich die Austrittserklärung zu Protokoll zu geben. Es wurde ihnen aber die Entgegennahme der Austrittserklärung verweigert mit dem Bemerken, dah sie nach Ausweis ihrer vorgelegten Taufschein: der evangelisch- luth-er ischen Kirche angehörten, also nicht aus der evangelischen Landeskirche austreten könnten. Hier- nach muhte der Austritt ein zweites Mal und in richtiger Form angemeldet werden, und erst dann wurde die Austrittserklärung entgegengenommen. Den beiden Eheleuten brachte das nicht nur Schererei und eine Verzögerung des Austrittes, sondern sie muhten auch die bis dahin entstandenen Kosten des Verfahrens mit- bezahlen. Vielen wird es ganz neu sein, dah zwischen der evangelisch- lutherischen Kirche und der evangelischen Landeskirche so streng unterschieden wird. Grund und Zweck einer solchen Unterscheidung dürften auch den Gerichtsbeamten nicht immer ein- leuchten. Wir schließen das aus der Zuschrift eines anderen Parteigenossen, der gleichfalls durch seinen Taufschein als„evan- gelisch-lutherischer" Christ bezeichnet wurde, gleichfalls seinen Aus- tritt aus der„evangelischen Landeskirche" angemeldet hatte und damit durchgekommen ist. Er schreibt uns, auch ihm fei vom Gericht zunächst die Entgegennahme der Austrittserklärung ver- weigert worden. Hinterher habe aber der Beamte anerkannt, dah auch der Militärpah als Ausweis genüge, und da der angeb- lich„evangelisch-lutherische" Christ dort als schlechtweg„evange- lisch" bezeichnet wurde, so habe die Austrittserklärung ohne noch- malige Anmeldung sofort vollzogen werden dürfen. Für diesen „evangelisch- lutherischen alias schlechtweg „evangelischen" Austrittslustigen war das ein Glück. Er war nämlich just am 31. Dezember nach dem Gericht gegangen, um die Austrittserklärung abzugeben. Hätte er sie erst noch einmal an- melden müssen, so wär's erst im Jahre 1903 zum Vollzug des Aus- trittes gekommen, und er hätte dann nicht nur noch bis Ende 1908, sondern noch bis Ende 1909 zur Kirchensteuer herangezogen werden können. Von ihm wie von dem erstgenannten Parteigenossen wird die Versicherung hinzugefügt, die gleichen Schwierigkeiten seien aus gleichem Anlaß noch vielen anderen vor Gericht bereitet worden. Da möchten wir in der Tat wissen, ob wirklich jemand aus solchem Grunde noch im letzten Augenblick an der Austrittserklärung ge- hindert worden ist, so dah er nun noch ein Jahr länger(immer bis zum Schluß des auf den Austritt folgenden Kalenderjahres) zur Kirchensteuer herangezogen werden kann. Wir vermuten, dah nicht mall die Kirche die Bezcich. nungen„evangelisch-lutherisch" und schlechtweg „cv an gelisch" streng auseinanderhält. So mancher Pastor einer evangelisch-landeskirchlichen Gemeinde dürfte auf die von ihm ausgefertigten Taufscheine die Bezeichnung„evangelisch- lutherisch" gesetzt haben, ohne sich etwas dabei zu denken. Die meisten Noch-..CHristen" wissen längst nicht mehr, als was für ..Christen" sie durch die Welt laufen. Fortan wird jeder Aus- trittölustige gut daran tun, zunächst mal das dem Gericht vorzu- legende Legitimationspapicr, durch das er sich über seine Religion ausweisen muh, genau anzusehen, ehe„er dem Gericht die vorgeschriebene Anmeldung schickt. Es ist immer ratsam, sich vor Ueberraschungen zu sichern. Und auch das sollten alle Austrittslustigen sich gesagt sein lassen, dah es riskant ist, die beschlossene Austrittsanmeldung immer wieder noch auf die lange Bank zu schieben, sie bis in die letzten Monate des Jahres hinzuzögern und schließlich erst in den letzten Tagen des Dezembers zum Gericht zu gehen, um die Austritts- erklärung zu vollziehen. Die damit verbundene Mühe ist wirklich nicht übergroß, wenn mans richtig anfängt. Formulare zur Aus- trittserklärung sind an den bekannten Stellen zu haben, des Aus- trittslustigen Namen, Stand, Wohnung. Konfession(in richtiger Be- zeichnung) werden hineingeschrieben und das so ausgefüllte For- mular wird dem zuständigen Amtsgericht übersandt. Er geht dann zeitigstens nach vier Wochen und spätestens nach sechs Wochen per- sönlich zum Gericht, nimmt den nötigen Ausweis über seine Kon- fession mit und gibt die Austrittserklärung zu Protokoll. Es erwachsen ihm daraus ein paar Mark Kosten; die Gebührenrechnung wird ihm einige Wochen nach Vollzug der Austrittserklärung zuge- schickt und mutz dann bezahlt werden. Ueber die Frage des Unterschiedes zwischen„evangelisch-luthc- rischen" und schlechtweg„evangelischen" Christen ist uns noch eine dritte Zuschrift zugegangen. Ein Parteigenosse, der durch die Tüftelei der