Mr. 24. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pränumerando Bierteljährl 8,80 m, monatl. 1.10 wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit Wustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 fg. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Post- Beitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Erideint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblaff. 25. Jahrs. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die fechsgespaltene Rolonel selle oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. ,, Kleine Anzeigen". das erste( fett gebructe) Wort 20 Big. jebes weitere Sort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafs stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition tit bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Mittwoch, den 29. Januar 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. städtischen Konsumenten, als mit dem Gusherrn, seinem über- Aber damit sind die Leistungen der Freis. 8tg." nicht erschöpft. legenen landwirtschaftlichen Konkurrenten. Alte Geschichte: Führt doch dieses Blatt seinen Hauptkampf stets gegen die SozialGeht Die Landwirtschaft gegen die etes em Junter aut, zahlen es der Arbeiter und der demokratie. Die Wut darüber, daß die Sozialbemotratie bie Streife Agrarzölle. " Die hohen Getreidepreise hindern ebenso die Entwide lung der deutschen Landwirtschaft, wie die hohen Eisen- und Stohlenpreise die Entwickelung der deutschen Industrie." Bauer mit ihrem Blut. Auch fann heutzutage gesagt werden: der Staatsmänner Fischbed, Müller und Wiemer einigermaßen ge Bekommt der Arbeiter einen hohen Lohn, so lebt auch der stört hat, hat offenbar den lezten Funken Anstandsgefühl erBauer davon. Doch das ist ein interessantes Thema für sich. stict. Ganz nach Art der Post", der Hamb. Woche" und wie Soviel ergibt sich aus den Tatsachen, die das führende das Scharfmachergelichter sonst heißt, malt sie das drohende agrarische Organ selbst als Kardinalfacta der Entwickelung Schreckgespenst gewaltsamer Revolution und blutiger Straßentämpfe der deutschen Landwirtschaft anführt: an die Wand. Das Blatt muß ganz genau wissen, wie lächerlich der deutschen Landwirtschaft anführt: solche Befürchtungen sind. Nirgends wo Sozialdemokraten demonstriert haben, ist es zu Straßenfämpfen gekommen. In Berlin und in Preußen find die Demonstrationen in musterhafter Ordnung verlaufen und nur haben die provozierenden Eingriffe der Polizei Drten einigen Aber das Blatt till bei seinen Leuten den Eindruck erweden, zu Zusammenstößen geführt. daß wer weiß welche Ungeheuerlichkeiten zu befürchten find. fammen mit den Organen der offenen Reaktion fucht es das Bürgers tum abzuhalten von dem einzig wirksamen Mittel, das das Wahlrecht bringen kann, von der Beteiligung an einer energischen, aus. bauernden und unwiderstehlichen Boltsbewegung. Die Deutsche Tageszeitung" schreibt: „ Nach der Ermittelung der deutschen Landwirtschafts. gesellschaft hat der Wert der deutschen Milcherzeugung im Jahre 1906 rund 2642 Millionen Mark betragen, mehr als das Ergebnis der gesamten Brotgetreideernte mit 2253 Mil lionen Mark.... Die Werte aller Bergwerkserzeugnisse in Aber die Grundherren in Verbindung mit den Eisen Deutschland und aller Hüttenerzeugnisse standen mit ins- und Kohlenindustriellen beherrschen die Regierung und begefamt 1681 Millionen Mark weit hinter dem Wert der Milch herrschen den Staat. Um ihre Profite zu mehren, werden produktion zurüd; diese muß heute als der reichste Erwerbs. Die Interessen des deutschen Volfes und die Intereffen der atveig in Deutschland bezeichnet werden.... Und vielleicht landwirtschaftlichen Entwickelung, also im legten Grunde die kommt angesichts dieser Tatsache auch dem wütendsten Gegner macht und die Stärke der Nation preisgegeben. In patrioder verhaßten Agrarier eine Ahnung von den un- tischer Begeisterung quittieren sie diese Wohltaten damit, daß Boden, d. h. in der oberen Kruste, steden und nur der sie die Regierung aufreizen, unter den Arbeitern ein Blutbad anzurichten. Ausbeutung harren. Auf dem Gebiete der Geflügelzucht, des Obst- und Gemüsebaues fann noch sehr viel geschehen; sicher an Bu wird die Landwirtschaft eines Tages da mit ähnlichen Er Die ,, Freifinnige Zeitung" gegen den bie Ariftotratie" berufen, heute auf einen Aufruf einer„ Geſchäftsfolgen aufwarten können wie in der Milchwirtschaft." Wir unterschreiben vollkommen diese Ausführungen des agrarischen Blattes, behaupten aber zugleich, daß es damit die agrarische Schutzzollpolitik vollkommen aus dem Sattel hebt. Wahlrechtskampf. Um aber die Sozialdemokratie zu fompromittieren, dazu ist dem sauberen Blatt fein Zeugnis zu lächerlich. Neulich hat sie sich auf kommission der anarchistischen Föderation Deutschlands" die Firma ist länger als die Liste der Leute, die dahinterstehen-, in dem allerlei phantastische Fabeleien über angebliche sozialdemokratische Seit Jahren verfolgt die Freisinnige Bollspartei Demonstrationen zusammengetragen werden. Schwachsinnige teine andere Politik als Mandats politit. Um die Stichwahl- Aristokraten" und anarchistische Wirrlöpfe, das sind die Denn, wenn das Schwergewicht der Landwirtschaft nicht hülfe der reaktionären Parteien zu erhalten, ist sie den Sozial richtigen Schwurzeugen für die Müller, Wiemer und Fischbed. Ste mehr in dem Getreidebau, sondern in der Milchwirtschaft, demokraten im Bollkampfe in den Rüden gefallen. Auch jetzt fucht feien ihnen gegönnt, ebenso wie die Lobsprüche der Deutschen der Viehzucht, dem Obst- und Gemüsebau liegt, so sind die die Partei die Wahlrechtsbewegung auszunügen, um bei den Land- Tageszeitung", der Nordd. Allgem. 8tg." und der Kreuz- Zeitung", Brotzölle, von welchem Gesichtspunkte aus gesehen, für die tagswahlen Mandatsgeschäfte zu machen. Die Freis. 8tg." schilt die sie für den Artikel einheimst. Landwirtschaft nicht nur zwecklos, sondern eminent schädlich. täglich auf jede Wahlrechts bewegung und sucht deren AussichtsJe teurer das Brot, desto weniger ist der Konsument in losigkeit mit allen möglichen und unmöglichen Argumenten nachzuArm und Reich. der Lage für Milch und andere Produkte der Landwirtschaft weisen, während sie den Einfältigen im Lande einzureden versucht, auszugeben. Der Deutsche bezahlt jetzt sein Brot etwa um eine Wahl bewegung, die möglichst viele freisinnige Mandate Die Ergebnisse der preußischen Einkommensteuerberanlagung 30 Proz. über dem. Weltmarktpreis; wäre er von diefer zu tage fördere, sei das einzige Mittel, um Fortschritte für das Jahr 1907, die soeben bekannt gegeben worden sind, Ueberteuerung befreit, so würde er das, was er daran erspart, in der Wahlrechtsfrage zu erzielen. Aber diese Aus werden von der bürgerlichen Presse dazu benutzt, wieder einin der Hauptsache doch wieder dem Konsum landwirtschaft- flüchte, die nur dazu dienen sollen, um fich bor mal Betrachtungen darüber anzustellen, daß der Wohlstand " licher Produkte zuwenden. Er würde weniger Kartoffeln, einer energischen Wahlrechtsbewegung zu drücken, find zu durchfichtig, auch der breiten Massen in ständigem und raschem Wachstum dafür aber mehr Weißbrot, Milch, Gemüse, Obst, Fleisch ver- um irgend jemand zu täuschen. Selbst wenn wir annähmen, daß begriffen fei. Die preußische Einkommensteuerstatistik beweise, brauchen. Und da, wie die Zahlen des bündlerischen Blattes eine freisinnige Majorität wirklich das Reichstagswahlrecht ein- daß die Klagen der Sozialdemokratie über die Not und das beweisen, der deutsche Landwirt viel mehr an dem Absatz führte die Erfahrungen, die die Arbeiter mit der Fortschritts. Elend der Massen übertrieben seien und daß der wachsende dieser letzteren Produkte, als an dem Brotgetreideverkauf partei seinerzeit gemacht haben, zeigen die Unvorsichtigkeit einer Nationalwohlstand auch der proletarischen Bevölkerung mehr intereffiert ist, so liegt der Vorteil der Verbilligung des folchen Annahme- so ist es ganz aussichtslos, daß unter dem und mehr zugute tomme. Brotes durch Aufhebung der Zölle für den Landwirt auf der Dreiflaffenunrecht auf dem Wege der Wahl eine wesentliche, ent- Diese rosige Darstellung beruht in erster Linie auf dem Hand. scheidende Aenderung eintreten fönnte. Das ist ja eben das Wesen Umstand, daß die Zahl der Einkommensteuerpflichtigen in Die hervorragende Bedeutung der Milchwirtschaft bringt eines Privilegienwahlrechts, daß durch dieses der Wille der Preußen, also der Personen mit mehr als 900 M. Ginfommen es mit sich, daß der deutsche Landwirt an billigem Vieh und großen Masse der Bevölkerung überhaupt nie zum Ausdrud im Jahre 1907 gegenüber dem Jahre 1906 erheblich gestiegen billigen Futtermitteln mehr intereffiert ist, als er je an hohen gelangen kann. Würde das englische Bürgertum gewartet ift. Die Zahl der physischen 3ensiten betrug 1907 Brotgetreidepreisen interessiert sein könnte. Die Aufhebung baben, bis aus den rotten borougts, den„ berfallenen Restern", 5 384 556 gegenüber 4 672 429 im Jahre 1906, nahm also um der Getreidezölle würde den Milchverbrauch steigern und die die stets tonservativ- reaktionäre Großgrundbefizer wählten, radikale 712 000 zu. Davon entfiel auf die Steuerstufen von 900 Milchproduktion verbilligen ein doppelter Vorteil für den Wahlreformer entfandt worden wären, England wäre heute noch ein bis 3000 m. eine Zunahme von 679 000 Benfiten, während Landwirt. Und die Milchproduktion die Deutsche Tages- von einer fleinen Schar Großgrundbefizer beherrschter Staat die Zensiten mit mehr als 3000 M. Einkommen um 33 000 zeitung" beweist das bildet die Hauptstüße der deutschen Beweis deffen ist ja gerade Preußen, das durch diese glorreiche zunahmen. Landwirtschaft. Taktik der Liberalen in der Tat ein ostelbisches Patrimonium geDie gesamte einkommensteuerpflichtige Bevölkerung ein Die Steigerung des Konsums höherer landwirtschaftlicher blieben ist. Und hätten die österreichischen Arbeiter gewartet, bis fchließlich der Angehörigen betrug: Erzeugnisse bei Verbilligung des Brotes würde das Preis- die Kurienwahlen ein Barlament ergäben, das das allgemeine Wahl1906 16 532 550 Stöpfe verhältnis der landwirtschaftlichen Produkte zu einander ver- recht beschlösse, statt durch den Drud gewaltiger Demonstrationen 1907 18 676 826 ändern. Vermutlich würden, wenn man sämtliche land. die Nachgiebigkeit der Herrschenden zu erzwingen, fie hätten heute anlagt 559 491( 526 475) Steuerpflichtige, davon in den Städten Mit einem Einkommen von mehr als 3000 m. waren verwirtschaftliche Bölle aufhebt, die Fleischpreise wirklich nicht das gleiche Recht errungen! am wenigsten finfen, denn bei dem geringen gegenwärtigen Fleischkonsum wäre hier die relative Steigerung der Nachbes Dreiflaffenunrechts durch die Wahl von Wahlrechtsfreunden noch( 1906) die Zahl der Steuerpflichtigen: In Preußen vollends liegen die Dinge für die Ueberwindung 432 963( 404 710), auf dem Lande 126 528( 121 765). Gruppenweise nach dem Einkommen geordnet, betrug 1907 frage am größten. Soweit die Landwirte mit geringeren aussichtslofer. Denn die wirtschaftliche und steuerpolitische Ent Fleischpreise zu rechnen hätten, würden sie durch Verbilligung wickelung hat bewirkt, daß heute die überwiegende Majorität des der Futtermittel, Verbilligung des Viehs, größeren Absatz abgeordnetenhauses nicht gewählt, sondern von den Gutsbefizern und Ueberleitung der Viehzucht auf Milchproduktion die ernannt und mit Hülfe der öffentlichen Wahl erpreßt wird. Nur Differenz mehr als wett machen können. ber Bahlrechtsbewegung tritt, wird das gleiche Recht im auswenn zu einer energischen, aufrüttelnden Wahlbewegung der Druck Da ferner die Bodenpreise mit den Getreidebreifen eng zusammenhängen, so würde die Aufhebung der Agrarzölle die Bewegung der Bodenpreise mäßigen. Darum, während vor unseren Augen die Getreideteuerung zu einer steigenden Verschuldung des Grund und Bodens führt, würde die Aufhebung der Agrarzölle die Hypothekenbewegung mildern. dauernden Kampf errungen werden. ( 362 425), 7,18( 7,76) bis 3 000 m. 4 825 065( 4 145 954), 89,60( 88,73) Proz. bis 6 500 bis 9 500 bis 30 000 386 376 bis 100 000 über 100 000 Im Jahre 1908, wenn der von dem Freifinnigen Gerschel 72 815( 70 362), 1,35( 1,51) 79 630( 74 755), 1,48( 1,60) 17 109( 15 760), 0,32( 0,84) 3 561( 3 173), 0,07( 0,07) Einkommensteuerfrei, weil sie unter 900 M2. verdienten, Aber die Freis. 8tg." treibt es wirklich zu bunt, wenn sie waren: 1907: 18 845 470 oder 50,30 Proz., 1906: 20 297 174 schreibt: Die preußische Wahlreform ist nur möglich entweder auf oder 55,11 Proz. berfassungsmäßigem Wege oder auf dem der Gewalt. Die Parteien Von dieser Vermehrung der Einkommen mit mehr als Sind demnach die Vorteile einer billigen Voltsernährung hätten aber nur Einfluß auf das Abgeordnetenhaus, in dem die 900 Mart macht nun die kapitalistische Presse ein großes eflatant, selbst wenn man die deutsche Landwirtschaft in ihrer Freifinnigen 81 von 483 find.„ Es ist darum feltiam, Wesen. Gesamtheit nimmt, so springen sie noch mehr in die Augen, daß gerade diejenigen, die den Barlamentarismus In Wirklichkeit liegt aber die Vermehrung der Zensiten wenn man sich die Dinge speziell vom Gesichspunkte des am höchsten zu schäzen borgeben, trop dem dem Reichs weniger an der Zunahme der Einkommen der proletarischen deutschen Bauern betrachtet. Denn der deutsche Guts fangler wegen feiner Haltung am schärfften angreifen." Also Bevölkerung, als, wie wenigstens die Bossische 8tg." herr produziert Getreide, Kartoffeln für seine Brennerei, das preußische Abgeordnetenhaus, dieses Unrecht des Staatsstreichs, zugibt, an der energischeren Heranziehung der Rüben für seine Buderraffinerie, der deutsche Bauer aber das ist für das freifinnige Blatt- Parlamentarismus! Und diefer Personen mit geringerem Einkommen." ist in erster Linie Viehzüchter, Milchproduzent, Gemüsebauer, preußische Parlamentarismus muß offenbar so refpeftiert in geringem Maße auch Weinbauer. Man mag noch soviel werden, daß das gescheite Blatt das wichtigste ganz vergißt, nämlich eingebrachte und vom Abgeordnetenhaus im Mai 1906 anspintisieren und herumfalfulieren, um den Nachweis zu den Reichstag und dessen Einfluß. Für die Frage des genommene Antrag, die Arbeitgeber zur genanen Angabe der führen, daß auch Bauern Getreide verfaufen, so wird man preußischen Wahlrechts ist es aber gerade von entscheidender Bedeutung, den Arbeitern und Angestellten mit weniger als 3000 Mart doch kaum mehr bestreiten wollen, daß die Bilanz der Wirt. daß einmal der preußische Ministerpräsident zugleich deutscher Reichsfanzler Gehalt gezahlten Löhne und Gehälter zu zwingen, feine Wirkschaft des deutschen Bauern in einem viel höheren Maße noch ist und sodann der deutsche Reichstag das Recht hat, die Einführung famfeit ausgeübt haben wird, wird die Zahl der Zensiten der als die Bilanz der deutschen Landwirtschaft überhaupt sich in des Reichstagswahlrechts in allen Bundesstaaten zu verlangen. Steuerstufen mit 900-3000 Mart Einkommen noch eine Milchwirtschaft, Viehzucht usw. gründet und nicht im Ge- Gerade Freifinnige waren es ja, die diesen Busammenhang zwifchen weitere Steigerung erfahren! treidebau. Darum, wenn die Agrarzölle aufgehoben werden, Reichs- und preußischer Politit im Beginn der Blodkära fortwährend wird den meisten Berlust von der Herabsetzung der Getreide- betont und erklärt haben, die neue Hera erfordere gebieterisch auch preise der Großgrundbefizer tragen, den meisten Nutzen von eine Wenderung des reattionären Sturfes in Preußen und vor allem dem steigenden Konjum der landwirtschaftlichen Erzeugniffe Bugeständnisse in der Wahlrechtsfrage. Heute freilich will der Blod der Bauer haben. ezt ist es umgekehrt: an den Brot- freifinn daran nicht gern erinnert werden. Aber die Freif. 8tg." zöllen bereichern sich die Gutsherren, während der Bauer in weiß, warum sie den Reichstag aus dem Spiele läßt. Müßte fie den meisten Fällen das Nachsehen hat oder direkt verarmt. doch dann selbst zugeben, daß die freifinnigen Führer die Sache Das beweist, daß der Bauer viel mehr gemeinsame Inter- des Wahlrechts gerade an der entscheidenden Stelle im Stich gelaffen effen hat mit den Arbeitern, d. i. mit der Masse der haben. Aber beweist denn der Umstand, daß die Hälfte des preußischen Volkes ein Einkommen von mehr als 900 m. befitt, auch nur das geringste gegen die Not der breiten Wassen des Voltes? Das Durchschnittseinkommen der 4 825 000 Benfiten mit 900-3000 m, beträgt 1345 M.! Ist das nicht zwar zum Verhungern zuviel, aber zum Leben zu wenig?! Und befinden sich nicht die 18 845 470 Personen mit weniger als 900 M. Einkommen erst recht in bitterfter Not?! Daß das Geldeinkommen auch des Proletariats wächst, ksat kein Mensch jemals bestritten! Aber entspricht dieser Erhöhung des Nominal einkommens auch eine g e- steigerte Kaufkraft?! Jeder Proletarier wird diese Frage selbst am besten zu beantworten wissen! Zlber einige Zahlen mögen dem Bild der preußischen Einkommenslatistik erst die richtige Beleuchtung geben. Es besaßen im Jahre 1907 Zensiten Gesamteinkommen 4 826 000 mit 900-3000«vi. Einkommen.--- öSSI Mill. Stark ZS9 000 mit mehr als 3000 M.„.==5156„ Die Zensiten mit einem Gesamteinkommen von 800 bis 3000 M. besaßen ein Durchschnittseinkommen von 1345 M.(1906: 1385 M.), die Zensiten mit mehr als 3000 M. Einkommen ein Durchschnittseinkommen von 9234 M.(1906: 9080 M.). Während die Steuerstufen bis 3000 M. sich uni 679 000 Personen und 1000 Millionen Mark Einkomnien ver- inehrten, vermehrte sich die Zahl der Zensiten mit mehr als 3000 M. nur um 33 000, das Einkommen dieser Steuerstufen dagegen um 416 Millionen! Am interessantesten aber ist die gewaltige Zunahme der Rieseneinkommen mit mehr als 100 000 M. Einkommen. Die Zahl dieser Zensiten ist von 3173 auf 3561 angewachsen! Auf den Kopf der 3173 Zensiten mit mehr als 100000 M. Einkommen entfiel 1906 ein Durchschnittseinkommen von 350 000 M.! Danach würden die 3561 Zensiten 1907 zu- fammen ein Einkommen von 890 Millionen Mark haben! Die 3561 Zensiten der obersten Steuerstufe besitzen danach so viel Einkommen wie 661 000 Zensiten der Stcuerstufen von 900—3000 M. Einkommen! So gerecht ist das»Nationalvermögen' in Preußen ver- teilt!— Li» ZOSiiBlein Kallergriße. Tie sozialdemokratische Presse ist bekanntlich die einzige, die keine Artikel zu Kaisers Geburtstag dringt. Unsere Leser haben das zwar bis jetzt noch nicht varmitzi, allein, dem eigenen Herzens- triebe folgend, wollen wir diesmal die Lücke wenigstens insofern ausfüllen, als wir nachträglich einiges zusammenstellen von dem. «0« die gutgesinnte Presse an diesem feierlichen Tage ihrem patriotischeil Geist« entlockt hatte. Wir ziehen einzelne Blumen. Knospen, Blüten aus dem großen GeburtötagSbukett der Zeitungeu Und fügen sie zu einem eigenen Sträußchen zusammen. Wir wollen nicht gerade behaupten, daß dies« Blumen in großer Farbenpracht prangen. Aber wir können nicht dafür. Besseres war nicht aufzutreiben. Die Farben sind fahl, die Blätter sind welk, nicht das sprießende Leben, sondern der von der Marktfrau gezogene Traht hält das Ganze zusammen; sie sind wie die Rosen und Veilchen der Berliner Rachtcafes. Sie haben auch keinen eigenen Geruch mehr, sondern die Spritzflasche gab ihnen ein patriotisches Odeur. So ist es nun einmal. Die Stimmung der Patrioten ist triste, mies, sehr katzcnjämmerlich. Ueberall die gleiche fatale Erkenntnis: der Geburtstag des vorigen Jahres stand im Zeichen der Riederstimviung der Sozialdemokratie und der Konsolidierung des BürzertuinS,— in diesem Jahre steht er im Zeichen der sozialdemokratischen Straßenkundgebungen, eines faulen Friedens im Block und allerlei fauler Ding« außerhalb und innerhalb des Blocks. Es ist den Patrioten sehr übel zumute; wir können ihnen unser menschliches Beileid nicht versagen. Die„Deutsche Tageszeitung" schreibt: „In ernster Zeit feiert morgen unser Kaiser und König seinen Geburtstag....Man hat versucht, die Massen vor das Königsschloß zu lenken.... In solcher Zeit gilt es, das Banner, die Standarte des Königtums um so höher zu halten. Der Geburtstagsgruß und die Geburtötagöglückwünschc sind in solchen Tagen nicht nur ein schöner Brauch der Loyalität, sondern ein scharfer Protest gegen die Feinde der Krone, ein offenes Bc- teiiittniS zur Monarchie, ei» festes Gelöbnis unbeugsamer KönigStreue bis i» den Tod." Die fette Schrift gehört der„Deutschen Tageszeitung". Ihr difenes Bekennini» war ihr noch nicht offen genug; sie mußte es hinausschreien. hinauZdrommeten; sie nimmt die Torpedopfeife in den Rund und begleitet ihr patriotisches Bekenntnis mit einem markerschütternden Geheul, alö wenn cä sich um die Rettung von Ertrinkenden handelte, und doch gewinnt sie nicht die Sicherheit, findet nicht den rechten Ton. Ach. das Ganze klingt viel mehr wie eine Bußpredigt, denn als Hosianna? Rii besonders ausgezeichnetem Takt und Geschmack und ebensoviel sprachlichem Verständnis schreibt die„Post": «Die ersten Tage des morgen vollendeten(sie!!) Lebens- jahres deö Kaisers standen unter dem glänzenden Sterne der letzten nationalen Wahlen.... Es hat.sich leider längst nicht jede Erwartung erfüllt, die in jenen von nationalen Hoffnungen getragenen Tagen wach und rege geworden ist.... Unter den wenig erfreulichen Ereignissen war besonders widerwärtig, als die Verleumdung in scheußlichster Gestalt sich nicht scheute, bis in die nächst- Umgebung des Kaisers ihren Geifer zu spritzen. Aber es blieb nichts, auch nichts hängen von all dem törichten Geschwätze über Kamarilla, Ring, Grüppchen und Tafelrunde." Nein, nichts—„auch nichts"— gar nichts— rein gar nichts— mehr als nichts— weniger als nichts,— und wer es nicht glaubt, dem sagt die„Post" nochmals: nichts! Die nicht minder patriotische„StaatSbürger-Zeitung" dagegen meint: „Der vorige Geburistag brachte als schönste Gabe die Niederlage der Revolutionspartei. Dieser Geburtstag, der dem Tode Hinzpeters und der moralischen Verurteilung Hohenaus folgt, ist nicht so froh umrauscht." Der„Lokal-Anzeigcr" preist „das beinahe patriarchalische, vorbildliche Familienleben am kaiserlichen Hofe, von dem gleichsam einZauber guter, alter, deutscher Sitte weit ins Land h i n a u s w i r k t und die Herzen des Volkes in seinen Bann schlägt." Dasselbe Blatt äußert sich über die Persönlichkeit des Kaisers: „Analysierende Psychologen wollten wohl manchmal Schwan- kungen iu den Meinungs- und Anschauungsäußerungen des Mornarchen erblicken. Aber sicherlich zu Unrecht." Die„National-Zeitung" beruft sich auf die fremden Nationen: „Vor allem beneiden sie uns um unseren Kaiser." Schließlich die„K r c u z- Z e i t u n g" singt mit kindlichem Sinn: „Horch, die Janitscharenmusik ertönt; die Wachtparade, klingenden Spiels, zieht auf. Hui!"— Da geht ihr die Puste aus und sie muß auf der nächsten Zeile Atem holen. Tut nichts, Kleine? Reicht auch die Kraft nicht aus, so macht sich schon der Wille bezahlt. Das führende konservative Blatt kann sich mit dem schönen VerS trösten:„Ich bin noch klein, mein Herz ist rein" usw. Nach alledem darf man wirklich zum Schluß komme:?, daß das monarchische Gefühl im Herzen des deutschen Volkes so fest nistet, daß es mit einem Gänsekiel gar nicht herausgekitzelt werden kann. Sie liisroßko-fsntei'pellatio» in der französischen Kammer. Die„HumanitS" schreibt in ihrer Dienstagsnummer über die am Montag fortgesetzte Verhandlung der Jnter- pellation Jaurds:„Die gestrige Sitzung hat Europa Ge- legenheit gegeben, sein nach der Rede Delcassös übereilt ge- fällteö Urteil zu rekrifizieren." ES hat sich bestätigt, was wir in unserer Besprechung der Delcassöschen Rede vom Freitag sagten, daß der all- seitigc starke Beifall, den sie fand, nicht das Bekenntnis der Kammer zu einer provozierenden, die Kriegsgefahr nichts- achtenden Politik war. sondern daß er einer momentanen Auf- Wallung entsprang, die mehr persönlichen als politischen Unter- grund hatte. Die Mehrheit der Kammer hat eine Rede des Ministers des Aeußern Pichon mit lautem Beifall aufgenommen, die eine scharfe Abweisung der Delcassöschen Ausführungen ivar. Der Minister des Aeußern hielt eine Friedensredc, fodaß bei einigen Stellen auch die Sozialisten applaudieren konnten. Aus den Ausführungen Pichons gegen Delcassö seien die folgenden Stellen wiedergegeben: „Tie Entente mit England war schon lange vorbereitet. Sic war von uns stets in? Geiste deL Friedens und der Zivi- lisation aufgefaßt worden. Wir wollen niemand isolieren.(Stürmischer Beifall.) Die Konferenz von MgeciraS war keine Demütigung für Frankreich. Man mutz eS denjenigen zum Verdienst anrechnen, welche sich ge- weigert haben, für ein sehr unsicheres Ziel das kostbare Gut dos Friedens zu ge- fährden.(stürmischer Beifall bei den Radikalen und den Sozialisten, welch letztere sich demonstrativ gegen Delcassö wenden, der mit verschränkten Armen ans seinem Platze sitzt.) Wenn Frankreich an der Konferenz teil- nahm, um die höher stehenden Friedensprinzipien zu schützen, wenn es seine Rechte geltend machte, so werden wir nicht sagen, daß cS sich schwächte. Niemand hier erhob gegen die AigeciraS-Akte Einspruch. DaS Prinzip wurde mit Einstimmig- keit angenommen. Tie Konferenz gab uns eine neue Grund- läge für unsere Rechte." Ueber die gegen Marokko einzunehmende Haltung sagte Pichon u. a.: „... Die Instruktion des General Drude habe gelautet, in Casablanca und Umgebung die Ruhe herzustellen, ohne sich auf Abenteuer im Innern einzulassen. Auf Vorschlag DrudeS sei dieser zur Besetzung Mediuna ermächtigt worden. Drude verdiene hohe An- erkemimig für seine Ausdauer und Tapferkeit.(Lebhafter Beifall.) Die Mission Frankreichs in Casablanca sei??ur eine vorüber- gehende. Wir dachten schon daran, an Stelle unserer Truppen die scherifische Mahalla zu setzen.