»-.u. IlboBsementi'BedlniaNea: Ostmraicntt• frrU prAnumnant«, US SDB, monatl LIO«H, ws-dentüch 28 vtg ftei in« Haut. Einzelne Nummer« Pf» Eonmag»» nummn tntl iHuftttertet konmag«. BeUage.Die Neu»«eil- 10 Pia«oll. Abonnement: UV Marl pro Monat Eingetragen in die«otl- geitunat» Srciäiiiic. Unter Kreuzband für Deutlchland und Oeflerreich- Ungarn 2 Marl, für da« übrige«utland 3 Marl pro Monat«oftabonnementt nehmen an: Belgien. Dünemart Holland. Italien. Luzemburg Portugal, Rumänien. Schweden und die Schwei«. vichliii agiia»lSu»«iv«. SS. Jahrs« Verlinev Volksblatk. �entralorgan äer fosialäemokratifckien Partei Veutscklanäs. Die InlertlonS'GebOtir vetrSg» für die fechtgefpaUene kolane!« geile oder deren illaum eo Pfg. für politische und gewerlschawiche Verein'- und LerfammlungS-Anzeigen SO Pfg. „Kleine Bnzcigcn", da« erste(fett* gedruckte) Wort 20«fg, jede« weitere Wort 10 Pfg. Stellengeluche und Schlaf. stellen-Unzeigen da« erste Wort 10 Pfg, jede« weitere Wort 5 Pfg. Worte über lS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Kummer müflei» vi« Ii Uhr nachmittags IN der Expeditioi, abgegeben werden Die Expedition ist vis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Adresse: nSorlistlllnoIilgt Befflü". Rcdahtion: 8CQ. 68, Lindcnstrassc 69. Kernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. I Dienstag, den 14. Januar 1908. 6xpcditfom 8CQ. 68, Lindcnstrasec 69* Kernsprecher: Amt IT. Nr. 1984. NahIrechts-InterpellZtio«. In der gestrigen Fraktionssitzung unserer Partei wurde öeschlossen, nachstehende Interpellation einzubringen: I. Aus welchen Gründen hat der Reichskanzler in der Sitzung des preußischen Landtages vom 10. Januar d. I. die Uebertragung des Reichstagswahlrechtes aus einen Bundesstaat als dem Staatswohl nicht entsprechend be zeichnet: und 2. billigt der Herr Reichskanzler, daß aus Zlnlaß der am 12. Januar in Berlin zur Propaganda dieses Reichstags� Wahlrechts einberufenen sozialdemokratischen Volksvev sammlungen zum Zwecke etwaigen Einschreitens Militär in den Kasernen konsigniert war? Zur Begründung dieser Interpellation wurden die Ee Nossen Bebel und Fischer als Redner bestimmt. Hileber. Ter Traum von der„liberalen A e r a" ist zu Ende. Die schroffe, im militärischen Liommandotone gehaltene Wahl rechtserklärung des preußischen Ministerpräsidenten hat die letzten liberalen Hoffnungen zerstört. Verächtlicher konnten die liberalen Ansprüche nicht zurückgewiesen werden, als dies durch den verantwortlichen Leiter des preußischen Staatsministeriunis geschehen ist. Wenn trotz des zu dem sonstigen verbindlichen feuilletonistischen Stil der Bülowschen Redekunst in schärfstem Mderfpniche stehenden brüskierenden Tones dieser offiziellen Erklärung einige freisinnige Blätter nach dem Beispiel der„Voss. Ztg aus der Erklärung allerlei kleine versteckte Zugeständnisse der Regierung an liberale Wünsche herauszulesen suchen, so ist das nichts als die Furcht vor dem offenen Ein gcständnis, daß die liberale Blockpolitik gründlich ge scheitert ist und die freisinnige Presse in naiver Selbst täuschung befangen war, als sie noch in den letzten Tagen vor der Bülowschen Wahlerklärung mit Bestimmtheit darauf rechnete, die Regierung werde die geheime Abstimnmng konzedieren. Tatsächlich dürften, wenn auch nicht die Fischbeck und Äopsch, so doch die fähigeren politischen Führer des Frei sinns sich völlig darüber klar sein, daß die Bülowsche Er klärung eine neue politische Situation gc schassen hat und jede Aussicht geschwunden ist, der entschiedene Liberalismus werde im Block auch nur eine cmzige in Betracht kommende liberale Forderung durchsetzen. Die Konsequenz aus dieser Lage zu ziehen, haben aller- dings selbst jene Führer der Freisinnigen Vereinigung nicht den Mut. die wiederholt versichert haben, wie erst vor wenigen Tagen der Reichstagsabgeordnete Gothein im„Berl. Tagebl.", daß der Block keinen Tag länger bestehen dürfe, als die Aussicht bestände, durch ihn„liberale Fort- schritte" zu erreichen. Zwar hat am Sonnabend eine gc- mcinsame Beratung der drei freisinnigen Fraktionen stattgefunden: zu eurer Kündigung des Blockverhältnisses vermochten aber selbst jene sich nicht zu entschließen, die den liberalen Blocktraum für ausgeträumt halten. Das Ergebnis der Konferenz bestand nach der„Freis. Ztg." lediglich darin, daß die Fraktionen beschlossen, nachdriicklich für die Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen, direkten Wahlrechts in Preußen zu wirken. Der Wunsch. die Börsengesetzreform durchzusetzen und sich dadurch die Gunst gewisser Börsen- und Handelskreise zu er- halten. hält auch die Asphaltliberalen beim Block. Auch sie vermögen nicht die größeren Zukunftsinteressen des Liberalismus über das kleinliche AugcnblickSintercsse zu stellen— und so bleiben sie vorläufig in der Blockgemein- schaft— obgleich sie wissen, daß die Bülowsche Abweisung den freisinnigen Einfluß aus Null herabgesetzt hat, und der g a n z e E r f o l g ihreS Klebens a m V l o ck in nichts anderem besteht, als daß aus Kosten ihres eigenen politischen Ansehens und ihrer Aklionsfreiheit die konservativ- klerikale Allianz noch um einige Monate hinaus- geschoben wird. Weit mehr noch trifft indes der Vorwurf des Klebcns den preußischen Ministerpräsidenten, den Fürsten Bülow. Sein eigenes Interesse gebietet ihm, den Block zu festigen, denn wenn dieser zusammenbricht, fällt auch er. Mag auch zu- nächst, wenn an die Stelle des liberal-konservaiivcn Konkubinats das klerikal-konservative tritt, das Zentrum aus gewissen Rücksichten sich Büloivs Nrichskanzlerschast gefallen lassen, so vergißt es ihm doch nie die Reichstagsauflösung und seine Haltung im Wahlkampf. Und das Zentrum weiß sich zu rächen. Es ist deshalb sicher, selbst wenn es nicht gelcgent- liche Aeußenmgen der zum RcichSkanzleranite gute Bc- Ziehungen unterhaltende Blätter verrieten, daß Bülow sich bemüht hat. an sogenannter höchster Stelle ein gewisses Entgegenkommen gegen die libcrlen Wahlrechtstvünsche zu befürworten. Aber stärker als er hat sich der AgrarkonservatismuS und dessen Vertretung am Hof, in der hohen Bureaukratie und der Armeelcitung erwiesen. Die preußische Krone hat eine andere Auffassung von den Notwendigkeiten der geschichtlichen Entwickelung. als das Wittelsbacher und Habsburger Haus. Noch immer gilt für die Hohenzollerndynastie, was im November 1848 Marx in der„Rhein. Ztg." geschrieben hat: .Die Krone erblickt in den Elementen der alten feudalen Ge- sellschast, deren höchster Auswuchs fie ist, ihren wahren ein- heimischen gesellschaftlichen Boden, während sie in der Bourgeoisie eine fremde künstliche Erde erblickt, von der sie nur getragen wird unter der Bedingung, zu verkümmern. Die berauschende Gnade Gottes verwandelt die Bourgeoisie in einen ernüchternden Rechts- titel, die Herrschaft des BluteS in die Herrschaft des Papiers (der Verfassungsurkunde), die königliche Sonne in eine bürger- liche Lampe." Anstatt aber aus diesem Widerstande die Konsequenz zu ziehen und seinen Abschied zu nehmen, hat Bülow sich bH quemt, Ansichten parlamentarisch zu ver treten, die nicht die seinen sind— und sogar diese Ansichten in eine brüskierende Form zu fassen. Mancher Minister hat, wie er, sich in ruhigen Zeiten in Kleinigkeiten verloren, aber wenn für die fernere Zukunft entscheidende große Stunden kamen, wuchs er über sich selbst hinaus. Fürst Bülow ist nicht von dieser Art. Er hat nicht verstanden, seinen Willen durchzusetzen, oder wenn ihm dies nicht möglich war, in Am stand zu sterben; er hat die Stunde verpaßt, die ihm Gelegem heit bot, sich als einen über die„m i t t l e r e Linie" der zünftigen preußischen Ministerbefähigung hinauSreichenden Staatsmann zu erweisen. Die Geschichte würde ihm einst, wenn er die Einführung einer wirNichen Wahl- reform durchgesetzt hätte, vielleicht manche bisherigen Miß- erfolge verziehen haben— nun bleibt als Erfolg seiner Tätig- keit nur übrig, daß er Deutschland politisch isoliert und die stenographischen Berichte dcö Reichs- und Landtages um einige feuilletonistische Plaudereien bereichert hat, die ihn zum Feuilletonredakteur einer mittleren nationalliberalen Zeitung qualifiziert erscheinen lasten. Die gründliche Reform des DreiklassenwahlrechtS wird wird deshalb nicht sterben. Sie wird trotz alledem durch- gesetzt werden. Ein anderer wird sie machen— oder vielmehr machen müssen._ Folizeiminlfter und Polizeiexzelfe. ES war vorauszusehen, daß der Minister des Innern im Abgeordnetenhause, das am Montag die Etatsberatung be- gann, sich über die Wahlrechtsdemonstrationen äußern würde. Der Oberscharfmacher Abg. Freiherr v. Zedlitz(frk.) über- nahm es, ihn um eine authentische Auskunft zu ersuchen, und der Minister v. M o l t k e leistete dem Verlangen Folge, in- dem er folgende„authentische" Auskunft gab: Ich bin dem Frciherrn v. Zedlitz dankbar, daß er mir Ge- legenheit gibt, auf die Vorgänge deö gestrigen TageS zurück- zukommen. Die Leitung der Sozialdemokratie hat es fertig gebracht, daß gestern nach Versammlungen eine Menge von Straßen durchzogen, und zwar Begleitumständen, indem sie johlten und mit allen Mitteln versuchten, sich immer wieder zusammen zuketten, so daß die Schutzinannschaft mit vieler Mühe sie zu zerstreuen und den Verkehr wieder herzustellen hatte. An mehreren Stellen ist eS zu Konflikten mit der Schutzmannschaft gekommen bei Verweigerung des Gehorinsams gegenüber den Anweisungen, rechts oder links auszuweichen und sich in andere Straßen zu verteilen. Die Schutzleute sind hierbei von der Menge mit Steinen beworfen (Hört, hörtl), mit Stöcken behandelt und tätlich angegriffen worden. Sie haben an drei Stellen von der Waffe Gebrauch machen inüffen. Namentlich kam es in der Nähe der Gertraudlen- brücke zu einem ernstlicheren Zusammenstoß; und als die Menge auf die Aufforderung der Schutzleute, sich zu zerstreuen, nicht aus- cinandcrging.-md die Schutzleute blank ziehen und von der Waffe Gebrauch mußten, fielen zwei Schüsse, (Lebhaftes Hb ,t! hört!), einer aus dem Publikum, ein anderer aus dem Hauie Friedrichsgracht 03. Ich habe feststellen lassen, daß kein Revosver der Schutzleute am gestrigen Tage in Gebranch genommen worden ist. ES sind, soweit ich bis jetzt habe er- mittel» können, bei den gestrigen Dcmonstrationeu ver- wundet von der Schutzmannschaft ein berittener Offizier, drei Schutzleute, darunter einer schwer, desien Unterbringung im Krankenhaus erforderlich war(Lebhaftes Hört, hört!), aus dem Publikum etwa 30 Personen. Soweit sich bisher hat feststellen lasten, ist niemand davon schwer verletzt. Auf d'r Snnitätswache waren bis heute früh S Uhr zur Verbindung nur, füuf Personen erschienen. Nach all den Bilden,, die ich bis jetzt bekommen habe, hat die Schutzmannschaft in ihrer schwierigen Lage, in der sie sich gestern befand, die Ruhe und Besonnenheit nichb vermissen lassen, die ich mit Recht von ihr erwartet hatte.(Lebhafter Beifall im ganzen Hause.) Tie werden auch selbst am vorigen Freitag bei den Demonstrationen vor diesem Hause den Eindruck gewonnen haben, daß die Schutzmanuschaft mit der äußersten Ruhe und Besonnenheit vorgegangen ist.(Sehr wahr l) ES war«in verantwortungsvoller und ein schwerer Sonn- tagsdienst, der ihnen gestern auserlegt ist. Dabei wlssen Sie. daß der Abhaltung einer Reihe von etwa 12 000 Personen die unter wenig erfreulichen und die Marseillaise sangen Charakter der gestrigen Demonstration keineswegs spontan war. son- dern daß alles vorbereitet und organisiert war(Lebhafte Zustimmung), bis auf die kleinsten strategischen Umstände bei dem Zuge. ES war aber seitens des Herrn Polizeipräsidenten ausdrücklich vor solchen Um- zllgen gewarnt, das Publikum wußte Bescheid, die Leitung der Sozialdemokratie wußte Bescheid und hat gewistenloS gehandelt (Stürmischer Beifall im ganzen Hause), wenn sie trotzdem die Menge auf die Straße getrieben und den Schutzleuten zugeführt hat.(Erneute stürmische Zustimmung.) Das geht ja auch aus der Extranummcr des heutigen„Vorwärts" hervor, daß die Leute das volle Bewußtsein hatten, daß sie etwa? taten, was die Oeffent- lichkeit zu dulden nicht imstande war. Der„Vorwärts" beruhigt sich aber nicht dabei, er sagt, es wäre dies eine Antwort auf die Dreiklastenschmach, eine ernste Antwort, denn die gestrigen Demonstrationen wären nur der Beginn des Sturmes, der im Lande aufflammen wird.(Stürmisches Hört! hört!) Das Proletariat habe die Straße erobert(Gelächter), es habe von seinem Rechte Gebrauch gemacht, daß die Bourgeoisie für sich schon stets in Anspruch nehmen durfte, und cS würde sich dieses Recht nicht wieder nehmen lassen.(Gelächter.) Ja, meine Herren, Sie lachen darüber, aber eS ist doch traurig, daß diese Berhetzungen inS Volk gehen(lebhafte Zustimmung), daß sich immer Leute finden, die mitlaufen, und die nun die Folgen zu tragen haben und sich von den Polizisten, die äußerlich die Leute nicht unterscheiden können, mit Säbeln be- handeln lassen müssen. Die Folgen einer erneuten Demonstration wird daher lediglich die Leitung der Sozialdemokratie zu tragen haben.(Lebhafter allseitiger Beifall.) Denn wir sind fest entschlossen, jedem Versuch, im öffentlichen Verkehr die Ruhe und Ordnung auf der Straße ferner zu stören, mit den äußersten Mitteln ent» gegen zu treten. Herr v. Moltke hat anscheinend auch nicht das geringste Gefühl für die Empörung des Volkes, dem eine Regierung die einfachsten Menschenrechte vorzuenthalten wagt. Seinem Polizeiverständnis sind die Demonstranten nichts anderes als eine johlende Menge derselben Art. wie sie am 5. Februar vorigen Jahres vor das Schloß gezogen ist. Er glaubt, die preußischen Staatsbürger sollen sich als gehorsame«Unter- tanen" fühlen und wagt es daher im Polizcijaraon, von einer Verweigerung des Gehorsams zu reden. Das Proletariat ist stolz auf diese sogenannte„Gehorsamsvenvcigerung", Arbeiter sind keine Rekruten, die willenlos jeder Laune ihrer Vor- äesetzten sich zu fügen haben, sondern denkende, zum Üassen bclvußtsein erwachte Menschen, die eS satt haben, noch länger die Rolle der Heloten zu spielen. Was vor zwei Menschen- altern dem Volke durch einen Staatsstreich geraubt wurde, das ist es fest entschlossen, sich wieder- zuerobcrn. In dieser Absicht ist eS in die Versammlungen und auf die Straße gezogen, in dieser Absicht wird eS weiter kämpfen trotz Moltke. Wer erinnert sich nicht bei der schönen Erzählung von den beiden Revolverschüssen der Vorgänge vom 18. März 18481 Auch da soll bekanntlich ein Schuß gefallen sein, dessen Urheber bis heule noch nicht ermittelt ist und wohl auch nie ennittclt werden wird. Arbeiter sollen es gewesen sein. Die Schutz- leute sind natürlich unschuldig, ihre Revolver sind unbenutzt. Aber hat der Chef der Polizei auch die Waffen der Polizei- vigisanten und ähnlichen Gesindels untersuchen lassen? Die Schutzleute sollen mit Steinen beworfen, mit Stöcken ge- schlagen und tätlich angegriffen sein l Natürlich. Die armen unschuldigen Beamten, die niemand etwas zu leide tun und sich in der Notwehr befinden l Das Volk hat von dem ihm zustehenden Recht Gebrauch gemacht und wenn eS dabei zu Zusammenstößen gekommen ist. so ist allein das rigorose Vorgehen der Polizei daran schuld. Die Leitung der sozialdemokratischen Partei ist, wie der Herr Minister meint, für die Vorfälle verantwortlich. Die Verantwortung dafür, daß sie das Volk über die Politik des Ministeriums Vülow aufgeklärt, daß sie das Proletariat auf die Schanzen gerufen hat, um den herrschenden Klassen laut und vernehmlich seine Entrüstung zu zeigen, um dem Willen der Machthaber den Willen der Eutrechtctcii entgegen- zusetzen— diese Verantivortung übernimmt die sozialdcino- kratische Parteileitung. Aber die Verantwortung da- für, daß Blut geflossen ist. diese Verant» w o r t u n g fällt auf die zurück, die mit Gewalt ein mündiges Volk wie Kinder abspeisen zu können glauben; diese Vcrantivortung tragen der preußische Minister des Innern und der Berliner Polizei» Präsident. Die Drohung des Ministers, mit den äußersten Mitteln jedem Versuch der Störung der Ruhe und Ordnung entgegen- zutreten, schreckt uns nicht. Dadurch mag sich die Hurra- Canaille abhalten lassen, bei patriotischen Festen aus die Straßen zu gehen, auf im Lebenskampf geschulte. Arbeiter machen solche Worte keinen Eindruck. Das preußische Volk hat alles versucht. die staatsbürgerliche Gleichberechtigung zu erlangen: eS hat seine Forderungen unzählige Male zum Ausdruck gebracht; es ist sogar mit Petitionen an ein Parlament herangetreten, dem es das Recht abspricht, sich Volksvertretung zu nennen; aber auf all seine Wünsche und Forderungen hat man mit einem runden -Nein" geantwortet. Die Tribüne des Parlaments ist ihm versperrt, ihm bleibt nichts übrig, als andere Wege ein- zuschlagen, und es wird diese Wege gehen, geradeaus auf das Ziel: Beseitigung dcS Dreiklassenwahlunrechts, Erringung des allge in einen, gleichen, direkten und geheimen Landtagswahl- rechtes. Ein schwerer Sonntagsdienst für die Polizei war nach den Worten des Ministers der blutige Sonntag, ein Ehren dienst für das Proletariat war es nach unserer An ficht, ein RuhmeStag in der Geschichte der Arbeiterbewegung. Straßenterrorlsimis! DaS unerhört brutale Vorgehen eines Teiles der Polizei gegen friedliche Straßen- demonstranten wagt selbst die reaktionäre Presse nicht mit der ihr sonst eigenen Unverfrorenheit zu verteidigen Man fürchtet offenbar, daß das vergossene Blut zum Himmel schreit und sucht sich deshalb mit feig verlogenen Phrasen herauszureden! So faselt die offiziöse„N o r d d. A l l g. Z t g." etwas von„Straßenterrorismus", den— die sozialistischen Demom stranten ausgeübt haben sollen! Ach nein, dieser Straßenterrorismus ist verübt worden von den Organen der Polizei, die. auf Anweisung des Ber liner Polizeipräsidenten hin. die Straße friedlichen Passanten sperrten, Verkehrsstockungen künstlich provozierten und an zahlreichen Stellen durch absolut unmotiviertes Einbauen ein Blutbad anrichteten. Haben die Arbeiter nicht das gleiche Recht wie die Blockanhänger, die ungestört zwei Straßendemonstra tionen veranstalten durften, denen auf Anweisung des Herrn von BorricS der Zugang zur inneren Stadt nicht gesperrt wurde?! Und haben nicht Fürst Bülow und Wilhelm II. selbst diesen Straßendemonstrationen dadurch be sondere Anerkennung ausgesprochen, daß sie sogar Ansprachen an die Demonstrierenden hielten?! Sollen Arbeiter nicht das gleiche Recht haben wie Leute in Seidenhüten?! Ueberhaupt: Straßenterrorismus! Bei jeder großen Parade, bei jedem Fürstenempfang wird die Straße terrorisiert.' Den Passanten wird der Weg gesperrt! Ge fchäftsleute, Angestellte, Arbeiter werden stundenlang durch Stillegung der Straßenbahnen an ihrem Erwerb gehindert! Brachten die proletarischen Demonstranten den Verkehr zum Stocken? Nein: sie machten allen Straßenbahnen usw. bereitwillig Platz. Erst als sie die P o l i z c i auf Anweisung überschneidigcr Polizeioffizier zusammenkeilte, entstanden Verkehrsstockungen! Wer also übte„Straßenterrorismus"?! Daß die Polizei— resp. ihre Vorgesetzten— das schwach volle Blutbad anrichtete, räumt auch die bürgerliche Presse ein! So schreibt die„German: a": „Die Menschenmenge auf den Straßen vermied Zu sammenstöße mit der Polizei, immer wieder ließ sie sich willig in Nebenstraßen ablenken: nur in einigen wenigen Fällen hatten die Massen sich in engen Straßenzüaen so sc st gesetzt, daß sie nicht vorwärts und rückwärts konnten, und in diesen Fällen führte dann das scharfe Andrängen der Polizei regelmäßig zu Krawallen, die in mehreren Fällen zu blutigen Zusammenstößen führten." Und das Zentrumsorgan beweist dann diese Darstel- lung durch Einzelheiten. Genau in dem gleichen Sinne schil- dert auch das„B e r I. T a g e b l." die Vorgänge. Wir wiederholen also die Frage: «Wer verübte Straßenterrorismus?!" Und wenn sich die„Nordd, Allg. Ztg." auf die zwei Schüsse beruft, die au der Friedrichsgracht gefallen sein sollen-- nach unserer Information ist nur ein Schuß ge fallen—, so steht fest, daß dieser Schuß nicht aus den Reihen der D e ni o n st r a n t e n gefallen ist. Das M o s s e- B l a t t schildert die Szene folgendermaßen: An der Gertraudtenbrückc war zu beiden Seiten eine doppelte und dreifache Schutzmannskettc aufgestellt. Hier mußte es zu einem Zusammenstoß mit der Polizei kommen, da die enge Straße ein Umkehren oder Ausweichen nicht gestattete. Anfangs schien eS noch, als ob die Polizei nur eine passive Rolle spielen wolle. Die Offiziere zeigten zwar Festigkeit, hatten aber wohl nicht die Ab- ficht, die Waffe blank zu ziehen. Das Bild änderte sich jedoch in dem Augenblicke, als Hauptmann Stephan im Lauf. schritt erschien. Er gab sofort Befehl zum Vorrücken und die Menschenmauer am Wasser entlang zurückzudrängen. Wenige Sekunden später rief er:«Halt! Halt! Zurück!" Weshalb er diese Weisung gab, war nicht recht ersichtlich. Vielleicht wollte er sich den Rücken decken, da sich auf der Gertraudtenbrücke auch Menschenmassen angesammelt hatten, die den Demonstranten zugejubelt hatten. Plötzlich sprang Hauptmann Stephan vor und rief: Ich fordere Sie auf, sofort auseinanderzugehen. Nach etwa einer Minute wiederholte der die Aufforderung zum zweiten Male und kurz darauf zum dritten Male. Zu gleicher Zeit gab er dag Kommando: Säbel heraus! Einbauen! Nun entwickelte sich eine wilde Szene. Wohl fünf. zig SchutzmannSsäbel hieben erbarmungslos auf die vorderen Reihen ein. Es half nichts, daß Schwerverletzte stöhnend riefen:„Wir sind unschuldig!", die Säbelhiehe Hagelten weiter. Ein tausendstimmiger W u t s ch r e i pflanzte sich bis in die Hinteren Reihen fort und Verwünschungen wie:„Mörder! Bluthunde! Henkersknechte!" hallten durch die Luft. Während des Tumultes fiel auf der gegenüberliegenden Wasserseite ein Schuh, der aber anscheinend in die Luft abgegeben war. Es ist also geradezu' jämmerlichste Verlegen- !>eit. wenn sich das offiziöse Organ— wie übrigens auch im Abgeordnetenhaus der Minister des Innern Graf Moitke— ans diese alberne Detonation beruft! Wer weiß denn, ob dieser Schuß scharf war? Es scheint fast, als ob diese von irgendeiner Kreatur abgefeuerte Platz- .Patrone den Rettungsanker unserer„Straßenterroristen" bilden sollte! Welch böses Gewissen die Polizei hat, beweist auch der Widerspruch zwischen den Auslassungen eines höheren P o l i z e i b e a m t e n. die die„B. Z. am Mittag" wieder- gibt und den Verlautbarungen des Herrn von Borries im Scherl-Blatt! Der höhere Polizeibeamte in der„B. Z. am Mittag" stellt den demonstrierenden Arbeitern das Zeugnis aus, daß sie„harmlos" gewesen seien. Sie hätten sich auch gegen 4 bis 5 Uhr zerstreut. Nun ereignete sich aber das Blut- bad an der Friedrichsgracht bereits am Mittag! Harmlose, friedlich demonstrierende, jeden Exzeß sorgfältig vcr- meidende Arbeiter wurdeu mit dem Polizeisäbcl attackiert! Wenn aber der höhere Polizeibeainte behauptet, daß die nicht minder unerhörte Polizeiattacke an' der Ecke der Friedrichstraße und Lindenstraße mit ihren späteren Scharniützeln in der Nachbarschaft durch einen„Janhagel" provoziert worden seien, der mit den Arbeitern nichts zu tun gehabt habe, so so lehnen w i r diese Deutung ab! Der„Janhagel" bestand nämlich aus den regulären Straßenpassanten, die sich unter die Arbeiter gemischt hatten I Sie machten gleich den Arbeitern die Bekanntschaft mit Pferdehufen und Polizei- säbeln! Ein Student, der mit der Sozialdemokratie nicht das mindeste zu tun hat, wurde sogar in der Behren- st r a ß e niedergehaue»! Das ist der„Janhagel", den pie Polizei zu Paaren getrieben haben will! Im Abendblatt des S ch c r l- O r g a n s hat sich Herr v. Borries allerdings wieder von seiner Depression erholt. Er stellt die groteske Behauptung auf, daß sich die Polizei ihrer Aufgabe„mit Takt" — auch Herr v. Borries zitiert also gern!— erledigt habe. Freilich habe die Polizei„klar und einfach" den Befehl erhalten:„Die Massen sind an dem Ein- dringen in die innere Stadt outer allen Umständen zu verhiiideru!" Daß von der Waffe Gebrauch gemacht werden müsse, diese„Entwickeluug aller Energie war"— so verkündigt Herr v. Borries dem Scherl Publikum— „bei der Anordnung unserer Maßnahmen mit in Rechnung ge- zogen worden." Man„ r e ch n e tc" also damit, Bnrgerblut zu vergießen! Und zu welchem Zweck?! Sticht um Ausschreitungen zu verhüten l Nein, lediglich, um den proletarischen Demonstranten den Zutritt zum Stadtinnern zu sperren, wo bürgerliche Demow stranten kaum ein Jahr zuvor ohne jede Behelligung desselben Herrn v. Borries denionstrieren durften, wurden die demonstrierenden Arbeiter ohne jeden Anlaß, nur weil sie nicht rasch genug den Platz räumen konnten, nieder gesäbelt! Diese Blutsaat wird im Herzen des Proletariats auf gehen! Wehrlose. Unbewaffnete mit dem Säbel zu traktieren, sie von hinten niederzuschlagen, ist kein Heldenstück I Mit ungeheuerer Energie bezwangen sich die Attackierten. Zur Demonstration waren sie gekomnlen, nicht zum Straßen kämpf. Denn das Proletariat kennt bessere Waffen als Säbelklingen und Browningpistolen! Diese geistigen Waffen werden die Straßenterrorislen und WahlrechtSverweigcrer zu spüren bekommen! Schon heute sind die Gewalthaber auffallend kleinlaut! Sic wissen: nock mekr lokker„Siege" und Tic find verloren! politische debersickt. Berlin, den 13. Januar 1908 Fortsetzung der Debatte über antisoziale Gesetz- entivürfe. Aus dem Reichstag. Die Stellung der Sozial demokratie zum§ 63 des Handelsgesehentwurfs wurde durch den Genossen Singer dargelegt. Er geißelte mit scharfen Worten den antisozialen Geist des Regier» ngs cntwurfS, der erkennen läßt, daß die Herren am grünen Tisch sich nur die Unternehnieransicht über die Frage zur Richtschnur genommen, aber die Proteste der Angestellten in den Wind geschlagen haben. Singer gab der Hoffnung Aus druck, daß der Bundesrat aus der einmütigen Zurückweisung der im RegierungsenNvnrf geplanten Beeinträchtignng die Lehre ziehen werde, daß sie auf eine solche gehässige Maßregel ein für allemal Verzichten niüssc. Den erkrankten Handlungs- gehülfen muß der Arbeitslohn sechs Wochen lang unverkürzt verbleiben, was sie auch an Krankengeld bekommen. Der Staatssekretär Dr. Nieberding kam gegen diese Vorhaltungen mit der Retourkutsche: daß Singer nur den Argumenten der Angestellten Beachtung schenke. Er konnte aber das Schicksal der Vorlage dadurch nicht verbessern; denn auch der antisemitische Redner Schack und der Freisinnige Mugdan, die nun folgten, stimmten in die Verurteilung der Vorlage ein. Entweder wird also die Regierung die von Singer vorgeschlagene Fassung in der Kommission annehmen müssen, oder sie hat die Vorlage in den Papierkorb zu werfen. Das Haus trat noch in die erste Beratung dcS Entwurfs zur Abänderung des Gesetzes, betreffend Abwehr und 'Interdrückung von Viehseuchen ein. Auch in diesem Erzeugnis bureaukratischer Staatskunst kommt stark die Tendenz zur Förderung agrarischer Interessen zutage. Tritt es so in Kraft, wie eS geplant ist, so wird eine noch rigorosere Aussperrung des fremden Viehs und Fleisches vom deutschen Markte die Folge sein. Trotzdem waren die agrarischen Redner, die heute zum Worte kamen, nicht völlig mit dem Entlvurf einverstanden, da auch die Schutzmaßregeln gegen Viehseuchen im Jnlandc schärfer durchgeführt werden ollen. Zu einer Abrechnung mit der agrarischen Lebens- Mittelverteuerung wird eS kommen, wenn in der Weiter- ührung der Debatte auch die sozialdemokratische Auffassung zur Geltung gebracht werden kann. Der Bruderkrieg der Flottentreiber. In der außerordentlichen Generalversammlung deS Flottten Vereins Berlin- Branden bürg kam es stürmischen Äns> einandersetzungen. Die Opposition gegen Keim behielt trotz aller Anstrengungen der Keim-Freunde die Oberhand. Am heftigsten ging der Hauptmann Röper vor, der Verteidiger deS bewußten humoristischen Telegramms an den Kaiser. Er schlachtete gegen Keim sogar die„unglaubliche" Tatsache auS, daß der„Vorwärts" in der Lage war, AuSz ige auS dem Kölner Geheimprotokoll zu veröffentlichen l Schließlich wurde mit großer Mehrheit folgender Antrag an- genommen: «Die Versammlung spricht die Erwartung auS, daß die jetzige Krifis durch den Rücktritt des Gcneralma'-irs Keim beseitigt werde." m AnS Sachsen wird uns zu diesem Bruderkriee der Flottcntreibcr geschrieben: Die preußisch-sächsischen Flottenfanatiker haben in der letzten Zeit gewaltige Nasenstüber bekommen. Ihr Programm paßt nicht in die gegenwärtig grassierende Englandfrcundschaft an gewissen Stellen. Zu den ReichstagSwahlen ließ man die„Keime" un- gebindert emporschießen, um den Maljs Spießer zu entfachen, aber jetzt hat seine Dienste getan und der Mohr kann« Besonders in Preußen und Sachse nären Musterstaaten, bat die Ksi tonart die wildesten Anhänger und jüngling Stresemann holte sich bekanntlich im deutschen hitztc Rummel beiden reaktiö- ■chärfere Flotten- sirebsame Block» bei keinem Drauf- gehen:„Einer von da unten' eine kräftige Ohrfeige, so daß er stammelte, etwas ganz anderes gesagt oder„gemeint" zu haben. Nachdem»un die Situation durch die Niederlegung des bayerischen Thronfolgeanwärters und die angedrohte Resigiüernng des Bruders des Kaisers, des Prinzen Heinrich, eine für die preußisch-sächsischen Floilenfanatiker verbängnisvolle Wendung ge- nonnnen, fürchtet man besonders in Sachsen nichlS mehr, als ine Verhandlung über die klaffenden Widersprüche im F l o t t e n v e r e i u in voller O e f f e n t l i ch k e i t. Der Präsident des Flottenvereins, Fürst Salm, hat bekanntlici! eine außerordentliche Hauptversammlung des Flottenvercinö auf den lg. Januar einberufen, zu der alle Landes- verbände Delegiene zu cntienden haben. Die sächsischen Flottenvcreinler mit ihrem fatalen onkent terriblo Stresemann ergreist angesichts dieser Hanptveriammlung. auf der es ihnen voraussichtlich sehr schlecht ergehen könnte, bleiches Entsetzen und sie haben deshalb flngS über Maßnahmen beraten, wie sie die drohende Blamage von sich abwenden können. In der Sitzung des Landesausschimes deS deutichen FlotlenvereinS für das Königreich Sachse» am lg. Januar wurde mit Einsts m m ig- k e i t beschlossen, einen Antrag an das Präsidium auf Ber- s ch i e b n n g der Kasseler Haupwersammlung zu richten, um einer von Sachsen aus eingeleiteten Vermittelung die nötige Zeit zu lassen. Ob diese DertuschnngSversuche nach der Erklärung der„Nord- deutschen Allgemeinen" noch Erfolg haben werden, ist mehr als fraglich. Ganz wild ist wegen der Absägung deS Keim das Organ der Panzerplattenpatrioten, die„ R h.- W e st f. Z t g.". geworden. So schreibt sie wieder in ihrer SoimtagSuummer: „Der eigentliche Grund, ans dem"tzt oegen General Keim gehetzt wird, ist doch seine Wahltätigkctt, arleS andere sind faule Ausreden. Diese Wahltätigkeit ist nun nicht nur vom Fürsten Bülow im Reichslage gelobt, sondern auch der Kaiser hat sein unumwundenes Lob gegenüber dem Fürsten Salm-Horstmar, wie bekannt, ans- gesprochen. Man kann sich insolgedessen nicht vorstellen, wieso man den früheren lauten und demonstrativen Beifall jetzt desavouieren und einen Mann Bayern zu Liebe fallen lassen will, dessen ganze Tätigkeit ein unerscbüuer- licheS Eintreten für die Interessen des Reiches und des Hohen- zolleruhauseS gewesen ist, und man e r i n n e r t s i ch d a b e i daran, daß daö bekannte geflügelte Wort voni DankvoniHauseHabüburgund nicht von einem anderen Kaiserhause zu sagen wei ß." DaS ist sehr deutlich l—_ Die Polcnvorlage. Die Entcignungsvorlagc gelangt im Plenum des Abgeordnetenhauses am lti. dieses Monats zur Beratung. Die Kommission bat bekanntlich einem Kompromiß- Vorschlag zugestimmt, der die EntcignungSbefugniS der Regierung auf bestimmte Bezirke beschränkt. Sie hat diese Anträge beschlossen, obwohl ihr die Bezirke von der Regierung gar nicht namhaft ge- macht worden find und sie sich also über die Tragweite ihrer Bc- schlösse gar kein Bild machen konnte. Wenn es sich um Entrcch- tung und Ausnahmegesetze handelt, dann gibt es eben im Hause des Wahlunrechts kein Zögern. Trotzdem scheint diesmal die Sache nicht recht glücken zu wollen. Die Expropriation ist reine Willkür und die Junker sind mit den Garantien, daß diese Willkür ausschließ- lich Polen treffen wird, nicht ganz zufrieden. Zudem setzt die Enteignungsbefugnis dem Steigen der Güter preise einige Hindernisse entgegen und die Unsicherheit des Besitzes wirkt gleichfalls nicht anziehend auf die Käufer. Daß die Junker Besorg- nisse vor dem Anerkennen des Expropriationsprinzips haben, ist uns weniger wahrscheinlich. Sie haben ja selbst eine lange Tra- dition und Erfahrung in dieser Beziehung. Ist doch der Groß- grundbesitz nur entstanden durch die fortgesetzte Expropriation des Bauernlandcs. Was sie in der Tat abhält, der Expropriation zuzustimmen, ist nur die Sorge um die Erhaltung ihrer Grund- rcnte. Es wird ganz interessant sein, wie dieser Kampf zwischen dem Profitinteresse und der Furcht, den blamablen Bankerott kr preußischen Polenpolitik einzugestehen, schließlich enden wird. Grofie Worte— keine Taten. Zur preußischen Wahlrechtsfrage führte auf der LandeSversammliing der württembergischen Vollsparlei am letzten Montag der Führer der Demokialen Kammerpräsident und Reichs- tagsabgeordneter v. Payer wörtlich aus: „Eine viel schwerer wiegende Frage ist die: werden nicht die Verhältnisse stärker sein als der gute Wille der Blockparteien? In dieser Richtung scheint mir der a l lerkriti s ch sie Tag in dieser Woche im preußischen Abgeordneten- hause zu kommen, wenn dort die Regierung zur preußischen Wahlrechtsreform Stellung nimmt. Man verargt es uns in Preußen, daß wir uns um diese angeblich rein preußische Angelegenheil tümniern, sebr mit Unrecht. Diese Frage ist eminent deuljct, und sie wird vor allem den Prüf- st ei n dafür abgeben, inwieweit eS der Reichs- regierung ernst ist mit ihren liberalen An- Wandlungen. Die Geschäfte anderer besorgen wir nicht und li n ser Interesse an dem Block wird g e n a u i n d e in M a ß e e r l a h n, c n o d e r erstarken, in dem wir unö überzeugen, daß im Reich und in Preußen ein lv irklicher Fortschritt seineu Ein- z u g halt»» soll." Die„Frankfurter Zeitung' erläuterte die Drohung PaycrS folgendermaßen: „Was den Payerfchen Ausführungen über ihren unmittelbaren Wert hinaus Bedeutung verleiht, daS ist der Umstand, daß er wohlabgewogcn und jeder einzelnen Aeußeruna abgeniessen, zum Ausdruck gebracht hat, was als politischer Gesamt- iville der Fraktion Sgemeinschaft der drei Parteien angesehen werden kann. Und darum dürfen die gestrigen Darlegungen PayerS als Kundgebung nicht nur der württembergischen Demokratie, sondern der gesamten bürgerlichen Linken betrachtet werden." Der Reichskanzler und preußische Ministerpräsident Fürst Bülolv hat seitdem mit seiner Erklärung zum Wahlrechisantrag der Frei- sinnigen dem Herrn Payer und der„gesaiiileii bürgerlichen Linken" Gelegenheit gegeben, ihren großen Worten die Tat folgen zu lasten. Doch wir haben noch nicht gehört, daß die Freisinnigen ihr Block- veihältniS gelündigt haben. Blocklahmr, vor die Front! Beginnende Erkenntnis. Je länger, desto mehr steigt die Erbitterung ber Arbeiter Übel den Hohn, den die preußische Regierung als einzige Antwort den Forderungen nach dem politischen Recht entgegen bringt. Und fast scheint eS, daß auch unsere Gegner einzusehen beginnen, wie groß die politische EinsichtSlosigleit der Regierungserklärung gewesen ist. So schreibt die„Na ti o na l- Z eitung die allerdings nur die Ansichten einer Minorität unter den National- liberalen vertritt: „Am schlechtesten weg kommt bei dem ganzen Ringen unseres Erachiens die Krone Preußens. Entscheidet der Wahl- kämpf gegen die Feinde der Wahlreform, so wird eS offenkundig. daß die Krone nicht gut beraten w a r. als sie die Führung aus der Hand gab. Entscheidet der Wahlkampf für die Gegner der Reform, so ist die Abhäuzigkeit der Krone von den preußischen Agrarkonservativcn stärker und dauer» hafter dokumentiert denn je. Dazu bemerkt das„Berk. Tagebl."! „AuÄ wir sind der Meinung, daß die preußische Regierung durch ihre Kurzsildtigkeit und durch die 2 ch w a ch l i ch- kcit, mit der sie sich vor den Wünicven der„cittscheideudc» Stelle" einfach gebeugt haben mag, der Krone Preußens einen sehr schlechten Dien st erwiesen hat." Indirekte Steuern und Lebensmittelteuerung. Die.Westdeutsche Arbciter-Zeitung". das M.-Glad- bachcr ArbeitervereinSblatt, bringt in seiner neuesten Nummer einen Artikel über die Neichöfinanzen. Bezüglich der indirekten Steuern heißt eS:„Diese bilden fast die ausschließlidje Einnahmequelle deö Reiches. Der Löwenonteil der indirekten Steuer» aber wird getragen von der breiten Masse der minder- emittelten Bevölkerung. Das Blatt stellt sodann eine Lerechnung an, wieviel von den Zöllen und indirekten Abgaben auf die Bcsipenden und wieviel aus die Uubemittelten fällt und kommt dabei zu dem Ergebnis:„Mithin gibt es nur wenige tt e i cd s e i n n a h m e n, die vornehmlich von den besitzenden Klassen getragen werden." Natürlich hütet sich das Blatt, den wahren Schuldigen zu nennen Und das Zentrum anzuklagen, daß es Bismarck seine Volks- räuberische Zoll- und Steuerpolitik ermöglicht, daß es mit dem letzten Zolltarif den Massen zu den alten Lasten riesenhafte neue aufgeladen, daß cS durch seine BewilligungSlust für Heer und Flotte die eigentliche Berantwoi tung für die Finanznot deS Reiches und für die Schaffung neuer Steuern trägt. Genau so unehrlich verfährt auch das Organ der christlichen Metallarbeiter. Es beruft sich auf die Auslassung eines UnternehmervcrbandeS. daß die gute Geschäftszeit reiche Früchte ge- tragen habe und daß die Unteniehmer der weniger guten Zeit mit Ruhe entgegensehen könnten. DaS entspreche, meint daS christliche Gewerkschaitsblatt, den Tatsachen; leider könnten die Ar» eiter ähnliches von sich nicht sagen: „Ihr kleiner Mehrverdicnst während der Hochkonjunktur ist durch aie anhaltende Teuerung aller Lebensmittel und der Mieten aufgewogen worden. Nunmehr macht sich der Um- ,chlag für sie umso schlimmer bemerlbar." Auch hier fehlt der Hinweis, daß die Haupturfache der Lebens- niittelteuerung in der Zollwuchcrpolitik zu suchen ist, die ihren eifrigsten Förderer in der Z e n t r u m s p a r t e i hat. Wenn die christlichen Führer ehrlich sein wollten, müßten sie samt ihrem Gefolge in schärsster Opposition zum Zentrum, dieser Partei des LolkSbetrugeS, stehen. Aber das Zentrum weiß, weshalb es die Heircn GieSberts, Schiffer usw. in den Sckoß der Fraktion auf- gcnoninien und ihnen die Mitverantwortung für die Volks- und arbeiterfeindliche Polstil der Partei aufgeladen hat.— Der Landtag in Sachsen-Weimar wird am 8. Februar zur Fortsetzung seiner Arbeiten wieder zusammen« treten. Zum soundsovielten Male wird er sich auch in dieser Tagung wieder mit einem Antrage aus Einführung des geheimen und direkten Wahlrechts zu den Landtagswahlcn zu beschäftigen haben. Außerdem soll er einem Gesetze zur größeren Heilig- Haltung der Sonn- und Feiertage seine Zustimmung geben. Die Bcrleucrung der Lebenshaltung wird regierungsseitig bestätigt durch die Vorlage betreffend die Erhöhung der Be- a in t e n g e h ä l t e r._ Prozeß Puttkamer. Der Prozeß gegen den früheren Gouverneur von Kamerun JeZko von Puttkamer begann heute vor dem kaiserlichen DiSziplinarhof in zweiter und letzter Instanz. Puttkamer war am 25. April 1807 von der kaiserlichen Disziplinarkammer zu 1000 M. Geldstrafe und zu einem Verweise verurteilt. Gegen das Urteil hat sowohl der Staats- anwalt als auch der Angeklagte Revision eingelegt. Der Angeklagte ist erschienen. Auch Frau v. Germar ist als Zeugiii erschienen. Frau v. Germar ist im Jahre 1873 zu Ouedlinburg als Tochter des Gärtners Ecke geboren und in Dresden wegen Falschmeldung, Uikundenfälschung und Betruges mit Gefängnis und Hast bestraft worden. Frau v. Germar gibt als Zeugin an: Sie habe 1895 Herrn v. Puttkamer in Berlin kennen gelernt und sie habe sich Eckardt genannt. Sie erinnere sich nicht, zu Puttkamer gesagt zu haben, sie sei die Tochter eines Oberförsters und habe das Recht sich Freiin v. Eckardt zu nennen. Der erste Paß sei ihr in Berlin abhanden gekomnien. Der in der„Neuen Gesell- schaftlichen Korrespondenz" veröffentlichte. mit ihrer Namensunterschrift unterzeichnete Brief sei eine plumpe Fälschung gewesen. Auf Befragen deö Staatsanwalts, weshalb sie nichts unternommen habe, um diesen Brief als Fälschung zu erklären, bemerkt die Zeugin, sie habe dem Herausgeber der Korrespondenz Vorstellungen gemacht; dieser habe weiier nichts unternommen.