|te. 18. ffbennrmtntS'Btillnsungen: IBoraiemmtS■ Preis filmmarambo, LteneljShrl. 8,30 SPII, monoü. 1,10 Mk, »röchenUich 28 PIg. fiel WS HauS, Einzelne Nummer 8 Pfg, SonnragS- »ummer mit wuslriertei SonnlagS- Vellage»Die Neue Welt' 10 Pig, Polt- LlbonnemeM: 1,10 Marl vro Monat. Eingetragen w die Poll. ZcitungS. DreiSIiile. llnm Kreuzband mi Demichland und Oellerreich. Unoarn 2 Marl, für daS übrige NuSIand Z Morl vro Monat PostabonnemenIS SS. Jahrg. OMittot tlgüik auStf m«,,»«. Veelinev Nolksblerlk. vie loiei'tionz-eebilhr beträgt für die fcchSgelpaltene Koloneb- Zelle oder deren Raum 50 Pfg„ für Volitilche und gewertichaftliche Vereins- und BerfammlungS-Anzeigen W Pfg. „kildne anzeigen", daS erste(fett- gedruckte) Wort 20 Plg, jedes wciiere Wort 10 Pfg, Stcllcngciuche unb Schlaf- stcllen-Nnzeigcn das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inlerate für die nächste Nummer müssen bis S UHr nachmlllags in der Expedition Abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „Soii Grimmen 99,80, Stralsund-Rügen 231,52, Anklam-Demmm 22,40, ÄöSlin-Kolberg 64,13, Stolp-Lauenburg 5.13, Naugard-Regenwalde 9,08, Greifenberg Kammin 8,80, Neustettin 8,—, Drainburg 2,—, Bütow-Schlawe-Rummelsburg 13,04). Schwäbisch-Hall, 11. Württ Wahlkreis. 3. Quart. 34,28. Strahburg-Land 77,40. Berlin, den 14. Januar 1907. Für den Partervorstand: i. V.: Fr.©Bert, Lindensir. 69. Das tote lhaus. Die Toten reiten schnell. Und seit dem 1». Januar 1908 hat das preuhische Abgeordnetenhaus sein Leben verwirtt. Niemand anders als Fürst Bülow selbst hat bewiesen, daß die Vollziehung des Todesurteils notwendig ist! denn indem er erklärte, daß die Regierung keine Acnderung des Wahlrechts zulasse nnd das Abgeordnetenhaus begeistert zustimmte, hat es gesagt, daß es für die Notwendigkeit der deutschen Ent- Wickelung abgestorben ist. Woran erkennt man denn, daß ein Parlament lebendig ist? Daran, daß es der Ausdruck der lebendigen Kräfte des Volkes ist, das Organ, in dem die wirksamen Jnter- essen und Willensrtchtungen der einzelnen Klassen und Schichten des Volksganzen zum Ausdruck kommen und sich umsetzen in einen Gesamtwillen. Das preußische Abgeordnetenhaus aber bedeutet eine groteske Fälschung des Volkswillens, ein Trug- und Wahnbild, das nur in elender Verzerrung das Volksganze widerspiegelt. Es ist eine lächerliche Lüge, daß in diesem Hause auch nur die bürgerlichen Interessen wirksam vertreten sind. Vor sechzig Jahren ist dieses Haus aus dem Verfassungsbruch geboren worden und schon vor sechzig Jahren sollte es ein Mittel der feudalen Restauration werden. Die Krone, die allein in dem ostelbischen Grundbesitz ihren Schutz und Schirm sah, hatte es für ihre Bedürfnisse geschaffen. Um nicht vor den verhaßten und gefürchteten— wie unbegründet war leider diese Furcht— revolutionären Städten zurückiveichcn zu müssen, hat sie vor dem Junkertum kapituliert. Der Absolutismus der Krone wurde zum Absolutismus der Junker, und das preußische Abgeordnetenhaus ist nichts anderes als die Aufrichtung der Guts- Herrschaft über das preußische und zuletzt über das deutsche Volk. Nur kur�e Zeit gab der plutokratische Wahlmechanismus dem Bürgertum einige Chancen. Die Schwachheit und Mattheit des Liberalismus. der schon damals aus Angst vor den Anfängen der Arbeiter- bewegung den entscheidenden Moment verstreichen und die ent- scheidenden Mittel unangeivandt ließ, gab bald dem Junkertum und seiner Bureaukratie dasHeft in die Hand. Die öffentliche Wahl wurde zum gewaltigen Kampfmittel in den Händen einer skrupellosen macht- gierigen Bureaukratie. und dieses Parlament, das der Rechtsbruch der preußischen Krone geboren hat, ist heute in seiner Zusanimensetzung bestimmt durch den offenen, gesetzlich santtionierten Wahlterrorismus der öffentlichen Wahl, durch die sortgesetzte Verletzung von Treu und Glauben. Könnten politische Angelegenheiten vor einem Zivilgericht entschieden werden, das preußische Abgeordnetenhaus müßte für null und nichtig erklärt werden, da es nur zustande kommt oontra bonos moros, durch den Verstoß gegen die guten Sitten. Aber der Wahlterrorismus ist nur möglich durch die Wahl- kreiseinteilung, die eine jede Aussicht auf entscheidende Aendcrungen im Abgeordnetenhause unter dem gegen- wältigen Wahlrecht unmöglich macht. Fast zwei Drittel der Abgeordneten dieses famosen Parlaments werden von den Gutsherren ernannt, die in der ersten Klaffe die Wahlmänner ernennen, während in der zweiten ihre Gutsinspektoren und Wirtschaftsbeamten dieses Geschäft besorgen. Rechtlos, zu einer lächerlichen Minorität verurteilt, sind alle städtischen Schichten, und selbst für die Großbourgeoisie ist dieses agrarische, verkehrsfeindliche, kultur- hemniende Parlament nur erträglich, weil das Großkapital auch gewisse Opfer nicht scheut, um in den Junkern und ihrer Bureaukratte sich eine Gewaltgarde zur Niederhaltung der Arbeiter zu schaffen. Rechtlos aber wie die Arbeiter ist auch der kleine städtische Mittelstand, dem die Agrarier nur hier und da einige Schau- brote zukommen lassen, um sie in ihrem Unverstand, in ihrer Verblendung gegen die Arbeiter ausspielen zu können. Einflußlos ist die Intelligenz. Von den Lehrern der Volksschule bis zu den Profefforen der Universitäten müssen alle Intellektuellen das Joch der Geistcsknechtschast tragen. Mit aller Wucht und Macht aber ist dieses Haus zum Feind der Arbeiterklasse, ihres kulturellen, ökono- mischen und politischen Aufstiegs geworden. Unberührt von dem Leben da draußen, unbekümmert um die Notwendigkeit der Entwickelung, erstarrt und versteinert stellt sich dieses Bollwerk allem entgegen, was zum Leben drängt. Eine ungeheure Umwälzung hat sich vollzogen, Preußen ist ein erstes Industrieland geworden, seine Arbeiterschaft kämpft in der vordersten Reihe des gewaltigen Heeres der Jnternattonäle, aber dieses abgestorbene Haus verharrt auf einem Standpunkt. der schon 1848 überwunden war. Fragt man aber, wie war es möglich, daß dieses Monstrum noch immer da ist, daß es das schlimmste Hindernis der deutschen EntWickelung bleibt, dann ist nur eine Antwort möglich: Dieses Haus lebte von des Volkes Gnaden. Das preußische Volk hat es erttagen, weil es seine dringendsten Aufgaben in der Arbeit des Reichstages erblickte. Dort kam es zum Wort, dort hat es die deutsche Einheit gegründet, das eine Recht geschaffen, das große Wirtschaftsgebiet hergestellt. Aber andere Zeiten, andere Aufgaben und andere Kämpfe. Die Arbeit im Reiche stößt an das Hindernis in Preußen. Das preußische Abgeordnetenhaus, das ist der schlimm st e Feinddes deutschen Reichstags. Der Wille, der aus dem leichen Wahlrecht geboren wird, wird gehemmt durch den illen deS Dreiklassenwahlrechts. Die, ach, so langsamen und geringen Fortschritte im Reichstag scheitern immer wieder an dem Widerstand der preußischen Regierung, die den Bundes- rat beherrscht, scheitern an dem Widerstand einer Bureaukratie, die aus den Junkern hervorgegangen, nichts ist als die Voll- streckerin des Willens des Junkerparlaments. Kein entscheidender Fortschritt im Reich, ehe nicht dieser Widerstand überwnnden ist. Deshalb muß das Dreiklassenwahlrecht fallen. Wir wissen jetzt, was auf dem Spiele steht. Mit seiner ganzen Leiden- schaft und Gründlichkeit hat das preußische Volk, haben die Arbeiter das große Problem erkannt. Die Langmut des Volkes, von der dieses Haus die Existenz gefristet hat. ist dahin. Das Privilegienparlament muß beseitigt werden. Die Erklärung Bülows hat gezeigt, daß dieses Haus nicht mehr die Kraft und Einsicht besitzt, das Notwendige selbst zu tun. Das ist das Wertvolle dieser Erklärung: Sie sagt nichts anderes, als daß in diesem Hause keine Fähig- keit mehr lebt, mit der Entwickelung fortzuschreiten. Die Entwickelung muß daher über dieses Parlament hinweg. Die Wahlreform ist nur möglich, wenn sie diesem Haus von außen aufgezwungen wird. Die Taktik der Sozialdemo- kratie ist ihr durch die Verhältnisse vorgeschrieben und nichts törichter, als die Meinujig, die mächtige Volksbewegung, von der ganz Preußen und bald ganz Deutschland widerhallt, sei das Werk der Führer. Es sind d i e M a j s e n s e lb st, die jetzt die Aktion bestimmen, und die Führer können nur ihre Erfahrung und ihre Einsicht in den Dienst der Massen- bewegung stellen. Die Rechtlosen fordern ihr R c ch t. Wie sollen sie's anfangen? Aus dem Hause der Gesetzgebung sind sie ausgeschlossen. Den Forderungen ihrer Versammlungen antwortet der Hohn der Junker. Auf ihre Gründe achtet der einsichtslose Starrsinn nicht. Ihrem Recht stellt sich die Macht gegenüber. Da müssen die Massen sich selbst zeigen, ihre eigene Kraft dokumentieren, ihre Unentbehr- lichkeit vor Augen führen. Wir wissen, daß unZ der Un- Expedition: EM. 68» Lindcnstravse 69. Kernsprecher: Amt IT, Rr. 1984, verstand der Gegner, die Lauheit der bürgerlichen Wahlrechts- freunde, die Verzagtheit der Abseitsstehenden noch manche Opfer auferlegen wird. Aber wir wissen auch, daß uns unser Recht werden muß, denn die Erringung der Demokratie ist das Lebensinteresse unseres Volkes. Fürst Bülow hat zuviel gewollt. Indem er die Wahl- rechtsbewegung damit vernichten wollte, daß er den äußersten Widerstand der Regierung proklamierte, wollte er ihre völlige Aussichtslosigkeit zeigen. Sein Zweck war, durch brutale Klarheit die Massen zu entmutigen. Er hat das Gegenteil erreicht, und es ist der große Erfolg unserer Wahl- rechtsdenwnstration, daß sie s o.f 0 r t bewiesen hat, daß die Wahlrechtserklärung der Regierung ein Blatt Papier war, das der Sturmwind der Demokratie verweht hat. ES ist ge- spielte Dummheit, wenn Reaktionäre fragen, worin der Er- folg bestanden habe, da das Wahlrecht ja fortbestehe. Wäre die Erringung der Rechtsgleichheit so leicht, sie wäre längst erobert. Das aber ist durch die Demonstration erreicht, daß das Wahlrecht in Preußen in den Mittelpunkt der gesamten Politik gestellt ist, daß Bülows Zweck vereitelt, die Massen begeisterter und entschlossener sind als je. DerKampfgehtweiter. Ob er kurz oder lange dauern wird, das hängt zu einem großen Teil von dem Ver« stand der Machthaber ab. Wir fürchten weder den Kampf noch seine Dauer. Der Kampf ist unser Element und die Erfahrung aller Länder lehrt, daß das Wachstum der Sozialdemokratie nie so rapid und umfassend ist, als wenn die Verweigerung ihres Rechts den Arbeitern ihre Feinde in ihrer wahren Gestalt erscheinen läßt. Die Gewährung der Rechtsgleichheit ist das dringende Interesse gerade der bürgerlichen Parteien, die auf die Stimmen der Rechtlosen noch glauben rechnen zu können. Daß diesen Parteien die Frage mit allem Nachdruck gestellt werden wird, darauf mögen sie sich verlassen. Die aufrüttelnde Agitation unserer Bewegung muß auch den letzten Rechtlosen aufsuchen. und es ist uns gar nicht bange, daß das Wahlrecht seinen Eroberungszug bis zum siegreichen Ende führen wird. Petei'! am Schandpfal)). Peters und Herr Seiko begannen die heutige Verhand» lung mit dem Versuch, die Tatsache in Abrede zu stellen, daß von der klägerischen Seite auch im letzten Augenblicke tvieoer der Versuch des KneifenS gemacht worden ist. Beide erklärten, daß sie einen Vergleich nicht angeregt hätten, wie die Presse ge- meldet habe. Rechtsanwalt Falk, der Verteidiger Bennigsens. stellte jedoch fest, daß Rechtsanwalt Rosenthal. derRechiSbeiftand des Pciers im Münchener Prozeß, einen solchen Vergleich' anzubahnen versucht habe. Daß aber Rechtsanwalt Rosenthal auf eigene Hand in diesem Stadium des Prozesses einen Vergleichsversuch unternommen hat. mag PcterS zehnmal behaupten, glauben wird es ihm kein Mensch! Nachdem der auch vom Vorsitzenden noch einmal unternommene Versuch, einen Vergleich zustande zu bringen, gescheitert war, vcr- suchten sich Peters und Herr Sello noch aufs hohe Roß zu schwingen! Herr Sello riskierte die groteske Behauptung, auf den „Tuckerbrief" allein komme es in dem Prozeß an. Bebel habe behauptet, Tucker habe einen Besuch des Peters abge» lehnt, weil e r ihn für einen Mörder halte. Das sei aber die „niederträchtigste Fälschung". Folglich erstrahle die Unschuld des Peters in fleckenloser Reinheit. PcterS überbot diese Mätzchen noch mit der ihm eigenen Unverfrorenheit. Er erklärte, der Tag der Verhandlungen, an dem sein Briefwechsel mit dem Bischof Smithis bekannt geworden, sei für ihn„der herrlichste Tag seines Lebens". Der zur Verlesung gelangte Briefwechsel bewies dagegen gerade, daß z i e m l i ch a l l c s, was Bebel in der Reichs. tagssitzung vom 13. März 1896 über den Tuckerbrief mitteilte, zutrifft. Nur hieß der Bischof nicht Tucker, sondern S m i t h i e s! SmithicS lehnte einen Empfang des Peters ab, solange sich PeterS nicht von der Anschuldigung des Mordes gereinigt habe! Und Peters übergab, wie am Mittwoch festgestellt wurde, dem Major Ken tr ick den sogenannten„Briefentwurf" ausdrücklich zu dem Zwecke, ihn eventuell dem Bischof SmithicS zu über- Mitteln! In diesem an die Adresse Smithies gerichteten Briefe aber gab Peters zu, daß Mabruk auch des Geschlechts« Verkehrs mit den schwarzen Konkubinen der Offiziere verdächtig gewesen sei! Ungefähr das gleiche sollte aber auch in dem Tuckerbrief gestanden haben. Die „niederträchtige Fälschung" des Herrn Sello bestand also in der ganz nebensächlichen Verwechselung der Adressen« Rechtsanwalt Falk und Herr v. Bennigsen selbst leuchteten denn auch dem PeterS und seinem Verteidiger gründ- lich heim. Sello hatte sich, was für einen Juristen ganz unglaublich ist, zum Beweise für die Reinheit des Peters auf die kaiserliche Begnadigung des PeterS berufen. Rechts- anwalt Falk erklärte kühl und sarkastisch, daß er Herrn Sello auf dies Gebiet nicht folgen könne, vermöge er doch nicht nach- zuprüfen, auf wessen Bortrag hin die Begnadigung erfolgt sei! Vom Kolonialamt sei der Vorschlag der Begnadigung schwerlich gemacht worden! Im übrigen komme es gar nicht auf die Beteuerungen des Peters in seinen Briefen an Smithies an,— schon Bischof Smithies selbst wies diese Unschuld s- beteuerungen mit der spitzen Bemerkung zurück, er habe gehofft, daß der de? Mordes beschuldigte PeterS andere Beweise seiner Unschuld beizubringen vermöge, als seine eigenen, d. h. de» Be- schuldigten ErklSrungenl sondern auf die Tatsache», auf die Laien des Pete»S! Diese Talen aber seien in den beiden Dis- ziplinargerichten festgestellt. Darüber hinaus aber habe der diesmalige Prozeß erwiesen, daß Peters sich die ungeheuer- lichsten Brutalitäten habe zuschulden kommen lassen. Dr. Falk verwieg auf das beispiellos roh« Wort an den Maler Kuhnert: „Wollen Sie nicht noch einen Schwarzen fckiiesicn?"» auf den noch von grauenhafterem Zynismus zeugenden Trinkspruch:„Es lebe der selige Mabrukl", auf die mit ungeheuerlicher Roheit vollzogene AuSpeitschung der Jagodja usw. usw.! Gravierend für den Peters sei auch, daß er zu einer Zeit, wo noch Belastenderes für ihn festgestellt gewesen sei, die Tis- ziplinarurteilung ruhig habe über sich ergehen lassen. Erst nach 15 Jahre», als er Gras über die Geschichte gewachsen wähnte, habe er seine„Rehabilitierung" versucht. Aber Peters sei tot. Und mit ihm die Petersrlique! Denn die Versuche des Herrn Arendt, die Zeugenaussagen des Konsuls Bau mann und deS ehemaligen Leutnants Bronsart v. Schcllcndorff als unglaubwürdig hinzustellen, seien schmählich mißglückt! Scharf und schneidig fertigte dann noch H e r r v. B e n n i g s e n f e l b st den Peters und Herrn Sello ab. Er sei nach wie vor der Ueberzeugung, daß Peters sich der Ehre eines deutschen Beamten durch seine Taten verlustig erklärt habe. Die ungeheuerliche Brutalität der Urteile gegen Mabruk und die Jagodja seien nur dann erklärlich, wenn sexuelle Motive mitgesprochen hätten. Wenn Herr Sello gemeint habe, er, Bennigsen, habe in seinem Vorgehen den Grundsatz nicht bedacht:„dlodlesse adlige", so bestreite er Herrn Sello jede Kompetenz zu solchem Urteil. Und wenn er jemals im Zweifel darüber sein sollte, wozu der Adel verpflichte, so werde er sicherlich nicht Herrn Sello um seinen Rat bitten. Er sehe dem Urteilsspruch mit vollem Gleichmut entgegen. Sollte wirtlich eine Verurteilung erfolgen, so werde er sich mit dem Worte trösten: Lumma jus, summa injuria. (Das hoch st e Recht ist das hoch st e Unrecht.) Das Urteil wird erst am 22. Januar verkündigt werden. Wie «S auch ausfallen mag, der Peters und die Peterssippe ist gerichtet für alle Zeiten, gebrandmarkt! Auch die Aussagen des kommissarisch vernommenen ehemaligen Gouverneurs v. Soden haben den Peters noch mehr belastet. Und nicht nur den Peters, sondern unsere ganze Kolonialverwaltung. die sich von der Petersclique, den Arendt und Konsorten terrorisieren ließ. Herr v. Soden bekundete, daß er vergeblich den Kolonialdirektor K a h s e r zur Einleitung einer Untersuchung veranlaßt habe. Auch E a p r i v i habe ein Einschreiten gegen PeterS abgelehnt. Und das, trotzdem Herr v. Soden Caprivi geschrieben hatte, daß„ein solcher Bursche" wie Peters nicht länger im Kolonialdienst ge- duldet werden könne! Der Petersprozcß entrollte also nicht nur die Schande des Peterö und seiner Hintermänner, sondern auch die Schmach der deutschen Kolonial Politik! Ob nun die Begnadigung des Peterö wieder rückgängig ge- Wacht werden wird? Das ßeichsvminsgeietz vor der Kommiiiion. Die Kommission zur Borbcratung des VereinsgesetzcS trat am Mittwochvormittag unter dem Vorsitz deS nationalliberalen Abg. ch i e b e r zusammen. Ein Antrag unserer Genossen, zunächst in einer Generaldebatte die Grundlagen des Gesetzes zu er- örtern, wurde gegen unsere Stimmen und die der Polen abge- lehnt. Die Einzclberatung begann mit dem tz 1, der da lautet: „Alle Reichsangchörigen Häven das Recht, zu Zwecken, die den Strafgesetzen nicht zuwiderlaufen, Vereine zu bilden und sich zu versammeln." Hierzu liegen eine Reihe Abänderungöanträge vor. Die Sozialdemokraten stellen folgenden Hauptantrag: ß 1: „Zur Veranstaltung und Abhaltung von Versammlungen und zur Bildung von Bereinen dedarf es weder einer Anmeldung bei einer Behörde noch einer Erlaubnis durch eine Behörde. Versammlungen, die auf öffentlichen Straßen oder Märkten statt- finden, sind spätestens 6 Stunden vor ihrem Beginn durch den � Veranstalter oder Einberufer bei der mit der Ordnung des öffentlichen Verkehrs betrauten Ortsbchördc anzuzeigen. Alle den vorstehenden Bestimmungen widersprechenden Gesetze und Aorordnungen, einschließlich derer, welch« die Verabredung und Vereinbarung zum Zweck der Erlangung günstiger Lohn- und Beschäftigungsbedingungen hindern, untersagen oder unter Straf« stellen, sind aufgehoben." Eventualantrag:§ 2: „Vereine und Versammlungen aller Art sind nur den Bc° schränkungcn der RcichSzesetze unterworfen. Die geltenden landesrechtlichen Gesetze über Vereine und Versammlungen sind aufgehoben; neue dürfen nicht erlassen werden. Anordnungen von Verwaltungsbehörden aller Art, wodurch die Abhaltung von Versammlungen und Vereinszusammenkünften allgemein oder in einzelnen Fällen verhindert oder beschränkt wird, sind nur nach Maßgabe des RcichSrechts zulässig. Den Vereinen und Ver- sammlungen stehen gleich belehrende oder religiöse Vorträge, sowie Vereinigungen und Zusammenkünste zum Zwecke körper- licher Ausbildung." Die Fr e i s i n n i g e n beantragen, dem Z 1 folgende Fassung ZA geben: „Die Vereins- und Versammlungsfreiheit unterliegt nur den- jcnigen Einschränkungen, welche durch dieses Gesetz vorgeschrieben und zugelassen find. Bereine und Versammlungen, deren Zweck dem Strafgesetzbuch zuwiderläuft, sind verboten." Das Zentrum empfiehlt folgende Fassung: „Jedermann hat das Recht, zu Zwecken, die den Strafgesetzen nicht zuwiderlaufen, in Gemeinschaft mit anderen Vereine zu bilden und sich zu versammeln." Die Konservativen schließlich beantragen, jungen Leuten erst vom 20. Jahre an das Vereins- und Versammlungsrecht zu gewähren und die grauen vou den Wählerversammlungen auS- zuschließen. Zur Begründung der sozialdemokratischen Anträge sagte Genosse Seine: Der erste Antrag stelle den grundsätzlichen Standpunkt der Sozialdemokratie dar, die jede Beschränkung des Vereins- und Versammlungsrechtes verwerfe. Da aber anzunehmen sei, daß die Kommission diesen Standpunkt nicht teilen werde, sei der zweite Antrag eingebracht, um das Reichsvereinsgefctz zu verbessern. Die Ausländer müßten den Inländern gleichgestellt fein, wie sie es freilich nur der richtigen Ansicht nach, nicht in der Praxis, in Preußen bereits wären. Eine gesetzliche Bestimmung, die die Polizeiwillkür ausschlösse, wäre deshalb nötig. Nach den Motiven gum Reichsvcreinsgesetz sollten die allgemeinen Polizeibcfugnisse rruch Vereinen� und Versammlungen gegenüber gelten. Dadurch würden die Präventivverbote von Versammlungen, Ivo sie jetzt gelten, zum großen Teil aufrecht erhalten, z. B. in Sachsen-Weimar. In anderen Staaten, z. B. in Preußen, wo«s bisher keine Präventiv- Verbote gäbe, wäre zu befürchten, daß sie nunmehr als zulässig an- gesehen würden. Ueberhaupt wären die hauptsächlichsten Schikanen gegen das VereinSrecht nicht mit Hülfe der Vereinsgesetze, sondern auf Grund dieser allgemeinen polizeilichen Machtmittel der Gesund- heits-, Bau- und Gewerbepolizei ausgeübt worden. Heine forderte bann die Hineinbeziehung des Koalitionsrechtes in das Vereins- recht, das nur ein Fall spezieller Anwendung deS Vereins- und Versammlungsrechtes wäre, und verlangte freies Koalitionsrccht für die Land- und Staatsarbeiter. Wenn staatliche Behörden ihren Beamten und Arbeitern durch Dienstvertrag das Vereins- und Versammlungsrecht beschnitten und raubten, so oerstoße das ebenso gegen die guten Sitten, und müsse ebenso unmöglich gemacht werden als wenn private Unternehmer ihren Arbeitern durch den Arbeits- vertrag die Ausübung des Vereins- und Versammlungsrechtes unter- sagten. Unser Redner öckämpfte die rückschrittlichen konservativen Anträge aus Einschränkung des Versammlungsrechts der Jugend- lichcu und der Frauen und forderte schließlich einen geordneten Rechtsweg gegen alle behördlichen Verfolgungen. Gegen die konservativen Anträge wendete sich auch der Abg. Dt. Müller-Meininge», der die freisinnige Fassung de»§ 1 teidigte, und der Abg. Trimborn, der den Zcntrumsanirag vertrat. Trimborn erklärte, daß auch der Teil seiner Fraktion, der bisher in der Frage des Vereins- und Versammlungsrechtes der Frauen anderer Ansicht gewesen sei, seine Bedenken nunmehr aufgegeben habe.>. Der konservative Abg. Dietrich suchte den Antrag seiner Fraktion damit zu verteidigen, daß er auf den wachsenden Einfluß unserer Partei auf die Jugend hinwies. Diese systematische Einführung der Jugend in die sozialdemokratische Gedankenwelt soll durch die Polizeifaust verhindert werden. Der Antrag sei so bedeutungsvoll, daß die Konservativen es sich noch überlegen müßten, ob sie für das ganze Gesetz stimmen könnten, wen» dieser ihr Vorschlag ab- gelehnt würde. ES sei geradezu ein Unfug, den Jugendlichen das Vereins- und Versammlungsrecht unbeschränkt zu Überlassem Der Antrag seiner Partei, das Versammlungsrecht der Fraueij einzuschränken, fei der Hochachtung vor der deutschen Frau entsprungen, die den Roheiten des Wahlkampfes cnt- rückt werden müsse. Dürften die Frauen in die Wählerversamm- lungcn hinein, so sei das der erste bedenkliche Schritt auf dem Wege zur Verleihung des allgemeinen Stimmrechts an die Frauen. Der konservative Vorschlag fand aber keine besonders warme Unterstützung. Selbst der Reichsparteiler Fürst Hatzfeld wollte eine Beschränkung des Vereins- und Versammlungs- rechts der Jugendlichen nur bis zum 18. Jahre gelten lassen und der Natioualliberale Junck war gleichfalls hoch- stcns mit der Beschränkung auf 18 Jahre einverstanden, während er die Einschränkung des Versammlungsrechtes der Frauen grund- sätzlich ablehnte. Im übrigen sagte er höchst nationalliberal: Wir haben uns enthalten, Anträge zu stellen, da noch keine RegierunAs- crklärungcn vorliegen, die uns in die Lage setzen werden. Anträge zu formulieren. Natürlich war Herr Junck durchaus der Ansicht, daß die Disziplinargewalt der Behörden gegen die Beamten nicht durch das Vereinsgesetz beeinträchtigt werden dürfe. Die von den Nationalliberalen so sehnlichst erwartete Erklärung der Regierung gab Staatssekretär v. Bcthmann-Hollweg ab. Er meinte, nur der Rcichsinländer könne aus dem§ 1 Rechte für sich beanspruchen. Tie Bestimmungen des Frcmdenrechtes würden da- durch juristisch nicht berührt. In keinem Staate der Welt sei den Ausländern das Recht auf Vereins- und Versammlungsfreiheit garantiert. Das Reichsvereinsgesetz werde unbedingt alle schilanösen Anwendungen der Landesgesetze ausschalten. Das Disziplinarrecht der Behörden, das Recht von Unternehmern, Privatverträge abzu- schließen und die Gewalt des Vaters über daS Kind könne in diesem Gesetze nicht geregelt werden. Er müsse Verwahrung gegen die Bemerkung deS Abg. Heine einlegen, daß die Verträge der Behörden mit ihren Beamten, die das Vereins- und Versammlungs- recht einschränken, gegen die guten Sitten Verstößen. Nach Ver- abschiedung des Gesetzes würde der jetzige Rechtszustand in Preußen bestehen bleiben, wie er nach den Erkenntnissen des Oberverwaltungs- gcrichts festgelegt sei. Die Absicht des neuen VereinsgesetzeL sei nicht, der Polizei Hintertüren zu öffnen; wenn es nach seiner An- ficht ginge, würden alle Schikanen unterbleiben. Auf der anderen Seite dürfe man aber auch die Staatsgewalt nicht gegen jeden Verein und jede Versammlung lahmlegen wollen. Baupolizeiliche Beschränkungen würden immer notwendig bleiben. Die Polizei niüsse doch das Recht haben, einzuschreiten, wenn z. B. eine Ver- 'ammlung auf einem zugefrorenen Teiche abgehalten werden solle. DaS Koalitionsrecht solle nicht mit dem Vereins» und Versamm- lungsrecht verknüpft werden, sonst würden dem Vereinsgesetz nur unnötig weitere Schwierigkeiten bereitet» Dem Vereins- und Versammlungsrecht der ländlichen Arbeiter solle keinerlei reichö- gesetzliche Beschränkung in den Weg gelegt werden, nur die landes- gesetzlichen Bestimmungen, die Verbote enthielten, müßten aufrecht erhalten bleiben. Der Schlußsatz des sozialdemokratischen Evcntual- antrags sei von viel zu großer Tragweite, er würde die voll- ständige Lchrfreiheit bringen, da nach seinem Wortlaut auch die Schulen unter das Gesetz fallen müßten. Eine Rede des konservativen Abg. Kreth bildet den Schluß der heutigen Kommissionsverhandlung. In seiner bekannten Manier rühmte Herr Kreth seiner Fraktion nach, daß sie bei ihren An- trägen eine Mäßigung und ein Entgegenkommen bewiese» hätte. das ihre Wähler kaum verstehen würden. Wenn man das Vereins- und Versammlungsrecht regeln wolle, müßte man die Großstadt- drille ablegen. Die Jugendlichen sollten wenigstens nicht vor dem 20. Jahre mit Gesinnungen infiziert werden dürfen, die sie u> Rekruten untauglich machten, und— die eigentliche U r- ache der Soldatenmißhandlungen(!) wären. Auch ie Ausschließung der Frauen aus der Wahlversammlung sei schon aushygic nischen Gründen nötig. Der Bauer wolle nicht. daß seine Frau mit dem Säugling auf dem Arm sich in den ver- räucherten Lokalen an der Gesundheit schädige, wenn er zu ernsten politischen Beratungen zusammentrete. Morgen Fortsetzung. Die OMzimgehAter vor der Budget- Kommission. (Sitzung vom 16. Januar.) Die Beratung wird bei Kapitel 19(Höhere Truppen- befehlöhaber) fortgesetzt. An Gehältern für 135 höhere Offiziere im Range von Generalen werden 3 421 593 M., 20 658 M. mehr als im Vorjahre, erfordert. In der allgemeinen Besprechung über diese Position werden die Zeitungsnachrichten über eine kommende Artillrrievorlage zur Sprache gebracht. Der Krieasminister v. Einem bespricht ein- gehend die artilleristischen Einrichtungen des HeereS und versichert, daß Aenderungen nicht geplant und an eine neue Artillerie- Vorlage nicht zu denken sei. Für Dienstwohnungen werden sehr große Aufwendungen ge- macht, insbesondere für die Dienstwohnung deS Bouver- neurS von Berlin, die allein 10 000 M. Unterhaltungskosten, zusammen 34 000 M.. erfordert! Gegen diese hohen Ausgaben wenden sich der Referent sowie andere Redner. S ü d e k u m kritisiert sehr energisch die Ausgabe für die Wohnung des Berliner Gouver- neurS. N o S k e schließt sich dem an. Der KriegSminister und andere RegicrungSvertreter suche» diese großen Ausgaben zu rechtfertigen. Der KriegSiniuister beklagt sich über starke Preistreiberei der Hausbesitzer, wenn die Militärverwaltung mieten will I N o S k e nagelt diesen„Patriotismus" der besitzenden Klasse fest. DaS Zentrum hat zu Kapitel 19 folgenden Antrag ge- stellt: Titel 1 einzufügen: 2 Armeeinspektoren je 30000 M. Gehalt und je 8 Rationen. Die Armeeinspektoren empfangen an Stelle der ihnen zustehenden, aber nicht vorhandenen„freien Dienst- Wohnung mit GerätcauSstattung und FeucrungSinaterial" Geld- eutschädigungen für Rechnung deS Kapitels 27 Titel 14..... Der Antrag bezweckt, die, mit dem Budgetrecht auf recht ge- spanntem Fuße stehende Einrichtung deS AggregtertenfondS. mit dem ganz willkürlich geschaltet werden kann, zu beseitigen und die Be- dürsiiisse deS AggregiertenfondS zu etatisieren. Ueber den Antra., wird noch bei Kapitel 21 verhandelt. Die Anforderung des Kapitel 19 wird g e n e h n, i g r. Bei Kapitel 20, Gouvemeue, Kommandanten, Platzmajore, fragt Svdekum an, ob man nicht die Kommandanturen von G log au und König stein in Sachsen einziehen wolle; in Königstein genügt ein Feldwebel als Kommandant. Wenn endlich Ersparnisse gemacht werden sollen, so ist da» die beste Ge- legenheit dazu. Der KriegSiniuister lehnt für Glogau eine Aende- rung ab, über Königstein will er keine AuSlunft geben und die sächsischen Vertreter schweigen. Die Anforderung wird genehnrigt. Beim nächsten Kapitel, bei dem das Gehalt deS EhefS deS Militärkabinetts verrechnet ist, kündigt S ü d e k u ni an, daß er im Plenum die Stellung des Aiilitärlabinetts besprechen werde: Der Kriegsministcr ist meist nur formal verantwortlich. das Schwergewicht liegb im Mililärlabinett.