Kr.S. IbonntmtntS'Btdingunaen: «ionnkmenlS. PreiZ»rSnumeranda, BierteljShrl. ZL0 MI, monatl. 1.10 MI., wöchentlich 2S Pfg. frei in» Haus. Ewzelne Nummer b Pfg. Sonntags- Nummer mit llluitrierter Sonntag?» Beilage.Die Neue Sein lv Pfg. Post- MonnemeM: l.lv Marl pro Monat. Singetragen in die Boil.zeitungZ. Brelslille. Unter Kreuzband lür Dcutichland und Ocüerrcich» Ungarn li Marl, für daS übrige Ausland S Marl pro Monat. Poftabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Poriugal, Rumänien Schweden und die Schweis OMeli)»Stich nBtr Ooga«. Verlinev Volksblnkk. 33 Jahrg. vi« snIerNonz-Sedai,? beträgt für die sechsgespaltcne Kolonel- geile oder deren Raum M Pfg, für politische und gewerkschaftliche Vereins- und LersammlungS-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Hnzeigen", das erste(fettgedruckte) Wort 20 Pfg, jedes weitere Wort lv Pfg. Stellengesuche und Schlaf« stcllen-Anzctgcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort K Pfg. Worte über 15 Buchslaben zählen für zwei Worte. gnfcrote für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition «bgegeben werden Die Expedition if bis 7 Uhr abends geösfnet. Telegramm-Adresse: „SMialdelMlirat Berlin". Zentralorgan der Ibzialdemohrati fchen Partei Deutfcbtandd. Redaktion: 8 Cd. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. 6xpedition: 8M. 6.8» Lindenstrassc 69. Nerufprecher: Amt IV, Nr. 1984. Der Wablrechistag.- Die Erklärung der Degierung. Draußen stehen erwartungsvoll die Massen; stürmische Rufe nach dem gleichen Wahl- recht erschallen! Im Abgeordnetenhaus spricht der Abgeordnete Träger. Plötzlich erscheinen große Truppen von Polizisten zu Fuß und zu Pferde. Die Massen werden vonden Bewaffneten abgedrängt. Es ist ein Symbol: Das Volk muß weichen, die Rechtlosen müssen den Platz räumen, wenn Preußens Regierung der Privilegierten und B e> vorrechtigten das Wort nimmt! Ein Wall von Bewaffneten trennt die Regierung von dem Volke, und was Bülow spricht, spricht er unter dem Schutze und im Vertrauen auf die Bajonette. Die Erklärung der Regierung gegen das Volksrecht lautet: Die Königliche Staatsregierung hat sich schon bisher bemüht, Vor- fchriften des preußischen Wahlrechts zu verbessern, bei denen ein Bedürfnis hierzu besonders dringend hervortrat. Die Königliche Staatsregiernng erkennt an. daß das geltende Wahlsystem auch jetzt noch Mängel aufweist und hat seit längerer Zeit in eingehende« Arbeiten erwogen, wie auch diesen Mängeln abgeholfen werden kann. Ob dies im Rahmen des bestehende» Wahlrechts oder nur durch seine grnndsätz- liche Aenderung möglich fein wird, läßt sich noch nicht übersehen. Wie indes schon jetzt erklärt werden muß. steht es für die Königliche Staatsregiernng nach wie vor fest» daß die Ueber- tragung des R e i ch sta g s w a h l r e ch ts auf Preußen dem Staatswohl nicht entsprechen würde(Bravo! rechts) und deshalb abzulehnen ist. Auch kann die Königliche Staats- regierung die Ersetzung der öffentlichen Stimmabgabe durch die geheime nicht in Aussicht stellen.(Erneutes Bravo! rechts, Unruhe links» Ruf: Noch sdiöner!) Jede gesunde Reform des preußischen Wahlrechts» wird den Einfluß der breiten Schichten des Mittelstandes auf das Wahlergebnis aufrecht erhalten und sichern müflen, und deshalb auf eine geredite Abstufung des Gewichts der Wahl- stimmen Bedacht nehmen müssen.(Bravo! rechts). Deshalb wird zu prüfen sein» ob dieses Ziel erreicht werden kann lediglich unter Zugrunde- legung von Steuerleistungen oder ob und inwieweit das Stimmredjt auch «ach anderen Merkmalen, nach Alter. Besitz. Bildung u. dgl. zweckmäßig abgestuft werden muß. Sobald die Kgl. Staatsregierung für ihre Ent- I schließungen feste Unterlagen gewonnen haben wird, waS indessen für die laufende Tagung nicht mehr in Aussicht gestellt wer- de» kann(Hört, hört! links), wird sie mit einer entsprechenden Vorlage an den Landtag herantreten.(Lebh. Bravo! rechts, Zischen links.) Die Erklärung ist im scharfen Kommandoton abgegeben. Kurz und knapp und klar. Keine Diplomatie, keine Beschönigung. Es ist der Stil der Kriegserklärung. Und eine Kriegserklärung ist's, eine aufpeitschende Provokatton für alle, die noch einen Rest demokratischen Empfindens sich bewahrt haben, ein blutiger Hohn für die entrechteten Massen, eine Solidaritätserklärung der Regierung mit de» verhaßten und verrotteten Privilegien der Junkerkaste! Rechtlose, die Ihr da draußen steht, laßt alle Hoffnung fahren; das ist'S, was Euch die Regierung und das Haus des Dreiklassenunrechts zu sagen hat! Die Erklärung Bülows schafft Klarheit. Es ist zu Ende mit dem Phantom der liberalen Aera, die Schwindel war von Anfang an, Blendwerk des Wahltruges, und jetzt als Schwindel entlarvt ist. Nie noch ist ein großes Volk so am Narrenseil herumgeführt worden. Die Würde des deutschen Volkes ist beleidigt von der Regierung Preußens! Die Erklärung der Regienmg ist der Bankerott der Blockpolitik. Sie ist eine Niederlage Büloivs selbst, der unfähig ist. zu halten, was er in den ersten Tagen der jungen Liebe versprochen. Fürst Bülow hat die Erklärung verlesen, aber diktiert haben sie die Junker, auf deren Seite sich die preußischen Minister gestellt haben. Die Bestimmtheit der Regierungs- Erklärung soll daS rechttose Boll mutlos machen, fein Beginnen aussichtslos erschemen lassen. Vergebliche Hoffnung! Ein Weckruf ist diese Erklärung, eine anspornende, anfeuernde Mahnung. Der Wider- stand der Regierung zeigt die Größe und die Bedeutung des Kampfpreises. Mit zäher Aus- dauer, mit Besonnenheit und Mut wird die Sozialdemokratie den Kampf führen. Hart wird das Ringen sein, aber für uns streitet die EntWickelung, für uns kämpft die Geschichte! Unserem Banner, das die erprobten Genossen vorantragen werden, werden alle Arbeiter folgen, die bisher abseits standen. Die Ehre der Arbeiter ist engagiert, und die Arbeiter werden ihre Ehre zu schützen wissen! Den Arbeitern aber werden sich alle anschließen, sich anschließen müsirn, denen es ernst ist um die hehre Sache der Demokratie, der EntWicke- lung zur Freiheit. Und der Tag wird kommen, an dem ein anderer als Fürst Bülow eine andere Erklärung wird abgeben müssen. Bis dahin aber: keine Ruhe in Preußen, bis da» allgemeine gleiche, geheime und direkte Wahlrecht errungen ist! Noch schöner! WS heute Fürst Bülow die oben abgedruckte Erklärung der Regierung zur Wahlrechtsstage in Preußen abgab und dabei betonte, daß für die Regierung soviel feststehe, daß auch nicht einmal an die Beseitigung der öffentlichen Stimmabgabe zu denken sei. ertönte aus den Reihen des Freisinns der ent- rüstete Ruf: „Noch sckföner!" Und alS Bülow feine Erklärung geschloffen hatte, ant- wartete ihm daS Zischen des Freisinns! Wenn sich die freisinnige Landtagsfraktton einbilden sollte, durch diesen Zuruf und das Zischen seinen Protestpflichten heroisch genügt zu haben, so irrt sie sich gründlich. Denn der Freisinn hat sich nur selbst ausgezischt. Und der Zuruf„noch schöner" trifft auf die schmachvolle Haltung des Freisinns nicht weniger zu, als auf die Stellung- nähme der Regierung! Der Freisinn hat ja die Regierung förmlich be- schworen, ja keine wirkliche Reform in Aussicht zu nehmen l Oder haben nicht die„Voss. Ztg." und die„Weser-Ztg." noch am V. Januar. amBorabenddes Wahlrechtstages, der Regierung feierlich erklärt, daß der Freisinn sich auch mit einer sehr bescheidenen Reform zufrieden geben werde?! Wenn die Regierung also den Mut hatte, zwar keinerlei positive Zusagen fiir eine— sei es auch erst in Jahre«!— vorzunehmende Wahlreform zu machen, wohl aber kategorisch zu erklären, daß an die Einführung des Reichs- tagswahlrechts nicht zu denken fei, ja, daß die Regierung sogar die Einführung des geheimen Stimmrechts ablehne, so ist das der unbeschreiblich jämmerlichen Haltung des Freisinns zuzuschreiben! Seit Monaten arbettete die Reaktton mtt Hochdruck! Seit Monaten kämpften die Junker gegen die Wahlreform! Sett Monaten drohten sie der Regierung. den Block zu sprengen und wieder mit dem Zentrum gemeinsame Sache zu machen, wenn die Regierung das Borrecht der Junter antaste! Und der Freisinn hat diesem Kampfe nicht nur keinen Gegendruck entgegengesetzt, sondern durch feigste Flaumacherei den Junkern und der Regierung noch den Nacken gesteift! Wie konnte da der Freisinn erwarten, daß die Regierung, die Sachwalterin der Junker, mehr geben werde, als was der Freisinn selbst erwarten zu können erklärte! Wenn also der Freisinn heute zischte, so zischte er nur sich selbst aus! Und wenn er jetzt, wo er die Bescheerung hat. durch einige Redeübungen so tut, als käme ihm die Erklärung der Regierung, dieser Hohn auf die Forderungen des Volkes unerwartet, so spielt er nur eine jämmerliche Komödie, durch die auch dem Leichtgläubigsten kein Sand in die Augen ge° streut werden kann! Wenn es der Freisinn ernst meinte, wenn er ehrlich ent- rüstet wäre über die Haltung der Regienmg, so könnte er ja noch immer seine Wahlrechtsfrenndschaft beweisen! ES ist ja noch nicht zu spät! Der Freisinn braucht nur das Joch der Block-Knechtfchaft abzuschütteln, er braucht bloß den Wahlrechtskampf aufzunehmen, um zu erreichen, was seine widernatürliche Paarung mit den ostelbischen Junkern nicht zu erreichen ver- mocht hat! Das Fiasko der Blockpolitik ist ja nunmehr evident! Die Prellerei des BolkeS ist offenbar! Der Freisinn kann, wenn er nicht aller Scham bar ist, jetzt gar nicht anders, als aus dem Block austreten und gemeinsam mit dem entrechteten Volke die Regierung zwingen, daS unverkürzte Wahlrecht zu gewähren! Tut er daS nicht, so wird ihn die Volk»- empörung hinwegfegen! Die Arbeiterklaffe aber hat doppelte Ursache, auf dem Posten zu sein! Und alle Rechtlosen, alle kleinen Gewerbe- treibenden, alle kleinen Handwerker, alle kleinen Beamten, denen durch die öffentliche Abstimmung jede freie Gesiunungs- betätigung unterbunden wird, müssen sich dem proletarischen Wahlrechtskampf anschließen! Lauter, kraftvoller als zuvor muß gerade jetzt der Ruf erschallen: Nieder mit dem Privilegierte»-Wahlrecht! Heraus mit dem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht! Die Rechtlosen fordern ihr Recht! Wie don einer geheimen Macht gezogen, strebten heute schon in den frühen Vormittagsstunden Hunderte von Menschen dem preußischen Abgeordnctenhause zu, jenem feudalen Gebäude in der Prinz-Albrcchtstraße, dem das Volk bisher so wenig Beachtung ge- schenkt hatte, das man vielmehr als Heimstätte des DrciklassenunrechtS mit einer gewissen Mißachtung betrachtete. Um zehn Uhr standen Vorplatz und Aufgänge schon dicht voll von Männern und Frauen. Die Hunderte wuchsen an zu Tausenden, die Taufende zu Z e h n t a u s e n d e n. die vor dem Gebäude standen, dort auf Einlaß warteten, die die Straße füllten und die gegenüber in den Aufgängen zum Kunstgewerbemuseum Platz ge- nommen hatten. Eine doppelt geivaltigc, weil spontane Demonstration. Die Polizei hielt sich, anfangs nicht sehr zahlreich vertreten, zunächst auf dem Bürger- steig und Fahrdamm auf, dehnte ihre Tätigreit aber bald auf das Grundstück des Landtages ans und war besonders besorgt, die Auffahrt freizuhalten. Als nach und nach die Abgeordneten eintrafen, wurden sie von der Menge mit tausend st immigenZurufen empfangen:„Heraiis mit dem freien, mit dem gleichen Wahlrecht!"—„Nieder mit dem Treiklassenrccht!"„Wahlrecht her!"„Wahlrecht für die Frauen", riefen namentlich die Frauen selbst, die in der Menge s e h�r zahl- reich vertreten waren. Am stärksten wurden die Rufe, als L ü l o w mit seinen bunt herausgeputzten Dienstbeflissenen vorfuhr. Er muß dem Reichs- und Staatsgewaltigen in die Ohren gedröhnt haben, der machtige Schrei des Volkes nach Wahlrecht, nach Gerechtigkeit und Freiheil 1 Man schwenkte die Extranummer des„Vorwärts"; einige steckten sie m?f Schirme und Stöcke, gleichsam wie eine Wahlrechtsfahne. Immer lebhafter wurde die Stimmung in der Menge. Plötzlich begann man zu singen. Von Tausenden erscholl es: Das freie Wahlrecht ist das Zeichen, In dem wir siegen, niin wohlan! Nicht predigen wir f>atz den Neichen, Nein, gleiches Recht für jedermann l Da glaubte die Polizei offenbar, daß sich die Menge zuviel Freiheiten herausnähme, zuviel Freiheiten für den Preußcnstaat! Schutzleute und bsther- Polizeibeamte tauchten in großer Zahl aus, dazwischen Berittene. Man drängte und stieß die Mcnschenmassen vom Gebäude hinweg, ritt auf sie ein. Widerwillig fügten sich die Demonstranten, folgten den Befehlen so gut eö ging. Mit Gesang zogen sie davon: Nicht fürchten wir den Feiltd, Nicht die Gefahre» all! Der Bahn, der kühnen, folgen wir, Die uns geführt Lassall'. Dazwischen erklangen andere Proletarierliedcr, sowie immer wieder von neuem wieder- holt die Rufe nach dem Wahlrecht. Die Massen wurden auf der einen Seite nach der Königgrätzer Straße zu gedrängt und getrieben, auf der anderen Seite nach der Wilhelmstraßc. Als der Platz vor dem Landtags- Hause schon geleert, auch die Straße schon frei war. standen noch immer einige Hunderte auf den Zugängen zum Kunstgewerbemuseum, sangen und sandten Rufe hinüber nach dem Drei- klassenhause. Aber bald mußten auch sie ihren Zufluchtsort verlassen, gezwungen durch die immer mehr anwachsende Polizeimacht. Laut singend zogen auch sie davon. » Ein zweiter Augenzeuge schreibt uns: Mächtig schwollen die Massen an, je näher der Mittag rückte. Wie eine Flut ergoß eS sich nach der Prinz-Albrccht-Straße. und vor dem Landtagsgebäudc wogte die Menge unermüdlich aus und ab. War die P o l i z e i bis dahin ruhig und höflich ge- blieben, so erschien sie bei dem großen Ansturm plötzlich sehr nervös. Anscheinend wurden schnelle Orders zur Heranziehung von HülfSmannschaften gegeben, denn große Waffen Volt blinkenden Helmen wurden auf allen Seiten sichtbar. Hinter der Kunstgewerbeschule kamen wie auf einen Wink etwa 40 Schutzleute herbei; vom Potsdamer Bahnhof her eilten im Sturmschritt 20—30 Schutzleute nach dem Landtagsgebäude; ebenso kamen sie von der Zimmerstraße herbeigestürzt, und nun begann die Säuberung des Platzes. An der Königgrätzerstraße und an der Wilhelmstraße wurde abgesperrt. Berittene traten in Aktion und gingen so scharf vor. daß wiederholt der Unwille der Massen sich in ranken Ausbrüchen Lnst machte, was auch fast immer die gewünschte Wirkung hatte, denn die Polizisten schienen sich sofort eines besseren zu besinnen. Immer wieder ertönten die Hochs aus unsere Partei und der Gesang der Marseillaise mit dem vielfach wiederholten Vers:„Das freie Wahlrecht ist das Zeichen, in dem wir s i e g e n l" Mit Macht erbrausten die alten, wohlbekannten Arbeiterlieder, wie z. B.: .Wer schafft da? Gold zu Tage. Wer fördert Erz und Stein... Das sind die Arbeitsinänner, Das Proletariat!" Die Polizei schien es freilich sehr eilig zu haben, die Massen fortzndrängen, aber blt Massen waren zu kompakt geworden und ließen sich nur langsam fortbewegen. Ms endlich die Strecke von der Wilhelmstraße bis zur Königgrätzer Straße frei war. da galt es, noch die Rampe vor dem Kunstgewerbemuseum zu„säubern"; dort standen die letzten Hunderte, bis auch sie der Gewalt weichen mußten. Immer weiter drängte die Polizei nach. Sogar auf den Bürger st e ig ritten die Schutzleute in der Königgrätzer Straße und in der Zimmerstraßc. Gegenüber dem Museum für Völkerkunde stürzte ein Polizist vom Pferde; der Gaul weigerte sich offenbar, in die Menschenmenge sich hineindrängen zu lasten. — Getrieben von der Polizei, bildeten sich Züge von Demonstranten, die sich durch die an- liegenden Straßen begaben und die E x t r a n u in m e r n vom„Vorwärts" in Massen verteilten. Mancher ehrsame Bürger erstaunte sehr, als er die ungewohnten Aufziige gewahrte und hörte, um was es sich handelt.„TaS Wahlrecht!" war das Losungswort des Tages!„Das Wahlrecht für die Arbeiter, eher werden wir uns nicht beruhigen!" so hieß eS.— Mehrere Tausende der Demonstranten zogen von der Kochstraße her nach dem Vorwärts- Gebäude, wo sie ihrer Begeisterung durch den Gesang der Marseillaise und durch Hochs auf unser? Bewegung r.rch einmal vollen Ausdruck gaben. Die starke Beteiligung oer Frauen an der gesamten Demonstration war bis zum Schluß derselben überall bemerkbar. «» O Ein Teil der Demonstranten, die von der Polizei aus der Nähe des Abgeordnetenhauses vertrieben worden waren, zog am Schloß vorüber nach dem R a t H a u s e. wo er sich unter polizeilicher Bcihülfe in kleine Gruppen auflöste. Tie Zahl dieser Demonstranten allein wird von dem„B crline r Tag e b la t t" auf 8000 beziffert. Und da wagt die Kröcher- Presse, die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" und die„Kreuz-Zeitung", von einen- „Demonstratiönchcn" zu sprechen, an dem sich„einige Hunderte" beteiligt haben sollen! »» » Das Rcchtauf die Straße scheint von der Polizei an«kritischen Tagen" nicht ein- nlak denen zugebilligt zu werden, die durch ihren Beruf genötigt sind, auf der Straße zu verweilen. Am Freitag gegen'/«3 Uhr nachmittags zog eine Gruppe von Männern unter dem Geleit von Schutzleuten durch die Langestraße nach der Andreasstraßc und verteilte sich dort. Auf der Dammkreuzung der Andreas- und der Langenstraße waren zu dieser Zeit die Straßenreinigungs-Hülfsarbeiter(Schneeschipper) unter Aufsicht eines unifonnierten Straßenreinigers tätig. Ein Polizeileutnant schien der Meinung zu sein, daß auch sie dort nicht„stehen bleiben" dürften. Er trat an den einen der Schneeschipper heran, maß ihn mit langem Blick von oben bis unten und„bat" dann in komnmudicrendem Ton: „Bitte, gehen Sie weiter I" Der Schneeschnipper antwortete mit unverhohlenem Erstaunen: „Sic sehen doch, ich arbeite hier." Da winkte der Leutnant einen Schutzmann heran und befahl, den Mann zur Wache zu führen. Der uniformierte Straßenrciniger wollte sich ins Mittel legen und machte gleichfalls den Leutnant darauf aufmerksam, daß der Mann hier arbeite. Aber der Leutnant verwies ihn zur Ruhe:„Sie halten Ihren Mund! Sie sehen doch, was hier los ist." Der Schneeschipper wurde richtig abgeführt. Auf der Wache kündigte man ihm an, er werde ein Strafmandat kriegen. Wieder äußerte er sein Erstaunen, aber er bekam zur Antwort, er könne ja dann Widerspruch erheben. Da sind»vir in der Tat auf das Strafmandat und mehr noch auf die richterliche Entscheidung gespannt. Der Verrat am Volterecht. Als ein Tag der Schande für die Regierung und die Herr- schenken Parteien Preußens wird der 10. Januar 1908 im Gedächtnis des Volkes fortleben. Zu derselben Stunde, wo das durch seine Wahlentrechtung bis ins Innerste empörte Volt auf die Straße steigt, um den tauben Ohren der Machthaber gebieterisch seinen Willen kundzutun, zu derselben Stunde, wo das Proletariat zeigt, wie ernst cö ihm mit seinen Forderungen ist, und daß eS fest ent- schlössen ist. Gut und Blut für die Erringung seines höchsten Rechtes einzusetzen, zu derselben Stunde treten im Dreiklassenparlament ein paar hundert Männer zusammen, unterhalten sich über die das Proletariat sij tief bewegende Frage und lehnen hohnlächelnd auch die bescheidenste» Reformen ab. Welu) ein Gegensatz I Auf der Straße vor der Pforte des Dreiklassenparlaments viele Tausende von Entrechteten, einem un- «viderstehlichen inneren Drange folgend, einen letzten Appell an die Gewalthaber Preußens richtend, innen im stolzen Palast in der Prinz-Albrecht-Straße die Erwählten des Dreiklassenwahlrechts, die verständnislos auf die Demonstranten herabblicken und ihnen Steine statt Brot reichen. Im Sitzungssaal selbst ein Bild, das fast noch charakteristischer für die Gleichgültigkeit der preußischen„Volksvertreter" gegenüber den Forderungen der Arbeiterklasse ist. Das Haus nur mäßig besetzt, an der Ministerbank thronen zu Beginn der Sitzung neben dem Ministerpräsidenten der Vizepräsident des Staats- Ministeriums und der Minister des Innern, aber kaum hat ihr Herr und Gebieter seine Erklärung verlesen, da ergreifen sie die Flucht tind lassen nur einige Geheimräte zum Schutze Bülows zurück, der sich um den weiteren Verlauf der Debatte nicht kümmert, sondern die ganze Zeit über mit seinem Intimus Dr. Arendt schwatzt. Rur ein einziges Mal noch greift Bülow in die Debatte ein, um mit hochtönenden Phrasen zu erklären, daß er sich um Straßeu- demoustrationcn nicht kümmert. Löste diese Erklärmig lebhasten Beifall aus, so setzte am Schluß seiner Ausführungen, als er davon sprach, daß die Regierung keine Wahlbeeinflussungen treibe, schallendes Gelächter ein. Zur Begründung ihres Antrages hatte die Freisinnige Volks- Partei den alten Träger vorgeschickt, einen Mann, dem es zweifellos ernst mit der Nebertragung des BeichSwahlrcchts auf Preußen ist und der in seiner Kritik des Drei- klassenivahlsystemS treffende Worte zur Charakterisierung des preußischen Wahlelends fand. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, daß der Senior der Freisinnigen VolkSpartci den heutigen sich freisinnig nennenden Epigonen eine Art politischen TeffamentS hinterlassen lvollte. Was mögen die Wiemer, Kopsch Zh Ftschbeck, dieS edle Konsortium, wohl gedacht haben, als sie ihren Freund von einer Wahlkarikatur, von dem Zerrbild einer Wahl sprechen hörten, als sie aus seinem Muude die stolzen Worte vernahmen, er habe nicht den Mut, sich auf Grund seiner Wahl zum preußischen Landtag als Volksvertreter zu bezeichnen? Treffend betonte Träger gegenüber dem Ein- wände, daß unter dem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht zu viel Sozialdemokraten in dm Landtag einziehen könnten. daß dieser Einwand ihn kalt lasse, denn eS handle sich für ihn um keine RützlichteitSfrage, sondern um eine Frage des Rechts und der Gerechtigkeit, um eine kulturelle und soziale Frage. Man dürfe nicht eine so starke Partei wie die Sozialdemokratie von vornherein aus den Parlamenten ausschließen, ohne daß das Bild gefälscht wird. Wären die Freisinnigen Politiker, hätten sie ein Gefühl für politische Ehre und politische Würde, dann hätten sie für die weitere Debatte Redner ernennen müssen, die auf dem gleichen Stand- punkte stehen. Statt dessen entsandten sie den auf dem rechtesten Flügel des Freisinns stehenden Abg. Fischbeck, der denn auch den Eindruck der Trägerschen Rede gründlichst verwischte. Wollte der Freisinn sich nicht prostituieren, so blieb ihm nach der auch das geringste Zugeständnis verweigernden Er- klärung des Ministerpräsidenten nichts weiter übrig, als sich klipp und klar von dieser Regierung abzuwenden und dem Block die Heeresfolge zu versagen! Was aber tat Herr Fischbeck? Er hat solche Angst. daß die Bülow-Sonae ihn und seine Freunde nicht mehr bescheinen könnte, daß er sogar nach dieser Erklärung der Regierung eine Art von Vertrauen ausdrückte! Unter Angriffen auf die Sozial- demokratie, ohne die eine Fischbecksche Rede nun einmal nicht zu denken ist, betonte er seine ausdrückliche Geneigtheit- allerdings uuter Wahrung seines prinzipiellen Slaildpnnkles— an dem Bülowsche» Flickwerk mitzuarbeiten! Wollte Herr Fischbeck das Volk verhöhnen oder wollte er jeden Zweifel an der Volksfeindlichkeit und der Prinzipientreue der Freisinnigen Volkspartei beseitigen? Wir wiffen eS nicht, wir wollen auch keine weiteren Betrachtungen darüber an- stellen. Das eine aber steht für uns fest, daß Herr Fischbeck sich diesmal selbst übertroffen hat und daß noch niemals»in so schmäh- lich»r Verrat am Boll» verübt ist, wie am 10. Januar von dem Redner der Freisinnigen Volköpartei. Und dabei hat diese Sippschaft noch den traurigen Mut, sich ihrer„Erfolge" zu rühmen I Wie bescheiden sind doch die Frei- sinnigen! Fürst Bülow lehnt rundweg alles ab, er will nicht cinwal das geheime Wahlrecht gewähren— Herr F i s ch b e ck aber freut sich, daß die Regierung wenigstens gesprochen hat! Er und nach ihm Herr P a ch n i ck e von der weiblichen Lüne des Freisinns sind stolz darauf, daß der Ministerpräsident anerkannt hat, daß daö Dreiklassenwahlsystem Mängel hat." Fürwahr ein wertvolle» Zu- geständnis! Eine neue überraschende Entdeckung, die wir dem Frei- sinn zu danlcn haben! Aber dem Verbrechen folgte die Sühne auf dem Fuße. Herr Fischbeck hat seinen Lohn dahin, und wir gönnen ihn, diesen Lohn. Kein anderer als der oberste der Scharfmacher, der freikonservative Frhr. v. Zedlitz war es, der unnmtelbar nach dem freisinnigen Redner das Wort ergriff, um ihm Anerkennung zu zollen Um so mehr fühlte er sich dazu veranlaßt, als gerade die Freisinnigen wegen ihrer Taktik zur Wahlreform Gegenstand der schwersten Angriffe durch die Sozial vemokratie gewesen seien und wohl auch für die nächste Zukunft sein würden. Herr v. Zedlitz hat recht, wir werden die Freisinnigen lvcgen ihrer traurigen Rolle an- greifen und jetzt mehr als jel Wir würden uns ja selbst des Volksverrats mit schuldig machen, wollten wir diese jammervolle Haltung nicht nach Gebühr an den Pranger stellen. Bon den Freunden des Rcichötagswahlrechts für Preußen er- griffen nur noch das Wort der Pole v. K o r s a n t y und Dr. P o r s ch vom Zentrum: letzterer begnügte sich mit wenigen Worten zugunsten des allgemeinen, gleichen, direllen und geheimen Wahlrechts, aber — gegen eiue Neucinteilung der Wahlkreise. Als ob. wenn die jetzige fast ö0 Jahre alte WahllreiSeinleilung beibehalten wird, ein gleiches Wahlrecht denkbar wäre! Die laue Haltung, die das Zentrum von jeher in der Wahlrechtsfrage an den Tag gelegt hatte. dokumentierte es auch diesmal wieder. Es wird, wenn die Siegierung dem Volle das RcichSwahlrecht schenken will, so gnädig sein und seine Zustimmung erteilen, aber von selbst wird es keinen Finger zur Erringung dieses Rechtes rühren. Wie wenig Bedeutung die Konservativen der Wahlrechtsfrage beunesseii. zeigt, daß sie einem der unbedeutendsten ihrer Mitglieder, dem pommerschen JnrnmgSbruder Malkewitz die Begründung ihrer ablehnenden Haltung übertrugen, einem Mann, der eS fertig bekam, von dem.wohlgefügten Gebäude des preußi- scheu Wahlrechts" zu reden und sich im übrigen in allerhand Mätzchen erging. Gegen das allgemeine gleiche, direkte und geheime Wahlrecht sind außer de» beiden konservativen Parteien auch die Siational- liberalen, in deren Namen Abg. Dr. Krause wieder einmal das Pluralwahlrecht, also ein Wahlrecht empfahl, das sich nach Besitz. Bildung und Alter abstuft. Das Resultat war. wie vorauszusehen, die Ablehnung de» An- träges in allen seinen Teile«. Für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht stimmten nur Freisinnige. Polen und Zentrum, für die Neueinteilung der Wahlkreise Freisinnige, Polen und Nationalliberale. Das Volk ist um seine Meinung nicht gefragt, eS ist von der Vertretung ausgeschlossen, aber auch ungefragt ivird es den, Dreiklassen» Parlament Antwort erteilen. Die Arbeiterklasse wird aus den Debatten de» 10. Januar Kavital schlagen, sie wird erbitterter als je kämpfen und zu neue» wuchtigen Hieße» ausholen. Nicht eher darf der Kampf enden, als bis daS Dreiklassen- Wahlrecht und mit ihm das Parlament des Wahl- Unrechts und die Regierung deS Fürsten Bülow zerschmettert am Boden liegt! Ber VshIrechMag in der bürgerlichen Prelle. Tie Regierungserklärung und die Parteien. Die zunächst beteiligte freisinnige Presse hat sich in große- rm Artikeln noch nicht geäußert, sondern lediglich in den Stimmungsbildern über die Landtagssitzung einige kurze Be- Wertungen gemacht. Matt wie ein Bezirksvereinsredncr sagt die„Vossische Zeitung":.. Diese Erklärung war geeignet, mehr bei der Rechten als bei der bürgerlichen Linken Beifall zu wecken... Das„B e r l i n c r T a g e b l a t t" bringt es zu größerer Entschiedenheit. Es erklärt:„Wie man zugeben muß. eine Erklärung, die klar und unzweideutig ist. aber wohl auch die schlimm st en Erwartungen unserer größten Pessimisten noch übertrifft!.. Unzufrieden ist die„N a t i o n a l z e i t u n g". Ihr graut vor der kommenden Landtagswahl und so sagt sie: „Was die Regierung in«achen der Wahlreform also nicht will, weih man; was sie will— weih sie selbst noch nicht. Sie weih nicht, ob sie das Hcrumflickcn und Stückeln am Drciklaffcn- shstcm fortsetzen, oder ob sie sich mit einem neuen, zeitgemöhen Systeme befreunden soll. Ueber die Einteilung der Wahlkreise, die durch Verschiebung und Vermehrung der Bevölkerung längst zu einer Spottgeburt geworden ist, hat sie sich Gedanken anscheinend überhaupt nicht gemacht. Sie verzichtet endgültig darauf, in dieser heih umstrittenen Frage der Wahlreform die Führung zu übernehmen— sie stellt die Entscheidung den Ucbertrcibungen und Zufälligkeiten des nächsten Wahlkampfes anHeim.... Die Frage,„wie denken Sie über die Wahlreform?", wird keinem Äand'daten erspart bleiben; dafür wird schon die Sozial- denwkratie sorgen. Läge eine Erklärung der Regierung vor. die klare Wege und deutliche Ziele aufzeigte: so hätten sich um diese Wahlparole alle gemähigien und besonnenen Elemente sammeln können. Nachdem aber die Regierung in aller Form auf die Führung verzichtet hat; nachdem sie demselben Volke, das in ge- heimer Reichstagbwahl gegen die Sozialdemokratie und für die gesunde Ordnung entschied, ihr Mihtrauen bekundet hat: wird es ein Kampf aller gegen alle werden, wobei der rücksichtslose Kampf aller gegen alle werden, wobei der rücksichtslose Radikalismus von rechts oder von links die meisten Aussichten hat." Kühl bis ans Herz hinan verhält sich die Z e n t r u m s- presse. Die„G e r nl a n i a" referiert lediglich, die „Märkische Volks»Zeitung" bringt wie zur Ver- höhnung der Zentrumswähler einen Artikel, in dem sie diesen erzählt, wie fest die Zcntruinspartci aus dem Boden des all gemeinen, gleichen Wahlrechts steht und dann auseinander setzt, daß das Zentrum von einer Aenderung des Wahlrechts keine großen Vorteile haben könne. Der Artikel schließt mit den schönen Worten: „Der alte lvetterfeste Zcntrumsturm kann, ohne daß seine Fundamente Schaden leiden, abwarten, bis die Zeit für eine Wahl- rechtsreform reif ist. Tie Zentrumspartei wird, wie sie es in der Vergangenheit gewesen ist, auch in der Zukunft stets sein und bleiben die treue unentwegte Hüterin des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts im Reiche und die Vortämpferin desselben Wahlrechts für die Volksvertretung in Preußen." Mit anderen Worten: das Zentrum wird nichts für die Wahlreform tun, um sich den Weg zum Rcgicrungslagcr nicht zu verlegen. Befriedigt äußert sich bis jetzt nur das Organ„für die Gebildeten aller Stände", die„Tägliche Rundschau", die aus der Bülowschen Erklärung das Kommen des Plural Wahlrechts heraushört. Unzufrieden ist dagegen das Blatt der Landbündlcr. Die „D e u t s ch c Tageszeitung" tut so. als seien durch die Regierungserklärung die Interessen der Junker bedroht, und erklärt: „'Den weisen Grundsatz des Quieta non movere hat also Fürst «Bülow in dieser Frage nicht befolgt. Die Uebertragung des Reichs- tagswahlrechts auf Preußen freilich lehnt er mit erfreulicher Eni- schiedenheit ab, aber zu seiner kritischen Wendung gegen das Drei- klafsenwahlrecht hat er die notwendige Ergänzung nicht gefunden: Daß auch jedes andere Wahlrecht seine Mängel haben muß. Eine eingehendere meriwrische Kritik der RegierungSabsichten ist ja nach den knappen und vorsichtigen Bemerkungen deS Fürsten Bülow heute noch kaum möglich; aber die grundsätzliche und tatsächliche Konzession der Regierung an die Wahlrechtöwünsche ist und bleibt das bedenkliche Ergebnis der heutigen Rede des Ministerpräsidenten. In dem Beifall der Rechten wie in dem Zischen der Linken kam Urteil und Stimmung der Parteien schwerlich zu ganz klarer Geltung." Wutausbrüche über die Demonstration der Arbeiterschaft. Die reaktionäre Presse ist wütend über die Kundgebung vor dein Dreiklassenhausc. Die Zehntausend, die dort den Herren von der Regierung und den Erwählten des Drei- klassenunrechts gezeigt haben, wie die gesamte klassenbewußte Arbeiterschaft Preußens über das Rumpfparlament denkt, das sich unniitzlicherweise Preußens Volksvertretung nennt, haben den Reaktionären unangenehme Augenblicke bereitet. Ihre journalistischen Knappen guitticrcn das in ihrer Weise durch giftige, hämische Beschimpfungen. Die Wut darüber, daß den Privilegierten einmal die Wahrheit ungeschminkt gegeigt worden ist. suchen die Ordnungsblätter hinter frechem Hohn und niedriger Schmähung zu verbergen. So geifert die vor- nehme „Kreuz-Zeitung": .... Zunächst kam nichts anderes als der Straßenbahn-, Droschken-, Auto- und Fußgängerverkehr, dann die gegen etwaige Ausschreitungen umsichtigerweise befohlene Polizeimannschaft, wo- von ein Aufgebot im Kunstgewerbemuseum ausgestellt war. nicht zu dessen Beschützung, sondern lediglich um dem üblichen Gassen- haucr-Unsug der Genossen vorzubeugen, falls er zu Aus- schreitungen führen sollte. Nach Spatzen pflegt die öffent- llche Sicherheitsbehörde nicht mit Browningpistolen zu schießen, aber es wurde doch notwendig, angesichts der von der Wilhelm- und jtöniggrätzerstroße stärker und stärter heranmarschicrendcn Menge schließlich diese Straße» nach der Prinz Albrechtstraße zu abzu- sperren.... Als der Ministerpräsident Fürst v. Bülow erschien, erhob sich daS Gejohle zu lärmenden Zurufen und Pfeifen mit obligatem„Gesang".... Dabei ballten die Genossen die Faust in der Tasche, denn es war kalt. Als die Jreiheitsgesänge, Hoch- rufe und sonstiges Gejohle zunahmen, wurde auch die Rampe des Kunstgewerbemüseums geräumt; langsam, aber sicher folgten die Genossen den polizeilichen Wegweisern. So lag denn von 1 Ubr an die Prinz Albrechtstraße gegenüber dem Äbgeordnetenhause ruhig da und jenseits der Spree warten nun die Genossen auf die Entscheidung über den Aronsohnschen' Antrag. Sie werden jeden- falls noch sehr lange warten köilncii, bis der preußische Landtag seine Zustimmung dazu gibt. Das schienen die Genossen binnen kurzer Zeit auch einzusehen, denn schon gegen 2 Uhr waren sie bis auf wenige vom Schauplatze verschwunden" Äehnlich fre'F, äußert sich das Bülow-Alatt. Von Sem offensichtlichen Bestreben geleitet, die Demonstration möglichst unbedeutend erscheinen zu lassen, schreibt die „Nordd. Allg. Zeitung": «Ein Demoiistratiönchcn sozialdemokratischer Herkunft sollte heute mittag vor dem Abgeordnetenhause in der Prinz-Albrecht- Straße in Szene gesetzt werden, wo bekanntlich mittags die De- batten über die Reform des preußischen Wahlrechts begannen. Nachdem gestern abend bereits in zahlreichen sozialdemokratischen Vereinigungen lebhaft agitiert worden war, ließ heute der.Vor- wärts" eine„Extranummer" erscheinen, die nur so mit den 30 Millionen„Besitzloser und Entrechteter". mit„vielen.Hunderttausenden Rechtloser" um- herwarf. Von diesen imposanten Mengen hatten sich nun einige Hundert vor dem Abgeordnetenhause zusammengefunden. Das Wetter war ja günstig; die Sonne schien hell, und zu kalt war es auch nicht. Natürlich hätte sich die Menge im Lause der Zeit ver- größert. wäre zum Verkehrshindernis geworden. So schritt denn die Polizei ein und veranlaßle die Freigabe der Straße. Soviel wir hörten, vollzog sich das ganz glatt und ruhig. Die Polizei sperrte dann den Perkcchr in der Prinz-Albrecht-Straße. Einzelne Hausen der„Demonstranten" zogen mit den üblichen Rufen durch die umliegenden Straßen ab. Auch die Unbeteiligten hatten ihren Spaß an der Sache." Massiver noch schimpft das Landbündlerorgan. Also dreschflegelt die „Deutsche Tageszeitung": ... Wer einige Zeit vor Beginn der Landtagssitzung den Weg durch die Prinz-Albrechtstraße nahm, der sah die Rampe vor dem Abgeordnetenhause wie vor dem Kunstgewerbemuseum von je ein paar Hundert Statisten besetzt, die ihn unwillkürlich an den von dem Helden so unfreundlich kritisierten Plebejerchor im „Koriolan" erinnerte; nur daß sie wegen der kühlen Witterung die Kopfbedeckungen nicht in die Luft warfen und auch von den Stimmitteln einen immerhin verhältnismäßig erträglichen Ge- brauch machten. Manche dieser Spree-Aedilen ertveckien in jedem Physiognomiker den Verdacht, daß sie in direkter Fortsetzung einer Wahlrkchtsdemonstration von gestern abend die Straße bevölkerten, und daß eine Flasche Selterswasser für sie eine dringlichere»Fvr- derung des Tages" bedeutet hätte, als eine Wahlrechtsänderung. Jeder ankommende Abgeordnete, vor allem aber der Ministerpräft- dent Fürst Bülow, wurde mit weidlichem Johlen begrüßt, und mußte durch eine schnell gebildete Schutzmannskette Spießruten laufen, während ein paar Dutzend Stimm-Auwmatcn ihr„Wahl- recht! Wahlrecht!" riefen.. Das Blatt bedauert, daß sich die Polizei anscheinend habe überraschen lassen und schließt, dem Anfang angemessen: „Das ganze war freilich eine Farce von Straßendemonstration. ein komischer Versuch, fremde Sitten in Miniaturkopie nach der deutschen Reichshauptstadt zu tragen; und bald nach Eröffnung der Sitzung und nach dem Eintreffen weiterer Polizeimannschaften zer- streute sich die Menge, um den Schauplatz ihrer politischen Betäti- gung nach behaglicheren Lokalitäten zu verlegen. Aber ein würdiges Schauspiel war dieser grobe Straßenunfug weder nach der einen noch nach der anderen Seite hin. Vielleicht halte er jedoch das Gute, eine plastische Antwort auf das Cui bono? in der preußischen Wahlrechtssrage zu geben.." Folgende gemeine Schimpfereien leistet sich „Die Post": „Draußen, auf der Straße, sucht die Sozialdemokratie ihre Forderung nach einer Aenderung des Wahlrechts durch kauteS Heulen und Johlen zum Ausdruck zu bringen.... Ein Teil deS hier demonstrierenden„werktätigen" Volles hat offenbar Zelt gehabt, sich ausgiebig für diese Kundgebung zu„stärken"." Hämisch äußert sich die„freisinnige" „Lossische Zeitung": „Nachdem die Sozialdemokratie gestern etliche Dutzend Ver- samnilungen zur Erörterung der Wahlrechtsfrage abgehalten hat, scheint sie sich des Gelüstes nicht mehr erwehren zu können, auch ..auf die Straße zu gehen". Als die Abgeordneten, die Mitglieder der Regierung und die Vertreter der Presse und die Tribünen- besucher sich heute nach der Prinz-Albrecht-Straße begaben, wurden sie von etlichen tausend Personen, die sich vor dem Parlaments hause aufgestellt hatten, mit dem schallenden Rufe:..Reichswahl- recht" empfangen. Daß dergleichen Kundgebungen auf die Mehr- heit oder den rechtzeitig erschienenen Ministerpräsidenten sonder- lichen Eindruck machen könnten, wird man allerdings bezweifeln dürfen... � Die Arbeiterschaft wird auf diese niederträchtigen Schmähungen und hämischen Glossen im Fortgange deS Wahlrechtskampfes die richtige Antwort zu geben wissen. Ein weißer Rabe unter der Ordnungspresse ist das „Berliner Tagcblat t". Es sucht den Eindruck der Demonstration nicht zu ver kleincrn, sondern referiert leidlich objektiv und schreibt zum Schluß: „Auf den Straßen wurde heute eine E�tranummer des „Vorwärts" verteilt, die einen vorläufigen Bericht über die gestrigen Temonstrationsversammlungcn der Sozialdemokratie zu gunsten der Wahlrechtsreform in Preuße» gibt. Es geht daraus hervor, daß die Wahlrechtstündgebung in einem Umfange statt gesunden hat, wie vielleicht nie vorher in der preußischen Mon. archie. Sie beschränkte sich nicht bloss auf Berlin und seine Vor� orte, wo Hunderttausende an den Versammlungen teilnahmen, son> dern gleichzeitig auf sämtliche preußische Provinzen. Allein in der Provinz Brandenburg außer Groß-Berlin zählen wir 40 Versammlungen, in Schlesien 60 Versamm- lungen; aus den anderen Provinzen werden ähnliche Ziffern ge- meldet. Ueberall waren die Versammlungen gut besucht; vielfach konnten die Säle nur einen Teil der Demonstranten aufnehmen; der Rest mußte vor der Tür aus den Ausgang der Versammlungen warten. Die Kundgebung stellt der sozialdemokratischen Organi- sation ei» glänzendK Zeugnis aus; sie beweist aber zugleich, daß die Dreiklassenwahl nicht länger gehalten werden kann. Die Masse des Volkes will ein gleiches Wahlrecht; sie wird ihren Willen durchsetzen."