(Bewegung auf verschiedene» Seiten.) General d'Amade habe gleichlautende Instruktionen, den Frieden wieder herzustellen und dieZurückziehung der Truppen vorzubereiten. Jaurös treibe Scherz, wenn er die Affäre von Settat als eine Niederlage bezeichne. Der Minister verlas eine Depesche d'Amades, in welcher dieser mitteilte, er habe die Mahalla Mulah Raschids zurückgeworfen, ihr Lager zerstört und sei dann, wie er es geplant hatte, nach Breschid zurückgekehrt. Die Haltung der Truppen sei hervorragend gewesen. Der Feind habe bOO Tote verloren; das Vorgehen habe große»? Eindruck auf den ... Stamm gemacht und die französische Heeresmacht habe stch große Achtung verschafft. Pichon wiederholte, er wolle die Neutralität ausrecht erhalten ohne der Algecirasakte zu vei.'gessen. E r neig es ich mehr demSultanAbdul Azis zu. Frank- reich beabsichtige nicht, die Entscheidung zwischen beiden Sultanen zu geben. Aver Abdul Aziz sei der einzige aucriaimtc Sultan u?td_ sei der einzig würdige, gegenüber der An- archie l?och die Interessen Marokkos zu vertreten und dies in Uebereinstimmung mit der Algecirasakte zu tun. Mulay Hafid dagegen sei ein Gefangener der Gegner der Algecirasakte und der Teilnehmer an dem Heiligen Krieg.(Jaurüs unter. bricht den Redner: Wettet nicht auf ein Pferd, sondern besteiget eins der beiden!) Frankreich könne mit Mulaj� Hafid in betreff der Hafenpolizei nicht amtlich unterhandeln. Des- halb seien seine Vertreter nach Rabat gegangen, um mit Abdul Aziz zu reden, von dem die Anregung zur Reis« ausgegangen sei. Pichon fügte hinzu, von einer Anleihe sei keine Rede, er könne aber nicht sagen, daß sie künftig nicht abgeschlossen werden ivlirde.(I— Goethes unsittlicher Faust. Ueber ein neues Zeugnis klerikaler Eittlichkeitsbegriffe weiß die«Freie Bayr. Schulztg." zu berichten: „Im Lehrerseminar Bamberg," schreibt sie,„war bisher die Lektüre des„Faust" nicht verboten. Es ist mit Fug und Recht in Bamberg üblich gewesen, daß alle Lektüre, die in der Literatur- geschichte berührt wurde, in den Arbeitsstunden gelesen werden durfte. Am Sonntag, 15. Dezember, vormittags 9 Uhr, war für sämtliche Seminaristen Gottesdienst und Kommunion vor- geschrieben. Von 7 bis 8 Uhr war, wie üblich, Studicrzcit. Diese Zeit ist auch an Kommuniontagen nicht etwa zn Er- bauungszwccken, sondern zur Arbeit bestimmt. Während nun andere Mitschüler vor ihren Lehrbüchern brüteten, griff der Seminarist K. an diesem Sonntagmorgen ohne jedes Arg zu Goethes„Faust". Der vorübergehende Scminarhülsslchrcr Feld- Hauer, ein junger Mann, ultramontan gesinnt, noch nicht lange als„Lehrer-Erziehcr" ins Seminar berufen, der sich noch vor einigen Monaten vor Seminaristen gcbrüstct hatte, daß er GocthcS„Faust" nicht gelesen habe und den„Faust" nicht lesen wolle, weil cS ein unsittliches Buch sei, entdeckte das Ver- brechen und zeigte die Tat sofort dem geistlichen Präfektcn Zchiidcr an. Dieser ließ den zur Kommunion erschienenen Seminaristen in die Sakristei kommen und verbot ihm die Teil- nähme an der heiligen Handlung, weil er stch durch die Lektüre deö„Faust" hierzu unwürdig gezeigt habe. In den fdlgenden Tagen fand ein Lchrerrat statt. Präfekt Zehnder soll dabei den Antrag gestellt haben, den Schüler mit der Eni- lassung aus der Anstalt zu bestrafen. Durch den Stichentschcid des Vorsitzenden, Seminardireitors Dr. Reber, soll dann nur die Androhung der Entlassung beschlossen worden sein. Der Schüler soll vorher nicht verhört worden sein. Bei der Mitteilung der Bestrafung wurde er gefragt, ob er„Faust" als unsittliche Lektüre empfunden habe. Er antwortete mit einem bestimmten„Nein!" Daraufhin soll Direktor Dr. Reber ge- äußert haben, dann wäre er schon tief gesunken____ Dem Schüler K. aber wurde ins WcihnachtszcugniS geschrieben: „Wegen eines Vergehens am Kommuniontage erhielt derselbe die Androhung de: Entlassung." Wir können von unserem Standpunkte nur bedauern, daß der junge Seminarist nicht entlassen worden ist und ihm dadurch Ge- legenheit geboten wurde, einen anderen Beruf zu ergreifen, in dem er nicht unter dem Drucke klerikaler Stickluft steht. Jetzt steht er noch, wie seine Antwort beweist, auf einer höheren sitt- liehen Warte, wie der würdige Hülfslehrcr Feldhaucr und der geistliche Präfekt Zehnder; wer weiß aber, ob er dann, wenn er noch längere Zeit unter dem Einfluß des sittlichen Feingefühls dieser Pädagogen bleibt, nicht auf dasselbe sittliche Niveau hinab- sinkt.— Tie Nervosität der Gewalthaber. Am Sonnabend erschienen in? Kölner„Etadtanzeiger" Und im „Kölner Tageblatt", zwei polizeifrommen Preßerzengiiissc?», kleine Lokalartikcl. die die Bürgerschaft gar eindringlich vor der Br- teiligung an Etraßendemonstrationen warnten und alle ordnungs- liebenden Bürger zum Fernbleiben mahnten. Für künftige Strafcentunbgcßungcn zu Wa�lrcchiSdemonstratioucn waren die schärfsten und rücksichtslosesten Mastnahmen in Aussicht gestellt. Da in Köln kein Mensch an solche Dinge gedacht hatte, konnte man sich den Sinn dieser zweifellos offiziösen Artikel nicht erklären. Am Montag erfuhr man dann, dast am Sonntag das in der nahe beim Volkshause liegenden Ulrichskaserne untergebrachte Militär bis zum Abend konsigniert gewesen war, dast ferner die gesamte Echutzmannschaft Extradicnst hatte. Schutzleute waren in der ganzen Stadt an allen Plätzen heimlich verteilt worden, von denen aus man Ansammlungen zum Zwecke von Umzügen glaubte er- warten zu können. Wie man hört, war der ganze Apparat lediglich deshalb ins Werk gefetzt worden, weil auf den Sonntagnachmittag irgend eine Mitgliederversammlung in das VolkShaus einberufen worden war, die man bei der Polizei für einen Vorwand hielt, um nachher einen Umzug zu veranstalten.— Ein gestürzter Reichsverbandshandlanger. Der Verfasser derSndelschrift gegen die Chemnitzer Ortskrankenkasse, Amandus Schubert, ist, wie Wir schon tclegraphisch meldeten, verhaftet worden. Den.Nationalen" und Neichsliigenverbändlcrn ist durch diese Verhaftung großes Leid wider- fahren. Seine Schwindel- und Lügengeschichten haben die OrdnungS- leute mit Behagen ausgeschlachtet, obwohl sie in der Presse, im Stadt- Verordnelensaat und vor Gericht als Lüge und Schwindel gekenn- zeichnet wurden. Mit ihm ist auch sein Bruder Amman Schubert und sein getreuer Änappe Paul Nabe verhaftet worden. Ms Grund der Verhaftung wird angegeben, es handele sich um cineu Erpressungsversuch, der längere Zeit zurückliege. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dast es sich um eins Meineidsgeschichte handelt, denn der Nabe ist in fast allen BeleidigungSprozcssen dcS Schubert als ein Kronzeuge aufgetreten, auch hat er itstn„Material" verschafft. Man hat sich schon längst gewundert, wovon diese Menschen lebten; vielleicht kommt nun Licht in diese dunkle Sache.-- Gemeindliche Wohnuugöfürsorgc. AuS Anlast der in der bayerischen Stadt Hof herrschenden Wohnungsnot hat die dortige Kreisregierung der Hofcr Sradt- Verwaltung anheim gegeben, wenn sie sonst zur Bekämpfung der Wohnungsnot nichts unternehmen wolle, wenigstens einen städtischen Wohnung Snachweiö, angegliedert an das städtische Arbeitsamt, ins Leben zu rufen.—„Dös brauch mer nct" sagten die liberalen Hausbesitzer, die infolge des ungerechten Gemeindewahlrechts im Rathaus die Mehrheit haben, und sie lehnten den Vorschlag der Regierung rundweg ab. Als noch über- flüssiger bezeichneten die„Hausherren" die Errichtung eines Ledigenheims._ „Sozialisten. Anarchisten und Verbrecher." Die„T r i c r i f ch e L a n d e s z c i t u n g" berichtet, dast in irgendeinem Eifeldorf der katholische Pfarrer ein Strafmandat be- kommen hat, weil er seinen dem �usuitcnorden angehörenden, bei ihm zu Besuch weilenden Bruder nicht polizeilich angemeldet hatte. Dazu schreibt das Dasbachblatt:„Augenscheinlich will die Polizei eine scharfe Kontrolle über die Jesuiten ausüben, ein« Kon- trolle, die schärfer ist als die über die Sozialisten. An- archisten und Verbrecher, die sich aufhalten und Reden halten können wo sie wollen und so oft sie wollen."— Man braucht diese echt klerikale Lümmelei nur ilcfcr zu hängen. Sie charakteri- siert sich selbst.—_ Der Rangstreit in Pillau, von dem wir kürzlich berichteten, ist beendet, wen» auch in den Herzen der Pillauschen„Räte vierter Klasse" die Glut der Eni- rüstung fortglimmt und vielleicht noch den einen oder anderen in seiner Spezial-Beamtenehre Gekränkten zu einer furchtbaren Rache für die erlittene Zurücksetzung veranlassen wird. Der mit der Schlichtung des Rangstreites beaufrragte Oberpräsident von Ost- preusten hat nämlich zugunsten des Bürgermeisters und zuungunsten der„Räte vierter Klasse" entschieden. In seinem Erlost führt er aus,„dast der Anspruch des Bürgermeisters Ender auf den Platz neben dem Festungskommandanten an dem Geburtstage des Kaisers als begründet angesehen wird, nicht nur weil jener Platz herkömmlich von dem Bürgermeister eingenommen ist, sondern auch weil er dem- jenigen gebührt, der berufen ist, die gesamte Bürgerschaft zu der- treten." Vielleicht beschließen die„Räte vierter Klasse", künstig am KaisergeburtStag allein zu kneipen. DaS wäre«ine entsetzliche Rache!-_ Die Protestbewegung gegen das Reichsvereinsgesetz. Mehr als 2000 Personen protestierten in Lübeck in einer imposanten Versammlung gegen den Vereinsgesetzentwurf. Genosse Wissel! kritisierte in mehr als anderthalbstündiger Rede den Gesetzentwurf, der der Polizeischikane Tür und Tor öffnet. Es wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in welcher das projektierte Gesetz verworfen und die Abschaffung aller Gesetze. welche die freie Meinungsäußerung und das Recht der Versammlung einschränken oder unterdrücken, gefordert wurde. In Gotha waren 1200 Personen versammelt, die nach dem Referat des Genossen Bock einstimmig die Protestresolution an- nahmen.—_ Strafmandate gegen den Wahlrechtskampf. Wegen der Wahlrechtsdemonstrationsversammlungen vom 9. und tZ. Januar versucht die Polizei zu H a l l e a. S. einen fulminanten Umzugsprozeß einzuleiten. Man sucht nach Leitern der Um- züge, und es haben schon Vernehmungen zu diesem Zwecke statt- gefunden. Der Versuch, mit Strafmandaten den Wahlrcchtskampf aufzuhalten, ist eines preußischen Polizeihirns würdig. Sanfter Zwang. Wie die konservativen Vereine Mitglieder machen, davon meldet der.Volksfreund" aus Zittau folgendes erbauliche Beispiel. In den Bureaus des dortigen Bahnhofs ging folgende„Einladung" zum Beitritt zu einem konservativem Verein herum: „Am IS. Januar haben 20 Herren aller Stände unter dem Vorsitz de? Herrn Amrshauptmann v. Beschwitz einen„Konser- vativen Verein" für Zittau und Umgegend, 1. sächsischer Reichs- tagSwahlkreiS, inS Leben gerufen. Ich kann wohl mit Recht an- nehmen, daß der größte Teil aller Staatsbeamten und Bediensteten königstreu gesinnt ist und darf ich micd daher auf Erfolg meiner Einladung zum Eintritt in den konservativen Verein rechnen. Ich bitte daher alle königstreuen Beamten und Bediensteten, durch Ein- tragung ihrer Namen in die anliegende Liste ihren Einttitt in den .konservativen Verein für Zittau und Umgegend zu erklären. Zum Vorsitzenden des Vereins ist Herr Major z. D. Dietrich in Zittau von dem Gründungskomitee gewählt worden. v. Elterlein, Bahnhossinspeltor. Nach der Ansicht des konservativen BahnhofSinspektorS scheinen königStrcu und konservativ identische Begriffe zu sein. Wo bleiben denn die armen Nationalliberalcn und Freisinnigen, die doch eben- falls die Königstreue mit einem rührenden„Bürgerstolz" mimen? Diese Ausnutzung der bahnhofsinspeltorlichen Autorität zum Mit- gliederfang für den Konservativen Verein ist ein skandalöser Miß- brauch der Amtsgewalt. ES ist klar, dast aus Furcht vor etwaigen „dienstlichen" Unannehmlichkeiten so mancher Beamter dem„sausten Zwange der freundlichen Einladung" nachgeben wird, wenn er auch mit dem Herzen nicht dabei ist und die Konservativen zu allen Teufeln wünscht._ 8nsland. Polszei und Arbeitslose und WolffS Telegrapheuburea». Am 25. d. M. verbreitete WolffS Bureau folgende Depesche aus London: Ein Trupp Arbeitsloser kam auf dem Marsch von Manchester nach London in Birmingham mit der Polizei in Konflikt. Durch Zuzug von dortigen Arbeitslosen wuchs der' Trupp auf etwa tausend an. wovon einzelne die Polizei angriffen. Es wurden vier Verhaftungen vorgenommen und der Zug vorsichtshalber bis zur Stadtgrenze polizeilich eskortiert. Wir wissen nicht, aus»velchen Quellen der Korrespondent des Wolffschen Telegrapbenbureaus geschöpft hat. jedenfalls enthält die„Daily-News", die über den Marsch der Arbeits- losen in Birmingham einen sehr ausführlichen Bericht bringt, nichts von Verhaftungen und nichts von Angriffen der Masse auf die Polizei. Dagegen verschweigt das Wolffsche Depeschen- burcau das, was sehr wesentlich ist.„Daily-News" be- richtet nämlich folgendes: Der Führer der Arbeitslosen. Jack Williams, ver- handelte mit dem Polizeichef von Birmingham wegen der Abhaltung von Versammlungen an öffentlichen Plätzen. ES war nämlich befürchtet worden, daß die Polizei wegen der Unruhen, die dort schon vor einiger Zeit gelegentlich einer Arbeitslosendemonstration stattgefunden hatten, Schwierigkeiten machen könnten. Das war aber durchaus nicht der Fall, die Versammlungen haben unter Assistenz einer Anzahl sozia- listischer Geistlicher und unter dem Schutz der Polizei statt- gefunden. Erst nach der Versammlung zogen die Demonstranten nach dem Nathans, um den Lordmayor zu einer späteren Versammlung einzuladen. Hieran wurden sie aller- dings durch die Polizei verhindert. Von den übrigen Schauernachrichten dcZ Wolffschen Telegraphen-Bureaus weiß, ivie gesagt.„Daily-News" nichts zu erzählen._ Rußland. Die Hungersnot. Dr. Schbankokf veröffentlicht im„Tschad" erschütternde Einzel- heitcn über die Hungersnot in 23 Gouvernements. „Im Gouvernement Samara," so schreibt er.„herrscht nun schon das dritte Jahr Hungersnot. Nach Angaben, die zum größten Teil von der Administration geprüft sind, ist die Lage in drei Kreisen ganz verzweifelt. Im Kreise Bugurußlan sind mehr als 23 000 Personen hülfsbedürftig; Brot wird aus Gänsefuß mit einem geringen Zusatz von Mehl gebacken; in drei Dörfern herrscht der TyphuS. In einigen Kreisen ist der Skorbut ausgebrochen. Im Dorfe Pereljub ist schon längst kein Brot mehr vorhanden; „uns bleibt nur übrig zu sterben"— so erklären die Abgesandten der Bauern. Im Kreise NowousenS! bedürfen 40000 Personen der schnellsten Hülfe; in der Nähe von PokrowSk herrscht der Skorbut. Tie Beamten, die daS Notstandsgebiet bereisen, erklären, daß dieses Jahr schlimmer ist als das Borjahr: Brot ist nicht vorhanden, Bich und Mobiliar sind verkauft, der Acker ist beim Dorswucherer verpfändet. Hülfe erscheint von keiner Seite..., dagegen werden Steuern und Rückstände eingetrieben und die letzten Habseligkeiten für diesen Zweck verkauft. Im Gouvernement Tschernigofs ist meist nichts geerntet worden. Hülfe kommt von keiner Seite. Die Bauern nähren sich nicht mit, Brot, sondern mit den verschiedensten Surrogaten. verkaufen ihr Bich, verpfänden die Accker. Vielerorts liegen ganze Familien vö! Hunger krank danieder. Im Goubsryemcnt Ufa herrscht in zwei Dörfern Hungertyphus usw. usw.".' ut_ Ganz Rußland im Auönahmezustand! Petersburg, 27. Januar. Die Dauer des verstärkten Schutzes für die Kiewer und Taurifchen Gouvernements ist bis zum 10. Februar 1000 verlängert worden. « Die„provisorische" Verhängung des„besonderen",„verstärkten" und„außerordentlichen" Schutzes und des Kriegs« und AelagerungS- zustandcs ist nachgerade zu einer permanenten Erscheinung rn Rußland geworden. Gegewvärtig ist kein einziges Gouvernement dr» curopäischenMutzland von irgendeiner Abart dcS AusnahmezustandrS frei. Bloß vereinzelte Kreise in vier Gouvernements(26 von im ganzen 661), die insgesamt nur ein Dreißigstel der Gesamtfläche des europäischen Rußlands auSntachen. werden auf Grund der ,�gc- wohnlichen" Vollmachten der Administration regiert, in allen übrigen herrscht an Stelle des Gesetzes die zu Gesetz gewordene Willkür der mit„außerordentlichen" Vollmachten betrauten Be- Hörden. Qö verdient hervorgehoben zu werden, daß der Kriegs- zustand über 99 Kreise und 2 Städte, also über ein Sechstel aller Kreise dcS europäischen Rußlands verhängt ist.... Die„Arbeit" der Reichsduma-Kommissionen. Der Dumapräsident Chomjakoff beschuldigte vor einigen Tagen die Sicichsduma. daß sie so gut wie gar nichts Positives leiste und daß dies auch für die zahlreichen Duma- Kommissionen zutrifft. Daß Chomjakoff recht hat, geht auS folgender Feststellung hervor: Die 26 Kontmissionen deL Reichs-,.Parlament»" haben bisher alles in allem 61 Sitzungen abgehalten und in diesen 61 Sitzungen sind Summa Summarum von 4 Kommissionen 14(vierzehn) Be- richte„fertiggestellt" worden!(22 Kommissionen haben also über- Haupt nichts geschafft, 3 hielten sogar keine einzige Sitzung ab!) Die 14„fertiggestellten" Berichte, die insgesamt 34 Druckseiten umfassen und im großen und ganzen einfach die entsprechenden Ministertalvorlagen mit geringen Aenderungcn wieder- geben, kosten dem ruffischen Staate an Diäten für die Rcichsduma- Mitglieder die Kleinigkeit von 730 000 M,, so daß ein jeder Buch- stabe des Berichts mit etwa 7 M. Honorar bezahlt ist..., OrKei. „Mehr Hunger als Vaterlandsliebe." Salonicki, 28. Januar. Die Armeelieferanten verweigern wegen rückständiger Forderungen die Lieferung von Lebensmitteln an die Truppen. Wegen des Ausfalls der Fleischrationen und auch weil sie drei Monate keine Löhnung erhielten, sind die Truppen ziemlich erregt. Auch das Militärhospital ist seit einigen Tagen ohne Fleisch.'_ GewerhrcbaftUche� Sozialismus und amerikauische Gewerkschaften. Das jahrelange eifrige Bemühen der SoziRdemokraten in den Vereinigten Staaten, Einfluß auf die Gewerkschafts- bewegung zu gewinnen ist schließlich doch nicht ohne Erfolg geblieben. Zuerst stieß man auf die hefttgste Oppositton bei den Gewerkschaftsführern und aus die größte Gleich- gülttgkett und Verständnislosigkeit bei den Massen der organisierten Arbeiter, die bei dem erwachenden Ver- ständnis sich sogar noch sehr feindselig den sozia- listtschen Bestrebungen gegenüber verhielten. Sie verwarfen den Sozialismus als„durchaus unamerikanisch". Die Sozia- listen aber ließen nicht ab von der Agitatton und machten in ihrem Eifer auch wohl einmal einen Fehlgriff, so zum Bei- spiel mit der Gründung der„Socialist TradcS and Lahor Sllliance", also einem Geiverkschaftsbund auf sozia- listischer Grundlage, der aber die alten Gewerkschaften nicht im mindesten erschütterte, sondern selbst wieder auseinanderfiel. Man schlug dann eine andere Taktik ein und agitierte innerhalb der Gewerkschaften. Sie von außen „anzubohren", wie eS damals hieß, dazu reichten die Kräfte der Sozialisten nicht auS. Man„bohrte" von innen mit schnellerem Erfolge. Es wäre freilich verfehlt, viel Wert zu legen auf die zahlreichen Resolutionen, die diese oder jene Gewerkschaften zugunsten des Sozialismus schon angenommen haben; selbst dann muß man sich vor Ucberschätzung hüten, wenn solche Resolutionen auf JahreSkonfercnzcn größerer Ver- bände Annahme fanden. Die Anierikancr nehmen es mit den Resoluttonen nicht so genau.— Das„Philadelphiacr Tage- blatt" besprach jüngst die Schrift eines Professors Kennedy über die„sozialistischen Tendenzen in amerikanischen� Gewcrk- schaften". Da wird angeführt, daß im Jahr 1905 auf Ge- iverkschaftskongressen Delegierte, die 214000 Mitglieder vertraten. für sozialistische Resolutionen stimmten, während die gegnerischen Delegierten 1 128 000 Mitglieder vertraten. Daraus geht soviel hervor, daß ein gewisses führendes Element, die Delegierten, die das Vertrauen der Massen haben, Sozialisten sind. Im letzten Jahrzehnt haben 14 nationale und internationale(d. h. mit Kanada) Verbände mit 330 000 Mitgliedern daS sozialistische Programm offiziell anerkannt. Auch darin braucht man nicht mehr zu sehen als ein Zeichen für eine sozialpolitische Strömung in den Gewerk- schaften. Und daß diese Strömung immer stärker wird, darüber sind sich alle Kenner der Gewerkschaftsbewegung einig. Ein gutes Beispiel dafür ist die Haltung der G e- Werkschaftspresse. Vor zehn Jahren noch wurde der Sozialismus in Gewerkschaftsblättern kaum erwähnt, sozia- listischc Zuschriften fanden keine Beachtung. Heute findet man lange Abhandlungen darüber; etwa ein Dutzend GcwerkschaftS- zeitungen sind mehr oder minder ausgesprochen sozialistisch. Außerdem werden viele sozialistische Zeitungen von den Ge- werkschaften unterstützt. So haben 560 lokale Verbände auf „Anxcal to Reason"(„Appell an die Vernunft") abonniert und diesem Wochenblatt damit 40000 Abonnenten verschafft. Gewerkschaften haben einen großen Teil der Aktien de? „Daily Sozialist" in Chicago, der englischen Tageszeitung der Partei, übernommen. In New Dort haben die Gewerk- schaften die volle Hälfte eines Fonds aufgebracht, um die Herausgabe eines englischen Tageblattes für New Jork zu ermöglichen. In den Erklärungen der Prinzipien vieler Ge- werkschaften wird betont, daß daS gegenwärtige Gesellschafts- system den Arbeitern die Früchte ihrer Arbeit vorenthält. Professor Kennedy sieht in einigen Jahren kommen. wie der Trade UnioniSmuS der ökonomische Flügel und die Socialist Party der polittsche Flügel der Arbeiterbewegung in den Vereinigten Staaten sein werden. Verlin und llmgegenck. Achtung, Schlosser, Werkzeugmacher! Die Einrichter in der Waffen- und Munitionsfabrik zu Berlin, Kaiserin-Augusta-Allee 30, haben am Montag wegen vorgenommener Abzüge von dem bestehenden Stundenlohn die Arbeit»iedergelegt. Schon seit einiger Zeit hat die Direktion in den verschiedenen Ab- teilungen der oben genannten Fabrik Abzüge an den Stundenlöhnen und Alkordprelsen teilweise angekündigt, teilweise ausgeführt. So wurde auch den Einrichtern in der letzten Woche mitgeteilt, daß ihre bisherigen Stundenlöhne um 10 Prvz. gekürzt werden. Einer Kommission der betreffenden Arbeiter, welche mit der Direktion wegen Zurücknahme der Abzüge verhandelte, wurde von dem Vertreter der Direktton erklärt:„ES bleibt bei diesen Abzügen; an einer Zurücknahme ist nicht zu denken."— Alle Einwenoungen der Kommission wurden nicht beachtet. ES blieb also den Einrichtern angesichts dieser ab- lehnenden Haltung der Direktton nichts weiter übrig, als die Arbeit niederzulegen. Da der Streik ein berechtigter ist, so ersuchen wir die Kollegen, etwaige Arbeitsangebote dieser Firma zurückzuweisen. Die deutsche Waffen- und Munitionsfabrik ist siir Einrichter, Schloffer und Werlzeugmacher bis auf weiteres gesperrt. Deutscher Metallarbeiter-Berband. Ortsverivaltung Berlin. Achtung, Gold- und Silberarbeitcr! Dar Streik in der optischen Werkstatt O. R.. Nixdorf. Zeitzcr Straße 5, dauert unverändert fort. Zuzug ist streng fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiter-Berband. Ortsvcrwaltung Berlin. Achtung, Metallarbeiter! Die Kollegen der Berliner Motor- ivagenfabrik Rcinickendorf-Ost, verlängerte Kolonicstraße, befinden sich nach wie vor im Streik. Etwaige Arbeitsangebote von dieser Firma sind zurückzuweisen. Die Firma ist bis auf weiteres gesperrt. Deutscher Mctallaroeiter-Vcrband. Orteverwaltung Berlin. Achtung, Rohrleger und Helfer! Da die Firma Nolle in Wilmersdorf, Augustastr. 