— Vorsitzender: Sie haben auch nichts iveiter unter- nommen?— Zeugin: Nein.— Vorsitzender: Der Brief ist sogar im Reichstag zur Sprache gekommen und dort für wahr gehalten worden. Auf weiteres Befragen sagt die Zeugin, sie gebe jetzt zu, in Dresden auch wegen Urkundenfälschung und Betruges bestraft und von der Berliner Polizei zwecks gewisser kriminalistischer Feststellungen photographiert worden zu sein.— Das Urteil lautet: Der Angeschuldigte wird unter Vcr- werfung der Berufung der Anklagebehördc lediglich zu einem Bcr- weise verurteilt. In der Begründung führte der Vorsitzende aus: Zu Punkt 1 der Anschuldigung, betreffend die Ausstellung des ersten Passes hat die Disziplinarkammer in Potsdam dem Angeschuldigten wohl den guten Glauben zugemessen, es aber als unverzeihlichen Leichtsinn hingestellt, daß der Angeschuldigte einen Paß auf die Freiin v. Eckard st ein ausstellte, ohne sich genau über die Person zu vcr- g e w i s s e r n. Der DiSziplinarhof hat sich diesem Urteil der Disziplinarkammer in vollem Umfange angeschlossen. Der Angeschuldigte hätte sich über die Person der Ecke genau er- kundigen müssen. Dazu verpflichtete ihn schon die Art der Bc- kauntschaft in einem Berliner Nachtcafe, ihre Eigenschaft als Pro- ftituiertc und ihre märchenhaften Angaben über ihre Zukunft. Hinsichtlich des zweiten Passes ist der Dtsziplinarhof nicht zu einer Verurteilung gekommen. Die Unglaubwürdigkeit der Ecke hat sich auch' heute hier herausgestellt, und den Angaben der Polizei- beauiten war nicht zu entnehmen, ob ihnen ein wirklicher Paß vor- lag, oder, wie der Angeschuldigte behauptet, lediglich eine Abzugs- beschcinigung. Auch bezüglich des dritten Punktes hatte der Tis- ziplinarhof keine Veranlassung, von der Beurteilung der Dis- ziplinarkammer abzuweichen. Der DiSziplinarhof hat sich deshalb begnügt, dem Angeschuldigten die Strafe eines Verweises zu er- teilen. Bcrnard Shaw und die deutsche Majestätsjustiz. Ein deutscher Genoffe sandte unlängst in dem berechtigten Gefühl, daß das Urteil über Marckwald nicht nur dem Politiker, sondern auch dem Satiriker zu denken geben müßte, den Abdruck deS Artikels, die„Schandsäule von M e in e l", an Bernard Shaw und fragte, was Marckwald wohl von englischen Richtern zu erwarten gehabt hätte. Shaw ant- wartete folgendermaßen: „Das Urteil wider Marckwald ist bollkommen logisch und korrekt. Das Gesetz gegen Majestätsbcleidigung ist gegründet auf den wohlbekannten Glaubenssatz, daß der König eine ge- heiligte Person ist. Daraus folgt unwiderleglich die An- Wendung des Dogmas von der uiibeflccklcn Empfängnis auf die anze regierende Familie. Wenn der Kaiser geheiligt ist, so folgt araus, daß alle seine Ahnen bis zu Adani gleich- alls geheiligt find, genau so, wie die unbefleckte Empfängnis urch die gebenedeite Jungfrau zu dem Schlüsse führt(der von einem ökumenischen Konzil hochwürdiger Kirchcnmänner gezogen und berkündet wurde), daß die Jungfrau selbst unbefleckt empfangen � war, daß auch ihre Mutter unbefleckt empfangen war und so zurück bis zur unbefleckten Empfängnis der Eva. Wenn Marckwald also, wie er cS tat, über die Königin Luise schrieb, so hatte er sich nicht bloß der Majcstälsbcleidigung, sondern sogar der Gotteslästerung schuldig gemacht. Daß er dem Schicksal entronnen ist, b e i leben- digcm Leibe am Psahl verbrannt zu werden, muß er als eine weitherzige Erfüllung der Ver- sprcchungcn der Milde betrachten, die dem Reichstage gemacht worden sind. Es ist überflüssig zu fragen, wie man sich in England zu einer solchen Sache stellen würde. Denn das englische Volk hat sich schon im 17. Jahrhundert unwiderleglich dahin cnt- schieden, daß der König ein Mensch ist. Der Ein- druck, den der Kaiser auf uns bei seinem nculichcn Besuch bei uns gemacht hat, war ja sehr angenehm— aber an unserer Meinung in diesem Punkte hat auch er gar nichts g c ä n d e r t."_ Asphaltliberale Versammlung. Am Freitag fand in den neuen..Arminhallen" eine bom sozial- liberalen Verein einberufene überfüllte Versammlung statt, die auch von unseren Genoffen zahlreich besucht war. Der Vorsitzende, Dr. Breitscheid, nannte die Erklärung Bülows eine Provokation. Die Referenten Abgg. Hoff und Gothcin übten am Dreiklassen- Wahlrecht scharfe Kritik. Hoff meinte, das Abgeordnetenhaus sei keine Volksvertretung. Das Dreiklassenwahlrccht bedeute nur, daß ein Teil der Königsgewalt auf eine kleine Schicht Privilegierter übertragen wurde. Es kann zu einer Katastrophe führen, wenn das Recht der 6 Millionen nicht anerkannt werde. Gothein er- klärte, dieses elendeste und blödsinnigste Wahlsystem diene nur dem einen Zweck, den der Präsident des Abgeordnetenhauses, Herr v. Kröcher, einmal mit den Worten umschrieben habe:„Die Ar- beiter dürfen nicht Subjekte, sondern nur Objekte der Gesetzgebung sein." Mit allen gesetzlichen Mitteln müßte um das Wahlrecht gekämpft werden. Wenn die Arbeiter zum politischen Streik ge- trieben würden, müßte daö demokratische Bürgertum und die demokratische Presse sie unterstützen. Als erster Diskussionsredner sprach der Genosse Hirsch. Die Erklärung Bülows sei ein Skandal, aber kein geringerer Skandal sei das Verhalten der Minderheit. Tracger sprach zwar scharf; aber Fischbeck und Pachnicke haben ihn verleugnet. Tie hätlen mit einem Vertrauensvotum für Bülow geantwortet. Mit Recht habe der Oberscharsmacher Zedlitz dem Freisinn die An- crkcnnung ausgesprochen. Mit wirklichen Liberalen wäre ein Zu- sammeckgehen denkbar, aber keine Gemeinschaft mit den Fisch- beckcn. Die Parole aller Wahlrcchtsfreunde müsse von jetzt ab lauten:„Weg mit Bülow!"(Stürmischer Beifall.) Dr. Barth, der daraus das Wort nahm, brandmarkt den Block als logische und moralische Verirrung. Für die Liberalen habe Bülow nicht einmal mehr eine Höslichkeitswcndung übrig. Wahrscheinlich denke er, die Freisinnigen fressen ja doch aus der Hand. Das Verhalten des Blockfreisinns gehe wirklich schon über den Spaß. Im Zirkus Busch habe Fischbcck gerufen:„Die Zwing- bürg nieder!" Wir haben uns das Niederzwingen anders vor- gestellt. Bleibe der Freisinn weiter in> Block, so spiele er die Rolle des dummen August. Für einen wirklichen Liberalen gäbe es nur eine Antwort: Krieg bis aufs Messer gegen den Minister, der uns diese Schmach getan. Genosse Müller, der darauf zu Worte kam, erklärte, daß um die Junkermacht zu brechen, die Massen zum Machthunger er- zogen werden müßten. Im Kampf ums Wahlrecht sei uns jeder Mitkämpfer willkommen. Dabei komme es nicht auf Vereinbarungen an, sondern auf die Tatsache des gemeinsamen Kampfes. Aber wir können und dürfen nicht mit einer Partei paktieren, solange ein Fischbeck in ihr etwas zu sagen hat, der nur einen Kampf kennt, den Kamps gegen die besten und ehrlichsten Wahlrechts- kämpfer, gegen die Sozialdemokratie. Wir werden weder bei Reichstags- noch bei LandtagSwahken jene unterstütze», die auch jetzt noch den Kotau bor Bülow machen. Was Barth über den Block gesagt habe, ist richtig, aber der Liberalismus ist noch weit von Barth entfernt. Von dem„Heraus aus dem Block" ist noch nichts zu hören. Die Sozialdemokratie werde ihre Pflicht tun, und dem Massensturm wird das Dreiklassenwahlrccht auf die Dauer nicht standhalten.(Lebhafter Beifall.) Die Versammlung beschloß aus Antrag Barths eine scharfe Resolution gegen Bülow und die Blockpolitik. Studentciischaft und Wahlrecht. In der Abteilung für Staats- und Rechtswissenschaft der Berliner Freie n Studenten- s ch a f t spricht am Donnerstag, den lv. Januar, abend« 8'/, Uhr, H. v. G e r l a ch über:„Die Geschichte des preußischen Wahlrechts bis 1907/08". Alle Akademiker und Studierenden, alle Reichs- und Landtagsabgeordnete sowie Stadtverordnete sind willkommen. Eintrittskarten vor dem Versainmlnngssaale der Gcruiania-Prachtsäle, Chaussee st r. 110. frankrelck. Ein freigesprochener Antimilitarist. Paris, den 10. Januar.(Eig. Ber.) Die Geschworenen der Provinz habe» schon verschiedene Make gezeigt, daß sie verständiger und anständiger sind als die durch die Lektüre der VerleumdungSpresse verdummten Pariser Spieß- bürger. Die Reihe der Blamagen, die sich die Regierung bei der allgemeinen Verfolgung der Antimilitaristen zugezogen hat, ist gestern um eine neue und gründlichere vermehrt worden: Vor dem Schwurgericht von Chalon-(nr- Marne stand Genosse R a q u i l l e t, Bürgermeister von Mercurey, ein burginidischer Winzer, unter der Anklage, in einem Zeiinngsartikel zu militärischem Ungehorsani, zu Mord und allem möglichen sonst„aufgereizt" zu haben. Diese Gerichtsaffäre hat bezeichnenderweise in einem de- nunziatorischen und lügenhaften Artikel des„Matin" ihren Ursprung. In der Verhandlung legte Raquillet seine antimilitaristischen Anschauungen, die er in der Zeitung etwa« ländlich derb stilisiert hatte, mit Offenheit dar. Er bekannte sich als Sozialist und als Gegner des Krieges und des kapitalistischen HeereSsysternS und erklärte. daß er den Hcrvesche» Ideen nicht anhänge. Eine lange Reihe von Zeugen geben zu seinen Gunsten AuS- sagen ab. Es wurde nachgewiesen, daß dieser intelligente Land- mann, der in den Pausen einer angestrengten Berufs- arbeit selbst die ersten Grundlagen einer ansehnlichen Bildung hat legen niüssen, einst ein ebenso tüchtiger, gewissenhafter und kamcrad- schaftlick empfindender Soldat war, wie er jetzt ein tüchtiger, gewissenhafter und opferwilliger Bürgermeister ist oder eigcnt« lich war; denn die Regierung hat ihn vor einigen Tagen, offenbar nin auf die Geschworenen Eindruck zu machen, für einen Monat suspendiert, und sie hat ihn heute abgesetzt. Die Geschworenen sprachen Raquillet trotz der heftigen Anklagerede des Staatsanwalts frei. Dieses Urteil wird heute in der bürgerlichen Presse eifrig kommentiert. Das„Journal deS DöbatS" findet das Urteil ärger- niserregend und meint, daß eS die Destruktionsarbeit des Aniimili- lariömüs ermutige I Alle diese Kritiker mokieren sich mehr oder minder zeitweise darüber, daß sich Raquillet zum Unternehmer hinaufgearbeitet hat und in seiner Wirtschaft Arbeiter beschäftigt____ Am besten aber macht'S der„Tempö". Er fährt nämlich gegen die Streber loS, die das revolutionäre Programm annehmen, um eS zu verleugnen, wenn sie emporgekommen sind. Was sagt der neu- gebackenc Justizminister zu diesem Ausfall feines jetzigen publizistischen Gönners?-- 6nglanÄ. Englisch-irische«nd preiisnsch-poluische Politik. Unser Londoner Korrespondent schreibt uns: In meinem Jahresberichte über„DaS Britische Reich" erwähnte ich kurz die Schinn-Ftzinisten: die extremen Nationalisten Irlands, denen Homerule und Agrarreformen nicht genügen, sondern die Schutzzoll, galische Mundart und„anderen nationalistischen Firlefanz' verlangen. Diese Bemerlung setzte die Kenntnis eines über„Die irische Lage" vor einiger Zeit im„Vorwärts" erschienenen Artikels voraus, in dem die Schinii-Fvin-Bewegnng näher besprochen und deren reaktionärer Charakier beleuchtet war. Wie ich nun aus der„Täglichen Rmidschau" bom 8. d. MtS. und einigen anderen konservativen deutschen Blättern ersehe, wurde daö abfällige Urteil über die Dchilln-Föinisten als der polen- frenndltchen'Haltung der deutschen Sozialdemokratie widersprechend hingestellt. Auf den an den Haaren herbeigezogenen Vergleich ist iwn aber folgendes zu erwidern: E r st e ii s ist die Gesamtpartei nicht für die Ansichten eines „VorwärtS"-Korrespoiidenten verantwortlich. Als langjähriger Mit- arbeiter des„Vorwärts" habe ich die Erfahrung gemacht, daß wir ein viel größeres Maß von Gedankenfreiheit genießen, als irgend ein bürgerliches Parteiblatt Deutschlands seinen Mitarbeitern ge- währen würde. Zweitens beruht jener Vergleich auf einem Mißverständnis. Mein Urteil richtete sich nicht gegen die Iren im allgemeinen, also nicht gegen die im britischen Parlament verlreien Homerule- Bewegung, sondern gegen einen kleinen Bruchteil der irischen Jugend, die in ihrer Unreife daö ganze Kulturleben Englands und die ganze politische Reformarbeit des irischen Volles verwirft. Drittens— und das ist das wichtigste— lassen sich die irischen und die prenßisch-polnischen Verhältnisse gar nicht vergleichen. Irland ist seit 700 Jahren unter englischer Herrschast. Seine Sprache und seine Literatur sind engl i i�jj. Die Iren im Vereinigten Königreich. in Amerika, in Anstral�» sprechen und schreiben eng lisch. Die irischen Schriftsteller und Uchter bedienen sich des En g l'i s ch e n als ihres KusdruckSinittels. Sne g ä l i s ch e Mundart ist eine tote Sprache, die nur von wenigen Jrländern gesprochen wird. Polen da- gegen war bis zu Ende des 18. Jahrhunderts ein selbständiges Gemeinwesen. Es hat eine große Literatur geschaffen und auch ein wichtiges Stück Geschichte gemacht. Die Polen sprechen überall polnisch. Weiter: die englische Regierung hat in den letzten Jahren daS Gäliiche als Ncbcnsprache der irischen Schulen anerkannt, also eine lote Mundart wieder zum Leben geweckt, während die preußische Regierung seit 30 Jahren einen immer lebhafteren Kampf gegen das Polnische sührt, also eine lebende Sprache unterdrücken will! Schließlich: die englische Regierung hat im Jahre 1903 einen Kredii von 112 Millionen Psiind Sterling eröffnet, um die englischen Griindhcrren in Irland auszukaufen und die irischen Lauern zu Gruadcigcutiimcrn zu machen, während die preußische Regierung gerade daS Gegenteil tut; sie eröffnete einen Kredit von einer halben Milliarde Mark, um die Polen auszukaufen und deutsche Bauern ans polnischer Scholle anzusiedeln.... Ich glaube, diese trockenen Tatsachen genügen, den«Widerspruch in der Haltung der deutschen Sozialdemokratie" zu lösen und de» charaklensiertcn tendenziösen, kleinlichen Angriff der„Täglichen Rundschau" ins richtige Licht zu rücken. Analogien zu entdecken ist leicht, aber sie sind stets irreführend, wenn die Unterichiedsmerkmale aus Tendenz oder aus Unwissenheit unberücksichtigt bleibe». Vänemark. Die Tribiineu. Kopenhagen, 13. Januar. In der heutigen Sitzung des Folke» things, in der sich eine Debatte über die Verwaltung der Kinder- asyle entspann, wurden die Aussiihrungen des Sozialdemokraten Sabroe, der ans die Rede des JustizniinisterS Alberti einging, von den Ziihörerplätzcn mit starkem, anhaltendem Beifall begrüßt. Der Vor- sitzende hob infolgedessen die Sitzung für zehn Minuten auf und ließ die Zuhörcrplätze räumen._ Kommunalwahlsiege. Die dänische Sozialdemokratie hat im neuen Jahre schon in fünf Provinzstädteu Gelegenheit gehabt, bei den Kommunalwahlen ihre immer mehr anwachsende Stärke zu zeigen. Ucber die Wahl in Esbjcrg, wo trotz aller Wahllügen und-Fälschungen der ver- bündctcn Antisozialisten die reine sozialdemokratische Liste mit ihren zehn ftaiididatc» siegte, haben wir schon berichtet. In den jütländischen Kleinstädten Nörre Sundby und L ö g st ö r, so- wie in der sceländischen Kleinstadt F r c d e r i ks bä r n und in Fredcriksberg, der grohen Nachbargemeinde Kopenhagens, hatten die Sozialdemokraten mit den Radikalen gemeinsame Kan- didatcnlisten aufgestellt, und diese Listen siegten. Die drei Klein- städte sind neu erobert. An den Wahlen beteiligten sich bis zu 90 Proz. der Wahl- berechtigten. In Frcderiköberg, wo im Jahre 1396 zum ersten Male drei Sozialdemokraten neben vier Liberalen in den Gc- meindcrat gewählt wurden, siegte diesmal die sozialdemokratisch- radikale Liste, die von beiden Parteien je vier Kandidaten cnt- hielt, mit 5554 gegen 4827 konservative Stimmen. Unsere Ge- Nossen samt den Radikalen haben seit der vorigen Gemeindewahl (1904) über 2000 Stimmen gewonnen. Der Sieg war in dieser 90 000 Einwohner zählenden Stadt keineswegs von vornherein sicher. Die innere Stadt ist in den letzten Jahren immer mehr mit Villen und vornehmen Häusern bebaut worden. Außerdem wurde von den Antisozialisten eine unverschämt gewissenlose Agita- lion entfaltet. Sic hatten unter anderem die Wähler dadurch zu betrügen versucht, daß sie ihre eigene Liste mit dem Titel„Liste der Opposition" drucken ließen, sich dann eine Anzahl„Socialdcmo- traten" verschafften, ihre Listen dahineinstecktcn und das Ganze so den Wählern ins Haus bringen ließen.— Rußland. Henker KaulbarS. Odessa, 12. Januar. Da die Sappeure sich weigern, die wegen Meuterei zum Tode verurteilten Kameraden zu erschießen, hat General KaulbarS angeordnet, daS Todesurteil durch den Strang zu vollziehen. Marokko. Der Eindruck des Fezcr Umsturzes. Wie aus Tanger berichtet wird, hat die Proklamierung Mulah Hafids großen Eindruck sowohl auf die diplomatischen Kreise als auch auf die Eingeborenen von Tanger gemacht. In Paris äußerte der konservative Deputierte D c n y L C o ch i n, der an den Kammerdebattcn über die Marokkoangclcgen- hcit hervorragenden Anteil genommen hat, daß ihn die Nachricht von der Revolution in Fez mit lebhafter Beunruhigung erfülle. Er glaube, daß die Absetzung von Abdul Asis gleich- bedeutend sei mit der Verkündigung des heiligen Krieges. Das Ereignis sei für alle überraschend gekommen. Seiner Ansicht nach müsse Frankreich mit aller Energie handeln, Abdul Asis auch jetzt noch halten und mutig vor- w ä r t L gehen. Jedenfalls müsse die Angelegenheit in der 5lanimcr sofort bei Wiedereröffnung der Session zur Sprache gebracht und die Regierung gezwungen werden, bekannt zu geben, welche Haltung sie unter den obwaltenden Umständen beobachten wird. perfkn. Teheran, 12. Jmiuar.(Meldung&c6„Reüterschsn Sur.") Das Parlament hielt heute eine nicht öffentliche Sitzung ab zur Besprechung der Beziehungen zwischen Regierung und Par- lament und der Lage an der türkisch-persischen Grenze..Die Bc- ziehungeu zwischen der Regierung und dem Parlament sind wieder iinbefriedigeud. Auch die politischen Klubs beginnen sich wieder zu rühren und verlangen die Erfüllüna der vom Schah am 22. Dezember v. I. gegebenen Versprechungen. Sie werfen dem Gouverneur und der Polizei der Hauptstadt ihre Untätigkeit in bezng ans die Verfolgung verschiedener Mordtaten vor und wünschen die Einrichtung einer Munizipal» garde und eines ständigen Nachtdienstes. Die„Üechtev" in der dritten Duma. Uedcr hundert„Echt-Russen" sind siegesheulend in die dritte Duma eingezogen, und man kann sagen, das; noch kein Parlament der Welt eine so grenzenlos-reaktionäre, barbarische Bande in seinen Wänden gesehen hat. Ihr reaktionäres Wesen braucht nicht erst an den Borgängen in der dritten Duma bewiesen zu werden; denn ihre politische Physiognomie war längst klar, noch che sie die Hallen des Taurischen Palastes überflutet hatten. Nicht nur in Rußland, sondern auch weit über die rot-weiß-blauen Grenzpfähle hinaus kennt man ja die„Rechten" der gegenwärtigen Duma als die Verkörperung blinden Hasses gegen alles, was irgend nach Fort- schritt aussieht, kennt man sie als Leute, die, um diesen Haß in die Tat umzusetzen, vor keinem noch so abscheulichen Verbrechen zurück- schrecken. In dieser Beziehung also haben sie in der Duma nichts Neues aufzuzeigen vermocht. Es ist einfach natürlich, daß die„Echt-Nussen" der der- schiedenen Schattierungen, die Herren Purischkewitsch, Krupensky usw., in der Adretzdebatte au£ der Anrede ihres hohen Gönners, des Zaren, mit dem Titel„S e l'b st h e r r s ch e r" bestehen, und daß sie sich weigern, ein Dokument zu unterzeichnen, in dem vom „Ausbau" der erneuten Staatsordnung durch die Duma die Rede ist. Sie wollen eben keine Erneuerung Rußlands, am liebsten möchten sie zurück ins tiefste russische Mittelalter, in die finstere Zeit Iwans des Schrecklichen. Ebenso konsequent handelten sie mit ihrer Zustimmung zur Stolypinschen Deklaration, die in dem feierlichen Gelöbnis der Regierung gipfelt, die Hydra der Re- volution mit allen Mitteln zu bekämpfen. Warum sollten die Echt- Russen sich mit einer solchen Politik nicht einverstanden erklären? Und wenn sie mit ihr solidarisch sind, so können sie selbstverständ- lich auch die dafür notwendigen Geldmittel nicht verweigern, um so mehr, als diese ja nicht ihren eigenen Taschen entnommen, son- den, dem Volke abgepreßt werden. Warum schließlich sollten die„Echt-Nussen" gegen die Negierungsprojekte über die Heraus- gäbe von lö Millionen für die hungernden Bauern und 5 Millionen für den Ausbau des Bolksschulwescns stimmen? Sie wissen ja ganz genau, daß die Regierung den Bauern daö Essen und das Lernen nur so weit gestatten wird, als es den Regierungsinteressen, die auch die Interessen der„Echt-Russen" selbst sind, nicht schadet. Nach einer anderen Richtung hin hat aber die erste Dumasession das Eharakterbild der„Echt-Russen" vervollständigt. Die reaktionären Parteien Europas haben es sämtlich verstanden, sich ein� gewisses Minimum von Äultur anzueignen; bei den„Echt- Russen" hingegen würde man selbst mit dem schärfsten Mikroskop vergeblich danach suchen. Gröbste Unwissenheit über die primitiv- stcn Tatsachen der Staats- und Volkswirtschaft, der Geschichte und Politik paart sich bei ihnen mit einer vollkommenen Außeracht- lassung der einfachsten Regeln nicht nur des parlamentarischen, sondern auch des elementarsten menschlichen Anstandcs. Sind doch während des Zwischenfalles Roditschew von den rechten Bänken derartige, in der Presse nicht wiederzugebende Schimpfworte ge- fallen, daß die Stenographinnen den Saal verließcnll Alles, was von der Opposition kommt, wird niedergestimmt, mag es an sich zehnmal richtig sein. Wenn auf der Rednertribüne ein Pole oder ein Jude oder gar ein Trudowik und zumal ein Sozialdemokrat erscheint, so erhebt die ganze Rechte wie ein Mann einen wüsten Lärm, und es ist schon oftmals vorgekommen, daß sie durch ihr Toben cS diesem und jenem unmöglich gemacht hat, seine Rede zu Ende zu bringen. Selbst die zahmen Kadetten haben, wenn auch nicht in so argem Maße, darunter zu leiden. Dabei verschniähen es die„Echt-Russen" nicht, dieselben der- haßten Oppositionellen als Arbeitsvieh in den Kommissionen zu benutzen, d. h. wenn sie sich dazu hergeben, wie es die Kadetten tun. Den Herrschaften selbst fehlt es eben dermaßen an Kennt- nisscn, daß sogar die Oktobristen im Vergleich mit ihnen die hehrsten Leuchten der Gelehrsamkeit sind. In keinem anderen Parlament würde eine Partei, wie die der„Echt-Rusien", e r n st genommen werden, denn sie verfügt weder über große, hinter ihr stehende VolkSmassen, noch über die moralische Bedeutung, die eine Minderheit unter Umständen haben kann. Die„Echten" sind stark nur durch die Unterstützung derRegierung, die ihnen ja in die Duma verholfen hat, sie sind mächtig nur durch die im Lande herrschende Reaktion. Der dritten Duma gebührt das„Verdienst", die moralische und geistige Verkommenheit dieser Meute auf ein hohes und daher weit im Lande sichtbares Piedcstal gestellt zu haben. GeisverK IcbaMicKe�. Die Gründung gelber Gewerkschaften innerhalb der Berg- arbeiterkreise im Ruhrrevier hat man schon einige Male ver- sucht. Wenn auch innerhalb der Bergarbciterkreise vier ver- schiedene Organisationen bestehen(der alte Verband, der christ- liche, der nationalpolnische und die Hirsch- Dunckerschen Mit- läufer) und schon hieraus logischerweise eine prinzipielle Be- kämpfung rekrutiert, so hat doch der„gelb e" Organisations- versuch bis jetzt unter den Ruhrbergleuten noch immer Schiff- bruch erlitten. Neuerdings scheint man nun auf verdoppelten Eifer an die Gründung dieser sogenannten„nationalen" Or» ganisation heranzugehen und zivar ist es die„Gute- hoffnungs Hütte" bei Sterckrade. auf welche die bergkapitalistischen Drahtzieher ihre„gute Hoffnung" ge- setzt zu haben scheinen. Zwar hat eine kürzlich ein- berufene öffentliche Bergarbeiterversammlung durchaus versagt, indem nur eine ganz verschwindend kleine Zahl von Bergleuten es überhaupt der Mühe wert gehalten hatte, zu erscheinen, so daß die Macher ihre bereits fix und' fertigen Statuten wieder einpacken mußten; indes das scheint die Hintermänner der Gelben noch nicht entmutigt zu haben, denn jetzt versucht man mit Hülfe der Steiger die Angel aus- zuwerfen. So sollen einige Steiger sich dazu bereit gefunden haben, Listen zirkulieren zu lassen in den einzelnen Abteilungen. Auch soll das„Komitee" des erst noch zu gründenden Vereins bereits bei der Direktion der„Gutehoffmmgshiitle" um eine einmalige Zuwendung von 10 000 M. cingekommen sein I— Ob das denn nun endlich zieht? Hoffentlich nicht. Doch: Bergarbeiter, seid gewarnt I ßei-Un und Umgegend. Achtung, Metnlllnbeiter! lieber den Streik unserer Kollegen in der Berliner Motorfahr. zengfabrik verbreitet die Direktion Gerüchte, die den Tatsachen nicht entsprechen. Es ist deshalb notwendig, daß wir eine klare Dar- stellung geben. Die Direktion bot unseren Kollegen eine neue Berechnung des Verdienstes an. Die Kollegen nahmen zu dem neuen System Stellung und entschlossen sich, der gegenwärtigen Zeit Rechnung tragend, es trotz ernstlicher Bedenken mit dem neuen System zu ver- suchen. Das wurde der Firma mitgeteilt und nun glaubten unsere Kollegen, daß damit die Differenz behoben sei. Doch weit gefehlt. Nunmehr verlangte nämlich die Direktion, daß die Kollegen sich verpflichten, daß ein Vierteljahr lang nichts gegen die Firma unternommen werden bürke, gleichviel wie das neue System wirkt. Darauf konnte» sich natürlich unsere Kollegen nicht einlassen, denn wenn auch zurzeit nicht die Absicht bestand, irgend etwas gegen die Firma zu unter- nehmen, so konnten wir uns doch auch nicht für ein Vierteljahr binden. Zumal wir nicht absehen konnten, wie das neue System wirkt. Die Erzählung der Direktoren, unsere Kollegen hätten Forde- rimgen gestellt, trifft absolut nicht zu. Wir ersuchen unsere Kollegen allerorts, den Betrieb zu meide», dann werden wir auch Erfolg haben. Deutscher Metallarüeiter-Verband. __ Ortsverwaltung Berlin.' Verantw. Redakteur: Hans Weber» Berlin. Inseratenteil verantw.: Achtung, Steindruckcr! In der Firma E. A. Schwerd- f e g e r erhielten die Steindruckcr der Andruckerei-Abteilnng am Sonnabend die Kündigung, weil sie mit der Einführung des Akkords nicht einverstanden waren. Vor Engagement wird gewarnt. Veuvlebes Z�eich. Sie lassen es sich was kosten, die Industriellen Rbeinland-Westsalens, um billige und willige Aus- beuteobjekle aus dem Ausland herbeizuschaffen. Do sie unter den Einwirkungen der Krise die„ungesittete Verworfenheit" der unkultiviertesten Auslandsarbeiter fürchten, erfolgen ja zwar bei dem stockenden Geschäftsgänge zunächst einige bemerkenswerte Entlassungen kroatischer und italienischer Arbeiter. Doch nicht etwa deutsche Ar- bester treten an Stelle der Entlassenen; nein, im Bedarfsfälle holt man Arbeiter aus Holland, die eine billigere Lebenshalinng ge- wöhnt, mit niedrigeren Löhnen zufrieden sind. In Amsterdam be- gannen am Mittwoch Verhandlungen zwischen der dortigen Kom- Mission zur Unterstützung der Arbeitslosen und Vertretern großer Werke aus Westdeulschland und der Zweck ist, einen großen Teil der Arbeitslosen nach dem rheinisch-ivestfälischen Jnduslriebezirk zu bringen und ihnen dort Arbeit zn verschaffen. Um die Not holländischer Arbeitsloser zu lindern, mühen sich die Jndnstriebarone wahrlich nicht, aber als Lohndrücker können sie selbige gut gebrauchen. Darum stürzen sie sich in moralische und finanzielle Unkosten. Die Vocholter Textilprotzen haben sogar bedeutende Summen für eine projektierte Kleinbahn gezeichnet, die eine leichte Verbindung mit Aalten in Holland schafft und von den holländischen Gemeinden ebenfalls nur unterstützt wird, um den dort wohnenden Arbeitern eine geregelte und billige Fahrgelegenbeit zu bieten, wenn sie in den Bocholter Textiliabriken arbeiten. Dabei haben die Bocholter Tertil-- arbeiter schon seit langer Zeit über den Lohndruck ihrer holländischen Kollegen, die jenseits der„Segnungen" deutscher Brotwucherpolitik wohneild, mit ihrem Verdienst viel besser auskommen können und daher auch zumeist ihre Arbeitskraft zu einem Preise verkaufen, gegen den die heimische Arbeiterschaft nicht konkurrieren kann. Ist so schon die Ausbeutung ausländischer Proletarier ein be- sonders günstiges Geschäft für die Schlotbarone, so können sie sich ja obendrein noch in der ruhigen Gewißheit wiegen, daß die preußische Polizei denen eine besondere Aufmerksamkeil widme!, die sich dem Kapital lästig machen. Soeben meldet die„Rh.-W. Ztg." aus Emmerich: „Ausgewiesen wurden in den letzten Tagen vier hier be- schäfligte holländische Zigarrenarbeiter, die in der jüngsten Zigarrenarbeiterbeweguitg als die hauptsächlichsten Rufer nach dem Streik eine Rolle gejpielt hatten; dem Vernehmen nach stehen weitere Ausweisungen bevor." Und nachdem sie darauf hingewiesen, daß die Tabakarbeiter de? Niederrhein bei Abschluß der kürzlich beendeten Bewegung ausdrück- lich vereinbart hallen: die Fabrikanten sollten darauf hinwirken, daß die nach dem vorletzten Streik erfolgten Ausweisungen fich nicht wiederholten, schreibt sie mit schneidendein Hohn: „Wie man sieht, hat sich die Behörde beeilt, den diesbezüg» lichen Wunsch der Arbeiter zu erfüllen." An dem schadenfrohen Hohn der Kohlentante merkt man beut- lich die Genugtuung der kapitalistischen Preßsöldner darüber, daß die Behörden mit den Unternehmern eimrächliglich zusammen- arbeiten, wenn es gilt, ausländische Lohndrücker ins Land zu locken und, falls diese dennoch anständige Löhne fordern sollten, sie wieder über die Grenzen werfen. HusUnd. Der Streik in Golbfield. New Jork, den 23. Dezember. Ein Streik der Grubenarbeiter in Goldfield(Staat Nevada) gab dem Präsidenten Roosevelt willkommene Gelegenheit, sich den Kapitalisten gegenüber durch das Entsenden von Truppen nach dem Ausstandsgebiet erkenntlich zu zeigen und gleichzeitig den Beweis zu erbringen, daß ihm die Bundesverfassung nichts gilt, wenn die kapitalistischen Interessen es erheischen. Zwar hat der ehrenwerte Herr auf dem Präsidentenstuhl vorgestern das Zurück- ziehen der Bundestrnppen verfügt— die Soldaten sollen am 3b. Dezember abziehen— aber deshalb bleibt doch der berechtigte Vorwurf gegen ihn bestehen, daß er in einem ungleichen Kampfe zwischen Kapital und Arbeit offen Partei für die stärkeren, für die Kapitalisten gegriffen hat. Sein Vorgehen war umso verwerflicher, weil das Recht ausschließlich auf feiten der Arbeiter war, wohin- gegen die Grubenbesitzer mit Lüge, Betrug, Gewalt und ungesetzlichen Mitteln kämpften. Zwischen den Grubenarbeitern(zumeist Goldgräbern) des Goldfielddistrikts, die in der Western Federation of Miners(Berg- arbeiterveroand des Westens) organisiert sind, und den Gruben- Magnaten besteht seit langer Zeit ein gespanntes Verhältnis, das im Laufe des Sommers zu wiederholten Ausständen führte. Hauptursache dieser Kämpfe war das Bestreben der Grubenbarone, die Western Federation of Miners zu vernichten. Aber dank der vorzüglichen Organisation der Bergarbeiter wurden alle derartigen Angriffe mit Erfolg abgeschlagen. Neuerdings, mit dem Ein- setzen der Ärisis und dein damit verbundenen stärkeren Angebot der Arbeitskräfte glaubten die Grubenbesitzer ihren alten Lieblings- plan mit mehr Erfolg durchsetzen zu können. Die„Geldknappheit" diente ihnen als Handhabe. Statt den Arbeitern die Löhne in Bargeld auszuzahlen, erhielten sie Zahlungsanweisungen auf Banken. Ist schon in normalen Zeiten das Kassieren solcher An- Weisungen für den Arbeiter mit Zeitverlust und Schwierigkeiten verbunden, so kam im vorliegenden Falle hinzu, daß die Gruben- besitzer sich sträubten, den Nennwert der Anweisungen zu garan- t i e r e n. Die Ladcnbesitzer Goldfields weigerten sich deshalb, die Anweisungen an Geldessratt anzunehmen, oder wenn sie es taten, nur mit einem Abzug von 20 Proz. Gegen diese Art der Lohn- zahlung, die einer Lohnkürzung gleichkam, wehrten sich die Bergleute; ein Ausstand war die Folge. Bald darauf kam auf der Grundlage, daß die Löhne zur Hälfte in Bargeld und der Rest in garantierten Anweisungen gezahlt werden sollte, ein Vergleich zustande. Aber die Grubenbesitzer wollten keinen Frieden. Sie behielten die bisher geübte Lohnauszahlung und zweifelhaften Anweisungen bei und wandten sich an den Gouverneur Sporks mit der Bitte, sie in ihren„heiligsten Rechten" zu schützen. Sporks hatte nichts eiligeres zu tun, denn Roosevelt um Entsendung von Bundesmilitär nach Goldfield zu bitten, wo(natürlich nur nach der Ansicht der Grubenbesitzer und des Gouverneurs)„alle Bande" des Rechts gelöst seien. Roosevelt entsprach ohne weiteres dem Ersuchen und befahl dem Kommando von Kalifornien, sofort Truppen nach Goldfield abzuschicken, obwohl sowohl der Sheriff (der höchste Vollzugsbeamte des County) als auch ein Teil der bürgerlichen Presse von vornherein gegen eine etwaige Entfaltung von Militär protestiert hatten, weil ein solcher Schritt im Wider- spruch mit dem Artikel 1 Absatz 4 der Verfassung steht und nur zur Provozierung von Gewalttätigkeiten dient. Glücklicherweise ist es zu Gewalttätigkeiten nicht gekommen, obwohl es weder die Gruben- besitzer noch der Brigadegeneral Funston, welch letzterer die AuS- wähl der nach dem Streikgebiet zu entsendenden Truppen zu treffen hatte, an frechen und unverschämten Provokationen nicht fehlen ließen. Der Kommandeur der Truppen, Oberst Reynolds, war nämlich ein verständiger Mann. Wenige Tage nach seiner Ankunft in Goldfields meldete er nach der Bundeshauptstadt Washington, daß im Streikgebiet volliomineiie Ruhe herrscht und daß die von ihm zu Rate gezogenen Zivilbehörden versichern, daß sie keinerlei Schwierigkeiten mit den Streikenden Hadem Selbst als die Grubenbesitzer den Versuch machten, mit Streik- blechern den Betrieb wieder aufzunehmen— ein Versuch, der schmählich mißlungen ist— wurde zum Leidwesen der Kapitalisten die Ruhe in keiner Weise gestört. Jetzt begann auch Roosevelt einzusehen, daß er mit der Entsendung der Truppen nach Goldfield eine Dummheit gemacht. Er schickte eine aus dem Hülfs-Handcls» sckretär Murray, dem Bundes-ArbeitSkommissär Neill und dem Korpvrationskommissär Herbert Knox Smith bestehende Kommission nach Goldfield zur Untersuchung der Lage und der Ursachen des Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Streikes. Ihr Bericht bestätigke, was Oberst Rehnold gemeldet: daß der Gouverneur Sporks gelogen hat. Auf Grund dieses Berichtes depeschierte Roosevelt an den Gouverneur Sporks, er werde die Truppen aus Goldfield zurückziehen, wenn Sparks ihm keine guten Gründe für deren längeres Verweilen anführen könne. Sparks schwieg, eine vielsagende Antlvort. Drei Tage später verfügte Roosevelt, daß die Soldaten am 30. Dezember Goldfield zu verlassen haben. Jetzt begann Sparks zwar keine Gründe anzu- führen, aber umso lebhafter aus die Bergleute und deren Organi- sation zu schimpfen. Und die Grubenbesitzer, die sich in ihrer Hoffnung getäuscht sahen, die gewerkschaftliche Bewegung der Berg- lcute in Blut ersticken zu können, rufen jetzt die Gerichte an, um die Auflösung der Federation of Miners von„Rechtswegen" zu erzwingen. Soweit der Sachverhalt, der zugleich eine Kabeldepesche des New Jorker Korrespondenten des„Berliner Tageblatts" widerlegt, die in der Abendausgabe des 6. November publiziert worden ist. Dieser Korrespondent, dessen frühere Revolvergeschichten selbst der „New Jorker Staatszeitung" Anlaß zu Protesten gab, meldete: „Zu furchtbaren Krawallen hat ein Streik der Goldgruben- arbeiter in Goldfield(Nevada) geführt. Dieselben sind bereits in einen allgemeinen Kamps zwischen den Goldgräbern und den von den Grubenbesitzern aufgestellten Wachmannschaften ausgeartet. Die Behörden von Nevada sind gegenüber den auf- geregten Arbeitermassen machtlos und haben sich nach Washington um Hülfe gewandt. Gestern ist dem General Funston in San Francisco der telegraphische Befehl zugegangen, 1000 Mann zum sofortigen Abmarsch nach Nevada bereit zu halten. Bereits heute früh sind, wie aus der kalifornischen Hauptstadt tele- graphiert wird, zwei Regimenter mit Maschinengewehren per Eisenbahn dorthin abgegangen. Die Erregung unter den Gold- grubenarbeitern ist ungeheuer. Ihren Reihen, zumal den nicht- organisierten Arbeitern, gehören die verwegensten Desperados an, die aus dem Minendistrikt von Crecple, Creek und Cuerdalene herübergekommen sind. Sie sind nicht allein Mann für Mann mit Gewehren und Revolvern bewaffnet, sondern haben sich auch mit Dynamitpatronen, die im Bergwerksgebiet leicht zu be- schaffen sind, reichlich versehen. Man befürchtet, daß sie ihre Drohung wahr macken und den Bundestruppen mit diesen Mitteln erbitterten Widerstand leisten, so daß es möglicherweise zn einer förmlichen Schlacht kommen kann. Zu dem Wachstum der Bewegung hat noch beigetragen, daß überall im Gebiet der Goldgruben die Storesinhaber(Ladcnbesitzer. Der Berichterstatter des„Vorwärts") die Läden geschlossen haben, weil die Arbeiter sich weigerten, während der Periode der Geldknappheit von ihnen Bons an Stelle von Bargeld an- zunehmen. Die Streikbewegung dehnt sich immer weiter aus und hat fast das ganze Bergbangebiet von Nevada, in dem Tausende von Bergarbeitern veschäftigt sind, ergriffen. Man sieht den Ereignissen auch in Washington mit großer Besorgnis entgegen". Der Korrespondent des„Berliner Tageblatt" versteht das Lügen noch besser als der der Lüge überführte Gouverneur Sparks von Nevada. Wahr an der ganzen Depesche ist nur, daß im Goldficldgebiet ein Ausstand ausgebrochen ist, erfunden sind die Gewalttaten, die Krawalle und der allgemeine Kampf, wie überhaupt das ganze gruselige Beiwerk. Und in den Rahmen dieser Art„sachlicher" Berichterstattung patzt auch die Erzählung, daß die Arbeiter sich weigern, von den Storesinhabern Bons an Stelle von Bargeld anzunehmen. Tatsächlich verweigern die Storesinhaber die Annahme von Bons, mit welchen die Gruben- besitzer ihren Arbeitern die Löhne auszahlen. Wir halten es ausnahmsweise einmal für angebracht, dem obigen Bericht das Begleitschreiben unseres Korrespondenten an- zuhängen, das von begreiflicher Frische des Tones ist. Dasselbe lautet nämlich: „Der New Jorker Korrespondent des„Berliner Tageblatt" ist ein journalistischer Hochstapler solcher Art, daß eine Veröffenl- lichung des Schlusses der heutigen Korrespondenz meines Erachtens nur heilsam sein könnte. Hier nimmt zwar niemand die Kabel, depeschen oder Nachrichten des„Berliner Tageblatt" aus Amerika ernst» aber drüben dürfte die Sache anders liegen. Deshalb er- scheint mir eine Annagelung dieser bümschen Berichterstattung ratsam"._ Aus Chile in Südamerika kam vor etwa zwei Wochen die Mek- dung, daß einige Hundert Arbeiter, die im Salpetergebiet in einen Streit getreten waren, vom Militär mit Maschinengeschützen zu- sammengeschossen wurden. So lautete kurz die Meldung, zu der erst jetzt nähere Einzelheiten vorliegen. Die Arbeiter sind ein- geborene Halbindianer, die durch empörende Behandlung, unmei. schlich lange Arbeitszeit und lächerlich geringe Löhne zur Verzweiflung getrieben waren und ihrer schrecklichen Sklaverei durch einen Streik zu entgehen suchten. Und wenn man sich nun wundert, daß der Staat ohne weiteres sein Militär auf die Streikenden losließ, so diene zur Ausklärung, daß der Staat als größter M i t ausbeuter der schändlich behandelten Arbeiter dabei interessiert war. Die hauptsächlichsten Staatseinnahmen Chiles be- stehen aus dem hohen Ausfuhrzoll auf Chilisalpetcr. Dieser Sal- peter ist auf dem Weltmarkt ein sehr begehrter Artikel und ein Monopol Chiles, nur in Peru werden noch unbedeutende Mengen gewonnen. In einer Wüste Chiles, in der ein mörderisches Klima herrscht, findet sich dieses wichtige Material für die Zwecke der Industrie und namentlich der Landwirtschaft, und es wird auch gleich an Ort und Stelle einem Reinigungsprozeß unterworfen, um die Transportkosten zu sparen. Mit brutaler Gewalt wurde sofort der Widerstand der Arbeiter gebrochen und sie mußten in die Sklaverei zurückkehren. Das„Staatswohl" gestattete nicht, daß man ihnen nachgab oder ihre Klagen hörte; sie wurden direkt vor die Maschinengeschütze gestellt, damit die Einnahmen des Staates nicht geringer wurden. Letzte JVacbvicbtcn und Ocpcfcbcn. Im Zeichen der Arbeitslosigkeit. Köln, 13. Januar.