Ur. 16. nbonneinentS'Bedlngumen: BBonncmcntS. PreiZ prüninnetanSo• Licileljährl. 3,30 Mk� monatl. L10 M!� WSchenIIich 23 Pfg, frei inj HauS, Einzelne Nummer s Pfg. Eonntnx?. Nummer mil illuflrierter Sonntags» Beilage»Die Neue Welt" 10 Big, Post, Nbonncment: l.lO Mart pro Monat. Eingetragen m die Boit- Zeitung?. Vreislisle. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für dag übrige Ausland 3 Mark pro Monat. BostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemarh Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Nmnänicu. Schweden und die Schweiz. «»«Iii tlan» außer sioatatt. SS.. Jahrg. Verlinev Volksblcrkt. vle lnsertions-eebovr betrugt für die fechsgefpaltenc Kolonel- geile oder deren Raum da Big., für dolitiiche und gewerlichaflliche Vereins- und BersamiiiIungS-?Inzeigen M Big. „Meine JJn-eigen", das erste(fett« gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes luciicre Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf« stcllen-Anzeigen das erste Wort lO Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 13 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- ltldresfe: „SszlillltMdlikZt Rcrlin". Zentralorgan der fozialdernokrati feben parte! Deutfcblands. Redaktion: 8M. 68. Llndcnstraaee 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. TM Sonntag, den 19. Januar 1908. Expedition: 8Al. 68, Llndenstradse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. vom Zchlachttelä der Arbeit. Opfer fallen hier: weder Lamm noch Stier, aber Menschenopfer unerhört. 9141(8928)') Tote und 130625(132 193) Schwer« verwundete, insgesamt also 139 726(141 121) auf dem Schlachtfeld der Arbeit Gebliebene oder Schwerverwundete in dem eine» Jahre 1906— so lautet das von uns bereits in der Freitagnummer erwähnte amtliche Bulletin, das in Gestalt einer Nachweisung über die Rechnungsergebnisse der Berufsgenossenschaften für das Jahr 1906 dem Reichstag vor- gelegt ist. Diese Zahlen umfassen nur die Unfälle, für welche im Jahre 1906 zum ersten Male eine Ent- fchädigung gezahlt ist. Die Zahl der Unfälle, die über- Haupt im Jahre 1906 zur Meldung gelangten, ist eine weit höhere. Die Gesamtziffcr der ini Jahre 1906 an- gemeldeten Unfälle beträgt 645 583(609 160). Grauenvolle Zahlen, die eine beredte Anklage gegen die herrschende Gesellschaftsordnung erheben, welche Leben und Gesundheit der Arbeiter miszachtet. Die furchtbaren Verluste an Menschenleben, Menschengesundhcit und Menschenglück sind zum übergrößten Teile keineswegs notwendige Folgen der Beschäftigungsarten, sondern beruhen auf den Mängeln der vom Kampf sür den Unternehmerprofit beherrschten Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung. Die angemeldeten Unfälle übersteigen erheblich die gesamte Friedenspräsenzstärke. Die Zahl der auf dem Schlachtfelde der Arbeit so schwer Ver- wundeten, daß auch die widerwillige Rechtsprechung hat an- erkennen müssen, daß die Folgen des Unfalls auf eine längere Zeit als 13 Wochen sich erstreckten, überragt um mehrere Tausend den Eksamtderlust, den die deutsche Armee im deutsch- französischen Kriege an Toten und Verwundeten aufzuweisen hatte(137 886). Aufpeitschen würden derartige entsetzliche Zahlen die herrschende Klasse zur endlichen Erfüllung ihrer Pflicht zur Herabmindcrung der Unfälle auf das menschenmögliche Maß, wenn die Getöteten und Verwundeten nicht Arbeiter, sondern Unternehmer wären. Da es sich aber eben um Leben und Gesundheit von Arbeitern handelt, deren Gleichberechtigung als Mensch die herrschende Klasse nach allen Richtungen hin bekämpft, so läßt die herrschende Klasse fast alle Forderungen nach Schutz für Leben und Gesundheit der Arbeiter unerfüllt. Die frevelhafte Gleichgültigkeit gegen Leben und Gesund hcit der Arbeiter hängt mit der Gesellschaftsordnung selbst zusammen. die der arbeitenden Bevölkerung die elementarsten Rechte vorenthält. Die herrschende Klasse, welche im Besitz der Produktionsmittel ist, achtet den Arbeiter lediglich als Arbeits Maschine, dessen Verunglückung der Besitzer menschlich fernsteht. Die Zahl der angemeldeten Unfälle ist nach den eingangs erwähnten Ziffern also um 36 423 gegen das Vorjahr ge- st i e g e n. Verringert hat sich— das erste Mal seit dem Bestehen der Unfallgesetzgebung— die Zahl der jährlich festgestellteu Entschädigungen. Freilich nur um 1395. Leider berechtigt dies Herabgehen der Ziffer insbesondere gegenüber der großen Steigerung der gemelderen Unfälle durchaus nicht auf eine Verminderung der Unfälle zu schließen. Sie erklärt sich durch die so häufig beklagte Verlangsamung und Verschlechterung der Rechtsprechung. Es wird bekanntlich in wachsendem Maße der Unfall auf andere Ursachen als den Betrieb zurückgeführt: der Begriff des„Banns im Betriebe" ist in den letzten Jahren immer mehr eingeengt und die Rechtsprechung neigt in wachsendem Maße dahin, die Folgen des Unfalls nicht als ursächliche Folgen des Betriebs- Unfalls zuzugeben, sondern auf Veranlagung(z. B. bei Bruch- und Lungenschäden) und auf andere Gründe(Nervenleiden, Alcoholgenuß usw.) zurückzukonstruieren. Diese Konstruktion ist freilich bei den durch den Unfall Getöteten nicht mög- lich. Daher mag es sich erklären, daß die Zahl der auf dem Schlachtfelde der Arbeit Getöteten, sür die das Sterbegeld und die Entschädigung für die Hinterbliebenen im Jahre 1906 festgestellt ist, nicht gesunken, sondern leider gestiegen ist. Wie hoch ist die Zahl derer, für die nach den RechnungS- ergebnisien der Brrufsgenossenschaften feit 1886 erstmalig eine Entschädigung gezahlt ist? Das vergegenständlicht die nachstehende Tabelle, die aber den amtlichen Nachweisen fehlt. Unsere Tabelle bezieht sich auf alle in gewerblichen und land- wirtschaftlichen Berufsgenosscnschaften(ohne die Versiche- rnngsanstalten der Baugewerks-, Tiefbau- und Seeberufs- genossenschasten. für die die Anzahl der versicherten Personen nicht feststeht) sowie in staatlichen und kommunalen Aufsichts- behördcn(ausschließlich der Baubetriebe) versicherten Per- sonen.") ') Die in Klammern beigefügten Zahlen beziehen sich auf das Jahr isos. ") Zu dieser Berechnung mag hervorgehoben werden, daß wir die in den amtlichen Nachweisen angegebene Zahl der durchschnittlich Versicherten zur Grundlage der letzten Spalte gemacht haben, während bei früheren Berechnungen eine schätzmigöiveise eingesetzte, etwas höhere Zahl vom ReichsversicherungSaint für die Berechnung, wie viele Unfälle a u f j e 1000 Versicherte fallen, genommen wurde. Zahl der verletzte» Personen, für welche im Rechnungsjahre erstmalig Entschädigungen festgestellt worden sind: r: 'S'c s 1886 1887 1888 1889 1800 1891 1892 1893 1894 1805 1896 1897 1898 1899 1900 1901 1902 1903 1904 1905 1906 absolut überhaupt 10 540 17102 21057 81010 41420 50 507 54 827 61874 68 677 74 467 85 272 91 171 96 794 104 811 106 447 116 089 119 901 127 947 136 126 139 787 138 283 und zwar hatten die Verletzungen zur __ Folge_ Tod 2 716 3J270 3 645 5185 6 958 6346 5 811 6 245 6 250 6 333 6 989 7 287 7 848 7 999 8 449 8 359 7 842 8 236 8 552 8 757 8 970 dauernde Erwerbsunfähigkeit völlige! teilweise 1778 3166 2 203 2 882 2 681 2 561 2 640 2 487 1752 1668 1524 1452 1 109 1297 1366 1416 1398 1517 1578 1476 1454 8 961 8 462 11 023 16 337 22 615 27 788 80 569 36 236 38 032 40 527 44 373 46 489 47 764 51240 51 III 64 340 55 264 58129 02 663 63 530 60 814 vorübergehende ErwcrbS- unsähigkeit 2083 2204 4 186 6615 10166 13 812 15 807 16 906 21 723 25 937 32 386 35 943 40 053 44 276 45 521 51 974 55 399 60 065 63 433 66 024 67 045 � s & Sä ZK 2,83 4,15 2,04 2,32 3,04 2,80 8,04 3,41 3,78 4,03 4,84 5,08 5,30 5,63 5,63 6,15 6,28 6,51 6,85 7,34 7,00 86/06 1 662 098 141 049 39 403 832 087 681259 Die Gesamtzahl der im Jahre 1906 versicherten Personen betrug 20726 716(20242512), und zwar waren in den 66 ge werblichen Berufsgenossenschaften 8 625 000(8 195 732), in den 48 lanhwirtschaftlichen Genossenschaften 11189071(11189071) und in den Ausführungsbehörden 912 642(857 709) Personen versichert. Die Zahl der in den landwirtschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen ist vom Reichsversicherungsamt wie früher schätzungsweise auf Grund der Berufszählung von 1893 eingestellt. Auf rund 1'/, Millionen schätzt das Reichsversicherungsamt die Zahl der Personen, die doppelt gezählt sind, weil sie in landwirtschaftlichen und in gewerblichen Betrieben beschäftigt sind. Diese Zahl der landwirtschaftlichen Arbeiter ist im Gegensatz zu den in industriellen Betrieben beschäftigten also eine Willkür- liche, der Wahrheit nicht entsprechende. Bei Berücksichtigung der wirklichen Zahl dürfte eine erheblich geringere Zahl länd licher Arbeiter einzusetzen sein: die Ergebnisse der im ver gangenen Jahre vorgenommenen Berufszählung werden ja hoffentlich bald Aufklärung schaffen. Da demnach nicht die Zahl der wirklich in der Landwirtschaft Arbeitenden, sondern wahrscheinlich eine höhere in den Nachweisen in die Erscheinung tritt, so wird die große Zunahme der Unfälle in den landwirtschaftlichen Betrieben etwas verdeckt. Sie ist un geheuer: zum ersten Male im Jahre 1906 ist(in Relativität zu den Bcrufszählungszahleu von 1895) eine Verminderung der Unfallzahlen im Landwirtschaftsgewcrbe eingetreten. Während die gewerblichen Berufsgenossenschaften eine Zu nähme von 2867 Unfällen gegen 1905 aufiveiscn (71227 ini Jahre 1906, 68 360 im vorhergehenden Jahre), zeigen die landwirtschaftlichen Berufsgcnossenschastcn eine Abnahme von 4448 Unfällen gegen das Jahr 1905. ES läßt sich leider, weil die Zahl der wirklich beschäftigten Arbeiter von den landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften nicht angegeben ist, nicht positiv behaupten, daß die Verhält nisse auf dem Lande nach der Richtung der erschreckenden Zahl von Unfällen sich, wenn auch nur sehr wenig, gebessert haben. Es mag sein, daß der endliche Erlaß von Unfallverhütnngs- Vorschriften für landwirtschaftliche Betriebe einen Rückgang herbeigeführt hat. Mag auch sein, daß nach derselben Richtung die endliche Einstellung von technischen Aufsichts- beamten gewirkt hat: während 1904 nur fünf land- wirtschaftliche Berufsaenossenschaften Aufsichtsbeamte hatten, weisen im Jahre 1906 14 Berufsgenossenschaftcn technische Aussichtsbeamte auf(Königreich Sachsen 6, Anhalt 3, die acht bayerischen, die für die Provinz Sachsen und Posen, sowie die für Meiningen und Lothringen je 1). Bei der UnVollständigkeit, ja Liederlichkeit, mit der ländliche Berufsgenosscnschaften ihre Berichte fertigen— wir haben kürzlich dieselben besprochen— ist ein sicherer Rückschluß unmöglich. Die Tatsache, daß die Rentenquetscherei und die Verheimlichung von Unfällen auf dem Lande weit stärker wie in industriellen Betrieben in Uebung ist, läßt für den wenn auch vielleicht nicht relativen, so doch absoluten Rückgang der Unfälle im Land- Wirtschaftsbetriebe auch die Erklärung zu. daß ein Rückgang nicht der Unfälle, sondern lediglich der F e st st e l l u n g en der Unfälle erfolgt ist. Hier kommt noch die Zunahme der ausländischen Arbeiter in der Landwirtschaft in Betracht. Fühlt sich schon der gesunde Ausländer in Deutschland rechtlos, wie mag es da erst dem durch Unfall verletzten ergehen! Er ist froh. Deutschland verlassen zu können, selbst wenn er nicht befürchtet, gar als„lästiger" Ausländer ausgewiesen zu werden, weil er einen Unfall erlitten hat. Nachstehende Tabelle zeigt, welche enorme Zahl von Un- glücksfällen die landwirtschaftlichen Betriebe treffen. Es betrug in der Landwirtschaft die Zahl der ver- letzten Personen, für welche im Rechnungsjahre erstmalig Ent- lchädigungen festgestellt worden sind; Zahl der verletzten Personen, für welche im RechminnZjahre erstmalig Entschädigungen festgestellt worden sind: «n er. s «ä- 1888 1889 1890 1891 1892 1893 1894 1895 1896 1897 1898 1899 1900 1901 1902 1903 1904 1905 1906 absolut überhaupt 808 6 631 12 573 19 359 23 231 27 533 32 491 87 383 42 034 45 438 47 683 51 287 50 311 55 983 57 934 62 397 66 003 66 835 61 887 und zwar hatten die Verletzungen zur _ Folge_ Tod 854 1368 1877 2153 2 026 2142 2 261 2 213 2 363 2 474 2 598 2 608 2 662 2 761 2 672 2 893 2 948 2 907 2 872 dauernde Erwerbs- unsähigkcit völlige teilweise 43 260 438 644 785 770 560 571 623 544 332 440 511 568 541 604 668 610 593 180 2 663 5 404 8 873 11012 14 899 17 133 19 529 22 222 23 260 23 366 25 313 24 181 25 954 26 408 23 379 31423 32 009 23 580 vorüber- gehcnde Enverbs- unjähigkeit 231 2 330 4 854 7 689 0 408 0 742 12 485 13 070 17 726 19160 21387 22 926 22 957 ' 20 710 28 813 30 521 30 059 30 809 29 842 0,14 0,82 1,5k 1,58 1,8? 2 24 2�64 3,04 3.84 4,06 4,26 4,58 4,50 5,00 5,18 5,58 5,00 5,94 6,53 88/06 768 215{ 44 142 10 104 j 370 845 343 129 Eine solche Abhülfe ist möglich durch Bcscitigmig dci Hauptnrsachen der Unfälle. Und das sind: die Länge der Arbeitszeit, der Mangel ciiieS gesetzlichen Schutzes der Arbeiter- organisationen, die Akkordarbeit, Mangel a» Schulung, ins» besondere ungelernter Arbeiter, die Heranziehung schutzloser Ausländer, nnznrcicheuder Erlaß nud Inhalt von Unfall- verhütungsvorschriftcn, vor allem die Versagung des Rechts der Arbeiterorganisationen, UufallverhütungSvorschriftc» festzusetzen und zu überwachen. Nicht zu vergessen ist endlich die Beseitigung des ausnahmerechtlichen Charakters der Unfallgesetzgebung, der dem Verletzten, weil er als Arbeiter verletzt ist, ein Drittel der Schadenersatzhöhe und mehr nimmt und ihn auf die schmale Unfallrente beschränkt. Diese die Opfer der Arbeit schwer schädigende Vorschrift wirkt wie die Organisation der Berufsgenossenschaften sowie das fast völlige Versagen der Strafrechtspflege gegenüber fahr- lässig handelnden Unternehmern fast wie eine Prämie zur Herbeiführung von Unglücksfällen. In 21 Jahren 141 04» Arbeiterleichen auf dem Schlacht- selbe der Arbeit, 1 662 098 schwer Verwundete— das sind Zahlen, die das Gewissen der bürgerlichen Parteien aufrütteln und sie veranlassen sollten, endlich die eben kurz skizzierten zur Verminderung der ungeheuren Opfer an Menschenleben, Menschengesundhcit und Menschenglück gestellten Forderungen der Arbeiterklasse zu erfüllen. ftotrumz-BzhlrechKbewegung. Die baldige Einführung des allgcmcincn, gleichen, direkten und geheimen Landtagswahlrcchts im Polizcistaat Preußen ist gesichert; denn, so behauptet mit der ihr eigenen Einfalt die katholische„Mirk. VolkLztg."— ein Blatt, in das der Abfall vom Nedaktionstisch der„Germania" hineingestopst wird— •„die Bewegung für die Einführung des RcichstagSwahlrechis nimmt a u ch in den Kreisen unserer Parteifreunde zu. Nach» dem die Zentrumsfraktion im vorigen Jahre einstimmig den Antrag auf Einführung des Ncichslagswahlrcchts in Preußen gestellt hat, ist in den Reihen des Zentrums klarer Tisch ge- schaffen. Wir wollen das RcichStagswahlrecht, und unsere parlamentarische Vertretung im Abgeordnetenhaus tritt geschlossen für diese Forderung ei n." Also endlich will das Zentrum dcS Landtages„geschlossen" für die Uebcrtragung des Rcichstagswahlrcchts auf Preußen ein- treten! Eine schöne Verheißung— nur sind bekanntlich ent- sprechend seiner jesuitischen Moral beim Zentrum„Ver- sprechen" und„Halte n" zwei Dinge, die sich sehr selten bei- sammen finden. Seit mehr als dreißig Jahren hat cs von der Notwendigkeit der Ersetzung des preußischen Dreiklasscnwahlrechts durch ein allgemeines, gleiches und geheimes Landtagswahlrecht gesprochen und in kritischen Zeiten, wenn cs galt, die unteren Volksschichten für seine kirchlichen Ztvccke auszunutzen, sogar in Volksversammlungen und Parlamenten große Aktionen an- gekündigt— aber über dieses Stadium des AnkündigcnS ist daS Zentrum nicht hinausgclangt. Eine energische Agitation für die Einführung deS Rcichstagswahlrcchts in Preußen hat sich die Führerschaft des Zentrums nie geleistet, noch hat cs während der Zeit, da cs mit den wahlvcrwandten schönen Seelen der protcstan- tischen Junker den Rcgicrungsblock bildete, jemals etwas Ernst- liches für die Uebcrtragung des Reichstagswahlrcchts auf Preußen unternommen. Höher als das politische Recht der katholischen Arbeiter stand ihm allezeit trotz seiner Verachtung der irdischen Schätze die Rückkehr der Jesuiten und das Ver- langen der katholischen Adeligen und Großu dauern nach hohen Korn, und Viehpreiscn. Wie sehr bisher die Führer des Zentrums für die Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Landtagswahl- rechts ihre Kräfte eingesetzt haben, zeigt am besten ihr Verhalten im Reichs- und Landtage bei jenen Gelegenheiten, wo Aenderunaen deS bisljcuflcn WaUrcchiö in Fcag� standen. Als z. B. an! � 30. April 1000 über die Gemcindcwahlrcform im preußischen Ab- ." Jedenfalls eine höchst sonderbare Wirksamkeit für die Ein- fichrung des Reichstagstvahlrcchts in Preußen. Gegenüber dieser eigenartigen Zentrumswahlrechtsbewegung und der nicht minder eigenartigen Abstimmung der Zentrums- fraktion im preußischen Abgeordnetenhause vom 10. Januar d. I. nimmt cS sich geradezu komisch ans, wenn die„Westdeutsche Arbcitcr-Zeitung" lM.-Gladbach) ans Anlaß der Wahl- rcchtsdebatten im preußischen Abgeordnetenhause klagt:„TaS preußische Wahlrecht bleibt weiter bestehen und es ist vorderhanv nicht die geringste Reform dieses Wahlunrechts zu erwarten.... Was einmal werden wird, davon kann man eine Vorstellung be- kommen, wenn man den letzten Teil der Bükowschen Erklärung durchdenkt. Der„Einfluß des Mittelstandes auf das Wahlergebnis" soll ausrecht erhalten werden. Vom Ar- beitersianb, der in Preußen sozusagen auch noch da ist, ist nicht die Rede— und gerade«r ist der rechtlose Teil bei dem Drei- tlassenwahlrecht." Dann heißt cd weiter: „Wenn die Staatsregierung nicht will, dann muß das Volk wollen. Was nicht der politischen Klugheit eines Staats- manneS entspringt, das mich das Volk sich eben erstreiten. Nun ist es in Preußen allerdings nicht einerlei,' in welchen Formen sich der Wahlrechtskamps bewegt. Tie Sozialdemokraten haben wieder Protestvcrsannnlungen abgehalten und sind dabei aus die Straße gegangen. Straßendemonstrationcn sind keine geeigneten Mittel, in Preußen Reformen anzubahnen, im Gegenteil: sie ängstigen die Spießer und verstärken die Reaktion. Run bleibt ja vorderhand noch an der ruhigen Auftlärnng der preusiischeu Wähler über ihre Rechte oder besser: ihre Rechtlosigkeit, über die Bedeutung der Sache noch soviel zu tun, daß man vollauf genug hat, erst diese Arbeit zu leisten. Diese große Masse der Landtagswähler befindet sich noch in einer derartig stumpfe» Einsichtslosigkcit besangest, daß cS da eine Hcrkulesarbeit zu überwinden gibt. Der Kampf um die Reform des Treiklassenwahlrechts muß also innerhalb der Wählermassen weiter gehen." TaS Bekenntnis, daß das Zentrum bisher zur Beseitigung der„stumpfen E i n s i ch t s l o s i g k e i t" der katholischen Land- tagswählcr nichts getan hat, ist richtig: die Hoffnung, daß cS jetzt das Unterlassene nachholen wird, nach seinen bisherigen Leistungen auf diesem Gebiete aber recht wenig glaubhaft. Maßgebend für die Politik der Zentrumsfrattion ist eben nicht das Interesse der katholischen Arbeiterschaft, sondern das Interesse des hohen KleruS und der katholischen Agrarier. Sic bestimmen den Kurs. Zur pslitiichen Lage in(laden wird uns geschrieben: Ganz abgesehen von der trostlosen Situation, in der sie sich im allgemeinen im ganzen Reiche befinden, haben die National- liberalen des„badischcn MffterländlcS" noch ein ganz spezielles Pech mit den Nachwahlen, die sie seit der letzten allgemeinen Landtagswahlschlacht im Oktober 1905 durchzukämpfen hatten. Schon kurze Wochen nachher mußten sie sich im Bezirk Lörrach-Land zu einer Neuwahl stellen infolge des Todes ihres Abgeordneten Rebmann, und die Folge war ein schwerer Konflikt mit dem Freisinn, der ebenfalls Anspruch auf den Kreis erhob und mit der Kündigung der Blockgemeinschaft drohte, falls man ihm das Mandat nicht überlasse. Es kam init Mühe und Not zu einer Einigung auf die.Person des nationalliberalen LandgerichtSrateS Obkircher, den ein verschlagener Trick der Schwarzen bei den allgemeinen Wahlen aus der Zweiten Kammer hinauSexpcrimentiert hatte. Nicht lange sollte jedoch der Friede dauern: infolge seiner Beförderung zum Landgerichtsdircktor mußte sich Obkircher zu einer Neuwahl stellen, bei der die Fehde mit dem Freisinn mit größerer Heftigkeit aufs neue entbrannte. Die Alackbrüder vom Freisinn schimpften Herrn Obkircher einen„aus- oktroyierten Bcamtenabgeordneten". der für den Kreis nicht das mindeste'getan habe, gaben schließlich aber doch wieder klein bei, so daß Obkircher wieder in die Zweite Kammer zurückkehren konnte. Noch mehr Kummer bereitete den badischen Nationalliberalen der vor S Wochen erfolgte Tod des Oberschulrates Dr. Weygoldt. des langjährigen Vertreters des Wiesentalkreiscö Schopfheim-Schönau. Dr. W. war dort im Oktober 1005 mit 2700 gegen 1590 klerikale und 800 sozialistische Stimmen im ersten Gang geivählt worden, hatte also nur etwa 160 Stimmen über das absolute Mehr gehabt. Seither haben die Schwarzen in dem Bezirk starke Fortschritte gemacht, und nun tat ihr Führer Wacker den Rationallibcralcn auch noch den Schmerz an, daß er sich zu der Nachwahl mit den B ü n d l e r n auf eine gemeinsame protestantische Kandidatur einigte, die nicht nur sämtliche Zen- trumsstimmen erhalten, sondern auch zahlreiche bisher liberale Bauern deS protestantischen Wählerteilcö an sich ziehen wird. Da zudem der nationalliberale Kandidat im Kreise weit weniger be- kannt ist als sein verstorbener Vorgänger, ist die Gefahr zum mindesten einer Stichwähl für die Nationalliberalen sehr groß. Noch schlimmer aber ist für sie der Gedanke, in dieser Stich- Wahl auf die Hülfe der— Sozialdemokraten angewiesen zu sein, derselben Partei, gegen die seit den Kaffernkartellwahlen deS Januar 1007 die bülowfreundlichen Elemente des badischen Nationalliberalismus, insbesondere Herr Bassermann und sein Anhang, mit allen Mitteln hetzen, um die Partcigruppicrung in Baden in dasselbe Schema zu bringen, wie es zurzeit im Reiche maßgebend ist. Es ist für die Eharatterfestigkeit und Mannes- würde unserer Liberalen bezeichnend, daß sie seit der Aussicht aus eine Nachwahl in dem gefährdeten Schopfheimcr Bezirk der sozial- demokratic gegenüber plötzlich wieder auffallend milde Töne an- schlagen, ja daß kürzlich sogar der seither als entschieden rechiS stehend bekannte Führer der Mannheimer Rathauslibcralcn, Rechtsanwalt König, in einer Rede im nationallibcralen Aer- ein ausdrücklich feststellte, daß die badischen Liberalen die sozia- listische Unterstützung haben müssen, wenn sie nicht total zu- sammenbrcchen sollen, und daß es auch ein Fehler sei» von uns als einer republikanischen Partei die Erfüllung von allerhand monarchischen Repräsentationspslichtcn zu verlangen, wie es im Streit um das Präsidium der Zweiten Kammer und bei der Kondolcnzdcpesche an den Hof nach dem Tode des GroßhcrzogS der Fall war. So ist die Sozialdemokratie in Baden wieder einmal eine stark umworbene Partei, deren Wohlwollen hoch im Preise steht. Daß die jüngsten Ereignisse in Baden wie auch im Reiche auf ihre Stellung zum bürgerlichen Liberalismus nicht ohne Ein- fluß geblieben sind, und daß, wenn sie in Schopfheim-Schönau die Liberalen gegen das Zentrum heraushauen soll, zum mindesten zuverlässige Garantien für eine entschieden fortschrittliche Hal- tung des Kammerliberalismus in einer Reihe wichtiger politischer Fragen geboten werden müssen, das dürfte jeder vernünftig Denkende nur als eine Selbstverständlichkeit betrachten. Das marManiiche Abenteuer. P a r i 3, 17. Januar.(Eig. Ber.) Tic„Basis von AlgcciraS"! In der rührenden Einstimmigkeit dieses„Prinzips" segelt man gleichmütig>— auf den Konflikt los. Die Abmachungen der Konferenz enthalten zwei Hauptclcmente: Erstens die vereinbarten Bestimmungen selbst und zweitens ihre Anwendung im bleiche des Souveräns Abdul Aziz. Aber der fortschreitende Sieg der hafidischen Er- Hebung reißt die zwei Elemente geivaltsam auseinander. Besteht die„Basis von AlgeciraS" nocki, wenn Muley Hafid Herr beö Landes ist? Soll die französische Regierung abwarten, bis bic scuveräncn Marokkaner ihre Angelegenheiten selbst geordnet haben und vom Sieger nur die Anerkennung der 5tonferenzbeschlüsse fordern? P i ch o n selbst hat sich in seinem Interview mit dem„Matin" auf diesen Standpunkt gestellt, aber der„Temps", das Organ der Etienneschen Eliquc, sieht darin<üne Abdankung. Abdul Aziz sei der in AlgeciraS anerkannte Sultan, dem gegenüber Frank- reich feine„Rechte" geltend zu machen habe. Tie logische Folge- rung daraus zu ziehen und die militärische I n t c r v e n- tion Frankreichs zugunsten Abdul Aziz zu for» der», wagt allerdings auch der„Temps" nicht. Aber er fährt wütend gegen die Anhänger einer vorsichtigen, allen Konflikten vorbeugenden Mprokkopoliti! los. Zu diesen gehören nun nicht nur die Sozialisten allein, sondern auch sehr gemäßigte Leute, wie der Bourgeoisökonom Leroy-Bcaulieu. Besonders scharfe Worte sind dem gleichfalls gemäßigten„Journal des Tebats" zu- gedacht, das allerdings gewagt hatte, den„Temps" unverhüllt der Begünstigung der Abenteuerpolitik zu beschuldigen. In der heutigen Kammersitzung hat Pichon die Vertagung der Jauresschen Interpellation durchgesetzt. Das bedeutet, daß das BourgeoiSparlamcick der Regierung freie Hand läßt, das Land vor ein last accompli der aggressiven Politik zu stellen. Pichon erklärte, General Amade habe nur Rebellen gezüchtigt.„Rebellen" kann es aber doch nur gegen eine legitime Staatsgewalt geben, also nicht gegen die die Souveränität Marokkos anerkennende Re- publik, die auch als Polizcimandatär— Ausland bleibt. Aber sollte Herrn Pichon da auch nur ein unrichtiges Wort heraus- gerutscht sein, das eine wird die Welt schwerlich glauben, daß der jetzige Vormarsch des Amadcschen Korps noch immer keinen anderen Zweck als— die Bestrafung der Plünderer von Easablanca habe. Tatsächlich hat im Kampf von Settat das französische Korps mit der Avantgarde Muley Hafidö im Kampf gestanden. Der„heilige Krieg" ist also kein Ungewisses, dekoratives Pro- gramm des Prätendenten, er ist blutige Wirklichkeit. Der große afrikanische Krieg, vor dem die Sozialisten vergebens gc- warnt haben, ist da. Wohin wird er die Republik, wohin Europa führen? » B « Andere Tagesmeldungen verstärken den Eindruck, den unser Pariser Korrespondent in seiner obigen Zuschrift kund- gibt, daß die französische Regierung einen Feldzug gegen Muley Hasid unternehmen und die Kammer vor'eine vollendete Tatsache stellen will. Die Madrider Presse spricht z. B. allgemein ihre Verwunderung aus über datz Ergebnis der Reise Pichon*. Sie stellt es als ein völliges Fiasko der französischen Pläne hin— Pichon habe Spanien für eine militärische Besetzung— das Objekt wird nicht näher bezeichnet— gewinnen wollen. Der Pariser Korrc- spondcnt der Brüsseler„Etoile Beige" meldet seinem Blatte. die französische Regierung habe angesichts der Ereignisse. die in Marokko eintreten könnten, beschlossen, weitere Truppenverstärkungen nach Easablanca z» entsenden. Mit den Schiffahrtsgesellschaften in Marseille seien Verhandlungen geführt worden. Zehn Dampfer würden bereit gehalten, die wahrscheinlich binnen kurzer Zeit von der Regierung zum Truppentransport gcschartert werden würden. Offenbar wird von der deutschen Regierung die Situation argwöhnisch betrachtet. Tie offiziöse„Süddeutsche Reichs- korrespondenz" spricht sich in bemerkensloerter Schärfe gegen jedes bewaffnete Eingreifen Frankreich» zugunsten Abdul Aziz gegen Muley Hafid aus. Muley Hafid will sich noch immer die Tür zu einer Ver- ständigung mit Frankreich offen halten. Einer seiner Ver- trauten erklärte dem Tangercr Korrespondenten der„Köln. Ztg.", Muley Hasid sei durchaus fremden freund- lich und beabsichtige selbstverständlich alle Verträge ein- schließlich der Algcciras-Akte zu achten. Nur wegen des Zeitpunktes der Einführung der Polizei werde er Vorbehalte machen müssen wie übrigens auch Abdul Aziz. Er habe jede Gelegenheit benutzt, um dies den Mächten schriftlich und mündlich anzukündigen. Durch das fortgesetzte weitere Ein- dringen französischer Truppen in das Innere sei Muley Hafid indes gezwungen gewesen, den heiligen Krieg zu cr- klären._ politische(leberlicbt. Berlin, den 18. Januar 1308. Tie Dreiklasscnschmach vor dem Forum des Reichstages. Voraussichtlich komnit die Interpellation der sozialdcmo- kratischcn Fraktion über die Wahlrechtsfrage am Mittwoch, den 22., im Reichstage zur Verhandlung.— Tie Bergarbeiter und die Parteien. Aus dem Reichstage. Die weitere Fortsetzung der Debatte über die Interpellation wegen der Zustände im Bergwesen führte zu einer Polemik über die Stellung der Parteien zu den Beschwerden der Bergarbeiter. Nachdem der Frei- sinnige G o t h e i n und der Pole B r e j s k i die Forderungen der Bergarbeiter unterstützt hatten, versuchte der Zentrums- abgeordnete Giesberts nachzuweisen, daß die Angriffe Hues auf das Zentrum wegen seiner Mithülfe beim Berg- aesetz im preußischen Abgeordnetenhausc ungerechtfertigt seiein Er klagte darüber, daß so von sozialdemokratischer Seite die Harmonie zwischen den Bergarbeitern verschiedener Richtung durchbrochen würde. Gegenüber den Vertretern der Unter- nehmerintercssen betonte er, daß die Arbeiter bei der Regelung des Knappschaftsstawts es keineswegs auf eine Machtprobe abgesehen hätten. In letzterem Punkte gab ihm Genosse Sachse recht. Was aber die Stellung zum Zentrum anbetrifft, so führte cr treffend aus: Wir haben nicht ein Bündnis mit der Zentrums- Partei geschlossen, sondern die Bergarbeiter der verschiedenen Richtungen haben gemeinsame Sache in der Durchfechtung einiger sie alle gemeinsam betreffenden Forderungen gemacht. Es wäre doch noch schöner, wenn der Sozialdemokratie des- halb, weil die Arbeiter in irgend einer Frage gemeinsam vorgehen, die Versündigungen der Zentrumspartei gegen das nämliche gemeinsame Interesse aller Bergarbeiter nicht kennzeichnen dürste. Sachse konnte sich denn auck mit Fug und Recht darauf berufen, daß katholische Arbeiter, selbst politische Anhänger der Zentrumspartei, die Zustimmung des Zentrums zur preußischen Berggesetznovelle verurteilt haben. Diesen Fleck wäscht denn auch kein Gerede der Giesberts und Schiffers von der Zentrumspartci ab, trotzdem sie die ganze Sitzung mit den immer loiederholten Versuchen, ihre Partei reinzuwaschen, vertrödelten. Vier Stunden lang wurde so debattiert, dann ging die Bergarbeiterdebatte und mit ihr die Sitzung zu Ende!—_ Scharfmacherei im Junkerparlament. Mit einem kräftigen Pfui beantworteten am Sonnabend die Polen die Verkündigung des Resultates de? Abstiwmung über die E n t c i g n u n g S v o r l a g c, die— wie vorauszusehen— in dritter Lesung von der konservativ-freikonservativ-national- liberalen Mehrheit ohne Rücksicht auf die Bestimmungen der Ver- fassung angenommen wurde. Zwar hatten selbst die Freunde der Vorlage starke Bedenken, aber„im Interesse, des Etaatswohlcs" stellten sie diese Bedenken zurück. Wozu das Schlagwort vom Staatswohl nicht alles herhalten muß! Im Interesse deS„Staatewohles" verweigert Fürst Bülow dem preußischen Volke sein höchstcs Rccht, im Interesse des„StaatSwohlcs" dekretieren die Junker Ausnahmegesetze gegen die polnischen Staatsbürger. Nun hat das Herrenhaus das Wort. Auch die? hohe Parlament wird natürlich im Interesse deS„StaatswohlcS" sich zum Mit- schuldigen an dem schnöden Verfassungsbruch machen. Nach Erledigung der Polcnvorlagc begann das Haus die zlvcite Lesung des Etats mit dem Etat der landwirtschaft- lichcn Verwaltung. Tie Debatte drehte sich im wesent- lichen um die Frage der Bestrafung des Kontraktbruches und der Gewährung des Koalitionsrechtcö an länd- liehe A r b ei t e r. Die konservativen und.froikonservativen Scharfmacher forderten wieder einmal die Bestrafung des Kontrakt- bruches und wandten sich aufs energischste dagegen, daß den länd- lichen Arbeitern das KoalistonSrccht gewährt werde, weil— wie der Abg. Rewoldt(fk.) bemerkte— durch Verleihung dieses Rechtes nur der Sozialdemokratie die Bahn geebnet werden würde. Die Haltung der Regierung ist so, wie man sie von einer Re- gierung. die sich in erster Linie als Sachwalterin der Junkercliquc fühlt, erwarten muß. Der LandwirtschaftSminiftcr erklärte rund heraus, daß die Regierung nicht die Absicht habe, der Frage der Verleihung deS KoalitionSreckzics an ländliche Arbeiter näher zu treten. Wenn sie von der Einbringung eines neuen Kontraktbruch- gcsctzcs Abstand nimmt, so nicht, weil sie sich von der Ungerechtigkeit eines solchen Gesetzes oder davon überzeugt hätte, daß diese Frage gar nicht vor den Landtag gehört, sondern einzig und allein aus Furcht, sie könnte sich eine neue Blamage zuziehen. Außerdem aber glaubt sie, in dein am 1. Februar auf dem Verwaltungswege einzuführenden Legitimativnszwang ein geeignetes Mittel zur Er- rcichung ihres Zieles zu haben.... Gegen die Bestrafung des KontraktbruchcS sprach sich Abg. G h ß l i n g ssrs. Vp.) aus, der im übrigen den L e g i t i m a t i o n s- zwang, allerdings unter der Bedingung, daß cr nicht zu streng gehandhabt würde, das Wort redete. Herr Gyßling steht also aus demselben Standpunkt wie sein Freund G o l d s ch m i d t. der sich kürzlich gleichfalls für diese, die gesamte Arbeiterschaft schwer schädigende Maßnahme erklärt hat. Hoffentlich locrdcn die Ar- beiter diesen Freisinnsleutcn bei der nächsten Wahl die richtige Antwort erteilen.—_ Jaur�s über den preußische« Wahlrechtskampf. Paris. 15. Januar.(Eig. Ber.) In der„Humanitc" schreibt JaureS: „Mit tiefer Freude und heißer Sympathie verfolgen die Sozia- listen aller Länder den Wahlrechtskampf der preußischen Sozial- dcmokratie. Wir wissen nicht, welche Forme» der Kamps noch annehmen wird. Tic Proletarier Preußens haben allein über ihre Taktik zu entscheiden und sie werden sie nach den Ereignissen selbst bestimmen; aber das eine ist sicher, daß der Kamps diesmal in entscheidender Weise begonnen ist, und daß es trotz der Drol?- ungcn des Ministers deö Innern und trotz der ungeheuren Polizei- macht, über die der preußische Staat gebietet, unmöglich sein wird, die Proletarier in dem vom Klassenwahlrecht geschaffenen politischen Hclotentum zu erhalten. Das Recht, das die preußischen Arbeiter anstreben, ist zu unzweifelhaft, zu offen- liegend, als daß der Sieg ihnen nicht sicher sein sollte. Je mehr die herrschende Gewalt widersteht, um so schwerer wird ihre Niederlage sein. Die Liberalen und beräugsteten Radikalen, die da über die volkstümliche Form der Kundgebungen seufzen» sind fdjr sonderbare Leute. Sie Ijabcn ein Mittel, die Straßenkundgebungen überflüssig zu machen. Sie brauchen nur ihre politische Macht auszunützen, um die Demokratie zu verwirklichen. Das allgemeine Wahlrecht steht auf ihrem Programm; sie mögen es also dem Volt geben. Ter Kanzler ist in ihrer Hand. Wenn sie ihn mit dem Blockbruch bedrohen, so ist er ausjerstande, weiter zu regieren, und die Demokratie wird au» dieser Krise siegreich her- vorgehen, sei es, dast Bülows Nachfolge eine Negierung der ge- Ivaltsamcn Reaktion übernimmt, die keinen Bestand hoben kann, sei es. das; sich das Reich endlich im Sinne des modernen politischen Rechts entwickelt." JaureS weist dann noch auf die Taktik der Gescllschaftsrcttcr aller Länder hin, die ehedem über die Ohnmacht des deutschen Proletariats höhnten und setzt, von der Gefahr bedroht, das; die letzte Burg der Feudalität in Europa fallen könnte, laut wünschen, das; der Kaiser mit dem Säbel dreinfahre:„Kläglicher Verfall einer ehemals revolutionären und großherzigen Bourgeoisie. Aber wahrlich, ein neues Europa kündigt sich an." Man sieht, daß sich JaureS ideologische Betrachtungsweise, namentlich in der Bewertung der politischen Macht des Freisinns, den er allzusehr nach Analogie der französischen Radikalsozialisten beurteilt, von der deutschen Wirklichkeit ziemlich entfernt; aber die Worte unseres französischen Genossen über die V c r ä n g st c t c n A a d l k a I e n mögen sich insbesondere die Herren vom„B c r- liner Tagcblat t", die sich so gerne als Gönner des Jaures- scheu Intellcktucllcn-OptimiSmuS aufspielen, zu Gcmüte führen. Ter Schuß an der Friedrichsgracht. Ein Teilnehmer deS DemonstrationSzugeS. der zufällig als Augen- und Ohrenzeuge den ominösen Schuß an der Friedrichs- gracht ivahrgenommcn hat, macht m'.L über seine Wahrnehmungen eine sehr beachtenswerte Mitteilung. Unser Gewährsmann befand sich in dem Zuge der Demonstranten, welcher durch Schutzleute in der Richtung von der Gertraudten- brücke in die Friedrichsgracht zurückgedrängt wurde. Der Betreffende befand sich ziemlich am Ende des Zuges und konnte deshalb, als die Schutzleute auf die vorderen Reihen des Zuges eindrangen, über die Grünstraßeubrücke i» die Wallstraße gelange». Dort blickte er durch eine Lücke in dem Bauzaun, der sich längs des SprecarineS vor dem Ban der Untergrundbahn hinzieht. Unser Gewährsmann konnte von seinem Standort aus die Vorgänge, die sich an der Fricdrichsgracht abspielten, sehr gut beobachten. Er sah. daß der Ziig der Demonstranten bereits ein gutes Stück zurückgedrängt war. Hinter dem Rücken der den Zug zurückdrängenden SchntzmannSkette war die Friedrichsgracht bis zur Gertraudten- brücke hin völlig menschenleer, jedenfalls war sie von Demonstranten vollständig„gesäubert". An der Gertraudten- brücke standen einzelne Menschen, Straßenpassanten, die mit der Demonstration nichts zu tun hatten und dein Treiben der Schutz lcute zusahen. Plötzlich hörte unser Gewährsmann den Schuß, gleichzeitig sah er den Feuerstrahl und die Rauchwolke aus der Schußwaffe aufsteigen. Er konnte hiernach genau feststellen. daß der Schütze unweit der Gertraudtenbrücke stand, also an einer Stelle der Friedrichögracht, die von Demonstranten bereits„gesäubert" war. Die Richtung des Schusses ging schräg über das Wasser nach einer Stelle, wo sich niemand befand. Ob der Schütze Uniform oder Zivilkleider trug, konnte unser Gewährsmann nicht unterscheiden. Er nahm an. ein Polizei- beamtcr habe einen Alarmschuß abgegeben. ES ist nur ein Schuß gehört worden, nicht mehrere. Durch diese ganz besiimnite Angabe sind also die Behauptungen wicderlegt, daß der rätselhafte Schuß aus einem Hause oder auS der Menge der Demonstranten abgegeben worden ist.