Nr. 15. Bbonnfmtnls-Bedingunaen: SbomiementS• Preis Jjtänumnanba» «ierteljährl. 330 OT., monatL 1,10 Mk, Ivöchentlich 28 Pfg. frei WS HauS. Einzewe Swimner S Pfg. SoimlagS. nummcr mit illustrierter SoimtagS- Beilage.Die Neue Well* 10 Pfg. Post. Llbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die. Post- ZeitungS» Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 25. Jahrg. Clchtlit«III»»llötl DkBUit. Nerlinev Volksblcrtt. Zentralorgan der rozialdemokratifchen parte! Deut fch lande. Die InlertlonS'Gebüljr beträgt für die sechsgespaltene Kolottel« geile oder deren Raum 50 Psg., sür polltische und gewerkschaftliche BercitlS- Und BersamntlungS.Anzeigen 80 Psg. „Nietn« Unreigen", das erste(seit» gedruckte) Wort 20 Pfg.. jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stcllen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition »bgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Delegramm- Adresse: „Sozlaldtniskrat RcrllD". Redaktion: 6Ö3. 68, Lindenatrassc 69» Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Sonnabend, den 18, Jannar 1908, Expedition: 8 Cd. 68, Lindcnstraaae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Die Vollttkbule im preukilchen etat. Von den fünfzehn Prozent preußischer Staatsbürger, deren Stimme durch das elende Dreiklassenwahlsystem ini preußischen Landtag zur Geltung kommt, wird kaum ein einziger die preußische Volksschule besucht haben. Daher ist es begreiflich. wenn das Junkerparlament für die Not der Volksschule wie für die Not des Volkes überhaupt nicht das geringste Ver- ständnis hat. Woran es der Volksschule fehlt, tvoran sie je länger je mehr dahinsiecht, in welcher Weise sie innerlich und äußerlich zu heben wäre, alle solche Fragen versteht ein Aus erkorener des Dreiklassenwahlunrechts gar nicht, geschiveige, daß er sie zu lösen wüßte. Am unverblümtesten tritt die Verständnislosigkeit der preußischen Reaktion in Regierung und Parlament gegenüber den Bedürfnissen der Volksschule in den Zahlen des Kultus ctats zutage. Zwar nehmen von sämtlichen Positionen des Etats die Forderungen des Elementarschulwesens die größten Summen in Anspruch. Aber man darf dabei nicht vergessen, daß von sämtlichen schulpflichtigen Kindern ungefähr fünfund- neunzig Prozent die Volksschule besuchen, so daß, absolut ge nommen, die Summen für das Volksschulwesen auch unbedingt und weitaus an erster Stelle stehen müssen. Man darf sich auch dadurch nicht irreführen lassen, daß der Kultusetat im ganzen und der Volksschuletat im besonderen von Jahr zu Jahr ge- stiegen sind. Das bringt die Zunahme der Bevölkerung schlechterdings mit sich. Und in demselben Verhältnis sind auch die übrigen Positionen gestiegen. Charakteristisch ist bei alledem, daß der Etat für das Volksschulwesen im engeren Sinne von 30 Millionen im Jahre 18tÄ auf 68,6 Millionen im Jahre 1898, also um 129 Proz. gestiegen ist; im nächsten Jahrzehnt, der eigentlichen Aera Studt, ist dagegen nur ein Anwachsen des Etats von 68,6 Millionen im Jahre 1898 auf 102V Millionen im Jahre 1908, also um 39 Proz., zu verzeichnen.'' Sehr unerfreulich ist auch die Situation in der Volks- schule in Preußen, wenn man sie mit der der höheren Lehr- anstalten vergleicht. Für etwa 19000 Studenten verausgabt der Staat 14312 126 M., d. h. für den einzelnen Studenten pro Jahr ungefähr 739 M.; für etwa 170 000 Schüler höherer Lehranstalten wendet der Staat 14 963 389 M., also für jeden einzelnen Schüler jährlich ungefähr 99 M. auf; für über 6 Millionen Volksschüler gibt der Staat aber nur 102786776 M., also pro Kopf und Jahr ungefähr 17 M. aus. Diese drei Zahlen stellen den brutalen Klassencharakter des heutigen öffent- lichen Bildungswesens erbarmungslos an den Pranger. Für die zukünftigen Stützen des Staates, sür werdende Regierungsräte, Staatsanwälte und Pfaffen ist dem heutigen Staate kem Opfer zu hoch; auch für die Söhne der Wohlhabenden, die sich zum wenigstens das Einjährigfreiwilligenprivileg und damit die Aussicht auf dereinstiges Reserveoffiziersgigerltum erwerben wollen, greift der kapitalisttsche Klassenstaat tief in den Beutel. Nur wenn es sich um die Volksschule handelt, die von den zukünftigen rechtlosen Lohnsklaven der Handarbeit besucht wird, dann dreht der Staat jeden Pfennig zehnmal herum ehe er ihn ausgibt. Wenn der Volksschuletat in diesem Jahre einen etwas stärkeren Sprung nach vorwärts ausweist, so ist dies nicht etwa auf den neuen Kultusminister Holle zurückzuführen, der im Gegenteil durchaus Geist vom Geiste und Fleisch vom Fleische Studts ist, sondern allein auf die Tatsache, daß am 1. April dieses Jahres das berüchtigte Volksschulunterhaltungs- qesetz vom 28. Juli 1906 in Kraft tritt, wodurch verschiedene Mehrausgaben notwendig werden. Aber diese Ausgaben kommen nicht in erster Linie der Volksschule zugute, auch nicht ihren Lehrern, sondern in der Hauptsache den leistungs- unfähigen kleinen Gemeinden und Schulverbänden mit nicht mehr als sieben Schulstellen, mit anderen Worten den not- leidenden— Gutsherren, den Agrariern! Und auch bei den Ausgaben, die durch das neue Schulgesetz notwendig werden, hat die Regierung zu sparen versucht, sosehrsienurkonnte. Während bei der Beratung des Gesetzes ein jährlicher Mehraufwand von mindestens 20—22 Millionen Mark für erforderlich gehalten wurde, begnügt sich der Etat für 1908 nnt nicht ganz 12 Millionen Mark. Und selbst wenn diese Summe nur für die letzten drei Viertel des Jahres berechnet sein sollte, so würde sie für das ganze Jahr berechnet immer erst gegen 15 Millionen Mark ergeben. Daraus geht nebenbei auch noch hervor, daß es der Regierung und den Kompromiß- Parteien seinerzeit viel weniger um die Schaffung leistungs- sähigerer Grundlagen für die Schulunterhaltung als vielmehr um die damit verquickte Verpfaffung der Volksschule zu wn war. Der Kultusetat teilt mit, daß in diesem Jahre eine Reihe neuer Seminare errichtet werden sollen; im ganzen sind es zwölf Seminare und eine Präparandenanstalt. Nach dem alten preußischen Grundsatz, daß die Seminaristen, die zukünftigen Volkserzieher, am besten möglichst fern vom flutenden Leben der Zeit erzogen werden, damit ihre ein- seitig-muckerische Dressur nicht durch die Verführungen der Großstadt gefährdet wird, sind für die neuen Seminare fast ausschließlich kleine abgelegene und zum Teil recht öde Provinzorte in Aussicht genommen wie Jüterbog, Züllichau, Krotoschin, Kettwig. Wollstein,* Tarnowitz, Coesfeld, Ratingen und Merzig. Dem chronischen Lehrermangel will man auch in diesem Jahre durch eine große Zahl außerordentlicher Seminarnebenkurse abzuhelfen suchen. Das wird aber auch in diesem Jahre wiederum verlorene Liebesmüh sein, da nicht Mangel an Seminaren, sondern die erbärmlichen Besoldungsverhältnisse und die jammervolle Un freiheit des preußischen Volksschullehrerstandes die eigentlichen Ursachen der Lehrernot sind. Wie schon aus der Etatsberatung im preußischen Ab geordnetenhause zu ersehen war, denkt auch der neue Herr im Kultusministerium nicht daran, den Wünschen der Lehrer und aller freigesinnten Menschen nach grundsätzlicher Einführung der Fachschulaufsicht Rechnung zu tragen. Die Orts schulaufsicht ist ja durch das neue Schulunterhaltungsgesetz erst neu geregelt und den Geistlichen mehr als zuvor ausgeliefert worden. Aber auch die Kreisschulinspektionen im Hauptamte werden im neuen Etat nur der Not gehorchend nicht dem eigenen Triebe um einige vennehrt. Und dann ist leider noch in vielen Fällen auch der hauptamtliche Kreisschnliuspektor ein ehemaliger Geistlicher, oder er ist doch hinlänglich verpfafft, so daß er den eigentlichen Pfaffen kaum viel nachsteht. Eine Erhöhung im Kultusetat haben die unwüdigen Positionen erfahren, durch die gewissen Volksschullehrern für gewisse Dienste Trinkgelder in die Hand gesteckt werden können. Die Summe für widerrufliche Zulagen an Lehrer „in Posen und den gemischtsprachlichen Kreisen Westpreußens zur besonderen Förderung des deutschen Volksschulwesens" ist um 35 000 M. und damit auf fast 2 Millionen erhöht worden, die„Remunerationen behufs besonderer Förderung des deutschen Schulwesens in den polnischen Bezirken" haben eine Steigerung von 550000 M. auf 700000 M. erfahren. Diese Summen, besonders die letztere, sind besonders geeignet, den Keim dex Korruption und der Zwietracht in die Kreise der Lehrer zu tragen. Da es sich um widerrufliche Zulagen für Leistungen handelt, die mit dem Wesen der Schule fast nichts, mit Hurrapatriotisinus. Chauvinismus, falscher Deutschtümelei und ähnlichen zweifelhaften Tendenzen aber umfomehr zu tun haben, so werden die Lehrer geradezu dazu gedrängt, sich gegenseitig durch„gute Gesinnung", durch Kriecherei und Streberei den Rang abzulaufen. Es ist bedauerlich— und nur aus der armseligen Besoldung der Lehrer begreiflich—, daß sie nicht schon längst auf das unwürdige Ostmarken- Trinkgeld mit Stolz und Würde verzichtet haben, statt um Erhöhung dieses Geldes zu betteln. Die„Pädagogische Zeitung" schließt einen Artikel über den Kultusetat mit der schüchternen Hoffnung, daß Herr Holle in finanzieller Beziehung nicht bei seinem Vorgänger sondern bei dessen Vorgänger Bosse anknüpfen möge. Ganz abgesehen davon, daß auch Bosse nichts weniger als ein tatkräftiger Förderer der Volksschule war. daß er sich höchstens im Grad, nicht in der Art von Studt unterschied, so zeigt diese Hoffnung auf den neuen Mann wieder die Äte Vertrauensduselei der liberalen Lehrer, die am Abend schon wieder vergessen haben, wenn sie morgens geprügelt worden sind. Auch Studt haben die Lehrer jahrelang„Ver- trauen" entgegengebracht. Werden die preußischen Lehrer nicht bald erkennen, daß das S y st e m geändert werden muß, daß insbesondere an die. Stelle des. heutigen Privilegien- Parlaments in Preußen eine wirkliche Volksvertretung treten muß? Auch für die preußische Volksschule hängt alles ab vom Ausgange des gegenwärtigen Kampfes um das Wahl- recht.— Die preußische Blalstrechtsbewegung und die Condoner IPrcife. London, 15. Januar. Die einzige Zeitung, die die Tragweite der letzten Berliner Demonstration sofort erfaßte, war die„Times", die durch ihren Berliner Korrespondenten sowie durch eine tüchtige Redaktion aus- gezeichnet über preußisch-deutsche Verhältnisie unterrichtet ist. Die anderen Blätter Londons begnügten sich entweder mit einem Reuter- berichte oder mit kurzen Depeschen ihrer eigenen Vertreter. Von diesen war die Korrespondenz des„Standard" recht gut. Erst nach und nach werden die englischen Redaktionen durch die Lektüre deutscher Zeitungen auf die Vorgänge in Berlin aufmerksam gemacht. Die„Times" behandelte schon am 13. d. M. die Berliner Demonstration in einem Leitartikel, in dem gesagt wurde:„Der Ablehnung des Wahlrechtsantrages im preußischen Landtage folgre gestern eine große Demonstration in Berlin. In einem modernen Staate, wo die Selbstregierung eine Realität ist, würde eine solche Demonstration von allen Staatsmännern als ein Ereignis von tief st er Bedeutung betrachtet werden.... Sie zeigte, was schon allgemein bekannt ist, daß die Gegensätze zwischen den Bolksmassen und den kleinen re- gierenden Kreisen Preußens tief sind. Aber sie gab diesen Gegensätzen ein scharfes Relief, und sie muß bei allen denkenden Menschen ernste Zweifel an der Dauer der Stabilität einer Gesellschaft erwecken, in der solche Gegensätze vorhanden sind und wo alle Versuche, sie durch konstitutionelle Mittel auszugleichen, auf eine hartnäckige Ablehnung stoßen. Das zum Bewußtsein aller zu bringen war offenbar der Zweck der Organisatoren der Deinonstration. und diesen Zweck haben sie zweifelsohne erreicht. Denn zu Gewalttaten haben sie ihre Anhänger nicht veranlaßt. Die Sozialdemokraten haben hinter sich eine große Macht— und trotz der letzten Reichstags- Wahlen— eine wachsen deMacht. Sie sind nicht gesonnen,„den preußischcnExzellenzen.von denen Fürst Hohenlohe in seinen„Memoiren" spricht, in die Hände zu spielen.... Es sind zwar einige Schüsse abgegeben worden, aber es liegt kein Beweis vor, daß der Verbrecher zu den Demonstranten gehörte.... Im großen ganzen aber be- schränkten sich die Mafien auf eine moralische Demonstration.... Der Sieg des Fürsten Bülow im Landtag dürfte sich kaum als eine Quelle der Kraft für ihn erweisen. Erstens hat ein Teil des Blocks gegen ihn gestimmt.... Zweitens ist Preußen nicht mehr das agrarische und ultra-konservative Land früherer Zeiten; wirtschaftliche EntWickelung und Er- ziehung haben dort große Massen von Arbeitern geschaffen, die sich lebhaft sür politische Fragen interessieren, und je gefährlicher sie dem gegenwärtigen politischen System werden, desto mehr werde» ihre Stimmen unterdrückt. ... Daraus folgt, daß je länger dieser Zustand auf- recht erhalten wird, der nur darauf berechnet ist, dein Konservativismus und den illiberalen Teilen der Bevölkerung eine fiktive Stärke zu geben, desto gefährlicher die Stimmung der Unzuftiedenen werden dürfte. Fürst Bülow, dem man liberale Ideen zuschrieb, hat eine große Gelegenheit verpaßt, indem er es verfehlte, durch eine prompte Reform Begeisterung hervorzurufen und wirkliche st aatsmän nische Begabung zu zeigen. Seine Allianz mit den Freisinnigen im Reichstag würde ihm die Gelegenheit gegeben haben, die er verpaßte, und der„Vorivärts" hat recht, als er ausrief:„Das Phantom der liberalen Acra ist nunmehr verschwunden I" Die deutschfreundliche„Daily N e w S" bringt erst heute einen Leitartikel über die Sonntagsdemonstration. Sie stellt sich ausdrücklich auf den Standpunkt Dr. Barths,„des einzigen bürgerlichen Progressisten, der in englischen und französischen Augen den Namen eines Liberalen ver- dient". Dann sagt sie:„Die Zitadelle der Klassenvorrechte ist besetzt von Konservativen und ihr Kommandant ist Fürst Bülow. Die einzige Armee, die die Zitadelle mit Ernst belagert, ist die sozialistische. Aber es ist das Banner des Fürsten, um das sich die Freisinnigen scharen, und es sind die Konservativen, bei denen sie Bundes- genossen suchen.— und zwar gegen die Sozialdemokraten. In ihren Versammlungen, in ihrer Presse, und sogar im Landtage legen die Freisinnigen ihr demokratisches Bekenntnis ab, allein die Re- gierung versteht, daß diese akademischen Demonstrationen nur Parademanöver sind. Der Kampf, der wirklicheKampf wirdausgefochtenz ch i s ch en jener große nVo l köp a rtei(der Sozialdemokratie), die keinen einzigen Vertreter im Landtage hat, und den mittleren und oberen Klaffen, die sich dort verschanzt haben.... Die sozialistische Partei hat erst vor wenigen Jahren den ernsten Versuch unternommen, sich mit dieser Frage zu beschäftigen. Eine große, starke und gebildete Partei, wie diese, ist nicht geneigt, sich ohne Bedenken an eine Frage heranzuwagen, die sehr schwer zu lösen ist; denn sie weiß, daß sie in einem solchen Kampfe ihr Prestige, ihren Kredit auf eine ungeheure Probe stellt.... Jetzt aber hat der Kampf in allem Ern st begonnen und kann nicht mehr abgebrochen werden. Eine Partei, die sich in einer derartigen Lage befindet, mag wegen ihrer außer- konstitutionellen Kampfmethoden nur von Pedanten an- geklagt werden. Aber welche anderen Mittel stehen einem entrechteten Proletariat zur Verfügung? Eine entrechtete Klasse hat keine anderen Mttel als Demonstration. und wenn diese versagt, den Streik. Es ist überhaupt fraglich. ob man �— angesichts der Waffengewalt der Regierung— einen Generalstreik eine extreme Kampfmethode nennen darf.... Der preußische Landtag ist das letzte Bollwerk des Absolutismus und der persönlichen Regierung. Die Sozialisten werden nur nach einem entschlofienen und kritischen Kampfe siegen können. Gelingt es ihnen, Preußen zu demokratisieren, so werden sie Europa von einem Alpdrücken befreit haben" Lehrer und Politik. lieber den Konflikt in der Bremer Lehrer- s ch a f t hat der„Vorivärts" kürzlich berichtet. Die Aus- einandersetzungen wegen des„Rolands", der bekannten Monatsschrift der Bremer Lehrerschaft, haben nun zu einer höchst interessanten Entschließung im bremischen Lehrervereiii geführt. Eine Anzahl Lehrer hatten ein großes Aergernis daran genommen, daß die Herren Sonne mann und Holznieier in der„Bremer Bürger-Zeitung" ihren Standpunkt verteidigt bezw. die Hausberg und Gebr. Schatrelmann angegriffen hatten. Tolerant, wie Liberale nun einmal sind, hatten sie beantragt: „Der Bremische Lehrerverein steht nach wie vor nicht auf sozialdemokratischem Staildpniiktc: er muß natürlich die Ver- antwortung für die Veröffentlichungen einzelner Mitglieder, speziell m der„Bremer B nr g e r-Z ei tung" und im „Roland" ablehnen." Der Vorstand des Bremer Lehrervereins parierte diesen Antrag mit der folgenden, einstimmig von seinen Mit- gliedern gutgeheißenen Resolution: „Die Ziele, für deren Verwirklichung der Bremische Lehrer« verein in den letzten Jahren gestrebt hat, lassen sich in die Worte zusammenfaficn: weltliche Schule, Einheitsschule, Arbeitsschule. Diese Ziele weist auch das Schulprogramm der sozialdemokratischen Partei auf. und die Vertreter dieser Partei haben sich bei ver- sHiedenen Äeraiuuge» innerhaW unserer Bürgerschaft, wenn auch nicht als die einzigen, so doch als die konscqiicntesten Verfechter jener Idee gezeigt! Auch die sozialistische Presse hat sür sie auf das nachdrücklichste gcwirlt. Diese Tatsachen hat der Lehrervercin zu tviederbolten Malen konstatiert und anerkannt, wie er auch die Unterstützung seiner Bestrebungen seitens jeder anderen Partei anerkennen würde. Ter Vorstand ist der Meinung, daß der Verein im Kampfe für seine gegenwärtig höchste» Ziele die Hülfe eines solche» Bundes- genossen wie der sozialdemokratischen Partei nicht verschmähen solle. Dast im übrigen die politischen Tendenzen der genannten wie irgend einer andere» Partei den Lehrerverein nicht berühren, liegt in seiner Verfassung begründet. Welche Parleistellung die Mitglieder im polnischen Leben einnehmen und wie sie sich auf diesem Gebiete betätigen, ist durchaus jedes einzelnen persvn- Ii che Angelegenheit. Diese Stellungnahme und Betätigung zu beaufsichtigen und darauf einzuwirken, kann der Vorstand nicht als zu seinen Pflichten gehörend ansehen." Antrag und Resolution wurden abgelehnt. Für die letztere entschieden sich 130, gegen sie 162 Lehrer. Der Liberalismus hat einen„Sieg" erfochten, der ihm nicht geringe Kopfschni erzen bereiten wird. Zwar die„Wcscr-Zcitungs"-Männer werden sich freuen, denn die, so von ihnen seinerzeit„zügellose Draufgänger" genannt ivurden, sind der Zahl nach unterlegen. Die 130 haben aber gar keine Ursache, kleinmütig zu werden, und die Sozialdemokratie kann sogar hoch st erfreut über das Abstimniungsresultat sein, denn die Tat- fache, daß von 292 Lehrern 139 anerkannten, was die Sozialdemokratie im Kampfe auf dem Gebiete der Schulpolitik bedeutet, und daß jene 130 so gar keine Rotschcu zeigten, sind gute Zeichen für uns, üble sür Schul- bllreaukratie und kirchliche Orthodoxie! Zwar, was die Bremer Lehrerschaft durch ihre mutigen Kämpfe gegen die Flachsmännerei lind Pfäfferei versprach, hat sie nicht gehalten, ja, sie hat sogar enttäuscht. Aber es will uns scheinen, daß jenes Feuer, das damals hohe Flammen schlug, lustig weiter brennt. An Nahrung, es wieder auf- flammen zu lassen, wird es nicht fehlen, um so weniger, je unheimlicher das TotenglMlcin des Liberalismus vernehmbar wird. Die Sozialdemokratie aber wird nach wie vor für die Schule und die Lehrer eintreten, wie ihre Grundsätze es ihr gebieten. Wo ist die Partei, die es ihr darin gleichtun könnte? Damit wird die Frage der erbetenen oder ungebetenen Bundesgcnossenschaft aber nicht minder wie die Frage, ob die Lehrer ungestraft die Politik ignorieren dürfen, leicht und sicher gelöst werden. Die Lehrer werden sich politisch betätigen müssen und zwar vom Standpunkte des K l a s s e n k a m p f e L aus, oder sie Iverden die traurige Rolle weiter zu spielen haben, die ihnen im Lande der„Denker und Dichter" zugelviesen ist. Sie Sozialdemotzralie in der drillen Duma. Achtzehn Mann stark ist die Sozialdemokratie in die dritte Duma eingezogen— gewist ein schöner Erfolg, wenn man das ver- zwickte, die Arbeiter entrechtende Wahlsystem und die wütenden Ver- folgungen der Regierung berücksichtigt. ES ist der Regierung trotz aller Anstrengungen nicht gelungen, diejenigen aus der Duma zu verbannen, von denen sie mit Recht erwartete, daß sie ohne jegliche Rücksicht lind Scheu von der Dumatribüne herab die RegierungS- Politik vor aller Oeffentlichkeit brandniarken werden. Doch schwierig genug hat sich die Lage der sozialdemokratischen Fraktion gestaltet. Ein weit vorgeschobener Posten des Proletariats, mitten im feind- lichen Lager stehend, ist sie die Zielscheibe des Hasses aller Duma- Parteien, von den Gift und Galle speienden„Echt-Russen" bis zum aalglatten, sauersüß lächelnden Kadetten, der nach links und unten zwar gern als Oppositioneller, nach rechts und oben aber als „loyal" gelten möchte und daher kein Wort des Protestes findet, wenn einem sozialdemokratischen Redner von der berserkerwütigen Rechten oder den, oktobristischen Präsidenten seine Redefteiheit illu- sorisch gemacht wird. Daß diese Atmosphäre allgemeinen Hasse? und wilder Feind- schaft an und für sich schon eine ersprießliche Arbeit, eine volle Aus- Nutzung der Duma ungemein erschwert und selbst auf die stärksten Charaktere lähmend und entmutigend wirken nmß, das ist ohne weiteres klar. Dabei ist aber auch die gedrückte Stimmung im Lande, die augenblicklich gesunkene revolutionäre Tatkraft deS Proletariats nicht danach angetan, die Stimmung in der Fraktion zu heben. Er- schwörend für die gesamte Tätigkeit der Fraktion natürlich ist auch ihre geringe nilmerische Stärke. Dieser Umstand bewirkt einerseits, dast sie in vielen Kommissionen überhaupt unvertreten ist, anderer- scitS aber, dast sie ihr JnterpellationSrecht nicht voll aus- nutzen kann; denn eine Interpellation muß mindestens 3V Unter- schriftcn tragen, daher rnust die Fraktion die fehlenden 12 Stimmen bei den paar Trudowiki und parteilosen„Linken" zusammensuchen. Ungünstig ist endlich auch die Zusammensetzung der Fraktion: Die besten Kräfte, die feinsten Köpfe der Partei kamen ja als Emigranten und„Illegale" für die Wahlen überhaupt nicht in Betracht. In die erste, besonders aber in die zweite Duma kam die Elite der wählbaren Partei- genossen, die dann aber in die dritte Duma infolge des Wyborger Prozesses und des Strafverfahrens gegen die sozial- demokratische Fraktion der zweiten Duma nicht mehr gewählt werden konnten. So kommt eS, daß die jetzig« Fraktion aus Genossen bc- steht, die in der inneren Parteiarbeit als Agitatoren, Propagandisten und Organisatoren ganz vortreffliche» leisten, aber den Schwierig- ketten parlamentarischer Arbeit, besonders in der„Herrenduma", in der eine ganz besondere parlamentarische Geschicklichkeit erforderlich ist, noch nicht vollkommen gerecht zu werden vermögen. Trotzdem hat ihre sozialdemokratische Gesinnung der Fraktion in den wichtigsten Momenten des DumalebenS den richtigen Weg gewiesen. An den Präsidentenwahlen und der Adrcstdebatte hat sie sich nicht beteiligt, da ja von vorn herein fest stand, daß der oktobrisch-„echtrussische' Block den Sieg davontragen werde; anderer- seits bot aber die erwartete Regierungsdeklaration eine viel bessere Gelegenheit zu einer Prinzipienerklärung der Sozialdemokratie. Diese Erklärung sowie ihre Begründung in der Rede des Genossen PokrowSky gipfelte in der Gegenüberstellung der beiden ersten und der jetzigen Duma und in der EntWickelung deS sozialdemokratischen Minimal- Programms und präzisierte klar und deutlich die Stellungnahme der Partei zu den wichtigsten Fragen des russischen Lebens— allerdings mit einer Ausnahme: Deklaration und Begründung entbehrten beide eines Hinweises auf die Unterdrückungspolitik der Regierung gegenüber anderen Nationen, was um so wichtiger wäre, als in der Duma selbst der Nationalitätenhaß in den Reden der„Echt-Russen" und zum Teil auch der Oktobristen wilde Orgien feiert. Diese Unterlassung hat denn auch, wie nicht anders zu erwarten war, in weiten Kreisen tadelnde Bemerkungen ausgelöst. Bei den Debatten über das Finanzexpose KokowzewS schickte die Fraktion den Genossen Gegetschkori ins Tressen, der mit scharfen Worten die Finanz- und Wirtschaftspolitik der Regierung zeichnete, welche die Bevölkerungsmassen und vor allen, die Bauernschaft in den Abgrund des größten Eleds stößt. Die sozialdemokratische Resolution forderte daher Verwerfung des Budgets ohne KommissionS- Beratung. Zu erwähnen ist ferner die Stellungnahme der Fraktionen zur Verpflegungsfrage der hungernden Bauern, zu deren Ernährung die Regierung 13 Millionen Rubel als hinreichend gefordert hatte. Da einerseits die Sozialdemokratie au» leicht begreiflichen Gründen nicht dagegen stimmen konnte, andererseits aber es sattsam bekannt ist. in welcher Weise die kaiserlichen Tschinowniks die Verpflegungskampagne durchführen(siehe Gurko-Lidval-Afiäre!), so beschloß sie, sich der Abstimmung zu enthalten Wenn so die Fraktion aus den angeführten Gründen ver- hältnisinätzig wenig öffentlich auftreten konnte, so geht doch in ihren Kommissionen eine rege Arbeit vor sich. Bereits fertig- gestellt ist ein Gesetzentwurf zur Wahrung des Streikrechts; in Vorbereitung befinden sich Entwürfe über Arbeiterversicherung, Selbstverwaltung und die bürgerlichen Freiheiten. Außerdem wird — parallel mit den Arbeiten der Dumakommission— auch das Budget von unseren Genossen bearbeitet, damit bei den Debatten im Plenum eine ausftihrliche Kritik an den einzelnen Posten geübt werden kann. Ferner sind Arbeiten zur Begründung von Jnter- pellationen in, Gange: über das ungesetzliche und willkürliche Vor- gehen des Stadthauptmanns von NoworossijSk während des dortigen Hafenarbeiterstreiks, über die administrativen Verfolgungen der Gewerkschaften und über die Arbeitslosigkeit. Recht erfreulich ist es, zu bemerken, daß die Fraktion daS Ver- trauen der verschiedensten Volksschichten genießt: so haben sich außer den Petersburger und Noworosstjsker Arbeitern, die mit der Bitte um die obenerwähnten Interpellationen an die Fraktion heran- getreten sind, auch die Duchoboren(eine Sekte im Kaukasus, welche schon seit Kahren von der Regierung verfolgt lvird) mit einer ähn- lichen Bitte an die Fraktion gewandt. Sogar eine Gruppe von Postbeamten richtete an die Fraktion ein Schreiben, in den, sie bittet, sich ihrer anzunehmen und bei der Etatberatung sür eine Verbesserung ihrer materiellen Lage zu plädieren!— Die s ozialdemokratischen Abgeordneten der zweiten Duma wurden, eben weil sie Sozialdemokraten waren und sozialdemo- kransch handelten, unter Verhöhnung aller Gesetzlichkeit dem zarischen Gerichte ausgeliefert und als„Staatsverbrecher" abgeurteilt. Die jetzige Fraktion hat sich offen als Nachfolgerin jener bekannt und erklärt, deren Politik fortsetzen zu wollen. Wem, sich aber in der zweiten Duma noch darüber streiten ließ, ob die K a d e t t e n in die Auslieferung der sozialdemokratischen Abgeordneten lvilligei, würden, so besteht diesmal nicht der geringste Zweifel darüber, daß „Echtrujsen" und Oktobristen mit Wonne einem ähnlichen Wunsche der Regierung willfahren würden. Ja, es ist nicht unwahrscheinlich, daß sie bei einer bequemen Gelegenheit der Regierung gewisser- maßen zuvorkommen; sie haben eS nämlich völlig in der Hand— da sie die Mehrheit bilden— die Sozialdemokraten für fünfzehn Sitzungen, das heißt sür eine ganze Session aus der Duma auszuschließen! So hängt also die Möglichkeit eines gewaltsamen Endes ihrer Tätigkeit wie ein Damoklesschwert über dem Haupte der Fraktion. Trotzdem wird sie natürlich ohne Zagen ihre schwere sozialdemokratische Pflicht�bis zum Ende erfüllen. Der sozialdemokratische Streikgesetzentwurf lautet: Z 1. Die Arbeiter haben das Recht zum Streiken. § 2. Alle Handlungen, welche nach Uebereinkommen von zweien oder einer größeren Anzahl Arbeiter zum Schutze der wirtschaftlichen. rechtlichen und politischen Interessen auSgefiihrt werden, sind nicht strafbar, wenn sie keiner Strafe unterliegen, falls sie von einem einzelnen Arbeiter ohne Uebereinkommen ausgeführt werden. § 3. Streik und Boykott insbesondere sind nicht strafbar. Auch unterliegt keiner Strafe eine Androhung eines Streiks und Boykotts, Organisiertmg. Aufmunterung zu solchen, Anteilnahme an Berbin- düngen, welche Streiks und Boykotts organisieren, Ausstellung von Posten und dergleichen Vorbereitungen, welche zur Durchsührung des Streiks und Boykotts unternommen werden. § 4. Ungesetzliche Handlungen, welche vdn Streikenden oder anderen Personen zur Aufmunterung zum Streik ausgeführt werden oder zum Zweck der Durchführung oder Verlängerung des Boykotts, unterliegen keinen schärferen Strafen. § 5. Beamte oder Zivilpersonen, welche die Ausübung der Rechte, die sich aus der Anwendung des§ 2 dieses Gesetzes ergeben, verhindern, unterliegen einer Gefängnisstrafe bis zu sechs Monaten. Insbesondere unterliegen dieser Strafe Unternehmer oder Direktoren von Unternehmungen, welche sich verabreden, um die Teilnehmer an Streiks nicht anzustellen oder solchen Arbeitern das Auffinden von Arbeit zu erschweren. DaS Entfernen wegen Streiks wird als Verhinderung zur Ausübung des Streikrechts betrachtet. § 6. Die strasrechtliche Verantwortlichkeit für persönliches Aus- scheiden vor dem Termine aus der angenommenen Stellung wird aufgehoben. § 7. Die Arbeitseinstellung Ivegen eines Streits löst den Ar- beitsvertrag nicht auf. § 8. Bei solchen Streiks. die dadurch hervorgerufen worden sind, daß die Verwaltung des Unternehmens die allgemeinen Rechts- normen oder irgendwelche anderen Bedingungen des Arbeitsvertrages überschritten hat, erhalten die Arbeiter den Lohn für die ganze Dauer des Streiks. § 9. Arbeiter und ihre Organisationen sind sür irgend welche Schäden, verursacht durch Handlungen, die im§ 2 dieses Gesetzes auseinandergesetzt sind, nicht verantwortlich. ß 19. Gesetzesvorschriftcn. welche diesen widersprechen, werden aufgehoben. § 11. Die gegenwärtigen Vorschriften verstehen linker dem Worte„Arbeiter" alle Arbeiter und Angestellte, welche dem Lohn- vertrag unterliegen, wobei diejenigen Personen, ivelchc die Rechte des Staatsdienstes genießen, davon nicht ausgeschlossen sind. (Bei den gegenwärtigen Machtverhältnissen in der Duma ist eS selbstverständlich, daß ein solcher Entwurf auf Annahme nicht rechnen kann.)