Ur. 30. RbonnemtntS'Bedingungen: Abonnements- Preis prSnmneranbo, PicrlcljShrl. 330 Mb. monntl. 1.10 Mb, wöchentlich 28 Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nununer S Pfg. Sonntags- imnimer mit illustrierter Sonntags- Vellage»Die Neue Welt� 10 Pfg. Post- Slbonnemenl: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preislifle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland 3 Marl pro Monab PoftnbonnementS nehmen an: Belgien. Dinemarl, Solland. Italien. Luxemburg. Portugal, RmilSnien. Schweden und die Schweis. kfiaell» ligllch»S» lNoiUg». 25* Jahrg. Vevlinev Vo!ksblclkk. lile snlerNonz-eebljftr detrSgt für die fechSgefpaltene Kolone!« gelle oder deren Raum SO Pfg., für politische und gewerkschaflliche Vereins- und BerfammlungS- Anzeigen 30 Pfg. „Ktrint Bnzeigen", das erste(fettgedruckte) Dort 20 Pfg., jedes weirere Wort 10 Pfg. SIellengefuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Dia« jedeS weitere Wort S Pfg. Worte üb« IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Elpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresse: «S»»Igliltiii»Ilk»t Berlin". Zentralorgan der rozlaldemokratifcbcn parte» Deutfcblands. Redaktion: 8M. 68, Llndenetraeae 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983, Expedition: 8Al. 68, Llndenatraoae 69. Fernsprecher: Mm« IV. Nr.»984. Der fall sseiers. Das Urteil gegen Bennigsen, dessen Wortlaut die „Kölnische Zeitung" mitteilt, ist in einem Punkte überaus befremdend. Daß Bennigsen verruteilt wurde, war vorauszusehen. Er hatte behauptet, daß Peters zwar nicht an den Bischof Tucker, aber an den Bischof Wood- Wood einen Brief geschrieben habe, in dem Peters zugestanden habe, daß er einen Neger und eine Negerin deshalb habe hängen lassen, weil das Mädchen, das seine Konkubine ge- Wesen sei, mit dem Neger geschlechtlich verkehrt habe. Mit diesem Brief meinte Bennigsen den sogenannten Briefentwurf des Peters an den Bischof S m i t h i e s. In diesem Brief- entwurf befand sich aber nur das Eingeständnis des Peters, daß Mabruk, der gehängte Neger, mit der Konkubine eines seiner Offiziere geschlechtlich ver- kehrt habe, es wurde jedoch b e st r i t t e n. daß dieser Veschlcchtsverkehr die Veranlassung zu der Hinrichtung des Mabruk gewesen sei. Aus diesem rein formalen und für die Beurteilung des Peters ganz nebensäch lichen Grunde war eine Verurteilung zu erwarten. Was aber das Urteil in eigenartigem Lichte er- scheinen läßt und eine nochmalige Feststellung der Tat fachen notwendig macht, ist die Erklärung des Gerichts, daß bei der Hinrichtung Mabruks sexuelle Motive nicht hätten angenommen werden können. In dieser Beziehung versucht also das Kölner Gericht das Urteil des kaiserlichen Disziplinarhofes vom 15. November 1897 einer Revision zu unterziehen. Dieses Urteil erkannte nämlich, daß Peters den Mabruk aus sexuellen Motiven habe hängen lassen! Es heißt in dem Urteil: „Aus allen diesen Erwägungen rechtfertigt sich die Ueber- jeugung des Disziplinarhofes, daß der Angeschuldigte die Todes. strafe gegen Mabruk nicht nur wegen des Einbruchs verhängt hat, sondern daß dabei auch der vermeintliche Ein- griff Mabruks in die zwischen den Offizieren und den Weibern der Station unterhaltenen geschlechtlichen Beziehungen initbeslimmend gewesen ist. Zu dieser Ueberzeugung würde der Gerichtshof auf Grund der vorgetragenen Beweise auch dann gelangt sein, wenn er von der Aussage des Zeugen B r 0 n s a r t von Schellendorf, dessen Glaubwürdigkeit der Ange- schuldigte anzufechten versucht, ganz abgesehen hätte." Unsere Ansicht, daß das Urteil des Disziplinar» hofeS und nicht das Kölner Urteil die Tatsachen objektiv und zutreffend würdigt, gründet sich aber nicht auf die Abneigung gegen den Peters, sondern auf die Erwägung der vorliegenden Tatsachen!* Das Kölner Gericht glaubt schon deshalb der Be- teuerung des Peters, daß für ihn geschlechtliche Motive nicht maßgebend gewesen seien. Glauben schenken zu dürfen, weil die S u r i a. d. h. die S p e z i a l k 0 n k u b i n e des PeterS, zur Zeit des Einbruchs des Mabruk in den Vorratsraum, in dem 3 Weiber schliefen, sich gar nicht in diesem Vorratsraum befand, sondern im Zimmer des Peters. Diese Tatsache beweist aber nicht das gering st e. Denn es ist ja niemals behauptet worden, daß Peters den Mabruk wegen seines Geschlechtsverkehrs mit dieser seiner speziellen„Suria" habe hängen lassen, sondern wegen seines Verkehrs mit den anderen Weidern. Schon die Disziplinarkammer und später der D i s- zplinarhof stellten ausdrücklich fest, daß sich die Suria des Peters in dem Zimmer des Peters befunden habe. So heißt es beispielsweise schon in dem Urteil der Disziplinarkammer vom 2�. April 1897:„In der Nacht des erwähnten Einbruchs schliefen drei dieser Weiber in dem Vor ratsraum, die Suria des Angeschuldigten in seinem Schlafzimme r." Diese Tatsache aber hin- derte den Disziplinarhof nicht, gleichwohl sexuelle Motive als mitbestimmend anzunehmen! Worauf gründete sich die Auffassung des Diszipli- n a r h 0 f e s? In erster Linie auf das sogenannte Urteil des Peters, das folgendermaßen lautete: „Unter dem heutigen wurde Mabruk wegen nächtlichen Ein- bruchs und groben Vertrauensbruchs, dessen Wieder- holung das Leben von Weißen bedrohen würde, zum Tode durch den Strang verurteilt. Kilimandscharo-Station, den 19. Oktober 1891. Der kaiserliche Kommissar Karl Peters." Nun hat aber nach dem Urteil des Disziplinargerichts vom 24. April 1897 Peters bei seiner Vernehmung am 2 6. August 1896 selbst zugegeben, daß er einen besonderen Vertraucnsbruch darin erblickt habe, daß Mabruk sich mit einem Weibe eingelassen habe. Und am 9. Juni 1892 erstattete Peters dem Gouverneur Freihcrrn v. Soden einen amtlichen Bericht, in dem es wörtlich hieß: „Bei der Untersuchung stellte sich heraus, daß der Delinquent denselben ausgeführt hat. um zu einer der Dienerinnen zu ge- langen, aber nicht zu einer in meinem... sondern zu einer im Dien st c des Freiherrn v. Pech mann stehenden. Indes ist diese» Urteil nicht dieser halb so strenge aus- gefallen, sondern die Art des Einbruchs war so dreist.... daß ich... in Uebereinstimmung mit den übrigen Weißen das Todesurteil aussprach." Hiergabalso Peters zu, daß der Mabruk d e S- halb eingebrochen sei, um mit einer der Diene- rinnen geschlechtlich zu verkehren. Und diese Art des Einbruchs war so„dreist", daß er das Todesurteil aussprach. Für jeden vcrünftigen Menschen hängt aber der Charkatex eines Einbruchs dessen Zweck ab. Die„Dreistigkeit" des Einbruchs konnte also nur in der Absicht des Geschlechtsverkehrs bestehen und deshalb also, so sagt die Logik, wenn es auch Peters leugnet wurde Mabruk mit dem Tode bestraft! Aber Peters hat ja auch selbst nach dem Urtei der Disziplinarkammer am 26. August 1896 zuProtokol erklärt, er gäbe zu, „daß der Umstand, daß sich Mabruk mit dem Weibe eingelassen habe, bei der Beurteilung erschwerend ins Gewicht gefallen seh weil er darin einen besonderen Bertrauensbrnch erblickte." Aber selbst, wenn sich Peters nicht selbst belastet hätte, so lagen noch andere erdrückende Beweise vor. Dem Maler Kuhnert gegenüber äußerte sich nach dem Urteil des Disziplinarhofes der Peters in dem Sinne, daß eine solche Frechheit, das Weib des Bana nkupa(des Herrschers) zu benutzen, Todes st rase verdiene! Ein eingeborener Häuptling hätte dafür ebenfalls die Todesstrafe eintreten lassen! Und das Gericht stellt ausdrücklich fest, daß die Glaubwürdig k e i t Kuhnerts von dem Peters nicht bezweifelt wor den sei. Auch Bronsart v. Schellendorf bekundete genau dasselbe. Weiter hieß es in dem Urteil des Disziplinar Hofes: „Erwägt man, daß durch die Bekundungen BronsartS und Kuhnerts bereits erwiesen ist, wie gerade die gcschlecht- lichen Beziehungen Mabruks zu den Stationsweibern dem Angeschuldigten den Einbruch als todeswürdiges Verbrechen erscheinen ließen, so ist es unbedenklich, auch den dahingehenden Aussagen der von Raffel als glaubwürdig be- zeichneten Neger Msigudesa, Schauri und Hassani eine gewisse Bedeutung beizulegen. Alle drei haben nun be> kündet, daß der Angeschuldigte ihnen gegenüber das Todesurteil gegen Mabruk aus dessen Beziehung zu den Weibern der Station zurückgeführt habe. Msigudesa sagt, er habe den Angeschuldigten gefragt, weshalb er seinen — des Zeugen— Bruder gebunden habe, und die Antwort er- halten, Mabruk habe ihm Zigarren gestohlen und mit seiner Bibi zusammen gestanden. Schauri bezeugt, der Aw geschuldigte habe erNärt, Mabruk habe ihm Zigaretten gestohlen und werde auch mit seinen Bibis geschlafen haben, er werde diese befragen und, wenn sie es be ftätigen, den Mabruk töten; nach dem Verhöre der Mädchen habe der Angeschuldigte geäußert, er werde nun den Mabruk töten, denn er sei bei seinen Bibis sWeibern) gewesen. Hassani hat die letzte Aeußerung ebenfalls bestätig t/' Außerdem aber erzählte Peters selbst am 6. Februar 1892 dem Dr. M i t t e l st e d t, daß er am Kilimandscharo einen Diener gehängt habe, weil er das Mädchen eines seiner Offiziere mißbraucht habe. Aehnliche Auslassungen hatte Peters gegenüber dem Ingenieur H e r m e s und dem Kons« Dr. B a u m a n n getan! Und trotz alledem erklärte das Gericht in Köln'. „Den von dem Angeklagten zu führenden Beweis, daß sexuelle Motive bei der Fällung des Todesurteils ausschlage gebend oder mitbestimmend gewesen sind, erachtete das Gericht um so weniger als geführt, als der Kläger überall da(??), wo er sich gelegentlich übet diesen Punkt geäußert hat, sowie in seinem Briefe an den Bischof S m i t h i e s vom 3. April 1892, solche Motive mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen hat." Die Erzählungen gegenüber den M i t t e l st e d t, Baumann. Hermes erklärt das Gericht einfach mit dem Hang d.s Peters zum Bramarbasieren! Also wo Peters leugnet, mißt ihm das Gericht Glaubwürdigkeit bei, wo er sich aber selbst b e lastet, hat er übertrieben. Und das, trotzdem auch gegen Peters sprechende amtliche Berichte an seinen Borge setzten v. Soden, trotzdem auch amtliche Protokolle über Aussagen in den früheren Prozessen vorliegen! Dieser Glaube an des Peters allerdings nur zeitweilige Glaubwürdigkeit erscheint um so seltsamer, als doch fest g e st e l l t i st, daß Peters amtlich an Herrn v. Soden die Unwahrheit geschrieben hat! Psychologisch richtiger nicht nur, sondern auch den festgestellten Tatsachen viel ent sprechender erscheint uns die Ansicht des Disziplinarhofes über Peters Neinwaschungsversuche: „Diese Behauptungen des Angeschuldigten verdienen keinen Glauben, weil sie mit seinen eigenen Aeußerungen zu dritten und seinem ganzen Verhalten bei und nach der Verurteilung Mabruks im Widerspruch stehen. Eine Würdigung aller Umstände führt vielmehr zu der Ueberzeugung, daß bei der Verhängung der Todes- strafe gegen Mabruk für den Angeschuldigten der Verdacht mit- bestimmend gewesen ist, Mabruk habe eines seiner Weiber benutzt." Und die Auffassung des Kölner Gerichts erscheint noch befremdender, wenn man sich vergegenwärtigt, welche Unge- heuerlichkeiten gerade der Kölner Prozeß noch ans Tageslicht gefördert hat! Ja, nach den Bestialitäten gegen- über absolut unschuldigen Kettengefangenen, nach dem Wort: „Wollen Sie nicht noch einen Schwarzen schießen?", nach dem „Hoch auf dem seligen Mabruk" usw. erscheint ein Eifer- suchtömord beinahe noch als harmlos!� Aber gerade weil Peters und seine mächtigen Freunde sich stets hinter nebensächlichen Dingen zu ver- kriechen suchen, ist es doppelt geboten, der Auffassung des Kölner Gerichts gegenüber die ans den Tat- fachen sich zwingend ergebende Folgerung zu ziehen. Und diese Folgerung ist: das Urteil des Disziplinarhofes kann durch das Erkenntnis des Kölner Gerichts nicht im mindesten ersehiittert werden! eialPopeia. man auch dem„Voyvärts" nachsagen mag: das wir» man ihm jedenfalls nicht vorwerfen können, daß er den Heldenmut des Freisinns, seine politische Ueberzeugungstreue und Konsequenz jemals überschätzt hätte. Aber wir müssen denn doch gestehen: ein so klägliches Eiapopeia, wie es am Mittwoch von den freisinnigen Rednern ohne Unterschied der Frak- tion angestimmt wurde, hätten wir nicht für möglich gehalten! Daß die Kopsch, Wiemer, Fischbeck und ihresgleichen nicht den Mut finden würden, ein kräftiges Wort gegenüber dem ungeheuer- lichen StraßenterroriSmus der Machthaber zu riskieren, stand ja für uns fest. Daß aber auch innerhalb der Freisinnigen Vereinigung und der Süddeutschen Volkspartei jeder Rest von bürgerlichem Gewissen so sehr ver- schwunden ist, daß die Herren Schräder und Paycr kein Wort des Protestes gegen die Niedersäbelung friedlicher Straßen- demonstranten finden, ja. daß sie sich a u f die Seite der Kreth und Konsorten stellen würden, hätten wir denn doch nicht erwartet! So viel wir auch vom Freisinn gewohnt sind, ein solches Maß liberaler Selbsterkennung hätten wir der Freisinnigen Vereinigung und der Süddeutschen Volks- Partei nicht zugetraut. Wenn die„Voss. Z t g." den„Kampf" für das Wahlrecht ankündigt— den„Kampf", der bis jetzt nur in den würdelosesten Handlangerdiensten für die Reaktion, für das Sichducken unter die Peitsche der den Kanzler kommandierenden Agrarier bestanden hat— so ist das eine lächerliche Komödie, von deren Ab- geschmacktheit auch die Herren Schräder und Payer über- zeugt sein dürften. Hie Mehrheit des Freisinns hat bis jetzt nicht den mindesten Kamps geführt und wird auch keinen Kampf führen, wenigstens keinen Kampf für das Wahlrecht. Denn daß sie sich emsig rühren wird, um durch Täuschung der Wähler bei den Landtagswahlen möglich st gut abzu- schneiden, ist ja eine ganz andere Sache. Den Kampf für das Wahlrecht hat die Sozialdemokratie geführt k Seit Jahren! Durch gewaltige Versammlungsdemonstrationen im ganzen Lande, durch Verbreitung von Massenflugblättern über das ganze Land, im Parlament, in der Presse, kurz: durch alle Mittel. die denkbar waren. Und was hat dieser Kampf genützt? BülowS Rede am 9. Januar hat eS ja bewiesen. War eS da nicht selbst- verständlich, notwendig, ein konsequentes Er- gebniS der politischen Lage, daß die Sozialdemokratie zum Mittel der Stratzendemonstration griff? Und da wagt es kein einziger Freisinniger, diese Straßendemon- stration zu verteidigen? Da wagt eS kein einziger Freisinniger, die ungeheuerlichen Attacken auf friedliche Demon- stranten mit gebührender Schärfe zu tadeln? Wie gesagt: Eine solche Entwürdigung des ganzen Freisinns hätten wir doch nicht für möglich gehalten. Einzig Herr v. Gerlach schrieb kürzlich in seiner„Hessischen Landeszeitung": „Das Volk ging auf die Straße, um schweigend durch sein bloßes Erscheinen zu protestieren gegen die Miß- Handlung durch die Regierung. Die Polizei wurde los- gelassen auf die, wenn auch empörte, so doch friedliche Menge. Blut wurde vergossen. Und da setzten sich die freisinnigen Leitartikler zu Dutzenden hin und entrüsteten sich über die Demonstrationen. Ja. zum Teufel, soll unser Volk sich denn in Hundcdcmut alles ge- fallen lassen? Gott sei Dank, daß nicht kaltes Fischblut durch seine Adern kriecht, daß Millionen von Männern und Frauen die Herzen beben und die Schläfen hämmern, wenn man die Rechte des Volkes mit Füßen tritt. Verzweifeln müßte man an unseren Arbeitern, wenn sie ruhig in ihren Wohnungen geblieben oder zum gemütlichen Schoppen gegangen wären, nachdem ihnen Bülow den Fehdehandschuh hingeworfen hat. Dann könnten die Rc- aktionäre mit Recht höhnen, daß das Volk ja augenscheinlich selber am Wahlrecht gar nicht interessiert sei." Die„Freisinnige Zeitung" freilich entrüstet sich darüber, daß so etwas ein Mann, der einmal Reichstagshospitant der Freisinnigen Vereinigung war. schreiben könne. Da wollen wir der„Freisinnigen Zeitung" verraten, was seinerzeit ein Par- lamentarier. der noch heute Hospitant der Frei- sinnigen Vereinigung ist, über die Hamburger De- monstration geschrieben hat, über eine Demonstration, bei der es tatsächlich zu Ausschreitungen eines Janhagels ge- kommen ist. Der betreffende Parlamentarier schrie» damals: „Die Hamburger Arbeiterschaft hat mit dem Verbrecher- gesindel in der Niederen Straßengegend so wenig etwas gemein, wie die Väter des unheilvollen Gesetzentwurfes. Wenn man schon einmal von Schuld reden will, so könnte man mit größerem Rechte argumentieren: Ihr. die ihr die Wahlrcchtsvorlagc eingebracht, die ihr dadurch Erbitterung und Unfrieden her- vorgerufen, ihr, die ihr pochend aus eure gegen. wärtige Macht, versucht, die Verfassung zu ändern, i h r seid die wahren Schuldigen. Wer Wind sät. wird Sturm ernten.... Nun hat der Hamburger Arbeiter würdig und friedlich demonstriert. Hätte er es nicht getan, er wäre wert, seine Rechte zu verlieren! Mcrkts euch! Der Arbeiter ist kein Spielzcu g." Was den Hamburger Arbeitern recht ist, sollte doch wohl den preußischen Arbeitern gegenüber dem Mjährigen schmach» vollen Unrecht der Dreiklassenwahl billig sein! Und wer hat das geschrieben? Nicht etwa Herr Gerlach, oder Herr Dr. Barth, sondern He rr Dr. Siegfried e ck s ch e r, der„Blockjüngling" I Heute freilich würde Herr Dr. Heckscher etwas Derartiges nicht mehr schreiben. MU seinem Freisinn ist es ebenso rapid zu Ende gegangen, wie mit dem Frei« 'stm des Freisinns überhaupt!—« ftn badilcben Candtag kam es am Mittwoch zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen dem Zentrumsführer Dr. Zehnter und dem StaatSministcr v. Dusch, dem Präsidenten des derzeitigen Ministeriums. Der ganze Groll des Zentrums über seinen Miherfolg bei den Land- tagsstichwahlen im Oktober 1905 entlud sich bei diesem Anlaß über dem Haupte des Mannes, dem die Schwarzen die Begünstigung jener Großblocktaktik unterschieben, die sie um den Preis ihrer langjährigen politischen Propaganda brachte: zunächst über dem verflossenen Polizeiminister Schenkel und dann über Herrn v. Bodman, dem Nachfolger Schenkels, der bei den jüngsten Kammerpräsidentenwahlen den— allerdings mißlungenen — Versuch gemacht hatte, die Konservativen für den liberalen Vor- schlag zu gewinnen und dadurch zu verhindern, daß— erstmals seit dem Bestehen des badischen Parlaments— ein Zentrumsmann Präsident der Zweiten badischen Kammer wird. Dem Herrn v. Dusch hat die Duldung des Großblocks ein für allemal das Zentrum zum Feind gemacht, und wem die Schwarzen einmal Rache geschworen haben, dem verzeihen sie erfahrungsgemäß nimmermehr. Das hätte sich auch der Herr StaatSministcr sagen und es deshalb vorziehen sollen, den Nacken gegenüber den klcri- kalen Angriffen steif zu halten, anstatt mit allerhand verbindlichen Versicherungen sozusagen um die Verzeihung des Zentrums zu bitten. Denn etwas anderes ist eS nicht, wenn er ihnen am Mittwoch klar zu machen suchte, über einen Minister fälle man nicht scfort„nach einem einzelnen Vorgang" ein Urteil, sondern„warte erst seine Taten ab." Womit doch wohl schon gesagt sein sollte, daß Herr v. Dusch und sein Ministerium sich künftighin bemühen werden, den Wünschen des Zentrums nicht allzu energisch entgegen- zutreten. Von wenig Zuversicht dem schwarzen Ansturm gegenüber zeugte auch die Schlußwendung in v. Duschs Rede:„Ich hänge nicht an meinem Amt, ich werde aber so lange im Dienste bleiben, als ich das Vertrauen des Landes Herrn besitze." Von Interesse für weitere Kreise ist die weitere Acußcrung des Staatsministers, der von der Regierung vor den Hotten. tottenblockwahlcn des Januar 1907 herausgegebene Erlaß an die Beamten zum Eintreten für die Blockkandidaten sei eine „nationale Pflicht" gewesen, die um so gebotener erschien, als das Zentrum in jener Frage„selbstsüchtige Politik" getrieben habe. Die schwarze Seite der Kammer reagierte auf diesen An- griff des Staatsministers mit dem entrüsteten Zwischenruf:„Sind wir denn nicht auch national?" indes die„vaterlandslosen Ge- sellen" auf der äußersten Linken diesem bürgerlichen Etreit um die Palme des Patentpatriotismus schmunzelnd zuhörten. Wenig Freude dürften an der Rede des ZcntrumsführerS Dr. Zehnter die Linksliberalen, Freisinn und Demokratie, erlebt haben, von denen jener mit einem Seitenblick nach der gegen- wältigen Situation auf dem preußischen Wahlrcchtskampffeld be- hauptete, sie hätten sich zu Heloten der B l o ck r c ch t e n herab- würdigen lassen, die ihre Grundsätze mehr oder weniger verleug- ncten. Den Bestrebungen einzelner liberaler Führer, in Baden vom Großblock loszukommen und eine ähnliche Parteigruppierung bei den nächsten Landtagswahlen herbeizuführen, wie sie bei den letzten Wahlen zum Reichstag vorhanden war, spricht der Zentrums- rcdner jeden Erfolg ab: bei den Wahlen im Spätjahr 1909 würden ihre Beauftragten voraussichtlich ebensogut den Weg. zum sozia- listischen Wahlkomitre finden, wie es im Oktober 1905 der Fall war. Darüber, ob sie dort auch wieder dieselbe Aufnahme finden werden wie vor zwei Jahren, hat sich Herr Zehnter offenbar keine Gedanken gemacht. Und doch liegt der Gedanke im gegenwärtigen Moment sehr nahe.__ Der Qeberfall auf das ülefallarbelter-lhaus. Ueber den Vorfall in der Charitöstraße geht uns folgende genaue Darstellung zu: „Am 21. d. M., nachmittags 4 Uhr, flüchteten sich in das Haus deS Metallarbciterverbandes,"Charitefir. 3, plötzlich etwa 0 er- wachsen? Personen und 3 Kinder. Als dies der Portier des Hauses, Lachnicht, sab, schloß er den Torweg. Darauf komman- dierte der auf der Straße anwesende berittene Polizcioffizier: „Zwei Mann abgesessen, die Halunken müssen alle rausl" Der Torweg wurde gewaltsam geöffnet, der Polizcioffizier drang ein und mit ihm eine Anzahl Schutzleute, von denen 6 mit gezogenem Säbel die zu den Bureaus führenden Treppen hmaufstürmten. Einer der Beamten stellte sich vor den rechten Eingang, der zu den Privat Wohnungen führt. Auf der hier befindlichen Treppe befand sich das Kind des Portiers Lachnicht. Frau Lachnicht, die um ihr Kind Angst hatte, macht« den Beamten darauf aufmerksam, daß niemand oben sei, wurde j'edoch mit den Worten angeherrscht:..M achen Sie, daß Sic wegkommen, dämliches Äcibl" Zwei Beamte postierten sich vor die Eingangstür des Hauses. Sie versetzten einem harmlos aus dem Hause kommenden nichts ahnenden Manne ohne jede Veranlassung einen Schlag mit flacher Klinge über den Rücken. Der Vertreter der Eigentümerin deS HauseS, der Firma Schlicke u. Co. in Stuttgart, Petzold, der den Lärm in seinem Bureau hörte und. um nach Ordnung zu sehen, auf den Hof hinausgehen wollte, wurde angefahren und nicht herausgelassen. Als die Schutzleute eindrangen, flüchteten zwei von den erschreckten Kindern über die Mauer, das dritte suchte Schutz hinter dem Müllkasten, von wo es von einem Schutzmann mit dem Säbel bcrvorgestochcrt wurde. Im dritten Stock stießen die eingedrungenen Beamten auf den Metallarbeiter Tomaschck. Dieser war nach langer Abwcsen- heit von Berlin soeben aus Posen zurückgekehrt. Er batte keiner. lei Ahnung von den Versammlungen und Demonstrationen. Er kam etwa um Vj4 Uhr zum Verband, um sich zurückzumelden und wartete mit einer Anzahl Frauen vor den noch verschlossenen Bureauräumen auf deren Eröffnung. Als die Polizcibeamten den ahnungslosen Tomaschck sahen, packte ihn ein Polizeibeamter an der Brust und forderte ihn auf, hinunter zu gehen. Tomaschck erwiderte:„Ich muß hier hineingehen", worauf der Beamte ihn zweimal mit der flachen Klinge über die Schulter schlug. Zugleich wurde Tomaschck in die zweite Etage hinunter- befördert. Durch den Lärm aufgeschreckt, öffnete der in den Vcr- bandsräumen beschäftigte Gewerkschaftsbeamte Blume nthal die Tür und sah, wir Tomaschck gemitzhandelt wurde. Er erklärte den Beamten:„ES ist unerhört, was Sie sich hier erlauben; wie kommen Sie dazu, unser Mitglied zuschlagen?" Blumenthal ging darauf zur zweiten Etage hinunter und sagte voller Erregung zu dem dort stehenden Polizei- Hauptmann:„Das ist doch unerhört von den Beamten, auf einen Wehrlosen so einzuschlagen!" Aus die Aufforderung, sich zu ent- fernen, erwiderte Blumcnthal, daß er hier angestellt sei. .Hierauf faßte der Hauptmann Blumenthal am Kragen, riß ihm Jackett und Wesse auf, ordnete sein« Verhaftung an und schlug ihn mit dem Säbel übers Kreuz. Ebenso schlug eine Anzahl hinzu- kommender Schutzleute mit dem Säbel auf Blumenthal ei». Blumenthal wurde nunmehr zur Wache transportiert, wo er bis gegen 8 Uhr abends bleiben mußte. Ein besonderer Glückszufall war es, daß der die Kranken- antcrstützungcll auszahlende Gewerkschaftsbeamte einig« Minuten vor 4 Uhr, der offiziellen OeffnungSzcit der Kranken. kassc. auf dem Bureau erschienen war, so daß die Kranken um 4 Uhr, als die Polizei eindrang, sich nicht mehr auf der Treppe vefandcn. Diese, etwa an der Zahl, gerieten schon durch das bloße Hören des Lärms auf der Treppe in höchste Erregung und flehten den Gewcrkschaftsbcamten um Schutz au. Eine der Frauen wurde ohnmächtig. Bon der Leitung des Metallarbeitervcrbandes wird gegen die schuldigen Beamten Strafanzeige erstattet werden, der sich der gerade in Berlin anwesende Miteigentümer des Hauses, Werner aus Stuttgart, anschließen wird." Nicht nur die ordnungsliebende, nur aus Abwehr der „Angriffe" bedachte Berliner Polizei, von der die verlogene „anständige" Presse faselt, sondern die ganze preußische Kulturbcrrlichkeit erscheint hier in einem höchst glänzenden Licht. In einem der westeuropäischen Kulturstaaten wäre eine derartige Polizeileistung nicht möglich, ohne daß die bo- tdligten Beamten schwere Strafe träfe: im preußischen Polizeistaat wird wahrscheinlich die Strafanzeige ohne jeden Erfolg bleiben, vielleicht sogar noch der Polizei mit schönen Redewendungen bestätigt werden, daß sie nach preußischen Kulturbegriffen völlig korrekt gehandelt hat. Preußen marschiert eben in der Welt voran— zwar nicht in bezug auf die Lösung kultureller StaatSaufgabcn, aber doch hinsichtlich der Qualität seines Polizeiregiments. politische Uchwücht. Berlin, den 23. Januar 1908 Tcheck-, Majestätsbeleidigungs- und Tierhalter- Gesetze. AuS dem Reichstag. Nach kurzer Debatte wurde das Schcckgosetz uuabgeändert auch in zweiter Lesung erledigt. Kaum mehr Zeit nahm die dritte Lesung des Majestätsbelcidigungsgesctzes in Anspruch. Der freisinnige Abgeordnete G y ß l i n g- Königsberg fühlte sich gedrungen, auf den Königsberger Prozeß zurückzukommen, indem er alle Vorwürfe wiederholte, die von Herrn Osann in der ersten Lesung gegen die„KönigSberger Volksztg." ge- schleudert worden waren. Er behauptete, daß in weitesten Kreisen des Volkes tiefe Empörung über den Denkmals- artikel empfunden wurde. Weshalb aber die Volksseele gerade in Herrn Gyßling aufkochte, erfuhr man durch sein Ein- gcständniS, daß er selbst dem Denkmalskomitee angehörte. Er hielt es indessen für nötig, ausdrücklich hinzuzufügen, daß er den Strafantrag nicht mit unterschrieben habe. Sonst suchte er noch die KönigSberger„Hartungsche Zeitung" gegen den Vorwurf der Denunziation zu verteidigen,, den Genosse Seine gegen dieses„freisinnige" Blatt erhoben hatte. Herr yßling versicherte mit warmer Rührung, daß der Staats- anwalt die„Hartungsche" gar nicht lese und deshalb zweifellos ganz aus eigener Initiative vorgegangen sei..... Genosse Frank verwies demgegenüber auf die auf- fällige Tatsache, daß der Staatsanwalt erst acht Tage nach Erscheinen des Denkmalsartikels an die Komiteemitgliedcr das freundliche Ersuchen richtete, sie möchten doch Strafantrag stellen! Was aber die kochende Volksseele anbetrifft, so gab er seiner tlebcrzcugung Ausdruck, daß weit mehr Menschen über das Urteil empört gewesen seien als über den Artikel. Weitere Redner ergriffen nicht das Wort, und so ivurde denn das Majestätsbeleidigungsgefetz in der Kom misstons fassung endgültig gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Die Abänderung des Z 833 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, wodurch die Haftpflicht der Tierhalter eingeschränkt werden soll, führte in zweiter Lesung zu einer eingehenden Debatte. Genosse Stadt Hägen wies eingehend nach, wie einschneidend die geplante Aenderung zuungunsten der Ge- schädigten selbst oder gegen ihre Witwen und Waisen wirken müsse. Zur Illustration der agrarischen Skrupellostgkeit in der Ausnutzung ihrer Machtstellung berief er sich darauf, daß die Konservativen den Hasenschaden auf die kleinen Bauern abzuwälzen verstanden haben. Schon dies Beispiel zeige, wie windig die Behauptung der Agrarier sei, daß sie die Jnter- essen des Mittelstandes im Auge hätten. Der konservative Abg. v. Treuenfels erkletterte darauf die Tribüne, um gegen Ausführungen Molkenbuhrs in der ersten Lesung mit dem schweren Geschütz mecklen- burgischer Rhetorik zu Felde zu ziehen. Er bezeichnete es als Verleumdung, wenn sie Sozialdemokraten den Agrariern vor- werfen, daß sie den Armen das Brot verteuern wollten. Herr K a e m p f sah sich genötigt, wegen dieses Ausfalles seinem Block- genossen einen Ordnungsruf zu erteilen. Dann aber zeigte Herr v. TrcuenfelS erst die stärkste setner Künste: Nicht die Agrarier, sondern die Sozialdemokraten wollen den Armen das Brot nehmen. Zum Beweise dafür verlas er aus einem Bande von ReichslügenverbandSzitaten Beispiele von angeblichem — GewerkschaftSterrorismus. Bei seinen Blockfreunden löste diese Leistung im Böhme-Stil wachsendes Unbehagen, bei den Sozial- demokraten wachsende Heiterkeit auS. Genosse Stolle tat den abgedroschenen TreuenfclS-Kniff kurzer Hand ab, um dann noch durch den Hinweis auf die Auiomobilschäden zu beweisen, daß die Regierung sowohl wie die Agrarier da einen ganz anderen Maßstab anlegen als bei den weit zahlreicheren Tierschäden. Schon die Rede Stadthagens hatte bei verschiedenen bürgerlichen Parteien die Ueberzeugung gezeitigt, daß cS ratsam sei, auf eine Kommissionsberatung einzugchen, waS sie bei der ersten Lesung abgelehnt hatten. Ein daraufhin von uns abermals eingebrachter Antrag: den Gesotzentwurf einer Kommission von 14 Mitgliedern zu überweisen, wurde denn auch angenommen. Aus dem Junkerparlament. Da? Dreiklassenhaus unterhielt sich am Donnerstag zunächst über die Frage des Bankdiskonts. Anlaß dazu gab eine Interpellation des Scharfmachers Kreth. Die BcgründungSrede. die der besagte Herr seiner Interpellation mit auf den Weg gab war so langweilig und nichtssagend wie möglich. Augenscheinlich fühlt sich Herr Kreth nur dann in seinem Element, wenn er unter junkerlichem Beisallsgcbrüll für die heilige Luise schwärmen und Zuchthausstrafen über politische Gegner herabrufen kann. Dazu bot aber der Bankdiskont keine Gelegenheit. Nichtssagend und inhaltsleer war auch die Erwiderung Rheinbabens. Für das Geistesniveau deS DreiklasscnhauseS ist es bezeichnend, daß die tiefsinnige Acußcrung von Miquels sei. Erben:„Jeder trägt noch viel zu viel Bargeld mit sich herum" ein anhaltendes Gewieher weckte.~ Oed«, langweilig und nichtig war schließlich die DiS- kuffion. Der Natiynalliberale Jriedberg schien ein«, wenn auch nur leichte, bimetallistische Anwandlung zu haben. Bei den Blinden ist bekanntlich der Einäugige König, und so erschien in dieser Um- gebung die dürftige Gemeinplatzrede des freisinnigen Volks- parteilers Erüger als gediegene volkswirtschaftliche Abhandlung. Der ganze Zweck der Interpellation ist augenscheinlich der. in irgendeiner Form wieder eine agrarische Liebesgabe zu ergattern. Vorläufig scheint die Regierung allerdings noch etwas harthörig zu sein. Nach der Gepflogenheit des Junkerhauscs wurde rasch Schluß gemacht, worauf man sich der Beratung einer anderen. Jnter- pcllation zuwandte. Diese betrifft den Unfug der Auto- m o b i l i st e n. Die verschiedenen Redner brachten berechtigte Klagen vor. Es ist aber bezeichnend für die fröhliche Unver— frorenheit der Junkersippen, daß sie in demselben Augen- blick im Landtage über die Automobilisten zeict», Ivo sie im Reichstage ein Ausnahmegesetz zugunsten der Pferdebesitzer durch- zudrücken sich nicht schämen! Die Debatte wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Darüber erboste sich nicht mit Unrecht der frühere Müller-Sagan, jetzige Müller-B e r l i n. Seine Richtdekorierung gab ihm sogar den Mut zu einer Anspielung, die, wenn sie von den Sozialdemokraten ausginge, sicher als„böswillig" bezeichnet werden würde... Am Freitag wird das Haus sich wieder in seinem ureigenster Elemente befinden: Der Etat der Gestütsverwaltunx steht auf der Tagesordnung.— Gruft englischer Sozialisten an die preuftischcn Wahlrechtskämpfer. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Englands (Sozialdemokratische Föderation) hat folgende Resolution be- schloffen: Die Sozialdemokratische Partei Großbritanniens sendet der Sozialdemokratie Berlin" ihre brüderlichen Grüße, bekundet ihre herzliche Sympathie mit ihrem Kampf um das gleiche Wahlrech: zum prerchischen Landtag und hofft zuversichtlich, daß die Aktion der Berliner Arbeiter gegen die despotische Haltung Blllows und der Regierung und ihre militärische Polizei Erfolg haben und dic ausbeutenden Klassen zwingen wird, die friedliche und konstituüo- nelle politische Reform zu bewilligen, die unsere preußischen Ge- Nossen fordern._ Polizeiaufgebote für den Reichstag. Auch gestern war der Reichstag von mehreren starken Ketten Polizeitruppen umgeben! Fürchtete man einen Sturm auf das zur Beratung gelangte Scheckgesctz? Oder welchen Zweck sollte denn das Aufgebot haben? Der Polizeieifer ging soweit, daß auch Ab- geordneten der gutritt zum Reichstag erschwert wurde. So wurde der Abgeordnete Bäckermeister Nieseberg (Mittelstandsvereinigung) nicht unbehindert durch die SchutzmannZkettc durchgelassen. Der hannlos und recht unschuldig dreinschauende Bote war darüber entsetzt, daß man einen Herrn unbeanstandet durchgehen ließ, der nicht Abgeordneter war. aber eine etwas teurere Kleidung als der Wanzlebcner Abgeordnete trug. Die feine Kleidung allein schützte aber auch nicht vor der polizeilichen Vermutung, daß der Passant ein Attentat auf den Reichstag vorhatte. So soll vorgestern auch der Minister von Rheinbaben nicht ohne weiteres die HelnisPitzenkette haben passieren können. Völlig anstandslos kamen nur die sozialdemokratischen Abgeordneten durch. Ein Zuschauer wollte sogar eine besonders stramm-höfliche Haltung der Schutz- mannSkette beim Nahen eines Sozialdemokraten wahrgenommen haben. Er irrte sich wohl: die freundliche Haltung war auf die Freude zurückzuführen, endlich mal bekannte Gesichter zu erblicken Wie lange soll eigentlich diese Zennerung des Reichstages noch dauern? Und welcher Zweck liegt in der Aufftellnug der Polizei- truppe um den Reichstag?—_ Polizisten als Bauarbeiter. Ein höchst seltsames Vorkommnis wird uns gemeldet. Am 21. Januar, am Tage dcr Poltzetattackcn auf die Arbeitslosen, wurde um 12 Uhr mittags in dem bekannten Geschäft von Rudolph Hertzog angefragt, ob in dessen Räumlichkeiten 40—50 Schutzleute untergebracht werden könnten. Die Antwort war bejahend. Darauf erschienen gegen 2 Uhr die Schutzleute, bei denen sich auch eine Anzahl von Leuten befand, die infolge ihrer Kleidung— weiße Hose, Arbcitsjackott, Mütze. Halstücher— den Eindruck von Bauarbeitern machten. Diese„Bauarbeiter", die man aber für maskierte Schutzleute hielt, verließen später wieder das Geschäft..... Nach dem, was Genosse Fischer im Reichstage über das Treiben von Kriminalbeamten im Zuge bei Demonstranten berichten konnte, ist es keineswegs aus- geschloffen, daß diese„Bauarbeiter" dazu bestimmt waren. als, sagen wir einmal Statisten bei den erwarteten De- monstrationen am 21. Januar mitzuwirken! Vielleicht gibt die Polizeibehörde bekannt, WaS diese „Bauarbeiter" nach dem Verlassen des Hertzogschen Hause? getrieben haben!—_ Das Neichstagsvotum. Wenn auch die schlechte Geschäftsordnung des Reichstag? gestern eine Abstimmung unmöglich gemacht hat, so hat doch die Debatte über dic sozialdemokratische Jnterpella- t i o n gezeigt, daß die Majorität des Reichstags für dic Ucber- tragung des RcichötagSwahlrecht» auf Preuße i: eintritt. Dic Erklärung des Grafen Hompesch war sicherlich etwas kühl, aber sie wär doch deutlich. Ebenso haben die Freisinnigen dic Einführung des RcichStagswahlrcchtS verlangt und haben dic jämmerliche Ausflucht der„Voff. Ztg.", die noch vor der Erklärung BülowS den dummen Kompetenzcinwand der Unzuständigkeit des Reichstags verteidigt hat, sich nicht angeeignet. Damit steht aber dic Majorität des deutschen Reichstag», die Majorität des deutschen Volkes hinter der For- derung der Rechtlosen in Preußen. In der wichtigsten politischen Frage ist also Fürst Bülow im Reichstag in der Minorität. Wir wollen sicher die Bedeutung dieser Abstimmung nicht überschätzen. Gerade das Verhalten deS Freisinns und besonders der freisinnigen Volkspartei zeigt, daß auch die wahlrechtsfreundlichen bürgerlichen Parteien ihre eigene Forderung vorläufig nur sehr platonisch vertreten. Trotzdem ist die Bedeutung der gestrigen Verhandlungen nicht gering. Zeigt sie doch deutlich, wie isoliert die Privilegierten, die unumschränkten Herrscher deS preußischen Landtags in Wirklichkeit sind. Kann cö eine aufreizendere Tatsache geben, als daß in Preußen unabänder- lich das Recht bleiben soll, was im deutschen Reichstag von der großen Majorität als schreiendes Unrecht stigmatisiert wird? Zeigt aber nicht zugleich gerade wieder dic Tatsache, daß die Meinung der Vertretung des deutschen Volkes von den Macht- habern Preußens hohnlachend beiseite geschoben wird, die Not- wendigkcit der Erringung deS gleichen Wahlrechts in Preußen mit größter Deutlichkeit? Der deutsche Reichstag bleibt solange ahn- mächtig, der Wille deS gleichen Wahlrechts solange bedeutungslos, als in Preußen der Landtag des Dreiklassenwahlrcchts regiert. An seinem Ausschuß, an der preußischen Regierung, die den Bundesrat beherrscht, brechen sich alle Forderungen des Reichstage». Erst wenn der Reichstag die Kraft und den Mut findet, das, was er als richtig erkannt hat, auch durchzusetzen, wenn er mit dem Volke, daL ihn gewählt hat, für das Recht des Volkes in allen Emzelstaatcn unerschütterlich einsteht, erst dann kann er selbst zu einem starke» und einflußreichen Parla- m c n t werden. Bis dahin ist er in allen Fragen freiheitlicher Entwickclung ein lästiger und unbeachteter Ratgeber des preußischen Abgeordnetenhauses._ Tie Wahlrcchtsfrage in Braunschweig. Vernünftiger als in Preußen denkt die Mehrheit des Landtages im Herzogtum Braunschiveig über die Forderung einer Wahlreform. Pom Donnerstag wird aus Braunschwetg berichtet: «In der heutigen Sitzung der brmmschweigischen LandeZ- versammlung wurde ein Antrag deö Landesverbandes der sozial- demokratischen Partei auf Acndcrung des Landtagsivahlrechts vcr- lesen, ebenso ein Antrag des Abgeordneten Kommerzienrats Haus- waldt und Genosten, der sehr zahlreiche Unterschriften trägt, und der den gleichen Gegenstand betrifft. Die LandeSverfaiumlimg beschloß, in Erwägung darüber einzutreten, ob und in welcher Weiie das Gesetz über die Zusammensetzung der Lündesversammluug und da? Wahlgesetz einer Aenderung bedürfen und ernannte eine siebengliedrige Kommission, die diese Materie vorberalen und weitere Vorschläge machen soll. Die braunschwcigische klassenbewußte Arbeiterschaft hatte, wie wir gestern noch nieldeten, am Vorabend des Donnerstag durch imposante Straßendemonstrationen dem Herrschenden deS Ländchens deutlich zu verstehen gegeben, daß sie um das freie Wahlrecht zu kämpfen gewillt ist. Die zunächst ganz ruhig verlaufenen Demonstrationen sind später durch die Polizei gestört worden. Es ist wie in Berlin zu Zusammenstößen gekommen. In bürgerlich-polizeilicher Dar- stellung sehen die Porgänge so auS: Am Bohlweg kam cS zu einem Zusammenstoß mit Demoiistranteii und der Polizei, wobei mehrere Personen Bcr- lcyungen erlitten. Die Schutzleute wurden mit Flaschen und Steinen beworfen,- es wurden mehrere Berhaftungen vorgenommen. ES heißt, daß die hiesige Leitung der sozialdemokratischen Partei die Demoustratiou auf Anordnung des Berliner ZcntralvorstandcL ins Werk gesetzt habe.