Nr. 17. ader Abonnements- Bedingungen: Abonnements. Preis pranumerando? Bierteljährl 8,30 m, monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 fg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Bost- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Solland, Italien, Luxemburg, Portugal, Bumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 25. Jahrg. Die Infertions Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel geile oder deren Naum 50 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Bort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition if bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Der Etat des Dreiklaffenftaates. Dienstag, den 21. Januar 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. gabe stehen fogar noch 48 182 M. Einnahmen aus der Nebenbeschäfti- den Beschlüssen der Kölner Tagung gemäß gehandelt und das gung der Gewerbeinspektionsbeamten gegenüber. Gedeihen des Flottenvereins gefördert habe! Es versteht sich leber noch einmal soviel wie für die Gewerbeinspektion zahlt von selbst, daß die Bayern eine derartige Resolution als der preußische Staat jährlich an Renten und Entschädi- gröblichste Brüskierung empfinden mußten. Ja mehr Mit 8862 Millionen Mark schließt der dem preußischen Landtage gungen an Fürsten und Standesherren aus, rund noch! Wenn die Hauptversammlung dem Präsidium unterbreitete Etat in Einnahme und Ausgabe ab. Eine gewaltige 1841 530 M. Diese Summe tönnte ebenso gut gespart werden wie für sein Vorgehen ausdrücklich ihren Dank Summe, die beredtes Zeugnis davon ablegt, über welche Schäße die gesamten Ausgaben des Ministeriums der auswärtigen An- aussprach verlor dann die ganze bayerische Attacke der preußische Staat verfügt und was er in fultureller Hinsicht gelegenheiten in Höhe von 782 100 M. Preußen hat nämlich, wahr- gegen Keim nicht jeden Sinn? Bedeutete diese leisten könnte, wenn er von dem Streben beseelt wäre, in Wahrheit scheinlich um die guten Beziehungen zu den übrigen Bundesstaaten Resolution nicht eine Dankadresse für Steim selbst, ein Kulturstaat zu sein. aufrecht zu erhalten, außer beim päpstlichen Stuhl in der doch vom Präsidium zum geschäftsführenden Wenn die Regierung fich rühmt, daß fie trotz der wirtschaftlichen Rom noch Gesandte in Dresden, Hamburg, Karls- Vorsigenden gewählt worden war? Deffnete nicht dieser Krisis 77 Millionen zur teilweisen Deckung des Mehrbedarfs für die ruhe, München, Oldenburg, Stuttgart, und ferner Beschluß den Anhängern Keims das Hintertürchen, durch in Aussicht genommene allgemeine Aufbesserung der Dienstbezüge ie einen Ministerresidenten in Darmstadt und Weimar. das Herr Keim, der sich vorn verabschiedete, wieder zur der Beamten, Geistlichen und Volksschullehrer in den Etat eingestellt Die Tätigkeit dieſer Herren wird außerordentlich gut bezahlt: Der leitenden Stellung im Präsidium hinaufbugsiert werden hat, so kann dem gegenüber wenigstens soweit die Volts- Gesandte in Rom bezieht 60 000 m. und 15 000 m. Miets- konnte?! schullehrer in Frage kommen nicht nachdrücklich genug entschädigung, der in München 45 000 M., die Gesandten in Dresden, Die Bayern protestierten denn auch sofort mit aller betont werden, daß die Regierung damit mir einen Teil ihrer Hamburg, Karlsruhe und Stuttgart je 30 000 m., die Herren in Energie gegen diese Resolution. Aber es half ihnen nichts. früheren Unterlassungssünden gut macht. Seit Jahren sind die Darmstadt und Oldenburg arbeiten jeder für 24 000, der in Weimar Sie wurde trotz der Drohung, daß die Annahme dieses BeBoltsschullehrer in Preußen als Stieffinder behandelt worden, es ist sogar für nur 18 000 M. Hierzu kommen natürlich noch die üblichen schlusses sie zum Rüdtritt zwinge, mit starter dahin gekommen, daß infolge der mehr als jämmerlichen Besoldung Nebenausgaben. Mehrheit angenommen! Die Bayern verließen ein Lehrermangel zutage trat, der naturgemäß auf die VoltsschulRecht erheblich find auch die Ausgaben, die dem Staat aus dem darauf mit ihren Anhängern den Saal. So hat die Hauptbildung in schädlicher Weise zurückwirkte. Aber nicht nur das. Auch Polizeiwefen erwachsen. Die Polizeiverwaltung in Berlin und Um versammlung mit großem Strach geendet. an Lehrerbildungsanstalten hat es in Preußen gefehlt. Jezt endlich gegend( Charlottenburg. Nigdorf, Schöneberg, Wilmersdorf und Was nun werden wird? Wird trotzdem noch eine Verrafft sich die Regierung dazu auf, die Mittel für 12 neue Seminare Lichtenberg- Borhagen- Rummelsburg, wo am 1. April dieses Jahres ständigung zwischen dem nationalliberalen Keimflügel und den und drei neue Präparandenanstalten zu fordern, zweifellos ein Fort- eine fönigliche Bolizeiverwaltung mit dem Siz in Lichtenberg er- Bayern kommen? Oder wird die Mehrheit des Flottenschritt gegen früher, aber bei weitem noch nicht genug, um den not- richtet werden soll) kostet 23,8 Millionen, die in den Provinzen vereins es wagen, auf die fürstlichen Protektoren wendigen Bedarf an Lehrkräften zu deden. Die langjährige Stellung 15,8 Millionen, die Distriktskommissare in Posen 998 686 M. und die zu verzichten, um sich als einen unverhüllten Agitationsder preußischen Volksschule als Aschenbrödel hat traurige Erschei- and gendarmerie 15,6 Millionen, zusammen zirka verein nationalliberaler Flotteninteressenten und beschäftigungsmungen gezeitigt. Die Wunden, die insbesondere das Ministerium Studt 55 Millionen an ordentlichen Ausgaben und außerdem noch etwa loser Militärs a. D. zu etablieren?! der Vollsschule geschlagen hat, find so tief, daß die Millionen, 8 Millionen an einmaligen Ausgaben. Diesen Ausgaben, denen Wie auch der Zwist der Flottentreiber enden mag, jedendie jetzt dafür ausgegeben werden sollen, im Grunde genommen noch die oben erwähnten 8 Millionen hinzuzurechnen sind, stehen falls wird der Flottenverein auch weiterhin der Schrittnur ein Pflästerchen sind, das die allzu efelhaften Stellen überlebt. noch nicht ganz 11 Millionen an Einnahmen gegenüber. macher der Flottenprojekte bleiben. Und es ist " " Und was die Beamtenbesoldungen betrifft, so darf man nicht Direkt zum Fenster hinausgeworfen wird das Geld, wenn es noch die Frage, ob feine Wirksamkeit nicht vielleicht vergessen, daß die hierfür geforderten Summen im Grunde ge- fich um die Hebung des Deutschtums in den Ostmarken schlimmer ist, wenn er auf seinen Steim verzichtet kommen Ausgaben sind, die zumeist aus der berlehrten handelt. Sehen wir von dem Etat der Ansiedelungskommission, der und sich als gemäßigtes" Drgan für nationale" Weltpolitik Wirtschaftspolitik der Regierung resultieren. Dant dem in Einnahme und Ausgabe mit 24 Millionen balanziert, ab, so auffpielt! Bolltarif und den neuen Handelsverträgen, dant dem Brot und finden wir faft in allen Etats Pofitionen, die dem für die Regierung Daß das Präsidium zurücktrat, war nach den Erklärungen Fleischwucher, dessen eifrigste Befürworter im Bundesrate die Ver. fo unrühmlichen Stampf gegen die Polen dienen. Es sei hervor der Nordd. Allgem. Zeitung". daß das Bleiben Reims die treter Preußens find, haben wir es glüdlich dahin gebracht, daß die gehoben der Dispositionsfond des Oberpräsidenten zur Förderung Niederlegung des Protettorats des Prinzen unteren und eine Reihe von mittleren Beamten mit ihren Gehältern des Deutschtums in Höhe von 2 Millionen Mark, der Heinrich zur Folge haben werde, selbstverständlich. Aber nicht mehr auskommen können, selbst wenn sie den Leibriemen Beitrag zur Herstellung eines königlichen Residenz Herr Keim und seine Freunde konnten sich's nicht verkneifen, noch so eng schnallen. Hierzu kommen die hohen Miets.fchloffes in Bofen, dessen Kosten auf 5 350 000 Mart auf die in den höchsten Regionen eingetretenen steigerungen, an denen die preußische Gesezgebung infolge bemessen find, ferner im Stultusetat der famose Fonds von Sinnesänderungen hinzuweisen. In offener ihrer Untätigkeit auf dem Gebiete der Wohnungsfürsorge 1185 000 Mark zu widerruflichen persönlichen Bulagen an Lehrer Situng, erklärte Steim, habe ihm der Fürst Bülow und infolge ihres zähen Festhaltens an dem Hausbesigerprivileg die in der Provinz Posen und den gemischtsprachigen Kreisen West- für seine Wahlagitation gedankt. Andere Hauptschuld trägt. Jahrelang haben die schlecht besoldeten Beamten preußens behufs befonderer Förderung des deutschen Volksschul- hätten es auch getan.( Wohl eine diskrete Anum eine Gehaltsaufbesserung petitioniert. Bergebens, Regierung wesens, und andere ähnliche Korruptionsfonds in sülle spielung auf Wilhelm II., der ja seinerzeit dem und Junkerparlament lehnten ihre Bitten rundweg ab, ja man ver- und Fülle. Fürsten Salm feine ganz besondere Anerkennung Bot sogar den Beamten, sich gemeinsam mit Betitionen an den Der Kultusetat ist bereits in einem besonderen Artikel über die prächtige Agitation" des Flottenvereins Landtag zu wenden. Derselbe Landtag aber, der für die unteren behandelt worden. Ergänzend fügen wir hinzu, daß dieser Etat ausgesprochen hat!) Fürst Salm ging mit feinen InBeamten nichts übrig hatte, erhöhte das Gehalt der preußischen auch die Ausgaben für firchliche 8wede enthält, die feineswegs diskretionen sogar soweit, zu erklären, daß ihm nach Köln Staatsminister in Anbetracht der veränderten Verhältnisse von 36 000 gering find. So finden wir im Ordinarium 208 525 M. für den sehr hohe Herren" erklärt hätten, der größte Fehler auf 50 600 m. evangelischen Obertirchenrat, 1612 000. für eban des Präsidiums fei gewesen, daß es den Bayern überDie Anhänger des Dreillaffenwahlrechts suchen es so darzu- gelische Konsistorien, 2 Millionen für evangelische haupt entgegengekommen sei! General Steim und stellen, als ob die Arbeiter zu den Leistungen nichts beitragen Geistliche und Kirchen, 1669 000 M. für Bistümer und Fürst Salm variierten also das schöne Thema, das in etwas und deshalb auch kein Wahlrecht haben dürften. Dieser Ein- die dazu gehörigen Institute, 1392 000. für fath o träftigerer Zonart schon die Rheinisch- Westfälische Zeitung" wand ist so oft widerlegt, daß es überflüffig ist, näherliche Geistliche und Kirchen, 48 000 m. für alt- angestimmt hatte, das Lied von dem„ Undank vom Hause darauf einzugehen. Nur einige Bahlen zum Beweis für die Hin- latholische Geistliche und Kirchen. Das sind zusammen Habsburg". Vergleicht man fälligkeit dieses Arguments! Wie erwähnt, belaufen fich die Ein- etwa 7 Millionen. damit, daß für das Der Führer des bayerischen Flottenvereins, Freiherr nahmen nach dem neuen Etat auf 8362 Millionen. Von diesen Medizinalwesen nur 4,7 Millionen gefordert werden, so b. Würzburg, erzählte wieder einmal, daß es„ gräßEinnahmen aber werden nur 290 Millionen durch wird man zugeben müssen, daß das leibliche Wohl der Staats- licher Unsinn" sei, zu behaupten, hinter dem bayerischen dirette Steuern aufgebracht. In der Hauptsache bürger in Preußen bei weitem nicht so hoch eingeschätzt wird, wie Borstoß stehe das Zentrum. As ob die Krise nicht ausresultieren die Einnahmen aus den Betriebsverwaltungen. Allein ihr ewiges Seelenheil. schließlich durch die Wahltampagne des der Etat der Eisenbahnverwaltung schließt mit einer Eins Wir lassen es gemug sein mit diesen wenigen Daten. Mehr als Flottenvereins hervorgerufen worden wäre, das heißt nahme bon 2 Milliarden, ber ber Bergverwaltung mit alles andere beweist der Etat, wie wenig Preußen sich seiner Kultur- durch den Kampf gegen das Zentrum. Erst als einer Einnahme von 262 Millionen. Die Junker und die aufgabe bewußt ist. Unter der Herrschaft des Dreiklassenwahlsystems die Broschüren gegen Erzberger usw. durch die Vermittelung sonstigen Bevorzugten werden doch nicht etwa be haben die befizenden Klassen und die Regierung es berstanden, den Reims und seiner Leute vertrieben worden waren, brach die haupten wagen, daß ihre Klaffengenossen es