(Privatdepesche des„Vorwärts".) In einer zahlreich besuchten Arbeitslosenversammlung, die heute nach- mittag stattfand, wurde eine Mitteilung des Oberbürgermeisters verlesen, wonach er sich bereit erklärt, sämtliche Italiener, die vom städtischen Tiefbauamt beschäftigt werden, zu entlassen. Die frei» werdenden Stellen sollen von einheimischen Arbeitern besetzt werden._ Im Streit erschossen. Ruhrbeck, 13. Januar.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) In der vergangenen Nacht wurde der Bergmann Brings von einem Bergmann ans Heißen nach vorhergegangenem Wortwechsel er- scbossen. Ter Tot trat sofort ein. Ter Täter ist verhaftet. Folgenschwerer Gcrüsteinsturz. Zabrze, 13. Januar.(B. H.) Auf dem Wilhelminenschacht stürzte ein Gerüst ein. Ein Arbeiter wurde getötet, viele verletzt. Von Räubern überfalle«. Budapest, 13. Januar.(B. H.) Zwischen Ozo uuo Buszatlas wurden die Eisenbahnbeamten Zsarnay und Nagy, welche in Be- gleitnng eines Kutschers und des Gendarmerieoffiziers Gallba 60 000 Kronen, die zur Lohnauszahlung bestimmt waren, bei sich führten, unter einer Brücke von vier mit Gewehren bewaffneten Räubern überfallen. Ter Gendarmerieoffizier wurde getötet, Nagy lind der Kutscher wurden schwer verwundet. Im kritischen Augen- blick fuhr ein Personenzug an der Stelle vorbei und hielt an, wo- durch der andere Beamte gerettet werden konnte. Die Räuber ent» flohen, ohne daß man bisher ihre Spur gefunden hat.__ Jaul SingerLcCo., Berlin LIVl Hierzu 3 Beilage» u. Unterhaltungsblatt Dr. ll. 25. Jahrgang. 1. KcilM In Jwwrts" Snliim Psllisltait. Zieustag. 14, Jannar 1908. Reichstag» 78. Sitzung vom Montag, den 13. Januar 1S03, nachmittags 2 Uhr. Am BundesratZtische: v. S ch ö n. Aui der Tagesordnung steht zunächst die erste Beratung des snternntionalcn ltebcreiilkommens betreffend den Schlitz an Werken der Liieratur. Kunst und an Photographien zwischen Deutschlands Belgien und Italien. Abg. Dctto(natl.) gibt seiner Genugtuung über die Verträge Ausdruck und bittet die Regierung, auch mit Rustland und den Ver- einigten Staaten in Verhandlungen einzutreten, um Verbesserungen der mit diesen Staaten bestehenden Verträge durchzusetzen. Die Diskussion ist erschöpft, Kommissionsberatung ist nicht beantragt, es folgt daher sofort die zweite Beratung. Beide Ver- träge werden debattelos angenommen. Es folgt die Fortsetzung der Beratung des Gesetzentwurfes be- treffend Abänderung des H 366 des Handelsgesetzbuches. Nach dem Entwurf soll in Zukunft durch Vertrag nicht mehr ausgeschlossen iverden dürfen,' dag ein erkrankter Handlungsgchülfe sechs Wochen lang Anspruch auf sein Gehalt hat. Dagegen bestimmt der Absatz 2 des Entwurfs, dost der erlranite Handlungsgchülfe entgegen dein gegenwärtigen Nechtszustand seine Bezüge aus einer Krankenkasse sich auf sein Gehalt muß anrechnen lassen. Abg. Singer(Soz.): Bei der Begründung der Vorlage hat sich der Herr Staats- sekretär lediglich auf die Petitionen des rückständigsten Teiles der Gewerbetreibenden gestützt und die Petitionen der Handlung gehlllfen überhaupt nicht berücksichtigt. Er hat die Vorlage mit dem Wunsche begründet, dem Mittelstand im Handelsgewerbe zu Helsen. Aber der von ihm als Mittelstand bezeichnete Teil des HandelsgewerbcS hat gar keine Neigung nach dieser Art Hülfe. Aus den Kreisen der Interessenten ist dieser Wunsch in keiner Weise ausgesprochen worden. Aus den Entgegnungen, die er ge- sunden, wird der Herr Staatssekretär schon eingesehen haben, daß er einer geschlossenen Phalanx des ganzen Reichstags gegenübersteht und ich hoffe, daß die Vorlage an diesem Block scheitern wird Die Talsache, dost der Absatz 1 des§ 63 von den Gerichten ver> schiedenartig ausgelegt wird, gibt auch uns Veranlassung/ für den Absatz 1 der Vorlage zu stimmen. Die Voraussetzung aber, von welcher der Staatssekretär ausgeht, dast sämtliche Interessenten im Zweifel über die Bedeutung des gegenwärtigen Absatz 1 sein sollen, ist falsch. Schon auf der Nürnberger Konferenz zur Vorbereitung des Handelsgesetzbuches in den Jahren 1859 bis 1861 bekam der Paragraph die gegenwärtige Fassung. und es ist damals niemandem eingefallen, anzunehmen. das; diese Bestimmung durch Vertrag ausgeschlossen werden konnte. ES ist auch nicht richtig, was der Herr Stagis- sekretär behauptet, datz gerade die kleineren Geschäfts leute schwer unter dieser Bestimmung leiden. Der ganze Ansturm in bezug auf den§ 63 geht nicht von den kleinen und iniltlcren Handeltreibenden aus. sondern von den grotzen Warenhäusern, den grosteu industriellen Unternehmungen init Hunderten von Angestellten. Es ist durchaus falsch, zu behaupten, dost die mittleren Geschäfte mit ein und zwei Angestellten auf die Aenderung des 8 63 dringen. Das ist schon aus dem sehr einfachen Grunde nicht richtig, weil hier der Chef den Handlungsgehilsen menschlich so nahe steht, das; er den Wunsch nach Ver'chlechlcrung der Lage des Gehülfen nicht hat. Erst wo jede persönliche Beziehung des Handlungsgehülfen zu dem Geschäftsinhaber aufhört, wo eS sich um Hunderte von An- gestellten handelt, erst da tritt die Neigung nach der Verschlechterung der Lage der Handlungsgehülfen auf. Und erst auf den Anstost von Warenhäusern ist eS der Findigkeit von Juristen gelungen, darauf zu kommen, dag die Bestimmung des Abiatz 1 des 8 63 durch Ver- trag ausgeschlossen werde» könnte. Soweit die Regierungsvorlage diesem Zustand ein Ende machen will, sind auch wir mir ihr ein- verstanden, und der Reichstag hat durch die Annahme des Antrages Bassennann In der vorigen Session sich einmütig auf diesen Staiid- Punkt gestellt. Es erübrigt sich deshalb in bezug auf den Absatz 1 noch etwas hinzuzufügen. Anders steht eS mit dem Absatz 2. durch welchen die Regierung daS, was sie mit der einen Hand gibt, mit der anderen sofort wieder nehmen will. So wichtig auch der Absatz 1 für die Handlungsgehülfen ist, so würde ihm doch ein erheblicher Teil der Rleines fculllcton. Päpstliches» Allzupäpstliches... Der römischen radikalen Zeitung.Vita" wird aus vatikanischen Kreisen eine ergötzliche Anekdote berichtet, die zeigt, wie der Vatikan noch immer mit seinem religiösen Prestige einen ebenso unanständigen wie eiuträg- liehen Handel treibt. Ein Angestellter der päpstlichen Paläste hat den Auftrag, die eleganten Hotels»ach reichen Gläubigen abzu- suchen, natürlich fremden, denn die Gläubigkeit ist in Italien sehr dünn gesät. Den Herrschaften wird viel von der Not und Bedrängnis des heiligen Stuhles erzählt und eine Privataudienz beim Papst in Aussicht gestellt. Die Leute pflegen dann in den Beutel zu grelsen und erhalten beim Besuche beim Papst nebst dem Segen einige Donkeswone. Diese. Uliterieheide» sich insofern von einer regelrechten Ouillung, als sie nicht die Höhe der gespendeten Summe angeben. Diese diskrete Form des Dankes machte es möglich, dast der zur Brandschatzung der Frenrden bestimmte Angestellte mit der Slot und Bedrängnis des heiligen Stuhles oft seine eigene verwechselte, ohne datz diese Verwechselungen bemerkt wurden. Aber eines schönen Tages befand sich in einem eleganten Hotel des Ludovisiviertels ein amerikanisches Ehepaar, das seinem Glauben einen sehr hohen numerischen Ausdruck verlieh. Es spendete 2666 Dollar. Der vati- konische Beamte verwechselte diesmal Dollar und Lire, gab 2660 Lire an den Papst, um mit dem Rest seiner eigenen Not und Bedrängnis zu steuern. Aber die ungewöhnlich hohe Summe verleitete- den heiligen Bater zu einer ungewöhnlichen Form des Dankes: er dankte für die 2666 Lirel Die Amerikaner waren nun zwar tief ergriffen von dem päpstlichen Dank und Segen, aber sie loaren doch viel zu sehr Geschäfts leute. um nicht diese.Quittung" gleich der Wahrheil gemätz zu korrigieren.„2666 Dollar. Heiligkeit", sagten die beiden Gläubigen, und der Papst erfuhr so von den Verwechselungen seines Gelreuen. Der Schuldige ist gelinde bestrast worden. Man hat ihm eine bescheidene Pfarre in Rom gegeben, wo er über italienische und amerikanische Währung, über eigene und päp/liche Not nachdenken kann. Humoristisches. Steuerpolitik. Sic fragen hin. sie fragen her (Mit Rücksicht auf die Wahlen): „Wo nehm' ich neue Steuern her. Die andre Leute zahlen? Ans nichts erschuf einst Gott die Welt; Wo nichts ist, holt der Staat das Geld Für die, die etwas haben. Die Zigarette wird verpappt Mit einem bunten Schleifche», Und einen Pfennig mehr berappt Der Luki für sein Pfeifchen. Draus baut das Reich zwei Panzer mehr. DaS steut die großen Herren sehr; Sie rufen: Hoch der Kaiser I Vorteile desselben verloren gehen, wenn der HandlungSgehülfe es sich gefallen lassen mutz, ini Falle der Erkrankung daS Kraukengeld vom Gehalt abziehen zu lassen. Das verschlechtert die gegcmvärlige Lage der Haiidlungsgehülfen ganz autzerordentlich. Die Petition, auf welche der Herr Staatssekretär sich stützt, enthielt in bezug darauf einen autzerordentlich starken Widerspruch und beniühtsich nachzuweisen, datz die Berechtigung zu diesen Abzügen im Interesse der Gewerbetreibenden liege, die nach Absatz 1 das Gehalt fortzahlen müssen, imd gibt dann selbst an, datz 98 Proz. aller Geschäftsinhaber gar nicht den Anspruch erheben, den Absatz 1 durch Vertrag anszuichlietzen. Der Staatssekretär folgert aus den Mitteilungen der zwei Prozent von GeschästSinhabern die Notwendigkeit der Vorlage. Mil weit mehr Recht kann ich sagen: Wenn nur zwei Prozent aus dem Staude des HandelSgewerbes die gegenwärtige Bestimmung des Absatz 2 bekämpfen, so mutz man die Meinung der übrigen 98 Proz. respektieren.(Sehr richtig!) Der Absatz 2 des 8 63 bestimmt jetzt, datz eine Aufrechnimg von Krankengeld nicht erlaubt ist. Das ist auch dringend not- wendig: denn es kann doch gar keinem Zweifel unterliegen, datz eine Krankheit an sich schon, auch wenn man die Arzneimittel ge liefert bekontmt, wesentliche Unkosten verursacht. Wenn Sie dein Handlungsgehülfen durch Abziehen der Kraukeugeldbeträge vom Ge- halt die Möglichkeit höherer Bezüge nehmen, so schädigen Sie dadurch nicht»ur den Erkrankten, sondern Sie verlängern dadurch die Krankheit und da? Fernbleiben vom Geschäft und schädigen somit indirekt auch den Geschäftsinhaber.(Sehr richtig I) Sic wollen das damit begründen, datz durch die Krankheit deö Gehülfen dem Prinzipal erhöhte Kosten entstehen. Das ist aber falsch. Jeder, der aus eigener Erfahrung der Frage näher steht, weitz ganz genau, datz in den weitaus meisten Fällen die erkrankten Haudlungsgehülfeil von ihren Kollegen mit vertreten werden, so datz dem Prinzipal leine Mehrkosten entstehen; es steht mit dieser Frage genau so wie niit dem Urlaub der Handlungsgehülfen. Mau kann zum Glück sagen, datz— abgesehen von allen wirtschaftlichen und politischen Spaltungen der Handlungsgehülfen— diese Solidarität in ihrem Stande vorhanden ist, datz kein Handlungsgchülfe sich weigert, seine» erkrankten Kollegen zu vertreren.(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemo- kraten.i Die Handlungsgehülfen sind nicht in der Lage, die Mehrarbeit. welche ihnen durch das Fernbleiben erkrankter Kollegen erwächst, sich bezahlen zu lasten; denn sie erhalten ihr Gehalt monatlich. Es ist also durchaus irriümlich, anzunehmen. datz diese Aufrechnung vom Krankengeld im Interesse des Chefs not- wendig ist, um ihn vor erheblichen Mehrkosten zu schützen. Es kommt noch ein anderes Moment hinzu. Der Herr Staatssekretär sollte doch die Bestimmung des Krankeukaffengesetzes kenne», datz der Chef ein Drittel, der HandlungSgehülfe zwei Drittel der Beiträge zahlt. Wie kommt er nun dazu, die Beiträge des Handluugsgehiilfen dem Prinzipal aufrechnen zu lasten?(Sehr wahr I bei de» Sozialdemokraten.) Er dürfte ihm doch höchstens d a S aufrechnen lasten, was er selber zahlt; ihm aber eine Zuwendung aus den Beilrägen der Handlungsgehülfen zu machen, geht nicht an. Die Aufrechnung würde nur dazu führen. die Verhältnisse zwischen dem Prinzipal und den Gehülfen zu verschlechtern. Der Verlust eines Teiles des Krankengeldes würde die Handlungsgehülfen verhindern, ihre Krankheil rechtzeitig anzugeben, sie würden nicht mehr recht- zeitig in ärztliche Behandlung kommen, und es würde dadurch viel mehr Nachteil entstehen, als wenn beide Absätze des 8 63 zwingendes Recht werden.(Zustimmung.) Es wird be- bouptet. die Nichlaufrechnung des Krankengeldes würde der Simulation Tür und Tor öffnen. Nun, so verlockend sind denn doch auch die Bezüge zufolge der Krankenversicherung nicht, datz jemand deshalb nmulieren sollte, wobei er sehr leichi in die Lage kommen kann. seine Stellung zu verlieren. Glauben Sie übrigens, datz dieser Himoeis aus die Simulation geeignet ist. moralisch auf die Handlungs- gehülfen einzuwirken?— Ich bin der Meinung, datz der Handlungs- gehülfenstand in seiner überwiegenden Mehrheit derartige Vermutungen mit Entrüstung zurückweist.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial- dcmokraten.) Als Grund für die neue Fassung des Absatzes 2 ivird angeführt, datz die Disziplin dadurch gefestigt werden solle. Das zeigr, datz die Herren wirklich nur vom grünen Tisch aus die Ver- hältnisje beurteilen. Wie die Disziplin dadurch verbessert werden soll, ist mir unerfindlich. Wenn es irgend etwas gibt, was für die Disziplin und die Arbeitsfreudigkeit schädlich ist, so wäre es eine solche Bestimmung. Der HandlungSgehülfe mutz sich sagen: wenn du dich noch io sehr abarbeitest und durch deine Ueberarbeitung krank geworden bist, so wird dir noch das Krankengeld abgezogen. Das Ein solches Hoch rentiert sich auch, Wie weiland Jakobs Linsen. Den» füllt der Fiskus seinen Bauch, So brauchst du nicht zu zinscn. Besteuert wird ja nur die Not; Du aber bleibst ein Patriot Auf anderer Leute Kosten. Edgar Steiger. — Angeln verboten.„DrickeS, sank vüran mit dinge Angel, dä Schutzmann kütt(kommt)."—.Ich angele ja jar nit, ich lähre minge Würm' schwimme'."(„Siniplicissimus".) Notizen. --Theaierchronik. Karl Böttchers Drama„Aus- gewiesen", das unbegrciflicherweise jahrelang von der Zensur verboten war. ist wieder von einem Berliner Theater und zwar von dem Theater an der Spree in den Spielplan aufgenommen worden. Die Ausführung, die Sonntagnachmittag vor sich ging, bewies, datz das Stück zioar die Uebergriffe und die Ver- ölgungSwut der Behörden in der Zeit des Sozialisten- gesctzcs wacker geitzelt, aber doch im Grunde ein Rührstück ist.— Frank Vedeki ii dS Teiidenzdrnma.Musik" wurde in dem rührigen Intimen Theater in Nürnberg mit starkein Cr- ölge aufgesührt.— Ferdinand Bonn ist aus Gastspielreisen gegangen, er tritt zurzeit im München er Volköihcater als Hamlet auf.— D' A n n n u z i o s neues Drania.Das Schiff" wurde im römischen Tealro Argentina am Sonnabend zum erstenmal gegeben. Es ist eine Verherrlichung Venedigs, in dessen Frühzeit es spielt. Fürchterliche Greuelszeiien wechseln darin mit Stellen blühenden Wortgepränges und poetischen Schwunges. — Das neue Weimarer Hoftheatcr, das von den Münchcncr Architekten Heilmann und Littmann an Stelle des am 16. Febniar 1966 abgebrannten alten im klassizistischen Stil erbaut wurde, wurde am Sonnabend festlich eingeweiht. — Die Sammlung f ü r d e u t s ch e Volkskunde, das frühere Museum für deutsche Volkstrachten und Erzeugnisse des Hausgewerbes an der Klosterstratze, wird am 15. Januar wieder eröffnet. Es ist unentgeltlich wochentäglich autzcr Montags im Winter von 16—3 Uhr. Sonntags und an den zweiten Feiertagen der hohen Feste von 12—6 Uhr, im Oktober und März von 12—5 Uhr, im November und Februar von 12—4 Uhr, im Dezember und Januar von 12—3 Uhr zu besichtigen. Der„Führer" durch die Sammlung ist in neuer Auflage erschienen. — Das Technolexikon soll nach einem Beschlutz des Vereins deutscher Ingenieure nun doch nicht fortgeführt iverdeu, da die Kosten ihm zu hoch sind. Man rechnet, datz zu den bereits ans- gebrauchten 486 606 M. noch weitere l'/z Millionen Mark er- forderlich wären. Einstweilen sind die sechs Millionen Zettel, auf denen ein Teil des technischen Wortschatzes der deutschen, fran- zösischen und englischen Sprache gesammelt ist, in einem feuerist geeignet, ihn davon abzubringen, seine äutzerste Kraft in der Pflichterfüllung anzuwenden.(Sehr wahr!) Diese Bestimmung ist so antisozial wie nur denkbar und nur dadurch zu erklären, datz man einer juristischen Theorie zuliebe ganz und gar vergessen hat, datz der 8 63 ausdrücklich die Kraiikheitsverhältuisse z u g n n st c u der Handlungsgehülfen regeln sollte. Alle Versuche, das Krankengeld auf das Gehalt aiifzurechncn, sind daher antisoziale Versuche der Rxgicrimg. (Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Das Antisoziale dieses Versuches wird um so deutliche' als es sich nur um die Haiidluiigsgebiilfen handelt, welche in schlechter Lage sind; denn nur die Haiidlnngsgehülfen bis zu einem Gehalt von 2666 M. unter- liegen dem KrankeiiversicheningSgesetz. So zeigt sich also der soziale Charaklcr der Vorlage. Als uns im Jahre 1897 das Handelsgesetzbuch vorlag, lvar der 8 63 Gegenstand langer Erörte- riingen und die übrigen Parteien, welche heute auf unserem Stand- punkte angelangt sind, hätten ihre Wünsche schon damals erfüllt sehen können, wenn sie unseren Anregiingeii gcsolgt wären; denn wir haben schon damals den Antrag gestellt, den Herr Basscrmann in der vorigen Session gestellt hat, unser Antrag wurde damals aber in der Kom- Mission abgelehnt. Ich habe den Wunsch, datz der Reichstag sich heute einmütig ans unseren Standpmikr stellt. Koniniissioiisberatimg ist bei der cinfachcii Sachlage eigentlich gar nicht nötig, ich will aber den Winiich aussprechen, datz die Koininission einniütig unseren Staiidpiinkl teilt. Wenn der Reichstag dem zustinunt, so hoffe ich, das; der Widerstand der verbündeten Regierungen aushört. Sonst würden sie sich dem gerechten Vorwurfe antisozialer Gesinnungen aussetzen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Petitionen, auf welche sich der Staatssekretär stützte, sind ganz vereinzelt und geben der Meinung der Prinzipale keineswegs Ausdruck. Die Petitionen der Handlungsgehülfen dagegen sind der Ausdruck der Stimmung des ganzen HandlungSgehülfenstandes. Nach der Begründung, die der Herr Staatssekretär diesem Gesetz- entwurf gegeben hat, darf ich mit Recht behaupten, der Reichstag ist über die Wünsche und die Stimmung der Bevölkerung weit bester unterrichtet als der Herr Staatssekretär.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Dr. Nicberding: Wir werden in der Kommission den strikten Nachweis führen, datz der Vorschlag der Regierungen nichts verlangt, als was der Billigkeit entsprechend ist.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Es ist völlig falsch, wenn man behauptet, datz der Entwurf antisozial ist.(Widerspruch auf verschiedenen Seiten.) Abg. Carstens(fts. Vp.) führt aus, datz er und ein Teil seiner Freunde in dem Entwurf einen sozialen Fortschritt erblicke, ein anderer Teil jedoch die Bedenken des Abg. Singer teile. Vielleicht empfehle es sich, den ersten Teil der Novelle obligatorisch zu gestalten, den zweiten Teil dagegen(Anrechnung der Kassenbezüge) fakultativ.(Beifall bei den Freisinnigen.) Abg. Barriihorst(Rp.) erklärt, datz seine Freunde den Entwurf in dieser Gestalt unbedingt ablehnen müssen, weil er eine unleugbare Verschlechterung' für die Handlungsgehülfen bringe. Abg. Schock(wirtsch. Vg.): Der erste Teil der Novelle kommt etwa 2 Proz. der Handlungsgehülfen zugute. Dagegen bedeutet der zweite Teil der Vorlage eine allgemeiiic Berschlechtcrung der Frage des gesamten Smndes. Staatssekretär Dr. Niebcrding(aus der Tribüne fast unverständ- lieh) tritt dem Vorredner entgegen. Abg. Dr. Magium(fts. Vp.)(ebenfalls auf der Tribüne zunächst schwer verständlich) scheint den Standpunkt der Minderheit seiner Fraktion zum Ausdruck zu bringen, welche dem Entwurf ab- lehnend gegenüber steht. Redner kommt auf die Frage der Simulation zu sprechen und behauptet, datz seitens der Kassen- vorstände„oftmals, aber fälschlich, gegen die Aerzte der Vorwurf erhoben loerizc. datz sie die Simulation unterstützen.— Fürst Bülow hat hier in seiner Eigenschast als Reichskanzler von dem Tropfen demokratischen OelS gesprochen— als preutziicher Ministerpräsident im Abgeordnetenhausc hat er nur Sinn für aristokratische Parfüms. (Heiterkeit.) Feierlich ist dem neugewählten Reichstag die Fortsetzung der Sozialpolitik versprochen worden, mit dieser Vorlage aber wird kein sozialpolitischer Fortschritt gebracht, sondern ein offenbarer Rückschritt.(Beifall.) Mg. Dr. Ncuiuanii-Hofcr(fts. Vg.) erklärt sich gegen die Regierungsvorlage. Der Kranke braucht mehr als der Gesunde- sicheren Keller untergebracht und erwarten ihre Auferstehung von irgend einem günstigen Geschick. Wir sind ja in Deutschland in lexikalischen Angelegenheiten nicht verwöhnt; das Grimmsche Wörter- buch wird, wenn es fertig werden sollte, bereits in vielen Stücken veraltet fein. Der m i tz g l ü ck t e Mensch. Die Fundstelle deS Pithccan- throvus erectuS in Sumatra, der von seinem Entdecker Dubais und anderen«Forscher» als direkter Borfahre des Menschen in Anspruch genommeil wurde, ist neuerdings geologisch genauer untersucht worden. Es scheint daraus das Ergebnis abzuleiten sein, datz die Schichten, die die Ueberreste des Menschenaffen bargen, in daS mittlere Diluvium gehören. Dann erscheint es, wie in der„Natur- wissenschaftlichen Wochenschrift" ausgeführt wird, wahrscheinlich, datz Mensch und PithccaiirhropuS gleichzeirig, in Jndochinesien vermutlich nebeueiiiaiider gelebt haben. Als Siammvater des Menschen käme dann PilhecauthropuS nichr mehr in Frage. Er gehört dann viel- mehr zu den menschenähnlichen Affen und wäre ein Versuch einer menschenähnlichen Entwickelimg des Stammes der Langarmaficn, ei» mitzglückter Versuch zur Menschwerdung. — Z i g a r e t t e n s u ch t. Der Verbrauch an Zigaretten steigert sich unaufhörlich und erweckt naturgemätz die Aufmerksamkeit der medizinischen Wissenschaft. Die nachteiligen Folgen gewohnheits- mätzigen ZigaretteuraiichenS sind zu bekannt, als datz es besonderer Ausführungen nach dieser Richtimg bedürfte. Gleichwohl wird eS den meisten, die ihm Untertan sind, recht schwer, davon zu lasten. In erster Linie dürfte dabei die Bequemlichkeit der Handhabung gegenüber den anderen Formen des Tabakrauchens eine Rolle spielen. Aus diesem Gesichtspunkte wird auch im, Lauert" ein Heil» mittel für eingefleischte Zigarcttcnraucher empfohlen, daS in seiner Einfachheil einerseits eine gemisse Resignation auszudrücken scheint. andererseits vielleicht doch das Richtige trifft. Der Jigarettensüchtige soll von den fertigen Zigaretten, die er in ununterbrochener Folge zum Munde führt, zu den selbstgedrehten übergehen. Wenn er sich sein Gift jedesmal vor dem Gebrauch erst zurechtrollt, wird er von dem Uebennatz von 56 und mehr Zigaretten pro Tag auf ein milderes Matz herabsteigen können. — Eine Gemeinde, die ihren Bierdurst ver» kaufte. Die kleiuc Ortschaft Hudson in dem nordamerikanischen Bundesstaat Ohio erhielt von dem Millionär W. Ellsworth ein Geldgeschenk von 266 666 Dollar(über 866 666 M.) unter der Be» dingung, datz der GeträukeauSschauk in Spirituosen in dem Orte aufhören sollte. Den Verkauf von Bier wollte der Geber gcstaticn. aber eine Ausnahme zugunsten von Bier ist in solchen Fällen gesetzlich nicht zulässig. Die Bewohner deö OrteS sind zwar über- wiegend f ü r den Getränkeausschänk, aber die schöne Aussicht, für das Geld eine GaSbeleiichtung und einen llnibau der alten Schule zu erlangen, bewog sie doch dazu, der Bedingung zuzustiimnen. Die Opposition war immerhin ziemlich stark, den» das Geschenk wurde in dieser Form nur mit 266 gegen 183 Stimmen angenommen. fca8 müßten gerade die Beamten wisien, die oft genug während der Krankheit um besondere Unterstützung einkommen. Damit schließt die Diskussion. Die Vorlage geht an eine Kam- Mission von 14 Mitgliedern. ES folgt die erste Beratung der Novelle zum Gesetz be- treffend die Abwehr und Nuterdriiifung von Bichscuchen. Abg. Frhr. v. Pfette»(Z.): Für die Tierhalter, insbesondere die Landwirte, wird das Gesetz mit seinen Verschärfungen der bisherigen Bestimmungen eine Reihe unangenehmer Plackereien bedeuten. Die Regelung der Entschädigungsfrage begrüßen wir. Ich beantrage die Einsetzung einer Kommission von 28 Mitgliedern' Abg. Siebenbürgcr(1.); Wir stehen voll und ganz auf dem Boden der Borlage, wenn auch den Landwirten schwere Opfer durch sie auferlegt werden. Wenn der Kampf gegen die Viehseuchen energisch und zielbewußt geführt wird, so werden wir auch in Deutschland dahin kommen, daß Sonntags jeder sein Huhn im Topfe hat. (Heiterkeit und Bravo' rechts.) Abg. Lehman»(natl.) verbreitet sich ausführlich über einzelne Bestimmungen des Gesetzentwurfs, bleibt aber auf der Tribüne im Zusammenhange unverständlich. Hieraus vertagt sich das HauS. Nächste Sitzung Dienstag l Uhr: 1. Jntervellation deS Mg. Graf Könitz(t.) betr. den Bankdiskont. 2. Fortsetzung der heutigen Debatte. Schluß 6 Uhr._ parlamentarisches. Berichtigung. Im Reichstags- Einlauf(letzte Sonntags-Nummer) muß es heißen: Schcckgesetz, nicht Streilgefetz. Einlauf. Aus dem preußischen Abgeordnetenhaus: Bericht der XI. Kommission über den Gesetzentwurf über Matz- nahmen zur Stmkung des Deutschtums in den Provinze» Wcstpreußen und Posen(nebst drei Anlagen: Kommisfionsanträge und -Beschlüsse). Uebersichten über die Ergebnisse der anderweiten Verpachtung der im Jahre 1907 pachtfrei gewordenen und der im Jahre 1908 pachtfrei werdenden Domänenvorwerke. Antrag Schiffer: die königliche StaatSregierung um eine eingehende Auskunft zu ersuchen 1. über die Ergebnisse der letzten vom Herrn Handelsminister angestellten Untersuchungen über die Lorbildung der Fort- bildungsschüler, 2. über die Stellung des Herrn llnterrichtsministers zu diesen Ergebnissen. S. über die Maßnahmen zur Behebung der in diesen Ergebnissen etwa zutage getretenen Mängel des Bolksschttlunterrichts. Interpellation v. Carmer: Welche Matznahmen gedenkt die königliche Staatsregierung zu treffen, um den immer mehr überhandnehmenden Auczchrcitungcn bei dem Betriebe von Kraftfahrzeugen besser wie bisher zu be- gegnen? Sie vereinigten Staaten im fahre 1997. Lob- und Preislieder auf die glänzende Prosperität des Landes fang die kapitalistische Presse der Vereinigten Staaten in allen Tonarten, als das Jahr 1907 seinen Anfang nahm. Auch nicht im entferntesten hatte man eine Ahnung von dem gewaltigen Finanzkrach und dem wirtschaftlichen Sturm" der im letzten Viertel des Jahres losbrach und dessen Wirkungen in allen Kulturländern gespürt wurden und werden. Die großen Jndustriegesellschaften wiesen stolz auf die Zahl der kaum ausführbaren Aufträge hin und jammerten laut über den „furchtbaren Mangel an Arbeitern". Auf den Eisenbahnen wurden die Verkehrsstockungen fast zur Regel, weil die Bahnen den ge- steigerten Ansprüchen an den Gütertransport nicht mehr genügen konnten. Die Klagen über die„Begehrlichkeit der Arbeiter" waren allgemein geworden, da die Arbeiter auch ihren Anteil an dem guten Geschäftsgange verlangten. Nicht selten aber mußten die Arbeiter erst in den Streik treten, um die Erfüllung ihrer Wünsche zu erzwingen. Das vergangene Jahr war daher reich an Kämpfen, welche die Gewerkschaften führen mußten und in denen sie nicht immer siegreich waren. Der große geschäftliche Aufschwung brachte zugleich eine außer- ordentliche Stärkung der Trnstgewalten hervor. Das Kleinbürger- tum fühlte sich dadurch in seiner Existenz bedroht, die Farmer. bevölkerung empfand den schweren Druck des Großkapitals, und auch in der Arbeiterwelt rief man nach Abhülfe. R o o s e v e l t trat in die Schranken und führte mit vielem Lärm einen Schein- kämpf gegen die Trusts. Es fiel ihm nicht ein. die kapitalistische Grundlage der Trusts anzutasten, aber er erklärte in vielen Reden, daß die schädlichen Auswüchse der Trusts beseitigt werden müßtenl Untersuchungen wurden amtlich eingeleitet, und es ward festgestellt, daß Verschwörungen zur Ausplünderung des Publikums sowohl als auch zur Unterdrückung aller Konkurrenz auf feiten der Grohkapitalisten bestanden, in erster Linie durch eine Verbindung der Trusts mit den Eisenbohngcsell- f ch a f t e n. Eine Anzahl von Trusts wurden angeklagt, darunter der mächtigste von allen, der Standard-Oil-Truft, der denn auch zu einer Strafe von 90 Millionen Dollar verurteilt wurde.— Der Kongreß erließ Gesetze, den Eisenbahnverkehr betreffend, und rüstete die zwischenstaatliche HandelSkommission mit größeqcr Vollmacht aus, um der mißbräuchlichen Ausnutzung der Trust- gewalten entgegenzuwirken. Zeitweise stand die Eisenbahnfrage im Mittelpunkte deS Jnter- esses. Viele Stimmen erhoben sich, die eine scharfe Kontrolle des Bundes über die Eisenbahnen verlangten; andere forderten die Uebcrführung der Eisenbahnen in National- besitz.... Den Großkapitalistcn wurde RooscvcltS Taktik unbequem. So wenig sie feine„trustfeindliche" Politik ernstlich zu fürchten brauchten, so brachte diese ihnen doch viele Unannehmlichkeiten. In einem Streite zwischen Roosevelt und dem„Eisenbahnkönig" Harriman wurde jenem denn vorgehalten, daß er ja nur mit Hülfe der Trusts gewählt sei und daß die Großkapitalisten den republikanischen Wahlfonds zu diesem Zwecke gefüllt hätten!! Als ein Sieg der Trusts über den kleinbürgerlichen Roosevelt ist es schließlich auch anzusehen, daß dieser am Ende des Jahres sein Spiel um die dritte Präsidentschaft endlich aufgab und in aller Form erklärte, daß er nicht als Kandidat zu betrachten sei: seine Chancen waren zu ungünstig geworden. Eine wichtige Rolle in der inneren Politik spielte auch die Einwanderungssrage, besonders durch die Opposition der Be- viilkerung der Staaten Kalifornien, Washington und Oregon gegen die Einwanderung der J'apaner. Die Weigerung der Stadt San Francisco, den Japanern Zutritt zu den städti- schen Schulen zu gewähren, führte zu Reibungen zwischen den Bereinigten Staaten und Japan, die zwar bald ihre Erledigung fanden, aber doch immerhin zu einer sehr lebhaften Erörterung in der Presse Veranlassung gaben. Man erkannte die Rivalität zwischen beiden Reichen um die Herrschaft im Stillen Ozean, von fecr unter anderem die Fahrt der Kriegsflotte von 53 Schiffen, die im Dezember den Atlantischen Ozean verließ, Zeugnis gibt. Der Kongreß erließ strengere Einwanderungsgesetze und erschwerte auch die Naturalisation der Eingewanderten; ferner wurde beschlossen, daß naturalisierte Bürger ihr Bürgerrecht verlieren. wenn sie länger als zwei Jahre dauernden Aufenthalt in ihrem Heimatlandc nehmen! Gegen die japanische Einwanderung wurde Stellung genommen, indem man nur mit Pässen und Geldmitteln versehenen Japanern Einlaß gewährte. Tic Einwanderung im Kalenderjahr 1907 wird auf rund 1 400 000 angegeben. In den letzten zehn Wochen des Jahres da- gegen setzte eine Rückwanderung nach Europa ein, wie sie bisher noch nicht zu verzeichnen war. Die Jndustriekrise, die rapid um sich greifende Arbeitslosigkeit trieb viele Tausende von Arbeitern aus dem Lande. Ter große Finanzkrach begann am 17. Oktober mit dem Zu- sammcnbruch der New Iorkcr Firma Heinze und Co., die un- geheure Spekulationen in Kupfer unternommen hatte und bald andere Firmen nach sich riß. Eine furchtbare Unsicherheit ergriff die Finanzwelt; denn große Kapitalien waren nur aus fiktiven Werten aufgebaut, die sofort zusammensinken mußten, sobald das Vertrauen schwand. Die Börse war fieberhaft erregt; gewaltige Kursstürze brachte jeder Tag. Am 22. Oktober brach eine Mil- lionenfirma, die Knickcrbocker Trust Co., zusammen, und Taufende verloren ihr Vermögen. Jetzt folgte ein Bankkrach dem anderen. Das Bargeld war äußerst rar und teuer geworden. Die Regierung griff ein, um eine noch größere Panik zu verhüten; sie stellte den Banken Millionen zur Verfügung; auch in Europa wurde Hülfe gesucht und von dort das begehrte Gold im Werte von 125 000 000 Dollar bis Ende des JahreS nach den Vereinigten Staaten gebracht. Die Zentralinstitute für die Banken in den Großstädten gaben ihr eigenes Geld(Papier) heraus, und manche Groß- Unternehmer taten desgleichen, was in einigen Orten zu Kon- fliktcn mit den Arbeitern führte, welche mit Recht Garantie für die wertlosen Scheine forderten, die man ihnen in die Hand drückte. In Goldfields im Staate Nevada brach aus diesem An- laß ein großer Streik der Bergleute aus. Roosevelt sandte ohne jeden Grund Bundcsmilitär nach Nevada, und er wurde von der Organisation der Bergleute beschuldigt, daß er dies nur auö Haß und aus Rache gegen den Verband der Bergleute der Wcststaatcn getan habe. Die. Führer eben dieses Verbandes standen im Mai 1907 im Prozeß zu Idaho vor Gericht, angeklagt der Verschwörung gegen den Staatsgouverneur Steunenberg. der vor einigen Jahren einem Attentat zum Opfer fiel. Der Prozeß erregte bei der gesamten organisierten Arbeiterschaft die größte Sensation. Die s o z i a- listische Partei hat cS sich besonders angelegen sein lassen, zu zeigen, daß es sich hier um eine Verschwörung der Grubenbesitzer gegen die Führer der Bergarbciterorganisa- tion handelte. In ollen Städten des Landes wurden Protestver- sammlungen veranstaltet und Gelder zur Verteidigung der An- geklagten, die schon ein Jahr lang in Untersuchungshaft saßen, gesammelt. Roosevelt nahm Stellung gegen die Angeklagten. che nach der Prozeß begonnen hatte! Er bezeichnete sie öffentlich als„unerwünschte Bürger", was einen Sturm der Entrüstung entfesselte. Nach verzweifeltem Kampfe gelang eS. für den ersten Angeklagten, Haywood, einen Freispruch zu erzielen, worauf der zweite. Moyer, gegen Bürgschaft entlassen wurde. Gegen den dritten Angeklagten, Pettibone, begann der Prozeß im Dezember und endete Anfang Januar l908 gleichfalls mit einem Freispruch! Wie feindselig die Regierung sich den organisierten Arbeitern gegenüber verhielt, das zeigte sich nur zu häufig durch die Her- ausgäbe der sogenannten Einhaltsbefehle, durch die der- sucht wurde, Streiks und Boykotts der Arbeiter lahmzulegen. Präsident Gompers vom Arbeiterbund erhob öffentlich scharfen Protest gegen diese Parteinahme der Regierung zugunsten der Unternehmer. In Norfolk im Staate Virginia trat der Amerikanische Ar- beiterbund am 11. November zu seinem 27. Jahreskongreß zu- sammcn. Ucber 400 Delegierte waren anwesend, und die Sitzungen nahmen zwei Wochen in Anspruch. Nach dem Jahresbericht hat die gewerkschaftliche Organisation der Arbeiter überall gute Fort- schritte gemacht, trotzdem eine Reihe großer Streiks erfolglos ver- lief. Die durchschnittliche Mitgliederzahl des Jahres betrug 1 538 970, das sind 85 000 mehr als 1906. Die JahrcSeinnahmen betrugen 174 330, die Ausgaben 159 960 Dollar, und es war ein Kasscnbcstand von 127 910 Dollar vorhanden. Die Leitung des Bundes erklärte eS für dringend notwendig, einen Verteidigung»- fonds anzulegen, um den scharfen Angriffen der Fabrilantenliga der Vereinigten Staaten zu begegnen, die sich die Zerstörung der gewerkschaftlichen Organisationen zum Ziel gesetzt hat. Der Kongreß beschloß die Erhebung eines Extrabeitragcs zu diesem Zwecke. ES wurde auch erklärt, daß der Bund nicht gesonnen sei, -ich die für das Jahr 1908 zahlreich angekündigten Lohnreduktioncn widerstandslos gefallen zu lassen, so daß also viele schwere Kämpfe in Aussicht stehen. Größere Aufmerksamkeit soll auch den Ein- Wanderern zugewendet werden, die durch angestellte Organ-- satorcn über Ziele und Zwecke der Gewerkschaften unterrichtet werden müssen, wenn sie nicht eine Gefahr für die organisierten Arbeiter bilden sollen. Gegen die asiatische Einwanderung nahm der Bund entschieden Stellung; er verlangte, daß auch die Japaner nicht zugelassen werden dürften. Aus allerlei nichtigen Gründen wurde ein Antrag mit großer Majorität verworfen, der dahin zielte, die Uebersührung von Eisenbahnen und Kohlen- gruben in öffentlichen Besitz zu begünstigen. Einen ähnlichen An- trag in bczug auf die Telegraphen, und Telephonlinien hatte man vor einem Jahre auf dem Kongreß in Minneapolis angenom- m e n Z Dieses haltlose Hin. und Herschwanken ist bezeichnend für den Geist in den großen gewerkschaftlichen Organisationen Amerikas, die politisch ohne Einfluß sind und auf deren Stimmen die Politiker nicht hören, weil sie die Machtlosigkeit der Arbeiter kennen.... Am 5. November fanden in Kentucky, Maryland. Mississippi, New Jersey und Rhode Island Staatswahlen statt, die aber von keiner besonderen Bedeutung waren. Republikaner und Demokraten kämpften miteinander und spannten die Arbeitermassen in ihren Dienst. Von den vielen Kommunalwahlen, die am gleichen Tage stattfanden, beanspruchten die Kämpfe in New Jork, San Francisco und Cleve- l a n d(im Staate Ohio) das größte Interesse. In New Aork hatte W. R. H e a r st es mit einer neuen politischen Konstellation ver- sucht, um zu Einfluß zu gelangen. Er hatte sich gegen Tammauy Hall, die mächtige demokratische Organisation, mit den Republi- kauern verbündet, wurde aber von Tammany mit einer erdrückenden Majorität geschlagen.— In San Francisco, wo die Arbeiterpartei durch die BcstechungSaffäre ihres Bürgermeisters Schmitz stark an Ansehen verloren hatte, siegte der Kandidat der„Reformer" mit kleiner Majorität über den Kandidaten der Arbeiter.— In Cleveland wurde Tom E. Johnson, ein alter und angesehener Demokrat, zum dritten Male als Bürgermeister gewählt. Seine Stärke lag darin, daß er die Rechte der Bürger gegen die Straßenbahngescll- schaften vertrat.— In Eleveland erlitten die Sozialisten eine schwere Niederlage. Während ihre Wahlliste bei der Präsidenten- Wahl 1904 beinahe 8000 Stimmen erzielte, wurden am 5. November 1907 kaum 800 Stimmen für die Kandidaten der Partei ab» gegeben! Die übrigen Resultate der Wahlen, wie z. B. in New Dork, zeigten dagegen gute Erfolge: In Groß-New Jork wurden vor einem Jahre 13 354 Stimmen, diesmal 17556 abgegeben. Im Staate New Jork erhielten die Kandidaten im Vorjahre 21 751, jetzt 237 9 8 Stimmen. In vielen kleinen Kreisen war ein überraschender Aufschwung in den Stimmcnzahlen für sozia- listische Kandidaten zu verzeichnen. Die sozialistische Partei hat im allgemeinen während des JahreS gute Fortschritte gemacht: die Organisation umschließt rund 30 000 Mitglieder. Auch die Parteiprcsse hat einen Aufschwung genommen, und in Cl-icago wurde eine englische Tageszeitung gegründet. Tüchtige Redner waren ständig aus Agitationsreiseu durch die Vereinigten Staaten. Auf dem Schlachtfelde der Industrie fielen Tau- sende von Arbeitern. Viele große Unglücksfälle wurden aus den Bergwerksbetrieben und aus der Stahl- und Eisenindustrie gc- meldet. Im Dezember noch kamen einige Schreckensberichte über Bergwerkskatastrophen in Fairmont, West-Virginia und Pitts- bürg. Zahlreiche Opfer an Arbeiterleben forderte, wie in jedem Jahre, auch diesmal wieder der Bahnbetrieb des Landes. Der Panamakanal machte im Jahre 1907 große Fortschritte. Am 1. April wurde die Leitung der Arbeiten der Armeever- w a l t u n g übertragen. Eine neue Kommission wurde eingesetzt. und Armeeingenieure traten in die leitenden Acmter. Man hat sich für einen Schleusenkanal entschieden und die Kosten des Unternehmens auf 140 Millionen Dollar veranschlagt. Am 30. Juni 1907 war die Zahl der Angestellten beim Kanalbau 4137 weiße und 14 606 farbige Arbeiter gegen 500 weiße und 13 625 farbige Arbeiter im Juni des Vorjahres. Mit den Erdarbeiten will man bis zum Jahre 1912 fertig sein. Die Philippinen erhielten im verflossenen Jahre eine gewisse Selbständigkeit. Im Oktober wurde das Parlament der Philippinen in Manila durch den Kriegssekretär Taft er- öffnet. Dies Parlament bildet das Unterhaus in der Gesetz- gebung, der matzgebende Faktor ist aber die Philippinenkommission (als Oberhaus), die von Washington aus eingesetzt wird. Die Wahlen zum Parlament ergaben eine Niederlage der den Amerikanern freundlichen Partei. Da die Philippinen den Amerikanern viel kosten(beinahe 190 Millionen Dollar pro Jahr), wurden wiederholt Stimmen laut, die Inseln aufzugeben, was aber stets Zurückweisung fand als„unverträglich mit der Ehre der Nation". Dagegen legte man viele Befestigungswerke auf den Philippinen an.... In Kuba und in Porto Rico faßte das amerikanische Kapital immer festeren Fuß. und in Uebereinstimmung damit wurden auf jenen Inseln die Klagen der Arbcitcrmasscn über die furchtbare Ausbeutung immer lauter. Ein neuer Staat. Oklahoma, der 46. im Bunde, wurde in Im Union aufgenommen. Das provisorische Handelsabkommen mit Deutschland lief an- 30. Juni ab. Deutschland erwartete Zugeständnisse, die Amerikaner wollten nichts zugestehen, und man begnügte sich schließlich mit einigem Flickwcrk: als weitere» Provisorium.