_ Die Sachverständigen gegen Peters. Während in den bisherigen Verhandlungen die Taten des Peters durch Zengenbeweise in immer schauerlichere Be- leuchtung gerückt, auch der Oeffentlichkeit bisher unbekannte Skandalosa enthüllt wurden, kamen am Freitag in erster Linie die Sachverständigen zum Wort. Und diese Bekundungen der Sachverständigen belasteten den Peters nicht minder schwer, trotzdem sie mit der äußersten Vorsicht abgegeben wurden. Der erste Sachverständige. Vezirksamtmann von E l p h o n s, der im Jahre 1893. also nicht allzulange nach der Hänge-Affäre, als Leiter einer Strafcxpedition am Kiliman- dscharo weilte, bekundete, daß die Situation am Kilimandscharo durchaus ruhig gewesen sei. Totenstille habe geherrscht. Nach der verunglückten Expedition ZilewkiS gegen die Wahehe, durch die Peters so in Unruhe versetzt worden sein will, habe er sich in viel größerer Schußnähe befunden, nämlich nur 7 T a g e r c i s c n von den Wahehe entfernt, während Peters 39 Tagereisen davon entfernt gewesen seil Man habe ihn ja an der Küste damals auch schon tot gesagt, seinen Leuten sollten angeblich die Hände abgeschnitten worden sein! Es sei aber nicht das mindeste passiert, cL habe a b- solute Ruhe geherrscht. Befragt, was er getan habe, wenn ihm Kettcngefangene geflohen seien, erklärte er, daß er eine Z u s a tz st r a s e ver- hängt habe. Die T o d c s st r a f e sei bei der Flucht Ketten- gefangener ganz unangemessen, seines Wissens auch außer von Peters niemals verhängt worden! Malamia, zu dem die Jagodja geflohen war. sei ein Untergebener Ma reales gewesen, eines Freundes der Deutschen! Peters sei also gegen Bundesgenossen vorgegangen. Zudem sei Malamia nur ein D o rfs ch u lz e mit kaum 100 Mann Anhang gewesen, von dem Peters keinerlei Gefahr habe drohen können! Ebenso ungünstig für Peters sagte Professor Volke n s als Sachverständiger aus. Er wies die U n g e f ä h r l i ch k c i t der damaligen Lage des Peters nach. Kurz nach der Jagodja- Affäre ist dieser Zeuge im Kilimandscharogebiet geivescn und hat die eingeborenen Stämme als d u r ct, a u 3 friedliche Leute kennen gelernt! Die Znverlässigkeit MarealeS und die Bedeutungslosigkeit seines Untergebenen Malamia schildert er genau so wie v. Elphons. Solchen Sachverständigen gegenüber hatte Peters mit seinem Sachverständigen, dem Major a. D. Tiedemann, einen schweren Stand. Zunächst mußte Tiedemann zugeben, daß er die Anstände am Kilimandscharo gar nicht kennt! Er war zudem auch so vorsichtig, die Frage, ob er unter ahn- lichen Umständen wie Peters ebenso gehandelt hätte, mit der Erklärung zu beantworten, daß er sich ja über die fraglichen Umstände kein Urteil zu bilden vermöge I Eine humoristische Episode gab es, als Herr v. Tiede- mann die Frage beantworten sollte, ob er die Hinrichtung der Jagodja auch dann für entschuldbar erkläre, wenn erwiesen sei. daß zwischen ihr und Peters geschlechtliche Beziehungen bestanden hätten. Der Herr Sachverständige verweigerte seine Aussage, weil dies Problem ihm zu neu sei und er eine schlaflose Nacht verbracht habe. Schließ- lich gab er zu. daß nach europäischen Moralbegriffen der- artiges unentschuldbar sei. Aber, so fügte er hinzu, es gäbe eben keine gemeingültige Moral. Die K o l o n i a l m o r a l sei ganz anders gc- artet, als die zivilisierter Europäer. Das begründete er aber nicht etwa mit moralischen Erwägungen, sondern mit seiner Erfahrung, daß eben Weiße in den Kolonien ihre besondere, von europäischen Ehr- und Sittlich- kcitsbegrisfen abweichende Herrenmoral besäßen!* Wir möchten bezweifeln, daß diese Ausfassung von dein Kölner Richterkollegium geteilt werden wird! Schließlich sollte Herr V. T i e d e in a n n. der Begleiter des Peters auf der Eniin Pascha-Expedition, noch auf Wunsch Sellos über die allgemeine moralische Ouali- f i k a t i o n des Peters ein Urteil abgeben. Als aber der Verteidiger Bennigsens damit drohte, daß man in solchem tille einen umfangreichen Gegenbeweis über eterL' Persönlichkeit antreten werde, zog Herr Sello es vor, von einer derartigen Vernehmung des Herrn Tiedemann A b- stand zu nehmen! Die Aktien des Peters sinken also immer mehr l Da begreift es sich, daß das offiziöse W o l f f s ch e Depeschenbureau sich verzweifelte Mühe gibt, den PeterS durch ganz auffallend tendenziös gefärbte Berichte nach Möglichkeit zu entlasten! Diese Liebesdienste werden den furchtbar Gebrandmarkten aber schwerlich rotten! politifebe GcberKcbt Berlin, den 10. Januar 1908. Bogelschutz und Matz» und Gewtchtsordnung. AuS demRcichStag. Die Gesetzcsvorlagc, die aus Erweiterung des bestehenden Vogelschutzgesetzes hinzielt, hat schon einmal, im Jahre 1906, vor der ReichstagSauflösung. den Reichstag beschäftigt. Da das unvollendete Gesetz bei jener Gelegenheit mit in die Grube siel, so war seine Wieder- einbrmgung erforderlich. Es handelt sich hauptsächlich um die Anpassung der deutscheu Gesetzgebung an die in Paris getroffene internationale Uebereinkunst vom 19. März 1902 zum Schutze der für die Landwirtschaft nützlichen Vögel. Da- nach soll das Zerstören und Ausheben von Nestern, das Aus- nehmen der Eier, das Töten der Jungen überhaupt sowie das Fangen und Erlegen von Vögeln während der Zeit vom 1. März bis zum 15. September verboten sein. Ebenso wird allgemein das Fangen von Vögeln in Schlingen verboten. Aber eine höchst bedauerliche Ausnahme wird wieder gemacht zugunsten des Fanges von K r a nr m e t s v ö g e l n i m D o h n c n st i c g. Der soll nach wie vor in der Zeit vom 21. September bis 31. Dezember erlaubt bleiben, obgleich in den meisten deutschen Staaten diese barbarische Methode des Vogelmordes bereits abgeschafft ist. Neben Oldenburg ist auch da nur noch Preußen in Deutschland und in der Welt hintenan.... Die Debatte in der ersten Lesung drehte sich Haupt- sächlich wieder um die Dohnenstiegfragc. Für den heim- tückischen Vogelmord mit Schlingen legte sich der Redner der Zentrumspartei, der Oberförster v. W o l f f- M e t t e r n i ch und der konservative Abgeordnete F e l d m a n n aus Hildes- heim ins Zeug. Aber selbst bis in die Reihen der Rechten hinein ist eine humanere Auffassung vorgedrungen; denn außer dem konservativen Abgeordneten v. Treuenfels ging mit besonderem Nachdruck auch der Freikonservative Ab- geordneter Baren hör st gegen den Dohnonstieg vor! An einigen mitgebrachten Dohnen(Pferdehaarschlingcn in einem dreieckigen Rahmen aufgehängt) demonstrierte er, wie grauenhaft die Tierchen zu leiden haben, wenn sie sich mit dem Kopf oder gar mit einem Bein verfangen, auf welch letztere Weise etwa 20 Proz. der Bogel gualvoll zugrunde gehen. Auch der Nationalliberale Fuhrmann und der Freisinnige Sommer unterstützten die Bemühungen für wirksameren Vogelschutz. Namens der Sozialdemokratie kritisierte Genosse Geck in scharfen Worten das umnenschliche Verfahren des Fanges im Dohnenstieg, durch den nach- gewiescnermaßen obendrein weit mehr Singdrosseln, Amseln und sonstige kleinere Singvögel gefangen werden als eigmt- liche Krammetsdrosseln. Die Vorlage wurde an eine Kommission verwiesen, in der es hoffentlich gelingen wird, das völlige Verbot des Dohnen- stieges durchzusetzen. Die Maß- und G e w i ch t s o r d n u n g, die alsdann zur Beratung kam, feiert auch ihre Wiederauferstehung aus dem Jahre 1906. Sie hat hauptsächlich den Zweck, die Kon- trolle der Eichungen der Maße und Gewichte den Polizei- behörden zu nehmen und sie in die Hände besonderer Eich- beamten zu legen. Während die anderen Parteien mit den wesentlich den früheren Kommissionsbeschlüssen entsprechen- den Bestimmungen der Vorlage einverstanden sind, wies Ge- nosse Stolle nach, daß die Vorlage nicht gründlich genug zu Werke gehe, indem die Verkäufer landwirtschaftlicher Pro- dnkte ihre Maße unkontrolliert verwenden könnten. Wieder also ein Ausnahmerecht zugunsten der Agrarier I Ferner ist von der Nacheichung der Förderwagen in den Bergwerken Abstand genommen, obgleich die Bergleute das dringend ver- laiigen. Um diese und ähnliche Mängel ausmerzen zu können, beantragte Stolle Ueberweisung der Vorlage an eine Kommission, was indes gegen die Stimmen der Sozialdemo- kratie abgelehnt wurde. Der Gesetzentwurf geht also dem- nächst sofort in die zweite Lesung. Bescheidene Agrarier. Der nächsten Tagung der schlesischen Landwirtschaftskammer liegt, wie dem„Berliner Tageblatt" gemeldet wird, ein Antrag des Kammervorstandes vor. alle Bestrebungen zur Ausdehnung des Koalitionsrechts auf ländliche Arbeiter und Dienstboten nach. drücklich abzuwehren, weil darin eine unabsehbare Schä- digung der Landwirtschaft und der gesamten Volkswirtschaft erblickt werden müsse. Der Vorstand der schlesischen Landwirtschaftskammer führt eine kuriose Sprache. Weder hätte das Koalitionsrecht eine„un- absehbare Schädigung der Landwirtschaft", noch gar„der gesamten Volkswirtschaft" zur Folge, sondern höchstenfalls eine Beeinträch. tigung der Ausbeutungsinteressen gewisser Junkerkreise. Indes für einen richtigen Agrarkonservativen ist es schwer, derartige Unterscheidungen vorzunehmen; für ihn ist sein persönlicher Nutzen einfach mit dem Interesse der gesamten Landwirtschaft identisch. Aber warum verlangt der Vorstand nicht zugleich auch die Auf- Hebung der Freizügigkeit für die Landarbeiter oder gleich die Wiederherstellung der früheren Hörigkeit? Das wäre doch ein Ab- machen. Arbeiter-Sanitätskolonnen. Der schabernacksüchtige Wind, der uns schon so oft interessante Aktenstücke aus den Amts- und Schreibstuben desr Bureaukratie zugetragen hat. führt uns heute wieder einmal ein Schreiben zu. ?as deutlich beweist, mit welcher Aufmerksamkeit man in den Kreisen der„Edelsten und Besten" nicht nur die politischen Be- itrebungcn der Arbeiter, sondern auch solche Vereinigungen über- wacht, die den einzigen Zweck haben, ins Unglück geratenen Mit- menschen zu helfen. Alles, woran sich der Arbeiter beteiligt, ist dieser Elite verdächtig und mutz nach ihrer Ansicht unterdrückt werden— auch Wohltätigkeitsvereine haben nur dann eine Be- rcchtigung, wenn sie patriotisch geeicht sind. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: Zentralkomitee �es Preutzischen Landesvereins vom Roten Kreuz. Berlin HW. 40, im Dezember 1907. Roonstratze 9. Wie hierher mitgeteilt worden ist, haben sich seit einiger Zeit in Meitzen und Hamburg-Barmbeck sogenannte„Arbeiter- Sanitätskolonnen" gebildet. Diese von Sozialdemokraten aus- gehenden Gründungen sind augenscheinlich auf Täuschung des Publikums berechnet; sie suchen den Anschein der Zugehörigkeit zum Roten Kreuz zu erwecken, während sie in Wirklichkeit nur sozialdemokratische Bestrebungen und Ziele fördern wollen. Als Abzeichen führen sie auf Armbinden usw. ein Meitzes Kreuz auf rotem Grunde, womit erkennbar eine Umgehung der Bcstim- mungen des Reichsgesetzes zum Schutze des Genfer Neutralitäts- Zeichens vom 22. März 1002(§§ 1— 3) beabsichtigt ist. Es bedarf keines Nachweises, datz derartige Vereinigungen in hohem Matze geeignet sind, das Ansehen und die Interessen der Organi- sationen des Roten Kreuzes zu gefährden und zu schädigen. ES ist daher von Bedeutung, festzustellen, ob auch anderweitig der- artige Gründungen in die Erscheinung getreten sind und ob und inwieweit diese sich auch des weihen Kreuzes auf rotem Grunde oder ähnlicher auf Täuschung und Gesetzesumgehung hinzielender Abzeichen bedienen, damit nötigenfalls zum Schutze des Roten Kreuzes und seiner Organisationen geeignete Matz- nahmen getroffen werden können. Dem Zentralkomitee wäre eine Mitteilung darüber er- wünscht, ob auch innerhalb des dortigen Bereiches solche Arbeiter- Sanitätskolonncn gebildet worden sind, welcher Abzeichen sie sich bedienen und ob etwa schon eine Schädigung der Interessen des Roten Kreuzes beobachtet worden ist. An Der Vorsitzende. � von dem Knesebeck. die Vorstände der Deutschen Landesvereine vom Roten Kreuz und der Preußischen Provinzialvereine vom Roten Kreuz. Die„Canaille" hat zu arbeiten und Mehrwert zu schaffen, nicht aber sich um das Sanitätswesen zu kümmern.— Dem Verdienste feine Krone. Endlich scheint der Führer der Nationalliberalen und Vize- Präsident deS Reichstages. Herr Professor Paasche. auf der Jagd nach einem gutdotierten Amtsposten sein Ziel erreicht zu haben. Wie die Börsenblätter melden, wird er in Finanzkreisen mit Be- stimmtheit als Nachfolger des Präfidenten der Seehandlung, des Dr. Havenstein genannt. So gelangt Beharrlichkeit doch endlich zum Ziel.■=» Hnudedemut. In einet Versammlung des katholischen Arbeitervereins in Allenstetn, der der Berliner Richtung(Fachabteiler) angehört, hat jüngst der neuernannte Diözesanpräses. Pfarrer Lehmann, eine Rede gehalten, über die das Allensteiner ZcntrumSblatt folgendes berichtet: „Eine Tugend deS katholischen Arbeiters ist die Demut und Bescheidenheit, die der Herr DiözesanpräseS den Anwesenden ganz besonders ans Herz legte. und hierbei auch betonte, wie oft im Verein kleine Mitzhellig. ketten von manchen Mitgliedern aufgebauscht würden. Eine besondere Waffe des christlichen Arbeiters ist die Anspruchslosigkeit, denn anspruchslos und in Demut soll der Arbeiter die schlichte Pflicht des täglichen LcbenS erfüllen, sodatz jeder sich daran erbauen kann. Eine weitere Pflicht ist, sich in seinem Berufe mit Liebe zu betätigen. Denn die Liebe zur Religion und Arbeit schafft Frieden Herzen des Arbeiters und hilft die Kluft zwischen Ar- beitgcber und Arbeiter überbrücken. Im Lichte des Glaubens betrachte ein jeder die gewissenhafte Pflichterfüllung als eine von Gott auferlegte Buße und Notwendigkeit im Kampfe ums tägliche Brot. Ganz besonders behandelte der Herr Redner den Müßiggang und die Faulheit als ein großes La st er vor Gott und den Menschen; desgleichen beleuchtete er den Streik als einen Hochmut vor Gott und Auflehnung gegen das Sittengesetz. Sodann behandelte er das Prinzip, das die katholischen Fachabteilungen verfolgen, die p r i n z i- pielle Gegner des Streiks sind und durch friedlich Verhandlungen und Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeiter die materielle Lage ihrer Mitglieder verbessern. Des- gleichen muß der Arbeiter in Treue und Anhänglich- reit seinem Brotherrn ergeben sein, der dieses stets seinen Arbeitern bestens lohnen wird." Das Blatt des christlichen MetallarbcitervcrbandeS bemerkt hierzu:„Jedes weitere Wort würde diese offenherzige Auslegung der Berliner Theorie abschwächen; die Bemerkung aber können wir nicht unterdrücken, daß man eine solche Erziehung zur sklavischen Hundedemut selbst bei den gelben Streik brechervereinen vergeblich suchen würde." Das christliche Gewerkschaftsblatt vergißt, daß die Berliner Fachabteiler, die hier den Arbeitern Hundedemut predigen, sich dabei auf die sogenannte Arbeiterenziklika vom Papst Leo XIII. berufen, daß der Papst die Berliner mehrfach wegen ihrer treuen Befolgung seiner Lehren belobt hat. daß die preußischen Bischöfe durch das Fuldaer Pastorale vom Jahre 1900 sich für die Arbeiter- vereine im Sinne der Berliner ausgesprochen haben, und endlich, datz mehrere Bischöfe in ihren Diözesen keine anderen als Ar- beitervereine der Berliner Richtung dulden. Die Erziehung der Arbeiter zur Hundedemut scheint demnach doch wohl im System der römischen Kirche zu liegen. Deutscher Schiffahrtstrust. Ein Wolffsches Telegramm aus Bremen bestätigt offiziell die Meldung, daß zwischen dem Norddeutschen Lloyd und der Hamburg- Amerika-Linie Vereinbarungen getroffen worden sind, welche eine enge Zusammenarbeit zwischen den beiden großen deutschen Reede- reien auf den wichtigsten Gebieten ihres Verkehrs für die nächsten Jahre sicherstellen. Nachdem sich in letzter Zeit verschiedene kleinere Sckiffslinien. darunter auch die Woermannsche Westafrika-Linie, die so überreich- liche Profite bei den Militär- und Munitionstransporten nach Deutsch-Südwestafriko eingesteckt hat, den vorgenannten beiden großen Gesellschaften angeschlossen haben, finden es nun diese zur Erhöhung ihrer Profite vorteilhafter, ihren bisherigen Rivalitäts- streit einzustellen und Hand in Hand zu gehen. Bald wird die Angliederung einiger weiterer kleinerer Reedereien folgen, und dann ist das Monopol fertig. Das Hinaufschrauben der Fahr- und Frachtpreise kann nach allen Regeln der Kunst beginnen.— TaS Proportionalwahlsystem bei den GemeinderatSwahlen im Reichslande. Ter Straßburger Gemeinderat beschloß in seiner Sitzung vom 8. Januar einstimmig, die Regierung und den Landes- ausschuß zu ersuchen, gesetzliche Anordnungen zur Einführung des Proportionalwahlverfahrens für die Ge- meinderatswahlen in der Stadt Straßburg zu treffen. Der weitergehende Antrag der Sozialdemokraten, der das Proportionalwahlverfahren für die sämtlichen Gemeinden des Landes verlangt, wurde vorher mit 15 gegen 14 sozialdemokratische Stimmen bei zwei Enthaltungen abgelehnt. Ein Zentrumsantrag verlangte die Aushebung der Bezirkseintcilung bei den Gemeinderatswahlen. Die Kommission des Gcmeinderats schlug vor, diesen Antrag, der beim Bezirkspräsi- deuten zu stellen ist, abzulehnen. Auch die Liberalen stimmten in der Kommission für Ablehnung des Antrags. Von sozialdemo- kratischer Seite wurde gegen den Zentrumsantrag eingewendet, daß man. so lange der Proporz nicht gesetzlich gesichert sei, die Bezirks- einteilung beibehalten müsse, um auch den Minoritäten eine Vertretung im Gemeinderat zu ermöglichen, was bei der Listenwahl verhindert werden könnte. Für den Borschlag der Kommission, den ?entrumsantrag abzulehnen, stimmten schließlich nur die 4 Sozialdemokraten. Der Vertreter des Zentrums stimmte da- gegen und die Liberalen— enthielten sich der Abstimmung. In der Kommission für Ablehnung, im Plenum Enthaltung. Ein Ver- halten, würdig der Partei Drehscheibe. Die allgemeinen GemeinderatSwablen in Elsatz-Lothringen finden im Juni 190S statt. Wie man Reserveoffiziere zu Mitgliedern der Kriegcrvercine drillt, davon liefern einen charakteristischen Beitrag zwei Zirkulare des Straßburger Bezirkskommandeurs Klosterfelde an die Mitglieder des Reservcoffizierstandes. In dem einen Zirkular werden die Reserveoffiziere um die Beantwortung folgender Fragen ersucht: 1. Welchem Kriegervcrein gehören Sic an? 2. Wann beabsichtigen Sie. einem Kriegerverein beizutreten? 3. Waren Sie schon Mitglied eines Kriegervereins? Angabe des GrundeS, warum Sie aus dem Kricgervercin ausgeschieden sind. Im zweiten Zirkular werden die Reserveoffiziere zu einer Ver- sammlung der Kiiegervereinsmitglieder eingeladen und folgendes dazu bemerkt: Mit Rücksicht darauf, daß bei der letzten Vcrsamm- lung des Kriegerlandesverbandes trotz meines besonders aus- gesprochenen Wunsches um zahlreiche Beteiligung nur wenige Herren anwesend waren, weise ich die Herren nochmals eindring- sich darauf hin, daß Se. Majestät der Kaiser von allen Offizieren des Beurlaubtenstandes reges Interesse und persönliche Beteili- gung bei den Bestrebungen der Kriegervereine verlangen. Der Kommandeur teilt dann weiter mit. daß er der Versamm- lung beiwohnen wird, und erwartet, daß nur ganz dringende Gründe die Herren von der Versammlung abhalten werden.— ftatihreicb. Bürgermeister und— AntimINtarist. Paris, 10. Januar. Das Schwurgericht von Chalons-sur-Saöne sprach den wegen eine« antimiliiariftischen Artikels angeklagten Bürgermeister von Mercurey. Raquillet. frei. Cnglancl. Tarifreform und Journalistik. London. 7. Januar.(Eig. Bcr.j Den Tarifreformern (Schutzzollpolitikern) ist es nach langen Bemühungen ge- lungen. die Herrschaft über die„Time s" zu erhalten. Dieses Blatt, das nicht nur auf die britische, sondern auch aus die internationale Politik einen großen Einfluß ausübt, war im letzten Jahre f r e i h ä n d l e r i s ch. Die Tarifreformer sahen sich dadurch in ihrer Agitation gehemmt, trotzdem ihnen eine Rußland. Entwurf eines UnsallversicherungZgcsebes. Räch der Auflösung der ersten Duma wurde von der russische» ! Regierung ein Entwurf über staatliche Versicherung der Arbeitet gegen Unfälle ausgearbeitet. Nachdem er in verschiedenen Kom» Missionen durchberaicn war, sollte er der zweiten Duma zur Be- fchlutzfassung unterbreitet werden, aber inzwischen ereilte sie das- selbe Schicksal wie ihre Vorgängerin. Nunmehr aber soll der Ent- Wurf die dritte Duma beschäftigen. Die Grundzügc des Entwurfes sind im allgemeinen folgende: Die Versicherung ist o b l i g a t o r i s ck- Versicherungspflichtig sind alle über 15 Jahre alten Arbeiter und Angestellte, welche in industriellen, handwerksmäßigen, Handels- und Kredit- Be» trieben beschäftigt sind und ein jährliches Einkommen bis zu 1000 Rubel beziehen. Ausgeschlossen von der Versicherung sind alle Personen, welche mlandwirtschaftlichenunddamitzu, sammenhängenden industriellen Betrieben, die keine Gewerbesteuer zahlen, arbeiten!— Ter Entwurf räumt je- doch dem Hauptversicherungskomitee das Recht ein, bei gewissen Voraussetzungen die Versicherung auch auf häusliches Gesinde sowie auf Personen, welche dauernd irgendein Gewerbe ausüben, aus- zudehnen. Die Entschädigung für die durch den Unfall erfolgte Erwerbs- Unfähigkeit soll eine zwiefache sein: 1. eine Lebensrentc im Falle einer Erwerbsunfähigkeit von 66% Proz. fürs ganze Leben, 2. eine zeitliche Rente bei gleicher, vorübergehender Er- werbsunfähigkeit, wenn die Krankheit, welche dazu geführt hat, 20 Wochen lang gedauert hat und behandelt wurde.... Die Altersrenten werden vom 01. Lebensjahre gezahlt. wenn der Versicherte während 1000 Wochen Beiträge entrichtet hat. Jedoch wird die Zeit, in welcher der Versicherte aus von ihm u n- ab h ä n g i g e n Ursachen, wie z. P. einer Krankheit, der Ein- berufung zu militärischen Uebungen, nicht in der Lage war, Ver- sicherungsbeiträge zu kleben, zu sogenannten„Versicherungswochcn" angerechnet. Die Versicherungsbeiträge werden je zur Hälfte vom Arbeit- geber und vom Versicherten gezahlt. Für schon versicherte Per- sonen, welche zum Militärdienst ausgehoben werden, zahlt die Staatskasse die Beiträge: 9 Kopeken wöchentlich, unabhängig von der Kategorie, zu welcher der Versicherte gehört. Tie Haupt» sächlichste Leistung der Staatskasse besteht jedoch bei der Arbeiter- Versicherung darin, daß sie zu jeder Rente, ungeachtet ihrer Höhe» einen monatlichen Zuschuß von 2 Rubel gewährt.... Die Organisation der Arbeiterversicherung konzentriert sich im Hauptversicherungskomitee, welches als eine Abteilung des Handels- Ministeriums errichtet wird; ihm unterstehen die Bezirksversichc» rungskomitecs, deren Wirkungsgebict und Sitz von jenem bestimmt wird. Dar Vorsitzende des Bezirkstomitees wird vom Handelsminister bestimmt; dem Komitee gehören Vertreter des Ministeriums des Innern, der Finanzen und der Justiz, der Gouvernements- und der städtischen Verwaltungen selbst sowie je zwei Vertreter der Industriellen und der Versicherten an. Es läßt sich schwer sagen, wann der Entwurf nun endlich auf die Tagesordnung der Duma gesetzt wird, welche G e st a l t er dann haben, wann und o b er dann überhaupt die Bestätigung des Zaren und damit Gültigkeit erhält.... Marokko. Die Räumung von Casablanca soll nach Pariser Meldungen in dortigen Regierungskreisen erwogen werden. Ver- mutlich werde der Plan nach der Rückkehr des Ministers Pichon aus Spauien durchgeführt werden. Die Reise Pichons werde indes bisher im Gegenteil als ein Versuch Frankreichs gedeutet, Spanien zur Anteilnahme an größeren Unternehmungen in Marokko zu be- wegen. Die Pariser Meldungen behaupten jedoch jetzt, datz die Deutungen falsch seien und daß die Ankündigung der Räumung ihnen entgegentreten wolle. Die Sultantruppen und in zweiter Linie die von Frankreich und Spanien gemeinsam zu organi- sicrende Polizeitruppe seien bereit, die frauzösischen Soldaten abzu- lösen. Zunächst solle das für die Kasbah von Mediuna der Fall sein, die in aller Kürze von den Franzosen verlassen und durch Sultantruppen besetzt werden solle. Aus Madrid wird gleichzeitig gemeldet, daß der König er- klärt habe, weitere Truppensendungcn nach Marokko würden nicht erfolgen, wenn— sie nicht unbedingt notwendig sein sollten! Serickts-Geltung. Ein schwerer Baunnsall. Zu dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht über den Unfall auf dem Bau Jiivalidenstrake 10 wird»nS ergänzend mitgeteilt: Die eigentliche Bauleitung hotte Regierungsbaumeister v. d. Budde»- berg. Die Tätigkeit des Maurermeisters Stengen kam bei der Frage nach der Schuld für den Unfall nicht in Frage. Es wurde in der Verhandlung ausgefiibrt, die Schuld treffe den RcgicruiigS- baumeister. Denn dieser hatte die Anordnung getroffen, die Steine aus dem Hofe abzuladen. Infolgedessen mußten die Fudwerke über den von ihm gelieferten Bohlenbelag fahren, wäbrend das Kappen- gewölbe nicht genügend abgebunden war. Die Lokalliste mußten wir i» letzter Stunde wegen deS Stoffandranges für die Sonntagnummer zurückstellen. Letzte JVaebnebten und Depefeben. BergmannSloS. Esse» a./R«hr, 10. Januar.cs Jituiitlü" Setlintt ülollislilfllt. Zonnabtnd. 11. Janvar 1908. Reichstag* 76. Sitzung. Freitag, den 10. Januar, nachmittag 1 Uhr. Llm Bundesratstisch: von Bethmann-Hollweg. Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Beratung eines Gesetzentwurfs zur Aenderung des Gesetzes betr. den Schutz von B ö g e l n. Der Entwtirs will das Bogelschutzgcsetz mit der inter- natronalen Uebereinkunft zum Schutz der für die Landwirtschaft nützlichen Bogel vom 19. März 1902 in Einklang bringen Außerdem sollen die Bestimmungen, durch die das Fangen der Krammetsvögel in der Zeit vom 21. September bis 31, Dezember gestattet und für das unbeabsichtigte Mitsangen anderer nach dem Gesetz geschützter Vögel Straflosigkeit zugesichert wird, eingeschränkt werden, Llbg, Frhr. v Wolff-Mctternich: Mein Fraktionsgenosse Frhr. v. Wolfs- Mettennch steht mit seiner Ansicht über den Dohnenstieg allein in der Fraktton da. Namens des weitaus größten Teils meiner Fraktion habe ich zu erklären, daß wir die Haltung des Frhrn. v. Wolff- Metternich in dieser Frage nicht teilen. Abg. v. Trruensels(k.) tritt energisch für die Beseitigung des Dohnenstieges ein. Die Diskussion ist erschöpft. Der Gesetzentwurf wird an eine Kommission von 21 Mitgliedern verwiesen. ES folgt die erste Beratung des Entwurfs einer Maß- und Gewichtsordnung. Der Entwurf deckt sich mit den Beschlüssen der Kommission, die den am 1. April 1905 vorgelegten Entwurf beraten hat. Abg. Eitgelen(Z.) äußert sich zu den einzelnen Bestimmungen deS Einwurfs zustimmend. Abg, Neuner(natl,): Auch wir begrüßen den Gesetzentwurf vor allem deshalb, weil dadurch aus dem Gebiete des Maß- und Ge wichtswesens einheitliche Zustände in ganz Deutschland geschaffen werden. Den Gemeinden, deren bisher kommunale Eichämter nach dem Entwurf staatliche Eichämter werden, soweit die Landes reaierungen ihnen die Beibehaltung der kommunalen Eichämter nicht gestatten, sollten in billiger Weise entschädigt werden. Abg, v. Kophengst(kons.) t Der Entwiirs trägt den Wünschen und Beschlüssen, die in der früheren Kommissionsberatung hervorgetreten sind, Rechnung; er kann daher ohne erneute Kommissionsberatung angenommen werden. Abg. Stolle(Soz.): Wir haben gegen den Entwurf sehr erhebliche Bedenken. Auch er zeigt wieder eine ungerechtfertigte Bevorzugung der Agrarier; denndie Land- wirte sollen nicht gehalten sein, geeichte Maße und Gewichte zu halten. Die Besliinntung des§ 7, daß Fördcrwageu und Fördergefäße im Bergwerksbetriebe, soweit sie zur Ermittelung deS Arbeitslohnes dienen, der Neueichung bedürfen, ist nicht genügend. In dieser Form besteht sie bereits in mehreren Einzclstaatcn. ES ist unbedingt nötig, daß noch eine Bestimmung hinzugefügt wird, welche auch dte Nacheichung der Förderwagen und Fördergesäße anordnet. Bei den lolosialen lleberschüssen der Bergwerke können die Kosten hierfür leicht von ihnen gelragen werden. Die Frist von zwei Jahren, welche für die Nacheichung der Flüssigkeitsmasse im H 11 festgesetzt ist. ist zu lang. Daß im§ 16 angeordnet wß bei der Festsetzung der Gebühren der Grundsatz festzuhalten daß die Gesamteinnahmen aus den Gebühren die Kosten deS EichivesenS nicht übersteigen sollen, findet unsere Zusttmmung, aber nicht einverstanden sind wir mit der Bestimmung, daß dte Fest- ist. ist. die einstens Ludwig Feuerbach stolz als den ihrigen feierte, rührt sich nicht im mindesten gegen diese ZerstörtmgSpläite, ihre Gemeindevertretung ist es vielmehr selbst, die den Rechenberg als Platz für das Bismarckdenkmal bestimmt hat. Sie ließ vor drei Jahren den hundertsten Geburtstag Ludwig Feuerbachs spurlos vorübergehen; erst als die Arbeiter Nürnbergs diesen Tag in imposanter Weise feierten, erwachte etwas wie Scham, und ein Jahr später wurde am Wohnhauie des Philosophen in aller Stille eine einfache Bronzetafel angebracht. Während so das freisinnig-liberalc Bürger- tum sich völlig teilnahmslos verhält, tritt in der Zeitschrift „Memchheitsziele" Prof. Dr. H. Molenaar dafür ein. einen Aufruf zur Errichtung eines Ludwig Fsuerbach-MuseumS zu erlassen. Durch freiwillige Gaben der Anhänger der Fenerbachschen Philosophie sollen die Mittel aufgebracht werden, um das Sterbehaus Feuerbachs anzukaufen und es zu einem Feuerbach-Museum umzugestalten.' Humoristisches. —- Der VereinSmeier.„Da sitzt nn' so'n Mitglied von unser'm Schwimmklub friedlich mit den: Schriftwart von unser'm — DaS auch noch. Autor(als bei der Premiere da? Stück im Durchfallen ist):„Diese boShastenKerle müssen heute auch noch recht deutlich sprechen I" — Therapie.„Mein Mann. Herr Doktor, kann nicht schlafen. Wohl zwanzigmal frag' ich ihn in der Nacht, ob er schon schläft, und immer antwortet er nein!" „Das ist schlimm I Ruhe muß er haben. Ich werde Ihnen ein Schlafpulver verschreiben."_(»Fliegende Blätter.') Notizen. — Die Neue Freie Volksbühne hat August S t r i n d- b e r g S Komödie„D i e K e m s ö c r" zur Aufführung angenommen. Das Stück wird im Neuen Theater gespielt.— Am Sonntag, den 12. d. M.. gibt Dr. Emil M i l a n einen Vortragsabend im Theater- faale der Hochschule für Musik. Das Programm umfaßt Dichtungen von Marie Ebner-Eschenbnch, Karl Spitteler. Richard Dehmel und Oskar Wilde.— Am 15. d. M. findet im Choralion-Saale ein Kammermusik- Abend des Brüsseler Streich-Quartetts statt.— Am 8. Februar veranstaltet der Verein zur 23, Wiederkehr von Richard WagnerS Todestage eine Wagner-Feier im Blüthnerfaal, — Im Schillersaal, Charlottenburg, eröffnet Sonnabend Prof, Dr. Paul S ch u b r i n g eine auf zehn Stunden berechnete Vortragsreihe:„Anleitung zum Bctrachicn von Kunstwerken" im Anschluß an die schätze dcö Kaiier-Friedrich-Mufeums. Beginn um 6 Uhr nachmittags. Abonnementshefte 3 M,, einzelne Vorlesungen 50 Pf.(einschl. Garderobe). setzuna durch die Landesregierungen erfolgen sollte, weil dadurch jede Kontrolle seitens des Reichstages verloren geht. Ebenso können wir nicht zustimmen dem ß 18, wonach die bisher kommunalen Eichnngsämter staatliche werden sollen. Eine Gemeinde, die sich große Mühe gibt, dahin zu wirken, daß eine Industrie sich in ihrem Bezirke festsetzt, hat oft ein großes Interesse an einem kommunalen Eichamt, wir brauchen zum Beispiel nur an die Faßindustrie zu denken. Die Forderung der Verstaatlichung der Eichämter wird damit begründet, daß mau die Staalsbeamteu für tüchtiger erklärt, als die Gemcindebeauitcu. Dieser Behaupttmg muß ich auf das eut- fchiedenste widersprechen. Unsere Geineindcbeamten sind mindestens ebenso tüchtig wie die Staats- und Rcichsbeamten. So wie die Borlage jetzt ist, kann sie uns keinesfalls genügen. Ich stelle daher den Antrag, sie an eine Kominissioit von 21 Mitgliedern zu ver« weisem(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Doormann(fts. Vp.) begrüßt die Vereinheitlichung des Eichwesens. Wünschenswert wäre es, wenn ebenso wie die Fäffer auch die Fördergefäße einer Nacheichung unterzogen würden. Abg. Raab(Antisemit) erklärt sich gegen den Antrag auf Kommissionsberatung. Ebenso Abg. Dr. Delbrück(frs. Vg.). Ein Schlußantrag wird angenommen. Der Antrag, den Gesetzentwurf an eine Kommission zu vex» weisen, wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten ab« gelehnt. Eingegangen ist die Interpellation der Polen betreffend die Eni- eignuugsvorlage in Preußen. Nächste Sitzung: Sonnabend 11 Uhr. Tagesordnung: Haftung der Tierhalter, Aenderung de? ß LZ deS Handelsgesetzbuches, Viehseuchengesetz. Schluß O1/« Uhr. Der sieit des inarincetats in der ßndgetlsoimnifiion. 7. Sitzung, 10. Januar. Die Beratung des Marineetatö geht bei Kap. 4 außerordentlicher Etat. Titel 19 weiter. Es handelt sich um bauliche Einrichtungen, Befestigungen usw. ES werden zusammen 25 725 150 M. verlangt. Hierzu kommen die 01410000 M., die aus dem ordentlichen Etat auf Anleihe genommen werden, so daß die Anleihe 00 135 150 M. betragen wird gegen 57 370 200 M. im Borjahre»»» eine Steigerung von 32 764800 M.I Die meisten Titel werden nach unwesentlichen technischen Be» merkungen genehmigt. Bei Titcl48. Bau fiskalischerMieterwohnuttgen für Offiziere in Wilhelmshaven, bemängelt Abg. S e m l e r. daß hier 300000 M. ausgegeben werden sollen, während in Wilhelms- Hoven ein Ueberfluß an Wohnungen fei. Admiral Capelle gibt zu, daß freie Wohnungen vorhanden feien, aber nicht so große und so eingerichtete Wohnüngen, wie sie für Offiziere in höheren Koinmandostellen in Frage kommen. Singer fragt an. warum man nicht Privatunternehmer die Wohnungen bauen läßt und längere Mietverträge abschließt. Weiter richte er die Frage an die Marineverwaltung, zu tvelchen Preisen die Wohnungen an die Offiziere vermietet werden, eS scheine ihm, daß hier verschleierte Gehaltserhöhungen gewährt werden. Admiral Capelle meint, PrivaMnternehmcr fänden sich nicht zum Bau solcher großer Wohnungen. Tie Miel- preise sollten berechnet werden nach den ortsüblichen Preisen, aber man nehme nur 3 Proz. d e S Bau wertes. Das fei aller- dingS eine Vergünstigung für die Offiziere, aber man müsse be- denken, daß niemand gern nach Wilhelmshaven geht. Die Forderung lvird iveiterhin von Müller- Fulda, S e m l e r, Leonhard und Speck belämpft, von NichtHofen und Paasch c verteidigt. Abg. Singer bestreitet die Notwendigleit der Forde- rung. In Wilhelmshaven sind gute Schulen und wenn das gesell- schaftliche Leben nicht so rege ist wie in Kiel, da soll die Marine- Verwaltung ein paar Prinzen hin kommandieren. Jeden- falls ist in keiner Weise gerechtfertigt, daß man den Offizieren, um sie an Wilhelmshaven zu fesseln, die Hälfte deS Mietpreises schenkt. Staatssekretär Tirpitz gibt sich nochmals Mühe, Singers Einwände abzuschwächen; Erzbergcr beantragt statt der geforderten 1. Rate von 300 000 nur 100 000 M. einzustellen. Der Freisinn. — AuS den Berliner Museen. Die Gemäldegalerie des Kaiscr-Fricdrich-Mttsenms hat soeben von einem Kölnischen Altarwerkc um 1420 eine Grablegung und Auferstehung Christi als Geschenk erhalten. Die Sammlung von Bildwerken der christlichen Epoche wurde durch eine Holzstatue des heiligen Georg, das Werk eines süddeutschen Meister» um 1500, die be- malke Holpgruppe der Trauernden von der Kreuzigung Christi, ein deutsches Werk um 1700, und eine kleine männliche Figur au* Birnbaumholz von Georg Petel(1035) bereichert.— Die Ncttional- galcric hat eine Reihe älterer Werke erworben, über die im letzten Hefte der vorzüglich ausgestatteten und billigen(Jahres- abonnement 5 M.) amtlichen Berichte näheres mitgeteilt lvird. Das älteste ist ein Bildnis zweier Reiter von Franz Krüger, zwei ctwaS humoristisch aufgefaßte Landjunker. Da» Kabinett der Wiener Malerei wurde durch ein an Waldmüller erinnerndes Werk des seltenen Franz Eybl(1800— 1880) bereichert. Bon Moritz v. Schwind(1804—1871) wurde ein stark dekoratives Bild eines„Türmers" im Mondschein, von Rudolf von Alt(1812—1905) zwei Frauenköpfe in Aquarell eingereiht. Von Charles Schuh (1810—1903) wurden Stilleben und eine Landschaft, von Karl von Pidoll das Bildnis eines Großmeister» des Jodannitcrorden», von Hans Marees ein männliches Porträt von 1801 angekauft. Ferner wurde das von der Jahrhundertausstellung her vekanntc Bild der Frau Agnes Jordan, ein Werk Tb. von Grosses(1820 bis 189l), von Franz v. Lenbach(1830— 1904) das Bildnis von Moritz von Schwind und Gottfried Semper erworben. Von Werken lebender Meister wurden ein Bildnis Eduard v. Gebhardts, Land- schaften von Elarcnbach und Rciningcr. ferner ein männliches Bildnis Ferdinand BöhleS angekauft. Bon den neueren Bild- werken sei besonders eine Reihe von Brouzegüsscn nach Reliefs und Büsten von Gottfried Schadow»(1701—1850) genannt. AuS den letztjährigen Ausstellungen wurde eine Atizahl neuerer Plastiken angekauft, darunter ruhende Sckiafc von A. Gaul und die Bronzefigur des Träumers von August Hudler. — Die Restauration von ivt u m i e n ist die neueste Erfindung deS auf diesem Gebiete bekannten ProfesiorS der nord- amerikanischen Universität Northampton, Harris Wilder. Er fand bei der Behandlung von eingeschrumpften Präparaten von Frühgeburten mit stark kaustischer Sodalösung, daß sie wieder zu ihrer nalürlichen Größe aufschwollen. Nachdem er bei einer an der Sonne gänzlich eingetrockneten Kröte eine ähnliche Wirkmig wabrgenonunen. entschloß er sich zu der Be- Handlung der minuistzierten Leiche eines Peru-Jnkas, die ihm von dem Institut Peabodh überlassen wurde. Die Mumie nahm nicht nur aimähernd ihre frühere Gestalt an, so daß insbesondere da» Gesicht von einer hervorragenden Schönheit wurde, sondern die Haut die Mumie wurde auch wieder— so weich, daß mikroskopische Schnitte von ihr gemacht werden konnten. Wilder verspricht sich von dieser Methode insbesondere viel für die Behandlung innmifizierter Tierleichen aus alten geologischen Schichten, wodurch die Kenntnis der llrticnoelt ohne Zweifel stark bereichert würde. dessen ekizigeS Leitmotiv ist, niemals weniger patriotisch zu sein, als das Zentrum, will für diesen Antrag stimmen, obwohl sich Leonhard für den Strich der ganzen Forderung auZ- fesprochcn hat. Der Antrag wird dann angenommen und mit 4 gegen 12 Stimmen weiter beschlossen, in das Dispositiv zu setzen, dast die Wohnungen nur für zwei GeschwaderchesS gebaut werden. Es wird weiter der Antrag Müller- Fulda diskutiert, welcher Ausgaben im Betrage von WL Millionen Mark aus dem Extraordinarium(Anleihe) in das Ordinarium(aus laufenden Mitteln zu bestreiten) überfuhren will. Unterstaatssekrelär T w e l e rechtfertigt die Aufnahme der Positionen in den außerordentlichen Etat mit den Grundsätzen derAnleihegesetze von 1900 und 1907. Danach sollen alle Ausgaben, welche der Weiterentwickelung der Marin? dienen, auf Anleihe genommen werden. Müller- Fulda verteidigt seinen Antrag, hat aber wenig Hoffnung auf An- nähme desselben, denn die Blockniehrheit sei nun mal für > Weiterentwickelung der Schuldenwirtschaft. v. Richthofen ist dies Jahr gegen den Antrag, da die finanziellen Verhältnisse jetzt reibt unbequem seien. W i e m e r ist angeblich auch gegen EntWickelung der Schuldenwirtschaft, bittet aber den ZenlrumSantrag abzulehnen. Dieselbe Stellung nimmt Paaschs ein. Folgt ein kleines Scharmützel zwischen Block und Zentrum, die sich gegenseitig die Verantwortung an der Schuldenwirtschast aufbürden wollen. Der ZentrumSanlrag wird abgelehnt. Dafür stimmen nur Zentrum und Sozial- demokraten. Die Kommission geht nun zum Flottengesetz über, das bis auf die Festsetzung der Kosten und die Deckung?- frage erledigt ist M ü l l e r- Fulda fragt an, wie aus dem Flotten- gesetz entstehende Mehrkosten gedeckt werden sollen. Das Defizit betrage 125 Millionen Mark, nach Abzug der Matriknlarbeiträge bleiben immer noch 100 Millionen Mark Defizit, wovon 44 bis 4S Millionen dnrch das neue Flottenge sei verursacht sind. Von der Frage, wie diese Kosten gedeckt werden sollen, hängt die Stellung des Zentrums vom Flotiengesetz selbst ab.— Unterstaatssekretär T w e l e erklärt, daß sich Frhr. v. Stengel die Beantwortung der Deckungsfrage selbst vorbehalten habe; er könne nur soviel sagen, daß bis 1909 aus den neuen Steuern, insbesondere auch der Erbschaftssteuer, die Mehrkosten ge- deckt sein würden; näheres könne er nicht sagen.— Spahn be- antragt unter diesen Umständen, die Abstimmung aus- zusetzen, bis der abwesende v. Stengel die Ant- lvort gegeuen habe. Der Block i st indessen g e- w i l l t, Schluß zu machen. Der Antrag wird ab- gelehnt. Die Freisinnigen springen herum und trommeln alle Blockmitglieder zur Abstimmung herbei und dann erfolgt die Abstimmung, welche Annahme deS Flottengesetzes mit 15 gegen die drei sozialdemokratischen Stimmen ergibt. Das Zentrum enthält sich der Abstiinmung. Eine große Reihe Petitionen der Flottenvereinler für Vergrößerung der Flotte werden durch Uebergang zur TageS- Ordnung erledigt. Bon den nunmehr zur Verhandlung kommenden Petitionen des Marinepersonals werden auf Anregung Singers eine Anzahl bis zur Beratung des Beamtengeietzes zurückgestellt; andere werden zur Erwägung oder als Material über- wiesen. Die Petition einer Anzahl Arbeiter in Friedrichs- ort bei Kiel, welche um Lohnerhöhung bitte», wird aus Antrag Singer mit 11 gegen 9 Stimmen zur Berücksichtigung überwiesen. Zum Schluß werden die Anträge der sozialdemokratischen Vertreter und deS Zentrums über die Arbeits- bedingungen der Werftarbeiter behandelt. Die Anträge habe» folgenden Wortlaut: Das Zenlrum beantragt: Der Reichstag wolle beschließen:„den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, Arbeiten durch die Marine- Verwaltung nur an solche Firmen zu vergeben,»velche in Beziehung auf die ArbeitSbediilgungen die gesetzlichen Vorschriften einhalten und, falls Tarifverträge für die betreffende Art der Arbeit am Ort deS Betriebes gelten, nicht hinter den Bestimmungen dieser Tarif- vertrage zurückbleiben." Hierzu beantragen Lcdebour, Bebel, Singer am Schluß hinzuzufügen:...... sowie die Marineverwaltung anzu- weisen, die Festsetzung oder Neuordnung von ArbeüSbedingungen in den ReichSmarinebetrieben unter Mitioirkung der Arbeiterorgani- fationen und ArbeiteranSschüffe vorzunehmen." Wogegen Packinicke und Wiemer beantragen: Im Zusatzantrag Ledebour und Genossen statt„Arbeiterorganisationen" zu setzen „ArbeiteranSschüffe". Lcdebour begründet in eingehender Weise den sozialdemo- kratischen Antrag, dabei die ganze Materie der Tarifverträge und die Lage der Marinearbeiter behandelnd. Er spricht sich natürlich gegen den abschwächenden Antrag der Freisinnigen aus, denn da- durch würden die anderen Anträge wertlos. S e m l e r spricht sehr eifrig gegen die Anträge, man könne hier nicht eingreifen der Konsequenzen wegen. Der Weg sei außerordentlich bedsnllich. er warne ihn zu beschreite», zufolge eines Froktionsbeschlusies würden die Nationalliberalen dagegen stimmen. Gröber verspottet die Nationalliberalcn und verweist auf Fälle. wo die Staatsverwaltung den Weg bereits gegangen ist. Tirpitz wendet sich gegen Anerkennung der Tarifverträge, die Muriiicvcrwaltung werde nicht mit den Organisationen verhandeln. Der Freisinnige Leonhart unterstützt den Marincminister, daß die Morineverwaltung mit sozialdemokratischen Gewerkschaften nicht in Verbindung treten soll.