— Der Kriegs- m i ii i st e r verzichtet mit Rücksicht auf die angelündigte Erörterung jetzt auf eine Antwort. Titel ö des Kapitel 21 betrifft den sogenannten Aggregierten- fonds. ES werden angefordert für 200 Offiziere vom Leutnant bis zum Generalseldmarschall 489 237 M. Diese Summe untersteht keiner speziellen Kontrolle, sie kann beliebig verwendet werden? In den Erläuterungen zu der Position ist indessen an- gegeben, daß u. a. 60 000 M. für zwei Generalfeldmarschälle ausgegeben werden sollen! Gegen diese Absicht wenden sich zwei Zentrumsanträge. Der Referent v. E l e r n will den Fonds un- beschnitten erhalten, nur so viel gibt er zu, daß die Ärmeeinspektorcu nicht aus dem Fonds bezahlt werden sollen. Im übrigen müsse die Militärverwaltung Geld zur Verfügung haben, um alte verdiente Militärs, wie Blumeuthal, Mottle, Waldersee usw. als General- feldmarschälle bezw. Armeeinspekteure zu halten. Erzberger begründet die Zentrumsamräge sehr eingehend und führt Zahlen dafür ins Feld, daß eine Herabsetzung des Fonds auf 252 000 M. sehr wohl möglich ist. Der K r i e g S m i n i st e r spricht sich zunächst zu der Frage der Armeeinipektioii auS: Die Stellen niüsse man haben; er habe auch gegen EtatisierUng nichts, nur könne er nicht einsehen, warum dann die Fürstlichkeiten, die heute in den anderen Stellen sind— es bestehen 6 In- spektionen— kein Gehalt beziehen sollen. Auch der Erbprinz von Meiningen habe als kommandierender General Gehalt bezogen. Im übrigen wendet sich der Kriegsminister gegen die Beschneidung des AggregiertenfondS. Erzberger erkannte an, daß der Kriegsminister etwas Ordnung in den Fonds gebracht hat, aber die Zahl von 120 Osfizieren muffe ausreichen, da früher ja nur 94 gewährt werden sollten, obwohl diese Zahl allerdings stets überschritten wurde. Der Kriegsmini st er will sich über die Zahl der Offiziere nicht streiten, die Hauptsache sei daS Geld, die Summe dürfe nicht herabgesetzt werden 1 Es gilt mit diesem Fonds auch, die Verschiedenheiten in den Avancementsverhältnissen auszugleichen. Gröber will mehr Material zum Nachweise der Notwendigkeit dieser Forderung haben, v. Einem verweist auf die außerordentlich schlechten Avancementsverhältnissc. Man könne doch nicht so und so viele Offiziere verabschieden, um Platz zu schaffen? Referent v. E l e r n will für die beide» Armeeinspekteure 80 000 M. nach Kapitel 10 nehmen und schlägt vor, die Entscheidung auszusetzen, bis aus Grund einer besonderen Vor- läge der Fonds genau festgestellt werden kann. Graf O r i o l a will die volle Summe bewilligen; der Fonds sei stüher zu Unrecht für die— 13. Hauptleute benutzt worden, jetzt, da dieselben auf den Etat übernommen worden sind, müsse er in der alten Höhe seinem ursprünglichen Zweck zugeführt werden. Gröber will nur zulassen, daß ausnahmsweise Härten in der GehaltSstage durch den Fonds ausgeglichen werden, nicht aber, daß er zu einer Einrichtung für Verbesserung des AvaneementS wird. N o S k e sieht in dem Fonds ein Mittel, eine ganze Mengt Osfiziersstellen zu schaffen, welche im Etat nicht vorhanden sind. ES sei auffällig, daß im Etat die Offiziersstellen gegen das Vorjahr um 400 zugenommen haben, während die Mannschastsziffcr nur uni 1000 gestiegen seil Die Sozialdemokraten würden für den Zentrumsantrag stimmen. Liebermann er- sucht um probeweise Bewilligung. Schräder will die Probe von unten her machen, das heißt: die kleinen Summen be- willigen, um sie später etwas zu erhöhen. Die Abstimmung ergibt Annahme der Zentrums- antrage. Der Ueberführung der Armeeinspekteure sowie einigen kleinen Aenderungen stimmte der Kriegsminister zu. Die ent- scheidende Abstimmung über die Herabsetzung der Sumine auf 252 000 M. ergab Annahme mit 13 gegen 11 Stimmen. DerBlockwar gespalten: Schrader.GyßliiiguiidSchweickhardt stimmten für Herabsetzung, während der Freisinnige Eickhoff treu zu den Konservativen und Nationalliberalen hielt. Entsprechend diesem Beschlüsse werden auch die AggregiertenfondS für Württeni- berg und Sachsen gekürzt. Die Kapitel 22 und 23. Generalstab und Ingenieur« und Pionierosfiziere werden ohne erhebliche Debatte genehmigt. Die Kapitel erfordern zusammen ß1� Millionen Mark. Erzberger wendet sich dabei gegen die zahlreichen Abkommandierungen. Am Donnerstag wird die Beratung mit Kapitel 24, Natural- verpfleguug der Truppen, fortgesetzt. Die erite Session der dritten Duma. Aus Petersburg wird uns geschrieben: Die„arbeitsfähige" Duma hat sich beeilt, Ferien zu machen: sie vertagte sich auf 24 Tage, bjs zum 8.(21.) Januar. Schon lange litt sie unter großer Müdigkeit. Die Mehrheitsabgeordnetcn blieben den ÄommissionSsitzungen fern, so daß in der Woche vor der Vertagung keine Kommission mehr zusammenzubekommcn war, weshalb selbst die dringendsten Sachen, wie die Geschäftsordnung, nicht erledigt werden konnten! Tie Unfähigkeit der meisten Abgeordneten der Mchrheits- Parteien, sich an den gesetzgeberischen Arbeiten zu beteiligen, haben wir schon bei früheren Gelegenheiten mit krassen Beispielen be- legt. Viele Abgeordnete blieben den Kommissionssitzungen fern, weil sie sich schämten, dort ihre Unwissenheit zu zeigen! Wagte sich aber einer von ihnen an die Berichterstattung über Kommissions- beschlüsse oder dergleichen, dann endete das meist mit einer Blamage für den Betreffenden. Der einzige wesentlichere Duma- Beschluß, aus Staatsmitteln für die Unterstützung der hungernden Bevölkerung 16 Millionen Rubel zu bewilligen, ist juridisch so schlecht geraten, daß die RcichSrats- Kommission jetzt in der offiziösen Presse über ihn spottet! Wie wird es erst werden, wenn die Kommissionen schwierigere Materien erhalten? Die anderen Beschlüsse der Duma in der ersten Session bc- wegen sich um äußerst kleine Dinge. Tie Generalgouvcrneure von AkmolinSk und Scmipalatinsk wurden auf Antrag der Regierung zu Gouverneuren gemacht, cS wurde die Verwaltung der Aus- erstehungSkirche in Petersburg geregelt, die Zahl der Geschworenen in Moskau und Petersburg vergrößert, einige kleine Steuer- änderungen vorgenommen. Das ist alles, was die„arbeitsfähige" Duma in den anderthalb Monaten erledigen konnte I Allen diesen kleinen Sächelchen liegen Vorlagen der Regierung zugrunde, die „Gesetze" dieser Art. nicht mehr und nicht weniger als 375 ein- gebracht hat. Tie„Volksvertreter" der dritten Duma werden also gut noch fünf Jahre bei solchen Dingen sitzen können, ohne daß daS Land auch nur einen Schritt weiter kommt.... Tie Re- gierung kennt aber ihre Pappenheimer; sie weiß, daß diese Tumo nichts anderes will! Außer mit den kleinen Verwaltungssachen beschäftigte sich die Duma sehr viel mit der Wahl von Kommissionen, deren es bereits 41 gibt. Ferner nahm die Duma die Antwortadrcsse an und schloß den Abgeordneten Roditschew für 16 Sitzungen aus! Im ganzen beanspruchte diese„Tätigkeit" in den anderhalb Monaten 607 Reden, die sich auf 17 Sitzungen verteilen! AuS den A b st i m m u n g e n ist zu ersehen, daß das so» genannte„Zentrum" noch ziemlich schwankender Natur ist; eS festigt sich aber, wie dies das Kartell zwischen der Mehrheit deö Reichsrates und dem„Zentrum" der Duma, das in den letzten Tagen vor dem Sessionsschluß perfekt wurde, zeigt. In diesem Block vereinigt sich die Burcaukratie, das Junkertum und die Erchbmirgeoisie, die alle durch die Furcht vor der Revolution zu- sammengebracht sind. Tie Bourgeoisie befindet sich dabei voll- ständig im Schlepptau der Junker und der Burcaukratie. und sie macht die Reprcssalienpolitik mit Volldampf mit. Dieser Block kann unter den gegenmärtigen Verhältnissen natürlich nur die Stärkung dcö Absolutismus und der Reaktion bedeuten. Daraus erklärt sich die ganze Politik der Regierung in der letzten Zeit; sie hat schon lange nicht ein so festes Fundament unter den Füßen gehabt wie gegenwärtig. Eine andere Frage ist natürlich, wie lange dieses Fundament aushält und zu welchen Katastrophen es noch kommen mutz, bis auch der Block einsehen lernt, daß es auch nicht in seiner Macht liegt, die Geschichte rückwärts zu drehen. Diese Einsicht wird aber zu spät kommen, und der Zusammenbruch wird um so schwerer sein. Bei der Politik der nackten Gewalt, wie sie jetzt die Regierung unter dem Jndiancrgeheul der dritten Duma betreibt, wird das Land neuen Erschütterungen entgegengetrieben— das ist das ein- stimmige Urteil aller. Selbst die Reaktionäre müssen zugeben. daß das ganze Reich bis in die tiefsten Tiefen aufgewühlt ist.„Ja," so schreibt die.-Rowoje Wremja",„hier in Petersburg, am Rande des russischen Reichs, leuchten noch die prachtüberladencn Salons. die Theater. Konzerte, Restaurants. Magazine, hier fahren die Leute noch immer in Galaequipagen und schmücken sich mit ihren Bändern und ihren Orden, aber dort, was geschieht dort?" *— Das Blatt schildert lveiter, wie das Land von einem Ende bis zum anderen von Feuersbrünsten gerötet ist. ES erweist sich. daß leine Versicherungsgesellschaft mehr Versicherungen von Gc- bäuden der Gutsbesitzer entgegennimmt! Das sei, so erklärt das Blatt, die Folge der„systematischen Revolutionierung der Volks- masscn". Dieses Echrcckensbild hat das reaktionäre Blatt natürlich nötig, um für die Junker neue Liebesgaben zu ergattern. Das andere Resultat der Konterrevolution ist der beginnende Zusammen- schlutz der gesamten Opposition, wie er vor dem 17.(30.) Oktober zu sehen war. «Herr Stolypin kann sich nicht des Sieges über die Revolution rühmen", schreibt eine so gemäßigte Zeitschrift wie der„Moskowskij Jcschenedclnik" des Fürsten Trubetzkoi,„er ist an den Kampfplatz gebunden und kann keinen Schritt tun, ohne auf seine eigenen Schranken zu stotzcn. Wie kann von einem Sieg gesprochen werden, wenn die ganz« Macht des Staates gegen die Bürger des Landes angewandt werden mutz.... Die Mehrheit der dritten Duma ist aber ihres Herrn wert. Ihre einzige gesetzgeberische Initiative in der ersten Session bestand darin, im Tumasaal ein Heiligen- bild aufzustellen." Ein anderes gemätzigtes Prctzorgan,„Slowo", erklärt:„Tut die Duma nur alles nach dem Wunsche der Regierung, hat sie selbst kein klares Programm für die nächste Zukunft, will sie die Bedürfnisse des Landes nicht sehen, so wird wohl die Regierung mit ihr zufrieden sein, nicht aber das Land." Aus dieser Sack- gasse kommt aber die dritte Duma nicht heraus. Nicht nur die Regierung, auch die Duma kann nicht von der Stelle, die Revolu- tion hat sie alle beide am Kragen. politilcke CUberficbt* Berlin, den 15. Januar 1908. Wirtschaftskrise und Polenenteignung. Aus dem Reichstag. Nachdem in szortsetzung der Debatte über die Interpellation Könitz namens des Zentrums der Abg. Mayer- 5taufbeuren die Anschauungen der agrarischen Mehrheil des ZentnunS im Einklang mit den anderen agrarisclien Rednern behandelt hatte, unterzog Ge- nossc S ü d e k u m die Gründe, die zu der Wirtschaftskrise geführt haben, einer eingehenden Erörterung. Er betonte. daß die Verwendung großer Werte zu unproduktiven Zewcken, wie Heer und Marine, zur Herbeiführung und Verschärfung der Krisen wesentlich beitragen. Die gestrigen Ausführungen von freisinniger Seite hätten zwar die Hoffnungen erweckt, daß auch in den Reihen der liberalen Parteien diese Ansicht Boden gewonnen hat und zu rettenden Taten führen werde. Leider habe die unentwegte Bewilligungslust der Mehrheit der Budgetkommijsion diese Hoffnungen bereits im Keime geknickt. Gegenüber den: Drängen auf Vermehrung der Silbcnnünzen wies Südekum aus die Vereinigten Staaten hin, wo die Bevölkenin� die übermäßig neugeprägten Silber- münzen beharrlich in die Staatskassen habe absließen lassen. Man könne dem Volke nicht mehr Silber aufzwingen als es bedarf. Südekum pries dann den bisherigen Reichsbank- Präsidenten Koch als einen Hüter der Goldwährung und sprach die Hoffnung aus, daß sein Nachfolger Havcnstein in gleichen Bahnen wandeln und sich nicht voll den Bimetallisten umgarnen lassen möge. Der Antisemit Raab glaubte höhnisch konstatieren zu köilnen. daß Herr Havenstein dieser Mahnung Südekums gar keine Beachtung gezollt habe. Sollte das wirklich der Fall gewesen sein, so ist es doch immerhin ein Mangel an Selbst- achtung bei einem Abgeordneten, wenn er sich darüber freut. daß ein Beamter den Erörterungen cincL anderen Mgeord- neten keine Aufmerksamkeit schenkt. Herr Raab hat also duxch jene lakaienhafte Bemerkung nur bewiesen, daß ihm das Empfinden für die Wahrung der Rechte und Würde des Parlaments gegenüber der Aureaukratie völlig abgeht. Solche Parlamentarier wie Herrn Raab kann die Burcaukratie gerade brauchen. Aus kleinlicher Mißgunst gegen andere Parteien untergraben sie Ehre und Ansehen des Parlaments überhaupt. Der Abgeordnete G o t h e i n wurde als„Asphaltlibc- ralen" von der Rechten mit der üblichen geschwätzigen Unruhe empfangen, durch die das Junkertum unbequeme Kritiker seine Ungnade fühlen läßt. Er rechtfertigte daS Mißbehagen der Agrarier auch durch den eingehenden Nachweis der Schäden, die dem deutschen Wirtschaftöleben durch das Schutz. Zollsystem zugefügt werden. Dabei wies er darauf hin. daß die Reichsregierung tatsächlich sich den Handelsvertrag mit Rußland durch die Zusicherung erkauft habe, eine russische Anleihe in Teutschland zu begünstigen. Ohne daß noch ein RegierungSvertreter das Wort nahm ging damit die Debatte über die Interpellation zu Ende. Dann kam die Interpellation der Polen an die Reihe, wie der Reichskanzler die Verletzung der Reichs- Verfassung und der Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetz- buchs durch die. Enteignungsgesetze in den Pro- v i n z c n P o s e n u n d W e st p'r'e'u'ß'e'n zu verhindern ge- denke. Auf die Anfrage, ob die Regierung die Interpellation beantworten wolle, erhob sich Herr N i e b e r d i n g zur Ver- lesung einer schriftlichen Erklärung, daß nach Ansicht der Regierung das Enteignungsrecht preußische Landesangclegen- heit iei und deshalb die Regierung sich auf die Beantwortung der Interpellation nicht einlasse. Diese Begründung für den Abzug aus dem Reichstage ist zwar nicht richtig, aber äußerst bequem. Die Mehrheit des Hauses, Zentrum, Freisinnige, Polen und Sozialdemokraten, zeigte durch die Unterstützung des ?tntrageS auf Besprechung, daß sie mit der Nieberdingschen Rückzugsbegründung nicht einverstanden war. Ter Antrag- steller S c y d a begründete daraus die Interpellation, indem er die Verletzung der Reichsgesetze durch die Maßregel der preußischen Regierung überzeugend nachwies und der Empörung über die Polenbedrückungsgesetzc der preußischen Regierung beredten Ausdruck gab. Tie Konservativen stellten sich nach kurzen Erklärungen auf den Nieberdingschen Standpunkt; aber auch das Zentrum begnügte sich mit einer kurzen Erklärung, allerdings gegen die Maßregeln der Regierung, aber aus eine Diskussion ließ es sich auch nicht ein. Das versuchte jedoch der national- liberale Herr S i e g im Regierungssinne, wobei er sich in die erstaunlichsten Widersprüche verwickelte. Dann wurde die Debatte aus morgen vertagt. Das Ende der Etatsbcratung. Das Abgeordnetenhaus hat am Mittwoch die erste Beratung des Etats beendet und den Etat an die Budgetkommission ver- wiesen. In der Debatte versuchten die Freisinnigen(etwa weil sie von Gewissensbissen geplagt werden?) noch einmal, ihre Stellung zur Wahlrcchtsfrage und zur Blockpolitik zu präzisieren, aber man kann nicht gerade behaupten, daß sie ihre Situation irgendwie ge- bessert hätten. Sanfter als der Freisinnige Dr. P achnicke hätte auch ein Nationalliberaler sich schwerlich äußern können. Herr Pachnicke ist unverbesserlicher Optimist, der will immer noch nicht daran glauben, daß das Ministerium Aülow Gegner qincr grotzzügigen Wahlreform ist. Fürst Bülow erscheint ihm als Diplomat, der zwar eine Aussicht auf eine Reform eröffnen, sich aber vorsichtig in der Richtung der Reform nicht die Hand binden wollte.... Das einzige, was Herr Pachnicke an seinem Gastgeber aus Norderney zu tadeln hat, war, daß er die Gewohnheit des diplomatischen Dienstes auf das Gebiet der inneren Politik über- tragen habe. Im übrigen begnügte sich der freisinnige Redner mit törichten Ausfällen gegen die Demonstrationen vom Freitag und Sonntag. Tie Sozialdemokraten, die wirtlichen Vorkämpfer des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Landtagswahl- rechts, anzugreifen, der Regierung aber, die sich aufs schärfste gegen eine Wahlrefotm ausspricht, die Bruderhand zu reichen, das scheint den Freisinnigen in dieser Zeit der politischen Gärung ein Herzensbedürfnis zu sein. Und dann verlangen sie noch, das Volk solle ihnen vertrauen! Den Abg. Fischbeck, der noch auf der Rednerliste stand, bewahrte ein gütiges Geschick vor einer neuen Blamage. Vielleicht war es auch mehr als Zufall, daß er nicht mehr zu Worte kam, sondern daß plötzlich sein Name auf der Liste mit dem des Abg. G y tz l i n g vertauscht wurde. Seine Freunde mochten es gut mit ihm meinen, als sie ihn nötigten, einem anderen Redner den Vor- rang einzuräumen und sich selber durch einen Schlutzantrag daS Wort abschneiden zu lassen. Was der KönigSberger Abg.. Gytzling zum Wahlrecht zu sagen Mutzte, war herzlich unbedeutend. Kein Wort des Angriffes gegen Regierung und Konservative, sondern nur gegen das Zentrum. Als rechter Blockbrudcr darf er's nicht wagen, gegen den Stachel zu löten. Möglich auch, daß er gegen- über den in der Presse aufgetauchten Vermutungen, der Block könne in die Brüche gehen, offen Zeugnis dafür ablegen wollte, daß die Freisinnigen trotz des Fußtrittes, den Bülow ihnen ver- setzt hat. unentwegt an der Blockpolitik festhalten. Die übrige Debatte war recht belanglos. Tie Herren vom Zentrum predigten noch einmal die Notwendigkeit der Ver- pjaffung der Volksschule, der freikonservative Redner Dr. v. W o y n a wandte sich dagegen, daß den Landarbeitern daS Koalitionsrecht gewährt würde, und Herr v. Arnim(k.) gab einige Späße über die„Zwingburg in der Burgstrahe", d. h. über die Börse, zum besten und machte die Goldwährung für alle Schäden des Wirt- schaftslebens verantwortlich. Am Donnerstag steht die zweite Lesung der Polenvorlage auf der Tagesordnung.—_ Scharfe Patronen! Scharfe Patronen sind, wie man uns mitteilt, am 12. Januar an die Mannschaften des in der Blücher- st r a tz e garnisonierenden Dragonerregimcnts verteilt worden. Erst 40 Stück pro Kopf und dann noch extra 20. Damit die konsignicrten Mannschaften sich nicht allzusehr langweilten, durften sie sich nach Herzenslust am Bier erlaben. Die Stimmung wurde infolgedessen auch nach wenigen Stunden eine sehr animierte. Einige der Leute hatten sich in eine solche„Begeisterung" hineinversetzt, daß sie sich nichts sehnlicher wünschten, als daß endlich der Befehl zum Aus- rücken gegeben werde. Einer vermaß sich dabei, seine drei oder vier„Aufrührer" allein aufs Gewissen nehmen zu wollen l Das klingt so-- russisch, daß wir die Nachricht nicht geglaubt hätten, wenn sie nicht so z u v c r l ä s s i g wäre. Die Säbelattackcn der Polizei gewinnen durch diese Bereithaltung der Soldaten noch eine ganz besondere Bedeutung! Fürst Bülow wird nicht umhin können, schon aus diesem Grunde die sozialdemokratische Wahlrechts- Interpellation sehr gründlich zu beant- Worten!— Wer waren die Berliner Wahlrechtödemonftranten? „Rheinisch-Westfälische Zeitung":„ES sei nicht bestritten, daß viele tüchtige, ehrsame Arbeiter unter den Demon- stranten waren, denen daS Bier und das Phiaiengewäsch der Sozialdemokratie zu Kopie gestiegen war.... Wie stets aber bei Demonstrationen in Berlin übernahm überall, wo es zum Zusammen- stoß mit der Polizei kam. der Mob die führende Rolle, der B e r- brechcr- und Zuhälterjanhagel, wie er im Norden und Nordosten Berlins lein Unwesen treibt." „Kölnische Zeitung":»Meistens waren eS jüngere Leute. Auffallend war. daß die Kundgeber fast durchweg gut ge- kleidet waren. Fast alle trugen Wintermäntel und viele modische steife Hüte. Ersichtlich machte auch die unreife bessere Jugend den Auszug aus R a d a u s u ch t mit." „Kölnische V o l k S z e i t u g":„ES sind nicht halbwüchsige Burschen, cS sind Männer in gereiftem Alter, Männer in ergrautem Haar, die da an uns vorüberziehen. Unter den Linden bei der Vorüberfahrt hörten wir, wie ein Polizei- osfizier zu seiner Mannschaft auf eine Gruppe Menschen hin- weisend lagte: DaS sind ja alles anständige Menschen." Welches Bild sollten sich nun die rheinischen Leier der genannten drei Blätter über das Wesen der Bertiner WahlrcchtSdemonstrmiou machen? Verbrecher- und Zuhälterjanhagel waren die Demonstranlen nach dem einen, unreife Jungen und Radaubrüder nach dem anderen. und anständige Menschen gereiften Alters nach dem dritten Blatt. Merkwürdig— was der„Liberalismus" nicht alles sieht, wenn es sich um die Sache des Rechtes handelt.— Stimmen des Auslandes. Immer deutlicher wird's, daß Bülow durch den provozierenden Hohn seiner Erklärung zum mächtigsten Förderer der Wahlrechts- bewegung, zum Aufpeitscher aller Voltsleidenschaften geworden ist. Und auch im Auslände, das längst des Segens demokratischer Eni- Wickelung teilhaftig und nie die Geduld begriffen hat, mit der man in Preußen das abscheuliche Unrecht ertragen hat, begrüßen alle Demokraten mit den größten Hoffnungen unsere Bewegung. So schreibt die Londoner„Tribüne", das Organ des englischen Liberalismus, in einer Besprechung der Berliner Vorgänge vorn Sonntag, daß diese weit besser als irgend lvelche Parlaments- berichte den Ernst der Situation beleuchten, wie sie durch Bülows Weigerung, eine wirkliche Reform des Wahl- rechts zu gewähren, geschaffen worden ist. Aus Englands Geschichte könne man ersehen, daß jede Weigerung in solchen Fällen, wo Konzessionen erforderlich sind, die Strafe um so schwerer machen» die die Regierung eines Tages wird zahlen müssen. Begeistert aber äußern sich die Organe der Internationale, allen voran das Blatt der österreichischen Sozialdemokratie. Tic Wiener„Arbcitcr-Zcitung" schreibt: „Nicht um Haaresbreite, hat Herr Bülow versichert, werde sich die Regierung von dem Wege ablenken lassen, den sie für den richtigen halte. Die Regierung bedarf der Argumente von der Straße nicht: so höhnte uns Windifchgrätz, der Präsident des zur Vereitlung der Taaffeschen Wahlreform berufenen Koa- litronSmitristerimus. So haben die kurzsichtigen Leute immer geredet und immer haben sie sich in geringschätzig wegwerfenden Urteilen über Straßen demonstrationen überboten. Rur daß dieses hochnäsige Vornehmtun ihnen bald vergeht. Daß der Unrechtsbau deS preußischen Landtages, an dem die schamlose Juntcrherrschaft ihr Bollwerk besitzt, durch einen blutigen Sonn- tag nicht zu erschüttern ist, wissen wir, und darüber geben sich auch die kampserprobten deutschen Sozialdemokraten keiner Täuschung hin. Aberdennochwirdvonde'n gestrige n Tage der Niedergang des Klassenparlamsnts datieren. Denn gestern ist es mit Flammenschrift sichtbar geworden, wie tief die Empörung greift, wie sehr jenes Unrechts- Parlament das proletarische Bewußtsein verletzt, wie ehern die Entschlossenheit ist. welche die Wahlreform für den größten Bundesstaat fordert, nachdem sie fast in allen anderen schon längst Gesetz geworden ist. Die sozialen Gefahren sind aufgedeckt worden, die entstehen müßten, wenn dem Volke in Preußen sein heiliges Recht weiter vorenthalten wird; und klar ist es geworden, daß dieses schnöde Unrecht, das Arbeiter wie Bürger um ihr Anrecht auf das HauS der preußischen Gesetzgebung bringt, nur auf dein schwachen und schwankenden Grunde der Gewalt des Säbels und der Bajonette beruht. In dem Blutbad, das die Polizisten gestern in den Berliner Straßen anrichteten, ist vor allem der preuhi- sche Landtag hingerichtet worden und nie wird er sich mehr erheben."_ Preuhens Herrscher. Um die hohe Intelligenz, das Verständnis für das Wirtschaft- lichc Leben und die Befähigung der Junker zum Regieren in Preußen zu beweisen, hat der Vereinsausschuß der branden- burgischen LandwirtschastSkammer folgenden Beschluß gefaßt: „Die Landwirtschaftskammer wird ersucht, beim Herrn Mi- nister für öffentliche Arbeiten dahin zu wirken, daß die A r- beitevfahrkartcn zu ermäßigtem Preise nicht mehr zur Ausgabe gelangen, daß die freie Fahrt der Frauen und Angehörigen von Eiscnbahnarbeitcrn zum Marktbesuch in den größeren Städten aufgehoben werde, daß ferner die Löhne der Eisenbahnarbciter, die vielfach zu hoch seien, den ort- lichen und sonstigen Lohiwcrhältnisscn entsprechend festgesetzt werden, und endlich, daß die Eiscnbahnvcrwaltuna keine Ar- heiter unter 18 Jahren beschäftige. Besser als durch diesen Beschluß vermögen die Epigonen der ehomaliacn Raub- und Strauchritter ihre Befähigung zur Allein- Herrschaft im„Kulturstaat" Preußen nicht zu erbringen. Der Vereinsgesetzcnttourf in« badische« Landtag. Die von der Sozialdemokratie und dem Zentrum eingereichte Interpellation über die Stellung der badischen Regierung zum neuen Vereinsgesctz wurde am Montag im Karlsruher Parka- mlmt beraten. Die Begründer, die Abgeordneten Zehnter(Z.) und Geck(Soz.). bezeichneten dte Borlage als einen politi- scheu Rückschritt für Baden. ES bestehe absolut tcine Nottvendtgkeit, die in dem Gesetzentwurf etwa für Norddeutschland enthaltenen Vorteile für Süddcutschland mit Verschlechterungen zu bezahlen. Baden kennt bekanntlich weder eine Anzeigcpflicht, noch eine Ueberwachung der Versammlungen.