— Offiziöse Drohungen. Die„Nordd. Allgem. Ztg." zieht wieder einmal die Schimpfregister in langen Ausfiihruiigen, die ganz auf die.12 000 Jmihagel"-Weii' des preußischen Polizeiministers gestimmt find. AuS dem Geschivätz ist nur eine einzige Stelle bemerkenswert. Das Kanzlerblatt schreibt: „ES ist nicht zweifelhaft, daß bei etwaigen Wieder- holungeu des pon der Sozialdemolratie inszenierten Straßen Unfugs weit weniger Schonung(!) walten wird, als bei den ersten Versuchen. Diejenigen, die eö angeht, mögen sich das merken! Da das Blatt in weiteren Kreisen nicht gelesen wird, wollen wir dafür Sorge tragen, daß die menschenfreundlichen Absichten der Regierung des Dreiklasscnunrechts bekannt werden. Im übrigen: Sozialdemokraten lassen sich weder provozieren noch ein- schüchtern!—__ Eine studentische Sympathiebezeugung für die Wahlrechtsdeuioustratio». Die am letzten Donnerstag in den Germania-Pcachtsälcn ab- gehaltene Versammlung der Berliner freien Studentenschaft gestaltete sich zu einer begeisterten Kundgebung für das gleiche Wahlrecht. Herr v. G c r l a ch sprach zunächst über die Geschichte des preußischen Wahlrechts; die Diskussion aber beschäftigte sich nur mit der aktuellen Frage deS preußischen WahlrechtSlampseS. Alle Redner auS den Kreisen der Studterenden sprachen sich für die Erringung des gleichen Wahlrechts aus. Von den Liberalen sei in dieser Hinsicht nicht» mehr zu erwarten. Ihr Verhalten gegenüber der Erklärung des Ministerpräsideuten fand die allcrentschiedenste Verurteilung. Der Freisinn habe sich durch sein waschlappigeS Verhalten um den letzten Rest von Vertrauen und Ansehen gebracht. Der Arbeiter- schaft dagegen, die nicht zurückgeschreckt sei, die VolkSrcchte auch vor dem Polizeisäbcl zu verteidigen, dürfe man die Anerkennung nicht voremhalten. Eine im Sinne dieser Ausführungen gehaltene Resolution wurde auS formellen Gründen zur Abstimmung nicht zugelassen, wogegen die Versammlung lebhaft protestierte. Herr v. Gerlach fand in seine» Schlußausführungen die kräftigsten Töne gegen die liberalen Fraktiouspolitiker, denen jeder politische Instinkt fehle. Ein längeres Verweilen im Block sei auSgescblosien, doch dürfe die Losung nicht nur lauten: Heraus aus dein Block! sondern auch: Hinweg mi t Bülolv! Die Regierung muß nachgeben, wenn eine ein- h e i t l i ch e mächtige Volkserhebung unzweideutig zum Ausdruck bringt: Wir dulden leine Regierung, die nicht dem Volke Gerechtigkeit zuteil werden läßt. (Lebhafter, anhaltender Beifall und Händeklatschen.) Die Vereinigung der freien Studentenschaft verfolgt die Auf- gäbe, daö politische Leben zu studieren und läßt zu diesem Ziveck eine Anzahl Vorträge durch Vertreter aller politischen Richtungen halten; ausgeschlossen ist durch den Rektor der Universität gegen den Willen der Vereinigung nur die Sozialdemokratie. Gen. Bernstein. der über daS Wesen der materialistischen Geschichtsauffassung demnächst sprechen sollte, wird zu denVereins vortrügen laut Verbot des Rektorats nicht zugelassen, weil dort Sozialdemokraten als Referenten nicht auftreten dürfen! Der Rektor unserer Berti ir er Universität ist also in dieser Beziehung engherziger als die preußische Polizei, die selbst unter dem Ausnahmegesetz die wisseuschaftlichen Werke der Sozialdemokratie unbehelligt ließ. Das Sozialistengesetz ist lange schon gefallen, aber noch immer darf i» Berlin kein Sozialist vor Studenten referieren.--» Bier Verhaftungen sind auch in Tilsit bei der Wahlrechts- demonstratio» am Sonntag von der Tilsiter Polizei, die ihrer Berliner Kollegin an Schncidigkeit nicht nachstehen wollte, vor- genommen. Als etwa 300 Versammlungsbesucher den Referenten, Genossen H o f o r, nach Schluß der Versammlung nach dem Bahnhofe be- gleitete!?, wurden unterwegs in den belebten Straßen der Stadt initer anderem vor der Wohnung des Oberbürgermeisters mehrere Hochrufe auf das freie Wahlrecht ausgebracht. Das machte die Polizisten nervös. Mit blanker Waffe versuchten sie, die Massen auseinanderzutreiben. Aber immer lvieder fanden sich diese zusammen. Da griff nun sich einen bekannten Genoffen heraus und verhaftete ihn. Genosse Hofer, der in Begleitung von zwei Genossen nach dem Bahnhof ging, konnte nicht verhindern, daß eine Anzahl Dcmon- strantcu ihm folgte. Sie ivollten ihren ReichStagSkandtdaten be- gleiten. Am Bahnhof angekommen, sah Genosse Hofer, daß eS noch viel zu früh zur Abfahrt war. Deshalb kehrte er mir de» beiden in seiner Nähe gebliebenen Genosseil zurück, um bis zur Abfahrt deS Zuges ein Restaurant aufzusuchen. Plötzlich wurde er und die beiden anderen Genossen ohne jede Veranlassung verhaftet; und trotzdem er nicht nur in Tilsit, sondern im ganze» Landkreise als einer der größten Guts. besitzer bekannt ist und sich legitimieren konnte, wurde er aus Au orfcuuug des Kommissars in Einzelhaft genommen. Erst nach SVi, Stunden wurde er mit den beiden Genossen wieder in Freiheit gesetzt. Gegen diese ganz ungerechtfertigte Verhaftung und Inhaftierung ist Beschwerde erhoben.— Also doch Hundedemut! Der„Vorwärts" berichtete über die Rede, die ein katholischer ArbritervereiuSpräseL in Allen stein gehalten hatte. Darin wurde als Haupttugend des katholischen Arbeiters Demut, Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit gepriesen. Müssiggang und Faul- heil als großes Laster und der Streik als Hochmut von Gott und Aufichniuig wider das Sittrngesetz verurteilt. Ein christliches Gelverischaftsblatt, der„Deutsche Metallarbeiter" nannte das„Erziehung zur sklavischen Hundedemut", und die» G e r m a n i a meinte, die Rede des Herrn Präses sei„wenig glücklich" und„eher geeignet, Arbeiter i» das Lager der Sozialdemokratie zu treiben. als im christlichen Lager zu halten, wenn auch grundsätzlich manches darin reicht anznsechtcn ist". Gegen diese Auffassung der„Germania" wendet sich die „Trierische LandeSzeitung" mit folgenden Worten: „Danach darf also ein Pfarrer vor seinen Pfarrkindern im katholi- schcn Arbeiterverein nicht mehr die im Christentum allerorte» geltenden Grundsätze über Demut urrd Bescheiden- heit, Arbeitsamkeit und Mäßigkeit besprechen und den Arbeitern ans Herz legen. Dann ist es weit gekommen... Man bedeute'. Pfarrer Lehmann sprach in einem karholischei? Arbeiterverein. Wenn nicht einmal dort die katholischen Grundsätze ausgesprochen und vertreten werden dürfen ohne die Kritik herauszufordcn?, dann steht es wahrhaftig mit der Emanzipation der katholischen Arbeiter schaft traurig aus." Die„Trierische LandeSzeitung" vertritt in der Ge>verlschaftS> frage den Standpunkt des Bischofs K o r u m, der Gegner der christlichen Geiverkschaften ist und in seiner Diözese dafür umso eifriger die Berliner Richtung mit ihre?? Fachabteilungen fördert. Interessant ist nun das eine: Nach dem Trierer Zentrumsblatt ent- spricht das, waS der Allensteiner Pfarrer sagte, de»„im Christentum allerorten geltenden Grundsätzen"; nach dem christlichen Metallarbeiterblatt dagegen kommt die Rede auf eine „Erziehung zur sklavischen Hundedeumt" hinaus. Wie würden die Christlichen schreieil, wenn ein s o z i a l d cm o k r a t i s ch e S Blatt in derselben Weise über eine Rede urteilte, worin nach zenttümlichcr Anschauung die„im Christentum allerorten geltenden Grundsätze" behandelt werden!— Deutsche Pioniere. Dem Organ für ofsiziösc Abgeschmacktheiten, der„Nord d. Allgem. Zeitung", passierte dieser Tage das Malheur, ans derselben Seite, wo es den„Vorwärts" in gewohnter Weise anzurempeln versuchte, auch einmal der Wahrheit die Ehre neben. Freilich muß die Wahrheit im Feuilleton Unterschlupf suchen.Immerhin ist die Stelle— sie befindet sich in der Schilde- rung einer„Spritztour nach Chile"— erwähnenswert: „Bei schlechtem Bier saßen in kahlem Raum, dessen einziger Schmuck eine Karte des Magdhaens-Distrikts bildet, auf der sorg- sau? alle Schiffsunfälle der letzten Wochen verzeichnet sind, einige teuere Lcmdsleute und knobelten. Trinken, trinken, viel tränken, und knobeln, k n o b c l??, noch mehr knobeln. daS sind hier die Freuden arbeits» freier Stunden. Aber bei patriotischen und Vercinöfesten feiert man sich gegenseitig als Pioniere deutscher Kultur, und Stolz schwellt die Männerbrust. Abends versammelte sich an Deck eine lärmende Gesellschaft. In den Salons tränten angesehene deutsche Kauflöute den u i�v e r m c i d l i ch e n Sekt mit dem ebenso unvcrmeid- lichan S t i in m c n g e o r ö h n. Sie spräche?? von sinkendem Kurs, von steigenden Geschäften, von der Geschicklichkeit. aus den? A d o p t i v v a t c r l a n d an ö g l i ch st viel herauszuschlagen bei möglichst geringer G e g c?> l e i st u?? g." Und für diese„Pioniere deutscher Kultur" müssen die rechtlosen Proletarier die Milliarden für unsere herrliche Flotts aufbringen!_ Erhöhung der Postbcamteugehältcr. Dem Vorstände des Verbandes mittlerer Post- und Tele« graphcnbcamten ist, wie die„Rhein.-Westfälische Zeitung" zu be- richten weiß, aus zuverlässiger Quelle die Mittcilu?ig zugegangen. daß die Beratungen über die Gehaltsaufbesscrungeu für die mittleren Post- und Tclcgraphcnbeaintcn mit folgendem Ergebnis zu Ende geführt worden si?id: Assistenten(bisher 1500, 1800, 2000, 2200, 2400, 2000, 2800, 3000) 1650, 1000, 215Q, 2400, 2050. 2900, 3100, 8300; Sekretäre(bisher 1700, 2000, 2800, 2600, 2900. 3100, 8800, 3500) 1800, 2150, 2500, 2850, 8200, 8550, 3900. Da die Stuft rückung in Zeiträumen von je drei Jahren erfolgt, erreichen die Slssistenten das Höchstgehalt wie bisher in 21 Jahren, die Sekretäre (bisher in LI Jahren) in 18 Jahren. Weiter wird noch gemeldet, daß das Meistgehalt der Obersckretärc und Postmeister, die aus den Sekretären hervorgehen, von 4200 M. auf 4500 M. erhöht wird.—_ Auch ei» Volksvertreter. Eine merkwürdige Auffassung von den Pflichten elnes Volks« Vertreters scheint der konservatlve Slbgeordnete Schlüter, Bürgermeister in Sommerfeld, z» haben. AIS die dortigen Zigarrenarbeitcr zu Mittwoch dieser Woche eine Versammlung cinveriefeii. um gegen die geplante steuerliche Belastung deS Tabaks zu protestieren, hielten sie sich für verpflichtet, auch den Vertreter des Kreises«id Bürgermeister ibrer Stadt dazu einzuladen. Sie taten da»?n> einer durchaus höflichen Form, erhielten darauf von de?» Herrn Volksvertreter eine Antwort, die für den in den kon- fervativen Kreisen herrschenden Geist kennzeichnend ist. Hier ist der Wortlaut:"' Berlin. 14. Januar ISOS. Geehrter Herr! Auf Ihre Zuschrift vom gestrigen Tage erlvidere ich cr- gcbenst, daß ich stets bemüht bin, den Wünschen meiner Wähler iiachzukommcii. Sie und Ihre Freunde haben mich wohl nicht gewählt. Hochachtungsvoll Schlüter, M. d. R. Also Herr Schlüter saßt seine Aufgabe als Volksvertreter so auf, daß er nur die Wünsche derer vertritt, die ihn gewählt haben. Wenn er angenommen hätte, daß die Zigarrenarberter, welche sich an ihn wandten, ihn gewählt hätten, so würde er ihren Wünschen entgegengekommen fein. Was schiert ihn das Interesse des Volkes, was Hungersnot und Pestilenz. Wenn seine Wähler Vorteil da- von haben, so ist er für die Hungersnot und die Pestilenz. Sluch ein Volksvertreter! Oder sollte der Herr?>ur weggeblieben sein, um nicht die Sünden seiner Partei verantworten zu rnüssen, die sie auch auf dem Gebiete der Tabalbestcucrung und des Tabakzollcs auf dem Gewissen hat?—_ Landtagsnachwahl in Württemberg. Bei der Ersatzwahl für den verstorbenen Slbg. Dr. Haußmann wurde an? Freitag, den 17. Januar, der Demokrat n?it 2739 Stimmen gewählt; der Bauerubündler erhielt 2032, unser Genosse WO, das Zentrum 19 Stimmen.—_ Preußisches aus Schweden. AuS S t o ck h o l?n wird vo?n 18. Januar gemeldet: Der Justizminister hat die B e s ch l a g?? a h m e der am 13. d. MtS. erschienenen Nummer des Soziali st enblattcS „Arbetaren" in Gefle angeordnet, das einen Artikel über den WahlrechtSkampf in Preußen brachte, der a n g e b- liche Beleidigungen Kaiser Wilhel?nS enthält. Wird das Llnseheu Preußens im Auslände sicherlich außer- orde?ltlich heben.—_ franhmeb. Ei» Sieg ohne Lust. Paris, 17. Januar.(Eig. Berh Hat gestern die Sache der demokratischen Reform wirklich einen Sieg errungen? Stuf den ersten Blick könnte man'S glauben. Trotz der Aufforderung ClcmenceauS, die Reform der Kriegsgerichte zum crstcu VcrhandlungSgegenstand zu machen und die Einkommen- stcuervorlage erst als zweiten Punkt auf die Tagesordnung zu fetzen, hat die Teputiertcnkammer beschlossen, der Ein- kommensteucr die Priorität zu geben. Das heißt aber noch lange nicht, daß diese in der jetzigen Session fertig beraten und Gesetz werden tvird. Pom Senat ganz abgesehen, wo eine Mehr- heit von Manchesterlibcralcn vorsintflutlicher Rasse sitzt, ist auch in der Dcputicrte??kammcr der demokratische Reformeifcr in dieser Frage höchst zweifelhaft. Das gestrige Abstiinmungsresultat ist der Angst bor den Wählern zu danken. Außer ihr hat noch eine arge Ungeschick- lichkcit des FinanzministcrS die persönliche Niederlage deS Ministerpräsidenten verschuldet: Herr Eaillcux hatte sich zu einem Redakteur cincL englischen Finanzblattes über den konser- vativcn Geist der besitzenden Klassen geäußert und dabei klipp und klar herausgesagt, daß die Annahlue der Einkommensteuer in dieser Legislaturperiode nicht zu erwarten sei? Dieser, für die Kapitalisten tröstliche Satz aber gehört zu denen. die ein Radikaler wohl d e n!e n, aber nicht sagen darf, namcnt- lich wenn er Jinanzininister in einer Regierung ist. die die Ein- kommensteucr auf ihrem Programm obenan stehen hat. Gerade dieses Minislerwort, das man allerdings sofort durch die offizielle Dementier- und Berichtigungsspritze abzuschwächen versuchte, der- anlaßtc die Mehrheit der Radikalen, ihren Rcformcrnst in einer demonstrativen Weise zu bezeuge».... Der„Tcmps" rechnet nun heute aus, daß die gestrige Ab- stimmung sogar beweise, daß die Einkommensteuer keine Mehrheit habe. L7l> Deputierte, darunter auch einige Mitglieder der real- tionären Opposition, hatten für, 170 gegen ihre Priorität gestimmt. 150 aber hätten sich enthalten. Allerdings hat man gestern nicht über die Vorlage selbst abgestimmt, und diese mag in der gestrigen Minderheit ebenso Freunde haben, wie sie in der Mehrheit ganz sicher Feinde hat. Aber die Gefahr für die Vorlage liegt nicht in der Zahl ihrer Gegner, sonder» in der inneren Unlust ihrer öffentlichen Llnhäuger ip? Parlament. Wohl könnte eine starke Bewegung im Lande selbst diese vorwärts treiben, aber es ist nicht-zu verhehlen, daß es gerade daran fehlt. Sicher ver- langt ein Teil des demokratischen Kleinbürgertums in der Provinz die Erfüllung des alten Versprechens, und die Erwählten dieser Schicht waren es auch, die die gestrige Abstimmung ent- schieden haben. Slber im Bauerntum, das von der Reform ain meisten Vorteil hätte, ist das alte Mißtrauen gegen neue Steuer- gesetze noch immer lebendig. Die„Intellektuellen", die künftig zu empfindlichen Mehrleiftungei, herangezogen werden lvürden. sind, wenn schon„aus Prinzip" für die Einkommensteuer, doch mit dem Herzen nicht dabei. In der Arbeiterschaft aber herrscht die Gleichgültigkeit vor. Die grundsätzliche Bedeutung der Ein- kommenstcuer findet nicht daS genügende Verständnis, um so mehr, als syndikalistische Journalisten im Rainen der„direkten Aktion" cm der Kampagne des„Matin" gegen die Reform teil- genommen und die Wertlosigkeit von Steuerreformen mit dem Argument„widerlegt" haben, daß die Arbeiter bei einem ge- wonncnen Streik mehr profitieren! Bei dem Weiterbestand der in Frankreich besonders drückenden indirekten Steuern aber würde der praktische Nutzen für die Arbeiterschaft in der Tat l?icht so schnell empfunden werden, und es ist sogar eine stärkere Belastung der höchst-qualifiziertcn Arbeiter in Paris nicht aus- geschlossen. Man sieht also, daß dav gestrige vertvorrene Vor- postcngefccht für den wetteren Verlauf des Kampfes nichts besogt. Italien. Der Stadtrat Roms für die KonfcssionSlosigkeit der Volksschule. Rom, 13. Januar.(Eig. Ber.) In? Namen des Stadtrats hat der Stadtverordnete C a n t i der römischen Stadtverwaltung in der Sitzung vom 14. d. M. die folgende Tagesordnung vorgelegt: „Der Stadttat von Rom gibt dein Wunsche Ausdruck, daß Regierung und Parlament, im Einklang mit den bestehenden Ge- setzen, ausdrücklich erklären mögen, daß die Elementarschule frei sein soll von jeder Form konfessionellen Unterrichts." Fast ohne Diskussion tvurdc diese Tagesordnung in namentlicher Abstimmung mit 61 aegeu 3 Stimmen bei fünf Stimmenthaltungen angeuomme»! Es handelt sich hier wieder um die alte Frage, die sich seit viele»? Jahren ungelöst hin- schleppt: Haben die Kom?nunen die Pflicht, ungeachtet deS Gesetzes Coppino. das den Religionsunterricht für die Volksschulen abschafft, diesen Religionsunterricht auf Wünsch der Eltern zu gewähren oder nicht? Ein Gutachten des Staatsrats i?n Dezember vorigenJahrcs hat sich für eine derartige Verpflichtung der Kommullen ausgesprochen. Es ist nunmehr wahrscheinlich, daß unzählige Ko?nmunalverwaltungen in Italien sich dem Votum der römischen anschließen»Verden, so daß wir ein wahres Referendum zugunsten der Konfessionslosigkeit der Elementarschulen erwarten dürfen. DaS würde dem Ministerium sehr ungelegen kommen. G t o l i t t i will es mit den Klerikalen nicht verderben. deren Stimmen er bei den nächsten Wahlen viel zu nötig braucht. Es liegt ihm daher an der Beibehaltung des heutigen Zustandet Der hiesige.. M e s s a g g e r o" glaubt zu wissen. daß von feiten der Regierung alles geschehen werde, damit die Frage nicht gleich bei der Wiederausnahme der Arbeiten vor das Parlament komme. Falls das nicht zu erreichen wäre, soll Giolitti entschlossen sein, allen verbindlichen Er- klärungen aus dem Wege zu gehen und einen Teil seiner Mehrheit für die Verpflichtung der Gemeinden, den Religions- Unterricht zu bieten, stimmen zu lassen. Sums und IParlcileben. Aus Petersburg wird uns geschrieben: Einige Urteile der russischen Presse über die dritte Duma haben wir bereits an dieser Stelle wiedergegeben. Vergangene Woche ließ sich nun auch die »Nowoje Wremja" durch Menschiloff vernehmen. Sie schrieb: „In bezug aus dasParlamenl muh man. soweit seine Physio- gnomie sich in den anderthalb Monaten geklärt hat. sagen, datz es sich weder durch Energie noch durch Einmütigkeit auszeichnet. In beiden Kammern herrschen allerdings gemässigte, aber auch schwäch- liche Elemente vor. Die Mäßigung ist im gegebenen Fall ein Produkt nicht von Weisheit, sondern von Kraftlosigkeit. Es fehlt nicht nur an Talenten, es fehlt auch an Charakteren. Charakterlosigkeit und das Gefühl der eigenen Schwäche erklären auch den Versuch der Zentren der beiden Kammern, sich zu ver- einigen. Entgegen dem inneren Sinne des Zweikammersystems will man eine für den Gang der Gesetzgebung maßgebende , Koalition schaffen... Wer wird Lust zu parlamentarischen Arbeiten haben, wenn von vornherein doch nur die Ansicht des Trusts durchdringen kann? Das Parlament wird zu einer Kanzlei der herrschenden Partei werden... In anderthalb Monaten ist kein Mann hervorgetreten, der fähig wäre, das Parlament zu großen Zielen zu führen. Keine der Parteien weist deutliche Konturen auf..." Ein solches Urteil auS dem Munde der Reaktionäre beweist nur, daß sie sich mit dem Staatsstreich vom 3. lt6.) Juni 1807 verrechnet haben. Jetzt beginnt ihnen zu dämmern, daß eine solche Duma der „Auerochsen", wie sie von Anfang an genannt wurde, auf die Dauer eben keine moralische oder politische Stütze für die Reaktion sein kann. Das Land wendet sich von einer solchen Duma einfach ab und geht seine selbständigen Wege. Was die„Nowoje Wremja" über die herrschenden Dumaparteien sagt, stimmt ebenfalls. Ihre Kraftlosigkeit erklärt sich einfach daraus, daß die Regierung durch das StaatSstreich-Wahlgefetz eine künstliche „Volksvertretung" geschaffen hat. die binnen kurz oder lang ihre Un- fähigkeit zur erfolgreichen Arbeit zeigen muß. Alle Selbständigkeit ist ja in den MehrheitSparteicn getötet, es sind da nichts als gehorsame Diener StolypinS und seiner schwarzen Hintermänner in ZarSkoje-Sselo. Ist eS— um nur ein Beispiel anzuführen— nicht ein Zeichen der inneren Schwäche der herrschenden Oktrobisten-Partei, daß sie noch immer nicht wagt, einen Parteikongreß zusammenzurufen? Auf diesem würden nämlich unstreitig die Gegensätze in der Partei zum platzen kommen und da? fürchten die Führer, da dann auch in der Duma die Fraktion wieder einen Teil ihrer Mitglieder verlöre! Vorläufig gilt eS also, die VerNeisterungSpolitik um jeden Preis fortzusetzen. Die nionarchistischen Organisatiönchen haben sich eben in Petersburg zu einem Radankongreß versammelt, auf dem Haupt- sächlich die Führer der„Echtrussen" ihre schmutzige Wäsche wuschen. Purischkewitsch und Dubrowin, die beiden Paladine des „Verbandes der wahrhaft russischen Leute", lagen sich ja schon längere Zeit in den Haaren; ein Teil der Hooligans erklärte sich für den einen, der andere für den andern Helden, und Purischkewitsch hat bereits eine Konkurrenzkrippe, einen„Allrussischen Rechtgläubigen- Verband" gegründet I Solche Existenzen auS der zarischen Lumpengarde sind gegenwärtig die Helden des TageS und der dritten Duma. Da ist es kein Wunder, wenn selbst die Regierungsreptilien einen Anfall von Melancholie bekommen..., Em der Partei. Zwei Veteranen. In Bremen feierte der Genosse Heinrich V o ß, der in der oolitiichen wie gewerkschasllichen Bewegung eifrig tätig gewesen ist, am Freitag seinen 85 Geburtstag. In Breslau vollendete am selben Tage der Genosse Wilhelm Z a p k e das 70. Lebensjahr. Er hat im Jahre 18S7 schon an der Gründung der ersten Breslauer Gemeinde des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins teilgenominen. Im großen Breslauer Geheimbunds- Prozeß unter dem Sozialistengesetz wurde er zn drei Monaten Ge- fängniS verurteilt. Maßregelungen sind ihnr nicht erspart geblieben. Seil dem Vorjahre bezieht er die staatliche Invalidenrente. Wichtige Parteiversammlungen und-Aktionen fanden ihn noch immer auf dem Posten— ein Vorbild treuer parteigenössischer Pflichterfüllung für alle Jungen._ Bon der spanischen Sozialdemokratie.„El Socialista", das Zcütralorgan der spanischen Arbeiterpartei, hat mit dem 1. Januar sein Format vergrößert. Die Ausgestaltung geschah auf die Forderung mehrerer Genossen, die einö vollständigere llebersich! der internationalen Bewegung wünschen, sowie daß das Blatt der theoretischen Propaganda etwas mehr Raum widme.„El So- cialista" steht jetzt im 13. Jahrgange. Seit dem 15. Januar erscheint in Madrid eine vierzehntägige Revue unter dem Titel:„El Socialismo"(„Der Sozialismus). Sie trägt wissenschaftlichen Charakter, wird der Theorie »ud der Berichterstattung über die nationale und internationale Arbeiterbewegung dienen. Das neue Blatt steht auf dem Boden des Marxismus. Ein neuer Zweig der Internationale. Das Nationalkomitcc der spanischen Sozialdemokratie hat eine Mitteilung von Genossen aus Valparaiso erhalten, worin angezeigt wird, daß am 9. No- vcmber 1907 in der Hauptstadt Chiles die Sozial istische Ar- bciterpartei Chiles gegründet wurde. In ihrem Briefe teilen die chilenischen Genossen mit, daß die sozialistische Propaganda im ganzen Lande große Fortschritte macht und daß sie mit der Absicht umgehen, mit dem Beginn dieses Jahres ein Wochenblatt herauszugeben, das das Zentralorgan der Partei sein soll. Die chilenische Sozialdemokratie hat alsbald ihre Anmeldung beim Internationalen Sozialistischen Bureau zu Brüssel bewirkt. pollrellicbeo, Ocrlcbtilcbes uftv. DaS„gestohlene" Flugblatt. Zu 20 M. Geldstrafe wurde der Genosse Taubadel von der„Görlitzcr Vo l k s z c i t u n g" wegen Begünstigung verurteilt. Ihm war ein freisinniges Flug- blatt zugetragen worden, das die freisinnige Parteileitung noch Lerantw. Redakteur: Hans Weber» Berlin. Inseratenteil verantw.: geheim gehalten wissen wollte. Die Buchdruckerei veranlaßte den Staatsanwalt, ein Ermittelungsverfahren nach dem Diebe ein- zuleiten. Darin wurde Genosse Taubadel als Zeuge vernommen. Er verweigerte die Aussage auf Grund des§ 257 des Strafgesetz- buches. Darin wurde die Begünstigung des Diebes erblickt, die mit 20 M. Geldbuße gesühnt werden soll.' Gewerkfckaftlicbeq. Prcstfreihcit für die Hirsche! Der Hirsch-Dunckersche„Regulator"(Organ des Gewcrk- Vereins der Maschinenbauer) hatte dem Bczirksleiter Hunger vom Metallarbciter-Verband unverblümt vorgeworfen, er habe in Posen mit den Unternehmern ein Sibkommen zur Ver- Hinderung von Streiks getroffen. Ferner war gesagt, Hunger habe den dortigen Streik unter traurigen Verhältnissen ab- gewürgt. Außerdem wurde mit Bezug auf H. von„Gesinnungs- lumperei in höchster Potenz" gesprochen, auch sollte er sich von den Ausdrücken„Schwindler" und„Lügner" den passendsten aussuchen. Die auf Grund dieser Verdächtigungen und Be- schimpfungen erhobene Privatklage richtete sich gegen den be- kannten G l e i ch a u f. der die betreffenden Nummern ver- antwortlich gezeichnet hatte. Derselbe war zur Verhandlung vor dem Schöffengericht in Stettin persönlich erschienen und suchte den Gewerkverein als verfolgte Unschuld hin- zustellen. Nachdem der Vorsitzende gleich nach Be- ginn der Verhandlung geäußert hatte, für ihn sei die Sache völlig klar, wurde jede weitere Beweis- erhebung abgelehnt und Gleichauf schließlich frei- gesprochen! Die Artikel seien zwar beleidigend, aber dem Beklagten sei der Schutz des§ 193(Wahrnehmung berechtigter Interessen) zuzubilligen I Die zweite Sache richtete sich gegen G l c i ch a u f und den Bezirksleiter der Hirsche, Wolf in Stettin. Kläger waren hier die Gauleiter R o h r l a ck und Falkenbcrg- Stettin und Alex- Hamburg, welcher in einem von Wolf verfaßten und im„Regulator" veröffentlichten Artikel u. a. nach- gesagt war, sie hätten beim Streik in Wismar eine „S p i tz b u b e n t a k t i k" verfolgt. G l e i ch a u f reklamierte dieses Wort als Fachausdruck(I) aus der Terminologie seines Freundes Erkelenz! Der Vertreter der Kläger be- tonte bei Eingang der Verhandlung, daß er sich ein Eingehen aus die Sache für die zweite Instanz aufheben könne, da es hier doch keinen Zweck habe und das Gericht zu einer Frei- sprechung kommen werde. Und so kam es auch I Als „Sieger" verließen G l e i ch a u f und Wolf den Gerichtssaal. Aber sie mögen nicht zu früh triumphieren, denn das letzte Wort ist in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen l Amüsant machte sich das Gejammere G l e i ch a n f 3, daß man statt zu berichtigen, gleich klagbar geworden sei. Um- gekehrt wird nämlich ein Schuh draus. Als die„Metall- arbeiter-Zeitung" auf die in den inkriminierten Artikel ent- haltenen Verleumdungen reagierte, fühlten sich die Gleich auf und Wolf beleidigt und erhoben Privatklage. Erst dann sind die obigen beiden Klagen angestrengt worden! Uebrigens, wenn die beiden ehrsamen Hirsche das Urteil und die Zu- billigung des§ 193 gerecht finden, müßten sie jetzt ihre Klage gegen die„Metallarbeiter-Zeitung" als aussichtslos zurückziehen, denn dann müßte gegen diese das Urteil konscquentcrweise doch ebenfalls freisprechend lauten. Wir glanben aber kaum, daß sie sich auf solche„Gerechtigkeit" ver- lassen werden!_ Berlin und Umgegend. Achtung, Militärsattler! Bei der Firma Becker u. Co., Michaelkirchstr. 29, sind Differenzen ausgebrochen wegen der massenhaften Einstellung von Heimarbeitern und des be— rühmten Zwischenmeisters Rumpf. Es handelt sich um Arbeit für die Königliche Artilleriewerkstatt Spandau. Die Tarifkommission der Militärsattler Deutschlands. Veutfches Reich. Die Baufirma Ullrich. Neubau Marga-Kolonie, Thamm bei Senftenberg, versucht die Putzarbeiten der im Herbst hochgeführten Bauten in Akkord zu vergeben. Die hiesigen Maurer verweigern dieses und meiden diese Arbeitsplätze. Ullrich versucht nun Maurer von außerhalb heranzuziehen, bis jetzt vergebens. Kollegen, meidet Senftenberg und fallt Euren Kollegen nicht in den Rücken. Zwcigverein Senftenberg des Verbandes der Maurer. Eine Kommission der Leipziger Maschinisten und Heizer hatte einen Tarif ausgearbeitet und ihn 709 Arbeitgebern unterbreitet. Als äußerster Termin für die Beantwortung war der 3. Dezember 1907 bestimmt worden. Jedoch hielten es nur 23 Unternehmer für nötig, sich zu der Sache zu äußern, und auch diese taten dies nur ausweichend oder gar ablehnend. Nun wurde die Kommission be- auftragt, an die verschiedenen Unternchmcrverbände zur Schaffung von Spezialtarifen heranzutreten. Infolge der Bewegung haben sich indessen jetzt schon verschiedene Firmen bewogen gefühlt, die Löhne zu erhöhen. RiisUnd. Die Gewerkschaftsbewegung in Rußland im Jahre 1997. „Nasch Wek" bringt über dieses Thema einen Artikel aus der Feder eines genauen Kenners der russischen Gewerkschaftsbewegung, dem wir folgendes entnehmen: Zwei Faktoren gaben im verflossenen Jahre einen mächtigen Ansporn zu Lohnkämpfcn: die gewaltige Verteuerung der Lebens- mittel und die Belebung der Industrie. Es entstand eine mächtige Streikbewegung, die hautpsächlich aus die Erhöhung des Arbeits- lohncs gerichtet war. Der Unternehmer bemächtigte sich nun ein wahres Aussperrungsfieber. Das Kampfjahr begann mit der Lodzer Aussperrung, die 18 Wochen dauerte und 30 000 Arbeiter traf. Dann folgten eine Reihe Aussperrungen in den westlichen Gouvcrncnients und in Moskau. Viel Aufsehen erregte die Straßenbahnarbcitcr-AuLsperrung in Moslau, welche die städtische Selbstverwaltung vorgenommen hat. Die letztere ging noch brutaler vor wie mancher Unternehmer. Den Vorschlag der Arbeiter auf Schlichtung der Streitigkeit lehnte sie entschieden ab. Aber die Arbeiter brachen endlich ihren Widerstand und sie mußte nach- geben. Einen glänzenden Sieg haben in diesem Jahre die Mos- kauer Druckarbcitcr zu verzeichnen. Der Verband der Buch- druckercibcsitzcr hat in Moskau eine Aussperrung vorgenommen. Sofort stellten die Arbeiter in Petersburg und in anderen Städten die Arbeit in den Druckereien ein, welche den Mitgliedern dieses Unternehmerverbandcs gehören. Die Arbeiter streikten auch in solchen Druckereien, welche Bestellungen der Moskauer übernahmen. Einen solchen Scklag hatten die Unternehmer nicht erwartet, sie wurden völlig desorganisiert und mußten alle Forderungen der Arbeiter bewilligen. Einen schweren Kampf hatten in diesem Jahre die Kaspischcn Seeleute zu bestehen. Den Unternehmern kam ein MiUtärkorps zu Hülse. Die planmäßige und ausdauernde Tattit der wcelcute zog auf sie die Aufmerlsamkeit des ganzen Landes. Im Juli streikten 60 000 Arbeiter, welche mit der Be- Th.Glvcke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts BuchdrVu. VerlagSanstalt arbeitung der faserigen Stoffe beschäftigt sind; aber die ganze Be. wegung war wenig organisiert und die Arbeiter erlitten eine Niederlage. Um diese Zeit nimmt die Bewegung etwas ab; es fanden dennoch große Lohnkämpfe in Baku statt, aber die un. ausgesetzten wilden Repressalien der Regierung übten eine große Wirkung auf die Gewerkschaften, die jetzt dadurch eine sehr schwere Krijis überleben. Es mag hier auch der starken EntWickelung der Arbciter-Kon> sumvercine gedacht werden, die überall, und zunial in Petersburg, in raschem Wachstum begriffen sind. Die Kooperativgesellschaft „Trudowoi Sojus" allein errichtete binnen kurzer Zeit in Peters- bürg 20 Verkaufsstellen und eine Bäckerei. Die Streiks in Finnland. Nach dem letzten statistischen Bericht fanden dort im Jahre 1908 174 Streiks statt. Lohnforderungen waren die Ursach« zum Streik in 110 Fällen, bei 18 Streiks forderten die Arbeiter eine Verkürzung der Arbeitszeit, bei 12 einen Tarifvertrag. Zugunsten der Arbeiter verliefen 88 Streiks, 26 Streiks endeten mit einer Niederlage der Arbeiter, in 25 Fällen gaben die Unternehmer wie die Arbeiter gegenseitig nach. An- gaben fehlen über 57 Streiks. Man vergleiche diese Statistik mit der der Streiks in Amerika(„Vorwärts" vom 16. Januar); wir finden, daß die Arbeiter in Finnland erfolgreicher kämpfen als in Amerika. Versammluncsen. KaufmannsgerichtSwahlen. Zu den am 9. Februar in Berlin stattfindenden Kaufmanns- gerichtswahlcn hatte der Zentralverband der Hand- lungsgehülfen und Gehülfinncn Deutschlands. Bezirk Berlin, Neue Königstr. 38, zum Tonnerstag, den 18. Januar, eine öffentliche Versammlung nach den Arnimhallen einberufen, in welcher Rcichstagsabgeordncter Emmel, Mülhausen, über das Thema:„Warum Liste III?" sprach. Der Referent wies darauf hin, daß die Kaufmannsgerichte infolge ihrer schnellen Recht» sprechung bei Streitigkeiten, die aus dem Anstellungsverhältnis zwischen Prinzipal und Angestellten entstehen, von sehr großer Bedeutung für die Handlungsgchülfen sind. An den Beschrän- kungen, denen das Kaufmannsgericht unterworfen ist, die Frauen sind vom aktiven und passiven Wahlrecht völlig ausgeschlossen, das aktive Wahlalter ist auf 25 Jahre, das passive aus 30 Jahre fest- gesetzt, trägt die antisemitische Partei mit die Schuld, indem sie seinerzeit für diese Einschränkungen eingetreten ist. Nachdem die Deutschnationalen früher die Aufnahme von Chefs in Handlungs- gehülfen-Organisationen verurteilt haben, machen sie es seit einer Reihe von Jahren selber. Die Prinzipale werden den Angestellten keinen Platz in ihren Organisationen gewähren, und das mit Recht. Man wettert zwar gegen die Klaffenkampftheorie, die Deutsch» nationalen gehen mit großein Tamtam gegen sie zu Felde, operieren mit Phrasen, ohne auf den Kern der Frage einzugchen und ohne diese Theorie widerlegen zu können. Nur der Zentralverband und die von ihm auf die Liste III gesetzten Kandidaten sind gewillt. die Gesamtheit der Handlungsgchülfen und Gehülfinnen zusammen» zufassen, die Interessen ihrer Gruppe, also der Handlungsgehülfen, aufs entschiedenste zu vertreten. Ein dcutschnationaler Herr erklärt in der Diskussion, die Sympathien für deutsche Handlungsgehülfen, soweit solche im Aus- land zutage treten, hätten nur die Dcutschnationalenl! Udo wandte sich gegen das vom Verein der deutschen Kaufleute her- ausgegebene Flugblatt, in welchem behauptet wird, der Verein der deutschen Kaufleute sei es gewesen, der als erste und einzige Organisation die Errichtung von Kaufmannsgerichten im Anschluß an die Gcwerbegcrichte gefordert habe. Die Vereinigung der Kauf- leute, der Vorgänger des Zentralverbandes, hat bereits im Jahre 1891, also vor 17 Jahren, mit Hülfe der Sozialdemokratie eine umfangreiche Agitation für diese Einrichtchig veranstaltet, zu einer Zeit, als der Verein der deutschen Kauflcute und nach ihm die Deutschnationalen diese Gerichte noch nicht für standesgemäß hielten. Der Verein deutscher Handlungsgehülfen, Sitz Leipzig, hat seinerzeit petitioniert, daß die Beisitzer, für den Fall die Kauf- mannsgcrichte Gesetz werden sollten, von Amts wegen ernannt werden möchten, um der Handlungsgchülfenschaft die aufregenden Wahltämpfe zu ersparen. Der Verein der deutschen Kaufleutc er- klärt sich in seinem Flugblatt für politisch neutral, er gebärt zu den Hirsch-Dunckerschen Gcwerkvereinen und ist durchaus frei- sinnig. Bei den letzten Rcichstagswahlen hat der Führer des Ver- eins der deutschen Kaufleute Einladungen zu freisinnigen Ver- sammlungen für K a c m p f gegen A r o n s ergehen lassen und den Handlungsgehülfen ist es zu danken, daß K a c m p f Reichstags- abgeordneter werden konnte. Kaempf hat seinen Dank auch schon erstattet, indem er bei einer Umfrage des„Berliner Tageblattes", den 8 Uhr-Ladenschluß betreffend, erklärte, der 8 Uhr-Ladcnschluß könne erst dann eingeführt werden, wenn kein Chef mehr dagegen seil Die führenden Mitglieder des Vereins der deutschen Kauflcute sind Mitglieder der freisinnigen Parteien, genau so wie bei uns der sozialdemokratischen, trotzdem macht uns der Verein den Vorwurf der politischen Stellung, während er sich für politisch neutral ausgibt. Seine Rcfcrentcnlistc weist die Namen M u g d a n, G o l d s ch in i d t. Tracgcr. Kopsch und andere freisinnige Vertreter auf. Aber die Handlungsgehülfen in ihrer Mehrheit wollen von dem Freisinn', der vor» wiegend die Interessen der Börsenmänncr und Kapitalisten ver, tritt, nichts mehr wissen, darum erklärt man sich für neutral. Im �Schlußwort weist der Abgeordnete Emmel darauf hin, daß die Deutschnationalen ihren Verrätereicn eine neue hinzu- gefugt haben und zwar in Straßburg im Elsaß. Ihre dortige Ortsgruppe„Alsatia" hatte eine Petition auf erweiterte Sonntags- ruhe eingebracht, der Gemeinderat beschloß, eine dementsprechende Aenderung der Bestimmungen auszuarbeiten, die Chefs waren da» gegen und haben mit der Ortsgruppe„Alsatia" zusammen eine Eingabe an den Bezirkspräsidcnten gemacht, dieses Statut nicht in Kraft treten zu lassen. Infolgedessen hat der Bczirkspräsident die Genehmigung versagt und ist es nur dem deutschnationalcn Verbände zu danken, daß eine gründliche Verbesserung nicht möglich gewesen ist. Nur der Zentralverband ist in wirtschaftspolitischer Hinsicht durchaus zuverlässig und alle Handlungsgehülfen, die ihr eigenstes Interesse vertreten wollen, haben daher die Pflicht, nur Liste III zu wählen. Letzte INfaebriebten und Dcpcfcbcn» O welche Lust, Soldat zu sein! Fulda, 18. Januar.(B. H.) Der Kanonier Stern aus HcrS» fcld ließ sich heute mittag von einem Eilgllterzuge überfahre»». Wintersport! Nürnberg, 18. Januar.(B. H.) Auf abschüssiger Chaussee rodelten trotz Polizeiverbots drei Personen: in voller Fahrt fuhr der Schlitten gegen einen Baum und zerschellte. Dem Lehrer Otto wurde dabei die Brust eingedrückt, er war sofort tot; sein Freund und eine Lehrerin sind lebensgefährlich vcrlrtzt worden. Streikbeendigung. Spalato, 18. Januar.(B. H.) Der Streik bei der Schiff- fahrtsgesellschaft Dalmatia ist beendet. Die Mannschaft hat den Dienst wieder aufgenommen. Die Arbeitslosigkeit. New Jork, 13. Januar.(B. H.) Die Pullmann Companh schließt alle ihre Werke, wobei 8899 Personen arbeitslos werden. Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 5 Beilagen. M. 25.nt5W, i KeilllM des„NljWlirts" Kerlilltr JoldsblM. w. Z..M.M R.eicl)stag. 83, Sitzung. Sonnabend, den 18. Janu'ar, vormittags 11 Uhr. Am Bundesratstisch: v. Bcthmann-Hollweg. Das Haus ist sehr schwach besetzt. Die Interpellation über die Regelung des Knapp- schaftswesens wird fortgesetzt. Abg. Gotlirin(frs. Vg.): Der Staatssekretär sagte hier gestern, daß das Reich nicht geeignet sei, Verordnungen betr. den Berg- bau zu erlassen, das; dies den Einzelstaaten überlassen bleiben müsse. In anderen Staaten sehen wir jedoch die Berggesetzgebung einheitlich geregelt; warum sollte es also bei uns nicht gehen? So viel wie manche preußische Handelsminister versteht der Herr Staatssekretär doch sicher auch vom Bergfach. Er unterschätzt sich vielleicht nur.