(! Der Herzog- Regent verließ gegen 7>/z Uhr das Hoftheater und begab sich zum Schloß, da beab- sichtigt war. imch Schluß des Theaters eine Kundgebung gegen ihn zu veranstalten. In einer Korrespondenz des„Berliner Tagebl." vom 23. Januar heißt es: ..... Für heute sind umfassende Borkehrungen getroffen, um eine Wiederholung der Straßenszenen zu verhiudeni. Die Polizei hat Arnveiiung erhalten, keinerlei Ansammlungen zu dulden und erforderlichenfalls mit Hülfe deö Militärs energisch von der Waffe Gebrauch zu machen. ES sind für heute etwa ein Dutzend Ber- fammlungen vorgesehen. Die Zahl der Verwundeten ließ sich nickt genäu feststellen, weil die verwundeten Demonstranten sich größtenteils nach Hause begeben haben, ohne die öffentlichen Unfall- slationen aufzusuchen." Die braunichweigischcn Genossen haben nach dem Zeugnis Ihrer Feinde ihre Pflicht brav erfüllt— die Drohungen mit Flinte und Säbel werden sie ebenso wenig von weiterem Kampfe abschrecken, wie die Genossen Preußens!— Die liberalen und nltramontane»„Wahlrechtsfreunde" in der bayerischen Kammer. Vor einigen Tagen schrieben wir hier zu der Mitteilung über die W a y I r e ch t s i n t c r p e l l a t i o n der sozial- demokratischen Fraktion der bayerischen Kammer:„Bayerische Liberale und Zcntrumsleute haben bei der Beratung der Interpellation Gelegenheit, den Grad ihrer Liebe zum all- gemeinen, gleichen Wahlrecht bor dem bayerischen Volke zu zeigen." Sie haben ihn gezeigt, haben gezeigt, daß er unter Null steht. Wie wir gestern schon kurz mitteilten, haben sie dem Antrag auf Besprechung der Interpellation ihre Unterstützung versagt und so verhindert, daß unsere bayerischen Genossen dem Kanzler des Reiches die ihm gebührende Antwort auf seinen Angriff wider das Neichstagswahlrecht erteilten lind ihm zu verstehen gaben, ivte die Empörung über die preußische Reaktion im freieren Süden umgeht und die Einheit des Reiches erschüttert. Die„ M ü n ch e n e r Post" berichtet über die liberal- zcntrümlichc Heldentat unter der Ueberschrift„Schmachvoll I" Wir entnehmen dem Artikel unseres südbayerischcn Organs: Genosse S e g i tz wünschte, die UnterstützungSsrage durch Ab- stimmung zu erledigen. Der Präsident ivar damit einverstanden, er nahni sofort die Abstimmung vor; allein nur 2i Abgeordnete hatten sich erhoben. Bon der sozialdemokratischen Fraktion waren 17 Mitglieder anwesend, die übrigen Genossen befinden sich im ReichStasz, einige sind erkrankt; von den Biindlern stimmte nur Eisenberger für die Besprechung der Interpellation, von dem großen Zentrum ganze sechs Mann; dagegen erhob sich von der libernl-freisinntg-demo- kralischen Bereinigung nicht ein einziges MännlernI Die Unterstützung reichte also nicht aus. Dainit war auch die Besprechung der Jiilerpellation durch den Landtag ab- g e l e b» i und der schmachvollen Haltung der Regierung loard durch daö jämmerliche Verhalten der sogenannten BolkSveriretmig auch noch die Krone aufgesetzt. Daß dabei der Block sich besonders ar.ögezeichnet hat, ist weiter nicht verwunderlich, und daß neben dem Führer der Liberalen, Dr. C a s s e l m a n n. der jungliberale Dr. T h o m a, des Freisinns stolze Siütze. Professor Günther, und der unent- wogte Demokrat Dr. Q u i d d e sitzen blieben, das muß lediglich tiefer gehäugt iverdeu. Wenige Minuten früher hatte man aus dem Munde Günthers gehört, daß z. B. in der Branntwcinmonopolfrage, in der kleinen liberalen Fraktion mindestens ein halbes Dutzend verschiedene An- schauungen hervorgetreten waren. An dieser Frage abW gab es bei dieser Mustersraktion keine abweichende Meinung. Auch Dr. Ouidde stützte aus voller Ueberzeugung, angeblich nach schwerem innerem Kampfe, mir allen andere» die Reaktion! In seiner Hand lag die EiUscheidung. Sogar zwei katholische Geistliche Ichben ihm gezeigt, was in einer solchen Situation zu tun ist. Der demokratische Mundheld hat aber wieder einmal— just wo c3 darauf ankam— sein wahres Gesicht gezeigt..' Der gestrige Tag bedeutet kein Ruhmesblatt in der Geschichte Bayerns. Allein die Sozialdemokraten haben de» Vorstoß gegeit die Volks« und WahlrechtSsein de unternommen: sie wurden elend im Stich gelassen von den bürgerlichen Parteien. Die Wähler mögen sich dieses Ereignis fest einprägcli.—_ Demokratische Sitten. In Wien fand vor einigen Tagen eine massenhaft besuchte Protostvcrsainmlung der technischen Hochschüler gegen da» Gebaren der Polizei statt, die am Tage zuvor widerrechtlich in die Räume der Hochschule eingedrungen war. Die Studenten nähme« aber nicht nur eine geharnischte Resolution an. sondern formierten einen Demonstrationözug. der sich durch die Haupt» Verkehrsadern der Stadt, dem Opernring und die Kärtncr- stratze bewegte. Dort stellte sich ihnen zwar ein großes Polizei- aufgcbot entgegen, aber als die Studenten stürmisch und unter Pfuirufen den Abzug der Wachmann- schaften verlangten, da— man denke sich!— gab kein Polizeioffizicr den Befehl zum Einhauen, da blieben die blanken Klingen ruhig in ihren Scheiden stecken und die Polizei gab sogar den Weg für die Demonstranten frei, Tie zogen zwar von einer starken polizeilichen Ehrenwache begleitet, aber u n b e l ä st i g t, noch durch mehrere Straßen und zerstreuten sich schließlich nach Absingen eines Liedes, ruhig und in Frieden. Es hat allerdings einer langen Erziehungsarbeit durch die Wiener Arbeiterschaft bedurft, bis die Wiener Polizei so ver- nünftig wurde. Aber die Berliner Polizei wird eben auch lernen muffen..-- Perfid. Nächst de» Sozialdemokraten haßt die„Freisinnige Zeitung" am meisten die demokratische Gruppe im Freisinn. In Magdeburg wurde von der Gruppe der Freisinnigen Vereinigung nach einem Vortrag Barths eine Resolution angenommen, die die weitere Unterstützung der Blockpolitik Bülows durch den Freisinn als einc? charakterlose Verleugnung der demokratischen Grundsätze bezeichnet. Dazu schreibt nun die„Freist Ztg." „Mit der Charakterlosigkeit ist es so eine eigene Sache. Wenn unter dem Patronat deS früheren Abg. Barth eine Resolution angenommen wird, in der von der charakterlosen Verleugnung von Grundsätzen die Rede ist, so muß das unwillkürlich daran erinnern, daß derselbe Herr Barth im Jahre 1893 nicht nur einen Grundsatz, sondern ein seinen Wählern ausdrücklich gegebenes Versprechen verleugnet hat, indem er für die damalige Militär- Vorlage stimmte. Solche Herren sollten doch in ihrem eigenen Interesse ja sehr vorsichtig sein, wenn sie über die angebliche Charakterlosigkeit anderer herzuziehen sich anmaßen." Was es mit dem Versprechen Barths auf sich hat, wissen wir nicht. Da die Geschichte in der„Freist Ztg." steht, dürste sie kaum wahr sein. Aber eS ist doch eine nette Unverschämtheit, wenn das volksparteiliche Organ Herrn Barth aus der Bewilligung einer Militärvorlagc einen Strick zu drehen sucht, zu einer Zeit, wo der gesamte Freisinn mit„Hurra, Hoch" ins„nationale" Lager abgc- schwenkt ist und nur die eine Sorge kennt, sich in der Bewilligung nicht nur von Militär-, sondern auch von Flotten- und Kolonial- forderungcn von niemanden überbieten zu lassen. Was aber Barth auf keinen Fall verleugnet hat, ist die Demokratie, die verleugnet zu haben allerdings der Inhalt der volksparteilichen Politik der letzten Jahre ist. Nur weil Barth diese Charakterlosigkeit gebührend annagelt, hat er sich den Haß der Kleingeistcr von der„Freist Ztg." zugezogen. Schweiz. Die Russen in der Schweiz. Aus der Schivciz wird un» geschrieben: Ein großer Teil der bürgerlichen Presse betreib! die Russen- hetze systematisch, und die„R. Zürch. Ztg." unterhält in Rußland einen besonderen Korrespondenten, der die niedrigste Besudelung der russischen Revolution, insbesondere der russischen Jugend, als Spezialität betreibt. Der derzeitige Raubanfall mehrerer Russen in Montreux, wobei mehrere Menschen ihr Leben einbüßten und andere schwer verwundet wurden, der neueste Erpressungsversuch gegen den reichen Russen Schiro in Lausanne und verschiedene Vorgänge anderer Art haben den Reaktionären willkommenen Stoff zur Vcr- stärkung ihrer Hetzereien gegen die revolutionären russischen Studenten in der Schweiz geliefert. Der Bundesanwalt Kronautzr will auf einer Konferenz der Vertreter der schweizerischen Universitäten ein einheitliches Vorgehen gegen die studierende russische Jugend anzetteln. ES ist daher zu begrüßen, daß sich die russischen Revolutionäre in der Schweiz öffentlich ver- t e t b t g c n und ihren Standpunkt darlegen. So publiziert g. B. die Gcsamtdclegation der russischen sozialdemokratischen Arbeiter- Partei und die der Partei der russischen Sozialrevolutionäre in der Presse folgende Erklärung gegen die zarische Polizei: „Die Polizei des Zaren, der die blutigste Verfolgung jeder freiheitlichen Regung im Innern Rußlands nicht genügt, fetzt wieder einmal alle Hebel in Bewegung, um den russischen Rc- volutionären auch die ohnehin kärgliche Möglichkeit der Emi- gration zu rauben. Das Asylrccht, das den Emigranten, die von Land zu Land gehetzt werden, einen gewissen Ruhepunkt gewährt und somit für alle revolutionären Kreise so überaus wichtig ist, soll ihnen geraubt werden. Es soll den Regierungen der Schweiz, Frankreichs und anderer Länder, in denen bis zu einem gewissen Grade freiheitliche Traditionen bestehen, ein Aorwand geboten werden, die Emigranten in Massen aus dem Lande in die Arme der russischen Polizei zu jagen. Die Zeichen häufen sich, daß die Provokateure an der Arbeit sind, um in den asylgebendcn Ländern Gewalttaten, insbesondere sogenannte„Expropriationen" tRäubercien) anzuzetteln, die dort sicher nur als Mittel der Diskreditierung der Revolutionäre wirken können. Darum sehen sich die Unterzeichneten veranlaßt, zu erklären: Einc jede Tat dieser Art, insbesondere jede Expropriation, ist ein Verrat an der Revolution, eine Nicderträchiigkeit gegen die Emigration, da sie den Regierungen und deren Polizei ganz selbstverständlich eine Handhabe geben würde, das Asylrecht auf- zuhcben. Ein jeder, der sich an derartigen Plänen beteiligt, ist ein Provokateur oder ein Werkzeug der Provokation. Es ist die Pflicht eines jeden Revolutionärs, dem Zarismus das Spiel zu verderben, das Asylrccht gegen alle Intrigen und Anschläge zu schützen, den Kampf gegen die Provokateure und die von ihnen ausgehende Verlockung mit aller Energie zu führen." Wie recht unsere russischen Parteigenossen haben, wenn sie hinter den russischen Schandtaten im Ausland die Hand der zarischen Polizei vermuten, bestätigt sich wieder durch die Entlarvung des Sekretärs des Zentralbureaus der in der Schweiz befindlichen Gruppen der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands, namens Raum Tenenbaum(auch Ercich Melamed genannt), der zu- gestanden hat, dass er 1. am 8. August 1907 in den Dienst des Odessaer Bureaus der politischen Geheimpolizei geirrten ist; 2. mit ihm korrespondiert; 3. eine ganze Reche Mitglieder revolutionärer Parteien verraten; 4. eine Menge konspirativer Parteiberichte dem genannten Bureau mitgeteilt hat. Tenenbaum wurde daraufhin als �gent provocateur aus der Partei ausgeschlossen. Man darf also mit Recht hinter den im Auslande vorkommenden russischen Schandtaten die russffche Polizei vermuten, die alles tut, die Emigranten zu diskreditieren und das Asylrecht des Aus- landcs zu vernichten:— m v m Genf, 28. Januar.(B. H.) Die Polizei setzte gestern die Haussuchungen in den Wohnungen verdächtiger(!) Russen fort, unter anderem beschlagnahmte sie in der Wohnung deS in München verhafteten„Terroristen" Sarawitsch, der hier eine Villa besitzt(?). eine Anzahl wichtiger Schriftstücke, die den Gerichtsbehörden in Bern zugesandt worden sind. EnglanÄ. Irische Agrarunruhen. London, 23. Januar.(33. H.) Eine ernste Agrarbewestnng ist in dein irländischen Bezirk Gccvagh im Gange. Infolge der Weigerung ziveier Großgrundbesitzer. ihren Pächtern Farmen zu verkaufen, trafen diese die Verabredung, den Pacht- zins nicht mehr zu entrichten. Auch verhinderten sie die Briefträger an der Zustellung der gerichtlichen Vorladungen, die infolge der Zahlungsveriveigcrungen ergingen. 200 Polizeiagenten wurden beauftragt, die unbotmäßigen Pächter zu. verhaften. Diese Verhaftungen— es erfolgten deren zwanzig— haben im ganzen Bezirke große Erregung hervorgerufen. Marokko. Die Situation wird kritisch. Der Freitag soll für das Ministerium Clemcnceau ein kritischer werden nach den Voraussagen französischer Blätter. Man munkelt in Paris von Unstimmigkeiten in Sachen der Marokkopolitik und Zwischenfällen im Kabinett, und hält es für möglich, daß diese Gegensätze bei der heutigen Verhandlung der Kammer über die Interpellation I a u r e s zutage treten. Jaures wird im gewissen Maße von den Radikalsozialistcn unterstützt werden. Der Radikalsozialist D u b i c f ist von seiner Partei bc- auftragt worden, die Regierung aufzufordern, der Algecirasakte treu zu bleiben und weder für Abdul Asis cwch für Mulay Hafid Partei zu ergreifen. Die Draufgängcrtaktik, die der neue Befehlshaber der franzö- fischen Expeditionsarmce kultiviert, hat den Franzosen inzwischen schon eine Schlappe zugezogen. Scttnt, das General d'Amade am 14. Januar nach mehrstündigem Kampf nehmen lieh, ist am 17. Januar wieder von den Truppen Mulay HafidS, die in dein Kampf angeblich völlig zersprengt worden waren, besetzt worden. Die Franzosen haben nach offizieller Angabe den Ort vorher frei- Ivillig geräumt, weil er außerhalb des Bereichs ihres Operations- selbes liege. Indes scheint bei dieser Darstellung etwas vcr- schwiegen zu werden. JaureS hat in den Wandelgängen der Kammer geäußert, er halte den Kampf bei Settat für eine voll- stäicdige Niederlage des Generals d'Amade, der in eine Falle gc- lockt worden sei. Die Marokkaner hätten die Ueberzeugung, daß den französischen Truppen eine Niederlage bereitet worden sei. Dadurch trete die marokkanische Politik iu eine neue, bedenkliche Phase ein. Mulay Hafid ist neuerdings in mehreren Orlen als Sultan anerkannt worden. In Fez sollen Stämme der Umgegend ein Judcnmassaker veranstaltet haben.— kommunales. Stadtverordneten-Versammlung. 4. Sitzung vom Donnerstag, den 23. Januar, nachmittags S U h r. Der Vorsteher M i ch e l e t eröffnet die Sitzung nach Uhr. Der Ausschuß zur Vorberatung der Vorlage wegen Be- gründung eines VcrichrSvcrbandcs mit den Vorortgemeindcn ist gewählt; von der sozialdcmolratischen Fraktion gehören ihm die Stadtvv. Vorgman», Heimann und Singer an. Im Ausschüsse für die Neuwahl eines Stadtbaurats ist die Fraktion durch die Stadtvv. Dr. AranS, Heimann und Singer vertreten. Eingegangen ist ein dringlicher Antrag AronS betr. Maßregeln gegen die Arbeitslosigkeit. Der Ver- Handlung in der heutigen Sitzung widerspricht Stadtv. Mommien(Fr. Fr.h, da der Antrag den Mitgliedern und nicht einmal allen erst vor einer Viertelstunde zugegangen sei. Der Antrag kann daher erst in der nächsten Sitzung beraten werden.. Von dem Stadtv. Barth(A. L.) ist mit Unterstützung von Mit- gliedern aller Gruppen mit Ausnahme der sozialdemokratischen Fraktion der Antrag eingebracht worden: „Tic Versammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, zu erwägen, ob zwecks Ucbcrwachung der. Zahnpflege der Schulkin-der in Berlin besondere. Einrichtungen not- tocndia und durchführbar sind,, und cvcnt. Mittel in den Etat einzustellen, um einen Versuch nach dieser Richtung zu machen." Der Antragsteller weist auf die ungemeine Verbreitugg der'Zahncarics hin, die man geradezu als Volkskränkheit ansprechen könne. Die allergrößte lieberzahl der Schulkinder babe kariöse Zähne. Darüber, daß schlechte Zahne die Ursache vieler schioerer Krankheiten der Vcrdauungsorganc usw. bildeten, sei sich die Wissenschaft einig. Zahlreiche Kommunen hätten denn' auch schon Einrichtungen zur Bekämpfung dieser Seuche getroffen; es be- ständen bereits in einer Reihe von Städten Schulzahnkliniken; die Erfolge seien sehr segensreiche. Die große Zahl der Freunde des Antrags spreche doch gewiß für seine Zeitgemäßheit. Stadtv. Dr. Wehl(eoz.): Der Vorredner hat sehr sachver- ständig gesprochen, aber die Begründung deS Antrages erscheint mir doch viel sympathischer als der Antrag selbst, der sich sehr zaghaft und bescheiden darstellt. Der Magistrat soll danach erst erwägen, ob besondere Maßregeln notwendig sind, und wenn sie notwendig, ob sie durchführbar sind. Dann erst sollen Mittel eingestellt werden, um einen Versuch in der Richtung zu machen. Dieser bc- scheidene Wortlaut mußte wohl gewählt loerden, um den Antrag die stattliche Anzahl der Unterschriften zu verschaffen. Anderer- svtts muß man doch auerkennen, daß auch dieser kleine Schritt Nach vorwärts uns mit Genugtuung erfüllt. Zur Ehre der gcschicht- ltchcn Wahrheit muß ich hervorheben, daß w i r un» schon am 22. Februar 1906 mit derselben Frag« beschäftigt haben. Da hatten wir gelegentlich der Schularztfrage beantragt, auch die Einrichtung von Schulspezialärzteu, in erster Reibe von Schulzahnärztcn, in Erwägung zu ziehen. Damals wurde dieser Antrag von den meisten Freunden des Antrages Marth abgelehnt. Da Herr Mommscu unter dem jetzigen Antrage Barth fehlt, will cr vielleicht mit uns einen kräftigeren Schritt vorwärts gehen, denn er führte damals aus. daß allerdings die Frage der Zahnärzte einmal erörtert werden müßte. Daß, wenn die Schulärzte Krankheiten erkennen und diese erkannten Krankheiten ungeheilt bleiben, das System der Schulärzte sehr unvollkommen bleiben muß, ist klar. Daher ist un» der Antrag Barth sehr angenehm, den» er liegt auf: der Linie der Forderung, daß die gesundheitliche Ueberwachruig der Schulkinder den Schulztvcckcn selbst dienen muh. Wir tun hier auch keinen Schritt ins Dunkle. Es gibt schon 33 Städte mit Schul- Zahnkliniken, bei denen es also nicht bei dem bloßen Versuch g'c- blieben ist. Gestern erst hat Charlottenburg den gleichen Beschluß gefaßt. Wenn Sie aber auch nicht soweit gehen wollen, die � Behandlung der Kinder auf dem Gebiete der Zahnpflege intensiver zu gestalten, so liegt doch hier da» Besondere vor. daß den Schul- ärzte» für die Zahnheilkunde oder Zahnpflege die Zeit und das Sachverständnis abgeht, um hier etwas Wesentliches zu leisten. Die Schulärzte selbst klagen in ihren Berichten, daß ihre die Zahnpflege betreffenden Anregungen von den Eltern vielfach unbeachtet bleiben. DaS liegt meisten» an Mittellosigkeit, vielleicht auch an Verstand- nislosigkeit oder Indolenz. Wenn wir Schillzahnärzte auch nur hin- sichtlich der Pfleg« der Zähne anstellen, wird schon ein riesiger Fortschritt gemacht sein. Man wird nun wieder vom ersten Schritt reden, der auf die Behandlung selbst hinausgeht, was den kranken Zähnen recht sei, sei den anderen kranken Glieder» billig. Aber gerade die Karies ist eine Volkskränkheit wie die Tuberkulose. Gegen die letztere ziehen wir erfolgreich au Felde; feststeht, daß ihre letzte Ursache in kranken Zähnen liegt. Also muß auch die Karies plan- mäßig bckämpst werden. Auf dem Wege über die Schulzahnärzte kommen wir schließlich auch zur Schulzahnklinik. Das mindeste aber sind eben die Schulzahnärzte. Köln, Straßburg, Dresden usw. haben diese Einrichtung; die allgemeinen gesundheitliche» Verhält- niste der Kinder habe» sich dort durch die Zahnpflege überall ge- bessert; die Versäumnisse sind geringer geworden, der Schulbetricb als solcher ist also gefördert worden, die Unterrichtserfolge sind gesteigert. Unser Ziel ist die Sanierung der gesamten Mundverhältnisse der Schulkinder durch die Schule selbst. Hier können mit relativ ge» ringen Mitteln große Erfolge erzielt werden. Auch bei größeren materiellen Opfern sollte da« städtische und schließlich das staat- liche Interesse doch den Ausschlag geben. Es gibt keine wirtschaftlichere Kapitalsanlage für ein Gemeinwesen, als die AuS» gaben für die öffentliche Gesundheitspflege. Nehmen Sie unseren Antrag auf Ausschußberatung an!(Beifall.) Stadtv. Dr. Ritter(Fr. Fr.) tritt für den Antrag Barth ein. Die Schuldeputation habe neuerdings bedauerlicherweise einen ähnlichen Antrag abgelehnt. Erwiesen sei, daß die Tuberkulose kranken Zähnen ihren Ursprung verdanke. Der Grundsatz:„Keine» Behandlung durch die Schulärzte" dürfe nicht Platz greifen; im Interesse einer wirksamen Wohlfahrtspflege müsse hier prophh- taktisch eingegriffen werden. Stadtv. Dr. Jsaac(N. L.) bedauert auch den ablehnenden Standpunkt der Schuldeputation und empfiehlt ebenfalls Ausschuß- beratung. Stadtv. Dr. Nathan(soz.-fortschr.): Wir haben auch unserer- feits den Antrag unterschrieben, obwohl sein Wortlaut etwas unklar ist. Führt man Zahnspezialisten ein, so ist der Weg zu Spezialisten für andere Organe event. nicht mehr weit. Stadtv. Cassel(A. 52.): Bon unseren Grundsätzen bei der Einführung der Schulärzte wollen wir auch hier nicht abweichen wir wollen Ueberwachung. nicht Behandlung(Lebhafte Zustimmung). Aber eine Ergänzung des Systems durch eine fach- verständige Üeberwachung der Zähne ist vielleicht zweckmäßig. In diesem Sinne gehen wir an die Ausschußberatung. Stadtv. Dr. Bütow iFr. Fr.): Mir ist gewiß, daß der Heber wachung der Zähne die Behandlung folgen wird und folgen mutz. Die Mehrheit meiner Freunde steht dem Antrage skeptisch gegen- über. Wir können uns der Fülle sozialpolitischer Anträge kaum mehr erwehren. Auch im Interesse der Zahnärzte selbst liegt es nicht, daß Schulzahnärzte an- gestellt werden. Stadtv. Dr. Weyl(Soz.): Der Vorredner vertritt hier einfach den Standpunkt des satten Bürgers, der für soziale Gefühle nicht viel übrig hat.(Unruhe.) Die Eltern stehen heute vielfach noch auf dem veralteten Standpunkte, daß die Zange des. Heilgehülfen das alleinseligmachende Instrument ist; sie wissen nichts von einer rationellen Zahnpflege. Da muß eben mit einem gelinden Zwange nachgeholfen werden. Herr Ritter wird das Tatsächliche in meinen Anführungen nicht bestreiten können. Hoffentlich kommt der Antrag etwas greifbarer und fester gestaltet, als wie er jetzt erscheint, aus dem Ausschuß heraus! Stadtv. Mommsen protestiert energisch dagegen, daß ihm und seinen Freunden das soziale Empfinden abgesprochen werde; ein Vorwurf wie der vom„satten Bürger" richie sich selbst. Stadtv. Cassel legt sich gleichfalls für die sozialen Leistungen der städtischen Behörden gegen Dr. Weyl ins Zeug; allerdings könne man nicht auf jeden sozialdemo- kratischen Antrag hin ins Blaue hinein experimen. t i e r e n. Der Antrag Barth wird hierauf einem Ausschuß überwiesen. Wegen der Anlage des Schwibbogens zwischen den Ge- bänden der Deutschen Bank in der Französischen Straße ist eine Aenderung der Fluchtlinien nötig geioorden. Der Ausschuß empfiehlt die Zustimmung zu der bezüglichen Mo gistratsvorlage unter der Bedingung, daß der mit der Deutschen Bank abgeschlossene Vertrag dahin modifiziert wird, daß die Bank die Stadt gegen alle hieraus etwa seitens Dritter erhobene An sprüche vertreten und auch selbst kein« Ansprüche an die Stadt aus der etwaigen späteren Wiederherstellung der alten Bauflucht- linie herleiten wird. Nach dem Referat des Stadtv. Stapf(A. L.) beschließt die Versammlung nach den Ausschutzvorschlägen. Der Vorsteher-Stellvertreter Cassel(A. L.) referiert über die Vorschläge, welche der eingesetzte Sonderausschuß Über die Zusammensetzung der ständigen Ausschüsse, über die Abordnung der Mitglieder in die Verwaltungsdeputationen und Kuratorien, sowie über die Zuteilung der Stadtbezirke an die Mitglieder be. Hufs Ausführung von Recherchen zu machen hat. Die Vorschläge des Ausschusses werden fast ohne Diskussion gutgeheißen. Zu einer Auseinandersetzung fuhrt nur die vom Ausschüsse abgelehnte Forderung, den 138. Stadtbezirk dem Stadtv Sassenbach zuzuweisen und dem Stadtv. jliosenow abzunehmen. Im vorigen Jahre war beschlossen worden, die Angelegenheit dem nächstjährigen Ausschusse zur Entscheidung zu Übergeben. Stadtv. Singer(Soz.): Es handelt sich hier um eine prin- zipielle Frage. Im vorigen Jahre hat die Versammlung bei der Entscheidung eine direkt parteipolitische Stellung genommen. Es ist Sitte, daß die Bezirke, in welchen die Stadtveroroneten wohnen. diesen zur Recherche gegeben werden. Der Bezirk, den Herr Rosenow versah, war bis vor einiger Zeit von keinem Stadt- verordneten bewohnt. Kolleg» Sassenbach ist vor wenigen Jahren hineingezogen. Damit entstand unter den genannte» Voraus- sctzungen der Anspruch für ihn, diesen Bezirk über- wiesen zu bekommen. Im vorigen Jahre hat es den An- schein gehabt, daß ein großer Teil der Versammlung sein Rechts- gefühl nicht so weit hat zurückdrängen wollen, um offen und klar zuzugeben, daß eS sich um die Zurückweisung eines Sozialdemo- rraten handelt. Herr Rosenow erklärte damals mit ihn ehrender Offenheit, daß er den Bezirk auch aus politischen Erwägungen be- halten wolle, und er brachte es sogar dahin, daß eine Eingabe der Bczirksinsassen an uns gelangte. Sie messen ja der Sache große Bedeutung bei, denn es ist durch Rundschreiben der drei Fraktionen aufgefordert worden, heute hier recht zahlreich anwesend zu sein, damit nur ja dem Kollegen Rosenow seine Bezirke bleiben.(Große Unruhe und Widerspruch.) Daß der Name in dem Schreiben vor- kommt, habe ich nicht behauptet. Sie wollen also die sozialdemo- kratischen Einbrecher aus diesem Bezirk ausschließen.(Zuruf: Einbrecher sind sie alle! Bewußte Einbrecher!) Es ist das ein Beweis für die von uns oft aufgestellte Behauptung, daß die kom- munale Tätigkeit, die hier ausgeübt wird, gleichzeitig von Ihnen benutzt wird, um für die politische Richtung Boden zu schaffen (Rufe: Psuil), wenn Sie sich nicht scheuen, hier offen zu erklären, daß die Besetzung eines solchen Postens durch einen bestimmten Kollegen eine kommunalpolitische Angelegenheit ist, und ein solches Rundschreiben erlassen, so dokumentieren Sie, daß Sie nicht wünschen, daß andersgesinnte Stadtverordnete zu Recherchen zu- gelassen werden, weil Sie darin eine Gefahr für Ihre Partei er- blicken.(Unruhe und Zustimmung.) Diese Feststellung zu machen und sie zur Kenntnis der Bürgerschaft zu bringen, war der Zweck meiner Bemerkungen. Stadtv. Mommsen: Ich halte die Frage weder für kommunal- politisch noch für überhaupt sehr bedeutend. Wir haben voriges Jahr beschlossen, die Angelegenheit übers Jahr zur Erledigung zu bringen; der Ausschuß hat seine Erwägung angestellt, und wir sollten ihm folgen. DaS Rundschreiben der drei Fraktionen hatte nicht den Zweck, Herrn Rosenow den Bezirk zu sichern.(Stadtv. Singer: Habe ich nicht gesagt; ich habe nur den Schluß daraus gezogen.) Dieser Schluß war grundfalsch, denn erstens geht Sie ein Rundschreiben, das nicht an Sie gerichtet ist» gar nichts an (Lärm), und dann ist bloß aufmerksam gemacht worden, daß es heute zu Abstimmungen kommen könnte und Anwesenheit nötig sei. An den Stadtbezirk 133 hat kein Mensch bei dem Rundschreiben gedacht. Will Rosenow nicht verzichten, na, dann geben wir Herrn Sassenbach einen anderen Bezirk. Stadtv. Schulze(A. L.) stimmt Mommsen zu. Stadtv. Ladewig(N. L.): Nach der Logik des Herrn Singer Mürben die Sozialdemokraten überhaupt keinen Bezirk bekommen. Wir tassen uns nur von der Gerechtigkeit leiten. Die Sozialdemo- kraten haben diesmal 17 Bezirke mehr bekommen als bisher. Die Ausschußvorschläge werden genehmigt. Von den Stadtvv. Dr. Arons u. Gen.(Soz.) ist am 17. Januar der Antrag eingereicht worden: Die Versammlung ersucht den Magistrat, mit ihr in ge. uischter Deputation über die Errichtung städtischer Krippen und Kindergärten zu beraten. Stadtv. Wurm(Soz.): Sie haben zwar vorher unserem An- krag ein schlechtes Prognostikon gestellt. Aber ich pachte Ihnen von vornherein die Anschauung nehmen, daß die Errichtung von Krippen und Kindergärten als städtische Pflicht bloß ein sozialdemokratischer Gedanke sei. Würde Berlin dem Antrage entsprechen, so käme es doch nur hinter einer Reihe anderer deutscher Städte hintennach. München hat in diesem Jahre beschlossen, die bestehenden Ein- r-chtungen derart auf die Stadt zu übernehmen; der dortige Magistrat erklärte durch den Bürgermeister Brunner, der kein Sozialdemokrat ist, daß diese Uebernahme eine kommunale Not- wcndigkeit sei. Unserer Ueberzeugung nach besteht bei uns eine Lücke darin, daß die Stadt— welche sich ja jetzt mit den Säug- lingen beschäftigt— auch infolge unserer Anregung von 1301, die Sie mit dem Magistrat zuerst als zukunftsstaatlich zurückgewiesen, während wir heute 7 Fürsorgestellen mit 287 300 M. im Etat stehen haben— gewissermaßen ihr Geld wegwirft, wenn man sich um die Säuglinge kümmert, aber nicht um die Kinder bis dahin, wo sie in die Schule kommen. Diese Lücke wird heute von der Privatwohl- tätigkeit ausgefüllt, aber diese langt nicht mehr zu, die bürgerliche Wohltätigkeit geht immer mehr zurück— es zeigt sich hier dasselbe traurige Schauspiel wie bei der � Schulkinderspeisung. Daß die Not die Ursache dieser beklagenswerten Erscheinung ist, steht ja fest. In den wohlhabenden Bezirken sterben pro Tausend der Kinder 186. in den ärmeren Bezirken aber 238. Daß die Not die Ursache ist, bezeugt die Zahl der unehelichen zu den ehelichen gestorbenen Säug- lingen, 366: 217. In den Großstädten kann man durchaus von einem Bethlehemitischen Kindenuord sprecheiu Vom 1.— 5. Lebensjahre ist die Sterblichkeit immer noch eine unverhältnismäßig große, obwohl bereits eine Auslese stattgefunden hat. Dieselbe Für- sorge, die den Säuglingen der ärmeren Bevölkerung zuteil wiro, ist auch für die Kinder über 1 Jahr bis zum schulpflichtigen Alter hinauf notwendig. Gesundheitlichen und erzieherischen Schutz müssen wir auch für diese Schicht verlangen. Bxi der großen Masse der Familien, wo Mann und Frau in Arbeit gehen müssen, die Kinder der Straße überlassen bleiben, steht es am schlimmsten, da ist keine Fürsorge, und diese Lücke soll unser Antrag ausfüllen. Bis zum 3. Jahre werden gewöhnlich die Kinder in Krippen, in Kinderbewahranstalten gebracht, in den darauffolgenden Jahren versucht man auch durch Kindergärten erzieherisch aus sie zu wirken. Im November vorigen Jahres haben wir ja die Zuschüsse für die bestehenden Privatanstalten erhöht. In den bestehenden Krippen und ähnlichen Anstalten müssen die Eltern Beiträge zahlen. Die 69 Anstalten der inneren Mission be- Herbergen bCKX) Kinder, mit die größte Einrichtung in Berlin auf diesem Gebiete. Der älteste Kleinkinderbewahranstaltsverein besteht seit 76 Jahren, erhält LOVO M. städtisch« Zuschüsse, die Eltern zahlen 6 M., aber der Verein hat l-b Million Schulden und im letzten Jahre ein Defizit von 50 666 M Was insgesamt für diese Zwecke geleistet wird, ist völlig ungenügend. Mit durchschnittlich 26 M. läßt sich keine ausreichende Kinderpflege schaffen, über mehr verfügen die Vereine aber nicht, und 66— 66 M. sind mindestens für diesen Zweck erforderlich. Im Durchschnitt haben wir mit 86 666 Kindern aus dem 1. und 2. Lebensjahr zu tun. Denen, die in der glücklichen Lage sind, ihre Kinder besser zu verpflegen, muten wir natürlich nicht zu, sie mit 56 M. jährlich zu ernähren. Nehmen wir an, daß Leute mit unter 366 M. Einkommen nicht imstande sind, sich und ihre Familien zu ernähren, so würden etiva% von den 86 666, also 65— 56 600 eine bessere Pflege notwendig haben, als ihnen zuteil wird. Wollen wir da weiter den Gevatter Tod die Auslese halten lassen, oder wollen wir von Stadttvegen eingreifen? Die Privatwohltätigkeit versagt; die Frage ist nur, ob wir den privaten Vereinen größere Zuschüsse zuwenden oder diese Zer- splitterung sofort radikal beseitigen und einen einzigen großen Verein schaffen, in dem alle Kräfte organisiert sind, nämlich die Kommune selbst? So ist München verfahren; so bringen wir Ihnen unseren Antrag. Für die Kindergärten haben wir noch ein anderes Prinzip zu beachten: das Fröbelsche Kindererziehungssystem, neben dem noch das Oberlinsystem in Betracht kommt. Beide Systeme stehen sich heute noch ziemlich feindlich gegenüber, weil nämlich die Kindergärten mehr Geld kosten. Dazu kommt, daß Fried- r i ch Fröbel der Regierung mißfiel, weil Julius Fröbel als Demagoge mißliebig war, und der damalige Kultusminister von Slaumer so unwissend war, daß er diese beiden verwechselte! So verbot er die Kindergärten, und das Verbot ist erst 1866 zurück- genommen worden. Auch Herr v. S t u d t hat bekanntlich einen Kindergarten in Charlottenburg verboten, obwohl da neben Sozial. demokraten auch Naumann, Penzig und Professor Förster im Kuratorium saßen. Bei den kleinen drei- und vierjährigen Kindern fangen wir, so sehr wir für Agitation sind, damit wirklich noch nicht an.(Heiterkeit.) Andererseits hat Falk den Städten aus- drücklich empfohlen, Kindergärten zu errichten. Wir befinden uns hier also in guter bürgerlicher Gesellschaft. In Berlin haben wir auf diesem Gebiete auch nur die Privatwohltätigkcit. und diese noch geringer als bei den Krippen— von den Kinderhorten, die schulpflichtige Kinder aufnehmen, ist hier nicht die Rede—. Es gibt drei Voltskindergärren, wo 6— 12 M. jährlich Schulgeld bezahlt wird, 256 Kinder sind da untergebracht. Stadtzuschuß 6666 Dtark; das einzelne Kind kostet durchschnittlich 52 M. Dann hat der Fröbelverein noch drei Gärten für Kinder bemittelter Familien. Der Verein der Kindergärten in Berlin hat sechs An- kalten, erhebt kein Schulgeld; die Stadt gibt 9666 M., 286 Kinder. Gerade dieser Verein klagt über Mangel an Mitteln; das Kind kostet dort 86 M. Verpflegung. Im Pestalozzi-Fröbelhaus sind zwei Kindergärten mit 236 Kindern; es wivd bis 36' M. Schulgeld bezahlt; dann gibt es noch ein paar kleine. Im ganzen sind für 16-16 Kinder Kindergärten vorhanden; der Zuschuß der Stadt be- trägt 15 666 M. Alles in allem würde mit 166 066 Kindern bis zum 6. Lebensjahre zu rechnen sein; davon ist also 1 Proz. untergebracht, während vielleicht 56 666 eS dringend nötig hätten. Das eröffnet„gefährliche" Perspektiven. Aber Straßburg z. B. gibt 86 666 M.. Mülhausen i. E. 47 606 M., Metz 26 660 M.. selbst Dortmund 13 660, Köln 16 666, Düsseldorf 13 666 M. Das glän- zendste Beispiel aber ist München, welches 3666 Kinder vom 3.— 6. Lebensjahr übernommen hat; im Etat stehen einstweilen nur 71 666 M.. aber das ist auch nur vorläufig, man will erst Er- ahrungen sammeln, und dann eventuell die Kindergärten an die Gemeindeschulen angliedern, als Vorstufe der Schule, wobei aber natürlich nicht von Unterricht die Rede ist. Auch von einem wirk- lichen„Garten" braucht bekanntlich bei diesen Kindergärten nicht die Rede zu sein. Neben diesem guten Beispiel ist dasjenige unserer eigenen Rieselfelderverwaltung anzuführen, welche solche Kindergärten eingerichtet hat. Aber wo soll nun das Geld dafür herkommen? Holen Sie eS sich bei den Kollegen, die die Wert- zuwachssteuer abgelehnt haben!(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. D-ve(A. L.): Auch wer, wie ich. für die Wert. zuwachssteuer gestimmt hat, sieht sich der Frage gegenüber, wo das Geld herkommen soll. Die anderen Kommunen haben auf diesem Gebiete ungleich kleinere Aufgaben. Straßburg erhebt übrigens Oktroi.(Zuruf: Soll ja 1916 aufhören!) Die Frage der Leistungsmöglichkcit muß eingehend geprüft werden, daher be- antragen wir Äusschußberatung. Stadtv. Dr. Nathan hält den Antrag für in hohem Grade an- gebracht und freut sich, daß auch der Vorredner ihn so wohlwollend aufgenommen hat. Die Deckungsfrage wird ja sehr schwierig sein, das darf uns aber nicht schrecken. Stadtv. Rosenow spricht dem Antrage ebenfalls seine Shm. pathie aus. Der betreffende Verein, dem er angehöre, werde gern bereit sein, bei höherer Subvention die Zahl seiner Kindergärten erheblich zu vermehren. Stadtv. Dr. LangerhanS(A. L.): Jede elterliche Erziehung ist der in Anstalten borzuziehen. Von einer Lockerung des Familien- Verhältnisses müssen wir die Hand davonlassen. � Lieber unterstütze man die Privatwohltätigkeit von Stadtwegen reichlicher.(Beifall.)| Der Stadt Berlin sind 36 666 Mark durch Testament einer Frau Bodien mit der Auflage vermacht worden, davon eine Stiftung zu errichten, aus deren Zinsen am 22. September, als am Geburtstage ihres Mannes, alljährlich 25 hülfsbcdürftige Handwerker oder kleinere pensionierte Beamte von über 56 Jahren und am 15. September, als an ihrem Geburtstage, olljährlich 25 Frauen oder ältere Mädchen in einem Restaurant gespeist werden. Das Kuvert soll nicht mehr als 3 M. kosten; außerdem soll jeder Vj Flasche Wein erhalten; der etwa verbleibende Zinsen- rest soll gleichermaßen unter die 56 verteilt werden, und der Wirt des Restaurants darf kein Umstürzler sein. Stadtv. Singer: Der Magistrat übernimmt hier eine etwaS schwierige Aufgabe, die eines komischen Beigeschmacks nicht ent- behrt. Wie soll er die Aufgabe lösen, herauszubekommen, ob der Wirt kein„Umstürzler" ist? Ein Testament ist doch auf ewige Dauer berechnet, und es könnten politische Umschwünge eintreten, Deutschland oder Preußen könnte eine Republik werden.