Nr. 26. Abonnements- Bedingungen: B Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Boit BeitungsPreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 50 Pig., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Versammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg: Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition if bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Klerikaler Wahlrechtstrug. Freitag, den 31. Januar 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Männer des Geldes. Meine Herren, das destruktivste Gesellschaft haben eine bisher nicht geElement der Welt ist das Geld, und der Streich, das allgemeine tannte Schärfe gewonnen, und diese Schärfe Wahlrecht durch den Gelbeutel zu forrigieren, ist der allerbedenk- nimmt zu, nicht ab. Der preußische Wahlrechtskampf lichste, den man machen kann." ist der Kampf der Arbeiterklasse um eine entscheidende Die dritte Wählerklasse rekrutierte sich damals noch Wendung der deutschen Politit. Mit ihm beginnt nicht nur überwiegend aus den alten Mittelständen. Als die Stärkung der Kampf um die Macht, sondern auch um die Einheit der der konservativen Elemente in anderer Weise Plaz griff, als proletarischen Klassenbewegung. die Dreitlassenschmach ihren reaktionären Kern voll und ganz offenbarte, gab das Zentrum sich zufrieden, bis es wangsweise wieder" Oppositionspartei" wurde. Das Enteignungsgesetz im Hause der Cords. Das Zentrum wird, wie man annehmen darf, seinen Wahlrechtsantrag wiederholen. Der Politiker, der die Stellung zurückverfolgt, welche es bei früheren Gelegenheiten zur Wahlrechtsfrage eingenommen hat, stößt auf eine bunte Musterkarte der verschiedensten Meinungen und Aeußerungen, von denen die eine die andere aufhebt. Häufig genug finden sich sogar bei derselben Person Widersprüche. Soweit das Zentrum programmatische Grundsäße beſitzt Der letzte Wahlrechtsantrag des Zentrums ist ein Kind und vertritt und es besitzt und vertritt solche auch von des vorjährigen Reichstagswahlkampfes. Sein Sinn wird Optimisten von Fischbecks dekorierter Bescheidenheit möchten Bartei wegen, mag es daran auch manchmal nicht gern er- handgreiflich, wenn man die Parole daneben hält, die das innert sein gehören sie dem Mittelalter an, das heißt, fie Bentrum vor den Hauptwahlen ausgab: Für Freifinn und glauben, daß, das edle Herrenhaus, des franken Friedrich liegen hinter der bürgerlichen Gesellschaft zurück. Das Konservative gegen die Nationalliberalen. Eine durchaus Wilhelms IV. romantische Schöpfung, Wert darauf legt, des Ble. Majoritätsprinzip der Demokratie widerspricht deshalb materialistische Parole, geboten von der Tendenz, welche die bruders Siegfried Heckschers Vertrauen zu verdienen. Bekanntlich durchaus dem Wesen des Zentrums. Wo man die Demo- vom Zentrumt eingeleitete Wirtschaftspolitik des Reiches be- hat Herr Siegfried Heckscher in derselben Rede, in der er vom fratie bisher nur gehandhabt hat als reaktionären Optimis- herrscht. Und wie im Reich, so heißt es für das Zentrum Reichskanzler die eigenartige Paarung mit dem preußischen mus, ist ein anderes auch gar nicht denkbar. Der Wechselbalg auch in Preußen: Gegen dieLiberalen. Beide ringen um Ministerpräsidenten berlangte, in Sachen der Enteignungsvorlage schillert in allen Farben, je nach der Schicht, deren Wirtschafts- den Anschluß an die Reaktion, dem ruhenden Pol in der vom Dreiklassenhause an das Herrenhaus appelliert. Die dicken tendenzen in Frage kommen. Das Spiel durcheinander ver- Erscheinungen Flucht. Konservativ ist Trumpf! In den Weihrauchwolken, die Arendts Mitchrist bei dieser Gelegenheit vor laufender Interessen gebiert jene Wandlungs- und An- Kämpfen ihrer einzelnen Gruppen untereinander ist die dem Hause der Preußenlords steigen ließ, sind sogar seinen wahrlich passungsfähigkeit, die vielen als ein Ausbund realpolitischer Bourgeoisie genötigt, an das Proletariat zu appellieren, nicht verwöhnten Parteigenossen unangenehm auf die GeruchsKonsequenz erscheint, die aber nur möglich ist, wenn alle feine Hülfe in Anspruch zu nehmen, und es so in die nerven gefallen. Trozdem aber scheint es, als ob bei den ge= Grundsätze freiheitlicher Politik grundsätzlich über Bord ge- politische Bewegung hineinzureißen"--so steht es bereits borenen und berufenen Gesetzgebern Preußens das Produkt worfen sind. im„ beralteten" fommunistischen Manifest. Um den Bund Bülowscher Staatstunst immerhin auf etwas ernsthafteren Wider. Früher wurde gern darauf verwiesen, das Zentrum ver- und die Alleinherrschaft der beiden reaktionärsten Parteien stand stoßen soll, als bei den Geldsackserkorenen der zweiten danke seine damals ausschlaggebende Stellung im Reichstage aus der Taufe zu heben, appelliert das Zentrum an die Kammer. Bevor das Herrenhaus den Bülowschen Wechselbalg besichtigte, dem bestehenden Wahlrecht.. Schon dieserhalb müsse es eine Demokratie. Das ist keine Ironie der Geschichte, sondern schritt es zur Neuwahl seines Präsidiums. Der alte Fürst zu Inn Freundin seiner Aufrechterhaltung und Uebertragung auf ihre Dialektik, die Tragik der herrschenden Klassen. Breußen fein, wo ihm nit dessen Einführung die gleiche Gegen die Liberalen, für die Reaktion! Es mag schon und Kinhphausen, ein treuer Vasall erst der Welfen, dann der Machtstellung winke wie im Reich. Ganz davon abgesehen, zutreffen, daß dem Zentrum eine kleine Schwächung der Hohenzollern, ist bekanntlich gestorben. An seiner Stelle wählte daß der Hinweis höchstens für die Zeit von 1890-1907 au- konservativen Gruppen im Landtage nicht unerwünscht das Oberhaus den bisherigen Bizepräsidenten Frhn. v. Manteuffel trifft, lassen die verflossenen Wahlen erkennen, wie das käme, da deren jetzige fast absolute Mehrheit alle übrigen zum Präsidenten. Erster Vizepräsident wurde der bisherige zweile in ihrer parla Vize Becker- Stöln und zweifer Vizepräsident ein gewisser Junter Bentrum feine ausschlaggebende Stellung zuletzt lediglich der Parteien, das Zentrum eingeschlossen, Stärke der Sozialdemokratie verdankte. Nur wenn diese in mentarischen Bedeutung herabdrückt. Trogdem braucht es nicht Ignatius von Landsberg. Aus der Tatsache, daß zum ersten Male bestimmter Sahl im Parlament vertreten ist, fönnte es zu befürchten, sich mit seinem Antrag vor den Stonservativen ein Kleinadliger den Präsidentenstuhl einnimmt, auf dem bisher wieder eine ausschlaggebende Rolle im alten Sinne spielen. bloßzustellen. In der prinzipiellen Ablehnung des Majoritäts- nur leibhaftige Fürsten und Herzöge sich herumdrückten, und daß Als bürgerliche Partei vermag es aber eine Stärkung der prinzips find sie ein Herz und eine Seele: und aus ein ganz gewöhnlicher Bürgerlicher mit höchst plebejischem Namen Sozialdemokratie um so weniger zu wünschen, als diese in opportunistischen Gründen haben früher manche Stonservative erster Bize geworden ist, werden Fischbed, Kopsch und Wiemer sicher absehbarer Zeit, wenigstens im industriellen Westen, auf selber den Vorzug des Reichstagswahlrechtes vor dem den Beginn der Demokratisierung des Herrenhauses herleiten. Nach dem Wahlakte gingen die erlauchten und edlen Herren feine eigenen Kosten erfolgen wird. Zudem haben die preußischen System anerkannt. Man könnte also in dieser Beziehung Januarwahlen die bürgerliche Linte in einer Weise kom- dem Zentrum höchstens vorhalten, Zeit und Gelegenheit falsch an die Arbeit. Im Laufe der Sigung stellte sich so allmählich die promittiert, daß diese nicht einmal die frühere schwache gewählt zu haben. Die Konservativen wissen zudem im vorn ganze Storona der preußischen Staatsminister ein: der nächtliche Opposition wieder aufnehmen fann. Mögen sich die inner- hinein, daß kein Wahlgesetz, bei dem das Zentrum den Aus- Straßenredner in unangemeldeten Versammlungen unter freiem politischen Verhältnisse wie immer entwickeln, Freifinn und schlag gäbe, ihnen ernstlich gefährlich zu werden vermag, wenn Himmel, Bülow, der wohlgescheitelte Rheinbaben, Beseler, auf den Börse sind dauernd in den Kolonialrummel hineingezogen. auch das Zentrum im Gegensatz zu den Konservativen bereit Röllchenfein- Brandenstein den Geist Tessendorffs herabgefleht hat, In allen Fragen der Heeres, Flotten-, Kolonial und Welt- wäre, etwas sozialdemokratische Zugluft in den Landtag zu der Landwirtschaftsminister v. Arnim- Criewen usw. Den Reigen der Oppositionsredner eröffnete Kardinal politik, in allen Fragen der kommenden Monopolpolitik lassen, schon um das aufhezzende Agitationsmittel möglichst scheidet die bürgerliche Linke fortan als aus der Welt zu schaffen. In der Grundfrage sind jedoch Stopp ist für das Zentrum, was Kopsch für die Freisinnigen ist: Oppositionspartei au 3. Ferner sieht auch das Konservative und Zentrum sich einig. Sobald sie unter dem der freiwillige Regierungskommissar, der Mittelsmann, der in der Zentrum voraus, wie die kommenden Wahlen in noch Zwange der Umstände zu einer gesetzgeberischen Aktion schreiten höheren Einheit der Sozialistenbekämpfung alle Gegenfäße auszuhöherem Maße gegen die Sozialdemokratie gerichtet sein müßten, würden beide versuchen, das Schwergewicht gleichen trachtet. Seine entschiedene Mißbilligung der Vorlage werden als bisher; und es erkennt mit richtigem Instinkt, des platten Landes über die industriellen fleidete er in sanften Tadel. Natürlich operierte er auch mit dem daß es für den Klerikalismus nicht vorteilhaft sein würde, Großstädte sicher zu stellen. Die Entwickelung im roten Gespenst. Die Vorgänge des 10. und 12. Januar mußten nochmals sich in gleicher Kampflinie mit der Sozialdemo- Reich weist zu deutlich die Mittel zur Hand, wie ein demo- ihm als Argument dienen. Das beste Stüd seiner Rede war das fratie zu befinden. Darum strebt es mit allen Kräften aus fratisches Wahlrecht durch seine parlamentarische Form in der 3itat:" Auf die Dauer ist es nicht möglich, mit der jezigen Situation heraus. Seine Politik läuft darauf politischen Wirkung mehr und mehr ausgeschaltet und in ein Ausnahmegeseben zu regieren!" Eine Wahrheit, die in diesem„ hohen" Hause keinen Kurs hat. hinaus, den Block zu lähmen, indem es in ihn eindringt und Privilegienrecht verwandelt werden kann. Der Kampf um das freie Wahlrecht in Preußen ist Mit Waffen aus dem Zeughause des Manchestertums, die aber so die Konservativen von den Liberalen absprengt, an die Stelle der zwei Mehrheiten die eine Mehrheit der Kon- zudem ein Kampf gegen die Schutzölle gegenüber feudalistischer Vergewaltigungspolitik noch immer modern serbatiben aller Schattierungen und des Zentrums sett. und die Reattionspolitik im Reich. Zu jeder anmuten, zogen zwei Fanatiker des Hottentottenblods, die Bürger. Die jeßige Situation befigt Aehnlichkeit mit der zu Be- Zeit, namentlich aber während einer großen Strise und meister Störte Stönigsberg und Bender- Breslau, gegen die ginn der fiebziger Jahre. Am 26. November 1873 gelangte ihrer berheerenden Wirkung auf den Arbeiterhaushalt Vorlage zu Felde. Die Furcht vor unangenehmen Konsequenzen im preußischen Abgeordnetenhause ein Antrag des Zentrums tann diese Seite des Kampfes entschiedener hervortreten. entlockte dem Grafen Thiele- Winkler, in dem Schlot- und auf Einführung des Reichstagswahlrechtes in Preußen zur Und über diese Wechselbeziehung ist man sich im Zentrum Krautjunker zu schöner Einheit verschmolzen sind, Worte der Oppos Beratung. Damals deklamierte Windthorst emphatisch: sicherlich nicht im unflaren. Das Zentrum aber war die fition. Der alte Polenfürst Radziwill verfehlie nicht, auf " Ich weiß, daß man vielfach Beratungen gehalten hat, wie langen Jahre der Träger jener Politit. Darum möchte das feine Familienbeziehungen zu den Hohenzollern hinzuweisen, um man dem unbequemen Knaben, der in diesem Antrage sich präsen- Bentrum die aufgerollte Wahlrechtsfrage zeitig erledigen, ohne fein nicht unwürdiges Pathos noch wirksamer zu gestalten, und der Klerikale Graf Droste- Bischering aus der Familie der Rocktiert, am fürzesten, am raschesten und graziösesten den Hals vom Kern der Sache Beträchtliches aufzugeben, d. h. ohne wallfahrerin gab noch einige Striche zu dem roten Schreckgemälde, brechen könnte. Ich fage Ihnen, der Antrag hat bereits seine wesentliche Schwächung des Juntertums. das der Breslauer Fürstbischof an die Wand gemalt hatte. Aus Pflicht getan. Ich kenne die Methode der Engländer, welche nicht wenn deshalb das Zentrum die Forderungen des Volkes auf dem Hause sprachen sich eigenlich nur drei Redner für die Vorlage glauben, daß an dem Tage gleich, an welchem ein Antrag ein- nehmen sollte, dann geschieht es nur, um jene Forderungen gebracht wird, er auch durchgeführt wird. Ich sage Ihnen, in eine ihm genehme Form zu gießen, den Sinn der Demo- aus: der Frankfurter Oberbürgermeister Adides, der bekanntlich manchmai in Sozialpolitit macht, ein gewisser Bürgermeister Dieser Antrag wird durchgehen, wenn Sie ihn fratie durch ihre politische Form zu fälschen und eine ersten aus Thorn, dessen Rede fich ungefähr auf der geistigen Sperre zu schaffen, die die Flut bis zu ruhigeren und Höhe eines Dorfschulzen bewegte, und ein eremitierter Gerichtsauch auf sechs Monate verschieben." Nun, dieser Antrag ist bis heute nicht angenommen. günstigeren Zeiten aufnimmt, denn das Zentrum stellt präsident. Um so eifriger legten sich die Minister ins Zeug. Bülow Die innerpolitische Situation bekam ein anderes Gesicht- in der Politik nicht nur Tage und Jahre, sondern auch Jahr selbst hielt eine längere Rede, die noch unter seiner Rede an die und das Zentrum rührte die ganze Zeit ernstlich keinen zehnte und Generationen in Rechnung. nächtlichen Ruheftörer vom 25. Januar stand. Ueber die Reden der Sozialdemokratie und Zentrum trennt auch im preußischen hein baben, Beseler, Arnim Criewen Worte zu verFinger mehr, um auch nur eine Wahlrechtserweiterung, geDas Proletariat kämpft schweige eine Aenderung des Wahlsystems in die Wege zu Wahlrechtskampf eine tiefe luft. leiten. Berband es doch mit seinem Antrage auch nicht gegen die Reaktion, das Zentrum für ihre Erhaltung und lieren, würde frebelhafte Verschwendung von Druckerschwärze sein. imentferntesten einen demokratischen