Gerichtsbeamten angeregt worden ist, seinerseits weiterzutüfteln, teilt uns seine Vermutung mit, dah wahrscheinlich viele„evangelisch-lutherische" Christen, die sich für schlecht- weg„evangelisch" hielten und sich so bezeichneten, als Mitglieder der evangelischen Landeskirche gebucht und dementsprechend zur Kirchensteuer herangezogen worden sind. Im An- schluh hieran macht er den Vorschlag, die etwa in die unrechte Kasse geratenen Steuern zurückzufordern. Nun, vielleicht probierts mal einer. Wir bitten ihn, uns über den Erfolg zu berichten. » Andere ko st spielige Manieren bekundet die Steucr-Eintreibungsstclle der hiesigen evangelischen Gemeinden. Dieselbe verschickt nämlich die Exekutionsandrohungen u n f r a n- t i e r t. Die katholische Frau eines hiesigen Einwohners war unberechtigterweise zur Steuer in der evangelischen Kirche veranlagt, die natürlich nicht gezahlt wurde. Dieser Tage brachte ihr der Briefträger einen unfrankierten Brief, den sie— da er als„portopflichtige Dienstsache" bezeichnet war— leider unter Entrichtung des Portobetrages von 5 Pf. annahm.— ALo Einwohner seien aus diesem Anlaß davor gewarnt, unfran- kierte Briefe jeder Art anzunehmen. Will die Kirche ihre Steuern eintreiben, so mag sie ihre Briefe in der allgemein üblichen Art frankieren. Hat sie eine berechtigte Forderung an den Gemahntem, dann kann sie das verauslagte Porto aufschlagen. Ist die Mah- nung aber unberechtigt, wie in dem vorliegenden Falle, dann wird es für die Betroffenen natürlich meist schwer halten, die Kirche wieder zum Ersatz der durch sie verursachten Kosten zu veranlassen. Also Vorsicht! Nehmt nichts Unfrankiertes an! Die große Telefiinkcnstation Nauen hat ihre diesjährigen Fern« versuche nach Anbringung wichtiger Verbesserungen begonnen und schon ein ganz anherordentlich gutes Ergebnis gehabt. Vor einigen Wochen wurden die Telegramme Nauens von einer kleinen tranS- portablen Militärstation in Kornenburg bei Wien aufgenommen. Zu gleicher Zeit trat der Dampfer„Cap Blanco" der Hamburg-Pud- amerika-Linie seine Ausreise von Hamburg nach Buenos Aires an und erhielt täglich telegraphische Nachrichten von Nauen. Das letzte Telegramm wurde in Santa Cruz(Teneriffa) aufgenommen, nach- Sem der Dampfer acht Tagereisen von Hamburg entfernt war. Die Entfernung bis Teneriffa beträgt ungefähr dreitausendsiebenhundcrt Kilometer, d. h. eine gröbere Entfernung, als sie die Marconistation bei ihren Rekordversuchen über den Ozean erreicht hat. Zur Beerdigung freigegeben ist die Leiche des Geuossen Paul S ch i l l i n g in Reinickendorf. Die Beerdigung des so jäh ver- . storbenen Genossen findet am Freitag— also morgen— nachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des Gemeindefriedhofes in der Hum- boldtstraße aus statt. Die Parteigenosien werden ersucht, fich an dieser letzten Ehrung des ein halbes Menschenalter für die Partei tätigen und braven Parteifreundes recht zahlreich zu beteiligen. Toppelselbstmord eines Ehepaares. In der vergangenen Nacht haben sich im„Hotel Borussia" in der Königgrätzcr Straße der angebliche Lehrer Neutisch aus Kattowitz und dessen Frau vergiftet. Gestern morgen gegen O Uhr erschien das Paar in dem Hotel. In der vergangenen Nacht vernahm man aus dem Zimmer des Paares ein verdächtiges Stöhnen. Als auf Klopfen nicht geöffnet wurde, ließ man das Schloß gewaltsam aufbrechen. In den Betten fand man die Gatten. Die Frau war bereits zur Leiche erstarrt, während der Mann stark röchelte. Kleine Reste von Giften standen noch auf dem Tisch. N. starb noch im Laufe der Nacht. Irgend- welche Briefschaften, die über die Ursache des Dramas Aufklärung gebe» könnten, wurden nicht vorgefunden. Von anderer Seite wird noch berichtet: Der Name des Lehrers ist Alfons Minkwich aus Warscha in Lberschlcsien, seine Begleiterin ist nicht seine Frau, sondern ein Fräulein Franziska Hoyel, die Tochter eines Grubenaufsehers in Zabrze. Die drei schweren Verbrechen, die in den beiden letzten Tagen verübt worden sind, beschäftigen nach wie vor die Kriminalpolizei. Ein positives Ergebnis haben ihre Bemühungen noch nicht gehabt. Verhaftungen sind zwar eine ganze Anzahl erfolgt, die Verhafteten mußten aber wieder freigelassen werden, da sie ihr Alibi nachweisen konnten. An die Genossen Berlins! AuZ Ahlbeck lPommern) wird uns geschrieben: Im Laufe Vrr nächsten Zeit siedelt wieder, wie alljährlich, eine Reihe Genossen von Groß-Berlin in Verfolg ihrer beruflichen Tätigkeit nach den pommerschen Ostscebädern über. Sie halten cS aber in der Regel für überflüssig, sich bei den betreffenden WahlvcrcinSabtcilunaen ihres«aisonaufenthaliS anzumelden. Wir bitten diese Genossen, dieS in Zukunft auf jeden Fall zu tun. Erstens können die jungen Organisationen an der Küste, die unter den ungünstigsten Be- dingungen kolossale Gebiete bearbeiten müssen. Hülfe durch er- fahrenc Genossen sehr gut gebrauchen. Zweitens gelingt cS viel- leicht dadurch, in manchen Orten dauernd Fuß zu fassen. Die Anmeldungen find zu richten für Swinemünde, Äliisdroy, D'i c v e n o w und die weiteren Ortschaften der Wollincr Insel an Gen. Ullrich, Swine münde, Karlstr. 