(Stadw. Hoffmann ruft: Hab' man keine Angst!) Dann würde der Magistrat in der Lage sein, einen, der heute für die Monarchie begeistert kämpft, alö Umstürzler zu betrachten. Diese komische Episode hat aber auch einen ernsten Hintergrund. Hat sich der Magistrat überlegt, ob es seiner Würde entspricht, uns eine solche Vorlage zu machen? Meine Partei gilt den anderen Parteien als umstürzlerisch, sie ist aber in Berlin die stärkste Partei. Hat der Magistrat das Recht, einen so großen Teil der Berliner Mit- bürger in dieser Weise verhöhnen zu lassen, hat er vielleicht nur gedacht„non olet"? Wir werden die Annahme der Vorlage nicht hindern, ich gönne den 56 bedürftigen Leuten, daß sie mal ein anständiges Mittagbrot bekommen, aber es ist doch eine gewisse Sorglosigkeit, diese Vorlage, die eine solche zweifellose Beleidigung enthält, uns unbesehen herüberzugeben. Darüber haben wir das Recht, uns zu beklagen, und ich wünsche dringend, daß solches für die Folge unterbleibt. Bürgermeister Dr. Reick« macht geltend, daß darin doch nichts Ungeheuerliches und keine Verfemung läge. Er deute den AuS- druck so, daß die Speisung im Hause eines ruhigen Mannes statt- finden solle, der die Gelegenheit nicht benutzt, Parteipolitik zu treiben. Das könnte auch umgekehrt der Fall sein, der Ketzer von heute sei der Gläubige von morgen. Nachdem noch Stadtv. Cassel die Auffassung, daß hier eine Beleidigung vorläge, zurückgewiesen, wird der Annahme der Stiftung zugestimmt. Mit dem Verein„B erlin. Treptow-Sternwarte, Eingetragener Verein" will der Magistrat einen Mietsvertrag ab- schließen, der dem Verein ermöglichen soll, einen massiven Stern- wartenbau und eine massive Vortragshalle zu errichten. Das städtische Gelände soll ihm dazu auf 36 Jahre mietsweise überlassen werden. Nach kurzer Debatte, an der sich die Stadwv. G a l l a n d (A. L.) und Dr. Preuß(soz.-sortschr.j beteiligen, wird die Vorlage einem Ausschuß überwiesen, der sofort vom Vorstande ernannt wird. Die Vorlage, betr. die Erweiterung der JnfektionS- a b t e i l u n g und des Wirtschaftsgebäudes- des Kranken» Hauses Am Friedrichshain will Stadtv. B r u n s l o w (A. L.) einem Ausschuß überwiesen sehen. Die Stadtvv. Körte (Fr. Fr.) und Dr. Wehl(Soz.), sowie Stadtrat Dr. Straß. mann widersprechen; an der Debatte beteiligen sich noch kurz die Stadtvv. Max Schulz(N. L.) und Singer. Die Vorlage wird daraus unverändert angenommen. Schluß?L9 Uhr._ Letzte JVacbncbten und Dcpcfcben, Das Urteil im Prozeh Hohenau— Lynar. Der Verhandlungsführer, Kricgsgerichtsrat Dr. Matschk«, verkündete gestern abend 3 Uhr nach 2Vfcstündiger Beratung des Gerichtshofes folgendes Urteil: Graf Wilhelm v. Hohenau wird freigesprochen, Graf Lynar wird zu einer Gefängnis st rase von einem Jahr drei Monaten verurteilt. AuS der Urteilsbegründung sei folgendes mitgeteilt: Be- züglich des Angeklagten v. Hohenau hat die Beweis- aufnähme zweifellos ergeben, daß diesem Angeklagten V e r- fehlungen zur Last fallen, dre wirklich widernatürlich sind. Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme hat es aber zur Erfüllung des Tatbestandes des § 175 nicht ausgereicht, und das Gericht ist daher mangels genügenden Beweises zu einer Freisprechung gekommen, nicht ober wegen erwiesener Unschuld.— Der Angeklagte Graf Lynar ist in sechs Fällen wegen Mißbrauchsder Dien st- g e w a l t in rechtlicher Verbindung mit vier Fällen von B e» leidigungen von Untergebenen und in 5 Fällen wegen sittlicher Verfehlungen, begangen mit Untergebenen, schuldig, befunden und wird zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis vcr- urteilt. Die Untersuchungshaft wurde ihm nicht angerechnet, weil er durch sein Leugnen zur Verzögerung der Hauptverhand- lung beigetragen hat. Auf Ehrenstrafen erkannte das Gericht nicht, weil Graf Lynar bereits, als Anklage erhoben war, durch Ein- reichung seines Abschiedes aus der Armee ausgeschieden war. Die weitere Urteilsbegründung die die Einzelfälle betraf, der- kündete das Gericht mit Rücksicht auf die Gefährdung Militärdienst- licher Interessen und der öffentlichen Interessen unter Aus» schlußderOeffentlichkeit. Publikum und Presse mußten den Saal räumen._ Ein„schwerer Junge". Köln, 23. Januar.(W. T. B.) Das hiesige Schwurgericht hat den Kaufmann Karl Otto F r a h m aus Weida tvegen des am 16. Dezember vorigen Jahres auf den Geldbriefträger Abel in Köln versuchten glaubmordeS zu zwölf Jahren Zuchthaus, 16 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt. Grubenbrand. Langendreer, 23. Januar.(B. H.) Auf der Zeche„Prinz. regent" brach aufs neue der dort vor einiger Zeit eingedämmte Brand aus. ist erstickt, Die Arbeiter wurden mit Mühe gerettet, ein Steiger Dumaauflösung in Sicht? Petersburg, 23. Januar.(Von einem Privatkorrefpondenken.) Der Führer der Oktobristen Graf llwarow erklärte einem Bericht- crstatter, man habe der Partei einen Wink gegeben, falls die Marineforderungen abgelehnt werden, werde die Tuma aufgelöst werden. Trotzdem bekundete Graf llwarow den festen Entschluß, gegen da« Marineprojett zu stimmen; er glaubt, daß auch seine Parteifreunde in der oppositionellen Stimmung verharren werden. Der Kadcttenabgeordnete Nisselawitsch äußert«, seine Partei werde --■,,-~ �, in dieser Frage mit den Oktobristen gehen. Der Abgeordnete Im Schlußwort erklart Stadtv. Wurm, d�ß er gar mcht die-»„rjschkewitsch von der äußersten Rechten bat kick bereits in ÄÄÄ F&Ä Ä/ÄS ä Ä» auch der Säuglingssterblichkeit. Die Not verhindere die Eltern Blatter ist gleichfalls ovvoiitioucll. immer mehr, ihre Elternpflicht auszuüben Der Antrag wird einem Ausschuß zur Vorberatung über wiesen. Verantw. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: ZH.Glocke.Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts BuMr.u.BerlagsanZatt Ogul Singcr�Co., Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen u. Nnterhaltungsblatt Nr. 20. 25. Jahrgang. Reichstag. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Freitag, 24. Januar 1908. 87. Sigung vom Donnerstag, den 23. Januar 1908, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: v. Bethmann- Hollweg, Dr. Nieberding. Auf der Tagesordnung steht zunächst Fortsetzung der ersten Beratung des Entwurfes eines Schedgefeges. Abg. Arendt( Rp.): Meine politischen Freunde und ich stimmen dem Entwurf zu. Aber ich möchte darauf hinweisen, daß ich eigent lich erwartet hatte, daß man zunächst das Depofitenwefen geregelt hätte; denn in diesem sehe ich die Grundlage des Scheckverkehrs. Abg. Kaempf( frf. p.): Herr Arendt sagt, er will an die Goldwährung nicht rühren. Was haben denn dann seine Anträge auf Vermehrung der Silbermünzen und daß die Reichsbank bis zu 1000 M. in Silber soll zahlen dürfen, für einen 3wved? Da zeigt sich deutlich der bimetallistische Pferdefuß.( Sehr richtig! bei den Freifinnigen.) Ich wende mich nun zum Schedgesek. Was wir erstreben, ist eine Vermehrung des Ueberweisungsverfehrs statt der Barzahlung. Freilich darf man das Schedgefeß nicht überschäzen, der Scheck soll Träger der lleberweisung sein, wo sie unmittelbar nicht möglich ist.( Bravo! bei den Freijinnigen.) Abg. Hormann( frs. Vp.): Die Handelstammer meiner Baterstadt Bremen ist mit den einzelnen Bestimmungen des Entwurfs ein verstanden, doch wünscht sie die aktive und die paffive Scheckfähigkeit mehr ausgedehnt, anderenteils auch etwas eingeschränkt gegenüber den Bestimmungen des Entwurfs. Abg. Dr. Arendt( Rp.): Theoretisch bleibe ich Bimetallist, als Realpolitiker aber bin ich ein besserer Vertreter der Goldwährung als Sie alle( Lachen links), denn Sie führen sie durch Ihre radikale Haltung dem Bankrott entgegen.( Gelächter links.) Der Gefegentwurf wird an eine Kommission von 14 Mitgliedern berwiesen. Es folgt die dritte Beratung des Gesezentwurfs betr. Majestätsbeleidigung. Abg. Gykling( fri. Bp.): Ich muß auf einige Ausführungen des Abgeordneten Heine in der zweiten Lesung zurückommen. Er hat da gesagt: Ich wundere mich auch nicht, daß es eine liberale Zeitung war, die Königsberger Hartungsche Zeitung", die in dieser Sache den Denunzianten gemacht hat. Ich weise diesen Angriff zurück. Bei der Staatsanwaltschaft hat niemand denunziert, vielmehr hat die Hartungsche Zeitung" diesen Artikel zuerst zur Kenntnis der weitesten Oeffentlichkeit gebracht.( Buruf bei den Sozialdemokraten: Na also!) Das ist kein Denunziantentum, sondern solche Artikel aufs schärffte zu geißeln, ist Pflicht der bürgerlichen Presse.( Beifall rechts.) Auch der Staatsanwalt hat im Prozeß erklärt, daß er die Hartungsche Zeitung" nicht lese, sondern den Artikel direkt in der Königsberger Volkszeitung" gelesen habe. Weiter hat der Abgeordnete Heine im Zusammenhang mit diesem Prozeß davon gesprochen, daß die Judikatur auf Schleichund Umwegen wandelt. Diese schwere Beleidigung der Königsberger Richter hat der Staatsfetretär Dr. Nieberding mit treffenden Worten zurückgewiesen, denen ich mich anschließe. Zum Schluß bemerke ich, der Artikel der Königsberger Voltszeitung" hat in weitesten Kreisen Entrüstung hervorgerufen und Empörung über die Stampfesweise der Sozialdemokratie.( Lebhafter Beifall rechts und bei den Freisinnigen.) Abg. Frank( Eoz.): wärtig ein preußischer Minister, hat sich geweigert, den Strafantrag zu stellen!( Sört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich kann daran, die Großen zu entlasten, wohl aber die kleinen Tierhalter. Herr Schmidt- Warburg hat erklärt, es läge ihm gar nicht daher nicht zustimmen, daß Heines Ausführungen im Widerspruch mit unserem ersten Antrag machen wir die Probe auf dies mit dem Rechtsempfinden weiter Streise stehen. Weiter entrüstet sich der Vorredner darüber, daß Heine den Exempel. Das ökonomische Ausgleichprinzip, das wir hier anwenden wollen, hat auch sonst bereits im Bürgerlichen Gesetzbuch Königsberger Gerichten vorgeworfen habe, sie gehen Schleich- oder Aufnahme gefunden, ja, die Kommission zur Beratung des BürgerUmwege. Hiergegen hat der Abgeordnete Heine sich schon in per- lichen Gesetzbuches hatte diesen Saz bereits angenommen, und er sönlicher Bemerkung verwahrt; er hat im allgemeinen festgestellt, ist nur am Widerspruch der Regierung gescheitert. Nach dieseur daß in Deutschland vielfach die Gerichte, auch die höchsten Gerichte, Antrag hätte also nicht der kleine Mann und der Mittelstand zu auf Schleich- und Umwegen Ziele erreichen, die sie bei der ein- haften, wohl aber der Wohlhabende und der Großgrundbesser. fachen Anivendung des Klaren Wortlautes der Gesebe nicht würden erreichen können.( Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemo- Diejenigen, welche die Witwen und Waisen darben lassen wollen zugunsten der Großgrundbesizer, werden diesen Gaß nicht anfraten.) Er hat das getan, als er den Beweis führte, daß ohne nehmen, Herrn Schmidt- Warburg aber rufe ich zu: Hic Rhodus. solche Schleich- und Umwege eine Verurteilung wegen Ahnenbeleidigung nicht möglich wäre.( Lebhaftes Sehr richtig! bei den So- Ausnahmegesetz zugunsten der Großgrundbefizer machen, oder ob Sveic salta! Hier haben Sie die Möglichkeit, zu zeigen, ob Sie ein zialdemokraten.) Sie dem Mittelstand helfen wollen.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Gyßling( frs. Bp.): Nicht einer, sondern mehrere Mitglieder des Komitees, unter denen auch ich war, haben den Antrag auf Strafverfolgung nicht unterzeichnet. die Stimmen der Sozialdemokraten angenomme in. Damit schließt die Beratung. Der Geseßentwurf wird gegen Es folgt die zweite Beratung eines Gefeßentwurfs betr. Aende- Bandarbeiter und der Industriearbeiter durchbrochen. Wenn der rung des§ 833 des B. G.-B. über die Haftung der Tierhalter. Abg. Barenhorst( Rp.) beantragt, statt beobachtet" zu sagen beobachtet hat", um in jedem einzelnen Falle dem Tierhalter die Beweislaft der Sorgfalt aufzuerlegen. Staatssetretär Dr. Nieberding bittet, es bei der Faffung der Regierungsvorlage zu laffen, die sich auch mit dem Sprachgebrauch des B. G.-B. in anderen Baragraphen bedt. Eingegangen find ferner folgende Anträge Albrecht und Genossen( Soz.): Ich wende mich zu unserem zweiten Antrag. Herr Varen horst sagte, nur der soll für den Schaden haften, der ihn verschuldet. aber bei§ 146 des Unfallversicherungsgjeezes für Land- und Forstwirtschaft und§ 135 des Gewerbe- Unfallversicherungsgefeßes ist dies nicht der Fall. Hier wird dieses Prinzip zuungunsten der Großgrundbesizer und der Großunternehmer sogar wegen fahrlässiger Körperverlegung und selbst wegen fahrlässiger Tötung Die Ersatzpflicht soll nicht eintreten, wenn der Schaden durch des Arbeiters bestraft wird, so braucht er den verursachten Schaden ein Haustier verursacht wird, das dem Berufe, der Erwerbstätigkeit doch nicht voll zu erseßen, sondern% der Invalidenrente werden oder dem Unterhalte des Tierhalters dient, und der Tierhalter bei ihm angerechnet.( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Diese der Beaufsichtigung des Tieres die im Verkehr erforderliche Sorg- Baragraphen müssen also gestrichen werden, wenn Sie nicht wollen, falt beobachtet oder der Schaden auch bei Anwendung dieser Sorg- daß die Arbeiter anders behandelt werden als die Besitzenden. falt entstanden sein würde. ( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Schmidt- Warburg( 3.) begründet den Antrag: Die Worte Ich wende mich nun zu unserem dritten Antrag: daß für bei der Beaufsichtigung des Tieres" zu streichen, da es genügen jeden durch Hasen angerichteten Schaden der Jagdberechtigte haften müsse, wenn der Tierhalter allgemein die erforderliche Sorg- foll. Der Abgeordnete Varenhorst fragte mich, ob ich Safen für Haustiere halte.( Heiterkeit.) Das tue ich natürlich nicht. Aber falt beobachtet. ich könnte Ihnen eine ganze Reihe von Reichsgerichtsentscheidungen borführen, aus denen hervorgeht, daß auch ein Jagdberechtigter als Tierhalter anzusehen ist. Auch der Jagdberechtigte soll verantwortlich sein, nicht weil er fich Hafen hält, sondern weil er durch die Vernachlässigung des ausschließlichen Rechts, das er gegen Hafen hat, den kleinen und lediglich den fleinen Bauern einen Schaden zufügt. Es ist notwendig, die ausnahmerechtlichen Bestimmungen, die heute insofern für den Jagdberechtigten bestehen, als er Hafenschaden anrichten fann, ohne daß er ihn zu ersehen braucht, und ohne daß der Geschädigte das Recht hat, den Schädiger niederzuschießen, zu beseitigen.( Schr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es handelt sich hier um die erste Wenderung, die an dem Bürgerlichen Gesetzbuch vorgenommen wird, und diese erste Gelegenheit zu einer Aenderung wird ergriffen, nicht zum Nußen der Kleinen. sondern um die Taschen der Großen noch mehr au füllen. Wenn man einmal an eine Aenderung des Bürgerlichen Gesetzbuchs herangeht, dann sollte man zuerst einmal den§ 615 ändern, der nur durch ein Versehen in der heutigen Faffung in das Gefeß hineingekommen ist. Der Reichstag hatte der unehelichen Mütter und Kinder gefaßt. Ohne Beschluß des in dritter Lesung mit großer Mehrheit einen Beschluß zugunsten Hauses und ohne eine Ermächtigung durch irgend jemand ist aber offenbar durch ein redaktionelles Versehen eine Fassung cntetwas zu ändern, dann sollte man zunächst dieses Unrecht zuungunsten der Allerärmsten wieder gut machen.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir haben einen dahingehenden Antrag nidyt gestellt, weil wir meinen, daß das Sache derer ist, die das Unrecht begangen haben. Ich bitte Sie in erster Linie, die Borlage abzulehnen im Interesse des Mittelstandes, im Intereſſe der Arbeiter und im Interesse der Witwen und Kinder.( Beifall bei den Sozialdemokraten, Bischen rechts.) 1. Dem§ 833 folgenden Sab zuzufügen: Wer für einen von ihm verursachten Schaden deshalb nicht verantwortlich ist, weil ihm ein Vorfah oder Fahrlässigkeit nicht zur Last fällt, hat gleichwohl den Schaden insoweit zu ersehen, als die Billigkeit nach den Umständen, insbesondere nach den Verhältnissen der Beteiligten, eine Schadloshaltung erfordert und ihm nicht die Mittel entzogen werden, deren er zum standesmäßigen Unterhalt sowie zur Erfüllung seiner gefeßlichen Unterhaltspflicht bedarf. 2. Dem§ 833 des B. G.-B. zuzusehen: § 146 des linfallversicherungsgefeßes für Land- und Forst. wirtschaft und§ 135 des Gewerbeunfallversicherungsgesetzes werden aufgehoben. 3. Dem§ 833 folgenden Gak zuzufeten: Für jeden durch Hasen angerichteten Schaden haftet der standen, die das gerade Gegenteil besagt. Wenn man anfängt. Jagdberechtigte. Abg. Stadthagen( Soz.): § 833, wie er jeßt Gefeß werden soll, ist ein Ausnahmegesetz Der Abgeordnete Seine ist heute durch Unwohlsein an der An- zuungunsten der Witwen und Waisen, zuungunsten derer, die wesenheit verhindert und kann die eben erhobenen Angriffe nicht zu bisher ein Recht hatten, im Falle der Verlegung durch Tiere einen rüdweisen. Deshalb nur einige Worte: Der Vorredner hat behauptet, vollen Schadenersatz zu verlangen. Und dieses Recht sollen fie ver. es habe sich eine allgemeine Entrüstung über den Artikel der Stolieren wesentlich zugunsten der Großgrundbefizer. Somit tenn nigsberger Boltsatg." gezeigt. Ich bin der Ansicht, daß die Entrüstung zeichnet sich das Gesetz als über das Urteil jedenfalls in viel weiteren Kreifen vorhanden ist.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Er hat sich ein antifoziales Ausnahmegesek. ferner dagegen verwahrt, daß die Königsberger Hartungsche( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Herr Barenhorft sagte, Zeitung" gegenüber ihrem Breßkollegen von der" Bolkszeitung" in überall sonst sei das Verschuldungsprinzip maßgebend für eine Ent der Rolle eines Denunzianten aufgetreten sei. Ich kann schädigungspflicht. Das ist unwahr. Vielmehr ist man überall vom im Augenblide das Material, wie es der Abgeordnete Heine getan, nicht auf den Tisch des Hauses niederlegen. Ich will aber doch feststellen, daß, als der Artikel erschienen war, der Staatsanwalt sich über eine Woche nicht gerührt hat. Im all gemeinen haben die Staatsanwälte ein schnelleres Tempo, ivenn es sich um sozialdemokratische Redakteure handelt.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Festgestellt ist ferner, daß die Mitglieder des Komitees nicht aus sich heraus die Anträge zur Strafverfolgung gestellt haben, sondern daß der Staatsanwalt bei ihnen angefragt hat, ob sie nicht so freundlich sein wollten und sich beleidigt fühlen. Ein Mitglied, wenn ich recht berichtet bin, gegen Kleines feuilleton. Theater. " Verschuldungsprinzip abgegangen. Nach dem Eisenbahngesetz z. B. haftet auch nicht nur derjenige, den ein direktes Verschulden trifft. Genau so wie bei der Eisenbahnverwaltung lieg die Sache beim Tierhalter. Wenn der Juristentag mit allen gegen 7 Stimmen fich gegen die hier geplante Verschlechterung erhebt, so stellt fie fich so deutlich als ein Einbruch in die ganze Fortentwickelung unseres Rechtes dar, daß selbst Juriften fich dagegen empören sollten. 28ie kann sich denn der große Grundbefizer beklagen, daß ihm Unrecht geschicht, wenn das, was seit hundert Jahren int rheinischen Recht gegolten hat, nun auch in Ostelbien Recht werden soll? Gerade der Große kann sich doch versichern. volles Mitleid den Abscheu siegreich überwunden haben, wahr und menschlich der Gedanke, daß feine noch so sehr geächtete Tat dem ehrlich Strebenden den Weg zum Besferen und Guten bersperren lann sowie die Anklage wider den harten feelen- und gedankenlosen Mechanismus unserer Strafjustiz. Weniger überzeugend flang aus Aleines Theater: Der Unfidere, Schauspiel in dem Munde des Feldwebels fein Entschluß, fich dem Gericht zu stellen, bier Aften von Richard Fellinger. Eympathisch berührt die da er nach seiner ganzen Auffassung zu einer solchen offiziellen Buße humane, vorurteilsfreie Gesinnung, die sich in der Behandlung des fich nicht verpflichtet fühlt. Sehr gut war Alfred Abel in der Rolle des verkommenen Broblems ausspricht, aber leider ist es nur der allgemeine, von der Landstreichers und Fräulein Somary in der der jungen Gattin. dichterischen Individualisierung losgelöste Gedanke, nicht die Indi- Herr Magimilian Sladet, der Darsteller des Feldwebels, vidualisierung selbst was hier erivärmt. 3bfen in seinem genialen hatte in den beiden Akten eine Reihe trefflicher Momente. Der Bei Drama Rosmersholm" läßt uns, allmählich die Bergangenheit fall in der zweiten Hälfte des Stüdes war start. enthüllend, Rebektas Frebel, den läuternden Prozeß ihrer Seelendt. Abg. v. Treuenfels( f.): Wenn es Juristen gibt, die gegen eine Aenderung des§ 883 find, so beweist das wieder einmal, daß zwischen dem Rechtsbewußtsein der Juristen und dem Rechtsbewußtsein des Volkes ein Widerspruch besteht. Wenn der Abgeordnete Stadthagen fich als Beschüßer des Eigentums des kleinen Bauern aufspielt, so stimmt das mit dem sozialdemokratischen Grundfab: Eigentum ist Diebstahl, fehr wenig überein.( Lachen bei den Sozialdemokraten. Sehr richtig! rechts.) Der Haſe iſt ein Tier, das sich heute hier, morgen dort aufhält, dessen Halter sehr schwer festzustellen und für den Schaden daher auch nur schr felten in Anspruch genommen werden kann. Durch die Vorlage foll gerade der kleine Manne geschüßt werden. Auf die anderen Ausführungen des Abgeordneten Stadthagen gehe ich nicht ein. Nur protestiere ich mit aller Entschiedenheit gegen die Behauptung, als ob wir dem kleinen Bauern das Brot wegnehmen. Es ist " Gegenstück zu Girardis Wiener, des Herrn Sondermann, der Ehedrache Frl. Junters, die frische Tochter Frl. Ballots und manche andere gutbefezte Chargen trugen zum fröhlichen Gelingen wader bei. Humoristisches. Bülows Stellung in der Wahlrechtsfrage. Ich denk nicht d'ranes fam nicht fein," Es fällt mir ja im Traum nicht ein;" So was ist niemals zu risfieren," " Da muß ich unbedingt negieren." " 48 ―r, Richt heut', nicht morgen, nicht in spe," Ein dreifach unterstrich'nes Nee"," Ihr Vorschlag unter der Kanone," Bas mich betrifft, auch nicht die Bohne. " Sie rennen gegen eine Wand," Geheim und gleich nicht in die Hand;" Sie wollen was rein lächerlich, Sie wünschen was. ich drücke mich." Sie hoffen was, das ist barock," Und grüßen Sie mir schön den Block!" ( Lustige Blätter.") Notizen. wandlung und die Notwendigkeit, durch die sie zum Bekenntnisse Thalia Theater: Gastspiel Girardi. Das Zu getrieben wird, mit durcherleben im Gefühl und Phantasie. sammenspiel Girardis mit den norddeutschen Kollegen halbwegs Fellinger indessen weicht nur Unmöglichkeiten aus. Vielleicht hat fünstlerisch zu motivieren, wurde von zwei vielfach vorbestraften fich das, was er vorführt, wirklich zugetragen, aber die Umformung Boffiften: dem Wiener B. Buchbinder und dem Berliner zu einem in sich geschlossenen Organismus fehlt hier. Daß der J. Kren das neue Stüd, Jmmer oben auf" gezimmert, das Autor selbst ein Bewußtsein dieses Mangels gehabt, dafür spricht, uns Girardi in Berlin zeigt. Es tönnte natürlich ebenso gut, ja daß er sein Stück nicht nach der Hauptperfon, dem Betenner, beffer:" Topfenftrudel und Weißbier oder Girardi beim Budiler" sondern einer Rebenfigur, einem Bagabonden und Erpreffer, heißen.( Wenn man nicht als griesgrämiger Kerl verschrien fein benennt. will, muß man diese Boffen bekanntlich immer urfidel finden, was Sinner hat als junger Mensch bei einem Einbruchsdiebstahl hiermit geschieht.) Die Hautsache ist, daß Girardi Gelegenheit cinen alten Geizhals erschlagen; fein Spießgefelle, ein Bagabund, bekommt, in einem Berliner Milieu als urechter Weaner mitzutun. der ihm als Feldwebel dann nach neun Jahren wieder als Refrut Er ist also Hausverwalter mit Familienforgen, die auf die poffen-- Theaterchronit. Im Lorking Theater ist die in den Weg läuft, wurde ergriffen und eingesperrt. Er felbft hafte Weise durch Ver- und Entlobungen, Verwechselungen, Erb- Erstaufführung von Don Juan auf den 31. Januar verschoben cntfam und bildete fich, durch die unglüdfelige Tat schaften( und was man sonst Girardi zu lieb in den Kauf nimmt) worden. Die Neue Freie Volfsbühne bringt Sonntag aus feinem Leichtfinn aufgeschredt, zu einem berläffig- glüdlich behoben werden. Girardi hat also eine Rolle, in der er mittag im Neuen Theater August Strindbergs Volkskomödie tfichtigen Menschen, einem neuen Wefen, das von dem, das einst die alle Quellen springen laffen kann. Und wenn die Sache font zu fad Die Hemsöer" zur Erstaufführung. Blutschuld auf sich lud, so meint er, durch eine Welt getrennt ist. wird, läßt er die Herren Berfaffer stehen, wendet sich dem Publikum-Populäre lassiterborstellungen zu ermäßigten Er hat, ohne daß sein Gewissen dabei schlug, das Los cines braven zu und stimmt eine Einlage an. Und dann haben wir den echten Preisen wird fünftig auch das Neue Schauspielhaus berMädchens an feines gefeffelt. Die Kameraden achten und lieben ihn. Girardi, der als Poffenfigur uns gleichgültig ist. Der Ton, die anstalten und zwar an Sonnabendnachmittagen. Aber die Erscheinung des einstigen Genoffen rührt die Bilder des Empfindung, das Gemüt ist es, das die Mufit macht und uns zu erste Borstellung soll ebbels Judith" am 1. Februar in Vergangenen wieder in ihm auf. Diefer zwingt den Feldwebel mit Herzen geht. Girardi wird da zum idealen Repräsentanten eines ganzen Szene gehen. der Drohung der Anzeige allerhand Bevorzugungen ab. Schließlich Boltstumes( ob es in Wirklichkeit noch so lebt, berührt uns nicht).-Musikaronit. Das dritte Sonntagskonzert des fühlt sich der Bursche so sicher, daß er Sinners Frau Ja, das„ Ackerlied" und das urwienerische, mit stolzer Freude und Schiller Theaters, das Sonntag mittag 12 Uhr im Schillermit unverschämten Anträgen belästigt. Und nun auf ein- fanfter Gerührtheit vorgetragene, nein erlebte ia terlied" und Theater Charlottenburg stattfindet, wird nur Mozartsche Kommal, die Motivierung weist hier große Lücken auf, ein äußerst temperamentvoll gesungenes Lied von Linde, das waren pofitionen u. a. bringen. Im Schiller Saal, Charlottenburg, wird Sinner, von deffen Innenleben bisher taum die Rede war, die Schlager des Abends. Und daneben zwei Duette von Baul spricht Freitag Dr. James Simon über Gustav Mahler" plöglich zum Bekenner nicht nur vor seinem Weibe, sondern auch in de, die Girardi mit W. Sondermann und Helene Ballot fang: Aus der Musikwelt. August Wilhelmi, ein einst vor den Kameraden. Das Stück hebt sich in diesen Szenen ganz Wien und Berlin" und" Rund ist die Welt". Soviel echte sehr bekannter Geigenfünstler, der feit Jahren in London lebte, ist bedeutend, jedoch die Wirkung ist bei dem aphoristisch Unbermittelten Luftigkeit, so ein volles Temperament entzüďte zum lauten dort im Alter von 62 Jahren gestorben. Er stammte aus Ufingen der Wendung nur eine momentane. Man begreift, wie der Un- Jubel und man vergaß, daß da noch eine Komödie weiter ging... im Nassauischen und war als Virtuos in der ganzen Welt herumglückliche fich an die Hoffnung flammert, die trene Lebensgefährtin Das Andere", das aus seiner Natur und Voltsart Entspringende, gekommen. Als Wagner 1876 in Bayreuth die Nibelungen" einwerde ihn nach dem Geständnisse so sehen, wie er sich selbst in seinem nicht das landläufige Komische ist es, was uns Girardi fo wert studierte, wurde er fein Stonzertmeister. Innern fühlt: als einen, der durch festen willen ein anderer ge- macht. Warum tönnen wir ihn nicht einmal ganz als anderen" Ein Stirnerfund. John Henry Madey hat in worden ist. Ganz unverständlich bleibt es aber, wie er ein fehen? Sagen wir: in einem Anzengruberschen Stüde. Amerika zwölf unveröffentlichte politische Auffäge Mag Stirners Gleiches von den Kameraden erwarten tann. Ergreifend ist im Unsere heimischen Sträfte fonnten fich in der Berliner Atmosphäre aus dem Jahre 1848 entdeckt, welche demnächst zur Veröffentlichung Schlußalte die Rüdfehr der Frau, in der hingebende Liebe und opfer aufs befte betätigen. Ein sehr gelungener Restaurateur, das Berliner gelangen. " " UIS bedauerlich, daß die Tribüne des Reichstags dazu benutzt wird. um einen große» Teil der Bevölkerung derart zu beschimpfen. kSehr richtig! rechts.) Derartige Behauptungen kennzeichnen die Position des Abgeordneten Stadthagen und feiner Partei.(Sehr gut! rechts.) Wer in Wirklichkeit armen Leuten das Brot weg- nimmt, mag aus folgenden Mitteilungen der Presse hervorgehen. Der Redner verliest zunächst einen Fall sozialdemokratischen Terrorismus, der in Bielefeld gespielt haben soll. Christlich- nationale Arbeiter sollen gezwungen worden sein, die Stadt zu verlassen. Einen zweiten Fall führt der Redner aus Heidelberg an.(Abg. Frank: Die Sache ist längst als Lüge widerlegt, sie ist gelogen wie gedruckt. Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.)(Als der Redner noch cnW» dritten Fall eines angeblichen sozialdemokratischen TerroriS- znu» aus Spandau vorträgt, rufen ihm mehrere Mitglieder der Linleni zu: Tierhalter! Tierhalter!) Jawohl, das gehört z.'lr Sache; ich will beweisen, daß nicht wir, sondern Sie den Leuten das Brot wegnehmen.(Lachen bei den Sozialdcmo- »raten; Abgeordneter Ledebonr ruft: Reden Sie nur weiter, es ist sehr hübsch! Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Es ist eine gewissenlose Verleumdung, wenn Sie(zu den Sozialdemo- traten) behaupten, daß wir dem kleinen Mann das Brot weg- nehmen. Vizepräsident Kampf: Sie haben eben in bezug auf Mit- glieder dieses Hauses gesagt, sie hätten eine gewissenlose Ber- leumdung begangen. Wegen, dieses Ausdruckes rufe ich Sie zur Ordnung. Abg. v. Treuenfels(fortfahrend): Ich weiß, daß ich einen unparlamentarischen Ausdruck gebraucht habe, aber es gibt gewisse Handlungsweisen, für die man keine parlamentarischen Bezeich- uungen hat.(Sehr gut! recht.— Abgeordneter Scheidemann ruft: „3. 23. für Ihr Verhalten." Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) '' bitte, die Regierungsvorlage unverändert anzunehmen.(Bei- rechts.) Vizepräsident Kaempf: Die Abgeordneten Dr. Frank und Stolle haben beantragt, die Vorlage einer Kommission von 14 Mit- gliedern zu überweisen. Die Praxis des Hauses, ob ein solcher Antrag sogleich oder später zur Abstimmung kommen muß. ist bis- her keine einheitliche gewesen. Ich glaube annehmen zu dürfen, daß die Abstimmung über diesen Antrag sofort erfolgen muß. Abg. G-tliein(frs. Vg.): Wenn wir jetzt abstimmen, kann der nächste Redner wieder Kommissionsberotung beantragen, und wir kommen aus den Abstimmungen gar nicht heraus. Abg. Dr. Spahn(Z.): Bei dieser Vorlage dürfte es sich empfehlen, die Abstimmung nicht sofort vorzunehmen. Die weitere Diskussion wird erst die Frage klären, ob eine Komm,ssions- beratung notwendig wird oder nicht. Abg. Basscrmann(natl.) schließt sich dem Abgeordneten Spahn an. ohne ein Präjudiz für die Zukunft schaffen zu wollen. Abg. Dr. Frank(Soz.): Wir sind damit einverstanden, daß die Abstimmung am Schlüsse erfolgt. Vizepräsident Kamps: Ich richte mich natürlich nach dem Wunsche de? Hauses. Abg. Hagem- nn(natl.): An mir soll es nicht liegen, wenn der Antrag nicht sofort zur Abstimmung kommt.(Heiterkeit.) Ich will Sie nur ganz kurz im Namen unserer Partei bitten, unter Ablehnung der sozialdemokratischen Anträge, die uns zum Teil ein unschöner Will zu sein scheinen, die Regierungsvorlage im Interesse des Mittelstandes anzunehmen.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Stolle(Soz.): Alle gegen den ß 833 gemachten Einwendungen laufen daraus hinaus, daß der Tierhalter nur zu Unrecht hafte, wenn der Schaden nicht auf sein Verschulden zurückzuführen sei. So hat der Staats- sekretär ausgeführt, daß zwar das französische Recht«inen all- gemeinen Schadenersatz nach dem Gefährdungsprinzip kenne, daß aber im deutschen bürgerlichen Recht durchweg da? VerschuldungS- Prinzip herrsche und infolgedessen die Gefahrhaftung des Tierhalters eine willkürliche sei. Das ist aber durchaus unrichtig. Im Betriebe des Eisenbahnunternehmens kennen wir die gleiche, weit aus- gedehnte Gefahrhaftung, und in dem neuen Automobilgeseh will die Regierung sie einführen. In der Begründung dieses Gesetz- entwurfes sagt derselbe Staatssekretär, der die Hastung des Tier- Halters für ungerecht erklärt, daß es den allgemeinen Rechtsgrund- sätzen entspreche, daß der durch einen mit gemeiner Gefahr ver- bundenen ZZetrieb entstandene Schaden von dem Leiter des Be- triebes ersetzt werde.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dabei ist es selbstverständlich, daß ein Betrieb oder ein Automobil ihrer Natur nach viel weniger gefährlich find als ein Tier, daß die selbständige, vom Menschenwillen unbeeinflußte LZewegungssähigkeit hat. Wir haben also zwei RechtZanschauungen in der Seele des Staatssekretärs, zwei rechtliche Tendenzen in dem Rechtsleben eines Staates.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Staatssekretär hat weiterhin ausgeführt, daß die Haftung des Tierhalters ja nur für diejenigen Fälle ausgehoben werden soll. in denen dieser nachweist, daß er die notige Sorgfalt für die Beauf. sichtigung und Leitung des Tieres aufgewendet hat, aber eS besteht die große Gefahr, daß mit der Annahme des RegierungSentwurses die Haftung oes Tierhalters praktisch ganz beseitigt wird. Ein so hervorragender Jurist wie Prof. Eneccerus hat auf dem 23. Deut- scheu Juristentage in Kiel ausgeführt, daß eS den Tierhaltern sehr leicht werden würde, zu beweisen, daß auf ihrer Seite kein Ver- schulden liege und daß sie bei der Auswahl der Personen für die Beaufsichtigung des Tieres die nötige Sorgfalt aufgewendet hätten. Ein vorsichtiger Rechtsanwalt würde, so meinte dieser Gelehrte mit Recht, nach Annahme des Regierungsentwurses einen Prozeß aus Ersatz von Tierschaden überhaupt nicht mehr anstrengen.(HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich wundere mich, daß die Herren Juristen in diesem Hause so wenig Wert legen auf das Urteil der deutschen Juristenwelt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Bei anderen Gelegenheiten hat der Staatssekretär selbst gesagt, daß er den Beschlüssen des Deutschen Juristentages die größte Be. deutung beimesse, aber jetzt scheint sich ja anläßlich dieses Gesetzes seine Anschauung gewandelt zu haben. Nach einer Statistik der Versicherungsanstalten läßt sich in tausend Fällen von Tierschaden nur bei 22 ein Verschulden des Tierhalters nachweisen. In welche Gefahr bringen Sie das deutsche Volk, den kleinen Handwerker und Arbeiter, der einen Tierschaden erleidet. Ich gebe ja zu, daß es hart ist für den kleinen Tierhalter, den Bauer oder kleinen Handels- mann, der ein Pferd nötig hat, um sein Feld zu bestellen oder seine Waren zu verkaufen, wenn er einen Tierschaden ersetzen muß und dadurch nahezu ruiniert werden kann. Aber was tauschen sie dafür ein? Haben Sie sich die Frage vorgelegt, was der Arbeiter oder kleine Handwerker machen soll, der einen Tierschaden erlitten hat .und zum Krüppel geworden ist? Um tausend Tierhalter von der lästigen Ersatzpflicht zu befreien, geben Sie tausend arme Familien. Väter dem Hunger und Elend preis! Der Arbeiter und der kleine Handwerker können sich nicht gegen Tierschadcn versichern; sie sind dem Elend preisgegeben, wenn sie einen Unfall erleiden und keinen Pfennig Entschädigung bekommen.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Wohin steuern wir? Um die Besitzer zu entlasten, werden Tausende von Nichtbesitzenden in die größte Gefahr gebracht. Ich will den Agrariern nicht den Vorwurf des Eigennutzes machen. aber rein menschlich betrachtet ist der Regierungsentwurf eine Grausamkeit. Jeder Tierhalter kann sein Vieh für wenige Pfennige, kann sich gegen Pferdeschaden für 3 M. im ganzen Jahre versichern. Das ruiniert selbst den ärmsten Kleinhändler und Landwirt nicht, cL ist Sine Saumseligkeit, wenn er diese Versicherung nicht abschließt. Nun sagt allerdings die Regierungs- vorläge und mit ihr Herr v.Treuenfels, die Mehrzahl der kleinen Besitzer sei dazu nicht zu bewegen. Wir können die Bauern weder für so rückständig halten wie Herr v. Treuenfels, daß er glaubt, sie nicht überzeugen zu können, wenn man ihnen den Nutzen ver- nünftig auseinandersetzt, noch für so grausam, daß sie sich aus Eigennutz ihrer Menschenpflicht entziehen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Herr v. Treuenfels sagt: Dann müßten wir eine Zwangsversicherung einführen und das würde den Sozial. dsmokrateu so recht in ihren Kram passen. Zwangsversicherungen hat cs in Denischland gegeben, noch ehe der Gedanke der Sozial- dcniokratie geboren war. und überall haben sie sehr vorteilhaft und wohltätig gewirkt. So wird z. B. die zwangsweise Feuer» Versicherung in meinem Heimatlands von Millionen als Segen empfunden. Wir würden eS durchaus für richtig halten, wenn auch gegen den Tierschaden eine Zwangsversicherung der Tierhalter eingeführt würde.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Herr v. Treuenfels berief sich weiter darauf, daß nur der durch Arbeitstiere verursachte Schaden von der Ersatzpflicht befreit sein sollte, nicht auch der durch Luxuspferdc. Aber wie wollen Sie den Unterschied machen, wenn ein Großgrundbesitzer sich ein Pferd hält, das er zuweilen auch für die Landwirtschaft oder für die Ernte gebraucht? Dann wird ihm der Richter natürlich glauben müssen, daß das Tier ein Arbeitspferd ist, und der Ge- schädigte kommt um den Ersatz.— Der Abg. v. Treuenfels hat lang- atmig über den Terrorismus der Arbeiter gesprochen. Ich weiß nicht, wie das zu diesem Gesetze paßt,(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten) aber ich könnte Ihnen den ganzen Tag lang wahres Material vortragen über den TcrrorismuS der Arbeitgeber in Stadt und Land. �Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wir haben da Hunderttausende von Einzelfällen und nicht solche Fälle, wie der Ab- geordnete v. Treuenfels, bei denen schon monatelang in den Zei- tungen festgestellt worden ist, daß an ihnen lein Wort wahr ist. Der Abgeordnete v. Treuenfels hat sich dann über unseren Antrag auf Ersatz des Hasenschadens gewundert. Weiß er denn als ländlicher Großgrundbesitzer nicht, daß der Jagdpächter oder Jagdinhaber als Besitzer de» Wildes gilt und daß, wer ihm ein Stück wegnimmt, als Wilddieb bestraft wird? Den Vorteil von dem Besitze des Wildes wollen sie also einstecken, aber der Pflicht zum Ersätze des Wildschadens wollen Sie sich entziehen!(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Eine Aenderung des 8 833 liegt nicht im Interesse des deutschen Volkes. Ich bitte Sie, die Rc- gierungsvorlage im Interesse der Menschlichkeit abzulehnen.