Sinn; Befestigung. Deshalb sett das Zentrum alles daran, um das Gulenburg wurde die Bülowsche Mißgeburt einer Kommission von Auf Antrag des nicht mit Phili zu verwechselnden Botho es fam ihm vielmehr ausschließlich auf die Stärkung der reaktionäre Endziel seiner Wahlrechtspolitik 25 Mitgliedern überwiesen, worauf die Edlen und Erlauchten und konservativen Elemente an. Windthorst sprach hier un- Arbeiterwählern zu verschleiern. Um so schonungsloser muß Blaublütigen die nächsten Tage blau zu machen beschlossen. verhohlen aus unter Berufung auf Bismarck und die kon- unsere Bresse für die Enthüllung sorgen, das heißt die Verfervativen Abgeordneten v. Blandenburg und Wagener, die schiedenheit des Zieles entschieden in den Vordergrund rücken. fich im Abgeordnetenhause bei früherer Gelegenheit in gleicher Die Wahlrechtsfrage ist die Grundfrage einer Weise geäußert hatten: proletarischen Politit in Preußen. Hier gibt Wie ich die Verhältnisse der Gegenwart ansehe, so bin ich es innerhalb der Arbeiterschaft teine Berder Meinung, daß in den Wählern der dritten Stlasse mehr schiedenheit der Meinungen und Ziele und Rechtssinn liegt als in denen der zweiten und erften. Sie tann es feine geben. bor feinen = 0 Die Agrarier und die Beamten. " opp. Die Deutsche Tageszeitung" fährt fort, gegen die Getreidezölle zu agitieren. In ihrem Morgenblatt vom 29. Januar weist sie nach, daß die gegenwärtigen hohen Getreidepreise utrin halten mehr als die anderen Klassen fest an Damit ist die Signatur des Kampfes gegeben. Die Zeiten den Jahren 1854-1856 wesentlich übertroffen" wurden und außer den überlieferten geschichtlichen Verhält sind vorbei, wo wir in bürgerlichen Streisen auf bedeutsame dem in einzelnen Teuerungsjahren, wie 1867/ 68-1880/ 81 und nissen, und sie sind nach meiner lleberzeugung moralische und politische Eroberungen ausgehen konnten. schließlich 1891, zur Beit der großen russischen Hungersnot; die im großen und ganzen konservativer als die Die Klaffengegensäge innerhalb unserer Weizenpreise auch noch 1860/ 63-1871/ 74-1877 und 1880/81. Daß diese Feststellungen eine revolutionäre Sprache führen, darühcr geht schließlich auch dem agrarischen Blatt ein Licht ans. Um zu reiten, was noch zu retten ist, verspricht es tvenigsteus den Beamten, für Gehaltserhöhungen einzutreten. Der agrarische Moniteur bemüht sich, die Beamten für den Brodwucherrepakt zu gewinnen. Die Landwirtschaft— heißt es— bilde„das sicherste Fundament der Staatsordnung, an deren Erhaltung sie sdie Beamten) ihrerseits doch ganz besonders interessiert sind.' DaS be- deutet in klaren Worten: wir Agrarier haben den Staat in den Hände»; helft uns, das Arbeitervolk bis auf die Knochen auszu- hungern, so sollt auch ihr euren Teil an der Beute haben. . Aber ach, auf dem Wege zwischen dem Steuersäckel und der Beamtentasche stehen die Panzerflotten, die alles schlucken. Die Steuern reichen ja nicht mehr aus und die Ausgaben für Militär. Marine und Kolonien häufen sich ohne Maß. Wenn die Beamten mit ihrem Appetit so lange warten wollten, bis die Gehaltserhöhungen kommen, so würden sie nicht leicht fett werden, wohingegen eine Verbilligung des Brotes und hes Fleisches sofort ihren Hunger stillen würde. Das ist eine klare Erkenntnis, die sich von Tag zu Tag immer schärfer einprägt sowohl den Beamten wie allen anderen Schichten des deutschen Volkes. Wir haben deshalb unsererseits den Feststellungen der «Deutschen Tageszeitung' nur noch hinzuzufügen, daß als 1891 die Getreidepreise die gleiche Höhe hatten wie gegenwärtig, es der stockagrarische Graf Kanitz war, der eine Aufhebung der Gctmdezölle vorschlug. Er erklärte damals im Reichstage: «Gegen diesen vorübergehenden Preisstand— ich weiß aller- Vings, daß ich mich in diesem Punkte nicht in Uebereinstimnmng mit allen meinen politischen Freunden befinde— gibt eS in meinen Augen nur ein zulässiges Mittel, und das ist die Suspension der G e t r e i d e z ö l l e, d. h. die Aufhebung oder Herabsetzung der Getreidezölle auf eine bestimmte Zeit.... Wenn ich mich in diesem Punkte nicht ganz in Uebereinstimmung mit meinen politischen Freunden befinde, so ist der Stein deS Anstoßes lediglich der, daß von anderer Seite angenommen wird, die Reaktivierung der Getreidezölle nach Ablauf der SuSpenfionSfrist könnte auf Schwierig- leiten stoßen. Ich hege diese Befürchtung nicht.' Damals handelte es sich um eine vorübergehende Erscheinung. bedingt durch die russischen Mißernten,— nunmehr aber steigen die Getreidepreise konstant seit inehreren Jahren. Aber freilich, die Gutsherren machen reiche Beute und möchten nicht gern davon lassen. Freiwillig werden sie es niemals tun 1 poUtifebe CTcbcrficbt. Berlin, den 30. Januar 1908. Die Neuwahlen zum preußischen Landtag. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, be- steht die Absicht, die Neuwahlen zum preußischen L a n d t a g nicht erst im Spätherbst, sondern bereits im Mai oder Juni stattfinden zu lassen. Es soll damit erreicht werden, daß die Wahlagitation möglichst abgekürzt wird. Man will vermeiden, daß die Aufrüttelung der Volksmassen durch die Wahlrechtsagitation Einfluß gewänne auf die Zusammensetzung des Unrechts- Parlaments. Die Genossen werden gut tun, sich auch nicht durch die zu erwartenden Dementis irre leiten zu lassen. Mißstände in der Marineverwaltnng. Die zweite Lesung des Marineetas führte beim Titel 1, „Staatssekretär", ausschließlich zur Erörterung von allerhand Beschwerden über die Zustände in der Verwaltung und auf den Werften. Die zwei freisinnigen Abgeordneten Dr. Leonhardt und Dr. S t r u v e, beides in Kiel ansässige Aerzte, machten Beschwerden der Marineingenieure über Zurücksetzung gegenüber den Marineoffizieren geltend. Herr Struve geißelte auch die Methode, durch deren Anwen- dung die gesetzlich vorgeschriebene Ocffentlichkeit des Militärgerichtsverfahrens bei der Marine umgangen wird, zum Beispiel indem man die Verhandlungen auf ein Kriegs- schiff verlegt l— Admiral v. Tirpitz versuchte diese Mit- teilungen durch die allgemeine Behauptung zu entkräften, daß die Behörden sich streng an das Gesetz gehalten hätten. Be- kanntlich kann man aber den Buchstaben des Gesetzes beobachten und doch den Geist töten. Genosse Legten brachte darauf in ausführlichen Dar- legungen die Beschwerden der Werftarbeiter im allge- meinen, speziell noch die der Kieler zur Geltung, nachdem er an der Antwort des Marineministers den Freisinnigen klar- gemacht hatte, daß der Platz an der Blocksonne ihnen nicht einmal bei dieser Gelegenheit eine Beachtung ihrer Beschwerden verschaffte. An der Hand der von den Arbeitern der vier Staats- werften in einer Petition geltend gemachten Wünsche wies Legien nach, daß die Arbeiterausschüsse weder mit den Rechten ausgestattet seien, die sie zur wirksamen Vertretung der Arbetterinteresscn fordern müssen. noch daß deren Mitglieder vor Maßregelungen gesichert wären. Sei es doch sogar vorgekommen, daß in einem be- timmten Falle, als der Arbeiterausschuß wegen eines Unglücksfalles bei einer Kreissäge Vorschläge zur Verhütung bicher Vorkommnisse machte, die Werftvcrwaltuna dem Aus- chuß ausdrücklich ihre Mißbilligung wegen dieser Eingabe zu- eil werden ließ. Aus der Gegenüberstellung der Zahl der ! Krankheitsfälle bei den Werftarbeitern und denen der Arbeiter ] n ganz Deutschland wies Legien auch nach, wie viel da noch zu bessern ist. In Kiel insbesondere haben sich die Gesundheitsverhältnisse infolge der schlechten Ernährung in den letzten Jahren gleichfalls verschlechtert. Zum Schluß ging Legien zur Erörterung einer Anzahl von Einzel- beschwerden aus Kiel und Friedrichsort über. Diese Ausführungen wurden wirkungsvoll ergänzt durch den Genossen S e v e r i n g, der die speziellen Beschwerden der Werftarbester in Wilhelmshaven und Danzig vor- brachte. Er schloß seine Ansführungen mit einem Protest gegen die Verfemung der Sozialdemokraten in den Arbeits- ordnungen. die um so widersinniger sei, als die Werftverwalwng die Arbeitskraft der Sozialdemokraten gar nicht entbehren könne. Der Geh. Admiralitätsrat Harms suchte durch ganz all- gemeine Behauptungen nachzuweisen, daß die im Plenum und vorher in der Budgetkommission vorgebrachten Beschwerden unzutreffend seien. Soweit sich daraus überhaupt auf be- stimmte Fälle schließen ließ, wiesen die Genossen Legien und Ledebour kurz nach, daß damit nichts wiederlegt sei. Darauf wurden im Fluge die einzelnen Titel des Etats bis Titel 52 angenommen. Nur forderte der Abg. Dahlem (Zentrum) die Verwaltung auf. nicht französische, sondern deutsche Weine, und zwar bei den kleinen Winzern deZ Rheinlands zu kaufen. Dann wurde die Verhandlung vertagt._ Ein Block-Humorist. Herr Dr. HeinzPotthoff, Hospitant der Freisinnigen Ver- einigung, veröffentlicht in der„Franks. Ztg." als Leitartikel eine unfreiwillig humoristische Epistel über die Frage, ob der Block „gekündigt" werden müsse. Herr Potthoff verneint diese Frage. Es sei gut, daß die Wahlrechtsdebatie im Reichstag m ch i zu dem von vielen erhofften, von vielen gefürchtetcn Ereig. nisse geführt hat. Ter Block, sagt Herr Potthoff, brauche nicht gekündigt zu werden. Er führt gleich zwei Gründe für seine Mei- nung ins Feld. Zwei Gründe freilich, die sich gegenseitig totschlagen. Erstens, sagt er, braucht der Block nicht gekündigt zu werden, weil ja gar kein parlamentarischer Block besteht. Es seien gar keine Vereinbarungen getroffen worden. Wirklich? Auch nicht in Norderney, auch nicht im Dezember vorigen Jahres, als Bülow mit tragischer Geberde die Blockrisse wieder verkittete? Der Block, versichert Herr Potthoff, sei nichts als der p e r s ö n- liche Versuch Bülows, ohne das Zentrum zu regieren, aber nicht gegen das Zentrum. Bildete sich nicht gxrade der Freisinn ein, daß der Block gegen das Zentrum regieren sollte? Und glaubte nicht der Freisinn an eine„liberale Aera", oder, um uns vor- sichtiger auszudrücken, redete er nicht seit Jahr und Tag un- unterbrochen davon, daß der Freisinn liberale Konzessio- neu erwarte? Potthoff gesteht denn auch, daß das Vertrauen deS Freisinns(das also doch einmal vorhanden gewesen sein muß) einen„schweren Stoß" erlitten habe, denn Bülow habe „jede ernsthafte Wahlreform in Preußen" abge» lehnt. Trotzdem soll nach Herrn Potthoff alle» beim alten bleiben. Der Freisinn soll ruhig weiter bewilligen. Für den Mili- tarismuS, die Flotte, die Kolonien usw. Obendrein soll er auch auf jeden ernsthaften Kampf gegen den Brotwncher, die Grenz- sperren usw. verzichten. Der Freisinn soll also, trotzdem kein Block besteht und Bülow keinerlei Konzessionen geben will, Block- helferSdienste für die Junker leisten! Und warum? Weil der Freisinn zu feig ist, einen Kampf gegen die Reaktion aufzunehmen. Potthoff sagt selbst, eine Kün- digung deS(nicht existierenden!) Blocks habe nur einen Zweck, wenn der Freisinn„entschlossen" sei, die„äußersten Konsequenzen zu ziehen". In der Tat: diese äußersten Kon» sequenzen müßten gezogen werden. Sie bestünden in der Ableh- nung der Forderungen für die phantastischen Kolonialpläne, in einer Kritik unseres UebermarinismuS. Der Freisinn müßte die Flottenpolitik eben nicht als„rein technische Frage" auf- fassen, sondern als Faktor der Weltpolitik politisch würdigen! Der Freisinn müßte den Kampf gegen das Agrariertum aufnehmen. Täte das alles der Freisinn, so brächte er die Reaktion inS Gedränge, so brächte er das Zentrum in die nach seiner Brüskiernng doppelt unangenehme Lage einer unbedingten Regierungspartei und unentweg» ten Jasagemaschine. Diese peinliche Situation des Jen- trums würde noch verschlimmert, wenn der Freisinn endlich eine Wahlrechtskampagne eröffnen wollte, d. h. einen wirk- lichen Volks stürm in der Presse und in Versammlungen. nicht in Konventikeln hinter verschlossenen Türen! Eine solche Politik triebe das Zentrum in der Wahlrechtsfrage vorwärts, oder aber das Zentrum würde bei den nächsten. Wahlen dezimiert werden! Führte so der Freisinn den Kampf, so würde sich bald um die freisinnigen und sozialdemokratischen Rahmen die Mehrheit des Volkes scharen! Dann müßte die Regierung nachgeben! Der Freisinn bekäme dann freilich keine Orden mehr, er könnte keine Norderney-Fahrt mehr unternehmen, keine„intime" Gastereien bei Bülow mehr mitmachen. Deshalb und weil dem Freisinn die Volksrechte gar nicht am Herzen liegen, will er auch vom Kampfe nichts wissen! Er will, auch ohne jede Gegenleistung, der Knecht der Reaktion bleiben. Um aber die Massen zu betölpeln, empfiehlt Herr Potthoff, zwar auch ferner Blockpolitik zu treiben, aber gelegentlich„grob" zu werden. Nach diesem Rezept hat der Freisinn allerdings vor der Block- Aera schon stets antiliberale Politik getrieben. Er hat radikale Phrasen gedroschen, um unter dem Deckmantel dieses Phrasenradikalismus um so Volks feindlichere Politik treiben zu können. Aber dieses Phrasenmäntelchen ist nachgerade so zer- schlissen, daß eS die reaktionäre Block-Blöße des Freisinns nicht mehr zu verdecken vermag!— Junkerdreistigkeit! Ein Edelster und Bester, ein Nutznießer des seines gleich- zeitig plutokratischen und agrarischen Charakters wegen doppelt anmutigen Dreiklassenwahlsystems, ein Herr v.- Jagwitz, zieht aus den Stratzendemonstrationen des Proletariats den Schluß, daß das Reichsvereinsgesetz noch mehr verschlechtert werden müsse. Bei den„jüngsten Straßen- krawallen"(I) hätten„halbwüchsige unreife Burschen einen Hauptbestandteil der Exzedenten" gebildet. Diesen sei die ge- forderte Wahlrechtsreform an und für sich völlig gleichgültig gewesen, sie hätten lediglich am«Schreien und Johlen" Geschmack gefunden. Und deshalb, weil der — nur in der Scharf macherphantasie des Junkers v. Jagwitz existierende—„Hauptbestandtest" von„unreifen Burschen" mit den Wahlrechtsdemonstrationen gar nichts zutun hatte, soll— gemäß einem konservativen Antrag— das Reichsvercinsgesetz die Altersgrenze an der Teilnahme von Versammlungen auf 20 Jahre erhöhen! Ist auch die junksrliche Logik noch so schwach—- die junkerliche Dreistigkeit ist um so stärker!