(I) Ledebour fertigt diesen freisinnigen Staatsretter treffend ab; wenn die Verwaltung nicht mit Gewerkschaften ver- handeln soll, darf sie auch keine lozialdemokratischen Arbeiter ein- stellen, und in den ArbeiterauSschüffen sitzen sicher auch Sozialdemo- kraten.(Leonhart ruft: Neun Zehntel I) Nun also, wenn Sie das wissen, weshalb dann Ihre Abneigung gegen unseren Antrag? Leonhardt sagt, die englischen Gewerkschnften sind neutral; das hat er sich von Max Hirsch eintrichtern lassen und dabei die letzten zwanzig Jahre verschlafen, heute ist das längst ander«.— In der Abstimmung wird aus dem sozialdemokratischen Antrag das Wort„Arbeiterorganisation" mit 10 gegen 10 Stimmen abgelehnt. Dagegen stimmen auch der Freisinnige Leon hart und der Demokrat S ch w e i ck h a r d t, welche die Verantwortung kür diese Verschlechterung trifft. Der Zentrumsantrag wird sodann mit dem Rest des Ledebourschen Antrages angenommen. Damit ist der Marineetat erledigt. Parlamentarisches. Die WahlprüfungSkimmisfion des Reichstages beschäftigte sich gestern mit der Wahl des Abg. Schock(2. Sachsen-Weimar). Die Wahl wurde bekanntlich beanstandet, und es war beschlossen, über einige der behaupteten Protestpunkte Erhebungen zu machen. Die Behauptung deS Stimmenkaufs wurde nickt erwiesen. Von den darüber vernommenen Zeugen gibt namentlick ein Kutscher Joh. Dietrick zu. daß er von einem Agitator Bechtl Geld erhalten habe und daß dieser ihm auch Bier bezohlr habe, aber das sei Trink- geld gewesen und es seien keinerlei Bedingungen daran geknüpft gewesen. In Untersuhl war bis mittag 1 Uhr. wo ein sozialdemokratischer Kontrolleur erschien und„Krack" machte, wie ein Zeuge zu Protokoll gegeben, kein Jsolicrraum vorhaudci, gewesen! Man hatte den Leuten „der Kälte wegen" nicht zumuten wollen, daS ungeheizte Neben- zimmer als Jsolicrraum zu benutzen, sondern hatte in einer Ecke einen vom Wahltisch aus gut zu beobachtenden Tisch aufgestellt, an welchem die Stimmzettel in die Kuverts gesteckt werden mutzten. Mit 8 gegen 0 Stimmen kassierte die Kommission den ganzen Wahl- alt, wodurch Schock III und sein sozialdemokratischer Gegenkandidat Leber 8 Stimmen verlor. Danach verblieb für Schack noch eine Mehrheit von 23 Stimmen. Die Kommiision beschloß demgemäß, die Gültigkeit der angefochtenen Wahl zu beantragen. Ob das Plenum die Angelegenheit nicht abermals an die Kommission zurückverweist, ist nock nickt ausgemacht; denn die Kommission hat im Frühjahr 1907, als sie sich zum erstenmal mit der Angelegenheit besckäftigre, nnverständlicherweise bescklossen, daß die Behauptung im Protest: ein Polizeibeamter habe im Auftrage des Bürgermeisters die säumigen Wähler zur Wahl aufgefordert,„nicht erheblich" sei, selbst wenn die Angabe des Protestes wahr wäre. Nach der bis- herigen Gepflogenheit des ReichSiageS sind solche amtliche Wahl- beeiiifluffungen immer als erheblich angesehen worden. Wird der hier in Frage kommende Wahlakt aber kassiert, so hat Schack keine Majorität mehr„... Einkauf. Aus dem Reichstage: Bericht der XI. Kommission über den Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Bestrafung der Majestätsbeleidiaung. Entwurf eines Gesetzes, betreffend oic Abänderung oeS Gesetzes über das Telegraphenwesen des Deutschen Reiches vom ii. April 1892.(Bundesrats-Beschluß.) Interpellation De y d a und Genossen. Wie will der Herr Reichskanzler den von der kömglich prcußi- schen Regierung im dortigen Landtage eingebrachten Gesetzentwurf über Maßnahmen zur Stärkung des Deutschtums in den Provinzen Westpreußcn und Posen in Einklang bringen mit dem Geiste der Reichsverfassung und den Bestimmungen de» Bürgerlichen Gesetzbuches? Welche Schritte gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun, um die durch die vorgesehene Enteignung de» Grundbesitzes von Reichs- angehörigen aus politischen Gründen bedrohten Grundvcstcn der Rechts- und Gesellschaftsordnung zu sichern? Momente des niMchen Zerietzongs* prozeiies. Petersburg, 7. Januar.(Eig. Ver.) Die letzten Wochen sind überreich gewesen an sozialen und politischen Symptomen, die untrügliches Zeugnis von der fort- schreitenden Auflösung des ganzen staatlichen Lebens in Rußland geben. Vor allem sind da die Prozesse gegen die erste und die zweite Duma zu nennen. ES war kein Zweifel, daß der Prozeß wegen des Whborger Aufrufs mit einem vollen Siege der Feinde des alten Uniform-RutzlandS enden mutzte. Bor dem Gericht wechselten die Rollen: die Ankläger wurden zu Angeklagten. Es war dem Gericht unmöglich, die Schuldfragen so zu stellen, daß in ihnen keine offensichtlichen Verstöße gegen die elementarsten Be- griffe des modernen Rechts, keine innerlichen Widersprüche oder Vergewaltigungen der Tatsachen vorkämen. Zwei-, dreimal mußte das Gericht sich zurückziehen und die Schuldfragen um- arbeiten!„Dem Gericht hat man," wie der„Towarifchtsch" be- merkt,„eine unlösbare Aufgabe gestellt." DaS Resultat war denn auch, daß die Angeklagten, denen man auf alle Fälle die poli- tischen Rechte nehmen wollte, zu drei Monaten Gefängnis ver- urteilt wurden, statt zu Zuchthausstrafe, wie das nach dem Buch- staben des Anklageparagraphen hätte sein müssen.... Dnrch Zeugenverhör wurde in dem Prozeß allerlei Jnter- cssantes festgestellt: Als die erste Duma zusammentrat, war das erste, was sie erfuhr, daß die Burcaukratie— Ferien machen wollte? Die Duma sollte sich gleich vertagen und erst nach einigen Monaten, im Herbst, wieder zusammenkommen, weil die Burcaukratie gewöhnt sei, im Sommer nicht zu arbeiten! Der Präsident der ersten Duma, Muromzew, bekräftigte das in seiner Rede mit mehreren charakteristischen Tatsachen. Diese selbe Burcaukratie log aber dem Ausland in einem fort von der-Ar- beitSunfühigkeit" der ersten Duma vor! Unweit der Stelle, wo über den Wyborgcr Aufruf verhandelt wurde, spielte und spielt sich gleichzeitig ein anderer Prozeß ab, in dem— wie sich die„Russj" ausdrückt— nicht über die russische Gesellschaft, sondern über die Burcaukratie abgeurteilt wird. Hier sitzen noch jetzt auf der Anklagebank die Stössel, Fock und Konsorten, jene Papiermachö-Helden von Port Arthur, die seiner- zeit mit ihren Schwindcldepeschen die ganze Welt belogen. pour ls merite's, andere Orden und sonstige allerhöchste AuSzeich- nungen einheimsten, in Wirklichkeit aber traurige Maulhelden waren, unfähig, lügnerisch, feig und diebisch. Au» dem ganzen Schwärm der Generale von Port Arthur sind eS nur ein oder zwei. denen man eine gewisse Achtung nicht versagen kann, die übrigen gewähren ein Bild des höheren russischen Militärs, wie cS krasser nicht gezeichnet werden kann. Wohl niemals noch ist die innere Schwäche de» russischen MilitärkolosscS so entblößt worden wie in diesem Prozeß. Bor solchem Monstrebild der glänzenden Ver- iömmenheit müssen alle Vertuschungsversuche der RegierungSprcsse schweigen. Selbst der„Swet", ein äußerst reaktionäres Blatt, ist gezwungen, von einem„Bild der empörenden Willkür und des Idiotismus" zu sprechen.„Wir sehen da," schreibt es über Stössel, „einen selbstherrlichen Despoten, der beständig auf den Lippen hat: „Ich bin der Zar, ich bin der Gott!", einen Mann, ganz Eigen- dunkel und Eigenliebe, aber von größter Unwissenheit...." Aus dem Gang der Verhandlungen ergab sich, daß der Ober» kommandierende Kuropatkin den Stössel von seinem Posten ent- fernen wollte. Den Defehl Kuropatkins hat Stössel aber mit Wisse» des Generalstabchefs von Port Arthur, General Reiß, ein- chch unterschlagen! Um sich zu halten, mußte Stössel reichlich mit Ordensverleihungen wirtschaften! Die höchsten kriegerischen AuL- Zeichnungen erhielten so natürlich gerade die unwürdigsten Offi- ziere. Kamen die Stürme der Japaner, dann meldeten sich diese „Helden" gewöhnlich krank! Günstlingswirtschaft, Intrigen, De- nunziationcn, ganze Raubzüge auf die Staatskasse— alles das war in Port Arthur zu Hause. Port Arthur ist aber nur ein kleiner Ausschnitt aus dem ganzen zaristisch-militaristischen Regime in Rußland. Die Presse vergleicht die beiden Prozesse:„Nicht in guter Stunde hat die Rc- gierung beschlossen, die beiden Gerichte gleichzeitig tagen zu lassen", schreibt„Towarifchtsch".„Man kann nicht ungestraft Stössel und Muromzew, das alte und das neue Rußland, einander gegen- überstellen.... Wenn die Regierung jetzt ihr bengalisches Feuer angezündet hat, um das Alte und das Neue zu beleuchten, so kann man ihr für ihre Mühe nur dankbar sein." Es ist aber noch«in dritter Prozeß, der Pogromprozcß in Kiew, der diesen Gegensatz zwischen dem alten und dem neuen Rußland nicht weniger offenbart. Wir sehen in dem Kiewer Pro- zeß dieselben bekannten Bolizeitypcn, die»n allen Pogr-men die Hauptrolle gespielt haben. Einer nach dem andern erzählen die Zeugen, wie sie den einen oder den anderen Polizeibeamten unter den demolierenden Judenhetzern gesehen haben. Der Unter- uchungsrichter Mirny berichtete, wie er in einem Haufen Pogro- misten zwei Agenten der Geheimpolizei sah. die mit dem Ruf: „Haut die Juden!" den Haufen zu weiteren Gewalttaten auf- reizten!! Und so gehts mit den Aussagen in einem fort.... Es wird ferner festgestellt, daß h ö h c r c Polizeibeamte dem Wüten der aufgereizten Lumpengarde untätig zugeschaut haben! Wendeten sich die Juden um Schutz an die Militärbehörde, so hieß es, sie hätte von der Polizei keinen Befehl, vorzugehen. Machten aber die Juden Miene zum Selbstschutz, dann war Polizei und MkliM sofort zur Stelle. Neues bringt dieser Pogromprozetz, wie ge» sagt, nicht; er bekräftigt nur wieder einmal, was man schon längst gewußt hat: daß die Pogrom» nur ein» unter den vielen Ge- waltmitteln der Regierung sind. Neben dem Prozeß gegen die erste Duma und dem Stössel-Prozeß tritt die Pogrompolitik der Regierung nur markanter als je hervor. Auch der oberflächlichste Blick auf diese drei Prozesse zeigt, wie unhaltbar verkommen und wild die Zustände geworden sind und daß der Kampf gegen diese Zustände die Pflicht einxs jcdcii Kulturmenschen ist._ Hua der Partei. Sozialdemokratisches Preßbureau. Man schreibt un» aus dem Varteibureau: Die Mannheimer .Volksstimme" läßt sich von Berlin melden, daß Genosse Emil Eichhorn als Redakteur für das zu errichtende Preßbureau an- gestellt wurde. Diese Meldung deS Mannheimer Blattes ist falsch. ES sind bisher überhaupt keine definitiven Ent- scheidungen über die Besetzung der Redakteur» Posten getroffen. Wem soll mit der llebermittelung solcher falschen Nachrichten gedient werden? Diese Art groben Unfugs sollte in der Partcipresse nickt Eingang finden. Hat der Berliner Korrespondent der Mannheimer„Volksstünme" in Berlin nichts Besseres zu tun??# Auch Genosse Eichhorn bestätigt uns, daß die Notiz der Mann- heimer„Bolksstimme" falsch ist. G Zu obigem teilt uns Genosse Lehmann mit, daß er entgegen vielfacher Annahme nicht der Urheber der betreffenden Notiz ist. Ein Sechzig jähriger. Genosse Fritz Zubeil vollendet heute sein 60. Lebensjahr. Wenn er zurückblickt auf die Zeil die hinter ihm liegt, so kann er getrost sagen: daß die Arbeit, die sie ausfüllte, rcick an schiveren Mühen und Kämpfen, aber dafür auck nicht erfolglos geblieben ist. Genosse Zubeil steht bald ein Menschenalter in der Arbeiterbewegung. In der Zeit der größten Schmach und Gefahr, mtter dem Sozialistengesetz, war eS Zubeil. der mit glühender Begeisterung sich in den harten Dienst der Arbeilersache stellte. Auf gewerkschaftlichem Gebiet galt damals sein Wirken seiner Organisation, dem Fackverein der Tischler, der später in den Holzarbeikerverband aufging. Unter seinen Berufs- kollegen Von der Hobelbank wirkte Zubeil unverdrossen, überall aus- mnnternd und anfeuernd. Dabei vergaß er aber auck nicht, die politische Bewegung nach Kräften zu fördern. Mit seiner ganzen Person stellte er sich ihr zur Verftigung. auch vor dem exponiertesten Posten nicht zurückschreckend, keine Gefahr scheuend. Eine gewaltige AgitatiouSlätigkeit erwuchs Zubeil durch seine Kandidatur zum Reichstage für den Rieienkreis Teltow-BeeSkow, Wäre er nicht eine so robuste Nawr, wer weiß, ob wir heule in die Lage kämen, ihm unsere Glückwünsche darzubringen. Aber Zubeil bewältigte die ihm übertragene Riesenarbeit und unter tatkräftiger Mitwirkung der Genossen seines KreiseS gelang es im Jahre 1893 zum ersten Male, den Kreis den Gegnern abzqnehmen und für uns zu erobern. Seit dieler Zeit ist dieser Kreis im Besitz unserer Partei, I» seiner Eigenschaft als Reichstagsabgeordneter hat sich Zubeil redlich bemüht, nach besten Kräften die Interessen der Arbeiterllaffe ivahrzunehmen. Wie er daS getan hat. erhellt aus einer Zuschrift, die wir erhallen haben und in der uns Postillione bitten, ihm zu seinem heutigen Geburlstage für die wackeren Dienste, die er den Postillionen im Reichstage geleistet hat, die besten Wünsche dieser Beamten kategorie auszusprechen. Daß Genosse Zubetl auch als Stadtverordneter für die arbeitende Klasse wirlte, toll nicht unerwähnt bleiben. Wir wissen, daß Genosse Zubeil eS weit von sich weisen wird, wenn wir ihm für seine Tätig- keit einen besonderen Dank abstatten wollte»; wir wissen, daß gerade er der Meinung ist. nur nach besten Kräften seine Pflicht und Schuldigkeit geian zu haben. Aber immerhin drängt cS uns heute, mit den Genossen Berlins, nicht zuletzt mit denen seines Kreises, dem Sechzigjährigen unsere aufrichtig gemeinten Wünsche dar- zubringen. Wir hoffen, daß Genosse Zubeil noch recht lange die Kraft m sich fühlen wird, mit uns den Kampf für die Arbeiterklaffe zu führen._ An die organisierte Arbeiterschaft. Durch den Parteitag in Essen sind den Arbeiterorganisationen Aufgaben mannigfacher Art gestellt worden zur Abwendung der Alkoholgcfahr: Beseitigung des Tri» kzwangL und Aufklärung durch Wort und Schrift über die Alkoholgefahr und die zum Alkoholgenuß füh- rendcn Trinksitten. Jede Organisation wird gewiß bestrebt sein, jetzt diesen letzteren, neuen Aufgaben gerecht zu werden. Mit Rat und Tat zu helfen wird eine Hauptaufgabe unseres Bundes bleiben. Wir bieten den Organisationen eine reichhaltige Literatur über die Alkohol frage zum Vertrieb an die Mitglieder Ivie zur Einfügung in die Bibliotheken. Für letzteren Zweck haben wir Kollektloncn zusammengestellt, die den verschiedenen Bedürfnissen entsprechen. Prospekte und Auskunft hierüber gibt unsere Buch- Handlung, I. Michaelis, Berlin 0. 17, Langcstraße 11. Zum Massenvertrieb empfehlen wir unsere Flugschriften. Um die Aufklärung und Belehrung über die Alkoholsckädcn durch das Wort zu ermöglichen, erbieten wir uns zur Ver- mittlung von Referenten; wir ersuchen, hievon be- sonders bei gelegentlich von uns veranstalteten VortragStourcn Gebrauch zu machen. Auskunft hierüber gibt der Unterzeichnete. Ferner bitten wir die Organisationen, darauf hinzuwirken, daß organisierte Arbeiter, welche abstinent leben, sich nicht sog. neutralen oder anderen bürgerlichen Abstinenz-Organisationc» anschließen, Vereinen, welche in vielen Fällen von Leuten geleitet werden, die in den politischen und wirtschaftlichen Kämpfen unsere schärfsten Gegner sind. Die politische Farbkvsigkeit dieser Vereine ist von der gleichen Art wie die der sogenannten parteilosen Zeitungen: sie wirkt verflachend auf das Klassenbewußtsein der Arbeiterschaft. Der„Arbeiter-Abstinentcn-Bund" dagegen steht auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung; sein Zweck ist, durch Bekämpfung des Alkoholgenusses und der Trinksitten inner- halb der Arbeiterschaft den Befreiungskampf der Arbeiterklasse zu fördern. Diesen Kampf in unseren Reihen mitzuführen, fordern wir alle abstinenten Parteigenossen und Gewerkschaftler auf. Deutscher Arbeiter-Abstinenten-Bund. Aug. Neumann, Hamburg 26, Döhnerstratze 7, Otto Berg, Berlin dl. 4, Pflugstraße 15. Ein krasser Schwindel über ein sozialistisches Mord- a t t e n t a t aus einen christlichen Arbeiteriekrelär geht ivieder einmal durch die gesamte cknstliche Presse. Es wird da eine aus Schweinfurt datierte Notiz verbreitet, daß ein S-izlaldemokrat und Vorstand der BauhülfSarbeitcr- Zahlstelle in daS Guslhaus„Drei Lilien" dortielbst gekommen sei und den Wirt gebeten habe, den im oberen Lokal bei einer Veranstallimg des katholiichen GesellcnvereinS weilenden Abgeordneten und Arbeiiersekrelär SÄwarz herunter- znbolcn, da er ihm wichligeS mitzuteilen habe. Kälte hätten ihn ledoch dabei beobachtet, wie er unter dem Tische einen Revolver lud, und dies dem Wirt mitgeteilt, der dann den „roten Genossen" durch die Polizei habe abführen lasicn. Das sei erst nach schwerem Kampfe gelungen, wobei die Rcvolvervatronen nur so hernmgerollt seien. Arn nächsten Tage fei der Attentäter wieder in die Wirtschaft gekommen und habe mit dem Revolver gedroht, aber wiederum verhaftet worden. An der Räubergeich'chte ist nur das eine wahr, daß der stark dem Suff ergebene BaubüifS' «Bettet Trutschel in der Wirtschaft mit der Kellnenn einen Streit hatte, weil er behauptete, sie habe ihm zu wenig Geld heraus- gegeben, und daß er dabei äußerst ungeberdig war und mit einem Revolver manipulierte. Der Exzedent war weder Vorstand der Bauarbeiter noch nahm er sonst einen Vertrauensposten ein. er war lediglich einmal Mitglied der Zahlstelle, ist aber längst aus- geschlossen. Die christliche Wahrheitsliebe benützt nun den Exzeß dieses an Säuferwahn leidenden Menschen, um durch Aus- malung eines sozialistischen Mordplanes für die christliche Sache Rellame zu machen. Echt christlich I Personalien. Als Parteisekretär für den Wahlkreis Fried- berg-Büdingen wurde Genosse B u s o l d- Friedberg gewählt. Wie die Mannheimer ,V o l k s st i m m e" mitteilt, hat sich der Gesundheitszustand des Genossen Emil H a u t h soweit gebessert, daß er'eine Arbeit in der Redaktion wieder aufnehmen kann. Ein finnisches Parteiblatt in Amerika. In Astoria. im Staate Oregon, erscheint seit kurzem unter dem Namen„Toveri"(Genosse) eine sozialdemokratische Zeitung in finnischer Sprache, und zwar zweimal in der Woche. polizeiliches, Gerichtliches ufw. Strafkonto der Presse. Genosse ZielowSki von der »Volk« stimme" zu Frankfurt a. M. wurde wegen Beleidigung eines OrtSpoliziften zu 300 Mark Geldstrafe ver- urteilt Der Staatsanwalt hatte die Kleinigkeit von vier Monaten Gefängnis beantragt. Dte Strafkammer zu Offenburg(Baden) bestätigte das Schöffengerichtsurteil auf 100 Mark Geldstrafe gegen den verantwortlichen Redakteur des„Offen burger Volksblattes" wegen Beleidigung des Verlegers der„Offenburger Zeitung". Unser Parteiblatt Hatle von Weiberfleischhandel gesprowen, der durch Heiratsannoncen im Inseratenteile des Zentrumsblattes betrieben werde. Für diese Kennzeichnung soll er, so entschieden die Richter, die Strafe zahlen._ Huö Induftrie und FtandeL Eine agrarische Handelskammer. � Der Jahresbericht der Essener Handelskammer bemerkt, es müsse nachdrücklich betont werden, daß es völlig verkehrt sein würde, wegen gewisser vorübergehender Erscheinungen, wie der— für weitere BevölkerungSlreise ja ohne Zweifel recht empfindlichen— Steigerung gewisser Lebensmittelpreise, in das System der grundsätzlichen Maßnahmen Bresche zu legen,„die zum Schutze unserer Landwirtschaft getroffen sind, und die einen utlegricrenden Teil unserer Wirtschaftspolitik überhaupt bilden". Die Handelskammer der Syndikatsherren behandelt also die Teuerung wie eine zwar unangenehme, aber schließlich doch nicht allzu tragische Angelegenheit und spricht, nachdem wir schon Jahre hindurch eine Steigerung in den Preisen der notwendigsten Be- darfsartikel miterlebt haben, kaltblütig von einer vorübergehenden Erscheinung, mit der man sich eben nun einmal abfinden müsse. Wenn der Arbeitsmarkt sich in den letzten Jahren für die Ar- beilcr verhältnismäßig günstig gestaltete, wenn ihre Lohnverhält- nisse sich verbesserten, so lag das in allererster Linie an den guten Absatzbedingungen, die unsere Industrie im Auslände fand. Und wenn ihr �etzt dieser Matkt versperrt wird, so wird es weder ihr noch den Arbeitern von großem Nutzen sein, daß die auf Kosten der Allgemeinheit gestärkte Landwirtschaft konsum- und kauf- kräftiger geworden tst. Gewiß, einzelne Branck)eii haben ihren Vorteil davon, daß die Landwirtschaft höhere Preise erzielt. Die Fabrikation landwirtschaftlicher Maschinen usw. zieht zweifellos ihren Nutzen aus der gesteigerten Kaufkraft der Grundbesitzer. Ader es darf nicht außer acht gelassen werden, daß auch die Steige- rung des landwirtschaftlichen Konsums in den nächsten Jahren kaum weitere Fortschritte machen wird, schon aus dem Grunde, weil die Gelder, die der Zoll erübrigt, zum großen Teil durch die Erhöhung der Güterpreise aufgezehrt werde. Wenn agrarische Orgaue die in ihrem Auslandsabsatz eingeengte Industrie mit dem Hinweis auf den inneren Markt zu trösten versuchen, so läßt sich das zur Not verstehen. Eine Handelskammer aber sollte sich auch von Rücksichten auf ihre Bundesgenossen nicht dazu bestimmen lassen, ähnliche Behauptungen aufzustellen. Die„Kreuz-Zeitung". die schmunzelnd die Darlegungen der Essener Handelkammer wiedergibt, erklärt gerade heraus, bei uns gelte eben die Sicherung und Stärkung des eigenen Marktes als erste Pflicht,„und da in Deutschland die landwirtschaftliche Pro- duktion nach ihrem materiellen, sozialen und politischen Werte weitaus an erster Stelle steht, so gilt ihr auch der stärkste Schutz". Hier wird also mit knappen Worten die Quintessenz der gegen- wältigen Zollpolitik zusammengefaßt: mag die Industrie in allen ihren Teilen geschädigt werden,— cs handelt sich eben darum, die Großgrundbesitzer aus Staatsmitteln zu subventionieren.— Bodenwucher. Die Gesamtabrechnimg über den Teltow-Konal ergab Betrog von 30 200 000 M. Der Landrat v. Stiibenrauch 56.3 Proz.. die Ausfuhr um 70 Proz. gestiegen. An dieser ge waltigen Entwickelung des Kapitalismus sind die wirtschaftlichen Großmächte wie folgt beteiligt(in Millionen, Dollar): Einfuhr Ausfuhr Daraus ergibt sich, daß Deutschlands Welthandel absolut ht trachtet zwar hinter England zurückbleibt, relativ aber eS in der Entwickelung überflügelt. Dabei hält seine Einfuhr mit der Ausfuhr gleichen Schritt, Dieser Aufschwung Deutschlands umspannt die Zeit der so viel geschmähten Handelsverträge, die unter Caprivis Kanzler- schaft zum Aerger der Junkerelique abgeschlossen wurden. etnen wies daraus hin. daß der Kanalbau 7�/, Millionen Morl mehr gekostet. als vorgesehen war. wovon über? Millionen auf die Kosten des Grmideiwerbs enisallcn. waö dmch das schnelle Anwachsen der Bodenwerte veranlaßt sei. Dazu bemerkt die„Bodenreform": Ob dieses schnelle Steigen der Bodenwerte nicht vorgesehen und durch geeignete Maßnahmen für den Kanalbau selbst hätte nutzbar ge- macht werden müssen?— Und weiter kann man fragen: Was haben die Empfänger der 7 Millionen Mark der Gesellschaft für die schöne Gabe geleistet?— Nach ihrem neuesten JahreSbericbte hat die Sckultheißbraueret einen Baugrund an der Sickiiigenstraße in Charlotleiibnrg, den sie 1003 mit 970 000 M. bezahlt hatte, für 1 258 000 M. an die Stadt Charlotienburg verlaust. In vier Jahren hat der Wert dieses Grundstücks also um 288000 M. zu- genommen 1_ AuS der Maschinenindustrie. Für die Maschinenindustrie bedeutete die erste Hälfte 1607 noch eine Periode weiteren AusstieaS, während im ziveiten Halbjahr die allgemeine Abichwächung der Konjunktur auch die Lage der Maschinen- industrie ungünstig beeinflußte. Biö zur Erneuerung des StahlwerkSverbandeS gab der Ausbau des Prodnkiions- apparale« namentlich i» Rheinland-Westfalen reichlich zu tun; eine Zeitlang gab dann»och die starke Abnutzung der Anlagen im Jahre 1006. die viel Aitsbesierungen und Ergänznngen nötig machte, der Maschinenindustrie vollste BeschäfligtnigSgelegenheit. Allmählich aber nahm die Rachfrage ab. die Aufträge gingen langsam ein, die BeschästigungSgelegeiiheit wurde geringer. Die Folge war. daß die Nach- frage nach Arbeitskräften, die im Jahre 1006 kaum gedeckt werde» konnte, obnabm, und sich ein beträchtliches Ueberangebol von Arbeitskrästen einstellte. Der Andrang am Arbeits markt nahm in wenigen Monaten so zu. daß auf 100 offene Stellen im November bereits 222,22 Arbeitsuchende kamen, während eS im Juli erst 126,22 gewesen waren. Obwohl das Arbeiis»,igcbot in dieser Zeit zurückgegangen war, stieg der Andrang doch so bedeutend, weil die Nachfrage nach Arbeiiskraflen noch stärker abnahm, ES war sehr schwer für die Maichiiienindnstrie, den Beichästiguiigsgrad trotz der ungünstigen Entwickelung der inländischen Äbsatzveihälinisse noch auf befriedigender Höhe zu ballen: denn sehr bald»ach der Abschwächung am Inlands« markt stellte sich auch am Weltmarkt eine Abnahme der Nachfrage nach Maschinen ein. Nur durch Pretszugeständuiffe gelang eS viel- fach, der anölSndischen Konkurrenz Aufträge abzugewinnen und da- durch neue Arbeit hereinzubekommen. Entwickelung des Welthandels. Einer amerikanischen Zusammenstellung des Im- und Exports von 28 der wichtigsten Staaten entnehmen wir. daß sich der ge- samte Handel derselben in den Jahre» 1395—1905 von 60.06 aus V7PS Millionen Marl vermehrt hat, und zwar ist die Einfuhr um Getverkfckaftiicbeq. Wahrheitsliebe der Arbeitgeber. Unter diesem Titel schreibt die„Holzarbeiter-Zeitting": Der Vorstand des ArbeitgeberschutzverbandeS für das deutsche Holzgewerbe hat in einer offiziellen Bekanntinachnng die von Arbeitgeberfeite vollzogene Kündigung der Arbeits- Verträge in 23 Städten damit begründet, daß bei den im Dezember in Berlin stattgefundenen Verhandlungen die Arbeitgebervcrtreter sich hätten„überzeugen müssen, daß der Holzarbeiterverband nicht gesonnen ist, der niedergehende» Konjunktur ent sprechend seine Ansprüche bei Abschluß neuer Verträge in mäßigen Grenzen zu halten usw." Diese Begründung für daö Vorgehen des Arbeitgeber schntzverbandes ist völlig unwahr. Einmal haben die Ver treter deS Holzarbeiterverbandcs bei den Verhandlungen in Verlin trotz wiederholter dringender Aufforderung der Arbeit- geber es abgelehnt, überhaupt irgend welche posstive Forde rungen zu benennen, so daß die Arbeitgeber über das Maß der Ansprüche der Holzarbeiter gänzlich im unklaren ge- blieben sind. Dem Wunsche des Arbeitgeberschutzverbandes hätte es allerdings entsprochen, wenn die Holzarbeiter auö allen vertretenen Städten mit recht hohen Forderungen ge kommen wären, damit er dieselben als AgitationSniittel gegen den Holzarbeiterverband im ganzen Lande hätte benutzen können. Nur für die Städte Stuttgart, Elberfeld. Osnabrück und Luckenwalde, über welche anderntags im Berliner Ge Werbegericht SpezialVerhandlungen stattfanden, wurden von den Holzarbeitern Forderungen gestellt, die Verhandlungen arübcr sind aber nicht deswegen ergebnislos verlaufen, weil die Forderungen nicht„in mäßigen Grenzen" gehalten waren. sondern weil der Arbcitgebcrschutzvcrband die Arbeitgebcrvertretcr angewiesen hatte, zu erklären, sie könnten sich auf Verhandlungen respektive Zugeständnisse nicht einlassen, weil sie dazu von ihren örtlichen Maitdat gcbern nicht bevollmächtigt seien. Zum weiteren BclvciL dafür, daß die Begründung der Vertragskündigung eine unwahre ist. niöge noch darauf vev wiesen sein, daß der Vorstand des Arbcitgeberschutzverbandes 'eine Absicht, sämtliche Verträge zu tündigen, bereits t m Oktober v. I. auf der Konferenz in Kassel den Vertretern des Holzarbcitcrverbandes ni i t g e t e i l t hat. Das war also schon zwei Monate vor den Berliner Ver- Handlungen. Wie wenig gewissenhaft im übrigen die Bekanntmachung deS ArbeitgeberschutzverbandcL ist. daß die Verhandlungen in Stuttgart gescheitert seien, geht daraus hervor, daß in Wirklichkeit bereits am 7. Januar eine Einigung in Stuttgart zustande gekommen ist, nachdem die Fabrikanten eine Erhöhung des Minimallohnes um 5 Pf., der sonstigen Stundenlöhne um 3 Pf. und der Akkvrdpreise um 5 Proz. be- willigt hatten._ Berlin und Qmgegend« Achtung, Kupferschmiede! Tie Kollegen der Firma Juliuö Thumann. Forst i. N.-Lausitz, befinden sich im Streik. Zuzug ist fernzuhalten und Arbeitsangebote sind zurückzuweisen. Die Bezirksleitung des Verbandes der Kupferschmiede. Oeutfchca Reich. Zum Kampf im Baugewerbe. Die durch die Veröffentlichung des Geheimprotokolls über die Verhandlungen der außerordentlichen Generalversammlung des deutschen Arbcitgederbundcs für das Baugewerbe am 21. Oktober 1907 geschaffene Situation ist diesen Herren außerordentlich un- angenehm. Sie bemühen sich krampfhaft in ihren Fachorganen, diesen Beschlüssen einen möglichst harmlosen Charakter zu geben. Im Organ des Vorsitzenden dieses Verbandes, des Herrn Fclisch, der„Baugewerkszeitung". heißt cs: Der Arbeitgebcrverband habe seinen bekannten Normaltarif nur deshalb aufgestellt,„um der Tarifvertragsidee im Interesse des so- zialen Friedens eine weitere kräftige Stütze zu gebe n." Durch dieses Tarifmuster soll— nach der jetzigen Meinung des Bundes—„lediglich der Zersplitterung in der Formulierung der grundsätzlichen Bestimmungen vorgebeugt werden und zwar im wohlverstandenen Interesse beider Arbeiterparteien." Aber die Herren haben Pech, denn schon am 3. Dezember ver- sandte der rheinisch-westfälische Verband ein vertrauliches Rund- schreiben, in dem folgende schöne Stellen vorkommen: „Mit Rücksicht darauf, daß der neue Vertrag den Arbeit- gcbern außerordentliche Vorteile sichert, muß unsererseits mit allem Nachdruck versucht werden, ihn möglichst unocrändert zur Annahme zu bringen. Es ist nun wohl atizunehmen, daß es ohne Kampf nicht abgehe» wird und unsere Mitglieder müssen immerhin rechtzeitig für alle etwa ausbrechenden Schwierigkeiten gerüstet sein." lind dann weiter: „Nicht nur in ganz Rheinland und Westfalen, sondern in ganz Mitteldeutschtand, das,>oie unseren Mitgliedern bekannt ist, in allen, auch den schärfsten Maßnahmen mit uns völlig übereingeht, wird in gleicher Weise verfahren." Es ist nun außerordentlich belehrend, zu sehen, wie sich die Ar- beitgebervcrbände die Sicherung..des sozialen Friedens im wohl. verstandenen Interesse beider Arbeilsparteien" denken. Will man dieses sehen, so darf man nicht diese NechisertigungSschriften be- rücksichtigen, sondern muß ihre Taten und Handlungen im Ver- kehr mit den Arbeiterorganisationen betrachten. Einer der ersten Orte, wo sie ihre dunklen Pläne in die Praxis umzusetzen gedenken. scheint Guben zu sein. Hier lief der Tarifvertrag mit dem Ende des JähreS 1007 ab. Dieser enthielt in seinem§ 8 folgende Bestimmung: „Wünscht eine der Parteien eine Aendcrung, so hat sie dieses zwei Monate vor Ablauf mitzuteilen." Die Organisationen der Maurer und Zimmerer haben dem Arbeitgeberverbande rechtzeitig mitgeteilt, daß sie eine Erhöhung des Lohnes um 4 Pf. die Stunde wünschen. Der Arbeitgcberverband antwortete hierauf am 29. November 1907,„daß er beschlossen habe, den bisherigen Lohn beizubehalten, dagegen solle der Arbeitsvertrag nach dem Muster des deutschen Arbeitgeberverbandes für das Baugewerbe neu aufgestellt werden. Falls Sie mit vorstehenden Be- dingungen einverstanden sind, erwarten wir bis 10. Dezember d. I. Nachricht, im Nichtfalle soll in sämtlichen Betrieben am 2. Januar 1008 die Arbeit eingestellt werde n." Hierbei ist zu bemerken, daß jenes Muster zu einem Tarif- vertrage den Organisationen der Arbeiter nicht einmal übermittelt wurde, trotzdem verlangte man die Anerkennung desselben. Die Arbeitnehmer antworteten am 9. Dezember, daß sie ihren Mit- gliedern zunächst die Möglichkeit geben müßten, den I n h a l t des Entwurfs kennen zu lernen und zu prüfen, und ersuchten deshalb um Zusendung desselben, wobei sie nochmals wie im ersten Schreiben vom 26. Oktober wiederholten, daß sie jederzeit zu Per- Handlungen bereit seien. Darauf ging folgende Antwort ein: Bezugnehmend auf das Schreiben dam 0. Dezember d. I. erhalten Sie in der Anlage den seitens der Arbeitgeber auf- gestellten und einstimmig angenommenen Lohnvertrag mit dem Bemerken, daß, falls der Vertrag von Ihrer Organisation nicht bis zum 15. Januar 1008 anerkannt und vollzogen an uns zurückgereicht wird, zufolge einstimmig gefaßtem Beschluß von heute die Arbeit in sämtlichen Betrieben am 20. Januar 1908 eingestellt wird und daß jede Verhandlung mit Ihrer Or- ganisation von vornherein ausgeschlossen ist. Guben, den 28. Dezember 1907. Lokal-Arbeitgeberverband für das Baugewerbe zu Guben. Der Vorstand. H. G u t t e. NB. Falls Sie den Vertrag nicht anerkennen, dann bitte ich, denselben zu retournieren. D. O." Der beigefügte Vertragsentwurf enthält gegenüber dem bis- herigen ganz bedeutende Verschlechterungen der Arbeits- bedingungen. Mehr wie dieses aber fällt ins Gewicht, daß an Stelle des bisherigen Verfahrens bei Vertragsabschlüssen über die zu treffenden Vereinbarungen beide Parteien unter voller Gleich- berechiigung in freier Aussprache die Beratung führten. Das soll jetzt anders werden, der Arbeigeberverband diktiert und die Arbeiter sollen sich seinem absoluten Diktum fügen oder— sie werden ausgesperrt. Das sind die Taten, welche die Arbeitgeber- verbände des Baugewerbe» im Schilde führen! Unter dieser Be- leuchtung gewinnen die Sätze in ihrer Fachpresse— wonach sie nur beabsichtigen,„der Tarifvertragsidee im Interesse des sozialen Friedens eine weitere kräftige Stütze zu geben", ganz andere Lc- deutung. Daß � diese Art jedem Gerechtigkeitsgefühl und jedem demo- kratischen Empfinden ins Gesicht schlägt und in den Kreisen der beteiligten Arbeiter die helle Empörung toachrufen muh, wird jedem rechtlich denkenden Menschen, selbst wenn er nicht zur Ar- beiterklasse gehört, erklärlich erscheinen. Die Maurer und Zimmerer haben sich in ihren Ov ganisationsversammlungen eingehend mit der Frage be- schäftigt und erklärlicherweise einmütig beschlossen, sich dem Diktum des ArbeitgeberverbandeS nicht zu fügen. Dagegen wollen sie den Antrag stellen, daß in derselben Weise wie bei der früheren Tarifberlängerung unter völliger Gleichberechtigung der Parteien über die von jeder Seite eingebrachten Wünsche und Anträge ver» handelt wird. Diese Wünsche der Gubener Maurer und Zimmerer sind so be- scheiden wie gerecht und wenn in den Kreisen des Arbeitgeber- Verbandes wirklich der ehrliche Wille vorhanden ist, daß Frieden im Baugewerbe herrschen soll, dann würde auch über die For- derungen der Arbeiter eine Verständigung möglich sein. Lehnt er aber die Wünsche der Arbeiterorganisationen ab und schreitet er zur Aussperrung, so handelt er zwar im Sinne der Beschlüsse seines Vcrbandstages, er inszeniert dann eine Machtprobe, aber er ist dann auch für die durch einen solchen Kampf entstehenden Folgen nach jeder Richtung verantwortlich. Achtung, Metallarbeiter! Bei der Firma Julius T h u m a n n, Metallwarenfabrit und Kupferscinniederet. Forst(Lausitz), sind samt- liche Kollegen. Former und Gießereiarbeiter. Metalldreher. Kupfer- 'chiiiiede usw. in Streik getreten. Die Firma suckn in bürgerlichen Blättern wie auch in der Fachpresse(„Anzeiger für das Berg- und Hüttenwesen usw.") nach Arbeitskräften. Zuzug ist strengenS fern- ziihallen. Die Arbeiterpresse wird um Abdruck gebeten. Deutscher Metallarbeiter-Vcrband. Bezirksleitung des III. Bezirks. I» Markirch i. E. traten am Dienstag die Weber und Seherinnen der Firma König u. Co. in den Ausstand. Anll�z dazu gab die EiiifüHruug von Kontrollmarken für die Arbetterschaft, die deshalb abgelehnt wurde, weil die Unternehmer sich weigern, den Arbeitern die Wartezeit bei Atkordarbeit zu be- zahlen. Tlusland. Ter Autobussireik in London. Die Omnibusgesellschaft ist auf keinerlei Verhandlungen eingegangen, sondern hat ein kllti- inatuin gestellt, welches fordert, daß die Angestellten sofort den Dienst aufnehmen sollen oder ihre Papiere erhalten werden und somit entlassen sind. Die Streikenden erklären, daß sie sich nicht einschüchtern lassen werden, und sammeln Gelder für den Streik- fonds. Die Gesellschaft hat nach Ablauf der ersten Woche 22 Wagen in Betrieb. Die Gesamtzahl der Wagen, die in Betracht kommen, ist etwa 200. Die Zahl der Streikenden beträgt noch rund 1000 Mann. Tie englischen Gewerkschaften im Jahre 1906. Die„Labour Gazette" teilt in ihrem Dezemberheft die dem britischen Arbeitsamt zugegangenen statistischen Mitteilungen über die Entwickelung der englischen Trade Unions im Jahre 1906 mit. Die englische Gewerkschaftsbewegung,' die bis vor kurzem noch den ersten Platz in der ganzen Welt behauptete, hat in dem genannten Jahre diesen Rang wenigstens hinsichtlich der Zahl der an- geschlossenen Mitglieder an die deutsche abtreten müssen. Setzt man freilich die Zahl der organisierten Arbeiter mit der der Bc- völkerung in Beziehung, so steht England immer noch an erster Stelle, da hier im Jahre 1906 ein Gelverischaster bereits auf zirka 21 Einwohner kam, in Deutschland dagegen erst auf 27. Auch in bezug auf die Entwickelung ihrer finanziellen Verhältnisse, ihrer Unterstützungseinrichtungen usw. haben die deutschen GeWerk- schasten die englischen natürlich noch lange nicht erreicht. Dem Bericht des ArbeilSaiitlS zufolge existierten Ende 1903 in England 1161 Gewerkvereine mit einem Gesamt mit» gliederbestand von 2 106 283. TaL bedeutet eine Zunahme gegen das Vorjahr von 10,1 und gegen das Jahr 1897 von 27,7 Proz. Die Mitgliederzahl der deutschen Gewerkschaften(die verschiedenen Richtungen zusammengenommen) delief sich bereits im Durchschnitt des Jahres 1906 auf 2 215 165 und war damit um 21,7 Proz. höher als im Jahre 1205 und ellva viermal so hoch wie im Jahre 1327. Die Enttoickckung der deutschen Gewerlschafts- bewegung ist also im letzten Jahrzehnt eine ungleich beschletznigtere gewesen wie die der englischen. Hinsichtlich der Zahl der Weib- lich en Miigliedcr �aben die deutschen Gewerkschaften die eng- lischen freilich noch nicht erreicht: dieselbe betrug bei letzteren im Jahre 1306 162 4S3 oder 7.7 Proz. sämtlicher Mitglieder, bei crsteren dagegen nur 118 363 oder 5,4 Proz. Die stärlste relative Zunahme unter den englischen Trade Unions hatten im Berichtsjahre der Gewerkverein der Bergarbeiter mit 73 660 Mitgliedern oder 15,3 Proz., der der Textilarbeiter mit 36 666 oder 13,8 Proz. und der Eisen- bahnbeamtcn mit 13666 oder 23.7 Proz. Auch in der Me° tall- und Maschinenindustrie war ein Zuwachs von 22666 Mitgliedern zu verzeichnen, der aber hier nur 6,4 Proz. des seitherigen Mitgliederbestandes dieser Gruppe repräsentierte. Außer diesem allgemeinen gibt die„Labour Gazette" noch einen spezialisierten Ueberblick über die Mitgliederbewegung und die finanziellen Verhältnisse der 166 wichtigsten Gewcrk- s ch a f t e n. die 66 Proz. aller Gewerkschaftsmitglieder des Landes umfassen. Diese Trade Unions hatten Mitglieder Einnahmen Ausgaben Vermögen M. M. M. 1837... 1688 393 39 419 246 37 826 540 44 626140 1905... 1 189 707 44 234 660 41290700 96 261 100 1906... 