Mr. IS. BHonnemfntj'Btdingangsn: Äbomtnnmt«■ Preis prSnumerando i SierttliUtL 330 Kf, monatl. 1,10 Mk,, wöchentlich 28 Ptg. frei WS HauS. Einzewe Nummer b Pig, SonnlagS- nummer mu Muswierler sonnMaS- BeUage»Die Neue Well' 10 Big, Pult» Abonnement: 1,10 Marl vro Monat. Eingetragen w die Boll-ZertunaS- PreiSliiie. Unter Kreuzband mr Deutichland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrig» Ausland Z Marl tu Monat. Poslab onnementS nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Äumflmen. Schweden und die Schweis. SS. Ia�rg. «»tili ttgiii»»liö» Modau. Derlinev Dolksblatk. vie lnlcMon5-eeb0I»f belrSgl sür die sechSgeldallene Kolaliel- zeile oder deren Raum 60 Pig.,(fit volitische und gewerlschaslliche Vereins- tind BerlammIungS.Anzeigcn 60 Big. „Alelne Snr-lgen", das erste(fett- gedruckt«) Wort 20 Big,, jedes weitere Wort 10 Pig, Stellengesuche und Schlas- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pig,, jedes weitere Wort 6 Pig, Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bi» S Uhr nachmittags in der Expeditton »hgegeden werden. Die Expedition ist MS 7 Uhr abends geöffnet. relegramm- Adresse: „Zuldllltlnofrss Berlin". Zentralorgan der fozialdemohrat» fchen parte! Deutfchlands. Redaktion: SCCl. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 138». � Mittwoch, den 15. Januar 1908. Expedition: 881. 68, Llndenstraaec 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Wie Wirbt um Wuhirtchtskäiupstl? Der Wahlrechtskampf macht es allen kein Mittel der Agitation ungenutzt zu Parteigenofse»! Genossen zur Pflicht. lassen I Die Reaktion und die mit ihr versippten Parteien, Konservative. Nationalliberale, Freisinnige und Zentrum. verfügen über ungemesscne Mittel der Agitation und Orga- nisatton. Ein ungeheurer Apparat von Pereinen aller Art steht ihnen zur Bekämpfung der VolkSaufklärung zur Verfügung. Kriegcrvcreine, der Flottenverein, der Reichs- verband, gelbe und blaue Gewerkschaften— alles dient den Herrschenden und Privilegierten zur Niederhaltung der Wahr- heil und Bolksbelehrnng! Ein ungeheures Machtmittel der offenen oder geheimen Wahlrechtsfcinde ist auch die Presse. Diele Tausende bürgerlicher Zeitungen entstellen tagtäglich im Interesse der Klassenherrschaft systematisch die Wahrheit. In aielen Millionen Zeitungsrxemplaren wird tagtäglich der WahlrecktSkampk des Proletariats entstellt, verspottet, bc- geifert i Die Wahrheit vermag sich durch diesen Wall des Truges und der Verleumdung nur mühsam Bahn zu brechen! Da ist es die Aufgabe jedes denkenden, wirNich klaffen- bewnsiten Sozialdemokraten, wenigstens die vorhandenen Machtmittel des Proletariats so zu handhaben, wie das die Situation erheischt! Eine unserer wuchtigsten Waffen ist die Parteiprcsse. Sie führt täglich nachdrücklich den Kampf gegen die gegnerische Unwahrhastigkcit. Sie bietet täglich reiches Material zur Entlarvung aller WahlrechtSgegner! Aber da diese Presse nur in die Hände der Partei- genossen kommt, ist sie unwirksam wider die Verleumdungen der Gegner, sofern diese die nnaufgeklärten Massen zu täuschen suchen. Die sozialdemokratische Presse mutz deshalb auch den weitrsteu Kreisen der Indifferenten zugänglich ge- macht werden I Das ist aber einfach dadurch zu erreichen, datz man die gelesenen Nummern nicht wegwirft, sondern sie weitergibt! Dazu bietet sich für jeden Abonnenten der Parteipresse reichlichste Gelegenheit! Gerade in Zeiten der politischen Erregung wird auch der indifferente Klassengenosse ihm angebotene Lektüre nicht ausschlagen. Er wird begierig auch die andere Seite hören wollen. Er wird so allmählich politisch interessiert, aufgeklärt und vielfach selbst Abonnent der Parteipressc werden I Benützen die Parteigenossen die Parteipresse— daneben auch die Gcwcrkschastsprcsse!— als Werbemittel, so tvird sich diese Art der Flugblattagitation, die nichts kostet als einige agitatorische Werbetätigkeit, von äußerster Wirksamkeit eriocisen l Unzählige Millionen solcher Aufklärungsblätter können in die indifferenten, aufklärungsbediirftigen Massen der Rechtlosen geworfen werden! Und sie werden ihre Früchte tragen! Darum, Parteigenossen, bedient Euch allesamt mit Eifer dieses AusklärungSmittclS! Werbt Mlich neue Waljlrdjishniiipfei;! Die ivichtiglte Hufgabe! Das Volk der Rechtlosen kämpft in Preutzen um sein Wahlrecht! ES verlangt Beseitigung der Dreiklassenschmach. allgemeines und gleiches Wahlrecht, geheime Abstimmung. Die Reaktion verweigert dem Volke sein Recht. Fürsi B ü l 0 w erklärte, datz die nächsten Wahlen abermals nach dem elendesten aller Wahlsysteme stattfiilden würd-n. Aber auch später denke die Regierung gar nich. daran, das R c i ch s t a g s w a h l r e ch t für Preutzen einzuführen. Nicht einmal die öffentliche Abstimmung werde preisgegeben werden! So setzt die Reaktion dem Schrei des Volkes nach gleichem Rechte dreisten Trutz entgegen. Und die Parteien, die sich als angebliche Anhänger des allgemeinen und gleichen Rechts aufspielen. Freisinn und Zentrum, ermöglichen durch schamloses Gaukelspiel die reaktionäre Trutzpolittt I Wie war eS am letzten Freitag bei der Wahlrechtsdcbatte im preußischen Junkerregiment? Der Freisinn hatte sich endlich bereit gefunden, jene Anträge, die er im vorigen I Wahlrechtsschmach Jahre feig zurückgezogen, um ja nicht das Treiben der Reaktton und ihr Werkzeug, den Block, zu ge- fährden, zur Beratung zu bringen. Der Freisinn forderte l. die Einführung des Reichstagswahlrechts für Preutzen, 2. eine Neueinteilung der Wahlkreise. Und nun spielte sich die jämmerlichste und frechste Komödie ab. durch die je in einem Privilegiertenparlament die Eni- rechteten geäfft wurden. Angeblich— das verkündete ja seit Jahresfrist markt- schreierisch die freisinnige Presse— war der Block geschlossen worden, um die Politik liberaler zu gestalten! Der Block sollte ja das angebliche Vehikel des demokratischen und kulturellen Fortschritts sein— so war das tausendmal in der liberalen Presse zu lesen gewesen! Und was tat der Block? Er klaffte jäh auseinander, um w dem klaffenden Schlünde die freisinnigen Anträge zu begraben! Nachdem aber die konservativen und national liberalen(!) Blockgenossen die Wahlrechtsanträge begraben hatten, erklärte der Freisinn nicht etwa die Blockgemeinschaft für aufgehoben, sondern er gelobte der agrarischen, wahlrechtsfeindlichen Reaktion feierlich neue„unentwegte" Treue I Gegen den Antrag auf Einführung des Reichstags Wahlrechtes stimmten Konservative und N a t i 0 n a l> liberale; gegen die Reucinteilung der Wahlkreise Kon s e r v a t i v c und Zentrum! So war alles glatt abgelehnt l Die offenen Wahlrechtsfeinde triumphierten, und die Wahrechtskomödianten vom Freisinn und Zentrum rieben sich swmunzelnd die Hände, datz das Possenspiel mit vertauschten Rollen so wunderhübsch geklappt hatte und das Volk s» schnöde geprellt war! Die Freisinnsschande übersteigt alle Begriffe; aber auch das Verhalten deS Zentrums ist über all« Maßen schmachvoll! Das Zentrum hat die ganze Zeit über seinen proletarr scheu und mittelständlerischen Wählern vorgespiegelt. es sei für das Reichstagswahlrecht I Und nun wird es sicher lich im Lande noch damit herumrenommicrcn, datz die Zentrumsfraktion am Freitag auch für den ersten Teil des freisinnigen Antrages gestinirnt habe I Diesen Scherz konnte sich das Zentrum eben deshalb leisten, weil es wußte, datz der Antrag auch ohne Hülfe eines Zentrumsteils von Konser vativen und Natiouallibcralen uicdergestimmt werden würde! Komödie, nichts als Komödie! Zudem hatte der Freisinn nicht einmal eine namenk lichc Abstimmung beantragt! Offenbar, um die ganze Komödie dieses Volksbetruges so leicht wie möglich zu machen! Denn iväre die Abstimmung eine namentliche gewesen, so hätte das Volk wenigstens feststellen können, wer von dem Zentrum die Sitzung geschwänzt hatte I War doch daS Hans überaus schwach besetzt, kaum 2 Abgeordnete von den 433 waren zugegen I Wieviel Zentrumsabgeordnete sich geflissentlich der Ab stimmung ferngehalten haben, ist leider nicht festzustellen. Es ist freilich ja auch ohnehin bekannt, datz eine ganze An zahl preußischer Zentrunisabgcordneter Gegner deS allgemeinen und gleichen Wahlrechis für Preutzen sind I Hatte sich doch eine ganze Anzahl Zentrums abgeordneter— nicht weniger als 17!— geweigert, im Januar des vorigen Jahres den damals von der Zentrums frakiion eingebrachten Antrag auf Einführung des Reichstags Wahlrechts zu unterzeichnen! Und die Zentrums abgeordneten Graf Spee, Graf Strachwiy erklärten namens ihrer Gesinnungsgenossen ganz unverhohlen in der Presse, datz die Herren Balle st rem, Pingen. Rintelen, P r a s ch m a, A r e n b e r g, S r 0 m b c r g, um nur die bekannteren namentlich aufzuführen, vom allgemeinen und gleichen Wahlrecht für Preutzen eben nichts wisse» wollten! Datz eS aber nicht nur diesen Siebzehn, sondern der Zentrumsfraktion überhaupt im Grunde gar nicht darum zu tun war, das Reichstagswahlrecht sür Preußen einzuführen, datz vielmehr ihre Abstimmung nur Spiegelfechterei war, bewies die Abstimmung der Zentrumsfraktion über den zweiten Teil des freisinnigen Antrages, der die Ncuciuteilung der Wahl- kreise forderte! Die heutige Wahlkreiseinteilung ist ein wahrer Hohn auf das Prinzip des allgemeinen und gleichen Wahl- rechts! Sie stammt aus dem Jahre l860. Die Verschiebung in der Bevölkerungsziffer der Wahlkreise, die Massenanhäufung der Arbeiter und Kleingewerbeireibenden in Jndnstriebczirken und Großstädten, haben diese Einteilung zum schreiendsten Nu- recht, zur doppelten Entrechinng der Nichtbesitzende» gemacht! Die Rechtlosigkeit der 85 Proz. der Wähler, die in der dritten Klasse wählen, wird noch skandalöser dadurch, daß nach der längst veralteten Wahlkreiseinteilung in einem l ä n d- l i ch e n Wahlkreise auf 38 900 Einwohner ein Abgeordneter entsällt, in einem anderen Bezirke erst auf mehr als 300000! Dies skandalöse Doppelnnrecht hätte wenigstens das Zentrum beseitigen können l Aber das Zentrum, das mit wohlfeilen Lug Worten für das allgemeine und gleiche Wahlrecht eintritt, st i m m t e gegen den freisinnigen Antrag auf Neueinteilung der Wahlkreise! Da, wo eS wenigstens einen Teil der preußischen beseitigen, das himmelschreiende Unrecht mildern konnte, schlug es sich ans die Seite der Junker, wodurch auch dieser Teil des Antrages abgelehnt wurde! So sieht das„wahlreformsreundltche� Zentrum aus! Dies unerhört dreiste Gaukelspiel gilt es den entrechteten, von ihrer eigenen Fraktion geprellten Zentrums- arbeitcru, allen Entrechteten des Zentrums klarzumachen! Die geistige Zwingburg, die eine jesuitische Kaplanokratte aufgerichtet hat, mutz erstürmt werden I Den schwarzen Heuchlern mutz die MaSke vom Gesicht geriffen werden! Ueberall, wo die sozialdemokratische Auf- klärung an die Zentrumsmassen herankommen kann, mutz eine AnfklärungSarbeit, eine rastlose Agitation ein- setzen! Das klassenbewutzte Proletariat hat den unerschütterlichen Willen bekundet, sich in Preutzen das allgemeine und gleiche Wahlrecht zu erringen. Die bürgerlichen Parteien haben darauf mit einer parlamentarischen Posse geantwortet! Das klassenbewutzte Proletariat hat in ganz Preutzen gewaltige Demonstrationen veranstaltet. Die Regierung hat darauf— ohne daß ein freisinniger oder Zentrumsabgeordneter dagegen protestiert hätte!— mit den„äußersten Mitteln", also mit„spanischer Wichse" und„blauen Bohnen" einschreiten zu wollen erklärt! Darauf hat nun wieder daS Proletariat zu antivorten! Und wodurch? Durch die unermüdlichste Auf- klärungöarbeit unter den Entrechteten! Die preußischen Heloten, die noch im Banne des Zentrums und des Freisinns stehen, müssen die Wahrheit erfahren! Sie müssen auf- gerüttelt, dem WahlrechtSaufgebot der Rechtlosen eingereiht werden! Die Mehrheit deS Volkes mutz auf die Schanzen gerufen werden I Da mutz jeder mittun! Kein einziger darf sich der Agitation entziehen! Denn schwer, mühevoll, opferreich ist der Kampf I Am 12. Januar erbrauste der Maffengesang der Hunderttausende: Der Feind, den wir am tiefften hassen, Der uns umlagert schwarz und dickt, Das ist der Unverstand der Massen, Den nur deS Geistes Schwert durchbricht! Ist erst dies Bollwerk überstiegen, Wer will«ns dann«och widersteh'»? Dann werden bald aus allen Höh'n Der wahren Freiheit Banner fliegen! Auf ihr Hunderttausende, ihr-Millionen! Laßt daS stolze Wort zur stolzen Tat werden vollüverdlimmung, Oollszslisbeiitung und vollislinedelung. Diese drei Worte, in die sich die Tätigkeit deS preußischen Junkerflarlaments zusammenfassen läßt, spielten in dem biS� hcrigen Verlauf der Etatsberatung des Abgeordnetenhauses eine große Nolle. Zwar spricht kein Mensch im Hause davon, aber was bedeutet eS anderes als die Vcrdummung des Volkes, wenn auch in der neuen Acra von fast allen Parteien und von der Regierung das Zusammenarbeiten von Schule und Kirche, die Mitwirkung der K i r 6) c an der Bildung der Jugend gepredigt wird? Was bedeutet eS anderes als die Volksausbeutung, wenn die preußischen Junker und ihr Abgott, der Finanzminister Frhr. v. Rhein- b a b c n, für neue indirekte Steuern Propaganda machen? Was bedeutet es anders als Volksknebelung, wenn man dem Volke nicht nur sein höchstes Recht vorenthält, sondern ihm, sobald or von seinen gesetzlichen Befugnissen Gebrauch macht, ge» waltsam gcgenübcrzutretcn droht? Die Stratzcndcmonstrationen am Sonntag haben eS den preußischen„Volksvertretern" angetan. Unter den 433 Mitgliedern des Abgeordnetenhauses ist auch nicht ein einziger, der den Sinn der Demonstrationen begriffen hat, nicht ein einziger, der Bcr- ständnis dafür zeigt, daß die Masse das Bedürfnis fühlt, auf die dreiste Herausforderung der Regierung endlich einmal eine schärfere Antwort zu erteilen. Selbst die angeblichen Freunde des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Landtagswahlrcchts, die Herren vom Zentrum und vom Freisinn, fühlen sich gemüßigt, ihre allerhöchste Mißbilligung über die Demonstrationen aus- zusprechen, durch die angeblich die Reform des Wahlrechts wescnt- lich erschwert wird. Als ob die Regierung dem Volke freiwillig ein Zugeständnis machte! Nein, wenn das Volk daS gleiche Wahl- recht in Preußen erringen will, dann darf es nicht untätig beiseite stehen und abwarten, bis cL vielleicht dem Freisinn einmal gefällt, die politische Situation zugunsten der Gesamtheit auszunutzen; dann muß es vielmehr selbst Hand ans Werk legen. Ob wir unseren Gegnern damit einen Gefallen tun. das kann uns gleich, gültig sein. So ganz fruchtlcS, wie cS die Bourgeoisie hinstellt, find die traßendcmonstrationen denn doch nicht. Mag Herr W i c m e r sie immerhin als töricht bezeichnen, das eine steht fest, daß ohne die' von der Sozialdemoiratic inszenierte Bewegung, die sich in gleicher Weise gegen die offenen Gegner des allgemeinen Wahlrechts richtet wie gegen seine pflaumenweichen Befürworter, der Redner., der Freisinnigen Volkspartei. Dr. W i e m c r. am Dienstag der Re, gierung nicht so scharf gcgenübcrgetrctcn wäre. Zwar messen vir seinen hochtönenden Phrasen keine allzugroße Bedeutung oei, aber ein Symptom ist es doch, daß er im Gegensatz zu Fischbcck tion einer Brüskierung seiner Freunde sprach und namens der freisinnigen Fraktionen des Abgeordnetenhauses und des Reichs- tagcS feierlichst erklärte, daß die Antwort der Regierung„völlig unzureichend" fei. Viel ist das ja nicht, aber es ist doch immerhin keine Vertrauenserllärung, wie sie Herr Fischbeck voller Devotion am Freitag der Regierung erteilt hat. Geradezu grotesk-komisch wirkte Herr Wremer, als er mit Pathos die Angriffe schilderte, denen sein Freund Äopsch am Sonn- tag ausgesetzt war. Ter arme Kopsch! Demonstranten hatten sich bor seinem Hause eingefunden. Ganz erstaunt, war er der Meinung, man wolle ihm ob seines energischen Eintretens für den Bülow-Block eine Ovation darbringen— und plötzlich wurde er gewahr, daß es sozialdemokratische Demonstranten waren. Was ist diesen Leuten noch heilig, wenn sie nicht einmal vor der Majestät einer Kapazität wie Kopsch Halt machen! Der zweite Punkt, der aus den Etatsdebatten hervorgehoben gu werden verdient, betrifft das Volksschulwesen. Herr Studt Momentund eincpolitische Konstellation verpaßt. So wird das Urteil der politischen Geschichte lauten. Die Parteigeschichte aber wird registrieren: Fürst Biilow hat den Block eigenhäudig gesprengt, als er den Grundgedanken seiner Blockpolitik verleugnet hat. Die Linke aber, die ihren guten Willen zur positiven Mit arbeit bewiesen hat, hat das wichtige Recht, sich vor jeder Steuer- oder Gesetzesbewilligung auf das Mißtrauen zurückzuziehen, das ihr Fürst Bülow zur Pflicht gemacht hat." So die offizielle Erklärung der württembergischen Demo- kratie, die der Form nach zugleich eine Kundgebung der gc- samten linkSlibcralen Fraktionsgemeinschaft sein könnte, tvenn nicht die Tatsachen etwas anderes lehrten. Was die anscheinend so kräftige unzivcideutige Absage an den Fürsten Biilow und seinen Block auch nur für die schwäbische Demokratie in Wirklichkeit bedeutet, mutz erst durch Taten dargetan iverdeu. W i r glauben nicht eher an die starken Worte der Blockdcmo- traten, bis sie durch die Tat ihre Worte wahr- ist gegangen, aber sein Geist lebt in der Dunkelkammer des Drei- 1 nehmen und öffentlich ihr Verhältnis zum Block kündigen. klassenparlaments fort. Der neue Minister Holle, der seine Erb- schaft angetreten hat, ist genau so wie er der Ueberzeugung, daß die Schule nicht von der Kirche getrennt werden darf und daß die fachmännische Schulaufsicht für Preußen nicht angängig ist. Er steht auf dem Boden der geistlichen Schul nufsicht, nur soll sie nicht mehr im Nebenamt, sondern im Hauptamt ausgeübt werden. Unter diesen Umständen hätte Studt ruhig im Amt bleiben können. Was schließlich die in der Debatte berührten Steuer. fragen betrifft, so erhoben die Konservativen, Freikonservativen und das Zentrum entschieden Einspruch gegen den Gedanken der Einführung direkter Reichssteucrn, und Herr v. Rheinbaben pflichtete ihnen bei und empfahl warm neue Steuern auf Tabak und Branntwein. Rund heraus erklärte er, daß das deutsche Volk im Vergleich zu anderen Staaten noch lange nicht genug indirekte Steuern zahle. � Im übrigen drehte sich die Debatte hauptsächlich um ctats technische Einzelheiten, nur ab und zu wurde eine Frage von all gemeinem Interesse gestreift. So erfuhr man, daß die Berufung des Herrn v. Stubenrauch auf den Posten des Berliner Polizeipräsidenten nicht etwa mit dem Harden-Prozetz zusammen hänge, daß der neue Polizeipräsident ein gutes Einvernehmen zwischen Berlin und seinen Vororten herstellen wolle und daß di Idee einer Spreeprafektur aufgegeben sei. Auch die Polen trugen ihre Leiden vor, ohne indessen auf da« Haus und die Regierung Eindruck zu machen. Für die Leiden der Unterdrückten hat diese Gesellschaft kein Empfinden. liTilitSretZt und Dienstzeit in der Mgetkornminion. kratischcn Antrag. Er richtete an den Kriegsminister dle Frage. ob nicht an eine dcmnächstigc Verringerung der Hecrcsstllrke und Ersetzung der Zahl durch tüchtige Ausbildung gedacht werden könne. Die Zeiten seien friedlich und einem solchen Schritte günstig. Abg. Hacuölcr verteidigt nochmals den ZcntrumSantrag; den sozialdemokratischen Antrag werde das Zentrum ablehnen.- Tie hohen Kosten erregen auch bei Licbcrmanii v. Eonnenberg Bc- denken, er möchte daher sparen, wo nur irgend möglich.—©übe« tum führt auS: Ter Antrag des Zentrums leide an Jnkon- scquenz: Wenn nach den Ausführungen Hacuskers die zwei- jährige� Dienstzeit für Kavalleristen genügt, so muß für In- fanteristen die einjährige Dienstzeit unter allen Umständen ge- nugcn. der K r i c g S m« n i st e r antwortet nochmals auf Haeuslcr, schweigt sich aber gegenüber der Anfrage Schräders aus. Es wird dann der sozialdemokratische Anti .. schc Antrag a g c l c h n t, der Z e n t r u in s a n t r a g einstimmig au- g e n o m m e n. Das Gehalt des Krkegsministcrö wird bewilligt. Ebenso werden die anderen persönlichen Ausgaben beim Kriegs- Ministerium, Titel 2 bis 12 im Gesamtbeträge von 2 033 SM M. bewilligt. Tann wird die Beratung abgebrochen. Der«sroIlkZiiisthe Wirrwarr. Der ßlock gesprengt? Das führende Organ der schwäbischen Demokratie, der Stuttgarter„Beobachte t", bringt einen durch auffallende Schrift wie durch Inhalt und Ton als parteioffiziell gekenn zeichneten Artikel über„Die neue Krisiö". Verfasser ist dem eigenartigen Stil nach der NeichStagSabgcordnete K o n r a d (1-1. Januar.) Die Sitzung beginnt mit der Beratung des Militärctats. EL liegen dazu folgende Resolutionen vor: Von der sozialdemokratischen Fraktion: der Reichstag wolle beschließen: 1. Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, baldigst einen Eni- Wurf über die Reform des MilitärstrafrcchtS vorzu- legen. 2. Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, nachdrücklichst dahin zu wirren, daß die gesetzlich garantierte Ocffentlichkeit der Verhandlungen der Militärgerichte nicht illusorisch gemacht wird. Vom Zentrum! Der Reichstag wolle beschließen: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, mit dem nächstjährigen Reichshaushalt eine Denkschrift über die Einführung der zweijährigen Dienstzeit bei der Kavallerie und der reitenden Feldartillerie vorzulegen. Zur Frage der Dienstzeit wird von den Sozialdemokraten beantragt: Ten Herrn Reichskanzler zu ersuchen, mit dem Reichshaus Haltetat für 1909 eine Vorlage über Einführung der einjährigen Dienstzeit bei allen Truppenteilen an den Reichstag gelangen zu lassen. Die Anträge sollen bei den einschlägigen Kapiteln des Militär- etat? erledigt werden. Die Beratung wird eingeleitet durch einen Vortrag deS Refc renten v. E l e r n. Demselben ist zu entnehmen, daß der preußische Militäretat im Jahre 1008 eine Mehrausgabe vrn 36800 000 Mark gegen 1907 erfordert. Diesem Mehr stehen Mehreinnahmen oder Minderausgabcn beim außerordentlichen Etat gegenüber im Be- trage von-1,4 Millionen Mark, so daß eine reine Mehrausgabe von 32 400 000 Mark verbleibt. Von dieser Mehrausgabe entfällt -x" c.- v<,... i der größte Teil— nicht weniger als 17 100 000 Mark— auf das H autz m a n n. Eswird zunächst imtgeteilt. datzdreSitzungder steigen der Preise der Naturalien, also auf den Zolltribut an die Agrarier. linksliberalen Fraktionsgemeinschaft am letzten Sonnabend, in der die bekannte Antwort auf Bülows Erklärung zurl Zu Titel 1: Gehalt des Kriegs Ministers« bringt preußischen Wahlrechtsfrage beschlossen wurde, auf Abg. Müller- Fulda zur Sprache, daß sich B e z i r I s o f f i- Antrag deS Abgeordneten Konrad Hautzmann einberufen worden ziere an der W a h l a g i ta t i o n beteiligen, daß andererseits ist. An der FraktionSsitzung haben sämtliche württembergischen w Fulda ein zur Disposition gestellter Osfizicr wegen Unter- Abgeordneten teilgenommen. Die Erklärung der freisinnigen cincs WaMautxu� Auch Etz. .. yt-: jtiu ninf-fi Ff tvitvS.! C C T C 1, 1) 1 1 IT fl t jülCljC.>0 L| ujl�CtDCll IJOIT» ItTipuC] OHDCCC 0E3Öl}lt er, �rarnonSgememscha. t imrö dann folgendermaßen kommentlert. i cju Hauptmann in Ältenburg ciu JnstruktionSbuch „Der Reichstagsabgeordnete Payer hat am 6. Januar den geschrieben habe, in dem gegen Sozialdemokraten und Zentrum 10. Januar als einen„kritischen Tag er st er Ordnung" gehetzt wird! im voraus erklärte Die Fraktionsgemeinschaft hat diese Auf- 1 Der Krieg L mini st er tadelt die politische Tätigkeit der fassung dadurch zu der ihrigen gemacht, daß siebte ministerielle! Bezirksoffizier-: er fühlt sich nicht verantwortlich für das. was ein Erklärung für„völlig unzureichend" einstimmig erklärt I Hauptmann schreibt� Die zur Dispontion gestellten und die Aufnahme der Agitation im Lande beschlossen hat, unter Zustimmung der preußischen freisinnigen Abgeordneten. Indem die Fraktionsgemeinschaft einmütig und vor der Oeffentlichkeit konstatiert, daß Fürst Bülow an dem ersten kritischen Tage versagt hat, würdigt sie die ein« getretene Verschiebung der ganzen politischen Lage. Diese Verschiebung erstreckt sich natürlich nicht bloß auf das Abgeordnetenhaus. Fürst Bülows politische Per- sönlichkeit kann nur als Einheit beurteilt werden. Diese Persönlichkeit besitzt, wie sich am 10. Januar erwiesen hat, nicht die Kraft oder nicht die Lust oder nicht den Mut, sich dem konservativen Kommando zu ent- ziehen. Diese Schwäche ist indelebel. Darum ist die politische Selbständigkeit deS Kanzlers kein Faktorder politischen Rechnung mehr. Der Kredit ist ihm am vorigen Freitag abhanden gekommen. Das politische Vertrauen zu dem Kanzler kann, soweit es sich um die freisinnige Fraktionsgemeinschaf: handelt, als ausgeschaltet angesehen werden DaS wird die Zukunft mit Sicherheit lehren, und Fürst Bülow selbst hat seine ReichSpolitik für abhängig von der Unterstützung der Linksliberalen ausdrücklich erklärt. Daraus folgt alles Uebrige von selbst, Fragt man aber in künftigen Tagen, in denen die Aera Bülow Geschichte geworden sein wird, nach dem Grund der politischen Verworrenheit, die er seinem Nachfolger hinterlassen haben wird, so wird die Antwort lauten: Dem vierten Kanzler fehlte der Blick für die geistigen Zu- sammenhänge; er war so arglos, zu glauben, daß er im Reich mit den von ihm erweckten liberalen Erwartungen segeln und im preußischen Fahrwasser reaktionär steuern könne. Er hat aus der Personalunion zwischen dem Reichskanzler und dem preußischen MinisterprSsidenten die Konsequenzen nicht zu ziehen ver- standen, und er hat die politischen Pflichten nicht erfüllt, die er durch die Richtung seiner im Dezember 1907 inaugurierten neuen Politik übernommen hatte. Er hatte sich und die Reichsgewalt als Vermittler zwischen rechts und linls angeboten, und er hatte noch im Dezember 1907 die Mittellinie zwischen Bismarck und Uhland ziehen zu wollen erklärt. Er hat in der eminent politischen Frage des preußischen Wahlrechts seine Mittlerrolle öffentlich preisgegeben und es unter dem Beifall der preußischen Feudalirät Offiziere haben volle politische Freiheit, wie daS Beispiel des Generals Liebert beweise! Abg. S ü d e k u m nimmt dem Altenburger Hauptmann seine Dummheiten gegen die Sozialdemokraten nicht übel. Tic dortigen Soldaten seien gegen solche Schreibereien immun, die Angriffe können uns nur nützen. Wenn aber der KricgSminister seinen Tadel über die mitgeteilten Fälle ausspricht, so soll er's nicht beim Tadel lassen, sondern cnerguch Remedur schaffen, so energisch, daß die Offiziere seinen Willen respektieren. N o S k c spricht über die K r i c g c r v e r c i n s a g i t a t i o n in den Kasernen und über die„staatserhaltende" Politik, die ruhig in den Kasernen getrieben werden dürfe! Einem speziellen Fall von Gesinnungsschnüffelei aus Gera gegenüber erklärt der Kriegsminister, er glaube die Behaup» tungen einfach nicht. In den Kasernen würden alle Zeitungen, außer sozialdemokratischen, geduldet. S ü d e k u m antwortet da- rauf und verlangt Konkurrenzfreiheit für alle politischen Rich- tungen. Sodann werden die Anträge über die zwei- bczw. einjährige Dienstzeit diskutiert. Abg. H a c u S l e r vom Zentrum, der früher General war, begründet den Zentrumsantrag. Aus seiner Erfahrung heraus tritt er sehr energisch für die zweijährige Dienst- zeit auch bei den berittenen Truppenteilen ein. Ter militärische Geist und die Ausbildung würden nicht darunter leiden. Den sozialdemotratischen Antrag auf Einführung der einjährigen Dienstzeit begründet Noske: Unser Antrag ist gestellt aus finanziellen und prinzipiellen Gründen. Der Militär- etat erfordert 900 Millionen, mit der Verzinsung der Schulden kommen jährlich 1000 Millionen allein für das Heer heraus! Voriges Jahr wurde uns eine Minderung der Ausgaben ver- Sprachen, in diesem Jahre haben wir Mehrausgaben im jetrage von zirka 58 Millionen Mark. HaeuLler hat unseren Antrag mitbegründet, es genügt schon eine viel kürzere Zeit zur Ausbildung, das beweist auch die Militärbehörde durch ihre B e- urlaubungen zu Erntezweckcn. Teilweise ist nur ein Arm; Drittel des Armeekorps im Dienst. Die finanzielle Leistungs- fähigkeit ist jetzt an der Grenze angelangt, wir müssen die Dienst- zeit verkürzen. Frhr. v. Hertling möchte mit der Herabsetzung der Dienst- zeit auch das Besichtigungswesen reformiert wissen. Der K r i c g s m i n i st e r ist bereit, eine Denkschrift über die zwei- jährige Dienstzeit vorzulegen; eS werde daraus hervorgehen, daß die zweijährige Dienstzeit bei der Kavallerie nicht durch führ- bar sei.... Die ganze Organisation im Heere sei auf die drei- jährige Dienstzeit zugeschnitten. Richtig wäre allerdings, was Haeuslcr sagt: daß ein reitender Artillerist in einem Jahre kriegs- brauchbar ist: aber die Einjährigen bilden nur ein Drittel der Eskadron, es werde mehr verlangt von den Soldaten als einfache Kriegsbrauchbarkcit, er soll Pferde ausbilden und reiten lernen. Paris, 12. Januar.