— Wahlrechtsbewegung in Bremen. Die Bürgerschaft(das Parlament) der Geldsacksrepubli! Bremen lehnte einen sozialdemokratischen Antrag auf Ein- führung des allgemeinen gleichen Wahl- rechts für die Bürgerschaft mit etwa 80 gegen etwa 18 sozialdemokratische und 10 bürgerliche Stimmen ab und überwies die sonstigen Anträge auf Reform des bürgerschaft- lichen Wahlrechts einer Kommission.— Die Tozialistendebatte im badischen Landtage, welche sich infolge der provozierenden An- griffe des Ministers v. Bodman auf die Sozialdemokratie ent- spann, fand am Mittwoch ihren Höhepunkt in der Abwehrrede deS Genossen Rechtsanwalts Dr. Frank, der auch die Industrie» stadt Mannheim im Reichstage vertritt. Er verwies den Minister bezüglich seiner Erklärung: ein Sozialdemokrat könne in staat- lichen ober städtischen Diensten nicht geduldet werden, auf die posi- tive Tätigkeit der 1900 sozialdemokratischen Gemeindever» t r e t e r und der drei sozialdemokratischen Bürgermeister Badens. Gerade die konservative Partei habe der Minister ins Präsidium bringen wollen— es ist ihm allerdings nicht ge- lungeg—t beim preußisch? BettSW für die BeftitMüg tei AeiO, tagswahlrcchtes einträten. Der Vorwurf, die Sozialdemokratie arbeite im Sinne des Auslandes, werde ob seiner Wirkung durch die jüngste Rede des Sozialisten Jaures in der franzö» fischen Kammer— Marokko-Affäre— glänzend widerlegt. Die badische Sozialdemokratie könne sich für ihre revolutionäre Ge- sinnung auf die Vorfahren der badischen Liberalen berufen, die 1848 den Großherzog Leopold aus dem Lande gejagt hätten. Die badische Regierung könnte durch Verhinderung der Besteuerung des Tabaks, durch Beseitigung der Schäden der badischen Hausindustrie und durch geeignete Maßnahmen der auch in Baden herrschenden Arbeitslosigkeit sich um das Wohl der Arbeiterschaft bessere Verdienste erwerben, wie durch den„Nachweis", daß die Sozialdemokratie verneinend, antinational und umstürzlerisch sei. Der Minister habe von einer brüderlichen Behandlung unserer Partei gesprochen; bis jetzt sei auch in Baden die Sozialdemokratie als ein Stiefkind betrachtet worden.— Gegen das Reichsvcreinsgesetz! Eine starke Bewegung gegen den Reichsvereinsgesetzentwurf macht sich in Württemberg gellend. In allen Städten und größeren Orten finden Protestvcrsammlungen statt, die durchgängig sehr stark besucht sind. Von der Stuttgarter Leitung der christlichen Gewerkschaften sind die christlichen Gewerlschaftler im» Lande angewiesen worden, die von der sozialdemokratischen Partei und den modernen Gewerkschaften einberufenen Versammlungen nicht zu besuchen. Trotz dieser Weisung stehen die Arbeiter geschlossen zusammen.— Aus einer kleinen Garnison. Vor dem Kriegsgericht der 88. Division in Erfurt standen die Leutnants v. Kurozacki(Infanterieregiment Nr. SS In Wesel), Wilke und Rosenow(Infanterieregiment Nr. 71 in Sondershansen). Sie haben nach einem Liebesmahle ihrem erwachten Tatendrange da- durch Ausdruck zu geben versucht, daß sie vor dem Kasino allerlei Fechterkunststücke ausführten. Dabei rempelte der Leutnant v. Kurozacki zwei vorübergehende junge Mädchen an. Als die sich das verbaten, erschien das dem Leutnant mit dem russischen Namen nur als eine erwünschte Gelegenheit, sich einen„Ulk" mit den Damen zu leisten. Er machte sich unter allerlei Redensarten an deren Seite, war trotz allen Protestes nicht fortzubringen. Schließlich versuchte er, die eine der beiden um die Taille zu fassen. Die übrigen beiden Leutnants waren indessen auch herangekommen und einer von ihnen soll den V. K. in heftiger Weise gegen die beiden Mädchen gestoßen haben. Das Trifolium folgte nun den beiden Mädchen bis zu deren nahegelegenen Wohnung, wo sich ihnen nochmals v. K. in der Hanstür entgegenstellte, doch mußte er von weiteren Belästigungen absehen, da ein Verwandter der Mädchen auf deren Klingeln hinzukam. DaS Gericht sah die Sache als belanglos an. Wille und Rosenow wurden freigesprochen und nur v. Kurozacki erhielt— SO M Geldstrafe._ Militärjustiz. Eine furchtbar harte Strafe wegen einiger gering» fügiger Vergehen verhängte daS Kriegsgericht in Dresden gegen den Soldaten Rothe vom Jnfanterie-Regiment Nr. 102 in Zittau i. S. Rothe hatte sich wegen Ungehorsam. Be- harrenS im Ungehorsam, G e h or s a m S v e rw ei g e> rung, A ch tu n g S v er le tz un g. Beleidigung eines Vorgesetzten und Selbstbefreiung zu verantworten. Der Angeklagte befand sich am Nenjahrstage in einem Tanzlokal. Hier soll er zu einem Zivilisten eine Bemerkung mit Bezug auf den Sergeanten, den Führer einer WirtshauSpatrouille, gemacht haben. In einem anderen Lokal trafen sich der Angeklagte und der Sergeant wieder. Auch hier soll Rothe mehrere Befehle des Vorgesetzten nicht befolgt, sondern sich höchst ungebührlich benommen haben. Als dann der Sergeant zur Arretur des Soldaten schritt, soll letzterer die Flucht ergriffen haben. Der Angeklagte gibt an, von dem Vorfall nichts zu wissen, da er betrunken gewesen sei. Der Sergeant bestätigt jedoch alle» dem Angeklagten zur Last gelegte; betrunken sei Rothe nicht gewesen. Ein Kamerad Rothe? gibt an. daß dieser sehr betrunken gewesen sei. Einem Feldwebel hat Rothe an dem fraglichen Abend keine tichtigen Antworten gegeben und dieser habe ihn deshalb gehen lassen in der Annahme, Rothe sei betrunken, jedoch müsse er behaupten, daß R. nicht sinnlos betrunken gewesen sei. Der Vertreter der Anklage beantragte schließlich gegen den Angeklagten eine Gefängnis strafe von vier Monaten. Derartige Disziplinlosigkeiten müssen seiner Ansicht nach strenge bestraft werden. DaS Kriegsgericht verurteilte denn auch den Angeklagten zu vier Monaten Gefängnis und verfügte dessen sofortige Jnhaft» ntfhme._ Die preustische Wahlrechtsbewegung und die deutschen Arbeiter im Ausland. Aus der Schweiz wird uns geschrieben: Mit gespanntem Interesse verfolgt man in der Schweiz die EntWickelung der preußischen Wahlrechtsbewegung. Kämpfe gegen schwindelhaftc Wahlsysteme sind auch in der Schweiz mit den Patriziern und Oligarchen geführt und der Triumph des Rechts und des gesunden Menschenverstandes ist erzwungen worden. Auch heute noch werden für die Erringung der Proportional- wohl harte Kämpfe geführt, und es ist sicher, daß der in diesem System steckende vernünftige Gedanke ebenfalls in absehbarer Zeit auf der ganzen Linie siegen wird, nachdem er bereits in einem halben Dutzend Kantonen mit Erfolg verwirklicht worden ist. Die in der Schweiz weilenden deutschen Arbeiter sind Zeugen der vielen Wahlen und Volksabstimmungen und lernen so aus all- täglicher praktischer Anschauung die politischen Rechte ihrer schweize- rischen Nebenarbeiter und Genossen kennen. Da kommt dem Ar» beiter aus Preußen das ganze Elend des dortigen Drcitlassen- Humbugs zum vollen und drückenden Bewußtsein und er schämt sich vor sich selbst« ein Preuße zu sein. Da sollten die Narren von All- deutschen kommen ixnd predigen, der Deutsche im Ausland müsse den Stolz des Deutschen zum Ausdruck bringen. Stolz aus was? Auf die Schmach des preußischen Dreiklossenwahlrechts, über das ein Schweizer nur den Kopf schütteln kann? Die organisierten deutschen Sozialisten in der Schweiz haben begonnen, die Propaganda für den Gedanken der prenßisdhe» Wahlreform an Hand zu nehmen. In Zürich findet am 29. Januar eme bezügliche öffentliche Versammlung statt, in Winterthnr referierte darüber in einer am 27. Januar stattgefundenen Ver- sammlung Genosse Zinner. und fand hier folgende Resolution einstimmige Annahme: „Die am 27. Januar 1998 im Saale des Allgemeinen Arbeiter- bildungsvercins in Winterthur tagende, gut besuchte Versammlung der Mitgliedschast der deutschen Sozialisten begrüßt die von der preußischen Sozialdemokratie eingeleitet« Volksbewegung für die Abschaffung deS schmählichen Dreiklassenwahlrcchts, dieses 57jährigen schweren Unrechts am Volke; sie verurteilt die Volks- feindliche, reaktionäre Haltung des Fürsten Bülow und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß das arbeitende Volk durch ausdauernden und tatkräftigen Kampf gegen das- Bollwerk der Reaktion endlich die Einführung des Reichstagswahlrechts an Stelle des die Massen entrechtenden DreiklassenwahlhumbugS erringen werde." Es steht zu erwarten, daß unsere Genossen an allen anderen Orten der Schweiz sich ebenfalls rühren und zur preußischen Wahl- rechtsbewegung Stellung nehmen werden. Die diesjährige M ä r z f e i e r wird im Zeichen der preußischen WghlrechtSbejpegung begangen werdM. Aufputschnng zn Gewalttaten; � To oft die Sozialdemokratie auch festgestellt bat, dah die Strastendemonstrqtionen für» Wahlrecht absolut friedliche waren, dast Gewalttätigkeiten lediglich von der Polizei begangen worden find: unsere Scharfmacher schwatzen immer wieder von dem gewalttätigen Charakter dieser durchaus friedlichen Kund- gebüngen. Sie brauchen diese Fälschung der Tatsachen, um das Blutvergießen gegenüber Wehrlosen zu rechtfertigen, Sie brauchen sie, um neues Bürgcrblut fließen zu lassen! Kein normaler Mensch, der auch nur einen Schimmer politischen Verständnisses hat, kann der Sozialdemokratie bei ihren Demonstrationen gewalttätige Absichten zutrauen. Ein solcher Aberwitz schlüge ihrer ganzen Taktik ins Gesicht. Tut nichts: man schiebt ihr ungeniert solche Absichten unter, um desto unverfrorener mit dem Säbel rasseln zu können! So machte in Hannover bei der KaiserSgeburtstagZfeier Eeueral v. Stunzner in seinem Toast folgende Ausführungen: »Freilich können ihin(dem Kaiser) auch bittere Erfahrungen und schwere Kränkungen nicht fehlen, wenn er sein Streben erfolglos sieht, wenn sein Tun und Wollen mißverstanden wird, wenn er es sogar erleben muß, daß Taufende verführte und aufgereizte Untertanen der Staatsgewalt mit Gewalt zu drohen wagen. Aber gottlob, meine Herren, noch steht die bis in den Tod getreue Armee, noch stehen Millionen pflichttreuer, ihrem Kaiser und König, ihrem deutschen Vaterlande ergebener Männer, die bereit sind, die heilig st en Güter der Nation, die Preußen groß und Deutschland einig gemacht haben, zu verteidigen und zu schirmen." Die»heilig st en Güter der Nation" und die »Untertanen", die nicht mehr existieren, wollen wir dem Herrn General schenken. Aber ein Mann, der von Politik nicht das ge« ringste versteht, sollte eS jedenfalls unterlassen, den gewerbsmäßig und bewußt die Tatsachen fälschenden Scharfmachern aus Fahr« läsfigkeit Konkurrenz zu machen I Wenn am 9. und 12. Januar Gewalt geübt wurde, wenn seitdem unaufhörlich mit der Gewalt gedroht wurde, so ge- schah das nicht von der Sozialdemokratie! Ei» skandalöser Rechtsraub. Auf den R e i ch s e i s e n b a h n e n. die der Verwaltung und Kontrolle deS Reiches unterstehen, macht sich immer mehr der preußische Bei st der Unterdrückung und Vergewal- tigung breit. Schon im Jahre 1906 erregte es gewaltige» Auf- sehen, als die Neichseisenbahnverwaltung den Eisenbahnarbeitern den Britritt zumSüddeutschenEisenbahnarbeiter« verband verbot und zwei bereits bestehende Ortsgruppen in Straß bürg und Bisch heim auflöste. Mit diesen Maß- regeln war aber die Entrechtung der Eisenbahner noch nicht voll- ständig. Dem fortgesetzten RechtSraub, den man hier an den Eisen- bohnern verübt, wurde gelegentlich der WahlrechtSversammlungen im Reichslande die Krone aufgesetzt. Am Sonnabend wurden in Bisch» heim die Arbeiter vor die Werkmeisterbureaus gerufen, wo ihnen erklärt wurde, daß sie die öffentlichen Versammlungen und Kundgebungen, die von der sozialdemokratischen Partei zugunsten des allgemeinen Wahlrecht» veranstaltet werden, bei Maßregelung zu meiden haben; die Ver- waltung dulde eben solches nicht. Damit wäre man in Preußen- Deutschland glücklich zum System der Staatssklaven ge- langt. Kein Koalitionsrecht, kein Wahlrecht zu den Landparlamenten, das Wahlrecht zum Reichstag beschränkt durch Verängstigung der Arbeiter und Spitzelei. kein Versammlungsrecht; wer wollte sagen, daß sich Preußen- Deutschland im Zeichen deS konservativ- liberalen Ach- und Krach-Blocks nicht zu einem Eldorado der Freiheit ausbilde. Es ist charakteristisch, daß'die herrschenden Gewalten eS gerade in der Aera der kouservativ-liberalen Blockpolitik unternehmen dürfen, die Entrechtung der StaatSarbeiter zu vollenden. franhreicb. Arbeiter als Geschworene. Paris, 27. Januar.(Eig. Ber.) Die Offiziösen B r i a n d s kündigen eine„sozialistische" Re- fdrm des neuen Justizministers an: Die Zulassung der Arbeiter zur Geschworenenbank. Der Titel ist etwas ungenau, denn die Arbeiter waren auch bisher nicht gesetzlich ausgeschlosien. Das Gesetz bestimmt, daß nur landwirtschaftliche Knechte, Domestiken und Analphabeten nicht Geschworene sein können. Dagegen haben Personen, die vom Ertrag ihrer Hanoarbeit leben, das Recht, sich von der Ausübung der Geschworenenamts dispensieren zu lassen. Die Departemeptskommissionen, die die Geschworenenlisten zusammenstellen, nahmen das Befreiungsgesuch bisher einfach vor- weg und trugen Handarbeiter gar nicht erst ein—«aus Humanität", wie heute das edle„Journal des Debats" sagt.... Briand will nun die Kommissionen anweisen, künftig auch die Ar- beiter einzutragen, Allerdings ist mit der Eintragung wenig getan, da doch die ausgelosten Volksrichter während der Ge- schworenensession auch leben und ihre Familien erhalten müssen. Bisher bekamen nur die Geschworenen, die außerhalb des Gerichts- orts wohnen, eine Entschädigung für..Deplacement". Nach An- deutungen deS„Matin" wird das Recht auf Entschädigung wohl ausgedehnt werden, aber daß es nicht auf eine Besoldung der Geschworenen, ohne die das Recht der Arbeiter auf das Ge- schworenenamt eine bloße Phrase bleiben muß, abgesehen ist, geht daraus hervor, daß das Recht auf Dispensierung für die Arbeiter aufrecht erhalten bleiben soll.— Eine ernste Reform müßte durch Einführung einer Besoldung und durch Schutzbestimmungen gegen die Entlassung wegen Einziehung zum Geschworenenamt die Mög- lichkeit schaffen, das Geschworcnenauit auch für die Arbeiter o b l i- gato risch zu machen.— Rolland. Das Niederländische Komitee für daö allgemeine Wahlrecht. Amsterdam, 27. Januar.