(Heiterkeit.) Von den früheren Handelsininistern hat vom Bergwesen keiner besonders viel verstanden, Herr Brefeld hat sogar erzählt, er habe sich mit Händen und Füßen gegen die Ucbernahme des Ministeriums gesträubt und sich schließlich nur als gehorsamer Diener gefügt. Wäre Herr v. Bethmann-Hollweg zufällig preußischer.Handelsminister geworden, so hätte er diese Materie ja auch regeln müssen. Tie Arbeiterversicherung mutz einheitlich für daö ganze Reich gestaltet toerden, um so mehr, als unter den jetzigen Zuständen die Bergleute in ihrer Freizügigkeit stark beschränkt sind. Wir er- kennen gern an, dag die Berggesetznovelle der preußischen Re- gicrung einen Tropfen sozialen Oels enthalten hat. Daß die cinzelstaatlichc Gesetzgebung zur Regelung dieser Fragen aber nicht geeignet ist, zeigt gerade der Umstand, wie diese Novelle im preu- ßischen Abgeordnetenhaus verschandelt worden ist. Das durch das Wahlsystem bedingte Milieu des Abgeordnetenhauses bewirkt eben eine Atmosphäre, in der die einzelnen Parteien die Interessen der Allgemeinheit bescheidener vertreten als im Reichstag; nur die Konservativen sind hier wie drüben gleich energisch in der Ver- tretung ihrer eigenen Interessen, in der Ablehnung der Interessen der breiten Massen. Herr v. Brockhausen rühmte, der preußische König setze stets den rechten Mann an die rechte Stelle. Dies Vertrauen haben die Kmrservativen doch nicht immer gehabt; ich erinnere nur an die Zeiten Eaprivis! Wenn man den Bergarbeitern nicht das geheime Wahlrecht gibt, verhindert man sie, nach ihrer Ueberzeugung zu stimme». Eine entschiedene Verschlechterung im Knappschaftswesen ist, daß man den Bergwerksinvaliden das Wahlrecht zu den Knappschafts- kajscn entzogen hat, auch das passive Wahlrecht; gerade unter ihnen findet man die erfahrensten und geeignetsten Leute, die zu- gleich unabhängiger sind als die arbeitenden Bergleute.(Sehr richtig! links.) Heruntergesetzt ist ferner das Krankengeld und die Höhe per Pensionen; am meisten Erbitterung aber hat hervor- gerufen die Beseitigung des Kindergeldes. Die Gehälter und Pen- sioiieii der Beamten in Staat und Reich werden erhöht, wie louimt man also dazu, die Pensionen der Berginvaliden herabzu- setzen? Es war deshalb ein großer Fehler, nicht zu einer Einigung zu kommen. Daß die Arbeiter nicht halsstarrig waren, beweist doch der Umstand, daß selbst bei Annahme ihrer letzten Vorschläge iwch eine Verschlechterung gegen den bestehenden Zustand heraus- gekommen wäre— sürd doch auch 130 Werkstimmen dafür abgegeben worden! Geradezu erschreckend waren die Angaben deS Abgeordneten Hue über die Zahl der Unfälle und die Verkürzung der Lebens- daucr der Bergleute. Es zeigt dies, daß ein wahrer Raubbau an der Arbeitskraft getrieben wird, was zugleich einen Raubbau an unserem Nationalwohlstand bedeutet. Dringend notwendig iväre eine Enquete über die Ursachen dieser Zustände. Beim Etat des Reichsamts des Innern werde ich dies in einer Resolution beantragen.(Bravo! links.) Lberbergrat Meissner: Ich muß einem Mißverständnis entgegentreten. Das Wagennullcn erreichte 28 Proz. nur bei ein- zelnen Kameradschaften; der Gesamtdurchschnitt des Nullens ging auch auf den Zechen, wo dies vorkam, nicht über 4 Proz. hin- aus.... Als vertraulich bezeichneten loir unsere Mitteilung, weil wir die Namen der betreffenden Zechen mitteilten, um eine Nachprüfung unserer Angaben zu ermöglichen. Abg. Brysti(Poles: Die Klogen der Arbeiter über das�Nullcn richteten sich gerade dagegen, daß einzelne Kameradschaften durch ungerechtes Nullen schikaniert wurden. Die Aus- Kleines f euilleton. Holger Drachmann hielt sich zu Anfang der neunziger Jahre zusammen mit seinem berühmt gewordenen Modell Edith in Ham- bürg auf. Er erlebte hier den großen Hafenarbciterstrcik. Zu einer Reihe prächtiger Gedichte und Lieder gab ihm der Kampf der Arbeiter wie auch die Eholerazeit Veranlassung. Während des Streiks kam ein junger sozialdemokratischer Journalist, P. S a b r o e, jetzt dänischer Folkcthingsmann, nach Hamburg, um für dänische Arbeiterblätter über den Kampf zu berichten. Er kannte keinen Menschen und wußte kaum, wohin er sich wenden sollte. Da fiel ihm ein, daß Drachmann in Hamburg wohnt. Ihn suchte er auf, und Drachmann machte ihn denn auch gleich mit der Lage des Kampfes bekannt und begann:„Zunächst will ich Ihnen sagen, wovon ich mich überzeugt fühle: die Arbeiter ver- lieren diesen Kampf! Sie verlieren ihn, weil diese steinreichen Lt'aufleute ihre Ehre dabinein setzen, über die Arbeiter zu siegen, gleichviel, ob der«sieg ihnen Millionen kosten wird, ob viel mehr Geld, als die Arbeiter zu erkämpfen suchen. Und was ist das für eine Sünde gegen diese selbstbewußten, stolzen und tüchtigen Hafenarbeiter, die zu den besten in der Welt gehören!" Der Dichter und der Journalist gingen dann nach dem Hafen hinunter, wo streikende Arbeiter in Massen standen. Drachmann streckte die Hand aus und rief:„Sind vielleicht Dänen unter Euch, die einen danischen Sozialdemokraten, der hierher gekommen ist, Euren Kampf zu schildern, begrüßen und behülflich sein wollen?" Es meldeten sicki sofort mehrere dänische Arbeiter, und Sabroe war aus aller Verlegenheit. Drachmanns Leiche wird, einem letzten Willen des Dichters entsprechend, verbrannt. Die Asche loird nach Skagen übergeführt und dort ins Meer versenkt. Vom Krematorium in Kopenhagen soll die Urne mit einem besonderen Schiff»ach der Nordspitze Jütlands gebracht werden. Von Hornbäk in Nordsee- land, wo der Dichter gestorben ist, wird die Leiche wahrscheinlich am Montag oder Dienstag nach Kopenhagen übergeführt. Unter den vielen Vereinen, die hier am Leichenbegängnis teilnehmen, werden auch die Gewerkschaften und der Sozialdemokratische Ver- band mit ihren Fahnen und Kränzen erscheinen. Ein antimilitaristischer Künstler. Der Antimilitarismus soll ausgerottet werden— in Wort, Schrift und Bild! So lautet die Devise der Clemenceau-Briandschen Regierung. Und nicht ein Tüftelchen wird davon nachgelassen. So wurde der bekannte Zeichner Grandjouan, der Leiter des satirischen Blattes „Assielle au Beurrc", wegen etlicher Aufreizungen, die er in einer illustrierten Rekruten-Nummer der„Voix du Peuple" be- gangen haben sollte, in Paris vor die Geschworenen gestellt. Das eine Bild stellt einen aus Narbonne heimgekehrten Kürassier vor, dem eine Frau, seine Mutter, ins Gesicht spuckt. Der Text lautet; „Du Schuft hast aus das Poll geschossen!" Eine zweite Zeichnung zeigt Soidaten, eine Fabrik bewachend. Darunter führungen des Regierungsvertreters beweisen also gerade, daß diese Klagen der Arbeiter berechtigt waren. Zur Sache selbst bemerke ich, daß wir auf dem Boden der Interpellanten stehen. Tie Junker und Grubenbaronc haben die Bcrggesctznovelle in Preußen so verändert, daß sie zu einer vollständigen Sklaverei der Arbeiter führen mußte. Bei den Verhandlungen des Knappschaftsstatuts traten keine Machtgelüste der Arbeiter zutage, sondern der Werksbesitzer: unheilvoll war auch die Rolle, die die Ge- Heimräte spielten: sie und die Werksbesitzer wollten zeigen, daß die Arbeiter durch die Knappschaftsältesten nichts erreichen könnten, sie wollten die Knappschaftsältesten zu einer» Kotau bor den Wcrkbcsitzern zwingen. Die Lage der Arbeiter ist durch das Zwangsstatut in hohem Maße verschlechtert worden. Jin Reichstage ist weit eher auf ein warmes Herz für die Arbeiter zu rechnen als in den Landtagen. Deshalb muß es heißen: Her- aus mit der Bcrggesetzgebung aus dem preußischen Klassen- Parlament, oder, wenn sie dem Landtag überlassen bleibt: Fort mit allen Klassenparlamenten als Vertretungen der organisierten Ucbermacht!(Brado! bei den Polen und links.) Abg. GiesbertS(Z.): In das harmonische Konzert, das der Verlauf der Debatte darstellt, hat der Abg. Hue einen Mißklang gebracht durch seinen ungerechtfertigten Angriff auf das Zentrum. (Sehr wahr! im Zentrum.) Darunter leidet die Stoßkraft der Aktion. Hue sagt, das Zentrum habe die Berggesetznovelle mit verschuldet, weil es in der Schlußabftimmung dafür gestimmt habe. Das Zentrum hat im Abgeordnetenhaus wiederholt den Bergarbeiterschutz gefördert, wie schon daraus hervorgeht, daß hier im Reichstage sozialdemokratische Abgeordnete sich wiederholt auf diese Tätigkeit des Zentrums bezogen haben.(Hört, hört! im Zentrum.) Für die Berggesetznovelle stimmte das Zentrum, weil trotz der Beseitigung des geheimen Wahlrechts und des Wahlrechts der Invaliden doch noch eine ganze Reihe von Verbesserungen übrig blieb. Nun zu sagen, das Zentrum habe die Verschlechterungen mit verschuldet, ist eine objektiv unwahre Darstellung des Sachverhalts,(sehr richtig! nn Zentrum.) Den Beweis, daß auch nur ein Zentrumsabgeordneter öffentlich gegen die geheime Wahl zu den 5rnappschaftswahlen gestimmt hat, hat Herr Hue nicht er- bringen können; er mußte in den Kommissionsberichten herumschnüffeln, ohne einen bestimmten Namen nennen zu können. (Abg. Hue: Ich habe die Namen ja genannt!) Ferner wirft er uns vor, wir seien nicht energisch genug für ein Reichsberggesetz ein- getreten. Aber tvir haben auf die Regierung nur Einfluß durch parlamentarische Aktion, zwingen können wir sie nicht durch Straßendcmoiistrationcn und parlamentarische Obstruktion.(Sehr richtig! im Zentrum.) Ferner wirft uns Hue vor, lvir hätten das in der Kommission gegebene Material über das Wagennullen nicht veröffentlicht. Vertrauliches Material können wir nicht weitergeben(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten), wir können nur von der Regierung die Veröffentlichung verlangen(Sehr richtig! im Zentrum); daß sie es nicht tat, war eine Unklugheit; denn sie erweckte dadurch den Anschein, als wolle sie die Werkbesitzer nicht bloßstellen und als seien die Dinge in Wirklichkeit noch viel' schlimmer, als behauptet war. Nun zur Sache selbst: Der Staatssekretär sagt, die Berggesetz- gebung kann nicht den Einzelstaaten genommen werden.� Das will ich zugeben. Das gilt aber nicht für die Arbeiterverhältnissc, ein Bergarbciterschutz, ein Knappschaftsgesetz ist reichsgesetzlich möglich und nptig; die Arbeiter dringen um so mehr darauf, als das prcustischc Abgeordnetenhaus kein Bolksparlament ist. In der schwebenden Streitfrage im Ruhrgebiet habe ich das Vertrauen zu der Regierung, daß sie einen Ausgleich herbeizu- führen bemüht sein wird. Nicht die Arbeiter dort wollen eine Machtprobe» sondern die Wcrkbcsitzer wollen die Arbeiter unter ihren Willen zwingen. Die Zahl der eingesessene» Bergarbeiter geht zurück, und damit sinkt auch die allgemeine Kultur im Ruhr- gebiet. Möge diese Verhandlung zur Verbesserung der Verhältnisse beitragen.(Beifall im Zentrum.) Abg. Sachse(Soz.): Der Vorredner hat auf wenige Worte des Kollegen Hue mit einer halbstündigen Rede geantwortet und eine große Staatsaktion daraus gemacht. Das zeigt, daß Kollege Hue mit seinen wenigen Worten ins Schwarze getroffen hat. Hue hat eben durchaus die Wahrheit gesagt. In dem allgemeinen Kampfe der Bergarbeiter haben wir nicht etwa mit der Zentrumspartei gemeinsame Sache gemacht, sondern die Bergarbeiter aller Richtungen haben mit- einander gemeinsame Sache gemacht. Mit der Zentrumspartei gemeinsame Sache zu machen, hätten wir uns wohl zehnmal über- steht:„Die Armee, der Wachthund deS Unternehmertums." Auf einem anderen, gleichfalls angeklagten Blatt sieht man Soldaten, die in einer südlichen Landschaft Eingeborene verfolgen. Die Er- klärung sagt:„Die Armee, der Jagdhund der Financiers." Die Geschworenen sprachen Erandjouan frei. Aber sie ver- urteilten den Mitangeklagten verantwortlichen Redakteur der „Voix du Peuple", V i g n a u d, und dies, trotzdem die Nummer außer den Zeichnungen nichts als Zitate aus Ministerreden und einen sehr maßvollen Appell an die Soldaten enthalten hatte, ihr Gewissen nicht zeitlebens mit der Erinnerung an vergossenes Bruderblut zu belasten. Die Strafe lautete auf 10 Tage Gefängnis und 1000 Frank Geldbuße. Heißlust-VolköbSder. Die Hygiene fordert mit immer größerer Strenge, daß den breiten Voltsschichten, namentlich aber dem Ar- bciterstande, in öffentlichen Bädern eine billige Gelegenheit zu gründlicher Reinigung des Körpers vom Staub und Schmutz der Arbeit gegeben werde. Leider werden die Volksbäder viel zu wenig benutzt. Das liegt aber hauptsächlich daran, daß die Preise für Benutzung einer Badegelegenheit noch viel zu teuer sind. In Ruß- land besitzt, wie Grunow im„Gesundheitsingenieur" angibt, jedes Dorf, jeder kleine Marktflecken seine eigene Badeanstalt, und auch der Gutshof hat dort seine Badestube. Rußland ist uns also in Sachen der öffentlichen Badepflcgc weit überlegen. Da die Preise für die Benutzung der Bäder gering sind, werden diese von der russischen Arbeiter- und Kleinbcvölkerung stark benutzt. Die ruf- fischen Bäder sind also wirkliche Volksbäder, aber im Gegensatz zu den unsrigen nicht Brause-, sondern Schwitzbäder. Auch in der Türkei finden wir überall öffentliche Heißluftbädcr. Konstantinopel hat ihrer über 170. Ein Schwitzbad hat vor dem Wasserbad den Vorzug, daß es die Poren der Haut mehr öffnet und so gründlicher reinigt, ferner besitzt es Heilkraft, z. B. gegen Rheumatismus und Erkältungstrantheitcn. Wenn nun in Rußland und im Orient Heißluftbäder als billige Volksbäder möglich sind, könnte das Gleiche doch wohl auch für das„höhere Europa" gefordert werden. So lange sich mit den Schwitzbädern noch viel Luxus vereinigt, wird es allerdings nicht angehen. Die Hauptsache ist, daß der Preis des Einzelbades bedeutend herabgesetzt wird. Die Her- stellungskosten eines Heißluftbades sind sehr gering, und es läßt sich bequem mit dem Wannen- oder Brausebade vereinigen. Theater. Friedrich Wilhelm st ädtisches Schauspiel- haus(Chausseestraße): König Heinrich, Tragödie von Ernst v. Wilde nbruch. Die Leitung dieser Bühne will ihren Abonnenten erzieherisch kommen. Das ist eine ganz löbliche Absicht. Fragt sich nur. wo sie den Hebel ansetzt. Hierüber gibt die Vorrede(im Theater-Programmheft). die das historische Drama behandelt, Aufschluß. Tos historische Drama, heißt es da, sei auf der Bühne berechtigt, weil„die Welt" immer wieder des„Helden- bildes" bedürfe. Diese Scheinwahrhcit zugegeben— wer ist ein Held, nach landläufiger Auffassung? Wildcnbruch sagt— und vor ihm sagten cS die Ernst Rauppach und alle Aachtrcter—« nur legt.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir scheuen doch zu sehr die Moral der Jesuiten.(Unruhe im Zentrum, lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Was bat denn Hue getan? Er bat die Wahrheit festgestellt, daß auch im Zentrum nicht alle Mitglieder für das geheime Wahlrecht eingetreten sind. Er hätte unrecht getan, wenn er das nicht festgestellt hätte. Herr Giesberts regt sich über Vorwürfe gegen eine politische Partei, nämlich die scinige, auf. Hat denn aber sein Fraktionskollege Schiffers nicht genau dasselbe getan? Er hat von der reaktionären Mehrheit im preußischen Landtage gesprochen, und da können sich doch auch die christlichen Bergarbeiter getroffen fühlen, die meistens nationalliberal sind. Der zweite Borsitzende des christlichen Berg- arbeiterverbandes gehört der nationalliberalen Partei an. Also nur nicht so aufgebauscht! Aber weil Hue hier die Wahrheit festgestellt hat, mutz hier so borgegangen werden, damit sich die Zcntrumsblätter reinwaschen können.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Hue hat nicht gesagt, die Zentrumspartei sei schuldig an dem Scheiter» deS Statuts, er hat sich lediglich auf die Vorkommnisse im L a n d t a g e bei der Beratung des Knappschafts- gesetzes und des anderen Berggesetzes bezogen. Ich will hier fest- stellen, daß bei der Beratung des ersten Berggesetzes das Zentrum erst bei der dritten Lesung umgefallen ist, aber bei dem Knapp- schaftsgesetz hat der Abg. Brust schon vor der dritten Lesung die Beseitigung des geheimen Wahlrechts verteidigt, und seine eigenen Kollegen haben ihn in der Zentrumspresse auf das heftigste an- gegriffen. Es wurde geradezu gesagt: Brust hat bei dieser Bc- ratung im Landtag nicht die Bergarbeiterinteressen vertreten, schlimmer als er hätte es auch ein Bergbcsitzer nicht machen können. Hue hat also nur die reine Wahrheit gesagt. Fragen Sic nur den Regierungsrat Steinbrink, wie die christlichen Aeltesten über das Berggesetz denken. In öffentlichen Bergarbcitervcrsammlungen hat Hue auch festgestellt, daß das Zentruin keine Verschlcchterungs- antrüge gestellt bat, wobt aber hat er ihm vorgeworfen, daß es u mg e fall en ist, er ist also den Tatsachen bollkommen gerecht geworden.(Sehr lvahr! bei den Sozialdeniokraten.) Ich komme dann zu den Ausführungen des Kollegen Osann. Es ist richtig, daß die Nationalliberalcn einst unter Hamachers Führung für die reichsrechtliche Regelung der Bergarbeitcrrechte eingetreten sind. aber im Jahre 1000 hat unter des Herrn Hilbk Führung die ganze natwnalliberale Reichstagsftaktion einstimmig gegen die Forderung eines Rcichsberggesetzes gestimmt.(Widerspruch des Abg. Basier- mann.) Ueber die Vorschläge der Kuappschaftsältesten ist der Abg. Osann ganz falsch unterrichtet. Das Verlangen nach Aufrechnung des Kindergeldes war keineswegs ein neuer Antrag, sondern nur eine Reduzierung altbekannter Forderungen. Der Abg. Osann hat uns getadelt, weil wir eine öffentliche Abstimmung der Knappschaftsältesten über das neue Statut herbeigeführt haben. Gerade ein Parlamentarier sollte doch wissen, daß gewählte Vertreter zur öffentlichen Abstimmung bereit sein müssen, damit ihre Wähler wissen können, ob jeder bon ihnen seine Pflicht tut. Wir machen es ja im Reichstage ebenso, also nur keine Heuchelei!— Der Abg. Gothein, der Ihnen so nahe steht. hat Ihnen ja schon deswegen den Text gelesen.(Widerspruch des Abg. Osann.) Gothein steht Ihnen nicht nahe?— Aber er gehört doch auch zum Block und sitzt ja dicht neben Ihnen.(Heiter- ieit.) Die geheime Abstimmung der Knappschaftsältesten hat übrigens kein anderes Stesultat gehabt als die öffentlichen Ab- stimmungen, die vorhergingen. Ich stelle nochmals fest, daß die Forderungen der Knappschaftsältesten den Bergherren eine Aus- gäbe von 1000 M. jährlich für 1000 Mann Belegschaft zugemutet haben! Das ist doch bei den Ueberschüssen des Bergbaus eine Lappalie. Wenn Sie(zu den Nationalliberalen) Einfluß auf die Werksvertreter haben, die ja meist Ihrer Partcki angehören, so veranlassen Sic sie, diese LP f. pro Kopf und Woche zu opfern. Der Abg. Osann hat die preußische Regierung aufgefordert. noch einmal einen Vermittelungsversuch zu machen. Der Versuch kann jedenfalls nicht schaden. Auch mit einer parlamentarischen Kommission wären wir einverstanden, um die Einigung zu er- zielen. Aber Sie dürfen sich nicht der Hoffnung hingeben, daß die Knappschaftsältesten nach weiter zurückgehen werden. In vielen Versammlungen hat man ihnen schon den Vorwurf gemacht, daß sie zu weit gegangen wären.— Der Hauptschaden für die Arbeiter bei der Neuregelung war die Beseitigung des Grund- betrages der Rente, die die Wcrksvcrtreter illoyal ausgenutzt haben. Die neuen Invaliden sind dadurch um 10 bis LO Proz. ihrer Rente geschädigt worden. Das hat gerade die ärmsten Bezirke, wie Niederschlesien, betroffen, wo nur die Tätigkeit der im Verband Fürsten sind solche Helden. Daher haucht der„Dramatiker" einigen Kapiteln„Geschichte" seinen„Geist" ein. Und dann ist eine„historische" Tragödie fertig. Stimmt nicht, sonst wäre ja auch Wildenbruchs„König Heinrich" keine bloße Gcschichtsklitterci in dialogisierter Gestalt. Ob nun alle diese aus dem Grabe her- aufbeschworcnen Mumien rasselnd über die Bretter wandeln und Tiraden donnern— es ist nichts damit, weil auch Wildcnbruch am historisch Konventionellen haften geblieben ist und nun theatralische Effekthascherei mit wirklicher Dramatik verwechselt. Gleichwohl hat die Borstellung am Freitag bewiesen, daß es doch noch recht viel Leute gibt, die an einer Lektion deutscher Geschichte in Dialogform Gefallen finden, sollte sie auch iVi Stunden dauern. Das Kapitel wurde szenisch ja recht brav aufgerollt, ein Stück deutscher Kostümkunde sorgte für die nötige Abwechselung, und verschiedene Darsteller hatten vollauf Gelegenheit, ihre Stimm- mittel zu erproben. Rudolf Werner als Titelheld gab sich in manchen Szenen nicht übel. Ebenso tüchtig war Friedrich Holthaus als Papst Gregor. Im übrigen wurde in tradi- tioncller Schablone gemimt. DaS Publikum schien„hingerissen" zu sein. e. st. Die Räuberaufführung deS Deutschen Theaters, die durch ihre malerische und charakterisierende Inszenierung dem ewig jungen Drama neues Leben eingehaucht hat, wie vor Jahren die Tat der Mcininger, hat einige Neu- bcsctzungen erfahren. Bor allem interessiert Alexander M o i s s i, der nun im Wechsel mit dem robusteren Paul Wegener den Franz spielt. Seine nervöse, in der Erregung ins Zappelnde über- schlagende, das pathologische stark betonende Art, die schon in den Gespenstern am Oswald schärfer hervortrat, schuf eine interessante Spielart. Zersetzender Verstand paarte sich in seiner nuanccn- reichen, die üblichen Canaillenzügc abstreifenden Auffassung mit dem Streben des Herrenmenschen nach Macht und der Phantasie- genährten Schwäche des Dekadenten. Ob aber dieser» Franz nicht etwas zu feminin, zu lächclndschön ausfiel, aus lauter Streben, ihn menschlich uns zu nähern? Biensfcldts Spiegelberg hin- wiederum betonte die ordinäre Canaille mehr als Moissi es getan hatte. Alles in allem— wenn man von der Amalie und dem alten Moor absteht—, eine wunderbar farbige, ergreifende Wieder- gäbe dieses leidenschafterfüllten Dramas, das das Genie mit der Subordination zeugte.— x. Notizen. — Die Vureaukratie in Schillers Garten. Trotz all der lebhaften Agitation, die zur Erhaltung der Heimat- lichen Denkmäler und denkwürdigen Stätten in Deutschland neuerdings eingesetzt hat, gehen unsere„vaterländischen" Ver- waltungen ihre gewohnten Wege ruhig weiter. In Jcya, Ivo ohnedies schon so viel verschandelt wurde, will der weickarische Staat den S ch i l l c rg a r t cn mit irgend einem BcrwaltungS- gcbäude verunstalten. Eine Protestbewegung hat aber bereits ein» gesetzt. organisierten Aeltesten einige Milderungen durchgesetzt hat, und den KlauStalcr Bezirk, wo an und für sich schon die traurigsten Renten gezahlt werden. Dort hat man außer den Invalidenrenten auch die Witwen- und Waisenrenten gekürzt, ebenso in dem reichen Stolbcrger Änappschastsoerein. ßn Älausial hat die Regierung auch nichts für die Tausende fiskalischer Bergarbeiter getan, wie überhaupt die fiskalischen Betriebe dort mit die rückständigsten im ganzen deutschen Bergbau sind. Die fiskalischen Gruben haben sich sogar nicht gescheut, die Rcichsinvalidenrcnte auf die Knapp- schaftSrcnte anzurechnen und sich dadurch von den ärmsten Slr- beitern 6000 M. jährlich schenken zu lassen. Die neuen Statuten führen zu dem ilnsisn, daß eine Familie mit 6 Kindern 174 M. weniger bekommt,!w*m der Vater lebt, als wenn er tot ist!(Hort! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich komme nun zw den Erklärungen der Regierung. Sie hat sich zunächst entschuldigt, daß sie ihre Ermittelungen über de» Ilmfang des Wagennuillens' der Oeffcntlichkeit nicht habe mitteilen können. Da erinnere ich an ein anderes Vorkommnis nach dem letzten Streik, als die Untersuchungskommission eingesetzt war. Die Kommission war mit ihren Arbeiten noch nicht zu Ende, da erschien schon in allen Zeitungen als Ergebnis ihrer Unter- suchung: die vertraulichsten Mitteilungen, die ihr die Arbeiter gemacht hatten!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Und eine nicht geringe Zahl der Arbeiter ist wegen dieser Mitteilungen gemaßregelt worden,(Stürmische Hört! hörtl-Rufe bei den Sozialdemokraten) während die Untersuchung selbst so gedreht wurde, daß nichts dabei herauskam. Deshalb hat der Bergarbeiter- verband die Arbeiter damals aufgefordert, sich an diesem Gaukel- spiel der Untersuchungskommission nicht länger zu beteiligen. Was die Mitteilungen über das Wagennullcn selbst angeht, so bleibt es trotz alledem schmachvoll, daß man unsere genauen Angaben damals bestritten und bezweifelt, unseren Behauptungen die der Regierung gegenübergestellt hat, während man der Landtags» tvmmissio» insgeheim die Wahrheit gesagt hat, die man uns in, Reichstage abstreiten wollte. So hat man die Wahrheit öffentlich unterdrückt, statt ihr im Interesse der Allgemeinheit die Ehre zu geben. Die Bergarbeiter werden es der preußischen Regierung nie vergessen, wie sie damals zum Schaden der Arbeiter die Wahrheit verschwiegen hat.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdeuio- traten.) Der Staatssekretär hat auf die Interpellationen geantwortet, daß er nicht in der Lage sei, eine reichsrechtliche Regelung dieser Materie in Aussicht zu stellen. Er hat weiter gemeint, er wisse gar nicht, welche Bestimmungen des Krankenkasscngesetzcs wir eigentlich zu ändern Wünschen. Ich nenne Ihnen den§ 20: daß der Lohn nur bis zu 6 M. angerechnet wird, statt dessen bestimmt werde» müßte, daß mindestens 50 Proz. des verdienten Lohnes als Krankengeld zu geben sind. Ferner die Bestimmung, daß die Vorschrift geheimer Wahl für die KnappschaftSwahlcn nicht gelten soll. Wenn der Staatssekretär weiter behauptet hat. daß die Ne- gicrung sich vor den Werksherrcn nicht fürchte, so erinnere ich daran, daß sie auch in der Stein- und Kohlenfallkommission vor ihnen zusammengeknickt ist und daß heute noch in der Sache nichts geändert ist. Gerade auf den Staatsgrube» herrsche» auch die schlechtesten Knappschaftsvcrhältnisse. Beim Abbruch des Streiks von 1005 haben sich die Bergarbeiter vertrauensvoll an den Reichskanzler gewandt, und der hat ihnen zurückdepeschiert, daß er deniüht sein werde, die Streitigkeiten zu schlichte». Möge ar auch jetzt die Streitigkeiten schlichten, sonst können wir nicht dafür garantieren, daß nicht wieder ein großer Streik ausbricht. An den Arbeitervertretern hat cö nicht gelegen, daß eine Einigung nicht erzielt worden ist. Wir haben keine Machtprobe veranstalten wollen, sondern nur gesucht, etwas für die Arbeiterinteressen zu erreichen. Die Verantwortung für die Zustände, die jetzt herauf- beschworen worden sind, tragen die Regierung und die Werts- Vertreter. Wir haben alle Mühe, jetzt die Geister der Bergarbeiter zu besänftigen und sie vom Streik abzuhalten. In allen Ver- sammlungen habe ich es immer und immer wieder gehört, daß, wenn der Reichstag ihnen nicht hilft, sie die Brocken hinschmeißen werden, und die Bergarbeiter halten Wort.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Sie sind in ihren Forderungen weit genug' zurückgewichen, mögen nun auch die Bergherren Nachgiebigkeit zeigen. Die Arbeiter sind jederzeit bereit, Frieden zu schließen, mögen Regierung und Bergherren dafür sorgen, daß ein ehrlicher Friede zustande kommt.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Oberbergrat Steinbrink: Der Borredner hat wiederum behauptet, daß unsere Zahlen- angaben über das Nullen unrichtig gewesen seien. Ich stelle dem- gegenüber fest, daß die angegebenen Zahlen absolut richtig waren. Die von uns angegebenen Prozentsätze der genullten Wagen be- zogen sich aus die Gesamtförderung, und im Verhältnis zu dieser ging das Nullen tatsächlich selbst auf den Gruben, auf denen ein- zclncn Kameradschaften mehr als 20 Proz. der Förderung genullt wurden, nicht über 3,7 Proz. hinaus. Abg. BehreuS(wirtsch. Vg.): Der Abg. Hue hat die Schuld an den KnappschaftLzuständen in meinem Wahlkreis Wctzlar-Alten- kirchcn auch auf meine Partei geschoben. Aber der Wahlkreis war seit 15 Jahren nationalliberal vertreten, und bei der letzten Stich- wähl hat die Mehrzahl der Parteifreunde des Herrn Hue gegen mich und für den Nationalliberalen gestimmt.(Abg. Hue:«ie selbst haben uns schon das Gcgentell gesagt!) Ach was, lasse» Sie mich, ich spreche ja nur von einem Teil.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Der Abg. v. Brockhauscn rühmt das gute Ein- vernehmen von Arbeitern und Unternehmern im Bergbau. Das hat sich in neuerer Zeit sehr geändert; sehen Sie nur das Schicksal des Steigcrvcrbandcs an. Und nun das Arbcitöshstem: Diejenige» Steiger werden prämiiert, welche das meiste Material sparen I Daö ist direkt eine Pränüe auf die Unfallgefabr. Ein solches Arbeitssystem kann unmöglich zum Frieden führen. Für die reichsgesetzlichc Regelung des Bergrechts haben sich nicht nur die Bergarbeiter ausgesprochen, sondern auch die Lcrgarbcitcrtage, welche Vertretungen der Werksbesitzcr sind. Abg. Hu«(Soz.): Ich habe gestern V/i Stunden gesprochen und dabei noch nicht den zwanzigsten Teil einer Polemik gewidmet und auch hierbei nur vorübergehend daö Zentrum gestreift. Uni so wunderbarer ist eö, daß Herr GieSbcrtS hier% Stunden daran verwendet hat, meine beiläufigen Bemerkungen als einen furchtbaren Verrat an der Bcrgarbeiterschaft zu brandmarken. Ich kenne ja die Weise und den Text. Wir sind es ja gewohnt, daß unsereins das liebe Zen- trum nicht angreifen darf. Nationallibcralen und Jreismmgen können wir an den Kopf werfen, soviel man irgend lvill, das bringt keinen politischen Mißklang in die Debatte. Wenn ich aber aus den Akten des Landtages dem Zentrum sein Verhalten nachweise, dann tritt Herr Giesberts als entrüsteter Zentrums- mann auf den Plan. Herr Schiffer hat ja damit begonnen, den politischen Hißklana in die Debatte zu tragen. Er sprach von der reaktionären Mehrheit des Landtages. Nach ihm sind das die Nationallibcralen und Konservativen. In Rücksicht auf die historische Wahrheit habe ich dann angeführt, daß in der cnt- scheidenden Kommissionssitzung mindestens e i n Zentrumsmann diese reaktionäre Mehrheit verstärkt hat.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dann hat Herr Giesberts meine Rede auf dem preußischen Bergarbcitcrtag zitiert. Er hat aber verschwiegen, daß ich über den damals vorliegenden Berggesetzentwurf zu rcfe- rieren hatte, und er hat ivciter verschwiegen, daß e i n st i in ui i g, also auch von den christlichen, den polnischen, den Hirsch-Dunckcr- schen Arbeitern eine von mir und dem christlichen Bergarbeiterführer Köster eingebrachte Resolution angenommen ist, worin es heißt: Wenn der Landtag die Anträge der Bergarbeiter nicht zum Gesetz erhebt, fordern die Bergarbeiter die schleunige Ein- brinaung eines Reichsberggesctzes. Weiter sagte Herr Giesberts, die Knappschafisnovellc wäre vom Zentrum im Einverständnis mit den sachverständigen Berg- arbeitervertrctern aus dem biuhrgcbict angenommen worden. Ich konstatiere hier vor der ganzen Oeffentlichkeit, daß uns die Ver- treter der christlichen Bergarbeiter gesagt haben- sie hätten dem Zentrum geraten, die Novelle abzulehnen. Hört! hört? bei den Sozialdemokraten.) Äomnren Sie mir also nicht mit Ihren Kniffen, Herr Giesberts. Das geht ja auch aus dem„Berg- knappen" hervor. Er schrieb während der Kommissionsbcratungcn: Jeder gerechte und arbeiterfreundliche Abgeordnete müsse dieses Gesetz ablehnen. Im Zentralblatt der christlichen Gewerkschaften, dessen Redakteur Herr Giesberts ist, hat Herr Brust einen Artikel für die Knappschaftsvorlage veröffentlicht, als sie noch nicht ganz erledigt war, alier sofort hat Herr Efferts, jedenfalls im Auftrage des christlichen Verbandes, haarscharf nachgewiesen, daß alles, was Brust zugunsten des Gesetzes ausgeführt hat, nicht ausreiche, um die Annahme des Gesetzes zu empfehlen. Sie, Herr Giesberts, bringen es nicht fertig, mich in Gegensatz zur Bergarbeiterschaft zu bringen. Es war aber sehr nötig, daß Herr Giesberts nach den Feststellungen, die ich gestern hier im Interesse der Arbeiter, auch der katholischen Arbeiter, machte, heute herkam, um daö Vorgehen des Zentrums zu vertuschern(Lebhafte Zustimmuna bei den Sozialdemokraten. Unruhe im Zentrum.) Weiter soll ich der Schuldige sein, die Geheimakten Äer preußi- schen Regierung hier angeführt zu haben. Die Bergarbeiter wer- den den Trandpuntt, den Sie vertreten, Herr Giesberts, mit der Geheimhaltung des Materials nicht verstehen. Wir werden ja erfahren, ob die Bergarbeiter im christlichnationalen Lager die Meinung haben, daß die Regierung die Pflicht hatte, die Mit- teilungen zu veröffentlichen, aus denen hervorgeht, daß die Klagen der Bergarbeiter berechtigt waren. Wenn eS sich bei vertraulichen Mitteilungen um allgemeine Reichsinteresscn handelt, stimme ich mit Giesberts übercin. Wo liegt aber hier das Reichs- oder Staatsinteresse, wenn man verschweigen will, daß die Bergarbeiter recht haben und wenn man das Nullen im milderen Lichte er- scheinen lasten will?(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdcmo- kvaten.) Bei der vorgerückten Zeit habe ich nicht mehr die Ne:- gung, auf Einzelheiten näher einzugchen, aber ich verspreche dem Herrn Geheimrat, daß ich noch viel aus den Geheimakten der preußischen Regierung beibringen werde! In einem Augenblick. wo die Untersuchung noch gar nicht begonnen hatte, wurde dort bereits von der„Blutschuld der Bergarbeiter" gesprochen Ueber derartiges vertrauliches Material zu sprechen, halte ich nicht für einen Vertrauensbruch.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Auch ein Herr vom Zentrum ist derselben Ansicht.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Herr August Brust hat in aller Oeffentlichkeit über dieses selbe vertrauliche Material gesprochen, wobei er nur die Namen der Zechen weggelassen hat. Doch das macht nichts, die gravierende Tatsache ist ja die, daß wir fest- gestellt haben, daß die Behauptungen der Bergarbeiter durch das offizielle Material gestützt werden.(Sehr wahrl bei den Sozial- demokraten.) Auch ist es nicht richtig, daß derartiges Material von der preußischen Regierung vertraulich behandelt wird. Wie käme denn sonst die Lerginspektion dazu, die Zahlen über das Nullen alljährlich z» veröffentlichen? Nur wo cö sich um die Bestätigung der Arbeiterklagen handelt, da soll es plötzlich als vertraulich behandelt werden!(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- traten.) Im allgemeinen Interesse will ich nur wünschen: hören Sie auf die Wünsche der Bergarbeiter und vergessen Sic nicht. daß auch der Bergarbeiter ein Mensch ist, der ein Recht hat auf Licht und Luft und Lebensfreude.(Lebhafter Beifall bei den So- zialdenwkraten.) Abg. Giesberts(Z.): Ich wiederhole, daß es nicht im Interesse der Bergarbeiter lag, die Diskussion in ein parteipolitisches Gezänk ausarten zu lassen. iZustimmung im Zentrum.) Bezüglich des vertraulichen Materials bleibe ich bei dem, was ich gesagt habe. Abg. Vasscrmann(natl.)': Die Vorwürfe deS Abg. Sachse gegen die nationalliberalc Partei sind unrichtig, wir haben 1900 unsere Bereitwilligkeit zu einem Rcichsberggesctz ausgesprochen. Abg. Schiffer(Z.): Der Abg. Hue hat dem Landtagsabge- ordneten Brust vorgeworfen, er habe über die vertraulichen Mit- teilungen der preußischen Regierung in der Kommission in öffentlicher Versammlung gesprochen. Ich habe Herrn Brust darüber befragt. jEr hat mir ausweichend geantwortet(Hört! hört! bei den Sozialdeniokraten.), aber er hat erklärt, er habe es lebhaft bedauert, daß es sich um vertrauliche Mitteilungen gehandelt habe und daß er deshalb nicht in der Lage war, darüber zu sprechen. Uebrigenö wird er selbst Gelegenheit nehmen, sich gegen die Be- hauptungen Hues zu verteidigen. Abg. Sachse(Soz.): Die Darstellung des?lbg. Basscrmann von der Haltung der nationalliberalcn Partei in Sachen einer reichsgcsetzlichen Regelung des Bergrechts ist keineswegs in allen Punkten zutreffend.— Herr Giesberts erklärte, im Interesse der Bergarbeiter müßten Angriffe seitens der Sozialdemokratie auf das Zentrum unterbleiben. Die Logik ist nicht zwingend. Sie würde selbst nicht zwingend sein, wenn Zentrum und Sozialdemo. kratic als Parteien zusammengehen würden, was bekanntlich nicht (Große Heiterkeit.) Ein Antrag Singer(Soz.). Graf Hompesch(Z.) auf Vertagung wird angenommen. Nächste S:tzung Montag, 1 Uhr(Vichscuchengesctz, Telegraphen» gesetz. Scheckgcsetz). Schluß 3 Uhr._ Hbgeordnetenbauö. 13. Sitzung vom Sonnabend, den 18. Januar 1908, vormittags 11 Uhr. Am M i n i st c r t i s che: Dr. Beseler, v. Arnim, Frhr. d. Rhcinbaben, v. Moltkc. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die dritte Be- r a t u n g des Gesetzentwurfes über Matznahmen zur Stärkung des Deutschtnals in den Provinzen Wcstprcutze» und Posen. Abg. Dr. Szuman»(Pole) verliest namens seiner Fraktion eine Erklärung gegen die Vorlage, die in ihren Einzelheiten auf der Tribüne nicht zu verstehen ist und mit den Worten schließt: Was wir sind, wollen und ivcrden wir bleibe»,(Beifall bei den Polen.) Abg. v. Dewitz(Oldenburg, fk.): Die Ausführungen des?lb- geordnete!: Grafen Praschma waren in seiner letzten, rhetorisch sonst so gueen Rede starl übertrieben.(Lebhafter Widerspruch im Zentrum und bei den Polen.) Präsident v. Kröcher: Meine Herren, regen Sie sich doch nicht so aus.(Große Heiterkeit.) Abg. Dewitz(fortfahrend): Von den polnischen Soldaten unserer Truppe hört man heut« viel öfter den Ausruf„Deutscher Hund" als„Lieber Gott".(Lebhafter Widerspruch bei den Polen.) Wir haben mit der VersöhnungSpolitil wiederholt Mißerfolge erzielt. Abg. v. Rautter(l) erklärt zur Geschäftsordnung, daß er entgegen einer Zeitungsnachricht in zweiter Lesung für die Vor- läge gestimmt habe. Abg. Tippe(natl.) erklärt, daß er nicht, wie in der offiziellen Abstimmungsliste stehe, gegen die Vorlage gestimmt habe, sondern bei der?lbsti»:mung gar nicht anwesend gewesen sei. Abg. Dr. Müller(Berlin, frs. Vp.): Wir bedauern, daß eine engherzige und kurzsichtige Bureaukratie trotz der Mißerfolge auf dem eingeschlagenen Wege weitergehen will.(Sehr richtig I links.) Ich fühle so deutsch, wie irgend ein anderer. Freilich haben wir erlebt, daß Herr v. KoszielSki-Admiralsli als Reichsfreund uns Deutschfreisinnigen als Muster hingestellt wurde, während man uns als Rcichsfeinde bezeichnete. Heute fällt es niemand ein, das zu tun. Aber wir sind der.Meinung, daß solche Maßnahmen, wie sie Vier wieder geplant werden, nicht zur Stärkung, sondern zur Schwächung des TeutschrumL führen, mindestens in nwratischcr Beziehung. Wir wollen den Frieden, einen ehrenvollen Frieden, aber der wird durch solche Politik nicht herbeigeführt,(Beifall links.)' Jeder, der konscrbätiv fühlt, muß eS auf daS tiefste be- dauen:. daß hier die Kcnscrvatiben für solche Vorlage stimmen. Es gibt doch auch zu denken, wem: ein Mann, wie der Herr Präsi- dcnt v. Kröcher, sich in solcher Frage von seiner Partei trennt. (Sehr richtig! links.) Abg. Dr. v. Hcydebrand(k.): Ich kann nur bemerken, daß ma: uns überlassen möge, zu entscheiden, toas wir zu tun und zu lassen haben. Ltzw werden für die Beschlüsse zweiter Lesung stimmen. (Beifall rechts.) Abg. Graf Spce(Z.): Graf Praschma hat nur objektiv fest- gestellt, daß durch die Vorlage in unsercn Augen die Verfassung verletzt wird. Wenn Herr v. Dewitz fragte: Wo bleibt der Staat? so ist das auch unsere Sorge. Wir sind�der Ueberzeugung, daß eine solche Vorlage nicht in: Interesse des Staates liegt; nach unserer Auffassung werden die Artikel 4 und 9 der Verfassung durch die Vorlage verletzt, deshalb werden wir gegen sie stimmen.