(Die Vereinigten Staaten exportieren jährlich für 325 bis 350 Millionen Dollar nach Deutschland.) Am Schlüsse des JahreS mehrten sich die Berichte über ein ungeheures Anschwellen der Armee der Arbeitslosen in den Bereinigten Staaten. Die Arbeiter stellten Forderungen an die Regierung, eingedenk der riesigen Anstrengungen, welche die Regierung machte, um den bedrängten Finanzmännern bei Beginn der Krise beizuspringen. Es ist aber sehr fraglich, ob die Arbeiter ebenso geneigtes Gehör finden werden. Für die nächste Zukunft eröffnen sich also der von Not und Sorge bc- drängten Arbeiterschaft wenig Lichtblicke.... Wirtschaftlicher Wochenbericht. B e r t i n. 13. Januar 1908. Geldmarkt— Kohlenmartt— Rohrisensyndidat— Stahlvrrband— Güterverkehr— Fertigiudustrie— Lermindertr Konsumkraft— Baumarkt. In den letzten Wochen deS vergangenen Jabre» hatten sich die Geldverhältmsie derart verschlechtert, daß die Hoffnungen, die sich an den Beginn des neuen JahreS knüp'ten, zunächst stark herab- gemindert wurden. Nun sollen aber anscheinend die allzu trnbcir Befürchtungen sich doch nicht bewahrheiten. Wenn die nächsten Wochen eine gleiche Weitereniwickelung am Geldmarkt bringen wie die letzte, dann kommen wir doch wohl schneller zu normalen Ver- hältnisien, alS nach der Markigestaltung im Dezeinber l907 zu er- warten war. Die letzten Bankausweise ergeben zieinlich erhebliche SratuSverbesserungen. Die Reichsbank hat den DiSloirt heule auf ö'/.j Proz. ermäßigt und der Privatdiökont ist schon auf 5 Pro». hinabgegangen. Für eine größere Geldflüssigkeit scheinen auch die Ergebnisse der neuesten preußischen Emission zu sprechen. Wie die Seehandtung der Oeffeinlichkeit hat wisien lassen, ist die Beteiligung an den Zeichnungen eure über Erwarten große. Und auch an der Börse herrschte rn den letzten Tagen hoffnungsfrohe Stimmung. Die Aktien der Industrie- und Bankunternehmungen. die unter der ungünstigen Gestaltung am Warenmarkt und der peisimistischen Benrleitung der Zukunft teilweise kräftige Kursrückgänge zu erleiden hatten, ge- mannen wieder einige Prozent. Es dürste aber verfehlt sein, au» dieser Bewegung und einer weiteren Besierung am Geldmarkt auch auf eine schnelle Erholung in Handel u»d Verkehr zu schließen. Allerdings, für die eigentliche Großindustrie sind,»ach den Stimmen auS dem eigenen Lager, überhaupt noch keine trüben Tage gc- kommen.— Im Kohlenbergbau wird inmier noch mit allen Kräften produziert. Aber der Verbranch der Eisenindustrie hat zweifelsohne nachgelassen. Daö beweist der Beschluß des Kvblen'yiidikalS. die Beteiligung in Koks um 10 Proz. einzuschränken. Industrielle Kreise rechnen damit, daß sogar eine länger andauernde Produltions- eimchränkung von 25 Proz. sich als notwendig ertveisen wird. Daß der Bergbau, trotz des offenkundigen Nachlossens des Begehrs nach Brenmnaterialien in der Großessenindustrie. noch angestrengt be- ichäftigl ist, erklärt sich zum Teil aus der plötzlich scharf einsetzenden Kälte. Für Hausbrand waren keine Vorräte vorhanden. Wegen der hoben Preise und der langanhaltenden milden Winerung halten die Konmmenlen es unterlasse», größer« Mengen einzuke.i'— andererseits lebt eine ansehnliche Schar der Konsumenten überhaupt von der Hand in den Mund. Erklärlich also, daß mit den lallen Tagen ein starker Begehr hervortrat, dessen Beftiedignng die Produltion unminelbar beeinflußte. Es darf ferner nicht übcriebc» werden, daß bisher die ganze Förderung durch den direkten Verbrauch und Export ob- genommen wurde, aus diesem Grunde die Werks- und Hündlerläger ebenfalls geräumt wurde» und die Möglichkeit, diese zunächst wieder zu füllen, die Förderung vorläufig auch günstig beeinflnslen kann.— Wie die„Rh.-Wests. Ztg." zu berichte» wußte, hat das Düsseldorfer Roheiseni'yndikat in den letzten Wochen wieder erhebiicve Aufträge hereinbekommen. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen tragen so unbestimmte Angaben wie„erheblich" all-usehr den Stempel der Stimmungsmache an der Stirn. Wenn cö sich um Mengen handelte, die für den Arbeitsmarkt wirkliche Bedeutung hätten, würde»nan die neuen Austragsquanten nicht bescheiden verschweigen. Die Meldung soll jedenfalls als ein Symptom betrachtet und gewertet werden, während c» sich tatsächlich vielleicht um irgend einen Zufalls- auftrag handelt. Wäre es ein Synwtom für erneutes An- wachsen des Begehrs. dann würde das Luxemburger Syndikat den Preis für Puddeleisen kürzlich nicht nocb um zehn Mark reduziert haben.— Eine glückliche Hand oder gute Schutzengel hat zweifellos der Stahlverband bei feinen Abschlüsien mit Staatsverwallungen. Dem für seine Mit- glieder sehr günstigen Abschlug mit der preutziseben Eisenbahnver- walmng hat er jetzt einen mindestens so vorieilhafteu Lieferungs- verlrag mit der Verwaltung der bayerischen Staatsbahnen zugesellt. Während anderweitig Äuflräge nur mit erheblichen Preiskonzessiouen zu erlangen sind, ist der erwähnte Vertrag, der dazu auch noch auf drei Jahre läuft, auf der Grundlage der Hochkonjnnkturpreise ab- geschlossen; für Schienen z. B. mit l20 M. pro Tonne.— Das-, solche Abschlüsse in der tatsächlichen Markilage nicht begründet sind. ergibt sich schon aus dem venninderten Güterverkehr. Der ungünslige Flutzwasiersrand bedingt eine erheblich stärkere Inanspruchnahme der Eisenbahn für die Gülerbewegung, trotzdem sind die Klagen über Wagenmangel verstummt. Die Eisenbahltverwaltung kann jetzt allen Anforoerungen genügen.— Trotz der aus der Eiien-Grotzindustrie gemeldeten günstigen Momente sind aber auch hier schon mehrfach Betricbseinschränkungen vorgenommen worden. Viel trauriger sieht es aber in der Weiterverarbeitung ans. Mit Entlassungen halten die Unternehmer allerdings möglichst zurück: vielleicht erwarten sie baldiges Wiederausleben deS WirtichaswlebenS und suchen daher einen guten Arbeiterstamm zu erhalten. Durch Einlegung von Feierschichten und Reduktion der täglichen Arbeitszeit, bis auf sechs Stunden hinab, glaubt man ohne umfangreichere Entlassungen über die flaue j�eit hinwegzukommen. Bei alledem ist in einzelnen Branchen dre Zahl der Arbeitslosen außerordentlich groß.— Daß schon im Dezember vorigen Jabreö die Kaufkraft der Bevölkerung stark abgenommen haben muß. kanil inan aus den Ergebnissen des letzten WeidnachrsgeschästeS schließen. Teilweise sind die Ein- nahmen nicht nur hinter den Erwartungen, die man glaubte hegen zu dürfen, fondern auch hinter den Losungen des Vor- jahreö zurückgeblieben. Von dort, wo Einnahmesteigerungen berichtet werden konnten, wurde gleichzeitig konstatiert, daß die Käufer viel- fach zu minderwertigen Erzeugnissen gegriffen haben. DaS sind jedenfalls keine Zeugen für d.e Ansicht, die Kont'un, kraft der Arbeiter- sch,k» sxj gewachsen.— Lb bei den obwaltenden Verhältnisse» das Baugewerbe bald eine erhebliche größere UnternehmungStätigkeit entfalten wird, ericheint auch dann noch zweifelhaft, wenn die Geld- Verhältnisse sich weiter günstig entwickeln. Da« Unternehmertum glaubt nämlich, eS fei eine günstige Zeit gekommen, um de» Arbeitern verschlechterte Tarifbedingungen aufnötigen zu können. Im vorigen Jahre hat die Bautätigkeit zweifellos sehr unter der Geld- kalamiiät gelitten. Wie schwer es hielt, Baugelder zu bekommen. geht aus dem Jahresbericht der Firma E. Salomon hervor: Für streng mündelsichere Posten, welche im Jahre l!KZ6 noch a S3/, und 37/g Proz. p. a. abgeschlossen werden konnten, stieg der Zinsfuß auf IVg— i'/i— 48/b Proz.; für andere feinste, für Privatkapilalisten geeignete erste Stellen, selbst iür solche in Posten bis etwa iJOOtXXi M., mußte bis Oktober d. I. bis 4� Proz. und später 4>/z Proz. bewilligt werden. Bei den Darlehusinsiituten lvar schon im ersten Semester lA>7 unter 4'/� Proz. Zinsen kaum Geld zu haben. Später verlangten dieselben 43/g— l'/o— 43/4 Proz., für Beleihungen in ein- zekncn Vororten sogar bis 6 Proz. Zinsen und in allen Fällen eine Äbschlußprovision von niindeftens von l'/z— 2 Proz� und selbst zu diesen Zins- und Provisionssätzen war im letzten Quartal bei den m.eiscen Instituten kein Geld zu haben.... Eine natürliche Folge dieser Gcldknapphelt war die Einschränkung der Bau täiigkeit. Bangelder waren zeitweise gar nicht zu haben und bei den Zinssätzen von 6—7 Proz. neben hoben Abschlußprovisionen. welche für Bangelder gefordert wurden, konnte eine Bautätigkeit nicht mehr lohnend crtcheinen."....Während in Berlin in der Zeit vom 1. Oktober lSOS bis ultimo September 1S06 9l37 Bau- genehmigungen erteilt wurden, sind in der Zeil vom 1. Oktober 1006 bis ullimo Seplember 1907 nur 8901 Baugenehmigungen, also 296 weniger erteil! worden". Da sich für das lausende Fahr die Ver- hältnisse für das Baugewerbe, trotz der sonstigen industriellen Ab- schwächung, zweifellos viel günstiger gesiallen werden, dürsten die Unternehmer eS sich doch wohl noch überlegen, ob sie lediglich um ihren KantpfeSmut an den Arbeitern zu kühlen, die für sie günstigere Periode durch einen wirschafllichen Krieg ausfüllen wollen. v. Sericdts-Leitung. Ein Staatsanwalts-Embryo. Eine„Zweitampfaffäre". die eines gewissen hu- moristischen Beigeschmacks nicht entbehrte und einen eigenartigen Beitrag zu der„Duellfragc" lieferte, beschäftigte gestern die 4. Strafkammer des Landgerichts l. Wegen Kartclltragens nach § 203 St.-G.-B. war der Student der Rechte Max A n g e l b i ß angeklagt. Den Ausgangspunkt dieser Anklage bildete ein Vorfall, der sich unter dem Zeichen des Alkohols in den Winzerstuben abgespielt hatte. Am 3. August v. I. saß der Angeklagte mit einein Freunde, der damals auf einer sogenannten „Presse" war und jetzt Farmer in Argentinien ist, in dem ge- nannten Lokal. Jener Freund, ein gewisser Milch, hatte schon manchen leichtsinnigen Streich hinter sich und hatte auf Anregung seines Vaters später die Reise über den großen Teich angetreten, um in Südamerika Landwirt zu werden. Durch seinen letzten Streich in Berlin brachte er noch den jetzigen Angeklagten in eine sehr fatale Situation. Wegen einer Dummenjungen-Ansicht kam es zu einem Streit zwischen Milch und einem am Nebentischc sitzenden 21jährigen Buchbandlungsgehülfen Pollack. Es kam zu einem„Krach", der, obwohl sich die Kontrahenten kaum noch auf den Beinen halten konnten, zu einem Kartenaustausch führte. Am nächsten Tage erhielt der von Milch gesordcrte Pollack einen Brief, in dem er um Angabc von Zeit und Ort einer Zu- sammeniunft zwecks Klarlcgung der näheren Bedingungen auf- gefordert wurde. Pollack antwortete darauf, daß er— nur während seiner Tischzeit von 4 bis ö Uhr sich auf der Potsdamer Brücke zur Perfügung stellen könnte. Tatsächlich trat auch am nächsten Tage auf der Potsdamer Brücke der Angeklagte Angel- biß, der die Vcrulkung�einer und seines Freundes„Sitten" nicht merkte, an P. heran und überbrachte ihm mit feierlichem Ernst eine Forderung auf„Säbel sine'. Pollack antwortete, wte et vor Gericht bekundete, scherzhaft, daß ihm eine„Apfel-sine" lieber wäre, er würde jedoch, wenn es nicht anders ginge,„antreten", vorher aber müsse er seinem Pater jedoch von dem bevorstehenden Zweikampf benachrichtigen. Als Pollack, der die ganze„Forde- rung" von der scherzhaften Seite auffaßte, am nächsten Tage nichts von sich hören ließ, erschien A n g e l b i ß in der Buchhandlung, bei der P. angestellt war, und erklärte ihm, daß sein Auftrag- geber Milch ihn ohrfeigen würde, wenn er(Pollack»„kneifen" würde. Der Chef des Geforderten, der zufällig diese Unterredung mitangehört hatte, setzte sich mit dem Vater in Verbindung, der der ganzen Komödie durch einen Gang nach dem nächsten Polizei- revier ein Ende machte. Die Folge war, daß die jetzige Anklage gegen den Kartellträger Angelbiß erhoben wurde.— Vor Gericht behauptete der Angeklagte, er selbst habe die ganze Forde- rung nicht ernst genommen und habe auch Versuche gemacht, eine Einigung herbeizuführen, so daß er nack§ 209 St.-G,-B. straflos bleiben müsse. Staatsanwalt Paaschc bezeückvete die ganze Forderung an den jungen Mann vom Buchhandel und die Ueberbringung durch den etwas mehr kommentfesten Angeklagten als einen Dummenjungenstreich. Da jedoch die Forderung von feiten des Angeklagten ernst genommen sei, wie er durch den Vor- gang in den, Geschäft des P. bewiesen habe, so beantragte der Staatsanivalt gegen den Angeklagten b T a g e Festungshaft. Das Gericht hielt jedoch die ganze„Zweikampfaffäre",»vie der Vorsitzende ausführte, für eine Ämderei, da der Angeklagte schon bei der Ueberbringung der Forderung ein kindlich und töricht zu nennendes Gebaren an den Tag gelegt habe. Das Gericht erkannte deshalb aus Freisprechung. Welche Freude, wenn der Angelbiß später mal als— Staatsanivalt amtieren wird I B-assersta«dS-Nachrichten der LandeSai'.fluit(Ür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, TtlM P r c g e l, Jmterburg Weichsel, Thorn Oder. Ratibor , Skrofjet, . Franksurt Warthe, Schrimm . Landsbcrg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barbv , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Svandauft » Ratbenvwft Spree, Svremberg7) » Beeskow Weser, Münden . Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbron» Mai», Werlhcim Mosel. Trier >)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—») Unterpeacl.—•) Eisstand. -') Starkes Grundeis.-') Treibeis.-'■] Grundes». Fu> oeit Jubau ort �iiicruic üurruimmt dir Rrdntiion dem Pudlitum grgriiülier(etuerlrt Bcrannvorinn«. Chcatcr. Dienstag. 14. Januar. Ansang 7,/j Uhr. Königliches Qpernftans. Götter dämmenmg. Ansang 61/. Uhr. Königliches Schau, vielhauö. Die Braut von Messina. Deuliches Die Rauber. Kammersvicle. FrüblmgZ Er- wachen.(Ansang 9 Uhr.) Lcsfing. Kaiser Karls Geiiel. Thalia. Er und seine Schwester. Lortzing. Die Zaubcrstöte. Aulang v Ubr. ikiiitivirlliaus. Panne. Neues Schauspielhaus. Judith. Berliner. Blaubart. Neues. La Gioconda. Kleines. Mandragola. 3 n.>11,)<1-v»aiier-Tdeater.) Hermannsschlacht. Schiller Charlottenburg. Philister. Die Lore. Friedrich- BZilhelmftädt. Schau- ipielhaus. In Vertretung. Cttriini. Ein Walzerlraum. Thearer au der Spree. Hoku». polus. Komische Oper. Tiefland. Zentral. Frau WarrenS Gewerbe. fHe'idenz. Ganz der Papa. Luise». Chprienne. Triauo». Früulew Jolette— meine Frau. Bernhard Maie Di« arme Mieze. Bürgerl. Schauspielhaus. Wohl- later der Menschbeit. Carl-Haverland- Theater. Spe- zialilälcn. Mrirouvi. Da» mutz man leh'N. Apollo. Hymack. I-a bvilo Alexia. Gentes Walhalla. Lpezialltöten. FolteS Caprice. Mal waS andres. Dunkle Punkte. Eine austäudige Frau. Gebr. Hcrrufeld. Papa und Ge. nassen. Parodie. Zapsenstreich. TannHäuser. Mauna Vanna. Kasino. Biederlcute. Wintergarten. Robert Steldl. Spe- zialilätea. Pai»ge. Die fingendeo Engels- kövse. Ipezialltäten Borussia> BariAtS. Ackerstr. 6/7. Spezialitäten. ReiNispaUen. Sleltiner Sä-ig-c. iiLa i» T»»»r»hti>tze iSii«. L Uhr: Kairo und die Pyra- wide». Höriaal abend? 8 Uhr: Dr. C. The- sing: AuS dem Tagebuch der Erde. Sternuinrte»(Zi-valideiM, 57;62 Kieines Thealer Abends 8 Uhr. Agnen Sornia. Ifaiädragola. Mittwoch: Mandragola. Agnes �ornia. I!ies!si' kles Vesiens. 8 Ubr: Ein Walzertmam, Operette von Oskar Strauß. Sonntag nachm. 31/, Uhr halbe Preise: IM« InHtige Witwe. Friedrich-Wühelmstadtisches Schauspielhaus. In Vertretung. Anfang 8 Uhr. Mittwoch: In Prtrctung. Donnerstag: Madame Sans Gsne. Freitag 7'/. Uhr zum erstenmal: König üeinrich. LortLmg- bper. Hellc-Aillance-Strutto 7/8. AbendS 71/, Uhr: Die Zauberflöte. Mittwoch; Unbine. •■ Donnerstag: Der Trompeter von Säckingen. Freitag: Die Entführung auS den, Serail. JSetZttler-VSseater. Sehiller-Theater o.iWallucr.Tdrater,. Dienstag, abends 3 Uhr: ltio Ilei>»»i»»»t»i»elilnelit. Ein Drama in 5 SInszügen von Heinrich o. Kleist. Mittwoch, abends 3 Uhr: ttei' Revisor. Donnerstag, abindS8Uhr: Rcitornttacke. Schiller-Theater Charlottenhurg. Dienstag, a b c n d S 8 Uhr: Philister. Lustspiel in 3 Aufz. v. Jöh. Wicgmid. Hieraus: l»ie I-ore. Komödie in 1 Akt o. O. E. Hartleben. Mittwoch, abendS 3 U d>: tter Riehter von istalni-ien. D o u n c r S t a g, abendS3Uhr: College Crampton. Sehlller-Saal(VÄi'.Ö'ÄSr) DienStag abends 8 Uhr: Lieder Adeud. Crnh und Friedrich Schwabe.(Lieder und Duette.) Otto Bake(Klavier). Mittwoch abends 9 Uhr: Borttag von Fritz Stahl: Rembrandt (2. Teil) mit Lichtbilder»._ Residenz-Theaier. — Direklion: Richard Alexander.— Ansang 8 Ubr. Ganz der Papa. Schwank in z Akten von Mars und Desvallldres. Dculsch v. M. Schönau Baron des AubraiS: Rich. Alexander. Sonnabend, den 18. Jmmar zum erstenmal:„Bibi." Sonntag, den(g. Januar, nachm. 3 Uhr: Haben Sir nichts zu ver- zollen" L.usispäsSKsns. AbendS 8 Uhr: Faune. Zentpal=Theater. Gastspiel des Hebbel. Theaters. Abends 8 Uhr: Frau Warrens(bewerbe. Drama m 4 Akten von Bernh. Shaw. Lerliner Theater, Gastspiel d. Neuen OpereNen-Thoaters. Abends 8 Uhr: Heues Thealer. Anfang 8 Uhr. Gastspiel Eleonara Dnse: Iia OloeoHda. Mittwoch; Hedda Gabler. Donnerstag: La Signora dclle Cumefto(Die Kamclicnoame). Luisen-Thealer. Reiche, ibergcrstr. 34, Abend» 8 Uhr: Cyprienne oder: Wir lasten unS scheiden. Mittwoch: Cyprienne oder: Wir lassen uns scheiden. Donnerstag: Krieg im Frieden. Freilag: Da» Heiratenest. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Max und Moritz. AbendS: Krieg im Frieden. Sonnlag nachm. 3 Uhr: Zirknölcutc. Abends znm erstenmal: Wallen- stein? Tod. Montag: WallensteinS Tod._ Zirkus Schumann Heute Dienstag, 14. Januar. abends T'/j Uhr. — Um lv/z Uhr zum Ä4. Male— Eltde gegen lt Uhr: DaS Tagesgespräch von Berlin! Unsedlta zur Zeit des Bürgerkrieges. Sklaverei u. Trachten 18(51—1863 Wild-West. Cowboyexerzitien auf importierten Maultiere«. Festtag aus dem Aroadrnay in New Feuerwehr aller Nationen. Glänzende Licht- u. Wastereffekte. Meiroiiol-Theaier Anfanc praslsc 8 Ulir. Gr. Revue iu 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaeader. In Szene gesetzt von Direktor Richard Sonultz. G. Thielscher, F. Massar;, B. Ganl. Beiüler, Giampieifo, Joseph! ete. Ranclien ceatattet. Sonntag:, den 10. Janaar, naohraictags 3 Uhr: Die Herren?on Maxim. Xlll. Jnaiwon. Zirkus Iiiisch Dienstag, den 14. Januar IßOS abends 71/, Uhr: Gr. Vorstellung. Austreten b. Herrn Kommilsions. ratS Lusis» Siensöeoli, Dir. des Berlin. TatteftallS als Gast. Die berühmte RcitersainilieCIsrke. The Kremo Family, 10 Personen. Bros. Clarkonlans auS'Amerika. DaS Phäiiomeiialstc aus dem Gebiete der Lustarbeit. Ferner Frl. Estelle Preval, Schulrelterin. Herr Ernst Schumann. Neudressuren. Um ft.U) Uhr: Auf der Hallig t e!l!trg. Schauspiel in ö Akten von Wilhelm Meyer-Förster, Ansang 8 Uhr. eaaeage-Ttieates. Abonda 8 Uhr: Rndolf Mälzer. Die Tochter des Herodias,\ Trio Fioi-enti, L Ausstellung können die Gewinne besichtigt werden. l.oss ä 50 Pf.. Porto und Liste 30 Pf. extra sind I in Lotterie- und Zigarrenzeschasten| ""'CJajseJtrliB, bei u haben 292/10' .. Uk»! Elkgltut! Intrttjlltnt! Täglich Vorstellung von 5—11 Uhr. onntags von 3—11 Uhr. tUlnriottenbnnLs. Potsvamsestc. II. Stetiger Cingang von Neuheiten. -Regler„«»il fwiMifc Heue Weit, k Hasenliefife ___-114. JBk Großartige, vollständig neue 16132+ w Riesen 3 Festsaal= Dekoration• ♦ daa bayeriacho Hochgebirge, Münohener Uofbräuhaus, liobenschwangau, Salzburg usw. darstellend, aus der Thoatennaierei Franz Schulz, Papp el- Allee. ❖ Täglich! Täglich! Täglich! f h'chK laijemehes SeekMer-Jest, * Baron Muckls Bauernkapelle Tirolertruppe Max vom Heede 30 bayerische Madl! s ! ♦ tz _____________________________ I 4?rAmÜsrunF des längsten lopfes. 4 Drei Preise: öl. 75,—, M. 50,—, M. 23,—. I Anfang täglich 7 Uhr. Untres 30 Pf. Oonnerütag, den 10. Janaar 1008: Seerdigiwgsnerem Berliner Ammerleute Sonnabend, den 18. Jarniar: | kr. Wiener SKaskenbaU in Schnegclbergs FcstuiUcn, Uasenh., Jahnstr. 23. Um 12 Uhr Domasldorung, um 1 Uhr Kaffeepause. Fesfpolonäse mit Ueberraschung. Anfang 81.', Uhr. Endo?? Finlaßkarten a 50 Ff. sind vorher bei folgenden Komlteemitglicdern zu haben: H. Girka, Waldemarstr. 49 part., E. Posteur, Graunstr. 39, L. Hagenstein, Solinsstr. 21 III., H. Matthesius, Bigaerstr. 5, Quergebäude 1 Tr., W. Haupt, Scbonleinstr. 7 vom 1 Tr., F. Büchner, Elisabethufer 36, Hirsekorn, Oldenburgerstr. 13, l. Zeitz, Jablonskystr. 3, 2. Anfg. 3 Tr., sowie bei folgenden Mitgliedern: A. Brunzel, Wilsnackerstr. Ol, C. Mahn, Eisen* bahnstr. 31. Mitglieder, Gönner u. Freunde unseres Vereins laden wir freundlich ein, recht zahlreich zu erscheinen. AbcndkaHHe findet nicht statt. Das Komitee. G A G A G «s <«> GOOGOOKOGOZOGOOGOGOOG KFDtteis KaaR zu Festlichfcilcn, Koinmerse» lind Vetsamiiiliingen, sowie kleinere Säle zu allen Gelegenheiten unter günstigen Ledingungeii. ü.'tSZd' C. Eiste, Ockonom der Brauerei Happoldt. Hasenheide. Fernsprecher 4. 1932.— Straßenbahn nach allen Ziichtungen. G O G G G tb G dS K £oipfohLvieI-Aci/te u.Prof. grat. A. Unger, Gammiwarenfabrik ßßrün MW.. Frlodrichairaas j«1/93. ßruch- Pollmann enipstehlt jein Lager in Bruchbandagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensorien loinie sämtliche Artikei zur Krankenpflege Eigene Werkstatt. Liefet, f. Or!S-u. Hülss-Kraufenfasseii. _ flu Beel 14692» jetzt Fothnnger Strfttze öO. Alle Bruchbänder mit etastiichen Pe- loten, angenehm».weich am Körper. illlliiltN- iiiiki ßriHi'.hiiidcrei von RoM fßeyer,. nur Marianueil-Stratzt 2. sps- Eile zu Weile,-m f|9 Dresdner Str. I] liU Eckhaus Oranienplatz Ii Oranienplatz Kilumua V erkant. | Sfolas, JSiy�KrawaffeB, Muffen«. s.w. Kur prima Wareu zu» wirklich biliigen Inventur-Preisen. f Zur Aufklärung! M. Schmcißcrs Saucen-Würsel dient nicht, tvie vielfach irrtümlich ange- nouimen wird, als Zusatz oder Ber- besscrung für fertige Saucen, sondern zur ursprüngliche!! Herstellung der- selben ohne irgend welche weitere Zutat. Ueberau zu haben. 5892» 11. SohmeiSoes Nährmittet- Fabrik, G. m. b. H., Leipzig. Filiale Berlin, Oranienburgerstr. 17- Amt Hla 4729. Srklärmg. Die Disserenzen zwischen dem Ver- band der Bäcker imd Herrn Block, Pulbuserstr. 46, sind zur Zusriedeu- hcit geregelt und ist somit diese Bäckerei ivicdcr als bewilligt zn betrachten. 24935 Der Bertrauensman» der Bäcker. Men Parkstgenossiilnen und Genossen, solvie meinen per« sönlichen Freunden sage ich aus diesem Wege für die zahl- reichen Beiveise der Achtung und Freundschaft, die nur zu meinem 60. Geburtstage am Vorabend der großen gewalti- gen Wahlrechts-Demonftration zugegangen, meinen ausrichti- gen Dank. JPfMz Zuliesl, Mitglied des Reichstages. ! ScMeMfZÄi für den U, ßEFlinepReiehslags- Wahlkreis. (Köpenicker Biertel.) Bezirk 201, Teil H. Den MUgliedent zur Nachrichk. daß unser Genosse, der Gastwirt MVals CroSailke (wohnhast Oppelnerstr. 5) gestorben ist. 216/3 Ehre seinem Llndenken! Die Beerdigung findet am DicnStag, den 14. Januar, nach» mittags 4 Ubr, von der Leichen- halle des CmmauS- KirchhoscS aus statt. 216/4 Der Borktand. Htm Freitag abend ll Uhr starb! „ vi langem, schweren Leiden i .|j mein lieber Sohn, Bruder, k> Schwager, Onkel, der Schrislsetzer j �lex. Packenclork im 43. Lebensjahre. L498b' Bio trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am| Mittwoch nachmittag 2'/« Uhr, j Nilolai- Kirchhos, Prenzlauer! Allee 7-8 statt. Am Freitag, den 10. Januar, verstarb unser lieber Mitarbeiter, s der Schriftsetzer Alex. Packendorf. Wir werden ihm ein ehrendes� | Andenken bewahren. VOTMuÄiietee!. Todes-Anzeige. Am Freitag, den fO. Januar, j verstarb nach kurzem Leiden unser| Miiarbeitcr, der Schrislsetzer Alex. Peckeederf j im 43. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Müh 1 moch, den 15. Januar, nachmiticigS J 2'U Uhr, von der Leichenhalle des I Nicolai- Kirchhofes, Prenzlauer > Allee, auS statt. vllS PefSOUkÜ ! der Vorwärts■ Druckerei.[ Oeutsclier Metallaibeiter-Yerband Verwaitungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Mi Wimderlicb gestorben ist. 110/9 Ehre seinem Andenken: Oie Ortsverwallung Den Kollegen zur Nachricht, daß > mein lieber Mann, der Tischler i Max Masidlng\ am Sonnabend, den Ii. Januar/ abends 9>/z Uhr, plötzlich am Herz- schlag verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mttt- woch. den 15. Januar, nachmittags Ist. Uhr, vom Trauerhause. Frank- I surter Allee 86, aus aus dem Georgen- Sirchftos, Landsberger I Allee, itait. I615L Die trauernde Witwe. Allen Freunden und Bekannten I traurige Nachricht, daß mein l lieber Mann, der Droschkenkutscher Karl Wandrey am Sonntag nach langem schweren | Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet Mittwoch ! nachmittag 3 Uhr vom Kranken- j hause Moabit, Eingang Birke,,. I itrajje, auS aus dem Heilands- f Kirchhos in Plötzensee statt. 250-b\ Die trauernde Witwe. Danksagnug« Für die herzliche'Teilnahme und reiche Kranzspende bei der Beerdigung meiner lieben Frau lEiBiifija Seiler geb. Schultze sage allen Freunden, Bckatlntcn und Parteigenossen sowie Sparverein „Fieicr Wille," und insbesviidere der ..Sängervercniigung Süd-Ost" meinen innigsten Dank. 16142 Eduard Seiler, Schankwirt, Lübbenerstraße 6. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für de» Mlirakenteü oerantw.: Th. Giecke, Berlin. Druck u. Verlag: BorwärSvuchdrucieret u. BerlagSanstail Paul Singer& Co.. Berlin SW, üru. 25.»«. 2. DtillM Zes JornW f ftlillft polliolilatt. N--t.5lt.ZM.-IM Das U Sie scht berliner öertammiungen tvciren durchweg überfüllt. Im Feenpalafl sprach vor SkXX) Be- sucher» der Eeuosse Stadthagen, in der Bockbrauerei vor 3t>X> der Genosse Richard Fi icher. LviX) VersommliingSbesiicher sah der grobe Saal von B n g g e n h a g e n. wo H e i n e sprach, und über 3(XK) Kellers Saal in der Koopenstraße, in dem Genosse Borgmann da? Referat hielt. Auch in dm S op h i e n sä l e n. wo Genosse Wurm sprach, waren l500 Perionen anwesend. von allen Wahlkreisen hatte nur der langgestreckte und mehrfach durch Bahnanlagen geteilte sechste drei Versammlungen einberufen. Hier spruchen in der Brauerei König st adt Genosse L e d e b o u r, in den Gernraniasälen Genosse B r ü h n e und in der Brauerei Moabit Genosse Dr. Wey l Die Zahl der Versammlungsbesucher betrug insgesamt etwa 20 000, die Zahl der Demonstranten, welche keinen Einlab mehr in den Lokalen janden, mindestens das Fünffache oder noch mehr. Sie Poll«! und der 12. lanuar. Der 12. Januar wird nach zwei Richtungen hin im Gedächtnis der Berliner Arbeiterscha-t halten bleiben, einmal, weil an diesem Tage daS Proletariat Berlins in machtvoller, imposanter Weise der herrschenden Klasie seinen Willen kundgab, sich nicht länger rechtlos macben zu lassen, dann aber deshalb, weil an dieiem Tage die'elbe herrschende Klasse durch ihre Organe— vor allem durch die Polizei— dem Proletariat diese Rechtlosigkeit doppelt fühlbar werden lieb. In letzterer Beziehung wurde der Arbeiterschaft klar gemacht, bah wir weit entfernt sind, davon zu reden, dab wir in einem Rechtssiaate leben, in einem Staate, in dem Gesetz und Recht gilt. Die Gewali geht vor Recht, daS hat sich am Sonnlag wieder ein« mal deutlich gezeigt, lieber daS Verhalten der Polizei am Sonntag find uns aus den Kreisen der Parteigenossen zahlreiche Zuschriften zugegangen, die beweisen, dab am 12. Januar in einer Weise gegen die Denivnslranten vorgegangen wurde, die jeder Beschreibung spottet Friedliche, ihres Weges gehende Bürger sind wie räudige Hunde be- handelt worden, aus fliehende wehrlose Menschen ist rücksichtslos mit dem Polizeisäbel«ingehaue» worden, auf Leute, die der Polizei nicht im geringsten Widerstand geleistet haben. Ueber diese Helden» taten hier nur eine kleine Auslele aus dem sich zu Bergen häufende» Material, daS uns zugegangen; alleS zu veröffentlichen ist ganz unmöglich. Eine Anzahl Genofien schreiben unS: Wir waren in bis- zipliniertefter Haltung, wie eS unsere grobe Sache verlangt, bis in die des Schönhauser ToreS gekommen. Dort standen wieder wohl so gegen SO Schutzleute unter Führung diverser Vorgesetzten. An der Angerinünder Strabe. es ertönten Hochrufe auf das Wahlrecht. wurde dieie Anzahl von Schutzleuten nernös. Ehe wir unS beriehen, kamen die Schutzleute unter Führung eines Leutnants daher- gestürmt und in den Zug hinein. Unter Schlägen und Püffen ver- suchten sie die Mafien auseinanderzubringen, was ihnen auch zum Teil gelang. Es wurde auf die Leute eingeschlagen, aus der anderen Seite der Strohe wurde ein unbeteiligter Mann mS Kreuz gehauen, weil er nicht schnell genug ging. Es wurde sogar auf Personen ein- geschlagen, die schon an der Erde lagen. Von anderer Seile schreibt man unS: Am Schönhauser Tor sahen wir schou von weitem eine Schuymannskette unter Führung eines Hauptmanns und zwei Offizieren. Durch die Lothringer Strabe— der Menichensirom hatte»och nicht die Angerinünder Strohe er» reicht— da stürzten die Beamten im Sturmschritt, mit de» Rufen: „Mit Euch werden wir schon fertig*, und:„In ein paar Minuten seid Ihr auseinander*, mit geballten Fäusten zuschlagend, in die Massen, welche schon beim Herankommen der Beamten Widerstands- loö zurückgewichen waren. Eine andere Zuschrift lautet: AlS wir am Feenpalast mii ctncm_ älteren Genossen, einem Veteranen der Arbeiterbewegung, eine Strohe passieren wollte», wurden wir in handgreiflicher Weise daran gehindert. Als unser Begleiter sich dies höflich aber ent- schieden oerbat, rief ein junger Schntzmann seinem Kollegen zu: „Kleben Sie ihm doch eine!" Ein zweiler sagte. eS wäre alle» nur ein Pupvenspiel und ein anderer behauptete, alle, die in die Versammlungen gingen, seien ja nur.Lausejungen*. Gegen 1 Uhr fingen sie an zu.räumen* und nun konnte man wüste, abstobende Szenen seben. Mit den Fäusten stiehen und schlugen sie aus die friedlichen Bafiante» ein, selbst Leute, die zufällig da waren, erhielten ihre Prügel. Ei» Greis machte infolge dieser.nachdrücklichen* Aufforderung sehr un- sanft Belanntichafi mit dem Asphalt. Gegenüber dem geschlossenen, in mnslerhafler Ordnung einhergebenden Riesenzuge verjagte der polizeiliche Tatendrang und er beschränkte sich darauf, den- selben in bestimmte Sirahen abzulenken. Um S Uhr bewegte sich vomMoriyplatz durch dieOranien- und Lindenstrahe ein zweiler endloser Zug. dessen Teilnehmer revolutionäre Lieder fangen und stürmische Hochrufe aus das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht ausbrachten Am Belle- Allianceplatz bog die Riesenschlange in die Wilhelinitrabe ein. Bis nahe den Linden zu halte sich kein Schutz- mann sehen lafien. Plötzlich aber waren sie da, ein Leutnant mit einer Truppe versperrte den Weg. Eine schneidige Aufforderung erklang, zum ersicn-, zum zweiten- und zum drittenmal, auseinander- zu gevm. Natürlich war dies ab'olut unmöglich, aber schon blitz-en die Säbel aus den Scheiden. Was nachher geschah, tonnten die Hinteren nicht sehen, nur ein wirrer Menfchenknäuel wälzte sich flllchenS und protestierend rückwärts. Sie wurden nun nach der Friedrichstrahe gedrängt. Aber auch hier warfen sich von de» Linden her Schntzleiite der Menge entgegen. Besonders die Berittene» zeigten ihr Bravonrflückchen. Sie rinerj, rücksichtslos in die Mensche» aus dem Bürge» neig, so dah wilde SchreuenSrufe aus de» Fenstern der umliegeiidcii Wobiiiingen drangen. Harmlose Spaziergänger, die mit der Demonstratio» nicht da» geringste zu tiin hatten, wurden riedergeritten. geflohen und mihh-'ndelt. Ein Kind lag vor den tni-e» eines Pferdes und nur die Geistesgegenwart und der Mut -ine« Mannes rettete» es vor dem Zerstampfen. Eine alte Dame erhielt einen Schlag über den Kopf. Wer sich in Lokale und Häuser retten konnte, war froh. Da sich die Menge immer wieder sammelte, so wiederholte sich dieses grausige Schauspiel ebenso oft. Bon dem Verdeck der Omnibusse klangen Hochrufe und tausendfach stimmte die Menge ein. Grund genug für die Ordnungsinänner zu einer jedesmalige» Attacke. Einen Mann rifien zwei Berittene zwischen ihre» Pferde»— an den Haaren herum. Leute, die in Hauser flüchteten, darunter vornehme Damen, wurden sogar eine Treppe hoch herabgerissen. Manche eilten vier Treppen hinauf und baten die Bewohner um Schutz, der ihnen»atü'lich ge- währt wurde, da die Leute selbst sich in heller E»ipöru»g über >ai Vorgehen der.Schutzleute* befanden. Um sich vor Huf- ritten und Mihhandluiigen zu schützen, quetschte sich ein Klumpen in die Aschingerquelle. Um weiteren Andrang zu ver- hindern, wurde das Lokal mit Mühe und Not geschlossen. Unter den Linsen war fast überall abgesperrt, und eS blieb einem bald weiter nicht« übrig, als wie weiland Hennig den Weg über die Dächer zu nehmen. 12 oder noch mehr zerhaiiene Hüte, die da nebst einem Gummischuh lagen, zeugten von der Schlagsertigkeit der Gesetzcswachter. Am CafS Victoria sahen wir mit eigenen Augen, wie ein Schutzmann nach einem Manne mit dem Fuhe stieh. «tili heischt sein In der Michaelkirchstrabe spielten sich noch um S Uhr abends wüste Szenen, durch die Polizei hervorgerufen, ab. Uns wird be- richtet: Um genannte Zeil kamen vom Michaelkirchplotz her gröbere Menschenmengen, die anscheinend von der Waldemarbrücke durch die Polizei zurückgetrieben waren. Im Hausflur Ni»»mer l!) erhielt ein Mann, der zu Fall gekommen war, eine» Säbelhieb. Vor dem- selben Hause wollte ein Schutzmann auf einen Passanten eiuhauen, wurde aber durch laute Prolestrufc der Umstehenden davon ab- gehalten. Er wandte sich nun nach rückwärts und schlug blindlings auf einen Dastehende» ein. Kurz daraus kam von der Michaelbrücke ein Mann, der von einem Schutzmann verfolgt wurde; andere Schutz- leutc hielten ihn an und der ihn Verfolgende schlug ihn nuninehr über den Arm, dab der Getroffene zu Bode» sank. Von zwei Schutz- lenten wurde der Mann später weiter transportiert, die Beamten gaben ihm den.guten Rat*, jetzt nach Hause zu gehen. Vorüber- gehende Kinder klagten weinend, dab sie ebensalls von der Polizei geschlagen worden seien. Ueber eine Attacke in der Königstrabe wird unS berichtet:.vom nahen Revier in der Königstrabe sprengte plötzlich ein Dutzend Schutzleute in die Menge, blindlings mit ihren Säbeln drein- schlagend. Kinder wurde» überrannl, Entrüstungsrufe durchbrausten die Luft. Ein junger Mann, welcher über ein Gitter gestrauchelt und zu Fall gekommen war. wurde von mehreren Schutzleuten unbarmherzig m dieser Situation geschlagen, so dah er sich nicht erhebe» konnte. Auch Geheimpolizisten beteiligten sich an diesen Roheiten, auf wehrtose und friedliche Demonstranten herumzuschlagen. ES find dort viele Verwundungen vorgekommen.* • Ueber das Massaker an der Gertraudtenbrücke haben wir schon an anderer Stelle berichtet. Alle Mitteilungen, die uns geworden, gehen dahin, dab hier in einer geradezu unerhörten Weise gegen die Arbeiter vorgegangen worden ist. Der komman- dierende Polizeihaiiptniann heitzt Stephan. Uebereinslimmend, aucb von bürgerlichen Zeugen wird uns erzählt, daß in der grausamsten Weise auf die Fliehenden eingchauen wurde. Viele Verletzte sind von hinten in de» Rücke» und über den Hinterkopf mit der scharfen Klinge geschlagen worden. Die anwohnenden Bürger, die Zeugen dieser Schlächterei waren, sind entrüstet über diese durch nichts gerechtfertigte Maßnahme des koimnandlerenden Beamten, Such wird uns übereinstinimend verfichert, dah ein Schuh gefallen ist. Der Minister des Innern hat gestern im Abgeordneten- banse behauptet, die Polizei habe sestgesiellt, dah zwei Schüsse abgegeben worden seien. Alle Zeugen, die uns über den Vorfall an der Fiiedrichsgracht Milteilunge» gemacht haben, haben nur einen Schub vernommen und zwar ans der Richtung von der Wallstrahe her. Wer ihn abgegeben, ist nicht enniltelt. Dah aus der Menge ein zweiler abgegeben ist, wie die Polizei behauptet, ist falsch, eS ist dies schon dcsioegen falsch, da wohl die Polizei über Revolver verfügte, nicht aber die Demonstranten, die überhaupt vollkommen wehrlos waren. Wie überhaupt der Minister über die Vorgänge vom Sonntag informiert war. beweist seine Behauptung, dah nur an dre, Stellen die Schutzleute von der Waffe hätten Gebranch machen müssen. Erstens hätte» sie nicht nötig gehabt, von der Waffe Ge- brauch machen zu müssen, die Arbeiter verhielten sich sehr ge- messen, dem Tage entsprechend, dann aber ist nicht nur an drei Stellen von der Waffe Gebrauch gemacht worden, sondern in Dutzenden von Fällen. Kann eS in Rubland schlimmer sein? • Die irrende Polizeifanst. Die Stöhe und Püffe, mit denen die Polizeimannschaslen wehrlos Fliehende vor sich hertiiebcn, fielen mitunter vorbei— will sagen; sie trafen gelegentlich auch solche Leute, vor denen ein richtiger Schutzmann sonst zusammenknickt. Nachmittags etwa um 4 Uhr ereignete sich ein Vorkommnis ähnlicher Art an derNeustädlischenKirchstrabe Ein stattlicher Herr im behaglichen Pelz. der dort gerade zu der Zeit vorbeikam, wo wieder einmal die Uniformierten einen Demonstrationszug jagten, war wohl der Meinung, dah e r »»bedenklich durch die AbsperrnngSliuie hindurchspazieren dürfe, Da wurde er von kräftigen SchiiymannSsäusten ziirückgestoben. Empört wollte er sich daS verbitten, aber im nächsten Augen- blick wurde er volwärtS geschoben und flog in die Menge mein. AlS er sich auher Greifweite sah, begab er sich in eschleunig-em Tempo zu einem Polizeileutnant, zog auS seinem Pelz eine Brieftasche heraus und hielt dem Leutiiaiit eine Karle hin. Und der Leutnant— schlug die Hacken zusammen I Erregt redete der im Pelz auf ihn ein. Der Leutnant machte ein sehr ver- legeneS Gesicht»nd zuckte unter vielem Bedauern die Achseln. Wer mag der Pelzliäger gewesen sei»? Hoffentlich war eS euoaS recht „hohes*. Je höher hinauf die Polizeifausl sich verirrt, desto erfreulicher wird der Erfolg sein, den wir unS hiervon versprechen. Auch ein Sckiutzinaniissäbel, der an« Versehen auf einen Exzellenz- fchädel medersaust, würde wahrjchemltch Wunder wirken. Im Banne des Kaiserschlofles. Die Nervosität der Berliner Polizei hat von jeher ganz be- sondere Dimensionen angenommen, wenn, es daraus ankam, die Umgegend des Schlosses in liebevolle Hut zu nehmen. An solchen Tage» allerdings, an denen eS galt, dwien oder jenen monarchiickten Veranstaltungen durch die Anstauung vieler Ta»se»de von Hurra- brüllenden„Patrioten" erst die rechte Weihe zu schaffen, an solckien Tagen konnte die Berliner Polizei bisweilen gerade im Bereiche des Allen SchloileS von bestrickender Liebenswürdigkeit, von bewundernS- würdiger Lammesgeduld sein. Hurragebrnll, Nationalhymne,„patriotische* JubelauSbrüche waren am Sonntag nicht zu erwarten, und es trat die nervöle Gereiztheit der schlobbeschützeuden Berliner Polizei in ihr altes „Recht*. Gegen Invasionen vom Norden der Stadt war ein riesiger Polizei-Kordon abtonimandiert, der— am Börsengebäuoe— den südlichen Teil der Bnrgstratze und den Weg über die Friedrichbrücke sperrte, sodah sich allmählich im nördliwen Zipfelchen der Burgslrabe szwischen Bahnhos Börse und Friedrichbrücke) dichte Meiischenmassen stauten, aus deren Reihen Hochrufe aufs allgemeine Wahlrecht, Pfui-Rufe auf Blilow und die Klänge der Arbeiter-Marseillaise in die Luft brausten. Eine Zeillang sah und hörte die Polizei die imposante Demonstration nihig mit an. Urplötzlich aber— wie aus„höheres* Kommando— ward sie von der obligaten Nervosität ergriffen und„säuberte* die Straße, indem sie die Menge nach dem Monbijonplatz und dem Hackeichen Markt zu gewaltsam auseinandertrieb. In ihrem edlen Eifer ging sie sogar so weit, auS den Omnihnfien und den Straßenbahn- wagen»nd vom Verdeck dieser Gefährte all« überzähligen Fahr- gaste heraus- bezw. herunterzuholen, wobei es lselbsiverständlich I) ohne grobe Scbeliworte und derbe Püffe von feiten der Sch»g>nann- fchait nicht abging. Es wurden sogar Leute„exniitliert*, die bereits ihr Fahrgeld bezahlt hatten I Je niehr man sich dem Schlöffe näherte, desto deutlicher trat die Unrast der Polizei in die Erscheinung, wie denn überhaiip! konstatiert werden muß, daß � in diesem geheiligten Rayon wenigstens— von verschwindenden Ausnahmen abgesehen, die Nervosität der SlcherheitSbramten mit der höheren Stellung zu« nahm. Trotz aller Sperrmaßrcgekn war eS der Polizei nicht gelungen, den Lustgarten gänzlich freizuhalten, zumal da ja die National- galerie und das große Museum von 12 Uhr mittags an offen standen und deren Besucher in der zweiten Nachmitlagssiunde ihrem Heim zuziistrebe» begannen. Gegen s/42 Uhr gingen etwa 30—40 Personen über den Lust- garten vom alten Museum nach der Schloßbriickc zu. Hatten die Nachrichte» auS der Burgstraße schon den PolizeiofsizierSstab, der hoch zu Roß vor dem Schlosse hielt, von Minute zu Minute nervöser gemacht, so schoß die Erregung auf den Siedepunkt enipor, als plötzlich auS den Reihen jener dreißig bis vierzig Passanteir der Ruf erscholl:„Hoch daS allzenieine Wahlrecht!" Ein Augenblick der Bestürzung folgte, aber auch nur ein Augenblick, und schon ward der Befehl gegeben: „Zur Attacke!" Die berittenen Hüter des Schlosses— zumeist Offiziere— sprengte» sofort über den Lustgarten und jagten die vermessenen Eindringlinge auf die„Puppenbrücke" zu. An dieser Heye beteiligten sich auch Fußmannschafien, welche— die Faust am Säbelknans, die Schuppenkelle unterm Kinn, den Jamiar-Revolver umgeschnallt— die Flüchtenden ihren Kollegen entgegentrieben, die den Westrand der Schloßbrücke in dichten Haufen besetzt hielten. „Haut die Baude!" so erscholl es lind schon entwickelte sich das bekannte Schauspiel: Leute gepackt nild mit brutaler Gewalt gegeneinander geschleudert, Püffe und Stöße ausgeteilt, mit scharten Scheltworten nicht gespart. Alles das, um enva vierzig Männer und Frauen nach dem Zeughansgraben ab- zudrängen!... Hüte, die bei dieser Attacke zu Boden fielen, waren verloren: die Polizei gestattete nicht, daß die Eigentümer zurückgingen, sich ihre Kopsbedeckung zu holen I Ein nobel gekleideter älterer Herr, der aus dem Gong vom Museum in den Trubel geraten ivar und einen kräftigen polizeileutnantlichen Stoß erhielt, wollte die Erklärung abgeben, wie er.. aber soviel Zeit und soviel Be- sonnenheit hatte das BefatzungSkorpS am Zeughaus nicht---—, und mit den Worten »Janz ejal!" ward der alte Herr mit nach der MnseumSbrücke zu abgeschoben. DaS Rückflulen in die Stadl wurde durch die Polizei erschwert, die der Straßenbahn verbot, an einigen Hallestellen Passagiere auf- zunehmen... I Noch in der sechsten Abendstunde hielt die Schutzmannschaft das Schloß und seine Umgebung— zumal die Brücke— im Belagerungszustand. • Die Arbeiterschaft hält die Ordnung auf- rechts In den Straßen, durch die die„Elektrische" fährt, kom- mandiert ein demonstrierender Arbeiter:„Rechts abtreten." Man tut es. Der Wagen kann weiter. Schutzleute sieht man fast nur an den großen Sperrstellen. AuS der Johannisstraße biegt eine Droschke in die Friedrichstraße. Halt! kommandiert ein Arbeiter, und hält den Zug ein wenig zurück. Der Rosselenker findet freie Fahrt. Er griff an den Hut und salutiert.