Nr. 21. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis bränumerando Bierteljährl. 8,30 m, monatl. 1,10 möchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt 10 Big. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Bost- Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemar Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweben und die Schweiz Erideint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Solonel geile oder deren Raum 50 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( jettgebructe) Bort 20 Bfg., jebes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg. jedes weitere Wort 5 Big. Worte über 15 Buchstaben zählen für groei Borte. Inferate für die nächste Nummer müssen Bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm Adreffe: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonnabend, den 25. Januar 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Rr. 1984. einflußlos, trotzdem ihre Wählerzahl rund sechsmal so zahlreich ernstlich an den Grundlagen der durch das Dreiklassenwahlfystem geheiligten Ordnung hätte rütteln wollen. Die Führer Die chriftlichen Arbeiter und die, wie die der erſten und zweiten Klaffe zuſammen." preußische Wahlrechtsreform. Als am Sonntag, den 12. Januar, sich in Köln der Zug der Wahlrechtsdemonstranten durch die Breitestraße bewegte, da scheuchten die brausenden Wahlrechtsrufe vor dem katholischen Gesellenhaus auch die Kolping zöglinge auf und sie eilten zum Tore. Einige Demonftranten begrüßten die gläubigen Klassengenossen mit den Rufen:„ Hoch das Wahlrecht, schließt Euch an, fatholische Arbeiter." Aber der Ruf war vergebens; ein Sohngelächter fam aus der Schar der Gesellen vereinler, und stumpffinnig grinsend fahen fie der demonstrierenden Menge nach. Dieser Vorgang, der sich im heiligen Köln vor dem fatholischen Gesellenhause abspielte, kennzeichnet den Riß, der gegenwärtig durch die deutsche Arbeiterklasse geht. Hier die Sozialdemokratie, die Partei des klassen bewußten Proletariats, wie immer so auch jetzt wieder auf dem Plan, um dem Bolke sein lange vorent haltenes Recht zu erkämpfen; dort die christliche Ar beiterschaft, untätig bei Seite stehend, unter dem Einfluß einer Partei, deren Machtmittel groß genug find, auch im zwanzigsten Jahrhundert noch ihr proletarisches Gefolge zum fnechtseligen Verzicht auf seine Menschenrechte zu bewegen. In der christlichen Arbeiterbewegung, die vorwiegend katholisch ist, herrscht der Zentrumsgeist. Die Gesellen- und Arbeitervereine unterstehen der Leitung und Aufficht durch die Kirche, der treuen Bundesgenossin des Zentrums, und die christlichen Gewerkvereine sind durch ihre Führer- Zentrumsabgeordnete und solche, die es werden wollen fester als je an die ultramontane Partei gefettet. Dazu kommt, daß alles, was für die katholischen Gesellen, Arbeiter- und Gewerkvereine tätig ist, durch die Schule des katholischen Volksvereins, der befannten Zentrumsorganisation, gegangen ist, und hier seine politischen Weihen empfangen hat mit der Verpflichtung natürlich, die fernere Tätigkeit als Arbeiter- oder Gewerk. schaftssekretär zur höheren Ehre des allein seligmachenden 8entrums anzuwenden!. Auch in den christlichen Arbeiterblättern ist wiederholt der katholischen Arbeiter, denen hier und da das Bewußtsein die Entrüstung über die preußische Dreiklassenschmach zum von der Rechtlosigkeit ihrer Klasse einen Entrüstungsschrei Ausdruck Blatt der christlichen Bauarbeiter, erblidt( Nr. 33, 1907) in auf Gedeih und Verderb verbunden oder rechnen mit der der Uebertragung des Reichstagswahlrechtes auf das Aussicht es noch zu werden; von ihnen ist nicht zu erwarten, preußische Abgeordnetenhaus die sicherste Gewähr für den daß sie den reaktionären Geist ihrer Partei bezwingen oder Einzug eines wirklich fozialen Geistes und auf eigene Faust unter den katholischen Arbeitern eine Wahldamit der Beseitigung der Ungerechtigkeit, die dort geübt rechtsbewegung entfalten. wird." Es wird Sache unserer Genossen in den ZentrumsDer Deutsche Holzarbeiter", ein christliches gegenden sein, Leben in die katholische Arbeiterschaft hineinGewerkschaftsblatt, schreibt( Nr. 26, 1907) in einem Artifel, zubringen und von unten auf, durch die Massen, das Zentrum worin es eine gerechtere Berteilung der Steuerlast fordert: zur Aktion in Sachen der preußischen Wahlrechtsreform zu Bom heutigen preußischen Landtag ist das aber nicht zu treiben. Insbesondere die chriftlich organisierten erwarten; deswegen Reform des Wahlrechts, damit Arbeiter find darauf hinzuweisen, daß fie moralisch gezwungen Männer aus dem Volke dem Landtage soziales Empfind, in der Wahlrechsfrage ihre Kräfte einzufeßen für den finden und Verständnis für die Nöte des Sieg der Volkssache. In der programmatischen Schrift, mit fleinen Mannes beibringen." der die christlichen Gewerkschaften nach ihrem ersten Kongres Die eft deutsche Arbeiter Beitung"( Meinz 1899) ihre Grundsäße fundgaben, heißt es, nachdem ( M.- Gladbach) schrieb im Januar 1906 nach den fozial- die Pflicht der Neutralität" dargelegt worden ist: demokratischen Wahlrechtsdemonstrationen: Stein Zweifel, der preußische Landtag ist keine Volksvertretung; das Wahlrecht, durch das er zustande kommt, ist widerfinnig und ungerecht... Auch die nichtsozialdemokratischen Parteien werden nicht lange Gewehr bei Fuß halten können. Man ist gewarnt, man mache endlich einmal Ernst." ubrud gekommen. Die Baugewerkschaft, das erprest, find als Abgeordnete mit dem Zentrumsflüngel Und in Nr. 23, 1906, schrieb das Blatt, daß alle Kulturstaaten, selbst die halbasiatischen Balkanstaaten, ein besseres Wahlrecht als Preußen haben; die breiten Volksschichten feien unter dem Dreiklassensystem politisch fast vollständig rechtles". Dann hieß es weiter: 3war scheinen die Mächte, die das Dreillassenwahlrecht halten, unüberwindlich. Sie scheinen's, find's aber nicht. Die Stulturgeschichte beweift, daß die pribilegierten Klaffen stets den um Freiheit und Recht tämpfenden Bolts schichten haben nachgeben müffen, wenn auch nur schrittweise. Wenn insbesondere die Arbeiterschaft sich nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch betätigt, wenn auch unsere christlich gesinnte Arbeiterschaft energisch für die Beseitigung des Dreiklaffenwahlrechts eintritt, selbstredend mit loyalen Mitteln der Aufklärung und der Propaganda, dann fann und wird die Zeit nicht mehr fern sein, wo auch diese Burg der Reaktion fallen wird." Nur ein politisches Grundrecht gibt es, das teine Organisas tion antasten lassen darf, weil es da niemals höhere Gründe geben kann, die einen Arbeiter zum Preisgeben dieses Rechtes bewegen dürfte. Dieses eine Grundrecht ist das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht. Sollte daher eine Bartei hierin ihre Pflicht vergessen, dann muß eine Organisation auch als solche gegen fie Stellung nehmen." Also das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht ist ein politisches Grundrecht", und es ist Pflicht, dieses Recht für das Reich zu erhalten, dann ist es nicht minder Pflicht, dieses Recht für Preußen zu erwerben, au erkämpfen. Neutralitäts" bedenken berfangen hier nicht. Ohne volkstümliches Wahlrecht in Preußen feine Kulturpolitik, feine Sozialpolitik, feine Arbeiterpolitik im Staat wie im Reich. Diese Einficht unter den katholischen Arbeitern zu verbreiten und, wenn die ultramontanen Partei- und Arbeiter. führer nicht wollen, bie fatholischen Proletarier über beren Köpfe hinweg mit in die Bewegung hineinzureißen, muß die besondere Aufgabe unferer Agitation in allev Bentrumsgegenden sein! Cotenicheine. Niemand wird bestreiten, daß das Zentrum eine agita- Und noch vor wenigen Monaten, am 7. GSeptember 1907, torisch sehr rührige Partei ist. Man braucht nur den Jahres- schrieb das M.- Gladbacher Blatt:„ Soll das preußische Land Kundgebungen der freifinnigen Wähler gegen die Blodpolitik und Die reif. 8tg." schweigt im allgemeinen bie zahlreichen bericht des Volksvereins für das katholische Deutschland durch tagswahlrecht in demokratischem Sinne ausgestaltet werden, undgebungen der freisinnigen Wähler gegen die Blodpolitik und zusehen, um zu erkennen, wieviel das Zentrum in der dann muß das preußische Volk in eine offene und flare für den Wahlrechtstampf tot. Nimmt sie aber Notiz, so nur um Organisation und Agitation zu leisten versteht. Aber so Agitation dafür eintreten." Was aber haben die christlichen die Herren Barth, Breitscheid usw. zu bekämpfen. Heute erklärt cifrig auch von M.- Gladbach gewühlt wird, so viele Reden, Führer getan, um unter den katholischen Arbeitern, die zur Sozialdemokraten gehören. Es ist ganz interessant, daß sie bereits, daß die Sozialliberalen mit Herrn Barth zu den Schriften und Flugblätter auch von dort ins Land gehen, Masse der Entrechteten gehören, eine Agitation gegen die die Müller und Fischbeck sich mit den Dertels und Streths bereits alles ist auf den Nachweis angelegt, daß das Zentrum sehr preußische Dreiklaffenschmach zu entfalten und eine Bewegung barin einig sind, daß nur die Sozialdemokratie noch viel, die Sozialdemokratie aber nichts für die Arbeiter, den bon unten ins Werk zu fezen? Mitte Oktober 1907 fand in die Grundsäße der Demokratie verficht und daher Bauern, die Handwerker getan hat, Politisch auf Berlin der sogenannte Deutsche Arbeiterkongreb, jeber Demokrat zur Sozialdemokratie gehört. Die Herren wiffen flärende Literatur geht nicht von M.- Glad- eine Veranstaltung der christlich- nationalen Arbeiter, statt. in ihrer Einfalt nicht, daß sie damit der bürgerlichen Demobach aus: von dem Uebermaß seiner Pflichten und der In seinem Vortrag über die allgemeine sozialpolitische Lage in ihrer Einfalt nicht, daß sie damit der bürgerlichen Demotratie den Zotenschein ausstellen. Geringfügigkeit seiner Rechte erfährt der katholische Ar- mies der Generalsekretär Stegerwald darauf hin, daß bei Borläufig aber will es uns scheinen, daß die Herren sich besser beiter nichts durch die Gelehrten und Führer des Volts- den vorlegten Reichstagswahlen die Sozialdemokratie in um ihren eigenen Zotenschein fümmern sollten. Es vereins- dafür zeugt die Tatsache, daß das Zentrum Preußen 1600 000 Stimmen erhielt, aber nicht ein Mandat tann sie ja dabei der Gedante trösten, daß hinter ihrer politischen es bis heute noch nicht der Mühe für wert ge- aum Landtag zu erringen vermochte; das sei natürlich Wasser wahre auf Samtfiffen die neuen schönen Orden, die Errungen halten hat, auch nur eines der zahlreichen Flugblätter auf die Mühle der Sozialdemokratie, meinte der Redner, der schaften der liberalen Aera, getragen werden. Naumann wird des katholischen Volksvereins der Schmach des Dreiklassen- dann fortfuhr: wahlrechts zu widmen! an ihrem Grabe predigen, und Bülow felbft in Erinnerung an angenehme Strand. und Badestunden von seinem römischen Ruhefiz aus ein Kondolenztelegramm schiden. " Die eigentlichen Rulturaufgaben find in Deutschland faft ausnahmslos den Bundesstaaten und den Gemeinden zugewiesen. Und zu diesen war ben unteren Klaffen Noch aber leben die Fraktionspolitiker von der Freisinnigen infolge plutokratischer Wahlsysteme ber Bugang gleichfam ver- Boltspartei, und deshalb ist es ein Lebensinteresse nicht der fperrt, fie fonnten nicht mitarbeiten. Auch die chriftlich Arbeiter, wohl aber der bürgerlichen Demokratie, nationalen Arbeiter empfinden diese Wahlsysteme, insbesondere wenn die Wirksamkeit dieser Herren ihren Wählern recht deutlich dasjenige zum Landtage des größten deutschen Bundesstaates, als die denkbar größte ungerechtigkeit und verlangen daher, daß vor Augen geführt wird. Dies geschieht heute in einem Wurmendlich einmal mit diesem veralteten Klaffenwahlrecht auf- fraß“ überschriebenen Artikel der„ Berl. Volks- 3tg.". Darin heißt es: geräumt wird." Und ebenso hat es das Zentrum unterlassen, in eigens dazu veranstalteten Versammlungen sein Gefolge über das Unrecht und den Unsinn des preußischen Wahlrechts aufzuklären und auf diese Weise die Gleichgültigkeit zu brechen, die in dieser Frage noch bei der Masse der nicht sozialdemofratischen Bevölkerung besteht. Daher denn diese traurige Erscheinung, daß katholische Arbeiter höhnend herabgrinsen auf ihre klassengenossen, die für des Volkes Rechte und Freiheiten demonstrieren, daß sie zum anderen Teile gleichgültig beiseite stehen in einer Frage, wo es mehr als je des Das klingt nun gewiß sehr entschieden! Ms aber von einmütigen Willens und Handelns der gesamten füddeutscher evangelischer Seite ein Antrag eingebracht wurde, Masse der Entrechteten und Unterdrückten wonach der Kongreß sich für die Einführung des allgemeinen, bedürfte. gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts in den BundesSelbstverständlich ist den Führern der christlichen staaten aussprechen solle, da wiesen die leitenden Arbeiter wohl bewußt, welche Unsummen von Unrecht das Personen der christlich- nationalen Arbeiterbewegung diesen Dreiklaffenwahlsystem an der Masse des Volkes verübt. In Antrag zurück mit der merkwürdigen Begründung, dem Arbeitertaschenbuch für 1908", heraus der Kongres fei ein Arbeiterfongreß und dürfe sich gegeben von den Berbänden katholischer Arbeitervereine West- als solcher nicht mit politischen Dingen beschäftigen! Die und Süddeutschlands, ist auch die Rede von den Landtags berüchtigte Neutralität", auf die sich die christlichen Führer wahlen und den Aufgaben der bundesstaatlichen Gefeßgebung. immer berufen, wenn sie zu feige find, die Rechte der Diese feien so bedeutend, heißt es da, daß das Volk nur zu Arbeiter gegen das Bentrum zu vertreten, feinem Schaden handele, wenn es an dem Leben und der mußte herhalten, um die schmähliche GesinnungsArbeit der Einzelstaaten nicht vollen Anteil nehme, zumal Iosigkeit zu deden und den Satz zu verteidigen, daß ein auch die Einzelstaaten großen Einfluß auf Arbeiterfongreß nicht Stellung nehmen darf zu der Frage, die Reichspolitik ausüben. Dann heißt es: ob die Arbeiterklasse in Preußen noch weiter in völliger " In den süddeutschen Staaten war die Beteiligung an den Rechtlosigkeit verharren soll oder nicht. Landtagswahlen immer viel lebhafter als beispielsweise in Aus der Haltung des 8entrums geht ohne Zweifel Breußen. Das liegt hier an dem rüdständigen Dreifiaffen hervor, daß von dieser Partei ein wirffames Eingreifen zuwahlrecht, das der breiten Maffe des Boltes leider nicht viel gunsten der Abschaffung der Dreiklaffenwahlrechts und seiner Einfluß beläßt.... Das hier herrschende Wahlrecht sichert Ersetzung durch das allgemeine, gleiche, geheime und direkte denen, die hohe Steuern zahlen, die politische Herrschaft und Wahlrecht nicht zu erwarten eft. Das Zentrum will sich macht die Masse des Bolfes fast einflußlos.... Bereinigen fich für die sehnlichst erwartete Zeit, wo es wieder Regierungsdie Wahlmänner der ersten und zweiten Klaffe auf einen ge- partei wird, nicht das Renommee verderben und dem Verdacht meinsamen Kandidaten, dann ist die britte Alaffe vollständig ausfegen, als ob es je im Berein mit der Sozialdemokratie| n " Nur dadurch, daß die unentwegten Blodfreisinnigen unter Führung einiger ihrer freifinnig- boltsparteilichen ordensgeschmüdten Staatsmänner" neuesten Stils im Schweiße ihres Angesichts die Faßbauben zusammendrücken, damit die Blocschmiere nicht auseinanderläuft, wird noch mit Not und Mühe der Anschein aufrecht erhalten, als ob der Blockitt dem Kitt ebenbürtig ist, der in gewissen Schaubuden zum Verkauf gestellt wird. Das Geschäft loftet aber nicht bloß Schweiß, sondern auch eine andauernde Verleugnung freisinniger Grundsätze. Unterdes mehren sich die Stimmen im Lande, aus denen herborgeht, daß wirklich freifinnige Wähler den Blodmumpit bis oben heran satt haben. Uneinbringlich ist dabei leiber der Berlust, den gerade die freisinnige Boltspartei an Ansehen und Vertrauen in den weitesten Kreisen erleidet. Die Segnungen des Ordensfest es, die auf die mütigsten Blodanhänger der freisinnigen Volkspartei niedera gegangen sind, find nun einmal kein Aequivalent für die täglich größer werdende Einbuße der freisinnigen Bolkspartei beim Bolle. Eine Fraktion, die solche Ohrfeigen ruhig einftedt, toie fie ihr am 10. Januar im preußischen Abgeordnetenhaufe durch ihren Gönner nicht einmal patriarchalisch wohlwollend, sondern brüst probotatorisch verabsolgt worden sind, eine solche Fraktion unterschätzt die Würde der Wähler, wenn sie glaubt, daß diese nicht von einem brennenden Gefühl der Scham ob dieser Behandlung erfüllt wären. Mit der bisherigen Haltung der Epigönlein der damaligen Fortschrittspartei stimmt es durchaus, wenn jegt eine parla mcnfmifcTtc Äoerespoildenz meldet: T!e Fraktion der frei- sinnigen VslkSpartci im Reichstage wird die„deutliche M i tz t r a u e n s k u n d g e b u n g" der freisinnigen Verein!- gung gegen den Reichskanzler nicht mitmachen. Natürlich! Diese Fraktion hat nach wie vor ja nur das eine Interesse, den Reichskanzler im Ä m t e zu erhalten. Das Frankfurter„Sonst fällt er" ist das Leitmotiv aller„staats- männischen""lktioncn dieser Spielart von Freisinn! Nie- male hat ein gleich reaktionärer leitender Staatsmann eine gleich devote Schußtriippc aus einem dem Pro- g r a m m nach politisch entgegengesetzten Lager um sich gc- sehen! Unterdes frißt der Wurm Gott sei Dank weiter." Wir empfehlen diese Zeilen auch Herrn Naumann zur auf- »nerksamen Lektüre; vielleicht versteht er dann, warum wir seine Freunde nicht immer schonend behandeln können, und besinnt sich seiner besseren Vergangenheit, wo sein Urteil über die politischen Qualitäten der Fischbrcks von dem unseren nicht allzu sehr vcr- schieden twr. Tin Idyll im Kanzlerpalais. Sie saßen beim Weine und führten heitere Reden. Ihre Wangen röteten sich, ihre Augen funkelten. Ein Gefühl des Wohl- behagen? erfüllte sie. Wie schön ist doch daS Leben— im.intimen Kreise" im ReichSkanzlerpalais! Sie scherzten und lachten, erzählten sich lnstige Witze. Graf S t o l b e r g. der ReichötagSpräsident,„entpuppte sich als ein reizender Plauderer". Erzählte Anekdoten über Bismarck und über Eulenburg. Nach den jüngsten Hardenprozessen wirklich ein reizendes Thema. Ein anderer erzählte von seinen.afrika- nischen Fahrten". Muß auch sehr interessant gewesen fein. Die Wildnis, das Land, wo Menschcnblnt billiger ist als Wasser, die Tropcnglut, die schwarzen Mädchen l... Die animierte Stimmung stieg. Als Plauderer treten sich diese Politiker und Staatsmänner„persönlich näher"— zum Wohle des Vater- landcs., Und der Reichskanzler, mit heiteren Grübchen auf dem freundlichen Gesicht, ergriff das Wort. Doch bevor wir die Rede hören, müssen wir uns die Geste ansehen. Wer den Kanzler des Deutschen Reichs im Parlament gesehen. wie er mit sanften Bewegungen seine Taille massiert, um dann in vollendeter Grazie der Armkrümmung mit einem leisen Zucken des wohlgepflegten Hündchenö die Sozialdemokratie zu zerschmettern, nur der kann sich eine Vorstellung bilden von der Größe und der Energie dieses Geistes, der das deutsche Volk in seine politischen Schlachten führt. Eine Stunde vorher, im Reichstage, war die Rede des Reichskanzlers ein drohender Finger. Nichts als ein großer Allvaterfinger, der sich dräuend aus den Wolke» erhebt— wie nach einer Zeichnung von W. Bus ch. Hier. im Kreise seiner Intimen, in einer Atmosphäre, in der sich der würzige Geruch der seinen Weine mit dem Aroma der Havannas mengte, behaglich zurückgelehnt in seinem Sessel, hatte der Reichs- lanzler sicher nicht die grobe, klotzige Geste von vorher— nein, feine Geste war jovial, leicht, niedlich, beinahe so wie das Füßchen einer Ballerina. Und so en pasbant, mit lächelndem Munde, mit tändelnder Handbetvegung, uiit spielenden Fingen,, die die Kriege en bagatelle behandeln, erzählte der Reichskanzler, wie 1871 Gallifet die Blusenmänner aus dem Volke in Reihen aufstellte, im Vorübergehen bald diesen, bald jenen tippte oder durch einen leichten Fingerdruck bezeichnete und wie diese Gezeichneten dann an die Mauer gestellt und füsiliert wurden!„Ist das eine Kunst? Sicher nicht. Sehen sie, mein« Herren, so wird'S gemacht!*" In. so wird'S gemacht. Hoch der Kanzler I Die Gläser klirrten. die Gesichter glühten.„Der Abend— schreiben die„ H a m- bnrger Nachrichten"— hat entschieden dazu beigetragen, daß die persönlich« Fühlung zwischen den Abgeordneten der Block- Parteien und dem Reichskanzler wärmer geworden ist." Am gleichen Abend saß in den Arbeitervierteln von Berlin mancher hungernde Arbeitslose mit verbundenem Schädel, zer- schundenem Arm und ergab sich ebenfalls seinen Gedanken, das Liebchen vor sich hillpfeifend:»Lieb Vaterland, magst ruhig sein." Sie MarMo-Ivtei'pellatloi» In der franzSillchen Kammer. Paris, 2i. Januar. Di« Regiorung hat vorgebeugt. Sie hat offenbar aus b«n Anzeichen der letzten Tage u. a. aus der angekündigten Anfrage der Radikalsozialisten— geschlossen, daß eine nicht tinerhobliche Strömung der öffentlichen Meinung gegen die Ausdehnung des marokkanischen Abenteuers ist. So hat sie denn noch vor Beginn der kritischen Kammersitzung in der Prcffe mitteilen lassen, es heiße, daß im gestrigen Ministerrat beschlossen worden sei. keine neuen Truppen nach Marokko zu senden und die Aufnahme einer neuen Marokko- Anleihe in keiner Weise zu be- günstigen. In der Kammer waren alle Tribünen stark besucht. I a u r« s als Begründer der sozialistischen Interpellation be> gann seine Rede mit der Aufforderung an die Kammer, Frankreich mutig von dem marokkanischen Abenteuer zu befreien. Frankreich und Abdul Aziz befänden sich einer großen Bewegung in Marokko gegenüber, die AlgeciraSakte aber verpflichte Frankreich nicht, Marokko einen Sultan aufzudrängen, der an Ansehen verloren habe. Die Affäre von Scttat sei eine Warnung. Wenn Frankreich mit Abdul Aziz zusammengehe, werde eS engagiert sein. Der Ministerpräsident, sagte der Redner, macht mir ein Zeichen, daß er Abdul Aziz nicht militärisch unter- stützen will. DaS ist gut, eS scheint auch nicht, alS ob Sie ihn finanziell weiter unterstützen wollen. JauröS wies dann in ironischer Weise auf die Cle- menceau kürzlich von Berichterstattern zugeschriebenen Ideen hin. und warf der Regierung vor, daß sie beiden Sultanen abwechselnd ihre Gunst zuteil werden lasse. Dr. Mauchamp sei ein geheimer offiziöser Unterhändler zwischen dem Ministerium des A e u tz e r n und M u l a y H a f i d gewesen. Er(Redner) besitze Briefe, welche eS beweisen.(Bewegung.) Minister P i ch o n erklärte hierauf, er habe niemals, weder direkt noch indirekt Beziehungen zu Mulay Hafid gehabt. Jaurös gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Regierung weise genug sein werde, absolut neutral zu bleiben und sich darauf zu beschränken, Schiffe in den Häfen zu halten, die die Europäer gemäß der Algecirasakte beschützen sollten. Er erinnerte an die Marokkopolitik DelrasseS; die Algecirasakte habe alücklicheriveise gestattet, diese Politik zu des- avouieren. In den Anordnungen der Regierung träten Widersprüche hervor. Sie habe"beispielsweffe den Obersten de Frötay, der 3 Kilometer vorging, verurteilt, und jetzt den General d' Amade belobt, der 63 Kilometer vonvärtL gegangen fei. Die Einnahme Settats fei ein Wiederaufleben des Marsches nach Marrakesch, der vor der Revolution in Fes geplant war. (Pichon macht ein Zeichen der Verneinung.) Jaurös fährt fort: Wenn Sic die Marokkaner nicht anders an sich fcffcln können, als mit Kanonenkugeln, fo ist das ein Der- dammungSurtcil der Intervention in Marokko, wo Frankreich für die anderen Mächte arbeitet. Cle menceau erklärt in Erwiderung auf eine Bemerkung Jaurös, niemand denke daran, nach Fez zu gehen. I a u r s s antivortet, daß die Ereignisse Frankreich möglicher- weife dazu zwingen könnten. Er verurteilte im weiteren Vcr- laufe feiner Rede jede doppelsinnige Politik in Marokkosowie jede? geheimeAbkommen zwischen Frankreich und Spanien, daS eine Trennung Marokkos bezwecken würde. Als Minister Pichon hierauf mit dem Kopfe schüttelt, erwidert Jaurös, Kopf- schütteln genüge nicht, um die Gefahr doppelsinniger Verträge abzuwenden. Frankreich dürfe nicht aus Eigenliebe im Gleise der in bezug auf Marokko gemachten Fehler bleiben.