(Leb- hafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dave(frs. Vg.): Wenn wir den ersten Eingriff in das Bürgerliche Gesetzbuch machen, so können wir wohl verlangen, daß dieser Eingrifk nach gründlichster Ueberlegung erfolgt. Vor allem ist der Begriff des Haustiers gar nicht geklärt. Wenn der Bauer am Sonntag mit seinem Pferde spazieren fährt, ist dieses Pferd zu dieser Zeit zweifellos ein Luxustier. Staatssekretär Nieberding: Wenn die gewünschte Kommission eS versuchen wollte, all die im Laufe der Diskussion berührten Zweifelsfragen zu lösen, so kann ich Ihnen versichern, daß sie damit niemals fertig werden wird. Ich bin überzeugt, daß die Kam- Mission zu keinem wesentlich anderen Resultat kommen wird als die verbündeten Regierungen. Abg. Dr. Spahn(Z.) empfiehlt nochmals den Antrag Bitter. Abg. Schmidt-Warburg(Z.): Nachdem der Antrag auf Kam- missionsberatung nun von einer großen Partei gestellt ist,(Zuruf bei den Freisinnigen: Ach, in der 1. Lesung waren cs drei ganz kleine Parteien, die zusammen nicht so viel ausmachten wie die sozialdemokratische. Widerspruch bei den Freisinnigen. Große Heiterkeit) werden wir für ihn stimmen. Abg. Stadthagen(Soz.): (bei der großen Unruhe schwer verständlich) bleibt dabei, daß der Entwurf eine Bereicherung von Wohlhabenden auf Kosten von Witwen und Waisen minder Wohlhabender bedeute. Herr v. Treuenfels hat eine Reihe von angeblichen sozialdcmo- kratischen TerrorismuSsällen angeführt. Sie sprechen in diesem Gesetz von der„erforderlichen Sorgfalt". Ich halte eS für eine außerordentliche Verletzung der erforderlichen Sorgfalt, wenn jemand hier eine Anzahl ZeitungSausschntite sich zusammenklebt oder kleben läßt, deren Inhalt als krasse Lügen und Erfindungen außerhalb des Hauses langst erwiesen ist. Es gehört zur not- wendigen Sorgfalt, daß man sich erst davon überzeugt, ob das wahr ist. was man hier vorträgt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- traten.) Es hieße die Zeit des Reichstags unnütz vergeuden, wenn wir hier auf jede Unwahrheit, die von einer gewerbsmäßig Un- Wahrheiten verbreitenden Zeitung weitergetragen ist, eingehen wollten. Weiter sprach Herr v. Treuenfels von seinen väterlichen Kühen und Ochsen. Er meinte, ein Ochse der auf der Landstraße einen Zug von Wahlrechtsdemonstranten erblickt, würde unruhig werden und Schaden anrichten. Als Pythagoras seinen Lehrsatz entdeckt hatte, soll er aus Freude darüber eine Hekatombe Ochse» geopfert haben. Seitdem zittern bekanntlich alle Ochsen, wenn sie die Wahr- heit wittern. Ich freue mich, daß die Ochsen des Herrn v. Treuen» fels anfangen, die Wahrheit der Notwendigkeit des Reichstagswahl- rechts in Preußen zu wittern,(tzeitcrteitl) Der Antrag Frank(Soz.) auf Einsetzung einer Kommission von 14 Mitgliedern wird hierauf mit den Stimmen der Sozial. demokraten, Freisinnigen und des Zentrums angenommen. Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Freitag, 11 Uhr vormittags.(Zusatzakte zur Brüsseler Zuckerkonvention und Abkommen zwischen Rußland und Deutschland über den Zucker. Zweite Beratung der Maß- und Gewichtsordnung.) Schluß Wa Uhr._ Nachtrag zum gestrigen Parlamentsbericht. Infolge eines Versehens ist aus dem Bericht über die Rede des Abgeordneten K r e t h ein Teil fortgefallen. Wir holen dies nach: Als Kreth sagte:„Wenn Sie(zu den Sozialdemokraten) es nach italienischem Muster versuchen wollten, die Kinder und Frauen als Schild bei Ihrer Demonstration zu benutzen", erhoben sich stürmische Entrüsluugsrufe von der sozialdemotralischen Fraktion. „Ihre Unterstellung ist eine elende Infamie",„Feiger Verleumder!" „Verlrumdungen vom Stamm des Kreih",„Polizeischüyling",„Sie sind schlimmer als ein Spitzel",„Elender Feigling" ichwirrte es zum Redner. Die durch KrethS Anwürfe hervorgerufene Unruhe dauerte mehrere Minuten. Vizepräsident Kaempf versuchte vergeblich die Ruhe wieder herzustellen..Die Kritik meiner Person", fuhr der Redner, dem fortdauernd zugerufen wurde:„Runter von der Tribüne!" fort, „durch Parteibudiker, ist mir ganz egal! Wenn Herr Stadthagen ruft, ich hätte Furcht, so proponiere ich ihm ein Rentonter mit mir und verpflichte mich, keine Polizei hinzuzuziehen.(Heiterkeit rechts, sortdauernde Zurufe von den Sozialdemokraten:„Runter von der Tribüne I") Schließlich verläßt der Redner die Tribüne mit dem schon gestern wiedergegebenen Schlußsatz. Mgeoränetenkaus. 18. Sitzung vom Donnerstag, 23. Januar. 11 Uhr. Am Ministertische: Freiherr v. Rhcinbaben. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Interpellation der Abg. Kreth(k.) und Genossen:„Welche Maßnahmen ge- denkt dre Königliche Staatsregierung zu ergreifen, um Schä- digungen durch den hohen Bankdiskont tunlichst von den Erwerbskreiscn des Mittelstandes fernzuhalten?" Zur Begründung der Interpellation erhält das Wort Abg. Kreth(k.): Der hohe Bankdiskont hat namentlich die kleinen Landwirte schwer getroffen. Ohne die Preußcnlasse wäre der Zustand überhaupt unerträglich gewesen. Finanzminister v. Rheinbabcn: Mit der glänzenden Ent- Wickelung unserer Volkswirtschast haben unsere ZahlungSverhält- nisse nicht Schritt gehalten. Jeder von uns trägt noch viel zu viel Hartgeld mit sich herum.(Lebhafte Heiterkeit.) Der Scheck- und Giroverkehr muß noch bedeutend erweitert werden. Was in meinen Kräften steht, werde ich gern tun, um dem Mittelstand und der Landwirtschaft billigen Kredit zu verschaffen.(Lebhaftes Bravo! rechts.) Abg. v. Hevbebrand(f.) beantragt die Besprechung der Jnter- pellation, die auch beschlossen wird. Mg. De. Fachender(Z.) führt aus: Nicht die Zotltarifpoliti?. sondern die Konzentration der Industrie und des Bankwesens, die eine Folge des LörsengejctzeS sei, sei die wirtliche Ursache der Versteifung deS Geldmarktes. Abg. Rcwoldt(fk.t erklärt sich mit den Ausführungen dcL FinanzministcrS einverstanden. Abg. Dr. Friedbcrg(natl.): Kleinere Zahlungen sollten mehr als bisher in Silber geleistet werden, um den Goldbestand zu schonen. Mit einer Erhöhung des Kapitals der Preußischen Ze» lralgenossenschastskasse bin ich einverstanden.(Beifall.) Abg. Dr. Crüger-Hagen(frs. Vp.): Tie Zollpolitik hat Zweifel- los zu einer Preissteigerung für alle Produkte und auch des Geldes beigetragen. Die gegenwärtigen Verhältnisse sind eben das Pro- dutt der gesamten Wirtschaftspolitik, und man sollte nicht bei den kleinen Gewerbetreibenden die Hoffnung erwecken, daß sie durch eine Erhöhung des Kapitals der ZentralgenossenschastStosse vor den Schwankungen des Bankdiskonts bewahrt werden könnten.(Sehr richtig! links.) Mit künstlichen Mitteln läßt sich auf dem Kredit- gebiet gar nichts erreichen.(Beifall links./ Präsident der Preußischen Zentralgcnossenschaftskasse Heiligen- stadt: Den Vorwurf deS Vorredners, wir wollten einen stabilen Zinsfuß einführen, hat er dem Arsenal seiner„ollen Kamellen" entnommen.(Heiterkeit.) Wir haben uns niemals angemaßt, einen stabilen Zinsfuß einführen zu können, das ist nur in ge- wissem Maße in einem bestimmten engen Kreise möglich.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Münsterberg(frs. Vg.): Am meisten haben die Großbanken unter dem hohen Zinsfuß zu leiden gehabt.(Sehr richtig! links.) Der hohe Zinsfuß ist doch nur die Folge der rück- läufigen Konjunktur, die sich so schwer, besonders im Baugewerbe, bemerkbar macht und zu der großen Arbeitslosigkeit führt. Auch ich habe den dringenden Wunsch, daß der Scheckverkehr sich in den weitesten Kreisen einbürgert, aber der Herr Finanzminister sollte noch ein weiteres tun und eine allgemeine Verfügung erlassen, daß alle Beamten angewiesen werden. Schecks unter allen Umständen anzunehmen.(Bravo! links.) Ein Antrag auf S ch l u ß der Debatte wird angenommen. Es folgt die Beratung der folgenden Interpellation Graf v. C a r m e r: „Welche Maßnahmen gedenkt die kgl. StaatSregierung zu treffen, um den immer mehr überhandnehmenden A u S s ch r e 1- tungen bei dem Betriebe von Kraftfahrzeugen besser wie bisher zu begegnen?" Eisenbahnminister Breitenbach erklärt sich bereit, die Jnter- pellation sofort zu beantworten. Zur Begründung der Interpellation erhält das Wort: Abg. Graf v. Carmer(k.): Die Roheit mancher Automobil- fahrer, die rücksichtslos im rasenden Tempo dahinfahren, muß von unS auf das schärfste verurteilt werden. Besonders tun sich hierbei die sogenannten Sonntags-Automobilisten hervor. Das Schlimmste ist, daß sich solche Autler dann noch der Verantwortung durch die Flucht entziehen.(Sehr richtig! rechts.) Das ist in über 16 Proz. sämtlicher Unfälle der Fall gewesen. Ebenso verurteilenswert ist natürlich die Selbsthülfe des Publikums, die sich auch gegen un- schuldige Autler richtet. Daher muß der Staat mit Verordnungen eingreifen; die Prüfung der Chauffeure muß verschärft und unter staatliche Aufsicht gestellt werden. Ferner müssen die Strafen, di natürlich nicht der Chauffeur, sondern der reiche Auwmobil- besitzer trägt, wesentlich erhöht werden. Eine unerhörte Belästigung des Publikums liegt weiter darin, daß auf öffentlichen Straßen Automobilrennen abgehalten werden. (Sehr richtig! rechts.) Endlich halten wir eine verstärkte Haftpflicht der Automobilbesitzer für dringend geboten und hoffen, daß das betreffende Gesetz dem Reichstag baldmöglichst zugeht.(Bravo! rechts.) Minister Breitenbach: Die Regierung erkennt ihre Verpflich- tung an, die Bevölkerung vor den Gefahren de? Automobilverkehrs zu schützen. Andererseits ist es ihre Aufgabe, die Entwickelung der bedeutungsvollen Auwmobilindustrie zu fördern. Ein Teil der Beschwerden erklärt sich immer noch aus der Neuheit dieses Verkehrs.(Widerspruch.) Bei der Einführung des elektrischen Straßenbahnverkehrs haben wir genau dieselben Erfahrungen ge- macht. Der größte Teil der Gefährdungen durch Automobile ist allerdings auf Auswüchse zurückzuführen.(Sehr richtig!) Es sind bereits jetzt einheitliche Polizeiverordnungen über das ganze Staatsgebiet erlassen, die schärfer sind als in allen anderen Bundesstaaten. Den Exckutivorganen ist cS aber leider in vielen Fällen nicht möglich, die Exzcdenten zu fassen. Zweifellos weist der heutige Zustand noch Mängel auf. Das Maximum der Polizeistrafe ist ungenügend. Durch Gesetz wird den Polizeibehörden die Be» fugniS gegeben norden müssen, höhere Hast, trafen zu erlassen, ferner unzuverlässigen Fahrern, auch Selbstfahrern, die Fahr- erlaubniS zu entziehen. Weiter müssen von Staats wegen Kurse für Chauffeure eingeführt oder beaufsichtigt werden. Leute, die wegen Roheitsvergehen bestraft sind, sollten nicht zu den Prü- fungen zugelassen werden.(Bravo I rechts.) Das Haftpflichtgesctz wird dem Reichstag bald zugehen.(Bravo i rechts.) Abg. Frhr. v. Etznetten(Z.): Die Maßnahmen gegen fahrlässige Zluwmobihsten sollten erheblich verschärft werden. Leute z. B., dw auch nur einmal mit einer gefälschten oder unkenntlich ge» machten Nummer betroffen werden, sollten niemals mehr ein Auw- mobil fahren dürfen. Abg. Strosser(k.): Wir haben wohl alle die Empfindung, daß die Regierung gegen die Auswüchse des Automobilverkehrs bisher nichts Genügendes getan hat; sonst hätten wir doch andere Erfolge zu verzeichnen.(Sehr richtig?) Der Kurfürstendamm in Berlin wird von den Automobilisten als Rennbahn benutzt. Bei dc> TaunuSrennfahrt hat man tagelang die Chaussee für jeden anderco Verkehr durch Stacheldrähte gesperrt. Nächste Sitzung: Freitag 11 Uhr.(Fortsetzung der Beratung des Etats der landwirtschaftlichen Verwaltung; Etat der Gestüts- und der Domänenverwaltung.) Schluß 5 Uhr._ Der Rest des fililltäretats in der Budgethornmission, (38. Januar.) Die Sitzung wird aufgenommen mit der Weiterberaümg der einmaligen Ausgaben. Die Titet 3g bis 103. welche For» derungen für Unterofsizierschulen und W a f f e n w e; e n in verschiedener Höhe enthalten, werden ohne Debatte bewilligt. In Titel 110 werden 13 806 000 M. für Versuche im Waffen- wesen gefordert, 10'/, Millionen mehr als im Vorjahre. Der Referent Erzberger gibt aus Grund der ihm in einer ver- traulichen Borbeiprewung mit den Berlretern des Kriegs- Ministeriums gewordenen Kenntnisse eine Begründung dicker außer- gewöhnlich hohen Mehrforderung. Die Kommission"will, ohne ein Won zu sagen, die Forderimg bewilligen, aber Genosse S üdetum erhebt Einspruch und verlangt, daß sie s e l b st die technische Be- gründung zu diesen hoben Forderungen gebe und sich nicht hinter den Referenten verschanze. Erzberger faßt das als einen gegen i h n gerichteten Angriff auf, Südetum« An- griff richtet sich indesie» allein gegen den Kriegs- m i n i st e r und desicn zahlreich anwesende militärische Beiräte. Trotz wiederholter' durch Südetum blcil gebenen Offiziere losigkeit gegen die nur von den Sozia lh haben, daß die wird, was den wird.— Die Anfp weiterer Positionea." Herausforderung des Kriegsministers schweigend sitzen, und die ihm»nrcr- natürlich nicht zu reden. Diese RücksichtS- nniifsion, die allerdings, wie eS scheint, . �.en empfunden wird, dürfte zur Folge im Plenum um so eingehender besprochen 'aii'ter dann wohl zum Sprechen bringen genehmigt, ebenso eine große Zahl Cef einer neuen Ausgabe für die Artillerie(im Betrage Von 13 Millionen Mark(Titel 118) zwingt Erzberger den General v. Armin dadurch eine Begründung zu geben, dag er selbst mit seinen Ausführungen wartet, bis die Militärverwaltung ausführliche Angaben gemacht hat. Diese Anforderung wie die Weileren in den Titeln 119 bis 161 werden ohne Debatte bewilligt, In Titel 1S2 werden 120 000 M. verlangt für Erweiterung eines eigenen Wasserwerkes der Militärverwaltung in Mörchingen. Es liegt dazu eine Petition der Stadt vor, welche der Militärverwaltung Wasser anbietet, Südekum, Erzberger und der Korreferent sprechen gegen die Forderung der Regierung, weil damit eine durchaus unwirtschaftliche Ausgabe gemacht werde; sie stellen den Antrag, den Posten zu streiche». Nachdem der Kriegs- minister die Forderung verteidigt und darauf hingewiesen hat, daß 40 000 M. für Grunderwerb zur Erhaltung des schon bestehenden Werkes absolut norioendig seien, kommt Erzberger entgegen und beantragt nur 40 000 statt 120 000 M, zu bewilligen. Der Autrag wird gegen die sozialdemokratischen und freisinnigen Stinimen a n- genommen, die Petition als Material überwiesen. Der Rest der einmaligen Ausgaben wird ohne Einwendungen genevmigt. Der außerordentliche Etat erfordert 40 Millionen Mark, meist für F e st u n g s b a u t e n. Es werden hierbei eine Anzahl Beschwerden über die Rayonbcschränkungen der Bewohner in de» Festungen vorgebracht. Nach langer Debatte, in welcher die Militär- Verwaltung sich eingehend über das Festungswesen äußert, werden die geforderten Summen bewilligt, Die einmaligen Ausgaben für den sächsischen und wiirttembergischen Militäretat iverde» nach kurzer Bc- gründung durch den Referenten ohne Abstrich genehmigt, Die recht geringen Einnahmen beim Militäretat finden nach unwesentlicher Debatte Genehmigung. Die Beratung wendet sich nunmehr dem folgenden, schon vor einigen Tagen gestellten Antrag Erzberger und Genossen zu: Der Reichstag wolle beichliehen: die Verbündeten Regierungen zu eriuchen, spätestens im ReichShaushaUSetat für das Jahr 1909 Maßnahme» zu treffen, um: L eine Erhöhung der Löhne der bei der Heeresverwaltung— aus- schließlich der Feldzengmeisterei— beschäftigten Personen in der Weise eintreten lassen zu können, daß die Löbne mindestens nicht hinter den ortsüblichen Löhnen zurückbleiben; 2. für die in der Feldzeugmeisterei bescbäfligten Personen den Reunstundentag einschließlich der bezahlten Pausen durchführen zu können. Korreferent v, E lern wendet sich gegen den Antrag; er beantragt seinerseits, daß die Militärverwaltung nur in Erwägung darüber eintritt, ob die im Antrag Erzberger erhobenen Forderungen erfüllt werden können. General S i x t v. Armin glaubt, daß Erzberger zu seinem Antrag nur gekommen sei, weil die Lohnstalistik schwer verständlich ist und kein genaues Bild gibt. Was die Arbeitszeit anlange, so bestehe schon fast überall der neunstündige Arbeitstag. allerdings die Pausen nicht eingerechnet. Abg. Stückten ist mit dem Antrag Erzberger einverstanden; denn zweifellos seien die L ö h n e zu niedrig. Bedenken erregt nur der Ausdruck.ortsüblicher Lohn"'. Er möchte genaue Auskunft von der Militärverwaltung haben, was sie unter ortsüblichen Lohn versteht und wie sie den feststellt. Ihm sind Vorgänge bekannt, die ein recht eigenartiges Licht aus die hier bestehende Praxis werfen. Die Militärsattler suchten um Audienz beim Kriegs- minister nach, um Klarheit über die Lohnfestsevung zu erlangen; die Audienz wurde vom Kriegsminister abgelehnt, und nachdem die Arbeiter dann ihre Beschwerden schriftlich eingereicht, schrieb ihnen General L o ch o w. es liege keine Veranlassung zu Arnderuagea vor I Weiter bringt Stucklen Bei ch werden über die Mißstände im BckleidungSaint Altona-Bahrenfeld bor. Dort sollten die Schneider den neuen Waffenrock, der mehr Arbeit erfordert als der alte, zum gleichen Preise wie den alten fertigen. Es kam zu Konflikten und man maßregelte zwei Arbeiter- ausschußmitglieder, weil sie der Schneiderorganisation angehörten! Ueberhaupt bestehen dort tolle Zustände; die Arbeitsordnung gleicht einer Gefängnisordnung und fast hinter jedem Schneider steht ein Anfsichtsbeamter. Die Bezahlung ist auch sehr unter- schiedlich in den verschiedenen BekleidungSämtem: in T h o r n und Danzig gab man Arbeit an Innung Smeister, welche sie aber bei Heimarbeitern herstellen ließen. Die Schneider des BekleidiingsamteS Straßburg erhallen z. B. für den Rock 6,30 M., jene» Zwischenmeistern zahlt man S,S0 M.I Der Kriegsminister antwortete ziemlich heftig: Die Arbeiterdeputation habe er nicht empfangen, weil er verreist gewesen. Die ortsüblichen Löhne würden festgestellt durch Er- kundigung bei den Hnndwerlerkammern und Gemeindebehörden. Die in Bahrenfeld entlassenen«chneider seien„Hetzer" gewesen; eS sei von der sozialdemokratischen Gewerkschaft ein förmlicher Feldzug gegen das Bekleidungsamt inszeniert worden. General L o ch o w malt das Bild noch etiva» grausiger: Brand- reden feien gehalten und Geld fiir die Gewerkschaft gesamnrelt worden; deshalb habe man vier Mann entlassen. Erzberger zieht seinen Antrag zugunsten des v. Elernschen zurück! Mit der Heimarbeit ist er auch nicht einverstanden, glaubt aber dem General v, Lochow, daß die Koalitionsfreiheit in den Militär- Werkstätten gesichert sei.... S t ü ck l e n hat keine Lust, sich mit dem Kriegsminister über die Sozialdemokratie auseinanderzusetzen. Zur Sache selbst weist er nach, daß Lohnkürzungen stattgefunden; die Festsetzung des ortsüblichen Lohnes ist so. wie es jetzt geschieht, durchaus m a n g e l h a f t; die in a ß g e b e n d e n Stellen werden nicht erst gefragt. Im weiteren spricht er eingehend gegen die Heim- arbeit; M u g d a n ist auch gegen Heimarbeit; über die Beschwerde StücklenS will er sich kein Urteil erlauben. General v. Lochow gibt Stücklen zu, daß die Heimarbeit von der Militärverwaltung nicht gefördert werden soll. Der Antrag v, Elern wird daraufhin angenommen. Es werden sodann eine große Anzahl Petitionen erledigt, womit die Beratung des MilrtäretatS ihren Abschluß findet. Der Etat des Allgemeinen PensionsfondS führt zn einigen Auseinandersetzungen über Pensionsberechtigungen usw. ES wird ei» Antrag des Abg. Oriolo angenommen, wonach den Militäranwärtern ein Teil ihrer Militärdienstzeit bei Bemessung des Grundgehalts anzurechnen ist. vss lüelchsvminsgeietz vor der Kommission. Die ReichStagskommission zur Vorberatung dcS ReichSvereinS- gefetzeS setzte am Donnerstag ihre Beratungen bei§ 2 der Re» gierungsvoriagc fort, der nach dem Entwurf folgenden Wort- laut hat: „Jeder Verein, der eine Einwirkung auf öffentliche An- gelegenheitcn bezweckt, muß einen Lorstand und eine Satzung haben. Der Vorstand ist verpflichtet, binnen einer Woche nach Gründung des Vereins die Satzung sowie das Verzeichnis der Mitglieder des Borstandes der für den Sitz des Vereins zu- ständigen Polizeibehörde einzureichen. Ebenso ist jede Aendcrung der Satzung, sowie jede Aende- rung in der Zusammensetzung des Vorstandes binnen einer Woche nach dem Eintritt der Acnderung anzuzeigen. Die Satzung sowie die Aendcrungen sind in deutscher Fassung einzureichen." Abg. Dr. Müller-Meiningcn(frs. Vp.V stellte und begründete den Antrag, den Absatz 1 folgendermaßen zu fassen: „Jeder Verein, der eine Einwirkung auf politische Angelegen- besten bezweckt(politischer Verein) muß einen Vorstand und eine Satzung haben." Auch das Zentrum hat eine Reihe von Abändcrungsanträgen zu diesem Paragraphen gestellt. Sein Hauptantrag hat folgenden Wortlaut: „Jeder Berein, der eine Einwirkung auf die Regelung poli- tischer Angelegenheiten bezweckt, muß einen Vorstand und eine> Sahung haben. Politische Angelegenheiten km Sinne dieser Be- stimmungen sind solche, welche Verfassung, Verwaltung. Gesetz- gebung des Staates, die staatlichen Rechte der Bürger und die internationalen Beziehungen der Staaten in sich begreifen. Vcr- eine, welche eine Einwirkung auf die Regelung politischer An- gelegenheiten im Rahmen der Berufs- und Standesinteressen be- stimmtcr Personenkreise bezwecken, gelten nicht als politische Ver- eine." Weiter beantragt das Zentrum, dem§ 2 einen neuen Absatz hinzuzufügen: „Auf Zweigvercinc. Ortsgruppen. Zahlstellen und sonstige ort- liche Abteilungen eines Vereins finden die vorstehenden Bc- stimmungen keine Anwendung." Nachdem Abg. T r i m b o r n(Z.) diese Anträge begründet hatte, verteidigte Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg die Regierungsvorlage. Er wandte sich gegen alle Anträge die Pflichten der Vereine weiter einzuschränken, und wollte auch die Wahlvereine und Wahlversammlungen von den Polizeibestimmungen deS L 2 nicht ausgenommen wissen. Die sozialdemokratischen Anträge zu diesem Paragrapheu begründete Genosse Heine: Wir schlagen für den Absatz 1 folgende Fassung vor: „Jeder Verein, der bezweckt, durch mündliche Erörterungen und Versammlungen auf die Gesetzgebung deS Staates einzuwirken (politischer Verein), muß einen Vorstand und eine Satzung haben." Zur Begrenzung des Begriffes eines politischen Vereins sollen dem Absatz 1 noch folgende Worte hinzugefügt werden: „Als politisch im Sinne des Vereinsgesetzes sind nicht anzu- sehen die Zwecke, günstige Lohn- und Arbeitsbedingungen für die Teilnehmer oder weitere Kreise herbeizuführen oder die geistige oder körperliche Ausbildung der Teilnehmer oder weiterer Kreise zu fördern, sowie religiöse Zwecke, auch wenn diese Zwecke durch Eimvirkung auf die Gesetzgebung verfolgt werden." Der Absay 2 soll nach den Anträgen unserer Fraktion folgende Fassung erhalten: „Der Vorstand ist verpflichtet, die erfolgte Gründung des Ver- eins binnen einer Woche, der für den Sitz des Vereins zuständigen Polizeibehörde anzuzeigen. Die Anmeldung von Vereinen, die ihre Tätigkeit über den Bezirk eines Ortes ausdehnen, z. B. durch Abhaltung vo>l Versammlungen. Versendung von Druckschriften. Errichtung von besonderen Zweigvereincn, Filialen, Zahlstellen oder dergleichen, hat nur an dem Orte zu erfolgen, wo der Sitz der Zentralverwaltung ist." Die Absätze 3 und>4 des Paragraphen sollen nach unseren An- trägen gänzlich gestrichen werden. Unter Anführung zahlreicher Beispiele wies Genosse Heine nach, daß die Fassung ocS sozialdemokratischen Antrages am besten geeignet sei, die Polizeischikanen ein wenig einzudämmen. Nachdem Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg in längerer Rede versucht hatte gegen Heines Ausführungen zu pole- misieren, wandte sich Abg. Kohl(Z.) in temperamentvoller Rede gegen die Anzeigepflicht der Vorstandsmitglieder bei politischen Vereinen. Die Reichstagßabgcordneten aus Bayern würden sich bei der Annahme solcher Bestimmungen in ihrem Lande nicht mehr sehen lassen können. Der Redner faßte sein ganzes Entsetzen über den preußisch-reaktionären Charakter deS ReichSvercinSgesetzes in die Worte zusammen: «Gott sei Dank, daß ich kein Preuße bin!" eine Bemerkung, die der Vorsitzende als„der Sache nicht dienlich" bezeichnete. Abg. v. P a h c r(Deutsche Vp.) betonte, es schade jedenfalls nichts, wenn die Herren von der Regierung erführen, wie die Stimmung im Lande sei. Die Vertreter der süddeutschen Staaten, die bis jetzt freiere Zustände gehabt hätten, empfänden die große Verantwortung, die sie mit der Annahme eines rückschrittlichen Reichsvereinsgesetzes auf sich nehmen würden. Er werde nach dem bisherigen Verlaufe der Verhandlungen seinen Antrag aufrecht erhalten, die Ausführungsbestimmungen �sum Reichs- vcreinögesetz der Gesetzgebung der E i n z e l st a a t e n zu über- lassen.— Aba. Dr. I u n ck(natl.) forderte von dem Süden, daß er im Interesse eines einheitlichen Reichsvereinsgesetzes auf seine Freiheiten verzichten solle!!— Der Direktor im ReichSamt deS Innern, Just, ließ keinen Zweifel daran, daß nach Ansicht der Regierung die PolizeipraxiS und die Judikatur sich um die De- finitionen des Gesetzes wenig kümmern würden. Wenn man auch die Zweigvcreine usw. ausdrücklich von der Anmeldefrist befreie, so werde doch in jedem einzelnen Falle von der Behörde geprüfi werden müssen, ob nicht eine selbständige Gründung und ein an- zeigepflichtiges Vcreinsgebildc vorliege!! Abg. Heine(Sog.) �»g aus dem Gang der Beratungen den Schluß, daß die Kommission umsonst arbeiten werde. Die Re- gierung widersetze sich auch den kleinsten Verbesserungsanträgen und wolle im§ 2 des Entwurfs alle Schikanen, über die man sich bisher empört habe, aufrecht erhalten Die Erklärung des Sie- gierungSvertreterS über vaS Recht der Filialvereine zeige deutlich die Absicht, alles beim alten zu lassen. Wenn die Regierung die vom Reichstage beschlossenen Acnderungen nicht akzeptiere, möge sie die Verantwortung für das Scheitern des Gesetzes tragen. Abg. M ü l l er- Meiningen bittet den Staatssekretär und die befreundeten Parteien um wohlwollende Prüfung deS freisinnigen Antrages. Aus den Worten deS Abg. Kohl könne der Staats- sekretär ja ersehen, welches Haberfeldtreiben seitens des Zentrums gegen die Liberalen in Bayern losgehen werde, wenn sie nicht darauf bestehen blieben, die Freiheit der Wahlvcreine vor Ein- griffen durch die Polizei zu sichern! Die Stellung der Liberalen sei so schwer, daß die übrigen Parteien und die Regierung darauf Rücksicht nehmen und die liberalen Anträge annehmen sollte«.— Abg. Dietrich(k.) meint, auS solchen Erwägungen dürften doch nicht Gesetze zustande kommen.?7edner jammert nachträglich darüber, daß die württembcrgische Rcgicrung"ben internationalen Sozialistenkongreß in Stuttgart nicht durch ein Präventivvcrbot vereitelt habe.— Graf Oppersdorf(Z.) teilt seine Er- fahrungen aus der Praxis mit. Als Vorsteher eines Bauernvereins habe er ein großes Interesse daran, die Anmeldefrist solcher Ver- eine zu beschränken. Den Schluß der Beratungen bildete eine staatSmännische Block- rede des Herrn v. Payer(Deutsche Vp.), der nicht radikal abgeneigt ist, an gewissen Stellen Opfer zu bringen! Aber dann müsse das ganze Gesetz einen erheblichen Fortschritt» darstellen. Nächste Sitzung am 30. Januar. parlamentarisches. Die Kommission zur Beratung des dem Reichstage vor- liegenden Eniwnrf» eines Gesetzes betreffend Aendenmg des§ 63 deS Handelsgesetzbuches hat gestern ihre erste Sitzung abgehalten. Bei der Beratung im Plenum hatten sich alle Parteien gegen die von der Regierung vorgeschlagene Aendcrung, die den Handiungs- gehülfen im Falle der Erkrankung während der ersten sechs Wochen ibr volles Gehalt sichern, dafür aber das Krankengeld als Teilersatz für die Gehaltszahlung dem Prinzipal zulomnien lassen will, aus- gesprochen. ES war deshalb anzunehmen, daß die RegierungS- Vorlage im Sinne des Reichstags abgeändert werden würde und daß bei der Einmütigkeit der Parteien eine einzige Sitzung für die Konimissionsarbeit genügen würde. Die RcgierungSvertreler haben diese Absicht aber gründlich durchkreuzt. Der Unterstaats- sekretär Richter hielt eine lange Rede, in der er immer nnd immer wieder die Befürchtung aussprach: wenn man den Gehülfen zu dem Gehalt auch noch das Krankengeld zahle, werde der Simu- lation Tür und Tor geöffnet; deshalb dürfe man nicht weiter gehen als die Regierung vorschlage. Genosse Singer wies mit Nachdruck darauf hin, baß derjenige Gehülfe, welcher Krankheit simuliere, die Kündigung zu gewärtigen habe und daß schon um deswillen und weil der Arzt auch nicht leicht zu täuschen sei, sich Mißstände nicht ergeben könnten. Die Regierungsvorlage bedeute gegenüber dem bestehenden Zustande für 98 Prozent der HandlungSgehülfen eine sehr nennenswerte Ver- schlechleruog. k Hierauf verlas Geheimrat Stuckmann eine Menge von der Regierung bei Handelskammern und auch einigen KaufmannSgerichten eingebolter Gutachten über die vorliegende Frage, die mit wenigen Ansiiahmen sich für eine Aenderung deS jetzigen Rechts aussprechen. Kein Wunder! Die Unternehmer werden, wen» die Regiernug ein Gesetz einbringt, welches sie entlastet, natürlich nicht sagen: wir sind mit dem bisherigen Zustande znfriedeii. Nächste Sitzung: Freitag, den 31. Januar. Wahlprüfnngskommissiiu. Gegen die Wahl der Abgeordneten Will. Zentrum(Wahlkreis Straßburg-Land) und W i l t b e r g e r. els.-lotbr. Zentrums- Partei(Wahlkreis H a g e n a u- W e i ß e n b u r g) lag der Prolest eines einzelnen Wählers vor. der angibt, in seinem Wahlrecht be- schränkt worden zu sein. Da der Protest sehr unklar und ohne jede Bedeutting für das Endergebnis der Wahl der genannlen zwei Ab- geordneten ist. wird von der Kommission die GültigkettS- erklärung beim Plenum beantragt. Die Kommission zur Beratung des Gesetzentwurfs betreffend die Erleichterung des Wechselprotestes hat in zwei Sitzungen ihre Arbeiten bis ans die Feststellung deS Berichtes beendet. Nennenswerte Acnderungen hat die Kommission an dem Entwurf nicht vor- genommen. Ein Antrag des sozialdemokratischen Mitgliedes der Kon, Mission, des Abg. Lehmann, die Protestgebühren durch das Gesetz festzulegen, wurde abgelehnt, weil die Regierungsvertreter erllärten, freie Hand behalten zu müsse». Staatssekretär der Reichs- post, Krätke, teilte auf Verlangen mit, daß die Postverwaltung sür Wechselbeträge bis zu 500 M. 1 M. und für solche über 500 M. 1.50 M. als Proteftgebnhr in Aussicht genommen habe. Die von unserer Seite beantragten Gebühren von 50 Pf. für Wechselbeträgo bis 200, 1 M. bis 600 und 1,50 über 600 M. fanden bei den Parteien wohl Billigimg, nur wollte man die Regierung nicht binden. Für das Plenum wurde eine entsprechende Resolution von den Zeiitrumsvertretern in Aussicht gestellt. Einlauf. AuS dein Reichstag: Zusatzakte, Vollziehuiigsprotokoll, Protokoll, Abkommen und Denk- schrifl nebst Anlagen in Sachen diverser Zuckcrverträge. Resolutionen: Ortel(»all.), Füiifundzwanzigpfennigstücke, Dr.Heinze(natl.), einheitlicher Strafvollzug für das Denliche Reich und Lieferung von amtlichen Wahlurnen, Bassermann(natl.). Sonder- Strafrecht,-Strafversahren,-Strafvollzug fiir jugendliche Personen, Findel(natl.). die verbündeten Regierungen zu ersuchen, den ß 1 des Gewerbe- UnfallversicherungSgesetzeS vom 80. Juni 1900 dahin abändern zu wollen, daß die BsrstcherungS- pflichl 1. auf alle Handelsgeschäfte, soweit sie mit Lage- ruiigS- und Beförderungsbetricben verbunden sind, ohne Rücksicht auf eine Eintragung in daS Handelsregister und 2. auf die g e- > a m t e T ä t i g k e r t des Geschäfts ausgedehnt wird. Denlschrift. betreffend die Entwickelung des Kiautschou-GebieU in der Zeit vom Okrober 1906 bis Oktober 1907. Aus dem preußischen Abgeordnetenhause: Anirag Dr. G o t t s ch a l k und Genossen: Die königliche StaatSregierung um die Vorlegung eines Gesetzentwurfs zu ersuchen, durch den für den Umfang der Monarchie a) die Dauer der Schulpflicht nach einheitlichen Gesichts- punkten, jedoch unter Berücksichtigung berechtigter Sonder- verbältnisie der einzelnen Landesteile geregelt, b) einheitliche Bestimmungen über die Folgen der ungerecht- fertigten Schulversäumnis, die Voraussetzungen ihrer Straf- barleit, den Kreis der verantwortlichen Personen, die Art und Höhe der Strafen und daS Strafverfahren getroffen werden. Entwurf eines Gesetzes, betreffend die weitere Ausschließung des staatlichen Besitzes an Steinkohlenfeldern im Oberbergamtsoezirl Dortmund. Baubericht der Eisenbahnverwaltung für den Zeitraum vom l. Oktober 1906 bis dahin 1907(nebst den Rechenschaftsberichten über die Verwendung der extraordinären Dispositionsfonds dieser Verwaltung sür das EtatSjahr 1906). Klus der Partei» Tos Kommunalprogramm der französischen Sozialisten. Paris, 21. Januar.(Eig. Ber.) Der Nationalrat hat in seiner Versammlung am Sonn- tag ein Manifest für die in diesem Jahr stattfindenden Ge° meindewahlen beschlossen. Der Aufruf stellt ein Minimal- prograinm auf, das folgende Forderungen enthält: 1. Proportionalwahl und Genieindeautonomie. 2. Ausdehnung des Gewerkschaftsrechts auf alle Arbeiter und Angestellten der Gemeinde. 3. Einführung von Klauseln über Arbeitcrschutz bei Ver». gebung von Arbeiten. 4. Beteiligung der Kommune bei der Versicherung der Mütter, Kinder. Greise, Kranken. Invaliden und Arbeits- losen. 5. Unentgeltliche Lieferung des gesamten Unterrichts- inaterials. Errichtung bezw. Ausgestaltung von unentgelt- lichen Schulkantinen. Gründung von Fachschulen und Gc- meindebibliotheken. 6. Aushebung des Oktrois und freie Bestimmung der mit Teilnahme des Staats einzuführenden Ersatzsteuern. 7. Rückfall der an Finauzgesellschaften überlassenen Monopole an die Gemeinden und Gemeindeverbände. AuS- dehnung des landwirtschaftlichen und industriellen Besitzes der Gemeinde. Der Aufruf schließt mit der Hervorhebung deS grund- sätzlichcn Gegensatzes, der auf dem Boden des proletarischen Klassenkampfes stehenden sozialistischen Partei zu allen bürgerlichen Parteien. Er weist auf das Endziel des Sozia- lismus. die Aufhebung des Privateigentums an den Pro- duktionsmittcln hin und verkündet die internationale Soli- darität der Arbeiterklasse._ Dir Sozialdemokratie in Milwanker. Ueberall, wo die Sozial» demokratie beginnt,„gefährlich" zu werden, d. h. die Macht zu er- ringen, da fangen auch die gegnerischen Parteien an. sich zu ver- ständigen und zn verbinden gegen den„gemeinsamen Gegner", eben die Sozialdemokratie. Diese Erfahrung machen jeyl auch die Genossen in M i l w a u k e e. der Hanplstadt des Staates W i S- c o n s i n der Bereinigten Staaten. Doxt finden demnächst die Aldermenwahlen statt. Die sozialistische Bewegung ist dort allmählich so erstarkt, daß Aussicht vorbanden ist, sämtliche 12 Alderinen mil Sozia- listen besetzen z» könne» und selbst die Erwäblung eines sozialistischen MayorS ist nicht ausgeschlossen. Die Genossen von Mittvaukee, die schon heute einen Teil der Stadtverwaltung in Hände» haben, würden diese dann vollständig beheriichen, imd da sie sich bisher einer ebenso energischen als klugen Taktik befleißigten, so ist nicht zu zweifeln, daß ihre Herrschaft der Stadt zum großen Vorteil gereichen >vürde. Große Teile der Bevötkernug, die der Sozialdemokratie beute noch feindlich gegenüberstehen, würde» dann für sie gewonnen werden und die gegnerischen Parteien hätten wahrscheinlich nberhanpt keine Aussicht mehr, die Sozialdemokraten ans der Stadtverwaltung zu verdrängen. DaS Beispiel MilivankecS würde aber auch Vorbild- lich werden für die anderen Großstädte dos Landes und das muß womöglich verhindert werden. Und so haben sich die beiden bürger- lichen Parteien, die Republikaner und die Demokraten mit einander verbunden, um den Sozialisten den Sieg streitig zu inachen. Die beiden Parteien stellen je sechs Kandidaten aus und wollen diese gemeinsam durchdringen. Werden die Korruptionäre der beide« feindlichen Lager wirklich einig, so ist die Wahrscheinlichkeit bor- Händen, dab sie diesmal die Sozialdemokraten nochmals verdrängen, Immerhin hat dieser Kampf das eine gute, daß er Klarheit schafft und vielen Arbeitern die Augen öffnen wird. polfoeilidus, OcrtcbtUchea ufw. Pilizci-Arrgernis. Am 11. Dezember 1907, während einer Versammlung in Thorn erwarb der Abgeordnete der Polizei von unserem Genossen Kunkel ein Exemplar der Broschüre„Sodom und Gomorrha". Nach reichlich einem Monat erhielt Kunkel einen polizeilichen Strafbefehl, weil er.Druckschriften, die in sittlicher Beziehung Aergernis zu geben geeignet sind, in einer öffentlichen Versammlung, also an öffentlichen Orten feilgeboten habe." Mit dreißig Mark oder zehn Tagen Haft sollte die Missetat gesühnt werden. Diese neueste Thorner Polizeiaktion dürfte vor Gericht kläglich zusammenbrechen� dem die Sache zur Entscheidung unterbreitet wird. In ihrem Eifer die„in sittlicher Beziehung Aergernis erregenden Stellen" der Broschüre herauszudestillieren scheint es der Polizei an Zeit gefehlt zu haben, sich auch darüber zu informieren, ob es sich um eine gerichtlicherseitS verbotene oder auch nur beanstandete Druckschrift handelt. Im übrigen hat sich die Thorner Polizei ohnehin schon gewissen Ruhm im Kampfe gegen die moderne Arbeiterbewegung erworben. Wir erinnern z. B. daran, daß ein„Ueberwachender seinerzeit die Errtfernung der Spazierstöcke und Schirme aus dem Versammlungssaale verlangte. Die barmlosen Gebrauchsgegenstände schienen dem Polizisten Waffen zu sein.— In einem anderen Falle hatte man unseren Genossen Schulz in Thorn in Verdacht, Verfasier der staatSgefährlichen Schrift„Blut und Eisen" zu seilt. Ein Glück nur. daß der Thorner Schulz seine Unschuld nachweisen konnte.— Endlich bereitet die Polizei, bis in die neueste Zeit hinein, trotz aller zum Teil erfolgreicher Beschwerden, den Frauen Schwierigkeiten, die an öffentlichen Volksversammlungen teilnehmen wollen. Strnskonto der Presse. Wegen Beleidigung einiger Bergwerks- besiGr wurde der Genosse Schubert vom„Sächsischen A oii S b l a t t" zu Z w i ck a u zu 50 M. Geldstrafe verurteilt. 