2. Für Ahl- beck, Heringödorf, Bansin. Ucckcritz und Koserow an Gen. Pargmann, Ahlbcck, Königstr. 21. Die in Berlin sich abmeldenden Genossen bitten wir hierauf nochmals aufmerk- sam machen zu wollen._ Barilte-Programmr. Das Januar-Programm des Passage- Theater» bietet durchweg fast neue Varicte-Nummern, aus denen nur diese genannt werden sollen:„Die Tochter des Herodias", ein Gastspiel der Mimodramengesellschaft der Miß 'Daniell und des Mr. Hilton, ist ein pantomimischer Akt, der die bekannte Salome-Tragödie in packender Weise zur Darstellung bringt und durch das stumme Spiel der.Künstler eine tiefgehende Wirkung auf das Publikum ausübt. Die Amerikanerin Miß Jankes bringt in ihren Aeger-Kopien, zu denen sie sich auf offener Bühne blitzschnell verwandelt, Typen voll Originalität in meisterhafter Darstellung. Mit einer erstaunlichen Exaktheit und fabelhaften Sicherheit arbeitet das Trio Passio. Ihre Künste ge- hören in das Gebiet der Equilibristik. Als Kontcrbaß-Virtuosc stellt sich Eavalicre Girotto vor. Er entlockt den drei Seiten seines Ungetüms von Instrument die wundervollsten Töne. Zu seinem vollen Recht kommt auch der Humor durch das Auf- treten des witzigen Humoristen Jaques Brown und des Komikers Rudolf Mälzer. Speziell der letztere ist in seinen Grotesk- Karikaturen von überwältigender Komik. Das Publikum wollte sich schier krank lachen. Auch das Walhalla- Variete- Theater bleibt nicht zurück. Es hat die leistungsfähige Familie Lorch mit ihren ikarischcn Spielen ins neue Programm mit hinübergcnommen und durch neue Kräfte ergänzt. Als solche kommen in Betracht zunächst die Garmisch-Partenkirchener oberbaycrische Sänger- und Schuh- plattler-Gcsellschaft. deren Leistungen von dem tausendköpfigen Publikum stürmisch applaudiert wurden. Bertha Palaggi zeigt in ihrer Szene:„Hinter den Kulissen einer Verwandlungskünstlcrin" .„ivie's gemacht wird". Sie läßt uns durch eine eigenartig an- gebrachte Spiegelung Zeuge dcö Aus- und Umkleidens sein, eine Szene, die Originalität für sich nicht in Anspruch nehmen kann - und auch sonst nichts gerade Leistungsfähiges offenbart. Mehr für das Auge berechnet ist der musikalische Ausstattungsakt der 14 elektrischen Sterne. Die Direktion hat hier die ganze Be- Icuchtungstunst in Bewegung gesetzt. Die 14 hierzu verwendeten Damen erstrahlen samt der Bühnenausstattung in einem geradezu feenhaften Lichte. Der Lese- und Diskutierklub„Tüd-Ost" feiert am Sonntag, den 12. Januar, nachmittags 4 Uhr, in Kellers Jestsälen, Koppen- straße 29, sein 17. Stiftungsfest.(Siehe Annonce am Sonntag.) Da dab reichhaltige Programm einen genußreichen Slbcnd ver- spricht, ist dem Fest ein zahlreicher Besuch zu wünschen. Billetts find in allen mit Plakaten belegten Geschäften zu haben. Fcucrwehrbericht. Dienstagabend wurde die Feuerwehr nach der Gitschincr Straße 81 alarmiert. Ein Betrunkener hatte sich das Vergnügen gemacht. Er wurde nach der Polizeiioachc gebracht. Wegen eines Wohnungsbrandes wurde die Wehr nach der Dolziger Straße 50 gerufen. Ein Weihnachtsbaum, Gardinen und Möbel brannten dort. Gestern früh brannten Kisten ufw. auf einer Treppe in der Mcxandrincnstr. 76. und gleichzeitig hatte in der Schillingstr. 29 die Feuerwehr mit einem Wasserbruch zu tun. Weitere Brände wurden aus der Griebenowstr. bin, aus der Brunnenstr. 