_ politifcbc deberlicbt Berlin, den 17. Januar 1908 Bergarbeiterbeschtverdcn. Aus dem Reichstage. Zwistigkciten zwischen den. Aeltesten der Knappschaften und den Werksbesitzcri, über das Knappschaftsstatut haben drei, gleichzeitig das Haus be- schäftigendc Interpellationen der Sozialdemokraten. des Zentrums und der Wirtschaftlichen Vereinigung(Anti- semitcn) veranlaßt. Die Sozialdemokratie verknüpfte mit ihrer Anfrage die Anregung zu einer Novelle zum Kranken- versicherungsgesctz. das Zentrums forderte rcichsgesctzliche Regelung des Knappschaftswcscns. Einig waren alle Interpellanten in der Verurteilung der ablehnenden Haltung der Werksbesißer gegenüber Knapp- fchaftsvertretern, wodurch das Nichtzustandekommcn des Statuts verschuldet und so der Regierung eine Handhabe zum Eingreifen gegeben wurde. Der Vertreter des Zentrums, Herr Schiffers, machte sogar auch gegen die preußische Regierung Front, weil sie die Bergarbeiteriitteressen nicht genügend wahrnehme. Indem er die preußische Berggeseßnovelle vom Jahre 1905 für ein verpfuschtes Gesetz erklärte, zog er eigentlich gegen seine eigene Partei zu Felde; denn/das Zentrum trägt die Mit' schuld an diesem preußischen �Gesetz. Namens der Sozialdemokratie sprach Genosse H n c. Er unterstrich kräftig die Versündigung des Zentrums bei der Annahme des Gesetzes und machte ihm besonders zum Vor- Wurf, daß es auch nicht geschlossen für das geheime Wahlrecht bei den Knappschaftswahlcn eingetreten sei. Das Gesetz sei so weitmaschig, daß die angebliche Kürzung der Arbeitszeit tatsächlich durch Ueberstundcn völlig ausgeglichen wurde. Die Zahl der Unfälle stieg. Ein Reichsberggesetz sei deshalb un- bedingt erforderlich. Von dem preußischen Dreiklasscn- Parlament hätten auch die Bergarbeiter nichts zu erwarten. Im einzelnen wies Hue eindringlich nach, wie sich die Lebens- Verhältnisse und damit die Lebensdauer der Bergarbeiter von Periode zu Periode verschlechtert haben. Uni so mehr müsse dafür gesorgt werden, daß das Los des Bergmanns gebessert würde, da er eine der beschwerlichsten und gefährlichsten Ar- beiten im Interesse des Gemeinwohls zu verrichten habe. Der Minister v. Bethmann-Hollweg erging sich in längeren Ausführungen darüber, daß die Bergarbeiter- frage, wie sie jetzt den Einzelstaaten überlassen sei, auch künftig am besten in deren Händen bleibe. In der Diskussion vertrat der nationalliberalc Herl Osann den Wcrksbefitzerstandpunkt. mit recht bedingter Anerkennung der Arbcitcrfordcrungen, während der konser- vative Herr v. Brockhausen in schnarrenden: Feldwebel- ton eine Lobrede auf die preußische Verwaltung hielt. Dabei verstieg er sich zu der kühnen Behauptung, daß der preußische Monarch immer die richtigen Männer aus den richtigen Platz stelle.... Den Arbeitern will dieser Junker gütigst ge- statten, sich gewerkschaftlich zu organisieren, wenn sie den königstrcuen Parteien ein Zusammenarbeiten mit ihnen er- möglichen. Ein zweiter Regierungsvertreter, der Geh. Oberbergrat Meißner, suchte Hues Angriffe aus die Regierung wegen ihrer Stellung zum Wagcnnullen(wodurch orreicht wird, daß deir Arbeitern für die betreffenden Wagen kein Lohn gczahtt wird) zu entkräften, indem er dieses Nullen für eine private Angelegenheit zwischen Unternehmern und Arbeitern erklärte. Nachdem noch der Freisinnige Dr. M u g d a n die intcr- pellicrenden Parteien unterstützt hatte, wurde die Debatte auf morgen vertagt._ Eine Frechheit. Die freisinnige Fraktionsgemeinschaft hat vor kurzem unter dem Druck der asphaltliberalen Agitation beschlossen, einen Agitationsausschuß einzusetzen, der den Mittelpunkt für die freisinnige Wahlrechtsagitation sein sollte. Wir haben neulich schon die Vermutung ausgesprochen, daß nach der Vergangenheit der Freisinnigen Volkspartci zu be fürchten stehe, daß dieser Ausschuß mehr das Skat spiel als die Wahlrechtsbewegung fördern werde. Nunmehr wird die Zusammensetzung dieses Ausschusses be- kannt. Vorsitzender ist Herr Müller-Sagau und Mitglieder sind Fisdjbeck(!), Wicmer und Pachnicke. Hier haben tvir die Antwort des Freisinns auf die Erklärung Bülows einerseits, auf die Wahlrechts- forderung andererseits. Mit a b s i ch t l i ch e m H o h n e hat mau offenbar die bcrüchligstcu, unbedeutendste» und borniertesten Reaktionäre in den Ausschuj, hincingewählt. Durch diese Wahl haben sich die Freisinnigen mit des: Regierungserklärung Bülows vollständig identifiziert. Sie ist ein S ch l a g i n S Gesicht, eine schallende Ohrfeige für alle demo- kratischen Elemente im Freisinn, deren Antwort tvohl jetzt nicht mehr verzögert tverden kann. Sie ist e i n-e freche Provokation aller Wahlrechtskämpfer, aber s i c entspricht durchaus dein bisherigen Verhalten deS Freisinns. Es wird rechtzeitig dafür gesorgt werden, daß den Herren die Betätigung der Skatleidenschaft nicht durch parlamentarische Geschäfte erschwert wird. Soweit unser Einfluß reicht, tv erden die Herren bei den nächsten Wahlen glatt hcrausge wählt werden.—___ Ein bayerischer Vorstos; gegen Bülotv. Die sozialdemokratische Fraktion des bayerischen Landtages hat folgende Interpellation zur Wahlrechtsfrage ein- gebracht: Ist der königlichen Staatsregierung bekannt, daß der Kanzler dcS Deutschen Reiches in der Sitzung deS preußischen Landtages vorn 19. Januar 1998 die Uebertragung de» Re i ch s ta g S w a h l- rechts aus einen Bundesstaat als dem Staatswohl nicht entsprechend bezeichnet und sich insbesondere gegen das geheime Wahlrecht ausgesprochen hat? Welche cnt- scheidenden Schritte gedenkt die königliche StaatSregierung im Bundesrate gegen die von Preußen ausgehende Gefährdung der deutschen Einheit und der süddeutschen Bundes st aaten zu tun?_ Freisinnige Wahlrechtsfcindschast. Mit allen Mitteln sucht die„Boss. Ztg." den Kampf um das Wahlrecht zu erschweren. Heute verteidigt sie im vornhinein die ihr wahrscheinliche Ablehnung der Beantwortung unserer Wahl- rechtsmterpellation durch den Fürsten Bülow und höhnt über die Interpellation unserer Genossen in der bayerischen Kammer. DaS Blatt schreibt: Ob sich der Reichskanzler auf die Beantwortung der Intcr- pellation im Reichstage überhaupt einlassen wird, da die>e im Grunde eine innere Angelegenheit Preußens betrifft, weiß man noch nicht. Wenn die bayerische Staatsregierimg zu der Interpellation der Sozialdemokraten in der Zweiten Kammer Stellung nimmt, wird sie schwerlich den Sozialdemokraten auf dein von ihnen betretenen Wege folgen und nahezu vier Jahr- zehnte nach der Gründung des Deutschen Reiches in dem preußische« Wahlrecht plötzlich eine Gefährdung der deutschen Einheit er- blicken wollen, lediglich(!) weil Bayern das öffentliche. Preuße» ober das geheime LandtagSwahlrecht hat. Und die Sozialdemokratie als Schützerin der deutschen Einheil! Die letzten Sätze sind völliger Unsinn. Daß in Bayern nicht daS öffentliche, in Preußen nicht das geheime Wahlrecht besteht, dürfte ja auch die„Voss. Ztg." wissen und eS sich hier immer- hin»ur um einen Druckfehler handeln. Daß aber das Blatt den Gegensatz zwischen dem gleichen, direkten und geheimen Wahl- recht in Bayern und der Dreiklassenschmach in Preußen auf den Gegensatz zwischen öffentlicher und geheimer Wahl reduziert, ist ein netreS Beispiel für die Sknipellosigkeit der freisinnigen Methode. Geradezu albern ist cS aber, daß daS Blatt die Frage des Drei- klasienwahlrechtS als eine innere preußische An- gelegenheit bezeichnet; denn damit verleugnet es die bisherige Haltung des Freisinns selbst. Die Freisinnige» haben im Reichstage für die Anträge gestimmt, die die EinWrung des gleichen Wahlrechts in den Landtagen fordern und die föderalistischen Bedenken des Zentrums gegen solche Anträge mit Recht als AuSrede bezeichnet. Der Abgeordnete Schräder hat noch im August vorigen Jahres die Absicht geäußert, inr deutschen Reichstag einen solchen Antrag, wie ihn die Sozialdemokraten bereits wiederholt und auch in dieser Session gestellt haben, einzubringen. Jetzt hat die WahlrechtSseindschaft und die Alockangst das freisinnige Lrgan schon so heruntergebracht, daß es dem Schwindel mit den föderalistischen Bedenken Vor- schub leistet. Das saubere Blatt sollte sich seine Ironie sparen. Heute ist wirklick) die Sozialdemokratie die Schützerin der deutschen Einheit geworden. Im übrigen möchten wir dem Freisinn etwas mehr Klugheit empfehlen. Wir können ihm versichern, daß die Sozialdemokratie sich die freisinnigen Kandidaten bei allen Wahlen sehr scharf ansehen und erbarmungslos alle offenen und verkappten Wahlrechtsfcinde im Freisinn durchfallen lassen wird._ Neues Steuerbukett für Leipzig. Neue Steuern für das Reich, neue Steuern für Sachsen, neue Steuern für die Gemeinden ist eine stetig wiederkehrende Mitteilung, und die Tat folgt der Ankündigung immer ziemlich schnell auf dem Fuße. Schon vor Weihnachten munkelte man in„eingeweihten Kreisen" Leipzigs vom Kommen einer Biersteuer und anderer direkter und indirekter städtischer Steuer«. Jetzt, da den Gc- meindcvertretern die Steucrvorlagcn zugegangen und der Ocffent- lichkcit bekannt geworden sind, zeigt es sich, daß die schlimmsten Befürchtungen übcrtrofsen werden. An erster Stelle marschiert die Biersteuer, die mit 65 Pf. pro Hektoliter erhoben werden und 470 000 M. einbringen soll; dann kommt die neu einzuführende Wertzuwachssteuer von 5 bis zu 20 Proz., je nach der Wcrtstcigerung, die 8— 900 000 M. betragen soll und eine Er- höhung der Besitzwechsclabgabc, aus der der Rat 200 000 Mark herausschlagen will. Taraus folgen noch zwei schöne Steuern, die die Leipziger Stadtverwaltung als auf der Höhe der Zeit stehend zeigen: Es soll eine Steuer vom Gewerbe- betrieb im Um herfahren erhoben werden und zwar von einer Wagcnladcflächc von 1 Quadratmeter 20 Pf.. 1—2 Quadrat- metcr 50 Pf., 2— 3 Quadratmeter 1 M. und über 3 Quadrat- meter Ich? M. pro Tag. Ferner ist eine Steuer in Aussicht gestellt, die von Richtbürgcrn erhoben werden soll. In welcher Höhe diese gedacht ist, wird noch nicht angegeben. Man will damit die reichen Nichtbürgcr in Leipzig zur Bürgerrechts- crwcrbung zwingen. Tie gesamten neuen Steuern sollen dem Stadtsäckcl jährlich 1 lh Millionen Mark einbringen und am 1. Juli in Kraft treten. Erst vor wenigen Wochen wurde eine 50 Millionen- Mark- An leihe beschlossen, jetzt kommt noch dieses Stcucr- bukctt hinterher! Feine Aussichten für die Steuerzahler.— Ein neuer Beitrag zur deutschen Auslieferungsschmach. Das„Volksblatt" zu Kassel teilt mit: „Ein Glasmacher in Rinteln erhielt am 2. Januar d. I. vom königlichen Landrat des Kreises Grafschaft Schaumburg folgenden Ausweisungsbefehl. „Der russische Staatsangehörige Glasmacher Karl B.... am 31. Oktober 1874 zu Oknicz— Rußland— geboren, zurzeit in Rinteln wohnhaft und daselbst als Glasmacher tätig, wird, weil er sich durch sein Verhalten als lästiger Ausländer betäligl hat, hiermit aus dem Gebiete des Deutschen Reiches ausgewiesen. Die Ausweisung erfolgt im Wege des Transportes über Hannover-Berlin nach der Reichsgrenzstation Thorn, und zwar am 15. d. MtS. mit dem 2 Uhr nachmittags in der Richtung Hannover abgehenden Zuge." gez. Ditfurth. Der Glasmacher, der sich nach der Ansicht deS Landrats Ditfurth„als lästiger Ausländer betäligte", war seit 1809 im Denlschen Reiche ansässig. Er ist ein ruhiger, arbeitsamer Mann, der sich bei seinen Arbeitskollegen des allerbesten Ansehens erfreute. Nun soll er sich dadurch„als lästiger Ausländer betätigt" haben, daß er an einer Flugblatkverteilung leilgenonnnen hat. Das ist in den Augen der Organe des preußischen Staates ein so schweres „Verbrechen", daß cS nur mir der Au S w ei sun g des ruhigen Mannes geahndet werden kann. Den Gipfel erklimmt diese ün- erhörte AuöweisungSakrion des PolizeistaateS dadurch, daß kurzer- haud diktiert wurde: Die Ausweisung erfolgt..... nach der Grenzstation Thorn.... Der lästige Ausländer wäre denmach beim Ucberschreiten der veutichen Grenze unentrinnbar in die Arme der russischen Schergen gerannt. Diese unerlaubte Art der Ausweisung ivurdc verhindert, denn als die Polizei am 15. d. M. die Ausweisung des Glasmacher» in das Land des Blutzaren voruebmeii wollte, hatte der„lästige Ausländer" den Staub der deutsche» Straßen längst von seinen Pantoffeln ge- schüttelt. Mit Hülfe von Freunden war es ihm gelungen, denjenigen Staat zu(jbmerem Aufenthalt zu wählen, den er als Zufluchtsstätte am geeignetsten hielt." Die Ausweisung hatte also eine Auslieferung werden sollen! Eine Auslieferung an die Verbrecherbande, die sich russische Regierung nennt. Deutschland ist ein Kultur- staat 1 Wer zweifelt daran!— Wieder eine Reichsverbands-Liige. Die„Deutsche Tageszeitung" bringt aus der Lügen-Korrespon- denz unter dem Titel„Ein rabiater Genosse" folgende Stelle aus der Rede des Gen. Fischer auf der Bock-Bersauunlung vom letzten Sonntag zum Ziveck der Denunziation: „Wir werden uns das Recht, aus der Straße zu demonstrieren, schon noch erzwingen I Und wenn nun doch die Sozialdemokratie plötzlich mit einer im Geheimen vorbereiteten Demonstration aus dem Plan erschiene, dann wollte ich den Mann sehen, der den Befehl gibt, auf die Kanaille zu schießen! Der Mann bliebe nicht am Leben!" Selbst dem Basilio der„Tageszeitung" ist dieses angebliche Zitat zu dumm. Denn er schreibt dazu: Wenn die Worte wirklich so gefallen sind, so grenzt eine derartige Redeweise ziemlich nahe an das, was man unter„Aufforderung zu Gewalttätigkeiten" versteht. Ja, wenn der Hund— Etwas vom„Teilen". Die„Freisinnige Zeitung" grub dieser Tage wieder ein- mal eine Berechnung Eugen Richters aus. um zu be- weisen, daß die heutige kapitalistische Gesellschaftsordnung die denkbar beste sei. Es habe immer Arme und Reiche gegeben, folglich seien die Klassenunterschiede auch nicht aufzuheben. Verteile man die Einkommen der Besitzenden auf die Gesamtheit, so erhöhe sich dadurch das Einkommen der Nicht- besitzenden nur ganz unbedeutend. Zunächst will die Sozialdemokratie nicht einfach„teile n", sondern durch sozialistische Organisation der Arbeit den Ertrag der Arbeit steigern. Aber selbst wenn / mechanisch die heutigen Einkommen geteilt würden, sühren dabei die Arbeiter so schlecht? Sehen wir einmal zu! In Preußen hatten 1W6 52L0(X) Personen wA mehr als 3000 M.Einkommen ein Rein- Einkommen von 4780 Millionen Mark. Behielte nun jede dieser 528000 Personen ein Einkommen von 3000 M., so blieben inimer noch 2628 Millionen Einkommen übrig, die unter die preußischen(Anwohner ver- teilt werden könnten, die nur b i s z u 3000 M.(Ankommen besitzen. Würde diese übrig bleibende Summe unter die 30 Millionen Einivohner Preußens verteilt, so entfiele auf den Kopf jährlich der Betrag von 73 M., also auf die fünfköpfige Familie der Jahresbetrag von 365 M. Wäre es denn so sehr vom Uebel, wenn jede Proletarier-, Handiiverker-, Klein- und Mittelbeamtenfamilie täglich 1 M. unchr verzehren könnte?! Aber sicherlich wäre noch bedeutend mehr zu vor- teilen. Wies doch die„Deutsche TageSziop" am 13. De- zember vorigen Jahres nach, daß- in Preußen allein die Steuern für 25 000 Millivucn Leihkapital hinterzogen würden. 25 Milliarden Kapitatvermögen würde aber einem Zinsgenuß, d. h. eiuem n i ch t v e r- steuerten Einkommen von 1 Milliarde entsprechen. Verteilte man auch noch diese 1000 Mllionen. so macht das pro Kopf der 36 Millionen Preußen weitere 27 M., pro Familie also 3X27— 135 M. 365+ 135 sind aber 500 M. I Bei ganz mechanischer Teilung würden also die Einkommen derer mit bis zu 3000 M. Einkommen pro fünf- köpfige Familie um mindestens 500 M. jährlich erhöht werden können! Wäre das den» so schrecklich?! Ter richtige Sckßlust. Der König von Sachsen hat noch einmal Veranlassung genommen, sei ner- Freude über den Ausfall der Reichstagswahlen in Sachsen Ausdruck zu geben. In einem Dankschreiben an die städtischen Kollegien sprach der König seine Befriedigung über die anläßlich der letzten ReichstagSwahl bekundete patriotische Gesinnung des sächsischen Volkes aus. Da der König vo» Sachsen mit dein Reichstagswahlrecht so zufrieden ist, ist sicher zu erwarten, daß er den Kampf unserer sächsischen Genossen um die Einfühnnig des Reichsrngswahlrechts in Sachsen mit allen Kräften fördern wird.— Petevsvlique. In dem Petersprozeß, der zurzeit bor dem Kölner Schöffengericht zur Bcrhandlung steht, bringt die „Rhei uisch-W e st f ä l ische Zeitung" die Anklagerede des Vertreters des Reichskommissars Dr. Peters in aller Ausführlich- kcit, in mehr als 500 Petitzcilcu. Von der Verteidigungsrede des RechtanwaltS Dr. Falk gibt sie dagegen nur etwa 30 Zeilen ivicder, und dabei in der Hauptsache nur, was Anerkennendes über daL Plaidoyer des Justizrats Sello bczw. der Jutclligcuz des Herrn Peters gesagt wurde. Es handelt sich hier aber keineswegs um einen Einzelfall., sondern regelmäßig wird aus dem Material herausgeschält, was in die alldeutsche, scharfmacherische Grundtendenz des Blattes hineinpaßt, die Auslassungen der Gegen- scite dagegen werden einfach unterschlagen.— Eine Sympathiekundgebung für die preußischen Wahlrechtskämpfer. In Eßlingen sprach am Montag in einer sehr stark besuchten Volksversammlung die Genossin Klara Zetkin über„Frauen- Pflicht im Kamps gegen die künstliche Lebensmittelverteuerung". Einleitend besprach die Reduerin de» Wahlrechtskampf in Preußen, worauf folgende Resolution einstimmig angenommen wurde: „Die am 13. Januar in Kugels Festsaal in Eßlingen tagende Volksversammlung begrüßt eS freudigst, daß das Proletariat Preußens unter Führung der Sozialdemokratie durch die Demonstration vom 9. und 12. Januar d. I. feine feste Entschlossenheit bekundet hat, mit allen ihm geboten scheinenden Mitteln in den Kamps für die Eroberung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für alle Größjährigen ohne Unterschied des Geschlechts einzutreten. Die Versammlung drückt ihre Anerkennung und Sympathie insbesondere dem organisierten Proletariat der Städte aus. allen voran Verlin, das am Sonntag auch um den Preis der Bluttaufe unerschütterlich für sein Recht demonstriert hat." Angeblicher Terrorismus. Durch einen Teil der bürgerlichen Presse geht folgender Bericht: „Am Abend des Tages, an dem von der Regierung der frei- sinnige Wahl, echtSantrag glatt abgelehnt worden war— am Freitag. den 10. Januar 1908— flocht Herr Gothcin folgende Bemerkung in seinen Vortrag: „Heute sprach mich im Reichstag Kollege Bebel an. Er sagte, daß er vom Landtag wenigstens erwartet habe, daß inan das geheime Wahlrecht gewähre: denn im Norden und Osten von Bei lin seien ja der kleine Bäcker und Fleischer durch das bestehende Wahlrecht gezwungen, sozialdemokratisch zu wählen. Und diese Leute seien doch gar keine Sozialdemokraten!" Was wird die Sozialdemokratie zu diesem Bekenntnis Bebels sagen? Vom Wahlterrorismus spricht die Sozialdemokratie doch nur im bürgerlichen Lager, während ihn Bebel zum guten Ton der Sozialdemokratie zu rechnen scheint." Dazu schreibt nns Genosse Bebel: „Ich kenne nicht den Wortlaut der Ausführungen, die der W- geordnete Gothein in der Versammlung vom 10. Januar über den Inhalt meiner Privatunterhallung an jenem Tage mit ihm gemacht hat. Die Darstellung der bürgerlichen Presse entspricht jedenfalls nicht meinen Aeußerungen.' Ich äußerte dem Abg. Gothcin gegenüber, daß die preußische Regierung ein Entgegenkommen in der Wahlrechtsfrage zeige, hätte ich selbst- verständlich nicht geglaubt; daß sie aber auch ablehne, die geheime Abstimmung einzuführen, zeige ein Matz von Beschränktheit, das ich nicht erwartet hätte. An der geheimen Stimmabgabe seien doch auch die abseits stehenden bürgerlichen Parteien ün höchsten Maße interessiert, und so hätte schon die Rücksicht auf den Block zu dieser Aenderung sühren müssen. Die Folge werde sein, daß sich dem Terrorisnms von oben— wie er bisher bei den Landtagswahlen geübt worden sei— der Terrorismus von unten entgegenstelle. Ich hätte bisher jeden Versuch, einen solchen TerroriSmnS zur Geltung zu bringen, bekämpft. Nach BülowS Erklärung sei jedoch zu er- warten, daß künftig Gleiches mit Gleichem vergolten werde. Am meisten würden darunter diejenigen bürgerlichen Elemente leiden, die nach ihrer Stellung, wie zun, Beispiel Bäcker- und Fleischermeister, in den Arbeiterquartieren meist nicht zu unS gehörte», aber dann aus Furcht vor dem Boykott sozialdemokratisch stimmen müßten- Von diesen Ausführungen nehme ich kein Wort zurück." Der Verrat militärischer Geheimnisse. Leipzig, 17. Januar. sPrivatdepesche des„Vorwärts".) Vor dem Reichsgericht wurde heute gegen den aus der Provinz Posen gebürtigen 32 Jahre alten Sck», eider Siegfried Wilhelm Michaeli unter Ausschluß der Oeffentlickkeit verhandelt. Den Gerichtshof stellte der zweite und dritte Strafsenat. Als Sachverständiger ist Major Bergmann von, KriegSministeriun, in Berlin geladen. Außer- dem noch eine Anzahl Zeugen. Der OberreichSauwalt hat beim Beginn der Sitzung nach der Aufnahme der Personalien des An- geklagten sofort den Ausschluß der Oeffeiitlichksit beantragt. Der vor seiner Verhaftung in Paris wohnhafte Schneider Michaeli soll sich in verschiedenen Städten Deutschlands in den Jahren 1906/07 an Soldaten bis zum Vizefeldwebel herangemacht haben, um ihnen MobibnachimgSpläne, Einrichtung der Fel'drelegraphie usw. zu cnt- locken. Die Kenntnis dieser Dinge hat Michaeli dam, der französischen Regierung zun, Kauf angeboten. Das Urteil lautete auf sechs Jahre Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust.— frankmeb. Eine neue„Matm"-Affärk. Paris 15. Januar.(Eig. Bcr.) Tie„Humanlte" deckt eine neue Korruptionsaffäre auf. deren Nutznießer der„Matin" ist: Während des Streiks der Elektrizitäts- arbeiter hat es dieses Blatt durchgesetzt, daß es vermittels zweier in den Kanälen(egouts) gelegter Kabel an die Stromleitung der Untergrundbahn ange- schlössen wurde! Diese Protektion dankt es dem Direktor der Uutergrundbahn-Gcscllschaft, Herrn Benard. demselben Benard, der sich kürzlich bereit erklärt hat, die vom„Matin" dem Staate aus Anlaß der Mission B l a n ch e t geschuldete Summe zu bezahle,»... Ter Scinc-Präfckt, der die Oberaufsicht über die Untergrundbahn hat, weigerte sich wohl, eine schriftliche Autori- sation zur Kabcllegung zu geben, diese aber wurde dennoch „provisorisch" vorgenommen. Der„provisorische" Zustand dauert nun schon 10 Monate! Ter unmittelbare Vorteil für den„Matin" besieht darin, daß er für den Fall eines neuerlichen Streiks der ElektrizitätLarbeitcr gesichert ist. Die Konkurrenzblättcr mögen ihr Erscheinen einstellen, c r wird nur um so bessere Geschäfte machen. Aber interessant wird es wohl auch sein, zu erfahren, um welchen Preis der„Matin" den Strom von der Untergrund- bahn bezogen hat.— Wie der Bankier Benard wird doch auch der Direktor Benard dem„Matin" gegenüber Noblesse bewiesen haben..,, Cnglanä. Tie Speisung der Schulkinder. Das englische Gesetz gibt den Gemeinden das Recht, eine Extra- steucr zu erheben, um die Speisung der Schulkinder durch ösfcut- kiche Mittel zu bewerkstelligen. Tie„Moderierten", die jetzt den Londoner Grafschaftsrat beherrschen, haben es abgelehnt, von diesem Rechte Gebrauch zu machen; sie beschränkten sich darauf, die private Wohltätigkeit durch Listensammlungen in Anspruch zu nehmen. Wie zu erwarten war, hat diese Sammlung nur geringen Erfolg gehabt. Trotz größerer Anstrengungen einer Anzahl der reichsten Leute Loudonä sind doch nur 126 000 M. für diesen Zweck zusammengekommen! Die sozialdemokratische Federation hat nun dieser Tage große Versammlungen veranstaltet. In einer Ver- sammlung in der Quecns-Hall sprachen die Genossen Blatchford, Hyndman, O'Grady, die Gräfin Marwick und andere. Es wurde als eine Schande bezeichnet, daß die reichste Stadt der Welt cS ablehnt, ihre hungeriwen Schulkinder— cs handelt sich um zirka 122 000— zu speise,» JMarokho. Nach einer Meldung aus Marrakesch hat Mulah Hasid den heiligen Krieg gegen die Franzosen proklamieren lassen. Indes sollen seine Bemühungen, auf diese Weise ein Heer zusammenzubringen, vergebens sein, die Zahl der Soldaten soll vielmehr abnehmen, da sie keinen Sold erhalten. Von General d' A m a d e ist in Paris ein telegraphischer Be- rechit eingetroffen über den Verlauf eines längeren K a m p s c s vom 14. Januar, der zur Einnahme der Stadt S e t t a t führte. Die Stadt war von der hafidischen Mahalla des Mulay Äeschid verteidigt, verstärkt durch die Schauja-Stämme, die an den jüngsten Metzeleien beteiligt waren. Da» Lager Mulay Reschids wurd- zerstört. Auf französischer Seite erlitten ein Offizier, ein Unter- offizier und dreizehn Soldaten Verwundungen. Tie Marokkaner hatten 150 Tote und 300 Verwundete. Durch das Gefecht ist die Linie Settat— Berreschid— Mediuna, die die Verbindungen Marra- kesch— Rabat beherrscht, freigeworden. In der französischen Deputierten kämm er interpellierte am Freitag I a u r ä s über die dem Genera! d'Amade erteilten Weisungen und sprach die Befürchtung aus, daß der 5lampf bei Settat als der Preis für die Stellung Frank- reichs bei Abdul Aziz angesehen werde. Die Kammer habe ein Recht, Erklärungen zu fordern, bevor Frankreich unabänderlichen Tatsachen gegenüberstehe.(Beifall aus der äußerste,, Linken.) Der Ministerpräsident Clemenqeau stellt in Abrede, daß die Regierung den General Drude zurückgerufen habe. Der Minister des Aeußern P i ch o u beantragte, die Interpellation auf den 24. d. M. zu vertagen. Die dem General'd'Amade erteilte», In- struktionen seien genau dieselben, die dem General Drude gegeben worden waren und die der Kammer gelegentlich der letzten Jnter- pellation dargelegt worden sind, nämlich: In der Gegend von Casa- blanca für Aufrechtcrhaltung der Ordnung, für die Sicherheit der Europäer, die Wiederausnahme des Handelsverkehrs zu sorgen und die Stämme zu bestrafen, die Casablanca plünderten. Der Minister teilte dann mit, daß General d'Amade gestern einem Stamme gegenüber gestanden hat, der an den blutigen Aus- schrcitungcn vom Juli beteiligt war, und daß er ihn streng bestrast hat. So werden, erklärte Pichon serner. alle mitschuldigen Stämme bestraft werden; ob sie zu Abdul Aziz halten oder zu Mulay Hasid. Wir werden unsere Ausgabe erfüllen, die darin besteht, unsere Landslcute und die übrigen Europäer zu schützen. Unsere Ma- roktopolitik wird von ollen Mächten gebilligt und hat keine Aende- rung erfahren. Die Interpellation ist durch keine neue Tatsache begründet.(Beifall.) I a u r e S erwiderte, die Regierung könnte durch die Ereignisse verleitet werden, den Generalen zu elastische Instruktionen zu erteilen. JaureL drang nochmals auf so- fortige Beratung der Interpellation, das Haus setzte aber mit 367 gegen 107 Stimmen den 2 4. Januar, wie die Regierung be- antragt hatte, für die Beratung der Interpellation fest. Eue der Partei. Parteiliteratur. Im Verlag von I. H. W. D i e tz N a ch s. in S t u tt g a r t sitto soeben nachstehende Novitäten erschienen: Die Tarifverträge und die deutschen Gewerkschaften. Von Adolf Braun. Preis gut gehestet 75 Pf., in Leinwand gebunden 1 M. Vereine erhalten bei direkter Bestellung eine wesentliche Preisern, äßigung. ES fehlte bisher an einer vom Standpunkte der modernen Ge- werkschaften geschriebenen, leicht verständlichen und für die Agitation verwertbaren Schrift über das Wesen und die Bedeutung der Tarif- Verträge. Diese Lücke in unserer Literatur versucht die vorliegende Arbeil auszufüllen: eö erscheint um so dringlicher, als wir eine große Zahl von Arbeiten aus anderen Lagern über die Tarifverträge besitzen. Man ersieht hieraus das starke Bedürfnis, sich über Wesen und Bedeutung der Tarifverträge zu unterrichten, um sich für die Kämpfe der Arbeiter un, Tarife zu wappnen und die beste Ver- tretung der llnternehmerinteressen zu sichern.