66/67, unfern Tarif noch nicht anerkannt hat, so bleibt dieselbe bis auf weiteres für die Kollegen gesperrt. Deutscher Metallarbeitcr-Vcrband. Ortsvcrwaltung Berlin. Achtung, Former! Wie schon in Nr. 22 dcS„Vorwärts" bekanntgegeben, haben die Former der Norddeutschen Eisen- und Stahlwerke in Oberschöneweide am Sonnabend die Arbeit nieder- gelegt. Die Ursache dazu war folgende: Im Jahre 1004 wurde zwischen den Vertretern der Berliner Eisengießereien und den Vertretern der Berliner Former und Gießcreiarbciter eine Ver- einbarung getroffen, welche die Arbeitsverhältnisse und Akkord- preise gleichmäßig für alle Gießereien in Berlin regelt. In dieser Vereinbarung ist die Bestimmung enthalten, daß, bevor der Former eine Arbeit beginnt, der Preis für diese Arbeit erst mit ihm vereinbart werden muß. Diese Bestimmung wurde von der Direktion der Norddeutschen Eisen- und Stahlwerke nicht gehalten, sondern co wurden von dem Direktor die Preise willkürlich fest- gesetzt, und der Former, welcher für diesen Preis nicht arbeiten wollte, wurde entlassen. Die Erregung unter den Arbeitern wurde begreiflicherweise immer größer, und so ist eS Wegen dieser Maßnahmen der Direktion mehr wie einmal zum Streik gekommen. Der letzte Streik wurde durch Verhandlunge« zwischen dem Ver- treter deö Deutschen Metallarbeiter-VerbandcS und der Kommission des Verbandes Berliner Metallindustricllcr im Beisein einer Kommission der streikenden Former und der Firma beigelegt. In dieser Verhandlung verpflichtete sich die Firma, in Zukunft die Vereinbarung von 1004 strikte innezuhalten und bei Bedarf an Formern die vom Streik übriggebliebenen Kollegen zuerst bei der Einstellung zu berücksichtigen. Beides hat die Firma nicht gehalten. Denn nach einigen Tagen wurden die Kollegen, welche die strikte Jnnehaltung der Vereinbarungen verlangten, von dem Direktor entlassen. Auch wurde versucht, fremde Former einzustellen, obgleich der Direktor wußte, daß einige Former von dem letzten Streik her arbeitslos waren. Unter diesen Umständen blieb den Kollegen nichts weiter übrig, als die Arbeit niederzulegen. Die Firma ist für Former bis auf weiteres gesperrt. Die Kollegen werden dringend ersucht, den Be- trieb zu nieiden. Arbeiterfreundliche Blätter werden um Abdruck ersucht. K Deutscher Metallarbeiter-Berband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Schäftebranchc! Tie Differenzen bei der Firma Rad de, Markgrasenstraße 81, sind beigelegt. Die Entlassenen nmrBen wieder eingestellt und ist am Montag die Arbeit aufgenom» men worden. Zentralvcrband der Schuhmacher. Zweigverein Berlin. Zum 8. Kongreß der„Freien Bereinigung" nahm am Montag der Verein der Musikin st rumenten- arbeit er Stellung. Nächst dem„Allgemeinen Metallarbeiter- verband" ist dies die stärkste Organisation in dem noch vorhandenen Hauflein anarchosozialistischer Gewerkschaftler. Daneben existieren noch zirka 2V Organisatiönchen kleinster Art mit zusammen etwa 2500 Mitgliedern, pro Stück also durchschnittlich 125 Mann stark. Im Angesicht dieser Ziffern berührt es einigermaßen wunderlich, wenn der Vorsitzende Piepenhagen des Vereins der Musik- instrumentenarbeiter seiner Befriedigung darüber Ausdruck gab, daß die Bestrebungen der Einigungsfreunde angeblich keinen Erfolg gehabt hatten und die Auflösung der Freien Vereinigung nicht be- schlössen sei. An dem Bericht im„Vorwärts" mißfiel dem Redner, daß der Delegierte R i e g e r, der die Dachdecker vertrat, als Kassen- beamter bezeichnet wurde. Das Referat von K a t e r zum 3. Punkt der Tagesordnung sei lobend hervorzuheben; die Gegner hätten ihm gegenüber keine stichhaltigen Gründe vorzubringen vermocht. Die Freie Vereinigung sei auf dem Kongreß etwas geschwächt Worden,� aber sie würde um so besser, weil mehr gereinigt, ihre Grundsätze vertreten können. Der zweite Berichterstatter war Kißner, der sich mit den Kongreßberatungen über die Programmänderung und die Taktik der Freien Vereinigung beschäftigte. Mit Nachdruck betonte er. daß das Verlangen nach Gründung einer Tagespresse von allen Seiten rege wurde. Am� Programm sei nichts geändert, man hätte nur mehr Klarheit geschaffen, Parteipolitik werde nicht getrieben wer- dem Auch dieser Redner warf dem„Vorwärts" parteiische Bericht- ersiattung vor, weil manche wichtige Ausführungen der Einigungs- gegner nicht gebracht wurden, z. B. die Vorgänge beim Weberstreik. Der Berichterstatter K an itz spricht vom Verrat der Mit- glieder durch die Führer, die ihre persönlichen Interessen in den Vordergrund stellten. Die Lage der Freien Vereinigung sei nicht schlecht; 12 000 Mitglieder blieben treu(?) und die Kasse enthalte 140 000 M. Wiescnthals Verhalten wurde von den Rednern scharf verurteilt, ebenso das von Puttlitz. Eine Resolution, nach der sich die Versammelten mit der Hal- tung der Delegierten einverstanden erklärten, wurde angenommen, nachdem sich an der Diskussion nur wenige Redner beteiligt hatten. Heber die Praktiken der„Freien Vereinigung der Betonarbeiter" erhalten wir zwei Zuschriften, die wir nachstehend wiedergeben: „Laut Bericht des„Vorwärts" vom Sonntag, den 26. d. M.. über den Kongreß der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften hat B o m m e r als Vertreter der Vereinigung der Beton- arbeiter erklärt, daß in ihrem Verein keine Mitglieder aufgenommen sind, welche bei anderen Organisationen Schulden hinterlassen haben. Demgegenüber haben wir zu erklären: Auch von unserer Organisation sind in den Betonvcrein Kollegen aufgenommen worden, welche noch über 30 Mark S tr e i k b e i t r ä g e zu zahlen hatten. DicS ist auch der Mehrzahl der Berliner Delegierten bekannt gewesen, weil in der Kartellsitzung, wo der Anschluß des Bctonvercins an das Kartell vollzogen wurde, von unseren Vertretern dagegen protestiert wurde. Niemand hat es aber für nötig befunden, obige Verdrehungen richtig zu stellen. Am besten hat es K l e i n l e i n, der Kassierer der Geschäfts- kommission gewußt, weil in dessen Beisein die Sache mehrere Male erörtert wurde, aber derselbe hat sich auch ausgeschwiegen. Wir ersuchen dieses zur Steuer der Wahrheit in einer der nächsten Nummern zu veröffentlichen. Ter Vorstand der Freien Vereinigung der Bauarbeiter Berlins und Umgegend. I. A.: Hermann Norgel." Die zweite Zuschrift lautet: „Dxr Erklärung des Delegierten der Freien Vereinigung der Bctonarbeiter auf dem 8. Kongreß der„Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften" in der Sitzung vom Sonnabend, den 25. Januar 1003,„es sei nicht wahr, daß der Verein Mitglieder aufgenommen habe, die sich in ihrer früheren Organisation der Zahlung von Streikbeiträgen entzogen haben", stellen wir folgendes gegenüber: Während der Lohnbewegung im Berliner Baugewerbe haben sich eine Anzahl Mitglieder der Sektion der Gips- und Zement- blanche des Zcntralverbandcs der Maurer Deutschlands von der- selben abgesplittert und die„Freie Vereinigung der Betonarbeiter" ins Leben gerufen. Zu dieser Neugründung haben prinzipielle Gründe nicht geführt; die Absplitterung ist einzig und allein nur deshalb erfolgt, um die von der Sektion der Gips- und Zement- blanche beschlossenen Streikbeiträge nicht zu bezahlen. Obgleich sich in der Kartcllsitzung die Vertreter der Freien Vcr- cinigung der Maurer aus den angeführten Gründen gegen die Aufnahme der Betonarbeitcr in das Kartell wandten, wurde doch beschlossen, die neue Organisation in das Kartell aufzunehmen. Diejenigen Mitglieder der Freien Vereinigung der Betonarbciter, welche von der Sektion der Gips- und Zementbranche durch Karte ausgetreten resp. ausgeschlossen wurden, und zu der neugcgründeten Organisation übergetreten sind, haben bis heute die noch restiercnden Streikbciträge in der früheren Organisation nicht bezahlt. Selbst der Delegierte der Betonarbciter Conrad B o m m e r, welcher obige Erklärung auf dem 8. Kongreß abgegeben hat, ist bis heute seinen Verpflichtungen betreffs Bezahlung der Streikbeiträge in der früheren Organisation nicht nachgekommen. Die Streikkarte des- selben liegt noch im Bureau der Sektion der Gips- und Zement- brauche. Die Sektionsleitung. I. A.: Otto Haese. Oeutkebea Reith. Die Musiker gehören wohl zu dem ausgebeutetsten Proletariat. Selbst Künstler, an die mehr als die durchschnittlichen Ansprüche gestellt werden, er- halten Löhne, welche die moderne Arbeiterschaft dank ihrer Organi« sation überwunden hat. Hinderlich ist den Musiken« ihre ungeheure Zersplitterung in die verschiedensten Organisationen. Neuerdings regen diese aber sich doch notgedrungen, um die wirtschaftliche Lage der Mitglieder zu verbessern. So hat der Verein Berliner Musiker über die„Kölnische Oper" die Sperre verhängt. Der Allgemeine Deutsche Musikerverband hat ebenfalls eine Sperre ausgesprochen, und zwar über das Kaim-Jnstitut in München und die Ausstellung München 1903._ Die Arbeitslosigkeit in Königsberg. Bon den 22 größeren(Be- werkschasten mit zirka 8000 Mitgliedern ist eine Arbeitslosenzählung innnerhalb der Organisation veranstaltet. Es wurden hierbei 1246 Arbeitslose gezählt, davon sind 431 ledig und 815 verheiratet mit 1485 Kindern unter 14 Jahren. Die 1246 Arbeitslosen sind im folgenden Alter: bi» 20 Jahre 20—25„ 25— 80„ 30-40, 40—50. über 50„ Dazu kommen noch eine sehr große Anzahl von Arbeitern in der Metallindustrie, im Holz-, Handels- und Schneidergewerbe, die eine wesentlich verkürzte Arbeitszeit und demgemäß verringerten Lohn haben. Rechne! man noch hinzu die unorganisierten Arbeits- losen mit ihren Familien, so ergibt sich, daß in Königsberg weit ! über 10 000 Personen infolge der Arbeitslosigkeit Rot und Hunger leiden. Das Königsberger Gewerkichaftslartell hat eine Eingabe au den Magistrat und die Stadtverordneten gerichtet und sie ersucht, schleunigst Notstandsarbeiten in Angriff zu nehmen. Wir wollen abwarten, was die.arbeiterfteundlichen" liberalen Herren unter- nehmen werden. Sämtliche Fliesenleger von Elberfeld und Barmen sind ! ausgesperrt worden, weil die Arbeiter über die Firma T. Will in Barmen die Sperre verhängt haben. Der Kampf in der Kölner Wageninduftrie. Das Rheinische Karosseriewerk(Paplar u. Sohn) in Köln hat vor dem Kölner Gelverbegericht mil den in Betracht kommenden Gewerkschaften einen Eiiiignngsvertrag geschlossen, wonach die Firma auf die Arbeitszeit- Verlängerung verzichtet und den Lohn in der bisherigen Höhe be- stehen läßt. Der Kamps hat also mit dem vollen Siege der Arbeiter geendet. Der Streik bezw. die Aussperrung bei der Wagen- fabrik Utermöhle in Köln und Hildesheim dauert fort. Achtung, Fahrradarbeiter! Die Unternehmer der Fahrrad- industrie in Köln versuchen augenblicklich, auf jede Art und Weise den Arbeitern Verschlechterungen aufzuzwingen. Allem Anscheine nach kommt eS in verschiedenen Betrieben zum offenen Kampfe und ersuchen wir unsere Kollegen allerorts, die Fahrradfabriken von Köln und Umgegend streng zu meiden. Die Ortsvcrwaltung des Deutschen MetallarbeiterverbandeS. Bei den Lindenthaler Metallwcrkeu(Allright-Fahrradwerke) in Köln sind Differenzen ausgebrochen. Die Firma will die Er- Neuerung des abgelaufenen Tarifs in die tote Saison Verschiebelt. Die Verhandlungen sind gescheitert. Zuzug ist fernzuhalten. o« 220 284 407 173 66 1246 Wie groß da» Elend ist, ergibt sich au» der langen Zeit der Arbeitslosigkeit: l Woche.... 2 Wochen.... »..... 4 ,,••■. o über 5 66 72 97 138 100 693 1246 Zur Situation im Baugewerbe. Auch die Dresdener Bauhülfsarbeiter haben am Sonn- tagvormittag in einer stark besuchten Versammlung den von den Bauarbeitgebern ihnen vorgelegten Tarif einstimmig abgelehnt. Der Referent über die Tarisfragc betonte besonders, daß sich wäh- rcnd der ganzen Verhandlungen gezeigt habe, daß die Arbeitgeber auch nicht im geringsten der Arbeiterschaft entgegenkommen wollten. Er verspricht sich auch von den noch weiterzuführenden VerHand- lungen nichts, wenn die Arbeitgeber auf dem schroff ablehnenden Standpunkt den Arbeiterforderungen gegenüber verharren. Die Versammlung beschloß, über den vorliegenden Tarifentwurf zur Tagesordnung überzugehen. Die Empörung über das protzenhafte Verhalten der Bauarbeitgeber war eine große. Aussperrung im graphischen Berufe. Zwecks Herbeiführung von Tarifvereinbarungen haben sich in München die Organisa- tionen der Lithographen und Steindrucker, Buch- bind er und Buchdruck ereihülfsarbeiter zu einem graphischen Kartell vereinigt. Das Kartell legte den Unternehmern gemeinsam einen Tarifentwurf vor, und während der Schutzverband jede Tarifunterhandlungen ablehnte, konnte das graphische Kartell bor dem Gewerbegerichte mit 13 d e m Schutzverbande nicht angehörenden Firmen einen Tarif abschließen. Das Personal von drei dem Schutzver- bände angehörenden Firmen reichte vor 14 Tagen die Kündigung ein, der Schutzverband forderte hieraus das Kartell auf, die Kün- digung zurückzunehmen. Da sich das Kartell daran nicht kehrte. haben sämtliche dem Schntzverbande angehören- den Firmen ihren sämtlichen organisierten Ar- beitern und Arbeiterinnen gekündigt. Der Schutz- verband kündigt die Aussperrung von weiteren 14 090 Arbeitern in ganz Teutschland an. falls innerhalb 14 Tagen eine Berständi- gung nicht erzielt werden sollte. äluslanck. Arbeiter- und Arbeitgeberorganisationea in Norwegen. Der vom Kristiania-Journalistenilub herausgegebene norwegische Kalender„For Alle" bringt in seinem diesjährigen Jahrgang unter anderen wissenswerten Dingen auch einen Artikel über die Gewerkschaftsorganisation der Arbeiter Norwegens, verfaßt vom Genossen Olav Kringen, sowie einen zweiten über die Nor- wegische Arbeitgebervereinigung von K. V. Hammer» einem Manne, der auf seitcn der Arbeitgeber steht. Politische Arbeiterorganisationen wurden in Norwegen schon Ende der vierziger Jahre gegründet, vor allem von Markus T h r a n e, der von Haus aus und auf langen ReisM in Deutsch- land die Not des Lebens kennen gelernt, ihre Ursachen erkannt hatte und nun, ein armer Schullehrer, in seinem Heimatland der Arbeiterschaft die Notwendigkeit des Klassenkampfes klar zu machen suchte. Er wurde dafür zu vier Jahren Zuchthaus verdammt. Einer seiner Leidensgefährten, der 3 Jahre im Zuchthaus schmachten mußte, war der Maurergeselle Bernhard H a n j e n. der schon 10 Jahre früher unier dem Deckmantel einer Krankenkasse einen Maurerfachverein gegründet hatte. Er ist als ältester Veteran der norwegischen Arbeiterbewegung im Jahre 1903, 85 Jahre alt, verstorben. Die Thraneschen Arbeitervereine, die in ihrer Blüte- zeit über 20 000 Mitglieder zählten, gingen jedoch größtenteils bald wieder zugrunde. Die ersten modernen Fachvereine norwegischer Arbeiter wurden in den siebziger Jahren gegründet. Es waren die der Buchdrucker und der Bäcker in Kristiania. Im Jahre 1882 hatten die Buch- drucker in den verschiedenen Städten des Landes 10 Fachvereine, die sich zu einem Landesverband zusammenschlössen. Gegen Ende des Jahrhunderts hatten sich in l2 anderen Berufen ebenfalls solche über das ganze Land erstreckende Verbände gebildet. Im Frühjahr 1899 gründeten eine Anzahl dieser Verbände die Landes- organisation der norwegischen Gewerkschaften, wie im Jahre vor- her schon in Dänemark und Schweden solche Zentralen der Gewerk- sckwften entstanden waren, entsprechend der deutschen„General- kommission", iedoch mit dem Unterschied, daß in jenen drei Ländern die angeschlossenen Organisationen bei großen Lohnkämpsen zur Zahlung von bestimmten Extrabeiträgen verpflichtet sind, die pro vollzahlendes Mitglied bis zu 50 Oer« wöchentlich betragen können. Mitte des Jahres 1907 waren der norwegischen Landesorganisation bereits 33 965 Mitglieder angeschlossen. Abgesehen davon, daß in Norwegen die Gewerkschaften auch noch die Grundlage der Partei- organisation bilden, ist ihre Landcsorganisation in der Weise mit der Sozialdemokratie verbunden, daß das Sekretariat der Landes- organisation einen Vertreter in den Hauptvorstand der Partei wählt, und der Parteworstand einen Vertreter in das Sekretariat entsendet.— Die norwegischen Arbeitgeber haben sich im Herbst 1909 zu einer Zentrale, der„Norwegischen Arbeitgebervereinigung" zu- sammengeschlossen. AIS Zweck der Vereinigung wurde angegeben: „gute und dauernde Verhältnisse zwischen Arbeitgebern und Ar- beitern in Handwerk, Industrie, Handel und den damit verbundenen Erwerbszweigen aufrechtzuerhalten, durch Berücksichtigung berech- tigter Forderungen, sowie durch Abwehr unberechtigter Forde- rungen der Prbciter oder ihrer Organisationen". Die Arbeitgeber- Vereinigung, deren Haupworstand in Kristiania seinen Sitz hat. ist, abgesehen von den Berufsoerbänden, aus denen sie zusammengesetzt ist. in 10 Distriktsorganisationen eingeteilt. Ihre Kampfmittel sind: Gewährung von Geldunterftützung an die Mitglieder bei Streiks und Aussperrungen: Auferlegung eines Verbotes, streikende Arbeiter in irgend einem Betriebe einzustellen, und Veranstaltung von Aussperrungen, die sich unter llniständen aus alle Berufe und über das ganze Land erstrecken können. Bei Abstimmungen und Wahlen innerhalb der Arbeitgebervereinigung ist das Summrecht der Mitglieder nach der in ihren Betrieben tätigen Arbeiterzahl bemessen, was natürlich zur Folge hat, daß die Großbetriebe die Entschudung in Händen haben. Ueber den Umfang der Arbeit gebervereinigung sagt der Artikel, daß ihr im August 1907 811 Pe- triebe mit ungefähr 44 000 Arbeitern angehörten. Zur selben Zeit hielt die Vereinigung in Trondhjcm ihre Generalversammlung ab, und hier kam es auch zu Vereinbarungen mit den dänischen und schwedischen Arbeitgeberorganisationen über gemeinsame Maß- regeln bei Arbeitseinstellungen. „Die Norwegisck>e Arbcitgebervereinigung ist bereits zu einem bedeutungsvollen Faktor in der norwegischen Sozialpolitik ge- worden", heißt es in dem Artikel. Das ist, wie leicht begreiflich, mehr in negativen Sinne zu verstehen, denn, wie überall, so sind auch in Norwegen die Unternehmer nur für eine„Sozialpolitik" zu haben, die ihnen nicht wehe tut, ebenso wie ihnen Forderungen der Arbeiter regelmäßig gänzlich unberechtigt und unverschämt er» scheinen. Gerade jetzt droht die Arbeitgebervereinigung wieder einmal mit einer Massenaussperrung. Weil in Foldal, Meraker und 5iillingdal einige hundert Grubenarbeiter streiken und die Gruben- Herren Fortsetzung der bisher erfolglosen Verhandlungen mit dem LlrbeitSmannsoerband ablehnen, sollen alle Bergwerks- arbeiter Norwegens, ungefähr 2500 organisierte und 1000 unorganisierte, ausgesperrt werden. Versammlungen. Ut�te JSachricbten und Dcpcfcbca Die Marokko-Interpellation. Pari», 23. Januar.(W. T. B.)< Deputiertenkammer.) An Schlüsse der heutigen Verhandlung über die Maroktointerpellation erklärte sich P> ch o n mit folgender Tagesordnung des Abgeord- neten Dubief einverstanden: Die Kammer beschließt, daß die Alge- cirasakte eingehalten und die Verteidigung der Rechte und Jnter. essen Frankreichs in Morokko ohne Einmischung in die innere Politik deS schenftschen Reiches sichergestellt werde. Ferner billigt die Kammer die Erklärung der Regierung und spricht dieser ihr Ver- trauen auS; sie beschließt die Absendung einer Glückwunschadresse der Nation an die in Afrika kämpfenden Offiziere und Mannschaften. Diese Tagesordnung wurde mit großer Mehrheit ange- nommen und daraus die Sitzung geschlossen. Ein Erzieher der Jugend. Konstanz. 28. Januar. sB. H.) Der zuletzt in Radolfzell an- gestellt gewesene Hnuptlehrer Werner wurde von der hiesigen Straf- kammer wegen zahlreicher Sittlichkeitsvcrbrcchen zu einem Jahre Gefängnis verurteilt. Verantw. Redakteur: Hanö Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Zh. Glocke, Berlin. Druck o. Verlag: Borwärt'sBuchdr.u.Berlagsanstalt Paul SingerLtCo., Berlin SW. Hierzu 2 Beilage» o.Uuterhaltungsblatt Arbeiterbilbungsschule. In der letzten Generalversammlung gab G e i t h n e r den Bericht des Vorstandes für das 4. Quartal. Abgehalten wurden drei Vorstandssitzungrn und vier Sonntags« Versammlungen. Der Besuch der Kurse ist als gut zu bezeichnen. Nur der Kursus für Fortgeschrittene hat die Er- Wartungen nicht erfüllt. Der Vorstand hat deshalb beschlossen, diesen Kursus für das kommende Quartal nicht stattfinden zu lassen. Den besten Besuch hafte der Kursus in National- ö k o n o m i e mit 351 eingeschriebenen Schülern zu verzeichnen. Durch Erkrankung des Lehrers konnte der Kursus nicht zu Ende geführt werden; doch ist den Schülern Gelegenheit gegeben, sich im lausenden Quartal schadlos zu halten. Am Kursus für Rede- Übung beteiligten sich 225 Schüler, auf ihn trifft das gleiche hin» sichtlich seiner Dauer zu, wie für den in Nationalökonomie. 170 Schüler besuchten den Kursus für Naturerkenntnis. Der Kursus für Gesetzes tun de hat 101 Schüler aufzuweisen, der- jenige für soziale Gesetzgebung 100. Der Geschichte- Kursus hatte jedenfalls unter dem gleichzeitig am Sonnabend statt» findenden Kursus in Naturerkenntnis zu leiden, denn es hatten sich nur 54 Schüler einzeichnen lassen. Auch der Freitagskursus über Literaturgeschichte hätte besser besucht sein können, da sich nur 74 Hörer eingefunden hatten. An dem Kursus in Steglitz für Geschichte beteiligten sich 58, für National» ökonomie in Tempelhof hatten sich 101 Schüler einzeichnen lassen. Insgesamt hatte die Schule im verflossenen Quartal 1155 Mitglieder, 57 Damen und 1098 Herren. Von diesen be- suchten 170 keinen Kursus, 790 je einen Kursus, 146 je zwei Kurse, 39 je drei, 7 je vier und 3 Mitglieder je fünf Kurse. Der Kassen- bestand betrug am 1. Oktober 1907 5482,39 Me, am 1. Januar 1998 3432,99 M. Die Bibliothek war an 40 Abenden geöffnet. Von den 1813 vorhandenen Bänden sind 525 ausgeliehen worden. G r u n- wald spricht sich im Bericht des Lehrerkollegiums anerkennend über die Aufmerksamkeit der Schüler aus. Wo in einigen Kursei» Aussetzungen zu machen seien, da seien diese mehr in der Schwierigkeit des Lehrstoffes und auch darin zu suchen, daß man es mit Schülern zu tun habe, die sich des Tages schon müde ge- arbeitet haben und deshalb abends nicht mehr die volle Aufmerk- samkeit übrig haben können.— Da Anträge nicht gestellt waren. beschäftigte sich die Versammlung noch damit, die Notwendigkeit von Fortschrittskursen zu erörtern. Nachdem dann noch Beschwerden geringfügiger Art erledigt worden, erfolgte Schluß der Versamm« lung. Die Steinarbeiter, Berlin II. hielten am Mittwoch ihre Generalversammlung ab. Der Kassierer Otto Leu gab zuerst einen Bericht über das vierte Quartal de? vorigen Jahres und dann den Rechenschaftsbericht für das ganze Jahr. Im vierten Quartal' wurden eingenommen 7046,53 M. und ausgegeben 6492,16 Mark. Unter den Jnhreseiimahisien steht eine örtliche Extrasteuer verzeichnet mit 3303,50 M. und unter den Ausgaben 1052,60 M. für Streikunterstützung und 380,55 M. für Krankenunterstützung. Die Jahresbilanz zeigt folgende Aufstellung: Einnahme 16 545,64 M., Ausgabe 16 544,83 M., ergibt ein Mehr von 0,31 M.. Bestand om 31. Dezember 1906 553,56 M., bleibt Bestand am 31. Dezember 1907 554.37 M. Ueber die Mitgliederbewegung wurde berichtet: Die Gesamt- zahl der Mitglieder beftägt 430, Abgang 176, bleibt ein Mitglieder- stand von 254. Am 31. Dezember 1906 betrug die Zahl der Mit- glieder 263. Als Restanten wurden gestrichen während deS JahreS 101 Mit- glieder; ihre Namen kamen zur Verlesung. Neu eingetreten sind während des Jahres 141 Mitglieder. Der Vorsitzende Ohngemach vieS auf den gedruckt vor- liegenden Jahresbericht über verschiedene Kämpfe mit den Unternehmern hin. Der letzte Kampf un» einen neuen Tarifverftag nmßte am 29. Oktober erfolglos abgebrochen werden, und von 115 Streikenden wurden nur 15 wieder eingestellt. Am 1. Mai ruhte die Arbeit fast überall, aber 45 Mann wurden der Feier wegen aus- gesperrt. Die Arbeitslosenzählung vom 3. bis 15. Dezember zeigte, daß außer den vom letzten Streik her Gcmaßregelten noch 64 Manu arbeitslos waren. Die Versammlung nahm die Neuwahl des Vorstandes vor und wählte als ersten Borsitzenden Baumgarten, als zweiten Vorsitzenden Heuer, zun, Schriftführer Metzing, zum Kassierer Otto Leu und zu Revisoren B r i tz u n und P e t r i. Als Anttag für die Gaukonferenz und auch für den Verbandstag erklärte die Versammlung sich für die Umwandlung der Kranken- Unterstützung in eine Erwerbslosenunterstützung. Sollre der Delegierte damit nicht durchdringen, dann soll er die Verlängerung der Mas;- regelungsunterstiitzung von vier auf ach« Wochen beantrage««. Als Delegierter wurde Ohngemach gewählt. Die Konferenz findet am 16. Februar in Frankfurt a. O. statt. Beschlossen wurde ferner noch, daß der.Steinarbeiter" vom 1. April ab den Mitgliedern per Post zugesandt werden soll. Jeder wird aufgefordert, dem Kassierer seine Adresse mitzuteilen. Nr. 24. 25. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Abgeordnetenbaus. 19. Sigung vom Dienstag, 28. Januar, 11 Uhr Am Ministertische: Dr. Beseler. beamten. Auf der Tagesordnung steht die Beratung des Justiz etats. Bei den Einnahmen bespricht Abg. Beltasohn( frs. Vg.) die Vorbildung der höheren JuftizAbg. Wismann( natl.) schließt sich der Forderung des OberLandesgerichtspräsidenten Bierhaus auf Berschärfung des ersten juristischen Gramens an, die dieser in einem Fachorgan aufgeftellt hat. Abg. Roeren( 3.) ist der Ansicht, daß die jungen Juristen jest mehr wissen als früher, dagegen ließen die Ergebnisse der Abiturientenprüfungen zu wünschen übrig. Abg. Caffel( fri. Bp.): An die jungen Juristen werden heute erheblich höhere Anforderungen gestellt als früher, und daraus ergibt sich, daß fie tros des größten Fleißes diesen Anforderungen nicht immer genügen können.( Beifall links.) Minister Dr. Beseler: Die Frage der Ausbildung der jungen Juristen beschäftigt die Justizverwaltung dauernd, sie ist aber noch zu keinem abschließenden Urteil gekommen. Gine möglichst um fassende, allgemeine wissenschaftliche Bildung ist erwünscht, man wird sich aber da immer eine gewisse Beschränkung auferlegen müffen. Beim Titel„ Ministergehalt" bemerkt äußern, da es sich um Maßnahmen in einem militärischen Verfahren handelt. Abg. Dr. v. Campe( natl.): Gegen die vom Abg. Strosser Mittwoch, 29. Januar 1908. Von der Haftung der Eltern für empfohlene Brügelftrafe habe ich lebhafte Bedenken. Eine Reform Schadenszufügungen durch ihre Kinder. bes Beleidigungsparagraphen ist dringend notwendig. Am bedenklichsten ist, daß in solchem Verfahren gealterten Leuten noch Schadenszufügungen durch Minderjährige( z. B. das Einwerfen Jugendfünden vorgehalten werden können. Den Klagen über die einer Fensterscheibe) ziehen je nach dem Alter des Schädigenden eine ausführliche Berichterstattung der Presse über Sittlichkeitsprozesse verschiedene rechtliche Ersatzpflicht nach sich. Ist der Miffetäter noch schließe ich mich an. Vielfach tun die Zeitungen dies nur mit nicht sieben Jahre alt, fo ist er für den von ihm angerichteten Rücksicht auf die Konkurrenz, und es ist anzuerkennen, daß ein- Schaden zivilrechtlich nicht verantwortlich. Wohl aber haftet für den elne Beitungen die Berichterstattung über den Moltke- Harden- von dem Kleinen angerichteten Schaden: wer fraft Gesetzes zur Prozeß abgebrochen haben.( Sehr richtig!) Führung der Aufsicht über ihn verpflichtet ist( also in erster Reihe Abg. Caffel( fri. Vp.): Auf die Frage, wie es mit der Be- die Eltern), weil und sofern er die ihm obliegende foldung der Schöffen steht, ist in der Kommission mitgeteilt wor- Aufsichtspflicht vernachlässigt hat. Dieselbe Pflicht trifft die Eltern den, daß dieser Frage bei der Reform des Strafprozesses näher rücksichtlich der durch Kinder zwischen 7 und 18 Jahren angerichteten getreten werden soll. Das kann doch aber noch sehr lange dauern, Schäden. Ueberdies müssen Kinder dieses Alters für den von ihnen beshalb möchte ich dringend befürworten, diese Frage besonders angerichteten Schaden selbst haften, toenn sie die zu Erkenntnis der zu regeln. Was den Ausschluß der Oeffentlichkeit betrifft, so Verantwortlichkeit ihrer schädigenden Handlung erforderliche Einsicht möchte ich darauf hinweisen, daß doch das wohlerwogene Prinzip hatten. Ob Eltern ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt hatten, ist eine der Oeffentlichkeit auch gewahrt werden muß, wo nicht die Sitt- vom Richter zu beantwortende Tatfrage im Einzelfall. Vor kurzem lichkeit dadurch gefährdet wird. Die Erfahrungen im Moltte- hat das Reichsgericht eine gegen Eltern angestrengte Klage zu Harden- Prozeß werden viel zu sehr verallgemeinert. Dem Abg. deren Gunsten entschieden. Strosser, der für die Wiedereinführung der Prügelstrafe gesprochen Der Klage lag ein bedauerlicher Unfall zugrunde, der sich am hat, erwidere ich, daß wir uns dagegen aussprechen müssen. Ein 4. Juni 1905 in Berlin dadurch ereignete, daß der mit einem wesentlicher Grund für ihre Abschaffung war der Gedanke, daß fie Tefching spielende 15jährige Sohn der Bädersfrau P. diejenigen entwürdigt, die sie vollziehen müssen.