— Die Regierung begnügte sich mit allgemeinen Redensarten: Vielleichtbleibc es bei dem bisherigen Zustande in Baden. Sogar der ZentrumLredncr fand es bedauerlich, daß der Minister des Innern, v. Bodman, jede Mitwirkung an der Verbesserung deS Gesetzes ablehnte. Nur>n bezug auf den Sprachenparagraph will die Regierung entgegenkommen und von ihm eist„in dringenden Fällen" Gebrauch machen. Im übrigen habe sie nur der einheitlichen Regelung der Frage willen im Bundesrat für den Entwurf gestimmt. In der Debatte fand sich lediglich die nationalliberalc Partei mit dem neuen Vercinsgesetz ab; alle anderen Parteien, auch die Bauernbündlcr, bekämpften es scharf. Der Demokrat Heim- bürg er protestierte dagegen, daß man von einer Blockfrucht rede. Mit Recht konnte demgegenüber Genosse Geck auf die Norder- äeyer Wallfahrt de» württeonbergischen Demokraten v. Payer hin- weisen.— Das Ergebnis der Interpellation ist in dem energischen Willen der Mehrheit der Kammer ausgedrückt, preußischen Polizei- Praktiken den Eingang in Baden zu wehren. Ucbrigens liaben am verflossenen Sonnabend und Sonntag in Baden zahlreiche P r o t c st v e r s a m m l u n g e n der Arbeiter- schast gegen das neue Vereinsgefetz stattgefunden, in denen vom Reichstag die Ablehnung der Vorlage verlangt wurde. Ei«„liebevoller" Borgeschtcr ist der Sergeant Emil«Sandig von der 11. Kviiipagine de» Jiifaiitene-Negiments Nr. VI in Jena. Als die Mannschaft am Abend des 11. Dezember zum Baden ging, trieben die MuSkeliere Stern und Zillig untereinander Scberz, wobei der erstcre nach feinem Kameraden mit dem Handluch schlug. DaS sah der Sergeant, und wütend darüber sprang er auf Stern zu und gab ihm einen Fußtritt gegen dcn Rücken und einen zweiten gegen den Unterleib. Der so Malträlicrte mußte vom Baden Abstand nehmen, da er vor Schmerzen kaum n o ch st c h e n konnte und blieb zwei Tage im Revier. Der Arzt stellte ein« Rückenverletzung und eine BauchninSkelverletzimg fest. Vor dem Kriegsgericht der 38. Division in Erfurt, das sich infolge Anzeige ivetler mit der Sache beschäftigte, behauptete der Sergeant Eaudig, zu seinen Fußtritten durch den Soldaten„gereizt" worden»i sein. Den„liebevollen" Vorgesetzten traf eine Mittel- arreststrafe von 1v Tagen. Folgen der VersklavungSbcstimmungen. Gouveriienr v. S ch u ck m a n n meldet unter dem lg. b. MtS. auS Deutsch-Südwestafrika: Der Bondel Klein-JakobuS ist mit elf Mann und vier Gewehren aus dem B o n d e l S- R e s e r v a t entwichen; er hat am S. Januar die Farm Außenlehr am unteren Oranje, etwa 10V Kilometer westlich Warmbad, beraubt und daS dort stehende Vieh abgetrieben. Die Räuber werden durch Patrouillen verfolgt. Die Entweichuug deS Häufchens BondelS ist zweifellos auf die rigorose Behandlung zurückzuführen, deneil man die Ein- geborenen unterworfen hat. Eingeborene, die nicht rechtlose Sklave» sein wollen, müssen ja zu euifliehen suchen, und um ihr Leben fristen zu könuen, müssen sie rauben und stehlen! Die Versklavungsbestimmungen können sich noch bitter rächen und uns neue Millionen kosten!— Eine Ente. Die gestern toiedergegebene Meldung von einem f ü i f- tägigen Generalstreik ist im Londoner„Standard" aufgeflogen und von dort von hiesigen Zeitungen übernommen. Das Hirschsche Telcgmphenburcau ist an der Ausbreitung dieser Ente unschuldig, hat die ihm als Mitteilung des„Standard" über- mittelte falsche Nachricht vielmehr ausdrücklich dementiert. Landesversammlung der wnrttembergischen National- liberalen. Äm Sonntag hielt die Deutsche Partei Württembergs ihre Landcsvcrsammlung zu Stuttgart. Von Interesse war, zu sehen, wie sich die Herren mit der Wahlrechtsverweigerung in Prcufzens abzufinden suchten. In Württemberg mit seinem ver- glcichsweise freiheitlichen und seinem demokratischen Wahlrecht ist CS natürlich schwierig, das Verhalten der prcutzischen Regierung zu rechtfertigen. Ein Schwabe war dazu auch nicht imstande. Man hatte sich einen hellen Sactisen, den Landgerichtsrat Dr. Heinze�, nationalliberaler Reichstagsabgeordneter für Tresden-Altstadt, für diese heikle Aufgabe verschrieben. Der Herr Referent suchte im vornherein alle Vergleiche zwischen den Zuständen Württembergs und Preußens abzuwehren. Er erklärte, die Liberalen innerhalb und außerhalb der schwarz-weißcn Grenzpfähle, die das Reichstags- Wahlrecht für Preußen fordern, täten das nur, weil sie„die preußischen Verhältnisse nicht kennen". Die kennt er, der helle «achse, viel besser. Preußen könne das allgemeine, gleiche, geheime, direkte Landtagswahlrecht gar nicht ertragen, weil— hm— dort die Gegensätze, die wirtschaftlichen und politischen, viel stärker seien als in den luddeutschen Staaten mit ihrer ureingesessenen Bevölkerung. In Preußen führe außerdem das Deutschtum einen schweren Kampf gegen das Slaventum,' sintemalen Preußen an erster Stelle berufen sei, die deutsche Fahne gegen das Slaventum hochzuhalten. Darum schon könne die Regierung dem Reichstagswahlrecht für Preußen nie und nimmer zustimmen. Weiter sei zu bedenken, daß sich in den rheinisch-westfälischen Industriezentren ungeheure Arbeiter- Massen zusammenballen, darunter viele Polen. Ihnen stehen die Großindustriellen vom Kohlenshndikat, dem Eisenkartell usw. gegenüber, diese Herrschaften, die so ungeheuer viel Intelligenz und Energie repräsentieren. Bei diesen Gegensätzen das allgemeine, gleiche, geheime, direkte Wahlrecht, bei dem vielleicht die Polen den Ausschlag geben? Nie und nimmer! Also sprach der wackere„Liberale" vom schönen Elbestrand. Die Erklärung Bülows freilich fand er doch„äußerst betrübend Aber da die konservative Partei, die sast die Hälfte der Landtags Mandate innehabe, nun einmal von einer Aenderung des Wahl rechts nichts wissen wolle, da sei es doch lobenswert, daß Bülow zugesagt habe, überhaupt in eine Prüfung der Frage einzutreten. Bedenklich sei freilich, daß das geheime Wahlrecht nicht zw gestanden werde. Indes zwischen„Ablehnen" und„Nicht in AuS- ficht stellen" sei doch ein gewisser Unterschied. So Herr Heinze aus Dresden. Etwas derber hatte vorher schon der Landtagsabgeordnete Kübel den Herren vom Freisinn zugesetzt, indem er erklärte, de?„Block" habe sich derart in das Vertrauen der Wähler eingelebt, daß sie diejenige Partei, die ihn sprenge, bei den nächsten Wahlen an die Wand drücken werden. laß sie quietsche. Eine Resolution, die den Mitgliedern der nationalliberalen Reichstags, und Landtagsfraktion Vertrauen, Dank und Aw erkennung ausspricht, wurde angenommen. Der Vertreter der jungliberalen Vereine mäkelte noch ein wenig— selbstverständlich erst, nachdem die Resolution angenommen war— an Bülows Er- klärung zum Wahlrecht herum, und dann begab sich der größte Teil der Herren zum Diner. Vom„Liberalismus" in Süd und Nord hat also die Arbeiter schaft Preußens nichts zu hoffen. Die Arbeiter sind in dem schweren Kampfe um ihr Recht auf die eigene Kraft allein an- gewiesen!—_ Italien. Eine neue Stadt. Durch Verschmelzung der Städte O n e g l i a und Porto m a u r i g i o wird an der Riviera di Ponenta eine neue Stadt er- stehen, die nach dem Flusse Jmperv, der beide Städte trennte, Jmperia genannt werden wird. Oneglia hat 8252, Portomaurizio 7207 Einwohner. Die Verschmelzung ist um so bemerkenswerter. als zwischen den Nachbarorten seit Jahrhunderten Rivalität und zeitweise offene Feindschaft bestand. Die Stadtverwaltungen, die — in Oneglia einstimmig, in Portomaurizio gegen 2 Stimmen— die Verschmelzung beschlossen, sind zur Mehrheit sozialistisch. Marokko. Die Franzosen schieben ihre Truppen weiter vor. sie sind m Rabat eingerückt und haben die Kosbah Berreched bei Casablanca besetzt.(Widerstand wurde dort nicht geleistet). Gleichzeitig wird aus Madrid versichert, daß zwischen dem spanischen Minister des Aeußeren Attendasalazar und dem französischen Minister des Aeußeren Pichon abgemacht worden sei, ausschließlich für die Aufrechterhaltung der Ordnung in den Häfen Sorge zu tragen. Demnach wäre also ein Eingreifen in die inneren Wirren des Landes ausgeschlossen. Die Handlungen der Franzosen widersprechen indes der Madrider Meldung. perlren. Die versöhnten feindliche» Brüder. Teheran, 15. Januar.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Als Gegenleistung für die Zugeständnisse des Schahs bewilligte das Parlament die Unterdrückung einiger Zeitungen zur Strafe für ihre den Schah beleidigende» Aeuße- rnngeu. Den Extremen wurde verboten, in den Moscheen Reden zu halten, und die Zivilliste des Schahs wurde um 300 000 Rubel erhöht. Die Abgeordneten senden nach allen Provinzen Depeschen über die endgültige Aussöhnung. Und darum Räuber und Mörder?— die Landesregierungen auf Antrag der zuständigen Zulassungsstelle hon der Veröffentlickung befreien können. Zu§ 38b der Regierungsvorlage wurde von den Sozialdemo- lraten vorgeschlagen, die Worte „sowie der unter staatlicher Aufsicht stehenden Pfandbrief- anstalten" zu streichen, weil die Verwaltung und die Vermögensvcrhältnisse der Landsckiaften und der proregierten Hypothekenbanken nicbt rechtfertigten, diese Institute bezüglich ihrer Schuldverschrei- buugen mit dein Reich, den Bundesstaaten oder den Gemeinden in eine Linie zu stellen. Ein Antrag der Freisinnigen zu§ 38» will, daß bei Einführung deutscher Reichs- und Staatsanleihen dem Börsenvorstande nicht bloß die Merkmale, irne es der Entwurf vorsieht, sondern auch der Betrag der einzuführenden Wertpapiere mitgeteilt wird. Von der gleichen Seite wird beantragt, im§ 38 b den letzten Satz zu streichen. Die Vorlage hat hier vorgesehen, daß unter Ausschaltung der Z u l a s s u n g ö st e l l e die Zulassung zum Börsenhandel als erfolgt gilt, sobald die Landesregierung angeordnet hat, daß eine Schiildverschreibmig der Prospekiverössentlichnng nicht bedürfe. Die Freiloiiservaiwe» wollen den§ 38 b streiche» und dafür im Z 88a den Deutschen Reichs- und Staatsanleihen, die an jeder Börse zum Börsenhandel zugelassen sind, auch diejenigen Schuldveischreibiingen gleichstellen, bezüglich deren das Reick oder ein Bundesstaat die volle Garantie übernommen hat, und Schuld- verschreibnnge» kommunaler Kviperschaflen und konimunalsländiicher Kreditinstitute sowie unter staatiichcr Aussicht stehender Pfandbrief anstalren. Eine Abstimmung erfolgte noch nicht. Die nächste Sitzung findet am Dienstag, den 21. Januar, statt. Zur Beratung der GewerbeordnungSnovelle werden von der sozialdemokratischen Fraktion die Genossen Molken- buhr, Geyer und Stadthagen sprechen parlamentariscbes. Die Börscngesetztommissiou, die am 15. Januar unter dem Vorsitz veZ Abgeordneten Singer tagte, lehnte einen„GefchästSordnungs"« anirag ab, der von freikonservativer Seite gestellt war. Er be« zweckte, die wichtigsten und für die Börse dringendsten Materien auS dem Entwurf auszuscheiden und in beschleunigter Behandlung ge- trennt zu beraten, damit zunächst eine Art Notgesetz zustande komme, weil die Vorlage, soweit sie prinzipielle Neuerungen bringe, sehr lange Erwägungen erfordere.— "Die Beratung begann bei Artikel Ilo. Eine Generaldebatte fand nicht statt. Von freisinniger Seite war beantragt, dem§ 38 Abs. 2 deö Entwurfes folgende Fassung zu geben: „Wird der Antrag gestellt, ein an einer deutschen Börse ein» geführtes Werlpapier an einer anderen Börse zuzulassen, so kann die Zulassung« stelle der Börse, an welcher die Einführung erfolgen soll, genehmigen, daß von der Veröffentlichung eines Prospektes abgesehen wird." In der Regierungsvorlage ist die Entscheidung über die Ver- öffcnilichung des Proipe'te» den Landes regierungen überlasten. Euq der Partei. Bon den Organisationen. Der sozialdemokratische Vereinfürdcnl3. sächsischenReichstagswahlkreis (Leipzig-Land), einer der größten sozialdemokratischen Vereine Deutschlands, zählte am Jahresschlüsse 22 25t Mitglieder, gegen 20 488 am 1. Juli v. I. Die Vereinshauptkasje vereinnahmte im zweiten Halbjahr 1907 an Mitgliedsbeiträgen 25 087 M. Ein- schließlich eines Kassenbestandes von 083! M. und sonstiger Ein- nahmen war eine Gesamteinnahmesnmme von 33 077 M. zu verzeichnen, der eine Ausgabe von 28 745 M. gegenübersteht. An das Agitationskomitee wurden 7250 M., an de» Parteivorstand 12 000 Mark abgeliefert. 228 öffentliche Versammlungen wurden im zweiten Halbjahr 1307 abgehalten. Für Neuanschaffungen in den Bibliotheken der Ortsvereine»mirden 3589 M. ausgegeben, für die „Gleichheit", die den weiblichen Mitgliedern gratis geliefert wird, 2834 M. Seit dem l. Juli v. I. ist für den Kreis ein Partei- sekretär angestellt. Diese Einrichtung hat sich gut bewährt. Unsere Toten. Am Sonntagnachmittag wurde auf dem Altonaer Friedhof unser alter Genosse Brauer, dessen Wirken für die Partei wir in der Sonntagnuminer geschildert haben, bestattet. Dem Leichenkondukt folgie» über 2000 Genossen und Genossinnen, ein Beweis dafür, daß das arbeilende Volk seine Toten ehrt. Russische Volksvertreter ia Ketten. Seit der Verurteilung der Mitglieder der sozialdemo» kratischen Fraktion der zweiten Duma drangen nur spärliche Nachrichten über sie in die Oeffentlichkeit. Man erfuhr nur, daß Genosse Lomtatidse im Petersburger Untersuchung-- gefängnis an Nervenzerrüttung erlrankte, und daß alle übrigen Verurteilten in das Transportgefängnis übergeführt werden sollten, um spätestens am!!. Januar nach ihrem Bestimmungsort be- fördert zu werden. Nun bringt ein Petersburger Blatt folgende Einzelheiten über die jetzige Lage der verurteilten Volksvertreter: Die Frauen einiger von ihnen wandten sich an die Behörden mit dem Gesuch, ihre Männer auf die Katorga begleiten zu dürfen. Diese Bitte wurde abschlägig beschicken und ihnen eröffnet, daß ihre Männer nicht nach Sibirien geschafft, sondern ihre Strafe in den Zuchthäusern des europäischen Rußlands verbüßen würden. Am 10. d. M. begann die Ueberführung der Genossen nach dem Transportgefängnis, wo die„Einkleidung" und die Anlegung von Ketten stattfindet. Ein Teil der Genossen wird vorübergehend im Petersburger Kreuzgefängnis interniert, weil die Zuchthäuser gegenwärtig überfüllt sind. Die Stimmung der Genossen ist eine ruhige, viele von ihnen leiden aber sehr stark unter dem harten Gefängnisregime, vor allem die kaukasischen Genossen Zeretelli, Dschaparidze und Lomtatidse. Ersterer sieht sehr leidend aus und fühlt sich überhaupt sehr krank. Die materielle Lage der Angehörigen der verurteilten Ge- nosse» ist höchst traurig. Die meisten von ihnen sind Arbeiter und lassen ihre Familien in der ärgsten Not zurück. Auf der letzten Sitzung des Zentralkomitees der sozialdemo- kratischen Partei Rußlands wurde die Frage erörtert, die verur- teilten Fraktionsmitglieder und ihre Angehörigen materiell zu unterstützen. Ungeachtet der größten Bemühungen, konnte das Zentralkomitee die hierzu nötige Summe nicht auftreiben, und beschloß deshalb, sich an die lokalen Organisationen zu wenden. Die Mitglieder der jetzigen Dumafraktion spendeten für ihre ver- urteilten Vorgänger ihre Diäten für einen Tag im Betrage von 180 Rubel. in der die Erschienenen zu Hunderten keinen Einlaß mehr fanden In der Versammlung wurde das Verhalten der Zentrums» abgeordneten scharf gegeißelt und nach einem Referat des sozial» demokratischen Abgeordneten Timm eine Resolution angenommen, in der die Abgeordneten aufgefordert werden, im Landtage dahin zu wirken, daß für alle Staatsarbeiter eine entsprechende Lohn« erböhnng tariflich festgelegt wird, wobei den Arbeilerans'chüssen daS Mitbestimmungsrecht einzuräumen sei; ferner sollen die Abgeordneten dafür eintreten, daß in allen Betrieben die durchschnittliche Arbeits- zeit auf neun Stunden festgesetzt wird, insbesondere auch im Be» triebs- und Rollierdicnst. wo noch eine ungeregelte Arbeitszeit herrscht. Für die ständige Nachtarbeit sei die achtstündige Arbeits» zeit einzuführen._ Dentfehes Reich. Die Geschoßkorbmachcr in Dneben(Kreis Bitterfeld) sind in den Ausstand getreten. Die Berufsgenossen werden ersucht, Solidarität zu üben._ Revolution im Zentrum. Im Bayerischen Postverband und im Bayerischen Eisenhahner» verband(beide sind christliche Organisationen) gewinnt die Empörung über das verräterische Verhalten des Zentrums im bayerischen Land» tage, in bezug auf die Frage der Lohnaufbesserung für die Staats- arbeiter, fortgesetzt an Ausdehnung. Nun hat auch in Regensburg eine Versammlung von Post- und Eisenbahnangeslellten stattgefunden, die den Erfolg halte, daß viele Angestellte aus den christlichen Ver- bänden austraten und ihren Beitritt zu dem auf moderner Grundlage beruhenden Süddeutschen Eisenbahnerverband erklärten. Auch in anderen Städten gewinnt in den Kreisen der bisher gut ullromonton gesinnten S'aalsarbeiter die Unzufriedenheit mit der Zenrrumsfroktion an Ausdehnung. Für alle agrarischen Forderungen ist die Fraktion zu haben, für die VerkehrSarbeiler jedoch erklärte sie eine tägliche Aufbesserung von 20 Pf. als ausreichend. KusUnd. Der AutobuSftreik in London ist beendet. Die erwartete größere Unterstützung von seilen anderer Unionen ttaf nicht ein, und als die Streikenden hörten, daß es mit den Kassenverhältnissen so schlecht bestellt sei, daß nur sehr geringe Entschädiguiigsgelder gezahlt werden könnten, da erklärten 20 bis 30 Mann, daß sie unter diesen Um- ständen, der Not gehorchend, wieder an die Arbeit gehen müßten. Das war der Anfang zum allgemeinen Umfall und der Streik ist verloren. Die Gesellschaft erklärte allerdings, daß sie bereit wäre, das neue Lohnsystem wieder zu ändern, wenn es„wirklich" zum Schaden der Leute sein sollte: das sind natürlich nur leere Ver- sprechungen. Streiks und Aussperrungen in Amerika von 1881—1905. Nach dem Bericht des Arbeitskonunissars fanden in 25 Jahren seitens der organisierten Arbeiterschaft 30 757 Streiks statt, während 1546 Aussperrungen in gleicher Zeit vorgenommen wurden. Die Streiks ver- teilten sich auf 181 407, die Aussperrungen aus 13 549 Betriebe, d. i. 199 954 Betriebe litten unter der Bewegung. Die Gesanitzahl der Streikenden betrug 6 728 048 und die der Ausgesperrten 7l6.23l. in Summa 7 444 279 Arbeiter. Diese kolossale Summe wird noch ver» größert durch 9 529 434 indirekt in Mitleidenschaft gezogene Arbeiter. Die Mehrzahl der Streiks war von den Organisationen angeordnet, 3!.0! Proz. jedoch waren entweder von Nichtorganisierten angefangen. oder ohne Genehmigung der Unionen.— Zugunsten der Arbeiter verliefen 47.94 Proz. der Streiks, einen teilweisen Erfolg hatten 15.28 und keinen Erfolg 36.78 Proz. Die Aussperrungen seitens der Arbeitgeber indes hatten für diese meist ein besseres Ergebnis. Großen Erfolg hatten 57,20 Proz., teilweisen 10,71 und keinen 32,09 Proz.— Lohnfordernngen waren die Ursache zum Stteik in 11851 Fällen oder 40, 72 Proz. Die zweite Ursache galt der Anerkennung der Organisationen, und femer der Widerstand gegen Lohnverkürzungcn und Forderungen für kürzere Arbeitszeit. Der Halste der Aus« sperruugen lagen Streitigkeiten wegen Anerkennung der Oraani» sationen, von Beschlüssen derselben und Arbeitgeberorganisationcn zugrunde. Die meisten Streiks hatte das Jahr 1903, und zwar 3494 gegen nur 471 in 1881, dem ersten Jahre der RechnungS» Periode aufzuweisen. In 1905 gab es 2077 Streiks. Die meisten Aussperrungen fanden ebenfalls im Jahre 1903 statt. polizeiliches, Gerichtliches ulw. Strafkonto der Presse. Der Genosse W i ck y von der„M ü I» hauser Volkszeitung" wurde wegen Beleidigung zu 30 M. Geldstrafe verurteilt. Genosse S t c i n k a m p vom..Volksblatt für Bochum" ist wegen Beleidigung— eines Gesangvereins(er hatte ihn Klim» bimverein genannt und sonst einige scherzhafte Bemerkungen über die Korporation gemacht) von der Berufungsstrafkammei zu Bochum zu 150 M. Geldstrafe verurteilt worden. Das Schöffengericht hatte gar 14 Tage Gefängnis zur Sühne des Schwervcrbrechons für nötig erachtet.— Ebenfalls eine Ermäßigung erfuhr ein zweites Urteil des Schöffengerichts gegen den Genossen Steinkamp, daS auf 3 Wochen Gefängnis lautete. Ein Polizeibeamter soll durch einen Gerichtsbericht beleidigt sein. Die Strafkammer ging auf 0V M. Geldstrafe herunter. GewcrhrcbaftUche�. Bei den Zentrums-Eisenbahncr» in Bayer« gärt eS gewaltig wegen de» Verrats, den das bayerische Landtags- zentrum an dem Verkehrspersonal verübt hat. Besonders empört ist man über die Arbeitersekretäre Dauer, Schwarz, Oswald und Königbauer, die ausdrücklich als Vertreter der christlichen Arbeiter in den Landtag gewählt wurden, aber sich lediglich durch ein MlNisterwort, daß die sozialdemokratischen und liberalen Anträge auf eine 15» resp. Ivprozentige Lohnaufbesierung der Eisenbahner unerfüllbar seien, bestimmen ließen, diese Anträge in der Kammer zu bekämpfen und die von ihnen früher selbst erhobenen Forderungen fallen zu lassen und die Bettelzulage von täglich 2V Pf. sür genügend zu erklären, wobei noch die Werlstätten-Akkordarbeiter ausgenommen sein sollen. Die sozialdemokratischen Abgeordneten werden noch be» Das alte Börsengesetz kennt keine Ausnahme von dem Zwang, die � schimpft, weil sie sich erlauben, ohne Aniehen der Partei auch die vom Prospekte zu publizieren. Eö wurde schließlich ein Kompromiß- Zentrum verratenen Interessen der christlichen Arbeiter wahrzunehmen. anttag der Konservativen mrd des Zentrums angenommen, wonach In Nürnbeig fand eine kolossal besuchte Eisenbahnerversammlung statt, Vcrantw. Redakteur: Haus Weber, Berlin. Inseratenteil vcrantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VcrlagSanftalt Gaul SingerLcEo.. Berlin LW. Hierzu3Beilogruu.UaterhaltungSblatt Letzte J�achnchten und Depefeben. Das Ende vom Lied. Breslau, 15. Januar. In einem hiesigen Hotel wurden gestern abend die Leichen eines Paares aufgefunden, das sich als Ehepaar Ritter in das Fremdenbuch eingetragen hatte. Beide Leichen wiesen Schußwunden im Kopfe auf. Allem Anschein hat der Mann zuerst seine Begleiterin erschossen und dam, Selbstmord verübt. In dem sechöläufigen Revolver steckten noch vier Kugeln. Wie sich herausgestellt hat, handelt es sich bei der Leiche des Mannes um den Leiter des ZiegrleiverbandcS in Hayna» Max Richter, welcher Untcrschlagnngcu in Höhe von 80 000 M. begangen haben soll und gestern mit einer Kellnerin nach Breslau geflüchtet war. Die Wahlreform in Ungar». Budapest, 15. Januar.(W. T. B.) Abgeordnetenhaus, Der Minister des Innern Gras Andrassy erklärte in Beantwortung einer Interpellation des Sozialisteu Mezoefi, er hoffe, die Wahlreform. Vorlage im März oder April vorlegen zu können. Ueber ihren In« halt könne er sich vorläufig nicht äußern. FeuerSbrunsl und Ezvlofioa. Paris, 15. Januar. glaube, er wird sich hüten, eS zu tun. er zieht vielmehr nach Friedenau bei Berlin.(Große Heiterkeit.) Ein angesehener National- ökonom, der der Linken nahe steht, Professor Schulze in Freiburg, spricht für die Enteignung aus Gründen des SiaatswohlS. Ueberhaupt baut sich unsere ganze Kultur auf der Enteignung auf. (Stallende Heiterkeit und Widerspruch.) Den polnischen Bauer und Arbeiter vertreibt niemand, aber der polnische Arbeiter geht von selbst und ohne Grund weg und zieht nach Westfalen; sprechen Sie(zu den Polen) also nicht von der Liebe der Polen zur Scholle.(Zustimmung bei den National- liberalen.) Die Vorlage ist sehr wohl vereinbar mit den Reichs- gesetzen und wir müssen es demAbgeordnerenhaiise überlassen, ob eS das Gesetz annimmt oder nicht. An Ihnen lzu den Polen) liegt eS. ob es ausgeführt wird; eS wird nicht ausgeführt werden, wenn Sie zu der Einsicht kommen, daß wir aufeinander angewiesen sind und in Eintracht und Liebe miteinander leben müssen. (Schallende Heiterkeit bei den Polen, lebhaftes Bravo l bei den Natioitalliberalen und recht«) Darauf vertagt sich das HanS auf Donnerstag 1 Uhr. Tagesordnung: 1. Dritte Beratung des Vertrages mit Belgien und Italien über die Werke der Literatur. Kunst und Photo- graphie. 2. Dritte Beratung des Handels- und SchiffahrlsvertrageS mit Montenegro. 3. Fortsetzung der heutigen Be- ratung. 4. Interpellationen betr. reichSgesetzliche Negelnng des KnappschaftswescnS. Schluß 6 Uhr._ IZbgeoränetenkaus. 11. Sitzung vom Mittwoch, 15. Januar. 11 Uhr. Am Ministertische: Frhr. v. Rheinbaben, Dr. B eseler. Die er sie Lesung des Etats wird fortgefetzt. Abg. Dr. Pachnicke(frs. Vg.): Der Fiiianzlllinister meinte, die Wahlrechtsfrage stehe mit dem Etat nur i» losem Zusammen- bange. Aber sie beherrscht doch die politische Situation.� War die Zurückhaltung, die der Ministerpräsident in seiner Erklärung zur Wahlrechtsfrage zeigte, wirklich ein Gebot der Staatsklugheit?� In einer Frage, die das Volk so tief bewegt, mußte sich Fürst Bülow als wahrhaft leitender Staatsmann zeigen, er mußte� bestimmte Ziele aufstellen.(Sehr richtig! links.) Warum sagte Fürst Bülow nicht einmal die Einführung des geheimen Wahlrechts zu, nach» dem er als Reichskanzler durch Einführung der Isolierzellen die Rcichstagswahl noch geheimer gemacht hat! Interessant wäre es gewesen, wenn Abg. Herold uns gesagt hätte, wer von seiner Partei noch gegen die Uebcrtragung des ReichstagswahlrechiS auf Preußen ist. ES wird ja doch von Unstimmigkeiten in seiner Partei gesprochen. Bei uns herrscht darüber vollständige Einig- keit, und wer außerhalb dcS Hauses die Verdächtigung aussprechen würde, daß einzelne von uns gegen die Einführung des Reichs- tagswahlrcchtS in Preußen seien, so würde er sich der bewußten Unwahrheit schuldig machen. ES sind hier vielfach die Straßen- demonstrationen erwähnt worden. Eine Folge derselben sehen wir jetzt in einem Artikel, der durch die konservative Presse geht, in dem betont wird, daß die Straßcndemonstrationen den Fürsten Bülow nur in der Auffassung bestärken könnten, daß das Proletariat noch nicht reis sei für die Einführung des Reichstags- Wahlrechts!— Niemand von uns hat die Blockpolitik so aufgefaßt, daß wir dadurch ein Opfer unserer Ucberzrugung werden sollten. (Sehr richtig! links.) Bei der Einführung neuer Steuern muß die Belastung der breiteren Massen eine Korrektur erfahren durch stärkere Belastung der Besitzenden. Davon, daß das Reich nur indirekte Steuern erheben darf, während die direiien Steuern den Einzelstaaten ver- bleiben sollen, steht nirgends etwas.(Zustimmung links.) Ter Finanzminister lobte die Schutzzollpolitik. Tatsächlich ist aber die Schutzzollpolitik überspannt worden, und heute zeigen sich ihre ungünstigen Folgen überall. Der Finanzminister sieht in der Einführung direkter Reichssteuern einen Eingriff in die Souve- ränität der Einzclstaatcn. Aber damit kommen wir nicht weiter. Der Großgrundbesitz hat gelvitz seine Existenzberechtigung, aber wo er überwiegt, muß er im Staatsintcresse eingeschränkt werden. Sehr zu bedauern ist, daß das niedere ländliche llnterrichiswesen heute noch aus demselben Niveau steht wie vor 25 Jahren.(Hört! hört! linkS.k Wir haben einen nenen Kultusminister, lieber wäre uns ein Unterrichtsminisier im Hauptamt.' Soll der Wechsel im Kultusministerium mehr bedeuten als einen bloßen Personen- Wechsel, so darf Herr Holle das System Studt nicht einen Tag fortsetzen.(Sehr richtig? links.) Mg.». Arnim-Zusebom(kons.): Der Mg. Dr. Wiemer sprach gestern von Zwingburgen. Auf dem Lande gibt es die nicht. Wollte man von Zwingburgen sprechen, so könnte man es nur in bezug auf die Bewohner derjenigen Paläste tun, die den Mittel- Punkt ihrer geschäftlichen Tätigkeit in dem Palast in der Burg- straße haben(sehr richtig! rechts); sie sind die Herren, die die Situation im wirtschaftlichen Leben, zum Teil im politischen Leben, beherrschen.(Sehr richtig! rechts.) Bestreiten mutz ich die Annahme deö Abg. Dr. Wiemer, daß das deutsthe Volk durch indirekte Steuern überlastet sei; in anderen Ländern ist diese Belastung weit höher. Abg. Dr. v. Woyna(frei!.): Lebhaft bedauern muß ich es. daß daö Zentrum durch Herrn Herold sich für das Koalitionsrechd der ländlichen Arbeiter ausgesprochen hat. Hätten die ländlichen Arbeiter ein Koalitionsrecht, dann könnten wir noch ganz andere Straßendemonstrationen erleben.