— Möge die Braunsche Schrift, die sich die Aufgabe stellt, den Ärbeiterinteressen zu dienen, freundliche Aufnahme finden. Geschichte des Sozialismus in Frankreich. Von Paul Louis. Aus dem Französischen übertragen und mir Anmerkungen versehen von Hermann Wendel. Preis broschiert 2,50 Mark, gebunden 3 Mark. Der Uebersetzcr sagt über das Buch in seiner Vorrede u. a: „Mit der Uebertragnng dieses Buches glaube ich einem Be- dürfnis eutgegenzukommeii. In der Tat verfolgt das, deutsche klassenbewußte Proletariat den Vormarsch der sozialistischen Arbeiter FraiikreickiS mit einer Anteilnahme und einer Spannung, wie den keiner anderen proletarischen Partei. Daß dieser Anteilnahme nicht tti allen Fällen die Sachkenntnis entspricht, liegt einmal an den durchaus nicht einfachen und klaren Verhältnissen des französischen Sozialismus, wie auch daran, daß eine zusammenfassende Dar- stellung der politischen Arbeiterbewegung Frankreichs in deutscher Sprache nicht existierte. Ein Buch, das die Wurzeln und Ver- zweigungen des französischen Sozialismus bloßlegen will, dürfte also wohl willkommen sei», „Möge die Übersetzung dazu beitragen, die Bande inter- nationaler Waffenbrüderschaft zwischen der deutschen und der ftanzösischen Arbeiterklasse, die durch ein paar bunte Grenzpfähle ge- trennt, aber durch eine ganze Welt verbunden sind, noch enger zu knüpfen." Die Philosophie Spinozas. Von I. Stern. Dritte, stark verbesserte Auflage. Preis broschiert 1,50 M,, gebunden 2 M. Die ununterbrochene Nachfrage nach diesem Buch hat den Ver- fasser zu einer gründlichen Durchsicht des Textes veranlaßt. Dabei ist eine Reihe von Verbesserungen und Erweiterungen angebracht worden, wodurch das Buch, das ein geschlossenes, philosophisches System auf der Grundlage des Spinozismus und zugleich eine Er- läuterung des letzteren darstellt, allgemein verständlicher und leicht lesbar geworden ist._ Bildnngsbestrebunge». Im Gau S ü d b a y e r n ist kürzlich eine Wanderbücherei mit dem Sitz in München inS Leben gerufen worden. Sie besteht aus wissenschaftlichen, Unterhaltungs- und Jugcndschriften. Es werden jedesmal 1b bis 12 Bücher, aus den verschiedensten Gebieten zu- sammengestellt, als Postkistchen versandt. Genaue Fragebogen sollen ermöglichen, die Reihen nach Wunsch und Bedürfnis zusannnenzu- stellen. Die Leihfrist ist für jede Sendung auf höchstens 8 Wochen festgesetzt. Die Entleihung ist kostenlos. Ein Sozialdemokrat zur Stadtratswahl vorgeschlagen. Das Stadtverordnetenkollegium zu Dresden hat neben einem zweiten Bürgermeister auch noch je einen besoldeten und unbesoldeten Stadt- rat zu wählen an Stelle des verstorbenen Landragsabgeordneten Kuuath. Der Wahlausschuß des Kollegiums schlägt nun neben zwei bürgerlichen Kandidaten auch den Kassenbcamten Genossen Krüger I offiziell Mit vor. Das ist natürlich nur Heuchelei, denn daß unser Genosse auf sich nicht mehr als die sozialdemokratischen Stimmen vereinigt, ist eine ausgemachte Sache. Den Austritt aus der Partei haben die drei„sozialdemokratischen Gcmeindevcrtreter Kuhn, Haft und Feller zu Eschersheim erklärt. Sie hatten durch ein ganzes Bündel von Stegmüllereien die Partei kompromittiert, so daß ihnen Genosse Zielowski in öffentlicher Bürgerversanrmlung attestieren mußte, daß sie vom sozialdcmokra- tischen Kourmunalprogramm keine Ahnung haben. Dieses Zeugnis hat die Herren zu ihrer Erklärung bewogen. Die Konsequenz zu ziehen und ihre Mandate niederzulegen, das haben sie nicht fertig gebracht. Die Eschcrsheimer Genossen erklären in der„Frankfurter Volksstimme", daß sie den dreien keine Träne nachweinen. Besser wäre gewesen, sie hätten diese unsicheren Kantonisten nicht zu ihren Vertretern bestellt. Ein eigenes Heim wird die Arbeiterschaft in Ronneburg zum 1. Februar beziehen. Die vereinigten Gewerkschaften haben das Parteilokal Fürstenkellcr zum Preise von 69 000 M. käuflich erworben. Das Grundstück soll als Gewerkschastshaus in eine Ge- nossenschaft mit beschränkter Haftpflicht umgewandelt werden. Der Befitzivechsel wird am 1. Februar vollzogen. Personalien. Genosse G o ß l e r scheidet aus der Redaktion der „Oberfränkischen V o l k s z e i t u n g" zu Hof auS und übernimmt die Leitung der Oberfränkischen Genossenschaftsweberei LippcrlS sSitz Hof). Die„Oberfränkische Volkszeitung" sucht des- halb für fofort oder spätestens bis zum t. April einen tüchtigen iZokalredakteur.__ Klassenjustiz in Schweden. Während des jetzt fast ein Jahr lang dauernden Kampfes der Hafenarbeiter von Norrköping gegen den Versuch, ihre Arbeits- gcnossenschaft durch eine Ausbeutergesellschaft zu vernichten, brachte die fozialdemokratische Zeitung„Oestergötlands Folkblad" einige Zeilen über ein vom Unternehmertum eingerichtetes Streikbrecher- lokal. Das führte zu einer Anklage wegen Prrßvcrgehens, und am Sonnabend hat nun Norrköpings Rathausgcricht den verantworte lichcn Redakteur Anton Andcrsson zu nicht weniger als einem Jahr Gefängnis und zu 4500 Kronen Schadenersatz ver- urteist! Für Beleidigung des Lokalinhabers soll er vier Monate sitzen, für Beleidigung der vier Aufwärterinnen je zwei Monate. Nur dadurch, daß man aus der Sache fünf Anklagen machte, konnte man zu dem hohen Straftnaß kommen. Sonst ist die höchste Strafe für derartige Vergehen sechs Monate. Das Norrköpings Rathausgericht ist übrigens wegen seiner harten Klassenurteile bekannt. Es war dieses selbe Gericht, das vor ungefähr einem Jahre den Genossen Sundström seines antimilitaristischen Flug- blattes wegen zu einem Jahre Strafarbeit verurteilte. Die Strafe wurde dann allerdings von der höheren Instanz auf sechs Monate herabgesetzt. Voraussichtlich wird auch das jetzt gefällte Klassenurtcil nicht die Billigung der höheren Instanz finden. polizelUcbes, Gerichtliches iifw. Kleinkrieg. Die sozialdemokratische Bewegung im Wahlkreise Eleve-Geldern hat einen fortwährenden Kleinkrieg mit der Behörde zu führen. Im ganzen Wahlkreise steht unseren Genossen nicht der kleinste Raum zu einer Versammlung zur Verfügung. Die Lokal- inhaber fürchten den Boykott des katholischen Klerus und die Auf- merksamkeit der Behörde, Unsere Genossen sind daher auf die schriftliche Agitation, Flugblatt- und Broschürcnverteilung angewiesen. Nicht genug, daß sie dabei mit einer fanatisierten katholischen Land- bcvölkerung zu tun haben, die die Flugblattverteiler oft mit den Hofhunden empfängt, sie müssen auch gewärtig sein, daß stets einige der ihrigen verhaftet und ihnen das Agitationsmaterial ab- genomnien wird. Vor einigen Tagen erdreistete sich ein Polizeibeamter in Goch sogar, einem in einer Restauration anlvescnden Genossen Agitations- kalender aus der Tasche zu nehmen. Um nun dem Manne zu zeigen, daß die Sozialdemokraten noch nicht ganz vogelfrei sind, ist gegen ihn wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt Strafantrag gestellt, Wie gesetzeskundig die Behörde im allgemeinen in dem Kxeise ist, zeigte dieser Tage eine Verhandlung vor dem Schöffengericht in Goch. Zwei Genossen waren angeklagt, Flugblätter von Haus zu Haus verteilt zu haben, ohne im Besitz einer polizeilichen Erlaubnis zu sein. Ein Gendarmeriewachtmeister bekundete als Zeuge, daß er die beiden Uebeltäter erwischt habe. Der Bürgermeister von Goch, der als Amtsanwalt fungierte, beantragte für jeden der Angeklagten 20 M, Geldstrafe und zwar auf Grund des preußischen Preß- gesetzes,§ 10. Es mußte dem Herrn von der Verteidigung gründlich klar gemacht Werden, daß eine polizeiliche Erlaubnis zur Verteilung von Flugblättern von Haus zu HauS gar nicht nötig ist und daß der angezogene Paragraph in diesem Falle nicht anwendbar sei. Neben- bei fielen noch einige sarkastische Hiebe für die Staatsanwaltschaft, die eine solche unsinnige Anklage erhoben. Schnell eilte darauf der Gendarm noch einmal als Retter herbei; er wollte gesehen haben, daß ein Angeklagter die Flugblätter von der Straße in einen Hausflur geworfen habe, so daß die Verteilung also eine öffentliche gewesen sei. Schließlich mußte der Ordnungs- Wächter aber zugeben, daß er selbst nichts gesehen habe, ihm sei nur eine Mitteilung von anderen Personen gemacht worden. Der Richter hielt es noch nicht einmal für nötig, den Gendarm wegen der sich völlig widersprechenden Aussagen Vorhaltungeu zu machen. Das Gericht kam notgedrungen zur Freisprechung. Vielleicht hat die Ver- Handlung das Gute, die Polizei etwas mehr an das Studiuni der Gesetze zu gewöhnen, damit unsere Genossen nicht mehr unter fortwährenden Drangsalierungen durch gesetzesunkundige Beamte zu leiden haben.__ Äerantw. Redakteur: HanS Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.: Redakteurfreude». Eine dreiwöchige Gefängnisstrafe trat an, Donnerstag Genosse Albert in Breslau im dortigen Straf- gefängnisse an. Er soll in der„Volkswacht" ein paar Steiger, die in der Grube hurrapatriotische Agitation gegen den Reichstags- abgeordneten Genossen Sachse getrieben, beleidigt haben. Soziales. (Siehe auch 1. Beilage.) Haftpflicht deS Hausbesitzers für«in morsches Treppengeländer. In dem Grundstück eines Hausbesitzers L. der Reinickendorfer Straße zu Berlin führt eine Treppe vom 4, Stockwerk nach dem Trockenboden. Diese Treppe hatte eine Zeitlang ein mangelhaftes Treppengeländer: dasselbe war durchmorscht und nicht standhaft. L. will deshalb auch schon einen Tischler mit der Reparatur be- auftragt haben. Ehe dieses aber ausgeführt wurde, kam die in dem Hause des L. wohnende Frau Bittner dadurch zu Unglück, daß sie sich am 15. September 1905 auf der Treppe einige Stufen unter- halb des Trockenbodens über das Geländer derselben beugte, um sich dadurch zu überzeugen, ob das von ihr gehörte Klingeln durch jemand, der zu ihr wollte, an ihrer Wohnung verursacht wäre. Sie wollte durch das Hinuntersehcn über das Geländer Zeit sparen, um nicht die ganze Treppe vom Wäscheboden bis zu ihrer Wohnung herabsteigen zu müssen. Nach der Tatbestandsfeststellung des Kammergerichts mußte das Ueberbeugen soweit geschehen, daß die Frau das Obergewichk bereits verloren hatte und einen Halt im Geländer suchte. Bei diesem Versuch, nach ihrer Wohnung zu sehen, brach das Geläsder plötzlich ab und Frau B. fiel bis auf den Flur ihrer Wohnung. Infolge der entstandenen Schädigungen an ihrem Körper und ihrer Gesundheit machte die Verunglückte Schadensersatzansprüche gegen den Hauswirt geltend, da er als Vermieter für die ordent- liche Instandhaltung der Räumlichkeiten zu sorgen hätte. Der Bc- klagte bestritt, daß das Holz des Geländers bereits durchmorscht gewesen wäre und berief sich auch darauf, daß er dem Tischler bereits Auftrag zur Reparatur gegeben hatte. Das Landgericht Berlin entschied dahin, daß der Klägerin wie dem Beklagten an dem Unfall ein Berschujden treffe, daß jedoch das Verschulden der Klägerin infolge ihrer Unvorsichtigkeit größer sei und diese deshalb zu Dreiviertel, der Beklagte zu Ein- viertel den Schaden zu tragen habe. Es erkannte darum die Schadensersatzansprüche der Klägerin nur zu 25 Proz. für gerecht. fertigt an. Auf die Berufung der Klägerin urteilte das Kammer- gericht in umgekehrtem Sinne und sprach der Klägerin 75 Proz. als Ersatz des Schadens zu. In der Begründung heißt es, daß der Vermieter cin-s Wohnhauses auch für dessen ordnungsmäßige Instandhaltung und gefahrlose Benutzung zu sorgen habe. Wenn die Reparatur vorgenommen werden sollte und der Tischler zögerte, so hätte der Beklagte und sein Verwalter den Tischler daran er- innern und auf die Abstellung des Mangels dringen müssen. Allerdings treffe auch die Klägerin ein Mitverschulden an dem Unfälle, da sie den mangelhaften Zustand des Treppengeländers kannte. Da sie jedoch in der Eile gehandelt habe, um die Tür ihrer Wohnung zu sehen, so sei ihre Unachtsamkeit so weit zu ent- schuldigen, daß sie gegenüber dem Verschulden des Beklagten nicht mehr als ein Viertel ausmache. Die vom Beklagten gegen das kammcrgcrichtliche Urteil eingelegte Revision hatte keinen Erfolg und wurde vom 3. Zivil- scnat des Reichsgerichts zurückgewiesen. Hohe Gehälter für die oberen Beamten— Abfälle für die Arbeiter. Angesichts der Tatsache, daß die StaatSarbeiter in Bayern bei der Lohnaufbesserung"ur ein Almosen und zum Teil gar nichts bekamen, griff unter ihnen eine starke Erbitterung Platz. Um den Staatsarbeitern zu beweisen, daß für sie sein Herz ganz besonders warm schlägt, veröffentlicht der baverische Verkehrsministcr nun eine spaltenlange Vorschrift, daß die Abfälle an Holz in den Staatsbetrieben in erster Linie an die schlcchtest Bezahlten— verkauft werden sollen.— Keine Lohnzulage, aber Abfälle. Staatliche Sozialpolitik l_■ Terrorjsmus einer Eisenbahuverwaltung. Ein unglaublicher Terrorismus gegen Arbeiter gelangte durch eine Verhandlung vor dem Gewcrbegericht in Dresden an die Oeffcnllichkeit. EL klagten hier zwei bei der Fuyrwerksgesell- schaft Schiffner u. Co. beschäftigte Arbeiter auf Rückzahlung von 2.25 M. und 1,00 M., welche Beträge den Klägern vom Lohn als Strafgelder abgezogen worden waren! Das interessanteste bei der ganzen Angelegenheit ist, daß die Strafen nicht vom Unternehmer. sondern von der sächsischen Eisenbahnverwaltung über die Arbeiter verhängt wurde». Das Verhältnis der Firma Schiffner u. Co. zur Eisenbahnverwaltung besteht darin, daß diese Frachtgüter für die letztere verladet. Ein Vertrag, welchen die Eisenbahnverwaltung mit der Firma abgeschlossen hat, enthält einen Passus, wonach die Eisenbahnverwaltung sich für berechtigt hält, die Arbeiter zu bestrafen. Die über Arbeiter verhängten«trafverfügungen wurden diesen amtlich zugestellt und durch die Firma eingetrieben. Im vorliegenden Falle sind die Arbeiter wegen nicht Ausführens von Ucbcrstunden bestraft worden. Vom Bodenmeistcr der Bahnver- waltung wurde den Arbeitern bekannt gegeben:„Wer keine lieber- stunden macht, wird bestraft." Die Klager machten keine Uebcr- stunden und erhielten dafür eine Strafe von je 1 M.! Bald darauf wurde bekannt gemacht:„Wer keine Neberstunden macht, erhält eine höhere Strafe." Einer der Kläger machte wieder keine Ueber- stunden und die Folge war 1,25 M. Strafe! vom Lohn abgezogen. Mehrere ebenfalls bestrafte Arbeiter unterwarfen sich den Straf- Verfügungen, während sich die beiden Kläger nicht der Strafe unterwarfen. Das Gcwerbegericht verurteilte die Beklagte zur Rückzahlung der vom Lohn abgezogenen Strafgelder, indem es ausführt, daß die Eisenbahnverwaltung nicht befugt sei, die Arbeiter zu bestrafen, da diese Angestellte der Firma sind. Die Lohnabzüge sind somit unzulässig und zurückzuzahlen._ Zum Aerztekonflikt in Döhlen. Das offizielle Organ des streitbaren Leipziger Aerzteverbandes, die„Acrztlichen Mitteilungen" vom 10. Januar, bringen eine längere Darlegung über den Döhlcner Aerztekonflikt, in' dem sie sich krampfhaft bemühen, die Darstellung des„Vorwärts" über diese Angelegenheit als ein„völlig entstelltes Bild" hinzustellen. Tatsächlich widerlegt die ganze dann von den Aerzten gegebene Darstellung des Leipziger ärztlichen Organs auch nicht eine der im „Borwärts" aufgestellten Behauptungen. Das Elaborat hat offensichtlich nur den Zweck, den Arzt, der herausgebissen werden soll, als„Sozialdemokraten" den Behörden zu empfehlen. In der ganzen Angelegenheit handelt es sich aber tatsächlich nicht um den Arzt, sondern um das Selbstverwaltuiigsrccht des Kassenvorstandes, das die honorigen Aerzte im Plauenschen Grunde mißachteten. Ihnen war die freie Arztwahl, für die sie sonst wie die Löwen kämpfen, hier nicht angenehm, weil ein junger Kolloge die Früchte davon erntete und die alteingesessenen Aerzte in den Mond guckten. Das sind die Folgen der freien Arztwahl, wie sie sich auch bei anderen Kassen: München, Köln usw. zeigen. Der Kassenvorstand hatte die Aufhebung der freien Arztwahl abgelehnt, nicht aus Liebe zu dem einen, im übrigen wegen seiner Tüchtigkeit und Hülfsbereitschaft beliebten Arzt, sondern weil bei einer Betriebs- trankenkasse ein anderes System für die Arbeiter gewisse Gefahren in sich birgt. Die Behauptung der honorigen Aerzte in der Leipziger Streit- schrift. der von ihnen bekämpfte Arzt hätte beabsichtigt, seine Kollegen von der Bearztung der Kassenmitglieder des Döhlener Werkes vollständig zu elimieren, ist vollständig aus der Luft ge- griffen. Selbstverständlich mußte der Arzt, als sein Patientcnkreis so groß wurde, daß er ihn nicht allein bearzten konnte, sich nach Assistenz umsehen, und hat das auch getan, wie viele seiner Kollegen auch, ohne daß ihnen deshalb„mchtstandeswürdiges Benehmen" vorgeworfen würde._ CHT Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Die ganze Geschichte ist eben nichts weiter als Nasser Neid auf einen vielbeschäftigten und beliebten Kollegen. Man schwenkt den roten Lappen, um den Arzt nach oben anzuschwärzen. Ein ebenso beliebtes wie verwerfliches Mittel gewisser Kreise, wenn sie sachlich keinen Grund für ihr ungewöhnliches Verhalten vor- bringen können._______ 6ewerhrcbaftlicbc8s Berlin und Qbngegend. Die EiuigungSfrage bei den Fliesenlegern. Am Donnerstag nahm eine Versammlung des Ortsverems der Freien Vereinigung der Fliesenleger und Hülfsarbeiter Stellung zu der Einigungsfrage. Der Referent Puttlitz besprach die Vor- geichichte der Eimgungsbewegung und führte aus: Die Fliesenleger standen anfangs auf dem Standpunkt, daß sie ohne Zustimmung des Kongresses der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften sich nicht für Einigungsverhandlungen erklären könnten. Inzwischen haben aber die Zimmerer und die Maurer sich für den Anschluß an die Verbände entschieden, so daß also die Einigungsfrage für die Fliesenleger in ein anderes Licht gerückt worden sei. Das Anwachsen der Unternehmer- organisatton sowie das Entstehen unternehmerfreundlicher Arbeitervereine mache die Einheitlichkeit der klassenbewußten Gewerkschafts- organisationen zur Notwendigkeit. Auf eine erneute Anfrage des Parteivorstandes habe die Leitung der Fliesenleger geantwortet, daß sie erst nach Abschluß ihrer Lohnbewegung zu der Frage Stellung nehmen könne. Dieser Zeitpunkt ist jetzt gekommen. Eine Resolution, die sich für Eintritt in Einigungsverhandlungen erklärt, sei bereits von 14 Ortsvercinen— der größten Mehrzahl derselben— an- genommen worden. Jetzt habe sich der Berliner Ortsverein als letzter über diese Angelegenheit zu entscheiden. Der Redner legte die nachstehende Resolution vor, die nach kurzer Besprechung ein- stimmig angenommen wurde. „Anerkennend, daß ein einiges und geschlossenes Handeln auf gewerkschaftlichem Gebiete sehr im Interesse der Arbeiterschaft liegt, erklärt sich die Versammlung, der Anregung des Vorstandes der sozialdemokratischen Partei folgend, damit einverstanden, daß der Vorstand unserer Vereinigung an etwa stattfindenden Einiguugs- Verhandlungen teilnimmt. Jedoch lehnt eö der Berein ab, für sich allein in Einigungsverhandlungen zwecks Verschmelzung mit oder Anschluß an andere Organisationen einzutreten, um die Einheitlich- keit unserer Gesamlvereinigung auch in dieser Frage zu wahren. Die Versammlung beauftragt unsere Vertreter, bei den Verhandlungen die bisherige Tendenz uuierer Organisation sowohl als auch das Be- stimmungsrecht der Fliesenleger resp. Hülfsarbeiter über ihre speziellen beruflichen Angelegenheiten in wirksamer Weise wahrzunehmen, weil insbesondere letzteres, durch die eigenartigen Verhältnisse unseres Be- rufes eine unbeoingte Notwendigkeit ist und deshalb statutarisch garantiert werden muß. Der Vorstand ist jedoch nicht befugt, selbständig endgültige Abmachungen zu treffen, sondern hat das Ergebnis der Verhandlungen den Ortsvereinen durch Zirkular zur Beratung zu übermitteln. Ist dies geschehen, so ist umgehend die 6. Konferenz der Fliesenleger und Hülfsarbeiter Deutschlands ein- zuberufen, welche für uns den endgültigen Entscheid w der Einigungsfrage zu treffen hat." Eine gelbe Größe. Herr Meinkc, der berühmte ehemalige Arbeitsvermittler der Tischlerinnung und Gründer des gelben Vereins der Holz- arbeiter wurde von einer am 16. d. M. stattgeftmdenen Versammlung der Gelben wegen Unregelmäßigkeiten in der Geschäfts- und Kassenführung seines Amtes als Vorsitzender und Arbeitsvermittlcr des gelben Vereins enthoben. Seiner Amtsentsctzung gingen turbulente Szenen voraus. Seinen Gepflogenheiten folgend, wollte er in dieser Versammlung wieder einmal einige Mitglieder, die ihm etwas ku scharf auf die Finger sahen, an die Luft setzen mit dem Hinweis, daß diese Leute als„sozialdemokratische Verbändler" nur spionierten. Der bei den Mitgliedern des Vereins schon längst schlummernde Verdacht gegen Meinke bekam durch das gewalttätige Vorgehen des M. neue Nahrung. Sic ließen die Ausweisung trotz der von M. requirierten Polizei nicht zu und kamen im weiteren Verlauf der Raufereien mit dem Vorstand zu dessen Entsetzung. Schließlich wollte M. noch ein Vereinsbuch verschwinden lassen, das ihm aber auf Veranlassung von Mitglieder» von einem Polizei- beamten wieder abgenommen wurde. Eine Revisionskommission soll das Geschäftsgebaren Meinkes prüfen und ihn eventuell ge- richtlich zur Verantwortung ziehen. Nach Schluß der Versammlung rauften sich die Gelben noch zum Vergnügen untereinander. In der Magnesia-Kompagnie(Jnh. Silberstein), Wilmersdorf, Kaiser-Allce 19 und Aschaffenburger Straße 25, ist es wegen Akkordreduzierungcn zum'Tdilaüsstand gekommen, und dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach eine Uebertragung des Abzuges auf alle dort Beschäftigten erfolgen. Wir ersuchen, jeden Zuzug strengstens fernzuhalten. Die Organisationsleitung Deutsches Reich. Der Kampf in der sächsischen Wirkerbranche verschärft sich immer mehr. Bekaffntlich sind in G o e n s d o r f die Arbeiter in drei Fabriken wegen einer Lohnreduktion bis zu 20 Proz. in den Streik getreten. Die Unternehmer nannten die Lohnrcduktion Lohnregulicrung. Sic hatten nämlich auch auf einzelne Artikel minimale Aufbesserungen des Lohnes gemacht. Wie aber die„Lohnregulicrung" aussieht, beweisen die Lohndifferenzen, welche die Arbeiter der Firma Dresse! in einer Woche gegen früher gehabt haben. Unter der Geltung des neuen Tarifes erhielten 36 Arbeiter zusammen 121,75 M. weniger als früher und 5 Arbeiter 1,95 M. mehr an Lohn. Man sieht, die Herren Unternehmer machen mit dieser„Lohnregulicrung" ein sehr gutes Geschäft. Den Streik be- antworteten die Unternehmer zunächst mit der Aussperrung der Arbeiter der in Goensdorf noch vorhandenen vierten Fabrik. Im ganzen liegen 410 Arbeiter und 154 Arbeiterinnen auf der Straße. Jetzt übertragen die Unternehmer den Kampf noch auf andere Orte. Eine Errungenschaft der Lohnbewegung der letzten Jahre war die Einführung von Arbeitcrausscküssen. So lange die Konjunktur günstig war, wurden die Ausschüsse respektiert. Jetzt glaubt man mit der unbequemen Vertretung der Arbeiter in der Fabrik auf- räumen zu können. Die Firma Günther und Drechsel in Meiners- darf und die Firma Eger u. Richter in Thalheim haben zusammen 19 Personen gekündigt, unter ihnen befindet sich in beiden Fällen der gesamte Arbeiterausschu�. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Unternehmer nach einem bestimmten Plane handeln. Sie lassen nichts unversucht, um ihren Zweck, die beabsichtigte Lohn- reduktion. zu erreichen. Unter solchen Umständen muß der Kampf immer größere Dimensionen annehmen. Die Lohnreduktionen im Bergbau. sind durch eine Meldung des Wokffschen Bureaus in Abrede gestellt worden. Auf den Stinncsschen Gruben werden aber die Löhne trotz aller Dementis immer weiter reduziert. Den Heuern ist eine weitere Lohnreduktion für den 1. Februar angekündigt worden. Am Schichtlohn sind nochmals 25 Pf. gebrochen, vom 1. Februar soll der höchste Schichtlohnsatz 4,50 M. betragen. Letzte JVachnchten und Depefcbea Erstickt. Nuiuuccg, 17. Januar.(B. H.) In Blindeuham(Oberpfalz) fanden zwei Hammerschmiedegesellen, die eine unheizbare Kammer mit einem Kohlenfeuer erwärmen wollten, während des Schlafes den Erstickungstod. Maul SingeröcCo., Berlin SW. Hierzu 3 Beilage» u. Unterhaltongsblatt Hr. 15. 25. 1 KeilM des ,Hwiir!s" Kerliiitr NsüssdlÄ Zomiabelld. 18. Intiifftr 1908. Reichstag. 82. Sitzung vom Freitag, den 17. Januar. 1 Uhr nachmittags. Am Bundesratstisch: V. Bethmann- Hollweg. Auf der Tagesordnung stehen die Interpellationen betr. Regelung des Knappschaftswesens. Interpellation Albrecht und Genossen(Soz.): „Die Unterzeichneten richten an den Reichskanzler die An- frage, ob er eine Novelle zum Krankenversicherungsgesetz vorzu- legen gedenkt, welche die Verhältnisse im Knappschaftswesen in einer für die Arbeiter befriedigenden Weise regelt." Interpellation(Äiesberts, Wiedcberg, Schiffer(Z.): „Sind dem Reichskanzler die Schwierigkeiten bei der Ein- führung des Knappschaftsstatuts im Oberbergamtsbezirk Dort- mung sowie das endgültige Scheitern eines Statuts und infolge- dessen des Anschlusses an den Rückversichcrungsvcrband bekannt? Gedenkt der Reichskanzler baldtunlichst einen Gesetzentwurf zwecks einheitlicher rcichsgefetzlichcr Regelung des Knappschafts. wesens vorzulegen?" Interpellation Behrens, Äölle, Linz(Wirtsch. Vg.): „Sind dem Herrn Reichskanzler die sehr erheblichen Schwierigkeiten bekannt, welche sich bei der Durchführung der Knappschaftsreform im Oberbergamtsbczirk Dortmund ergaben und die zur Ablehnung des Statuts führten? Sind weiter dem Reichskanzler die im Knappschaftswesen überhaupt vorhandenen, völlig ungenügenden Zustände bekannt, unter welchen die Invaliden. Witwen und Waisen der Bergleute zu leiden haben? Ist der Reichskanzler bereit, noch in dieser Session zur Ab- hülfe dieser Uebelstände dem Reichstag einen Gesetzentwurf vor- zulegen?" Die Interpellation des Zentrums begründet Abg. Schiffer CZ.): Die Bezüge der invaliden Bergleute aus den Knappschaftskassen sind vollkommen ungenügend. Als die' Bergleute nach ihrem grossen Kampfe vor zwei Jahren die Arbeit wieder aufnahmen, setzten sie ihr Vertrauen auf die preussische Regierung. Dies Vertrauen hat sie getäuscht; die Gesetzesvorlage der preussischen Regierung war völlig ungenügend und ist von der reaktionären Mehrheit des preussischen Abgeordnetenhauses noch verschlechtert worden. Die Arbeit des Bergbaues ist in dem Jahrzehnt von 18S8— 1905 immer ruinöser geworden. Die Zahl der Unfälle stieg in dieser Zeit um 20 Proz., die der Krankheits- fälle von 50 Proz. der Belegschaft ans 02 Proz.. die Zahl der Er- krankten stieg um 84 Proz., die der Krankhcitstage um 101 Proz., 'während die Belcgschaftsziffer nur um 48 Proz. wuchs. Im Ge- biete des Allgemeinen Knappschaftsvereins weisen die Zahlen noch schlimmere Verhältnisse auf. So sank das Lebensalter der Berg- leut« von 18,0 auf 43,0 Jahre! Es kann hier nicht verschwiegen werden, dass an der Verkürzung der Lebensdauer, an der Ver- mehrung der Krankheits- und Unfälle der Umstand wesentlich Schuld trägt, dass die preussische Regierung und der preussische Landtag nichts Wescnlliches auf dem Gebiete des Bergarbeiter- schutzes getan haben. Die Knappschaftskassen im Saarrevier, wo staatlicher Bergbau herrscht, erhalten vom Staat höhere Beiträge als im Ruhrrevier von den Arbeitgebern; im Ruhrrevier bleiben sie weit hinter denen der Arbeiter zurück; daher sind die Kassen im Ruhrrevier auch viel weniger leistungsfähig. Die Bergwerks- besitzer können sich wahrhaftig über eine zu grosse Belastung für Versicherung der Arbeiter nicht beklagen, während ihre Gewinne ganz ausierordrntlich hoch sind. Viele KnappschaftSkassen sind nicht mehr lebensfähig: deshalb hat nun die preussische Regierung im Jahre 1900 eine Vorlage betr. das Knappschaftswcscn eingebracht. die ja einige Verbesserungen bringt.„Die Mehrheit des Landtages hat diese Novelle»um KnappschastSgesetz in gleicher Weise verschlechtert, wie im Jahre vorher das Berggesetz." In dieser Frage stehen die Bcrgarbeiterverbände aller Rich- tungen zusammen. Sie verlangen eine reichsgesctzliche Re- gelung der Materie, die auch im Interesse der Bcrghcrren selbst liegt. Dass der preussische Landtag etwas Brauchbares schaffen wird, glauben sie nicht; dieser hat die Berggesetznovelle im Jahre 1905>o verschlechtert, dass die Regierung ihren gerupften Vogel kaum wieder erkannte.(Heiterkeit.) Zum Reichstag und zum .Bundesrat haben wir mehr Vertrauen. Hat doch der Reichs- kanzler, wie man sagt, am 20. Januar vorigen Jahres, am Tage nach den Wahlen, dem Kaiser geantwortet, als er ihn fragte, wie es mit der Fortführung der Sozialreform gehalten werden solle: Run erst recht! Möge er dies Wort wahr machen.