(Bei- fa(l im Zentrum.) Abg. LnsrnSktz(natl.) führt aus, daß die Vorlage nicht gegen die Verfassung verstoße. Auch in feiner Partei seien Bedenken gegen die Vorlage hervorgetreten, man habe sie aber im Interesse des Staatswohls zurückgestellt.(Beifall bei den National. liberalen.) Abg. Marx(Z.): Wir müssen immer wieder darauf hinweisen, daß wir durch die Vorlage ganz bedeutende, grundsätzliche Bestimmungen der Verfassung als verletzt und angetastet ansehe». vSchr richügl im Zentrum.) Das Gesetz ist ein Ausnahmegesetz. Man spricht davon, daß das Interesse des öffentlichen Wohles die Vorlage notwendig mache. Wohin kommen wir aber mit der Eni- cignung? Kann sich»ich? einmal eine Mehrheit finden, die über die jetzige Auslegung des Begriffs„öffentliches Wohl" weit hinaus- geht? Dieser Begriff darf keine schrankenlose Auslegung erfahren. (Sehr richtig! im Zentrum.) Man geht hier weiter als die Ver- fassung und das EnteignungSgesctz von 1874. Dadurch, daß man der Ansicdelungskommession das EnteignungSrechi verleiht, wird ein Eingriff in eine der heiligsten Bestimmungen der Verfassung vorgenommen. Wir beantragen mit Rücksicht darauf» das) durch die Vorlage eine Verfassungsänderung herbeigeführt wird,«ine nochmalige Abstimmung über die Vorlage nach 21 Tagen, wie sie für solche Fälle von der Verfassung vorgesehen ist.(Lebhafter Bei- fall im Zentrum und links. Zischen rechts.) Justizminister Dr. Beseler: Die Staatsregierung ist ncuh wie vor der Ueberzeugung, daß ihr Rechtsstandpunkt der richtige ist. (Beifall rechts. Widerspruch im Zentrum und bei den Polen.) Die Staatsregierung ist der Meinung, daß eine abermalige Ab- stinunung, wie sie der Vorredner beantragt, nicht mn Platze ist. (Beifall rechts.) Ter Antrag Marx auf nochmalige Abstimmung nach 21 Tagen wird gegen die Stimmen des Zentrums, der Polen und der Frei- sinnigen abgelehnt. Bei der Abstimmuirn über die gesamte Vorlage ertönen aus den Reihen der Polen Pfuirufe. Präsident v. Kröcher: Es:st ganz unparlamentarisch, in diesen: Hause der Mehrheit des Hauses gegenüber Pfuirufe auszustoßen. Wenn ich die Namen der Rufer wüßte, würde ich sie zur Ordnung rufen.. Die Vorlage im ganzen wird hierauf gegen die angegeben« Minderheit angenommen. Es folgt die zweite Beratung des EtatS der landwirtschaftlichen Berwaltung. Bei den Einnahmen rügt Abg. Ghsfting(frs. Vp.). daß der Etat nicht genügende Er- läuterungcn für die llebcrtragung der Eiscnbabnanlagc auf den: Magerviehhofe zu FriedrichSfeldc von der Viehzcntrale an die -Eisenbahnvcrwaltung enthalte. Für die Zukunft bittet Redner um nähere Angaben, damit geprüft werden könne, ob derartige Geschäfte zu befürworten seien. Die Einnahmen werden bewilligt. Zu den Ausgaben, Titel 1:„Ministergehalt", fragt Abg. Kreth(kons.) den Minister nach den Ergebnissen der Be- strcbungen auf Entschuldung dcS ländlichen Grundbesitzes und geht dann ans die Frage des KontraktbrucheS der ländlichen Ar- beiter ein. Verschiedene Landwirtschaststammern hätten sich für eine Bestrafung des KontraktbrucheS ausgesprochen, die im Jnter- esse der Landwirtschaft wohl notwendig sc:. Jedenfalls würden sich die Konservativen der Einführung des Koalitionsrechtes für die ländliche» Arbeiter mit aller Entschiedenheit widersetzen.(Bei. fall rechts.) Minister v. Arnim: An eine Einführnng de« KoalitionSrechtcS für die ländlichen Arbeiter denkt die Regierung nicht.(Beifall rechts.) Ein neues Gesetz gegen den Kontrattbruch der ländlichen Arbeiter würde wohl im Hause keine Aussicht auf Annahme haben. Die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen, insbesondere gegenüber den ausländischen Arbeitern, sollen nach der Anweisung des Ministers des Innern streng gc« handhabt werden.(Beifall rechts.) Abg. Rewoldt(fk.): wendet sich gegen das in neuerer Zeit immer mehr von der Sozialdemokratie aufgestellte Verlangen, den Landarbeitern das KoalltionSrecht zu gewähren. Die Gefahren, die die Gewährung eines uncingcschränltcn KoalitionSrcchtcs mit sich bringen würde, seien ungeheuer groß, und der wirtschaftlickze Schaden, den sie anrichten könne, sei unberechenbar. Die staatliche und soziale Ordnung sei durch ein Koalitionsrecht für Landarbeiter viel mehr bedroht als durch das Koalitionsrecht der Bergarbeiter. Der Ausschreitungen der Bergarbeiter, die in den Industriezentren zusammengedrängt sind.köilnten die Machtmittel des Staates viel mehr Herr werden, als etwaigen Ausschreitungen der über das ganze Land verteilten L a u d a r b e i t e r.(Beifall rechts.) In ocn Städten haben die Behörden die Macht, etwaigen Aus- schreitungen entgegenzutreten. Auf den: Lande ist das unmöglich. Hier können sich bewaffnete Banden bilden, die von Ort zu Ort ziehen, sich vor der bewaffneten Macht verbergen und die Arbeits- willigen zum Streik zwingen könnten. Redner befürwortet einen Antrag der Budgctkommission. wo- nach die Königliche Staatsregierung Mittel bereitstellen soll zur Unterstützung derjenigen Landwirte, namentlick: in den Grenz- kreisen, welche durch Spcrrinaßregeln, die im Interesse der ein- heimischen Viehzucht getroffen werden müssen, in ihrer Existenz bedroht sind und wonach die Kosten für das infolge solcher Sperr- maßregeln notwendige Untersuchen des VtchL auf die Staatskasse zu übernehmen sind! Abg. Ghßling lsrs. Vp.): Meine Parteifreunde, die sich wieder. holt für das Koalitionsrecht auch der Landardeiter ausgesprochen haben, bedauern die ablehnende Haltung der Staatsregierung in dieser Frage. Wir erkennen aber die Schwierigkeiten des Land- arbeiter-Äoalitionsrechtcö ai: und sind durchaus bereit, den bc- sonderen Interessen des Landes Rechnung zu tragen. Gefreut hat uns, daß der Minister für Landwirtschaft eine besondere straf- gesetzliche Regelung des Kontraktbruches der Landarbeiter abgelehnt hat. Eine solche weitere Differenzierung zwischen ländlichen und gewerblichen Arbeitern würde weitere Unzufriedenheit schaffen und die Abwanderung der Arbeitskräfte vom Lande in die Stadt ver» stärken, was wir auf das lebhafteste bedauern würden. Nach unserer Ansicht würde der Leutenot auf den: Lande am besten durch eine kräftige Ansiedlungspolitik gesteuert werden. Nach kurzen Ausführungen der Abgg. Wamhoff(natl.), Graf Spce(Z.), des Landwirtschaftsministers v. Arnim, der Abgg. Humann (Z.). Frhr. v. Eynattcn(Z.). Dr. Hcifig(Z.) und Goldschmidt(frs. Vp.) schließt die Debatte. Der Titel„Ministcrgchalt" wird bewilligt, ebenso eine Reihe weiterer Titel. Darauf vertagt sich das Haus- Nächste Sitzung: Montag, 11 Uhr(Fortsetzung her Be- ratung: Gestüts- und Tomäncnetat), Schluß 4)4 Uhr._ parlamentarifcbed* Die 18. Kommission des Reichstages(Vogelschutzgesetz) hielt eine Generaldebatte, in der die Redner im wesentlichen ihren im Plenum vorgetragenen Standpunkt vertraten. Der Vertreter des Bundes- r a t S bezeichnet den Zweck der Gesetzesvorlagc als eine Verpflichtung gegenüber der internationalen stonvcntion, nicht als die Verrichtung einer gründlichen Arbeit auf diesem Gebiete. Darauf sang der Vertreter Preußens das hohe Lied von der Wahrung der Reservat- rechte in den bundesstaatlichen Jagdgesetzen und konstatierte auch bei diesem Anlasse, daß Preußen der Hemmschuh jeglichen Fortschrittes un Reiche ist. Die nächste Sitzung findet ain 22. Januar statt. Einkauf. Erhebungen über die bestehenden Einrichtungen und Vorschriften zur BcrhüNing von FcnerS- und Explosi-nsgefahren im Bergbau. Aus dem Reichstag: Antrag Dr. Bitter und Genossen(Z.): Der Reichstag wolle beschließen: der§ 833 des Bürgerlichen Gesetzbuchs erhall folgenden zweiten Tatz: Die Ersatzpflicht tritt nicht ein, wenn der Schaden durch ein Haustier verursacht wird, das dem Berufe, der Erwerbstätigkeit oder dem Unterhalte des Tierhalters zu dienen bestinnnt ist, und entweder der Tierhalter die im Berkehr erforderliche Sorgfalt be- obachtet hat oder der Schaden mich bei Anwendung dieser Sorg- fall entstanden sein würde._ Einkauf. Aus dem preußischen Abgeordnetenhaus: Antrag Graf v. Spec und Genossen: Die kgl. �-taatsregicrung zu ersuchen, 1. Mittel im Etat bereitzustellen zur Unterstützung derjenigen Landwirte— namentlich in de» Grenzkrcisen—, welche durch Sperrmaßregcln, die im Interesse der heimischen Viehzucht getroffen werden müssen, in ihrer Existenz bedroht werden, 2. die lliosteu für infolge solcher Sperrmasiregeln notwendig gewordenes Wiege« und Untersuchen des Viehes auf die Staats- lasse zu übernehmen.— _ Zusammenstellung des Gesetzentwurfs über Maßnahmen zur Stärkung de« DcntschtumS in den Provinzen Wcstpreußen und Polen mit den vom Hause der Abgeordneten in der zweiten Be- r a t u n g gefaßten Beschlüssen. Bericht über die Ergebnisse des Betriebes der vereinigten preußischen und hessischen StaatSriseiibahncit im RcchnniigSjahre 1L06. „Schwerer Mrichr" in 0derichleiIe,i. Vor dem Schwurgericht in Bcuthen(Dbcrschl.) gab cs dieser Tage ein Nachspiel zum oberschlesischen Bcrgarbciterstrcik vom Sommer vergangenen Jahres. Tcs schweren Aufruhrs beschuldigt waren der 26 Jahre alte Bergmann Pajonk und der Ist jährige Schlepper Eofalka. Sie standen ursprünglich mit anderen Marne« radcn vor dem Laichgcricht. des Auflaufs(tz 116 des Rcichsstraf- yesctzbuches) angeklagt, das Landgericht sab im Verhalten der Beiden aber das Verbrechen des Aufruhrs und sie selbst als Rädels- führer an und erklärte sich für unzuständig, so daß nunmehr bürgcr- lichc Laienrichter über das Schicksal der beiden„schweren Vcr- brccher" zu entscheiden berufen wurden. Was hatten die also mit bis zu zehn Jahren Zuchthaus Bedrohten, die feit Monaten ii» Untersuchungshaft sahen, begangen? Nach der Anklage sollten sie » am Abend des 2. August v. I., statt einzufahren, aus dem Gruben- hos vor dem Schachtcmgang mit anderen zusammengestarden haben. den Platz erst verlassen haben, als sie mit anderen von der Polizei vom Grudenbof fortgedrängt wurden, draußen vor dem Tor aber der Polizei bann tätlichen Widerstand geleistet bezw. andere zum Widerstand aufgereizt haben. Die Angeklagten bestritten ihre Schuld entschlebeu. Sie gehörten gar nicht zu de» Streitenden und wollten auch am fragliche» Abend zur Nachtschicht einfahren, zögerten damit aber, als sie am Schachteingang Streikende fanden, von welchen sie Prügel fürchteten. Sie sind nach ihrer Behauptung sogleich nach der Aufforderung des BerginspcltorS an die Nicht- einfahrenden, den Grubenhof zu verlassen, fortgegaiigen, draußen aber von Poltzcibeamten gejagt und geschlagen und, ohne daß sie irgcndeineii Widerstand leisteten, verhaftet worden. Auf der Polizetivachc wollen sie dann noch erheblich misihandelt worden sciu, auch wurden dem Pajonk die �Handfesseln so stark angezogen, daß er laut schrie. Nach den Aussagen der Beamten der in Betracht kommenden lfiskalischelk) Steintohlengrubc„König" sMönigshütte) waren die Vorgänge auf dem Grubenhof au jenem Abend recht harmloser Natur. Allerdings wurde» cinzcluc der Ausfahrenden von Streitenden durch höhnische Zurufe belästigt, sonst aber war alles ruhig. Der Berginfpcktor Steiner forderte denn auch den mit einem Trupp Beamten auf dem Grubenbof zur„Wiederherstellung der Ordnung" erscheinenden Polizeiinspektor von Mönigshülte auf, den Platz zu verlassen, da er, wie Zeuge vor Gericht ertlärte. ve.c- vleiden wollte, daß die Leute durch das Einschreiten der Polizei nur gcre-.zt und erregt wurden. Dies verständige Verhalten des Bcrgiiisprktors hat ihm, wie sich auch in der SchwurgerichtSvcr- Handlung zeigte, die Polizei sehr übel genommen und auch der Staatsanwalt konnte cS sich nicht versagen, den töniglickicn Berg- werksbeamtcn ob seiner entschiedenen Ablehnung polizeilicher Hülfe sanft zu tadeln. Wäre der Herr Berginspcktor nur bei seiner Ablehnung geblieben, es wäre' kaum zu irgendeinem„Aufruhr" gekommen. Aber als die. Zahl der nichtcinfahrcnden Bergleure auf dem Grubenbosc sich erheblich vergrößerte, ließ er die sich im übrigen ganz ruhig verhaltenden Leute, weil sie nicht gleich der Aufforderung eines Steigers, fortzugehen, gefolgt waren, mit polizeilicher Hülfe vom Hofe treiben. Und nun begann die Polizei eine Attacke auf die HinauSgetriebcnen, die sich mit de» vor der Grube Stehenden zu einem Haufen von angeblich 666 bis 766 Menschen vereinigten unb_dcr Polizei Widerstand leisteten, als diese die Leute nach der Stadt zu treiben wollte. Der Polizei- iuspektor schilderte vor Gericht mit dem Gebaren eines großen Schlachtenlenkers, wie er die Masse in mehrere Teile sprengen und diese in verschiedene Richtungen treiben ließ. Dabei sollen mehrere Zlegcljtücke aus dein Haufen geflogen sein, ohne aber nennenswerte Verletzungen der Beamten herbeizuführen. Dein Angeklagten Pajonk wird von cinigen Beamten vorgeworfen, daß er als einer der letzten vom Grubcnhofc gedrängt wurde und draußen gegen die Beamten einige Drohivorte ausstieß, doch kann niemand angeben, wie diese Worte lauteten! Das ist in der Tat alles, was die Beweisaufnahme, die Aus- .sage von zwölf polizeilichen Zeugen» gegen diesen„Rädelsführer bei einem Aufruhr" zutage förderte. Bezüglich des anderen„Rädelsführers", des 16 Jahre alten Eofalta, behauptete ciii Polizcibeamtcr, daß jener ihm den Helm vom Mopfc gerissen und geschimpft, auch die Menge zum Bleiben aufgefordert Habel Der angegriffene Beamte kam nicht zur Ver- Haftung seines Angreifers, gab aber Befehl, ihn„den Mann in dem hellen Anzug" zu greifen und zur Wache zu schaffen. Auch in der Schwurgerichtsverhandlung behauptete der Zeuge, Eofalka, den er genau wiedererkenne, habe einen hellen Anzug getragen, während dieser durch andere Zeugen bewies, daß er an jenem Abend einen schwarzen Anzug gelragen hatte. Andere polizeiliche Zeugen be- zeichneten die Farbe des Anzugs als grau, grünlich, gräulich, einer behauptete, ein gekästeltes Muster gesehen zu haben— alles an einem Sommcrabend nach S Uhr, bei Ungewissem, künstlichem Licht. in einer wildwogcnden Menschenmenge. In daS Polizeigefängnis' aber wurde E. nach Aussage des GefängniSbeamtcn in einem dunkle» Anzug eingeliefert! Trotz der mehr ivic dürftigen Ergebnisse der Beweisaufnahme hielt der Staatsanwalt die Anklage aufrecht und milderte sie nur insofern, als er den älteren der beiden Angeklagten nicht mehr als Rädelsführer, sondern nur noch als einfachen Aufrührer an- sehen wollte. Eine Ursache zum Streik konnte der Staatsanwalt nicht erkennen, die fiskalischen Gruben zahlten die höchste» Löhne in Lberschlesien, llNd deshalb babe dieser Streik„ein ganz auf>cr- gewöhnliches Maß von Undankbarkeit der Arbeiter gezeigt"! Und während die schmächtigen armseligen Gestalten der beiden ober- schlcsischen Proletarier auf der Anklagebank immer»rchr in sich zusammensanken, ihre blassen, stumpfen Gesichter sich immer mehr vornüberncicsten, rollten die Donncrworte des Staatsanwalts über ihre Möpse hinweg in den Saal und gaden ein fchrecketierrcgcndeS Bild von den Gefahren, welche Staat und Gesellschaft bedrohte», wenn solche Verbrecher nicht von der ganzen Schwere des Straf- aesctzcs betroffen würdcil. Tie Bemühungen der Bcrtcidigung, der Anklage die Grundlage insofern zu entziehen, als es sich bei jener Ansammlung von Menschen aus und vor dem Grubcnhof keineswegs um eine ösfcntliche Zusammenrottung nn Sinne des ß 115 des Reichsstrafgesctzbuchcs, sondern nur ein Zusammenströmen von Neugierigen, also höchstens um einen Auflauf gehandelt habe, ver- citclte der Vorsitzende des Gerichts in seiner Ncchtsbelehrung au die Geschworenen mit der juristischen Darlegung, daß die strafbare öfscutliche Zusammenrottung nicht von vornherein vorhanden sein müsse, sondern während und»ach der Ansammlung durch eine inzwischen entstehend« rechtswidrige Absicht der Versammlung ent- stehen, diese zu solchem strafbaren Zwecke zusammenhalten köunc. Die bürgerlichen Geschworene», meist aus Unternehmer», Bergwertsbeaintcu usw. bestehend, sprachen das Schuldig über beide Angeklagte aus und verneinten nur die Rädelsführerschaft. Das Gericht verurteilte darauf den 19 jährigen Eofalka lvegen Aufruhrs zu 1 Jahr 3 Monaten, Pajonk zu nenn Monaten Ge- fängnis. Derartige Urleile wirken naturgemäß aufreizend und hämmern hoffentlich den leider noch der modernen Arbeiterbewegung fern Stehende« die Notwendigkeit, der Organisation beizutreten, ein. 8o2ia!es. Ter Breslau« Kommunalfrclsinn auf sozialpolitischen Pfaden hat schon manchen Purzelbock geschossen. Am vorigen Donnerstag crzcllierte er mit einer neuen Leistung. Eine schon vor vielen Monaten eingebrachte Vorlage über neue Bedingungen für die Bewerbung uni städtische Arbeiten und Lieferungen gelangte in der in diesen Tagen abgehaltenen Sitzung der Stadtverordneten zur Verabschiedung. Und woran lag es, daß die Brcslauer Sladtvätcr so viele Monate und so eingehende Beratung brauchten, cl)e sie zu einem Entschlüsse kamen? Unsere Genossen im Stadtparlament der schlcsischen Hauptstadt hatten die Aufnahme der„anüiindigcu Lohnklau scl" in die Bedingungen beantragt, nach der die AuS- schlicßung von der Berücksichtigung solche Unternehmer zu ge- wäctigen hätten, von denen bekannt sei. daß sie in ihren Betrieben eine über das übliche Maß hinauSgeheiide Arbeitszeit eingeführt haben, oder unter dem orts- und berufsüblichen Tagclohn zurück- bleibende Löhne zahlen, oder bestehende Tarifvcrcinbarungcn nicht anerkennen, oder Gegenstände, deren Herstellung in Werkstätten möglich ist, in Heimarbeit vergeben, oder ausländische Arbeiter zu ungünstigeren Bedingunge» als einheimische beschäftigen. Mit großer Einmütigkeit lehnten die vereinten konservativ- kleritaleu und liberalen Reaktionäre diese Anträge ab und be» schlössen nur. daß den an städtischen Arbeiten und Lieferungen beschäftigten Arbeitern der orts- und bcrufsüblichc Lohn zu zahlen ist._ Eine Provokation Arbeitsloser. In der Stadtverordnetenversamuilung zu Magdeburg kam es am Donnerstag zu stürmischen Auseinandersetzungen zwischen sozialdemokratischen und bürgerlichen Stadtverordneten. Unsere Genossen hatten gelegentlich der Gcncraldisiussion über den städtischen Etat einen Antrag eingebracht, Notstandsarbciten vornehmen zu lassen und den Magistrat zu ersuche», zur Anbahnung einer dauernden Bekämpfung der durch Arbeitslosigkeit hervor- gerufenen Rot über die bisherigen Erfahrungen auf dem Gebiete der tomiuuualen Arvcitsloscnvcrsichernng Mitteilung zu machen. Die Zuhörertrivüncn waren größtenteils durch Arbeitslose über- füllt. Genosse BciniS begründete in sachlichster Weise den Antrag. Nach ihm sprach dann der nationalliberale Justizrat Stern, der geradezu unerhörte Angriffe gegen die Arbeiter richtete. Er er- klärte sich zwar mit der Vornahme der Notstandsarbciten einvcr- standen, wollte aber die Arbeitslose» dabei ausgenommen wissen. die nicht arbeite» wollte», nicht könnten, Saisonarbeiter seien und daher in Zeiten der Arbeit weise Sparsamkeit üben müßten, und solche, die durch unsinnige Streits Arbeitsgelegenheit von sich ge- wiesen hätten. Die vom Genossen AciinS gerügte Bevorzugung ailSliindischcr Arbeiter hielt er für gerechtfertigt, da diese ge- wandtcr und bescheidener seien als die deutschen. Daß diese pro- vokatorischcn Ausführungen auf der Tribüne mit lebhaftem Protest aufgenommen wurden, lag auf der Hand. Der Vorsitzende drohte mit Räumung der Tribüne» und führte diese auch auS. als sich die Protcstrufe ivicderholtcn— wiederholen mußten— bei den Ausführungen des Mittclständlers Brüggemann, der den Justizrat Stern noch zu üdertrumpfen suchte und sich in Beleidigungen der Arbeiter und ihrer Führer erging. Magistratsbcamtc und ein Schuvmann mußten die Tribünen räumen, was sich seit Jahr- zehnten nicht ereignet hatte. Nach wieder eröffneter Sitzung setzte Justizrat Stern seine'Angriffe fort. Er behauptete, es läge Methode in den Demonstrationen(die doch von ihm hervorgerufen worden waren!) und erklärte, nötigenfalls werde solchen Demon- strationen mit den äusterslen Gewaltmitteln entgegengetreten werden. Als Genosse BcimS diese Scharsmachcrcicn zurückwies und namens der sozialdemokratischen Stadtverordneten ehrcnwörtlich versicherte, daß niemand von ihnen eine Ahnung von einem so starken Besuch der Tribüne» durch Arbeitslose gehabt habe, erscholl in den Reihen der Bürgerlichen Gelächter! Genosse Beimö sprach den Stadtverordneten, die so sein Ehrenwort anzweifelten, jeden Anstand ab, wofür er einen Ordnungsruf erhielt. Trotzdem wieder» holte Justizrat Stern indirekt die Anzweiflung der ehremvörtlichcn Versicherung, und der Stadtverordnete Ä ratzenstein nannte sie gar eine Farce. Der Vorsitzende erteilte auch dem letzteren einen Ord- nungscuf. Mit Recht betonte Genosse Landsberg zum Schluß, daß man die Bürgerlichen an ihr Verhalten werde erinnern können, wenn sie einmal wieder den Sozialdemokraten Mangel an Anstand vorwerfen würden. Die Provokationen des Justizrats Stern werden Gegenstand einer Versammlung der Arbeitslosen sein, die am Dienstag- vormittag stattfinden soll. Ter Notstandsantrag unserer Genossen wurde dem Magistrat zur Erwägung und Rückäußerung überwiesen. £iiis Indufme und Handel Firma Ärupp. In der Abteilung„Buchdruckerci" werden in letzter Zeit Ueberslunden gemacht, trotzdem bei Krupp die Arbeitszeit bereits l'/a Stunden länger ist, als in den larifgetreueii Buchdruckereien Deutschlands, zu denen die Wohlfahrtsfirma natürlich nicht gehört. Der Bclriebsführcr der Bnchdruckerei meinte: Die Arbeiter hätten die Ueberstundcn ohne Vergütung zu leisten! Im anderci, Falle aber macht die Firma den Arbciteni. die fünf oder zehn Minuten zu spät zur Arbeit kommen, Lohnabzüge. Auch sind den Buchdruckern die bisher üb- lichen Ferien im Sommer bis auf drei Tage beschnitte» worden. Schließlich erhält der größte Teil der Buchdrucker, ivelche die„Ehre" haben, für die Millioueilfirma zu arbeiten, den Miuimuuilohn.— In dem Betrieb Kesselschmiede der Firma Krupp ist ein 26 prozentiger Lohnabzug festgesetzt worden. Schlosser verdienc» 8,56 bis» 4 M. pro Schicht. Begründet werden diese Abzüge mit dem Bemerken, „man müsse kolikurreuzfähig bleiben. Wenii cS Ihnen incht paßt, köilnen Sie ja gehen, das ist die Autwort, die die Arbeiter bei jeder Eclegeuheit hören. Insofern handelt die Firma IvenigstcnS konsequent, daß sie die Beamten ebenso behandelt als die Arbeiter. Fragte da kürzlich ein verheirateter Tele« graphist, der bei dem köliigUchen Gebalt von 185 M. monatlich Tag und Nacht dem Wink der Herren Vorgesetzten Folge leisten muß. ihm den Lohnabzug für die Tclcgraphistcu-Uuiform zu stunden, da er— es war vor Weihnachten— etipas Geld für seine Familie brauche. DaS Gesuch wurde ohne Begründung abgelehnt. Die Uniform, die der Beamte selbst bezahlen muß, lvird nur getragen, wenn hohe sürstliche Personen das Werl besuchen. Andere Beamten gingen, als sie erfahren halten, daß es in diesem Jabre trotz der gewaltige» Ueberschüsse der Finna keine Weihnachtsgratifikation gäbe, mit einer Liste herum, um Unterschriftc» zu sammeln für die Gewährung einer Teuerungs- zutage. Mehrere vo» diesen Beamten, die es wagten, etwas zu ver- langen, wurden in der Gehaltsklasse zurück-, andere strasversetzt.— Neuerdings ist. angeblich wegen Mangel an Aufträgen, in der 7. und 9. M'anonenwerkstatt, in der ausschließlich kleinkalibrigeö Geschütz bearbeitet wird, der Achtstundentag eingeführi worden. Vor längerer Zeit ist derselbe bereits in einer ganzen Reihe Lafettenwerkstätlen, soime in den Oberbetrieben'Nipperl und v. d. Linde eingeführt woroen._ Rasche Entwickelnng einer Exportindustrie. Mitte der V6er Jahre wurde der Wert der jährlichen Spiel- warcnprodnktioii aus 7V Millionen Mark geschätzt, wovon etwas mehr als die Hälfte zur Ausfuhr gelangte. Seither ging es rasend vorwärts. 1892 bezifferte man den Spielwarenexport auf 27.6 Millionen Mark, 1896 auf 46. 1899 auf 43. 1966 aus 58,4, 1966 auf 76,5 und 1967 dürsleu eö schon 76 Millionen sei», wenn nicht mehr. So stark wie die Ausfuhr, die in den letzte» lb Jahren um etwa 117 Proz. gestiegen ist, hat der Abiatz in Deutschland nicht zugenommen. Aber immerhin hat sich der Verbrauch auch da recht befriedigend eutlvickclt. Den ursprüiiglicken Zentren der Industrie in NiiAibcrg-Fürth, Sonneberg und im sächsischen Erzgebirge, die hauptsächlich den Export versorgen, haben sich neue Gebiete in Sckilesien, Brandenburg und der Rheinprovinz gesellt, die fast aus- schließlich für den Inlandsbedarf arbeiten. Während man die Gesamiproduktion für 1966 mit 115 Millionen Marl beivertet, schätzt man den Ausfuhrwert aus über 76 Millionen, so daß also sür 46—45 Millionen auf den heimischen Konsum entfiele. Die Kartoffclpreise zeigen seit Monaten eine stark steigende Tendenz. In Berlin, Ivo Mitte Dezember 1 Doppelzentner Speisekartoffeln erst 5,56 M. kostete, müssen jetzt 6,56 Vi. für 1 Doppelzentner be- zahlt werden. In einigen anderen wichtigeren Handelsplätzen stellten sich die Doppelzentncrpreise in Marl wie folgt: Mitte Dezember Mitte Januar Die Königsberg Danzlg. Stetttn. Posen.. Breslau. Magdeburg Leipzig. Hamburg. Duisburg. Mannheim Aufwärtsbewegung der 4,46 4,86 4,66 4,66 8.66 8.56 4.26 5.46 5.80 5.30 Preise ist 4,40 4.66 4,06 8,60 8,40 4,00 4.20 6,40 5,60 5,46 um so auffälliger, alS von dem Mehrertrag des einheimischen KartoffelbaucS abgesehen, auch die Zufuhren vom Auslaiide gestiegen sind. ES wurden in den ersten elf Monaten>967 8 219 852 Doppclzentner Karioffeln ein- geführt gegen 2 546 686 Doppelzentner m der gleichen Zeit 1966. Auch durch die Bewegung der Aussuhr wurde das Angebot am In- landsmartt noch verstärkt; die Ausfuhr von Kartoffeln sank von 1 564 662 Doppelzentnern in deu ersten elf Monaten 1966 auf 991 723 im Jahre 1967._ Baumwollkonsum der Welt. Mächtig wie der Ausstieg der chemischen, elektro-techuischen und Eisenindustrie ist auch die Entwicklung der Baumwollfabrikaliou. Nach den neuesten Schätzungen stellt sich(bis 31. August 1967) die Spindelzahl wie folgt: 1906/7 Großbritannien». 52 000 Europäisch. Kontinent 35 800 Vereinigte Staaten. 25 924 Ostindien..... 5 400 Japan...... 1 669 China...... 630 Kanada..... 800 Mexiko...... 706 122 8ö3 I n 1000 Stück 1905/6. 1904/5 1908/4 50 000 48 500 47 500 85 500 35 000 24 600 24 781 24 073 23 214 6294 5 163 5 118 1 451 1 388 1 849 625 620 610 775 750 716 675 675 650 119 101 116169 113 757 In diesen vier Jahren vermehrte sich also die Spindelzahl um nicht iveniger als 8 Millionen, am stärlsten im Jahre 1905 und 1906/07, Am erheblichsten war die Vermehrung in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten, wo der Banmwollkonsum am leichtesten zu befriedigen ist. Der Umfang des letzteren(wobei die verbrannte oder sonstwie zugrunde gegangene Ware mitgerechnet ist) wird folgendermaßen geschätzt(in 1000 Ballen): 1906/7 1905/6 1904/5 1903/4 Großbritannien.. 3900 3774 3620 3017 Europ. Kontinent. 5460 5252 5148 5148 Vereinigte Staaten 4950 4726 4310 8908 Ostindien.... 1600 1530 1473 1867 Japan..... 025 874 755 698 Kanada..... 126 119 130 89 Andere Länder.. 46 54 105 88 Zusammen 17 006 Im Durchschnitt pro Woche 327 16 829 15 541 13 3l0 314 209 275 Da die Welternte an Baumwolle sich in den Jahren 1906 ans zirka 13,5 Millionen, 1905 auf 15,7 Millionen, 1904 auf 17,9 Millionen und 1903 auf l4.t Millionen Ballen belief, so ergab sich gcacnüber dem Weltverbrauch 1903/4 ein Ausfall von 151000 Ballen. l90ö/6 von 668 000 Ballen und gegenüber den Jahren 1904/5 und 1906/7 Ueberschüsse von 2 402 000 und 1572000 Ballen. Einnahineausfall. Aus New Uork wird gemeldet: Ein amtlicher Bericht teilt mit, daß vom 22. August bis 9. Dezember l907 die Einkünfte der Trustkompagnicn sich um 362 Millionen Dollars vcr- mindert haben. Low Kohlenmarkt. Das Beharren der Köhlenpreise auf ihrem bisherigen Niveau und die weitere ungünstige Gestaltung unserer wirlichastlichcn Lage beschäftigt seit geraumer Zeit viele Leute, die auf den Verbrauch von Kohlen in ihrem Gewerbebetriebe an- gewiesen sind. Da. Ivo man nicht allein auf den Verbrauch deutscher Kohlen angewiesen ist. sondern wo auch englische Kohlen leicht erreickibar sind. hat man schon bisher von dieser Gelegenheit ausreichend Gebrauch gemacht. Neuerdings hat der preußische Laudeseisenbahnrat bekamiilich befürwortet, daß der Rohstofftarif sür Kohlen einschließlich Briketts und Kots für ein Jahr allgemein eingeführt werden möge. Das bedeutet, daß der Rohstoffiaiif, der bisher nur für die Ausfuhr von deutscher Kohle und KokS in Geltung war, in Zukunft auch für die Einführung auS- wäriiger Kohle Auwendung finden soll. ES fragt sich nun, inwieweft diese Maßnahme zu einer veränderten Sitnaiion auf dem demichen Kohlenmarkte führen kann. Das Rheinisch-Westsälische Kohleiilyndikat hat, wie bekannt, beschlossen, seine Preise auch im laufenden Jahre aufrecht zu erhalten. Ob cS diesen Beschluß durchführen kann, hängt in der Hauptsache davon ab. ob die vermehrte Einsuhr englisch« Kohlen dadurch möglich gemacht wird, daß der englische Hohlen- preis wesentlich zurnckgehr und unter Benutzung des Roystofftarifs einen vermehrten Verbrauch englischer stöhlen in Deutschland her- vorruft. Unter diesen Umständen find die Zahlen interessant, die sich auf die Ausfuhr englischer Kohlen nach dem Kontinent beziehen. Diese Dahlen stellen die Hamburger Beitrüge für die Monate Januar vis November des vergangenen Jahres aus Grund englischer Angaben zusammen. In diesem Zeitraum wurden von England exportiert: 1306 1907 nach Deutschland. a 978 326 Tonnen 9 264 722 Tonneu . Holland.. 2006 702» 3 578 963, . Belgien.. 1286 427. 1409 281 10 271 455 Tonnen 14 252 966 Tonnen Die Zufuhr nach Holland bedeutet gleichfalls zun, größten Teil direkte Zufuhr nach Deutschland oder wenigstens Ersatz deutscher Kohlen in Holland durch englische und man lann somit annehmen, daß die Steigerung der gesamten englischen Kohlenausfuhr um beinahe 4 000000 Tonnen< genau 3981511 Tonnen) mehr oder minder auf Deutschland entfällt. Hue der frauenbewegung« Genossin Zetkin spricht kn der nächsten Woche in drei Versammlungen über die Wahl- rechtsfrage. Die Dienstags- Versammlung findet statt in Kellers Festsälen, Koppenstraße 29, die Versammlung am Mittwoch in Klienis Festsälen, Hascnheide und die Freitags- Versammlung bei Ballschmieder in der Badstraße. Liberale Redereien. In der neuesten Siurmner des bürgerlichen Frauenorgans,«Die Frauenbewegung", versucht eine Leitartiklerin dem verblockten Frei- sinn auf die Strümpfe zu helfen. Sie berichtet über eine vom Sozial- liberalen Verein in Berlin veranstaltete Versammlung und sagt da u. a.: „Ter Redner iGothei») warnte Liberalismus und Sozialdemo- kratie in Hader miteinander zu liegen, sich ewig alte Sünden vor- zuwerfen, anstatt Schulter an Schulter miteinander für Volksrechte zu känipfen und dem Junkertum und der von diesem abhängigen preußischen Regierung den Krieg bis ausS Messer zu erklären. Die Rede schlug mächtig ein, minutenlanger Beifall lohnte den Redner für seine mutigen, sachlichen und so loarmen Worte. I» der Diskussion sprachen zwei Sozialdemokraten und zwei Vertreter des emschiedenen Liberalismus: Dr. Hirsch, Stadt- verordneter aus Charloltenburg, und Herr Müller als Mitglied des Vorstandes der sozialdemokratischen Partei— Dr. Barth und Herr v. Gerlach als Liberale. Gern konstatieren lvir, daß die beiden Sozialdemokraten fast durchweg in maßvoller Weise sich ausdrückten, sie erfaßten den ganzen Eriist der Situation und erklärten, die Arbeiterschaft werde mit dem entschiedenen Liberalismus in dieser Wahlfrage zusammengehen können." Es wird hier der Anschein erweckt, als ob der Abg. Gothein als Retter in der Not auf dem Plane erschienen sei, um neben dem Liberalismus auch die Sozialdemokratie auf den rechten Weg zu führen. Bei den liberalen Damen stellt sich augenscheinlich die Begeisterung für die zu erobernden Rechte weit zurück hinter der Sucht, dem unzuverläßlichen Liberalismus Liebesdienste zu leisten. Schon vor Monaten hat Genosse Singer offiziell erklärt, die Sozial- dcmokratie werde den Liberalismus nachdrücklich unterstützen, wenn er den Kampf gegen das Dreiklasseuparlament aufnehmen werde. Was hat der Liberalismus aber getan? Er hat der Sozial- dcmokratie bei ihrem Kampf fortgesetzt Knüppel zwischen die Beine geivorfcn. Zu keiner Stunde war eS den Liberalen verwehrt, sich an den von der Sozialdemokratie veranstalteten Aktionen zu be- teillgcn. Anstatt das zu tun. haben sie geschimpft und gelästert und tun es jetzt noch. Die Sozialdemokratie hat die Liberalen nie daran gehindert, den Kampfs gegen das Junkerparlament zu organisieren, im Gegenteil, sie hat versucht, sie in den Kampf hineinzuziehen. Bis zur Stunde sind noch alle Versuche vergebens gewesen. Die Liberalen sollen nur anfangen zu stürmen, die Arbeiterschaft wird nicht zu Hause bleiben. Aber darauf kommt es den Liberalen gar nicht an. Wer zwischen den Zeilen zu lesen versteht, merkt den Zlveck der Uebung. Die Sozialdemokratie soll den Liberalen als Steigbügel für die nächste Landtagswahl dienen. Wir meinen, wirllich fortschrittliche Frauen hätten wichtigeres zu tun, als der Blockpartei Dienstmädchen zu spielen. Wie stellen sich die Liberalen zum Frauenwahlrecht für die gesetzgebenden Körperschaften und für die Kommunalvertretungen? Das ist die Frage, die den Freifinnigen zunächst vorzulegen ist. Können oder wollen sie diese Frage nicht unzweideutig zufrieden- stellend beantworten, dann kann keine Frauenorganisation, die es ernsthaft meint mit der Eroberung der Gleichberechtigung des weib- lichen Geschlechts, sich bedingungslos inS Schlepptau des Liberalismus begeben._ Weshalb organisiert daS Zentrum die Dienstboten? In Bochum hat Frau Justizrat T r i m b o r n, wie es in der „Kölnischen Volkszeitnng" heißt: Gemahlin des in der Sozialpolitik führenden ZentrumSabgeordneten Karl Trimborn, eine Rede über die Organisation der Dienstboten gehalten. Sie bezeichnete es— nach dem Bericht des genannten Blattes— für die Katholiken als dringend notwendig, sich mit der Dienstbotenfrage zu beschäftigen, da seitens der Sozialdemokratie die Ideen der Unzufriedenheit auch unter die Dienstboten ge- tragen würden. Mit anderen Worten: wenn die Sozialdemokraten nicht begonnen hätten, die weibliche» Haussklaven aufzurütteln, würde auch das Zentrum die Finger von der Sache gelafien haben— gleichviel, wie miserabel es den Dienstboten auch geht. Es ist gut, daß die Christen zeitweise so unvorsichtig sind zu verraten, was cS im Grunde mit ihrer„Nächstenliebe" und„Arbeiterfreundlichkeit" auf sich hat._ Eine Frau als Kandidatin für den Landtag in Böhmen. Ende Februar finden in Böhmen Neuwahlen für den Landtag statt auf Grund des alten Kurienwahlrechtes, welches die Arbeiter- sckaft vollkommen von der Vertretung ausschließt. Die tschechische und deutsche Sozialdemokratie, welche bei den Reichsratsloahlen unter dem allgemeinen und gleichen Wahlrecht mehr als ein Drittel aller abgegebenen Stimmen erhalten hat, ist mit einem gemeinsamen Wahlaufruf in den Kampf getreten, in welchem namentlich die Not- wendigkeit einer Wahlreform für den Landtag betont. Sonntag, den 12. d. M. fand nun in Prag eine Landeskonferenz der tschechischen Sozialdemolratie statt, welche beschloß in allen tschechischen Wahlbezirken Kandidaten aufzustellen. Die Kandidatenliste wurde sofort fertiggestellt. Bemerkenswerl ist, daß sich a u f der Kandidaten- l i st e a u ch e i n e F r a u. die Genossin Steiner, befindet. Es ist dies das erstemal, daß in Oesterreich auch eine Frau für eine gesetzgebende Körperschaft kandidiert. Die tschechische Sozialdemokratie tvill hierdurch eine offenbar von dem Gesetzgeber sicher nicht beab- sichtigle Lücke des böhmischen LandtagswahlgesetzeS ausnutzen, um ihre Programmforderung deS Frauenwahlrechts so deutlich als möglich hervorzuheben. Die Ehance» des Wahlkampfes sind natürlich bei dem Umstände, daß daS Wahlrecht an eins direkte Steuerleistung von acht Kronen gebunden ist. ganz minimal. Es handelt sich bei der Aufstellung der Kandidaten jetzt hauptsächlich darum, einem jeden Wähler Gelegenheit zu bieten, durch Abgabe seines Stimmzettels für einen sozialdeniokratischen Kandidaten Protest zu erhebe:, gegen daS Kurienwahlrecht, welches das Land an den Rand deS finanziellen Bankrottes gebracht hat. Die Sozialdemokratie beider Nationen in Böhmen ist entschlossen, dem neugewählten Landtage in kurzer Zeit eine Wahlreform abzuringen._ Versammlungen— Veranstaltungen. Nicderiaruim. Dienstag. 21. Januar, in Weißensee im„Prälaten', Lehder-Straße 122: Kreisversammlung. Tcltuw-BceSkow-Storkow-Charlottenburg. Mittwoch, den 22. Januar, 8 Uhr, in Schüneberg bei Obst, Meininger Straße 8: Kreis- Versammlung der Frauen des Kreises Tellvw-Bceskow-Storkow- Charlottenburg. Tagesordnung: Jahresbericht, Neuwahl der Kreisvertrauensperson und der Ortsvertrauensperson von Schöneberg. Vortrag: Reichstagsabgeordneter Fritz Zubcil. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Direktion für den Großhandel in den Zeutral-Martthallen. Marktlage: Fleisch Zusnhr schwach, Geschäsl still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr reichlich, Geschäft sehr still. Preise nachgebend. Geflügel: Zufuhr genügend, Geschäft flau, Preise in Gänsen»achgebend, sonst behauptet. Fische: Zu- fuhr genügend, verändert. G emüs Preise wenig verändert. Witternngsübcrsicht vom 18. Januar 1908. Elationen L S £= £= aetla 5<• H S: Swwemde Hamburg Berlin Frants.a M772W München 7S4W 767 WSW :07 SW! Wien 1773 SSB 771OSO 4 bedeckt 4 bedeckt 1 bedeckt 2 heiter 2 Nebel t Nebel 4 4 — 0 — 0 1 StttUaai L S t E S= BS Bettet I I Haparanda 735S Petersburg 753 SW Sctlly 77a NNW "werdeeo>763 Still Paris j 771 SSW v Lbedeckt t bedeckt 3 halb bd. heiter 1 wollenl I » ei C t, A I 5 H& -5 —9 10 4 -2 Wetterprognose für Sonntag» de« 10. Januar>008. Etwas kühler, zeitweise heller, aber veränderlich mit geringen Nieder- schlagen und ziemlich irischen westlichen Winden. IBcrliner Wetterburea» Wasserftands-Rachrlckiten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteÄ vom Berliner Wetlcrburcau. Wasserstand M e m- l. Tilstt P r e g e l, Jnstcrburg Weichsel. Thor» Oder, Ratibor , Krassen , Frankfurt Warthe, Schümm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Lcitmeritz , Dresden , Barbh , Magdeburg um 17. l. cm 288�) ST) I 220=) 1 124») 146 270») 172 105») 112«) -30 -164») 92») 90 i seit 19. 