find, durch deren Etat so zu gestalten, wie er ihren persönlichen Inter- Empörung in Bayern aus. Insofern war das Zentrum die Arbeit dem Staat diefe gewaltige Einnahmequelle erfchloffen wird. effen und den Intereffen ihrer laffe entspricht treibende Kraft der bayerischen Opposition! Unsere Man darf ferner nicht außer Betracht laffen, daß auch aus den 3 öllen Das Staatswohl, das angeblich durch die Uebertragung des preußischen Agrarier aber traten alsbald auf die Seite dieser und indirekten Steuern in die preußische Staatstaffe die Reichswahlrechts auf Preußen gefährdet sein soll, ist ihnen Opposition, da sie das Zentrum ja als ihren alten, nette Summe von 115,5 Millionen Mart fließt. In Wirklichfeit finde bensache, ihr eigenes Wohl gilt ihnen als höchstes Gefeß. gegenwärtigen und zukünftigen Bundes. die Leistungen der Arbeiter an den Staat weit höher als die der Der Staat sind wir!" sagen die Junter und Junkergenoffen, die genossen schäzen! Ihnen fonnte nichts am Seim liegen. Besitzenden. Nicht nach den Leistungen ist das wahl an der Staatskrippe figen und ihre Macht in der schmählichsten Weise Der Steim war in erster Linie der Mann der Nationalrecht bemessen, fondern eher steht es im umge mißbrauchen. liberalen, die alle Kräfte für diesen Sachwalter des Panzerfehrten Verhältnis dazu. Wie lange soll das Boll es noch ruhig mit ansehen, daß in plattentapitals eingesetzt hatten. Wem aber tommen die Ausgaben des Staates au gute? In dieser Weise in Preußen gewirtschaftet wird? Wie lange foll es Der Marinismus selbst wird durch die Krise im Flotten der Hauptsache den Besitzenden. Für tulturwidrige 8 we de, fich noch gefallen laffen, daß die wichtigsten Kulturaufgaben leiden, verein nicht beeinträchtigt werden. Das Flotenrüsten für persönliche Liebhabereten gewisser reise ist weil es den herrschenden Klaffen an dem Willen fehlt, die hierfür geht auch so seinen Gang. Die neue Flottenvorlage Geld in Hülle und Fülle vorhanden, für erforderlichen Gelder zu bewilligen? Die Arbeiterklaffe hat es fatt, ist ja bereits gesichert. Und einer weiteren FlottenKulturaufgaben fehlt es an allen Eden und noch länger die Rolle der Ausgebeuteten und Unterdrüdten zu vorlage, etwa um das Jahr 1910 herum, ift desgleichen beEnden. Da finden wir z. B. im Etat der Gestütverwaltung neu spielen, fie fordert den ihr gebührenden Anteil an der Gesetzgebung reits vom Zentrum und dem Freifinn die Bewilligung in eingestellt eine fortlaufende Ausgabe von 200 000 und fie wird nicht ruhen, bis sie ihr Ziel erreicht und die Möglichkeit Aussicht gestellt worden. Unter solchen Umständen ist Herr Mart anläßlich der Beteiligung der Gradizer Pferde an den erlangt hat, auch bei der Finanzgebarung Preußens ein entscheidendes Keim, der das Nun aber weiter" des Kaisers in Rennen und im Extraordinarium einen Zuschuß von 132 000 Mart Wörtchen mitzureden. Flottenvereinsagitation umfezte, nicht mehr nötig. au zu Rennpreisen, im Etat der landwirtschaftlichen Verwaltung ist ebenso wie im laufenden Jahre wieder ein Betrag von einer halben Million als Verstärkung des Dispofitions " Der Krach im Flottenverein. " Freifinniges. fonds zu Prämien bei Pferderennen vorgesehen. Das Ministerium Die außerordentliche Hauptversammlung des des Innern verlangt über 8 Millionen zu allgemeinen Aus Flottenvereins in Kassel hat nach einer an wüstem Die Bossische Beitung", die in den letzten gaben im Intereffe der Bolizei, darunter 300 000 Mart Lärm überreichen Sigung mit einem Etlat geendet. Wie Tagen viel weiter nach rechts gerüdt ist, als selbst die " geheime Ausgaben im Interesse der Polizei", Ausgaben, über deren von vornherein feststand, hat zwar das Präsidium feinen nationalliberale Rational- Beitung", bringt von angeblich Verwendung dem Landtage niemals Rechenschaft abgelegt wird. Rücktritt erklärt, allein auch die Bayern und ihre Anhänger hervorragender parlamentarischer Seite wieder einen Artikel gegen Zur Züchtung von Spizeln hat man Geld, für den Ausbau sind ihres Sieges nicht froh geworden. Der Thüringische die Wahlrechtsbewegung. Darin wird behauptet, daß diejenigen der Gewerbeinfpeftion dagegen anscheinend nicht; denn für Landesverband hatte eine Resolution beantragt, durch die freisinnigen Wähler, die es direkt angeht, fast durchweg der diefe wichtige Aufgabe verlangt die Regierung nur 980 900 m, dem gesamten Präsidium der Dank und das Angelegenheit verhältnismäßig ruhig gegenübergange 37 800 M. mehr als im laufenden Jahre. Und dieser Aus vollste Vertrauen ausgesprochen wurde, da er getreu stehen. Es find nur sosialliberaler Agitatoren"( warum nicht gleich Hetzer und Wühler?), die die'Kuudgehuttgen beraustalten. Und dann natürlich die Ausländer, die Nicht-Preutzen. Wirklich: die Ztg/', und nicht die„Kreuz-Ztg." ist es, die sich darüber be- klagt, daß der Süden sich in die preußischen Dinge einmenge, die er nicht verstehe. MS ob die Schande des Dreiklasienunrechts und die (Erbärmlichkeit der freisinnigen Taktik nicht ganz offen zutage läge! Daß aber das Blatt überhaupt nicht das Geringste zur Förderung der WahlrschtSbewegung tun will, geht daraus hervor, daß es mit Feuereifer für ein unbedingtes Festhalte» an der Blockpolitik eintritt! Es ist dabei charakteristisch, daß das Blatt jetzt nicht mehr davon zu reden wagt, daß die V o r a u S s e tz u n g der Blockpolitik die Erringung liberaler Errungenschaften sei, sondern daß es als einzige Voraussetzung die„Ausschaltung deS Zentrumseinflusses" bezeichnet. Das heißt, die Regierung kann machen, was sie will, wenn nur Herr Wiemer statt des Herrn Spahn bewilligen darf, wobei diese Art Freisinn sich dadurch vom .Zentrum unterscheidet, daß sie sich von vornherein jeder Einwirkung auf die Regierung begibt und bedingungslos Order pariert! Daß die Konservativen von dieser Taktik entzückt sind. kann nicht wundernehmen. ES vergeht auch keine Woche, in der die „Kreuz-Ztg." nicht der Freisinnigen Volkspartei Lob und Anerkennung spendet. So schreibt das Blatt in seiner Sonntagsnununer: „Die Konservatiben werden stets auf der Seite derjenigen Freisinnigen stehen, die sich in dem Kampfegegeu die Sozialdemokratie zuverlässig zeigen. Darum gehört unsere Sympathie in diesem ihrem'inneren Zwist der Richtung, die der Abgeordnete Pachnicke in seiner Fraktion vertritt, und selbstverständlich auch der Freisinnigen VolkSpartei, auf deren BnndeSgenossenschaft bei der Isolierung der Umsturz- Partei zu rechnen tst." In der Tat besorgt ja diese Taktik, die die„Voss. Ztg," so «nergisch vertritt, nur die Geschäfte der äußersten Rechten. Kein Wunder, daß den Konservativen der Kanim schlvillt, und die„Kreuz- Zeitung" formuliert auch schon die neuen Bedingungen, denen sich der Freisinn zu unterwerfen haben wird. Sie sind nicht ohne: Ausschluß der Frauen aus den politischen Wahlvereinen und Versammlungen und Verbot der Teil- nähme air Vereinen und Versammlungen für alle Personen bis zu 20 Jahren durch das neue Vereinsgesetz! Ebenso werden die liberalen Forderungen für die RcichSfi nanzreform verhöhnt. Die„Kreuz-Ztg." erklärt sich gegen alle direkten Steuern, gegen die Ausgestaltung der Erbschaftssteuer. DaS Defizit darf nur durch indirekte Steuern gedeckt werden, durch eine Tabak» und eine Bier st euer! Auch das Vrannt- weinmonopol ist möglich, wenn den agrarischen Brennern genügend hohe Mindestpreise vo,n Reiche garantiert werden. Nur die Z u ck e r st e u e r soll herabgesetzt werden. Hier haben nämlich die Agrarier ein Interesse an der Vermehrung des Absatzes. Man sieht, der Freisinn hat im Block noch einige Aufgaben zu erfüllen, und wenn er bei seiner bisherigen Taktik verharrt, werden sie ihm kaum erspart bleiben! Es ist unter diesen Umständen begreiflich, daß, wer sich im Freisinn noch eine Spur politischer Klugheit bewahrt hat, sich gegen diese selbstmörderische Taktik der Führerr wendet. So schreibt heute das„Verl. T a g e b l." über die Auslassungen der»Voss. Ztg.": „Der hervorragende Parlamentarier, dessen Liberalismus etwas dünnblütia scheint, leistet sehr Hervorragendes in der Ber- drehung der Tatsachen. Er weiß sehr genau, daß er und die „Liberalen" seiner Gattung gegenwärtig nur den Wunsch haben, „diejenigen freisinnigen Wähler, die es direkt angeht", von der Bewegung zurückzuhalten. Waö hat der„hervorragende Parlamentarier" und was haben die ihm nahestehenden Kreise dem, bisher getan, um das„gebildete Bürgertum" für die Wahlrechtsfrage zu begeistern? Haben sie schon eine einzig« Versammlung einberufen, haben sie auch nur die bisher gefaßten Protestresolutionen in ihrer Presse mitgeteilt? Nichts Derartiges ist geschehen, fast die ganze liberale Wahlrechtsbewegung im Lande wird von den Organen dieser ebenso hervorragenden wie liberalen Parlamentarier tot- geschwiegen und in gewrmdenen Artikeln wird gegen den Wahlrechtskampf im Lande Stimmung gemacht. Erfreulicherweise zeigt ein großer Teil der Wählerschaft diesmal mehr Entschieden- heit als d,e hervorragenden Führer. Aber man kam, nicht scharf und deutlich genug auf die Taktik derjenigen hinweisen, die nichts fördern und alles verhindern möchten, um hinterher schmerzlich ausrufen zu können:»Die liberale Wählerschaft rührt sich nicht l" DaS find sehr richtige Bemerkungen. Aver uns scheint, daß dem Freisinn nicht mehr lange Zeit zur Uebcrlegung bleibt. Am Mittwoch kommt voraussichtlich die sozialdemokratische Wahlrechtsinterpellation zur Beratung und da muß endlich Klarheit über die Stellungnahme der Parteien geschaffen werden. Die preußische Frage ist die deutsche Frage, und eine Trennung der ReichSpolittk von der preußischen Politik unmöglich. Vülow ist im Reiche kein anderer als in Preußen, lind die Unter- stützung Bülows bedeutet die Unterstützung des WahlrrchtSfeindeS! Der Freisinn kann Einfluß auf die preußische Politik gewinnen nur durch Ausnützung seiner Stellung im Reichstag. Tut er dies nicht. so zeigt er, daß es ihm nicht Ernst ist um das Recht des Volkes, daß feine eigenen Wahlrecht»«,, träge nur Komödie sind I Dem Freisinn wird da kein Diplomatisieren und kein Ver« klausulieren nützen. Für»der gegen Bülo«, für oder gegen das ReichstagSwahlrecht in Preußen! Bülow selbst hat die Frage so gestellt, ein Ausweichen ist unmöglich. Wer für den Fürsten Bülow ist, ist«in Feind des BolttrrchtS! Kaferoenfreuden. Von Mitte Juli bis Ende Dezember ISO? wurde die gerichtliche Bestrafung von»0 Soldatenmißhandlern bekannt. An Strafen wurden ausgesprochen: 1 Jahr 0 Monate Zuchthaus, 4 Jahre 7 Monate 22 Tage Gefängnis. ö Monate 2 Tage mittlerer Arrest, 1 Monat 28 Tage gelinder Arrest, 2 Monate 1 Tag Stubenarrest, 4 Degradationen. Der Freiheitsentzug beträgt im ganzen ü Jahre 10 Monate 23 Tage. Auf Preußen treffen t Jahr 0 Monate Zuchthaus, 3 Jahre 8 Monate 22 Tage Gefängnis, 3 Monate 0 Tage mittlerer Arrest, 18 Tage gelinder Arrest, 27 Tage Stuben- arrest, 3 Degradationen(31 Vorgesetzte, darunter 4 Offiziere); auf Bayern 1 Monat 4 Tag« Stubenarrest(2 Offiziere); auf Sachsen 11 Monate Gefängnis, 1 Monat 23 Tage mittlerer Arrest. 