(Eig. Ber.) Am Sonntag fand zu Utrecht die Generalversammlung iies holländischen Wahlrechtskomitees statt. Vertreten waren alle angeschlossenen Landesverbände, 18 örtliche Komitees, 7 provinziale und 2 andere Vereine. Der Vorsitzende, Partei- sekretär.Genosse I. G. van Kuykhof, sagte in seiner Er- öfsnungsrede: Ter über dem allgemeinen Wohlrecht liegende Nebel sei noch immer nicht weggezogen. Was zu erwarten stehe, wisse man noch nicht, ein gutes Zeichen sei aber, daß mit dem gestürzten liberalen Ministerium auch der Blanko- Verfassungsartikel betr. das Wahlrecht verschwunden sei. Von der Arbeiterklasse hänge es nunmehr ab, welches Wahlrecht sie erhalte. Es müsse dieses Jahr eine lebendige, starke Wahl- rechtsbewegung eingeleitet werden, die in Bälde nicht mehr von dem jetzigen Komitee, sondern gemeinschaftlich von der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und dem Niederländischen Verbände der Gewerkschaften geführt werden müsse! Redner konstatierte, daß die Wahlrechtsdemonstrationen des hol- ländischen Proletariats immer mehr an Bedeutung gewännen und daß sich stets mehr Organisationen an ihnen beteiligten. Die Diskussion knüpfte an die auch im Jahresbericht deS Komitees schon des näheren als notwendig erkannte Ersetzung des Komitees durch eine gemeinschaftliche Mhrung der Wahl- rechtsbewegung seitens der Sozialdemokratischen Arbeiter- Partei und der Gewerkschaftszentrale an. welch letztere bisher noch den politisch- neutralen Standpunkt einnimmt und sich weigerte, direkt für das Wahlrecht einzuireien. Das Komitee hofft, daß hierin bald Wandel eintrete. Beschlossen wurde, die diesjährige Wahlrechtsdemon- stration im Haag, dem Regierungssitze und dem Sitze der Ersten und der Zweiten Kammer, stattfinden zu lassen! Ferner wurdx beschlossen, eine Flugschrift über das allgemeine Wahl- recht in 200 000 Exemplaren in Holland zu verbreiten, pro- vinziale Meetings und Demonstrationen sowie De- monstrations- Versammlungen zu veranstalten. Zum Schluß hielt Genosse Van Hinte ein Referat über ,, Wahlrechtskampf und Gcwerkschoftsbewegung".� worin er unter starkem Beifall die Teilnahme der Gewerkschaften für notwendig erklärte, da selbst die stärkste Gewerkschaft nicht imstande sei, einen großen Teil ihrer Forderungen ohne den Wahlzettel durchzuführen. MroKKo. Mulay Hafid im Vormarsch auf Settat. AuS Casablanca wird telegraphiert, daß Mulay Hafid im Vor- marsch auf Settat ist. Nach einer Tanger Meldung aus Ein- geborenenkreisen steht der Gegensultan an der Spitze einer be- deutenden Truppenmacht nur noch eine Tagereise von Setlat. Be« stätigt sich das. so ist die Möglichkeit eines Zusammenstoßes Mulay HafidS mit den Franzosen in greisbare Nähe gerückt. Denn nach einer früheren Nachricht auS Casablanca beabsichtigt General d'Amada in einigen Tagen von neuem gegen Settat zu marschieren und den Ort endgültig zu besetzen.___ kommunales. Stadtverordneten-Versammlung. 5, Sitzung vom Donnerstag, den 30. Januar, nachmittags ö Uhr. ' Der Vorsteher M i ch e l e t eröffnet die Sitzung nach bMi Uhr mit einem Nachruf für den verstorbenen früheren StadtsyndiluS und Stadtältesten M e u b r i n k. Die ständigen Ausschüsse haben sich konstituiert. Die Wahl der Ausschüsse zur Vorberatung der Anträge Barth(A. L.) betr. die Zahnpflege der Schulkinder und A r o n S(Soz.) betr. Errichtung städtischer Krippen und Kindergärten hat stattgefunden; die sozialdemokratische Fraktion ist in ersterem durch Dr. Arons, Koblenzer. Dr. Wehl, Wurm, in letzterem durch Dr. AronS, Borg- mann, Manaffe, Wurm vertreten. Seitens der sozialdemokratischen Fraktion war folgender dringliche Antrag am vorigen Donnerstag eingebracht worden: Die Versammlung wolle beschließen» den Magistrat aufzu» fordern, schleunigst Maßnahmen zu ergreifen, um die zurzeit in Berlin herrschende Arbeitsjosigkeit und ihre Folgen zu lindern. Infolge Widerspruches des Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.) konnte die Beratung des Antrages in der vorigen Sitzung noch nicht erfolgen; heute steht er an erster Stelle der Tagesordnung. Es wird Ausschußberatung des Antrags beantragt. Stadtv. Dupont(Soz.): Das düsterste Kapitel in der Geschichte deS Kapitalismus ist wohl das der unverschuldeten Arbeitslosigkeit. In Zeiten der geschäftlichen Baisse steigt die Zahl der Arbeitslosen lawinenartig an; das war vor 7 Jahren der Fall und ist es auch diesmal wieder. Vor 7 Jahren rechnete man an Arbeitslosen mit ihren Angehörigen die Zahl von 122 000 heraus; diese Zahl wurde von den organisierten Arbeitern festgestellt. Diesmal haben wir ebenfalls eine Zählung vorgenommen; wir haben keine � Ursache, die Ziffern irgendwie höher zu schrauben als sie in Wirklichkeit sind. Diesmal sind SS 000 Arbeitslose hermiSgerechnet worden. Nicht sämtliche Arbeitslose werden damit getroffen. Sogar von der Leitung des Zentralarbeitsnachweises wird zugestanden, daß eine ganze Anzahl Arbeitsloser sich nicht melden» weil sie gar keine Aussicht auf Arbeit haben. Aus meinem Beruf könnte ich Ihnen ein Elendsbild von der Arbeitslosigkeit sogar zur Zeit der Hochkonjunktur entrollen. Das ist ein kleiner Beruf, die kunstgewerblichen Bildhauer; aber auch die großen Berufe, die Bauarbeiter, Holzarbeiter, kommen jetzt in Betracht; die Handschuhmacher, Hutmacher, Tapezierer spielen heute eine Rolle; dazu kommen die ungelernten Arbeiter, die wir durch Zählung gar nicht recht erfassen können. Solche statistischen Feststellungen sollten nun eigentlich eine Aufgabe der Stadt sein, aber diese läßt uns hier im Stich. Einer unserer Ab- Hülfevorschläge richtet sich denn auch auf einen Ausbau des Städtischen Statistischen Bureaus zum Zwecke der Erkennung, und zwar möglichst dauernd, der Arbeitslosigkeit. Es wird nun von gewisser Seite, auch im„Berliner Tageblatt", der Notstand ge- leugnet. Wenn der Arbeiter in bester Kleioung und reinster Wäsche Arbeit suchen muß, so ist der Notstand äußerlich nicht zu erkennen, so sfljr• er auch vorhanden ist. Wir behaupten, daß, wenn auch die Ziffer der Arbeitslosen nicht ganz so hoch wie vor 7 Jahren sein sollte, trotzdem ein Notstand vorhanden rst; wenn 10 000 weniger Arbeitslose sind, ist darum doch der Notstand nicht beseitigt. Die wirtschaftliche Depression ist erst im Anzüge; wir wollen daher auch schon auf die kommenden Uebelstände hinweisen. Der Bruder unseres Stadtrats Münsterberg hat erst neulich im Abgeordnetenhause erklärt, der hohe Zinsfuß sei eine Folge der rückläufigen Konjunktur, die sich besonders tm Baugewerbe be- merkbar mache und zu der großen Arbeitslosigkeit führe. Anderer- seits wird es so dargestellt, als wen» wir Sozialdemokraten alles tun, um die Zahl der Arbeitslosen in Berlin künstlichzu ver- mehren, ein Scharsmacherblatt, die„Deutsche Arbeitgeberzeitung", behauptet sogar, die Sozialdemo- kratie zöge Arbeiter aus der Provinz zu diesem Zwecke heran. Ist dort die Zahl der Arbeitslosen etwa geringer geworden? In Frankfurt a. M. ist die Arbeitslosigkeit und die Notwendigkeit der Abhülfe amtlich zugestanden worden. In Magdeburg meint man, die Arbeitslosigkeit sei da, aber kein Notstand. Die„Arbeitgebcrzeitung" sucht also lediglich die Arbeiterschaft zu diskreditieren! Es wird sich zeigen, daß in- folge der Arbeitslosigkeit, besonders wenn die Krisis eine schleichende geworden ist, die Krankenziffern weiter steigen werden, die Kinder- sterblichkeit desgleichen. Die Höhe der Lebensmittelpreise wird die Folgen der Arbeitslosigkeit besonders kenntlich machen. Von den seelischen Leiden der Arbeitslosen will ich gar nicht reden. Daß wir hier in diesem Saale die Arbeitslosigkeit nicht beseitigen können, wissen wir; aber etwas könnte getan werden bei einer großzügigen Sozialpolitik, wie sie der Oberbürgermeister bei der Beratung der Wertzuwachssteucr angedeutet hat— ich wünsche nur, daß der Oberbürgermeister von damals dem Ober- bürgermeister von heute zur Seite steht.— An praktischen Vorschlägen zur teilweisen Abhülfe des Uebels nennen wir: Beschleunigung aller angefangenen Bauten und solcher, für die bereits Bauraten in den Etat eingestellt sind. Da ist die Insel- brücke, die Pullidbrücke, die Badeanstalt an der Schillingsbrllcke, da sind die Arbeiten an den städtischen Straßenbahnen. Sodann: ichleunige Ausführung derjenigen kleineren Umbauten und Re< paraturen, die sich durch sofort vorzunehmende Baubereisungen als ousführbar erweisen: sofortige Inangriffnahme der Arbeiten am Schiflerparl und in sonstigen Parkanlagen. Dem Magistrat wäre hier anheimzugeben, mit den Entlassungen von städtischen Arbeitern dann etwas vorsichtig zu sein, wenn eine Krise im Anzüge ist, wie ev der Fall war im Ausgang de» vorigen JahreS; da sind zwei- hundert Parkärbeiter entlassen worden. Die Kommune Berlin hat sich den Arbeitern gegenüber etwas anders zu stellen als der Privatunternehmer. Ein fernerer Vorschlag wäre Verkürzung der Arbeitszeit auf höchstens 8 Stunden bei Vermeidung jeder Ueberarbeit und Doppelschicht.(Rufe: vier Ttundca.'lj Auj diesen Einwand gehe ich nicht ein» er charakterisiert sich selbstl Die Forbeeung Be» AchtstunBenlagcS ist sozialpoMisch so gerecht, daß sie kein Liberaler heute mehr ablehnen sollte. Die kleinere Zahl der Liberalen, die sogenannten Ideologen, sind es allerdings bloß, die diesen Standpunkt teilen. Es sollen ja die städtischen Betriebe, wie die staatlichen, Musterbetriebe sein; hier sollte also Berlin vorangehen. In einzelnen Berufs- gruppen haben wir bereits eine türzere Arbeitszeit. Wir wolle» nichts Unausführbares. Ein weiterer Wunsch geht dahin: Auf- sorderung an die StaatSregierung, die für Berlin geplanten An- jagen schleunigst zu beginnen. Es kämen da allein für die Stadtbahn 855 000 M. in Betracht, wenn das auch noch nicht alles bewilligt ist; dann für den Ausbau des Ministeriums der öftentlichen Ar- beiten 300 000 M., für Neubauten auf der Museumsinsel 500 000 Mark. 2. Rate für das Polizeipräsidium 170 000 M. usw. Hier könnten beachtenswerte Erfolge erzielt werden. Daß die Lösung des Arbeitslosenproblems in der heutigen Gesellschaft durch eine Reichsarbeitslosenversicherung erreicht werden könnte, haben wir öfter ausgeführt. Dazu»st aber keine Aussicht. In Württemberg ist von unserer Seite beantragt, daß die Gemeinden einen be» sonderen Arbeitslosenfonds errichten sollen, der als besondere kom» mnnale Anstalt verwaltet werden soll. Eine Armenunter- stützung zum Zweck der Linderung der Arbeitslosigkeit lehnen wir ganz entschieden ab. Auch Sie sollten das begreifen; wer Armenunterstüyung erhält, geht seines politischen Rechtes vet- lustig, und das dürfen wir und dürfen Sie niemals vertreten. Gewisse Herren haben ja gemeint, cs dürfe auf diesem Wege nichts geschehen; ein Herr v. Burgsdorff machte einen Husarenritt in vas unbegrenzte Land der Dummheit und kam mit der Anschauung zurück, daß man doch immer rechnen müsse mit der angeborenen menschlichen Faulheit und daß man dann alle Arbeiter an der Staatskrippe haben würde. Das beleuchtet allerdings die Si- tuation, von diesen Herren ist im Landtage nichts zu erwarten; deshalb kommen wir an die Liommune Berlin. In dem Ausschuß, der beantragt ist, werden wir uns darüber ausführlich unterhalten können. Das Genter System empfehlen wir Ihnen, welches in der Zuwendung kommunaler Subventionen an diejenigen Organisationen besteht, welche die Last der Arbeits« losenunterstützung auf sich genommen haben. Die Opfer, die ge» bracht werden müssen, sind außerordentlich; die Buchdrucker» die Holzarbeiter haben ganz enorm höhere Summen zahlen müssen für unverschuldete Arbeitslosigkeit— wohlgemerkt, ganz ohne Rücksicht auf Streiks und Aussperrungen, die kommen bei allen diesen Zahlen, auch der Arbeitslosen nicht in Frage. Die Unterstützung betrug 2VH Millionen bei den freien Gewerkschaften; mit den anderen Gewerkschaften zusammen 3�h— 8% Millionen; eine hoch anerkennenswerte Leistung. Die Aussperrungen haben 5)4 Millionen Ausgaben verursacht. Der Bürgermeister von Char- lcttenburg hat bei Beratung des analogen Antrages diese Leistung ausdrücklich anerkannt, will aber nicht, daß dieser spontane Trieb der Selbsthülfe gestört werde(Zurufe). Wenn Sie sich auch auf diesen Perlegenheitsstandpunkt stellen, dann werden wir nichts erreichen. Es ist ja sehr bequem, Pflichten abzuwälzen, und wir meinen, die Gesellschaft hat hier Pflichten, für die Arbeitslosen einzutreten. Ferner muß dafür Sorge getragen werden, Wärme- hallen einzurichten. Die eine vorhandene kann unmöglich bei einer bielleicht jahrelang andauernden Krise ausreichend sein. Es müßten da auch Speisen zum Selbstkostenpreise abgegeben werden. Ferner: schleunige Inangriffnahme der Speisung von Schul- kindern. Der Magistrat will bekanntlich 20 000 M. geben, aber die Speisung nicht von Stadtwcgen stattfinden lassen. Da» ist keine Lösung dieser Frage; die 20 000 M. sind ein Tropfen auf einen heißen Stein. Ferner möglichste Nachsicht in der Beitreibung der städtischea Steuern, soweit dadurch das Wahlrecht nicht ge- fährdet wird. Wir haben diese Forderung, wie Sie sehen, äußerst vorsichtig gefaßt. Wir gehen nicht soweit, zu beantragen, eine weitere Steuerstufe unerhoben zu lassen. Endlich Fürsorge für eine fortlaufende Statistik deS ArbeitSmarkteS und der Arbeits- losigteit. Das Reich führt eine laufende Arbcitslosenstatistik mit Hülfe der Gewerkschaften und der Gewerkvereine; die Reichs- statistik wird durch diese Mitwirkung der Sozialdemokraten nicht geschädigt, also braucht auch Berlin das nicht zu fürchten. Was bisher verlautete, zeugt nicht von großem Entgegenkommen des Leiters des Berliner Statistischen Bureaus. Auch hier hat ein Interview stattgefunden, wobei der Herr meinte, man müßte auS- scheiden diejenigen, die nicht arbeiten wollen. EineS Statistikers ist es nicht würdig, sich in der Weise auszulassen, daß auch solche da sind, die nicht arbeiten wollen. Das möge er anderen über« lassen; er hat nur diejenigen zu zählen, die als arbeitslos ge- kennzeichnet sind. Ich hoffe, daß im Ausschuß über diese Frage eine Verständigung zu erlangen sein wird. Die neueste Nummer des„Reichsarbeitsblattes" gibt ein Bild auch von der Arbeitslosigkeit in Berlin; die Arbeitsgelegenheit blieb danach im Dezember um 20 Pro», gegen das Vorjahr zurück. Endlich er- neuern wir den Wunsch auf Einsetzung einer Kommission für soziale Angelegenheiten. Eine solche Kommission ist unbedingt notwendig, um diese große Frage der Lösung etwas näher zu bringen. Wir vertrauen, daß alle Fraktionen ernsthaft prüfen werden, was wir bringen, und das meiste akzeptieren. Ein solcher Wettbewerb könnte nach außen hin nur die beste Wirkung haben; diese Arbeit ist des Schweißes der Edlen wert. Nehmen Sie den Antrag an!