1. cm l) +2 +3 +2 —8 +8 +2 +4 -25 +2 -5 +4 0 + 5 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau») , Rathenow») Spree, Sprembcrg») , BecSkow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilumZau , Kaub „ Köln Neckar, Heilbron» Main, Wertheim Mosel, Trier am 17. l. cm 150 103 151 100 155 -64 10 280 94«) 82«) 18 seit 16.1. cm ff +10 +7 +3 0 0 +3 +14 0 +12 -1 +5 78+7 ff-f bedeutet Wuchs.— Fall.—») Unlervegel.—•) EiSstand. —») Teilweise eiSjrci.— ff Schwaches Treibeis.— ff Treibeis. (Frankfurter Viertel) Bezirk ilir. 279. Den Mitgliedern daß unier langjähriger der Reslaurateur zur Nachricht, Genosse, Wilhelm Schmidt Alexandcrstr. 28a gestorben ist. Die Leiche Ist bebuss Einälche- rung nach Hamburg überführt I worden. Ehre seinem'Andenken! 216/7 0er Vorstand. Allen Freunden und Bekannten� l zur Nachricht, daß am Mittwoch, den 15. Januar, nach langen Leiden | unsere liebe Mutter Anna Alter geb. Petzer verstorben ist. 16952 Die Beerdigung findet am Montag, den 20. Januar, na> miltags 3'lj Uhr, aus dem Kir. Pose der Ewäbethgemcinde in der Wollankslraße statt. Die trauernde» lthider: Richard, Otto. Reinhold und Ottilie Alter. chkm 15. Januar entschltej nach! �4 kurzem, schweren Leiden, im Alter von 60 Jahren, unser lieber j Gatte und Valcr, der Gastwirt Willi Schmidt Mexanderstr. 28a. Seine Leiche wird zur Einäscherung nach Hamburg über- gesührt. 2565b I Dies zeigen allen Freunden I und Genossen in tiefer Trauer an| Die Hinterbliebenen. ZeDtral-Serliaiiil iler Maurer 1 Zweigverei» Berlin. Sektion der Gips- und Zement- branche. Den Mitglieder zur Nachricht, daß unser Kollege Psnß Krüger am 16. Januar 1908 verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 20. Januar 1908, nachmittags 21/, Uhr, auf dem Friedhofe der Heilands-Gemeinde statt. 136/4 Um rege Beteiligung ersucht Der S-ktionsvorstand. Heute srüh 91/, Uhr verschied j nach kurzem schweren Leiden i mew guter Sohn, unser lieber j Bruder und Schwager, der Metall- arbeiter Augustin im 41. Lebensjahre. 16962 1 Zeil und Ort der Beerdigung j werden noch bekanntgegeben. Im»amen der HlnUrbliodenon: Der Bruder Richard Augustin Deutscher Metaliarbeiter-Verband Berwaltuugsftelle Berlin. Tddes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher Hermaim Richter | gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heule s sonntag, den t9. Januar, nach- mittags t Uhr, vo» der Leichen- Halle deS Nazarelh-Lfirchhoses aus I statt. Rege Beteiligung erwartet j 110/17 Die Ortsverwaltung. Nachruf. Am Montag, den>8. Januar, s verstarb plötzlich, infolge Herz- IchlageS, der Tischler telix Koschel. Ehre seinen» Andenken! Die Äoilegen der Firma j Schtvary u. Fröhlich. I Verband d. baugewerblichen| { Hülfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. Bezirk Nord-West(Moabit). Nachruf. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß der Kollegs �uxust Wirsix• verstorben ist. Ehre seinem Audeuken: 29/3 Der Zweigvereinsversland. Tanksa Sagen hierdurch für die herzlichen Beweise inniger Teilnahme und reich- lichen Kranzspenden bei deni Hin- scheiden unseres unvergeßlichen Sohnes und Bruders Alfred Knhllche allen Freunden und Bekannten sowie den» Berliner Schwlmmkltrb„Neptun 1894" und dem Sparverein„Silvester" sowie leinen Kollegen der Firma Dei- courl unseren verbindlichnen Dank. 26L2b Familie Buhllcke. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung unseres LnkelS, deS Rentiers Genossen I»a»I Schillins au# Reinickendors-West sagen wir hiermit allen Freunden und Bekannten, insbesondere den Parteigenossen unseren tiefgefühltesten Dank. L623b Gebrüder Brnst, Paul, Otto Wienholdt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die herrlichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes, unseres Vaters, deS DroschlenjührcrS Karl Wandrey sagen wir allen Freunden und Bc- kannten sowie dem Verein Berliner Drojchlensührer unseren innigsten Dank. 16942 lolianna Wandrey nebst Kindern. Danksagung. Hiermit sagen wir allen Verwandten und Bekannten, insbesondere dcrFirma Paul Singer u. Co., sowie dein Personal der Vorwärts-Druckcrei, den Genossen des Wahlvereins des 1. Berliner Reichstags- Wahlkreises und den lieben Freunden des Stamm- IlscheS für die herzliche Tcilnabme bei der Beerdigung meines lieben TohneS, Bruders, Schwagers und Onkels, des Schriftsetzers 25761) Alex. Packendorf unseren ticfgesühllen Dank. E. Packendorf und Familie. Qr. Schynesnam Spezial-Arzt für 14752* Haut- und Harnleiden, t'ruiicn krank(leiten. Friedricbstr. 203, Ecke Schützenstr. 10—2. 5—7, Sonnt. 10— IS Uör. 4fr Hygienisch ei Beaansirasel. Neuest. Katalog Pt Empfefal. viel. 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Mai zu Nienburg einen Streikende« erschossen hat, wird vom Schwurgericht zu Dessau freigesprochen. Der Staatsanwalt war als Verteidiger aufgetreten und hatte erklärt, Buscholle habe in Notwehr gehandelt. Juli. 3. Bon der Fürstin Wrede. Bekanntlich hatte Glase, ein ehe- maliger Diener der Fürstin Wrede, die Dame nach seiner Entlassung wegen Silberdiebstahls beim Staatsanwalt angezeigt. Bei einer HauS« snäiung auf dem Schlosse Basedow fand inan in der Tat eine Menge Silber vor, das aus verschiedenen Hotels in Paris und anderwärts herstammte. Die Masse des gestohlenen Silbers war so grost, daß eü in mehreren Kisten und Korben nach der Psandkammcr des Land- gerichtö Güstrow gebracht werden mutzte. Man verhaftete natürlich sofort— nicht die Fürstin W., wohl aber de» Diener, der der Er- Pressung beschuldigt wurde. Diesem wurde der Prozetz sehr schnell gemacht, er wurde zu 9 Monaten Gefängnis und« Jahren Ehrverlust verurteilt und dürfte jetzt seine Strafe wohl schon verbützt haben. Autzerdem sollte gegen ihn noch ein Verfahren wegen Meineids eingeleitet werden. Glimpflicher wurde mit der Fürstin verfahren? alle Welt war sich sofort darüber klar, hier müsse ein krankhafter Hang zum Stehlen, Kleptomanie, vorherrschen. Die berühmtesten Psychiater bemühten sich um die schwerkranke Dame. Die Zeitungs- lescr wurden pflichtschuldigst von Zeit zu Zeit über das Befinden der durchlalitigsten Äleptoinaiiin unterrichtet. Zunächst wurde sie im Sanatorium in Lankwitz zur Beobachtung untei gebracht. Später durfte sie mit Gcuchiuigung des Gerichtes die „gewohnte ärztliche Hülfe" in Paris in Anspruch nehmen. Bald darauf wurde mitgeteilt, datz die Psychiater zu der Ueberzeugung gelangt seien, doy die Fürstin geisteskrank ist. Jetzt wird die be- sorgte Mitwelt endlich vollkommen über das Schicksal der Fürstin be- ruhigt. Aus Güstrow kommt die Nachricht, datz die Strafkammer das Strafverfahren gegen die Für st in Wrede und ihre Gesellschafterin Fräulein Wetdig auf Grund des§ LI des Straf- gesetzbucheS eingestellt hat. Die Staatskasse trägt die Kosten des Verfahrens. 10. Mit Drohungen, Beleidigungen und anderen terroristischen Mitteln haben in Berlin diejenigen Bäckermeister, welche die Forderungen der Gesellen nicht bewilligt haben, auf die anderen Bäckermeister einzuwirken versucht. Aus erfolgte Anzeige wegen Ber- stotzes gegen§ 1S3 der Gewerbeordnung lehnt der Staatsanwalt die Strafverfolgung ab. Der Oberstaatsanivalt dagegen ordnet Er- Mittelungen an. ob ein Vergehen gegen§ lö3 vorliegt. (Bis gegen Ende des Jahres hat man von dem Ergebnis dieser Ermittelungen in der Lessentlichkeit nichts gehört.) 25. Im Münchener Pelcrs-Prozetz hat der R e i ch S v e r b a n d S- general Liebert als„Sachverständiger" schwere Beleidigungen nuLgeftotzen gegen den Disziplinargerichts hos, der den Peters seinerzeit verurteilt hat. Ebenso hat der sreikonservative Reichötagsabgeordnete Arendt als Zeuge hohe Behörden beleidigt. Wie nunmehr die„Kölnische Ztg." mitteilt, haben die amtlichen Stellen einen Schriftwechsel mit den beiden Beleidigern gepflogen, in dessen Verlauf diese ihre Beleidigungen zurückgenommen haben sollen. Die vorgesetzten Behörden der DtSziplinargerichtsböf« verzichteten darauf, ein Strafvcrsahrcn;» beantrage». General Liebert und Herr Arendt dürfen hohe Gerichtshöfe beleidigen, und zwar gröblichst, ohne gerichtlich zur Rechenschaft gezogen zu werden! Der Hergang der Sache wird offiziös von der»Nordd. Allgemeinen Ztg." bestätigt. 30. Die Aiiklage gegen Genossen Karl Liebknecht wegen Hochverrats wird tatsächlich erhoben. August. 6. In Sachen der Fürstin Wrede schreibt der Erste Staats- anwalt beim Landgericht Güstrow dem„Berliner Tageblatt", datz die Staatsanwaltschaft nicht beantragt habe, den Fürsten und die Fürstin Wrede autzer Verfolgiiilg zu setzen und nur gegen die Ge- sellschafterin der Fürstin das Hauptverfahren zu eröffnen. Vielmehr hat die Staatsanwaltschaft beantragt, den Fürsten Wrede autzer Verfolgung zu setzen, dagegen das Haupt verfahren gegen die Fürstin Wrede und ihre Gesellschafterin zu er- öffnen.— 6. Pfarrer Gaisert ist begnadigt und auS dem Freiburger Landesgefängnis entlassen worden. Die Strafkammer Freiburg hat Pfarrer Gaisert des Meineides schuldig erkannt und zu der geringst zulässigen Strafe von einem Jahre Zuchthaus verurteilt. Anfangs März wurde der Verurteilte vom Grotzherzog zu sechs Monaten Gefängnis begnadigt, und am 16. März hat Gaisert seine Strafe im Freiburger Landesgefängnis angetreten. Am 1. August erfolgte die Entlassung, so daß er im ganzen iVi Monat« von der Strafe abgesessen hat. 0. Vom Reichsgericht wird das Hauptverfahren gegen Ge- nrssen Liebknecht wegen angeblichen Hochverrat« eröffnet. September. IS. Am 3. September 1906 hat in Treptow ein Arbeits- williger namens Heinrich Jung, ein LOmal wegen gemeiner Vergehen vorbestrafter Mensch, aus streikende Arbeiter geschossen und dabei den Arbeiter Arndt mit 12 Schrotkugeln in den Kops getroffen, wovon 2 heute noch im Kops stecken. Jung simulierte daraus epileptische Anfälle, die aber in der Irrenanstalt als Ver- ftellung erkannt wurden. Er. hatte dann auch zugegeben, datz es Simulation war. Das Gutachten des Irrenarztes erklärte ihn für voll verantwortlich. Das Schöffengericht zu Rix- dorf billigt ihm mildernde Umstände zu und verurteilt ihn zu Woche» Gefängnis. Terrorismus. Juli. 14. Ter prakttsche Arzt Dr. Schellenberg in Wiesbaden, Ver- trauenSarzt der Pofiverwaltung, wurde amtlich befragt, wie er bei der Reichstags st ichwahl gestimmt habe. Dr. Schellenberg lehnte das Ansinnen, solche Frage zu beantworten, ab. Daraus erhielt er mit der Post die Kündigung seines Vertrages per 1. Oktober. Auf seine Anfrage nach der Ursache wurde ihm mitgeteilt, datz seine Abstimmung bei der Rcichötagsstichwahl hierzu Veranlassung gegeben habe. Behauptet wird, Schellenberg habe bei der Stichwahl für den Sozialdemolraten gestimmt. In Wahrheit ist Dr. Schellcnberg cm Freisinniger. September. 8. Der„Vorwärts" veröffentlicht folgendes vertrauliche Rundschreiben: Arbeitgcbcrverband für das Baugewerbe zu Aachen und Umgegend. Aachen, 28. August 1VV7. Theaterftr. 6.>> An unsere Mitglieder! Nach Mitteilung dcS Arbeitgebcrverbandcs für das Bau- gcwcrbs des Stadt, und Landkreises Krefeld sind daselbst seit Hgitati ons- Kalender. dem 20. Juli d. I. 542 Bauarbeiter ausständig. Wir er- suchen crgebenst, Arbeiter aus dem Krefeld« Bezirk bis auf weiteres nicht einzustellen und machen darauf aufmerksam, datz der Entwertungsstcmpel der Jnvalidenkarten der in Krefeld streikenden Arbeiter mit der Nr. 41 versehen ist. ES wird höflichst gebeten, auf diese Nummer genau zu achten und die Arbeiter mit solchen Karten nicht einzustellen. Hochachtungsvoll Der Vorstand. I. A.: Heinr. I. Sieprath. Gegnerische Parteien. August. 5. Helles Frohlocken über den— Segen der schlechten Ernte bekundet die christlichkatholische„Rhein. V o l ks st i m me". In „Liebe zu den Nächsten" lätzt sie sich also vernehmen:„Zu den angenehmen Folgen einer derartigen Ernte ist wohl in erster Reihe die Annahme zu rechnen, datz die angemessenen Preise, die gegenwärttg an den Märkten borherrschen, mehr Bestand haben werden als bei einer reichen Ernte. Es ist für den Landwirt immer noch vorzuziehen, wenn er seine Erzeugnisse zu angemessenen Preisen verkaufen kann, und er nimmt dann gern mit dem etwas geringeren Ertrage vorlieb." 7. Die freisinnige„Weser-Ztg." schreibt in ein« Polemik gegen Naumann in Sachen der prcuhischen Wahl» rechtsfrag e:„Die Einführung des Reichstagswahlrechts be- deute keineswegs für Preutzen die Gefahr einer Uebe'r- flutung des Landtages durch die Sozialdemo- kratic.„Was wir bekämpft haben, das ist dieselbe Matz- regel für die kleinen hanseatischen Stadtstaaten, weil diese der Gc- fahr einer sozialdemokratischen Mehrheit in der Volksvertretung in der Tat ausgesetzt sind." Also der Freisinn tritt„grundsätzlich" für ein demokratisches Wahlrecht ein, ab« er gibt diesen„Grund- sah" sofort preis, sobald die Demokratie eine der Kapitalistcnklasse unangenehme Wirkung haben könnte! 15. Die liberale.Augsburg« Abendzeitung" enthält in ihrer Nr. 195 eine Forderung an die Eisenbahnverwaltung, wonach in Lokalzügen Wagen für„bessere Leute" und für Ar- bciter eingestellt werden sollen, denn ,cS ist gerade nicht an- genehm, namentlich mit Kindern den Zug auf- und abspringen zu müssen, bis man endlich mit sauberen Kleidern bei den meistens mit Schmutz überzogenen Arbeitern Platz findet und deren oft noch schmumgere Unterhaltung mit anhören mutz." 19. Tie christlichen Gewerkschaften im Saar- gebiet, die bei der letzten Reichstagswahl eifrig von den„na- tionalen" Parteien umworben wurden und ihnen auch Wahlhülfe geleistet haben, beklagen sich nunmehr in einer Zuschrift an die bürgerliche Presse wie folgt:„Die Bürbach« und Völklinger, zeitweise auch die Brabachcr Hüttenwerke, haben nach g e- tätigter Rcichstagswahl mit den schäbigsten Mittöln wieder den Kampf gegen die christlich organisierten Arbeiter auf- genommen, gegen dieselben Arbeiter, denen man bei d« Reichs- tagöwahl alle möglichen Volksrcchte versprach. Auf der Burbach« Hütte z. B. sind nach der Reichstagswahl wieder eine ganze Anzahl christlich organisierter Arbeiter gcmasiregelt worden. Darunter befinden sich Arbeiter, die bei der letzten Wahl aufs eifrigste für den nationalliberalen Kandidaten Justizrat Boltz agitiert haben. Der Besitzer der Völk- lingcr Hütte gibt sogar denen, die daraus verzichten, sich geWerl- schaftlich zu organisieren, ein JahreSalmofen von 20 M." September. 4. Der Verband der evangelischenArbcitervereine der Pfalz lätzt im„Evangelischen Arbeiterboten" einen Notschrei los. worin er an seine„kapitalkräftigen Mitglieder" das Ersuchen richtet, dem Verband 199 M. zur Verfügung zu stellen, damit«einen Delegierten nach Berlin zum „nationalen" Arbeiterkongretz schicken kann. Bekanntlich setzt sich so ein evangelischer„Arbeiterverein" zum guten Teilen auS Angehörigen der besitzenden Klasse, aus Unternehmern und anderen„kapitalkräftigen" Leuten usw. zusammen. 13. In Nr. 656 von diesem Jahre brachte das führende Blatt der nationallibcralcn Partei, die„Köln. Ztg.", folgende Anzeige: „Aristokraten, Grotzindustriellen soder Sohn), der auf N o. b i l i t i e r u n a Wert legt, ist Gelegenheit geboten, durch Be- teiligung von 700 000 M. anGründungeinernational. liberalen Zeitung in deutschem Bundesstaate, der selbst mit 300 000 M. beteiligt, den Freiherrntitel zu erwerben. Ernstl. Reflektanten erfahren... usw." Der„Pfälzer Bote" in Heidelberg behauptet nun, datz mit dieser Zeitung die„Münchener Allgem. Ztg." gemeint gewesen sei. 14. Die Freisinnige VolkSpartci hält in Berlin ihren Parteitag unter Ausschluß der Oesfentlichkeit ab. 15. Im Anschluß an ihren Parteitag hält die F r e i s i n n i g e BolkSpartei im Zirkus Busch zu Berlin eine große Ver- s a m m lu n g ab, wo aber nur die bestimmten Redner zu Worte kommen und keine freie Diskussion stattfindet. 19. Der Reichsverbandsgeneral Herr v. L i e b e r t hat für die preußische Polcnpolitik den Grundsatz aufgestellt: Macht geht vor Recht. Soziales. Juli. 3. Die„Mccklenb. Volkszeitung" veröffentlicht einen Vertrag, den die Verwaltung des dem regierenden Fürsten Georg von lschaumburg-Lippe gehörenden Gutes Vietgcft bei Lolendorf(in Mecklenburg) den Tagelöhnern zur Annahme unterbreitet hat. Nach diesem Vertrage dauert die Arbeitszeit in der Zeit vom 1. April bis 30. September 14 Stunden, mit 2�istündigen Pausen in der Zeit vom I. Oktober bis 31. März vom Anbruch bis Ende des Tages bei insgesamt iVb Stunden Pause. In der Erntezeit ist die Arbeitszeit unbegrenzt. Der Barloh« beträgt jährlich 265 M. 29 Pf., abzüglich 20 M. WohnungSmiete, insgesamt also 245,20 M. oder 4 Mark 71 Pfennig Wochcnlohn. Für Kinder» arbeit wird 40 Pf. für den Arbeitstag gezahlt. Die Verwaltung hat sich eine Art Gesindczwangsdicnst durch die Vorschrift ge- schaffen, datz die schulpflichtigen Kind« ohne Genehmigung der fürstlichen Verwaltung nicht auswärts arbeiten dürfen. Auch die Frauen der Tagelöhner sind zur Arbeit verpflichtet. Sie erhalten 6V4 Pf. Stundenlohn. Während der Erntezeit steigt dieser fürst- liche Lohn auf— 1» Pf. für die Stund«-. Auf dem ebenfalls dem Fürsten Georg von Schaumburg-Lippe gehörigen Gute Nienhagen in Mecklenburg erhält die Witwe eines Arbeiters, der 40 Jahre auf dem Gute arbeitete, eine Rente von jährlich 66 Mark, also 18 Pfennige täglick». Als Genosse Herzfeld diesen Fall am 29. Januar 1906 zur Sprache brachte, erwiderte der Staatssekretär Graf von Posadowsky, ein solcher Fall sei unmöglich und versprach, Untersuchungen anzustellen. 13. Der„Vorwärts" veröffentlicht ein vertrauliches Rund- schreiben der Berliner Fuhrhcrren-Jnnungs- krankenkasse an ihre Mitglieder, worin diese aufgefordert werden. 65 namentlich aufgeführte alle Arbeiter nicht als �spreng- ivagenkutscher anzustellen, da diese im Winter gewöhnlich der Krankenkasse zur Last fallen. August. 1. Vor dem Schöffengericht Berlin-Tcmpelhof steht der Arbeiter Fritz Hoff wegen Betielns. Er erzählt, er habe sich lange vergeblich bemüht, Stellung zu finden, endlich habe er das Glück gehabt, sofort mit eineni anständigen Gehalt engagiert zn werden, und zwar sollte er am nächsten Tage amreten. Er hatte vom frühen Morgen noch nicht einen Bissen im Munde gehabt und verspürte einen quälende» Hunger. In d« Tasche hatte er nicht eine» Pfennig. In einem Bäckerladen bat er um ein Stückchen übriggebliebenes Brot. Der Angellagte bat den Gerichtshof, doch Milde walten zu lassen, da er durch eine längere Freiheitsstrafe wieder seine gute Stellung verlieren würde. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten eine Haftstrafc von drei Wochen und der Gerichtshof erkannte dem Antrage des S t a a t S a n lv a l t s g e ni ä tz. weil H. wegen Bettelns und ähnlicher Delikte schon wiederholt vorbestraft ist. 4. Die„Stratzburger Bürgerztg." b«ichtet über das dies« Tage begangene 7V jährige Arbeitcrjubilänm deS Arbeiters Karl Männel von der donigen Tabakmanufaktur. Männel, der 80 Jahre alt und noch in Arbeit ist, trat als 10 jähriges Kind in die damalige Tabakregie ein. Die Regie stellte Kinder von 0>/z bis 10 Jahren als Arbeiter ein und beschäftigte sie von morgens 6 Uhr bis abends 7 Uhr, im Winter sogar bis 8 Uhr. Für den Schulbesuch wurde wenig Zeit gewährt. Männel durste nachmittags 4 Uhr mit den älteren Kollegen eine Pnvatschule besuchen. Die Knaben mußten sich das Schulgeld selbst verdienen und bezahlten täglich bei Beginn dcS Unterrichts 2 Sons(3 Pfennig) im voraus für ihre Schulstunden. Die Jubiläumsgabe bestand in einem Blumenstrauß, den die Kollegen des Jubilars stifteten. 4. Eine Untersuchung des OberbergamtS Halle stellt fest, datz im mansfeldischen Kupfcrschieferbau Kinder von 14 bis 16 Jahre» unterirdisch beschäftigt werden, davon 1010 im Bereich der ManSfeld« kupferschieferbaucndcn Gewerkschaft. Die Jungen müssen im Schachte, umdroht von unzähligen Gefahren, abgeschnitten vom Tageslicht, von Sonne und Luft, Gänge durchkriechen, die kaum l'/a— 2 Futz hoch sind. Angeschnallt an ein Brett, ziehen sie hinter sich an den Füßen die beladenen Hunte her und schaffen das gewonnene Erz zu den Stollen und Ausgängen des Schachtes. 9. Der Rittergutsbesitzer Adolf Heinrich, Mitglied des Bundes der Landwirte, verkauft das Gut Kluczewo an die polnische Par- zellierungSbank in Kosten. Er erhielt für daS Gut 1 200000 M. Als er ün Jahre 1888, also vor ungefähr 20 Jahren, kaufte, zahlte er dafür nur 600 000 M. und erzielte nach der Besitzergreifung allein aus den Waldbeständen ungefähr 250 000 M. für Holz und noch ungefähr>40000 M. für Abverkäufe, datz ihm daS Gut nicht viel mehr als Ll>0 000 M. gekostet haben würde. Für dieses selbe Gut, das jetzt einen Taxwert von 875 000 M. besaß, bot in früheren Verhandlungen die Ansiedelungskommission 950 000 M. 12. Zm Bereiche der Mansfeld« lupfers chieferbauenden Gewerkschaft. auf dem Zirkelschachte bei Klostermansfeld, sind aus dem Förderkörbe sechs Man» in die Tiefe gestürzt und zerschmettert worden. 20 andere wurden schwer verletzt. September. 17. AuS E ff e n sind seinerzeit Arbeitslose zu Stteik« brccherdiensten nach Antwerpen angeworben worden. Sie kehren jetzt mittellos zurück. In Antwerpen wurde ihnen Lohnzahlung in Essen versprochen, dort wird sie ihnen verweigert, Eine größere Anzahl von ihnen wird durch die Polizei ins Asyl für Obdachlose gebracht. 21. Bei der aus dem großen Bergarbeiterstreik bekannten Firma Thyssen u. Co. war ein Oberingenieur tödlich ver- u n a l ü ck t, als er im Verein mit einem Arbeiter zwei durch Gas- auSströmungen in einer Grube bewußtlos gewordene Arbeiter retten wollte. Die Hinterbliebenen verlangten von der Finna Thyssen u. Co. eine Schadenersatzleistung, da ein Betriebs- unfall vorläge. Die Firma lehnte jedoch jede Bezahlung ab, da ein Verschulde» des Ingenieurs vorgelegen habe, denn er habe sich selbst sagen müssen, daß er in der mit Gas gefüllten Grube ersticken würde. Durch drei Instanzen bis zum Reichsgericht hinaus«nutzte die Finna erst zur Zahlung verurteilt«verde».— Die Finna enischuldigt sich damit, daß sie nach den Statuten eines Haftpflichtverbande«, dem sie angehört, sich habe verllagen lassen müssen. Aus der Partei. September. 25. Den Genossen Hilferding und Pannekoek. Lehrcm an der Parteischule, wird von der Polizei mitgeteilt, daß sie die Ausweisung zu gewärtigen hätten, falls sie noch ferner an der Partei- schule unterrichten würden. 29. Tod Julius MottelerS. Aus dem Lande der Schulen. Juli. 5. Eine kostbare Bibliothek gefährdet. Unter dieser Ueberschrift veröffentlichen die Zeitungen aus wissenschaftlichen Kreisen einen Not- schrei über die primitiven Zustände der Treptower Stern« warte. Darin heißt es u. a.: ES regnet überall durch. In« Kultusministerium hat der Direktor jetzt endlich den Widerstand gegen eine staatliche Subvention besiegt, nun setzt ihm aber wieder das Finanzministerium Widerstand ent- gegen. Eine der kostbarsten Bibliotheken Berlins ist in dem alten Bau schwer gefährdet. August. 31. Eine Eingabe der elsatz-lothringischen Volks» s ch u l l e b r e r an die Regierung um Neuregelung ihrer Gehalts- Verhältnisse zeigt die Lage der dortigen Lehrer. Be» der Verteilung der für dieses Jahr bewilligten Teuerungszulagen sind die Lehrer leer ausgegangen, da sie nicht etatsmäßige Beamte sind. Heute beträgt das Höchstgehalt der Lehrer bis zum 28. Lebensjahre 1100 M., vom 40. Lebensjahre ab 1500 Vi. und vom 52. Lebens» jähre ab 2000 M. Nur 50 Proz. der Lehrer habe» ein Nebenamt, und die Emkünste aus diesen sind höchst unsicher, weil"e den Lehrern jederzeit entzogen werden löl«nen. Ferner sind sie» auch nicht penf ionsberechtigt. Aus der Armee. Juli. 20. Vom Kriegsgericht zu Metz erhielt ein Artillerist, der schon mehreremale vorbestraft ist, drei Monate Gefänguis,«veil er trotz wiederholten Verbots aus dem Arbeilssaal des FcslungSgefäng» nisteS in Straßburg in die Fenster der Verheirateten» Wohnung gesehen hatte, anstatt auf seine Arbeit. August. 20. Die konservative„Elbingcr Zeitung" rechnet aus, daß gegenwärtig niindcstciis 6910 Mai»» Soldaten vom 1. Arince- korps als Erntcarbritcr beschäftigt sind. DaS Blatt schreibt:„Da nun aber überall nur die M i>« d e st z a h l e ,« angenommen sind, so geht daraus hervor, daß mehr alö 7000 Soldaten, daS heißt weit mehr als ein Drittel dcö gcsainten KorpSbcstandcs,„iin Felde" stehen. Wie lange die Soldaten noch den ostpreußische>« Landwirten überlassen werden lönnen, das ist Sache der einzelnen Regiinentcr. Diese sind vom Generalkominando neuerdiilgs, nach Vertagung dcS Manövers. angewiesen worden, den Ernteurlaub ent» sprechend zu verlängern." September. 15. Bei den Kaisermanövern werden den Soldaten übermäßige Marschlei st ungen zugemutet. Die Folge sind zahlreiche Unglücksfälle. Ein Augenzeuge berichtet im„Rheinisch-Westfälischen Anzeiger"(Nr. 209):„Eine stramme Brise milderte den Tag hindurch, selbst in den Mittagsstunden die Wärme so angenehm, daß es e i g e n l l i ch u n v e r st ä n d l i ch ist, wie bei manchen Regimentern über 300 Mann zusammengebrochen sind und die Feldlazarette dem Bedürfnis kaum genügten. Bei den Hanseaten, dem 75. Regiment, mutzten 30 Leute, die schwer erkrankt sind, mit dem Weserdampfer abtransportiert werden, und einzelne Reservisten werden sich heute einen Knacks fürs Leben geholt haben." Wie Oberst Gädke im„B. T." mitteilt, sind Märsche von 60 Kilometer und darüber ausgeführt worden. Unsere Kolonien. Juli. 2. Ende deS Peters-Prozesses in München. Der angeklagte Redakteur Genosse Gruber wird wegen formaler Be- leidigung zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt. Peters, der in der Widerklage wegen Beleidigung verklagt ist, wird freigesprochen. In der Begründung des Urteils heißt es u.a.: Ter(von PeterS verfaßte) Arttkel der„Hamburger Nachrichten"(der Gegen- stand der Widerklage war) enthält scharfe Vorwürfe gegen die So- zialdemokratie und persönliche Angriffe gegen den Neichstags-Abg. Bebel, und zwar derarttge, daß er, wenn er Beleidigungsklage er- hoben, die Verurteilung des Dr. Peters erzielt hätte. Dagegen war Herr Martin Gruber nicht in der Lage, zu klagen. Was die Arttkel der„Münchener Post"(gegen Peters) anlangt, so maßt sich das Gericht kein Urteil darüber an, ob Dr. Peters'mit der Hin- richtung des Mabruk und der Jagodja am Kilimandscharo Maß- nahmen getroffen hat, die den damaligen Umständen nach gerecht- ferttgt waren oder nicht. Jedenfalls hält das Gericht es für fest- gestellt, daß Dr. Peters das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit nicht gehabt hat. Das Gencht ist weiter überzeugt, daß bei der Hin- richtung der Jagodja geschlechtliche Motive nicht in Frage gekommen sifid. Bei der Hinrichtung des Mabruk dagegen hält das Gericht es für möglich, daß der Umstand, daß Mabruk sich an die Mädchen zu drängen suchte, mitbestimmend für das Todesurteil gewesen ist. Unzutreffend dagegen hält das Gericht die von den Artikeln auf- gestellte Behauptung, daß die Handlungsweise des Dr. Peters sich darstelle als widerrechtlich brutal, als ruchlos raffinierter Lustmord, als bestialische Perversität, als unmenschliche Grausamkeit usw. August. 16. Die„Köln. Ztg." teilt triumphierend mit, daß sich im Bezirk Gobabis, dessen Wasser- und WeideverhälMisse allerdings zu den b e st e n des ganzen Schutzgebietes gehörten. 21 neue Farmer angesiedelt hätten, so daß es jetzt im ganzen Distrikt dreißig be- wohnte Farmen gebe. Die„Köln. Ztg." verschweigt, daß diese Farmbetriebe nur des- halb entstanden sind, weil wir mit einem Jahresaufwand von zirka 40 Millionen Marl in Südwestafrika eine dauernde Schutztruppe von zirka 6000 Mann unterhalten, von denen auch einige hundert Farmer bequem leben können. September. 17. Vor dem Kölner Schöffengericht beginnt der BeleidigungS- Prozeß des Zentrumsabgeordneten R o e r e n gegen den ehemaligen Bezirksamtmann von Togo Geo Schmidt. Folgendes wird in dem Prozeß festgestellt: Eingeborene sollen Zwangsfron verrichten, zu der sie sich mit Recht nicht verpflichtet fühlen. Ihre Weigerung wird mit Prügel» beantwortet, bei denen drei bis vier mehr als daumendicke Stöcke in Fetzen fliegen, bei denen auch die Haut der Geprügelten in Fetzen geht. Die Geprügelten, deren Rücken händgroße Wundstächen aufweist, mußten dann anderen Tages zur Arbeit antreten. Der Bezirksamtmann Herr Geo Schmidt hat eine schwarze „Frau", wie jeder Beamte. Aber neben dieser Frau hat er an jedem Orte, loohin er kommt, in Gestalt einer Frau oder eines Mädchens auch eine„Frau". Herr Schmidt hält sich neben seiner „Frau auch noch einen ganzen Harem junger Mägdelein. Die jungen Mägdelein begleiten ihn auch auf Reisen. Nicht erörtert ist worden, ob Schmidt sich seinen Harem von blutjungen Mädchen unter Anwendung seiner amtlichen Autorität gefüllt hat. Der Prozeß endete am 28. September mit der Ver- urteilung Schmidts, der dem Oberlandesgerichts- rat Roeren Verleumdung wider besseres Wissen öffentlich vorgeworfen hatte, zu 100 Mark Geldstrafe. Aus der inneren Politik. September. 11. Als im Jahre 1902 der Kampf um den Zolltarif tobte, wurde auf Veranlassung des Zenttums in§ 15 des Zolltarif- gesetzes bestimmt, daß ein bestimmter Teil der Zolleinnahmen zu einer Versicherung der Witwen und Waisen der Arbeiter verwandt werden solle. Es wurde den Arbeitern ver- heißen, daß voraussichtlich 70— 80 Millionen Mark jährlich für diesen Zweck angesammelt werden würden. Sofort wurde von den Sozialdemoki aten darauf hingewiesen, daß der Ertrag aus solchen Zollüberschüssen sehr unsicher und schwankend und deshalb zur Fundierung der Witwen- und Waisenversicherung wenig geeignet sei. Und wie damals befürchtet wurde, ist es gekommen, bisher haben die Zollerttögr noch keinen Pfennig zum Witwen- und Waisenfonds geliefert. Das Zolltarifgesetz ist am 1. März 1906 in Kraft getreten. Schon in dem einen noch in das Rechnungsjahr 1905 fallenden ersten Monat der Geltung des Zolltarifgesetzes stellte sich heraus, daß der Fonds eine Dotation nicht erhalten werde; und auch im Etatsjahre 1906(also vom 1. Mai 1906 bis Ende April 1907) ist für ihn nicht der gering st e Betrag abgefallen. Dagegen ist die Verteuerung des Lebensunterhalts durch den neuen Zolltarif eine Tatsache, die der Arbeiter täglich am eigenen Leibe verspürt. Von unserer Polizei. August. 15. Ein Zufall hat der„Volkswacht" zu Breslau einen geheimen Bericht des Breslauer Polizeipräsidenten an den Ersten Staatsanwalt zu Breslau zugettagen, den Herr Dr. Bienko nach der am Morgen des 1. Mai vorigen Jahres aufgelösten Tivoli- Versammlung noch am Mitlag desselben Tages gesandt hat und in dessen Verfolg Genosse Albert dann am Abend des gleichen Tages unter der Beschuldigung der Aufreizung zum Klassenhaß in Untersuchungshaft genommen wurde. In dem Bericht heißt es:„Es tritt immer klarer zutage, daß die eigentlichen Urheber der gegenwärtigen Arbeiterunruhen, die die Grundlagen des Staates und der öffentlichen Ordnung in bedenk- licher Weife zu erschüttern beginnen, die sozialdemokratische» Agitatoren sind, denen es ausschließlich um ihre parteipolitischen Jnterefien zu tun ist. Hier m Breslau treiben, wie die Fälle Löbe und KlühS beweifen, diese systematische Verhetzung der Massen in erster Linie die sozialdemokratischen Redatteure der„Bolkswacht", deren erlogene Berichte über die Vorfälle des 19. April und aufteizende Artikel alles bisher auf diesem Gebiete Beobachtete in den Schatten stellen. Diesen schamlosen Aeußerungen der Presse reiht sich würdig an die in dem anliegenden Bericht wiedergegebene Rede des Redakteurs Albert, in welcher von Bewahrung der Ruhe direkt abgemahnt und ausdrücklich auf die Gewalttaten der Jahre 1848 49 und auf die Verbrechen der russischen Revolution, die noch frisch im Gedächtnis stehen, als nachzuahmende Vorgänge hingewiesen wird. Wenn gegen derarttge Agitatoren nicht mit der vollen Strenge des Strafgesetzes eingeschritten wird, dürften sich alsbald, speziell hier in Breslau, Zustände etablieren, deren die Polizeibehörde kaum noch Herr werden könnte." 20. In M a i n z wurde, während der Kaiser seinen Einzug hielt. Feuer gemeldet. Das Automobil der Feuerwehr machte. um dem Kaiser nicht in den Weg zu kommen, einen Umweg und kreuzte den Weg des Kaisers erst an einer Stelle, die der Kaiser noch nicht erreicht hatte. Der Schutzmann aber, der die Ab- sperrung der Straße bewachte, hielt die Feuerwehr an und ließ sie eine Viertel stunde halten, bis der Kaiser herangekommen und vorbei war. 23. Der englifche Delegierte zum Stuttgarter Internationalen Kongreß, Genosse Queich, wird von der württembergischen Regierung ausgewiesen, weil er die Tätigkeit der Haager Friedenskonferenz abfällig beurteilt hat und dadurch deren Mitglieder beschimpft haben soll. 24. Ein Arbeiter, der zehn Jahre in der könig l. Artillerie- Werkstatt in Spandau beschäftigt war, wurde Anfang dieses Jahres plötzlich entlassen, weil er eine von sozialdemokratischer Settc einberufene Reichstagswählerversammlung besucht hatte und bei dem Hoch auf die Sozialdemokratie gleich anderen Versammlungsbesuchern aufgestanden war. Diese Tatsache ist der Leitung der Staatswerkstatt bekannt geworden durch den Polizeikommissar Marx, der jene Ver- sammlung überwacht hatte. Ein Zahntechniker, welcher dieses Ver- halten des Kommissars öffentlich gerügt hat, wird deswegen in zwei Instanzen zu 50 M. Geldstrafe verurteilt. MANN UETZ LEIPZIGER STRASSE Montag, Dienstag, Mittwoch, aar Vorrat«loht: ALEXANDERPLATZ 10 Waggon Konserven SPARGEL Diese Spargel• Conserven, aus einer der renommirtesten Fabriken Braunschweigs. sind garantirt erstklassiger Qualität and strammster Packung. Von sämtl. Sorten sind Musterdosen zur Ansicht geöffnet Pf. Pf. Hervorragend preiswertes Angebot besonders für Restaurateure, Hötels und Pensionats geeignet. '/i Do.«'/, Dom /- RiesenstangenspargelvtDo.6-.iobi.i6stanganinh.it........ I60 85 Prima Stangenspargei Extpastark, Vi Do.«--- 22 bl. 24 Stangen Inhalt 75 Prima Stangenspargel la-.M.b.te 30«rr. I25 68«. Stangenspargel.tarlc, Vl Dose= 32 bl. 36 Stangen Inhalt............ �20 0� p� Stangenspargel mittelstark, Vl Dose— 41 bis 50 Stangen Inhalt........ �10 00 Riesenbruchspargel................................... 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Januar, abends 8� Uhr, findet im „Prälaten", Lehderstr. 122, eine öffentliche Versammlung der sozial- demokratischen Frauen des Kreises Nieder-Barnim statt. Tages- ordnung: 1. Vortrag der Genossin Emma Ihrer. 2. Diskussion. 3. Bericht und Neuwahl der Kreisvertrauensperson. 4. Bericht u.jb Neuwahl der Vertrauensperson für Weißensee. Es wird den Genossinnen eines jeden Ortes zur Pflicht ge- macht in dieser Versammlung zu erscheinen, sowie rege für dieselbe zu agitieren. Frau N e u m a n n, Kreisvdrtrauensperson. Zehlendorf. Am Dienstag, den 21. d. M., abends 8 Uhr, findet tut Lokal von Benno Mickley, Potsdamer Straße 25, die General- Versammlung des Wahlvereins statt. Aus der Tagesordnung steht: Bericht des Vorstandes, Neuwahl des Vorstandes, die Gemeinde- Wahlen und Verschiedenes. Eintritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung wird erwartet, daß alle Mitglieder erscheinen. Adlershof. Am Dienstag, den 21. Januar, abends 8� Uhr. findet im Lokal von Kaul, Bismarckstraße 16, die Generalversamm- lung des Wahlvereins statt. Vollzähliges Erscheinen der Genossen ist dringend notwendig. Der Vorstand. Zossen. Am heutigen Sonntag, vormittags 814 Uhr, findet von dem Lokal Schimke, Baruthcr Straße, eine Flugblattverbrcitung statt. Des weiteren werden die Genossen daraus aufmerksam gemacht, daß am selben Tage, von nachmittags 414 Uhr ab, bei Fiedler. Dabendorf, ein vom Gewerkschaftskartcll arrangierter humoristischer Abend stattfindet. Hierzu werden die Genossen zu zahlreicher Beteiligung aufgefordert. Die Generalversammlung ist auf Mittwoch, den 22. d. M. fest- gesetzt, wozu das Erscheinen aller Genossen dringend erforderlich ist. Der Vorstand. Teltow. Am Dienstag, den 21. d. M., abends 8 Uhr, findet im Lokale des Gen. W. Bonow, Zehlendorfer Straße 4, die Ge- neralversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes und Neuwahl desselben, Parteiangelegenheitcn und Verschiedenes. Das Erscheinen aller Genossen ist dringend not- wendig. Der Vorstand. Rcinickendorf-Ost. Am Dienstag, den 21. Januar, abends 814 Uhr, findet bei Schaller. Provinzstraße 69, die Generalver- sammlung des Wahlvereins statt. Es ist Pflicht der Genossen, voll- zählig zu erscheinen. Der Vorstand. Tegel. Dienstag, 21. Januar, abends 814 Uhr, findet beim Genossen Götz, Schloßstraße 7/8, die Mitgliederversammlung des Wahlvercins statt. Tagesordnung: Vortrag über Kommunalpolitik und Arbeiter, Referent Stadtv. Oswald Grauer; Aufstellung von zwei Kandidaten zur Gemeindcwahl und verschiedene wichtige Punkte. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Mitglieder werden ge- beten, zahlreich zu erscheinen. Der Vorstand. berliner JVacbricbteiio In der Junkerbastille. Breit und massig liegt sie vor uns, die zurzeit den Mittel- Punkt des Politischen Interesses bildet. Durch ein Labyrinth von Gängen und Treppen winden wir uns unter Answengung unserer ganzen Orientierungsgabe bis hinauf an die geheinmis- volle Pforte, die ins Allerheiligste führt. Wir stehen auf der Tribüne und blicken hinab in den Kreis, wo die würdigen Volksvertreter sind, in deren Händen die Geschicke des preußischen Volkes ruhen. Leider sind es ihrer gar so wenig und die paar, die in Gruppen gemächlich herumstehen, scheinen sich seit Jahren nicht gesehen zu haben, so eifrig sind sie in ihre Privatgespräche versunken. Zum großen Teil wenden sie dem Redner die Kehrseite zu, während dieser im Schweiße seines Angesichts eine Rede schließt, von der man nicht weiß, ob sie in der deutschen oder portugiesischen Sprache gehalten wird, da wir kein Wort da- von verstehen, obgleich wir die Hände als Schalltrichter be- nutzen. Zwei oder drei Abgeordnete haben sich vor dem Redner- pult aufgepflanzt und heften ihre Augen unverwandt auf die Lippen des Sprechers. Ab und zu klingt ein vereinzeltes „Sehr richtig I" aus dem Stimmengewirr hervor, und wenn es zu laut wird, mahnt der Präsident v. Kröcher durch ein sanftes Anschlagen der Glocke zur Ruhe. Weiter rechts sitzen die Minister, wirkliche Minister, und wir erschauern ehrfurchtsvoll bei dem Gedanken, eine und die- selbe Luft mit ihnen zu atmen. Schüchtern und in heiliger Scheu heben wir unsere profanen Blicke von diesen Gewaltigen, die so fest, so gewichtig bis ins Innerste von ihrer Würde durchdrungen dasitzen und die doch ein schwacher ungünstiger Windhauch vom Schloßplatz her plötzlich hinwegblasen kann. Das beste hatten wir leider versäumt. Fürst Bülow hatte schon vorher gesprochen, und als wir kamen, war der zitaten- reiche Mund schon verstummt. Wir bedauern dies umsomehr. als es fraglich erscheint, ob wir jemals wieder zu diesem Genuß kommen werden, da laut einem zirkulierenden Gerücht der„Gesundheitszustand" des Fürsten seit einigen Tagen zu regen Besorgnissen Anlaß geben soll. Wir konnten uns hiervon selbst überzeugen, als"der treue Fridolin später aus einige Minuten im Saale erschien. Zwar war der Scheitel so gerade wie eine Front preußischer Grenadiere ge- zogen, aber die Grübchen, die Grübchen waren fast ver- schwanden in dem ernsten Gesicht und der müde Blick schien zu sagen:„So leb denn wohl, du stilles Haus l" Und still war das Haus, trotzdem auf der Tagesordnung „Zweite Beratung des Gesetzentwurfs über Maßnahmen zur Stärkung des Deutschtums in den Provinzen West- Preußen und Posen" stand. Auf der Tribüne schlössen die Zuhörer gemächlich die Augen, um sich einmal griindlich von innen zu betrachten, die Journalisten krauten sich gähnend hinter den Ohren und die Abgeordneten schlichen sachten Schrittes nach dem Speisesaal, um statt des Deutschtum ihren Magen zu stärken. Erst der wunderliche Bodelschwingh bringt etwas Leben in die Bude. Alle samnieln sich dicht um das Rednerpult und hÄen lächelnd best pathetischen Ausführungen dieses drolligen Männchens zu. Bon den übrigen Reden sind nur einzelne Brocken bis zu uns gelangt. »Wohl des Vaterlandes l Hat treues, preußisches Herz, Thron, Altar, Liebe, Monarchie" usw. Auch die Sozialdemokratie wurde oft erwähnt. Wo Argumente versagten oder verfehlten, wurde sie als„Wauwau" vorgeführt, und jedenfalls mit Erfolg. Nach der Abstimmung treten die„Volksvertreter" mit dem stolzen Gefühl, wieder einmal an dem„Wohl des Volkes" gearbeitet zu haben, den Heimweg an. Aber nicht die Stimme des Volkes hat sie in das Parlament berufen, sondern die Allmacht des Geldsackes. Tausende und Abertausende sind entrechtet und seufzen unter diesem schändlichen und verruchten System. Aber die Wellen der Volksbewegung steigen höher und höher und unterwühlen die protzige Willkürherrschaft der feudalen Sippe, die Flut zerschmettert das morsche Fundament der Junkerfeste und die Stunde kommt, wo ein frischer, kräftiger Sturmwind durch die faulige, stickige Atmosphäre des preußischen Dreiklassenparlaments braust I Die Gewcrbe-Deputation des Magistrats hat, wie wir seinerzeit berichteten, im Juni vorigen Jahres be- schlössen, bei den Kleinhändlern Erhebungen darüber anzustellen, ob diese mit einer Beschränkung der Verkaufszeit an Sonn- und Feiertage» auf die Stunden bis 10 Uhr vormittags unter Fort- sall der Stunden von 12 bis 2 Uhr nachmittags einverstanden sind. Der Zweck dieser beabsichtigten Neuordnung durch event. Erlaß eines Ortsstatuts ist also der, sowohl den Kleinhändlern selbst, wie auch deren Angestellten einen arbeitsfreien Sonntagnachmittag zu verschaffen, zu dessen freiwilliger Einführung die Geschäftsiichaber durch die blinde Konkurrenzwut bisher leider abgehalten wurden. Zur weiteren Vorberatung dieser Angelegenheit hatte die Ge- Werbedeputation eine Subkommission aus 9 Mitgliedern eingesetzt. Diese Kommissioü hat nach den Sommerferien zwei Sitzungen ab- gehalten und beschlossen, den betr. Geschäftsinhabern Fragebogen zuzustellen, um festzustellen, wie sich dieselben der beabsichtigten Neuregelung gegenüberstellen. Inzwischen hat auch der Magistrat seine Zustimmung zu dieser Enquete gegeben und beschlossen, bei der Stadtverordnetenversammlung die Bewilligung der Kosten, welche die Beschaffung und Verteilung bezw. Wiedereinziehung der Fragebogen verursachen, zu beantragen. In der am Mittwoch, den 15. Januar, abgehaltenen Sitzung der Gewerbedeputation erstattete die Subkommission Bericht über den Stand der Angelegenheit und beantragte die Zustimmung der Deputation zu den Beschlüssen der Kommission. Herr Stadtrat Dr. Weigert beantragte vergeblich, eine Ver- tagung der Angelegenheit herbeizuführen. Er begründet« dies da- mit, daß, wie inzwischen bekannt geworden, die Reichsregierung geneigt scheine, eine reichsgcs etzliche Neuregelung der Sonn- tagsruhe im Handelsgewerbe herbeizuführen. Es sei bereits ein Entwurf ausgearbeitet und den einzelnen Landesregierungen zur Begutachtung zugestellt worden. Die Gewerbedeputation war jedoch der Ansicht, daß man auf die jedenfalls lange Zeit erfordernden Vorarbeiten der verbündeten Regierungen nicht Ivarten solle und beschloß einstimmig— gegen die Stimme des Herrn Stadtrat Dr. Weigert—, die Subkommission mit der Ausarbeitung der Fragebogen zu betrauen und die Enquete baldmöglichst zu veranlassen. Der§ 139« der Gelverbeordnung, durch den der Neunuhr- Ladenschluß in den offenen Verkaufsstellen eingeführt wurde, ent- hält die Ausnahmebestimmung, daß an höchstens 49 Tagen, die von der Ortspolizeibehörde zu bestimmen sind, der Ladenschluß erst um 19 Ubr abends zu erfolgen braucht. In Berlin hat das Polizei- Präsidium die Zahl der Ausnahmetage, an denen die Läden bis 19 Uhr geöffnet sein dürfen, auf 15 festgesetzt. Die Gewerbedeputation hat sich wiederholt dem Polizeipräsi- dium gegenüber gutachtlich dahin geäußert, daß es genügen würde, jährlich nur zehn Ausnahmetage zuzulassen. Die Aeltesten der Kaufmannschaft und die Korporation der Kaufleute haben sich gegen diese gutachtliche Aeußerung der Gcwerbedeputation erklärt und gefordert, daß nach wie vor 15 Ausnahmetage zugelassen werden sollen. Unter diesen Umständen hat sich der Polizeipräsident abermals an die Gewerbedeputation gewandt mit dem Ersuchen um noch- malige Beschlußfassung darüber, ob die Deputation ihren Vor- schlag, die Zahl der Ausnahmetage mit Zehnuhr-Ladenschluß von 15 auf 19 im Jahre herabzusetzen, aufrecht erhält.— Es wurde beschlossen, dem Polizeipräsidium mitzuteilen, daß die Gewerbe- dcputation sich nicht veranlaßt sehe, ihre früheren Beschlüsse auf. zuHeben. Sie erachte trotz der erhobenen Widersprüche der ge- nannten kaufmännischen Organisationen 19 Ausnahmetage fiir ausreichend. Um der in einzelnen Industriezweigen üppig ins Kraut schießenden Lehrlingszllchterei, mit der sich die Gelverbedeputation wiederholt beschäftigt hatte, wirksamer entgegentreten zu können, beschloß die Deputation, sich mit der Gewcrbeinspektion in Ver- bindung zu setzen. Gegen die hiesige Fleischcr-Jnnung, deren elende Arbeits. nachtoeis- und tzcrbergsvcrhältnisse die Gcwerbedeputation wieder- holt beschäftigten und zu ernsten Rügen veranlaßten, hat ein Mit- glied dieser Innung Beschwerde geführt, weil aus den Mitteln der Innung 599 M. für ein Fenster der neuerbauten Lazaruskirche be- willigt und verausgabt worden sind.— Die Mehrheit der Deputation beschloß, der Beschwerde keine Folge zu leisten, obwohl von mehreren Rednern darauf hingewiesen wurde, daß die Stiftung eines Kirchen- fenstcrs nicht zu den Aufgaben der Innung gehöre. Zum Schlüsse verhandelte die Gewerbedeputation noch über eine Beschwerde des Gesellenausschusses der Schmiede-Jnnung über die Zustände im Arbeitsnachweis dieser Innung. Es wird in der Beschwerde gerügt: 1. daß die Arbeitsvermittelung durch den Her- bergswirt erfolgt; 2. daß nicht bestimmte Stunden für die Arbeits- vermittelung festgesetzt sind; 3. daß auch Nichtinnungsmitglieder den Arbeitsnachweis benutzen.— Diese Beschwerde wurde für be- rechtigt erachtet und soll der Innung aufgegeben werden, Wandel zu schaffen.— Ein Antrag des Vorstandes der Schmiede-Jnnung auf Ergänzung der verweigerten Zustimmung des Gesellen- ausschusses zur Arbeitsausgabeordnung wurde durch vorgenannten Beschluß für erledigt erachtet._ Ter kleine Byzantiner aus London. Int„Lokal- Anzeiger" vom letzten Freitag finden wir neben den Todesanzeigen ein auffälliges Inserat, wonach jener achtjährige Engländer, der„dem deutschen Kaiser bei seinem Abschiede von London mit Genehmigung der deutschen Botschaft einen Blumenstrauß überreichen durfte, was in der Presse der ganzen Welt kommentiert worden ist," öffentlich meistbietend versteigert werden soll. Das heißt, der mit einem Schlage„berühmt" gewordene kleine Mann soll für eine Zeitlang derjenigen Berliner Familie als Schaustück über- lassen werden, welche am besten seine Verpflegung gewähr- leistet. Als Ersatz will man ein Berliner Kind nach London nehmen. Ganz gleichwertig wird dieses zweibeinige Objekt allerdings nicht sein, denn hier an der Spree hat noch kein Achtjähriger Gelegenheit gefunden, den teuren Onkel Eduard mit Blumen zu beglücken. Die bekannte moderne Methode des Kinderaustausches wird also in dieser Form stark auf das praktisch-byzantinische Gebiet hinübergespielt. Der Junge soll Karriere machen, und jener gerissenen Londoner Familie ist es offenbar nicht unangenehm, wenn sie aus dem so furchtbar unbedeutenden Vorgang Kapital schlägt. Echt englisch, trotz aller früheren Deutschenfresserei l Vielleicht schickt man als Ersatz eine der Berliner städtischen Ehrenjungfrauen, die wir ja massenhaft auf Lager haben, nach der Themse hinüber. Die Wahlen der Gchülfenbeisitzer zum Kaufmanns. gcricht Berlin finden am Sonntag, den 9. Februar 1903 von 19 Uhr vor» mittags bis 3 Uhr nachmittags statt. Wahlberechtigt ist jeder Handlungsgchülfe. der bis zum 9. Februar 1908 das 25. Lebensjahr vollendet hat und in Berlin beschäftigt ist. Eine Wählerliste wird nicht aufgestellt. Dagegen gibt der Magistrat Wahllegitimationen heraus, auf denen vom Chef oder von der Polizeibehörde zu bescheinigen ist, daß der Gehülfe in Berlin tätig ist. Die amtlichen Formulare zu diesen Legitimationen sind kostenlos zu haben: 1. Wahlbureau des Magistrats, Poststr. 16. 2. Bureau des Zentralverbandes der Handlungsgehülfen und Gehülfinnen Deutschlands, Neue 5lönigstr. 36, vorn I. 3. Bureau der Berliner Gewerkschaftskommisston, Engel- Ufer 15. I. 4. Expedition des„Vorwärts". Lindenstr. 69. 5. Zigarrengeschäft Jakob Wiebe, Wendenstr. 2. 6.„ Adolf Adler. Voltastr. 37. 7. Zeitungsspedition H. Raschle, Ackerstr. 36. 8.„ Karl Mars, Lychener Straße 123. 9. ,. Karl Anders. Salzwedeler Straße 8. 10.„ Karl Weiße, Michaelkirchstr. 49. „Kaufmannsgerichts-Wahlen", Liste IV, war das Thema, das Handlungsgehülfen am Freitag zu einer Versammlung nach dem „Deutschen Hof rief, allwo Justizrat Träger und Rektor Kopsch als Redner und Streiwermittler auftreten sollten,— da, wie der Vorsitzende betonte» Nichtangehörige des Standes ein klareres Urteil hätten! Nicht erschienen war Herr Justizrat Trägerl Dafür sprach Rektor Kopsch in ganz besonders„schönen" und eindringlichen Worten,— man konnte beinahe sagen, es klang wie Grabgcläutcl So feierlich, pathetisch, wie nur ein Pastor sein kann! Wenn Bülows Parole lautet:„Nur keine Gefühlspolitik I" so bieß Herrn Kopschs Devise:„Nur nicht Parteigesinnung!"— Ueberhaupt keine„Gesinnung"! Nur Standesinteressen! Zum Uebcrfluß wies er noch hin auf seinen Stand, die Lehrer, und zeigte, wie herrlich weit man da doch immerhin schon ge- kommen sei.— auch ohne jcdeGesinnung natürlich! Zur Sache selbst sprach Herr Kopsch sehr wenig. Er warnte nur, von dem einen Extrem, dem Manchestertum, ins andere, dem Sozialis- mus zu fallen,— man solle hübsch die Mitte halten und die Rolle des„ollen ehrlichen Maklers" weiterspielen, nach dem berühmten Porbild des(reingefallenen) Freisinns I Lieb Vaterland, kannst ruhig sein! Sicherheit für Reellität. In Zeiten des Beschäftigungsmangels ist dem. der Verdienst sucht, jede Arbeit recht. Da bleibt der sogenannte Nebenerwerb, so unlotrnend er auch sei, für viele noch die einzige Einnahmequelle. Da muß manchem, der am Versinken ist, der kärglichste Gelegen- hcitsverdienst ein letzter Rettungsanker sein. In solchen Zeiten ist der Verzweifelnde bereit, selbst bei den unsichersten Anerbietungen. ivie sie in gewissen Annoncenblättern sich finden, womöglich noch Geld hinterherzuwerfen, um die erhoffte Beschäftigung zu kriegen. Und in solchen Zeiten blüht auch der Weizen geriebener Gauner, die dem Arbeitsuchenden durch verlockendste Angaben seine letzten Groschen und Pfennige abschwindeln und dann entweder überhaupt nichts mehr von sich hören lassen oder ihn narren durch Nachweisung einer„Beschäftigung", bei der der betrogene Arbeitsucher elend verhungern kann. Ein Parteigenosse P., der gleichfalls bei der Suche nach Ge- legenheitsverdienst geprellt worden zu sein glaubt, teilt uns die Erfahrungen mit, die er hat machen müssen. Wir können nicht wissen, ob seine Vermutung zutrifft, und wir wollen uns daher jeder Kritik enthalten. Aber das braucht uns nicht zu hindern, P.'s tatsächliche Angaben dem Urteil der Oeffcntlichkeit zu unter- breiten. Da im übrigen eine schleunige Aufklärung dringend nötig ist und eine solche von den langsam arbeitenden Polizei- behörden nicht erwartet werden kann, so bleibt uns nur übrig, hier den Sachverhalt darzustellen. P. war durch eine Annonce der„Morgenpost" angeregt worden, in den ihm aufgezwungenen Mußestunden sich als A d r c s s e n s ch r e i b e r betätigen zu wollen. Es wurden da von einer Alice F ö l m e r, die Linden bei Hannover als ihren Wohnsitz angab, Adressenschreiber gesucht, denen sie fürs Tausend 8 M. versprach. Ein gewerbsmäßiger Adressen- schreiber hätte das vielleicht für verdächtig gehalten, da wohl iciu Mensch für bloße Adresscnschreiberei solche Preise zahlt. P. hielt den Preis für normal, schrieb nach Linden und meldete sich. Als Antwort kam ein offener 3 Pfennigbrief, der mit dem Firmen- aufdruck„Alice Fölmer. Buchhdlg. und Adreßverlag, Linden bei Hannover" geschmückt war und das folgende hettographierte Schreiben enthielt(buchstabengetreu): Linden, Dezember 1997. P. P. In Entgegnung Ihrer gefl. Offerte teile Ihnen, das es sich um Adressciischreibcn handelt. Ich zahle Ihnen selbst für 1999 Adreßen Mrk. 8, ver- weise Sie also nicht an andere Firmen. Sollten Sie geneigt sein, diese Beschäfticgung zu übernehmen, so bitte ich um Ein- sendung von Mrk. 1,59, Weichs Sie nach Lieferung der ersten 1999 Adreffend zurück erhalten,«sofort nach Eingang Ihrer Antwort werde ich Ihnen meine Anweisung zuschicken und können Sie dann gleich mit der Arbeit beginnen. Ihre genaue Adresse wollen Sie mir nochmals mitteilen. Marken nehme nicht in Zahlung. Alice Fölmer, Linden-Hannover. P. wurde nicht stutzig, sondern übersandte die ver» langten 1,59 M. Da Alice Fölmer hierauf zunächst nicht ant- wortete, so schöpfte P. Verdacht und schickte einen Mahnbrief hinter- her. Erleichtert atmete er auf, als endlich Antwort kam. Der Inhalt dieses zweiten Fölmcrschen Briefes bestand aus drei Blatt Papier. Auf dejn ersten Blatt stand folgende hettographierte Mitteilung(buchstabengetreu): Linden-Hannover, D. d. P.— P. P. Mit gegenwärtigen gebe Ihnen Bericht, was für Adressen Sic für mich zu schreiben haben. Aus der Anlage(meinem neuen Prospekt) wollen Sic ersehen daß ich meinen Geschäftsbetrieb geändert habe und zwar sehr zu Ihrem Vorteil. Betreffs der Adressen welche ich ge- brauche, diene Ihnen folgendes. Ich beabsichtige im laufe dieses Jahres einen Gratis-Kursus in Hypnotismus usw. zu veran- stalten und gebrauche ich nun die Adressen solcher Damen und Herren welche geneigt sind an demselben teilzunehmen. Die Adressen werden auf Listen nach beiliegenden Muster geschrieben. Ich hoffe baldigst in den Besitzt der Resultate Ihrer Arbeit zu gelangen A. u. Gg. Fölmer. Das zweite Blatt, das wohl den neuen Prospekt vorstellte, enthielt die folgende» gleichfalls hektographicrte Mitteilung(buch- stabengctreu): Magdeburg, D d. P.— In Entgegnung Ihrer gefl. Offerte teile Ihnen mit, daß ich noch immer Adrcssenschreiber gebrauche. Ich zahle pro 1999 Stck. Mrk. L0. selbstverständlich müßen Sie sich Me Unterlagen selbst verschaffen. Wollen Sie diese Arbeit übernehmen so senden Sie mir als Sicherheit daß Sie auch wirklich recl für mich arbeiten M. 2, diese erhalten Sic nach Lieferung der ersten Adressen zurück. Ich gebrauche eine be- sondere Art Adressen, aus Adreßbüchern abgeschriebene Adressen kann ich nicht gebrauchen, ich zahle daher auch einen so hohen Preis. Die Bezahlung der Eingesandten Adressen erfolgt nach Prüfung(ungefähr L Tg.) derselben. Bemerken mögt« ich noch, daß ich meinen Wohnort nach hier verlegt habe, aus diesem Grunde war die Verzögerung unvermeidlich. A. u. Gg. Fölmer. Magdeburg, Johannisfahrtgasse b. Es bandelte sich also nicht um die Aufgabe, nach einer borge- legten Adresjenlistc Briefe mit Adressen zu beschreiben, sondern der„Adressenschrciber" sollte selber die Adressen erst sammeln. Er durfte sie auch nicht aus einem Adreßbuch ab- schreiben, sondern muhte persönlich nach Herren und Damen suchen bei denen er Interesse für„Hypnotivmuö" voraussetzen tonnte. Für diese Arbeit versprach die geänderte Firma jetzt von anderem Wohnsitz aus infolge Aenderung ihres Geschäftsbetriebes nicht mehr 8 M., sondern sogar M M. Eine Anleitung, wie die Arbeit ausgeführt werden sollte, war das dritte Blatt, das in dan Brief lag. Es war weiter nichts als ein Blatt weißen PapiereS, an dessen Spitze als Muster eine erst« Adresse stand, nämlich die des hoffnungsvollen„Adressenschreibers" selber. Er brauchte nun nur noch 009 andere Adressen darunter zu setzen, dann wollten A. u. Gg. Fölmer die ersten 20 M. schicken. Bedingung war aber, daß er selber zu allererst ihnen 2 M. übersandte— als„Sicherheit" für„Reell ität". Unser Genosse P. hatte genug an diesen Erfahrungen. Er wollte nicht noch mehr Geld hinterherwerfcn, sondern schrieb an A. u. Gg. Fölmer und forderte seine t.öO M. zurück. Seitdem ist bereits ein volle Woche vergangen, und P.— wartet noch immer auf Antwort._ Stiftung für Tuberkulöse. Tie im Dezember vorigen Jahres eröffnete Adolph vom Rath- Stiftung für Tuberkulöse, welche den Zweck hat. Lungenkranke mit kräftigender Nahrung zu versorgen, ist gegenwrtig im vollen Be- triebe. Es werden täglich unentgeltlich 125 Portionen mittels Speiscautomobils in die Wohnungen der Kranken gebracht. Um möglichst zahlreichen Tuberkulösen die Segnung dieser Stiftung zuteil werden zu lassen, ist die Bestimmung getroffen, daß jede Familie die Mahlzeit durchschnittlich für die Dauer von sechs Wochen erhalten soll. Anträge um Bewilligung von Krankenkost sind an die Adolph vom Rath-Stiftung, Berlin C. 2, Brüderstr. 10, zu richten.___ Der neu« Omuibustarif, der erst seit dem 1. Januar in Kraft getreten ist. hat von keiner Seile Gegenliebe gefunden, weder beim Publikum noch bei den Angestellten der Gesellschafr. Das Publikum ist unzufrieden, daß der Fünfpfennigtarif abgeschafft ist, und die Angestellten murren, daß ihnen ihre Einnahme an Trinkgeldern so gut wie genommen ist. Tie Direktion weiß das, denn sie hat gestern in allen Depots folgende Bekanntmachung anschlagen lassen: Bekanntmachung. „Durch den uns vom Polizeipräsidium und vom Magistrate vorgeschriebenen Tarif find zurzeit Verhältnisse eingetreten die zur Unzufriedenheit'des Publikums und eines Teiles unserer Angestellten geführt haben. Wir sind damit beschäftigt, eine Aenderung bald eintreten zu lassen und werden dabei auch di- Interessen unserer Angestellten in jeder Weise wahrnehmen. Wir erwarten von den Angestellten, daß sie unsere Maßnahmen nun in Ruhe abwarten und ihren Dienst weiter mit der frühere» Aufmerksamkeit ausüben werden. Berlin, den 16. Januar 1963, Tie Direktion." Nach dieser Bekanntmachung will die Direktion bald eine Aenderung eintreten lasse». Sic könnte nichts Besseres tun, als den Fünfpfennigtarif wieber einzuführen. Ei« Raubmord. Die Nachricht von der Verübung eine« neuen Kapitalverbrechens durcheilte gestern abend die Stadt. Jir der Linienstr. 100b ist gestern die Witwe Marie N i l b o ck in ihrem Geschäft erschlagen aufgefunden worden. Die N. betreibt in dem Keller des Hauses Ltnienstr. 190b ein Alteisenivarengeschäft. Es war aufgefallen, daß gestern das Geschäft nicht geöffnet wurde und eS wurde gegen Abend die Oeffimng des Produltenkellers veranlaßt. Dabei ergab sich, daß der Witwe der Schädel gespalten und daß ihr Tod bereit» eingetreten war. Bei der Leiche wurde ein vierkantiger Eisenstab vorgefunden. mit welchem vermutlich die Tat ausgeführt worden ist. Die Kapitalverbrechen häufen fich in unheimlicher Weise. Um nur von der letzten Zeit zu reden, sind noch in frischer Erinnerung der Mord an der Wirtschafterin Plat. die Bluttaten in der Prenzlauer Allee und die in Charlottenburg, begangen an Kindern, der Ueberfall aus die Hausbesitzerin Conrad, der Mord an der grau Glässer. Und in allen diesen Fällen hat unsere Kriminalpolizei eine sehr unglückliche Hand gehabt, in noch keinem Falle ist ein Täter Zweifels- frei festgestellt worden. Wie es im vorliegenden Falle steht, ist noch nicht bekannt._ AuS der beste» der Welte«. Der Selbstmord eines Arbeitslosen rief gestern an der EbertSbrücke Aufsehen hervor. Ein etwa 30 Jahre alter unbekannter, dem Arbeitcrstande an- gehöriger Mann hatte nachmittags durch sein unruhiges Gebahren die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich gelenkt. Als ihn ein vor- überkommender Herr fragte, was ihm fehle, erwiderte er, er sei arbeitslos und finde keine Beschäftigung. Wenige Minuten später schtvang sich der Bedauernswerte über da» Brückengeländer hinweg in die Spree hinab. Man versuchte zwar sofort, dm Lebensmüden zu retten, aber alle Bemühuiiften waren vergeblich. Der Unbekannte war bereits in der Tiefe verschwunden. Bekleidet war er mit ab- getragenem hellem Winterniantek, dunklem Anzug und schwarzein steife» Hut._ Die Zahl der«eugierigen Lehrer, die von ihren Schlllen, wissen wollen, wessen Väter an der Wahl- rechtöveranstaltung am Sonntag teilgenommen haben, mehrt sich. Heute liegen uns wieder zwei Meldungen vor. In dem einen Falle handelt es sich um eine Lehrerin der 7.0-Klasse der 146. Gemeindeschule in derHniinöverschen Straße. Dort stellte die LehrerinCarow eine dementsprechende Frage an die Knaben. Der zweite Fall betrifft den Lehrer G ch i m k a t aus der Oberklass« der vereinigten Reben- klaffen der 268. Gemeindeschule in der Warschauerstraße. Der letzt- genannte Herr soll sogar gefragt haben, wessen Väter am Sonntag zu Schaden gekommen sind. Wie kommm diese Lehrpersonen dazu. solche Frage» an die Kinder zu richten? Noch dazu Fragen, die einen starken, deimnziatorische» Beigeschmack haben. Es wird wirklich Zeit, daß diesem Treiben endlich ein Ende gemacht wird. Ein uraltes Berliner Mauerwerk, welches Zeugnis ablegt von der soliden Bauart des alten Berlins, ist auf dem Gelände des ehemaligen städtischen Magazins in der Neuen Iriedrichstraße frei- gelegt worden. Es handelt sich um eine Grundmauer, die nicht weniger als vier Meter dick ist und um mehrere hundert Jahre älteren Ursprungs sein dürfte, als es das vor einem Jahrzehnt abgerissene städtische Gebäude war. Nicht weniger als drei Sprengungen mußten durch Mannschaften des EiscnbahnregimentS vorgenommen werden, um die gewaltigen Fundamente zu be- feitigen. Obwohl die Ausschachtungsarbeiten auf dem Grund- stück schon vor Weihnachten beendigt sein sollten, konnte dies bis heute noch nicht geschehen. Bei de: Aushebung des Erdbodens wird immer neueö Mauerwerk freigelegt, welches nur unter ungeheuren Schwierigkeiten und stückweise abgemeißelt werden kann. Die Fundaments stammen dem Anscheine nach aus dem 12. Jahr- hundert. Was für Baulichkeiten damals an jener Stelle gestanden haben, ist nicht bekannt. Heber Massenerkrankungen in zwei Gemeindeschulen wird be- richtet: In der 78. und 07. Gemeindeschule, Christianiastr. 4—6, find seit einigen Wochen Diphtherie- und Maserncrkrankungen be- obachtet worden. In der 78. Gcmeindeschule für Knaben traten schon bor Weihnachten etwa 30 Fälle auf. Der Rektor der Schule ordnete bei Feststellung eines jeden Krankheitsfalles die Des- infcktion des betreffenden Klassenzimmers an. Nach Weihnachten ging denn auch die Krankheit etwas zurück. Erst in dieser Woche traten wieder mehrere neue Erkrankungen auf. In der Knaben- schule sind rund dreißig kranke Kinder und in der Mädchenschule «07. Gcmeindeschule) scsst ebensoviel gezählt worden. Tie Rektoren haben auch jetzt wieder Dcsinfcklionen oer einzelnen Räume vor- nehmen lassen. So wurden gestern in der Knabenschule drei und in der Mädchenschule zwei Klassenzimmer desinfiziert. Tie Rek- torcn haben sofort Meldung an die vorgesetzte Schulbehörde er. stattet, doch ist bisher eine Antwort hierauf noch nicht eingegangen. Infolgedessen sind die Schulen seltsamerweise auch noch nichr gc- Ichlossen. Die Rektoren wollen erst die Antwort der vorgesetzten Schuldchorde abwarten, die hoffentlich schnellstens, che die Krank- heit weiter um sich greift, erteilt wird. Ob diese Rachtricht im vollen Umfange zutrifft, konnten wir bisher nicht feststellen. Eine» schaurige» Fund machte vorgestern ein Polizeibcamter im Nordwesten der Stadt. An der Unterbaumstraße unter der Stadt- bahnüberführung entdeckte er einen Eimer, der mit einem Blech- decket verdeckr war. Als er den Deckel emporhob, fand er zu seinem Entsetzen die Leiche eines Kindes vor. Der tote Körper war noch warm. Neben dem Eimer lag eine mit Blut besudelte Bluse. Die Leiche wurde durch die Polizei nach dem Schauhause gebracht. Von der Täterin fehlt jede Spur. Der Eimer, in dem die Leiche unter- gebracht worden war, war aus Emaille und hatte die Form eines sogenannten HoteleimerS. In große Aufregung versetzt wurden gestern vormittag die Be- Ivohner deö Hauses Schivelbeinerstr. 4. Ter im Ouergebäude wohn- hafte Mieter Schulze, in der Gegend unter dem Namen„Schwindel- Schulze" bekannt, schnitt sich unter der Einwirkung deS Alkohols mit dem Kücheninesscr den Leib auf. Ein in demselben Hause wohnhafter Mieter würbe durch das Jammern der Frau auf- merksam gemacht, worauf er in die Wohnung ging und Sch. das Messer entriß. In dcoenilichem Zustand wurde Sch. in das Lazarus-Krankenhaus gebracht. Ein sonderbarer Heiliger. Eine neue Stiftung nach dem Muster der L'Abbahe-Stiftung hat die Zustimmung des Magistrats gefunden. Frau Ida Bodien, geb. Brusckffe. hat zur Errichtung einer Gotthard und Ida Bodien- Stiftung für wohltätige Zwecke der Stadt 30 000 M. vermacht. Aus den Zinsen sollen alljährlich an dem Geburtstage des Ehe- manneS 25 hülfSbedürftige Handwerker oder kleine pensionierte Beamte, die das 50. Lebensjahr überschritten haben, und am Ge- l-urtstage der Erblasserin 25 Frauen oder Mädchen gespeist werden. Da« Kuvert soll nicht mehr als 3 M. kosten. Außerdem soll eine halbe Flasche Wein verabreicht werden. Der Rest der Zinsen soll an diese 50 Personen gleichmäßig verteilt werden. Der Wirt, bei dem die Speisung erfolgt, darf aber kein Um- stürzler sein. Die Speisung soll stets mit einer entsprechenden Ansprache eines vom Magistrat designierten Beamten eingeleitet werden. Der Testator scheint ein Sozialistenwüterich gewesen zu sew. daß er verbietet, die im Testamente vorgesehene Speisung bei einem„Umstürzler" vornehmen zu lassen. Diese Bestimmung hätte er sich sparen können, daß sie ohnehin ausgeführt worden wäre, dafür bürgt der Magistrat selber. Wageamarder entwickeln wieder einmal in den Straßen Berlins eine recht eifrige Tätigkeit. In den letzten Tagen haben diese Spezialisten der DiebeSzunft nicht weniger als sechs Fuhr- werke mit wertvoller Ladung gestohlen. Einen Schaden von 3000 M. hat die Firma Joachim u. Co. durch einen dreisten Wagen. marder erlitten. Am Ostbahnhof entführte der Bursche ein mit Kaffee beladcnes zweispänniges Fuhrwerk der erwähnten Firma. Seidene Blusen und Stoffe im Werte von 2000 M. erbeutete ein anderer Dieb, der ein Gcschäftsdrcirad des Seidenhauscs von Michels u. Co., Leipzigerstrahe, stahl. Während ein Hausdiener in dem Hause Mauerstc. 37 Waren ablieferte, schwang sich der Räuber auf den Sitz des Dreirades und fuhr davon. Es befanden sich in dem Kastenaufsav für 2000 M. seidene Blusen und Stoffe. Nicht weniger als 250 Anzüge fielen einem dritten Wagenmarder in die Hände, der im Osten der Stadt fein Unwesen treibt. Am Straußberger Platz stahl er ein ohne Aufsicht gelassenes Gefährt der Konfektionsfirma P., Frankfurter Allee 180. Die Beute des Diebes hat einen Wert von annähernd 3000 M. Ein mit Fracht- gütern beladencr Rollwagen einer Speditionsfirma M. in � der Scharnhorststr. 7 wurde auf dem Anhalter Güterbahnhof entführt. Das Fuhrwerk war mit zwei Füchsen bespannt. Außerdem wurden in der Britzer Straße und in der Tauenzienstraßc Fuhrwerke mit wertvoller Ladung gestohlen. Im Berfolgungswahnsinn ins Wasser gegangen ist die 32 Jahre alte Kontoristin Elisabeth Brink aus der Gothenstr. 6. Die B. war seit nahezu 15 Jahren in einem hiesigen Warenhause in der Leip- zigcr Straße als Kontoristin tätig gewesen. Im Laufe der Jahre wurde sie durch Ueberarbeitung nervenkrank. Vor etwa sechs Wochen verschwand sie plötzlich aus der Wohnung ihrer Angehörigen. Jetzt endlich ist sie als Leiche aus dem Landwehrkanal gelandet worden. Da sie Ausweispapiere nicht bei sich hatte, wurde sie als unbekannt beerdigt. Erst durch das Portemonnaie und durch einen Ring konnte sie von ihrem Bruder nach der Beerdigung rekognos. ziert werden. Die Unglückliche hatte sich in einem Anfall von Ber- folgungswahnsinn das Leben genommen. Arbeiter-BildungSschule Berlin.(Schullokal: Grenadierstr. 37, Hof geradezu 1. Etage.) Heute abend findet in Kellers Festsälen (Jnh. Freyer) das 17. Sliftungsfeft der Arbeiter-BildungSschule statt. DaS gediegene Programm(siehe Inserat in der heutigen Nummer) verspricht, für alle Teilnehmer ein genußreicher Abend zu werden. Der Vorstand hat Vorsorge getroffen, daß sich auch bei dem zu erwartenden starken Andrang Unannehmlichkeiten irgendwelcher Art nicht ergeben können. Wir ersuchen aber auch die Arbeiterschaft, sich rechtzeitig mit Billetts zu versehen. Gleichzeitig machen wir auch an dieser Stelle auf die in dieser Woche beginnenden Kurse für das erste Quartal 1008 aufmerksam. Auch hierbei erwarten wir, daß die Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins unseren Bestrebungen dadurch tatkräftige Förderung an- gedeihen lassen, daß sie mehr als je die Arbeiter-BildungSschule besuchen. Am Montag beginnt: Naturerkenntnis.(Bor- tragender: Emanucl Wurm.) Dienstag: Rednerschule.(Vor- tragender: Max Grunwald.) Mittwoch: Ge s e tzes k u n d c.(Vor- tragender: Simon Äatzenstein.) Donnerstag: Nationalökonomie.(Vortragender: Max Grunwald.) Freitag: Lite- raturgeschichte.(Vortragende: Frau Ncama Rüben.) Sonn- abend: Geschichte.(Vortragender: Dr. A. Conrady.) Der Steglitzer Kursus in Geschichte(Vortragender: Heinrich Schulz) und der Tempelhoser Kursus in Nationalökonomie(Vortragender: Julian Borchardt) be» ginnen beide am Montag, den 20. d. M.(Siehe auch den aus» sührlichen Lchrplan im Inseratenteil dieser Nummer.) Treptow-Sternwarte. Nur noch kurze Zeit wird sich Gelegen- heit bieten, die Mond« deö Saturns in gerader Linie mit dem Ringsystcm desselben beobachten zu können, da fich die Sonne dem Planeten immer mehr nähert, so daß der Saturn in den Strahlen der Sonne verschwindet und später monatelang nur am Morgen- Himmel zu beobachten sein wird. AuS diesem Grunde wird jetzt auf der Treptow-Stcruwartc allabendlich der Saturn mit dem großen Fernrohr gezeigt. Nach Untergang des Saturns wird Jupiter bczw. der Mond beobachtet. Am Sonntag, den 10. Januar, nachmittags 5 Uhr, spricht Direktor Dr. Archenhold aus der Treptow- Sternwarte über:..Ein Tag auf dem Monde". Für den 7-Uhr- Vortrag sind die Plätze bereits alle belegt. Montag, abends 0 Uhr, spricht Direktor Dr. Archenhold über:„Lebensbedingungen aus fremden Himmelskörpern". Zeugen gesucht. Am 25. Oktober 1907, abends 10 Uhr. hak sich auf dem Stadtbahnhof Alexanderplatz bei Abgabe der Fahrkarte an den diensttuenden Beamten wegen Nachzahlung von 15 Pfennigen infolge irrtümlichen Zuweitfahrens ein Vorfall abgespielt, der zu einer Anklage geführt hat. Persone:,, die diesen Vorfall angeschen haben, werden um Abgabe ihrer Adresse an W. Lange, per Adresse Max Kukluk, GreifSwalderstr. 45, gebeten. Ein Portemonnaie mit 96,25 M. Inhalt hat der Arbeiter Max Pankrath, Rixdorf, Äaiser-Friedrich-Slraße 108, gestern verloren. Der cvent. Finder wird gebeten, den Fund zurückzuerstatten, da eö sich um eiulassierte Gelder handelt, für deren Ersatz der Verlierer haftbar ist. Im wissenschaftlichen Theater der Urania gelangen die beiden neuen mit zahlreichen farbigen Bildern und Wandelpanoramen ausgestatteten Vortrüge:„Kairo und die Pyramiden" und„Eine Nilfahrt bis zum zweiten Katarakt" abwechselnd zur Darstellung und zwar am Sonntag, Dienstag, Freitag:„Eine Nilfabrt bis zum zweiten Katarakt", und am Montag, Donnerstag und Sonnabend: „Kairo und die Pyramiden". Am Mittwoch findet der vierte Vor» tragsabend des Wissenschaftlichen Vereins statt; es wird sprechen Prof. Dr. H. Klaatsch-Breslau über:„Australier und Urmensch". Außerdem finden am Mittwoch und Sonnabend Nachmittagsvor» träge zu kleinen Preisen statt und zwar am Mittwoch:„lieber den Brenner nach Venedig", und am Sonnabend:„Frühlingstage an der Riviera".— Im Hörsaal werden in dieser Woche nachstehende gemeinverständliche naturwissenschaftliche Vorträge gehalten: Diens- tag, Dr. C. Thcsing:„Entwickelungsgeschichte und Systematik als Beweis für die Abstammungslehre". Mittwoch, Direktor O. Krell: MotorballonS und Flugmaschinen". Donnerstag, Professor Rathgen:„Kalium und seine wichtigsten Verbindungen". Freitag, Konstruktionsingenieur A. Kessner:„Eisen- und Stahlgießerei". Sonnabend, Professor Dr. B. Donath:„Die Saiteninstrumente in physikalischer Hinsicht". Am Freitag spricht Herr Dr. Ristenpart im großen Hörsaal der Uraniasternwarte in der Jnvalidcnstraße über:„Die inneren Planeten". Das Kafinethrater hat am Freitagabend HennequinS drei- aktiges Luftspiel:„D i e Freuden der Häuslichkeit" zum ersten Male zur Ausführung gebracht. Dieses Stück war eigens für die Zwecke des Kasinotheaters präpariert worden, und wenn man alle Umstünde dieses Theaters in Betracht zieht, kann gesagt werden, daß der Erfolg des Abends nicht ausblieb. Direktor Haus Berg gab mit Gertrud Hinz er ein junges Ehepaar ab, daö auf dem Kriegsfüße lebte. Keiner von beiden will nachgeben, ob» wohl der reiche Onkel erst reichlich Mitgift hergegeben hatte, in der Hoffnung, in seinen alten Tagen im Kreise dieser seiner nächsten Anverwandten die Freuden der Häuslichkeit voll_ genießen zu können. Aber daö Gegenteil trat ein, Zank und Streit wollten kein Ende nehmen. Dazu kam eine sehr böse Schwiegermutter, die schon ihren eigenen Mann zum Pantoffelhelden gemacht hatte. Schließlich vereinigten sich Schwiegersohn und Schwiegervater, um die weiblichen Hausdrachen kirre zu machen, und— es gelang. Eingeleitet wurde der Abend durch eine kleine Operette:„Die Hann! weint— der Hansi lackst". Dazwischen gab es einen kleinen bunten Teil, so daß alle Geschmäcker befriedigt wurden. Das Berliner Aquarium gibt dem Besucher Gelegenheit, an der Tierwelt der marinen Becken interessante vergleichende Be- obachtungen zwischen südlichen und nordischen Tierformen anzu- stellen. Unter anderem bieten die verschiedenen Gattungen der Spinnenkrabben, welche daL Adriatische und Mittelmeer einerseits und die nordeuropäischen Meeresteue andererseits geliefert haben, anziehenden Stoff. Den ausgesprochensten Gegensatz bilden die großen massigen Mecrspinnen aus dem Mittelmecr mit ihrer eiförmigen, stachcl- und höckerbesetzten, behaarten Kopfbrust, ihrem in zwei starke Stacheln gespaltenen Schnabel und den kurzen Fühlern, und die ihre Bezeichnung„Gespenstkrabbe" rechtfertigende nördliche Spitzschnaveltrabbe mit ihrer kleinen, dreieckigen, nach vorn stark verschmälerten Kopfbrust, ihrem sehr langen, vorn gc- spaltcnen Schnabel und den ganz ungewöhnlich langen und dünnen und meist dicht mit Algen besetzten Beinen, welche den Leib hoch Über dem Boden schwebend und in ruhiger Haltung tragen. Auch die jedem Seewasserbassin zum lebcndcu Schmuck gereichenden Meercsschwämme fesseln den Naturfreund durch ihre Formen und die leuchtenden gelben und roten Farben, durch se»ne kugelige Gestalt und sehr feste Konsistenz zeichnet sich insbesondere ein gelber Äicsclschwamm(Tethya) vor anderen aus. Feuerwehrbericht. Vorsätzliche Brandstiftung lag bei zwei Bränden vor, die vorgestern abend nach 5 Uhr und nachts um 3 Uhr in dein Hause am Kottbuser Damm 9 auskamen. Als nachmittags nach 5 Uhr die Feuerwehr nach dem Kottbuser Tamm 0 gerufen wurde, brannte dort Papier u. a. Die Gefahr konnte bald beseitigt werden. Die Entstehung des Brandes wurde nicht gleich aufgeklärt, obgleich schon der Verdacht ausgesprochen wurde, daß er angelegt worden sei. Nachts um 3 Uhr wurde der 8. Zug abermals nach diese»! Hause alarmiert. Auf den, Boden standen Lumpen, Stroh usw. in Flammen, die aber ebenfalls bald gelöscht werden konnten. Der Befund ließ gleich aus Brandstiftung schließen. Die Nachforschungen hatten dann ein überraschendes Ergebnis. Zwei Schüler hatten sich verbunden und beide Brände angelegt. Sie wurden gleich von der Feuerwehr festgenommen und einem Schutzmann übergeben. Zweimal, uin 2 und um 4 Uhr, wurde die Feuerwehr bös- williger Weise alaruiiert. Erst nach der Krausenstraße und dann nach der Jagowstraße. Die Täter sind unerkannt entkommen. Um 1 Uhr nachts mußte vor dem Hause Fricdrichstr. 188 eine brennende Automobildroschke vom 10. Zuge abgelöscht werden. Um 5 Uhr früh stand sckion wieder ein Automobil vor dem Hause Bellevuc- straße 1 in Flammen. Auch diese löschte der 11. Zug. Der 7. Zug wurde um 1 Uhr nachts nach dem Weidenweg 24 alarmiert. Tort war in dem Lagerraum eines Kolonialwarengeschästs Feuer aus- gekommen, das aus seinen Herd cbschränkt werden konnte. Ter 16. Zug hatte längere Zeit in der Gerichtstr. 65/60— der Volks- badcanstalt der Stadt Berlin— zu tun. Eine Baubude war dort abends in Brand geraten. Etwas später brannte ein Keller in der Kesselstr. 23� Wegen eines WohnungSbrandeS rückte die Feuer- ivehr nach der Schillingstr. 33a. Ferner hatte die Wehr noch in der Prenzlauer Straße 4 und anderen Stellen zu tun. Arbeiter-Samariter-Kolonne. Montagabend 0 Uhr. 2. Ab- teilung, Brunnenstr. 