(Eig. Ver.5 Mit ciliem Polizeimandat hat sich die Republik der weltpolitischen Spekulanten in Marokko festgesetzt. Statt Jnstruktoren für die Polizisten des Sultans schickte sie Kriegsschiffe und Okkupationslorps aus, von den„bedrohten" Punkten aus zog sie, natürlich immerzu auf„Sicherung" bedacht, der militärischen Operation immer weitere Kreise. Alles, um„gemäß den Abmachungen von Algcciras" im Reich des Sultans Abdul Aziz geordnete Zustände zu schaffen. Aber gibt es heute noch einen Sultan Abdul Aziz? Darf man den armen Mann so nennen, der zitternd auf die Nach richt wartet, daß sein Finanz, oder genauer Pumpminister in Paris die Summen auftreibt, womit feine Majestät den Harem und seine Eunuchen ernähren und darüber hinaus den Sold für die zur Wiedereroberung seines Reiches nötigen Soldaten erübrigen kann. Abdul Aziz ist ein Herrscher ohne Land und ohne Hauptstadt.. Dem Herrn von Marrakesch Mulay Hafid hat sich nun auch Fez angeschlossen, die Hauptstadt des Nordens. Nach den vorliegenden Nachrichten scheint sich die städtische Revolution in verhältnismäßig fried- lichen Formen abgespielt zu haben. Paschahs und Ulemas, die weltlichen und die geistlichen Autoritäten, gingen Hand in Hand, und für Abdul Aziz' Sache erhob sich niemand zur Verteidigung. Aber gerade die gute Organisation des Hand- streichs verleiht ihm ernste Bedeutung. Gelingt es den Machthabern von Fez, mit der Propaganda der nationalen und religiösen Verteidigung die Stämme zur Einstellung ihrer Rivalitäten zu gewinnen, so wird Frankreich, das jetzt den Schutz der in Marokko angesiedelten Europäer besorgt, in große, unabsehbare kriegerische Operationen verwickelt. Aber zugleich taucht die Gefahr eines internationalen Kon- flikts auf, da daS Volizeimandat säsiverlich überall als Per- sieht der anderen Staaten gedeutet werden wird, die etwa bei einer allgemeinen Erhebung in Gefahr geratenen Kon- nationalen zu schützen. Für die Umtriebe der Chauvinisten auf allen Seiten böte sich da nur allzuviel Gelegenheit dar. Wenn die erste Voraussetzung der Beschlüsse von AlgeciraS— die Herrschaft Abdul Aziz— nicht mehr besteht, kann sich die Situation, die vor der Konferenz bestand, in jedem Augen- dlick erneuern, und in einer noch gefährlicheren Art, da sich die französische Politik unterdessen unter dem Einfluß der Eticnneschen Clique in einer auf ein kommerzielles und politisches Monopol abzielenden Taktik festgerannt hat. Aber man muß gar nicht erst diese Möglichkeiten in Ei> wägung ziehen, um die schwierige Situation Frankreichs zu erkennen. Mag auch Mulay Hafid, der nicht weniger in Geldnöten steckt als fein Bruder, nicht imstande fein, das Land tatsächlich in seine Gewalt zu bringen und einen natio- nalen Krieg zu entfesseln, so folgt daraus nur eine allgemeine Auarchre, die Stamm gegen Stamm treibt und mit der Störung des ganzen Wirtschaftslebens auch die Interessen der europäischen Gläubiger Marokkos beeinträchtigt. Soll Frankreich da intervenieren? Soll es Abdul Aziz sein Reich zurückerobern? Ter„Temps" hat gestern erklärt, daß da- von nicht die Rede sein könne, aber im übrigen hat er sich mit vieldeutigen Redewendungen begnügt. Leicht mag der ranzösischen Regierung der Entschluß in der Tat nicht werden.?lbdul Aziz' Hoffnung ist jetzt einzig das Gelinget'. seines großen Anleiheversuchs in Paris. Soll sich die Re- gierung bei den Banken zu seinen Gunsten bemüben? Wenn sie es tut und neues französisches Kapital in Marokko fest- gelegt wird, so muß sie die Sache des abgesetzten Sultans ganz zu der ihren machen und ihm nötigenfalls auch militä- rischen Beistand leisten, aber auch das geliehene Kapital in einer Art sicherstellen, die auf ein System hinausläuft, wie es England in Aegypten etabliert hat. Also auch hier lauert der Konflikt. Diese Lage erfordert eine erneuerte, geschärfte Aufmerk« amkeit des Proletariats aller Länder, vor allem aber Frank- reich» und Deutschlands. Dem kolonial-nationalcn Speku- lantentum und den ihm ergebenen Regierungen muß zum Bewußtsein gebracht werden, daß die Arbeiterklasse einen Krieg um den afrikanischen Landraub mit allen Mitteln zu bekämpfen bereit ist. Ueberall müssen die sozialistischen Par- teien der Politik des Chauvinismus, die in Wahrheit die Politik der heuchlerischen Profitmacherei ist, energisch ent- gegentreten. sogar abgelehnt, auch nur für die Aufhebung der ö f f e n t l i ch e n � Frankreich habe'sich die zweijährige Dienstzeit bei der Kavallerie r m m n n ft rt h* Pin in freien vft£ n 7 rt p r f rt« r» f p# f t it r he»« I..i jii: r �____«________- r-_ Stimmabgabe einzutreten. Weniger tonnte er fürden Liberalismus nicht tun. Nicht einmal den schlimmsten Verstoß gegen die guten Sitten, die Zulassung der Wähler- knechtung im Wahlraum, hat er aufzuheben sich entschlossen. Er hat damit proklamiert, daß er Preußen nicht einmal auf daS Niveau des sächsischen Wahlrechts bringen wolle, das geheime Abstimmung hat. Die Wirkungen dieser blinden Politik auf daS politische Leben find einschneidend gewesen. Preußen hat- unter der Leitung deS Fürsten Bülow einen historischen nicht bewährt.... Den sozialdemokratischen Antrag müsse er ohne weiteres ablehnen, er führe zum Milizheer, und die Miliz wollen wir nicht, sie hat sich nirgends bewährt.... Auch billiger wird das nicht; denn man müßte im Jahre zwei Manöver abhalten. Gegenüber v. H e r t li n g verteidigt er die Besichtigungen und bestreitet, daß diese nervös machen. Abg. Eickhoff lehnt den sozialdemokratischen Antrag ab: schematisch sei er damit einverstanden, aber die preußische Schulbildung sei zu gering, als daß man sich mit einer einjährigen Dienstzeit begnügen könne. Abg. Schräder ist gleichfalls gegen den sozialdemo- London, 14. Januar. Nach einer Meldung aus Tanger ist General Damade an der Spitze von 3000 Mann gestern in Rabat eingetroffen. Ter Vormarsch längs der Jgüste wurde durch die französischen Kriegsschiffe gedeckt." Die Soldaten be- zogen außerhalb der Stadt ein Lager. Laroche, 14. Januar. Die Ereignisse in Fez haben hier große Erregung hervorgerufen. Man befürchtet, daß die marokkanischen Stämme in die Stadt eindringen, um so mehr, als die ganze Gegend unsicher ist. Tie Plünderer halten täglich die Postkurierc an. Eine Karawane von 100 Kamelen wurde auf dem Wege nach Fez in der Nähe von El-Krar angegriffen und geplündert. Abweichend von der obigen Nachricht behauptet ein Tele- gramm vom 14. d. M. aus Tanger: General b'Arnade befindet sich, entgegen anderweitigen Meldungen, noch immer mit den Truppen in Burnita. ungefähr 30 Kilometer von Rabat entfernt._ politifcbe Oeberßcbt Lerlin. den 14. Januar 1903. Bankdiskont und Wirtschaftskrise. Aus dem Reichstag. Die vor den Weihnachts» ferien gestellte Interpellation des Grafen K anitz wegen des hohen Bankdiskonts kam heute endlich zur Verhaut I'ung, nachdem der Bankdiskont mittlenveile von l1!« auf 6'/z Prozent heruntergegangen ist, so daß der Antragsteller einiges Recht hatte, sich über die Verzögerung zu beschweren. Graf Kanitz versuchte nachzuweisen, daß das beste Heilmittel gegen die Schädigungen des hohen Diskonts die Ein- führung der Doppelwährung sein würde.— Daß die Agrarier sich für diese Forderung stets mit so großem Feuereifer ins Zeug legen, hat seinen Grund in dem mit dieser Währungsänderung verknüpften Plan, das Silber zu einem über seinen wirklichen Kurswert weit hinausgehenden Wert- ansah in ein festes Verhältnis zum Gold zu bringen. Tann könnten alle in Gold kontrahierten Schulden in dem gering- wertigeren Silber bezahlt werden. Mit einem Schlage hätten die Gutsbesitzer ihre Hypothekenlasten erleichtert. So etwas ist schon des Schweißes der Edlen wert. Graf Kanitz hält es allerdings für ratsam, nicht so plump mit der Tür ins Haus zu fallen, wie der Silber-Arcndt. Er will sich zunächst, um Handel und Verkehr an das Silber zu gewöhnen, damit begnügen, daß mehr Silber als Scheide- münze ausgeprägt wird, und zwar anstatt jetzt 15 M. auf den Kopf der Bevölkerung 25 M. Ferner will er die Annahme- verpflichtring für Silbergeld weit über die jetzige Grenze von 20 M. hinaus in die Höhe gesetzt wissen. Schließlich brachte Graf Kanitz seine Silbersehnsucht in dem mit schmetternder Stimme verkündeten Vergleich zum Ausdruck: Wir müssen eine silberne Mauer um unsere Goldwährung bauen! Bei der Ausführung dieses Planes würde es natürlich dahin kommen, daß die Agrarier sich in der goldenen Burg fest- setzten und ihren Gläubigern die silberne Mauer überließen. Der Staatssekretär des Innern, Frhr. v. Bethmann- H o l l w e g. konnte. so schwer es ihm auch ankam, nicht umhin, die Auffassung des Agrarphilosophen Kanitz über die Schäden der Goldwährung zu bekämpfen. Aber ohne AuS- gießung einer ganzen Flasche agrarischen Oels geht's doch nun einmal nicht bei einer Regierung, der die Versprengung eineS einzigen Tropfens demokratischen Oels bereits als ein Akt rühmenswerter Freigebigkeit erscheint. Der Minister kündigte an, eine Untersuchungskommission solle sich mit der Ergründung der Währungsfrage be- fassen, unmittelbar stehe aber die Einbringung einer Novelle zum Münzgesctz bevor, durch die eine verstärke Ausprägung von Silber gewährleistet werden solle. Späterhin kam der neue Rcichsbankpräsidcnt Häven- stein zum Wort, dessen Rede leider so undeutlich war, daß nur mit großer Mühe hin und wieder ein ganzer Satz auf der linken Seite deS HauseS verstanden werden konnte. Wichtig war. daß er sich für die Aufrecht- erhalt ung der Goldwährung verbürgte. Im gleichen Sinne traten zwei Bankdircktoren, der Nationallibcrale Weber aus Löben und der Freisinnige K a e m p f auf Grund ihrer Sachkenntnis den agrarischen Wirtschaftsideen entgegen, indem sie rundweg jede Annäherung an die Doppel- Währung verwarfen. Herr Kaempf verstieg sich sogar— wohl infolge der nachträglich seiner Partei aufdämmernden Er- kenntnis, wie schnöde Bülow sie eigentlich behandelt hat— zu einer scharfen Verurteilung der gesamten Wirtschaftspolitik der Regierung. Er inaß ihr ein Hauptteil der Schuld an den mißlichen Zuständen bei, die sich in Deutschlands Handel und Verkehr herausgebildet haben. Daß nian mit einer solchen Auffassung aber unmöglich eine schutzzöllucrische und agrarische Regierung unterstützen dürfte. hätten sich Herr Kaempf und seine Freunde eigentlich schon früher sagen müssen. Daß sie jetzt den Mut haben werden, mit dem Nährvatcr des Blocks zu brechen, niuß man erst sehen, che man es glauben kann. Nachdem der freikonserative Herr v. Gamp-Massaunen noch seinem agrarischen Herzen Luft gemacht hatte, wurde die Debatte auf morgen vertagt. Außerdem wurde noch die Interpellation der Polen wegen der Enteignungsgesetze auf die Tagesordnung gesetzt. Ein neues kandinisches Joch. Der„Kölnischen Zeitung" wird aus Verlin tele- graphiert: Die Nachricht verschiedener Blätter, daß dieser Tage die Finanzminister der Bundesstaaten in Berlin zu einer Beratung der neuen Steucrvorlage zusammentreffen würden, ist in dieser Form unrichtig. Es handelt sich nicht um eine eigentliche Minister- konferenz, sondern lediglich um die ordnungsmäßigen Be- ratungen der VundeSratSauSichüffe, zu denen der oder jener Minister in eigener Person erscheint und zwar besonders aus S ü d d c u t s ch l a n d, da dessen Reservatrechte in Frage kommen. Nachrichten, die über Einzelheiten dieser Frage durch die Blätter gehen, sind wertlos, da solche einzelne Tinge durch die noch nicht abgeschlossene Beratung fortgesetzt abgeändert werden können. An eine Vertagung dieser Fordeningen denkt die Rrgicning uicht, da sie nicht weiß, woher sie ohne neue Steuern die Mittel zur Aufbesserung der Gehälter und zur Deckung des Fehlbetrages im ReichshauShalt nehmen soll. Der arme Freisinn I Nun soll er nach der brutalen Absage an alle liberalen Blütcnträume, die er in der Wahlrechts- und Schul- frage von der Regierung erhielt, auch noch Monopole und andere mdirekte Stenern schlucken I—_ Freisinnige Konsequenz. Zu dem eigenartigen, m seiner Trivialität geradezu komischen Beschluß der drei freisinnigen Fraktionen, vorläufig im Block zu bleiben, aber unentwegt für die Einführung des Reichstagswahl- rechts in Preußen zu wirken, schreibt die„Berliner Volks- Zeitung": „Das verstehe, wer kann! Auf diese reaktionäre Pro- vokatwn, auf diese beleidigende Erklärung Bülows konnte es, unbekümmert um die nächsten Kdnscqucnzen, nur Eins geben: Sturz des Ministerpräsidenten Bülow! Die Macht dazu hat die bürgerliche Linke; denn mit dem Zentrum kann Bülow nach allem, was geschehen ist, die politischen Geschäfte nicht fortführen, und ohne die freisinnigen Fraktionen besitzt Bülow keine Majorität. Noch selten war eine parlamentarische Taktik so klar vorgezcichnct, wie in diesem Fall. Der Stur; Bülows— das hätte man im Volke, südlich wie nördlich der„Mainlinie",� verstanden. Die liberalen Fraktionen haben leider anders entschieden und zu der ersten Enttäuschung durch Bülow eine zweite gefügt. Aus das politische Handwerk, wie es das preußische Junkertum betreibt, rück- sichtslos und mit wachsendem Erfolg, versteht man sich bei den jetzigen..Führern", den blockseligcn Freisinnigen, nicht. Tie jahrzehntelangen Mißerfolge haben hier ein„kleines Geschlecht" erzeugt, das sich nicht zu einer mutigen Tat aufzu- raffen vermag. Vielfach fragt man, was käme dann nach? Nun, kann es denn schlimmer werden, als es schon ist, und sind die erwähnten Konzessionisten wirklich wert, daß man sich darum politisch prostituiert? Was ist denn der Unterschied gegen früher? In den letzten Jahren wurde wirtschaftlich wie politisch eine junkerliche, reaktionäre Politik getrieben, nun soll es in gleichem Geiste weiter gehen, aber diesmal statt mit dem Zentrum mit der— bürgerlichen Linken!! Das ist der ganze Unter- schied."- l Ein Fußtritt für den Freisinn!' Ter Bund der Landwirte hielt an: Sonntag zu Hannover eine Provinzialversammlung für die Provinz Han- nover ab. In dieser Versammlung, an der auch der verflossene Minister Podbielski teilnahm, sprach der unvermeidliche Dr. Dietrich Hahn über die Blockpolitik. Er verlangte, daß der Block„nationale Politik ohne Gegen- l e i st u n g" betreiben soll, d. h. ohne Gegenleistung für die Liberalen, denn der Bund wird schon seine Rechnung zu finden wissen. Den Freisinn, der sich immer als den Kern des Blockes betrachtet, behandelte Hahn als den Geduldeten, und er führte auS: „Der Bund würde dcr größte Esel sein, wenn er sich verleiten ließe, dem Liberalismus zulrcbe das Jen- trum an die Wand zu drücken. Denn wenn dcr Frei- sinn nicht mehr will, oder wenn wir ihn nicht mehr brauchen, dann fliegt er sofort heraus aus dem Block und daS Zentrum tritt an feine Stelle." Das hat dem Freisinn gerade noch gefehlt, dem Frei- sinn, von dem Hahn behauptete, daß der Freisinn n i ch t a u s reiner U c b e r z e u g u n g das ReichstagSwahlrecht fordere, sondern u m s i ch d i c V o l k S g u n st z u s i ch c r n! Die Nationalliberalen in Hannover, die ohnehin nur von Bundesgnaden leben, möchten dem Bunde die Brüder- schaft mit dem Zentrum verekeln; die Kulturkampfpautcrei zieht bei den Bündlern jedoch nicht, und da bringt es das jungliberale Organ, der„H a n n o V. Courier" fertig, zu schreiben, die F r c u n d s ch a f t z w i s ch e n H a h n u n d dem Zentrum sei um so auffallender, als große prin- zipielle Unterschiede bezüglich des— Wahlrechts Bestanden. „Herr Dr. Hahn ist doch ein entschiedener Anhänger des jetzigen Wahlrecl, ts, und als solcher hat er sich au« Sonntag ja auch energisch gegen die Uebertragung dcS Reichs- tagswahlrcchts auf Preuße» ausgesprochen, während das Z e n- trum, wie ihm wohl bekannt sein wird, den entgegen- 41 e s e tz t cn Standpunkt einnimmt und das Rcichötagswahlrecht für Preußen wünscht." Danach hat es den Anschein, als ob der Kampf der Nationallibcralen sich bei den Landtagswahlen mit aller Wucht gegen die Aendernng des Wahlrechtes richten soll, um dem Bunde der Landwirte gefällig sein zu können. Ein netter Liberalismus! Und diesem Block will dcr Freisinn auch ferner treu bleiben?!—_ Gegen den Block. Ten Süddeutschen Demokraten scheint die Kriegs- e r k l ä r u n g BülowS an den Liberalismus denn doch die Schamröte ins Gesicht zu treiben! Es wird gemeldet: Nürnberg, 1-i Januar.(23. H.) Die gestrige General- Versammlung d e S demokratischen Vereins Nürnberg faßte nach einem Referat des Redakteurs Stelzner und einer lebhaften Erörterung folgende Rcso- lution:„Tie Stellungnahme des Reichskanzlers als preußi- scher Ministerpräsident gelegentlich dcr Wahlrechtsdebatte im preußischen Landtag hat endlich zurEvidenzgczcigt, daß der verantwortliche Leiter der deutschen Reichsregierung in Wahrheit nicht gewillt ist, den einfachsten libe- ralen Grundsätzen Rechnung zu tragen. DeL- halb richtet die Generalversammlung an die Fraktion der Deutschen Volkspartei im Reichstag die dringende Bitte, aus dem Block auszuscheiden." Frankfurt a. M., 1-1. Januar.(23. H.) In einer V er- s a nk m l u n g deS demokratischen Vereins Frankfurt wurde mit großer Mehrheit folgende Resolution an- genommen:„Die heutige öffentliche Versammlung deS Frank- furtcr demokratischen Vereins mißbilligt aufs schärfste die vom Ministerpräsidenten Fürsten Bülow namens der Staatsregierung im preußischen Landtage ab- gegebene Erklärung über die Wahlrechtsfrage und e r- wartet von den linksliberalen Fraktionen, daß sie den K a m P f g e g e n d a s D r e i k I a s s e n w a h l- recht und für das allgemeine Wahlrecht in Preußen ohne Rücksicht auf die Blockpolitik im Reiche mit allem Nachdruck fortsetzen. Die Versammlung hat nach der Er- klärung des Reichskanzlers kein Vertrauen mehr dazu, daß er wirklich liberale Forderungen durchzusetzen bestrebt ist. Sie erwartet, daß nunmo.hr alle zu- sammeng eben, die das gleiche Ziel der Er- ringung des ReichStagswahlrechtS für Preußen haben._ Wahlrechtsreform und Mittelstand. In der Debatte, die das preußische Abgeordnetenhaus über die Wahlrechtsreform gepflogen hat, ist viel vom Mittelstand die Rede gewesen, als demjenigen Teil dcr Bevölkerung, dessen Interessen bei einer etwaigen Abänderung des Wahlrechtes in be- sondercm Maße zu berücksichtigen seien. Auch dcr Redner der Nationallibcralen hat erklärt, daß bei der heutigen Art des preußischen Wahlrechts die„breite Schicht des Mittel- st and es" nicht zur Geltung komme und er begrüßte es, daß bei einer etwaigen Reform der„Einfluß des breiten Mittelstandes ganz besonders gewahrt" werden solle. Demgegenüber sei daran erinnert, wie von nationalliberaler Seite gelegentlich der preußischen Gemeindcwahlrcform über diesen" Mittelstand geurteilt wurde. Diese Wahlreform wurde bekanntlich vom Zentrum deshalb gefordert, damit cS in den Städten dcS Westens durch Beförderung seines kleinbürgerlichen Anhanges in die zweite Wählcrabteilung sich die Mehrheit in den Rathäusern sicherte. Tic rheinischen Nationallibcralen zeigten sich aus begreiflichen Gründen einer solchen Gemeindcwahlreform ab- geneigt. Die„Kölnische Zeitung" verbrach wahre Jammer- artilel und stellte als notwendige Folge der Wahlresorm hin. daß „diejenigen Männer, die durch die Größe ihres Geistes, durch die Tiefe ihrer Bildung und durch die Schärfe ihres Urteils sich aus- zeichnen unter ihren Mitbürgern, in Zukunft nicht mehr in den Stadtverordnetenversammlungen den Ausschlag geben". In Zukunft würde in der dritten Klasse das Proletariat, in der zweiten der geringere Mittelstand die Uebermacht haben. Und auf diesen Mittelstand ergoß sich die ganze Wut des rheinischen Organs für Bildung und Besitz. Die„Kölnische Zeitung" kennzeichnete(24. April 1900) ihn als die „Vertreter dcr Bicrbankpolitik und des Spießbürgertums, die von der Bedeutung ihrer werten Person ganz gewaltig überzeugt sind, immer den Nagel auf den Kopf zu treffen vermeinen, dabei aber mit ihrem kurzen Per- stände und der Unzulänglichkeit ihres Urteils den Kern der Sache in der Regel verkennen und sich a n Neben- sächlichkeiten zu halten pflegen, oder aber gewohnt sind, ihre Sonder- und Standcsintcrcssen in den Vordergrund zu schieben und bei jeder Gelegen- heit ihr StiTckenpferdchen zu reiten bereit sind; Leute, die die ihnen bei ihrem kleinen Gesichtskreise eingewurzelten Vorurteile maßgebend sein lassen oder endlich sich von einer kleinlichen und einseitigen Auffassung der Verhältnisse und von einem über- triebenen Verantw örtlich keitSgefühl leiten lassen, stets ein Wenn und ein Aber zur Hand haben und ihre Ausgabe darin finden, an allem herumzunörgeln was ihnen zur Entscheidung vorgelegt wird." Tic„Kölnische Zeitung" beschwor die Regierung, die Folgen ihres Vorhabens zu bedenken und sich nicht in optimistischer Weist eine falsche Vorstellung von dcr zukünftigen Gestaltung dcr Dingr zu machen. Schlimmer, als es hier das nationallibcrale Blatt tut, kann man von dem Mittelstand wohl nicht reden, größer dir Gefahr, die er für das öffentliche Wohl darstellt, wohl nicht schildern. Damals, bei dcr preußischen Gemcindcwahlrcsorm, war der Mittelstand für die Nationallibcralen dcr Inbegriff aller Beschränktheit, Rückständigkeit, Aufgeblasenheit und Strcberhaftigkcit. seine Vertreter waren daS Muster der Bicrbankpolitikor und Spießbürger, deren Einfluß auf das Gemeinwesen nicht kurz genug ge» halten werden konnte. Heute, bei der preußischen Landtagswahk- reform, ist der Mittelstand das Heil und die Hoffnung des Vaterlandes, und seinen Einfluß zu mehren gilt als nationale Pflicht. Freilich begreift man die Gründe für die verschiedene Be- urtcilung des Mittelstandes durch die Nationallibcralen. Damals galt ihnen der Mittelstand als Eindringling in die zweite Ee- mcindcwählerklasse, dcr daS liberale Vorrecht derer von Bildung und Besitz gefährdete; jetzt aber dient ihnen dcr Mittelstand als Gegengewicht gegen die Arbeiterklasse, die in Preußen auf dem alten Stande dcr Rechtlosigkeit gehalten werden soll. Darum werfen sie sich auf als die Freunde dcr„Spießbürger" und„Bier- baukpolitiker", als die Schützer der Leute mit dem»kurzen Per- stände" und dem„unzulänglichen Urteil"!— Polen-Borlage. Gestern hat eine neue Beratung zwischen der Regierung und den Fraktionsführern des Abgeordnetenhauses über die Polen- Entcffjnungsvorlage statigefunden. Wie dcr„Verl. Lokal-Anz." halboffiziös mitteilt, wird sie voraussichtlich eine Abänderung des bor Weihnachten geschlossenen Kompromisses zur Folge haben. Die Abänderung wird im wesentlichen darin bestehen, daß man auf die Lokalisierung dcr Enteignung auf neun Kreise der beiden in Frage stehenden Probinzen verzichtet, und daß dafür der Regierung gc- schlich das Recht eingeräumt wird, in allen Teilen Westpreußens und Posens bis zu einer Gesamtfläche von 79 999 Hektar aus Grund des 8 13 des Gesetzes zu enteignen. Der Z 13 lautet:„Zur Sicherung des gefährdeten Deutschtums wird dem Staate behufs Abrundung und Stärkung der bestehenden AnsiedelungSgruppsn das Recht zur"Enteignung solcher Grundstücke verliehen, die zu diesem Zweck erforderlich sind. Ausgeschlossen ist die Enteignung von tebäuden, die dem öffentlichen Gottesdienst gewidmet sind, und von Begräbnisstätten;"— Es wird angenommen, daß die zweite Lesung der Ostmarkcn. vorläge schon Donnerstag stattfinden wird. Die Prcftgarde des Polizeiministers. Ter„Deutschen Tageszeitung" ist die von dcr sozialdemo- kratischen Fraktion im Reichstage eingebrachte Interpellation an- scheinend unbequem— vielleicht in der Befürchtung, daß dcr Reichstag sich doch etwas anders zu den Polizeicxzessen stellen könnte, als die Intelligenz des Junkerparlaments. Sie sucht des- halb die freisinnigen Parteien und das Zentrum zu bewegen, eine Besprechung dcr Interpellation im Reichstage dadurch zu ver- hindern, daß sie dm Sozialdemokraten nicht die fehlenden Stimmen zur Unterstützung des Antrages auf Besprechung(bekanntlich gc- hören zur Erzwingung einer Besprechung, 99 Stimmen) stellen. „Wenn die bürgerlichen Parteien," schreibt das Bündlcr- blatt,„das richtige Staatsbewußtsein und die richtige Staats- gesinnung hätten, so würden sie die Besprechung unmöglich machen. Die Sozialdemokratie kann allein die 99 Stimmen, die notwendig sind, um die Besprechung einer Interpellation herbeizuführen, nicht aufbringen. Sie ist auf die Unterstützung anderer Parteien angewiesen. Leider müssen wir es als sehr wahrscheinlich bezeichnen, daß sie diese Unterstützung auch finden wird. Ob die Besprechung der Interpellation dazu bestimmt ist, neue Straßcndemonstrationen zu veranlassen, diese Frage möchten wir offen lassen; die Vermutung liegt allerdings sehr nahe, und die verantwortlichen Behörden werden mit der Mög lichkeit rechnen müssen." Wir wollen abwarten, ob sich Freisinn und Zentrum zu dcw von dem Bündlcrblatt geforderten Frondienst hergeben.— Offiziös, also albern! Die„N o r d d. Allg. Zt g." möchte gern wissen, lver von den sozialdemokratischen Abgeordneten und Führern an dcr Straßen- demonstration teilgenommen hat. Dumm und unverfroren wie sie ist, behauptet sie einfach, dcr und der sei nicht dabei gewesen. Nun, bildet sie sich ein, wir werden ihr verraten, wer dabei war! Sie mag doch den Gentleman fragen, dem scherzhafte Genossen mi' Kreide eine große 8(nämlich Groschen) aus den Rücken malten, als er gar zu demonstrativ demonstrierte. Wer dabei war, weiß Bescheid— die„Nordd. Allg. Ztg." braucht es nicht zu wissen! Ebenso geistreich ist eS, wenn das Blatt an unsere Bemerkung. der Schuß, dcr gefallen sei, dürfte am Ende die Platzpatronen- schießerci irgendeines Lockspitzels gewesen sein, folgende Bemerkung knüpft: „Ei, ei! Hiernach scheint ja das edle Organ ziemlich genau zu wissen, daß diese„alberne Detonation" von keinem scharfen Schuß herrührte. Es redet ganz unumwunden von„dieser Platzpatrone", die ihm also bekannt sein muß. Sollte es denn unter solchen Umständen nicht auch über den Schützen Auskunft geben können?" Die Polizei hat ja die Schießeisen der Polizisten untersuchen lassen, um festzustellen, daß von ihnen keiner geschossen habe. Eine solche Revision war bei den Demonstranten nicht nötig, denn sie besaßen keine Revolver, sie wurden ja nieder» gesäbelt, trotzdem sie sich absolut friedfertig ver- hielten! Der Herausgeber der Zeitschrift„DaS Blaubuch", der liberale Publizist Heinrich Hägen st ein. fällt denn auch über die glorreichen Attacken folgendes Urteil: „Aber daS Blut, das bei dieser Gelegenheit vergossen, kommt erstens auf ihr Konto und d a S dcr Junker, und dann hätt's auch ohne Gefahr für die Sicherheit dcr Rcichshaupt- stadt erspart bleiben können. Denn was heißt das? Werden bei den gleichgültigsten H o f fest l i ch ke'i t e n dri c Straßen nicht kilomcterwcis abgesperrt? Hindert man nicht bei den belanglosesten Ein- zügen ohne weitere Umstände die ihrer Arbeit nachgehenden Bürger? Und da sollte es nicht das gute Recht dieser Bürger sein, einmal in corpore am Sonn- tag, wenn's keinen behelligt, bor das Haus dessen zu ziehen, der ihres Staates erster Diener ist(ich meine den König). Wen stört'S? Und waren die Bürger nicht unbe» waffnct? Wollten sie jemand ein Leid zufügen? Aber dabei fließt Blut. Das ist P r c u ß i s ch- K u r a n t. Herr Hauptmann Stephan— legt seinen Namen zu den Hamburger„Kriegern", die dem zehnjährigen Revolutionär vor mehr als Jahresfrist der»Ordnung halber" vier Finger ab- hackten— hat Hcldenblut.„Säbel heraus! Einbauen!" Noch lebt altpreußische Tapferkeit. Diir Attacke war blendend schön.„Alles niederreiten, was sich uns in den Weg stellt." Dem Sieger an dcr Gcrtraudten- brücke winkt sicher ein Orden..." Eine Ente. Ein-Korrespondent des Hirschsckien Telegraphenbureaus hatte an I englische Blätter die Scnsationsmelduna aekabelt. dak die sozial« öemohnüMje Partei die Absicht hake, zur �mgentng der Massendemonstrationen einen fünftägigen General st reit in Berlin zu inszenieren. Von London auS ist die Nachricht dann wieder in Berliner Blätter übergegangen. Dem genannten Bureau ist auf Anfrage von parteioffiziellcr Seite aus bereits mitgeteilt worden, das; die Nachricht völlig aus den Fingern gesogen ist. WaS die sozialdemokratische Partei zu tun oder zu lasten gedenkt. wird sie nicht durch bürgerliche Journalisten vorher ankündigen lasten!—_ Ein unzureichender Grund. Das„Berliner Tageblatt" schreibt: „Aus unserem Leserkreise erhalten wir zahrreiche Zuschriften, in denen— entgegen unserer eigenen Auffassung— für die Stratzenmanifestationrn zugunsten des allgemeinen gleichen Wahlrechts Partei genommen wird. Die Absender dieser Zu- schritten sind nicht damit einverstanden, dah wir diese Kund- gedungen mißbilligt haben, und sie erinnern unter anderem daran, daß in der W a h l n a ch t vom 25. Januar 1907 die „patriotische n" Straßenkundgebungen den vollen Beifall der Regierung fanden, und daß Fürst B ü l o w sich vor diesen Hurrabrüllern beglückt verneigt hat. Wir müsten, trotz allen noch so einleuchtend klingenden Gegengründcn, an der An- ficht fe st halten, daß Straßenmanifestationen schon darum ein verfehltes Mittel sind, weil sie allen Schwächlingen und Leisetretern den erwünschten Vorwand bieten, sich auZ diesem Kampfe zurückzuziehen. Aber wir haben auch bereits betont, und wir wiederholen es. daß die Manifestanten zu ihrer Entschuldigung auf das aufreizende Verhalten der preußischen Regierung und des Abgeordnetenhauses verweisen können." Es gibt also doch noch, wie die zahlreichen Zuschriften an das „Berliner Tageblatt" beweisen, Freisinnige, die beim Anblick von Straßendemonstrationen nicht gleich in Ohnmächte fallen und ordnungsretterifche Anwandlungen bekommen. Leider scheinen sie sehr dünn gesät zu sein. Der Grund, den das„Berliner Tageblatt" für seine Abneigung gegen Straßcndemonstrationen angibt, ist von nicht gerade über- zeugender Beweiskraft. Was verliert ein kämpfendes Heer, wenn es Schwächlinge und Leisetreter verliert? Bagage! Zweierlei Recht. Gestern fand in Berlin eine organisierte Straßenkundgebung statt. 2000 Personen fanden sich zusammen und durchzogen unter Vorantrngung von Bannern die Straßen. Dem Zuge schritt eine Musikkapelle voran. Um die Wirkung der Demonstration zu erhöhen, trugen die Teilnehmer Fackeln. Die Polizei unterstützte die De- monstration aus das bereitwilligste. Berittene Schutzleute sorgten für die Aufrechterhaliung der Ordnung und für die Freihaltung de» Weges, lieber den stillen Königsplatz ging der Zug nach Alt Moabit und von dort die Raihenower Straße und Turmstratze entlang bis zur WilSnockcr Straße, Ivo sich der Zug auflöste. Man sieht. eS sind in verkleinertem Maße ähnliche Vorgänge, wie sie Berlin am Sonntag sah. Aber gestern waren es Studenten, die einem Professor einen Fackelzug brachten. Sonntag waren es dagegen Arbeiter. Entrechtete, dr, ausgeschlosten vom Abgeordnetenhause, die Erfüllung ihres Rechtes auf den Straßen heischten. Des- halb attackierte sie die Polizei und der Polizeiminister Mottle nannte sie Janhagel. Preußische Zustände I— Peters will kneifen! Entgegen der Meldung mehrerer Blätter, daß in dem Prozeß Peters gegen die„Kölnische Zeitung" die Vertreter der „Kölnischen Zeitung" mit Vergleichsvor'chlägen an die klägerische Partei herangetreten seien, erklärt die„Kölnische Zeitung" diese Behaupinng für in vollem Umfange unzmresfend. Die von der klägerischcn Seite eingeleiteten Verhandlungen hätten zu keinem Ergebnis geführt. Ein Vergleich fei nicht zu erwarten. Ein Vergleich würde auch für Herrn v. B e n n i g sen nicht minder blamabel fein als für den Peters selbst l-» Ein sächsischer Konservativer. Das Monstrum eines PluralwahlrcchtS, das der sächsische LandlagSobgeordi'.cte Dr. Brückner in der sächsischen Zweiten Kammer beantragt hat sivir berichteten in Nr. 10 darüber», ist nicht der nationalliberalen, sondern der konservativen Partei aufs Konto zu schreiben. Dr. Brückner gehört nicht, wie uns unser Korrespondent irrtümlich mitgeteilt Hai, der nationalliberalen, sonder» der konser- bativcn Fraktion des sächsischen Landtags an.