6ewerhrcbaftUcbc9. TerroriSmuS. Man klagt in der Tcharfmacherpressa gern über den an- geblichen Terrorismus der Getverkschaftler, während man um> gekehrt den gegen diese geübten Terror totschweigt oder beschönigt. Heut im Zeitalter der„Gelben" ist eS nun schon keine Seltenheit mehr, daß nicht nur die Unternehmer, nein, daß auch die„besonders nützlichen Elemente" gegen organisierte Arbeiter in einer Weise auftreten, die nur zu vergleichen ist dem Tun der Kettenhunde, die nicht in die eigene Kette beißen folldern auf den losfahren, der sie davon befreien will. Vor einiger Zeit fing in der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik ein neuer Werkzeugmacher an. Eili Kollege fragte den Neueingetretenen, ob er organisiert sei. Auf diese ruhige Frage gab der neue Werkzeugmacher dem Fragenden einen Stoß vor die Brust, ergriff einen Hammer und wollte damit auf den Fragesteller einhauen. Die übrigen Kollegen. die bei diesem Vorfall zugegen waren, ließen sich trotz ihrer Empörung nicht hinreißen, fondern beauftragten eine Kommission, bei der Direktion vor stellig zu werden, um die Entfernung des gewalttätigen Menschen aus der Abteilung und eventuelle Versetzung nach einer anderen Abteilung zu verlangen. Dieses Verlangen war auf Grund der Arbeitsordnung berechtigt. Doch was geschah? Der Direktor B a l z e r stellte die Arbeitsordnung auf den Kopf und erklärte, nicht der Mann, der einen Mitarbeiter tätlich angegriffen hat. ist zu entlassen, sondern die ge samten Werkzeugmacher der Abteilung haben aufzuhören lind der Schläger bleibt. Wie übrigens die Gelben auch sonst verfahren, lehrt folgender Vorfall: Am Montagabend, als schon längst kein Streikposten mehr vor der Fabrik mar. kam der Veranlasser der ganzen Differenz, ein Schlosser Bloch, aus dem Betrieb. Vor dein Betrieb standen ÜMann. Der eine war ein Metallarbeiter, der auf einen Bekannten wartete, der andere war, wie sich später herausstellte, der Sohn des Schlossers Bloch. Die beiden hatten sich vorher ruhig über gleich gültige Dinge unterhalten. Als mm der Schlosser Bloch aus dem Betrieb kam und seinen Sohn mit einem fremden Mann im Gespräch sah, griff Bloch ohne weiteres in seine Ueberzieyertasche, holte einen Re- volver heraus und feuerte ab. In der Nähe befand sich auch ein junges Mädchen mit einem Kinde. Beide sind, wie eS scheint, mit dem bloßen Schreck davon- gekommen. £ö wegen dieser Schießerei gegen den„Gelben" etwas unternommen wird? Wir glanben's leider nicht? Die Werkzeugmacher können sich nur selbst helfen, indem sie den Betrieb so lange meiden, bis man sie von der Gesellschaft derartiger Terroristen befreit. Berlin und Umgegend. Die Arbeiter und Handwerker der Englischen Gasanstalten Berlins ond Umgegend haben Lohnfordernngen aufgestellt, über welche sie in einer öffentliche» Versammlung, die am Mittwochabend in den Arminhallen staltfand, Beratung pflogen. Der Referent Bolen Ski führte ans, daß die Gasarbeiter gereckten Anspruch auf eine Erhöhung der Löhne haben. Seit 1899 wurden einmal die Löhne, nämlich 1905, und nur um 5 Proz. erhöht. Im vorigen Jahre war die Bewegung unter den Gasarbeitern auf eine V e r- k'ürzung der Arbeitszeit gerichtet und man hatte auch Er- folg damit. Jetzt gilt eS, den geringen Lohn etwas zu verbessern. Im Sommer hatte man einen Vorstoß gewagt und die Ver- waltung der Werke erklärte sich nicht gegen eine Erhöhung der Löhne, ivollte aber erst darauf warten, daß die städtischen Gasanstalten eine Lohnerhöhung vornehmen. ' Die folgenden Forderungen sind durch die ArbciterauSschüsse des Außcnbetrieves, der Gaswerke Gitschinerstraßc, Scköneberg, Marien- dors, Oberspree, der Ammoniakfabrik und der Gaskocherabteilung eingereicht wordeil: An die Stelle der Tagelöhne treten Wochenlöhne unter Zu- grundelegung von 6 Arbeitstagen zu s Stunden bezw. 6 Schichten zu 8 Stunden. In die Woche fallende Feiertage werden voll bezahlt. Für Arbeiten an diesen Tagen sowie für SonntagSarbeit wird ein Zuschlag von 100 Proz. gewährt. UebersUmden werden mit 50 Proz., Nachtarbeit mit 100 Proz. llusscklag bezahlt. Für Schichtarbeiter gilt die 7. Schicht innerhalb einer Woche als SonntagSarbeit und wird dementsprechend berechnet. Die Wochenlöhne betragen: Für Handwerker erkl. Maurer und Rohrleger Anfangslohn 30 M., steigend bis zu 37,50 M. nach 5 Jahren. Maschinisten und Heizer AnfangSlohn 35 M., steiaend bis zu 12,50 M. nach 5 Jahren. »tohlenarbettcr 45 M., Maurer 39 M., Bctriebsarbeiter 36 M., BetriebShülfsarbeiter 33,00 M. Verstricker, Maga�Inarbeiier. Vorarbeiter und Steuerleute der Ammoniakfabrik. Anfangslohn 30 M., steigend bis zu 35 M. nach 5 Jahren. Schichtarbeiter der Ammoniakfavrik. Anfangslohn 28 M., steigend bis zu 33 M. nach 5 Jahren. Helfer. Hofarbeiter, Glühlichtarbeiter. Wasseraufgießer. Anfangs- lohn 27 M., steigend bis zu 32 M. nach 5 Jahren. Laternenwärter. Anfangslohn 90 M. monatlich, steigend bis zu 105 M. nach 5 Jahren. Bei Zuleitungen von Steigesträngen ist den Rohrlegern und Helfern eine Zulage von 25 Pf. pro Tag zu zahlen. Die ersten Wasseraufgießer erhalten neben den für Aufgießer festgesetzten Löhnen eine Zulage von 1,50 M. pro Woche. Bei den Arbeiten am Teer sowie im Reiniger ist pro Tag ein Zuschlag von 50 Pf. zu zahlen. Die folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: Die am 22. Januar 1908 in großen Saale der Arminhallen, Kommandantenstr. 58— 59 versammelten Arbeiter und Handwerker der Englischen Gasanstalten Berlins und Umgegend haben erneut zur Frage der Wockenlöhne Stellung genommen. Die Versammelten erachten die Forderung auf Zahlung von Wochenlöhnen für durckans gerechtfertigt, angesichts der eigenartigen, monopolistischen Stellung, welche die Gasanstalten im Wirtschafls- leben befitzen und die ihnen die Gewähr regelmäßiger, stetig steigender Einnahmen verbürgt. Die in den Wochenlöhnen vorgesehenen Erhöhungen von zehn bis zwölf Prozent gegenüber den jetzigen Löhnen entsprechen nur der lii der letzten Zeit besonders stark in die Erscheinung getretenen Verteuerung aller Lebensmittel und Bedarfsartikel. Die Versammelten erwarten, daß die Direktion in Rücksicht dessen den Anträgen ihre Zustimmung geben werde. Als sicherstes Mittel zur Durchführung der aufgestellten ? Forderungen erachten die Versammelten aber eine starke Organi- ation. Sie verpflichten sich daher, mit allen Kräften für die Stärkung der zuständigen Organisation, dem Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter einzutreten. Achtung, Schäftebrauche i Seit Montag sind die Kollegen der Lederhandlung und Stepperei von R. Rodde, Markgrafenstr. 81. in den Ausstand getreten. Die Ursache desselben ist die Entlassung zweier Arbeiter. Zentralvervand der Schuhmacher. Ortsverwaltung Berlin. Deotfdtes Reich. 1 Kriegsbereitschaft. In einer Versammlung der Vertreter fast sämtlicher Gruben- Verwaltungen des niederrhemisch-westfälischen Jndustriebezirls wurde der seil Anfang der 1890 er Jahre bestehende AusstandsversicherungS- verband, dessen Bertragsperiode mit dem 1. Februar d. I. abläuft, nach einigen Satzungsänderungen auf die Dauer von fünf Jahren verlängert. Siebenundzwanzig Monate und drei Wochen Gefängnis verhängte am Dienstag das Schwurgericht in Erfurt über sechs Arbeiter, weil diese sich von der Polizei nicht gutwillig an der Aus- Übung ihres Koalitionsrcchtes hindern lassen wollten. Im Sommer kam es in Erfurt zu einem schweren Kampf im Baugewerbe, der 22 Wochen lang mit aller Erbitterung geführt wurde. Damals versuchten die Unternehmer, mit alle» Mitteln Streikbrecher heran- zuziehen, um dann, nachdem alle diese Versuche mißlungen waren. es mit italienischen Arbeitern zu versuchen. Diese wurden in großer Anzahl hereingeschafst. wobei besonders die Polizei willige Helfersdienste leistete. Natürlich stieg damit auch die Erbitterung der Streikenden. Als nun wieder einmal ein solcher Schub italienischer Arbeiter von Halle aus mit dem Zuge ankam, versuchten einige der Streikenden, die Italiener von dem Streik zu unterrichten und zur Rückkehr zu bewegen. Polizei- und Bahnbeamte legten sich ins Mittel— und dabei soll es zu einem kleinen Tumult gekommen sein: eben demselben, auf dem sich die ganze Anklage erhob. Dem Tumult oben auf dem Bahnhofsperron ist ein zweiter, größerer, unten auf dem Bahnhofsvorplatz gefolgt. Der hatte aber schon die Strafkammer beschäftigt, wobei einige nur sehr geringe Gefängnisstrafen abfielen. Die Strafkammer erklärte fich aber auch gleichzeitig in der ibr zur Aburteilung überwiesenen Sache bei einem Teile der Augeklagten für unzuständig, da die Gefahr einer Verletzung des H 125 St.-G.-B.(Landfriedensbruck) vorliege. Und so kam diese Angelegenheit vor das Schwurgericht. Angeklagt waren die Maurer Heinemann, Groß, Grün, Menge, H o tz e l, Jäger, Vogt und die Bauarbeiter Rudolf und Beck. Sie sollten sich des?lufruhrs, Landfriedens- bruchs, Widerstands gegen die Staatsgewalt, HausfricdenSbrucks. der Beleidigung und— last not least— des Vergehen» gegen§ 153 der Gewerbeordnung schuldig gemacht haben. Die neun Angeklagten bestritten, sich irgendwie einer straf- baren Handlung schuldig gemacht zu haben. Sic wollen teilweise überhaupt nicht in der lärmenden Menge auf dem Bahnhofsperron gewesen, mit dem betreffenden Zuge erst angekommen, zur Zeit des Tumultes mit einem anderen Zuge schon fortgefahren fein, teilweise wollen sie in ruhiger, gütlicher Weise auf die ankommenden Italiener eingeredet und nirgends Gewalt gebraucht haben. Nach den freilich sehr ungenügenden Aussagen der Zeugen— meist Polizei- und Bahnbeamte— haben sich die Vorgänge an dem fraglichen Abend auf dem Lahnhofspcrron ungefähr so abgespielt: Vor Ankunft des Zuges, der die Italiener bringen sollte, sind einige der streikenden Maurer nach dem Bahnhofspercon gekommen. Hier war schon der Maurermeister Großmann mit zwei seiner Agenten anwesend. Die Polizei und der diensttuende Oberbahn- assistent waren schon von der Ankunft der Italiener unterrichtet worden.(Der letztere hatte sich auf Ersuchen bereit erklärt, die Italiener einen anderen Ausweg nach der Stadt nehmen zu lassen — damit sie nämlich den vor dem Babnhofsportal stehenden Streik- Posten nicht in die Hände sielen!) Nachdem der Zug eingelaufen war— vorher hatte nur ein kleines Renkontre zwischen den war- tcnden Maurern und dem Maurermeister mit seinen Agenten statt- gefunden—, versuchten die Streikenden, an die aussteigenden Italiener he�inzulommen. Daran wurden sie durch das Dazwischentreten der Polizei gehindert! Man üchtc die Beamten bei Seite zu drängen, Bahnbeamte kamen den Polizeibcamten zu Hülfe, die Italiener wurden in den Wagen zurückgedrängt, Rufe wie:„Weiterfahren! Wir bezahlen alles! Hier ist Streik!" fielen— und so entwickelte sich in wenigen Mi- nuten eine turbulente Szene, verbunden mit einigem Lärm, wobei wohl ein kleines Schieben und Drängen entstand, doch niemand irgendwie verletzt oder irgendetwas zer- t r ü m m c r t worden ist. Die Polizei hatte inzwischen Ver- stärkung erhalten und so konnten die Andrängenden zurückgehalten und die Italiener nach der anderen Seite des Wagens heraus- gelassen werden. Sie wurden über die Gleise nach dem gegenüber- liegenden Eilgüterschuppcn gebracht, um von da nach der Stadt gc- ührt zu werden. Die Maurer gingen sofort in das Innere des Bahnhofs, um ins Freie zu gelangen und so die Italiener doch noch äffen zu können. Dabei entwickelte sich eben der zweite, lveit größere Tumult, der schon vor der Strafkammer erledigt worden ist.— Nachdem die Beweisaufnahme geschlossen worden war, bean- tragte der Staatsanwalt, bei sechs Angeklagten die Frage nach Aufruhr und Landfriedensbruch zu bejahen und die übrigen fre»- zusprechen. Die Geschworenen bejahten diese beiden Hauptfragen bei vier der Angeklagten. Nachdem der Staatsanwalt Gefängnis- trafen bis zu 10 Monaten beantragt hatte, wurde nachts IM- Uhr olgcndes Urteil verkündet: Heinemann und Rudolf je 7 Monate Gefängnis: Bogt 7 Monate 1 Woche Gefängnis; Groß und Grün je 3 Monate, tz o tz e l 2 Wochen Gefängnis; Beck, Jäger und Menge werden freigesprochen. DaS Rechlsmittek der Revision wird jedenfalls gegen daS UrieN der am härtesten Bestraften eingelegt werden, da sie wegen der Vorgänge auf dem Bahnhofsvorplatz schon vor der Strafkammer standen, dort diese Angelegenheit gegen sie bis zur Erschöpfung durchgeführt worden ist und nach Ansicht der Verteidigung die Handlungen der betreffenden Verurteilten auf und vor dem Bahn- Hof eine einzige Handlung bildeten— die zweite Verurteilung mithin zu Unrecht erfolgt ist. Ein gelber Tugenbhelb. Ein sehr interessanter Prozeß fand vor dem Schöffengericht in Augsburg statt. Der Sekretär des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes, Genosse Wernthaler, klagte gegen den Prokuristen der Maschinenfabrik Augsburg, namens Pfeifer, der zugleich Geschäftsführer des gelben Vereins in jener Fabrik ist. Dieser Pfeifer hatte in einer Versammlung der Gelben über den Genossen Wernthaler die unsinnigsten Verleumdungen aufgestellt, wie sie in der Reichsverbandspresse fortwährend auftauchen. Ein Be- weis, daß die Behauptungen des gelben Führers unwahr sind. brauchte eigentlich gar nicht geführt zu werden, denn der Herr konnte unmöglich von der Wahrheit seiner Aufstellungen überzeugt sein. Der Beweis mußte aber formell geführt werden. Nun fing der an den Pranger Gestellte zu kneifen an. Er nahm für sich den tz 193(Wahrung berechtigter Interessen) in Anspruch, denn er, der Prokurist, sei Ehrenmitglied des gelben Vereins, ferner Sekretär des Bayerischen Metallindustriellenverbandes und außerdem noch Geschäftsführer des Augsburger Jndustriellenverbandes. Während der Verhandlung stellte der Herr gegen den verleumdeten Genossen Wernthaler Widerklage, weil W. ihn in einem Wirtslokal beleidigt habe. Die Beweiserhebung hierüber war für den Sekretär der Gelben geradezu vernichtend. Es wurde festgestellt, daß der Herr in jener Wirtschaft ein großes Zechgelage veranstaltet, geleerte Weinflaschen an die Wand geschleudert, daß die übrigen Gäste dabei erheblich gefährdet wurden, ferner als Ehemann eine anwesende Dame geküßt und sich noch weiter höchst unanständig aufgeführt und daß sich Wernthaler lediglich ab- fällig(jcgen den Skandal geäußert hat.— Das Gericht wies denn auch die Widerklage des Herrn ab und verurteilte ihn wegen der Beleidigungen gegen Wernthaler zu 10 Mark Geldstrafe und zur Tragung sämtlicher Kosten. Der moralisch hingerichtete Führer der Gelben ließ in der Presse sofort erklären, daß er gegen dieses Urteil Berufung ergreifen werde. Nun hat er die Berufung aber zurückgezogen; das Urteil ist rechtskräftig geworden. Versammlungen. ohne Steigerungen unter Beseitigung aller Akkordarbeit.__ Verantwortlicher Redakteur: HatiiT Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.:Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Bor dem Zentralverband der Zimmerer sprach am Mittwoch» abend in dem„Alhambrasaal", Wallner-Theater-Straße, Robert Schmidt über das Thema:„Die sozialpolitischen GesetzeSvor- lagen im Reichstage". Eingangs seiner Rede besprach er die Auf» gaben der Sozialpolitik zugunsten der wirtschaftlich Schwachen im allgemeinen. Viel Widerstand war zu besiegen, ehe die Auffassung durchdrang, daß die Schwachen und Hülfsbedürftigen geschützt werden müßten durch die Machtmittel des Staates. Heute komrnri» auch die bürgerlichen Parteien mit allerlei Vorschlägen w der Sozialpolitik, aber es scheint, als wollten sie nur nach autze? glänzen, denn sobald es sich um die Durchführung eines Bor- schlages handelt, werden vielerlei Bedenken und Einwände geltend gemacht und Ausnahmebestimmungen ohne Zahl verlangt. Einige der wichtigsten Anträge, die gegenwärtig dem Reichstage vorliegen, beleuchtete der Redner durch längere Ausführungen. Er nannte zwei Novellen zur Gewerbeordnung und eine Novelle zum Handelsgesetzbuch, ferner Bestimmungen über den Un» terstützungswohnsitz, über die Heimarbeit in der Zigarrenindustrie, Neuerungen zum Hülfskassen» gesetz, ferner die Sicherung der Bausorderungcn und damit in Verbindung die Sicherung der Lohn» forderungen der Bauarbeiter, was von unseren Vertretern verlangt worden ist. Eingehend verweilte Schmidt bei den Novellen zur Gc- Werbeordnung und hob die Notwendigkeit von Bestimmungen zum Schutze der Frauen als besonders wichtig hervor. Jntcr- nationale Vereinbarungen, die in Konferenzen von Vertretern der modernen Industriestaaten zustande gekommen sind, liegen dabei zugrunde. So wurde in der Bcrner Konferenz beschlossen, die Nachtarbeit der Frauen in den Vertragsstaaten von 1910 ab zu verbieten, dabei sind aber noch viele Ausnahmen gestattet; ebenso soll von 1910 ab die zehnstündige Arbeitszeit für Frauen in Kraft treten, bis dahin soll die clsstündige Arbeitszeit gelten: auck hier sind viele Ausnahmen vorgesehen. Die Industriellen leisten gegen derartige Bestimmungen stets und überall einen sehr hart- näckigen Widerstand, und da müsse es als ein großes Verdienst von dem sozialistischen Minister Millerand anerkannt werden — trotz allem, was gegen ihn gesagt worden ist—, daß er die zehnstündige Arbeitszeit in Frankreich einführte. Heute erschiene uns eine 10- oder Nstündige Arbeitszeit als nicht mehr so wichtig wie früher, weil die Arbeitszeit von den Gewerkschaften vielfach geregelt wird und weil heute die Achtstundenforderung obenan steht, immerhin seien aber tlebergangszeitcu notwendig, damit die Industrie sich darauf einrichte.— Andere Acnderungen in der Gewerbeordnung zielen auf den Schulzwang für jugendliche Arbeiter und für Arbeiterinnen hin und auf eine Sicherung der Vorschriften im sanitären und im allgemeinen Schutzintcressc bei der Arbeit. Es wird verlangt, daß nicht nur die Unternehmer, sondern auch die Arbeiter bei Strafe angehalten werden, die Vorschriften zu beachten- Im Prinzip. könnte man sich dafür er- klären, wenn auch die Strafen für die Arbeiter viel zu hoch be, messen sind. Die Arbeiter müßten selbst dazu erzogen werden, die Schutzbestimmungen, denen sie au» Unverständigkeit oft nicht den gebührenden Wert beilegen, zur Durchführung zu bringen.— Viele andere Punkte der Novellen beleuchtete der Redner noch und wies dann darauf hin, daß eine Reihe wichtiger Forderungen noch nicht erfüllt sind und in der Vorlage fehlen. Kurz und scharf kennzeichnete er die übrigen sozialpolitischen Vorlagen und erklärte, daß die ganze Sozialpolitik gegenüber den großen Nöten nur etwas Flickwerk darstellt, daß sie in vielen Dingen kaum noch etwas ändert. Anstatt vorauszueilen, kommt sie nach- gelaufen und findet dann, daß die Gewerkschaften der Arbeiter schon überall vorgearbeitet haben. Um diesen Mängeln unserer Sozialpolitik abzuhelfen, bleibt den Arbeitern nichts übrig, als in ihren Organisationen Ersatz zu suchen.(Lebhafter Beifall.) Die Versammlung erklärte den Wahlrechtsdemonstranten vom letzten Sonntag ihre volle Sympathie und sprach den Opfern der Polizeiattacken ihr Mitgefühl und Bedauern aus. Unter allgc- meinem Beifall wurde diese Erklärung abgegeben. Der Zentralverband der Dachdecker hielt am Sonntag eine Ver» sammlung ab, die sich mit dem bevorstehenden Gautage beschäftigte. Eine Reihe von Anträgen, die zum Gautag« gestellt sind, wurden diskutiert. Zustimmung fanden einige Anträge des GauvorstandcS, wonach die Beiträge, der Lohnhöhe entsprechend, abgestuft und auch die Unterstützungssätze in derselben Weise bemessen werden sollen; ferner, daß der Gauvorstand aus 3— 5 Personen bestehen und der Gautag alle zwei Jahre abgehalten werden soll. Als Delegierte zum Gautag wurden Henkel, Janell, Mehrlein und Görnitz ge- wählt.— Hieraus gab der Kassierer die Abrechnung vom 4. Quartal 1M7. Die Einnahme betrug 6317,70 M., der alte Bestand 1014,80 Mark, die Ausgabe 5936,83 M., bleibt ein Bestand von 1395,73 M. Dann erfolgte die Neuwahl des Vorstandes, die folgendes Ergebnis hatte: 1. Vorsitzender Görnitz, 2. Vorsitzender Althaus, 1. Kassierer Stolzenhein, 2. Kassierer Ulrich, Schriftführer Mehr lein, Beisitzer Neubauer, Aug. Schulz.— Revisoren S t a n i tz und B l a n d a u. Buchdruckerei u. Perlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW> »ao. N. 2. Ktillige Ks„Nsrimrls"$n\Mt Pollislilatt Kautsfey zur Bntworl! Die Bevaupwng KautSkyS, im zweiten Band de?„Kapital' stehe .nichts' vom„Wesen und Wirken deS im Handels- und Bank- betrieb arbeitenden Geldes' ist eine rabulistische Wort- klauber ei ersten Rangeö. Freilich wird die V e r s e l b st ä n di gun g deS in der Zirku- lation funktionierenden Kapitalteils erst im dritten Band eingehend behandelt; nichtsdestoweniger werden die ökonomische Natur dieses Kapitals und seine Grundfunktionen bereits im 2. Band generell dargelegt. Marx selbst weist im 2. wie im 3. Band wiederholt und nachdrücklichst darauf hin, das; das verselbständigte Händler- kapital„durchaus nichts anderes ist", als das Wareirund Geldkapital des Produzenten, der den Touschprozest von Ware um Geld und Geld um Ware selbst besorgt oder durch einen An- gestellten besorgen labt. So sagt er: „Das Warenhandlungskapital ist also durchaus nichts anderes als das Warenkapital des Produzenten, das de» Prozeß seiner Verwandlung in Geld durchzumachen. seine Funktion als Warenkapital auf dein Markt zu verrichten hat. nur daß diese Fimktioii statt als beiläufige Operation des Produzenten nun als ausschließliche Operation einer besonderen Gattung von Kapitalisten, der Warenhändler erscheint, verselbständigt wird als Geschäft einer besonderen Kapitalanlage."(Kapital III, t. S. 2ö3.) Das Gleiche gilt vom Geldhandlungskapital: „Die Bewegungen dieses Geldkapitals find also wiederum nur Bewegungen eines verselbständigten Teiles des in seinem Re- produktionsprozeß begriffenen lndustriellen Kapitals." III. 1. C. 29S.> Der ganze zweite Band ist sonach von grundlegender Bedeutung für das BerständniS der Funktionen auch des verselbständigte» Waren- und GeldkapitalS. Von besonderer Wichtigkeit für die Einsicht in die ökonomische Natur der im KausinannSbetriebc vereinigten verschiedenartigen Funktionen ist das S. Kapitel, überschrieben:„Die Z i r k u l a t i o n S i o st e n." Hier wird der Begriff der rein zirkulatoriicken Funktionen erst sckmrf herausgestellt, indem die in die AirkulationSsphäre hineinragenden Fortseymigen des ProduklionSprozesses davon abgeschieden werden. Das Kapitel weist folgende Jnhaltstafel ans: I. Reine Zirku» l at i o n S k o st e u. l. Kauf- und Verkaufszeit. 2. Buchführung. 3. Geld. II. Aufbewahrungskosten. 1. VorratSbildmig überhaupt. 3. Eigentlicher Warenvorrat. HL Transportkosten.— Die bloßen Ueberichriften genügen, um die Kautskyiche Be- hauptung inS rechte Licht zu setzen im zweiten Band stehe„nichts" vom „Wesen und Wirken" deS im KaufmannSbetriebe arbeitenden Geldes. Man braucht weiter nur daran zu erinnern, daß es in diesem Band Erörterungen über die M e t a llz i r k u l a ti o n und Abschuiltc gibt mit der Ueberschrift„Die Reproduktion des Geld- Materials",„D i e S ch a tz b i l d u n g". um zu zeigen, was es mit der emsprecheudeu Behauptung hinsichtlich des VankbelriebeS auf sich hat. Und dieser selbe KautSkti, der jetzt nichts, rein gar nichts mehr dort findet, was sich auf Waren und Geldhandel bezieht, schrieb beim Erscheinen deS zweiten Bandes in der„Neuen Zeit'(188S. E. 164): „Der Schauplatz der Untersuchungen des ersten Bandes i st die Fabrik, der des zweite» dnS Kontor." Damit meinte ick nicht das Kausmaims- sondern das Fabrik- kontor— wird er einwerfen. Darauf ist ihm zu antworte», daß nach Marx die zirkulaiorischen Funktionen des KaufmanuSkontors durchaus wesensgleich mit denen des Fabrilkontors sind, mag ihr Grundcharakter auch noch so sehr verdunkelt, ihre Methode auch noch so sehr kompliziert werden durch die Verselbstäudigung auf hoher Stufenleiter. Ich bin weit entfernt davon, meinen Satz als eine wisienschaft- lichen Zwecken genügende Charakteristik des Inhalt» des zweiten Bandes anzusehen- ich verkeime auch nicht, daß seine Fasinng einem rabulistische» Kritiker, der literarische Händel sucht, willtommeue Anhokepunlte bietet. Aber man gebe mir eine kurze, auf das Ver- stäudnis eines ganz uugeschulten Laien berechnete Faffung, die das nicht tut. Jedenfalls ist die Ka»tskysche Präzisieruug, der Schau- platz der Untersuchunge» des zweiten Baude« sei das„Kontor', um nichts weniger mißverständlich und angrifflich als die ineinige. Danach kann ich es dem Leser überlassen, die ebenso ungezogene Wie unwahre Bemerkung KautSkyS zu werten, ich hätte weder den zweiten noch den dritten Band je gelesen. Diese Behauptung ist außerdem dumm, da ihre Unwahrheit durch rein äußere Beweis- Momente nachgewiesen werden kann. Klüger wäre da schon, zu bc- hanpten, ich halte weder den eine» noch den anderen Band ver- standen. Vielleicht gibt er seiner weiteren Polemik diese Pointe Ich kann ihm im voraus versichern, daß ich den Nachweis meiner Unfähigkeit, in die Geheimaisse der reine» Lehre einzudringen, mit der gebührcilden Heiterkeit hinnehmen werde. � Im übrige» bin ich mir keine» Augenblick im Unklaren gewesen über da« eigentliche Motiv des KautSlyschen Angriffs. ES ist in der Tat unerhört vom Parreivorstand, einen Mann meiner Richlmig mit der Abfassung eines solche» BucheS zu betrauen. Da muß ihm gezeigt werden, wohin daS führt Zwar habe ich mich strengster Objcllivität bei der Darstelluug der Parteiliteratur und ganz besonders bei der unvermeidlichen Be- rührnng der innere» Kontroversen befleißigt. Nieniand, der ehrlich prüft, kann das bestreiten. Aber diese Objektivität beiden Rich- im ge» gegenüber, ist es gerade, was de» Grimm KautSkyS erregt. Er will keine unparteiische Orientierung für die junge Mami- schaft. sondern eine sleeiig im Sinne teiner Richtmig gehaltene Instruktion. Er will überhaupt keinen„Referenten-Führer', sondern einen.Aeserenten-Trichier'. Mag er doch einen schreiben l _ Eduard David. Kongreß der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften. Nm Mittwoch wurde in BoekerS Saal in der Weberstraßc der 9. Kongreß der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften(der sogenannten Lokalisten) eröffnet. Dem Kongreß liegt«in Rechenschaftsbericht der Eeschäftskomnitssion vor, dem wir folgendes entnehmen: Ende Dezember 1606 gehörten der Freien Vereinigung löll Organisationen mit 16 661 Mitgliedern aru Ende September IVO? waren es 203 Organisationen mit 17 236 Mitgliedern, die der Freien Vereinigung angcschlogen waren. Für die einzelnen Organisationen sind folgende Mitglicderznhlcn angegeben: Maurer 3316, Metallarbeiter 3010, Zimmerer 2941, Lauarbeiter 2348, Bürstenmacher 100, Dachdecker 20, Fliesenleger 760, Glaser 116, Arbeiterverein Fürth 9. Gemeindearbeitcr Nürnberg 220, Isolierer 8S5. Kürschner 502, Maler 183, Mühlcnarbciter(Mann- heim) 16, Musikinstrumentcnarbeiter 835, Rohrer 70, Stukkateure 20, Vereinigung sämtlicher Berufe Görlitz 29, desgleichen Stutt- gart 12, desgleichen Ludwigshafen 100, Schiff- und Bootsbauer 556, Töpfer 560. Tischler 493. Tapezierer 100, Weber(Krefeld) 215, Weber(Schüchteln) 145. Weber(Fischeln) 22, Weber(Bryell) 22. Zink- und Bleigläser 60.— Von den angeschlossenen Organi» sationen wurden im Jahre 1906 99 Streiks mit 2126 Beteiligten geführt, ferner fanden 14 Aussperrungen mit 56 Personen statt. Im Jahre 1907 werden verzeichnet 98 Streits mit 6177 Beteiligten und 24 Aussperrungen mit 4179 Beteiligten. Die Streits im Jahre 1906 kosteten 86 054 M., die im Jahre 1907 geführten Streiks erforderten 293 301 M Für die Aussperrungen wurden auSge- geben im Jahrs 1996 2019 M., im Jahre 1997 93 335 M- Kater eröffnete den Kongreß namens der Gcschäftskom- Mission. Er gedachte in seiner Eröffnungsrede der Wahlrechts- bewegung und der damit in Verbindung stehenden Vorgänge, die sich in den letzten Tagen in Berlin abgespielt haben. Hierzu bean- rragte er eine Protestresolution, welche einstimmig ange- nommen wurde. Sie lautet: „Der 3. Kongreß der Freien Vereinigung deutscher GeWerk- schaftcn nimmt mit Entrüstung Kenntnis von dam Vorgeben der Berliner Polizeibehörde gegenüber den um die Volksrechtc demonstrierenden Arbeitern und arbeitslosen Proletariern. Die Entrechtung auf allen Gebieten, sowie die herrschende Krise und die damit verbundene Arbeitslostgkeit sind die Frucht der heutigen Gesellschaftsordnung und der herrschenden privat- kapitalistischen Produktionsweise. In voller Erkenntnis dessen führt daS klassenbewußt« Proke- tariat aller Länder einen immerwährenden Kampf gegen dies System mit allen hiergegen anwendbaren Mitteln. Der Kongreß erklärt sich solidarisch mit den kämpfenden und um ihre Reckte demonsrrierenden Arbeitern aller Länder und spricht die Erwartung aus, daß sie sich durch keinerlei Maßnahmen der Regierungen und ihrer Behörden an diesem Kampfe be- hindern lassen. Der Kongreß protestiert gegen jede Entrechtung des arbeiten. den Volkes durch die besitzenden und dadurch herrschenden Klaffen und verpflichtet sich, mit allen geeigneten Mitteln den Kampf um die Befreiung des Proletariats aus der Kapitalskncchtfchaft zu führen." Nach Erledigung der geschäftlichen Formalitäten trat der Kon- greß in die Tagesordnung ein.— Kater und K l e i n l e in machten längere Ausführungen über die Geschäfts- und Kassen- führung der Freien Vereinigung. Am zweiten SitzungKtage(Donnerstag) kam es im Anschluß an den Bericht der MandatsprüfungSkommisstiu zu einer längeren und lebhaften Debatte über die Frage, wer zur Teilnahme am Kongreß berechtigt ist. Au« Anlaß der gewerkschaft» lichen Einigungsfrage und der sonstigen Gegensätze, welche in der Freien Vereinigung bestehen, ist der gegenwärtige Kongreß viel zahlreicher beschickt wie seine Vorgänger. An dem vorigen Kongreß nahmen nur 66 Delegierte teil. Der gegenwärtige Kongreß ist von 134 Delegierten beschickt, die 143 Mandate haben. Die Man- datsprüfungstommission beantragte, alle diejenigen Delegierten nicht zuzulassen, deren Organisationen den Uebertritt in don zu- ständigen Zentralverband beschloffen haben.—- Ehe es zur General- debatte über diesen Antrag kam, entstand ein kleines Vorgefecht, welches keinen Zweifel darüber ließ, daß die Gegner der Eini- gung über die Mehrheit der Delegierten verfügen. ES handelte sich zunächst um die Prüfung einiger Mandate, die mehr aus formalen Gründen beanstandet wurden, obgleich auch hier der Gegensatz in der Einigungsfrage zugrunde liegt. Die Konserenzen der Vereinigungen der Zimmerer. Maurer und Bauarbeiter haben bekanntlich den Anschluß au die Verbände beschloffen und Dele- gierte für diesen Kongreß gewählt, die hier im Sinne der Konfe- renzbeschlüffe wirken sollen. Einzelne Vereine der Zimmerer, Aiaurer und Bauarbeiter, die mit den Konferenzbeschlüffen nicht einverstanden sind, haben selbst Delegierte zum Kongreß entsandt. Die offizielle» Vertreter der betreffenden Organisationen erklärten diese Sonderdelegcrtloncn für unzulässig. Nach dem geltenden Programm seien die Konferenzen die höchsten Instanzen� der Or- ganisationen, ihre Beschlüsse seien für die Gesamtorganisation des Berufs maßgebend, de Einzelorganisationen hätten deshalb kein Recht, den Kongreß zu beschicken.— Diese Einwendungen wurden zwar von keiner Seite widerlegt, aber die Mehrheit des Kongresses beschloß doch, die Delegierten der betreffenden E r n z e l v« r e i ne zuzulassen. Gehl und Th. Fischer bezeichneten diesen Beschkuß als einen Bruch des Programms der Freien Vereinigung und sagten, hier- nach sei der Ausschluß aller Einigungsfreund« nicht mehr zweifel- Haft.— Nun setzte die Debatte über den grundsätzlichen Antrag der MandatSprüsungSlommission ein. der dahin gehl daß die Eini- gungsfreunde nur an der Diskussion des Geschäftsberichts teil- nehmen dürfen, nach Erledigung diese« Punktes aber den Kingres) zu verlassen haben.— Dagegen verlangten die EinigungSfreunde. daß sie auch noch an der Verhandlung des folgenden Punktes der Tagesordnung teilnehmen könnten, welcher lautet:„Der Beschluß deS sozialdemokratischen Parteitages in Essen bezüglich der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften". Die Einigungsfreunde be- riefen sich darauf, daß sie und ihre Organisationen bis jetzt noch der Freien Vereinigung angehören und deshalb zur Teilnahme am Kongreß berechtigt seien. Sie wollten beim nächsten Punkt der Tagesordnung die Angriffe zurücklveisen, welche aus dem Hinter- halt gegen sie gerichtet worden seien, sie wollten ihren Standpunkt begründen und ihre Anträge betreffend Auflösung der Freien Ver- elnigung zur Annahme zu bringen suchen. Wenn das nicht gelinge. wenn der Fortbestand der Freien Vereinigung beschlossen werde. dann würden sie gern auf die weitere Teilnahme am Kongreß ver- zichten. Der Vorsitzende Kater bemerkte, beim sorgenden Punkt der Tagesordnung werde nicht über Programmänderungen oder sonstige Angelegenheiten verhandelt werden, die beim Fortbcstehen der Freien Vereinigung von Bedeutung wären. Nach dieser Er- klärung hielt der Kongreß eine weitere Debatte für überflüssig und ließ die Einigungsfrrunde auch beim nächsten Punkte der Tageö- ordnung zu. Nun folgt« die Debatte über die Tätigkeit der GeschäftSkommisfion und der Redaktion der„Einigkeit". Schon bei dieser Gelegenheit wurden die Gegen- sätze zwischen den Freunden und den Gegnern der Einigung be- rührt. Seitens der Einigungsfreunde wurde der Geschäfts- kommission vorgeworfen, daß sie auf die Anfrage des Partei- Vorstandes nicht die Einigungsverhandlungen in die Hand ge- nommen, sondern dies den einzelnen Organisationen überlassen hat. Ferner wurde gerügt, daß manche der Freien Vereinigung angeschlossene Organisationen die Solidarität bei Streikunter- stützungen vermissen ließen, und gerade solche Organisationen, die sich als besonders radikale Vertreter der Arbeiterinteressen auf- spielen. ES wurde auch scharf kritisiert, daß die Vereinigung der Betonarbciter Mitglieder aufgenommen habe, welche ihrer bis- herigen Organisation den Rücken kehrten, um die Extrabciträge beim Bauarbeiterstreik nicht zahlen zu brauchen. Gegen den aus- drücklichen Protest der Maurer seien diese Mitglieder aufgenommen worden.— Ein Vertreter der Betonarbciter sagte dagegen, seine Kollegen hätten schon seit zwei Jahren die Absicht gehabt, aus den, Maurerverband auszutreten. Ihm wurde entgegnet, damit sei die aufgestellte Behauptung nicht widerlegt. Der Redaktion der „Einigkeit" wurde zum Vorwurf gemacht, sie nehme keinen eigenen Standpunkt ein, sondern gebe den widersprechendsten Richtungen Raum. Besonders seien einige Anhänger der anarchistisch-syn- ditalistischen Richtung als eifrige und gut bezahlte Mitarbeiter tätig und hätten durch ihre Artikel unter den Mitgliedern Uneinig» keit erregt. Kater verteidigt« die Geschäftskommission gegen die Kritik ihrer Haltung in der Einigungsfrage. Es könne keine Rede davon sein, daß sich die Kommission, wie ihr vorgeworfen wurde, nicht getraut habe, die Einigung in die Hand zu nehmen. Die Kom- Mission habe ja die Organisationen befragt, wie sie sich zu Einigungsverhandlungen stellen, und das ablehnende Votum der Mehrheit sei dem Parteivorstand mitgeteilt worden. Die Gc. schäftskommission habe geglaubt, angesichts dieses Resultats werde sich der Parteivorjtand sagen, es lohne sich nicht. EiniaungS- Verhandlungen zu beginnen. Der Parteivorstand habe sich aber an die einzelnen Organisationen gewandt, um sie zu fragen, ob> sie der Geschäftskommission recht berichtet hätten. Tie Organi- sationen hätten dem Parteivorstand dann anders geantwortet, als sie der Geschäftskommission geantwortet hatten, und so seien die Verhandlungen mit den einzelnen Organisationen zustande ge- kommen.— Zu dem Vorwurf, die Redaktion lasse die verschiedensten Richtungen zu, sagte der Redner: Das sei der Redaktion als Ver- dienst anzurechnen, daß sie die verschiedenen Richtungen zum Wort kommen lasse und so durch alle Klippen hindurchschiffe, die sich in der Freien Vereinigung bemerkbar machten. Nachdem der Redner noch auf andere in der Diskussion gemachten Einivendungen eingegangen war und Klei»lein das Schlußwort über den Kassen- bericht gesprochen hatte, war dieser Punkt der Tagesordnung er- ledigt._ Hub Induftm und Ftande!» Zur Geschäftslage in der Textilindustrie. Das?lbflnuen der Konjunktur macht sich in der Textilindustrie immer mehr fühlbar. Außerordentlich still liegt das Geschäft in der Seidenbranche. Schon im Jahre 1997 bestand teilweise Mangel an Aufträgen. Der im letzten Frühjahr einsetzende Preissturz der Robseide und die dann folgenden fortgesetzten Preisschwankungen ließen einen lebhaften Geschäftsverkehr nicht auskominen. Nun wird die Unsicherheit verschärft durch die andauernde Geldknappheit und die reiche Weltseidenernte. Fabrikanten, Grossisten und Detailisten befürchten weiteren Preissturz und warten. So führt eine reichliche Ernte im Rohprodukt zu Stockungen in der Fabrikation und zu mangelnder Beschäftigung für die Arbeiter. Zu alledem gesellen sich noch zollpolitische Händel. Weil Kanada den englischen Seiden- erzeugnissen bei der Einfuhr Vergünstigungen gewährte, welche es den deutschen verweigerte, entzog Deutschland Kaiiada die Meistvergünftigung, Kanada beantwortete diesen Schritt, indem e« den Zoll aus deutsche Erzeugnisse um 33'/, Proz. erhöhte. Sehr trübe sind die Aussichten in der Stickereibranche. Die Kurbel- stickerei Berlins liegt momentan vollständig danieder. Dasselbe ist im sächsischen Vogtland— neben St. Gallen der Hauptsitz der Stickereibranche— der Fall. Die sächsischen Stickereidistrikte haben eine glänzende Vergangenheit hinter sich. ES sind jetzt gerade 59 Jahre verflossen, seitdem in Plauen die erste Stickmaschine auf- gestellt wurde. Seitdem hat sich Plauen zur Großstadt entwickelt. Die Nachfrage nach Arbeitskräften stieg ständig. Der Verdienst der Sticker stand über dem Durchschnittslohn der übrigen Textilarbeiter. Personen aller Berufe lernte» daS Sticken und viele der kleinen Existenzen mögen geglaubt haben, daß diese Herrlichkeiten niemals andere würden. Schon vor Jahren zeigte sich jedoch ein Wandel. Zahl- reiche kleine Schiffchenstickmaschinenbesitzer machten Bankrott. Die Hoch- konjunktur, welche auch den Bedarf von Luxusartikeln steigerte, bc- lebte aufs neue die Branche. Jetzt setzt die KrisiS mit verschärfter Wucht ein. Der Hauptabnehmer ist Amerika. Mehr als die Hälfte der exportierten Waren gehen dorthin. Die amerikanischen Käufer können jetzt nicht kaufen. Die Folge ist KrisiS, Arbeits- und Per- dienstlosigkeit der Arbeiter und der zahlreichen kleinen Maschinen- besitzer im Vogtlaude.„Aus dem Arbeitermangel," so schreibt die „Texlilzeitung".