154: Vortrag des Augenarztes Dr. E. Cohn über Augenverlctzungen. Daran anschließend praktische Uebungcn. Neue Mitglieder können jederzeit eintreten. Gäste haben ein» malraen freien Zutritt. Am Donnerstag findet die Ucbungöstunde der 3., 4, und 5. Abteilung statt. Vorort- JVachncbten. Schöneberg. Eine Pistolenfordetung. Der Schöneberger Kommunalkonflikt hat ein merkwürdige» Nachspiel erhalten: Der liberale! Stadtverordnete Voßberg hat den Stadtverordnetenvorsteher Lohausen auf Pistolen gefordert. Dieser hat die Forderung vernünftigerweise abgelehnt. iffiic bekannt, hatte in einer Wahlerversammlung. die der liberale Verein von Schönebcrg und der Bezirksverein des Berliner OrtsteileS von Schvneberg einberufen hatte, der Stadtverordnete Dr. Voßberg schwere Vorwürfe gegen den ehemaligen Stadt- baurat a. D. und jetzigen Stadtverordnetenvorsteher Lohausen er- hoben. Dieser erioiderte aber auf diese Beschuldigungen, die seine Tätigkeit als Stadtverordneter betrafen, nichts; sondern erging sich in Beleidigungen gegen Dr. Voßberg. Tags darauf sandte Dr. Bömberg einen Rechtsanwalt zu Lohausen, um diesen im Namen Dr. BohbergS aufzufordern, die in der Wählcrversamnilung gemachten Beleidigungen zurückzunehmen, sobald dies geschehe, sei auch Dr. Voßberg bereit, seine gegen Lohausen gerichteten Vorwürfe, soweit sie etwa unrichtig sein sollten, zurückzunehmen, jedoch ohne Erfolg. Dr. Voßberg brachte hierauf die Angelegenheit an den Ehren- rat, und mit dessen Einverständnis(!) übersandte er dem Stadt- verordnetenvorsteher Lohausen eine Forderung aus Pistolen. Ms Herrn Lohausen die Forderung überbracht wurde, lehnte er ein Duell ab w'l den Worten:„Ich schieße mich nicht; ich bin ein Mensch, der im zwanzigsten Jahrhundert lebt." Der Stadlverordnete Dr. Boß- berg hat jetzt gegen den Stadtverordnetenvorfteher Lohausen eine Privatklage wegen Beleidigung angestrengt. Man sockte kaum glauben, daß freisinnige Politiker, die noch An- spruch auf Ansehen erheben, sich einer solchen Blamage aussetzen können. Steglitz. Er schämt sich! Heber die Wahlrcchtsdemonstration der Kiesigen Parteigenossen am Vorigen Sonntag brachte die Orts- presse eine kurze Notiz, deren gesamter Inhalt da» Gegenteil von der Wahrheit war. So wurde u. a. auch berichtet, daß der Demon- strationszug von dem Malermeister Flex angeführt tvurde. lieber diese neue Würde als„Führer" wird sicher unser Genosse Flex am meisten verwundert gewesen sein. Einen heil- losen Schreck scheint aber der Obermeister der Malcrinnung. Her: Krüger, bekommen zu haben. Er setzte sich in aller Eile auf die Hosen und schrieb für die Lokalpresse eine Berichtigung, daß Ge° nosse Flex. der den Demonstrationszug„kommandiert" habe, der Innung nicht angehöre, auch nicht einmal Maler, sondern nur— Anstreicher sei.„Tie Innung legt Wert auf diese Berichtigung", hieß es zum Schluß.—„So. die Ehre der Innung wäre gerettet und der schwarze Verdacht, als ob ein leibhaftiger Malermeister für ein freiheitliches Wahlrecht demonstrieren könne, beseitigt," mag Herr M a l e r in e i st e r Krüger gedacht haben. Der Maler- gehülfe Krüger hat einmal anders gedacht; vielleicht erinnert er sich noch dunkel jener Zeit, da er bei der Steglitzer Gemeinde- wähl kandidierte als überzeugter Anhänger der— Sozialdemokratie. O tcmpora I O mores! Die Arbeiter-Bildungsschule Berlin beginnt am Montag, den 20. d. M., den Unterricht für das erste Quartal 1SV8. Von der Arbeiterschaft von Steglitz und Umgegend kann wohl erwartet werden, daß sie mit erhöhtem Eifer und rastloser Energie die Bestrebungen dieses Instituts durch zahlreichen Beitritt und fortgesetzte Propaganda fördert. Der Unterricht findet bei Schellhase, Steglitz, Ahorn st raße lös. statt, und kommt„Die neueste deutsche Geschichte' zun, Vorwog. Vortragender: Heinrich Schulz. Lichtenberg. Die Gemeindevertretung hat zum Schluß ihrer Tätigkeit die im Dezember vorgenommenen Stadtverordnetenwahlen für gültig erklärt und damit ihr Dasein sang- und klanglos eingestellt,«m Montag. den 20. Januar, nachmittags 5 Uhr, sollen die Stadtverordneten auf Anordnung des Regierungspräsidenten durch den Landrat deS Kreises Niedcrbarnim verpflichtet und in ihr Amt eingeführt werden. Die erste Sitzung der Stadtverordneten weist sieben Punkte der Tagesordnung aus und wird die Wahl des Vorstehers, sowie die Festsetzung der Gehälter und der Zahl der Magistratsmitglieder bringen. GeschäfiSordnung. Personenzahl und Personenfrage haben die Herren vom Block unter sich geregelt; eS werden daher die Be- suchcr der Tribüne die„Einigkeit" der Stadwäter bewundern dürfen. Daß die Herren vom Block den Magistrat in der Hauptsache mit dem„konservativen" Element„beleben" wollen, spricht nicht besonders für die Dauerhaftigkeit der Blockehe. Einsturz eines Neubaues. Gestern früh kurz vor ö Uhr stürzte plötzlich auf dem Grundstück Herzbergstr. 127 die 23 Meter lange und 7 Meter hohe Seitenmauer euicS neuerrichteten Fabrikraumeö zusammen. Zum Glück befanden sich keine Mensche» in der Nähe. Der Einsturz wird auf die schlechte Beschaffenheit deS Fundaments dieser Mauer zurückgeführt. Ausgeführt wird der Bau von der F ema Biebendt und zwar durch Alkordmaurer. Schmargendorf. Den Parteigenossen zur Kenntnis, daß du Genosse Maurer �anctzki heute nachmittag 4 Uhr von der hiesigen Leichenhalle aus beerdigt wird. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand des WahlvereinS. In der Generalversammlung des Wahlvcreinö gedachte vor Eintritt in die Tagesordnung Guttbier des durch einen Straßen- bahnunfall aus dem Leben geschiedenen Genossen Gustav Gernetzke. Es ist den Angehörigen Gernctzkez bis jetzt nicht möglich gewesen, über die Art und Weise, durch welche G. ums Leben gekommen ist, sich Klarheit verschaffen zu können. Weder auf dem Polizeibureau, auf welchem G. mit einer klaffenden Kopfwunde, die ihm aus der Uiifollstatiou am Zoologischen Garten verbunden worden ist. be- sinnungslo» eingeliefert wurde und dann eine volle Nacht dort zu- bringen mußte, bevor er in das Virchow-Krankenhaus untergebracht wurde, noch im Krankenhause oder auf der Unfallstation, wo G. verbunden worden ist, konnte man über die Art des Unfalles Auö° kunft geben. Genosse G. ist kurz nach seiner Einlieferung in das Krankenhaus gestorben. Wünschenswert zu erfahren wäre eS, weshalb G.. der doch gewiß schwer krank war. nickt sofort in das Krankenhaus geschafft wurde und aus welckem Grunde er erst die Nacht auf der Wache zubringen mußte. Die Leiche Ecrnctzkes ist,z Uhr. Freitag: Die Stützen der Gesellschast. Sonnabend: Die Wild. enle. Ansang 7'!, Uhr. Sonntagnachmitlag 3 Uhr: Die versuntene Glocke. Abends: Der Biberpelz. Montag: Rosmcrsholm. Ansang Tl, Uhr. Neues Theater. Allabendlich: Baccarat. Neues Schaiispielhaus. Sonntag: Wolkenkratzer. Montag: Herthas Hochzeit. Dienstag und Mittwoch: Wolkenkratzer. Donnerstag: Judith. Freitag: Wolkenkratzer. Sonnaoendnachmiltag 3 Uhr: Iphigenie aus Tauris. Abends: Wolkenkratzer. Somitag: Wolkenkratzer. Montag: Unbestimmt. Kleines Theater. Sonntagnachmlltag 3 Uhr: Ein Puppenheim Sonntagabend, Montag und Dienstag: Mandragola. Miitwoch: Der Unsichere Donnerstag: Mandragola. Freitag: Der Unsichere Sonnabend: Mandragola- Sonntagnachmittag 3 Uhr: Maria Magdalene. AbendS: Mandragola. Montag: Der Unsichere. Triantm-Thealer. Ionntagnachmittag 3 Uhr: GastonS Frauen. Sonntagabend und solgend« Tage: Fräulein Josette— meine Frau. Nächsten Sonntoanachmitlag 3 Uhr: Eyp nenne. Komiichc Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die verlauste Braut. Abends: Louise. Ansang T/, Uhr. Montag: Die verlauste Braut- Dtens. tag: Tiesland- svtitliooch: Louise- Ansang T/, Uhr. Donnerstag: Ties. land. Freitag: ToSca. Sonnabend: Louise. Ansang 7'/, Uhr. Sonnlag. nachmittag 3 Uhr: Carmen. Abends: Tiefland. Montag: Hosjmanils Erzählungen. Theater des Westens. Jeden Abend: Ein Walzertraum. Heute und nächsten Sonntagnachmittag S'lt Uhr: Die lustige Witwe Lujtspieihaus. Heute nachmittag 3 Uhr: Im SperltngSnest. Sonntag» abend und folgende Tage! Panne. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ein toller Einsall. Schtller-Theater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Glück im Winket. Abends: Der Revisor. Montag: Die Hermannsschlacht. Dienstag Mittwoch: Hexenkessel. Immergrün. Donnerstag: College Crampton. Freitag und Sonnabend: Hexenkessel Immergrün. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Glück im Winkel Abends: Hexenkessel Immergrün. Montag: Hexenkessel Immergrün. Schiller- Theater Charlottenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Richter von Zalamea. Abends: Momw Banna. Wontag: Der Revisor. Dienstag: Der Richter von Zalamea. Mittwoch: College Crampton. Donnerstag: Philister. Die Lore. Freitag: Der Richter von Zalamea. Sonnabend: Gebildete Menschen. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Richter von Zalamea. Abends: College Crampton. Montag: Der Richter von Zalamea. Friedrich-Withelmstädtischeö Schauspielhaus. Soimtagnachmlttag 3 Uhr: Nachtasyl. Abends: König Heinrich. Montag und Dienstag: König Heinrich. Mittwoch und Donnerstag: Madame SanS Gene. Freilag und Ionnabend: König Heinrich. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Nachtasyl Abends: Madame Sans Gone. Montag: König Heinrich. Okesidenz-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Haben Sie nichts zu verzollen? Abends: Ganz der Papa. Montag:(Lanz der Papa. Dlcns- tag bis Sonnabend: Bibi.«onntagnachmittag 3 Uhr: Haben Sie Nichts zu oerzollen? Abends: Bibi. Montag: Bibi. Zentrat-Theatcr. Allabendti«: Frau Warrens Gewerbe. Thalia-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Eine lustige Doppelehe. WendS: Er und seine Schwester. Montag: Immer oben aus. Anfang Tl, Uhr. Dienstag bis Sonnabend: Immer oben aus. Sonnkagnachmittaz 3 Uhr: Ihr Sechs-Uhr-Cnfel Abends: Immer oben aus. Montag: Immer oben auf.. Lorving-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Freischütz. Abends: Di- Zaubcrflöte. Ansang 71/, Uhr. Montag: Die lustigen Weiber von Windsor. Dienstag: Zar und Zimmermann._ Mittwoch: Der Trompeter von Söllingen. Donnerstag: DaS Glöckchen des Eremiten. Freitag: Die Zauberflöte. Ansang Tl, Uhr. Sonnabend: Das Glöckchen des Eremiten. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Troubadour. Abends: Die Zauberflöte. Ansang Tl, Uhr. Montag: Unbestimmt. Luisen-Thcaier. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Krieg im Frieden. Abends u. Montag: Wallenstcins Tod. Dienstag: Geschlossen: Miitwoch: Des Mädchens Lebenswege. Donnerstag: WallensteinS Tod. Freitag: Erziehung zur Ehe. Sonnabendnachmitiag 4 Udr: Lügenmäulchen und Wahrbeits- niündchcn. Abends: Zirkusleute. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Wallen- stein s Tod. Abends: Des Mädchens Lebenswege. Montag: Ein gastltches Haus. Er mutz taub sein..„ Bernhard Rose- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Ver« lobung im Bett. Die oberen Zehntausend. Abends: Die arme Mieze. Montag und Dienstag: Die arme Mieze. Mittwoch: Der Kaufmann von Venedig. Donnerstag: Die arme Mieze. Freitag: Der Hüttenbesitzer. Sonnabendnachmülag 4 Uhr: Robinson Crusoe. AbendS: Die arme Alieze. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Kausmann von Venedig. Abends: Die arme Mieze. Theater an der Spree. Sonntagnachmittag 3 Uhr: AnSgewiese». Abends und folgende Tage: HoluSpokus. Nächsten Sonntagnachmitlag 3 Uhr: Ausgewiesen. Metropol-Tbeater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Herren von Maxim. Allabendlich: Das mutz man sch'n I Nächsten Soonlagnach. mittag 3 Uhr: Die Herren von Maxim. Casino-Theater. Heule nachmittag 4 Uhr: Biederleute. Allabendlich: Di- Freuden der Häuslichleil Nächsten Sonntagnachmittag 4 Uhr: Biederleute. llranin-Thcater. Taubenstratze 48/49. Sonntag, Dt-nStag, Freitag und Sonntag, den 26. Januar; Eine Nilsahrt bis zum zweiten Katarakt. Montag. Donnerstag und Sonnabend, den 2b. Januar: Kairo und die Pyramiden. Ansang 8 Uhr. Mittwochnachmitlag 4 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Abends: Australier und Urmensch. Sonnabend- nachmittag 4 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—82. Gebr. Herrnfcld. Theater. Allabendllch: Papa und Genoflen. Madame Wig-Wag. Heute und nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Endlich allein. Der Fall Blnmentops. Figaro- Thealer. Allabendlich: Paris. Die Klaue. Unterm Bett. 'Ilpollo-Tbealer. Heule und nächsten Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Familienvorstellung. Allabendlich: Alexia. Hymack. Gentes. Spezialitäten. Walballa-Theater. Spezialitäten. Pasiage-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr Rudols Mälzer Spezialitäten. Allabendltch: Rudols Mälzer. Spezialttäten. Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. Borussia-BariStS. Ackerstr. 8/7. Allabendlich: Spezialltäte». Reichotiallen- Theater. Allabendlich: Sletliner Sänger. Folies Caprice. Allabendlich: Mal was andres. Dunkle Punkte. Eine anständige Frau. Parodie-Thrater. Heute und nächsten Sonntagnachmittag 3>/, Uhr Zapsenstreich. Das Ungeheuer. Monna Banna. Ab Sonntag: Nachtasyl, Tannhäuser- Monna Vanna. Anfang 81/, Uhr. sonntags 8 Uhr. Carl Havcrland-Theater. Spezialitäten. Ans. 8 Uhr. Sonntag» 7 Uhr._ Berein der Lehrlinge, jugendliche» Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins und llingegeud. Heute Sonntag, nachmittags 3 Uhr, Versamm- Inng der Abteilung 4 bei Krüger, Gubener Swatze 43.— AbleUung 18 Heute 3 Uhr bei Preutz, Magazinsttatze 17, Versammlung. Gäste will- kommen. Zentral-Kranken- und BegräbniSkasse für Frauen und Mädchen in Dcntschland. Verwaltung Berlin III. Montag, denJJO. Januar, abends 9 U�r, Mitgliederversamuiluug bei Schnldt, Putbuser Strotze. 25. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil oerantw.:Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckeret u. Verlagsanjtalt Paul Singer& Co. Briefkasten der Redaktion. Sit juristisch- Sprechstunde findet Lindenftraße Str. 3, zweiter Hof, dritter Eingang, vier Treppe», UDW F a h r st» l>>-HSA wochcntäglich von?ß, bis ü'/j nvr abends statt. Ecoflnct 7 NI>r. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um« Udr. Jeder Ausrag- ist ei» Buchstabe unb eine eiabl als Mertzcichen bciznfügcn. Briefliche Autwort wird»ich» erteilt. Eilige Fragen trage Uta» in der Svrcchsiuiidc vor. iOa. F. Wenden Sie sich an den Verband der Handels« und Transportarbeiter, Engel-Uscr 15.— C. K. 70. Leider steht Ihnen ein Anspruch nicht zu.— Stickerin. Bringen Sie Ihre Klage beim Gewerbe» gericht an. Zimmerstratze 90. Die Kosten sind gering.— R. B. 1008. Wiederholen Sie Ihre Anfrage unter Mitteilung deS Wortlautes deS Teils des MietSoertrages, der sich aus die KülidigungSsrist bezieht.— H. S. 37. Die Möglichkeit würde vorliegen.— L. 10. 1. bis 4, Ist Ihre Wohnung von erheblich gesundheitsgefährdender Beschaffenheit, so iasscii Sie sich das von einem Arzt oder einem Bausachverständigen be- scheinigen, klagen aus Aushebung des Verlrages und aus Schadenersatz und beantragen unter Ueberreichung des Attestes den Tennin möglichst �ald an» zuberaumen. 5. Zunächst mutz Klage erjolgen Die Sachen können aber ohne Klage einbehalteu werden. 8. Ja.— O» P. Sä. Die Meldung kann beim Bezirkskommando erfolgen.- A. G. 1801. Lassen Sie sich von dem Vormund da? mit VollstreckungZ» klauscl versehene Urteil zwecks Betreibung der Zwangsvollstreckung gcbcir, falls derselbe nicht selbst die Vollstreckung betreiben will. Lehnt er es ab, so richten Sie Beschwerde an das Vormundschastsgericht.— Sch. 13. Wenden Sie sich an den Verband der Handels, und Transportarbeiter, Engeluser 15.— A. Rixdors. 1. Ja. 2. Au den Reichstag. 3. Setzen Sie sich nach Abiendung Ihrer Petition mit einem Mitglied der PetitionS« lomluission in Verbindung.— Phantast 40. Sehen Sie in einer der öffentlichen Bibliochelcn ein Fremdwörterbuch ein.— M. B. 80. Grund» sätzlich lehnen wir eS ab, bestimmte Firmen oder dergleichen zu empfehlen. Setzen Sie sich mit eüier Molordroschkeiisabrit in Verbindung, deren Adresse Sie auS dem Adrctzkalender ersehen können.— W. 17». Wenden«ie sich an den Letter der Handwerkcrschule. Derselbe ist in der Lage, Ihnen den sachverständigsten Rat zu erteilen. — C. K. 10. Wenn Ihr Mletszins unter 300 M- beträgt, nein.— E. H. 883. Ja.— M. B. 500. Es kann die Räumung zum Ersten früh verlangt werden.— F. T. 000. 1. Nehmen Sie Rücksprache mit dem Koniul 2. Berlin.— O. H. 101. Sic können eine Abschrist des Testaments beantragen. Die Schreibseite kostet t0 Ps. Zweck hätte die Erteilung der Abichrist nicht, da Sie benachrichtigt worden wären, wenn Sie als Erbe eingesetzt fem sollten.— A. B. 100. 1. Bis am l5. zum Ersten, nicht umgekehrt. 2. Für den vollen Monat ist zu zahlen.— W. S.!!0. Nein.— F. K. 4. 1. Sie haben nur 50 Ps. zu zahlen. 2. Sie können die Reinigung oerlangen.— Vlax W. l. Ja. 2. Nein. — I. 17. 1. Ja. 2. Im Rahmen des§ 3 Ja. 3. und 4. Nein. 5. Sie haben sich des Rechts wegen übermätzig hoher Preise den Vertrag an« zusechlen, ausdrücklich begeben. 8. Das Dalum deS Stempels ist unerhcb. lich.— Th. 20. Wenden Sie sich an einen Arzt.— R. H. 29. 1. Die Jnvalidenmarlen sind nacht« ägjich zu kleben. Richten Sie einen dahin- gehenden Antrag an die Versichernugsanilatt; Sie können auch einen Straf- antrag an die Staatsanwaltichast richten. Für Zahlung des ungerecht- fertigt Abgezogenen ist das Amtsgericht zuständig.— Sechs Wettende. In Glatz.— C. K. 28. Ist bei einem Dienstmädchen über Kündigung nichts vereinbart, so gilt eme scchswöchentliche zum Ouartalsersten gellend zu machende Kündigungstrist.- G. M. A. 3. l. Es ist Verjährung ein» getreten, wenn nicht etwa inzwischen Anerkennung erfolgt ist 2. Nein. — 100. B. S. Die Oberpoftdircktion gibt Ihnen genaue gedruckte Aus» kunsl- A. B. 201. 1. Ja. 2. Nein.- P. H. 5. Nein, der Vater kann eS aus eine Klage ankommen lassen.— Z. Z. 100. Die Halb. schwester erbt mit.— Ehevertr»g 03. 1. Die Köllen eines Ehevertrages, der notariell oder gerichtlich zu schlietzen ist, richtet sich nach der Höhe deS Objekts, um das eS sich handelt. 2. Sie könnten lediglich Ihre Forderung einklagen und Zwangsvollstreckung versuchen, evenl auch Offenbarungseid verlangen.— R. G. 40. 1. Der Betreffende hat geerbt. 2. Er hat sich ein Haus bauen lassen und war froh, als er es wieder vcrkauscn konnte. — W. S. 1000. Die Frau hastet nicht sür die Schulden des Ehemanns. Werden die ihr gehörigen Sachen gepsändei, so kann sie mit Aussicht aus Erfolg Jnterventivnstlage erheben uiid die Einstellung der Zwangsvollstreckung beschreiten. DaS Eigentum des Mannes ist psändbar, auch wenn eS aus Geschenken der Frau herrührt.— M. 0043. 1. und 2. Ja. 3. Nein. — R. S. 32. Ewc Klage hätte Aussicht aus Ersolg. Zuständig wäre daS'Amisgericht, in dessen Bezirk der zu Verklagende wohnt.- Ä. 04. Eine soiche Pflichi besteht nur, wenn die Innung für daS betreffende Ge- werbe sie sestgelegt hat. Der Lehrvertrag braucht nicht von der Polizei be» schetnigi zu werden.- Th. 10. UnS nicht bekannt.- R. C. 4. Die Behauptung ist unrichtig.— A. R. 000. DaS Asyl in der Wiesenilratze ist von dem Privalvrrein gestiftet und wird von ihm geleitet. 2. Nein. 3. Ja. 4. Nein.— Bülow 201. 1. und 2. Nein.— B. 1000. Offen» bacher Krankenkaffe sür Frauen und Mädchen. Prinzenstratze LS bei Hinz ist cmrsehlenswert.— W. C. 83. Graue Salbe. — W. B. 1. 3 Jahr Zuchthaus und 10 Jahr Ehrverlust 2. Munter. 3. Nein, indessen nehmen einige strafrechtliche Erkenntnisse des Reichsgerichts einen anderen Standpunkt ein.— P. S. 23. Eine gesetzliche Zeit ist nicht vorgeschrieben.— Schulz. Soweit zu«riehen 4. und 2. nein. Berlin SÄ Kr. tß. 25. ZMgavy. 4. Knlm des Lmiirts" Kcllim NlillislilM Somtag, tS. Z«mm IM. AirttchsMicher Wochenbericht. Berlin, 18. Januar 1908. Rückgang der Stahlproduktion.— Auftragsbestand des Düsseldorfer Roheiseusyndikats.— Preisveränderungen.— Kleuteiseninduftrie.— Kohlrnversand.— Geldmarkt.— Textilindustrie. Obwohl die Erwartungen schon ziemlich tief herabgestimmt waren, hat der letzte VeriandausweiS des Stahlwerksverbandes doch sehr unangenehm Überrascht. Seit September vorigen Jahres ist der Gesamtversand in Produkten A sHalbzeug, Formeisen und Eiscnbahnmaterial) in jedem Monat hinter die Ziffern in den Parallelinonaten des Vorjahres zurückgegangen. Aber der Rückgang war noch in keineni Mona: so stark als im Dezember. Er stellt sich auf 89 oll Tonnen. Stellt man die Ergebnisse der letzten vier Monate in Vergleich, dann ergeben sich folgende Versandziffern: Sepiember— Dezember 1906— 1 977 809 To.. September— Dezember 1907— 1 641 125 To., Rückgang im letzten Jahre 336 684 To. Dabei mutz noch berücksichtigt werden, datz die Werkstätigkeit in der letzten Zeit günstig beeinflutzt wurde durch die Aufträge der Eisen- bahnverwaltungen und die Betriebe den Ausfall in anderen Er- zcugnissen durch verstärkte Produktion von Eisenbahnmaterial wenigstens teilweise ausgleichen konnten. Aus folgender Zusammen- stcllnng ist das ersichtlich. Der Versand betrug im Dezember: 1906 1907 �1� in Prozent — 42,4 + 25.3 — 55,8 — 19,9 in Halbzeug.... in Eisenbahnmaterial in Formeisen... in Gesamtprodukten A To. 142 008 175 144 131 873 449 025 1907 To. 81703 219 530 58 279 359 514 Obwohl der Versand in Eisenbahnmaterial um 25,3 Proz. sich hob, bützre der Gesamtversand in Produkten A um 19,9 Proz. ein. Verbandsoffiziös wird versucht, die starke Verschiebung als wenig bedeutungsvoll erscheinen zu lassen. Die Leitung unternimmt es, dem wenig erfreulichen Zahlenbilde ein freundlicheres Kolorit zu geben. Sie schreibt:„Der Versand wurde in Halbzeug beeimrächtigt durch die Zurückhaltung der Abnehmer, welche infolge der Preis- crmätzigung ab Januar 1908 nur die unbedingt notwendige Menge zu den alten höheren Preisen abriefen, sowie in» letzten Drittel des Monats durch die Weihnachtsfeiertage und die gegen Jahresende übliche Inventur und Reparaturarbeiten, in Formeisen dadurch, datz infolge des teuren Geldes nicht wie in Borjahren die Träger in die Winterläger der Häudler abgeführt wurden, sondern aus den Werken lagern. Der Versand in Eisenbahnmaterial, der nur 2544 Tonnen weniger als im November, dagegen 44 386 Tonnen mehr als im Dezember 1906 betrug, war sehr befriedigend."— Im Jahre 1906 fielen die.Weihnachtsfeiertage" und die„Üblichen" Inventur- und llleparatnrarbeiten unseres Wissens auch in den Dezembermonat. Auch der zuerst angeführte Punkt erscheint uns wenig stichhaltig. Die ab 1. Januar gültigen Preisermätzigungen haben für die früheren festen Abschlüsse keine Gültigkeit. Es stellt sich demnach heraus, datz entgegen anderslautender, bis in die letzte Zeit hinein in der Werkspreffe aufgestellter Be- bauptungen, der Arbeitsstock schon vollständig reduziert ist. Die Auslassung der Verbandsleitung datiert vom 15. Januar 1908. Sie hätte ganz sicher nicht unterlassen, mitzuteilen, datz ihre in dem ersten Satz ihrer Erklärung zum Ausdruck gebrachte Erivartung sich tatsächlich erfüllt habe, wenn wirklich Abnehmer nur darauf gewartet hätten, nach dem 1. Januar grötzere Austräge zu den reduzierten Preisen zu oergeben. Wir finden, die krampfhasten Versuche, die Lage zu verschleiern, ist nur geeignet, das Mitztrauen unnötigerweise zu stärken. Der Stahlverband sollte sich für seine publizistischen Bedürfnisse geschicktere Federn anschaffen. Aus der am 16. Januar stattgesundenen Generalversammlung des StahlvcrbandeS wird berichtet, es sei festgestellt worden, datz in Halbzeug der Abruf sich etwas lebhafter gestalte, im Formeisengeschäft die Ruhe aber anhalte. Die Zurückhaltung werde allgemein auf die schlechte Gcldmarktlage zurückgeführt. Heute Ivill man glauben lassen, die Zurückhaltung im Dezember sei eine Folge der Preisreduktion, im Januar müsse ein neuer Anstunn der Händler und Verbraucher ein- setzen, lind morgen lätzt man erklären: die schlechten Geldmarkt- Verhältnisse sind die Ursache der GeschästSruhe im Januar.— Auch die Stimmungsmacher iin Roheisensyndikat scheinen an- zunehmen, die Leser»nützten alles was ihnen vorgesetzt wird, kritik- los gläublich schlucken. Im vorigen Bericht äutzerten wir uns skeptisch zu einer Meldung der„Rh.-Westf.-Zeitung", nach der in der letzten Dezemberhälfte grötzere Posten Roheisen in Auftrag gegeben worden sein sollten. Wie recht wir hatten, wird bestätigt durch die jetzt bekannt gewordene Tatsache, datz das Düsseldorfer Roheisensyndikat am 1. Januar einen Auftragsbestand von nur 173 000 Tonnen gebucht hatte, gegen 953 000 Tonnen ant 1. Januar 1907. Dazu wird allerdings erklärend initgeteilt, datz der Verkauf für das 1. Semester 1908 erst kurz vor JahreSschlntz freigegeben worden sei und in der ersten Hälfte Januar auch schon Aufträge in„beträchtlichem" Umfange hereingekommeit seien und der jetzige Auftragsbestand den pro 1. Januar angegebenen„wesentlich" über- steige. Wir vermissen an der„Aufklärung" zweierlei: einmal Mit- teilung über langfristige Aufträge und konkrete Angaben über die neuen Austragsmengen. Warum gibt tnan nicht Zahlen an anstatt der nichtssagenden, unbestimmten Angaben„wesent- lich" und„beträchtlich"? Im Dezember sollten ja auch grötzere Posten hereingekommen sein und doch war der Auftrags- bestand am 1. Januar auf eine überraschend niedrige Ziffer zusaimneit- geschmolzen.— Wahrscheinlich würde daS Bild auf dem Eisen- inarkte sich freundlicher gestalten, wenn die Beweglichkeit der Preise nicht durch die Verbände und Syndikate allzu stark eingeschnürt würde. Die Verbraucher wissen: dauernd können die Hochkonjunkturpreise nicht gehalten werden! Darum schränkt»nan sich ein oder deckt den Bedarf im Auslande. Dank der durch den fiskalischen Bergwerksbetricb geschützten Preispolitik des KohlenfyndikatS und deni Widerstande des Rvheisensyndikats gegen Preisnachlässe kann England seinen Export nach Deutschland steigern. Die Siegerländer Eisensteinproduzenten wollen nur Nachlässe geivähren, wenn auch die Kohle billiger wird und die Roheiseupreise werden mit den hoben Erz- preisen verteidigt. So hält ein Zlad das andere auf. Gegen Oktober sind nach den Notierungen von„Stahl und Eisen" folgeitde Preis- reduktioncn eingetreten: Thomascisen frei Verbrauchsstelle netto Kasse von 76 M. auf 66,40 M., Spiegeleise» von 90—92 M auf 85 bis 87 M., englisches Gietzereieisen Nr. 3 ftei Ruhrort von 74—76 Mark auf 71—72 M., Luxcinburger Puddeleisen von 60,8—61,6 M. auf 52,8—53,8 M., Stabschweitzeisen von 160 M. auf 145 M., Stab- flutzeisen von 130—132 M. auf 107,5—115 M., Keffelbleche von 140 M. auf 128 M., sekunda Bleche von 130 M. auf 118 M. Alle anderen Preise blieben unverändert; die Spannuitg zwischen den Rohmaterialpreisen und den Preisen der Erzeugnisse in der Weiter- Verarbeitung ist größer geworden. Das ist ein Faktor, der die Störungen auf dem Wirtschaftsmarkt verschärst und erweitert.— In der Klcineisenindustrie ist die Lage in der Hauptsache»tur I noch für diejenigen Betriebe günstig, die durch die starke Forcicrung der Erzeugung in Eisenbahnmaterial profitieren. Speziell die Schraubcnsabriken haben gut zu tun.— Das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat hat im Dezember eine gute Absatzziffer erreicht, nämlich 6 768 832 Tonnen Kohlen gegen 5 749 762 Tonnen sin November und 4 964 525 Tonnen im De- zentber 1906. Der Kolsabsatz stellte sich auf 1 177 376 Tonnen int Dezember 1907, 1 150 016 Tonnen int Dezeinbcr 1 906 und 1 064 886 Tonnen im November 1907. Obgleich die Eisenwerke weniger verbrauchten, ist der Absatz an Koks doch noch gestiegen. Wahrscheinlich dürfte daS auf stärkere Ansammlung von Vorräten in den Werkslägern zurückzuführen sein.— Die erhoffte stärkere Flüssigkeit atn Geldmarkt ist noch ausgeblieben. Der letzte Ausweis der Reichsbank zeigt eine nur minimale Besserung. Die Bank von England hat die Diskontermätzigung von 6 auf 5 Proz., die bereits in vergangener Woche erwartet tvurde, am Freitag vorgenommen.— Aus der Textilindustrie werden verschiedentlich weitere Netricbseinscku-äukungeu gemeldet. Die Abschwächmtg hält sich aber in einetn mätzigen Tempo und sucht man Entlassungen nach Möglichkeit zu vernteiden. v. Vermischtes. Ein„gut unterrichteter" Bürgermeister. Mit einem seltenen Fall hatte sich die letzte Sitzung der Havelbcrger Stadtverordneten zu beschäftigen. Es bandelte sich nämlich um die Ungültigkeitserklärung einer vor bereits drei Jahren vollzogenen Wahl. Und das nicht etwa, weil der be- treffende Stadtverordnete ein schweres Vergehen begangen halte und infolgedessen das Prädikat unwürdig an feiner Stinte trug, sondern weil er als Schloffermeifter auch das Amt eines städtischen Eichmeisters bekleidet. Vor drei Jahren, als der Schloffermeistcr und Eichmeister Jerratsch als Stadtverordneter gewählt lvurdc, hatte die Stadtvcrorductenvcrsaminlung unter Berücksichtigung, datz der Gewählte ei» städtisches Amt bekleidete, seine Wahl als gültig anerkannt. Jetzt nach drei Jahren ist plötzlich, wie der Vorsitzende in der Versantmlung mitteilte, Einspruch gegen die dairutls'voll- zogene Wahl erhoben. Im preutzischctt Verwaltungsblatt vom Jahre 1900 sei ein Fall untgeteilt, wonach das ObervcrwaltungS- gcricht entschieden habe, datz ein Eichmeister städtische Funktionen ausübe und infolgedessen nicht tu daS Stadtverordnetenkollegium gewählt werden könne. In einem solchen Falle habe das Kollegrum laut Städteordnung die Verpflichtung, die unberechtigte Wahl für nichtig zu erklären. Er, der Bürgermeister, habe I. bor einigen Tagen zu sich kommen lasftn und ihn zu bewegen gesucht, freiwillig sein Mandat inederzulegen, doch habe sich I. entschieden geweigert zurückzutreten. In der langen Debatte wurde eingewandt, datz die Versammlung jetzt gar kein Recht mehr habe, die Wahl für ungültig zu erklären, da laut Städteordnung ein Einspruch nur innerhalb zwei Wochen angehracht werden könne. Auch laufe man Gefahr, datz die Beschlüsse ber Versammlung, bei denen Jerratsch mitgewirkt habe, beanstandet werden. Ein Stadt- verordneter meinte, Sache des Bürgermeisters sei es, sich bei dem Kollegium zu entschuldigen, datz derselbe von der Er- klärung des Regierungspräsidenten nicht Mitteilung gemacht habe. Andererseits wurde ihm P f t i ch t v e r n a ch l ä s s i g u n g vorgc- warfen, weil er das Schreiben des Regierungspräsidenten vom Jahre 1900 ignoriert habe. Beschlossen wurde dann, den Magistrat zu ersuchen, eine Entscheidung gcmätz der gesetzlichen Bestimmungen zu'treffen. Wir glauben eher annehmen zu köitnen, datz der Magistrat und der Bürgermeister von dem Entscheid des Oberverwaltungsgerichts keine Kenntnis hatten. Ein günstiges Licht wirft dieser Fall weder auf Magistrat und Bürgermeister, noch auf die Stadtvcr- ordnetenversammlung. 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Abteilung: im Neuen Schauspielhaule: Iphigenie ans lauriS. 19./ 29. Abteilung. nachmtttagS 9 Uhr: im Berliner Theater: Lcdige Leute. Montag S'U Uhr: LS. Kunstabend im Rathaus(Deutlche Roinantik). Neue freie Bolksbühne. Nach« mittags 2'/« Uhr: Extravorstellung in den>tamuierjpielen: Frühlings Erwachen. NachniittagS 2If1 Uhr r 1. W. tcitung im Deutschen Theater: Das Wintermärcheri. Nachmittags 3 Uhr: 4. Abteilung im Neuen Theater: Uebcr den Wassern. Nachmittags 3 Uhr: 7. Abteilung im Schiller- Theater 0.: Das (iHüd im Winkel. Rachmittags 3 Uhr: 12. tllStctlnng im Friedrich- Wilhelinstädtlschen Schauipielhaits: Nachtasyl. Nachmittags 3 Uhr: id. Abteilung im Schlller-Theatec Ebarlolten« bürg: Der Richter von Znlamea. Montag, abends 3 Uhr: 29. Ab« teilung tn: Lortzing-Theater: Die lustigen Weiber von Windsor. vsrliner 1'kester. Lasteplol it. tieusn Operelten-Thoaters Abends 8 Uhr: ölsubsrl Heues Itiester. Ansang S Uhr. Hieraus: Vision der Salome. Montag und folgende Tage: Die selbe Vorstellung._ Lortsing-vpsr. BcIle-Allluui-e-Sli-aöe 7/8. Nachm. 3 Uhr: Der Freischütz Wind« VI, Uhr t Die Zauberflöte. Montag: Die lustigen Selber von Windsor. Dienstag: Zar und Zimmermann. Theater des Westens. 8 Uhr: Ein Wnlzcrtraum. Operette von Oskar Strauß. Sonntag nachm. 3'/, Uhr halbe Preise: vi« Inwtlye Witwe. Rixdorfer Theater Vürgersäle. Bergstraße Nr. 147. Sonntag, den 10. Januar 1993: Gastspiel des Opern- Ensembles (Theater des Westens). Der Troubactour. Oper in 4 Alten von Verdi. _ Ansang VI, Uhr._ ZentralsTheater. Gastspiel drs Hrbbel-lheaterS. AbendS 8 Uhr: Frau Warrens Gewerbe. Drama in 1 Akten von Beruh. Shaw. Residenz-Theater. — Direktion: Richard Alexander.— AbendS 8 Uhr: Ganz der Papa. Schwank in 3 Akten von Mar« und DcSvallisrcS. Deutsch v. M. Schönau. Baron des Aubrais: Nich. Alexander. Sonntag, den 19. Januar, nachm. 3 Uhr: Haben Sie nichts zu ver- zollen? Dienstag, den 21. Januar zum erstenmal:„Bibi."_ Urania Wissenschaftliches Theater. Taubonstr. 48/19. ö Uhr: Eine.Vilfahrt bis zum zweiten Katarakt. Morgen Montag: Koiro und die Pyranildeii. Seh Iller-Th eater. Luisen-Tlieater. Neictienbergerstr. 31. Nachmittag« 3 Uhr: Krieg im Friede«. Abends 8 Uhr 5 mit erstenmal: Walleufteins Tod. Montag: WallensleinS Tod. DienStag: Geschlossen. Mittwoch zum erstenmal: DcS Mädchens Lebenswege. Donnerstag: WallensleinS Tod. Freitag: Erziehung zur Che. Passage-Theater. Heute: 2 Vorstellangen Nachm. 8—7 Uhr(kl. Preise)| Abends 8—11 Uhr: Rudolf Mälzer I IRL erstklasslffo IC 5 8® Kammern i w Neues Programm. Ruth St. Vincent Gesangskünstlerin. Eaufmann-Truppe reizende Kadfahrkünstlerinnen. Rochez Affen Oer Affe als Kapellmeister. Robert Steidl der beliebte Humorist, und viele andere erstklassige Spezialitäten. Hcnte nachmittag 3 Uhr: Populäres Konzert von Johann Strauß aus Wien(48 Mann Orchester). Preise: 0,60, 1,-, 1,50 Mark. Schiller« Theater OFSBallner-lbcater). Sonntag, nachm. 3 Uhr: Dan Glück Im Winkel. Schauspiel in 3 Alt. V. H. Slldcrmann. Sonntag, abends 8 Ahr: Hcv Revlnor. Lustlplel in 5 Akten v. Nikolaus Gogol. Deutsch von E. v. Schädels Ii. Montag, abends 8 Ubr: Die UcrmannüBchlacht. Dienstag, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Der Deuenk«»sel. Hieraus; Jnngfer Immergrün. Schiller« tliaater Charlottenburg. S 0 n n 1 a g mittag 12 Uhr: Kammermusik and Gesang. Sonntag, nach m. 3 Ubr: Des» Dlehkex» von Zalameo. Schausptcl in 3 Aufzügen v. Ealderon de la Äarca. Deutsch von Adolj Wlldrandt. Sonntag. adendS 8 Uhr; ülonna Vanna. Schaulvlel In 3 Aufzügen von Maurice Maeterlinck. Deutsch von F. v. Ovpcl BronikowSli. Montag, abendS 8 Uhr: Der Revisor. Dienstag, abtne» 8 Uhr: Der Richter von Xalamca. Zirkus Scliumann Heute Sonntag, den 19. Januar, nachmittag 3'/, und abends VI, Ubr: 2 51. brillante Varste Hungen 2 iSÄ eiB IM Ire Jedes«eitere Stinb unter 10 Jahren halbe Preise(außer Galerie). 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Mendelssohn- Bartholdy 2. a) Hymne an die Nacht L. van Boethovon b) Brautlahrt in Hardahger H. Kjerulf Vorgetr. vom Männer-Gesang- Verein„Senefolder" a. Festrede: Heinrich Ströbel. III. Teil II. Tall. 4. Sinfonie C-dax(l'ous) mit dem Bärentana Franz Joaef Hay da a) Vivace oaaai b) AUegrotto c) Menuett <3) Ailegro molto(BSrentanz). 6. a) Landsknechtsständchen Orlando di Lasso b) Sternennacht H. Schalken Vorgetr. vom Männer-Qesang- V er ein„Scnefelder" ö. a) Beigen seliger Geister aas „Orpheus".. b) Musette aus Ch.W.Olack „Armide" 7. Ouvertüre zu„Egmont" L. van Beethoven i'i' Nach dem Konzert: Ball« renn.1 KaseenBffnimg 6 Uhr.— Anfang 7 Uhr. Billetts im Vorverkauf 60 Pf., an der Kasse 70 Pf. inkl. Programm. Billetts sind zu haben: bei Liehr, Grenadierstraße 37; Morsch, Engel-Ufer 15; Gottfr. Schulz. Kottbusor Tor; Heul, Barnim- straßo 42; Vogel, Lortzingstraße 27; Fahrow, Eavenostraße 6; Lorant Koppenstraße 28 und an der Kasse 6/6 W.Jfoaoks Theater ßu'tftiuu: Heb. Olli, önmnenttt. in. Der Sonuwendhof. Ans. 7 Uhr. Entrce SO Ps. Danz. Montag, Mittwoch: In der Irre. DienStag Benefiz«arl Reich: Police U. 24. i MIMM NIM «c. Krankturteritr. 132. 1 Ansang 8 Uhr.— SonntagSpreise. Nachm. 3 Uhr: Die Verlobung im Bett. Die oberen Zekutauseiid. Montag, Dienstag: Die arme Mieze. iL frrms??? Variete-Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Hoote Sonntag: 2 Vorstellungen 2 lachinKtags 87s II.: Kleine Preise. Jeder Erwachsene ein Kind frei. Abends 8 Uhr ggj das glänzende Januar- SPezialitätcu-Programm. Tunnel: Bock bierfest, Regiments» kapelle, Tiroler Schrammcln. Thealerbesuchern freier EintrUt. Nontr-plstz» I imldsstsessai täZliuVi: Entroo 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf.. Im unteren Konzertsaal täglich j die allei-eeMe» Militür- Kapcllen; Becker, PrzywarSki, j Görisch, Slcumann, Lssency. Lültich. Schwarzer Friedrichsberg fidler JFrankftirtcr Chaussee 6 (früher 180). Siadtbahnslatioi�Frank� Inll. I QCbr« /ImtlOld« Fernspr�riedrichtberj��� Jeden Sonntag Im KOnlgsaato: QpoßGB1 SSsil Anfang 4 Ehr. unter Leitung des Herrn O. Bürger« Anfang 4 Chr. Jeden Slontag: 161 SL0 Soiree der Apollo«Sänger. *ttrj Anfang 8 Uhr.€€» Nach der Vorstellung: Tanz* Kränzchen« ■ al---- Theater Folles Caprice Linlenttr. 132, Ecke FrledrlchstraBe. Berlins Tagesgespräch: W wgz AnUerez. Revue i» S Bildern. Dunkle Dünkte. Eine un�tündlge Eran. Anfang S Ilhr. Metropol-Thealer Nachmittags 3 Uhr: ff Abends 8 Uhr: Gr. Revue in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In 6zena gesetzt von Direktor Richard Schultz. UThMsehr, F. Mai B. Daraaml. Bender, Gianptro, Joseplii etc. Rancbeu gestattet. Gebr. Herrnfeid- Theater. 67 Kommandantcnstratze Nr. 67. AbendS 8 Uhr: »» Der«Ipfel•• HerrnfeId8Chenflujiiors Papa und Genossen. Nachmittags 3 Uhr 6(1 halben Preisen: Endlich allein! und DerPall Blumentopf Sin.(Saison Mus Duscli 1 Sonntag, den 19. Januar 1908: Große sie 2 Nachmittags 4. Uhr mid abends! 7ll, Uhr.— Nachm. 4 Uhr zahlen j Kinder unier 10 Jahren aus allen j Sitzplätzen halbe Preise. In beiden Vorstellungen: Bros. Clarkonians aus Amerika! j In beiden Vorstellungen: The Kremo Family, 10 Personen. In beiden Vorstellungen: Vorlühren und Rollen der betten i Schul«, Freihelts- u. Springpferde, j In beiden Vorstellungen: Auftreten sämtlicher Clowns mit. den neuesten Witzen und SpäBen.| Nachmittags 4 Uhr: iokel u. Koko.1 Große Humorist Wasserpantomime> in 2 Bildern. Die entsprungenen Affen tn der Sommerfrische. AbendS Tl, Uhr: Auf der Hallig!! Große AuSstatt-Pantomime des 1 Zirkus Busch in 4 BUdern. Auslr. d. Herrn KommiiiionsratS\ Gustav Stensbeck, Direktors des Berliner TattcrsallS! als Gast. Zesfsvrsnt ewerhseiiaftS' � haus.% Engelufer IS.— Menu 75 Pf« Heute Sonntag: Krebssuppe. Tellower Räbchen mit Colelette oder Zander, Sauce hollandaiZ. Roastbeef, engllsch. oder Kalbsbraten Mit Sahnensauce. Kompot oder Salat. X Kelcdhsltlge Abendkarte. X Wochcntögltch: Großer bürgerlicher I!I!iIIaBAl>°°l».KU?t Täglich: Bavk» Ausschank. R. Augustin. Kasiuo-THeater. LolHringerstr. 37. Täglich 8 Ubr: Hann! weint— nanni lacht Operette in 1 Alt v. Jacques Osfenbach. Hieraus das neue buiite Programm. Nie Frenden d. Liiiiislilfilleit. Lustspiel in 3 Akten v. Nl. Heuiiequm. Sonntag 4 Uhr: Biebrrleutr. Krunnen-Ttiealel' Badttraße 68. Direkt.: Bernd. Rose. Sonntag, den 19. Januar 1993, nachmittags 3 Uhr: Fiaiik» die zuieifc Iran. Abend« 7 Uhr: Die goldene Spinne. Nach der Borstellung: Crr. Ball. Poroerkaus vormittags 10—1 Ubr. Montag, den 20. Jan.: Gr. Benefiz- Vorstellung für den Oberregisieur Karl firiedau: Ter J/echter v. Ravenua. Parodie-Theater. DrcSdenerstr. 97. Ansang 8 Uhr. Zum erstenmal: Zum 77. Mal: Tannfittuser. UonnaVanna Nachm. 3'/, Uhr halbe Preise: Das «»geheuer. Zapfenstreich. Monna Vauua. PllgsW-SZIö Rlüllerstr. 