1273 995 46 883140 39173 520 163 970 720 Der kleine Rückgang in den Ausgaben von 1965 aus 1366 ist durck die Einschränkung von Arbeitslosenunterstützungen infolge deS{.uten Geschäftsganges bedingt. Auf den 5kopf des Mitgliedes berechnet, beliefen sich im letzten Jahre die Einnahmen auf 36,86, die Ausgaben auf 36,75 und der Vermögensbestand auf 81,60 M. Ziehen wir zum Vergleich die Finanzstatistik der deutschen freien Gewerkschaften heran, so finden wir bei diesen eine Einnahme pro Kopf in Höhe von 24,62, eine Ausgabe von 21,83 und einen Ver- mögensbestand von 14,93 M. Besonders in der letzten Zahl drückt sich das geringere Entwickelungsalter der deutschen Bewegung aus. Von den rund 350246 666 M., die diese 100 bedeutendsten Gewerkschaften in den letzten 16 Jahren verausgabten, entfielen 77 486 666 M. oder 22,1 Proz. auf Arbeitslosenunterst ü tz u n g e n, 46 966 666 M. oder 13,4 Proz. auf Kampfzwecke und 143 766666 M. oder 42,6 Proz. auf andere(Krankheits-, Un- fall-, Jnbaliden-, Sterbe-) Unterstützungen, während der Rest von 77 166 666 M. oder 22 Proz. für Verwaltungs- und gemischte Ausgaben verbraucht wurden. Die außerordentliche Höhe der von den englischen Gewerkschaften an kranke, verletzte und in- valide Arbeiter gezahlten Unterstützungen hat ihre Ursache in dem Fehlen einer staatlichen Arbciterversicherung in England, an deren Stelle bekanntlich nur ein ziemlich mangelhaftes Haftpflichtgesetz besteht. Dieses Manko ist andererseits, indem es die Arbeiter auf den Weg der Selbsthülfe verwies, mit zum stärksten Anspoxn der Ausbreitung. EntWickelung und Ausbildung der englischen Gewerk- schaften geworden. Die Arbeitslosigkeit in Petersburg und die Gewerkschaften. Die Arbeitslofigkeit in Petersburg schwillt zu großen Dimensionen an. Täglich werden Arbeiter entlasten. Auf der letzten Sitzung der Leitung der Holzarbeitergewerkschaft wurde ein Bericht verlesen, aus dem ersichtlich ist. daß in den letzten zwei Wochen allein zirka 2666 Holzarbeiter entlassen wurden. Die Petersburger Gewerkschaften nahmen energisch den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit auf. Die Metallarbeiter, die Schmiede, die Handlungsaehülfen, die Techniker errichteten Arbeitsnachweise. Viele Gewerkschaften begannen, ihren arbeitslosen Mitgliedern regelmäßige Unterstützung zu gewähren. Auch die Metallarbeiter, dw davon bisher Abstand nahmen, beschlosten jetzt Arbeitslosenunterstützung einzuführen und gedenken zu diesem Zwecke die Beiträge zu erhöhen. Die Gewerkschaft der Arbeiter, welche mit der Bearbeitung der faserigen Stoffe beschäftigt sind, beschloß 20 Prozent der Gelder, ivelche nach Abzug des Teiles, der in die Zentrallaste geht, übrig bleiben, zur Unterstützung der Arbeitslosen zu verwenden. Der Ber- band der Bäcker und Konditoren erließ einen Aufruf an die Mit- glieder, Gelder für die Arbeitslosen zu sammelt,. Einen besonders heftigen Kampf führen jetzt alle Petersburger Gewerkschaften gegen die Ueberstunden._ Soziales* Arbeiterturnvereine und BereinSgesetz. Die Versuche, aus dem Geräteturnen und aus Freiübungen Son Arbeitern eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten hcrauszudestillieren und so Arbeiterturner der vereinsrechtlichen Plackerei zu unteriverfen, werden immer wieder unternommen. Mit der Freisprechung des Angeklagten endete jetzt vor dem Kammer- gcricht ein Strafverfahren gegen Stocker als den Vorsitzenden des Arbeiterturnvereins in Essen, der den§ 92 des Vereinsgesetzes übertreten haben sollte, worin bestimmt ist:„Die Vorsteher von Vereinen, welche eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten bezwecken, süid verpflichtet, Statuten des Vereins und das Ver- zeichnis der Mitglieder binnen drei Tagen nach Stiftung des Ver- eins und jede Aenderung der Statuten oder der Vereinsmitglieder binnen drei Tagen, nachdem sie eingetreten, der Ortspolizeibehörde zur Kenntnis einzureichen, derselben auch auf Ersuchen jede dar- auf bezügliche Auskunft zu erteilen."— Nach der Stiftung des Essener Arbeitcrturnvereins im Jahre 1362 war der Polizeiver- waltung ein Mitgliederverzeichnis eingereicht worden. Ueber die seitdem eingetretenen Veränderungen im Mitgliederbestände wurden aber der Polizei keinerlei Anzeigen gemacht. Im vorigen Jahre verlangte nun die Polizei die Einmchung eines neue» Mit- «liederoerzeichnisses. Weil dies nicht beachtet wurde, erfolgte gegen Stockcr die Anklage auf Grund der tzij 2 und 13 des preußischen Vcrcinsgesctzes. Er bestritt, daß der Verein überhaupt unter den s 2 des Vereinsgcsetzes falle. Er verfolge rein sportliche Zwecke. Das Landgericht Esten verurteilte jedoch den Angeklagten zu einer Geldstrafe und führte unter anderem aus: Der Arbeiterturn- verein falle unter den sj 2 des Beremsgesetzes. Er wirke bei März- und Maifeiern mit, die von der sozialdemokratischen Orga- nisation veranstaltet würden und den Zweck verfolgten, für die Ziele der Sozialdemokratie zu demonstrieren. Wenn der Ange- klagte meine, der Verein als solcher stehe dem fern, lediglich die einzelnen Mitglieder beteiligten sich, so sei dem folgendes entgegen- zuhalten: Es steht im Statut des Vereins, daß er sich den hiesigen. auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung steheichen Vereinen und Gewerkschaften bei Festlichkeiten zwecks turnerischer Auf- führungcu zur Verfügung stelle. Als Publikationsorgane habe er vor allem die„Arbeiterzeitung" und den„Allgemeinen Beobachter". die im Bezirk den sozialdemokratischen Interesse» dienten. Bei den Aufführungen würden die Apparate und Geräte des Verein» benutzt. Es sei als festgestellt anzusehen, daß der Verein dahin wirke, daß ein Teil seiner Mitglieder regelmäßig zur Verschöne- rung jener Feste beitrage, die sozialdemokratischen Zwecken dienten. Damit verfolge er eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten. Auf die Aufforderung der Polizei nach einem neuen Mitglieder- Verzeichnis hätte Swckcr mindestens als Auskunft die feit 1362 er- folgten Mitglicdcrvcrändcrungen mitteilen müssen. Auf die Revision des Angeklagten hob der 2. Strafsenat des Kammergerichts das Urteil auf und sprach Ttocker mit folgender Begründung frei: Gleich nach der Gründung sei ein Pezeichnis ein- gereicht worden. Deshalb hätte, wenn der Verein ein solcher gemäß § 2 wäre, eine Verpflichtung zur Einrcichung eines neuen Mit- glicdcrvcrzeichniffes nur dam, bestanden, wenn das alte unüber- sichtlich gcworoci, oder verloren gegangen wäre, so daß es die Polizei nicht ergänzen konnte. Davon sei hier keine Rede. Bloß weil die Veränderungen nicht angezeigt waren, sei ein neues Ver- zeichnis verlangt worden. Unter diesen Umständen hätte aber höchstens eine Auskunft über die inzwischen eingetretenen Aende- rungen verlangt werden können. Das Verlangen nach einem neuen Verzeichnis, womit St. nur zu rechnen brauchte, habe er mit Recht nicht beachtet. Schon daraus ergebe sich die Frei- sprechung. Zu bemerken wäre noch, daß im übrigen die Fest- stellungen des Landgerichts auch nicht ausreichen würden zu der Annahme eines Vereins gemäß§ 2. Bon einer Pensionskaste. Zwei Ansprüche gegen die Allgemeine Omnibusgesellschaft ver- trat der Eisendveher 51. au, Freitag vor der Kammer 7 des Ber- ltner Gewerbcgerichts. Der eine betraf die Rückzahlung von Bei- trägen zur Pensions-, Witwen- und Waifenkasse der Beklagten. Nach Lösung des Arbeitsverhältnisses, für das die Kündigung aus- geschlossen war, verlangte K. die Beiträge zur Pensionskasse in Höhe von 25 M. zurückerstattet. Die Gesellschaft verweigerte das mit Rücksicht auf die Arbeitsbedingungen und die statutarischen Vor- schriften der Kaste. Danach sind zum Eintritt in die Kaste ver- pflichtet, alle Personen, welche im Dienste der Gesellschaft ange- stellt sind. Ohne die Verpflichtung zum Beitritt wird auch nie- mand eingestellt. Z 3 des Pensionskastenstatuts bestimmt unter anderem:„Mitglieder, welche freiwillig oder unfreiwillig aus dem Dienste der Gesellschaft und damit aus der ölasse ausscheiden, respektive, welche ausgeschlossen ioerden, erhalten, falls sie in der Zeit bis zum Ablauf des ersten Mitgliedsjahres ausscheiden, von ihren Beiträgen nichts zurückerstattet: 2. falls sie später ausscheiden a) dreiviertel aller von ihnen bezahlten Beiträge, wenn der Aus- tritt bis zum Ablauf des dritten Jahres erfolgt, d) die vollen Bei- träge beim Austritt nach Ablauf des dritten Jahres". Der Kläger meinte nun aber, gerade weil, wer angestellt werden wolle, zum Beitritt zur Kasse gezwungen sei, könnten jene Vorschriften keine rechtliche Wirkung haben. Der Gerichtshof stellte sich aber auf einen anderen Standpunkt und wies de» Anspruch aus Rück- erstattung der Beiträge ab, ohne dies zu begründen. Der Vor- sitzende, Magistratsassestor Schultz, erklärte nur dazu: Das Gericht sei allerdings der Ansicht, daß das Pensionskastenstatut in einer Beziehung als zuweit gehend und gegen die guten Sitten ver- stoßend angesehen werden könne. Insofern nämlich, als nach dem Wortlaut die Arbeiter auch dann nichts von den Beiträgen im ersten Jahr zurückbekämen, wenn ihnen eine Kündigungsfrist zu- stände, sie aber zu Unrecht ohne Jnnehaltung derselben entlassen würden. Es wäre der Gesellschaft der dringende Rat zu geben, eine entsprechende Aenderung des Statuts vorzunehmen.(Vor- liegend hat Kündigungsansschluß bestanden.) Auf Zahlung von 11,59 M. für eigenes Werkzeug des Klägers, das aus einem verschließbaren Spi-ndchen verloren gegangen ist, ging der zweite Anspruch des Klägers. Während K. nicht im Be- triebe war— er batte sich mit Krankheit entschuldigt— war der Schlüssel zu dem Werkzeugspindchen einem anderen Arbeiter über- geben worden. Der ließ ihn stecken. Am anderen Tage waren Schloß und Schlüssel weg. Der Vertreter der beklagten Gesellschaft erklärte, der Kläger hätte ja die beiden kleinen Werkzeugstücke (Schubleere und Patenttaster) jeden Abend mit nach Hause nehmen können. Die Spindchcn bei den Bänken wären eigentlich für das vom Betriebe gelieferte Werkzeug. Auf Befragen eines Beisitzers wurde festgestellt, daß andere vrschlietzbare Räume für die Werk- zeugstücke, die sich die Arbeiter mitbringen müßten, nicht da seien. Zu diesen Stücken gehören Schubleere und Taster.— Die Kammer verurteilte die Gesellschaft zur Zahlung der 11,59 M. Auch in diesem Falle wurden Gründe nicht verkündet, sondern die Parteien auf das schriftliche Urteil verwiesen. Von de» Rückwandereni. Von einem Augenzeugeu wird uns geschrieben: Wie eine Flutwelle schwemmt jetzt über Europa der Strom der Rückwanderer aus Amerika. Dieser Tage hatte ich Gelegenheit, eine Welle des rückfließenden Stromes der überschüssigen Bevölkerung zu beobachten. Am Montag früh betrat ich in' Gesellschaft eines Freundes den großen Wartesaal dritter und vierter Klasse des Haupt- vahnhofes zn Magdeburg. Eine dichte fast Kopf an Kopf ufammen gedrängte Menge füllte den riesigen iaum bis auf das letzte Plätzchen. Man glaubte sich auf dem Perron eines großen Vorortbahnhofes zu befinden, auf dem ein in der Großstadt beschäftigtes Arbeiterbataillon aufmarschiert ist und den Eisenbahnzug erwartet, der es an Ort und Stelle bringt. Erst als wir die Frauen und Kinder dazwischen wahrnahmen, als uns die Bündel, Säcke und Kisten mit den Habseligkeiten der Leute zu Gesicht kainen, als fremdsprachliche Laute an unser Ohr drangen, ahnten wir den Sachverhalt. Die übergroße Mehrheit des Trupps besiaud aus Männern und Jung- lingen, die von der mit der Krise verbundenen Arbeitslosigkeil aus dem Lande des Dollar vertrieben worden sind. Viele von ihnen werden erst in der alten Heimat eine Existenz suchen wollen, bevor sie ihre Familien nachkommen lassen. Nur ein kleiner Prozentsatz war in der Lage gewesen, gleich mit Sack und Pack zurückzukehren. Die armen Leute hatten die Nacht meist stehend oder hockend zubringen müssen, denn es gab keinen Platz zum Hinlegen und nicht so viele Stühle, daß alle sitzen konnten. Auf den meisten Ge- sichtern der Armen lag eine stille Resignation. Man hörte kein Lachen und sah keine fröhliche Miene. Die Menschen sahen schon im Geiste das Elend, das sie in der alten Heimat erwartete. Der Trupp be- stand nur aus Ungarn, von denen wohl früher eine ganze An- zahl selbständig waren, die von den rosigen Schilderungen der AuS- Wandereragenten geblendet, ihre Scholle für einen Spottpreis an die magyarischen Magnaten verkauften und über den Ozean gingen, um ein besseres Leben zu führen. Sogar ein ungarischer Minister hatte diese Abwanderung gefördert. Während der Zeit der regel- mäßigen Beschäftigung werden die Leute auch einen höheren Ber- dienst als in Europa gehabt haben. Jetzt aber werden sie in eine viel schlimmere Lage konunen als vorher. DaS ahnten sicher die meisten der Unglücklichen. Die ungarischen Magnaten und Käpi- talisten werden sie von Ort zu Ort hetzen. bis vielleicht die Regierung Notstandsarbeiten in Angriff nimmt oder in anderer Art und Weise eingreift. Genau wie den ungarischen Rückwanderern wird eS aber auch den über Berlin heimkehrenden Russen, Polen und Rumänen gehen, genau so werden die Deutschland nicht berührenden Italiener behandelt werden. Sie alle kommen ja mittellos zurück, das letzte Geld haben Schiffahrts- gesellschasten und Eisenbahnen verschlungen, die ein gutes Geschäft oabei machen und so gemünztes Geld aus dem Elend schlagen. Keinen Kaffee, keine warme Milch oder Suppe können die armen Menschen zu sich nehmen, trockenes Brot und Wasser bilden ihre einzige Nahrung. Schon im Zwischendeck der Schiffe ist Aufenthalt und Ernährung alles weniger als angenehm. Berücksichtigt man dann noch die lange Bahnfahrt, so kann man ermessen, daß die Leute körperlich herunterkommen und sich elend und kraftlos fühlen. Wochenlang müssen sie die übeldunstende Kleidung auf dem Leibe tragen. Auf der Eisenbahn gibt es keine Gelegenheit, wo sich solche Massen waschen können. An 5iörperreinigung und Wechsel der Leibwäsche ist nach Verlassen des Schiffes kaum noch zu denken. Wir mußten lange fragen, ehe wir unter der Masse einen Mann herausfanden, der etwas deutsch radebrechen konnte. Von ihm er- fuhren wir. daß diese Rückwanderer von den UankccS geradezu zum Lande hinausgejagt wurden. So wie den japanischen Ein- Wanderern im Westen gehe es Russen, Polen, Ungarn, Rumänen und Italienern im Osten. Nur sei es den Europäern unmöglich, sich in der Weise zu ivehren wie die Japaner. Man dürfe keine Waffen tragen. Wenn die Arbeits- losigkeit da ist, sei das Schicksal besiegelt. Wer sich noch keine fünf Jahre im Lande befindet, müsse wandern. Almosen und Armenpflege gibt es für sie nicht, sonderu nur Hunger und Not. Wer nichts habe, müsse verhungern. Eine halbe Million Menschen sei schon zurückgekehrt und die Flut würde in den nächsten Tagen und Wochen noch weitere f ü n f h u n d e r t t a u s e n d Rückwanderer auf das europäische F e st l a u d werfen. Es stehe schlimm, setzr schlimm für die Arbeitslosen im Lande der unbegrenzten Mög- lichkcitcn.... Hier wurde unsere Unterhaltimg abgebrochen, denn der Bahn» Hofsportier meldete die Abfahrt des Zuges nach Halle, Leipzig. Dresden, Wien und Budapest. Ein dumpfes„Hollah" folgte der Ankündigung. Alles griff zu dem Gepäck. Kaum hatten wir noch Zeit, unserem Auskunftgeber eine Zigarre und seiner Frau und Kindern etwas Eßbares zuzustecken, das mit übertriebenen Dankes- bezeugungen angenommen wurde. In zehn Minuten war die weite Halle' geleert. Aber die Einioaggoniernng der Rückwanderer nahm lange Zeit in Anspruch und fübrte 26 Minuten Verspätung für den Zug herbei. ES wurden eine Anzahl alter Wagen„vierler Güte" für die Leute angekuppelt, in denen diese wie Heringe zusammen- gepfercht wurden. Von einigen bester siwierten Eowmis voyageurs, die anscheinend dem D eu ts ch n a ti o n a l e n HandlungSgehülfenverbande angehörten und die„Leipziger Neuesten", das Limanorgan, in den Seitentaschcn ihrer Ueberzieh'er zur Schau trugen, wurden dabei noch spöttische Bemerkungen gemacht. Sogar zu Siohetten verstiegen sich diese Herren, indem sie bemerkten, daß Viehwagen, auf deren Boden als Schutz gegen die Kälte einige Schütten Stroh gestreut worden, auch für das Pack genüge.(Das aber sonst bei Streiks als Arbeitswillige sehr willkommen ist. PI um. d. B.) Welcher Zynismus liegt nicht in den Aeußerungen dieser«Patrioten". Dabei trugen die Herren noch dicke Plüschdecken über der Schulter, in die sie im Coups ihren Allerwertesten einwickeln. Der Fall beweist wieder einmal das Fehlen jeder ökonomischen Einsicht bei den Herren. Sie können nicht begreisen, daß bei Aus- und Rück- Wanderungen der Einzelwille des Menschen nicht in Betracht kommt, daß lediglich die wirtschaftlichen Verhäliniste die Zu- und Abwanderungen bestimmen, daß der Kapitalismus es ver- steht, bei Bedarf die Arbeitskräfte aus dem entlegensten Winkel der Welt heranzuziehen und während der Krise wieder abzustoßen. Aber wir hätten ivenigstens dem Kapitalismus jenseits„der großen Pfütze" soviel Verstand zugetraut, daß er den Strom der Rück- ivanderer dahin geleitet hätte, wo Arbeitskräfte in großem Maße noch heute fehlen, also nach LIrgentinien und Brasilien. Dort können noch Millionen Beschäftigung finden, kommen doch nur diese beiden Staaten als Kontkammern für Europa noch in Frage. ES würde auch einen Borteil kür die allgemeine Völkereniährung bedeuten, wenn der Getreidebau in diesen zwei Ländern nach Möglichkeit gefördert würde. Nur 2.6 und 1,9 Bewohner kommen dort auf den Quadratkilometer Bodenfläche. Das jungfräuliche Land ist noch in sehr großer Plusdehnung vorhanden, und eS bedarf nur genügender Arbeitskräfte, um un- geheuere Schätze zu heben. Das erkennen auch die intelligenten russisch-jüdischen Proletarier, die in großer Zahl nach Argentinien auswandern. Aber darum kümmert sich freilich der engbegrenzte Verstand der amerikauischen Dollarlönige nicht, die haben wichtigeres zu tun, indem sie über die Verschwendung und Ueberraschungen für Ballfeste nachgrübeln, anstatt sich um da» Schicksal der von ihnen auf die Straße geworfene» Arbeiter zu kümmern. Darum wird durch die Krise das alte Europa wieder mit Plrbeitskräften über- schwemmt und der Rücktvandererstrom wird die Lage der arbeitenden Bevöllerung noch schlechter und mißlicher gestalten, als sie je zuvor gewesen ist.—_ Hus der Frauenbewegung. Bürgerliche Frauenbewegung. Die bürgerliche Frauenbewegung bestätigt sich immer mehr als das was sie ist— und sein kann: ein Gebilde der Klassenherrschaft. Die Führerinnen dieser Bewegung wollen keinen Kampf gegen die Klassenherrschaft. Diese auch zu bekämpfen, fällt ihnen im Traum nicht ein, im Gegenteil: an dem Bestehen dieser Herrschaft, diesem „Recht" einer Minderheit, die große Masse des Volkes in Recht- losigkeit zu erhalten, sie auszubeuten, haben sie ein so großes Eigen- interessc, daß sie den Vollbesitz der 5tlassenrechte erstreben. Damit ist ihr Wollen und Wünschen restlos erfüllt. Kurzum: die bürgcr- lichcn Frauen treten nur in Konkurrenz mit dem bürgerlichen Manne, dessen Privilegien wollen sie auch für sich erobern. Weiler nichts! Deshalb führen sie den Kampf lediglich vom Standpunkte des unterdrückten Geschlechts, nicht von dem der unterdrückten und ausgebeuteten Klasse. Sie spekulieren darauf, daß die Proletarie- rinnen den Wesensunterschicd nicht erkennen und sich ohne Bc- denken von ihnen ins Schlepptau nehmen lassen. Wie Bismarck mit der Sympathie für das Rcichstagswahlrccht reaktionäre Ziele ver- folgte, so auch die bürgerliche Frauenbewegung mit ihrem Appell an das weibliche Geschlecht. Tie Prolctarierinncn, als Geschlechts- genossinnen, sollen den bürgerlichen Damen die Klassenprivilegien der herrschenden Gesellschaft erobern Helsen, also ihre eigene Haut zugunsten der weiblichen Angehörigen der Bourgeoisie zu Markte tragen. Wie fein diese dabei spekulieren, geht aus einem Zirkular her- vor, das der„Bund deutscher Frauenvereine" auch an sozialistische Vertretungen versendet. Es wird darin mitgeteilt, daß der Bund eine Kommission ernannt habe, deren„Hauptaufgabe" es sei, die Besetzung der für das weibliche Geschlecht offen stehenden Ehren- ämtcr in den Kommunen usw. zu fördern. Daß die Sozialdemokratie praktische Plrbcit leistet, beweist sie jeden Tag. und speziell die kommunale Sozialpolitik ist ein Zweig, der erst durch das energische Eingreifen unsererseits und durch liebe- volle Hingabe unserer Genossinnen in der praktischen Arbeit lebendig geworden ist. Bei aller dieser Arbeit verhehlen wir unS aber nicht, daß sie nicht letztes Ziel unseres Strebcns, daß sie nicht der Endzweck der proletarischen Klassenbewegung ist, daß sie an der Klassenherrschaft und an der kapitalistischen Plusbeutung der arbeitenden Klasse nichts ändert, daß sie vielmehr nur für einen Teil des weiblichen Ge- schlcchtL die Eingangspforte zu dem Tempel der Herrschaft ist. Die Proletarierinnen haben gar kein Interesse daran, den bürgerlichen Damen auf diesem Wege besondere Vorspaundicnste zu leisten und sich von der nachdrücklichen Vertretung ihrer Klassen- interessen abhalten zu lassen. Wir können hier nur wiederholen, was Genossin Zetkin auf dem Parteitage in Gotha(1896) in ihrem Referat zur Frage der Frauenagitation ausführte. Sie sagte dort u. a.: «Deshalb kann der Befreiungskampf der proletarischen Frau nicht ein Kampf sein wie der der bürgerlichen Frau gegen den Mann ihrer Klaffe; umgekehrt, es ist der Kamps mit dem Mann ihrer Klasse gegen die Äapitaliftenklasse. Sie braucht nicht darum zu kämpfen, gegen die Männer ihrer Klasse die Schranken nieder- Anreißen, die ihr bezüglich der freien Konkurrenz gezogen sind. Das Plusbeutungsbedürfnis des Kapitals und die EntWickelung der modernen Produktionsweise nahm ihr diesen Kampf vollkoinmen ab. Umgekehrt. cS gilt, neue Schranken zu errichten gegen die PluS- beutung der proletarischen Frau, es gilt, ihr ihre Rechte als Gattin. als Mutter wiederzugeben und zu sichern. Das Endziel ihre» Kampfes ist nicht die freie 5konkurrenz mit dem Manne, sondern die Herbeiführung der politischen Herrschaft des Proletariats. Sand in Hand mit dem Manne ihrer Klaffe kämpft die proletarische Frau gegen die kapitalistische Gesellschaft. Plllcrdings stimmt sie auch den Forderungen der bürgerlichen Frauenbewegung zu. Aber sie bc- trachtet die Erfüllung dieser Forderung nur als Mittel zum Zweck, damit sie gleich ausgestattet an Waffen mit dem Proletarier in den Kamps ziehen kann."_ Bund für Mutterschutz.„Körperkultur— Sittlichkeit i-» Mutterschutz" lautet das Thema, über das Dr. Wagner- Hohen- lobbese-Trcsdcn am Montag, den 13. d. Mts., im Bund für Mutterschutz referieren wird. Der Vortrag findet abends 8 Uhr im Plrchitcktcnhause, Wilhelmstraße 62/33, statt. Verantwortlicher Redaktrur: Hans Weber, Berlin. Für den Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Berlag:Borwärt»Buchdruckerei u. Verlagsanftalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Ür. 9. 25. Jahrgang. 2. Kkilm des„Pontiiiils" Kcrlim folliülilatt. Zonnabelld, 11. Januar 1908. Hböfeordnctenhauö. 8. Sitzung vom Freitag, den 10. Januar. 12 Uhr. Am Ministertische: Fürst v. Bülow, v. Bethmaun- Hollweg, v. Molkte. Einziger Gegenstand der Tagesordnung ist folgender Antrag der freisinnigen Parteien: Die Regierung zu ersuchen, noch in dieser Session einen Gesetz- entwarf vorzulegen, durch welchen 1. unter Abänderung der Artikel 7V, 71, 72 und IIb der preußischen Verfassuiigsnrknnde für die Wahlen zum Abgeordneten- hause das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht mit geheimer Stimmabgabe zur Einführung gelangt; 2. zugleich auf Grund der vorläufigen Ergebnisse der Volks- zählung vom 1. Dezeniber 1305 und entsprechend den Grundsätzen des Gesetzes vom 27. Juni 1800 eine anderweite Fe st- st eilung der Wahlbezirke für die Wahleu zum Abgeordneten Hause herbeigeführt und die Gesamtzahl der Abgeordneten neu bestimmt wird. Abg. Tracgrr: Ich hatte schon früher Gelegenheit, diesen Antrag zu vertreten. Seitdem ist das Legehre» des Volkes nach einer Wahlrechtsreform immer dringender und das Verhallen der Regiernng in dieser Frage immer befremdlicher geworden. Wir hielten die gegenwärtige poli- tische Situation für besonders geeignet, mit diesem Antrag wieder zu kommen. Er sollte so schnell als möglich zur Verhandlung kommen. In der Sitzung vom 5. Dezember gab der Herr Präsident eine Erklärung ab, die darauf schließen lieg, daß die königliche Staarsregierung beabsichtige, sich an der Debatte unseres Antrages zu beteiligen. Das veranlaßte uns, in eine Verschiebung der Debatte bis nach Neujahr zu willigen,-damit dieselbe zu einer politischen Aktion unter Veleitigung der Regierung werde. Da ich zu meiner Besriediguug den Hern« Miuisterpräsideuten auf seinem Platze sehe, ist wohl die Hoffnung gerechtfertigt, daß wir heute über die Pläne und Absichten der Regierung in dieser Frage unterrichtet werden. Was nun das heutige Wahlrecht anbetrifft, so würde ich es für geschmacklos halten, das schon so oft zitierte Urteil des Fürsten Bismarck über das Wahlrecht zu wieder- holen.(Tie Aussuhruuge» des Redners sind aus der Tribüne sehr schwer verständlich und aus den Reihen seiner Freunde erschallt wiederholt der Ruf: Lauterl Geradeaus sprechen! da sich der Redner meist von der Tribüne ab zum Minister- Präsidenten wendet.) Das jetzige Wahlrecht ist bekanntlich ein oktroyiertes Wahlrecht. Die auf Grund dieses Wahlrechts ge- wählte Cammer hat es dann genehn,igt. was nicht Wunder nehmen kann; denn es wird niemand Neigung haben, den Ast abzusägen. auf dem er sitzt. Man sagt, die Intelligenz muß zu ihrem Recht kommen, aber rS unterliegt keinem Zweifel, daß in der dritten Klaffe viel mehr dir Intelligenz steck«, als in der ersten.(Sehr richtig! links.) Bei der Wahlretorm im Jahre 1882/33 hat der Minister Herrfurth erklärt, daß das Dreiklassenwahlsystem eine eklatante Benachteiligung der dritte« Wählerklafse sei, und er hat hinzugefügt, daß dem Deiklasienwahlsystem das Grab gegrabrn ist. Trotzdem sehen wir heute, daß das Dreillaffen- wahlsyitem noch in voller Macht in Blüte steht. Sechs Millionen Wähler der dritte« Abteilung haben nur dasselbe Recht, wie ein paar tausend Wähler der ersten Abteilung. (Hört! hört! links) Namentlich bei den letzten Wahlen hat sich dl« naiize Ungerechtigkeit dieses Systems gezeigt. Zu der Bevorzugung der Neichen kommt die Bevorzugung des platte» Laude» gegenüber den Städten. Dadurch verliert die Wahl vollständig ihre Bedeutung. Die Regierung müßte doch von der Stimmimg im Lande eine genaue KennMis haben, das wäre von hoher Wichtigkeit. Von konservativer Seite ist wiederholt gesagt worden, daß man eher da» Rcichstagswahlrecht als das Dreitlassenwahlrecht beseitigen «üffe! Was wollen wir? Was wir wollen, sagt unser Antrag ganz klar. Wir wollen, daß das preußische Wahlrecht durch das gleiche, allgemeine, direkte und geheime Wahlrecht ersetzt ivird. Die Aor- derung der geheimen Abstimmung must immer wieder erhoben werden, bis sie erfüllt ist.(Sehr richtig! links.) Die geheime Abstimmung ist zur Sicherung de? Wahlgeheimnisses notwendig. Ebenso ist die Gewährung des direkten Wahlrechtes notwendig. Der Rcichstngswähler wählt den Mann, den er für den richtigen hält. Bei den LandtagSwahlen must aber erst eine Suche nach den Wahlmännern stattfinden, die dann in ösfent- licher Wahl den Abgeordneten wählen. Auch das allgemeine und gleiche Wahlrecht ist eine Forderung der Gerechtigkeit. Solange ein Maun mehr Stinunrecht hat als ein anderer, liegt eine Ungerechtigkeit vor. Für nnS ist diese ganze Frage lediglich eine Frage des Rechts nnd der Gerechtigkeit.(Lebhafte Zn- stimimmg links.) Nur ein gleichberechtigtes Volk kann wirklich national sein. Wir hoffen, daß die Regierung endlich die Forderungen der Zeit ersüllen wird.(Lebhafter Beifall links.) Ministerpräsident Fürst Bülow verliest folgende Erklärung: Die königliche Staatsregierung hat sich schon bisher be- müht, Vorschriften des Preußischen Wahlrechts zu verbessern. bei denen ein Bedürfnis hierzu besonders dringend hervor- trat. Die königliche Staalsregierung erkennt an. daß das geltende Wahlsystem auch jetzt noch Mängel aufweist, und hat seit längerer Zeit in eingehenden Arbeiten erwogen, wie diesen Mängeln abgeholfen werden kann. Ob dies im Rahme» des bcstchenden Wahlrechts oder nur clurck feine grundfätzUcbe HencUrung möglich fein wird, läßt sich Noch Nickt übersehen! Wie indes schon jetzt erklärt werden muß, steht eS für die königliche StaatSrcgicrung nach wie vor fest, daß die Ueber- tragnug deSRcichStagöwahlrcchtS anfPreußen dem 8tvir setzen bei der SiaatSregierung den ernsten Willen zur Dnrcysührung der Wahl» resorni voraus. Die Sozialdemokratie geht von ganz anderen GesichiSpimkten aus als wir, bei ihr ist die Agitation Selbstzweck, während wir aus konstitutionellen Gründen für das allgemeine, gleiche. geheime und direkte Wahlrecht eintreten.(Beifall links.) Ministerpräsident Fürst Bülow: Es ist auf die Demonstrationen hingewiesen ivvrdcn die heute vor diesem Hause stattgefunden haben. Ich brauche wohl, kaum zu sagen, daß die Regierung dinch Demonstrationen jedweder Art sich nicht mu Haaresbreite von dem Wege abbringen lassen wird, de» ihr das StaatSlnteresie Vorschreivt. sBeifall.) Und ich 6!n überzeugi, dasselbe gilt für dicS Haus ohne jeden Uutersckied der Parteien. Von den Rednern der Linken ist der Wunsch ausgesprochen, dag die Slegierung bei den Wahlen Licht und Schatten gleichmäßig ver- teilen und eine durchaus objektive Haltung einnehmen möge. Es bedarf ivohl kaum der Versicherung— ich will es aber trotzdem ausdrücklich erklären, daß ich es für die Pflicht der Regierung Halle, bei den Wahlen eine ganz unparteiische Haltung zu beobachten (Beifall.) Ich habe meinerseits in Uebercinstimmung mit allen meinen Kollegen von jeher Sorge gelragen, daß dieser Pflicht auch tatsächlich genügt wird.-- Abg. Frhr.». Zedlitz(fl): Die Erklärung des Abg. Fischbeck ist bei den schweren Angriffen der Tozialdeniokratie auf die Taktik der Freisinnigen um so an- crkeunenswcrter. Meine Freunde sind für eine Lieform aus der Grundlage des geltenden Wahlrechts. Die dazu uötigcu Unterlagen liege» aber nock nickt vor. Die Uebertragung des ReichStagswahlrechtS auf Preußen halten wir für unvereinbar mit den Gniudlaxen des preußischen Staates! Auch die öffenlliche Stimmabgabe wollen wir nicht beseitigen. Wenn die bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokratie zusamnien« gehen, so wird das die beste Waffe gegen den TerroriSmuS dieser Partei werden. Abg. Korfanty(Pole): Wir halten das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahl recht für da« einzig richtige und moralische. Fürst Bülow hat sich hier gegen Wahlbeeinflussungen ausgesprochen, im Reichstag aber hat er erklärt, es sei Pflicht der Regierung, die Wahlen in ihrem Sinne zu beeinflussen! Das schlimmste ist die öffentliche Stimm- abgäbe, die zahllose Maßregelungen zur Folge hat. Aus dem Laude werden die Arbeiter infolge der Ausübung ihres Maklreckts zu Kettlern gemaebt. Ich habe einen Wiann gefragt, wen er gewählt habe, und als er sagte, er habe den Nationalliberalen gewählt, fragte ich ihn: „Wie konnten Sie das mit Ihren, kathollschen Gewiffen vereinbaren?' (Heiterkeit.) Er antivoricie. er habe drei Kinder und wenn er anders wähle, werde er entlassen! Wenn das ganze Volk verlreten wäre, wären auch die Ausnahme« regeln gegen uns nicht möglich.(Bravo Z bei den Polen.) Hierauf wird die Debatte geschlossen. Das Schlußwort erhält Abg. Dr. Pachnicke(frs. Dg.): Große Hoffnungen haben wir an den heutigen Tag nicht ge- knüpft, da wir die Machlverhältnisse hier kennen. Ein gewiffer„Fortschritt" liegt jedenfalls darin, daß der Ministerpräsident zugestehen mußte. das geltende Wahlrecht habe zahlreiche Mängel. Damit ist die Re- gicrimg über die Stellung der Konservativen hiiiauSgegangen, die jedes Bedürfnis zu einer Aenderung des Wahlrechts leugnen. Die letzten Reichstagswahle» sollten die Rechte einigermaßen mit dem ReichslagSwahlrecht ve, söhnt haben. Fürst Bülow hat sich leider auch mit der populärsten Forderung in Widerspruch gesetzt: mit der Forderung auf geheimes Slimn, recht. Die Gewährung der ge- heinien Wahl hatten selbst die Besonnensten unter den Freisinnigen für möglich gehalten. Nun, wir mijssen uns darein ergeben. erzwingen können wir eS nicht. Wir müssen unS auf die Auf- fordermig an die Wähler, insbesondere die liberalen Wähler be- schränken, ihr äußerstes daran zu setzen, daß bessere Wahlen ein besseres Wahlrecht ermöglichen. Dazu müssen wir freilich unbedingte Neutralität der Regierung verlangen. Fürst Bülow hat diese Neu- tralitär versprochen. Darüber freuen wir nnS, wir würden uns noch mehr freuen, wenn er in der Lage wäre, dies Bersprechen zur Durchführnng zu bringen.(Sehr richtig! links.) Unser Antrag wird abgelehnt werden, aber wir blicken über den Tag hinaus in die Zukuilst, und wir hoffen in absehbarer Zeit so viel wie möglich zu erreichen.(Lebhafter Beifall links.) Der Antrag wird hierauf in seinem ersten Teil gegen die Stimmen der Freisinnigen, des Zentrums und der Polen, im zweiten Teil gegen die Stimmen der F, eisinnige», Nationalliberalen und Polen abgelehnt. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung: Montag 11 Uhr.(Erste Lesung de» Etats.) Schluß iV. Uhr. 'Die anKPüsamft);.« Sozialdemokratie zur Stuttgarter Cinwanderungsrefolution. Aus New N o r k wirt> uns geschrieben: Der Vorstand der„S o c i a I i st Party" hat vor kurzem in Chicago eine Sitzung abgehalten, an der alle seine Mitglieder bis auf H i l l q u i t- New Jork teilnahmen, und in der u. a. die Stuttgarter Resolution über die Ein- wanderungSfrage zur Verhandlung kam. Das Resultat war die Annahme(ob einstimmige ist nicht gesagt) folgender Re- solution: „Es ist die Ansicht deS National-Exekutivkomitees, eS sei stets das Prinzip der internationalen sozialistischen Bewegung gewesen, daß der Internationale Kongreß kein Recht habe, die Taktik nationaler Parteivcrbände zu bestimmen. Er ist be- sonders inkompetent, sich zur Einwanderungsfrage zu äußern, da die überwiegende Mehrheit der Delegierten Länder vertritt, die ein Einwaiiderungsproblcm gar nicht kennen. Das National- Exekutivkomitee drückt, vorbehaltlich der Entscheidung der höheren Instanzen der Partei,*) seine Ucberzeugung dahin auS, daß die sozialistische Bewegung von Amerika zurzeit sich gegen die asiatische Einwanderung erklären muß.' Die„New Uorker Volkszeitung" brachte hierüber unter der Ueberschrift:„Stuttgarter Beschluß zurückgewiesen", einen Artikel, an dessen Schluß es hieß:„Es bleibt also nur noch übrig— obgleich wir uns selbst damit ein Kompliment machen(I)— unsere Genugtuung darüber auszudrücken, daß die„New Vorker Volkszeitung", das„Philadelphia Tageblatt", die..Wahrheit", der„Socialdem. Herald" und andere sozialistische Blätter, sofort, rechtzeitig gegen den Stuttgarter Beschlutz protestiert haben."— Die Ansichten der amerikanischen Sozialisten über die Einwanderungsgesetze sind sehr verschieden, wie dies auch aus den Verhandlungen einer Versammlung in New Uork zu ersehen ist, die vor kurzem stattgefunden hat. Sie diskutierte die Berichte der Delegierten H i l l q u i t.und Lee. Genosse Jonas erklärte, es sei für ihn zweifellos, daß die amerikanische Partei sich schon aus taktiscken Gründen gegen die Stuttgarter Resolution wenden müsse. Aber auch, wenn wir ganz von der Erwägung absehen wollten, wie die Socialist Party an die Arbeiterkreise, deren Lebenshaltung sie durch uneingeschränkte Einwanderung herobzubringen helfe, um Unterstützung herangehen könne. müsse man sagen, daß die amerikanische Arbeiterklasse ein Anrecht auf Schutz habe, und daß die Sozialisten die Pflicht hätten, ihr diesen Schutz zu gewähren. Alle Gesetze, Bestim- mungen und Resolutionen würden nur für eine bestimmte Zeit gemacht: dasselbe sei mit der Stuttgarter Resolution der Fall. Wenn die Japaner und Chinesen durch den KapitaliS- mus klassenbewußte Proletarier geworden wären, dann, aber nur dann werde eS niemanden von uns einfallen, gegen ihr Herkommen Einspruch zu erheben. So lange aber, wie dies nicht der Fall sei, müßten die Sozialisten gegen die unbe- schränkte Zulassung der Chinesen. Japaner und Hindus pro- testieren.— H i l l g u i t führte aus, er sei in der Kommission für die amerikanische Resolution mit aller Kraft eingetreten. habe aber damit völlig alleingestanden. Im Plenum habe er dann folgendes gesagt:„Ich habe Ihnen die Gründe für unsere Haltung dargelegt und Sie von deren Richtigkeit zu überzeugen versucht. Nachdem das nicht gelungen, glaube ich sagen zu dürfen, die amerikanische Bewegung wird sich diese Resolution zum Leitfaden nehmen." Er sei der Ucberzeugung. damit nichts gesagt zu haben, was ihm zum Vorwurf gemacht werden könne. Wenn der internationale Kongreß weiter nichts sei wie ein Diskutierklub, nach dessen„Unterhaltungen" jeder- mann nach Hause gehen und tun könne, wie ihm beliebe, so sei es um die Mühe, Zeit uud Geldmittel schade, die auf die Be- schickung der Kongresse verwendet werden. Wenn aber Genosse Jonas die Einwanderungsfrage für eine so brennende und wichtige halte,— seiner Meinung nach sei sie es nicht—, so bliebe der Socialist Party nichts weiter übrig, wie sich entweder dem Votum des Kongresses zu fügen oder aus der Internationale auszuscheiden. Er betone noch einmal, die Ausschließung der Cbinesen bestehe vorläufig zu Recht und eine Aufhebung dieses Gesetzes komme nicht in Frage: wenn es sich aber um Ausschließung der Japaner handele, so dürfte die Partei kaum dafür zu haben sein: er wenigstens könnte keineswegs dafür eintreten.— Genosse GilleS. der. sich •) Die— im nächsten Jahre stattfindende— Konvention und die Urabstimmung. als Schuler der„Volkszeiwng" und des Genossen Jonas vorstellt, wundert sich um so mehr über dessen Stellungnahme, als Jonas in den 9ver Jahren gegen die konjewativen Ar- beiterführer, die für eine Beschränkung der Einwanderung billiger Arbeitskräfte eintraten, zu Felde zog. Wenn die Partei heute an demselben Strange zöge, was könne man dann gegen die unaufgeklärten Arbeiter einwenden, die in den bedürfnislosen Slovaken, Polen und Juden eine unangenehme Konkurrenz sähen und deren Ausschließung forderten. IXrtd warum nicht dann auch gegen die noch gefährlichere Konkur- rentin, die Maschine, vorgehen?— Genosse R e i ch e n t h a l wendet sich ebensalls gegen JonaS. Es handele sich nicht darum, was für die Partei von Vorteil, sondern was recht sei. Die Gefahr der Ueberschwemmung Amerikas mit Asiaten sei übertrieben worden.— Genosse Dannenberg erklärte dagegen, die Socialist Party habe nur so lange eine Existenzberechtigung, wie sie der Ausdruck der Arbeiterinter» essen sei. Sobald wir jedoch die Masseneinwanderung be- dürfnisloser und unorganisierbarer Asiaten begünstigen, handelten wir gegen die wahren Interessen der Arbeiterklasse. — Genosse S l o b o d i n meinte, der internationale Kongreß mußte daS hehre Prinzip der Solidarität aller Rassen der Welt aufrecht erhalten: er hätte nur nicht so weit gehen und nicht so sehr spezialisieren sollen.— Genosse M a l k i e l sprach sich mit aller Entschiedenheit für die Stuttgarter Resolution aus.„Wenn wir erst anfangen wollen, gegen die Arbeiter- einwanderung zu protestieren, so sollten wir uns lieber der republikanischen Partei anschließen und für den Hochschutz- Zolltarif eintreten," rief er unter dem Beifall der Versamm- lung aus. In einer Versammlung zu Denver hat sich Genosse H a y w o o d. der Freigesprochene des Steunenberg-Prozesses, Sekretär der„Western Federation of MinerS" und voraus- sichtliche Präsidentschaftskandidat der Sozialistenpartei, gegen die Stuttgarter Resolution ausgesprochen. Ans ein an der Wand des Versammlungslokals hängendes Plakat mit der Inschrift„Workers 0� the World, unite!" weisend, fuhr er fort:„Ich glaube nicht daran, und habe niemals daran geglaubt: es wurde in einer früheren Zeit geschrieben, und unter den gegenwärtigen Verhältnissen haben wir Japaner, Chinesen und Hindus vom amerikanischen Boden fernzuhalten als eine Gefahr für die amerikanischen Arbeiter. Der einzige Weg. jenen zu helfen, ist der. sie in ihrer Heimat zu halten." Das Organ der zweiten sozialistischen Partei der Union, der„Socialist Labor Party"(die an Anhänger freilich be- deutend schwächer ist als die Socialist Party) sowie des nationalen Gewerkschaftsverbandes„Jndustrial Workers of the World" hat sich für den Stuttgarter Beschlutz erklärt. KrUfKafteu der Redaktion. XU inrlftlldic Cvrcchftnnv« Rnvct SlnhcnftroRt Nr. 3, zweiter ©of, dritter Eiu«ang, vier Treppen, pM- F a I, r s» u h l"700 wl»d»n»Sal!iti Bon?>/, BIS»>/, Uhr ah«»»»' fi«t«. Weöifnct 7 Uhr. EonnnbrnBd beginnt die EBrciMtmiSc um 0 Übt. Jeder Antrag- ilt ein «»itittabe nn» eine;iohl alS Merkzeichen betzntngen. Vrietliche Antwort wirb Nicht ertril».»tligr Jrageo»rage man in der Evrechstanbe bor. 91. A. 555. Dem dir elterliche Gewalt über die Kinder nach Scheid der Ehe �usällt, hängt davon ab, wer für schuldig ei klärt worden� ange...... u, mit dem Kinde persönlich zu oerkehren. Wird der Vater sür Wird die Mutle'r sür s ch ü l d i g e r k I ä r l", so geht die elterlill Gewalt in voUem Umfange aus den Vater über, jedoch steht ihr das uldig erklärt, so geht die Fürsorge sür die Person deS ittndeS auf die Mutler über Die Vc> tretung des Kindes, die Vermögensverwaltung und das NutznietzungSrecht verbleibt aber, so lange keine andere Anordnung deS VormundschastSgerichtS gelrossen ist, dem Vater. Sind beide Ehe» galten sür schuldig erklärt, so steht die Sorge sür einen Sohn unter sechs Jahren oder sür eine Tochter der M u t t e r, sür einen Sohn über sechs Jahren dem Väter zu. In allen Fällen behält der Ehegatte, dem das ErzicbungSrccht nicht zusteht, die Befugnis, mit dem Kinde per- sönlich zu verkehren. Die Unterhaltspflicht der Eltern den Kindern gegenüber wird durch die Regelung der Erziehungssrage nicht berührt. Der Vater bleibt in erster Reihe sür den Unterhalt verantwortlich.— L. P. 34. Ja, aber nur aus die Dauer eines IadreS.— L. ft. 999. Ein Antrag aus Erdöhung wäre aussichtslos.— Johannes S. 97. l. Nein. 2. Ja. — P. R. 17. 1. Beilin gehört nicht zu der Provinz Brandenburg, sondern bildet einen Bezirk sür sich. 2. Eine Klage würde nicht ganz aus- sichtsloS sein, die Eltern halten, wenn vom Richter angenommen wird, daß der Unfall nicht passiert wäre, wenn die Eltern daS ErziehungS- und Aus» sichtsrecht tn angemessener Weise angewendet hätten.— O. H. 1998. Die Frage, ob ein von beiden Ebeleuten abgeschlossener Mielsvertrag auch»on beiden gekündigt werden müsse, oder ob die Kündigung seitens des Ehe- manncS genügt, ist streitig, nach unserer Ansicht aber zu bejahen. I» Ihrem Falle ist die Kündigung aber jedenfalls rcchtSwirksam. well Ihre Ehefrau nicht gemietet hat. sondern lediglich als Ehefrau unterschrieben bat. Fordern Sie den Wirt aus, anzuerlenuen, daß die Kündigung rechlS» wirkwm ist. Drohen Sie ihm an, sall» er innerhalb 8 Tagen da» An» erlenntniS nicht abgeben würde, würden Sie klagen und führen Sie Ihre Drohung au».