(Beifall im Zentrum.) k... Zur Begründung der Interpellation Albrccht vnd Gen. lSoz.) erhält das Wort Rleüies f eirillcton. Die meteorologische Drachenstation am Bodensee. Die meteoro- sogische Dralbenstation am Bodensee, eine Schöpfung des Reiches und der Staaten Bayern. Württemberg, Baden und Elsass-Lothringen, wird im Frühjahr 1908 ihre Tätigkeit eröffnen. Sie hat ihren Sitz in F r i e d r i ch S h a f e n, wo sich das Stationsgebäude am östlichen Ende des Hafens dem malerischen Hafenbild eingliedert. Das Haupt- inventarstück der Station ist daS Drachenboot„Gna", das seinen Namen der nordischen Mythologie entlehnt und nach der Botin Friggs benannt ist,„gleich schnell zu Wasser wie in der Luft". Das Boot ist aus Stahl hergestellt, etwa 27 Meter lang und 3.4 Meter breit; cö wird durch Dampf getrieben und hat eine Geschwindigkeit von 17 bis 18 Seemeilen in der Swnde. Es ist somit wohl das schnellste Schiff auf dem Bodensee. Die Wahl des Bodensees als Operationsgebiet für eine meteorologische Drachenstation grossen Stiles ist von besonderer Bedeutung. Es gibt fast nirgends sonst in Deutschland Flächengebiete, die so hindernisfrei wären, dass man darauf Drachenaufftiege in dem Bereich von vielen Kilometern be- werkstelligen könnte. Auch das Meer ist wegen der oft stürmischen See nicht so geeignet. Umsomehr bot sich für diesen Zweck unsere grösste Binnenwasserfläche, der Bodensee, dar, auf dem die Verhältnisse geradezu ideal sind. Die weite Wasserfläche kommt vor allem der Regulierung der Drachenaufstiege zu statten. Bei schwachem Wind vermag das Drachenboot durch rasche Fahrt gegen den Wind den Gegendruck für den Auftrieb der Drachen zu verstärken; bei zu starkem Wind oder Sturm kann es den Druck mässigen, indem es m i t dem Winde fährt. Unter günstigen Verhältnissen vermag man die Drachen bis zu 5—0000 Meter Höhe zu bringen. Die meteorologischen Drachen sind kastenförmige Gestelle von leichten Holzstäben, die im oberen und unteren Drittel mir Stoff bezogen sind. Sie wiegen'/z— 2 Kilogramm; dazu kommen die Registrierinstrumente im Gesamtgewicht von 1 Kilogramm. Als Drachenschnur wird Stahldraht in der Stärke von 0,7 bis 0.9 Millimeter verwendet. Der dünnste zur Verwen- dung kommende Draht wiegtpro Meter etwaZGramm.alsoproKilometer beretts 3 Kilogramm. Um grössere Höhen erreichen zu können, muh man am gleichen Draht eine grössere Anzahl Drachen auflassen, in- dem man. nachdem der Rcgistrierdrachen etwa 800 Meter Draht hat. einen neuen Drachen anhängt, der die Last des unter ihm folgenden Drahts übernimmt und so je nach 1000 weiteren Metern fortfährt. Die Station ist eine unter dem württembergische» statistischen LandeSamt stehende württembergische LandcSanstalt. Abg. Hue(Soz.): Wir haben die Anfrage an die Regierung gerichtet, wann sie eine Novelle zum Krankenversicherungsgesetz vorzulegen gedenkt, die eine Regelung der Knappschaftsverhältnisse in einer für die Arbeiter befriedigenden Weise enthält. Sie wissen, dass in diesem Hause vor allen Dingen die sozialdemokratische Partei wiederholt Anträge auf die Einbringung eines Rcichsberggcsctzes gestellt hat. Wir bescheiden uns aber, mit Rücksicht auf die akut gewordene Knappschaftsfrage, zunächst damit, in bezug auf das Knappschaftswcsen eine Novelle zum Krankenversicherungsgesetz zu fordern. Vorhin wurde die„Nationalzeitung" genannt und auf einen Artikel hingewiesen, in welchem es heisst, dass man bei der Ablehnung des Änappschaftsstatuts kaum von einem sachlichen Motiv sprechen kann. Ich halte es deshalb für notwendig, vor dem ganzen Lande festzustellen, dass das Aeltestenkollcgium aus Vertretern der verschiedensten Parteien zusammengesetzt ist und dass in der Sicbenerkommission ebenfalls Vertreter der verschiedensten Parteien sitzen; zwei davon gehören gegenwärtig dem Block an. Wie ist es möglich, die Haltung der Arbcitcrvertreter unter solchen Umständen auf politische Motive zurückzuführen? Man hat immer damit zu rechnen, dass in der Siebencrkommission und im Acltestenkollcgiuin Anhänger der Regierung sitzen. Ich rufe den Kollegen Behrens zum Zeugen dafür auf. dass in der Siebcnerkommission niemals Beschlüsse gefasst sind aus parteipolitischen Erwägungen heraus und dass für das Verhalten der Siebenerkommisswn niemals Partei- politische Erwägungen bestimmend gelvesen sind.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten und im Zentrum.) Ich sehe: Herr Kollegs Behrens nickt mir zu. Gestatten Sie mir noch eine andere Bemerkung: Vor 14 Tagen babc ich in Bochum über die Materie gesprochen, die uns heute beschäftigt, und über das Verhältnis der Herren vom Zentrum zu den Bergarbeitern. Ich soll dort die Herren in Schutz genommen haben gegen die Behauptung, sie hätten die Berggcsetznovelle von 1905 verschlechtert. Wir haben niemals gesagt, dass das Zentrum die Verschlechterungsanträge gestellt hat. Wir behaupten viel- mehr, dass das Zentrum schliesslich den Verschlechterungsanträgen zugestimmt hat und dass Sie(zum Zentrum) deshalb mit- verantwortlich sind für das Gesetz.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Die Polen haben selbstverständlich gegen das Gesetz gestimmt. Auch die Herren von der Freisinnigen Partei stimmten dagegen.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Die Herren Fisch- beck, Kopsch und Wiemer haben in diesem Falle etwas getan, was den Wünschen der Bergarbeiter vollständig entsprochen hat. Ferner haben wir dem Zentrum den Vorwurf gemacht, dass Sie(zum Zentrum) das, was Sie versprochen haben, nämlich mindestens die Regierungsvorlage durchzusetzen, nicht gehalten haben.(Widerspruch im Zentrum.) Zu putzenden Malen haben Sie das versprochen, und wenn Sie diesen Standpunkt inne- gehalten hätten, dann hätten Sie einstimmig gegen das Gesetz gestimmt, und dann hätte sich die Regierung dem Willen der nationalliberal-konservativen Mehrheit nicht gebeugt.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten, Zuruf im Zentrum: Im Gegenteil!) Ich verweise auf die Verhandlungen der Kommission des Herren- Hauses, wo gesagt wurde: Wenn in diesem Hause nicht mindestens das zustande käme, was im Abgeordnetenhause beschlossen war, so wäre die Gefahr einer Rcichsberggesetzgebung vorhanden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Das ist es, was wir Ihnen (zum Zentrum) zum Borwurf machen und was die Arbeiter nicht vergessen. Mein Kollege Sachse kann bestätigen, dass christliche Bergarbeiter, die noch vor zwei Jahren sagten, das Zentrum habe gut daran getan, der Berggesetznovelle zuzustimmen, heute unserer Meinung sind. Der Herr Kollege Schiffer hat vorhin mehrfach von der reak- tionären Mehrheit des Abgeordnetenhauses gesprochen; sie ist aber anders zusammengesetzt als er glaubt. Herr Spahn hat damals das Gesetz für annehmen sw e r t erklirrt. Ich mache Herrn Kollegen Spahn und auch sonst niemandem den Vorwurf, dass sie persönlich aus Feindschaft gegen die Arbeiterschaft böswillig diese oder jene Gesetzesbestimmung vorgeschlagen oder angenommen haben. Ich möchte nur dringend den Wunsch aussprechen, dass man bei kommenden Gesetzcsvorlagen, auch wenn man Jurist ist, auch wenn man hervorragender Jurist ist, auf die Stimme der Arbeiterschaft mehr hören möge.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Was hat denn nun das Gesetz von 1905, dieser wunder- bare Erfolg des Zentrums, gebracht? Eine Verkürzung der Schichtzcit, eine Einschränkung der Arbeitszeit! Und was ist der Erfolg? In den verschiedensten Bezirken sind seit 1888 noch nie- malS so viele Ueberschichten gemacht und so viele Schichten ver- fahren wie im Jahre 1900.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) An der Schichtzeit ist so gut wie gar nichts geändert worden, ja so weit geht die Auslegungssähigkeit des Gesetzes— das sage ich speziell für die Herren von der Regierung—, dass eine Betriebsverwaltung versucht hat, die Ein- und Ausfahrt der Bergarbeiter als„Ruhezeit" anzusetzen! Humoristisches. — Klassische Kalauer. Der Wiener Hofkapellmeister Fuchs hatte eine Motette komponiert und diese in der Votivkirche zur Aufführung gebracht. Besonders war dem Autor an dem Urteil seines Kollegen Hellmesberaer gelegen, den er auch sofort befragte, wie ihm die Motette gefallen habe. Hellmesberger schlug ihm jovial auf die Schulter und intonierte:„Fuchs, die hast du ganz ge- stöhlen...!" Als Liszt von Rom zurückkehrte, wo er die kirchlichen Weihen empfangen hatte, eilte der Weimaraner Hofnmsikdirektor Lassen zu ihm, um den»eukreierten Abbö zu begrüben.„WaS Tausend, Liszt!" rief er.„ich dachte. Sie tragen jetzt eme Tonsux, wieso haben Sie denn noch die ganze Haarmähne?" Liszt sass gerade am Klavier, hatte keine Lust, dies Thema zu erörtern und erwiderte einfach:„Lassen, sieh mich ungeschoren!" („Lustige Blätter".) — Der Gelehrte.„Warum ist denn die junge Frau des Professors ihrem Mann eigentlich durchgebrannt?"—„Weil er. anstatt des Seelenlebens seiner Frau, das der Maikäfer studiert hat I" („Fliegende Blätter.") —„Ach, Papa, willst Du mir nicht eine Trommel kaufen?"— „Nein; ich befürchte, Du wirst inich mit dem Lärm stören."—„Rein, Papa, gewiss nicht; ich werde nur tromineln, wenn Du schiäfft l" _ �.Answers.") Notizen. — Vorträge. Börries von Münchhausen, dem Balladendichter, und Gottfried Keller ist ein Vortragsabend gewidmet, den die Freie Lehrervereinigung für Kunstpflege Dienstag, den 21. Januar, abends 8 Uhr, im Bürgersaal des Rathauses ver- anstaltet. Vortragender ist Emanuel Stockhausen. Karten zu 50 Pf. im Albrecht Dürer-Haus, Kroneisstrahe 18. — Der Polizeiwink. Herr Karl Böttcher teilt uns mit, dass die Polizeizensur gegen sein Drama„Ausgewiesen" in der Provinz mit einer neuen Nuance arbeitet, da sie ein offenes Verbot nicht mehr erzwingen kann. Sie legt den ängstlichen Theater- direktoren nahe, die Aufführung zu unterlassen. Gegen diese hinter- hältige Methode ist der geschädigte Autor natürlich wehrlos. Dass in solchem Borgehen ein Missbrauch der Amtsgewalt vorliegt, versteht sich. Die Theaterdirektoren, denen man mit solchen Zumuwngen kommt, werden hoffentlich wissen, wie sie sich dagegen zu verhallen haben. — Täglicher Turnunterricht in Schulen. Das lange Stillsitzen der Kinder in den Schnlstuuden führt unbedingt nachteilige Folgen für die Gesundhett herbei. Um diesen entgegen- zuwirken und eine gute Körperhaltung zu fördern, hat die Regierung Die Zahl der Unfälle ist im Ruhrgebiet von 44 207 im Jahre 1905 auf 46 524. im Jahre 1906 gestiegen, die Zahl der Getöteten von 586 im Jahre 1905 auf 677 im Jahre 1906. Das ist geschehen unter der Geltung dieses Gesetzes, das wiederholt hier im Reichstage als ein annehmbares gepriesen ist. So sieht es mit dem Berggesetz aus. Steine hat man uns gegeben statt Brot.(Zustimmung bei den Sozialdemo- kraten.) Warum sind wir denn noch nicht weiter gekommen mit einem Reichsbcrggesetz? Auch die christlichnationalen Arbeiter ver- langen ein Reichsbcrggesetz. Warum stehen wir denn noch immer vor verschlossenen Türen?.An den Sozialdemokraten liegt das nicht. Im Jahre 1894 hat die sozialdemokratische Fraktion einen Antrag auf Einführung eines Reichsberggesctzes gestellt. Sie hat ihn wiederholt in den Jahren 1895 und 1896. Am 11. Dezember 1896 sprach sich der Abg. Lerno vom Zentrum entschieden gegen ein Reichsberggesetz aus! lHört, hört! bei den Sozialdemokraten, Zuruf im Zentrum: Für seine Person!) Das ist immer so.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich werde Ihnen gleich noch mehr Gelegenheit geben, diesen Zuruf zu wiederholen, Schon 1896 hat sich Prof. Arendt, eine Autorität im Bergwesen, dafür ausgesprochen, dass die' Fürsorge für die Berg- lcute gleichmässig im ganzen Reiche geregelt werde. Eine ganze Reihe von Autoritäten haben sich für reichsgesctzliche Regelung deö KnappsckiaftswesenS ausgesprochen. Als wir Sozialdemokraten im Jahre 1896 den Antrag stellten, im bürgerlichen Gesetzbuch die Einführungsworte zu streichen, daß diese Materie der Landes» gcsetzgebung vorbehalten bleiben soll, haben sich die gesamten bürgerlichen Parteien dagegen erklärt.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) In der Session 1897/98, 1898/99 und 1903/04 haben wir ebenfalls entsprechende Anträge im Reichstage ein- gebracht. Erst im Jahre 1897/98 sind die Herren der Freisinnigen Partei— es war der Abg. Lenzmann— mit dem Verlangen der- vorgetreten, das Knappschaftsivescn reichsgesetzlich zu regeln. Erst viel später kam das Zentrum. Hätten die Anträge der Sozial- demokraten Anklang gefunden, hätte man nicht kurzerhand gesagt, die sozialdemokratischen Anträge taugen nichts, dann würde man auf dem Gebiete der reichsgesetzlichen Regelung des Knappschafts- wescns viel weiter sein, und dann würde man auch gegen das Syndikatswesen, gegen die Konzentration der Unternehmer viel bessere Mittel zum Nutzen der Gesamtheit in der Hand haben, als es jetzt im preussischen Abgeordnetenhause der Fall ist. Eine Schwierigkeit, die Angelegenheit reichsgesetzlich zu regeln, bestand durchaus nicht. Meine politischen Freunde haben schon vor 25 Jahren einen Antrag eingebracht, der, wenn er angenommen loorden wäre, eine erhebliche Verbesserung des Krankenkasscnwescns bedeutet hätte. Die Frage der Verkürzung des Krankengeldes würde dann überhaupt nicht erhoben worden sein. Ich möchte auch darauf hinweisen, wie ein Vertreter der Fortschrittspartei, Campe, die Behandlung des Änappschaftswescns gegeisselt hat. Er sprach mit Rücksicht auf die schnöde Behandlung der Materie von der ganz elenden und erbärmlichen Methode. Auch der verstorbene Abg. Max Hirsch brachte seinerzeit einen Spczialantrag ein, der mit seiner Annahme wesentliche Verbesserunge» des Knapp- schaftswcscns schon damals gebracht hat. Das Zentrum ist init grosser Voreingenommenheit an die Frage der Regelung des Knapp. schaftswesens herangetreten. Der Abg. Stötzcl— ich mache ihm nicht den Vorwurf, dass er arbeiterfeindliche Pläne hatte, er stammte selbst ans Arbeiterkrcisen— brachte 1878 eine Menge Klagen gegen das Knappschaftswcsen vor, schloß aber seine Wirkungsvolle Rede zur allgemeinen Ueberraschung mit der Mit- teilung, dass er sich trotzdem für eine Ausnahmestellung der Knapp- schaftskassen aussprechen müsse. Ich möchte jedoch nicht den Vor- Wurf erheben, dass dies absichtlich und böswillig gegen die Knapp- schaftskassen geschehen sei. Unser verstorbener Abg. Liebknecht hat schon vor 20 Jahren im sächsische» Landtag die ganze knappschaft- liche Misere aufgedeckt, allerdings nur mit dem Erfolg, dass alles beim alten blieb. Die Herren von der Regierung können also nicht sagen, dass die Anregungen auf knappsckzaftlichem Gebiete ihnen neu oder zu selten zugegangen seien.(Sehr Wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir verlangen eine Novelle zur Krankenversicherung, schon des- halb, weil heute durch die Reichsvcrsicherung das Änappschasts- wesen so kompliziert geworden ist, dass selbst Juristen sich in dem Wirrwarr nicht mehr zurechtfinden. Wie sollen das da erst die einfachen Arbeiter können. Wir fordern die Novelle zum Kranken- Versicherungsgesetz aus Gründen der gesetzlichen Klarheit und Ein- heit. Wir sind an den Reichstag herangegangen, weil ja im preußischen Landtage kein Sozialdemokrat sitzt, aber auch weil wir zum preußischen Landtage und zur preußischen Regierung nicht das mindeste Bertrauen haben.(Lebhafte Zustimmung links.)- Ich werde nachher den Beweis dafür antreten, daß die preußische Regierung in den Gr- in Koburg verfügt, daß in den Volksschulen im Winter ein täglicher Turnunterricht eingeführt werden soll. Bestimmte Freiübungen werden täglich zehn Minuten lang möglichst im Freien geturnt. ES wäre wünschenswert, wenn auch andere Städte dieses Beispiel nach- ahmen würden. — Kapell nr ei st ergehälter in Amerika. Man spricht so oft von den fabelhaften Gagen, die berühmte Sänger in Amerika erhalten. Aber die Dirigenten von Namen stehen ihnen kaum nach. So erhält der italienische Kapellmeister Campanini an der New D orker Oper 4000 M. die Woche. Die Gage Gustav MahlerS an der Metropolitan-Oper beträgt für die Saison vom 1. Februar bis zum 15. April 80 000 M. Muck erhält von den» Sinsome-VereiN in Boston für eme Saison won fünf'Monaten 00 000 M. Der Konzert- verein von Pittsburg bezahlt dem Dirigenten seines Orchesters Emil Paur 50 000 M. und Karl Pohlia bezieht in Philadelphia 32 000 M. Bei Virtuosen sind freilich die Summen noch phantastischer. Paderewski hat man bei einer Tournee von 80 Konzerten ein Minimum von 0000 M. für den Abend garantiert, aber seine Tournee bringt ihm fast das Doppelte, im ganzen etwa 1 000 000 Vi.; Kubelik verdient auf seiner Tonnice eine halbe Million Mark. — D a s ä l t e st e e n g l i s ch e P a t e n t. d. h. das älteste Patent der Welt, von dem man heute noch weiss, wurde noch dem„Prome- theuS" im Jahre 1012, unter der Regierung Jakobs I. erteilt. Dieses Patent, welches auf die Daner von 30 Jahren erteilt wurde, bezog sich auf ein Verfahren zum Ausschmelzen von Eisenerz mittels Stein- kohle. Zur Einfiihnmg scheint diese wichtige Neuerung aber nicht gekommen zu sein, da noch im 18. Jahrhundert die Eisenerze mit Holz und Holzkohle verhüttet wurden und z. B. in Sussex, cinenr Hauptsitz der alten englischen Eisenindustrie, nach der Vernichtung der dortigen Wälder die Eisenindustrie vollständig einging. — Eine Statistik der Theaterbrände. Eine Auf- zählung der Theaterbrandkatasttophen in den letzten Jahrzehnten bis zu dem noch in frischer Erinnerung stehenden Unglück im JroqnoiS- Theater in Chicago wird anlässlich deö jüngsten Brandes dcS Opern- bauses in Boycrtown in einem englstcheii Blatte gegeben. Im März 1881 forderte der Brand des Stadttheaters und der Oper in Nizza gegen 350 Menschenleben, und noch in demselben Jahre, am 8. Dezember, erfolgte die Katastrophe im Wiener Ringthealer, bei der 470 Menschen den Tod in den Flammen fanden. Es folgten: 1833 Moskau mit 300 Toten, wenige Tage später der Zirkus Ferroni in Brevitschew mit 325, im Juni des gleichen Jahres das Sommer- theater in Dervio mit 50 und im August das Theater Govi Sanuki in Japan mit 75 Toten. 1380 Rinnivelly(Indien) 100, 1887 Opora Coniigue(Paris) 77, Eretcr Tycatre gegen �200, 1888 Oporto 170. 1894 Miltvaiilce 70, 1896 der Zirkuö in Ekatcriuostaw mit 49. 1897 Kauton mit 230 und der WohltätigkeitSbazar in Paris mit 124 Opfern. Dabei sind kleinere Katastrophen, die bis zu 50 Menschenleben forderten. noch gar nicht berücksichtigt. lieimakten dcS BergwerkSmInisteriumS das Material bcS WalirsieitS- !.>c'.veikeS für die Klagen der Lcrgwcrkarbeitcr hat, und das- sie nicht wogt, sie der Oeffcntlichteit mitzuteilen, um den Grubenbesitzern nicht zu nahe z» treten.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Da*z preußische Knappschaftsgesetz von: Jahre 1900 hat die Un- ständigkeit aufgehoben— da es unmöglich ist, den komplizierten Apparat des Knappschaftswesens hier darzulegen, müssen Sie diese technischen Ausdrücke schon in den Kauf nehmen. Die Gegenseitig- teitSverträge zwischen den einzelnen Knappschafisvercinen sind also setzt gesetzlich vorgeschrieben, aber diese Forderungen hat der Berg- arbciterocrband schon vor lb Jahren erhoben. Damals hieß es, das sei eine sozialdemokratische, utopistischc Forderung, um das Knappschaftswefcn kaput zu machen. Wenn man uns aber auch Negation und Mangel an vositiver Arbeit vorwirft, so sind doch auch diele Berbcsserungsvorschlägc zuerst von uns angeregt worden. Jetzt find sie gesetzlich durchgeführt, auch zum Nutzen der Bergwerks- besitzcr; denn die tnappschaftliche Misere war unhaltbar geworden. Ader andererseits hat es diese Knappschaftsnovclle von 1996 den Wertsbesitzern ermöglicht, das Krankengeld herabzusetzen, die Unfall- verletzten zu schädigen, die jetzt, gleichviel, ob ein Vereinbarungs- oder ein Zwangsstatut besteht, auf Grund des Gesetzes von der vierten Woche an mindestens 99 Pf. weniger bekommen als früher. Ferner hat es die Invaliden ihres aktiven und passiven Wahlrechts beraubt und dadurch die Herrschaft der Werksbesitzcr in den Knoppschaftskassen erneut befestigt; denn die Invaliden waren die einzigen, die Zeit genug hatten, sich einigermaßen in die kom- plizicrte Materie dcS KnapvschaftSwcsens cinzuarbeiteti; den Berg- lcuten, die den Tag über schwer schuften, ist das unmöglich. Tie preußische Knappschciftsiiovelk vom Jahre 1006 war also die Fort- setzung der Entrechtung der Bergarbeiter durch das Knappschafts- gcfetz von Idol. Damit Sie nicht meinen, daß das sozialdemo- kratischc Verhetzung sei, will ick, Ihnen das Urteil des christlich- nationalen„Bergknappen" mitteilen: «Die neuen Satzungen sind fast durchweg nicht den Wünschen der Arbeiter entsprechend ausgefallen. Vielfach bringen sie Ver- schlcchterungcn statt Verbesserungen, und die Verbesserungen haben überall durch Verschlechterungen erkauft werden müssen. Wenn sie trotzdem angenommen worden sind, so lag das an der schlechten Arbeitervcrtretung in den Außenrevicren. Im Ruhr- gebiet sind rückgratfcstc Arbeitervertreter vorhanden, und deshalb haben wir hier das Zwangsstatut, das den Unternehmeru so günstig ist, daß sie ein Verlangen nach gütlicher Einigung nicht hatten. Nun können die Bergarbeiter des Ruhrbezirks die ganze GesetzeSpfuscherri des preußischen Treillassenparlalncnts bewundern. Nur unter dem Dreiklassenwahlrecht, das der großen Masse des Volkes jeden Einfluß auf die Zusammensetzung der preußischen Volksvertretung nimmt." (HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) So urteilt der christlichnationale„Bergknappe" über das preußische Abgeordnetenhaus, das der Reichskanzler noch vor lveuigcn Tagen als den„Stützpunkt der preußischen Politit" bc- zeichnet hat! Aus Furcht vor den Jcchcnbesitzern hat die Regierung ihre ursprüngliche Vorlage im Stich gelassen, die wesentlich bessere Be- siimmungcn enthielt. Ter erste RcgicrungScntwnrf— mein verehrter Nachbar Lberbergrat Steinbrinck, der ihn verfaßt hat, wird cs bestätigen— einhielt nichts von der Abschaffung der Grund- rcntc, nichts vom Wahlrechtsraub der Invaliden, nichts von der ösfentlichcn Wahl des Änappsckiaftoältestcn. Warum hat nun die preußische Regierung, der cs so leicht war, sich das Vertrauen einer großen Masse von Arbeitern durch Festhalten an ihrer Vorlage zu erwerben, den Rückzug angetreten? Hier im Reichstage erklärt die Regierung ja so viele Vcrbesserungssorschläge, die von unserer Seite kommen, für unannehmbar. Das prcußisckc Abgeordneten- haus aber hatte die Regierungsvorlage nach einem Worte der „Rheinisch-Wcstfälischen Zeitung" so gerupft, daß die Regierung ihren Vogel gar nicht Imcdcr erkannte. Gleichwohl hat die Re- gierung den gerupften Vogel, den sie gar nicht wieder erkannte, als ihr Kind adoptiert!(Heiterkeit.) Sie wagt cs eben nicht, den ZechenhJitzern den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Sic wissen, daß bei dem großen Bcrgarbeiterstrcik ein Streitpunkt das Nullen war. Die Bergarbeiter hatten damals behauptet, daß ihnen durch das Nullen in einzelnen Fällen bis zu 19 Proz. ihrer Monats- forderung und ihres Lohnes genommen würden; die Regierung aber hat immer nur erklärt, wenigstens öffentlich, das Nullen sei nicht so schlimm: eins, zwei, drei Prozent, im schlimmsten Falle sechs Prozent der Förderung seien genullt worden. So hat sie mit ihrer ganzen Autorität die Behauptungen der Bergarbeiter als Ucbertreibungen gekennzeichnet. In den Geheiurnkten des preussischen Bcrgwerksministrriums sind aber Fälle aufgezeichnet, in denen einzelnen Kameradschaften 10 Proz.. 17 Proz., 18 Proz., 20 Proz., ja bis zu 28 Proz. der gc- samten Monatsforderung genullt wurden!!(Stürmische Hört! Hört-Rufc bei den Sozialdemokraten.) Dieses Material hat die Regierung den Landtagsabgeordncten, soweit sie in der Kommission saßen, mitgeteilt, jedoch nur vertraulich.(Erueure laute Hört! Hört-Rufe bei den Sozialdcmotraten.) Wenn Reichsinteressen oder Fragen der Lanlwsvcrteidigung in Betracht kommen, sind die Sozialdemokraten cS gewiß nicht, die einen Gcheimhaltuugs- beschloß durchbrechen. Aber was für ein Interesse � hat die preußische Regierung gehabt, vor der Oeffcntlichkeit zu verschweigen, daß das, lvas die Bergarbeiter über ihren Lohnraub behaupictcn. durch die Wirklichkeit noch übertroffen wird?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Was für ein Interesse? Mag der viegierungSvcrtrctcr uns Antwort geben. Ich diene ihm im Bc- liarfsfallc noch mit weiterem Material. Ich konstatiere vor dem ganzen Lande, daß die Regierung den Bergarbeitern, die um ihr Recht kämpften, schmähliches Unrecht getan hat, obwohl sie das Material in der Hand hatte, der Wahrheit zum Siege zu ver- helfen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich drücke mich milde aus, wenn ich das nicht Korruption nenne, sondern nur behaupte, daß die preußische Regierung aus Furcht vor den Zechen- besitzen» die Wahrheit öffentlich nicht gesagt hat.(Sehr wahr.' bei den' Sozialdcnwkratcn.) Das Gesetz von 1891 bestimmt, daß die KnappschaftSverwaltungen zu gleichen Teilen aus Arbeitern und aus Untcrnehmern bestehen sollen. Dieses HalbierungSiystem. die sogenannte Parität, hat aber in der Praxis dazu geführt, daß in den allerwenigsten Knappschaft«- kosse»» Arbeiter in der Lerivaltung als Aclteste oder als Vorstands- Mitglieder sich befinden. Man hat sie vergeivalligt. man hat iu, Jahre 1894 daS zu drei Vierteln von Arbeitern zusammengesparte KnappschaftSaeld seitens der Bergwerksbesitzer einfach beschlagnahm t.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Damals kam eS im Ruhrgebiet, im Jahre 1397, bereits zu ciueln Aufstand, zu Krawallen, so daß Militär geholt wurde Die Arbeiter weigerten sich, das ihnen auf Grund des Gesetzes von 1894 aufgedrängte Statut anzuuehinen. Damals gab es noch keine Sozialdemokratie und keine sozialdeinokratischen Hetzer. Nun bitte ich die Herren, selbst zu beantworten: Wer hat denn die Er- rcgung in die Bergarbeiter hineingebracht, wenn schon vor 99 Jahren die Bergarbeiter zunächst durch Gesetz und dann durch Statut maß- los entrechtet worden sind? Die Bergarbeiter, die dainals zu Aufständen schritten, das waren keine Revolutionäre, keine Alheisten. Dieselben Bergleute haben 1867 au den damaligen preußischen Minister v. Jtzenplitz eine Beschwerde gerichtet über Mißstände in den Gruben. Da heißt eS u. a.: „Obwohl wir soviel Unglücksfällen ausgesetzt sind, ist uns doch auch die so schöne und uns liebgewordene Einrichtung ge- Nammen worden, daß die Bergleute vor dem Einfahren gemeinsam mit dem Steiger ihr Gebet verrichten". (Hört! Hört! im Zcutrssm.) So ist cö gegangen im Ruhrgebict und heute kommen die Herreu, die sich national und christlich nennen, und reden davon, daß die Religion dem Volke erhalten»oerden müsse. Hier haben wir den klaren Beweis, daß man die Bergleute, die religio-? gefilmt waren, zur Verzweiflung, zum Aufruhr-getrieben hat.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) �Wcnu es heute nicht schon dazu gekommen ist, dann verdanken Sie daS lediglich den Organisationen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Ich betonte schon, daß trotz der Beswnmungen dcS Gesetzes von 1854 von der paritätischen Zusammensetzung der Knappschafts- verlvaltungcn keine Rede sein kann. Aus einem Jubiläums- Bericht der Wetzlarer KuappschaflSkasse geht hervor, daß von 1857 bis 1997, also 59 Jahre lang, im Kiiappschaflsvorstandc zu Weimar nicht ein einziger Arbeiter vertreten gewesen ist.(Leb- hafies Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wie hat die Re- gierung diesen Zustand so lange erhalten können, und wo waren die politischen Parteien dieses Wahlkreises gegenüber diesem unerhörten Zustande? Durch die NichtParität ist den Bergarbeitern das Krankengeld bis auf die Hälfte verkürzt worden. Die Pensionen wurden heruntergedrückt, die Erziehungsbcihülsen vermindert. Gestatten Sie mir, daß ich Ihnen die„glänzenden" Leistungen der Knappschaftskassen durch einige Beispiele belege: Die höchste Pension betrug nach den Feststellungen der Regierung aus dem Jahre 1899 monatlich 37 M. Dagegen betrug sie in Oberschlesien 22, in Niederschlesien 29, im Aachener Revier 22. in EsSweiler 10, Saarbrücken 16, Brühl 12, Hallberg. Ivo Herr Stumm herrichte, nach 26jähriger Dienstzeit 29M.! (Hörr! hört! bei den Sozialdemokraten.) Da kann man es be- greisen, warum gewisse Herren sich so für die Ausnahinestellung der Knappschaftskassen ins Zeug legen. Im Briloner Revier beträgt die Pension nach LLjähriger Dienstzeit 19 M., in Wetzlar nach 28jähriger 19 M. Und da wählen die Bergarbeiter Nationalliberalc und Christlich-Soziale! Man kann also nicht sagen, daß diese Pensionen aus sozialdemokratischen Kassen gezahlt werden. Die Regierung hätte bei den KnappschaftSkassen es nicht bei den Instruktionen bewenden lassen iollen, sondern die Gleichheit der Beiträge einfach vorschreiben müssen. DaS ist nicht geschehen. Die Regierung hat ruhig zugesehen, wie man die Pcnsionsbezüge herabsetzte. Das ist solange geschehen, bis in den letzten Jahren die Regierung zu der Erkenntnis kam, daß der Bankrott nahe sei. Nachdem man jahrelang in bezug auf Bcrgorbeiterschntz nichts getan hat, nachdem durch die Beitragszahlung die finanzielle Leistungs- fähigkcit der KnappschaflSvereine ruiniert war. wer soll du nun die Kosten tragen? Wer soll für die Sünden büßen, die gegen die Arbeiter begangen wurden? Der Arbeiter selbst! Er. der die Bei- träge zahlt, soll sich einen Abzug seiner Krankengelder und Pensionen gefallen lassen. Die Regierung hat gewußt, daß die Knappschafts- Verhältnisse unter der Herrschaft der Bcrgbesitzer geradezu miserabel und für die Arbeiter unerträglich geivordcn sind. Oberbergrat Steinbrink hat sich bei den verschiedensten Gelegenheiten redliche Mübe gegeben, das geheime Wahlrecht der Regicrungs- Vorlage zu verteidigen und eine Reihe von VerbcsserungS- anträgen den Herren Bergbesitzcrn schmackhaft zu machen. Obcrbcrgrat Steinbrink hat in der Kommission gesagt, die öffcnt- lichc Wahl habe den Arbeiter von der Kassenvcnvaltung ans- geschlossen, die geheime Wahl gebe dem Arbeiter Gelegenheit, sich an der Kasienführnng zu beteiligen. Das ist eine Verteidigung des geheimen Wahlrechts. Wen» eine Regierung selbst weiß, daß unter der Herrschaft der Großen und Mächtigen daS öffentliche Wahlrecht zur Vergewaltigung führt, wie kommt sie dazu, wie eS jüngst bei der Wahldebutte geschehen, dieses öffentliche Wahlsystem als eine Stütze dos Staates zu bezeichnen?