(Sehr richtig? rechts.) DaS ist eine grobe Verkennung der tatsächlichen Verhältnisse. In der Wahlrechtssragc werden wir von unserer besonnenen(!) jind kaltblütigen(!) Haltung nicht abgehen und uns von keiner.Seite dahin drängen lassen, radikal(!) vorzugehen!(Bravo! rechts.) Abg. Macco(natl.) führt eine Reihe von Einzelheiten zum Eisenbahn- Etat an, bleibt jeöoch aus der Tribüne im Zu- sammenhang unverständlich. Abg. Graf Prnschma(Zentr.): Auf die Ausführungen meines Fraktionskollegen Herold ist die Regierung nicht eingegangen, ich nehme also an, daß sie damit einverstanden ist.(Heiterkeit.) Abg. v. Woyna bezeichnete die Forderung des Abg. Herold nach Ver- leihung des KoalitionSrechts an die Landarbeiter als ungeheuerlich. Nun, diejenigen von uns, die sich über diese Frage ausgesprochen haben, haben stets gesagt, daS Koalitionsrecht könne aus die Dauer den ländlichen Arbeitern nicht weiter versagt werden. Sie können sicher sein, daß wir, wenn es so weit ist, alle Kautcle» treffen werden, damit nicht die Folgen eintreten, die Herr v. Woyna be- fürchtet! Herr Dr. Wiemer meinte. Abg. Herold habe wehmütig gesprochen, weil wir nicht mehr'die ausschlaggebende Partei sind, Wir befinden uns sehr viel wohler. seitdem wir das nicht mehr sind. ES war keine behagliche Lage, daß wir immer auf Kom- promisse angewiesen waren. Wir werden uns aber nicht aus- schalten lassen, wenn cS sich darum handeln sollte, dem Liberalismus mehr als bisher Einfluß auf die Gesetzgebung zu geben, wir werden im Interesse d«S Volkes und des Vaterlandes Stellung dazu nehmen. Wir können warten, unsere Zeit wird wieder komme», frülier oder später!(Beifall im Zentrum.) Abg. Gyßling(frs. Vp.): Die statistischen Zahlen, die uns hier über die Belastung der Bevölkerung in anderen Staaten mil indirekten Steuern angeführt sind, beweisen nichts. Zum Teil sind die anderen Staaten reicher, andererseits darf man nicht un- berücksichtigt lassen die Belastung durch die direkten Steuern bei uns.(Sehr richtig! links.) Dem Abg. Herold erwidere ich. daß wir uns lediglich von sachlichen Gründen leiten lassen, die Persönlichkeit des Fürsten Bülow kommt für uns nicht in Betracht. Wenn das Zentrum für ein gleiches Wahlrecht eintritt, so mutz es auch für eine Neueinteilung der Wahlkreise eintreten. (Sehr richtig! links.) Die Debatte wird geschlossen. Der Etat geht an die Budgetkommission. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung: Tonnerstag, 11 Uhr(Zweite Beratung der Polenvirlaae)- Schluß 3'� Uhr. Der Kühnenrännerverband gegen den „Vorwärts". Der Verband der Metallindustriellen befolgt anscheinend die Taktik, den„Vorwärts" durch gerichtliche Prozesse über un- bedeutende Dinge zu ärgern. Eine Taktik, die schon deshalb keinen Erfolg haben kann, weil sie sich an ungeeigneten Mitteln zu er- proben sucht und deshalb ihren Urhebern mehr schadet wie dem, der durch solche Nadelstiche getroffen werden soll. Erst kürzlich hatten wir einen Bcleidigungsprozcß, wo hinter dem nominelleir Kläger der Verband der Metallindustriellcn als wirklicher Kläger stand. Ein zweiter Prozeß ganz derselben Art spielte sich am Mittwoch vor den Schranken des Schöffengerichts ab. In diesem Falle traten die Brüder Moritz, Inhaber einer Mnslkinstrumenten- fabrik, als Kläger gegen unseren verantwortlichen Redakteur Weber auf. Die Fabrikanten Moritz fühlten sich beleidigt durch einen Artikel im„Vorwärts" vom 17. September v. I.. welcher einen Streik in der Morihschen Fabrik bespricht und dabei Mitteilungen macht über die bei Moritz üblichen Löhne und die Umgangsformen, deren sich der Chef im Verkehr mit Arbeitern bediente. Es handelt sich bei dieser Klage um eine Angelegenheit von recht untergeordneter Bedeutung. Aus diesem Grunde war auch Weber bereit, der Anregung des Gerichtsvorsitzenden zu folgen und sich mit dem Kläger in annehmbarer Form zu vergleichen. Rechts- anwalt H e n n i g f o n, der die Kläger vertrat, lehnte jedoch von vornherein jeden Vergleich ab.„Weil der Verband der Metall- industriellen dahinter steht." wie Weber sagte. Rechtsanwalt Hennigson bestätigte diese Annachne durch die Bemerkung: „Wir sind der Meinung, wenn zahlreiche Prozesse gegen den„Vor- wärtS" geführt werden, um die Unwahrheit seiner Angaben bar- zutun, so wird das auf den Ton des„Vorwärts" mäßigend ein- wirken.— Also mit anderen Worten: Herr Hennigson und seine Auftraggeber wollen durch gerichtliche Prozesse dem„Vorwärts" die Regeln des„guten ToneS" beibringen Daß der Herr Anwalt dazu nicht der geeignete Mann ist, das hat er durch sein Auftreten in der Verhandlung bewiesen, und die Verhandlung selbst hat dar- getan, daß auch der unter Anklage stehende Artikel nicht geeignet ist, den Klägern Materia! für ihre Zwecke zu bieten. In unserem Artikel wird behauptet, daß Moritz einem bei ihm beschäftigten Arbeiter anläßlich cincS Konflikts Backpfeifen ongebotcu hat. Diese Tatsache geben die Kager selbst zu. Auch zwei Zeugen, die damals bei Moritz arbeiteten, bestätigen cS und bekunden ferner, daß sich Moritz den Arbeitern gegenüber oft eines schroffen Tones bediente und bei jedem Konflikt mit dem Schutzmann drohte. Es kam nämlich öfter vor. daß Arbeiter, weil sie mit den Löhnen nicht zufrieden waren, aufhören tvollten. Dann kam es zum Wortwechsel zwiscden den Arbeitern und Herrn Moritz und dieser drohte bei solchen Gelegenheiten immer damit, daß er den Schutzmann holen werde. Die Zeugen geben für diese Drohung die Erklärung: Die Moritzschen Arbeiter seien alle Ausländer. Durch die Drohung mit der Polizei sollte ihnen nahegelegt werden. daß sie ihre Ausweisung zu befürchten hätten, wenn sie sich nicht den Bedingungen fügten, die Herr Moritz stellte. „Wir hatten den Eindruck, wenn wir uns irgendwie rühren, dann veranlaßt Herr Moritz unsere Ausweisung," sagre einer dieser Zeugen. Weiter heilst es-in unserent Artikel:„Die Firma zahlte bei zehnstündiger Arbeitszeit Löhne von 35 nnd 37 Ps. Ter Höchstlohn für den Werkführer beträgt 50 Pf. pro Stunde." Ferner ist die Rcde von einem Arbeiter mit 35 M. Wochenlohn.— Diese Angaben werde» von den Klägern bestritten. Zivci Zeugen, die in der Fabrik arbeüeten, bestättgten, daß zu jener Zeit tatsächlich Löhne von 35 bis 50 Ps. gezahlt worden sind und daß der Werk- sührer 35 M. Wochmlohn erhielt. Eine dritte Angabe ünseres Artikels ist die: Als alle Arbeiter der Moritzschen Fabrik die Arbeit niedergelegt hatten und Moritz sie als entlassen erklärte, da wollten sie ihren Lohn haben, aber Moritz habe einen der Arbeiter angepackt, ihn zur Tür hinausgeschoben und gerufen:„Raus, Ihr Bagage, Set ganze MetaSarbeiterverband tft efne Bandttengesellschast» geht doch zu Eurem organisierten Lumpengesindel, Nr Bande!" >— auch dieser Vorgang wurde von ztosi Zeugen so geschildert, wie cx von nnS dargestellt ist.— Tie Kläger beriefen sich wegen dieses Vorfalles auf eine Tegenzcugin, die aber völlig versagte, weil sie an der«telle, wo sich die Szene abspielte, gar nichr zugegen war. Tatz auch die Kläger, wie von uns behauptet, die zur Beilegung deL Streits mit den Arbeitern getroffenen Bereinbarnngen nicht innegehalten haben, wurde durch das Zeugnis des Genossen Behrendt vom Metallarbcitervcrband bewiesen, der den VerHand- lungcn damals beiwohnte. Nach diesen Feststellungen war die Klage, von der sich der Verband der?Netallindustrlcllcn anscheinend so viel versprochen hat, beraits zusammengebrochen. Aber es ist da noch ein Punkt, der den Klägern als RettungSanler winkt. Wcim auch die von uns angeführten Tatsachen als zutreffend erwiesen sind, so bleibt doch noch die Möglichkeit, den Angeklagten wegen formaler Belei- digung zu bestrafen. In unserem Artikel werden die angegebenen Löhne als„jämmerliche" bezeichnet. Es ist nun zlvar eine Sache der � persönlichen Auffassung, ob man Stundenlöhne von llö bis 50 Pf. für qualifizierte Arbeiter als jämmerlich oder als glänzend betrachten will. Aber das Gericht scheint doch der Ansicht zu sein, daß es eine Beleidigung der Kläger ist, wenn man sag:, sie zahlten jämmerliche Löhne, ohne daß man nachweisen kann, in anderen Betrieben werden Höhere Löhne als bei Moritz gezahlt. Dasi letzteres tatsächlich der Fall ist, bekundete der Zeuge Behrendt. Herr Nasse, der Generalsekretär der Arbeitgcbervcrbände, der von den Klägern als Zeuge geladen war, aber zur Sache nichts be- künden konnte, sollte als„sachverständiger" Über die Lohnhohe der Branche vernommen werden! Aber auch in diesem Punkt versagte Herr Nasse. Der Generalsekretär der Arbeitgeber war nicht in der Lage, zuverlässige Angaben über die Löhne in den Blasinstrumenten- fabriken zu machen, obgleich es nur neun Betriebe dieser Branche in Berlin gibt.— So beschloß dann das Gericht ans Antrag des Anwalts der Kläger, die Berhandlung zu vertagen und einen Sach- verständigen zu laden, der ein Gutachten darüber eben soll, ob man die von den Herren Moritz gezahlten Löhne als jämmerlich bezeichnen darf.— Dazu bedarf es unseres Erachtens keines Sach- verständige,;: der Tatbestand selbst spricht deutlich. "Vermisektes. Die Brandkatastrophe i« Boyertow». Nach einer Meldung aus New Jork sind bei der Katastrophe in Boyertown(Pennsylvania) bis jetzt 1S7 Leichen geborgen worden, und man glaubt nun nicht mehr, daß sich noch weitere Leichen unter den Trümmern befinden. Die angestellte Unter- suchung hat ergeben, daß beide Zugänge zu dem Opcrnhause völlig unzureichend waren. Auch die Ncttungsarbciten ließen viel zu wünschen übrig. Einige Dampfspriycn konnten nicht in Kraft treten und einige Leitern waren so defekt, daß mehrere Personen auch hierdurch Verletzungen erlitten. Wie berichtet wird, ist fest- gestellt worden, daß das Feuer während der Amateurvorstellung im Stadtopcrnhaus ausbrach. Bei der Aufführung des Theater- stückes erfolgte eine laute Gasexplosion in der Kulisienmaschine. Durch den Knall wurden dreißig Kinder, die sich auf der Bühne befanden, erschreckt und liefen in den Zuschauerraum. Ein kleiner Junge stürzte dabei eine Oellampc an der Rampe um; sofort leckten die Flammen gierig an den Kulissen empor. Andere Kinder flüchteten in Eile über eine Treppe, die sich links der Bühne be- fand. Durch den Lustzug der offenen Tür wurden die Flammen in den Znhörcrraum getrieben. Das Opernhaus ist ein dreistöckiges hölzernes Gebäude mit Läden an der Straße. Der Theaterraum befindet sich über einem Haupteingang. Auf den Treppen ent- stand ein wildes Gedränge. Einige Zuschauer entflohen durch die Fenster und fielen kopfüber fünfzehn Fuß tief auf die Erde. Die kleinsten Kinder wurden von einer Kette von Menschen aufgefangen, nur die Behendesten kletterten hinab. Ein Beispiel von Heldenmut bewies Mrs. Stella Mage«. eine Jnstruktorln. Sie suchte die Gardcrobenräume nach Kindern ab, fing dabei Feuer und wurde nach einer Viertelstunde von einem platzenden Ofen getötet. Rüben Höver, einer der Ueberlebenden. erzählte folgendes:„Das Un- glück hätte mit einiger Geistesgegenwart leicht verhütet werden können, aber selbst die Männer verloren den Kops. Die Schreckens- szcnen stiegen ins Ungeheure, als die Flammen in den Zuhörer- räum schlugen und ihn verqualmten. Ich sah viele der Anwesenden nach Luft ringen, sie krochen auf allen Pieren vorwärts und versuchten zu atmen, andere knieten in ihrer Verzweiflung nieder und beteten." AmtNcher Marktbericht der städtischen Maritdallen-Direktion Wer den C�roKhandel in den Zentral-Marktballcw Marktlage: Fleisch! Zufuhr schwach, Geschäft flau. Preise mröcränderl. Wild: Zusuhc genügend, Ge schüft lebhaft. Preise gut Geflügel: Zufuhr knapp, Geschasl etwas lebhast, Preise jesr. Fische: Zufuhr mäßig, Geschäft slill, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Ob st und Südjrüchte: Zufuhr mägig, Geschäft sehr still., Preise wenig verändert_ WittcrungSübersichr vom 15. Januar 1008. iL S!.« i«! euitntn lü Iis4«ettei I2s S« Jsi !«- 1?« I Swinemde 771 camtmtQ 1 771 SW Berltr 772 W ranfi.aSn 775 S 'fluchen 777 SW Sien 776 Still l 1 Dunst 2 bedeckt 1 roolfenl 1 woltenl 2 bei, er Nebel «?! I-» A Ii i» *5= SUlUnen ? B ,£= B« 1�1" i§ e i i —6 Haparanda 751(5 0 Pe .etersburg 7663 — 7|3citü) 7653 Frankl a M 775 3 1 woltenl—10 lberbeeii-757S Muchen 777 SW 2beiter—12 Part» 7723 v Ii I Wetterprognose für Donnerstag, den 16. Januar 1008. Etwas gelinder, zunächst meist hnter und trocken bei mäßigen füdlvcsi- lichen Winden; später zunehmende Bewölkung, «eU« C v» a i B S S I 2bedeckt 1 Nebel 5 wolkig S bedeckt 2 woltenl -1 -6 v 7 �8 Wasserftands-Stochrichte» der LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetlerbureau. Wasserstaud Memel, Tilflt Vre gel, Jnstcvdmg Weichsel, Tboru Oder, Ratibor » Krasse» , Franlsurt Warthe, 3chrimm „ Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leittneritz , Dresden . Barby Magdeburg ')+ bedeute, Wuchs,- Fall.-«) Unlerpeget-») EiSftand. -*) Schwaches Treibeis.—-) Treibeis.—*) Gründels.— 0 GrundeiS- trewew Am DicnStag, den U. d. M früh l Uhr, verschied nach kurzem schweren Krankenlager mein lieber Mann und guler Valer seines Sohnes, der Rcilmirateur August Gottschalk im 33. Lebensjahre. Dieses zeigt tiesbetrWI an Die trauemde Witwe Erna Gottitchalk geb. Elchler. Die Beerdigung finde! am Freitag, 2ft, Uhr, von der Halle deS Sophien- Kirchhofs, Freien. walder Straße aus statt 2ö3üb SozlaliieniokraiiSEiierWaMralD für den UerlinerREieiistässwalireis Bezirk 105a. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Schankwirt KugllZl Gottsciialk Kreuzbergstr. 30 verstorben ist Ehre feinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am Freitag, den 17. Januar, nachmittags 2'i.j Uhr, von der Halle de» Sophicu-KirchhoseS, Freien- walder Straße, aus statt Um zahlreiche Beteiligung ersucht 210/2 Der VorHtand. Sozialiieniokratiseber Wateein des li. Berliner Walirelses. Todes-Anzelge. Am 10. Januar verstarb unser Mitglied, der Arbeiter August Keuicke Wvllinerstr. 35. Ehre feinem Andenken l Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, nachmiltagS 2 Uhr, von der Halle des FnedenS-Rtrch. hose» m Nordend aus statt Um zahlreiche Beteiligung ersucht 221/6 Der Vorstand. Lsulsohök' Mddinllör-Vöi'dsoll. Zahlstelle Berlin. Am 11, Januar verstarb nach I langer Krankheit unser lang- j jährige» Mtlgstcd Ernst Weichelt | im 15. Lebensjahre. Ehre feinem Andenken k Die Beerdigung findet am ! Sonnabend den 16, Januar, nach- millagS 3'/, Uhr, von der Leichen. halle deSBartholomäus-Kirchlloses m Weißensee, Faltend crger Weg. | au» statt Um zahlreiche Beteiligung ersucht| Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler ftni! Ueekermann am 13. Januar verstorben ist Ehre keinem Andenke»: Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 16, Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des St, Pauls-Kirchhoses in Plötzensee aus stall. Um rege Beteiligung ersucht 77/18 Die OrtSverwaltun». Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben. treusorgendcn Mi Vaters, des Gastwirts Julius Baumgärtner sagen wir hiermit allen Verwandten, Bekannten, unseren werten Gästen sowie dem Verband der ireie» Gast- und Schankwirte und dem sozial« demoliatischcn Wahlveretn Rixdorf herzlichen Dank, Witwe.Anna Nanmxllrtnor nebst Töchtern. DankNaxnnzr. jflt die wohltuenden Beweise herz- sicher TeUnaome, die ich beim Hin- scheiden meines liebe» Manne» empfangen habe, spreche ich meinen tiesaesühlten Dank aus, I565L Hulda Goiilke geb. Kremer, Oppelner Straße 5. 23/3 Orlsverwaltung AS" Ausserordentliche Keiiösgi-VösSWliiimg der Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Grts-Krankenhafle der Ulllchinrubau-Arlieittr � und verwandte» Gewerbe zu Berlin am Mittwoch, den Li). Januar 1008. abends 8'/, Uhr, in WilkeB Fehtnillen, Brunueustraste Nr. 188. Tages-Ordnung: I. Ersatzwahl eines Revisors(Arbeit- geber), 2. Antrag Schuldt und Genossen betreifend Einführung eine» Peiision» reaulalios für die Beamten. 3. Verschiedenes. 25316 Anfragen und Beschwerden, zu I welchen die Emsicht in die Kassen- | bücher notwendig ist, muffen bio zum f 27, d, MtS. mündlich oder schrisilich > bchuss Beontwortung derselben in ! der Gencraloersammlung beim Bor- stände mitgeteilt werden. Zahlreiches und pünktliches Er scheinen der Herren Vertreter ist wegen der Wichtigkeit der Tages vrdnnng unbedingt cvsorberiich. Das Mandat legitimiert I Berlin, den 14. Januar 1908. Der Börftand. H. Blank. K. Köster. Für die i icien Beweise verzlicher Teistiahme bei der Beerdigung unseres beben SohneS und Bruders Ott« linusta sagen wir allen, insbesondere seinen werten Kollegen und dem Verein der Zinn- und Bleiglcger sowie dem Ehest )errn Bcrubard B. Simon, unseren erzlichften Darrt iwtl Famlife Kunde. Möbelfabrik Union. Eingetragene Genossenschast mit beschränkter Haft- psticht, Freiing, den 31, Januar 1968, abends 6 Uhr. im Glschästslotal, Warschauer Str. 70: Clonci-al• Vcrsamuilnns. Tages- Ordnung: 1. Bilanz, 2, Slatutenäuderung 3, Neuwahl des Vorstandes und des Aussichts- rates. 4. Eeschäjlliches. Der Borstand. 178, Die Bilanz liegt in unserem Konlor.Darschauer Str, 7(1" zur Ein- (itfstnohmc der Genossen au». 25356 axxxzxxzzxxxsxxszxxxxxxzzzxzxzxzxxxxxzxzxxxxxxxxxxxx» Dritter Wahlkreis. Sonnabend, den 25. Januar, in den Gesamträumen des Qewerkschaftshauses Engeluker 16: 17. Stiftungs-Fest. ::: KONZERT::: ausgeführt von den Zivil bernfWmniflkern anter Mitwirkung der dentsoh-schwedisohen Konzerts ängerin Frl. Tliyra Kordström und des Berllaer Ulb-Trlo. Reigenfabren des Berliner Arbeiter-Radfahrervereins(M. d.„Soüdaritit"). Großer BALL. Anfang 8% Chr. Um zahlreichen Besuch ersucht Herren, welche am Tanz tsilnehmen, -—= zahlen 50 Pt== 213/1* UillettB 80 Pf. Der Vorstand. s ä 10 PFq, SupP6" enthalten alle Nihr- ond Geschmack- stofle einer guten Fleischsuppe. Man braucht nur mit Wasser zu kochen. Ein Würstchen gibt 3 Teller gehaltreiche Suppe. } Koche mit„Knorr" Singer Nähmaschinen. Ei» fache Haudliabiing! 15928* Grosse Haltbarkeit! Hohe ZlrbeitSleiftnng! Weltausstellung HrrinH Dt-iv Woltausstellung Paris 1900: UrdUU FTIX st Louis 1904.1 Stein arlieitrr llorlln 1. Unsere der WahIrechtSdcmonstration halber ausgefallen« 171/3 Veoei'St-VefSktmmtuug finde! nunmehr am Sonntag, den 10. d, Mts,. oormiitagS 0'/, Uhr. im GewerlschastShause, Engel-User 15. Saal I statt. Zahlreiches und pünlllichcs Er- scheinen erwartet Die Ortövcrwaltnnq. noritzpiotz.......: imsiiesfensss lAglluTi» llnenigeltlicher Unterricht, auch in moderner Knust ttickerei. Elektromotore für Stähinaichinenbetrirb. Singer Co. J�ähmaacbhKN Hct. Ses. Berlin W., Lelpzigsrstr. 92. Filialen In allen Siadtleilen 1 Entree SO Pf Vorverkauf 40 Pi. 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Januar. Ansang 7-/, Uhr. Königl. Opernhaus. Aida. Köuigl. Schauspielhaus. Die Rabnistemenn. Deutsches Die Rluber. Kammcrspiele. Frühlings Er- wachen,(�liisang ö Uhr.) Thalia. Er und seine Schwester. Lessing. iiaiscr Karls Geisel. Ansang L Uhr. Lorning. Der Trompeter von «ci dingen. L»i»l>ir>i>»»s. Panne. Neues Schauspielhaus. Zar Peter. Verliner. Blaubart. Neues. Äamelisttdame. Kleines. Ein Piiopcnhelm. Scuille»<». iWailner»Theater.) Rciterattacke. Schiller i5harlottenburg. Kollege Ärampton. Ariedrich- BSilhelmitädt. Schau- spielhaus. Madame Sans Gong. Westen. Ew Walzcrtraum. Theater an der Spree. HoluS pokuS. Komische Oper. Tiefland. Zentral. Frau Warrens Gewerbe. Residenz. Ganz der Papa. Luisen. Krieg im Frfeden. Trtanon. Fraulein Joselte— meine Frau. Bernhard Mos«. Die arme Mieze. Bürgerl. Schauspielhaus. Onlcl «rasig. Carl-Haverlaud- Theater. Spe- zialttälen. Metroria«. DaS muß man seh'n. Apollo. Hymack. La belle Alexia. GenteS. Walhalla. Spezialitäten. Folies Gaprice. Mal was andres. Dunkle Punlte. EÄe anständige Frau. Gebr. Herrnfeld. Papa und Ge. nosien. Parodie. Zapsenstreich. TamlhSuscr. Monna Parma. Kasino. Btederleute. Wintergarten. Robert Steidl. Spc- zialilälen. Pafiage. Di« swgendm Engels- käps«. Spezialitäten Borussia- BariStH, Ackerstr. S/7. Spezialitäten. Netchsvallen. Stettiner Sänger. Uranto. Taudeiihrohe S llhr: Kairo und die Pyranridcn Hörsaal abends S Uhr: Prosesior Rathgen: Ewsllhrung in die an- organische Expertmentalchemie. 2. Teil: Die Metalle. Sternwort«, Jiivalibenstr. S7skL. Urania Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/19. Kairo und die Pyramiden. Hörsaal 8 Ulir: Prof. Kathgen: Einführung in die anorganisoho Experimental- chemio. Tl. Teil: Die Metalle. Zentra!=Theater. Gastspiel des Hedliel-TheatcrS. Abends 8 Uhr: Frau WarrenS Gewerbe. Drama in 1 Akten von Bcrnh. Shaw. SchSller-Theater. Schillef-Thealer ll. lWallner-Tbealer). Donnerstag, abends LÜH r: Kelterattaelte. Schwank iit 3 Aufz. von Siob'tzer und Fritz Friedmann-Fredcrich. Freitag, abends 8 U b r: vle Kermaaatlnelilaelit. Sonnabend, abends 8 U h r: Gebildete Keuschen. Schiller- Theater Cliarlotienburg. Donnerstag, abeildS8Uhr: Kollege Cranipton. Komödie in 5 Akleu von Gerhmt Haupimann. Freitag, abends 8 Ubr: Philister. Hierauf: vle Lore. Sonnabend, a b c n d S 8 Uhr: Bosmersholm. Nchlller-Saal /Schiller-TheaterV \ Charlottenburg/ Luisen-Tlieater. Reicheubergerstr. 31. Abends 8 Uhr: Krieg im Friede«. Freilag; DaS Heiratsnest. Sonnabend nachm. 1 Uhr: Mar und Moritz. Abends: Krieg im Frieden. Sonntag nachm. ä Uhr: Krieg im Frieden. Abends zum erstenmal: Wallcnstcins Tod. Mantaa: Wafs-alteins Tod. Freilag abends 9 Uhr: Vortrag von Dr. Max Bnrkhardt: Felix Weingartner. Erläutert durch Instrument. Sonnabend nachm. 3 Uhr: Erster Vortrag von Prof. Dr. Paul Schudring. Anleitung zum Betrachten von Kunstwerken im Anschluß an die Schätze des Kaiser Fricdrich-MuseumS. Mit Lichtbildern. Sonntag abends 9 Uhr: Erste Vorlesung von Dr. Niax Bnrckhardt: Das deutsche Lied. venUner'rkeater. Sasuplel d. Neuen Operetten-Theaters. Abends 8 Uhr: Bfcubsrl Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Gastspiel Elconure Base: La Signora daüe Kamelie. Freitag: Casa Patorna(Heimat). Letztes Gastspiel Eleonore Dusc. llSoonlclcerstr. 68, siebt am ßaimbof JannowitzbrttckB Täglich 8 Uhr: f „HoKuspoKus Neuößoiliucr Posse m. Gesang u. Tanz von Louis Herriaann. Zirkus Scltumann Donnerstag. 16. Jan., abends 7'/, Uhr: - Um 9'/, Uhr zum LZ. Male- Ende gegen 11 Uhr: Das Tagesgespräch von Berlin' Amerika zur Zeit deö Bürgerkrieges. Sklaverei». Trachten 18(51—1863 Cowboyexerzitien aus importlerlen Maultieren. Festlag aus dem Arolldway in New York. Feuerwehr aller Nationen. Eine Dampfspritze in Tätigkeit. Glänzende Licht- und Wassercffcite. Theater Folles Caprlce Linienstr. 132, Ecke FriedrichstraSe. Berlins Tagesgespräch! Mal was Anderes. Revue in 3 Bildern. Dunkle Punkte. Eine anstUudige Frau. Anfang 8 llhr. Kleines Thealer. Abends 8 Uhr; EN JJllJJpfllljfjSil.(Nora.) Freitag: Mandrazola. Sonnabend: Mandragola. Sonnlag nachm. 3 Uhr:>sin Puppen- hcim(Nora). Abends: Mandragola. skLAlei' lies Usslens. 8 Uhr: Fla'tt'al�ertraum. Operette von Oskar Straust. Sonntag nachm. 3'/. Uhr halbe Preise: Die lustige Witwe. Friednch-WiihsMdtisches Sciiauspieliiaus. Madame Sans Gene. Anfang 8 Uhr. Freitag VU Uhr zum erstenmal: König Heinrich. Tragödie in 1 Vor- spiel und 1 Alien o. stv v. Wildenbrinb. goi'Mitg- öper. KcIlc-Alilunee-StraUo 7/8. Abends 8 Uhr: Der Trompeter o.Siicklugtn. Freilag: Die Entführung aus dem Serail. Sonnabend nachm. 3'/, Uhr: Rum« pcistilzchen. Abends 8 Uhr: Das Glöckchen de« Emeriten. Ues!l!en?-Iliez!ss. — Dircllion: llioiiard aierander.— Abends 8 Uhr: Ganz der Papa. Schwank in 3 Akten von Mars und DeSvalliercS. Deutsch v. M. Schönau. Baron des Aubrais: Nich. Alexander. ««n n abend, den 18. Januar zum erstenmal:»Bibi.« Sonntag, den 19. Januar, nachm. 3 Uhr: Habe» Sie nichts zu vor- zollen_ Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: P a n u e. i »WM« '■Sic. Frantinrierstr 132. Oje arme Mieze. Ansang 8 Uhr.— Wochentagspreise. Freitag; Die arme Mieze. Rixdorfer Thealer Burgcrsälc, Bergstraste Nr. 117. Sonntag, den 19. Januar 1908: Gastspiel des Opern- Ensembles (Theater des Westens). Oer TYoubadoiir. Oper ln 4 Alten von Verdi. _ Anfang 7'/3 U h r. Melropol-Theaier Anfang präzise 8 Ehr. II Gr. Revue iu 1 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor HoUaender. In Szene gesetzt von Direktor Riehard Schultz. B. r, F. BeDiier, Giauptro, Joseplii öle. Rauchen gestattet. Sonntag, den III. Januar, nachmittags 3 Uhr: Die Herreu von Maxim. Abends 8 Uhr: la teile ileiia, Ä tIÄ Siegwart GcateK st, seiner Opernprobe. Hj'ntack, der Mann mit den Handschuhen. Die 3 goldenen Jungfrauen. Sonntag nachm. 3>/, Uhr(kleine Preise) FamilieuoorsleUung. �Teues proxramm. Ruth St. Vincent Gesangskünstlerin. Kaufmaun-Truppe reizende Radfahrkünstlerinnen. Kocliez Aüfon Der Affe als Kapellmeister. Robert Steidl der boliebto Humorist, und viele andere erstklassige Spezialitäten. Weinbergsweg 19/20. Rosenth. Tor. Abends 8 Uhr: Das große Programm. Oie erste Sensation im neuen Jahr: Oer Kraitjongleur Äcosta. I Jj clektrisehe Sterne ■* musikalisch Ausstaltungsalt. Jfestrum, Komiker. Prolongiert! Prolongiert l 12 Akrobaten Lorch IS. 46 Varidtdklinntler. Tunnel: Bockbierfest, RegimentS- kapellc, Tiroler Schrammelu. Thcaierbcsuchern freier Einlrilt. p Thpafpp wocjpnli" Neu! Eltgaut! Illttressaut! I ItlbUtUI„Ilbutbltu Täglich Vorstellmig von 8—11 Uhr. a'.'d rt,...f rtitS Hl... Q_ IIÄH Charl Ottenburg, Potsdamerstr. it. Sonntags von 3—11 Uhr. Stetiger Eingang von Neuheiten. Irianoo- Idealer. Ä Fräulein Josette- meine Frau. Sonntag nachm.: Gastons Frauen. smevolhMhne Prsltag, den 17. Lortzlng- Theater: Januar, S1/. Uhr: Lnlsen-Theater: Erziehung zur Ehe. Neue Mitglieder werden in allen Zahlstellen aalgenomnen. Gastkarten a 1 Mark in allen Zabistellcn and im Theater bei dem Obmann. Sonntag, den 10. Janaar, nachm. 8 IThr: 1 Berliner Theater I9./20. Abteilung; Leute. Ledige Neues Schauspielbaas 4./5. Abteilung; liieü au! Tanris. Ilontag, den SO. Januar(OOS, 8'/, ühz; 26. Kunstabend im Rathause: Dcutfchc Romantik. Hinlaßkarten a 30 Pf. nur noch in den Zahlstellen zu haben. Einleitender Vortrag: Herr Friedrich Stampfer. Vertrag u. Rezitation: Herr Magnus Stilb vom Berlinei Theater. npHnPP.Clt7linn Sonnabend, den 18. Januar, Ui UUCl Jll&Uliy, abends Sa/t Uhr, im Gewerkschaftshause. Die Zahlstelle Xr. 13 befindet sich jetzt bei Lohaas, Thaerstraße 63, Ecke Frankfurter Allee. 210/3 Der Torstaod, In Vertr.; G. Winkler. Stadt-Tlieater Moabit, Alt-Moabit 47-19. DonnerSiag, den 10. Januar 1908: Die goldene Spinne. Schwank in 4 Auszügen von Fr. v. Schönthan. Nach der Borstellung: CaToitei* Ball. Kasieneröffnung 7 Ubr. Ans. 8 Uhr. �yom&Ma Vtvrißte3%eakr UMidfödtsate Inh.: J. liCschkowski. 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Zu haben bei Richard iiöiiiko, Be I| Bäckerei, Bcrgslr. 2. 101/6 Verantwortlicher Redakteur: HanS Weber, Berlin. Für den Jnleratenteil vcrantw.: Th. Glocke/Berlin. Druck u.Berlog: Vorwärts Buchdruckcrei u. Verlagsanstalt Paul Singer L- Co.. Berlin ZW, jt.13.»Mtm. 2. Stüllßk itts„öniiirtf Dtlülltk PoIlisWiitt. s-ntt-!°g.lK�°,.°rlM. Prozeß Peters—». iennigfen. Köln, 15. Januar 1008. (Telegraphischer Bericht.) Sechster Berhandlungstag. Also nach dreitägiger Pause wurden heute früh die Bcrhand- lungen wieder aufgenommen. Die Parteien waren wieder vollzählig zur Stelle. Nach Eröffnung der Sitzung bemerkt der Vorsitzende ÄmlsgcrichlSrai Kühl: Bevor wir an die Fortsetzung der VerHand- lungen gehen, wollte ich die Frage anregen, ob ein Vergleich möglich sei. Wenn kein Widerspruch erhoben wird, nehme ich an, datz die Parteien Vorschläge entgegenzunehmen bereit sind.