9S und anderen Stellen gemeldet. Vorort- ffciclmckteit. Lichtenberg. Der Rechnungsabschluß der Gemeindewerke(GaS-, Wasser- und Elektrizitätswerke) pro 1906 ist den Gemeindeverordneten»och kurz vor Toresschluß zugegangen. Am Donnerstag, 0. Januar, werden die Vertreter der Landgemeinde zu ihrer letzten Sitzung zusammen- treten. Der Uebcrschuß der drei im Genieindebetrieb geleiteten Werke wird mit insgesamt 373 688,44 M. angeführt. Hiervon find an die Gemeiudekasie zur ordentlichen Verwaltung als Ueberschuß abgeführt: vom Gaswerk 110 000 M.. vom Wasserwerk 110 000 M, und von dem erst seit 1905 bestehenden Elektrizitätswerk 40 000 M. Zu Abschreibungen sind rund 68 000 M. verwendet, während 45 000 M. einem Reservefonds zugeführt sind. Welcher Entwickelung derartige Gemeindebetriebe fähig sind, erhellt aus einigen Zahlen, Die Gasabgabe ist vom Jahre 1900 von 1 338 455 Kubikmeter im Jahre 1900 auf 3 010 000 Kubikmeter gestiegen. In die Zeit fällt aber auch die Errichtung des Gemeinde-ElektrizitätSwerks, Versorgt werden ans dem Gaswerk noch die Gemeinden Hohcn-Schönhausen und die Ostvororte Biesdorf. Mahlsdorf. Kaulsdors und Marzahn. DaS Wasserwerk, das mit Ausnahme von Hohen-Schönhausen die genannte» Ostvororte und Friedrichsfelde mit Äarlshorst bedient, hat einen Mehrverbrauch von 221 000 Kubikmeter gegen 1905 zu ver- zeichnen. Das Elektrizitätswerk hat im Berichtsjahr seine Energieabgabe von 332 300 Kilowattstunden im Vorjahr 1905 auf 606 450 gesteigert, also beinahe verdoppelt; die Zunahme beträgt 274 150 Kilowatt- stunden. Die sich als notwendig erwiesene Erweiterung derBetriebs- anlagen usw., die zum Teil im BcrichlSjahr in Angriff genommen bezw. ausgeführt sind, lassen für das folgende Jahr ein wesemlich günstigeres Ergebnis erwarten. Der Ueberschuß von rund 374000 Mark wird von dm Steuerzahlern sicher ebenso gern gesehen wie die Herrn vom Kapital den entgangenen Gewinn bedauern werden. ES muß aber auch hier betont werden, daß die Plusmacherei nicht nur auf Kosten der Verbraucher und der Gemeindcarbeiter erfolgen darf. Eine Verbilligung des Gas- und Wasserzinses mit einer besseren Bezahlung der Werksarbeiter Hand in Hand sind dringendes Gebot und Aufgabe der jungen städtischen Verwaltung. Rixdorf. Das rätselhafle Berschtvinden einer jungen Mutter mit ihrem Töchterchen beschäftigt die Polizeibehörden. Seit dem vergangenen Sonntag wird die 27 Jahre alte Ehefrau Gertrud des Mvtall- schleifers Julius Habermann mitsamt ihrem bjähvigen Töchterchen vermißt. Frau H. entfernte sich mittags aus ihrer in der Jäger- straße 45 belegenen Wohnung und ist seitdem spurlos verschwunden. Die Nachforschungen nach den beiden waren bisher ergebnislos. Die junge Frau ist stark nervös, und es wird befürchtet, daß sie in einem Anfall von Geistesstörung sich und ihrem Krnde ein Leid antun wird. Frau H. ist von mittlerer Statur und hat blondes Haar, blaue Augen und gesunde frische Gesichtsfarbe. Bekleidet ist sie mit blauem Rock, blauer Bluse, Sakko uud blauem Glockenhut. Das Mädchen trägt ein dunkelgrünes Kleid, hellgrauen Mantel und dunkle Wintermütze. Ober-Tchöneweide. Gemeindevertretersitzung. Die von der Vertretung in Anbe- tracht des augenblicklich gegen den Gemeindevorsteher schwebenden Disziplinarverfahren beschlossene Anstellung eines besoldeten Schöffen ist bei der augenblicklichen Zusammensetzung der Vertretung nicht möglich. Die Zahl der Vertreter beträgt jetzt 12, und müßte nach der Landgemeindeordnung bei Anstellung des vierten Schöffen mindestens 15 betragen. Eine Vermehrung tritt aber erst am 1. April 1908 ein. Es bleibt deshalb nur der Ausweg, daß ein Schöffe vorläufig freiwillig zurücktritt. Aus diesem Grunde legte Herr Feldmann sei» Amt nieder. Die Stelle des besoldeten Schössen soll nun sofort zur Bewerbung ausgeschrieben werden. Das AnfangSgchalt soll 6000 M. betragen. Die von der Vertretung beschlossene Petition an den Reichstag wegen andcrweiter Regelung des Scrvistarises soll nach Auskunft deS LandratsamteS jetzt verspätet und zwecklos sein, da diese Materie bereits in der Bearbeitung sei. Genosse Grunow trat dieser An- ficht entgegen uud beantragte iveiteren Verfolg der«zache. Dieser Antrag fand keine Zustimmung.— Ter noch verfügbare Rest von 250 M. für das 4. Quartal für Entschädigung des Standes- beamten soll den beiden jetzt amtierenden Stellvertretern zugc- wendet ivcrdcn. Eine anderwcnige Regelung der Angelegenheit soll bei der Etatsbcratung stattfinden.— Dem vorgelegten Vertragsentwurf zwischen der Gemeinde und der Regierung wegen Eingemeindung von Forstarcal in der Umgebung des Krankenhauses wird zugestimmt.