(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) Da ich gerade beim Wahlrecht bin, möchte ich auch einmal die reaktionäre Mehrheit des preußischen Landtages kennzeichnen. Vizepräsident Pausche: DaS gehört nicht zum Gegenstände der Interpellation. Abg. Hue(fortfahrend): Mein Vorredner hat mehrfach von der reaktionären Mehrheit des preußischen Landtages gcsp»ockieu, und daher glaubte ich auch darüber sprechen zu könne». Ich habe übrigens nicht viel dazu zu sagen. In der Kommissionssitzung haben für die Regierungsvorlage, d. h. kür daS geheime Wahlreckit, nur drei KoinniisfionSiiiitglicder gestimmt. In dieser KommissionS- sitziing waren aber vier Herren vom Zentrum anivescnd.(Lcb- yafies HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich konstatiere, daß bei der Verwerfung deS geheimen Wahlrechts die nationalliberale Mehrheit des preußischen Landtages Zuzug aus dem Z e n t r u m bekommen hat.(Widerspruch im Zentrum) Sie sagen, die Sache ist nicht wahr. Ich bin jederzeit bereit, Ihnen die Namen aus den Akten des preußiichen Landtages vorzulesen. Den Nationalliberalcu wird vom Zentrum so oft vorgeioorfcn, sie seien Feinde des all- gemeinen und geheimen Wahlrechts, mau hat sich ihnen gegenüber so oft aufs hohe Pferd gesetzt. Da ist cS doch gut, wenn man im Lande erfahren'wird, daß nicht nur bei den Nationalliberalcn Gegner des geheimen Wahlrechts sitzen. Die Herren Graf Ballestrem, Dr. Elattfelter, Dr. Hitze und Dasbach, diese vier Zenirumsleute waren in der Kommilsionsfitzung zugegen und nur drei KommissionSmitglieder haben für das geheime Wablrecht gestimmt!! WaS die Berg- arbeiwr dazu sagen, iverdcn Sie ja erfahren. Wir fordern auch deshalb eine reichsgesetzliche Regelung deS KnappscbaftSwesenS, weil eine Reihe von Einzelstaatcn auf dem Wege der Landesgesetzgebung den Arbeitern selbst solche Rechte vorenthalten, die ihnen reicbSgesetzlich verliehen sind. Ich bedaure, daß der Vertreter der sächsischen Regierung nicht hier ist, er müßte sonst bestätigen, daß die sächsische Regierimg iu der Begründung der Vorlage, die sie jetzt dem sächsischen Laudlage hat zugehen lassen, die? selbst zugibt. Das sollte für den Reichstag genügend sein, um zu sagen: Fort mit der landeSgesetzlichen Regelung des Knappschafts- ivesens uitd des Bergwesens. Ich wende mich nun zu der Frage der KnappschaftSkassen. Ich weiß, daß einer der Herren nachher erklären wird, die Berg- Besitzer können nicht mehr leisten, wie sie schon leisten. Ich möchte daher feststellen, daß die KnappschastSbeiträge, von denen man sagt, sie seien ein Geschenk an die Arbeiter, nichts anderes sind als ein Teil der Abgaben, die der Staat für die kostenlose Ueberlassung der Bergfelder von den Unternehmern verlangt hat. Sie haben iinJahre 1996 diese Bergtvcrksa bgabcn in Preußen durch das Gesetz von 1992 außer Hebung gesetzt. Mögen die Herren, die über die Höhe der Beiträge klagen, sich dock erinnern, daß die Aushebung der BergwerkSabgaben allein in Ptcufte« im Jahre 1906 ihnen mindestens 24 Millionen Mark erspart hat. die also den BcrgiverkSbesitzern aus den Taschen der Steuerzahler geschenkt sind(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten), dann werde» Sie wohl zugeben, daß man von einer großen Be- lastung der Bergwerksbesitzer nicht sprechen kann.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wie ist nun die angenblickuche Situation? Das Zwangsstatut ist eingeführt Ich bestreite der Bergbehörde das Recht dazu. Das Gesetz bat nur bestimmte Mindest- leistungen festgesetzt. Wir finde» aber in dem Zwangs- itatut, daß die Bergbehörde auch außerordentliche Unter- stützungeu vorgesehen hat, was nach dem Gesetz und den Aus sührungcn des RegierungövertreterS bei der Beratung ungesetzlich ist. Das wichtigste ist aber folgendes: ES kann keine bessere soziale Einrichtung geben als die Zahlung eines Kindergeldes, weil dadurch gerade die Äermsten, nämlich die kinderreichsten Leute, unterstützt werden. DaS ist auch der Gedanke dieser Unterstützung, die bereits von den Gründern der alten Kuappschastskassen cmgesührl worden ist. Run ist daS Kindergeld im Ruhrgebict durch das ZwangSstatut abgeschafft und man beruf: sich dafür auf daS Berggesetz. Es liegt aber ein Urteil dcS Reichsgerichts vor, daß das Kindergeld nicht ein Teil der Berginvalideurente ist, daß es nicht auf Unfall- und andere Unterstützungen ausgerechnet werden darf. Die Bergbehörde hat also kein Recht zur Abichaffung dieses Kindergeldes. Wenn diese Abschaffung aufrecht erhalten bleiben sollte, so würde daS nur eine Bestätigung deS Wortes bedeuten: Gewalt gehl Vor Recht.(Zustiiunluug bei den Sozialdemokraten.) In lestcr Stunde noch war der Vertreter der preußischen Regierung ins Ruhrgebiet gelomuien und hat sich eifrig um daS Knapp- schaftsstaiut bemüht; er Hai'mit den BcrgiverkSbesitzern und dm Arbeitern unterhandelt und schließlich eine Reihe von Vermitlelungs- anträgen gestellt. Tic Vertreter der Arbeiter sind in weitem Maße entgegengekommen, und ich gebe Ihnen die Versicherung, daß die Stimmung der Arbeiter im Ruhrrevier dahin geht, daß die Aeltcsten schon viel zu weit entgegengekommen sind. Schließlich hat cs sich nm einen Satz von 2 Pf. gehandelt, der wöchentlich zugelegt werden sollte, um das Kindergeld zu ersetzen. Tie uationallibcrale „Kölnische Zeitung" bestätigt, daß die Arbeiter geradezu darum ge- fleht habcit, sich gcdemütigt haben, um diese paar Pfennige Mehrbeitrag zu bekommen. Ter Vertreter der Regierung, Obei bergrar Steinbrink, stellte schließlich einen VcrmittelungSantrag. Die Vorschläge der Aeltestcn hätten eine Belastung der Bergwerks- besitzcr um 9,4 Pf. pro Tonne bedeutet. Erst jüngst sind die Preise einer ganzen Reibe von Kohlensorten vom Synditat um 39—99 Ps. erhöht worden. Die ganze Mehrbelastung der Wcrksbesitzcr ist schon durch diese Erhöhung der Kobleupreise herausgeholt worden, und wenn die Arbeiter nichts bekommen, so bleiben die hohen Kohlen- preise auch bestehen. Tie Erhöhung der Selbstkosten, die eingetreten ist, ist durch die Preiserhöhung schon drei- bis viernral herausgeholt worden. Außerdem haben die Unternehmer durch den Anschluß au den Rückversicherungsverband, dem die Aeltestcn zuzustimmen bereit waren, zweieinhalb Millioneil erspart. Die letzten Vorschläge der Werkobesitzer hätten einen ungeheuer großen Verlust für die Invaliden dedeutet, für die Familien der Invaliden� mit reicher Kinderzahl einen Verlust von 299— 309 M. im Jahre. Können Sie da wirklick nicht verstehen, daß. es einfache Menschenpflicht der Arbeiterverrrcter war, sie abzulehnen, daß sie es uickt veraiilivortcn koimten. den Aernrsten der Armen so schtveren Schoden zuzufügen? Dazu kommt, daß die Zahl der Invaliden, die noch aus der Zeche arbeiten, sehr gering fit. daß sie oft krank feiern müssen ohne Krankengeld: Ich frage Sie: wer von den Staats- und Kommunal- beamlen ließe es sich am Lebensabend, nach treuer Pflichterfüllung gefallen, wenn ihm kurzerhand die wohlverdiente Pension gckürzr ioürde? Was können denn die Bergarbeiter dafür, daß die Knapp- schaslskassen so miserabel stehen? In den lehtrn 29 Jahren haben dir Jergmerksbcsitzcr durch Herabsetzung der Beiträge achtzig Millionen gespart. Wcuir die in die Kuappschastskassen geflossen lvären, wenn die Unternehmer schon vorher vernünftig hohe Beiträge gezahlt hätten, so braucktc man nicht von der Possivilät der Knapp- schaslskassen zu sprechen, so wären ihre versichcrungstcchiiischcn Grundlagen nicht so schlecht.(Sehr wahr! bei den Tozialdemokralen.) Aber wie kommt es, daß trotz der enorm erhöhten Beiträge die Kossen nicht aktiv bleiben? Weil die Bergarbeiter in Gnmd und Boden ruiniert werden durch das herrschende bergbauliche System. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Invalidität begann im Jahre 1806 durchschnittlich mit 46 Jahren, 1906 durchschnittlich mit 44 Jahren. Im Ruhrgebiet ist das Alter der Neu- invaliden iu diesen zehn Jahren von 48 aus 41 Jahre � zurück- gegangen. Können Sic da nicht verstehen, daß die Aeltesten sich lagen: Wir haben kein Bergarbclterschutzgesetz und müssen deshalb damit rechnen, daß das Lebensalter der Bergleute noch weiter zurück- geht, daß die Invaliden noch jünger werden; und je jünger die In- tmliden sind, desto schwerer trifft sie die Herabsetzung der Rente. Hören Sie. wie gewirtschaftet wird unter der Aussicht der preußi- scheu Bergwerksüiipekrion: In Preußen betrug die Zahl der Neu- invaliden, die jünger sind als 39 Jahre, im Jahre 1806 11 Proz., im Jahre 1996 26 Proz.(Hört! Hört!) Im Ruhr- gebiet allein stieg ihre Zahl von 19 Proz. aus 39 Proz. Welch ungeheurer Verlust für die deutsche Volkswirtschaft! Wie� viele menschliche Arbeitskraft ward hier zerstört! Der Bergbau frißt förmlich Menschenkrast. Können Sie da von den Aeltesten ver- langen— ich frage die Herreu von der Regierung und die von der nalivualliberale» Partei, denen ich die Anklage ins Gesicht schleudere, daß sie tu erster Linie an dieser Situation durch die Verhunzung des Berggesetzes schuld sind(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokralcu, Unruhe bei den Nattonallibcralen)— können Sie verlangen. daß die Aeltesten zugeben sollten, daß zu all diesem Elend und Unglück auch nocb der Hunger in noch größerem Maße in die Fannlien der Invaliden einzichc. Nein, das tun Sie nicht, daö dürfen Sie nicht tun I(Sehr wahr I bei den Sozialdemokr.) Die allgemeine Folge der Unternehmervorschläge würde eine ungeheure Belastung der Armentasien sein. Die„Bergwerkszeitung", ein geradezu stzudikatsioll.es Blatt, schrieb jüngst, daß das Jahr 1997 ein Jahr der Ho-dkonjumtur gewesen wäre und doch seien die Armenlasten in den rheinischen Gemeinden bedeutend ge- stiegen. Wenn das, was die Unternehmer beabsichtigen, Statut wird, so werden diese Ausgaben für die Invaliden, ihre Witwen und Waisen noch bedeutend steigen, und dann müßte die Allgemein- heit. dann müßten wir Bürger in der Form der Steuererhöhung bezahlen, was die Grubenbesitzer zu zahlen sich weigern. (Hört! hört! bei den Sozialdemolratcn.) Im Ruhrgebict herrscht geradezu eine Massenammt, von der die wenigsten in diesem Haus« sich eine Vorstellung inacben. Im südlichen Teil meines Wahlkreises, wo sich der alte westfälische Bcrgmannstand noch am besten erhalte« hat, mag es noch halbwegs gehen, aber kommen Sie in die neuen Reviere. Wanne. Gelsenkirchcn und Herne, da lebt daS Proletariat ganz von der Hand in den Mund und ist sofort ohne Existenzmittel, wenn eS zwei Tage lang arbeitslos ist. Wo bleibt da die Zunahme des Volkswohlsialtdes? Die Gelsm- kirchncr Interessengemeinschaft hat im Jahre 1996 39 Proz.. im Jahre 1997 37 Proz. Dividendr erzielt. Für die Forderungen der Aeltesten haben auch 139 Wer??- besitzer gestimmt, ein Beweis dafür, daß sie durchführbar sind; dem» die wissen doch auch, waS der Bergbau tragen kam:. Diese Herren haben soziales Empfinden gezeigt, aber»oo bleibt sonst daS soziale Empfinden der Bergherren? Nicht allein die Arbeiter werden jetzt mißhandelt, sondern auch die Steiger. Sehen Sie mir daS Schicksal des SteigerverbandeS: Rücksichtslos hat mau die Beamten auf die Straße gesetzt. Jüngst haben wir hier über die hohen Kohlenprcise debattiert; jetzt hat das Kohleniyudikat die Preise noch weiterhinaufgesetzt. An Sie als Vertretung des deutschen Volkes richte ich die dringende Bitte: Helfen Sie dem Bergmann, helfen Sie dem Berginvaliden, drängen Sie mit uns die Re- gierung, schleunigst einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die aller- dringendsten Rcsormen bringt. Bei der Debatte über die Kohleninterpellation sagte der Vertreter des preußischen StaatSministeriums. auf Kohle und Eisen ruhe unsere Kultur. Jawohl, aber wer verschafft uns die behagliche Wärme in dieiem Zlaume und all die Bequemlichkeiten und den Komfort? Der Bergmann, der unter Lebensgefahr— erst heute kommt wieder die Nachricht von einem größeren Unglück bei Oberhausen— die schwarzen Diamanten aus der Erde hinausschafft. Ist eS da nicht ein himmelschreiendes Unrecht, wenn man nicht einmal den Berg- invaliden und ihren Hinterbliebenen daS LebensloS verbessern will? Tausende und abertausende Bergarbeiter werden jährlich verkrüppelt Tausende fallen jährlich aus dem Schlachtfelde der Arbeit. Können Sie über das alles leicht hinweggehen? Nein! wer es gut meint mit dem deutschen Volke, gedenke des Bergmanns nach dem Worte: Edel sei der Mensch, hülfreich und gut!(Lebhafter Beifall bei de» Sozialdemokraten.) Zur Beantwortung der Interpellationen nimmt das Wort Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg: Auf die in zweien der Interpellationen an die Spitze gestellte Frage habe ich zu sagen, daß dem Herrn Reichskanzler die Vorkommnisse bekannt sind, welche das Zustandekommen de« Kuappichaftsstaluts im Oberbergamts- bezirk Dortmund vereitelt und die preußische Bergverwaltung— sehr widec ihren Willen— genötigt haben, ein Zwaugöstatut zu erlassen. Auf diese Vorkommiiisse im einzelnen cinzu- gehen, muß ich mir versagen, da co sich um die Ausführung eines preußischen Gesetzes handelt und dem Herrn Reichs- lanzler in dieser Beziehung irgend ein Eingriff nicht zusteht. Jeden- falls wird das Scheitern des KnapdschaftSstatuiS wohl auf allen Seiten gleichmäßig bedauert, und wenn es richtig ist, daß an dein Scheuern des Siatutö eine Machtprobe, fei es von der einen oder der anderen oder von beiden Seiren, schuld ist, so würde ich es doppelt beklagen, daß eine Machtprobe um einen materiell nicht wichtigen Diffcrenzpunkt bei einer Gelegenheit veranstaltet worden ist, die nicht verglichen werden kann etwa mit einem vorübergehenden Lohnkarnpfe, sondern bei der es sich darum handelte, die Grundlage für einen dauernden Znstand zu etablieren. Ich möchte meinerseits die Hoffnung nicht aufgeben, daß eine Nach- revision des Standpunktes, der bei dieser Gelegenheit von den beiden Seiten eingenommen worden ist, dazu führen wird, die Angelegen- heit noch in einer anderen Weise, als es bisher möglich gewesen ist, zu lösen. Ich kann im übrigen auf die eingehende Slritik hier nicht eingehen. Täte ich es, so würde ich meinerseits eine Kritik an der Gesetzgebung und der Lerwaltung eines Qinzclstaates ausüben müssen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Eine Kritik kamr nach der einen oder der anderen Seite gehen, nehmen Sie nicht an, daß jede Kritik eine absprechende ist, wenn tvir Deutsche ja auch gewöhnt sind, unter dem Worte.Kritik" nur eure negative Kritik zu verstehen. Fch will mit diesem Wort„Kritik" nichts dergleichen gesagt haben. Ich bin gezwungen, die positiven Momente aus den vorliegenden drei'Interpellationen herauszugreifen, soweit sie die R e i ch S g e s e tz g e b u n g, das Reich angehen. Alle drei Interpellationen verlangen gegenüber den von ihnen beobachteten Schäden im KnappichastSwescn der Einzelstaaten eine eingreifende N e i ch S g c s e tz g c b u n g. Grund- sätzlrch unterliegt eS den schwersten Bedenken, sofort nach der Reichs- geseygebung zu rufen, sobald einem die Verhältnisse eines Einzel- staates auf einem Gebiete, wo er souverän ist. nicht gefallen, oder sobald das Parlament und die Regierung des Einzelstaates den Kritikern nicht gefallen. Täten wir das, so würden wir einen Weg beschreiten, der nicht mehr von verfassungsmäßigen Grundlagen ausgeht und zu vollkonimen unabsehbaren Zielen führen würde. Die Berggesetzgebung, einschließlich des KnappschaflSwefenS, unterliegt der einzelstaarlichen Gesetzgebung laut ausdrücklicher Bestimmung einer Reihe von ReichSgeietzen und der Verfassung. Das wird von den Herren teilweise lebhaft beklagt. Die gesetzgeberischen Faktoren deS Reiches. Bundesrat und SicichStag, haben sich bei einer so wichtigen Angelegenheit wie dem Erlaß des Bürgerlichen Gesetzbuches und des Einführungsgesetzes zu ihm auf den Standpunkt gestellt, daß es richtig' sei, das Bergrecht den Einzel- . staaten zu belasten. Der Bundesrat hat bis in die letzten Fahre an diesem Standpunkt festgehalten, und ich bin nicht in der Lage, Ihnen in Aussicht zu stellen, daß er von diesem Stand- punlt abweichen wird, s Hört! hört! bei de» Sozialdemokraten.� Daß das Reich diesen Standpunkt bisher eingenommen hat, ist durchaus in der Sache begründet. Der Herr Staatssekretär des Reichsjustizamts hat bei Erlaß des Einführungsgesetzes zum Bürger- liehen Gesetzbuch noch darauf hingewiesen, daß das Bergrecht eine Reihe von polizeilichen Rechten umfaßt, bei denen nach der Reichs- Verfassung das Reich nicht zuständig ist, und daß es nach der historischen Emwickelung in diefer Beziehung nicht empfehlenswert erscheine, die Kompetenz deS Reiches auszudehnen. Was nun die Interpellationen im einzelnen anbetrifft, so verlangt die Interpellation Albrecht eine Novelle zum Kranken- Versicherungsgesetz. Ich habe es bedauert, aus den Ausführungen deS Herrn Abg. Hue nicht des näheren entnehmen zu können, welche Be- stünmungen diese Novelle znm Krankenversicherungsgesetz ent- halten soll. Ich kann daher im gegenwärtigen Moment zu Ihrer Forderung nicht Stellung nehmen. Andeutungen aus seinen Ausführungen ließen mich aber darauf schließen, daß eS sich im wesentlichen um die Vornahme der geheimen Wahl der Knappschaftsältesten handelt. Diese Frage ist im Reichstage schon wiederholt erörtert worden und hat auch die Gesetzgebung Preußens beschäftigt. Ich brauche daher aus die Einzelheiten nicht einzugehen. Sieht man die Sache vom praktischen Gesichtspunkte an, so ist es Ihnen ja bekannt, daß der Z 3-i des Krankenversicherungsgesetzes, der van der geheimen Wahl der Delegierten zur Krankenkassen- Generalversammlung spricht, ausdrücklich auf daL KnappfchaftSweseu nicht übertragen worden ist. Die andere Interpellation wünscht die gesamte Regelung des Knappschaftswesens durch da-Z Reich. Das Kuappschaftswesen hängt aber so eng mit dein Bergrecht als solchem zusammen, daß eS inir nicht angängig erscheint, das Knappschaftswesen anä dem Bergrecht herauözm'chalen. Wie eng dieser Zusammenhang ist, das haben die gestrigen und heutigen Reden aus dem Hause bewiesen, die immer auf das Bergwesen übergingen. Eine Trennung ist also außerordentlich bedenklich. Herr Hue meinte, die preußische Regierung sei vielleicht in der Frage des Knappschastöwescns etwas liberaler als das preußische Parlament. Aber die preußische Regierung, so sagte er, habe aus Angst vor den Werksbesitzern gehandelt. Er hat bei dieser Ge- legenheil auch mit dem Worte„Körruption" gespielt. Wenn er der Regierung nichl den Vorwurf der Korruption machen wollte, so hätte er besser das Wort überhaupt nicht in den Mund genommen.(Zu- slimmung rechts.) Was die Behauptung anlangt, die preußische Regierung habe Angst vor den Zechenverwaltungen, so erkläre ich für die Regierung, daß sie ihre Politik aus Angst vor niemanden einrichtet. lLebhafter Beifall rechts, Widerspruch und Zurufe: Wadlrecht! links.) Es ist auf einen Vorgang in der Kom- Mission Bezug genommen worden. Mir sind diese Borgänge in der Kommission nichl bekannt. fZurnf links: Aber wahr sind sie l) Wären sie mir bekannt, so würde ich darüber nicht zu sprechen haben, iveit sie mir als vertrauliche bekannt geworden wären. (Sehr gut! rechts.) Ein dritter Vorschlag der Interpellationen richtet sich auf reichS- gesetzliche Regelung des Invaliden-, Witwen- und Waiseuwesens der Bergleute. Ich habe nicht genau entnehmen können, nach welcher Richtung hin diese reichsgesetzliche Regelung sich bewegen soll. Gegenwärtig liegen die Verhältnisse so, daß den Berg- arbeitern die reichsgesetzlichen VersichernngSwohllaten gesichert sind, wie jedem anderen Arbeiter, daß die Versicherung ausgeführt werden kann zum Teil bei bergrechtlichen Organisationen, daß die Organisation dieser knappichaftlichcn Organisationen von der reichSgesetzltchen Regelung nicht berührt wird und daß die Ge- Währung von Renten über die reichSgesetzlichcn Renten hinaus einer besonderen Gesetzgebung vorbehalten ist. Wenn das Reich gleiche Renten für alle Knappschaftsorganisationen vorschreiben wollte, wenn cS die Höhe der Beiträge und Leistungen obligatorisch machen wollte, so würde eö den verschiedenartigen Vor- hältnisten im Bergwesen nicht gerecht werden und andererseits gegenüber der Selbstverwaltung der ÄnappschaftSorgane einen sehr starken Trumpf ausspielen. Das preußische Statut setzt Mindest- leistungen fest, es geht aber von der Voraussetzung ans, daß die Leistungen nur das absolut Notwenige darstellen und durch frei- willige Leistungen zu ergänzen sind. Ich setze nun den Fall, wir hätten für daL Reich Mindestleistungen, etwas höher als in Preußen, dann würden zwischen den Aeltesten und den Werkleitern immer noch Verhandlungen über den Erlaß eines freie» Statuts bezüglich der Mehrleistungen notwendig sein. Der Effekt würde also der seilt, daß das Zustandekommen der Leistungen von dem Beschluß der Aeltesten und ver Werksbesitzer abhängig wäre. Ich glaube aber, daö Reich steht den Verhältnissen im Bergwesen praktiich viel ferner als die Landesregierungen. Unsere Einzelstaalen sind große Bergwer'Sbesitzeri ihre BergwertSvcrwaltungen— das werden mir auch die Sozialdcmo- kraten unter vier Angen zugeben— bemühen sich, für das Interesse der Arbeiter zu sorgen; sie haben auch schon manchen Erfolg erzielt. Sehen Sie sich die Verhältnisse in den Saargruben und anderswo an. sRa I na! bei den Sozialdemokraten.) Die Herren, die sich von einer reichsgesetzlichen Regelung so viel Vorteile versprechen, kennen die praktischen Verhältnisse nicht. Ohne achtlos vorbeizugehen an der Bedeutung deS Bergarbeiter- standes und an seinen Sorgen, möchte ich doch meinen, daß wir in einem Moment, wo die Staaten mit dem größten Bergbesitz an einer Revision ihrer Berggesetzgebung arbeiten, auf diese Revision warten.(Abgeordneter Hue: Noch fünfzig Jahre!) Sie tonnen nicht behaupten, daß die preußische Regierung in den letzten Jahren untätig gewesen ist, bielinehr hat sie daL Bestreben, ihre Berggesetzgebung zu verbessern; dasselbe gilt für Bayern und Sachsen. In diesem Moment den Weg der Reichsgesetz- gebung zu beschreiten, heißt die Konstruktion des Reiches und sein Verhältnis zu den Einzelsiaaten verkennen. Davor sollte man sich hüten.(Sehr richtig I rechts.) Auf Antrag des Abg. Burckhardt(wirtsch. Vg.) wird bc- schlössen, die Interpellationen zu besprechen. Dagegen stimmen die Konservativen! Abg. Osann(natl.): Die Besprechung der Interpellationen hier im Reichstage begrüße ich, weil hier auch Vertreter der Arbeiter zu- gegen sind, die im Landtage fehlen. Aber bei der Besprechung des preußischen Berggesetzes muß man auch feine Licht-, nicht nur seine Schattenseiten betrachten. Verantwortlich für das Gesetz ist auch das Zentrum. Die Einführung der geheimen Wahl in das Gesetz wäre eine Verbesserung gewesen. (Zuruf bei den Sozialdemokraten und dem Zentrum.) Ich bin nicht Mitglied des Abgeordnetenhauses, sonst härte ich gern an der Ver- besserung des Gesetzes mitgearbeitet. Mit Recht ist darauf hin- gewiesen, daß die Freizügigkeit für die Bergleute im Reich nicht bc- steht: beim Wegzug aus einem nach einem andern Bundesstaat verlieren sie ihre wohl ertvorbenen Rechte an die Knapp- schaftskasien! Wir stehen daher trotz der Erklärung des Herrn Staatssekretärs auf dem Standpunkt, daß es am besten sei, diese ganze Materie reichsgesetzlich zu regeln. Der Anlaß aber zu dieser Verhandlung heute ist der Streit im Ruhrrepier. Diesen hat Herr Hne nicht objektiv geschildert. Die Bergwerksbesitzer sind von vornherein an die Grenze dessen gegangen, was sie be- willigen konnten; deshalb glaubten die Arbeiter, sie wollten eine Machtprobe anstellen und sagen: Ihr müßt das Statut so an- nehmen, wie wir eS vorlegen. Trotzdem sind die Unter- nehmer noch weiter gegangen. Die Sozialdemokraten tadeln, daß man sich der namentlichen Abstimmung widersetzt hat. Sie ver- langen diese Abstimmung zur Kontrolle über die Vertreter der Arbeiter.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Bei einer anderen Art der Abstimmung wäre das Statut wohl noch an- genommen worden. Ich bedauere aufs tieffte, daß die Verhandlungen nicht zu einem Ergebnis geführt haben. Durch die Aussprache hier im Reichstage wollen wir die Kluft nicht erweitern, wir wollen weder den Werksbesitzern noch den Arbeitern die Schuld bei- messen, sondern wir sollten auf beide Seiten einzu- wirken suchen, um zum sozialen Frieden zu kommen.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Geheimer Oberbergrat Meißner: Der Abgeordnete Hue hat der preußischen Bergbehörde den Vorwurf gemacht, daß in der Berg- werkskommission falsche Zahlen über das Wagennullen abgegeben seien. Wir haben vertrauliche Mitteilungen über das Wagennullen in der Kommission gemacht, aus denen hervorging, daß ans einzelnen Zechen bis 28 Proz. der Wagen genullt wurden.(Zuruf bei den Sozialdemokraten.) Herr Sachse, die berg- polizeilichen Bestimmungen kommen hier nicht in Frage, eS handelt sich hier um rein private Erhebungen. Vertraulich haben wir diese Mitteilungen gemacht, weil wir nicht berechtigt lvaren, private Erhebungen zu veröffentlichen:(Sehr richsig! rccklS.) die Mitteilung der Zahlen an die Oeffentlichkeit hätte nur die Mißstimmung zwischen den Zechenbesitzern und den Arbeitern erhöht. Vergessen wurde, hinzuzufügen, daß trotz des Nullens von 28 Prozent der Lohn immer noch über 3 Mark täglich betnig. Abg. v. Bruckhausen(k.): Wir haben hier wieder das alte Lied gegen Preußen gehört. Dabei hat die preußische Regierung stets für die Minderbemittelten gesorgt, ich erinnere nur an die preußisch» Steuergesetzgebung.(Zustimmung rechts, Lachen bei den Sozialdemokraten.) Die Nationalliberalen, die hier für das geheime Wahlrecht schwärmen, erinnere ich an den Ausspruch des Abgeordneten Hilbck im preußischen Abgcordnetenhausc:„Durch das geheime Wahlrecht sind die Krankenkassen zu Brutstätten der Sozialdemokratie geworden."(Heiterkeit rechts.) Aber mögen die Herren sich unter sich auseinandersetzen, das ist Ihre eigene interne Angelegenheit. Die Darstellung, als ob sich die preußische Regierung vor den Bergwcrksbcsitzern fürchtet und dadurch ihre Maßnahmen zu erklären sind, weise ich entschieden zurück. Ein preusiischer Minister fürchtet sich nicht!(Lautes Lachen bei den Sozialdemokraten.) Wenn die Bergarbeiter sich zu Organi- sationen zusammenschließen auf königstreuer und christ- I i ch e r Grundlage und ihre Fiele in einer Form verfolgen, die sich mit dem Wesen einer königstreuen und christlichen Partei verträgt, werden wir sie unterstützen.(Bravol rechts.) Abg. Dr. Mugdan(frs. VpZ: Nur ein Teil der Konservativen ist n i ch t für eine reichsgesetzliche Regelung der Bergbauangelegen- hciten; denn die Wirtschaftliche Vereinigung, die ich doch zu den 5tonservativcn zählen muß, ist hier derselben Meinung wie wir. Mit Recht wird die Angelegenheit hier so ausführlich behandelt; denn da» preußische Abgeordnetenhaus hat hierbei tatsächlich ver- sagt. Auch ich empfinde die Angriffe auf Preußen— gleich Herrn v. Brockhausen— unangenehm; gerade als guter Preuße empfinde ich es mit Trauer, daß man von Preußen jetzt immer als von einem halbasiatischen Staate spricht. Ter Abgeordnete Hue war in der Lage, dem Zentrum nachzuweisen, daß es im Abgeordneten- haus nicht ebenso energisch für die Bergarbeiter eingetreten ist als hier im Reichstage.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Herr v. Brockhauscn konnte dasselbe der nationalliberalen Partei nachweisen. Ich halte einen solchen Zwiespalt zwischen dem Reichs- tag und dem Landtag des größten Bundesstaates nicht für gut und entnehme auch daraus, daß es notwendig ist, das Wahlsystem zum preußischen Landtag in Uebereinstimmuna zu bringen mit dem zum Reichstag.(Lebhaftes Sehr richtig! IinlS.) ES ist kein Grund vorhanden, die Bergarbeiter anders zu behandeln als die anderen; schon aus diesem Grunde ist eine rcichsgesetzliche Rege- lung notwendig. Die Erklärung des Oberbergrats Meißner war sehr unglücklich. Er erklärt das Wagennullen für eine private Handlung zwischen dem Bergwerköbesitzer und dem Arbeiter, welche die Oeffentlichkeit nichts anginge. Dabei ist gerade daS Wagennullen der Gegenstand des Streites der letzten Jahre gewesen (Sehr richtig! links), und die vertraulichen Mitteilungen in der Kommission beweisen, daß die Arbeiter das Recht auf ihrer Seite hatten. Um so besser wäre es gewesen, dies der Oeffentlichkeit bekannt zu geben. Das hätte nur dem Frieden dienen können. (Beifall bei den Freisinnigen.) .Hieraus wird ein Bertagungsantrag angenommen. Persönlich erklärt?l6g. Dr. Spahn(Z.): Ich habe das preußische Berggesetz von 1005 nicht an sich für annehmbar erklärt, sondern nur für eine Verbesserung gegenüber dem bestehenden Zustand. Außerdem bestreite ich auf das entschiedenste, daß ein ZentrumSmitglied des preußischen Abgeordnetenhauses für die öffentliche Wahl zu den KnappschastSkassen gestimmt bat. Abg. Hue(Soz.)(persönlich): Herr Spahn verwechselt offen- bar die Berggesctznovelle von 1005 mit der Knappschaftsnovellc von 1006. Ich babc nicht ein Wort von dem zurückzunehmen, was ich über die Haltung der Zentrumspartci gesagt habe. Nächste Sitzung: Sonnabend 11 Uhr. Tagesordnung: Fort- sctzung der heutigen Diskussion, Vichseuchengesetz, Gesetz über daS Tclegraphenwescn. Scheckgesetz. Schluß 6?L Uhr._ Die Budgetltommiffion. (17. Januar.) Die Sitzung wird eingeleitet mit einer längeren Besprechung der O b e r st l e u t n a n t L z u.l a g e n, die unter Durchbrechung des gewöhnlichen Aufrückungsganges gewährt werden sollen. Re- brent v. Ekern gibt eine Geschichte dieser Zulagenfrage (1150 M. pro Jahr), die den Reichstag schon oft beschäftigt hahe. Er ist für die Zulage, hat aber formelle Bedenken; auch der Korreferent Erzdergcr äußert dudgctrcchtliche Bedenken; der Äriegsmi nister und ein anderer RegierungSvertrcter be- gründen die Forderung damit, daß, nachdem die Marine ihre Offiziere besser gestellt, auch hier etwas hätte geschehen müssen. S ü d e k u m sieht in der heutigen Forderung daS Ende eines von der Militärverwaltung mit großem Geschick durchgeführten Feld- zugeS um die definitive Erhöhung der OberstlcutnantSgehälter auf Umwegen. Gröber lehnt die Verantwortung für die Erhöhung de? Gchälicr der Fregattenkapitäne für die Zentrumspartci ab; dafür haben Sic(zu den Freisinnigen) gestimmt. Eickhoff ruft: Wir stimmen auch jetzt wieder für die Oberst- leutnantSzulagc!