(Beifall.) Stadtv. Goldfchmidt(N. L.): Die Art, wie die Gewerkschafts- kommission ArbeitSlosenversammlunaen veranstaltet hat, ließ doch eigentlich den rechten Ernst vermissen, denn es stellte sich sofort berauS, daß es sich um sozialdemokratische Agitation handelte. Diese Frage muß gänzlich von Parteistandpunkten losgelöst sein und objektiv gewürdigt werden, wenn sich auch nichtsozialdemo- kratische Arbeiterfreunde für sie einlegen sollen. Die vorgeführten Ziffern müssen irgendwie einen Haken haben. Für Berlin sind 55 000 Arbeitslose„herausgerechnet" worden; zuverlässig ist die Ziffer nicht, denn sie ruht nicht auf einwandfreier statistischer Grundlage. Die Deputation für Statistik hat heute morgen ein- gehend die Aufnahme einer solchen Statistik beraten und will damit in nächster Woche fortfahren. Eine statistische Zählung ist sehr wünschenswert, die Bearbeitung des Materials wird aber viele Wochen dauern und dann hat die Arbeitslosigkeit ihre Schärfe schon längst verloren. Der Vorschlag, die städtischen Bauten zu beschleunigen, wird auf allen Seiten gebilligt werden; die Bau- Verwaltung selbst wird nur zufrieden sein, wenn sie ein rascheres Tempo einschlagen kann. Auch die Staatsregierung könnte viel- leicht angegangen werden. Ob das Genter System von uns adop- tiert werden kann, darüber ließe sich reden; leider besitzt aber ein Teil der Berufsvereine nicht die nötige Unabhängigkeit nach jeder Richtung, um einer solchen Subvention von Stadt wegen teil- haftig zu werden. Daß mit der Verkürzung der Arbeitszeit eine Verschiebung des Angebots auf dem ArbeitSmarkt bewirkt wird, ist eine ganz falsche Annahme. Den Abg. Münsterberg hat Herr Dupont ebenfalls falsch verstanden. Bedeutsam wäre die Ge- winnung einer fortlaufenden Arbeitslosenstatistik. Prof. Silber- gleit hat uns heute früh erklärt, auf wie eigentümliche Weise oie Notiz in das„Berk. Tagebl." gekommen ist, auf Grund einer telephonischen Anfrage! Ihm so wenijj wie Dr. Freund gebührt die Verhöhnung, wie sie der„Vorwärts" den beiden Herren hat zuteil werden lassen. ES ist Pflicht der Wohlanständigkeit, auch das Urteil der Dr. Freund zr respektieren, da es nach bestem Wissen abgegben ist. AufS schärfste muß der Versuch ab- gewiesen werden, diese ernsten Fragen tendenziös zu behandeln. (Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Hier in der Versammlung in das nicht geschehen. Bei dem ernsten Versuch, solchen Fragen näher zu kommen, werden Sie bei uns immer Verständnis finden. Stadtrat Fischbeck: Der Vorwurf des Antragstellers gegen den Magistrat ist ganz unangebracht. 1901 haben wir die Statistik der Gewerkschaften erbeten, aber die Nachprüfung ergab die Un- Haltbarkeit einer ganzen Reihe von Angaben auS einzelnen.Betrieben.(Redner gibt eine Reihe von Zahlen.) Die damaligen Erfahrungen verlocken nicht dazu, auf diese privaten Zahlen großen Wert zu legen. In der Zwischenzeit. hat der Magistrat orgfältige Leobachtungev angestellt, die ihm allerdings eine ge» wisse Uebersichk e-.möglichen über die EntWickelung dcS Arbeits- Marktes. In den Krankenkassen waren im Januar 1908 immer noch 3000 Mann mehr versichert als im Januar 1907. eine besondere Not zeigt sich darin nicht. Aehnlich liegt die Sache bei den weiblichen Arbeitern. Im ganzen ergibt sich eine gewisse Verschlechterung des Arbeitsmarktes; aber die zu agitatorischen Zwecken veröffentlichten Zahlen schießen weit über das Ziel hinaus. Die Belegung des Arbeitshauses steht in auffallendem Kontrast zu der Belegung des Obdachs. Die Arbeitsnachweiszahlen können absolut nicht als Kriterium gelten, da der Arbeiter sich oft an mehreren Stellen zugleich bewirbt und überall gezählt wird. sGroße Unruhe. Zurufe. Vorsteher: Es ist„Blödsinn" gerufen worden; ich rufe den Rufer zur Orb- nun g.) Arbeitslose haben wir in jedem Winter; auch gewisse Gelegenheitsarbeiter, Rentenempfänger und Zuge- wanderte, denen nicht viel an der Arbeit liegt, müssen vorweg ab- gezogen werden, wenn man eine besondere Not nachweisen will. Die Arbeitslosen infolge von Streiks hat Herr Dupont außer Betracht gelassen; aber zahlreich sind die Fälle, wo die Arbeits- losigkcit herstammt aus früheren Streiks, wie dem Holzarbeiter- streik, dem Maurerstrrik.(Sürmischc Unterbrechung; Rufe: Aussperrung I) Streik ober Aussperrung ist mir ganz egal. fGelächter.) Eine Kommune, die nachher für die Arbeitslosen ein- tritt, die durch Streiks arbeitslos geworden sind, reizt geradezu zu Streiks an. Sie hat sich in diese Dinge nicht einzumischen. Für unverschuldete Not ist schließlich die Armenpflege da. Ehe die Kommune an solche Vorschläge herantritt, wie sie eben gemacht tvorden sind, muß sie alle anderen Wege der Abhülfe prüfen. Berlin hat nicht die Aufgabe» für die einzutreten, die sich durch die Hochkonjunktur nach Berlin verlocken liehen; sie mögen jeyt dahin gehen, wo Arbeit ist, auch in der Landwirtschaft(Große Unruhe). Ja, vom Lande sind sie doch meistens hergekommen! Dem wirk- l i ch e n Notstand wollen auch wir mit allem Eifer abhelfen- Für die Fortschaffung des Müllbcrges an der Stralauer Chaussee wollen wir 800 000 M. auswerfen; auch sonst wollen wir, wo es angeht, für Vermehrung der Arbeitsgelegenheit sorgen. Für falsch aber halten wir, uns einen Notstand einreden zu lassen, der nicht vorhanden ist; der Mut der Unternehmer würde noch mehr sinken, und den Schaden trügen am lebten Ende die Arbeiter. Ter Achtstundentag schafft doch keinem Arbeiter neue Arbeit, da die Arbeit um so intensiver wird; so hörte man es wenigstens bis- her. Die Beschleunigung der Bauten wird möglichst bewirkt werden. Die Arbeitslosenversicherung kau» eine Kommune nicht durchführen. Im Ausschutz werden wir uns ja näher unterhalten können. Der Magistrat wird objektiv prüfen und seine Beschlüsse fassen.(Lebhafter Beifall und lautes, andauerndes Zischen. Der Vorsteher bittet, diese störenden Manifestationen doch möglichst einzuschränken.) Stadtv. Bruuslow(A. L.): Herr Dupont stellt es so hin, als ob eS sich um einen schrecklichen wirtschaftlichen Niedergang handelt. Im vorigen Jahre haben die Holzarbeiter 5 Monate, die Bauarbeiter 3Vj Monate gestreikt, Streiks, die die Genossen des Herrn Dr. ArouS hätten vermeiden können. Wenn also während 9 Monaten 10—15 000 Arbeiter feierten, so sollen die Arbeitgeber daran schuld sein! Für die Holzfyxanche z. B. stimmt das nicht, wir Arbeitgeber wollten Zugeständnisse machen, aber Kollege Glocke, der an der Spitze der Arbeiter stand, hat eine Einigung nicht er- reicht.— Als Redner ausführen will, daß die Führer der Arbeiter schwarz genug gesehen hätten und den Rat zur Verständigung gaben, bricht er plötzlich ab, da er sich anscheinend durch die laute Unterhaltung im Saale gestört fühlt. Stadtv. Mommse»(Fr, F.) erkennt die Bedeutung der Frage als so wichtig an, daß Ausschußberatung geboten sei, schon um das gegebene Zahlenmaterial prüfen zu können. Eine Krisis liege nicht vor, nur eine rückläufige Konjunktur, die sich ohne Krisis wieder wenden werde. Die Art, solchen Debatten hier Arbcitslosenver- sammlungen vorangehen zu lassen, um im letzten Grunde Propa- ganda zu treiben, werde die Interessen der Arbeiter nicht fördern. Die Hauptursache der Arbeitslosigkeit hätte in dem Bauarbeiter- streik des Sommers gelegen, durch den die Jnnenarbciten des Winters verhindert seien. Die Frage der Arbeitslosenversicherung müsse von Reichs wegen geregelt werden. Besser wäre es, das« 10 000 Arbeiter bei 0 Stunde» geringeren Lohn hätten, als 8000 vollen Lohn und 2000 ohne Arbeit. Dahin sollten die Arbeiter- organisationen ihre Mitglieder erziehen. Stadtv. Dr. Nathan(soz.-forischr.): Wir müssen doch endlich einer Frage von solcher Bedeutung auch statistisch so nahe auf den Leib rücken, daß sich das beschämende Schauspiel nicht wiederholt. daß um die Zahlen hier ein unfruchtbarer Kampf geführt wird. llcberall, nicht blofi in Berlin, wird augenblicklich diese Frage der Arbeitslosigkeit diskutiert; es handelt sich gar nicht um eine sozial- demokratische Agitation. Ich verweise nur auf die„Soziale Praxis" des Prof. Franke. Erfreulicherweise hat niemand im Saale die Frage leicht genommen. Der Vorschlag des Stadtrats Fischbeck, daß qualifizierte Arbeiter aufs Land gehen und Landarbeit machen sollen, ist undurchführbar und gegen das Interesse der Arbeiter selbst. Dem augenblicklichen Notstand soll man auch durch Schaffung von Arbeitsgelegenheit abhelfen, und Herr Fischbeck hat ja auch einige Andeutungen in der Richtung gemacht. Wenigstens eine Milderung der Arbeitslosigkeit wäre damit zu erreichen. Die acht- stü-idige Arbeitszeit würde zurzeit unbedingt die Einstellung einer größeren Arbeiterzahl herbeiführen. Auch an die Staqtsregicrung könnte herangetreten werden. Aber alle diese kleinen Hülfsmittelchen helfen nicht gründlich, helfen kann nur die Arbeitslosenversicherung, die in Dänemark schon rechtens ist. Daneben ist das Genter System auch schon in der deutschen Stadt Straßburg eingeführt. Wenn Herr F i s ch b e ck die Maßregel der Versicherung für ganz undurchführbar erklärt, so übersieht er, daß sie zum Programm der deutschen Volkspartei gehört und im Reichstage schon wiederholt er- örtert worden ist. Entscheidend für die Versammlung sollte nicht die politische Gegensätzlichkeit der Parteien sein; hier heißt es, wenigstens eine Strecke Wegs genieinsam zu gehen! Stadtv. Glocke(SozZ: Was Herr Mommsen hier ausführte, hat ja Herr Nathan bereits genügend widerlegt, wir wissen doch nachgerade, daß die von Amerika ausgegangene Krisis Teutschland und die ganze Welt in Mitleidenschaft gezogen hat. Stadtrat Fischbeck hat die statistischen Angaben der Gewerkschaften für nicht maßgebend erklärt, weil sie 1901 verschiedene Irrtümer enthalten hätten Sofort nach der damaligen Rede des Herrn Fischbeck hat die Gewerkschastskommission sich die außerordentliche Mühe gc- macht, eine Arbeitslosenstatistik vorzunehmen; das Anfang März veröffentlichte Ergebnis war, daß 59 038 männliche Arbeitslose, insgesamt Arbeitslose und deren Kinder 117 000 festgestellt wurden. Trotzdem hat Herr Fischbeck den Mut. zu erklären, die Gewcrk- schaften machten unzuverlässige Statistik. Wir haben in Berlin 250 000 gewerkschaftlich organisierte Arbeiter, diese bringen für ihre Organisation ungeheuere Opfer; Herr Fischbeck aber erklärt. die Tätigkeit dieser 250 000 sei für ihn ganz nebensächlich und er lege kein Gewicht darauf. An den Aussperrungen sind doch die Arbeitgeber schuld. Auch was Herr Fischbeck vorgebracht hat, ist doch kxine Entschuldigung für die Aussperrungen. Die Arbeitgeber wollten keinen Bertrag, sie wollten Verschlechterungen des Vertrages, sie wollten unter den alten Bedingungen fortarbeiten lassen, aber ohne Vertrag, und weil die Arbeiter dies nicht wollten, wurden sie ausgesperrt, und zwar 10 000 Personen. Und die Folgen einer solchen Aussperrung halst Herr Fischbeck den Arbeitern auf! Aehnlich liegt es mit der Maureraussperrung, die auch durch die Arbeitgeber verfügt wurde. Die Arbeitgeber wollten keine Ver- kürzung der Arbeitszeit und mit einer solchen auch keinen Vertrag. Was Stadtrat Fischbeck über die achtstündige Arbeitszeit gesagt hat, trifft ebenfalls daneben. Seine nationalökonomischen Kenntnisse Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil veranttv.: scheinen mit seinen anderen Ansichten allerdings gleiche» Schritt zu hallen.(Beifall und große Unruhe.) Zuletzt verwies Herr Fischbeck auf die Armenunterstützung. Sie kennen unseren Standpunkt, der die Armenunterstützung unter allen Umständen möglichst vermeiden will Das heißt doch Steine statt Brot geben. Sollen wir Herrn Fischbeck erst die Masse der Arbeitslosen vor- führen, die da sind und unterstützt werden müssen? Es muß doch die Hunderttausende von Arbeitern ganz eigentümlich berühren, daß ein Stadtrat von Berlin solche Erklärungen vielleicht im Auf- trage des Magistrats hier abgibt. Die Kommunen um Berlin sind am Werke: Schöneberg gibt 20 000 M., Charlottenburg hat ebenfalls Maßregeln getroffen, um der Arbeitslosigkeit entgegenzu- treten.(Ruf: Wir ja auch!) Sie befolgen jetzt mehr die Taktik, solche Anregungen in Ausschüssen zu begraben. Allzuviel Hoffnung auf die Ausschußberatung werden wir nicht haben dürfen; das zeigt schon der merkwürdig große Beifall, den Herr Fischbeck erntete. Armenunterstützung wollen wir nicht; wir wollen weiterbauen auf dem Boden, auf dem die GeWerk- schaften vorgearbeitet haben. Auch Frankreich hat schon eine öffent- llche Unterstützung der Arbeitslosenkassen der Gewerkschaften in die Wege geleitet. Sic sollen also hier gar keinen Sprung ins Dunkle machen. Haben Sie den guten Willen, dann müssen Sie auch zur Ucberzeugung kommen, daß solche Einrichtungen auch bei uns angebracht wären. Herr Fischbeck sagte, die Leute seien ja vom Lande hierher gekommen. Ich weiß nicht, ob Herr Fischbeck vom Lande hierher gekommen ist(Große Heiterkeit); vielleicht wendet er das Rezept auf sich selbst an. Es handelt sich doch um gelernte Arbeiter; allein unter den Metallarbeitern sind 7000, unter den Holzarbeitern 4320 Arbeitslose, und das sind nicht ein- mal alle, weil sich eine Anzahl nicht meldet. Herr Fischbeck braucht seinen agrarischen Freunden gar nicht auch noch diese Unterstützung angedeihen zu lassen und Hülfsträfte auf diese Weise aufs Land zu dirigieren. In der Provinz hat im Januar dieselbe Arbeitslosig- keit eingesetzt wie in Berlin schon im Dezember. Es wäre wirtlich angebracht, daß Berlin in die Fußstapfen derjenigen Städte träte, die bereit sind, eine Arbeitslosenstatistik aufzunehmen und Arbeits- ämter einzurichten. Wenn die Vorschläge Duponts berücksichtigt werden, kann die Zahl der Berliner Arbeitslosen recht erheblich vermindert werden. Stadtrat Fischbeck: Die schweren Vorwürfe, die der Vor- redner gegen mich gerichtet hat, habe ich nicht alle verstanden. (Borg-mann:„Aber verdient!") Was ich verstanden habe, zeigt, daß er Unrichtiges sagte. Schöneberg hat 20 000 M. be- willigt, wir wollen Ihnen ja eine Vorlage von 7— 800 000 M. machen. Herr Dr. Nathan hat hier hohe Politik getrieben; ich habe die Sache kommunillpolitisch behandelt. Die Arbeitslosen- Versicherung habe ich nur in der Kommune für unmöglich erklärt. Ich habe auch nicht verlangt, daß qualifizierte Arbeiter Land- arbeit verrichten. Ich habe hingewiesen auf die Leute... die in den letzten Jahren vom Lande hereingcwandert sind, solche, die nichts weiter mitbringen als ihrer Hände Arbeitskraft und die später sehr wohl wieder draußen arbeiten könnten. Worin bestehen denn die Notstandsarbeiten? Das sind doch auch keine qualifizierten Arbeiten, sondern fungible Arbeiten, Erdarbeiten usw. Wenn Sie das von uns verlangen, dann sehe ich nicht ein, was Sie gegen Landarbeit haben können.