„ist in Zeit von einem Jahre ein ganz aus- gesprochener ArbeitSmangel geworden. Selbst weibliche Hülfskräfte sind jetzt im Ueberfluß vorhanden." Gleich traurig sieht cS in der Posamentenbranche aus. Schon seit Anfang des Jahres 1997 hatte diese Branche über mangelnde Beschäftigung zu klagen. Infolge der hohen Lebensmittelpreise, welche die Kaufkraft der Bevölkerung schwächten, konnte auch das Weihnachtsgeschäft nicht in alter Weise belebend auf die Branche einwirken. Die Änsis in der Strumpfwirkerei hat sich weiter verschärft. Es, wird das verständlich, wenn man bedenkt, welche große Rolle in der Strumpswirkerci Amerika spielt. Im Jahre lS06 wurden für 8 671 848 Dollar Strumpf- und Strickwareu in Amerika eingeführt. Davon kamen für 7 839 986 Dollar aus Deutschland. Die Unternehmer arbeiten mit verkürzter Arbeitszeit oder nur 4 Tage pro Woche. Die übrigen Zweige der Wirkerei sind noch voll beschäftigt. Nur in einigen Zweigen der Handschuhbranche macht sich ein Abflaue» der Kon- jnnktur bemerkbar. In der T u ch b r a n ch e ist Aussicht auf Besserung noch nicht vorhanden. Recht lebhaft prosperiert noch immer dasPassementeriegeschäft im Wuppertal, die G a r d i n e»- brauche und die wichtige Baumwollspinnerei. Die Spinner sind für das ganze laufende Jahr mit Aufträgen versehen. und denken deshalb nicht daran, mtt den Preisen zurückzugehen. Nicht so günstig steht es mit den B a u m w o l l w c b e r e i e n. Aus einzelnen Zweigen derselben— Schlafdecken, Bettücher. Rock- flanelle— werden BetriebSeiiischränkungcn gemeldet. So a»S M.-Gladbach und Neugersdorf. Die Kamingarnwebereien haben noch leidlich zu tun. Doch nimmt auch hier der Jitlandsbedarf merklich ab und begiuiten die Unternehitter, wie ihre Organe bezeugen, ein- zusehen, daß der Absatz nach dem Auslände durch die Handelsverträge immer mehr erschwert wird. Monopol i» der Zündholzindustrie. Auf einem Kongreß in Moskau, an dem von 99 existierenden Zündholzfabriken Rußlands 50 Vertreter teilnahmen, wurden die Maßregeln erörtert, wodurch die Produktions- und Absatzverhälimsse dieser Industrie geregelt werden sollen. Die Zündholzprodicktion Rußlands wird von der„Zeitung für aygewandte Eheniie" auf 26 bcS 27 Millionen Rubel pro Jahr inklnsive Akzise geschätzt und belauft sich aus etwa 8 Millionen Kisten zu 1900 Schachteln pro Kiste. .Es wurde die Gründung einer Aktiengesellschaft beschlossen, welcher der Verkauf der Zündhölzer obliegen wird und die ins- besondere den Zwischenhandel beseitigen soll. In größeren Städten werden große Lager errichtet, auch wird die Gründung einer gegen- seitigen Versicherung angebahnt. Die gleichen Bestrebungen sind auch in Japan zutage getreten. Nach amtlichen Berichten ist die Bereinigung der japanischen Ziind- holzfabrikanten niit Hülfe englischer Kapitalisten zu stände gekommen. Das Kartell, dessen GründungSkapital etwa 2 599 099 bis 5 999 999 Pfund Sierling beträgt und von den japanischen Fabrikanten und den englischen Kapitalisten zu gleichen Teilen gezeichnet ist, wird auch die kleineren Zündholzfabriken umfassen. Unter anderen hat das Syndikat die Ausdehnung des Absatzgebietes für japanische Zünd- Hölzer auf Europa und Australien zum Ziele. Eine internationale ElektrizitätSausstellung wird für das kommende Jahr in Marseille geplant. Es hat sich dafür schon eine General- kommission von 27 Miigliedern gebildet, um diese Angelegenheit in die Wege zu leiten. Voraussichtlich wird sich an dieser Ausstellung auch die deutsche Elektroindustrie hervorragend beteiligen, da Marseille als sehr wichtiger Dnrchgangspunkt zu den gesamten französischen Kolonien betrachtet wird._ Industrielle KrisiS in Finnland. Finnland ist kein Land der Großindustrie. Die große Mehrzahl der Bevölkerung obliegt der Landwirtschaft. Das Land ist arm an Produkten, welche als Borbedingung der Entwickelung einer Groß- Industrie in Betracht kommen. Eine Ausnahme bilden die Wald- produlte. Die Wälder liefern viel Holz als Ausfuhrartikel in der Gestalt von Brettern, Planken, Grubenholz usw. Aber vielleicht noch mehr Holz wird im Lande selbst zu Papier verarbeitet. Die zahlreichen Seen, die Flüsse und die guten, natürlichen Hafenplätze begüiistigen diese Industrie. Außerdem komme« die zahlreichen Wasserfälle als ungeheuere Kraftquellen von außerordentliche, Billig- keit in Betracht. Es bestehen daher im Lande bereits recht viele Sägereien, namentlich in Kotka, Wiborg usw. die für die Aussuhr arbeiten. Zehulausende von Arbeitem finden bei diesen Betrieben Die Metallindustrie ist hier im allgemeinen noch weit zurüd, so daß die Metallarbeiter bergleichsweise unter schlechteren Bedingungen arbeiten müssen als die Arbeiter anderer Berufszweige. Im Sommer 1906 führten die Metallarbeiter einen erbittertent Kampf. Der Streit dauerte über drei Monate und mußte schließlich doch aufgegeben werden, ohne daß etwas erreicht wurde. Die Metallfabriken hatten viele Bestellungen von der ruffischen Regierung. Als die Finnen sich aber im Herbst 1905 auch sehr unehrerbietig" betrugen und die russische Polizei davonjagten, drangen die„ Echtrussen" mit Erfolg darauf, den Finnen alle Staatslieferungen zu entziehen. Da tam im Sommer der Streit und bot einen gesuchten Anlaß, da einige Schiffsreparaturen und andere Arbeiten nicht zum Termin geliefert werden konnten. Das Ministerium beschloß, nach Finnland Bestellungen weiterhin nicht mehr zu vergeben und die noch nicht in Angriff genommenen Arbeiten abzubestellen. nur Namen und Die Unterzeichnete sieht sich veranlaßt, der Oeffentlichkeit folgendes mitzuteilen: Da der frühere Verleger der von mir begründeten Zeitschrift Mutterschutz" den Abdruck eines Abschiedswortes im lebten eft rechtswidrig verhindert hat, um meine Leser absichtlich im unklaren zu lassen, bin ich gezwungen, auf diesem Wege mitzuteilen, daß die Zeitschrift in bisheriger Weise, die allen Seiten der feruellen Probleme gerecht zu werden sucht, von mir mit denselben Mitarbeitern als Publikationsorgan des Bundes für Mutterschutz weitergeleitet wird und Verlag geändert hat. Sie erscheint fortan unter dem Titel„ Die neue Generation" im Verlag von Oesterheld u. Ko., Berlin W. 15, Ließenburger Straße 48, von wo die soeben erschienene erste Nummer allen Interessenten auf Wunsch gratis zugesandt wird. Die jetzt im Verlag von Sauerländer erscheinende Zeitschrift hat mit dem Bund für Mutterschuß nichts mehr zu tun; vielmehr wird der bisher dem Bunde angehörende Redakteur durch Beschluß der Generalversammlung und des Vorstandes als ausgeschieden betrachtet. Dr. phil. Helene Stöder, -O als Solzfäller, Flöffer, Fabritarbeiter, Hafenarbeiter usw. Be- 1 Iung nahm den Bericht ohne Debatte entgegen und wählte Frau- s. S. 72. 1., 4. und 5. Bum Unterhalt find Sie verpflichtet, da Sie Be- lung schäftigung. Neumann als Kreisbertrauensperson einstimmig wieder. die Berpflichtungen übernommen haben. Nach dem Gesetz ist der Sohn Im Sommer 1907 war die Ausfuhr der Waldprodukte noch Frau Demmig gab einen kurzen Bericht als Vertrauens- soweit zum Unterhalt einer erwerbsunfähigen Mutter verpflichtet, als er der Seinigen standes. fehr lebhaft, jetzt ist sie jedoch ins Stocken geraten person für Weißensee. Da sie wegen Krankheit auf eine Wieder- hierzu vermögend ist, ohne seinen und mäßigen Unterhalt zu gefährden. Wie viel das im Einzelfall ist, bom Gericht zu entscheiden. 2. und 3. Nein. infolge der verminderten Nachfrage auf allen ausländischen wahl berzichtete, wurde Frau Kahl als örtliche Vertrauensperson ist im Streitfall Handelsplätzen. In Kotta soll eine große Sägerei den Betrieb ein- gewählt. M. S. 04. 1. Wenden Sie sich an die Entbindungsanstalt in der stellen. Die Papierfabriken hatten vor Jahresfrist noch soviel Arbeit, Artilleriestraße. 2. Klagen Sie auf Zahlung der Entbindungskosten, falls Aufklärung über Geschlechtskrankheiten. Im Auftrage der der Betreffende nicht in einer öffentlichen Urkunde seine Baterschaft andaß sie kleinere Bestellungen ausschlugen und alle Aufträge nicht be- O. G. P. 10. wältigen konnten. Aber schon im Sommer setzte die Krisis ein. Die Deutschen Gesellschaft zur Betämpfung der Ge- erkennt und sich zur Zahlung von Alimenten verpflichtet. E. Moll 34. 3,50 Mart für jede Erklärung. Fabriken lieferten sehr viel Papier nach Rußland, weil die finnischen schlechtsfrankheiten wird heute in den Auguste- Viktoria- 1. und 2. Nein. Fabriken trotz des Bolles Papier billiger lieferten als die russischen. Sälen, Lutherstr. 31/32, vor einem Publifum von weiblichen An-.. 5. 1. bis 3. Strengen Sie sofort die Interventionsflage und ferner Der im Anfang der Revolution vergrößerte Bedarf an Papier gestellten die praktische Aerztin Frl. Dr. Hader lleber die die Klage an, daß der Betreffende nicht berechtigt ist, die von Ihnen näher uns nicht bekannt. 2. R. 34. 1. Ein Teil ja. 2. Nach zutreffender die Herausgabe großer, neuer Zeitungen und die Gründung zahl- Gefahren der Unwissenheit auf dem Gebiete der zu bezeichnenden Gegenstände zu pfänden. 4. Die betreffende Firma ist G. R. 100. Auskunft erhalten Sie in der Postreicher neuer Verlagsfirmen förderte die finnische Papierindustrie Geschlechtsfrankheiten" sprechen. Die Hausangestellten, Ansicht nein. fehr merklich. Als aber die Reaktion in Rußland die Oberhand ge- besonders die Dienstmädchen, für welche der Vortrag bestimmt ist, Auskunftsstelle Königstr. 61. Die betreffenden Sachen sind nicht zollfrei. Das Patet wird in Amerika geöffnet. 2. O. 987. Sie haben recht. wann, gingen viele dieser Unternehmungen ein und manche bedürfen einer solchen Aufklärung notwendig. Aus sanitären sowohl wie aus Billigkeitsgründen wäre es daher Klub Daheim. Sie können es auf eine Klage anfommen lassen. Vors Rechnungen blieben unbezahlt. Die finnischen Papierfabriken waren. F. 100. Wenn Sie die Abrede gezwungen, ihre Tätigkeit einzuschränken. Die große Attiengesellschaft mit Freuden zu begrüßen, daß recht viele Herrschaften" ihren Haus aussichtlich würde der Wirt abgewiesen. der Kymmene- Papierfabrik hat bereits 1400 Arbeitern gefündigt. fflaven den kurzen zweistündigen Urlaub zum Besuche des Vortrages beweisen fönnen, so würden Sie gewinnen. Die Beweislaft liegt Ihren ob. Es ist zu befürchten, daß auch andere Fabriken ihre Betriebe heute abend gewährten, um ihn so zum beiderseitigen Vorteile an- Haben Sie feine Beugen, so bleibt Ihnen nichts übrig, als es auf ein Zeugnis der Frau des zu Verklagenden und einen Eid des Beklagten an gewendet zu sehen. tommen zu lassen. Kreis VI. Die Forderung fann 30 Jahr lang von entweder stark reduzieren oder gar ganz einstellen. der letzten Pfändung abgerechnet in vollem Umfange beigetrieben werden. Infolge der schlechten Lage in der Papierindustrie mußten die Bund für Mutterschuh. Mittel zur Sicherung dagegen gibt es nicht. J.. 188. Rein, eventuell Arbeiter der Aktiengesellschaft Enso ihren begonnenen Kampf soeben M. M. Lassen Sie es auf eine bedingungslos aufgeben. würde Beschwerde einzulegen fein. Klage ankommen und stellen Sie derselben entgegen, daß Ihr Verdienst mur - A. B. 389. 1. Ja, zur Hälfte. zum Unterhalt Ihrer Familie ausreicht. Eltern. 2. Es genügt eine Vereinbarung mit den Ste fönnen auch ein Vorkaufsrecht mit Ihrem Bruder hereinbaren und das Birkenwerder. Nein. Tausend. Ja. eintragen lassen. Grünheide. Leider ist das Erkenntnis rechtskräftig. Weitere Schritte G. S. 27. 1. Nein. 2. und 3. Ja, falls nicht etwa wären erfolglos. der Wortlaut Ihres Mietsvertrages dem entgegensteht. 4. Ja: gegen sämt liche Beteiligte. Ernst 46. 1. und 2. Sie könnten die Sachen fortnehmen und könnten Unterstützung beim Vormundschaftsgericht nachsuchen. 3. Das wäre zwedmäßig. 4. Das ist möglich. 5. und 7. Ja. 6. In diesem Falle würde strafbarer Diebstahl vorliegen. Zur Sicherheit sollten M. P. 05. Tragen Sie unter Vors Sie das Schloß ändern lassen. legung der Aften Ihre Angelegenheit dem Arbeiterfretariat, Engelufer 15, vor. Soweit Ihre Schilderung erfennen läßt, ist leider das Urteil rechtsfräftig geworden. Sie hätten früher die Hülfe des Arbeitersekretariats in Anspruch nehmen sollen. M. M. 1872. Ja. R. F. 1. Sie könnten lediglich Ihre Forderung gegen den Betreffenden einflagen und dann zwangsvollstreckung in die Sachen vornehmen. 8wedmäßiger ist es, Sie lassen sich von dem Betreffenden die Ermächtigung geben, die Sachen zu verkaufen und aus dem Erlös sich zu befriedigen. Ohne solche Einwilligung wären Sie verpflichtet, die Sachen aufzubewahren; eine Frist für Wilmersdorf. 1. und 2. Ja. diese Aufbewahrungspflicht gibt es nicht. Berlin- Wilmersdorf, Pfalzburger Straße 70. Mar R. 26. Das Testament ist gültig. R. S., Reinickendorf. 1. Nein. 2. Die Behörde müßte flagen. A. R. 43. Wenn Sie nachBersammlungen Veranstaltungen. weisen können, daß die Vereinbarung dahin gegangen ist, der Vertrag solle am 1. April aufhören, so fönnen Sie ziehen. Sonst ist der alte Bertrag gültig. 5. R. 26. 1. Ja. 2. Nein. 3. Ja. 4. Die Mitteilung in Beitungen wäre nuglos. Sie können die Schlüffelgewalt Ihrer Ehefrau nur dadurch aufheben, daß Sie an das Amtsgericht schreiben: Das Recht meiner Ehefrau innerhalb ihres häuslichen Wirkungskreises Geschäfte für mich zu besorgen, hebe ich hiermit auf und beantrage, diese Aufhebung in das Güterrechtsregister einzutragen. Ihre Unter S. 13. Die jnriftische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, swelter fchrift muß notariell oder gerichtlich beglaubigt sein. Sof, britter Eingang, vier Treppen, Fahrstuhl Die Mädchen könnten auf Zahlung des Lohnes flagen. wochentäglich von 7%, bis 9 1hr abends statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabende beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. M. G. 1. Etwa zu 20 M. monatlich würde der Betreffende auf Klage hin verurteilt werden. 2. Wenn Sie unbescholten waren, ja. 3. Rein. O. R. 100. Leider ja. W. J. 15. Der Weigernde, wenn er das Berlöbnis nicht aufgehoben hat. M. 141. Nein, Sie können fich aber mit dem Borstand der politischen Organisation zweds eventueller Entschädigung in Verbindung setzen. 23. 3. 23. 1. Ja. Die Stellung wäre für Ihre eventuelle Reklamation unerheblich. 2. Allgemeine KörperC. J. 100. schwäche, die vorläufig den Eintritt in das Heer hindert. Ja. 2. 109. Sie sind im Irrtum. H. 35. Benden Sie sich direkt an den Wahlverein. K. H. 16. Das in der Ehe Erworbene ge hört dem Mann. R. S. 76. Gar nichts. G. R. 33. Ihre Stief mutter fann innerhalb 6 Wochen nach dem Tode erklären, ob sie nach märkischem Recht oder nach dem Recht des Bürgerlichen Gesetzbuches erben will. In dem ersten Falle würde ihr die Hälfte des gesamten Vermögens Nachlaß und eigenes Vermögen) zufallen. Die andere Hälfte fällt unter die Stinder zu gleichen Teilen. Statt des verstorbenen Bruders treten Swinembe 777 N deffen Kinder ein. Erbt Ihre Mutter nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch, so gamburg 778 SSD steht ihr ein Biertel, den Kindern drei Viertel des väterlichen Nachlasses zu. Berlin 777 NW 2 bedeut 2 Nebel Prok. Chambregarnisten, Schlafleute, Möblierte Herren" usw., die Franfi.a M. 777 OND 2 Nebel 778 SD monatlich mieten, fönnen bis am 15. zum 1., nicht aber umgekehrt, München 5. B. G. 2. Die Versicherungs- Bien 2 bedeckt fündigen und gefündigt werden. R. R. 1. bis 6. Miente für ein un gesellschaft ist leider im Recht. Wetterprognose für Freitag, den 24. Januar 1908. eheliches Kind sind bis zu deffen zurückgelegten 16. Lebensjahr zu tragen. Zunächst etwas tälter, teilweise aufflarend bei schwachen füdlichen Der Vater hat, auch wenn er sich verheiratet, keinen Anspruch auf Heraus- inden; später neue Erwärmung und Trübung ohne erhebliche Nieder. Berliner Wetterbureau. gabe des finde. Die Mutter kann das Kind von einem anderen adoptieren schläge. Tassen. Der Vormund und das Vormundschaftsgericht, nicht aber der Bater bätte die Adoption zu genehmigen. Steineswegs steht dem Mann der Einwand zu, er brauche nicht zu zahlen, da er Vater eines zweiten Kindes ist, oder weil die Mutter noch ein anderes Kind befizt. einem Vergleich über die Alimente ist abgesehen von der Zustimmung der Parteien Genehmigung des Vormundschaftsgerichts erforderlich. 8. Ja. Die Klage ist an das Amtsgericht zu richten. 16. Ja. W. Sch. 21. 1. Ja. Aber die beim Tode des einen noch lebenden Jm Baugewerbe melden sich die ersten Borboten einer Depression. In Helsingfors, in Wiborg und in allen Städten wurde in den letzten Jahren viel gebaut. Der Zudrang in die Städte ist groß, das Baugeschäft rentiert sich gut. Es entstanden große Wohnungs- Genossenschaften, und es wurden sehr große Gebäude aufgeführt, aber die Wohnungsnot ließ sich nicht steuern. Noch im letzten Herbst stiegen die Mieten sehr mertlich. Nun haben die Banken den Zinsfuß erhöht, was schon an und für sich das Banen erschwert; aber in Anbetracht der allgemeinen Geldkrise geben die Banken überhaupt keine Baukredite mehr. Das muß auf das Baugewerbe sehr lähmend wirken. Hus der Frauenbewegung. Für die Genofsinnen des Kreises Niederbarnim fand am Dienstag eine öffentliche Versammlung in Weißensee statt. Sie war sehr stark besucht. Der Saal" Zum Prälaten" reichte kaum aus, um die zahlreich erschienenen Frauen und Männer aufzunehmen. Genossin Ihrer sprach über den Ver= einsgefeßentwurf, den sie besonders vom Standpunkt des Interesses der sozialdemokratischen Frauen beleuchtete. Ihr allgemeines Urteil über den Entwurf gab die Referentin dahin ab: Die Verfasser des Entwurfs haben nicht wie Minister osa dowsky seinerzeit in Aussicht stellte auf die Werkzeuge aus der Rüstkammer des Polizeistaates verzichtet. Die Regierung hat nicht nur die alten Werkzeuge aus der Rüstkammer des Polizei staates in den Gefeßentwurf hineingebracht, sondern noch einige neue hinzugefügt. Mit diesem Entwurf tann die Arbeiterklasse nicht einverstanden sein. Auch die sozialdemokratischen Frauen lehnen denselben ab, obgleich er ihnen das Recht der politischen Organisation zubilligt. Diese Zubilligung hatte vor 20 Jahren eine größere Bedeutung als heutzutage. Die sozialdemokratischen Frauen haben seit langer Zeit gelernt, trotz aller Beschränkungen, welche das preußische Vereinsrecht ihnen auferlegt, in der großen, Klassenbewußten Arbeiterbewegung tätig zu sein. Wenn es nicht anders sein kann, werden sie auch unter dem alten Vereinsgesetz weiterarbeiten. Der neue Entwurf bringt für die gesamte Arbeiterbewegung so erhebliche Einschränkungen, daß die proletarischen Frauen, in dem Bewußtsein, die Interessen der Gesamtheit stehen über ihren eigenen Interessen, mit dem gesamten Proleta riat gegen diesen Entwurf protestieren. Die Referentin begründet diese Anschauung an der Hand der einzelnen reaktionären Bestimmungen des Entwurfs und schloß unter lebhaftem Beifall mit der Bemerkung, es werde dem einmütigen Protest des Proletariats ge= lingen, zu verhindern, daß dieser Entwurf Gesetz werde. Weißensee. Montag, den 27. Januar, 8 Uhr, bei Fröhlich, Elfaffer Straße 61: Vortrag. Frau Jeeze:" Der Wert der Arbeit". Briefkaften der Redaktion. SHOP Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen- Direktion über den Großhandel in den Zentral- Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr stark, Geschäft ruhig, Preise unverändert. Wild: Zufuhr genügend, zum Teil reichlich, Geschäft still, Preise unverändert. Geflügel: Zufuhr etwas reichlicher, Geschäft nicht befriedigend, Preise gut. Fische: Zufuhr genügend, in Seefischen reichlich, Geschäft ruhig, Preise ohne wesentliche enderung. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise höher. Ge müse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Markt fast leblos, Preise wenig verändert. Stationen Witterungsübersicht vom 23. Januar 1908. Barometer. stand mm Bind. clahlung Bindftarle 775 NW Better Zemp. n. G. 5º G.. 4º R. Stationen Barometer. ftand mm ind 1 Haparanda 760 SW Bun Bindstärke Beller Tenip, n. G 1 Nebel 2 bededt 0 Petersburg 772 N 2 Scilly -5 Aberdeen -8 Baris 2 wollig 1 bedeďt -4 770 S 4 halb bd. 769 S 1 bedeckt 776 S 1 molten!-4 Kottbuser eiten Sanssouci Straße 6. 7. Bu Direttion: Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoffmanns Nordd. Sånger u. Tanzkränzchen. Beg. Sonnt.5, Wochent. 8U. Morgen: Gr. Elite- Soiree. Hochaktuelles Programm. Gustav BehrensHappoldt's Neuer Konzertsaal Sonntag: Großes Militär- Konzert. Dienstag: Klassischer u. historisch. Abend. Rheumatismus Gicht-, Gliederreißen, Nervenschmerzen, Hüftweh etc. find oft unerträglich. Deshalb gebrauche man Genoffin Neumann erstattete ihren Bericht als Kreis- Eltern oder Schwiegereltern können ihr Pflichtteilsrecht geltend machen. vertrauensperson. Die Frauenbewegung im Kreise Niederbarnim 2. Ja, vorausgesezt, daß alles bis zum Namen des Mannes von diesem ist langsam, aber sicher vorwärts gegangen. Daß der Fortschritt und das folgende von der Frau eigenhändig geschrieben ist. 3. An das ein langsamer war, das ist den rein ländlichen Bezirken des Kreises Gericht. 4. Ja. 5. Benden Sie sich an Genoffen Simanowski, Engelzuzuschreiben. Dort ist es sehr schwierig, für unsere Ideen zu user 15. 6. Nein. G. M. 100.3a. 5. F. 100. Leider ja. F. G. 16. agitieren und Anhänge zu gewinnen. Wenn auch wenig nach. 2. 18. Wenden Sie sich an das Bezirkskommando. außen hin sichtbare Erfolge zu verzeichnen sind, so hat die Frauen- Sie hätten bis am 3. Januar Einspruch einlegen müssen, jezt ist es zu spät. bewegung doch insofern Fortschritte gemacht, daß die Beteiligung Sie bei dem Amtsgericht die Pfändung des Arbeitslohnes beantragen. H. 312. Auf Grund der von Ihnen beschriebenen Urkunde können an den Arbeiten zugunsten der Frauenbewegung eine regere ge- 5. m. 50. Leider fönnten Sie nur durch gütliche Vereinbarung etwas worden ist. Die Bewegung erstreckt sich auf 12 Orte des Kreises. erreichen. Ein Demonftrant. Das Aufgebot können Sie bei dem In 9 Orten bestehen Vereine der Frauen, in 3 Orten find Ver- Standesamt, in dessen Bezirk Sie oder Ihre Braut wohnen, vornehmen trauenspersonen, aber keine Vereine vorhanden. Die Zahl der laffen. Ihre Militärpapiere und die Geburtsurkunden sind erforderlich. Mitglieder in den 9 Vereinen ist im abgelaufenen Jahre von 543 3ft Ihre Braut noch nicht volljährig, so ist die Einwilligung des Vaters Hein. Der Unfallversicherung gehören Sie nicht an. auf 686 gestiegen. Die Gleichheit" hat 626 Abonnentinnen. Im erforderlich. Sommer vorigen Jahres waren es 832. Der Rückgang der F. M. 33. 1. Ja. 2. Es würde dann Versäumnisurteil gegen Sie er gehen. 3. Nein. E. S. 100. Das mündliche Versprechen ist nicht gültig. Abonnentenzahl deutet aber nicht auf einen Rückgang des Inter- Die Erbansprüche verjähren in 30 Jahren. G. S. 99. Der Nachlaß esses, sondern er ist verschuldet durch die wirtschaftliche Krise. Ihrer Mutter, dasjenige also, was wirklich Ihrer Mutter gehört hat, kommt Wegen Arbeitslosigkeit ist ein Teil der Abonnements abbestellt zur Teilung. Gegenstände, welche Ihr Stiefvater erworben bat, oder worden. Die Zahl der Leserinnen ist deshalb aber nicht geringer bie in fogenannter Gemeinschaft erworben sind, gehören dem Stiefvater. 2. 9. 3. Nein. geworden, denn an ein und derselben Nummer sind oft mehrere Eine Veräußerung des Nachlasses tann stattfinden. S. O., Forsterstraße. Für Darlehne, die die Frau aufnimmt, haftet Abonnentinnen und Leserinnen beteiligt. An den freiwilligen A. 99. Zwischen 840 und 880 Marten.- W. 78. Parteibeiträgen beteiligen sich 205 Frauen. In gewerkschaftlicher der Ehemann nicht. Hinsicht haben die Frauen des Kreises Niederbarnim an der Agi- Wenn Sie 400 Marken fünfter Stlaffe geklebt haben, so beträgt die Invalidenrente 198 M. 2. S. 23. 1. Sie müßten sich an die Polizei tation für den Bäderboykott und besonders an den Arbeiten zur behörde mit der Anfrage wenden, wohin der Betreffende gezogen ist, und Durchführung des Jandorf- Boykotts in hervorragendem Maße teil bei der Polizeibehörde des neuen Aufenthaltsorts weitere Grundigungen Jeden Sonn Rinder- BorſteunsOtto Reichel, Eisenbahnstr. 4. " -genommen. Die Einnahmen betrugen 1153,22 M., die Ausgaben einziehen. 2. bis 4. Auf Grund des rechtskräftigen Urteils fönnen 1040, A0 M., es bleibt ein Bestand von 112,82 M. Die Versamm- Voustredungsmaßregeln, auch den Offenbarungseid noch jetzt vornehmen. Genossinnen! Theater. Reichels, Elektrikum" Berlin W., Goltzstr. 9. Das glänz. Januar- Programm. Rumänisch Kouskainitza Truppe. serbische Gesänge u. Tänze. 4 Pers. Skandal im Theater. Volksstück mit Gesang. Außerdem: 16 Spezialitäten. Jeden Abend: Duskes Kinematograph. Anfang 8 Uhr, Sonntags 54, Uhr. Große 10, 20 und 30 Bf. Genossen! 99 ( Aetherisches Kiefernadel- Waldwollöl). Einfaches u. unschädliches Naturprodukt von starker durch greifender, schmerzstillender Wir fung. Tausende verdanken ,, Elektrikum" ihre Gesundheit, Fl. 1.u. 2. Die Wirkung wird noch erhöht durch d. inneren Gebrauch bon Reichels Wachholder- Extrakt , Medico", l. 75 Pf., M. 1.50 u. 2.50, in den Drogerien und Apotheken erhältlich u. zu bezieh. durch 99 Freitag, den 24. Januar, abends 8 1hr, bei Ballschmieder, Badstraße Nr. 16: Volksversammlung. Tages- Ordnung: Der Kampf ums freie Wahlrecht in Preußen. Referentin: Genoffin Klara Zetkin- Stuttgart. Wir ersuchen die Parteigenoffen, ihre Frauen auf die Wichtigkeit der Versammlung für das weibliche Proletariat anfmerksam zu machen. 1/6 Die Einbernferin. Für den Jubalt der Jnierate Abernimmt die Redaktion dem Wublikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, 24. Januar. Anfang 72 Uhr. Königl. Opernhaus. Salome.( Anfang 8 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. von Barnbelm. Deutiches. Was ihr wollt. Minna Kammerspiele. Gyges und sein Ring.( Anfang 8 Uhr.) Lorking. Die Zauberflöte. Anfang 8 Uhr. Leffing. Die Stüben der Gesellschaft. Neues Schauspielhaus. Wollenfrager. Qustivielhaus. Banne. Berliner. Blaubart. Neues. Baccarat. Stiiller 0. allner Theater.) . Herenkessel. Smmergrün. Schiller Charlottenburg. Richter von Zalamea. ՍՈ JOSETTI JUNO Cigaretten. Cigaretten gerade so gut" Kosten das doppelte und mehr. Josettis Der 10 St. für 20 Pfg. Friedrich Wilhelmstädt. Schauspielhaus. König Heinrich. Westen. Ein Walzertraum. Theater an der Spree. Hokuspolus. Komische Oper. Tosca. Kleines. Der Unsichere. Zentral. Frau Barrens Gewerbe. Residenz. Bibi. Luisen. Erziehung zur Ehe. Trianon. Fräulein Josette- meine Frau. Thalia. Immer oben auf. Bernhard Roie. Der Hüttenbefizer. Bürgerl. Schauspielhaus. Flachsmann als Erzieher. Metropol. Das muß man seh'n. Apollo. Hymad. La belle Alexia. Gentes. Folies Caprice. Mal was andres. Dunkle Bunkte. Eine anständige Frau. Gebr. Herrnfeld. Papa und Ge noffen. Rajino. Die Freuden der Häuslichkeit. Wintergarten. Robert Steidl. Spezialitäten. Parodie. Nachtasyl. Tannhäuser. Monna Banna. Passage. Rudolf Mälzer. Spezialitäten Boruffia Variété, Aderstr. 6/7. Spezialitäten. Reichsballen. Stettiner Sänger. Carl- Haverland Theater. zialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Spe Urania. Taubenstraße 48/49. Theater 8 Uhr: Eine Nilfahrt bis zum zweiten Kataraft. Hörsaal 8 Uhr: Ing. Keßner: Eisenund Stahlgießeret. Sternwarte, Invalidenftr. 57/62. 8 Uhr: Privatdozent Dr. Riftenpart: Die inneren Planeten. Berliner Theater. Gastspiel d. Neuen Operetten- Theaters. Abends 8 Uhr: Blaubart Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Baccarat. Hierauf: Maud Allan: Vision der Salome. Morgen und folgende Tage: Die felbe Borstellung. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Der Unsichere. Sonnabend: Mandragola. Dritter Wahlkreis. ww Sonnabend, den 25. Januar, in den Gesamträumen des Gewerkschaftshauses Engelufer 15: 17. Stiftungs- Fest. ::: KONZERT::: ausgeführt von den Zivilberufsmusikern unter Mitwirkung der deutsch- schwedischen Konzertsängerin Frl. Thyra Nordström und des Berliner Ulk- Trio. Reigenfahren des Berliner Arbeiter- Radfahrervereins( M. d. A.- R.- B. ,, Solidarität“). Großer BALL. Herren, welche am Tanz teilnehmen, Anfang 8%, Uhr. 213/ 1* Um zahlreichen Besuch ersucht zahlen 50 Pf. Billetts 30 Pf. Der Vorstand. Freiheitliche Bühne. Da am vorigen Sonntag Hunderte von Interessenten wegen des ausverkauften Theaters keinen Butritt mehr finden fonnten, wird das 12 Jahre polizeilich verboten gewesene Schauspiel Ausgewiesen" am nächsten Sonntag, den 26. Januar, nachmittags 3 Uhr, im Theater an der Spree 102/ 18* zum dritten Male wiederholt!!! Borzeiger dieser ausgeschnittenen Anzeige des„ Vorwärts" zahlen statt des Kaffenpreises F95 Pfennige für Parkettfauteuil. Nur gegen Abgabe dieser Anzeige an der Theaterkaffe des Theaters an der Spree, Köpenider Str. 68. Gültig für 2 Parkettfauteuilplätze a 95 Pf. Zentral- Theater. Gastspiel des Hebbel- Theaters. Abends 8 Uhr: Sonntag nachm. 3 Uhr: Marie Frau Warrens Gewerbe. Magdalene. Abends: Mandragola. Drama in 4 Aften von Bernh. Shaw. Theater des Westens. Luisen- Theater. 8 Uhr: Ein Walzertraum. Operette von Oskar Strauß. Sonntag nachm. 31, Uhr halbe Preise: Die lustige Witwe. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. König Heinrich. Anfang 8 Uhr. Sonnabend: König Heinrich. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachlasyl. Abends 8 Uhr: Madame Sans Gêne. Reichenbergerstr. 34. Abends 8 Uhr: Erziehung zur Ehe. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. 8 Uhr: Eine Nilfahrt bis zum zweiten Katarakt. Hörsaal 8 Uhr: Ing. Keßner: Eisen- und Stahlgießerei. Invalidenstr. 57-62: Sternwarte. 8 Uhr: Privatdozent Dr. Ristenpart: Die inneren Planeten. a Theater an der Spree Sonnabend nachm. 4 Uhr: Mag und Moriz. Abends: Birkusleute. Sonntag nachm. 3 Uhr: Wallensteins Zod. Abends: Des Mädchens Lebenswege. Montag: Ein gaftliches Haus. Hier auf: Er muß taub sein. Köpenickerstr. 68, dicht am Bahnhof Jannowitzbrücke Täglich 8 Uhr: Hokuspokus Neueste Berliner Gesangspoje. Lortzing- Oper. DERNHARD ROSE THEATED( Ausverkauft bis inkl. Sonnabend.) Belle- Alliance- Straße 7/8. Abends 7, Uhr: Die Zauberflöte. Sonnabend 8 Uhr: Das Glöckchen des Eremiten. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Trou badour. Abends 7, Uhr: Die Bauberflöte. Gr. Frankfurterstr. 132. Der Hüttenbesitzer. Anfang 8 Uhr. Wochentagspreise. Sonnabend nachm. 4 Uhr Kindervorstellung: Robinson Crusoe. Abends: Die arme Mieze. Gebr. HerrnfeldTheater. 57 Kommandantenstraße Nr. 57. Abends 8 Uhr: Zirkus Schumann Heute Freitag, den 24. Januar, abends 7, Uhr: Große Tomische Vorstellung mit vollständig komischem Programm. Um 9 Uhr zum 33. Male, Ende 11 Uhr: Amerika 3. 8. der Sklaverei u. Trachten bon 1861-1863. The 6 Fluffy Ruffle Girls. Rauh- Reiter auf importierten Maultieren. Richter Lynch: Das Fleddern eines Hammeldiebes. Sonntag nachm.: Die lustigen Heidelberger. 1 Stind frei, weitere Kinder halbe Preise. Metropol- Theater Anfang präzise 8 Uhr. seh'n!! Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Der Hexenkessel. Schaufp. in 3 Aften von Georg Engel. Hierauf: Jungfer Immergrün Bolksstüd in 1 ft v. E. v. Wildenbruch. Sonnabend, abends 8 Ubr: Der Hexenkessel. Hierauf: Jungfer Immergrün Sonntag, nach m. 3 br: Das Glück im Winkel. Sonntag, abends 8 11 br: Der Hexenkessel. Hierauf: Jungfer Immergrün Schiller- Theater Charlottenburg. Freitag, abends 8 1 br: Der Richter von Zalamea. Schauspiel in 3 Aufzügen v. Calderon de la Barca. Deutsch von Adolf Wilbrandt. Sonnabend, abends 8 Uhr: Gebildete Menschen. Sonntag, nach m. 3 Ubr: Der Richter von Zalamea. Sonntag, abends 8 Uhr: Kollege Crampton. Schiller- Saal( Schiller- Theater) Freitag 9 Uhr: Vortrag von Dr. James Simon: Gustav Mahler. Erläutert durch Instrumentalmufit. XIII. Saison. Zirkus Busch. Freitag, den 24. Januar 1908, abends präz. 7% Uhr: Große Gala- Wohltätigkeits- Vorstellung zum Besten, der Berl. Krankenpflegestationen der Frauenhülfe. U. a. Auftreten des Herrn Kommissionsrat Gustav Stensbock! Direktor des Berliner Tattersall als Gast. Bros. Clarkonians. The Kremo Family. Herr Ernst Schumann, Neudressuren. Frl. Estelle Preval, Schulreiterin, sowie das große Gala- Programm. Um zirka Auf der Hallig. des Zirkus Busch in 4 Bildern. Große Ausstattungs- Pantomime 10 Uhr: Auf hoher See. Sturm und Schiffsuntergang. Die Wunder der Tiefsee. Sonntag, den 26. Januar: 2 Gr. Gala- Vorstellungen. 4 u. 7 Uhr. Um 4 Uhr zahlen Kinder unter 10 Jahren auf allen Sitzplätzen halbe Preise. Biogr.- Theater„ Westend" Men! Elegant! Intereſſant! 99 Täglich Vorstellung von 5-11 libr. Sonntags von 3-11 Uhr. Charlottenburg, Potsdamerstr. 11. Stetiger Eingang von Neuheiten. WINTER BARTEN 65 Neues Programm. Ruth Vincent Gesangskünstlerin. Kaufmann- Truppe reizende Radfahrkünstlerinnen. Rochez Affen Der Affe als Kapellmeister. Robert Steidl der beliebte Humorist, und viele andere erstklassige Spezialitäten. Brunnen- Theater Badstraße 58. Direft.: Bornh. Rose. Freitag, den 24. Januar 1908: Der Fechter von Ravenna. Trauerspiel in 5 Aufzügen von Friedrich Halm. Borverkauf vorm. 10-2 Uhr. Kassencröffnung 7 Uhr. Anj. 8 Uhr. W.Noacks Theater Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16 In der Jrre. hauspiel nach dem„ Morgenpost" Roman. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Sonnabend Geschlossen. Sonntag: Othello. Theater Folies Caprice Linienstr. 132, Ecke Friedrichstraße. Berlins Tagesgespräch! Passage- Theater. Mal was Anderes. Abonds 8-11 Uhr: Rudolf Mälzer 15 erstklassige 15. Nummern Revue in 3 Bildern. Dunkle Punkte. Eine anständige Fran. Anfang 8 Uhr. Parodie- Theater. Dresdenerstr. 97. Anfang 8%, Uhr Zum 6. Male: Nachtasyl. Bum 83. Mal: Tannhäuser. Monna Vanna. POLLO Neue Welt Theater Abends 8 Uhr: die Königin La belle Alexia, des Tanzes. u Marquard. Walzerwahn on Mary Alfred Slegwart Gentes in feiner Opernprobe. Hymack, der Mann mit den Handschuhen. Die 3 goldenen Jungfrauen. Walhalla Hasenheide 108-114. Täglich: Großes bayerisches Bockbierfests Baron Muckls Bauernkapelle. Morgen Sonnabend: Variete Theater Großer Familienabend. Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Abends 8 Uhr: Das große Programm. Die erste Sensation im neuen Jahr: Der Kraftjongleur Acosta. 14 mufifallſch Ausstattungsaft. elektrische Sterne Mestrum, Komiter. Prolongiert! Prolongiert! 12 Akrobaten Lorch 12. 46 Variétékünstler. Tunnel: Bockbierfest, Regiments. tapelle, Tiroler Schrammeln. Theaterbesuchern freier Eintritt. Anfang 7 Uhr, Sonntags 5 Uhr. Entree 30 Pf., Sonntags 50 f. Buggenhagen Moritzplatz im Theatersaal täglich Albert Böhme . und das orussia großartige Januar- Programm. VarietéTheater und Festsale Residenz- Theater Palast- Theater Papa Das muß man sein Besieder drip June Program Abends 8 Uhr zum 2. Male: دوو Bibi.". Schwant in 3 Atten von de Gorsse und de Marfau. Deutsch von M. Schönau. Bretillot: Richard Alexander. Sonntag, den 26. Januar, nachm. 8 Uhr: Haben Sie nichts zu vers zollen? Heute 8 Uhr Entree 20 Pf. und Gr. Revue in 4 Akten( 12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Direktor Richard Schultz. Inh.: J. Leschkowski. Hollaender. In Szene gesetzt Ackerstraße 6-7. Baronesse Andrikonoff Genossen.. Thielscher, F. Massary, mit ihrer Hundemente. Serenissima im Variété berfaßt von Lustspielhaus. Dr. Fritz Friedmann. Abends 8 Uhr: Panne. Täglich: Sonntag nachmittags 3 Uhr bei B. Darmand, Bender, Giampietro, Theater- und Spezialitätenhalben Preisen: Endlich allein! und Der Fall Blumentopf 0 Januar Riefenspielplan. Dazu der Josephi etc. Vorstellung. Auftret. v. 15 Künstler- Spezialit. Trianon- Theater. Anfang Fräulein Josette meine Frau. Die Herren von Maxim. Sonntag nam. 3 Uhr: Cyprienne. Rauchen gestattet. Sonntag, den 26. Januar, nachmittags 3 Uhr: 8 Uhr. Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf. Im unteren Konzertsaal täglich die allerersten MilitärKapellen: Becker, Przywarski, Görisch, Neumann, Offeneh, Lüttich. Begen Rheumatismus bust Hüft Zarembas Burgunder Pechpflaster. Drogerie Weinbergsweg 1, direkt am Rosenthaler Tor. VI. Wahlkreis. Freitag, den 24. Januar, abends 8 Uhr, in den Pharus- Sälen, Müllerstraße Nr. 142: Volks- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genoffen Stern ehemals evangelischer Geistlicher in Heidel berg über: Jefus von Nazareth und das heutige Christentum. 2. Freie Distuffion. Bu zahlreichem Besuch ladet ein Der Einberufer. Handlungsgehülfen! 224/ 10* Hente, Freitag, den 24. Januar, abends 9 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59: Oeffentliche Versammlung. Warum sprechen die Deutschnationalen gegen und stimmen für die Konkurrenzklausel? Referent: Kollege Martin Meher. Zahlreichen Besuch erwartet 282/5 Zentralverband der Handlungsgehülfen. Neue Königur. 36. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Heute Freitag, abends 81%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15: Sitzung der Ortsverwaltung. Einsetzer. Sonntag, den 26. Januar 1908, in Boeckers Lokal, 28eberstraße 17: OF Winter- Vergnügen. 78/7 Eröffnung 4 Uhr. Anfang 5 Uhr. Die Kommission. Branche der Musikinstrumenten- Arbeiter. Montag, den 27. Januar 1908, abends 8 Uhr: Branchen- Versammlung im Gewerkschaftshause( großer Saal), Engel- Ufer 15. Tages- Ordnung: 1. Jahresbericht der Branchenkommission über ihre Tätigkeit im Borfabre. 2. Disfuffion. 3. Neuwahl der Branchenkommiffion. 4. Abrechnung bom Beihnachtsvergnügen. 5. Branchenangelegenheiten. Bu diefer Bersammlung haben sämtliche Verbandskollegen aus den Defrieben der Mufifinstrumenten- Industrie zu erscheinen. Die Kollegen werden ersucht, die Bersammlungs- Rontrolzettel in ben Mitgliedsbüchern zu beachten. Mitgliedsbuch legitimiert! Die Branchenkommission. Kranken- Unterstützungs- und Begräbnisverein der Bau- u. gewerbl. Hülfsarbeiter Berlins und Umgegend. Sonntag, den 26. Januar 1908, im Lotal Lange Straße 65: General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom IV. Duartal 1907 Jahresbericht. 2. Borstandswahl. 3. Vereinsangelegenheiten. Die Mitglieder werden erj..), recht zahlreich zu erscheinen. 37/1 Der Vorstand. Rixdorf. Bentral Krankenkaffe der die traurige Nachricht, daß mein 0 Maurer usw. " Grundstein zur Einigkeit". Sonntag, 26. Januar, vorm. 10 Uhr, bei Thiel, Bergstr. 151/152: Mitglieder- Versammlung Tagesordnung: 1. Abrechnung bom 4. Duartal 1907 und Jahresabrechnung. 2 Wahl der örtlichen Verwaltung. 3. Auf stellung von zwei Kandidaten zur 15. Generalversammlung. 4. Ber schiedenes. 149/1 Mitgliedsbnch legitimiert! Bahlreiches Erscheinen erwartet Die örtliche Verwaltung. „ Berliner ArbeiterRadfahrer- Verein" Mitglied des Arbeiter Radfahrer- Bundes Solidarität". Sonntag, den 26. Januar: Vereinstour nach Waidmannsluft( Schweizerhäuschen"). Start: 1%, Uhr von den Abteilungsstarts. 2. Abt. 1 Uhr: Pichelswerder ( Freund). Start: Fontane- Promenade. Achtung! Motorfahrer. Montag, den 27. d. M., abends 9 Uhr: Besprechung bei Lehmann, Der Vorstand. neue Friedrichstr. 