—> Italien. Konflikte mit Abcssinien? Rom, den 12. Januar.(Eig. Ver.) Der Raubzug abessinischer Scharen im Territorium von L u g h, der einen Zusammenstoß mit den in italienischen Diensten stehenden Askaris und den Tod de» italienischen Residenten Bongiovanni zur Folge hatte, erregt in Italien nicht unberechtigte Besorgnis. Obwohl Lugh nicht, wie viele Blätter irrtüinlich melden, zum italienischen Territorium ge- hört, stellte der Einfall und die Blockierung des Platzes eins Verletzung des Status quo und de» italicnsch-abcssinischen Handelsvertrages dar, der die Sicherheit der Llaufleute ge- währlcistet. Menelik hat die Besitzergreifung von Lugh durch die Italiener nie anerkannt, was in dem' Wrommen vom Dezember 1906 zwischen England, Frankreich und Italien ausdrücklich gesagt ist. Es schweben diplomatische VerHand- lungen über diesen Punkt, weshalb Lugh in diesem Ab- kommen eine gesonderte Stellung einnimmt und von den Territorien ausgeschlossen ist, für die zwischen den drei Mächten die gegenseitige Verpflichtung für die Aufrecht- crhaltung des stalnd- quo besteht. Deshalb steht in der auf den Einfall folgenden diplomatischen oder anderweitigen Aktion Italien allein Abessinien gegenüber. Ob der Einfall von Menelik angeordnet oder gebilligt war, oder ob er ohne sein Wissen stattfand, da» hat für die unmittelbaren Folgen kein? Bedeutung. Wichtig ist nur, ob Menelik sich entschließt, ihn o/fiziell zu desavouieren und die Urheber zu bestrafen oder nicht. Und darüber werden die nächsten Tage Aufschluß geben. Das italienische Ministerium des Acußern hat schon durch sein erstes Eommuniquö gezeigt, daß es nichts dringender wünscht, als dem Zwischenfall die politische Bedeutung abzusprechen und ihn als ohne Wissen der abessinischcn Regierung erfolgt ansehen zu können. In Wirklichkeit ist e» zimi mindesten nicht unwahrscheinlich. daß der Einfall von Menelik angestiftet oder doch autori- siert war. Vielleicht hat Menelik gedacht, weil die Wege der Diplomatie zu lang seien, wäre eine„direkte Aktion" vorzu» ziehen.... Lugh ist seiner Lage wegen ein Platz von größter Bedeutung. Es ist der Schlüssel zum Uebi Gananatal und die Hauptpforte für die Haudelserpansion der Benadir nach nach dem Inneren. Aber für Abcssinien ist der Besitz dieses Ortes fast noch wichtiger. Für den südlichen und südöstlichen Teil de» Reiches geht der nächste, ja eigentlich der einzige Weg zum Meer über Lugh. Nun ist es bekannt, daß Abcssinien nach einem Hafenplatz am Indischen Ozean strebt, streben mu� Verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Es wäre also nicht unlogisch, wenn Menelik auch aus gelvagte Mittel verfiele, um sich durch die Besetzung von Lugb den Zu- gang zum Meere zu sichern. Die Frage ist nur, ob sich die Regierung von Abessinien die möglichen Folgen ihres Schrittes überlegt hat und auch bereit ist, für sie einzustehen. In diesem Falle dürfte die Entsendung einer Strafexpcdition unvermeidlich sein. I�onvegen. Die Eröffnung des Storthings. K r i st i a n i a, 12. Januar.(Eig. Ber.) Das Storthing ist gestern zu seiner zweiten Session zu- sammengetreten. Die feierliche Eröffnung mit der obligaten Thronrede wird am Montag vor sich gehen. Unter dem vom Präsi- denten ernannten Komitee, das den König empfangen soll, be- findet sich ein— Sozialdemokrat.... In den letzten Tagen ist in den leitenden Blättern eine kräf- tige Sprache über bevorstehende politische.Wenduisgen geführt worden, die unzweifelhaft auf neue politische Kämpfe hindeuten. Nicht nur zwischen links und recht", sondern auch in der alten Vcnstrcpartci sind Verwandlungsprozcsse im Gange. Nach all den kläglichen Niederlagen der Freisinnigen iVenstre), die ihre Partei- Prinzipien schon längst verraten und sich mit dem reaktionären bürgerlichen Block zur Bekämpfung der Sozialdemokratie ver- einigt haben, soll nun eine neue leitende radikale Partei geschaffen werden. Mit Hülfe der Demokraten und Sozial- dcmokraten will man dann eine parlamentarische Mehrheit �er- zeugen, die den letzten Rest der königlich rekonstruierten„Revo- lutionsregierung" wegfegen soll. Die konservative Blockpartei setzt vorerst alle Hebel in Be- wegung, um den MinderheitSpartcicn— speziell unserer Fraktion — eine Maulkorbgeschäftsordnung aufzuzwingen, die nicht nur im allgemeinen die Rodefreiheit einschränkt, sondern jeden Abgeordneten der Willkür des Präsidenten übergibt. Jnter- pellationew— unsere wichtigste parlamentarische Tätigkeit— sollen mit 30 Minuten abgetan sein und die gesamte Debatte darf 2 Stunden nicht überschreiten II Falls ein Minister die Jnter- pellation nicht beantworten will, soll auch keine D i s k u s s i'o n zugelassen werden usw.!! Da es unseren Gcnosien versagt war, in der Kommission vertreten zu sein, um solche Bestimmungen verhindern zu können, wird das nötige im Plenum nachgeholt werden. Das ist die erste Arbeit im Storthing. Von großem politischem Interesse wird die Veröffentlichung und Behandlung des Jntegritätstraktates sein, dos von Deutsckland. England, Frankreich und dem bankrotten Rußland garantiert worden ist. Der Reichse�tat, der diesmal— wegen der veränderten Tagungszeit des Storthings— 15 Monate umfaßt, sieht nicht weniger als 12514 Millionen Kronen gewöhnliche Ausgaben vor und 74 Millionen Kronen außergewöhnliche. Die letzteren betreffen ausschließlich Eisenbahnbautcn und sollen im wesentlichen durch neue Staatsanleihen gedeckt werden. Für Zclleinnahmen sind 501b Millionen Kronen vorgesehen. Der Zuckerzoll soll am 1. Januar 1900 um 5 Oere pro Kilogramm herabgesetzt werden— er beträgt jetzt 30 Oere. Das Militärbudget verschlingt zirka 10 Millionen Kronen und das Marinebudget 014 Millionen. Lohnverbcsserungen sind nicht vorgesehen, nur ganz wenige aus der niedrigsten Lohnklasse der staatlichen Beamten dürfen auf eine bescheidene Zulage hoffen— natürlich handelt es sich dabei mehr um die Erhaltung der„Gesinnung", als um eine wirkliche Besserstellung der niedrigsten Beamtenklassen. CkwefKfcbaMicbeq. Die Ritter von der traurigen Gestalt. Dle bürgerliche Schwcizerpresse meldet, daß der Ritter v. Voldegg. der vor etwa ciiicinhalb Jahren nach Zürich kam, um hier quasi eine Filiale der berüchtigten„gelben Arbeiter- Partei" in Frankreich zu gründen,„seine Bermihungen um Schaffung einer gelben Arbeiterpartei in Zürich mangels genügender Unterstützung eingestellt habe". Und doch hatte der gelbe Ritter bei der Eröffnung seines Züricher Geschäfts nnt unnachahmlicher Weisheit erklärt, daß der schweizerische Arbeiter der„geborene gelbe" sei. Voldegg, der„hergelaufene fremde Chaib", wie die Gegner ausländische Sozialisten zu be- nennen belieben, hatte seitens des Unternehmertums längere Zeit hindurch große Persönliche und materielle Unterstützung erhalten, um planmäßig und zielbewußt die Arbeiterschaft zu zersplittern, und wenn nun trotzdem das Endergebnis nur ein klägliches Fiasko ist, so ist die Phrase von dem„geborenen gelben schweizerischen Arbeiter" gründlich widerlegt. Voldegg hat in seiner„Gelben Arbeiterzeitung" im wüstesten Sau- Herdenton die Sozialdemokratie, insbesondere einzelne Ge- nossen, beschimpft, aber das Fiasko beweist, daß man eine schlechte Sache auch nicht mit Gemeinheiten auf die Beine bringen kann. Voldegg hinterläßt immerhin an mehreren Orten verschiedene„gelbe Gewerkschaften" als Streitbrecher- vereine, die profitwütige Unternehmer zur Düpierung und Niedcrhaltung der Arbeiter gegründet baben. Aber auch diese gelbe Schmutzwellc wird bald vcrsckstvinden. Die schwcize- rische Arbeiterschaft bat die„gelbe Probe" musterbaft be- standen. Ter„gelbe Ritter" will nun das Präsidium der „gelben Organisationen in Süddeutschland und der Schweiz" übernehmen und wahrscheinlich demnächst in Stuttgart auftauchen. Nach seinem Fiasko in der Schweiz kann er auch in Deutschland nur noch eine komische Figur machen. Veutkcbes Ketck. Keine Verschmelzung i» der Nahrungsmittelindustrie. Zur Verschmelzung in der NahrungS- und Genußmittelbrmrche nahm am Sonntag eine Versammlung des Brauerciarbeiterverbandes in Dresden Slellimg. Nach längerer Debatte, an der sich auch Vertreter deS BäckereiarbeiterverbaudeS beteiligten, wurde folgende Resolution angenommen: „Die am 12. Januar 1908 stattfindende öffentliche Versammlung der Brauereiarbeiter Dresdens nimmt Kenntnis von den Beschlüssen, die die Vorstände der Zentralverbände der NahrungS- und Gemißmittelbranche am 22. November 1907 diskutiert haben. Die Versammlung spricht sich dahin auS, vorläufig von einer Verschmelzung abzusehen, da zur gegebenen Zeit noch ein größeres Feld in jeder Brauche zu bearbcilc» ist und viele Berufs- genossen zu organisieren sind. Die Zentralverbände werde» ersucht, zur nächsten Generalversammlung dabin zu wirken, daß einhcit- liche Betriebsorgauisationen geschaffen werden, um die Grenz« streitigkeilcn zivilchen einzelnen Gewerkschaften zu beseitigen, da sämtliche Arbeiter bei Lohnkäinpfen schwer darunter zu leiden haben." DeS weiteren ersucht die Versammlung den Zentralvorstand, in Zukunft dahin zu wirken, eine einheitliche gewerkschaftliche Organisation über ganz Deutschland zu schaffen." Das letztere dürfte wohl auf lange Zeit hinaus nur ein schönes Ziel bleiben._ Bereinigung der Dresdener Tnbakarbciter und neue ZersplitterungS- bcftrcbuugen. Die Einigung unter den Dresdener Tabakarbeitern ist nunmehr in Verfolg des Ergebnisses der Urabstimmung vollzogen. Der Lokalverband hat sich am 2. Dezember 1907 aufgelöst. Die Schluß- abrechnung und Uebergabe der Kape und Utensilien an die Dresdener Verwaltung fand am 5. Januar unter Beisein eines Mitgliedes des Zentralvorstandes des Tabakarbeiterverbandes statt._ kh.Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt> So erfreulich dieses Resultat im Jntereffe der Arbeiterbewegung ist. so bedauerlich ist es, daß sich ein Teil der Sonderbündler dem Vereinigungsbcschluß nicht fügen will und eifrig die ZersplitterungS- arbeit weiter betreibt und eine neue Sonderargonisalion mit An« schluß an die Reste der Freien Vereinigung betreibt, die durch ihre Emissäre, wie es scheint, überall eifrig wühlt, um den Verlust, der ihr durch die erfolgte Einigung im Baugewerbe erwächst, Ivieder weit zu machen. Das wird natürlich unmöglich sein, aber an dieser ZerspliltcrungSarbeit haben doch schließllch nur die Unter« nchmer ihre Freude._ Zum Kampf im Holzgcwerbe. Die Zustimmung der Stuttgarter Holzarbeiter zu den Be« dingungen der Unternehmer ist, wie uns von dort mitgeteilt wird, kein bloßer Schachzug gewesen, um die Verhandlungen in Leipzig nicht stattfinden zu lassen, sondem charakterisiert sich als ein Sieg der Arbeiterl Sie haben die zweimal verbesserten Zugestand- nisie der Fabrikanten jedesmal einstimmig abgelehnt, und erst nach der dritten Verhandlung, in welcher die Fabrikanten nochmals zu erheblich weitergehenden Bewilligungen genötigt waren, die Ver- einbarungen ihrer Kommission gutzuheißen. Eine Aussperrung von 20 Wochen Dauer beendet. Am Sonn- abend, 11. Januar, wurde die Aussperrung der Schuhmacher in Dettwciler i. E. für beendet erklärt, nachdem die Fabri- kanten dem Gewerbeinspektor, der die Vermittelung übernommen hatte, gesagt hatten, daß sie nichts mehr gegen die Zugehörigkeit der Arbeiter zur Organisation haben. Ferner soll eine acht- bis zchnprozentigc Lohnerhöhung eintreten und für die in den Fabriken beschäftigten Arbeiter eine Verkürzung der Arbeitszeit um eine halbe Stunde eintreten. Am Montag, 13. Januar, wurde die Arbeit aufgenommen. HusUnd. Der Autobusstreik in Sondott. Das Ultimatum der OmnibuSgefellichast, nach welchem die Streikenden zur Arbeit zurückkehren oder sich als entlassen betrachten sollten, hat seine Wirkung verfehlt. Der Streik besteht fort. In einer Versammlung der Streikenden, an der auch ihre Frauen teil- nahmen, wurden die lächerlichen Drohungen der Gesellschaft und die Versuche, die Leute zur Aufnahme der Arbeit zu zwingen, als „Bluff" fein recht dreister Versuch, jemand zu verblüffen) ge- kennzeichnet. Die Gesellschaft behauptet, daß sie in einer Woche alle Plätze besetzt haben werde. Die Zahl der Wagen, die mit Streik- blechern bemannt sind, hat sich aus 45 bis 50 vermehrt. Sie Spitzbuben Huben gute Zeil! Wie unS gemeldet wird, wurden gestern im Kreise Nieder« Barnim die Extrazahlabende von Gendarmen überwacht. Eine sehr verständige Anordnung, die hoffentlich zu einer dauernden wird. Denn oft haben wir bedauert, daß Polizeibeamte und Gendarmen leider so wenig vom Sozialismus verstehen und auch wenig Ge- legenheit hatten, ihre irrige Auffassung über die Sozialdemokratie zu korrigieren. Ging doch früher die Furcht vor der aufklärenden Wirkung der sozialistischen Lehre so weit, daß der selige Herr v. Oppen in AdlcrShos keine Beamte zur Ueberwachung in sozial- demokratische Versammlungen entsandte, weil er der sehr richtigen Auffassung war, die Beamten würden durch das Anhören der sozialistischen Vorträge Sozialdemokraten. Hoffentlich sorgen unsere Nicderbarnimer Genossen durch oftmaliges Abhalten von Extrazahlabenden dafür, daß das Versäumte nachgeholt wird. Den Spitzbuben, die in den Städten und Dörfern ihre unheil- volle Tätigkeit ausüben, kann man ja während der Zeit, wo von den Beamten die Zahlabende besucht werden, Burgfrieden gebieten! Oder sollte die Ueberwachung etwa aus Furcht vor der Sozial- demokratic geschehen?_ Letzte)Vachrichtcn und Depefthen« Der Berliner Polizei ins Stammbuch! Rom, 14. Januar.(B. H.) Der König empfing heute zwei Stcinmctze vom Viktor Emanucl-Denkmal als Deputation oller, die kürzlich vor dem König«ine Straßendemonstration veranstaltet haben. Ter König erklärte, er habe die Demonstration nicht übel genommen und sei stets bereit, Beschwerden der Arbeiter entgegen- zunehmen. Das dritte Mitglied der Deputation, der vepublika- nische Stadtverordnete Cardarclli, der ebenfalls hatte zu Hoke gehen wollen, wurde von seiner Partei daran aebindert. Was sagt der preußische Polizeiminister dazu» Opfer deS Eisenbahnbetriebes. Elberfeld, 14. Januar.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Heute morgen wurde auf dem Bahnhof Mitlelbarmen der Bahnsteigschaffner Nikolai auS Hagen mit eingedrückter Brust tot aufgefunden. Man nimmt an. daß N. in der Nacht vom Wagen gefallen und zwischen die Puffer geraten sei._ GewerbegerichtSwahl. Lüdenscheid, 14. Januar.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) Heute sind zum erstenmal die Wahlen zum Gewerbegericht unserer Stadt nach dem LerhältniSshstem erfolgt Die Beteiligung der Arbeiter war sehr stark. Die Sozialdcmolrattu erhielten 8, die Arbeiter der bürgerlichen Partei 2 Vertreter. Beim Eislauf ertrunken. Paris, 14. Januar.(W. T. B.) Auf dem feit einigen Tagen gefrorenen See des Bois de Boulogne brachen heute nachmittag beim Schlittschuhlaufen an 30 Personen ein. Nach dem einen Bericht sind fünf oder sechs Personen ertrunken, nach einer an- deren Version beträgt die Zahl der Ertrunkenen 14 bis 15. Mehrere Personen wuvden erheblich verletzt. Armer Tolstoi! Petersburg, 14. Januar.(B. H.) Der heilige Shnod be« schloß die Wiederaufnahme deS exkommunizierten Leo Tolstoi in die orthodoxe Kirche._ 150 Personen getötet. New Dort, 14. Januar.(W. T. B. auf deulsch-atlantischem Kabel.) Wie auS Boyertowu gemeldet wird, wurden bei dem Brande deS Opernhauses nach der jetzigen Schätzung 150 Personen getötet und 75 verletzt.(S. a. unter Vermischtes.)- Ein dreistes Räuberstück. Taschkent, 14. Januar.(W. T. B.) Gestern nacht überfiel eine Räuberbande unweit Taschkent einen Güter- und Personen- zug. Die Räuber hatten zuvor die rote Laterne aufgezogen. Als der Zug mit ganz verminderter Geschwindigkeit heraT-'am, be- mächtigten sie sich der Lokomotive, löste» sie los, trieben sie gegen den Zug, wodurch zwei Wagen zertrümmert wurden, und warfen scdann eine Bombe unter den Wagen, in dem sich ein Kassierer mit einer 10 000 Rubel enthaltenden Kasse befand. Die Schutzwache schlug jedoch den Llngrifs der Räuber zurück und verwundete zwei, die von ihren Genossen davongetragen wurden. Das Geld ist un» verfehlt. Ein Soldat wurde verwundet. Eisenbahnunglück. Prcßburg, 14. Januar.(L. H.) Bei Trßtma entgleiste ein Personenzug. Ein Kondukteur wurde getötet, ein Postwagen zer, trümmert. guISingeröcCo., Berlin LVV7Hierzu3Btllagen«.vn«trhalt«ngSblatt Nr. 12. 25. Jahrgang. 1. KilU ilcs JotiBärts" fotliiifr iloltelilnlt. Mittwoch. 15. Jannar 1908. Reichstag. Tfc. Sitzungdom Dienstag, den 14. Januar 1908, nachmittags 1 Uhr. Am BundcZratStische: d. Bcth mann- Hollweg, Hasen- stein. Eingegangen ist eine Interpellation Albrecht u. Gen.(Soz.): Aus welchen Gründen hat der Reichskanzler in der Sitzung des preußischen Landtages vom 10. Januar die Ucbertragung des Reichslagswahlrechts auf einen Bundesstaat als dem StaatSwohl nicht entsprechend bezeichnet; und billigt der Herr Reichskanzler, daß aus Anlaß der am 12. Ja- nuar in Berlin zur Propaganda dieses Reichslagswahlrechts ein- berufenen sozialdemokratischen Bolksverlammlungen zum Zwecke etwaigen Einschreitens Militär in den Kasernen konsigniert war?" Die Verlesung der Interpellation wird von den Konservativen mit Lachen aufgenommen. Sie soll auf eine der nächsten Tages- ordnungea gesetzt werden. Auf der Tagesordnung steht zimächst die Interpellation des Grafen v. Kanitz fl): «Was gedenkt der Reichskanzler zu tun, um den Unzuträglich- keiten zu begegnen, welche sich aus der jetzigen Hohe des Bank- diskontS ergeben?" Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg erklärt sich zur Beant- wortung der Interpellation bereit. Zur Begründung der Interpellation erhält das Wort Abg. Graf v. Kaniy(k.): Nacbdem gestern der Bankdiskont eiwaS herabgesetzt ist, scheint der Moment zur Beantwortung, die lange hinausgeschoben wurde, heute sehr sorgtällig gewählt. sHeiter- ieit.) Unsere Julerpellalion ist aber auch heute keineswegs gegen- standslos. Ein Grund für das lange Hinausuvieben der Beant- wortung der Interpellation ist wohl der Wechsel im Reichsbank- präsidiunl. Ich benutze diese Gelegenheit, um dein scheidenden Präsidenten, Herrn Koch. Worte der Anerkennung für seine Arbeit und Pflichterfüllung in schweren Zeiten zu widmen.— Einen ähnlich hohen Bankdiskont haben wir auch schon früher gehabt, in den Jahren 1899 und 1900. Was aber die jetzige Er- scheinung so bedrohlich macht, ist ihr internationaler Charakter. Die gegenwärtige Krise ist nicht durch eine Ueberprodnktion hervorgerufen, sondern durch Geldknappheit und mangelnde Aufnahniefähigkeit des Marktes. Infolgedessen haben wir eine große Arbeitslosigkeit. Nur das Kohlensyndikat behält den Kopf oben und erhöht noch die Preise. Der hohe Diskont bedeutet ein kolossales Anwachsen unserer Zinslast. Die Werlpapiere haben 25 Proz. ihres Wertes verloren. Der geringe Stand der Pfand- briefe schädigt aufs schwerste die Landwirtschaft. sZnftiinmung rechts.) Traurig sieht es auch auf dem Hypothekenmorkre aus, wo- durch wieder die Mieten gesteigert werden. Der Anstoß zur gegen- wältigen Krise ist von Amerika ausgegangen. Als Ursache ist zum Teil das Borgeheu des Präsideuten Roosevelt gegen die Trusts zu betrachten.(!) Aber das ist nicht allein der Grund für den Goldbedarf Amerikas; viel zu wenig beachtet ist unsere u n- günstige Handelsbilanz— beziehen wir doch von Amerika für 500 Millionen Mark mehr Waren als Amerika von uns, ja ini Jahre 1905 betrug unsere Unterbilanz sogar 600 Millionen Mark. Der hierdurch verursachte Goldabfluß nach Amerika verursacht den hohen Bankdiskont. Durch welche gesetzlichen Maßnahmen kann die Wiederkehr solcher Zustände vermieden werden? Blicken Sie zur Beantwortung dieser Frage nach Frankreich, daS keine ungünstige Handelsbilanz gegen Amerika bat, das aber auch von der jetzigen Krise nicht berührt ist und einen Diskont von 4 Proz. gehalten hat. den eS jetzt aus S'/j Proz. herabgesetzt hat. Dort spielt aber auch daS Silber eine viel bedeutendere Rolle neben dem Golde als bei unS. Bon einem ähnlichen Borgehen unserer Rcicdsbank fürchtete der Präsident Koch eine Erschütterung unserer Währung. Hätte der leitende Staatsmann aber vor 61 Jahren alle Konsequenzen vorausgesehen, so wären wir nicht zur reinen Goldwährung übergegangen.(Zustimmung rechts. Widerspruch links.) Auch bei uns sollte die Reichs- bank die Befugnis erhalten, statt die Diskontschraube anzuziehen, ihre Zahlungen in größerem Umfange als bisher in Silber zu leisten.(Zustimmung rechts. Widerspruch links.) Anstatt das umlaufende Silber zu vermehren, werde» --- Kleines feuilleton. Ein Bombenattentnt vor 50 Jahren. Am 14. Januar war ein halbes Jahrhundert verflossen, seit der glühende italienische Freiheits- schwänner und Republikaner O r s i n i gegen Napoleon III., in dem er einen Feind der italienischen Bestrebungen sah, in Paris das ungeheures Aufsehen erregende Bombenattentat unternahm. Napoleon der Kleine kam damals mit dem Schrecken davon, Orsini und einer seiner Gefährten wurden hingerichtet. Der ehemalige Adjutant von Garibaldi, der schon durch sein nmtigeS Eintreten für die italienische Sache in jungen Jahren sich hervorgetan und durch seine außer- ordentlich kühne Flucht aus der Festung Mantua bekannt geworden war. tvurde zu einer von allem romantischen Schimmer umkleideten legendären Persönlichkeit. Gambetta schrieb damals unter dem frischen Eindruck an seinen Vater:„Lrsini und seine Gefährten sind so stunim wie jemand, der von Geburt taubstumm ist. Sie sind entschlossen zu sterben, denn eö sind keine Verbrecher, wie man sie jeden Tag sieht; Mörder aus politischer Ueberzeugung, von falschen Grundsätzen in die Irre geiührt, sind sie wahrscheinlich von ihren Aechten durch- drungen; sie hallen sich für Brutussc und würdet» sich wie der Bruder des Harniodms ihre Zunge abbeißen, damit sie sie nicht der- rate."... Von Orfini entwirft er folgendes Bild:«Orsini ist ein noch ganz anderer Mann als Bonaparte; Orsini würde selbst aus der Hölle entweichen, Bonaparte ist nur aus Hau» entwichen; wenn man ihn in die Festungstürme von Mantua geletzt hätte, Iväre er, wie ich wetten möchte, noch heute da. Er wäre nicht der Mann gewesen, aus einem streng bewachten Kerker zu eur- fliehen,»nit Hilfe eines zu kurzen Strickes aus einer Höhe von 90 Fuß herunterzuspringen und trotz des furchtbaren Sturzes mit gebrochenem Knie den See von Mantua zu durchschwimmen. Mit solchen Taten verglichen, sind die Taten Latudes nur ein Kinderspiel; er hat dreißig Jahre gebraucht, um Kerkerwände von 20 Fuß zu durchbohren. Orsini öffnete sich in dreißig Tagen ein dreifach ver- giltertes Fenster, das sich zwanzig Fuß unter dem Boden befand, und drang durch ein Guckloch, in das nicht einmal die Sonne hinein- sehen konnte, ins Freie. Wenn man ein Pantheon für Verbrecher errichten könnte, würde ich diesem Manne in aufrichtiger Bewunde- rung eineir Votivkranz stiften." In der Welt, in der die Sensation und die schöne Geste alles ist, wurde Orsini sogar populär. Der Graf Alex, von Hübncr, der damals österreichischer Botschafter in Paris war, gibt folgendes Stimmungsbild ans der Pariser Gesellschaft:„Frankreich war durch da« Attentat in eine Art Rausch versetzt, und diese aufgeregte Stimutung griff auch noch in den Prozeß ein, der Orsini und seinen Helfershelfern gemacht wurde. Jules Favre, der mit flammender Rhetorik den Mörder verteidigte, las einen Brief Orsinis an den Kaiser vor, der seine Motive stolz auseinandersetzte und den Satz enthielt:„Mögen Eure Majestät bedenken, daß die Ruhe Europas und die Eurer Majestät, insolange Italien nicht unabhängig ist, nur eine Schimäre bleiben wird."—„Mittlerweile ist Orsini der Held des Tages geworden," schreibt Hübncr in seinem Tagebuch unterm 28. Febrmr:»Der Kaiserin ist gänzlich der Kopf verdreht, aber bei uns vielmehr die Taler eingezogen. Auch für den Kriegsfall brauchen wir' mehr Silber. Beachtens- wert sind die Vorschläge, die der Präsident der See- Handlung, Herr Heiligenstedt, gemacht hat. Viel verspreche ich mir auch von einer eingehenden Enquete des Bankwesens. Wir müssen um unseren Goldichatz eine silbenie Mauer errichten; je dicker sie sein ivird, umso sicherer wird der Goldschatz sein.(Lebhaftes Bravo' rechts.) Staatssekretär v. Bcthmann- Hollweg: Der andauernde Aufschwung unseres Wirtschaftslebens kam» nicht ohne Einfluß auf die Gestaltung der Geldvcrhältnisse bleiben. Die gesteigerte Intensität des GüieraustanscheS Hai eine außergewöhnliche Nachfrage nach Geld und Kapital gezeitigt, ivaS zu einer außerordentlichen Erhöhung des Leihpreises für Geld geführt hat. Gestern konnte der Reichsbankdiskont um 1 Proz. herabgesetzt werde», weil die noch am Jahresschluß andauernde starke Spannung des Status der Reichsbauk in den ersteil siebeu Tagen des laufenden Monats merktich iiachgelasseu hat und weil auch die interuatioliale Spauuung eine Abschivächung erfahren hat. Daß dies gerade am Vorabend der Beamworlung der heutigen Jincrpellalion eintreten würde, hat niemand voraussehen können.(Sehr wahr! linkö.) Wenn das deutsche Wirtschaftsleben in seiner Gesamtheit als durchaus ge- sund zu bezeichnen ist, so haben zweifellos unsere Münzverhältnisse dazu beigetragen.(Sehr richtig! links.) ES gereicht mir zur beiouderen Befriedigung, dies gerade in dem Moment feststellen zu können, in welchem der langjährige Präsident der Reichsbauk von seinem verantwortungsvollen Posten zurückgetreten ist.(Bravo I links.) Das Festhalten an der Grundlage unserer Geld- und Bank- Verfassung hindert uns aber nicht, in eine Erörterung darüber ein- zutrete», ob bei voller Ausrechterhaltuug unierer Goldwährung in der einen oder anderen Richtung bessernde Maßnahmen ergriffen werden können. Auf Antrag deS Abg. v. N o r m a n n(k.) wird in die B c- s p r c ch u n g der Interpellation eingetreten. Abg. Dr. Weber(natl.) wirft dein Abg. Grafen Kanitz vor. aus den au sich richtig angegebenen Ziffern der deulsch-amerikalnschen Handelsbilanz gewagte und zum Teil offensichtlich unrichtige Folgerungen gezogen zu haben. Es gehe nicht an, die stabile fran- zöiisch-amerikanische Handelsbilanz mit den zunehmenden Riesen- ziffern deS deutsch-amerikanischen Handels in Vergleich zu stellen.— Redner bestreitet unter heftigem Widerspruch des Abg. Dr. Arendt, daß der- hohe Bankdiskont irgendwie init der WählungSfrage zu- iainmenhänge. In der Schweiz, die doch Doppelwährung hat, ist der Bankdiskont so hoch wie bei uns.(Dr. Arendt wider- spricht fortwährend.) Vielerorts wird die Eiilziehung der Talcrslücke beklagt. rAbg. Dr. Arendt nickt inelanckolisch zustunmeiid.) Aber schließlich wird sich das deutsche Volk auch an andere Münz- sorten gewöhnen. DaS Publikum, namentlich auch die kleinen Leute, die Arbeiter ustv. müssen sich nach englischem Vorbild mehr daran gewöhnen, statt in Gold und Silber ihre Löhne usw. wenigstens zum Teil, in Papier ausgezahlt zu erhalten. Hoffentlich findet man bei der angekündigten Enquete über das Bankwesen Maßregeln, die einer Miederkehr eines Bankdiskonts von 71/., Prozent vorbeugen.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Reichsbankpräsident Haveilstei»: Man muß sich zunächst über die Gründe der Erhöhung des Diskonts klar werden. Ich teile nicht die Meinung, daß er i» entscheidender Weise bedingt ist durch den Geld- Umlauf, und ich glaube nicht, daß eine Aendcrung der Uinlaufsntittcl genügt, ihn hetabzusetzen.(Die lveiteren Ausführungen des Redners werden mit so leiser Stimme gemacht, daß sie auf der Tribüne im Zusammenhange unverständlich bleiben.) Abg. Kacwps(fts. Vp.): Die gegenwärtige Krise ist aus Amerika zu uns gekommen. dein gepriesenen Laude des BimetallismuL. Unser Goldwesen hat sich dem amerikanischen Ansturn» gegenüber in geradezu bewundernswerter Weife behaupter.(Sehr richtig I bei den Freisinnigen.) Graf Kanitz verlangt eine stärkere Ausprägung von Silbermünzen. Das ist nicht eine Frage der Bankpolitik, fondern des Verkehrs. Ich habe nichts dagegen. wenn der Verkehr mehr Scheideinüuzen verlangt, aber das VerkehrsbedürfuiS muß das Maßgebende fein, nicht etwa der Wunsch, einen Münzgewinn zu»rächen und dadurch den Finanzen aufzuhelfen. Das wäre das verkehrteste, waS man tun könnte.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Freisinnige».) Ehe Sie nicht beim Militär und der Marine erhebliche Ersparnisse machen können, kommen Sie nicht zu einer verilüusnge» Finanzpolitik.(Sehr richtig! links.) Und was das allerwichtigste ist: Wir kommen in Deutschland nicht zu einer vernünftigen Bank- und Finanzpolitik, wenn Sie nicht die Wirt- sie verbringt ihre Zeit mit Weinen und ruft die Milde ihres Gc- mahls an. um das Leben dieses Elenden zu retten." Und über die Hinrichtung berichtet derselbe Feudale:„Die Regierung hatte einen bedeutenden Aufwand an Truppen, sechstausend Mann, für nötig gehaltc», aber die Menge verhielt sich ruhig und die Ordnung wurde nicht gestört. Die schöne Welt ist von der Würde, der Ergebung. der Seelengröße deS Mörders Orfini entzückt. Besonders fiel die Boniehmhelt feiner Gebärde auf, mit der er feine dichten Pech- schwarzen Haare vom Nacken streifte, bevor rr sich dem Scharfrichter überlieferte.. Humoristisches. Versammlungsfreiheit. Im Pommerschen wurde ein Pfarrer von einem Amtsvorsteher in eine Polizeistrafe von fünf Mark genommen, weil er dem Vereinsgesetz zuwider eine öffentliche Versammlung unter freiem Hinimel ohne polizeiliche Genehmigung abgehalten habe. Tiefe öffentliche Versammlung bestaild in einer Kirchhofsfcier am Totensonntag. Dem strebsamen Amtsvorstchcr Ivinkt für seinen Pflichteifer eine besondere Aus- zeichnung; man schwanit zwischen dem Kroncnorden 4. Klasse und einem Denkmal im Berliner Tiergarten. Das wird ihn hoffent- lich zu weiteren Taten anspornen, so daß wir aus scincin Bezirk bald folgende Meldungen lesen lverden: Der Amtsvorstsher erließ gegen die Erben des sozialdemo- kratischen Stadtverordneten Blutrot einen Strafbefehl, weil ihr Erblasser eine öffentliche Versammlung unter freiem Himmel ohne polizeiliche Genehmigung veranlaßt hatte. Die öffentliche Wer- sammlung war das Begräbnis des Herrn Blutrot. Auch gegen den Gefängnisdirektor Haft von Zcllsitz ging der Amtsvorsteher aus demselben Grunde vor; dieser hatte die sämt- lichen Gefangenem seiner Anstalt jeden Mittag zum Spaziergang im Gefäugnishofe versammelt. Vergebens wandte der Gefängnis- Vorsteher ei», die Versammlung sei keinc öffentliche, sondern eine geschlossene Gesellschaft gewesen. Der Amtsvorstehcr entschied, diese Versammlungen seien deswegen öffentlich, weil der Zutritt jedem nach Belieben gestattet sei; er brauche nur zu stehle» oder zu bc- trügen oder zu unterschlagen, was im Belieben jedes Einzelnen stehe. Nur dem Warenhausbesitzer Schlauwitz, der eines Tages durch eine interessante Schaufcnsterdekoration eine öffentliche Versamm- lung vor seinem Ecschäftslokal veranlaßt hatte, gelang es, seine Freisprechung zu erzielen. Er wies nach, daß es an diesem Tage geregnet und daß jeder Mensch vor seinem Lokale einen aufge- spannten Regenschirm getragen habe. � Jeder Teilnehmer habe also linier Dach gestanden, so daß die Versammlung nicht unter freiem Himmel stattgefunden habe.