— Privatbeklagter v. Bennigsen: Ich würde einen Vergleich ablehnen.— Vorsitzender: Jeden?— v. Bennigsen: I a. — Der zweite Beklagte Redakteur Brüggemann erklärt dasselbe.— Hieraus wird das Protokoll des am Montag, den 13. Januar. in Stuitgarl komniissarisch vernommenen früheren Gouverneurs von Oftasrika, des jetzigen würtlembergischen Kabinettschefs und Minister- Präsidenten Julius Freiherrn v. Soden verlesen. Freiherr v. Soden hat hiernach ausgesagt: Ms Dr. Peters Juni 1891 in Tanga eintraf, wohin er von Dar-es-Salam ge- kommen war. erklärte ich ihm dem Sinne nach: Sehen Sie zu. wie Sie zurecht kommen, hüten Sie sich davor. das; Sie nicht selbst totgeschlagen werden, denn ich kann Ihnen nicht helfen. Mit meiner Zustimmung engagierte Dr. Peters Frciherrn v. Pechmann und Johannes für seine Ey'edition. Trotzdem diese ihre Besoldung vom Reiche erhielten, waren sie doch keine Reichs- bcamten. Für daü Gebiet, das Dr. Peters durchzog, lag die Straf- rcchtspflege in keinen Händeir. er war also den Ein- geborenen gegenüber Herr über Tod und Leben. Doch nahm ich als selbstverständlich an, dah er seine weitgehenden Befugnisse mit der äußersten Gewissenhaftigkeit ausüben würde. Ich war nicht in der Lage. Dr. Peters eine größere Truppcmnacht zur Verfügung zu stellen, weil die damals vom Reich bewilligten Mittel recht knapp waren. Anfangs 1892 erhielt ich einen Brief von Bischof Smithies aus Magila, worin er mir mitteilte, daß Dr. Peters die Leute schlecht behandle, und mich bat. dafür zu sorgen, daß kein U n g l ü ck geschehe. Dr. Peters habe ein Mädchen, eine Konkubine, und einen Boy auf- hängen lassen. Bischof Smithies meinte, er könne sich nicht denken, daß das mit dem Willen des Deutschen Reiches geschehen sei. Ich antwortete dem Bischof, daß ich vor- läufig gegen seine Darstellung protestieren müsse, und schrieb an Dr. PeterS, weshalb er mir über diese Vorgänge nicht berichtet habe. Dr. Peters antwortete, er habe niir darüber nichts geschrieben, um mich nicht unangenehm zu berühren. Er habe einen Boy aufhängen laffen wegen sortgesetzter Diebstähle aus der Station und er habe ein Mädchen auf- hängen lassen, weil sie>n e h r m a l s e n t f l o h e n sei und weil für nochmaligen Fluchtversuch die Todesstrafe angedroht war. ES sei damals zu befürchten gewesen, daß sie mit dem Feinde eine Verschwörung anzetteln würde. Ich berichtete nach Berlin, daß ich ein« voruntersuchimg für angebracht hielte, wobei ich auch die Rechtsfrage anregte, wer zur Einleitung einer solchen Untersuchung zuständig sei. Zunächst forderte ich den Chef der Schutzlruppe Johannes auf. Ermittelungen anzustellen. Zu einer förmliche» Untersuchung kam eS aber nicht, weil die beteiligten Personen inzwischen nach Deutschland zurück- gekehrt waren. Ich halte aus Grund von Aeußerungen in der Schuylruppe die Anschauung gewonnen, daß die Hin- richtung deS Mädchens ein Akt der Roheit war. Die Vor popmli der Schutzlruppe war nämlich gegen Dr. PeterS. Kolonialdirektor Dr. Kays« leitete jedoch keine Untersuchung ein, er schrieb, dazu liege kein Anlaß vor. Dann berichtete ich an Reichskanzler Caprivi, daß Dr. Peters ein Mädchen habe aufhängen lassen, weil eS nicht bei ihm bleiben wollte. Ich mußte das für richtig halten aus Grund der mir von Angehörigen der Schuylruppe gemachten Mitteilung. Hätte ich Beweise für diese Behauptungen in Händen gehabt, so würde ich auf eigene Verantwortung ein förmliches Verfahren eingeleitet haben. Die Voraussetzung für die Einleitung eines solchen Verfahrens war aber. daß die Behauptungen der Beteiligten erwiesen waren. Ich war der Borgesetzte des Dr. Peters und hatte ihm Instruktion zu er- teilen. Nach meiner Annahme gehörte es zu seinen Pflichten, mir Bericht zu erstatten über Todesurteile und Hinrichtungen. ES wird nunmehr der Bericht des Gouverneurs v. Soden an Reichskanzler Graf Caprivi verlesen. Aus dem ersten Bericht wird der Satz verlesen, daß er, Freiherr v. Soden, es nicht für richtig hatte, einen derartigen Burschen weiter an verantwortungsvoller Stelle zu lassen. Der zweite Bericht an Graf Caprivi lautet: Dr. Peters hat sich von einem Häuptling ein Mädchen schenken lassen, das Mädchen war damit nicht einverstanden und wollte wieder nach Hause. Dr. Peters ließ es aber nicht laufen und sperrte eS ein. Als das Mädchen doch einen Fluchtversuch machte, ließ er eS hängen. Die Tatsachen sind so einfach, daß sie für den, der sie verstehen will, keiner Be- gründung bedürfen. Der angeblich gute Glaube des Dr. PeterS, daß die Negerin konspiriert habe, so daß die Sicherheit der Station und der Europäer gefährdet gewesen sei, ist. �. geradezu eine Naivität. Es ist ganz undenkbar, daß ein Mädchen in so gefähr- lichcr Weise konspirieren kann. Selbst Dr. PeterS schämt sich seiner Taten, denn er erwähnt in seinen Berichten die Hinrichtungen mit keinem Worte. Ich bitte zu erwägen, ob eS nicht richtig ist, gegen den Täter einzuschreiten, ferner zu erwägen, ob eS richtig ist, einen solchen Mann wie Dr. Peters zum Mitarbeiter zu haben. Hierauf gelungen die beiden früheren Aussagen deS Freiberrn b. Soden in den Bcleidigungsprozessen deS Dr. PeterS gegen Dr. Friedl Martin und gegen den Redakteur der„Mmichcner Post.", Gruber, zur Verlesung. In dem Prozeß gegen Dr. Friedl Martin hat Freiherr v. Soden bekundet: Ich ivar zu jener Zeit Vorgesetzter des Dr. Peters. Da die Sache 13 Jahre her ist, kann ich über Einzelheiten nicht mehr Auskunft geben. Soviel ich weiß, hat v. B ü l o w auf meine Aufforderung mir einen offiziellen Bericht gesandt, in dem er das Verha lten des D r. Peters zu beschönigen suchte. Ich hatte von beiden Hinrichtungen durch Bischof Smithies Kenntnis erhalten, der mit der englischen Presse gedroht hatte, wenn nicht amtlich gegen Dr. Peters eingeschritten würde. Darauf forderte ich Dr. PeterS amtlich zur Bcrichierstallung auf und er rechtfertigte seine Handlungsweise mit politischen Gründen, v. Bülow bestätigte diese Darstellung im offiziellen Bericht. Kurz daraus kam wieder ein Brief BülowS worin er den offiziellen Bericht desavouierte I und die Vorwürfe des Bifcbof Smithies bestätigte. Nach diesen Vorwürfen war die Hinrichtung deS Mabruk aller- dingS aus geschlechtliche Motive zurückzuführen. Ich beabsichtigte, gegen v. Bülow wegen seines merlwürdigen Verhaltens eine Untersuchung einzuleiten, dies wurde aber durch den frühen Tod v. Bülow s vereitelt. Privatim sagte er zur Rechtfertigung, e r habe Dr. Perers als Borgesetzten und deutschen Beamten nicht bloß st e l l e n wollen. Ob Dr. Peters mir bewußterweise eine falsche dienstliche Meldung erstattete, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich stellte jedenfalls auf Grund des Briefes des Bischofes Smithies Erhebungen an und gewann den Eindruck, daß Anlaß zur Einleitung einer Disziplinaruntersuchung gegeben sei. Da ich meinerieits Zweifel hatte, ob ich zur Führung der Untersuchung zuständig sei, beantragte ich beim Reichs- kanzler Grafen Caprivi im Jahre>892 die Untersuchung gegen Dr. Peters, erhielt aber den Bescheid, daß man eine Untersuchung nicht für angezeigt halte. Diese Untersuchung hätte volle Klarheit geschafft. Da sie nicht durchgeführt wurde, kann ich nicht beurteilen, ob.die über Dr. Peters aufgestellten Behauptungen richtig sind. Ich halle es aber für ausgeschlossen, daß eine Negerin gefährliche Konspiration treiben kann. Wenn Dr. Peters wirklich derartiges befürchtete, brauchte er entweder keine Weiber zu sich zu nehmen, oder wenn sie gefährlich wurden, nach der Küste oder sonst- wobin abschieben. Die Hinrichtung der Jagodja wegen polirischer Konspirationen halte ich nicht für gerechtfertigt. Das war schon damals meine Ansicht und aus diesem Standpunkt stehe ich n o ch heute. Daß Dr. Peters mit der Jagodja geschlechtlich verkehrte und daß bei der Hinrichtung geschlechtliche Motive mitwirkten, wurde damals allgemein behauptet. Beweise für diese Behauptung habe ich allerdings nicht, das hätte nur die damals von mir beantragte Untersuchung aufkläre» können. Aber wenn ich auch nicht weiß, warum die Jagodja hingerichtet ist, so bin ich doch der Meinung, daß die Hinrichtung unnötig war. Diese Weiber werden meistens gegen ihre» Willen verschenkt und sie benutzen jede Gelegenheit. um' wieder zu ihren Angehörigen zu kommen. Daß daS Kriegsgericht eine rechtliche Form gehabt habe, kann man nicht sagen. Der Privatkläger hatte die Disziplinar- gewalt und hätte das Uneil ohne Zuziehung von Bei- iitzern fällen können Wenn er v Pechmann und Jahnke zu- zog, so geschah das offenbar, um sich zu decken. Ein Wider- s p r u ch dieser beiden Männer, die seine Angestellten waren. hatte Dr. PeterS nicht zu befürchten, so daß man sagen kann, die Zuziehung dieser beiden war eine Farce. Daß ich die Hinrichtung des MädchenS als eine gemeine Roheit bezeichnet habe, bestreite ich nicht. Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht und eS auch in den amtlichen Berichten so er- wähnt. Dr. PeterS hatte kein Recht, ihm geschenkte Frauen wegen Desertion zu'bestrafen. Der Ausdruck Desertion erscheint mir unangebracht. Ganz abgesehen vom moralischen Standpunkte, hätte Dr. Peters sich nicht mit diesen Weibern ein- gelassen, so wäre es nicht zu derartigen Szenen gekommen. Ich gebe zu. daß für Dr. Peters eine Berpstichtung zur Bericht- erstatiung nicht bestand, ich hätte jedoch von ihm er- wartet, daß er mir auch von den Hinrichtungen Be- richt erstattete. Es ist sehr wohl möglich, daß ich in meinen Berichten an den Reichskanzler mit Bezug aus Dr. Peters von einem.Burschen" und mit Bezug auf seine Handlungen von Roheit gesprochen habe. Einzelner Worte entsinne ich mich nicht mehr, ich kann jedoch betonen, daß ich die allgemeine Eni- rüstung über das Vorgehen des Dr. Peters teilte und dabei von der Voraussetzung ausging, daß Dr. PeterS ein Frauenzimmer, mit dem er geschlechtlich verkehrt hatte, nachher hatte hinrichten lassen. Es ist auch weiter richtig, daß zwischen mir und dem Kolonialdirettor Dr. Kayser es darüber zu Differenzen kam, weil Dr. Kayser es ablehnte, die Untersuchung ?egen Dr. Peters einzuleiten. Ich hielt diese Unter- uchung im Interesse der deutschen Beamtenschaft und zur Aufklärung der Sache für notwendig. Jedenfalls mußte Dr. PeterS, da die Untersuchung gegen ihn abgelehnt wurde. in seiner Ansicht bestärkt werden. daß er richtig gehandelt habe. Ich hatte übrigens von Dr. Peters selbst erwartet, daß er, da er von Smithies als Mörder bezeichnet war. sich dagegen verwahren werde, zumal zu befürchten war, daß die englische Presse sich der Sache bemächtigen würde. Smithies starb bald darauf, sein Nachfolger war Bischof Tucker, dessen Name in der PeterS-Affäre eine so große Rolle spielt, der in Wiiklichkeit aber mit der ganzen Sache nichts zu tun hat.— Diese Vernehmung fand am 18. Juni 1907 statt. Am 24. Juni 1907 wurde Freiherr v. Soden im Beleidigungsprozeß des Dr. PeterS gegen den Nc- dakteur der.Münchener Post" Gruber nochmals eidlich vernommen. Er bezog sich im wesentliche» aus die vorhergehenden Bekundungen. die er nach bestem Wissen und Gewissen gemacht habe. Auf die Frage, ob der Zeuge Zweifel an der S a ch- verständiaenqualität Eugen Wolsfs gehabt und ob er ihn aus Ostafrika ausgewiesen habe, hatte Freiherr v. Soden folgendes erwidert: Eugen Wolff ist nicht von mir, sondern gegen meinen Willen und ohne mein Wissen vom Reichs- kanzler direkt aufgefordert worden, das Gebiet, zu verlassen, weil der Reichskanzler glaubte, daß Wolff durch die viel- fachen alarmierenden Telegramme und Berichte mir meine Stellung erschwere. Eine unehrenhafte Handlung WolffS ist mir nie bekannt geworden. Dr. PeterS: Ich möchte mir nur erlauben zu diesen Ausführungen des Herrn v. Soden folgendes zu sagen: Es bestand ein Gouvernement in Dar-es-Salam und ein Reichskommissariat am Kilimandscharo. Eine Abgrenzung meiner Befugnisse halte nicht stattgefunden, eine Vorschrift über Bericht- erslattung ivar mir nicht auferlegt worden. Ich hatte mit dem Gouverneur nur vereinbart, daß ich ihm über alle wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse berichten sollte. Ich hatte Gewalt über Leben und Tod. lieber juridische Maßnahmen habe ich niemals be- richtet. Zwischen Herrn v. Soden und mir bestanden über die kolonialpolitischc Auffassung und die Behandlung schwarzer Rebellen grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten.— v. Benuigscu: Ich möchte nur das eine dazu bemerken, daß Herr v. Soden nicht von der Küste in das Innere gekommen ist und daher nicht imstande war, zu beurteilen, ob die Verhältnisse am Kilimandscharo gefährlich waren oder nicht. Herr v. Soden faßte in jedem Falle die Stellung zu Dr. Peters so auf, daß Dr. PeterS ihn über alle wiöirigen Ereignisse— dahin gehören naturgemäß Todesurteile und Hin- richtungen— berichten würde. In dieser Annahme wird man bestärkt dadurch, daß Dr. Peters sonst selbst über die unwichtigsten Dinge berichtete. Dr. PeterS: Herr v. Soden ersuchte nm Berichterstattung über wirtschastlichc und politische Verhältnisse. Daher habe ich ihm über alle wirtschaftlichen Dinge, selbst über so kleinlich erscheinende Dinge wie über die Radieschenzucht berichtet, lieber Gerichts- urteile habe ich niemals berichtet.— o. Bennigsen: Danach scheint der Kläger anzunehmen, daß die Hinrichtung des Mabruk und der Jagodja mit den poiitischcu Verhältnissen am Kilimandscharo nicht in Verbindung steht, sonst hätte er doch nach der Vereinbarung zwischen ihm und Herrn v. Soden gerade darüber berichten müssen.— Justizral Scllo: Ich bitte den Kläger zu fragen, ob es richtig»st. daß der Reichskanzler 1896 alles versuchte, um ihm die LandeShaupt» Mannschaft am Tanganjikasee zu übertragen, daß er es aber abgelehnt hat.— Dr. Peters: Das ist richtig. Als 1895 Abg. v. Vollmar im öieichstag den Fall zur Sprache gebracht hatte, ersuchte ich um eine Disziplinaruntersuchung. DaS ist das, was ich immer als die zweite Untersuchung gegen mich bezeichnete. Die Folge war, daß mir im April 1895 die LandeShaupt Mannschaft am Tan- ganjikasee angeboten lvurde, mit erhöhtem Gehalt und größerer Vollmacht. Ich lehnte eS aber ab. weil die Vollmachten mir nicht ausreichend erschienen zu einer erfolgreichen Arbeit. v. Bennigsen: Ich bestreite, daß dieses Angebot die Folge einer Disziplinaruntersuchung war. ich halte es aber für unmöglich, hier auf diese komplizierten Verhältnisse ein- zugehen.— Der Vorsitzende bringt dann den mit emem Anschreiben des Reichskolonialamies eingegangenen Briefwechsel zwischen Dr. Peters und dem Major Kentrick zur Verlesung. Die betreffenden Schreiben sind in englischer Sprache abgefaßt und von dem Dozenten der Handelsschule in Köln, Harzmann übersetzt. In dem ersten Briefe schreibt Dr. Peters an den Major Kemrick;„Lieber Major, ich höre soeben, daß Sie glauben, im Besitze eines von mir an Bischof Tucker geschriebenen Briefes zu sein Wenn dies der Fall sein sollte, würden Sie mich zu großem Danke verpflichten, wenn Sic sämtliche Briefe von mir in Ihren Händen dem lieber» bringer dieses Briefes gütigst übergeben wo Ilten. Mit freundlichem Gruße Ihr ganz ergebener Dr. PeterS." Es folgt dann ein Brief aus Dundee, den Major Kentrick an den Legattonssekretär Graf H o tz f e l d t geschrieben hat. in dem er sagt, er habe sorgfältig gesucht und eS freue ihn mitteilen zu können, daß er den Brief gefunden habe. Er wolle ihm den Brief übergeben, wenn er die Genehmigung des Dr. Peters mitbringe, daß er ausgehändigt werden dürfe.— Dann kommt ein dritter Brief vom 31. August 1896. den Major K e n t r i ck an Graf Hatzfeldt schreibt. Er lautet:„Mein lieber Graf, ich empfing Ihren Brief mit dem eingelegten Schreiben deS Dr. Peters und freue mich. Ihnen anbei den von Dr. Peters in Leva in Deutsch- Ostafriko vom 10. April 1892 erhaltenen Brief übersenden zu können. Da anzunehmen war, daß ich den Bischof auf der englischen Station Korogwe treffen würde, wo ich übernachten wollte, so bat mich Dr. PeterS, seinen Brief mitzunehmen, ihn zu lesen und dann nach meinem eigenen Ermessen zu bandeln, d h. den Brief' dem Bischof zu übergeben und ihm die Angelegenheit ausrinnndcrzusebcn, oder falls Sic es für rtchtiger hatten sollten, den Brief zu vernichten. Ich fand die Mission ge- schlössen unter der Aufsicht eines Jndiers, sodaß ich weder die Angelegenheit dem Bischof aufklären, noch den Brief abgeben konnte. Ich hoffe alsbald daS Ver- gnügen zu haben. Im Junior-Klub bin ich immer aiizutreffen. Ihr ganz ergebener Reginald E. T. Kentrick." Der Brief selbst ist derjenige, den Dr. PeterS als sogenannten Briefentwurs dem Gericht bereits vorgelegt hat.— Bors.: Bevor wir mit den Plaidoyers beginnen, möchte ich noch einmal fragen: Ist jeder Vergleichswcg ausgeschlossen? Sie haben doch gehört, daß Dr. Peters bereit war, den Brief auszuhändigen.— v. Bennigsen: Ich kann mich nicht zu einem Vergleich bereit erklären, umso weniger nach den jüngsten Meldungen in der Presse.— Bors.: DaS habe ich auch gelesen und kann Ihnen bestätigen, daß das nicht richtig ist. Die beiderseitigen Parteivertreter haben über die Möglichkeit eines Vergleichs gesprochen. aber wer die Anregung gegeben hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Das ist ja auch egal.— Dr. PeterS: Ich darf wohl versichern, daß diese Meldung nicht von mir ausgegangen ist.— Vert. Falk: Nach meinen Informationen weiß ich, daß weder Dr. Peters noch Justizrat Sello ein Vorwurf trifft, daß vielmehr die Meldung in der Presse aus das Mißverständnis eines Journalisten zurückzuführeil ist, der sich zugleich eine Jndiskretton hat zu schulden kommen lassen.— Bort.: Indiskretionen in der Presse dürfen doch aber nicht den Anlaß bilden, einen Vergleich abzulehnen.— v. Bennigsen: Ich war schon vorher dazu entschlossen, aber die Ver- öffemlichung in der Presse hat mich darin bestärkt.— Bert. Falk: Es stehen doch auch hier höhere Interessen auf dem Spiel als bloß die Person des Dr. PeterS. Justizrat Scllo: Da nun einmal dieser Punkt angeregt ist, möchte ich mitteilen, daß ich ein Telegramm in Leipzig erhielt, in welchem mir mitgeteilt wurde, daß die Möglichkeit eines Vergleichs vorhanden. Ich telegraphierte zurück: Einverstanden, wenn genugtuende Erklärungen erfolgen und wenn die Kosten übernommen werden.— Vert. Falk: Nachdem schon der Herr Präsident Vergleichsversuche gemacht hatte, die aber abgelehnt wurden, wie er mir wird bestätigen können... Bors,(unterbrechend): Das ist richtig, ich habe das aber aus eigenem Antriebe und nicht im Auftrage einer Partei getan.— Vert. Falk:... kam Rechtsanwalt Noscnthal zu mi» und sagte: Läßt sich denn nicht ein Vergleich machen? WaS da gesprochen wurde, wäre zwecklos hier vorzutragen. Jeden« falls«var der materielle Inhalt des Gesprächs ein anderer, als er dem Wunsche des Herrn Cello entsprochen hätte. — Dr. Peters: Herr Rosenthal hat ohne meinen Auftrag gehandelt. Ich selbst habe keinen Vergleichsversuch gemacht. Hierauf beginnen die Plaidoyrrs. Zuerst spricht namens deS Klägers Justtzrat Dr. Scllo: Dieser Prozeß ist von autorilattver Stelle als hervorragender Rechtsfall bezeichnet worden. Ich glaube, daß in dieser Sache advokatorische Darlegungen nicht am Platze sind. Herr Dr. Falk beklagte sich, daß ich ihn fortwährend mißverstanden habe. Ich be- daure das. weil das vielleicht nicht an der Klarheit seiner Worte als am Mangel meiner Intelligenz liegt. Aber in einem. Punkte hat er mich mißverstanden, als ich seine Aufforderung, worin ich die Beleidigung fände, beantwortet habe. Ich ließ von Anfang an keinen Zweifel, daß den Gegenstand dieser Gerichtsverhandlung nur ein Punkt bilde. Ich habe auf diesen einen Punkt immer wieder hingewiesen. ES kommt nur auf die Frage an: Welches sind die Vorgänge am 25. I a n u a r 1892 am Kilimandscharo gewesen? Was hat zur Hinrichtung der Jagodja geführt? Selbst die Hinrichtung des Mabruk steht hiermit'nicht im Zusammenhange. Von vornherein will ich aber dem Vorwurf vorbeugen, als kniffen wir. Wir fürchten uns nicht, toir sind nicht die Männer der bleichen Furcht. Im Interesse der strengen Gerechtigkeit und Wahrheit muß aber der Einzelfall von allem Beiwerk befreit bleiben. Die Frage, ob die Hinrichtung zu Recht erfolgt ist. wollen wir uns nicht verdunkeln lassen durch Erörternngen, ob Dr. Peters Recht hatte, als er die Statioi» nach Marengo verlegte. Was er an jenem Tage für das deutsche Vaterland getan und ge- litten hat, beweise der Prozeß gegen die„Münchener Post". Ritter- lich hat er sie vor die Klinge gefordert und hofft, daß der provi- 'tnrisrlm in her pHtpn firfi 2nm hpfmititipn föipftp sorische Sieg in der ersten Instanz sich zum definitive» Siege zweiten Instanz auswachsen werde. Pater Acker sprach die Kolonialprozesse nicht damit begnügen, m der sein a us. daß Bedauern über Konnte man sich durch einen kaiserlichen Gnadcnakt die Disziplinarurteile gegen Dr. Peters vom Jahre 1895 aus her Welt geschafft sind? Pater Acker erhob den Vorwurf gegen Dr. Peters, daß wir ja diesen Prozeß angefangen hätten. Darauf kann ich nur mit dem Worte eines geistreichen Franzosen antworten: »Mögen die Herren Mörder mit der Abschaffung der TodeSssrgfe den Ansang machen Solche Prozesse waren nicht nötig, wenn nicht Blätter von der Bedeutung der„Kölnischen Zeitung" so ungerecht- fertigte Behauptungen in die Welt schicken würden. Würde Dr. PeterS nichld gegen die Beklagten unternommen haben, so würde man idm für alle Ewigkeit vorhalten: Du hast nicht gewagt zu klagen Der Tuckerbrief allein ist es, der den Gegenstand der Klage bildet Was wir hier schreiben, ist ein wesentliches Stück deutscher Kolonial geschichre. In der Reiä>stagSsitzung vom März 1896. die ein trauriges Blatt in der Geschichte unseres BatcrlandeS bilden wird. har ein Ageordneter von der Tribüne gesagt, Dr. Peters habe seinen Besuch dem Bischof T ucker angekündigt, dieser ihn aber ab gelehnt, weil er mit einem Mörder nicht verkehren wolle. Ich will Herrn Bebel daraus keinen Borwurf machen, er mag daS»nt seinen: Gewissen beantworten. Der Tuckerbrief entpuppte sich aber als Schwindel. Herr Bebel mag gutgläubig gehandelt haben. feine Gutgläubigkeit ist aber von der Peters feindlichen Clique in der abscheulichsten Weise benutzt worden. Es handelt sich hier um die niederträchtigste Fälschung, die jemals in der Geschichte vorkam. Was ich bedauere, ist, dast in jenem Bericht der „Kölnischen Zeitung" nicht unumwunden von einer Fälschung des Tuckerbriefes gesprochen ist, sondern mehr oder weniger gewunden nur'von einer Anzweiflung. ES ist schwer, keine Ironie zu schreiben. Der Berliner sagt: Scbrumm, ein ander Bild! Der Tuckerbrief ist gestorben, eS lebe der Woodwoodbrief! Der Woodwoodbrief ist ge starben, eS lebe der Sniithiesbrief I Geschwindigkeit ist keine Hexerei. so wird immer ein neuer Brief nach dem andern untergeschoben Wir sind dieser Legendenbildung hier energisch entgegengetreten und wir hoffen, dast auch dieser Brief endlich in der Versenkung ver- schwindet. In dem Artikel der„Köln. Ztg." heiht es:„Anscheinend nur Namensverwechslung". Mit bitterer Ironie erwiderte Dr. PeterS „Eine Aehntichkeit bestehe darin, dah beide Briefe mit Tinte aus Papier geschrieben sind. Im übrigen Verhalten sich der angebliche Tuckerbrief und dieser Brief wie Tag und Nacht, wie Lügen zur Wahrheit. Niemand wird nun die Stirn haben, nachdem die Tatsachen auü dem Dunkel und Gemunkel der afrikanischen Küste in die reine Sonne deutscher Rechtsprechung gerückt sind, von einer Aehnlichkeit des Tuckerbriefes und des SmithiesbriefeS zu sprechen. Damit würde meine Beweispflicht vom formalistischen Standpunkt erschöpft sein, nachdem nachgctviesen ist, dah der Brief nicht aus der Feder des Dr. PeterS geflossen ist. Aber ich erklärte von vornherein, daß ich mich nicht auf den rein formalistischen Standpunkt stelle, daß es nicht nur darauf ankommt, ob der Brief geschrieben ist. sondern ob die in diesem Briefe behaupteten Tatsachen begangen worden sind. Ich schreit? dann zur Darstellung deS Falles selbst. ES ist eine ebenso jämmerliche und längst widerlegte Legende, wie die Behauptung des Tucker- briefeS, die, daß Dr. Peters solche Tat begangen habe. In den Disziplinarurteilen wird der Fall Jagodja ganz anders beurteilt, wie in der„Köln. Ztg." Das Urteil bezweifelt keineswegs den guten Glauben, nicht mit einem Wort ist eine Andeutung dahin enthalten, daß die Hinrichtung der Jagodja ans seicuellen Motiven stoltgefunden habe. Gewiß bestehen unter Afrikanern Meiuungc- vcrschiedenheiten über die Beurteilung der Lage. Nehmen Sie drei Afrikaner und Sie werden vier verschiedene Meinungen haben. Sie hörten, daß der eigene Bruder des Malamia von der Konspiration der Jagodja Mit teilung machte. Herr V. Soden hatte Dr. PeterS auf den Weg gegeben: Handeln Sie, wie Sie können, aber sehen Sie zu. daß Sie nicht totgeichlagen werden. ES ist erwiesen, daß die europäischen Elemente fänitlich die Hinrichtung für notwendig hielten. DaS einzige, um daS eS sich hier handelt, ist der Vorwurf, daß die Hin- richtnng der Jagodja nicht ein politischer Fehler, nicht ein Akt über- tnebener Strenge, sondern daß eS eine Scheußlichkeit war. die an den Pranger der Geschichte angenagelt zu werden verdiene. Die Hinrichtung soll erfofgt sein aus Eifersucht und den niedrigsten sexuellen Motiven. Durch die Veweisanfiiahme ist aber die ganze EifersuchtSmythe hinfällig geworden. Die Gegner sollen einen Zeugen nennen, der etwas von dem Verkehr zwischen Mabruk und Jagodja sagen konnte. Und was wissen wir von dem Geschlechts verkehr zwischen Dr. PeterS und der Jagodja? Nichts, als daß er mit dem für ihn so verhängnisvollen Freimut eingestanden, ein- bis zweimal mit ihr verkehrt zu haben. Daß sie seine Suria war. hat niemand bekundet. Die Voran? setzung der Eifersucht und des Ehebruchs ist also hinfällig. Gegen Dr. PeterS sprechen ja die Berichte des Herrn v. Soden nach Berlin. Aber Herr v. Soden macht überall die einschränkende Bemerkung, er habe in der Voraussetzung berichtet, daß die den Gerüchten zugrunde liegenden Tatsachen er- wiesen seien. Darum handelt eS sich hier allein. Ich verlange B c- weise und lasse mich nicht ein auf Gerüchte, die der englischen Mission oder dem Bisthof SmithieS zu Ohren kamen. DaS ernste sittliche Handeln des Bischof will ich nicht anzweifeln. ES tut mir leid, wenn ich mich zu der Bemerkung hinreißen ließ:„Aas Smithies sagt, sei ebenso gleichgültig, als wenn der„Vorwärts" vom „Hänge-Peters" spricht. Ich bedauere die Bemerkung, vom„Vorwärts erwarte ich nichts anderes. Bezüglich deS Bischofs habe ich nur anführen wollen, daß es für Dr. PeterS gleichgültig ist, wieviel Menschen ihn auf ein Gerücht hin Mörder nennen. ES widerstrebt mir, den Zeuge» Wilhelm anzugreisen, aber seine Aussage war ge- färbt von subalterner Animosität. Herr v. Pechmann ist ein deutscher Edelmann und verdient vollen Glauben, sonst würde eS ja nur die eine Frage geben: Meineid oder Wahrheit? Das Charakterbild des Herrn Broiisart v. Schevendorf schwankt in der Geschichte, festgestellt ober ist. daß er gegen die Hinrichtung nicht Einspruch erhob. Wenn Dr. PeterL bei einer Flasche Wein einmal eine zynische Aeußerung tat, so muß man bedenken, daß eS sich um wetterharte Männer handelt, die mit ihren Erfahrungen auch übertreiben. Wer nach der heutigen Verhandlung noch wiederholt, daß Dr. PeterS jemand aus sexuellen Motiven habe hinrichrm lasie», ist ein böswilliger Lügner und Verleumder. Herr von Bennigsen mutz nach K' 186 bestraft werden. Ich müßte gegen ihn eine schwere Strafe beantragen, wenn er nicht erklärt hätte, daß er bei Abfassung des Artikels den Smithiesbrief nicht kannte. Auch Herr Brüggemann muß bestraft werden, denn er hat dem Artikel Aufnahme gewährt. Strafschärfend fäll: die Weltstellung der„Köln. Ztg." ins Gewicht.