(Beifall auf der äußersten Linken.) Nach Jaurös ergriff R i b o t das Wort. Im Jahre 1964 habe Jaurös unter der Zustimmung Englands für Frankreich das alleinige Recht in Anspruch genommen, Marokko zu orga- nisieren.(Gelächter.) Die Bestrebungen Jaurös, die darauf hinausliefen, Frankreichs Stellung in Marokko aufzugeben und diejenigen zu verlassen, die Zuflucht auf den französischen Schiffen gesucht hatten, dürften nicht zugelassen werden. Von fanatischen Marokkanern werde schon jetzt behauptet, die Europäer könnten sich von ihren Schiffen nicht entkernen. Er sei auch nicht dafür, nach Fez zu marschieren. Frankreich müsse zeigen, daß eS niemals seine Staatsangehörigen vcr- lassen und daß eS stets die Europäer beschützen werde. Er freue sich über den glücklichen Ausgang des Zwischenfalls an der algerisch-marokkanischen Grenze. Die Lage CasablancaS sei aber weniger gut. Aufklärung sei über den Fall Drude zu fordern. Frankreich sei eS gewesen, das den Sultan nach Rabat geführt habe; er sei der Ansicht, daß von der Regierung auf die Kammer ein Druck dabin ausgeübt werde, daß diese de in Sultan die Unterstützung Frankreichs gewähre.„Wir dürfeu uns nicht weiter engagieren, sondern wir müssen einzig die Franzosen und die übrigen Europäer schützen.— Warum habe Pichon in Madrid nicht El Mokri auf- gehalten. Er hätte ihm nachweisen können, daß seine Mission bezüglich einer Anleihe unnütz sei. Ribot schloß:«Wenn wir Abdul Aziz schützen, dürfen wir ihm kein Unrecht zuftigen. Wenn Marokko zur Zivilisation erwachen wird, muß man eS darin unterstützen, aber nicht gegen seinen Willen. Es wird eine gewisse Größe darin liegen, eine friedliche Politik zu befolgen."(Beifall.) Unter Bewegung des HauscS bestieg dann D e l c a s s 6 die Tribüne. Er führte aus. da Frankreich gegen seinen Willen zur Konferenz von Algeciras geführt worden sei, sei es eine Ehre für Frankreich, seine Politik gemäß der AlgeciraSakte zu befolgen. Warum wurde die legitime Aktion, die wir begonnen hatten, nicht mit Beharr- lichkcit weiter geführt? Es würde Uebertrcibung sein, darin den Eitisluß der Ereignisse in der Mandschurei zu suchen. Deutschland und Rußland hatten von uns eine bcgiinsttgtc Behandlung erfahren. Deutschland hatte von dem französisch- englischen Vertrage drei Wochen vor seiner Unterzeichnung Kenntnis. Die Hegemonie Deutschlands in Europa war bc- droht, alle Nationen, denen die Unabhängig- t'cit EttropaS am Herzen lag. waren um Fraitk reich gruppiert.(Lebhafter Beifall links und im Zentrum.) Tie Konferenz von NlgeciraS, die dann zu- fammentrat, ließ die Möglichkeit eines Krieges voraussehen. Der Krieg wurde Frankreich aber nicht erklärt. Wenn Frankreich sein Recht für sich hat. seine Allianz und seine mächtigen Freundschaften, kann eS Vertrauen zu sich selbst haben.(Tosender Beifall links, im Zentrum und rechts.) Jaurös ruft zur Linken gewandt:„Warum haben Sie ihn dann fallen lassen, wenn Sie ihm heute zujubeln?" Zu Telcasss:„Wollen Sie heraus- fordern? In der Gefahr waren Sie recht klein."(Beifall auf der äußersten Linken.) Dclcassö erwidert:„Sie sind getäuscht worden." B c a u. ehemaliges Mitglied deS Kabinett Rouvicr, ruft Delcassö zu, er solle nicht mit Insinuationen vorgehen, es müsse gesprochen werden.(Anhaltende Bewegung.) Delcassö fährt fort: Frankreich, als die Macht. deren Einfluß überwiegend ist, dürfte keiner anderen Macht erlauben, an seine Stelle zu treten. Frankreich mußte handeln, um Marokko aus der An- a r ch i e zu reißen. Die Mittelmeermächte erkannten durch die geschlossenen-Abkommen an. daß Frankreich dieses Recht zustehe. Auch der deutsche Reichskanzler hatte an- erkannt, daß unsere Aktion allen zugute kommen mußte. Wir teilten dem Sultan den französisch-cnglischen Vertrag sofort nach seinem Abschluß mit. » Paris. 2i. Januar. Telcassö fuhr darauf fort: Ge- legentlich Marokkos von Krieg sprechen, heißt denjenigen eine Beleidigung antun, denen man diesen Gedanken zu- schreibt. Sie haben es im Reichstage erklärt, die Konferenz von Algeciras hat in Marokko einer Einmischung die Tür geöffnet, die sie sorgfältig vermeiden wollte. Ich habe mich zurückgezogen und nichts gesagt, was der Regierung bei ihren Verhandlungen hinderlich sein konnte, und ich habe für die Algecirasakte gestimmt. Für Deutschland wäre es besser gewesen, die Konferenz von Algeciras hätte nicht statt- gefunden. Ohne die Konferenz wäre die glückliche Aendcrung er europäischen Lage nicht so klar in die Erscheinung ge- treten. Unsere Politik der Versöhnung ist also keine Politik der Abenteuer gewesen.(Beifall links und im Zentrum.) Streitfragen mußten ausgetragen werden, damit die Entente der einander nahestehenden Länder nicht gestört werde. Von Petersburg ist die erste Billigung der französisch-englischen Entente ausgegangen. Unsere gesamte Politik wurde als friedlich aneriannt, als sich plötzlich Sachen creigiteten, auf die ich nicht weiter eingehen werde. Franzosen selbst haben versichert, daß der Dreibund friedlich ist.— Delcassö rechtfertigt dann alle von ihm eingeleiteten Annäherungen und schloß: das friedliche Ziel der französifcljen Politik war überall anerkannt worden. Das Netz der Freundschaften Frank- reich? und seiner Alliancen ist seiner Freiheit zu nützlich. clL daß darauf zu verzichten wäre.(Langanhaltendcr Beifall.) Hieraus wurde die Weitcrberatung auf Montag vertont und die Sitzung geschlossen. politische(leberllcht. Berlin, den L4. Januar 1366. Internationale Zuckcrkonventio». Drei internationale Verträge, die sich auf die Brüfsekel Zuckcrkonvcntion beziehen, wurden dem Reichstage zur Genehmigung vorgelegt. Ter eine dehnt die Gültigkeit der Kon- vcntion auf weitere 5 Jahre aus, befreit aber Eng- land von der Verpflichtung, eine ausgleichende Abgabe auf diejenige Zuckereinfuhr aufzuerlegen, die durch eine Ausfuhrprämie des aussührcndcu Staates bc- günftigt ist. Der zweite Verlrag protokolliert den Beitritt Rußlands zu der Konvention. Der dritte, zwischen Deutschland und Rußland, setzt fest, daß tvegcn der russischen Ausfuhrprämie Deutschland berechtigt ist, außer dem Zoll von 18,80 M. pro Doppelzentner noch den Ausgleichszoll von 8,14 Frank pro Doppelzentner zu erheben. Gegen den ersten Vertrag läßt sich geltend machen, daß durch die Möglichkeit für die Engländer, sich anderswo billigeren Prämienzucker zu Ungunsten' des unprämiicrten deutschen Zucker? zu beschaffen, die deutsche Ausfuhr geschädigt werden könne. Da aber die Frage so steht, ob der neue Vertrag auch mit der englischen Klausel angenommen werden soll oder ob wir gar keinen Vertrag bekommen werden, so war man allerseits bereit, den Vertrag anzu- nehmen. Die Agrarier hatten jedoch einen Gesetzentwurf ein- gebracht, der die Z u ck c r st e u e r von l-1 M. auf 10 M. für den Doppelzentner herabsetzen und den eventuellen SteuerauSfall, also den Betrag, der jährlich an einem Gesamtbeträge von 140 Millionen Mark fehlt, durch Anleihen decken ivill. Die Debatte drehte sich wesentlich um diesen Gesetz entwurf, von dessen Annahme die Konservativen ihre Zu- stimmung zu der Konvention. wie Graf Schwerin- Läwitz erklärte, abhängig machen wollen. Mt der Herabsetzung der Steuer ist auch die Sozial- demokratie, wie Genosse S ü d e k u m darlegte, einverstanden und zwar deshalb. weil dadurch eine Hebung des Zucker- koustlms herbeigeführt werden kann. Er machte aber auch darauf aufmerksam, daß die Agrarier durch ihre zollpolitische Verteuerung der Lebensmittel den Arbeitern die Möglichkeit, ihren Zuckerkonsum auszudehnen, sehr beschränkt haben. Unter keinen Umständen könne sich die Sozialdemokratie aber auf den zweiten Absatz des Antrages einlassen. der ein etwaiges Manko des StcucrergcbnisseS durch Anleihe decken wolle. Tatsächlich hat ja die sozialdemokratische Fraktion bereits früher die Aufhebung der Zuckcrsteuer beantragt, und auch die Herabsetzung auf 10 M. hätten die Konservativen erreichen können, wenn sie einem dahin- zielenden Antrage der Sozialdemokratie seinerzeit zugestimmt hätten. Gegenüber dem Abg. W i c m c r, der sich gerühmt hatte, daß die Freisinnige VollSpartei immer für Verbilliguitg des Zuckers eingetreten sei, wies Südekuvi mit Recht darauf hin, daß bei Annahme der Konvention die Frei- sinnige Volkspartei es verschuldet habe,- daß wir den hohen Steuersatz von 14 M. bekamen, anstatt deL Satzes von höchstens 12 oder lO M., der damals durchzusetzen gewesen wäre. Die Vorlage wurde an eine Kommission von 28 Mitgliedern überwiesen. Dann vertagte sich das HauL einen: früher getroffenen Abkommen gemäß bis zum 29. Januar. Die Domäne des JunkerparlainentS. Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte heute zunächst di». zweite Lesung des landwirtschaftlichen Etats. Dabei wurden noch manche recht merkwürdige Wünsche laut. Ein gräflicher Zentrums- Herr verlangte z. B. an der landwirtschaftlichen Hochschule besondere Kurse für aktive Offiziere, damit die Herren Kavallcricofsiziere. wenn sie später das väterliche Majorat erben, in ihren landwiri- schaftlichen Kenntnissen nicht ganz auf den Pferdestall bcschrän!: sind. Schlesische Abgeordnete brachten berechtigte Beschwerden über den mangelnden Schuh Schlesiens gegen die Hochwasser- gefahren vor. Der Landwirtfchaftsminsster entgegnete kühl, daß er davon nichts verstehe, weil es nicht zu seinem Ressort gehöre, und daß der Staat im übrigen ein wohlmeinendes Herz habe, das aber leider von den Gebirgsflüffcn nickst respektiert wird.... Die oft- preußischen Agrarier verlangten neue Mittel zur Scßhaftmachung von Arbeitern die sie an die Scholle fesseln wollen. Hier zeigte sich der Herr Landwirtschaftsminister natürlich weit entgegenkommender. Tie landwirtschaftliche Debatte war nur das Vorspiel zu dem Hauptthema deö TagcS: dem GcstütSetat. Die Junker vertieften sich in ihr altes Lieblingsthema vom Pferde so gründlich, daß die Sitzung bis in die fünfte Nachmittagöstundc hingezogen wurde. Sie wurden nicht müde, die alten Reden über die Notwendigkeit der Förderung der Raltblüterzucht und über die dringliche Reform der Körordnung zu wiederholen, und sie brachten diesem Thema sicherlich weit mehr Verständnis und Interesse entgegen als der Frage der preußischen Wahlrcform. Herr v. Dirkscn, der Reiche- verbändler, Herr v. Saldcrn und all die anderen märkischen und preußischen Junker redeten zum ersten Mole in ihrem Leben über ein Thema, zu dem Anlage und Verstand bei ihnen ausreichen. Morgen stehen kleinere Etats auf der Tagesordnung. Kanaille! Die„Hamburger Nachr." suiben ihren alten Ruf als bösartiges Scharfmackerorgan dadurch aufzufrischen, daß sie nach „Taten" gegen die Sozialdemokratie schreien, worunter sie nach der„Deutschen TageS-Ztg." eine Aenderung der Gesetz-- g e b n n g, also Ausnahmegesetze gegen daS sozialistische Proletariat verstehen. Also Ausnahmegesetze gegen— Entrechtet«, gegen Heloten! Ausnahmegesetze gegen das arbeitende Volk, für daS die Rechte, die die Privilegierten und Besitzenden genießen, ohnehin nicht existieren Weder das gleiche Wahlrecht, noch daS gleiche Rechr auf die Straße! Diese Forderung deS Hamburger ScharfmncherorganS erscheint selbst der„Deutschen TageS-Zeitung" absurd. Mit aller Aelasienheit setzt daS Jnnkerorgan auseinander, daß neue AuSnahinegeseye gegen die Sozialdemokratie„jetzt noch nichc nötig" seien. Die gegenwärtigen behördlichen Befngnisse gcnügten einstweilen, man müsse sie nur„mit aller Entschieden heil und Schärfe" anwenden: „Man muß allenthalben und unter allen Um- ständen darauf verzichte», die Sozialdemokratie als gleich- berechtigte Partei zu behandeln." Also das Organ Knnten-Oertels gesteht zu, daß es überflüssig sei. daS sozialistische Proletariat gesetzlich noch besonders zu ächten. da eS auch ohnehin schon als geächtet, als rechtlos behandelt werde! Da hat das Blatt ganz recht. Aber eben diese Rechtlosiglcit. will sich daS Proletariat nicht länger gefallen lassen! Versucht man eS trotzdem mit den Mitteln der Entrechtnirg und Bxr- gewaltigung: um so schlimmer iür die Vergewaltiger, denn bessere »>W»WWW tverden! umkleiden, indem es schreibt: e ihrem Profit zuliebe als Rebellion" behandeln und die Gr= Agitation fann für die Sozialdemokratie gar nicht geleistet| Reformationsfest nud ihre Fahnenweihe möglichst glanzvoll be deliftes langt sicherlich nicht aus, um die Ausschließung selbst vor gehen und bei Wahlen gegen die Sozialdemokratie stimmen. Es honorigen Patrioten zu begründen. Man wird sich wohl auf die Die Wirkung solcher Mittel scheint das Organ der Brot- 3eugt für die staatsmännische Befähigung Bülows, daß es ihm antipatriotische Gesinnung" im allgemeinen berufen. In Wahrund Fleischwucherer selbst zu fürchten. Macht es doch den Verfuch, selungen ist, selbst diese gemächlichen Leute einigermaßen aufzuheit aber hat gar nicht der Antipatriotismus Hervés, sondern c rütteln und für die preußische Wahlrechtsfrage zu die Gewalt wenigstens mit dem Schein eines gewissen Rechts zu interessieren. Und das hat mit seiner Erklärung der Reichs. haben feine wiederholten kräftigen Angriffe gegen die stapitalistentangler am 10. Januar getan. Der Evangelische Arclique, die den Patriotismus der Marottaner „ Darauf( auf Gleichberechtigung) hat sie keinen Anspruch; beiterbereinsbote" schreibt nämlich: oder sie hat den Anspruch selbst verwirkt, indem sie sich außer halb der Verfassung stellte. Eine Partei, die offen fundig die monarchische Grundlage der Verfassung beseitigen will, die gegebenenfalls bereit ist, den Massenstreit als Kampfmittel anzuwenden, hinter dem zugestandener= maßen die rote Revolution lauert, eine solche Partei hat ein Recht, als gleichberechtigt behandelt zu werden; sie steht außerhalb der Verfassung." Schade, daß diese Argumente gar so abgeschmackt sind. Durch theoretische Bekämpfung der Monarchie stellt sich in einer ton. stitutionellen Monarchie eine Partei ebensowenig außer halb der Verfassung, wie eine monarchische Partei durch theoretische Verfechtung ihres Monarchismus innerhalb der Republit ihrer politischen Gleichberechtigung verluftig geht. Das weiß das Dertel- Organ natürlich auch ganz genau, es stellt sich eben dümmer als es ist. Und zu behaupten, daß hinter dem Waffenstreit die, blutige Revolution" lauere, ist eine ebenso bodenlofe Albernheit, wie die Behauptung des Scharfmachergelichters, die Straßenbemonstrationen hätten irgend etwas mit Gewalttätigkeit zu schaffen! Aber der brutale Hohn und die freche Aufforderung zur Vergewaltigung der rechtlosen Kanaille" find gleichwohl sehr dankenswert! Ein Skandalprozeß. Nach dieser Erklärung weiß man eine ganz genau, nam- oberung Maroffos betreiben, die Wut der juristischen Agenten lich, was die Regierung nicht will. Sie will vor allem nicht der Großbourgeoisie erregt. Die Herren von der Anwaltskammer die Uebertragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen. Ja gingen auch über den Einwand hinweg, daß sie zu einer solchen nicht einmal die Ersetzung des öffentlichen durch das geheime Entscheidung gar nicht kompetent feien. In einem Präzedenz Stimmrecht wird in Aussicht gestellt. Wir müssen gestehen, daß fall ist die Bollversammlung der Advokaten einberufen das öffentliche Wahlverfahren das unheil. bollste ist, das wir uns denten fönnen. Es wirkt in worden.... Der zur Verantwortung Gezogene war der berühmte bielen Fällen geradezu demoralisierend. Wer Linguet, der später mit Camille Desmoulins guillotinierte in unserem Industriebezirk schon einmal öffentlichen Wahlen Verfasser der Memoiren aus der Bastille"! beigewohnt hat, wird das verstehen." Den einen Antimilitaristen hat die Anwaltskammer aus. daß das in Preußen bestehende Wahlrecht Mängel habe, sei aber Justizminister Briand ist, wie heute gemeldet wird, vom Die Regierung, schreibt das Blatt weiter, erkenne givar an, geschlossen; einen anderen hat sie aufgenommen: Der trok längerer eingehender Erwägungen nicht in der Lage, für die Ordensrat zum Pariser Barreau augelaffen worden! laufende Tagung irgend etwas in Aussicht zu stellen: Es wird nur geprüft werden, ob eine Besserung erzielt werden kann unter Buleht gehörte er der Anwaltskammer von Bortoise an. Avistide Briand ist also jest Chef der nationalen Justiz und zugrundelegung der Steuerleistung oder ob auch andere Dinge, wie Alter, Besis, Bildung usw., eine zwcdmäßige Abstufung er Mitglied des Pariser patriotischen Barreaus. Die Pariser Gemöglichen. Das heißt: man ist sich noch nicht klar, ob das plutofchworenen aber haben heute einen jungen Schuhmacher zu sechs ratische System beibehalten oder durch ein Plural- Monaten Gefängnis verurteilt, weil er antimilitaristische stem erfest werden soll. Die Arbeiterschaft wird Bettelchen an die Mauern geklebt hatte. Der Inhalt dieser an dieser Erklärung feine Freude haben." Bettelchen bestand aus Zitaten verschiedener berühmter Autoren: Rousseau, Anatole France und Aristide Briand! Wie launisch sind doch die Ratschlüsse des Schicksals.... launisch sind doch die Ratschlüsse des Schicksals.... Rußland. Zum Schluß erinnert bas Blatt an den auf dem christlich nationalen Arbeiterfongreß in Berlin von süddeutscher Seite ein gebrachten Antrag, fich für die Einführung des Reichstagswahl. rechts in alle Bundesstaaten auszusprechen. Der Antrag sei zwar aus Klugheitsrücksichten( 1) nicht verhandelt worden...» wer aber Augen und Ohren hatte, fonnte sich der Ertenntnis nicht verschließen, daß er jo gut wie eintimmig angenommen worden wäre." Ein Standalprozeß ersten Ranges spielt zurzeit bor ber Stuttgarter Straffammer. Der Staatsrat und Präsident der Generaldirektion der Württembergischen Eisenbahnen, Exzellenz Ein Soldatenschinder schlimmster Sorte stand dieser Tage in b. Balz, seit wenigen Tagen außer Dienst, wurde von der Person des Feldwebel Hans Mielte von der 8. Kompagnie des cinem Regierungsbaumeister Wilh. J. Hoffmann beschuldigt, Grenadierregiments Nr. 4 vor dem Striegsgericht der II. Division feine Stellung als Präsident der Generaldirektion der Württem- zu Insterburg. Nicht weniger als 280 alle von Soldatenbergischen Staatsbahnen mißbraucht zu haben, um sich an der mißhandlungen sowie eine Reihe anderer Vergehen wurde ihm zur Daimler Motorwagen Attiengesellschaft in Laft gelegt. Dreißig Zeugen und eine Anzahl Aussagen tomUntertürkheim bei Stuttgart zu bereichern. missarisch vernommener Zeugen belasteten den Feldwebel. Hoffmann ist der Schwiegersohn des verstorbenen Kommerzien- Refrutenerziehung durch Chrfeigen, Stöße mit dem senie in den Aus der Verhandlung ging hervor, daß der Angeklagte seine rats Daimler. Balz war bis vor kurzem Aktionär der Gesellschaft. Unterleib ber Untergebenen, Würgen am Halse, Schläge mit dem Im Jahre 1902 geriet das Unternehmen in Schwierigkeiten. Es Seitengewehr und sonstige rohe Mißhandlungen zu bekräftigen mußten für 1 Million Mark neuer Aftien herausgegeben werden. pflegte. Ferner hat er seine Befehlsgewalt mißbraucht, indem er Bei der Beschaffung dieses Kapitals soll v. Bala hervorragend tätig seine Untergebenen zu vorschriftswidrigen Arbeiten givang. Einen gewesen sein, zum Schaden anderer Attionäre. So behauptet Hoff- borgesetzten Offizier hatte er beleidigt und einem Fähnrich Stöße mann. Strafanzeigen, die er dieserhalb an die Staatsanwaltschaft in das Genid angeboten. Dabei huldigte er stark dem Alkohol. richtete, wurden als unbegründet abgewiesen. Hoffmann verfaßte Gines Morgens lonnte die ganze Stompagnie wegen Trunkenheit ihres Feldwebels nicht zur Uebung ausrüden. Selbst der Ver. daraufhin eine Beschwerdeschrift an das Justizministerium, die er treter der Anflage bezeichnete das Verhalten des Feldwebels als vervielfältigen ließ und Herrn v. Balz, höheren Beamten und Schinderei. Abgeordneten gleichfalls aufchickte. Auf Antrag des Präsidenten v. Balz veranlaßte das Ministerium des Auswärtigen, Monaten Gefängnis. Abteilung für die Verkehrsanstalten, bic Gr. hebung der öffentlichen Anklage wegen Beleidigung gegen Hoffmann. Exzellenz v. Balz galt lange Jahre als zukünftiger Minister des Auswärtigen. Er ist Landtagsabgeordneter für das Oberamt Bradenheim, und zählt zur nationalliberalen Fraktion. Das Zentrum wollte ihn nach der letzten Wahl zum Präsidenten des Landtags machen, damit der Sitz den Wolfsparteilern nicht aufalle. die dunkle Affäre. Finanznöte. Das Kriegsgericht verurteilte ihn zu neun Reichstagserfahwahl in Pleß- Rybnik. Bolksparteiler gegen die Blockpolitik. Die Regierung sucht neue Konflikte! Petersburg, 24. Januar.( Russ. Korr.) Der Hof und seine Umgebung machen die rüdsichtslosesten Anstrengungen, um jebe Oppofition gegen bie Marinevorlage zu unterbrüden. In der vorletten Sißung der Finanzkommission des Reichsrats, die das Budget des Marineministeriums beraten sollte, erschien unerwartet der Präsident des Reichsrats Atisoff und machte die Mitglieder der Kommission darauf aufmerksam, daß nach§ 14 bes Grundgesetzes der Kaiser Oberbefehlshaber aller Wehrkräfte sci, Opposition gegen die Marinevorlage richte sich gegen die Kombaher sei iebe Kritik der Vorlage mehr oder weniger nuglos. Eine mandogewalt des 3aren! Dieses Auftreten des Präsidenten des Reichsrats wirfte auf alle Kommissionsmitglieder sehr niederschmetternd. Die Kom mission des Reichsrats unterbrach ihre Besprechungen des Budgets, um abzuwarten, wie die Duma sich zu der Vorlage stellen würde. Es verlautet, daß das Kabinett Stolypin nicht mit vollem Herzen für die unsinnige Milliardenvorlage eintrete, so geht bas Gerücht, daß Stolypin bald zurücktreten werde. Der 22. Jannar in Petersburg. aus, obwohl die Delegierten der größten Privatwerke darauf bestanden einen eintägigen Streit au proflamieren. Der dritte Jahrestag des Blutsonntags in Petersburg ist stil und flanglos berlaufen. Die organisierte Arbeiterschaft Peters burgs fah diesmal von öffentlichen Kundgebungen ab und beschloß Blek, 24. Januar.