1 Monat 10 Tage gelinder Arrest, 1 Degradation(7 vor- gesetzte). Die bestraften Offiziere sind: Der preußische Gendarmerie- Hauptmann Leopold v. Sassen einen Tag Stubenarrest. Leutnant Graf Brühl vom preußischen Ulanen-Regiment Str. 5 14 Tage Stubenarrest, Leutnan t v. Hake vom Kaiser- Alexander-Garde-Grenadier-Regiment 12 Tage Slubcnarrest, Leut- nant Elstermannvon Elster 7 Monate Gefängnis und Dienstentlassung(scheint gegen den§ 17S verstoßen zu haben); Hauptmann Kamin von, bayerischen 20. Infanterieregiment 24 Tage Stlibenarrest, Oberleutnant Biedn er vom gleichen Regiment 10 Tage Stubenarrest. Auch im berfloffenen Halbjahre konnten die Soldatenmißhandler nicht über harte Bestrafung klagen. Den preußischen Soldaten- quakern aus dem Offiziersstande wurde außerdem, wie gewöhnlich, die Wohltat zuteil, daß die Oeffentlichkeit ivährend der Verhandlung ausgeschloffen wurde. Aus Gründen der Disziplin natürlich I In Bayern scheint die militärische Disziplin nicht ein so zartes gebrech- liches Pflänzchen zu sein; wenigstens werden in Bayern auch die offizierlichen Soldatenquäler öffentlich abgeurteilt. Der stolze preußische Aar Hai also, wie er auch auf dem Gebiete deS Wahl- rechts beweist, vor der Sozialdemokratie eine viel größere Sorge als der bayerische Leu. Im ganzen Jahre 1907 wurde die gerichtliche Bestrafung von 102 Soldatenmißhandlern bekannt. Der verhängte Freihcits- entzug belief sich auf IL Jahre 10 Monate 0 Tage. Würden drei Soldaten einen Unteroffizier anS einem Gasthause, in dem er sich unverschämt benimmt, gewaltsam entfernen, so erhielten sie eine größere Strafe als die 102 Soldatenschinder zusammen. Nach A 106 deS Militärstrafgesetzbuches müßten sie zu mindestens je S Jahren Gefängnis verurteilt werden. Nach offizieller preußischer Anschauung befestigt ein solch empörendes Mißverhältnis zwischen der Bestrafung der Verfehlungen von oben nach unten und jener von unien nach oben die Disziplin! Würde uns eine gütige Fee die Erfüllung eines Wunsches in Aussicht stellen, so würden wir sie bitten, uns einmal ein preußisches Geheimratshirn in Tätigkeit vor- zuführen. Alle Rätsel der Sternenwelt sind dagegen ja der reinste Pfifferling._ poUtifcbe Ocb erficht» Berlin, den 20, Januar 1908. Viehseucheugesetz. Aus dem Reichstag. Die Weitcrberatung des Vieh- scuchengcsetzes brachte zuerst den Genossen Schcidemann auf die Tribüne. Er betonte scharf, daß das gesamte Volk allerdings ein lebhaftes Interesse an gesundem Fleisch und gesundem Vieh habe, daß aber offenbar außer manchen nütz- lichen Bestimmungen zur Hebung der LolkLnahrung der Gesetzentwurf Einzelheiten enthalte, die den Eindruck machen, als ob den Agrariern die paar Wünsche, die ihnen noch nicht erfüllt seien, jetzt auch bewilligt werden sollten. Die unersättliche agrarische Begehrlichkeit nach Liebesgaben sei aber zum Teil darauf zurückzuführen, daß sie ihren Beruf nur mangelhaft verständen. Wie wäre es, wenn man einen Be- fähigungsnachweis für die Landwirtschaftsbetriebe einführen würde?— Die gefährlichste Bestimmung im Entivurf sei die Einführung des Begriffs der„giftfangenden Gegenstände". Dies sei ein so vieldeutiger Begriff, daß sich bei den Behörden sehr leicht die Praxis herausbilden könne:„Was man sonst von der Grenze nicht absperren kann, das sieht man als gift- fangenden Gegenstand an." Die antiagrarischen Ausführungen unseres Redners wurden von der Rechten mit wütendem Unbehagen aufgenommen. Dieses Unbehagen steigerte sich zu heftigem Widerspruch, als Scheidemann sich dagegen erklärte, daß den Einzelstaatcn die Ausführungsbcstimmungcn des Gesetzes überlassen werden sollten. Das ginge noch, wenn alle Staaten eine wirkliche Volksvertretung hätten; Preußen aber habe doch nur die ver- rückte Karikatur einer Volksvertretung. Der Präsident Graf Stolberg glaubte die Kennzeichnung des preußischen Abgeordnetenhauses nicht ohne einen Ordnungsruf hingehen lassen zu dürfen. Es niachten noch einige agrarische Redner ihrem Herzen Luft, während der freisinnige Abg. Gothcin die Scheide- mannschen Darlegungen durch den Hinweis darauf unter- stützte, daß jetzt schon die agrarische Presse zu erreichen suche, daß eine einmal wegen Seuchengefahr gesperrte Grenze über- Haupt nicht wieder geöffnet werden dürfte; daher müsse in das Gesetz gerade eine Bestimmung Aufnahme finden, die zur Wiedereröffnung der Grenze zwingt, wenn in dem gesperrten Lande die Seuchcngefahr beseitigt sei. Nachdem sich schließlich der nationallibcrale Abgeordnete Wehl über die Spezialinteressen der Lohgerber an dem Gesetz verbreitet hatte, wurde der Entwurf einer Kommission von 28 Mitgliedern überiviesen. Morgen kommt die zweite Lesung deS MajestRsbeleidigungS- gesetzes an die Reihe._ Aus dem Dreiklassenparlament. Genau eine Stunde länger als die WahlrcchtSfrage nahm heute im preußischen Abgeordnetenhause die Erörterung zweier Kapitel des landwirtschaftlichen Etats in Anspruch. Bei den General- kommissionen unterhielt man sich lange Zeit über die Selbständig- machung der Spezialkommissare, über eine Gehaltserhöhung für die SpezialkommissionSsekretäre und über die Vorbildung etlicher anderer Kategorien der unteren Mandarinenkaste. Der Landwirt- schaftsminister zeigte diel guten Willen, zu helfen und zu bessern, nur wußte er noch nicht recht wie. Etwas anregender wurde die Debatte beim Kapitel der landwirtschaftlichen Schulen. Der frei- sinnige Abgeordnete Dr. Müller kritisierte die vorsintflutlichen Zustände an der Berliner tierärztlichen Hochschule, mußte sich aber von irgend einem Ministcrialkommissar den Ton der Kritik ver- weisen lassen, weil der sich für einen Blockbruder nicht zieme. Weiter regten die Freisinnigen eine Ausdehnung des ländlichen Fortbildungsschulwesen» an. Wie sehr die Regierung bemüht sein wird, diesen Wünschen ihrer treuesten Vasallen nachzukommen, zeigt die Bemerkung des LandwirtschaftSministerö: daß für den Fortbildungsschulunterricht der Mädchen auf dun Lande die Fond» zur Hebung der Geflügelzucht ausreichten! Auch weigerte sich der Minister mit aller Bestimmtheit, den ostelbischcn Provinzen den Fortbildungsschulzwang aufzuerlegen, den diese natürlich aus freien Stücken niemals einführen werden. Morgen geht die De- Hatte über den Etat der landwirtschaftlichen Verwaltung weiter. kSano, eotqnv. Da» gestrige Ordensfest hat neben so manchen anderen ver» dienstvollen Staatsbürgern auch verschiedenen Paralamentaricrn, die sich hervorragende Verdienste um da» Wohl beä preußischen Polizeistaates erworben haben,«ine mehr oder minder schöne Ordensauszeichnung gebracht. Am schönsten ist Graf zu Stolberg- Wernigerode„dekoriert" worden; er erhielt den Roten Adlerorden zweiter Klasse, und zwar gleich mit dem Stern. Ihm reihen sich als die Nächstwürdigen an der Präsident des preußischen Abgeord- netenhauses. der bekanntlich sein Ideal in den Menschen ohne Hirn, aber mit starken Nerven findet, Herr von Kröcher. Da er schon den Roten Adlcrorden zweiter Klaffe besitzt, hat er nur zur Vervollständigung seiner Würde den Stern dazu erhalten. Be- anders hoch ist da» Verdienst des zweiten Vizepräsidenten des Dreiklaffenparlaments, de» als parlamentarischen Anwalts der nalicmalliberalen Scharfmacherclique bekannten Geh. Justtzrat Dr. Krause, eingeschätzt worden. Er erhielt, obgleich er unseres Wissens die unteren Garnituren noch n.cht besitzt, gleich den Roten Adler zweiter Güter. Minderer Qualität ist, wie es sich dem Range nach gebührt, die Auszeichnung des zweiten Vizepräsidenten des Reichstages, de» freisinnigen Parteiführers und Berliner Stadtälteften Herrn Kaempf..Er muß sich mit dem Roten Adler dritter Klaffe begnügen, allerdings mit der Stern- und Kronen- Beigabe. Noch schlimmer fährt Herr Professor Dr. Paaschs, trotzdem er bekanntlich als erster Vizepräsident des Reichstages figuriert. Allzu tief hat er durch seine Rede über Horden und den§ 176 die preußische Staatsfcstigkcit gefährdet, als daß ihm so schnell verziehen werden könnte— leer und öde bleibt die Stätte seiner Männcrbrust. Selbst die„Römlinge", die seit dem 13. Dezember 1906 wieder zu den„Erbfeinden" Teutschlands zählen, sind bedacht worden, wenn auch in Rücksicht auf das„kaudinische Joch" mit etwas weniger glänzenden Dekorationen. Herr Dr. Porsch, der schon aus der Zeit, wo noch das Zentrum Regierungspartei spielte und sich des Platzes an der Sonne kaiserlich-königlicher Huld erfreute, den Kronenordcn zweiten Grades besitzt, erhielt zur Ergänzung den dazu gehörigen Stern, während Herr Spahn senior in die Lage versetzt wurde, künftig, lvcnn er seinen bekannten Zylinder aus- bügeln läßt, um beim fünften ReichSlanzler Bisite zu machen. sich zugleich den Roten Adler dritter Güte mit Schleife anzuheften. Geringer als die„Erbfeinde" Porsch und Spahn wurde trotz ihrer Blocktätigleit das Verdienst der freisinnigen Parlamentarier um das preußische Staatswohl eingeschätzt. Sic sind mit Adlern vierter Qualität abgespeist worden. Zu den neuen Rittern dieses Ordens gehören fortan Dr. Wiemer, Dr. Mugdan. Justizrat Gyßling. während Herr Stadirat Fisclfbcck, Herr Oberlehrer Eick- hoff und Herr Eisenoahndireltor a. T. Schräder den Kroncirorden dritter Klaffe erhielten. Herr Kopsch ist nicht dekoriert, da es Rot-' Adler fünfter Güte noch nicht gibt. Außerdem sind zu Rittern der vierten Klasse des Roten Adler- ordcns befördert Herr Liebcrmann von Sonnenberg, der Antisemit Lattmann und der Dichter und Redakteur Dr. Georg Ocrtcl(von der„Deutsch. TageSztg."). Ihre Verdienste sind also entschieden höhere, als die des Herrn Kopsch, der, wie wir hören, auö Ver- stimmung über die Nichtdekorierung geschworen haben soll, demnächst um einige Grade oppositioneller werden zu wollen. Der Kaiser und die sozialdemokratischen Wahlrechts- Demonstrationen. Am 14. Januar, also am zweiten Tage nach dem so- genannten„roten Sonntag", ließ der Kaiser, wie der„Köln. Zeitung" aus Berlin berichtet wird, die Schutzleute aus dem Schloßhofe antreten und sprach dem Polizeihauptmann Schmähen seine Anerkennung für das energische und doch taktvolle Vorgehen der Schutzmann- s ch a f t am kritischen Sonntag aus. Er wies daraus hin, daß mit Rücksicht auf die unausbleiblichen Folgen die Rcquirierung des Militärs unter allen Umständen bei solchen Anlässen vennieden werden solle. Auch die Kaiserin sprach der Schutzmannschast ihren Dank aus. Als die Demonstranten, die in der Stichwahlnacht vor dem Schlöffe und dem Kanzlerpalais laute Rufe ausbrachten, unbehelligt und unverwuudet nach Hause gegangen waren, dankte seinerzeit der Kaiser der Polizei für ihr„maß- volles und taktvolles" Vorgehen. Diesmal war ee' nicht„maßvoll, sondern„energisch". Auch die Rufe der Demonstranten waren anders. Llber der Dank an die Polizei ist geblieben.—_ Zentrum und Wahlrecht. Der ultramontano»Gladbacher Merkur' leistet sich folgende Entstellung: „Gegen das preußische LandtagSzentrum erhebt der „Vorwärts" scharfe Angriffe, weil nicht alle seine Mitglieder für die Einführung deS Reichstags- Wahlrechts in Preußen gestimmt hätte u. Diese Behauptung ist unrichtig. Die Zentrumsfraktion stimmte geschlossen für den freisinnigen Antrag; wenn der Freisinn namentliche Abstiimimng gefordert hätte, würde dieö noch llarer sich ergeben haben. DaS sozialdemokratische Blatt fordert nun zu besonderer Agitation in ZciUrumSgcgenden auf. Bauen wir vor und unterrichten wir die Wähler. ES wäre sehr angezeigt, wenn die preußischen Abgeordneten selbst in den nächsten Wochen in »hren Wahlkreisen über die Wahlrechtsfrage sich hören lassen würden, dann finden die sozial- demokratischen Verdächtigungen leine Aufnahme mehr." Diese Notiz ist eine«cht ultramontane Entstellung dessen, waS der„ B o rfw ä r t L" wirklich geschrieben hat. ES fiel ihm gar nicht ein zu behaupten, daß am 10. Januar daS Zentrum nicht gc- schloffen für den ersten Teil des freisinnigen WahlrechtSantrageS gestimmt habe. Der„Vorwärts" stellte nur fest, daß der Freisinn es unbegreiflicher Weise unterlassen hatte, den Antrag auf n a m e n t- l i ch e Abstimmung zu stellen. Denn im Falle der namentlichen Abstimmung habe sich zeigen müssen, wer von den ZentrumSabge- ordneten sich der Abstimmung durch Fernbleiben ge- flissentlich entzogen habe. Daß daS gentrum nicht geschlossen für die Uebertragung des ReichStagswahlrechtS eintritt, folgerten wir nicht aus der Haltung der Zentrumsfraktion am 10. Januar d. I., sondern aus der Tat' fache, daß im Januar vorigen Jahres sich 17 ZentrumSabgeordnrtc geweigert hatten, den WahlrechtSantrog de« Zentrum» zu unterzeichnen! Diese Tatsache unterschlägt die ZentrumSpresse. dagegen sucht sie durch den Hinweis darauf, daß die— b e i w e i t e»n nicht vollzählige!