(„Jugend".) Notizen. _— B ü h ii c ii ch r o n i k. Richard Valien tin, der Ober- regisseur des Hebbel-Theaters, ist in jungen Jahren nach längerem Leiden in Berlin einer Lullgenentzündulig erlegen. Alö Schau- spicler war er von 1596—1901 ain Deiltschen Theater und daim am Lessiiigtheatcr tätig. Obwohl seine Kunst des EharaktcrisiereuS ihm Erfolge gewährleistete, gsug er an Reinhardts Kleinem Theater zur schaftspolitik deS Reiches ändern.(Lebhafte Zustimmung links, Widelspruch rechts.) Da liegt der Hund begraben.(Heiterkeit.) Ich hätte gewünscht, daß der Reichskanzler auf die Interpellation geantwortel hätte: Helsen Sie mir umkehren mit unserer WirtschaflS- Politik, dann wird es besser lverden.(Lebhafter Beifall bei den Freisiniligen, Zischen rechts.) Abg. Fichr. v. Gcnup(Rp.): Wie unrecht der Vorredner hat, geht daraus hervor, daß auch England, das Musierland des Freihandels, unter derselben Krise leidet wie wir. zDie folgenden Ausführungen bleibe», zumal da der Redner der Tribüne den Rücken zuwendet, völlig unverständlich.) Ein von allen Parteien gestellter Vertagung Sa»trag wird einstimmig angenoinmen. Hierauf vertagt sich das Haus auf Mittwoch 1 Uhr(Fortsetzung der heutigen Beratung; Polen- iuterpellation über die Enteigumigsvorlitge; die Interpellation über die Reform des KnappschastStuesens). Schluß QlU Uhr._ Abgeordnetenhaus» 10. Sitzung vom Dienstag, den 14. Januar. 12 Uhd. Am Ministertischc: Fichr. v. Rhcinbabcn, v. Moltke, B e s e l e r. Die e r st e Lesung des Etats wird fortgesetzt. Abg. Herold(I.): Die fortgesetzten Etatsüberichreitungen find sehr zu bedauern. Die Abwanderung in die uuterste Wagen- Ilasse der Eisenbahn— bekanntlich trägt diese vielerörterte Tat- fache beträchtlich dazu bei, die Eisenbahnerträge zu senken— gehl auf die vermehrten Aunchmlichkeitcu zurück, daß die vierte Klasse jetzt viel komfortabler eingerichtet ist, als früher. Man kann es keinem Menschen verdenken, daß er so billig wie möglich reisen will.(Zustimmililg.) Ob zurzeit schon neue Steuern notivendig sind, scheint mir zweifelhaft. Wir haben ja glücklicherweise sparsam ge- ivirtschaflct. Um den Etat günstiger zu gestalten, haben tvir ein einfaches Mittel: wir brauchen nur 40 Millionen Schulden weniger zu tilgen.(Große Heiterkeit.) Die Schwierigkeiten, die der preußische Etat bietet, werden erhöht durch die völlig unsichere Finanzlage des Reiches. Unsere Partei ist ja stir die Rcichspolitik ausgeschaltet. Wir wissen nicht, wie»um die Sanierung der Reichssinaiizeit bewerkstelligen wird. Wir halten daran fest, daß die direkten Steuern den Einzelstaate» vorbehalten bleiben.(Ziistimmung rechts und im Zentrum.) Ich bedauere, daß Abg. Dr. Friedberg gestern sagte. die Souveränität der Elnzelstaaten habe infolge der ReichSgcsetz- gebniig aufgehört. Solche Acilbermigen sind nicht geeignet, die VundeLfreudigkett zu erhöhen.(Sehr richtig! im Zentrum.) An der bewährten Etatsailfstellung halten wir fest trotz der ab- sprechenden Kritik der Abgg. Dr. Friedberg und Frhr. v. Zedlitz. Wenn ich mich zu der Steuerpolitik im allgemeiiiell wende, so bemerke ich, daß wir einen Autrag gestellt haben, wonach in höherem Maße als bisher die ErzichungSlasien bei der Einkonuneusteucr ab- zugsfähig sein sollen. Der Kohlenteuerung müßte entgegen- gewirkt werden. Dem ungefunden Wirken der Syndikate, insbesondere des Kohleiisynditats, sollte durch Schaffung eines AufsichtsrateS über die Syndikate cntgegengetretell werden. In den Kolonien baut man Bahnen ohne Rücksicht auf die Reu- labilität, aber im Vaterlande wird immer die Rentabilität in den Vordergrund gestellt.(Zilstiinmuiia im Zentrum und links.) Zu be- grüßen sind die in Aussicht genoimnene» höheren Qufweildungen für daS landwirlschaftliche Schulwesen. Die Mahnung zur Sparsamkeit, die der Mimsier aussprach und die er besonders auch an die Kom- ntunen richtete, waren uns wohl allen sympathisch. Aber gerade die Kommunen lverden gegen ihren Willen von der Staatsregierung zu erheblichen Ausgaben veranlaßt, z. B. auf dem Gebiete des Schul- und des KrankenwefenS.(Sehr richtig! im Zentrum.) Auf dem Gebiete der Schulaussicht halten wir die Anfrcchtcrhaltung der geistlichen Schulaufsicht(!) für das richtige. Der Oltsfchul- iilfpekror darf in seinen Vollmachten nicht zu sehr ciugeschräiikt werden. Die Schule soll der Kirche llicht untergeordnet sein, aber Kirche und Kommune sollen gemeinsam die Schule leiten, dmrn wird ein gesundes Geschlecht erzogen werden.(Zustimmung im Zentrum.) Der Abg. Fischbeck hat eS am Freitag als erfreulich bezeichnet. daß die Regierung sich überhaupt mit der Reform des Wahlrechts beschäftigt. Wenn daS so erfreulich ist, so ist der Abg. Fischbeck außer- ordentlich bescheidril geworden.(Heiterkeit.) Kein gleiches Wahlrecht. leine geheime Stimmabgabe stellt die Regierung in Aussicht. Da Regie über, Ivo er sich bald die ersten Sporen verdiente. Dann kam er vorübergehend ans Wiener Deutsche Volkstheater. Am Hebbel- Theater schien ihn» die erwünschte Stelle zu teil geworden, an der er seine Fähigkeiten entfalten konnte. Nun ist er gestorben, ehe seine Absichten zu Taten wurden. — O p e r n ch r o n i k.„Maja", ein Musikdrama in 2 Akten von dem Münchener Komponisten Adolf Vogl, erzielte bei der Uraufführung in Stuttgart einen starken Erfolg. Es ist bereits vor 12 Jahren vollendet worden und hält sich dem Inhalt lmd der musikalischen Ausführung nach ganz in den Bahnen Wagners. Der ErlösungSgedanke ist der Grundgehalt des Textes, der die Macht reiner Menschenliebe verherrlicht. Die eklektische Mufik ist reich an malerischer Erfindung und llirischen» Schwünge.— Eine «jiddische" Oper in London. Die Feimnam'che Gesellschaft führt am Pavillon-Thealer in London ein„jiddisches" Melodrama mit Musik auf, das begeisterte Aufnahme findet. Der Text bc- handelt die Geschichte des jüdischen Nationalhelden Simon Bar Kochba, der die Juden bei ihrem heldenhaften Aufftand gegen die römischen Unterdrücker, siebzig Jahre nach der Zerstörung von Jerusalem, anführte. Der Bösewicht des Stückes ist ein samaritischer Dianiantenhäildler Papuö, der dasselbe Mädchen wie Bar Kvchha liebt und die Juden an den römischen Feldherr» verrät. Der Held wird gesaiigei» genommen, zerreißt aber seine Ketten und vereinigt sich am Ende mit der Geliebten. Die Personen sprechen im jüdischen Jargon und nur bei den Höhepunkten der Haiidluiig greift die Musik ein, die in einem seiltimental weichlichen Stil gehalten und von einem Kolllponiste» liameilS Goldfaden komponier: ist. Bei der Erst- aufführung jubelte das Publikum, das hauptsächlich aus Juden bestand, dem Helden zu und verfluckite den Verräter. Einige bc- sonders eiithusiaSmierte Zuschauer mußten aus dem Theater entfernt werben. — Ein Festspiel, da? seinen Beruf verfehlte. Zur Einweihung des neuen Weimarer Theaters hatte außer dem offiziell bestellten Festdichter Richard Boß auch Wilde nbruch seiner Lyra hochgespanine Töne entlockt. Aber„das Hohelied zu Weimar" blieb unausgeführt, da irgendwo der höfische Kontakt ver» sagte. Wildenbruch ist jetzt unter die Männer mit Bürgerstolz ge- gangen und hat seine zum Papierdasein venirteilte Fesidichtung der Stadt Weimar in Liebe dargebracht. DaS schmeckt ja beinahe nach Revolution in der Literatur und ist für deutsche Berhästnisse ja un- gefähr eine Tat, freilich eine pofthume abgelegte. Sollte Wildenbrnch, der übrigens eben von Wien aus für den GrillparzcrprciS in LluS- ficht genomiiien ist wegen oder trotz feines letzten Dramas„Die Rabensteinerin", Karl Augusten liild die anderen Begründer der klassischen deutschen Literalur etwa hinler die beUäufigen Goethe und Schiller zurückgestellt haben? II. A. w. g. Holger D r a ch m a n n. der kraftvolle, ungebundene dänische Dichter lmd Känwfer, ist in einer Heiianstalt in Horn- back bei Kopenhagen Dienötagvoriitittag gestorben. Der noch ein Recke schien an Lebensmut und Frische, ist nun doch nur 62 Jahre alt geworden. Von seinem Leben und Dichten, das auch nach Deutsch« land hinüberspielte, wird noch ausführlicher zu reden sein. scheinen doch die Beziehungen z» dem ersten Veomten des Reiches eine wunderbare Wirkung zu haben.aften bekanntlich nur bis zu einer bestimmten Zeitgrcnze die freiwilligen, nicht einklagbarcn Unterstützungen leisten. Ist die Zeit deS Auf- enthalts in einer Heilstätte länger als diese Unterstützungsperiode, so erwachsen dem Patienten neue Scherereien, wenn er zum zweiten Male den Antrag auf erhöhte Familienunterstützung stellen wollte. Der Borsland erwiderte, daß die Beamten keinerlei Anweisung haben, nach der Zugehörigkeit zu einer gewerksdzaftlichen Organi- sation zu fragen, und dies, wenn gesdiehen, in Zukunft unter- bleiben werde. Trotzdem, hieß es aber weiter, könne der Vorstand sich das Recht nicht nehmen lassen, sich nach den Einzelverhältnisseir der Antragsteller oder der Patienten zu erkundigen. Bcrsidicrtc, die einmal in die Lage kommen, die Hülfe der Landrsversidierungs- anstalt in Anspruch zu nehmen, mögen auf die soeben gemaditc» Ausführungen besonders adite«. Auch in derZeitungsfragc in Beelitz und Lichlenberg gab eS mit Herrn Dr. Freund wieder ein Intermezzo. Ten.Vorwärts" mag er nun einmal nicht leiden, und würde er nicht den letzten Rest seines Rufes als„liberaler Mann" einbüßen wollen, so hätte er gewiß dem„Vorwärts" bereits den Garaus gemacht. Der„Vor- wärts" ist zu Dr. Freunds großem Verdruß Publikationsorgan der Landesversicherungsanstalt Berlin, aber als soldies wird er in den Heilstätten nicht ausgelegt, obwohl der gesamte Ausschuß - Arbeiter- und Arbeitgebervertreter— im vorigen Jahre aus- drücklich diesen Wunsch geäußert hatte. Während fast alle anderen Berliner Tageszeitungen, unter anderem auch die katholische „Germania", von Anstalts wegen abonniert sind, trifft dies auf den„Vorwärts", das Publikationsorgan der Anstalt, nicht zu. Meint Herr Dr. Freund, daß schon genug sozialdemokratische Ar- beiter, die den„Vorwärts" lesen, draußen sind, daß man nicht noch„amtlich" welche zu züchten braucht, oder sollen die übrigen Zeitungen ein Gegengewicht gegen die ruchlose sozialdemokratische Presse bilden? Im Anschluß an eine die Selbstherrrrchkefl Dr. Freunds kennzeichnende Erklärung, er könne dem im vorigen Jahre geäußerten Wunsch nicht entsprechen, gab der Aussd>uß diese Erklärung ab: „Der Ausschuß bedauert die Stellungnahme des Vorsitzende? in dieser Angelegenheit. Durch den Umstand, daß nicht sämtliche Publikationsorgane, also auch der.Vorwärts", in den Anstalten zum Aushang kommen, wird der Anschein erweckt, als ob die Versicherten, die.VorwärtS"-Leser sind, für minderen Rechts erklärt werden sollen. Vorstand und Ausschuß müssen jedoch strengste Parität walten lassen. Der Ausschuß spricht daher erneut den Wunsch aus:„Der Vorstand möge in Den von der LandesversichcrungSanstalt unterhaltenen Heilstätten sämtliche Publikationsorgane, also ohne Ausnahme, zum Aushang bringen." Weiter wurde von den Vertretern der Versicherten Über die wachsenden Schwierigkeiten zur Erlangung einer Invalidenrente Klage geführt. So wird ein ärztliches Gutachten über das andere eingcholt, um dem Antragsteller zu beweisen, daß er noch in der Loge sei. mehr als ein Drittel seines bisher gehabten Arbeitsver- dtenstes zu verdienen. ES wurde von fachkundiger Seite aus den Reihen der Der- treter der Versicherten darauf aufmerksam gemacht, daß besonders in der letzten Zeit das Reichsverfichertingsamt in zahlreichen Fällen abweisende Entscheidungen der Landesversicherungsanstalt Berlin aufgehoben und letztere zur Zahlung einer Rente verurteilt habe. Der Etat war zwecks näherer Beratung an eine Kommission von acht Mitgliedern überwiesen, die sich zur Hälfte auS Vertretern der Versicherten und der Arbeitgeber zusammensetzte. Aus den Beschlüsten dieser Kommission, die sich der Gesamt» auSschuß zu eigen machte, seien folgende hervorgehoben: .Der Ausschuß ist damit einverstanden, daß das Invaliden- haus Lichtenberg im Laufe des nächsten Jahres(1908) aufgelöst wird und daß in den frei werdenden Räumen eine BeobachtungS- anstalt für Lungenkranke eingerichtet wird. Die in dem Etat für das Jnvalidenhaus bewilligten Gelder dürfen für die Beob- achtungSstation Verwendung finden. Der Ausschuß ist ferner damit einverstanden, daß auf dem Grundstück der Anstalt in Lichtenberg eine ErholongS- bezw. BeobachtungSstätte für aus der Hrilstättenbrhandlung entlassene Tuberkulöse eingerichtet Wird." Wegen der plötzlidiru Entlassung eines Pfleglings auS der Heilanstalt Lichtenberg kam eS zwischen Ausschuß und Vorstand zu lebhaften Erörterungen. Der Pflegling war lediglich auf Grund einseitiger Beschuldigung eines Hausdieners und etneS Wärters entlassen worden, ohne daß man Zeugen deö Patienten gehört hatte. Der Ausschuß beschloß: „Der Ausschuß wünscht, der Vorstand möge Vorsorge treffen. daß vor der ftrafweisen Entlassung eines Pfleglings aus der Heilstättenbehandlung der Angeschuldigte und seine Zeugen gehört werden." Bei dem Etat der Heilstätte Beelitz erfolgte die schon erwähnte Weschlußfassung in Sachen der Auslegung des.Vorwärts" als anitlichem Publikationsorgan. Bei dem Hauvtetat lag seitens des Vorstandes ein Antrag vor, den länger als fimf Jahre im Amt sich befindlichen Obersekrctärc» eine besondere Funktionszulage zu gewähren. Der Antrag wurde abgelehnt, und zwar aus folgenden Gründen: Die niedriger bc- foldeten Beamten der Anstalt hatten im Laufe der Etatsberatungen dem Ausschuß und Vorstand ein« Petition eingereicht, worin sie unter Hinweis auf die augenblickliche Teuerung der Lebensmittel um eine Teuerungszulage ersuchten. Dieses Gesuch, obwohl etwas sehr spät eingereicht, hätte wohl ein« Prüfung durch den Vorstand gefunden, wie er durch den Mund seines Vorsitzenden sagen ließ. wenn dieses Gesuch von den Vertretern der Arbeitgeber mit unter» stützt worden wäre. DaS war aber nicht der Fall: die Herren Arbritgeber sträubten sich mit Händen und Füßen gegen die Gr- Währung der Teucrungozulagr. Für die Vertreter der Versicherten lag deshalb kein Grund vor,«inigen Herren, die ziemlich das dop- Polte Gehalt beziehen als wie die Versicherten, noch eine Extra- Funktionszulage zu gewähren. So kam es, daß sowohl der Antrag des Vorstandes für die Obersekretär wie das Gesuch der niedriger besoldeten Beamte» mit Stimmengleichheit abgelehnt wurde. Ein Antrag, die Grhnltsstäla der Bureaudiencr neu festzusetzen und ihr Gehalt um 100 M. zu erhöhen, wurde angc- nommen. Recht interessant war es für die Vertreter der Versicherten, zu hören, daß dem Bcreinshauö der Hirsch-Dnnckersche» Gewcri- schaften in der GrcifSwaldcr Straße eine größere Hvvothck zur Verfügung gestellt worden ist. Auf die Frage an den Vorsitzenden, wie sich das mit seiner so häufig von ihm hervorgehobenen Parität vereinbare, hatte Herr Dr. Freund keine andere Antwort, als die, an die man früher schon gewöhnt war: das GeiverkschaftshauS am Engelnfcr sei eine sozialdemokratische Einrid'tung und damit bastal AuS der Reihe der Vertreter der Versicherten wurde gegen- über Dr. Freund festgestellt, daß ihm also noch nicht zwanzigtausend Hirsch-Dunckcrsche Gewerkschaftler mehr wert seien als zirka 250 000 Arbeiter, die in den freien Gewerkschaften organisiert sind. Da nach dem Statut für jedes Jahr abwechselnd den Vr-'P im Ausschuß ein Vertreter der Versicherten und ein Vertreter Vr Arbeitgeber führt, so wurde für 1908 der Kaufmann Israel (Arbeitgeber) als Vorsitzender und als dessen Stellvertreter E. Warnst(Versicherter) gewählt. Soziales» Haftpflicht der Stadtgemcinde wcgc» eines schadhaften StraßenpflasterS. AlS der Kaufmann K. in N i k o l a i k c n am Abend des t. Januar 1904 zwischen 8 und 9 Uhr. wie allabendlich mit Holz- pantosseln beschuht, einen Spaziergang zu dem Hanse seines Sohnes machen wollte, kam er infolge der Glätte durch eine halbkreisiörmige Verliefung am Rande des Straßelipfl.,sterL in der Nähe einer BöschunaStreppe zu Fall und brach sich einen Oberschenkel. Infolge dieses lliifalleS erhob er gegen die Stadtgemeinde Nikolaiken Schadenersatzansprüche in Gestalt einer Monatsrente von 150 M, seit dem U n f a l l t a g e. Das Landgericht Lyck erkannte den Anspruch des Klägers im vollen Umfange für gerechtfertigt an. Auf die Berufung der veNcigten Stadlgemeinde wies das O verlande Sgericht Königsberg den Kläger zu zwei Dritteln ab und erkannte seinen Anspruch nur zu einem Drittel für gerechtfertigt an. DaS Berufungsgericht führt hierbei aus, daß es zweifelhaft sein möchte, ob daS Bestehenlassen dieser nicht sonderlich auffälligen Ver- tiefung trotz ihrer augenscheinlichen Gefährlicbteit der beklagten Stadlgemeinde zum Verschulden gereichen würde, wenn es sich um diese eine schadhaste Stelle bandelte. Jedoch seien in der Nähe der Unfallstelle am Rande des Strastenpflafters seit Jahren mehrere derartige Löcher vorbanden gewesen, die alle dadurch entstanden seien, das; eine sehr schwere Maschine mit der einen Seite ihrer Räder vom Pflaster heruntergeglitten sei und es beschädigt habe. Jigolge dieser Beschädigung seien auch schon mehrere Male Menschen zu stalle gekoinmen. Auch sei die ordnungswidrige, gefährliche Beschaffenheit der Strohe auf einer längeren Strecke. trotzdem sie ohne grohe Kosten hätte ausgebessert werden können, der Beklagten bekannt gewesen und doch bestehen lassen worden. Das jahrelange Andauern eines solchen ZustandeS sei aber nur auf eine schuldhafte Vernachlässigung ihrer verfassungs- mäßigen Vertreter zurückzuführen. Äuf die Revision hin bestätigte�das Reichsgericht diese Entscheidung des Oberlandesgerichts Königsberg und führt be- treffs des Klägers noch aus, daß die Revision zu Unrecht behaupte. daß die Unachtsamkeit des Klägers allein die Ursache des Unfalles gewesen sei, weil dieser den Zustand der Straße gekannt hätte. Die vom Berufungsgericht vorgenoimnene Teilung des Schadens sei viel- mehr berechtigt._ lieber die Krankenfllrsorge auf dem Lande gibt im„Bahr. Vaterl." ein Landgeistlicher seine Erfahrungen zum besten.„Für den kleinen Mann," heißt es dort,„sei bis jetzt auf dem Lande in dieser Beziehung so wenig gesorgt, daß für den Land- geistlichen oder Landarzt 7l) Proz. der Krankenbesuche bei den kleinen Leuten eine wahre Qual sind. Warum? Weil einem das Herz bluten möchte über die unsägliche Hülflosigkeit und die tief- traurige Rückständigkeit der ländlichen Krankenfürsorge. Finstere, luft- und lichtarme Kaminern, oft wahre Löcher— das sind meist die Krankenzimmer der kleinen Leute auf dem Lande, von Hygiene nicht die leiseste Spur." Der Geistliche schildert nun die Zustände in seiner Gemeinde, die mindestens IoO Familienoberhäupter(ländliche Handwerker und Arbeiter mit geringem Besitz, sowie Gütler und kleine Söldner) habe. für die in KrantheitsfäUcn auch nicht im mindesten gesorgt sei. „In kommenden Krankhcitswochcn müssen diese Leute dann eben von ihren Ersparnisten leben, Arzt und Apotheke gehen auf ihre Rechnung, der Verdienst fällt aus— da kann man leicht denken, daß solche Familien in ihrem wirtschaftlichen Vorwärtsschreiten durch eine einzige längere Krankheit ihres Familienoberhauptes um ein, zwei, ja drei Jahre zurückgeworfen werden." Deshalb fordert der Gewährsmann des„Vaterland" die zwangsmäßige Einführung des Gemeinde- und Ortskrankenkassen- Wesens für die Landgemeinden: das würde eine außerordentliche Reform der ländlichen Krankenfürsorge überhaupt bedeuten— „denn die durchgreifende allgemeine hygienische Wirksamkeit des Landarztes ist bisher daran gescheitert, daß der Landarzt zu sehr Geschäftsmann sein muß, besonders wenn Konkurrenz am Orte ist, weshalb er es sich wohl überlegen wird, zur rechten Zeit ein kräftiges Wort über den hygienischen Saustall zu sprechen, in dein die ländlichen Kranken so oft dvhinduusten müssen." Diese Anklage gegen die unzulängliche Kranlenfürsorge auf dun Lande trifft in erster Linie das Zentrum, das bekanntlich bei der Schaffung des Krankenversichcrungsgesetzes seine Zustimmung davon abhängig machte, daß die landwirtschaftlichen Arbeiter ausgeschlossen wurden, sodaß das Gesetz vor der Gefahr deS Scheiterns stand; mit knappster Mehrheit wurde aus den Ver- sicherungszwang der landwirtschaftlichen Arbeiter verzichtet. Die Sozialdemokratie war dagegen bestrebt, die Interessen der Arbeiter und kleinen Leute zu stärkerer Geltung zu bringen. Nach ihren Anträgen sollte versicherungspflichtig sein jeder, der das fünfzehnte Lebensjahr erreicht und ein selbständiges Einkommen bis zu 7Vj M. pro Tag hatte. Auch bei den verschiedenen Aende- rungen der VersiKeruugsgesetze ist die Sozialdemokratie dafür ein- getreten, daß die Wohltat der Krankenversicherung allen Arbeitern, kleinen Handwerkern und Bauern zugute kommen sollte. Wenn gegenwärtig noch solche aller Menschlichkeit und Sitt- lichkeit hohnsprechende» Zustände auf dem Lande existieren, wie sie der Landgeistliche in dem Münchencr Blatte schildert, so trifft dafür in erster Linie neben die Konservativen das Zentrum die Schuld. Klus Industrie und Dandel. Berlins Grundltiicksmarkt. Der Verein Berliner Grundstücks- und Hypothekenmailer konstatiert in seinem Jahresbericht für das Jahr lM7, daß die Lage auf dem Grundstucksmarkt im allgemeinen befriedigend war: „Die allgemeine wirtschaftliche Depression, welche das Jahr 1907 beherrschte, hat auf den Berliner Grundstücksmarkt bis zum Jahresschlüsse keinen tief einschneidenden Eindruck gemacht. Es scheint demnach, daß die gewaltige EntWickelung, welche in Berlin und dessen Bororten ihre» ungestörten Fortgang nimmt, selbst eine Krisis siegreich zu überwinden iniftandc ist. Die freiwilligen Ver- äutzerungen im Berliner Stadtdezirie haben sich um beinahe drei Millwnen gehoben. Dieser Mehrumsatz erklärt sich daraus, daß auch in diesem Jahre der Erwerb wertvoller Grundstücke in der Innenstadt fortgesetzt wurde. Tie Fortführung der Untergrund- bahn und die demnächst bevorstehende Eröffnung der Stationen bis zum Spittelmarkt, gaben hierzu einen neue» Impuls. Auch der rapid wachsende Fremdenverkehr bewirkte Millionenumsätze zu Hotelzwecken geeigneter Objekte. Wir benennen hierbei:„Espla- nade-Hotel"(Bellevuestraße). Erweiterung des.Habsburger Hofes" (Königgrätzer Straße),„Elitc-Hotel"(Neustädtcsche Kirchstraße). ferner die Aussehen erregenden Eberbachschcn Ricsenkäufe:„Mo- nopoi-Hotel" und„Belvedere"(Am Weidcndamm). Es soll natürlich keineswegs hiermit gesagt sein, daß die verschlechterte Si- tuation des Geldmarktes spurlos an dein Jmmobilienmarlt vor- übergegangen ist, da die Subhastationen sowohl in Berlin, als in den Vororten, besonders im letzten Quartal erheblich zugenommen haben, und die Umsätze in unbebauten Grundstücken und hiermit die Bautätigkeit in bedeutendem Maße zurückgegangen sind. Trotz dieser unerfreulichen Tatsache ist aber die Nachfrage nach soliden, nicht allzu entfernt gelegenen Zientenhäusern bis zum Jahresschluß rege gewesen." Insgesamt wurden in Groß-Berlin im letzten Jahre IW Bauscheine ausgestellt, gegen SLOö im Vorjahre. Die Gcbrauchsab- nahmen stellten sich auf ltz-td gegen 2129 im Jahre 1906. Der Gc- samtumsatz beziffert sich auf 1 181 332 054 M.— 1J76 850 054 M. in 1906—, 3317 bebaute Grundstücke erzielten eine Umfaizsummc von 837 266 000 M.— 1906: 4486 Grundstücke mit 855 304 000 M. — Für unbebaute Grundstücke werden folgende Zahlen angegeben: 1907: 2382 mit 216 577 000 M. 1906: 3186 mit 326 959 000 M. Die Zahl der Subhastationen stieg bei bebauten Grundstücken von 319 auf 489 und bei unbebauten Grundstücken von 100 auf 161. Wie man es machen könnte! In einer Stadt, deren Bewohner unter den hohen Fleischpreisen km Kleinhandel gar sehr zu leiden hatten, trotzdem die Schlachtvieh- preise bedeutend gesunken waren, faßte der Stadtmagistrat den Beschluß, gegen den Uebelstand anzukämpfen. In einem Schreiben, welches jedem gegen Unterschrift zugestellt werden sollte, wurde den Mitgliedern der ehrsamen Kleischerinnung nahegelegt, ihre Flcischpreisc mit den Schlachtpreisen in Einklang zu bringen. Die biederen Metzger boykottierten in rührender Uebercinstimmung den MagiftratSbeschluß durch Verweigerung der EmpfangSuntcrschrift: 1 sie wollten sich ihr„gutes Recht" auf Preisfestsetzung nach Gut-! dünken nicht nehmen lassen.' i I Aber es kam anders, als sie dachten. In einer außerordent- lichen Sitzung dekretierte der Magistrat, daß die bisherige Frei- dank fürder in„Stadt. Fleischbank" umgetauft und zum allge- meinen Verkauf von Fleisch freigegeben werden sollte. Die Land- Wirte und Viehbesitzer wurden eingeladen, ihr Schlachtvieh daselbst zu schlachten und durch besoldete Leute zu angemessenen Preisen zu verkaufen. Desgleichen ward das Publikum eingeladen, fortan seinen Bedarf in der„Städt. Fleischbank" zu decken. Das ließen sich die Schlachtviehbesitzer und das Publikum nicht zweimal sagen. Die Folge davon war eine ganz enorme Fre- quenz von feiten der Schlachtviehbesitzer und des Fleisch konsumie- rcnden Publikums. Und eine weitere Folge war, daß die edlen Metzger bereits nach dem dritten Tage der Existenz dieser un- gebetenen Konkurrenz mit den Fleischpreisen herabgingen. Aver der Kampf nahm seinen für Viehbcjitzer und Publikum lustigen Fortgang. Denn obwohl das letztere jetzt unter ganz kolossalem Andrang billiges Fleisch(0,55 bis 0,65 M. pro Pfund gegen 0,80 bis 0,84 M. früher) kaufte, lösten auch die ersteren mehr, als sie vom Metzger bisher erhalten hatten. Eine Woche später und der Trotz der Metzger war gebrochen. Sie baten um Aufhebung der städtischen Freibank. Und weil schließlich auch sie Kinder der Stadt und Steuerträger waren, bc- freite ein wohlweiser Magistrat sie von der Zuchtrute und hob die städtische Gründung nach 14tügigem Bestände wieder auf. Die Metzger mußten indes noch weitere Herabsetzungen vornehmen. Die Ergebnisse deS zweiwöchentlichen Fleischkrieges veranschaulicht nachstehende kleine Tabelle, nach welcher sich die Fleisch- preise nunmehr wie folgt stellten: Ochsenfleisch pro Pfund 0,80, früher 0,84 M. Kuhfleisch ,. 0.70,„ 0,80. Kalbfleisch„„ 0,68, ,. 0,80. Schweinefleisch ,. ,. 0.68,.. 