( Amtliche Meldung.) Bei der gestern statt- zur Feier dieses Tages den Arbeitslohn zugunsten der Arbeitlosen gehabten Reichstags- Erfahwahl im Wahlkreise Pleß- Rybnik er und politischen Gefangenen zu spenden. Das Petersburger Kohielten Erbpring Bittor von Ratibor- Rauden( Reichspartei) 5038 mitee der sozialdemokratischen Partei sprach sich in diesem Sinne Stimmen, Boidol, Pfarrer in Radlin( Zentrum) 2952 Stimmen, aus, und die bedeutendsten Fabriken fchloffen sich dieser Aufforde Wayda, Pfarrer in Steltsch( Pole) 14 018 Stimmen und Danisch, rung an. So beschloffen die Arbeiter in fast allen Textilfabriken, Bergmann in Birtultau( Sozialdemokrat) 808 Stimmen. bie Hälfte des Arbeitslohnes den Arbeitslosen und die andere Acht Wahlbezirke stehen noch aus. Die Wahl Wahdas ist gesichert. Die Nationalliberalen gingen aber auf den Handel nicht ein. Der Kreis gehörte den Polen und ist den Polen verblieben. Hälfte den verurteilten Mitgliedern der sozialdemokratischen Der Prozeß hat am Montag begonnen. Vorläufig hat Pra- Bei der Wahl im Januar 1907 war das Glimmenberhältnis: Bolen Fraktion der zweiten Duma abzutreten. In ähnlichem Sinne sprach sident v Balz seinen Abschied erhalten. Wie in den Blättern 20 038, Neidspartei 6992, Zentrum 8205, Sozialdemokraten 347.fich die Delegiertenversammlung der bedeutendsten Metallwerke behauptet wurde, sollte das endgültige Ausscheiden des Präsidenten crst am 1. April erfolgen. Vor wenigen Tagen habe ihn aber ein Brief, den er während einer Sizung erhielt, veranlaßt, die Sibung Die blodfreifinnigen Organe schweigen die liberalen Wahl. Die Regierung ließ sich selbstverständlich die Gelegenheit nicht aufzuheben und sich sofort von seinen Beamten zu verabschieden. rechtsfundgebungen entweder tot, oder suchen fie als Sege einiger entgehen, ihre Feigheit und Schwachheit vor aller Welt zu deEine Biertelstunde später sei bereits der Nachfolger auf der Sozialliberaler zu verkleinern. Aber das hindert nicht, daß auch monstrieren. Am 20. Januar versandte der Minister des Innern Direktion erschienen und habe die Geschäfte übernommen. Auf die Wähler der freisinnigen Volkspartei immer schärfer gegen die eine telegraphische Instruktion an alle Gouverneure, am 22. Januar jeden Fall ist das Ausscheiben des Herrn v. Bals unter sehr eigen. Verräterei der Führer Front machen. Dies beweist der erregte teinerlei Versammlungen und Demonstrationen zuzulassen. Trotz artigen Umständen erfolgt. Vielleicht bringt der Prozeß Licht in Richter am Dienstag in ben Sophiensälen abgehaltenen Ver- Kriegs- und Belagerungszustand sahen sich die Herrschenden also, Berlauf einer vom fortschrittlichen Jugendberein Gugen sammlung. Schon die Ausführungen der beiden Referenten des getrieben von ihrem bösen Gewissen, veranlaßt, spezielle Sicher Abends, des Herrn Reichstagsabgeordneten Prof. Stengel und beits"-Maßnahmen zu treffen, um ihrerseits durch Polizei und des ehemaligen Abgeordneten Lehrer Merten wurden durch erregte Militäraufgebot für den Jahrestag der russischen Revolution su Die Blodparteien werben jetzt von der Regierung bearbeitet, Bwischenrufe wiederholt unterbrochen. Die weitere Diskussion demonstrieren. bie die neuen Steuern endlich in Sicherheit bringen möchte. Leßten führte zu einer vernichtenden Abrechnung mit den Freifinnshelden Dienstag, am Tage der Wahlrechtsdebatte, fand nach einer Mel- durch die anwesenden wirklich demokratischen Elemente. Besonders dung der Hamburger Nachrichten" eine Besprechung des Staats. wirkungsvoll gestalteten sich die Ausführungen des Herrn ö. Troßdem Rußland dem Weltpoftverein schon seit längerer felvetärs Freiherrn v. Stengel und des Finanzministers Freiherrn wel er, der bei der letzten Wahl im Wahlkreis Stralsund für Beit angehört, wird das Briefgeheimnis im heiligen Rußland b. Rheinbaben mit mehreren Abgeordneten über die Frage der Geren Stengel agitatorisch tätig war, und der ihm jest aurief: abfolut nicht gewahrt! Um nun aber wenigstens nach außen hin Reichsfinanzreform statt. Anwesend waren Vertreter aller Blod. Es tut mir in der Seele weh, daß ich Dich in dieser Gesellschaft feb. zu zeigen, daß die russische Postbehörde die Berbesserung des Brief In Besonderen wurde parteien, auch die Freifinnigen Wiemer, Dove und Bachnide. Der Straßendemonstrationen anerkannt, die geeignet und Reichsschapsekretär gab nach dem Hamburger Blatt eine troftlose berufen feien, ber noch schlafenden Bevölkerung die Wichtigkeit Uebersicht unserer Finanslage und regte den Gedanken an, unter bes jetzt begonnenen Kampfes zum Belvußtsein zu bringen. Samt anderem die Matrikularbeiträge der Einzelstaaten auf den Stopf liche weiteren Redner waren in der Verurteilung des Fraktionsvon vierzig Pfennig auf achtzig Pfennig zu erhöhen. Für Preußen freisinns einig, so daß der mittlerweile erschienene unvermeidliche gab der Finanzminister Freiherr v. Rheinbaben die Zustimmung, Serr Rosenowo nicht genug Worte der Entrüstung über diese obwohl er noch nicht wisse, durch welche Steuererhöhung diese er- Rebellion im Herzen des eigenen Sagers finden konnte. Gr und höhten Matrikularbeiträge eingebracht werden könnten. Andere Borstand baten in beweglicher Weise Herrn Höweler feine in Vorschläge bezogen sich auf die Erbschaftssteuer, die die Einzel. In dieser Resolution wird die Erklärung der preußischen Regierung staaten zum größten Teile dem Reiche abtreten sollten. Das Reich als eine herausfordernde Beleidigung des preu soll auch in den Fällen Intestaterbe werden, wo fein Testament voc- Bifchen Woltes gebrandmarkt und bas durchaus liegt und nahe Verwandte des Grblassers nicht vorhanden sind. Die Besprechung war unverbindlich; doch wurden die Grundlagen für eine neue berartige Konferenz zwischen den beiden Ministern und den Abgeordneten, in der endgültige Vorschläge gemacht werben follen, vereinbart. Ob wirklich die Erbschaftssteuer ausgestaltet werden soll, it uns bei dem Widerstand der Konservativen noch sehr fraglich. Dagegen scheint der Plan der famosen Beredelung" der Matrikular beiträge fallen gelaffen zu sein. Die Frankfurter Beitung" meint dagegen, daß höchstens das Branntweinmonopol und die Zigarrenbanderolsteuer vor den Reichstag gelangen werden, aber kaum Aussichten hätten, angenommen zu werden. Eine umfassende Reform stände nicht zu erwarten. Wahrscheinlich werde daher die Finanzreform überhaupt vertagt werden. Wir meinen allerdings, daß dies bei dem Riesendefizit seine Schwierigfeiten haben wird, aber es paßt in die dilettantische Politik des Fürsten Bülow fehr gut, wenn Bülow die Finanzen des Reichs, um seinem Blod jebe Belastungsprobe zu ersparen, vollends in Unordnung bringen würde. In Wirklichkeit trägt nur die preußische und sächsische Regierung die Verantwortung, die hartnädig dem Reichstag das einzige Mittel verweigern, das die Reichsfinanzen fanieren könnte, nämlich die Einführung direkter Steuern. der Postalische Zustände. berkehrs mit dem Ausland erstrebt, werden von der ruffischen Postverwaltung von Zeit zu Zeit Birkulare erlassen, in denen die übereifrigen russischen Postbeamten u. a. darauf aufmerksam gemacht werden, daß nicht alle vom Auslande kommenden Postsendungen geöffnet zu werden brauchen! Wenn die Tatsache, daß die Verlegung des Briefgeheimnisses in Rußland gang und gäbe ist, schon von Privaten auch in Deutschland mit gemischten Gefühlen aufgenommen wird, so dürften ce der deutschen Geschäftswelt, bie mit der russischen in Verkehr steht, um so peinlicher sein, zu erfahren, in welch standalöfer Weise die vom Auslande kommenden Bostsendungen in Rußland Inzulängliche in der Antwort der Abgeorb behandelt werden: daß Drucksachen felten ihren Bestimmungsort neten ischbeck und Pachnide bedauert; bie freis erreichen, wenn sie in Maffen aufgeliefert werden, ist aus nahcfinnigen Parteien werden aufgefordert, angesichts diefer Brüs liegenden Gründen verständlich, da man doch nicht alle Drucksachen fierung speziell der freisinnigen Barteien die entsprechenden prüfen, andererseits aber das Zirkulieren von Flugblättern in Konsequenzen durch sofortigen Austritt aus dem Bülow Blod und Wiederaufnahme der aller. Rußland nicht dulden, nicht zuletzt auch den von Rußland für Druckcharfften Opposition gegen das herrschende ergreat fachen erhobenen 30ll nicht entbehren kann. Dies betrifft jedoch tionäre Regime zu ziehen. Schließlich wird erwartet, daß nicht allein die üblichen, also in unverschlossenen Stuverts gesandten der Wahlrechts- Agitationsausschuß durch außerparlamentarische, Drudfachen. Ist doch fürzlich offisiell erklärt worden, echt demokratische Elemente ergänzt wird. daß Prospekte selbst in geschlossenen Stuberts von der WeiterNur durch eine eigentümliche Geschäftsführung gelang es, beförderung in Rußland ausgeschlossen find! Das schwarze Sta diese Resolution nicht zur Abstimmung zu bringen und die vom binett tann sich eben jetzt nicht noch größere Arbeit aufbürden. mit ſchr Vorstand eingelaufene Resolution zur Annahme weifelhafter Majorität zu verhelfen. Frankreich. Drei Antimilitaristen. Man darf nun nicht etwa glauben, daß alle vom Auslande tommenden Bostsendungen, nachdem sie von den russischen Beamten forgfältig untersucht sind und ihr Inhalt als nicht staatsgefährlich fonstatiert ist, schleunigst weiterbefördert werden. Die Nuffen haben ein einfaches Verfahren: fic werfen die Bostsendungen einParis, 22. Januar.( Eig. Ber.) fach fort, beziehungsweise bertaufen sie mit den Pa. Die Pariser Anwaltskammer hat gestern Gustav Hervé aus- pierabfällen!! So ist von dem Direktor einer Moskauer geschlossen und damit ihren alten Blan ausgeführt, den des Anti- Bapierfabrik offiziell erklärt worden, daß sich in den von ihm von patriotismus und Antimilitarismus Schulbigen nicht sein Brot der Post seit Jahren bezogenen Papierabfällen Briefe, Post. reblich in einem Beruf erwerben au lassen, in welchem so viele tarten, Regierungssachen, Dokumente, ja Geld. zweifelhafte Profitmacher Reichtümer einheimſen. Schon als und verschiedene Wertsendungen in jedem often Hervé, nach seiner Entlassung aus dem Lehramt, in raschem vorfinden! Es würde zu weit führen, all die in seine Hände ge= Studium die Berechtigung zur Anwaltschaft erworben hatte, ver- langten Boftsendungen aufzuzählen, die der Herr Direktor unter Evangelische Arbeiter zur preußischen Wahlrechtsfrage. fuchten seine neuen Kollegen", ihn zur Pariser Anwaltskammer Angabe des Datums und des betreffenden InIm allgemeinen führen die evangelischen Arbeiter nicht zuzulassen. Der Barlamentsbeschluß von 1906 über die halts anführt. Die deutschen Leser dürften aber folgende Stich bereine ein recht stilles Dasein wenigstens was die Anteil- Amnestie verhinderte sie daran, diesen Entschluß durchzuseßen. proben intereffieren: Unter den Bapierabfällen befand sich ein rahme am politischen und sozialpolitischen Leben betrifft. Gie stehen fast sämtlich unter geistlicher Leitung, ihre Vorstände sezen Seither ist nicht das geringste vorgefallen, was das Disziplinar Postpaket mit einer goldenen Damenuhr aus Königsberg i. Pr., fich aus Beamten, Lehrern, Unternehmern usw. zusammen, bürger- berfahren gegen Hervé rechtfertigen tönnte. Der Ordensrat gab abreffiert nach Kirsanow, Gouvernement Tamboff! Muster von liche Parteiinteressen sind bestimmend für ihre Saltung und fich auch gar nicht die Mühe, in seiner Vorladung bestimmte Tate Messern und Scheren aus Solingen! Ein Batet mit Bankfie erfüllen ihre Aufgabe, wenn sie Kaisers Geburtstag, das fachen anzuführen. Die neuliche Berurteilung wegen eines Breßanweisung an eine Firma in Moskau auf airta 3000 m.! ufw. Wenn folche Angaben nicht offiziell widerlegt werden konnten der russische Postdirektor entschuldigt sich jetzt nur damit, daß viel zu tun fei und deshalb solche kleinen Vorfälle unvermeidlich sind wie mag's in voller Wirklichkeit mit diesen Zuständen beschaffen sein?- Den deutschen Interessenten aber fann nicht genug empfohlen werden, ihre Postsendungen nach Rußland, soweit es möglich ist, nur eingeschrieben zu expedieren. Amerika. " Im Senat zu Washington steht eine Vorlage zur Beratung, die fich mit dem viel erörterten Problem beschäftigt, wie die Vereinigten Staaten am besten für ihre Erpräsidenten sorgen fönnen, damit die wertvollen Dienste dieser großen Männer" der Nation nicht verloren gehen. Gegenwärtig lebt nur ein Erpräsident, nämlich Grover Cleveland, der ein beschauliches Dasein führt und sein Hauptinteresse dem Angelsport zugewendet hat. Da nun aber der„ berühmte" Roofe belt nächstens ein Er" wird, so ist die Lösung der Frage für alle Patrioten brennend geworden. Dazu hat Cleveland als der berufenfte einen sehr beifällig aufgenommenen Vorschlag gemacht, dem durch die Senatsvorlage Ausdruck gegeben wird. Die ErPräsidenten sollen Delegierte zur Haager Konferenz und zu allen panamerikanischen Kongressen jein und mit bier Auserwählten, die der Präfident ernennt, eine Art Friedenshof bilden. Sie erhalten 10 000 Dollar jährlich auf Lebenszeit nebst reichlicher Kostenvergütung im Amte sowie befoldete Sekretäre. Der Kongres soll für diesen Zwed sofort 150 000 Dollar bewilligen. Ob dem tatendurstigen Roosevelt das stille Amt als Friedensonlel genügen wird? 1320 Rußlands Finanzlage. Herr Profeffor Silbergleit, der Direktor des worden in Verbindung mit denjenigen Meistern, welche die Forde statistischen Amtes der Stadt Berlin, maßt sich zwar eine An- rungen des Verbandes anerkennen und deshalb im Gegensatz zu erkenntnis oder Aberkennung des Notstandes nicht ohne den Innungen stehen. Der paritätische Arbeitsnachweis hat im weiteres an, aber ihm genügen anscheinend die Nachweise Berichtsjahre 2943 feſte und 4508 Aushülfsstellen besetzt. Im Jahre nicht völlig: 1905 wurden nur 1991 Aushilfsstellen besetzt. Die starke Zunahme " Die Frage, wieviel Arbeitslose es in Berlin gibt, ist schwer wird der durch den Verband errungenen Gewährung eines freien zu entscheiden und wohl kaum mit genauen Zahlenangaben zu daß die Meisterschaft anfängt, sich an eine bestimmt begrenzte Tages zugeschrieben, sie wird aber auch als Beweis dafür angesehen, beantworten. Man wird dabei zu berücksichtigen haben, ob die Betreffenden nicht arbeiten wollen oder nicht arbeiten Arbeitszeit ihrer Gesellen zu gewöhnen und an Sonnabenden und können. Ferner wird man sich fragen müssen, ob die icht Sonntagen, wo mehr Arbeit als sonst zu leisten ist, Aushülfskräfte ohne Arbeit Dastehenden erst in Berlin arbeitslos geworden sind war. Die Zahl der beseyten festen Arbeiten ist seit 1905 fast um einzustellen, was vor wenigen Jahren noch eine große Seltenheit oder aus anderen Städten zuwanderten in der Hoffnung, in das Doppelte gestiegen, auch die Löhne find seitdem in die Höhe ge Berlin Arbeit zu finden. Soviel läßt sich aber sagen, daß nach gangen und zwar bei den Ofenarbeitern von durchschnittlich 26,73 M. der Mitgliederzahl bei den Krankenkassen der Umfang der ge- auf 29,21 M., bei den Knetern von 24,99 M. auf 26,43 M., bei den werblichen Beschäftigung nicht nachgelassen hat. Das schließt dritten Gefellen von 22,22 M. auf 23,54 M. Der Bericht fagt, es freilich nicht aus, daß augenblicklich ein Teil der arbeitenden sei anzunehmen, daß die Löhne in fast allen Bäckereien Berlins und Bevölkerungsklassen arbeitslos ist." Rusland. Diese Antwort klingt wissenschaftlich, ist es aber nicht. der Vororte in derselben Weise gestiegen find. Zunächst fann sie der Herr Professor nur gegeben haben auf Grund peralteten Materials. Im Dezember 1907 Der Ausstand der Schiffsarbeiter an der Südwestküste Eughaben die Krankenkassen einen Rückgang des Mitglieder- lands ist stetig im Zunehmen begriffen. Zurzeit streifen 6000 Arbestandes gegen das Vorjahr von mehr als 32 000 zu ver- beiter, Ende der Woche werden es 10 000 feir und in furzer Zeit zeichnen! Diese Zahl gibt auch gleich eine Antwort auf die werden 45 000 Arbeiter ihre Tätigkeit eingestellt haben. Die Argeschmackvolle Verdächtigung durch den gebildeten Herrn beitgeber erklären es für unmöglich, ihren Beschluß, die Löhne herabzusehen, aufzuheben, da es ihnen angeblich an Bestellungen Professor, daß man nicht wissen tönne, ob die Arbeitslosen fehlt. Die Lage der Arbeiter ist insofern günstig, als sie von der nicht arbeiten wollen oder nicht arbeiten können. Diese Trade Union unterstützt werden, und diese über große Kapitalien 32 000 haben nämlich im Vorjahre gearbeitet, sie haben verfügt. bewiesen, daß sie arbeiten wollen! In dieser Ziffer hat der Herr Profeffor aber auch die Antwort auf die weitere Frage, ob die Leute in Berlin arbeitslos geworden oder zu gewandert sind( für den hungrigen Magen übrigens gleichgültig!). Diese 32 000 find in Berlin arbeitslos geworden! In Goldfield im Staate Nevada, Nordamerita, sind die Bundestruppen, die Präsident Roosevelt gegen die streikenden Bergarbeiter aufgeboten hatte, erst mitte Januar zurüdgezogen worden. Der Das Jahr 1907 ist in finanzieller Hinsicht als ein für Rußland Streit begann am 28. November vorigen Jahres. recht ungünstiges zu bezeichnen. Dem scheint zwar der Umstand zu Truppen gebraucht werden sollten, darüber gibt der amtliche Bericht Wozu die widersprechen, daß die tatsächlichen Einnahmen des Reiches mit der Untersuchungskommission Auskunft. Es heißt darin: cinem Mehr von 145 Millionen Rubel gegenüber dem Voranschlage Der dritte Arbeiterfreund im Berl. Tagebl." ist der be-„ Das Verhalten der Bergwerksbesizer berechtigt zu der An abschlossen; man darf sich jedoch dadurch nicht blenden lassen, denn fannte Dr. Freund, dessen Freundlichkeit gegen die Ar- nahme, daß sie sich zur Herabsehung der Löhne und zur Ablehnung die Gewohnheit der russischen Finanzgenies, die Einnahmen ab- beiterschaft in dem Augenblick verpufft ist, als er zu der Ein- der Anstellung von Mitgliedern der Western Federation of Miners sichtlich niedrig anzuschlagen, ist ja bekannt. Weit wichtiger ist sicht kam, daß er die Massen nicht von der Sozialdemokratie( der Gewerkschaft der Bergleute) entschlossen hatten, aber sich aber die Lage des russischen Kredits, denn der Kredit ist ja hinwegzuschmeicheln vermöchte. 30 000 Arbeitslose gesteht Bundestruppen genießen würden, und daß fie infolgedessen den scheuten, dieses Verfahren einzuschlagen, bis sie den Schutz von nichts weiter als der Ausdruck des Vertrauensgrades zur gegen- uns Herr Dr. Freund zu, nur meint er, daß deswegen Blan gefagt haben, sich solche Truppen zu verschaffen und dann wärtigen und in hohem Maße auch zur fünftigen Lage der Finanzen fein Grund zur Beunruhigung vorläge. Die Angabe des mit der Ausführung ihres Programms vorzugehen." und der gesamten Volkswirtschaft eines Landes. Mit dem russischen Vorwärts", daß 50-60 000 Arbeitslose vorhanden sind, Nachdem die Truppen eingetroffen waren, veröffentlichten die Kredit nun sieht es ganz berzweifelt aus. Wäre die Finanzlage erklärt er für übertrieben und führt dagegen an: Berlin Bergwerksbefizer eine Erklärung, worin sie die Absicht zu erkennen wirklich so glänzend, wie es die 145 Millionen Rubel Mehr- habe 30 000 Rentenempfänger; diese werden bei Arbeits- gaben, die Löhne der Bergleute von 5 Dollar auf 4 Dollar per Tag einnahmen zu beweisen scheinen, so brauchte die Regierung nicht angebot von den Kräftigeren, Gefünderen aus der Arbeit ge- herabzusehen und keine Bergleute mehr zu beschäftigen, welche der fo trampfhaft nach Anleihemöglichkeiten zu suchen; und stünde ihr drängt, und diese würden alle in den Listen mit als arbeits- union angehören. Der Bericht fährt dann fort:" Diese Heravgenügender Kredit offen, dann würde sie nicht auf solche absurden los geführt. Herr Dr. Freund macht dieselben Einwände, fegung der Löhne und Weigerung der weiteren Beschäftigung vou Gedanken verfallen, wie wir sie z. B. in der offiziellen Roffija" wie bei der Arbeitslosenzählung von 1902. Er hat noch nach der Ankunft der Truppen bekannt gegeben, aber alle Anzeichen Mitgliedern der Western Federation of Miners wurde zwar erst zu lesen bekommen. In einem von der Redaktion dieses Blattes immer nicht begriffen, daß die Rentenempfänger, abgesehen bestärken in der Annahme, daß ein solches Vorgehen schon vor der nicht etwa als private Meinungsäußerung bezeichneten Artikel von den ganz alten Leuten, von 16-20 m. monatlicher Ankunft der Truppen geplant war und einen Teil des allgemeinen macht ein gewisser R. Golowin, der von der rechten Presse als Rente nicht leben können, sondern noch Gelegenheitsarbeit Blanes der Bergwerksbefizer bildete, sich von der Union unabFinanzgenie gefeiert wird, den Vorschlag, die staatlichen Bergwerke, verrichten müssen. hängig zu machen, und daß sie auf die Herbeiziehung der Truppen Naphthaquellen und Eisenbahnen zu veräußern! Ein öffentrechneten und sich darum bemühten, um ihren Plán ausführbar zu liches Geheimnis ist es auch, daß die vielbesprochene ruffischmachen." französische Gesellschaft mit zwei gewesenen Finanzministern, " Roubier und Wyschnegradsky, an der Spitze mit ihrem Projekte, gewerblichen Arbeitslosen, fo müßte er felbft zu einer Letzte Nachrichten und Depefchen. 9 Also auch hier ein Trugschluß! Seine Angaben über die Rückgangsziffern der Krankenfaffen von 1906 fönnen als maßgebend nicht bezeichnet werden, weil sie unvollständig sind. Die Antwort der Wähler! Rechnet er nun von diesen 30 000 Rentenempfängern 15 000 als zurzeit arbeitslos, wie er es in der Nr. 42 des Berl. Tagebl." tut, zu den von ihm nicht bestrittenen 30 000 der Regierung eine Anleihe unter Verpfändung der Betriebsmittel 3iffer gelangen, die der im Vorwärts" angegebenen sehr der russischen Eisenbahnen zu gewähren, an entsprechender Stelle nahe kommt. Jedenfalls werden aber Rentenbeinahe durchgedrungen wäre. Bekannt ist ferner der immer noch empfänger grundsäßlich nicht in den Listen Erlangen, 24. Januar.( B. H.) Der nationalfoziale nicht aufgegebene Plan: einer amerikanischen Kompagnie den Bau der Gewerkschaften als gewerblich arbeits- Verein, Ortsgruppe des Wahlvereins der Liberalen, faßte in einer einer ostsibirischen Bahn und die Ausbeutung weiter Streden los geführt! Versammlung folgende Resolution: Der Verein bedauert aufs Sibiriens zu übertragen für das hübsche runde Sümmchen von Dann führt er weiter als Beweis an, daß im Dezember tieffte die schwächliche Haltung der freifinnigen Bereinigung gegeneinigen hundert Millionen jährlich. Mit Recht höhnen die russischen 1907 nur 7000 Marfen weniger in der Landesversicherungsüber dem Reichskanzler, der durch seine Wahlrechtserklärung im oppofitionellen Zeitungen, daß diese Vorschläge auf einen Aus. anstalt Berlin geklebt worden sind. Diese Annahme ist gar preußischen Abgeordnetenhause jeglichen demokratischen Liberalisbertauf des russischen Reiches" hinauslaufen. Das Auftauchen fein Beweis. Bekanntlich leben viele kleine Meister die mus aufs schärfste provoziert hat. Die Erlanger Ortsgruppe erfolcher Pläne in offiziellen Organen aber beweift am besten, wie Starten nur in längeren Zwischenräumen, vielfach auch erst wartet, daß die Fraktion der freisinnigen Vereinigung sich unvertief erschüttert der russische Kredit in Wirklichkeit ist. Daß aber fura border Entlassung. Es kann als sicher gelten, süglich von der sie schwer kompromittierenden Blodpolitik losfage diese Erschütterung, dieses Mißtrauen zur finanziellen Stabilität daß im Dezember bei den vielen Entlassungen außer und daß der Parteivorstand in allernächster Zeit einen außerdes Reiches ein Resultat der gesamten inneren Zustände Rußlands ordentlich viel Marken verwandt sind. Niemand ordentlichen Delegiertentag einberufe, damit die Fraktion die ist, das ist für jeden Einsichtigen flar. Sehr deutlich läßt sich weiß besser, als Herr Dr. Freund, wie äußerst mangel- Stimmung der Organisation im ganzen Reiche kennen lernt, mit dieser Zusammenhang an dem Kurs der russischen Papiere während haft geklebt wird. denen fie im Zeichen des Blocks die Fühlung anscheinend völlig der letzten Jahre verfolgen, deren Kursschwankungen mit den verloren hat. Der Erlanger Verein erklärt, daß seine Sympathien innerpolitischen Verhältnissen stets gleichen Schritt halten. So der demokratischen Richtung der Führer Barth, Gerlach, Breitscheid stehen denn auch jetzt die russischen Papiere niedriger als fogar angehören. Außerdem wurde beschlossen, einen sofort einzubenach dem Frieden von Portsmouth, nach der militärischen Debacle rufenden baherischen nationalsozialen Delegiertentag zu bean. Rußlands. Dieser Umstand beweist, wie tief eingewurzelt- und Zum Schluß sagt er dann, daß man es jegt im wesent- tragen, auf dem der Landesverband Stellung nehmen soll zur poli mit vollem Recht das Mißtrauen zur Ruhe" ist, die Herrlichen mit der Nachwirkung der im Vorjahr stattgehabten tischen Saltung des Reichstagsabgeordneten Dr. Naumann. Stolypin hergestellt zu haben glaubt. umfangreichen Lohnbewegungen im Holz- und Baugewerbe Für die Zukunft sind nun aber keinerlei Anzeichen vorhanden, zu tun hat. Eine sehr bequeme Manier, die Schuld des kapitalidaß die Sache besser wird: Der Etat für 1908 schließt mit einem Defizit von 180 Millionen Rubel! Mit eiserner Fauft pocht die stischen Systems auf die Arbeiter abzuschieben! Herr Dr. Hungersnot an den Türen der Bauern. Eine dumpfe revolutio- Freund weiß nichts von der Geldkrise, nichts von der näre Gärung legt auch der Regierung den Gedanken nahe, daß die erschwerten Aufbringung der Baugelder, „ Hydra der Revolution" vielleicht schon in nächster Zukunft ihr er weiß nicht, daß schon im Frühjahr, vor dem geHaupt wieder erheben wird. Die Armut und das Elend der Wolfs- nannten Rohnkampfe, 7-9 Proz. für Baugelder gezahlt massen wachsen von Tag zu Tag, und nur mit allergrößter Mühe wurden! können die Steuern eingetrieben werden. Inzwischen braucht aber Diese eigentliche Ursache des Rüdganges in der Baudie Regierung Geld; denn die Zinsen müssen bezahlt, der„ innere tätigteit, welche auch die Unternehmer in ihrer Brutalität Feind" muß bekämpft werden. Wo nimmt man aber das Geld den Arbeitern gegenüber stärkte, ist ihm ganz entgangen; dazu her? Das Inland kann nicht mehr: es ist ja ausgezehrt, es paßt ihm eben nicht in seine Rechnung. So sehen die sound das Ausland will nichts mehr hergeben, ohne eine greif genannten Arbeiterfreunde aus! bare Sicherheit dafür zu erhalten; es sieht eben in Rußland Worum handelt es sich! Es gilt, dem Magistrat Material einen allzu unzuverlässigen Schuldner. So ist auch der schmerzens zu beschaffen, die bevorstehenden Anträge auf Notstandsvolle Ruf verständlich, der der offiziellen„ Roffija" im Augenblid arbeiten abzulehnen, und da müssen die freiwilligen höchster Berzweiflung entfährt: Was tun? Können wir unserem Magistratskommiffare als Sachverständige ihre Weisheit vereigenen Bankrott ruhig zusehen?! zapfen, um auf diese Art dem Geldsack beizuspringen. Gewerkschaftliches. Rein Notftand? Aus Anlaß der Arbeitslosen- Versammlungen am bergangenen Dienstag hatte das Berliner Tageblatt" das Bedürfnis, eine Anzahl beamteter Herren um ihre Meinung zu fragen, die nach dem Gefühl der„ Tageblatt"-Redaktion wohl die Pflicht hätten, an der Not von etwa 60 000 Perfonen nicht wortlos vorbeizusehen. Dabei ergab sich die für uns natürlich nicht überraschende Tatsache, daß den Spigen der Berliner städtischen Verwaltung von einer solchen Not nichts befannt ist. Herr Oberbürgermeister Kirschner sprach: Berlin und Umgegend. Achtung! Former und Gießereiarbeiter. Die Differenzen bei der Firma Grunauer, Müllerstr. 