( Widerspruch eine 8jährige Schultameradin durch einen Schuß rechts. Beifall links.) in den Kopf verlegte. Die Kugel war durch das KleinAbg. Peltasohn( frf. Vg.): Die Vermehrung der Richterstellen gehirn gedrungen und an der anderen Seite des Schädels figen geum 125 ist zu begrüßen; sie hätte aber in erheblich weiterem Um- blieben. Dies batte bei der Verletzten Sprach- und Sehstörungen Abg. Dr. Rewoldt( ft.): Es ist erwünscht, daß bei Prozessen fange erfolgen müssen, wenn dem Bedürfnis entsprochen worden fiber feruelle Dinge die Oeffentlichkeit ausgeschloffen wird. Dann wäre. Eine gefeßliche Festlegung der Altersgrenze für Richter in Anspruch nimmt. Die Klägerin fordert außer Schadloshaltung zur Folge, wofür sie den P. und dessen Mutter auf Schadloshaltung ist es aber auch notwendig, die Presse auszuschließen, sonst erhalte ich für wünschenswert. reicht man das Gegenteil von dem, was man erreichen will. Minister Dr. Beseler: Dem Abgeordneten Gaffel bemerke ich, für den ihr erwachsenen Schaden noch ein Schmerzensgeld in Höhe von 1000 m. Abg. Strosser( t.): Die Ankündigung des Reichskanzlers auf daß ich an die Staatsanwaltschaften keine Anweisung erlassen habe, Revision des Strafgesebbuches hat uns mit Freude erfüllt. Der im Privatflageverfahren Berufung einzulegen, wenn der Ange- ansprüche der Klägerin dem Grunde nach für gerechtfertigt an und Das Landgericht Berlin erkannte die SchadensersatzMoltke- Harden- Prozeß hat besonders gezeigt die Notwendigkeit der schuldigte Berufung eingelegt hat. Sollte im Bezirk Frankfurt am berurteilte den P. und dessen Mutter auch zur Zah Revision der Bestimmungen über die Bestrafung von Beleidigungen. Main eine solche Uebung bestehen, so würde ich sie nicht billigen. Lung der geforderten tausend Mark Schmerzens Wenn in Prozessen die Oeffentlichkeit ausgeschlossen wird, die Presse Abg. Dr. Mizerski( Pole) fringt einen Fall zur Sprache, in geld. Die Mutter habe ihre Aufsichtspflicht insoweit verlegt, aber drin bleibt, so entsteht ein größerer Schaden, als wenn das dem gegen einen Jungen, der von den Pflegeeltern entflohen war, als mit sie dem Knaben, der Publikum drin bliebe und die Presse ausgeschlossen würde.( Sehr das Beugnisawangsverfahren eingeleitet wurde, weil Knallbüchsen zu spielen tvar und gewohnt richtig! rechts.) Die Zunahme der Roheitsverbrechen an Kindern er nicht sagen wollte, wer ihm zur Flucht verholfen habe. Kinder damit schon andere bedroht hatte, dies nicht untersagt und Gin Regierungskommissar ertvidert, daß es sich um nicht genügend beaufsichtigt habe. Auf die Berufung der Beklagten und Frauen, wie sie in jebiger Zeit in Berlin so oft vorkommen, ihn in dieser Beziehung follte doch die Erwägung nahe legen, ob nicht solchen Elementen einen Jungen handelte, der evangelisch eingesegnet war und nach- wurde das Urteil des Landgerichts vom Kammergericht zu gegenüber förperliche Strafen am Plake sind; für diese her von seinen Pflegeeltern verschwand. Als er wieder auftauchte, Berlin nur in bezug auf den minderjährigen P. bestätigt, dasind sie besonders empfindlich.( Sehr richtig! rechts.) Sehr zu erklärte er, er wolle katholisch werden. In dem Verfahren gegen bedauern ist, daß man nur zu oft geneigt ist, schwere Verbrecher seinen nunmehrigen Pflegevater verweigerte er das Zeugnis, und gegen die gegen Frau P. auf Grund der Beaufsichtials frant zu bezeichnen! Namentlich ist es bedenklich, wenn ge- der Untersuchungsrichter versuchte das Zeugniszwangsverfahren. Rammergericht stellte fest, daß der Knabe bisher nur mit ungefährrichtliche Sachverständige vor der Gerichtsverhandlung in der Presse Auf die Entschließung des Untersuchungsrichters haben wir keinen lichen Knallbüchsen, die mit Papier geladen waren, gespielt habe, fich über Berbrecher in diesem Sinne äußern. Es liegt eine GeEinfluß. fahr darin, daß immer bei schweren Verbrechern, wie jest wieder in die beklagte Mutter aber nicht habe wissen können, daß er an dem Sierauf vertagt sich das Haus. Allenstein, Geisteskrankheit angenommen und den Gutachten der Unfallstage sich ein Tesching zulegen würde. Darin, daß sie den Psychiater meist Folge gegeben wird, obgleich sie sich oft widerKnaben habe mit langen Pausen umherlaufen lassen, anstatt ihn sprechen.( Beifall rechts.) zu beschäftigen, liege eine Vernachlässigung der Aufsichtspflicht nicht. Die von der Klägerin gegen das fammergerichtliche Urteil eingelegte Revision wurde vom sechsten Zivilsenat bes Reichsgerichts zurüdgewiesen. Das Reichsgericht führt aus, daß eine Haftpflicht der Frau schon deshalb nicht eintreten fönne, weil auch bei gehöriger Aufsicht dieser Schaden nicht vermieden worden wäre. Daß an einem Sonntagnachmittag der Knabe beim Ausgehen sich mit seinen Kameraden ein Pistol kaufen und, ehe er nach Hause kommt, auf ein Mädchen schießen werde, habe die beklagte Mutter beim besten Willen nicht verhüten sei, so sei das was ganz anderes und könne die Beklagte deshalb nicht wegen Bernachläffigung der Aufsichtspflicht verantwortlich gemacht werden. Abg. Noeren( 3.): Den Ausführungen der beiden Vorredner über die Handhabung des Ausschluffes der Oeffentlichkeit bei Gerichtsverhandlungen fann ich mich nur anschließen.( Sehr wahr! rechts und im Zentrum.) Was die Berichterstattung in der Presse anlangt, so habe ich gefunden, daß unsere vornehmere Presse in dezenter und anständiger Weise über die großen Standalprozesse der Ichten Zeit berichtet hat, während die sensationslüsterne Presse sich mit Behagen in den Schmuß stürzte und ihn breittrat. Justizminister Dr. Beseler: Daß in Sittlichkeitsprozessen die Deffentlichkeit möglichst weit auszuschließen ist, ist auch meine Auffassung, aber ich bin der Meinung, daß die Entscheidung darüber dem Gericht zustehen muß.( Sehr richtig!) Der BeTeidigungsparagraph(§ 186) hat nach meiner Auffassung eine außerordentlich unglückliche Fassung. Was die Erbringung des Wahrheitsbeweises in Beleidigungsprozessen betrifft, so hat ein Vergleich mit den entsprechenden Bestimmungen anderer Staaten ergeben, daß nirgends die Erbringung des Wahrheitsbeweises so weit gestattet ist wie bei uns.( Hört! hört!) Was den Jrrsinn von Verbrechern betrifft, so ist es ja Cache der Gerichte, zu entscheiden, ob sie sich dem Urteil der Sachverständigen anschließen fönnen oder nicht. Ueber den Allensteiner Fall kann ich mich nicht J Kleines feuilleton. Nächste Sizung: Mittwoch, 11 Uhr. Fortseßung der Beratung. Schluß 4% Uhr. Parlamentarifches. Einlauf. Aus dem Reichstage: Bericht über die Tätigkeit der Zentral- Mustunftsstelle für Auswanderer für die Zeit vom 1. Oftober 1906 bis zum 30. September 1907( nebst Anlagen). Aus dem preußischen Abgeordnetenhaus: Bergleichende Uebersicht der Ergebnisse der Veranlagung zur fönnen. Wenn der Junge bisher oft mit Knallspielzeug umgegangen Einkommensteuer für 1906 und 1907. Aus dem Herrenhaus: Entwurf eines Gefeßes betreffend die lebertragung polizeilicher Befugnisse in Gemeinde- und Gutsbezirken der Umgebung von Botsdam an den Königl. Polizeidirektor zu Potsdam. Uebersicht der Entschließungen der Königl. Staatsregierung durch Beschlüsse des Herrenhauses. Entwurf eines Gefezes betreffend Erweiterung des Stadtkreises Magdeburg. Gefeßentwurf betreffend die Zahlung der Beamtenbesoldung und des Gnadenvierteljahres. Koroner( Leichenschaubeamten) sowie den zuständigen Gerichtspolizeibeamten zuziehen. Ist der Tod unvermeidlich und stehen dem Kranten große Beiden bevor, so dürfen ihn die Aerzte mit gustimmung der nächsten Verwandten im Beisein der Staatsbeamten ein startes Gift geben und ihn auf diese Weise von seinem Leiden erlösen. sowie eine Sammlung von Schriften, die weitere Auftlärung über das Leben der Rongoneger geben. Außerdem ist jeder einzelne Gegenstand mit einer Beschreibung versehen, die es dem Beschauer ohne besondere Borbildung möglich macht, einen flaren Begriff von der Sache zu gewinnen. Theater. " Aus der Partei. Martyrolog ber bundistischen Presse in Rußland. Von jeher ist die Knebelung und Unterdrückung der Presse eine von der Regierung mit Vorliebe angewandte Waffe zur Bekämp fung der Revolution gewesen. Selbstredend hat stets die sozialGeht mir mit euresgleichen! Ein richtiger Lakai Salt's immer mit den Reichen Und fährt auch gut dabei. Wer selbst ein Mann mit Rente, Macht gern die Mode mit: Nach oben Komplimente, Nach unten einen Titt! Nun stehn sie ganz verwundert Und reiben den Popo. Dzwanzigstes Jahrhundert, Wie stimmst du einen froh! Mit Freudentränen gaben Sie Hofe mir und Rock, Die wohlgezog'nen Knaben Vom liberalen Block. ( Edgar Steiger im Simpliciffimus".) Notizen. Jbfen Vorträge. In der Aula der X. Gemeindeschule in Charlottenburg, Goethestraße 22, hält Erich Schlailjer einen Zyklus von sechs Vorträgen über die Dramen Jbfens. Karten für den ganzen Byllus zu 3 M. und für den einzelnen Vortrag zu 1 M. in den Buchhandlungen von Seydel, Berliner Straße 168, von Ullrich, Wilhelmsplay, und von Golde, Kantstraße 150. Die Vorträge finden vom 29. Januar an Mittwochs von 6-7 Uhr statt. Der Roman einer Romanschriftstellerin. Das Leben der in Biareggio verstorbenen englischen Schriftstellerin Duida hat selbst so viel bizarres, abenteuerliches, fenfationelles wie ihre Romane. Wandernde Museen. In Schweden hat man seit mehreren Sie soll die Tochter eines franzöfifchen Aristokraten, der aus Kanada Jahren sogenannte Wanderungsbibliotheken, die im ganzen Bande nach England übersiedelte, und einer Engländerin gewesen sein. umhergefandt werden, um dem Bolte allerorts, wo es an öffentDoch waren über ihre Herkunft auch andere Versionen im Umlauf. lichen Leihbibliotheken mangelt, eine Sammlung guter Bücher zur Jedenfalls war in England, wo ihre ersten spannenden und gleich- Verfügung zu stellen. Nun hat man damit begonnen, in derselben zeitig untonventionell- fühnen Romane in den 60er Jahren Auffehen Weise auch Museen auf die Wanderschaft zu schicken. Das erfte erregten, lange die Neugierde wach, herauszubringen, wer ist derartige Wanderungsmuseum dient zur Beranschaulichung des Lebens Quida.( Der Name foll aus der kindlichen Aussprache ihres und der Kulturstufe der Kongovölfer. Es ist von einem hervorVornamens: Souisa entstanden sein.) Um fo mehr, da ragenden Ethnographen, Freiherrn G. Nordenskiöld, zusammengestellt manche nicht glauben mochten, daß von einer jungen Frau die und enthält 230 Gegenstände, wie sie von den Eingeborenen benugt realistischen Schilderungen aus dem Dirnenleben stammen tönnten. werden; dazu das Modell einer Wohnstätte, ferner Photographien, Gerüchte wollen wissen, daß fie felber in diefes Leben tiefen Einblic getan habe. Die gesellschaftliche Heuchelei machte indes Duida, deren Romane nach wie vor gelesen wurden, in England unmöglich. Sie wanderte dann nach Toscana aus, wo sie an verschiedenen Orten in großem Stile lebte. Sie war erzentrisch in ihren Gewohnheiten fie hatte eine Unmasse Tiere, die sie bis an ihr Ende verpflegte mit ihren hohen Einnahmen wirtschaftete fie verschwenderisch. Mit dem Alter ließ ihre Popularität nach. Aber sie Münchener Theater. Die Puppenschule". ein fuchte ihre Gewohnheiten zu erhalten und wußte nicht, daß Schauspiel von Hans Müller, wurde bei seiner Uraufführung das Geld im Leben schneller aufhört als in den Nomanen. So im Münchener Residenz- Theater mit gemäßigtem Beifall fam eines Tages das nackte Elend über ihre Schwelle. Nachdem aufgenommen. Der junge Wiener Autor hat in Intendant Speidel nächsten Herbst wieder für längere Zeit im Thalia- Theater gastieren. Aus der Bühnenwelt. Alexander Girardi will im man sie nicht mehr ausbeuten fonnte, fegte man sie auf die Straße. einen verläßlichen Manager, trotzdem der Einakterzyklus Das Hoffentlich fann der wirklich volkstümliche Künstler dann auch einmal Und so faß fie eines Nachts statt im Balafte im Binienwalde bei stärkere Leben", vor längerer Zeit hier gleichfalls uraufgeführt, nur in einem Stücke auftreten, das feiner würdig ist, und vor einem Publikum, Viareggio, ausgehungert und verlassen. Nur ihre Hunde hielten bei eine schwache Talentprobe des protegierten Berfaffers war. Die das mehr Volt" aufweist als das modische, das ihn jezt fetiert. ihr aus. Eine ihrer ehemaligen Dienerinnen erbarmte sich ihrer. Buppenschule" weist vervollkommnetes technisches Geschick, aber auch Blindheit traf die Greifin auch noch. Aber ihren Stolz behielt sie, stärkere Stonzeffionen an die alte Theaterschablone auf. Dem Autor Kurt Münzer, die im Sommer in Berlin unter dem Titel Sie lebt noch, die Zensur. Vier Einafter von Geldsammlungen zu ihren Gunsten lehnte fie ab. Der Tod hat ist die Wirkung Haupt-, die Kunst Nebenzwed. Ein bejahrter Schaunun ein Leben beschlossen, das im Roman uns unwahrscheinlich vor- spieler mit ebenso jugendlichem wie goldenem Herzen lehrt einer nahmt worden. Das verlorene Lied" als Buch erschienen, sind beschlagfommen würde. Aber die Wirklichkeit des Lebens ist oft viel roman- Storona von Schülern beiderlei Geschlechts das Theaterspielen. Und Schoenherr, fein bereits angenommenes Märchenspiel Das Die Wiener Hoftheaterzenfur verlangte von hafter als wir glauben. das Leben der Personen verschmilzt mit den Rollen, die sie tragiren. Sönigreich" zu faftrieren.( Ein Prügelfnabe vermißt sich darin Das Recht auf den Lob. Bei zahlreichen Naturvölfern finden Die Bermischung von Schein und Sein gibt die betwegte Handlung zu Unehrerbietigkeiten gegen den Fürsten.) Der Dichter lehnte die wir das Bestreben, die Kranken und unheilbar Kranken zu töten, der vier Afte, von der nach Abzug manches guten Wortes und einer Bumutung ab und zog fein Stück zurüd. und viele Sagen der heutigen Kulturvölker und andere Anzeichen Flut von rührseligen Stuliffenerschütterungen ein Ehebruch übrig bleibt. weisen darauf hin, daß auch im modernen Europa einst diese Sitte Begangen von dem ersten Liebhaber der Puppenschule" mit Tonia, bestand. In letzter Zeit haben sich wiederholt Stimmen erhoben, des Meisters Frau. Sie war feine Somme, und der gute alte Kinds welche in gewissem Sinne jene primitive Sitte wieder bei uns ein- fopf verzweifelt. Nach bekanntem Muster nimmt die Ungetreue Gift, führen wollen, und selbst Romandichter haben dies Problem des wodurch das Publikum mitten in die Mache der Dumas und sonstiger Efteren behandelt. Während sich aber die Naturvöller bei der Tränendramatiker hineinversetzt wird. Tötung der Greise und Kranten fast durchweg nur von dem Interesse der Allgemeinheit bestimmen lassen, fordert heutzutage die Möglichkeit einer Tötung unheilbar Kranker und altersschwacher Personen in einem eigenen Interesse. Diefe Bestrebungen haben neuerdings sogar in zwei Staaten zu praktischen Gesegesvorschlägen geführt, über die in der italienihen friminalistischen Zeitschrift La scuola positiva" referiert wird. Im Staate Dhio ist ein Gefegesvorschlag eingebracht, der die Aerzte ermächtigt, unheilbar Krante zu töten. In Java follen die Aerzte außerdem berechtigt sein, Blödsinnige, Mißgeburten und Geiftestrante zu töten. Der Strante muß den Wunsch äußern und der Arzt noch zwei andere Werate und als Vertreter des Staates den D Humoristisches. Die Salaienrebe. Was fümmert dem der Pöbel Den Diener seines Herrn? Ein gutes, altes Möbel Wird nimmermehr modern. Das Schmollen der Philister Ist dimmer noch wie dreist. Man weiß doch, daß Minister Auf deutsch Bedienter heißt m. " " Michael Tichigorin, der beste russische Schachspieler und Theoretiker, der freilich auf den letzten Tournieren feine frühere, besonders im Angriff bewundernswerte Meisterschaft nicht mehr behauptet hatte, ist 58 Jahre alt gestorben. Richtzerbrechliche Glühlichtförper. Von einer wichtigen Verbesserung der Glühstrümpfe, die ja immer noch gegen Erschütterungen und Stöße recht empfindlich sind, berichtet die Wochenschrift English Mechanic". Es ist danach einer Pariser Firma gelungen, die sogenannten feltenen Erden, die beim Gas glühlicht zur Verwendung kommen, durch Schmelzen im elektrischen Ofen in kompakte Form zu bringen, ohne daß eine Beeinträchtigung ihres Ausstrahlungsvermögens stattfände. Das neue Erzeugnis foll demnächst unter der Bezeichnung ,, buissons ardents" auf den Markt tommen. Der Name ist nach der bufchartigen Form, in der die aus den Erden geformten Stäbchen angeordnet sind, gewählt worden, doch läßt das Material auch jede andere Form zu. Seine Widerstandsfähigkeit gegen Bruch wird als eine außerordentliche ans gegeben. demokratische Presse darunter zu leiden gehabt, und so blickt auch die jüdische sozialdemokratische, die bundistische Presse auf eine lange Leidensgeschichte zurück: drei Tageszeitungen und ein Wochenblatt in der jüdischen und drei Wochenschriften in der russischen Sprache sind in den letzten zwei Jahren der Regierung zum Opfer gefallen. Die erste bundistische Tageszeitung,„Der Wecker", begann nach den stürmischen Oktobcrtagcn in Wilna zu erscheinen, doch hat sie nur etliche dreißig Nummern erlebt, als sie-mach voraufgegangener Durchsuchung der RcdaktionSräume verboten und der Redakteur. Genosse Arnstein, unter Anklage gestellt wurde, der sich durch die Flucht entzog. Das Bedürfnis des jüdischen Proletariats nach einem solchen Aufklärungs- und Kampfmittel, wie es die sozia- listische Tagesprcssc ist, war zu stark, als daß es unbefriedigt hätte bleiben können, und es währte nicht lange, bis an Stelle des ver- botenen„Wecker" die„Volkszeitung" trat. Fast zu gleicher Zeit mit dem„Wecker" wurde auch die russische Wochenschrift„Der jüdische Arbeiter" von demselben Schicksal ereilt, und auch in diesem Falle mußte der Redakteur, Genosse Kipman, flüchten. Ter„Volks- zcitung" war ein längeres Leben beschieden— sie erschien regel- mäßig über ein Jahr, hatte jedoch fast die ganze Zeit mit finan- ziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, die mehrmals ihre Existenz in Frage stellten: die herrschende Arbeitslosigkeit als Folge der indu- striellen Krise, das Verbot des Einzelverkaufs der„Volkszcitung" in mehreren großen Städten waren die Ursachen dieser Erscheinung. ES wäre jedoch dem Opfermut der jüdischen Arbeiterschaft Zweifel» loS gelungen, trotz aller Schwierigkeiten ihr Blatt aufrechtzuerhalten — allein die Regierung wollte es anders: die Redaktionsräume vn'-den durchsucht. Kasse und Manuskripte mitgenommen und zahl- reiche Mitarbeiter verhaftet. Ter Redakteur, Genossin Sackheim, wurde zu einem Jahre Festungshaft verurteilt und daö Blatt selbst natürlich verboten. Das war ein harter Schlag nicht nur in moralischer, sondern auch in finanzieller Hinsicht, um so mehr, als unterdessen auch zwei russische Wochenschriften,„Unser Wort" und „Unsere Tribüne", einen gewaltsamen Tod gefunden hatten. Mit der Aufbietung aller Kräfte wurde an Stelle der„Volkszeitung" die„Hoffnung" gegründet. Doch schon nach wenigen Nummern wiederholte sich dasselbe: Haussuchung, Beschlagnahnic von Geld und Manuskripten. Verhaftung, Verbot usw. Der Redakteur, Ge- noffe Lewinsohn, wurde von demselben Schicksal ereilt wie seine Borgänger. Die Regierung triumphierte: sie ivar überzeugt, der verhaßten jüdischen sozialdemokratischen Presse endgültig den Garaus gemacht zu haben. Sie triumphierte jedoch zu früh: es erschien bald darauf oie jüdische Wochenschrift„Der Morgenstern". Das ging der Regierung zu sehr wider den Strich: mit der dritten Nummer wurde das Blatt verboten, Geld und Redaktionsmappe wanderten in die„Ochranka"(politisch: Schuhabteilung), die Mitarbeiter und der Redakteur— ins Gefängnis. Gegenwärtig erscheinen als Organ des„Bundes" unter dem Titel„Unsere Tribüne" nur unperiodische kleine Sammelbücher in russischer Sprache, die aber eben aus diesem Grunde fast ohne Be- deutung für die jüdischen Massen sind. Es ist daher mit Sicherheit zu erwarten, daß in die durch den Untergang des„Morgenstern" entstandene Bresche bald ein neuer Kämpfer einspringen wird. Sozialdemokratische Bewegung in Transvaal. In Nebereinstimmung mit der Resolution des Stuttgarter Kongresses betreffs Kolonialpolitik wurde in Transvaal ein sozia- listisches Komitee gebildet, um gegen die Handlungsweise der Natal» regierung, die die Zulus zur Rebellion zu treiben sucht, um sie ihres Landes zu berauben und sie zur Lohnsklaverei zu zwingen, zu protestieren. Zu diesem Zwecke wurde am Sonntag, den 22. Dezember, eine Massenversammlung abgehalten, in der über 2000 Abzüge der Stuttgarter Resolution verteilt worden sind. Diese Abzüge trugen auf der Rückseite folgende Resolution: „In Anbetracht der Tatsache, daß der größere Teil der Be- völterung Südafrikas aus Schwarzen besteht und daß diese bor- wiegend Arbeiter sind, verpflichten wir— die iveißen Arbeiter—, die mehr Gelegenheit hatten, das Wesen kapitalistischer Ausbeu- tung kennen zu lernen, uns, die farbigen Rassen gegen die An- maßungen und Eingriffe, denen sie seitens der Handlanger des .Kapitalismus, wie z. B. der Kolonialregierungen. zu unter- stützen." In der Versammlung waren sowohl Eingeborene wie Europäer 'anwesend, es entstand eine lebhafte Diskussion.— Es war dies das erste Mal, daß diese Frage hier angeschnitten wurde. Ein reger Feldzug in dieser Richtung steht bevor. poUzeiUchce, Gerfchtilchca ufw» Strafkonto der Presse. Genosse Steinkamp vom„Volk s- Matt" in Bochum hatte am Sonnabend am Schöffengericht zu Bochum zwei Strafsachen wegen Beleidigung und an der dortigen Strafkammer ebenfalls einen Termin wegen Beleidigung anstehen. Eine Sache am Schöffengericht wurde vertagt, in der anderen er- hielt der Angeklagte wegen Beleidigung einer freiwilligen Feuer. wehr 150 M. Geldstrafe. Bei dem Termin an der Strafkammer handelte es sich um eine Berufung gegen ein Urteil des Bochumer Schöffengerichts. Sie wurde verworfen und auf 40 M. Geldstrafe erkannt. Wegen Beleidigung eines„Gelben", des Vorsitzenden des„Na- tionalen" Arbeitervereins in Braunschwcig, wurde Genosse Otto Friedrich vom„Volksfreund" zu Braunschweig vom dortigen Schöffengericht zu 1S0 M. Geldstrafe eventuell zwei Wochen Gefängnis verurteilt._ Soziales« Ist eine„Probiermamscll" kaufmännische Angestellte oder Arbeiterin? Mit dieser Frage hatte sich gestern die achte Slvaskammer des Landgerichts l in der Berufungsinstanz zu beschäftigen. Wegen Vergehens gegen die Gewerbeordnung war der Kausinann B. an- geklagt. Herr B. ist Inhaber einer bekannten Konsektionsfirma für Damen- und.Kinderniäntrl. In seinen in der Leipziger Straße gelegenen Geschäftsräumen läßt er durch eine Anzahl weiblicher An- gestellter Stoff zu Mänteln abschneiden, aber nickt zuschneiden, und an gwischenmeister vergeben, die mit Hülfe von Heimarbeiterinnen nach Normalmaßen Mäntel daraus fertigen. In den Geschäftsräumen de« B. werden sodann die Mäntel abgenommen und dabei stichprobenweise von den hierzu angestellten„ProbiermamsellS" ausprobiert. Zeigen sich Mängel, so werden die Mäntel an die Zwischenmeister zurück- geschickt, Aenderungen werden im Geschäft selbst nicht vorgenommen. Die Mäntel werden im großen hergestellt und verkauft, eS befindet sich aber neben dem Lager ein Raum, in den, auch Endetail-Kunden verkauft wird. Auck hier müssen die weiblichen Angestellten als Verkäuferinnen und ProbiermamsellS tätig sein. Herr B., der mit den meisten Vertretern der Konfektionsbranche die Tätigkeit dieser Damen für eine kaufmännische und nicht für die Tätigkeit einer Arbeiterin hält, befolgte aus diesem Grunde nicht die in den ßZ 137 ff der Reichögeiverbeordnung gegebenen Vorschriften über die Beschäftigung weiblicher Arbeiterinnen in Fabrikbetriehen. Diese Vorschriften finden nach den Kleider-, WäschekonfeftionS-Ber- Ordnungen vom 31. Mai 1807 und 17. Februar 1004 Anwendung auf Werkstätten, in welchen Frauen- und Kinderkleidung im großen voer auf Bestellung nach Maß für den persönlichen Bedarf der Be- steller angefertigt oder bearbeitet wird.— DaS Schöffen« geeicht nahm an, daß Herr B. gegen diese Vor- schriften verstoßen habe und verurteilte ihn zu einer Geld- strafe von 80 Mark. Nach Ansicht des Gerichts habe in dem Be- triebe des Angeschuldigten, obwohl die Angestellten mit dem Verkauf betraut waren, die rein technische Beschäftigung das Ucbergewicht SieHabt. Wenn auch Aenderungen an den Mänteln nicht vorgenommen eien, so müsse eS doch jede Tätigkeit, welche erforderlich ist, um einen Gegenstand absatzfähig zu machen, als eine Ansertignug ansehen. Wenn man auch nicht den landläufigen Begriff„Arbeiterin" auf eine Probiermamsell anwenden könne, so handle eö sich doch im vor- liegenden Falle um nicht kaufmännische Angestellte, die in einer Wertstätte mit zum Teil rein technischen Dingen betraut sind und die als Arbeiterinnen im Sinne der Verordnungen anzusehen seien.— Gegen dieses Urteil legt« der Verteidiger Berufung ein und legte vor der Strafkammer in aus- führlicher Weise dar, daß die Tätigkeit der Probier», amsells, zumal wem» sie auch noch mit dem Verkauf beschäftigt werden, nicht unter den Begriff„Arbeiterin" falle. Die Strafkammer kam nach einer mehrstündigen Beweisaufnahme zu der Ansicht, daß tatsächlich der Betrieb des Angeklagten als ein Werkstättenbetrieb anzusehen sei. DaS Zurichten der Stoffe sei als vorbereitende Werlstättentätigkeit anzusehen, während das Anprobieren durch die ProbiermamsellS als Abschluß der Werkstättentätigkeit bezeichnet werden müsse. Völlig gleichgültig sei dabei, ob die Tätigkeit der weib- liche» Angestellten diejenige im Lager oder die im Detail- geschäft überwog. Diese müsse allerdings als eine rein kauf- mämiische angesehen werden. Es käme aber, wo ein doppeller. nur zufällig räumlich verbundener Betrieb vorliegt, nicht darauf an- kommen, welche Tätigkeit überwiegt.— DaS Gericht hielt den Angeklagten des GewerbevergehenS bezw. Uebertretung der Verordnungen für schuldig und erkannte unter Abänderung des schöffengerichtlichen Urteils aus IS Mark Geldstrafe.