1. Kasino- Theater. Lothringerftr. 37. Täglich 8 Uhr: Allen Freunden und Betannten lieber Mann und unser guter Bater, Schwiegervater und Großvater, der Zimmermann August Haase Nieder- Schönhausen, Bismard straße 38 im 66. Lebensjahre plötzlich verstorben ist. Dies zeigen an Die tiefbetrübten Hinterbliebenen Henriette Haase, Otto Haase, nebft Familie. Die Beerbigung findet Freitag, den 24. Januar, nachm. 3, Uhr, von der Leichenhalle des NiederSchönhauser Gemeinde- Friedhofs, Buchholzerstraße, statt. Danksagung. 2676b Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme und die reichlichen KranzSpenden bei der Beerdigung unseres lieben Bruders Albert Schröter 26775 fagen wir allen Freunden, besonders bem Sängerfreis, sowie den Kollegen der Pianofabrit Matz u. Co. und der Vereinigung der Musikinstru menten- Arbeiter unseren herzlichsten Dank. Albertine Schröter. Luise Langfeld. fülz Deutschland's Spezialgeschäft grösstes Bettfedern Erste Bettfedernfab. m. elekt. Betriebe Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. ( Köpenicker Viertel.) Bezir? 203, Teil I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genoffe, der Heizer Moritz Huhnholz Brangelstr. 52 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 24. Januar, nachmittags 3, Uhr, von der Leichen balle des Emmaus- Kirchhofes aus ftatt. 216/9 Ilm zahlreiche Beteiligung ersucht Der Voritand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Fräser Moritz Huhnholz am am 18. Januar 1908 geftorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 24. Januar 1908, nachmittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirch hofes in Rigdorf aus statt. Rege Beteiligung erwartet 111/9 Die Ortsverwaltung. Hanni weint- Hanni lacht Gustav Lustig Sozialdemokratischer Wahlverein Operette in 1 Att v. Jacques Offenbach. Hierauf das neue bunte Programm Die Freuden d. Häuslichkeit. Luftspiel in 3 Aften v. M. Heunequin. Sonntag 4 Uhr: Bieberleute. Bauhandwerker- Krankenkasse Berlins und Umgegend.( Eingeschriebene Hülfskaffe Nr. 18.) Bureau: C. 54, Steinstr. 38. Fernspr. Amt III, 3100. Laut Beschluß des Vorstandes und des Ausschusses findet die Ordentliche General- Versammlung am Sonntag, den 9. Februar, vormittags 10 Uhr, im Lotale von Wilke, Brunnenstraße No. 188 statt. Zages Drbnung: 1. Jahresabrechnung, Borstandsbericht, Ausschuß und Revisionsbericht. 2. Erfahwahl des Vorstandes. Wahl des ersten Borsitzenden, des Neu seiten Staffierers, cines Beisigers und von vier Erfagmännern. wahl des gesamten Ausschusses und vier Erfagmanner. Bahl eines Hülfstaffierers für Charlottenburg- Schöneberg. 8. Abänderung der Paragraphen 3, 8 und 11 der Rassen. fahungen. 38/ 1* Der Vorstand. J. A.: S. Mehke. NB. Die Bersammlung wird pünktlich eröffnet. Mitgliedsbuch legitimiert! D. O. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Wahlverein Rummelsburg. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zement- Branche. Sonntag, den 26. Januar, mittags 1 Uhr: BERLIN S. 390 Prinzenstr. 46 berfenbet geg. Nachnahme garantiert neue und gut enttäubte, gut füllende Bettfedern p. pfb. m. 0.55-1.00-1.25; prima Salbdaunen M. 1.75; Ganfes rupffedern M. 2.00; prima weiße Gänsehalbdaunen m. 2.50-3.00-3.50 echt chines. Wonopolbannen m. 2.85, echt ruffisch. Mata dors Gänsebaunen M. 3.50 Bon den Daunen genügen 3-4 Bfb. zum groß. Oberbett. Gänsefebern ( 3. Meißen) M. 0.60 per Pfund; Ganfe Schlachtfedern, wie fie von der Gans fallen, mit allen Daunen 2. 1.50. Proben und Preisliste gratis. Um tausch oder Rücksendung geftattet. Berpadung toftenfrei. Lektjähriger umfaß über 2000 Beutner Bettfebern, von keinem zweiten Bettens u. Betts federngeschäft erreicht. Nur für Damen! Nur für Damen! Haararheiten, billigste Duelle, ohne Kontur. renz Zöpfe ohne Korbel, modern. Lock., Frisetts enorme Ausw. Ausgelämmtes Haar wird auf Bunsch verarb. Frisuren, Onbo lation, Färben, Ropfwäsche F.R. Müller, Berlin C. 25, Gruppe: Zementierer, Einſchaler und Hülfsarbeiter. Generalversammlung Koln Laden. Sonntag, den 26. Januar, vormittags 10 Uhr: im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( Saal I): Mitglieder- Versammlung Tages Ordnung: 1. Jahresbericht und Neuwahl des Gruppenvorstandes. 2. Borschläge zu den im Bureau tätigen Stollegen. 3. Aufstellung von Kandidaten zu Delegierten der 10. Gaukonferenz. 4. Berschiedenes. Der wichtigen Tages- Drbnung wegen ist das Erscheinen aller Rollegen dringend notwendig.[ 136/5] Der Sektionsvorstand. Deutscher Metallarheiter- Verband. Arbeitenachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Sof I. Amt 3, 1289. Charltéstraße 3. of III. Amt 3, 1987. Sonntag, den 26. Januar, vormittags 9%, Uhr: im Saale der Bitwe Weigel, Türrschmidtstr. 45. Zagesordnung: 1. Vorstandsbericht. 2. Dislussion. 3. Neuwahl sämtlicher Borftands. mitglieder und der sonstigen Funktionäre. 4. Streis- Generalversammlung und Bahl der Delegierten hierzu. 5. Bereinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Verein für die Interessen der Hausangestellten. Sonnabend, den 25. Januar, in den Arminhallen( I. Stock) Kommandantenstr. 58-59: Wiener Maskenball. Anfang 8 Uhr. Gäste willkommen! Dr. Simmel Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. Mitglieder- Versammlung Prinzenstr. 41, für die Branche. der Eisen-, Metall- und Revolverdreher mm gr. Saale des Vereins Berl. Musiker, Statfer Wilhelmft. 18m. Zages Drbnung: 1. Bortrag. 2. Branchenangelegenheiten. Die Verfammlung wird vünktlich eröffnet. Rauchen tt nicht geftattet. Gleichzeitig fei unseren Kollegen mitgeteilt, daß die Berteilung der Eine Taßlarten zum Lichtbildervortrag am 15. februar und zum Branchen. bergnügen( Stunftabend) am 21. März 1908 an die Bertrauensleute in ber Ronferenz am 16. Januar erfolgt ist. Chne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Sonntag, den 26. Januar, vormittage 10 Uhr: Moritzplatz, 10-2.5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Dr. med. W. Fackelmanns Spezial- Institut für Beinleiden Auguststr. 93, Ecke Oranienburgerstraße. 9-12, 8-6. Sonntag u. Mittw. 9-12. Inh. Adolf Kohl 282/4 Eintritt 50 Pf. Das Komitee. 8/1 Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Anfang: Bochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Reichshallen. Restaurant: Bockbierfest mit groß. Militär- Konzert. !!! Ev. Ohne Anzahlung!!! Gardinen, Teppiche, Steppdecken Portieren, Spiegel, Bettwäsche, Betten, Herrengarderobe. KI. Anzahlung, 1 M. wöchentlich. 5015681 PL wöchent lich an Direkt am Branchen- Versammlung Kohl& Reimann, Tresckowstr. 14. werther Platz. aller in der Metall- u. Eisenindustrie beschäft. Hobler, Bohrer, Stoßer und Fräser in Milbrodts Festsälen, Müllerstr. 7. Tages Drdnung: 1. Bortrag des Genossen Heinrich Ströbel über: Die Getpert fagaften und sie politischen Lage". 2. Disfuffion. 3. Branchenangelegen heiten und Verschiebenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Um regen Befuch wird gebeten. Den Kollegen zur Nachricht, daß Broschüren im Bureau zu haben find betreffend die Ver handlungen des Reichstages über den Gesetz entwurf bete. die gewerblichen Berufsvereine. Für Mitglieder ist der Preis 25 Pfennig ( Buchhändlerpreis 75 Pfennig). Die Ortsverwaltung. !! Bitte genau auf Hausnummer 14 zu achten!! Deutsche Konzerthallen, An der Spandauer Brücke 3. Täglich Deutsch- Amerikanischer Urbock- Trubel. Alexanderstr. 37a, I. Kein Gegenüber dem Polizeipräsidium. Wir empfehlen unseren Lefern folgende Пецerfcheinungen: Alkoholfrage und Sozialdemokratie bon Emanuel Burm. Preis 30 Bf. Vereinsrecht und Polizei. Eine Denkschrift gegen bie Berpreußung und Berfächse Lung des deutschen Bereins- u. Bersammlungsrechts. Breis 2 M. Sozialdemokratische Flugschriften. IV. Die Sozialdemokratie und bie technischen Angestellten in Industrie und Gewerbe, Bergbau, Schiffahrt u. Land. wirtschaft. Preis 10 Pf. Die Tarifverträge und die deutschen Gewerkschaften bon Adolf Braun. Broschiert 75 Bi., geb. 1 M. Geschichte des Sozialismus in Frankreich bon Paul Louis. Breis brofch. 2,50 R., 245/4 geb. 3 m. Die Philosophie Spinozas bon 8. Stern. Dritte, start verbefferte Auflage. Preis brosch. 1,50 M., geb. 2 M. Expedition des Vorwärts" 99 Berlin SW. 68 Lindenstr. 69, Laden. des 6. Berl. Reichstags- Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 21. b. m. verstarb unfer Mitglied, der Maurer Bernhard Krauel Swinemünderftr. 109. Ehre seinem Anbenken! Die Beerdigung findet heute Frei tag, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Bions Kirchhofes in Nordend aus ftatt. 9 Um zahlreiche Beteiligung ersucht 224/12 Der Vorstand. Zentral- Verband der Maurer Zweigverein Berlin. Bezirk Norden. Am 21. Januar starb unfer Mitglied Bernhard Krauel im Alter von 81 Jahren an Lungenleiben. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, nachmittags 4 Uhr, bon Ser Leichenhalle der Bions Gemeinde in Nieder- Schönhausen ( Nordend) aus statt. Rege Beteiligung wünſcht 136/6 Der Vorstand. Verband der Fabrik-, Land-, Hulfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands Zahlstelle Berlin. Todes- Anzeige. Hiermit zur Nachricht, daß unfer Mitglied Walter Lohn am Dienstag, ben 21. b. M., verftorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 24. 6. M., nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Neuen Nazareth Friedhofes, Reinidendorf- West, Berlinerstraße, aus ftatt. Bahlreiche Beteiligung erwartet 63/2 Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahlverein Charlottenburg. Todes- Anzeige. Den Genoffen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metall arbeiter Karl Dobbrick am 21. b. M. berstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 24. b. M., nach mittags 2 Uhr, von der Leichen. halle des Neuen Luisen- Kirchhofs ( Fürstenbrunner Weg) aus ftatt. 250/2 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachri baß ber Sollege, Tischler Otto Bremer am 21. Januar berstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 26. Januar, nach mittags 3, Uhr, von der Leichen. halle des Martus- Kirchhofes in Hohen- Schönhausen aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 78/8 Die Ortsverwaltung. Verantwortlicher Rebalteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inferatenteil verantw.: Zh. Glede, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchbruderei u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. . 20. 25. 3. Ktilxgc iw Jotniiittf ftrlintr polhülilatt. wm Iii im i—■im— iwrn ii iiiMBwiiiiiiiBiiiii�mriiTMMMrngMrrrg................— w—— MUMf— Freitag, 24. Janaar 1908. Partei- Hngdegenbelten* Zur Lokalliste! Am Sonnabend, den 25. d. M.. veranstaltet der Männergesang- berein.Frohsinn" in dem gesperrten Lokale von Neubecker, Maricndorf, Mariendorfer Chaussee, einen Maskenball. Wir ersuchen, alle etwa angebotenen Billetts entschieden zurückzuweisen. Am Sonnabend, den 1. Februar ct.. feiert der„Berein Berliner Faktoren" in.Neumanns Festsälen", Rosenthaler Stratze, ein sogenanntes.Äirmesfest in Tunlenhausen". Auch dieses Lokal steht der Arbeiterschaft zu Versammlungen nicht zur Verfügung. Die dem genannten Verein angehörenden organisierten Parteigenossen werden speziell auf die eventuellen Folgen eines Boykollbruchs auf- merksam gemacht. In der Lokalliste ist unter Miersdorf lT.-B.) bei dem Lokal von Lier die Bezeichnung„frei" fortgeblieben, es muh heißen: Miersdorf T.-B.t Gesperrt: Restaurant Krüger. Frei: Rest, zur Mühle. Jnh. E. Lier. _ Die Lolalkommission. Erster Wahlkreis. Sonntag, den 26. d. M., abends 6 Uhr, in der«Ledensquelle", Komandantenstr. 20; Versammlung mit Frauen. Vortrag des Stadtverordneten D up ont über„Rechte und Pflichten der Frau im öffentlichen Leben". Nachher: Geselliges Beisammen- sein und Tanz. Eintritt mit Garderobe und Tanz 20 Pf. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Borstand. Sechster Wahlkreis. Am Sonntag, vormittags 9 Uhr, findet in allen Bezirken ein Extrazahltag statt. Vollzähliges Erscheinen erwartet _ Der Vorstand. Eichwalde, MierSdorf, Zeuthen und Umgegend. AIS Ersatz für die im November v. I. durch den zuständigen AmtSvorsteher zu- unrecht verbotene Versammlung findet eine öffentliche Versantmlung für Männer und Frauen am Sonntag, den 26. Januar, nachmittags b Uhr, im Lokale„Albrechtshof" sJnhaber Spethmann). tu Zeuthen statt. Tagesordnung:„Der Kampf der Arbeiterklasse und die Frauen". Referettttn: Genossin Marie Thiel- Tentpelhof. Parteigenoffen I Zeigt durch Massenbesuch dieser Ver- sammlung, dah die durch das damalige Berfammlungsverbot befolgte kleinliche Methode unserer Bekäinpsung nur anfeuernd ge- wirkt hat. Der Einberufer. Mittcnwalde. Am Sonntag, den 26. d. M.. nachmittag« 3 Uhr, findet im Lokale des Herrn W. Kranich die Generalversammlung des Wahlvereiiis statt. Pflicht aller Parteigenossen von Mittenwalde ist eS. der wichtigen Tagesordiuttig wegen zu erscheinen. Der Vorstand. Mühlenbeck< Bezirk Nieder-Schönhausen). Die Generalversamm« lmtg des Wahlvereins findet am Sonntag, den 26. d. M., nach- mittags 4 Ubr, im„Gasthof zur Sonne" sJnhaber A. Bärsch) statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Freiwaldt- Pankow:„Die Gemeindewahlen und ihre Bedeutung für die Arbeiterklasse", Dis- kussion, Bericht des Vorstandes und Nenwahl desselben, VetschiedeneS. Erscheinen aller Mitglieder notwendig. Der Vorstand. Bernau. Am Sonnabend, den 25. Januar, abends S'/z Uhr, findet im Lokale des Herrn Kuntze, Bürgermeisierstr. 225, die General- versamnilung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes, Diskussion, Wahl deS Borstandes und der Funkiionäre, Vereinsangelegenheiten. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Lerlmer j�acdricbten. Berliner Nachtbilder. Die Berliner Stadtmission hat sich die Aufgabe gestellt, auch zur Nachtzeit auf Seelenrettung auszugehen. Es hat sich eine besondere Nachtmission gebildet, die ihre Tätigkeit in der Hauptsache in der Friedrichstrafie ausübt. Die Abgesandten dieser Nachtmission wenden sich mit ihren Bekchrungsverjuchen nach Art der Heilsarmee weniger an die Rowdies in Schnallen- schuhen und Zylitider, sondern an die sogenannten„unteren Kreise", indent sie diesen Personen Trattätchen in die Hand drücken. Daß damit den Armen und Elenden geholfen wird, ist natürlich ausgeschlossen. Dieser Tage lasen wir im„Reich" einen kurzen Bericht über die Tätigkeit dieser Nachtmission, der verschiedene Nacht- bilder des Elends enthält; es heißt u. a. in dem Bericht: „Da sehe ich links(durch die Friedrichstroße gehend) an ein Hans gelehnt, daS Haupt aus die Brust gesenkt, einen Jüngling. Er schlast im Stehen. Ich wecke ihn. Die ärmliche, zerrissene Kluft(Kleidung), das trotzig blickende und doch wieder Hülfe heischende Auge erregt unier herzlichstes Mitleid. DaS Wenige, was er erzählt, gewährt einen tiefen Einblick in den namenlosen Jammer eines solchen unglücklichen Enterbten, eines jungen, wohl arbeitsfähigen, aber Heimat-, obdach- und arbeitslosen, vielleicht arbeitsscheuen Mensche». Welch eine furchtbare Lebensgeschichte spricht aus dem einen hoffnungslosen, mißtrauischen Blick. Wir reden ihm freundlich zu und der Bruder B. bringt ihn ins Asyl des Stadtmiisionshauies. Weitergehend treffe ich einen jungen, bildhübschen Menschen in bestem Anzug. Er ist in Gefahr, auf meine Warnung hin wird er dunkelrot, wir reden ernst miteinander, dann geht er mit dem Versprechen, mich besuchen zu wollen, nach Hause. An einer be- lebten Straßeitecke erheben junge, anscheinend aus angesehenen Häusern staminende Männer ein Hohngelächter, als sie die Blätter erhalten. Der Herr gab mir die rechten Worte, sodaß ich mit ihnen ernst sprechen konnte. Auch hier wurde ein �Besuch in der Sprechstunde versprochen. Einige Schritte weiter gehend, stieß ich auf drei junge Leute. Einer von ihnen war schon durch das furchtbarste Gewerbe, die männliche P r o st i t u i o n, ruiniert an Leib und Seele. Und er war kaum 20 Jahre alt. Während ich in einer Seitenstraße mit ihm spreche, bittet ein junger, ISjähriger Jude mich um einige Blätter. Eine Frau denunziert ihn als männlichen Prostituierten. In seiner Begleitung befinden sich zwei erst kürzlich konfirmierte Knaben, wie ich fürchten mußte, Verfllhrungsobjekte für den jungen Israeliten. Die drei begleiten mich auf meine Bitte bis zum Kreuzungspunkt der Friedrichstraße und der„Liitden" und bleiben dort an einer Bank stehen. Während wir weiter arbeiten, frage ich die reduziert Aussehenden unter den vorüber- gehenden jungen Leuten, ob sie Obdach haben. Fast jedesmal ist die Antwort: Nein. Ich schicke sie zu den an der Bank wartenden Freunden. Bald sind etwa 12 junge, unglückliche Obdachlose bei- sammelt! Welch eilte erschreckende Fülle von Elend spricht aus diesen abgezehrten, blassen, todmüden Gesichtern.„Die Knaben werden müde und matt, und die Jünglinge fallen." DieS Wort kam mir in den Sinn, und ich sprach zu ihnen von dem herrlichen Manne, der dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden gibt. Aber wo sind die Eltern dieser Beklagensiverten. wer sorgt sich daheim bangen, betenden Herzens um diese geliebten verlorenen Söhne? Muß uns nicht das Herz brechen über diesen entsetzlichen Jammer? Wie viele junge Männer' müssen obdachlos in den Straßen der Stadt, dem Laster preis- gegeben, umherirren, wenn ich allein in einer Stunde schon 12 auf- gretfe. Man nennt die grauenerregende Zahl von 3000 männlichen Prostituierten in unserer Stadt. Und wir stehen fast macht- los dem Jammer gegenüber, weil wir keine Arbeitsstätte und in unseren kleinen Nachtasylen nur fünf Betten zur Verfügung haben. Nur sechs von den armen Jünglingen konnten wir, so gut es ging, in jener Nacht in den Asylen unterbringen." An diesen Bericht knüpft sich eine Bitte um Hülfe, die aber zugleich ein Eingeständnis von der Ohnmacht der Stadt- Mission diesem Elend gegenüber enthält. Aber nicht nur die Stadtmission ist hier ohnmächtig, sondern die heuttge Gesell- schast überhaupt: sie bereitet ja gerade den Boden, auf dem Not. Elend und Verbrechen gedeihen. Nur eine sozialistische Gesellschaft kann diese Erscheinungen beseitigen, weil sie die Ursachen zu denselben aus der Welt schafft. Wahlrechtsdemonstration. Am Mittwoch schleuderten die Repräsentanten des Junkertums und deren amtliche Vertreter dem Wahlrecht fordernden Proletariat ihre Drohungen entgegen: Wir antworten mit dem Polizeisäbel und den Kleinka Übrigen I Das war der Refrain aller antiWahlrechts- gegnerischer Auslastungen. Gegen dieRechlsorderung der intelligentesten Arbeiterschaft der Welt wird die Polizei- und Militärmacht, der Schrecken harter Freiheitsstrafen aufgeboten. Und Preußen nennt sich ein Kulturland I Es muß erst zu einem solchen gemacht werden. DaS ist der unerschütterliche Wille deS Proletariats. Trotz aller Drohung. Wenige Stunden, nachdem die Kulturwelt von dem aus Polizei- und Militärmacht ruhenden drohenden Mut der Junker Kenntnis erhalten, zogen am Mittwoch wiederum Tausende Pro- lewrierinnen hinaus zur Wahlrechtsdemonstration. Mindestens 8000 Personen, weil überwiegend Frauen, alte und junge. strebten KliemS Festsälen zu. um dem Vorwage der Genossin Zetkin beizuwohnen. Schnell war daS große Lokal gefüllt. Und immer noch mehr Scharen strömten herbei. Um 8 Uhr waren alle umliegenden Gärten dicht gedrängt voll Demon- stranten. Aber nirgends Unruhe, kein Lärm. Doch die Polizei maßt sich nicht nur das Recht aus die Straße, sondern auch aus die Gärten an. Man säuberte. Die Straße wurde abgesperrt. Nicht nur daS! Auch die Gärten mußten geräumt werden. Als die Ge- nossinnen Zetkin und Baader erschienen, war ringsum nichts zu sehen— als Uniformen. Daß man damit die Wahlrechtsbewegung nicht totschlägt, bewies die Versammlung. Kopf an Kops gedrättgt lauschte die Menge den Worten der Referentin. Begeisterte Beifalls- kundgebungen gaben Kunde von der Stimmung, von dem nicht zu erschütternden Willen, das allgemeine, gleiche Wahlrecht zu erkämpfen. Heute(Freitag) spricht Genossin Zetkin noch bei Ballschmieder Badstraße 16._ Im Cafe der Arbeitslosen. Die gastlichen Räume, in denen es für einen halben Nickel einen warmen Schluck und für einen ganzen einen warmen Löffel- stiel gibt, sind jetzt voller als je.„Volks-Kaffee- und Speise-Hallen" nennt sie etwas langatmig der Unternehmer, und„Cafe Talles" sagt der Volksmund, der auch hier wieder mal den Nagel auf den Kops trifft. Die Armut, die dort Stammgastrechte besitzt, drückt selbst der inneren Einrichtung ihren kahlen, nüchternen Stempel auf. Rohgezimmerte, tannene Tische und Bänke, weitzgetünchte Wände, ohne den mindesten Schmuck, eine einfache, langgestreckte Schänke mit„Delikatessen", die bei Drestel und Hiller vergebens zu suchen sind,— so wird der Prolet wenigstens nicht verwöhnt. sieht die Großstadtbäume nicht in den Himmel wachsen und kommt nicht aus„dumme" Gedanken. DaS ist nämlich die menschenfreundliche Anficht derer, die fern vom Schuß solches Volls-Cafe als eine hochwohlseile Errungen- schast der Neuzeit preisen und ihm einen tiefen sozialen Wert bei- messen. Hat sich was mit„sozialem Wert"! Der liegt bloß darin, daß man die Armut, die darbende, hungernde, arbeitslose Mensch- heit auf einem großen Haufen beisammen finden kann. Es hat einen bitterbösen sozialen Beigeschmack, hier zu sehen und zu empfinden, wie die Enterbten des Glücks, die Rechtlosen und Ge- schurigelten, ein Leben führen, das den GotteSmenschen fast schon aus die Stufe des Tieres sinken läßt. Sorgt dafür, daß der getretene Erdenwurm nicht zum wilden Tiere wird! Geht doch mal hin, ihr Reichen und Superklugen, ihr Sozialpolitiker vom grünen Tisch und großrednerischen Volksbeglücker, geht hin nach jenen Hallen, in denen es wahrhaftig nicht so lustig zugeht, wie in der glücklichen Zeit jenes Heinrich von Frankreich, da jeder Staatsbürger Sonntags sein Huhn im Topfe hatte. Seht euch recht genau das Gespenst an, das unsichtbar durch die weiten, dunst- geschwängerten, ungesunden Räume zieht. Unsichtbar? Nein, sichtbar ist es. Breit und deutlich sitzt es da und dort, überall an den tannenen, rohen Tischen, grinst euch vorwurfsvoll an aus bleichen Wangen und hohlen, tiefliegenden Augen. Das Gespenst der Armut ist es, der drückenden Not und der Arbeitslosigkeit. Zwanzig, dreißig sitzen da bei einer Schale dünner Kaffeelorke. eng aneinander gedrückt, starren dumpf vor sich hin und geizen ängstlich mit dem letzten, längst erkalteten Schluck, daß sie nicht mitleidslos hinausgejagt werden auf die naßkalte, winterliche Großstadtstraße. Wer zwei, drei Nickel übrig hat zu einem Teller Suppe, zu einem breiten, undefinierbaren Mischmasch ohne Saft und Kraft, aus dem die prüfende Sonde des Nahrungsmittel- chemikers mit Schaudern wieder hinausfährt— oh, der ist schon überglücklich, zählt zu den Reichen unter den Proleten. Und gierig stürzen sich fünf, sechs andere, die den letzten Sechser ausgaben, auf jede übriggelassene Kartoffel, auf jene köstliche und heute doch so teure Frucht, die mal ein jugendlicher leibhaftiger Prinz zu seinem Erzieher in gottvoller Borniertheit als„Auster des Volks" bezeichnete. Und nicht mal hier, nicht mal an dieser unwürdigen Stätte, die der Bemittelte meidet wie die Pest, haben sie Ruhe, die Glück- losen, vor der Macht, die über Recht geht. Selbst hier hinein greift mit harter Faust jene Gewalt, die den „staatsrettenden" Säbel schwingt, ihn auf wehrlose Männer. Frauen und Kinder niedersausen läßt.... Wie eine Flutwelle pflanzt es sich plötzlich vom Eingang bis zum hintersten Ende des Saales fort. Noch weiß man nicht recht, was los ist. Aber dann schallts von Mann zu Mann, von Tisch zu Tisch: Die Polizei hat das Lokal umstellt! Da tauchen auch schon die ersten Helmspitzen aus. Zwanzig Schutzleute, zwei Wachtmeister, zwei Leutnants, als Zugabe noch ein paar„Kriminals" sind aufgeboten, um das„ver- dämmte rote Nest" auszuheben. Alle muß aufstehen und antreten ... mitgefangen— mitgehangen! In der Tasche ballt sich die Faust, ohnmächtig erstickt die Wut.„Maul halten!" wird jedem entgegengedonnert, der ein Wort der Widerrede wagt, und mit „vorwärts, marsch I" gehts in langem Zuge, vor Hunderten von erstaunten Neugierigen vorüber, über die Großstadtstraße nach der nächsten Polizeiwache. Ein ernster Zug ist's, die Verkörperung der Not und der Gcjvchlt-.Eis Zug vev hundcrtjünszig Armen mi> Arbeitslosen� unter denen vielleicht noch nicht zehn sind, die die Schmach wirk» lich verdient haben. Der Hos der Revierwache ist in ein Feldlager verwandelt. Immer je zehn werden nach oben geführt, um sich über ihre Personalien auszuweisen, sich Liebenswürdigkeiten sagen zu lassen und ohne Entschuldigung kurzerhand rausgewiesen zu werden. Die übrigen ausgehungerten, dürftig gekleideten Gestalten lauern da unten stundenlang wie die Verbrecher, klappern in der Winterkälte mit den Zähnen und stellen Betrachtungen an über unsere göttliche Weltordnung. Aber einer nach dem anderen passiert glatt die aufgezwungene Kontrolle, und was wirklich für zu leicht befunden wird auf der Wage der heiligen Hermandad. das ist ein winziger, erbärmlicher Rest, der das machtvolle, schmachvolle Auf» gebot wahrhaftig nicht wert war. Lieb Vaterland, kannst ruhig sein... der Schutzmann schützt dich zart und fein...! Wann wird es endlich Tag werden? Der Gummiknüppel im städtischen Obdach. Der Polizeisäbel macht Schule. In Berlin, der Stadt der Intelligenz und Aufklärung, soll es jetzt an allen Ecken und Enden Keile geben. Der Reichskanzler in höchsteigner Person hat die Noten geschrieben, am Mittwoch im steinernen Baukasten am Königsplatz, und seine gefügigen Leute machen die Musik dazu. Ihnen gesellen sich jetzt auch die städtischen reaktionären Elemente zu. Jene edlen Menschenfreunde, die über das städtische Obdach in der Fröbelstraße Kommandogewalt ausüben, haben beschlossen, beim Magistrat zu beantragen, daß die älteren, im Dienste durch- aus erprobten Aufsichtsoeamten zur Abwehr mit Gummiknüppeln, nach dem Beispiele des englischen Policeman, ausgerüstet werden? Infolge des Einzelvorkommnisses im Obdach am 12. Januar, das, wie wir schon berichteten, geflissentlich stark aufgebauscht worden ist. hat man sich also in nervöser Furcht, angesteckt von der Polizei, zu generellen Maßregeln entjchloffen. deren mögliche Folgen auf die Verantwortung der Urheber zurückfallen. Solange das Obdach steht, sind alle Ausschreitungen, die revoltierenden Charakter an- nahmen, immer noch durch schlechte Einrichtungen oder durch pro- vozierendes Benehmen der Beamten entstanden. Sollte es am Sonntag, den 12. Januar, wirklich ausnahmsweise mal anders ge- wesen sein, so ist das noch lange kein triftiger Anlaß, den Heim- losen, die wahrhaftig nicht zum Vergnügen die unter strenger Polizeikontrolle stehende„Palme" aufsuchen, die gratis gereichte Mehlsuppe mit Prügeln zu versalzen. Auch der Gummiknüppel im Obdach wäre weiter nichts als eine Provokation, eine durch- sichtige Frucht der Säbelmetzeleien! Wir können nur aufrichtig wünschen— mit ebenso aufrichtigem Herzen wie vorgestern der Fürst Bülow—. daß der vorläufige Beschluß der regierenden Obdachmänner nicht endgültige Wirksamkeit erhält. Wir wünschen ebensosehr im Interesse der Obdachslosen, als in Rücksicht auf die zum Dreinschtagen amtlich sanktionierten Beamten. Allzu scharf hat noch immer schartig gemacht! Fleischpreise seit 1901. Der amtliche Bericht des Berliner Magistrais zeigt bei Rindern, Kälbern und Schafen in den Jahren 1001/05 ein fast beständiges Steigen der Preise. Bei den Schweinen trat in den Jahren 1903 und 1904 eine starke Preisermäßigung ein. Die Durchschnittspreise deS Etatsjahres 1905 übertrafen aber nicht nur bei allen Viehgattungen die der vorhergehenden vier Jahre ganz bedeutend, sondern waren auch die höchsten, die seit Bestehen des Viehhofes jemals bezahlt worden sind. Es ist dies eine Erscheinung, die durch die andauernde Knappheit von Vieh bei stetig wachsender Bevölkerung ihre hinreichende Erklärung findet. 1901 stellte sich der niedrigste Preis für Rinder auf 39.60 M. für 50 Kilogramm Schlachtgewicht, 1905 aber schon auf 50 M.; der höchste auf 65.65 M. bezw. 76,22 M.. und zwar im Durchschnitt. Bei Kälbern aus 52,73 M. bczw. 59,41 M. und 74,42 M. bezw. 89,65 M._ Gebildete RowdicS. Im Polizeibericht lesen wir: „In der Nacht zog etwa ein Dutzend Studenten mit Gesai.g und Radau durch die Friedrichstraße. In ihrer Milte führten sie das Obergestell eines Kiuderwageits mit sich, in dem'einer der Museitsöhne saß und sich von einem KoinmiitUmen auf dem Bürgersteig entlang ziehen ließ. Da sie der wiederholten Auf- forderung eines Schutzmannes, den Unfug zu unterlassen, nicht nachkamen, schritt der Beamte zu ihrer Feststellung." Wenn das Arbeiter gewesen wären, wie würde da die bürger» liche Presse über die ungebildeten, verrohten Arbeiter zetern. Aber so waren es ja Angehörige der„besseren" Gesellschaft, die später einmal über Arbeiter zu Gericht zu sitzen haben; denen werden derartige Taten milder angekreidet, auch die Polizei ist da kulanter und stellt nur die Namen fest. Arbeiter, die ruhig und gemessen durch die Straßen gehen, werden mit dem Säbel zusammengehauen. Ein erschütterndes Brandunglück, dein leider drei blühende Kinder zum Opfer gefallen sind, verursachte gestern nachmittag in der Pappelallee 49 eine unbeschreibliche Aufregung. Dort kam nach 3 Uhr in der Kellerwohnung des Italieners Miglorini aus nicht ermittelter Ursache Feuer aus. Als eS be- merkt wurde, drang dichter Qualm aus dem Keller heraus. Mtgloriui, dessen Frau nicht daheim war, stürzte herbei und holte aus der Wohnung seine drei Kinder, zwei Knaben und ein Mädchen, ohnmächtig noch vor Ankunft der Feuerwehr heraus. DaS Mädchen wurde schnell zu einem in der Nähe wohnenden Arzt gebracht; die zwei kleinen Knaben fuhr die Feuerwehr sofort nach der Feuerwache in der Oderberger Straße, wo unter Leitung eine« Arztes mit Sauer- stoff usw. Wiederbelebungsversuche gemacht wurden. Nach zwei- stündigem Bemühen mußten sie eingestellt werden. Die Aerzte hatten nicht mehr helfen können. Die Leichen der drei Kinder wurden nach dem Schauhause gebracht. Sie waren der Rauchvergiftung erlegen. Das Feuer, das Betten, Matratzen ergriffen hatte, koimte bald gelöscht werden!_ Die häufig gerügte Unsitte der Kutscher, dicht an haltenden Straßenbahnwagen vorbeizufahren, hat wiederum zu einem schweren Unglücksfall Veranlassung gegeben. Gestern nachmittag wollte der Waterloo-llfer 1 wohnende Prokurist Löwenstein an der Ecke der Jcrusalemcr und Zimmerstraße einen Straßenbahnzug der Linie 38 besteigen. Beim Uebcrschrciten des Fahrdammes, als sich L. bereits dicht neben dem Straßenbahnwagen befand, wurde er von einem Omnibus der Linie 22 erfaßt, zu Boden gerissen und überfahren. Der Prokurist erlitt Brüche des linken Oder- und rechten Unter» schenkels und wurde nach der Unfallstation in der Kronenstraße ge» bracht, wo ihm ein Notverband angelegt wurde. Im städtischen Arbeitshaus« zu Nummrlsburg befanden sich am 1. Oktober 1907 insgesamt 1388 Korrigenden, und zwar 1323 männliche, 60 weibliche. In dem Vierteljahr Oktober— Dezember wurden neu aufgenommen 391 männliche, 9 weibliche Korrigenden. Entlassen wurden 370 Männer und 21 Frauen, so daß am 31. De» zembcr ein Bestand von 1397(1349 Männer, 48 Frauen) in der Anstalt verblieb.— In dem Hospital des Arbeitshauses befanden sich am 31. Dezember 369 männliche und 136 weibliche und in dem Filialhospital zu Reimckeitdorj läö vtamiliche HospitalitLi» werden. Der Müggeljeeförster ermordet. Der Förster Schwarzenstein von der Försterei Müggelfee in der Oberförsterei Köpenid ist in der bergangenen Nacht einige hundert Meter vom Forsthaus entfernt meuchlings erschossen worden. Vorort- Nachrichten. Charlottenburg. bersuchte 3. zwischen einem Omnibus und einem dort haltenden Straßenbahnwagen hindurchzufahren. Dabei faufte er gegen einen Mann, der im Begriff war, den Straßenbahnwagen zu besteigen. Hierbei stürzte der Radler zu Boden und fiel so unglücklich, daß In der Charlottenburger Stadtverordneten- Versammlung vom Mittwoch erfolgte zunächst die Wahl von vier unbesoldeten Stadt- er zwischen Vorder- und Hinterachse des Omnibusses geriet und räten. Gewählt wurden die Stadtverordneten Ring, Mittag, Dr. von diesem überfahren wurde. 3., der Brüche beider Beine, cine Benzig und der frühere Stadtverordnete Sachs. Von Intereffe schwere Stopfberlehung und anscheinend auch inneren Schaden erwird es sein, ob die Regierung Herrn Dr. Benzig, der bekanntlich litten hatte, wurde nach der Unfallstation in Rigdorf und von dort als Mitglied der Schuldeputation nicht bestätigt wurde, auch als nach dem Kreiskrankenhause in Britz übergeführt. Magistratsmitglied die Bestätigung versagen wird. Nebenbei be merkt hat Herr Dr. Pengig weitaus die meisten Stimmen auf Brih- Buckow. fich vereinigt. Zur In allen drei Anstalten Befanden sich mithin Ende Dezember 2100 Personen in Pflege( gegen 2063 Ende Oktober). Während des Zeitraumes vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1907 befanden sich im Arbeitshause durchschnittlich 1373 Korrigenden, im Hospital und dessen Filiale 688 Hospitaliten. MIs Arante befanden sich am 1. Januar 1908 in dem Lazarett des Arbeitshauses und in den Lazarettstationen des Hospitals von den Korrigenden 43 Männer und 8 Frauen, von den Hospitaliten aber 251 Männer und 101 Frauen, überhaupt 408 Personen. Die Polizei- Maffenaufgebote haben die Spigbuben so ziemlich außer Gefahr gefest. Warum follten sich die Langfinger auch bei der gegenwärtig in manchen Gegenden graffierenden Bolizeinot" so gimperlich haben. Daß es jest nicht so leicht ist, plöglich einen Ueber eine rege und fruchtbare Tätigkeit fonnte der Vors Von den Vorlagen, mit denen sich die Versammlung zu be leibhaftigen Schußmann zu erhaschen, konnten die Bewohner des schäftigen hatte, rief die betreffs Einrichtung einer Schul- fiende des Wahlvereins in der bei Weniger stattgefundenen Hauses Lüneburger Straße 26 erst am Mittwoch erfahren. Am Generalversammlung berichten. Danach fanden im verfossenen genannten Tage hatten sich zwei Spitzbuben auf dem Boden des der Einrichtung der Klinit einmütig zugestimmt, die Magistrats- lungen, davon 3 in Budow, 8 Handzettelverbreitungen, außerdem zahnklinik die größte Debatte hervor. Der Ausschuß hatte Geschäftsjahre statt: 25 Vorstandsstzungen, 18 Vereinsversamm Hauses zu schaffen gemacht. Die Bewohner der vierten Etage hörten vorlage aber dahin abgeändert, daß an Stelle eines Oberarztes in Budow drei Berteilungen, sechs Boltsversammlungen, eine das Hin und Hergehen und festen den Verwalter in Kenntnis, und eines Assistenten ein Oberarzt und zwei Assistenten angestellt Wolfsberfammlung in Hermsdorf( Landbezirk), 4 Landagitations. worauf letterer fofort die Haustüren verriegelte und sich auf die und ihr Gehalt höher bemessen wird. Jm Plenum rieten die Bertouren und 2 Bortvärts"-Agitationen. Die Mitgliederzahl stieg nächste Polizeiwache, Flemming- Straße 8. begab. Sier angelangt, treter des Magistrats und die Redner verschiedener Fraktionen, von 209 am 1. Januar 1907 auf 302 am 1. Januar 1908. Borsoll ihm geantwortet worden sein, daß augenblicklich ein Beamter auf diesem Gebiete langsam vorzugehen und erst Erfahrungen zu wärts"-Abonnenten am Ort find zurzeit 360. Die Einnahme des nicht zur Verfügung stehe. Bir glauben diese Mitteilung. Wüſsen sammeln. Dr. Stadthagen( natl.) beantragte, auch den Frei- Vereins betrug 952 m., dem eine Ausgabe von 838,25 m. gegenüber doch bei den täglich stattfindenden Belagerungen empfindlicher Schülern höherer Lehranstalten unentgeltliche Behandlung in der steht. Die Bibliothek wurde im letzten Jahre dreimal so stark be. Stadtgegenden naturgemäß eine Anzahl Wachen verwaist sein. Erst Bahnklinik zuteil werden zu laffen. Gegen die Halbheit dieses nutzt als im vorhergegangenen Jahre. Die Neuwahl des Vornach einer halben Stunde, nachdem man erneut auf der betreffenden Antrages wandte sich Genosse 3ietsch, der es als allgemeine standes ergab folgendes: 1. Vorsitzender Willy Beuthmann, 2. VorBache nach einem Schußmann anfragte, wurde polizeilicher Schuß Berpflichtung der Kommune bezeichnete, überhaupt die Zahnpflege fibender Albert Friedrich, Kassierer Gust. Dumke, Schriftführer geichidt. Die Herren Spizbuben fonnten hierauf noch festgenommen in die Hand zu nehmen. Redner beantragte deshalb, daß die un- ab. Tiepte, Beisitzer Ad. Soldner, Revisoren Aug. Händel, Herm. entgeltliche Behandlung in der Schulzahnklinik auch den unter Raatz, Serm. Schliebis. Als Funktionäre wurden gewählt: Be Ein Automobilunfall, wobei zwei Kinder erheblich verlegt 14 Jahre alten Schülern und Schülerinnen zuteil werden fönne. zirksführer für den 1. Bezirk Ed. Jonas, 2. Bezirk Aug. Prenzlow, wurden, hat sich gestern abend in der Breiten Straße zugetragen. Dadurch werde vermieden, daß man einen Unterschied macht zwischen 3. Bezirk Otto Seine, 4. Bezirk Otto Schuls, 5. Bezirf Julius Durch ein Privatautomobil, bas in flottem Tempo dahinfuhr, Kindern bemittelter und unbemittelter Eltern. Des weiteren Sandmann, 6. Bezirk Franz Sadamed( für Buckow), 7. Bezirk wurden ein nabe und ein Mädchen beim Ueberschreiten des Fahr wünschte der sozialdemokratische Redner, der natürlich prinzipiell Sarl Hartmann. Lokalfommission Otto Helling, Ed. Jonas, Julius dammes umgeriffen und überfahren. Die beiden Kinder trugen auf dem Boden der Vorlage stand, die Anstellung einer noch Sandmann. Bibliothekskommission Hans John, Paul Weinmann, am Körper Quetschwunden und im Gesicht start blutende Ber- größeren Anzahl von Aerzten, darunter auch die eines teib. Karl Werner. Der Bericht der Gemeindevertreter soll umIchungen davon. Sie wurden nach der Unfallstation gebracht, machten Einwurf, man müsse auf die Intereffen der privaten Bahn Streis- Generalversammlung am 9. Februar wurden die Genoffen Lichen Assistenten. Gegenüber dem von anderer Seite ge- ständehalber in der Februarversammlung erstattet werden. wo sie die ersten Notverbände erhielten. ärzte Rücksicht nehmen, wies er mit aller Schärfe darauf hin, daß W. Beuthmann, A. Händel und H. Bogt delegiert. Nachdem der die Privatinteressen hinter dem öffentlichen Wohl zurückzustehen Vorsitzende noch zur Erwerbung der preußischen Staatsangehörighaben. Genoffe Bogel hob die große Bedeutung einer rationellen teit und zur Einsichtnahme in die Gemeindewählerlisten aufgeZahnpflege für Schulkinder hervor. Der sozialdemokratische An- fordert, ersuchte er die Genossen, den Vorstand durch regere Be trag wurde von dem Stadtv. Otto( liberal) bekämpft; feine teiligung an allen Barteiarbeiten zu unterstützen. Gründe waren aber so fadenscheinig, daß ihm Genosse Zietsch unter großer Seiterkeit zurufen konnte: Sie werfen uns immer Friedenau. vor, daß wir einseitige Klasseninteressen vertreten, aber wenn wir darüber hinausgehen, dann versagen Sie uns die Heeresfolge! Ein tödlicher Straßenbahnunfall ereignete sich vorgestern abend Unter Ablehnung des Antrages Bietsch gelangte dann die Gegen 9 Uhr in der Rheinstraße. 