(Große Heiterkeit und Rufe: Das bat niemand anders erwartet!) Nach längerer Debatte wird der Antrag Südckum, die Beschlußfassung auszusetzen, abgelehnt.(Der Block stimmt geschlossen dagegen.) Mit derselben Mehrheit wird sodann beschlossen, die Zahl der Zulagen für Preußen auf 235, für Sachsen auf 20, für Württemberg auf 12 festzusetzen. Kap. 25, Naturalvcrpflcgung. ist der Budgetkom- Mission nicht überwiesen, cS werden hier 150 840 000 M. gefordert. 11% Millionen mehr als im Borjahr. Kap. 20, B e t l e i d u n g und A u s r ü st u n g der Truppen. wird mit 82 714 000 M., Kap. 27, Garnison Verwaltung und Scrbis Wesen, mit 501ü Millionen Mark bewilligt. Zu Titel 10 des Kap. 27, in dem O'/a Millionen Ausgaben für Feuerung, Beleuchtung und Miete gefordert werden, wird das Anwachsen dieser Summe um Ms Million, das wohl auf die hohen Kohlcnpreise zurückzuführen ist, bemängelt. Ter Rcgicrunasvertretcr erklärt, daß auch die Mieten gestiegen sind!— Zu Titel 1l, Mieten für Kasernen nebst Zubehör(For- derung 7 839 700 M.), kritisiert Noske die Gepflogenheit, den Städten die Erbauung der Kasernen aufzutragen. Es sei daö eine Verschleierung der Schulden, die dem Militarismus zur Last fallen. Ten Städten lege man damit große Opfer auf. Die Städte gehen, wie die Verhandlungen im Stadtverordnetenkollcgium zu Hanau zeigen, auch nur sehr ungern auf solche Ansprüche der Militärverwaltung ein.— Die Militärverwaltung schweigt sich zu dieser heiklen Frage aus! Zu Titel 20, Scrbis, bemängelt Erzberger, daß dick Mictsentschädigung für verheiratete Feldwebel nur 120 M. beträgt. Die Forderung von 0 484 000 M. wird bewilligt.— Titel 22 betrifft die Manöverkosten von 2 092 880 M. Hierzu bemängelt Erzberger die schlechte Verpflegung der Soldaten: es seien Soldaten wegen der schlechten Ernährung umgefallen und krank geworden! Ter Kriegs-- minister hat nie etwas von Beschwerden über schlechte Er- nährung gehört; die Verpflegung sei geregelt und die Jntendan-- turcn seien verantwortlich für gute Verpflegung. Noske bringt zur Sprache, daß bei dem diesjährigen Kaisermanöver die Soldaten überanstrengt worden seien. Es sind Märsche bis z« 65 Kilometern gemacht worden und Hunderte von Soldaten vor Ueberanstrengung umgefallen. Ter Kriegsminister verteidigt diese Ucbungen: Das Manöver sei dazu da, um die Soldaten an Anstrengung zu gc- wohnen; Märsche von 50 Kilometern sind dabei nichts Seltenes! Er habe selbst eine Truppe gefragt, die 55 Kilometer marschiert war; davon sei nur e i n Mann zurückgeblieben.... Die Zcitungs- Nachrichten über die vielen Kranken seien unwahr.... Erz- berg er: Das Regiment 76 sei in Berlin durchgefahren, auf dem Schlesischen Bahnhos verpflegt und davon krank geworden. was dann ivohl den Anschein der Ueberanstrengung erweckt habe. — Abg. S t ü ck l c n trägt eine Reihe Nachrichten aus der bürgerlichen Presse vor, die alle von einer gewaltigen Ueberanstrengung und von vielen Erkrankungen berichten. Es seien Märsche von 76 Kilometern gemacht worden. Wenn das von der gut nationalliberalen Presse, die doch dem Militär so freundlich gegenübersteht, über» trieben war. so hätte man das berichtigen müssen. Der Kriegsminister teilt mit. daß von 55 800 Soldaten nur 303 erkrankt sind, darunter waren 153 Fußkranke; das sei ein ausgezeichneter Gesundheitszustand. Der englische Minister John B u r n S habe daS Manöver mitgemacht und obwohl er ein älterer Mann fei, ganz gut ertragen.... Noske wundert sich, daß die Militärverwaltung, die doch sonst gleich mit Straf antrügen bei der Hand ist, sich den Vorwurf der„mörderischen Ueberanstrengung" ruhig gefallen ließ! Märsche von 70 Kilo- meiern dürften auch im Kriege nicht vorkommen. Der Kriegs- minister stellt aus einer Tabelle fest, daß die größten Marsch- leistungen an einem Tage im Manöver 58 und 60 Kilometer bc» trugen. Kap. 28, Militärbauwesen, wird ohne Debatte er- ledigt. Zu Kap. 20. Militär- und Medizinalwesen � verlangt Erzberger eine Besserstellung der Militärärzte, Vogt-Hall führt Beschwerde darüber,.daß Soldaten ungeheilt aus dem Lazarett hinausgewiescn werden! Er erzählt einen Fall, wo ein Soldat, der sich im Diensse die Rippen verletzte und dem in 3 Operationen 2)2 Rippen her- ausgenommen wurden, ungeheilt und sehr entkräftet aus dem Lazarett hinausgewiescn wurde! Als er sich weigerte, drohte man ihm mit U eb e r w e i s ung an die Armenbehürde!! In einem anderen Falle wies man einen kranken Soldaten aus dem Lazarett, der dann 3 Monate später in einem Krankenhaus starb; die Militärbehörde weigerte sich, dem Krankenhaus Ersatz zu gewähren! Der Kriegsminister gesteht zu. daß das Ver- halten der Militärbehörden in diesen Fällen unrichtig ist; er will Remedur schaffen. Kap. 29 wird dann ohne weitere Debatte bewilligt. Bei Kap. 32, Pferdebeschaffung, entspinnt sich eine Aussprache über das sogenannte Pscrdcgeld. Jeder zur Haltung eines Pferdes berechtigte Offizier bekommt 1500 M. Erz- derger will die Bestimmung schärfer gefaßt wissen, damit nicht Pferdegeld mich dann gezahlt wird, wenn überhaupt keine Pferde gehalten werden. Die Militärverwaltung bält es für selbstver- ständlich, daß Pfcrdcgeld nur gezahlt werde, wenn ein Pferd gehalten wird. Nach längerer Debatte wird die an Pfcrdegeldern geforderte Summe bewilligt. parlamentarisches. Die Wahlprüfungstommission des Reichstages nahm gestern die rechnerische Prüfung der Wahl des Abg. Becker vor. Gültige Stimmen waren abgegeben 25 681. Becker hatte erhalten 14 197, FuSangcl 9275. Für Becker waren wegen der W ah l b e e i n- flussungen 932(welche Stimmen FuSangel zuzuzählen waren!, wegen formeller Verstöße 802 Stimmen zu kassieren und von dem Gesamtresultat in Abzug zu bringen. Nach Vornahme diesen Korrekturen verblieben für Becker noch 257 Stimmen über die Majorität, so daß die Wahlkommission beschloß, beim Plenum die Gültigkeit der Wahl zu beantragen. Petitionstommission. In der ersten Sitzung nach den Reichstagsfcrien kam eb zu einer Auseinandersetzung wegen des Oktrois: der zur Ab- schaffung bestimmten indirekten Gemeindcabgaben auf Lebens- mittel. Zwei bayerische Reichsboten, der liberale MagistratSrat Wölzl- München und der Zentrumsmann Irl stritten für die verlorene Sache. Sie beantragten, die Petition dem Reichskanzler zur Berücksichtigung bezw. zur Erwägung zu überweisen. Die Kommission ging zur Tagesordnung über. Die Legende von der Wiedereinführung abgeschaffter Hebensmittclbesteuerungen durch die sozialdemokratischen Gemeindevertretungen(Fürth usw.) wurde vom Gen. Sachse zerstört. Im Auftrage von angeblich 200 Kollegen wünschte Dr. G L b e l in Gada eine Aenderung des§ 63 des Handelsgesetzbuches, um für die Kraftwerkzeuge der Aerzte Steuerfreiheit deS Benzins zu er- zielen. Die Kommission erklärte gegen 5 Stimmen diesen Antrag für ungeeignet zur Behandlung im Plenum. Eine große Anzahl Petitionen wurden zur Behandlung hfl die Spezialkommissionen verwiesen. Die Kommission für das Gesetz zur Sicherung der Bau sordcrungen hat in ihrer Sitzung vom 17. Januar den sozial- demokratischen Antrag, die Geltung des Gesetzes auf das ganze Reich auszudehnen, avgelehnt(mit einer Stimme Mehr- Ivit). Die Konservativen, Nationalliberalen und Freisinnigen jlinimten dafür, dag durch landesherrliche Verordnung bestimmt werde, in welchen Gemeinden das Gesetz Anwendung finde» solle. Hingegen wurde der Antrag der Sozialdemokraten und des Zentrums, auch die E r s a tz b a u t e n(neben den eigcnt- lichen Neubauten) dem Gesetz zu unterstellen, angenommen. Die Beschränkung des Schutzes auf solche Gebäude, die zu Wohn- oder gewerblichen Zwecken dienen, wurde aus dem Entwurf, ent- sprechend dem Antrag der Sozialdemokraten, gestrichen. Ein An- trag des Zentrums, für Bauten, die weniger als 10 000 M. Auswand erfordern, die Anwendung des Gesetzes auszuschließen, Lurde a l) g ei e h n t. Nächste Sitzung: Dienstag, den 21. Januar. Soziales. ■ Vom Putzervertrag. 9 M- Restlohn beanspruchte der Putzerträger P. vom Unter- nehmer Seidler durch Klage beim Berliner Gewerbegericht. Ter Beklagte verweigerte die Zahlung und behauptete, er habe mit P. als Träger überhaupt nichts zu tun gehabt. P. müsse sich an den Kolonnenführer Amberg halten. Dieser habe die Putzarbeit ein- schließlich Träger übernommen. Beklagter legte auch der Kammer� 3 eine von Limberg ausgestellte Quittung über eine größere Summe vor, worin ausdrücklich über den Trägerlohn mit- quittiert wurde.— Ter Kläger wollte aber von dem Kolonnen- führer wenig wissen. Seidlitz sei der Arbeitgeber, meinte er, und hätte für den Rcstlohn zu hasten, den der Kolonnenführer ihm nicht gegeben habe. Der Vorsitzender Dr. Preraucr erklärte darauf: Das ist doch ein Putzervertrag. Durch einen solchen werde die Arbeit entweder einschließlich Träger übertragen oder aus- schließlich. Hier sei sie vom Kolonnenführer einschließlich Träger übernommen worden, also könne der Träger wegen Lohnrestes sich nur an den Kolonnenführer halten. Auf Anraten der Kammer nahm dann P. die Klage gegen Seidlitz zurück, um den Kolonnen- führer Amberg zu verklagen. Die Entscheidung ist u. E. eine irrige. Die Beratung der Gewerbeordnung wird hoffentlich Gelegenheit zum Entgegentreten gegen die im Baugewerbe sich mehrende Praxis geben, deni Arbeiter ein Recht gegen den abzusprechen, der die Frucht der Arbeit ein- geheimst hat._ Ein„wohlwollender" Chef. Merkwürdige Begriffe von„Wohlwollen" gegenüber seinen weiblichen Angestellten entwickelte gestern vor der ersten Kammer des Berliner Äaufmannsgenchts der Kaufmann Johannes Schulz, Inhaber der Allgemeinen Beleuchtungs-Gesellschaft. Die Klägerin, Kontoristin Elsbeth F., ein löjährigcs Mädchen von ruhigem und sicherem Auftreten, hat ihre Stellung in genannter Firma nach einwöchiger Tätigkeit auf Grund eines Borfalls sofort aufgegeben, den sie wie �olgt schildert: Der Geschäftsinhaber Sch. sei mit ihr an dem letzten Tage ihrer Tätigkeit allein im Privatkontor ge- Wesen und habe ihr einen Brief diktiert. Plötzlich habe er sie aufgefordert, ihm einen Kus> zu gebe» und, als sie sich energisch ioeigerte, sie auf seinen Tchosi zu ziehen versucht. Sie habe danach getrachtet, aus dem Kontor zu entschlüpfen, der große, stämmige Prinzipal habe sich aber vor die Klinke gestellt und ihr den Aus- gang verwehrt. Nun habe die Klägerin gesagt:„Wenn Sic mich nicht hinauslassen, so schreie ich, daß das ganze- Arbeiterpersonal zusannnenläuft." Ter Szene,.sei schließlich dadurch ein Ende gemacht worden, daß ein Kunde inS Geschäft kam. Zu dieser Dar- stellung bemerkt der beklagte Chef, so, wie es die Klägerin schildert, habe sich der Vorfall nicht abgespielt, er habe solche Liebesspäße nicht nötig, denn er habe eine sehr hübsche Fraü. Wenn sich aber selbst die Szene so abgespielt haben sollte, so könne er darin noch nichts Unsittliches erblicken, es sei das dann, nur ein gewisses Wohlwollen, wie er überhaupt gegenüber seinen Angestellten ein sehr wohlwollender Ehef sei. Er beantrage, eine Anzahl anderer weiblicher Angestellter der Firmg zu vernehmen, die zum teil bedeutend hübscher als die Klägerin sind und bekunden können, daß ihre weibliche Ehre durch ihn nicht verletzt worden Ist. Das Kaufmannsgcricht maß der Aussage der Klägerin mehr Glauben bei als der des Prinzipals, indem es ihr den Eid über die Vorgänge im Pribattontor zuschob. Einerseits habe Beklagter einen Teil der Darstellung der Klägerin selbst zugegeben, anderer- scits machte die Klägerin einen glaubwürdigen Eindruck. Bei Eidesleistung müsse Verurteilung der Firma ersolgen, denn Bc- klagter habe sich als Ehemann gegenüber einem unbescholtenen jungen Mädchen•und als Chef gegenüber der Angestellten im höchsten Grade ehrverletzend benommen.— Vor Eidesleistung zahlte der Beklagte vergleichsweise 7S M., auf den Rest von 25 M. ver- zichtete Klägerin._ flue Industrie und Handel Exportbedürfnis der Eisenindustrie. Die österreichischen Eisen- und Hüttenwerke klagen in beweglichsten Tönen über den Einbruch ihrer deutschen Vettern, weil diese un- geachtet der hohen Zoll- und Frachtsätze die österreichischen Werke unterbieten. Seit Monaten wird von Lübeck und Stettin nach Oesterreich aus Rheinland-Westfalen Halbzeug verkauft— selbstverständlich zu Bedingungen, die sowohl hinsichtlich der Lieferfrist als der Preise für die Abnehmer günstiger waren als die der öfter- reichijchen Unternehmungen. Die oberschlesischen Werke sind zwar noch durch die Absatzkonvention bis zum Jahresschlüsse gebunden, haben aber gleichfalls schon mit österreichischen Verbrauchern ihre Schlüsse gemacht, die auch zur Ausführung gelangen werden, wenn nicht vorher zwischen den österreichischen und den schlesischen Werken zum gegenseitigen Schutz der Absatzgebiete neue Vereinbarungen ge- troffen werden sollten. Und nicht bloß in den Grenzgebieten verschärft sich die Kon- kurrenz; die großen deutschen Werke von Oberschlesien wie vom Rheinland entsenden Offerte und Vertreter überall hin und bieten prompte Lieferung sowie solche Bedingungen an, die den Kunden jedenfalls konveniere»— nur um ihre Produkte anzubringen, die Beschäftigung im alten Umfange aufrechtzuerhalten und eine Be- triebsreduktion zu vermeiden. Das Sinken der Konjunktur ist auch an der K l e i n e i s e n» induftrie nicht spurlos vorübergegangen, und zwar drückt sich die Depression sowohl in der starken Verminderung des Auftragbestandes und dem Zögern der Verbraucher im Abschlüsse neuer Bestellungen als auch in den weichenden Preisen nuS. Aber selbst zu gedrückten Preisen kommt wenig neues Geschäft zustande, weil die Händler infolge Zurückhaltung und iir der Erwartung weiterer Preissenkungen mit neuen Aufträgen nur in beschränktem Umfange herauskommen. Dies bezieht sich namentlich ans Baubedarf,' doch mackit sich die abgeschwächte Nachfrage auch auf anderen Gebieten bemerkbar. Der Niedergang verallgemeinert sich immer mehr und der schwere Konkurrenzkampf der deutschen Eisenindustrie, die heute die englischen und österreichischen Eisenwaren zu unterbieten sich be- müht, ist nur ein Symptom der Zustände auf dem Warenmarkte überhaupt._ Arbeiterentlassungen bei Krupp. Die„Köln. Volksztg." läßt sich aus Essen melden: Der Arbeitsmangel bei der Firma Fr. Krupp, von dem wir berichteten, macht sich immer mehr bemerkbar. Be- troffen werden davon fast ausschließlich die mit Herstellung von Geschützmaterial beschäftigten Betriebe. In den letzten Tagen wurden wieder etwa 200 Arbeiter wegen Arbeitsmangel entlassen. Wenn von diesen Kündigungen auch größtenteils unverheiratete Arbeiter mit weniger Dienstjahren getroffen werden, so sind Härten doch nicht vermieden worden, indem sich unter den Gekündigten Leute befinden bis 8. 10, ja mit 17 Dienstjahren. Diese Härten, die um so schwerer ins Gewicht fallen, als den Be- treffenden ihre eingezahlten Beiträge zur Pensionskasse der Firma(21/z Proz. des Lahnes) verlustig gehen, hätten sich vermeiden lassen, wenn die Firma der Arbeiterschaft frühzeitig Mitteilung über die notwendigen Entlassungen gemacht hätte.— Was die letztere Bemerkung besagen soll, können wir nicht erraten. Die zur Wohl- fahrtskasse geleisteten Beträge werden auf keinen Fall zurückgezahlt. — Aus Dortmund meldet das Blatt: Von der Entlassung der Ausländer(Kroaten usw.) wurde letzt- hin vielfach in der Presse berichtet, u. a. hatte auch die Hütte „Phönix" die auf Zeche„Crone" beschäftigten Kroaten entlassen. Die Harpener Bergbaugesellschaft lZeche„Preußen I und II") hat die auf Zeche„Crone" entlassenen Kroaten fast alle eingestellt. Insolvenzen von Getreidefirmen. In Zahlungsschwierigkeiten geraten ist die Getreidefirma Theodor Levy in Guben. Die Passiven werden auf Million Mark geschätzt.— Die Getreidefirma Stolzmann u. Bruns in Spandau hat mit ihren Gläubigern einen Akkord auf der Grundlage von 50 Proz. geschlossen.— In Duisburg ist die Finna Löivensiein u. Co. mit 3- bis 100 000 M. Passiven in Zahlungsschwierigkeiten geraten._ Hub der frauenbeweefung. Die Hochachtung vor der deutschen Frau. Man muß es unseren Stockreaktionären lassen:�sie sind niemals um schwungvolle Phrasen verlegen! In der Kommissioiissitzung des Blockparlaments, in der das Vereinsgesetz beraten wurde, beantragten die Konservativen, die Frauen von den Wählerversammlungen auS« zuschließen. Mit— der ästhetischen Würde, die den Zirkus Busch- Leuten so wohl ansteht und im östlichen Preußen kultiviert wird, erklärte der Abg. Dietrich, der Antrag seiner Partei„sei der— Hochachtung bor der deutschen Frau" enlspruugen. die den Roheiten des Wahlkampfes entrückt werden müsse. Dürften die Frauen in die Wählerversammlungen hinein, so sei das der erste bc- denkliche Schritt zur Verleihmtg deS allgemeinen Stimmrechts an die Frauen. Da hat in einem Atemzuge der Realismus brutalster Sorte den Idealismus totgeschlagen, der im Weibe die Krone der Schöpfung preist, deren Süße und Zartheit nicht von der Rauheit des öffent- lichen Lebens beeinträchtigt werden dürfe. Man spricht von Hoch- achtung vor dem Weibe und sträubt sich dagegen, es auS der Gefangenschaft der Rechtlosigkeit und Unmündigkeit entschlüpfen zu lassen, damit es Sklavin bleibe dem Manne. Man spricht von Hoch- achtung vor dem Weibe und verteitigt die Sklaverei der Gesinde- ordnung, damit der Ausbeutung der Proletarerin keine Schranke gesetzt werde. Zu den rohcften, gesundheitsschädlichsten Arbeiten zwingt das ostpreußische Junker-Aesthetcntum die Arbeiterin, läßt sie die rohe Fäuste männlicher Fronvogte spüren, oft genug ein Spielball viehischer Sinnlichkeit edelblütigcr Sprößlinge werden, und wirst die verführten und verlassenen Landmädchen auf den Markt der großstädtischen Prostitution, über welche jenes Aesthetentum dann wieder die Schale sittlicher Entrüstung ausgießt. Bei allen Reaktionären stellt jedesmal eine rührende Fürsorge um das weib- liche Geschlecht sich ein, sobald dieiem Rechte eingeräumt werden sollen. Die Frau kami unter ihren Pflichten zusaimnciil�echen. das Junkertum kümmert sich nicht darum. Auf seinen Gütern müssen Frauen für 00 Pfennige pro Tag von Tagesanbruch bis in die sinkende Stacht bei übermenschlicher Anstrengung arbeiten. Schwangere werden bis zur letzten Stunde ausgenutzt, hinausgetrieben. In elenden Hütten sperrt man die hochgeachtete Frau ein. Schweine und Ochsen wohnen oft besser als Landarbeiterinnen. So sieht es mst der junkerlichen Hochachtung vor dem Weibe aus. Mau betrachtet es als Spielzeug— oder Ausbeutungsobjekt. Versammlungen— Veranstaltungen. Fnedrichshagen. Montag, den 20. Januar. 8>/z Uhr, im Restaurant „WilhelmSbad", Seestr. 45: Versammlung. Vortrag: Genosse Dupom:„Die Frau in der Gemeinde". Tegel-Borsigwaldc. Mittwoch, den 22. Januar, S1/., Uhr, in Tegel im Lokale von Schmidt, Schlieperstr. 64, Vortrag. Sonnabend, den 29. Februar, in Tegel, in Trapps Festsälen, drittes Stiftungsfest. Billetts gelangen im Vereinslolal zur Ausgabe._ ÖerichtB-Zeitungc Ein Anarchistenprozess beschäftigte gestern die dritte Strafkammer des Landgerichts I. Aus der Untersuchungshaft wurde der 37 Jahre alte, verheiratete Tapezierer Karl Kiel meyer vorgeführt. Seit der Verhaftung des Anarchisten Oesterreich, der am 27. Februar wegen Hochverrats vor dem Reichsgericht stehen wird, führt der Angeklagte die Re- daktion des anarchistischen Organs„Freier Arbeiter". Die An- klage macht den Angeklagten für drei Artikel des Blattes, in welchem nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Beleidigungen der Nnteroffiziere des deutschen Heeres, Verächtlichmachung von Staats- cinrichtungen und Aufreizungen zu Gewalttätigkeiten enthalten sind, verantwortlich.— Auf Antrag des Staatsanwalts Dr. Fiegen beschloß der Gerichtshof den Ausschluß der Oeffentlichkeit während der Dauer der Verhandlung. Der Staatsanwalt hielt die Schuld des Angeklagten im Sinne der Anklage für erwiesen und be- antragte ei» Jahr Gefängnis. Nach zweistündiger Beratung ver- kündete der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Lieber, das Urteil dahin: In der ersten inkriminierten Nummer handelt cs sich um einen Artikel„Errungenschaft", in welchem der deutsche Unter- offizierstand beleidigt wird. Gleichzeitig wird in diesem Artikel eine Staatseinrichtung, nämlich die Altersversicherung, durch Be- hauptung unwahrer Tatsachen verächtlich gemacht, indem behauptet wird, daß die Beiträge für diese Versicherung in Wirklichkeit ganz allein von den Arbeitern zu tragen sind und daß die Einrichtung der Quittungskarten nur als Uriasbrief anzusehen ist. damit die Arbeitgeber in der Lage sind, unbequeme Arbeiter zu kennzeichnen. In einem weiteren Artikel„Der Patriotismus als Stütze der kapitalistischen Gesellschaft" ist eine Aufforderung zum Klassenhaß enthalten, in dem dritten Artikel„Seid AntiMilitaristen" eine Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze. Was die Straf- zumessung betrifft, so hat der Gerichtshof erwogen, daß der An- geklagte schon eine Vorstrafe wegen ähnlicher Vergehen in Höhe von drei Monaten erlitten hat, ferner, daß den Bestrebungen, die bestehende Ordnung zu unterminieren, mit aller Schärfe von den- jenigen, die die bestehende Ordnung zu schützen haben, entgegen- getreten werden muß. Es war ferner zu erwägen, daß die Schreiber solcher Artikel sicher in ihrem Redaktionszimmcr sitzen, diejenigen aber, auf die solche aufreizenden Artikel wirken sollen, sich die Köpfe einrennen und viel Unglück über sie gebracht wird. Deshalb hat der Gerichtshof auf ein Jahr Gefängnis erkannt und dem Angeklagten einen Monat Untersuchungshaft angerechnet. * *... Das horrende Strafmaß ist, wie die Urteilsbegründung zeigt, auf politische Gründe zurückzuführen. Eine Rechtsprechung, die von politischen Motiven getragen ist, ist das Kchrbild einer Ge- rechtigkeit, die nach dem Zugeständnis des trefflichen Juristen Brüggemann um so ängstlicher sich vor der politischen Leidenschaft hüten soll, je ferner der Richter den Ansichten des Angeklagten steht. Lediglich durchaus falsche Anschauungen des Gerichts konnten dies zu der Ansicht verleiten, das Altersversicherungsgesetz werde ver- ächtlich gemacht, weil durchaus der Wahrheit entsprechend behauptet war, die Lasten der Versicherung werden allein von den Arbeiter» getragen. Freilich hat der Arbeiter und der Arbeitgeber je die Hälfte der Markenbeiträge zu zahlen. Der Teil, den hiernach nominell der Arbeitgeber zahlt, ist aber nichts weiter als ein von vornherein feststehender Teil des Lohnes. In Wahrheit trägt dem- nach auch den Teil der Markcnbeiträge, den der Arbeitgeber zu ent- richten hat, der Arbeiter. Das ist keineswegs lediglich anarchistische oder sozialdemokratische Ansicht, sondern eine Ansicht, die von Mit- gliedern aller Parteien ausgesprochen ist: wir erinnern unter anderem an die Darlegungen des verstorbenen konservativen Präsidenten des Neichsversicherungsamtes Dr. Bödiker. Gleiche Urteile über die Natur des vom Arbeitgeber zu zahlenden Beitrages haben liberale und Zentrumsabgeordnete gefällt. Jeder, der nationalökonomische Kenntnisse besitzt und die Gründe für die Höhe oder Tiefe des Lohnes kennt, auf den wirklichen Zusammen- hang der Tinge eingeht und nicht an der Oberfläche der Er- scheinungen haften bleibt, wird die vom Landgericht als„wissentlich unwahre Behauptung" mit hoher Gefängnisstrafe belegte An- schauung vertreten müssen. Der Angeklagte ist in diesem Punkt— der Inhalt der anderen Artikel ist aus der vorstehenden Urteils- begründung nicht zu entnehmen— völlig ungerecht bestraft. Der Widerspruch des Urteils mit der Gerechtigkeit ist freilich weit weniger den einzelnen Richtern als dem System zur Last zu legen, das immer mehr darauf ausgeht, statt über das Vorliegen von Tatsachen über die Richtigkeit oder Unrichtigkeit politischer oder wissenschaftlicher Ansichten Gerichte entscheiden zu lassen. Eme solche Entscheidung ist mit dem Zweck einer gerechten Justiz un- vereinbar und übersteigt die Fähigkeiten auch des gelehrtesten Richters._ Ein Dienstmädchenjäger mußte sich gestern vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts III verantworten. Wegen tätlicher Beleidigung war der A r ch i t e k t HansRüttner aus Friedenau angeklagt.— Ter Auge- schuldigte, der seinerzeit in Karlshorst wohnte, ist seit mehreren Jahren verheiratet. Er weicht aber, wenn sich ihm die Gelcgenhclt bietet, gern vom Pfade der chemännlichcn Tugend ab. Zu dieien Liebeleien schienen ihm am besten— die von ihm engaglertcn. Dienstmädchen geeignet. Im Sommer vorigen Jahres war bei ihm ein Dienstmädchen Anna B. in Stellung. Das erst s i c b z e h n- jähr ige Mädchen setzte allen Annäherungsversuchen chrcS verliebten Tiensthcrrn hartnäckigen Widerstand entgegen. Als der Angeklagte aber eines Nachts in der allerdürftigsten Toilette in ihrer Kammer erschien und zudringlich wurde, erhob sie ein mörderisches Hülsegcschrei, durch welches das ganze Haus alarmiert wurde. Als sich das Mädchen bei ihrer T i e imt- Herrin beklagte, beruhigte sie diese Dame mit den Worten:„so etwas ist doch nicht so schlimm, so et w a s kommt doch alle Tage vor!" Diese Aeußerung der„Gnädigen", die gewiß in ihrer Mußezeit genug über die Dienstbotcnplagc und Unsittlich- keit der„niederen Stände" zu klagen weiß, war natürlich kein Hindcrungsgrund für den geilen Architekt, auch ein z w e i t e S Dienstmädchen zu attackieren. Das nahm die Hülse ihrer Eltern und der Polizei in Anspruch. Das S ch ö f f e n g e r i ch t Lichtenberg verurteilte den Angeklagten zu der milden Strafe von 3 0 0 Mark. Tie S t a a t s a n w a l t s ch a f t legte hiergegen Berufung ein und beantragte die Bestrafung des R., der seine Gewalt als Dienstherr in der verwerflichsten Weise mißbraucht habe, zu einer Gefängnisstrafe. Das Gericht belies eS bei dem ersten Urteil und verwarf die Berufung. VerUner MnrktprcHe. Slu3 vem amtUieii»enihl der städtilchen tHiuktbnlldi-Dircltivn. lGroßbandel.) Lchsciifteiich la 70—72 vr. 100 Pfd., IIa«4 69. nia 56-59. Buli-uflelsch la 67—72, IIa 56-66. ftübc, fett 50—58. do. mager 38— 46. gicffcr 52—60. Bullen, dänische 53—65. ftnlbflciich, Dopvellender 110—130, Maslkälbcr la 90—100. IIa 80—89, Kälber gcr. gen. 60—76, do. boll. 50— 56. Hainmelflench Mast» lämmer 76—78, Hammel la 68—72. IIa 62-67, ungar. 0,00, Schale 47-— 60. schweniellei! ch 51—59. Rehwild la per Vlmid 0,00 IIa 0,00. Rotwild la per Psimd 0,40—0,48, do. IIa 0,30—0,39, do. Kälber 0,40—0,55. Damwild 0,40—0.60, do. Kälber 0,60—0,70. Wildichweine per Pfd. 0,30—0,40. Frischlinge per Psd. 0,50—0,60. Kaninchen, groß,.Stück 0.80 biS —1,10, do. klein 0,00. Haien, groß per stück 3,40—3,70. do. mittel und klein stück 2.00—3.00. Wildeiuen per stück 0,00. Falmiciihähnt la, junge 2,75—3,25, do. IIa und alte 1,50—2,50. Fasanen Hennen 1,00— 2,25. Hühner. la per Stück 1,60—3, dito IIa 1— 1,50, Tauben la 0,50— 0,90. do. IIa. 0,00, do. alte 0,60-0.70, do. iial. 1,10. Ente», per Stück 0,00, do russische per Stück 0,00. do. Hamburger, per Stück 3,20 bis 3,50. Mänse per Pid. 0,50—0,63. do. Oderbrucher per Psiind 0 60—0,65, do. rusi. p. St. 0.50—0,56. PoulelS per stück 1,20—1,50. Puten la p. Psd. 0,70—0,80, do. IIa 0,50-0,55. H-chN ver l00_$tmtb 84—94, do. matt 95—103, do groß 53—62, do. groß-millel 75—62. ssander, unsortiert 0,00, do. groß 75, do. matt 91— 101. Schleie, groß Ö 00, do. uns. 0,00, do. IIa 50-73.«ole, 0,00. do. kleiii-mittcl 0,00, do. groß 0,00. Karpfen. 70— 80er 51—54, 50er, stumpf 51—56, do. franz., 70— 100er 53—57. Plötzen 41—50, do. malt 34—38. Aland 49—55. Quappen 0,00. Bleisische 0,00, Weis 0,00. Bunte Fische 23—50. Bmic 68—76, do. matt 48—57. Bleie 48, do. matt 30-41. Karauschen 0,00. Winter-Rheinlach», per 100 Pjunb 0.00, Amerikanischer Lachs la. per 100 Pfund 110—130, do. IIa 90-100. Seelachs, per 100 Psund 15—20. Flundern, Kieler, Stiege la 2-6. do. mitlel, Kiste 0,00, do. Hamb, stiege 3—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 0,00, IIa 0,09. Bücklinge. Kieler per Wall'2—3,00, schwedische 2,00—2,50, englische 0,00. Sprotten, Danzsger Kiste 0.70. do. Rügenwalder. Kiste 0,70.'Aale. groß per Psund UO— 1.40. mittelgroß 0.80—1.10, klein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5,00—9,00. Schellfische, Kiste 3,00—4,00. dito Kiste 2,50. Sardellen. 1902 er per Anker 98. 1 904er 98, l 905er 98, 1906er 85— 90. Schottische Vollberinge 1905 0,00, large 40—44. füll. 38—40. 36—42, deutsche 30—40. Heringe, ncite Masses, per'/« To. 0,00. Sardinen, russ.. Faß 1,50—1.