— G. S. 15. SlistungSdepulatiou Postftr. 18.— Rest-Verkauf großer Winterbestände bis unter die Httlfl« der horo hwoeot-H' ursprOngllohen Preise I leraDgeSeiZt. Felgende Angebole, soweit Vorrlte reichen: Winter-Paletots u. Ulster gÄo'n«�«. 8�«. Kaiser- u. Hohenzollern-Mäntel Winter-Joppen für Herren....... von 4 Mfc an P elz"Joppen für Herren......... von 15 Mk an Herren-Pelze.............. von SOMk.« Knaben-Mäntel und Ulster**2 ml* Schlafröcke.............. von 7� 65« Herren-Westen............ von 75 p? a» BJie/T SOHN Chausseestr. 2930• Drückenstr. 11 Gr. Frankfurter Str. 20. Sonntag, den 12* Hannar, mittags 13 Mr: volks-versammlunge» in GroK-Verlin I. Knvis Feen-Palast, Burgstraße. II. Kreis Berliner Bockbrauerei, Tempelhofer Verg. III. Kreis Buggenhagen, am Moritzplatz. IV. Kreis Kellers Festsäle(Jnh. Fr-y-r), Koppenstr. 29. V. Kreis Sophien-Festsäle, Sophienstr. 16-17. VI. Kreis Branerei Königstadt, Schönhauser Allee 10. Germania-Säle, Chausseestr. 110. Brauerei Moabit, Turmstr. 26-26. T eltow-Beeskow Adiershof. Kaul, Bismarckstr. 16. Charlottenburg. Volkshaus, Rosinenstr. 3. KLpeniok. Wilhelmsgarten(Tcheer), Rudowerstr. 1. Gr.-Lichterfelde. Kaiserhof, Am Kranoldplatz. Ketschendorf. Weidemann. Königs-Wusterhausen. Wedhorn(Altes Schützenhaus). Nowawes. Schmidt, Wilhelmstr. 3. Rixdorf. Hoppe, Hermannstr. 49. Thiel, Vergstr. 162. Schöneherg. Schloschranerei, Hauptstr. 112. frehhin. Gesellschaftshaus, Bahnhofstr. 3. f reptouss-Raumschuienusseg. Wernicke, Zur Rennbahn. Vkiimersdorf. Luisenpark, Wilhelmsaue 112. Kieder-Barnim. Ober«Schöne weide. Restaurant Wilhelminenhof. Tages Oldiiiliis in allen Nechmniluiigen: Der Wahlrechtskampf in Preußen »Iii! die Antwort der Regierenden. Jtfätmer und irauen, erscheint wiederum in Klassen! 44 Die Einberufer. veremtwortticher Redakteur-. Hau» Bebe?, Berlw. Für den K,ser«»tentetl verantv.: kh. Glocke, Berlin. Druck«.«erlag: Vorwärt» Buchdruckerei o. verlagSonstalt Paul Singer» Co., Berlin 5V» ml f I T l! Warenhaus Wiihelnt Stein Berlin N., Chausseestrasse 70-71 I t '»> » I I St y h T «> Von Sonnabend, den 11. bis Sonnabend, d. 18. 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Wir haben in der gestrigen Nummer unseres Blattes den Bericht über die letzte Sitzung der Stadtverordneten nur zum Teil wiedergeben können; wir tragen im nachfolgenden den Rest nach: Dem Ankauf des nach teilweiser Bebauung verbleibenden R e st g r u n d st ü ck e s des ehemaligen Botanischen Gartens» das als öffentlicher Park erhalten bleiben soll, hat der ein- gesetzte Ausschutz zugestimmt und den mit dem Fiskus abzu- schlictzcndcn Vertrag mit einigen Modifikationen zur Annahme empfohlen. Die Kaufsumme von 2 Millionen Mark soll dem Reservefonds der Sparkasse entnommen werden. Für die Grüne- waldstratze von der Haupt- bis Eltzholzstratze ist eine neue Bau- fluchtlinie vorgesehen. Die in der Vorlage in Aussicht genommenen Herstellungs- und Unterhaltungskosten für den Park hält der Aus- schütz für zu hoch gegriffen und schlägt vor, den Magistrat zu er- suchen, diese Kosten bei der Ausarbeitung des SpezialProjektes erheblich einzuschränken und namentlich darauf Rücksicht zu nehmen, datz es sich im wesentlichen um Einrichtungen zu einer Erholung»- statte und zu Spielplätzen handeln soll. Ferner soll der Magistrat beim FiskuS durchzusetzen versuchen, datz ä) keine Reklame- cinrichtungen nach dem Park hin angebracht werden dürfen, d) beim Verkauf von Grundstücken an Private in der Pallas- und in der Grunewaldstratze für eine genügende Anzahl von Bauwichen Sorge getragen werde. Referent des Ausschusses ist Stadtv. K h l l m a n n0384o29'» 456 766 251073 165 828 50 478 630 90 701 252131 225 352 607 789 902 2 5 3357 608 737 92 937 2 5 4088 158 69 372 98 407 624 92 779 808 2 5 5180 218 40 348 452 700 837 2 5 6053[400] 410 55[100] 61« 62 65 88 817[100] 980 2 5 7 480 530 051 2 5 8001 160 444 636 782 076 2 59081 204 392 557 678 758«81 2 6 011)3 65 369 640 690 775 862 945 2 6 1 212 52 794 821 58 960 262121 40 285 381 84[100] 409 586 804 80 [100] 095 263018 4 7 82 361 87 602 93 606 58 79»75 7« 264233 856 89« 912(1001 2 6 5188 271 487 702 957[1001 2 6 6117 413 39 76 547 843 2 6 7177 292 830 402 88««92 2Ö8181 680 91 269072[100] 665 686 27 0019 645 48 794 874 970 2 71128 306 84 707 23 [1501 821 40 2 7 2005 825 2 7 3065 158 316 61 592 773 902 [IOO] 2 7 4090 850 2 7 5 051 101 42 817 63 805 2 7 6005 172 569[ 400] 78 931 2 7 7100 4 205[100] 66 486 680 757 810"'S010 278109 251 15001 640 973 2 7 9041 147 753 28O079 Sä 99 602[100] 85 39 625 718 83 2 81162 28» 602[100] 740 949 2 5 2 186 423[100] 630 601 725 805 82 98 972 2 8 3 045 223 306 677 789 882 2 8 4019 136 681 752 2 8 5 060 140 375 443 92 58 t 601[100] 766 286030 310 426 89 78 730 Ol 010 287166 218 329 418 99»93 1. Zl hung I.KI. 2 8 Kgl. Ppeuss- Lotterie Ziehung vom 10. Januar 1908, nachmiltags. Kur die Gewinne üher 50 Mark sind den betreffenden Nummern In Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 235 461 1141 92 265 597[100] 435 508 61 754 935 50 2002 42 194 247[300] 387 416[100] 64 633 62 64 58 624 25 843 82 3123 48 243 680 81 842 4207 89 881 582 633»07 5149[500] 62 282 89 468 5X8 609 78 0006 241 377 637 61 7246 472 603 847 971 8047 162 489 93 530 68 611 795 897 [100] 9029 555 1OO02 159 300 1 487 91 616 42 74 11606 67 98[100] 12590 749 92[100] 936 1 3008 113 231[300] 565 1 4057 204 21 354 605 10209 30 80 310 720 951 16109 350 681 90Ö 96[100] 17 007 90 129 609 739 82 85 1 800? 66 406 535 03 [200] 701 958 1 9091 573 033 90 98 2O064 87 201 315 414 80 682 822 925 97 2 1 038 493 22002[100] 185 453 585 2 3 013 130 44 200 15 46 449 53 512 33 602 26 62 710 84[100] 939 88 2 4036 136 659 62 797 98 833 2 3089 571»5 639 703 85 92 2 6206 27031 84 88 161 415 40 572 616 43 865 28022 621 763 883 82 99 2 9 241 391 432 99 618 740 50 65 857[200] 30114 301 514 79 97 670 843 971 98 3 1 046 173 296 51» 34 603 3 2 002 147 62 289 418 71 33 010 25 116 22 387 618 45 73 707 80 3 4199 283 337[100] 849 60 72 3 5038 94 223 44 71 566 67 767 930 73 3 6199 282 367 471 543 661 744[100] 829 906 3 7075 119 603 62 72 647 848 3 8241 350 529 666 911 49 39108[200] 74 S»1 7 446[100] 918 90 40096 725 880[100] 905 7 7 4 1 079 165 224 323 402 83 566 664 620 4 2003 186 480 643 66 048 4 3210 52 344 461 766 041 44022 32 66 144 205 372 587[100] 701 81 80 981 [100] 4 5319 673 718 40 968 4 6 416 637 833 90 961 47008 «09 725 4 3053 72 143 56 283 531 760 949 06 49119 261 65 60 504 786 5 0 023 184 38 314 34 53 461 675 701 689 910 51148 505 643 710 55 73 895 866 5 2243[200] 330 486 756«34 8? 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Nach Eröffnung der Verhandlung teilt der Vorsitzende, Amts- gerichchtsrat Kühl, mit, daß vom Reichskolonialamt eine Depesche eingelaufen sei, in der ersucht wird, mitzuteilen, worüber Sekretär Schneider vernommen werden soll— v. Bennigsen erklärt, Schneider solle über die Dinge vernommen werden, die auch in seine amtliche Tätigkeit fallen und dafür solle ihm die Entbindung von der Amtsverschwiegenheit erteilt werden. Er soll Auskunft geben über die Erklärungen, die der Bezirksamtssekretär Jahnte zu Protokoll gegeben habe.— Es wird dann als Sacl�erständiger der von der Verteidigung geladene Bezirksamt- mann Johann Elphons vernommen. Er war am Kilimandscharo im Jahre 1893, also später als Dr. Peters, lediglich auf einer Strafexpedition gegen Nehli, den Sohn des Mandaro.— Vors.: Sie haben die Verhandlungen gehört und sollen uns sagen, ob Sie so strenge Maßnahmen für gerechtfertigt halten.— Sachv.: Herr Vorsitzender, ich war 1891 Stationschef an einer anderen Stelle in Ostafrila, aus der Station Tatoa. Während dieser Zeit fand die Niedermetzelung der Expedition Zielewski statt. Es kamen 20 Mann, die übrig geblieben waren, zu mir. Ich erfuhr schon im August von der Katastrophe. Ich wäre in einer aodf schlimmeren Sitnativu gewesen als Tr. Peters, denn meine Station lag nur 7Tagereisenvon den Wahehesentfernt, während b i s z u Dr. Peters am Kilimandscharo 30 Tagereisen waren. Wenn die Wahehes etwas gegen Deutsche hätten unter- nehmen wollen, so wäre ich in erster Reihe dran gewesen Ter Häuptling, der die 20 Mann brachte, fragte mich, was sie tun sollten. Ich sagte, es sei das beste, wenn sie sich ruhig verhielten. Es herrschte auch, soweit ich wcitz, im Lande da- mals totenstille. Man hörte nichts von dem Vorfall. Ich war daher autzerordent- lich überrascht, als eines Tages von der Küste eine K o m- p a g n i e Soldaten mit Tuten und Blasen bei mir einrückte und ich erfuhr, datz ich eigentlich tot sein sollte. lHeiterkeit.1 Mir und meinen Leuten sollten samt- liche Hände abgeschnitten sein. Diese Waheheaffäre war zum Tagesgespräch geworden, es entstand ein allgemeiner Weiberklatsch. Die Leute dort haben eine graste Vorstellung von ihrer eigenen Person und von den Dingen, die mit ihrer Person zusammenhängen könnten. Es wäre möglich, dast das Gerücht von dem Waheheüberfall nach dem Kilimandscharo gedrungen wäre. Welche Folgerungen man daraus zieht ist Sache des Tempera- m e n t s. wie schon gestern gesagt wurde. Der eine unterschätzt die Gefahr, der andere überschätzt sie.— Vors.: Sie können also nichts sagen, wie Sie anstelle von Dr. Peters gehandelt haben würden?— Zeuge: Nein, aber ich habe einen analogen Fall gehabt Ick hatte auf meiner Station b Mann an der Kette liegen. Die Kette bedeutet dort das Gefiingnis» bei den primitiven Zuständen ist diese Fesselung aber eine sehr maugel- hafte. Die Leute können sich leicht befreien. Eines Tages hatten sie dem Askari. der sie bewachte, einen Blecheimer auf den Kops j � h•„ � t gestülpt, daraus geschlagen und ivaren dann geflohen. Einen von® �.lationschef den Leuten bekam ich wieder, ich gab ihm eine Z u s a tz st r a f e. Dast aber die Todesstrafe auf der Flucht aus Kettenhaft steht, ist mir gänzlich unbekannt. Ich behaupte sogar das Gegenteil. Es mustte eine Verwechselung von Dr. Peters vorliegen.— Vors.: Sie waren früher Offizier? — Sachv.: Ja, Offizier der Schutztruppen.— v Bennigsen: Können Sie mir sagen, ob zwischen den Wahehes und den übrigen Völkerschaften am Kilimandscharo irgend eine Verbindung bestand?— Sachv.: Ich faUe das für gänzlich ausgeschlosten. Die Madschakos und die Wahehes wissen von einander nichts. Es befinden sich zwischen ihnen die Massais, welche ein Verkehrshindernis bedeuten. Ter Berkehr zwischen Norden und Süden ist daher immer nur unter Umgehung der Massais nach der Küste möglich.— v. Bennigsen: Herr Gouverneur v. Soden hatte telegraphiert: In Ostafrika ist alles ruhig. Waren Sie auch dieser Meinung?— Sachverständiger: Jawohl.— v. Bennigsen: Wie erklären Sie sich, dast Unteroffizier Wilhelm gehört haben sollte, dast Malamia sagte: Ihr seid ja von den Wahehe geschlaaen worden?— Sachverständiger: Es kann das leicht ein BTTst- Verständnis sein. Der Zeuge Wilhelm hat nur aus weiter Entfernung mit den Leuten verhandelt. Auster dem können die Leute dort sehr schlecht Suaheli. Es wäre auch möglich, dast sie schon von den Händlern über die Niederlage etwas erfuhren, die ein Interesse haben, so etwas zu verbreiten.— v. Bennigsen: Unter welchen Verhältnissen lebte Malamia? Wissen Sie, ob er ohne den Willen von Mareale in der Lage war. Krieg zu führen?— Sachverständiger: Ich war ja 1893 dort. Mareale war ein sehr intelligenter und energischer Mann, den Malamia habe ich nicht gesehen, er scheint mir ein besserer Dorfschulze gewesen zu sein, der höchstens über 100 Mann verfügte. Nach afrikanischen Begriffen wäre er nicht in der Lage gewesen. Krieg zu führen, ohne mit dem Oberhäuptling Mareale in Konflikt zu kommen. Mareale war uns befreundet.— v. Bennigsen: Glauben Sie, dast Malamia zu Kriegszwecken, uw Spionage aus der Station auszuüben. Verbindung mit den Weibern auf der Station hielt?— Dach- verständiger: Ich halte das für ausgeschlossen. — v. Bennigsen: Sie haben gehört, welche Stellung diese Weiber auf der Station einnahmen. Halten Sie es für gerecht- fertigt, sie an die Kette zu legen, weil sie aus der Station weggegangen waren?— Sachverständiger: ES kommt darauf an, was sie im Schilde führten und ob sie etwa ein schweres Ber. brechen begangen hotten. Sie konnten aber sonst gehen, wohin ste wollten. Von den alten Afrikanern war es eingeführt. die Weiber als eine Art Sicherheit auf der Station zu halten. Sie gingen öfter zu ihren Stämmen zurück und so wurden auf dem Wege dieses Weiberklatsches wertvolle Ver- bindungen hergestellt.— o. Bennigsen: Ich habe den Mareale am Skilimandscharo kennen gelernt. Wir waren zusammen beim Frühschoppen. Es war ein jovialer alter Herr. Aber es ist ihm nicht eingefallen, mir Weiber anzubieten. Meinen Sie, dast er es übel genommen hätte, wenn Dr: Peters gesagt hätte: Ich danke? Sachverständiger: Das kann von den Stämmen ver- schieden beurteilt werden. In seinem Buche sagt Dr. PeterS: Es war ein Weib, namens Jagodja, dem Malamia entlaufen. Ich schickte es ihm zurück, er schickte es mir aber wieder mit der Be- merkung, sie habe einen schlechten Charakter. Sie blieb dann auf meiner Station.— v. Bennigsen: Glauben Sie, dast, wenn, wie gesagt wird, die Station sei gefährdet, auch nur der jüngste Leutnant, der überhaupt zu verwenden ist, statt Sicher- heitsmastregeln zu treffen, eine Expedition unternommen hätte, um Weiber wiederzubekommen?— Sachverständiger» Nein, das glaube ich nicht. r5enn die Station gefährdet war, so ist mir rätselhaft, wie Dr. Peters den einzigen weisten Offizier, den Äompagnieführer Johannes, mit öS Mann wegschicken konnte. Es war doch nichts erreicht, wenn er die Weiber zurückholte.— v. Bennigsen: Halten Sie es für zulässig, datz man wegen geringer Vergehen, z. B. wenn man Zi g a r e t t e n stiehlt, die Todesstrafe androht, falls sich der Dieb nicht von selbst melden sollte? Glauben Sie, dast ein anderer Stationschef das getan hätte?— Lach verständiger: Nein, es bestehen bestimmte Gesetzesvorschriften. Dr. Peters sagte allerdings, er wäre berechtigt gewesen, derartige Bestimmungen zu erlassen. Ich habe aber in Ostafrika niemals derartiges bemerkt.— v. Bennigsen: Halten Sie die Androhung der Todesstrafe in einem solchen Fall über Haupt für zulässig?— Sachverständiger: Für solch ge ringfügige Vergehen jedenfalls nicht. v. Bennigsen: Nun sagt Dr. Peters, das Prestige der Europäer hätte aufrecht erhalten werden müssen Deshalb mustte die angedrohte Todesstrafe vollstreckt werden.— Sachverst.: Das kann ich mir nicht denken. Der hm gerichtete Boy gehörte zu einem Stamme, der am Kongo ansässig ist. Es würde also auf die Neger am Kilimandscharo ebensowenig Eindruck gemacht haben, ob ein Neger von einem Kongostamme hin gerichtet wurde oder ein Eskimo.(Heiterkeit.)— v. Bennigsen: Halten Sie die Hinrichtung des Mabruk für gerechtfertigt?— Sachverst.: Nein.— Bert. Falk: Warum nicht?— Sachverst. Weil meiner Ansicht nach der angeblich zur Entwendung von Tabak vorgenommene Einbruch in keinem Verhältnis zur Strafe steht.— Vert. Falk: Wenn nun geschlechtliche Motive mit in Betracht kommen würden, würden Sie es dann für gerecht fertigt halten, diese bei der Verhängung des Todesurteils mit- wirken zu lassen?— Sachverst.: Nein.— Bert.: Betrachten Sie den Einbruch des Mabruk als einen so grasten Vertrauensbruch? — Sachverst.: Ein solcher Boy hat ja gar nicht nötig zu stehlen. Man hat da brausten keine Möbel, die Schlüssel zu den sechs bis sieben Blechkoffern, in denen man seine Sachen hat, besitzt der Boy und der kann jederzeit heran. Ich glaube, man wird von den Jungen geradezu gewohnheitsmästig bestohlen.— Bert.: Sie finden also keinen groben Vertrauensbruch in dem Einbruch?— Sachverst.: Nein.— Bert.: Sie scheinen der Ansicht zu sein, dast Mabruk nicht den Einbruch verübt hat, um Sachen zu stehlen, sondern um zu den Weibern zu kommen?— Slilbverst.: Das halte ich allerdings für wahrscheinlich. v. Bennigsen: Haben Sie den Eindrnck, dast Dr. Peters den Mabruk nicht desivegen hängen liest, weil dieser ihm Tabak gestohlen hat, sondern weil er zu den Weibern wollte?— Sachverst: Dr. Peters sagt das Gegenteil und seinen guten Glauben mutz ich an- nehmen.— Bert.: Ob Dr. Peters bona fide gehandelt hat, wird das Gericht beurteilen. Sie sollen uns sagen, ob Sie einen Euro- j päer für berechtigt halten, über einen Angehörigen seiner Station die Todesstrafe zu verhängen, wenn sexuelle Motive mitspielen? Sachverst.: Nein.— Bert.: Warum nicht?— Tachvrrst.: Weil man sich damit die afrikanischen Sitten zu eigen machen würde. Das würde höchstens ein afritaner Häuptling tun.— Beklagter v. Bennigsen: Halten Sie eine Spionage der Jagodja überhaupt � für möglich?— Sachverst.: Nein, es gab ja nichts zu verraten. Wenn man etwas von den Weibern fürchtet, braucht man sie nur wegzuschicken oder wenn sie weggelaufen sind nicht wiederzuholen — v. Bennigsen: Haben Sie jemals eine Bestimmung angetroffen, daß auf Flucht aus der Kettenhast die Todesstrafe steht?— Sachverst.: Nein.— v. Bennigsen: Auch nicht, dast ein Stationschef einen Kettengefange- nen zum Tode verurteile?— Sachverst.: Nein. v. Bennigsen: Und Sie haben das nicht gefunden trotz ihrer zehn- jährigen Erfahrungen in Afrika?— Sachverst.: Nein, niemals. Für uns galt immer das deutsche Strafgesetzbuch, natür- lich mit einigen Modifikationen.— Vert. Falk: Würden Sie sich für berechtigt halten, durch Verfügung oder Verordnung auf Flucht aus der Kettenhaft die Todesstrafe zu setzen?— Sachverständiger: Nein, damit würde icb mich ja ftrafbar machen. — Vert. Falk: Halten Sie, nachdem was hier vorgetragen ist, die Hinrichtung der Jagodja für berechtigt?— Sachverst.: Nein. Vert.: Warum nicht?— Sachverst.: Weil das ganze Delikt mit der Höhe der Strafe angesichts des Individuums nicht in Einklang zu bringen ist. Wegen solcher Kleinigkeiten sollte man nicht den ganzen Apparat in Bewegung setzen.— Vert.: Halten Sie die wiederholte Züchtigung der Jagodja, wie sie hier von Zeugen bekundet ist, gerechtfertigt?— Sachverst.: Nein.— Vert.: Halten Sie es für zulässig, datz ein Europäer ein Mädchen so weit züchtigen lästt, datz ein Neger, der die Züchtigung ausführt, zu ihm kommt und sagt: Das geht nicht mehr?— Sachverst.: Ich halte solch fortgesetzte Züchtigung für unzulässig.— Vert.: Glauben Sie, dast ein Neger etwa übet treibt?— Sachverst.: Ich habe gefunden, dast die Sudanesen in dieser Beziehung sehr weitherzig sind. Bei mir beschwerten sie sich einmal darüber, datz ich nicht genug hauen lietze.— Vert.: Sie meinen also, dast wenn selbst ein Sudanese sazzte, die Jagodja könne nicht mehr geschlagen werden. eS dann schon sehr schlimm sein mutz?— Sachverst.: Jawohl, die Sudanesen sind ja gegen Prügel geradezu unempfindlich.— Bert.: Halten Sie einen Europäer für berechtigt, ein Mädchen, mit dem er g e s ch l e ch t. lichen Verkehr hatte, nachher zum Tode zu verurteilen?— Sachverst.: Nein.— Vert. Falk: Widerspricht das den An. schauungen, die in den Kreisen der dortigen Offiziere und Be- amten herrschten?— Sachverst.: Ja.— Bert.: Würde dieses Ver- fahren auch von allen Offizieren und Beamten verurteilt werden?— Sachverst.: Ja.— Bert.: Ist ein Stationschef be r e ch t i g t, derartige Mädchen geg�n ihren Willen z u r ü ck z u halten?— Sachverst.: Diese Mädchen sind oft das einzigste Mittel, um etwas von den Eingeborenen zu erfahren, sie stellen also ein wichtiges Bindemittel dar. Ich glaube, dast ein Stations- chef, selbst der gewissenhofleste, das Weglaufen der Weiber ver» hindern würde, natürlich alles nur bis zu einem gewissen Grade. Wenn die Weiber nur mit Gewalt zurückzuholen sind, bedeutet das eine Kriegsgefahr, dann sollte man sie lassen, wo sie sind.— Bert.: Es wird behauptet, die Jagodja sei ein Freudenmädchen gewesen. Halten Sie das nach dem, was Sie hier gehört haben, für richtig?— Sachverst.: Nein, in den Nutzen der Eingeborenen gibt es nur eine Klasse. — Dr. PeterS: Sie sagten in München, am Kilimandscharo sei damals die Lage gefährdet gewesen, aber nicht durch meine Schuld? — Sachverst.: Dieser Ansicht vin ich auch noch heute. In unseren Kolonien herrscht fortwährend Unruhe, eS wird ja nichts weiter getan, als immer geschossen. — Dr. PeterS: Ich wurde nach dem Kilimandscharo geschickt, um dort eine Organisation und Verwaltung einzurichten. Wer mit solchen Instruktionen kommt, wird sicher nicht mit Freuden von den Eingeborenen aufgenommen.— Justizrat Sello: Hier ist wiederholt von Herrn v. Wistmann die Rede gewesen. Ich stelle unter Beweis, dast Herr v. Wistmann dem früheren Verteidiger von Dr. Peters, Justizrat Kofska in Berlin, gesagt hat, dast er auf Grund seiner genauen Kenntnis des ganzen Sachverhaltes nur erklären könne, oast cr, wenn er in derselben Situation stände, genau wie Dr. Peters gehandelt hätte. Ich habe noch mehrere Fragen an Herrn v. Pechmann. Ich frage den Zeugen, ob die Jagodja eine Sauria oder ein Freude,»» mädchen war?— Zeuge v. Pechmann: Ein Freuden, mädchen.— Bors.: Wie wollen Sie das begründen? War sie gegen Geld jeden Tag zu haben?— Zeuge: Was meine Person betrifft, so kann ich nur sagen, dast ich sie nur einmal ge- habt habe. Sie hat sich lange auf der Station aufgehalten und es werden auch andere mit ihr verkehrt haben.— Justizrat Sello: Wgr die Jagodja die Geliebte des Dr. Peters? Zeuge: Eben sowenigwiesiediemein ige w a r.(!)' — Vert. Falk: Dafür, dast die Jagodja auch mit anderen als mit Ihnen verkehrt hat, haben Sie keine Beweise?— Zeuge: Nein, ich war ja nicht dabei �Heiterkeit), aber ich glaube es.— Veit.: Weshalb?— Zeuge: Aus der ganzen Art. wie sie mit den Soldaten zu schäkern pflegte.— Bert.: Sie Hatten dock) aber alle ihre Weiber.— Zeuge: Das schadete nichts, die Weiber schäkerten trotzdem mit den Meisten. Ich entsinne mich z. B., dast Bronsart v. Schellendorff, den die Frau eines Sudanesen einmal eingeladen hatte, zu ihr zu kommen, entrüstet zurückkam und fort» während schimpfte, weil sie ihn nicht hineingelassen hatte.— Justizrat Sello: öS scheint mir von grosser Bedeutung zu sein, weshalb die Jagodja bestraft worden ist. Die Gegenseite spricht immer von Spionage. Im Todesurteil steht kein Wort davon, da ist von Konspirieren die Rede. Darunter ist offenbar zu verstehen, dast die Jagodja mit Malamia Rat darüber gepflogen hat, wie man die Weisten auf der Station überfallen und niedermachen könne.— Zeuge: Dr. PeterS und ich hatten die Ueberzeugung, dast der Verkehr der Jagodja und des Malamia eine Gefahr für die Station und dast das Leben der Leute auf der Station da- durch gefährdet sei.— Vert. Falk: Glauben Sie, dast ein Neger- Häuptling sich mit einem Mädchen von 10 bis 17 Jahren auf der- artige. Erörterungen einläßt?— Sachverst. v. EiponS: Das glaube ich nicht.— Vert. Falk(zum Zeugen Wilhelm): Hoben Sie mit der Jagodja verkehrt?— Zeuge: Nein.— Bert.: Wissen Sie das von anderen?— Zeuge: Nein, ich weist nur, daß jeder Europäer dort sein Mädchen hatte.— Vert.: Haben Sie die Jagodja gekannt?— Zeuge: Ja.— Vert.: War ein Unterschied zwischen der Jagodja und den anderen Mädchen.— Zeuge: Die ganze Korona fast immer zusammen, man konnte keinen Unterschied bemerren.— Dr. Peters: ES besteht ein wesentlicher Unterschied zloischen einer Sauria. die einem ge- hört, und einem Mädchen, wie die Jagodja. die frei herumläuft. Ta dieser Punkt nun einmal berührt ist, so kann ich mitteilen, dast der Kompagnieführer Johannes z. B. mich einmal fragte, ob er die Jagodja kommen lassen dürfe. Ich hatte nichts dagegen, denn die Jagodja gehörte doch keinem.— Vert. Sello: Wieviel Krieger hat denn Malamia?— Zeuge v. Pechmann: Etwa 200.— Justizrat Sello: Wieviel Soldaten standen Ihnen zur Verfügung?— Zeuge: Höchstens 50.— Justizrat Sello: Malamia hatte also die vierfache Uebermacht. Würde Herr v. Elpons, vorausgesetzt, dast Dr. Peters die Ueberzeugung hatte, datz die Jagodja mit einem feindlich gesinnten Häuptling kon- spiriere und dast ihm dies in glaubhafter Weise mitgeteilt wurde. strenge Mastnahmen gegen die wiedereingelieferte Jagodja für zu- lässig gehalten haben?— Sachverst. v. Elpons: Selbstverständlich. — Dr. Peters: Man sagt, die Jagodja habe nichts verraten. Sie wustte eine Menge: von uiiscrejp Wachdienst, wo die Posten standen usw.— Verl. Falk:(zum Zeugen v. Pech mann): Wieviel Gewehre hatte Mälamiä?— v. Pechmann: Ich weist nicht mehr die Zahl der Leute, die mit Gewehren bewaffnet waren.— Bert.: Vielleicht'weist es der Zeuge W i l h e l m?— Zeuge Willielm� Etwa 10 his 20.— Bert.: Und wie stark schätzten Sie die BcS scchung von Marengo?— Zeuge Willlelm: Wir waren damals etwa 40 Mann.— Vert. Fall(zum Sachverständigen v. Elpons): Halten Sie nach dem, was soeben gesagt wurde, den Malamia für einen gefürchteten Gegner?— Sachverst.: Wenn er s i ch mit anderen verband, zweifellos. Aber wenn die Gewehre auf der Station in Ordnung waren und Patronen nicht fehlten, konnte man sich seiner erwehren.— Bert.: Austerdcm war ein Maschinengewehr auf der Station, das allein 600 Schutz in der Minute abfeuerte. Ts folgt nun die Verlesung der vom Reichskolonialamt ein» gegangenen Vernehm»ngsprotokolle> des damaligen PrivatsekretärS von Dr. Peters, des Zeugen I a h n k e. In der ersten Vernehmung bekundete er. er erinnere sich, dast ein Schiedsgericht die Jagodja zum Tode verurteilt habe. Dr. PeterS habe sich gegen die Todes- strafe ausgesprochen, aber nachdem er, Jahnke und Pechmann, für die Todesstrafe stimmten, fügte sich Tr. PeterS. Zeuge bekundet weiter, dast daS verurteilte Mädchen die Suria des Dr. Peter» gewesen sei. Er verneint die Frage, ob die Hinrichtung des Negers Mabruk mit der Hinrichtung des Negermädchens im Zusammen- hange stehe. Die zweite Vernehmung des Zeugen Jahnte wurde in Merlin im Auswärtigen Amt durch den Geheimen Legationsrat Schwartzkops vorgenommen. Dort bekundete der Zeuge, er wisse überhaupt nicht mehr, datz ein Kriegsgericht stattgefundeiI habe, er wisse nur, datz Dr. Peters ihm das Todes- urteil gegen Mabruk diktierte. Dr. Peters habe ihm nicht gesagt, datz er einen Vertrauensbruch des Mabruk im Verkehr mit dem Mädchen gesehen habe. Jahnke hat das Urteil nicht für ungerecht gehalten. Maler Kuhnert habe ihn, als Mabruk hingerichtet werden sollte, gebeten, zusehen zu dürfen, da er niemals habe einen hängen sehen. Jahnke erwiderte. daS sei doch nicht angängig. Es wurde darauf dem Jahnke die Aussage von Dr. Peters vor- gehalten, datz er das Urteil mit Pech mann und Jahnke zusammen in einem Kriegsgericht gefällt habe. Jahnke er- widerte darauf, dast er sich des Kriegsgerichts nicht erinnere. Jahnke ist dann im September, Oktober und Dezember 1898 noch wiederholt vernommen worden. Er sagte auch da aus, datz er sich eines Kriegsgerichts nicht entsinne. Dagegen erinnere er sich, dast Dr. Peters einen Neger vor der Abreise nach dem Kiliman- dscharo habe prügeln lassen, weil dieser sich weigerte, ihm ei» Mädchen zu bringen. In der letzten Vernehmung sagte Jahnke aus. datz er in der Zeit, in der das Urteil über die Jagodja ge- fällt worden sei, gefiebert habe und infolgedessen an Gedächtnis- schwäche leide.— Vert. Falk: Ich habe nun einen außerordentlich wichtigen Beweisantrag zu stellen. Ich beantrage, den Oberlandesgerichtsrat Mayer. den Vorsitzenden im Münchener Petersprozetz, und die beiden Rechtsanwälte B e r n h e i m und R o s e n t h a l zu laden. Ich will damit beweisen, dast Dr. Peters in München als einzige» Grund fiir die Verurteilung der Jagodja angegeben hat:„Ich setzte den Bruder des Malamia als Häuptling ein und stellte durch Zeugenvernehmung fest, dast dieJagodja mit dem Malamia in Hochverräte- rische Verhandlungen eingetreten wa r."— Vor- sibender: Haben Sie das in München als einzigen Grund an- gegeben?— Dr. Peters: Wenn es so dasteht, werde ich es wohl gesagt haben. Wir haben uns über die Art der Zeugenvernehmung in München nicht besonders unterhalten.— Vorsitzender: Dr. Peters gibt das zu.— Verteidiger Falk: Die Sache ist aber für mich sehr wichtig.— Dr. Peters: In München haben wir gar nicht so eingehend die Zeugen vernommen.— Bor- sitzender: Haben Sie außer dem obigen Grunde nichts iveiter in München vorgebracht?— Dr. PeterS: Ich weist es nicht, ich gebe eS zu« wenn eS im Protokoll so steht.— Das Gericht lehnt den Antrag als unerheblich ab.— Justizrat Sello: Ich möchte den Sach verständigen v. ElponS noch fragen, ob sein vorhin abgegebenes Gutachten anders gelautet hättc� wenn er gewußt hätte, was mir Dr. Peters soeben mitteilt, daß die Mädchen auf der Station ÄricgSdaua(Zauberei und Beschwörung) gemacht haben?— Sachverständiger: Es gibt nicht nur Kriegsdaua, sondern Daua gegen Krankheit und ähnliche Dinge.— Justizrat Sello Vielleicht weiß Herr v. Pcchmann, ob das damals eine Kriegsdaua war.— v. Pechmann: Es war eine Kriegsdaua.— Vev t eidiger Falk: Sie waren doch nur kurze Zeit in Afrika, kennen Sie denn die verschiedenartigen Daua?— v. Pechmann: Ich selbst habe keine Daua gemacht, denn loir Europäer madjen das nicht — Verteidiger: Ich danke für die gütige Belehrung, aber ich weiß selbst, das wir das nicht machen. Ich bitte, meine Frage präzise zu beantworten.— v. Pechmann: Ich glaube bestimmt, mich dessen erinnern zu können.— Verteidiger: Es sind jetzt 1ö Jahre her und aus einmal erinnern Sie sich, trotzdem Sie völlig unvorbereitet sino, genau an diesen geringfügigen Vorgang? — Zeuge: Ich habe nach dem Münchener Prozeß meine Skizzen und Tagebücher nachgesehen.— Der Vorsitzende ersucht nunmehr beide Parteien, den Sachverständigen zu bezeichnen, den sie für den wichtigsten halten, da er nur noch von jeder Partei einen Sachverständigen hören wolle.— Die Verteidigung bezeichnet als ihren wichtigsten Sachverständigen Professor Volckcus, Dr. Peter, den Major v. Tiedemann. Universitätöprofessor Dr. Georg Bolckens, Kustos des Botanü scheu Museums in Berlin, bekundet: Ich war 1(4 Jahr am Kili. mandscharo, wohin ich im Januar 1893 kam, also kurze Zeit n a ch Dr. Peters. Ich war aus der Station Marengo. Vors.: Glauben Sie, daß die strengen Maßnahmen des Dr. Peters gerechtfertigt waren?— Sachverst.: Rein. Die Verhält nisse am Kilimandscharo sind eigenartig und ganz anders wie in anderen Gebieten. Die Eingeborenen der Steppe sind anders wie die Gebirgsbewohner, die in die Steppe nicht hinunterkommen, ioeil sie sich vor dem Krieg fürchten. Tic in die Ebene fließenden Gebirgebäche teilen das Reich in Streifen, die von Häuptlingen beherrscht werden. Zu Dr. PeterS Zeit gab eS 3 S s o I ch e Häuptlinge am Kilimandscharo. Die Größe der ein- zelnen Landstreifen ist verschieden, manche Häuptlinge herrschen über 199, manche über 1999 und mehr Eingeborene. Die Bedcu tung eines Häuptlings liegt weniger in der Zahl seiner Leute, als in der Zahl der Gewehre. Malamia war Untcrhäuptling von Marealr. Die Häuptlinge bekriegen einander, aber man darf da unsere europäischen Begriffe von Krieg nicht anlegen. Wenn ein oder zwei Mann totgeschossen sind, ist der Krieg zu Ende. Ich kam nach Marengo und der Stations leiter Johannes sagte mir, die ganze Gegend sei rebellisch, er warnte mich, mich zu weit zu entfernen. Aber trotzdem eine Kriegsgefahr unmittelbar bevorstand, hatte ich keinen Augenblick Angst für mein Lebe«. Mareale war auf unsere Gewehre angewiesen und stand und fiel mit uns. Dr. Peters sagt, daß die Warongos besonders feind- selig und rassenstolz gewesen seien. Die Warongofrage war vor und nach PeterS vorhanden. Die Warongos hatten keine Flinten; man konnte sie deshalb als quantitc negligeablc behandeln. Man hätte sie sogar leicht niedermachen können. Auf Grund meiner Erfahrungen und meines Studiums, auf Grund meines persönlichen Eindrucks in diesem Prozeß kann ich nur er- klären, daß ich die Maßnahmen des Dr. Peters nicht für gerechtfertigt halte. Im übrigen sagte ja Dr. Peters in seinem amtlichen Bericht über die Hinrichtung der Jagodja selbst, daß er die Station militärisch so b c s e st i g t habe, daß sie gegen Tausende ver- teidigt werden könne. Für Lanzen sei sie überhaupt uneinnehm- bar. Dr. Peters saß in Marengo in einer Gegend, die Marcale unterstand. Mareale war ein großer Häuptling und führte sogar mit Peters zusammen Krieg gegen die Warongos. Dr. PeterS lebte also unter seinen Bundesgenossen. Wie er unter solchen Umständen davon sprechen kann, daß die Situation gefährdet war, verstehe ich nicht. Letzter Sachverständiger ist Major a. D. Adolf v. Tiedemann aus Lübeck. Er bekundet: Für inich als Sachverständiger ist es schwer zu urteilen, wie da unten zu handeln gewesen ist. Wie schwer es ist, geht ja aus den schwankenden Gutachten der Sach- verständigen hervor. Ich kenne das Milieu am Kilimandscharo nicht, kenne aber die Persönlichkeit des Dr. Peters. Ich war sein einziger Begleiter auf der Emin Pascha-Expcdi- tion. Justizrat Sello: Würden Sie nicht, wenn Dr. Peters und Herr v. Pechmann der Meinung waren, die Station sei gefährdet, ebenso gehandelt haben Ivie Dr. Peters?— Sachverst.: Ich kenne das Milieu nicht, glaube aber, daß ich so gehandelt hätte, wenn die Verhältnisse es bedingt hätten.— Bert. Falk: Sie sind ein F r e u nd von Dr. Peters?— Sachverst.: Ja.—. Bert.: Sie haben aber wohl nichts gegen Herrn v. Bennigsen?— Sachverständiger: Durchaus nicht, sein Bruder ist mit meiner Familie sehr befreundet.— Bert.: Halten Sie es für zulässig, daß ein kaiserlicher Offizier und Beamter ein Todesurteil fällt und vollstrecken läßt, wenn sexuelle Momente mitbestimmend sind? —> Sachverst.: Auf diese Frage war ich vorbereitet. Ich habe auch die ganze Nacht nicht geschlafen und darüber nachgedacht.(Heiterkeit.) Ich kann wirklich darauf keine bestimmte Antwort geben. Die Frage ist gewisser- maßen eine Preisaufgabc für eine Doktordissertation. sie ist eine sittliche und ethische Frage. In Betracht kommt das Milieu, ich kann nicht ja und nicht nein sagen.— Bert.: Nun nehmen Sie einmal an, daß in irgend einem Stadium des Prozesses Dr. Peters zugegeben hätte, mit aus geschlechtlichen Motiven gehandelt zu haben. Was würden Sie dann sagen?— Sachverst.: Vom Standpunkt eines Europäers, der nie einen Krieg mitgemacht hat und nie in Afrika war, ist das Verhalten natürlich unerklärlich. Pater Acker sagte gestern, es gibt nur eine Moral. DaS ist nicht richtig. Es gibt mehrere Arten Moral.— Bert. Falk: Für uns nicht.— Sachverst.: Es gibt eine besondere Kriegsmoral. Ich habe in China und im Sudan so viel moralische Begrifssver- wirrung bei sonst integren Leuten gesehen, daß ich glaube, recht zu haben. Was Herr Dr. Falk mich gefragt hat, ist eine Ge- tvissensfrage, die man nicht mit ja oder nein beantworten kann. — Justizrat Sello wünscht den Sachverständigen über die Charattereigenschaften des Dr. Peters vernommen zu sehen.— Bert. Falk widerspricht dem Antrage. Wenn der Antrag zu- gelassen würde, dann würde er weitgehenden Beweis über die Persönlichkeit des Dr. PeterS antreten. Er habe bisher vermieden, die Persönlichkeit des Dr. Peters hinein- zuziehen.— Justizrat Sello: Im Interesse der schon ohnehin lang ausgedehnten Beweisaufnahme dieses Prozesses ziehe ich meinen Antrag zurück. Hierauf wird die Weiterverhandlung auf morgen, Sonnabend früh, vertagt.__ „Der Sparpfennig". Em neneS Blatt bat das Licht der Welt erblickt! Es ist der .Sparpfennig", der seit einigen Tagen als Monatsblätichen in— Blomberg erscheint. Damit soll einem„dringenden Bedürf- nisse" wiederum abgebolfen werden, neue„Sparer" sind zu„ge- Winnen" I Der im Mai 1997 gegründete„VolkSsparverband für Dculschland", Sitz Bromberg, hat dieses Blättchen herausgegeben. Der Zweck: Das Volk soll sparen, sparen, sparen l > Am Kopfe dieses VlättchenS, welches in Massen, sogar an die Vorstände der— Kraukenkasien versandt wurde, ist ein„Reichs- Pfennig" in mehriackier Vergrößerung zu erblicken und trägt als Motto die alten Worte:„Spare in der Zeit, so hast du in der Not"—„Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des TalerS nicht wert." Deshalb haben auch die Reichen die Taler— die Pfennige soll das arme Volk sparen! An dieses wendet sich die neue„Zeitschrift, ge- widmet der wirtschaftlichen Fürsorge für die Zukunft" I „Wirtschaftliche Fürsorge", ist gut i Das Blättckon ist aber just zu einer Unzeit geboren worden und klingen seine Worle wie Hohn auf das Elend des Volkes. Tauseude, Zehukauseude Proletarier Deutschlands sind bereits brotlos, arbeitslos. Tausende arbeiten bei verkürzter Arbeits- zeit, weiteren Tausenden steht die Einlassung aus den„Brotstellen" infolge allgemeiner Betriebseinschränlungen bevor! Hunger und Elend allervrtS und der—„Sparpsenuig" erscheint in Blomberg I Von einer Krise haben die Bromberger Herren Rechtsanwälte, Aerzte, Bankiers, Fabrikdirektoren usw. wohl nichts vsrnoinmeu? l Klingt es deshalb nickt wie Hohn, das neue Blatt mit den folgenden Versen Wilhelm Schwaigs aus Darmstadt einzuführen? Vor Not dein Alter zu bewahren, Fang in der Jugend an zu sparen; Sei klug und stolz in deiner Krakt Und leg' vom Lohn, den sie dir schafft, — Leicht kannst d u's— stets etwas zurück Für deiner Zukunft sich'rcs Glück. Wer sich gewöhnt, stets vorzniorgen, Der bleibt bewahrt vor Schuld und Borgen; Solch' wackrer Sinn wird, weit bekannt, Geehrt, geliebt im ganzen Land.— Bald haben Bräutigam und Braut Aus Pfennigen ihr'HauS gebaut; Sie sparen früh den Kindern schon Für Heirat und Konfirmation: So wird, was andern Sorg' und Pein, Für sie der Freuden Quelle sein l Die Kinder blühen um sie her, Sie werden alt in Fried' und Ehr'; Froh blicken sie in Silberhaaren Auf jhreö Glückes Grund— das Sparen! Mo das ganze Leben eines Darmstädter„JdealarbeiterS" be- icht aus„Sparen. Sparen"! Daß der Staat endlich inzwischen elbft zugegeben hat. daß der Einzelne durch Sparpfennige sich weder vor Not in Krankheitsfällen. Unfall-, JnvaliditätS- und Alterssorgen chützen kann und deshalb die vielgepriesene„Soziale Gesetzgebung" schaffen mußte, ist dem Darmstädter Dichter offenbar auch noch nicht bekannt geworden. Er leiert krampfhaft das alte Lied vom„Sparen" von seiner alten Orgel herunter! Auch daß das arbeitende Volk nicht gut sparen kann,.wenn eS sich nicht an sich selbst, seiner Familie und einer ganzen Generation versündigen will, ist dem Dichter deS Sparens nicht bekannt. Als Poet kennt er offenbar die Nollagc des arbeitenden Volkes in Stadt und Land gar nicht, iveiß nichts von der großen Teuerung, die fast jedes Sparen unmöglich macht. Ja, er hat noch nicht einmal den Ausspruch eines ehemaligen preußischen Staats- Ministers über die Lage des arbeilenden Volkes gehört. Eine wirk- liche Exzellenz, deren eS in Darmstadt ja auch eiue Unmeuge gibt, StaatSminister a. D. Freiherr v. Berlepsch, erklärte, wie unsere» Lesern erinnerlich, vor zwei Jahren in einem Vortrage zu Jena olgendes: „Kaum mehr als ein Drittel der gewerblichen Arbeiter lebt in befriedigenden Einkommens- Verhältnissen; die Hälfte kann leidlich aus- kommen, wenn sie durch Krankheit oder Arbeits- losigkeit nicht gefährdet wird; der übrige Teil lebt unter Bedingungen, die fHr den Unter- halt einer Familie, zur kräftigen Ernährung und hinreichenden Wohnung unzulänglich find." Jedermann sollte doch wisse», daß dieser Redner damit das ganze Elend, welches auf der arbeitenden Klasse lastet, nur leise andeuten wollte! Und trotzdem, nachdem erst kürzlich der Minister von Bethmann- Hollweg den Arbeitern den Sparsinn empfohlen hatte, der neue Zosaunenruf zum Sparen! Die große Arbeitslosigkeit ist da. 