— Eine ausgedehnte Debatte zeitigte die weitere Ertvcrbung von Forstterrain zwecks E r w e i t e» rungdes Gemeindefriedhofes und zu anderen Zwecken. Es wird beschlossen, im Anschluß an den Friedhof 10 Morgen zum Preise von 210000 M. zu erwerbe», und mit dem FiskuS wegen weiterer 40 Morgen am Bahnhof Sadowa zu einem weitaus billi- geren Preise zu verhandeln. Auf Antrag des Herrn Herwig wurde gegen die Stimmen unserer Genossen die Klage gegen den Fiskus wegen Zahlung der Grundsteuer für das neueingemeindete Terrain im Betrage von 90000 M. zurückgezogen. Ter Prozeß war in erster Instanz zugunsten der Gemeinde, und in der zweiten für den Fiskus entschieden. Ter Vertreter des Fiskus, Herr Kottmeier, führte aus, daß seinerzeit vereinbart sei, der Fiskus bleibe steuer- frei. Infolgedessen habe der Gemeindevorsteher gegen Treu und Glauben gehandelt. Grost-Lichterfeldc. Zu dem Bersammluiigsbericht aus Groß- Lichterfelde ist zu be- merken, daß der als Gemeindevertreter- Kandidat gewählte Genosse Emil Ziege nicht Maurer, sondern Zimmerer ist. Steglitz. Bon den Rädern zerstückelt. Ein grauenhafter Unglücksfall er- eignete sich gestern nacht auf dein hiesigen Bahnhof. Der 79jährige Rentier und frühere Hotelbesitzer Julius Winckler stürzte unbemerkt auf die Schienen und wurde von den vorüberfahrenden Zügen buch- stäblich in Stücke gerissen. Vorgestern abend hatte der Greis zur Feier seines Geburtstages die Philharmonie besucht. Nach Steglitz zurückgekehrt, betrat W. noch einmal die auf dein äußersten Süd- westende des Bahnsteiges in ziemlicher Dunkelheit gelegene Rotunde. Infolge der Dunkelheit und seiner Kurzsichligkeit wird er wohl den Weg verfehlt haben und auf das tiefliegende Gleis gestürzt sein. Erst gegen 12 Uhr nachts fand der Streckenwärter beim Abgehen (einer Strecke den völlig zerstückelten Körper. Vier Züge sind über den Verunglückten hiniveggerollt, bis der grausige Unglücksfall entdeckt wurde. Die Steglitzer Polizei, die sofort benachrichtigt wurde, ließ sofort die Leichenteile zusammensuchen und zum Steglttzcr Kirchhof bringen. Wannsee. Ter letzten Gemeinbevertrrtcrsitznng lag u. a. der Erlaß eines Ortöftatuts, die Aufbringung der Kosten der Straßenunterhaltung betreffend, zur Beratung vor. Das bereits beschlossene Ortsstatut hatte beim Kreiöausschuß die Genehmigung nicht gefunden. Ter- ölbe legte nun ein von ihm ausgearbeitetes Statut vor, dem auch von der Versammlung zugestimmt wurde. Danach werden die An- licgcr der Straßen bei Befestigung derselben bis zu einem Satz von 00 Pro,;, zu den Kosten herangezogen werden. Die Beschluß- fassung bleibt von Fall zu Fall der Gemeindevertretung überlassen. Dem Bootsverleiher Turns wurde auf Antrag die Erlaubnis er- teilt, eine Anlagestclle an der Verlängerung der Ellsabethstraßc zu errichten. Des weiteren wurde beschlossen, die Vorschule, obgleich die Zahl der Schüler sich ständig vermindert hat, auf ein weiteres Jahr bestehen zu lassen. Sollte die Schülerzahl weiter zurückgehen, so soll die Vorschule aufgelöst werden. Karlshorst. I» der Gencralversilmmlung des Wohlvereinö vom 7. Januar erstattete der Vorstand seinen Tätigkeitsbericht. Der Vorsitzende Link gab einen Rückblick auf die Entwickelung des Wahlvcreins seit dessen Lostrenmmg von Friedrichsfelde. Er verwies auf die erfreu- lichen Erfolge der'RcichstagSwahlagitation, die uns seit 1903 einen Stimmenzuwachs von 284 auf 636 brachte, soioie auf die theoretische Einführung der Mitglieder in das Parteiprogramm, auf die sonstigen bildenden und geselligen Veranstaliungen und auf die Bor- bereituugen zur Gemeindcwahl. Die Mitgliedcrzahl des Vereins stieg ans 156, sank aber durch Verzug und Streichungen wieder auf 131. Leider habe eS auch nicht an unerfreuliche» Auseinander- setzungen und Angriffen auf den Vorstand gefehlt. Ein unqualifizier- barer Angriff auf Gewerkschaklsbeamte hatte den Borstand zu einer Erklärung veranlaßt, die allen Mitgliedern deS Vereins ohne Unterschied die Gleichberechtigung wahren soll. AuS dem Kassenbericht, den Blum erstattete, ergibt sich, daß die Abrechnung vom 4. Quartal in Einnahme und Ausgabe mit 133,53 M. abschloß und ein Kassenbestand von 43.74 M. vorhanden ist. Die WahllreiS- lasse brachte im Berichtsjahre in Einnahme und Ausgabe 399.90 M., die WahlvercinSkaffe vereinnahmte 206.13 M. und verausgabte 157,44 M., so daß ein Bestand von 48,74 M. verblieb- Dle Debatte brachte längere und sckiarfe Auseinandersetzungen einzelner Redner teils sachlich mit der Tätigkeit des Vorstandes, teils persönlich mit dem ersten Vorsitzenden. Nach Annahme eines Antrages auf Schluß der Debatte weist Link die dem Borstande ge- machten Vorwürfe zurück und bemerkt, daß der Kampf gegen den Vorstand nicht durch stichhaltige Gründe, sondern durch Ammosität gegen dessen Richtung geleitel werde. Nach einer Reihe von Bemerkungen tvird zur Neuwahl des Vorstandes geschritten. Vom bisherigen Vorstande lehnen Link, Blum, Stübmer, Kloth und Umbreit jede Wiederwahl ab mit der Bc- gründung, daß sie in der Abschneidung der Debatte eine Beschränkung ihrer Verantwortung und