(Rufe:„Winter!") Früher war auch Herr Dr. Freund für Sie ein guter Mann und objektiver Sozial- Politiker; aber wenn er einmal genaue statistische Zahlen gibt und mit unbequemen Ansichten kommt, da ist� er ein ganz gc- wöhnlicher. kenntnisloscr Mann, der sozialpolitisch gar nicht mehr mitzählt. Auf diese Tonart, die auch mir gegenüber beliebt wurde, habe ich geantwortet. Ich stehe hier nicht bloß, um mich an- greifen zu lassen) Wir müssen im Magistrat die Dinge betrachten, wie sie außerhalb sind. Ein Magistrat, der sich nicht dagegen wehrt, der könnte sich begraben lassen.(Beifall und Lachen.) Stadtv. Goldschmidt: Aus den Streit will ich nicht eingehen, ob es sich im Sommer um einen Streik oder um eine Aussperrung handelte, aber ich will noch einmal hervorheben, daß die Führer der Gewerkschaften einen neuen Tarifvertrag eingehen wollten, aber in den Persammlungen der Ruf ertönte: Ihr habt Euch kaufen lassen! Wenn die Arbeiter auf ihre Organisationssührer nicht hören, so ist schuld daran die parteipolitische Verhetzung durch die sozialdemokratische Presse(Oho! und Widerspruch) Herr Dr. Nathan sagte, wir sollten nicht bei jeder Gelegenheit die tiefe 5lluft zwischen Sozialdemokratie und uns aufreißen, wir sollten ein Stück Weges zusammengehen. Ja, wir haben das befolgt, aber immer nur blutigen Hohn von der Sozialdemokratie empfangen. Uns trennt eben eine Weltanschauung, da halte ich eine Annäherung praktisch für ausgeschlossen. Wenn die Sozialdemokraten einen guten Teil des Weges mit uns gehen wollen, so dürfen sie die Sache nicht so darstellen, als gäbe es keine schlimmeren Feinde des Volkes als die Freisinnigen.(Lebhafter lärmender Beifall bei der Mehrheit.) Daraus wird ein Schlußantrag angenommen. Das Schlußwort erhält Stadtv. Singer(isoz.): Herr Dupont scheint Herrn Gold- schmidt nicht die gewünschte Gelegenheit gegeben zu haben, seine so- eben gehörte gut vorbereitete zweite Rede an Stelle der ersten zu halten! Ich bin darin mit Herrn Goldschmidt einverstanden: Der Liberatisinus kann mit der Sozialdemokratie nicht zusammengehen, nachdem sich diese davon hat überzeugen müssen. daß der Liberalismus unverbesserlich ist, daß er seine eigenen liberalen Grundsätze nicht durchführen will. Ein solcher Marschgenosse ist unbequem, verderblich und nutzlos. Wenn aber Herr Goldschmidt behauptet, die Schuld am Maurer- streik trage die sozialdemokratische Presse, insbesondere der„Bor- wärts", so erwidere ich, daß das Gegenteil der Fall ist; gerade der „Vorwärts" hat Zurückhaltung geübt, gerade er hat den Arbeitern Ratschläge zur Bermittelung gegeben. Ich will Ihnen noch mehr verraten, trotzdem es ja öffentliches Geheimnis ist: Mein Freund Bebel und i ch haben auf einer Versammlung den Bauarbeitern klar zu niachen gesucht, daß eS in ihrem Interesse läge, den Kampf zu der Zeit nicht zu führen. Diese Tatsache beleuchtet ja auch die Widersinnigkeit des Urteils, daß die Arbeiter unter dem Terro- rismus ihrer Führer ständen. Was Herr Goldschmidt sagte, war also falsch.(Zuruf: Nein! Gelächter.)— Wenn iveiter behauptet wurde, daß die Arbeitslosenversammlungen und die An- träge hier im Zusammenhang ständen, so ist ja das auch ganz selbst- verständlich. Durch diese Versammlungen wurde bewiesen, daß eine große Arbeitslosigkeit zurzeit in Berlin besteht. Gerade weil wir wünschen, die Bewegung auf dem Arbeitsmarkt dauernd zu ver- folgen, beantragen wir die Erweiterung der Tätigkeit des sta- tistischen Bureaus der Stadt Berlin. Wenn behauptet wird, die Mitarbeit der Organisationen sei nicht zuverlässig, so verschmäht doch Herr Silbergleit diese Mitarbeit sonst nicht. Herr Fischbeck hat in etwas verdächtiger Art mit einer Statistik in seinen Akten jongliert. Er mutzte wissen, daß selbst in den Kreisen, die er am schärfsten wegen jener Unzuverlässigkeit kritisierte, die Erkenntnis, daß diese nicht ausreichend war, wachgerufen worden ist, und daß im Februar 1901 zwei Millionen Zählkarten ausgegeben wurden, in den Familien Nachforschungen angestellt wurden, und so eine trotz alledem maßgebende Statistik zustande gekommen ist.— Herr Jischbcck hat nun ganz unberechtigte Borwürfe politischer Natur gegen uns gemacht. Die Mahnung des Herrn Dr. Nathan wird wohl weder frei ihm noch in der Versammlung eine Stätte finden. Herr Fischbeck meinte, er könne der Mahnung nicht folgen; ein Magistrat, der nicht imstande wäre, wie er die Dinge richtig anzusehen, könne sich begraben lassen. Ich bin nicht so grausam, dem Magistrat ein Massengrab zu wünschen, aber er sollte sich einen tüchtigen Kollegen zulegen, der Verständnis und Empfin- dung für eine Sozialpolitik hat, wie sie nicht nur der ersten Stadt des Reiches gebührt, sondern wie sie der seit Jahrzehnten von der Gesetzgebung in Reich, Staat und Gemeinde getriebenen Politik entspricht. Wenn man seine Ausführungen gehört'hat(Stadtv. Tj.vlöckc, Bkrlin. Druck u. Verlag: Vorwärts VuOr. u. BerlagSanjtält Sachs: Tic waren sehr gut!)— Dieser Zuruf deS Herrn Kollegen Sachs war ein schärferes Urteil über diese Ausführungen. als wie ich es geben könnte.(Beifall.) Herr Fischbeck wird kein Marschgcnosse für die Sozialdemokraten sein, er� marschiert jetzt Arm in Arm mit Herrn v. Kröcher und Genossen(Stadtv. Körte: Sie mit dem Zentrum!) Was er sagte über die Gewerkschaften, das tonnte kein noch so großer Scharfmacher aus der Junkergcsell- schaft stärker sagen als erl(Beifall und Lärm.) Vergegenwärtigen Sic sich nur, wie er von seinem hervorragenden Platz aus gesagt hat— ich möchte immer noch nicht glauben, daß es namens des Magistrats war—(Zwischenruf: Freitag gibts einen Rüffell Große Heiterkeit.), wie seine ultimo ratio die Armenunterstütznng war. Ist das die Auffassung des Magistrats, so bedeutet das der ganzen 25jährigen sozialen Gesetzgebung gegenüber einen Faustschlag ins Gesicht. Das Prinzip des sozialen Eintretens für die Gesamtheit gipfelt doch darin, daß sie sich loslöst von der Armenvcrwaltunz und verweist auf die werktätige Hülfe, welche die Gesellschaft sich untereinander schuldig ist. Dieser Hinweis auf die Armenver- waltung spricht Bände, und der Liberalismus hat keinen Grund, sich z» freue», daß einer seiner Bcrtreter sich zum Mundstück solcher Aufassung gemacht hat.(Stürmische Zustimmung b. d. Soz.) Er hat damit seinen Freunden keinen guten Dienst geleistet, denn diese Anschauung ist mit moderne» Anschauungen absolut unvereinbar. Hat die Aera der Blockpolitik schon so sehr auf ihn abgefärbt?' Er meint, er sei provoziert worden. Konnte die Rede Duponts, die geradezu musterhaft sachlich war, zu solcher Bemerkung Veranlassung geben? Die Zurufe, auf die sich Herr Fischbeck jetzt berufen wird, waren erst das Echo seiner Aus- sührungen. Wenn von Provokation gesprochen werden kann, dann hat also Herr Fisch beck die Ehre, sie hervorgerufen zu haben. Dr. Freund hat in seiner Publikation gesagt, die einzige Möglich- keit, Hülfe zu bringen, sei, daß die Leute in die Provnz gehen und dort Arbeit und um jeden Preis auch ungelernte Arbeit annehmen. Er bedauert, daß bei dem Kanalbautennachweis es an Arbeitern fehlt, die Leute gingen dort nicht hin; zum Schluß heißt es, es müsse den Arbeitern einmal ernstlich gesagt werden, daß dieses Standesbewußtsein lächerlich sei und ihnen zu Gcmüte geführt werden, daß sie sich ein Beispiel nehmen sollen an den höheren Ständen, wie zum Beispiel der Studenten, der Offiziere, der höheren Töchter, die alle event. von ihrem Be- schäftigungsniveau heruntersteigen müssen, um ohne Staatshülfe leben zu können.— Das ist das Elaborat eines in sicherer Stellung gedeckten Mannes, der dem Unglück der Arbeitslosigleit den Hohn der Satten hinzufügt!(Große Unruhe.) Es ist bereits nach- gewiesen worden, daß die Beschäftigung gelernter Arbeiter mit besonderen manuellen Fertigkeiten nicht mit Erdarbeiten, Müll- abtragen usw. parallel gestellt werden kann. Welches Zeter- mordio würde seitens der Junter und Agrarier erfolgen, wenn jetzt eine Invasion Berliner Arbeitslosen die Provinz über- schwemmte! Dieses Urteil des Dr. Freund zeugt von solcher Unreife(Große Unruhe) in der Beurteilung der tatsächlichen Ver- Hältnisse, daß ich es nur als eine Verlegenheitsausrede bezeichnen kann, die um so unangenehmer wirkt, weil es von einem Manne kommt, dessen Gehalt auch von den Beiträgen der Arbeiter zur Jnvaliditätsversicherung mit bezahlt wird.(Andauernde große Unruhe.) Verlangen Sie vielleicht, daß wir so auf uns herum- hauen lassen?(Lärm und Gelächter.) Der Ausschuß, den Sie ein- setzen werden, wird hoffentlich durch die Gewalt der Tatsachen gezwungen werden, den Dingen ernstere Aufmerksamkeit zuzu- wenden. Ich nehme nicht an, daß die Verweisung des Antrages an den Ausschuß bloß die Bedeutung eines Begräbnisses hat. Der Ausschuß wird, wenn er objektiv die Richtigkeit der Dupontschen Behauptungen festgestellt hat. hoffentlich die Konsequenzen ziehen (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtrat Fischbeck: Der Vorredner hat das Vorrecht des Schlußwortes zu Angriffen benutzt, die ich nicht ohne Erwiderung lassen kann. Ich protestiere namens des Magistrats gegen die Angriffe auf den Direktor Dr. Freund. Solche Angriffe sind Gott sei dank in diesem Saale in dieser Art selten vorgekommen. Und wenn Sie von Arbeiterbeiträgen sprechen so meine ich, Herr Singer, so mögen Sie die„BorwärtS"-Rcdakteure behandeln! (Stürmische Unterbrechung bei den Sozialdemokraten.) Aus meinen Worten hat sich Herr Singer einen Popanz zurecht gemacht und gegen den polemisiert, unter Ausnutzung des Schlußwortes mich mit Blockpolitik, Kröcher usw. angezapft. Meine Ausführung über die Armcnuntcrstützung ist völlig entstellt worden. Unsere Auf- fassung steht turmhoch über der auch einmal im Reichstag ver- tretenen, die in dem Worte gipfelte:„Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!" Durch die Rede des Stadtrats ist die Debatte wieder eröffnet, sie wird aber sofort wieder von neuem geschlossen. Persönlich bleibt Stadtv. Goldschmidt bei seiner Behauptung stehen, daß der„Vorwärts" den Bauarbeitern die Kampfesstimmung suggeriert habe.(Ruf: Unwahrheit! Der Vorsteher erteilt dem Rufer einen Ordnungsruf.) Der Antrag geht daraus an einen Ausschuß von 15 Mitgliedern. Der Rest der Tagesordnung bleibt unerledigt. Schluß ?L10 Uhr._ Letzte JVaebriebten und vepelcden. In die Nesseln gesetzt! Frankfurt a. M., 30. Januar.(B. H.) Eine harmlose Kaiser- Geburtstagsfeier im Hotel Burghos in Wiesbaden hat nach der „Frankfurter Zeitung" Anlaß zu einem neuen polizeilichen Miß. griff gegeben. Zwölf Stammgäste des Hotels, Herren der beste» bürgerlichen Kreise» feierten Kaisers Geburtstag durch ein kleines Festessen, von dem aus auch eine Gratulationsdepesche nach Berlin gesandt wurde. Bei der Feier wurden einige Lieder mit Klavier- bcgleitung gesungen. Im Hotel erschienen bald zwei und später 4 Schutzleute, die in barscher Art der Gesellschaft den Gesang ver- boten. Da man trotzdem meinte, in angemessener Weise weiter singen zu dürfen, tauchte plötzlich ein Schutzmannsaufgebot von 8 Mann unter Führung eines Wachtmeisters auf, um die Herren zu notieren. Den mit„Kerl" titulierten Wirt hätte man am liebsten gleich mitgenommen. Dabei entstand ein solcher Lärm. daß vor dem Hause, das übrigens noch durch ein Ausgebot von sechs weiteren Schutzleuten umzingelt wurde, eine riesige Menschen- menge sich ansammelte, die ein schweres Verbrechen vermutete. Nachdem die Polizei ihre Pflicht getan hatte, zog sie unter der Heiterkeit der Menge wieder ab.— Die Affäre wird noch ein gerichtliches Nachspiel haben. Allem Anschein nach ist der polizeiliche Eingriff auf ein schlechtes musikalisches Gehör der Beamten zurückzuführen, wodurch sie„Heil dir im Siegerkränz" nicht von„aufrührerischen Liedern" unterscheiden konnten. . Eure Rede aber sei... Göttingen, 30. Januar.(B. H.) Pfarrer Lang-Heckcnbeck ist unter dem Verdacht der Verleitung zum Meineide in einer Unter- suchung gegen den Absender anonymer Briefe verhaftet worden. Ueberzeugungstreu. London, 30. Januar. Vier Anhängerinnen des Frauenstimm- rechts, die heute morgen verhaftet worden waren, wurden vom Polizeigericht zu Sicherheitsleistung für gutes Betragen oder zw K Wochen Gefängnis verurteilt. Drei davon entschieden sich für Gefängnis._ ßgulSinger�Co., Berlin s W, Hierzu 3 Beilagen u. llaterhaltungsblatt Nr. 26. 25. Jahrgang. Reichstag. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Eritag, 31. Januar 1908. 90. Sigung vom Donnerstag, den 30. Januar 1908, nachmittags 1 hr. Am Bundesratstische: v. Tirpis, Dr. Nieberding. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Etats für die Verwaltung der kaiserlichen Marine. " ,, nicht mit Beschlag belegt" werden. Staatssekretär entlassen, wohl aber wird der Arbeitgeber unbequeme Arbeiter wird zugeben, daß ein Gerichtsschreiber fich nicht ohne entlassen."( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Genau so weiteres wird mit Beschlag belegen" laffen. Das Gebol, daß die liegt es mit dem Arbeiterausschuß; große Bedeutung wird ihm auf Gerichtsdiener mit den Reportern nichtsprechen dürfen, hat der den Werften in Kiel nicht beigelegt. Der Oberwerftdirektor, der an allen Herr Staatssekretär überhaupt nicht erwähnt. Die ganze Ein- Sizungen des Arbeiterausschusses teilnehmen soll, erscheint sehr selten richtung ist eben darauf zugeschnitten, die gesetzlichen Bestimmungen einmal, und wenn er erscheint, so tommt er nur, um den Arbeiter bezüglich des Ausschlusses der Deffentlichkeit zu umgehen,( Lebhaftes vertretern Vorhaltungen zu machen und verschwindet dann sofort, Sehr richtig! links) und diesen Zustand sollte der Staatssekretär ohne cine Antwort abzuwarten! Der Ausschuß muß seine Tagess gerade im Interesse des Ansehens der Kriegsgerichte selber be ordnung dem Oberwerftdirektor einige Tage vor der Sigung schrifte ſeitigen. Die Aeußerungen, die man in beteiligten Kreisen lich einreichen, und dieser hat das Recht, ohne Angabe von Gründen darüber hört, sind nicht parlamentarisch, und ich kann sie Streichungen daran vorzunehmen!( Hört, hört! bei den Sozialhier nicht wiedergeben. Die Herren von der Freifinnigen Partei demokraten.) Beschwerden werden meist erst nach Monaten erledigt. verden wie gesagt feineswegs mit dieser Antwort des Staats- Die meisten Beschwerden richten sich gegen Uebelstände bei der fetretärs zufrieden sein.( Buruf bei den Freisinnigen: Sind wir Affordarbeit. Die Praxis ist dann die, daß die Beschwerde an die auch nicht!) Sie sehen, daß der Plaz an der Sonne, den Sie jetzt betreffende Abteilung abgegeben und dort erledigt wird; die Be einnehmen( Seiterleit bei den Sozialdemokraten), und daß auch die schwerde wird also an diejenigen Personen zur Erledigung gegeben, Auszeichnungen, die einzelnen von Ihnen zu teil geworden sind über welche Beschwerde geführt wird! Der Gewerbeassessor vers ( Do1 bei den Freisinnigen), daß Ihnen das alles nichts nügt. Es langte vom Arbeiterausschuß, daß die Namen der Personen, die sich bleibt eben nach der Erklärung des Staatssekretärs alles beim alten, beschweren, angegeben werden sollten. Das lehnte der Ausschuß mit obgleich Sie sich jezt an der Regierungssonne wärmen. Recht ab, weil die Arbeiter dann erst recht Dransalierungen ausDen Ausführungen, welche Herr Kollege Struve über gesezt sind.( Bustimmung bei den Sozialdemokraten.) Hierzu beantragen die Abgg. Albrecht und Genossen( Soz.), in der letzten Zeile hinter„ Arbeiterausschüsse" einzuschalten und gemacht hat, kann ich mich anschließen; ich will nur hinzufügen, daß will ich an zwei Beispielen zeigen. Im Februar 1907 wurde einem die Lohn- und Maschinenfchreiber Welche Bedeutung man den Beschwerden des Arbeiterausschusses beilegt, Arbeiterorganisationen". Die Beratung beginnt bei:„ Fortdauernde Ausgaben", Gehalt es dieser Kategorie( ob sie nun Beamte oder Arbeiter genannt Arbeiter an der Streissäge der Arm zerfchnitten, weil eine werden, es kommt ihnen auf angemessene Löhne, auf die Möglichkeit Schuh vorrichtung fehlte! Der Mann konnte die Maschine Abg. Dr. Leonhart( frf. Bp.): Die Agitation des Flotten- einer angemessenen Eriſtenz an)[ Sehr richtig! bei den Sozialdemo- nicht einmal stillstellen, weil der Ausrücker sechs Meter davon Sozialdemo- huborrichtung vereins richtet sich gegen England; wir betonen, daß die Ber- traten], ich will also hinzufügen, daß die Leute vielfach zu leber entfernt angebracht war! In der nächsten Sigung des Arbeiterstunden auf den Werften Anspruch genommen werden, ohne dafür Die Budgetkommission beantragt hierzu die folgende Resolution: Den Reichskanzler zu erfuchen, Arbeiten für die Marine verwaltung nur an folche Firmen zu vergeben, welche in Beziehung auf die Arbeitsbedingungen die gesetzlichen Vorschriften einhalten und, falls Tarifverträge für die betreffende Art der Arbeit am Drte des Betriebes gelten, nicht hinter den Bestimmungen diefer Tarifverträge zurückbleiben, sowie die Marineverwaltung anzuweisen, die Festlegung oder Neuordnung von Arbeitsbedingungen in den Reichsmarinebetrieben unter Mitwirkung der Arbeiter ausschüsse vorzunehmen." des Staatssekretärs 44 000 m. überhaupt keine Angriffsflotte haben. Aber andererseits eine besondere Entlohnung zu bekommen! Wenn der Staatssekretär Wandel schaffen wollte, würde ich ihm dankbar sein. Der In der darauf folgenden Sigung erscheint der Oberwerftdirektor und In meinen weiteren Ausführungen will ich mich auf spricht dem Ausschuß seine Mißbilligung aus!( hört! hört! fann feine Rücksicht auf das Ausland uns hindern, den notwendigen bei den Sozialdemokraten.) Später wurde dann eine Schutzvorrich die Verhältnisse der Arbeiter auf den Werften, Ausbau unserer Flotte vorzunehmen. Der Flottenverein tadelte die tung angebracht, aber als eine neue Maschine aufgestellt wurde, Tange Bauzeit unserer Schiffe, und in der Tat ist sie zu lang. hauptsächlich auf der Werft in Kiel, beschränken. Ich habe wiederholt wurde der Ausrücker auch hier wieder 6 Meter davon, an einer ganz Der Redner bringt eine Reihe von Klagen einzelner Beamten auch von dieser Stelle aus erklärt, die Arbeiter sollten selbst dafür verkehrten Stelle angebracht! Man sollte also den Nat der Arbeiter fategorien vor und tadelt speziell die sogenannten„ Tafelgelder" forgen, daß Mißstände im Betriebe gebessert werden, indem fie an bei Anbringung solcher Schutzvorrichtungen hören.( Sehr richtig! für Offiziere, die nicht der altpreußischen Sparsamfeit entsprechen. der zuständigen Stelle vorstellig werden und auf Abstellung der bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Struve( frs. Vg.): Ich möchte die Aufmerksamkeit des Mißstände bringen. Das ist mein Standpunkt bon jeher In einem anderen Falle verlangte der Arbeiterausschuß am Staatssekretärs auf den Ausschluß der Deffentlichkeit bei den Kriegs- gewesen. Aber bei den Arbeitern der Reichswerft in Stiel liegt 3. Oftober 1907 durch schriftliche Eingabe beim Gewerbeafter cine gerichten lenken. Die Deffentlichkeit hat sich vollständig bewährt; es anders, hier gibt man ihnen nicht die Möglichkeit, einen neue Schußbrille an Stelle einer zerbrochenen. Am 13. Januar 1908 aber die Geschichte der Marinegerichtsbarkeit ist nicht frei von Aus- genügenden Einfluß auf die Lohn- und Arbeitsbedingungen aus- war diese Schußbrille noch nicht vorhanden! Wenn infolgedessen fchluß der Deffentlichkeit bei Verfahren gegen Offiziere. Auch verletge üben zu können. Dem Arbeiterausschuß wird nicht Gehör ge- ein Unfall passiert, so gibt man den Arbeitern schuld! man die Verhandlung öfter an Bord der Kriegsschiffe, fchenkt. Die Mitglieder werden, wenn sie das Intereffe der Staatssekretär wird sagen: wenn es den Arbeitern nicht paßt, wo die Depentlichkeit nicht ausgeschloffen war, aber eben nicht er- Arbeiter vertreten, entlassen. So ist zum Beispiel den Mitgliedern tönnen sie ja gehen. Dieser Grundfaz fann aber bei einem fcheinen fonnte( hört! hört! lints) zum Teil, weil die Erlaubnis des Arbeiterausschusses in Kiel von dem Oberwerftdirektor gesagt Betriebe, der angeblich ein Musterbetrieb sein soll, zum Betreten des Kriegsschiffes nicht gegeben wurde- aus Mangel worden, wenn sie die Eingabe, die im März b. J. an den Reichstag nicht maßgebend sein. Man soll doch auf die Wünsche au Raum!( Hört! hört! links.) Neuerdings haben verschiedene übermittelt ist, unterschreiben, so würden sie entlassen!!.( Sört des Arbeiterausschusses größeres Gewicht legen und lieber Herren erklärt, fie betrachten die Presse als ein nicht immer ganz hört! bei den Soz.)( In dieser Eingabe handelte es sich hauptsächlich davon absehen, seine Mitglieder für andere Dinge in Anspruch zu vermeidendes Uebel". Den Kriegsgerichtsräten bei der ersten darum, die Kompetenzen des Arbeiterausschusses zu erweitern, zu nehmen. So besteht das eigentümliche Verfahren bei der Werft Marineinspektion wurde die Auskunfterteilung an die Presse verboten, ihm einen Einfluß auf die Arbeiterverhältnisse zu geben.) Die in Kiel, daß die Ausschußmitglieder angehalten werden, bei den Gerichtsdienern wurde unter Androhung von Strafe ber- Erklärung des Oberwerftdirektors ist keineswegs eine leere Drohung. der Kaifergeburtstagsfeier Nieden zu halten!( Hört hört! bei den boten, mit den Berichterstattern überhaupt zu sprechen.( Hört! Wir haben vielmehr gesehen, daß Arbeiter, welche irgendwie von Sozialdemokraten.) Man braucht nun tein Sozialdemokrat zu sein, hört! links.) Das Vertrauen zur Rechtsprechung der Marinefriegs- dem Recht, das sie zu haben glaubten, für die Arbeiter einzutreten, um eine solche Feier, bei der die Arbeiter natürlich die Kosten gerichte muß unter folchen Zuständen sehr leiden. entlassen wurden. In der Betriebskrankenkasse in Kiel ist ein tragen müssen, nicht etwa die Werftverwaltung( hört! hört!) Staatssekretär v. Tirpit: Ueber den Ausschluß der Deffentlich- Rechnungsführer auf Kosten des Arbeitgebers, eben der Marine- für überflüssig zu halten; jedenfalls sind aber solche Reden keit ist die Marineverwaltung nicht in der Lage, den Kriegsgerichten verwaltung, angestellt, außerdem sind noch zwei Hülfsarbeiter auf überflüssig. Die Ausschußmitglieder erklärten, das wäre Vorschriften zu machen. Bezüglich der Marine- Ingenieure bemerke Sosten der Stasse angestellt. Nun sollte ein dritter Hülfsarbeiter an eigentlich nicht ihre Aufgabe. Da wurde ihnen erwidert, sie ich, daß deren Verhältnisse gerade aus eigener Jnitiative der Ver- gestellt werden, und da erklärte der aus Arbeitern bestehende Bor- wollten doch sonst immer Erweiterung ihrer Stompetenzen, aber waltung sehr erheblich verbessert, ihre Stellung wesentlich gehoben stand, wenn dieser Hülfsarbeiter auf Kosten der Kaffe angestellt Reden zu Kaisers Geburtstag wollten sie nicht!( hört! hört! bei ift. Die Marineverwaltung hat volles Verständnis dafür, ihre werden solle, so müsse auch der Vorstand auf die Befehung der den Sozialdemokraten.) Wenn man den Arbeitern mit solcher MißBeamten gut zu stellen, und wird tun, was in ihrer Macht steht. Stelle einen Einfluß haben, und er wollte die Stelle aus- achtung begegnet, dann ist es ganz erklärlich, daß wir hier Jahr für Von dem Vorsißenben, dem Vertreter der Betriebs- Jahr genötigt find, Beschwerden der Arbeiter vorzutragen. In Abg. Legien( Soz.): verwaltung, wurde darauf erklärt, der Vorstand habe dieses Recht Privatbetrieben würde eine solche Mißachtung der Arbeiter zu Die Antwort, welche der Herr Staatssekretär dem Kollegen nicht, sondern das Recht der Anstellung habe ausschließlich der einem Streit führen. Das geschieht hier nicht; denn die Dr. Strube über den Ausschluß der Deffentlichkeit gegeben hat, wird Arbeitgeber! Nach dem Wortlaut des Gefeges kann diese Arbeiter find es gewöhnt, insbesondere die organisierten, die Herren Freifinnigen keineswegs befriedigen. Der Herr Staats- Frage zweifelhaft fein, und der Vorstand der Krantentasse erklärte so lange die Möglichkeit geboten ist, ihren berechtigten Befelretär erklärt einfach, der Ausschluß der Deffentlichkeit sei durch deshalb: Da die Rechtsfrage strittig ist, wollen wir eine Entscheidung schwerden Abhülfe zu schaffen, vom Streit abzusehen. Hier das Gefes geregelt, und die Marineverwaltung habe fein Recht, im Wege des Verwaltungsstreitverfahrens bei dem Bezirksausschusse bietet sich eben diese Gelegenheit darin, daß die Arbeitervertreter den Gerichten Vorschriften zu machen. Bei den Beschwerden herbeiführen. Als nun ein Mitglied des Vorstandes auf der Forderung im Parlament beim Marineetat die Beschwerden vortragen können. des Kollegen Struve handelt es fich aber un etwas bestand, daß man sich an den Bezirksausschuß wenden solle, wurde Würde die Reichsmarineverwaltung auf die Wünsche der Arbeiter anderes. Er hat darüber lage geführt, daß die er kurzerhand entlassen!( hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) genügend Rücksicht nehmen, so würde der Staatssekretär nicht nötig Deffentlichkeit dadurch ausgeschlossen wird, daß die Verhandlung Diefer Arbeiter, Röschmann mit Namen, war schon jahrelang haben, sich Jahr für Jahr von mir oder anderen die Beschwerden nicht im Gerichtssaal, sondern an Bord eines Kriegs- auf der Werft tätig. Am 18. Dezember v. J. wurde dem Vorstande der Werftarbeiter vortragen zu lassen. schiffes stattfindet, und in dieser Richtung sollte der Staatssekretär vom Borsigenden des Gewerbegerichts erflärt: wenn er weiter auf Im allgemeinen gehen diese Beschwerden nach zwei Richtungen: wohl einen Einfluß ausüben fönnen, um Wandel zu schaffen. Das der Forderung, sich an den Bezirksausschuß zu wenden, bestehe, so Es wird zunächst darüber geklagt, daß bei der Verbot an die Gerichtsschreiber, mit den Berichterstattern zu ver- würden die Arbeiter ja sehen, was gefchehe. Als sie nun fragten, Feststehung der Affordlöhne handeln, so erklärte der Staatssekretär, sei deshalb ge- ob es ihnen etwa fo gehen folle wie Röschmann, fagte der Herr: ganz willkürlich verfahren wird. Besonders groß ist die Wintür bei geben, damit die Gerichtsschreiber von den Berichterstattern Sie fprechen es ja aus! Ich habe ja teine Macht, Sie zu den Formern. Diese haben einen gemeinschaftlichen Akford, der Kleines feuilleton. " Hundert werden wohl trotzdem ein Mittel finden, ihren Durst zu füchtigen Schwiegervaters berührt, ist voll dichterischer und Stimmungsstillen. In einer streng antialfoholischen Gemeinde Norwegens trant schönheit. Gs fand verständnisvolle Zuschauer. ein Durstiger fo viel haartvasser, daß er schließlich starb. Dieser bie man in Norwegen gemacht hat, nicht ohne Intereffe. Mit dem Fall steht nicht vereinzelt da, und jedenfalls ist eine Beobachtung, Anwachsen der Temperenzbetvegung ist merkwürdigerweise auch der Parfümverbrauch in rätselhafter Schnelligkeit gestiegen. Humoristisches. Die englischen Studenten und der Sozialismus. Die Gesellschaft für Soziologie an der Universität von Manchester veranstaltete jüngst eine Diskussion über den Sozialismus. Vertreter der studentischen Verbände der Universitäten von Orford, London, Liverpool, Leeds und Sheffield waren dazu geladen. Zwei tüchtige Redner traten in die Schranken, von denen der eine für, der andere Die Majestätsbeleidigung in Musterbeispielen. gegen den Satz argumentierte, daß