— Nachdem Jnstizrat Sello die kolonialen Verdienste PeterS gefeiert hatte, schließt er wie folgt: Dr. Peters teilt das Schicksal aller großen Entdecker. Christoph Columbu«. der der zivilisierten Welt einen neuen Erdteil ichenkte. warf man in Ketten und Banden, Dr. PeterS, der unserem deutschen Vaterlonde den kostbarsten Besitz an der oftafrikanischen Küste schenkte, muß sich gefallen lassen, wenn der Pöbel ihn auf der Straße be- schimpft und verhöhnt. Cr muß init ansehen, tvie sein Verteidiger in einem deutschen GmchtSgebäude. wo der Frieden walten soll, von demselben Pöbel beschimpft und angespuckt wird. Das geschah im Jahre des Heils llK>8 in der deutschen Stadt Köln! (Justizrat Sello bringt die folgenden Schlußworte mit trönenerstickter Stimme, zu Dr. PeterS gewendet, vor): Sein abschließendes Urteil wird Dr. PeterS von der Geschichte empfangen. Vor diesem Urteil bangt ihm nicht eS bangt ihm aber auch nicht vor dem Urteil, doS ein deutscher Gerichlshos heute über ihn fällen wird und dem er wie seine Verteidiger mit vollstem unerschütterlichstem Vertrauen entgegensehen I Hierauf tritt die Mittagspause ein. Bei Beginn der NochmittagSfitzung nahm der Vertreter des Privatbellagten v. Bennigsen Rechtsanwalt Dr. Fall das Wort zu seinem Plaidoyer. Einleitend erklärte er, daß er einige Bemerkungen zur psychologischen Würdigung der Per- sönlichkeit deS Dr. Peters vorausschicken müsse. ES habe eine Zeit gegeben, in der er eben solch überzeugter Anhänger des Dr. PeterS war, als heute noch anscheinend sehr viele im Deutschen Reiche sind. Ich habe nie geglaubt, so fuhr er fort, daß ich jemals und in einer solchen Weise Stellung gegen Dr. Peters werde nehmen müssen. Ich habe nicht die Absicht, Herrn Dr. Peters herabzusetzen. Im Gegenteil, ich weiß Dr. PeterS Dank, daß er in einer Zeit, in welcher der kolomale Gedanke schwer Wurzel faßte, mit an erster Stelle war. um für die Verwirklichung dieses Gedanken zu wirken. Und wenn Dr. PeterS auf diesem Gebiete große Erfolge hatte, so verdankt er daS einer Reihe glänzender Eigenichaften. Er ist ein Mann von kühnem Mute, ent- ichlvsicner Tatkraft und scharfem Blick, der es versteht, die Situation zu beherrschen und den Moment, der sich bietet, zu iverten und seinen Vorteil geltend zu machen. So haben wir ihn auch hier in der Beweis- sührnng gesehen, bei der er so scharf hervorgetreten ist, wie selten in einem Prozeß eine Partei. DaS werde ich nachher noch zu würdigen suchen. Dr. PeterS ist gleichwohl zugrunde gegangen. ES fehlt ihm daS Augenmaß der Wertung der eigenen Person anderen gegenüber, seine eigene Persönlichkeit erscheint ihm so groß, daß ihm Recht. Leben und Freiheit anderer dagegen gehalten, nicht in Frage kommen Daraus ergibt sich der Schlüssel für das, lvaS am Kilimandscharo passiert ist. Als Dr. PeterS, zum Reichskommissar ernannt, vom Anhalter Bahnhof in Berlin abfuhr, umgab ihm eine nach Hunderten zählende Menge, die ihn mit Jubel und Hurra zum Zuge geleitete. Seine Freunde erwarteten. als sie ihn so feierten, von ihm große Taten. Sie wollten nicht einen stillen, lautlosen Verwaltungsbeamten und emsigen Kolonisator, sie sahen in ihm einen Helden, dem sie aus dem Än- Halter Bahnhof auf Vorschuß Lorbeeren spendeten und erwarteten, bald von ihm Taten zu hören, welche von sich reden machen würden. Unter diesem Eindruck fuhr Dr. PeterS von Berlin ab. E r i st nicht an den richtigen Platz gekommen. Freiherr v. Soden sprach deutlich aus. daß er nicht wußte, was er mit ihm ansangen sollte, als ihm mitgeteilt imirde, daß ihm der berühmte Afrikareisende Dr. PeterS zur Verfügung ge- stellt worden sei. In Stuttgart hat sick Herr v. Soden nicht mehr erinnern können, welche Instruktionen er dem Dr. PeterS nach dem Kilimandscharo gegeben habe. ES ist daS auch kein Willider, denn es sind seitdem lä oder 16 Jahre verflossen. E S i st wunderbar, daß nach so langer Zeit noch so viel Material aus den Zeuge» heranSzuholc» war. Wir sind daher genötigt, als Grundlage unseres Wahrheitsbeweises die beiden Disziplinarurteile zu nehmen. und zwar ans mehrfachen Gründen. Einmal sind die Urteile von den e r st e n Männern a u S I u st i z u n d Verwaltung, auf die unser Vaterland stolz ist. gefaßt worden, zweitens lassen sie eine große Sorgfalt in der Erwägung des Für und Wider, emsigen Fleiß und scharfes Urteil erkennen, wie sie nur von erstklassigen Richtern zu erwarten sind. Drittens kommt in Betracht, daß die Zengenanssagen, die in den Urteilen verwertet wurden, in eine Zeit fallen, wo sich daS Bild noch nicht verwischt haben konnte, die Emflüstcrmigeu und Einwirkungen bei den Zeugen sich noch nicht so geltend gemacht haben konnten, wie eS heute der Fall ist. Deshalb werde ich von diesen Disziplinarurteilen aus- gehen. Ich war ursprünglich der Meinung, daß wir außer der Ver- iesimg der Urteile keine Zeugen zu vernehmen brauchten. Erst ge- wisse Vorkommnisse im Münchener Prozeß, die dazu führten, diese Urteile einer Kritik zu unterziehen, wie sie sonst Gott sei Dank in deutschen Landen noch nicht vorgekommen ist. gaben nur Anlaß, zur Verstärkimg der schriftlichen Urteile Zeugemnateria! herbeizubringen. Der Artikel vom 26. März war eine Antwort auf die Ausführung deS Abgeordneten Dr. Arendt in der Sitzung vom IS. März 1906. In dieser Sitzung hatte Dr. Arendt den Fall PeterS wieder einmal aufgerollt. Er hatte behauptet, die beiden Urteile g e.'g e n Dr. PeterS seien erschüttert, weil die beiden Zeugen, auf denen die Urteile ruhten, nicht glaubwürdig seien. Baumann sei im Jrrenhause in: Wahnsinn e starben und Bronsart v�S chellendorff sei gleich- alls unglaubwürdig. Diese Behauptungen waren falsch. Dagegen nahm von Bennigsen Stellung. Es handelt sich garnicht darum, was für Briefe Dr. PeterS geschrieben hat, sondern was er getan hat. Für das. waS wir Dr. PeterS voriverfen. diene als Ausgangspunkt die Beschuldigung, die Abg. Bebel im Reichstag aus Grund des TuckerbriefeS dem Dr. PeterS vorwarf Soweit bin ich also mit Herrn Justizrat Sello eins. Er irrt aber, wenn er sagt. daß der„T u ck c r b r i c f" nur den Fall Jagodja zum Gegenstande habe und nicht den Fall Mabruk. Bebel hat aber ausdrücklich auch von den beiden Fällen ge- Iprochen. Der Verteidiger geht dann auf die Bewe,saufnahme näher ein. Ich beginne mit dem Fall Mabruk. Der junge Mensch, ein Nigger vom Kongo, war mit Dr. PeterS nach dem Kilimandscharo gekommen. Dieser Mabruk soll nun einen Einbruch verübt haben. Ich gebe zu, daß ein Einbruch erfolgt ist. aber als Motiv nehme ich nicht an, daß er hat stehlen wollen, sondern daß er zn den Weibern wolltt. Zum stehlen hatte er reichlich Gelegenheit, die Zigaretten lagen frei umher. Wenn ich nun be- weisen will, daß bei der Verurteilung dieses Mabruk sexuelle Momente mittiestimmend waren, so verweise ich in erster Linie auf Aeußerungen von Dr. Peters selbst, Aeußerungen, die er getan hat zu einer Zeit, als er noch glaubtet dies tun zu könne«, ohne dadurch irgendwie einen Sturm der E n t r ü st ii n g g e a e n sich wachzurufen. Die Verteidigimg verweist dann ans verschiedene Aeußerungen zu Bronsart von Schelle ndorff, Dr. Baumann, Maler K uh n e r t, Hermes usw., ferner darauf, daß Dr. PeterS den Mabruk auf sexuelle Erkrankung habe untersuchen lassen. Was in aller Welt konnte Dr. PeterS für ein Interesse haben, ob Mabruk. der gehängt werden sollte, sexuell krank war?! Der Schlüssel zu diesem Rätsel ist, daß sich Dr. PeterS eben von sexuellen Motiven leiten ließ. Er ließ de» Mabruk untersuchen, weil er. der ebenfalls mit dem Mädchen verkehrt hatte, für seine Gesundheit fürchtete. Wenn ich die Persönlichkeit deS Dr. PeterS psychologisch richtig verstanden habe, so belastet ihn noch mehr als dieies der Umstand, daß er unwahre Berichte an Frhrn. v. Soden geschickt hat. Ein Mann von dem stolzen Selbstgefühl deS Dr. PeterS greift nicht zur Waffe der Lüge, wenn er kein Schuldbewußtsein hat. Weiter verweist der Verteidiger daraus, daß Dr. PeterS den Mabruk und die anderen Diener durch Schläge habe zum Geständnis bewegen wollen. Er zweifle nicht, daß Dr. PeterS sich dieser Handlungsweise nicht klar geworden sei. Er habe wohl kaum sich vergegenwärtigt, daß er sich wo'bar machte der Erpressung eines GestäiidinsseS. wofür das Strafgesetzbuch im§ 4 die Beamten mit einer Zuchthaus- ruhte, zum Tode verurteisie, daß er zum Urteil v. Pech mann. der ebenfalls mit dem Mädchen verkehrt hatte, hinzuzog, und da? Mädchen schließlich hängen ließ. Eine Not habe gar nicht bestanden. er sei kurze Zeit darauf nach der Küste gegangen. Er hätte ja daS Mädchen dahin mitnehmen oder das Urteil von seinem Nachfolger vollstrecken lassen können oder endlich ja auch das Mädchen, nachdem das Todesurteil verkündet war, begnadigen können. Tie Aeuße- rungen, die Dr. Peters zu dem Maler Kuhnert machte: febießen wolle, bloß träfe bis Mabruk zur La r« vier Jahren bedroht. WaS hat man dem gelegt? Ein Mundraub, der bei uns höchstens mit ein paar Tagen Haft bestraft wird. Wenn nicht geschlechtliche Motive hinzugekommen wären, wüide Dr. PcterS sicherlich nicht zu dieser furchtbaren Härte gekommen sein, und hätte den armen Jungen, der ihm bis dahin treu gedient hatte, wcht vom Leben zum Tode kommen lassen. Im Falle Jagodja stehen sich die Zeugen v. Pechmann und Wilhelm gegenüber. Ich bin überzeugt, daß beide nach bestem Wissen bemüht waren, die Wahrheit zn sagen. Herr v. Pechmann sagt, die Europäer trieben kein Dana. Und doch land Herr v. Pechman» unter einem Dana: der weit überragenden Persönlichkeit des Dr. PeterS. Dieser hatte ihn von der Küste mit- enommen und zur Schiitztrnppe gebracht. In echtdeittscher alter Basollentreue billigt er nun alles, was Dr. PeterS zu sagen hat. Er i st ein Belvnnderer und Verehrer seines Herrn und Meisters. Bei der Hinrichtung der Jajodga sind ohne Zweifel sexuelle Motive wahgcbend gewesen. ES sei gar nicht anzunehmen, daß dieses Mädchen, daS sogar einem anderen Stamme angehörte, irgend eine Gefahr bringen konnte. Es gereicht Dr. PeterS keineswegs zur Ebre, daß" er dieses Mädchen, in dessen Armen er häusig Ob er nickt einen Schwarzen daß er fünf Leute an die Kette gelegt habe. u ni ihnen seine Macht zu zeigen, der „Urinkspruck auf das Mokl des seligen Mabruk" sind ein Beweis für die Psyche des Dr. PeterS in jenen K i li m a n d s ch a r o t a g e n. Dr. PeterS war von dem Gefühl beseelt, daß er mit den Schwarzen machen könne, waS er wolle. Wenn sie die Psyche deS Dr. Peters in jenen Kilimandscharo- tagen nachlesen wollen, dann verweise ich Sie aus die Unmensch- lichen Mißhandlungen der Jagodja. DaS Mädchen wurde gepeitscht, daß die Feyen vom Leibe flogen, daß das Lendentuch festklebte, s o daß selbst die schwarzen Sudanesen stutzig wurden! Als Zeuge Wilhelm dem Dr. Peters das meldete, sagte er: Warum soll sie nicht mehr geschlagen werden? Er ließ sie allerdings nicht weiter schlagen, aber es ist nicht zn verstehen, wie jemand e i n Weib, in deisenArmen er geruht hat, so mißhandeln konnte. Sie wissen, meine Herren, daß der PeterShandel seit Jahren Staub aufwirbelte, nicht bloß in Deutschland, sondern auch im Auslände. Wie oft wird im Auslände auf den Fall PeterS hingewiesen, wie oft bei uns im Jnlaude von der Partei, die die Notwendigkeit einer Kolonialpolitik und einer deutschen Flotte noch nicht anerkennt. Für diese Leute ist der Fall Peters ein gefundenes Fressen. Da heißt cS dann immer: Aha, die Folgen der Kolonialpolitik! Dr. PeterS ist durch Disziplinarurteil bestraft worden. Damit wäre der Fall an sich erledigt. Die Sache liegt aber anders. Die Angriffe erfolgen immer wieder von den Freunden des Dr. PeterS, die man als sogenaimte PetertS-Clique bezeichnet. Als daS Disziplinarurteil herausgekommen war, schwieg mau, PeterS war nach London gegangen. Später, als man glaubte, daß Gras über die Sache gewachsen sei. rührten sich die Freunde von Peter" und wußten es zu erreichen, daß er begnadigt wurde und das Recht erhielt, den Titel als Reichs- k o m m i s f a r zn führen. Dr. PeterS hat das selbst hier vor- gebracht. Ich will ihm ans dieses Gebiet nicht folgen, weil ich nicht nachprüfen kann, auf wessen Vortrag hin dieser Akt erfolgt ist. Ich kann nach allen Vorkommnissen nicht annehmen, daß daS K o l o n i a l a m t die Begnadigung befürwortet hat. Aber nach allen Vorgängen nahm jeder mit Recht an. daß hier der Versuch gemacht werden sollte, den Dr. PeterS wieder in ein Reichsamt zu bringen. Auch Herr v. Bennigsen ist dieser Ansicht gewesen. In Abwehr dieser Versuche schrieb er den Artikel, der sich nicht gegen die Person deS Dr. PeterS, sondern gegen die Ausführung und llnrichtigkeit deS Dr. Arendt richtete. Selbst wenn Sie nicht au§ anderen Gründen zur Freisprechung kommen können, würde in diesem Falle nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts dem Angeklagten der Schutz deS§ 198 zugute kommen: denn er hat in seinem eigensten individuellen Gebiete als Kolonialbeamter den Finger auf eine Wunde gelegt. Aber ich bin auch der Meinung, daß das, was behauptet wurde, der Wahrheit entspricht, und daß Dr. Peters diese Handlungen begangen hat: die ihm vor- geworfen sind, so daß Sie zu einer Freisprechung kommen müssen. Nach einer Pcutse nimmt Justizrat Seil« zu einer kurzen Replik da? Wort. Er hebt herbor, daß wenn es dem Dr. PeterS um sexuelle Motive bei der Hinrichtung des Mabruk zu tun gewesen wäre, er vorher nicht eine nnlde Strafe angekündigt hätte für den Fall, daß der Täter sich meldete. ES handelt sich gar nicht um eine polittsche Frage, sondern lediglich um eine ethische Frage. Es dreht sich flir Dr. Peters darum, ob man ihm in Zukunft noch die Hand geben darf oder ob jeder anständige Mensch sich von ihm abwenden soll. Verl Falk: Im Gegensatz zu Justizrat Sello bin ich der Ansicht, daß diese Verhandlung uns einen großen Gewinn gebracht habe in politischer Beziehung, ich meine einen großen Gewinn für die Weiter- entwickelung unserer Kolonialpolitik. Ich bin zu der Auffassimg gekonimen: die PeierS-Affäre ist tot, die PeterS-Clique ist tot, mögen die Toten ihre Toten begraben! Dr. PeterS: Der Augenblick, als am vorigen Sonnabend in diesem Saale mein Briefwechsel mit Smitbieö verlesen wurde, war einer der herrlich st en Augenblicke meines Lebens. Diese Briefe bilden den eigentlichen Untergrund des ganzen Gebäudes von Lüge, Gehässigkeit und Verleumdung, durch das ich unter dem SÄutz der Redefreiheit im Reichstage zu einem grausamen Menschen gestempelt, um Ehre und Amt gebracht und aus meinem Vaterland in die Fremde getrieben worden bin. Ich habe hier in dem Prozeß die Legenden- bildnng. welche mein gesamtes Austreten in Afrika umgab, zerrissen. Ich bin sicher, daß, wenn Herr v. Bennigsen den Inhalt dieser Briefe gekannt hätte, er niemals den beleidigenden Passus geschrieben hätte. Ich bin überzeugt, daß Sie, meine Herren Richter, nachdem dieser Tatbestand klar vor Augen liegt, mir endlich einmal wieder- geben werden, um das ich nun so lange gekämpft habe: meinen guten Ruf und meine Stellung vor der Welt! Beklagter Briiggemann erklärt, daß er die preßgesetzliche Verantwortung für den in- kriniinierten Artikel in vollem Umfange auch heute noch übernehme. v Bemngsen: Herr Dr. Sello führte aus, ich hätte bei Abfassung de? Artikels den Satz: Noblesse oblige, mit Rücksicht auf meine Stellung als Adliger, als Afrikaner und als Journalist außer Betrach: gelaften. Ich muß ihm das Recht absprechen, darüber zu urteilen. waS der Satz: Nodlssso o b Ii c o für m i ch bedeutet. Ich weise seine Predigt mit Eutschicdeulieit zurück. Er kann sich darauf verlassen: Wenn ich einmal im Zweifel darüber sein sollte. was mir zu irgend einer Zeit die Noblesse odlixo vorschreibt. werde ich ihn nicht um seinen Rat bitten. Herr Dr. Sello sprach wiederbolt davon, mein Bater sei ein Freund und Verehrer von Dr. PeterS gewesen. DaS war im J-chre 18vK) richtig Aber mein Vater hat sein Urteil über Dr. PeterS modifiziert, als er von mir auS Ostafrika über den wahren Sachverhalt unterrichtet wurde. ES ist richtig, daß, wenn ich den Briefwechsel zwischen Dr. PeterS und SmithieS gekannt hätte, ich nicht von einer großen Aehnlichkeit, sondern nur von einer gewissen Aehnlichkeit geschrieben hätte. Aber darauf kommt e S gar nicht an. Es handelt sich hier für mich gar nicht um den Brief, sondern cs toninit auf den Schiichsatz an, in dem steht, daß nicht der Tuckerbrief, sondern die außer» halb des TuckerbriefeS liegenden Tatsachen Dr. PeterS belasten. Ans Grund meiner Kenntnis der Akten und der ErfaHnmLen in Lstafcika bleibe ich dabei, daß gefcklecktUche Motive für die Hinnchwng von Mabruk und Jagodja mitbestimmend waren. Diese, Ueberzengung sprechen nicht nur die Disziplinarurteile auS. sondern die Vertreter fast aller Parteien im deutschen Reichstage. Jener 13. März 189S, wo Abg. Bebel den Fall Peters im Reichstage zur Sprache Brachte. lvar für Sie deutsche Kolonialpolitir sicher lein rlie» nefaslas(Ein Ungliicksrag. R. V). Em dies nefastus war er nur für denjenigen, der ein System der Bcrtuschuiig fortfeste» ivosttc. EL ist erfreulich, dast die Verfehlungen von Dr. PeterS an die Oeffentlicbkeil gekmnmen sind, cbemo erfreulich, wie eS bei Leist und Wehlen war. Dr. sello sagte, wir sprechen hier vom grünen Tisch. Ich war zehn Jahre unten i» Afrika, ich spreche von den grünen Steppen und vom grünen Urwald aus. Ich kann nur sagen, daß alle Offiziere und Beamte mit mir der Meinung waren, da� die Handlungsweise des Dr. PeterS nicht zu billigen ist. Mabruk war ein Neger vom Ä o n g o, ivie konnte der eine Gefahr für die Station bedeuten. Die umliegenden Eingeborenen scherten sich den Teufel um die Hinrichtung eineS Negers, der sie gar nichts an- ging. Die Sachverständigen haben uns recht gegeben, sie stimmten un-s darin bei, Sa£ auf Kcttcnfluchi niemals Todesstrafe stand. Wer solch willkürliche Bestimmungen treffen konnte, wer wegen nur leichter Vergehen die Todesstrafe verhängt, war nicht der Verantwortung würdig, die fein Amt mit sich brächte. Wenn sogar ein alter Sudanese die Züchtigungen, die Dr. PeterS anordnete, für grausam hielt, so mug eö wirklich arg gewesen sein. Maßgebend für mich ist femer auch daS Urteil des Leutnants v. B ü l o w, der nach Dr. PeterS die Station übernahm. Zwar nahm er im offiziellen Bericht für Dr. PeterS Partei. aber nachher am Abend, bevor er in die Schlacht ging, als ihn Todesahnungen überfielen, hat er an Herrn v. Soden den xvakren 8acb verbalt geschrieben. Dieser lautete dahin, dafz für die Hinrichtung der beiden geschlechtliche Motive in Frage kommen. Nun noch eins! Ich plädiere nicht mit dem § 103. Aber ich bin Äolonialpolitiker mit Leib und Seele und stehe auf dem Standpunlt, wem, wir unsere Kolonie nicht anständig der« walte», dann sollen wir sie lieber Verschenken. Ich bin deshalb ein Gegner aller Vertuschung. Ich bin dagegen, dafi wir Leute hiuaus- schicken, die Handlungen begehen, die sich mit der Ehre des d e u t s ch e n N a m c n S n i ch t p c r t r a g e n. Ich bin ein alter Afrikaner, wir alten Afrikaner halten alle zusammen. Wir haben das Recht uns dagegen zu wehren, daß unser Ansehen im Deutsche» Reiche durch Leute heruntergesetzt wird, die nicht den ehrlichen Namen trage« wie wir. Ich habe diesen Kamps gekämpft und ich halte ihn für einen guten Kampf. Wenn ich trotzdem verurteilt werden sollte, werde ich mich als Jurist mit dem alren Satze trösten: st»«»i n: Ii u» jns,«nn» ma injuria! (Das höchste Recht ist daS höchste Unrecht. R. V.) Hieraus teilt der Vorsitzende, AmtSgerichtsrat Knhl mit, daß die UrieilSverlüiidigung am 22. Januar, nachmittags 3Vz Uhr, er» folgen soll._______ Hue Induftric und Ftandel. Getreidepreise an deutschen Fruchtmärkten. Im Jahre 1007 haben sämtliche Getreidepreise an den kleineren deutschen Fnichtmärkie» ausnahmslos eine Erhöhung gegenüber den, Vorjahre erfahren. Für die einzelnen Getreidearten ergibt sich folgende Uebersicht: Durchschnittspreis für 1 Doppelzentner in Mark 1906 1907 Weizen..... 17,73 20.46 Spelz..... 18,40 21,53 Roggen.... 15,47 18,37 Gerste..... 15,40 16,85 Hafer..... 16,21 18,31 Besonders stark war die Preissteigerung bei Roggen. Wurde im Durchschnitt sämtlicher Märkte und sämtlicher Monate im Jahre 1906 15,47 M. für den Doppelzentner Roggen bezahlt, so stellte sich der Durchschnittspreis im Jahre 1907 auf 18.37 M. ES wurden also im Berichtsjahre für den Doppelzentner 2,90 oder fast 20 Proz. mehr bezahlt als 1906. Der Durchschnittspreis von 18.37 M. im Jahre 1907 basierte auf einem Umsatz von 972,357 Doppelzentnern, während 1906 bei dem Durchschnittspreis von 15,47 M. 888 334 Doppelzentner Roggen umgesetzt worden waren. Bei Weizen betrug der Umsatz i>n Jahre 1907 bei einem Preise von 20.46 M. 879 556, 1906 bei 17,72 M. 93l 972 Doppelzentner. Der Dnrch'chnittS- preis für Spelz betrug 1906 18.40 M. und ging auf 21,53 M. 1907 hinauf. Diesem letzteren Preis liegt ein Umsatz von 110 653 Doppelzentnern zugrunde. H o f e r kostete im Durchschnitt des Jahre»>907 an den kleineren deutsche» Fruchtmärkten 18.31 M.. 'wobei ein Umsatz von 1 063 646 Doppelzentnern zugrunde lag; 1006 hatte der Durchschnittspreis bei einem Umsatz von 920 211 Doppel- zentnern 16,21 M betragen. Gerste endlich ergibt 1907 bei einem Umsätze von 381 967 Doppelzentnern einen Durchschnittspreis von 16,85 B?.; 1906 wurde ein Preis von 15,40 M. bei einem Umsätze voir 382 384 Doppelzentnern ennittelt. Bei Gerste war demnach die Preissteigerung nicht ganz so erheblich wie bei den anderen Getreidesorten._ Lohnhcrabsehmige» im Kohlenbergbau. Zu den Angaben über Lohnherabsetzungen im Kohlenbergbau in Nr. 4 deS„Vorwärts" von, 5. Januar gehen unS folgende Berichtigungen zu: „Es ist unwahr, daß auf Zeche Adolf von Hanselnann die Löhne um 15 Proz. gekürzt werden sollen. Hochachtungsvoll Union A.-G. für�Bergbau, Eisen- und Stahlindustrie. Der Vorstand. Baumüller. Es ist unwahr, daß auf Zeche Viktor durch Anschlag bekannt gegeben worden ist. daß ab 1. Januar 1903 die Löhne um 10 Proz. gekürzt werden sollen. Hochachtungsvoll Gewerkschaft Viktor. Meyer. Preitßeu-Aiilc'che. Die Teehandlung teilt mit, daß auf die neue preußische Anleihe insgesamt zirka 181 Millionen Mark gezeichnet sind, wovon 75 Millionen Mark ans Schuldbiichfordernngen und 106 Millionen Diark ans Schuldverschreibungen entfallen. Den Zeichnern werden die gezeichneten Beträge voll zugeteilt werden. worüber jedem Zeichner, spätestens wohl in 3—4 Tagen, eine Be- nachrichtigung zugehen wird. Dom Berliner Baumarkt. Aus dem Jahresbericht de? Vereins Berliner Grundstücks- und Hypothekeiimakler teilen wir noch folgendes mit: Von den zum 1. Januar fällig geivordenen Bau- geldexn sind viele Millionen teils freiwillig, teils auch gezwungen prolongiert worden, weil entweder die Unternehmer keme feste Hypothek abzuschließen in der Lage waren, oder auch auf Ver- besserung des HypoihekenmarlteS im neuen Jahre rechneten. Ob sich diese Hoffnung erfüllen wird, ist schwer zu entscheiden. In zweit- stelligen Hypotheken entwickelte sich ein nicht unerheblicher Verkehr. da zahlreiche mittlere und auch größere Kapitalisten den teuren Geldsatz benutzten, um ihre Mittel auf 6—10 Jahre hochverzinslich fest anzulegen. Daher war auch während des ganzen JahreS für solide AppointS von 30 000 bis 100000 M. und auch darüber, hinter nicht zu hohen Voreintragungen Nachfrage. Der„Berein Berliner Grundstücks- und Hypothekenmakler' notierte im abgelaufenen Jahre: Erstklassige feinste Eintragungen in kleine» Beträgen 4 bis 4Ve bis 4'/« Proz., Bank- und Ber- Provision. Bangelder wurden a 6 bis 6 bis 6'/» bis 7 Proz. ge- währt. Zweitstellige Eintragungen je nach Qualität S bis 5>/„ bis 6 Proz. und darüber. Ueber die Gestaltung deS Immobilien- markteS in nächster Zukunft läßt sich, wie der Bericht schließlich betont, ein Urteil diesmal weniger fällen als je zuvor. ES häng» alle» von den Vorgängen auf dem internationalen Geldmarkt und der EntWickelung der wirtschaftlichen Verhältnisse ab. Soziales. Vom Schlachtfeld der Arbelt. Aus der dem Reichstage jetzt vorgelegten Nachweifung über die Rechnungsergebnisie der Berufsgenossenschaften gelangten im Jahre 1906 zur Anmeldung nicht weniger als 643 543 Unfälle(gegen 609 160 im Jahre 1905). Die Unfallzahl ist also wiederum ge- wachsen. Die Armee derjenigen, für welche im Jahre 1906 zum ersten Male Entschädigungen gezahlt wurden, belauft sich auf 139 726 (gegen 141 121 im Jahre 1905). Hierunter rechnen 9141 Tote(im Jahre 1905 betrug die Zahl der durch die Unfälle Getöteten 8928). Hat der Uiltcruchuler für die Folgen eincr Wurmknr zu hafte»? Diese Frage ist kürzlich vom Reichsgericht bejaht, dabei aber im Gegensatz zu der zutreffenden Auffassung deS OberlandeSgcrichtS Hamm angenommen, die BeHaftung mit der Wurmlrankheit fei kein Betriebsunfall. Der Kläger, ein Bergmann St. in Herne, hatte sich im Mai 1902 auf der der BergwerkSaktiengesellschaft Hibernia ge- hörigen Zecke„Shamrol* während seiner Arbeit mit der Wurm- kcankheit infiziert und wurde deshalb in das katholikche Kranken- Haus in Bochum aufgenommen, um dort mit dem in der medizinischen Wissenschaft einzig dafür bekannten und gebräuch- lichen Heilmittel— extracturn filicis— behandelt zu werden. Infolge dieser Behandlung ist er aber unheilbar erblindet. Kläger machte nun geltend, daß er einen Betriebsunfall erlitten habe, und nahm den Allgemeine« K n a p p s ch a f t s- verein zu Bochum auf Zahlung einer Invalidenrente von 130 M. jährlich, die dieser„im Falle der Verunglücknng bei der Arbeit" zu zahlen hatte, als dessen Mitglied sowie später die Bergwerks- Aktiengesellschaft Hibernia als Betrieb's unter- nehmerin in Anspruch. Das Landgericht Bochum erkannte auf Abweisung der Klage, da die Wurmkrankheit nicht als eine„Verunglücknng bei der Arbeit", sondern als eine allmählich entstehende bergmännische B e- rufSkrankheit zu gelten habe. Ans die Berufung deS Klägers änderte das ObcrlandeSgericht Hamm daS erstinstanz- liche Urteil dahin ab, daß eS in einem Teilnrteil das Klagebegehren deS Klägers als gerechtfertigt erklärte und den Allgemeinen KnappschaftSvercin zur sofortigen Zahlung von 720 M feit dem 19. November 1006, sowie zur weiteren Rentenleistnng von jährlich 130 M. verurteilte. DaS ObcrlandeSgericht nimmt im Gegen- satz zum Landgericht an, daß die Infektion des Klägers mit den Wurmlarven als ein Unfall im Sinne de» Unfallversicherung«- und de» UnfallfürsorgegesetzcZ und infolgedessen als eine Vernnglückung bei der Bergarbeit in, Sinne des§ 25 des Knappschaftssiatuts an- zusehe» sei, der Beklagte daher dem Kläger daS statutenmäßige Jnvalidengeld zu gewähren verpflichtet sei. Gegen dieses Teilurteil hatte der Allgemeine Knappschastsverein Revision beim Reichsgericht eingelegt. welcher die Berg- werksaktiengesellschaft Hibernia als Neben- intervcnientin beitrat. Ans diese Revision hin erklärte das Reichsgericht, daß eS sich der Anffaffung das BerufungsrichterS über daS Vorliegen eines Betriebsunfalles bei BeHaftung mit der Wurmkrankheit nicht anschließen könne. Der Begriff deS Unfalles im Sinne der VersicherungS- und Fürsorge- geietzc lei durch Judikatur und Wissenschast positiv und negativ dahin festgelegt, daß darunter ein lörperlich schädigendes zeitlich begrenztes mit dem Betriebe in Ziisammenhang stehendes Er- eignis zu verstehen sei. nicht aber eine Summe fortwirkender schädlicher E>nflü>se. Der Bcrusungsrichter habe in dieser Hinsicht auch an- genommen, daß das Eindringen der Wnrmlarocn in den mensch- lichen Körper dieses Unfallereignis darstelle. DicS sei jedoch rechtsirrtümlich, da zunächst die Feststellung und auch die F e st st e l l b a r k e i t desjenigen Zeitpunktes seble, in welchem sich die Jnfesion der Wurmlarven vollzogen habe, damit fehle aber auch die zeitliche Begrenzung und Jndividuali- sierung des Ereignisses,!vie sie zum Begriff des Betriebs Unfalles gehöre. Außerdem stelle aber der Eintritt einer oder einiger Wurmlarven in den Körper an sich noch keine körperliche Schädigung dar. sondern bewirke nach dem Gutachten des Medizinalkollegiums nur die Gefahr einer Erkrankung, welch' letztere nur bei einem ver- hältnismäßig geringen Teil der Wnrmbehaftetsn(etwa 10 Prozent) zur Enlwiaelung komme. Trotzdem aber kommt der V. Zivilsenat deS Reichsgerichts zur Zurück- locisung der Revision des Allgemeinen KnappschatlsvereinS und zu desien Verurteilung, da im vorliegenden Falle die Behandlung deS Klägers mit axtxaetum filicie in Verbindung mit der Erblindung als daS den Unfall darstellende Ereignis anzusehen sei. Dieses Unfallereignis stehe auch mit dem Betriebe deS Berg- lv e r k s i n V e r b i n d u n g. ES genüge hierbei, daß der Arbeiter bei Eintritt des Unfalls in einer mit dem Betriebe dienstbaren Tätigkeit oder Situation gewiffermaßen— nach dem betreffenden Ausdruck deö VcrsicherungSamteS—„im Banne deS Betriebes" sich bcsnnden habe. Dies sei aber hier der Fall. Denn der Wurm- behaftete war verpflichtet, sich der Behandlung dcS ArzleS zu unter- werfen, einer Behandlung, die nicht bloß im Jnlereffe des vom Wurm Besallenen, sondern auch zur Sicherheit deS noch intakten Teile» der Belegschaft und also im Interesse des Betriebes geboten und vorgeschrieben tvar._ Wohlfahrtskasscn. Am 25. Januar findet vor der Zivilkammer de? Effener Landgerichts die Berufsverhandlung in den Klagen von Arbeiten» auf Herauszahlung ihrer Beiträge zur Kruppschen PsnsionSkasie statt. Das Geiverbcgericht in Hörde wies vor kurzer Zeit in gleicher Angelegenheit einen Arbeiter ab, weil der Arbeitsvertrag o r d- nu ng» mäßig zustande gekommen sei und ein Verstoß gegen die guten Sitten nicht sestzustellen sei. Allerdings liege eine große Härte in de l, B e st im mungcn der Satzungen dcr PensionSkafse. weil der entlassene Arbeiter aller seiner Beiträge verlustig gehe, doch habe daS Gewerbegerickt nicht darüber zu entscheiden. Da die eingeklagte» Gelder sich aus mehr als 100 M.