0.80„ Dieses hübsche und lehrreiche Geschichtchcn. welches sich in der zweiten Dezemberhälfte des vergangenen Jahres ereignete, ist dem letzten Hefte der„Deutschen Schlacht- und Vichhofzeitung" zu entnehmen. Da naive Leser in der Provinz auf den Gedanken gc- raten könnten, es handele sich hier um den Magistrat der Reichs- metropole, in welcher eine Millionenbevölkcrung des längeren unter drückenden Fleischpreisen leidet, sei noch mitgeteilt, daß kein Anlaß vorliegt, auf die Berliner mißgünstig zu sein, denn die Stadt, in der sich vorstehendes ereignete, ist das kleine Lands- berg a. L. Gnindbesiftmlend in England. Wie die armen Grundbesitzer in England unter dem Druck der Verhällnisie leiden müssen, geht aus folgenden offiziellen Zahlen hervor: In 1905/06 beirng d,e Rente von Land und Gebäuden in England und Wales 254886 000 Pfund Sterling, d. i. um 6 460 800 Pfund mehr atS im Jahre zuvor. In einer Zeitperiode von fiins Jahren erhöhte sich die Rente um 30 384 000 Pfund oder um 13.5 Proz., während sich der eingeschätzte Wert mw um 20504000 Pfund oder 11 Proz. erhöhte. Bus der frauersbcwegiing. Souveräne Verachtung. Die Regierung Preußens, als GeschäflSsührerin deS Junkertums, hat natürlich für die Forderung des Franenwahlrechts nur schweigende Verachtung. Aber auch für die übrigen bürgerlichen Parteien existiert die Frage anscheinend nicht. Niemand hat sie am 10. Januar 1908, am Tage deS Jenas für den Liberalismus, auch nur mit einer Silbe erwähnt. Für alle war die Forderung der Frauen Luft. Fürst Bülow begnügte sich mit einem moralischen Fußtritt für die Liberalen. Und diese waren noch dankbar. Sie merkten eS nicht einmal, daß die Antwort der Regierung eine auffallende Konzession an daS Zentrum enthielt. Für dieses ist der Schmerzen«- punkt in der Wablrechlsfrage der der Neueinieilung der Wahlkreise. Durch eine geschickte WahttreiSgeometrie könnte den Ultramontcnren eine Reihe Wahlkreise genommen werden. Deshalb erklärte Abg. Porsch auch, das Zentrum habe grundsätzliche Bedenken gegen eine Aenderung der Wahlkreise. Und die Regierung trug den Zentrums- wünschen Rechnung. Sie gedachte dieser Forderung in ihrer Antwort überhaupt nicht. Das Zentrum bezeichnet sich verlogenerweise als Freundin des gleiche» Wahlrechts. Dabei ist'S„grundsätzlich" für die bestehende WahlkreiSeinteilung. die vielfach 3—10 000 Wählern denselben Einfluß gewährt, wie 80—100 000 in anderen Kreisen. Und eS will auch die ungerechte Bestimmung nicht aufheben, die dem größeren Teile deS Volkes, dem weiblichen Geschlecht. daS politische Staats- bürgerrecht überhaupt vorenthält. Trotzdem, es behauptet ungeniert, eS kämpfe für das gleiche Wahlrecht. Die Nattonalliberalen sind auch dabei, wenn eS heißt: Reform deS Wahlrechts! Sie wollen eine Neueinteilung der Wahlkreise. Mandatshlniger ist bei ihnen die Quelle dieser Gerechtigkeitsforderung. Das gleiche und geheime Wahlrecht für die Männer bekämpfen sie genau io wie das Frauenwahlrecht überhaupt. Und die Haltung der Freisinnigen war ein vollständiger Kotau vor den Konservativen. Fand der Abg. Fischbeck die von Bülow abgegebene Erklärung doch sogar noch erfreulich. Kein Liberaler trat auf. der auch nur ein Wort zugunsten des Frauenwahlrechts gefunden bätte. In Uebereinstimmung mit den, konservativen Redner, Malkewitz, erklärte Fürst Bülow nachher noch, man werde sich durch Demon- straiionen nickt beeinflussen lassen. Wirtlich? Der Mut der Herr- sckiaften stützt sich auf Gewalt, auf die bewaffnete Macht. Die Frauen wissen nun. wie sie ihre Söhne zu erziehen haben. Jedenfalls werden sie durch die Großsprechereien der konservativen Regierung und deren Regierungsverlretcr sich nicht davon abhalten lassen, weiter und mit verschärfter Energie für daS Frauemvahlrecht zu demonstrieren. Auch Friedrich Wilhelm IV. hatte ein herbes„Nein" für die Forderungen des Volkes und doch mußte er vor den Opfern der Gewaltpolitik demütig das Haupt entblößen. Der eiseustarte Bismarck wollte mit den, Terrorismus des Sozialistengesetzes die Sozialdemokratie bezwingen— und er wurde bezwungen. Das preußische Junkertum hat einst durch seine Raffgier und Herrschsucht das Land verwüstet, es zum Spielball des Auslandes gemacht, daö Volk in Not und Elend gestürzt. Sein heutiges Ver- halten zeigt, daß eS noch um kein Jota besser geworden ist. Und eS ist Demonstrationen gegen die offizielle Regierung und die Krone nicht immer abgene-gt. wie seine— erfolgreiche Opposition gegen den Mittellandkanal bewiesen hat. Aber eS glaubt, das Volk durch Frechheit und Hohn von dem Kampfe für sei» Recht abhalten zu können. Es irrtl Und dräut die Reaktion noch io sehr: daS all- gemeine, gleiche und geheime Wahlrecht— auch für die Frauen— wird doch erobert I Gerichts-Zeitung. Der Mord der Anna Winkler. Ein vor 14 Jahren begangenes Verbrechen, dessen Täter sich im September v. I. selbst gestellt hat, beschäftigte gestern das Schwurgericht des Landgerichts I. Unter der Anklage der Körper- Verletzung mit tödlichem Erfolge hatte sich der frühere Guts- bcsitzer und Kaufmann Friedrich August Gebauer aus Frank- , f u r t a. M. zu verantworten. Am 22. Januar 1894 wurde die ln ' der Borsigstraße 31, 3 Treppen hoch, wohnende Prostituierte Anna Winkler, ein Mädchen von 22 Jahren, auf ihrem Bette erwürgt vorgefunden. Sie war erst wenige Tage vor ihrem Tode nach der Borsigstraße gezogen und bewohnte dort ein Flurzimmer. Am 31. Januar, abends OVj Uhr, hat sie ihre Wohnung verlassen, nach- dcm sie noch 3 M. Miete und Kost bezahlt hatte, am folgenden Morgen fand man sie tot ans ihrem Bette liegen. Auf ihrem Gc- ficht lagen zwei Kopfkissen, in der Nähe des Ohres waren Mut» flecke aus der Bettwäsche bemerkbar, außerdem zeigte sich eine Strangulationsmarke am Halse und dem Mädchen stand blutiger Schaum vor dem Munde. Das Gesicht war stark gedunsen, Spuren eines Kampfes zeigten sich nicht. In einer Aschenschale befand sich der Nest einer Zigarre, außerdem fand man auf dem Tische ei» Paar Männermanschetten, die den Namen Gebauer trugen. Es wurde zunächst der Verdacht des Raubmordes gehegt und auf Grund mehrerer in Briefschaften der Verstorbenen vorgefundener Name» wurden verschiedene Personen in Untersuchung genommen, aber sehr bald wieder entlassen, da gar kein Verdacht gegen sie aufrecht erhalten werden konnte. Auch der in Frankfurt a. M. an- sössige Augeklagte wurde am 22. Februar 1894 zur Haft gebracht, aber am 16. Mai 1894 wieder entlassen, da nicht nachweisbar war, daß die Manschetten ihm gehörten und sonstige Verdachtsmomente nicht ausreichten. Vierzehn Jahre sind nun darüber vergangen— da stellte sich am 17. September 1007 der Angeklagte bei dem 3. Polizeirevier in Frankfurt a. M. und beschuldigte sich selbst, die Winkler vor 14 Jahre getötet zu haben. Er ist dann am 21. Scp- teinber hier wieder verhastet worden.— Ter Angeklagte ist als der Sohn wohlhabender Eltern in Plauen geboren. Später hat er acht Jahre lang das väterliche Gut selbst bewirtschaftet. Nach Beendigung seiner Militärpflicht bei den Ulanen führte er die Wirtschaft weiter. Im Jahre 1888 verlor er beide Eltern durch den Tod und da er das einzige Kind war, verkaufte er daS Gut für 100 000 Mk. Er machte dann größere Reisen nach England und Schottland und ging nach Amerika, wo sein Onkel eine Bar betrieb. Mit dem Onkel ging er nach Deutschland zurück und bc- suchte einige Verwandte. Hier lernte er seine jetzt von ihm gc° schiedene Frau kennen und ging mit ihr nach Amerika. Dort kaufte er dem Onkel die Bar für 25 000 M. ab. sah aber bald ein, daß er sich überkauft hatte, denn das Geschäft ging nicht besonders. Nachdem er sich ein Jahr lang mit dem Geschäft abgequält hatte, ging er, weil seine Frau Heimweh hatte, nach Frankfurt a. M. zurück. Sein Vermögen war bis aus 6 bis 7000 M. zusammen- geschmolzen. Er gründete im Jahre 1890 in Frankfurt a. M. wieder ein Geschüft, dies ging aber auch nicht und er mußte es aufgeben. Er nahm dann verschiedene Stellungen an, ergab sich aus Verzweiflung dem Trünke und wurde von seiner Frau ver- lassen. Diese ging nach Berlin zu einem Schwager, der hier eine Gastwirtschaft betrieb. Am 21. Januar 1894 fuhr der Angeklagte nach Berlin, um seine Frau zu sprechen, diese ließ sich aber verleugnen und der Schwager nahm ocn Angeklagten nicht auf. Wie letzterer gestern dem Gericht erzählte, hat er im Aergcr darüber 6 bis 7 GlaS Bier getrunken und dann ans der Straße die Winkler getroffen, die ihn beschwatzte, mit in ihre Wohnung zu kommen. Dort soll nun das Mädchen unter Liebkosungen per- sucht haben, ihm sein Portemonnaie an« der Tasche zu stehlen. Er will, als er dies merkte, sie bei der Gurgel gepackt haben, um ihr einen Denkzettel zu geben und habe dann zu seinem Schrecken gesehen, daß das Mädchen, welches sehr hysterisch ivar, wie leblos auf das Bett zurücksank. Darauf habe er sich so schnell wie mög- lich entfernt. DaS Gewissen habe ihn aber schließlich gequält und um die ganze Sache los zu werden und zu vermeiden, daß nicht twck irgend ein anderer in Verdacht käme, habe cr sich dann selbst gestellt. Die Beweisaufnahme ergab nichts, was diesen Angaben deS Angeklagten widersprach. Auch das Gutachten des Geheimen Medizinalrats Prof. Dr. Straßmann, der seinerzeit der Leiche obduziert hat. zog diese Angaben nicht in Zweifel: Danach ist das Mädchen wahrscheinlich mit der linken Hand gewürgt worden und der Tod ist infolge von Erstickung eingetreten. Die Geschworenen sprachen den Angeklagten der Mißhand- luug schuldig, hielten aber nicht für erw.iefen, daß der Tod durch diese Mißhandlung verursacht ist uitd billigten dcm Angeklagten mildernd« Umstände zu. Nach diesem Spruch lag nur einfache Körperverletzung vor, dazu wäre ein Strafantrag notwendig. Da ein solcher nicht vorlag, überdies Verjährung eingetreten wäre, mußte auf Einstellung des Verfahrens erkannt werden. Ter An- geklagte wurde aus der Haft entlassen. Kritik oder Beleidigung? Wegen Beleidigung der ehemaligen fchleSwig-holsteinschen Ossi- ziere, die zunächst unter dänischer, dann unter preußischer Herrschaft gedient haben, ist am 24. September v. I. vom Landgericht Altona der Redakteur de«„FleuSborg Avis", Peter Simonien, zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden, nachdem ein früheres freisprechende« Urteil de« Landgerichts Flensburg vom Reichs- gericht aufgehoben worden war. In einem Artikel des genannten Blattes vom 4. März 1906, der von dem verstorbenen Reichstags- abgeordneten Jessen verfaßt ist, war gegen die sogenannten vor- märzlichen Offiziere der Vorwurf des Meineids erhoben worden, weil sie, die dem dänischen Könige den Treueid geleistet hätten, später gegen Dänemark gekämpft hätten. Zufällig mar noch einer dieser Offiziere, der Hauptmann a. D. Hennings, am Leben/ Er hat Sirafantrag gestellt. Hennings ist 1847 Offizier ge- worden. Er hat bei der Tbronbesteigintg Friedrichs Vit. ebenso wie die anderen Offiziere lediglich im Schlnßhvfe zu Kiel ein einmaliges Hoch auf den König ausgebracht. Das Gericht war der Ansicht, daß der Angeklagte wußte, daß wohl noch solche Offiziere leben könnten.— In seiner Revision meinte der Angeklagte. Hennings könne sich ja gar nicht beleidigt fühlen, da er in Wirktichteit keinen Eid geleistet habe. Da H. selbst bekundet habe, daß er fast die ganze Zeit seitdem außerhalb SchleSwig-Holsteins gelebt habe, so könne nicht angenommen werden, daß er. der Angeklagte, habe wissen müssen, daß noch einer von jenen Offizieren tebe.�— DaS Reichsgericht verwarf am Montag die Revision des Angeklagten. Festgestellt sei, daß der Vorwurf des Meineide« auch folwe Offisiere habe treffen sollen, die nicht aus- drücklich den Treueid geleistet, aber auf andere Weise für den dänischen König in PfliEt genommen worden sind. Für die Straf- barkeil genüge eS. daß zur Zeit des Erscheinens des Artikels noch Offiziere ans jener Zeit lebten. Das Urtetl ist ein Schulbeispiel für die Art, wie die dentsche Rechtspflege im Gegensatz zu Staaten mit moderner Anschaumig die Beleidignngsparagraphen zur Einengung und Aufhebung freie Kritik historischer Borkonmisse gebrauchen zu müssen meint. Zunächst die Konstruktion der Kollektivbeleidigung: Wer ein abfälliges Urteil über eine Kategorie von Offizieren sälll, trifft und beleidigt dadurch jeden einzelnen Offizier. Stellt sich als Hindernis heraus, daß der einzige noch ausziignbelnde Offizier der bezeichneten Kategorie(die den Treueid geleistet haben) gar nicht zu der Kategorie gehört, weil er keine» Eid geleistet hat, die weitere Konstruktion: hat er auch keine» Eid geleistet, so hat er doch ein Hoch ausgebracht, und das ist für die Möglichkeit einer Bestrastnig der Kritik ganz gleich. Zu eigenartige» Konsequenzen führt übrigens das Urteil rücknchltich der Beamten, die dem Könige von Hannover den Treueid ge- leistet hatten. CingeganAene Druchrchnften. -J» Freien Stunde»«. Von dieser Wochenschrift, die von der Buch» Handlung Vorwärts herausgegeben wird, liegen die ersten beiden H.ste des neue» Jahrgangs vor. Wir bitten unsere Leser, für diese den Arbeitern und ihren Familien gewidmete Zeitschrift zu agitieren. Probehefte zum Auslegen in den Verla mmlungen usw. liefert jede Parteibuchhandlung oder der Verlag: Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68. Die„Kommunale Praxis«. Verlag Buchhandlung Vorwärts, er- scheint ab l. Januar 1908 in bedeutend erweitertem Umfange. Preis für da« Quartal 3,00 3!. Nr. 1 ist weben erschienen., Werde gesund. Zeitschrift für Voltsgesundheitspflege. 12. Heft. S ercmsgegcbc» von Dr. med.(3. Siebt. Verlag: Tb. Äriiche in Erlangen. 3riii Den Jnvali Der Inieraie iiUentiiiimt Dir Rrdnttio» arm Viivlikni» nrnruiiber keinerlei Brr-ziinsortting. Cheater. M I t i tu o ch, 15. Januar. Ansang 71/:! l!hr. Äöuigl. OvernftauS. Die Eni- sliknuig aut« dc»> Serail. Ätiiii,;!. Schauiniellmus. Medea. Driit'chre. WaS ihr wollt. Kammeripicls. Liebelei.(An- fang 3 Uhr.) Thalia. Er und seine Schwester. AiifaiiL 8 Uhr. Lesfitig. Hedda Gabler. Lortziug. Uadiue. t5>i>i!»>ir!t>»»o. Panne. Neues SchauiviclhauL. Zwischen Ja und Nein. ' Berliner. Blaubart. Neues. Hedda Gabler. Kleines. Mandragola. Snonei«». itwaun er»Theater.) Der Rrvisor. Schiller Cliarlotteuburg. Der Richter von Zalamea. Friedrich- BSilHrlnistudt. Schau- ipielhaus. In Vertretung. Wrkte». Ein Walzertraum. Thearer an der Spree. HoluS- potus. Komische Oper. Louise.(?Insang 7 Uhr.) Zentral. Krau WarrenS Gewerbe. Residenz. Ganz der Papa. Luisen. Cyprienne. Trianon. Fräulein Josette— meine Frau. Bernbard Rose. Der Troubadour. Büraerl. Schauspielhaus. Wilhelm Tell. Earl-Haverland- Theater. Epe- zialiläten. illtrlrvuv.. Da» muh man seh'n. «lpolio. Hymack. Da beU« �eisria. Gentes. Walhalla. Svezialilälen. KolieS Gaprice. Mal was andres. Dunile Pmlkte. Eine anständige Frau. Bebr. Herrnseld. Papa und Ge» Nossen. Parodie. Zapsenslreich. Tannhäuser. Monna Vanna. Kasino. Biederleute. Wintergarten. Robert Steidl. Epe« zialitäten. Paiiagr. Die singenden EngelS- löpfe. Spezialitäten Borussia- BariStS. Ackerftr. 6/7. Spezialitäten. Reichshalle». Slettiner Sänger. ilrani». Tanhe»«irnste 8 Uhr: Eine NilsaHrt bis zum zweiten Katarakt. Hörsaal abends 3 Uhr: Dr. O. Krell: MotorballonS und Flug- Maschinen. Stenimarte, Jnvalidenftr. 67/62. Berliner Theater. Gastepfel d. Neuen Operetten-Theaters. Abends 8 Uhr: Blaubart Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Gastspiel Elconara Dnse: Hedda Gabler. Donnerstag; La Siynora dolle Camelie(Die Kameliendame). Freitag: C'asa Paterna(Heimat). Kleines Theater. Abends 8 Uhr: ]9Iaiidi*agola. Donnerslag: Ein Puppcnheim. Freitag: Mandragola. Sonnabend: Mandragola. Titealer des Westens. 8 Uhr: Ein Walzertruam. Operette von Oskar S traust. Sonntag nachm. 3:i, Uhr halbe Preise: Vit- Insti«« Witwe. Fnedricb-WiiiielRistäcItisches Schauspielhaus. In Vei'tretang, 'Anfang 3 Uhr. Donnerslag: Madame SanS Gene. Freitag 7O, Uhr zum erstenmal: König Heinrich LortAng-vper. tteIlo�lIil»nee-K>te>»lte 7i8. Mcnds 8 Uhr: U n d i n e. Donnerstag: Der Troinpeter von Säckingen. Freitag: Die Entführung aus dem Serail. Residenz-Theater. — Direktion: Richard Alexander. Abends 3 Uhr zum 100. Male: Ganz der Papa. Schwank in 3 Akten von MarS und Desvalliärcs. Deutsch v. M. Schönau. Baron des Aubrais: lltich. Alexander. Sonnabend, den 13. Januar zum erstenmal:„Btbi." Sonnlag. den 19. Januar, nachm. 3 Uhr: Haben Sic nichts zu vcr- zollen 7 LusispSelhaus, Abends 8 Uhr: 1* a ii n e. Urania Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. 8 Uhr: Eine Nilfabrt bis ztun zweiten Katarakt. Dr. O. Krell: Motorballons und _ Flugmaschinen, Zentral=Theater. Gastspiel des Hebbel-Theaters. Slbends 8 Uhr: Frau Warrens Gewerbe. Drama in i Akten von Berich. Shaw. Luisen-Theater. Rcichenbergeritr. 34. Abends 8 Uhr: Cyprienne oder: Wir laste» uns scheiden. Donnerstag: Krieg im Frieden. Freilag: Das Heiratsnest. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Max und Moritz. Abends: Krieg im Friede». Sonntag nachm. 3 Uhr: Krieg im Frieden. Abend» zmn erstenmal: WallcnstemS Tod. Montag: WallensteinS Tod. iSvb5II«r-'I'IiSat«r. SeMfler.Thealer 0. tWallner-Tdeater). Mittwoch, abends 8 Uhr: l»«!» Kevlsoi-. Lustspiel in 5 Alten v. NilolauS Gogol. Deutsch von E. v. Schabelsky. D o n n e r s l a g, a b e n d S 8 U h r: K«»tQratt»o!re. Freitag, abend» 8Ubr: vi« Uorinaiirisseltlaebt. 8vIiiIK«r>SiaaK Mittwoch abends 9 Uhr: Vortrag von (2. Teil) mit Lichtbildern. Freitag abends 9 Uhr: Bortrag von Dr. Weingartner._ Schiller-Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 U b r: Richter von Zalamea. Schauspiel in 3 Auizügen v. Calderon de la Baica. Deutsch von Adolf Wilbrandt. Donnerstag, abend S8Uhr: liollese Eraiiipton. Freitag, abends 8Ubr: I'liilj».ter. Hieraus: vi« Eor«. Kehlller-Theaterl Charlof tenhurK/ Fritz Stahl: Rcmbrandt Max Bnrkhardt: Felix WMMNiM Gr. Frankturlerin:. 132. Opern-Abend. ver'rrondallonr. Aniang 8 Uhr.— Wochentagspreise. Donnerstag: Die arme Mieze von Kurt Matull. Theater an der Spree Bjf-Mfje« « llru! Elegunt! Intfrcffnut! Täglich Vorstellmig von b— 11 Uhr. Sonntags von 3—11 Uhr. Eharlott�ndiirx, peisdamerstr.ll. Stetiger Eingang von Neuheiten. KOpanicKerstr. 68, dicht am Bahnhof JannowitzbrQcke Täglich 8 Uhr. II „HoKuspoKus II Neue ßeiiiner Posse m. Gesaug | n. Tanz von Louis Homnann. Rixdorfer Theater Bürgersälc. Bergstratze Nr. 147. Mittwoch, den IS. Januar 1993: Alt-Hkidrlbrrz. Schauspiel in 5 Akien von Wilhelm Mcycr-Förster. _ Ansang 8 U h r. MetropolTheaier Anfans präsise 8 Ehr. Gr. Revue in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollacnder. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. ß. Thielseher. F. Massar?. B. Darmaßil. Bernler, Josephi etc. Ranchen eentattet. Sonntag;, den 10. Jannar, nachmittags 3 Uhr: Die Herren von Maxim. Zirkus Schumann Heute Miltwoch, 15. Januar, abends l'/s Uhr. — Um 9>/, Uhr zum 24. Male— Ende gegen 11 Uhr: DaS Tagesgespräch von Berlin! Amerika zur Zeit deS BurgerlriegeS. Sklaverei u. Trachten 1861—1863 Wild-West Cowboyexerzitien aus importierten Maultieren. Festtag aus dem Kroaduiay in New ijoth. Feuerwehr aller Rationen. Tampfspritze in Tätigkeit. XIII. 8alMon. Zlrkns Uusch Mittwoch, den 15. Januar 1908. abends 7'/, Uhr: l-r. Vorstellung. 'Austreten d. Herrn Äommilsions- ralS Gustav Stensbeck. Dir. des Berlin. Tattersalls als Gast. The llreme Tamil/, lvPersoncn. llres. Glarkenianks aus Amerila. Das Phänomenalste aus dem Gebiete der Lustgvmiiastfr. Ferner Fräul. Mohnle, Schulreiterin. Herr Ernst Schumann, Neudressuren. Um'<,10 Uhr; Auf der Hallig k Gr. Manege-Ausst.-Pan> d. ZirluS Butch in 4 Bildern. Sturm und Schiffsuntergang. Die Wunder der Tiefsee. W.Koacks Theater Direltion Roh. Dill. Briumenltr. 18. In der Irre. Schauspiel nach d. Romau d.»Berlwer Morgenpost"» Ansang 8 Uhr. Enlree 30 Ps. Ehren» und Borzugskarie» gültig I Donnerstag Extravorstellung: Der Sonnwendhof. La helle Alexia, Abends 8 Uhr: die Königin dea Tanxett. oonllaryn Allred lUarquard. Sicgtvart Geniert in seiner Opornprobe. llymuck, der Mann mit den Handschuhen. Die Z goldenen Junglraueo. Sonntag nachm. 31/, Uhr(kleine Preise) Familienvorstellung._ Kasino-Theater. Lothringeritr. 07. Täglich 8 Uhr: Nur noch bis Tonnerstag, den>6. Januar: IXiSdeidviitv. Freitag, l7. Januar: Zum 1. Male: Tie Freuden der Häuslichkeit. Sonntag 4 Uhr: Biederleute. Neues Programm. Ruth St. Vincent G es angskuastlerin. Kaufmann-Truppe reizende Kadfahrkünstlennnen. Kochez Aifea Der Affe als Kapellmeister. Robert Steidl der beliebte Humorist, und viele andere erstklassige Spezialitäten. Passage-Theater. Abends 8 Uhr: Rudolf Mälzer Die Tochter des Herodias, Trio Elorentl. Lotte Mcudc, Miß Yankc, Trio Eassio, Theti Idol«, .lacqncs Itronn. Tilll iflar.x.Cavalierc Glrotto, Ketloand Zetto, die dingenden Engelsköpfe, The wondcrfnl Eiullions, Vitascop. Gebr. Herrnfeld- Theater. 57 Kommandanlenstraste Nr. 57. Abends 8 Uhr; •• Der Gipfel•• Herrnfeld8Chen Humors Papa und Genossen. Sonnlag nachmittag 3 Uhr bei halben Preisen: Endlich allein! und Der Fall Blumentopf Sanssouci Kotlbuser SlraBe 6 Sirettton: Wilhelm Reimer. Sonnlag, Montag und Donnerstag: Tanzlcränzchcn. Beg. Solint.5, Wochen!. 8 U. Dienstag, de!» 21. Jan.: 3. grobe Spezialitäten. Borstellung. Nur crfltlaf jige Künstler. f iriMscMi neue feit. ♦ * I Baseniieitle Bo. 103-114. Großartige, vollständig neue 16132+ Riesen= Fesfsaal= Dekoration rirr: as bayerisebe Hochgebirge, Münchoner Hofbräuhaus, Itohenschwangau, Salzburg usw. darstellend. aus der Theatermalerei Franz' Schulz, Pappel-Allee. Täglich! Täglich! Täglich! � f Grofses Bayerisches Bockbier- Jesl# Baron Muckls Bauernkapelle* Tirolertruppe Max vom Heede M 30 bayerische Madl! y Anfang täglich 7 Uhr. Entreo 30 Tf. ♦ Donnerstag, den 16. Januar 1908: frättmerung des längsten Kopfes Drei Preise: M. 75,—, M. 50,—> M. 25,—. Pharus-Säle, Milllerstr. 142. Sonntag« den 26. Januar 1908: Kunst-Abend arrangiert von Margarete AMotte. I Mitwirkende: Margarete Walkotto, Herr Knn Arpnd, der j jugendliche Violin virtuos, Herr Willi Hagen, Rezitator, j Frl. Lucy Bogathy, moderne Sprecherin, Herr Dali mann, Bariton, Herr Bernhard Aitzache, am Flügel Entree 60 Pf., im Vorverkauf. Abendkasse 75 Pf. Anfang 71/, Ehr. AnacblieBend Ball. Vorverkauf bei Herrn Mazanke, Zigarrenhandlang, Pankstraße 13, in der Tabakarbeitergenossensehaft, Kopenhagener- Straße 2, bei Herrn Restaurateur Dojä, Mülleretr. 32, bei Hrn. Morsch, Engelufer 15 und in den Pharus-Sälen, Müllerstr. 142. Theater Folles Caprlce Linienstr. 132, Ecke FriedrichstraBe. Berlins Tagesgespräch! Kai was Rüderes. Revue in 3 Bildern. Dunkle Punkte. Eine anständige Eran. Anfang 8 Uhr. Dalast-Tlieatei' Burgstratze 24. BV* Heute 8 Uhr-M> >M- Entree 20 Ef.-MA Der Januar- Spielplan. Us 4 Orans. Paul Richard. Manöverliebe. Burleske. Weinbergsweg 19/20. Rosenth. Tor. Abends 8 Uhr: Das große Programm. Die erste Sensation im neuen Jahr: Der Kraltjongleur Äcosti A /. elektrische Sterne musikalisch AusstnttungSall. Slei.tr um, Komiker. Prolongiert 1 Prolongiert I 12 Akrobaten Eorch 12. 46 Varletckün-.tlcr. Tunnel: Bockvierfest. Regiments. kapelle. Tiroler Schrammein. Thealerbeiucheni �eeicr Emtriit.� Rarellie-Tliester. Dresdencrsir. 97. Ansang 8 Uhr. Letzte Woche. Zum 75. Male: ZLapletistrelcli. Tannhäuser. Monna Vanna. Sonnabend Gala.Premiere: Nacht- astzl. Rosenmoutag._ •• I I I Üben garantiert iipschädlich kern CWor stWWKh für 'vfr* V-X•,'- K-.'MV' vollständig tncefährlich koir Waschbrett V"*-'-| '< t. tr�on eae Reicbshallen-Theeter. Am Silier. Ansang: Wochentag» 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Relchnhnllen- Kentauraat: Bockbierfest mit groB. Militär-Konzert. Gustav Behrens- Theater. Berlin W,, Goltzstr. 9. Das glänz. Fauuar-Programm. Die beriibrnte.'abake-liompagnie, Zahn a t h l e t e n ohne Konlurrcnz. ZM- Vater und hiohn. VU Volksstück mit Gesang. Austerdcm; 16 Spezialitäten. Jeden Abend: Du&keo Kinematograph. Jeden Sonnebendnachmittag S1/- Uhr: Grofie Hiubcr-Burficllung. lo. 20 und so p;. Ansang 8 Uhr, Sonntags 51/, Uhr. Trianon-Tliealer.«W FräüleiD Josette- meine Frau. Sonntag nachm.: Gastons Franc». Montz-platz, s 1 imlhcatcrsaal«äglluVi» und das groSailige Janiiai'-Fl'Olii'aW. Entree 50 P(. Vorverkauf 40 Pf. Im unteren Konzertsaal täglich die allerersten Iklllltär- Gapellen: Becker, Przywarsli, Görisch, Ncumalm, Osscney, Lüllich. Ind.: J. Eeschkuniskl. Ackerstraße 6-7. Täglich: Theater* und Spezialitäten- Vorstellung. Auftret. v. 15 Künstler- Speziali t. Mittwoch 8 Uhr: Börös MiSka. I Konzert unter persönlicher Lei-j tung deS Dirigenten. Dc:merSlag: Wälzer-«üb Opcrettcu-Abcnd. Veruntwortlickcr Bedaktcur:.HaoS WrCrr. ÄxrlinI Sur den Jnsergtenscis pcrantwri. Tb, Glickk. Berlin. Druck u.Berlaa: Vorwärts BuSdruckerci u. Lerlaasanitalt Lau! Sinorr& Co. Berlin SM. ilr. 12. 25. Jahrgang. 2. KW i» Lmiirts" Knüller KllssdlM. Uittr.!«Ä>>Z. Zmmr lM. vom 12. Janaar. Die Polizei Fiat am Sonntag„gut gearbeitet", um einen AuS- vruck im volizeitechnischen Sinne zu gebrauchen. Sie hat die Säbel, die so lange unbenutzt in der Scheibe ruhten, aus die Rücken, Köpfe und Hände von harmlosen, wehrlosen Passanlen niedersausen lassen und mir Arbeiterblut getränkt. Wollten wir alle die Taten der Polizei am Sonntag veröffentlichen, würde der Raum dieser Zeitung kaum ausreichen. Was wir bisher im Blatt mitteilten, gibt auch nicht entfernt ein vollständiges Bild über das Massaker am 12. Ja- nuat Die Behauptung des Ministers im Abgeordneienhause, daß nur an drei Stellen die Polizei von der Waffe Gebrauch gemacht habe, steht mit den Tatsachen auf dem Kriegssuüe und scheint nur dazu bestimmt, die öffentliche Meinung zu beschwichtigen. In Nachfolgendem wollen wir einige Fälle mitteilen, in denen Leute verletzt worden sind, die unserer Sache indifferent, ja direkt feindlich gegenüberstehen. Ein von der Polizei verwundeter Student der Tierarzneikunde. Hädecke. gab dem„Berl. Tagebl." folgende Darstellung von der ihm zuteil gewordenen Behandlung: „Als ich in der fünften Nachmittagstunde die Vehrenstraffe in der Richtung nach der Hedwigslirche passierte, hörte ich verworrenen Lärm von der Friedrichstratze her. Plötzlich brach aus einer rechtet. Seitenstraße ein Trupp Schutzleute hervor, der mich und andere Passanten mit gezückten Säbeln und Faustschlägen zurückdrängte. die Straße sperrte und uns nach der entgegengesetzten Richtung zu gehen anwies. Bestürzt wandte ich mich um und gewahrte, daß auch von hier Schutzleute, zahlreiche Flüchtlinge vor sich treibend. herbeiströmten. In demselben Augenblicke von allen Seiten mit Faustschlägen traktiert, erhielt ich mehrere Säbelhiebe über den Kops. Ick verlor das Bewußtsein und sank blutüberströmt zu Boden. Nock am Boden liegend wurde ich weiter mit Säbelhieben bearbeitet. Als ich wieder zu mir kam. hörte ich die Entsetzens- schreie der von zwei Seiten Umzingelten, aus die erbarmungslos eiugehaue» wurde. Trotz meiner blutenden Kopfwunde wurde ich mit Fatistichlägen und Rückenstößen weiter bearbeitet, bis mich teilnebmende Passanten nach der Unfallstation in der Brüderstraße schleppten." Eine langjährige Leserin deS„Lokal-AnzeigcrS" schreibt uns: „Ich besuchte am Sonntagnachmittag das Metropol-Theater. Um Vs 6 Udr war die Vorstellung zu Ende. Da die Besucher des Theaters den Ausgang nach den Linden zu nicht benutzen durften, verließen dieselben das Theater nach der Bebrenstraße zu. Da ich eineu Logenplatz inne hatte, so hatte ich meine Garderobe bei mir und konnte als eine der ersten das Theater verlassen, vor welchem mich mein Mann mit meinem neunjährigen Kinde ab- holte. Um nach unserer in Rixdorf belegenen Wohnung zu kommen, wollten wir mit der Straßenbahnlinie Nr. 55 fahren und gingen zu diesem Zweck die Friedrichstraße entlang bis an die Ecke der Französischen Straße. Hier standen bereits eine Anzahl be- rittener Schutzleute und es währte nicht lange, kam die Französische Straße herab im Trabe wieder ein Trupp Berittener. Wn kümmerten uns nicht weiter darum, weil uns die Sache nichts an- ging; plötzlich stürmten eine Menge Menschen vorbei und in den nächsten Hausflur, der drei Stufen hatte. Ich sehe mich um und gewahre zu meinem Schrecken, daß ein Schutzmann zu Pferde mit blankgezogcnem Säbel auf uuS einstürmt. Ich brachte mein Kind in das offene Haus und kaum glaubte ich mich in Sicherheit, stand auch schon der Gaul mit seinem beamteten Reiter mit den Vorderfüßen auf der zweiten Stufe. Die übrigen Männer stürmten die Treppe hinauf, dann wollte ich das Hans verlasse», wurde wieder zurückgejagt und erst nach etwa acht Minuten konnte ich aus dem Hause kommen Ich war mehr tot wie lebendig. Die Leserin deS„Lokal- Anzeiger" meint, das seien ja haarsträubende Zustände in Berlin. Ter Bürgersteig sei doch für das Publikum da und nicht für SchuymannSpferde. Ein anderer Fall ereignete sich am Oranienburger Tor. Der Fuhrwerk-cbesitzer B. wohnt Oranienburger Straße 53 und besitzt in der Hannoverschen Straße einen Pferdestall. Am Sonntagnachinillag 5'/z Uhr wollte B. nach seinen Pferden sehen und denselben Futter geben. Als er an der Fiiedrichstraße war und in die Hannoversche Straße einbiegen wollte, sah er. wie eine Menge Leute weg- liefen. Er ging langsam seines Weges. Da kommt ein Schutzmann vom 6. Revier, packte B. am Arm, so fest, daß»och heute schwarze Flecke zu sehen sind— und schob ihn weiter mit den Worten, er solle laufen. B. erklärte, er habe dock nichts verbrochen, der Schutzmann, den er kannte, wisse dock, daß er hier um die Ecke seinen Pferdestall habe, er müsse seine Pferde füttern. Darauf kam ein zweiter Schutzmann hinzu und meinte zu dem ersten:„Halte Dich doch nicht lange auf und gib ihm eins". Da sausten auch schon zwei Hiebe mit der blanken Klinge auf den Kopf B/S. Der.Hut wurde zweimal kreuz und qncr durchschlagen und schwer blutend sank B. zur Erde. Als sich der Schiververwundete erhob, waren die Schutz- leute davon gelaufen. B. suchte sich aber den Schläger, der streiten wollte, geschlagen zu haben, auf, und vcranlaßte denselben, mit ihm nach der Klinik zu gehen. » Wehrlos von Schutzleuten niedergeschlagen zu werden, dieses Schicksal erlilten noch am Abend zwischen 7—8 Uhr Personen, die in der Straße„Unter den Linden" nicht rasch genug sich vor der Polizeiatlacke retten konnten. Ans der Mittelpromenade passierte das einem BuchbandlnngSgehülfcn N., der nicht nur kein Sozial- dnnolrat ist, sonder» sogar zu unseren Gegnern gehört. Er bekam einen Säbelhieb, der ihm die Slirn dicht über dem Auge aufriß. Etwa zehn Schritte hinter ihm ging ein Buchbinder M., der gleichfalls kein Sozialdemokrat ist, zum mindesten keiner poli- tischen Organisation angehört. Auch M. kriegte seinen Säbelhieb. wiewohl er, ebenso wie N., an keinerlei Widerstand dachte. Vor Herrn N. war bereits eine Frau mit einem Kinde unter den An- griffen der säbelfchwingenden Polizisten zu Boden gesunken. Herr M. raffte sich auf und nahm, seiner eigenen Verletzung nicht achtend, sich des ihm gänzlich fremden N. an, der ihm zunächst lag. Er half ihm auf die Beine und führte ihn zu einigen Schutzleuten, die noch mit bloßem Säbel dastanden. Auf seine Bitte, M. zur Unfallstation zu schaffen, erfolgte keine Ant- wort. Diese Schutzleute schienen Auge und Ohr für nichts anderes zu haben als für den ihnen erteilten Befehl, die„Linden" zu säubern. Sie steckten ihre Säbel ein und gingen an ihre Plätze zurück. Erst bei einem anderen Schutzniann batte die nochmalige Bitte Erfolg. Der Beamte forderte einen Droschkenkutscher auf. den Verletzten zur Unfallstation zu fahren, er selber aber stieg nicht mit ein. Eine halbe Stunde dauerte eS, bis der Wagen vor der Unfallstation in der Kronenstraße eintraf. Der Arzt konnte nur Herrn M. die erste Hülfe zuteil werden lassen. Herr N. schien ihm so schwer ver- letzt, daß et sofortige Ueberfiihrung nach der Universitätsklinik in der Ziegelstraße anordnete. Schießlustig schien ein Polizeiofsizier zu sein, der am Sonntag- nachmittag einem Zug Demonstranten an der Kottbuser Brücke begegnete. Der Polizeiofsizier befand sich in einem mit Schutzleuten voll besetzten Straßenbahnwagen. Als der Schutzmannswagen im Eiltempo durch den Arbeiterzug fuhr, kommandierte der Mann des Gesetzes, die Schutzleute sollten die Revolver bereit machen. Sie ge- horchten, aber die Arbeiter ließen sich nicht provozieren, sie lachten ob dieser Schießlust und die Schutzleute mußten ihre Schießprügel wieder einstecken. Wie diszipliniert diese Genosien waren, erhellt daraus, daß sie kurz vorher still und schweigend am Krankenhaus Am Urban vorübergezogen waren. • Zu der Polizeisobelei an der FriedrichZgracht wird uns noch ergänzend berichtet, daß der ins Wasser gedrängte Arbeiter von einem Zivilisten gerettet worden ist, obwohl gegen 3(1 Polizeideawte dort vorhanden waren. Was die Schießerei anbetrifft, so wird uns auch heute wieder bestätigt, daß nur ein Schuß gefallen ist und zwar von der Wallstraße her. Dieser Schuß ist gefallen, nachdem die blutige Säbelei ziemlich beendet war. Vielleicht gelingt es noch festzustellen, welcher Sozialistensreffer eS gewesen ist. » Ueber die Behandlung aus verschiedenen Polizeiwachen wird leb- Haft Klage geführt. Ganz abgesehen von den höhnischen Redens arten, mit denen die am Sonntag Sistierten von Beamten aus der Wache empfangen wurden, wird auch sonst über äußerst rohe Be Handlung geklagt. Aus dem Wege zur Wache sind Leute von Be- ainien in den Rücken gepufft, ohne jeden Grund hin und her ge- schüttelt worden. Aus dem Polizeirevier in der Kaiser- Wilhelmstraße sind den Sistierten sämtliche Sache abgenommen worden. Wer nicht schnell genug war, wurde von den Beamten deZ Inhalts seiner Taschen entleert und in die Zelle gesteckt. Und dabei handelte eS sich bei diesen Sistierungen nur um die Feststellung der Personalien. Besonders schlimm scheint es auf der Polizeiwache in der Mittelstraße zugegangen zu sein. Dort waren zurzeit bis 16 Personen eingeliefert worden. In dem Hanse dieser Wache haben Personen öfter lauteS Gebrüll und Hülferufe gehört, andere behaupten, direkt geschlagen worden zu sein; wieder andere erklären, daß ihnen die Kleider zerriffen worden sind. Gewisse„Arbcitcrfreundc" haben am Sonntag die Gelegenheit benützt, sich zu geben, wie sie sind. Als an diesem Tage Wahlrechts- demonstranten durch die Kochstraße kamen, wurden aus dem Hause Kockstraße Nr 4 aus einer Wohnung vorn 4 Treppen auf die Passanten zwei Kistenbrettcr von l1/« Meter Länge geworfen. Da war aber kein Schutzmann zu iehen. Die hatten anderweitig zu tun. wie beispiels- weise in Schönhauserstraße. zwischen Linienstraße und Elsafferstratze. wo unter anderen sogar ein dreizehnjähriger Junge von einem Schutzmann mit dem Säbel derartig auf den Kopf geschlagen wurde, daß er stark blutete. In der Gegend der Angermünder Straße, wo die Polizei be- sonders stark säbelte, ging der Kohlenhändler Neumann, Anger- münder Straße wohnhaft, in ein Lokal und sah mit großer Schadenfreude der Polizeiatlacke zu, fortgesetzt durch die Finger schrille Psiffe ertönen lassend. Der Uhrmacher Rodenberg klatschte den Heldentaten der Polizei Beifall. Welche Roheit I Der Restaurateur Schmidt, Linien- und Schönhauser Straßen-Ecke, schloß seinLokal. als die von der Polizei Verfolgten sich hineinrette» wollten. Als Demonstranten am Sonntag das Lokal von L ö ch r i ck. Lothringer- und Christinen» straße-Ecke betraten, mußten sie hören, wie dieser„Arbeiterfreund" meinte: Gegen diese Gesellschaft, die Demonstranten nämlich, müßte eine Salve abgegeben und tüchtig dazwischen gehauen werden, damit die Bande ruiniert würde. Auch Leute im Arbeilsrock haben sich gefunden, der Polizei am Sonntag Dienste zu leisten. An der Haltestelle der Omnibnslinie am Schönhauser Tor machten Schaffner den Schutzleuten Mitteilung. wo sich die Arbeiterzüge befinden und von welcher Gegend dieselben herkamen. Am Bahnhof Friedrichstraße, am Eingang zum Schlüter- sieg, gab ein Schutzmann dem Droschkenkutscher mit der Nr. 7499 den Au-'trag, nach dem Bahnhof zu gehen und Schutzleute zu alannieren. Mit sichtlicher Freude führte der Mann seinen Auf- trag aus. In der Schule. In der 6 51.