ein Mißtrauensvotum gegen den Vorstand erblicken müssen. ES werden gewählt zu Vorsitzenden Becker und Küter, zu Kassierern Pludra und Bast, zum Schriftführer Splieth, zu Beisitzern Meyer und Förster und zu Revisoren Pietsrenik und Vierathcr. Dem Kassierer Blum wird Decharge erteilt. Weisteusee. Die Wahlen der Beisitzer zum hiesigen Kaufmannsgericht finden am 20. Februar dieses Jahres statt, und zwar für die Beisitzer aus dem Kreise der HandlungSgehülfen nachmittags von 5 bis 7 Uhr im Brauereiausschank König- Chaussee 5/6, für die Beisitzer aus dem Kreise der Kaufleute im selben Lokale von 8—5 Uhr nach- mittags. Wahlberechtigt sind solche HandlungSgehülfen, welche bis zum Tage der Wahl daS 25. Lebensjahr vollendet haben, im Bezirke des ÄaufmannsgerichtS Weißensee beschäftigt sind und deren JahreS- arbeitsverdicnst den Betrag von 5000 M. nicht übersteigt. Ferner solche Kaufleute, welche das 25. Lebensjahr vollendet, im Bezirk deS KaufmannSgcrichtS ihre Handelsniederlassung haben und mindestens einen HandlungSgehülfen oder Handlungslehrling regelmäßig das Jahr hindurch oder zu gewissen Zeiten deS Jahres beschäftigen. Die Wahl der Beisitzer erfolgt für Haudlungsgehülfen und Kaufleute gesondert, nach den Grundsätzen der Verhältniswahl. Die Abstimmung ist geheim. Es darf nur für unveränderte Vor- schlagslisten gestimmt werden, welche höchstens sechs Namen enthalten dürfen. Als WahUegitimation gilt für HandlungSgehülfen eine Bc- scheinigung des Arbeitgebers oder der Polizeibehörde über die Art der kaufmännischen Tätigkeit; für Kaufkeute ein Auszug auS dem Handels- oder Genossenschaftsregifter oder die Bescheinigung über die Anmeldung ihres Geschäftsbetriebes zur Gewerbesteuer oder die letzte Gewerbesteuerquittung. Nähere Auskünfte erteilt der Zentral- verband der HandlungSgehülfen und Gehülfinnen Deutschlands, Neue Königstr. 36. Potsdam. Die Schlacht- und Flcischsteuer» jene„Sondervcrgünstigung" für Potsdam, die das Fleisch noch extra pro Pfund um 6 Pf. (für den Käufer natürlich um 10 Pf.) verteuert, kann nach der neuesten behördlichen Genehmigung nun doch bis zum Ablauf des Jahres 1909 erhoben werden. Man soll ja auch versucht haben, auf dem Pctiiionswcge diese Steuer noch nach dieser Zeit weiter zu erhalten, aber— hat keinen Erfolg gehabt. Es wird auch gerade höchste Zeit, daß diese Lebensmittelverteuerung, die neben moralischen auch auS verkehrstechnischen Gründen nicht mehr haltbar ist, endlich verschwindet, natürlich gegen den Willen der besitzenden Klassen, die solche Steuer für gerecht halten, weil sie dabei am wenigsten zu zahlen haben. Vermischtes. Ins Irrenhaus. Wie die„Allensteiner Zeitung" meldet, stellte gestern der Verteidiger der Frau v. Schönebeck den Antrag, sie zur Beobachtung ihres Geisteszustandes der Provinzial- Irrenanstalt Kortau zu überweisen. Zehn Personen verbrannt. In Commacchio sind einer Mel» dung von dort zufolge, bei einer großen Feuersbrunst in einen, von ärmeren Leuten bewohnten Stadtteile zehn Personen umgekommen und eine größere Anzahl verletzt worden. Abhilfe»ach preußischem Muster. Im Anschluß an die bereus von uns gemeldeten Tumulte auf einem Pariser Bahnhof ivird weiter aus Paris gemeldet: Da wiederum auf einem Vorortbahnhof der Westbahn Reiiendc ihren Unmut über eine eingetretene Berzvgcrimg im Betriebe durch Lärmen und Sachbeschädigung Lust gemacht haben, beschloß der Polizeipräsident, von heute ab sämtliche Borortbahnhöse der Westbahn polizeilich überwachen zu lassen. Deutscher Arbciter-Abstinentenbnnd. Ortsgruppe Berlin- Heule abend'/,S Uhr im»Englischen Hos', Neue Roßstr. 3: Versammlung- Eingegangene Drudtfebriften. Die llrsachen des Geldmangels und der moralischen Schäden sowie deren Beseitigung durch Schassung zinsloser Staats» oder Kommunal- danken- Von K- Merjolt, Franlsurt a- M. Kolonial-HandelS-Adrcffbuch 1903. 2,50 M. Herausgegeben vom Kolonialwirtschaftlichen Komitee, Berlin, Unter den Linden 43. Amtlicher Marktbericht der slädllschen Markthallcu-Direllion über den Großhandel in den Zentral-Marlthallc». Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach, Geschäft still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr reichlich, Geschalt nicht befriedigend, Preise etwas nachgebend. Geflügel: Zufuhr genügcnd, Geschäft sehr still, Preise in Gänsen gedrückt, sonst noirnal. Fische: Zufuhr mäßig, Geschäft ruhig. Preise wenig verändert. B u l t e r und Käse: Geichäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse. Ob st und Südjrüchtc: Zufuhr genügend, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Wittcruugöüberstcht vom 8. Januar 4008. Wetterprognose für Donnerstag, den 0. Januar 1008. Etwa» kühler, zunächst meist lrübc mit Niederschlägen und ziemlich starken westlichen Winden; später leilweise ausllarend. Berliner Wetterbureau. Wasscrftands-Nachrichte» der LandeSanftalt für Gewässerkunde, mitgelellt vom Berlitier Wetterbureau. Z 4- bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unl erpegel.