— In der Großen Ham- burger Straße liegt das katholische HcdwigSkrankenhauS. Tie Straße ist schmal. Der Zug nimmt die ganze Breite ein. Die Fenster klirren unter dem SangeSsturm. Von vorn trägt die Luft den Ruf zurück:„Ein Krankenhausl" Totenstille beim Vorbei- marsch! Kaum hört man die Tritte auf dem weichen Schnee. Rührend weihevolle Momente. Dieser Demonstrationszug trennt sich bei der Lothringerstraßo Verliert sich zum Teil im Norden, zum Teil im Osten. » Demonstration an der einsamen Pappel» Zu einer eindrucksvollen Demonstration kam eS nach Schluß der Versammlung in der Schönhauser Vorstadt. Eine unabsehbare Menschenmenge zog unter der Absingung von Arbeiterliedern und unter HochS aus das allgemeine Wahlrecht die Schönhauser Allee hinauf. Ein paar Tausend schwenkten unter den Rufen„Zum Exerzierplatz!* in die Oderbergerstraße ein. Von der Schwedter- straße aus strömte die Menge durch einen breiten Eingang auf den weiten Platz und stapfte dann durch den tiefen Schnee bis nach der„einsamen Pappel". Dort wurde Halt gemacht. Genosse Lcdcbour wurde unter der Pappel auf die Schultern eines stämmigen Genossen gehoben und hielt von dort aus die folgende Ansprache: Genossinnen und Genossen! An dieser historischen Stelle hat am Siinntag, 22. März 1848, nach dem Siege deZ Volkes die erste öffe»t5tche PolksversiintUiliiiig stattgefunden, in der in mehrstündiger Besprechung die Arbeiter Berlins ihre Forderungen formuliert haben. An dieser historische» Stelle wollen wir im Andenken an jene große Zeit das Gelöbnis ablegen, dah wir mit aller Kraft für die Erringung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für Männer und Frauen auch in Preußen wirken wolle». Geloben Sie das mit mir, indem Sie einstimmen in den Ruf: Die internationale, die völkerbefreiende, auch Preußen be- steiende Sozialdemokratie lebe hoch I Begeisterungsvoll brauste der Ruf der Tausende von Männern und Frauen dreimal über den weiten, schneeverwehten Platz. Dann zog die Menge singend und hochrufend, wie sie gekommen war. zurück nach der Schönhauser Allee. Die DemonltratloDen in den Vororten. In den großen Bororten Berlins fanden gleichfalls machtvolle Kilndgebuilgen vieler Tausender statt. Mit Ausnahme von Wilmersdorf, wo die Polizei gleichfalls beim Anblick des DemoiistrationSzugeS nervös wurde, spielte sich die Demonstration ruhig aber würdevoll ab. Rixdorf. Bis gegen 12 Uhr war eS nur die Polizei, die durch zahlreiches Aufgebot den Eindruck erweckte, daß Außergewöhnliches geschehen werde. In der Hermannstratzc sah man sie zu zweien und dreien auS verschiedenen Revieren nach dem Lokal der Vereins- braucrei wandern, das dem Versammlungslokal von Hoppe fast gegenüber liegt. Auch in der Bergstraße hatte man fliegende Wachen eingerichtet. In den beiden Straßen wimmelte es von uniformierten und nichtuniformierten Polizisten, was natürlich den Versammlungsbesuch nicht hinderte, wohl aber Ansammlung von Neugierigen zur Folg« hatte. Bald nach 12 Uhr kamen von verschiedenen Richtungen Züge von WahlrechiSforderern anmarschiert. zu fünfzig, zu hundert und mehr in einem Zuge, Tausende von Menschen, die natiirlich in den ohnehin schon überfüllten Lokalen keinen Raum mehr finden konnten. Man zog ruhig, fast lautlos vorüber. Wo sich zwei Züge begegneten, wichen sie einander auS. Einzelne Schutzleute, zuweilen mich Berittene, begleiteten die Züge. ein Stück Weges, mußten sich aber offenbar sehr überflüssig vor- kommen, denn zu tun gab eS nichts, nichts für sie und nichts für alle die anderen Polizeibeamten. Später und nach Schluß der Versammlungen wandte man sich Berlin zu. stieh hier jedoch aus starke Polizeiketten. Der Zu- gang zur Hasenheide war durch ungefähr 20 Schutzleute, höhere Deamt« und Berittene abgesperrt. Weiter der Stadt zu waren wiederum die Brücken über den Landwehrkanal gesperrt. Niemand sollte durchgelassen werden. Die strenge Absperrung konnte natür- sich nicht lange aufrecht erhalten werden Durch die Strassen vor dem Kanal sah man grosse Trupps und Züge bon Demonstranten, die„Hoch das freie Wahlrecht" riefen. Die Polizciabsperrungen verfehlten ihren Zweck schließ- lich doch. Die Wahlrechtsforderer ließen sich das Recht des freien Verkehrs nicht rauber. und fanden doch ihren Weg. Ebenso wie der Zug der R i x d o r f e r stieß auch der vom Tempelhofer Berg auf die Polizeihmderniffe. Dieser Zug kam, nachdem ihm das Wcitermarschicren nach allen anderen Rich- tungen unmöglich gemacht war. gegen 3 Uhr die Gräsestrasse ent- lang und begegnete, von der Bocckhstrasse kommend, einem Temon- strationszug aus Schöneberg. An der Ecke der beiden Strassen drang ein starkes Schutzmannsaufgebol plötzlich mit blanker Waffe auf die Menge ein. Ein offenbar übcrncrvöser Leutnant packte hier einen Demonstranten gewaltsam am Arm, drehte ihn mit solcher Wucht herum, daß er zu Boden stürzte und nnt gebrochenem Unterschenkel liegen blieb. Einige Genossen eilten herbei und brachten ihn denn auch glücklich aus dem Bereich der Polizei, um ihm die nötige ärztliche Hülfe zu verschaffen. Schöneberg. Schon um ll>/zUhr stand vor dem Tor der Schöneberger Brauerei in der Hauptstrasse. gegenüber der alten Schöneberger Dorf- kirche, eine grosse Menschenmenge, so dass, als kurz daraus der Saal der Brauerei geöffnet wurde, sich der Raum sofort füllte und ein Teil der Demonstranten sich gezwungen sah, im Garten Ausstellung zu nehmen.'Dennoch strömten noch mehrere andere starke Trupps herbei. Immer mehr schwoll die Menschenmenge an, bis schliessliw, da an ein Unterkommen im Saale nicht zu denken war, ein aus LOW) Personen bestehender Zug sich in Bewegung setzte. Als um 1li2 Uhr die Bersanimlungöleilnehmer herauskamen, sperrte die Polizei die Potsdamersrrasse ad. Der Zug ging hierauf durck die Vorbergstrasse nach der Gleditschstrasse. Doch hier an dem engen Durchgang staute sich der Zug, weil eine Schutzmannskette das Weilergehen verhinderte. Sctiliesslich lenkte der Zug über die Kolonnenbrücke durch die Kreuzbergstrasse und weiter die Katzbach- stratze usw. entlang. Charlottcnburg. Die Versammlung im Volkshause in der Rosinen- strasse war überfüllt, bald nach 12 Uhr mußte der grosse Saal ab- gesperrt werden. Die Genossen, welche sich in den Bezirkslokalen gesammelt hatten, zogen unter der Führung von Ordnern mit weissen Ärmichleifen in geschlossenen Zügen nach dem Volkshanse. Jedoch am Eingange zur Rosinenstrasse ivar eine Kette von Schutzleuten postiert, welche die Strasse absperrten und die Züge nicht in die Rosinenstrasse hineinließen. Deshalb sammelten sich, während im Volkshause die Versammlung stattfand und Genosse Herzfeld in anfeuernder, begeisternder Rede zur äussei stcn Enlsachung des Kanipfcs für das allgemeine gleiche Wahlrecht aufforderte, die einzelnen Trupps in der Berliner Strasse an, wo bald ein Zug von mehreren tausend Menschen beisammen war. Gegen t/42 Uhr war die Versammlung zu Ende, und die aus dem Voltshause und der Rosinenstrasse herausströmenden Massen schlössen sich dem Zuge in der Berliner Strasse an. der unter Hoch- rufen ans das allgemeine, gleiche Wahlrecht und unter Absingen der Arbeitermarseillaise und anderer Arbeiterlieder die Strasse herauf an dem Rathause vorbei nach dem Schloß zu zog. An der Wilmersdorfcr Strasse wurde der Zug durch eine Kolonne Schutzleute zu Pferde und zu Fuss am Weilerziehen ver- hindert und teilte sich in mehrere Gruppen. Der Hanpizug zog wieder die Berliner Sirasse hinab, dann durch die Wall- und Krummestrahe nach der Bismarckstrasse, diese ent- lang, die Leibniz- und Cauerstrasse hinaus, von wo die Teilnehmer sich über die Gucrickestrasse nach der Rosinenstrasse znm Volkshause wandten. In der Guerickestrasse trat die Polizei noch einmal in Aktion, um zu verhindern, dass ein geschlossener Zng sich durch die Rosinenstrasse bewegte. Ein starker Trupp berittener Schutzleute bewahrte die Strasse, in der das Volkshaus liegt, vor dem Unglück, einen geschlossenen Zug sozialdemokratischer Arbeiter zu sehen. Im Volkshause blieben die Genossen noch stundenlang in an- geregter Stiminung beisammen. Die Versammlung in Wilmersdorf war stark überfüllt. Noch nie ist eine so zahlreiche Bevölkerung auf den Beinen gewesen. Das Referat hielt Stadtverordneter Genosse Hirsch. Redner wurde von stürmischem Beifall unterbrochen, als er u. a. von einer eventuellen Anwendung des politischen Massenstreiks sprach. Die Diskussion bewegte sich im Sinne des Referats, einschliesslich der Ausführungen des soziallibcralen Herrn Dr. Heuss, welcher als die nächste Eiapve des Wahlrechlskampses den Sturz Bülows bezeichnete. Unter Absinge» der Marseillaise und Hochrufen aus die Forderung des allgemeinen Wahlrechts schloß die Versammlung und gestaltete sich zu einer imposanten Slrassendemon st ratio n. Hierüber berichtet man uns: Im geschlossenen Zuge ging es um das Rathaus herum in der Richtung nach dem„besseren" bayerischen Vierlei. Zunächst licss sich- die Polizei daran genügen, den Zug von der Uhlandstrasse abzulenken und in die Gesteinerstrasse zu drängen, wo- durch sie jedoch nur eine Spaltung deSselven an der Holsteinschen- strasse herbeiführte. Der eine Teil des Zuges ging durch die Holsleinschestrasse, der andere nun doch durch die Uhlandstrasse. um sich in der Günzelstrasse wieder zu' vereinigen. Am Hvhenzollern- platz stürzten im Laufschritt weitere Polizeimannschasten heran, um die Demonstranten in die Nassauischestrasse zurückzutreiben, was iiaturgemätz nur schwer möglich war, da die hinleren Leute des Zuges doch hätten Kehrt machen müssen, welch letztere jedoch nicht wußten, was vorn vorging. Schnell erscholl das Kommando: Schuppenketten herunter! Die Säbel wurden herausgerissen und mit blanker Waffe gingS nun vor. Unbeteiligte, unter anderen selbst ein alter Mann mit dem Milchtopf in den Händen, der zweifellos dort wohnte, wurden die Strasse zurückgetrieben Kam es nun nicht zu blutigen Exzessen, so ist dies lediglich der Ruhe und Besonnenheit der Demonstranten zu danken. Allzuveutlich war zu durchschauen, welche Angst man hatte, in diesem„besseren", dem sog.„Brüsewitz-Viertcl", den Schrill der Arbeiterbataillone zu vernehmen. In den Nebenstraßen kann ja der„Pöbel" schliesslich mal demonstrieren— aber ja nicht vor den Wohnungen der Be- sitzenden. Grotz-Lichterfelde. Die Protestversammlung im„Kaiserhof" nahm einen imposanten Verlauf. Saal und Galerien waren dicht gefüllt. Es mögen zirka 700 Genossen und Genossinnen anwesend gewesen sein. Genosse Waldeck- M anasse unterzog in seinem einstündigen, mit stürmischem Beifall aufgenommenen Vortrag die Erklärung der preußischen Junkerregiernng zur Wahlrechtsfrage einer gepfefferten Kritik. Nach einem Schlusswort des Vorsitzenden Gen. Wenzel verlies die Versammlung mit brausenden Hochs auf die Sozialdemokratie und das allgemeine, gleiche und direkte Wahl- recht und unter Absingung von Arbeiterliedern den Saal und marschierte in geschlossenem langen Zuge, wie ihn Gross-Lichter- felde selten zu sehen bekommt, durch den Ort, die Philister in ihrem behaglichen Heim aufschreckend. Polizei und Gendarmerie befleißigten sich einer anerkennenS- werten Zurückhaltung. Ober-Schöncwcide. Die im„Wilhelminenhof" tagende Ver- fammlung gestaltete sich zu einem gewaltigen Protest. In ganz knappen Zügen beleuchtete Genosse Dr. Rosenfeld die schmachvolle Haltung der Regierung und der Parteien. Nach viertelstündiger �Tagung vereinigte sich die Versammlung zu einem Demonstrations- ssug nach Berlin. Durch Zuzug der Genossen aus Johannisthal, Nieder-Schöneweide und Karlshorst war derselbe aus zirka 2Ü00 Personen angewachsen. Tie Polizei, welche in ungewöhnlicher Stärke in Fabriken. Restaurants, ja sogar im nahen Walde stationiert war, erschien— düpiert durch die kurze Dauer der Ver- sammlung etwas zu spät auf dem Plan. An der Treskowbrücke wurde einem grösseren Trupp der Uebergang verweigert, welcher dann allerdings über die nächste Spreebrücke stattfand. Der Zug, I welcher mittlerweile bis zur Neuen Krugallce gekommen war,! wurde hier noch einmal durch nachsprengende bepittene Gendarmen aufgehalten und geteilt. Die polizeiliche Begleitung erstreckte sich bis zur Schlesischen Brücke, an die Berliner Grenze. In Köpenick referierte Genosse Z u b e i l im„WilhelmSgarten" vor 16 0 0 Teilnehmern. Vor dem Lokal und in den Strassen be- fand sich ein grosses Schutzmanns- und Gendarmcrieaufgebot. Nach Schluß der imposanten Versammlung zerstreuten sich die Teil- nehmer. Adlrrshof. Vor überfüllter Versammlung referierte in treffen- der Weise Genosse Z i e t s ch- Charlottenburg. Auf der Strasse demonstrierten bOt) bis 600 Personen unter steter Begleitung von Gendarmen, denen sich nach Schluß der Versammlung die Ver- sammlungsbesucher anschlössen, so dass zirka 1000 Personen in Frage kamen, darunter die Genossen von Grünau und Alt-Glienicke. Im Garten fand die imposante Kundgebung mit dem Liede „Empor zum Licht", gesungen von Mitgliedern des Arbeilergesang- Vereins„Frohsinn", und mit einem Hoch auf das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht ihr Ende. Nowawcs. Auch hier verlief die Demonstration in großartiger Weise. Das Referat des Genossen Thurow wurde oft von Beifall unterbrochen. Eine vom Genossen Hoffmann vorgeschlagene Reso- lution, in welcher die Fortsetzung des Kampfes mit allen der Situation angepatzten Mitteln erklärt wird, fand einstimmige An- nähme. Nach Schluh der Versammlung durchzogen die De- monstranten unter dem Schutze der Nowaweser und einiger aus der Nachbarschaft zusammengezogener Gendarmen die Strassen. Zwischenfälle kamen nicht vor. In Treptow durste die Versammlung nicht stattfinden, weil angeblich die Anmeldung zu spät eingetroffen war. Zirla 800 Per- sonen beiderlei Geschlechts marschierten nach Berlin. KönigS-Wusterhausen und Umgegend hatte eine Wahlrechts- demonstration, wie sie selbst unsere Parteigenossen nicht erwartet hätten. Hunderte von Parteigenossen aus den umliegenden Ort- schatten waren herbeigekommen. Der Zug schwoll dadurch zu einem grossen Menschenstrom an. Das Wedhomsche Versammlungslokal wurde von 900 Männern und Frauen überfüllt. Referent war Genosse Freiwaldt. dessen Ausführungen stürmischen Beifall fanden. Waren vor der Versammlung aus der Strasse nur fünf Gendarmen vorhanden, so hatten sich dieselben nach Schluß der Versammlung auf 10 vermehrt. Jedoch verlies die Demonstration würdevoll und ruhig. In Zedcnick war die Versammlung von über 500 Männern und Frauen besucht. Der Referent war Genosse W ü ck e- Berlin. Es waren von außerhalb Polizisten herangezogen worden, die das Lokal ringsum besetzten. Nach Schluß der Versammlung zogen die Besucher in grossen Trupps durch die Stadt zum Rathaus. Es ver- l,ef alles ordnungsgemäss. Trebbin. Hier nahm die Versammlung, in der Genosse Müller» Berlin referierte, gleichfalls einen imposanten Verlauf. Sie vemoliitrstion in cken Provinzen. Wahlrechtökundgebungen, Strassendemonstrationen überall I Gleichzeitig mit dem Proletariat der Landes- Hauptstadt ist die Arbeiterschaft der Provinzen aus die Strasse gegangen. Nicht bloss die Zentren der Arbeiterbewegung. auch kleinere Orte haben ihre Strassendemonstration gehabt. Im Gegensatze zu Berlin ist es aber nirgends zu Polizei- attacken gekommen. Das Gesamtbild ist ein grosses und erhebendes. Neberall dieselbe Begelsterung. dieselbe feste Entschlossenheit, dieselben begeisterten Massen I Der Wahlrechtskampf marschiert! Brandenburg. In Brandenburg gestaltete sich die Demonstration zu einer noch nie gesehenen Kundgebung. Vor dem Rathaus mit der historischen Rolandsäule kreuzten sich Massenzüge, in denen nach mäßiger Schätzung gegen 4000 Männer und Frauen marschierten. Die Demonstration nahm einen ruhigen, ungestörten Verlauf. Städtische Polizeibcamte in geringer Anzahl gaben das Geleit. Mi- litärpersonen. auch höhere Offiziere, wurden unfreiwillige Mit- !K monstranten in der alles mit fortrcihendcn. stetig anwachsenden Menschenflut. Vor den beiden überfüllten Versammlungssälen stauten sich die Massen und die Ausgesperrten durchzogen abermals in musterhafter Ordnung die Stadt. Nach den Versammlungen. in denen die Genossen Ebert und R. Schmidt sprachen, gab es nochmals imposante Umzüge. Ucber lOOO Personen beteiligten sich in LandSbcrg a. W. an der Versammlung und dem Demonstrationszuge. Genosse Eich- Horn referierte. Nach Spremberg waren aus der Umgegend Trupps von Nr- beitern und Arbeiterinnen gezogen, um mit den Spremberger Ge. nossen zu protestieren. Aus allen Gassen und Winkeln Sprem- bergs erhielten diese Trupps Zuzug, so dass bereits über den Marktplatz in dichten Haufen mehr als 500 entrechtete Preußen zogen. Als die frommen Honoratioren die Kirche verließen, konnten sie bereits über 700 Personen mustern. Vor dem Kabelt- schen Konzerthause stauten sich die Massen, ehe sie Eingang finden konnten. Mit demonstrativem Beifall wurde das Referat des Ge- nossen Müller-Berlin aufgcnomnien. In Potsdam zogen größere Trupp? von den Bezirkslokalen nach der Versammlung. Die Polizei stellte ein grosses Aufgebot, fand aber nirgends Anlaß zum Einschreiten. 700 Personen hatten sich zur Versammlung eingefunden. Nach der Versammlung be- gleitete eine grosse Schar von Demonstranten den Referenten, Ge- nassen Göhre, durch die Hauptstraßen nach dem Bahnhof. Strausibcrg hat eine der imposantesten Kundgebungen erlebt. Schon um 10 Uhr füllten sich die Sanimcllokale. von wo aus ge- schloffen zum Versammlungslokal marschiert wurde. Nach dem Referat des Genossen Ditmar sprach ein Herr Kramer gegen das allgemeine Wahlrecht, nur Akademiker eignen sich zum Gesetze. machen. Die Versammlung dankte dem Herrn durch— Heiterkeit. In Guben zogen die Demonstranten, von der bewaffneten Macht begleitet, in Trupps zu dem Riescnsaal„Lindengartcn". Genosse Dnwell sprach vor zirka 2000 Personen. Nachher ordneten sich die Versammlungsbesucher zu einem Umzug, der würdig verlief. EbcrSwalbe hatte eine kleine Sensation. Als die Demon- stranten auf dem Wege zur Versammlung an der Wohnung des Landtagsabgeordncten Dr. Pauli vorbeikam, glaubte die dort postierte Schutzwache eingreifen zu müssen, sie stürmte in die Menge hinein und nahm etlickie Sistierungen vor. Die Demonstranten in Wilirnberg, zirka lOOO Personen, sollten von der Polizei auseinandergetrieben werden. Aber es blieb bei dem Versuch, der Zug kam in Ordnung im Versamm- lungslokal an. Die Demonstration in Frankfurt a. O. ist prächtig verlaufen. Die Genossen Giebel und Hetzschold referierten in zwei Volks. Versammlungen, die ungefähr 1500 Personen vereinigten. In Scnftenbcrg hatte der Wirt das Lokal in letzter Stunde zurückgezogen. Sofort wurde eine Versammlung nach der eine halbe Stunde entfernten Tohigmühle einberufen. Männer und Frauen wallfahrten dorthin. Am Ausgang der Stadt suchten Gendarmen die nach Hunderten zählende Menge zu zerstreuen und nahmen einige Sistierungen vor. Immer mehr Demonstranten machten sich aus den Weg zur Totzigmühle, wo in kurzer Zeit der Saal gefüllt war. Ueber 100 Personen fanden keinen Einlaß. Genosse Kotzke referierte. In Schwiebus marschierte die bewaffnete Macht an der Spitze des Demorstrationszuges. Genosse Grauer referierte vor über- fülltcr Versammlung. Prächtige Versammlungen mit vorauf- gegangenen oder nachfolgenden Demonstrationsumzügen fanden ferner statt in Tmirnbnctzcn, Privwalk, Trebbin, Prcnzlnu, Küstrin, Kirchhcim, Pietz, Lindow, Vetschau und Kottbu(2 Riesen- Versammlungen). Schlefie«. Breslau sah imposante Stratzcndemonstrationcn. Die Ar- oeiter, anstatt in die ihnen am nächsten liegenden Versammlung?- lokale zu gehen, gingen in die Säle am anderen entgegengesetzten Ende der Stadt. So kam es, daß schon von lOVi Uhr lange Züge von Proletariern die Strassen der inneren Stadt völlig überfluteten. Die vom Westen zogen nach Osten. Die im Süden wohnenden mar- schierten nach Norden, die vom Nordwest nach Südost— und alle über den Zentratpunkt allen Verkehrs: Ueber den Ring. Dort war nach Mill Uhr ein lebhaftes Treiben. Zeitweise trafen 6— 8 Züge von allen Richtungen dort ein, so dass plötzlich 1000— 2000 Arbeiter alle vier Seiten des Ringes und die Wege um das Rathaus herum bevölkerten. Zu gleicher Zeit kamen aber auch grosse Sckiaren von Arbeitern in langen Zügen cruS der Umgebung Breslaus dort an. Dort hatte man nicht eine einzige Versamnilung anberaumen können, so daß die ländlichen Proletarier allesamt gezwungen waren, die Versammlungen in der Stadt— es waren ihrer 13 vorgesehen— zu besuchen. Um UM Uhr waren sämtliche 13 Versammlungen überfüllt. Alle diejenigen, die nicht mehr hineingelassen wurden, nahmen den Gang durch die Stadt wieder auf. Bis dahin war von Polizisten fast nirgends etwas bemerkt worden. Gegen 12 Uhr aber wurden sie von oben herab signalisiert. Im Innern der Stadt wurden sliegende Wachen improvisiert. Aus allen 13 Versammlungen ergoß sich ein endloser Menschen» schwärm in die innere Stadt. Wie von einem inneren Ruf ge- trieben nahm jeder Zug seinen Weg wieder auf, dem Ring entgegen. Erst als bereits einige Tausend Proletarier singend und laute Rufe:„Nieder mit Bülow!"„Her das freie Wahlrecht!" aus- stoßend, den Ring passiert, wurde er abgesperrt. Aber o weh: das brachte eine heillose Verwirrung— unter den Polizisten hervor. Denn nun ergötz sich die Menge in die Nebenstraßen. Und wo bisher nur lose Gruppen vorhanden waren, wurden sie in den engen Nebenstraßen blitzschnell zu festgeschlvssenen Zügen von kolossalen Dimensionen. Danl der Strategie der Polizei, die je ratloser wurde, je mehr die Zahl der Demonstranten anschwoll. Gegen 1 Uhr waren auf diese Weife an 12 000 Menschen auf den Beinen. Und niemand konnte nach Hause. Immer wieder wurden sie von der Polizei von einer Straße in die andere ge- schoben und auf diese Weise rings um den Ring herum spaziereu geführt. Einige Züge wurden allerdings vom Zentrum ab- geschnitten, aber die Mehrzahl der Demonstranten wurde bis %2 Uhr kreuz und quer durch die Stadt getrieben. Die Polizei verhielt sich im allgemeinen reserviert. Als sie ansangen wollte, „schneidig" zu werden, war es zu spät. Nur hier und da erfolgte eine Sistierung, etwa 6 im ganzen. Sonst aber lietz man es ruhig geschehen, dass die Menge unaufhörlich„Nieder mit Bülow!" und„Hoch das freie Wahlrecht!" rief. Was sollte sie auch machen? Nicht einmal die Extra-Demonstration vor dem Lokal der„Schlesischen Zeitung", wo die Tausende laute Ver- wünschungen gegen dieses Staatsstreichorgan ausstießen, konnte von ihr verhindert werden. Nur das Schloß und das Regierungs- gebäude bewachte sie mit Argusaugen. Völlig überflüssigerweise. Posen. Auch daS Proletariat PofcnS demonstrierte gegen die Wahl- entrechtung. Dort fand eine überfüllte Versammlung im Saale des..Schweizerthal" statt, in der Genosse H a a s e sprach. In Bromderg reichte das Lokal, in dem Genosse Appel sprach, absolut nicht aus zur Aufnahme der Demonstranten. Ein Gesuch um Abhaltung einer Versammlung unter freiem Himmel war von der Polizei nicht beantwortet worden. Selbst in einem so kleineu Ort wie Kolmar waren 400 Personen in der Versammlung. Ostpreußen. In Königsberg fanden fünf grosse Versammlungen statt, die trotz eines grauenhaften Wetters sämtlich überfüllt waren und lange vor Beginn polizeilich abgesperrt wurden. Nach dem Schluß wälzten sich die Massen in breiten Strömen durch die Strassen der Stadt. Ein grosses Aufgebot von Schutzleuten war überall zur Stelle, den Revolver umgeschnallt, die Schuppenkctte unterm Kinn. Von Ludwigshos vor dem Königsior näherte sich der Hauptzug, nahezu 5000 Personen, um die Königstrasse zu gewinnen. Eine vierfache Schutzmannskette verlegte den Weg. Die Arbeiter durften nicht durch die vornehmen Strassen, sie mußten die Wollgasse hin- unter, sollte es nicht zum Zusammenstoß kommen. So wurden überall die Demonstranten von den Hauptverkehrswegen zurück- gedrängt. Dafür gab es allerorts in der Stadt kleine Züge von 50 bis 400 Mann. Ueberall ertönten brausende Hochrufe auf das allgemeine und gleiche Wahlrecht. Oft fanden sich solch versprengte Züge wieder, so vor dem Polizeigebäude in der Junkcrstrasse und auf dem Steindamm, machtvoll erllangen dann die Hochrufe und oft ertönte auch der Gesang der Arbeitermarseillaise. Die Polizei war bedeutend rücksichtsloser als am vergangenen Donnerstag, trotzdem hielten sich unsere Genossen mustergültig, nur wenige Ver- Haftungen sind vorgekommen. Die Schlosswache in Königsberg war verstärkt und alle auf Posten stehenden Soldaten waren zum Scharf- schieben ausacrUstet. Ebenso standen die Truppen in den Kasernen in Alarmbereitschaft. Die Demonstration war gewaltiger noch als am Donnerstag. 9060— 10 000 Männer und Frauen nahinen daran teil. Soweit Nachrichten aus der Provinz vorliegen, haben auch dort die Versammlungen einen imposanten Verlauf ge- nommen. In Jnsterburg zogen die Versammellen, etwa 350 Mann durch die Strassen der Stadt bis vor das M a g i st c a t s g«- bände und brachten dort vor demselben ein dreifaches„Hoch" auf das Wahlrecht aus. Westpreuste«. In Danzig leistete sich die Polizei ein gesetzwidriges Bersamm- lungsverbo», das höchst ausfälligerweise erst am Sonntag selbst den zur Berfauimlung ziehenden Geiiosfcn mitgeteilt wurde! Die Ver- sammlung sollte im Vorort Schidlitz im..Bürgergarten" stattfinden. Um>2 Uhr hatte sich, vom Langenmarkt ausgehend, eine grosse Anzahl Versauimlungsbesucher zufamu>engefunden, die durch die Langgasse marschrerten. Schon auf dem Markte wurde verschiedenen Genossen vgn Polizcibeamten mitgeteilt, dass die ordnungsmätzig angemeldete Versammlung nicht stattsindrn werde. Die Kunde stieß jedoch aus allgemeinen Unglauben. Mehrfach stich der Zug auf ab- sperrende Schutzmannsketten und aufgeregte Polizeibeamte glaubten mehrfach die in losen Gruppen des Weges Ziehenden zum Ausein- andergehen auffordern zu müssen. Am Ausgange des Kohlen- Marktes verkündete der Polizeiinspektor von Sauken, daß alle nach Hause gehen müssen, da die Versammlung nicht statt- finden würde. Einen Arbeiter, der ungläubig meinte, dass die Versammlung doch stattfinde, ließ der Inspektor verhaften. Später wurden noch einige Verhaftungen vorgenommen, im ganzen wohl an acht. Als die ersten Versammlungsbesucher vor dem„Bürgergarten" anlangten, fanden sie dort bereits den Inspektor von Sauken mit mehreren Kommissaren und einer größeren Anzahl Polizisten vor der Tür postiert. Der Inspektor erklärte, die Versammlung werde nicht stattfinden, und deshalb niemand ins Lokal gelassen werden. Auf die Frage des EinberufcrS, mit welchem Recht die Polizei dieses Verbot erlassen habe, erklärte ihm von Sauken: „Unter solchen Umständen nicht, wenn Sie Slrassennmzüge machen. die zu Gewalttätigkeiten führen können". Die Menschenmasse wandte sich darauf ruhig zum Gehen, nicht obne dass einzelne Polizeibeamte noch besonderen Eifer im„Aus- einandertreibcn" entwickelten. Daß das Versammlungsvcrbot un- gesetzlich ist, bedarf keiner weiteren Darlegung. Dass die Danzigcr Arbeiter für das gleiche Wahlrecht demonstrierten, hat die Polizei indes mit ihrem Versammlungsverbot nicht verhindern können. Pommern. Die Arbeiterschaft PommernS hat am 12. Januar gezeigt. dass sie im Kampfe um ein freies Preussenwahlrecht nicht zurück- bleiben will. Im klassischen Lande des reaktionären Kraut, sunkertumS?haben an diesem Tage so machtvolle Demonstrationen stattgefunden, wie sie kaum erträumt wurden. In Stettin hatten sich die einzelnen Gewerkschaften in ihren Verkehrslokalen zu- sammcngcfundcn, von wo sie Punkt 12 Uhr in größeren und kleineren Trupps nach den Versammlungssälcn gingen. Da sich diese losen Trupps im Zentrum der Stadt fortwährend kreuzten und aneinandcrschlosien, so erregten sie bald allgemeines Aufsehen. Die sechs Versammlungen im Landtagswahlkreise Stettin waren durchweg überfüllt. Nach den Versammlungen begaben sich die Teilnehmer nach dem Zentrum der Stadt, wo sie auf dem Parade- platz sämtlich zusammentrafen. Eine unübersehbare Menge von zirka 8lZ00 Personen zog schließlich durch das Berliner Tor zum Kaiser-Wilhclm-Platz. Und durch die sonst so stillen Straßen, in denen die Bourgeoisie ihre luxuriösen Heimstätten hat, dröbnten anklagend und fordernd die lauten Schritte begeisterter Arbeiter- bataillone. Am Kaiser-Wilhelm-Platz teilten sich die Demonstranten. In der Provinz fanden im ganzen 23 Versammlungen mit vielen Tausenden von Teilnehmern statt. Da vielerorts eine andere Demonstration nicht möglich war. so holten die Genossen den Referenten jeweils vom Bahnhofe ab oder begleiteten ihn dorthin, so in Stralsund und anderen Orten. In I a tz n i ck, T o r g e l o w(Wahlkreis Ucckermünde-Uscdom) und W o l g a st fanden imposante, durch nichts gestörte Umzüge durch den Ort statt. In Pollnow hatte die Polizei die Anmeldebescheinigung nicht herausgegeben und obendrein die Abhaltung der Versammlung untersagt. Schleswig-Holstein. Zu einer wuchtigen Demonstration ganz eigenartigen Ge° präges, wie sie die„Reuhs-Mannchauptstadt" noch nicht erlebt, gestalteten sich die Wahlrcchtskundgebungen, die das Kieler Prole- tariat am Sonntag veranstaltete. In den vier größten Sälen der Stadt waren zu nachmittags 2 Uhr Versammlungen anberaumt. Alle waren überfüllt. Insgesamt mochte die Zahl der Versammlungsbesucher das zehnte Tausend erreicht haben. Punkt Ä3 Uhr wurden sämtliche Versammlungen vertagt. Und nun ereignete sich, waö dieser Kundgebung ihren an diesem Orte noch nicht dagewesenen Charakter gab: an allen fünf Punkten der Stadt setzten sich die Massen in Bewegung und strömten einer bestimmten Richtung zu. Die Besucher des«Englischen Gartens", der in der westlichen Peripherie gelegen ist, marschierten in einem großen, aber kompakt zusammenhaltenden Zuge dem mehr im Innern der Stadt ge- legenen Gewerkschaslshause zu; die Hauptverkehrsader der Stadt, die Holstenstraße, erlebte das seltene Schauspiel eines mächtigen Demonstrationszuges; alles war, zur Verblüffung des bürgerlichen Publikums, plötzlich schwarz von Menschen, die in vollkommenster Ruhe und würdigster Haltung ihren Weg verfolgten. Nach ihnen kamen, zum Teil durch dieselben Hauptstraßen, zirka 2ö(X1 Mann stark, die Gaardener Werftarbeiter, die um den äußersten Teil des Jnnenhafens, die sogenannte Kippe, hcrummarschiert waren und sich nach dem„Englischen Garten" begaben. Bald erschienen im Zentrum der Stadt auch die Winterbeker Genossen, die am Hauplbahnhofe vorbeigezogen waren und nach dem Gewerkschafts- Hause zu sich bewegten. Die Besucher des Gewerkschaftshauses ihrerseits strömten durch einen anderen Stadtteil dem»Englischen Garten" zu. Die Polizei war augenscheinlich überrumpelt. Die verschiedenen Abteilungen hatten schon ihre Zielpunkte beinahe erreicht, als ihnen endlich geschlossene Trupps von Schutzmännern teils nach-, teils entgegengeströmt kamen. Da die Schutzleute fast durchweg mit anerkennenswerter Ruhe operierten und andererseits die Massen, dank ihrer sozialdemokratischen Schulung, ihren Willen, sich nicht zu offenem Widerstand provozieren zu lassen, mit eiserner Energie durchsetzten, wurden ernsthafte Zusammen, stöhe vermieden. In Elmshorn beteiligten sich an der Straßen, und Ver- sammlungsdemonstration 1800 Personen. In Flensburg waren 4000 Arbeiter auf den Beinen. In den Saal konnte nur ein Bruchteil gelangen. Während der Ver- sammlung war die Polizei mobil gemacht worden; sie verhielt sich aber abwartend. In den schleswig-holsteinischen Wahlkreisen vor den Toren Hamburgs kamen am Sonntag Demonstrationen zu- stände, die alle bislang gegen das Dreiklassenwahlsystem statt- gehabten hinsichtlich der Teilnehmerzahl weit in den Schatten stellten. In Altona war die Riesenversammlung von etwa 8000 Demonstranten besucht, während große Menschenmossen keinen Einlaß fanden.— In Ottensen kündeten in den Vormittags- stunden 2ö Plakatträger das Stattfinden der Versammlungen an. In großen Scharen strömten die Versammlungsbesuchcr den beiden großen Versammlungslokalen zu, die in wenigen Minuten bis auf den letzten Platz gefüllt waren.— In Wandsbeck demonstrierten über 20O0, in Sande 600, in Kirch-Steinbeck 500, in O l d e s I o e 400 Personen. Sehr stark besuchte Versammlungen fanden ferner statt in Itzehoe, in Lägerdorf und in Uetersen, Pinneberg, Glück st adt, Blankenese, Schulau, Klein-Flottbeck(Geburtsort des»starken" Bülow), Schnelsen. Langenfelde und Barmstedt. Hannover. DaS Proletariat der Städte Hannover-Linben hat am Sonntag eine herrliche Wahlrechtsdemonstration zustande gebracht. Während sich in 5 riesigen Massenversammlungen das Prole- tariat versammelte, hatte sich die Haute vole« vor dem Hoftheater aus der Gcorgstroße eingefunden und lauschte promenierend den Klängen der Militärmusik. Da plötzlich, kurz nach 12 Uhr, be- mächtigte sich der Promenierenden ein panischer Schrecken! Die Menge der Konzertbeinckier schwoll lawinenartig an und binnen kurzem war eine kolossale Masse Menschen von allen Seiten her- bcigeströmt, sodoß der Verkehr der Straßenbahn und sonstiger Gefährte mit einem Male unterbunden war. Die Sozialdemokraten sind aus ihren Versammlungen gekommen! Laßt uns gehen! hieß es bei manchem der patriotischen Angsthasen, die am Biertische die Sozialdemokratie zehnmal totgeschlagen haben. Laßt uns gehen, aber wohin? Fest wie eine Mauer standen die Tausende Prole- tarier umher und wohl oder übel mußten die Ordnungsslützeii nun zwischen den Arbeitern einhergchcn und waren so gezwungen, selbst mit für das freie Wahlrecht zu demonstrieren. Als die Arbeiter auf der Georgstraße anlangten, war die Polizei nicht zu sehen! Von Linden zogen die Versammlungsteilnehmer in endlosem Zuge nach Hannover, von Vahrenwald, von allen anderen Versammlungs- lokalen strömten die Massen in hellen Haufen herbei. Gegen 12 Uhr waren mehr alS 10 000 Menschen vor dem Hoslheater ver- sammelt und die königlich preußische Polizei wußte nichts davon, so gar nichts, daß erst ein Schutzmann von dem Revierburcau nach dem Präsidialgebände geschickt werden mußte! Unterdessen herrschte bei den Wahlrechtsdemonsirantcn die gehobenste und begeistertste Stimmung. Gewaltig dröhnte der Masscngcsang der Marseillaise, des Sozialistenmarsches hinaus in die kalte Wiutcrluft. Nach einer halben Stunde sprengten plötzlich von der Stände- hauSstraße her zwanzig berittene Schutzleute daher. Sie wurden lebhaft begrüßt. War doch die Polizei zu spät gekommen und konnte nicht mehr absperren! Sie räumte den Fahrdamm. All- mählich kamen auch die Schutzleute in Scharen heran. Zu tun bekamen sie nichts mehr. Provinz Sachsen. Bei prächtigem Winlerwctter kam es in Magdeburg am Sonn- tag mittag zu einer eindrucksvollen Demonstration. Noch Beendigung der fünf überfüllten Versammlungen strömten die Massen aus den Breitenweg. der Hauptstraße Magdeburgs, die sich vou Süden nach Norden durch die ganze Stadt zieht. Vergeblich suchte die Polizei den Zustrom zu hindern. Im Nu war der Brciicweg von Menschenmossen erfüllt, die nun unter Hoch- r u f e n auf d�a s allgemeine Wahlrecht einen ge- wissen Teil der tatraße auf- und abzogen, den Teil nämlich, der allsonntäglich mittags der Hautevolee Magdeburgs zur Promenade dient. Die überraschten Spießer wurden in das Gedränge mit hineingezogen und mußten mit darunter leiden, als die Polizei „Zcrstreuungs'maßregeln ergriff, die darin bestanden, daß die Polizei die Menschenmossen in zwei Hälften teilte und die eine nach Norden, die andere nach dem Süden zu vor sich her„trieb" und dann zum Teil in die Seitenstraßen hineindrängte, die dann ab» gesperrt wurden. Nach„Zerstreuung" der Demonstranten hatte die Polizei überall aus dem Breitenweg Doppelposten ausgestellt. In Burg bei Magdeburg referierte von U00 Personen Haupt- Magdeburg. Der Demonstrationszug bewegte sich in musterhafter Ordnung und durch die Polizei in leiner Weise behindert durch die Hauptstraßen der Stadt vom„Grand-Salon" nach dem Parade- platz. In SchSnebeck a. E. war die Demonstrationsversammlung von >500 Personen besucht. Nach der Versammlung wurde ein gemein- schastlicher Spaziergang durch die Hauptstraßen der Stadt nach dem Rathause unternommen. Hier erschallten Hochrufe auf das allgemeine Wahlrecht. Die Polizei verhielt sich sehr ruhig. Auch die Massenversammlungen in Halle und Umgegend waren übersüllt. Als eine etwa lOOOlöpfige Menschenmenge gegen 3V4 Uhr nachmittags nach dem Volkspark wogte, erschien die Polizei auf dem Plan und nahm lO bis 15 Sistierungen vor. Man will den üblichen Prozeß wegen Teilnahme an einem nicht genehmigten Aufzug machen. Schützenbrüder und Kriegervereinler dürfen„demonstrieren". Eine großartig verlaufene Wahlrechtsdemonstration ist den Erfurter Genossen mit Hülfe der Polizei gelungen. Es waren in drei verschiedenen Lokalen für Sonntag nachmittag Versamm- tungen anberaumt worden. Da dre als Referenten in Aussicht genommenen Genossen Baudert-Weimar und Hofmann-Saalfeld in letzter Minute abgeschrieben hatten, zogen es die Teilnehmer der betr. Versammlungen vor, sie gar nicht stattfinden zu lassen, son- dern sich nach der dritten in dem großen Saal des Tivoli an- beraumten Versammlung zu begeben, wo Genosse Reihbaus referierte. Unterwegs trafen die Teilnehmer der beiden auf- gehobenen Versammlungen in der Hauptstraße zusammen und so kam ein Demonstrationszug von zirka 600 Personen zusammen, der sich unter Begleitung von Polizei ruhig durch die Straßen be» wegte. Kurz vor dem Tivoli kam dem Zuge ein gegen 20 Mann starkes Polizeiaufgebot unter Führung zweier Kommissare ent- gegen, die den Befehl gaben, alle Demonstranten soweit wie möglich aufzuschreiben. Es.war ein großartiges Bild, die Polizisten. Notizbuch und Bleistift schwingend, die Masse.teilen" zu sehen. Die Versammlung selbst, von 2000 Personen besucht, verlief ungestört. Rheinprovinz. In Köln war zum Mittag 3 Uhr in dem großen Saale des „Volkshauses" eine Versammlung einberufen. Von 2� Uhr fanden sich auf dem Wallrafsplatz weit über 5000 Demonstranten ein, um dann in imposantem Zuge durch die Stadtmitte zum Ver- sammlungsorte zu ziehen. Vor dem Volkshause stimmte die Menge die Marseillaise an. Der große Saal des Volkshauses mit der umfangreichen Galerie war im Augenblicke gefüllt. Fürsorg- lieh waren aber für den großen Saal des benachbarten„Roten Löwen" und für den unteren Bolkshaussaal zwei weitere Versamm. langen polizeilich angemeldet worden, und so hatte Köln statt der einen einberufenen Versammlung, sozusagen auf einem Punkte drei grobe überfüllte Versammlungen. Groß war die Zahl der- jenigen, die trotzdem keinen Raum finden konnten. Diese Massen- kundgcbung war die größte politische Demonstration, die Köln je gesehen hat. Im großen VolkShauSsoale sprachen in der Diskussion zwei Vertreter der freisinnigen Vereinigung, die Herren G l o g o w S k i und W i l m s. Der letztere ging noch weiter als in der Donnerstagversammlung der sozialliberale Führer Dr. P o h l s ch r ö d e r. Er charakterisierte die Blockpolitik als einen Waffenstillstand zwischen den einzelnen Parteien, um dann in der entschiedensten Weile zu fordern, daß dieser Waffen still- stand aufgehooen werde- Der dem Liberalismus von den Konservativen hingeschleudertc Fehdehandschuh müsse von diesem sofort aufgehoben werden. Allerdings, so erklärte Herr Wilms weiter, haben wir die uns am Freitag zuteil gewordene BeHand- lu»g verdient.