-Klaffe der 177. Gemeindeschnle. Görlitzerstraße, ftug der Lehrer S e r i n g die ihm anvertrauten Schüler, wessen Väter am Sonntag mit in der Stadt gewesen seien. Wie kommt Herr Scring zu dieser Frage? WaS kümmert eS ihn? Und was bezweckt Herr Sering damit? Vielleicht macht die vorgesetzte Behörde dem neugierigen Herrn klar, was sceins Amtes ist. Nach dem tZ. Januar. Hinter den dicht verschlossenen Türen der preußischen Duma in der Prinz-Albrccht-Straße zu Berlin, vom Volke durch eine doppelte SchutzmannSkette abgeschlossen, erklärten am vergangenen Freitag die Vertreter der Reaktion, sie fürchteten keine Straßendemonstration. Und dann wurde am Sonntag Berlin von Tausenden schwer bewaffneter Polizeibcamten überschwemmt! Und am Montag ward im Abgeordnetenhause unter denselben vorsichtigen Sicherheit-Z- Maßregeln dieselbe großmäulige Erklärung abgegeben. Ihre Maß- nahmen strafen allerdings die Worte der Herren Lügen! Noch tage- lang nach dem denkwürdigen WahlrechtS-Sonntag ist das Berliner Winterpalais von einem doppelten Polizeikordon umgeben. Alle Brücken nach der sogenannten MuseumS-Jnsel, auf der ja das Schloß steht, sind als„strategische Punkte' besetzt. besonders stark die Friedrichs brücke, die Kaiser- Wilhelm-, Kurfürsten« und Schloßbrücke. Und auch gegenüber dem L a n d t a g S g e b ä u d e in der Prinz-Albrecht- Straße scheint die dort eingerichtete Polizeiwache noch immer nicht aufgehoben zu sein. Am Dienstagmittag um 1 Uhr sahen Straßenpassanten einen Trupp von 39 Schutzleuten hinter der Kunstgewerbe- schule hervorkommen und andere sah man wieder dort hineingehen. wie zur Ablösung. Unwillkürlich blickte man sich um. ob irgend welche Ansammlungen in der Nähe des PrcaßcnparlamentS zu bemerken loären, aber die Straße zeigte das alltägliche Bild, nichts störte die gewohnte Ruhe, die in jener Gegend regelmäßig herrscht.— Die Börse war sowohl gestern morgen wie auch am Abend von Polizeibeamtcn besetzt. Mit kaltem Blute schritten am Sonntage die waffenlosen Proletarier Berlins den Säbeln und Revolvern bis an die Zähne bewaffneter Schergen entgegen. Den Vertretern des Dreiklassen- Unrechts ängstigt das zitternde Gewissen ein, sich dem unbewaffneten Volke gegenüber hinter einem Wall von Säbeln und Pistolen zurück- zuziehen. Die mutige Demonstration der Arbeiter ist ein Ausfluß ihres RechiSgefühls. Das feige Sabelgezitier der Herrschenden ver- rät die gequälte Angst, mit der sie den Weg des Unrechtes weiter- gehen! Partei-??ngelegenkeiten. Schmargendorf. Am heutigen Mittwoch, abends S'jo Uhr, findet im Restaurant zum Lindenbaum, Spandauer Straße 49, die General» Versammlung des WahlvereiuS statt. Auf der Tagesordnung steht t Bericht des Vorstandes, deS Kassierers und der Revi'oren sowie der Funktionäre, Diskussion, Wahl des gesamten Vorstandes sowie sämtlicher Funktionäre usw.. Verschiedenes. Der Wichtigkeit der Tagesordnung halber ist es Pflicht jedes Genossen, pünttlich zu er- scheinen. Die mit ihren Beiträgen restierenden Genossen seien noch darauf aufmerksam gemacht, daß in der Generalversammlung Mit- gliedcr wegen zu langen Nuckstandes de» Beiträge von der Mitglieder« liste gestrichen werden können. Der Vorstand. Trebbin. Am Sonnabend, den 18. Januar, findet im Wolfschen Lokale die WahlveretnSversainmlnng statt. Tagesordnung: Ab- reckniung vom IV. Quartal, Wahl der Funktionäre, Wahl von Dele- gierten zur Kreis-Geiieralversammlung, Mitteilungen des Vorstandes und Vetschiedcnes. Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert daS Erscheinen aller Genossen. Der Vorstand Berliner Nachrichten. Tagesordnung für die Sitzung der Sladlverordneten-Ver« sammlung am Donnerstag, den l6. Januar d. I.. nachmittags 5 Uhr: Berichterstattung über die Vorlage, betreffend die Be- willigung von Ruhegeld und Hinterbliebencnversorgung für die ohne Pensionsberechtigung im Dienste der Stadt dauernd beschäs- tigten Personen.— Vorlage, betreffend Begründung eines Ver- kehrsverbandes mit den Vorortgcmeinden.— Berichterstattung über den Antrag von Mitgliedern der Versammlung, betreffend die Uebernahme von städtischen Arbeiten in eigene Regie der Ge- meindeverwaltung.— Vorlage, betreffend Abstandnahme von der Erbauung von 4 Feldscheunen auf den städtischen Rieselgütern und Verwendung der dafür bewilligten Mittel zum Ankauf von zwei Riesendreschmaschincn.— Antrag von Mitgliedern der Versamm» lung, betreffend die Ueberwachung der Zahnpflege der Schulkinder in Berlin.— Vorlagen, betreffend den Erwerb einer zur Frei- lcgung der Reinickendorfer Straße erforderlichen Fläche.— die Bewilligung von Mitteln für den Bau einer Kühlanlage und von AuSschlachteräumen in der Markthalle VIII,— die teilweise Erneuerung der Drainagcleitung beim Hause 6K der Irrenanstalt Hcrzderge in Lichtenberg.— Vorlagen, betreffend die Festsetzung der neuen Baufluchtlinie für die Nordseite der Jnvalidenstratze zwischen dem Vorplatze des Stettiner Bahnhofs und der Chaussee- straße— und den Austausch von Gelände am Ufer der Pauke hinter dem Grundstück Wiesenstratze 55. Die Grundbesitzer gegen die Schwebebahn. Eine allgemeine Hausbcsitzcrversammlung war vom Bunde der Berliner Grund- besitzer-Vereine auf gestern abend nach dem Musikerhause in der Kaiser-Wilhelm-Straße geladen worden, um die Frage zu erörtern, „ob die Schwebebahn ein Verkehrsmittel ist, das durch die Straßen der Reichshauptstadt geführt werden darf". Die Verhandlungen nahmen zeitweise einen sehr stürmischen Verlauf; eS beteiligten sich daran nicht weniger als 28 Redner, von denen 19 gegen und nur 9 für die Schwebebahn sprachen. Die Gegner führten die bekannten Gründe ins Treffen: die Schwebebahn be» schränkt im engsten Teile der Brunnenstraße den Wagenvcrkchr, sie verunstalte das Gesamtbild, sie benehme den Wohnungen Licht und Luft. Einige Redner meinien, daß das Geräusch der Probe- strecke schon jetzt unerträglich wäre und— nach ärztlichem Aus- spruche— die Anwohner bald wegen Nervenzerrüttung und Regen» bogenhautentzündung aus der Gegend fortziehen würden. Wer von den Bewohnern der Brunnenstraße in Rixdorf zu tun hätte, möchte doch dort Wohnung nehmen. Bon anderen Rednern wurde vorgeschlagen, daß die„Armenbahn" ihre Pfeiler auf den Höfen fundieren und bis über die Dächer der Häuser erstrecken könnte. Der Vorsitzende B a r k o w s k» legte eine gedruckte Resolution vor, in welcher die zuständigen Behörden ersucht werden, den Bau einer Schwebebahn durch die Straßen Berlins aus Verkehrs- technischen, ästhetischen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Gründen„ein für allemal" abzulehnen. Auf Antrag des Stadtverordneten Grone wald wurden die Worte„und Hoch- bahn" eingefügt und die Resolution in dieser Fassung gegen etwa 59 Stimmen angenommen. Die Sitzung zog sich trotz Beschränkung der Redezeit bis gegen Mitternacht hin. Für die Beurteilung der Frage, ob die Schwebebahn für Berlin praktisch ist, sind die Grundbesitzer nicht zuständig. Diese be» trachten jede Angelegenheit nur von ihrem Haus» und Grund- besitzerintcressenstandpunkt aus. Für uns kann nur entscheidend sein, ob die Straßen Berlins, durch die die Schwebebahn gefuhrt wird, nicht vielfach zu eng sind, um dieses Verkehrsmittel zu- zulassen, und ob der sonstige Verkehr nicht beeinträchtigt wird. Die Beantwortung dieser Frage kann nicht allein von dem Ein- druck abhängig gemacht werden, den die Probestrecke macht, sondern muß auf Grund genauer, sachverständiger Prüfung des gesamten Projekt» erfolgen. Der Vorortsverkehr nach Velten oesschert. Die noch ans- stehende Bewilligung des Skostenzuschusses zur Durchführung des Vorortverkehrs nach Velten seitens der Veltener Gemeinde ist in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung bewilligt worden. ES handelt sich um einen Betrag in Höhe von 79 999 M., welchen die Bahnverwaltung als Zuschuß zu den für den Bau eines Maschinen- schuppens und Erweiterung deS Bahnhofs erforderlichen Kosten verlangt. Die Gemeinde hatte die Zahlung dieses Betrages ab- gelehnt. Nachdem jedoch verschiedene Nachbargemeinden sich bereit erklärt haben, einen Teil der Kosten zu übernehmen, ist in der letzten Gemeindevertretersitzung in Velten beschlossen worden, den Restbetrag von zirka 59 999 M. aus örtlichen Mitteln zu bewilligen. Nunmehr dürfte der Bau der Vorortsstrecke jedenfalls noch in diesem Frühjahr in Angriff genommen werden. Eine jugendliche Selbstmörderin. In der elften Vormittags- stunde stürzte sick am Montag in der Malmöer Straße 25 die kaum njahrige Erna LeLkau aus der vier Treppen hoch gelegenen clter- liehen Wohnung auf den Straßendamm. Um ja den Tod sicher zu erreichen, trank die junge Lcbcnsübcrdrüssige vor dem Hinab- stürzen eine Flasche Lysol aus. Der herbeigerufene Arzt konnte auch nur noch den Tod konstatieren. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Ursache zu dem schrecklichen Entschluß soll Liebeskummer gewesen sein, doch erfahren wir auch, daß das Mädchen schon seit sechs Wochen keine Beschäftigung finden konnte und es bitter empfand, nicht zvm Unterhalt der Familie beitragen zu können. Das Opfer eines tödlichen StrasscnbahnnnfalleS ist der Ar- beiier Robert SchimanSki aus Wilmersdorf geworden. In der Brandcnbnrgischcn Straße hatte Sch. versucht, aus einen in voller Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen aufzuspringen. Er stürzte jedoch vom Trittbreit herunter und schlug mit solcher Gewalt mit dem Kopf aus das Straßcnpflastcr auf, daß er einen Schädelbruch davontrug. Bald nach seiner Einlieferung starb der Verunglückte im Elisabeth-Krankenhans. Der Lustmord am Trmpelhvser Feld. Unter dem Verdacht, den Franenmord ans dem Tempelhofcr Felde begangen zn haben, war, wie ivir mitteilten, der frühere Steinsetzer Richard Schmidt aus der Großbecren Straße 45 verhaftet worden. Der Verdächtige wurde von Moabit wieder entlassen, auf Verfügung der Staatsanwaltschaft aber schon Montag, so lesen wir im„Berk. Tagebl." von neuem verhastet, da sich daS Belastungsmaterial gegen ihn unterdessen noch vermehrt bat. ES hat sich noch ein Mann ans Gatow bei Potsdam ficmelbct, der am kritischen Wend um 73/, Uhr von hier nach Haufe fuhr und den Totort passierte. Er hörte dort zu dieser Zeit laute Hülferufe, kümmerte sich aber nicht weiter darum. Wir nehmen nur mit allem Vorbehalt von der Wieder- Verhaftung Schmidts Notiz, da er sich erst am Mortag nachmittag auf unserer Redaktion vorstellte und um Mitteilung von seiner Haft- entlassung ersuchte._ Berkehrskommando Friedrichstrasie— Wilhelmstraße. Die Polizei teilt mit: Nachdem sich die Berkehrsregelung auf dem Potsdamer Platze und an der Ecke der Friedrichitraße und Unter den Linden durch ein besonderes Schutzmaiiiiskommando bewährt hat wird auch ftir die Kreuzung der Leipziger Strohe im Zuge der Friedrichstrahe und Wilhelmstrahe die gleiche Einrichtung getroffen. Das Zeichen zur Absperrung der verschiedenen Fahrt- richtungen wird mit der Hnppe gegeben. In der letzten Sitzung der Armrndirektion stand unter anderem auch die Höhe der Pflegegelder im Hinblick auf die ausreichende Ernährung schulpflichtiger Kinder zur Besprechung. Der Antrag ging von Herrn Stadtrat Münsterberg selber aus, er ist eine Folge des Antrages unserer Genossen über die Schul- speisung armer Äinder. Bei der Beratung dieses Antrages wurde von unserem Gc- Nossen Borgmcnm aus das ungellügeude Pflegcgcld für die Kinder unserer Witwen hingctvicseu. Nach dem ztahicsbericht von!R16 betrugen immer noch ein Drittel aller gezahlten Pflegegelder nur t> Mark pro Monat, während die weiteren zwei Drittel sich auf 7. 8 und 0 M. verteilen. Nur in ganz vereinzelten Fällen wird über 0 M. gezahlt. Tie Kommissionen klanrnrcrn sich zu sehr an die früher ge- zahlten Sätze und machen von dem Reckst, auch über 9 M. zu de- willigen, k-inen Gebrauch; die letzte Geschäftsairweisung liege sechs Jahre zurück. Die Kommissionen verlangen, dast auch Witwen mit sünfundsechs Kindern ein Kinderhaltensoltteir. Viele Kommissionen arbeiten nur mechanisch, ohne ernstlich zu prüfen, ob eine Familie mit den gezahlten Beträgen zu erhalten sei.— Von unseren Genossen wurde der Antrag gestellt:„Die Pflegegeldsätze mindestens auf b M. festzusetzen; doch sollen die Kommissionen bis 12 It. ohne Eeitchmigung der Krcisversamm- lung bewilligen tonnen." Dieser Antrag wurde vom Genossen Hintzc begründet. Er wies darauf hin, das; die bedeutende Steigerung aller Lebensbedürfnisse eine endgültige Aenderung der bisherigen Sätze fordere. Sine energische Abhülfe sei nötig und daher empfehle sich die sofortige Durchführung des obigen Antrages. Herr Rosenow war aufgebracht darüber, daß Genosse Hintze auf den bereits früher gestellten Antrag hingewiesen, auch er sei für ein genügend hohes Pflegegcld zu haben, nur müsse eö auch richtig verwendet werden. Vom Genossen Ewald wurden diese Ausführungen angenagelt; anscheinend komme es Herrn Rosenow i!?ehr-ruf die Person, welche solche Anträge stelle, als auf die Sache an. Schließlich wurde eine Kommission von neun Mitgliedern gc- wählt, welche die Angelegenheit weiter prüfen soll; dieser gehört auch Genosse Ewald an. Seit einigen Tagen treibt im Norden der Stadt ein junger Mensch sein Wesen, der unter dem Vorwand, daß er die Oefen auf Reparaturbeoürftigkeit nachsehen solle, sich Einlaß in die Woh. nungcn zu schaffen versucht. In mehreren Fällen hatte er vor geschützt, im Austrage des Hauswirts zu kommen. Nachträgliche Erkundigungen beim Wirt haben die Unrichtigkeit seiner Behaup- tuicgen ergeben. Vor dem Schwindler, dem es wohl auf Gelegen- heit zu Spitzbübereien ankommt, seien die Hausfrauen gewarnt Feuerwehrbericht. Gestern früh um ö Uhr kam in der Gör- litzer Straße 73 Feuer aus. Es brannte eine Küche. Um an den Brandherd zu gelangen, mußte das Zwischenaebälk aufgerissen werden, �n der Görlitzcr Straße 40 fing ein Weihnachtsbaum Feuer. Die Flammen erfaßten Möbel, Decken usw. Nicht weit davon, in der Wiener Straße 7, brannte« Betten u. a. In der Prinzenstraße 42 mußte ein Feuer gelöscht werden, das in einem Kinematographen-Theater ausgekommen war. Der 20. Zug hatte in der Köllnische» Straße 20 zu tun. wo ein Etrobstick und ein Kamin brannten. Gleichzeitig mußten Elsasser Straße 1/2 brennende Lumpen um 10 Ubr nachts abgelöscht werden. Wachs wurde in der Krausenstr. 2 und Fett in der Beusselstr. 7 ein Raub der Flammen. Ferner hatte die Jeuerwehr noch in der Koppen- straße 50, in der Gubener Straße 45 und an anderen Stellen zu tun. Zu den bevorstehenden Gemeinde- wählen, die in vielen Gemeinden deL Kreises Teltow und Niederbarnim im März dieses Jahres stattfinden, sind unverzüglich die nötigen Vorbereitungen zu treffen. ES ist zunächst Pflicht eines jeden Wahlberechtigten, sich davon zu überzeugen, ob er auch i n d e r W ä h l e r l i st e steht. Wer nicht in die Liste eingetragen ist, darf nicht wühle». Es erhellt hieraus, daß die Einsichtnahme in die Wähler- liste eine sehr dringende Pflicht jedeS Wahlberechtigten ist. Ist jemand verhindert, sich selbst davon zu überzeugen,, ob er in der Liste steht, so wende er sich vertrauensvoll an einen im Orte auf Plakaten oder im„Vorwärts" bekannt gegebenen Parteigenossen und beauftrage diesen nach Aus- händigung einer Legitimation mit der Einsichtnahme in die Liste. Wahlberechtigt ist jeder selbständige Gemcindcangehörige, welcher 1. Angehöriger des Deutschen Reiches ist, 2. die bürgerlichen Ehrenrechte besitzt, 3. seit einem Jahre in dem Genieindebezirk seinen Wohnsitz hat, 4. keine Armenunter- stützung auS öffentlichen Mitteln empfängt. 5. die auf ihn ent- fallenden Gemeindeabgaben bezahlt hat und außerdem a) entweder ein Wohnhaus in dem Genieindebezirt besitzt, oder b) von seinem gesamten innerhalb des Gemeindebezirks be- lcgenen Hausbesitz einen Jahresbetrag von mindestens 3 M. an Grund- und Gebäudesteuer entrichtet, oder o) zur Staats- cinkommensteuer veranlagt ist oder zu den Gemeindeabgaben nach einem Jahreseinkommen von mehr als 660 M. herangezogen wird. Als s c l o st ä n d i g wird nach vollendetem 24. Lebens- jähre jeder betrachtet, welcher einen eigenen Hausstand hat. Chambregarnisten sind wahlberechtigt. Schlafburschen ist das Wahlrecht abgesprochen worden. Besonders sei darauf hingewiesen, daß man zur Ausübung des Gemeindewahlrechts— im Gegensatz zu den Städten— nicht Preuße zu sein braucht, eö ist erforderlich, daß man die deutsche Rcichsangehörigkeit besitzt. Die Listen liegen aus vom 45. bis 30. Januar und zwar in: Groß-Lichterfelde im Gemeindebureau(Schillersiraße 32), Zimmer 8. Steglitz im Zimmer de-Z Rathauses wochentags um S Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags. Wer nicht selbst die nöttge Zeit hat. wende sich so schnell als möglich an folgende Adressen: Schell- Hase, Ahornswaße 15a, Frilsch, Florastraße 2g. Wahrendorf, Schloß- straße 117, Näthcr, Marksteinstraße 1. Kleefeldt, Brandenburgische Straße 1. Schmargendorf im hiesigen Rathause wochentags im Zimmer 14 von V bis l Ubr und Sonntags sowie am 27. d. MtS. im Zimmer 5 von 10 bis 12 Uhr. Britz im Rathauie und zwar werktäglich im Zimmer 6 während der Dienststunden von 8 Uhr vormittags bis 1 Uhr und von 2 Uhr bis 4 Uhr nachmittags und an den Sonntagen im Wachzimmer (Nr. 4) von 10 Uhr vormittags bis t2 Uhr mittags. Mariendorf ivährend der Dienststunden im Nathause Hierselbst, parterre. Zimmer 11. Teiupelhof im Gemeindebureau, Dorfstr. 42, Zimmer 6. Treptow- Baumschulenwcg im Gemeindehau?e hiersekbst, Neue Krug-Nllce 5, Zimmer 15. in den Diensfftunden und zwar an den Wochentogen von 9 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags und an den Sontttagen von 9 bis 10 Uhr vormittags. Für diejenigen, welch? die Liste nicht selbst einsehen können, übernehmen folgende Genossen die Einsichtnahme: Rob. Granrenz. Kiefbolzstr. 412 im Laden, Wangenheim. Baumschulcnstr. 14(Laden), und Mette, Baumschulen- straße 70(Laden). Nieder-Schöucwcidc in dem Gemeindegeschäftszimmer hiersclbst, Grünauer Straße 1 l, während der werktäglichen Dienststunden. Wmmsee im hiesigen Gemeindebureau, Zimmer Nr. 5. Grünau während der Dienststunden im Gemeindeamt, Zimmer Nr. 2. AdlerShof während der Dicuststunden vor? 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags im hiesigen Gcmeindcamte, BiZmarckstraße Nr. 1, Zimmer Nr. 7. Zeuthru im hiesigen Gemeindeamte während der Stunden von 8 bis!2 Uhr vormittags. Diejenigen, die an der persönlichen Einsichtnahme verhindert sind, werden ersucht, ihre Adresse usw. im Restaurant Kaebe abzugeben. Lankwitz im hiesigen Gemeindebureau, Hauptstr. 13, Zimmer 2. während der Dienststuilden. Eichwalde im Gemeindebureau Hierselbst, Grünauer Straße 49, an den Wochentagen von 9—1 Uhr. Lichtenrade im Gemeindebureau, Dorfstr. 31, während der Dienststunden. Schmöckwitz im hiesigen Grmeiiideamt. Grunewald im hiesigen Gemeindebureau, Herthastr. 13, Zimmer 14. während der Dienststmiden von 8—3 Uhr. Rudow im hiesigen Gemeindebureau. Für diejenigen, die ver- binden sind, selbst die Liste einzusehen, übernehmen die Genossen Schafhirt. Nenmann, Werner und Spegan die Einsichlnahme. In Reinickendorf werktäglich von 9—3 Uhr, Sonntags von 9— OVa und 1t'/-,— l Uhr im Rathaus, Zimmer 11. Einspräche gegen die Richtigkeit gebe man sofort zu Pro- tokoll. Vorort- �acdricdten. GcwcrbcgrrichtSwahlen in Eharlottcnburg. Arbeiter, Parteigenosien! Am Donnerstag, den 16. Januar er.. finden Hierselbst die Neuwahlen der Beisitzer zum Gewerbegerichl wiederum auf zwei Jahre statt. Wir hoffen, da wo in dieser Stunde die Arbeiterschaft Preußens von der preußischen Regierung und Gesetz- gebung das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht energisch fordert, die Arbeiterschaft Charlottenbnrgs sich an diesen Wahlen, die bereits ein direktes und geheimes Wahlrecht in sich fassen, zahlreich be- teiligen wird. Gegenuber den früheren Wahlen tut eine lebhaftere und zahlreichere Beteiligung bitter not. Die Wahlen dauern von vormittags 10 Uhr bi-Z mittags 1 Uhr und nachmittags von 5—3 Uhr. Nur wer bis 8 Uhr im Wahllokale anwesend ist. wird zur Abgabe seiner Stimme zugelassen. Die Wahl ist geheim und erfolgt durch Srimmzettel.— Wahlberechtigt sind alle diejenigen Arbeitnehmer, die am Wahltage das 25. Lebens- jähr vollendet haben und in Charlottenburg wohnen oder Hierselbst beschäftigt sind.. Jeder Wähler muß im Besitze einer. Legitimation fein. Für diejenigen, die in Chärlottenburg in Arbeit stehen, hat der Arbeitgeber eine Legittmatton auszustellen, für diejenigen, die in Charlottenburg wohnen und außerhalb TharlottcnburgS arbeiten oder auch arbeitslos find, das zuständige Polizeirevier. Nachstehend geben wir die Bezirke, in denen die Wahken statt- finden, die Wahllokale und' die von der GewerkschaftSkommission aufgestellten Kandidaten bekam»: Bezirk 1: Wahllokal: Restaurant Erstling, am Bahnhof Westend 2. Kandidaten: Paul Linde nblatt, Kunst- und Landschastsgärtner, und Adolf Richter, Porzellandreher. Bezirk 2: Wahllokal: Winter, Schloßstr. 45. Kandidaten: Karl Gräber, Bauhülfsarbeuer, WilhelmGrix, Zimmerer, und Emil Lehmann, Maurer. Bezirk HA: Wahllokal: Turnhalle der 5. und 6. Gemeindeschule, Kaiserin-Rugilsta-Allee 4a. Bezirk 38: Wahllokal: Restaurant Lindstcdt, Salzufer 1a. Bezirk 36: Wahllokal: Logen-Restaurant, Berlinerstr. 61, Eingang KirÄbofftraßc. Bezirk 30: Wahllokal: Restaurant FelZmaiin, EraSmuSstr. 12, Ecke Reuchlinstraße.— Kandidaten; Albert Billian, Gürtler; Otto Eckhardt, Schlosier; Karl N e u m a n n, Kutscher; Fritz Thnnack, Bautischler. Bezirk 4: Wahllokal: Restaurant Schweitzer, Berlinerstr. 139. Km,didaten: Rudolf Handle. BauhülfSarbciter, und Hein r. W o s ch k e, Putzer. Bezirk 5: Wahllokal:. Restaurant Haustein, Krummcstr. 65. Kandidaten: Albert Lange, Maler und Heinrich Pfeffer- korn, Bautischler. Bezirk 6: Wahllokal: Restaurant Rnfledt. Inhaber Wut, Dil- merSdorferstr. 106. Kandidaten: Johann David, Maurer, und Wilhelm Stelter, Zimmerer. Bezirk 7: Wahllokal: Restaurant Leibnizsäle, Leibnizstr. 83. Kandidaten: HanS Hannemann, Kellner, und F r i tz S ch u l z. Kutscher. Bezirk 8: Wahllokal: Restaurant GerdeS, AugSburger Straße 38, Ecke Marburgstraße. Kandidat: Franz Huxel, Schneider. Das Bureau de-Z Wahlkomitees befindet sich am Wahltage im Volkshause. Rosinenstr. 3. vorn bei Engel, und sind von dort alle eventuellen Auskünfte zu holen. Der Ausschuß der Charlottenburger GewerkschaftSkommission. I. A.: Otto Flemming, Pesialozzistr. 13. Chärlottenburg. Politische Dcmoiistration oder Gcssndcl? Unier dieser Spitzmarke ttcht eine Kreatur in der hiesigen„Tageszeitung"— einem bürgerlichen Blatt— die demonstrierenden Arbeiter am Sonntag herab- zusetzen. ES wird von„fragwürdigen Leuten".„Weibspersonen". und im Gegensatz hierzu von der„wackeren Schutzmannschaft" gebrochen, der eine bewundernswerte Zurückhaltung den Demonstranten gegenüber nachgesagt wird. Wir glauben angesichts der durch viele Taufende von Personen beobachteten Vorgänge nicht notwendig zu haben, jenem Schmier- inken sachlich gegenüberziilreten und begnügen uns deshalb damit, an dieser Stelle das geistige Produkt niedriger zu hängen. Anscheinend mit oben bezeichnetem Blatt in der„objektiven" Berichterstattung über die Vorgänge zu wetteifern scheint die so- genanilte freisinnige Charlottenburger„Neue Zeit", ein Blatt, das unsere Leser bereits bei den verschiedensten Gelegenheiten kennen gelernt haben. Nur ein Satz aus der Schmähnoliz sei hier wiedergegeben: „An den Demonstrationen nahmen wieder große Massen des Janhagels teil, namentlich grüne Jungen, die sich auch an die Weisungen der„Organisierten" nicht kehrten, die Polizei verhöhnten und die Schutzleute mit Steinen bewarfen." Auch diese kleine Blüte sei unseren Lesen: mitgeteilt und zwar als von sogenannter„freisinniger" Seite stammend. Besser kanr kein im Dienste der Polizei stehende? Blatt berichten. Schonevcrg. Stadtverordnetenversammlung. Die letzte Sitzung nahm wiederum in der jetzt schon gur Ge- wohnheit gewordenen Weise ihren Anfang. Stadtv. Gott schal! (Ltd. FraU.) verlangte zu einer Erklärung vor Eintritt in die Tagesordnung das Wort, das ihm aber vom Vorsteher nicht gestattet wurde mit der Begründung, daß es nicht Sitte sei, wer Eintritt ür die Tagesordnung das Wort zu nehmen. Das Vorgehen des Borstehers brachte wieder eine längere erregte GeschäftsorduUngS- dcbatte. Tic Liberalen protestierten dagegen, daß' der jetzige Bor- sicher die Rechte der Mitglieder deschränke. Bisher habe niemand Anstoß genommen, wenn vor Eintritt in die Tagesordnung Er- klär?-ngen abgegeben wurden. Der Vorsteher habe selbst bei früheren Gelegenheiten davon Gebrauch gemacht. Tic Redner der Mckrhcitöparteicn unterstützten selbstverständlich die Haltung des Vorstehers. Auch diese Gcschäsiöordnung.dcbatte wollte dem Vor- stcher keineswegs behagen. Er verstieg sich sogar soweit, zu er- klären:„Wenn das noch eine Zeitlang so weiter geht, dann schließe ich die Versammlung!" Man machte ihn aber darauf aufmerksam. Vorstehers. Auch diese GcschäftSordnungsdebattc wollte dem Vor- Stadw. Rhein bechcr(Lid. Fraht.i protestierte dann dagegen. daß in der vergangenen Sitzung die Wahl der Schriftführer nicht nach den Bestimmungen der Städteordnung vorgenommen ist. ES wird dann weiter noch ein dringlicher Antrag von de: liberalen Fraktion eingebracht, in welchem dem Vorsteher für seine Acußerungcn in der vorigen Sitzung ein Mißtrauensvotum aus- gesprochen werden soll. Ter Dringlichkeit wird aber von einem Stadtverordneten widersprochen; der Antrag kommt somit erst in der nächsten Sitzung zur Verhandlung.�. r. Eö wird dann zur Wahl der ständigen Ausschüsse geschritten. Unsere Genossen sind in diesen Ausschüssen wie folgt vertreten: Wahlausschuß: Obst. Wollermann; PetitionSausschuß: Däumig, Hoffmann; Rechnungsausschuß: Küter, Wollcrmann; Aul- schuß für Prüfungö- und Befördcrungsangclegenhcitcn: Fritzsch; Etatsausschuß: Stüter, Molkcnbuhr.' Dem sozialdemokratischen Antrage betr. Schaffung von.