— Zentrumsfraktion am 10. Januar d. I. geschlossen für den WahlrechtSantrog gestimmt habe, den rechtlosen Zentruinwählcrn Sand in die Augen zu streuen! Unsere Cenosien werde» freilich diesen Zentrumsschwüldel zu entlarven wissen!—_ Die Protestbewegung gegen den Reichsvercinsgesetz- cntwurf. In Dresden nahmen am Freitag und Sonnabend sechs gr o v e Volksversammlungen Stellung zu dem von der ReichSrcgiernng dem Reichstage vorgelegten Gesetz zum Vereins- und Versammlungsrecht. Alle Versammlimgen waren überfüllt; überall wurde einstimmig eine Resolution an- genommen, die im Wortlaute mit der in den Leipziger Versamm iungen angenommenen übereinstimmt.— Ultramontane Wahlrechtofeindschaft. Während sich die mehr der öffentlichen Kontrolle unterstehenden ultramontanen Blätter eine gewisse Reserve auf- erlegen, läßt die eigentliche Kaplansprossc ihre in Haß gegen die Forderung des allgemeinen, gleichen Wahlrechts ungeniert die Zügel schließen. In einer Reihe Zentrumsorganen, die in den stockultramontanen Gegenden erscheinen, u. a. auch in dem in Münster erscheinenden„Westfalen" vom 15. Januar liest man: „Freilich tritt auch hier wieder die alte Erscheinung zutage. daß die Sozialdemokratie vorgibt, hohe politische Ziele zu ver- folgen, ihren Spuren aber schließlich nur der radaulustigc Janhagel folgt, der Un�lmldige in seine Kreise ziehend. schließlich mit blutendem Kopfe heimlehren muß. Ist auch an diesem Sonntag Blut geflossen, s o ist die Polizei daran wahrscheinlich nicht schuld. Der Polizeipräsident von Berlin hat vor den Straßendemonstrationen ausdrücklich gewarnt, und so mögen fich alle, die auch am Montag noch über Kopfschmerzen zu flagen hatten, bei der Sozialdemokratie in passender Form bedanken." " Es ist jedenfalls ein starkes Stück, angesichts einer solch' twichtigen Demonstration von Janhagel zu sprechen. Schrieb doch sogar die Kölnische Voltszeitung", eine gewiß unverdächtige Quelle,...., es sind nicht halbwüchsige Burschen, es sind Männer in gereiftem Alter, Männer mit ergrautem Haar, die an uns vorüberziehen!" Aber es kommt noch besser. Zum Schluß seines Elaborats verzapft der Westfale" folgende Weisheit: Stein Zweifel, daß das Vorgehen der Polizei bei der Wieder holung der Demonstrationen an Entschiedenheit und Shroffheit zunehmen muß und daß schließlich auch die Frage ernste Erwägung fordert, ob gegenüber einer feck und an maßend auftretenden revolutionären Partei nicht auch schärfere geschliche Maßnahmen am Blake sind. Daneben zeigt die Tat fache, daß auch im intelligenten Berlin Tausende dem Wahne Leben, die Politik werde bei uus neuerdings auf der Straße gemacht, lediglich, wie wenig jest die Nebertragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen in Betracht fommen fann." Eine frechere Verhöhnung des Wahlrechtskampfes läßt sich wohl kaum denken! Bittere Wahrheiten sagt in Nr. 1 der christlich- sozialen Wochenschrift„ Die Arbeit" ein Pfarrer feinen eigenen Gesinnungsgenossen in bezug auf ihre Stellung zur Sozialdemokratic. Der Geistliche meint unter anderem: lebhafte Beunruhigung hervorgerufen. Durch diesen von der Fraktion zu vergeben sind, durch Vormerkungen vergriffen Borgang feint das Reichstagswahlrecht ge sind. Es sind so zahlreiche Anfragen für den Tag der Wahlrechtsfährdet. Interpellation eingelaufen, daß eine Einzelbeantwortung unmöglich ist. Jagd auf Antimilitaristen. Die Einheit des Reiches und der süddeutschen Bundesstaaten beruht aber hauptsächlich auf dem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht. Wenn der Reichskanzler dieses Wahlrecht als mit dem Staatswohl unvereinbar erklärt, so ge= Die Staatsanwaltschaft hat bei dem kgl. Landgericht Köln fährdet er die Einheit des Reiches, und es erscheint die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen sechs Anarchisten Diese Erklärung als eine Bedrohung der Verfassung wegen antimilitaristischer Propaganda beantragt. der füddeutschen Staaten. Es muß daher von der Der Hauptangeklagte, der in Wien geborene, in Arnheim( Holland) fönigl. Staatsregierung verlangt werden, im Bundesrat entschieden ansässige Tischler Hörmann, wird beschuldigt, die Broschüre gegen den Vorstoß Preußens Stellung zu nehmen. Soldatenfreund", die identisch sein soll mit der seinerzeit in Berlin Bayerische Liberale und Zentrumsleute haben bei der Beratung beschlagnahmten Broschüre Soldatenbrevier", aus London be= der Juterpellation Gelegenheit, den Grad ihrer Liebe zum allzogen und nach Deutschland hereingeschafft zu haben. Der Vergemeinen gleichen Wahlrecht vor dem bayerischen Wolfe zu zeigen. breitung bezw. Beihülfe sind angeklagt der Tischler L., die SchuhAuf das Resultat darf man gespannt sein. macher H. und K., der Maurer L. und der Zementierer B. Die Anklage lautet auf Bergehen oder Uebertretung gegen die§§ 110, 111, 180, 360,7 49, 73, 41 und 42 des Strafgesetzbuches. Diese Ueber die Reichstagswahl in Emden- Norden an Stelle Baragraphen richten sich gegen Aufforderung zum Ungehorsam des verstorbenen Fürsten zu In- und Knyphausen schreibt der gegen die Geseze, Aufforderung zur Begehung strafbarer HandHannoversche Volkswille", nachdem er betont hatte, daß vor allem lungen, Aufreizung verschiedener Klassen der Bevölkerung zu für den sozialdemokratischen Kandidaten gearbeitet werden müsse, Gewalttätigkeiten; 3iffer 7 des§ 360 betrifft die unbefugte Abfolgendes: bildung des Landeswappens, da die Broschüren so ausgestattet Sollte aber troßdem die Sozialdemokratie auch diesmal gewesen sein sollen, als feien sie in einer staatlichen Druderei wieder in der Stichwahl zwischen einem Freisinnigen gedruckt, bezw. vom Kriegsministerium herausgegeben. Von den und einem anderen bürgerlichen Kandidaten Angeklagten befinden sich vier schon seit Wochen in Untersuchungszu entscheiden haben, so würde sich dabei zeigen, daß die haft. Zwei find ortsabwesend. Außerdem befindet sich der BauLehren des letzten Jahres von den Arbeitern verstanden worden hülfsarbeiter Kl. aus Köln- Nippes feit der nämlichen Zeit in Eine Anzahl von Hausdurch find. Mögen die Herren Freifinnigen jest schon wissen, daß von 8eugniszwangshaft. Sozialdemokratische Stichwahltaktik. einer unbedingten Unterstübung freisinniger fuchungen hat in dieser Zeit stattgefunden. Dieser Tage wurden Wahlkandidaturen keine Rede mehr sein kann! von der Kölner Kriminalpolizei wiederum zwei Personen wegen. Die Partei wird in Zukunft ihre Entscheidung treffen unter antimilitaristischer Propaganda verhaftet, nach 24 Stunden aber forgfältigster Berüdsichtigung der politischen wieder auf freien Fuß gesetzt.Situation, der Haltung der freisinnigen Fraktionen und der Person des Kandidaten. Klarheit tut not! In Emden- Norden wird mit sozial. demokratischen Stimmen tein Mann gewählt werden, dessen Persönlichkeit nicht die vollste Garantie dafür bietet, daß er jede wahlrechtsfeindliche Partei und jede wahlrechtsfeindliche Regierung auf das aller. schärfste bekämpfen wird!" Die gemilderte Zeugnisfolter in Bayern. 8eugnisawangsfolter ant Der bayrische Justizminister hat über die Anwendung der 8. Januar folgende Entschließung erlaffen: Berichtigung. Im Leitartikel„ Vom Schlachtfeld der Arbeit" der Nr. 16 ist aus Bersehen nach der zweiten Tabelle folgender Saß ausgefallen: Die unerhörten Menschenopfer, welche die fapitalistische Ausbeutung jahraus, jahrein von der Arbeiterklaffe fordert, rufen dringend nach reichsgesehlicher Abhülfe. Ungarn. Fürs freie Wahlrecht! Budapest, 20. Januar.( B. H.) ( B. H.) Seitens der Führer der sozialistischen Partei wirb als Demonstration gegen die angeblich auf dem Pluralsystem basierende Wahlreform die Veranstaltung eines mehrtägigen Generalfteits in Erwägung gezogen. „ Das würde doch wohl im Ernste niemand zu behaupten wagen, daß die dem Arbeiter nicht gerecht werdende gesellschaftliche Ordnung die gott gewollte, d. h. ein Rührmichnichtan sei. Man sagt, die soziale Bewegung ist sozialdemokratisch, und an einer sozialdemokratischen Bewegung sich zu beteiligen ist einem Christen unmöglich. Nun ist ja gewiß, daß die sozialdemokratische Partei sich der Arbei= ter mit aller Macht angenommen hat und für ihre Forderungen eintritt, und es braucht uns nicht wunderzunehmen, wenn die Arbeiter der sozialdemokratischen Partei dafür dankbar find. Anstatt darüber auf chriftlicher Seite zu aetern, sollte man einmal an seine Brust schlagen, und fich fagen, daß hier die Sozialdemokraten wirtlich christ. lich gehandelt haben, und sollte ebenso handeln. Dem Arbeiter in der Geltendmachung des Rechts seiner PersönlichEs wird darüber geklagt, daß zur Erzwingung des Zeugnisses feit auf allen Gebieten des Lebens zu helfen und ihn in seiner die Haft auch in Fällen angeordnet werde, in denen sie eine und seiner Familie wirtschaftlicher Eristenz zu stüßen, hat an und offenbare und unnötige ärte bilde. Dem Anfür sich nichts mit einer politischen Partei zu tun. Glaubt man sehen der Rechtspflege wäre es nüblich, wenn zur Eres nicht auf dem Boden der sozialdemokratischen Partei tun zu hebung solcher Klagen möglich wenig Anlaß gegeben würde. Die Petersburg, 19. Januar. Da man revolutionäre Anschläge können, so mag man es getrost von einem anderen Standpunti Entscheidung darüber, ob die Haft anzuordnen und wie lang fie befürchtet, wurde die diesjährige Feier der Wasserweihe vor dem aus tun, aber nicht darum von einer als berechtigt anerkannten aufrechtzuerhalten sei, ist zwar innerhalb der Schranken des§ 69 Winterpalais, welcher bekanntlich die ganze Zarenfamilie beiwohnt, Bewegung fich zurüdziehen, weil diese Bewegung von einer politisch der Strafprozeßordnung in das freie Ermessen der Gerichte ge- abgefagt. Die Feier soll auf einem Teiche des Schloßparks von und religios anders stehenden Partei mit getragen wird. Geftellt, immerhin fönnen aber auch die Behörden der Juftigver. Barstoje Selo abgehalten werden. legenheit zur Mitarbeit an der großen sozialen Bewegung findet waltung dazu beitragen, daß die Maßregel nur dann angewendet fich genug." Das christlichsoziale Stöderblatt verwahrt sich gegen diese treff- wird, wenn es die Umstände des Falles gebieterisch erheischen. Zu diesem Zwecke wird hiermit folgendes angeordnet: lichen Ausführungen ihres geistlichen Mitarbeiters insofern, als es erflärt, es tonne fich nicht mit allen diesen Anschauungen identifizieren. Für ein Hezblättchen gegen die Sozialdemokratie muß es auch gar zu bitter fein, im eigenen Lager die Tätigkeit der Sozialdemokratie anerkennen zu hören. 