—'J EiSstaud. —') Gründet?.—') Fast eiSsrei.—*) Treibeis.— Ö EiSirei. Donnerstag, den 9. Januar, at>M 8 Uhr: Volks-versammlulige» I. Kreis Dräsels Festsäle, Neue Friedrichstraße 3S. Um Kreis Kliems Festsäle, Hasenheide 13-15. Zithlke, Dennewitzstr. 13. I. Kreis Armm-Httlten, Kommandantenstr. 58-59. Gewerkschaftshans, Engelufer 15. III. Kreis Urania, Wrangelstr. 9. Drachenburg, Vor dein Schlesischen Tor. Boekers Gesellschastshaus, Weberstr. 17. Myfium, Landsberger Mee 40-41. Kellers Festsäle(Jnh. Freyer)» Koppenstr. 29. Markgrafen-Säle, Markgrafendamm 34. v. Kreis Altes Schützenhans, Linienstr. 5. Vi. Kreis Fröbels Allerlei-Theater, Schönhauser Mee 148. Bernhard Rose-Theater, Badstr. 58. Fritz Wille, Brunnenstr. 188. Norddeutsche Branerei, Ehausseestr. 64. Raabes Salon, Kolbergerstr. 23. Pharns-Säle, Müllerstr. 142. Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24. Telto w-Beeskow Adlershof. Beyer, Bismarck-Straße 10. Alt-Glienicke. Witwe Haberecht, Friedrichstr. 2. Brit». Landhaus, Ehausseestr. 97. Gheriottenhnrg. Bolkshans, Rosinenstr. 3. friedensu. Rheinschloß, Rheinstr. 60. Griinsu. Jägerhaus, Bahnhofftr. 1. Johannisthal. Senftleben, Friedrich- und Köpenickerstv.'Ecke. Köpenick. Stadttheater, Friedrichstraße. kankskita. Bräuert, Marienfelderstr. 17s. Groß-Lichterfelde. Kaiserhof, Am Kranoldplatz. Nlariendorf. Purschte, Ehausseestr. 305. Nieder-Schöneweide. Restaurant Hafselwerder. Nowawes. Singer, Priesterstr. 31. Bixdorf. Hoppe, Hermannstr. 49. „ Thiel, Bergstr. 151. Tchoneherg. Obst, Meininger Straße 8. Steglitz. Birkeuwäldchen, Schützenstraße. Tempelhof. Wilhelmsgarten, Berliner Straße 9. Treptosss-Banmschoienskeg. Wernicke(Restaurant „Zur Rennbahn"). Vkiimersdorf. Lnisenpark, Wilhelmsaue 112. KLnigs-Viosterhaosen. Wedhorn(Mes Schützenh.)?"U Sehiendorf. Gesellschastshaus, Karlstraße 12. lieder-Barnim Friedrichshagen. Witwe Lerche(Bürgersäle), Rundteil. kichtenherg. Prachtsäle des Ostens, Frankfurter Allee 151. Ober-Schöneweide, Mörners Blumengarten. Pankow, zugleich für NiedereSchönhausen u. Franz.* Buchholz, in Pankow„Zum Kurfürsten". Berliner Str. 102. Beinickendorf. �Vilhelmsruh, Restaurant„Seepark". ReinickendorfcOst, Markstraße 2—3. Bummelsburg. Witwe Weigel, Türrschmidtstraße 45. Tegel. Trebesch�s Festsäle, Bahnhofftraße 1. Weißensee. Schloß-Restaurant, König-Ehaussee. Tligts-Oldiillng i» allen Uklsaminlnngkn: Der Wahlrechts Kampf in Preußen. 44 Die Referenten werden in den Uerfammlnngen bekanntgegeben. Mmer mi! Km», crlchd»! i» Uch», es Ijmiklt jich»nt ta W! Die Einberufer. jSozialdeniokratlsctierWäMvereln des lyerLRelelisiais-Waliikreises. Todes-Anzelge. Nm Sonntag verstarb unser Mitglied, der Schlosser Schönhauser Ülllee 6I. �Ehrc seinem Andenken? Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Gclhscmanc- KirchhoscS in Nordend aus statt Um zahlreich! Beteiligung erfuchl 23i/2 Der Vorstand. Deutscher Metallarheller-Verbanil Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, das; j unser Mitglied, der Uhrmacher frnU Langer [ gestorben ist. 110/4 Ehre seinem Andenke»? Die Ortsverwaltung. SozÄmcMscIierWalilvereiii des 6. BeriiiiEi' Walreises. Todes- Anzeige. Am Sonntag verstarb unser Mitglied, der Arbeiter (justav Billard, Kopcnhagenerstr. 71. Ehre seinem Andenken? Die Beerdigung findet heute, Donnerstag nachmittags'l23 Uhr aus dem Gcthscmane-Kirchhos in Nordend statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 224/3 Der Vorstand. Danksagung. Sage hiermit allen Verwandten und Kollegen sür die TeUnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Biirstenmachers Kar\ Völz meinen herzlichsten Dan.'. löSOL Witwe Itert» Viilz. Deuisclier Buclsliiiider- Verband. Zahlstcste Berlin. Am Freitag, den 3. Januar KOS verstarb nach langem Siechtum der Buchbinder Klto Lierseb auZ Schiciz im 34. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 0. Januar, vormittags 10 Uhr. auf dem Zentral- Friedhofe in Friedrichsseide vol! der Leichenhalle aus statt. 