— Gegen dieses Urteil ist Revision eingelegt. Die Entscheidung ist durchaus zutreffend und steht in einem günstigen Gegensatz zu der immer noch anzutreffenden irrigen Ge- richtspraxiS: die Arbeiterschutzvorschristen finden dann keine An- Wendung, wenn die Arbeiterin überwiegend kausinänilische oder Gesindedienste verrichte. ES wäre angebracht, in der Gewerbe- ordnungSnovelle klar zum Ausdruck zu bringen, daß ihre Vor- schriften auch auf derlei zwieschlächtige Verhältnisse Anwendung finden._ DaS KoalitionSrecht der Landarbeiter vor der schlesische» Landwirtschaftskammer. Gegen die AuSdebnung des Koalitionsrechts auf die länd- lichcn Arbeiter und Dienstboten hat sich die schlesische Landwirt- schaftskammer in ihrer letzten Sitzung erklärt,„weil darin eine unabsehbare Schädigung nicht allein der Landwirtschast, sondern der gesamten Volkswirtschaft zu erblicken" sei. Die schlesischcn Junker verbieten in ihrer Resolution sogar dem Reichstage und dem Abgeordnetcnhause die bloße Besprechung der Frage, vor allem deshalb, weil die Anträge im Reichstage von der Sozial- demokratie gestellt seien. Ein Mitglied der Kammer, ReichSgraf v. Oppersdorf, wollte wenigstens einmal eine objektive Prüfung der Koalitionsfrage in Anregung bringen und beantragte die Ein- setzung einer Kommission, die schriftlichen Bericht erstatten sollte: 1. über die rechtliche Lage der ländlichen Arbeiter in den ver- schicdenen Landesstrccken, 2. über die Erfahrungen, welche die Ar- beitgeber in den Bundesstaaten gemacht haben, wo das KoalitionS- verbot nicht besteht und 3. über etwaige Kautelen, die entsprechend der Eigenart der Landwirtschaft bei einer eventl. Aufhebung des Koalitionsverbots zu fordern wären. In echt junkerlicher Ueber- Hebung ging man über diese Anträge zur Tagesordnung itb«r, ohne nur ihre Begründung zu hören. Zum Gesindeunrecht. Einen hübschen Beitrag zu unserer herrlichen Gesinde- „Ordnung" lieferte eine vor der Hallenser Strafkammer stattge« habte Verhandlung. Die Dienstmagd Anna Rauchfuß war vom 1. April 1907 bis zum 24. November 190? bei dem Kaufmann Malchert in Radewell in Stellung gewesen und hatte sich dort gut geführt. Als sie am letztgenannten Tage eine leere Bratherings- dose auf den Hof warf, wurde sie von ihrem Herrn Dreckschwein genannt. Das Mädchen, das noch etwas auf Reputation hielt, verliest wegen der ganz ungerechtfertigten Kränkung den Dienst. Das Echöffengerichi, vor dem es dann wegen unberechtigten Ber- lassenS dcS Dienstes angeklagt wurde, sprach eS frei, da der Dienst- Herr kein Recht habe, ein Dienstmädchen in der Weise zu be« schimpfen. Auf elngelegte Berufung vor der Strafkammer bean- tragte der Staatsanwal« die Bestrafung des Mädchens, da es nach der Gcsindeordnung kein Recht habe, wegen einer so einfachen Beleidigung den Dienst zu verlassen. Die Strafkammer verur. teilte das Mädchen wegen unberechtigten BrrlassenS des Dienstes zu 6 M. Ge'dstrafe, da die Gesindeordnung verletzt sei. Damit ist freilich nicht gesagt, daß e«n Dienstmädchen den Herrn auch Dreckschwein nennen darf. Ein Gesetz. daS derartige Ungerechtigkeiten zuläßt oder gar gebietet, ist ein Ausnahme- gesetz gegen Arbeiter, dessen Verletzung mehr ehrt als die Be- folgung. Unsere Junker aber begehren ja noch Verschärfung der- artiger Gesetze. Sie müssen eS also für richtig halten, in einem Dienstverhältnis zu bleiben, in dem sie„Dreckschweine" tituliert werden. Sie kommen in diese Verlegenheit freilich nicht, weil sie nicht arbeiten, sondern die Arbeit anderer für sich in An- spruch nehmen._ Huö Industrie und Rande!« Kartellkämpfe in der Textilindnstrie. Der Verband der Trikot Warenfabrikanten hatte so rigorose Verkaufsbedingungen aufgestellt, daß unter den Grossisten eine allgemeine Erbitterung entstand. Man begreift dies« Erbttterung sehr wohl, wenn man die Verkausstonditioncn der Fabrikanten durchnimmt und sich vorstellt, wie tief sie in die GeschaftSvcrhält- niste der Grossisten einschneiden müssen. Sie lassen sich kurz dahin charakterisieren, daß durch sie die Grossisten den Fabrikanten auf Gnade und Ungnade ausgeliefert werden sollten. Die Grossisten trotzten aber dem kaudmischen Joche, das ihnen die Liefe» ranten auferlegen wollten, verbanden sich mit den sonst so verhaßt«» Outsiders und zwangen die Fabrikanten zur Kapitulation. Die hatten eben den Bogen überspannt, derart, daß sogar innerhalb ihrer eigenen Reihen re- bellische Regungen sich zeigten. Nicht wenige Trikotagenfirmen weigerten sich, der Konvention beizutreten, und erklärten deren Be- ftimmungcn sowohl für die Abnehmer als auch für einen Teil der Erzeuger selbst als undurchführbar und unerfüllbar. Die Folge war eine Niederlage der kartellierten Fabrikanten. Ein ähnlicher Konflikt brach vor einiger Zeit in der Blusen. konfektion aus zwischen der„Konvention" und der„Freien Ver- einigung" der Blusenfabrikanten. In der Blusenindustrie gibt«S nämlich gleichfalls Outsiders, d. h. Fabrikanten, die außerhalb der kürzlich gegründeten Konvention stehen. Außerdem rechnete man damit, daß demnächst vielleicht noch neue Betriebe ins Leben treten, die den kartellierten Fabriken Konkurrenz bieten würden. Diese veranlahten daher die Konvention der Seidengrossist«n. nur den kartellierten Blusenfabrikanten Seide zu liefern. Die Seiden- lieferanten gingen darauf ein und riefen damit die Erbitterung auch in den Kreisen der Konfektionäre hervor. Von allen Seiten wurde nun gegen die Vereinbarung Sturm gelaufen. Der ver- band der Detattgcschäfte beschloß, die Grossisten zu umgehen, falls diese nicht mehr Entgegenkommen zeigen sollten. Auch die nicht kartellierten Blusenfabrikantcn erklärten sich bereit, zu solchen Maßregeln zu greifen, um so mehr, al» sich die französischen Seiden. Händler sehr geneigt zeigten, ihren deutschen Konkurrenten em Schnippchen zu schlagen und das Geschäft. daS bisher diese ge- macht, selbst zu machen. Eine Anzahl deutscher Fabrikanten hatte auch ihren ganzen Bedarf in Frankreich gedeckt. Die Konvention der kartellierten Blusenfabrikanten geriet ins Gedränge, und da sich die Detaillisten auf die Seite der Outsiders schlugen, waren die gestrengen Herren von der Konvention genötigt, nachzugeben. Die freie Organisation der Outsiders siegte über die Kartellritter der Blusenfabrikanten und der mit ihnen verbündeten Seiden- lieferanten. Die Reibungen zwischen dem Sroßhändlerverband in Garnen, Besatz. Kurz- und Wollwaren und den Fabrikanten wegen Aus- schluß der Dctaillisten sind gleichfalls auf die Stellung der Grossisten als Zwischenhändler zurückzuführen. Und dasselbe gilt von den Differenzen zwischen Detailleure. Fabrikanten und Grossisten in der Seidenstoffbranche. Die Interessengegensätze der einzelnen Gruppen hatten zu sehr scharfen Maßnohmen geführt, über die die bürgerlichen Blätter je nach ihrer Parteistellung be- richteten. Danach haben die Seidengroßhändler den Detailleuren drückende Bedingungen auferlegt und sogar ihren eigenen Berufs- kollegen es unmöglich gemacht, die Vorteile der Konvention in An- spruch zu nehmen. Man verlangte von ihnen ein unerschwinglich hohes Eintrittsgeld(nachdem man sich selbst nur mit einem Pappen- stiel besteuert hatte) und lehnte die Aufnahme derjenigen, die nicht mindestens einen Umsatz von 300 000 M. nachweisen konnten, schroff ab. Ja noch mehr: diese kapitalschwächercn Grossisten wurden gezwungen, ihren Samtbedarf bei der eigenen größeren Konkurrenz zu decken: die Samtfabrikantcn durften ihnen nichts liefern! Zwar weigerten sich die Seidenstvffabrrkanten, die kleineren Grossisten auszuschalten. Aber all das(auch eine Jnter- vention beim Handelsminiftcr) fruchtete nicht?. Der Streit zwischen dem Fabrikantenvcrband« der Seidenbranchc und� der Vereinigung der Seidcngroßhändler wurde dennoch auf dem Rücken der Detailleure ausgetragen, so daß der über ganz Deutschland sich erstreckende Detaillistcnverband seine sämtlichen Mitglieder an- wies, ihre Einkäufe bei deutschen Seidenfabrikanten und Grossisten auf das Mindestmaß zu beschränken. Und da, wenn zwei sich streiten, der dritte lacht! freuen sich die österreichischen Seiden- cxporteure auf die Bestellungen. Ganz kurz sei noch auf die Vorgänge in zwei anderen Zweigen der Textilindustrie hingewiesen: Die zu einem Verbände zusammen- geschlossenen Eachenezerzeuger Deutschlands und der Schweiz ver- suchten ein Monopol herzustellen, um den Wettbewerb zu beseitigen. Trotz der drakonischen Maßnahmen gegen die Kunden, die bei „Außenseitern" kauften, mißlang der Versuch. Auch die Preis- Vereinigung der Eisengarn fabrikanten in Barmen ersann ein schmerzhaftes Mittel gegen die kartellungcfteuen Kunden, indem er eine AuffchlagSklausel erließ, die solche Kunden um den 20prozentigen Preisnachlaß bringen sollte. Wie sich diese gegen den Verlust und die ihnen geraubte Bewegungsfreiheit wehren werden, ist derzeit noch unbekannt. Rücksichtslose Kartclldiktatur— daS ist das Ziel der Unter- nehmer nicht nur gegenüber„ihren" Arbeitern, sondern auch gegenüber ihren Kunden und Abnehmern sowie gegen die Kon kurrenz._ Elektrizitätsmonopol. Aus dem Reichsamt dcS Innern ging kürzlich eine Notiz in die Presse über, die sich mit der Frage eines staatlichen Elektrizitäts- Monopols beschäftigte. DaS Reich soll nicht die Fabrikation elektrischer Maschinen und Apparate, wohl aber die Erzeugung und den Vertrieb deS gesamten in Teutschland gebrauchten Stark- stromS übernehmen. Zu dem Problem nimmt in der„Elektro- technischen Zeitschrift" Professor Budde von den Siemens-Schuckert- Werken das Wort. Er versucht, die Gemeinde gegen die staatlichen Behörden auszuspielen. Er schreibt, daß zunächst Zentralen in Betracht kommen, welche Licht und Kraft gegen Entgelt an be- liebige dritte liefern. Ein Teil derselben gehört bereits jetzt den Gemeinden; die übrigen haben fast alle Konzessionen, in denen sich eine Klausel befindet, wonach die Gemeinde ein HeimfallS- beziehungsweise ein Vorkaufsrecht auf die Zentrale besitzt. Daher ist ihre Gesamtheit wesentlich als ein gegenwärtiger oder künftiger Besitz der Kommunen aufzufassen. Der bei weitem größere Teil der Zentralen erfreut sich einer ausreichenden Rentabilität und bildet für die betreffende Gemeinde eine namhafte Einnahmequelle. Eine geringe Zahl von kleinen Zentralen rentiert sich schlecht. Das Reich hätte demnach die Aufgabe, erstens die Gemeinden zu enteignen, zweitens die guten Zentralen mit namhaftem Gewinn wetter zu betreiben, drittens die schlechten womöglich aufzubessern. Wenn das Reich sich an Stelle der Gemeinden setzt, so hat das zunächst die Folge, daß den Gemeinden eine stets steigende Ein- nahmequelle entgeht. Es wird sie natürlich entschädigen, jedenfalls nach dem ermittelten Nutzwert der Zentrale. In Zukunft würden also die Gemeinden in ihren Einnahmen ein Minus an Gewinn haben, welches sie durch Kommunalsteuern ersetzen müßten. An den Ausführungen von Professor Budde ist richtig, daß eine Enteignung bestimmter Rechte der städtischen Behörden ein- tritt. ES fragt sich, ob das einen volkswirtschaftlichen Fortschritt bedeutet. DaS könnte der Fall sein. Ein vom Staate geleitetes Elektrizitätswerk kann zweifellos ebenso günstig arbeiten, wie ein von der Stadt betriebenes Werk. Das Monopol könnte weiter durch ein gewaltiges Netz vielen Konsumenten Kraft liefern, die jetzt darauf verzichten müssen. ES wäre dabei auch die Anwendung der Elektrizität in der Landwirtschaft zu berücksichtigen, die in Deutschland fast keine nennenswerten Fortschritte gemacht hat. Man denke nur an elektrische Pflüge, Dreschmaschinen ufw. Neue rationelle Arbeitsmethoden werden auch in der Landwirtschaft weitgehende Verbreitung finden, wenn in umfangreicher Weise vom Staate elektrische Kraftstatwncn eingerichtet werden. Da- gegen ist zu befürchten, daß ein staatliches ElettrizitätSmonopol nicht nach den Grundsätzen des Allgemeinintcresses geleitet wird, daß vielmehr der berüchtigte FiSkaliSmuS die mögliche Entwickc- lung hemmt und das Monopol zu weiteren Liebesgaben für die Junker benutzt wird._ Neue Interessengemeinschaften in der Schiffahrt. Im Jahre 1007 ging die„Deutsch-Australische Dampsichiffahrwgesellscbast" mit der „Hansa" und der„Tyser Line" eine Betriebsgemeinschaft für die Fahrt von New Dork nach Australien ein, an der die Hamburger Reederei mit etilem Viertel beteiligt ist. Im Ziisammenbaiige damit und mit der sonstigen Erweiterung des SchiffabrtSdiensie? wurde da» Kapital von 4 auf IS Millionen Mark erböht, wobei freilich zu bemerken ist. daß die jungen Aktien nur die halbe Dividende des laufenden Jahre» erhalten werden; aber die jungen Aktionäre werden sich zu trösten wissen, denn die Dividend« wird auf 8 Proz. geschätzt.— Auch die beiden an der Fahrt nach Deutsch-Südwestafrika beteiligten Konzerne, die Hainburg— Amerika- und Woermanu-Linie(Hamburg) und die Norddeutscher Lloyd-Hamburg-Bremer Afrika-Linie(Bremen) haben sich im Januar d. I. vereinigt. Die Aonkiirrenzlosigkeit der Woermann-Linie ist damit endgültig beseitigt, nachdem die Hamburg» Bremer Afrika« Linie ihr schon lg07 kräftig Schach geboten batte. Die Eifersucht zwischen Hamburg und Bremen hat aber angesichts der großen Vorteile, die eine KapitalSassoziation bietet, sich verfllichrtgt und den, SchiffSverlehr mit den Kolonien ist eine neue Grundlage gegeben. Die Vorteile für die Reeder stehen außer Zweifel. Ander? ist eS mit der Frage bestellt, ob auch die Verlader von der Wandlung vorteile haben werden.— Die ans vier Jahre abgeschlossene Einigung erstreckt sich auf den nordatlantischen und»stasiatischen Verkehr sowie auf jenen der Vergnügungsfahrten. Im ostastatifchen Verkehr soll die Hamburg-Amerika-Liiiie au» dem Pasiagterverkehr ganz aul- scheiden und sich auf den Frachttransport beschräilken. Ter Hamburg- Amerika-Linie fällt zuin Ersatz eine erhöhte Zahl von Auswanderern im tranSallantischei, Verkehr zu. I» betreff der Extraausfahrten werden die beiden Reedereien sich über die einzelnen vorzunehmenden Reisen stctS verständigen. Daß damit die Phalanx der Reeder gegen die Hafen» und Schiffsarbeiter noch mehr verstärkt wird, braucht nicht erst geiagt zu werden. Ob die letzteren von dem Beispiel, da« ihnen die Unternehmer bieten, auch etwas lernen wollen? Zu wünsche? wäre eS l_ Im Leber- und Schnhgewerbe haben sich die Zahlung»« einstcllungen und Konkurse in letzter Zeit in bemerkenswerter Weise gehäuft. Im Monat Januar ist in„Schuh und Leder" schon über S0 Zahlungseinstellungen und Konkurse berickstet worden, für die ziffermäßige Angaben über die Höhe der Passiven gemacht wurden. Insgesamt betrugen in diesen 60 Fällen die Passiven nicht weniger als 7,00 Millionen Mark. Von dieser Summe sind mindestens zwei Drittel oder b.31 Millionen verloren. Bei 10 Zahlungseinstellungen belaufen sich die Passiven auf rund 1 Million Mari, bei 44 neuen Konkursen auf 5,00 Millionen. Unter den Konkursen ist auch ein Warenhaus aufgeführt, das mit SP Millionen Mark Passiven sallit geworden ist. Selbst nach Abzug diese» Falles verbleiben für das Schuh- und Ledergewerbe noch»mmer 5,46 Millionen Mark Passiven. Eingegangene Druckfchriften. --Briefkaften der Redaktion. Stationen Witterungsübersicht vom 28. Januar 1908. Barometer. ( land mm Ind. richtung Windforte Better 6 Regen Swinembe 742 23 amburg 745 2832 8 bedeckt Berlin 747 85, 4 bebedt Franfi.a M. 756 759 München Bien 754 28 8 halb bd. 7 wollig 6° 5.= 4° 9. Temp. n. Stationen Barometer. fland mim Bind. cichnung Windstarle 4 Haparanda 731 GG 4 Petersburg 740 GD Scilly elberdeen 6 5 heiter 8 6 Barts Better Temp. n. 2 wolfig 3 Schnee -6 762 WNW 73952 762 S 5 bedeckt 3 halb bd. 3 bededt 8 licher Mietszahlung, Schlaflenten und Chambregarnijlen gegenüber, muß April beginnt, für die Zeit vom April bis Januar zu zahlen. fpätestens bis am 15. zum 1. gefündigt werden. 4. Die Schlüffel sind am A. 3. 16. Offenbacher Strankenkaffe für Frauen und Mädchen, Prinzen F. P. 67. Falls nicht etwa Ihr Vertrag entgegenSüddeutscher Postillon Nr. 3 liegt vor uns. Das Titelbild ist eine 1. abzugeben. M. St. 57. Mit einer Klage auf Aufhebung des Miets- ftraße 66 bei Sina. stehende Bestimmungen enthält, ist der Wirt schadensersatzpflichtig. Ste föftliche Fronie auf den vielbelachten Block und das außenstehende Zentrum, vertrages und Schadenerfat würden Sie voraussichtlich durchdringen. bem gegenüber das Farbenbild auf Seite 21, der barmherzige Samariter, M. K. 777. Die Urkunden genügen. Sie können beim Standesamt, in würden Shren Schaden einzuflagen haben. Zum Abzug von der Miete eine deutliche und bringende Mahnung an das gesamte Proletariat ist. dessen Bezirk Jhre Braut wohnt, oder in dem, in deffen Bezirk Sie selbst lönnen wir wegen der Folgen nicht raten, die wahrscheinlich in Ihrem Ver 5. R. 101. Dem Das Schlußbild führt uns an den größten Sensationssumpf der Jektzeit, wohnen, das Aufgebot anmelden. S. 40 Rigdorf. Nein. Für die trag an die Nichtzahlung von Miete geknüpft sind.' zum Harden- Prozeß. Der Inhalt befaßt sich zum größten Zeil mit dem Selage ist das Amtsgericht zuständig. Th. S. 888. Diese Eventualität Antrag würde schwerlich stattgegeben. Einen Versuch fönnen Sie machen. Wahlrechtstamps, der zurzeit das deutsche Volf bis in seine innersten Tiefen tönnen Sie durch Bereinbarung mit der Versicherungsgesellschaft verneinen. Die Bahl der Marken reicht vollkommen aus, aber es würde Erwerbs. durchwühlt. Stlaars Gedicht: Schwarze Busch- Klepper mit einem Borträt A. K. 4. Darüber bestehen teine gesetzlichen Bestimmungen. Die Be- unfähigteit im Sinne des Invalidengefeßes nicht angenommen werden des Wilhelm Busch. Weise Zante Cäcilia, ein Ferialerlebnis Rudis. Das nugung hat in angemessener zu geschehen. Im Streit Recht der Straße( Ged.). Aus einer kleinen Residenz. Gericht zu entscheiden. Wie der große fall hat das O. B. C. 49. Nein. Frost war( Ged.) und viel anderes, hochinteressantes. Treptow 33. Ja. Wenn Sie jetzt aus der Landeskirche austreten, so haben Sie vom 1. Januar 1910 ab feine Kirchensteuer mehr zu zahlen. R. 23. 100. 1. Einen Vormund hat der junge Mann nicht, da der Bater ja noch lebt. 2. Nein. 3. Ja. Der junge Mann tönnte fich allenfalls an das Bormundschaftsgericht in Wollstein mit dem Antrag wenden, ben Bater zur Erfüllung seiner Pflicht anzuhalten. Aussicht auf Erfolg halten durch die Staatsprüfung die Befähigung zum Praktizieren. Der Titel Dr. med. ist lediglich ein Titel und braucht von den Aerzten nicht erworben werden. 200. Wenn Sie auf der Deutschen Bant täglich abhebbares Geld hinterlegen, so tönnen Sie zu jeder Zeit eine beliebige Summe abbeben. Braffischer ist es für Sie, bei der Sparkasse zu hinterlegen, bei Rüdzahlung größerer Beträge wird fulanterweise auf die Sün digungsfrist verzichtet. A. B. S. 40. 1. Rein. 2. Nur, wenn Ihr Mann zunächst auf Rückkehr und dann auf Scheidung flagt. 3. Ja. 4. Etiva 100 Mart. 5. Nein. 6. Der beiderseitige 3med würde schneller erreicht, wenn Sie oder Ihr Mann wegen Ehebruch" lagen würden. Hemelingen. 1. Nach.. 100. 1. Da Shre Frau fich im guten Glauben befunden hat, würde eine Bestrafung nicht eintreten. War Ihre Frau bei Abschluß des Bertrages minderjährig, so wäre der Bertrag überhaupt ungiltig gewefen. 8. S. 100. Ein solcher Vertrag müßte notariell oder gerichtlich geschloffen werden. Er hat aber keine rechtliche Wirkung gegen die schon vor handenen Gläubiger. R. G. 72. 1. Nein, aber der Wirt ist berechtigt, bas Einbehaltungsrecht auszuüben. 2. Rein. 3. Ja. 4. Nein; die Nachweisung eines anderen Mieters entbindet aber nicht vom Mietsvertrag. S. K. 5. 1. Nein. 2. Nur auf Antrag oder wenn Minderjährige in Frage stehen. O. R. 28. Einer lage gegen Ihren Vater würde voraussichtlich stattgegeben werden; würde ihr stattgegeben, so würde selbst verständlich auch in der Brivatwohnung gepfändet werden können. P. P. 33. Ja. Der Vater ist verpflichtet, einer Tochter im Fall ihrer Verheiratung zur Einrichtung des Haushalts eine angemessene Aussteuer zu gewähren, soweit er bei Berüdsichtigung seiner sonstigen Verpflichtungen ohne Gefährdung seines standesgemäßen Unterhalts dazu imstande ist und nicht die Tochter ein zur Beschaffung der Aussteuer ausreichendes Vermögen hat. Der Anspruch auf die Aussteuer verjährt in einem Jahr von 23. 6. Eine Klage beim Amtsgericht wäre der Eingehung der Ehe an. nicht ganz aussichtslos, weil nach Ihrer Verabredung der Erlös für die Sachen Ihnen zugute fommen follte. Der Erlös dürfte 127 M. übersteigen, außerdem würden Sie den Posten 180 M. für Abnugung angreifen tönnen. Zuständig ist für die Stlage das Amtsgericht, mit Sicherheit ift leider ein Erfolg nicht zu erwarten. Rigdorf 45. Zur Zahlung sind Sie verpflichtet. Der Mietsstempel wird im Januar für die Zeit von Januar bis Januar erhoben und ist bei einem Vertrag, der erst Die juristische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, zweiter Sof, dritter Eingang, vier Treppen, Fahrstuhl hat ein solcher Antrag menig. R. D. 57. Staatlich geprüfte Aerzte erwochentäglich von 7 bis 9% 1hr abends statt. Geöffnet 7 hr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Babl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. G. R. 74. 1. Doch. 2. Nein. 3. Das Mädchen kann auf Herausgabe flagen. P. N. 23. 1: Ja. 2. Seit zwei Jahren. 3. Seit je. M. B. 19. Ihre Mutter müßte fich eine Beschäftigung suchen, dic invalidenversicherungspflichtig ist; wenn sodann mindestens 200 Marten geKlebt find, lebt das Recht auf die früheren durch nicht Weiterleben ber jährten Marken wieder auf. R. R. 163. Nein. F. B. Ja, aber nur in Höhe der gemachten Aufwendungen. dem preußischen Kirchengeset von 1905 ist die Ehefrau verpflichtet, auch wenn der Ehemann der Kirchengemeinde nicht zugehört und auch wenn die Frau zum Erwerb nicht mit beiträgt, die Hälfte der Kirchensteuer zu bezahlen. Die Frage, ob der Ehemann für diese Steuer zu haften hat, ist im Gesetz nicht ausdrücklich geregelt. Die Kirchensteuer würde durch Pfändung eingezogen werden und dann wäre in einem Prozeß gegen die Kirchengemeinde zu entscheiden, ob die Verpflichtung des Ehemannes aus allgemeinen Grundsäßen des Bürgerlichen Gesezbuches herzuleiten ist und ob Rüdzablung zu erfolgen hat. Ein Erkenntnis ist in dieser Streitfrage unferes Wissens noch nicht ergangen. 2. Es genügt, wenn einer flagt. B. S. 10. Benn Sie sich rechtzeitig abgemeldet haben, nein. Gegen die Einschäßung müssen Sie aber reflamieren. M. K. 100. Reines wegs: Das Geld auf der Sparkasse ist sicher. Für dasselbe haftet die Stadt. 2. W. 13. Bird in einem besonderen Artikel nochmals dargelegt. .. 100. 1. u. 2. Ja. M. R. 70. Die notariell oder gerichtlich beglaubigte Entfagungsurkunde ist innerhalb sechs Wochen nach Stenntnis von dem Erbanfall dem Nachlaßgericht zu übermitteln. G. 23. 100. Das Mädchen kann, da es jetzt volljährig ist, die Elternwohnung berlaffen und die Herausgabe seiner Sachen verlangen eventuell auf Herausgabe flagen. R. 87. Benden Sie sich an die Direktion der Hochbahn. Ausländer 100. Das Naturalisationsgeiuch eines Ausländers ist an den Oberpräsidenten zu richten. In Ihrem Falle besteht wenig Aussicht auf Erfolg. Wird dem Gesuche stattgegeben, so sind 50 M. Gebühren zu zahlen. M. S. 3. 1. Nein. 2. Keineswegs. 3. Der Arbeitgeber hätte auf Schadenersaß zu flagen. M. E. 113. 1. Nein. 2. Ja. 3. Bei monats Für den Zuhals der Juierate bernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber teinerlei Rerantwortung. Theater. Mittwoch, 29. Januar. Anfang 7%, Ubr. Königl. Opernhaus. Die Zauber flöte. Minna Königl. Schauspielhaus. Minna bon Barnhelm. Deutiches. Was ihr wollt. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Mandragola. Donnerstag: Der Unsichere. Freitag: Mandragola. Sonnabend: Mandragola. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Ein Puppenbeim.( Nora) Abends 8 Uhr: Mandragola. Theater des Westens. Theater 8 Uhr: Ein Walzertraum. Operette von Dstar Strauß. Kammerspiele. Gyges und fein Sonntag nachm. 3%, Uhr halbe Breise: Ring.( Unf. 8 Uhr.) Leffing. Die gelbe Nachtigal. Nenes Schauspielhaus. Alt- Heidel Die lustige Witwe. Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner Theater). Mittwood, abends 8 Uhr: Die Hermannsschlacht. Ein Drama in 5 Auszügen von Heinrich v. Kleist. Donnerstag, abends8uhr Kollege Crampton. Freitag, abends 8 Ubr: Gebildete Menschen. Schiller- Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Philister. Luftspiel in 3 Aufz. v. Joh. Wiegand. Hierauf: Die Lore. Komödie in 1 Att v. D. E. Hartleben Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Revisor. Freitag, abends 8 bz: Der Hexenkessel. oder Wetterprognose für Mittwoch, den 29. Januar 1908. Stühler, vielfach heiter, jedoch sehr unbeständig mit Regen, Schnee Graupelschauern und starten westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wafferstands- Nachrichten der Randesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt bom Berliner Wetterbureau. Basserstand meme I, Zülfit Bregel, Insterburg Weichsel, Thorn Dder, Ratibor Bafferstand am ſeit 27. 1. 26.1. cm cm³) 100 Saale, Grochlik 110 -2 abel, Spandau) Rathenow³) Spree, Spremberg) Beeskow 1Befer, Münden Minden Rhein, Maximiliansau 271 Staub 116 +6 152+2 69 +1 324) am feit 27. 1. 26.1. cm cm ¹) 355)-6 241) 224) 110) 168 +6 251) 128) 60 824 Dresden -27 -146) Köln 774)++ 2 Nedar, Heilbronn Barby 130) 14 Main, Wertheim B . Magdeburg 120°) -8 Mosel, Trier 38-16 )+ bedeutet Buchs, Fall. ) Unterpegel. Gisstand. ') eisfrei. Aroffen Frankfurt Barthe, Schrimm Landsberg Rege, Bordamm Ibe, Leitmeriz 24+14 Freireligiöse Gemeinde zu Berlin. ZU Sonnabend, den 1. Februar 1908: Kunst- Abend unter Leitung der beliebten Vortragskünstlerin ㅁㅁ ㅁㅁ Frau Margarete Walkotte Hierauf: Jungter Immergrün in A. Freyers Festsälen( früher Louis Keller), Koppenstr. 29. Schiller- Saal( Schiller- Theater) ( Maler). Mit Lichtbildern. Mittwoch 9 Uhr: Bortrag Dr. Max Osborn: Alb. Dürer Nou! Elegant! Zutereſſant! Set te pas. Sut Seibel Friedrich- Wilhelmstadtisches Biogr-Theater„ Westend" og Borfettung on sit up. berg. Anfang 8 Uhr. Ruftivielhaus. Banne. Berliner. Blaubart. Neues. Baccarat. Schiller. Baffner Theater.) Die Hermannsschlacht. B Schiller Charlottenburg. Philifter. Die Lore. Hebbel. Maria Magdalena. Komische Oper. Tiefland. Lorking. Der Trompeter bon Saffingen. = Schauspielhaus. König Heinrich. Anfang 8 Uhr. Donnerstag a. 1. M.: Sein Prin sekchen. Luftfp. v. Schäßler- Barafint. Freitag: Sein Brinzeßchen. Sonnabend: Der gehörnte Siegfried. Siegfried Tob. Lortzing- Oper. Friedrich Wilhelmstädt. Schan Belle- Alliance- Straße 7/8. spielhaus. König Heinrich. efien. Ein Walzertraum. Theater an der Spree. Solus. pofus. Kleines. Mandragola. Zentral. Frau Barrens Gewerbe. Residenz. Bibi. Luifen. Des Mädchens Lebenswege. Trianon. Fräulein Josette- meine Frau. Thalia. Smmer oben auf. Bernhard Roie. von Säffingen. Der Trompeter Bürgert. Schauspielhaus. Bohlt täter der Menschheit Metropol. Das muß man[ eh'n. Apollo. La belle Alexia. ymad. Gentes. Folies Caprice. Mal was andres. Dunfle Bunite. Eine anständige Frau. Abends 8 Uhr: Der Trompeter von Sakkingen. Donnerstag: Das Glöckchen des Eremiten. Freitag, abends 7, Uhr: Erstaufführung: Don Juan. Residenz- Theater. Direktion: Richard Alexander. 8 Uhr. 8 Uhr. ,, Bibi." Schwant in 3 Alten von de Gorsse und de Marion. Deutsch von M. Schönau. Bretillot Richard Alexander. Sonntag, den 2. Februar, nachm. Täglich 5-11 Uhr. Sonntags von 3-11 Uhr. Charlottenburg, Potsdamerstr. 