1. Die Staatsanwälte und Amtsanwälte haben die Anordnung der Zwangshaft nicht zu beantragen, solange es möglich ist, den Beweis, der durch die Vernehmung des Beugen geführt werden soll, durch andere Beweismittel zu liefern, ohne daß das öffentliche Interesse oder wichtige Intereffen des Angeklagten dadurch gea fährdet werden. Rußland. Der zitternde Zar. Gefängnisgreuel. Der Dumaabgeordnete Genosse Tschcheidse erhielt von den Genossen Dichaparidse( Abg. d. 1. Duma) und Gegetschtori( Abg. d. 3. Duma) folgendes Telegramm aus Kutais ( Kaukasus): " Im Gouvernementsgefängnis haben 700 Gefangene den Bertauschte Rollen im Gerichtssaale. Sungerstreik begonnen. Das Gefängnis ist äußerst 2. Auch wenn hiernach Gründe für die Erzwingung des ZeugIn Hirschberg( Schlef.) sollte am Dienstag gegen unseren niffes vorliegen, darf die Anordnung der Haft nur dann beantragt überfüllt. Es mangelt an Pritschen. Ein Teil der GeGenoffen Rob. Albert aus Breslau wegen Offiziersbeleidigung werden, wenn die sorgfältige Prüfung der Umstände des Falles fangenen schläft auf dem Zementboden. Die Wäsche wird bor der Straffammer verhandelt werden. Das erste Urteil, auf ergibt, daß der in der Anordnung der Haft liegende empfindliche in den 8ellen gewaschen! Die Schmuzkübel werden sechs Wochen Gefängnis lautend, tvar vom Reichsgericht aufge- Eingriff in die persönliche Freiheit und das voraussichtliche Ertagelang nicht gereinigt. Es finden Massenhoben worden. Vor Eintritt in die Verhandlung spielte sich eine gebnis ber Maßregel zu der Bedeutung der Sache in richtigem Ver. erkrankungen statt... Die Badestube und Toilette find sonst in Gerichtsfälen nicht oder nur selten übliche Szene ab. Der hältniffe stehen. gesperrt. Heute sind drei von den Gefangenen ge= Verteidiger, Rechtsanwalt Simon- Breslau, lehnte drei der 3. Bestehen Bedenken dagegen, daß die Saft angeordnet oberstorben." fünf Richter wegen Befangenheit ab. Diese drei böten, so be aufrechterhalten wird, so find in allen Fällen, in denen die Worgründete er den Antrag, infolge ihres Verhaltens in der ersten schriften über das Verfahren dazu Gelegenheit geben( vergl. insDas Elend. Verhandlung nicht die Gewähr, daß sie unparteiisch urteilten. besondere die§§ 83 und 851 der Strafprozeßordnnung), dem Ge Während die Reaktion durchs gange Land schreitet, ist auch Darauf mußten die drei abtreten und in das Rebenzimmer gehen, richte gegenüber geltend zu machen. Erforderlichenfalles ist wieder ber Sunger der schreckliche Gaft der Dörfer geworden und während drei Ersatzrichter, die man bereits vorrätig hatte, ihre durch Ginlegung der Beschwerde auf die Aufhebung der Haft selbst in den Städten holt er sich seine Opfer. Täglich kann man Blähe einnahmen. Nunmehr beantragte der Staatsanwalt Ab- hinzuwirken. Ichnung des Antrages, weil keine Tatsachen vorgebracht" seien. 4. Jeder Antrag auf Anordnung der Haft, der nicht von dem in der Petersburger Preffe von Erfrorenen und Verhungerten Mit diesen Tatsachen konnte aber der Angeklagte dienen. Doch erften Beamten der Staatsanwaltschaft ausgeht, bedarf seiner Gelefen. Der Winter war feit langem nicht so streng wie dieses faum hatte er sie vorzutragen begonnen, da erklärte der Vor- nehmigung, sofern er außerhalb der Hauptverhandlung ge- Jahr, und der Lebensunterhalt ist viel teurer geworden als in figende: Es sei wohl besser, wenn die drei Abgelehnten sich das stellt wird. In zweifelhaften Fällen ist vor der Erteilung der Ge- früheren Jahren. Von allen Seiten kommen Nachrichten über mit anhörten. Der Staatsanwalt widersprach, aber der Borjizende nehmigung dem Oberstaatsanwalte zu berichten und seine Weisung bas Steigen der Warenpreise. So sind nach einer Statistit aus lich die drei wieder hereinrufen. Und nun waren die Rollen ver- abzuwarten. Ist der Antrag in der Hauptverhandlung gestellt Nifchni- Nowgorod die Preise dort in folgender Weise gewachsen: tauscht: Die in einer Reihe stehenden drei Richter waren die An- worden, jo tst dem ersten Beamten der Staatsanwaltschaft under Weizenmehl stieg um 18,75 Bros., Roggenmehl um 59,3 Proz., geschuldigten, und der auf der Anklagebant sigende Sozialdemokrat süglich Anzeige davon zu erstatten. war der Ankläger geloorden. Genosse Albert erklärte: Dieser Erlaß geht noch ein fleines Stückchen weiter, als der Butter um 12 Pros., Fleisch um 15,5 Bros., Milch um 35,2 Proz., In der ersten Verhandlung war der Vorsitzende, Landgerichts. Erlaß Bülows, der vor Weihnachten heraustam. Der bayrische Reis um 36,9 Proz., Hola um 18,04 Proz. Im Verhältnis zu direktor Bossau, schon vor der Verhandlung mit seinem Urteil Juftigminister weist die Staatsanwaltschaften ausdrücklich auf die diefen Breifen haben sich auch die übrigen Waren verteuert. Das fertig. Er sagte, nachdem ich den Sachverhalt( ein Offisier v. Wedel Mittel hin, die sie gegen Verhängung der Beugniszivangshaft an- lastet natürlich am stärksten auf dem Budget des Mannes aus dem hatte durch Prügeln eines Hundes einen Menschenauflauf verwenden können. Aber genügen kann der Erlaß von München eben- Bolte, der bei der herrschenden Arbeitslosigkeit oft überhaupt urfacht) vorgetragen:" Na ja, jo sagen Sie. Die Beweisaufnahme fomenig wie der von Berlin. Die Presse hat die Abschaffung feinen Verdienst findet. ergibt aber ein ganz anderes Bild, wie Sie bald des Zeugniszwangs gegen Redakteure zu fordern. Die EinDie Zahl der Arbeitslosen in Petersburg und den fehen werden!" und wie er so sprach, nidten ihm mehrere schränkungsanweise auf dem Berwaltungswege geben ihr erstmals BeBeifiber, wie es mir schien, zuftimmend zu. Auch sonst schienen teine Sicherung, denn noch immer fann ein Nichter die Anten anderen Städten nimmt einen schrecklichen Umfang an. mir die Sperren befangen, namentlich, wenn ich versuchte, an der dung der Zeugniszwangsfolter in einem Bagatellprozeß, den ein ftellungen in der Gisenindustrie fehlen. Der Staat läßt in diesem Richtigkeit der Aussage des Offiziers( der Zeuge und Hauptinter- Unternehmer gegen einen roten Beleidiger" führt, als zu der Be- Jahre keinen einzigen neuen Frachtwagen bauen, da die Staatseffierter war) su aweifeln. Einer nach dem andern von den deutung der Sache in richtigem Verhältnisse stehend betrachten und finanzen ja im miserablen Zustand find. Stillstand ist in allen drei Richtern trat nun vor und sämtlich erklärten fie fich nicht zweitens ist jeder Bersuch, ctnen Rebafteur zu einer unehrenhaften Industriezweigen zu merken. Die Putilowschen Fabriken in für befangen. Der leßte aber fagte: Es ist richtig, daß ich mit dem Sandlung zu bestimmen, dem Ansehen der Rechtspflege nicht Petersburg allein haben in der letzten Zeit über 3000 Arbeiter entKopfe genickt oder eine ähnliche Bewegung gemacht habe, als der nüzlich. laffen! Bom flachen Land kommen Nachrichten über die AusBorsitzende seinerzeit diese Worte sprach. Aber das sollte keine Zustimmung sein. Im Gegenteil! Ich fand diese Aeußerung breitung des Hungers auf einem Gebiete mit 40 Millionen fehr unvorsichtig und glaube, daß auch die übrigen Beisiger das Am Sonnabend und Sonntag fanden im ganzen Herzogtum Menschen. Aus verschiedenen Gouvernements wird über Hunger. Am Sonnabend und Sonntag fanden im ganzen Herzogtum cmpfunden haben. zahlreiche Demonstrationsversammlungen gegen das altenburgische frankheiten, Storbut und Typhus berichtet. Für das nächste Jahr Mit dieser Desabouierung des Borsigenden Wiertlaffenwahlrecht und den neuen Reichsvereins. fcheint sich die Lage aber noch weiter zu berschlimmern, da bei fonnte natürlich der Angeklagte zufrieden sein und so nahmen gefeßentivurf statt, die alle einen starken Besuch aufwiesen. der strengen Stälte und der Schneelofigkeit fast die ganze Winteralsbald die drei Rehabilitierten thre Plabe wieder ein und Nach den Referaten wurden Proteftrefolutionen angenommen, die faat in Gefahr ist.... der Ankläger ward wieder Angeklagter. Er wurde nach fünf- an den Reichstag geschidt werden. stündiger Berhandlung, der über 100 Buhörer beilwohnten, aufs neue au sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Der oben charakterisierte Borfihende aber, Landgerichtsdirektor ossau, ist inzwischen ein merkwürdiger Zufall befördert worden: werder. Seelenqualen. Demonstrationen in Sachsen- Altenburg. Zur politischen Lage in Baden. Die liebe Regierung sorgt indeffen mit warmem Herzen: es sollen mit einem Kostenaufwand von 6 Millionen Rubel 14 ueue Gefängnisfe gebaut werden. Marokko. Ein Badisches Mitglied unser Neichstagsfraktion schreibt uns: Er ist jetzt Senatspräsident am Oberlandesgericht Marien- politiichen Lage( Nr. 16) den Fehler, der nationalliberalen Fraktion Ihr Mannheimer Mitarbeiter begeht in der Schilderung ber ihren Abgeordneten te bmann durch den Tod entreißen zu lassen. Am Sonnabend hat im französischen Ministerrat die Diefes Mitglied des Oberschulrates lebt noch und erfreut sich einer Finanzminister Caillaug eine eingehende Darlegung folchen Frische und Gesundheit, daß Herr Rebmann feinem Stammer gegeben, welche Kosten aus der Verstärkung des OffupationsDie Kreuz- 3tg." hat, was bei ihr ganz ungewöhnlich, tollegen Scherer, der als Bertreter des Streifes Lörrach- Land forps vor Casablanca, sowie der Errichtung der Polizei in Strupeln bekommen. Einmal hat sie Bedenken, ob die Freifinnigen vor zwei Jahren beim Busammentritt der Kammer aus den marokkanischen Säfen für das französische Budget ergenug verblodt find, um das preußische Wahlrecht vor der ge- bem Leben schieb, noch lange nicht folgen dürfte. In der wachsen würden. Die Ausgaben für das Offupationsforps, bührenden Berurteilung im Reichstag zu retten. Dann aber weiß Charakterisierung der Berhältnisse zur Nachwahl im Kreise die fich bisher auf täglich 4000 rant beliefen, betragen sie nicht, ob sie Bülow die Beantwortung der Interpellation an- chopfheim Schönau überfieht der Artikel etwas Wefentbefehlen soll oder nicht. Die konservative Etikette erheischt nämlich, liches. Der vont Zentrum empfohlene, dem Bauernbund zugeteilte nunmehr 6000 Frank. Die militärischen Maßnahmen daß das wichtigste politische Problem als Sache Preußens behandelt Standidat, Bürgermeister Divals, der den Fall der nationalliberalen des Generals d'Amade werden von den Ministern durchaus werde, die Regierung also schweigen muß. Andererseits fürchtet Hochburg herbeiführen soll, tvar bisher der Wertrauensmann gebilligt. Der General hat den bestimmten Auftrag erdas Blatt, daß dann die sozialdemokratischen Brandreden ohne der nationalliberalen Partei halten, im Schaujagebiete die Ruhe wieder herzustellen. Es authentische(!) Entgegnung unter die Massen getragen" werden. wurde vollständig seinem Ermessen überlassen, in diesem Man sieht, ein schwieriges Problem! oder jenem Teil des Gebietes zu operieren. Der bayerische Vorstoß wider Bülow. Die banerife fozialdemokratische Landtags. frattion hat ihrer 28ahlrechts interpellation die folgende gepfefferte Begründung beigegeben: www Landtagswahl im Kreise Germersheim. Bei der geftrigen Landtagserfazwahl wurde der Liberale Cronauer mit 14 Stimmen Mehrheit gewählt. Bei der Hauptwahl hatte Cronauer und fein Gegentandidat gleiche Stimmenzahl, das Los hatte für Cronauer entschieden; das Plenum bes Landtages hatte aber die Wahl für ungültig erklärt. Reichstags- Eintrittskarten. Die Erklärung des Reichsfanglers in der Gigung des preußischen Landtages vom 10. Januar d. J. geht weit über den Rahmen einer preußischen Angelegenheit hinaus. Die Erklärung Genoffe Abgeordneter Schwarz ersucht uns mitzuteilen, daß hat in weiten Kreisen des bayerischen Boltes eine für die nächsten zwei Wochen die Reichstags- Eintrittskarten, die Die Kosten Frankreichs werden natürlich letzten Endes auf Maroffo hängen bleiben. Der Auftrag an den General d'Amade spricht in feiner Unbestimmtheit dafür, daß die französische Negierung einen Vorwand für einen Feldzug größeren Stils schaffen will. Jedenfalls sind die weitreichenden Operationen d'Amades sehr geeignet, den marokfanischen Nationalstolz und den mohammedanischen Sanatismus start au erregen. Gewerkschaftliches. Der achte Jahreskongreß der britischen Arbeiterpartei London, 18. Januar. Bom 20. bis 23. d. M. hält die britische Arbeiterpartei( Labour Parth, lies: Lehber Parth) ihren achten Jahreskongreß in Hull ab. Ueber 250 Delegierte sind angemeldet. Die Partei wurde bekanntlich im Jahre 1900 gegründet und besteht aus Gewerkschaften, Gewerkschaftskartellen, Arbeiterwahlvereinen und zwei fozialistischen Organisationen. Ihre zahlenmäßige Entwidelung war wie folgt: Jahr Zahl der Gewert Mit Gewerk Sozialiſt. schafts Organi Mit schafts- glieder fartelle jationen 353 070 Ins glieder gefamt 22.861 1070 1900-1 1901-2 1902-3 455 450 21 49 berbände 41 65 1903-4 127 165 847 315 956 025 1904-5 158 1905-6 1906-7 1907-8 885 270 73 158 176 904 496 73 975 182 181 1049 678 83 92 76 32222222 13 861 13 835 13 775 14 730 16 784 20 885 22 267 375 981 469 311 861 150 969 800 921 280 Besonders hervorgehoben zu werden verdient die Resolution, der Eisenbahner, die die Verstaatlichung der Eisenbahnen berlangen. Sie find offenbar mit dem Ausgleich unzufrieden. Der Verband der Mechaniker brachte eine rein sozialistische Resolution ein, die die Vergesellschaftung der Produktionsmittel verlangt. Sie hat folgenden Wortlaut: " Der Zeitpunkt ist gekommen, wo es notwendig ist, daß die Arbeiterpartei sich zum Ziele seßt, die Produktionsmittel zu vergesellschaften und sie von einem demokratisierten Staate im' Interesse des ganzen Gemeinwesens zu verwalten; nur dadurch fann die Arbeiterklasse befreit und die soziale Gleichheit herge stellt werden." Deutfches Reich. Achtung, Schiffbauer! bauer sowie Hülfsarbeiter der Schiffswerft Kubler resp. MuggelWegen Maßregelung von drei Kollegen haben sämtliche Schiff berg in Retschendorf bei Fürstenwalde die Arbeit niedergelegt. Zuzug für Schiffbauer, Hülfsarbeiter, Tischler, Schlosser und Schmiede ist streng fernzuhalten. In der Frauenwahlrechtsfrage liegen Resolutionen vor so= wohl über eine Ausdehnung des herrschenden Wahlrechts auf die die Frauen, wie über die Einführung des allgemeinen Wahlrechts für alle erwachsenen Männer und Frauen. Diese Resolutionen werden offenbar zu einer lebhaften Diskussion den Anlaß geben. Arbeiterfreundliche Blätter werden um Abdrud gebeten Vereinigung der Schiffbauer und im Betriebe verw. Arbeiter Deutschlands.