1-42. Sonntag, 19.Janliar im Ti>anru-Saal: GroLe Goiree ilei' Mfum-8üugei'. Im Eniplre-Saal: /n8 Uhr' - Bntroe SO Pf.' Einmalige Außührunz: Ittnns Original Sketch. Spannende Handlung unter Mit- Wirkung d. selteiiften PscrdeS d. Welt. Dazu der Januar-Niesenspielplan. SsnssouvS s.°�."g' Direktion: Vtllbelm Kelmer. Heute Sonntag: Morgen Montag: Llntm-«olrvv Tanzkränzchen. Dienstag, den 21. Jan.: 3. graste Spezialitäten. Borst, u. bunter Teil. Beg. Sonnt.ö,Wochent.8U. Gustav Belms- Tiieatar. Berlin W., Gollzstr. 9. Das glänz. Januar.Programut. Dia bsriiiimlo tadnke-Kompagola, Zahn a I h l e t e n obne Ztonkunenz. ZW- Vater»».t Stohu.-WE Bollsstllck mit(Sesana. Außerdem: I« Spezialitäten. Jeden Abend: Ouäkes Klnematograph. Ansang 8 Uhr. Sonntaas 51/. Uhr. Jeden Zonnabendiiachmitlag 0% Uhr: Groste«inder-Borstellung. lv. A> und 30 Pf. Ind.: J. LiCacbkowakl. Ackerstraße 6-7. Tätlich: Theater- und Spezialitäten- Vorstellung. Auftret. v. 15 xKünstler-Spezialit. •HB' Carl Ernst (Inhaber B'ittl Krnst) Köpentckeritr. 126, 1 Tr. Amt IV. 6062. Gr. AiuaaM! Bill. Preise! Borzeiger dieser Annonce erhält 10*/, PreiSermätzigimg. Parteigenossen! Hausfrauen! Arbeiter! Achtung I Bäckerliste! Diese Aenderunge« zu der großen Quartals-Liste vom VT. Januar bitte iu folgendem zu beachten."MB_ Achtung I Bäckerliste! Adolsstr. 19, Wendt. Allensleincrstr. 15, Cisluch. Fried rtchssclderstr. 17, Schön. 39, Quandt. Fürstenstr. 8, LiSken. Heidenseldstr. 21, Haag. Oranienslr. 38, Listen. Putbuserstr. 46. Block. Pücklerstr. 8, KampS. Rhtnowerstr. 7, Luttke. In die bewilligte Liste sind nachzutragen: J Konsumverein. Slolpischestr. 51, Skibbe. ZionSIirchstr. 13, Bobel. Adlcrethof. Radickesir. 37, Noack. Charlottenburs. Christstr. 18 1 Cauersir. 27 l Kenossenschast Bleidlreustr. 3 1.Nroduklion". Tamoggencrslr. 10,' PotSdamerstr. 12, Weimarerstr. 29, Wilmersdorjerstr. 27,' Brtedenaa. Rhewstr. 32133, Kramer., Blxdorf. ElSestr. 6, März. Hermanr.jtr. 175, Arnold. Weserstr. 47, Kreil 4013 Ziethenftr. 67, Zimmer. Hohcn-SchOnliaatcn. Quitzowstr. L, Wehr. Wllsioradorr.. Sigmaringenstr. 8, Frost. Ais zurückgezogen sind zu betrachten: Marlusftr. 41, Echneeberger. Diessenbachstr. 27, Stetnvoru. Driesenerstr. 15, Wendt. Greisendagenerftr. 15, Mlasch. Lorhingstr. 8, Rösner, Nostizstr. 9, Berger. Mirbachstr. 46, Pseisser. Sleltineritr. 7, P. Hanke. l.lebtenbvrx. Dorfftr. 82, Rtägdefrau. (Fnhadenn erklärte, sroh zu sein, wenn sie nur erst die durch den Streik gewonnenen Kunden los wäre, da es nur Pumpkunden seien).- Bixdorf. Bodestr. 16. Beyer.(Wiederholl durchbrochen). Reuterstr. 94. Weisestr. LS, Winde. BstVUttt«. Schlobstr. 16, Kramer Nächst. Wik m« r«d« rk. Srandenburgischestr. 9/10, Tannert. vor Vertrauensmann» HdlltL �onntli�'® Chr, im Seele Beohstain, Llnki,ir.!4j ztuq 2. üaio; ver Weg Itim Lachen. Humorist Meisterwerke(Busch, Presber. Raabe, Ostini), rezitiert von Dr. Alfred Daniel. Karten: 1, 2, 3, 4 M. heute mittags 11-1 □. abends 7-8 an der Kasse. Nächsten Sonntag z. 8. Male; Der Weg.am flachen. Karten: Bote q. Bock, Wnrfheim. jlrbeitergesatperein„Soni-halli" Sonnabend, den 25. Jannar 1008, in Klleme Festsälen, nasonheide 13/11: „Ein Sommer-Fest im Grenewald". Der Saal Ist der Bedeutung d. Festes entsprechend dekoriert. Billetts sind im Vereinslokal, Boeckhstr. 7, zu haben. OroCartige, vollständig neue RlesenaFestsaaloDekoratloiit Täglich! t Täglich! f wä Neue Welt. 4 ♦ : ; ♦ ♦ flasenheide A Bo. 108-114. f Baron Muckls Original-Bauernkapelle. Max vom Heedes Original• Tirolertruppe. Bedienung durch 30 Original-Madi. i'ii i Sonntagg drei Kapellen. i Ansang: SonmagS 5 Uhr, Wochentags 7 Uhr. Entree:. 50 Ps,, 30 Pf._ DienStag, den 21. Januar: Prämiierung der schwersten Dame* 8 Preise: 75 M.. 60 M.. 25 M. Ktft&urant„Kaifcrbof" Grofi-Lilchterfelde(O.t), Kranold-Plate. Mittwoch, den 22. Januar, sowie jcd..i Mittwoch: 2544d Herren: Otiarton, Sandmann, Stslnks, tust, ktasohdort, Vivtiiing, Bsrani, Hardt. Lie.Qll.obart allei-e>-»ten Banxe«! Stets neueS Programm! Anlang 8 Uhr. Schlager auf Schlager! Endes 40 Ps. Im Borvcrkaul 30 Ps. Billetts im Borvcrkaus: Herren Karl Müller,.Kaiserhos"; Kart Pintz, Dürerstr. 42: Reinhold Walter, Ehausseeslr. 32. Apollo-Länger. u.rkg°.* JWlarkfijrafensäl© dämm 34. Inhaber: Honnann Scholta. 7' 43''- Jeden Sonntag:(yrPOUOl* Ball bei freiem Entrce. Säle von 100 bis 1000 Personen für Bereine, Hochzelten usw. unter kulantesten Bedingungen einige Sonnabende noch zu vergeben. Vereins» zimmer bis 100 Personen fassend. 2 loms. Kegelbahnen n. einige Tage sret. Trapps Fest-Säle. Tegel, Bahnhalstr. t. Jnh.: F. Trcbe.ch. Sonntag, den 19. Januar, sowie jeden Sonntag: > tli-eve bamoel.ttaebe Seiree der Herren: Wrhling, Apollo-Sänger. Charion, Sandmann, Stetiike. Just, Rasch '" Jeden'------ — I, /, HUI. Cntr Nach der Vorstellung WW Berant u. Hardt. Programm.- Aus. 6-/. Uhr. Entree 50 Ps., Galerie 30 Ps. Raschdorf, oimtag neue» Ball. iülilpSiiÜVl! »raun, oliv wen bitfbVl cäTTPel. [i'ilPaieiflfs la all. Lttnaen ©en dls�W isTürra; miwii in all. üänacnH Wert biSWM> jsttt tö-dil UZ !sllle!!i. anschtteßens* WeribitiP.an. F jsixt 10-24 M. Z ureiiidiwäoz-Paletots aDf"� Fellhilter Ml S-IS BatKf.-PaletotsI is v. 1 S«ld«nptPsohmsnUI Gamt-Unbsjr* ■ m.Miiiiev�o|omentcn braun u. schwarz k m fl6stl;üJt.iDd6ini!odeUkon)«kUoiL£ zu leüem anne mbaren Preise. J H? ? I ~ Spezranitti:- Exlraweiteo Utarke Daoi� Paletot», JaoUett» u Oftpa*. _________ Esgrai-Lager. Kein__ Äax Mosezytz, fandsberser Str. 59, \«oa im an in l»r>m»lQ«n»n innress»»lli Ol« mutnummw. Laden I eppe«M iderpi Pharus-Säle, MUllerstr. 1417 Sonntag, den 26, Januar 1908 1 KunstaAbend arrangiert von Margarete Motte. Mitwirkende Mapfiraretc Walkottc. Herr Knn Arpad . n■ i:___:____ rr___ t»____ der Entree 60 Pf., im VorverkauL Abendkasse 73 PI. Anfang 7'ft Chr. An.chlieBend Ball. 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Kränzchen und Kefellschafien.-SWS von ö Uhr ab, Ich lade hiermit zu einem gemiit. «Iii seil- aliliiliz kauten v.e dvi vus am besieu, wScheotiich nur 1 Mk. Graiss Auswahl in Cerreis. n. Uamcn-t'hren, neoalalenrc,(iroNCben, Itlnge, Ke((«u, erbte Men. senhaaei- Zithern, Phon». praphe.i, Plntten-Sprech. naaehlneR, Folyphona. Barmonlban, IHnnooIlnen. Geigen etc. Tnksaf». prima Platten, echten I Bdlioavalsen Stück 1 IHnrk. Warschauer. 1 btr.72, 1. Etg Reinickendorf•>. i Str, 101, l. Etage. Bdlsoavilten Stück JiiireiiiDif: F.F. Piano 100 M., eo. Teilz. Sonnt., Moni. b. g abds. z. Verl. Gericht- strafte 32. Dittrich. Die Harnleiden Ibre Oetabren, Verbatung unk Beseitigung von J>r. med. Sch uper, BERLIN- Preis I Mark. > ites Cansenb> "sJiLiiSistsiÄffll 1000 Mark zahlen wir für die besten Rezepte zur Bereitung Von Getränken und Speisen mit/ B!o-Malz. AuSführl. Prospekt 0 gratis Von der unterzeichneten Firma zu beziehen. Bio-Malz ist ein Vorzügl. 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Arbeiter-Bildungssclnile Berlin. Sctiullokal; Grenadierstr. 37, Hot geradezu I Tr. Sehrplan für das 1. Quartal 1903, Montag: Katnrerkenntnis. Die chemischen Elemente. Atom- und Elektronen-Theorie. Die Radioaktivität. Die Formen und die Erhaltung der Energie. Die Gravitationsgesetze. Das Weltall. Die Nebular-Hypothese. Sonne, Planeten und Fixsterne. Die Erde im Weltraum. Der Mond. Die Entwickelung der Erdoberfläche. Die EMzoitalter. Das Lebensproblem und die Entwickelung der Lebewesen. Der Darwinismus. Die Abstammung des Menschen. Die Urzeit des Menschen. Vortragender: Bmanuol Wurm. (EinfDhrung in die National- (Die Entwickelung des deutschen Montag: Xalionalökonomlo Ökonomie. II.) Das geschichtliche Eingreifen des Kapitals in die Produktionsbedingungen. Der Charakter der Wirtschaftsgeschichte seit dem Ausgang des Mittelalters. Die Entwickelung der mittelalterlichen Produktionsweise über Kooperation und Manufaktur hinweg bis zur großen Industrie der Gegenwart. Der Einfluß dieser geschichtlichen Umwälzungen auf die Lage der Arbeiterklasse. Vortragender: Julian Borcbardt. Dieser Kursus findet in Tempel hof bei Mokuly, Berlinerstr. 9, statt. Montag: Descblcbte.(Die neueste deutsche Geschichte, die Geschichte der deutschen Sozialdemokratie.) Der preußische Die Gründung des lassalleaner und Eise- nacher. Das Sozialistengesetz. Nach dem Sozialistengesotz. Vortragender: Heinrich Schulz.(Dieser Kursus findet in Steglitz bei Schellhaso, Ahornstr. 15a, statt. Dienstag: Bednerschnle. 1. Wiederholung: Die Bedeutung und Notwendigkeit der freien Bede. Die Grenzen der natürlichen Beredsamkeit. Die Redekunst. Die Rede nach Form und Inhalt Dispositionslehro. 2. Technische Hülfsmittel: Die Registratur. Die Nachschlage- Bibliothek. Das Manuskript 3. Praktische Uobongen im Reden und Diskutieren. Vortragender: Max Grunwald. Die Teilnehmer dieses Kursus, die den wegen Krankheit des Lehrers unterbrochenen Kursus des letzten Quartals belegt hatten, zahlen nur 60 Pf. nach. Für Neueintretende, wie üblich, 1 M. Mittwoch; Gesetzeskande. Rechts.) I. Bis zur Schwelle der Neuzeit. 1. Wesen und Entstehung des Rechts. Privatrecht und öffentliches Recht. Triebkräfte der Entwickelung: Soziale Organisation und Gewalt. Wirtschaft und Recht. 2. Die Rechtsverhältnisse der alten Germanen. a) Sippe und Volk, b) Gemeingut und Privateigentum, c) die Stände, Staat und Monarchie, d) das Strafrecht. 3. Die germanischen Reiche. Grundherrschaft und Hörigkeit. Das Volksgericht. Die Stellung der Kirche im Prankenreich. 4. Die Ausbildung des Feudalsystems. Das deutsche Königtum. Die Rechtsbücher. 5. Der Bauernstand. Freie Bauern und Hörige. Herreurecht und Volksreeht. 6. Das Städtewesen. Wirtschaftliche Grundlagen. Schutz und Reohtsbildung. Die Leistungen der genossenschaftlichen Organisation. Die Städtebündo. Städtische Verfassungskämpfe. Gilden und Zünfte. 7. Die Gesellenverbände. Die unehrlichen Leute. Die Rechtsstellung des Proletariats. 8. Die Kirche und das Kirchenrecht. Das Zinsverbot. Die Juden. 9. Das Strafreoht. Von der Buße zur Folter. Die Ketzerverfolgung. Das Femgericht. 10. Kaisertum und Landesfürsten. Die Kurfürsten. Der Reichstag. Der Landfriede. Die Kreiseintellung. Die Landstände. iL Der Niedergang des Bauemstandes und der Volksfreiheit Der Sieg des Fürstentums. Das römisohe Recht 12. Kirchenrevolution und Bauernkriege. Die Niederlage des deutschen Volkes. Vortragender: Simon Katzenstein. Donnerstag: KaHonaiakonomle.(EinfDhrung In die theoretische Nationalökonomie. Zweiter Teil). 1. Wiederholung: Kapitalistische Wirtschaftsordnung, Ware, Gebrauchswert Tausonwert, Geld, Preis. 2. Die Verwandlung von Geld in Kapital. 3. Die Erscheinungsformen des Kapitals. 4. Mehrwert. 5. Arbeitskraft Arbeitslohn. 6. Die Entwiokelungs- tendenz der kapitalistischen Weltwirtschaft. Vortragender: Max Grunwald. Auch hier gelten dieselben Bedingungen wie für den Dienstag- Kursus in Redeübung. Freitag; lilteratarceechlclite.(Von der Revotutlonsdlcktung bis zur neuesten Zeit.) Bertheld Auerbach. Friedrich Bodenstedt Christian Grabbe. Friedrich Hebbel. Otto Ludwig. Viktor v. Scheffel. Annette v. Droste-HülshoS. Emanuel Geibel. Julius Wölfl. Gottfried Keller. Konrad Ferdinand Meyer. Wilhelm Raabs. Vortragende: Frau Regina Buben. Sonnabend; Gewchlchte.(Moderne Kolenlalgasohiehte.) 1. Die Spanier in der neuen Welt 2. Ostindien und die Portugiesen. 3. Niederländische Kolonialpolitik. 4. Die Anfänge der englischen Kolonialpolitik. 5. England und Amerika. 6. Die Engländer in Ostindien. 7. Französische Kolonial- fescbichte. 8. Englische Kolonialgescbichte im 19. Jahr- undert 9. China and die Großmächte. 10, Anfänge der deutschen Kolonialgeschichte. Vortragender: Dr. A. Conrad y. In Berlin beginnt der Unterricht in Bfatnrerkenntnts: Montag, den MO. Januar; Redncrschnle: Dienstag, den 21. Januar; Geaetzeakande: Mittwoch, den 22. Januar; Natlonalttkonomle: Donnerstag, den 23. Januar; I.ltc- raturgeschlchto: Freitag, den 24. Januar; Geachichte: Sonnabend, den 23. Januar; Gcmohiclito in Mteellta: Montag, den 20. Januar; Natlonalttkonomle in Tenipel- bof: Montag, den 20. Januar. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt pünktlich um O Uhr und endet pünktlich um'1,1 1 Uhr. Die reichhaltige Bibliothek ist an diesen Abenden von 8— O Uhr geöffnet. Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Unterrichts- geld für jedes Fach beträgt pro Kursus 1 Mark und ist spätestens am zweiten Abend zu zahlen. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt am besten bei Beginn Jedes Kursus im Schullokal GrenadleratraBe 37, Hof geradezn 1 Treppe, und in nachstehenden Zahlstellen: Gottfr. Schulz, Admiralstr. 40a; Real, Bamimstr. 42; Vogel, Lortzingstr. 37; Uahrow, Ravenöstr. 6; Borsch, Engelufer 15; 8cbellbasc, Steglitz, Ahornstr. 15a. Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Otto Gelthuer, Berlin NO. 18, Friedenstraße 70 III, rechts, Geldsendungen an den Kassierer H. Königs, Berlin 8. 59, Hasenheide 66. zu senden. Der Vorstand. •Spandauerberg Brauerei- Westend bei Cbarlottenburg Tel. Cbarlottenborg 320 68. Soekbier-Saison. Der AusstoU hat begonnen. 1355L* "SeMnlaortiitbei Redakteur; Hau» Weber. Berlin. Lür den Lnjeratenteil verantw.: LH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW* ib.«5. 25 wtMu. 5. Atüllße i)ts Jurmirlf AtrÜM JolbWutt. s««-.>»?'«'« im. Leipzig.Leipziger Volkszciwng' Tauchaerftr. IS— 21. .BolkSzeitmig für daS Muldenthal" Tauchaer- straße 19—21. Lüdeuscheid.Voirsstimme", Luiscnsir. IS. LlidwigShafe»„Pfälzische Post" Maxstr. SS. Lübeck.Lübecker VollZbote" Johannis str. SS. Lüneburg.Lüneburger VolkZblatt" Schröderstr. 11. „Borwürts" Berliuer B-ltsblatt, LV.«S. Linden. Magdeburg.VoltZAmme" Große Münzstr. 3. SoMlistislhe Presse Dentschlands. I. Quartal ISvS. Zentral-Qrgun. straße öS. Täglich erscheinend. Wissenschaftliche Wochenschrift. «»Die Neue Zeit". Dochenschrifl der deutschen Sozial dernokratie. Swttgart, Furthbachstr. Berlin-Friedenau, Medstr. It. Kommunalpolitische Wochenschrift. »Kommunale Praxis«. Wochenschrlsi für Kommunal- Politik und GemeindesozialiSmuZ. Berlin SW. 68, Lindenftratze 69. Redaktion: Berlin W. 10, Kaiserin- Augustastraße 58. Taglich erscheinende Zeitungen. Mtcnburg ,?lltcnburger PolkSzettung" Kunstgaffe 12. Slngsburg„Schwäbische Bolkszeitung" Maximilian. ftraße B 31. Baut„Norddeutsches Pollsblatt- P-terstraße 20/22. Bayreuth„Fränkische BolkStribüne" Knlmbacherftr. 20. Bielefeld„Volksmacht" Schulstr. 20. Bochum„VolkSblatt" Südhellweg 1. Brandcuburg„Brandenburger Zeitung, Märkisches Voltsblatt- Lurstr. 73. Braonschweig„Braunschweiger VollSsrennd" Schlo straße 2, Ecke Lehlschlägern. Bremen„Bremer Bürger-Zeitung" Hankcnstr. 21—22. Bremerhaven„Norddeutsche BolkSftimme" Am Hasen 49. Breslau„Volkswacht" Neue Graupenstr. 6. Gaffel„VolkSblatt für Hessen und Waldeck" Dolshagerstr. 7. Chemnitz„Volksstimme" Userstr. It. Cottbus„Märkische VolkSftimme" Am AmtSteich 18. Crcfeld„Nicderrheinische VolkSttibüne" Bretteftr. 62. Darmftadt„Hessischer Volksfreund" BiSmarckstr. 19. Dessau.Volksblatt für Anhalt" ASkanischeftr. 107. Dortmund„Arbeiter-Zeitung" Kielstr. S. Dresden.Sächsische Arbeiter-Zeituna" Zwingerstr. 22. „Sächsischer Bollssreund" Zwwgerstr. 22. Düsseldorf„VollS-Zeitung" Benratherstr. 6. Duisburg„Niederrhewischo Arbeiter-Zeitung", Friedrich. Withelmstr. 76. Elderfeld-Barmen„Freie Presse" Robertstr. 8 a. Erfurt„Tribüne" Kleine Arche 1. „Thüringen" Kleine Arche 1. Fsrankfurt a. SN.„VolkSftimme" Großer Hirschgrabe» 17. Kurth„Fürchcr Bürger-Zeitung" Moststr. 7. Gera.Reußische Tribüne" Alle Schloßgasse II. Eichen.Oberhessisch- Volkszeitung" Neustadt 11 Eürlitz..Görlitzer Volkszeitung" Teichstr. 6. Greiz„Reußische Volkszeitung" Untere Silberstr. 2. Gotha„Volksblatt für die Herzogtümer Coburg und Gotha" Mohrcnbcrg 7. Halle a. T.„VolkSblatt für Halle" Harz t2/t3. Hamburg„Hamburger Echo", Hamburg I, Fehland ftr. 11. Harburg„VolkSblatt" Großer Schippsee t, Part. Hannover„BolkSwille" Münzstr. 5. Hof„ObcrfränNschc Volkszeltung" Karolwenstr. 39. Jena„Wchnarische VolkSzeittmg", Schloßgasse 19. Iserlohn„VolkSzcitung", Mühlcngang 15. Karlsruhe„Vollsfreund" Luisenstr. 2t. Kiel„SchlcSwig-Holstciulschc VolkS-Zeilung" Bergstr. 11. KSln„Rheinische Zeitung* Ursulaplatz 6.. Königsberg i.Pr.„KönigSberger VollS-Zeittmg" Border- Roßgarteu 50. Mainz.VolkSzeittmg" Zauggasse 13. Mannheim.Volksstimme" R 3, lt. Mülhausen i. E.„Müthauser VolkSzeitung" Drei- känigsstr. 37. IT Redaktion: Mühlhansen r. Th.„Volls-BIatt" Jüdensiraße 3. München„Münchener Post" Wittelsbacherplatz 2. Nordhausen„Nordhäuser Volkszeitung" Wolsftr. 11 Nürnberg„Fränkische Tagespost" Luitpoldstr. 9. Lffenbach„Ofienbacher Wendblatt" Große Marktstr. 25. Pforzheim„Psorzheimer Freie Presse" Ocstliche Karl< Friedrichstr. 37 I. Remscheid„Remscheid« ArSellcrzeiiung" Neustraße 2. Rostock„Mecklenburgische Bolkszcitung" Doberanerstr. 6. Zaalfeld.Volksblatt" Rosmaringasse 15. Tt. Johann.Saarwacht" Hasenstr. 7—9. Solingen.Bergische Arbeiterstimme" Hohegasse 7. Sonneberg„Thüringer Volksfreund" Coburger Allee 7o. Stettin„VolkS-Bote" Schillerftr. 10. Strafiburg i. E.„Freie Presse für Elsaß-Lothrwgen" Finkmattstaden 2. Stuttgart„Schwäbische Tagwacht" Furthbachstr. 12. Zwickau i. S.„Sächsisches VoUSblatt" Bosenstr. 16. Wöchentlich dreimal erscheinend. Kattowitz„Gazetta Robotnicza(Polnisch), Rathausstr. 12. Gemrkschastspresse Deutschlands. I. Quartal I S03. Zentral-Organ: „Correspondcnzblatt der Geueralkommisfio» der Gewerkschafte« Deutschlands". Berlin SO. 16,1 Engel-User 15. A. Presse der Zentralorganisatioueu: Asphalteure.„Der Asphaltarbeiter". Berlin SO. 16 Eugel-User 15 I. Bäcker und Konditoren.„Deutsche Bäcker« und Kon- östoren- Zeitung". Hamburg I, Besenbwderhos 57/66. Für Bäckneiarbeiier Berlins„Der Weckruf". Berlin 0. 5t, Auguststr. 36. Barbiere und Friseure.„Friseurgehülsen-Zeitung", Hamburg 19, Osterstraße 166. Bauhülsöarbeiter.„Der BauhälsSarbelter". Hamburg I, Klostertor 8 I. Bergarbeiter..Bergarbeiter» Zeitung". Bochum, Wicmelhauserstr. 38/40. Bildhauer.„Bildhauer-Zeidmg". Berlw L. 53, Berg mannslr. 68. Blumcnarbeiter.„Der Blumen-Arbeiter'. Meder- chönhausen-Berlin, Marthasir. 10. Böttcher.„Deutsche Böttcher« Zeitung". Bremm, Fauleiistr. 58/60. Branereiarbeiter..Brauereiarbeiter- Zeitung". Ha» nover, Münzstr. 5. Buchbinder.„Buchbinder-Zeitung". Berlin S. 59, Kott- buscrdamm 23 I. Buchdrucker.„Korrespondent". Leipzig, Salomonstr. 8. Bnchdruckerei-Hülfsarbetter..Solioarttät". Berlin S. 59. Wißmannstr. 20. Bureauangestellte.„Der Bnreau-LlngesteMe'. Berlin 80. l6, Schmidstr. 33 pt. Dachdecker.„Dachdeckcr-Zeittmg". Hottan, Mühlberge 11 Eisenbahner.„Weckruf der Eisenbahner". Redaltion DreSdeu-A., Alt-Löbtau 3. Expeditton: Hamburg 15, Wöchentlich zweimal erscheinende BlStter. I Spaidinoftr. 150-r.� Langenbiela«„Der Proletarier auS dem Sulengebirge" � ftra� in Proletarier. Hannover, Münz� und„Grüttberger Bolkssttmme", Ober-Langenbielau. Fleischer.„Der Fleischer". Berlin S0. 16. Wnsto 2. Bezirk. Wöchentlich einmal erscheinende Blätter. Cassel„Der Wegweiser" Hohcnthorstr. 2. DreSden„Der arme Teusel" Falkenstr. 10. Köln„Rheinische Zeitung"(Wochenausgabe) Ursulaplatz 6. Lörrach, Baden„Arbeiterzeilung" Ramstraße. Offenburg„Volksblatt" Gerbcrstr. 3. Stuttgart„Schwäbischer Volksfreund' Furthbachstr. 12. Aller 14 Tage erscheinend. Swttgart„Die Gleichbett- Zeitschrist für die Interessen der Arbeiterinnen, Furthbachstr. 12. Monatlich zweimal erscheinend. Königsberg„Der Ostpreußische Landbote' Vorder-Roß- garten 50. Monatlich einmal erscheinend. Berlin„Die Fackel" 80. 36 Reichenbergerstr. 128. Dessau„Volksparole für AnHall" ASkanischestr. 107. Dortmund„Die Wahrhett" Kielstr. S. Elberfeld„Das Morgenrot" Robertstr. 8». Hamburg„Hamburger Landbote" Fehlandstr. 46. Stettin„Der Pommer" Gutenbergstr. tl. Wiesbaden„Wiesbadener Volksbote" Helmenstr. 2. Witzblätter(Erscheinen aller 14 Tage). München„Süddeutscher Postillon" Senefelderftr. 1 Swttgart„Der wahre Jacob" Furthbachstr. 12. Illustrierte UnterhalwngSblätter. Berlin„In freien Stunden" BVf. 68, Lindenstr. 69. Cr- Metallarbeiter. scheint in Wochenhejten. 1 Rötestr. 16b. Hamburg„Die Neue Welt" Hamburg I, Fehlandstr. 11. Mühlenarbeiter..Mühlenarbeiter Erscheint wöchentlich einmal. Redaktion: Berlin 8V.68,! bürg S.-A.. Zwickauerstt. 12. Berlin, Berlin hauscnerftr. 18/19, park. Gärtner.„Allgemeine deutsche Gärwer-Zetttmg' N. 37, Metzerstr. 3. Gastwirtsgedülfen.„Der GastwirtSgehilfe". KO. 18, Elbingerftr. 21. Gemeindcarbeiter.„Die Gewerkschaft" und„Die Sanitätswarte'. Berlin IV. 30, Winterjeldtstr. 21 Glasarbeiter.„Der Fachgenosse". Berlin v. 17, Goßler- straße 29. Glaser.„Glaser-Zettung". Karlsruhe t B., Wilhelnn straße 47. Hafenarbeiter.„Der Hasenarbetter", Hamburg 1, Besm- binderhos 57—66. Haudlungsgehülfen.„HandlungSgehlllsm-Blatt", Ham- bürg 1, Besenbinderhof 57—66. Handschuhmacher.„Der Handschuhmacher", Berlin 11. 58. MalmöerNr. 2t I. Holzarbeiter..Holzarbeiter-Zeidmg". Stuttgart, Adler straße 43/ Hoteldiener.„Der Hoteldiener". Berlln NW. 7, Am Weidcndamm 1a. Hutmacher.„Korrespondent". Altenburg, S.-A., Nord- straße 57. Kürschner.„Der Kürschner". Hamburg 22, Holst. Kamp 39a I. Kupferschmiede.„Der Kupferschmied". Berlin N. 4, Gartenstr. 101. Seitens!. I. Lagerhalter.„Monats-Blätter". Leipzig, Zeitzerstr. 32 II. Lederarbeiter.„Lederarbeiter-Zeittmg". Berlin 80. 16, SIdalberlstr. 56 II. Lithographen und Stetndrncker.„Graphische Presse" Berlin 8. 59, Hasenheide 92. Maler.„Vereins-Anzeiger". Hamburg 22, Schmalen- beckerstr. 17 I. Maschinisten und Heizer.»Deutscher Maschinist und Heizer". Berlin 80. 33, Pücklerftr. 45. Maurer.„Der Grundstein". Hamburg 1, Besenbwderhos 56. Metallarbeiter.„Metallarbeiter-Zeitung". Swttgart, Rötestr. l6b. Zeitung". Mten- Photographengehülfen.„Photographischer Mttarieiter". Berlin 80. 16. Josephstr. 7 I. Portefeuiller.„Portesewller-Zeidmg". Ossenvach a. M. Waldstr. 8 I. Porzellanarbetter.„Die Ameise". Charlottenburg, Charlottenburger Ufer 56 IV. Sattler.„Sattler-Zeiwng". Berlw 80. 16, Adalbert- straße 56. Schiffszimmerer.„Der SchlffSzlmmerer". Hamburg 7, Bauksstr. 141 Schirmmacher.„Correspondenzblatt". Hamburg 6, Kampsstraße 6. Schmiede.„Schmiede-Zeitung". Hamburg 1, Besen- binderhoj 57—66. Schneider.„Fachzettung für Schneider". Berlw 80. 16, Köpenickerstr. 126. Schuhmacher.„Ichuhmacher-Fachblatt". Gotha. W. Bock. Seeleute.„Der Seemann". Hamburg 1, Besendwder- hoi 57—66. Stewarbeiter.„Der Stewarbeiter". Leipzig, Zeltzer- straße 32. Steinsetzer.„Allgemewe Stewsetzer-Zelwng". Berlin NW. Lt. Wiclesstr. 16 l Stnkkatenre.„Der Stukkateur". Hamburg 22, Feßler- straße 9 II. Tabnkarbeiter.„Der Tabakarbetter". Leipzig, Tauchaer- straße 19/21. Tapezierer.„Correspondenzblatt für Tapezierer". Berlin 80. 16. Michaelkirchplatz 1. Textilarbeiter.„Der Textilarbeiter". Berlln O. 27, Andreasstr. 61. Töpfer.„Der Töpser". Berlw 80. 16, Engel-Ufer 15 m. Transportarbeiter.„Der Courier", Berlw 80. 16, Engel-User 21.„Der Straßenbahner", Berlw 30. 16, Engel-User 21. /rylographen.„Zeitschrift für Zylographcn". Leipzig, � �.Der Organisator". Hamburg 1, Zimmerer". Hambmg 1, Besenbwderhos 57—66. Zivtlmustker.„Fachzeitung für Ziptlmufiker". Berlin N. 81, Stralsunderstr. 86. Für die w Zentralverbänden Organisierten erscheinen serner in italienischer Sprache„l'Opsraio Italiano", Hamburg I, Besenbinderhos 56, und in polnischer Sprache „Oswiata", Posen, Schießstr. 3. Kronprinzstr. 35 Lindenstr. 69. iNotenstecher.„Der Notenstecher". Leipzig, Talstr. 27 1. IZ. Blätter anderer Gewerkschaften and sonstiger Organisationen. Berlin.„Der abstinente Arbeiter". Organ des dWtschen Arbeiter-Slbstinentenbundes, 0. 17, Langestr. 11. Re- daltion- NO. 55, Pastcurftr. 13. „Der Bühnenarbeiter", Organ dcS Verbandes des tech« Nischen Bühnenpersonals. 0. 34, Warschauerstr. 68. „Die Einigkeit", Organ der freien Vereinigung deutscher Gewerkschasten. 0. 64, Alte Schönhauser- straße 20 1 „Die arbettende Jugend". 80. 28, Waldemarstraße 75. „Der freie Gastwirt". N. 58, Dunckcrstr. 10. „Kürschnerwacht". NO. 43, Gollnowstt. 5. „Deutscher Zeichner. NO. 55, Braunsbergerstr. 12 HI. „Volkstümliche Zeitschrist für praktische Albeiterversicherung", Organ dcS Verbandes der VerwaltunaS- beamtcn der Krankenkassen, Berussgenossenschastcn usw. N. 53, Schönhauser Allee 27. Redaltion! Magdeburg, Wittenberaerstr. 30. Elberfeld.„Zeitschrist sür Graveure der Stoffdruck- Industrie", Nene Gerstenstr. 20. Leipzig.„Der Ltthograph". L.°Neustadt, Marktstr. 1 d. Mannheim„Die junge Garde", Organ des Verbandes junger Arbeiter. Q 5, 1. Redaktion 0 2, 1 Nürnberg.„Süddeutsche Eisenbahucr-Zettung", Au- straße 3 II. Wilmersdorf.„Monatsschrift des Vereins sür die Interessen der Hausangestellten", Kaiserplatz 17. Obige ginn jedes Adreß. oder Vormerkung mitteilen zu Berlin, den 7. Januar 1903. veröffentlichen wir zu ve. uartats. In der Zwischenzeit sich ergebende sonstige Veränderungen bitten wir UNS zm mitteilen zu wollen. Der Parteivorstaud. Lür tlie Konkirmstion! Sehwarze und weiße Kleiderstoffe in Wolle nnd Seide. WCT lleberrascliend reiche Auswahl! Bekannte Prelswür dlgkeit! 126 Gr. Frankfurter Str. 126. S. WeiSSCnberg. Eckhaus Koppen-Straße. jltärkischer Kof, Der kleine Saal ist an Sonnabenden a. Sonntagen zu vergeben. Großer Ball. Anlang 4 Uhr. KQnstliede Zähne von 1,50 M. an.| Teilzahlung. Vorbebandlung umsonst. Langjährige Garantie. Plomben von I M. an. Zahnziehen schmerzlos von 1 M. an. Umarbeitimg schlecht sitzender Gebisse von I M. pro Zahn an. l495tt" Zalrntecliiiiselie Akailemie. 9-2 u' llliefl. rotlerenöß ------- mit selbsttätigem Papiereinleger. Friedrich Fischer Bethanien- Ufer 8 » BERLIN* Telephon Amt IV, 4543. Bethanien- Ufer 8 Ständiges Lager in Kontor-Möbeln, RoIIjalousie-Schränken, Selbstöffner-Schränken, Schreibtischen etc. == Auf Wunsch Extra-Anferligung.——— Lieferant der meisten tiewerbschaflen Deutschlands. 4 Ml OD U zu Versammlungen und neue Säle Af lbiS 1000 Personen fassend). Kommandantenstr. 58/59. Fernsprecher Amt IV'6st55. Zahnärztliche Klinik SV., velle-AIIIancestrast«>00 l,. 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Dies« Phonographen worden nicht an wledor- ▼erk&n'er abgegeben nnd sv mit» Walsen verkauft. «LSlIlMOTtCTEO nucEauuiW Pto« alte, abgMptaIt%- an eh eineeltlge Zonepkca. Platten gebe loh eine neue grosse, doppelseitig* Zonophon-Platta., Pflr drei alte Orammoph**. Platten eine neu» bei Bin- kauf nener Platte«. Dienstag, den 23. Januar, Vormittags lO'/z Uhr: jlrbeitslosenuersammlungen in folgenden Lokalen: Moabiter Geseilsthaftshaus� Wiclefßr. 24(großer und Kleiner saai). Oesellschaftshaus Derliner MustKer> Kaiser-Wilhelm-Straße. Freyer(früher KeU-r) Kgppenftr. 29(großer vnd kleiner Saal). Kliem� Festsäle� Hllsellheide 13/15(großer nnd Gartea-Znal). Gemerkschaftsljaus> Ellgeluftr 15(großer San! nnd Saal I). Tagesordnung in allen Versammlungen: Die Wichten m Stallt und Gemeinden gegenüber der gegenmärtigen Jrbeiisloligbeit. Referenten: Reichstags-Abgeordneten �ldrecdt, örüdae, Lmmel, frank, l�edmaan, 8cdei6emsaa, öinxer, 8tückle.a, Zubeil. Alle Arbeitslosen in Groß-Verlin werden gebeten, an diesen Versammlungen teilzunehmen! mSmmmmmm Tellersammlung findet nicht statt, m—mmmmmm IMe Berliner OewerksehafAskommlsslon. 205/3* Verband sozlaldemokratiseher Wahlvereine. n Arbeitsnachweis: BerwalttmgSitelle Berlin. Hauptburean i Hos L Amt 3, 1239. CharitÄstraBe 3. Hos m Amt 3. 1987. Dienstag, den 21. Jannar 1908, abends 8V2W: Allgemeine Versannulnng der Glettromonteure und Hülfsmouteure Berlins und Umgegend ------ in Meiers Festsälen, Sebastianstraße 39.------ TageS-Ordnuag: 1. Bortrag de» Kollegen O. Uaudbe über:„Emanzivationö- bestrebvngro der Arbeiterschaft-. 2. Dislussion. 3. Verbands- angelegmheUen und Ergänzungswahl deS Agitationskomitees. 110/16_ Ple Ortsvcrwaltang. Verband der Sattler. Ortsverwaltung Berlin. Donnerstag, den 23. Jannar, abends SVa Uhr, in den D6U61) Ärniill-Hallcil, Kommandantenstr. S3/S9: Lsnsnalvsrsammlung Tages. Ordnung: 1. GclchästlicheS. 2. Abrechnung vom IV. Ouartal 1907. 3. Bortrag deS Kollegen.Nüntuvi- über die Frage:.Wie stelle» wir uns zur Gchaffung eineS Lederinduftric-Berbaiides.- 4. Diskussion. S. Aus- schlusiantrag gegen den Kollegen Peter Puth. 6. Verschiedenes. - Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. � Kollegen! Der hochwichtigen Tagesordnung wegen erwarten wir, daß Irin Miiglied in dieser Versammlung feisten wird. 156/5 Die Ortsverwaltnnß. NB. Am Sonnabend, den 8. Februar, findet bei Xj. Keller, Koppenstr. 39, unser TlaHkenbali statt. Billetts sind im Bureau und bei den Vertrauensleulen zu haben._ Das BergnügungSkomitee. Verband der Capezierer. Filiale Berlin. Mittwoch, den 22. Januar, abends 8% Uhr, bei Weadt, Beuthstr. 21: Quartals Versauuuwng. Tages- Ordnung: ' 1. Bericht der OrtSverwalmng und des Kassierers. 2. Neuwahl der OriSverwaltung. 3. Antrag der Innung, den Abschiusi eines neuen Arbeitsvertrages betreffend. 4. Verbandsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert 177/s Um zahlreichen Besuch ersucht Die Ortsverfvaltnns. Kranhenunteritiitzangs- und Begräbnisverein gewerblicher Arbeiter. Sonnabend, den 25. Jan., abds. 8:/} Uhr, in d. Industrie-Festsälen, 8euthstr,20; General»Versammlung. Tage?-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen Pavldssttn. 2. Kassenbericht pro viertes Ouartal 1907. 3. Jahresbericht pro 1907. 4. Verschiedenes. 231/20 ===== Gäste, auch Frauen willkommen.. Der Borstand. I.A.: Fr. Freudenreiob, Vors., 8.59, Wigmannstr. 17, IV. Kvnsrs>»Vsrssmm>nng der Slerdellasse edemsliger kllugscder Irdeiter (Hetzeische Kalse) am Semitaff, den SO. Januar 1008, vormittag. 10 CThr, in Wllkea 8aal, Brunncnatr. 188. TageS-Orduung: 1. Verlesung des Protokolls der Generalversammlung vom 28. Jult 1907. 2. Kassenbericht deS Ztendanten pro 1907 und Bericht der Revisoren. 3. Verschiedeue iiasscuaiigelcgcnhciten. 4. Wahl des ersten Hchrislsührers und des stellvertretenden Vorsitzenden. 5. Wahl von drei Revisor««.— Mitgliedsbuch legitimiert. 281/12* Der Vorstand. 3. 81.; O t t o W i u k I e r. Verband der Venualtungsbeamten der Krankenkassen n. Bernfsgenossenschaften fieutsebl. Bezirksgrappe; Berlln-Brandenbnrg and Mecklenburg. t Heute Sonntag, den 19. Januar, vormittags lv Uhr: LvZiirkslsg in Berlin in den Musiker- Sälen, Kaiser- Wilhelm-Sttaße 18 m. TageS-Ordnung: 1. Vortrag beS Herrn Dr. Silberstein über»Hygiene der Jugend*. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenhetteu. 231/19 Um recht zahlreichen und pünktlichen Besuch, besonders auch der auswärtigen Kollegen wird ersucht. vis Koliexen der 0«eK»»K» der Schlächter zu Berlin sind ganz besonders eingeladen. Die Kollegen, welche die Billetts vom Herbstverg, lügen noch nicht ob. gerechnet haben, werden nochmals dringend darum ersucht. Der Borstand. Achtung! Maler Achtung! und sämtliche im Malergewerbe beschäftigten Personen! £W Erfüllt Eure Pflicht und übt Euer Wahlrecht auS! IQ DienStag, 21. Januar, abends'/z9 Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engel-User l5(großer Zaal): Orffentliche Versammlung. TageS-Ordnung: Neuwahl für die ausscheidenden Mitglieder deS GehülsenauSschuffeS gemäß tz 41 des Jnnungsstawls. 2537b Wahlberechtigt find die volljährigen GeHülsen usw., welch« sich im Befitze der bürgerlichen Ehrenrechte befinden. Der Jnnungövorftand: Der Gehülfenausschuft: F. RettiB. Obermeister, Willi. Wendel, Altgebülse, C., Joachimsir. 13. S.W. 47, Monumenlenstr. 19, L n ler Brei Zweigverein Berlin, Sektion II. Geschäftsstelle Berlin C. 54, Mulackslr. 10, I.— Fernsprecher Amt 3 4518. Sonntag, den 19. Januar 19o8, vormittags 9'/, Uhr: General- Versammlung im großen Saale des Gewerkschaftshauscs, Engeluser 15. TageS-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Neuwahl des Vorstandes und der Kommissionen. 3. Rechenschaslsbericht vom 4. Quartal 1907 Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht aller Kollegen, zu erscheinen. _ Mitgliedsbuch otwr Karte legitimiert!_ 42/4_ Der Vorstand. Kranken- und Sterbekasse aller gewerblichen Arbeiter für Berlin und Schöneberg. =====(E. II. K. llö.) � Sonntag, den 26. Januar 1908, vormittags 9 Uhr: General-Versammlung im Lokal von Obst, Meiuingerstr. 8, Tunnel. TageS-Ordnung: 1. Bericht deS Vorstandes. 2. Jährlicher Kaffcnbericht. 3. Neuwahl deS gesamten Vorstandes. 4. Statutcnbcratung. 5. Verschiedenes. mm—m— Mitgliedsbuch legitimiert! Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder ersucht 281/S* Dor Vorstand. Verein für frauen u. Rädchen der Arbeiterklasse. Montag, den SO. Januar, abends 8'/, Uhr, im Neue» Klubhanse. Kommandantenstraße 72: 55/1 Zweiter Vortrag aus dem Vortragszyklus: ljut Geschichte der Frau«, wauy Ser. Gäste willkommen. Der Vorstand. Charlottenburg:. Sozialdeinokratl8ch.WahlvereinChariottenburg Dienstag, den 21. Januar, pünktl. 8'/? Uhr abcndS, im großen Saale des„Volkslmuses", Rosincnstr. 3: Gen eralversamm lnn g. Tagesordnung: 1. Kassen- und Rechenschaftsbericht. 2. Neuwahl deS Vorstandes und der Funktionäre. 3. Verschiedenes. 250/1 Schöneberg. Dienstag, den 21. Januar, abends 8 Uhr. im Saale de? Herr» O b st. Meiningerstr. 8: Okffcntl. Gcliikrbsdilifts-Ucrsniiiiilliing. Tages-Ordnung: 1.„Die bevorstehenden Gewerbegerichisivahlen'. Referent: Stadt- verordneter Adolf Ritter. 2. Ausstellung der Kandidaten. Dl« Scltttnebergcr Gewerkschaftskonimlsslon. I. A.: Karl Henkel.__ 202/5 nr hb Vergoldet. Bontas, den SO. Januar 1008, abend« präzise 8 Ehr, Branchen- General- Versammlung In den Arm In ballen, Kommandantenstr. 58/60. TageS-Ordnung: 1. Bericht der Branchenleitung. 2. Neuwahl deS Branchenleiters und der Kommission. 3.-Bericht der Zentrallommisfion und Neuwahl derselben. 4. Verschiedenes. 78/2 ÜQT" Eintritt nur gegen Vorzeigung deS MilgliedSbucheS,-MQ SV* Pflicht eines jeden Kollegen ist eS, pünktlich zu erscheinen. Der Branchenleiter. Achtung l Drechsler! Montag, den 29. Januar 1998. abend? 8'/, Uhr t Branchen- Versammlung für Berlin nnd Vororte tu»Englischen Garten«, Alexanderstraß» 27 o. TageS-Ordnung: 1. Die Differenzen bei der Firma Wrgelebe». S. Bericht von der Drechfler-Konserenz. 3. DiSkussson. 4. Verbands- und Branchen-Angelegen» hellen. Kollegen! Wir ersuchen um zahlreiches Erscheinen. Besonders die Kollegen, welche in den Vororten Rixdors und Wetßensee wohnen oder arbeiten, find zu dieser Versammlung eingeladen. Die Branchenkommtsston. Korbmacher. Montag, de« 20. Januar 1908, abends 8'/, Uhr» Versammlung Im Gewerkschaftshause. Engelrilfer 16. Die TageS-Ordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. Pflicht eineS jeden Kollegen ist eS zu erscheinen. Die Kommtsstou. Mittwoch, beu 22. Januar 1908, abendS 81/, Uhr: Sranehenversammhmg der SalousienarheUer bei Anton Boeker. Weberstrafte 17. TageS-Ordnung: 1. Bericht der Kommtsstou. 2. Neuwahl. 3. Brauch en-Angel egenheiien. 4. Verschiedene». Der wichtigen Tagesordnung halber muß jeder erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert, mmm—mm,�— Die Kommtsstou. Kfasehinen- Krheiter. Mittwoch, de» 22. Januar, abends 8'/, Uhr; Kranchen- Versammlung tu de« AndreaS.Fcstsäle«, Andreasstrafte 21. Tagesordnung siehe Dienstag-Inserat."WD Mitgliedsbuch legitimiert. Die Branchenrommifsto«. Modtll- illid Filbck-Wln soillie Mndlll-Drclhslkr. Donnerstag, den 23. Januar, abends 8% Uhr» bei Schmidt, Garteusttasie S: Zranehen-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Jahresbericht. 2. Neuwahl der Kommisston. 3. Verschiedenes. Die Branchenkommissto». K. Wahlkreis(Sehönhauser Vorstadt). Sonntag, den 19. Januar, abends 6 Uhr, in Arndts Festsälen, Belforter Straße 15: VoIksvvi'SsmnHlTmiB. Tages. Ordnung- Vortrag des Genossen Nedaktenr Nach der Versammlung: Gemütliches Keisammenfein mit Tanz. __ Zahlreichen Besuch erwarten_[224/8]_ Die AbteUnngsführer. Genossinnen! Genossen! Dienstag, den Ä1. Januar, abends 8 Uhr, in Festsälen ssruher Keller), Koppenstr. 29: Volks-Verssmmlunx. Tagesordnung: Die Wahlrechtssrage und die Franen. Referentin: Genossin Klara Zetkiii=©tuttgart. Wir ersuchen die Parteigenossen, ihre Franen auf die Wichtigkeit der Per- sammlung für das weibliche Proletariat aufmerksam zu machen. _ Tie Einbernferin. Schöneberg. Mittwoch, den 22. Januar, abends S'/a Uhr: Kreis- Versammlung Meininger-Strabe 8. im großen Saale von E. Obst. Mariin-Lut her- Straße 51. Sogeä. Ordnung: 1. Jahresbericht und Neuwahl der KreisvertraucnSperson. 2. Jahresbericht und Neuwahl der örtlichen Vertrauensperson. 3. Bortrag des Reichstagsabgeordnkten Fritc Knbetl. 4. Dislussion. 1/1 Die Kpelsvertrancnspcrson._ freie Vereinigung der Innrer Deutschtands Orfsverein Serlin. 136'3* Dienstag, den 21. Januar, abends 8 llhr. bei Düker, Weberstr. 17: WV QenersI-VersammlunK."MN TageS- Ordnung: Berichterstattung der Delegierten von der Konsere»z bezw. Beschlußfassung über die Anslöiung deS OrtSverelns Berlin. Die Versammlung wird pünltlich eröstnet. SNT Ohne LegMmalionstarte lein Zutritt.— Die Türkontrolleure sind angewiesen, ohne Legitimation niemand zuzulassen. Dep Vorstand. Orts-5lra»ketttasse für daS Gewrrbk der llkrfertignng von Mußbinstrumruttn. Am Sonntag, den SN. Januar iSt>8. vormittags 9'/, Uhr. findet im Restaurant'!Sohlsohrt, Rosen» thalerstr.!>7, Hos Part., eine IM- Ausserordentliche Löiiössl-Vös8Siiimlli>ig sämtlicher Arbeitnehmervertrcter statt. 270/9 Tagesordnung: 1. Wahl eines Vorstandsmitgliedes für l 908/09 und eines Vorstands» Mitgliedes sür 1903(Arbcitncomer). 2. Wabl einer Kommission zur Prüfung der Rechnungen pro 1907. 3. Verschiedenes. Um vollzähliges und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. 1 lOOO chinesische Nachtigallen alles abgehörte, garan» tiertc Säuger a 2.95 M. Weivchen dazu a 55 P>.«ellon- «itlicdo, Zuchtpaare 4.95 M., I-raclUtinsieii, hübsch im(Seficder, Paar>.55 M.. l.soktsuben Paar 2.95 M., 7«eegpapageion a 1.15!!)!. H. Fackelmann, Hamburg 8. Ms Wunsch lege passendes Futter unt. Bcrechn. bei.[29L/l7 Weikensee. TienStag, 21. Januar, abends 8>/z Uhr, im Prälaten, Weiheusee» Lehderstrafte 122: Öeffentliche Versammlung der sozialdemokratischen Franen Niederbarnims. Tagesordnung: 1. Vortrag der Genossin E. ihrep über:„Der Bereinsgesetz» entwnrf, ein neues Mittel zur Rechllosmachung der Zlrheiterklasse. 2. Diskussion. 3. Bericht und Neuwahl der Kicisvertrauensperson. 4. Be» richt und Neuwahl der Vertraueusperson sür Weißensee. l/2__ Die Krclsvcfti-ancnsperson. Klosfepsfr.5/6. Leipzigerstr.SOa Oranienstr. 48 Ssders* Dyekhoff Spezialhaus für Herren- und Knaben-Kleidung Eigene Betriebswerkstätten im Hause 0/ Inventur>2�� Ermäßigung Ermäßigung Verkauf auf IRest'Bestände sämtlicher Abteilungen Winter- und Sommer-Paletots, früher 23 m, jetzt 17.25 m. . 28 n. 21.-. . 36.. 27-. ■ 42 n f. 31.50, n 52»» 39,-» . 60.. 45,-. 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