10, find durch Verhandlungen beigelegt. Die Kollegen baben am Freitag sämtlich die Arbeit wieder aufgenommen. Die Sperre ist hiermit aufgehoben. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Drtsverwaltung Berlin. Achtung, Schlosser! In der Zuckerfabrik zu Arlof bei Malmö in Schweden befinden fich die Schloffer und Monteure im Streit. Da von einigen Agenten versucht wird. Monteure für diese Fabril anzuwerben, so ersuchen wir die Kollegen, derartige Arbeitsangebote zurüdzuweisen. Deutscher Metallarbeiter- Berband. Drtsverwaltung Berlin. Stuttgart, 24. Januar.( B. H.) Der hiesige liberale Verein hat in der geftrigen Hauptversammlung folgende Resolution einftimmig angenommen: Nach der jedem liberalen Empfinden hohnsprechenden Erklärung des Fürsten Bülow zur preußischen Wahlrechtsreform vom 10. Januar, auf die ihm leider im preußischen Abgeordnetenhause nicht mit schwäbischer Deutlichkeit erwidert wurde und auf die auch im Reichstage eine schärfere Erwiderung hätte erfolgen dürfen, erachtet sie es für unmöglich, von liberaler Seite noch eine Politik im Reich mit den Konservativen zusammen zu machen, um so mehr, als diese Bartei ja doch auch in freiheit. lichen Fragen der Reichspolitik zu feinerlei Konzeffionen bereit ist. " Die gereinigte Polizei. Elberfeld, 24. Januar.( Pribattelegramm des Vorwärts".) Nach viertägiger Verhandlung wurde heute von der Straftammer der Genosse Hoffmann von der Freien Bresse" zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt wegen angeb licher Beleidigung der Elberfelder Polizei. Die Freie Preffe" hatte Miz handlungen bon Berhafteten durch Bolizeibeamte gerügt. Die Verhandlung ließ die Allmacht, die der Polizei in Deutschland von den Gerichten zugestanden wird, in grellem Licht erscheinen. Der neue Leiter. Bremen, 24. Januar. Boesmanns Telegraphisches Bureau meldet: Wie wir von authentischer Seite erfahren, sind die Vera handlungen zwischen dem Bizeadmiral von Ahlefeld und dem Auffichtsrat der Aktiengesellschaft Wefer heute nachmittag zum Abschluß gelangt. Nach denselben wird Bizeadmiral von Ahlefeld in den Vorstand als Vorsitzender desselben eintreten und damit die Oberleitung der Werft übernehmen. Bergmannsende. Oberhausen( Rheinproving), 24. Januar.( W. T. B.) Auf der Reche Roland in Dempten waren heute nachmittag mehrere Bergleute beschäftigt, in den Schacht hinabzusteigen, als sich die Leiter löfte. Fünf Bergleute stürzten in die Tiefe. Einer war sofort tot; von den übrigen vier Schwerverletzten starb einer auf dem Wege zum Krankenhause. Dahlhausen a. d. R., 24. Januar.( W. T. B.) Auf Reche Eiberg" wurden zwei Bergleute durch herabfallendes Gestein er fchlagen. Auch auf Beche Eintracht- Tiefbau" find zwei Bergleute tödlich verunglückt. " Die Entscheidung über die Frage, ob etwa gemäß der in den gestrigen Arbeitslosenversammlungen aufgestellten Forderung Die Berliner Mitgliedschaft des Bäderverbandes hat fürzlich nach Bornahme von Notstandsarbeiten von Seiten der Stadt ihren Jahresbericht für 1907 veröffentlicht. Wir entnehmen dem Berlin Notstandsarbeiten in die Wege geleitet werden, liegt in felben folgende Angaben: Ende 1906 betrug die Mitglieder den Händen des Magistrates. Dieser hat sich aber zunächst 3 a hI 1911, fie ist bis Ende 1907 auf 2346 gestiegen. Die Budarüber schlüssig zu machen, ob er überhaupt einen nahme ist zum Teil auf den Anschluß des Verbandes der Konditoren augenblidlichen Rotstand anerkennt." zurückzuführen. Doch abgesehen hiervon, ist der Gewinn an MitLeider hat der Notstand aber auf die Anerkennung durch gliedern immer noch ein recht erheblicher. Die Fluktuation der Mitden Berliner Magistrat nicht gewartet, sondern ist wirklich glieder ist groß, jedoch wird dies als eine durch die Verhältnisse im und wohrhaftig ohne eine solche da! Wenn der Herr Ober- Bädergewerbe begründete Selbstverständlichkeit betrachtet, die keinen bürgermeister selbst den Worten vieler Tausender Arbeits- Anlaß zu Bedenken gibt, da sie die ungehinderte Aufwärtsbewegung Der Gouverneur als Bombenwerfer. loser nicht glauben will, dann fönnte eine schnelle Rundfrage gezahlt worden: An Arbeitslofe 16 676 m., an Reisende 279 M., der Mitgliederzahl nicht gehindert hat. Unterſtüßungen find Obeffa, 24. Januar.( B.§.) Auf Befehl des neuen General. bei einigen wenigen Bankinstituten ihm von der Ungewöhn- an Krante 2216 M., Sterbegeld 80 M., Streifimterstützung 5670 M. gouverneurs Tolmatschoff wurde ein Wirtshaus, in dem zufällig lichkeit der gegenwärtigen industriellen Situation über- as sehr erfolgreich wird die Wirksamkeit des paritätischen eine Bombe gefunden worden war, durch dieselbe Bombe von der Arbeitsnachweises bezeichnet. Derfelbe ist feinerzeit errichtet Bolizei gefprengt und völlig zerstört. Verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inferatenteil verantw.: Th.Glode, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Gierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblats zeugen. Nr. 21. 25. Jahrgang. Reichstag. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonnabend, 25. Januar 1908. 88. Sigung bom Freitag, den 24. Januar 1908 bormittags 11 Uhr. Am Bundesratstische: Frhr. v. Stengel, b. Bethmann Sollweg, b. Schoen. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung der ZufatBrüffeler Zuderkonvention atte aur in Verbindung mit dem Uebereinkommen mit Rußland über seinen Beitritt zum Zudervertrage. Abg. Paasche( natl.): Diese Konvention wird wohl die letzte Verbindung, deren theoretische Unmöglichkeit niemand besser darsein, die wir abschließen. Nach fünf Jahren ist ihre Verlängerung getan hat als Herr Paasche. Es ist unzulässig, Mittel, die man aus nur mit Rußlands Einwilligung möglich, Rußland aber wird seine dem Steueretat herausstreicht, ohne weiteres auf Anleihe zu überBrämien nicht aufgeben und wird sein Kontingent erhöhen wollen. nehmen. Graf Schwerin fagt freilich: Sie können das ruhig an= Wenn wir bei ber aufünftigen Finanzreform neue indirette nehmen, es wird ja gar nicht dazu kommen, der Zuckerverbrauch Steuern mit direkten Steuern einführen( Bört! hört! bei den wird so groß werden, daß der Ausfall bald gebedt ist. Das ist ja Sozialdemokraten), so wird auch von diesem Gesichtspunkt aus die ganz schön, aber Graf Echwerin unterschätzt doch die Möglichkeit, Ermäßigung einer anderen indirekten Steuer, vor allem der Steuer daß infolge der schlechten wirtschaftlichen Konjunktur der Zuckerauf den Verbrauch von Butter, fich empfehlen.( Bravo! bei den verbrauch nicht die gehoffte Steigerung erfährt. Weil das nicht Nationalliberalen.) ganz sicher ist, Ichnen wir den zweiten Teil des Antrages schlank Abg. Dr. Südekum( Soz.): weg ab. Nein, meine Abg. v. Grabski( Bole) spricht sich für die Vorlage aus, wenn die Zuckersteuer herabgesetzt wird. Abg. Gothein( frs. Bg.) stimmt der Vorlage zu, warnt aber vor einer Ueberschäzung der Bedeutung des Beitritts Rußlands. Abg. Bogt- Hall( Wirtsch. Vg.) protestiert dagegen, daß die Vorlage dem Reichstag so spät zugegangen und daß dieser viel zu rasch und ohne gründliche Beratung entscheiden müsse. Daß England einer Verlängerung der Zuderkonbention zuftimmen Herr Paasche hat dann gesagt, um des guten Einbruds willen würde, hat wohl niemand angenommen, der sich mit der Sache be- solle man doch die Zuckersteuer herabsehen. Bei der zukünftigen Nach den Zusakalten zur Zuderkonvention soll diese auf fünf schäftigt und überlegt hat, daß die liberale englische Regierung Finanzreform wird man immer mit Steuererhöhungen zu rechnen Zahre verlängert werden. Doch soll England nicht gezwungen fein, dem Strafzoll auf Prämienzuder nicht zustimmen würde. Unter haben, und da würde es einen guten Eindruck machen, wenn man Bergeltungsmaßregeln gegen diejenigen Länder zu treffen, die solchen Umständen ist es zweifellos ein gängiger Ausweg, daß auch eine Steuer herabsehen könne; dadurch sollte die Annahme entgegen der Zuckerkonvention Ausfuhrprämien weiter zahlen. man dem deutschen Zuder die Konkurrenz mit dem begünstigten neuer indirekter Steuern gewissermaßen kompensiert werden. Das Rußland darf feine Zuckersteuergesetzgebung und feine Zuderaus- russischen Buder ermöglicht hat. Aber die Bedeutung dieser Afte können wir auf keinen Fall anerkennen.( Lebhaftes Sehr richtig! fuhrzölle beibehalten, aber nicht mehr als 10 Millionen Doppel- beruht weit mehr auf der Verpflichtung Englands, den Zuder aus bei den Sozialdemokraten.) Es steht auch im Widerspruch mit dem, zentner in den nächsten sechs Jahren exportieren. Freigestellt ist seinen Kolonien nicht besser zu behandeln als anderen. Die was der Führer der Nationalliberalen, Herr Bassermann, bei der ihm die Ausfuhr nach Finnland und seinen asiatischen Grenz- russische Gefahr ist erheblich überschäßt worden. Herr Paasche hat Statsberatung gesagt hat. Da war von indirekten Steuern überländern. früher der deutschen Diplomatie ein Loblied dafür gesungen, daß haupt nicht die Rede. Heute aber sagt Herr Paasche bereits, wenn Mit zur Debatte steht ein Antrag des Abg. Grafen v. Schwees ihr gelungen sei, Rußland diesem Abkommen geneigt zu machen. neue indirekte Steuern eingeführt werden, so müssen wir dem rin- Lowiz( f.), der von den Nationalliberalen, der Wirt- Heute bagegen fagt er: das Abkommen mit Rußland ist für unsere Bolte wenigstens ein Beruhigungspulber geben. fchaftlichen Vereinigung und einem Teile des Zentrums mitunter- deutsche Industrie wertlos und sogar sehr gefährlich, insoweit als Herren, die Herabsehung der Zuckersteuer ist im Interesse der Konstüßt ist: die Zuderſteuer von 14 auf 10 M. bon 100 Kilogramm ein überschüffiges Zuderquantum den Preis für den gesamten fumenten sowohl wie der Produzenten notwendig, und die Be Reingewicht herabzusehen. Sollte danach der Nettoertrag der Zuder herabdrüdt. Warum also der deutschen Diplomatie ein tämpfung der indirekten Steuern ist so notwendig, daß die HerabZuckersteuer in den Etatsjahren 1909, 1910, 1911 den Betrag von Bob erteilen für etwas, was der deutschen Industrie nichts nüßt, segung einer anderen indirekten Steuer nicht ala Kompenfation 140 Millionen Mark nicht erreichen, so ist der Reichskanzler be- sondern sie sogar erheblich gefährdet? Der Schwerpunkt liegt für andere Steuern angesprochen werden darf. Dadurch könnte fugt, zur Deckung des jeweiligen Fehlbetrages eine Anleihe auf- für uns in dem Rohrzuder, in der Bedingung, daß England dem höchstens das Urteil über die Ungerechtigkeit einer neuen indirekten zunehmen. Sobald die Einnahmen aus der Zuckersteuer den Be- Bucker aus seinen Kolonien keinerlei Vorzug einräumte, und daß Steuer im Volfe verwirrt werden.( Lebhafte Zustimmung bei den trag von 140 Millionen Mark übersteigen, ist der Mehrertrag zu es keinerlei Prämien einführte. Nicht der russische Zucker bildet Sozialdemokraten.). Dem werden wir mit aller Kraft entgegennächst zur Tilgung dieser Anleihen zu verwenden. die Gefahr für uns, sondern die enorme Ausbreitung des Rohr- treten.( Beifall bei den Sozialdemokraten.) Schazsekretär Frhr. v. Stengel befürwortet die Vorlagen und zuckers, die später auch einmal für Rußland eine Gefahr bilden bittet um ihre rasche Annahme, da die Ratifikation vor dem 1. Fe- wird, und es ist gar keine Aussicht, daß der deutsche Zuder auf bruar d. 3. erfolgen müsse. Der Redner verbreitet sich über die dem Weltmarkt konkurrenzfähig bleibt, wenn die Produktion von Folgen des Beitritts Rußlands zur Zuderkonvention; feine Aus- Rohrzuder in demselben Maße oder, wie es wahrscheinlich ist, sogar führungen bleiben jedoch bei seiner leisen Stimme und der im in noch schnellerem Maße fortschreitet als im letzten Jahrzehnt. Hause herrschenden Unruhe, die Präsident Graf Stolberg ver- Alle Vorrebner und auch der Staatssekretär haben anerkannt, geblich zu dämpfen sucht, im einzelnen unverständlich. Er schließt: unter solchen Umständen müsse der heimische Wartt erschlossen, der Die verbündeten Regierungen werden sobald als möglich, jeden heimische Konsum erhöht werden. Zweifellos geschieht dies durch Reichschapsekretär Freiherr v. Stengel: Mehrere Vorredner falls aber in einem der nächsten Jahre, einen Gefeßentwurf auf eine Verbilligung des Buders. Aber es berührt uns doch etwas haben gesagt, in der späten Einbringung dieser Vorlage liege cine Serabsehung der Zuckersteuer von 14 auf 10 M. eigentümlich, wenn man sich hier, wie Herr Dr. Wiemer es getan, Art Mißachtung des Reichstags. Der Vertrag ist am 20. Januar einbringen.( Lebhaftes Hört! hört!) Da dieses Gesetz jedoch zu hinstellt, für die Herabsetzung des Zuders eintritt und dabei sagt. in Petersburg abgeschlossen worden, und am 22. ging er bereits dem cinem Einnahmeausfall führen wird, müssen wir seine Einbrin- das haben wir immer getan! Wer hat denn bei der Brüsseler Reichstag zu. Rascher war es wohl nicht möglich. Daß es zeitlich gung von einer vorhergehenden Verständigung zwischen den verbün- Budertonvention die von uns vorgeschlagene starte Herabseizung nicht früher geschah, liegt daran, daß zu einem Vertrag mindestens deten Regierungen und dem Reichstage über die Dedung des vor der Zudersteuer verhindert? Das war ein Verdienst" Ihrer zwei gehören. handenen Statdefizits abhängig machen. Im vorliegenden Jahre Partei, Herr Wiemer. Verdienst allerdings in Gänsefüßchen! Abg. v. Dergen( Rp.) erklärt sich für den Antrag Echtverin, wird deshalb die Vorlage noch nicht an Sie gelangen können; wir( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten. Zuruf bei den Frei- der zu einer Erhöhung des Zuderkonsums führen werde, die im werden sie aber nach Möglichkeit beschleunigen.( Beifall und Un- sinnigen: Const wäre die Konvention nicht zustande gekommen!") Interesse der Zuderindustrie dringend notwendig fei. Die Konvention wäre zustande gekommen auch bei einem ZuderAbg. Graf Schwerin- Löwis( f.): Wir sind nicht grundfäßliche soll von 12 und bei einem solchen von 10 W.( Zustimmung bei den Gegner der Brüsseler Budertonvention. Jetzt aber hat England Sozialdemokraten. Widerspruch bei den Freifinnigen.) Doch, fie die Konvention nur noch pro forma verlängert, und Rußlands Bei- wäre zustande gekommen, unsere Argarier sind zu jedem Opfer betritt ist gleichfalls nur äußerlich. Rußland ist dank seinen nic- reit, wenn es in ihrem Interesse liegt, sogar zu dem Opfer der drigen Arbeitslöhnen im Rübenbau gegenüber Deutschland im Herabsehung der Zudersteuer, Gemütsmenschen wie fie find. Vorteil. Gleichwohl hat es verstanden, feine Ausfuhrprämien fest- Seitertcit.) Aber wenn durch die Herabsehung der Steuer auch zuhalten und nur einer Kontingentierung seiner Ausfuhr zuge- cine Verbilligung des Zuders eintreten wird, so kann doch der stimmt, die praktisch ohne Wert ist. Deutschlands 3uderindustrie fleine Mann für Zuder nicht mehr ausgeben, als er dafür übrig ift in einer sehr schwierigen Lage, viele Fabriken werden den Be- hat. Die Verbrauchserhöhung liegt deshalb in engen Grenzen, und trieb im Herbst b. J. überhaupt nicht wieder aufnehmen können. 3wvar sind sie durch die Berteuerung der Rebensmittel sehr eng ge= ( Sehr wahr! rechts.) Bir müssen also die Zudersteuer herabfeßen, zogen.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Verteuerung um Deutschland auf dem Weltmarkte tonfurrenzfähig zu erhalten des Brotes und Fleisches ziehen die Grenze für die Erhöhung des und den inländischen Konsum zu vergrößern. Zur gründlichen Zuderverbrauches sehr eng. Deshalb erscheint uns noch wichtiger Vorberatung beantragen wir die Einfeßung einer Kommission von als die Verbilligung des Zuders eine Verbilligung des Brotes und 28 Mitgliedern.( Beifall rechts.) Fleisches.( Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Auf der einen Seite vermindern die Agrarier die Konsumkraft des Voltes ganz im allgemeinen durch eine exorbitante Steigerung der Breise der Lebensmittel, auf der anderen Seite wollen fie den Konfum des Zuckers erhöhen, um und das ist sehr bezeichnend einen sich vorübergehend ergebenden Ausfall der Reichsfinanzen tragen zu lassen von der Allgemeinheit durch Aufnahme neuer Schulden. Dem werden wir niemals zustimmen.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es gibt keinerlei notwendige Verbindung zwischen den beiden Artikeln des Antrages des Grafen Schwerin. Ich bestreite auch die praktische Möglichkeit einer solchen ruhe.) Abg. Gös v. Olenhusen( Welfe) erklärt in seinem Namen und zugleich im Namen des größeren Teils des Zentrums feine Zustimmung zum Antrage Schwerin- Löwik.( Beifall rechts und im Zentrum.) Abg. Dr. Wiemer( frs. Bp.): Die Abschaffung der Brämien hat die Herabsehung der Zuckersteuer ermöglicht, und dadurch hat sich der Konsum gehoben. Die Vorteile der Vorlage überwiegen die möglichen Nachteile bedeutend; wir werden sie daher in der Kommission wohlwollend beurteilen.( Bravo! bei der Freisinnigen Boltspartei.) Kleines feuilleton. Abg. Dr. Neumann- Hofer( frs. Vg.): England hat das dringende Interesse, den Zucker so billig wie möglich zu halten. Es wird daher sicherlich nicht wieder die Wege der Konvention beschreiten. Das Abkommen mit Rußland hat überhaupt keinen Wert. Die Kommission möge daher ernsthaft prüfen, ob es für die deutsche Zuckerindustrie nicht am besten ist, die Stonvention überhaupt nicht zu verlängern. Damit schließt die Diskussion. Die Vorlage wird an eine Kommission von 28 Mitgliedern verwiesen. Darauf bertagt sich das Haus. Nächste Sizung: Mittwoch, 2 Uhr Tagesordnung: Flottengefeh, Marinectat. Schluß 3% Uhr. Abgeordnetenbaus. 17. Gigung vom Freitag, 24. Januar, 11 Uhr, Am Ministertische: v. Arnim. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Fortsetzung der Beratung des Etats der landwirtschaftlichen Ber waltung Beim Extraordinarium dankt Abg. Bänsch- Schneilstein( frt.) für die in den Etat ein= gestellten Mittel zum Ausbau der Hochwassergefährlichen GebirgsHumoristisches. dt. Ortsvorsteher neue Formulare zugehen laffen, welche bei Ein Besondere Bemerkungen. Der Landrat hat dem lieferung von verhafteten Landstreichern und Dieben verwendet werden sollen. Der Ortsvorsteher liefert durch einen Transporteur den ersten verhafteten Strolch ein und füllt das Formular gewissenhaft aus. Nachdem er die Angaben über Namen, Alter, Geburtsort, Grund der Verhaftung gemacht hat, findet er im Formular auch noch die Rubrik" Besondere Bemerkungen". In diese Rubrik schreibt das pflichtgetreue Drtsoberhaupt hinein: Die besonderen Be merkungen, die der Verhaftete gemacht hat, waren derartige, daß ( Fliegende Blätter".) gemächlich ausmalende Darstellungsweise, der lose Aufbau der Er- lehnung jeden Kompromises, die Soffnung, den Vater zu verfähnen, zählungen, wie die Art von Charakteren und Konflikten, denen einem jeden gleichmäßig gerecht zu werden. Judes das Wieber. sein Interesse in erster Linie zugewendet ist, machten es von born- fchen scrreift die Täuschung, und nun erst gehört fie so sagt der herein in hohem Maße unwahrscheinlich, daß ein Talent von solcher Dichter ungeteilt und unabtrennbar dem Geliebten, für den sie Wissenschaftliche Phantasie. Der amerikanische Gelehrte Theodore Prägung die knappe, konzentrierende Geschlossenheit, den Rhythmus die Natur testimmt. Richards, der als der bedeutendste Chemiker der Vereinigten Staaten aufsteigender Bewegung, den die dramatische Kunstform verlangt, Neben Else Scims und Rahßler machten sich Victor betrachtet werden kann, beschäftigt sich in einem Auffaz des" Harvard- auch nur in irgendwelcher Annäherung würde erreichen können. Arnold und Jacob Tiedtke durch die feine Ironic, mit Magazine" mit dem intereffanten Problem der wissenschaftlichen Das Experiment bestätigte in vollem Umfange die Befürchtungen. welcher sie die beiden Alten gaben, um die Aufführung verdient. Phantaste". Es handelt sich für ihn um die Frage, ob der Chemiter Die Gliederung in Szenen, die Umsetzung diretter Seelen- Von einschmeichelnd- stimmungsvoller Echtheit war das sonnige fich ausschließlich an das Experiment halten muß, indem er der schilderung ins Dialogische, alle die Mittel, die den Eindruck Landschaftsbild am Bodensee. Phantafie in feinen Untersuchungen feinen Anteil gewährt, anschaulicher Lebendigteit erhöhen sollen, verfchren sich in seinem ob er nicht das Gebiet der Tatsachen verlassen darf, um sich zu der Stück ins Gegenteil, erscheinen als Hemmungen und Fesseln, die Betrachtung ihrer Ursachen zu erheben. Der höchste Thpus des Ge- das ursprüngliche Einpfinden einzwängen, als ein willtürlich auflehrten stellt sich ihm in einer solchen Veranlagung dar, die die erlegtes Gefeß. Strauß' meisterliche, farben und bilderreiche beobachteten Tatsachen vergleicht und verallgemeinert, durch Hypothesen Sprache gleitet hier, wo er nur andere für sich sprechen lassen darf, über ihren Ursprung vertieft und dank dieser Spekulationen neue nicht selten ins Triviale oder in unwahr schönrednerisches Pathos Experimente macht, die den Horizont seiner Stemituisse wieder er aus. Der Zwang, die Handlung in einen eng begrenzten Streis von weitern. Die Phantasie, von der der Gelehrte beschwingt wird, ist Bildern vorzuführen, verleitet ihn, der sonst so feinsinnig den allnun augenscheinlich von derjenigen, die den Künstler oder Dichter mählichen Nuancen des Werdens nachgeht, zu unvermittelf grellem begeistert, verschieden, da sie durch Betrachtung der Materie und Aneinanderrüden und so zugleich zu harter Uebertreibung. Natur ausgelöst wird und nicht durch persönliche seelische Erregung; Immerhin, trop aller offenkundigen dramatischen Mängel war aber auch sie ist nicht minder eine wirkliche Phantafietätigkeit, eine diese Aufführung kein verlorener Abend. Der Dichter hatte das Fähigkeit der Einbildungskraft, die dem mit ihr Begabten diefelbe Glück, für das junge Baar, in welchem er die Macht elementarer, fie nicht wiederzugeben sind." Befriedigung gewährt wie die Straft künstlerischen Schaffens. im Bewußtsein ihres höheren Rechtes alle Schranken durchRichards vergleicht dann die beiden Typen der Phantasie, die brechenden Liebe verherrlicht, Darsteller zu finden, die unter dem Humor des Auslandes. Smith, ein Bauunternehmer, wissenschaftliche und die künstlerische, und erinnert daran, daß sie Geröll nach den verborgenen Quellen gruben, nach dem Ursprüng- ist der größte Filz der Welt. Wegen der allergeringsten Bergehen in einer Persönlichkeit vereinigt, sich, wenn auch selten, schon gefunden lichen der Stimmung, aus welcher die Idee der Dichtung geboren macht er feinen Leuten Lohnabzüge. Vor kurzem nun fiel ein haben, z. B. bei Leonardo da Vinci und Goethe. Auch ist. Was fonft als Gleichgültiges und Fremdes vorübergezogen Maurer, der einen Kirchturm ausbesserte, von dem hohen Gerüst Helmhols beschränkte sich nicht ausschließlich auf das Studium wäre, erhielt im zarten Spiele GIse Seims, das alle wechseln herab. Bu seinem Glück indessen verfing fich fein Zeug in einem der Akustit, sondern war ein leidenschaftlicher Liebhaber der Mufit, den Regungen der Mädchenseele mit wunderbar anmutiger Wahr- freundlichen Nagel, an dem er sicher hängen blieb, bis ihn feine von deren Wesen und Geschichte er tiefe Kenntnisse besaß. Bunien heit wiederspiegelte, wie in der fernigen, traftgeschwellien Jüng- Kollegen retten konnten. Zufällig kam Smith gerade vorüber, und wußte mit den reinwissenschaftlichen Arbeiten ein ausgezeichnetes Ein- lingsart Friedrich Kayblers eine innere Befeelung, die die als am Lohntage der betreffende Maurer seinen Lohn empfing, stand dringen in das