>ol- st a n d S a r b c i t e n ist der Magistrat, wie wir bereits mitteilten. beigetreten. Stadtv. Altertum(Lib. Vg.) will sich zwar nicht gegen die Bewilligung der vom Magistrat geforderten 20 000 M. aussprechen, ist aber der Meinung, daß� die Arbeiten bei der kälteren Witterung nicht ordnungsgemäß ausgeführt werden können. Mindestens 15 000 M. von dieser Summe wären weg- geworfenes Geld. Stadtv. Fritzsch(Soz.) tritt den Aus- führungcn des Vorredners entgegen und findet es unbcarcislich, wie man den Arbeitern ctwaö derartiges sagen kann. Tie Arbeiter- schaft SchöncdcrgS wird sich jedenfalls diese Ausführungen merken. — Auf Antrage erklärt der Oberbürgermeister, daß die Arbeiten, wenn irgend möglich, in eigener Regie ausgeführt werden. Wo das nicht der Fall ist, wird den Privatunternehmern in den Verträgen die Pflicht auferlegt, in erster Linie hiesige Arbeiter zu beschäftigen. ,, Obnc Debatte zugestimmt wird der Vorlage dcS MagissraL-: im Hause Apostel Panlusstraße v Räume zur Einrichtung eines Unterkunftsraumes für Arbeitslose zu mieten und Speisen und Getränke darin zum billigen Preise abzugebem Die liberale Fraktion beantragt, zu beschließen:„Tte c-iadt Schöncbcrg übernimmt nach Ablauf des Slnauerschcn Vertrages die Abfuhr des Straßcnkehrichts in eigene Regie; der Magistrat wird ersucht, die erforderlichen Vorkehrungen zutreffen imd eine entsprechende Vorlage zu machen." Der Antrag ric? eine längere Dcbatte Hervor, in welcher die Liberalen und Sozial- demokraten eine Beschleunigung der Angelegenheit verlangten._ Es wurde darauf hingewiesen, daß bereits vor längerer Zeit ein ahn- sicher Antrag, welcher von der sozialdemokratischen Fraktion gestellt war, angenommen wurde; der Magistrat hat. aber bis heute noch keine Mitteilungen über' den Stand der Angelegenheit gemacht. Tie Vertreter der Mehrheitsparteien halten eine Festlegung der Stadt- vcrordnetenvcrsammiung in dieser Angelegenheit für verkehrt, man solle erst die Erhebungen des Magistrats abwarten. Sie beantragen daher die Vertagung der ganzen Angelegenheit auf 4 Wocktcn. Nachdem der Vertreter des Magistrats mitgeteilt hatte, daß der Versammlung in der nächsten Zeit eine entsprechende Vorlage zu- gehen wird, lourde die Vertagung beschlossen. Eine Anfrage, wie weit die Ausarbeitung dcS Projekts für den Stadtpark sm. wird vom Baurat Gcrlach dahin beantwortet, daß in 8—14 Tagen die Vorlage der Stadtverordnetenversammlung zu- gehen wird. In der nächsten Sitzung, die am 20. Januar stattfindet, soll die lebenslängliche Anstellung des jetzigen Oberbürgermeisters be- schlossan werden.__ Lankwitz. Unter reger Beteiligung der Mitglieder fand vorige Woche die Generalversammlung dcö WahlvcrcinS statt. Ter stellver- tretende Vorsitzende, Genosse Schindler, gab einen� Rückblick auf das verflossene Jahr. Unter Berücksichtigung dessen, daß der hiesige Wahlverein im Zeichen der Reichstagswahl gegründet wurde, bezeichnete er das Ergebnis des ersten Jahres als ein gutes. Die Mitgliederzahl. welche am 31. Dezember 1806 128 be- trug, beträgt heut« 174. Tie Mitglieder verteilen sich auf 38 einzelne Berufe. Es fanden im Laufe des verflossenen Jahres statt: 0 VercinSvcrsammlungcn mit stets gewechseltem Thema, 2 Volks- Versammlungen und 16 Vorstandssitzungcu.— Hierauf gab Genosse Tcurig als» Kassierer den Kassenbericht und zwar betrögt die Jahrcscinnahmc 730,75 M., die Ausgabe 725,51 M. An den Kreis wurden hiervon abgeführt 458,15 M. Die hierauf vorgenommene Neuwahl des Vorstandes und der Funktionäre ergab: 1. Vor- sitzender Genosse Schindler, 2. Vorsitzender Genosse Boxhcimer. Genosse Doxheimer konnte das Amt deck 1. Vorsitzenden nicht weiterführen, da, wie wir seinerzeit berichteten, ein ihm im ver- flopcnen Jahre zugestoßenes Unglück, durch welches seine Sehtraft erheblich litt, ihm die Uebernahme unmöglich machte. Als Bei- sitzcr wurde Genosse Hermann Richter, als Schriftführer der Gc- nosse Dehnst, alö Kassierer Genosse Tcurig wiedergewählt. 2lks Bezirksführer fungieren die Genossen Krämer, Nimmig, Anders, Perisch, Voigt und Sebastian. Als Revisoren: Richter, Radickc, Kots. Lokalkommission: Kots und Wohllcib. Alö Bibliothekar Genosse Jbscher. Nach Erledigung der für das laufende Jahr notwendigen Formalitäten schloß der Vorsitzende die Sitzung in der Hoffnung auf eine weitere gedeihsiche Entwickclung der Be- ivcgung. Erkner. Bom Zuge mitgeschlelft. Ein ailfregender Unglücksfall hat sich vorgestern auf dem hiesigen Bahnhof zugetragen. Der Stenerbcamte Frucht aus der Weimneisterstraße in Berlin war in Erkner gewesen und als er wieder heimfahren wollte, versuchte er auf dem Bahnhof auf dm bereits in der Fahrt befindlichen Vorortzug aufzuspringen. Er siel dabei von dem Trittbrett herunter und geriet mit beiden Beinen zwischen den Zug und die Vordschivelle des Bahnsteigs. Auf Zurufe des Publikums wurde der Zug bald zum Halten gebracht. F. hatte schwere innere Verletzungen und ganz erhebliche Luetschungen beider Unterschenkel erlitten. I» der Generalversammlung des Wahlvercins erstattete der Vorstand seinen Tätigkeitsbericht über das letzte Halbjahr. ES haben stattgefunden 6 Mitgliederversammlungen, 4 Volksvcr- sammlungcn, darunter eine für die Frauen. außerdem 13 Sitzungen dcS Vorstandes resp. dessen Funktionäre. Ter Kassenbericht des Kassierers zeigte eine Einnahme von 314,12 M. und eine Ausgabe von 231,25 M. Aus dem Bericht der Lokalkommission ging hervor, daß im Orte sämtliche Lokale» außer„Restaurant zur Traube" und„Klostcrhos", frei sind. Ge- nosse Werner gab den Bericht der Gemeindevertretung. Er führte aus, bi?T;(rrTitn; in bcn lchicn beiden Jalircn im Schuldemnachen sehr diel geleistet habe. Einen ausführlichen Bericht versprach Ncdncr im Hinblick auf die bevorstehende Gemcindevertrctcrwahl in der nächsten öffentlichen Versammlung zu geben. Tie Vor- ftande-wahl ergab folgendes Rclultat: Genosse M. Reimann, l., E. Hoffniann, 2. Vorsitzender, H. Schulz. Kassierer, P. Borchardt, Schriftführer, Acnze, Uliczka, Bezirkskassierer, Schmidt-Erkncr, Hartwi�Woltersdvrf, Revisoren. Kranz und Hefter Lokal- iömmisnon. Hauckc, Bibliothekar. Zum Schluß fordert der Vor- sitzende auf. den Kampf für die Beseitigung des Drcillassenwahl- rechts intensiv aufzunehmen, damit endlich das elende Wahlrecht verschwindet. Rudow. In der Generalversammlung des Wahlvereins am 11. Januar gaben der Vorsitzende und der Kassierer einen Bericht übet die Geschäfte des verflossenen Jabreö. Sodann erfolgte die Neuwahl de» Vorstandes; dieselbe ergab folgendes: 1. Vorsitzender Genosse Christian Raasch, 2. Vorsitzender Karl Voigt, Schriftführer Schaf- Hirt, Beisitzer Klopsch, Kassierer Bolz Revisoren Schepan, Neumann und Bartel, Lokalkommission Grünack. Hierauf sprach sich der Vorsitzende für unbedingte Beteiligung an den in diesem Jahre stattfindenden Gemeindewahlen aus und machte es jedem Genossen zur Pflicht, die Wählerliste einzusehen. Weihensee. Bei einem Ausbruch aus dem Gefängnis schwer verletzt hat sich der Untersuchungsgefangene Viktor Marurath, der in dem hiesigen Amtsgerichtsgefängnis interniert war. M. hatte eine Strafe zu gewärtigen und er zog es daher vor, sich seiner Be- strafung durch die Flucht zu entziehen. Er brach in der vor- gestrigen Nacht das Gitter seines ZellcnfensterS durch und zog sich dabei schwere Verletzungen an den Händen zu. Zurückgelassene Blutspuren zeugten von dem starken Blutverlust, den der Gc- rangene bei seiner Flucht erlitten hatte. Vermutlich hat er sich nach Berlin gewandt. Ein gemeingefährlicher Brandstifter, durch den viele Menschen- leben in Gefahr gebracht wurden, trieb hier am Montag sein Uu- Wesen. Im Zeitraum von zwei Stunden hat der wohl geisteskranke Bursche in drei Häusern den Treppenflur in Brand gesetzt. Nach 7 Uhr abends ertönten vom Balkon das Hauses Langhaus- st ratze 138 Hülfe- und Feuerrufe. Die in dns HanS eilenden Stratzenpassanten fanden den Treppenflur vollständig verqualmt und die Läufer zwischen der zweiten und vierten Etage brennend, so datz die Mieter vom Feuer abgeschlossen waren. Nur mit Mühe gelang cS. die Bewohner, denen sich eine Panik bemächtigt hatte, zu bewegen, in den Wohnräumen zu verbleiben. Die Feuerwehr ivar mit dem Löschen dieses Brandes noch kaum fertig, als der Ruf er- tönte, im Haufe LanghauSstratze 147 brennt ebenfalls der Treppenflur. Hier fand man ebenfalls den ganzen Treppenaufgang verqualmt. Wie im Hause 133 hatte der Brandstifter alle Stroh- decken von den Türen genommen und diese sowie die Treppenläufer angezündet.—- Kaum 20 Minuten nach dem zweiten Brand traf bei der Feuerwehr schon die Meldung von einem dritten Treppenflur- brand in der Friedrichstratze ein. Die Feuerwehr mutzte alle sicher- heitSmatzregeln für die aufgeregten Mieter treffen und hatte längere Zeit zu tun. um des Feuers Herr zu werden. Der Brandstifter konnte noch nicht ermittelt werden. Spandau. Dir Demonstratio» gegen da-Z preußische Drrikkassemvvhkrecht nahm, wie unS noch nachträglich berichtet wird, auch in Spandau einen imposanten Verlauf. Es waren zu 3 Uhr zwei Verfamm- lungen anberaumt, und zwar eine bei Kumke in der Neustadt und eine bei Köpnick in der Wilhelmstadt. Schon vor 2 Uhr belebten sich die sonst am Soimtagnachmittag ziemlich menschenleeren Stratzen. AuS allen Oucrstratzen kamen kleinere Trupps Männer und Frauen und bewegten sich nach den Hanptstratzen zu. Die Trupp» schwellten an, alle von dem emen Gedanken beseelt, hin zur Versammlung, um gegen die WahlrechtSschmach zu protestieren. Besonders in der Schönwalder Strotze erschienen immer neue Massen und schlössen sich an, so datz schließ lich ein Menschenstrom von weit über tausend Personen sich durch die Stratzen bewegte. Das Lokal von Köpenick, in dem Genosse Dupont-Berlin ein treffliches Referat hielt, war, obwohl Tische und Stichle entfernt wurden, bis auf den letzten Platz gefüllt. Wohl an tausend Personen lauschten in fürchterlicher Enge de» Ans- führungen des Referenten. Im Lokal von Kumke sprach Genosse Zernicke-Berlin vor gleichfalls tausend Personen. Nach Schlutz der Versammlung wurde die Polizei, als die Besucher wieder durch die Stratzen zurückgingen, nervös und trieb sie von der Potsdamer Straße, in der sich der Hauptstron, entlang bewegte, in die Querstraßen. Der Stadtverordnete Genosse Schmidt, den man gleichfalls in eine Quer- straße abgeschoben hatte und dem Beamten'sagte, daß er überall gehen könne, wurde mit zur Wache genommen. Die Schiitzcnstraßc. in der sich das Seitzsche Lokal befindet, wurde gespcrit. Im große» und ganzen hat auch die Spandauer Arbeiterschaft sich würdig gezeigt an, Wahlr-chtStagr._ ßmchte-Zcitimcf. Ein Polizriwachtmrisicr als Urkiuidcnfälschcr. Bom Landgericht H a u, b u r g ist am 23. September v. I. der Polizciwachtmeistcr Gustav Rettig wegen Urkundenfälschung zu sechs Monaten Gefängnis und zioei Iahren Ehrverlust verurteilt worden. Er hatte Auftrag erhalten, lvegen angeblicher Ueber- fchreiruiig der Polizeistunde durch den Gastwirt S. in der Nacht zum 16. Februar v. I. Nachforschungen anzustellen. Der betreffende Wirt hatte an diesem Abend seinen Geburtstag gsseiert. Infolge des Berichte? des Angeklagten erhielt S. einen Strafbefehl über 10 M._ Er beantragte gerichtliche. Entscheidung. Rettig fürchtete, in der Gerichtsverhandlung lvegen nach- läffiaer Berichterstattung bloßgestellt zu werden und suchte auf S. dahin ciltxuivirken, datz er seinen Antrag auf gerichtliche Entscheidung zurückziehe. S. wollte aber nicht, er wollte freigesprochen iverden. Rettig lockte ihm nun eine Unterschrift ab und pauste diese durch. Dann fertigte er eine Eingabe an die Polizei an, in welcher die Zurücknahme des Antrages auf gerichtliche Entscheidung ausgesprochen wurde. und setzte dann die durcvgepanste llnterschrflt de? S. darunter. Als dann später©. die Aussordermig erhielt, Strafe und Kosten zu zahlen, kam die Fälschung heraus. S. ivurde dann vom Schössengerichie freigesprochen.— Die Revision RettigS wurde vom Reichsgericht am Montag der- warfen, da alle TatbestandSmerkmale der Urkundenfälschung auS- reichend festgestellt waren. Vermilcdtes. Opfer der Arbeit im Industriegebiet. Auf Zeche„Carolus Magnus" in Bergebor beck wollte der Revierjteigcr Middelhauve einen Aufbruchschacht befahren, als eine Kluft ausschlug. Die Gesteinsmassen rissen zwei Kappen und zwei Spürlatten mit, welche� M. so unglücklich trafen, datz der Tod sofort eintrat.— Ter Schichtmeister Klein von Borbeck stürzt« 60 Meter tief in den Schachtgrund und war sofort tot. Er hinterläßt Frau und fünf Kinder. �— Im Betrieb der Kruppschen Werke in Rbeinhauscn stürzte ein holländischer Arbeiter von einer Le?tcr ab. Eine Auge verlor der Steiger R. von Zeche„Roland" in Eumpta, den l*i einer Schachtreparalur ein Steinchen inS Auge flog.— Auf der Kruppschen„Friedrich-Alfred-Hütte" bei Hochemmerich stürzte ein bei dem Bau des neuen Konstruktionshauses beschäftigter Arbeiter von einer Leiter. Er starb cm den Folgen eine» Schädelbruchs. Drei Tote um ciueit Wildbraten. Ein Telegramm aus Brandenburg a. H. besagt, datz in der letzten Nacht in dem benachbarten Krähen der Förster Jllmann von Wilderern erschossen worden ist, nachdem er in dem vorausgegangenen Kampfs zwei Wild- dicbe gelötet hatte. LperuhauSbrand— 50 Personen tot. AuS B o h e r t o w n iPemisylvmiia) wird von gestern gemeldet: Bei einem Brande des hiesigen Opernhauses fände» über 50 Personen, meist Frauen und Kinder den Tod. Viele, die den Flammen entkommen waren. wurden in dem durch die Panik entstandenen Gedränge zu Boden geworfen lind totgetreten oder starben alöbald darauf an den erhaltenen Verletzungen. Der Brand war durch die Explosion eines MaschineliiessetS entstanden und erhielt durch die in dem Gebränge umgeworfenen Oellainpen stets neue Nahrung, so datz daS Gebäude in kurzer Zeit zerstört war. Eisenbiihu-Ziisamiucnstoß. Einer Meldung cm5 B r ü s s e l zu- folge ftietz im Bahnhof von Qnionarde vergangene Nacht der Brüsseler Eilzug mit einem Personenzuge zusammen. Mehrere Wagen de§ letzteren wurden völlig zertrümmert. Acht Personen er- litten Verletzungen. Der Heizer wurde infolge des ansgestandenen Schreckens wahnsinnig._ Ter Ball im künstliche» Walde. Luxus«und Verschwendungssucht haben bei Unseren„Erst- fl assigen" eine Stufe erreicht, die sehr oft an die herrschenden Klassen des versinkenden Rmns erinnert. Der Gipfel ani diesem Gebiet dürfte erreicht sein durch einen Ball einiger amerikanischer Millionäre, über den der„Täglichen Rundschau" aus New Jork folgendes berichtet wird- „Mit einer erstaunlichen Opferfrendigkcrt suchen sich die Mil- lwnäre' von Philadelphia gegenseitig in Absonderlichkeiten zu über- trumpfen. Vor einigen Tagen opferte schon Paul 400 000 M. für seinen berühmten Schmetter'ingsball, bei dem, lvie man berichtet, Hunderte von seltenen lebenden Faltern über den tanzenden Paaren freigelassen wurden, und ganz Philadelphia jubelte bei dem Gedanken, den New Dorker Millionären den Rang abgelaufen zu haben. Pauls Lorbeerkranz ist schon vcrtvelki. Philipp Nandolph hat ihn besiegt: er hat cS fertig gebracht, für«in Ballicst 860 000 M. auszugeben. Es war der Eintritt seiner Tochter Dorothq in die Gesellschaft von Philadelphia, und das denkwürdige Ereignis sollte von vornherein etwas Außerordentliches fein. Als die Gäste die prachtvolle Villa Randolphs betraten, blieben sie verblüfft stehen. Das ganze HcruS war in einen Wald ver- wandelt: mächtige Baumstämme ragten empor, mit dichtem Laub bekleidet, schmale Fußpfade führten durch das Dickicht, Bäche rie- selten dahin, über die schmale Stege führten, kleine Seen wechselten mit Wasserfällen, und lieblichen Landschaften. Ter große Tanz- saal dagegen war von Bäumen umrahmt, die durch geschickte Ausnutzungen von Spicgelwirkungen einen unebkehvar tiefen Forst vortäuschten. In den übrigen Bäumen raschelte natürliches Laub unter den Füßen der Gäste, Gräser bogen sich, und unter Palmen und Büschen blühten im frischen Erdreich allerlei köstliche Blumen. Zwischen den Aesten des Waldes flatterten Hunderte von Kanarien- vögeln, Nachtigallen und Drosseln und ihr Gezwitscher mischte sich in die Klänge des verborgenen Orchesters. In den JBächen und Seen aber tummelten sich Scharen von Goldfischen. Auf den Stegen, an den Ufern drängten sich die Damen, Setze und Angel gerät lagen sorglich bereit und fröhliches Jagdöergnüaen verkürzte Den Schönen die Tanzpausen. Den gefangenen Vögelchen gab man die Freiheit wieder, um sie dann wieder anmutig mit dem Netz zu haschen. Und die- geangelten Goldfische müßten den-kleinen Scherz mit den Angelhaken nicht gleich nnt dem Leben bezahlen. Man warf sie wieder in die Fluten und freute sich an dem reizenden Spiel, wie die zappelnden kleinen Wafferbewohucr dann pfeilschnell durch den See schössen, hin und her, und den schlimmen Schreck mit dem Angelhaken nicht vergessen zu können schienen. Auch sonst wurde ans diesem Fest stark nach kostbaren Goldfischen geangelt; einige Gäste sollen auch für sich tatsächlich einen gefangen haben, den sie aber zu behalten gedenken." Solche Vorkommnisse registriert das„Hof"-Organ, ohne daß es etwas hinzuzusetzen wüßte. Wer die Berechtigung der gegenwär tigcn Gesellschaftsordnung in Zweifel zieht, hat allerdings keine Ahnung von den Bedürfnissen der„Creme" der Gesellschaft. Berit»«« Wiarktvrettr. tluä dem orntltäcn vertchl der NMIItchrn Marltbnllcn-Direktion.(Troßband«!.) Ochseiiklcilch la 7V 72 vr lODPib., IIa 64-60. lila 56- 59 Sullenfleisch la 67-72, IIa 56-66. Kühr. I-It 50—58, bo. mager 38—46, Fresser 52—60, Bullen, dänöche 53—65. »allifleilch, Dopvellender 110-130. MaslkWer la 90-100' IIa 80-89. Kälber gcr. gen. 60—76, bo. boll. 50—58. Hammelsleilch Mast lämmcr 78—78, Hammel la 8« 72. II» 82 67. uugar. 0,00, Schate 47—60. Sdjircim-'lctlct) 51 59. Rehwild la per Mund 0.65—0,70. ila 0,50-55. Rotwild la ver Pfund 0,40-0,48, bo. IIa 0,30-0,40, bo. Kälbci 0,40—0,50. Damwild 0,40—0,50, do. Kälber 0,60—0,75. Wildlchwetne per Pfd. 0,30—0,45. Frischlinge p. Psd. 0,50—0,60. Kaninchen, groß, Stück 0.80—1,10, do. klein 0,50-0,70. Hase», groß per stück 3,40—3,70, do. mittel und klein Stück 2,00—3,00. Wlldenlrn per Stück 0,00. Falanenhäbne la, junge 2,75—3,25, do. Ila und alte 1,50—2,50. Fasanenhennen 1,00—2,25. Hubnet Xa per Stück 1,40—3, dita(la i— 1,80, tauben la 0,50—0,80, du. IIa 0,00, do. alte 0,60, bo. italienische 1,10. Emen Stück 1,40 bis 1,53, do. russische per Stück 3.00, do. Hamburger, per Stück 3,40. inänie per Psd. 0,50—0,60. do. Odeibrucher per Psund 0.55-0,62, do. russ. p. St. 0.55—0,60. PouletS per Stück 1,10—>,25. Puten la p. Psd. 0,60—0,75, do. IIa. 0,00. Hechte per 100 Psund 77—89, do. klein 86—97. do. groß 45—57, do. groß-mittel 0,00. Fander, unsortiert 0,00, klein« mitsei 0,00, matt 102—118. Schleie, groß 0,00, do. uns. 104—107, do. Holländer 0,00. flnle, 0,00, bo. tlein-nnttel 0,00, do. groß 0,00. Karpfen, 70— 80ct 53—61, 50er, stumpf 52—61, do. stanz., 70— 100«-, 52-56. Plötzen 30-43, do. groß 0,00, klein 0,00. Wels 0,00. Blei fische 0,00, matt 0,00. Bunte Fische 0,00, do. klein 0,00. Barst 70—79, Karauichen 0,00. Bleie, 0,00. Aland, klein 0,00. Quappen 0,00. Wintrr.RheinInch? per 100 Pfund 0,00, Amerikanischer Lach» la neuer ver 100 Psd. 110—130, do. IIa neuer 90-100. Seelachs per 100 Pjd. 15—20. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6. do. inittcl Kiüe 0,00. Hamb Stiege 3— C. halbe Kiste 2—3, ponnn. la schock 0,00, IIa 0,09. Bücklinge, Kiclei per Wall 2—3,00, schwedische 2,00—2,50, cngli'che 0,00. Sprotten, Dauziger, Kiste 0,80, do. Rügenwalder, Kiste 0,70—0,89. Aale. groz per Psund 1,10—1,40, minetgroß 0.80—1,10 klein 0.60—0.80, Heringe per schock 5,00—9,00. Schellsische. Kiste 3,00—4,00. dito'st Kiste 2,50. Sardellen. 1902 et per Anker 98. l 904er 98. 1905er 98, 1903er 85-90. Schottische Pollhermge 1905 0.00. large 40-44. kall. 88—40, med. 86— 12. deutsche 30—40. Heringe, neue Matje». per To. 0,00. Sardinen, ruf?.. Faß 1,50—1,60. Bralberinge Faß 1,20—1,40, bo. Büchse(4 Liier) 1,40—1,70. Neunaugen. Scbocksaß 11, bo. tieine 5—6. do. Riclen- 14. Krebse per Schock 0,00, große 0 00, do. mittelgroße 0,00, dito steine 0.00 cm 0,00, bo. unsortiert 0,00. Galizier, groß 0,00. Seemuscheln 100 qt. 1,00. Eier. Land-, uusortierl per Schock 4,00-5,80, bo. große 6,00—6,50. Bullci per !00 Pfd. In 123-126, IIa 116-123, lila 112-115. abfallende 100-106 Saure Kirrst» Schock 4,00. Psetsergurken Schock 4.00, Karlockctn ver 100 Pwnd Dabersche 3,00—3,50, weiße rund« 2,75—3,00. mag. bon. 3,00—3,25. Porree, per Schock 1,50—1,75. Meerrettich, Schock 4— 12. Spinal per 100 Psund 20—25. Sellerie, per Schock 3—6, do. pomm. 6—8. Zwiebeln per 100 Pfd. 2—3,50. Pekersilst. grün, Scüockbmrd 0,80—1,50. Rettich, bayrischer, per Stück 0,06—0,10, hiesiger, per Schock 0,00. Mobrrübea, 100 Pfund 3.00 bis 4,00. Karotten, per 100 Pfund 10—15. Wiriinakodi p. Schock 3—7. Rotkobl, Schock 4— 8. Weißkohl p. 100 Bsd. 2,10—3,50. Blumenkohl, diesiger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 0,00. Rosenkohl, per 100 Pfund 16—30. Grünkohl 5,00—8,00. Kohlrüben, Schock 2� i— 5,00. Petersilien wurzeln. per 100 Psd. 6—7,«chockbund 6—6,00. Schnittlauch, Töpfe Dutzd. 4—5,00. Tomaten, kanarische, per Kiste 2,50-3,50. Rote Rüben, ver 100 Pfund 2.50—3.00. Rübchen. Beelitzer, per 100 Psund 3—8, do. Teltower 10—13. ESkarol, per Schock 18—24. Endivien, per Schock 20—25. Birnen per 100 Pfd. Tiroler 0,00, Kochbirnen 3—7, Tastlbirnen la 18—25, do. lla 6—17, Ilal. 10—22. Aepsel, ver 100 Pfund, Tiroler la 22—30, do. IIa 12—20, do. los«, per 100 Pfund 0,00, do. in Kisten 120 Pfd. 30-50. Most--, hics. 100 Psd. 0.00. Koch- 5-11, Tafel mcmdtln Pin 100 Pst. 63-115. Marone», M„ pcc 100 Pfund»-20. Feinen, Kranz- per 100 Psd. 20-22, bo. Trommel- per 100 Pfd. 40. bo in stiften 23—36. Traubenrosinen per 100 Pfund 65—120. Zitronen. Messina. 300 Stück 9.00-10,00. do. 360 Stück 0,00-0,50, bo. 200 Stück 0,00. do. 150 Stuck 0,00. Apselsineu, Murcia, 200 Stück 7,00—11,00. bo. 300 Stück 7,00-11 ,00, do. Baleneia 420 Stück 10-25, bo. 714 Stück 12-18. Mandarinen, Schachtel 0,90-2,00, do. 420 Stück 0,00, bo. 100 Pst. 17—22. Datielu, per 100 Kart. 35-15. Lohannstörvt, per 100 Psund 10-15.__ Lese-«"b DiSkutierklub„Südost". Heute abend S'/a Uhr be» Tolksdorf. Görlitzerstr. 58: Generalvetlammlmig. Berein cdcinaliger Beeliuer fAbtcilung v.) Heute abend 9 liyr: Sitzung bei Gödlsdori. Brunnenstr. 2. Gäste willkommen. ' Tozialdemotfatischer Lese- und Diskntierklub„HCltte". Htltltz abend 30, Uhr Sitzung bei Bolze, Rodenbergstr. 8. Allgemeine Kranken- und Gierbekasse der Metallarbeiter (E. H. 29, Hambur g.) Filiale Wildau. Mitgliederversammlung am Sonntag. 10. Januar, vormittags 10 Uhr bei Otto Schuinanu, Wildauer Hof, ElnqecfAnsene OrudircbHfwn. Die Polizei in Sachsen im Kampfe gegen daL Vereins- und Der» sammluugSrccht und die Bcranslaltungen der arbeitenden Klasse. Bau R. Llpinski. M. Verlag Kaden u. Co. in Dresden. „BolkSwirtschaftliche Blätter"(herausgegeben im Austrage de? Deutschen BolkSwirlschastlichen Verbandes von Heim Gbto. Krüger-Berlin. Karl HeymannS Verlag, Berlin W. 8,) WitterungSdberstch» bom 14. Januar 1908. IS 21 fj StaHwotji.jll lf«ttter » K --e. e a 5" h I Srotnembe'773® Hamburg 1 772 SD Berlin �TiSD Franki.a M 775 SD München! 777 SD Dien 77795 | 1 heiter 2 bedeckt 1 heiter 1 heller 1 wölken! 1 Nebel -0 ■5 Stationen Ii s— «CUR j, taparanda 762S _etcr«6isrg 765 NW — 6�Setllh —0; ndtrbttll —14 Pari» -8| '66 S 764 SSW 772 Still I sft« 2- t O Sn 2 gedeckt l— 10 1 wolkenl—11 •1 Bedeckt 2 bedeckt jtOOlktNl 4 4 -5 Wetterprognose für Mittwoch, den IS. Januar 1908. Zeitweise etwaS nebelig, sonst meist heiter und stocken bei schwächt! südöstlichen Winden; nachts ziemlich sstenger, am Tage gelinder Frost. Berliner Netterbureau. 0.00, do. runde franz. 0,00.' Weintrauben, Ananas I, per Pfund 0,70—1,10, bo, II 0,40—0,60. Bananen, gelb, per 100 Pfund L— 20. Kokosnüsse per 100 Stück 0.00. Krach- Almcria. per Faß 8—18. Mf"'SSi Wasserstandö-Nachrichte» der LandeSanstait für Aewässertundo, mitgeteilt vom Berliner Wetterburcau. Wasserstand !0? e m e l. Tilsit P r e g e l, Jnftcrburg Weichsel, Thorn Oder, Rattbor , Krassen . Frankfurt Warthe. Schrimm , LandSberg Netze, Bordamm Elbe, Leiwreritz , Dresden „ Barb» .. Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Spandaus , Ziathenow') S p r e«, Spremberg°) , BeeSkow Weser, Münden » Minden Rhein, MaximilianSau . Kaub , Köln Neckar, Heilbron» Main, Werlheim Mosel, Trier am 13. 1. am lä-i 100 129 100 157 290 112«> 1575) 32 95») 102») seit 13.1. "3 +5 4-4 0 0 -23 -0 -2 +3' t? -53 -17 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—°) Untcrpegel.—°) Eitstand. — y Sisstaud: infolge ZusammenichiebcnS von Eiö erhob sich der Wasser- stand bis auj 273 cm um 0 Uhr morgens.—») Treibeis.—") Grundes?.— r) GrundelSIreiben.—') Aushören des Treibeises. Lcksntunx und Deutsch"China. 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Eisenbahnstr. 4. SozIaldeiiioimiiiscIierWalilirereiD für den 1. (Bezirk 5.) Den Mitglledeni die traurige Nachricht, daß unser Genosse, der Schrtslsetzer iiei Paekeuöorf Neue Friedrichsst. 87 gestorben ist. Ehre feinem Andenlen! Die Beerb tming findet am Mtttwochnachmittag S'/. Uhr von der Leichenhalle des Ntkolai-Kirch. Hofes, Prenzlauer Allee 7—8, aus statt. Um zahlreiche Beleillgung rr» sucht Der Vorstand. Riesenauswahl aller OualltSten. Wolle- Dacfot»ocqaott«. PIOseh-wCMC. Satteltasdieii. Muster b. nülr. Angabe Iranio. Efflll UM, oSstr. 1511. Carl Ernst (Inhaber Willi Ernst) Köpenickerstr. 126, 1 Tr. Amt TV, 5062. Gr. Auswahl! VIII. Prefse! Vorzeiget dieser Annonee _ erhält lir/, VreiZermäßigunz. Aclitnng! Verein©!~ Saal frei am SS. Februar und 29. Februar, Sonnabends; einige Sonntage sind auch noch frei im, Englischen Garten, Aleianderslr. 27c, <* BERLINER SINFONIE• ORCHESTER« Direktion: Kapellmeister Maxirniüan Rscher• Charlottenburg, Sybelstraße 7, ab. n. SoziaiiieiDflkrai. Mvcrein r i für den Ueriiner Heidista�walreis (Strofmu'v Viertel). Bezirk 350, Teil I. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Milch- bändler Herrn. Fregevize lwohnhas: NüderSdorser Z trotze 65) geworben ist. Shre seinem Andenke«:, Die Beerdigung findet an, Donnerstag, den 16. Januar. nachmiltags S'/j Uhr, vom Trauer. barise Rlidersdorser Itratzc 65 au§ aus dem Friedhof der fi anzösischen Gemeinde, Prinzen. Allee, statt. LI 6/5 vor Vorstand. toltoolü'at. ffahlyereiii für Schöneberg. Bezirk III. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser langjähriges Mitglied und LezirtSsührer, der Tischler psul TOerse im Sfller von 34 Jahren plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den l6. d. M.. nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen. halle des Schöneberger Friedhofes, Maxslratze, aus statt. 15/1 Um zahlreiche Beteiligung er- sucht Der Vorstand. veulseder Holisk'deiler-Verbsiil! Zahlstelle Schöneberg. Todes. Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, I datz unser treues und langjähriges Mitglied, der Tischler ?su! Idierze attt 13. Januar verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 16. Januar. nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Schönebergei jgirchhoses, Maxstrotze, aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Den Kollegen zur Nachricht, datz mein lieber Mann, der Tischler Max Maeding am Sonnabend, den lt. Januar, abends 9'/, Uhr, plötzlich am Herz- schlag verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mitt. woch, den 15. Januar, nachmittags t'l.Uhr, vom Trauerbause, Frank. surter Allee 86, aus aus dem Georgen. Kirchhof, Landsberger Allee, statt. 16l5L Tie tranernde Witwe. Deutzckef Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zirr Nachricht, datz der Kollege, Tischler Utax Rftaeding 1 am Sonnabend, den 11. Januar, j»erstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am j Mittwoch, den 15. Januar, nach. i niillags l1/. Uhr, vom Trauer. ! Iiciuie, Frankfurter Allee 86, aus i nach dem Georgen kirchhos. Lands- ! bcrger Allee, statt. ( 7 7/16 Die Ldrtsverwaltung. WIM w Aeiüllniellei' llßttiWzMa. filislo V. Dsel««- �»«vizx«. Am Sonnabend, den 11. Ja- nuar, verstarb nach langen und schweren Leiden unser Kollege, der Kupserdrulker l�iclwd Kluth. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 15. Januar, nach- mittags 3 Uhr. aus dem Wilmers. dorjer Friedhos, Berliner Stratze. statt. >.'53Zb Ole Verwaltung kiltralorrband dtutschrrj Tritilarbritrr. Fil. II Berlin jPosamentiere). Den Kollegen zur Nachricht, I datz unser Mitglied �ntoa Wieland gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am! DounerSlag, den 16. d. M., nach- mittags 21/, Uhr, von der Leichen» balle des Rirdorser Gemeinde- Friedhofes(Mariendorfer Weg) au- statt. 197,3> Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Veritfiill d. baugewerblichen Külfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. Bezirk Rosenthaler Vorstadt. Todes«»Anzeige. Den Mitgliedern zur Kenntnis, datz der Kollege August Benicke freiwillig aus dem Leben schied. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 16. Januar, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle der Friedensgemctnde jp in Noidend-Nieder-Schölihausen � aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 29,2 Oer Zweigverelnsvorstsnd. Am Montag, den 13. d. M., früh 3 Uhr, verschied nach längerem Leiden der Steinmetz Fouls Kummer. Dieses zeigt allen Kollegen. Freunden und Bekannten ttcs. velriibt an Wilhelmine Lange geb. Kummer Die Beerdigung findet am Mitt» woch, den 15., nachmittags 3 Uhr, aus dem neuen Johannis-Kirchbof in Plötzensee statt. 2ö24b Zllle��lumder�in�Bekanntc� die traurige Nachricht, datz meine liebe Frau Minna Holtmann g-b. Witte nach schwerer Operation plötzlich im Atter von 30 Jahren verstorben Ist. 25256 Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 16. Januar. nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Schöneberger FriedhoseS. Maxstratze, aus statt/ Wilhelm iiotkmann, Zimmerer nebst Kindern. wein kill' fmen imiiMHMeii Sehdflebergs und öuigsgeol Todes- Anzeige. Am 13. Januar verstarb plötzlich unser Mitglied, Frau Minna Hottmann geb Witte, Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet morgen Donnerstag den 16. d. M., nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen» balle des Schöneberaer Friedhofes, Maxstratze, aus statt. 281/17 Um rege Beteiligung der Mit- glieder ersucht 0er Verstand. Trefipuntt im Lokal von Grühke, Ebers- und Maxstrahen-Ede. T«Ml«B»-�NN«lgV. Am Montag, den 13. Januar, vormittags 9ll, Uhr, verschied nach langem, schwerem Leiden unsere gute Tochter und Schwester, meine liebe Braut Emma Hedrich im Alter von 22 Jahrin. Die Beerdigung findet am DonnerSIagnachmiltag 3 Uhr von der Halle des Bartholomäus- Friedhofs in Weitzensee, Falken- oerger Chaussee, aus statt. 2523b Die trauernden Hinterbliebene». Dankfagnng. Für die liebevolle Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdi» gung unseres lieben Sohnes WNU«-'»der lagen wir allen unseren herzllchen Dank. 1645SJ_ Jamilie Fader. Generalversammlung der Strrbe- und Krankt« Kntrrstiitzungskasst Nr. 55 am Mittweeh. den 22. Januar 1908, abdS.8Uhr, im Kassenlokal. Linienstr.8. Tages-Ordnung: l. Recheiischastsberichl der Revisoren. 