(262,60 M.) beziffern, ist Berufung an da« Landgericht zulässig, die der Arbeiter auch bereits ein- gelegt hat._ Schlafräume für Fleifchergefellen. Das Fleischergewerbe gehört zu den wenigen Berufen, wo heute noch der aus aller Zeit überkommene Brauch herrscht, daß die Ge- sellcn in der Behausung deS Meisters Kost und Wohnung erhalten. I» allen Beruken. wo dieser veraltete Brauch noch herrscht, fordern die gewerlschaftlich organisierten Arbeiter, daß er beseitigt und den Gesellen gegen eine entsprechende Erhöhung des BarlohueS die Beschaffung von Kost und Wohnung selbst überlassen wird. Diese Forderung wird gestellt im Interesse der persönlichen Freiheit und deS SelbstbestimmungSrechtS der betreffenden Arbeiter. Sie ist um so mehr begründet, weil die Kost und besonders die„Wohnung", welche der Meister seinen Gesellen gewährt, den Anforderungen, welche billigerweise gestellt werden können, meistens nicht entspricht. Oft sind die Schlafräume. welche den Gckellen angewiesen werden. in einem Zustande, der sie zu allem möglichen, nur nicht zum Auf- enthalt von Menschen geeignet erscheinen läßt. Ilm der Oeffentlichkeit z» zeigen, wie die Neischergeselle» in Berlin in den Behausungen ihrer Meister beherbergt werden, hat der Zentralverband der Fleischer und BenffSgenosien eine Erhebung veranstaltet. Von 780 Berliner Fleischerei- geschäslen, au welche Fragebogen ausgegeben wurden, habe» die Gesellen aus 195 Betrieben Auskunft erteilt. Das ist eine verhältnismäßig kleine Zahl, aber sie verteilt sich über die ganze Stadt und läßt deshalb berechtigte Schlüsse auf die allgemeine Beschaffenheit der FleischcrgesellenlogiS zu. Aus den beantworteten Fragebogen sehen wir. daß sich die Schlafräume oft in irgend einem Winkel des Hauses befinden, so daß man schon aus der Lage entnehmen kann, von welcher Beschaffen- heit das„Schlafzimmer" des Fleischergesellen ist. 17 Schlafräume befinden sich im Keller, 9 ans dem Boden, 9 über dem Pierdestall, 10 über dem Arbeitsraum, 17 unmittelbar neben dem Acbeitsraum, 3 im Korridor, 2 neben dem Klosett, 6 in der Küche, ja in einem stellt ein Verschlag im Arbeitsraum das„Schlafzimmer" des Gesellen dar. Nicht nur in ihrer Beschaffen- heit. sondern auch in ihrer Ausdehnung sind viele Schlaftäume un« zureichend. Da? geht schon daraus hervor, daß in 51 Betrieben, wo zniammcn 247 Gesellen arbeiten, die Betten übereinander gestellt sind.— Ein Ofen ist in 95 Schlasräumen vorhanden, jedoch darf derselbe in 5 Betrieben nicht geheizt werden. 77 Schlafräume haben überhaupt keinen Ofen, können also gar nicht geheizt werden. Ueber die Reinigung der Schlafräume ist folgendes festgestellt: Feucht ausgewischt wird der Raum in 12 Betrieben täglich. in 41 Betrieben wöchentlich zweimal, in 103 Betrieben wöchentlich einmal, in 17 Bettieben monatlich einmal. Ausgefegt wird in 83 Be- trieben täglich, in 61 Bcttieben wöchentlich zweimal, in 39 Be- trieben wöchentlich einmal.— 23 Schlafräume können nicht ver- schlössen werden. Da« Möblement der Schlafstellen. I» 29 Be- trieben steht den Gesellen kein Kleiderschrank zur Verfügung. In 82 Betrieben sind zwar Schränke vorhanden, sie können aber nicht verschlossen werden. In 26 Schlafräumen befindet sich kein Tisch. In 25 Schlafräumen sind weder Tücke noch Stühle vorhanden. Unter diesen Räumen ohne Tisch und Stuhl ist einer, der 2l Personen beherbergt. In einem Raum für 24 Gesellen befinden sich nur 8 Stühle, in einem anderen Raum für 21 Gesellen sind nur siebe» Stühle. In einem Raum dient eine alte Kiste als Tisch, in einem anderen Falle vertritt ein Herd die Stelle des Tisches. Reinigung der Bettwäsche. Ein Wechseln der Bett- Wäsche erfolgt in 3 Bettieben alle 2 Wochen, in 08 Betrieben alle 4 Wochen, in 8 Bettieben alle 5 Wochen, in 29 Betrieben alle 6 Wochen, in 11 Betrieben alle 8 Wochen, in 8 Betrieben alle Vierteljahr. 22 Fälle sind angeführt, wo eS beim Personenwechsel keine ftische Bettwäsche gibt. Aus einem Betriebe wird mitgeteilt, die Bettiväsche wird nur auf Verlangen gewechselt, in einem anderen Bettiebe erfolgt der Wechsel der Wäsche erst, wenn sie schwarz ist. und von einen» dritten Betriebe heißt eS, die Wäsche wird nur zu den Festzeiten geivechsell. Waschgelegenbeit. In 75 Betrieben hat feder Geselle eine Waschschüssel, m 102 Betrieben müssen sich 2—7 Personen einer einzigen Schüssel bedienen. In einem Betriebe stellt ein an der Wand befestigter Trog das Waschbecken dar. In einem Bettiebe mit 2 Gesellen ist dre Wasserleitung im Arbeitsraum die einzige Waschgelegenheit. In einem Bettiebe mit 21 Personen wäscht man sich teils unter der Wasserleitung, teils im Pissoir über dem Abflußrohr. Daß den Gesellen, die beim Meister in LogiS sind, die Ver- fügung über ihre freie Zeit sehr beschränkt wird, erhellt daraus, daß 175 Personen in 40 Betrieben keinen Hausschlüssel erhalten. DaS bedeutet, daß sie um 10 Uhr abends zu Hause sein müssen. Schließlich seien noch einige Angaben über besondere Mißstände von Schlafräume» angeführt. Einmal heißt cS: Die Düngergrube verbreitet Gestank im Schlaftaum.— Ein andermal: Em alter Eisschrank ohne Tür dient als Kleiderschrank, zerrissenes Bettzeug wird als Vorhang benutzt, Kinderwäsche und Windeln werden im Schlasraum getrocknet.— Andere Berichte lauten: Der Schlafraum ist vom Arbeitsraum nur durch eine undichte Bretterwand getrennt, im Schlafraum befindet sich der elokttische Motor für den Antrieb der Fleischereimaschincn. der Treibriemen geht durch ein Loch in der Bretterwand.— Der Schlafraum hat einen Zementfußboden, welcher stets schmutzig, weil alles Fleisch vom Arbeitsraum nach dem Laden durch den Schlafraum getragen werden muß.— Alö Schlaftaum dient der Korridor, der kein Fenster hat.— Der Schlaftaum be- findet sich in der Küche, wo für das ganze Geschäft gekocht wird.— Im Schlaftaum werden ein Pferdeschlitten, ein Wiegeblock und andere alte Sachen ausbewahrt.— Als„Kleiderfchrank" dient ein Kasten, einen Meter hoch und je einen halben Meter lang und breit.— Im Schlafzimmer befindet sich das Klosett.— Im Schlaftaum hängt Warft zum Trocknen, die Luft ist infolgedessen so schlecht, daß schon zwei Gesellen krank geworden sind.— In der Schlafstelle steht der Salzsack, das Schmalzfaß und ein Schleifstein.— Da« Schlaf- zimmer dient zur Aufbewahrung von Gerumpel und als Durchgang von der Küche nach dem Laden.— In einem Betriebe müssen die Mahlzeiten im Arbeitsraum stehend eingenommen werden, da Sitz- gelegcnheiten nicht vorhanden sind, die Kost ist mangelhaft, die Betten sind hart und das Klosett verbreitet üble Dünste im Schlafraum. Ueber die tägliche durchschnittliche Arbeitszeit liegen folgende Angaben vor: 1 Betrieb mit 50 Gesellen 9—10 Stunden 8 Betriebe ,11, 10—11, 18., 84, 12„ 28. 06„ 18 58. 142„ 14. 43„. 124„ 15„ 16„ ,63„ 16„ ® n»25„ 17„ 8, 0 0/. 18, SonntagSarbeit wird geleistet in: 7 Betrieben mit 36 Gesellen 2 Stunden 34 79 42 S 4 103 226 127 11 23 S 4 5 6 8 In den weitaus meisten Fällen bildet also die 1t— ISstilndia« Wochentags- und die 4— Lstündige TonntagSarbeit die Regel, die oft noch überschritten wird. Nach Schluß solcher langen und an- strengenden Arbeit winkt dem Fleischergesellen ein LogiS als„Er- holungsstätte", welches in vielen Fällen nicht geheizt werden kann. Ivo oft weder Tisch noch Stuhl vorhanden ist und die Ausdünstungen von Klosetts, Dunggruben und Pferdeställen ohnedies den Aufenthalt unleidlich machen würden. Es ist wahrlich hohe Zeit, daß mit solchen „pattiarchalischen" Zuständen endlich ein Endegemacht wird. verband der Frisenrgehülse» Deutschlands. Zweig verein Berlin und Vororte. Heute abend 91/, Uhr, Rojenlhalersttaße 11|12: Generalv»» sammlung.______ eingegangene Druchfchnftcn. »Süddeutscher Postillon- Nr. 2(Verlag von M. Ernst, München). Drei oorlrefslichc farbenprangendt Bilder schmücken sie: Veiteies, schläfst Diiü— Der Block aesesllgt.— Knecht Rupprecht!— Da» Münchener RevolverlchieHen gab Veranlassung zu dem Leilgedicht: Polizei-Herrlichkeit. dem eine kleine Rundschau folgt.— Dle Tugend von Allenstein.(Gev.)— Zwischen Glossen präsentiert sich ein markantes neues StaalSsiegct ssir U. St. ok A.— Neue Marseillaise.(Geb.)— Schwindsüchtig. Kultur- shibte von B. K.— Wie die Hirsche nach Wasser schreien.(Geb.)— Blaues Blut(Ged.) und viele andere Gedichtchen und Satire». Die Nummer voll Witz, Anregung und Humor kostet 10 Ps. DaS Neue Preußische EraänzungSsteuer>(VermSgenSsttuer)-Gesetz vom 9. Juni 1906.(Amtliche Fassung.) Verlag L. Schwarz u. Comp., Berlin 8. 14, DreSdeneritr. 80. Preis 60 Ps. Aus meinem Studienbuch von Fr. W. Dietert'DembowSki, 24 Seittn. Betlag Gesellschalt sür Volksbildung in Zovvot. Achtung! Gastwirte! Achtung! Heute Donnerstag, den 1«. Januar, nachmittags 4. Uhr, bei Keller(3nt). Freyer). Koppenstr. 29: frotestversammlung siiintlichcr(6ß(l=«. Schankivirte TageS-Ordnung: i- Die Einfilhruvg der Knuzesfionssteuer in Preußen. Referent: Dr. Osltnr Veda-Berlin. 2. Die augenblickliche Lage im GastwirtSgewerbo. Referent: Paul Litfln-Serlin. Kollegen! Der Wichtigkeit der Tages-Ordnung wegen ist es Pflicht eines jeden Gast- und Schank- Wirtes, in dieser Protest-Bersammlung zu erscheinen. 7t/b Der Klndemfer. ß. 2L: F. Matthcs. i Deutsclier Holzarbeiter-Verband. ----- Zahlstelle Berlin. Möbelpolierer. Heute Donnerstag, abends 8 Uhr. iu den Andreas« Festsälen, Andreasstrofie Nr. Sit Branchen-Versammlung der Möbel» und Stublpollerer sowie Beizer. TageS.Ordnung: 1. Jahresbericht der Branchenkommifston. 2. DiSkuffion. 3. Wahl Branchenleitung und der Beztrlsobleute. i. Verbandsangelegenheilen un" Verschiedenes. 74/12* Da auch in dieser Versammlung über den Besuch derselben Kontrolle ausgeübt wtrd, ist daS Verbandsbuch mitzubringen. Die Branchenleitanff. Arbeiter-Bildungsschuie Berlin. Freitag, de» 17. Januar, abends 8'/: Uhr, im Schallokal. Grenadierstr. 37: General-Versammlung. Tages-Ordnung: • 1. Bericht deS Vorstandes, des Lehrerkollegiums und der Revisoren. 2. Anträge. 3. Schulangeiegenbeiten. 4. Verichiedcnes. 6/4* Mitgliedsbuch legitimiert. Beiträge werden entgegengenommen ■fr Hygienische rv euest Katalog OL zSxnpfohl. viel. Aerzte u Pro! gjat. n-fl B. Ungvr, Gunusiv&reiiitkrik OfirllA NW- friedncbaixaBs«1/81. Dr. Simmef Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. PriDzenslr.4l,Md;crw, 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12, 2— 4. nodeuorenhimt Joeques ColUI Am Wedding Müllerstraße 182-183 EcKe Sellerstr. .V unserer Waren für Mk. Donnerstag, Freitag u. 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Warum ging die Polizei zum Angriff gegen die Demonstranten bor? Die amtlickzen Erklärungen wissen davon zu erzählen, die Demonstranten hätten sich nicht gefügt, die Züge hätten vom Innern der Stadt ferngehalten werden müssen, und so weiter. Man vergleiche hiermit einen Vorgang, der sich in der L o t h r i n g e r Straße ereignete. Ihn schildert uns in heiß auflodernder Ent- rüswng ein Mann, der nicht im entferntesten daran denkt, zur Sozialdemokratie zu halten. Von der Karlsiratze marschierte ein Zug durch die Fricdrichftraße nach der Elsasser Straße und weiter in die Lothringer Straße hinein. An der Christincnstraße sahen die Demonstranten die Schutzmannskette, die ihnen den Weg zum Schönhauser Tor sperrte. Ruhig bogen sie in die Christinen- straße ein; da gab ein noch recht jugendlich aussehender Polizei- lcutnant ein Pfeifensignal, und nun stürzten die Schutzleute sich auf den Zug, stießen die Demonstranten und trieben sie vor sich her, so daß viele hinfielen. So wurden Demonstranten behandelt, die vor der den Weg sperrenden Polizei will ig seitwärts abschwenkten! Die Christinenstraße führt nicht mal in das Innere der Stadt hinein, sondern hinaus in die Nebenstraßen der Schönhauser Allee. Diese Polizeileistung soll sogar von einem älteren Polizeioffizier, der dort seinen Posten hatte, gemißbilligt worden sein. Was wird dem jungen, schneidigen Leutnant geschehen? Gar nichts! Er wird nach wie vor seine Schutzleute gegen ruhig ihres Weges ziehende Männer und Frauen antreiben dürfen. Und wenn sich's bei anderer Gelegenheit so fügt, wird er seinen Mannschaften sogar den Befehl geben dürfen, mit gezogener Waffe auf ihre Mit- menschen cinzuhauen. DaS Auge des Gesetzes wacht! Die Furcht vor neuen Demonstrationen scheint sonderbare Sicherheitsmaßrcgeln zum Schutze des„friedlichen" Bürgers her- vorzurufen. Man muß offenbar den„Roten" zutrauen, daß sie die Stunden nach Mitternacht zu neuen Demonstrationen benutzen. Derjenige, der in früheren Zeiten öfter des Nachts über die Museums- und Äaiser-Friedrich-Brücke nach Hause pilgerte und die Straßen friedlich und ruhig daliegen sah, wird in der Nacht zum Dienstag baß erstaunt gewesen sein, ein reichliches Aufgebot von Schutzleuten die Zugänge zu den genannten Brücken zieren zu sehen. Daß auch an anderen Punkten im Innern der Stadt Pickelhauben der Beamten aufblitzten, wird den Anwohnern die Garantie geboten haben, daß sie treulich bewacht werden. Am Dienstagabend waren im Wartesaal des Bahnhofes Alexandcrplatz etwa 100 Schutzleute versammelt, um für alle Fälle bereit zu sein. Die Mannschaften samt ihren Lffizieren und den Radfahrpatrouillen bekamen aber nichts zu tun, so sehr auch von verschiedenen Posten nach den verschiedensten Richtungen Ausschau gehalten wurde. Um Uhr wurden die Leute nach Hause geschickt. » Zu den„Arbciterfreuuden", die sich am Sonntag gegen unsere Genossen so„rühmlich" benommen haben, daß wir ihre Adressen gestern zur Beachtung weiteren Kreisen mitteilten, gehört auch der Rcstaurateur Otto W o l f f, Rosenstraße 1. Arbeiter, die vor den säbelnden Polizcibeamten in das erwähnte Lokal flüchteten, hat Herr Wolff aus demselben hinausgeworfen. Line„feine" Familie scheint der Kaufmann March und dessen Gattin. Gräfcstraße 1, v. 3 Tr. l.. zu sein. Als die Manifestanten am Sonntag durch diese Straße kamen, sahen Herr und Frau March zum Fenster hinaus. Sie urögen beide über die Vorüber- ziehenden recht unwillig gewesen sein und suchten irgend eine Form, diesen Unwillen auch durch die Tat i» Erscheinung treten zu lassen. Frau March konnte sich schließlich nach allerhand Gesten nicht anders helfen, daß sie sich nach„Charlottenburger Art", wie man zu sagen pflegt, ausschnaufte und die Kleider der Passanten dadurch beschmutzte. Eine„feine Familie". Und wie gebildet! Fn unserer gestrigen Notiz über die„empfehlenswerten" Leutchen hat uno der Druckfehlerteufel einen argen Streich gespielt. Er hat den Vorfall, nach dem eineinhalb Meter lange Kistenbrcttcr auf die Passanten geworfen worden sind, nach der Kochstraße 4 verlegt. Das ist falsch. Nicht von der vierten Etage der Kochstraße 4. sondern von der Rvchstraszc 4 ist diese Freveltat verübt worden. Die vierte Etage in der Kochstraße 4 wird zufällig von einem älteren Parteigenossen bewohnt, der sogar beim Durchzug der Demonstranten durch die Kochstraße die Fenster weit öffnete, sich an das Klavier setzte und laut die Marseillaise spielte, zum Protest gegen die die De- monstrierenden herabsetzenden Aeußerungcn eines im Nebenhause wohnenden höheren Polizeibeamten. Diesem Genossen ist natür- lich eine derartige Flegelei, die ihm der Druckfehlerteufel im- puticrtc, nicht zuzutrauen. Partei- Angelegenheiten. Stralau. Soimtag, den 10. Januar, nachmittags 2 Uhr. findet im Restaurant Loeke, Alt-Stralau ö, dir ordentliche General- Versammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Vortrag. Bc- cickt des Vorstandes, Neuwahl desselben, Anträge und Verschiedenes. P sticht eines jeden Genossen ist eS, pünktlich zu erscheinen.— Am Freitag, den 17. Januar, abends 8 Uhr: Handzetrelverbreitung in allen Bezirken. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Fricdrichshagcn. Sonnabend, den 18. Januar, abends 0 Uhr, in, Restaurant„Wilhelmsbad", Secstr. 45; Versammlung des Wahl- vcreinS. Tagesordnung: Bericht deS Vorstandes, der Revisoren. Bibliothekkommission und der Lokalkommission. Neuwahl derselben. Bericht der Gemeindevertreter über ihre Tätigkeit. Aufstellung der Kandidaten zur Gemeindewahl. Vereinsangelegenheiten. Verschiedenes. Um zahlreicheit Besuch bittet Der Vorstand. Berliner JMacbrichten. Wo ihrer zwei beisammen stehen, da soll man auseinander gehen! Die Nervosität und die Sorge um die gefährdete öffentliche Sicherheit scheint bei der Berliner Polizei nachhaltige Folgen hinterlassen zu haben. Wer sich am Dienstag in den Nachmittags-! stunden an der Kreuzung der Leipziger und Fricdrichstraße auf-! hielt, konnte sich hiervon augenscheinlich überzeugen, lieber diesen Straßenpuukt, an dem auch in„ruhigen" Zeiten das Großstadtlebeu außerordentlich rasch und lebhaft pulsiert, schien der kleine Be- � lagerungszustand verhängt zu sein, denn nicht weniger als 12 Ord- nungöwächter, darunter ein Lcutnant, zählten wir daselbst, die bis «flS Innerste durchdrungen von der Heiligkeit ihrer Mission, mit 1 rollenden Augen und grollender Miene auf„Ruhestörer" fahndeten — die nicht kamen. „Weiter gehen, scheren Sie sich weg da! Wollt Ihr gleich wachen, daß Ihr weiter kommt?" so klang es fortwährend schnarrend und schnaubend, in dem bekannten„königlich-prcu- ßischen" Tone, den«uns niemand nachmacht", unter dem drohend aufgerichteten Schnurrbart ijeroor. Doch waren die Beamten in ihrem Vorgehen diesmal, im Gegensatz zum letzten Sonntag, äußerst wählerisch. Wer im Pelz oder Automobilshawl kam, schien den. preußischen Staatsfundamcnt in keiner Weise gefährlich zu werden und konnte ungehindert umherbummeln oder stehen. Wehe aber, wer durch sein Aeußeres verriet, daß er dem arbeitenden Stande angehörte, und der sich etwa erfrechte, im gemütlichen Schlenderschritt zu gehen oder gar mal stehen zu bleiben, um in provokatorischer Absicht die bei dieser Witterung ewig feuchte Nase zu wischen. Im Nu prasselten die obenerwähnten Aeußerungcn auf ihn herab und wem seine Zeit zu schade war, um sie auf einem Gang zur nächsten Wache zwecklos zu vertrödeln, der entzog sich allen mißlichen Weiterungen schleunigst durch die Flucht. Wir sahen unter anderem, wie auch zwei Arbeiter, die Werk- zeug in den Händen trugen und anscheinend auf Montage gingen, auf diese schneidige Art aufgefordert wurden, die verbotene Stätte zu verlassen, obwohl nach ihrem Werkzeug zu urteilen, ihr Auf. enthalt auf der Straße einem ebenso nützlichen Zwecke galt, wie derjenige der 12 Ordnungsmänner. Unter den Linden ging es ähnlich zu, zumal zu dieser Zeit die drei gelben Automobile mit der Kaiserfamilie vorbcirasten. Vom„begeisterten Jubel" der Untertanen war aber absolut wenig zu merken. Die Prügel, die am Sonntag demokratisch unter Patrioten und Sozis verteilt wurden, schienen eine kühlende Wirkung hinterlassen zu haben. Stand doch in der Friedrichstraße am Sonntag neben uns ein junger Mann, der tränenden Auges seine Nase befühlte, die unter der Wucht einer Polizeifaust die Form einer mißratenen Gurke angenommen hatte. Der Aermste klagte, daß er bis jetzt ein guter Patriot gewesen sei, aber unter solchen Umständen wäre es damit vorbei und auS dem Kriegerverein trete er sofort aus. Uebrigcns ist auch die Schloßwache be- deutend verstärkt worden, um einem eventuellen Sturm geioachscn zu sein und erfolgreich abwehren zu können. Die Polizeiphantasie nimmt beängstigend? Formen an. Und das alles, weil friedliche Bürger das Recht in Anspruch nahmen, einmal in den Straßen spazieren zu gehen._ Zum Achtuhr-Ladenschluy. Der Polizeipräsident gibt bekannt: Aus den Kreisen der beteiligten Gewerbetreibenden ist bei mir der Antrag gestellt worden, gemäß Z 139f der Gewerbeordnung eine Anordnung dahin zll treffen, daß im Landespolizeibezirke Berlin sämtliche offene Verkaufs st ellcn an den Werk- tagen mit Ausnahme der Sonnabende in der Zeit zwischen 8 Uhr abends und 7 Uhr morgens für den ge- schäftlichen Verkehr geschlossen sein müssen. Behufs Vorbereiwng einer etwaigen solchen Anordnung nach Maßgabe der Bestimmungen des Bundesrats vom 25. Januar 1902 (R. G. Bl. S. 38) habe ich den Königlichen Rcgierungsrat Dr. Schmölders Hierselbst zu meinem Kommissar bestellt, auf dessen weitere Bekanntmachung ich die beteiligten Gewerbetreibenden hierdurch noch besonders hinzuweisen Anlaß nehme. Der Kommissar veröffentlicht folgendes: Durch Bekanntmachung vom l3. Januar 1908(IIb. 0. 1888/07) bin ich in der Angelegenheit, betreffend die Einführung des Achtuhrladenschlusses für die offenen Verkaufsstellen im Landespolizeibezirk Berlin, zum Kommissar im Sinne der Bundesratsbestimmungen vom 25. Januar 1902(R. G. Bl. S. 33) ernannt worden. Als solcher bringe ich hiermit gemäß § 2 dieser Bestimmungen zur öffentlichen Kenntnis, daß die Liste der beteiligten Geschäftsinhaber für die Dauer von zwei Wochen und zwar vom 5. bis 18. Februar 1998 einschließlich in den Polizeircvier-Bureaus der Stadtkreise Berlin, CI)arlotteuburg, Echöncberg, Rirdorf und Deutsch-Wilmers- dorf während der Dienststunden zur öffentlichen Einsicht auslicgt. Tie Einsichtnahme hat in dem Bureau desjenigen Reviers zu geschehen, in dessen Bezirke die offene Verkaufsstelle, oder falls ein Geschäftsinhaber deren mehrere besitzt, das Hauptgeschäft bc- legen ist. Einsprüche gegen die Richtigkeit und Voll- ständigkeit der Liste— nur solche— können von den beteiligten Geschäftsinhabern innerhalb der er- wähnten Frist entweder schriftlich oder zu Protokoll bei den vorbezeichneten Dienststellen während der Dienststunden erhoben werden. Nach Ablauf der Frist vorgebrachte Einsprüche müssen unberücksichtigt bleiben. Eine Abstimmung über den Antrag auf Einführung deS Achtuhrladenschlusses ist mit der gegenwärtigen Auslegung der Liste nicht verbunden. Eine solche kann vielmehr erst nach Abschluß des gegenwärtigen Auslegungsverfahrens, bei dem cS sich vorläufig nur um Feststellung der für die voraussichtlich demnächst er- folgendcAbstimmung maßgebenden Liste handelt, in Frage kommen. Es wäre daher verfrüht, in den Revieren Erklärungen über die Abstimmung für oder gegen den Antrag schon jetzt abzugeben. Dagegen wird es im Interesse der beteiligten Geschäftsinhaber liegen, durch Einsichtnahme festzustellen, ob sie in die Liste auf- genommen sind, also an der etwaigen Abstimmung später teil- nehmen können. Die Namen derjenigen beteiligten Geschäftsinhaber, welche den Antrag mit gestellt haben, sind in Spalte 0 der Liste durch Unterstreichung ersichtlich gemacht. Mit dem Entwurf der neuen Fernsprcchgebührenordnung be- schäftigten sich die Aeltesten der Kanfmannschaft von Berlin in ihrer gestrigen Sitzung. Tie Aeltesten Waren der Ansicht-, daß die geplante Neuerung einer gründlichen Prüfung bedürfe, um ihre Wirkung auf die Verhältnisse von Handel und Industrie erkennen zu können. Es wurde daher beschlossen, das Reichspostamt zu er- suchen, die Entscheidung über die beabsichtigte Aendcrung der jetzigen Gebührenordnung solange hinauszuschieben, bis eine solche Prüfung hinsichtlich der voraussichtlichen Wirkungen für die ein- zelnen Geschäftszweige erfolgt fei._ Gleichzeitig beschlossen die � Aeltesten der Kaufmannschaft, die Postverwaltmig um Bekanntgabe ' ihrer Ermittelungen über die Benutzung dcS Telephons zu ersuchen und auck die Mitglieder der Korporation aufzufordern, Nachproben über die Fernsprcchbenutzung in ihren Geschäften vorzu- nehmen, um auch auf diese Weise eine Grundlage für die Bcur- teilung des Entwurfs und eine gerechte, den Verhältnissen von Handel und Industrie Rechnung tragende Bcincssuiig der Gebühren zu erhalten. Die für die Stadt- und Ringbahn gültigen Monatskarten zum Preise von 7,49 M. für die zweite und 4,09 M. für die dritte Wagen- klasje(die Fahrkartensteuer einbegriffen) dürfen, wie die kgl. Eisen- bahndirektion bekannt macht, auch auf der Strecke Jungfern- Heide— Berlin. Lehrter Haupibahnhof, in beiden Richtungen bei den Vorortzügen und den Fernzügen Dallgow— Döberitz- Berlin, Lehrter Bahnhof, benutzt werden. AuS der städtischen Schuldeputation. In der gestrigen Sitzung der städtischen Schuldepuiation kam eilt Antrag auf Einführung zahnärztlicher Hülfe an städtischen Schulen, der auch heute die Berliner Stadtverordnetenversammlung beschäftigen wird, zur Beratung, Der Antrag wurde aus mehrfachen Gründen abgelehnt. Unter anderem weil er dem Grundsatz entgegenstehe, daß Schulärzte in Schulen nicht behandeln sollen.