«. Bratheringe Faß 1,20- 1,40. do. Büchse(4 Liter) 1.40—1.70. Neunaugen. Schocksaß 11. do. kleine 5—6. do. Riesen» 14. Krebse per Schock 0,00, große 0 00, do. mittelgroße 0,00, dito kleine 0.00 cm 0,00, do. unsortiert 0,00, Galizier, groß 0,00. Seemuscheln 100 St. 1,00. Eier, Land-, unsortierl per Schuck 4,00—5.80, do. große 6,00— 6,50. Butter per 100 Psd. la 123-126, IIa 116-123. lila 112-115. absallendl 100-106. Saure Gurken S-bock 4.00. Psefiergurken Schock 4.00. Kartosteln per 100 Plund Dabersche 3,00—3,50, weiße runde 2,75— 3,25, mag. bon. 300—350. Porree, per Schock 1,50—1,75. Meerrettich. Schock 4—12. Spinal per 100 Psund 20—40. sellene. per schock 3—6, do. pomm. 6—9,50. Zwiebeln per 100 Psd. 2—3,50. PelerjUie. grün, Schockbund 0,80—1,50. Rettich, bayrischer, per Stück 0.06—0,10, hiesiger, per Schock 0,00. Mohrrüben, 100 Psund 3.00 bis 4.00. Karotten, per 100 Psund 10—15. Wirsingkobl v. Schock 3—7. Rotkohl. Schock 4—8. Weißkohl p. 100 Psd. 2,00-3,50. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 0,00, do. Erjurter 0,00, do. italienischer 100 Slück 26—35, do. in Körben 18 Stück 1,25—2,25. Rosenkohl, per 100 Psund 16—30. Grünkohl 5.00-8.00. Kohlrüben, Schock 2,59—6,00. Petersilienwurzelu, per>00 Psd. 5—6, Schockbund 5—6,00. Schnittlauch. Töpse Duhd. 3— 4,00. Tomaten, kanarische, per Kiste 1,00-3,00. Rote Rüben, Ver 100 Psund 2,50—3.00. Rübchen, Beelitzer, per 100 Psund 0.00, do. Teltower 3—18. Eskarol, per Schock 18-24. Endioie», per Schock 20. Birnen per 100 Psd. Tiroler 0,00, Kochbirnen 3—7, Tafeldirnen la 18-25, do. IIa 6-17, JtciL 10-22. Aepsel. per 100 Psund, Tiroler la 22-30, do. Na 12—20, do. lose, per 100 Psund 0,00. do. in Kisten 120 Psd. 30-50. Most-, bies., 100 Psd. 0.00. Koch. 5-11, Tasel- äpsel la 15—24. do. IIa 8—12. Amerikaner. perFaß 10—30, Italiener, lose, 100 Psd. 8—12, do. in Körben per 100 Psd. 13—25, do. in Kisten 10—25. Wallnüsse 0,00. Paranüsse 0,00. Haselnüsse, lange, 100 Psund 0,00, do. runde sranz. 0,00. Weintrauben, Almeria, per Faß 4—18. Ananas I, per Psund 0,80—0,90. do. II 0,40—0,60. Bananen, gelb, per 100 Psund 8—20. Kokosnüsse per 100 Stück 0,00. Krach- mandel» per 100 Psd. 65—115. Maronen, ital., per 100 Psund 9—20. Feigen, Kranz- per 100 Psd. 20-22. do. Trommel- per 100 Psd. 40, do. in Kisten 28—58. Traubenrosinen per 100 Psund 65—120. Zitronen. Weifina. 300 Stück 7,25—10,00. do. 360 Stück 9.00—9.50. do. 200 Stück 0.00. do. 150 Stück 0.00. Apfelsinen. Murcia. 200 Stück 7,00—11,00, do. 300 Stück 7,00—11,00. do. Valencia 420 Stück 10—25, do. 714 Stück 12-18,60, do. Messina-Blut 100 Stück 8-9, do. 150 Stück 9-10. Mandarinen, Schachtel 0,45-2,00, do. 420 Stück 0,00, do. 100 Psund 17—22. Datteln, per 100 Kart. 35—45. Johannisbrot, per 100 Pfund 10—15- iVerantwortlichcr Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für deo Mjeratenteil vcr«itw.: Tj. Blötk» Verlin. Druck u. Verlag: BorwärÄ Muchbruckeret u. Lcrlagsanjtalt foul Hmger& Co., Berlin SW» Nr. 15. 25. Iahrgavg. 2. KkilM in.Annrls" fetlinn WdsdlM. Soauabeud. 18. laniwt 1908. ZoNtlig, isfit 19. Janilkr, stiili 8 Uhr, von den hekanntkn Stellen: Flugblatt-Uerbreitung in Groß-Keriin. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste! In Spa»dau steht uns das Lokal„Ulrichs Konzert- und Ballhaus", Havelstr. 20. zu allen Veranstaltungen zur Verfügung. In Groß-Beere» hat der Inhaber des erst kürzlich freigegebenen Lokal„Restaurant Fichtenwäldchen", Berliner Strotze 99, Herr O. Heinze, seine Unterschrift zurückgezogen. Wir ersuchen speziell die Arbeiterradfahrer, dies zu beachten. Der.Lotterieverein Fortuna" veranstaltet am 1. Februar cr. in dem Lokal„Kaiser-Wilhelms-Garten" in Friedenau, Rheinstr. 65, einen Maskenball. Da uns dies Lokal zu Versammlungen beharrlich verweigert wird, so ersuchen wir, alle dortigen Veranstaltungen streng zu meiden. _ Die Lokalkommission. Rixdorf. Achtung! Zu der am Sonntag, den 19. Januar, früh gl/z Uhr, staltfindenden Flugblattverbreitung ersuchen wir unsere Mitglieder sich recht zahlreich und pünktlich in ihren Zahlstellen ein- zufinden. Der Vorstand. Charlottenburg. Am Sonntag findet eine Flugblattverbreitung statt. Die Parteigenossen werden dringend ersucht sich äußerst rege hieran zu beteiligen und sich rechtzeitig in den bekannten Lokalen einzufinden. Der Vorstand. Wilmersdorf. Die Flugblattverbreitung am Sonntag findet früh 8 Uhr von den bekannten Stellen aus statt. Rummelsburg. Am Dienstag, den 21. Januar, abends 8� Uhr, findet im Saale der Witwe Weigel eine öffentliche Ver- sammlung für Männer und Frauen mit folgender Tagesordnung statt: 1. Berichterstattung der sozialdemokratischen Gemeindever- treter. 2. Freie Diskussion. 3. Wahl eines Komitees für die be- vorstehenden Gemeindewahlen. 4. Verschiedenes. Zu dieser Ver- sammlung wird am Sonntag ein Extra-Flugblatt verbreitet. Der Vorstand. Stralau. Sonntag, den 19. Januar, nachmittags 2 Uhr, im Restaurant Locke, Alt-Stralau 5: Generalversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: Vortrag, Bericht des Vorstandes, Neuwahl desselben, Anträge und Verschiedenes. Pflicht eines jeden Genossen ist es, pünktlich zu erscheinen. Im Anschluß hieran findet in den„Markgrafensälcn" ein Unterhaltungsabend statt, veranstaltet von den Berliner Partei- genossen. Rezitation von Frau Margarete Walkotte. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Ober-Schüneweide. Die Parteigenossen werden darauf auf- merksam gemacht, daß am Sonntag, den 19. d. M., mittags 12 Uhr im Schloßpark„Wilhclminenhof" eine Mitgliederversammlung des Wahlvereins stattfindet. Tagesordnung:„Entgegennahme von Berichten". Vollzähliges Erscheinen ist Pflicht. Der Vorstand. Ricder-Schüneweide. Für diejenigen, denen es an Zeit mangelt, selbst die Wählerliste einzusehen, haben sich die Genossen Paul Gräbnitz, Berliner Straße 123 und Paul Bcngsch, Grünauer Straße 8, erboten, es zu tun. Am Sonntag früh 8 Uhr treffen sich die Genossen in ihren Bezirkslolalen. Es ist erwünscht, daß ein jeder pünktlich erscheint. Der Vorstand. Treptow-Baumschulenweg. Die Parteigenossen werden er- sucht, sich zu einer Flugblattverbreitung Sonntag früh 9 Uhr in den Bezirkslokalen einzufinden. Um zahlreiche Beteiligung er- sucht Der Vorstand. Lichtenberg. Sonntag früh: Flugblattverbreitung von den be- kannten Bezirkslokalen aus. Kein Genosse darf fehlen! Der Vorstand. Tempelhof. Der Wahlverein für Tempelhof hält am Sonn- abend, den 18. d. M., im Lokal..Wilhelmsgarten" bei Mokulys, Berliner Straße 9, sein diesjähriges Stiftungsfest unter Mit- Wirkung von Mitgliedern des Gesangvereins Sangcslust III und der„Freien JEurnerschaft Tcmpelhof-Mariendorf". sowie der humoristischen sängergesellschaft Balze ab. Durch Vorträge heiteren und ernsten Inhalts ist für eine gute Unterhaltung gesorgt. Die Mitglieder nebst Freunden und Bekannten sind mit der Bitte, recht zahlreich zu erscheinen, hierdurch eingeladen. Der Vorstand. Maricndors. Sonntag früh 8% Uhr Flugblattverbreitung von den Bezirkslokalen aus. Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Grünau. Am Sonniagmorgen um 8 Uhr findet von der „Grünen Ecke" aus im Orte eine Flugblattverbrcitung statt. Zahl- reiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Zernsdorf. Sonntag, den 19. Januar, nachmittags L'/z Uhr: Volksversammlung. Vortrag des Genossen W o l l e r« mann über:„Sozialdemokratische Gemeindepolitik". Friedrichsfclde. Am Sonntag früh 8 Uhr findet von den bekannten Bezirkslokalen aus Flugblattverbreitung statt. Beteiligung der Genossen ist notwendig. Der Vorstand. Adlershof. Am Sonntag, den 19. d. M., findet eine„Vor- wqrts"-Agitation und eine Flugblattverbreitung statt. Die Ge- nassen werden ersucht, sich recht zahlreich an diesen Parteiarbeiten zu. beteiligen. Treffpunkt bei Kaul. Bismarckstraße, um 8 Uhr morgens. Zur Einsichtnahme in die Gemeindewählerliste haben sich folgende Genossen bereit erklärt: Hildebrandt, Selchower Straße Nr. 14, Beck, Hackenbergstr. 24, Kaul, Bismarckstr. 16, Tempel, Kronprinzenstr. 46, Bartels, Bismarckstr. 56, Bartz, Oppcnstr. 55. Lankwitz. Am Sonntag findet eine Flugblattverbreitung statt. Um vollzählige Beteiligung der Genossen ersucht Der Vorstand. Reinickendorf. Parteigenossen! Am Sonntag findet Flug- blattverbreitung statt. Die Genossen treffen sich früh 8 Uhr in den bekannten Lokalen. Wilhelmsruh. Morgen, Sonntag früh 8 Uhr, Jlugblattver- breitung. Sämtliche Genossen treffen sich im Lokal von Barth, Biktoriastr. Z. Der Vorstand. Franzöüich-Buchholz. Am morgigen Sonntag, nachmittags I Uhr, findet im Lokal von Haehne, Berliner Straße 39, eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Stadtverordneter Ge- nosse Leid über:„Das Dreiklassenwahlrecht und die Gemeinde- vcrtreterwahlen" sprechen wird. Genossen, sorgt für guten Besuch dieser Versammlung. Nicder-Schonhausen-Nordend. Die am Sonntag Punkt 8 Uhr stattfindende Flugblattverbreitung findet von allen drei Bezirks- lokalen aus statt. Für Nordend um 19 Uhr vom Genossen S ch ü ß l e r aus. Der Vorstand. Nowawes. Am morgigen Sonntag, früh 8 Uhr, findet eine Flugblattverbreitung statt. Treffpunkt morgens bei Gruhl, Priesterstr. 69. Ehrenpflicht eines jeden Genossen ist es, sich an derselben zu beteiligen. Der Vorstand, Wittenau. Sonntag, den 19. Januar, nachmittags 4 Uhr. im Lokale von Albert Schulz. Hauptstraße, öffentliche Volksversammlung. 1. Vortrag des Gememdevertreters Genossen Kubig-Pankow über: „Der Kampf ums Recht". 2. Freie Aussprache. Genossen agitiert für den Besuch der Versammlung. Der Vorstand. berliner JSfaebnebten* Arbeitslosen-Versammlungen finden am Dienstag, den 21. Januar, vormittags lO'/a Uhr, in folgenden Lokalen statt: Moabiter GesellschaftshanS, Wiclefstr. 24(grotzer und kleiner Saal), GesellschaftshanS Berliner Musiker, Kaiser Wilhelmstr. 18m, Freyer(früher Keller), Koppenstr. 29(großer und kleiner Saal), Kliems Festsäle, Hasenheide 13/15(großer und Gartensaal). Gewerkschaftshaus, Engelufer 15(großer Saal und Saal I). Tagesordnung in allen Versammlungen:„Die Pflichten von Staat und Gemeinden gegenüber der gegenwärtigen Arbeitslosigkeit." Referenten: die Reichstags- Abgeordneten Albrecht, Brühne. Emmel, Frank. Lehmann, �Scheide- mann, Singer, Stücklen, �ubeil. Alle Arbeitslosen in Groß-Berlm werden gebeten, an diesen Versammlungen teilzunehmen. Tellersaninilung findet nicht statt. Die Berliner Gewerkschaftskommission. Verband sozialdemokratischer Wahlvereine. Im Dienste einer Gräfin Stolberg-Wernigerode. In gräflichen Diensten zu stehen, diese Ehre war einem Herrn D. zuteil geworden. Er kriegte die Stelle eines Portiers und Heizers für das neuerbaute HausOIdenburgerStraße44, das einer Gräfin aus der millioncngesegneten Familie derer von Stolberg-Wernigerode gehört. Sein Wohnungsvertrag nebst dem Vertrag über seine Portier- und Heizerpflichten wurde unterzeichnet von dem Generalbevollmäch- tigten der Frau Gräfin, einem Prior Andreas Schmidt. der in Moabit über die Dominikaner herrscht und an der dortigen (katholischen) Paulskirche das GottcSwort predigt. Verwaltet wurde aber das Haus Oldenburger Stratze 44 nicht von diesem hochwürdigen Herrn Schmidt, sondern von einem simplen Herrn Bunrnng, der in der Flotowstraße ein Baugeschäft betreibt. Und auch Bunning war noch nicht die unterste Instanz, vielmehr war das sein Geschäftsführer Kramer. So war die hausbesitzende Gräfin vor der Berührung mit ihrem Portier durch eine dreifache Barrikade geschützt. Als D. in ihrem Hause die Portier- und Heizerstelle über- nahm, wurde ihm durch den Vertrag die Pflicht auferlegt:„Alles nötige Rcinigungsmaterial und Hausrcini- gungsgerät hat der Portier selbst zu liefer n." Das Haus war knapp fertig, Reinigungsgeräte usw. waren poch nicht vorhanden, mithin mutzte alles erst beschafft werden. Da der Geschäftsführer nichts besorgte und auch kein Geld hergab, so kaufte D. selber zusammen, was er für nötig hielt. Er sagte sich aber, daß die hockjadlige Frau Gräfin samt ihrem hochwürdigcn Herrn Prior schwerlich im Ernst verlangen würden, daß er die Geräte usw. aus eigener Tasche bezahle. In dem Geschäft, wo er kaufte, erklärte cr, Bezahlung werde wahrscheinlich von der Gräfin oder ihrem Prior geleistet, wenn aber nicht, so werde er selber zahlen. Die Rechnungen blieben bis auf weiteres unbezahlt, schliehlich aber wurden sie von dem Geschäftsmann eingereicht— und nun brach über D. ein Donnerwetter herein. Es kam zum Krach, der mit Exmission des Portiers endete. Man weiß ja, daß mit einem Portier gewöhnlich ein Vertrag geschlossen wird, der es er- möglicht, bei Differenzen ihn allerschleunigst auch aus der Wohnung herauszuwerfen. Bald rückte nun der Gerichtsvollzieher an und ließ D/s Wirtschaft herausschaffen. Mit herausgeschafft wurden auch die Geräte usw., die D. für seine Arbeit in gräflichen Diensten hatte anschaffen müssen. D. nahm an, daß sie inzwischen schon aus der Kasse der Gräfin bezahlt worden seien, und da seine eigenen Ansprüche auf rückständigen Lohn und auf Provision für Wohnungsvermietung zurück- gewiesen wurden, so glaubte er, daß man sich auf diese Weise schadlos halten wolle. Daher betrachtete er die Geräte nunmehr vollends als sein Eigentum und nahm sie mit. Dieser Akt brachte ihn auf die Anklagebank: am Freitag hatte er sich vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte wegen„Unter- schlagung" zu verantworten. Die Anklage zählte fol- gende Gegenstände auf, die D.„als ihm anvertraut in Gewahrsam gehabt" hatte und„sich rechtswidrig angeeignet" haben sollte: „1 Petroleumlampe. 1 Gießkanne, 1 Dutzend Schlüsselringe, 4 Schlüsselringe, 2 Leitern, 1 Oelkanne, 1 Stratzenbesen, 1 Haar- llesen, 1 Handfeger, einige Schlüssel". Diese Gegenstände wurden als„der Gräfin Stolberg-Wernigerode gehörig" bezeichnet und sollten„einen Gesamtwert von etwa 18 M." haben.(Dagegen berechnet D., nebenbei bemerkt, seine Forderung auf 85 M.) Vor Gericht gab D. ohne weiteres den Sachverhalt zu. Er legte den Vertrag vor, der ihn zur Beschaffung„aller nötigen" Geräte usw. verpflichtet.„Ich nahm aber", sagte er,„vorläufig auf Kredit, weil ich der Meinung war, die Gräfin und der Prior seien Leute mit Namen von Klang, die würden doch nicht von einem armen Portier diese Ge- gen stände bezahlen lassen". Als Zeuge wurde nur Herr Bunning vernommen, der„nichts wußte".„Warum zeigte man denn", fragte der Vorsitzende,„die Sache an, wenn man nichts weiß?" Hiernach beantragte der Anklagevertreter selber die Frei- sprechung. weil dem D. wohl das Bewußtsein der Rechts- Widrigkeit gefehlt habe. Das Gericht sprach D. frei mit der Be- gründung, er habe vermutlich geglaubt. Eigentümer der Sachen geworden zu sein. Die Frau Gräfin und ihr Prior werden wahrscheinlich den Kopf darüber schütteln, wie„unbegreiflich" doch manchmal die Urteile der Gerichte sind. Aber noch mehr werden sie sich vielleicht darüber wundern, daß jemand annehmen konnte, der Ade? verpflichte eine schwerreiche Hausbesitzerin aus dem Geschlecht derer von Stolberg-Wernigerode, ihren Portier und Heizer nicht aus eigener Tasche bezahlen zu lassen, was er zur Bedienung der gräflichen Mietskaserne braucht. Wie furchtbar die ArbtitSlosigkeit wirkt, zeigte am Donnerstag in den Abendstunden ein trauriges Bild. Ein bekanntes Cafö hatte durch Annonce einen Kellereiarbeiter verlangt. Trotzdem nun die Stelle schon wenige Minuten nach Ausgabe des„Arbeitsmarktes" be- setzt war, stand noch um'/-(S Uhr eine Schar Arbeitsloser vor dem Lokal, an dessen Tür ein Zettel klebte, auf dem bekannt gegeben war, daß die betreffende Arbeitsstelle schon vergeben sei. Und immer noch warteten die Aermsten mit ernsten, schweigenden Gesichtern und starrten unverwandt auf den Zettel, der ihnen in harten, trockenen Schriftzügen mitteilte, daß alles Hoffen vergebens ist.„Jetzt komme ich von Rixdorf hierher und gebe noch den letzten Groschen für die Elektrische aus, um schneller da zu sein", erzählt der eine Mann, „man weiß gar nicht mehr, was man anfangen soll, ich traue mich bald gar nicht mehr heim zu meiner Familie zu gehen. Seit No- veinber nichts verdient, in 14 Tagen soll ich 26 M. Miete bezahlen uitd bin die letzte noch schuldig." Und diese Bilder kann man täg« lich hundertfach seheil. Und diese Armen hungern buchstäblich, aber niemand tut seine milde Hand auf. um sie zu speisen. Aber Geld zu anderen Dingen ist immer vorhanden. Kirchen zum Beispiel werden immerzu gebaut, trotzdem sie leer bleiben, aber hunderttausend Menschen in Berlin wissen nicht, wo sie ein Stück Brot hernehmen sollen. Aber so ist es und so soll eS bleiben, denn so will's nun ein- mal die göttliche Weltordnung. Im Zeitalter deS Militarismus. Das erste Garde-Feldartillerieregiment hält seit Anfang dieser Woche auf dem Tegeler Schietzplatz Uebungen rm Scharfschießen ab. Die hierbei üblichen Absperrungen und Borsichtsmatzregeln waren im weitesten Maße getroffen worden. Für gewöhnlich wird die Schietzdistanz der Geschütze auf drei Kilometer begrenzt, und es sind auch bisher Unglücksfälle bei derartigen Schießübungen nicht zu verzeichnen gewesen. Um so seltsamer ist es, daß bei dem gestrigen Schießen eine Granate weit über das begrenzte Gebiet hinausflog und in einer Entfernung von fast fünf Kilometern in ein Wohnhaus in Saatwinkel einschlug und dort erhebliche Ver- heerungen anrichtete. Das Haus gehört dem Rcstaurateur Märten in Saatwinkcl und wird von einem Verwandten bewohnt. Dieser war bei dem Eintritt des Unfalles zufällig abwesend, so daß Menschenleben nicht zu Schaden gekommen sind. Die verirrte Granate zerschlug eine Giebelwand des Hauses und richtete in dem Gebäude auch sonst noch arge Verheerungen an. Eine Anzahl von Sprcngstücken blieb in der Zimmerdecke und in den Wänden stecken. Noch im Laufe des gestrigen Tages wurde der Militärbehörde von dem Vorfall Anzeige erstattet. Der Amtsvorsteher in Tegel, zu dessen Bezirk Saatwinkel gehört, ließ heute eine Besichtigung durch Polizeibeamte vornehmen und erstattete amtlichen Bericht. Auf welche Ursachen die abnorme Flugbahn des Geschosses zurückzu- führen ist, bedarf noch der Feststellung. Der geschilderte Vorgang ist ein so unerhörter, daß hoffentlich derartige Schießereien in Tegel in der Zukunft nicht mehr statt- finden._____ In ihrem Bett tot aufgefunden wurde gestern mittag in ihrer Wohnung in der Putbuser Straße 31 die 24jShrige Ehefrau Mnna Walther. Gewisie Begleitumstände deuteten anfangs darauf hin, daß Frau W. das Opfer eines Mordes geworden fein konnte. Frau Walther hatte vor zwei Jahren ihren Mann, den Buchhalter Richard Walther, geheiratet. Vor einiger Zeit wurde Walther stark lungenkrank und er mußte schließlich eine Lungenheilanstalt aufsuchen. Die Frau war im» gezwungen, sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Morgens wurde si» von der Nachbarsfrau stets geweckt. Vorgestern morgen klopfte die Nachbarin wieder an der Tür, doch vernahm sie keine richtige Antwort auS dem Zimmer, sondern nur einige schwache Laute drangen an ihr Ohr. Sie glaubte, daß sich Frau W. nicht wohl befinde und kümmerte sich nicht weiter um den Vorfall. Aw sie aber gestern morgen beim Wecken überhaupt keine Antwort er- hielt, schöpfte sie Verdacht und benachrichtigte den Portter. Dieser öffnete die Korridortür und beim Betreten des ZimnierS fand er die junge Frau tot im Bette auf. Auf dem Stuhl neben dem Bett standen zwei Wassergläser, in denen sich noch etwas Flüssigkeit be- fand. Die benachrichtigte Polizei leitete sofort die Untersuchung ein, konnte jedoch bestimmtes nicht ermitteln. Beim Abrücken des Bettes gewahrte man an der Wand eine Blutspur. Wo das Blut herstammt, bedarf noch der Aufklärung. Zwei Gerichtsärzte, die die Leiche nachmittags untersuchten, fanden äußere Verletzungen an ihr nicht vor. Die Tote wurde nach dem Schauhause gebracht, damit bort durch die Obduktion die genaue Todesursache festgestellt wird. Der Tod im Polizeigewahrsam. In einer Zelle des König. lichen Polizeipräsidiums ist gestern eine unbekannte, etwa 35 Jahre alte Frau, vom Tod überrascht worden. Sie war von einem Schutz- mann auf der Straße aufgegriffen und zunächst in das 37. Revier eingeliefert worden. Von dort kam sie nach dem Polizeipräsidium. Dort fand sie später ein überwachender Beamter tot in der Zelle auf. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht, damit durch die Obduktion die Todesursache festgestellt wird. In große Aufregung wurden gestern nachmittag gegen 2 Uhr die Passanten der Alcxandrinenstraße versetzt. Ein Pferd war scheu geworden und raste führerlos mit Gespann durch die belebte Alexandrinenstraße. Vor der Kaserne des 2. Garde- Dragoner- Regiments stürmte es einem Wagen der Omnibuslinie 24 m die Flanke, wobei die Deichsel zerbrach und die Jnsaffen nur durch einen Zufall unverletzt blieben. Durch diesen Zusammenprall noch wilder gemacht, karambolierte eS kurz darauf mit einem Militärpferde-- trausportwagen. dessen Kutschersitz in Trümmer ging. Hierauf rannte es an einen Rollwagen an, wobei es endlich zum Stehen gebracht werden konnte. Personen sind glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen. Ein verhängnisvoller Automobilunfall ereignete sich vorgestern abend gegen 8 Uhr am Weddingplatz. Zur genannten Zeit wollte der 12 Jahre alte Schüler Walter Jakob, Müllerstr. 69 wohnhaft vor dem Hause Nr. 8 des genannten Straßcnzuges den Fahrdamm überschreiten, als ein Automobil des Kommerzienrats Borsig, von Tegel kommend, heransauste. Der Knabe, der einem Straßen- bahnwagen auswich, hatte die Annäherung des Kraftwagens nicht bemerkt, wurde von diesem erfaßt und geriet unter die Räder des Automobils. Kommerzienrat Borsig nahm den Verunglückten in seinen Wagen und brachte ihn nach der nahen Unfallstation in der Lindower Straße, woselbst der anwesende Arzt schwere Brust« und Halsquetschungen und innere Verletzungen feststellte. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde der kleine Jakob ,«! hoffnungs- losem Zustande nach dem Krankenhause Moabit übergeführt. Nach Angabe von Augenzeugen ist der Unglücksfall durch die zu hohe Fahrgeschwindigkeit des Automobils herbeigeführt worden. Feurrwehrbericht. In der Donnerstaanacht wurde die 4. Kam« pagnie um 4 Uhr nach der Grünthaler Straße(Gesundbrunnen) alarmiert. Nachdem alle Nachforschungen nach der Ursache ver- geblich und nirgends eine Gefahr zu entdecken war, rückte die Feuer- wehr wieder ab. Kaum auf der Wache angekommen, erfolgte ein neuer Alarm nach der Christianiastratze nahe Pankow. Auch dort war trotz eifrigen Nachforschens kein Brand zu ermitteln. Der Täter ist in beiden Fällen entkommen. Nachts um 2 Uhr stand in der Karlstr. 29» ein Keller in Flammen, Um diese zu löschen, ittufctc tüchtig Wasser gegeben und ein Siohrfübrer Mit einem Fcuerschu�anzuge ausgerüstet werden. Die Entstehung dieses Brandes ist nicht aufgeklärt. In dem Strahenbahndcpot der Bahn von Siemens u. Halste am Kottbuser Ufer IS brannte in einem Schuppen die Bedachung eines elektrischen Strahenbahnwagens. Der 17. Zug wurde nach der Ritterstr. KS gerufen, wo ein Benzin- automobil brannte. Auf dem Moabiter Güterbahnhof war gestern ein Waggon mit Preßkohlen in Brand geraten. Außerdem hatte der 16. Zug in der Hennigsdorfer Straße 33 zu tun. In kurzer Zeit zum zweiten Male wurde die Feuerwehr nach der Nikolaikirche gerufen, deren Schornstein starke Rauchwolken ent- stiegen. Da keine Gefahr vorlag, konnte die Feuerwehr bald ab- rücken. Vorort- TSadmcbtcn* Jeht die Wählerlisten nach, die nur bis zum 3V. Januar in den Gemeindebureaus zur Einsichtnahme ausliegen. Wer nicht in der Liste steht, geht seines Wahlrechtes verlustig. Für diejenigen, die selbst die Listen nicht einsehen können, übernehmen die auf Plakaten vermerkten Genossen bereitwilligst die Einsicht in die Listen. Zu den bereits veröffentlichten Orten geben wir noch bekannt: Wilhelmsruh. Die Wählerlisten liegen im Amtsbureau. Hauptstraße, an Wochentagen vormittags von 8— 1 Uhr und nachmittags von 3— 6 Uhr und Sonntags vormittags von 12— 1 Uhr aus. Wer nicht selbst die nötige Zeit dazu hat. wende sich schnell an folgende Adressen: Restaurant Barth. Viktoriastraße 7; Nestau rant Kersten, Nicderstraße S, Ecke der Kronprinzenstraße. Für Niederschönhausen-West übernehmen die Einsicht in die Wählerlisten bereitwilligst: Gastwirt Blcnck. Sachsenstraße 10 und Gastwirt Lunow, Sachscnstraße 12. Miihleqbcck(bei Berlin). Die Wählerlisten liegen täglich zur Emsichtnafme im hiesigen Gemeindebureau aus. Wer verhindert sein sollte, wende sich an Genossen Ad. Bärsch,„Gasthof zur Sonne". Mariendorf. Die Listen liegen aus im hiesigen Rathause, parterre, Zimmer 11. an den Wochentagen vormittags von S bis 12 Uhr und nachmittags von 3— 6 Uhr. Sonntags von Ol— 10 Uhr. Für Verhinderte sehen die Genossen Hermann Reichardt, Chaussee- straße 27, Ernst Bethke, Königstraße 36 und Hermann Lehmann, Bergstraße 17. die Listen ein. ztönigs-Wusterhausen im Rathaus vormittags von 8— 1 Uhr und nachmittags von 3— 6 Uhr. Die Einsichtnahme übernehmen die Genossen Franz Kaiser, Luckenwalderstraße 45, Heinrich Dictzc und Andreas Haug, beide Amtsgarten 2. Hohcrlehme-Wildau im Gemeindeamt. Hoherlehme vormit- tagS von 9— 12 Uhr und nachmittags von 2— 5 Uhr. Die Einsichtnahme übernehmen die Genossen Gastwirt Schumann und Fleischer- meister Hofftnann. Niederlehme im Gemeindeamt vormittags von 0— 12 Uhr. Zur Einsichtnahme sind bereit die Genossen Gastwirt Koch und Ferdinand Harnau. Franz.-Buchholz im Amtsbureau wochentags von 8—1 Uhr vormittags und 3— 6 Uhr nachmittags; außerdem Sonntags von 8— g Uhr vormittags. Friedenau im Gemeindcbureau. Feurigstraße, Zimmer 1— 2, iin den Wochentagen vormittags von 10— 3 Uhr nachmittags. Zur Einsichtnahme bereit ist Genosse Max Flieg, Rheinstraße 47(Laden). Weihensce auf dem Gemeindeamt und beim Genossen Roß- köpf, Königchauffee 38. Rummelsburg im Rathause in der Zeit von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags. KarlShorst. Dönhoffstraßc 81, l, vormittags von 8 Uhr bis nachmittags 3 Uhr; Sonntags von 10— 12 Uhr. Wer keine Zeit hat, selbst nachzusehen, wende sich an Heinrich Stühmer, Dorothea- straße 28, II. Paul Michaelis, Karl-Egon-Straße 20, III, Gustav Wecker. Rödelstraße 14, I oder Kehr, Heiligenbergerstr. 22, III. Zehlcndorf im Gemeindcamte, Hauptstraße 38. Zimmer 4, während der Dicnstftunden von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nach- mittags; am Sonntag den 10. und am Sonntag den 26. Januar vormittags von 0— 10 Uhr und am Freitag den 17. und Dienstag den 21. außer den gewöhnlichen Dienststunden von 6— 8 Uhr vbends. Buckow im Gemeindebureau Hierselbst, Dorsstraße 8. Johannisthal im hiesigen Gemcindebureau, Rathaus. Jim- wer 2, während der Dienststunden von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmillags. Einsprüche gegen die Richtigkeit der Listen gebe man sofort zu Protokoll. Charlottcndurg. Bei den am 16. d. M. stattgehabten Wahlen der Beisitzer zun, hiesigen Gewerbegericht erhielten die alleinigen Kandidaten der Ge- werkschaftskommission insgesamt 4344 Stimmen. Danach wurden bei den diesmaligen gegen die vor zwei Jahren 1247 Stimmen niehr abgegeben. Für die Kandidaten der Innungen stimmten 333 Wähler und für die der freisinnigen Gewerbetreibenden 148, so daß die Kandidaten der Gewerkschaftskon, Mission in allen Bezirken den Sieg davontrugen. Rixdorf. Reiche Beute machte eine Einvrecherbande, die in der gestrigen Nacht in das Hutgeschäft von Kotmann in der Bergstr. 