Studium der italienischen Malerei zu verbinden. oft so toten Worte, das Schiefe und Outrierte der Situationen auf der Düte der Vermerk: Abzug für fünfzehn Minuten am Als ein hervorragendes Beispiel wissenschaftlicher Phantasie er- eitiveise ganz vergessen ließ. Sie füllten die Symbolit, die in dem Nagel gehangen- 3 Pence. ( Answers".) scheint Faraday, der von den wundersamsten Eingebungen er Stüde eine äußerst abstrakte bleibt, mit Blut und Leben. füllt war. In seiner Leichtigkeit ohnegleichen umfaßte er das ganze Der Jüngling trifft, wie er nach beendigtem Examen, den Kopf weite Gebiet der Chemie und Physik. Nichts schien ihm unmöglich zu voll großer Zukunftspläne, in feines gutmütigen Pflegebaters und crfaffen und zu erschaffen, und er ließ seine Träume in cine Welt Ontels Seim am Bodensee zurückkehrt, ein allerliebstes, achtzehn hinüberschweifen, in die noch niemals die Wirklichkeit eingedrungen jähriges Fräulein, mit dem der alte Here am nächsten Tage Hochzeit var. Aber zu gleicher Zeit bezwang er sich auch, wieder auf den machen will. Sie glaubt, sie sei es ihrem Vater, der für sein Boden der Wirklichkeit zurückzukehren, um au fehen, bis zu welchem after ein warmes Plätzchen wünscht, schuldig gewesen, den Antrag Bunfte er die Dinge feines Traumes mit ihr in Einklang bringen anzunehmen. Der freundliche Grautopŕ meint es ja auch sicher Solidarisches Zusammenhalten im Orchester. fönnte. Und oft glückte es ihm, aus seinen Hypothesen unumstögliche gut, und Haus und Garten mit dem Ausblick auf die Berge ent- Das Münchener ai morchester, das zurzeit in Mannheim Wahrheiten zu machen. Auch Hurley hat mehr als einmal ver- züden sie. Nur dunkel bohrt ein Gefühl von Unrecht und Ent- fonzertiert, erklärte sich mit dem Knall und Fall entlassenen Kapellmöge feiner wissenschaftlichen Phantasie Reſultate vorausgenommen, würdigung ihr im Herzen. Gleich bei der ersten Begegnung zieht meister Schneevoigt und einem gemaßregelten Musiker solidarisch. die später durch das Experiment erhärtet wurden. So fommt es die jungen Leute mächtig zueinander. Entschlossen reißt er ihr Das Stonzert mußte ausfallen. Richards zu dem Resultat, daß die Phantasie für den Gelehrten die Binde von den Augen und schleudert den beiden Alten seine Konrad Telmanns ausgewählte Werte erscheinen demebenso unbedingt notwendig ist wie für den Dichter, den Musiker Entrüstung über den schmählichen Handel ins Gesicht. Sie aber nächst in acht Bänden, die das Beste vereinen werden aus dem oder bildenden Künstler. flammert sich noch immer an den Gedanken des versprochenen Schaffen, des zu früh verblichenen Dichters. Die Auswahl enthält Theater. Opfers fest. Grit in den Schauer nach der vollzogenen Trauung fechs Romane, während ein Wand dem Novellisten, ein weiterer dem Rammerspiele des Deutschen Theaters: och wird sie sich der Unmöglichkeit, den Borsaz auszuführen, flar be- Dramatiker und Lyriker gewidmet ist. Als erster Band wird Tel gett", Schauspiel in fünf Atten von Emil Strauß. Einige, wußt. Sie flicht mit Bartel und feiert ihre Hochzeitsnacht mit ihm manns Roman Unter den Dolomiten zur Ausgabe gelangen. Das weit von der ausgetretenen Heerstraße abbiegende Romandichtungen romantisch, symbolistisch in einsamer Bergeshöhle. Ein freund- Werk erscheint bei Star! Neißner( Dresden) und wird spätestens Weihtoll individuellen Reizes haben dem Namen des Süddeutschen Emil licher Vorschlag des verlassenen Gatten", der die beiden dort nachten 1908 vollständig vorliegen. Strauß einen guten Klang verschafft. Indes, feine liebenswürdig. laufsucht, wedt in ihr, tros Bartels leidenschaftlich wilder AbNotizen. Vorträge. Im Institut für Meereskunde, Georgenstr. 34-36, spricht in der tommenden Woche, abends 8 Uhr: am Dienstag Herr Dr. Wegener- Berlin fiber" Der Yangtfeliang als Straße des Weltverkehrs", am Freitag Herr Poftrat Klaus- Verlin über Die Bost auf dem Weltmeere". n flüffe in der Provinz Schlesien, und beklagt sich dann über die Cr« bebung der hohen Katasterbeiträgs in den durch Hochwasser qu schädigten Gegenden. Abg. Geisler(Z.) wendet sich gegen übertriebene Darstellungen der vorjährigen HociMasserschüden tn Schlesien tn der Press«, womit ex jedoch nicht sagen wolle, daß die Schaden unerheblich gewesen seien. Abg. Seydel sHirschverg, natl.) regt an, bei den Fluß- reauliexungen auf den Schutz von bkaturdenlmälcm Rücksicht zu nehmen. Abg. Dr. Borsch(Z.) wünscht Aufwendung größerer staat« licher Mittel für die durch Hochwasser gefährdeten Landesteilc. Landwirtschastsminister v. Arnim: Soweit Beschwerden über die Ausführung der Flußregulierungen bestehen, sind diese in erster Linie an die Provinzialinstanz au richten. Durch die Sin- sührung eines neuen SdstemS von Stauweihern wird manchen Beschwerden abgeholsen iverden. Wenn besondere Verhältnisse vorliegen, wird die Staatsregierung mit ihrer Hülfe nicht fehlen. (Beifall.) Bei der Position Erweiterungsbau der Land- wirtschaftlichen Hochschule in Berlin, ö. Rate� t-LL Ovo M.. regt Abg. Graf Sp«(g.) an. in dem Erweiterungsbau Räume zur Verfügung zu stellen, in denen aktive Offiziere theoretisch in der Landwirtschaft unterrichtet werden können. In Italien habe man mit der Einrichtung derartigen Unterrichts gute Erfahrungen gemacht. Bei der Forderung für Einrichtung und Durchführung eines öffentlichen Wasserdienstes in Norddeutschland befürwortet Abg. Sende! sHirschberg. natl.) möglichste Ausgestaltung des WetternachrichtendiensteS. Abg. Marcour(Z.) ist der Ansicht, daß der bisherige Wetter- Nachrichtendienst sich in: allgemeinen bewährt habe. Die Zu- verlässigkeit der Prognosen hätte sich im letzten Jahre verdoppelt. Minister v. Arnim: Bis jetzt haben w:r mit dem Wetterdienst schon ganz schöne Resultate erzielt, wir werden aber auf seine iveitere Ausgestaltung bedacht sein. Unser Ziel ist die Vorhersage der großen meteorologischen Ereignisse infolge der Zyklone auf dem Atlantischen Ozean und die Vorhersage der lokalen Witterung. (Beifall.) Abg. Yngelbrecht(frk.) betont die Notwendigkeit der Mit Wirkung des Meteorologischen Instituts bei dem Wetterdienst. Abg. Dr. Berndt(natl.) empfiehlt den Landwirtschaftskammern, bei der landwirtschaftlichen Bevölkerung daL Verständnis für die Wetterkarten zu förvern. Nunmehr wendet sich die Beratung den an die Kommission -Jurückverwicsenen Titeln zu:„Fonds zur Förderung der Land- und Forstwirtschaft in den östlichen Provinzen" und„Fonds zur Förderung der inneren Kolonisation in den Provinzen Ostpreußen und Pommern". Die Kommission beantragt die Beteitstellung weiterer Mittel zur Unterstützung von gemeinnützigen Gesellsdjasten in anderen Provinzen, die sich die innere Kolonisation zur Aufgabe gestellt haben, sowie ferner die Bereitstellung von Mitteln, um dem sich ferner noch in Ostpreußen herausstellenden Bedürfnis an Saat- gut(Getreide und Kartoffeln) abzuhelfen. Ein Antrag v. Bockelberg(k.). den KolonisationSfondS für den Osten um 300 000 M. zu vermindern und den entsprechen- den Fonds für den Westen um. den gleichen Betrag zu erhöhen, wurde in der Kommission zurückgezogen.— Ein Antrag V. B i c b e r- stein(k.), den Fonds zur Förderung der Land- und'Forstwirt- schaft aus Kosten deS KolonisationsfondS zu verstärken, wurde von der Kommission abgelehnt.— Einen Antrag deS Abg. Heyd- weillcr(natl.) auf Förderung der Bildung kleiner Renten- guter, beantragt die Kommission der Agrarkommission zu über- weisen. Abg. v. Bieberstein(k.) betont die Notwendigkeit größerer Fürsorge für die Provinz Ostpreußen. Minister v. Arnim erklärt, daß die Staatsregierung sich bei der Einstellung der Mittel lediglich nach den von ihr eingeforderten Berichten über den in Ostpreußen vorhandenen Schaden habe richten müssen. Sollten weitere Mittel erforderlich sein, so werde die Regierung auch diese nach Möglichkeit bewilligen. Abg. Glatze!(natl.) erklärt sich mit den 5kommissionsanträgen einverstanden. Abg. Gyßling(frs. Vp.): Mit den Kommissionsanträgen können wir uns wohl alle einverstanden erklären. Von e:nevi all- gemeinen Notstand in Ostpreußen kann keine Rede sein; es haben sich Schäden durch den schlechten Ausfall der Ernte herausgestellt, und einzelne Bezirtc haben besonders schwer unter der Abwände- rung der Landbevölkerung zu leiden. Ich bitte die Regierung,' wenn es notwendig sein sollte, größere Mittel für die Beseitignng der Schäden in Ostpreußen zu bewilligen. Die Ostpreußen sind nicht begehrlich, sondern sie sind ruhige und stille Menschen(Heiter- keit). die sich nur in der äußersten Not äußern.(Beifall links.) Die Titel werden bewilligt; die Anträge der Budget- lomniifston angenommen.____ Damit ist der Etat der Landwirtschaftlichen Verwaltung er- l e d i g t. ES folgt der Etat der GestütSverwaltung. Die Einnahmen werden bewilligt. Bei den Au S- gaben führt �„ Abg. v. Dirksen(frk.) aus. daß seine Freunde von den Er- gebnissen der Beratungen der Kommission, die auf seinen vom Abgeordnetenhause angenommenen Antrag einberufen worden ist. die besten Resultate für die Landespferdezucht erhoffen. Weiter empfiehlt er eine größere Berücksichtigung der Kaltblüterzucht. Im Interesse der Pferdezucht würde die Verteilung von Prämien au Pferdezüchtcr bei Wettrennen liegen. Abg. v. Saldern(k.) bittet, beim Erlaß der neuen Körordnung möglichst die Interessen der kleinen Besitzer zu berücksichtigen. Abg. v. Christen(fk.) klagt über die Höhe der Deckgelder. Abg. Löscher(fl.) bittet um baldige Fertigstellung der neuen Körordnung. Nach weiteren Bemerkungen deS Abg. Burchardt(I.) wird der Etat erledigt. Das Hans vertagt sich. Nächste Sitzung: Sonnabend 11 Uhr. Tagesordnung: Kleine Etats. Schluß 5 Uhr._ parlairnntanfcbeö. Pensionsfragen in der Budgetkommission. (24. Januar.) Die Budgetkommission tagte heute eine Stunde vor der Plenar- sitzung und beschäftigte sich ausschließlich mit Streitfragen über Gewährung und Bemessung von Pensionen. Eine Anzahl der Kommisstonsmitglieder ist der Auffassung, daß die Be- stimmungen desMannschaftöversoraungS« und des ReichsbeamtenaesetzeS so angewendet werden, als es seinerzeit die Reichstagsmehrheit im Sinne hatte. Eczbcrger hat daher eine Resolution eingebracht, welche der Regierung ein Wegweiser bei der Auslegung sein soll. Dir RegierungSvertreter verteidigen ihre Auffaflung und einige Kommisstonsmiiglitder sind wohl der Meinung Erzbergers, aber sie tragen Bedenken, eine parlamentarische Interpretation der Gesetze vorzimehmen; man möge, so meine» sie, dann durch eine Novelle die Gesetze änderiu Nach langer Debatte wird schließlich folgender Beschluß gefaßt:. Der Reickstag wolle beschließen: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, in eine erneute Prüfung einzutreten, ob gemäß§ 86 Ziffer 4 des MannschaftSveriorgungögesetzeS vom 31. Mai 1906 die Dienstzeitsrente an ehemalige Militäranwärter nach dem Ein- tritt in die Zivilpension ebenso auszuzahlen ist, wie die Erwerbs- Unfähigkeitsrente(§ 36 Ziffer 3 b und 4 des Gesetzes vom S1. Mai 1006)._ Die Köisensesetzkswntission«ahm in ihrer Sitzung vom 24. Januar den§ 3ga in der Fassung der Regierungsvorlage an, nachdem der Antrag der Freisinnigen, daß bei Staatsanleihe» nicht bloß die Merkmale, sondern auch der Betrag an die Zniaiiungö- stelle mitzuteilen seien, abgelehnt worden war. Der H 38b wurdit ebenfalls angenommen, jedoch der letzte Satz auf freisiiliiigen Antrag gestrichen, so daß die Ausschaltung der ZulassungSstelle in denjenigen Fällen, tn welchen ein« Publikation der EmisstonSbesttnunuiiüen unterbleibt, abgelehnt ist, Nächste Sitzung am Donnerstag. 80. Januar. Einkauf. Aus dem Reichstag: Achtes Verzeichnis der... eingegangenen Petitionen. bg. Bericht der Kommission für d:e Petitionen. AuS dem preußischen Abgeordnetenhause: Antrag Dr. Porsch und Genossen: die königliche StaalSregieruug zu ersuchen, alsbald einen Gesetzeutttmri einzubringen, wodurch dieselbe ermächtigt wird, für die weitere Aufichließintg des staatliche» Besitzes an Steinkohlen- feldern im ObertiergamtSbcziete Breslau einen Betrag bis zu Lö 000 000 M, zu verausgaben, welcher Betrag tn der gleichen Weise, wie der in dem Gesetzentwurfe, betreffend die weitere Auf- schließmig des staatlichen Besitzes an Steiukohleufeldern tn, Ober- bcrgamtsbezirke Dortmund. Drucksache Rr. 73, gedachte Betrag bereitzustellen und zu tilgen ist. Antrag Schiffer und Genossen: die kgl. StaatSregierung zu ersuchen, 1. im Bundesrat für die schleunige Einbringung eines Gesetzentwurfes über das Strafrecht, das Strafverfahren und den Strafvollzug in Beziehung auf jugeud- «che Personen einzutreten, 2. bis zum Erlaß eines solchen Gesetzes die bereits angestellten Versuche, auf dem Boden de« bestehenden Rechte« im Wege der Verwaltung und der Geschäftsverteilung dos Strafverfahren gegen jugendliche Personen in einer ihrer Eigenorl entsprechenden Weise zu gestalten, nach Möglichkeit zu fördern und zu verallgemeinern._ Huö Induftm und FjandcU Diskontermäffigliug. Der ZentralouSschuß der ReichSbank ist zu einer Sitzung auf heute mmge» einberufen. Wie verlautet, soll der Diskont um l/z Proz,, auf bl/a Proz. ermäßigt werden. Eine stärkere Reduktion soll noch nicht in Aussicht genommen sein. Die Bank von England hat am Freitag den Diskont auf 4 Proz. herabgesetzt. Die Bank von Frankreich ging mit der Diskontrate auf 3 Proz. hinab._ Deutschlands Roheisenerzeugung, Nach den Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindnstrieller betrug die Roheisen- erzeugung in Deutschland und Luxemburg während des Monats Dezember 1007 insgesamt 1>06 37S To. gegen 1 112 225 To. im November 1907 und 1 064 633 To. im Dezember 1906. Die Er- zeugung verteilte sich auf die einzelnen Sorten wie folgt. wobei in Klammern die Erzeugung für Dezember 1906 angegeben worden ist: Gießereiroheisen..... 196 347(175 267) To. Bessemerroheisen..... 38 838(42 763), ThomaSroheisen..... 716 267(698 244), Stahl und Spiegeleisen... 86 759(80 590), Puddelroheisen...... 68 164(67 784)„ Die Gesamterzeugung des Jahres 1907 betrug 13 045 760 To. gegen 12 473 067 To. im Jahre 1906. Die Verteilung auf die einzelnen Sorten stellt sich 1907 gegen 1906 wie folgt: 1907 1906 Gießereiroheisen.... 2 259 416 To. 2 103 684 To. Beffemer Roheisen... 471 355„ 482 740, Thomas-Roheisen... 8 494 226 ,. 3 088 554„ Stahl und Spiegeleisen. 1034 650„ 934 573„ Puddelroheisen.... 786 113„ 854536, Unter den ErzeugungSbezirlen nimmt Rheinland-Westfalen nach wie vor die erste Stelle ein. Die Erzeugung betrug: 1907 1906 in Rheinland-Westfalen.... 5 446 124 To. 6 142 783 To. in Lothringen-Luxcmburg... 3 989 922„ 3 887 600„ im Saarbezirl....... 050 446, 901 252„ in Schlesien........ 938 658„ 901 845„ im Siegerland. Lahnbezirk und Hessen-Nassau..... 889 906„ 851 020„ in Hannover und Braunschweig. 468 829„ 442 969„ in Bayern, Württemberg und Thüringen....... 202 900„ 188 308„ in Pommern....... 158 975„ 157 790, Wie die obigen Zahlen ergeben, ist die letzte Jahreserzeugung über die vorjährige um Va Million Tonnen hinausgewachsen. Im Dezember 1907 ist jedoch die Produktion niedriger gewesen als im Vergleichsmonat 1906 und im November 1907, Deutscher anSwartiger Handel im Jahre 1907. Nack dem Dezcmberhefl 1907 der Monatlichen Nachweise über den auswärtigen Handel Deuliwlands betrug im Jabre 1907: 1. Die Einfuhr 66 008 671 Tonnen verschiedene Waren, 7 634 175 Stück Vieh und andere lebende Tiere, 4111 207 Hüte. 1891 Fahrzeuge, 1 779 116 Uhren, 1 300 420 Faß Salzheringe fremden ~angs. 570 Stöcke Bienen, 436 546 Hektoliter Bier. 1512 920 ganze laschen Schaumwein. 2. Die Ausfuhr 44 966 973 Tonnen verschiedene Waren, 144 879 Stück Vieh und andere Tiere, 6 201 597 Hüte, 1667 Fahrzeuge. 444 240 Uhren, 4237 Faß Salzheringe, 1064 Stöcke Bienen, 567 300 Hektoliter Bier, 1 860 663 ganze Flaschen Schaumwein. 3. Der Einfuhrwert(in Millionen Mark) 8863,4 gegen 3438.6 und 7436,3 Millionen in den beiden Borjahren. Die Zunahme gegen die beiden Vorjahrs macht 424,3 und 1427,1 Millionen Mark----5 und 19.2 Proz. ans. Die starke Erhöhimg der Einfuhrwerte gegen 1905 ist auf die Zunahme des Verkehrs, mehr noch auf die Erweiterung deS handelsstatistischen Wirtschaftsgebietes durch Einbeziehung de« Freihasenverkehr-Z in Hamburg in die Statistik und des SpezialHandels seit 1. März 1906 und aus habere Preise zurückzuführen. 4. Der Ausfuhrwert(in Millionen Mark) 7120,7 gegen 6473,6 und 5341.8 Millionen in den beiden Vorjahren. Die Zunahme macht 642,1 und 1273,9 Millionen Mark— 9,9 und 21,0 Proz. aus. 6. Der Wert der Ein- und Ausfuhr erweichte 15 984 Millionen Mark gegen 14 917 und 13 273 Millionen in den beiden Borjahre». Die Zunahme macht 1067 und 2706 Millionen Marl=-- 7,2 und 20,4 Proz. aus. Die Werte sind vorläufige, in der Regel auf für 1906 er- mittelten beruhende, die im nächsten Monat voraussichtlich größere Senderungen erfahren. Der Edelmetallverkehr betrug 265,9 Millionen Mark in Ein- und 251.8 Millionen Mark in Ausfuhr, gegen 416,7 und 119,6 Millionen Mark im Jahre 1906. Im Dezember 1907 erfuhren Ein- und Ausfuhr einen Rückgang gegen den Vormonat, obwohl eine lebhaftere Einfuhr von niineraliichen und fossilen Rohstoffe». Mineralölen von chemischen usw. Erzeug- nissen und von unedlen Metallen und Waren daraus und eine ver- stärkte Ausfuhr von mineralischen und fossilen Rohstoffen zu be« merken war. Größere AuSkälle erfuhren i» der Einfuhr: Erzeugnisse der Land- und Forslwirlschaft, Steinwaren, in der Ausfiihr: Er- zeugnisse der Landwirtschaft usw., chemische und pharmazeutische Erzeugnisse, insbesondere Grundstoffe, Säuren, Salze usw., unedle Metalle und Waren daraus, namentlich Eisen, bV welchem der Rück- gang über 130 000 Tonnen erreichte. Gegen den Dezember 1906 haben Ein- und Ausfuhr star! zu- genommen, besonders die Einfuhr infolge deS erhöhten Bedarfs an mineralischen und fossilen Rohstoffen, Mineralölen und an Erzeug- nissen der Forstwirtschaft. Artet die llnzuverlössigkeit der preußischen Statistik führt Hert Georg Dettmar in der„Elektrotechnischen Zeitschrift" Klage gelegentlich einer eingebenden Untersuchung über die angebliche Feuergefährlich- keit des Leuchtgases und der elektrischen Beleuchtung. Mit Unter- stützung der Mehrzahl der technischen Firmen hat er Feststellungen über die Berbreilnng der Elektrizität gemacbt und konstatierte, daß ini Jahre 1906 insgesamt 8660 Dyuainomaschinen mit einer zu- geführten Arbeit von rund 750000 Pferdestärken in Deutschland zur Ablieferung gekommen sind. Hiervon beruhen weniger als 10 Proz. auf Schätzung, so daß— wenn diese selbst um 20 Proz. falich ist— das Geiamlergebnis doch auf 2 Proz. genau lein muß. Im Statistischen Jahrbuch deö Kgl Preuß. LandeSamieS ist angegeben, daß 1906 in Preußen rund 89500PferdestärIen für Stromerzeugung durch Dampsmaschinen hinzugekommen seien. Macht man für ganz Deutschland einen Zuschlag von 50 Proz., so würde das eine Zu- nähme von 135 000 Pserdekräften bedeuten. Die wirkliche Zunahme beträgt aber 750 000 Pferdekräfte, so daß also die anderen zum Be- triebe der Dynamomaschinen verwerteten Kraftquellen(Gas, Wasser usw.) eine mehr als 4.5fache Leistung de« Dampfe» haben oder, was doch wahrscheinlicher ist, die Statistik deS Lande Samte» enthält nur einen kleinen Teil der wirklichen Dampfkraft. welche zur Erzeugung von elektrischem Strom dient. Man kann aimehiiieu, daß von den 750 000 Pserdekräften mindestens 600 000 durch Dampf erzeugt werden; die Statistik ist also höchst mangelhaft und un- brauchbar. Ehemals stand die preußische Statistik unter Ernst Engel wissen- schafilich und prakliich an der Spitze. Fast alles, was heute vom Preußischen Statistischen LandeSamte gemacht wird, wurde auch schon unter Enget gemacht. Der bat die Statistik so eingerichtet, wie sie für die damaligen Bedürfnisse bei der geringeren Bevölkerung und den noch ganz anderen Verhältnissen zweckmäßig war. Seitdem aber Engel voii Bismarck wegen seiner freimütigen Gesinnung weggejagt worden ist, ist die preußische Statistik verknöchert. Das einzige, was ihr vielleicht noch verblieben, ist die Sorgiait und die preußische Pünktlichkeit der statistischen Klein- und Delailarbeit, die aber alle nichts nützt, wenn der große Zug fehlt, den unser ausgebreitete» Wirtschaftsleben nun einmal verlangt. lieber die Zunahme der Berivendung der Elektrizität gib: folgende kleine Uebersicht nach Dettmar einen annähernden Aufschluß. Ausschließlich zur Erzeugung elektrischen Stromes waren jeweilig am 1. April zu den alten Anlagen hinzugekommen: 1891... 39 610 Pferdestärken 1896... 124 566 1901... 394 657 1906... 760 027 Nach den wahrscheinlichen Schätzungen DettmarS waren� am 1. April 1906 rund 4 800 000 durch Danipf erzeugte Pferdestärken zur Herstellung von elektrischem Strom in Deutschland vorbanden. Setzt man für die Erzeugung mittels Gasmoloren und Wasser- maichinen 25 Proz davon ein, so werden rund 6 Millionen Pferde- stärken in elektrische Energie umgewandelt. Bon diesen werden auf die Elektrizitätswerke 900 000 Pferdestärken entfallen, aus die Einzel- anlagen 5,1 Millionen Pferdestärken. Kongreß der freien Vereinigung dentlcher Lewerilichssten. Auf der Tagesordnung der Sitzung am Freitag stand: Der Beschluß des sozialdemokratischen Parteitage? in Essen bezüglich der Freien Bereinigung deutscher Gewerkschaften. Daß diesem Punkt der Tagesordnung seitens der Kongreßteilnehmer die größte Bedeutung beigelegt wird, beweist die große Zahl von Wortmeldungen, welche schon vor Beginn des Referats eingelaufen sind. Der Kongreß erklärte jedoch alle diese Wortmeldungen für ungültig und beschloß, daß Wortmeldungen erst während de» Referats zulässig sind. Sowie dem Referenten das Wort erteilt war, meldete sich eine Anzahl von Rednern. Wieder folgte Gcschäftsordnungsdebatte und Beschluß: Diese Meldungen sind ungültig, weil„das Referat noch nicht begonnen hat." So kämpften Einigungögcgner und Einigungsfrcunde um das erste Wort in der DlSkussion. Schließlich gelang eö doch den EinigungSfreunden, die erste Stelle zu erhalten. Sobald der Referent Kater die Worte:„Werte Genossen" ausgesprochen hatte, gab Gehl, der neben dem VorstandStische stehend aus diesen Moment gewartet hatte, seine Meldung ab. Dann folgte eine Flut von Wort- Meldungen von beiden Seiten. Der Referent Kater erklärt es als einen Mangel, daß inner» Hajb der Fielen Vereinigung fast nirgends prinzipielle Bedenken gegen die Einigung erhoben wurden. Dann führte er aus, eS bestehe immer noch ein prinzipieller Gegensatz zwischen den Grund- sähen der Freien Vereinigung und denen der Verbände. Wir (die Freie Vereinigung) haben von jeher den größten Wert aus die Prinzipien der Arbelterbewegung gelegt. Wenn wir auf unserem 7. Kongreß unser Programm änderten, so war daS nicht eine Folge unserer Wandlung, sondern der Wandlung, welche die sozialdemokratische Partei, der ich immer noch angehöre, in einer Reihe von Jahren durchgemacht hat. Die sozialdemokratische Partei hat die grundsätzlichen Forderungen des Erfurter Programm? auf- gegeben, sie beschränkt sich lediglich auf die Taktik, welche im zweiten Teil deS Programms niedergelegt ist und auch von den Verbänden anerkannt wird. Hauptsächlich legt die Sozialdemokratie Wert auf parlamentarische Erfolge. Die Partei hält die Teilung der Arbeiterbewegung in eine politische und gewerkschaftliche für richtig. Wir sind von Anfang an für eine einheitliche Arbeiterbewegung eingetreten, die sich nicht in eine polltische und eine gcwcrkschaft- liche teilt. Es wird gesagt, jetzt trennt uns nichts mehr von den Verbänden, denn diese haben sich)a auf den Standpunkt der So- zialdemokratie gestellt. Das ist nicht richtig. Die Partei hat sich auf den Standpunkt der Verbände gestellt und damit den prin- zipiellen Boden ihres Programms verlassen. Wir wissen, daß durch den Parlamentarismus allein die soziale Frage nicht gelöst werden kann. Wir haben deshalb den Generalstreik propagiert. Infolgedessen hat sich auch der Internationale Kongreß in Mannheim mit dieser Frage beschäftigt und im wesentlichen unseren Standpunkt anerkannt, wenn auch statt der Bezeichnung„Generalstreik" das Wort„Massenstreik" gewählt wurde, was ja kein großer Unter- schied ist. Wir glaubten, eS werde nun im Sinne deS Amsterdamer Kongresses gehandelt werden, aber eS geschah