( Siz Berlin.) Achtung, Werkzeugmacheri In der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik Wittenau find gesamten Werkzeugmacher gemaßregelt wordn. Der Betrieb ist gesperrt und ist zuzug fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiter- Verband, Ortsverwaltung Berlin. Der Jahresbericht enthält auch einen kurzen Bericht der Ar- termöhle in Köln sind die Arbeiter ausgesperrt worden, weil Ausstände in Luguswagenfabriken. Bei der bekannten Firma beiterbelegierten zum Stuttgarter Internationalen sozia- fie eine Verlängerung der Arbeitszeit von 9% auf 10 Stunden bei 900 000 liftischen Kongreffe. Die Arbeiterabgeordneten Shadleton gleichbleibendem Tageslohn ablehnten. Die Firma hat in Hildes. und Hudson sind der Ansicht, daß die Beratungen dieses Kon- Heim einen Filialbetrieb. Als den dortigen Arbeitern die Fertiggreffes höchst interessant und lehrreich waren, besonders die stellung der in Köln liegenden Arbeiten zugemutet wurde, legten Gigungen des interparlamentarischen Komitees. Andererseits sei diese die Arbeit nieder und traten in den Ausstand. die Zahl der Kongreßteilnehmer viel zu groß; 300 Delegierte wären Jetzt sind auch die Arbeiter der Rheinischen Karosseries genügend, um über die Interessen der internationalen Arbeiter verte, vormals Papler u. Sohn in Köln, in den Ausstand ge parteien zu beraten. Auch die Geschäftsordnung müßte so ein auf 10 Stunden bei gleichbleibendem Lohn angesonnen wurde. Es treten. Da auch ihnen die Verlängerung der Arbeitszeit von 9½ gerichtet werden, daß weder zuviel deutsch noch zuviel englisch ge- hat den Anschein, daß die Luruswagenfabriken die gegenwärtige sprochen wird. Dann müsse vermerkt werden, daz Macdonald flaue Geschäftszeit benutzen wollen, um die im Frühjahr 1906 und Shackleton keinen Zutritt zur Kommission über politische durch Vertrag abgeschaffte zehnstündige Arbeitszeit und gewerkschaftliche Aktion haben konnten, was sich nicht leicht allgemein wieder einzuführen. rechtfertigen ließe, da doch die Arbeiterpartei, die größte in Betracht kommende Organisation Großbritanniens, das größte Inter. effe an den Beratungen dieser Kommission haben mußte. Bum Schlusse sagen die Berichterstatter: 998 338 1 072 413 Die Partei ist also in einem fast ununterbrochenen Wachsen begriffen und umfaßt 50 Proz. aller gewerkschaftlich organisierten Arbeiter Großbritanniens. Sie befibt noch kein Programm, wohl aber eine Reihe von Resolutionen, die ihre Politik bestimmen. Wie aus den oben gegebenen Zahlen hervorgeht, gehörten im Jahre 1900 drei sozialistische Organisationen der Arbeiterpartei an: die Sozialdemokratische Föderation, die Independent Labour Barth und die Fabian Society. Die erstere trat bald aus, da sie die Arbeiterpartei zur Annahme einer sozialistischen Resolution veranlassen wollte, aber in dieser Politik nicht die Zustimmung der Mehrheit fand. Mitglieder der Sozialdemokratischen Föderation find aber in ihrer Eigenschaft als Gewerkschafter auch fernerhin im gleichen Sinne in der Arbeiterpartei tätig. Vorläufig ist die Arbeiterpartei eine sozialpolitsche Gewerkschaftspartei, die selb= ständig im Parlamente vorgeht und mit keiner bürgerlichen Partei verbunden ist. Es wird im nächsten Jahre wahrscheinlich nötig werden, eine Resolution durchzusehen, die den Mitgliedern ver= bietet, einen Ministerposten in einer bürgerlichen Regierung anzunehmen. Denn vorläufig gilt es, die Selbständigkeit der Arbeiterfraktion so zu sichern, daß sie weder durch die Sonne der Konzessionen, noch durch die Minierarbeit der Intrigen erschüttert wird. Bleibt die Arbeiterpartei noch einige Jahre selbständig, so trird sie auch ein sozialistisches Programm annehmen. Dem Kongreffe liegen eine Menge von Resolutionen vor. Die Arbeiterpartei folgt hier dem Beispiele der Gewerkschaftstongreffe, ohne die Tradition auf ihre Zwedmäßigkeit zu prüfen. Hier scheint ohne die Tradition auf ihre zweckmäßigkeit zu prüfen. Hier scheint eine Reform notwendig zu sein. Der Kongreß würde seinem Zwecke besser entsprechen, wenn er sich auf die nächstliegenden Forderungen beschränken würde: Arbeitslosigkeit, Alterspensionen, Achtstundentag für Bergleute Der Kongreß hat nur drei Tage zur Verfügung. Jede der drei genannten Fragen braucht zur eingehenden, ernsten Prüfung einen bollen Tag. Die als Ergebnis der Diskussion gefaßten Beschlüsse wären sodann als bindende Mandate für die Arbeiterfraktion in der kommenden Session zu betrachten. Der Parteivorstand sieht dies auch ein und veranstaltete deshalb eine Bortonferenz, die am 17. und 18. d. M. in Hull tagte und sich ausschließlich mit Arbeitslosigkeit und Alterspensionen beschäftigte. Eine Vorkonferenz kann indes nicht die Bedeutung eines Kongresses haben. Nach ausgesprochen sozialistischen Reden wurde auf der Vorkonferenz folgende widerspruchsvolle Resolution angenommen: Arbeitslosigkeit: Nach Ansicht dieser Konferenz ist die Arbeitslosigkeit nicht eine Folge der Handelspolitik und fann auch nicht durch guten Geschäftsgang beseitigt werden; die Arbeitslosigkeit ist vielmehr ein wesentliches Merkmal der gegenwärtigen wirtschaftlichen Organisation. Die Konferenz erklärt deshalb, daß das Problem der Arbeitslosigkeit nur gelöst werden kann, wenn Staat und Gemeinde von ihren gesetzgeberischen und verwaltenden Befugnissen energischen Gebrauch machen; dann durch Verkürzung der Arbeitszeit, durch Beschüßung der Arbeiter gegen die Land- und anderen Monopole, die die ländlichen Gemeinden entvölkern, die Städte übervölkern, die Löhne herabdrücken und auf diese Weise den Anteil der reichen Müssiggänger am Nationalproduft noch vermehren. Die Konferenz verlangt eine Verbesserung des Arbeitslosengefetes im Sinne der von der Arbeiterfraktion eingebrachten Vorlage." Diese Kongresse sind ein ausgezeichnetes Mittel, zwischen den Arbeitern aller Länder ein besseres Einverständnis zu schaffen, und sie bilden die größte Sicherheit für den Weltfrieden." Berlin und Umgegend. Achtung, Metallarbeiter! Der Streit der Kollegen in der Motorfahrzeugfabrit in Reinidendorf dauert unverändert fort. Buzug ist fernzuhalten. Auch der Streit in der optischen Werkstatt O. R. Rigdorf dauert fort. Die Firma, die in Berlin Ersaß nicht finden kann, sucht in Schwäbisch Gmünd und anderen bekannten Städten der Goldwarenindustrie Arbeitswillige. Hierbei ist dasselbe zu beobachten wie in vielen anderen Fällen auch. Die Firma bietet den fremden Arbeitskräften, deren Leistung fie gar nicht fennt, 45 M. Wochenlohn nebst freier Fahrt. Das ist weit mehr, als die leistungsfähigen Streifenden jemals verdient haben. Und da die Firma den Streikenden von dem geringeren Verdienst noch Abzüge machen wollte, ist ja wohl ohne weiteres bewiesen, wie berechtigt der Streit unserer Kollegen ist. Wir ersuchen die Kollegen überall, so lange diefer Streit dauert, jedes Arbeitsangebot diefer Firma abzulehnen. Arbeiterfreundliche Blätter ersuchen wir um Nachdrud. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Zur gewerkschaftlichen Einigung. start besuchte Versammlung der Freien Vereinigung der Staater Am Sonntag den 19. Januar tagte im Englischen Garten eine Berline und Umgegend. Nach Erstattung des Staffenberichtes gaben die Delegierten Christoph und Dupte den Bericht von der 3. Konferenz der Freien Bereinigung der Bau-, Erd- und gewerb lichen Hülfsarbeiter Deutschlands. Der Bericht betraf speziell die Verschmelzung mit dem Berband der baugewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands. Die Delegierten empfahlen die dort gefaßten Beschlüsse anzunehmen und unterbreiteten folgende Refolution: Die heutige Generalversammlung der Freien Vereinigung der Staafer Berlins und Umgegend nimmt Kenntnis von den Verhandlungen der 3. Konferenz der Bau-, Erd- und gewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands und erklärt sich mit den dort gefaßten Beschlüssen einverstanden. Die Versammelten erkennen die Notwendigkeit einer Einheitsorganisation um so mehr an, damit dem brutalen Vorgehen des foalierten Unternehmertums ein ebenso geschlossenes Borgehen von Arbeitnehmerorganisationen entgegengestellt werden kann. Dshalb verpflichten sich die Anwesenden, mit aller Energie dafür einzutreten, daß die Konferenzbeschlüsse zur Durchführung gebracht werden. Weiter verpflichten sich die Versammelten, auch fernerhin, soviel in ihren Kräften steht, organisatorisch tätig zu sein und für unsere Jdeen zu wirken, damit der Arbeiterbewegung immer neue Kämpfer zugeführt werden." Diese Resolution trägt das Zeichen des Kompromisses zwischen den Sozialisten und den Gewerkschaftern an der Stirn. Ob ein Die Diskussion war eine ausgiebige. Es wurden Bedenken Rompromiß absolut nötig war, läßt sich von Außenstehenden nicht gegen die Berschmelzung geltend gemacht, auch wurden zwei Anbeurteilen. Es fann nur fobiel gesagt werden, daß einfache Geträge eingebracht, zunächst den 8. Kongreß der Fr. V. d. G. abzu werkschaftskongresse über diese Frage schon tonsequentere Beschlüsse warten, andererseits sich dieser Storporation als lofale Organsation gefaßt haben. Die Fassung dieser Resolution macht die früher anzuschließen. Nachdem die genügende Aufklärung gegeben und die ausgesprochene Anregung, eine Resolution gegen den Eintritt von Bedenken zerstreut waren, wurde die vorgelegte Resolution gegen Arbeiterführern in eine bürgerliche Regierung zu diskutieren und eine Stimme angenommen. anzunehmen, zu einer Frage von unmittelbarer Wichtigkeit. Eine Parlamentsauflösung und Vornahme von Neuwahlen sind in den nächsten 18 Monaten wohl zu erwarten; ebenso ist höchft wahre einem oder zwei Mitgliedern der Arbeiterpartei Ministerposten ein jeder Kollege sein Mitgliedsbuch beim Uebertritt in Ordnung angeboten werden dürften. Namen zu nennen, liegt vorläufig fein hat. Nach Erledigung interner Angelegenheiten wurde dann die Anlaß vor. Versammlung geschlossen. ſcheinlich, daß bei der Bildung einer neuen liberalen Regierung Es erfolgt nunmehr laut Konferenzbeschluß der Uebertritt am 1. März 1908. Es wurden dann noch Chriftoph und Bliese. scher Gewerkschaften gewählt. Weiter wurde auf Antrag be nid als Delegierte zum 8. Rongreß der Freien Bereinigung deut. zahlen, schloſſen, für den Monat Februar keine Beiträge au blen, bami Auch durch die Freie Vereinigung der Bauarbeiter Berlins und Umgegend, die am 12. d. M. im selben Lokal zu der Berschmelzung mit dem Verbande Stellung nahm, wurden die Konferenzbeschlüsse gegen drei Stimmen angenommen. an Gelbe Lügenbeuteleien und ihre