11. Stetiger Eingang von Neuheiten. Deutsche Konzerthallen, An der Spandauer Brücke 3. Täglich Deutsch- Amerikanischer Urbock- Trubel. Saison. Zirkus Schumann Zirkus Busch geute Mittwoch, den 29. Januar, abends 7%, Uhr: Brillante Vorstellung. U. a.: Klein Family 3. Ubr: Saben Sie nichts au veru. Gebr. Gerrnfeld. Papa und Ge- sollen? noffen. Kasins. Die Freuben der aus Lustspielhaus. lichkeit. Wintergarten. Robert Steibl. Spegialitäten. Parodie. Nachtashl. Tannhäuser. Monna Banna. Anf. 8 Uhr.) Basiage. Rudolf Mälzer. Spezia Bitäten Borussia Bariété, Aderstr. 6/7. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Earl Saverland Theater. 7 Spe stalitäten. Walbrla. Spezialitäten rauta. Taubenstraße 48/49. Byramiden. Nachmittags 4 Uhr: Am Golf von Theater 8 Uhr: Kairo und die Neapel. Abends 8 Uhr: Panne. Zentral- Theater. Mittwoch, den 29. Januar 1908. abends 7, Uhr präzise: Auftreten des Herrn Stommifftons. rat GustavStensbeck, Dir. des Berl. Tattersalls als Gaft! The KremoFamily, 10 Berfonen. Bros. Claraus Amerika. Das Phägymnaftit u. a. Um zirla 10 Uhr: d. urkomische Neger.nomenalste auf d. Gebiete der LuftUm 9%, Uhr zum 38. Male, Ende gegen 11 Uhr: Das Tagesgespräch von Berlin. Amerika Gastspiel des Sebbel- Theaters. zur Zeit der Bürgerkriege, Sflaverei Abends 8 Uhr: Frau Warrens Gewerbe. Drama in 4 Aften von Bernh. Shaw. Luisen- Theater. Reichenbergerite. 34. Abends 8 Uhr: Sörfaal 8 Uhr: Motorballons and Des Mädchens Lebenswege. Flugmaschinen. Berliner Theater. Gastspiel d. Neuen Operetten- Theaters. Abends 8 Uhr: Blaubart Donnerstag und Freitag: Des Mädchens Lebenswege. Sonnabend nachm. 4 Uhr Kinder vorstellung: Robinson Crusoe. Abends: Der Leiermann und sein Pflegefind. Sonntag nachmittags: Die Baile von Lowoob. Abends: Des Mädchens gebens wege. Montag: Cyprienne. Neues Theater. DERNHARD ROSE THEATED Anfang 8 Uhr. Baccarat. Sierauf: Maud Allan. Vision der Salome. Donnerstag: Diefelbe Borstellung. Freitag: Der Dieb. Gr. Frankfurterstr. 132. Der Trompeter von Säkkingen. Opern- Abend. Mit Genehmigung der Intendantur der tgl. Schauspiele. Wochentagspreife. Anfang 8 Uhr. Donnerstag: Die arme Mieze. und Trachten 1861-1863. The 6 Fluffy Raffle Girls. Rauhreiter- Ererzitien auf importierten Maultieren. Das Bad der widerspenstigen Neger. Ein Festtag auf dem Broadway in New York. Glänzende Waffer- u. Lichteffekte. Auf der Hallig. Gr. Ausst.- Bant d. Birkus Busch in 4 Bildern. Das Phänomen der tauchenden Sirenen. Die Wunder der Tiefsee. Borber das große Brogramm. WING PARTEN Letzte Woche! Mitwirkende: Frl. Thyra Nordström, Konzertsängerin. Artur Teuber, Vortragskünstler. Felix Gutdeutsch, Violinvirtuose. Emil Richard, Humorist, königl. württemb. Hofschauspieler. Am Flügel: Bernhard Nitzsche. Nach den Vorträgen: TANZ. Anfang 8 Uhr. Einlaßkarten für Erwachsene 50 Pf., Kinder 15 Pf. sind zu haben bei den Komiteemitgliedern: Frau Kohlhardt, Alexandrinenstr. 21, v. IV; G. Bohne, Wisbyer Str. 2, r. Stfl. III; W. Bohne, Hochmeisterstr. 26, H. IV; C. Christens, Mühlenstr. 49: P. Halbauer, Frankfurter Allee 104, Eingang Friedenstraße: G. Hirsch, Litthauer Str. 22; Th. Jerwin, Urbanstr. 6, H. IV; P. Kuhirte, Immanuelkirchstr. 15, r. Stfl. IV; J. Sützler, Warschauer Str. 45; G. Reichert, Stallschreiberstr. 37, Laden; H. Soult, Kreutzigerstraße 21, v. II; beim Kassenboten A. Räder, Kremmener Str. 3; beim Rendanten M. Wendt, Greifswalder Str. 208, 1. Stfl. IV, und in den bekannten Billettstellen von H. Peege, Rüdersdorfer Str. 48; W. Börner, Ritterstr. 15; H. Bobsien, Kommandantenstr. 62; G. Menz, Wilhelmshavener Straße 61; R. Rieck, Rummelsburg, Kantstr. 22; W. Schrolle, Gotzkowskystr. 29; H. Vogel, Lortzingstraße 87; H. Ziehm, Bernauer Str. 48; M. Istema, Seelower Str. 25; H. Kraft, Weberstr. 24a; J. Schellongowski, Kochhannstr. 30; W. Krause, Pappel- Allee 15-17; P. Schrolle, Landwehrstr. 3; A. Kleburg, Adalbertstr. 86; A. Kowalzyk, Dalldorfer Str. 5; M. Mix, Skalitzer Str. 59; C. Rott, Straßmannstr. 9; C. Volgt, Koppenstr. 34; Horsch, Engelufer 15. apollo Cheater Abends 8 Uhr: Hymack, beran and Du Groß- Trio, pangenben Barren. schuhen. tomische Akrobaten am probe. Siegwart Gentes mit fet. pern Walzerwahn on Mary u. Alfred Marquard. Gebr. HerrnfeldTheater. 57 Rommandantenstraße Nr. 57. Borverkauf von 11-2 Uhr. Abends 8 Uhr: Papa und Das Komitee. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Abends 8 Uhr: Kairo und die Pyramiden. Nachmittags 4 Uhr: Am Golf von Neapel. Hörsaal 8 Uhr: Dr. O. Krell: Motorballons u. Flugmaschinen. Metropol- Theater Abends 8 Uhr: Das muß man seh'n!! Gr. Revue in 4 Akten( 12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. G. Thielscher, F. Massary, B. Darmand, Bender, Giampietro, Josephi etc. Rauchen gestattet. Sonnabend, den 1. Februar: Neue Welt Ruth Vincent Genossen Gr. Metropol- Theater- Ball Safenheibe 108-114. Größted und originellstes Bockbierfest Berlins. Baron Muckls Orig.- Bauernkapelle 30 bayerische Madi. Anfang 7 Uhr. Entree 30 Bj. Nächsten Donnerstag: Sin lustiger Federkrieg in der Neuen Welt. Prämiierung der besten VierXXXX zeiler. XXXX 5 Breije: 60, 40, 30, 20, 10 Mart. Kaufmann- Truppe reizendo Radfahrkünstlerinnen. Robert Steidl der beliebte Humorist, und viele andere erstklassige Spezialitäten. Theater an der Spree Köpenickerstr. 68, dicht am Bahnhof Jannowitzbrücke Täglich 8 Uhr: Hokuspokus Reueste Berliner Gesangspoffe. Montag, den 3. Februar: Letzte Aufführnng bon Madame Wig Wag. Dienstag: Premiere. Salomonisches Urteil. Ein Alt vor den Schöffen vou Anton und Donat Herrnfeld. Nachspiel zu„ Papa u. Genossen". Sonntag 3 Uhr: Endlich allein. Der Fall Blumentopf. Berliner lk- Trio. U Felix Scheuer Stralsunderstr. 1. 1 II. Sonntag, den 2. Februar, nachm. 8 Uhr: Die Herren von Maxim. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Anfang: Bochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Reichshallen. Restaurant: Bookbierfest mit groß. Militär- Konzert. Passage- Theater. Arbeiterinnen Arbeiterinnen und Arbeiter Rixdorfs! Letzte Woche. Abends 8-11 Uhr: Rudolf Mälzer 15 erstklassige 15. Nummern Trianon- Theater. Anfang 8 Uhr. finden Sozialdemokratischer Wahlverein Lankwitz. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, Am Donnerstag, den 30. Jannar, vormittags 10 Uhr, daß unser Genoffe, der Schloffer 2 öffentliche Versammlungen der Arbeitslosen Rixdorfs bei Thiel, Bergstr. 151 statt. Zages Drdnung: bei Hoppe, Hermannstr. 49, e 234/4 1. Welche Mittel haben Staat und Gemeinde die Arbeitslosigkeit einzuschränken? 2. Diskussion. Die Referenten werden in den Bersammlungen bekannt gemacht. Es ist Pflicht der Arbeitslosen, in diesen Versammlungen zu erscheinen, damit der Stadt: verwaltung Rigdorfs Gelegenheit gegeben wird, sich über die Arbeitslosigkeit zu äußern. Der Der sozialdemokratische Wahlverein Rixdorfs. Das Gewerkschaftskartell. Fräulein Josette- meine Frau. agitrat sowie fämtliche Stadtverordnete find schriftlich eingeladen.- Zellerfammlung findet nicht statt. Sonnt. nachm. 3 Uhr: Gastons Frauen. Genossenschaft„ Freier Bund" Deutscher Holzarbeiter- Verband. Freier Gaft- und Schankwirte Berlins und Umgegend. Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Zahlstelle Berlin. Donnerstag, den 6. Februar 1908, nachmittags 5 Uhr, Mittwoch, 29. Januar, abends 81%, Uhr, bei Merkowski, Andreasstr. 26: beim Kollegen Franke( Schirms Festfäle), Badstr. 19: Ordentliche General- Versammlung. Zagesordnung: 1. Berlesung des Protokolls der legten Generalversammlung. 2. Bericht des Borstandes und des Aufsichtsrates. 3. Ersagwahlen zum Vorstand und Aufsichtsrat. Versammlung aller in der Näh- und Damenschreibtischbranche beschäftigten Kollegen. Die Sämtliche Kollegen dieser Branche haben zu erscheinen. Kollegen der Firma Knapp, Rüdersdorferstraße 11, werden hierdurch 103/9 besonders eingeladen. 78/2 J. A.: Die Kommission. Donnerstag, den 30. Januar, abends 8% Uhr, bei Herrn Boeker, Weberstr. 17: Der Vorstand: Matthes. Kerfin. Deutscher Metallarheiter- Verband. Brauchen Versammlung Arbeitsnachweis: Hof L Amt 3, 1289. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: ber Einsetzer. Zagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Robert Ahrens über: Die Charitéstraße 3. Hof III. Amt 3, 1987. fozialpolitische Gesetzgebung. 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Wahl eines zweiten Schriftführers. 4. Verschiedenes. Donnerstag, 30. Januar, abends 8, Uhr: Allgemeine I Klempner- Verfammlung Donnerstag, den 30. Januar, abends 8%, Uhr: Max Weller verstorben ist. 202/8 Ehre seinem Andenken! Der Vorstand. Hiermit die traurige Nachricht, dag meine liebe Frau, unsere gute Mutter Berta Görner geb. Krüger plöglich verstorben ist. 27856 Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Franz Görner und Kinder, Proskauerstr. 12. Die Beerdigung findet am Mittwochnachmittag 31, Uhr von der Leichenhalle des St. Andreasund Markus Kirchhofes, HohenSchönhausen Wilhelmsberg aus statt. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, baß der Kollege, Tischler Julius Müller am 26. Januar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. Januar, nachmittags 3 Uhr bon der Leichenhalle des Thomas- Kirch hofes in Rigdorf, Hermannstraße, aus statt. 78/15 Die Ortsverwaltung. Branchen- Versammlung der Stellmacher| Verband der Maler, im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Straße 11-12. Zagesordnung: 1. Vortrag des Genoffen Adolf Domnit über: Schule und Erziehung als Mittel im Klaffenkampf". 2. Bericht der Kommission im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engelufer 15. bom bierten Quartal 1907. 3. Stellungnahme zum Neferbefonds. Zages Ordnung: 78/13 111/8 4: Branchenangelegenheiten. 5. Berschiedenes. 1. Vortrag des Genossen Arbeiterfekretär G. Link über: Die Unfallverhütungsvorschriften im Baugewerbe und ihre Bedeutung für die Arbeiter." 2. Diskussion. 3. Berbandsangelegenheiten. NB. Zu dieser Versammlung sind die Kollegen folgender Firmen: Puppel, Schiegnis, Baumgarten, ganz besonders eingeladen. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Achtung! E Vereine! Englischer Garten, Alexanderstr. 27c. Sonnabend, 29. Februar, Saal( 200 Berfonen und mehr) frei! Sonntag, 1. März, 8. März, 15. März: Saal bis 500 Perf. mit Bühne frei. 1. Osterfeiertag: Saal frei. Karl Hoffmann. 7. 10628. W.Noacks Theater Direttion Rob. Dill. Brumenitr. 16. Privat- Festlichkeit Des Parochialvereins St. Elisabeth. Deborah. Schauspiel in 5 Aften von Mosenthal. Anfang 8 Uhr. Nach der Vorstellung: Familienball. Donnerstag: Der Vicomte von Létorières. Wa ValhallaVariete- Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Abends 8 11hr: nur noch wenige Tage. Das große Programm. Phänomenal! Der Kraftjongleur Acosta. 14 elektrische Sterne musikalisch. Ausstattungsatt. Infolge gr. Erfolges prolongiert! 12 Akrobaten Lorch 12. Mestrum, Romiker. Sonnabend, ben 1. Februar: Gänzlich neues Programm anschließend Ball. Sanssouci Kottbuser Straße 6. Direttion: Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoffmanns Achtung! Die Kommiffion. Steinsetzer Achtung! Groß- Berlins Unterbezirk Norden. Donnerstag, den 30. Januar, abends 7 Uhr, bei Frisch, Badstraße 12: Unterbezirks- Versammlung 175/1 Telegraphie des Zages- Ordnung: Besprechung des Arbeitsnachweises. Das Erscheinen jedes Kollegen ist dringend erforderlich. Der Vorstand. S. 2.: W. Schwebs. Deutschen Reichs. Berlin, Haupt- Telegraphenamt. Unseren lieben Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß wir auch in diesem Jahre das einzige Lackierer, Anstreicher usw. Filiale Berlin. Allen Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Kollege Rud. Müller am 26. Januar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 29. Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Woh nung Gropiusstr. 6 aus nach dem Bauls- Kirchhof in Plößensee statt. 131/4 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Allen Berwandten, Freunden und Bekannten sowie dem Gesangverein Sängerfranz", den Kollegen der Firma Kofolenz, dem Deutschen Holzarbeiter Verband und dem fozialIratischen Wahlverein des 4. Berliner Reichstagswahlkreises für die herzliche Teilnahme bei der Beeidigung meines lieben Mannes Otto Koalick meinen herzlichsten Dant. Ww. Emilie Koalick und Kinder. Haben Sie Stoff? Ich fertige davon Anzug od. Paletot nach Mass, schick, dauerh. Zutaten, von 20 Mark an. Moritz Laband, Neue Promenades, II.( Stdtb. Börse). orussia VarietéTheater und Festsale Sozialdemokratischer Wahlverein des 6. Berliner Wahlkreises. Nachruf! Am 24. Januar verstarb unser Mitglied, der Tischler Willi Fiebig Bellermannstr. 18. Ehre seinem Andenken! am Die Beerdigung hat Dienstagnachmittag auf dem neuen Pauls- Kirchhof in Plößensee stattgefunden. 224/14 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein des 6. Berl. Reichstags- Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 25. d. m. verstarb unfer Mitglied, der Handelsmann Albert Krafft, Sprengelstr. 7. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause aus nach dem Dantes Kirchhof, Blankestraße, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 224/13 Der Vorstand. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Spandau. Den Mitglieder zur Nachricht, daß unser Kollege, Maurer Karl Gaspodar am 25. Januar berstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 29. Januar, nach mittags 2, Uhr, von der Wohnung, Bichelsdorfer Straße Nr. 61, aus statt. Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. 27865 Deutscher Transportarbeiter- Verband. Hiermit diene den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Lagerarbeiter( l. E.-G.) Anton Marx am 26. d. M. im Alter von 43 Jahren an Schlaganfall und Herzlähmung gestorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 30. 6. M., nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Monumentenstraße 5, Schöneberg, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 67/8 Die Verwaltung II. Verband der Fabrik-, Land-, Hülfsarbeiter und-arbeiterinnen Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Bezirk Tegel. Am Montag, den 27. Januar, ist unser Mitglied Original Münchener Boekbier- Fast B Karl Butenhof in Berlin vom 1. Februar ab in dem prachtvoll dekorierten Wintergarten der Berliner Unions- Brauerei Hasenheide 22-31, veranstalten. Grüß Gott! Die Georg Lang'sche Truppe, München. Nur noch 4 Tage! Vor Uebergang in die Frühjahrssaison werden fast umsonst die Restbestände des großen Inventurund totalen Räumungs- Ausverkaufes im Nordd. Sänger Konfektionshaus Westmann und Tanzkränzchen Beg. Sount.5, Wochent. 81. Buggenhagen Moritzplatz www.im Theatersaal täglich Albert Böhme und das großartige Januar- Programm. Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf. 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Paul Richard, der beliebte Humorist. Shorp and Conrads. Gymnastische Neuheit. Manöverliebe, Bunteste. am 27. Januar im Alter von 59 Jahren sanft entschlafen ist. Dies zeigt tiefbetrübt an im Namen der Hinterbliebenen die trauernde Witwe Minna Gräff geb. Böttcher. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. d. M., nachmittags 2%, Uhr, von der Leichen halle des Friedhofes in Wilhelmsberg aus statt. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein innigitgelietter Mann, der Metallarbeiter Julius Schmidt am im Alter von 42 Jahren nach langem, schweren Leiden Sonntag, den 26. Januar, abends 7 Uhr, fanft entschlafen ist. Die frauernde Gattin: Anguste Schmidt geb. Muschid. Nied.- Schöneweide, Grünauerstr. 4. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. Januar, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle in Stopenid aus statt. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Vorwärts Buchdruderci u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 9,. 24. 25 wtw«. 2. Stilllge!>tS JonSrtf Ktrlilltl Jollislilatt. Die Wählerlisten zu de» bevorstehenden Gemeindewahlen liegen nnr noch bis zum Donnerstag, den 30. Januar, zu jedermanns Einsicht aus! KaufmanDsserlcftts- Aahlen. Die Wahle» der Gehülfenbeifiver zum KausmauuS» geeicht Berlin finden am Sonntag, den 9. Februar 1998 von 19 Uhr vor- mittags bis 3 Uhr nachmittags statt. Wahlberechtigt ist jeder Handlungsgehülfe, der bis zum 9. Februar 1998 das 25. Lebensjahr vollendet hat und in Berlin beschäftigt ist. Eine Wählerliste wird nicht aufgestellt. Dagegen gibt der Magistrat Wahllegitimationen heraus, auf denen vom Chef oder von der Polizeibehörde zu bescheinigen ist, daß der Gehülfe in Berlin tätig ist. Die amtlichen Formulare zu diesen Legittmattonen sind kostenlos zu haben: 1. Wahlbureau des Magistrats, Postsir. 16. 2. Bureau des Zenttalverbandes der Handlungsgehülfe» und Gehülfinnen Deutschlands. Neue Königstr. 36, vorn I. 8. Bureau der Berliner Gewerkschastskommission, Engel- Ufer 15. I. 4. Expeditton des„Vorwärts". Lindenstt. 69. 5. Zigarrengeschäft Jakob Wiebe, Wendenstt. 2. 6... Adolf Adler. Voltastr. 37. 7. Zeitungsspeditton H. Raschle, Ackerstt. 36. 8.„ Karl Mars, Lychener Straße 123. 9.„ Karl Anders, Salzwedeler Straße 8. 19.„ Karl Weiße, Nazarethkirchstr. 49. 11.„ Willi Lippmann, Spandauer Brücke 2. Haudlungsgchälfen! Sorgt dafür, daß am 9. Februar die Liste III(Zenttalvcrband der Handlungsgehülfen) eine gewalttge Stimmenzahl auf sich vereinigt. Partei- �lngelegenbeiten. Wilmersdorf. Heute abend pünktlich 3'/« Uhr findet im Luisen- park, Wilhelmsaue, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Außer der sonst reichhaltigen und wichtigen Tagesordnung. die zu erledigen ist. hält Genosse Mermuth einen Vortrag über das Thema:„Der Sozialismus und seine geschichtliche Mission." Vollzähliges Erscheinen der Mtglieder ist dringend geboten. Der Vorstand. Lankwitz. Am Mittwochabend ll'/g Uhr findet bei Rettger. Ealandrellistr. 27/29, die regelmäßige Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Vortrag des Stadtverordneten Genossen K ü t e r über„Kommunalpolitik", Stellungnahme zur KreiL-Geueralversammlung, Vereinsangelegenheitcn. Der Vorstand. Schönebcck-Fichtenau. Die Wähler der dritten Abteilung werden ersucht, sich heute und morgen noch im Gemeindebureau davon zu überzeugen, ob sie in der Wählerliste vermerkt sind. Diejenigen, denen es an Zeit mangelt, können sich im Lokal von Süßmilch für Lllein-Schönebeck und bei Max Manzel-Fichtenau, Kaiser-Wilhelm- straße, für Fichtenau melden. ßerliner JVacbncbten. In Treptow is'n Ding passiert. Am Sonntag rüstete ich mich nach der Woche Last und Müh' zu meinem gewohnten Sonntagsnachmittags-Spazier- gang. Eigentlich haben wir vielgeplagten Leute von der Feder selbst zu solcher mal dringend notwendigen Lungen- Extravaganz keine Zeit, aber ich wußte ja, daß in Berlin von feiten der internationalen Sozialdemokratie nicht das ge- ringst? Demonsttatiönchen geplant war. Damit renommiere ich nicht etwa, denn das wußten in Berlin und Umgegend alle Menschen, die nicht gerade intime Beziehungen zum Alexander- Platz hatten. Es hätte ja auch einen zu schoflen Eindruck ge- macht, dem Landesvoter die Gcburtsfreude zu verderben und den zahlreichen von auswärts erschienenen Gratulanten einen heillosen Schrecken einzujagen. Wenigstens habe ich mir er- zählen lassen, daß einige der hohen Geburtstagsgäste nur mit Zittern und Zagen nach Berlin gekommen sind und in jeder Hosentasche einen geladenen Revolver trugen.. Der Wunsch. noch jedem eine besondere Schutzmanns-Leibwache zu pumpen, konnte leider nicht erfüllt werden, weil unsere Polizei den preußischen Staat— anderweitig retten mußte. Nur einer der Gäste soll lachend das fürstliche Haupt geschüttelt haben ob all der Angstmeierei. Seine Renegatenansichten wollen zwar da oben zwischen Schloßplatz und Lustgarten nicht recht gefallen, aber da er nun mal„vom Bau" ist, muß man schon ein Auge zudrücken. Also ich verschmähte das patriotisch angewärmte Ber- liner Gcburtstagspflaster, wollte mich mal da ergehen, wo man nicht alle zehn Schritt über einen Schutzmannssäbel stolpert. Und als ob ein freundlicher Kobold meine Ge- danken erraten hätte, klingelte es plötzlich am Haustelephon: „In Treptow is'n Ding passiert...!" Natürlich war das Mumpitz. Irgendein guter Freund wollte mich verhöhne- piepeln. In Treptow— lächerlich! Da passiert überhaupt nichts. Höchstens ziehen sie da mal an der lieben Spree„aus dem tiefen Grund eenen ollen Stiebel und'nen doten�Hund", wie der Berliner sagt. Aber nun gings gerade nach Treptow raus. Donnerwetter... sollte da draußen wirklich...? Schon aus Ringbnhnstation Dingsda hörte ich, wie der Zug- führer dem Stationsvorsteher halblaut zurief:„In Treptow is'n Ding passiert!" Mein sonst so kühles Schriftstellerblut begann langsam zu prickeln. Das gab ja vielleicht'ne pick- feine Sensation... oder'ne Demonstration... nein, sicher'ne Revolution. Ganz gewiß, so war es. Halb Berlin schwimmt in heller Geburtstagsfreude. Die Schutzleute halten jeden Brückenpfeiler und jeden Laternenpfahl fest. In besonders gefährlichen Gegenden steht fast über jedem Pflaster- stein, damit er nicht in eine kleine Barrikade verwandelt wird. ein halbmeterlanger, eisenbeschlagener Schutzmonnsschuh. Und da die vcrd...... Sozialdemokraten auch so schlau sind. haben sie den Revolutionsherd einfach über die Weichbild- grenze verlegt. Da gibts heute keine Schutzleute, nur eine Handvoll Gendarmen, und mit denen wird man schon fertig werden. Und als wir über die Stralauer Eisenbahnbrücke rasselten und ringsum an allen Ecken und Enden blanke Helm- spitzen durch die kahlen Zweige blitzten, da stand es auch bei mir fest:„In Treptow is'n Ding passiert!" Glatt kamen wir vom Bahnsteig herunter und fielen gleich zwei Dutzend Helmspitzen in die Arme. Herrjott, wie jubelte ich innerlich, daß ich nicht als Mann zur Welt ge- kommen bin. Allmutter Natur hat mich mit äußeren Reizen sogar recht stiefmütterlich bedacht, so daß ich beim besten Willen nicht in den Verdacht geraten konnte, mir gewisse Körperteile mit Dynamitboinben ausgestopft zu haben. Da ich aber sonst recht schick aussah, auch keinen roten Schlips unter dem weißen Stehkragen trug, ging ich gottesfürchtig an einen Polizei- offizier heran und fragte unverfroren, ob etwa der Kaiser hier vorbei käme. Erst wollte er grob wexden, aber dann war er reizend, einfach himmlisch.„Mein verehrtes Fräulein, wenn ich Ihnen einen guten Rat geben kann, dann fahren Sie schleunigst wieder nach Berlin zurück!" Und ein Wacht- mcister fügte mit fürchterlichem Augenrosten hinzu:„Jawoll, in Treptow passiert heute'n Ding!" Und ein paar große schwarze Vögel, die sich auf den kahlen Zweigen des Treptower Parkes schaukelten, krächzten dazu unheimlich. Hu... hu... hu! Mir lief jetzt faktisch außer der berühmten Laus über die Leber doch beinahe so etwas wie eine Gänsehaut über den Rücken. Aber so oft ich mit meiner Phantasie einen der fünf unentdeckten Mörder zwischen den Bäumen auftauchen sah, wars bei Lichte besehen immer bloß ein Berliner Schutzmann oder ein Teltower Gendarm. Einmal war es mir sogar so. als ob aus einer— Hundehütte ein behelmtes Haupt heraus- sah. Gottvoller Spuk, das! Da hatte ich mich nun nach Treptow geflüchtet, um Winternatur zu kneipen, und war ungebeten zu einer— Demonstrationsprobe der Polizei gekommen. Mich fröstelte. Auch die Schutzleute froren nervös, trippelten von einem Bein auf das andere und harrten der Dinge, die nicht kamen. Noch nie in meinem Leben habe ich solches Mitleid mit diesen freundlichen Helfern empfunden. Da drüben in einer verlöre- nen Ecke standen drei Mann hoch und langweilten sich. Der eine spielte niit der Browningpistole, der andere sah prüfend nach, ob der Sabul auch scharf genug geschliffen sei, und der dritte machte mit der Faust einen Lufthieb, als ob er in derNeujahrs- nacht einen Berliner Zylinderhut vor sich habe. Harmlos ging ich hinzu und fragte, ob denn der Kaiser noch immer nicht käme. Aber die sahen mich verdutzt an und dann sagten sie alle wie aus einem Munde:„Ja. Fräuleinken, wenn wir selher wüßten, wat heute hier los is, denn säßen wir schon längst bei Muttern an' warmen Ofen!.. Ganz draußen, ziemlich beim Plänterwald, traf ich einen weißhaarigen Alten. Den fragte ich. wo denn in Treptow das Ding passiert sei. Bedächtig strich er sich den langen Bart und erzählte:„Kindchen, nicht in Treptow wars,— nein, in Stralau. Vor langen Jahren, vor länger als einem halben Jahrhundert, da hats drüben auf der anderen Spreeseite eines Tages genau so ausgesehen. Es war am 24. August 1835. Sie wollten gerade das Stralauer Fischzugsfest feiern. In Berlin wars kurz zuvor etwas bunt hergegangen. Man hatte geweissagt, daß es beim Fischzugsfest zu Exzessen kommen werde. Die Polizei traf umfassende Vorbereitungen. Der Magistrat wendete sich am 21. August an die Altmeister samt- licher hiesiger Gewerke und Innungen: er forderte sie auf, auf das Ehr- und Rechtsgefühl der Gesellen und Lehrlinge zu wirken. Mit dem frühesten Morgen des 24. August eilten Tausende nach Stralau, um ja keinen interessanten Augen- blick des Schauspiels der Revolution zu versäumen. Aber als die Masse das Tor passierte, fiel ihr ein Anschlag in die Augen, ein großer Bogen Papier, der weit über Manneshöhe in den Torpfeiler geklebt war und in mächtigen Buchstaben die Auf- schrift trug:„Wegen Unpäßlichkeit des Schusterjungen Herrn Friedrich Schulze kann heute die große Berliner Revolution nicht stattfinden!"...