nicht». Der Kölner Gewerkschaftskongreß erklärte sich gegen den politischen Massen- streik und setzte sich damit in Widerspruch mit dem Beschluß von Amsterdam. Der Parteitag in Jena erklärte jedoch, daß zwischen dem Standpunkt der Partei und deS GewerkschastStongrcsseS kein Widerspruch sei. Dann kam die Geheimkonferenz der Verbands- vorstände. Wir veröffentlichten daS Protokoll derselben, um zu zeigen, daß sich die Verbände gegen du. Beschlüsse der Partei wandten. Wir glaubten damit der Partei zu dienen. Dafür schlug man auf dem Manheimer Parteitag auf uns ein, Partei und Verbände erklärten sich miteinander einverstanden und uns wurde nahegelegt, uns den Verbänden anzuschließen, die dann der Parteitag in Essen als maßgebende gewerkschaftliche Organisation anerkannte. Alle unsere Mitglieder, di« jetzt in die Verbände übertreten, betonen, daß sie auf dem Standpunkt unseres Programms stehen und dasselbe auch innerhalb der Verbände propagieren wollen. Unser Programm tritt für den General- und Massenstreik ein. Sie werden sehen, daß sie in den Verbänden dafür nicht Propaganda machen können. Das weiß man zu verhindern. Die Ideen des General- oder Massenstreiks können nur in einer selbständigen Organisation vertreten werden. Wenn«S nicht so wäre, dann könnte sich die Sozialdemokratie ja auch dem Block anschließen und sagen, sie werde im Block auf die Liberalen einwirken. Jedermann weiß, daß daS unsinnig ist und daß die Grundsätze der Sozialdemo- kratie nur durch die selbständige Partei betätigt werden können. So brauchen auch wir die selbständige Organisation zur Ver- tretung unserer Idee«, die zwar weniger in der deutschen, aber doch in der internationalen Arbeiterbewegung mehr und mehr zur| Emanzipationskampf der Arbeiter führen will und die Beschlüsse| awei Wochen Gefängnis verurteilt. Die Gesamtstrafe wurde aur Geltung kommen. Von den Beschlüssen, die wir heut fassen, hängt der Parteitage und der Internationalen Stongreffe als für sie brei Monate zufammengezogen. Vor einigen Wochen feierte auf es ab, ob uns die Partei anerkennen wird oder ob wir von ihr an bindend anerkennt. dem freisinnigen Parteitage in Oldenburg der Reichstagsabgeordnete erkannt werden wollen. Nach dem, was in Mannheim und Essen hlhorn die liberale Handhabung der liberalen Gefeßgebung Oldenburgs. Das Urteil gegen Wagner zeigt, was von dem Liberalismus der oldenburgischen Behörden zu halten ist. es handelte Wegen Beleidigung des Pfarrers von Pfaffenberg fich dabei lediglich um eine Berfonenverwechseling wurde der Genoffe M. Gruber von der Münchener Bost" vom Schöffengericht Mallersdorf zu acht Tagen Gefängnis verurteilt. Der Pfaffenberger Pfarrer Josef Bücht, der die Kirche zur Wahl agitation mißbraucht und auf der Kanzel die Sozialdemokratie und ihre Führer gröblich beschimpft hatte, wurde von der gegen ihn deshalb erhobenen Widerflage freigesprochen. Wir verlassen den 8. Kongreß in der Ueberzeugung, auch vorgegangen iſt, ſteht fest, daß jedem von uns, der nicht einem Ver- ferner treu zum Sozialismus zu halten und ihn nach Kräften bande beitritt, das Prädikat Parteigenosse genommen wird. Das haben wir zu würdigen. Die Geschichte hat bewiesen, daß die auch außerhalb des Rahmens der Freien Vereinigung deutscher Ueberläufer stets die schärfsten Gegner derjenigen werden, mit Gewerkschaften zu propagieren. denen sie bisher zusammengegangen sind. Es nußt uns nichts, An alle Gesinnungsgenossen richten wir das dringende Erdaß wir fort und fort erklären, wir sind und bleiben Parteigenossen. suchen, unserem Beispiel zu folgen und dazu beizutragen, daß Darauf gibt man in den Gewerkschaften, die der General- einer einheitlichen Arbeiterbewegung auf dem Boden des SozialisTommission angeschlossen sind, gar nichts. So fagt um breit in mus die Wege geebnet werden können. seinem Buche: Die gegnerischen Gewerkschaften in Deutschland", die Konsequenz unseres Programms ist der Anarchismus. Dagegen fönnen wir reden und schreiben, was wir wollen, es nußt uns nichts. Für die Generalfommission sind wir gegnerische, anarchistische oder anarchistelnde Verbände. So werden wir nach wie vor verschrien werden, wenn wir nicht in die Verbände eintreten. Aus der Partei. Gegen den Antimilitarismus. " Aus der Frauenbewegung. Der Redner ging auf die bekannten Einigungsverhandlungen ein und sprach sich scharf gegen die Organisationen aus, die zuerst Deutschland und Frankreich im schönen Bunde. Während in fagten, sie würden nicht unter Umgehung der Geschäftskommission Paris Hervé die Rechtsanwaltschaft aberkannt wird( wir bes Kreisversammlung der Genoffinnen von Teltow- Storkow. mit dem Parteivorstande verhandeln, sich dann aber doch über die richteten darüber an anderer Stelle), leitet die deutsche Regierung Köpfe der Geschäftskommission hinweg mit dem Parteivorstande die Klage auf Entseßung des Genoffen Dr. Karl Liebknecht Die Genofsinnen im Wahlkreise Teltow- Storkow hatten am in Berbindung setzten. Nur die 3 immerer und die Berliner an den Ehrengerichtshof der deutschen Rechtsanwälte in Leipzig, Mittwoch bei Obst in Schöneberg eine Volksversammlung veran Sürschner feien ehrlich zu Werte gegangen, denn sie erflärten von vornherein, sie würden auch ohne Mitwirkung der Ge- o fie die Ausschließung zu erlangen hofft, die ihr von der Berliner staltet, um den Bericht der Kreisvertrauensperson wie den der flärten von vornherein, sie würden auch ohne Mitwirkung der Geschäftskommission mit dem Parteivorstande verhandeln. Das Ver- Anwaltskammer verweigert wurde. Die Vertreter der Berliner stand ein Bortrag des Reichstagsabgeordneten Zubeil über das Vertrauensperson von Schöneberg entgegenzunehmen. Außerdem halten der anderen Organisationen fönne nicht als ehrlich be- Rechtsanwälte waren anständig genug, das Ansinnen abzulehnen, Reichsvereinsgefeß auf der Tagesordnung, der als erster Punkt bezeichnet werden. Der Redner verweist darauf, daß zu diesem einem ihrer Kollegen aus politischen Tendenzgründen die Existenz Punkt der Tagesordnung nur ein Antrag vorliegt, von den zu nehmen. In der zweiten Instanz, dem Ehrengerichtshof zu Maurern gestellt, der die Auflösung der Freien Vereinigung ver- Leipzig, aber sind die Anwälte in der Minorität, die Mehrheit wird langt. Der Redner schließt sein zweistündiges Referat mit der von Richtern gebildet, und von diesen hofft die Regierung die AusBemerkung: Sprechen wir uns gründlich aus, und wenn schmußige schließung zu erreichen. Und es ist in dieser Hinsicht nichts un Wäsche vorgebracht werden sollte, waschen wir fie, damit wir vor möglich in Deutschland. aller Welt rein dastehen.( Beifall.) bereinen austreten. A 17= Die Partei in den Vereinigten Staaten. Eine genaue uf ftellung über Parteibeiträge und Mitgliedschaft im Jahre 1907 ift von dem Nationalkomitee der Sozialdemokratischen Partei der Union herausgegeben worden. Die Zahl der Mitglieder war durchschnitt lich 29 679. Für jedes Mitglied, das einen Monatsbeitrag von 25 Cent( 1 m.) zu zahlen hat, werden 5 Cent( 20 Pf.) pro Monat an die Parteifaffe abgeliefert. Folgende Liste wurde aufgestellt: Beiträge Beiträge glieder Dollar zahl 825,40 542 Staat Mits glieders Dollar zahl 72,50 121 180,00 300 345,00 575 927,50 1546 320,00 533 251,60 419 94,45 157 146,25 244 1501,75 2503 289,00 482 443,70 739 405,00 675 79,50 183 75,00 125 117,00 195 81,00 180 884,25 1474 529,65 883 • 748,55 1247 552,00 920 Staat Montana Nebraska Mit New Hampshire 89,75 149 New Jersey New York.. North Dotata Dhio Dflahoma. Oregon • • 765,00 1275 1610,00 2683 24,75 41 943,95 1573. 925,00 1542 419,00 698 Bennsylvania 1391,00 2818 Rhode Island 105,00 175 South Dakota 108,15 180 Tennessee. 65,00 108 Teras 408,05 680 Utah 35,35 59 Vermont 40,50 68 Washington 630,75 1051 West Virginia 67,65 113 Wisconsin 1008,75 1678 Wyoming.. 180,35 300 • handelt wurde. Che Genosse 3ubeil auf fcin Thema einging, gab er einen furgen Bericht über die neuesten Vorgänge im Reichstag, der ja am selben Tage feine Sigung unter einem polizeilichen Be lagerungszustand abgehalten hatte. In Worten, die von Zorn und Entrüstung über die schmachvolle Haltung der Reichstagsmehrheit einschließlich der Freisinnigen" durchtränkt waren, schilderte der Redner, wie nach der Erklärung des Reichskanzlers die Straße nur dem gebildeten" Janhagel gehört, der ihm in der berüchtigten Wahlnacht Ovationen barbrachte, wie aber das arbeitende Bol, wenn es seiner Meinung Ausdruck geben will, wie eine Rotte wilder Tiere zusammengetrieben und niedergemacht werden kann. Der Mahnung des Reichskanzlers bedarf die Arbeiterklasse nicht, sagte der Redner. Das arbeitende Volt wird wissen, was es zit tun hat, und seinen Weg gehen, sein Recht erobern; trop alledem. -Die Versammlung gab in verschiedenen Zwischenrufen ihrer Ent rüstung über die Haltung Bülows und seines Anhangs Ausdrud und spendete dem Redner lebhaften Beifall. Zum Reichsvereinsgefeß bemerkte der Redner, der Entivurt zeuge davon, daß die Reichsregierung aus der Vergangenheit und Gegenivart nichts gelernt habe und das Vereinswesen unter Ober vormundschaft der Polizei halten will. zu begrüßen sei es, daß die Schranke fallen soll, die die Frauen im Vereinsrecht von den Männern trennt. Aber dieses Linfengerichtes wegen könne die Sozialdemokratie nicht für das ganze Gesetz mit seinen anderen reaktionären Baragraphen stimmen. Der Redner berurteilte aufs schärffte das Verbot gegen die Anwendung fremder Sprachen und wies darauf hin, daß es den Millionen Deutschen im Auslande, die ja eine Wlasse von Vereinen haben, wahrhaftig auch nicht gefallen würde, tvenn ihnen in jenen Ländern der Gebrauch ihrer Muttersprache berboten würde, was allerdings selbst in Rußland nicht der Fall ist. Ferner zeigte der Redner, zu welchen Zuständen es führen muß, wenn der überwachende Polizeibeamte das Recht haben soll, zu fordern, daß einem Redner das Wort entzogen wird. Der Redner tam dann zu dem Schluß, daß die Genossinnen es der sozialdemokratischen Fraktion sicherlich nicht verdenken könnten, wenn sie trotz des Vorteils, den der Entwurf für die Frauenorgani sation bietet, gegen das ganze Gesch stimme. Die Versammlung bezeugte durch allgemeinen Beifall, daß sie mit dem Rebner voll temmen einverstanden war. Nunmehr entstand eine Geschäftsordnungdebatte über die Reihenfolge der Diskussionsredner und Verlängerung der Redezeit. Es wurde beantragt, einen Befürworter des Auflösungsantrages ais Storreferenten unbeschräntte Redezeit zu gewähren. Das wurde jedoch mit 66 gegen 62 Stimmen abgelehnt. Es bleibt also bei der geschäftsordnungsmäßigen Redezeit von 20 Minuten. Gehi- Berlin( Maurer) begründet den Antrag der Maurer. Er habe auf dem 7. Kongreß die Alenderung des Programms begründet. Durch das neue Programm sollte nicht ein Abrücken von der Sozialdemokratie bekundet, sondern denen Gelegenheit zur Mitarbeit gegeben werden, die auf einem anderen als dem sozialdemokratischen Parteistandpunkt stehen. Nachher sei aber von Alabama inem Teil der Mitglieder das Programm anders ausgelegt worden, Arizona. um zivar im anarchistischen Sinne. Von dieser Seite sei behauptet Arkansas California worden, das Programm verwerfe den Parlamentarismus, für denfelben dürfe deshalb nicht innerhalb der Freien Vereinigung Colorado Propaganda gemacht werden. Diese Behauptung sei falsch. Das Connecticut Programm wendet sich nur gegen den Ueber parlamentarismus. Florida. Die verschiedene Auslegung des Programms von beiden Richtungen Idaho Illinois. habe zu den Gegenfäßen innerhalb der Freien Vereinigung ge= führt, die sich immer mehr zuspizten. Die anarchistische Richtung Indiana habe sich immer mehr breit gemacht und versucht, die Freie Ver- Joma cinigung in ihr Fahrwasser zu bringen. Eine von dieser Seite Ranjas cinberufene Borständesizung nahm eine Resolution an, welche sich Stentuch für die revolutionäre syndikalistische Richtung, für Antiparla- Louisiana imentarismus, Antimilitarismus, Gesez, Religions- und Water- Maine Tandslosigkeit sowie für den Generalftreit erflärt und Maryland von allen, welche diese Grundsätze der Freien Vereinigung an Massachusetts erkennen, verlangt, daß sie aus den sozialdemokratischen Wahl- Michigan Der Redner fährt fort: Können überzeugte Minnesota. Sozialdemokraten mit solchen Genossen noch länger gemeinsame Missouri Gache machen? Ich sage nein. Die Freie Vereinigung war Sozialdemokratischer Wahlerfolg in der Schweiz. In Schafffozialdemokratisch. Sie wird es die längste Zeit gewesen sein. haufen wählte die Bürgergemeinde unferen Parteigenoffen Bieber Wenn unser Antrag abgelehnt wird, gleitet sie ins syndikalistischmann in den Bürgerrat Sierauf gab die Kreisbertrauensperson, Genoffin Thiel, anarchistische Fahrwasser. Daß Sie dann überhaupt noch gewert ihren Jahresbericht. Probenummern der Gleichheit", Flugblätter, fchaftliche Stämpfe führen können, glaube ich nicht. Die VerBroschüren wurden in Massen berbreitet. Von der Kreisleitung Demonftration gegen einen sozialistischen Abgeordneten in Italien. tretung unferer sozialdemokratischen aus burden acht öffentliche Voltsversammlungen einberufen, die Rom, 21. Januar.( Eig. Ver.) schauungen ist uns in der Freien Vereinigung alle sehr gut besucht waren. Dazu kommen alle die VersammIn einer Barlamentsfizung des vorigen Dezember hatte Ge- lungen, die von den Vertrauenspersonen der einzelnen Orte verfast unmöglich gemacht worden. Als der Reichs. tag aufgelöst war, machte es uns große Schwierig noffe Oddino Morgari den Justizminister über die Verlegung anstaltet wurden. An den Wahlvereinsversammlungen haben die tetten, einen Artikel zugunsten der Reichstags- von Richtern befragt, bon der er wußte, daß ste verfest waren, um Genoffinnen sich als stille Teilnehmer ebenfalls beteiligt. Auch wahl in die Einigkeit" zu bringen. Wir konnten den Lokalbehörden des Ortes, denen die Richter nicht gefügig waren, waren sie zahlreich in die von den Genossen einberufenen öffentdas erst dadurch ermöglichen, daß der Artikel so abgefaßt wurde, einen Gefallen zu erweisen. Bei dieser Gelegenheit qualifizierte lichen Versammlungen vertreten. An einzelnen Orten wurden daß selbst die Gegner des Barlamentarismus nichts dagegen ein- Morgari die herrschenden Cliquen des Ortes Ariano di Puglie Lese- und Diskutierabende abgehalten, woran 250 Frauen teiltorrupt und unwissend". Obwohl diese Bezeichnung nahmen. Die„ Gleichheit" hat im Streise, soweit sie von den Parteiwenden konnten. Zu den Reichstags- Stichwahlen brachte die als damals einen Sturm des Unwillens im Parlament spebiteuren bezogen wird, 1560 Abonnenten. Frauenbildungs„ Einigkeit" überhaupt feinen Artikel. Ferner hat schon hatte Morgari am 19 d. M. den Mut, bereine bestehen jest 17 mit 1982 Mitgliedern. Jm lezten Jahre ist es die Geschäftsfommission abgelehnt, der„ Ginigkeit" ein heraufbeschwor, den Stadtwahlen in Ariano für die sozialistische die Mitgliederzahl um faft 1000 gewachsen. bom Parteiborftande herausgegebenes lug bei zu sprechen. Die jest im Drte herrschende blatt zugunsten der Wahlrechtsbewegung bei- Kandidatur Beschlossen wurde auch, die freiwillige Beitragsleistung zur zulegen. Der Verein der Töpfer hat eine Resolution an- Bartei organisierte eine brutale Demonstration gegen Morgari und Bartei einzuführen. Der Dienstbotenfrage ist man ebenfalls genommen, welche erklärt, daß die Gewerkschaften die Träger des als diefer trotzdem auf dem Rathausplatz auf einen Tisch frieg, um näher getreten; wenngleich auch noch teine neuen Dienstboten. Befreiungskampfes der Arbeiterklasse sein müffen. Daraus folgt, zu der Menge zu sprechen, fürsten die Demonstranten vereine gegründet werden konnten, so ist doch durch die Agitation daß die Vertreter dieses Standpunttes den Kampf gegen die den Tisch um. Zum Glück blieb unfer Genoffe unverlegt. Die auch auf diesem Gebiete ein guter Grund gelegt. Alle VertrauensSozialdemokratie und deren Taktik aufnehmen. Das tann natür. Bolizei tat ihr bestes um die Unruhen zu erhöhen, so daß nur in perfonen der verschiedenen Orte haben tüchtig gearbeitet, und auch lich tein Sozialdemokrat mitmachen. Weil in der Freien Ver- folge der Besonnenheit unserer Genossen ein Blutvergießen verhütet die Genoffen, befonders aber der Reichstagsabgeordnete des Kreises einigung eine große Zerfahrenheit herrscht, die nur schädigend für wurde. Da die Regierung befürchtete, die Wahlen könnten die Stadt haben sie tatkräftig unterstützt. Der Kreis hat icht 17. Ortsdie Arbeiterinteressen sein kann, deshalb haben wir die Auflösung verwaltung wieder in die Hände der Sozialisten bringen, ließ fie vertrauenspersonen. Die Jahresabrechnung der KreisbertrauensDer Freien Vereinigung beantragt. Wir haben uns mit dem Ver- durch den Präfekten mit Rücksicht auf die öffentliche Ordnung" die person, die die Rebnerin verlas, schließt mit 1299,49 M. Einbande geeinigt, weil wir als Sozialdemokraten in der Freien Ver- für den 19. angeſetzten Wahlen verschieben. Gelten doch die kleinen nahmen, 1278,10 M. Ausgaben und einem Bestand von 21,89 M. einigung, wie sie jest iſt, nicht mitarbeiten tönnen. Deshalb wollen Gemeinden Süditaliens der Regierung als Tummelpläge für jedwede Die Rebnerin wies zum Schluß noch darauf hin, daß die Frauen wir uns ehrlich von ihr trennen. Wir können das um so mehr, Willkür. den Kampf für das Wahlrecht mit gleichem Mut und Ausdauer als zwischen uns und den Verbänden keine Gegenfäße mehr be= wie die Genossen führen und auch am 12. Januar feineswegs stehen, und uns auch im Verbande kein Hindernis entgegensteht, müßig zugefchen haben. Sie würden auch ferner dafür sorgen, unfere bisherigen Grundsäge zu vertreten. Die Polizei ist nicht parteiisch. Dies suchte man dem Genoffen Daß den Herren, die sich mit ihrer ganzen Brutalität der geLeopoldt vom Halleschen Voltsblatt", fo berichtet waltigen Boltsbewegung entgegenstämmen, die rechte Antwort zuDiskussion hatte der Bericht nicht zur Folge. Ginman uns aus Halle, dadurch begreiflich zu machen, daß man ihn teil wird. bom Halleschen Schöffengericht zu 200 Mart Gelbftrafe ver- stimmig wurde der Genoffin Thiel auf Antrag der Revisoren Die Zeiger patriotischen Turner und die freien Ge- Decharge erteilt. Ebenso einstimmig wurde sie als Streisvertrauens. urteilte. werkichaftler hatten zu einem bestimmten Sonntage Aufzüge an- person wiedergewählt und beginnt damit das 8. Jahr ihrer Amisgemeldet. Der Aufzug der Turner wurde genehmigt, der der tätigkeit. Gewerkschaftler verboten. Dieses Verhalten der Polizei kritisierte Die Vertrauensperson von Schöneberg, Genoffin Bäumler, unfer Genoffe im Voltsblatt". Genoffe Leopoldt legte Berufung fonnte ebenfalls über einen erfreulichen Aufschwung der Bewegung ein. Vor der Straffammer fagte der Staatsanwalt, die Polizei und eifrige Agitations- und Aufklärungsarbeit der Genossinnen hätte doch nur für einen bestimmten Sonntag, damit am Orte berichten. Die Reichstags- und die Stadtverordneten feine Stonflikte entstünden, den Gewerkschaftsumzug verboten. wahlen brachten viel Arbeit. Alle Genoffinnen waren dabei nach Genosse Leopoldt erbot sich aber nachzuweisen, daß diefelbe Polizei besten Sträften unablässig tätig und ließen sich selbst durch die ärgsten auch an einem anderen bestimmten Sonntage folchen Unbilden der Witterung nicht abhalten. Versammlungen wurden Umzug verboten habe. Das Berufungsgericht bestätigte indes die von der Vertrauensperson nur 2 cinberufen, da ja die Genossen Geldstrafe von 200 m. Weiter wurde unser Genoffe wegen Bewegen der Wahlbewegung eine große Zahl von Versammlungen leidigung eines Gendarmen zu einem Monat Gefängnis beranſtalteten, an denen die Frauen fich start beteiligten. Die Abonnentenzahl der Gleichheit" ist am Orte noch wenig befric. verurteilt. digend, fie ist im Laufe des Jahres von 110 auf 116 gestiegen. Straftonto der Presse. Su drei Monaten Gefängnis Die große Arbeitslosigkeit hat offenbar hindernd eingewirkt. Doch Die politische Entwickelung der Freien Vereinigung der Ge- verurteilte am 22. b. Mis. die Straftammer in Oldenburg ben sollten die Frauen alles aufbieten, um ihrem Organe eine beffere werkschaften nach dem 7. Kongreß 1906 läßt flar erkennen, daß sie Genoffen Richard Wagner bom Norddeutschen Bolts- Verbreitung zu verschaffen. Die Abrechnung, die Frau Bäumler im Gegensatz zu ihrem Programm einen Weg eingeschlagen hat, blatt" in Bant. Wagner follte den Bürgermeister Koch in verlas, schloß mit 218,99 M. Einnahmen und 212,20 M. Ausgaben, der sie mit Sicherheit dem Syndikalismus bezw. Anarchismus Delmenhorst in einer während des Bantarbeiterstreits in Delmenhorst so daß ein Bestand von 6,79 m. verblieb. Die Rednerin gab ferner weiter entgegenführt. gehaltenen Rede durch zwei Ausdrfide beleidigt haben. Wagner die Abrechnung von den Ferienkolonien. Die Schöneberger Diese Entwidelung wird logischerweise die Verschärfung und bestritt, die Ausdrücke getan zu haben. Die als Zeugen erschienenen Genosfinnen haben bekanntlich im letzten Sommer dafür gesorgt, Erbitterung des KStampfes der zurüdbleibenden Vertreter und Heberwachungsmannschaften fagten jedoch wie am Schnürchen alle daß ungefähr 200 Proletariertinder tagtäglich aufs Land hinausOrgane der Freien Bereinigung der Gewerkschaften gegen die Es ist bezeichnend für die angeblich liberale Regierung in Olden fügung stellte. Die sonstigen Untoften wurden durch Sammlungen dasselbe. Nur der Oberwachtmeister hatte etwas anderes gehört. tamen, wozu die Stadt Schöneberg das nötige Fuhrwert zur Versozialdemokratische Partei und ihre Tattit im Stampfe gegen die burg, daß der Bürgermeister trotz des bolle Vereins- und aufgebracht. Die Einnahmen betrugen 718,50 M., die Ausgaben Herrschenden Gewalten zur Folge haben, den die Unterzeichner Berjammlungsfreiheit garantierenden Staatsgrundgeseyes die be- darunter 593,20 M. für Milch und andere Lebensmittel dieser Erklärung, ihrer Ueberzeugung gemäß, auf keinen Fall mit treffende Verfammlung von zwei Gendarmen, einem Schußmann 663,45 20., so daß ein Ueberschuß von 55,05 W. verblieb, die nicht machen fönnen noch wollen. und drei stenographierenden Magistratsschreibern hat überwachen ausgegeben werden konnten, weil einige Listen zu spät eingingen. lassen. Das Gericht erkannte nur eine formale Beleidigung und Die Rednerin forderte die Anwesenden auf, dafür zu sorgen, daß verurteilte Wagner zu fechs Wochen Gefängnis. Weiter stand die Anmeldung der Kinder zu den Ferienkolonien in diesem Jahre zur Anlage eine Artikelferie im Norddeutschen Volksblatt", die sich möglichst bald erfolgt, damit man der Stadt früh genug mitteilen mit den Zuständen in Delmenhorst befchäftigte. Obwohl die Artikel tann, wie viel Wagen gebraucht werden. ferie fich auf unabweisbar wahres Tatsachenmaterial stigte und sich in fachlicher und ruhiger Weise gegen das russische Regiment des Bürgermeisters wandte, wurde dennoch Wagner zu zwei Monaten Ueber die Diskussion, die sich bis in die späten Abendstunden hinzog, werden wir in der nächsten Nummer berichten. Um 9% Uhr erfolgte die namentliche Abstimmung über den Antrag, die Frete Vereinigung deutscher Gewert schaften aufzulösen. Der Antrag wurde mit 88 gegen 48 Stimmen abgelehnt. Hierauf verlas Gehl folgende von einer Anzahl Delegierter unterzeichnete Erklärung: In bezug auf den Beschluß des Kongresses, der die notwendig gewordene Zusammenfassung der Kräfte der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter im Stampfe zwischen Stapital und Arbeit verhindert und somit das Fortbestehen der Freien Vereinigung der Gewerkschaften ermöglichen will, sind die unterzeichneten Delegierten gezwungen, den Kongreß zu verlassen und die bisherige Berbindung mit der legitimen Leitung dieser gewerkschaftlichen Richtung aus folgenden Gründen zu lösen: Die unterzeichneten Delegierten ziehen es deshalb vor, unter Wahrung ihrer politischen Grundsäge, die im Ginklang stehen mit dem bisherigen Programm deutscher Gewerkschaften und dem der fozialdemokratischen Partei Deutschlands, dahin zu wirken, daß die Mitglieder ihrer Organisationen sich derjenigen Gewerkschaft anschließen, die mit der sozialdemokratischen Partei gemeinsam den Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Die Versammlung erteilte der Genossin Bäumler für beide Abrechnungen einstimmig Decharge und wählte sie ebenfalls ein. stimmig von neuem zur Vertrauensperson von Schöneberg. Für den zunatt der Zueraie übernimmt die Redaktion dem Bublitum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Sonnabend, 25. Januar. Anfang 7, Uhr. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Abends 8 Uhr: Kairo und die Pyramiden. Nachmittags 4 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Donath: Dio[ Saiteninstrumente in physykalischer Hinsicht. Königl. Opernhaus, Tristan umb Lustspielhaus. 3folde.( Anjang 7 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Die Braut von Messina. Deutiches. Die Räuber. Stammerspiele. Hochzeit.( Anf. 8 Uhr.) Lorging. Die Zauberflöte. Lessing. Die Wildente. Komische Oper Louise. Anfang 8 Ubr. Neues Schauspielhaus. frager. BollenNachmittags 3 Uhr: Iphigenie auf Tauris. Luit vielbans. Banne. Berliner. Blaubart. Neues. Baccarat. • Schiller 0. Wallner Theater.) Herenkessel. Immergrün. Schiller Charlottenburg. Gebildete Menschen. # Friedrich Wilhelmstädt. Schauspielhaus. König Heinrich. Weften. Ein Walzertraum. 8um erstenmal: Nachm. 3 Uhr: Ein toller Einfall. Abends 8 Uhr: Panne. Zentral- Theater. Gastspiel des Hebbel- Theaters. Abends 8 Uhr: Frau Warrens Gewerbe. Drama in 4 aften von Bernh. Shaw. Luisen- Theater. Reichenbergerstr. 34. Nachmittags 4 Uhr: Max und Moritz. Abends 8 Uhr: Zirkusleute. Sonntag nachm. 3 Uhr: Wallensteins Zod. Abends: Des Mädchens Lebenstvege. Theater an der Spree. Hokus- Montag: Ein gaftliches Haus. Hier pokus. Kleines. Mandragola. Zentral. Frau Barrens Gewerbe. Residenz. Bibi. Luisen. Zirkusleute. Nachmittags 4 Uhr: May und Morig. Trianon. Fräulein Josette- meine Frau. Thalia. Jmmer oben auf. Bernhard Rose. Die arme Mieze. Nachmittags 4 Uhr: Robinson Crusoe. Bürgert. Schauspielhaus. Gc schlossen. Metropot. Das muß man seh'n. auf: Er muß taub sein. DERNHARD ROSE THEATED Br. Frantjurterite 132 Die arme Mieze von R. Matull. Sonnabend nachm. 4 Uhr Kinders vorstellung: Robinson Crusoe. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Kaufmann von Venedig. Abends: Die arme Miezo Apollo. Somad. La belle Alexia Theater an der Spree Gentes. Folies Caprice. Mal was andres. Dunkle Punkte. Eine anständige Frau. Gebr. Herrnfeld. Papa und Genoffen. Kajino. Die Freuden der Häuslichkeit. Wintergarten. Robert Steidl. Spezialitäten. Tannhäuser. Köpenickerstr. 68, dicht am Bahnhof Jannowitzbrücke Täglich 8 Uhr: Hokuspokus Neueste Beriner Gesangspolje. Sonntag 3 Uhr: Ausgewiesen. Monna Banna, Cnf. 8%, Ubt.) Metropol- Theater Pastage. Rudolf Mälzer. Spezialitäten Borussia Variété, Aderstr. 6/7. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Carl- Haverland Theater. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. rauta. Taubenstraße 18/49. Theater 8 Uhr: Kairo und die Byramiden. Nachmittags 4 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Anfang präzise 8 Uhr. Das muß man seh'n!! Gr. Revue in 4 Akten( 12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater Charlottenburg. Sonnabend, abends 8 Ubr: Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Hexenkessel. Schausp. in 3 Akten von Georg Engel. Hierauf: Jungfer Immergrün Bolksstück in 1 Akt v. E. v. Wildenbruch. Sonntag, nach m. 3 Ubr: Das Glück im Winkel. Sonntag, abends 8 Ubr: Der Hexenkessel. Sierauj: Jangter Immergrün Montag, abends 8 Uhr: Der Hexenkessel. Hierauf: Jungfer Immergrün Gebildete Menschen. Bollsftüd in 3 Aufzügen von Viktor Léon. Sonntag mittag 12 Uhr: Kammermusik und Gesang. Sonntag, nam. 3 br: Der Richter, von Zalamea. Sonntag, abends 8 Uhr: Kollege Crampton. Montag, abends 8 Ubr: Der Richter von Zalamea. Schiller- Saal( Schiller- Theater) Charlottenburg Sonnabend nachmittag 6 Uhr: II. Vorlesung von Prof. Dr. Paul Schubring. Anleitung zum Betrachten von Kunstwerten im Anschluß an die Schäße des Kaiser- Friedrich- Museums. Abends 9 Uhr: II. Borlesung von Dr. Burkhardt: deutsche Lied. Das 165 Friedrichstr. 165 Castan's Panoptikum Das Schlangen- Ungeheuer mit seinen 27 Jungen.* Neue Welt Hafenheide 108-114. Großes bayerisches Bockbierfest Baron Muck's Bauernkapelle. 30 bayrische Madel. Heute im großen Saale: Familienabend. In den hinteren Sälen: Großer Ball. Anfang 7 Uhr. Entree 30 Pf. Däumling, der kleinste Mann der Welt! Parodie- Theater. Biogr.- Theater„ Westend“ Neu! Elegant! Intereſſant! Täglich Borstellung von 5-11 Uhr. Sonntags von 3-11 Uhr. Charlottenburg, Potsdamerstr. 11. Stetiger Eingang von Neuheiten. Deutsche Konzerthallen, An der Spandauer Brücke 3. Täglich Dentsch- Amerikanischer Urbock- Trubel. XIII. Saison. Dresdenerstr. 97. Anjang 8%, Uhr. Sonntags 8 Uhr: Nachtasyl. Tannhäuser. Bum 87. Mal: Monna Vanna. Sonntag nachm. 3, Uhr eine Preise: Zapfenstreich. Das Ungeheuer. Monna Banna. Sanssouci Kottbuser Straße 6. Direttion: Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoffmanns Nordd. Sänger 11. 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Montag: Mandragola. Theater des Westens. 8 Uhr: Ein Walzertraum. Operette von Dstar Strauß. Sonntag nachm. 3%, Uhr halbe Breise: Die lustige Witwe. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. König Heinrich. Anfang 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachlafyl Abends 8 Uhr: Madame Saus Gene. Tanzes. Walzerwahn bon Mary. Alfred Marquard. Siegwart Gentes in feiner Opernprobe. Hymack, der Mann mit den Handschuhen. Die 3 goldenen Jungfrauen. WINTERTEN 765 Neues Programm. Ruth Vincent Gesangskünstlerin. Kaufmann- Truppe reizendo Radfahrkünstlerinnen. Rochez Affen Der Affe als Kapellmeister. Robert Steidl dor beliebte Humorist, und viele andere erstklassige Spezialitäten. Lortzing- Oper. Dalast- Theater Belle- Alliance- Straße 7/8. Abends 8 Uhr: Burgstraße 24. Heute 8 Uhr Das Glöckchen des Eremiten. Entree 20 Pf. Die Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Trou babour. Abends 7% Uhr: Zauberflöte. Residenz- Theater. Direftion: Richard Alexander. Gastspiel von Baronesse Andrikonoff mit ihrer Hundemente. 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Horsch, Engelufer 15, bei Herrn Fahrow, Ravenéstr. 6, und in den Pharus- Sälen, Müllerstr. 142. Anfang 7, Uhr. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inferatenteil verantw.: Zb. Glode, Berlin, Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderci u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 21. 25. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Soabend, 25. Januar 1908, Zu den bevorstehenden Gemeindewahlen, bie in vielen Gemeinden der Streise Teltow und Niederbarnim im März dieses Jahres stattfinden, sind unverzüglich die nötigen Vorbereitungen zu treffen. Es ist zunächst Pflicht eines jeden Wahlberechtigten, sich davon zu überzeugen, ob er auch in der Wählerliste steht. Wer nicht in die Lifte eingetragen ist, darf nicht wählen. Es erhellt hieraus, daß die Einsichtnahme in die Wählerliste eine sehr dringende Pflicht jedes Wahlberechtigten ist. Ist jemand verhindert, sich selbst davon zu überzeugen, ob er in der Liste steht, so wende er sich vertrauensvoll an einen im Orte auf Plakaten oder im Vorwärts" bekannt gegebenen Parteigenossen und beauftrage diesen nach Aushändigung einer Legitimation mit der Einsichtnahme in die Lifte. 4 Genossen Franz Kaiser, Luckenwalderstraße 45, Heinrich Dieze und Stadtverordneter und Mitglied des Obdachkuratoriums sich entschloß, Andreas Haug, beide Amtsgarten 3. den vielen Klagen der Obdachlosen über unmenschliche Bügeleien Hoherlehme- Wildau im Gemeindeamt. Hoherlehme vormittags im Obdach dadurch auf den Grund zu gehen, indem er selbst in der von 9-12 Uhr und nachmittags von 2-5 Uhr. Die Einsichtnahme Rolle des Obdachlosen das Asyl aufsuchte, um mit eigenen Augen übernehmen die Genoffen Gastwirt Schumann und Fleischermeister sich von der Wahrheit der Klagen zu überzeugen. Dieser Schritt war Hoffmann. Niederlehme im Gemeindeamt vormittags von 9 bis 12 Uhr. notwendig, weil die bürgerlichen Stadtverordneten beim Vorbringen Zur Einsichtnahme sind bereit die Genossen Gastwirt Koch und folcher Klagen es stets weit von fich wiesen, daß im Obdach geFerdinand Harnau. schlagen wurde. Mit einer gewissen Entrüstung wurde von Mahlsdorf und Kaulsdorf. Für die Genossen, welchen es an Zeit den Herren das Vorhandensein bon Gummischläuchen abfehlt, die Wählerlisten einzusehen, ist für Kaulsdorf der Genosse geleugnet; eine solche Behauptung fei für die Beamten Kretschmer, Griefestraße, für Mahlsdorf und Mahlsdorf- Süd fogar beleidigend der verstorbene Stadtrat Momroth ( Kiekemal) der Genosse Robert Dertel, Mahlsdorf, Wagner- versicherte mit Emphase: Meine Beamten tun so etwas straße 44, bereit, dies zu tun. und nicht! Und als doch wieder diese Behauptung wieder. Buckow im Gemeindebureau bierselbst, Dorfstr. 8. Erfner im Gemeindebureau und beim Genossen Degebrodt. tehrte, fuhr man auf Anregung des Herrn Manroth sofort per Marienfelde im Gemeindebureau. Zur Einsichtnahme sind bereit Droschke nach dem Asyl, um diese skandalöse Lüge" ein für allemal zu widerlegen. Und siehe da, man fand feine Gummischläuche Adolf Berger, Kirchstr. 27 und Fritz Herhold, Lanfwigstr. 68 c. Weißensee auf dem Gemeindeamt und beim Genossen Roßlopf, vor. Die Angestellten waren, glänzend gerechtfertigt" Königchaussee 38. und„ die Lügner entlarot"! Aber der Gummis Rummelsburg im Rathause in der Zeit von 8 Uhr vormittags schlauch sputte" weiter und blutig Geschlagene verließen nach bis 3 Uhr nachmittags. wie bor das Obdach. Diese Verhältnisse veranlaßten den " " -- Wahlberechtigt ist jeder selbständige Gemeindeangehörige, Wilhelmsruh. Die Wählerlisten liegen im Amtsbureau, Hauptwelcher 1. Angehöriger des Deutschen Reiches ist, 2. die straße, an Wochentagen vormittags von 8-1 Uhr und nachmittags Genossen Hoffmann mit einem zweiten Genossen das Asyl, bürgerlichen Ehrenrechte besitzt, 3. seit einem Jahre in dem von 3-6 Uhr und Sonntags vormittags von 12-1 Uhr aus. Wer wenn es fein muß, acht Tage lang als Obdachlose zu besuchen, siehe da, schon Gemeindebezirk seinen Wohnsiz hat, 4. teine Armenunter- nicht selbst die nötige Zeit dazu bat, wende sich schnell an folgende um die Prügeleien festzustellen und ftügung aus öffentlichen Mitteln empfängt. 5. die auf ihn ent- Adressen: Restaurant Barth, Biftoriaftr. 7; Restaurant Sterften, am ersten Abend fand sich der unsichtbare Gummischlauch, nämlich in den Hosen eines Angestellten, von wo aus er seinen Weg fallenden Gemeindeabgaben bezahlt hat und außerdem a) ent- Niederstr. 5. Ecke der Kronprinzenstraße. weder ein Wohnhaus in dem Gemeindebezirk befigt, oder wählerlisten bereitwilligst: Gastwirt Blend, Sachsenstr. 10 und Gast nahm. Selbst Genosse Hoffmann trug die Abdrücke von dem bisher Für Niederschönbausen- West übernehmen die Einsicht in die unbarmherzig und ohne Wahl auf den Rücken der Obdachlosen b) von seinem gesamten innerhalb des Gemeindebezirks be wirt Lunow, Sachsenstr. 12. abgestrittenen corpus delicti" auf seinem eigenen Rücken. Jetz legenen Hausbesitz einen Jahresbetrag von mindestens 3 M. Mühlenbeck( bei Berlin). Die Wählerlisten liegen täglich zur konnte natürlich nicht mehr von„ Lüge" und„ Berleumdung" der Anan Grund- und Gebäudesteuer entrichtet, oder c) zur Staats- Einsichtnahme im hiesigen Gemeindebureau aus. Wer verhindert Die Schuldigen wurden aus einkommensteuer veranlagt ist oder zu den Gemeindeabgaben sein sollte, wende fich an Genoffen Ad. Bärich,„ Gasthof zur Sonne". gestellten gesprochen werden. nach einem Jahreseinkommen von mehr als 660 M. heran- Straße 10, liegen die Wählerliften in den Dienſtſtunden, und zwar zu ermitteln waren, und die Gummischläuche beschlagnahmt. Nieder- Schönhausen. Im Einwohner- Meldeamt, Blankenburger dem Dbdach entfernt, wenigstens soweit fie mit Sicherheit gezogen wird. Als selbständig wird nach vollendetem 24. Lebens- an den Wochentagen von 8-3 Uhr und an den Sonntagen von Damals schämte man sich noch, daß so etwas in 11-1 Uhr aus. Wer absolut feine Zeit hat, selbst die Listen ein- Institut der freisinnigen" Stadtverwaltung möglich jahre jeder betrachtet, welcher einen eigenen Hausstand hat. zusehen, fann sich in folgenden Lokalen melden: Suth, Platanen fei: Jegt, in der Zeit der Blockherrlichkeit und wo Orden Chambregarnisten sind wahlberechtigt, Schlafburschen ist das Straße 29; Gelbaar, Kaiserin- Augusta- Straße, Ecke Lindenstraße; die „ freifinnige" Männerbrust zieren, tann man jede Wahlrecht abgesprochen worden. Radzed, Kaiser- Wilhelm- Straße 10; Ratten, blandstr. 58; Gapa, Besonders sei darauf hingewiesen, daß man zur Ausübung Eichenstr. 12; Fröhlich, Eichenstr. 70; Babst, Beuthstr. 16;' Manke, Rüdficht und Scham ablegen, und so beschloß am Mittwoch das des Gemeindewahlrechts im Gegensatz zu den Städten Beuthstraße, Ecke Charlottenstraße; Hasse, Beuthstraße, Ecke Waldow: Kuratorium mit allen gegen die Stimmen der beiden Sozialnicht Preuße zu sein braucht, es ist erforderlich, daß man die straße; Dittmer, Blankenburger Straße; Rande, Kaiser Wilhelm- demokraten, die Beamten des Dbbachs mit Gummiknüppeln zu bewaffnen. deutsche Reichsangehörigkeit besitzt. Straße 4. In Reinickendorf werktäglich von 9-3 Uhr, Sonntags von Den äußeren Anlaß zu dieser laum glaublichen Maßregel 9-9 und 11-1 Uhr im Rathaus, Zimmer 11. mußten die von der bürgerlichen Preffe so verlogen dargestellten Bankow. Die Wählertifte liegt aus im Rathaus, Zimmer 25, angeblichen„ Wahlkrawalle im Obdach" geben. In Wirklichkeit ist wochentage von 8-3 Uhr und Sonntags von 9-1 Uhr. aber festgestellt, daß der Standal und die Ausschreitung der Tegel. Im Gemeindebureau wochentags von 8-1 Uhr vormittags und 2-5 Uhr nachmittags; Sonnabend von vormittags Obdachlosen am 8. d. Mts. früh nicht das allergeringste mit 8 Uhr bis nachmittags 5 Uhr; Sonntag vormittags von 10-1 Uhr. der Wahlrechtsdemonstration zu tun hatte, ja daß auch am 12. Franz.- Buchholz. Jm Amtsbureau wochentags von 8-1 Uhr außer Hochrufen auf das allgemeine Wahlrecht die anderen Geschehnisse bormittags und 3-6 Uhr nachmittags; außerdem Sonntags von nicht mit der Wahlrechtsdemonstration in Verbindung gebracht werden können. Es mußte im Kuratorium zugegeben werden, daß 8-9 Uhr vormittags. Bezirk Waidmannsluft im Gemeindebureau. auch die Darstellung der vorgekommenen Dinge selbst in der Presse Hohen- Neuendorf a. b. Nordbahn. Die Lifte für die Gemeinde- übertrieben ist. wahlen liegt bis 6 Uhr nachmittags im hiesigen Gemeindebureau Auch fann dieselbe beim Genossen M. Neumann, Berliner aus. Straße 44u, eingesehen werden. Die Liften liegen nur noch bis 30. Januar aus und zwar in: Groß- Lichterfelde im Gemeindebureau( Schillerstraße 32), Bimmer 8, Steglitz im Zimmer des Rathauses wochentags um 9 Uhr bormittags bis 3 1hr nachmittags. Wer nicht selbst die nötige Beit hat, wende sich so schnell als möglich an folgende Adressen: Schell. hafe, Ahornstraße 15a, Fritsch, Florastraße 2a, Wahrendorf, Schloß ftraße 117, Räther, Martsteinstraße 1, Kleefeldt, Brandenburgische Straße 1. Brit im Rathause und zwar werktäglich im Zimmer 6 während der Dienſtſtunden von 8 Uhr vormittags bis 1 Uhr und von 2 Uhr bis 4 Uhr nachmittags und an den Sonntagen im Wachzimmer ( Nr. 4) von 10 Uhr vormittags bis 12 Uhr mittags. Mariendorf im Rathause, parterre, Zimmer 11, an den Wochentagen vormittags von 9. bis 12 Uhr und nachmittags von 3 bis 6 Uhr, Sonntags von 9-10 Uhr. Für Verhinderte sehen die Ge nossen Reichardt, Chauffeeftr. 27, Ernst Bethke, Königftr. 36, und Hermann Lehmann, Bergstr. 17, die Listen ein. Schmargendorf im hiesigen Rathause wochentags im Zimmer 14 bon 9 bis 1 Uhr und Sonntags sowie am 27. d. Mts. im Zimmer 5 bon 10 bis 12 Uhr. Wem es nicht möglich ist, selbst nachzusehen, wolle seine genaue Adresse an Arbeiter Theodor Red, Breitestr. 1, oder an die Gastwirte Bartels, Restaurant Wirtshaus Schmargendorf", Warnemünder Straße 6, und Adolf Bötscher, Gasthaus zum Lindenbaum", Spandauer Straße 40, abgeben. = n Treptow Baumschulenweg im Gemeindehause hierselbst, Neue Krug- Allee 5, Zimmer 15, in den Dienſtſtunden und zwar an den Wochentagen von 9 Uhr vormittags bis 8 Uhr nachmittags und an den Sonntagen von 9 bis 10 Uhr vormittags. Für diejenigen, welche die Liste nicht selbst einsehen können, übernehmen folgende Genossen die Einsichtnahme: Rob. Gramenz, Kiefholzstr. 412 im Laden, Wangenheim, Baumschulenstr. 14( Laden), und Mette, Baumschulen straße 70( Laden). Rudow im hiesigen Gemeindebureau. Für diejenigen, die ver hindert sind, selbst die Liste einzusehen, übernehmen die Genossen Schafhirt, Neumann, Werner und Spegan die Einsichtnahme. Friedrichsfelde werftäglich von 8 Uhr vormittags bis 8 Uhr nachmittags und Sonntags von 10 bis 12 Uhr vormittags im Gemeindebureau, Schloßstr. 24. zu # Sälen 31-40 untergebrachten zumeist jungen Leute gegen Haus Nach der amtlichen Darstellung haben am 8. Januar die in den diener und Aufseher in ungestümer Weise angedrängt, als sie entlassen und„ berwarnt" werden sollten. Die Aufseher zogen die Notpfeife und erst mit Hülfe des Wasserschlauches war es möglich, die fich WiderHalfe gewürgt worden sein, in den Sälen foll eine Schlafdede zerschnitten worden und Fensterscheiben eingeschlagen sein. Benüte jeder den letzten Sonntag zur Einsichtnahme in die Lifte. Einsprüche gegen die Richtigkeit der Lifte gebe man sofort feßenden in die Säle zurückzudrängen. Dabei soll ein Aufseher am Protokoll. Partei- Angelegenheiten. Erster Wahlkreis. Morgen Sonntag, den 26. d. M., abends 6 Uhr, in der Lebensquelle", Kommandantenstr. 20: Versammlung mit Frauen. Vortrag des Stadtverordneten Dupont über Rechte und Pflichten der Frau im öffentlichen Leben". Nachher: Geselliges Beiſammensein und Tanz. Eintritt mit Garderobe und Tanz 20 f. Der Vorstand. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Dritter Wahlkreis. Heute Sonnabend, den 25. Januar, findet das Stiftungsfest im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, statt. Das Programm desselben ist in jeder Beziehung ein gutes zu nennen und lönnen wir den Besuch des Festes nur empfehlen. Der Vorstand. Rigdorf. Achtung! Dem allgemeinen Wunsche unserer Mit glieder betr. Wiederholung des Theaterstückes, Flachsmann als Erzieher ist der Vorstand nachgekommen und findet die Vorstellung morgen Sonntag, den 26. Januar, nachmittags präzise 23 Uhr, im Rigdorfer Theater, Bergstraße, statt. Die Genoffen werden ersucht, für recht regen Besuch zu agitieren und sind noch Billetts a 60 Pf. in der Vorwärts" Spedition, Re dar ftr. 2, zu haben.- Die Ordner bitten wir Der Vorstand. Karlshorst, Dönhoffstraße 31, I, bormittags von 8 Uhr bis nach mittags 3 Uhr; Sonntage von 10-12. Wer teine Zeit hat, selbst nachzusehen, wende sich an Heinrich Stühmer, Dorotheaftr. 23, II, Baul Michaelis, Karl- Egon- Straße 20, III, Gustav Beder, Rödel- um 12 Uhr zu erscheinen. Straße 14, I oder Kehr, Heiligenbergerstr. 22, III. Schmargendorf. Morgen Sonntag, den 26. Januar, früh 8 Uhr, Johannisthal im Gemeindebureau, Zimmer 2, wochentags bon findet vom„ Wirtshaus Schmargendorf" aus eine Handzettel8 Uhr vormittags bis 8 Uhr nachmittags. Außerdem beim Genossen verbreitung statt. Es ist Pflicht jedes Parteigenoffen, fich daran zu Gobin, Roonstr. 2. Die Einsichtnahme in die Liste übernehmen die beteiligen. Der Vorstand. Genossen Radumte, Roonstr. 4 und Schuhmachermeister Birfich, Roonstr. 4. Zehlendorf im Gemeindeamte, Hauptstr. 88, Zimmer 4, während der Dienststunden von 8 Uhr vormittags bis 8 Uhr nachmittags; am Sonntag, den 26. Januar, vormittags von 9-10 Uhr. Friedenau im Gemeindebureau, Feurigstraße, 8immer 1-2, an den Wochentagen von 10-3 Uhr. Sonntags von 8-10 bor mittags. Zur Einfichtnahme bereit ist Genoffe Mag Flieg, Rhein Straße 47( Laden). Friedrichshagen im Rathause wochentags von 9-1 Uhr und Sonntags von 9-11 Uhr. Nieder- Schöneweide in dem Gemeindegeschäftszimmer bierselbst, Grünauer Straße 1 I, während der werftäglichen Dienststunden. Wannsee im Gemeindebureau, Zimmer Nr. 5. Grünau während der Dienststunden im Gemeindeamt, Zimmer Nr. 2. Die Einsichtnahme in die Liste übernehmen unter Aus händigung einer zuverlässigen Legitimation die Genoffen Wilh. Cöhn, Bahnhofstr. 8, Ernst Miegner, Königstr. 2, und Johann Franz, Grüne Ede". Neuenhagen a. Oftbahn. Morgen Sonntag, den 26. Januar: Flugblattverbreitung. Die Genoffen werden ersucht, sich früh 8 Uhr beim Genossen R. Schuhmann, Wolterstraße, einzufinden und die Flugblätter in Empfang zu nehmen. Ist es schon an und für sich ganz merkwürdig, daß von den „ Halswürgern" und Erzedenten des 8. Januar niemand ermittelt werden konnte, so mußte die Darstellung von den Vorgängen noch auffälliger wirken, weil der im Obdach stationierte Schußmann dabei stand, aber nicht eingriff. Sonst find doch Schuhleute nicht so zurückhaltend. Hat der Bachhabende selbst etwa die Halswürgerei" nicht für bedenklich gehalten, daß er nicht einmal den Würger feststellte? Es muß wohl fo sein, sonst hätte er sicher den sich so in Lebensgefahr befin denden Beamten Hülfe geleistet. Dann find einige Hochrufe auf das Wahlrecht vor und in dem Obdach ausgebracht worden. Weiter habe ein Mann auf Antrag ruhiger Obdachinfassen wegen seines Betragens aus dem Obdach ausgewiesen werden müssen. Dieser Fall hätte aber mit Wahlrechtsdemonstrationen nicht das geringste zu tun. Dieser und ein zweiter Radaubruder, der für sich zwei Pritschen in Anspruch nahm, vereinigten sich vor der Tür des Obdachs, nachdem sie mit Gewalt hinaus gebracht worden waren, wobei andere Obdachlose die Angestellten unterstüßten und schüßten. Die Hinansbugsierten schlugen den Torweg entzwei und zertrümmerten die Scheiben; sie wurden dann arretiert, wobei der eine entwich. Das ist im wesentlichen der amtliche Bericht, der nach Angabe des Oberinspektors von den Beamten gegeben ist. Auf Grund solcher Unterlagen soll jezt auf Beschluß des Kuratoriums, der sich freifinnig" nennenden Mehrheit desselben der Gummiknüppel eingeführt werden; ja ein Teil dieser Freisinnigen" war damit noch nicht zita frieden, die Herren verlangten den, Sabul" und den, Revolver". Unsere Genossen im Kuratorium meinten, wie es denn mit ein paar abgelegten Kanonen wäre? Diese würde man sicher durch Vermittlung des Blodbruders Bülow billig er halten. Nowawes. Am morgigen Sonntag von 8-12 Uhr findet das Einlassieren von Beiträgen für den Wahlverein in folgenden Botalen statt: 1. Bezirk: Otto Hiemte, Walstr. 55; 2. Bezirk: Dem jezigen Dezernenten, dem eben mit einem viertklassigen Sarl Bruhl, Priesterstr. 69; 3. Bezirk: Ludwig Richter, Groß Drden geschmückten Stadtrat Fischbed, ist aber mit Gummiknüppein Beeren- Straße 59. Auch werden neue Mitglieder aufgenommen. und Wasserschläuchen noch nicht gedient. Nach ihm müsse man Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Mittel haben, um gewissen Elementen den Besuch des Obdachs zu berefeln. Dazu scheint ihm der vom Pastor Bodelschwingh angestrebte Arbeitszwang am geeignetsten. Hat sich was mit Arbeitszwang, wenn feine Arbeit zu finden ist, oder wenn Leute durch die wirtschaftlichen Verhältnisse so ausgemergelt und kraftlos find, daß sie nur gewiffe leichtere Arbeit verrichten fönnen! Berliner Nachrichten. Arbeiter- Bildungsschule Berlin. Unsere Genossen im Kuratorium rüdten diese Art der ArbeiterWir machen nochmals auf den heute beginnenden UnterAdlershof während der Dienſtſtunden von 8 Uhr vormittags bis richt in Geschichte aufmerksam. Da jezt gerade das Thema freundlichkeit ins hellste Licht, allein sie predigten tauben Ohren, als 8 Uhr nachmittags im hiesigen Gemeindeamte, Bismardstraße Nr. 1, dieses Unterrichts: Moderne Kolonialgeschichte" äußerst fie auf das Unsinnige der neuen Obdachberekelung hinwiesen. 8immer Nr. 7. aftuell ist, so hoffen wir, daß der Besuch ein entsprechend Den vom Fusel durchseuchten Geistern der Wahlentrechteten" Zeuthen im Gemeindeamte während der Stunden bon 8 bis 12 Uhr vormittags. Diejenigen, die an der persönlichen Ein Bahlreicher wird. Was Einzelvorträge nicht vermögen, eine gegenüber, rief Herr Stadtverordneter Rettig, ist der Gummifichtnahme berhindert sind, werden ersucht, ihre Adresse usw. im tiefergehende fachliche Drientierung zu geben, um in den fnippel für den Beamten gar fein genügender Schuh, er wäre Restaurant Raebe abzugeben. Wirrwarr der Meinungen eine feste theoretische und historische dafür, dieselben fogar mit Revolvern auszurüften! Grundlage zu schaffen, dürfte durch diesen Byflus von 10 Vorträgen ermöglicht werden. Der Besuch dieser Vorträge ist ja für diefes Quartal noch dadurch erleichtert worden, daß der Unterricht in Naturerkenntnis vom Sonnabend auf den Montag verlegt wurde. Lantwit im Gemeindebureau, Hauptstr. 