8ur genannten Zeit wollte ein Magistratsborlage in der Fassung des Ausschusses einstimmig, der unbekannter Arbeiter den Fahrdamm an der Ede der Kaiser- Allee Antrag Stadthagen mit großer Mehrheit zur Annahme. überschreiten. Er lief gegen die Seitenwand der Vorderplattform Eine weitere Vorlage betraf die 3usammensetzung der eines Straßenbahnwagens der Linie D der Westlichen Vorortbahn, Schul deputation vom 1. April 1908 ab. Die Schuldeputation wurde zurückgeschleudert und fiel rücklings mit dem Hinterkopf soll von diesem Tage, dem Termin des neuen Voltsschulunter- gegen die Bordschwelle des Bürgersteiges. Der Arbeiter blieb behaltungsgefezes ab, bestehen aus fünf Magistratsmitgliedern, fünf finnungslos liegen und wurde zu einem Arzt gebracht, der festStadtverordneten und fünf sachverständigen Mitgliedern. Von der Bildung von Schulfommissionen soll Abstand genommen werden. stellte, daß der Verunglückte einen schweren Schädelbruch erlitten Genosse Dr. Borchardt erklärte namens der sozialdemokratischen hatte. Der Mann starb unter den Händen des Arztes. Die Leiche Fraktion die Zustimmung zur Vorlage. Die Bestimmungen des des Unbekannten, bei dem keinerlei Legitimationspapiere bor Schulunterhaltungsgesetzes über die Zusammenfeßung der Schul- gefunden wurden, wurde nach der Reichenhalle des Friedenauer deputation seien von engster tonfessioneller Gesinnung und flein- Begräbnisplates geschafft. lichstem Polizeigeist getragen; troßdem solle man die Hoffnung nicht aufgeben, mit Erfolg an der weiteren Ausgestaltung unseres Stralan- Rummelsburg. Voltsschulwesens zu arbeiten. Freilich könne die Befürchtung nicht unterbrückt werden, daß die größere Selbständigkeit, die der KultusAuf dem hiesigen Bahnhof töblich verunglückt ist der sechsund. minister Dr. Holle den städtischen Schulbeputationen gewähren zwanzigjährige Mechaniker Karl Lachmann aus der Prinz- Albrechtwolle, von diesen durch eine Annäherung an den antiliberalen Straße 21. Eine Korrespondenz berichtet, 2. habe auf dem BahnGeist des Gesetzes erkauft werden. Sollten Anzeichen dafür zutage steig D des Bahnhofes trop der warnenden Zurufe des Schaffners treten, so müßten sie energisch bekämpft werden. Die Vorlage einen bereits in der Fahrt befindlichen Stadtbahnzug besteigen wurde angenommen. wollen. Er stürzte dabei vom Trittbrett Herunted und geriet unMit Rücksicht auf die borgerüdte Zeit wurden die wichtigsten glüdlicherweise zwischen den Bahnsteig und den Zug. Der VerVorlagen, darunter die betreffend Beitritt der Stadtgemeinde unglüdte wurde infolgedessen erdrückt. Die Halswirbelsäule wurde Charlottenburg zum Groß- Berliner Berkehrsverband ihm gebrochen, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. und betreffend Einführung einer Schankerlaubnissteuer, bertagt. Die Bertagung ber lebtgenannten Vorlage erfolgte auf Hierzu wird uns mitgeteilt, daß 2. bereits auf dem Trittbrett den Antrag der Sozialdemokraten, die baburch bewirken wollen, gestanden habe und gerade im Begriff gewesen sei, die Tür zu bas bie Gastwirte Beit finden, gegen diese in ihr Gewerbe tief öffnen, als der Diensthabende Fertig!" gerufen habe. Durch einschneidende Maßregel Stellung zu nehmen. Gleichfalls vertagt das plöbliche Anrücken des Zuges habe 2. das Gleichgewicht vers wurde die Beratung des sozialdemokratischen Antrages betreffend loren und sei mit Stopf und Oberkörper zwischen die beiden TrittVermehrung der Bahl der Stadtverordneten und andere Gin- bretter gefallen, während das rechte Bein zwischen Bahnsteig und teilung der Wahlbezirke. Ein Antrag Vogel( Soz.) betreffend Trittbrett geflemmt wurde. Als der Zug zum Stehen gebracht Errichtung einer Poliklinik im Krankenhause Westend kommit in war, habe sich erst ein Bostbeamter auf den Weg gemacht ,. um der nächsten Sizung zur Beratung. eine Säge zu holen. Nach mehr als zehn Minuten sei denn auch das Trittbrett gerfägt und der Berunglückte, der nur noch schwache Lebenszeichen von sich gab, aus seiner Lage befreit worden. In Dienstzimmer des Vorstehers, wohin man den Berunglückten brachte, wurde der Tod festgestellt. Wie aus dem Schreiben hervorgeht, soll nicht das Bahnhofs- oder Zugpersonal, sondern Privatpersonen bie Berfägung des Trittbrettes vorgenommen haben. Nach unserer Auffassung wäre es allerdings zunächst die Aufgabe des Zugpersonals, die nötigen Werkzeuge mitzuführen und für eine schnelle Befreiung eines solchen Verunglückten Sorge zu tragen. Förster Schwarzenstein, ein Mann in den fünfziger Jahren, verließ Wittwoch abend um 6 Uhr das Forsthaus ohne Flinte und Sund, um auf der Postagentur Rahnsdorfer Mühle feine Boft abzu holen. Er wollte bald wieder zurücklehren, traf aber in der Gaft wirtschaft von Graf, die im Haufe der Postagentur liegt, einige Bes tannte und unterhielt sich mit ihnen bis um 10 Uhr, dann machte er sich auf den Heimweg. Er ging die Friedrichshagener Chauffee entlang, am Chauffeehaus und der alten Rahnsdorfer Mühle vorbei und lehrte im Baradiesgarten" von Schönemann, gegenüber ber Mühle am Mühlenteich, noch einmal ein. Von der Post bis zum Paradiesgarten" find ce nur wenige hundert Schritte. Bom Paradiesgarten" führt die Chauffee in geraber Richtung nach dem am Müggelfee gelegenen Forsthause. Bis dorthin beträgt der Weg faum einen Rilometer. Im Paradiesgarten" spielte der Förfter mit einigen Ortseingefeffenen bis 12% Uhr Stat, dann brach man auf. Während die anderen Gäste nach Osten zu die Chauffee entlang gingen, ging Schwarzenstein nach Westen, Friedrichshagen, zu nach seinem Forsthause. Knapp eine Viertelstunde später fielen zwei Schüsse. Wiele hörten fie, hatten aber feine Erklärung dafür. Gestern morgen fand man den Förster mit einem Schrotschuß im Rüden und einem in dem Gesäß zwei Schritte von der Chauffee und dem Wald entfernt vornübergefallen tot auf. Eine andere Mitteilung besagt: " Nachdem Schwarzenftein nach einem Stat gegen 12 Uhr vom Paradiesgarten" nach Hause zu weggegangen war, hörten eine Biertelstunde später der Wirt, der Mühlenbefiger Martin und andere Leute zwei Schiffe fallen. Herr Martin glaubte, fie feien auf seinem oft gefallen, öffnete das Fenster, um nachzusehen, was es gebe; er beruhigte sich dann aber, als er nichts mehr hörte. Morgens um 5% Uhr, während feine Familie ihn längst zu Hause vähnte, fanden Arbeiter ihn tot am Wege liegen. Sie be nachrichtigten die Angehörigen und dann die Polizei. Der Erschoffene Tag mit abgestreiften Beinkleidern bornüber mit dem Geficht auf der Erde. Entweder hatte er sich, als er die beiden totbringenden Schüsse erhielt, hingesetzt, um ein Bedürfnis zu verrichten, oder er hat die Kleider noch abgestreift, um mit der Hand nach den Wunden zu fühlen. Die Schüffe müffen nach der Lage der Zeiche von Rahnsdorf- Mühle her gefallen fein, wahrscheinlich aus ben Wachholderheden heraus. Daß ein Wilderer bom Anstand den Förster mit einem Wild verwechselt haben fonnte, it taum an zunehmen, da Schwarzenstein eben erst an der Wachholderhede entYang gegangen war. Die Leiche wurde, nachdem der Amtsvorsteher Forstmeister Rottmeier und Amtsrichter Matz den Befund auf genommen hatten, photographiert und zur Obduktion nach OberSchöneweide gebracht. 9 Zu erwähnen ist noch, daß zu Beginn der Sigung der Bor. steher die Mitteilung machte, daß der Rektor Fiebig gegen den Beschluß der Versammlung, wonach die Wahlen der Sozialbemo traten Flemming und Scharrnberg für gültig erklärt sind, den Stageweg beschritten hat. Zur Erledigung der von der Tagesordnung abgefekten Punkte wird boraussichtlich in der nächsten Woche eine außerordentliche Sigung ftattfinden. Berliner Bolts Chor. Der Berliner Bolts Chor ist in feinen Einen erfreulichen Aufschwung hat auch der Charlottenburger Uebungen zum nächsten Konzert, etnem Richard Wagner- Abend, bereits Wahlverein zu verzeichnen. Wie aus dem Bericht des Vorstandes erheblich vorgeschritten, jo baß jetzt ben Arbeitern Gelegenheit geboten in der am Dienstag ftattgefundenen Generalverfammlung hervor ist, in ben llebungsabenden des Chors die berühmtesten Chöre ging, ist die Mitgliederzahl von 2118 am 1. Januar 1907 auf 2750 Wahlsdorf a. d. Oftbahn. Wagners aus„ Tannhäuser" und" Lohengrin" zu hören. Die am Schluß des abgelaufenen Jahres gestiegen. Es haben im Jahre In der Generalversammlung des Wahlvereins wurde ber Uebungen finden Freitags von 8-10 Uhr in der Steinstr. 31/34, stattgefunden 11 Mitgliederversammlungen und 5 öffentliche Ver- Jahresbericht des Vorstandes vom Vorsitzenden, Genoffen Oertel, Sophien- Realgymnafium, statt und find Gäste villkommen. fammlungen ohne diejenigen, die der Agitation für die Reichstags- gegeben. Nach dem vom Staffierer verlesenen Staffenbericht vom wahl gewidmet waren. Ferner wurden in den dem Wahlverein zur 2. Halbjahr 1907 betrug die Einnahme 894,05 M., die Ausgabe August Staffube, Boltaftr. 15, bittet uns mitteilen zu wollen, daß Agitation sugeteilten Orten Halbe und Stahoto atvei Verfamm 856,85 M. Die Zeitungsspedition erforderte einen Zuschuss von er mit dem von Genoffen Fischer in feiner Reichstagsrede gelenne lungen abgehalten. Der Vorsitzende bemängelte, daß die Mitglieder 184,19 W. Tropbem die Genossen pro Monat 1,15 M. für den zeichneten Striminalbeamten gleichen Namens nicht ibentisch ist. bersammlungen im Gegensage zu den öffentlichen nicht immer in „ Vorwärts" bezahlen, ist wegen des umständlichen Transports getvünschter Weise besucht feien. Als erfreulich wurde es bezeichnet, besselben ein regelmäßiger Buschuß notwendig. Die Neuwahl der Das Luisen- Theater brachte am Mittwochabend ein englifches baß auch die Abonnentenzahl des" Borwärts" auf gegenwärtig 4500 gesamten Funktionäre ergab folgendes Resultat: 1. Borsiger: Rob. Susstattungstid: Des Mädchens gebenswege" bon geftiegen fei. Flugblattverbreitungen wurden 10 borgenommen. Dertel, 2. Vorsitzender: Scheibe, Kassierer: Albert Schmidt, Melville, Deutsch von Siegfried W. Lu, zur Aufführung. Das Der Staffenbericht des 4. Quartals 1907 weift eine Einnahme von 1. Schriftführer: M. Fuchs, 2. Schriftführer: O. Haame, Beifizer: Etüd erinnert start an das vom gleichen Autor verfaßte: Das 2271,18 9. und eine Ausgabe von 1996,25 M. auf. Die Jahreseinnahme Kretschmar und Weihrauch, Revisoren: Giese, Bagel und Janisch, Mädchen ohne Ehre". Es zeigt uns bie Lebensichidiale giveter betrug 6754,48 W. Die Ausgabe 6076,34 2. Gs verbleibt somit Bezirtstaffterer: Finster, Demmer, O. Schulz und Q. Franz, BiMädchen, eines, das ben rechten", eines anderen, das den falschen" ein leberschuß von 678,14 m. Bur Neuaufnahme meldeten bliothekar: Dietrich, Bahnhofstraße 9 und Zeitungsspediteur Gea Lebensweg einschlug, mit allem drum und bran. Umfichtige Regie und fic 60 Genoffen, von denen gegen eine Aufnahme Brotest eingelegt noffe Scheibe, Bahnhofstraße Ede Trestowstraße. Dem Genossen gute Aufführung trugen zu dem vollen Erfolg des Abends wefent unb bem Borstande zur Untersuchung überwiesen wurde. Da der Weihrauch wurde das Amt als Lotalfommissionsmitglied fowie die lich bei. Borstand überlastet ist, wurde derfelbe um zwei Genoffen verstärkt. Jm Bernhard Rofe Theater ging Der auf Bewählt wurden als: 1. Borfiyender: Genoffe& Biersch und II. Alfred Leitung ber Agitation in Dahlwib übertragen. Als Delegierte zur Kreisgeneralversammlung wurden die Genossen Oertel und mann von Benedig in Szene bei vorzüglicher Aufführung Bill, 1. Staffierer: Emil Müller und II. Ernst Gehfe. I. SchriftSchmidt gewählt. Zur Erledigung der Vorarbeiten für die im und mit einer für diefe Bühne glänzenden Ausstattung. führer: Felsmann und II. Reinsch. Beisiger: Mag Kley.- Frühjahr stattfindenden Gemeindebertretertvahlen wurde der VorRevisoren: die Genoffen Habicht, Rofenthal und Uto, Bibliothekar: stand durch die Genoffen Schumacher und Simpel aus Kaulsdorf Ein fleines Bortemonnaie mit Inhalt ist gefunden worben und Schlemann, Lokaltommission: Schacht, Dermigel und Linde. und die Genossen Oswald Schumann und Käming aus Mahlsdorf in der Parteispedition Laufiger Blas 14/15 abzuholen. Als Gruppenführer: I. Gruppe Grisch, II. 3. Müller, III. Scheel verstärkt. Die Wählerlisten für die Gemeindevertreterwahl fann und Streft, IV. Buffe, V. W. Giefe, VI. Jefeld, VII. Didmann, von der werktätigen Bevölkerung außer im Gemeindebureau auch Feuerwehrbericht. Nicht weniger als 800 mal ist die Berliner VIII. Weißheit. Als Delegierte zur Streis- Generalversammlung bei N. Oertel, Wagnerstr. 44, eingesehen werden. Interessant ist Feuerwehr in diesen Monat bereits alarmiert worben. In der wurden die Genoffen Gehrie, M. Kley, Alf. Wilt, Geschte, Weißheit es und bezeichnend für das schreiende Unrecht des Dreillaffenlebten Racht wurde sie unter anderem nach der Teltower Straße 35 und Sabicht gewählt. gerufen, wo bei Ankunft der Feuerwehr Kleider auf einem Unter Berschiedenem forderte der Borsigende die Mitglieder auf, Wahlsystems, daß hier in der ersten Klasse 2, in der zweiten 61 unb in ber britten 430 23ähler zu berzeichnen find. Storribor brannten. Bivet Kinder waren bor Eintreffen der Behr den neugewählten Borstand beffer tie früher zu unterstilgen. Unter Berschiedenes" wurde ein Antrag, bei Beerdigungen von Hausbewohnern in Sicherheit gebracht worden. Am Belle- Genoffe Gebert berührte bie Organisationsfrage der Zeitungs verstorbener Genossen, denen ein Geistlicher beiwohnt, von Alliance- Play 1 mußte ein Zug fräftig Wasser geben. Dort frauen. Eine scharfe Verurteilung fand das Vorgehen der Polizei einer Beteiligung und Krangniederlegung abzusehen, abgelehnt, brannten in einem Steller Stiften und anderes. Wegen eines Schaus am Dienstagabend. Pfuirufe durchdrangen den Saal, als ein und beschlossen, in jedem Falle einen Kranz zu spenden und einen fensterbrandes rückte infolge mehrmaliger Meldung ein größeres Genoffe die Polizeiattacke auf das Verbandshaus der Metallarbeiter entsprechenden Nachruf zu widmen. Weiter wurde in Erwägung Röschaufgebot nach der Orantenstraße 156 aus. Schalbeden usw. in der Charitéftraße zur Sprache brachte. Treffend bemerkte ein dessen, daß man am Orte von firchlicher und bürgerlichen Sette waren dort in Brand geraten. In der Thaerstraße 10 und Schön- Genoffe, daß man sich jest, ehe man die Straße betrete, erft mit Frauenvereine ins Leben gerufen werden, dem Vorstand aufhauser Allee 182 mußten gwei ausgedehnte Kellerbrände gelöscht Verbandszeug verfehen müsse, um gegebenenfalls feinen Mitmenschen getragen, auch die sozialistische Frauenbewegung ins Auge zu werden. Hölzer, Späne usw. brannten bort. Ein Automobil behilflich sein zu können. Hierauf wurde der Wunsch ausgesprochen, fassen, damit die Frauen und Töchter der Arbeiterschaft Mahlsdorfs wurde in einer Werfftalt in der Chauffeestraße 88 ein Raub der in nächster Beit eine Versammlung für diejenigen abzuhalten, die Schulter an Schulter mit ihren Männern und Bätern fämpfen Flammen. In der Urbanstraße 116 tam in bem Maschinenhause unter der Einwirkung der Strife verfürste Arbeitszeit haben. für die Befreiung des Proletariats. Zum Schluß wurde bekannt ciner Fräferei Feuer aus, das Späne erfaßte, aber auf seinem Mirdorf. gemacht, daß in nächster Zeit in Stauisdorf eine öffentliche Bera Serb beschränkt werben fonnte. Gestern früh mußten in der fammlung stattfinden wird, auch wurde darauf hingewiesen, daß Chausseestraße 45, Dennewigstraße 10, Johannisstraße 10 und außer den bekannten Lokalen in Wahlsborf noch in Staulsdorf die anderen Stellen Brände gelöscht werden. Mobilien und 3m Botale von Mees und Bobah( am Bahnhof Naulsdorf) der Arbeiter. mobilien, Säde, Fett usto. brannten dort. schaft zur Verfügung stehen. Schwer zu Schaben gekommen ist der sechzehnjährige Arbeitsbursche Friedrich Zapf aus Brib, welcher borgestern nachmittag auf einem Zweirade die Bergstraße durchfuhr. An der Rietenstraße kommunales. AnS der Stadtverordneten-Bersammlung. Ueber den dringlichen Antrag der sozial- demokratischen Fraktion, der den Magistrat auf- fordert, schleunig st Maßnahmen zur Linderung der Arbeitslosigkeit zu ergreifen, konnte gestern noch nicht verhandelt werden. Dem Magistrat und der freisinnigen Versammlungsmehrheit erwies Herr Momm- seit den Liebesdienst, die Dringlichkeit zu bestreiten— und gcschäftsordnungsgemäß genügte dieser Einspruch, di e so- fortige Beratung zu verhindern. Der Antrag wird nun auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung kommen. Im Mittelpunkt der gestrigen Sitzung standen die Vcr- Handlungen über zwei Anträge, die sich auf Fragen aus dem Gebiet der Kinderfürsorge bezichen. Den von Freisinnigen eingebrachten Antrag betreffend die Zahnpflege der Schulkinder begründete Herr Barth so vorsichtig, wie wenn er seinen eigenen Freunden nicht recht zutraute, daß sie im Ernst diesen kleinen Schritt vorwärts zu tun beabsichtigen. Am entschiedensten wurde die in dem Antrag ausgestellte Forderung unterstützt von dem Redner der sozialdemokratischen Fraktion, unserem Genossen W e y l, der auch daran erinnerte, daß die Fraktion schon vor zwei Jahren Schulspezialärzte ge fordert und dabei auch die Notwendigkeit von Schulzahn ärzten betont hat. Herr Cassel beeilte sich, jedem etwaigen Versuch einer Erweiterung des Arbeitsfeldes der Schulärzte von vornherein entgegenzutreten, und erntete dabei den Bei fall der Mehrheit. Nachdem dann Herr M o m m s e n wieder 'mal mit seinen:„sozialen Empfinden" renommiert und Herr Cassel ihm darin sekundiert hatte, wurde der Antrag einem Ausschuß überwiesen. In einem Ausschuß soll auch der Antrag der sozialdcmo k ratischen Fraktion vorberatcn werden, der der Stadtgemeinde die Errichtung von Krippen und Kindergärten zu- weist. Genosse Wurm begründet ihn in einer Rede, die reich an Material und von starker Beweiskraft war. Zustimmend oder mindestens wohlwollend äußerten sich die Redner der .�Sozialfortschrittlichen Gruppe" und der„Neuen Linken". Herr Dave meinte, seine Freunde seien nicht prinzipielle Gegner einer Ausdehnung der Gemeindetätigkcit, aber die Fülle solcher Anträge müsse zur Vorsicht mahnen. Und der alte Herr Langerhans kramte noch das früher mal modern gewesene Argument aus, die Sozialdemokratie lockere durch solche Forderungen das Familienleben. Vom Magistrat sprach niemand. Mit desto größerem Rcbeeifer werden wahr- kcheinlich im Ausschuß die Vertreter des Magistrats zu be- weisen suchen, daß„die Sache nicht geht". Ausüben sonstigen Verhandlungen von gestern ist der erneute Streit um Herrn Rosenows Hockiburg zu erwähnen, der bei der Zuteilung der Stadtbezirke zwecks Ausführung von Recherchen noch einmal ent- brannte. Genosse Singer erinnerte daran, daß Herr Rosenow selber bei einer früheren Gelegenheit offen zugegeben hat. für ihn habe dieser Streit eine kommunalpoli- tische Bedeutung. Herr Rosckiow darf nämlich in seinem Revier seinen Einfluß auf die Besetzung der kom- munalen Ehrenämter nicht schwächen lassen, weil das Partei- intcresse fordert, daß diese Acmter mit freisinnigen Männern besetzt werden, die ihm bei Reichstags-, Landtags- und Stadt. verordnetenwahlen als Agitatoren dienen können. Als Genosse Singer das der freisinnigen Mehrheit mit aller Deutlichkeit zu verstehen gab. vollsührtcn die Freisinnigen einen Höllenlärm und taten, wie wenn sie sich schwer beleidigt fühlten. Bei der Abstimmung aber— erneuerten sie ihren früheren Beschluß und das frühere Unrecht! Gegen Ende der Sitzung gab cS noch eine„U m st ü r z- 5e r- D e b a t t c". die im ganzen höchst amüsant verlief, aber doch auch ihre ernste Seite hatte. Sie drehte sich um ein Vermächtnis, aus dem im Jahre einmal einige alte Leute festlich bewirtet werden sollen, aber unter der von der Stiftcrin gestellten Bedingung, daß die Bewirtung nicht etwa in dem Lokal eines'„Umstürzlers" stattfindet. Genosse Sing er suchte dem Magistrat begreiflich zu machen, daß die betreffende Vorlage eigentlich nicht sehr der Würde deS Magistrats entspricht und daß die darin enthaltene Bedingung eine dreiste Herausforderung der in Berlin stärksten Partei und des größten Teiles der Berliner Bevölkerung in sich schließt. Ter Redner des Magistrats. Bürgermeister N e i ck e, begriff's nicht. Mit der Naivität, die ihn ziert, erklärte er, die Stifterin habe offenbar gewünscht, daß die Bewirtung „im Hanse eines ruhigen ManneS" stattfinden solle. Eine echt Rcickcsche Leistung! Die Genickstarre> Backen„erziehen" wollen. Und doch stand ain Sonnabend, tfeft scheint in eb-rschlcsicn die schwarzen Pocken wieder ablösen ZU 18- d- Mw. ein solcher Jugendersiehcr in Ell"'°- d. Ruhr vor dem wollen. Noch sind letztere nicht erloschen, und schon wird amtlich'hm Soziales.. Prolongiert« ProbeengagementS. Mit der lllcchtölage bei Prolongierung von ProbeengagementS hatte sich gestern die erste Kammer deS RaufmaniiSqerichtS zu de- jassc». Der Kläger Felix A. war von der Rurr-GaSglithlicht-Gesell. schuft am 15, August für eine lltägigc Probezeit als Reisender und Akquisiteur für die Abonncinents-Etnrichtung der Gesellschaft rngagiert worden. Diese Probcanstellung wurde dreimal in Etappen von einer bi» zwei Wochen prolonglkrt. Daö letzte Mal lief die Probezeit am 31. Oktober ab. Mit dem Kläger zugleich wäre» noch 18 Reisende auf Probe engagiert worden, die gleich dem Kläger einen Vertrag unterzeichnen mußten, nach welchem sie sich verpflichteten, einen bestimmten Wochcnumfav bei Bcr- meidnng sofortiger Sntlassung zu erzielen. Auf Grund dieses Paragraphen entließ die Gesellschaft sofort den größten Teil der Reisenden, der Kläger hingegen hatte den Umsatz, zu dem er sich verpflichtet hatte, überschritten und hoffte daher auf das ihm in Aussicht gestellte feste Engagement. Um sich zu vergewissern, wandte er sich unter Hinweis auf die vielen Entlassungen am LS. Oktober. also drei Tage vor Ablauf der letzten Probeanstcllung, an den Ab» teilungövorstchcr mit der Anfrage:„Und wie ist es denn mit mir?", worauf ihm dieser erwiderte:„Sit bleiben. Machen Sie, daß Sie dir Kundschaft besuchen." Kläger hielt sich nun für fest angestellt. erhielt aber am 31. Oktober die sofortige Entlassung. Auf Rc» klamation bei der Geschäftsleitung erfolgte nur die bündige Antwort: «Wir haben kein AM für Obdackilvsr!" Das KaufmannSgrrlcht wieö den Klager mit feinem Anspruch auf Restachalt ab, mit der Begründung, daß die Probeanstellung am 81. Oktober abgelaufen und eine direkte Erklärung, daß das Engagement in«in festes umgewandelt fei, seitens der beklagten Gesellschaft nicht erfolgt war.— Ter Vorsitzende. Magistratsrat Tcchow, unterließ cd aber nicht, dem die Gesellschaft vertretenden ShNdiiUö, Rechtsanwalt FrUdmaim, sein Erstaunen darüber aus- zudrücken, daß die Firma in ihre Verträge Klausel» aufnimmt, die das Kaufmanndgertcht schon wiederholt,«eil wlder dte gute» Sitte« verstoßend, für ungültig erklärt hat. daö Neuauftreten der Genickstarre gemeldet. Natürlich sind es in erster Linie Arbeiter, deren Leben gefährdet ist. Im Schlafhause II der Gräfin Laurahütte bei Könighütie wurde die gefährliche In- fektionskraniheit festgestellt. Auch ein Segen der„Arbeiter-Wohl- fahrtseinrichlungen"._ Die sächsischen Industriellen hielten in Dresden am Sonntag und Montag ihre 6. ordentliche Hauptversammlung ab. Der Verband umfaßt nach dem Syndikus des Vereins, dem Hans in allen Gassen Strefemann. zurzeit 4000 sächsische Betriebe mit 400 000 Arbeitern, repräsentiert also eine gewaltige ökonomische Macht. Nach seinen Ausführungen be- schäftigt die gesamte sächsische Industrie zirka 700 000 Arbeiter. Triumphierend wies er darauf hin, daß eine derartige Industriellen- organisation in keinem anderen deutschen Bundesstaat vorhanden sei. In der sächsischen Zweiten Kammer säßen zurzeit 24 Mit- glicder. Er hat natürlich vergessen hinzuzufügen, daß trotzdem die konservativen Blockfreundc ihre agrarische llebermacht im Landtage dazu benutzen, eine durchaus agrarische industricfeindlichc Politik zu treiben. Ter Gernegroß sprach dann den edlen Wunsch auS, daß die in Dresden sich entwickelnde nationale Arbeiter- bcwegung immer mehr an Umfang zunehme,„um den deutschen Arbeiter von dem Drucke der sozialdemokratischen� Gewerkschafts- bcwegung zu befreien". Dieser Wunsch des Herrn dürfte schwerlich in Erfüllung gehen, dazu haben die deutschen Arbeiter in ihrer großen Mehrzahl dem» doch zu viel Einsicht, um sich von den Herren Industriellen als politisches Stimmvieh, als willen- und würdeloses AuSbeutungS- Objekt mißbrauchen zu lassen. ES ist im Gegenteil zu konstatieren, daß die sogenannte nationale: christliche, gelbe und Hirsch- Tunckersche Gewerkschaftsbewegung— wenn man davon überhaupt reden kann, immer mehr in Dresden im Mißkredit kommt. Sie hat in letzter Zeit soviel moralische Ohrfeigen bekommen, daß die Erkenntnis über die Notwendigkeit, zu den freien Gewerkschaften überzutreten, gewachsen ist. Die Industriellen nahmen dann noch Stellung zur Kohlen- frage, zu der sie folgende Resolution gegen 1 Stimme an- nahmen: „Der Verband Sächsischer Industrieller erblickt in der Shndizicrung der Fabrikation wichtiger industrieller Rohstoffe eine Erscheinung, welche die Verfügungsfrcihcit der verarbeiten- den Industrie bedroht, falls eS nicht gelingt, auch die Abnehmer der Syndikate zu gemeinsamem Vorgehen zu vereinigen. Der Verband erachtet es daher für seine Aufgabe, namentlich zu den Lieferungsbedingungen der Syndikate, insbesondere der Kohlen- syndikate, im Sinne der Berücksichtigung der Konsumenten- interessen Stellung zu nehmen." In einer anderwcitcn Resolution protestierte er gegen die geplante Umänderung der Fernsprechgebühren,„da er darin eine ungerechtfertigte Belastung der mittleren und kleineren sowie der aus den Lokalabsatz angewiesenen Betriebe erblickt. Die Zuführung höherer Einnahmen für die Postverlvaltung läßt sich nach Ansicht des Verbandes auch durch eine klasscnweise Abstufung der Pauschalgebühr sowie dadurch erreichen, daß von einer be« stimmten Zahl von jährlichen Gcsprächsvcrbindungen ab die Er- richtung weiterer Verbindungsstellen zur Pflicht gemacht wird. Bon der allgemeinen Einführung der Einzelgesprächsgebührcn muß dagegen gewarnt werden, da dies« mit einer wesentlichen Ein- schränkung der Fernsprecher verbunden sein würde und ein großer Teil der erhofften Mehreinnahmen hierdurch verloren gehen müßte". Zum Schluß machten die Industriellen noch in Kolonial- e n t h u s i a s m u L; sic forderten in einer Resolution den Ans- bau des Eisenbahnnetzes in den deutschen Kolonien zur Förderung des Baumwollenbaues. Damit war die Tagesordnung erledigt. Eine klatschende Ohrfeige für die Gewrrkschaftschristen wurde auf der Hauptversammlung der westfälischen Landwirtschaftskammer. die in Münster am 20. Januar tagte, ausgeteilt. Die Versammlung beschäftigte sich mit der Ausdehnung des KoalitionsrechtcS auf die ländlichen Arbeiter und Dienstboten, welche Bestrebungen— wie das bei einer solch reaktionären Gesellschaft nicht anders zu erwarten ist— natürlich in Grund und Boden verdammt werden. Immerhin waren die Herren Agrarier noch weit vernünftiger als jene christlichen Gewerkschaftsführer, die den Landarbeitern bei Verleihung des KoalitionSrechtes ein Streikrecht nicht oder doch nicht während der Ernte zugestanden wissen wollen. Der Berichterstatter der Landwirtschaftskammer, Freiherr von Ledebur gab zwar die Weisheit zum besten, das Koalitionsrccht sei eine Kampforganisation, nach seiner lieber- zcugung im ethischen und christlichen Sinne immer eine Un- moralität. Er wußte ferner zu Melden, daß die ländlichen Arbeiter selbst nicht einmal das KoalitianSrecht verlangen und ein ländlicher Arbeiter seine Familie viel besser ernähre» könne als der in- dustrielle; wußte jedoch bei letzterer Behauptung gleich die Ein- schränkung machen, daß letzteres nur zu konstatieren sei, weil die ganze Familie deS ländlichen Arbeiters auf Miterwerb ausgehe. Dann erklärte cr jedoch sehr richtig: daS KoalitionSrecht ohne Stretkrecht sei undenkbar und ein Verbot des Streiks in der Erntezeit uncinführbar, da die Erntezeit verschieden fe! und vom Frühjahr bis zum Herbst dauere! So müssen sich die christlichen Gewerkschaftsführer von einem Agrarier reinsten Wassers sagen lassen, daß sie mit ihrer Stellung» nähme zur Landarbeitcr-Organisationsfrage ein Doppclspiel treiben, nur darauf berechnet, den Arbeitern Sand tn die Augen zu streuen._ Ein Beitrag zur Landflucht. Der 29jährige Gutsinspektor Hugo Wlchman» geriet eines Tages auf dem Gntshofc des Amtsrats v. Zimmermann mit dem anvertrauten Schülerinnen Elisabeth Ä. und Marie St. zu vcr» antworten. Der Herr, welcher sich einer solchen Methode bediente. heißt Karl Kerkliosf und hat in der Schule in Huttrop zu unter» richten. Die Züchtigung durch Schlagen an den Kopf und Kneifen in die Backen war erfolgt, weil die kleinen Tinger ihre Schulauf- gaben nicht erledigt hatten! Daß der Herr Lehrer nicht gerade sehr sanft geschlagen und gekniffen hatte, bewies das ärztliche Gutachten, wonach die Züchtigungen im Gesicht blutunterlaufene Stelle» hinterlassen hatten— bei 7iäbrigcn Mädchen!— Dabei soll nach einer Verfügung der oberen Schulbehörde überhaupt nicht gezüchtigt werden, wenn Schüler die gestellten Schulaufgaben nicht begreisen können. Das Schlagen an den Kops ist ebenfalls verboten. Der Schulrat Jucht« schilderte den Angeklagten als einen„erregten" Mann, dem aber sehr wohl bekannt sei, daß er die Kinder nicht an den Kopf schlagen dürfe. Der Schulrat mußte dann aber zu- geben, daß er selbst die Kinder in der Klasse deS Angeklagten an de» Kopf geschlagen habe!! Freilich fügte er naiv hinzu, das sei für den Angeklagte» noch kein Grund,»un seinerseits die Kinde» auch an de» Kopf zn schlagen!-- Der Amtsanwalt beantragte, da der Angeklagte daS Züchtigungsrecht weit überschritten habe, eine Geldstrafe von 33 M. Das Gericht erkannte auf— 10 M. Geldstrafe. Arme, beklagenswerte Kinder, die in einer solchen Schule „erzogen" werden! Vermischtes. Die Katastrophe der„Älmsterdam". Die Annahme, daß es allen Passagieren und BesatzungSleukeN der„Amsterdam" gelungen ist, de»„Axminster" zu erreichen, hat sich, wie wir gestern bereits berichteten, leider als unzutreffend er« wiesen. Die Agenten der Harwich-Linie teilen mit. daß in der fehlenden Schaluppe der„Amsterdam" sich 21 Personen befanden, darunter eine Dame, drei StcwardesseS, der Chef-Steward, zwei Heizer und ein Matrose. Die Schaluppe führe für einige Tage hinreichende Mengen von Wasser und Biskuit mit sich, auch seien Ruder, ein Segel uyd ein Kompaß vorhanden. We Bemühungen. die Schaluppe aufzufinden, sind bis jetzt erfolglos geblieben. In- zwischen ist dichter Nebel eingetreten. Falls derselbe sich verziehen sollte, werben die Bemühungen zur Auffindung der Schaluppe noch im Laufe der Nacht fortgesetzt lvcrden. Neuerlichen Nachrichten zufolge befanden sich 28 Personen darin. darunter 21 Passagiere. Der Dampfer„Vienna", der vorgestern abend wegen des Nebels nicht auslaufen konnte, ist gestern früh m See gegangen. Hork van Holland, 23. Januar. Ueber die vermißte Schaluppe vom Dampfer„Amsterdam" ist noch nichts bekannt. Der Dampfer„Dresden" kam heute morgen zur gewohnten Stunde hier an, während die„Vieitna" mit 55 Paffagieren an Bord in See ging.__ Räuberischer Uebcrfall. Einer Meldimg aus Breslau zufolge wurde der Kutscher der Selterwasserfabril Braun, der am Montag init einem GcschästSgefährt über Land war, auf dem Heimwege kurz vor Breslau nachts von einem Unbekannten, den cr auf sein Bitten hin ein Stück Weges mitgenommen hatte, mit einem harten Gegen- stand an der Schläfe verletzt. Er verlor die Besinnung und stürzte vom Wagen. Seine Geldtasche mit 50 M, wurde ihm geraubt. Der Täter ist entkommen. Der Wagen wurde an der Stadtgrenze aufgebalren. Der Kutscher begab sich, da er nur leicht verletzt war, zu Fuß nach der Breslau» Unfallstation. Eisenluihnzusammenstoß. Amtlich ivird von gestern ans Frankfurt a. M. gemeldet: Der um 4 Uhr 44 Minuten heute früh hier abgegangene Personenzug 253 Frankfurt— Köln ist bei der Einfahrt in RüsselSheim mit einer Rangierabtcilung zusammengestoßen. Der Packlvagen und ein Wagen 4. Klasse sind stark, ein weiterer Wagen 4. Klasse ist leichter beschädigt. Zugführer Eckarius von hier wurde leicht an der Schulter verletzt und Schaffner Göbel-BischofShestn bei Mainz mit abgefahrenem rechten Arm unter der Rangierabteilung hervorgezogen. Reisende sind nicht verletzt. Daö Signal für den Personenzug stand auf freie Fahrt. Jedenfalls ist die Rangier- abteilung unberechtigterweise vorgcfahren. Beim Schlittschuhlaufen ertrunken. In Radebormwald ertranken, wie aus Elberfeld berichtet wird, am Miltwochnachmittag beim Schlittschuhlaufen zwei schulpflichtige Knaben. Der ältere Bruder des einen, der bei einem Rettungsversuch ebenfalls zu ertrinken drohte, wurde Von einem Lehrer gerettet. Ein Uebcrfall. Der Bureaubote Kurt Hotopp der Braun- schweigifchen LandeZctscnbahn lvurde Braunschtveigischer Meldung zufolge vorgestern auf einem Dienstgange von einem noch un- ermittelten Manne überfallet' und schwer verletzt. Dem Hotopp, der eine größere Suininp bei sich trug, wurden 742 M. geraubt; er liegt ievt im Herzoglichen Krankenhause und ist noch nicht vernehmuugs- fähig. Explosion. Eine Meldung au« Budapest besagt? In b» Fabrik von Ganz fand eine Explosion eines Trvckenofens statt. Hierbei wurde ein Arbeiter getötet, mehrere tödlich verletzt. Der durch die Explosion entstandene Brand richtet« großen Material- schaden an. Die«cruuglückte Schlittenpartie. Wie auS W i l(St. Gallen) berichtet wird, wurde bei einer Schiiltenpartie von Will nach BiswofSzell der Direktor der Aktienvrauerei Wil. Robert, aus dem Sckilittr» geschleudert und getötet, seine Tochter erlitt einen doppelten Beinbruch. Ei» Erdbeben bat einer Meldung auS Rom zufolge gestern früh 5 Uhr 10 Minuten in R e g g i o(Calabrien) stattgefunden. Nachrichteil aus der Provinz zufolge trat das Erdbeben in Bianco, seit lauaer Zeit dort beschältiaten V7iährinen Arbeiter Kanzler?caa,r>a,rei! aus oer Provinz zufoige rrar oas vcraveven m wianco. wegen Verrechnung-wer Üebcrstunde in Wortwechsel. Als Kanzler �„Ä" sagte, wenn er die Stunde nicht bezahlt erhalte, arbeit« er nicht mehr nach Feierabend, geriet der Inspektor derartig in Wut, daß er den Mann, der dem Alter nach sein Vater sein konnte, mit seinem Gehstock derartig verprügelte, daß der Verletzte sechs Wochen arbeitsunfähig war. Kanzler meinte vor der Strafkammer tn Halle, wo der Inspektor wegen der Mißhandlung angeklagt lvar, der brutale Mann müsse ihm die Rippen entzwei geschlagen haben. Ein Arzt stellte nach zwei Wochen nach der Tat am Rücken des Mißhandelten eine 7 Zentimeter lange und 2 Zentimeter breite mit Blut unterlaufene Stelle fest. Und für diese Roheit wurde der Gutöinspckwr mit— 25 M. Geldstrafe belegt, �ericbts-Teitung. Ohrfeigen als„Lehrmittel« für 7jShriat Mädchrck. Wenn verständige Pädagogen den Stock als Zuchtmtttel aus der Schule verbannt wissen wollen bczw. für Abschaffung des körper- lichcn ZüchÜgungsrechts der Lehrer überhaupt plädieren, dann findet sich gewöhnlich gleich eine ganze Anzahl sogenannter«Each- verständiger", die mit mathematischer Genauigkeit nachweiset� daß die Volks schule ohne den Stock nicht auskommen kann. Wurden diese Vertreter altprcußischer Korporalstaktik einmal selbst ihre Kinder einer solchen.Erziehungsprozedur" aussetzen müssen, wie sie z. B. an zwei kleinen 7jül>rigen(II) Dolksschülerinne« in Hut. trop bei Essen geübt wurde, wir wetten zehn gegen eins, daß diese Prllgeleuthusiasten sehr schnell kuriert würden. Man sollte es kaum für möglich halten, daß es Lehret geben könnte, die"jährige Mädchen in der Schule durch kräftige Ohrfeige» und Kneifen in dir schon daS letzte Erdbeben mitgenommenen Gegenden mit größerer Heftigkeit auf. Es erregte unter der Vevölkening Panik, richtete aber keinen Schadet, an. Wie eine spätere Meldung aus R c g g i o(Ealabrien) besagt, hat da? Erdbeben in der Gemeinde Bianco mehrere Gebäude, die schon von der letzten Erderschütterung her Risse aufwiesen, erheblich beschädigt. DaS AmtShauS ist unbewohnbar. Die Cholera. In Konstantinopel sind von neun Vorgekommenen Cholerafällen acht tödlich verlaufen. Wasserstandö-Nachrichten der LandeSansw.lt für Gewässerkunde. Mittelem vom berliner Wetierdureau. Wasserstand TOcrncl, Zllltt P r e g e t, Jnüervurg Weichsel, Thorn Oder, Ralibor » Krosten , Franklnrt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leilmerltz » Dresden , Vardh . Magdeburg Wasserstand Saal«. Grochlih Havel, Spandaus „ RiUhenonrft Spree, Spreinbsrgft » Bceswlv Weset, Münden . Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub . Köln Neckar. Hcilbrotm IN a i N. Werlheim Mosel, Trier am 22. l. cm 154 10!) 151 152 —35 52 277 4»1 00 03 120 seit 21.1. Ä —1 -1 '—1 —3 0 —1 —1 — I — o +12 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unierpegel.-»•) CiSstand. —*) schwaches Treibeis..—■) mäßiges TreibelS. MMW H. Greifenhagen Nachf. Brunnenstrasse 17-18 Veteranenstrasse 1-2 Freitag und Sonnabend: Billige Lebensmittel Prima Apfelsinen..... 10 Stck 20 PL. Spitzbeine.... 23 PL. Eisbeine.. 35 P Pökel- Eisbeine in Portionsstücken Prima Pökelrippen Prima Mandarinen..... Pfund 23 Prima Citronen...... 10 Stück 35 Hochfeine Tafeläpfel.... PL .... Pand 15 Feinste Tiroler ,, Edelrot" Pland 25 P. Feinste graue Italiener.. . Pfund Pfund 25 PL Pland 40 P Plund 55 Pl. Pfund 60 P Pl. Ohren und Köpfe Köpfe.... Pfund 35 Pl. 25 PL. Pfund 68 PL. Kassler Rippespeer Zwiebelleberwurst P45 ff. Leberwurst 90 P Land- Leberwurst P. 85 PL P1. Pd. Land- Blutwurst. P. 50 Westf. Mettwurst P. 95 P. Braunsch. Mettwurst P. Pl. Pfd. P 3 88 PL Pf. Pa. Fleischwurst, 95 P. Schinkenspeck.. 95 P. Wiener Würstchen 20 P Blumenkohl.... PL Pid Kop! 16 PL| Prima Sprotten 1 Pfd. 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