— Genosse B. Müller, der Hauptredner, rief den Freisinnigen zu, daß Selbsterkenntnis der erste Weg zur Besserung sei und daß sie bezüglich des versprochenen energischen Eintretens im Wahlrechtskampfe Wort halten sollten. Die Versammlungsteilnehmer wurden aufgefordert, den De» monstrationszug vom Nachmittage am Schluß der Versammlungen nicht zu wiederholen. Die vielen hundert Bewohner der nörd» lichcn Stadt mußten zur Heimkehr wieder die Hohe Straße be- nutzen. Sie stießen aber am Eingange der ziemlich schmalen Straße auf einen Wall von mehr als dreißig Poli- zeibeamten, von denen vier beritten waren. Kein Mensch durfte die Hohe Straße betreten. Das Polizeiaufgebot fand keinerlei Anlaß zum Einschreiten. In Düsseldorf fanden 3 überfüllte Protestversammlungen statt. Nach Schluß vereinigten sich die Teilnehmer sowie jene, die nicht Platz gefunden hatten, zu einer Strahendemonstration, an der sich über 4000 Personen beteiligten. Sie verlief ohne besondere Zwischenfälle. Jedoch wurde die Absicht, vor dem Regierungs- gebäude zu demonstrieren, das gleichzeitig Wohnung des Re- yierungspräsidenten ist, durch polizeiliche Absperrung der dorthin führenden Straßen vereitelt. Die Versammlungen im Wahlkreise Duisburg-Mülhcim ge- stalteten sich zu imposanten Kundgebungen. In 5 großen Lokalen gab die Arbeiterschaft ihrer Entrüstung Ausdruck. Alle Versamm. lungen waren überfüllt. In Duisburg zogen nach Schluß etwa l»00 Personen unter dem Gesang der Arbeitcr-Marseillaise durch die belebtesten Straßen der Stadt und vor die Wohnung des Ober- bürgcrmeisters, um dort unter Hochrufen aus das gleiche Wahlrecht zu demonstrieren. Danach zerstreuten sich die Demonstranten. Auch in dem„rabenschwarzen" Städtchen Stcrckrade fand eine von etwa 700 Personen besuchte Versammlung statt, nach dessen Schluß gleichfalls ein Demonstrationszug unter dem Gesang der Aibeitcriuarseillaise und unter Hochrufen die Straßen entlangzog. Etwa 600 Personen nahnien an diesem Umzüge teil. In Mülheim zog nach Schluß der gleichfalls bis zum letzten Stehplatz gefüllten Versammlung ein Zug von etwa 500 Personen zum Bürgermeisteramt, um zu demonstrieren, und sogar in Lbcr- Hausen, wo der Partei kein größeres Lokal zur Verfügung steht, waren etwa 800 Personen, zum größten Teil Bergarbeiter, auf der Straße, um ihre Solidarität mit der übrigen klassenbewußten Arbeiterschaft zu bekunden. Die Polizei hielt sich überall ver- ständigermeise fern, sie schien auch wohl von den spontanen Kund- gedungen überrascht zu sein. Ueber 4000 Demonstranten waren in Essen in zwei Lokalen versammelt. Eine spontane Kundgebung, wie sie Essen noch nie erlebt hat, spielte sich nach den Versanimiuiigcn ab. In geschlossenen Reihen marschierten die Arbeitermasien. etwa 6000 Personen umfassend, zum Stadtgarten, wo sich gerade das Essener Bürgertum bcini Eiskonzert vergnügte. Mann an Mann. Schulter an Schulter wanderten die Genossen und Genossinnen in größtre Ruhe— denn diese war von den Versaminlungsvorsitzenden ge- boten— mehrmals die Wege des Stadtrondels auf und ab. Auf dem Eise spielte eine Musikkapelle, und dort war— man höre und staune— ein Flaggenstock mit einer roten Fahne angebracht. Diese sehen, war für die bis dahin ruhigen Demonstranten zuviel. Aus tausend und abertausend Kehlen erschollen mit einem Male die internationale Marseillaise und andere Sozialistcnlicder. Das Schlittschuh laufende Publikum war„baff" ob der Frechheit der Roten und schrie nach der Polizei, die anch bald erschien. Im Nu waren die Wege gesperrt und hinaus gings zum Hause des Ober- bürgeruieistcrs und Landtagsabgeordncten. Die Menge war in« zwischen auf über 10 000 angewachsen. Und weiter ging es jetzt, vlrne Polizei, diese schien den Zug verloren zu baben. Vorwärts gings zur Kettwigcrstraße, dem Kopstadtplatz, zur Grabenstraßc, wo das neue Heim der Arbeiterzeitung bejubelt wurde. Allmählich, nach zwei Stunden langer Stroßcndcmonstration, zerstreute» sich die Genossen nach allen Richtungen. Tie Polizei schien von der ganzen Demonstration überrumpelt zu sein. Sie versuchte mehr- mals, die Straßen zu sperren und den Zug zum Auseinandergehen zu zwingen, aber vergebens. Erst ganz zuletzt, nachdem die Ge- Nossen zum größten Teil schon auseinandergegangen waren, sah man zirka 20 Schutzleute unter Führung eines Kommissars den Aufgang zur Limbcckerstraße absperren. Dies gelang ihnen, da von einem Zuge schon keine Rede mehr war. In Hagen(Westfalen) nahm die Demonstration großen Umfang an. Die sieben Versammlungen waren überfüllt. Ueber 3500 Arbeiter durchzogen unter Hochrufen auf das gleiche Wahlrecht und Rufen der Erbitterung gegen Bülow die Stadt. Hessen-Nassau. In Frankfurt a. M. nahmen die Wahlrechtsveranstaltungen am Sonntagmittag einen geradezu imposanten Verlauf. Acht Ver- sammlungen sollten in der Stadt stattfinden. Durch ein Flug» blatt war am Sonnabendabend aufgefordert worden, pünktlich 10 Uhr zu erscheinen. Als die Lokale gefüllt waren, ehe noch die Versammlungen begonnen hatten, strömten plötzlich die Massen auf die Straße, um in langem Zuge durch die Hauptstraßen der inneren Stadt dem Lokal im ent- gegengesetzten Stadtteil zuzumarschieren. In zwanglosen Reihen betvegten sich die Massen aus der rechten Seite der Straßen vor- wärts. Wenn die einzelnen Züge sich begegneten, erscholl von beiden Seiten ein nicht endenwollendcs, immer wieder einsetzendes Hoch- rufen auf das freie Wahlrecht. Ergötzlich waren die verdutzten und ratlosen Gesichter der zahlreich in den Straßen postierten Schutzleute, die vor den Versammlungen keine De- monstrationen erwartet haben mochten. Alle Züge marschierten über die Zeil, die Hauptstraße Frankfurts, vier Züge von rechts und vier Züge von links. Dir vier Hauptzüge waren je etwa 2000 Personen stark, die vier übrigen etwa 1000 Personen, so daß ins- gesamt an 12 000 Personen an den Stratzendemonstrationen teil- nahmen. Nach den Versammlungen wiederholte sich die imposante Kund- gebung. Die Polizei verhielt sich im allgemeinen reserviert, nur in der Kaiserstraße kam es zu einem kleinen Renkontre. 30 bis 40 Polizisten mit ausgebreiteten Armen waren dem Zuge entgegen- gesprungen und suchten ihm den Weg zu verlegen. Es gelang den Demonstranten aber, die Schutzmannskette zu durchbrechen und nach dem Hauptbahnhof zu weiter zu marschieren. Einige Ver- Haftungen wurden allerdings vorgenommen, doch verlief sonst alles ruhig. In Wiesbaden demonstrierten am Mittag mehr als 2000 Männer und Frauen in geschlossenem Zuge, der sich vom Gewerk- schaftshause durch die belebtesten Teile der Stadt und das Kur» viertel nach der außerhalb der Stadt gelegenen„Fricdrichshalle" bewegte. Auf der Ramve des Rathauses wurde ein Hoch aus daS gleiche Wahlrecht ausgevracht. Die Versammlung war überfüllt. Die Rückkehr der Teilnehmer zur Stadt erfolgte ebenfalls in ge» schloffenem Zuge. In Kassel fanden 13 Versammlungen und lebhafte Straßenkundgebungen statt. Die Genossen waren auf- gefordert worden, sich um 3 Uhr nachmittags in den Bezirkslokalen zu sammeln, dort in Versammlungen die Antwort der Regierung entgegenzunehmen, um dann ebenso geschlossen wie zwanglos nach dem Gewerkschaftshaus zu marschieren, wo für 4(6 Uhr eine weitere Versammlung anberaumt war. Die Demonstranten stießen auf dem Marsche zum GewerkschaftShauS auf einem großen Platze in- mitten der Stadt aufeinander und von hier aus bewegte sich der Aufsehen erregende, imposante Zug von mehr als 4000 Männern und Frauen in musterhafter Ordnung durch die Königsstraßc, die Hauptstraße der Stadt. Im Gewerkschaftshaus angekommen, be- schloß die Versammlung nach kurzer Ansprache des Parteisekretärs, die wirkungsvolleren Straßenkundgebungen fortzu- setzen. In endlosem Zuge ging es nun zur Wohnung des Ober» Präsidenten von Hessen-Nassau. Während die Polizei sonst gegen- über den Wahlrcchtsdemonstranten eine anerkennenswerte Zurück- Haltung übte, war der Zugang zum Hause des Oberpräsidenten überflüssigerweise durch etwa 20 Schutzleute abgesperrt. Das hinderte die Demonstranten keineswegs, ihrem Verlangen nach dem allgemeinen Wahlrecht zum Landtage in vieltausendstimmigem Rufe Ausdruck zu geben. Nun bewegte sich der Zug zurück ins Innere der Stadt. Um 6 Uhr langte der Zug der Demonstranten, immer noch 3000 Mann stark, wieder am Gewerkschaftshause an, wo er unter Hochrufen auf das Wahlrecht auseinanderging. In Hanau wurde nach der überfüllten Versammlung ein Demonstrationszug durch die Stadt unternommen, an dem 2000 Personen teilnahmen. � � Eine süddeutsche Kundgebung gegen das preußische Drciklasscnwahlrecht. Mannheim, 12. Januar.(Eig. Ber.) Die heute vormittag im städtischen„Rosengarten" abgehaltene, von zirka 3000 Per- sonen besuchte Volksversammlung gestaltete sich zu einer wirk» samen Kundgcbung gegen das neue Vereinsgesetz und das preußische Trriklasscnwahlrccht. Die Ausführungen des Refe- centen Genossen Dr. Frank und des Genossen Redakteur O. G e ck über das preußische Wahlrecht und den Wahlrechtskampf der Arbeiterschaft wurden mit begeistertem Beifall aufgenommen. Die Versammlung nahm einstimmig eine Resolution an, in welcher erklärt wird, daß der preußische Wahlrechtskampf nicht bloß eine Sache Preußens und der preußischen Arbeiterschaft, son- dern eine solche des gesamten deutschen Proletariats sei und in der die preußische Arbeiterschaft aufgefordert wird, ihren Kamps um das Wahlrecht mit aller Entschiedenheit weiterzuführen. Die Resolution versichert zum Schluß das preußische Proletariat der tatkräftigen moralischen und materiellen Unterstützung der Arbeiterschaft südlich deS Mains._ ssüZlSmllkche Glückwünsche zum roten Sonntag. Auf der Redaktion deS„Vorlvärts" liefen die folgenden telegraphischcn Kundgebungen ein: Wien, 12. Januar. Wir bewundern die glänzende Haltung des Berliner und deS preußischen Proletariats. Immer vorwärts, der Sieg muß euch werden, wie er uns ward. f\ür die deutsche Sozialdemokratie in Oesterreich. S k a r e t, Parteisekretär. Stockholm, 12. Januar. Glück zum energischen Vorstoß im preußischen Wahlrechts» kampfei Tcinokralisicrung Preußens bedeutet neue Hosjnung auf allgemeines VorwärtSdringen. Der Vorstand der Sozialdemokratie Schweden?. B r a n t i n g. Gablonz(Neisse), 12. JannM. Die Arbeiterschaft des roten JsergebirgeS sendet euch cift Glückaus zum LLahlrechlskampf. Die Redaktion des„Gablonzer GcbirgLboten". • Der Einvrnck deS WahlrechtSkampfeS in Wien. Die Wiener„Arbeiter-Zcitung" schreibt über die De- uwnstraiio» vor dem preußischen Abgcordiictenhause: »Dieser erste Tag des Kampfes um das Wahlrecht darf daS Herz der Arbeiter Preußens mit freudiger' Genugtuung und froher Zuversicht erfüllen. Der heutige Tag mit seinen De- moustrationen vor dem Abgcordnetenhause der konservativsten und gcfestetstcn Macht deS Kontinents hat drohend und mahnend die Kraft und W i l l e n s« n t s ch l os.s e n- heit des Proletariats vor Augen geführt. Die 'schichte PreußenS führt fett einem Menschenalter lein Er- .igniS an. worin so deutlich, so greifbar und unmittelbar die Erregung der Massen sich abspielte. Der Bann ist ge- brachen, auch Preußen lernt nun die Macht der De- monstra tionen, den Widerhall erregter Rufe, den überwältigenden Eindruck bewegter, von Begeisterung erfüllter Massen kennen. Und wie dicht sich Regierung und Junker hinter dem Wall der staatlichen Machtmittel verschanzen, wie starr sie dem Volks. willen entgegenstehen mögen, sie werden erleben, was noch jeder erlebt hat, der eine machtvoll anschwellende Volts. bewegung durch äußerliche Gewaltmittel hemmen und bändigen wollte: daß der entfeflelten Kraft des proletarischen Massenandranges auf die Dauer nichts zu widerstehen ver- mag."... lieber die Erklärung der Regierung meint unser Bruderblatt: „DaS preußische Abgeordnetenhaus hat die gewaltige Kund- gebung des arbeitenden Volkes, in der die tiefste Rechtsüber- zeugung und der kraftvolle Wille von Millionen preußischer Staatsbürger so feurig und machtvoll zum Ausdruck gelangt ist, mit einem frechen und schroffen„Nein" beantwortet. Allein es ist doch zu bezweifeln, ob selbst die auf ihr> Privileg pochenden Konservativen, ob der Kanzler mit seiner schlecht gespielten Ver- achtung von Volkskundgebungen innerlich den festen Glauben hegen, mit der Tat behaupten zu können, was sie mit dem Worte anmaßend verkünden. Noch jedes Privilegienparlamcnt hat sein Vorrecht als unantastbar erklärt, jedes Gleichgültigkeit gemimt gegenüber den Willensmeinungen der Masse und sie haben sich alle doch schließlich beugen müssen. Je später und widcrwilliger, unter desto größeren Demütigungen. Denn wie hochmütig sich heute auch Regierung und Abgeordnetenhaus über das Volk da draußen vor den Toren und jenseits der SchutzmannSkette erhoben haben: weder in Ministerworten noch in Mehrheitsvoten und selbst nicht in Polizeiaufgeboten liegt die treibende Kraft der Entwickelung, sie wirkt und webt im Willen deS Volkes, wo es klar und fest sein Ziel erfaßt hat. Die parlamentarische Szene mit ihren Kanzler- und Abgeordnetenreden ist Episode. aber ein Werk der Zukunft und Dauer haben die beherzten und begeisterten Arbeiter Berlins eingeleitet, die heute in der Reichs- Hauptstadt den Herrschenden die Gewalt der Argumente der Straße fühlen ließen." ES ist die Stimme der Erfahrung, die aus diesen Zeilen spricht.—_ Der Eindruck in England. Aus London wird uns telegraphiert: � Die„Times" sagt in ihrem Leitartikel über die Sonntags. demonstration: Diese zeige die tiefe Kluft welche die Volks- Massen von der regierenden Minorität trennt. Die Lage erwecke ernste Zweifel an der Dauer der Stabilität Preußens; das Wahlsystem sei veraltet und nur darauf berechnet, den illiberalen Elementen fiktive Stärke zu geben. Je länger e3 dauere, desto gefährlicher werde die Lage. Wäre Bülow ein Staatsmann, dann hätte er eine ehrliche Reform ein- gebracht. Er habe eine große Gelegenheit verpaßt! Der „Vorwärts" habe recht, indem er ausrufe, das Phantom der liberalen Aera sei dahin.... Huö der parteu Klassenjustiz? Der Redakteur Genosse Heise der„Niederrheinischen Arbeiter» Zeitung' zu Duisburg sollte durch einen Artikel: „Verurteilung auf jeden sfall' die Richter beS Duisburger Schöffengerichts, die über zwei Boykoltsiiuber die horrende Strafe von 14 Tagen Gefängnis verhängten, beleidigt haben. Das Urteil im Boykottprozeß war einmal aufgehoben, wurde jedoch zum zweiten Male mit anderer Begründung gefällt. ES hätte ein Sxempel statuiert werden müsse», da die Wirte, deren Existenz bedrängt worden fei. in hohem Grade erregt worden feien. Ein Wirt habe sich sogar einen Revolver anschaffen wollen, um >eden, der Boykottplakate anklebe, niederzuschießen, daraus könne man, meinte da§ Urteil, das brutale, terroristische Vorgehen der sozialdemokratischen Partei ersehen. In dem fraglichen Arlskel war das Urteil als Klassenurteil gekennzeichnet worden; Heise bekam dainr vom Landgericht Duisburg bOll Mark Geldstrafe. Der Vorwurf der tendenziösen Ausübung der RechtSpsticht halte mit dem Worte Klasieuurteil erhob?» werden sollen, was auch dadurch zum Ausdruck käme, daß der Vorsißende Kessel dreimal in dem Artikel mii Namen genannt worden sei: Obgleich ein Zeuge bekundete, eS habe ihm geschienen, als ob der Vorsitzende Kessel durch die Art der Berhondlungsleitung belastende Momente aus den Zeugen herausziehen wollte, ivnrde der Beweis der Wahrheit als nicht geführt erachtet Der Schutz des Z 103 wurde Heise versagt. Zwar sei die„Arbeiterzeitung" ein sozialdemokratisches Blatt und das PublikationSorgan der Gewerkschnsten, aber e S fei nicht mit der Wahrung der Interessen der sozialdemo« kratischen Partei und der Gewerkschaften beaus» tragt. Das Interesse der Partei sei» i ch t i d e» t i s ch m i t dem der P a r t e i g e n o i s e n.(!) Die Revision, die Verkennung des§ 103 rügte und hervorhob, daß Heise als ver- antwonlicher Redakteur nicht die Absicht der Beleidigung gehabt habe, wurde vom Reichsgericht verworfen. Der beleidigte Reservcleutnirnt. Während der Wahlbewegnng beS vorigen JahreS ging durch die Parleipresse eine Notiz, wonoch auf einem Gute bei Graudenz zwei hochschwangere Frauen durch den Besitzer, einem Leutnant der Reserve, ganz rücksichtslos be- Handell worden seien. Eine dieser Frauen lvar zum Karioffeltragen kommandiert worden, bei welcher Beschäfligung sie ihre un- geborenen Zwillinge erdrückte. Ein Name war in dieser Nachricht. die auch vom„Stettiner VvlkSboten" übernommen wurde, nicht genannt worden. Trotzdem fühlte sich der Gutsbesitzer Max K» ö p s l e r in A n n a b e r g bei Graudenz ge- troffen, der gegen den Genossen Ouessel, welcher jene Nummer Verantwortlich gezeichnet halte, Strafanzeige erstattete. Wie auS der nun vor dem Schöffengericht stattgefundenen Verhandlung hervor- ging, stammt jene Milleilung von dem Maurer WiczochvwSli in Graudenz, der dieselbe in einer Wählerversaminlung machte und den Knöpfler damit in Beziehung brachte. Das gegen WiczochoivSki eingeleitete Verfahren endete inii seiner Verurteilung zu 200 M Geldstrafe. Wie jedoch festgestellt ist, find die in der inkriminierten Notiz enthaltenen Behauptungen trotzdem nicht aus der Luft ge- griffen, Sie sind nämlich unter dem Vorbesitzer.Knöpflers passiert Der Verteidiger des Genossen Ouessel machte geltend, daß hier von einer Beleidigung KnöpflerS nicht die Rede sein könne. Ersten« sei sein Name nicht genannt und zweitens sollte nicht stnöpsler, sondern dessen Vorgänger getroffen werden, so daß Knöpfler gar nicht beleidigt werden konnte. Das Strafmaß gegen SS. ließe vermuten, daß an der ganzen Sache doch wohl etwas dran fei. Das Gericht kam zur Verurteilung OuesielS zu 200 Mark Geld st rose, während der Amtsanwalt 6 Wochen Gefängnis(I) beantragt hatte. Dir mehr als sonderbare Begründniig des unhaltbaren Urteils erschöpfte sich in der Fest- stellung. daß die Notiz auf den Angaben WiczochowskiS beruhe, der ausdrücklich den Namen Knöpsler genannt habe. Die BerufungS- instanz wird das Urteil jedenfalls ganz bedeutend korrigieren. Auch andererortS geht die StaalSanwallschaft gegen die Verbreiter jener Nachricht vor; augenblicklich befinden sich die Alten gegen W. in Posen! Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Em Industrie und Rande!. Häute-, Ledermarkt und Schuhindustrie. Die andauernd schlechten Verhältnisse in der Lederbranche und auf dem Rohhäutemartt lassen in absehbarer Zeit keine Besserung erwarten. Schleppender Absatz und infolgedessen weichende Preise halten an, und durch die Zurückhaltung, die sich die Kundschaft beim Herannahen der Jakres-Jnventur und-Abschlüsse auferlegt, wurde das Uebel noch verschlimmert. Bloß die sogenannten Räu- niungsverkäufe brachten zur Jahreswende eine kleine Belebung deS Geschäftes. Die schwierigen Absatzverhältnisse haben weitgehende Pro- .duktionSeinschränkungen veranlaßt. Da überdies zur Zeit der In- venturaufnahme große Fabriken den Betrieb ganz oder teilweise ruhen lassen, so kommen auch auS diesem Grunde verminderte Posten aus den Markt. Eine förmliche Deroute herrscht auf dem Rohhäutemarkt. Die enorm hohen Preise des Frühjahrs und Vorsommers sind ab Juni bis Ende 100? um nicht weniger als 4v Proz. gefallen. Da auch daS ausländische Ledergeschäft anhaltend schlecht war, kann sich die Inlandsware auch nach außen nicht Luft machen, so daß das Bild nach jeder Richtung ein unerfreuliches bleibt. Die emp- findlichen Verschiebungen in den Werten der Rohhäute und des LederS hatten zahlreiche Insolvenzen zur Folge. DaS Gros der Lederfabrikanten und-Händler hat zwar durch die Krise emp. findlichen Schaden gelitten, ist aber(wie versichert wird) in der angenehmen Lage, ihn verschmerzen zu können. Die günstige Preisgestaltung des Jahres l90S. daS so üppigen Ertrag gebracht hatte, setzte sich ja eine gute Weile auch noch im Jahre 1007 fort und der große Preissturz des Sommers kündigte sich wochenlang vorher an. Die größten Verluste haben die Scblächter selbst ge- habt. Infolge des Kampfes um die Zluktionsbedingungen hielten sie ihre Ware monatelang zurück und schlugen sie erst los, nachdem der Preissturz schon eingetreten war. Die Dinge werden zunächst nickt besser, eher noch schlechter werden. Man kann aber die Eni- Wickelung der Verhältnisse nicht begreifen, wenn man nicht die Sachlage in der S ch u h i n d u st r i e ins Auge faßt. Der gute Geschäftsgang im Jahre 1900 verlockte Vorarbeiter, Werkführer, za„selbst gewöhnliche" Arbeiter dazu, einen wenn auch kleinen Fabrikbetrieb zu eröffnen. Lederhändler, ja selbst Lederfabrikanten gewährten Kredit, um ihre Ware direkt an den Verbraucher ab- zusetzen und auch die Moschinen erhielt man ja leicht auf Leih- kontrakt. Eine zeitlang, während alle Geschäfte flott gingen, war der Umsatz ein rascher und günstiger. Doch soll es den meisten dieser Erzeuger an der Fähigkeit zu kalkulieren fehlen. Deshalb und weil die allgemeine Geldklemme die Fabrikanten zur Be- schneidung des Kredits zwang, waren Schwierigkeiten in zahl« reichen Fällen unvermeidlich. Der Verkauf zu Schleuderpreisen beschleunigte nur das Ende und riß dann auch ander« mit. Aber auch der kapitalsstarke Teil der Branche hatte in der letzten Zeit unter den ungünstigen Geld- und Witterungsverhältnissen zu leiden. Dem langen Winter folgte ein nasses Frühjahr und der Sommer war nicht trocken. Schuhfabriken müssen sich aber auf längere Zeit mit Leder usw. versehen und die Eindeckung schon vornehmen, ehe noch ein Ueberblick über das Saisongeschäft möglich ist. Da im Frühjahre die Lederpreise, wie oben dargestellt wurde, stark in die Höhe gingen, versorgten sich die Schuhfabriken stärker noch als sonst. Und nun sind die Lagerbestände in Frühjahrs- und Sommerware sehr groß! Da inzwischen das Leder billiger ge- worden, können sie überdies nicht zu den ursprünglich kalkulierten Preisen vertauft werden. Kurz, der Schwierigkeiten ist kein Ende. und nur gut fundierte Schuhfabriken mit reichlichem Betriebs- kapital, die bessere Zeiten abwarten können, vermögen sie zu über- winden. Ueberhoupt zeigt sich gerade bei dieser Gelegenheit im Hinblick auf die Schuhfabrikation wiederum, daß die Rentabilität eines Geschäftes nicht nur von hohen Preisen, vom großen und raschen Umsatz, den billigen Produktionskosten(wohlfeile Rohstoffe und niedrige Arbeitslöhne�, sondern vor allem auch und in erster Linie von der KnpitalSkraft abhängt, d. h. von der Fähigkeit, Zeiten der Depression zu überdauern. In den Mitteilungen über den Schuhwareninarkt kommi dies auch unverhohlen zum Ausdruck. Uebcreinstimmend wird konstatiert, was sich übrigens aus der all- gemeinen Wirtschaftslage ergibt, daß der Konsum an Schuhwaren infolg« des scharfen Konjunkturrückganges tief gesunken ist, daß die verteuerte Lebenshaltung für Beschuhung und Bekleidung nichts mehr übrig läßt. Die hohen Lebensmittel. preise drücken auf die Schuhpreise— ein Effeckt, für den sich die Industriellen bei den Agrariern bedanken mögen! Diese Tatsache ist um so bedenklicher, als der gesunkene Konsum sich auf die andere, die Massenware beschränkt: Die feineren Schuhgattn ngen, die für die wohlhabenden Klassen bestimmt sind, gehen nach wie vor ab; in diesen Kreisen ist von einer ver. minderten Kaufkraft nichts zix merken. Selbstverständlich werden auch zahlreiche Betriebseinstellungen. Lohnreduktionen und Ar- beitercntlaffungen in der Schuhwarenfobrikation gemeldet. Denn der Proletarier muh eben doppelt die Sünden der kapitalistischen Wirtschaftsanarchie büßen: als Konsument wie als Produzent. Soziales. Gegen den TerrorismuS der Unternehmer. Uneintreibbar und strafbar sind Konventionalstrafen, die von Unternehmern vereinbart werden, um unsichere Kantonisten zum Widerstand gegen die Forderungen der Ardeiter zu zwingen. Dieser Rechtssatz ist. wie wir seinerzeit mitteilten, in seinem civilrechtlichen Teil vom Amtsgericht Rixdorf und von dem Amts- gericht Berlin-Wcdding in dem Prozesse des Ehren-Ober» meistcrS Hermann Sluhlmann gegen mehrere Bäckermeister und in dem Prozeß des Obermeisters der Bäckerinnung Liebing gegen den Bäckermeister Brase iReinickendorf) anerkannt.. Mit dem Urteil hatte der Obermeister Lrebing sich ab-r nicht zufrieden ge- geben und Berufung eingelegt. DaS Landgericht hat endgültig in demselben Sinne entschieden. AuS den Urteilsgründen heben wir wegen der Traglveite seines Inhalts daS Wichtigste hervor: „Der igeklagte hat am lg. März 1907 einen VerpflichtungS- schein folgenden Inhalts ausgestellt: „Hierdurch verpflichte ich mich Herrn Obermeister Emil Liebing gegenüber bei einer Konventionalstrafe von 30 M. für jeden Fall der Zuwiderhandlung während der Lohnbewegung im Bäckereigewerbe meinen Nachbarn dadurch keinen unlauteren Weit- bewerb zu machen, daß ich ihre abgehenden Kunden an mich ziehe. Ich verpflichte mich daher, während deS LohnkampfeS keine neuen Bcutelkunden oder Wiederverkäufer anzunehmen, noch irgend eine Bestellung aufzunehmen, durch welche aus meinem Geschäft Back- wäre an Fremde, die bisher nicht meine Kunden waren, geschickt wird." Der Kläger verlangt vom Beklagten Zahlung von 30 M. Kon- ventionalstrafe. weil er Backwaren an den Wiederverkäufer Behrendt verschickt habe. Der Beklagte wendet ein. der Kläger sei nicht aktiv legiti- miert und der Revers verstoße gegen§ 152 G.-O." Nachdem das Urteil dargelegt hat, daß der Einwand der Aktivlegitirnntion für die Frage bedeutungslos ist, ob der Vertrag rechtsgültig ist, fährt eS fort: „Dagegen ist dem Beklagten darin beizutreten, dast der Kläger anS dem BerpflichtiingSschein kein« Siechte herleiten kann, weil derselbe gegen K 152 G.-O. verstößt. ES kann dahingestellt bleiben. ob die Entstehung des Verpflichtungsscheins auf einen Kampf der sozialdemokratischen Partei gegen die Innung zurückzuführen ist. ob seine EntstehungSursache lediglich aus politischem Gebiete liegt oder ob es sich nur um einen wirtschaftlichen Kamps der Gesellen gegen die Meister handelt. Wie der Kläger vorträgt, bestand unter den Bäckerzesellen eine Bewegung, die dahin zielte, bessere Lohn- bedingungen zu erlangen. Nach der Behauptung des Beklagten erstrebten die Gesellen nicht höhere Löhne, sondern sie wollten von Inseratenteil oerantw.:TH. Glocke. Berlin. Druck».Berläg: Vorwärts shren Meistern eine in bestimmten Zeiträumen wiederkehrende un- unterbrochene Ruhepause von 36 Stunden. Um diesen Zweck zu erreichen, mag es sich dabei um bessere Lohnbedingungcn oder um bessere Arbeitsbedingungen gehandelt haben, wurden diejenigen Bäckereien und Backwarengeschäfte, welche die Forderungen der Gesellen nicht erfüllten, boykottiert. Das Publikum wurde � in Flugblättern aufgefordert, bei ihnen keine Backwaren zu kaufen. Um vie Wirkungen dieses Boykott? abzuschwächen, verpflichtete» sich dir Bäckermeister, während dieses Lohnkampfes keine neuen Beutelkunden und Wiederverkäufer anzunehmen. Dadurch, daß andere Bäckermeister den Vertauf von Waren verweigerten, sollten diese Kunden gezwungen werden, nach wie vor bei den von der Sperre betroffenen Meistern zu kaufen. Die Wirkung dieser Ver- Pflichtungsscheine, wie ihn der Beklagte ausgestellt hat, bestand darin, daß durch den auf die Kunden ausgeübten Zwang, die Back- waren bei ihren bisherigen Lieferanten zu beziehen, der Boykott wirkungslos gemacht und die ausgesperrten Meister dadurch, daß ihnen ein Teil ihres Einkommens gesichert wurde, in die Lage ver- setzt wurden, ihren Widerstand gegen die von den Gesellen er- strebten besseren Lohn- und Arbeitspedinguugen aufrecht zu erhalten. Daß eben diese Wirkung durch die Reverse erzielt werden sollte, ist dem Gericht nicht zweifelhaft gewesen. � Tie Gesellen sollten gezwungen werden, von den ihrerseits gestellten Forde- rungen Abstand zu nehmen. Es sollte die Stufrechterhaltung be- stehender für die Meister im Sinne des§ 152 G.-O. günstigerer SIrbeitSbedingungen erreicht werden. lReichsgerichtS-Entsch. Band 50, S. 30.) Der vom Angellagien ausgestellte Schein enthält daher eine Verabredung von Gewerbetreibenden zum BeHufe der Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen. Solche Verabredungen begründen nach Z 152 Abf. 2 G.-O. weder ein klag- bares noch natürliche- SchuldverhöltniS. Weder Klage noch Ein- rede findet aus ihnen statt. Infolgedessen ist nach tj 344 B. G.-B. die für den Fall der Nichterfüllung des Versprechens getroffene Vereinbarung einer Strafe unwirksam." Die vorstehende Entscheidung befindet sich im Einklang mit dum Gesetz und der Rechtsprechung des Reichsgerichts. Demnach sind die Vereinbarungen, durch welche Unternehmer sich verpflichten, Konventionalstrafen für die Fälle zu zahlen, in denen eine Ein- stellung von Arbeitern oder die Nichtaussperrung von Arbeitern entgegen einem Beschluß der Untcrnehmerorga-iiisation erfolgt, rechtsungültig. Diese Rechtsungültigkeit erstreckt sich insbesondere auch auf die sogenannten trockenen Wechsel. Aber nicht nur civil- rechtlich ungültige Verträge hat der Obermeister Liebing durch die charakterisierte Konventionalstrafvereinbarung geschlossen, sondern sein Vorgehen, der Versuch, durch Klage die ungültigen Strafen einzutreiben, ist nach der Rechtsprechung, wie sie unter Billnzung des Reichsgerichts gegen Arbeiter geübt ist, auch strafbar. Denn es stellt sich sein Vorgehen danach als eine versuchte Erpressung und als Verstoß gegen Z 153 G.-O. dar. Wird die Staatsanwalt- schaft gegen den Obermeister Klage erbeben? Wird sie gegen ähn- liche Vereinbarungen Textilindustrieller und Metallindustrieller vorgehen?_ Immer noch die Kruppsche„WohlfahrtSkafle" vor Gericht. Am verflossenen Donnerstag standen vor dem Gewerbegericht in MörS(Spruchkammer Friemersheim) wiederum sechs Klagen früherer Kruppicher Arbeiter an, um au» der famoien Pensionslasse die ihnen zwangsweise einbehaltenen Pensionsbeiträge einzuklagen. Die Firma würde denn auch in allen sechs Fällen verurteilt. Man macht jetzt kein großes Aufsehen mehr davon, wenn die. WohlfahrtSkasse' der Weltsirma Krupp verurteilt wird, sucht sich vielmehr mit der fatalen Tatsache abzufinden. ES bleiben ja immer noch Hunderte und Taufende genug über, die nicht auf Herausgabe der Pensionsbeiträae klagen, und da andererseits die Verurteilungen nur erfolgen, insofern der Betrag sich auf die beiden letzten Jahre bezieht, also etwa 40 bis 50 M., so kann die Wohlfahrtsfirma die Verurteilungen leicht verschmerzen, wenn sie auch erbost genug über die Friemersheimer Spruchkammer des Gewerbegerichts in Mörs sein mag. Oder sollte vielleicht ein Wechsel in der Besetzung in Aussicht stehen? Gerickts-�eitiing. Wie die Polizei die Gesetze achtet, zeigt eine Verhandlung, die vor dem Altona« Landgericht in der Berufungsinstanz stattfand und der folgendes zugrunde lag: An- fang August v. I. meldete der Fabrikarbeiter Christian Brügmann in Itzehoe als Vorsitzender deS Athletenklubs„Einigkeit" bei der Polizeibehörde in Itzehoe eine geschlossene Festlichkeit seines ÄlubS an, die am lt. August stattfinden sollte. Obwohl die Polizeibehörde daS Stattfinden der Festlichkeit nach den gesetzlichen Bestimmungen weder zu genehmigen noch zu verbieten hatte, nahm sie sich doch daS Recht heraus, die Genehmigung der Festlichkeit von der Ein- reichung einer Mitgliederliste abhängig zu machen. Brügmann verweigerte die Einreichung der Mitgliederliste und bedeutete dem Chef der Polizei, daß er nach der Entscheidung einer höheren Instanz gar nicht berechtigt sei, die Liste zu fordern. Dennoch wurde die Forderung aufrecht erhalten und Brügmann und dem betreffenden Wirt wurde bekanntgegeben, daß die Festlichkeit nicht stattfinden dürfe. Slls dennoch am Nachmittag und Abend deS 11. August die Festlichkeit vor sich ging, erschien im Auftrage deS Polizeichefs der Polizeikommissar Rasch und mehrere Polizei- sergeanten und räumten nicht nur den Saal, sondern auch alle Nebenlokalitäten des betreffenden Etablissements. Brügmann wurde von dem Kommissar eigenhändig aus der Garderobe heraus- geholt und in der unsanftesten Weise auf die Straße befördert, wobei ihm erhebliche Schmerzen bereitet wurden. Diese Polizei- taten wurden dann in einer öffentlichen Versammlung am 80. August, die von dem Herrn Kommissar Rasch überwacht wurde, von Brügmann in entsprechender Weise kritisiert. Durch die SluS- führungen fühlte sich der Kommissar Rasch verhöhnt und beleidigt und stellte Strafantrag. In der Verhandlung des Schöffengerichts versuchte die Polizei die Forderung der Einreichung der Mitglieder- liste damit zu rechtfertigen, daß sie vermutet habe, ein vorher ver- botcnes GewerkschoftSfest solle unter dem Namen deS genannten KlubS abgehalten werden. Da» Schöffengericht gestand Brügmann zwar zu, daß er in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe, als er die geschilderten Vorgänge zur Sprache brachte und kriti- sierte, doch gehe auS der Form seiner Ausführungen hervor, daß er die Slbsicht hatte, den Kommissar Rasch zu beleidigen. Erkannt wurde auf zwei Monat» Gefängnis. In der Verhandlung vor dem Landgericht trat der Angeklagte den Beweis an, daß der Kom- misiar Rasch sich in der unpassendsten Weise benommen hat und eine scharfe Kritik über sein Verhalten am Platze war. Der Ver- teidiger Dr. Herz ging mit der Polizei scharf ins Gericht und führte auS, daß der Angeklagte wohl berechtigt gewesen sei, das ungesetzliche Vorgehen derselben und namentlich die Handlungs- weise de? Kommissars Rasch in der von ihm beliebten Weise zu kritisieren. Deshalb müsse der Angeklagte freigesprochen werden. Das Landgericht hob das schöffengerichtliche Urteil auf und er- kannte gegen den Angeklagten auf eine Geldstrafe von 156 M. eventuell 30 Tagen Gefängnis. Daß der Angeklagte in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt hat»nd« durch das»ngeseyliche Vorgehen der Polizei in hohem Maße gereizt worden ist, wurdo bei Begründung deS Urteils ausgeführt. DaS Landgericht hat aber auch mit dem Schöffengericht angenommen, daß der Angeklagte in der Form gefehlt habe. Die Verfehlung sei aber nicht derart, daß auf Freiheitsstrafe erkannt werden mußte. Sini?e<7angene vrucksedritten. Die Tabaksteuer-Frage und ihre Entwickelung. Herausgegeben oo» der Zentraltomnüsflon der Tabakarbciter Deutschlands. LS Seiten. Verlag C. Butry, Berlin. Slralsunderslr. 41. Vvhl'n Tlilnpr* Wer« Ovlng by 0. A. Stoere. 282 Seiten Verlag: Charles H. Zterr u. Co., Chicago._ Buchdruckcrei u. Verlagsanstalt Paul Sing«& Co.. Berlin SW, 3. Ktilkßt des FmMs" KttliZttl WIIlsblM. fri�'»reftpynmrf'-.n Heute abend finden in Grofi-Berlin in den bekannten Zusammenkunftslokalen Extra- Zahtabrude statt, da mit Sicherheit zu erwarten steht, daß ein Teil der gegnerischen Presse die Vorgänge am Sonntag in Berlin zu perfiden Entstellungen und Augriffen aus die Arbeiterschaft ausnutzen wird, und es durchaus nötig erscheint, diesen Angrissen sofort entgegenzutreten. Der Aktio»tsausschuh. Partei- TJngelegenKeiten. Der heutige Extra-Zahlabend soll, wie schon angekündigt, sich aus eine Besprechung des Verlaufes der Sonntogsdemonstration beschränken. ES sei angesichts der Wichtigkeil der Sache daraus aufmerksam gemacht, daß sich die Ge- Nossen in einigen bestimmten Bezirken die Teilnehmer genau ansehen. Friedrichsfelde. Für Friedrichsfelde und Karlshorst findet kein Extrazahlabend statt, dafür wird für Friedrichsfelde die schon an- gekündigte öffentliche Versammlung bestimmt stattfinden. Friedenau. Heute abend Vzll Uhr findet bei Grube, Kaiser- Allee 85, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes und der Funktionäre, Neuwahlen, VereinSangelegenheiten und Verschiedenes. Zahlreiche Beteiligung der Parteigenossen erwartet Der Vorstand. Britz-Bulkow. Heute, Dienstag, abends �9 Uhr, findet bei Weniger, Werderstr Straße 28, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes und Neuwahl desselben, Bericht der Gemeindevertreter und Ver- schiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Pünktliches Erscheinen der Mitglieder erwartet Der Vorstand. Köpenick. Die Genosien werden ersucht, heute abend aus dem Extra-Zahlabend zu erscheinen. Die Genossen der Allstadt treffen sich bei Kohet. Rosenstraße. Franz. Buchholz. Am Mittwoch, den 15. Januar, abends 8� Uhr, findet im Lokal von Kähne die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht u. a.: Bericht des Vorstandes und Neuwahl des 1. Vorsitzenden. Wilhelmsruh. Heute Dienstag, Diskutierabcnd bei Barth, Viltoriastr. 