'olglich leben mehr als zwei Drittel deS arbeitenden Volkes in Verhältnissen, die selbst ein Minister a. D. für„ u n z u l ä n g- lich" hält! Und trotzdem schreibt die Redaktion des neuen BlättchenS, daß noch„Millionen über Millionen dem Volkswohl- 't a n d e zugeführt werden könnten I „Sparsamkeit wird aber auch geübt, nicht nur durch das An- ämmeln von baren Geldbeträgen, sondern durch wirtschaftliches andeln überhaupt. Fast aus allen Gebieten des menschlichen ebens kann eine weise Sparsamkeit im Gegensatz zum Geiz auf der einen und der Verschwendung auf der anderen Seite ausgeübt werden. Nicht immer ist eine Ichcinbare Sparsamkeit auch die richtige Sparsamkeit. Hier können noch Millionen über Millionen dem Volkswohl st an de zugeführt werden, wenn es gelingt, durch Aufklärung über die wirtschaftlichen Vorgänge des alltäglichen Lebens wirtschaftliches Handeln der großen Massen des Volles herbeizuführen. Hierzu unser bescheidenes Scherklein beizutragen, liegt im Rohmen unseres Aufgabenkreises." Das Blättchen wendet sich dann auch an die Unternehmer, die augenblicklich Zehntausende von Arbeiter auf die Straße werfen und verlangte: Fabriksparkassen! Groß und breit wird als Anregung der bekannte Erlaß Wilhelm II veröffentlicht, wonach„der Förderer deS Sparsinns" bestimmt hat. daß a)' jedes in Cadinen erstgeborene Kind 19 M. auf ein Spar- kassenbuch erhält. Für jedes weitere Kind ö M. bis zum Verlassen der Schule 19 M. extra; b) in der C a d i n e r S ch u l e eine Sparkasse errichtet werden oll und auf jedes über 3 M. lautende Sparbuch ein Zuschuß von 29 ReichSpfemngen geschenkt wird usw. Diese Kabinettsorder spreche für sich selbst, meinte jubelnd das Blättchen und sollte deshalb in„allen Schulen in goldenen eitern angebracht werden". Daß aber Tausende von Zkindern hungrig zur Schule gehen müssen— natürlich außerhalb von Cadinen— ist der Redaktion des Blattes unbekannt! Ferner hätte das Blatt schon auS Gründen der Vorsicht, die erst neulich öffentlich durch Gerichtsurteil gebrandmarkte Fabrik- sparkasse der Firma F. Krupp zu Essen nicht als leuchtendes Bei- 'piel auftischen sollen! „Heimsparkasien"—„Volksversicherungen" usw. sollen ge- gründet und gefördert werden I Schwab singt ja:„leicht kannst D u's l" Das arbeitende Volk wird anderer Meinung sein! Würde über diese banalen Zumutungen lachen, wenn eS nicht wie Hohn klingen würde! Der vierZe lisngreg der LmerliiclMen Ungarns. Im großen Prunksaal des neuen Stadthauses zu Budapest begannen am Sonntag, den b. Januar die für drei Tage berech- neten Beratungen der Delegierten der Gewerkschaften Ungarns. Drei Jahre sind verstrichen, seit dem letzten Gewcrkschafts- kongrcß und obwohl die gewerkschaftliche Bewegung Ungarns stets große Kämpfe zu bestehen hatte, so waren doch in den verflossenen drei Jahren viel mehr Ereignisse von großer Tragweite zu ver- zeichnen, als man sonst für ein Jahrzehnt berechnen könnte. Eben infolge der großen Kämpfe, die stattgefunden und deren Ergebnisse zumeist die günstigsten waren, nehmen die Tagungen dieses Kon- grcsses das größte Interesse in Anspruch. Insgesamt 299 Delegkerie waren bei Eröffmiug des flanv gresseS anwesend. Als Vertreter Deutschlands und Oesterreichs waren außerdem die Genossen Legten und Hueber erschienen. Nach den üblichen Begrüßungsreden erstattet Gen. I a s z a» als Sekretär des Gewcrtschaftsratcs Bericht über die Tätigkeit der ungarlänbischen Gewerkschaft. Die ungarischen Gewerkschaften befassen sich hauptsächlich mik der Fortbildung und Unterstützung der Mitglieder und haben aus diesem Gebiete eine außerordentlich wichtige Mission zu erfüllen. Damitz die Fortbildung der Mitglieder ungestört vor sich gehen könne, haben die Gewerkschaften Privatlokaliiätcn gemietet und wenden diesem Zwecke riesige Summen zu. So haben die Buda- pcstcr Gewerkschaften im Jahre 199-1 48 999 K., im Jahre 1999 94 999 K. und im Jahre 1999 85 999 K. an Miete verausgabt. Dies sind große Opfer, sie haben aber auch ihren Erfolg. Inner- halb weniger Jahre hat sich das geistige Niveau der ungarischen Arbeiter in erstaunlichem Maße gehoben. Durch die Verlegung der VereinLlokalitäten in Privathäuser werden die Arbeiter des Gasthauses entwöhnt. Tic Arbeitslosen verbringen in diesem Heim die Zeit mit Lesen oder sonstigem nützlichen Zeitvertreib; die in Arbeit sich befindenden suchen des Abends den Verein auf. wo sie Borträge anhören, oder aber auch mit Lesen sich vergnügen. Wie weit das U n t c r st ü tz u n g o w c f e n in den letzten Jahren vorwärts schritt, beweisen Zahlen. To zahlten die Ge- werkschaftcn in den letzten Jahren Kranken-, �„ Arbeitslosen- Reise- Waisen-, Be- � � Unterstützung Unterstützung gräbnis-usw. Unterstützung 1994 124 999 Kr. 37 999 Kr. 199 999 Kr. 1995 165 900. 39 999 299 900„ 1996 185 990„ 44 999„ 216 090 ,, Unterricht und FaKblätter 59 990 Kr. 69 000, 174 000„ Außer dem Unterricht und den Unterstützungen haben die Ge- werkschaftcn auch auf dem Gebiete der Arbeitsver mitte- l u n g ein sehr ersprießliches Wirken an den Tag gelegt. Bei all dem, daß in den letzten Jahren die Hetze gegen die Gewerkschaften eine große war, hat sich die Arbeitsvermittclung dennoch von Jahr zu Jahr entwickelt. Die Arbeitgeber— so unsympathisch ihnen auch die Gewerkschaften sind—■ wenden sich doch lieber an die Gewcrl- schaften um Arbeiter als an die vom Staat oder den Munizipicn erhaltenen ArbcitSvermittelungSinstitutc. In den Gewerkschaften bekommen sie intelligente Arbeiter, während in den von der Behörde erhaltenen Instituten zumeist weniger gut ausgebildete oder auch ganz ungelernte Arbeiter sich aufhalten. Das Resultat der ArbeitSvermittelung der Gewerkschaften war folgendes: im Jahre 1994 meldeten sich 16 938 Arbeiter, plaziert wurden 11 926, oder 65 Proz.; im Jahre 1995 meldeten sich 18 927 Arbeiter, plaziert wurden 11219 oder 61 Proz.; im Jahre 1996 meldeten sich 24 952 Arbeiter, plaziert wurden 17 633 oder 71 Pro-. der sich Meldenden. Im Rahmen der Gewerkschaften haben in den letzten drei Jahren große Veränderungen stattgefunden. Lokalvereinc bildeten sich zu Landesverbänden um, andererseits aber sind mehrere Ver- eine den schon im Jahre 1994 bestandenen Verbänden beigetreten. So gehörten am 1. Januar 1994 17 Landesverbände mit 462 Fach- gruppen und 27 selbständige Lokalvercine, am 1. Januar 1996 aber 25 Landesverbände mit 1625 Fachgruppen und 13 Lokalvereine in den Verband deS Gcwerksckastsratcs. Die Zahl der auf mo- dcrncr Basis organisierten Blütglicdcr war am 1. Januar 1994 51 979 Männer und 2999 Frauen, am 1. Januar 1995 147 829 Männer und 5603 Frauen, zusammen gehörten daher 153 832 Mit- glieder der Gewerkschaften in den Verband des Gewerkschafts- rates. In letzterer Zahl sind auch 24 999 Landarbeiter eingerechnet. Interessant wäre es. zu wissen, wieviel organisierte Arbeiter eS gibt, die außerhalb des Verbandes des Gcwerkschastsrates stehe»; diesbezügliche genaue Daten waren aber bei bestem Bestreben nicht zu erlangen. In jüngster Zeit konstituierten sich in kurzer Aufeinanderfolge die christlich-sozialcn Verbände, da deren Statuten von der Koali- tionsrcgierung mit einer staunencrregcndcn Raschhcit gutgeheißen wurden. Vergebens war aber das Wohlwollen der Regierung, die Christlich-Sozialen sind in Ungarn zu spät zum Leben erwacht; denn es finden sich kaum Arbeiter, die sich in ihre Vereine einschreiben ließen. Ebenso erging eS auch den patriotischen Vereinen. Einige Streber wollten mit Unterstützung der Regierung das Land be- glücken und gründeten„Arbeiterschutzvereine', die gewerblichen Ar- beitcr aber besaßen Verstand genug, dem patriotischen Humbug nicht aufzusitzen. In Betracht kommende Faktoren bilden daher nur die in den Verband des ungarischen GiUvcrkschaftsratcö gehörenden Organi- sationcn; denn die anderen haben entweder keine Mitglieder, oder nur in so geringer Zahl, daß sie in der Arbeiterbewegung über- Haupt nicht zählen. Die Entwickelung der Vereine der gewerblichen Arbeiter ver- anschaulicht nachstehende Tabelle: Mitgliederstand der Geiverkichaften Am 31. Dez. 1991 Prozentsatz der gewerbl. Arbeiter 2.39 3,65 9,84 12,72 17,03 30,94 9 999 31. 1002 15 270 , 31.# 1903 41 138 . 31., 1904• 53 169 . 31., 1905 71 178 „ 31.„ 1906 129 332 Die Einnahmen der Gewerkschaften steigen von Jahr zu Jahr im Verhältnis zum Auwachsen der Mitgliederzahl. Die Einnahmen und Ausgaben der letzten drei Jahre waren folgende: Einnahmen im Jahre 1904.. 846 820.32 im Jahre 1905.. 1 13 l 987,33 im Jahre 1906.. 1680 059.12 Ausgaben 706 520,77 Kronen 878 367.10. 1330203,81 Zuiammen.. 3658 866,7? 2915096,68 Kronen Kastenrest der Gewerkschaften am 31. 12. 1906. 1 246 643,77 Kroneki Jnventarveriuögen.......... 246 903,07. Gcsamtvermögen 1 493 547,74 Kronen Innerhalb dreier Jahre hat sich das Gesamtvermögen der Ge- werkschaften um beiläufig 790 000 Kronen vermehrt. Es war nämlich im Jahre 1904 ein Gcsamtvermögen von 743 334 Kr. vorhanden, welche Summe sich bis Ende 1906 verdoppelte. Die Fachblätter der gewerblichen Arbeiter erschienen Ende 1904 in 61 500, Ende 1905 in 82 490. Ende 1906 in 145 090 und zu Ende 1907 in 150 890 Exemplaren. Dies sind die Blätter mit reich gewerkschaftlichem Charakter und kommen noch hierzu das Blatt der Landarbeiter„Die Welifreiheit" in vielen tausend Exemplaren, das Blatt„Der weibliche Arbeiter" mit 1900 und daS Blatt„Der jugendliche Arbeiter" mit 1500 Exemplaren. Von den im Jahre 1995 stattgefundenen S t r e i k b e w e» g u n g c n endeten 251 mit vollem und 318 mit partiellem Erfolg, während 83 erfolglos und 74 unbekannten Resultates blieben. Arbeitszeitverkürzung erreichten 32 418 Arbeiter zu- sammen täglich 55 995(h Stunden; Lohnerhöhung erreichten 39 798 Arbeiter zusammen täglich 14 672,39 Kronen. Von den im Jahre 1996 stattgesundencn Streikbewegungen endeten 397 mit vollem und 239 mit teilweisem Siege, 74 erfolg- los und 14 mit unbekanntem Resultat: 7 Bewegungen waren am Ende des Jahres noch nicht beendet. Arbeitszeitverkürzung erreickien 65115 Arbeiter zusammen täglich 63997 Stunden; Lohnerhöhung erreichten 79 333 Arbeiter zusammen täglich 31 615,95 Kronen. Die Zahl der verlorengegangenen Arbeitstage— abgerechnet die Streiks der Angestellten bei der elektrischen Straßenbahn und der Landarbeiter— war 1019 399, der Lohnentgang betrug im Jahre 1996 3 929 892 Kronen. Demgegenüber beträgt die erreichte Lohnerhöhung täglich 31 615,95 Kr. Wenn wir jetzt— abgerechnet die Arbeitslosigkcct und sonstige Feiertage— 210 Arbeitstage als Basis nehmen, dann «rfieht man, daß Im Jadre IVOS 79 853 Arbeiter jährlich fl 639 096 Kr., oder aber ein Arbeiter durchschnittlich jährlich S2 Kr. 33 Heller Lohnerhöhung erzielte. Kollektiv, ertrage. Zu Punkt L der Tagesordnung hielt Een. Gabriel Horo- Witz ein längeres Referat und reichte folgenden Beschlukantrag ein: Die bedeutende Erstarkung der Arbeiter- und Arbeitgeber- organisationen macht die Kollektivverträge einesteils notwendig. sndernteilS möglich. Die Verträge sichern beiden Parteien ge- -raffe Vorteile. Den Arbeitgebern sichern sie für die Dauer der Vertragsgültigkcit den wirtschaftlichen Frieden mit den Arbeitern; den Arbeitern bieten sie während dieser Zeit Gelegen hcit zur Äraftaufspcicherung und zum Ausbau ihrer Organb sationen. Der Wert dieser Vorteile der Kollektivverträge ist jedoch für die Arbeitgeber in der Regel größer als für die Ar- bciter, da die letzteren während der Dauer des Vertrages die eventuellen günstigeren Konjunkturen nicht ausnützen können, den Arbeitgebern sich aber zur vollständigen Ausnützung der günstigeren Situation die Gelegenheit bietet. Deshalb ist bei Schließung solcher Verträge die größte Vorsicht und sorgsamste Erwägung deffen zu empfehlen, ob die erreichten Resultate di' gebrachten Opfer wert sind. Ausgehend von dem Grundprinzip, daß es nicht das Ziel der auf der Basis des Klaffcnkampfcs stehenden Organisationen bilden kann, den Frieden zu stabilisieren, sondern nur einen Waffenstillstand zu gewinnen, empfiehlt der IV. Gewerkschafts- tongreß folgende Gesichtspunkte der Aufmerksamkeit der Or ganisationen: 1. Es mögen möglichst kurzfristige Verträge abgeschlossen werden, weil die langfristigen Verträge die Ausnützung gün- jtiger Konjunkturen unmöglich machen. 2. Die Verträge sollen nicht zu einer Zeit ablaufen, in welcher in der Branche entweder keine oder nur wenig Arbeit ist. 'S. Die Organisationen können solche Verträge nicht ab- schließen, welche die Mitglieder zur Verrichtung von Streik arbeit zwingen, oder welche überhaupt geeignet find, im Innen leben der Organisation Zwietracht zu stiften. 4. Schließlich spricht der Kongreß aus. daß solche Verträge, welche auf Kosten der Konsumenten die freie Konkurrenz be- schranken, und welche unter Haftung oder mit Einwilligung der Organisationen die Produkte des betreffenden Industriezweiges verteuern, unter keinen Umständen abgeschlossen werden können. Ueber diesen Beschluhantrag entspann sich eine längere De- hatte, an der besonders der Vertreter des Verbandes der Buchdrucker, Gen. P e i d l, in längerer Rede teilnahm. Um 6 Uhr abends wurden die Verhandlungen abgebrochen. In seinem Schlußwort empfahl der Referent als Zusatzantrag die Annahme des Antrages des Verbandes der Bauarbeiter, der folgendermaßen lautet: » Mit Rückficht darauf, daß die Schließung der Kollcktivvcr- träge von großer Wichtigkeit ist, spreche der Gewerkschaftskongreß aus, daß vor der Unterfertigung der Kollektivverträge die Zu- ftimmung des Gewerkschaftsrates einzuholen ist. In der Pro- vinz haben die Verbandsleitungen auf die Schließung der Kollektivverträge die gleiche Ingerenz auszuüben. Der Antrag wurde mit allen gegen zwei Stimmen ange- nommen. Uebcr Punkt 3 der Tagesordnung: Streik- und Bereinigungsrecht referierte Genosse Knittelhofer und reichte folgende Refo» lution ein: In den auf die Verbesserung der Lage der Arbeiterklaffe abzielenden Kämpfen sind Streik und Boykott unentbehrliche Mittel. Diejenigen, ioelche dieses Mittel unmöglich machen wollen, handeln gegen Fortschritt und Gemeinwohl. In Ungarn erschwerte man den wirtfchaftlicken Kampf der Ardeiter mit der Beschränkung des Bereinigungs- und Versammlungsrechtes. Wahrend die Arbeitgeber volle Bercinigungsfreiheit genießen, schwarze Listen herausgeben können und chre Kollegen straflos terrorisieren dürfen, verfolgt man die für eine bessere Existenz kämpfenden Arbeiter und löst ihre Vereine unchegründeterweise auf. DaS Bereinigungsrecht in Ungarn regeln Ministerialverord- nungrn in der Weise, daß man mrt jeder einzelnen Verordnung dieses Recht lediglich beschränkt und so den rückständig denkenden Behörden Gelegenheit bietet, die Organisationen der Arbeiter zu verfolgen. Demzufolge erklärt der Kongreß all jene Bestrebungen, die auf die Beschränkung des Vercirngungs- und Versammlungsrechtes sowie der«treikfreiheit abzielen, als Attentat gegen Volt und Kultur. Nachdem die von den Ministern des Inner» und des Handels erlassenen Verordnungen die behördlichen Organe, Polizeihaupileut- und Stuhlrichter gleichsam ermuntern, daS Lereinigungs- und Versammlungsrecht mit Füßen zu treten. fordert der Kongreß: Daß sämtliche bisher erlassenen, gegen Kultur- und Frei- heit gerichteten, aus das Beremigungö- und Versammlungsrecht bezüglichen Verordnungen zurückgezogen werden mögen; ferner fordert er. daß man ein solches Gesetz schaffe, welches sowohl das Vereinigungs- und Versammlungsrecht, wie auch die volle Streikfreihelt sichert. Der Kongreß macht es der Arbeiterklasse Ungarns zur Pflicht. baß sie den fürs Vereinigungs- und Versammlungsrecht bereits begonnenen Kampf mit gesteigerter Kraft solange fortsetzt, bis sie die volle Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit er- kämpft bat. Die folgenden Redner find alle für den Antrag und sprechen im ähnlichen Sinne, worauf der Kongreß Schluß der Debatte wünscht. Dagegen ist Genosse Garai, Delegierter des Eisenbahn- arbeiterverbandeS. Der Kongreß erklärt jedoch die Debatte für beendet, erlaubt jedoch Genossen Garai, noch zu diesem Punkte der Tagesordnung zu sprechen. Genosse Garai führt folgendes auS: Com Ei s enbahnarbci tekcverband delegiert, beantrage ich lim Interesse der entrechteten Eisenbahnarbeitcr Ungarns» die vom Staate ausgebeutet werden, folgenden Zusatzantrag: Die wirtschaftliche Lage der Arbeiter Ungarns wurde mjjj der Beschränkung des Vereinigungs- und Versammlungsrechtes erschwert. Ja. die Eisenbahner wurden ihres Vereinigungs- und Versammlungsrechtes durch Ministerialerlasse, die die Kraft eines Gesetzes in sich bergen, direkt beraubt. Redner begründet seinen Zusatzantrag damit, daß bei Be- �rcchung des Vereinigungs- und Versammlungsrechtes neben den Allgemeinheiten auf jene schmähliche Tatsache hingewiesen werden mutz, daß die Eisenbahner dieser ihrer Rechte durch das Gesetz selbst beraubt wurden. Es ist bekannt, daß die Dicnstpragmatit den Eisenbahnern das Streikrecht nahm und Streikende mit Kerkerstrafcn bedroht. Dies ist nun keine die Eisenbahnarbeiter allein betreffende Unbill, sondern ein Attentat gegen die Gesamt» arbeiterschaft. denn die Dienstpraamatik birgt in dieser ihrer Ver- fügung das erste Streikgesetz in Ungarn. Dies muß'in dem Be- schlußantrag besonders festgenagelt werden, und muß d-r Kongreß aussprechen, daß die am Kongreß vertretenen Gewerkschaften mit den Eisenbahnern sich solidarisch erklären.(Lebhafter Beifall.) Der Kongreß nahm auch den Zusatzantrag des Genossen Garai an. Zum Punkt 6 der Tagesordnung: Arbeitrrschutz nahm der Kongreß folgende Resolutionen cm: l. Der IV. Gewerkschaftskongreß gibt seiner Ucberzeugung Ausdruck, daß man in Ungarn noch kein einziges Gesetz schuf, welches die Gesundheit und das Leben des Arbeiters wirksam schützen würde. Das KrankenunterstützungS- und Unfall- vcrsicherungsgesetz vom Jahr« 1907 ward hauptsächlich im Jnter- esse der Arbeitgeber geschaffen. Dieses Gesetz beraubt die Ar- briter ihrer erworbenen Rechte im Tausche für ein elendes Almosen, indem cS die Vertretung der Arbeiterschaft von der Zwcitdrittelvertretung auf die Parität herabdrückte. Demzufolge spricht der Kongreß auL, daß er nur von solch einem Arbeiter- Versicherungsgesetz ein Resultat erwartet, welches den Arbeitern das Selbstverwaltungsrecht gibt. Der Kongreß fordert daher die Modifikation des Versicherungsgesetzes, fordert die Auflassung der Unternehmungskassen und die Zentralisation der Bergwerks- bruderladen; fordert ferner, daß auch die landwirtschaftlichen Arbeiter und das Gesinde, der Versichcrungspflicht unterzogen werden. II. Mit Rücksicht darauf, daß die heutige Institution der Ge- werbeinspcktion mangelhaft ist und ihrer Bestimmung überhaupt nicht entspricht, fordert der Kongreß die Modifikation des Ge- setzcs über die Gewerbeinspektion in der Weise, daß aus dem Wirkungskreise der Gcwerbeinspekiion all jene Funktionszweige ausgeschaltet werden mögen, welche nicht Arbeiterschutzzwecken dienen. Die Zahl der Gcwerbeinspektoren sei durch Verwendung von Arbeitern beiderlei Geschlechtes zu vermehren. Die land- wirtschaftlichen Betriebe und das Kleingewerbe seien auch unter Gewerbeaufsicht zu stellen. Des weiteren fordert der Kongreß, daß das Gesetz über die Sonntagsruhe in der Weise zu ergänzen sei, daß es jedem Ar- beiter eine mindestens 36stündige, ununterbrochene Arbeitsruhc sichere. Schließlich fordert der Kongreß die gesetzliche Versicherung gegen Arbeitslosigkeit und die Schaffung des von der Regierung bereits versprochenen Gesetzes über die Alters- und Invaliden- Versicherung, mit der anatomen Verwaltung seitens der Ver- sicherten und ohne Belastung derselben. Von Wichtigkeit sind folgende zwei Zusatzanträge: 1. Mit Rücksicht auf den beschämenden Zustand, daß in Ungarn bisher weder im amtlichen noch im gesellschaftlichen Wege ein Versuch gemacht wurde, jene eine gewaltige Schicht der Arbeiterschaft ständig dezimierenden Gefahr: die Blei- und Phosphorvergiftung möglichst zu beschränken, beantragen wir: Der Kongreß weise den neu zu wählenden Gewerkjchaftsrat an, er inszeniere eine Landesbewegung im Interesse der Ab-- wcndung der Blei- und Phosphorvergiftung durch gesetzliche Maß- regclung der Fabrikation und Aufarbeitung solcher giftigen Stoffe. Der Gewerkschaftsrat trachte dahin, daß die aus Blei- und Phosphorvergiftungen sowie aus anderen speziellen, der Be- schäftigung entspringenden Erkrankungen im Wege der Gesetz- gebung als gewerbliche Unfälle gualifiziert, resp. beurteilt werden, sowohl vom Gesichtspunkte der Unfallversicherung, wie auch von dem gerichtlichen Verfahrens aus. Verband der ungarländischcn Malerarbeiter. 2. Die Nagyszebener Arbeiterorganisationen unterbreiten dem durch den Gewerkschaftsrat einberufenen Gewerkschaftskon-' grcß folgenden Antrag: Nachdem die Verfügungen des jüngst inS Leben gerufenen Unfall- und KrankenversickicrungSgesetzes die Interessen, insbe- sondere der Saisonarbeiter, wie Zimmerer, Maurer und Zimmermaler, in keiner Weise vertreten, ja zu ihrem direkten Schaden sind, inszeniere der Gewerkschaftsrat im ganzen Lande ciue intensive Bewegung, damit dieses Gesetz dahin modifiziert werde, daß in demselben die Arbeiter der oben genannten Branchen so betrachtet werden, als würden sie auch den Winter über arbeiten und Beiträge zahlen. Der Nagyszebener GcsamtauSschuß. Auch ein längerer Ankrag zum Kampf gegen den Altoholismus wurde nach kurzer Debatte angenommen. Unter den Klängen der Marseillaise ging der Kongreß aus- einander. großer Emphase betonte, daß eS eine Dreistigkeit sei, wenn ein so junger Mensch wie der Angeklagte, der erst 21 Jähre alt ist, in dieser Weise über die Religion spreche Die Anklage aus Berächt- lichmachung von Staatseinrichtungen ließ der Vertreter der An- klagebehörde fallen, weil in dieser Hinsicht nichts erwiesen war. Er beantragte wegen Beschimpfung der christlichen Kirche eine Ge- fängnisftrafe von S Monaten. Rechtsanwalt Liebknecht begründete des näheren, weshalb di« Aussage des Wachtmeisters Donath nicht als objektiv gelten könne und wies ün einzelnen nach, daß der Angeklagte nicht die Religion und die Kirche angegriffen oder gar beschiinpft, sondern nur die Anlvendung kritisiert habe, welche von der Religion gemacht werde, um das Volk nach einer gewissen Richtung hin zu beeinflusset?. Weiter bemerkte der Verteidiger, die Ansicht des Staatsanwalts. daß die Sozialdemokratie die heutige Kultur für Unkultur halte, sei ihm neu. Wir Sozialdemokraten erkennen die heutige Kultur an, wir wollen sie fördern und die Menschheit auf eine höhere. 5wlturstufc heben. Der Verteidiger beantragte die Freisprechung des Angeklagten, weil derselbe die Kirche nicht beschimpft, übrigens auch seinen Vortrag in einer Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins, also nicht öffentlich schalten habe. Auch aus diesem Grunde müsse Freisprechung erfolgen. Genosse Heinig gab in seinem Schlußwort dem Staatsanwalt eine Antwort auf die Anspielung auf Heinigs jugendliches Alter. Er sagte, wenn vielleicht ein Lljährigcr Staatsanwalt noch keine eigene Meinung habe, so dürfe man es doch nicht als Dreistigkeit bc�cichnen, daß ein 21jäk>rigcr Arbeiter, der sich unter vielen Mühen ein höheres Maß von Bildung und eine eigene Meinung erworben hat, seine Meinung auch vertritt, und wenn der Staatsanwalt nur. an strafbare Aeußerungen denke, so seien solche, von einem ■lOjährigen gebraucht, doch nicht strafbarer, als ob sie ein Lljähriger mache. Der Staatsanwalt hatte auf die Zurücktvcisung nur eine verlegene Antwort. Das Gericht schenkte den Angaben des Wachtmeisters Donath vollen Glauben und nahm an, daß der Angeklagte alle die Aeuße- rungen gebraucht habe, die der Zeuge Donath bekundete. Da diese Aeußerungen aber im geschlossenen Kreise einer Mitgliedervcr- sammlung gefallen sind, so liege keine öffentliche Beschimpfung der Kirche vor, der Angeklagte mußte deshalb freigesprochen werden. Die ebenso neue wie total falsche Ansicht des Staatsanwalts über die vermeintliche Anschauung der Sozialdemokratie ist ge- eignet, die Notwendigket des Ersatzes„gelehrter"— nicht nur junger— Juristen durch Volksrichter, gewählt auö allen Teilen des Volkes, von neuem zu erweisen. ver Kericht eines Lencksrme» war es wieder einmal, aus dem einem Versammlungsredner«in Strick gedreht werden sollte. Genosse Hein ig hielt im sozialdemokratischen Wahlverein in Nieder-Schöne» weide einen Bortrag, über den der Gcndavmeriewachtmeister Donath einen Bericht erstattete. Auf Grund dieses Gendarmen- bcrichtS ist gegen den Genossen Heinig Anklage erhoben worden wegen Bercichtlichmechnng von StnntSeinrichtungen und Be- schimpfung der christlichen Kirche. Am Freitag verhandelte die 2. Strafkammer des Landgerichts II über die Sache und da machte der Vorsitzende den Angeklagten darauf aufmerksam, daß auch eine Bestrafung wegen Gotteslästerung in Frage kommen könne. Der einzige Zeuge der Staatsanwaltschaft war Wachtmeister Donath. Bei der Wiedergabe deö Vortrags ging es ihm so, wie es Gendarmen und Polizeibeamten in der Regel zu gehen pflegt, wenn sie Ausführungen von Rednern wiedergeben sollen, zu deren Verständnis und richtiger Auffassung nicht Pflichttreue und Dienst- eifer ausreicht, sondern eine gewisse Vorbildung erforderlich ist, die ein Gendarm nun mal oft nicht hat. Wachtmeister Donath hat sich einzelne Aeußerungen des Redners notiert. Schon diese waren naturgemäß nicht richtig wiedergegeben. An der Hand dieser teils ganz unzutreffenden Notizen hat er den Gedankengang des Vortrages zu rekonstruieren versucht und ist so zu einem ganz falschen Resultat gekommen, zu einer Auffassung über den Sinn der Rede, wie sie ihn gar nicht gehabt haben kann. Das merkte bei der Zeugenaussage Donaths jeder, der mit den Gedanken und Ideen,'welche die sozialdemokratische Bewegung beherrschen, auch nur einigermaßen vertraut ist. So hat der Zeuge beispielsweise in seinem Bericht, dar die Grundlage der Anklage bildet, angegeben, daß bestimmte beschimpfende Aeußerungen vom Redner in un- mittelbarer Beziehung auf Gott gebraucht worden seien. Als Zeuge mußte der Gendarm dagegen zugeben, daß der Redner ausgeführt hat: Wenn Euch jemand das und daS von Gott sagt, so sind das vorsint- flutliche Witze, alberne Märchen, wodurch jene Leute den Gott zu einem Popanz machen.— In ähnlicher Weise haben sich auch andere Aeußerungen deS Genossen Heinitz im Kopfe des Wacht meisters Donath zu einem schier unkenntlichen Zerrbild dessen ge staltet, was der Redner wirklich gesagt hat. Nach Donaths Angabe soll Heinig auch gesagt haben, tue Religion ist nur eine Kultur macht. Der Angeklagte hielt dem Zeugen entgegen, daß er allerdings die Religion als eine Kulturmacht bezeichnet habe, daß aber emr Kulturmacht doch nicht etwas so minderwertiges sei, wie der Gendarm anzunehmen scheine und ein anständiger Mensch also nichr geringschätzig sagen könne, nur eine Kultucmacht. Ver. zerrungen ähnlicher Art fanden sich in den Angaben des Wacht- meisters Donath noch eine große Menge. Zu verwundern ist das nicht, zumal der Wachtmeister Donath seiner eigenen Aussage nach sich schon von vornherein über die Aeußerungen des Redners ärgerte. Unter solchen Umständen ist nicht zu erwarten, daß ein zuverlässiger Bericht geliefert werden kann, der eine auch nur leid- lich sichere Unterlage für eine Anklage bilden könnte. Aber die Angaben im Bericht des Wachtmeisters Donath ge- nügtcn nicht nur der Staatsanwaltschaft zur Erhebung der An- klage, sondern selbst der Leiter der Verhandlung, Landgerichts- direktor Pusch, bezeichnete die Angaben des Zeugen Donach als sehr klar, so daß man nicht sagen dürfe, hier sei ein Gendarm in eine Versammlung geschickt, der von politischen Dingen nichts ver- stehe. Obgleich vier Teiknehmer der Versammlung als Zeugen auf- traten und den Sinn der Ausführungen des Angeklagten ganz anders wiedergaben wie der Wachtmeister, so hatte doch der Ange- klagte und sein Verteidiger Theodor Liebknecht in der Hauptsache dagegen anzukämpfen, daß das Gericht sich die unzutreffende Auffassung des Gendarmen zu eigen machte. Für den Staatsanwalt waren die Angaben des Zeugen Donath allein maßgebend. Ueber die Widersprüche in Donaths Auf- fassung der Rede HeinigS setzte sich der Staatsanwalt sehr leicht hin- weg. Die Religion ist nur«ine Kulturmacht, das entspricht ja vollkommen der sozialdemokratischen Anschauung, wonach die heutige Kultur Unkultur ist, sagte der Staatsanwalt, der auch mit Sericbts- Leitung. Juristischer Kindermord? Vor der 1. Strafkammer des Landgerichts III stand am. Freitag Genosse Dr. Heinrich Braun, um aufs neue sich zu verantworten wegen angeblicher Beleidigung jenes Richterkollegiums in Beut he n. von dem zwei Kinder im Alter von 12 und 13 Jahren wegen Gefährdung eines Eisen» bahntranöportes zu je einem Jahre Gesängnis, der Mindeststrafc, verurteilt worden waren. Die beiden Kinder, ein Knabe und ein Mädchen, hatten Steine auf die Schienen der Straßenbahn gelegt, weil sie mal sehen wollten,„wie die Straßenbahn hoppft', die Straßenbahn war aber beim„Hoppsen" entgleist. Dr. Braun besprach im Mai 1993 jenes Urteil in seiner Zeit- schrift„Neue Gesellschaft" in einem Artikel, der die Ueberschrift „Juristischer Kindermord" trug, und die Frankfurter ..Volksstimme" entnahm aus der„Reuen Gesellschaft" diesen Artikel. Die Kritik mißfiel der Staatsanwaltschaft zu Beuthen. und auf einen Wink von ihr erklärten dann die Richter samt dem Ersten Staatsanwalt, daß sie sich beleidigt fühlten. Der Präsident des Landgerichts Beuthen stellte bei der Frankfurier Staats- anwaltschaft Strafantrag gegen„alle an der Herstellung des Artikels beteiligten Personen". Angeklagt wurde zunächst nur der verantwortliche Redakteur der„V o I k S st i m m e", aber der Prozeß gegen ihn endete mit Freisprechung. Dr. Braun, der verantwortliche Redakteur der„Neuen Gesellschaft", war un- behelligt geblieben. Erst nach der Freisprechung des Redakteurs unseres Frankfurter Bruderblattes wurde von der Staatsanwalt» fchaft bei dem Präsidenten des Landgerichts Beuthen angefragt, ob man nun auch noch Braun prozessieren solle. Der Landgerichts- Präsident antwortete, er„halte den Strafantrag aufrecht", und so kam es zur Erhebung der Anklage auch gegen den Genossen Braun, die mit seiner Verurteilung zu 199 Mark Geldstrafe endete. Der Verurteilte legte Revision ein; die Staatsanwaltschaft, die die 199 Mark für noch zu wenig hielt, tat ein Gleiches. Braun wurde abgewiesen, dem Rcvisionsantrage der Staatsanwaltschaft wurde stattgegeben. Der Angeklagte sei, so entschied das Reichsgericht, zu bestrafen gewesen nicht aus§ 135(formale Beleidigung), sondern aus L 136(üble Nachrede). Zn der erneuten Verhandlung vor der 1. Straf« kammer des Landgerichts III unter dem Vorsitz deS Landgerichis- direktors Warnatsch wurde zunächst die Frage geprüft, ob nicht Verjährung eingetreten sei. Rechtsanwalt Dr. Oskar Cohn, der dem Angeklagten als Verteidiger zur Seite stand, führte aus, daß der Strafantrag gegen Braun IN rechtsgültiger Form erst am 17. November 1993 gestellt worden sei, während die betreffende Nummer der„Neuen Gesellschaft" bereits am 13. Mai, alsck vor mehr als sechs Monaten, herausgekommen war. Der Vorsitzende machte daraus aufmerksam, daß schon unterm 4. Oktober die erste Ladung Brauns erfolgt sei, um ihn nach dem Verfasser zu fragen. Der Verteidiger bestritt, daß hierdurch die Verjährung unter- krochen werden konnte; eS gebe keine Prozeßhandlung, ohne daß ein formell richtiger Strafantrag vorliege. Der Strafantrag habe sich zunächst nur gegen die„Volksstimme" gerichtet, nur auf sie habe der Wille des Antragstellers sich bezogen, nur ihr habe gegolten die dem Landgericht Beuthen von der Staatsanwaltschaft gemachte Offerte, Strafantrag zu stellen. Der Staatsanwalt erwiderte, die richterliche Handlung vom 4. Okiober hätte die Verjährung unterbrochen, auch wenn noch kein Strafantrag vorgelegen hätte. Ein solcher habe aber, das suchte er glaubhast zu machen, tatsächlich bereits vorgelegen; denn der Ausdruck„gegen alle beteiligten Personen" schloß vor allem auch den geistigen Urheber, den Dr. Brau», ein. Dem Antrage des Staatsanwalts, im Zwcifclsfalle den Landgerichtspräsidenten und den Ersten Staatsanwalt zu Beuthen zu vernehmen, schloß der Verteidiger sich an, der schon vorher auf diese Eventualität hin- gewiesen hatte. Das Gckricht kam zu dem Beschluß, der Landgerichts» Präsident und der Erste Staatsanwalt zu " e u t h e n seien kommissariscb darüber zu vernehmen, ob sie von vornherein über die„Volksstimme" hinaus noch andere Per- 'onen, vor allem Dr. Braun, zur Verantwortung gezogen wissen wollten. Zwar habe in der ersten Verhandlung gegen Braun weder der Angeklagte noch der Verteidiger Bedenken gegen die Korrektheit des Strafantrages erhoben, aber immerhin sei die Auslegung, die etzt vorgebracht werde, wohl möglich. Hiernach mußte die Ver- Handlung vertagt werden. Ein Strafantrag ist eine Willenserklärung, die nicht länger zu sein braucht als wenige Zeilen, und im vorliegenden Falle sicher auch nicht länger war. Es scheint manchmal selbst hochbcamteten und erfahrenen Juristen recht schwer zu sein, eine so einfache Acußerung, wie es ein Strafanirag ist, mt' ausreichender Be- 'timmthcit und zweifelsfrei abzugeben. Das Gericht war ja hier reundlich genug, den beiden Beamten Gelegenheit zu geben, unter ihrem Eide darüber auszusagen, was sie sich mit ihrem Straf- antrage eigentlich gedacht haben. Hätten doch alle Gerichte so viel Nachsicht mit unklaren Aeußerungen und Anträgen auch dann, wenn es sich um Angeklagte, nicht um beamtete Zeugen,' und um ungebildete Leute, nicht um Juristen in hervorragender Stellung, handelt. ßrlefftaften der Redafttfon. G. M. 4486. Wenden Sie sich an die Offenbacher Krankenkasse für Frauen und Mädchen, Prinzenstrafje 66 bei«inz>— C. S. 67. Die Stempelsteuer beträgt in Ihrem Fall nur 1 M> Im übrigen fordern Sie den Wirt aus, die Plage innerhalb �einer von Ihnen zu fetzenden an« gemessenen Zeit zu beseitigen, drohen Sie, datz Sie sonst aus feine Kosten durch einen Kammerjäger die Plage beseitigen lassen würden und führen Sic Ihre Drohung aus,— 166—136. Sie können mit Aussicht aus Er- solg aus Rückza lung klagen,— H. K. Die Angebote haben schriftlich zu erfolgen,— T. j». Ihre Frau kann in dem Prozetz beantragen, datz die zweite Schneiden» als Zeugin und Jachverständige vernommen wird, Indes liegt wenig Aussicht zu einem günstigen Ausgang der Klagesache für Ihre Frau vor Es ist deshalb in Ihrem Fall zu einem Vergleich oder zur Zahlung vor dem Termin zu raten,— M. W. 1666. Ist sehr ungewitz, E. K. i!6>. Das Gesetz vom 22. Mai 1895 gibt nur eine Kricgsinvaliden- rente von monatlich lU Mark,— Tch. 35. Ihren Anspruch müssen Sie gegen die Kaste richten, der sie nach dem Gesetz bis zum 15, November angehörte». Auch wenn der Arbeitgeber Sie nicht angemeldet hat, ge- hörten Sic traft des Gesetzes der Kaste an, Falls es sich nicht etwa um eine Arbeit handelte, die von vornherein höchstens eine Woche dauern sollte, — B. B. 166. Am geratensten ist es, Sie setzen sich mit dem Direktor der städtischen Handwerkcrschule in Derbindunz.— Genosse 56. i. Die Forderung ist sofort vollstreckbar, Ersuchen Sie den Anwalt, Ihnen Raten« zadlung zu gestatten oder Ihnen Ausschub zu geben, 2, Die Kaste ist im Recht,— 9l. M. 235. 1 und 3. Ja. 2 und 4. Nein, 5. Kaufmann, Buchhalter und dergleichen.— A. D. 26. Der einbehaltene Anzug wird überhaupt nie Ihr Eigentum, Sie müssen ihn stets aufbewahren, DaS Beratendste ist, den Anzug zurückzugeben und sich aus Ratenzahlungen zu einige».— B. 166. l und 2. Ja. 3, Nach der herrschenden Ansichi ja, — K. 26. Nein,— K. L. 7646. Sie können klagen. Der Klage mutz ein Sühnetermin voraufgehen. Der Beweis der Tälerfchaft ist von Ihnen als Kläger zu führen. Gelingt Ihnen der Beweis nicht, so werden Sie kostenpflichtig mit der Klage abgewiesen. Die Kosten machen ungefähr 50 M, Die Kosten des Sühnetcrmins betragen kaum I M. — I. A. 96. Sie haben das Recht, die Hälfte der für Ihren Mann geklebten Beiträge zur Versicherung erstattet zu verlangen.— D. M. 355. t. und 2, Ein Anspruch aus Rückerstattung der Marken steht Ihnen nicht zu. Sie können nur gegen den Entziehungsbcscheid Berufung einlegen, 3 Zur Steuerzahlung sind Sie verpflichtet,— Ketten 1886. Ihre Braut ist nicht oerpflichtet, das Weihnachtsgeschenk sich anrechnen zu lassen, weil sie keinen Grund zur Entlassung gegeben hat, Sie hätte eventuell aus Zadlung oder aus Herausgabe zu klagen,— F. S. 83. Ihre Braut hat das Recht, aus Rückgabe der Uhr beim Amtsgericht zu klagen,— F. M, 72. Sie können mit Aussicht aus Erfolg aus Herausgabe des Rocks eventuell auf Schadenerlatz klagen.— C. 29. 1. Ja. 2. Trotz der Zurücknahme würde die Widerklage Ihrer Frau weiter gehen, 3, Nein. In einer solchen Klage würde Ihnen das Armenrecht auf Antrag bewilligt fein.— M. Nein. Borchert. Seit dem 1. April>907 ist auch die Ebcsrau verpflichtet, selbst wenn ihr Mann aus der Kirche ausgetreten, ist, sie aber der Kirche noch an- gehört, Kirchensteuer zu zahlen Die Kirchensteuer wird aus demselben Wege im Verwaltungswege eingezogen. Es würde auch versucht werden, die Steuer vom Mann einzuziehen. Wir halten eine solche Einziehung für un« richtig und eine Klage gegen eine Einziehung nicht für aussichtslos, indessen ist ein Erkenntnis wegen dieser Frage noch nicht ergangen.— 9987. Ja, — C. V. 3. Wenn ein schriftlicher Lchrvertrag nicht vorliegt, so kann Ihr Sohn leider aus Entschädigung nicht klagen. Er kann aber ein Zeugnis verlangen, welches der Wahrheit entspricht und eventuell aus Ausstellung eines solchen klagen,— F. F. 32. Die Nebenabgaben kommen nicht in Anrechnung, Wenn aber in Ihrem Vertrage als Miete 312 M, bcreiqnet sind, so würde dieser Beirag von der Steuerdirektion für matzgebend er« achtet werden,— Akicter 52. Der Vermieter dätte in Ihrem Falle Anspruch auf den ihm entgangenen Mietszins, also für die Monate, für die er seitens eines Dritten Miete nicht crhalcen hat,— M. T. 34. Aus einen Sonnabend,— K. Sch. 266. Falls Ihr MielSoertrag nichts Gegen- teiliges sagt, ist Ihr Wirt und nicht Sie zum Ersatz der Scheibe oerpflichtet, Für or» In dal,»er Inieraie fiKerninimi die tttedatiio» den, vublitni» gege, iiiver teiuerlei 4trraiuiuoriuna. Chcarcr. Sonnabend, 11. Januar. Ansang VI, Uhr. Königl. Opernhaus. Siegfried. Ansang 7 Uhr. Königl. Schauspielhaus. König Heinrich V. Tiemiches, WaS ihr wollt. Kammerspiele, Esther. Elektra. Lcssing, Kaiser Karls Geisel.(An- fang 7 Uhr.) Lusiipielhnus. Panne. Alllaiiq 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Judith. Nachmiltag» 3 Uhr: Frau Holle. Berliner. Blaubart. Nachmittags 3 Uhr: Till Eulen- spiegcl, Neues. Baccarat. Kleines. Mandragola. T„.->iei ii. A.illner-Theater.) College Erampton. Schiller Charlotteiiburg. Der Revisor. Friedrich- Wilhelmstiidt. Schau- spielhaus. In Vertretung. Westen. Ein Walzertranm. RachnnttagS 4 Uhr: Häusel und Gretcl. Thrairr an der Spree« HotuS. poluS. Oper. Die oerkaufte tau Warren» Gewerbe. Sanz der Papa. Leiermann und sein Konilichc Braut. SenrraL. Residenz. Lotirn. Der Pflegelind. NachmillagS 4 Uhr: Maxund Moritz. Trianon. Fräulein Jofelte— meine Frau. Thalia. Der Verschwender. Lorniug. Der Freischütz. RächmittagS 3'/, Uhr: Rümpel- ftilzchen. Bern im rd Rose. Die Verlobimg im Bett, Die oberen Zehntausend, Nachmittags 4 Uhr: Tausend und eine Nacht, Bürgert. Schauspielhaus. Wilhelm Tell, Sarl.Hnverlaud- Theater. Epe» ztalitäten, Mririii'iM, Das mutz man seh'n, «potto, Hymack, La belle Alexia. Gentes. Waiimlta. Spezialitäten, FolirS Eapriee. Mal waS andres, Dunkle Punkte. Eine anständige Frau. Gebr. Hcrrnseld. Papa und Ge« nossen, Parodie. Zapfenstreich, Tannhäuser. Manna Vanna, Kasino. Biederleute. Wintergarten. Robert Eieidl. Spe- zialiiäten, Pan.ige. Die fingende» Engels- köpse. Spezialitäten Borussia> BariAtS. Ackerstr. 6/7. Spezialitäten. Reichst, allen. Sleltlner Sänger. Ilr»»i», T»»tiei, striche 19. 8 Uhr: Eine Nilsahrt bis zum »weilen Katarakt. Nachminags 4 Uhr: Frühlingstage an der Rwiera, Hörsaal abends 8 Uhr: Professor Donath: Die Ausbreitung der Schallwellen, Steinumrie. Invaltdenttr 67/62. Berliner Theater. GatUpiel d. Neuen Operetten« Theaters. Abends 8 Uhr: Bianbart. Sonnabend. 11. Jan., nachm. 3 Uhr: Till Eulenspiegel. Ueber die Halste ermätzigte Preise. Neues Thealer. Ansang 8 Uhr. Baecarat. Hieraus: Maud Allan: Bisron der Salome. Sonntag: BaccaralHieraus: Biston der Salome. Vom>4, bt» 17. Januar: Gastspiel Elsomirit Dane. Kleines Thealer. Abend» 8 Uhr. Agnes Sorma. Blandragola. Sonnlag nachm. 3 Uhr: Maria Maadalene, AdendS 8 Uhr: Der Kömg CaiidauleS,_ Saal RcrhHtein, Linlcstr. 42. Morgen Sonntag, 8 Uhr: Premiere. Der Weg zum Lachen. Hum. Meistern.(Busch. Schlicht, Presber, Rnnbe, Ostini) rezitiert v. Dr. Alfred Daniel. Klt�chlM, ßote&ßook. Wertbeun. Theater des Westens. 8 Uhr: Ein Walzort räum. Operelte von Oskar Itrautz Sonntag nachm. 3»/, Uhr halbe Preise: Ille luMtlge Witwe. Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. In Vertretung. Ansang 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nathan der Weise, AbeudS 8 Uhr: Madame Sans Gene, M anlag 8 Uhr: In Pertretung. �LortÄng-vper. ßelle« Alllanee-Stralie 7,8. Nachm. 31/, Uhr: Numpelftilzchen. Abends 8 Uhr: Der Freischütz. Sonntag nachm. 3 Ubr: Martha oder: Der Markt zu 9 ichmond, Abends 8 Uhr: Der Trompeter c. Säckingen, "lesideiiRlieater, — Direktion: Richard Alexander.— Ansang 8 Ubr, Ganz der Papa. Schwant in 3 Akten von Mars und Desoalliöres, Deutsch v, M, Schönau. Baron des Aubrais: Rlch Alexander. Sonntag, den>2. Januar, nachm. 3 Uhr: Haben Tie uichtS zu ver- zollen?__ Lustspielhaus. AbenbS 8 Uhr: Panne. ZentraI>Theater. Gastspiel de» Hebbel-TheaterS. Abends 8 Ubr: ft-rau Warrens Gewerbe. Drama in 4 Allen von Lcrnh, Shaw, Uiisöii-Mks. Reichenbergerstr. 34. Nachmittags 4 Uhr: Max und Moritz. Abends 8 Ubr: Sonntag nachnr, 3 Uhr: Romeo und Julia, Abends: Cyprienne oder: Wir lasfen uns scheiden. Montag: Cyprienne oder: Wir lassen uns scheiden._ Sc Ii i 1 1 er-T Ii ea ter. Schiller- Theater 0., Wallner« Zbeaier ,. Sonnabend, abends 8Uhr: Kollege Crnmpton. Komödie in 5 Allen von©erhalt Hauptmann, Sonnlag,»awm 3 N h r: van OlÜck Im Winkel. S v u»: a g a o e» ft S" Her: Kollege Crampton. Montag, abends 8 Uhr: Her Revisor. Schiller. Theater Charlettenburg. Sonnabend, abends 8 Uhr: Her Revinor. Lustspiel in 5 Allen o, Nikolaus Gogol. Deutsch von E, v, Schabeis ky, S a n n, a g, n a ch m, 3 ii c r: Der Richter von Xulumea. S o N ii i o q u D r ii o e c U p t: Reiterattacke. M o n i a g. abends»11 6t: College Crampton. Seh i Iler-Saal(�..'''"»..1»�''''') Sonnabend nachm 6 Uhr: Erste Vorlesung von Proiessor Dr. Paul Schnbring: Anleiiung zum Betrachten von Kunstweeken im An- schlust an die Ichätie de» Kaiser-Itzriedrich-Ättuseums. Mit Lichtbildern. LI« 4° s» ff? �« Panoptikum � a-CffaM 29 163(■'riudrichstr. 163 Das Schlangen-Ungeheuer mit seinen 27 Jangen. Däumling, der kleinste Mann der Welt! .. llru!