„So, Fräuleinchen, weiter sage ich nichts. Wenn Se nu ein janzet kleinet bißken Menschen- verstand haben, denn können Se sich allein zusammenreimen, was heute in Treptow für ein Ding passiert is!" Auch eine Strahendemansiratioa. Am Anhalter Bahnhofe werde ich im ruhigen Fortgange meiner Gedanken und meiner Beine jäh unterbrochen. Wohin das Auge blickt, sieht es blinkende Helme und blaue Uniformen zu Fuß und zu Pferde. „Schon wieder eine Wahlrechtsdemonstration?" so frage ich mich. Da ich von einer Demonstration des arbeitenden Volkes nicht? weiß, kann eS also wiederum nur eine freiwillige Demon- sttation der Schutzmannschaft sein, wie am Mittwoch vor dem Reichs- tage. Gerührt betrachte ich die eifrigen blauen Augen des Ge- setzes. Die Polizei sorgt doch für alles, selbst dafür, daß die Straßenbewcgung zugunsten deS allgemeinen Wahlrechts für den Landtag nicht einschläft. Aber waS ist das? Die Schutzleute sind heute so höflich! Auch die Browningpistolen dräuen nicht an ihrer Seite. Ein Schutz- mann scheucht ein resolutes Dienstmädchen sogar durch einen Scherz auf den Bürgersteig zurück. Dann kann die Demonstration der Schutzleute doch wohl nicht der Wahlrechtsbewegung gelten! Nun sehe ich auch von der einen und der anderen Seite Offiziere mit Schärpe und Federbusch würdig herannahen, die wohl auch nicht der Wahlrechtsdemonstration wegen zum Anhalter Bahnhof ge- kommen sind. Und jetzt hörte mein Ohr forsche Laute, die mich an dereinstige schweißtriefende Arbeit auf Exerzierplatz und Sturz- acker erinnern. Tsching— bum— tsching— bum— tsching— bum— tsching — bum. Dazwischen ein glitzerndes, prasselndes und fauchendes Durcheinander von Tönen. „Die Musik kommt!" Und jetzt nähert sich dem Anhalter Bahnhof ein— leerer Wagen. Ein Wagen! Die Feder versogt mir den Liebesdienst, dieses bunte, glitzernde. prunkende Wagenungeheuer zu beschreiben. Hoch oben auf dem Kutschbock— man fürchtet beinahe, er stoße mit dem Kopfe gegen die Wolken— sitzt ein Mann mit einem Dreispitz auf weißer Perücke. Die Karosie sieht aus, als käme sie geradswegs aus der Rokokozeit, oder aus einer Maskerade. Auf den Bürgersteigen hat sich Publikum angesammelt. Es guckt sich das Bild an. halb belustigt, aber zur anderen Hälfte geärgert, weil eS am Weitergehen gehindert wird. „Was ist denn hier loS?" „Ick weeß nich." „Der Großherzog von Baden kommt gleich ans dem Bahnhofe an. und gleich kogimt auch Maiestät, ihn abholen. Und das ist die Staatskarosie." Hml Und ich hatte an Wahlrechtsdemonstrationen gedacht! Wie wenig doch so ein ausgepichter Sozialdemokrat von den wichtigsten politischen Ereignisien deS Tages weiß! Nicht zu wissen, daß heute der Großherzog von Baden ankommt! „Der macht heute seine Antrittsvisite, und dann ist ja auch Montag Kaisers Geburtstag." So höre ich einen Mann mit dem intelligenten Gesicht eines Militäranwärters seinen neugierigen Nachbarn aufklären. Und von solchen wichtigen politischen Vorgängen weiß ein Sozialdemokrat wie ich nichts! Denke derweilen an Wahlrecht, Block, Bülow, Sttaßendemon« strationen, Säbelhiebe und andere gleichgültige Dingel Ein schmetternder Ton einer Autohuppe! „ER kommt!" Scheu und verzückt ruft's der Militäranwärter seinem Be» gleiter zu. Ich sehe etwas Gelbes heranhuschen, vorn auf dem Auto weht eine kleine Fahne. Das Publikum gerät ein wenig in Bewegung. die Hälse werden gereckt— im übrigen bleibt alle? stumm wie zuvor. Kein brausender Akkord der Volksbegeisterung l Aber vielleicht kam dem Publikum das Auto zu überraschend, oder es will der Einfachheit halber mit der Begeisterung warten, biS der Besuch dabei ist. Nach einigen Minuten kehrt daS gelbe Auto zurück. ES fährt etwas langsamer als vorhin, und der süddeutsche Gast scheint mit darinzusitzen. Und siehe da— auS den sechs Kehlen der Kinder eines anderen Militäranwärters steigt ein donnerndes Hurra zum dunkelnden Himmel empor. Sechs Kinder sind patriotisch entzückt! Sechs Kinder! Im übrigen— bleibt alle? stumm wie zuvor. Was hier auf die Bürgersteige zurückgedrängt wird, ist nicht der geübte pattiotische Janhagel, der sich Unter den Linden und in der Nähe des Schlosses zu etwaiger Plötzlicher Inanspruchnahme stets bereit hält; hier am Anhalter Bahnhof ist eS das Berlin der Arbeit, daS in unerwarteter und unwillkommener Weile durch einen höfischen Aufzug in seinem raschen Gange unterbrochen wird. Dieses Berlin der Arbeit ist auf die patriotische Manifestation nicht so eingeübt wie die königsfrommen HabitueS Unter den Linden, es hat auch wenig Zeit und Lust dazu. Die Arbeiter Berlins aber gar rufen etwa? andere? aß «Hurra, Hohenzollern", wenn sie auf die Straße gehen. Ihr Ruf heißt:„Wahlrecht!" Eiligen Schrittes rette ich mich vor dem wieder heranrückenden Tsching-bum der Musik._ BerkehrSfraoen. In der gesttigen Sitzung der städtischen Verkehrsdeputatton mußten mehrere wichtige Punkte der Tagesordnung wegen Er» krankung der Referenten abgesetzt werden. Es wurde u. a. beschlossen, bei den städtischen Behörden die Aufnahme einer Anleihe in Höhe von 186 006 600 M. für städtische Berkehrsprojekte zu beantragen. Hieran partizipieren die Untergrundbahn Süd-Nord mit 67 Millionen, die beiden Hafen- anlagen im Osten und Westen mit zusammen 42 Millionen, die Untergrundbahn Moabit— Rixdorf mit 63 Millionen Mark usw. Ueber den Eindruck, welchen die Besichtigung der Probestrccke der Schwebebahn in der Brunnenstraße bei den Mitgliedern der Deputation hervorgerufen hat, entspann sich eine längere Debatte. Man beschloß, wie bisher den Verkehr dort weiter noch einige Wochen beobachten und genaue Zählungen vornehmen zu lassen. In der Zwischenzeit soll dem Wunsche des Oberingenieurs Herrn Petersen stattgegeben werden, in einem Vortrag über das Schwebe- bahnprojekt der Deputation noch einige Punkte genauer erläutern zu dürfen._ Auf der Tagesordnung der Stadtverordnetensitzung am morgigen Donnerstag steht in erster Linie der Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, den Magistrat aufzufordern, schleunigst Maßregeln zu ergreifen zur Linderung der herrschenden Arbeitslosigkeit. Neber eine sonderbare KaisergeburtStagSfeier in der Schule wird unS geschrieben: Eigentümlich mutete am Montag eine Schul- feier an, deren unfreiwillige Zuschauer wir wurden. Zum größten Gaudium, aber auch zur größten Entrüstung der Arbeiter einer an den Schulhof der 131� Gemeindeschule Tempelhofer Ufer 2 angrenzenden Fabrik marschierten in der Zeit von Zhg-P�Uhr eine große Anzahl A-B-C-Schützen auf dem Schulhof herum.i�Statt ihrer gewöhnlichen Ausrüstung waren sie angetan mit Uniformen und Waffen aller militärischen Gattungen und in den unmög- lichsten Zusammenstellungen. Der Helm paßte zum Matrosenanzug ebenso, wie die Kapitänsmütze zum Kavalleriesäbel!„Trommel, Pfeifen und Gewehr, ja ein ganzes Kriegesheer," alles war ver- treten. Gegen die der Zahl nach überwiegenden Zivilisten traten die Marsjünger natürlich sehr selbstbewußt und überlegen auf und natürlich waren sie auch der Mittelpunkt des Interesses. Nachdem dann in den Klassenzimmern die Formierung vor- genommen, zogen die Kinder nach der Aula. Im strammen Schritt ging's über den Hof. An der Spitze eine Abteilung„Bewaffneter" mit einer Fahne. Welch imponierender Anblick! Manche von den kleinen Vaterlandsverteidigern waren sich des Ernstes der Situation sehr wenig bewußt und in der Waffentechnik schlecht bewandert, denn sie benutzten daS Gewehr als Pustrohr oder als Trompete. Die Zuschauer fanden erst gar keine Erklärung für diesen Aufzug. Die einen vermuteten, die Forderung des Erfurter Programms, Erziehung zur allgemeinen Wehrhaftigkeit, gehe in Erfüllung; der weitaus größte Teil aber behauptete, diese Sache habe nur den Zweck. Mordspatriotismus in die Herzen der Kinder zu pflanzen, eine Ansicht, der sich schließlich auch die Minderheit der Zuschauer anschloß. Es wäre interessant zu erfahren, auf wessen Veranlassung dieser sonderbare Aufzug zustande gekommen ist. Ter gewaltige Sturm, der gestern herrschte, hat stellenweise ganz erhebliche Schäden verursacht. Sowohl im Innern der Stadt als auch in der Umgebung ist durch den Orkan unter den Baum- beständen starker Windbruch herbeigeführt worden. In den um- liegenden Forsten sind Hunderte von Fichten.vollständig geknickt worden und auch in den hiesigen Parkanlagen hat der Baunibcstand empfindlich unter dem Uvwetter zu leiden gehabt. In den Straßen hatten die Passanten mit Mühe gegen den Sturm anzukämpfen üTib sobald ein Wirbelwind eintrat, war an ein Fortkommen kaum 5» denken. Unter den Fensterscheiben hat das Unwetter wieder schweren Schaden angerichtet. Nicht allein kleine, sondern auch große Schaufensterscheiben wurden durch die Gewalt des Orkans eingedrückt. Von den Dächern wurden die Ziegel losgelöst und auf die Straßen hinabgcschleudert. In der Spandauer Straße wurde ein junges Mädchen von einem Dachziegel so unglücklich am Kopf getroffen, daß es schwere Verletzungen davontrug und nach der Unfallstation' gebracht werden muhte. Aehnlich erging cS dem Lehrling Vetter aus der Weberstrahe 10. Auch er mußte die Hülfe einer RettungSwacbe in Anspruch nehmen. Am Ncttelbeckplatz wurde eine ältere Frau so heftig durch einen Windstoß gegen ein Lastfuhrwerk geschleudert, daß sie zu Boden stürzte und sich einen Schenkelbruch zuzog. Unter den Fahnen und sonstigen Dekora- tionen, die aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers an den Häusern angebracht waren, hat der Sturm gleichfalls arg gehaust. Eincnr hiesigen Hotel, das erst kürzlich am Potsdamer Platz eröffnet wurde und das sich jetzt neue wertvolle Fahnen angeschafft hatte, sind für mehr als 1000 M. Banner ruiniert worden. Durch den starken Wind wurden sie zerzaust und zerrissen. An anderen Häusern wurden die Dekorationen abgerissen und auf die Straße geschleudert. Auch Beleuchtungskörper wurden losgelöst und fielen aus die Äürgersteigc nieder.— Auf den Seen in der Umgebung Berlins ist durch den Sturm Eisbruch herbeigeführt worden. Die Eisflächen zeigen mächtige Risse und stellenweise treiben bereits die Eisschollen auf dem Wasser. Die Kindesleiche an der einsamen Pappel. Auf einen Kindes- �euicl ein Leichenfund, der gestern auf dem Exerzierplatz au ocr Eberöwalder Straße gemacht worden ist. Unter der sogen. einsamen Pappel, die dort steht,, stießen Soldaten beim Ucbcn auf den Leichnam eines neugeborenen Kindes weiblichen Geschlechts. Der tote Körper lag nackt auf dem Erdboden. Die Leiche ist Polizei- lich beschlagnahmt worden und sie wird im Schauhause obduziert werden. Berlin und der Kreis Teltow. Der Kreis Teltow beabsichtigt den Weg vom Dorfe Schenken» dorf bis zu seiner Einmündung in die Ärcischaussee Trebbin- Drewitz zu einer Kreischaus sec auszubauen unter der Voraussetzung, daß die Stadtgemeinde Berlin den zur Chaussee erforderlichen Grund und Boden innerhalb ihrer Ländcreien— ctloa 210 6 0 Quadratmeter— zur Verfügung stellt und außer- dem einen Baukostenzuschuß von zirka 27 000 M. leistet. Die Gesamtkostcn sind mit 68 670 M. veranschlagt. Die Pflasterungskosten für die Dorfstraße in Schcnkcndorf sind mit 13 500 M. berechnet. Hierzu will die Gemeinde Schenkendorf 7000 M. beisteuern; die Nestkosten mit 6500 M. will der KrciS Teltow übernehmen. Der Magistrat von Berlin hat beschlossen, vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung 27 000 M. an die Kreisverwaltung Teltow zu zahlen und die erforderlichen 21 060 Quadratmeter abzutreten. Dies ist mit Freuden zu be- grüßen, denn der Weg vom Dorfe Schenkendorf bis zur Kreis» chaussec Trebbin— Drewitz befindet sich in einem geradezu schauder- hasten Zustande und ist bei schlechtem Wetter kaum noch zu passieren._ Durch eine Krankctte erschlagen wurde der LOjöhrige Maschinenarbeiter Ferdinand Rösch, Lehrter Straße 38 wohnhaft, der in der Kessel-Maschiuensabrik von Grünauer u. Co., in der Müllerstraße beschäftigt war. N. stand neben einem Kran, der zum Hochwinden von Eisenteilen dient, als sich aus unbekannten Ursachen die etwa sechs Zentner schlvere eiserne Kette aus der Rolle löste und in die Tiefe stürzte. Die schwere Last fiel dem R. auf den Kopf, so daß er sofort besinnungslos zusammenbrach. Ihm war der Schädel gebrochen, außerdem an der linken Scheitelseite der Schädelknochen eingedrückt und in das Gehirn getrieben und auch das Gehirn beschädigt worden. Rösch wurde nach der Unfallstation in der Lindower Straße gebracht, wo ihm die erste Hülfe zu teil wurde und von dort in hoffnungS« losem Zustande nach dem Virchow-Krankcnhause überführt. Arbeiter zum Besuch einer KaisergeburtStagSfeier zu veran- . lassen, machte eine Buchhalterin einer im 41. Polizeirevier belegenen Luruöp-ipierfabrik den Versuch. Die Beamten des 41. Polizeireviers Huven zum SO. Januar im Luckauer Hof eine solch« Feier arrangiert und um d,« Saal zu füllen, geben die Arrangeure Einlatzkarten unentgeltlich ab. Jedenfalls im Auftrage deS Chefs versuchte eine Buchhalterin den Arbeitern des Betriebes solche Freikarten aufzw- hängen. Die Arbeiter empfanden dieses Angebot als Hohn; sie dankten, bis auf einen, an einer solchen Feierlichkeit teilzunehmen, noch dazu in Gesellschaft von Leuten, die erst vor kurzem in so unvergeßlicher Weise sich an Arbeitern vergriffen. Recht sol Die Mordstelle in der Gerichtstraße, die Wohnung der Frau Wieöner. zeigte bei genauerer Durchsicht, daß fast mchtS in Un- Ordnung gebracht worden ist. Die Wäsche liegt undurchwühlt in ihrem Behältnis. Auch sonst ist von einer Durchstöberung nichts zu merken. Der Zettel, den der Mörder zur Irreführung des Schlafburschen zurückließ, ist anscheinend auf einem Buch als Unterlage geschrieben worden. Die Rauheit der Unterlage spiegelt sich in der Schrift wieder. Der Zettel lautet buchstäblich: mußte wegen plötlichen todesfal meiner Schwester vereisen komme in 3 oder 4 Tagen wieder. Die Leiche der Frau WieSner wurde heute mittag nach dem Schauhause gebracht, wo sie noch heute vom Gerichtöarzt geöffnet werden soll. DaS Mordwerkzeug ist ein handliches zwei- schneidiges Beil. Unter den Blutschlchten, die sich jetzt angesetzt haben, war die Politur noch ziemlich gut erhalten. ES kann aljo nicht allzu alt sein. Eine Schnur, die durch ein Stielloch geht, ist oft zum Aufhängen gebraucht, schon etwas angefasert. Der Stiel enthält einige rote Flecke, die anscheinend von Lackfarbe herrühren. Bielleicht hat das Beil irgendwo w der Nähe von Farben gehangen. Neber eine» Mord- und Selbstmordversuch wird von polizeilicher Seite gemeldet: Borgesternabend um S'/ji Uhr schoß der 22 Jahre alte Kausinann Wilhelm Jakobowski in Rixdors, Donaustraße 99 bei Wickert wohnhaft, auf die 16 jährige Arbeiterin Rosa Schultze in der Küche deS ihrem Stiefvater, dem Restaurateur Haufschild gehörigen Lokals im Hause Görlitzer Straße 32 eine Revolverfctgel ab. wodurch das lunge Mädchen schwer an der Brust verletzt wurde. Hierauf schoß er sich selbst eine Kugel in die Brust. Der sofort herbeigerufene Arzt Dr. Ledermann stellte bei beiden lebenSgefähr- liche Verletzungen fest. Die Schultze wurde mittels Droschke nach dem Krankenhause Bethanien, Jakobowski als Polizeigefangener nach der Charitö transportiert. Beweggrund zur Tat: Verschmähte Liebe. Im Morast versunken. Die Feuerwehr in Berlin ist schon lange das Mädchen für alles. Bald müssen von ihr Bienen, bald Papageien usw. cingefangen werden, oft sind von ihr Schwalben und Tauben befreit worden, Verbrecher von Dächern heruntergeholt, und Tiere aus dem Wasser heraus aufs Trockene gebracht worden. Kürzlich wurde sie sogar zu einer Wöchnerin gerufen. Es ist also schon alles dagewesen, pflegt man zu sagen. Aber ein noch nicht dagewesener Fall ereignete sich gestern abend. An der Ecke der Tanziger und Äinsstraße, wo jetzt eine neue Straße angelegt wird, war ein Mann in den vom Regen aufgelösten Morast (Lehm usw.) geraten. Die Bemühungen ihn herauszuholen, waren vergeblich. Je mehr der Mann sich bemühte, je mehr und tiefer versank er. und bald war der Mann bis an die Ellbogen im Morast versunken. Nun alarmierte man die Wehr. Diese holte den armen Teufel heraus und brachte ihn nach dem nächsten Polizeirevier. Vom Eisenbahnzuge überfahren und entsetzlich verstümmelt wurde auf der Strecke, der Stettiner Bahn in der Nähe der Bellinger .Chaussee ein unbekannter Mann, dessen Leiche gestern früh auf dem Bahnkörper gefunden wurde. Dem Unglücklichen war der Kopf buchstäblich vom Körper abgetrennt und eine Strecke mit- geschleift worden. Der Rumpf des Mannes war zermalmt und außerdem war ihm die linke Hand und mehrere Zehen des linken Fußes abgefahren worden. Der Verstorbene war etwa 35 Jahre alt; in seinen Taschen wurde ein Sportportemonnaie mit 45 Pf. Inhalt, zwei Taschentücher, gezeichnet I. G., und eine Nickcluhr- kette vorgefunden. Am Tage vor seinem Tode hat er sich in Ebers- walde aufgehalten und dort als verarmter Kaufmann um Unter- stützung angesprochen. Qb ein Unglücksfall oder Selbstmord vor- liegt, konnte nicht festgestellt werden. Bernhard Rose-Theatcr. Heute(Mittwoch) findet mit Geneh- migung der Intendantur der Kgl. Schau sp-elc eine Ausführung der Neylerschen Qver..Der Trompeter von sakkingen" mit Herrn Curt Grebin(früher Theater des Westens) in der Titelpartie statt. Treptower Sternwarte. Ueber„Lichtenberg als Naturforscher" wird am 198. Vortrags- und Beobachtungsabend, Mittwoch, den 29. Januar, abends 8 Uhr, im Hörsaal der Treptow-Sternwartc Dr. Kurt Loewenfeld unter Vorführung einiger Lichtbilder sprechen. Außer Mitteilungen aus dem Leben Lichtenbergs und aus seinen naturwissenschaftlichen Schriften gelangen einige noch unveröffcnt- lichte Dokumente zur Vorlage. Was Franklin für Amerika de- deutete, das war Lichtenberg um jene Zeit für Deutschland. Mit dem großen Fernrohr wird vor dem Vortrag der„Qrionnebel", nach dem Vortrag„Jupiter" beobachtet. Die Wattstraße von der Voltastraße bis zur Stralsunder Straße unter Einschluß der Kceuzdämme wird behufs Ausführung von Straßenbabnarbeiten vom 27. d. M. ab bis auf weitere» für Fuhr- werke und Reiter gesperrt. Fcucrwchrnachrichten. Gestern früh um 5 Uhr stand auf dem Gesundbrunnen, in der Grünihalcr Straß- 35, ein Stall- gcbäude in Flammen. Die Pferde tonnten in Sichcrbeit gebracht werden, auch gelang es der Wchr�durch kräftiges Wasscrgeben den Brand schließlich auf das Gebäude zu beschränken. Der 20. Zug hatte in der Wallstr. 60 einen Dachstuhlbrand zu löschen. Der Brand war in den Bodcnverschlägen ausgekommen und hatte an dem Hausrat schnell reiche Nahrung gefunden, so daß bei Ankunft der Feuerwehr die Gefahr einer großen Ausdehnung bestand. Der 17. Zug hatte im 4. Stock des rechten Seitenflügel» Eharlottenstr. 9 längere Zeit zu tun. Dort waren u. a. Terpentin, Tische, Türen und Schaldecken in Brand geraten. Auch in der Schillingstr. 37 brannten Bodenvcrschlägc mit Inhalt. Ferner hatte die Wehr um Mitternacht in der Stcinstr. 6 und Fürbringer- straße 8 zu tun, wo Möbel, Tapeten, Kohlcnkasten u. a. brannten. Wegen eines Kcllerbrandes rückte der 5. Zug nach der Waldemar- straße 52 aus und der 17. Zug wegen eines Schaufensterbrandes nach der Kommandantenstr. 36. Außerdem hatte die Wehr noch am Elisabethufer 13, Pankstr. 42, Müllerstr. 17la, Flemmingstr. 5 u. a. Stellen zu tun._ Vorort- I�lackricbten. Klixdorf. ArbeitSlosenversammftmgen finden am Donnerstag, den 30. Januar, vormittags 10 Uhr, in den Lokalen von Hoppe, Herniannstr. 49, und Thiel, Bergstr. 151/152, statt. Arbeitslose, Männer und Frauen, beweist durch zahlreichen Besuch, daß Ihr ernstlich das Verlangen an Staat und Kommune stellt, Maßnahmen zur Linderung Eurer Not zu treffen. Ein Massenbesuch dieser Versammlungen ist um so mehr notwendig, als an diesem Tage die sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktton eine Interpellation zu der Frage der Arbeitslosigkeit einbringen wird. Die Wahlen zum KaufuiannSgericht haben der Liste IV(Zentral- Verband der HandlungSgehülfen) nur 42 Stimmen, aber keinen Bei- sitzer gebracht Voraussichtlich lebhafter wird die Beteiligung bei der jetzt ausgeschriebenen Wahl zum Gewerbegericht sein. Am Dienstag, den 11. Februar, von 10 bis 12 Uhr wählen die Arbeit- geber, am Mittwoch, den 12. Februar von 3 bis 8 Uhr dieArbeitnehmerje8 Beisitzer in 4 Wahlbezirken. Ihren Arbeitsverdienst, ein schwarzes Damenportemonnaie mit 7 M. Inhalt, hat am Sonntagabend eine Blusenarbeiterin verloren. Der ehrliche Finder wird gebeten, dasselbe bei Wintsche, Knesebeck- straße 43 vorn ill, abzugeben. Eharlottenbnrg. Einsturz eines TurmgerüsteS an der Charlottenburger Brücke. Ein Bauunfall, der leicht die verhängnisvollsten Folgen hätte nach sich ziehen können, hat sich gestern nachmittag gegen>/g4 Uhr auf der Charlottenburger Chaussee an der im Bau befindlichen Char- lottenburger Brücke ereignet. An den Eingängen der schon zum größten Teile fertiggestellten Brücke werden große Obelisken aufgestellt, zu welchem Zwecke auf der Seite nach dem Brandenburger Tor zwei hohe Turmgerüste von je 8 Meter Höhe und 12 Meter Länge errichtet worden sind. DaS rechtsseitige Holzgerüst überbrückte auch torartig den Bürgersteig. Zum Schutze für die Passanten war unterhalb deS Gerüstes eine Bretterlage angebracht. Infolge der ungünstigen Witterung dieses Winters hatte sich die Lieferung der für den Bau erforderlichen Sandsteine verzögert und auS diesem Grunde waren seit einigen Tagen die Bauarbeiten eingestellt. Diesem Umstände ist eS zu verdanken, daß der Einsturz nicht zu einer Katastrophe geführt hat. Infolge deS seit gestern anhaltenden steifen WindeS hatte sich das jedenfalls nicht genügend verankerte Gerüst gelockert und gestern nachmittag gegen Vz4 Uhr brach das ganze gewaltige Bauwerk plötzlich mit donnerähnlichem Krache zusammen. Im Moment des Einsturzes befanden sich drei Personen unter dem Durchgang; sie konnten aber noch rechtzeitig die gefährliche Stelle verlassen. Der die Baustelle umgebende Zaun, sowie die in der Richtung nach Berlin stehenden Laternen wurden durch die niederstürzenden Balken zer- trümmert und ein Mast der Straßenbahn halb umgelegt. Die sofort alarmierte Feuerwehr stellte zunächst fest, daß fich unter dem wüsten Trümmerhaufen Personen nicht befanden und entfernte die auf dem Bürgersteig liegenden, zum Teil wie Streichhölzer gebrochenen Balken, so daß der Fußgängerverkehr auftecht erhalten werden konnte. Da aber auch das auf der anderen Seite stehende Gerüst dem Anschein nach gelockert ist und fich stark nach dem Fahrdamm hinüberneigt. so ist der gesamte Fuhrverkehr über die Charlottenburger Brücke inhibiert. Der Sttaßenbahnverkehr wird durch die Hardenbergstraße abgeleitet. Als ein besonderes Glück ist es zu bettachten, daß das Bauwerk der Brücke bei dem Einsturz nicht beschädigt worden ist. Das eingestürzte Gerüst hat einen Wert von 6000 M. Steglitz. Festgestellt ist die Persönlichkeit des Manne?, der am Sonntag in der Schloßsttaße unter einen Straßenbahnwagen geraten war und dabei seinen Tod fand. Der Verunglückte ist der taubstumme und geistesschwache Schlächter August Töpper, der bereits früher in der Heilanstalt in der Wuhlheide interniert gewesen und von der Stadt Berlin als Pflegling einer Steglitzer Anstalt überwiesen worden war. Am Sonntag hatte der Kranke Urlaub und befand sich auf dem Rückwege nach der Anstalt, als er in so jäher Weise vom Tode ereilt wurde. Lichtenberg. Die Wahlen der Beisitzer zum hiesigen KanfmannSgericht finden am 23. Februar in der Zeit von 12 Uhr mittags bis 5 Uhr nach- mittags statt. Die Wählerlisten liegen bis zum 31. Januar im Gewerbebureau des Magistrats, Erkstr. 29 I, Zimmer 7, in der Zeit von 9 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags und von 5 bis 7 Uhr nachmittags zu jedermanns Einsicht au?. Die HandlungSgehülfen, besonders auch die eventuell im Wahlverein politisch organisierten, werden hierdurch ersucht, sich von der Richtigkeit der Liste zu überzeugen, denn wer nicht in der Liste steht, darf nicht wählen! An die Parteigenossen richten wir die Bitte, soweit eS in ihren Kräften steht, die ihnen bekannten Handlungsgehülfen zu ver- anlassen, ihre Pflicht zu elfüllen. I. A.: DaS Gewerkschaftskartell. Pankow. Für die Vcvorstehendeil Gemerndcwahlen ist in diesem Jahre nicht nur das gesetzlich ausscheidende Drittel der Gemeindevertretung neu zu wählen, sondern eS scheiden infolge der vor zwei Jahren vor- genommenen Vermehrung der Gemeindevertreter zwei weitere Ver- treter auS. Uni die Ansicheidenden zu bssiimmen. müssen zunächst die Wähleraoteilungen losen, wer die Ausscheidenden stellt. Ist dieS geschehen, so losen die vor zwei Jahren neu gewählten Vertreter, um dann endgültig die Ausscheidenden festzustellen. Die Gemeinde- Wählerliste weist gegen die vorige große Veränderungen auf; die erste Wahlabteilung stellt 93 Wähler gegen 80 Wähler vor zwei Jahren und schließt ab mit einem~ Steuersatz von 1224 M., die zweite Abteilung hat 1057 Wähler gegen 923 bei der vorigen Wahl, dieselbe schließt ab mit einem Steuersatz von 121.20 M., und die dritte Abteilung stellt 5857 Wähler gegen 4840 vor zwei Jahren. Des weiteren wird durch die Anstellung der beiden beioldcten Schöffen und des neuen Bürgermeisters die leidige Bestimmung de» „Angesessensem" zuungusten der dritten Wählerklasse verschoben, in- dem unter acht Verttckern dieser Klasse nur einer nicht angesessen sein darf. Die nächste Sitzung wird Klarheit in die Situation bringen und können unsere Genossen ihre Maßnahmen danach treffen, um in die Wahl einzutreten. Bernau. In der Generalversammlung de? WahlvercinS erstattete der Vor- stand Bericht über seine Tätigkeit im verflossenen Jahre. Danach haben stattgefunden 5 Volksversammlungen, darunter je 1 in Zeper- nick und Röntgental. 2 Kommunalwäkilcrversammlungen ans Anlaß der Stadtverordnetenwahl, 8 Wahlvcreinsversammlungen und 23 Vor- standssitzungen. Der Vorsitzende rügte, daß sich die Mitglieder nicht immer in erwünschter Weise zu den Parteiarbeiten eingefunden hätten. Das müsse in Anbetracht der bewegten Zeit besser werden. Nach dem Bericht deS Kassierers betrugen die Einnahmen 549.72 M., die Ausgaben 533.34 M. Die Mitgliederzahl des WahlvercinS be- trägt 217. Die Wahl des Vorstandes ergab folgendes Resultat: Zum 1. Vorsitzenden wurde Genosse Helbig gewählt, zum 2. Vor- sitzenden Kuntze, zum Kassierer Schröder und zum Schriftführer Genosse Malzahn. Delegierte zur Generalversammlung sind die Genossen Heinrich Brose und Malzahn und Lokallommissionsmitglied Genosse Malzahn. Die letzte Stadtverordnetenversammlung nahm zunächst den Bericht der" Rechnungsprüfungskommission über die Kämmereikasse vom Jahre 1906 entgegen. Die von Bernau nach Buch zu erbauende KreiSchanssee ver- ursacht einen Kostenaufwand von 148000 M. Zur Aufbringung dieser Summe haben außer den Kreis- und Provinzialzuschüsien auch die einzelnen dabei beteiligten Gemeinden wie Buch, Zepernick und Bernau Beiträge zu entrichten. Bernau ist außer der unentgeltlichen Hergabe des Grund und Bodens in einer Länge von 2306 Meter auch zu einem Kostenbeitrage von 23 662 M. verpflichtet. Die Versammlung erklärte sich hiermit einverstanden.