7. Tagesordnung: Statutenbcratung. Um zahlreiches Erscheinen wird ersucht. Der Vorstand. KerUner �acbricbten. Die Arbeitslosigkeit. Aus allen Teilen des Reiches mehren sich die Meldungen über zunehmende Arbeitslosigkeit. In Berlin wurden un- längst, wie wir meldeten, durch die Gewerkschaftsorganisationen über 30000 Arbeitslose festgestellt und die Zunahme ist bisher ununterbrochen geblieben. Die Berliner Partei- und Gewerkschaftsleiwngen haben schon in Aussicht genommen, wenn die Anschwellung der Arbeitslosenziffer wie bisher an- hält, in den nächsten Wochen grohe Arbeitslosenversainmlungen abzuhalten, um den herrschenden Klassen vor Augen zu führen, wie gewaltig sich Mangel und Elend gesteigert haben. Solche Versammlungen sollten allerwärts, namentlich in den großen Industriestädten und-Gebieten abgehalten werden, denn sie bieten eine treffliche Gelegenheit, dem Volke den ganzen Widersinn der kapitalistischen Ge- s e l I s ch a f t s o r d n u n g klar zu machen. Die Geschäfte stocken, weil nicht genügender Absatz vor- handen ist, Fabrik- und Warenläger, heißt es, sind bis oben vollgestopft. Damit vergleiche nian die zahllose Menge derer, denen das nötigste fehlt, ihre Blöße zu bedecken, ihre Bedürf- nisse auch nur in bescheidenem Maße zu befriedigen. Auf dem Baumarkte prophezeit man ein weiteres Zurückgehen der Kon- junktur, weil dieletzten Jahre eine Ueberproduktion gezeitigt hätten und speziell in Wohnungen zurzeit großer Ueberflnß sei. Dabei sind die Wohnungsverhaltnisse der niederen Bevölkerungsklassen besonders in den Großstädten meist miserable, mindestens un- zulängliche und der Bedarf an geeigneten Wohnungen könnte nicht im entferntesten gedeckt werden, wenn die breiten Schichten in der Lage wären, sich allenthalben genügende. ihren Bedürfnissen entsprechende Wohnungen zu beschaffen. Eine gerechte Güterverteilung entspricht aber nicht den Jnter- essen des Kapitalismus, der seine Macht und Stärke aus der Armut der Massen zieht. Deshalb müssen Millionen hungern und frieren und schlecht gekleidet gehen, damit einige Zehn- tausende im Ueberfluß schwelgen und in Samt und Seide rauschen können; deshalb müssen die Proleten in Stübchen, Kanimern und Kellern Hausen, damit der reiche Mann in großen, ge- sunden Räumen, in herrlichen Pninkbauten wohnen kann. Dieser Znstand, den man die„göttliche Weltordnung" nennt, bedeutet nichts anderes, als eine ständige Aufreizung zum Klasseuhaß, als eine fortdauernde Revolution von oben; ihn befestigen, ist die wichtigste Lebensaufgabe des Proletariats. In der Umwandlung des kapitalistischen Privateigentums in gesellschaftliches Eigentum, in der Umwandlung der kapitalisti- schcn Warenproduktion in die sozialistische, also in der Ver- wirklichung des sozialdemokratischen Programms liegt die Lösllng dieser Aufgabe. Wenn dieser Grundgedanke in all den Versammlungen der Arbeitslosen klar heraus- gearbeitet und den nach Arbeit und Brot verlangenden Beschäftigiingslosen überzeugend dargestellt wird, dann wird die hereinbrechende wirtschafttiche Krise mit ihrer Arbeits- losigkeit und ihrem Massenelend doch das eine Gute haben, daß immer breitere Schichten des werktätigen Volkes zu der Wohlgegiüiideten Ueberzeugung kommen, daß nur der Sozialismus dem enterbten Volke Befreiung bringen kann. Und alle, die noch einen Fonds an Lebenskraft und Lebens- Hoffnung besitzen, werden sich in den Dienst der Sache des weltbesreiendeii Sozialismus stellen I ElendsbUdrr aus der Reichshauptstadt l Ein trüber, naßkalter Winlertag. ES rieselt und nieselt ganz fein, aber beständig, ohne Unti-rlaß. Halb Schnee, halb Regen, da- zwischen dünne, spitze Stsiiadeln, die der Wind de» Pasianien mit Vehemenz ins Gesicht schleudert. Männer. Frauen, Kinder eilen hastig in G nippe» und auch einzeln die Straße entlang. In den Händen tragen sie Eimer, Topfe, Kaslerolen, Näpfe, kurzum, Gefäße in allen Formen und Größen. Vor einem bestimmten Hause machen st« Halt und verschwinden in dem düsteren Eingang. In einem Hofe, der von Hinterhäusern, Remisen, Ställen und Schuppen um- geben ist und in dem Fnh'.werke allerlei und Gerumpel in idealer Unordnung umherstehen, sammeln sich die Gruppen. Die ersten postieren sich vor der Tür eines niedrigen Gebäudes, aus dem der Küchendunst in langen Schwaden zieht, während die Nachfolgenden dichtgedrängt eine lange Reihe bilden. Hier befindet sich eine A r m e n s p e i s u n g s a n st a l t, in der die dazu Berechtigten gegen Abgabe eines vom Armenvorsteher erhaltenen Zettels eine oder mehrere Portionen Suppe erhallen. „Ach, heute gibts Linsen süß und sauer, daS ist fein I" ruft ab und zu einer aus der Menge. Alle Altersstufen sind hier vertreten, vom schlohweißen, gebrechlichen Greis oder auch Greisin, bis herab zum kleinsten Knirps, der sich fröstelnd und zähneklappernd zwischen die Erwachsenen schmiegt und mit steifen Händchen krampfhaft den Topf umklammert. Es summt wie ein Bienenschwarm, klagend, schimpfend, murrend tauschen sie gegenseitig ihre Meinung aus. Manche haben unter dem starken Druck der Not das Lachen doch noch nicht ganz verlernt, und oft genug fliegt ein gelungener Witz über die Köpfe hinweg, bei den Umstehenden ein lautes Gelächter aus- lösend. So stehen sie eine halbe, und eine ganze Stunde in dem Hofc, der eine einzige Pfütze bildet und trippeln, ungeduldig den Moment der Inempfangnahme des Essens erwartend, während aus den zumeist defekten Schuhen daS Waffer in kleinen Springbogen quillt. Im Innern des Raumes sieht man Personen sitzen, die ihr Mittagsmahl gleich an Ort und Stelle mit Heißhunger verschlingen Zuletzt sannueln sich die Obdachlosen in großer Anzahl, die nur die Abfertigung der anderen erwarten, um die Reste in Empfang zu nehmen. Wir verlosten den trübseligen Ort und suchen in einer der nächsten Straßen die Kindervolksküche auf. Ein früheres Geschäftslokal im Vorderhause, das zu seiner jetzigen Bestimmung eingerichtet ist und zwei leider sehr beschränkte Räumlichkeiten auf- weist, so daß nur ein sehr kleiner Teil der hungrigen Kinder Eintritt findet, während die anderen immer so lange auf der Sttaße warten müssen, bis wieder einige Plätze frei geworden sind. Die Aufsichtsdamen gehören den oberen Kreisen an und üben das Amt freiwillig und unentgeltlich aus. In äußerst zuvorkommender und liebenswürdiger Weise werden uns Küche und Vorratskammern ge- zeigt und in Zahlen die Ausgaben und Kosten angegeben. Zweimal in der Woche gibt eS auch Fleisch oder Würstchen. Auch hier standen zufällig Linsen süß und sauer auf dem Speisezettel, und durch eine dargereichte Kostprobe überzeugen wir uns von der guten und schmackhaften Zubereitung derselben.„Schreiben Sie recht, recht viel über unser Werk, daniit wir reichliche Unterstützung finden. die Ausgaben sind sehr beträchtlich, und Sie sehen ja, wie vor- trefflich und segensreich die Einrichtung ist", bittet uns die kleine, emsige Dame mit dem gütigen, freundlichen Blick. Wohltuend berührt der Anblick der Schar hungriger Kinder, die eifrig die Löffel bewegen und mit glücklichen, strahlenden Augen aufschauen, Knaben und Mädchen sitzen getrennt. Zwei Jungen sind als„Kalfaktoren" angestellt, die beiden Damen verteilen das Essen und es ist keine Kleinigkeit in dem engen Raum den Ansturm der hungerigen Mäulchen immer fix und flott zu versorgen, daß die Außenstehenden nicht allzulange dem Regen und Schnee ausgesetzt sind. Ab und zu müssen die„ausdauernsten" unter den kleinen Gästen an den Aufbruch gemahnt werden, damit ihre Kameraden die Plätze einnehmen können. „Sie sind ja so gerne in der warmen Stube und dann wollen sie auch möglichst viel essen, bei vielen ist es ja die einzige Mahlzeit im Tage. Ich gebe ihnen ja auch so viel sie wollen, die Mehrzahl läßt sich zwei- dreimal nachfüllen und Linsen esse» sie ganz be- sonders gerne", erzählt uns die Aufsichtsdame. Doch schon muß sie wieder weg von unserer Seite, 20 bis 30 leere Schüsseln starren ihr in den ausgestreckten Armen verlangend entgegen. „Na. Kinderchen, habt Ihr noch Hunger I"„Jawohl, Fräulein! schallt eö vielstimmig zurück. Auf die Frage, ob jder einzelne noch viel Suppe wolle, lautet stets die energiiche Antwort:„Ja wohl, sehr viel, Fräulein!" Dieser Titel steht der Frau zwar nicht mehr zu, aber die Kleinen nehmen das nicht so genau. Auch die Mädchen lassen sich das Essen trefflich munden, tuschelnd und kichernd stecken sie die Köpfchen zusammen und die fröhlichen, geröteten Gesichter zeigen, wie glücklich sie sind, gesättigt zu werden. Sie sind alle sauber und reinlich gekleidet. Wir fragen eine kleine Blondine mit einem niedlichen Apfel- gesicht:„Hai Vater Arbeit?"„Ich habe keine» Vater mehr, der ist schon lange tot I" lautet die Antwort. Aus einer Bank sitzen drei Geschwister beisammen, zwei kommen noch um I Uhr nach. I» der Küche ist mittlerweile eine Situation eingetreten, die leb- hast an die Hocvzcit zu Kanon erinnert. Dort ging der Wein früh- zeitig aus und hier die Linien. Wenn ober auch die Kvlbsrauen die Kunst nicht verstehen, aus Wasser Linsen zu bereiten, so wissen sie sich doch aus natürliche und praltiiche Weise zu helfen und in ganz kurzer Zeit wird eine fertige Griessuppe ausgelragen.„Schmeckt auch ganz gutl" erklärt ein kleiner Stöpsel mit wichtiger und bestimmter Mieite. Nun läßt die Dame ein kurzes Gebet sprechen vom lieben Gott, der die„milde Hand austut und allen Speit' und Trank gibt". Die Kinder leiern den Spruch mechanisch herunter, ihre Augen ober sind unverwandt aus den Teller gelichtet. Auch die vielen Fürstenbilder und Bibelsprüche, mit denen die Wände„geziert" sind, werden von der Kinderschar nicht beachtet. Die jugendlichen Gemüter zeigen für derartige Dinge wenig Verständnis, eine„reale" Linsensuppe ist ihnen lieber. Und klar und fest drängt sich uns bei dem Anblick der vielen Kinder— es sind zirka 300 und in anderen Küchen bis 300— die Ueverzeugmig auf, daß diese Einrichtung eine soziale, unabwendbare Notwendigkeit ist, die nimmermehr der reine Ausfluß einer wohl- täligen Veranstaltung sein dort; so gut und herzlich es einzelne Personen auch meinen mögen, eine Notwendigkeit, die im Fiueresie der gesamten Bevölkerung liegt und auch für die heranwachsende Generation von enormer Bedeutung ist. Neber eine Erhöhung der Strafienbahnpreise wird gemeldet. daß die Große Berliner Straßenbahngesellschaft gleichzeitig mit der Verfolgung ihrer Tunnclprojekte und der Konzessionsverlänge- rung zur Sicherung ihrer Monopolstellung in Groß-Berlin auch eine erhebliche Erhöhung sämtlicher Straßenbahntarife betreibt. Diese Erhöhung der Tarife, die einer Beseitigung des Zehnpfennigtarifes gleichkommt, wird die gesamte Bevölkerung von Groß-Berlin weit mehr interessieren als die Erhöhung der Tarife der Allgemeinen Omnibus-Gesellschaft und zur Bc- urteilung der famosen Tunnelprojekte mehr beitragen als alle schönen Erwiderungen der Sttatzcnbahngescllschaften. Die neue Polizciverordnuug für die Kinothcater ist nunmehr dem Magistrat zur Zustimmung übersandt worden. Sie bezweckt eine Vereiilfachung und Erleichterung der polizeilichen Zensur. Bisher mußten die Kinothcateruntcrnehmer dem Polizeipräsidium das Programm in drei Exemplaren zur Genehmigung einreichen. Bevor diese erteilt werden konnte, vergingen immer mehrere Tage, da es angesichts der Ueberproduktion der Filmfabrikanten nickt leicht ist, scstzustellen, ob es sich um neue oder bereits ge- nehmigte Bilderserien handelt. Die neuen Bilder müssen bekanntlich zuvor im Polizei-Kinorheater vorgeführt werden, ehe sie öffentlich zur Darstellung gebracht werden dürfen. In Zukunft soll für jeden genehmigten Film ein für allemal eine polizeiliche Erlaubnis- karte ausgestellt werden, auf welcher der Titel(Inhaltsangabe), Länge und Fabriknnmmer des Films genau bezeichnet werden. Diese Karte hat der Unternehmer bei der behördlichen Kontrolle des Theaters vorzulegen, das Duplikat befindet sich bei der polizeilichen Sammlung, aus' welcher man dann bei künftigen Genehmigungs- anttägen leicht feststellt, ob die Erlaubnis zur Vorführung erteilt werden kann oder nicht. So werden wiederholte Vorführungen ein und desselben Bildes im Polizei-Teoter verhindert und das Ver- fahren sowohl wie die Kontrolle wesentlich erleichtert und beschleunigt. Die neue Polizeiverordnung wird voraussichtlich am 1. April d. I. in Kraft treten. Wohnungsfürsorge bei der— Armenverwaltung!? Um die Beschaffenheit der Wohnungen, in denen die minder- bemittelte Bevölkerung Hausen muß, macht die Ge- meindeverwaltung sich wenig Sorge. Wie sollte sie auch! Für Maßnahmen, die auf eine bessernde Beeinflussung unserer Wvhnungszuständc abzielen, ist der Stadtfreisinn nicht zu haben. Wer dergleichen auch nur vorschlägt, der lädt den Zorn der um ihren Profit bangenden Hausagrarier auf sich— und das mag kein Freisinniger riskieren. Aber die Erkenntnis, daß manche Haus- besitzer„Wohnungen" vermieten, die zum Aufenthalte für Menschen nicht mehr geeignet sind, scheint doch auch den RathauSmännern nicht ganz zu fehlen. Beweis dafür ist uns eine Mitteilung, die wir im„Bcrl. Tagebl." lesen. Das Blatt meldet, die?l r m c n d i r e k t i o n habe über die Häuser der Köllnischen Straße eine Sperre ver- hängt. Den Armen, die dort wohnen oder dorthin ziehen, werde die Unterstützung versagt. Womit wird diese merkwürdige Sperre begründet? Aus eine Anfrage bei der Armendirektion ist dem „Berk. Tagebl." die Auskunst gegeben worden, in der Köllnischcn Straße habe das Dirnen- und Zuhältertum immer mehr überhand genommen, von solchen Häusern müffe man die Armen fernhalten, besonders Familien mit Kindern. Ein ähnlicher Beschluß sei von der Armendirektion schon früher gesaßt worden bezüglich der ehemaligen Stadtvogtei am Molken markt, deren Zellen in Arbeiterwohnungen umgewandelt seien.„Die Armendircktion" verhängte, so sagt des„Bcrl. Tagebl." auf Grund der erhaltenen Auskunft,„die Sperre über das Haus, damit städtische Arme nicht in diese menschenunw ürdigen Löcher hineinziehen sollten. Der städtischen Armenverwaltung kann es, wie sie angibt, nicht gleichgültig sein, ob ihre Pfleglinge in gesunden Wohnungen oder in Kellerlöchern hausen, und sie sucht mit allen rechtlichen Mitteln gegen die Ansiedelung von Armen in moralisch oder hygienisch nicht einwandfreien Massenguartieren anzukämpfen." Die Arniendirektion weiß natürlich sehr wohl, daß gerade die von ihr selber jetzt als„menschenunwürdig" bezeichneten Woh- nungen diejenigen sind, die von den Armen gemietet werden müssen, weil eS bei ihnen zur Miete für eine einwandfreie Wohnung nicht langt. Will sie künftig den Armen soviel Unter- stützung zahlen, daß davon eine einwandfreie Wohnung gemietet werden kann, so wird sie sich den Dank nicht nur der Armen» sondern aller Menschenfreunde verdienen. Rur der Stadtfreisinn tvürde«s ihr nicht danken; denn ihm gelten die Untcrstützungs- sähe, die in der Armenpflege gegenwärtig üblich sind, längst als hoch genug. Die..Armenwohnungen" in der Stadtvogtei haben wir uns früher mal gelegentlich angesehen; die meisten waren in der Tat so, daß wir sie keinem Armen wünschen möchten. Auch in der Köllnischen Straße sind uns Wohnungen bekannt; was wir dort gesehen haben, war sogar noch schlimmer als die Zellen der Stadt- vogtei. Aber wir haben noch viel Schlimmeres kennen gelernt. Zu dem Schlimmsten zählen wir das a l t e W a i s e n» Haus an der Stralauer Straße, das erst im vorigen Jahre abgebrochen wurde. Es gehörte— ja. wem? Der Stadt Berlin! Die Räume dieser längst abbruchsreifen Ruine wurden von der Gemeinde noch viele Jahre hindurch als Wohnungen ver- mietet. Ucber dieses Waisenhaus hat vor Jahren der zuständige Armenarzt, der dort ein- und ausging, wiederholt in seinen Berichten aii die Armendirektion ein sehr ungünstiges Urteil gefällt. Aber niemals ist es der Armendirektion ein- gefallen, über das Haus die Sperre zu verhängen. Die Sperre übe rein der Stadt gehöriges Haus, weil die Armen- dircktion Wohnungen in ihm für menschenunwürdig hält! Der Gedanke ist einfach undenkbar. Eine„Sperre" wurde von der Armendirektion damals nur über die Berichte der Armen- ärzte verhängt, deren Angabe über die Wohnungen der Armen nicht mehr in den großen Jahresbericht der Armendirektion auf- genommen wurden. Heute aber denkt die Armendirektion anders. Heute würde sie gewiß auch eine Sperre über die Waisenhausräume verhängen — wenn die Ruine noch stände! Und heute würde sie vielleicht gar der sozialdemokratischen Forderung beistimmen, daß d i-e Stadt» gemeinde an die Berliner Wohnungsmisere die bessernde Hand zu legen hat— wenn die Armendircktion dürfte I Ans der Haft eutlnsscn ist der wegen Ermordung der Frau Gläßer verhaftet gewesene Arbeiter Richard Schmidt. Der gegen Schmidt gehegte Verdacht hat sich als unbeglündet herausgestellt. Eine von der Polizei gespeiste Korrespondenz wußte ziemlich sicher zu melden, daß kein anderer als Schmidt der Täter sein könne, genau io wie der vor längerer Zeit verhaftet gewesene �ochelinsky die Wirtschafterin Piath ermordet haben sollte; mich dessen Täler-' ichafl stellte sich als unbegründet heraus. Schmidt ist bereits am Donnerstag aus der Haft entlassen worden. Diese Talsache ist der Oeffentlichkeit bisher verschwiegen worden. Jetzt hat die Polizei von de» in den letzten Monaten be- gangenc» sechs Kavilalverbrecheu U» leinein Falle den Täter ergriffe»». .« Gilt schwerer Unglücksfall auf dem Eise, Eci welchem ein Knabe lernen Tod fand und zwei weitere Personen arg gefährdet wurden, ereignete sich gestern auf dem Tasdorfer Kanal bei Rüdersdorf. Dort versuchte der neunjährige Schüler Schwidinsli aus Tasdorf mit seiner sechsjährigen Schwester die Eisfläche des Tasdorfer Kanals zu überschreiten, als die Eisdecke plötzlich nachgab und beide Kinder einbrachen. In der Nähe der Unfallstelle befand sich der Lljährige Tischler Thiele aus Berlin, der bei dem Versuch, die Slinder zu retten, ebenfalls in das offene Wasser geriet. T. ver- mochte sich jedoch an der Bruchstelle zu halten. Obwohl er selbst auf das ärgste gefährdet war. erfaßte er doch noch das Mädchen und hielt es solange fest, bis Passanten hinzukamen und die Kleine und ihn den Wellen entrissen. Der Knabe war unter der Eisdecke bereits verschwunden, seine Leiche konnte bisher nicht aufgefunden tverden. Das gerettete Kind wurde in bewußtlosem Zustande nach einem Krankenhause übergeführt, es befindet sich außer Gefahr. T. hat bei dem kalten Bade keinen Schaden genommen. Unter den Kufen eines Schlitten? den Tod gefunden hat am Sonntagnachmittag in Oranienburg der vierjährige Sohn des Kaufmanns Schindler. Der Knabe spielte in dem genannten Vor- ort auf dem Fahrdamm vor dem Hause Berliner Straße 22, als ein Schlitten herannahte, dessen Pferde vor einem Automobil scheu geworden waren. Die Tiere liefen auf das nichtsahnende Kftid zu und wiewohl sich der Kutscher bemühte, den Rossen eine andere Richtung zu geben, wurde der Knabe von den Hufen des Gespanns erfaßt und unter den Schlitten geschleudert. Die rechte Kufe ging dem Kleinen über die Brust hinweg. Schwer verletzt wurde der Knabe nach der elterlichen Wohnung gebracht, wo er noch vor Ein- 'reffen eines hinzugerufenen Arztes verstarb. Im Gefängnis Selbstmord verübt hat der Gelegenheitsarbeiter Karl Haufe, der im Tegeler Polizeigcfängnis eine längere Strafe zu verbüßen hatte. Er war am Freitag nach Rathenow über� geführt worden, wo er sich eines Diebstahls wegen vor dem Schöffew gcricht verantworten sollte. Als H. am Sonnabend über den Korridor des Gefängnisgebäudeö geführt wurde, kam ihm dort ein Barbierlehrling entgegen, der die Gefangenen zu rasieren hatte. Der Lehrling trug in der Hand ein Rasiermesser. Plötzlich stürzte sich Haufe auf den Lchrburschen. entriß diesem das Messer und bedrohte damit den Gefangenenaufseher, der dem Gelegenheits- arbeiter die Waffe abnehmen wollte. Der Beamte hielt die rechte Hand des Gefangenen fest und versuchte, ihm das Messer zu ent. winden. Dabei gelang es aber dem H.. sich die Pulsader der linken Hand aufzuschneiden. Bevor eS gelungen war, die Ader zu unter- binden, hatte der Gefangene bereits soviel Blut verloren, daß er in fast hoffnungslosem Zustande nach dem Krankenhause gebrächt werden mußte. Eine Nilfahrt bis zum zw.eitcn Katarakt lautet der zweite Teil des Vortrages über Aegypten, der gestern in der Urania in der Taubenstraße von Herrn O. Wagner gehalten und durch Licht bildcr dein Verständnis näher gebracht wurde. Die erste Fahrt geht von Kairo nach Luxor. Der Vortragende erzählt uns von den Quellen des Nils, von seinem Lauf und den Ueberschwemmungen, die er anrichtet, Ucbcrschwemmungen, die aber bei der herrschenden Dürre außerordentlich ersprießlich für die Vegetation sind. Wir lernen Land und Leute kennen und besuchen zahlreiche althistorische Stätten, Ueberbleibsel einer vieltausendjährigen Kultur. Wir werden erinnert an das alte Pharaonenreich durch die Tempel von Dcndcra mit seinen Reliefs. Wir sehen das alte Theben mit feinen hundert Toren, den Tempel Luxor mit seinen Säulenhösen und Statuen, der eine Schöpfung Ramses II. ist. Mit einer gc- wisse» Ehrfurcht durchwandern wir den vor 3450 Jahren errichteten Säulengang, dessen 14 Säulen mit 13 Meter hohen Reliefs, Szenen aus einem Ammonsfest darstellend, bedeckt sind. Wir schauen einige Trümmer der Sphinxe, wo ehemals eine ganz« Sphinxallec vorhanden war. dann die KönigSgräber von Biban el Mulak und schließlich die Memnoskolosse, die nach der Sage seit den Tagen des Kaisers Septimus Severus mit ihrem klagenden Klinge» beim Kuß der Morgensonne aufgehört habe». Es ist ein Stück altägyptischer Geschichte, das sich da vor unserem geistigen Auge auftut. Im zweiten Abschnitt des Vortrages setzen wir unsere mit einem Dampfer begonnene Fahrt fort, und zwar von Luxor bis zu den Stromschnellen des zweiten Katarakts bei Wadi Halfa. Erhebliches Interesse nötigen uns auf der Fahrt die Stromschnellen und nicht zuletzt die Wunder der Wasserbaukunst ab. Dabei statten wir der Tempelinsel Philae einen Besuch ab und bestaunen auch hier die Ueberreste, die an die Pracht längst entschwundener Zeiten erinnern, an die Zeiten einer niedergegangenen Kulturepochc. Der Zoologische Garten hat neuerdings ein Paar Pinsel ohrschweine erworben, die vorläufig während der kalten Jahreszeit im Elefantcnhause unmittelbar rechts neben dem Ein- gang untergebracht worden sind. Diese auffallenden Westafrikaner sind im Gegensatz zu ihren Verwandten geradezu als farbenprächtig zu bezeichnen: von der leuchtend rotgelben Grundfärbung hebt sich ein scharf abgesetzter weißer Rückcnstrcif und eine ebensolche Kopf- zeichnung ab, die Ohren sind mit langen weißen Pinsel» geschmückt. Beide Tiere sind prächtige, erwachsene Stücke, wie sie nur sehr selten in den Handel kommen und lebend gezeigt werden können. Im Berliner Aquarium fällt dem Besucher unter den neuen Erscheinungen zunächst ein hellgcsichtigcr Schimpanse auf, der die linke Seite des Affenhauses bezogen hat und sich hier, in lebhafter Verbindung mit den nebenan hausenden kleineren Vertretern des Affcngeschlechts, Meerkatzen, Makaken und dergleichen sehr wohl zu befinden scheint. Dank der vorzüglichen Verpflegung und auf- merksamen Behandlung, deren dieser Menschenaffe— bisher im Besitz des Herrn Ingenieur Otto Widmann hier— auf der Uebcr- fahrt, vorher und nachher zuteil wurde, gibt er sich als ein ebenso auf alles merkender wie zu Spiel und Scherz geneigter drolliger Bursche.— Die beiden erwärmten Wandbecken gegenüber dem Vogclhause beherbergen eine Anzahl aus warmen Gebieten, Indien und Afrika, stammende Süßwasserfische. Unter ihnen macht sich ein Fisch durch seine außerordentliche Länge— er mißt nahezu Vj Meter— besonders bemerklich: und diese Länge läßt es uns sehr begreiflich erscheinen, wenn wir lesen, daß derartige Fische, die wegen ihres in Form und Bekleidung sehr einem Schlangen- köpf ähnelnden Kopfes„Schlangenkopffische genannt werden, in ihrer Heimat bezw. in China als Teichfische zu Küchenzwccken ge- halten werden. Feuerwehrbericht. In der letzten Nacht um 2 Uhr brannte bor dem Hause Wilhclmstraße 111 eine Automobildroschke. Etwas später, um 3H Uhr, stand schon wieder eine Automobildroschkc vordem Hause Leipziger Straße 12S in Flammen. Der 13. Zug löschte diese. Die Droschken mußten fortgeschleppt werden. In der Fehrbelliner Straße 21 wurden bei einem Brande Lumpen, Kisten, eine Nähmaschine u. a. ein Raub der Flammen. Gestern nach- mittag um 3 Uhr brannte in der Brüderstraße 24 ein Bauzaun und gleichzeitig in der Prinzen-Allee 47 ein Treibhaus in einer Gärtnerei. Außerdem mußten noch mehrere kleinere Brände an verschiedenen Stellen gelöscht werden. Vorort- I�aelmekten» Rixdorf. Stadtverordneten-Versammlung. In der Sitzung am Donners- tag wurden unter den üblichen Reden der Stadtverordnete Honfall und der inzwischen bestätigte zweite Bürgermeister Dr. Weinreich durch den Ersten Bürgermeister Kaiser in ihr Amt eingeführt. Den Stadtverordnetenvorstehcr Sander wählte die Versamm- lung wieder in dies Amt. Bei der Wahl des Stellvertreters appellierte der Stadtv. Wutzkh(Soz.) namens der sozialdemokratischen Fraktion an das Gerechtigkeitsgefühl und den parla» mentarischen Anstand der Mehrheit und verlangte, daß ein Ver- tretrr der III. Abteilung mit ins Bureau gewählt werde. Doch bewiesen die Vertreter von Besitz und„Bildung", wie fremd ihnen parlamentarische Tugenden sind: sie wählten den bisherigen Stella Vertreter des Vorstehers, Stadtv. Vögelke, wieder gegen die Stimmen unserer Genossen, welche sich auf den Genossen Oster mann vereinigten. Hierauf brachte die sozialdemokratische Fraktion einen Dringlichkeitsantrag ein, nach welchem das Bureau um einen Beisitzer vermehrt werden sollte. Auch hier machte der „Block" von seiner Macht Gebrauch und lehnte die Dringlichkeit ab; der Antrag wird nunmehr die nächste Sitzung beschäftigen. Eine Anfrage des Stadtv. Groger(Soz.) nach dem bereits vor Jahresfrist beschlossenen Bürgerbuch beantwortete der Erste Bürgermeister dahin, daß dasselbe nach etwa 2 Monaten fertig vorliegen werde. Bei der Bestimmung der Ortszeitungen für die Bekannt machungen der Stadtverordnetenversammlung beantragte Stadtv Boeske(Soz.) die Einbeziehung des„Vorwärts", um auch das Gros>der Bürgerschaft, das diese Zeitung lese, über das kommu- nale Leben zu informieren. Der gegenwärtige Zustand sei eine Begünstigung der im Orte erscheinenden Wintelblättchen, von denen die Bürgerschaft in chrer ungeheuren Mehrheit nichts wissen wolle.— Die Stadtvv. Abraham und Kay« wußten darauf nichts Besseres zu antworten, als daß es dem Ansehen einer Großstadl schade, wenn sie„auswärtige" Unternehmungen in Fällen, wie dem vorliegenden, berücksichtige: sie forderten schließlich die Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages.— Stadtv. Wutzzky(Soz.) nagelte diesen unsinnigen PartiiulariSmuS fest, der jede Ohjcktivität ver- missen lasse und darauf hinauslaufe, die Bürgerschaft zun, Lesen ver hirnvcrseuchenden„unparteiischen" Lokal- presse zu zwingen oder sie andernfalls kommunalpolitisch noch um ein weiteres rechtlos zu machen. ES half alles nichts, die Mehrheit hielt ihren Rixdorfer Leiborganen die Konkurrenz des„VorwätrS" vom Halse und lehnte den Vorschlag unserer Ge Nossen ab. Als nächster Punkt stand die Bewilligung einer Beihülfe an den gemeinnützigen Verein für Rechtsauskunft in Groß-Berlin erneut auf der Tagesordnung. Ter Gegenstand wurde von der vorigen Sitzung auf Wunsch des Bürgermeisters Kaiser abgesetzt. weil— wie dieser sagte— erst noch„Interessenten" Gelegenheit zur Aeußerung über die vor einiger Zelt eingerichtete hiesige Rechtsauskunftsstelle gegeben werden sollte. Inzwischen hat eine Versammlung von„Interessenten" getagt, in der— wie uns mitgeteilt wird— lediglich die Herren Rechtsanwälte allerlei zu kritteln hatten. Schließlich mutz man aber doch in den anfangs anscheinend sauren Apfel gebissen haben; denn Stadtv Abraham leitete sofort die Debatte in der Stadwerordnetenversanrmlung mit einer großen Rede ein, die natürlich getragen war von dem Wohlwollen der Anwälte einem solchen gemeinnützigen Institute gegenüber, deren„wenn" und„aber" jedoch die Zweifel an eben dieser Sympathie nicht zerstreuen konnten.— Die Vorlage wurde genehmigt. Eine recht lebhafte Debatte rief der Antrag des Magistrats auf Anstellung eines Schularztes für die Hülfsfchulen zum l. April 1308 hervor. Derselbe soll mit 800 M. jährlicher Entschädigung eingestellt werden. Als Begründung war der Borlage eine Denk. schrift beigegeben, welche vom zweiten Bürgermeister Dr. Weiw reich verfaßt ist. Stadtv. Dr. Silberstein(Soz.) präzisierte namens unserer Fraktion deren Stellungnahme zum Magistrats antrage. Als unser Antrag auf Anstellung von Schulärzten vor einem Jahre— so führte Redner etwa aus— gegen unseren Willen der Schuldeputation zur Erwägung überwiesen wurde, da waren wir überzeugt, daß in dieser Deputation die Sache in den schlechtesten Händen war. Wie berechtigt dies Mißtrauen war, beweist der Antrag und die Denkschrift. Dieser Antrag bedeutet einfach nichtSI Unglaublich ist aber die Denkschrift. Sic wimmelt von Fehlern und Widersprüchen. Statt— iwie doch verlangt werden muß— die vorhandene neue Literatur und die neuzcit- lichen Tatsachen zu berücksichtigen, wird darin veraltetes, längst überholtes Material vorgetragen.(Redner weist dies bezüglich mehrerer Städte an Beispielen treffend nach). Auch über Berlin sind falsche Angaben gemacht, indem statt 99 nur 73 Acrzte als angestellt angegeben werden. Was«soll denn eine. Denkschrift, die über die Berliner Vororte so gut wie nichts zu sagen weiß und verschweigt, daß diese letzteren ziemlich alle Rixdorf"in der Schul- arztfrage vorangeeilt sind? Es gibt überhaupt keine Großstadt, ja keine größere Provinzstadt in Deutschland mehr, welche nicht Schulärzte angestellt hätte. Da ist es doch geradezu unvcrständ- lich, wenn die Denkschrift behauptet, Rixdorf bedarf deren nicht, iveil der Gesundheitszustand unserer Volksschüler sich von dem in den anderen Gemeinden nickst wesentlich unterscheiden soll. Letzteres ist bei den ungünstigen Lebens- und Wohnverhältnissen der Rix. dorfcr Arveiterbevölkerung einfach unmöglich, TaS Gegenteil ist richtig. Und deshalb braucht Rixdorf eher wie manche andere Stadt, mindestens aber ebenso notwendig Schulärzte. Im übrigen scheint der Verfasser der Denkschrift das Prinzip der Schularzt- frage gar nicht zu kennen, welches in erster Reihe die Gesund- crhaltung der Kinder wolle.(Zurufe.) Wenn hier immer wieder die Kosten ins Treffen geführt werden, sa erkläre ich es für eine Schande der Stadt Rixdorf, wenn für Flügel in den hvbere» Schulen 5990 Mark ausgegeben iverden. für Schulärzte aber nicht die zum ersten brauchbaren Anfang benötigten 12 999 Mark vorhanden sind,(Stürmischer Protest beim Block, lebhaste Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) So wie der Antrag vor- liegt, ist er einfach untauglich, ganz abgesehen von der unHalt- baren Denkschrift. Wir beantragen daher Ueberweifung an eine Kommission und Bereitstellung von 12 999 M.. um etwas Per- nünftigcs zustande zu bringen.— Bürgermeister Dr. Wein reich beklagt sich über die herbe Kritik des Vorredners an der Denk- 'chrifi, welche«ine„stille Arbeit später Nachtstunden" sei, gibt aber im wesentlichen die gerügten Mängel zu. Um den vorliegenden Antrag zu stützen, genüge diese als Begründung.(Höhnisches Sehr richtig!") Er unterscheide die sozialen kommunalen Ein- richtungcn nach den Bogriffen„notwendig",„nützlich" und„an- genehm". Die Anstellung von Schulärzten bezeichne er nur als „nützlich". Und da fei als Anfang 1 Schularzt für die kranken Kinder der Hülföschulen genügend. Auch müsse auf die Finanzen der Stadt Rücksicht genommen werden, die eine größere Zahl von Schulärzten nicht zulasse. Wenn kleinere Vororte darin weiter gehen, so sei das dort leichter als in Rixdorf mit seinen 28 999 Schulkindern.— Stadtv. Rosenow stimmt in der Beurteilung der faage dem sozialdemokratischen Redner zu. Tie wirtschaftlich Starken dürfen nicht bloß genießen, sie haben auch Pflichten der Arbeitcrbevölkcrung gegenüber zu erfüllen. Hauptgrundsatz müsse bleiben: die Gesunderhaltung der Kinder. Dazu reiche die Vor- läge aber nicht aus; er halte mindestens 3 Schulärzts für nötig.— Stadtv. Silberstein(Soz,) widerspricht den Ausführungen des Bürgermeisters. Finanzielle Bedenken seien hier gor nicht stich. haltig, weil 12 999 M. einen Etat, wie den der Stadt Rixdorf, nicht umstürzen können; das seien Ausreden, die ja stets bei özialen Tingen herhalten müssen. Geradezu unverständlich sei �ie Logik des Bürgermeisters, nach welckicr Rixdorf dann für seine 28 999 Kinder Schulärzte bekäme. ES sei sehr schlimm, daß über den sozialdemokratischen Antrag die Schuldeputation zu befinden hatte, in der sicher außer dem Dezernenten kaum ein Mitglied von der Sache etwas versteht.(Lebhaftes Oho! im Block.) Sie bestreiten das! Nun, dann frage ich, wer von den anwesenden Mitgliedern der Schuldcputation schon ein einziges Werk über die Schularztfrage studiert hat.(Die Befragten schweigen.) Nun. also keiner! Demnach ist meine Behauptung zutreffend.— Stadtv. Beiß erwies sich wieder als fcnS enfant terriblc der Mehrheit. Dieser Stadtvater produziert sich meist zum Gaudium der Ver. ammlung in allerlei Mätzchen, dabei nicht selten die wahren Gründe seiner Blockgenossen in Herzenseinfalt ausplaudernd. So auch diesmal! Ein Arzt ist kein Arzt, so sagen wir uns— meinte • und machen deshalb den„Witz" mit. Die ganze Geschichte ist überflüssig(!)— Daß bei solchen und ähnlichen rückständigen Anschauungen der sozialdemokratische Antrag von der Mehrheit abgelehnt wurde, dürste wohl kaum erst festzustellen sein. Mit Rücksicht auf das neue SchulunterhaltungSgesetz beantragt der Magistrat, die städtische Schuldeputation und die Deputation kür die höhere Müdchenfchule aufzulösen und der elfteren nach vollzogener Neuwahl auch das höhere Mädchenschulwesen zu über« tragen. Die Trvutation soll dann auch von 9 auf 15 Mitglieder erhöht werden. Stadtv. Abraham spricht gegen die Auflösmig der Deputation für die höhere Mädchenschule, die nicht— wie der Magistrat behauptet— ihren Zweck erfüllt habe, sondern bei dem geplanten Ausbau des höheren Mädchenschulwesens noch Aufgaben zu lösen bekomme. Redner weist nach, daß das Schulunterhaltungö- gesetz vom 28. Juli 1996 auch gar nicht die Aenderung des gogen- wärtigen Zustandes bedinge. Tie Auslösung und Vergrößerung den städtischen Schuldcputation könne bei dem umfangreichen Volks- schulwesen Rixdorfs ohnedies erfolgen und sei wünschenswert.— Stadtv. Dr. Silberstein(Soz.) und Koye sind derselben Auffassung. Ersterem ist es unverständlich, wie man schon vorher auSkneifcn wolle, ehe die Regierung irgend welches Verlangen gestellt habe. Das sei eine merkwürdige Art, um die Selbstverwaltung zu wahren. Vor der Ocffentlichkeit müsse eins Aeußerung de» Dezer- mnten in der Schuldeputation festgestellt werden, nach welcher Mitglieder der Schuldeputation gedroht haben sollen, die Stadt bei der Regierung zu denunzieren, wenn nicht das höhere Mädchen- Schulwesen der städtischen Schuldeputation ausgeliefert würde. Schulrat Anders soll dabei beteiligt sein. Dagegen muß cner- gisch Protest eingelegt werden.— Bürgermeister Dr. Weinreich sucht die vom Vorredner gekennzeichneten Drohungen als Harm- loS hinzustellen. Nach einigen Einwendungen erklärt er sich mit dem Antrage Abraham, der nur die Schuldeputation auflösen und neu wählen, alles andere aber vertagen will, einverstanden.— Die Versammlung beschließt hierauf demgemäß. Nachdem drei weitere kleinere Vorlagen ohne nennenswert Debatte erledigt waren, fand noch ein geheime Sitzung statt. Steglitz. Gemeindevertretersivung. Der Vorsitzende teilte der Versamm» lung mit, daß der besoldete Schöffe Dr. Beyendorfs zum Gc- meinoevorsteher von Lankwitz gewählt sei und daher zum 1. April aus unserer Verwaltung zu scheiden gedenke. Die Vorberatung über eine etwaige Neubesetzung dieses Postens wurde einer Kom- Mission überwiesen. Hierauf gelangte die neue Hundesteuer- ordnung mit einem Steuersatze von 16 M. in zweiter Lesung zur Annahme.— Das von der Versammlung angenommene neue Orts- statut für die gewerkliche Fortbildungsschule bringt verschiedene Neuerungen. Zunächst verpflichtet es nur die hier b c f ch ä f- t igten Lehrlinge zum Besuche der Schule und setzt als Ent- lassungstermin dasjenige Halbjahr fest, in dem die Schüler das achtzehnte Jahr vollenden. Der Unterricht findet in der Zeit von 9 Uhr morgens bis 7 Uhr abends statt. Als Schulstrafen werden festgesetzt: Geldstrafe, Verwarnung und Nachsitzen. Die ständige Vermehrung der Schüler macht abermals die Anstellung einer ganzen Anzahl neuer Lehrkräfte sowohl an den höheren wie an den Gemeindeschulen nötig. Die erforderlichen Mittel wurden bc- willigt.— Das Bauprogramm für das Realgymnasium wurde genehmigt und beschlossen, zwecks Erlangung von künstlerischen Ent- würfen für die Fassade ein Preisausschreiben zu erlassen.— Zur Ausführung des zweiten Bauteiles der Gemeindeschule in der Ringstraße wurden die erforderlichen Mittel bereitgestellt.— Vor zwei Jahren bewilligte die Gemeindevertretung dem Gymnasium einen lährlichen Beitrag von 599 M. zwecks Beitritts zum Schüler- rudervcrein„Wannsee". Nunmehr hat auch die Leitung der Oberrealschule den Wunsch, den Herren Jungens, deren Väter die üblichen, jedenfalls nicht geringen Extraausgaben für diesen Sport bezahlen können, Gelegenheit zum Nudern zu geben. Da es sich nach Auslassungen der bürgerlichen Vertreter um die Kräftigung „unserer Jugend" handelt, wurden die geforderten 1459 M., und zwar 959 M. einmalig und 599 M. dauernd, bewilligt. An dem Gymnasium kommen die 599 M. 29 Schülern zugute; da bei der Realschule kaum mehr in Betracht kommen dürften, so bedeuten die 1459 M. ein Geschenk der Allgemeinheit an wohlhabende Mit- bürger von rund 79 M. pro Kopf. So sorgt unsere Gemeinde- Vertretung für„unsere Jugend".— Auf Antrag des Gemeinde- Vorstandes wurde ferner beschlossen, den Lehrerinnen an den zwei hiesigen höbercn P r i v a t- Mädchenschulen Pensionen von 699 bis 759 M. jährlich zu zahlen. Hiermit war jedoch das Kapitel „Schulkostcn" noch nicht erledigt. Nachdem eine ansehnliche Summe Vertretungskosten bewilligt war, kam noch ein Dringlich- keitsantrag auf Gewährung von Teuerungszulagen an die Lehrer für das verflossene Jahr. Dieser Antrag wurde vorerst der Etats- kommission überwiesen. Der schon in der vorigen Sitzung ge- kellte Antrag auf Abänderung des Gemeindewahlrechts wurde einer Kommission überwiesen, die außerdem noch folgenden Antrag vorbcraten soll:„Verständigung mit den übrigen stadtähnlichcn Berliner Vorortgemeinden wegen Einleitung geeigneter Schritte zwecks Beseitigung des HauSbcsitzerprivilegS aus der preußischen Landgemeindeordnung." Gummelsburg. Dir erste Gemeindevertreterfitzimg im neuen Jahre war gegen sonst nur schwach besetzt. Beim ersten Punkt der Tagesordnung, die AuS- losung der zum 1. April ausscheidenden Gemeinpcvertreter. wurde unser Vertreter Gläser ausgelost, außerdem scheidet in der dritten Abteilung Genosse GorgaS und der bürgerliche Vertreter Werther aus. Bei Besprechung der Jahresberichte der Schulärzte nahmen unsere Vertreter Veranlassung daraus hinzniveisen, daß die Berichte wenig iibersichltich und äußerst trocken gehalten sind und daß auch die Untersuchung der Rinder allem Anscheine nach viel zu wünschen übrig läßt, nur ein einziger Arzt(Dr. Wagner) hatte Veranlassung ;e»omiiten, auch auf emzelne Uebelstände und Ursachen >es schleckten Gesundheitsbefundes der von ihm untersuchten Kinder hinzuweisen und gleichzeitig einige Borschläge zur Abstellung dieser gerügten Uebelstände gemacht. Wie wenig zuverlässig und branchbar die Berichte sind, geht anS der großen Drsserenz in der Angabe nach Prozenten der als trank und gesund ausgeführten Kinder deutlich hervor. Der eine Arzt hat z. V. als vollständig gesund 39 Proz. Kinder befunden, ein anderer Arzt dagegen nur 3.3 Proz. Als krank hat ein Arzt 25 Proz. Kinder befunden, der andere Arzt aber nur 2.5 Proz. Der Gemeindevorstand versprach für entsprechende Abhülfe Sorge tragen zu wollen. Eine rege Debatte zeitigte die Verpachtung der beiden Wochenmärkre. Der Gemoindevorstand beantragte, dem bisherigen Pächter die Wochemnärkte ohne Ausschreibung wiederum auf weitere drei Jahre gegen eine von diesem Pächter selbst gebotene jährliche Pachtsumme von 29 990 M. zu verpackten.