(flrgnnt! Intrrflfniit! Täglich Vorstellung von 5—11 Uhr. SounlagS von 3—11 Uhr. Sleligcr Eingang von Neubeiten, DgsLMMm! Cltnclottendncg, fioledamerelr. II. Ai-nol«! Scholz— IIanenl»el«le 168-114 Von Sonntag, den 12, lenuar an täglich in den voilBtändig mit neuen bayurirchen Gobirgsdekorationen aasge- scbmückten R lesen Tentnaale Großes Bayerisches Bockbier-fest Baron Muckls Baucrnkapelle Max vom Heedes Tirolertruppe 30 bayerische Madl! Sensationelle Prämiierungen i Sonntags 3 Kapellen. Anfang i&gUob 7 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Entree wochentags 30 Pf. Sonntags 60 Pt Haben Sie schon Urania. Wissenschaftliches Theater. Tnubenstr. 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Frühlingstage an der Rlvlera. 8 Uhr: Eine Nilfahrt bis aum aweiten Katarakt. Hörsaal abends 8 Uhr Professor Donath: Die Ausbreitung der Schallwellen. Rixdon'er Thealer Bürgerjale, Bergstratze Sir. 147. Sonntag, den 12. Januar 1903: H eimnt. Schauspiel in 4 Akt o, H, Sudermann. Ansang VI, Ubr. Montag, den 13, Januar: Volks- Vorstellung zu halben Kassenpreisen: Die Kinder der Eyzellenz, Ans, 8 Uhr, ' �a?8M"?hUe� Abends 8 Uhr:» klillolf büsiier> «vis Tocliter des Herodias| Cavaliere Girotto» The 6 Jdols * Trio Fassio J Die singenden l I Engelsköpfe! J_(Trolo liiert). f Weinbergsweg 19,20. Rosenth. Tor Abends 8 Uhr: Das große Programm. Die ante Sensation im neuen iahr: Der Kra[tJon§leur Acosta. tA clektcinche Sterne musikalisch AusslaltungSakt, lllcstruin, Komiker. Prolongiert I Prolongiert I 12 Akrobaten I.orch 12 40 VariEl�kUnMtler. Tunnel: Regimentskapelle. Tiroler, Theaterbesuchern freier Eintritt, die Leutsellsn Itunzerllisllkn, 'TfadamdaS&w h Aa der Spandauerbrücke 3, besucht??? KSpeuIckerstrafte 68. Täglich 8 Uhr: Hokuspokus. Berliner Posse mit Gesang u, Tanz, Sonntag nachm, 3 Ubr: 4rn»i. gesviewen. lErössnungsvorslell. bei Freiheitlichen Bühne.)_ MM MIM iäc. Frankiiirlerltr 132 DIeVerlobung Im Bett Die ober. Zehntausend. Aniang 8 Ubr,— WochenlaaSpresse, Nachmittags 4 Uhr Kindervorstellung: 10(11 Nacht, Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Blut- Hochzeil, Abends: Die Verlobung im Bett. Die oberen Zehntausend. Neues Programm. Rulb St. Vincent Gesangskünstlerin. Kaufiiiann-Truppe reizende Radfahrkünstlerinnon. Bochez Affen Der Affe als Kapellmeister. Robert Sleidl der beliebte Humorist, and viele andere erstklassige Speziainatcn. W.Koachs Theater Direklwii Rod. Olli. Brutmenitt>v. Heute: Gescb lassen. Sonntag: Geld und 9kan»e. öchau spiel n, d. glelchnam. Roman. Ansang 7 Uhr. Entree 36 Pf. Nach der Vorstellung: Tanz. Dienstag— Mittwoch: In der Irre. liiwZeliiiiiigiiii Heute Snnnabeild, II. Januar. abends Vi, Uhr: XXII. Grande Soiree Higb Llle. Autzergewöhiilich exquisites Programm sowie die phänomenalen Radfahrer Klein Family. Um 9'/, Uhr,— Ende gegen ll Uhr Amerihs Sklavrrri indrmIßHrt Mtö Cowboyexercitien aus importierten Maultiere«. Brand eines Hoirts. löschen mit natürlicher Daiiipsspriue. Iren. Haste Licht- und BSassereffette. Morgen Sonntag 2 Vorstellungen, 3'/, und V/. Uhr, Nachmittag: Die lustigen Heidelberger. I Kind frei, wellere KUtder zahlen halbe Preise. Melropol-Tliealef Anfang präzise 8 Chr. »« Or. Revue in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaonder. In Szene gesetzt von Direktor RioliHrd Schultz G. TliielSEler, F. Massary, B. Darmaöl Bender, Giampielro, Joseplii ete. Raacbeu gestattet. Sonntag, den 12. Janaar, nachmittags 3 Uhr: Die Herren von Maiim. XIII 8alHoa. ZIrknN Busch Sonnabend, den I I. Januar 1903 abends VI, Uhr: Gala< Abend, Auslrelen d, Herrn KominissionS- rals Gustav Stensback, Dir. des Berlin, Tallersalls als Gast. Tbc Reamo rsmist, l« Personen, 8ros, Clarkonians auS Amerika, Das Phänomenalste aus dem Gebiele der Luslarbe», Ferner Frl Mai lha Mohnke, Schulreilerln Herr Ernst Schumann, Neudressuren, Um't,10 Uhr: Aus der Hallig! Gr Maiiege-AuSst,.PanI d Zirku« Busch in 4 Bild Das Phänomen der lauchendan Sirenen. Vorher: Gala• Programm. Soiinlug Zwei Boriiellungen, P alasl-Thealer Buegftrafte 24. F* Heule 8 Uhr*WI Entree«6 Pf.-M» Der Januar- Spielplan. l�es 4 Orans. Paul Pickard. Manövcrlicbe. Burleske. Tkcater Follcs Caprlcc Llnlenstr. 132, Ceke Friedrichstraße. Berlins Tagesgespräch! Mal was Anderes. Revue in 3 Bildern. Dunkle Punkte. Eine unniändlge Fran. Anfang 8 lib» Das Programm der AttraKilonen W und Novitäten. Zlbcnds 8 Uhr; l« kllt ileiil V;. Wilzerwilm"""S";;.",!,'-"1 MM" Hymack"WM der Mann mit den Handschuhen. Slegaart Denten in seinem Skclsch: Die Dpernpruke. Die 3 goldenen Jungfrauen. Kasino-Theater. Lolhringerstr. 37. Täglich 8 Uhr: Nur noch bis Donnerstag. den 16. Januar t Bicdcrlcutc. Freitag. 17. Januar: Zum 1 Male: Die Freuden der Häuslichkeit. Sonntag 4 Uhr: Rill(farter. Parodie-Thealer. DreSdcnerstr. 97. Ansang 8 Uhr, »vorletzte Woche. Zum 65. Male: Zopkenstreick. Tanntisusep. Monna Vanna. Trianon-Theater. T'Z9 Fräulein Josette- meine Frau. Sonnlag nachm.:(khprienne. Eingang Giälcflr. Stiatzenbahiil Nr. 3. 7. 15. 28. 29. 30. 49. 5V,I 53, 55. 95. 1. Ii. V, Ldnnlag: Grosses Konzert. Ober-Schöneweide. Allen Freunden lmd Belannlen empfehle mein 1478L» WsiB-inid ösxi'Isciibiss-I.oligl. Rdaard Sielot, Reuleanr-vbmstrassen-vcte. Gebr. Herrnfeld-! Theater. 57 Kommaiidameniiratze Nr. 57 Ans. 8 Uhr, Vorverlaus 11—2 Uhr, f Die bisher unübertroffcue erfolgreichste Novität: und Geneseeii.! Borber: Madame Wig-Wag.l Sonntag nachm, 3 Uhr: Die j Maherhaius. Sanssouci 5.°�«"« Dircllion: Wilhelm Reizner. Sonnlng, Montag, Donnerstag: ünlkNüUZlierdd.zänger und'kunz. Morgen Sonntag: ktroßc ütite-Soirsc, Tanr, Sonntag Beg, 5 Uhr. Wowenl, 8 Uhr. Dienstag: Gr, SiiezIalitStenvorst. erstkl. KQnstf. ReicbsbaJen-Ilieater. 8 Ansang: Wochentags 8 Uhr. Tonntags 7 Uhr. Relekskullen- Restaurant: Bockbierfest mit groß Militär-Konzert. Ich.: J. LesvlikonMlii. Ackerstraße 6-7. Täglich: Theater- und Spezialitäfen- Versteliung. Anftret, v, 16 Künstler- Spezi alit, uggennagen Montiplati,.....: TT. 77. imlhcateriaal Tä�llChj S und das großartige Jaguar-Programm.| Entree SO PI. Vorverkauf 40 Pf{ Im unteren Konzertsaal täglich j die allcrcrnten nilitUr- Kapellen: Becker, Przvwurski, Göiisch, Neumann, Osseneo, ÜüIIich,' Ver ein l-ie!ilia!ier von Vögeln ist, dem wird jetzl(«elegeubeil ge- boten, ln der am 15 Januar statt. sindriiden NWT' Grossen"TKL Berliner tleiel-Löllerie lein Glück versuchen, Nur sehr wenig Lose und grotzr Edaneen, In der v, l 1.-14 Januar Rosanthalaestr.N.IZstatlfiiidenden Ausstellung können die Gewinne besichtigt werden, kose ä SO PI., Porto und Liste 39 Pf, extra find in Lollerie- und Zlgarreiigeschäsleii ""'G.BaaA.Berlin.�Ä. bei zu Huben 292,10» Ms. Uiitzcn kaust man am billigsten bei llderl Ceti. Kein Enden. 1»- Leser des Blattes erhalte« fiSr 6 Prozent Rabatt. 7032» Nr. 9. 23. Jahrgang. 5. KeilGk ilks Jotniärto" gfttet MKsM Sounadevd. Ii. Jannar 1908. Groß'Berlin im preußischen£tat. Im Etat bcc Eisen bahn Verwaltung werden für den Bc�irk der Eisenbahndirettion Berlin außer den bereits mitge- teilten ersten Raten noch folgende weitere und Schlußratcn verlangt: Für die Herstellung cineS verstärrten Ueberbaucs für die Eisen- bahnbrücke über den Spandauer Schisfahrtskanal und die beider- feitigen Uferliratzen im Zuae der Gütergleise der Berliner Ringbahn als Iusatzratc 9g 009 M. Für die Erweiterung des Güterbahnhofcis Frankfurtclr Ällee der Berliner Ringbahn als letzte Rate 80 000 M. Für die Erweiterung des Wahnhofes Dallgow- Döberitz als letzte Rate M 000 M.. ivir Erweiterung der Wagenrcparaturhalle in der Hauptwertstätte Grunewald, als letzte Rate 200 000 M., zur Erweiterung des Wahnhofs W e i tz e n s e c der Berliner Ringbahn, als fernere Rate 100 000 M., zur tzochlegung der Bahnstrecke Potsdam-Wild- Port einschließlich des Bahnhofes Wildpark und des in diese Strecke fallenden Teiles der anschließende» Linie Treu e n- b r i e b c n- N a u e n, als fernere Rate 800 000 Ää, zur Erweite- rung des Güterbahnhofes Wilmersdorf-Fricdcnau der Berliner Ringbahn, als fernere Rate 100 000 M.. zur Herstellung eines Abstellbahnhofes für den Stadtverkehr auf Bahnhof Grnne- w a l d, als fernere Rate 200 000 M., zur Umgestaltung der Bahn- anlagen bei Spandau als fernere Rate 2500000 M., zur Umgestaltung der dem Fernverkehr dienenden Anlagen auf dem Schlesischen Bahnhof als fernere Rate 000 000 Dtz, zur Umgestaltung der Bahnanlagen bei Schöneberg als fernere Rate 300 000 M., zur Verlegung der Wetzlarer Hauptgleise und Erweiterung der Abstellanlagen für den Fernverkehr auf Bahnhof Grunewald als fernere Rate 300 000 M.. zum Bau einer Kesselschmiede in der Hauptwerkstätte T c:n p e l h o f als fernere Rate 100 000 M., zur"Erweiterung der Anlagen für den Orts- güterverkchr des R o r d b a h n h o f s in Berlin als fernere Rate 300 000 M., zur Beseitigung der Schienenkreuzung zwischen Boll- ring und Südring und Herstellung von Äehrgleisen für den Voll- ring auf Bahnhof Stralau-Runimelsburg als fernere Rate 200 000 M.. zur Herstellung verstärkter Ueberbauten über der Unterführung der Hardenbergstraße in Kilometer 9,1 der Berliner Stadtbahn als fernere Rate 50 000 M., zur Er- Weiterung des Rangierbahnhofcs Tempelhof als fernere Rate 300 000 M., zur Erweiterung des Versandgüterschuppens und Her- ftellung eines besonderen Eilgutschuppenü auf dem Anhalter Güterbahnhof in Berlin als fernere Rate 200 000 lW. In der Begründung der zur Umgestaltung der Ringbahn zwischen Treptow und Rixdorf verlangten ersten Rate von 200 000 Mark wird folgendes gesagt: „Bei der Abzweigung der Vorortgleisc nach Nieder-Schöne- Weidc-Iohannisthal aus der Ringbahn südlich des� Ringbahn- Hofes Treptow kreuzen sich die Gleise von Nieder-Schöneloeide- Johannisthal und nach Rixdorf noch in Schienenhöhe. Ferner können die Züge in Treptow am zweiten Bahnsteig nur unter lleberkreuzung anderer Fahrstraßen anfahren. Diese Schienen- kreuzungen sind für die geregelte Abwickelung des immer dichter werdenden Zugverkehrs störend, so daß ihre Beseitigung erforder- lich ist. Ferner liegt das Bedürfnis vor. Mischen Treptow und Rixdorf an der Ringbahn einen neuen Ortsgüterbahnhof zu er- richten, weil die Anlagen auf den benachbarten Güterbahnhöfen, die nur mit unverhältnismäßig hohen Kosten zu erweitern sein würden, den Verlehr nicht mehr zu bewältigen vermögen. Der Ortsgütervcrkehr stieg in den letzten t0 Jahren auf dam Görlitzer Bahnhof uui 90 Prozent, auf deni Bahnhof Rixdorf um 276 Proz. Der neue Bahnhof soll an der Außenseite der Ringbahn ange- legt, zugleich soll zur Erleichterung der Zu- und Abfuhr der ihm über den Rangierbahnhof Rieder-Schöneweide-Johannisthal zu- kommenden Güter ein Anschlußgleis nach der Verbindungsstrecke Rixdorf-Baumschulcnweg hergestellt werden. Da die Beseitigung der eingangs genannten Schienenkrcuzungen und die Herstellung dcL neuen Ortögüterbahnhofs im Zusammenhang stehen, muß ihre Ausführung gemeinsam erfolgen. Die Gesamtkosten sind zu 9 100 000 W. veranschlagt, wovon für 1908 eine erste Rate von 200 000 M. eingesetzt ist." Zu der Position: Herstellung einer schienenfreien Verbindung zwischen den Vorort"- und den Ferngleisen der Schle- sischen Bahn bei Berlin wird in der Begründung ausgeführt: „Die zur Bewältigung des Massenverkehrs an den Sammer- sonntagcn auf der Vocortstrecke nach Erkner nötige Zahl von Zügen kann von den Stadtgleisen der Stadtbahn, die ohnehin durch die Züge von den Ringbahnstrecken, von Lichtenberg- Friedrichsfelde und von Grünau voll belastet find, nicht mehr aufgetiommen werden, so daß eine Verbindung zwischen den Bor- ort- und den Ferngleisen der Schlesischen Bahn geschaffen werden muß, um einen Teil der Vorortzüge auf die Ferngleise der Stadtbahn überzuleiten. Tie Kosten dieser Verbindung sind zu . 855 000 M. veranschlagt. Davon ist für das Etatsjahr 1903 eine erste Rate von 300 000 2?. erforderlich. Der Etat der Bauverwaltung sieht für Groß-Berlin folgende Forderungen vor: Zur Auswechse- lung von Sandsteinquadern in oen Uferbekleidungen des Land- Wehrkanals loerden als erste Rate 40 000 M. gefordert.— Für den Umbau des Hauses V o ß st r. 31 für Zwecke des Mini- sleriums der öffentlichen Arbeiten werden 300 000 M. verlangt. Das Haus soll dann das im vorigen Jahr ins Leben getretene E i s e» b a h n z e n t r a l a m t aufnehmen.— Im Etat der Justizverwaltung finden sich im Extcaordinarium folgende Positionen: Für bauliche Erneuerungen' bei dem Strafgefängnis in P l ö tz c n f e c als fünfte und Ergänzungsrate 100 000 M., zum Reubau eines gerichtlichen und polizeilichen Obduktions- und Lcichenschauhauses in Charlotten bürg als letzte und Er- gänzungsrate 94 300 M., für den Um- und Erweiterungsbau deS LandgcrichtsgcbäudcS in P o t S d a m und Umbau des Amts- grrichtsgebäudes sowie Neubau eines Gefängnisses als zweite Rate 240 000 M. Der Etat des Ministeriums des Innern sieht vor: Für den Neubau eines Polizeidienstgebäudes in C h a r l o t t e n b u r g als dritte Rate 400 000 M-, für den Neubau eines P o l i z e i d i e n st- gcbäudeS in Berlin als zweite Rate 477 000 M., zur Ein- richtung einer Ferndruckeranlage in der Z e n t r a l t e l e- a r a p h e n st a t i o n beim Polizeipräsidium in Berlin als zweite Rate 101 000 M., zum Ankauf eines Bauplatzes für ein neues .Polizeidicnstgcbäude in Potsdam 203 000 M. lieber die am 1.' April ins Leben tretende Polizeiver- waltung von Lichtenberg wird in der Begründung fol- gcndes erwähnt: Mit dem Tage des Ausscheidens der Stadtgemeindc Deutsch- Wilmersdorf aus dem Kreise Teltow ist dort mit Rücksicht darauf, daß sie mit Berlin baulich nahezu verwachsen ist, und daß in ihr überwiegend großstädtische Verhältnisse herrschen, an Stelle' der kommunalen eine königliche Polizeivcrwaltung durch Anschluß an die königliche Polizeiverwaltung in Schönebcrg eingerichtet worden. Aus dem gleichen Grunde ist eS im öffentlichen Interesse geboten, für die Gemeinden Lichtenberg und Boxhagen- Rummelsburg vom 1. April 1908 ab eine königliche Polizei- Verwaltung mit dem Sitze in Lichtenberg zu errichten. Im Etat des Kriegsministeriums wird verlangt: für Instand- sctzung der Figurcnaufsätze und Trophäen auf dem Zeughause als zweite und letzte Rate 14 000 M., zur Anbringung von Ehren- tafeln in der Ruhmeshallc des Zeughauses als zweite Rate 8000 Mark und zur Verbesserung der Belickitmig der Feloherrenhallen des Zeughauses als zloeite Rate 0000 M.— 1 Der Etat der Domäuenverwaltung verlangt als fünfte Rate für die Vorbereitung Wld Äusfuhriing de» Verkaufs der hierzu bestimmten Teile der k Domäne Dahlem im Regierungsbezirk Potsdam und Herstellung oder nötigen Straßen-, Beleuchtungs-, Entwässerungs- usw. An- t lagen sowie deren laufende Unterhaltung und Benutzung 800 000 Mark.— Im Etat des Kultusministeriums werden zur Instand- setzung des alten Uraniagebäudes in der Jnvalidenstraße, das der naturwissenschaftlichen Fortbildung von Lehrern höherer Schulen dient, 12 000 M. verlangt. Auch der Etat der Landwirtschaftsvcrwaltung cuthält zwei größere für Berlin interessierende Forderungen: 350 000 Mark (letzte Rate) als Baudarlehen zur Erweiterung der bestehenden Versuchs- und Lehrbrauerei sowie zum Bau und zur Einrichtung einer obergärigen Versuchs- und Lehrbrauerci in der Seestraße; 823 000 M. werden als dritte Rate für den Erweiterungsbau der Landwirtschaftlichen Hochschule verlangt. Partei-?Znge!egenkeiten. Die neue Lokallifie liegt der heutigen Nununer bei. Die Genossen werden gebeten, sich dieselbe aufzubewahren zum Zwecke strengster Beachtung. Besonders Vereinsvorstände wollen vor Abschluß von Vcreinsfestlichkeiten mit Saalinhabern sich vorher genau diese Liste ansehen. Wer uns die Tür weist, wenn wir die Säle zu ernsten Beratungen benötigen, braucht auch die Arbeiter nicht, wenn dieselben gesellig zusammen- kommen._ Zur Lokalliste. Am 11. d. Mts. findet im„GesellschaftS- haus", Inhaber Wichert, in Eichwalde, ein Maskenball statt; eben- falls zum 11. d. Mls. hat der„Arbeiter-Beerdigungü- verein" von Martendorf im Lokal von Rauh, Dorfstratze dort- selbst einen Maskenball veranstaltet. Beide genannten Lokale stehen der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung und machen wir die obigem Berein angehörenden Arbeiter, soweit dieselben einer modernen Arbeiterorganisation angehören, aus die eventuellen Folgen eines Boykottbruches aufmerksam. Am 18. d. Mls. feiert der„Männergesangverein Zeuthen" im Lokal von T r i l!. Zeuthen sein Stiftungsfest. Da auch dieses Lokal zu Versammlungen beharrlich verweigert wird, sind alle dortigen Veranstaltungen seitens der Arbeiterschaft streng zu meiden. Die Lokalkommission. Dritter Wahlkreis. Am Sonnabend, den 25. Januar, findet das 17. Stistuiigsfest im„ G e w e r k s ch a f t s h a u s e", Engel-Ufer 15, statt. DaS Programm desselben ist in jeder Beziehung ein gutes zu nennen und können wir den Besuch des Feste» nur empfehlen. _ Der Vorstand. 6. Wahlkreis. Nach dem Resultat der Urabstimmung in den Zahlabenden sollen für unseren Wahlvcrein zwei besoldete Beamte angestellt werden. Mitglieder, welche sich darum bewerben wollen, haben ihre Meldung spätestens bis zum Dienstag, den 14. Januar. brieflich an den Vorsitzenden W. Frcythaler U. 31. Garten- platz 1, einzusenden._ Der Vorstand. Treptow-Baumschulenweg. Die Genossen werden ersucht, sich heute abend 7 Uhr vollzählig in den Bezirkslokalen einzufinden. Der Vorstand. Wilhelmsruh. Morgen Sonntag vormittags O'/o Uhr: Morgensprache bei Barth, Biktoriastr. 7. Sämtliche Genossen von Wilhelmsruh und Nieder-Schönhausen-West sind verpflichtet, vollzählig und pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. Zeuthen-Miersders. Wichtiger Angelegenheit wegen werde» die Parteigenossen ersucht, heute abend 7 Uhr pünktlichst in den Bezirks- lokalen zu erscheinen. Die Bezirksführer. Bezirk Waidmannslust. Die Generalversammlung deS Wahl- Vereins findet Sonntagnachmittag 4 Uhr in WaidmannSlust, Schweizei Häuschen, statt. Tagesordnung: Bericht des Borstandes und der Funkiionäre und Neuwahl derselben. Beschlußfassung über die Neueinteilung des Bezirks. BereinSangelegenheiten und Ber- schiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Eichwalde. Am Sonntag, den 12. Januar, abends 6 Uhr, findet im Lokal von Witte eine öffentliche Versammlung für Männer und Frauen statt, die sich mit der am Dienstag, den 14. Januar, stattfindenden Ersatzwahl eines Gemeindevertreters beschäftigen soll. Die Genossen werden ersucht, für regsten Besuch derselben tätig zu sein und zu diesem Zweck heute Sonnabend abends 7 Uhr ebenfalls dort zu erscheinen. Der Vorstand. Schildow-Blankenfelde(Bezirk Nieder-Schönhausen). Die Wahl- vereinsversammlnng findet am Sonntag, den 12. Januar, nachmittags 3 Uhr. in Mönchsmühle im Lokale des Herrn Knappe statt. Tages- ordnung: 1. Das Vereins- und Versammlungsrecht in Deutschland. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht Der Vorstand. Potsdam. Sonntag, den 12. Januar, mittags 12 Uhr, im Biktoriagarten: Volksversammlung. Tagesordnung: Das Landtagswahlrecht und die Antwort der preußischen Regierung. Referent: Genosse Paul Göhr«. Parteigenossen, versäume niemand die Versammlung. Agitiert für einen zahlreichen Besuch. berliner JVacbnchtm lieber die Wahlrcchtsdemonstration am Donnerstagabend berichtete der Berliner Bebölkerung am gestrigen Morgen eine Extrannmmer des„Vorwärts", die in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag hergestellt wurde. Die Nummer enthielt eine Uebcrsicht über den Um- sang und den Verlauf der Protestversammlungen in ganz Preußen und wurde von der Arbeiterschaft überall freudig begrüßt. In allen lebhaften Stadtgegenden Berlins wurde die in einer Massenauflage gedruckte Extranunimer uni 3 Uhr morgens gratis verteilt. Für unsere Abonnenten ist diese Nummer der heutigen Ausgabe unseres Blattes noch besonders beigelegt. Bei dieser einen Extraausgabe aber blieb es nicht. Die von der Regierung in der gestrigen Sitzung des Abgeordneten- Hauses auf den freisinnigen Wahlrechtsantrag erteilte Ant- wort erschien uns bedeutungsvoll genug, um der Berliner Arbeiterschaft davon sofort Kenntnis zu geben; gegen! Abend kam deshalb eine z>v e i t c E x t r a n u m in c r heraus, die neben dieser Antwort zugleich eine kritische Würdigung derselben enthielt. Der Inhalt dieser zweiten Extraausgabe ist im heutigen Hauptblatt enthalten. Auch diese zweite Ausgabe unseres Blattes fand reißenden Absatz. Ucberall bildeten sich Gruppen, die eifrig die Wahlrcchtsfrage besprachen. Das Interesse an dieser Bewegung wächst. Innner größere Massen der Bevölkerung erkennen, wie sehr sie politisch entrechtet sind und immer vernehmlicher erheben sie ihre Stimme und heischen ihr Recht, Die Säuglingsfürsorgestellen, deren erste im Mai 1905 eröfftiet wurde, werden in dem Bericht der Waisenverwaltung für das Etatsjahr lö06 sehr eingehend bc» sprachen. Der Vcrwaltungsbericht für das Etatsjahr l905 hatte in seinem Abschnitt über die Säuglingsfürsorgestellen nur den achtmonatigen Zeitraum vom Met bis zum Dezember berücksichtigt, der Verwaltungsbericht für 1906 referiert über den Betrieb der Säuglingsfürsorgestellen in den fünfzehn Monaten vom Januar 1906 bis März 1007. Gegenwärtig bestehen sieben Fürsorgestellcn dieser Art. Da aber die sechste und siebente im Juni 1907 eröffnet wurden, so behandelt der neueste Bericht nur die fünf älteren Fürsorgestellen, deren fünfte übrigens erst im Mai 1906 ihre Tätigkeit begann. Das Ergebnis, das dieser im Auftrage der leitenden Aerzte erstattete Bericht feststellt, ist wieder recht cr- freülich. Die Einsicht in die Nützlichkeit und Notwendig- k c i t der Säuglingsfürsorgestellen nimmt zu, und ihre Benutzung durch unbemittelte Mütter oder Pflegemütter wächst andauernd. In den fünfzehn Monaten des Berichszeitraumes wurden 12441 Säuglinge den fünf Fürsorgestellen zugeführt, die Aerzte wurden 111997 mal konsultiert, in den Wohnungen wurden durch das recherchierende Personal 20 677 Besuche gemacht. Am stärksten wurden die Säuglingsfürsorgestellett in den Sommermonaten in Anspruch genommen. Im August 1906 war die Zahl der den fünf Fürsorgestellei, zugeführten Säuglinge 1231, die Zahl der Konsul- tationen 10 879, die Zahl der Hausbesuche l87l, dagegen wurden z. B. im Dezember 1906 nur 529 Säuglinge zugeführt, 7849mal die Aerzte konsultiert, 1255 Hausbesuche gemacht. Es ist ohne weiteres begreiflich, daß im Hochsommer, wo die Säuglinge bc- sonders gefährdet sind, die Frequenz der Fürsorgestellcn zunimmt. Ob aber die Fürsorgestellcn bei dem liebermaß von Arbeit, wie eS in den oben mitgeteilten Ziffern aus dem Monat August sich ausdrückt, die an sie gestellten Ansprüche mit aller wünschenswerten Sorgfalt erfüllen können, das muß denn doch bezweifelt werden. Inzwischen sind ja durch die Eröffnung der Fürsorgestellen VI und VII die älteren Fürsorgestellen etwas entlastet worden, aber dem Bedürfnis ist hiermit noch lange nicht genügt. Unter den Mitteln, mit denen die SäuglingSfürsorgestellcn den Kampf gegen die Säuglingssterblichkeit führen sollen, steht der unentgeltlich erteilte Rat über Erziehung und Wartung der Kinder keineswegs an letzter Stelle. Den Familien aber, die sich an die Fürsorgestellen wenden und sie um Beistand bitten, wird oft der greifbare Vorteil, der von dort aus gewährt wird, als die Haupt- fache erscheinen: Die Geldbeihülfe für stillende Mütter, die Lieferung guter Kindcrmilch zu billigerem Preise oder ohne Eni- gelt. In fünfzehn Monaten wurden durch fünf Fürsorgestellcn die stillenden Mütter von 3386 Säuglingen mit 81 137 M. unter- stützt, gute Kindermilch(bezw. andere Nährmittel) wurde für 1998 Säuglinge zu normalem Preise, für 2863 Säuglinge zu cr- mäßigtcm Preise oder ganz umsonst geliefert, für 611 Säuglinge wurde Milch aus den eigenen Küchen der Fürsorgestellen abge- geben. Der Bericht versichert, daß die Stillprämicn ihren Zweck, zum Stillen aufzumuntern, vollständig erfüllen. In den Für- sorgestellen sei das Zahlcnvcrhältnis zwischen Brust- und Flaschen- kindern günstiger als in Berlin überhaupt; der Anteil der Brust- kinder sei in den Fürsorgestellen 39 Proz. aller Säuglinge. Der in dem Bericht ausgesprochene Wunsch, daß die Mütter auch nach Herabsetzung oder Entziehung der Bcihülfe ihre Kinder wie zuvor noch den Fürsorge stellen zuführen möchten, verdient Beachtung und Bcherzigung. Leider bleiben viele Mütter bald weg, wenn ihnen nur noch Rat gewährt wird. Der Bericht verschweigt indes nicht, daß die Auf- suchung der Fürsorgestellcn den Müttern doch auch mancherlei Opfer auferlegt, für jeden Besuch einen mehrstündigen Zeitverlust und oft auch Fahrgeld. Man steht hier wieder, daß nur von einer erheblichen Vermehrung der Für sorge st ellen ein voller Erfolg erwartet werden kann. Für fügen eine Aufzählung der gegenwärtig bestehenden sieben Säuglingsfürsorgcstellen an: Fürsorge st elle I. Blumenstr. 78. für die Stadtbezirke l— 10. 145—106, 168—188. 189.� B, C, 190B, C, E, 195-201 (Zentrum, Osten, Nordosten); Fürsorgcstelle II, Elsasser Straße 27, für die Stadt- bezirke 202—245, 251—253. 255—259, 264—274(Norden); Fürsorgcstelle III. Bugenhagenstr. 7(Markthalle Ar- miniusplatz), für die Stadtbezirke 11—14, 279—304(Nordwesten, Wösten); Fürsorge st elle IV, jetzt Naunynstr. 63, für die Stadt- bezirke 15—19, 22—28, 72—74. 76—144. 167�, B, C(Süden, Südosten); Fürsorge st elle V, Pankstr. 7, für die Stadtbezirke 254, 260—263, 275—278, 305— 326(Gesundbrunnen und Wedding); Für sorge stelle VI, Großbeerenstr. 10, für die Stadt- bezirke 20, 21, 29—71, 75A, B(Südwesten); Fürsorgcstelle VII, Prenzlauer Allee 45, für die Stadt' bezirke 1891). 190A. D, 101—194, 246—250(Teil des Nordostens). Sprechzeit ist wochentäglich 2—3 Uhr(nur in Fürsorgestellc VI 1—3 Uhr und in Fürsorgcstelle VII'�2—',(.3 Uhr). Die gewährte Hülfe gilt nicht als Armenunterstützung. Berlin im Schnee. Unter dem starken Schneetreiben, daZ in der Nacht vom Donnerstag zu Freitag in Berlin und in der Umgebung herrschte, hatte der Verkehr ganz empfindlich zu leiden. Die Verwaltung der Großen Bertiner Straßenbahn sah sich genötigt, ihre sämtlichen Salzstceuwagen in Betrieb zu nehmen, um die Gleise von den immer wieder antreibenden Schnecmassen zu befreien. Besonders hatten die Pferde unter dein Schnee zu leiden. An den meisten Fuhrwerken mutzten gestern morgen Vorspaniipfcrde zu Hülfe ge- nomine» tverdcn. Ter Oinnibusverkehr wickelte sich ebenfalls im- regelmäßig ab. An einigen Stellen kam es im Straßenbahnbetriebc infolge des hohen Schnees zu Entgleisungen. Recht cmpfindliehe Störungen hatte der Fernverkehr aufzuivcisen. Fast in allen Teilen Deutschlands sind bedeutende Schneemeiigen niedergegangen und der Eisenbahnbetrieb erlitt dadurch ganz erhebliche Stockungen. Mit Verspätungen bis zu zwölf Stunden trafen die Züge teilweise auf den hiesigen Bahnhöfen ein. Hauptsächlich traten auf den nördlichen Bahnen durch das Eintreten des Schneetreibens Stockun» gen ein. Auf einzelnen Strecken blieben die Züge liegen. In der Reichshauptstadt sind durch das Schneegestöber leider eine Reihe zum Teil schwerer Unfälle herbeigeftihrt worden. So wurden in der Brunnenstraßc, am Roscnthalcr Tor, in der Leip- ziger-, Friedrich-, Jerusalemerftraße upo. Passanten durch da» Schneetreiben gegen Fuhrwerke geschleudert und dabei nicht un- erheblich verletzt. Auch durch Sturz aus die Straße kamen mehrere Personen zu Schaden. Die Verbandswachen und Unfallstationen. die in den letzten Tagen bereits außerordentlich stark in Anspruch genommen wurden, hatten auch vorgestern abend wieder nahezu 50 Verunglückten Hülfe zu leisten. Ei» schwerer Automobilunfall, der sich vorgestern abend am Kurftirstendamm zugetragen hat, ist ebenfalls durch das Schnee» treiben herbeigeführt worden. Die beiden Choristinnen Charlotte Lemske, Linienstr. SS und Lizi Wolfs, Lothringerstr. 18 wohnhaft, hatten zur Heimfahrt vom Theater des Westens eine Automobil- drosckikc benutzt. Als der Kraftwagen die Zlreuzung des Kurfürsten- dammes und der Rürnbergerstraste passierte, vermochte der Chauffeur infolge dcS dichten Schneegestöbers nicht vor sich zu sehen. Infolgedessen fuhr er mit dem Automobil gegen einen Mast der Straßenbahn, und zwar mit solcher Gewalt, daß der Wagen teil- weise zertrümmert wurde. Die beiden jungen Mädchen wurden durch umherfliegende Glassplitter im Gesicht und an den Händen erheblich verletzt. Sie mußten beide nach der Unfallstation am Zoologischen Garten gebracht werden, wo sie die ersten Notverbände erhielten. Ein Zusammenstoß zwischen zwei Fuhrwerken wurde aus der gleichen Ursache in der Gitschinerstraße herbeigeführt. Der Kutscher eines aus der Brandenburgstraße in die Gitschinerstraße einbiegenden Kohlenwagens konnte in dem Schneetreiben nicht be- obachten, daß von der anderen Seite eine Droschke in die Branden- burgstraße einbog. Es erfolgte nun ein heftiger Zusammenstoß, wobei der Droschkenkutscher Franz Bellermann aus der Brunnen- ftraße 34 vom Bock geschleudert wurde. Er erlitt schwere äußere Verletzungen sowie Quetschungen und wurde nach der NcttungS- wache gebracht._ Der Durchbruch der Straßburger Straße über Lothringer- und Linienstratze nacb dem Schenneiiviertel hinüber ist nunmehr ebenfalls in Angriff genommen worden. Gegenwärtig wird der Häuserblock zwischen Loibringer- und Linienstraße niedergelegt und bei dieser Gelegenheit werden auch einige der sogenannten Eisblöcke, alte, in die Baufluchtlinie der Lothringer Straße hineinragende Schuppen ab- getragen. Jenseits der Linienstraße sind die für die Weilerführung der Straßburger Straße bi«_ zu der projektierten neuen Amalien- straße in Betracht kommenden Häuser bereits abgerissen, so daß im kommenden Frühjahr mit der Regulierung des neuen StraßenzugeS, für den bereits die Bezeichnung Koblankstraße festgelegt ist. begonnen werden kann. ES wird hierdurch eine fast geradlinige Berbindung der Slraßenzüge des historischen WindmühlenbergeS mit der Kaiser- Wilhelm-Straße geschaffen. Ein bedeutender Garderobendiebstahl ist in dem Variötö-Theater „Klosterstiibl" in der Königstraße verübt worden. Am vorgestrigen Abend, während sick das auftretende Personal teils aus der Bühne befand, teils. sich in Nebenränmen des Etablissements aufhielt, drangen mehrere Diebe, es müssen wenigstens zwei Personen ge- »oesen sein, in die im Augenblick unbeaufsichtigte Damengarderobe und stahlen dort den gesamten Inhalt an Mänteln, Jackett« und Pelz- fachen, wie Muffen, Boas usw. Die Täler, die für zirka 400 Mark Garderobenaegenstände erbeuleten, entfernten sich durch einen Neben- eingang und entkamen unbemerkt. Der Besitzer des BariöteS hat auf die Ermittelung der Diebe refp. der gestohlenen Gegenstände eine Belohnung von 20 Mark ausgesetzt. Der Polizei inö Stammbuch. Ueber polizeiliche Mißgriffe bringt die bündlerische„Deutsche Tageszeitung" einen Artikel, in dem sie aus die Erschießung de« Studenten Moschel in München durch einen Polizisten und die Fälle brutaler Mißdaudllmg durch Schutzleute in Berlin und Beuthen hin- weist. In Berlin wurde bekanntlich ein Schutzmann wegen Miß- Handlung eines Referendars zu mehreren Monaten Gefängnis ver- urteilt. und in Beuthen traf die gleiche Strafe einen Polizisten. der ohne hinreichenden Grund zwei Bergarbeiter durch Säbelhiebe derartig verletzt hatte, daß sie nach longer Krankheit dauernden Schaden an ihrer Gesundheit davon- trugen. Das genannte Blatt weist darauf hin, daß man sich an- gesichts der verschiedenen bedauerlichen Vorkommnisse in letzter Zeit deS Gefühls nicht ganz erwehren lönne, daß solche Aus- schreitiingen öfter vorkommen, als es auch bei forgfälttger Ans- Wahl und Anleitung des polizeilichen Personals unvermeidbar erscheinen sollte. Besonders bedenklich müsse dabei noch der Unistand stimmen, daß— wie bei der Mißhandlung des Berliner Referendars— offenbare Ausschreitungen von Beamten durch ihre Kameraden. die dazu in der Lage waren. nicht ver- hindert wurden. Die»Deutsche Tageszeitung" bemerkt dann wörtlich:„ES scheint nach allem doch, daß in den unteren Polizei- organen noch nicht überall das Enipfinven genügend durchgebildet ist, daß die Polizei in erster Linie zum Schutz und zur Hülfe für das Publikum daist: insbesondere sollten sich unsere Polizisten auch immer vor Auge» halten, daß ihre Käme- raden in einer Großstadt wie London zum Beispiel ganz ohne scharfe Waffen auskommen, und daß der Gebrauch der Waffe jedenfalls auf Fälle wirNicher Gefahr beschränkt bleiben nmß: ebenso auch, daß hannlose.Exzesse" überhaupt ein polizeiliches Ein- schreiten in der Regel nicht nötig machen." Ob die»Deutsche Tageszeitung" zu ihrer Ansicht über die Polizei auch gekommen wäre, wenn nicht gerade ein Student und ein Referendar, also Angehörige der»besseren Kreise" von den polizeilichen Ausschreitungen betroffen worden wären, wollen wir emstweilen nicht entscheiden; immerhin verdient diese Auffassung registriert zu werden._ Die Ersatzkommissiou des AuöhcbungSbezirleS Berlin macht bekannt: Alle diejenigen jungen Männer, welche in einem der zum Deutschen Reiche gehörigen Staaten heimatsberechtigt und 1. in dem Zeitraum vorn l. Januar bis einschließlich 81. Dezember 1883 geboren sind, 2. diese« Alter bereits überschritten, aber sich noch nicht bei einer Ersatzbehörde zur Musterung gestellt, 8. sich zwar gestellt, über ihr MilttärverhältniS aber noch keine endgültige Entscheidung erhalten haben. und gegenwärtig innerhalb deS Weichbildes hiesiger Residenz sich aufhalten, werden, soweit sie nicht vo» der persönlichen Gestellung in dieiem Jahre entbunden sind, hierdurch auf Grund deS Z 25 der Deutschen Wehrordnung augewiesen: sich behufs ihrer Aufnahme i» die Rekrutienmgsstammrolle in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar d. I. bei dem königlichen Polizeileutnant ihres Reviers persönlich zu melden und ihre Geburt«- oder Losungsicheine und die etwaigen sonstigen Atteste. welche bereits ergangene Entscheidungen über ihr Militärverhältnis enthalten, mit zur Stelle zu bringen. Die Geburtszeugnisse werden von den Standesämtern aus- gestellt. Für diejenigen hiesigen Militärpflichtigen, welche zurzeit ab- weseud sind sauf der Reise begriffene HandlungSgehülfen. auf See befindliche Seeleute usw.), haben die Eltern. Vormünder. Lehr-, Brot- und Fabrikherren die Anmeldung in der vorbestimmten Art zu bewirken. Wer die vorgeschriebene Aumeldung versäumt, wird nach§ 33 des Reichsmilitärgesetzes vom 2. Mai 1874 mit einer Geldstrafe bis zu 30 M. oder mit Haft bis zu drei Tagen bestraft. Reklamationen(Anträge auf Zurückstellung bezw. Befreiung von der Aushebung in Berücksichtigung bürgerttcher Verhälttnsse— § 32 2 d—g der dculichen Wehrordnung—) sind bezüglich aller Militärpflichtigen, auch derEinjährig-Freiwilligen. vordemMusterungs- geschäft, spätestens aber im MustcrungStcrmine anzubringen: nach der Musterung angebrachte Reklamationen werden nur dann berück- fichiiat. wenn die Veranlassung zu denselben erst nach Beendigung des MusteruugsgeschäftS entstanden ist. Alle Gesuche der in Berlin wohnhaften Personen um Erteilung der Erlaubnis zum Angel» mit der Rute während der tvöchenttlckien Schonzeit sind unter Beifügung der für daS Jahr 1908 gültigen Angelkarte direkt bei dem Polizei- revisr anzubringen in dessen Bezirke der Antragsteller wohnt. Gesuche ohne Beifügung der Angelkarte für das Jahr 1908 sind zwecklos. Nicht in Berlin w o h n e n d e Personen haben ihre An- trage bei der Polizeibehörde ihres Wohnorte« einzureichen, > Das BcrSreche« auf dem Tempelhofer Felde. Unter dem Verdacht, die Frau Glasier umgebracht zu habe», ist der frühere Steinsetzer Richard Schmidt, Großbeerenstr. 46, verhaftet worden. Dazu werden folgende Einzelheiten gemeldet: Schmidt, der in der letzten Zeit wenig arbeitete und hin und wieder Modell stand, teilte eine Stube und Kammer mit dem Stein- setzer Hartmann, der mit Frau Gläiser ein Liebesverhältnis unter- hielt. Diesen beiden führte die Ermordete eine Zeitlang die Wirtschaft. Die beiden Männer plagte die Eifersucht. Seit dem 3. v. M. nun liegt Hartmann im KraulenbauS Am Urban. Jetzt glaubte Schmidt, ein SctmapSlrinker. der in der Trunkenheit lieriick roh ist, über die Geliebte dcö Krauten unbeschränkt verfügen zu können. Er wollte sie auch auf die Straße schicken, damit sie ihm möglichst viel Geld verdiene, stieß aber mit diesem Verlangen aus hartnäckigen Widerstand. Die Folge der Weigerung war, daß er Frau Glässcr oft sich wer mißhandelte. Hausgenoffen und der Pförtner bemerkten das wiederholt und an anderen Stellen beklagte sich auch die Mißhandelte darüber: die Eifersucht Schmidts erregle auch ein Töpfer, der den Ofen aus- gebessert halte. Als der Dkann am zweiten Weihnachlsseiertag kam, um noch einmal nachzusehen, ob der Ofen auch brenne, traf ihn Schmidt, als er von einem Ausgang zurückkehrte. Dieser glaubte nicht an die Ausbesserung des Ofens, die in seiner Abwesenheit vorgenomnien worden war, dachte vielmehr, daß der Töpfer nur Frau Gläffer beiucht habe, die ihm auch über die Mißhandlungen ihr Leid geklagt hatte. Schmidt schiinpfte auf beide, würgte auch die Glässer und warf sie endlich hinaus. Die Piörtnerftau hatte noch gesehen, wie er sie wütend mit dem Schädel gegen die Wand gesällendert hatte und wie sie dann weinend iiackl der Kammer gegangen ivar. Die Mißbandelte, die ihren Korb mit einigen Kleidungsstücken zurück- gelassen hatte, war nun obdachlos. Sie ivnrde bald aufgegriffen und nach der Strafanstalt gebracht. Davon wußte Schmidt nichts. Bei seinem Verbör sagte er nun zunächst, er habe Frau Glässer erst am Donnerstag voriger Woche hinausgewieselt. Erst als er von ihrer Strafe erfuhr. gab er zu. daß es am zweiten Feiertag gewesen sei: er habe sich vorher geirrt. Von der Strafanstalt aus und auch nach ihrer am 3. d. Wk. erfolgten Entlassung schrieb Frau Glässer an Hartmann, er möge doch so bald wie möglich das KrailkenhauS verlassen, sie vor Schmidt schützen und sie heiraten. Sie wolle gern Tag und Nacht arbeilen, wenn sie nur von Schmidt beireit wäre. Noch bis in dre letzten Tage hinein beklagte sie sich bei den Schankwirten Haber- land und Milde in der Kreuzbergstraße, gegenüber dem Teiilpel- hoicr Felde, über Schmidts Roheiten und sagte, daß sie vor ihm Angst habe. Schmidt bestreitet jede Mißhandlung der Glässer. Um sein Alibi nachzuweisen, behauptete er erst dieses, dann jenes. Endlich sagte er. er sei den ganzen Montagabend von 6'/, bis 11 Uhr bei der Heilsarmee in der Koppenstraße gewesen. Bon dieser habe er sich schon niehrfach belehren lassen, zuletzt wieder im November vorigen Jahres. Am Montagabeild habe er bei der Heilsarmee gegessen und sei dann bis 1l Uhr geblieben. Die Leute der Heilsarmee können über seine Anwesenheit nichts Be- stimmtcS sagen. Einige meinen, er sei dagewesen, andere wissen eS nicht. Ueber das Essen stimmen die Angaben auch nicht überein. Schmidt sagt, neben jedem Teller habe eine Schrippe ge- legen und nach der Brühe habe es Gänsebraten mit Scholen und Karotten gegeben. Die Leute der Heilsarmee dagegen bekunden, eS habe zum allgemeinen Gebrauche Brot auf"den, Tische ge- standen und nicht Gänsebraten, sondern Hasenbraten gegeben. Nach dem Essen wurden Lichtbilder gezeigt. Schmidt sagr zu- treffend, die Borführung habe mit einer Parade begonnen, von einem anderen Bilde, einem Eisenbahminfall, aber wußte er nichts. Er macht den Eindruck, als habe er sich über den Heils- armecabend von einen, anderen etwas erzählen lassen. Dazu kommt, daß die Pförtnersrau in der Großbeerenstr. 