— In die einzelnen Deputationen wurden folgende Genoffen gewählt: Dräger in die Verschönerungs-, Werner und Krüger in die Armendeputation und Helbig in die GesundheitS- deputatton. AlS Bezirksvorsteher und deren Stellvertreter wurden folgende Personen gewählt: 1. Bezirk Tischlermeister Zillmann und Handschuhmacher Karl; 2. Bezirk Schuhmachermeister Nürnberg und Schuhmachermeister Schulz; 8. Bezirk Uhrmacher Max Schreiber und Bäckermeister HÜbner; 4. Bezirk Rentier Surell und Tischlermeister Strömann: 5. Bezirk Seidenwirter Albrecht und Rentter Mai; 6. Bezirk Tischlermeister Pautsch und Eigentümer Paul Wünsche. Nowawes. Eine schreckliche lleberraschung bot sich am Sonnabendnachmittaz den in der Wallstraße wohnhaften Balzschen Eheleuten dar. als die- selben von einem Gange zum Friedhof zurückkehrten. Sie hatten ihre beiden Kinder im Alter von V? und l1/» Jahren zu Hause im Bett liegen gelassen und fanden dieselben nunmehr erstickt vor. Durch einen hinter dem geheizten Ofen gelegten Strohsack hatte sich in der Wohnung ein dcrarttger Qualm entwickelt, daß beide Kinder darin ihren Tod fanden. Diebstähle werden in letzter Zett in unserem Ort in demerkenS- werter Zahl ausgeführt. In der vorigen Woche wurden aus einem Hühnerstall in der Marienstraße ein Dutzend Hühner gestohlen.— In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag wurde das Schaufenster des Uhrmachers Lnhoff in der Wilhelmsttaße erbrochen und daraus ein Uhrständer mit verschiedenen Uhren entwendet.— In der- selben Nacht wurde auch im„LindenwirtSbaus" in der Stahnsdorfer Straße ein Diebstahl ausgeführt, wobei den Dieben aber mir Lebensmittel in die Hände fielen, wofür sie einen Dolch und ein Messer zurückließen. In allen Fällen gelang eS den Uebrltätern, unbehelligt zu entkommen, was auf die Zuverlässigkeit deS bei uns eingeführten Systems des Nachtwachdienstes— derselbe ist der Wach- und Schließgesellschaft übertragen— gerade kein gutes Licht wirst. Potsdam. Die Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich in einer außer- ordentlichen Sitzung mit einer Petition gegen da» neue Polizei- kostengesetz. Durch dieses Gesetz, nach welchem die Ausbringung der Kosten für die Städte mit königlicher Polizeiverwaltung anderweit geregelt werden soll, wird Potsdam außerordentlich stark belastet. Durch den Residenzcharalter der Stadt hat Potsdam schon jetzt eine Polizeiverwallung(allem zirka 150 Schutzleute und weitere 25 sollen in diesem Jahre noch angestellt werden), die der Größe von 61 000 Einwohnern, darunter noch 9000 Militärpersonen, entsprechend schon jetzt um das Zwei- bis Dreifache überichritten ist. Bisher wurde 1,096 M. pro Jahr für jede Zivilperson gezahlt, in Zutunst sollen aber zwei Fünftel der Gesamtkosten ersetzt werden; außerdem finden die Beschwerden dann nicht mehr beim OberverwaltunaS- gericht statt, sondern nur beim Minister. Die Versammlung beschloß einstimmig, der bereits von verschiedenen Oberbürgermeistern be- schlossenen Petitton beizutreten.— Die angeregte Umwandlung de» RealgyinnasiumS zu einer Doppelanstalt wurde abgelehnt, da vor- läufig ein Bedürfnis nicht vorliegt und die Kosten von 40000 M. städtischerseits nicht übernommen werden können. Sericdts- Leitung. Wegen Aufreizung zum Klassenhast hatte sich gestern der Expedient der anarchistischen Zeitschrift Freier Arbeiter", Sepp Oertcr, vor der vierten Straflammcr des Landgerichts I zu verantworten. Oerter ist schon einmal wegen Aufreizung zu 1 Jahr 1 Monat Gefängnis und im Jahre 1893 vom Schwurgericht in Duisburg wegen Verbrechens gegen das Dynamit- gesetz, Aufreizung, Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gc° setze usw. zu S Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Auch bei der zweiten so harten Strafe handelte es sich um Prestdelikte.— Am 29. September vorigen Jahres fand im„Fürstenhos" in der Köpc- nickerstraße eine Anarchistenversammlung statt, in welcher auch der Angeklagte, der als Delegierter dem Amsterdamer Anarchisten- kongreß beigewohnt hatte, sprach. Er polemisierte unter anderem gegen die Sozialdemokratie, weil sie noch auf staatlichem Boden stehe, während die Anarchisten den Staat beseitigen und vernichten wollten. Den Antimilitarismus müsse man nicht nur mit dem Munde, sondern amy nui Xnt dekreiben. Zur SewerkschaftS- frage übergehend meinte er: erst müsie man Anarchist fern und dann erst(Lewerkschastler, nicht der Generalstreik führe zur Revo- lution, sondern die starke Faust. Wenn der geeignete Moment ge- kommen sei, würde hoffentlich niemand fehlen.„Alles, was Gewalt über uns hat, muh gestürzt werden.' Bei diesen Worten wurde die Versammlung ausgelöst.— Staatsanwalt Dr. Tieger beantragte ü Wochen Gefängnis. Das Gericht kam aber zu einer Freisprechung. Der ii) 180 verlange, dah verschiedene Bevölkerungsklassen zu Gc- walttätigkeiten gegeneinander aufgereizt sein müssen; der Angc- klagte habe aber nur gegen die„Gewalthaber" im allgemeinen an- gereizt. Auch§ III des Strafgesetzbuchs treffe nicht zu, da dieser doch voraussetze, datz zu einer konkreten strafbaren Handlung auf- gefordert sein müsse, was im vorliegenden Falle auck nicht Platz greife.__ Während der grossen Bauarbeiteraussperrung Im vorigen Jahre verrichtete der Zimmerer Parlitz auS Köpenick als Rolonncnführer und mit ihm eine Anzahl Gesellen Streik- drcchcrarbcit auf einem Neubau in Schöneberg. Ginosic K n ü p f c r, der als Gauleiter der Zimmerer die Pflicht hatte die Vorgänge im Lohnkampf zu beobachten und die. Interessen der Ausgesperrten wahrzunehmen, traf den Parlitz mitsamt seinen Gc- festen in einem Schanklokal in der Nähe des Neubaues. Ten Parlitz kannte Änüpfer, denn derselbe war früher Mitglied des Zimmerervcrbandc» und Vorsitzender der Zahlstelle Köpenick. Das Verhalten des Parlitz erschien dem Genossen Knüpfer deshalb doppelt verwerflich. Er inachte den Zinmierern Vorhaltungen über ihre unsolidarischc Handlungsweise. Lei dieser Gelegenheit soll �tnüpfcr zwei der Gesellen wie deren„Meister" Parlitz beleidigt habe». Vor dem Schöffengericht stellte Knüpfcr entschieden in Ab- rede, Beleidigungen ausgcstohen zu haben. Er sagte, daß er die beiden Zimmerer, wie die Anklage behauptet, als Köpenicker Lumpen- gcsindcl bezeichnet habe, sei schon deshalb ausgeschlossen, weil er die Betreffenden gar nicht kannte und auch nicht wusztc, daß sie aus Köpenick sind. Nur Parlitz sei ihm bekannt gewesen. Da aber Knüpfer keine Zeugen für seine Schuldlosigkeit hatte, so wurde er auf Grund des Zeugnisses der angeblich Beleidigten verurteilt. DaS Gericht begnügte sich jedoch nicht mit einer Verurteilung wegen Beleidigung. ES waren ja Arbeitswillige, deren Beleidigung das Gericht für erwiesen hielt. Wenn aber Arbeitswillige mi" Bezug auf ihre Strcikbrechcrtätigkeit beleidigt werden, dann kann die Beleidigung nur den Zweck haben, die Leute zur Arbcitsniedcr- kegung und zur Teilnahme am Streik zu bewegen. Das ist bei einigen Richtern herrschende Anschauung geworden. Auch im vor- liegenden Falle hat sich das Schöffengericht auf diesen Standpunkt gestellt und den Genossen Knüpscr au?§ 123 der Gewerbeordnung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Nun soll aber Knüpfer auch '"a o den„Meister" Parlitz beleidigt haben. Für diesen Fall konnte j> der ß 123 nicht angewandt werden. Das Gericht konstruierte alss eine zweite Straftat,, nämlich die Beleidigung des Parlitz und er kannte wegen derselben auf eine Geldstrafe von 20 M.— Dem Amtsanwalt erschien di« letzter« Strafe zu milde. Er legte Br- rufung ein. Die Sache wurde deshalb am Dienstag vor der ersten Strafkammer am Landgericht Berlin II verhandelt. Der Staats anwalt begründete die Berufung damit, daß Knüpfcr wegen ösfent lichcr Beleidigung verurteilt werden und«ine böhere Strafe er- halten müsse, weil er schon zweimal wegen Beleidigung vorbestraft sei. Der Staatsanwalt beantragte IM M. Geldstrafe.— Da Knüpfer leider keine Verufnng eingelegt hatte, so schied der Tat- bestand selbst aus der Verhandlung völlig aus und es handelte sich nur um die Frage, ob Parlitz öffentlich beleidigt worden ist und ob A> M. dafür eine genügende Strafe bilden.— Knüpser verwahrte sich dagegen, dass feine Vorstrafen vom Staatsanwalt als Straf- schärfungsgrund ins Feld geführt wurden. Er verwieg darauf, das; oics« Strafen schon lange zurückliegen, dah sie auch aus An- Iah von Streiks und wegen ganz geringfügiger Ursachen verhängt worden seien, dah er während seiner langjährigen Tätigkeit in der Leitung des Zimmercrvcrbandes sonst nicht mit dem Gefetz in Kon- flikt gekommen und also keineswegs ein zu Beleidigungen geneigter Menfch fei, wie es der Staatsanwalt hinzustellen beliebte. Das Gericht gab der Berufung der Staatsanwaltschaft insoweit statt, al» es die Beleidigung für eine öffentliche erklärte und dem Herrn Parlitz die Befugnis zusprach, das Urteil im„Köpenicker Tampfboot" zu veröffentlichen. Soweit sich die Berufung auf da« Strafmah bezieht, wurde sie verworfen. ES bleibt also bei der Strafe von 20 M. Die Staatsanwaltschaft hat also nur durchgesetzt, dah die De- keidigung als öffentliche anerkannt wird. Dafür trägt die Staats- kasic— wie ebenfalls im Urteil ausgesprochen wird— drei Viertel der BerufungSkosten und Knüpfer kommt mit einem Viertel davon. Majestälbbeleibigung. Um sich ein Unterkommen zu verschaffen, hat der frühere Uttteroffizicr Karl Warmnth, der gestern der vierten Strafkammer des Landgerichts I vorgeführt wurde, eine MajestätSbeleidtgung be° gangem Der Angeklagte ist der Sohn eines Polizeibeamten und wuroe auf einer Uuteroffizierschule ausgebildet. Als er Sergeant in Forbach war, lieh er sich verleiten, auS der Dienstkasse des Feldwebels die Summe von 40 M. zu stehlen, lediglich, um spazieren fahren zu können. Er wurde deshalb verurteilt und in die zweite Klasse des Soldatenstandc» versetzt. Im Jahre 1898 ging er nach Frankreich, dann nach Süd- und Nordamerika und kehrte 1899 nach Deutschland zurück. Hier gelang es ihm nicht, sich wieder empor. zuarbeiten. Zuletzt war er Kontorist und als er diese Stelle verlor, hatte er kein Unterkommen mehr. Um sich ein solches zu verschaffen, sprach er eine» TageS, als er vor dem königlichen Schloh vorüber kam, einige beleidigende Worte über den Kaiser aus. Sie wurden von einem Schutzmann gehört, der den Angeklagten arretierte. Er war im gestrigen Termin geständig. Er wurde zu 4 Monaten Ge- sängnis unter Anrechnung von 1 Monat Untersuchungshaft vcr- urteilt. AuS der vornehmen Gesellschaft. Wegen Freiheitsberaubung ist am 29. Oktober v. I. vom Land- gericht Stargard in Pommern der Rittergutsbesitzer Emil Bethge zu einer Woche Gefängnis verurteilt worden, während sein Sohn Paul von derselben Anklage freigesprochen, aber wegen Körperverletzung zu 50 M. Geldstrafe verurteilt worden ist. Die Ehefrau des Hauptangeklagten lebte von diesem getrennt. Als sie eines Tages wieder auf dem Gute erschien, gerieten die beiden Ange- klagten mit ihr in Konflikt. Ter Sohn mißhandelte die Mutter und der Bater sperrte sie in die Wohnung ein.— Die von den beiden Angeklagten gegen die auffallend niedrige Strafe eingelegte Revision wurde vom Reichsgericht am Montag verworfen. Das Einklagen einer Teilforderung vor Ablauf der Verjähruno verhindert nicht die Verjährung dcZ übrigen Betrages. So hat das Reichsgericht kürzlich erkannt. Es handelt sich hier- bei um einen Mitingelanspruch auS einem Bauwerkvertraae, welcher der fünfjährigen Verjährung unterliegt. Tie Klägerin, vir Witwe des Sparkassenrendanten H. zu Brakel bei B. zu Dortmund, verlangt von dem früheren Bauunternehmer, jetzigen Rentner B. zu Dortmund, Schadenersatz in Höhe von 7500 M. wegen mangel- hafter Erfüllung eines Bauvertrages, und zwar wegen schlechter Be- schaffenheit der Materialien dcS Bauwerks. Die Klägerin hatte nun anfangs nur 400 M. eingeklagt, die ihr auch vom Landgericht Dortmund zugesprochen wurden. Erst am 22. Februar 1900 erweiterte sie ihren Klageantrag ans 7500 M. Di« neuerdings geltend gemachten 7100 M. wurden ihr aber auf Grund deS Ein- wandeS der Verjährung vom OberlandcSgericht Hamm abgesprochen, weil die fünf Jahre nach§ 838 Abs. 1 deS Bürgerlichen Gesetzbuchs seit der Abnahme deS BauwerS mit dem 31. Dezember 1904 abge- laufen waren. Gegen diese bom OberlandcSgericht Hamm getroffene Eni- scheidung hatte die Klägerin Revision beim Reichsgericht eingelegt und sich einmal darauf berufen, dah schon vor Ablauf der Ver- jährungsfrist durch die vorgenommen- Klagebegründung der An- spruch in seinem ganzen Umfange dargelegt und die Geltendmachung des Restes vorbehalten worden sei, also nur eine Klageerweiterung nach§ 288 Ziffer 2 der Zivilprozehoronung vorliege. Das Reichs- gericht erkannte die Einreden der Klägerin aber nicht an und wies die Revision derselben unter Abweisung des übrigen Klageantrages zurück. Der erkennende VI. Zivilsenal des Reichsgerichts führt hierzu aus, dah ein Borbehalt der übrigen Klageforderung entgegen der Ansicht von Rehbein in seinem Kommentar zum Bürgerlichen Gesetz- buch in dieser Beziehung keine Rechtswirksamkeit erlange. Es müsse entweder der Betrag als LcistungSklage im ganzen beziffert sein oder als Feststellungsklage auf Leistung für den übrigen Betrag beantragt werden. Die gleiche Ansicht hat das Reichsgericht in einem Band 56. S. 303 seiner Entscheidungen abgedruckten Er- kcnntnis ausgesprochen._ Huö der frauenbewegung. Achtung, Frauen! Wegen des überaus grossen Andranges der Versäumt- lungsteilnehmer zu den Vorträgen der Genossin Klara Zetkin, hat sich die Genossin Zetkin erboten, am Freitag, den 31. d. M., im Zentrum der Stadt ihren Vortrag zu wiederholen. Tus Lokal wird noch bekannt gegeben. Revolution. Im Schosse unseres Wirtschaftslebens vollzieht sich eine Revo lution, wie sie grösser, gewaltiger noch nie die Welt durchbcbte. Es ist als wollte der Kapitalismus die ungeheuren Massen deö Proletariats, die heute noch dem gewaltigen Ringen ihrer emanzipierten Klassengenossen indifferent gegenüberstehen, mit Ge walt hineinschleudcrn in den gigantischen Kampf, der zum Siege des Proletariats führen muh, als wollte er den Enterbten zeigen, wie sie die Fesseln sprengen müssen, die sie so lange ihrer Menschew würde beraubt, sie zu Arbeitstieren erniedrigt haben. Ueberall wachsen mächtige Fabrikgebäude empor, deren riesige Schlote wie höhnend zum Himmel emporzeigen. Drinnen sausen die Maschinen, rasen die Triebwerke. Und da schaffen die Arbeiter vom Morgen bis zur Nacht in Staub und Dunst, während drausscn goldene Donnenstrahlen die trüben Scheiben umspielen, als wollten sie denen da drinnen von der Schönheit der Welt erzählen, sie binauSIocken in Glanz und Licht. Aber die haben nicht Zeit auf die freundlichen Boten zu achten. Unermüdlich regen sie die fleissigen Hände, um dem Moloch ein Stückchen Brot abzuringen. Zu Tausenden sind sie da zusammengewürfelt, ausgemergelte Männer und bleiche Frauen. Der Kapitalismus hat die Frau dem Manne gleichgestellt. nicht in Rechten, aber in Pflichten. Er hat die schönen Märchen von der sorgsam waltenden Hausfrau, der Mutter der Kinder ihres poetischen Glanzes entkleidet. Sie. die früher bloss Haussklavin war, sie darf nun auch Kapitalssklavin sein, darf Schulter an Schulter mit dem Manne Mehrwert schaffen. Es ist noch nicht allzu lange her. da war eine Betätigung der tau im öffentlichen Erwerbsleben fast noch gänzlich unbekannt. war gab es auch früher schon Frauen genug, die durch Not und lend gezwungen, ihre Arbeitskraft im Dienste anderer hingaben. doch war ihre Tätigkeit im allgemeinen auf häusliche Arbeiten be- schränkt. Erst die grossartigen Fortschritte der Technik, die Ehemie im Dienste der Gütererzeugung, die Vervollkommnung der Maschinen und die damit verbundene Arbeitsteilung, die Umwandlung der handwerksmässigen in grotzkapitalistifche Betriebe haben den Boden geschaffen, auf dem die industrielle Frauen» und Kinderarbeit gedeihen konnte. Arbeiten, die früher der physischen Kräfte mehrerer Männer bedurften, werden heute von Frauen und Kindern auS« geführt. Infolgedessen sinkt der Verdienst deö ManneS unter das zur notdürftigen Ernährung einer Familie erforderliche Minimum. Da bleibt der Proletarierfrau nichts anderes übrig, als ihren „häuslichen Wirkungskreis" zu verlassen, gleich dem Manne werk- tätig zu schaffen. Und die Vertreter deS Kapitals, denen sonst so leicht der Mund überläuft von schönen Phrasen über„echte, rechte Weiblichkeit", denen vor den„emanzipierten Weibern" so furchtbar grault, di« sich eine„deutsche Hausfrau" nur mit Koch. löffel und Strickstrumpf vorstellen können, sie öffnen den weit». ltchen Händen bereitwilligst die Tore ihrer Fabriken. Sie fragen nicht danach, ob die Häuslichkeit der Armen zugrunde geht, ob ihre Kinder in Schmutz und Elend verkommen. Aber das wissen sie. dah sie die Frauen, auf denen der tausendjährige Fluch doppelter und dreifacher Knechtschaft lastet, als Trumpf gegen die Unbot- mähtgkeit deren männlicher Klassengenossen ausspielen können. AuS den Kreisen des weiblichen Proletariats rekrutiert sich ein sehr grosser Teil der Indifferenten. Dank der„fürsorglichen" Er- ziehung, die in dem Mädchen das PersönltchkeitSbewusstsein nicht erweckt, jeden Keim von Vertrauen in die eigene Kraft ertötet. Während der grösste Teil der männlichen Arbeiter �um Klassen- bewusstsein sich durchgerungen hat, liegt die Arbeiterin meist noch gefesselt an den Ketten des Fatalismus. Unserer Genossinnen und Genossen harrt da ein noch weites Arbeitsfeld. Hier heitzt es arbeiten, den Pflug durch hartes Erd- reich treiben, den Samen des Sozialismus ausstreuen. Das Frauellstimmrecht i» der Schweiz. Langsam kommt auch in der Schweiz die Bewegung für die Einführung des Frauenstimmrechts in Gang. DaS Organ deS Schweizer ArbeiterinncnverbandeS,„Die Vorkämpferin", widmet ihm erhöhte Aufmerksamkeit, eS mehren sich die Vorträge, die in Versammlungen darüber gehalten werden und nun ist in Zürich auch ein packendes, populäres Flugblatt, das das Frauenstimmrecht in Form de« Frage- und Antwortspiels behandelt, verbreitet worden. Wir entnehmen ihm folgende Stellen: Wer sollte in einem demokratischen Staate wie der unsere die Gesetze machen?— Das Volk. Macht das Volk die Gesetze? — Nein, eine Hälfte deS Volkes darf sich nicht dabei beteiligen. Wer macht denn die Gesetze?— Die Männer. Wer gab den Männern daS Recht, die Gesetze zu machen?— Männer. Berühren die Gesetze die Frauen nicht?— Doch. Dürfen Frauen nicht helfen, die Gefetze machen, denen sie gehorchen müssen?— Nein; die Männer allein machen die Gesetze für Männer und Frauen. Wenn eine Frau daS Gesetz übertritt, wer stellt sie vor Gericht, verhört, ver- urteilt sie, bestimmt die Strafe?— Männer. Dürfen nicht Mütter die Gesetze machen helfen, die ihre gesetzlichen Beziehungen zu ihren Kindern feststellen?— Nein; Männer machen diese Gesetze allein. Vor dem Gesetz gehört das Kind dem Vater. Warum ist das Gesetz so einseitig?— Weil es nur von einem Geschlecht ge- macht wird. Wer macht die Gesetze, die das eheliche Güterrecht regeln?— Männer. Wer bezahlt die Steuern?— Männer und Zrauen. Wird das Vermögen einer Frau gleich besteuert wie das- enige eines Mannes?— Ja. Wer setzt die Steuern fest, erhebt ie und verausgabt das Geld?— Männer. Dürfen nicht Arbeite- rinnen, Angestellte mitstimmen über Gesetze, die sie speziell und direkt berühren, wie Fabrikgesetze, Wöchnerinnenversicherung, Ar- beiterinnenschutzgesetze u. a.?— Nein; aber jeder männliche Mit» arbeiter darf es. Darf nicht eine Geschäftsfrau in Wahlen, die ihre Interessen direkt berühren, mitstimmen?— Nein; aber ihre un- ähigsten Angestellten dürfen es. Darf nicht eine gebildete Frau timmen?— Nein; aber ein Ignorant, Trunkenbold. Wüstling >arf eS. Dürfen nicht Mütter, die dem Staate Söhne zuführen, timmen?— Nein; aber die Jungen, die sie erzogen haben, dürfen es, wenn sie zwanzigjährig sind. Würden die Frauen stimmen, wenn sie das Recht hatten? In allen Staaten, wo sie das Recht besitzen, stimmen die Frauen in relativ nicht geringerer Zahl alS die Männer. Das Flugblatt ist unverkennbar von bürgerlichen Frauen- rechtlerinnen ausgegangen. Es dürste an der Zeit sein, daß auch unsere Genossen das volle Wahlrecht auch für die Frauen ernsthaft und cnergifch propagieren._ Versammlungen— Veranstaltungen. Teltow. Freitag, 31. Januar. Vortrag: Frau Zeetze. Köpenick. Mittwoch, 29. Januar, 8 Uhr, bei Joch, Grünauer Strasse. Berichterstattung; Neuwahl des Vorstandes, Vermischtes. Drei Kinder verbrannt. AuS Königshütte wird gemeldet: Die drei Kinder der hier wohnhaften Witwe W. im Alter von 1 bis 8 Jahren befanden sich gestern allein in der Wohnung, als plötzlich dort jämmerliches Ge- schrei ertönte. Den Einwohnern, die mit Gewalt in das Zimmer drangen, bot sich ein erschreckender Anblick: Am ganzen Körper völlig verbrannt lag laut stöhnend neben der Tür das älteste Mädchen. Unlveit von diesem lag an der Erde die schon völlig verkohlte Leicha des jüngsten KindeS und neben diesem, biS zur Unkenntlichkeit ver- brannt, das zweite Kind, daS zwar noch einige Lebenszeichen von sich gab, aber bereits nach wenigen Minuten starb. Polizei und Feuerwehr waren schnell zur Stelle. Sowohl die beiden Leichen wie das schwerverbrannte dritte Kind wurden inS KnappschaftS- lazarett gebracht, wo das letztere schon nach zwei Stunden seinen schweren Verletzungen erlag. Als die beklagenswerte Mutter die Leichen ihrer Kinder erblickte, brach sie ohnmächtig zusammen und wurde schwer krank inS Krankenhaus gebracht. Der unheilvolle Brand ivar dadurch eiitstanden, dah das älteste Mädchen ein Stück brennendes Papier ans dem Kohlenkasten in den Ofen zu werfen versuchte, wo- bei die Kleider Feuer fingen._ Auf der Brücke entgleist. Die„Pfälzische Presse' meldet aus Speyer: Beim Passtecen der Sisenbahnschiffbrücke über den Rhein bei Speyer entgleiste gestern nachmittag die Maschine des Heidel- berger Personenzuges und sprang auf dem Landjoch vollständig aus dem GleiS. Der Zug fuhr noch 20 Meter aufwärts, rollte dann ivieder zurück und blieb auf dein Landjoch der Brücke stehen. Eine Maschine von badischer Seite holte den Zug zurück, die Strecke ist gesperrt. Eingebrochen. Der in weiteren Kreisen bekannte Villacher Arzt Dr. Hans Hock ist, wie ans K l a g e n f u r t berichtet wird, beim Schlittschuhlaufen im Wörther See ertrunken. Verbrannt. Einer Meldung aus Graz zufolge ist die achtzig- jährige Schwester deS Bischofs Dr. Schuster in ihrer Wohnung in Sann Anna einem glühenden Ofen zu nahe gelommeu und ver» brannt. ehe ihr Hülfe geleistet werden konnte. Pulverexplofion. Wie auS T r i est gemeldet wird, erfolgte beim Bau einer elektrischen Zentrale in Pictaura eine furchtbare Pulver- explosion, wobei mehrere Arbeiter schwer verwundet wurden. Sozialdemokratischer Lese- und DiSkutierklub„Heine«. Hellte abend 8'/, Uhr Sitzung bei Bolze, Rodenbergstr. V. Nerltner Marttpretie. Aus Dem ainlllckien Bericht der stävlllchen Rarkiballen-Dtrektion(Großhandel) Ochscnfleisch lo SS-70 pr. 100 Pfd., IIb 62 67, Hl» 64- 57. Bullenfleisch lo 65-70, IIa 54-64, Kühe, fett 48—68, do. mager 36—44, Fresser 50—58, Bullen, dänische 61—63. ttalbfteych. Doppellender 103—125, Malikälber l» 85 95, IIa 75—84, Kälber ger. gen, 55—71. do. Holl. 43—50. Hammelfleilch Mast- l.imrner 74—76, Hammel la 68-70. IIa 60-66, ungar. 0,00, Schafe 45—68. Schiveiiiekteiich 62 60 Rehwild la per Pfund 0,00, IIa 0,00 Rofwfld la per Pfund 0,45-0,60, do, IIa 0,35-0,40. do. Kälber 0,30—0,45, Damwild 0,40—0,55, do. Kälber 0,50—0,75. sSlIMchwcine per Pfd. 0.30—0,40. Frischlinge per Psd. 0,40—0,33. Kaninchen, groß, Stück 0,80 012 1,00, do, New 0,40—0,60. Hafen, groß per Stück 8,25—3,70. do. mittel u. Nein Stück 2,00—3.00. Wildenten per L-lück 1,26—1,76, Falaneiihäbne la, junge 2,16— S, 2b, do, IIa und alte 1,60—2,50. Fasaneichennen 1.00—2,23. Schneehühner Stck. 0,80—1,10. Birkhähne Stck. 2,00. Blrkbcnnen Stck. 1,50. Hnbiift. la per Sfüd 1,40—2,25, dito ll» 1,20—1,35. Hamburger Küken, Stück 1,00, Poularden, deutsche, p. Psd. 1,10—1,20. Tauben la 0,75—0,80» do. IIa 0,00, do. alte 0,40—0.56, do, Ital. 1,00. Emen, per Stück 1,76—2,00, do. russische per Stück 0,00, do. Hamburger, per Stück 2.80 diS 3,70. Gänie vcr Psd. 0,45, do. Odcibrucher, per Psund 0,50 bis 0.55, do. russllche per Psund 0,50, PoulelS per Stück 0,80—1,25. Puten la p. Psd. 0,65—0,80, do. IIa. 0,55—0,65. Hechle per 100 PImid 72—80, do. matt 0,00, do. groß 0,00, do, groß-nrittcl 0,00. Aander, unsortiert 100, d». groß 0,00, do. malt iL tot 0,00. Schleie, groß 0,00, do, mittel IIa 60—74, v». 0,00. Aale, fletn 0,00, d». fleirt-tn.tlel 0,00, do. groß 0,00. Karpsen, 35—50« 0,00, do. 50—60« 56—60, do. franz. 70— 100er 0,00. Plötzen 41, do, klein 0,00, do, groß 0,00. Aland 35—48. Quappen 87. Blcistsche 0,00. Weis 0,00. Bunte Fische 23—36. Barse 57, do. matt 46. Bleie 0,60, do. klein 0,00. Karauschen, matt 0,00. Wwter-RheinlachS, per 100 Pfund 0,00, Amerikanisch« 2ach« la, per 100 Psund 110— 130, do. IIa 90—100. Seelachs, per 100 Psund 15—20. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6, do. mittel, Kille 6,00. do. Hamb Stiege 3—6, halbe kttste 2—3, pomm, la Schock 0,00, IIa 0,00 Bücklinge, Kiel« per Wall 2—3.00, schwedische 2,00, englische 0,00, Sprolten, Danzig«, Kiste 0,50, do. Rügenwalder, Kiste 0,40 bis 0,60. Aale. gros Oer Psund 1,10—1,40, mittelgroß 0.80—1,10, klein 0,60—0,80. Heringe»er Schock 6,00— SM Schellfische, Kille 4,00—6,00. dito'/, Kiste 2,60—3,00. Sardellen, 1802« per Ank« 88, 1804« 83. 1805« 88, 1906« 85— SO. Schottische Bollhermge 1905 0,00. larga 40— 44, kaU. 38—40, med. 88—42. deutsche 30— 10. Heringe, neue MatseS, ver•/, To. 0,00. Sardinen, rusi., Fan 1,50—1.60. Bratberinge Faß 1,20—1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,7». Neunaugen. Schocksaß 11, do. klein« 6—6, do. Rieien- 14. Kreole per Schock 0,00, große 0,00, do. mittelgroße 0,00, dito kleine 0,00 cm 0,00, do, unsortiert 0,00, Galizier, groß 0,00. Seemuscheln 100 St 1,00. Eier, Land-, misortie« per Schock 4,00—5,50, do. große 5,50—6,00. 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