— Unsere Vertreter beantraglen und begründeten hierzu össentliche Ausschreibung, die auch nach längerer Diskussion mit großer Mehrheit angenommen wurde.— Zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen den privilegierten Hansbesitzern und unseren Genossen kam es bei Beratung einer neuen Grundsteuer- ordnung. Nack dieser neuen Grinidsteuerordnung wird als höchster Satz der Gebäudebeslenernng 3 M. von 1090 M. gemeinen Wertes estgelegt. In den letzten Jahren betrug der Satz, den die Grund- besitzer zu zahlen hallen, 3.25 M. Damit das Geschenk, das man den Hausbesitzern hiermit in den Schoß wirst, die Finanzen der Gemeinde nicht gar zu arg schädigt, sollen die unbebauten Gnntd- lüde zum doppelten Satze wie die Gebäudegrundstücke zur Steuer herangezogen werden.— Da nun aber die unbebauten Terrains in der Mehrzahl der Stadt Berlin gehören, so wird der Berliner Ge- meindesäckel dieses HauLbesitzcrgeschenk hauptsächlich tragen müssen. Unsere Vertreter machten in längeren Ausführungen der Hans« besitzerpartei klar, daß es sich auf keinen Fall rechtfertigt, wenn dieselben in einer Zeit, wo der HauSwert ständig im Sieigcn ist. noch ein solches Geschenk von einer sinanziell schlecht gestellien Gemeinde annehmen wollen, geschweige sich selbst bewilligen. Die wenigen Gegcnaussührungen gipfelten hauptsächlich in dem Klage- lieb, daß die Lage der Hausbesitzer eine so trostlose sei. daß dieselben bei einer Nicht- Herabsetzung der Steuer ver- zichten müssen, noch länger das schwere Amt eines Hauswirtes zu tragen.— Die Hansbesitzer stimmten denn auch geschlossen für die Herabsetzung der Steuer auf den Höchstbetrag von 3 M.— Eine für die Herren Hurrapalrioten wohl nicht angenehm« und unerwartete Erledigung fand der letzte Punkt der Tagesordnung. welcher die Wahl von Mitgliedern zu einem Denkmalsausschuß vorsah. in de» Sandgemeinden. Da? schlimmste ist jedoch, daß man da? Selbslverwallungsrecht der Gemeinden einschränlen will, um die Wohlhabenden vor Sleuercrhöhnngen so iveit wie möglich zu schützen. Für Kopenhagen, da? dringend einer Erweiterung seines BesteuerungS- rechtes bedarf, soll das jetzt geltende Maximum von L'/g Proz. vom Steuereinkommen bestehen bleiben. Für die Stadt- und die Kirchspielorte soll das Recht, die Äommunalsteuern zu erhöhen, in der Weise eingeschränkt werden, daß z. B. eine Stadt wie Aarhus, wo in den letzten vier Jahren die Erhöhungen der Vermögens- und Grundsteuern 170 000 Kronen ausmachten, 110 000 Kronen das Maximum sein müßte. Aehnlich müssen die Einschränkungen, die nur mit Genehmigung des Ministeriums des Innern oder des Amtöratcs überschritten werden können, in anderen Kommunen wirken zum Schaden der Entwickelung der Städte und Orte.___ Versammlungen— Veranstaltungen. AdlerShof. Dienstag. 14. Januar. 8V2 Uhr. bei Wöllstein. WS» marckstraße 24. Vortrag:„Erste Hülfe bei Unglücksfällen. Reinickendorf. Mittwoch, den 15. Januar, bei Hoffmann. See- und Aegirstraßen Ecke. Gemütliches Beisammensein. Baumschulenweg. Mittwoch, den 15. Januar, abends SVa Uhr, bei Christ. Marienthalerstraße. Generalversammlung. Bortrag: Genosse Bariel:.Die Geschichte der Schrift*. Bericht und Neuwahl des Vorstandes. Königswusterhausen und Wildau. Mittwoch, den 15. Januar be» Schumann, Wildau. Generalversammlung. Bericht der Vor- sitzenden und Kassiererin. Neuwahlen des Vorstandes. Vcr- einsangelegenheiten. Britz. Donnersrag. den IS. Januar, abends 8>/z Uhr. bei Weniger. Britz. Werderstraße. Vortrag. Genosse Dr. Schütte:»Schule und Hanö*. Rummelsburg. Sonntag, den 19. Januar, ÖM.* Uhr bei Tempel Alt-Boxhagen 56. Vortrag: Herr Schriftsteller Hugo Fründ. Rezitation usw. Nachher gemütliches Zusammensein. Charlottenburg. Mittwoch, den 22. Januar, 8lh Uhr, im Volks- Haus, Rosinenstraße 3. Bortrag des Genossen Philipp Busse? Naturheilkunde._ Vermischtes. Das Ende de? Kassierers. Wie eine Meldung aus München besagt, ist der seit vorgestern verschwundene Geschäftsführer der Mannheimer Darlehenskasse, Mayer, vorgestern von Spaziergängern im Ncckorauer Walde tot aufgefunden worden. Mayer hat seinem Leben durch Erschießen ein Ende gemacht. Begnadigt. Nach einer Meldung aus München hat der Prinz- regeitt den zum Tode verurteilten ehemaligen Zirkusdireltor David Niederhofer zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Starke Kälte, 24 Grad Celsius, herrscht, wie eine Meldung auS Sigmaringcn besagt, in Hohenzoller». Es ist viel Schnee gefallen und die Donau und ihre Nebenflüsse sind gefroren. Unglück beim Rodeln. Aus Soden(Taunus) wird von gestern gemeldet: Beim Rodeln hat sich auf der Strecke Königstein— Neun« Hain— Soden ein schwerer Unglücksfall ereignet. Em mit sechs Personen besetzter Schlitten rannte gegen einen Baum. Zwei In- fassen namens Bockenheimer und Christ, junge Leute aus Soden, wurden aus der Stelle getötet, während ein dritter namens Gamisch auf dem Wege zum Hospital starb. Von den drei übrigen wurden einer schwer, die beiden anderen leicht verletzt. Der hiesige Kriegerderein hat. um wohl auch seinem Dasein einen Schein von Berechtigung zu geben und um auch wohl durch eine große patriotische Tat sich ganz besonders nach oben bemerkbar zu machen, beschlossen, in Rummelsburg ein Kaiser-Friedrich-Denk- mal zu errichten. Die Gemeindevertretung sollte nun auS ihrer Mitte zu diesem Denknials-Ausschuß sechs Mitglieder stellen, wodurch natür- lich die Gemeindevertretung auch zugleich die Verpflichtung einer finanziellen Unterstützung übernehmen würde. Nachdem Genosse John in gebührender Weise das Unsinnige zu einer solchen Denkmals- griindung für den Ort Rummelsburg in finanzieller und örtlicher Beziehung dargelegt hatte, sah sich nur der Herr RecktSanwall Bern- hard> veranlaßt, noch auf sein und anderer Leute ihr patriotisches Gefühl besonders aufmerksam zu machen. Hierauf wurde der von unseren Vertretern gestellte Ablehmingsantrag gegen fünf Stimmen angenommen. Eichwalde. Dir Ersatzwahl zur Gemeindevertretung für den seit Oktober wrigen Jahres verwaisten Sitz des Kaufmanns Lucht findet heute Dienstag, nachmittags von 4 bis S Uhr, im Rathause statt. Es muß sich bei dieser Gelegenheit zeigen, ob der rechtlich denkende Teil der Bürgerschaft, der bei den bisherigen Lerhättnissen schon oft da» Fehlen eines Vertreters der Arbeiterklasse beklagt hat. eS bei dem bloßen Bedauern bewenden läßt, oder gewillt ist. für feinen Teil mit dazu beizutragen, den ersten Hecht in den Karpfenteich unseres GemeindepartanientS einzusetzen. Un'eren Parteigenossen aber noch einmal die ernste Mahnung, alles aufzubieten, um den letzten Mann heranzuholen I Wir haben uns in«rfter Linie auf uns selbst zu verlassen. DieS muß um so mehr geschehen, als die diesmalige Wahl für uns besonders schwierig ist, weil ein Teil unserer früheren Wähler verzogen ist und neu hinzugezogene nicht ivahlbercchtigt sind, da auf Grund der atten Listen gewählt wird. Trebbin(Kreis Teltow). Bekanntlich erklärte die letzte Stadtverordnetenversammlung die Wabl der Stadtverordneten vom 22. November vorigen Jahres für ungültig. In der nun am 9. Januar stattgesuudenen Stadt- oerorbnetcnversammlung stand die Neuwahl des Vorstehers, Schrift- föhrerS, Protokolljührers und deren Stellvertreter auf der Tages- ordnung. Trotzdem vorher die Frage aufgeioorfen war, ob es ratsam sei. daß nach der am 22. November erfolgten Ungültigkeits- erktärung man in in die Neuwahl eintrete, beschloß die ans 15 Per- fönen bestehende Versammlung, dieselbe vorzunehmen. Bei der nun erfolgenden Borstehcrwahl entfielen bei einer Stimmenthaltung auf den bisherigen Vorsteher und dessen Stellvertreter je 7 Stimmen. In der Siict'waht wurde der stellverirelende Vorsteher Rathenow mit 8 gegen 7 Summen, die auf den bisherigen Borsteher Haafe rmsielen, gewählt. Als Stellvertreter wurde Stadtv. Binge gewählt. Als Schriftführer wurde Stadtv. Fenger wieder- und Stadtv. Koppen ucugcivählt. Zu Prolokolltührern wurden die Stadtveroroueteii Haafe und Ribvek gewählt, nachdem dlefeiben unter den verschiedcusten Einwänden bereits abgelehnt hatten. Nowawes. Tie letzte Gemeindevertretersttzung nahm vsn einem Schreiben der Eisenbahnverwaltung Kenntnis, welches sich mit dem Antrage t)er Gemeindevertretung auf Höherlegung de» Bahnkörpers und Schaffung einer besseren Verbindung mit Potsdam und Berlin beschäftigte. Danach lehnt es die Eisenbahnverwallung grundsätz» lich ab. die durchgehenden Züge in Nowawes halten zu lassen, da nach ihrer Meinung die Verbindung mit Berlin und Potsdam ge- nügcnd ist, was sie durch statistische Ausführungen zu beweisen sucht. Im übrigen solle sich die Gemeindeverwaltung innerhalb sechs Wochen äußern, welchen Betrog sie zu den Kosten der Höher- legung des Bahnkörpers trotz der Ablehnung der Errichtung einer Haltestelle für die Borortzüge beitragen wolle. Die Angelegenheit wurde der Finanz» und Wegekommission zur Borberatung über» wiesen.— Die Anlieger der westlichen Lindenstraße. in welcher ein geteilter Fahrdamm hergestellt werden soll, haben eine Petition an die Gemeindevertretung gesandt, in der sie sich gegen den vor- läufig aufgestellten KostenvcrteilungSplan für die Pflasterung auS- sprechen und um Abänderung desselben ersuchen. Nach dem auf- gestellten Plan hätten sie höhere Beiträge zu leisten wie die An, tieger der östlichen Lindenstraße. in welcher nur ein einfacher Fahr- dämm hergestellt werden soll und somit die Regulierung billiger zu stehen kommt. Da die Herstellung des geteilten Fahrdammes nicht im Interesse der Anlieger, sondern der Gemeinde liege, so sähen sie sich nicht veranlaßt, höhere Beiträge zu leisten wie die Anlieger der östlichen Lindenstraße. Die Vertretung beschloß, die Beratung über die Petition bis zur definitiven Festsetzung des KostenverteilungSplancS auszusehen.— Nach der Neuaufnahme in den Volksschule» ist die�Errichtung einer neuen Lehrerstellc not. wendig geworden, wozu die Mittel von der Vertretung bewilligt iverden.— Zur Pflasterung der Lindenstraße, welche im westlichen Teil mit Knpferschlackensteinen ausgeführt werden sollte, muß anderes Material verwandt werden, da die Firma Werner-Lcipzig. »selche Gcneralvcrtreterin sämtlicher Werke ist. die Kupfcrschlacken- steine herstellen, nicht in der Lage ist. im Laufe des Svmmerlmlh- jahres diese Steine zu liefern. Um die Pflasterung der Linden- sirahe im Frühjahr zu ermöglichen, beschließt die Vertretung, für die Strecke von der Wilhelinstraße bis zum Thalschen Grundstück Granitpslaster von Reihensteinen herstellen zu lasscn. welches von der Firma March u. Co. zum Preise von 7,50 M. pro Quadratmeter bezogen werden soll.— Di« übrigen Punkte der Tagesordnung betrafen nur kleinere Vorlagen.— In der nächsten Sitzung wird die Gemeindevertretung sich noch einmal mit der Frage der Neu- beneunung unseres Ortcü befassen. Die bürgerlichen Vertreter haben wahrscheinlich an der ersten Absuhr. die sie sich w dieser Sache von der Regierung geholt haben, noch nicht genug, und wollen nochmals an die maßgebenden Behörden um Neubenennung des Ortes mit einem deutschen Namen petitionieren, da der jetzige böhmische ihr„Nationalgcfühl* beleidigt; ob sie diesmal Erfolg baden werden, bleibt abzuwarten. Bei jedem ernsthaften Menschen kann dies Gebaren natürlich nur Kopfschütteln erregen. BotSdam. In der am Freitag avsebaltenen Stadtverordnetenversammlung beglückivunschte Oberbürgermeister Bosberg die neu- rcsp. wiedergewählten Stadtverordneten und wies auf die Wichtigkeit ihrer Ausgabe hin. Pflicht eines Stadtverordneten sei vor allen Dinge», sich, losgelöst von allen Partei- und VereinSinteressen, am Gemeindewohl zu betätigen. Nachdem er dann den Neu- gebackenen durch Handschlag das Versprechen abgenommen, im Interesse der Stadt nach bestem Wissen und Gewissen zu arbeiten. und ihnen hierbei die übliche goldene Amtökette überreicht hatte. ergriff Stadtverordnetenvorstehcr Boll« das Wort, um seiner Freude darüber Ausdruck zu geben, daß die neuen Stadtverordneten aus allen Ständen hervorgegangen seien, so seien Gelehrte. Be- amte und Geschäftsleute unter ihnen(den Arbeiterstand rechnet man hier nicht mit. denn der hat keine Nummer). Bei der Bureau» »vahl wurden die Stadtverordneten Bolle, Vorsteher: Pauli, Vorsteherstellvertreter; Schmüser, Schriftführer und Töpfer, Bei- sitzer, wiedergewählt. Zu einer Auseinandersetzung gab ein« Ein- gäbe verschiedener Pcnsiongeber Veranlassung, in der die Stadt- verordnetenversammlung ersucht wird, dem Mangel an Platz in den hiesigen höheren Lehranstalten abzuhelfen, damit mehr Schüler von außerhalb untergebracht werden könnten. Beschloffen wurde schließlich, die Sache dem Magistrat als Miaterial zu überweisen. Unter anderem stand auch die Umwandlung der katholischen Schule in ein sechsklassigeö Schulsystem aus der Tagesordnung. Dieser Punkt wurde eliier Kommission zur Bearbeitung überwiesen» Zweiter Wahlkreis. Die Bezirksführersitzung bei Habel fällt aus; die Bezirksführer haben sich um 8 Uhr in ihren Abteilungslokalen einzufinden. Eins der frauenbewegirng. Gefährliche Plakate. Zu den letzten ruhmreichen Taten der OrdnimgSmenschen gehört auch das Abkratzen etlicher tausend roter Plakate. In aller Stille halten tapfere Genoistimen den Plan gefaßt, die Berliner Be- Völkerung Sonntag früh auf die Parole des TageS aufmerksam zu mackien. Sie ließen eine stattliche Auflage Plakate drucken mit der Ausschrist: Nieder mit dem Dreiklassenparlament k Her mit dem freie» Wahlrech» für Männer und Frauen? Und nach Mitternacht konnte man in den verschiedenen Stadt- teilen Frauen, mit dem Kleistertops betvaffnet. lustig an der Arbeit sehen. Zäune, Masten und öffentliche Gebäude wurden zur Feier des Tages mit den roten Plakaten verziert. Jedoch das Auge der .Ordnung" wachte. M>t Tagesanbruch waren die staatsumstürzcnden Plakate fast überall wieder abgerissen, teilweise sogar sehr sauber herunlergekratzt. Preußen wurde doch noch einmal gerettet. Unter den wenigen Plakaten, die der staatsretterischen Abkratzerei entgangen waren, gehörte merklvürdigerweise auch das, welches an einem Granit- Pfeiler des GitterlverkS vor dem Kriminalgericht angeklebt worden war. An diese heilige Stätte haben sich die Ordnungsarbciter wohl nicht herangewagt. Auch am Sonntag in den Demonstrationszügen, besonders in denen au« dem 6. Wahlkreise, waren die Frauen stark vertreten. Bei einer Attacke der Schutzmamischaft in der Rosenstraße wurde auch eine Frau mißhandelt. Ein.Schutz"maltn versetzte ihr einen Schlag auf den Kopf, daß der Haarkamm lies eindrang. Auch Kinder, die zur Eisbahn wollten, sind mißhandelt worden. Mit solchen Taten wird man dauernd das Priviteglertenrecht in Preußen nicht halten. •»* Die liberalen Frauen— demonstrieren. Von der liberalen Frauenpartet geht unS folgende Mitteilung zu: Die am 11. Januar 1903 versammelte Liberale Frauenpartei bedauert auf tiefste die Ablehnung der g c h e i m e n Wahl seitens der SlaatSrcgierung, da nur durch diese Wablreform die Freiheit der Wahl sür breite Schichten der Bevölkerung gesichert ist. Sic spricht ferner die Erwartung aus, daß bei der nunmehr geschaffenen Sachlage die Liberalen aller Richtungen sich zur Erhebung ein- hettl icher. praktischer Fordernngen verbinden, um endlich dem Arbeiterstande einen Anteil an der preußischen Volksvertrelung zu erringen.— Die Herren Liberalen, die sich vor aller Welt von der preußische», Regierung und ihrem Dlockkonzler wie dumme Jungen behandeln lassen, werden sich wegen der Mahnung der liberalen Frauen sicher nicht in Unkosten stürzen. UebrigrnS hätten die liberalen Frauen nicht ganz übersehen sollen, daß die Forderung deS Frauenivahl- rechts sowohl von der Regierung al« auch von sämtlichen bürger» lichcn Parteien einfach ignoriert worden ist. Frauenwahlrccht in Dänemark. Für die dänischen Provinzstädte und Landgemeinden gilt daS Zweiklassenwahlrecht zu den Gemeindevertretungen, während in Kopenhagen daS kommunale Wahlrecht zwar gleich, jedoch an ein Steuereinkommen von mindcnfts 1000 Kronen gebunden ist. Die weibliche Hälfte des Volkes ist dort wie hier gänzlich wahlrechtslos in staatsbürgerlicher Hinsicht. Versprochen wurde dem dänischen Volke das allgemeine gleiche Gemcindctvahlrecht schon bei dem„liberalen Systcmwcchsel" im Jahre 1901, als der alte König Christian sich endlich, nach vreißig- jährigem Kampfe gegen die Oppositionsparteien, entschloß, ein der FollethingSmchrheit entsprechendes Ministerium zu ernennen. Dem Reichstag Dänemarls liegt auch schon seit Jahren ein Re- gierungöeutwuef vor, der das allgemeine gleiche Gemcindcwahl- recht bringen soll, und zwar auch für die F r a u e n. Dieser Entwurf ist auch vom Folkcthing, der auf Grund deS allgemeinen gleichen Wahlrechts der über 39 Jahre alten Männer gewählten zweiten Kammer des Reichstags, angenommei' worden, jedoch bisher am Widerstand des LandSthirtgS. der nach dem Zweiklassen- recht gewählten ersten Kammer, gescheitert. Noch im Jahre 1905 entschied sich das Landsthing mik 80 Stimmen bei 24 Stimmen« enthaltungen für Beibehaltung des kommunalen Zweiklassenwahl. Unrechts, sowie für Beibehaltung dcS Steuerzensus in Kopenhagen. Inzwischen scheint die Stimmung sich nun doch ct>vas geändert zu haben. Wie ein Telegramm aus Kopenhagen meldet, ist in dem LandSthingsausschuß, der sich mit der Regierungsvorlage zu be- fassen hat. ein Ucbcreinkommcn zwischen de» Vertretern der Frei- konservativen, der RegierungSliberalen und der Gemäßigtliberalen zustande gekommen, das die Einführung dcS allgemeinen gleichen Gemeindewahlrecht« für Männer vom 2 5. Lebensjahr ab zu sichern scheint. Die Wahlen sollen nach einer proportionalen Methode vorgenommen werden. DaS Uebcreinkommcn hat jedoch mindestens einen Pferdefuß. Man »vill zu den höheren Kommunalämtern, den AmtSräten, die über den ländlickien Gemeindevertretungen, die über den Kirchspielräten. stehen und jetzt von diesen geivählt werden, den größten Steuer. zohlern ein direktes Wahlrecht geben, so daß sie immer noch ei» Dritte! statt bisher die Hälfte der Wahlmänner bilden. Ein Privilegierten- oder Klassenwahlrecht soll also für diese Körper- schaftcn beibehalten, oder in neuer Forin geschaffen»Verden. Kommt auf Grund dieses Ucbcreinkommens die kommunale Wahlrechtsreform im Landsthing zustande, so»vird sie in der- selben Form vielleicht auch im Folkething eine Mehrheit finden. Die Einführung deS allgemeinen Gcmeindcivahlrechts für die Frauen wäre damit gesickert, ebenso die Abschaffung deS Zwei- klassenwahlrcchts in den Gemeinden bis auf das Privilegierten- Wahlrecht zu den AmtSräten, das ein Zugeständnis an die Reaktion ist und den Wert der ganzen Reform beeinträchtigt. Betrachtet man den Vergleich, den die Vertreter der RegierungS- Partei mit denen der anderen reaktionären Parteien geschlossen haben genauer, als eS»lach dem Telegramm möglich war, da»» erkennt »»an erst recht, mit»velch schweren Opfern an die Reaktion die Ab- schasfung deS ZtveiklasienwahlrechtS»vis die Euisührung des Gesinde« und des FrmieiilvahlreckNS erkauft werden sollen. Es soll zunächst da» Wahlrecht davon abhängig gemacht werden, daß ma» mindestens ein Jahr lang vor dem Steuerjahr, iii dem die Wahl stattfindet, in der Kommune ansässig war. Da die Koinniunalivahlen im März stattfinden, die Untzugslermme für das Landproletariat aber auf den l. Mai und 1. November fallen, diese Daten aber nicht mit dem Beginn deS StenerjahrcS übereinstinmien, muß ein Landarbeiter, Dienstkiiecht oder eine Dienstmagd tatsächlich zwei bis drei Jahre in einer Kommune wohnen, ehe sie das Wahlrecht haben. Mach der jetzt noch gellenden WahlrechiSordnmig genügt eS. daß man ein Jahr lang vor Staltfinden der Wahl in der Kommune wohnt. Des »vetteren sollen die Gemeindevertretungen jedes vierte Jahr neu ge- wählt werden.»Vahrens jetzt i» den Proviiizstädten und Landgemeinden in kurze» Zwischenräumen je die Hälfte der Vertreter ausscheiden. In Kopenhagen, wo jetzt icdeZ Jahr sechs von den 42 Vcrttcterit neu zu wählen sind, würden danach auch nur jedes vierte Jahr Kominunalwahlen statlfinden. Als drittes Zugeständnis an die Reaktion folgt dann das direkte Amtsratswahlrecht der Höchstbesteuerten Eingegangene vruckfckritten. Kultur und Fortschritt. Heft 133. Der Sstervelchisch-unsarilche SkuS- gleich. Von F. Gärtner.— Heft 134. Vereins- und Versammlungsrecht. Von Dr. jur. A. Elster.— Heft 135. DaS Fraucnsiimmrecht In den verschiedenen Ländern. Von Adelh. v. Welezeck.— Heft l3S/J7. Die Berufölätigkeit des weiblichen Geschlechts. Von Henriette Fürlh.— Mli:i9/30. Soziales Strafrecht. Von Dr. jur. S. Weinberg.—Hest 110. Die Lage»ud Enttvickelung der italienischen Industrie im Vergleich zur deutscheu. Von L. Paolett.— Heft 14i. Die Wohnunasaussicht. Von W. v. Kalckstein. Nuzelhest 25 Pf.. Doppelheft 50 Pf.- Die SiÄelt von der mau nicht spricht. Von A. Pappntz. 60 Pf. Verleg F. Dietrich in Gautzsch bei Leipzig.— Bodeureform. Nr. 1. ISO». Herausgegeben von d Damaschke. Verlag I. tzorrwltz Aachs. Berlin SVf. 48. Maudauer» unterhaltende gabeln in Versen. 1.50 N- Selbstverlag in Warnsdor, i. B. „Miisikmnppe». Monatlich ein Heft. 50 Pf. Verlag DO* D. Bodach u. Co. in Leipzig. ßHefkaften der Redaktion. Di»{nriftltAc Svrechstnud» findet Ltudenktrahe Nr. 3, zweiter Hof, dritter Eiugang, vier Treppe». SW Fabrstnbl-tz» wolbentäalich von?>,, di»!>■/> Ulir obende- statt,»eöffuel 7 Uhr. Sv»»adr»dd beginnt die Sprechstunde am 0 Illir. Jeder»liisrage.» ein Buchstabe uud eiue Zahl al« WIert, eichen beizusiigeu. Briciliche Autwort wird nicht erteilt. Etlige Jragen trage man in der Sprechstunde vor. G. Stern. Nicht verwendbar.— A. Gl. 4. C. Ansorg»»vohnt Westends Nutzdaum-Allee 27.— M. G. 83. Nähere Mitteilungen(olgen. — L. 58, l. In fönt Jahren. 2. Auskunft darüber, ob bestimmte Länder wegen bestimmter Vergehe« oder Verbrechen ausliefern, müsfen wir arund» lätzlich ablehne», weil m der Beantworluna von der �taalsanwaltfchast und vom Reichsgericht eine Begünstigung der Strastat erblickt iit. Hingegen steht e» jedem frei, auS den AuSlieferunaSverlrägen. die er m Sffentlichen Bibliolheken einleben tan», sich selbst Ausluiisl zu geben. 3. Antwerpen. Auskunft über Fuhrpretfe und dergleichen erhallen wie zuverlässig tn den amilichen Auskunftsstellen der Eisendahnverivallung Schlesischer Bahnhof, Alexanderplatz, griedrichstrasie, Potsdamer Bahnhof, Anhalter Bahnhof. — St. 1«. Die Verabreichung der Losung ohne einen Echem»var unIereS SrachlcnS nicht gestattet. Euchen Sie eine iueisprechung dadurch zu erzielen, dah Sie darlegen, ein Verkauf in der von Ihnen abgegebenen mehrfach ver- dünnten LSfiing widerspreche Ihre« Erachtens der Verordnung nicht, — Cd. 100. 1. Berliner Freibäderverein, Nicdstr. 7, pt. 2. Nicht zu ermitteln. — Otto. Strpüanplny, Die Strafe»vegen Körperverletzung beträgt Geldstrafe bis>000 Uli. oder Gefängni« Ii« zu drei Jahren. Ist die Körperverletzung mittels einer Waffe oder mittel« eine« hinterlistigen ueber- (alles oder von mehreren gemeinlchafttich oder mittel» einer da« Leben ge- fährdenden Behandlung begangen, fo tritt«Gefängnisstrafe von zwei Monaten bi« fünf Jahren ein. Wegen der Vorstrafe empfiehlt c« sich in Ihrem Fall, den Beistand eines Verteidigers uachzufucheu. Nmtlichcr Marktbericht der städtischen Markthallen-Direltion über den«rirobhaiidel in de» Zeiitral-Martthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr stark, Gefchäst fchleppend. Preise für Schweinefleisch nachgebend, sonst unverändert. Wild: Zufuhr reichlich, Geschäft flau. Preife be» kauplet. Ö e s Iii g e I: Zufuhr genügend. Eeschäjt still, Preise normal. Fische: Zusuhr mäsitg.(öeschäst ruhig, Preise sür Hechte»iedriger, sonst iveuig verändert. Butter und Käse: Gefchäst ruhig, Preise unver- ändert. G emüfe, 0 b st und S üd srüch t e: Zufuhr genügend, Geschäft still, Prelfo unverändert. «ittertmgvübersicht vom 13. Januar»008. SUHnmi Swtnemde Mamburg ?er!in Franss.a M Müncheu Kien £ 3 L5 II i 5 I 3 772® 774 WSB 773 Still 774 D 777 O 775 0 euiUnen 28 c B L- c o m— B I B ä Haparantza 756®SD Petersburg 759® Seillh 762 3 0 übcrdeen 704 33® Part» 769 30 Q eilet 4 heiter 1 Schnee 4 bedeckt 1 heiter lioclkcnl »ai d* Ü *«31 —6 -11 4 0 -7 Wetterprognole für Dienstag, de« II. Januar 1908. Etwa» kälter, vieljach nebelig, fönst ziemlich heller und trocken bei fchwachc» südösUichen Winden. Verlincr Aetterburea» 169TL* Hnr einmal jährlich! a» Inventur- Raumüngspreis! :Smyrna Eine Partie imit Kn haben In allen das delledleste. OberaO käullicli. ein farbenpraebfiges Gewebe In eebl orlcntallscben Mustern 90X165 cm M. 4,86(Wert 6,50) 130X195„„ 8.25„ 11,60) 160X230„„ 12.75„ 17.50) m<3110„„ 13 00„ 2i,00i 230 X 350„„ 23.73„ 30,00) 300X100„„ 39,00„ 48,00) Pass, Bett- and Palt-Tepplcbe Stück 1.75, 2,25 a. 3,00 Mark. Nach�answfirtsjiier Nachnahme. Teppicli-Spezial-Haus Berlin Söd. Seit 1882; mi OraRiciisir. 158. Habe nirgends Filialen! Inventur« Extraliste billiger Sonderangebote gratis u. franko. i« SiMelhardt-lfalzbier Preis 10 Pf. pro Flasche. M rfr&RIJdernS�I:! � Fabrik-Lager sämtlicher gangbarer Kautabake p | Speziaiii; Nordhäuser Kautabak» J stets frisch cd billigsten Engros-Preisen. 1532 L» P ISar Carr6« System.-WG Berliner Sclineider-Akademie HauS, 176 000,—, 2250 Ucbcrsch., verlause. Ofs.„6000 kne." Postamt 98. von Rudolf Maurer(Inhaber Alfred Maurer) nur W., Frlcdrichstr. 05 a Ecke MohrenstraOo. 1564L* Am 1. und 15. jeden Monats beginnen neue Tages- und 1' 1 11•—= Abendkurse. 1= Bitte die Firma und Straße genan zu beachten. Es gibt nur eine Akademie von Rudolf Maurer hier am Platze. iSanaloriim üiesdea I.Oisniia". Herrl.mlldo L>iye. Sächs.NIz/a�-�V rr«§pekt« � frei, bellertolfre. Direktoi "ÖU Alfrvd Hilz. CbefKizt t*- i»r A«' h- f.. I n' ernat H bs tn-n Fftz Saturn«HD u h 1'/o Miüionen vsr*. ygienische Uedarraartlbel, Gummiwaren, lOOOe Anerk. V. Prof. u. Aerzt. empf, blll. Apoth. S. Sehweltzers Fab. hyg. Präp., Berlin 0., Holz- marktstr. 69-70. Ofi. verlang fSlr empsehlm unseren Lesern jolgende Neu- erlcheinuugen: Vereinsrechi und Polizei. Eine Denkschrisl gegen ble Vcrpreuhung und Versächse» luna deS deulschen Vereins- u BerlammIungSrechlS. PrelS 2 M. ZozislüemoKraliZellL TlagzeKriltea. IV. Die Sozialdemokratie uttb die technischen Angestellten in Industrie und Gewerbe. Bergbau, Schifsabri u. Land- wirtschast. Preis 10 Ps. Lie 7srifver!rAge und die deutschen Gewerkschaften von AdoirUruun. Broschiert 75 Ps., geb. 1 M. Gkschichtk des Sozia- tisullls in trankrcich von Enul Eaal«. Preis drosch. 2,50 M.. geb. 3 M. Expedition des„N�rwärts" Berlin SW. 68 Sinbenftt. 69. Labe». Brauerei IKonigstadt Aktien-CeMcIlMcliaft;. Bilanz pr. 30. Sept. 1907. Aktita. Grundstücks-Konto Gebäude-Konto.. Immobil.-Kont Habel Grundst.-Kt Wriezen Grundst.-K.|Zehd0nick Anteil-Kto. C. Habels Brauerei G. m b. H. Masch, u. Utensil.-Kto. Kühl-Anlage-Konto. Elektr. Anlage-Konto Lager-Fastagen-Kont. Yersand-Fastagen- Kt Pferde-Konto.... Wagen- u. Geschirr-K. Eisenbahn- Wagen-Kt. Mobilien-Konto... Restaur.-Inventar- Kt. Ausschank- Invent-K. Flaschengeschäft- Einricbtungs-Konto Beteiligungs-Konto. Versicher.- Prämien-K Kassa-Konto..,. Wechsel-Konto... Pfandbr.-Amort.-Kt. I do. do. do. II Hypt.-Fordenmgs-Kt. Vorräte...... Konto Dubiose... Konto- Kurrent-Debit Guthaben b. C. Habels Brauerei G.m.b.H. l'UNwi« a. Aktien-Kapital-Konto Hypotheken-Konto. Hyp.-Konto Wriezen. Hyp.-Kont Zehdenick Reservefonds-Konto. Dividenden-Konto.. Kautions-Kt. d. Bierf. Konto-Kurrent-Kredit Dispos.-Fonds- Konto Gewinn- u. Verlust-K Saldo-Vortrag 3351,92 Gewinn.. 334463.83 M. I 216 679 2 143 000 2 488 000 58 000 48 500 785 000 473 000 67 000 42 000 III 000 45 500 62 000 20 000 17 000 100 47 000 22000 8 000 51 765 15 542 28 981 3 342 10 315 6131 70 300 721 633 10 524 182 78 500 P. 12 45 59 87 70 36 12 24 11164483 Verteil, v. Gewinn: Tantiemen und Gratifik.. 49658,18 4•/, Dividen. 228000,— 1°/0 Superd.. 57000,— Vortr. p. 07s08 3158,62. 337816,75 W. 5 700 000 4 000 000 26 050 9 000 670 000 6 763 24 413 475 781 15 659 337 816 11164483 73 6? �anstelle 290 Cuabratruten, Industriegegend bei Teltow, Banst'ste C— drei Etagen— GaS. Wasjerleitiing, zun, Preise von nur 20 M. pro Quadrat» Uli? zu verlausen Anzahlung 2500 Mark, Rest mit i'/t Proz. aus langjährig- Hypothek. Offerten unter K. 5 an die Ex- pedition des.Vorwärts". •eeeoooeceeeeeooooe« Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Won(lettgedruckt) 20 Plg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen s Plg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Ptg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doopelt. y Kleine Anzeigen[Se ANZEIGEN tfir die nächste Nummer werden In den Annanme- stellen IQr Berlin bis I Uhr, fOr die Vororte bis 12 Ubr, in der Haupt-Ecpeditlon, Llndenstrasse 09, bis S Uhr angenommen. Verkäufe. AotalnnSverkans meines EngroS vnd MalenIagerS: Gadrinen, Slore», Tiillbetldcdcn 10 bis 20 Prozent Siabatl, E DelffenbergS Seppich- bauS,(Stoffe Krauls urterstraffe 125.• Teppiche mit Karbenfehlern zum vollständigen Ausverkails jetzt mil 10 Prozenl Extrarabatt. Grohe Kranisurterstraffe 125._ 85Sl+ Totalansverkans meines Engros- tmd Filiaieniagers: Tuch, und Plüsch- decken. Veloclino- und Plüschportieren in allen Preislagen durchweg mit 10 Prozenl Exirarabali(Stoffe Fronk- jun erstratze 125_ 86ft* Steppbeefen, Kabrikmuster. Tlück 8,25, 3,85, 4,85, 5,50, 6,50. 8,50 uiw. E. WeihenbergS TeppichhauS, Groffe Kronffurierilraffe 1 25,_ 87SV+ Sänserrrfte, 4 biß 6 Weier lang. Jetzt spottbillig. Groffe Franksurlei- straffe� tW__ 88ft» Reste für Sosabczüge ausreichend, Wolle und Plüsch, mii 10 Prozenl Rabati. E. Weiffenbergs Teppich» Haus, Groffe Fraiilsurterstraffe 125.* ZtzrUe, Veltoorlegcr, groffe Auswahl von 1,25 an, Groffe Franksurler- straffe 125._ 90R* Nähmaschinen. Vergüte bis 20.00 ivcr Teilzahlung kauil oder nachweist. Eämtliche Systeme Postkarte genügt. Brouicr, Franfsurter Allee>01. Laden. 29703.* Tepplwe mtlKarbeiilebtern Kavrtt- viederlag« löh ei!» i>>»t>(uiriern>nye 9. parierte tein Laden. Wauerhoff.(t Marviiieiidau«>Stopet4>atit»irier- stiape 9. parterre, item Laden. Wauerhoff._ i_t . Strppbrdrn billigst Febril Groffe Fraitstiirieisttaffe 9. parierte f l Zigarren, reellste Bezugsquelle für Wiederverkäuser, empfehlen Ge- brüder WUoslawSki, Hardenberg- straffe 37�_ IQlft* Rote Kreuz- DoUSheilstSttenIose n 3.30 Ziehung 16.. 17. Januar. Gebrüder MiiosiawSki. Charlotten- bürg. Hardenbergstraffe 37. jl02K* Ueberzäylige HerrenpaietolS. Herrenanzüge, nur hochieinfte Ans- sthrung, ausverkauft EngroSsabrik emzeln zu Engrospreisen. Enorme GelderspantiS 2— 4 geschlossen. Sonn- tagsverlaus 12—2. Reue Friedrich- straffe 37, ikl 292/4* vtrantwortlicher Redakteur: MöPeisabrik. Oranienstraff« 58 direkt Moritzplatz In meinen süns Etagen stehen komplette Wohnungs- ewrichlungen in jeder Preislage vom Einsachstcn biS zum Elegantesten Beiondere(Seiegenbeil biete ich in oerliehen gewesenen, fast neuen Möbeln. die bedeutend herabgesetzt ünd. Besichtigung erbeten, ohne Kaus> zwang.'Auffallend billig verlaute ich EbaiselongueS 20, Schlaf- tosa 33,«atteltaschensosa 45, Paneelsoso 55, hochelegante Gar- nitur 75, Säulenlrumeau 33, Bettstelle mil Malratze 16, AuSzieh- tisch 18. Muschelspind. Vertiko 30 Gelausle Möbel tönnen drei Monate loslensrei lagern. Teilzahlung ge- staltet. Kein Laden, direkt Knbrii. Auch Sonntags geöffnet. Miil!er> buch gratis. 2892K' Scpflnie!(seblcvoaiK) m allen («röffe» föt die Hüiiie des VteiieS im Teppiiy taget Brunn Hackeuliet Marti 4, Layithol Vörie 264/11* Widbeltiichlerei lieierl gediegen, Wohiiungseiiirichtungen äufferst dillig Bunte Küchen. Auch Ralenzablung. Kein Laden. Harnack, Tilchlernieister. Dresdenerstraffe 124, nahe Kollbuier Tor. Genossen erhalten 3 Prozent.* Steppdecken spottbillig, Fabrik Groxe Franksurterstraffe 60. 29S3K* Winterpaletots, Gchrockanzüge, Jackettanzüge, Bcltenverkaus. Gar- dinenoerkaiti, Wäschcvcrkaus, Psänder- verkauf. Verschiedenes spottbillig. Psandleihhans, Weidenweg neimzehn. MctaUbetten, Kinderbellstelle. Kinderwagen, gebrauchte, zurück- gesetzte. Scknieider. Kurfürsten- straffe 172(Dcmiewltzftraffe) 63K* Winterpaletots, Anjugeverkaus, Uhrcnoerlaus, Go ldsachen, stlbersachen spottbillig PsandieihhauS, Küstriner- platz 7._ 82(1* Federbetten. Stand 11,00 groffe 16.00, Wasche, Decken, Gardinen spottbillig PsandieihhauS. Küstriner- platz 7._ 81K' GeschSstSbreirab. äufferst stabil, 50,00. Holz, Blumenstraffe 36b.* Mäbetspeicher Brunnenstraffe 182 Gelegenheitskäuse ganzer Wohnungseinrichtungen wie einzelner Stücke, Säuientrumean, TafchensotaS.Muschel- betten. Englischbetten, Muschelvertiko, Teppiche, Viuschelschrank 28,—, Spie- gel, Spiegeispinden, Kommoden. moderne Küchen. Marmortostetten, Ausziehiische, Sofaitsche usw., alle» Ip ottdillig._ 99K' Hans Weber, Berlin. Für den Herreuiabrrab. Dameniabrrad wie neu, 45,00. Holz. Lwmen- straffe 36 b_ 94K* Hygienische BedariSariikel. billigste Bezugsquelle, Versand nach auffer- halb. Frau Wichert, Berlin 18, Grünerweg 34. 100/15'' Karlofseln. Prima Dabcr Zentner 3,30, frei HauS 0,15 mehr, 10 Pfund 0,34, Futlerkariofteln 1,50 Mark. Eugen RaschinSli, Rixdors, Steinmetz. straffe 113, Berlin, Stalitzerstraffe It9, am Kottbuser Tor._ foT* Nähmaschinen. Zahle hohe Ver. gütung. Hauptlager aller Frister- Roffmann- Systeme Hruda, Rosen» thalerstraffe 19.__+101 Hygienische Bedarssartikei, billigste Bezugsquelle. Drogerie Weinbergs- weg 1._ 35K* Kinberbritstelle, Kinderwagen, Sportwagen, zurückgesetzte, gebrauchte spottbillig Andreitsslrahe 53. 9IK* Melegeuheitefäuie: Palelot«. An- züge, Hosen. Koffer. Revolver, TeschlngS, Uhren. Goldsachen, Kessel, spottbillig. Lücke. Oraiiienllraffe 131 Stciiegläier. Operngläser, Reiff enge, Regulatoren, Freischwingcr. siarmoiiikas. Geigen, Zithern, Bilder. iepptche, spottbillig. Lücke, Oronien- straffe 131. 2490b* Pianino, hohe«, kreuzsaitig, 100,00 Mark, Turmstrage 8 l_ IQi/l* PfandleihhauS Hcrninnnplnp"6. Psäiiderverkausl Riesenanswahl. WinlerpalctotS. Herrenanzüge. Bellen- verlaus, Wäscheverkails, Uhrenvertaus, Teppichoerlaus, Gardinen» erkaus.* Ncstanrateure erballen Kauf. hüljSgclder oder Einrichtung von erst- llassiger Aliieiibrauerei. Ausführliche Offerten.Bierperle*, Postamt 22. Gässchnellheizer!! Zweiundhalb, Gasheizsparösen I 6,00. GaSzug- lampen I 9,00. Wohlauer, Wallner. theaterstraffe 32._ 10417 Graste Diwandeckcn 4,35, Kara- mani, doppelseitig 7,50, Pa. Plüsch 23,50, Diwanrückwände. reichgestickt. 3,85 Inventur- Exil apreiS Teppich. HauS Emst Lesäore, Oranteiiftratze 153. Jährlich nur einmal Inventur» RäumungSo erkaus im TeppichhauS Emil Lesevre, Oraulenftratze 158. Extraliste gratis._ 107ft« Wenn man eine WohnunffS-Ein richlung oder einzelnes.Möbelstück reell und preiswert kaufen will, so muff man hingehen nach Lolhringcr- straffe 26, Schönhauser Tor. Besichii- gung in B Elagen I Groffe AuS- wahll Komplette Einrichwng 200 Mark an l Kleiderschrank, geschnitzte Füllungen, 60 Marti Jugendstil« Schränke, passende Perlikos, Tru- mcauS. groffe Auswahl l Bin billiger wie säst alle Möbelhändler I Verlaus nur Hos im Speicher und 5 Elagen I Einzelne Möbel 30 Prozent billiger I Ankleideschränke, SäuIenttunieauS, Plüschlosas, Ausziehtische, Bettstellen, Chaiselongues, Schreibtische. Umbaue, Garnituren, BüsettS, Bücherschränke, Moderne Küchen, 65 Mark an l Transport und Aufbewahrung frei l Jetzt lausen Sie am billigsten I Lothiingerstraffe 26, Hof, Speicher.* Kinderbrohtbett, neu, billig, Grüner Weg 50/51. Hos I. tzütlel Versduedenes. Elsbolz. straffe 6._ Komiker. GropiuS- 2453b» Paieiitnuwali Wegel Ginwiner- strotze 94»_ 255511'* Lernt die MuIieriprache bebeutzchenl Eriotgreichen, leicht infflichen Unlerricht in Wort und Schrill der deutlchen Sprache erteilt Damen und Herren (sevarat) auch abends ein lüchliget und gewiffenbaster Privallebrer. Die Stunde kostet eine Mark Eine Unter- uchlSilunde wöchentlich genügt Ge- fällige'Angebote sind unter G. 4 an Expedition des.Vorwärts* zu richten Stuiistftoprrrei von Frau Kokvsty Cbarlotleilburg. Goetdestraffi 84. l.* Privat. Kleiderschrank, Trumeau, Muschelbetlstellen mit Malratzen, Spiegelspind, Ausziehtisch, Büsett, Schreibtisch, umständehalber billig. Hochmeisterstraffe 9, Ui rechts Nur_.... von 9—4 Uhr._ 264/20 Salzä*, Manleuffelstruffe 41."+9* 'Inseratenteil verantw.: Tb- Gl«cke» Berlin. Druck».Verlag: Borwärt» Dan znnterricht! Grupe. Annen. straffe 16. Ansängerkurse SonnlogS- kurle 4,00, DienZtagSkurie 5,00 monatlich. Borortbewohnern Schnell- lurfe 5,00._ 241/1* Saal. BereinZzimmer Sonnabende srei Klubhaus Annenstiaffe 16.* Ptattna. Gold. Silber. Gebisse, Kehrgold, pyolographische Rückstände, sowie sämtliche gotd- und stlber- Halligen Absälle taust Goldschmelze Köpenickerstraffe 29. Telephon IV, 6958. tOO/ 17* Knnstfrisierfchnle. Kursus 20,00, Teilzahlung. Frau Konder, Rosen- thalerstraffe 66. 294/19* Völkssänger. Gesellschaft �Henry Komiker, billig, wohni Köpenickcr. straffe 147, Schwartz._ 25046 �Blnsennähen, nachher Beschäsli- gung, lehrt Kroll, Cakomstraffe 10. Vermietungen. Zimmer. Freundlich möbsterie» Zimmer sosorl zu vermielen Michaelkirch- straffe 19, rechter Seitenflügel I.* MöbUerleS Zimmer vcrmicici sosorl Knebel, Hussilenslraffe 53, vorn H. 24846* Möbliertes Zimmer für 1�2 Herten zu vermielen Rostizstraffe 52. IV links. 2313b Möbliertes Zimmer. 1-2 Herren. herrliche Aussicht. Baumichulenweg. Trojanstraffe 6 U, Babnhos. t894b Deilnchmer für möbtterteS Border- zimmei Brandenburgstraffe t— 2 III, Appell__ 25066 Schlafstellen. Möblierte Schlafstelle vermiete« Frau Jacobey, Wiesen straffe 10, III.» Schlafstelle, Bolkoiizimmer, 13.00 inllusive, Urbansttaffe 65, rechter Ans- gang 11�__ 2175b Möblierte Schlajiielle an Herrn, Frau Rehbein, Graudenzerstraffe lt. Möblierte Schlafstelle oeitttielei Witwe Biener, Graudenzerstraffe 3, vorm_+44 Möblierte Schlafstelle vermietet Witwe Goertch, Bern auerstraffe 45 I, Eingang Wollinerstraffe._+73 Möblierte Schwsstelle bei Fiau Sennewitz, Bärwatdslruffe 48, tzoj U. �rbeitsmarkt. Stellenzesuche. Frau sucht Wasch-, Retmnachestelle. Giinger, Koppenstraffe 10 vom IV. ViinPei SiuvtNechiet bittet um Arbeit Stühl, werden abgeholt und ziirückgelieiert A Gläier. Muluck. sttage 27._ 14686 Stellenangebote. süchtige eingearbeitete Zusammen- passer sowie Emleger aus Spazierstöcke für dauernd suchen E Ä K. Redlich, Rttterstrahe 75, Spazierstocksabrif Buchdruckcre, v. verlagöanikäll Paul Singer& do» Berlin SW, Mamsells aus einfache Staub- Mäntel(1,20 M.) verlangt Wieland, Rixdors. Weset+lraffe 200 ll. 25026+ Zuverlässige unabhängige ältere Frau oder Fräulein für tagsüber nicht veitutzle Wohnung in Pankow gesucht. Rann auch milwohnen und sich bc» liebig beschäsligen, da Kochen usw. nichi ocrlangl wird. Offerten L. 6 an Exveditto» des»Vorwärts*. 2503b Bclegerin verlangt Kurfürstenstraße 7. Leiftensabrik 101/2 Zeitnngsfranen verlangt Zimmer- straffe 53.__ 24916 Botcnfraueii finden dauernde und sehr lodnende Bcschästtgung Schöne- berg, Vorbergstraffe 8, Laden. 100/7* Votenfranrn finden dauernde und sehr lohnende Beschäsligung Prinzen» straffe 41. Keller. li«,8» Votensranen finden dauernde und sehr lohnende Beschäsligung Rqke» straffe 31, Laden._ 100/9* Votenfranrn finden dauernde und sehr lohnende Beschäsligung Bayreutherstraffe 32. Laden. 100/4* Im Ardeltsmnrkt durch befonderrn Druck herhorgebobene Anzeigen kosten 50 Pf. die Zeile. Alte Deuische Fenerpersickie» ruiigS-Gescllichast sucht in Berlin und in den Vororten tätige ielgcnten bei hohen Vezsigen. Bei gute» Leistungen wird feste SluftcUnng mit enisprechenbew Gehalt m Aussicht gestellt. 100,1» Offerlen oub �.