(Hoffentlich stellt sich heute die Stadlverordnetenversamntlung auf einen anderen Stand- Punkt. Die Red.) Der Bericht der Berliner Schulärzte, der der Deputation vorlag, soll gedruckt und veröffentlicht werden. Ferner beschäftigte sich die Deputation mit der infolge des neueit Schullaitengesetzeü notwendigen Uebernahme der St. Hedwigs-Pfarrschule. die von etwa 259 katholtschen Kindern besucht wird. Die Deputation verlangt die Uebergabe des seinerzeit vom FiskuS der Kirchengemeinde an Schulzwecken übereigneten Schulgrundstücks. Die Gemeinde will aber nur einen Teil dieses Grundstücks abtreten. Die Entscheidung liegt nun in den Händen der höheren Behörden. Wegen der Verteilung der Schrift:„Ein Mahnwort an die Konfirmandinnen" wird die Deputation in der nächsten Sitzung schlüssig werden. «Die Arbeiter, das Mistzeugs I" Die Polizeiattacken vom 12. Januar haben in weitesten Kreisen der Bevölkerung einen Sturm der Entrüstung hervor- gerufen— und zwar nicht nur in der Arbeiterklasse, sondern auch bei zahlreichen Personen, die den„staatserkMltenden" Schichten an- gehören. Aber daneben fehlt es freilich auch nicht an Beispielen vom Gegenteil, an widerwärtigen Ausbrüchen wilder Freude dar- über, daß die Schutzmannschaften, den von oben erteilten Befehlen folgend, gegen die demonstrierenden Männer und Frauen der Ar- beiterklasse zu schneidigem Angriff vorgerückt sind und daß auf wehrlos Fliehende mit dem Säbel eingchauen worden ist. Und welcher Art sind die Empfindungen, mit denen die Erb- Pächter der„Nächstenliebe", die Frommen und ihre Presse, diese entsetzenerregenden Vorgänge begleiten? Man sehe daraufhin sich z. B. mal das Blatt an, das den Titel„Reich" trägt, das Preß- organ des„christlich-sozialen" Hofpvedigers Stöcker und seines getreuen Jüngers Licentiat Mumm! Vergeblich lsaben wir darin ein Wort der Entrüstung über die blutigen Polizeitaten gesucht, die am Sonntag geleistet worden sind. Zu unserer Kenntnis gc- langt aber eine mündliche Aeußerung eines aus dem Kreise derer, die dieses Pastorcnblatt zusammenschreiben. Mit welchen An- schauungen über die Arbeiterklasse und ihre Wahlrechts- demonstratio!, man diesem Kreise angehören kann, daL lehrt der folgende Vorgang, den uns Ohrenzeugcn berichten: Am Morgen nach jenen Polizoitaten, Montag früh um 7 Uhr, als eben die Extrablätter des„Borlvärts" herauskamen, wurde im Restaurant von Plan in der Elsasscr Straße von den Gästen über die Ereignisse vom So nillag debattiert. Die Anwesenden waren meist Cafekellner, die ihren Dienst beendet hatten. Abseits saß ein einsamer Gast, der nur damit beschäftigt schien, sciue Lebens- geifter aufzufrischen. Plötzlich mischte auch er sich in das Gespräch und warf dazwischen:„Die Arbeiten, das Mistzeugs!" Die Antlvort, die er kriegte, soll„nützt von Pappe" gewesen sein. Als der Mensch sah, daß er sich verrechnet hatte, leillte er ein: „Aber, meine Herren! Sie sind ja gar keine Arbeiter." Auf die Frage eines Gastes, ob er vielleicht kein Arbeiter sei, antwortcie er mit einem entrüstet abwehrenden„Nein". Da rief einer der anwesenden Cafekellner:„Die klassenbewußte Arbeiterschaft Berlins würde sich auch schönstens dafür bedanken, Herr:, Döring von der „Staatsbürger-Zeitung" als einen der Ihrigen betrachten zu müssen!!" Der Gast, der die Arbeiter als„Mistzeugs" bezeichnet hatte, war tatsächlich Herr Döring, eine der mitarbeitenden Stützen des Stöckerschen„R e i ch" und der gleichartigen„Staats- bürger-Zeitun g". Als cr sich erkannt sah. zog er es vor, baldigst zu verschwinden. Vielleicht wird hier mancher fragen, warum dieses wertvoll�: Mitglied des Kreises um Stöcker und Mumm ausgerechnet in das meist von Cafekcllneru frequentierte Lokal gegangen war. Ein Zufall war es sicherlich nicht. Dieser Döring vom„Reich", ein Bruder dcS Agitators Döring vom„Teutsch-nationalen" Hand- lungsgehülfenverband. hat offenbar von den„Arbeiterfreunden" aus Stöckers Gefolge den Auftrag erhalten, die Cafekellner für die„Christlichen" zu angeln. Zu diesem Zweck hat cr sich zunächst angefreundet mit den beiden Vorsitzenden des hiesigen Cafetiers- Vereins, von denen der eine ein ZentruinSmann, der andere ein Froisinniger ist. Nunmehr hat cr auch bei den Cafeangestellten seine Visitenkarte abgegeben, indem er die Arbeiter als„Mistzeugs" bezeichnete._ Im Vorortzuge überfallen und schwer verletzt wurde gestern der 24jährige Schlosser Theodor Richter aus Lichtenberg. Auf der Fahr? vom Gesundbruunon nach Schönholz hatten mehrere junge Burschen mit R. angebandelt und bald fielen sie über ihn her und schlugen auf ihn ein. Auch mit dem Messer bearbeiteten sie ihr Opfer. Einer der Fahrgäste, der dem Ueberfallenen beistehen wollte, vermochte nichts auszurichten und cr sah sich schließlich ge- nötigt, die Notbremse zu ziehen. Als der Zug zum Stehen ge- bracht worden war, wurden die Attentäter von ihrem Opfer fort- gerissen und festgestellt. N. hatte recht schwere Verletzungen davon- getragen, so daß cr sich sofort in ärztliche Behanölung begeben mußte. Im Hausflur überfahren und getötet wurde gestern nach- mittag auf dem Grundstück Fennstr. 15 die 4 Jahre alte Hedwig Fobrich, deren Eltern in dem genannten Hause wohnen. Gegen 4 Uhr fuhr ein Geschäftswagen der Tapetenfabrik Jakobi u. PrauS- nitz vom Hofe herunter. Zur selben Zeit spielten in dem Hausflur mehrere Kinder, die bei der Annäherung des Wagens teils nach der Straße, teils nach der Treppe flüchteten. Auch die kleine F. wollte, auf der Treppe stehend, den Wagen vorbeilassen. Sie trat jedoch vorzeitig wieder in den Hausflur hinein, wurde von den Rädern des Gcschästöfuhrwerks erfaßt und so unglücklich über- fahren, daß sie einen schweren Schädelbruch und eine Becken- quetschung erlitt. Das verunglückte Kind wurde zunächst nach der Unfallstation in der Lindowcr Straße gebracht und sollte von dort nach dem Kinderkrankenhause in der Schulstraße übergeführt werden, starb jedoch schon auf dem Transporte. In bewußtlosem Zustande aufgcfuudeu wurde gestern nachmittag vor dem Hause Liuienstr. 244 ein etwa 55—99 Jahre alter Mann. Passanten machten einen Polizeibeamten ans den fast kein Lebens- zeichen mehr von sich Gebenden aufmerksam, worauf seine Ueber- führung nach dem Krankenhause Friedrichshain erfolgte. Der alt« Mann war bekleidet mit hellem Jackett, dunkler Hose, dunkler Weste und hellem Hut. Ein schwerer Automobilunfall hat sich vorgestern abend in der zehnten Stunde auf dem Wittenlicrgplatz zugetragen. Der 87 Jahre alte Rentier Simeon Lewnfohn, Martin-Luther-Straße 85 wohnhaft, wurde beim Ueberschreiten des Fahrdammes am Witten- bergplatz von einem Droschkcnantomobil erfaßt und yur Erde ge- schlendert. Das rechte Hinterrad des Kraftwagens ging über den Greis hinweg. Schwerverletzt wurde cr nach der Unfallstation ain Zoologischen Garten gebracht. L. hatte einen komplizierten Unter- schcnkekbruch und schwere Quetschungen am ganzen Körper davon- getwaot. Er fand sin Auguste-Viktons-Krankenhäuö Aufnahme. iTm Musitlehrcr als Hochstapler verhaftet. Grohc Erfolge lwf dem Gebiete des Heiratsschwindels hatte der Musib lehrcr Friedrich Bergmann, der gestern in Berlin verhaftet wurde Bergmann wurde am 1. April in Berlin geboren. Nach seiner Heirat zog er nach Halle a. S., wo er in der Zwingerstraste wohnte Er besaß bald große Geldsummen und machte häufig Ausflüge nach Berlin. Hier unterhielt er stets Fühlung mit der Verbrecherwelt. Er gab auch zahlreiche Annoncen aus, in denen ein Bankbeamter eine solide, nicht ganz vermögenslose Frau suchte. Meldete sich ein Mädchen, das einige tausend Mark besaß, so wußte er es bald zu bewegen, sein Geld auf einer Bank zu deponieren. Er ver stand es aber stets, im letzten Augenblick das richtige Kuvert, das das Geld enthielt, gegen eins mit Papierschnitzeln zu vertauschen und zu entfliehen. Als Bergmann gestern in der Prinzenstraße einen Swß Briefe abholen wollte, wurde er von einem Kriminale beamten verhaftet. Er wurde seinen betrogenen Bräuten gegenübergestellt, die er um etwa lOOOO M. geschädigt hatte. Auch bor Diebstählen hat er sich nicht gescheut. Bergmann hat wahr scheinlich auch in anderen Städten seinen Heiratsschwindel bc trieben. In Halle besaß er ein Privatkunstinstitut. Arbeiter-BildungSschnle Berlin. Grenadierstr. 37. Sonntag. den kö. Januar, abends 7 Uhr, 17. S t i f t u n g S f e st in„Freyers Festsälen", Koppenstr. 26. Mitwirkende: Sinfonie-Orchester(zirka bi) Künstler) unter Leitung des. Herrn Kapellmeisters Zimmer. Gesangverein„Senefelder"(M. d. A.-S.-B.). Festvortrag: Hein rich Ströbcl. Frühzeitige Billetentnahme ist geboten, um Störungen bei Beginn zu vermeiden. Rauchen nicht gestattet. Die Damen werden gebeten, die Hüte abzunehmen. Beginn kurz nach 7 Uhr; die Teilnehmer wollen sich daher rechtzeitig einfinden. Nach Beginn bis zum zweiten Teil bleiben die Saaltüren geschlossen und wird nicht serviert. Die Untcrrichtsknrse beginnen in der Woche vom 26. bis 2ö. Januar. Der Lehrplan ist folgender: Montag: Naturerkcnntnis. Vortragender: Emanuel Wurm.— Montag: National Ökonomie.(Einführung in die Nationalökonomie. II.). Vor- tragender: Julian Borchardt. Dieser Kursus findet in Tempel. hos bei Mokuly, Acrlincrstr. 6, statt.— Montag: Geschichte. (Die neueste deutsche Geschichte, die Geschichte der deutschen Sozial- dcmokratie.) Vortragender: Heinrich Schulz. Dieser Kursus findet in Steglitz bei Schellhase, Ahornstr. Iva. statt.— Dienstag: Rednerschule. Vortragender: Max Grunwald. Die Teilnehmer dieses Kursus, die den wegen Krankheit des Lehrers unterbrochenen Kursus des letzten Quartals belegt hatten, zahlen nur 50 Pf. nach. Für Ncucintretende, wie üblich, 1 M.— Mittwoch: Gcsetzcskunde.(Die EntWickelung des deutschen Rechts.) Vortragender: Sinion Katzenstein.— Donnerstag: Nationalökonomie.(Einführung in die theoretische Na- tionalökonomic. Zweiter Teil.) Vortragender: Max Grunwald. Auch hier gelten dieselben Bedingungen wie für den Dienstag, kursuS in Redcübung.)— Freitag: Literaturgeschichte.(Von der RcvolutionSdichtung bis zur neuesten Zeit.) Vortragende: Frau Regina Rüben.— Sonnabend: Geschichte.(Moderne Kolonial- Geschichte.) Vortragender: Dr. A. Eonrady. Wege» eines großen Dachstuhlbrandes wurde gestern vormittag nach 16 Uhr die Feuerwehr nach der Juselstr. w, dem bekannten Stammlokal der Berliner Witwen gerufen. Die Feuerwehr war mit mehreren Zügen zur Stelle. Brandinspektor R o h n st o ck ließ über die Treppe» und eine große mechanische Leiter angreifen. Durch unausgesetztes Wassergeben mit melirereren Schlauchleitungen gelang es schließlich die Flammen zu löschen. Der Dachstuhl des Hauses mit de», Inhalt der Bodeiipcrschläge ist ein Raub des verherenden Elements geworden. Tie Entstehung des Brandes wird auf Un- Vorsichtigkeit zurückgeführt. Tie Bcrnauer Straße von der Schwedter Straße bis zur Strelitzer Straße wird behufs Ausführung von Straßenbahnarbeiten vom 20. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Fenerwehrbericht� In der letzten Nacht um 3 Uhr geriet in der Hannoverschen Straße 5 das Benzin eines Automobils in Brand. Heute früh um 7 Uhr kam am Luisenufer 34 Feuer aus. Das Zwischengcbälk stand dort in Flammen. Gleichzeitig mußte in der Ziegelstraße 5/6 ein Kellervrand gelöscht werden. Ferner hatte die Feuerwehr in der Leipziger Straße 96 zu tun, wo Watte, Federn, das Gebälk usw. brannien. In der Schönhauser Allee 722 war durch Entzündung von Terpentin Feuer ausgekommen. Einer 2tzlarmierung nach dem Arkonaplatz lag grober Unfug zugrunde. Tie Täter entzogen sich ihrer Feststellung durch die Flucht. Auf dem Moabiter Güterbahnhof wurden Preßkohlen ein Raub der Flammen und auf dem Görlitzer Güterbahnhof entstand Fcuerlärm durch das Ausströmen von Gas. Außerdem lief noch eine Feuer- meidung von der städtischen Gasanstalt in der Danzigcr Straße cm, wo aber die Feuerwehr nicht in Tätigkeit kam. Ter 19. Zug batte in der Fricdrichstr. 63 einen Brand zu löschen, der in einer Waschküche ausgekommen war. Der 17. Zug hatte in der Äom- mandantcnstraßc zu tun. um dort ein Verkehrshindernis zu be- scitigen. Arbeitcr�Samariter-Kolonne. Heute abend 6 Uhr: 3. Ab- keilung in Schön cbc rg bei Wieloch. Eruncwaldstr. 116. und 4. Abteilung in R u in m e l o b u r g- L i ch t e n b e r g bei Lindncr, Grünberger Straße 16. In beiden AbteUungen allgemein»nter- essierender Vortrag und prakuschc Ucbungen. Ferner ist in Aus- ficht genommen, in Rixdorf eine Abteilung zu errichten. Ter erste Vortrag dazu findet heute abend bei Thiel, Bergsir� 151/152, statt. Es spricht Herr Dr. Schwabach über„Anatomie"(Bau des mensch- lichen Körpers) mit Demonstrationen. Der es uns nur möglich ist, bei einer bestimmten Anzahl von Teilnehmern eine Abteilung zu errichten, so ersuchen wir um zahlreiche Beteiligung auch der Frauen. Das Einschreibegeld beträgt 25 Pf., der MonatSbeitrag 25 Pf. Gäste haben einmaligen freien Zutritt. Vorort- IVadmcdtem Parteigenossen! Seht die Wählerliste nach, die bis zum 30. Januar in den Gcmeindcbureaus auslicgen. Zu den gestern bereits veröffentlichen Orten tragen wir noch folgende Orte nach: Friedrichsfcldc. Tie Wählerliste für die Gemeindevertretor- wählen liegt werktags von 8 Uhr vormittags bis L Uhr nach- mittags und Sonntags von 16— 12 Uhr vormittags öffentlich aus. Die Friedrichsfelder Wähler sehen die Listen im Gcmeindebureau, Echloßstraße 24, ein, die Karlshorster Wähler im Dienstgcbäudc zu ÄarlShorst. Tönhoffstraßc 31, 1 Treppe. Fricdrichshagen. Die Gemcindewählerlistcn liegen im Rat- Haufe wochentags von 9— 1 Uhr und Sonntags von 6—11 Uhr zu jedermanns Einsicht aus. Nieder-Schönhausen. Im Einwohner-Meldeamt, Blankenburger Strohe 16, liegen die Wählerlisten in den Dienststunden, und zwar an den Wochentagen von 8— 3 Uhr und an den Sonntagen von 11—1 Uhr aus. Wer absolut keine Zeit hat. selbst die Listen ein- zusehen, kann sich in folgenden Lokalen melden: Huth, Platanen- straße 29; Gelbaar, Kaiserin-Augusta-Straße, Ecke Lindenstraße; Radzeck. Kaiser-Wilhelm-Straße 16; Rattey, Uhlandstr. 58; Gapa, Eichenstrahc 12; Fröhlich, Eichenstraße 76; Babst, Beuthstraße 16; Mauke. Beuthstraße, Ecke Eharlottenstraße: Hasse, Beuthstraße. Ecke Waldowstraßc; Dittmcr. Blankcnburgcr Straße; Rande, Kaiser-Wilhelm-Straße 4. Mahlsdorf und Kaulsdorf. Für die Genossen, welchen es an Zeit fehlt, die Wählerlisten einzusehen, ist für Kaulsdorf der Gc- nosse Kretfchmer. Gricfcstraße, für Mahlsdorf und MahlS- borf-Süd(Kiekemal) der Genosse Robert Oertcl. Mahlsdorf Wagnerstraßc 44, bereit, dies zu tun. Das Schicksal der KcnigSheibe. Bereits vor einem halben Jahre berichteten wir, daß der Plan, die Königsheide zu einem Volkspar! für Rixdorf zu gc- stalten, gescheitert ist, weil das Gelände dem königl. ForstfiSkus gehört und dieser eine unerschwingliche Summe dafür forderte Ein Kommunalverein hatte unlängst eine Eingabe an das Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten gerichtet mit der Bitte, die Königsheide als Wald zu erhalten, da dieselbe für die Arbeitcrbcvölkcrung Rixdorfs und Berlin O. leicht zu er- reichen und daher eine wertvolle Erholungsstätte sei. Hierauf er- hielt der Verein folgende Antwort: TaS vom Verein bezeichnete Gelände— die sogen..Königs- Heide— für welches die geschlossene Bauweise zugelassen ist, repräsentiert bei einer Größe von etwa 266 Hektar einen Terrain- wert von 15 Millionen Mark. Ich bin ohne eine gesetzliche Er mächtigung nicht in der Lage, von einer Nutzung dieses immerhin einen beträchtlickzen Teil des Nationalvermögens darstellenden Geländes zu gunsten einzelner Gemeinden abzusehen, erkläre mich indessen bereit, wegen des Verkaufs eincS Teiles desselben zu einem Vorzugspreise mit den beteiligten Gemeinden unter der Boraussetzung in Unterhandlung zu treten, daß diese sich beim Erwerbe der Eigentumsbeschränkung unterziehen wollen, die Fläche als Volkspark dauernd der Bevölkerung von Groß- Berlin offen zu halten. TaS Schicksal dieses für die Arbcitcrbevölkerung so außer- ordentlich wertvollen Erholungsortes ist somit besiegelt. Der Er- holungsort kann gerettet werden, wenn die Gemeinden in der Um gebung in der Lage sind, die hohen Opfer zu bringen. Das erscheint fraglich, da wohl Rixdorf zu Opfern bereit fein dürfte, aber solch ungeheure Summe vorläufig sicher nicht aufbringen kann. Von den anderen umliegenden Ortschaften ist umso weniger zu erwarten, daß sie solch hohe Opfer für die Königsheidc aufbringen können Nicht zu verstehen aber ist es, daß die Regierung um der ange- gcbcncn Summe willen die Gesundheit von hundcrttausenden Menschen, die in der Heide Erholung suchen, so vollständig außer acht läßt. Es kann sich nicht darum handeln die Königsheidc zu- gunsten einzelner Gemeinden, sondern der großen Masse des Er- holung suchenden Volkes zu. erhalten. Das ist tausendmal wich- tiger als um eines augenblicklichen Gewinnes halber die Wälder um Berlin der Bauspekulation zu opfern. Reinickendorf. TaS Opfer eines schweren Verbrechens ist der Eishändlcr Reinhold Koppen in der Amendestraße geworden, der vor einigen Tagen an den Folgen einer Gehirnhautentzündung starb. Der Tod dcS K. erfolgte unter so eigenartigen Umständen, daß die Staatsanwaltschaft des Landgerichts III die Beschlagnahme der Leiche angeordnet hat. In der Nacht zum 7. Januar wurde Köppen von vier Männern nach feiner Wohnung gebracht, die ihn in be- wußtloscm Zustande auf der Straße liegend aufgefunden hatten. Erst am vergangenen Sonnabend kam der Eishändler wieder zur Besinnung und erzählte nun, daß er von zwei Männern in einem Lokal auf den Kops geschlagen worden sei. Bevor er das Lokal bezeichnen oder die Namen der Männer nennen konnte, verlor er "dion wieder das Bewußtsein und verstarb am Montag, ohne die Besinnung wieder erlangt zu haben. Nach der ärztlichen Annahme ist die Gehirnhautentzündung durch Schläge auf den Kopf her- deigcfüyrt worden und dürfte der Tod des Eishändlerö die un- mittelbare Folge der Schlägerei fein. Bisher ist es noch nicht ge- lungcn festzustellen, in welchem Lokale Koppen in der fraglichen Nacht geweilt hat. Bernau. Bewußtlos in ihrer Wohnung aufgefunden wurde am Dienstag morgen die ganze Familie des Arbeiters Star, welcher auf dem Voriverl Sparrfelde zu dem benachbarten Doise Bm nicke gehörig. eine Wohnung inne hat. Einem sofort herbeigerufenen Arzt gelang es. den Ehemann sowohl wie das Kind ins Lebe» zurückzurufen. während bei der Ehefrau bereits der Tod eingetreten war. Der Tod ist wahrscheinlich durch Ausströrnen von Rohlcnoxhdgaö erfolgt. Einen schweren Unfall erlitt der auf der Bodelschwinghschen Kolonie HossnungStal beschäftigte Kutscher Klokow. K. halle nach dem Giiierbabnhof Bernau Waren gefahren und befand sich bereits ans dem Rückwege, als plötzlich beide Pferde scheuten. Er verlor das Gleichgewicht, stürzte vom Wagen und wurde überfahren, so daß seine Ueberfiihrung nach dem hiesigen stäbtischen Krankenhause erfolgen mußte. Potsdam. Erfroren. In einer der letzten Nächte ist der Bootsmann Gustav Saltmann aus Hilden, Kreis Düsseldorf, der auf einem vor dem Gaswerk liegenden mit Kohlen bcladcnen Elbeiahn wohnte, über Bord gestürzt und auf die Eisfläche der Havel ge- allen. S. war nur mit einem Hemd bekleidet und verletzte sich beim Sturz an der Kniescheibe. Er war, wie ein Arzt feststellte, angetrunken, vermochte sich aber noch zum Kahn emporzuarbeiten. Tort sank er ermattet nieder und blieb hinter einem Laufbrett liegen, wo er am Tage als Leiche gefunden wurde. Falke»hage»t-Teegefeld. Der neugegründete Wahlvcrein hielt bor einigen Tagen feine erste Generalversammlung ab, in der die Agitationskommission Bericht erstattete. Der provisorische Vorstand wurde bestätigt. Dann folgte die Wahl der Revisoren, Bezirksführer und Vertreter �ur Ärelskonfercnz. Die Zahlabende finden laut Beschluß an zedem ersten Sonnabend im Monat statt. Am Sonntag fand die erste Volksversammlung im neuen Saal Schömberg statt. Zirka 150 Männer und Frauen nahmen ein Referat des Geiwssen ) iromke mit Beifall auf. Die bekannte Resolution zum Wahlrechts- i ampf wurde einstimmig angenommen. In der Diskussion wurde zum Abonnement auf die Arbeiterpresse und zum Eintritt in den Wahlvercin aufgefordert. Meldungen sind beim Vorsitzenden Mewes. Neu-Secgefeld, Borsigstr. 3, oder beim Kassierer Patitz, Falkenhagen, zu machen. Mit brausenden Hochs auf das allgc- meine Wahlrecht und mit Gesang'schloß die Versammlung. Angeklagten wegen angeblicher versuchter Nötigung und Verstoßes gegen§ 153 der G.-O. Gegen die Anwendung des§ 153 der G.-O. auf den oben er» wähnten Tatbestand wendete sich die Revision des Angeklagten in erster Linie.— Der NeickSanwalt hielt die Anwendung des Z 153 der G.-O. auf Fälle wie den vorliegenden, wo es sich nicht uin Verabredungen der Arbeiter zur Erlangung besserer Lohn- bedingungen, sondern um Aussperrungen durch die Arbeitgeber handelt, für rechtsirrtümlich.— Das Reichsgericht war derselben Ansicht; es erkannte aber trovdcm nicht auf Aufhebung des Urteils, sondern auf Verwerfung der Revision mit der redaktionelle» Aendc- rung des Urteils erster Instanz� daß der Angeklagte nur wegen versuchter Nötigung nach§ 240«tr.-G.-B. mit Gefängnis bestraft worden ist, nicht aber nach§ 153 der G.-O. Wiewohl also das Reichsgericht anerkennen mußte, daß der Z 153 zu Unrecht angewendet ist, verwarf es das auf der Au- Wendung des§ 153 beruhende Urteil. Das ist ein offenbarer Widerspruch, der mit dem Rcchtsbewußtsein unvereinbar ist. vom 246 Sericbts- Leitung. Zum Koalitionsrecht. Der Tischlcrgcsclle Paul NnoSk ist am 26. Juni v. I. Landgerichte I in Berlin wegen versuchter Nötigung(ß Str.-G.-B.) und:vegcn Verstoßes gegen Z 153 der G.-O. zu Gefängnisstrafe verurteilt worden. Zwischen den Arbeitgebern und Arbeitern der Holzbranckie in Acrlin war es bezüglich der Er- iicucrung des Tarifs zu Differenzen gekommen. Die organisierten Arbeiter wurden schließlich ausgesperrt. Der Angeklagte, der zu den Ausgesperrten gehörte, trat nach der Feststellung des land- gerichtlichen Urteils am 1. Februar v. I. an den nicht ausgesperrten Tischler K. heran und forderte ihn auf, die Arbeit niederzulegen. Es würde sein Schaden nicht sein, denn der Deutsche Holzarbeiter- verband zahle wöchentlich 20 M. oder freie Fahrt in die Heimat. Als K. cs ablehnte, die Arbeit niederzulegen, soll der Angeklagte in drohendem Tone gesagt haben: Wenn Du Düh nicht fügst, kannst Du Dich darauf gefaßt machen, gehörige Senge zu bekommen. Die Anklage hatte auw auf versuchte Erpressung gelautet, weil der Angeklagte den K. durch Drohungen zum Eintritt in den Deutschen Holzarbeitcrverband zu nötigen und dadurch„einem anderen einen Vorteil" zu verschasten versucht haben soll. Auf diese Jnter- pretation ging das Gericht zwar nicht ein, verurteilte aber den Hus der Frauenbewegung. Des Staates Wohl. Des Staates Wohl fei ihres Tuns und Wollen? bestimmendes Motiv. Das behaupteten im Junlerparlainent die wirtlichen und offiziellen RegierungSvcrtreter. Der Staat ist das Volk! Und die größere Hälfte des Volkes stellt daS weibliche Geschlecht. Die Masse des VoUeS aber, und besonders das weibliche Geschlecht, erfreut sich nicht deL erstrebten und mögsichen Maßes von Wohtbefinden. Allerdings des Ritters Zedlitz und dcS Knappen Bülow Staats- wohl bedingt dies auch nicht. Ihr Staat ist Junker- und Scharf- macherherrichaft. Sie repräsentieren und verteidigen den Staat der Votksbedrücknng und Volksausbeutung. Zu dem Grundsatze: deö Volkes Wohl ist das oberste Gesetz I stehen ihres TunS Wirkungen in schreiendem Widerspruch. Dieses Staates Wohl bedingt ein Riesenheer von ehelichen und unehelichen Prostituierten. Es läßt Töchter deS Volkes unehelich Mütter werden und stößt sie dann hinab in Schmach und Schande, in Not und Elend. Dieser verlogene barbarische Staat kennt und ächtet„gefallene Mädchen", aber dem Herrn der Schöpfung bucht er das zu Fall bringen des Mädchens als männliche Heldentat. Dieser gepriesene Staat macht die„schioache" Frau zu einem wehr- und rechtlosen Objekt kapitalistischer Ausbeutung, männlicher Gewisienlosigkeit und Brutalität. Und sein Juteresse hetzt auf sie und unmündige Kinder die bewaffnete Macht, wenn sie eS wagt, gegen Entwürdigung und Rechtlosigkeit dcS WeibeS sich aufzu- bäumen. Untilgbare Schmach haftet diesem Staat an. Rechtlosen, unter- drückten, ausgebeuteten Frauen, die nur ihr Staatsbürgerrecht forderten, ließ er durch Polizeisäuste Antwort geben. Und dieses Staates Vertreter beschimpfen die Frauen, die kühn cS wagen, Freiheit und Gleichberechtigung zu verlangen. Das ist der Junker-Polizeistaat I Sein Wohl fließt aus Bolksverachtung und Voltshaß. Diesen Staat bekämpfen ist ehrenvoll; sein Wohl ist Trübsal ür das Volk. Trotz Junker frecher Hohn und Bülows großer Worte betrachten die proletarischen Frauen cS als ihre heiligste Pflicht, im Kampfe für des Volkes Wohlfahrt, für des Weibes Würde nicht zv erlahmen._ Katholische Dienstboten. Während sich um die rechtlosen HauSsklaven sahrhundertelang kein Mensch in christlichen Kreisen gekümmert hat, sind nun alle Diener der Kirche, vom Bischof bis herab zum jüngsten Kaplan, von einer geradezu beängstigenden OrganisationSwut ergriffen. Und die Herr- Ichaften, die sonst sich jede Einmischung in ihre häuslichen Rechte, iU denen auch die Ausbeutung der Dienstboten gekört, verbaten, ind nun auf einmal Feuer und Flamme für die Sache und mit rührender Sorge nehmen sie sich der„armen verlassenen" Mädchen an. Warum denn dies alles so plötzlich? Einzig und allein, weil die Sozialdemokratie auf dem Plane erschienen ist, um den recht- losesten, unglücklichsten Schichten Hülse zu bringen.„Wir müssen aus rcligiöien, sittlichen und sozialen Gründen die Dienstboten organisieren." Aus diesem Leusatz baut sich ein Referat de» .Hochwül digen" Herrn Piarrtnrat Stumpf- Karlsruhe auf, dem wir einige bemerkenswerle Punkte entnehmen. Aus religiösen Gründen ist die katholische Dienstbotenorganiiation nötig, um die „immer größere Zunahme der— Mischehen zu verhindern". In ittlicher Beziehung, um sie aufzuklären gegenüber drohenden Ge- ähren. Besonders ist zu betonen, daß der Diem'tbole gesetzlich berechtigt ist, ohne Kündigung den Dienstvcnrag sofort zu lösen. wenn ihm durch die Herrschaft ein unsiirliches Ansinnen gestellt wird, oder wenn dieselbe ihn gegen derarnge Zinniiiungen anderer, die zur Familie gehören oder im Hause regelmäßig verkehren, nicht chntzen konnte und wollte." Bis jetzt hieß es immer, wenn der- artige Fälle erwähnt wurden, es seien soziatdcmokraliiche Verleumdungen. so elwas käme gar nicht vor. � Der obige AuSipruch ist aber sicher als Frucht der tatsächlichen Verhältnisse dem bochwürdigen Munde entschlüpft. Ucbrigens könnten wir Fälle anführen, Ivo Dienstmädchen, die nach obigem Grundsatz gehandelt halten. Geld- und Haflstrafcn erhielten und obendrein den allen Dienst wieder aus- nehmen muhten. Interessant ist es zu erfahren, daß in Baden jetzt in den größeren Stäoien die Namen der zuziehenden Tienftboicn der katholischen Organisationsleiiung vom polizeilichen Meldcbureau gegen Vergütung zugesandt werden. Ob unsere Organisationen das- selbe Entgegenkommen bei der Behörde siudeil würden? Sogar das badische Herrscherhaus nimmt Interesse an der katholischen Dienst- botenbewegung und wenigstens zweimal im Jahre wohnt die Groß- Herzogin der Versammlung„persönlich" bei und unterhält sich herablassend" mit den Mädchen. Darin also besteht die ganze Fürsorge für die armen, un- wisienden Mädchen. Kein Wort, keine Spur von der Hebung ihrer wirlschaftlichen Lage. An uns wird eS liegen, der iletikalcn Diplo- matte zum Trotz die Mädchen aufzuklären. �ernisckres. Katastrophe auf dem Eise. Hierüber wird aus Paris noch vom gestrigen Tage gemeldet: Die NettnugSarbeiten im BoiS- de Boulogne, wo gestern nachmtuag zahlreiche Personen beim Schliltichuylanfen einbrachen, wurden bis gestern abend spät foltgeietzr, da man noch mehrere Opfer unter dem En'e vermutete. Bis abends 3 Uhr waren nur zwei junge Leute von 17 und 14 Jahren als Leichen geborgen worden. eingegangene Druchfdmnen. Tie Studienreise des StaalSlekrctSrS Dernbmg nach Dentich Ostastika von Dr. Ostac Bongacd.. Verlag Wilhelm Süssecott. Berlin W. 30. Preis-eolch. 1,— M. Tic Bedeutung der mechanischen Zngkrast aus der Landstraße filt die Heersührmig von Generalleutnant o. Alten. 23 Seiten. Verlag„KonliiieiN", Verlin W. 50. Gnldlofe Zukunft. Von£. Meler-Lutz. 50 Pf. Verlag tz. Kurtzlg. Berlin-Eharlollenburg. 4,—. ßricfliartcn der Expedition. <£. K. 200. Wegen dcS Ausbleibens der Zeitung wollen Sie beim dortigen Poslamte Beschwerde führen. Verantwortlicher Rcdalteur: HanS Weber. Berlin. Für den ZpiIuiuenieU veramw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärtt vuchdluckcrei u. VerlagSanstaii Paul Sin*«& Co.. Berlin