Brandmarkung. Jm vorigen Jahre erregte der Streit bei der Nähmaschinen fabrik Seidel u. Naumann in Dresden überall wegen der beson. deren Nebenumstände: Gründung eines gelben Streifbrecher- Ber eins, Arbeitswilligen- Import von England, Streifpostenverbot großes Aufschen. Die gesamte bürgerliche Presse beschäftigte sich damit und war besonders eifrig im Weiterverbreiten der zahllosen Lügen und Verleumdungen, die über den Streik und die Leiter des selben von Dresden aus fortwährend in die Welt gesetzt wurden. In diesem Kampf zeichnete sich durch einseitige Stellungnahme zugunsten der Unternehmer besonders die Dresdener sozialliberale Beitung aus, die übrigens schon seit längerer Zeit an Ueberfluß Lesermangel" sanft entschlafen ist. U. a. veröffentlichte sie einen thr angeblich von arbeitswilligen Arbeitern der Firma Seidel u. Naumann zugegangenen Brief, der in unerhörter Weise die Seiter der Metallarbeiterorganisation und das Streiffomitee ver. leumdete und seinerzeit auch in den Spalten der übrigen kapitalisti. schen Presse Eingang gefunden hat. In diesem traurigen Mach. werk, dessen intellektuelle Urheber ganz andere Leute wie Arbeiter waren, wurde dem Bezirksleiter des Metallarbeiterverbandes in Sachsen a ad vorgeworfen, er hätte nur deshalb den Streit bei der Firma Seidel u. Naumann angezettelt, um seine persönlichen Nachegelüfte zu befriedigen. Er hätte die Arbeiter schon lange syste matisch verhebt. Es ist von der Gewissenlosigkeit Haacks und des früheren Bevollmächtigten der Dresdener Zahlstelle des Metall. arbeiterverbandes Beinkämpen die Rede. Und eine ganze Reihe anderer Gemeinheiten, u. a. auch gegen das Streiffomitee sind in diesem elenden Machwert enthalten. Die also Angepöbelten zitierten den verantwortlichen Redakteur der verflossenen Dress dener Zeitung" vor Gericht, da ja die Hintermänner, die Gelben, vollige Haltlosigkeit der Berleumdungen heraus. Da den Belei nicht zu fassen waren. Dort stellte sich denn selbstverständlich die digten an einer Bestrafung des verantwortlichen Redakteurs nichts lag, sondern nur an der Feststellung der Wahrheit, so be gnügten sie sich mit einer entsprechenden Erklärung im„ Dresdener Boltsblatt" und in der„ Sächsischen Arbeiterzeitung" sowie der Uebernahme fämtlicher Kosten des Verfahrens durch den Verklagten. Sächsische Staatsrettung. Wie Staat und Polizei den Arbeitswilligen und Unternehmern beispringen, davon gibt ein Streit der Bauarbeiter auf der großen Gußstahlhütte in Döhlen bei Dresden wieder drastische Beispiele. Wie immer, wenn irgend in Dresden oder Umgebung die Maurer in einem Kampfe mit einem Unternehmer stehen, über einen Bau die Sperre verhängen, ba erscheint die Dresdener Arbeitswilligenkolonne mit ihrem Führer, einem mißglückten Bauspekulanten, auf dem Plan, um im Trüben zu fischen. Diese Kolonne lebt von systematischem Streifbruch. Auch in Döhlen hat sie sich erboten, den Netter in der Rot zu spielen. Diese Leute werden morgens in einem besonderen Eisenbahn wagen von Dresden nach Deuben transportiert, dort von der Polizei in Empfang genommen und nach der Hütte spediert. Der Heimweg vollzieht sich ebenso. Und dabei handelt es sich bei dem Kampf nicht etwa um Forderungen der Streifenden, sondern um einen Abzug, den die Direktion in der jezigen teuren Zeit machen wollte. Die schwarze Kolonne bekommt fogar 58 Pf. pro Stunde, während die gut eingerichteten Maurer, die jahrelang auf der Hütte gearbeitet haben, 42-45 f. erhielten. Der Direktor erflärte, auf einige Tausend Mark täme es ihm in diesem Fall nicht an. Ein echter Scharfmacher, dieser Herr Direktor, und das wird noch indirekt von Staat und Polizei unterſtügt natürlich im Interesse der Ordnung und Sicherheit des Staates". Letzte Nachrichten und Depeschen. Süddeutschland und die preußische Reaktion. Stuttgart, 20. Januar.( Privatdepesche des Vorwärts".) Eine heute abend tagende Bersammlung, die von etwa 2000 Personen besucht war, protestierte gegen die reaktionäre Reichsvereinsgesetzvorlage. In einer aweiten Resolution sprachen die Versammelten sein kann, der auf alle, die das 65. Lebensjahr erreicht haben, Dach- Straße 12, hat den Betrieb eingestellt und alle Wahlrecht habe sich Fürst Bülow als Feind des Reichstagswahlrechts Die andere Resolution, mit der sich die Vorkonferenz bes schäftigte, betraf Alterspensionen und hatte folgenden Wortlaut: „ Die Konferenz erklärt, daß die Arbeiterklasse in der nächsten parlamentarischen Tagung vom Finanzminister erwartet, daß er fein Versprechen, Alterspensionen vorzusehen, ausführt. Die Konferenz erflärt ferner, daß nur ein solcher Blan annehmbar Die Großbäderei Carl Hanke, bisher Hauptgeschäft Simon. angewendet wird und der zu feinen Beiträgen verpflichtet." Dem Kongreffe liegen erstens die üblichen sozialpolitischen organisierten Bäder entlassen. Der Bruder des bis. Resolutionen vor über Fabritinspektion, Achtstundentag, anständigere herigen Inhabers, Bäckermeister August Sante, der die Arbeitsbedingungen in den Staatswerkstätten, ebenso rein demo- zeit außerdem noch eine Bäderei in der Rheinsberger Straße befißt, Forderungen der Organisation nicht bewilligt hat und zur kratische über die Reform des Oberhauses, des Wahlrechts, der hat nun unter Beibehaltung der Firma Carl Hante" das Geschäft Geschworenengerichte und des Unterrichtswesens. Ferner wurden weiter betrieben. Die neue Bäderei befindet sich GabrielResolutionen eingebracht. die eine tiefgehende Aenderung der Mag- Straße 16, die Filialen sind größtenteils noch dieselben. Der Sagungen der Partei verlangen. Die Tapetenarbeiter verlangen, neue Inhaber hat die Forderungen bisher nicht bewilligt daß folgender Saß aufgenommen wird: und hat neue, unorganisierte Gesellen eingestellt. Die Großbäckerei Carl ante. Inhaber August Hante, ist daVerband der Bäder und Konditoren. Au die Wahlvereins- und Gewerkschaftsvorstände resp. Vergnügungskomitees Das Ziel der Arbeiterpartei ist, eine parlamentarische her gesperrt. Fraktion zu bilden, die für den Sturz des gegenwärtigen, auf Wonkurrenz begründeten tapitalistischen Systems und für die Sinführung des Gemeineigentums an den Produktionsmitteln virten soll, um den Arbeitern die Früchte ihres Schaffens zu sichern." Das Londoner Gewerkschaftskartell verlangt, daß der Vorstand richten wir die Bitte, uns dadurch zu unterſtügen, daß fie fich bon ein Programm ausarbeitet, das die von den Jahrestongressen der den Musikern die Kontrolltarte zeigen laffen. Diefelbe ist Partei angenommenen Beschlüsse zur Grundlage hat und auf grün und muß mit dem Verbandsstempel bersehen sein. welches sich die Kandidaten verpflichten sollen. Dasselbe Ber. Starten ohne Stempel find ungültig und find fofort anlangen sprach die Gewerkschaft der Elektriker aus. Ein ähnliches Farbe und sind unsere Mitglieder verpflichtet, diefelbe bei sich zu Die Kontrollfarte ist in jedem Vierteljahr von anderer Verlangen tam von den Gasarbeitern und dem Liverpooler Ge- tragen und auf Verlangen vorzuzeigen. wertschaftskartell. Der Vorstand des Zentralverbandes der Musiker. Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin, Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt zuhalten. den preußischen Wahlrechtskämpfern ihre volle Sympathie aus. Durch seine Stellungnahme gegen das gleiche, geheime und direkte bekannt. Die Versammlung erblidt in der weiteren Ausübung der Ranzlerschaft durch den Fürsten Bülow eine Gefahr für die Reichs. fammelten eine gebührende Zurüdweifung der burch Bülow geeinheit. Von den Vertretern im Reichstage erwarten die Vers äußerten reaktionären Anschauungen. Auf dem Eise eingebrochen. Rinder im Alter von 8 und 10 Jahren beim Schlittschuhlaufen Mannheim, 20. Januar.( B. h.) Auf dem Nedar find zwei eingebrochen und ertrunken. Die Politil der Gewalt. Petersburg, 20. Januar.( 2. 2. B.) Der Zustand des außer ordentlichen Schutes für Petersburg und das Petersburger Gouver nement ist bis zum 21. Juli und der Zustand des verstärkten Schuhes in einigen Bezirken des Dongebietes ist bis zum 5. November b. J. verlängert worden. Ein Riefenbrand. Warenlager der Firma David Cohen u. Co. vollständig. Biele Sidney, 20. Januar.( B. 8.) Ein Großfeuer zerstörte das umliegenden Gebäude wurden teilweise zerstört. Der Schaden bes läuft sich auf einige Millionen Mark. Baul Singer& Co., Berlin SW. Biergu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Nr. 17. R.ZahrMg. l. Itiluge i>es Jotiitls" gttlinci Pollisliliilt. Dienstag. 21. Januar 1908. Rclcbötag. 84. Sitzung. Montag, den 20. Januar, nachmittags 1 Uhr. Am BundeZratstische: d. Bethmann-Hollwcg. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die Fortsetzung der ersten Beratung des V i e h s e u ch e n g e s e tz e s. Abg. Scheidemann(Soz.): Für uns handelt es sich bei diesem Gesetzentwurf in erster Linie um die Ernährungssrage des ganzen Voltes, um gesundes Vieh und gesundes Fleisch, ohne die die Ernährung des Voltes nicht auf die wünschenswerte Höhe gehoben werden kann. Wer nun die einzelnen Bestimmungen dieser Vorlage nachprüft, wird zu- geben müssen, dah sie von unabsehbarer Tragweite sind, nicht etwa wegen der Verluste, die durch die Sperrmatzregeln der Landwirt- schaft entstehen können, sondern eben wegen dieser Lebensfrage des Volkes. Aber trotz sehr zahlreicher, sehr wertvoller Be- stimmungen, in denen die Vorlage die Erfahrungen eines Viertel- jahrhunderts nutzt, enthält auch diese Vorlage wieder zahlreiche Einzelheiten, die den Eindruck machen, als ob die Regierung den Agrariern die paar Wünsche, deren Erfüllung ihnen bisher noch gefedlt hat, diesmal erfüllen wollte. Charakteristisch ist, datz keiner der Redner, die vor mir zu diesem Gesetze gesprochen haben, irgend. wie aus diese Bestimmungen eingegangen ist. Was Zolltarif und Fleischbeschaugesetz den Agrariern noch nicht gewährt haben, das soll jetzt nachgeholt werden. Ich werde leicht den Beweis dafür führen" können, datz es sich bei vielen Bestimmungen dieser Vor- läge um eine Vermehrung und Sicherung der Liedesgabc» an die Agrarier handelt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Neben- bei enthält die Vorlage einen Passus, der eine direkte gemein- gefährliche Ergänzung des Reichsvereinsgesetzes bildet.(Hört! hört! bei de» Sozialdemokraten.) Doch ich komme noch darauf zurück. WaS bringt das Gesetz zunächst? Eine Erweiterung des Kreises der Tiere, die durch das Gesetz betroffen werden, zu denen künftig auch noch Hunde. Katzen und Geflügel gehören sollen. Dem tönncn wir ohne weiteres zustimmen. Vermehrt ist auch die An- zähl der Seuchen, die unter das Gesetz fallen, neu hinzu gekommen sind z. B. der Rotlauf der Schweine, die Hühnercholera, die Tuber- kulose des Rindviehs usw. Einzelne Krankheiten darunter machen sich doch aber in diesem Gesetze recht bedenklich. Eine ganze Anzahl von Landwirten hat mir erklärt, datz es zu geradezu unerträg- lichen Zuständen führen würde, wenn die Anmeldepflicht für Schweineseuchen und Schroeinepest aufrecht erhalten bliebe oder wenn nicht wenigstens die Strafbestimmungen gestrichen würden; denn die Schweinekrankheiten hängen von soviel Zufälligkeiten ab, datz von 20 Sachverständigen toohl 10 Schtvcinepest annehmen und 10 sie verneinen könnten. Noch schlimmer steht es mit der Tuberkulose, die zu erkennen die Viehzüchter oft gar nicht in der Lage sind. Dabei gebe ich ohne weiteres zu, datz die An- Meldung der Tuberkulosefälle sehr wünschenswert wäre, um der loeitverbreiteten Seuche entgegenzuwirken. Stieg doch in Preutzen seit 1000 die Zahl des tuberkulösen Rindviehs von 6,2 auf 10 Proz., während die Zahl der kranken Tiere in Sachsen 1003 den außer- ordentlich hohen Stand von 31,6 Proz. erreichte, und Abg. Lehmann nannte eine ähnlich hohe Zahl tuberkulöser Erkrankungen für Kiel und meinte, datz dort die dänische Grenze nahe sei. Die Anspielung war deutlich genug. Ich habe nicht die Absicht, das Ausland zu loben; aber gerade der dänischen Viehzucht haben wir nichts vor- zuwerfen. Genau an demselben Tage, an dem der Abg. Lehmann sprach, hat der preußische Landwirtschaftsminister an die Land- Wirtschaftskammern ein Rundschreiben gerichtet, in dem er auf den hohen Stand der Landwirtschaft und der Viehzucht in Dänemark hinwies und den deutschen Landwirten empfahl, dort Landwirt- schaft zu studieren.