18, Zimmer 2, während der Dienststunden. Eichwalde im Gemeindebureau hierselbst, Grünauer Straße 49, an den Wochentagen von 9-1 Uhr. Lichtenrade im Gemeindebureau, Dorfstr. 81, während der Dienſtitunden. Schmödwit im Gemeindeamt. Grunewald im Gemeindebureau, Serthaftr. 18, 8immer 14, während der Dienststunden von 8-8 Uhr. Tempelhof im Gemeindebureau, Doifstr. 42, Zimmer 6. Königs Wusterhausen im Rathaus vormittags bon 8-1 Uhr und Bachmittags bon 3-6 Uhr. Die Einsichtnahme übernehmen die , as wollen Sie denn" ,, rief auf einen Zuruf von feiten der sozialdemokratischen Vertreter der Herr in höchster Aufregung! fragen Sie doch einmal die Borarbeiter und Boliere auf den Bauten, die tragen auch folche und noch ganz andere Waffen bei sich zum Schuße gegen die eigenen Genossen!" Der offizielle Gummiknüppel im städtischen Obdach. Als Genoffe Hoffmann dem Herrn erwiderte, daß er ihm Bu der neuesten Leistung unserer freisinnigen Stadtverwaltung, draußen Gelegenheit geben werde, diese unerhörte Behauptung zu gegen Obdach und Heimatlose den Gummiknüppel au schwingen, beweisen, geriet der Herr außer sich und rief: Sie haben gar nichts wird uns noch geschrieben: Es dürfte noch bekannt sein, daß vor draußen von dem zu erzählen, was ich hier gesagt. Wenn ich das etwa sechs Jahren Genosse Hoffmann in seiner Eigenschaft als fage, haben Sie es au glauben. 3 tann bas night be. weisen". Nun wir hoffen, daß die Borarveiter und Poliere dem Herrn Gelegenheit geben werden, ihnen mitzuteilen, woher er seine Kenntnisse hat. Vielleicht wird nun in daS Wappen der Stadt Berlin der (Bttmmllit Appel aufgenommen als Wahrzeichen echt freisinniger sozialen Fürsorge und Fischbeckscher»Volksfreundlichkeit". Gummiknüppel. Obd achverekelung und Ar Seitshaus, das sind die Mittel, durch welche»fteisinnige Volks freunde" die ArSeitSlosigkelt beseitigen, und wer ihr»warmes Herz für die Annen" nicht anerkennen will, ist ein»unverbesserlicher Hetzer", dessen»wiisteS Treiben einen kalt lcißt"! Polizeiliche Beaufsichtigung der Kinematographen. Die im Ministerium des Innern eingegangenen Berichie be stättgcn, nach einer offiziösen Meldung, in Verbindung mit den in .............~......... Feuer» rer- _________ I W Dar' tellungen, insbesondere auf jugendliche Zuschauer. Bei der Ver- chiedenheit der örtlichen Verhältnisse erscheine jedoch die Auf tcllung allgemein gültiger Vorschriften für die polizeiliche Deauf lchtigung der Kincmatographcn nicht zweckmähig. SS werde viel» mehr den Provinzialbehörden und eventuell den örtlichen Polizei' Verwaltungen überlassen bleiben müssen, die erforderlichen Mah' nahmen zur Wahrung der Betriebssicherheit und zur Verhinde- rung aller vom Standpunkte der öffentlichen Ordnung, insbeson? dere der öffentlichen Sittlichkeit anstößigen und ungeeigneten Dar- btetungen den besonderen örtlichen Verhältnissen und Bedürfnissen entsprechend selWändig zu treffen. Als Anhalt hierzu könne die Polizeiverordnung des Polizei Präsidenten von Berlin vom 30. September lR>7 dienen. Von der Häufigkeit und von der Ausgestaltung der kinemator Vorstellungen in den einzelnen Bezirken werde es abhängen, ob entsprechende Vorschriften im Wege der Polizeivsrordnung generell zu erlassen oder im Weg« der polizeilichen Verfügung von Fall zu Fall den einzelnen Unternehmern aufzuerlegen sein werden. Von den gleichen Gesichtspunkten aus. werde zu erwägen sein, ob im Pclizeiverordnungswcge. eine Präventivzensur für kinemato- graphische Vorführungen einzuführen ist. oder ob es ausreichend erscheint, den Inhalt der Kinematographenbilder während der�Äuf- führungen durch geeignete Beamte kontrollieren zu lassen und gegen anstößige Bilder eventuell repressiv im Wege der Polizei- lichcn Verfügung vorzugehen. In diesem Sinn« ist ein Rund- schreiben des Ministers des Innern ergangen Zn den Wahle» zum KaufmannSaericht! Die„Hirsche im Stehkragen" oder wie sie sich stolz nennen Verein der deutschen Kaufleute, hielten am Donnerstag im Gewerk- verrinshaus eine öffentliche Versammlung ab, in welcher mit den Gegnern der„Hirsche" abgerechnet werden sollte. Zuerst sprach, Pardon, predigte ein Herr Borchardt eine Stunde lang im Kanzel- wn über die Verderbtheit der nicht Hirsch-Dunckerschen Handlungs- gehülfen im allgemeinen und der rm Zentralverband der Hand- lungsgehülfen organisierten klassenbewußten Gehülfcn im be- sonderen. Da mutzten all die längst widerlegten Reichsverbands- lügen und Verleumdungen herhalten, um die Kandidaten der Liste kll. welche der Zentralverband präsentiert in der öffentlichen Meinung hcrabzureißen. Vergebliche Bemühungen I Die Berliner Handlungsgehülfen wissen viel zu genau, daß gerade die sozialdemokratische Gesinnung der Kandidaten der Liste III eine Gewähr für eine im Sinne der Angestellten nützliche Rechtsprechung Gewähr leistet. Nach Herrn Borchardt stammelte ein gewisser Herr Sommer eine sogenannte Äandidatenrede, welche eine volle Stunde in. Anspruch nahm. Dir unwichtigsten Sachen ans feinem Privat- leben kramte dieser Herr aus. mir«m die Versammlung in di« Länge zu ziehen und so möglichst zu verhindern, daß die an- wcsenden Vertreter der Liste III zum Wort kommen. Als nun endlich gegen 12 Uhr nachts die beiden Referenten mit ihren Ergüssen fertig waren, zeigten sich die Hirsch« wieder einmal in ihrem besten Achte.— Pompös hatte man»freie Aus- sprach«" angekündigt.. Iva» wohl die Herren von der Leitung vcr- anlaßte. sofort bei Beginn der Diskusston die Redezeit erheblich, zu beschränken, Doch als die Herren merkten, daß sie Geduld der Anhänger der Liste III noch nicht erschöpft war und sie trotz dieser unerhörten Provokation im Saal« blieben, mutzte man zu be- wußten Rechtsbrüchen schreiten. Nachdem bereits drei Redner ge- sprachen und»war ein Beamter d,r Hirsche und zwei Antisemiten. da erteilt» man plötzlich Herrn Troger. dem Redakteur des Ver- eins der deutschen Kausleute, das Wort, trotzdem dieser Herr erst kam, nachdem sich bereits ein Anhänger der List, III zum Wort gemeldet hatte. Run war die Geduld der ZentralverbandSmit- glieder erschöpft. Entrüstet verließen sie die Stätte der Rechts- perletzer. Jedoch nicht, ohne dem Vorsitzenden, einem gewissen Aus, Häuser, zu sagen, daß er gemogelt habe. Daß die„Hirsche" das Recht brechen, ist an sich nicht neu, typisch ist aber, daß man die Antisemiten zu Wort kommen ließ. Von diese» befürchtete man nichts, ha man von vornherein annehmen konnte, daß die in der Mehr- zahl jüdischen Mitglieder des Verein» der deutschen Kaufleute keine Antisemiten wählen. Nur die klassenbewußten Handlungsgehülfen sind gefährlich, die müssen mundtot gemacht werden. Hoffentlich trage» diese Manipulationen dazu bei, daß erst recht viel Stimmen am 0. Februar aus die List« III abgegeben werden. Wahle» zum Jnnungsschiebvgericht und GehülsenauSschusi im Gastwirtsgewerbe. Gestern nachmittag fanden in den Borussia, Sälen, Ackerstraße ö/7, die Wahlen zum GchülsenauSschuß der Berliner Gastwirte-Jnnung statt. Trotzdem, daß seitens der Gelben, von 10 ganzen Kellnervereinen, barunter der Deutsch« Kcllnerbund und der Genfer Verband, die größten Anstrengungen gemacht wurden, um den organisierten Gastwirtsgehülfen die Mandate zu entreißen, endete die Wahl mit einem großen Fiasko für das nationale Kartell. Im ersten Wahlgang wurden insgesamt S2S Stimmen ab, gegeben, davon erhielten die arganisierton Gastwirtsgehülsen 230 Stimmen und die Gelben 78. 11 Stimmen waren ungültig. Am zweiten Wahlgang kamen auf di« Liste der Organisierten 234 und auf die der Gelben ö7 Stimmen. In, dritten Wahlgang erhielten die Gastwirtsgehnifen 214 und die Gelben 43 estimme». Di« Wahlen sind her deutlichste Beweis dafür, daß auch die Kellnerhewegung täglich mehr in Fluß kommt und daß sich die Er- kenntniö immer mehr Bah» bricht, daß lediglich der Verband der silastwirtsgehülfen die einzige Interessenvertretung für sämtliche Angestellten im Gastwirtsgcwerbe darstellt. Der ObervcrwaltungsgerichtSrat und Stadtälteste, frühere Stadtrat von Berlin R. Reubrink, ist gestern gestorben. Lorortverkehr»ach Kremmen. Eine überraschende Meldung kommt aus dem altmäriischcn Städtchen Kremmen. Die Eisen. bahndirektion Berlin hat mit der Gemeinde Kremmen llnterhand- lungen angeknüpft wegen Einbeziehung dieses Orteö in die Berliner Vorortszonc. Die Ausdehnung des Berliner Vororts- verkehr« nach Kremmen wird abhängig gemacht von einem Zuschuß, den die be�'Lgten Gemein»-,, zu zahlen haben und welcher für die erwähnte Stadt 4S 000 M. betragen soll. Die Stadtverordneten- Versammlung hat sich mit dem Antrage der Eisenbahndirektion Berlin bereits beschäftigt, sich bereit erklärt, den geforderten Be- trag zu bewilligen und den Magistrat beauftragt, eine spezialisierte Vorlage auszuarbeiten. Kremmen liegt an der Eisenbahnlinie Berlin— Velten— Neuruppin— Wittstock und ist 39 Kilometer vom Stcttiner Bahnhof entfernt. Bis jetzt reicht der Vorortsvcrkehr bis Tegel, wird jedoch, wie wir bereits mitteilten, in kürzerer Zeit bis Velten verlängert werden. Von dort aus werden dann die Stationen gehlcfanz. Schwante und Kremmen VorortSverkehr er- halten.• Die Fahrzeit der Personenzüge Berlin— Kremmen betrögt jetzt zirka 1 Stunde S5 Minuten. ' Festnahme einer mazedonischen Reisebettlerhande. Seit Wochen arbeitet hier mit großem Erfolge eine Band« von Mazedoniern, deren aktive Mitglieder auf grund von Sammel buchen, bettelten, die vorn ein gedrucktes Anschreiben enthielten. wonach dem Buchinhaber bei einem Kmnps im Jab?« 1004 von Türken die gunge abgeschnitten worden sei. Sie gaben auch nur unartikulierte Laute von sich und eS gelang auch bei geöffnetem Munde nicht, die Zunge zu erblicken. Zufällig wurde vorgestern ein Mitglied der Bande beim Bettel» abgefaßt und der Kriminalpolizei zugeführt, wo es durch geeignete Maßnahmen gelang, den Fest. genommenen zum Herausstrecken der Zunge und zum Sprechen zu bringen. Auch sein und setner Komplizen Ouartier im Hanse MarkuSstr. 17 wurde ermittelt. Hier setzten sich Kriminalbeamte hinein, die die heimkehrenden Mitglieder, einen nach dem anderen— abfingen. ES waren im ganzen 7 Personen, wovon 4— junge Burlchen— mit den beschriebenen Sammelbüchern betteln gingen. Die Bande scheint nicht nur i» Deutschland gearbeitet zu haben. wie aus einem in polnischer Sprache bei dem einen vorgesun denen schon erwähnten Aufruf hervorgeht. DaS„Geschäft" muß sehr lukrativ gewesen sein; wurden doch Gelbrollenpapiere mit dem Auf- druck: 6 Mark in 10 Pfennig-Stücken in größerer Menge und eine Bankqnittung über eine Einzahlung von 400 M. gefunden. Nach ihren PSsien, deren Echtheit natürlich noch nicht feststeht, sind die Festgenommenen: ein Arbeiter Georg PanteliS. ein Arbeiter Jean SwoucaS. die beide als Manager fungierten, zwei andere SwoucaS. ein Plakas. ein MallioS, welche vier angeblich zungenloS betteln gingen, endlich Josefa NenntziSka. welche der Bande die Wirtschaft führte. Geschädigte wollen sich im Zimmer LS des Polizeipräsidiums Berlin beim Kriminalkommissar Krüger melden. Jeder erhielt ein Buch, in dem in polnischer Sprache folgender Sermon zu lesen war: »Ich bin aus dem Städtchen Monastyr in Mazedonien. wo ich nach dem Tode des BatsrS ein« zahlreiche Familie unter- halten mußte, bestehend auS einer alten Muttsr und zwei minder- jährigen Schwestern. Unser Vermögen bestand st, einem Manufaktur- Warengeschäft im Werte von 10 000 Rubin. Am 13. November 1004. während des letzten Kampfes der Türken mit den Bulgaren. plünderten die Türkei, unser Hau« und vernichteten unsere ganze Habe. Meine zwei älteren Brüder wurden im Kamps« getötet, nüch aber nahm man gefangen und schnitt mir di« Zunge ab. In der Nacht gelang es mir, in das Dorf Aresso zu entfliehen, Ivo ich am Typhus erkrankte, mein Gehör verlor und taub- stumm wurde. Unser sind viele, die Hunger leiden. Ich bitte gute, barmherzige Christen um Hülfe und Gott wird es Euch hundertfach vergelten."_ Für den Achtuhr-Ladenschlutz hat sich der neubegründete Verein Berliner Spezial- Putzgeschäfte ausgesprochen. Die Mitglieder sollen besondere Aufforderungen erhalten, bei einer allgemeinen Abstimmung zugunsten de« Llchtuhr-LadenschlusseS einzutreten. Vorort- JVaebnebtern Gegen das Hauöbrsitzerprivileg. Im Sozialfortschrittlichen Kommunalwahlverein für Berlin behandelte am Mittwoch in einer von Männern und Fra,wn zahl- reich besuchten Versammlung der Stadtverordnete R. Voßberg- Schönebcrg die Frage:„Bedarf der Liberalismus eines kommu- nalen Programms?" Es wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die heutige, von Männern und grauen zahlreich besuchte öffentliche Versammlung des Sozialfortschrittlichen Kommunal- Vereins für Berlin betrachtet die Einführung des allgemeinen, leichen, geheimen un.d direkten Wahlrechts für den preußischen landtag als eine unumgänglich notwendige Borbedingung für eine gesund« Kommunolaesetzgebung. insbesondere für die Ein- ührüng eines demokratischen Wahlrechts für Männer und grauen bei den kommunalen Wahlen und vor allem für die Abschaffung des Hausbesitzcrprivilegs. Sie hält es für die Pflicht eines jeden liberalen Abgeordneten, mit allen Kräften auf die Erreichung dieser Ziele hinzustrcben." Die liberalen Abgeordneten, di» ernsthaft mit allen Kräften für ein gerechtes Wahlrecht für Staat und Gemeinde und für Beseitigung des Hausbesitzerprihilegs eintreten, sind sehr dünn gesät. Ernsthaft führt nur noch die Sozialdenwkratls diesen Kampf, von einigen wirklich Liberalen abgesehen. Z» der Ermordung des Försters Schwarzcnstrin in Rahnsdorf wird uns heut« noch folgendes mitgeteilt: Di» Nachforschungen der Polizeibehörde nach dem Urheber deS Verbrechens hatten bis zur Stunde keinen Erfolg. DaS hiesige Polizeipräsidium hat den Kriminalkommissar Leonhardt nach der Mordstätt« entsandt, damit er die Ermittelungen nach dem Täter in die Hände nehme. Unweit >er Stelle, an der der Förster Schwarzenstein tot aufgefunden worden ist, hat man jetzt eine Fußspur entdeckt, die anscheinend »och frisch War und die vom Rande oeS Waldes über«inen Acker- treifen nach dem Müggelsee zu führte. Es ist daher nicht aus- geschlossen, daß der Mörder diesen Weg zu seiner Flucht genommen hat. Aon der Fußspur hat die Polizei Abdrücke genommen. Die Untersuchungsbehörde verfolgt jetzt die Spur eines unbekannten Mannes, der von dem Büffetier Schuhmann aus Rahnsdorf zur raglichen Zeit an der Mordstätt« beobachtet worden ist und der ich auch kurz vorher in dem Grafschen Lokal, in dem Schwarzen- tein ebenfalls gewesen war. aufgehallen hatte. Es wird damit gerechnet, daß der Mörder sein Opfer schon seit längerer Zeit be- obachtct hat und auf den Augenblick wartete,, bis es da« Lokal verlassen und sich nach dem Wald zu gewandt hatte. Auch durch einen Gendarmen ist ein Verdächtiger angehalten worden. Ein mit einer grauen Joppe bekleideter Bursche fragte den Beamten morgens gegen 2 Uhr. wann der nächste Zug von Rahnsdorf ab» fahre. Es wird verniutet, daß der Täter vielleicht doch ein Wilderer ist, und zwar ein solcher, der mit dem Ermordeten'in dessen früherem Revier unangenehme Erfahrungen gemacht hat. Förster Schwarzenstein war, bevor er das Revier am Müggelsee angetreten hatte, in Markgrafpieske stationiert. Wiederholt hat er anderen gegenüber erzählt, daß er dort mit Wilderern Zusammenstöße g«, habt hat. Ein Kollege dcS /Sch.. der auf dem benachbarten Gebiet von Markgrafpieske stationiert' war. ist seinerzeit von Wilderern im Walde erschossen worden. Es ist auch die Ver- mutung ausgesprochen worden, daß Sch. das Opfer einer Ver- wechselung geworden sein lönnte. Bis aus die Wilderer, mit denen er in seinem vorigen Revier zusammengestoßen ist, hatte er so gut wie gar keine Feinde, und man kann sich infolgedessen nicht er- klären, aus welchen Motiven der Mord an dem allgemein beliebt gewesenen Förster verübt worden ist. AuS der Haft entlassen ist der zum zweiten Mal wegen Ver» dachts der Ermordung an der Frau Gläser verhaftet gewesene frühere Steinsetzer W. Schmidt. Feuerwehrbericht. Wegen cincS Dachstuhlbrandcö wurde gestern früh um 0 Uhr die Feuerwehr nach der Kaiserstraße SS alarmiert. Durch kräftiges und schnelle« Wassergeden gelang es. die Gefahr auf den Dachstuhl zu beschränken. Die Entstehung wird auf Unvorsichtigkeit zurückgeführt. Ferner hatte die Wehr in der Artilleriestr. S zu tun. wo in einer Wohnung Feuer ausgekommen war. daS Gardinen usw. ergriffen hatte. Im zweiten Stock des Ouergebäudes Schönhauser Straße 27 brannten Kleider, Kisten. Wäsche, Türen, Hausrat u. a. und in der Neuen Jakobstrahe 0 Gardinen, Möbeln usw. Der 7. Zug muhte einen Wohnungsbrand in der Großen Frankfurter Straße 102 löschen. Letten, Gardinen. Tapeten. Möbel usw. waren dort«n Brand geraten. In der Lands- berger Straße 37 standen Bodenverschläge in Flammen und in der Sparrstratze 24 war auf dem Korridor Feuer ausgekommen. Außerdem hatte die Wehr noch in der Eaprivistraße 23 und an anderen Stellen zu tun. SchSueberg. Achtung GewerbegerichtSwahl. Am heutigen Sonnabend, von nachmittag 4—K Uhr fjndrn die Wahlen der Arbeitnehmer zum Gc- wcrbegericht statt. Diejenigen Arbeiter, hie in Schöneberg wohnen und auch arbeiten, wählen in dem Wahllokal des Bezirks, wo sich die ÄrbeilSstätte befindet; diejenigen, welche in Schöneberg wohnen und nicht am Ort arbeiten oder am Tage der Wohl arbeitslos sind, in dem Bezirk in dem die Wohnung liegt. Wahlberechtigt ist, wer ein Alter von 25 Jahren erreicht hat. Jeder wahlberechtigte Arbeit- nebmer versehe sich mit Legittmationspapieren(Krankenbuch, Jnvgliden- tarte oder Zeugnis vom Arbeitgeber). Gewählt wird in sechs Wahlbezirken, entsprechend den Bezirken der Polizeireviere und zwar: 1. Bezirk in der Turnhalle der Ge- meindeichule. Hohenstausenstr. 49. 8. Bezirk Turnhalle der Gemeinde- schule. Feurigstr. ö?(Eingang der Turnhalle ist EberSstr. 9), 8, Bezirk Turnhalle der Gemeindoschule an der Rubeustratz«. 4. Bezirk Turnhalle der Gemeindcschule. Kolonnenstr. 2?. 5. Bezirk Turnhalle der Gemeindeschule, Apostel-Paulusstr. IQ. 0, Bezirk Turnhalle der Gemeideschttle. Kyffhäuserstr. 33. Arbeiter Schönebergs I Tut Eure. Pflicht! Rüttelt die Sälimigen auf, damit jeder von seinem Wahlrecht Gebrauch mache. Die Kandi- daten der einzelnen Bezirke sind folgende: 1. Bezirk: Wilhelm K o s ch e n z. Bauarbeiter! Hermann Gleich«, Tischler. 2. Be- zirk: Ernst Kosanke. Maler; Rudolf G r ö t s ch« l. Maurer; Heinrich Reite«. Meiallarbeiter. 3. Bezirk! Richard Klee- mann. Schneider! Paul SchimanSky, Putzer. 4. Bezirk F e r d, D r a h e i m, Hausdiener; Julius Wardin, Stukkateur- s, Bezirk: E r i ch R u d o l f, Zimmerer! W i l h e l m S t e n z e l» Rohrleger. 6. Bezirk: Gustav Hgikbaxth, Schuhmacher! Pau G o l l w i ck, Maure«. Die GelverkschaftSkommission für Schöneberg. Eine Itadtverordneteu-Ersatzwahl fand in, 0. Bezirk der 3. Abteilung statt. Bekanntlich war der Genosse Wolframm in zwei Be- zirken gewählt, er hatte sein altes Mandat im 9. Bezirk niedergelegt. Zu wählen war ei» Hausbesitzer. An der Ersatzwahl beteiligien sich von 2200 eingeschriebenen Wähler» 1020. Davon erhielt der sozial- demokratische Kandidat, Stadtverordneter Obit 474, der liberale Kandidat Kaufmann Btsmark 546 Stimme». Somit ist das Mandat ver liberalen Fraktion zugefallen. Nunmehr sind alle Man- dato der 3. Abteilung besetzt. Von den 22 Mandaten dieser Abteilung gehören der Sozialdemokratte 10, der liberalen Fraktion 7. der un? abhängigen Vereinigung 3 und der liberalen Bereinigung 2. Der städtische NntertnnftSraum für Arbeitslose, der auf Antrag der sozialdemokratischen Stadtverordneten geschaffen worden ist, hat nunmehr seine Pforten geöffnet. Er befindet im Hause Apostel- Paulus-Straße 0 und ist täglich von? Uhr morgens bis 6 Uhr abends geöffnet. Von 7'/. Uhr morgens an wird verabfolgt:'/«Liter Kaffee(schwarz) für 2 Pf., Kaffee jweiß und süß) für 4 Pf., Milch für 4 Pf., eine Scheibe Brot für 2 Pf., eine Schrippe für 2 Pf.. Brot mit Schmalz für 4 Pf. und von 9 Uhr morgens ab«/« Liter Suppe für S Pf. Rixdorf. Vermißt wird seit Dienstag di« zwölfjährige Marie und der neunjährig« Eilhelm Behuke, Kinder deS Maurers Behnke aus der Ziethenstr. 4ö, die sich heimlich auS der elterlichen Wohnung entfernt haben. Schon vor mehreren Wochen wurde das rätselhafte Ver- schwinden der zwölfjährigen Marie, die mehrere Tage später in Boxhagen-RummelSburg ermittelt und ihren Eltern zugrsührt wurde. gemeidet. Jetzt hat sich da« Mädchen abermals heimlich entfernt und ihren Bruder veranlaßt mitzugehen. Wie he» Knabe Spiel- kameraden gegenüber angab. wollt««r mit der Schwester»ach Bromberg wandern, um ein« dort wohnende Großmutter zu besuchen. Dort sind die beiden jedoch bisher nicht eingetroffen. Da die Kinder kein Geld bei sich haben. wird angenommen. daß sie sich auf der Landstraße umhertreiben. Nieder, Tchöneweide. In der Generalversammlung des Wahlverein» erstattete der Vorsitzende. Genosse B e n g s ch, Bericht für das abgelaufene Jahr 1007. Es haben stattgefunden h Generalversammlungen, daruntre ein« außerordentliche. 0 Mitgliederversammlungen und IQ Vor? standSsitzungen. Di« Mitgliederzahl stieg von 60 auf 72. Die Zahl der»VorwärtS"?Abonnenten von 112 aus 162,— Den Kassenbericht gab Genosse Stein. Die Ausgabe für das vierte Quartal betrug 203.94 M.. die Ausgabe 171,82 M. De« neugewählte Vorstand setzt sich aus folgenden Genossen zusammen: Bengsch, erster. Joljn. zweiter Vorsitzender: Stein. Kassierer: Lcrch, Schriftführer: Bona- kowski, Beisitzer, Als Revisoren wurden gewählt die Genossen Hafersaat, Goldman» und Mittle, als Bibliothekar Genosse Fischer, als Spediteur Genosse Bonakowski. Zur nächsten KreiSpersamm- lung wurden die Genossen Bengsch und Priepke belegiert. Britz-Buckow.: t August Ring«,«in alter bewährter Parteigenosse, wurde am Mittwochnachmittag zu Grave getragen. Er gehörte zu der alten Garde, die unter dem Sozialistengesetz wacker für die Partei gekämpft. In seinem Keinen und bescheidenen Zigarrenladcn hat Genosse Ringe noch bis zum letzten Atemzuge für die Partei gewirkt und so manchen jungen und alten Arbeiter zum Parteigenossen erzogen. Er wird allen als Vorbild in steter Erinnerung bleiben: dafür zeugte auch die rege Beteiligung bei dem Begräbnis. Leider konnte auch die Polizei nicht umhin, sich bei der Beerdigung nach ihrer Weise bemerkbar zu machen. Ein Geist» licher war nicht zugezogen, dafür hatten sich aber nicht weniger als drei Gendarmen eingefunhen. um den Seelenfrieden des ver- storbenen nicht stören zu lassen. Der Vorsitzende des Wahlvereins hotte sich diesmal zur Sicherheit mft einer behördlichen Erlaubnis versehen, um im Namen deS AahlvereinS einen Kranz niederlegen zu können. Dadnr» entging er der Gefahr ein Strafmandat von 30 M. zu erhalten; feine Frau jedoch, die harmlos einen Kranz mit einer weißen Schleife im Namen eines GparvereinS niederlegte. wurde von einem Polizeibeamten sofort festgestellt. Unter den Leidtragenden machte der Pflichteifer deS Beamten nicht geringes Auf- sehe». Wiederholt wurde gefragt: gibt eS denn für unsere Polizei nichts Wichtigeres zu tun, als Personen, die einem Verstorbenen die letzte Ehre erweisen wolle«, zu behindern? Niemand konnte verstehen, daß die Feststellung der Setreffendei' Frau zu den Aufgaben der Polizei gehören könne. Köpenick. DaS hiefige GewerkschaftSkartefl veranstaltet morgen. Sonntag. den 26. Januar, emcn Kunstabend(Kammermusik). Tie P.irtci» genossen werden ersucht, für regen Beiuch desselben Sorge tragen zu wollen. Smtrttt 30 Pf. Anfang 7 Uhr. � Ö Mariendorf. In der gut besuchte« Generalversammlung heg Wahlverelnv erstattete der«rste Vorsitzende. Genosse Hannemüller, den Vor- standSbencht. Es fanden im letzten halben Aahr« 4 Mitglieder- j»" Unb--------- :übtete, b trug. Eö folgten nach diesen, die Derickuc d