23/1 Um rege Beteiligung ersticht Tie Ortsvcrlvatruilg Für die vielen Beweise Teilnahme während der Ktiankdcit und bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Uhrmachers ftnil Langer sage ich allen Freunden und Kollegen, besonders dem Personal der Fnma Firchow Nachs. meinen tiesgesühltesten Dank. 15612 Die trauernde Witwe nebst Kindern. Msiter-HlliiüiigssGliiile Berlin. Freitag, den 17. Januar, abends 8-/, Nhr. imScdnllokt»!, Grenadicrstr. 37: General Kersammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes, des Lehrerkollegiums und der Revisoren. 2. Anträge.� 3. schulangetegenbeiten. 4. Verschiedenes.' e/i" Mitgliedsbuch legitimiert. Beiträge werden entgegengenommen. Ortsgruppe Berlin. Freitag, de» 10. Januar, abends 8>/, Nhr, im»Englischen Hof«. Neue Roststr. 3: Versammlung. 1. Vortrag 6cä®enoff«i G. Daviilsohn über: Christian Dietrich Grabbcs Lebenstragödie. 2. Distussion. 3. Verschiedenes. 281/7 Gäste willlommen. Der Vorstand. Ruliervereln„Vorwärts". Allen Mitgliedern zur Nachricht, daß beute die Sitzung ausfällt und dafür morgen(Freitag) stattsindet. Außerdem machen wir nochmals aus unsere Nraniavorstelluiig(„Eine Nilreife bis zum zweiten Katarakt") ausmerlsam. Billetts sind noch zu haben bei E. Naundorf, Nostiz- straße 21. mmmmmmaKOBBSKsasaKaBOEicrsr.-. Allen Freunden und Bekannte» I die traurige Nachricht, daß unsere g Tochter plötzlich gestorben ist. Die Be. erdiguug iindet Donncrstagnnch- mittag 4 Uhr ans dem Michael- Kirchhof, Manendorscr Weg. statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Familie Sonei*. Lübbcnerstr. 13. Allen Verwandten, Freunden und Genossen des 721 Bezirks des sechste» RcichStagswahlliciscs sowie dem 2. Bc- zirk des Verbandes der freien Gast- und Schankwirte sage ich sür die rege BeteUigung bei derBcerdigung meines Mannes den besten Dank. 1SL2L Witwe Sles-iglr. Bekanntmachung. Hierdurch bringen wir zur Kennt- nis, daß sür das Jahr lSÜS a) derStcmpelschneiderE.Flamme als Vorsitzender, b) der Bnchbindermslr. A. Wöller als stellvertretender Vorsitzender, e) der Seiler F. Geist als Schrift- sührer, ü) der Packer F. Krukow als stell- vertretender Schrislsührer, e) der Schnhmachermeibcr Neuen- dorf, der Malermeister Johns, der Schriftsetzer Franko, der Arbeiter Stenzol, der Buch- druckcr Spittel als Beisitzer in den Vorstand der Kasse gewählt worden sind. 270/4 cchöncberg, den 7. Januar 1S08. Orts-Kranktuhasse der Stobt Slijöneiierg. ein Lieliitaiier von fopln ist. dem wird jetzt Gelegenheit ge- boten, in der am 15. Januar statt- findenden Großen«WG Jerlirlfsgsl- Lotterie I sein Glück versuchen. ■ Nur sehr wenig Lose und große Chancen. In der o. 4.-41. Januar Rosenthalerstr.l I-12statlfinbett&cn Ausstellung können die Gewinne besichtigt werden, tose ä 50 Pf., Porto und Liste 30 Ps. extra find in Lotterie- und Zigarrengeschäftcn �lt.i!We,Be!'Ii!i/°"�°""' t bei zu baden »trage 80. 292/10* Neue Weit Uuscnhelde 108—114 Vom 12. lanuar an täglich: Im großen mit vollständig neuen bayerischen Gebirgslandschaften dekorierten Rtesenfesttsaal Großes Bayerisches BocHbier-peft Baron Jfluckl Max vom Heede kommen wieder! Anfang täglich 7 Uhr. Sonntags 5 Uhr. Entree wochentags 30 Pf. Sonntags 50 Pf. Phar us-Säle Berlin 11. Inh.: Jnl. Wernau. Freitag, den 10. Januar 1008: Eröffnung der üock»&ler»Trubel-Saison verbunden mit a*r GroOer Soiree der Spree-Athener. In zweiter, unveränderter Aus- läge erschien vor lurzem Sonntage eines großstädtischen Arbeiters in der Natur von Kurt Grottewitz. Mit einem Vorwortvon WilhclmBölsche. Mit Buchschmuck und dem Porträt dc-Z Verfassers. Broschiert 60 Ps., gebunden l M. Die Presse aller Richtungen hat das Buch äußerst günstig bc- sprochen. 245/31 Wilhelm Bölsche schreibt in seinem Vorwort: »Ich glaube, daß es w der ganzen Literatur nicht leicht wieder so schlichte Naturschilde- rungen gibt, mit so scheinbar allcreinsachsten Mitteln, wie in diesem Büchlcin.- Ferner ist neu erschienen: Unser Wald. Ein Volksbuch von Kurl Groltewitz. Herausgegeben v. Wilhelm Bölsche. Mit Illustrationen versehen. Dies Buch dürste sich gleich guter Aufnahme erfreuen als das erstgenannte. Der Preis beträgt 2,50 M.. für das gebundene Exemplar 3 M. Expeiliiion des Jorwärts", Berlin SW. 68, LindenstraBe 69, Laden. \ Montag, den 13. Januar beginnt der 1563L Inventur» Ausverkauf zu beispiellos billigen Preisen. Teppich-Hans i! Lelm Berlin SUd. Seil 1832 nur Oranieostr, 158. Iii M! pieluvenlur-Eitraliste erscheint Ende dieser Woche. �ei Husten, Heiserkeit walca Reicheini iiuslentropies| «berratchenv achnell unv sicher I Nur ecni, wudd] mu Marko „Hedloo"' venip offen. 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