06 eindrang. Die Diebe gelangten unter Anwendung von Dietrichen und Nach- schlüsseln in die VerkausSräume des Geschäftes und räumten dort tüchtig auf. Für niehr als 2000 M. schleppten sie Hüte und andere Herrenbekleidungsgegenstände davon. Schöneberg. Zu den am 23. Januar stattfindende» Gcwerbegerilhtswahlen findet am Dienstag, den 21. Januar, abends 8 Uhr, eine öffemliche Gewerkschaftsversammlung in Obsts Festsälen statt, in welcher Ge nosse Adolf Ritter- Berlin über die Wichtigkeit und Notwendig leit der Gewerbcgcrichte sprechen wird. Auch werden die Kandidaten aufgestellt. Pflicht aller Genossen ist es, in der Versammlung zu erscheinen. Die Gewerkschastskommission. Fichtenau. Opfer seines Berufes. Bei einem entsetzlichen Unglücksfall hat gestern nachmittag der Streckenwärter Alfted Weiler aus Fichtenau den Tod gefunden. Er befand sich zwischen den Stationen Erkner und Wilhelmshagen auf dem Dienstgange und kontrollierte die Gleise. Einem entgegenkommenden Zuge mußte er dabei ausweichen und er trat auf das Nebengleis. In diesem Augenblick kam auch von hinten ein Vorortzug herangefahrcn, ohne daß W. etwas davon bemerkte. Er wurde von der Maschine erfaßt und unter die Räder geschleudert. Der Aermste wurde von der Lokomotive und mehreren Waggons überfahren und fast vollständig zerstückelt. Die Beine wurden ihm vom Rumpfe getrennt nnd beide Arme zermalt. Der Kopf wurde gespalten und der Brustkasten eingedrückt. Kurz darauf wurde W. durch den Tod von seinen furchtbaren Qualen erlöst. Pankow. Ein dreister Raubanfall ist in der gestrigen Nacht in der Wollank- straße 64g. verübt worden. Der dort wohnhafte Kaufmann Becker hatte sich gegen 1 Uhr auf dem Heimwege befunden, als er plötzlich in der Nähe seines Wohnhauses von einer Rotte junger Burschen umzingelt wurde. B. vermochte sich weder rückwärts noch vorwärts zu bewegen und in Anbetracht der großen Uebermacht zog er es vor, sich ruhig zu verhalten. Einer der gefährlichen Wegelagerer forderte dam, den Ileberfallenen auf, seine Taschenuhr herauszugeben. Dieser Aufforderung kan, B. natürlich nicht nach. Die Uhr wurde ihm jedoch nun bon den Attentätern gewaltsam aus der Tasche geraubt. Bei der krittschen Situation wagte es B. nicht, um Hülfe zu rufen. Erst als einige Passanten herankamen, ergriffen die Wegelagerer die Flucht. Französisch-Buchholz. Die aufierordciltliche Generalversammlung wählte an Stelle des Genossen W i e s b e r g zum ersten Vorsitzenden den Genossen Ernst N e u m a n n. Als Bezirksleiter für den 6. Bezirk fungiert Genasse Paul Ziegelsdorf. Des weiteren ersuchte der Vor- sitzende, Einsicht in die Wählerlisten zu nehmen. Potsdam. Beim Rodeln stürzte vorgestern nachmittag der 10jährige Taprziererlehrling L. so unglücklich, daß er sich einen Oberschenkel- bruch zuzog. Man schaffte den schwerverletzten jungen Mann zu seinen Eltern nach der Kolonie Cecilienhöhe und dann nach dem Krankenhause Hermannswerder. Spandau. Stadwerordnetenversammlung. Bor Cinftitt in die Beratung der Tagesordnung gelangte eine Interpellation der sozialdemo- kratischcn Fraktion zur Verhandlung betreffend die Vorgänge mit der Polizei am vergangenen Sonntag gelegentlich der Demon- strationsversammlungen bei Köpenick und Kumke. Die Behandlung dieser Interpellation seitens der bürgerlichen Stadtverordneten und seitens des Oberbürgermeisters zeigt der Arbeiterschaft Spandaus und namentlich der sozialdemokratischen Arbeiterschaft, wie ihre Interessen dort vertreten werden. Auch nicht ein einziger der bei der letzten Stadtverordnetcnwahl gewählten Stadtverordneten der dritten Abteilung außer den Sozialdemokraten hatte den Wut, einzutreten für die von der Polizei so mißachtend behandelten Ar- bcitcr, und noch dazu von der Polizei, die auch von den Steuer- groschcn der Spandaucr Arbeiter zum nicht geringen Teil erhalten wird. Sic schwiegen sich teils aus, teils machten sie sich noch oben- ein lustig. Von solchen Stadtverordneten wird die dritte Wähler- abteilung in Spandau vertreten. Die Interpellation unserer Gc- nossen lautete: Wie denkt der Oberbürgermeister als oberster Polizeichef über das Verhalten der Polizei am Sonntag und wie stellt er sich zu diesem Vorgehen? Stadtverordneter Genosse Schmidt I begründete in ruhiger und sachlicher Weise die Jnter- pellation. Er schildert, wie in ganz ruhiger Weife die Arbeiter, welche der Versammlung bei Köpenick beigewohnt, die Pichcls- dorfcr Straße entlang gingen, um sich nach dem in der Schön- Wälder Straße belegenen Lokal von Kumke, wo auch eine Ver- sammlung stattfand, zu begeben. Als an der Älosterstrahe die Polizeibeamten in Sicht kamen, habe man den Weisungen der Beamten stets Folge geleistet. Man ging ruhig die Bürgersteigc entlang, auf die man von der Polizei gedrängt wurde. Er ver- weise auf die gefährliche Passage iu der Brückenstratze, wo man jeden Augenblick Gefahr läuft, unier die Straßenbahn zu geraten, und ferner auf den schmalen Fußgängcrweg vom Bahnhof nach der Älosterstraße, wo wiederholt geschlossene Militärtruppen marschiert sind. Hier duldet dann die Polizei die Ungesetzlichkeiten, bei Aufzügen von bürgerlicher Seite marschieren die Polizei- l-camten vorauf und schaffen Bahn. Was dem einen recht fei, müsse auch dem andern billig sein. Redner schildert nun weiter, wie die Beamten die sich stauenden Personen hin und herzerrten, wie der Berittene doch wieder auf den Bürgersteig zwischen die ruhig ihres Weges gehenden Arbeiter sprengte. Er richte-die Frage an den Oberbürgermeister, ob die Beamten aus eigener Initiative so gehandelt oder auf Aufforderung des Oberbürgcr- mcifters, und wer für den eventuellen Schaden gehaftet haben würde, wenn Leute zu Krüppeln geschlagen worden wären, wie seinerzeit Biewald. Der Oberbürgermeister K o e l z e erklärt auf diese durchaus sachlichen Aeußcrungen, daß er zwar nicht nötig und es auch bisher abgelehnt habe, über Polizcisachen Auskunft zu geben. Heute wolle er aber eine Ausnahme machen. Er wiss« nicht, wie sich im einzelnen die Beamten verhalten haben, denn er war nicht dabei. Er habe nur den Auftrag gegeben, jeden ge- schlossencn Zug zu verhindern. Was haben die VersammlungS- bcfucher aus der Wilhelmsstadt bei Kumke zu tun und umgekehrt. Der Zug war der Polizei nicht gemeldet. Die Polizei sei dazu da, die Bürger vor Schaden zu bewahren, namentlich aber gegen die Personen zu schützen, die den Staat umstürzen wollen.(Hu! Hu!) Er verliest dann noch ein an den berittenen Polizeisergeantcn Böhm gerichtetes anonymes Schreiben, in welchem dieser mit dem Tode bedroht wird, und bezeichnet diesen Beamten als einen Pflicht- treuen. Der Stadtverordnete und Kriegervereinler Krem Pf gibt dann auch seine Weisheit zum besten über einen Vorgang in der Schützcnstraße in der Nähe des Seitzschen Lokals, wo auch der berittene Polizcisergeant mit seinem Gaul auf den Bürgcrsteig zwischen die Menge ritt und was man diesem Beamten alles zu- gerufen. Stadtverordneter Genosse Pieper erwidert auf die Ausführungen des Oberbürgermeisters, daß die Sozialdemokraten ebenso Steuerzahler seien wie die anderen, und daß sie sich das Recht nicht nehmen lassen werden, wenn es ihnen beliebe die Lokale zu wechseln, dies auch zu tun. Genosse Pieck erklärt, die Männer, die am Sonntag die Straße betreten, waren der Kern und die Elite der Arbeiter. Gegen diese sei man vorgegangen wie die Kosaken. Nur der Ruhe des Proletariats sei es zu danken, wenn nichts geschehe. Nunmehr trat der Stadtverordnete und kon- servativc Landtagsabgeordnete L ü d i ck e, der kurz zuvor erst den Saal betreten hatte, auf den Plan. Er stellte die jeden ernst denkenden Menschen zum Lachen reizende Behauptung auf, nur der Besonnenheit der Beamten sei es zu danken, daß nichts passiert sei. Der komische Herr sah wohl schon im Geist die leibhaftige Revolution und einige abgeschlagene Bourgeoishäuptcr vor sich, sonst hätte er eine solche Behauptung gegenüber ruhig ihres Weges gehende Arbeiter, die erst von der Polizei provoziert wurden, nicht aufstellen können. Ihm würdig zur Seite stellte sich der Verleger des Spandauer Schleifsteins Schob. Ein ange- nommencr Schlußantrag machte der Debatte ein Ende. Die Span- dauer Arbeiter werden sich ja diese Nichtachtung ihrer Interessen wohl merken und bei passender Gelegenheit die Quittung darüber erteilen. Es wurde jetzt in die Etatsberatung eingetreten. Zu- nächst stand der 51 ranken Hausetat zur Beratung an. Der Etat schließt ab in Einnahme und Ausgabe mit 248 010 M. und erfordert einen städtischen Zuschuß von 164 401,84 M. Der hierzu gehörige Siechenhausetat balanzicrt in Einnahme und Ausgabe mit 18 660,25 M. Der Etat wird genehmigt.— Der Wasserwerks- etat wird von der Versammlung in Einnahme und Ausgabe mit 308 000 M. festgesetzt, ebenso der Kanalisationsetat in Einnahme und Ausgabe mit 324 000 M. und der Eick» trizitätseiat in Einnahme und Ausgabe mit 273 000 M. Der Schuletat schließt in Einnahme und Ausgabe mit 020 382 M. ab. Einen breiten Raum der Debatte bei diesem Etat nimmt die Schularztfrage ein, die unsere Genossen Pieck, Pieper und Schmidt I vertreten, und beantragen 3000 M. in den Etat einzustellen. Der Antrag wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Hiernach werden die Wahlen der ständigen Ausschüsse und Deputationen vorgenommen. Erwähnt sei hierbei, daß von den sozialdemokratischen Stadtverordneten ge- wählt wurden: Pieck in den ersten, Schmidt I in den dritten Aus- schuß. Pieck in die Gasdcputation, Pieper in die Krankenhaus- dcputation und in die Straßenreinigungsdcputation, Pieck in die Wasserwerks- und Kanalisationsdeputation. Wegen vorgerückter Zeit wurden einige Nummern vertagt. Vermischtes. Vulkanischer Aschcnfall. Eine überraschende Entdeckung hat man gestern in dem benachbarten EberSwalde gemacht. In den letzten Tagen hatte sich in dem Orte und in der weiteren Umgebung eine starke Staubentwickelung bemerkbar gemacht. Besonders in den Abendstunden traten die seltsamen Erscheinungen ein. Der Staub, der gemeinsam mit Regen niederging, wurde gegen die Fensterscheiben geschlagen und auch der Erdboden wurde mit einer dünnen Schicht feinsten Staubes überzogen. Eine Untersuchung des StaubeS mit dem Mikroskop ergab, baß vulkanische Mineralteilchen in reicheni Maße darin enthalten waren. Es konnten auch vereinzelte Teilchen vulkanischen Glases festgestellt werden. Ueber die Beschaffenheit des Staubregens werden noch weitere genauere mikroskopische und chemische Untersuchungen vorgenommen werden. Explosion. Nach einer Meldung aus K l a g e n f u r t h hat in Hermagor im Hause des Schlossermcisters Wilhelm eine Acetylengas- Explosion stattgefunden. Hierbei wurde ein Dienstmädchen getötet und mehrere Lehrlinge lebensgefährlich verletzt, während das Halls fast gänzlich demoliert wurde und einzustürzen droht. Der Dampfkessel. Einer Meldung aus S i e g e n zufolge explodierte in der Anstoßcr Mühle bei Freudenberg ein Dampfkessel. Del Sohn des Besitzers wurde getötet, zwei weitere Personen so schwer verbrüht, daß sie hoffnungslos daniederliegen. Erdrutsch. In Augsburg fanden infolge des Rutschens vom Erdreich zwei Frauen ihren Tod, ein Mann wurde noch lebend ins Krankenhaus gebracht. Untergegangener Dampfer. New Jorker Meldung zufolge sind. wie von dort berichtet wird. Teile des Verdecks und eine Anzahl Llisten von dem englischen Dampfer ,. Hartgeld" bei Vancouver an- geschwemmt. Man nimmt an, daß der Dampfer mit 30 Personen an Bord untergegangen ist. Oesfentliche Bibliotbek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be« nntiniig sür jedermann, S\V., Alexandrinenstr. 26. Geöffnet täglich voll 51/.— 10 Ufit abends, an Sonn- und Feiertagen von 0—1 und 3—6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit 315 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Freireligiöse Gemeinde. Sonnlag, den 10. Januar, vormittags S'U Uhr, in der neuen Gemeindehalle, Papvcl-Allee 15— l?- Versammlung mit sreircligiöfcr Vorlesung.— Vormittags 10'/. Uhr in der Schulaula, Kleine Franksurter Straße 6: Vortrag von Herrn Prof. Dr. A. Gchrke:»Hilf Dir selbst.' Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Verein der Bnchdriicker und Schristgiefter zu Rixdorf-Briii. Heute abend 0 Uhr im Lokale dcS Herrn Hoppe, Hermannstr. 40: Vereins- Versammlung. Allgemeine Kranken- und Iterbekasse der Metallarbeiter (C. H. 20, Hamburg.) Filiale Berlin 3. Heute abend S1;, Uhr bei Kayscr, Reichcnbergcr Straße 157.— Filiale Berlin 6. Heute abend bei Erteil, Gleimstrasje 7.— Filiale Berlin 7. Sonntag vormittag 10 Uhr bei Hoff- mann. Pasewalker Straße 3.— Filiale Berlin 0. Heute abend 0>/. Uhr bei Gmidlach. Waldenscrstraße 24.— Filiale Berlin 10. Sonntag vormittag 10 Uhr bei Faber, Siephanltraße 11.— Filiale Charlotteuburg. Heule abend 8'/, Uhr im Volkshanse, Rosinenstraße 3.— Filiale Rixdors..Pente abend 8'/, Uhr bei Thiel, Bergstraße 152.— Filiale NummelSburg. abend Ly, Uhr bei Tempel, AIl-Boxhagen 56. Heule ßmffcaftcn der Redaktion. Tie juristlfchc Svrcchftundc Nudel Linde»Nraßc Nr. 3, zweiter Hof, dritter Eingang, vier Treppen, Jahrftnh l wochentäglich von?>/, bis v>/z Uhr abends statt. Geöffnet 7 Uhr. ZonnabendS beginnt die Sprechstunde um S Uhr. Jeder Aufrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen«rage man in der Svrcchftundc vor. E. S. 100. 1. bis 3. Nein. Stellen Sie die Klage beim Gewerbe- gencht an.— R. S. 200. Es genügt die Adresse an die Ober- staatsanwaltschast, Markgrasenstt. 87.— BS. Dch. 100. Es lömitc Geld- auch Haststrase bereits ausgesprochen sein. Außerdem kann aber Ein- stellung tu das Militär erfolgen, wenn Ihr Schwager noch nicht 42 Jahre alt ist.— G. P. 00. Eine Klage aus Schadenersatz gegen Ihre Wirtin hätte Aussicht aus Erfolg, Die Klage ist beim Amtsgericht anzubringen. — F. B. Hochstädterstrahe 14. 1. Rem. 2. und 3. Die Ehefrau konnte aus Scheidung klagen, ebenso umgekehrt der Ehemann.— Ella 1880. Da die Klägerin die Beleidigung zu bcwciscn.hat, in oern von Ihnen aiigesührtcn Fall aber Beweismittel nicht vorhanden sind, so wäre eine Klage zwecklos. — G. L. 138. Der Vertrag ist gültig, wenn Ihre Frau großjährig ist. Durch den Vertrag ist aber nur Ihre Frau, nicht Sie gebunden.— L. F. 100. Ihr Freund kann sich hier als Einjähriger melden.— H. P., Tchöneberg. 1. Rein. 2. Die Höhe einer'Abfindungssumme für außer- eheliche Alimente unterliegt ftcier Vereinbarung, muß aber nicht nur vom Vormund, sondern auch vom VorinnndschastSgencht genehmigt werden, um gültig zu sein.— D. 100. Wir raten nicht zum Beitritt in die Kasse.— Artikel 3. Wenden Sie sich zunächst mit einem Gesuch an den Kriegs- minister.— E. B. 100. Di, ohne Aussicht aus Erfolg, Icheidung rechtsertigen, in den lebten sechs Monaten vor Anstellung der Klage sich ereignet haben.— A. P. 100. Wenden Sie sich an die Osten- bachcr Krankenkast« sür Frauen und Mädchen, Prinzenstraße 66, bei Hinz. — E. R. in R. N. Die Schulbehörde ist berechtigt, auch über acht Jahre hinaus das Kind in der Schule zu behalten, falls das Kind die nötige Reise noch nicht erlangt dat. Der Betrestcnde soll um Entlassung einkommen, das Gesuch ist zunächst an den Rcltor, dann in Ihrem Falle an die Regierung zu richten.— I. 100. 1. und 2. Eine Wiederaufnahme des rechtskräftigen Bersahrens wäre nur möglich, wenn Sie die von Ihnen an- geführte Tatsache erst nach der Rechtskraft des Urteils erfahren haben. 3. Ja. Die Frau kann sowohl(ebenso Sic) gegen den Psändungsbeschluß Beschwerde erheben, wie auch klagen.— K. H. 27. Sie brauchen der Kirchenbehördc die� gerichtliche Bescheinigung über Ihren Austritt nicht vor- zulegen. Teilen-sie mit, wann und wo Sie ausgetreten sind und ver- langen Ste innerhalb 14 Tage die Mitlcilnng, daß ans Zahlung verzichtet wird und erklären Sic, daß Sie reklamieren. Ferner können Sie nach sruchllvsem Ablauf der>4 Tage bei der Staatsanioaltschasl den 'Antrag stellen, das Verfahren wegen versuchter Erpressung gegen den sür die Emsordcruug Schuldigen cmzuleitcu.— X.'}). Z. Ja Die EhescheidungSNage ist in Ihrem Falle nichl jedoch dürfen die Gründe, mclchc die Ehe- Wasserstands-Nnchrichten der LandeSanslalt für Gewäiserttmde, mitgetellt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilsit P r- g e l, Jnlterburg Weichsel. Thon, Oder, Ratibor , Krossen „ Franlsurt Warthe, Schrimm » Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden » Barby . Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau J , Rathenows Spree, Svrembcrg') , Becslow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximllianZall , Kaub , Köln Neckar, Heilbronn Main, Wcrtheim Mosel. Trier am 16. 1. om 140 06 148 100 155 -67 —4 280 82') 83'» 13 101 71') seit 15. l. emst -ff —4 +4 0 —1 —15 —6 0 —7 —23 — 1 +1 -12 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unlcrpegel.—*) Eis stand — 0 Treibeis. Pl)arus-Sä!e Itülleratr. 142. Sonntag, 19. Januar im Titauen-Saal: lZroKe Soirse Im Empire-Saal: Qroßer Ball. JYeuer Konzertsaal, Sonntag: Gr. Miar-Konzert, Ansang 5 Uhr. 5? L 6. Koch X Kohlen-Groß-Hamiluiii) Berlin 0. 34, Brombergerstr. 10. Preise sür nur la Marken ab Platz von 10 Ztr. an: Prima la Hat v steine(bekannte Marken).. pr. Ztr. 97 Ps. » Pfännerichaft... 1,02 M. . la Diamant pr.Ztr.(110 bis 120 Stck.)... 1.05 M. . la Ilse u. Akw.... 1.06 M. , laA,ithrazitCadöp.Zlr.2,4IIM. Koks. Steinkohlen usw. zu den bittigrlen Tagespreisen. Anlieferung frei Keller je nach Quantum pr. Zti. lO— 15 Ps. mehr.— Bei Original- Waggons und größeren Abschlüssen oerlangen Sie meine Spezial-Offerte. Für scti Jnvall ocr Jinera»c Lberniuiliit die Rednktio» de», lvnblitum gesieiinber krinerici Bcrannvorrnng. 'Cheaxer. Sonnabend, 18. Januar. Ansang T'/j Uhr. Königl. Opernhaus. Madauie Bultcrfly. jrönigl. Zchauspiclhans. Aus AisscnSkoog. Dcutiches. Die Räuber. Lbatn in er spiele. Aglavawe und Eelyscttc.(?llisang 8 Uhr.) Thalia. Er und seine Schwester. Ansang 8 Ubr. Lcsstng. Kaiser Karls Geisel. (Anfang 71/, Uhr.) LorNing. Das Glockchen des Eremiten. Nachmittags 3'/. Uhr: Rümpel- stilzchcn. L»Ii>nirii>»»ö. Panne. Neues SchaniviclhauS. Wollen- kratzer.(Ans. 7'/. Uhr.) Berliner. Blaubart. NcncS. Baccarat. Kleines. Mandcagola. Sa>-»e<».«allner»Tbeater.) Gebildete Menschen. Schiller Charlottcnburg.RosmerS- Holm. Friedrich- Wilhtlmitädt. Schau. spielhaus. Madame Sans GZnc. Weiten. Ein Walzcrtraum. Theater an der Spree. HoluZ. pokus. Komische Oper. Ticsland. 'ienrral. Frau WarrenS Gewerbe. Neiidcnz. Ganz der Papa. Luisen. Krieg im Frieden. Nachmittags 4 Uhr: Max und Moritz. Triano». Fräulein Joscttc— meine Frau. Bernhard Rose. Die arme Mieze. Nachmittags 3 Uhr: Frau Holle. Büigerl. Schauspielhaus. Ge- Ichlosseo. Carl-Haverland- Theater. Epe. zialitälen. ivicirovoi. DaS mich man seh'n. Slpolto. Hymack. La belle Alexia. Gentes. Walhalla. Spezialitäten. Folics Gaprice. 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Sonntag nachm. 3'/, Ubr batbe Preise: Diu InNtigc Witne. Friedricti-Wilhelmstbdtiscties Schauspielhaus. Madame Sans Gene. Anfang 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. tzlbcndS 8 Uhr: König Heinrich. LortÄng-vpsr. DuIiu-ch.ilinnue-Gtc'iiHu 7/8. Nachm. 3'/. Uhr: Rumpelstilzchen. Abends 8 Uhr: DasGtöckdjkndesErkmttu. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Frei- schütz. ilbcndS?'/, Uhr: Die Zau- bcrsiöte._ Luisen-Theater. Rcichenbergerftr. 34. Nachmittags 3 Uhr: Max und Moritz. Abends 8 Uhr: Krieg im Friede». Sonntag nachm. 3 Uhr: Krieg im Frieden. AbendS zum erstenmal: Äallenstcins Tod. Montag: Walleu sieinS Tod. Uraiila. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Nachmittags 4 Uhr; Früblingstage an der Riviera. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Donath: Die Entstehung des musikalischen Tones und die Tonleiter. Theater 8 Uhr: Kairo und die Pyramiden. Residenz-Theater, — Direktion: Richard Alexander.— AbendS 8 Uhr: Ganz der Papa. Schwank in 3 Akten von Mars und DcsvallivrcS. Deutsch v. M. Schönau. Baron dcS Aubrais: Rich. Alexander. Sonntag, den 13. Januar, nachm. 3 Uhr: Haben Sic nichts zu vcr- zollen? Dienstag, den 21. Januar zum erstenmal:„Bibi."_ Lustspielhaus. AbendS 8 Uhr: P a u ii©• Zentral=theater. Gastspiel des Hebbel-Theaters. Abends 8 Ubr: Wrau WarrcuS Gewerbe. ' tfr 1''iftm von Bernb Sbaw. melltek im»er Zpree Seliillee-Tbeater 0.(Wallner-Tdeaier> Sonnabend, abends 8Uhrc «udildete llluiisolien. Bolksjtück in 3 Auszügen von Viktor Läon. Sonntag, nachm. 8 Ubr: Da» Glück im Winkel. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Revisor. Montag, a b c» d s 8 Ubr: Die Hermannsschlacht» Schiller-Theater Charlottenburg. Sonnabend, abends 8 Uhr: Rosmersholm. Schauspiel in 4 Ausz. v. Henrik Ibsen. Deutsch von Wilhelm Lange. S o n n i a g, n a w m. 3 Uhr: Der Richter von Talamea. Sonntag, abends 8 Uhr: Alonna Vanna. Montag, abend» 8 Uhr: Der Revisor. jAvMUvr-�aaR 8chilIer-Theatev\ Charlottonbnrg/ Sonnabend nachm. 6 Uhr: Erster Vortrag von Pros. Dr. Paul Schubring. Anleitung zum Betmchten von Kunstwerken im Anschluß an die Schätze des Kaiser-Friedrich-Mtseums. Mit Lichtbilder«. Sonnabend abends S Uhr: Erste Borlefmig von Dr. Max Burckhardt: Das deutsche Lied. ! s Mgenickenir. 68, dicht am Bahchof Jannowit/brücko Täglich 8 Uhr: HoRuspoKus' ntu»iu- ueril»er ive-aug». oge. Sonnabend u.«onntag ausverkaust Sonntag 3 Uhr z. 2. M.: Auagowieaen EKNimOUTHEATE Sir. Frantsiirier'tr 132 Die arme Mieze. Anfang 8 Uhr.— WochentagSpreise. Nachm. 4 Uhr Kindervorstellung: Frau Holle. Sonntag: Die arme Mieze._ Rixdorfer Theater Bürgersäle. Bergstrasie Nr. 147. Sonntag, den 19. Januar 1908: Gastspiel des Opern- Ensembles (Theater des Destens). Der Troubsdour. Oper in 4 Akten von Verdi. _ A n s a n g V\, U b r._ Abends 8 Uhr: lj Wie(lesia, Watarwalm Siegwart Gentes in seiner Opernprobe. Hymack, der Mann mit den Handschuhen. Die 3 goldenen Jungfrauen. Sonntag nachm. a1/, Uhr(kleine Preise) Familienoorstellüng._ Metropol-Theater Anfang prüslse 8 Uhr. Gr. Kevue in 1 Akten(12 Bildern) von J. Fronnd. Musik von Viktor HoUaender. In Szene gesetzt vor Direktor Richard Schultz. G. Thielseher. F. Massary, B. Danil Bender. Giampielro, Josephi ete. Raneben gestattet. 8onntag, den 10. Januar, nachmittags 3 Uhr; Die Herren von Maxim. Neues Programm. Ruth St. Tincent Gesangskünstlerin. Kaufmann-Truppe reizende Radfahrkünstlerinnen. Roohez Alfen Oer Affe als Kapellmeister. Robert Steidl der beliebte Humorist, und viele andere erstklassige Spezialitäten. Parodie-Theater. Dresdenerstr. 97. Ansang 8'/, Uhr. Zum 76. Mal: Xspkenstreieli. Tannhäuser. Monna Wanna. Sonntag nachm. 31/, Uhr halbe j Preise: Das Ungeheuer. Zapseii- l streich. Monna Banno. Hilf-Thealef jesM Charlottenburg, Potsdamerstr.lt. « Neu! Elegaui! Intereffant! Täglich Vorstellung von S— 11 Uhr. Sonntags von 3—11 Uhr. Stetiger Eingang von Neuheiten. f.actnrB'c Panoptikum W C& o l*«- II 9 165 Fricdrichstr. 165 Das Schlangen-Ungeheuer mit seinen 27 Jungen. 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Ans. 7 Uhr. Entree 30 Pf. Tanz. Montag: In der Irre. Dienstag Benefiz«arl Reich: Dalle« H. 34. Gebr. Herrnfeld- Theater. 57 Kommandantenstratze Nr. 57. Abends S Uhr: •• Der Gipfel•• HeFrnfeldschen Humors Papa und Genossen. Sonntag nachmittag 3 Uhr bei halben Preisen: Endlich allein! und Der Fall Blumentopf Weinbergsweg 19/20. Rosenth. Tor. Abends 8 Uhr: Das große Programm. Die erste Sensation im neuen Jahr: Der Kraltjonglenr Aeosta. MelektriHChe Sterne musikalisch AusstaltimgSatt. nestram, Komiker. Prolongiert 1 Prolongiert! 4L Akrobaten Lorch 4L. 46 VarlätekUnstler. Tunnel; Boekbierfest, Regiments» kapelle, Tiroler Schrammeln. Theaterbesuchern freier Eintritt. Sanssouci Ä,e6 Direktion: Wilhelm Reimer./ Sonntag, Montag und Donnerstag: HoffmannsMiSänger u. Tanskrttnzctaen, Beg. Sonnt.5, Wochent. 814. Morgen: Lr. lllils-Soireo. Uan». Dienstag, den 21. Ja«.: S. groste Spezialitätsen- Vorstellung. Nur erstklassige Kür/stler. Kiisfzv OöllsM- Heidin W., Gdtzstr. 9. TaS glänz. 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Zirkus Buscli Sonnabend, den 18. Januar 1908. abends 7ff, Uhr: Lala- Abend. Austr. des Herrn Konimilsionsra! Lustav Stensbeck, Direktor deS Berliner Tattersalls als Gast. Zu 1. Male: Aus Count Moritz v. Matsch Box n. d. Borealis, import. von der Firma k. k. Host. Gebr. Wellmann. Bros. Clarko- nianks aus Amerika. Das Phäno- menalstea. d.Gebiet d.Lustgtimnast. Tbe llrema Tamil/, 10 Personen. Herr Ernst Schumann, Neudress. Um ca. 10 Uhr: Auf der Hallig k Gr. Manege-Ausst.-Pant d. Zirkus Busch in 4 Bildern. Sturm und Lcblifsunlergang. Die Wunder der Tiefsee.— Sonntag, den 19. Januar: S Galavorstellung. sll ente! k Lrate» groven I «ehwarz» welk- rotea Karnevalfest verbunden mit Theater- und Kabarett- V orstollungen der »vereinigten Etablissements Passagc-Tbcater, m Linden-Kabarett, Kabarett-Bierabend. i Einheitspreis 3 M. üm�'/jUhr die Faschingspantomime: Die Badehose, mit daran- schließender Strandpolonäso. Anfang des Theaters und Kabaretts 9 Uhr. Ende derselben 2 Uhr. Ab 11 Ubr: Ball. Ende des Festes: Morgens. In sämtlichen Sälen d. Passage Vorstellungen. Jodo Karte be- J rechtigt zum Besuche aller drei Etablissements und aller Darbietungen. Alles Nähere die Plakate. Reichshallen-Theater Sleier Sanier. Ansang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Belchshallen- BcHtanrant: Bockbierfest mit groB. Militär-Konzert. Palast-Theater Burgstraste 24. DM- Heute 8 Uhr"WA DM- Entree SO Pf.-MM Der Januar- Spielplan. Les 4 Orans. Paul Richard. Manöverliebe. BurleSIe. Kasino-Theater. Lothringerjtr. 37. Täglich 8 Uhr: Raanl weint— Hannl lacht Operette in 1 Alt v. Jacques Ossenbach. Si«aus da» neue bmite Programm. Ate Freude« d. Häuslichkeit. Lasttpiel in 3 Alten v. M. Heiinequin. Sonntag 4 Uhr: Biederleutc. Theater Folien Caprice Linienstr. 132, Ecke FriedrichstraBe. Berlins Tagesgespräch! Mal waa Anäera. Revue in 3 Bildern. Dunkle Dnnkte. Eine anNtUndlge Uran. Anfang 8 ge 1 Uhr. Moritiplatz., .".77. imlhcatcrsaal Tä�lICnS I Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf. Im unteren Konzertsaal täglich die allerernton ZKlIltUr- Kapellen: Becker, PrzywarSki, Görisch, Neumann, Offeney, Lüttich. lyQTUAMa \lkmeteMeater Iah.; J. UeHChkowiikl. Ackerstraße 6-7. Täglich: Theater- und Spezialitäten- Vorstellung. Anftret. v. 15 Künstler- Spezi alit, Diese Anzeige berechtigt zur Entnahm� Parkettfautouil-Plätzen.- „Freiheitliche Bühne.u >>eute und morgen kommen IS« Stück l»t>7rr IIisKnQ»> gsrantiort ju-ge desto nUlUlcr, Loger, a 2,3/- Uhr: D«ii«i*alv«i*samm>ung im Gewerkschaftshause. Engelufer 15, Saal 1. Tages-Ordnung: 1. Wahl der Ortsverwaltung. 2. Beschlußfassung über Erhebung von Cxlrabeiträgcn(£j 63 des Verbandsstatuts). 3. Vcrbandsangclegenheiten. 4. Verschiedenes. Zahlreiches und pünkiliches Erscheinen ist notwendig. Mitgliedsbuch oder Karte legitimiert.[42/3] Der Vorstand. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hos I. Amt 3, 1239. CharitestraBe 3. Hos III. Amt 3, 1937. Montag, den Ä0. Januar 1908, abends 6 Uhr: Bezirksversummlung für Tegel und Umgegend in Trapps Fcstsälen, Tegel, Bahnhosstr. 1. Tages-Ordnung: 1. Beratung über die zurückgestellte» Paragraphen deS Orts- statnts, betreffend die neue Zusammensetzung der General- Versammlung unserer Verwaltungsstelle. Res.: Kollege A. Kohen. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Kollegen! I» Anbetracht der hochwichtige« Tagesordnung bitten wir, vollzählig«nd pünktlich zu erscheinen. Montag, den 20. Januar 1908, abends 8 Uhr: MW- Versammlung-WW allerin Eisen-». MetallgieBereien beschäftigten Former und Berufsgenossen im Gewerkschaftshause, Engclufer IS, Saal 4. Tages-Ordnung: I. Bortrag:„Nattoualehre— Standesehre". Referent: Kollege Dnlin. 2. Diskussion. 3. Verbands- und Branchcnangelcgenheiten. Kollege«! Wir ersuchen Euch, vollzählig uad pünktlich zu erscheinen. Sg" Den Kollegen zur?!achricht, dast Broschüren im Bureau zu haben sind betreffend die Ver- Handlungen des Reichstages über den Gesetz- entwurf betr. die gewerblichen Berufsvereine. Für Mitglieder ist der Preis 25 Pfennig � (Bnchhändlerpreis 75 Pfennig). 110/13_ Die Ortavcrwaltnng. InWkllt Charlottenburg. mtag, den 19. Januar, vormittags 10 1 im Volkshause, Rostnenstrahe 3: General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Jahresbericht und Abrechnung vom 4. Quartal 1907. 2. Wahl der gesamten Ortsverwaltung. 3.'Anträge und Wahl von zwei Delegierten zum Gautag. 4. Gewerlschastliches und Verschiedenes. 78/1 Die Pflicht tedes Kollegen ist eS, pünktlich zu erscheine«. Ule Ortsverwaltung. Stukkateure! Montag» den 20. d. Mts.» abends 8 Uhr» bei Meier, • Sebastiaustraste 30: General- Nersammlung. Tagesordnung: 1. Slbrechnung vom vierten Quartal und Jahresbericht der Orts- Verwaltung. 2. Diskussion. 3. Neuwahl aller Funltionär«. 4. Verschiedenes. 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Im April 1906 wurde vom Landtag das Abgabengesetz für die Gemeinden und Provinzen angenommen und die Folgen bekamen bald die Gast- und Schankwirte aller Orten zu spüren. Sie wurden überall als das am meisten geeignete Steuerobjekt angesehen und sie konnten nichts dagegen tun. weil sie versäumt hätten, beizeiten durch eine kräftige Organisation gegen eine Gesetzgebung, von der sie�allen Nachteil hatten, Front zu machen. Die Kon- zessionssteuer, wie sie jetzt erhoben wird, kommt einer Strafe auf die Ausübung des Gastwirtsgewerbes gleich; sie berägt oft zehn Prozent des Anlagekapitals. Wenn den Gastwirten gesagt wird, sie würden dadurch vor der Konkurrenz geschützt, so ist dies nichts als Heuchelei. Die Steuer steht in einem schreienden Wider- spruch zu der Reichsgewerbeordnung und trifft gerade die kleinen Wirte am härtesten, denn sie werden im Verhältnis zu ihrem Ver- mögen viel schärfer und auch häufiger zu der Konzessionssteuer herangezogen� als die Inhaber großer Etablissements. Der Kamps gegen diese Steuer ist aber nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern auch ein politischer. Man schicke Männer in den Landtag und. in den Reichstag, so forderte der Redner, die die Interessen derjenigen vertreten, die durch die jetzige Gesetzgebung schwer be- nachteiligt werden.(Starker Beifall.) Der Redner brachte viele Beispiele vor von der Ungerechtigkeit der Steuer. Die folgende Resolution wurde von der Versammlung angenommen: Die am 16. Januar in Freyers Festsälen zahlreich versam- melten Gast- und Schankwirte Groß-Berlins protestieren mit aller Entschiedenheit gegen die in den verschiedenen Kreisen und Gemeinden Preußens zur Einführung gelangten Schank- konzessionssteuer. Tie Versammeltes sind der Ansicht, daß die Steuer gegen den Wortlaut der Reichsgewerbeordnung verstößt und sie erwarten, daß die parlamentarischen Vertreter des Volkes geeignete Schritte zur Abänderung dieser, den gesamten Gast- Wirtestand wie das ganze Volk schwer bedrückenden Steuer unter- nehmen werden. Paul Litfin hielt dann noch einen Vortrag über»Die gegenwärtige Lage im Gastwirtsgewerbe." Witterangsüberficht vom 17. Januar 1968. Statt««» T. 1 B 1 OcUn SlDtnentbe' 762 53 Hamburg: 763 23353 Sellin 1764 23 Franti.a.M 763 53 München 771 353 iSien 772 N SNcM 2 Nebel 2 Regen 1 bedeckt 4 bedeckt 1 Nebel »s c 5. a II W Ss Stattanen LS Ü S 5 St— c= S« e fBeUet I Haparanda 740 Still l Petersburg 746©353 Scilly 1 761 323 Aberdeen j 756 SSO Paris! 763 SSW Obedeckt 3 bedeckt 3 bedeckt 3 bedeckt 2bedeckt z* H£ -2 2 10 9 4 Wetterprognose für Sonuabend. den 18. Januar 1S08. Wild und zeitweise aufklarend, vorwiegend trübe mit Regensällen und lebhaften südwestlichen Winden. 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