2. Wahl eines Vorstehers. 3. Wahl eines Revisors. 4. Besprechung über S 34 der Satzungen. s->'>ttb?> Der Vorstand. Blumen- u. Kranzbinderei von Aug. Meier, 2109b' nur Wafsertorftraste Nr. S7a. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinz enslr. 41,„dXiate, 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2— 1. felzmaren direkt aus der Fabrik, auch im Einzel- verkauf zu Engrospreisen. Stolas, Kolliers, Hülsen, lehr schick gar».. Oamenhüte. Baretts, Herren-, Knaben- und MBd- ehen- Garnituren, FuBsScke, Jagdtaschen, Pelztepp. Sämtl. gangbaren Pclzarten a. Lager. Grotze Auswahl Bestes Material. 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Verlag: BorwärSDuchdruckeret u. Bertagsattuau Paul Sänger de ao.. Berlin SW. |Ir. 12. 25. Iflljrgang. Mittwolh, 15. IlwMlM. Zur Abwehr. Tie Sit meinem„Referentenführcc" in Nr. LOö de»„Vor- bjärta" vom Genossen H. B.(Hanö Block?) verübte Kritik zwingt mich zu einer Zurückweisung. Was zunächst die Bemängelung der Disposition meines Büchleins betrifft, so will ich die Beantwortung der Frage, ob die gewählte Anordnung des Stoffes eine zweckmäßige sei, ruhig dem Urteil unbefangener Leser überlassen. Zu diesen gehört mein Kritiker nicht. Stur gegen die Unterstellung, als ob ich mir die Benutzung meines Buches so dächte, daß der Anfänger sich bei seinen Studien sklavisch an das Leitseil meiner Disposition halten solle, muß ich protestieren. Um diesen oder jenen eifrigen jungen Anfänger vor dieser kindlichen Auffassung zu bewahren, schrieb ich: „Die nachfolgende Wcgweisung ist aber auch nicht so zu ver- stehen, daß die genannten Bücher nun der Reihe nach von A— Z durchstudiert werden müßten.... Man wähle also aus den gc- nannten Werken nach Zeit und Gelegenheit aus diesem oder jenem Gebiet eines zur Lektüre in den Mußestunden aus und suche es geistig zu verarbeiten. Im Laufe einiger Jahre wird man die Hauptsachen bewältigt haben; man wird finden, wie ein Wissens- gebiet das andere ergänzt, wie der geistige Horizont sich nach allen Geiten hin aufbellt und weitet, wie der ganze Wissensstoff sich zu einem universalen Welt- und Lebensbild zusammenschließt." Als ich das niederschrieb, dachte ich wirklich nicht, daß es auch Kritiker geben könne, denen man so etwas sagen müsse. Oder meint H. B. etwa, die zitierte Bemerkung bezöge sich nur auf die Gebiete der allgemeinen Bildung, weil sie sich in diesem Kapitel findet? Vor dieser Annahme hätten ihm schon die sonstigen, die Parteiliteratur einbeziehenden Bemerkungen des betreffenden Paragraphen iZ ti:„Das Lesen guter Bücher") bewahren sollen. Außerdem weiß doch auch jeder, der nur einigermaßen die Ver- Hältnisse kennt, unter denen der sozialdemokratische Referent heran- reift, daß da Allgemeinbildung und Spczialbildung. Theorie und Praxis gleichzeitig bald an dieser bald an jener Ecke angepackt werden müssen. Kann sich ein vernünftiger Mensch denken, daß ein solches Buch nach der ersten durchlaufenden Lektüre anders benutzt iverden wird, denn als orientierenden Plan bald auf diesem bald auf jenem Gebiet?— Das zweite große Acrgcrnis, das ich meinem Kritiker bereitet habe, ist die zentrale Stellung, die ick der Kant- sche» Grkenntnistbeorie für das Verständnis aller früheren und aller späteren Philosophie zugewiesen habe. Ich habe den Grund- gcdanten dieser Theorie kurz darzustellen versucht, auf ihre Trag- weite für die Frage der wissenschaftlichen Beweisbarkeit„religiöser Wahrheiten" hingewiesen und dann dem, und nur dem,„der Be- gabung und Neigung zu philosophischer Vertiefung seiner Welt- und L.cbenserkcnntnis in sich fühlt", geraten, Friedrich Albert L a n g c's„Geschichte des Materialismus" zu studieren. Dann sage ich weiter: „Wer dieses Wert durchstudiert hat, mag sich an Kants„Kritik de: reinen Vernunft" versuchen oder, wenn ihm dieses in überaus schwerfälliger und schwer verständlicher Sprache geschriebene Buch zu viel Mühe und zu viel Zeit nimmt, sich mit der Lektüre von Konto„Prolegomcna"... begnügen. Einerlei, ob man Kants Ertcnntnisthcorie anerkennt oder nicht, man muß sie studiert und verstanden haben, wenn man irgend ein Wort über Philosophie heute mitreden will. An ihr vorbei gehen kann man nicht." Es ist also eine vollkommene Irreführung, wenn mein Kritiker es so darstellt, als ob ich jede m sozialdemokratischen Referenten das Studium Kants als unerläßliche Vorbedingung seines Wirkens empfohlen habe. Ich sage ganz ausdrücklich:„Nicht jeder aber hat Neigung und Anlage zu philosophischen und religiösen Reflerioneu. Man kann auch ohne Spekulation über den Untergrund der Lebenö- crschemungen seinen Mann stellen in der praktischen Kampfarbeit um sichtbar gesteckte Ziele." Diejenigen aber, die jene Nei- gung haben, und ein Wort über Philosophie oder Religion„mit- rede il" wollen, müssen, wenn sie nicht Schwätzer sein wollen, Kants Kritizismus kennen, einerlei, wie sie sich dann zu ihm stellen. „Nur mit dieser Vorbildung ausgerüstet"— sage ich weiter—„wird man die philosophisch-poleinischcn Schriften von Marx und Engels, wie die positiv-schöpierischen Versuche von I. D i e tz g e n mit Nutzen zu lesen und kritisch zu beurteilen ver- mögen." Wer dann zu der Meinung kommt, Engels und Dietzgen hätten Kants Erkenntnistheorie überwunden, wer gar mit der „Bremer Bürgerzeitung" die verblüffende Entdeckung macht, daß schon Spinoza lange vor Kant Kant überwunden hatte, und daß auch Marx und Engels Spinozistcn waren,— na, der mag das dann in Gottes oder der göttlichen„Substanz" Namen tun. Das Parteiprogramm verbietet ja dieses Opfer des Intellekts nicht; glücklicherweise fordert es dasselbe aber auch nicht. In dieser Hinsicht versagt selbst die— Dresdener Resolution! So wenig ich etwas dagegen einzuwenden habe, wenn eine gewisse„Richtung" sich Spinoza zum philosophischen Kirchenvater erkiesen will, so wenig werde ich betrübt sein, wenn der Genosse H. B. demnächst in einem tiefgründigen Werke nachweist, daß der„bunte Wechsel" der philosophischen Systeme„in der Entwickelung der Produktions- vcrhältuijsc begründet ist". Da sage ich nur; Rideamus!— Zum dritten zeiht man mich des Verbrechens,„vor dem Studium von Marx' Kapital gewarnt" zu haben. Das ist eine sehr gefährliche Anklage! Als ich sie las griff ich zitternd zu meinem Büchlein, um die Stelle nachzulesen. Hier ist sie; eS fei nichts verschwiegen, nichts hinzugesetzt: „Die theoretischen Grundgedanken des Erfurter Programms entstammen dem großen Werke von Karl M a r x„Das Kapital". So notwendig es für den wissenschaftlichen Forscher und Weiter- l'ildncr der sozialistischen Tbeorie ist, dieses mit genialem Scharf- sinn geschriebene Werk durchzuarbeiten, so ist sein Studium für den Anfänger doch zu schwierig und zeitraubend. Das ganze Wert umfaßt drei Bände. Der erste im Jahre lb67 ersaüencne Band behandelt de» Produktionsprozeß des Kapitals, d. h. die Frage, wie das in der Gütercrzeugung angelegte Geld mehr Geld erzeugen kann. Die von Marx gegebene Lösung ist die sogenannte„Mehr- wcrtstheoric". Ter zweite Band llSSü, behandelt den Zirkula- tionsprozeß des Kapitals, der dritte den Gesamtprozcß der tapitali- stischen Produktion. Ist es für den nicht wissenschaftlich geschulten Leser schon nicht leicht, den ersten Band zu bewältigen, so ist der zweite Band erst recht eine schwere Kost, die die wenigsten zu ver- daucn imstande sind. Marx untersucht darin die Funktionen dcS Kapitals als Vermittlerin der Gütcrvcrteilung, also das Wesen und Wirken des im Handels- und Bankbetricb arbeitenden Geldes. Der dritte Band ist erst 1801 durch Friedrich Engels heraus- gegeben worden auf Grund von hinterlassenen Manuskripten von Marx, der im Jahre 1883 starb. Das Ganze ist unvollendet. Es gibt darin llar durchgearbeitete Partien neben älteren Skizzen und ersten Niederschriften. Immerhin hildet der dritte Band eine zum vollen Verständnis der ersten Bände notwendige Ergänzung. Hier findet sich auch erst der Schlüssel der Marxschen Werttheorie. — Enic klare Zusammenfassung der im„Kapital" entwickelten Theorien ist KautSkhs Schrift:„Karl Marx' ökonomische Lehren"(geb. 2 M.). Die Lektüre diese» Buches sollte in jedem Falle dem Studium des Marrschen Originalwcrks vorausgehen. Für die meisten mag sie den Ersatz für das letztere bilden." Dann fclgt die Empfehlung von Engels':„Die Entwickelung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschast" als eine„sehr gute Einführung in das Verständnis der sozialistischen Gedankenwelt. gegenüber tat) auf die Schwierigkeit der Lektüre namentlich des zweiten Bandes hingewiesen und dem Anfänger das Kautskysche Buch als Vorstudium empfohlen. Fühlt er sich dann aber berufen und befähigt, ein theoretisch Schaffender zu werden, so habe ich es ihm zur Pflicht gemacht, das ganze Marxsche Original- werk,„dieses mit genialem Scharfsinn geschriebene Werk", durch- zuarbeiten. Insbesondere bilde auch der dritte Band eine„zum vollen Verständnis der ersten Bände notwendige Ergänzung". Das ist das Gegenteil von einer Warnung. Oder soll diese m der Bemerkung liege», daß die Lektüre de: Kautskhschen Buches„für die meisten" den Ersatz für das Studium des Originalwerks bilden mag. Das ist doch keine Warnung, son- der» eine Tröstung, die denen gilt, die angesichts des Ilinfangs und der Schwierigkeiten des Originalwerks von seiner Bewältigung Abstand nehmen müssen. Sie brauchen darum nicht zu verzagen; sie können trotzdem tüchtige Referenten und Mitarbeiter an den praktischen Aufgaben der Partei werden. Jeder, der die Verhält- nisse der Wirklichkeit kennt, weiß, daß dies„die meisten" sind. Er belügt sich und die anderen, wenn er etwas anderes behauptet. Und er fördert nicht, sondern er hemmt den Eifer dcS Nachwuchses, wenn er ihm Unmögliches als Pflicht einredet. Ich bitte also einen gerechten Gerichtshof, mich von der Hochnot- peinlichen Anklage freizusprechen. Welches Motiv hätte mich auch leiten können, vor dem Studium des„Kapital" zu warnen? Als rrfRevisionift kann ich nur wünschen, daß möglichst viele dieseöWerk möglichst gründlich studieren, und zwar nicht bloß„wenigstens den I.Teil", wie mein Kritiker sehr bezeichnenderweise sagt, sondern das ganze Werk. Der„Revisionismus" ist aus dem„Marxismus" her- vorgegaugeu, und nur wer die Lehren von Mar� kennt, wird die kritische und weiterbildende Arbeit, die von„revistonistischer" Seite geleistet worden ist, verstehen und zu würdigen wissen.— Mein Kritiker spricht zum Schluß die Befürchtung aus,„daß die Schrift Davids mehr Verwirrung anrichtet, alssieNutzenstiste t", weil sie den Anfänger zum Studium der theoretischen und praktischen Streitfragen anleite:„Ein Hin- weis darauf, das, der Schüler erst fest sein muh in den Grundlagen, ehe er sich auf das strittige Gebiet wagt, fehlt."— Nichts kennzeichnet den Mann besser als dies. Also zuerst werden dem Schüler die Grundlagen als absolute Wahrheiten eingehämmert, damit sie festsitzen; dann, so hofft man. werden ihm kritische Ketzereien nichts mehr anhaben tonnen. Genau so macht's auch die katholische Kirche bei der Erziehung ihrer Gläubigen, um sie vor„Ver- wirrung" zu bewahren. Demgegenüber bin ich allerdings der Meinung, daß der künftige sozialdemokratische Referent so ausgebildet werden soll, daß ihm von vornherein mit der„Lehre" auch die gegen sie er- hobenen Einwendungen zur Kenntnis gebracht werden. Denn nur so lernt ersclberdentcn, nur so wird er ein s a t t e l f e st e r geistiger Kämpfer, nur so wird er in seinem schwierigen Berus jedem Gegner gegenüber mit Ehren bestehen. Viag eine gewisse Gruppe von Parteischrifistellern meinen, sie müsse die jungen Parteigenossen dadurch vor„Verwirrung" schützen, daß sie sie wie unmündige Kinder behandelt, die Partei muß das ablehnen. Wollte die Sozialdemokratie diese Methode der alleinseligmachrnden Kirche akzeptieren, so mühte sie ihren geistigen Bankrott anmelden. Eduard David. »• • Es ist nicht recht einzusehen, weshalb sich der Genosse David noch die Mühe macht, eine Zurückweisung zu verüben, nachdem er mich durch die zwar nicht aus Tatsachen, aber dafür auf seine gewichtige Autorität gestützte Feststellung meiner Befangenheit in den Augen aller„unbefangenen" Leser bereits total„er- ledigt" hat. Sehr logisch erscheint sein Verfahren jedenfalls nicht. Wahrscheinlich hat über den Kenner und Verehrer der Philosophie in diesem Falle der in so manchem Revisionisten steckende glühende Verehrer des guten Tones in allen Lebenslagen den Sieg davon- getragen, der eine Auseinandersetzung nicht anders als mit einem Kompliment für den Gegner einleiten kann. Genug, Genosse David überläßt einiges nicht ruhig dem Urteil der unbefangenen Leser. Er wendet sich zunächst gegen die Unterstellung, als ob er sich die Benutzung seines Buches so denke, daß der Anfänger sich bei seinen Studien sklavisch an das Leit- seil der Davidschen Disposition halten solle. Ich habe aber nirgends die Unterstellung gemacht, gegen die David sein Geschütz aufführt. Aber ich habe gesagt, daß der Anfänger in dieser Disposition den Rat erblicken muß, sich zunächst die Allgemeinbildung zu ver- schaffen, ehe er sich an das Studium der Hauptsache macht. Und das glaube ich allerdings mit gutem Recht aus dem Satze folgern zu können, den ich deswegen in meiner Kritik wörtlich anführte: „Neben einer fest begründeten allgemeinen Bildung bedarf der sozialdemokratische Redner einer Spezialbildung.. Ich loützte nicht, daß cS kindliche Auffassung wäre, zu meinen, daß das All- gemeine dem Speziellen vorzugchen habe. Eine vollkommene Irreführung ist es, wenn David es so dar- stellt, als hätte ich behauptet, daß er jedem sozialdemokratischen Referenten das Studium Kants als unerläßliche Vorbildung seines Wirkens empfohlen habe. Ich habe nur bemängelt, daß David das Kapitel Philosophie(und Religion) der sozialistischen Theorie voranstellt und mir ganz besonderem Nachdruck behandelt, so daß in dem Schüler total falsche Vorstellungen von der Bedeutung dieser Disziplin für die Bildung des sozialdemokratischen Referenten erweckt werden müssen." Dabei muß es schon bleiben; die nach- träglichen kleinen Einschränkungen ändern nichts daran, daß David dies Kapitel mit ganz besonderem Nachdruck behandelt hat. Ter Anfänger muß den Eindruck gewinnen, daß die Philosophie für die Bildung des sozialdemokratischen Referenten von ganz de- sondcrer Wichtigkeit ist. er wird leicht dahin kommen, sie als eine Grundlage, anstatt als eine Ergänzung seiner Bildung anzusehen. Und so wird er zu falscher Disposition für sein Studium geführt werden. Mit der Stellung zu den einzelnen philosophischen Systemen hat das nichts zu tun und die gequälten Witze über den philo- sovhischen Kirchenvater Spinoza hätte David daher rubig sparen tonnen. Seine freundliche Einladung, in einem tiefgründigen Werke nachzuweisen, daß der„bunte Wechsel" der philosophischen Systeme„in der Entwickelung der Produttionsverhültnissc bc- gründet ist", muß ich ablehnen. Solche Arbeit muß ich berufeneren Federn überlassen, wobei ich dahingestellt sein lassen lvill, ob nicht vorerst noch andere wichtigere Arbeit zu tun ist. Indessen kann David in der wissenschaftlichen Literatur des Sozialismus immerhin einige Stellen finden, die als erste Ansätze zu solch einem Werte betrachtet werden können. Und loenn er darüber lachen will, so werde ich'S ruhig dem Urteil der Leser überlassen, wer durch solches Lachen blamiert wird. Da David die Stelle selbst anführt, wo er vom Studium des „Kapitals" redet, so brauche ich wirklich nicht nochmals nach- zuweisen, daß er davor warnt. Nicht mit dürren Worten, aber der Sacke nack. Allerdings, deinsenigen. der sich berufen und be- fädigt fühlt, ein theoretisch Schaffender zu werden, hat David das Studium des„Kapitals" zur Pflicht gemacht. Sogar daS aller drei Bände! Kolossal! Ader das imponiert mir wahrhaftig nicht. Ich bin so unbesckeiden, zu fordern, daß auch den anderen, die sich nicht berufen fühlen, theoretisch Schaffende zu werden, in un- zioeideutigen Worten mindestens das Studium des 1. Bandes empfohlen wird. Ich fürchte die schrecklichen Folgen nicht, die David so beweglich auszumalen>oeiß. Furchtbar wird David im letzten Absatz. Die Methode der alleinseligmachenden Kirche habe ich empfohlen, und wenn die So- zialdemokratie sie anwenden loollte. so müßte sie ihren geistigen Bankrott anmelden! Schreckliche Anklage! Und ich glaubte eine Forderung des gesunden Menschenverstandes und jeder vernünftigen Pädagogik auszustellen, die nämlich, daß der Schüler vom Leichteren zum Schwereren, vom Einfacheren zum Komplizierteren geführt werde. Ist dieser Fundamentalsatz der Pädagogik vom nimmer rostenden Revisionismus auch sckon revidiert worden? Haus Block. Hus der Partei. Adressen der deutsche» Arbeitersekretariate. (Die mit einem" bezeichneten sind Sekretariate des Bergarbeiter� Verbandes.) Zentral-Aricitersekretariat, Berlin 80.16, Eugelufcrlsi. T.-A.IV.1S31. Aachen", Mauersir. 16, Altculiurg(S.-Aü, Frauenfelsstr. II. Aschaffenburg, SlistSgasse 10. Augsburg, Am Katzenstadl F 152 (Augustusbad). Bant, Peierstr. 80. Barmen, Marienstr. 22, l. I. Bayreuth, Erlangerstr. 2 I. Berlin SO. 16. Engelufer 15 L Bernburg, Roschwitzerstr. 26. Bielefeld, Turnerstr. 45. Bochum, Wiemelhauserstr. 40b. Braiidruburg a. H., Neustädtrscher Markt 2. Brauuschweig, Schloßstr. 2. Bremen, Faulenstr. 58/60. Bremerhaven, Am Hafen 49. Breslau, Nikolaistraße 18/19. Broulberg, Jakobstr. 17. Cassel, Wolfhagerstr. 5/7 I. Castrop", PH, Hermes, Carlstr. 1580. Chcmniu, Zwickauerstraße 152, T. Nr. 8366. Coburg, Rosengasse 1. Colli o. Rh., Perlgrabcn 20 I. Cottbus, Bnrgstr. 29. Crefcld, Klosterstr. 43. Darmstadt, Elisabethstr. 31. Dessau, Askanischestr. 107. Dortmund, Kiclstr. 5 L Dresden, Ritzenbcrgstr. 2 HL Düffeldorf, Kasernenstr. 67a. Duisburg, Friedrich Wilhelmstr.76. Elberfeld, Robertstr. 8a. Erfurt, Blagdeburgerstr. 51. Essen, Weberstr. 29. Forst i. L., Promenade 6. Frankfurt a. M., Slolyestr, 17 p. Freiburg i. Br,, Moltkestr. 30. Fürth, Theaterstr. 19 part. Grlsrnkirchcn, Höchste. 1. Gera(Reußß Alte Schloßgasse 11 1. Gersdorf'(Bez. Chemnitz), Rob. Frauenstein. Gladbeck) Kolpingstr. 3. Görlitz, Langeustr. 31 pari. Gotha, Erftirterstr. 2(altes Ge- richtsgcbäudc). Guben, Sckulstr. 7. ' alle a. S., Harz 42/43. amburg I, Besenbinderhof 57 II. amm i. W., Ritterstr. 43. anau, Mühlenstr. 2. annovrr, Münzstr. 5. arburg a. Elbe, Sand 1 L rrford, Hämelingerstr. ö. Parteiliteratur. Da» Protokoll über dir Berhandlungen des Preußischen Partei- tageS ist im Berlage der Buchhandlung Vorwärts erschienen. Ver- handelt wurden auf diesem Parteitage: Die Organisation in Preußen.— Die bisherige Tätigkeit des preußischen Landtages und die Wahlrcchtsfrage in Preußen.— Die Landtagswahlen 1908.— Die Lage der SlaalSarbeiter in Preußen.— Selbstverwaltung und Gemeinde. Wir empfehlen das Protokoll., das reichhaltiges Material zur Beurteilung der preußischen StaatSzustände darbietet. Der Preis für eine besser ausgestattete Ausgabe beträgt 2 Marl; eine billige Ausgabe für Vereine usw. kostet 50 Pfennig. Von der Arbeiter-GesundheitS-Bibliothck ist so- eben im Verlage der Buckhandlung Vorwärts, Berlin. daS 14, Heft erschienen. Es behandelt die Berhütung und Heilung dcS Stottrrns. In einer mit fünf Abbildungen ausgestatteten Einleitung gibt der Herausgeber ciuen kurzen Abriß der gesamte» Lehre von der Stimme und Sprache, eine Beschreibung der stimmbildenden Organe und der verschiedenen Mundstellungen bei der Bitdung von Vokalen und Konsonanten. Er schildert ferner die Sprachstörungen und die Entwickelung der Sprache beim Kinde. In'den folgenden Kapiteln: Die ersten Anfänge de? Stottern?, Welcher Mittel bedient sich das Kind, um nicht als Stotterer erkannt zu werden?. Wie behandeln wir das stotternde Kind bei don ersten Anfängen des Leidens?, Welches ist das geeignetste Heilverfahren? teilt dann der Belfasser, selbst ein geheilter Stotterer, seine bei der Erziehung jedes Kindes von jedem Vater und jeder Mutter zu be- herzigendeu Erfahrungen mit. Jedes Heft der Arbeiter-GesundheitS-Bibliothck kostet 20 Pf. Die Gemrindewahlc» in Württemberg, Eine erfreuliche Korrektur ist au der in Nr. 8 des„Vorwärts' gebrawten Zusammenstellung sozialdemokratischer Ge- ni e i n d e lv a h l s i e g e in Württemberg im Dezember 1907 vorzunehmen. Nachträglich haben sich noch vier Geineinden gc- meldet, die sozialistische Gemeinderäte aufs Rathaus gesandt haben, nämlich Schorndorf, H e s e l iv a n g e n. B a r.t e n b a ch und E n g e l s b r a n d. Dadurch erhöht sich die Zahl der Gemeinden auf 60, die der Geineinderäte ans 01 gegen 39 Gemeinden und 69 sozialistische Geineinderäte im Jahre 190a. Wachsttim der smnläntiischcu Sozialdemokratie im Jahre 1905/1906. Der soeben erschienene Benckt der sinnländischen sozialdemo- Hildesheim, Schuhslr. 4. Hochheide, Anton Dunker, Prinzstraße 95. Jena, Otto Günther, Schloßgasse 19. Karlsruhe, Kurven 19. Äattowitz(O.-S.), RathauSstr. 12. Kiel, Fährstr. 24. part. rechts. Königsberg i. Pr., Vorderroß- garien 50, Hof I. Kronach, Kirchenplatz 74. Landeshut i. Schl., Gasthof„Zur Sonne", II. Leipzig, Zeitzerstr. 32. Luckenwalde, Äarlstr. 56. Lübeck, Johannisstr. 46, part. Lüdenscheid, Rob. Fischer, Kluser» straße 8. Magdeburg, Gr. Münzstr. 3 1. Mainz, Zanggasse 13, Hinterh. II. Bkaiinheim, F. 4, 0. Meißen, Poststt. 13, T.-Nr. 567. Minden i. W., K. Litzinger, Kamp- straße 39. München 1, Laaderstr. 1. Reu-Ruppiu, Siechenstr. la II. Nordhauscn, Barfüßerstr. 13. Nürnberg, Eaydienplatz 22. Obcrhausen Ahl.", Marktstr. 5. Offcnbach a. M., Austr. 9 II. Osnabrück, KlnSstr. 11. Pforzheim, östliche Karl Friedrich- straße 37. Posen 0., Schießstr. 3. Necklinghausen", Hemers tr, 68. Remscheid, Kirch hofstt. la. Rostock, Dobcranerstr. 6. Siege», Heeserstr. 8 II. Solinge», Kaiserstr. 25. St. Johann a. d. Saar, Gerber» straße 5. Stettin, Bismarckstr. 9. Straßburg i. E., Finkmattstaden 2. Stuttgart, Eßlingerstt. 17/19. Thamm b. Seuslciiberg", Eisen- bahnstr. 7. Legesack. Langeustr. 52. Waldenburg i. Schl.» Friedländer» straße 28. Wiesbaden, Wellritzstr. 41 II. Worms, Mainzerstr. 19. Würzburg, Obertürstr. 11. Wunsiedel, Koppenertor 324. Zeitz", Nilol. Dolle, Nordstr. 4. Zwickau", Ant. Strunz, Richard- straße 15. crreickle Ende 1906 die Höhe von 937. Die Zahl der Partei- Mitglieder' stieg während derselben Zeit von 16 610 auf 85 027 (darunter 18 936 Frauen). Zur Partei gehörte» Ende 1903 66 Bauernorganisationen und 457 Gewerkschastsfilialelt. Die Einnahmen beliefcn sich im Jahre 1906 auf 1 080 875 M., denen 928 760 M. Ausgaben gegenübersianden, so daß das Rechnungsjahr mit einem Uebersckuß von 152 115 M. abgeschlossen werden konnte. Die Partei besitzt im ganzen Lande 129 Häuser, während ihr Mobiliarvermögen einen Werl von 1 052 986 M. besitzt. polizeiliches, ßcricbtiiches ufw. Strafkouto der Presse. Die Genossen Dr. Weil und Schlegel voit der„Fränkischen Tagespost" wurden vom Schöffengericht zu Nürnberg wegen angeblicher Beleidigung des Reporters Mohr voin freisinnigen„Frnnliicken Kurier" zu je 14 Tagen Ge- fängnis verurteilt. Sie halten den Mann, der die Sozial-' demokratic und einzelne Personen der Arbeiterbewegung beständig in der niederträchtigsten Weise angriff und eine Spezialität aus der Rechtfertigung arbeiterfeindlicher Maßregeln machtc, gebührend gc- kennzeichnet. Ter Wahrheittbelveis wurde vom Schöffengencht�ab- gelehnt, da schon die Form beleidigend sei. Die venirteilten Ge- nosseu haben Bmisuiig eingelegt. Orts- Krauteukasse der Tischler,. Spandau. Donnerstag, den 23. Januar. abcnbä 8V3 Uhr, Bei Rnniko, StfjbitiDalberltc. 60: General- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes, 2, Neil- Wahl des Vorslandcs, a) ein Arbeit- geber, d) zwei Arbeitnehmer, S, Wahl einer RechnungsprüsunaSkommission, 4. BerschiedeiicS, mp Der Borstand. Gottwalt. Vorsitzender. Zentral-Verband der Zimmerer ZabirtelU Berlin und Qmgegend. Bureau: Engel-Ufer 15 v. III, Zimmer SÄ. Fernsprecher: Amt 4 Nr. iiVLv. Donnerstag, den 10* Januar, abends 8 Uhr: AusserordenMvbe «itxUeÄer- Vorsammlims in der„Alhambra". Wailnertheaterstrasze 13. TageS« ordnung: [.„Die sozialpolitischen Gesetzesvoriagen im Reichstag". Rejereut: Reichstagsabgeordneter Genosse»«dort Sicdiutckt. Um zahlreichen Besuch der Mitglieder bittet 2. TtSkussiou. 2dt,1 DerDorstond. Lrtsverein Berlin. Sibieilung l und 2. DounerStag. 1V. Januar, abends 8 tttir, im»Neuen Klubhanse-. Komniandantcuslr, 72: Gemeinsame Mitglieder-Versammlung. TageS-Ordnung: l. Stellungnahme zu den nochmaligen EinigungS- btstrebunge» des Parteivorslandes. 2. Diskussion, i! VereinSangclegenheitcn. Der wichtigen TageS-Ordnung halber dars kein Mitglied, Fliesenleger sowie HüljSarbeiter dieser Versammlung fernbleibe». IMT* Mitgliedsbuch legitimiert.-Wg 28!/lS I»l« Vvi-uttln«!«. i- Ii. mim R». Bureau: Mclchlorstr. 23. iTilialo Berlin. Fernspr.: Amt 17,4787. Donncreag. den 16. Januar I90S. abends 8'/, Uhr: Mitglieder-Dersammlung im GewertschaftShanfe. Engel-Ufer 16. Tages-Ordnung: 1. Jahresbericht und Abrechnung vom i. Quartal 1907. 2. Wahl der Ortsverwaltung, l>. Verschiedenes.- 13i/J _ Mitgliedsbuch lrgitinnert. Die Ortuvenvaltmig. Arbeitonnchweis: BerwaltungssteUe Berlin. Hauptbureau: Hos 1. Amt 8. 1239.__ ChariWetraB« 3. Hos IU. Amt 3. 1S87. Donnerstag, den IS. Januar 1SS8, abends S Uhr: Sezirks-Versammlung für Sber-Sohöneweide und Umgepid im Lokale„Hasselwerder". TageS-Ordnung: i. Beratung über die von unserer letzten Gencraloersamlung noch nicht erledigten Paragraphen des neuen OriSslatutS. S. Diskussion. S. Neuwahl der Bezirksleitung. 1. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert«— Zahlreichen Besuch erwartet 110/11]>ic OrtsvertvaUitng. Gememlume Grtskronkenkusse für Dt.- Wilmersdorf und Umgegend. Nach ß 50 deS Statuts ist eine Ergäiizuig.swahl der Vertreier zur Keneralversammiung erforderlich und zwar jür die Wahlperiode bis 31. Dezember IbVS. Es sind von den Kasjeiimitglicder sür ausgeschiedene Delegierte drei Vertreter zu wählen. Wahlberechtigt und wähwar sind nur diejenigen Kassenmitglieder. welche giogjähiig und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte sind, Samt» liche wahlberechtigten Kassemnilglicder werden zu einem zwecks Vornahme der Wabten am WHtiwovK, den 22. Januar 8908 abends",7 llhr im„Luisenpart", Wilhelmsaue 112 stattfindenden Termin hierdurch mit der Ausforderung eingeladen, zur Legitimation ihre Krankenkassenbücher mlizubriiigen, Von den Älrbeilgrbern siud neun Vertreter zu wählen. Jeder Arbeitgeber, welcher Beiträge aus eigenen Mitteln an die Kasse zahlt, hat eine Stimme. Sämtliche wahlberechtigten Llrbeügeber werden zu einem zwecks Vornahme der Wahlen auf denselben Tag, abends Vz8 Uhr, in dem vorbrzcichneten Lokal« anberaumten Termine hierdurch cliigeladcii, Die Wahlen sind geheim und weiden durch Stiminzeite! je in einem Wahlgange in der W ise vorgenommen, das; der Etinunberechligte soviel Namen aus«inen Stimmzettel schreidl, wle Vertreter zu wählen sind. Wilmersdorf bei Berlin, den 13, Januar 1908. Der Vorstand der gemsm. Ortskrankenkasse für Ot.-Wii Siersdorf u. Umgegend P, HauuNchke, Vorsitzender. Hieran anschliebsnd findet eine A. Krlcdemann, stell». EchrlMyrer. Deutscher Buchbinder-Verband. Kahlstelle Berlin. DountrStiig, den 16. Januar, abends 8 Uhr, im Gewerkschafts» hause, Engelufer 15 sSaal 4): Anftrordklillidie Grarrel-Ntrsammliilig. TageS-Ordnung: l. Beschlufisassutig über die Revidicrung des OrlSstalulS. 2. BerbandSangelegenhellen. 23/2 Zahlreiche» Besuch erwartet Die OrtSverwaltung. (llingetrszeiie llanvaaensodaN mit bsaodrlinhiar»attptiiodi.s Donnorstafs, den 23. Januar, abends 8 Uhr, im Saale des Herrn Götz, Tegel, Schloßstr. 7/8: Ordentliche General-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. GeschästSberichi. 8. Slnsührung von HauSanteilschelnen. 3. Er« Werbung eines GeschästSanleils bei der Baugenossenlchall.Freie Scholle-. 4. Veremsangelegeitheilen. 103,0 Oer Aufkichtsrat. flußerordentliclje General•Vcriammlung der Vertreter der Arbeitgeber und Kasieiimtiglieder statt. 1. a) TageS-Ordnung: ' frteai Ersatzwahl für da» durch Amtsniederlegung ausgeschiedene Vor- siandSmitglied Herrn August Hossmann für die Wahipeciode bis öl Dezember tDlO. b) Ersatzwahl für das durch Amisniederlegung ausscheidende Vor» standSmitglied Herrn Baumeister Hanuschke sür die Wahlperiode bis 31. Dezember tlltO. o) Ersatzwahl sür daS durch AmlSnicderlegung ausgeschiedene Vor- siaiidsmitglied Herrn Dllhelm Arndt sür die Amtsdauer bis 81, Dezember 1008, d) Ersatzwahl sür das durch AmlSnicderlegung ausgeschiedene Vor- standsmiiglied Herrn Otto Weiß sür die AmISdaucr bis 31. Dezember 1909. 2. Verschiedenes. 270/ L Der Vorstand P. VVannschke, A. Kricdeniann, _ Vorsitzender. stellv. Schrisisührer. Zahttärztliche Klinik 8V., kelie-AIlianoestraOe 106 1, v kl., krunnenstralle 183 l, gegenüber Warenhaus Jandorj, am Rosenihaler Tor. Zahnziehen unentgeltlich. Bei tünstl. Zähnen u. Plomben w. d. Un- lösten berechnet.— Geössnei von 0—0 Uhr. Sonntags 9—12 Uhr. 11212* Jedes Wort 10 Pfennig. Da. erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg. t das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mii mehr als IS Buchstaben zählen doopelt, Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annanme- stellen(Or Berlin bis I Uhr,(ür die Vororte bis 12 lldr, in der Haupt•£ pedilion, Llrdenstrassc 69, bis S Uhr angenommen. Verkaufe. Det'l'itbeinilFardeniedlernftabrib lliederliig, Wrest itzinnbiiririninRt 9, Varien» ieui Laden. Mauerhosi. ti chardinr«»»».>»toi,t,t>»iif>»riet. stratzt 9. parterre. Kein Laden. Marierbott. if Strl>r>berfe» billigst Febril Srotzt Fraiik'urieriiraxt ü rmlieitt»> ' Nahmaschinen. Vergüte bis 20.00 wer Teilzahlung taufl oder nachweist. Sämtliche Sylieme Postkarte genügt. Bromer, Frankfurter Allee>01. Laden. 2970dt' Tel'i'iNie!(seviervatlei»> allen GrStze» iüt die Hülste des Wn ieS im Zenpichlug», Brünn Hade�wer Mark! 4. Suviidul Börle. 201/11» jtiepibrdch jputtbillin, frobrik Grone Franttm leriirage 60. 89039* Winterpaletots, Anzügeoerkauf, Uhrenvei laus. Goldsachen. 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