(Vielfaches Hört! hört! bei den Sozialdemo- traten, Unruhe rechts.) Bei dieser Gelegenheit möchte ich darauf hinweisen, dah von der Rechten auch in dieser Session wiederholt die Einführung des Befähigungsnachweises für das Handwerk verlangt worden ist. Ich habe nie etwas Lächerlicheres gehört, als wenn gerade die Herren von der rechten Seite so außerordentlich großen Wert auf den Befähigungsnachweis für Schuster und Schneider legen. Wenn ein Schuster mir die Stiefel schlecht macht, gehe ich das nächste Mal zu einem anderen. Aber viel wertvoller wäre der Be- Kleines feuiUeton. Wonne» und Schmerzen eines Hoflieferanten. Ferd. Bonn hat dem ungastlichen Berlin, das ihn, doch ach so viel vergnügte Possen hohen Stiles dankt, feine Meinungen und Taten während seiner Berliner Epoche(merkts, Ihr Literatur- und sonstigen Ge- schichtsschreiber) in Tagebuchform zu Füßen gelegt(oder an den Kopf geschmissen). Allen denkenden Zeitgenossen, die die Gnade zu schätzen wissen, Bonns Zeitgenosse» zu sein, seien die„Zwei Jahre Theaterdireklor in Berlin" nachdrücklich empfohlen. Vom Umschlag an, auf dem Bonn sinnig in Rüstung und Lorbeerkranz sich darstellt, bis zur letzten Zeile gibts des schönen, Wahren, Guten(im Sinne Bonns) fast zu viel. Was muß der verkannte Held, Reformator, Dichter alles ge- litten haben! Besonders wenn man seine Hofbeziehungen betrachtet. Getreulich steht da vermerkt, wann und wie oft ein Prinz den Sherleck HolmeS genoß. Einmal heitztP da:„Jeden Tag kommt jetzt ein anderer Prinz. Der Kronprinz. Eitel Fritz, die Krön- Prinzessin von Griechenland mit Prinz Adalbert. Prinz August Wilhelm ist jedesmal mit dabei. Sonntag 3400 M. Jetzt geht's anders rum." Aber ach wie bald schwinden Schönheit und Gestalt. Bonn konnt's nicht unterlassen, seine Hohenzollenftrilogie„Friedrich" partout und trotz des ergangenen Verbotes zur Aufführung zu bringen. Wahrlich, ein Stoff eines Tragikers(wie Bonn) wäre es. diesen inneren Kampf des Patrioten mit dem Dichter, der auch Patriot ist, und mit dem Schicksal abzukonterfeien,(Tun Sie es doch selbst, Bonn!) Wie herrlich strahlte doch die kaiserliche Gunst am 6. März, da beim„Hunde von Baskerville" BonnS gute Tendenz und religiöse Weltanschauung gelobt wurden. Sofort erinnert Bonn an sein Schmerzenskind„Friedrich", das Frau Maria Bonn den, Kaiser bald darauf in Potsdam aufs Pferd reichen muß. Und nun folgt eine Leidensstation auf die andere. Wo Bonn dem Kaiser immer be- gegnet(und er begegnet ihm so oft), kämpft er wie eine Löwin für den jungen Fritz. Mit Worten, mit Blicken, mit Taumel- bewegungen.... Nach der defiuiliven Ablehnung stellt sich Bonn in Honiburg„dem Kaiser in den Weg". Aber Er ging vorbei und Bonn blieb allein auf einer Bank ini deutschen Waid von Homburg sitzen und seine Tränen flössen in die Frühliiigssonne.„Es waien dieselben, die alle geweint haben, von Wagner bis Lortzing, von Schiller bis Kleist, alle der lauge lange Zug erlauchter deutscher Geister, der jetzt an mir vorbeiwallte." So erging es diesem lohalen Manne und Dichter, der ohne sein Zutun eine Weile anerkannter Hoflieferant geworden war. Warum, Bonn, blieben Sie auch nicht bei den Detektivstücken mit religiöser Weltanschauung. Da hätten Sie es noch weit bringen können Theater. NeucsSchauspielhauS: Wolkenkratzer. Burleske kn drei Akten von Karl Rötzlcr und Ludwig Heller. Der Theaterzettel hatte die Autorennamcn verschwiegen, eine Diskretion, die bei manchen anderen Premieren der Saison mehr als bei diesem von vornherein auf alle literarischen Prätentionen verzichtenden, ober gar nicht unamüsanten Kleinigkeit geboten gewesen wäre. sähigungsnachweis für die Landwirte(Heiterkeit); denn da handelt es sich um die Ernährungsfrage des ganzen Volkes.(Sehr gut! und Heiterkeit links.) Ich weiß sehr wohl datz der richtige Bauer, der Arbeitsbauer, der kleine landwirtschaftliche Viehzüchter, der mitten in der Praxis drinsteht, die Landwirtschaft gut kennt. Aber die Großgrundbesitzer im Osten Preußens, die von dort aus den Staat beherrschen(Unruhe und Lachen rechts), die haben zum großen Teil ihre landwirtschaftlichen Kenntnisse als Offiziere in den Kavallerieregimentern erworben.(Lebhafter Widerspruch rechts, anhaltende Unruhe.) Nicht für die Kleinmeister, sondern für die preußischen Großgrundbesitzer sollte� deshalb der Besähigungs- Nachweis zuerst eingeführt werden.(Sehr gut! bei den Sozial- demokrar-m, Zuruf rechts: Krasse Unkeniftnis!) Zurück zur Tuberkulose des Rindviehs. Die Vorlage enthält eine außerordentlich charakteristische Bemerkung über die Gefähr- licpkeit der Tuberkulose für unseren Viehbestand. Es heißt in der Begründung, datz es möglich wäre, die Seuchengefahr sehr wesent- lich einzuschränken. Aber es heißt da weiter, daß wir nicht so viele Tierärzte haben, wie dazu nötig sind oder auch nicht soviel dafür aufwenden können. Und nachdem dies festgestellt ist, wird auch auf Seite 41 der Begründung den deutschen Viehzüchtern ein außer- ordentlich schwerer Vorwurf gemacht. Zunächst heißt es da: Der Schade, den die Seuche der Landwirtschaft zufügt, ist unberechen- bar. Dann heißt es, und das ist der springende Punkt:„Allerdings würde es den Viehbesitzern nicht unmöglich sein— praktische Versuche haben dies bereits gezeigt— die Seuche in ihren Beständen durch geeignete Vorkehrungen ohne staatliches Einschreiten ein wenig einzuschränken. Aber auf ein allgemeines freiwilliges Vor- gehen auch nur eines größeren Teiles der Biehbesitzer kann erfahrungsgemäß nicht gerechnet werden."(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es wird also festgestellt, daß die Viehzüchter selbst leider nicht in dem Maße der Seuche entgegentreten, wie sie könnten und müßten, und ferner, daß wir kein Geld für Tierärzte haben. Und daraus schließt man nun, daß man im Lande die Bauern schikanieren und datz man vor allem das Ausland her- metisch abschließen soll. Bauen Sie ein einziges Kriegsschiff weniger, so würden Sie Geld in Hülle und Fülle für die not- wendigen Tierärzte haben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- traten.) Im A 1 heißt eS ausdrücklich, datz als verdächtig auch ein Stück Vieh anzusehen ist, bei dem die Vermutung vorliegt, daß es mit Ansteckungsstosf infiziert ist. Herr Kollege Lehmann sagte vor ö Tagen, derjenge, der das Wort„Seuchenverdacht" geprägt habe, müsse nicht nur gehenkt, sondern auch gespießt werden. In der Sache stimme ich ihm zu, wenn auch nicht in der Strafe. Ich weiß nicht, ob dieser Strasvorschlag auf nationatliberale Grausamkeit oder sächsische Gemütlichkeit zurückzuführen ist. Ganz unannehmbar ist der§ 0 des Gesetzes. Es heißt darin: Bricht eine Seuche aus, auf die sich die Anzeigepflicht erstreckt oder zeigen sich Erscheinungen, die den Ausbruch einer solchen Seuche be- fürchten lassen, so hat der Besitzer des betroffenen Viehs unver- züglich der Polizeibehörde usw. Anzeige zu machen usw. Dann heißt es: Die gleichen Pflichten hat, wer in Vertretung des Be- sitzers der� Wirtschast vorsteht, wer Vieh in Obhut hat(Hirt, Schäfer. Schweizer, Viehpfleger usw.) und wer mit der Aufsicht beauftragt ist, ferner für die auf dem Transport befindlichen Tiere deren Begleiter usw. Eine ganze Anzahl von Personen sollen also verpflichtet sein, die Anzeige zu machen. Wenn dieser Paragraph Gesetz wird, so können die Leute ihres Lebens überhaupt nicht mehr froh werden. Es ist ja leider Tatsache, datz fast in jedem Dorf Rivalitäten und Feindschaft bestehen. In welche Lage ge- raten nun alle diese Leute, wenn sie verpflichtet sind, der Polizei- behörde eine Anzeige zu machen. Hier muß die Kommission unbedingt eine andere Fassung finden. Vielleicht könnte man sagen, daß sie verpflichtet sein sollen, dem Besitzer innerhalb einer be- stimmten Frist, etwa 12 Stunden, Anzeige zu machen. Im§ 12 heißt es, nachdem von der Isolierung die Rede ist, „auf Ersuchen des beamteten Tierarztes hat der Vorsteher des Seuchenortes für die vorläufige Bewachung der erkrankten und ver- dächtigen Tiere sowie für die Durchführung der dringenden Maß- regeln zu sorgeu." Wo soll nun der kleine Bauersmann, der viel- leicht eine kranke Kuh hat, diese isolieren? Es heißt hier nun, daß der A m t s v o r st e h c r es tun soll. Ich kenne eine ganze Reihe von Orten, wo das vollständig unmöglich ist. Im 8 17a werden zum Schutze gegen die ständige Gefährdung der Viehbestände durch Viehseuchen eine ganze Reihe von Maßnahmen, zirka 18, ge- nannt. Ich stimme mit Kollegen Lehmann überein. daß dieser Paragraph viel zu sehr vom grünen Tisch aus gearbeitet ist. Wenn Das New Dorker Milieu, die groteske Art der Uebertreibung, die in einzelnen Höhenpunkten an die kalt lächelnde Unverfrorenheit Mark Twainschcr Einfälle streifte, ließ anfangs ein ameritanisches Exportprodukt vermuten, bis die schwäbelnden Hcimatlaute des Schwankmillionärs jeden Zweifel hinsichtlich de» llrsprungslandeö beseitigten. Der Ulk bewegt sich, wie nicht ander» zu erwarten, durchaus im Kreis des Stereotypen, Allbekannten, dessen, was nun einmal als Niederschlag unübersehbar vieler, richtiger oder falscher Eindrücke und Anekdoten in Europa als„amerikanisch" gilt. Zur Ausgestaltung irgend einer halbwegs plausiblen lustspielmäßigen Handlung oder auch nur Einzclsigur hat es nicht gelangt. Aus dem vorhandenen Vorrat sind einfach durch Umschmelzung ein paar neue Anekdoten gewonnen, die aber in der Aufmachung eines munteren und geschickten Bühnendialogcs teilweise ganz ergötzlich wirkten. Sehr drollig ist die Szene, in der die drei geschiedenen Ehe- männer von Mrs. Ethel, der ältesten unter den heiratsfähigen MillionärStöchtern Cormacks, in Frack und weißer Binde anrücken, um ihr bei einer abermaligen Verlobung zu gratulieren. Jeder überreicht mit der gleichen Verbeugung seinen Strauß. Das Schicksal gemeinsamer Verlassenheit hat sie zu einem unzertrcnn- lich festem Freundschaftsbund gekittet. Der Unerschrockene, der es als vierter mit ihr wagen will, erobert ihr und ihres Vaters Herz durch einen Coup von Ueberlcbensgrößc. Er wettet, daß er die Million, die Eormack an ihm als FreicrSmann vermißt, in einem balben Tage schaffen würde, läßt ein Millionendepot des künftigen Schwiegervaters zum Schein verschwinden und nutzt den Kurssturz der Papiere an der Börse zu lukrativen Käufen aus. Der Alte markiert erst sittliche Entrüstung, fühlt sich dann aber auf seinem eigensten Gebiet übertrumpft und schlägt dem Neuling Halbpart vor. Auch Ethel ist zufrieden, noch sensationeller hätte sie es frei- lich gesunden, wen» er die Courage besessen, mit den Väter- lichen 2V Millionen durchzugehen. Die jüngste, direkt dem 5iollcge entlaufene Sckwcstcr, ein ins Amerikanische potenzierter Backfisch, erfreut ihren Papa mit einem ehemaligen österreichischen Offizier und jetzigen Kellner als Bräutigam. Der mittleren liegt ein kopfwackelndcr Bonaparte-Abkömmling zu Füßen. Einsam wandelt durch den lauten Wirrwarr als Weiser aus dem Morgenlande ein beturbantcr philosophischer Raia(Adolf Klein). Herr Arndt gab die stark unwahrscheinliche Figur des ge- müwoll schwäbelnden Börsenwolfs, von Herrn B o r 6 e als Diener ausgezeichnet unterstützt. Der drei Töchter nahmen sich die Damen Gisela Schneider. Z o I l m a r und S o r g e r mit gutem Gelingen an. Für den starken Applaus dankte Direktor Halm im Namen der Autoren. �