45 mittellt. sie habe Schmidt am Montag noch um 8 Uhr in seiner Wohnung ge- sehen. Dort habe, wie sie von ihrer Kellerwohnung ans sah, eine Lampe ohne Zylinder mit flackerndem Licht an der Wand gehangen. Schmidt habe mit den Händen in den Joppentaschen am Ofen ge- standen. I» dem Tag könne sie sich nicht irren, weil sie nach dieser Wahrnehmung wegen der plötzlich eingetretenen Glätte noch den Bürger- steig habe streuen müssen. Schiver wiegt endlich der Umstand, daß das Gebiß Schmidts zu den Eindrücke» an den Brüsten der Er- mordeten paßt. Ein Abguß seines Gebiffes zeigt genau auch die Lücke im linken Oberkiefer, die dem Bilde der Bißwunden entspricht. Die betreffenden Teile sind der Leiche entnommen worden. Sie werden präpariert und mit dem Gebißabguß Schmidts noch einem Sachverständigen zur Prüfung vorgelegt werden. Dos ganze Belastungsmaterial ist so schwer, daß Schmidt unter dem dringenden Verdacht der Körperverletzung mit tödlichem Aus- gange gestern mittag dem Untersuchungsrichter vorgeftihrt wurde. Bummelei auch bei der Waisenvcrwaltung? In unseren Artikeln über die skandalöse Bummelei, durch die das Bureau des „KinderrettungSvereinS" unter Verantwortung des Pastors Pfeiffer einen Ehemann in den ihm sehr peinlichen. völlig unbegiündeten Verdacht gebrockt hatte, der Vater eines von Herrn Pfeiffer bevormundeten unehelicken Kindes zu iein. wurde nebenbei auch die Waisenverwaltung der Stadt Berlin erwähnt. Aus diesen besonderen Punkt kommen wir beute zurück, um zu zeigen, daß die Waise»Verwaltung allen Grund hat. sich zu reinigen(wenn sie'S kann) von einem Verdacht. der vom Bureau des Vereins gegen sie rege gemacht und vom Postor Pfeiffer in seinem durch StöckerS Blättchen wiedergegeben Ver- teidigungsversuck noch verstärkt worden ist. Wir hatten erwartet, daß die Warfen verwalttmg sofort daraus antworten und sich wehren werde, aber bis jetzt ist sie still geblieben. Pastor Pfeiffer, der „Berufsvormund und Pfleger über mehr als tausend Kinder", hat in seiner inißglückten Selbstverteidigung, die eine schwere Selbstanklage war. auch das zugeben niüsien. daß er und seine Leute Monate hindurch über den Verbleib jenes von ihm bevormundeten Kinde« nicht unterrichtet waren. Am 14. Oktober wollte der Vater des Kindes der Mutter 15 M. zukommen lasten und schickte daö Geld an den„KiiiderrettuirgSvemil". wie der es sich ausbedunge» hatte. Aber erst am lv. Dezember kriegte die Mutter vom Verein das Geld, nachdem sie durch de» Vater Kenntnis von dieser Zahlung erhalte» und selber aus dem VcreinSbureau gewohnt hatte. Herr Pfeiffer hat nun die Schuld a n dieser Verzögerung zum Teil auf die Familie deö KiudeS, zum Teil auf die W a i s c u v e r w a l t u n g zu wälzen verlucht. In dem Bureau des Herrn Pastors und MasseuvormnndeS hatte man nämlich geglaubt, das Kind fei nicht bei der Mutter. sondern in Waisenpflege. Pfeiffer versichert, am 7. Oktober sei zum erstem»«! eine Helferin des Vereins in der Wohnung der Mutter gewesen, nachdem diese ihr Kind bereits seit dem 18. Juli bei sich hatte. Mutter und Kind waren nicht zu Hause. Die Helferin scheint auö einem Gespräch mit der fast tauben Großmutter die Meinung gewonnen zu haben, da« Kind sei in Waiseupflege gegeben. Pastor Pfeiffer erzählt wenigstens, so habe man« der Heilerin gesagt. Das wurde da»» seelenruhig als Tatsache hingenommen, und der Herr Pastor und Vormund scheint hiernach sich gegenüber diesem Kinde für ledig aller Pflicht gehalten zu haben. Als Mitte Oktober das Geld vom Vater kam, legten sie'S im Bureau des „KinderrettungSvercins" in den Kasten und fragten bei der W a i s e n v e r w a l t u n g an. was damit geschehe» solle; diese aber nahm die Anfrage zu den Akten und ließ sie liegen. Oder war eS anders? So muß man sich's wenigstens zusammenreimen nach der nicht ganz klaren Darstellung. die der Pastor veröffentlicht hat. Erst als im Dezember die Mutter selber mahnte, ging Herrn Pfeiffers Leuten ein Licht auf. und nun mahnten sie die Waiienverwaltuiig. War der Hergang so? ES ist dringend zu wünschen, daß einwandfrei festgestellt wird, welcher Weg durch die Akten des»KinderrettungSvereinS" und der Waisenverwaltung und wieder deS „KinderrettungSvereinS" von dein Geld zurückgelegt werden mußte, ehe es vom l4. Oktober bis zum 10. Dezember aus den Händen des Vaters in die Hände der Mutter gelangte. In- zwischen hätte die Mutter samt dem Kinde, trotz„Kinder- rettungSverein" und Waifenverwaltung. verhungern können. wenn sie nicht andere Existenzmittel gehabt hätte. Wann hat der „KinderrettuitgSverein" bei der Waisenberwaliimg angefragt? llnd warm hat die Waisenverwalumg ihm geantwortet? Im Rathause herrscht die Gepflogenheit, unbequeme Dinge durch vorsichtige« Schweigen zu erledigen. WaS wird diesmal die Waisen- Verwaltung tun?_ Das„erleuchtete" Berlin. Infolge dcrBerbesserungen auf dem Gebiete der Gasbeleuchtung» die fast größere Fortschritte aufweist, al» die elektrische Beleuchtung. nimmt die Gasproduktion und der Gasverbrauch in Berlin dauernd zu. Die städtischen Gaswerke erzeugten im 3. Quartal 1907 nicht weniger als 47 Millionen Kubikmeter Gas, d. � 11 Prozent mehr als im gleichen Zeiträume 1906. Abgegeben wurden 40', 4 Millionen Kubikmeter oder 13Vi Proz. mehr. Durch sogenannte Münzgasmesser(Automaten) wurden allein 394 Millionen Kubikmeter verbraucht. Die Steigerung betrug bei diesen 27'.b Prozent. Im Gebrauch sind bereits 35 000 solcher Automaten. Daö Bctricböergebnis der Allgemeinen Bcrlin-r Omnibus- geselli'chaft vom Jahre 1907 ist wegen der Tariffrage vo r besonderem Interesse. Der gesamte Verkehr hat auch im abgelaufenen Jahr wieder eine wesentliche Steigerung erfahren. Es wurden insgesamt 133 730 988 Personen befördert. Da im Vorjahr etwas über 128?4 Millionen Personen befördert worden waren, so beträgt die Steigerung über 5'»-! Millionen. Der Absatz von Fahrscheinen zu 5 Pf. war fast 3mal so groß wie der zu 10 Pf. geworden. Zu 5 Pf. sind ausgegeben worden 97 040 544 Fahrscheine, zu 10 Pf. 34 348 293 Scheine. Von den Fahrscheinen zu 15 Pf., di�bloß bei den Automobillinien ausgegeben wurden, sind 2 393 148 Stück ver- kauft toorden. Die Betriebseinnahmen haben 8 646 598,90 Pf. ge- bracht Gegen das Vorjahr bedeutet dies eine Steigerung von etwa 850 000 Mk. Der Ertrag wird natürlich auch durch die noch nicht festgestellten Ausgaben bestimmt. Die gesamte Länge aller Omnibuslinien beträgt jetzt 193 840 Meter. Täglich laufen durch- schnittlich 34 Autornobilwagen und 577 Pferdcwagen. Für die Bespannung der letzteren ist ein Bestand von 4575 Pferden er- forderlich. Die Gesellschaft beschäftigt jetzt 2827 Personen. Feuerwehrbcricht. Wegen einer Benzinexplosion wurde in der letzten Nacht die Feuerwehr nach der Köpenicker Straße 37 alarmiert. Der Gastwirt Emil Naß hatte durch Stichflammen Brandwunden an der rechten Hand und im Gesicht erlitten. Im Klosett war die Decke teilweise eingestürzt. Der Feuerwehr gelang es, weitere Gefahren bald zu beseitigen. Gestern früh um 7 Uhr gerieten in einer Klischeefabril Lindensrr. 69 Terpenttn und Spiritus in Brand. Dieser blieb auf eine sogenannte Aetztammer beschränkt. Gleichzeitig wurde die Wehr nach der Wilhelmstr 64 und Jnvalidenstr. 133 gerufen, wo Gardinen brannten. In der Prenzlauer Allee 34 stand ein Fabrikschornstein in Flammen und in der Voltastr. 36 eine Küche. Gestern abend wurde die Feuerwehr mehrere Male in Anspruch genommen, um Pferde aufzurichten, die infolge von Glatteis in den Straßen gestürzt waren. Vorort- JVaebndrtem Rixdors. Wie schwer eö manchmal ist» arztliche Hülfe zu erhalten, hatten wir vor kurzer Zeit an einem Falle dargelegt, wonach ein Bewohner de« Hauses Hcrinannstraße 76/77 stundenlang herumlaufen mußte» che er einen Arzt zu seiner schwerkranken Mutter bekommen konnte. Wir hatten dabei auch mitgeteilt, daß irr der in der Steinmetzstr. 6 gelegenen Unfallstation kein Arzt anzutreffen war. Zum Schluß bemerkten wir, daß uns zwar bekannt sei, daß Acrzte von Unfall- staiionen nur in ganz seltenen Fällen zu Kranken gehen, jedoch hätte mindestens ein Arzt anwesend sein müssen. Das Kuratorium der Berliner Unfallstationen vom Roten Kreuz sendet uns zu diesem Fall ein Schreiben, in welchem zunächst .nigegebcn wird, daß ein Arzt auf der Station nicht anwesend war. Daö habe jedoch seinen Grund darin, daß der wachhabende Arzt zu einem eiligen Besuch außerhalb der Station abgerufen worden sei. wobei die nötige Hülfeleistung eine sehr lange Zeit in Anspruch genommen habe, so daß er auch noch nicht zurückgekehrt war, als der «oh« der Erkrankten zum zweiten Male auf der Station erschienen sei. Dem Kuratorium der Berliner Unfallstationen sei es leider nicht möglich, den Dienst in den Stationen doppelt zu besetzen. so daß in Fällen wie im vorliegenden entweder von der nächst- gelegenen Hülfsstclle ein Arzt geholt, oder auf die Rückkehr deö Arztes gewartet werden müsse. Zum Schluß wird in der Zuschrift betont, daß die in der betreffenden Notiz ausgesprochene Ansicht. daß Aerzte der Unfallstationen nur in ganz seltenen Fällen zu Kranken gehen, eine irrige sei. Die Aerzte seien angewiesen, jeder Requisition sowohl außerhalb wie innerhalb der Station ohne Rück- sieht auf die Zahlungsfähigkeit des Hülfesuchcndcn zu jeder Zeit zu entsprechen. Wir haben hierzu zu bemerken, daß dem Hülfcsuchcnden. der übrigens nicht zweimal, sondern dreimal auf der Unfallstation gc- Wesen zu sein angab, von dem Wärter gesagt wurde, daß der Arzt mit einem Kollegen weggegangen sei. Im übrigen ist die Mit- teilung, daß Aerzte der Unfallstationen auch außerhalb der Station Hülfe zu leisten angewiesen sind, um so wertvoller, als dies tti weiten Kreisen noch nicht bekannt war. Ein dreister Bursche treibt gegenwärtig in der Steinmetz- und Weisestraße sein Unwesen. Schon deS öftern ist Kindern, die von ihren Eltern weggeichickt wurden etwas zu boten, von einem ftemden Manne Geld und Ware abgenommen worden. Auch gestern wurde einem Jungen, der in dem Kubstall, Steinmctzstraße. zwischen Herrnann- und Weisestraße belegen, Milch geholt hatte, von einem Manne die Milchkanne und daö Portemonnaie abgenommen. Der betreffende ist nach Aussage von Kindern schlank und von pockigem Gesicht. Wilmersdorf. Bezirks- oder Listenwahl. Wie wir bor einigen Tagen mit- teilten, hatten die Freisinnigen dem Magistrat und der Stadwcr» ordncten-Versammlung zwei Anträge unterbreitet, in denen die Einführung der Bczirkswahl und eine günstigere Festsetzung der Wahlzeit gefordert wird. In der letzten Stadtverordneten-Ver» saminlung wurde über den Antrag, der die BczirkSeinteilung for- dert, beraten. Begründet wurde derselbe von dem Stadtvcrord- neten Lange. Redner verwies darauf, daß Wilmersdorf bereits 80 000 Einwohner habe. Bei der ersten Stadtvcrordnetcnwahl sei die frühere Gemeindevertretung angegriffen worden, weil dieselbe nicht dafür Sorge getragen habe, daß die Wähler ihre Vertreter nach Bzirlen wählen konnten. Mit dem gegenwärtigen System müsse gebrochen werden. Gegen den Antrag wandte sich der Stadtv. Busch, der zwar meinte, prinzipiell auf dem Boden der Bezirks- wähl zu stehen, dieselbe aber im gegenwärtigen Augenblick nicht empfehlen könne. Die Listenwahl hätte immerhin daö Gute in sich, das; dadurch die Sozialdemokratie ausgeschaltet sei. Stadtv. Dr. Wolfs bemerkte, daß die Furcht vor der Sozial- demokratie kein Grund sein könne, sich eines falschen Wahl- modus zu bedienen. Der Gesetzgeber sei sicherlich von dem Grundsatze ausgegangen, daß Zweck und Gerechtigkeit bei der Bezirkswahl gewahrt würde. Nachdem noch die Stadtverord- neten K l e t t k e und Dr. S t e i n i tz der Hoffnung Ausdruck gc- geben, daß die nächsten Wahlen die Einteilung der Bezirke vor- finden mögen, wurde der Antrag Lange und Genossen auf Ein- führung der Bezirkswahl mit 21 gegen 19 Stimmen ab» gelehnt. Die Ablehnung des AnirageS und die Ausführungen dcS Stadtv. Busch zeigen nur allzu deutlich die Furcht vor der Sozial- vemokratie. Wenn eS nur einen, unserer Genoffen gelänge, in daS Wilmersdorser«tadtparlament einzudringen, so wäre die bürger- liche Eintracht gestört. JndcL, ob die nächsten Wahlen nach Be- zirken oder Listen vorgenommen werden, unsere Genossen haben jetzt schon Vorbereitungen zu treffen, damit es einigen Genossen gelingt, bei den kommenden Stadtverordnetcnwahlcn durchzukommen. Die Wilmersdorser Arbeiterschaft darf es nicht mehr länger ertragen, dag sie von den Beratungen im Stadt- Parlament vollständig ausgeschlossen ist. Die Antragsteller werden hoffentlich nicht ablassen, mit ihren Forderungen erneut vor die Stadtvcrordncten-Versammlung zu treten. Charlottenburg. Die Freie BolkSbiilme Charlottenburg spielt für ihre Mit- glieder Gogols berühmte politische Satire„Der Revisor". Tie Vorstellung der 1. Abteilung findet heute im Schillertheatcr Eharlottcnburg, abends 3 Uhr, statt. Johannisthal. In der Generalversammlung des Wahlvcreins gab der Vor- sitzende Genosse Schneider den Vorstandsbericht des letzten Quartals. Dem Kassenbericht ist zu entnehmen, daß einer" Einnahme von 141.1g M. eine Ausgabe von 163,25 M. gegenübersteht. Der Abonnentenstand des„Vorwärts" beträgt 184. Bei der Neuloahl des Vorstandes wurden folgende Genosse» gewählt: Karl Schmidt 1. und Tielick 2. Vorsitzender, Pirsich Kassierer, Krieg Schriftführer. Schärfling Beisitzer, Dühring, Trautmann und Luban Revisoren und Gobln Bibliothekar. Als Parteifpeditcur fungiert Genosse Hünold. In die Lokalkommission wurden die Genossen Gammisch und Klein gewählt. Die Wahl der Bezirksführer soll in der nächsten Versammlung erfolgen. Nolvawes. In der Generalversammlung des Wahlvereins erstattete der Vorstand den Bericht für daS abgelaufene Vercinsjahr. Es haben stattgefunden 12 Mitglieder- und S Volksversammlungen, ausser- dem 27 Sitzungen des Vorstandes refp. der Funktionäre und 4 Flugblattverbreitungen. Die Mitgliederzahl stieg von 568 auf 602 lgewerkfchaftlich organisiert sind am Orte 2234 Arbeiter). Die Einnahme belief sich auf 2115 M., Ausgabe am Orte auf 737 Mark. Die Bibliothek umfasst 293 Bände. Die Zahl der Abonnen- tcn des„Vorwärts" stieg von 385 auf 436, diejenige der„Branden- bnrger Zeitung" von 232 auf 278. die„Neue Zeit" wird in 2. die „Kommunale Praxis" in 8, die„Gleichheit" in 5, die„Freien Stunden" in LI. der„Wahre Jakob" in 280 Exemplaren gelesen. In der Debatte über diesen Bericht stellte Genosse Hoffmann den Antrag, eine Zeitungökommisston zu wählen, welche versuchen soll, die Spedition zu verbessern und unserer Presse und Literatur eine grössere Ausbreitung zu verschaffen. Die Versammlung erklärte sich im Prinzip mit dem Antrage einverstanden; es soll in der nächsten Versammlung diese Äcftnmissio» gewühlt werden.>— Hierauf wurde Genosse Adam alö zweiter Vorsitzender, Genosse Becklinger als Mitglied der Lotalkommission, sowie die Genossen Setdenberg und Singer als Revisoren neugewählt; die übrigen Borstandsmitglieder wurden wiedergewählt. Mit der Vertretung des Vereins auf der nächsten ÄreiS-Gencralversammlung wurden die Genossen F. Salzbrunn, Adam und Füttercr betraut. Tie Gemeinde-Tchuldeputation hat den Antrag des sozialdemo- kratischen Wahlvereins, den Vormittagsunterricht um 12 Uhr in den VollSschnlen zu schlicssen, abgelehnt; der vom Bürgermeister an den Genossen Krohnbcrg gesandte Bescheid lautet:„Aus den mit Scbreiben vom 21. November gestellten Antrag, den Schul- Unterricht in der Mittagszeit auszusetzen, teilen wir mit. dass der Antrag durch Beschlutz der Gemeindeschuldeputation hicrselbst vom 17. Dezember abgelehnt worden ist, da nach der übereinstimmenden Ansicht der Rektoren der hiesigen Gemeindeschnlen der ungeteilte Schulunterricht im Interesse der Schulkinder selbst unbedingt er- forderlich ist und auch die königliche Regierung aus dem gleichen Grunde auf dem Standpunkt des ungeteilten Unterrichts steht." Vom pädagogischen Standpunkt lässt sich gegen diese Ansicht wenig einwenden; es ist nur bedauerlich, dass infolge der traurigen Ver- Hältnisse die Arbeiter den daraus entstehenden Konsequenzen nicht genügend Rechnung tragen können und die Kinder deshalb grössten- teils mit kaltem oder aufgewärmtem Mittagbrot vorlicb nehmen müssen, was jedenfalls nicht von Nutzen für die Gesundheit der- selben ist. Spandau. Tic erste Stadtverordneten- Bersammlnng im neuen Jahre beschäftigte sich zunächst mit der Einführung von 21 neu- resp. wiedergewählten Stadtverordneten, unter denen sich auch der Genosse Pieper befindet. Die Einführung selbst vollzog der Oberbürgermeister K o e l tz o. Hieraus wurde der alte Vorstand wiedergewählt. Bei der Neuwahl des 6. Ausschusses bestehend aus 7 Stadtverordneten, der die Wahlen der Deputationen und Kom- Missionen vorzubereiten hat, bemerkte der Stadtverordnete Bender, er nehme an, dass der sozialdemokratischen Fraktion in dieser Kommission auch ein Sitz eingeräumt iverde und dass diese dafür selbst einen Borschlag machen werde. Er schlage des- halb nur 6 Herren von den bürgerlichen Stadtverordneten vor. Von der sozialdemokratischen Fraktion wird Genosse Pieper vor» geschlagen. Man wollte wohl nun wieder den alten Trick an- wenden und verhindern, dass ein Sozialdemokrat gewählt wurde, infolgedessen wurden noch weitere drei �bürgerliche Stadtverordnete vorgeschlagen. Ter Stadtverordnete Schob glaudte noch einen Trumpf draufdrückcn zu müssen, indem er erklärte, die Sozial- demoiraten sähen wieder einmal, dass wir(die bürgerlichen Stadt- verordneten) geneigt sind, ihnen einen Sitz in dieser Kommission abzutreten. Sie(die Sozialdemokraten) sollen in anderen Fällen aber doch auch für die bürgerlichen Stadtverordneten stimmen. ES habe ihn betrübt zu sehen, wie sie bei der Borstandswahl weisse Settel abgaben. So schlau die Komödie eingefädelt war, so wurde sie doch durch die Erklärung des Genossen Pieper zerstört. Der Genosse meinte, die Sozialdemokraten hätten bisher grundsätzlich bei der Vorstandswahl nicht gewählt und die soziatdemokratlsche Fraktion lehne es ab, sich aus Gnade und Barmherzigkeit einen Sitz in der Kommission geben zu lassen. Diese Erklärung trug wohl viel dazu bei. dass Genosse Pieper trotz der Schobschen Komödie doch in die Kommission getvählt wurde.— Das Gehalt für eine frei werdende besoldete Stadtratstelle wird auf 4899 M. steigend bis 6999 M. festgesetzt. Die Stelle soll ausgeschrieben werden.— Für die Fortbildungsschule wird die Errichtung eines besonderen Rektorats vom Magistrat gefordert. Die Stelle wurde bisher nebenamtlich verwaltet. Der Referent, Stadtverordneter Tischler- meister P c u ck e r bemerkt, dass es infolge deö Anwachsens dieser Schule unmöglich sei. dass das Rektorat ferner noch nebenamtlich verwaltet werden könnte. Die Schule habe 1399 12 Klassen gehabt, jetzt habe sie 65 Klassen, mit 1199 Schülern und 38 Lehrern. Das Gehalt des Rektors solle mit einem Grundgehalt von 2859 M., einem WohnungSgeldzuschuss von 799 M. und einer dreimaligen Zulage von 259 M. festgesetzt werden. Dem Stadtverordneten Schob(Verleger deL tonservativen Spandauer Tageblattes) blieb es vorbehalten, sich als einziger gegen die Vorlage auszu- sprechen. Er beantragte nochmalige Kommissionsberatung. Seine gröhte Befürchtung war. dass, wenn man einen besonderen Rektor anstelle, die Unterrichtsstunden für die Lehrlinge, welche meist abends stattfinden, in die Nachmittagsstunden verlegen könnte. Seitens der sozialdemokratischen Fraktion treten die Genossen Schmidts! und Rieck diesen kuriosen Ansichten des Handwerk- rettenden Stadtverordneten entgegen und sie erreichten, dass fast die ganze Versammlung ihnen zustimmte und der Antrag Schob iast einstimmig abgelehnt, die Magistratövorlage aber mit grosser Mpjorität angenommen wurde.— Beim Forste tat stellte Ge- nosse Schmidt I den schon früher wiederholt gestellten, aber iedeSmal abgelehnten Antrag, dass die Tage, an welchen aus der Stadtsorft von armen Leuten Rest- und Leseholz aus dem Stadt- Wald geholt werden könne, von Dienstag und Freitag auf Mitt- wochs und Sonnabends verlegt würden. Er begründete dies damit, dass an diesen Tagen die Kinder nachmittags leine Schule hätten. Der Oberförster Bein erklärte, des Sonnabends könnte nicht die genügende Aufsicht ausgeübt werden. Der Antrag wurde aber- mats abgelehnt. Der Etat selbst, welcher mit einer Einnahme von 55 496,59 M. und mit einer Ausgabe von 31 549 W. abschließt, wird in dieser Höhe festgesetzt.— Beim Strasscnrcinigungsctat wies der Genossc Schmidt I aus die unzureichenden Löhne der Strassenreinigungsarbeiter hin, sowie, dass dieselben keine Unter- kunftSräume hätten. Der Etat weist eine Einahme von 35 499 M. und eine Ausgabe von 116 159 M.. also eine Mehrausgabe von 89 759 M. auf. Es kommt dies hauptsächlich daher, weil die Herren Hausbesitzer seinerzeit die Reinigung der Bürgersteige auch aus die Allgemeinheit abgeschoben haben. Der Etat wird in dieser Höhe festgesetzt.— Der Sparkassenetat weist eine Verwaltungsausgabe von 43 099 M. auf und wird in dieser Höhe festgesetzt.— Beim Elektrizitätsetat hat die Kommissision einige Verände- rungen beantragt, infolgedessen derselbe sich um 399 M. niedriger stellt, als vom Magistrat vorgesehen, nämlich in Einnahme und Ausgabe auf 237 699 M. statt 273 999 M. Tie Versammlung stimmt der Veränderung zu und loird der Etat infolgedessen zurück- gegeben.— Der Armenkasse»etat wird in Einnahme uird Ausgabe auf 296 999 M., mit einem städtischen Zuschuss von 174 445,49 M'. festgesetzt. Der Brennmater ialienetat wird mit 37 655,78 M. festgesetzt.— Beim GaSkohlen etat, der in Einnahme und Ausgabe mit 682 448,11 M. und mit einem Ueberkchuss von 194 172,68 M. balanziert, erklärt der Referent, Genosse Pieck, dass die GaSdcputation dem geäusserten Wunsche des Stadtverordneten Genossen Schmidt l. de» Gasarbeiiern Kaffee oder Tee zu verabreichen, näher getreten sei und demnächst eine diesbezügliche Vorlage machen werde. Genosse Schmidt t kommt auf die hohen Kohlenpreise zu sprechen und empfiehlt, kommunale Vereinigungen herbeizuführen, um dem Kohlenwucher entgegenzutreten. Er macht dann noch mehrere Einwendungen über schlechte Beleuchtung der Strassen. Der Etat wird genehmigt. Ebenso wird der S ch l a ch t h o s e t a t. der mit 124 999 M. balan- ziert, sowie der Schlachthostarif und die Freibankordnung ge- nehmigt. Die übrigen Nummern wurden wegen vorgerückter Zeit vertagt und nur noch die geheime Sitzung erledigt. Vermischtes. Schneesturm und Unwetter. Nach einer Meldung aus Kiel wütete der Nordoststnrm auch vorgestern nacht mit unverminderter Heftigkeit fort, so dass das Hoch- wasier für die am Hafen gelegenen Häuser eine gefahrdrohende Höhe erreichte. Zahlreiche Fischerboote sind zertrümmert und gesunken. Auch an den Anlegebrücken ist grosser Schaden angerichtet. Gestern siüh ist der Hasenbetrieb teilweise wieder aufgenommen, da die Gewalt des Sturmes nachgelassen hat. Auch aus fast allen Orten an der Ostküste SchleSwig-Holsteins liegen Meldungen von Sturm- und Hochwasserschäden vor. Die Stadt Hader Sieben ist, wie aus einer Meldung von dort hervorgeht, noch von jedem Berkehr nach aussen abgeschnitten. Der vorgestern nach Woyenö ab- gegangene Staatsbahnzug steckt noch immer im Schnee.— Starker Frost herrscht in Paris. Auch aus dem Osten und dem Jura wird strenge Kälte gemeldet. Flensburg, 19. Januar. Amtliche Meldimg. Die Schnee- verwehungen auf den Strecken Flensburg— WoyenS, Nothenkrng— Apenrade und Woyens— Hadersleben sind soweit beseitigt, dass der Perionenverlehr seit heute vormittag in vollem Umfange wieder aufgenommen ist. Der Verkehr bis Hadersleben bezw. Apenrade wird im Laufe des heutigen TageS in beschränktem Umfange wieder aufgenommen. Die Strecke WoyenS— Vamdrup wird voraussichtlich morgen wieder frei._ Die Cholera. In den Pilgerstädten deö HedschaL kommen, einer Meldung aus Konstantinopel zufolge, täglich beinahe 299 Cholera- fälle vor, von denen ungefähr 80 Proz. tödlich verlaufen. Oeffentliche Bibliothek und Lekedalle zu unentgeltlicher Be- uutzung sür jedennann, LV., Zllexaiidrinenltr. 26. Geöffnet täglich von 5'/,— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 3—1 und 3—6 Ilbr. In den Lesesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschrlsten jeder Art und Richtung auS. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 12. Jaimar, vormittags 8% Utn, in der neuen Genrelndehalle. Puppel-Allee>5—17: Bersanimlung mil sreirellglöser Vorlesung.— vormittag« 10"/. Uhr in der Schulnula, Kleine Franksurterln. 6: Vortrag von Frl-JdaAltmann:.PolkSerziehuug und Sittlichkeit". Damen und Herren alS Gäste sehr willkommen. Serickts-Leitung. Milde Richter. Die auffällig niedrigen Strafen— wir haben wiederholt dar- über berichtet—, mit denen in Halle gegen Roheitsausschreitungen von Studenten vorgegangen wird, haben wie Aufforderungen zur Roheit auf einen Teil dieser gebildeten Herren gewirkt. Die Stu- dentenausschreitungcn nehmen immer mehr zu. Die Kommilitonen beschränken sich nicht nur darauf, Schilder abzureißen, Laternen zu zertrümmern und Polizisten zu schlagen, sonder» sie greifen jetzt auch ruhig deS Weges gehende Bürger au. Als in einer Nacht gegen 2 Uhr der schon bejahrte Privatmann Tienct durch die Stern- strasse nach Hause gehen wollte, wurde er von dem Stud. Phil. Otto Klapp aus Schkeuditz und dessen Freund verhöhnt. Klapp, der auf der Strasse stand, rief seinem Freunde in Beziehung ans Ticnet die Worte zu:„Du, da kommt der Ober mit dem Steifen!" Als sich der offenbar händelsuchende Student dem alten Herrn näherte, sagte letzterer:„Bitte lasse» Sic mich doch gehen, ich bin Ihr Ober nicht!" Darauf nahm der Student-Rohling seinen Spazierstock und schlug damit Tienet zweimal ins Gesicht, das? der Stock zerbrach und das Blut floh. Ein Polizcibeamter. der den Vorgang, wie ge- schildert, in der Schöffengerichtsverhandlung am Donnerstag be- stätigte, sprang hinzu und schützte den alten Herrn. Der Verletzte hatte derartige Wunden an Stirn und Backe, daß er einen Monat ärztlich behandelt werden mußte. Zu seiner Entschuldigung wußte der rohe Mensch nur auszuführen, dass er von einem Kommers gekommen und„angeheitert" gewesen sei. Das Schöffengericht be- zeichnete zwar die Tat wohl als roh und rücksichtslos, verurteilte aber Klapp nur zu— 120 M. Geldstrafe. Wäre ein Arbeiter, der sich ohne jeden Anlaß gleich roh und feig benommen, auch mit 120 M. Geldstrafe weggekommen? Mildeste Strafen gegen RowdhS, die sich ftudierenshalber an der Universität einschreiben lassen und hernach„Zucht und Ordnung" dem arbeitenden Volk einpauken sollen, drakonisch hohe Strafen gegen einen Arbeiter, der in dem schweren Kampf um das Brot für sich und die Seinen etwa ein unbedachtes Wort fallen läßt— das ist die Signatur einer Justiz, von der die herrschende Klaffe wünscht, sie solle als Büttel zur Niedcrhaltung der berechtigten Ansprüche der?lrbcitcr miß- braucht werden. Aber-- es gibt keine Klassenjustiz, Cm Schetzwor!— zwei Woche» Gefängnis. _ AS während des Sckrcinerstreiks zu Solingen am 2. September vorigen Jahres ein Bauunternehmer ein„nützliches Element" vom Bahnhof cibholte, äusserte der streikende Schreiner Vogelsang scherzend zu einem Kollegen:„Da wird ein Bär geführt." Damit hatte er die zartbesaitete Ehre deö Streikbrechers so arg ramponiert, dass dieser zum Kadi lief und das Solinger Schöffengericht den V. wegen Vergehens gegen 8 153 der Gcwerbcordimilg zu zwei Wochen Gefängnis verurteilte._ Briefharten der Redahtton. . Müller, Reiinckeiidorferstrahe. 1. Sie können die Versicherung jdadurch ausrecht erhalten, datz Sie selbst weiterkleben. Sie müssen aber lmerho lb je zwei tsatnen ivcnigfleitä 40 Marken Neben, welche Klasse ist gleichgültig. 2. Sie tönnleu bei dem Vormundschasisgerichl einen Antrag aus Regelung des Besuchsrechts stellen. Dem Durchdiingen Fbres AulragrS steht der Umstand, datz Sie eine Woche lang das Kind bei sich bchallen haben, vielleicht entgegen.— it. 65. Bis zur Hohe von 100 M. würden Sie haften.— H: T. 2. Lassen Sic es aus eine Klage an.'u-.nmeii. Entscheidend würde allerdings das sisutachlen von Sachverständigen sein. Ter von Ihnen gezahlte Preis erschein/ aber Hinreichend— M. M. New. — M. 1- 1—3. Ehebruch rechlseriigi eine Scheidungsklage� Der Kläger mutz den Ehebruch beweisen. Welche Mittel aio ausreichend erachtet werden, hat das Gericht von Fall zu Fall zu cnlscheideu, Ist die Ehe wegen des Ehebruchs geschieden, so kann der beleidiglr Ehegatte Straf- an/rag stellen. Die Strafe beträgt GesänguiS bis zu 6 Monalen. 4. Eu/e Frist zur Aufbewahrung der Sachen desteht nlcht. Em Recht, den Korb zu offne», steht Ihnen nicht zu. Sie können nur aus Rücknahme klagen.— Berliner Marktpreise.«US dem amlllthen Berich/ d-r städt/Ichill Rark/ballen-Direktion, lGrotzbm/del.) Ochsci/stciich l» 70 72 Cr.>00 Psd,, IIa tu CO. lila 56 59. Bullcnsteisch 1» 67—72, IIa 58-66, Kühe, seil 50— 58. do. mager 38—40, Fresser 52— CO, Bullen, dänische 53—65. Nalbüeisch. Dopvcllender 110— 130. Mastkälbcr[a'.10-100 IIa 80-8D, Kälber ger, gen. 60—76, do. boll. 50—56. Hammelsteiich Mast- l immer 76—78, Hammel la 68 72 IIa 62 67, ungar. 0,00, Schach 47—60. Schwemei/eliq 52-61. Rehwild ta per Piund 0.65—0,72. IIa 0,50- 60. Rolwild la per Pfund 0,43—0.48, do. IIa 0,30-0,40, do. Kälber 0,40-0,52. Damwild 0,40-0,52, do. Kälber 0,50-0,70. Wildschweine per Psd, OLO— 0,10. Frischlinge p. Psd. 0,50—0,60. Kallinchen, grotz, Stück 0.80—1,10, do. klein 0,50—0,70. Hasen, grotz per Stück 3,40—3,55, do. mittel und klein Stück 2,00—3,00. Wildenten per Stück 0,00. Faianeiihä/me la, junge 2,75—3,25, do. IIa und alte 1,50—2,50. Fasanenhennen 1,00—2,25. Waldschnepfen per Stück 2,00—2,25, do. Ha 1,00—1,50. Hübuer la ver S/ück 1,50—2,75, dito IIa 1,00—1.40, Tauben la 0,70—0,85.' do. IIa 0,00, do. alte 0,60—0.65, do. italienliche 1,10. Eii/eii la Stück 0,00, do. IIa 0,00, do. pcr Psd. 0,65— 0,75. do. Hamburger, ver Stuck 3,00— 3,40. Gänse p. Psd. 0,50— 0.66. do. Oderbrucher prr Psd. 0,50-0.63. PouletS p. St. 1.20.-1,50. Puten p. Psd. 0,60-0,75. da IIa 0,50—0,58. Poularden, deutsche, 0.90-1,00. Hcmie ver 100 Piund 88—97, do. matt 0,00, do. grotz 0,00, Do. grotz-nültel 81—84. Zander. uns. 105—119, dito tleln-millel 0,00, do. matt 0,00. Schleie, grotz 0,00, do. uns. 98— 99. do. Holländer 0,00. Aale. 0.00, do. klein-imttel 0,00, do. grotz 0,00. Karpsen, 50er 62—65, do. 50er. stumpf 58—61, do. franz., 70— 100er, malt 56— 61. Wels 0,00. Plötzen 27, do. grotz 0,00, klein 0,00. Bleisische 0,00, matt 0,00. Bunte Fische 38-38, do. klein 0,00. Barch 70—85. Karanichen 73. Bleie, matt 0,00. Aland, klein 35—11. Quappen 34. Winter- RhcinlachS per 100 Pfund 0,00, Amerikanifcher Lachs la „euer per 100 Psd. 110—130, do. Da neuer 90—100. Seelachs per 100 Pfd. 15— 20. Flundern. Kieler, Stiege la 2—6. do, iniltei Kille 0,00. Hamb Stiege 3—6, balbe Kiste 2—3, po/nm. I» Schock 0,00, IIa 0,00. Bücklinge. Kieler ver Wall 2—3,00, schwedische 1,50—2,50, englischi 3,00—3.50. Sprotten, Danziger, stifte 0,80—0.90, do. Rügenwalder, Kiste 0,70—0,80. Aaie. grog'per Psu/io 1,10—1.40, millelgrog 0.80—1,10, klein 0.60—0,80. Heringe ver Schock 5,00-9.00. Schellfische. Kiste 3,00— 4,00. dito'/, Jiiile 2,50. Sardellen, 1902 cc per Anker 98, 1904er 98, 1905« 98, 1906er 85—90. Schottische Bollberinge 1903 0,00, largo 10-44, fall. 38-40, med. 36—42. deutsche 30-10. Heringe, neue MatjeS. ver To. 0,00. Sardinen, ruff., Fatz 1.50—1,60. Bra/beril/ge Fatz 1,20—1,40. do. Büchse(4 Lilcr) 1,40-1,70. Neunaugen. Schucksatz 11, do. kleine 5—6. do. Rieien» U. Krebse per Schock 0,00, grotze 0.00, do. mittelgroße 0,00, dito kleine 0,00 cra 0,00, do, unsortiert 0,00, Galizicr, grotz 0,00. Seemuschel n 100 St. 1,00. Eier, Land,, unsorlicrl pcr Schock 4,00—5.80, do. grotze 6,00—6,50. Butte/ ver 100 Psd. la 123-124. Ua 116-123. Nla 112-115. abfallende 100-106. Saure Gurten S/bock 4,00. Pfeffergurken Schock 4,00. Kartoffeln per 100 Pfund Dabersche 3,00—3,50, Iveitzc runde 2,75—3,00, mag. bon. 3,00—3,25. Porree, per schock 1,50—1,75. Meerrettich, schock 4—12. Svmal per 100 Ps/md 20—25. Sellerie, per schock 3—6, do. pvmm. 6—3. Zwiebeln per 100 Pfd. 2—3. Pe/ersUie, grün, schvckbund 0,80—1,50. Rettich, bayrischer, per stück 0,06—0,10, hiesiger, per Schock 0.00. Mohrrüben, 100 Pfund 3.00 b/S 4.00. Karotten, per 100 P{.*tb 10—15. Wirsingkohl v. Schock 4—7. Rotkohl, Schock 4-8. Weitzkohl p. 100 Pfd. 2,10-3,50. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 0,00. Rosenkohl, per 100 Pfund 16-30. Grünkohl 6,00—8,00. Kohlrüben. Schock 2,5'i— 5,00. Pelc/silienwurzelu, per 100 Psd. 6—7, �»chockbund 5—6,00. Schnittlauch, Töpfe Dutzd. 4—5,00. Tomate», kanarische, per Kiste 1,50-3,00, Ro/e Rüben, ver 100 Pfund 2,50—3,00. Rübchen, Beelitzer, per 100 Psund 3—8, do. Teltow«: 10—18. Eskarol, per Schock 18—20. Endivien, pcr Schock 20—25. Birnen per 100 Psd. Tiroler 0,00, Kochbirnen 3—7, Tafelbirnen la 18—25, do. IIa 6—17, Jtal. 10—22. Aepsel, ver 100 Pfund, Tiroler la 22—30, do. IIa 12—20, do. lose, per 100 Pfund 0,00, do. in Kisten 120 Psd. 30-50, Most-, Hies.. 100 Psd. 0,00, Koch. 5—11, Tafel» äpfel la 15—24, do. IIa 8—12, Amerikaner, pcr Fatz 10—30, Italien«-, lose, 100 Pfd. 8—12, do. w Körben pcr 100 Psd. 13—23, do. in Kis/cn 10—25. Wallnüsse 0,00. Paranüsse 0,00. Haselnüsse, lange, 100 Psund 0 00, do. runde stanz. 0,00. Weintraul:n, Almeria, per Fatz 8— 13. Ananas I, per Psund 0,99—1.10. do. II 0,40—0.60. Bananen, gelb, per 100 Psund 8—20. Kokosnüsse pcr 100 Stück 0,00. Krach- mnndein per 100 Psd. 05—115. Maronen, ital, per 100 Pfund 9—20. Feigen, Kranz- per 100 Psd 20-22, do. Trommel- per 100 Psd. 40, oo. in Kisten 28—58. Traubenrosinen per 100 Pfund 65—120. Zitrone/t, Meisina. 300 Slück 9,00-10,00. do. 360 S/ück 9.00-9.50, do. 200 Stück 0.00, do. 150 Stück 0.00. Apselsiuen, Mureia, 200 Stück 7.00—11,00, do. 300 Stück 6,00-11,00, do. Valencia 420 Stück 10-25, do. 714 Stück 12-18. Mandarinen. Schachtel 0,90-2,00, do. 420 Stück 0,00, do. 100 Psd. 17—22. Datteln, per 100 Kart. 35—15. Johannisbrot, pcr 100 Ps/md 10—15. Witterungöübcrsicht vom 10. Januar 1908. Swinenide 759 N Hamburg! 764 NNO Berlin 759 NNW Frants.a M 761 N München 758 O Wien 754 NW 6 wolkig Twolkenl 4 bedeckt 6 bedeckt 3 Schnee 3 bedeckt 769 W 763 NNO 4 bedeckt-26 3 Schnee—18 bwoltig| 3 1 wollig I 1 5 bedeckt— 3 Haparanda 761 SSO —7 Petersburg 753 ONO —5 Seilly|768N — 3 Iberdee» —4 Paris 0 Wetterprognose für Sonnabend, den 0. Januar 1008 Zunächst trocken und vielfach heiter bei ziemiich strengein Frost und rlschen nordwestlichen Winden; späier wieder trübe, etwas gelinder«»d eichte Schneefälle. Berliner Wette rbliccau. l Wanerstands-?!»chrichten der Lanbesanstalt sür Gewüsserlunde, mtigetcllt vom Berliner Wotlerbureau. Wafferstand M e m e I. Tilsit Brezel, Jnsterburg Weichsel, Thor» Oder, Ralibor , Krusten „ grankiurt arthe, Schrimm „ Landsberg Netze, Dordamm Elbe. LeUmeritz , Dresden , Bardo , Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs.— Fall. — 4) Eruiidew.—') nahezu eisstei.■ —') Unl erPegel.« -'j wenig Treibeis. •) EisftlMd. Deutscher Holzarbeiter-Verband. == Zahlstelle Berlin.■ Donnerstag, den 1«. Januar, abends 8 Uhr. in den Andreas- Festsalc», AndreaSstr. LI: Xfranefren- Verfammliing der Möbeln und Stuhlpolierer sowie Beizer« Tages-Ordnung: 1. Jahresbericht der Branchenkomnch'sion. 2. Diskussion. 3. Wahl der Branchenleiwng und der Bezirksoblmte. 4. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. 74/lL« Da auch in dieser Versammlung über den Besuch derselben Kontrolle ausgeübt wird, ist das Verbandsbuch mitzubringen. Die Brancbenleitnns. Achtung! Achtung! Montag, den 13. Januar, abendS S'/o Uhr, bei Fahrow, Ravrneftr. 6: Vertranensmänner- Versammlung für den Bezirk Wedding, Gesundbrunnen und Moabit. J» der Versammlung werden die Legitimationskartcn für 1303 ausgegeben. Wegen der wichtigen Tagesordnung ist eS Pflichi jedes Betriebes, einen Delegierte» zu senden. Qie Kommission. Steinarbeiterl Sonntag, den 12, d. M., vorm. 10 Uhr. im Gewerkschaftshanse. Engel-Ufer 15(Saal I): Generai- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Stellungnahme zur Einführung einer örtlichen ArbeitSlosen-Unter. stütz ung. 2. Abrechnung vom IV. Quartal. 3. Jahresbericht. 4. Neuwahl der OrtSverwaltung. 171/1* — Mitgliedsbuch legitimiert Z Zahlreichen B esuch erwartet nie Ortsvervaltnnix. öMWöURMIM �elgverei» Sertin llnil Umgegeiil!. Selllioo der Putzerträger. Sonntag, den 13. Januar, vormittags ll'l2 Uhr: Mitglieder-Versammlung _ in Obiglos Festsälen. Schwedterslr. 23._ Gruppe der firunuenbauer und HQIfsarbeiter. Sonntag, den IL. Januar, vormittags 10 Uhr: Mitglieder-Versammlung __ bei K. Beyer, Oramenstratze 103.—— Sektion der DaebdeekerbUlfsarbeiter. Sonntag, den IL. Januar vormittags 10 Uhr: Mitglieder-Versammlung A—. im Wewerkschaftshans. Engeluser 15, Saal 7.—— Sektion der Töpferträger. Montag, den 13. Januar, abends 8 Uhr» Mitglieder-Versammlung eass bei Wohlfahrt, Rosenthaler Straße 57.- Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. Bericht von der Vertretersitzung. 2 Neuwahl der Gruppenleilungen. h. Verbandsangelegenheltew 23/1 In Anbetracht der ernsten Zeit und der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht, das; jeder Kollege in diesen Versammlungen erscheint. Ber Zwelsvcreinsvorstand. n Zweigverein Berlin, Sektion II. Heute Sonnabend, II. Januar, abends 8 Uhr, findet in den desamträumen der Berliner Bockbrauerei, Fidicinstraße, unser diesjähriger 42/1 großer Bliener HfcsHenball statt,— Es ladet dazu freundlichst ein Das Komitee. x A. B. Koch?? Kohlen-Groß-Handlung Berlin 0. 34, Brombergerstr. IG. 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Sonntag, den I'Z. Januar, abends 7 Uhr, bei Wilke, Brunnenstrafte Nr. 188; Versammlung für Männer und Frauen. Vortrag des Genossen Wermarth. Redakteur am.Vorwärts». Nachher: fpiT Geselliges Beisanimensein. � _ Zahlreichen Besuch erwartet____ Der Abtcilnngsführcr. Zur Aufklärung! M. Schmeitzers Saucen-Würset dient nicht, wie vielfach irrtümlich angc- nommen wird, als Zusatz oder Ber- besserung für fertige Saucen, sondern zur ursprünglichen Herstellung der- selben ohne irgend welche weitere Zu- tat Ueberall zu haben. 5892» M. SchmciBers Nährmittel-Fabrik, G. m. b. H., Leipzig. Filiale Berlin. vraniendurgerstr. 17' /Amt lila 4729. -EmeKork wSohentliche Tailithlung liefen elegantefertigeHerren-Modenl Bestellungen nach Us�a. tadellose S AuBführune:. Ib eigener Werkctstt. f Soezlal-Geschäfl für fferr en-|efclekintig.| Hain Warea-Kredltli»«. i. 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Filiale Berti» IV. Tode«- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, dasi am Mittwoch, den 7. d. M., das Mitglied �uxust INe�er, Wattftr. 13, verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute. nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Elisabeth-Friedhofes in der. Prinzen-Allee aus statt. Uni rege Beteiligung bittet 243gb Der Vorstand. Am Mittwoch, den S. Januar, verschied nach schwerem Leiden der frühere Inhaber des Restaurants „Pserdebucht- Wiibeim BrQsewitz im 37. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am 12. Januar, nachm. 3'/, Uhr. von der Äöpenicker Leichenhalle aus statt. Nach langem, schwerem Leiden ! verstarb mein lieber guter Mann | der Tischler Ernst Hiibel Die Beerdigung findet am ! Monniag, nachmittags 3 Uhr, I von der Leichenhalle des Heilig- Kreuzstrchhoscs. Mariendors. aus I statt. 2442b Bio trauernden Hinterbliebenen. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspende« bei der Beerdigung unseres lieben VatecS, deS Zimmerers Ciustsv Glagow sagen wir allen, welche ihm die letzte Ehre erwiesen, unseren herzlichsten Dank. 2440b Die trauernde« Hinterbliebenen. Di». Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. PriBzenslr. 41, 10— 2,5— 7. Sonntags 10— 12,2—4 Dr. Schünemann Spczial-Arzl sür 14752* Bant- and Harnleiden, Francnkrank hotten. Frtedrichstr. 203, Ecke Schuyenstr. 10—8. 5—7, Sonnt. 10-18 llbv Kurz vor Schluß des Inventur- und Räumungs-Ausverkaufs ü» Hauptgesch.: W., Mohrenstr. 37a, an den Kolonaden, �no.; Gr.Frankfiirlepstp.Ilb, 2. Haus an der Andreasstr. Gelegenheit geboten, zu nachstehend billigen Notierungen, wie sie wohl kaum mehr wiederkehren, Astrachanmäntel, Abendmäntel. Röcke, Blusen. Kostüme. Kloderkoolektioo, Originalmodelle, Beisemoster und Kopien, selbst für allerstttrkste Figuren vorrätig!!! i& 5 Abteilungen zukaufen. wird Keine Ramsch- oder Dutzendware!! 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Schönfeld. � S Sozialdemokratischer Waiüm für den 4. Berliner Reichstags-Wahlkrels. (Ttralauer Viertel.) Stadtbezirk 823. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Arbeiter «Julius Labe (wohnhast Stralauer Platz 17) gestorben ist. 216/3 Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 11. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Zentral- Friedhofes m Friedrichssclde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Borktand. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Hiermit diene den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser laug- jähriges Mitglied, der Arbeiter Julius Labe am 3. d. M. im Alter von 44Jahrcn an Schädelbruch(Betriebsunfall) D plötzlich gestorben ist. Ehre feinem Andenken: Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 11. d. M, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. 67/3 Um recht zahlreiche Beteiligung bittet Bio Verwaltung II. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Verwaltung I. (Yereln Berliner Hausdiener.) Nachruft Den Mitgliedern diene hiermit zur Ztachricht, daß der Kollege Atax Neumann (Wassertorstr. 65) am 3. d. M. durch einen Betriebs- unjall, und der Kollege Karl Drewer (Rheinsbergcr Straße) am 5. d. M. verstorben ist. Ehre ihrem Slndenkcnl 67/2 Bio Ortsverwaltung. Jfntrnlucrlißnb dkutscherj Krallkrkiardkltkr Zahlstelle Berti». Scltion l. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Kollege Avgus! Conrad, zuletzt in der Schlopbrauerci Schöneberg beschästigt, am 9. d. M. gestorben ist. 42/2 Ehre seinem Andenren t _ Die Beerdigung findet am Sonntag, den 12. Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Friedhofes In der Maxstratze 13/15 iu Schöncberg aus statt. Die Mitglieder werben ersucht, sich zahlreich an der Bc- erdigung zu beieiiigen. Die Ortsverweitung. Im!» hk Zink-, Zlon- wdi W!!ilk»»a«Ä'°-°»a. Am 8. Januar verstarb nach langer, schwerer Krankheit unser Mitglied Otto Kunde. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonntag, den 12. d. M., nachmittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle des(dcilands-Kirchhoscs in Plötzensee, Seeslratze, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 281/10 Der Borstand. Fahrgelegenheit: Strasiendahn 12 bis Ende, Stadtbahn Beusfclstr. Kliuttttt- nub KronMubttti von Robert Meyer,. mir Mnrilmtten-Strnjze 3.