der Sozialismus die einzige ( Indirekte Majestätsbeleidigungen nach Memeler Vorbild.) wissenschaftliche Lösung des Problems der Armut biete". Profeffor S. J. Chapman führte den Vorsiz und 166 Studenten bildeten die X. geht ins Kaffeehaus und bestellt sich eine Schale Melange. Zuhörer, denen gestattet war, sich später an der Diskussion Er schmeckt eine ölige Bohne heraus und schimpft auf den Staffee. zu beteiligen. Der Geistliche J. A. Carlyle von Orford eröffnete Majestätsbeleidigung! Denn: das Redetournier und trat mit aller Entschiedenheit für den Der Staffee tommt aus den Kolonien. Wer den Kaffee beschimpft, Sozialismus ein. Seine Ausführungen wurden durch lauten Beifall beleidigt die Kolonien; und nicht bloß diese, sondern auch die Der Gegner gab der Befürchtung Ausdruck, daß der Kolonialpolitik, deren Linien vom Kaiser vorgezeichnet werden. Sozialismus den wirtschaftlichen Ruin für ein Land bedeuten würde, Ergo. das auf eine geschickt geleitete Industrie und auf den Welthandel 9. fommt unter ein Töff- töff und schreit, indem er sich die zerangewiesen sei. Er wollte die Schäden der Gesellschaft furieren quetschten Knochen befühlt: Die verdammten Autos soll alle der Deibel holen! durch ein verbessertes Armenrecht, höhere Bildung der Massen und durch eine Reform der Zollgefeßgebung. In der folgenden Diskussion famen die verschiedenartigsten Ansichten zum Ausdruck. Er hat vergessen hinzuzufügen: Ausgenommen selbstverständlich das Eine Resolution, die sich für den Sozialismus als Lösung des kaiserliche Automobil. Problems der Armut erklärte, wurde schließlich mit 96 gegen 70 3. torkelt bei Nacht auf der Straße und singt dabei:„ Wer niemals einen Rausch gehabt, der ist kein braver Mann!" Majestätsbeleidigung! Denn: belohnt. Stimmen angenommen. Majestätsbeleidigung! Denn! Notizen. ( Lustige Blätter.") Man braucht diefen Diskussionen gewiß feine allzu große Bedeutung zuzumeffen, aber sie sind doch ein Zeichen dafür, daß im Er weiß ganz genau, daß der Kaiser niemals einen Nausch gehabt verschrienen Manchesterlande England der Sozialismus in den Mittel- hat. Jns Loch mit dem Lästermaul! punkt des öffentlichen Interesses gerückt ist. Und wir erinnern uns an die unsägliche Erbärmlichkeit unserer Universitätszustände: auf deutschen Universitäten darf tein sozialistischer Dozent lehren und an den preußischen Kleinkinderbewahranstalten ist es den Studenten Theaterchronit. Jm Neuen Schauspielhaus verboten, in ihren privaten Vereinen Sozialisten zu Worte fommen ist die Aufführung des neu einstudierten Grillparzerschen Lustspiels zu lassen. Das nennen unsere Professoren, die für Groteskkomit Web dem, der lügt" auf Dienstag, den 4. Februar, verschoben wenig Sinn haben, Lehr- und Lernfreiheit. Und das läßt sich die worden. Die Lorging Oper nahm das Singspiel Das ungeheure Mehrzahl der akademischen Jugend gern gefallen. So Tanzverbot", das M. 2. Hassenkamp komponiert hat, zur Auftief ist Deutschland selbst in den Zeiten des seligen Bundestages und führung an. der Demagogenriecherei nie gesunken. -" -Theaterschau. Die Wiener Freie Volfsbühne will ihren Mitgliedern nicht bloß Theaterstücke zu fleinen Breisen bieten, Energische Affoholgegner. Der Kampf gegen den Alkohol wird sondern literarisch anregend und neues vermittelnd wirken. Gie nirgends mit solcher Energie durchgeführt, wie in den nordischen hat jetzt einem italienischen Dichter zur deutschen Uraufführung verReichen. In Finnland untersagt ein neues Gesetz den Handel mit holfen. Im Theater in der Josefstadt wurde den dreiaftigen SchauSpirituosen und in Norwegen gehen die städtischen Behörden mit ſpiel Die Witwe" von Rerato Simoni in der Ueberlegung größter Schärfe vor gegen alle jene, die dem Alkohol sich zu freund- von Armin Friedmann der Weg gebahnt. Die Witwe des Sohnes, lich erweisen. Jn, Schweden und in Dänemark macht die Temperenz- die er wider willen der Familie geheiratet, wird zu den bewegung von Jahr zu Jahr größere Fortschritte. Von den Faröer Schwiegereltern ins Haus genommen. Sie erobert sich die Herzen, Inseln tam in diesen Tagen die Kunde, daß die gesamte Bevölkerung die ihr zuerst feindlich waren, und belebt das Haus, und dann fehrt bon 15 000 Seelen durch ein Plebiszit beschlossen, jeden Verkauf oder sie an der Hand einer neuen Liebe ins Leben zurück. Der Vater Verbrauch von Spirituosen radikal zu verbieten. Männer und fühlt nun erit seine ganze Verlassenheit, die Mutter aber findet Trost Frauen nahmen an der Abstimmung teil und von den 3000 ab- in dem Erinnerungsfultus für den Sohn, der ihr nun allein gehört. gegebenen Stimmen stimmten nur 100 gegen den Vorschlag. Die Das zarte Seelenstück, das doch auch ganz leise die Komil des eifer Holger Drachmanns Grab. Die Urne mit der Asche Wunsche des Verstorbenen in einer der äußersten Dünen bei Stagen des dänischen Dichters ist, wie die„ Köln. Ztg." meldet, nach dem beigesetzt worden. Hier hatte man in der Eile nach einer Zeichnung des Malers Kröhr eine würfelförmige Grabkamuner aus Stein ers baut. Sie liegt ganz im Sande der Düne versteckt; nur die Borderfachen Aufschrift Holger Drachmann ist sichtbar. feite mit der eine große Lyra darstellenden Tür und der einam Sonntag die Beisetzung der Asche des Dichters in einem feierlichen Alte vollzogen. Dr. Wilhelm Andersen hielt dabei eine furze Weiherede, die also begann:„ Wir bestatten Dich, Holger Drachmann, wie Dirs gebührt, nicht in der Erde, die nimmer Deine heimstätte war, sondern zwischen den Elementen: Meer, Sturm und Sand. Nun hast Du Frieden. Deine Asche ruht auf geweihtem Grunde, doch Deine Seele lebt. Sie lebt hier, wo Deine Heimat war." - Ein Abt als Vorläufer Darwins. In Brünn foll dem 1884 verstorbenen Abt J. G. Mendel ein Denkmal errichtet werden.( Was überflüssig ist.) Aber nicht uninteressant ist es, daran zu erinnern, daß dieser Abt, der ein eifriger botanischer Experimentator war, in den fünfziger Jahren zur Theorie der Bildung neuer Pflanzenarten fam. Nach Erscheinen von Dartvins grundlegendem Werke Ueber die Entstehung neuer Arten" erwies Mendel dann die Richtigkeit Darwinscher Lehren durch vielfache Pflanzenversuche. Gewisse Regeln, die bei Kreuzungen zutage treten, tragen den Namen Mendels. " = Eine Vorkämpferin der weiblichen Aerzte. Außerhalb des Kreises der Fachgenossen ist das eigenartige Jubiläum, das der erste weibliche Doktor der Medizin vor einigen Wochen gefeiert hat, unbeachtet geblieben. Diese Vorkämpferin des weiblichen Aerztewesens ist eine Russin mit dem umständlichen Namen Nadezhda Prokoffiewna Sußlowa Golubelva, die nicht nur in Rußland, sondern in ganz Europa der erste weibliche Doktor der Medizin gewesen ist. Es sind gerade 40 Jahre vergangen, seit diese verdienstvolle Aerztin ihre erste Vorlesung gehalten hat, deren Thema war:„ Der Beruf des Doktors der Medizin für Frauen". Im Jahre 1863 batte Frau Sußlowa- Golubetva privatim die Vorlesungen der medito- chirurgischen Akademie in Petersburg mit besonderer Ge nehmigung des Kurators besucht, nachdem sie die Schlußprüfung an einem der Gymnasien abgelegt hatte. Ein Kulturwerk in Holland, das seit JahrHunderten geplant ist, wurde am 1. Januar definitiv in Angriff geo nommen. Es handelt sich um die Trockenlegung der Zuidersee. Die Bauarbeiten sind auf acht Jahre berechnet und hofft man bestimmt, daß zwei Jahre später, also im Jahre 1917, das Land fulturfähig sein und Holland damit 19 500 Hektar sehr ertragreichen Boden gewonnen haben wird. Die Kosten des Riesenunternehmens, die durch das Parlament bewilligt wurden, glaubt, die holländische Regierung allein durch den Verkauf des neugewonnenen Landes wieder einzubringen. des Affords beruht also auf Treu und Glauben. Ein Arbeiter fagte fo würde die Gepflogenheit, von unserer Seite Beschwerden der Weiter hat Herr Harms gesagt, der Afford würde nach der höchsten Lohnklasse gezahlt. Darauf kommt es nicht an, sondern darauf, daß unter dem Namer Afford" eine rein willkürliche FestSehr bequem hat es sich sehung der Stundenlöhne stattfindet. Serr Harms mit den Beschwerden ans Ressort gemacht. Er meinte, eine ähnliche Beschwerde in der Budgetkommission hätte sich als unrichtig herausgestellt; dasselbe würde wohl bei diesen Beschwerden der Fall sein. Würde er an Hand des stenographischen Berichts die Beschwerden prüfen lassen, so würde sich zweifellos ein großer Teil der Beschwerden als berechtigt herausstellen. Abg. Ledebour( Eoz.): Herr Harms sagte, die von mir in der Budgetfommission aus Stiel borgebrachte Beschwerde über mangelhafte Wasch- und Ausziehgelegenheit für die Heizer eines Dampfers habe sich als unberechtigt erwiesen. Mir ist inzwischen mitgeteilt worden, daß eine Kommission meine Beschwerde geprüft hat, als der Dampfer, Unter diesen Umständen mag ja die Waschgelegenheit genügen. Ich bitte aber um nochmalige Prüfnug, ob sie auch ausreicht, wenn der Dampfer mit voller Besazung im Außendienst tätig ist. tetts nach Geitat, teils nach Stüd berechnet wird. Die Arbeiter| Bertretung haben.( Sehr wahr! Bei ben Sozialdemokraten.)| Arbeiten in der Privatindustrie nicht geringet als diese, vielmehr tvissen aber nie, was sie verdient haben oder was sie voraussichtlich Wenn der Arbeiterausschuß eine wirkliche Vertretung der Arbeiter böher.( Die weiteren Ausführungen des Redners, in denen er berdienen werden. Der Afford wird abgeschlossen von einem Vor- fein sollte, dann darf seine Tätigkeit nicht nur eine gutachtliche sein, einige Behauptungen der Abgeordneten Regien und Severing, wie arbeiter, der aber nicht Vertrauensmann der Werftarbeiter ist, sondern sondern er muß eine tätige Mitwirkung bei allen Angelegenheiten es scheint, zurückzuweisen versucht, bleiben auf der Tribüne unvon einem Vorgesetzten bestimmt, ift. Die ganze Werechnung der Arbeiter ausüben. Wäre diese Forderung der Arbeiter anerkannt, verständlich.) Abg. Legien( S03.): mir: Wenn der Verdienst gut ist, dann ist auch der Glaube gut, aber Arbeiter hier vorzubringen, erheblich eingeschränkt werden können. Herr Harms meinte, der Arbeiter Röschmann sei wegen Teilan der Treue zweifeln wir. Die Arbeiter haben das Empfinden, Interessant war mir, daß selbst der Kollege Spahn zugab, daß von nahme an einer Stampfesorganisation entlassen! In der daß die Affordsätze ganz nach Laune festgefegt werden; sie haben den Klagen und Beschwerden, die wir im Jahre 1906 vorgetragen Tat ist er aber nur dafür eingetreten, daß die Arbeiter in der daher feinen besonderen Trieb zur Arbeit; denn wenn fie haben, noch manche unerledigt geblieben ist! Bei näherem Krankenkasse das ihnen zustehende Mitbestimmungsrecht erhalten. fich auch noch so sehr anstrengen, so find sie doch über- Bufehen würde er finden, daß sehr viele dieser Beschwerden Warum ist man nicht den Rech to weg gegangen und hat es zum zeugt, daß ihnen der Atfordüberschuß schließlich bor unerledigt geblieben sind. Daß die Verkürzung der Arbeits- Entscheid des Bezirksausschusses kommen lassen? St dessen geht enthalten wird. Im allgemeinen versteht man unter geit fegensreich wirkt, geben wir zu, aber wir sind nicht der Auf- man den Weg der Gewalt und entläßt diejenigen, sie den Weg Atford die geffeyang des Wertes der Arbeit vor Beginn der fassung wie Herr Spahn, daß bezüglich der Affordlöhne und der des Rechts gehen wollen. Arbeit, und es liegt dann im Intereffe der Arbeiter, möglichst Preisvereinbarungen ein Fortschritt eingetreten sei. Hier ist Herr schnell damit fertig zu werden, um möglichst viel zu verdienen. Auf Spahn im Irrtum. den Neichswerften aber ist es anders. Da wird einfach von den Interessant war das Bugeständnis des Herrn Spahn, daß bei einzelnen Nefforts, je nachdem viel oder wenig ausgegeben werden den heutigen hohen Preisen ber Lebensmittel die Löhne nicht ausfoll, festgelegt, ob 30, 40 oder 50 Proz. Affordüberschuß über die reichen. Der Trost, der heute dem Arbeiter gegeben wird, feine Kinder Lohnfäge erzielt werden. Das ist natürlich eine rein witürliche fönnten ja mitverdienen, mag allenfalls in einer Industriestadt wie Festsetzung der Stundenlöhne durch die jeweiligen Werkstatt- Riel eine scheinbare Berechtigung haben; aber was sollen die borgesetzten. Die Arbeiter fehen das auch ein und halten den Arbeiter in Wilhelmshaven anfangen, wo sie lediglich von der Afford für nichts anderes als für eine Erhöhung ihres Stunden- Marineverwaltung beschäftigt werden können? Es muß eben auf Lohnes. In einzeinen Wertstätten ist aber ein solcher afford allen Werften ein Lohn gewährt werden, der es den Arbeitern er gar nicht möglich, weil die Arbeiter oft ftundenlang möglicht, ohne die Mitarbeit ihrer Familienmitglieder auszukommen. paufieren müffen, a. B. in der Torpedoreparaturwerkstätte. Sier( Bustimmung bei den Sozialdemokraten.) Besonders hervorheben follte die Affordarbeit vollständig beseitigt und ein angemessener möchte ich den Wunsch der Arbeiter, höhere Einstellungslöhne zu beLohn garantiert werden. willigen. Dann würde es auch der Verwaltung leichter sein, tüchtige Die Klassifizierung der Löhne Arbeiter nach den Werftorten hin zu bekommen. Der Staatssekretar hat einmal gesagt: Daß die Einstellungslöhne hoch genug feien, befoll von zwei zu zwei Jahren erfolgen. Das geschieht aber nicht weise die Tatsache, daß sich genügend Arbeiter melden. In Beiten bei allen Arbeitern, sondern es wird wieder nach Gunst und rückläufiger Konjunktur mag dies der Fall sein. Wenn aber eine bom Außendienst zurüdgezogen, mit verringerter Mannschaft lag. II gereicht, 29iIltür einfach Arbeiter in der Lohnklasse berabzufegen! Heltere größere Anzahl Arbeiter von der Verwaltung angeworben wird, so Leute, die fchon 4 oder 8 Jahre beschäftigt find, find zum Teil noch muß fehr bald ein großer Teil davon entlaffen werden, weil sie jest in der niedrigsten Lohnflaffe, die für Neueingestellte vor den Anforderungen der Werftverwaltung nicht entsprechen; zufolge gefehen ift! Die Zugehörigkeit zu der Lohntlaffe ist von besonderer dieser Entlassungen besteht beispielsweise auch jest in Wilhelmshaven Arbeitermangel und leberstunden sind dort schon seit längerer Zeit Abg. Graf Oriola( natl.) beantragt, daß der Kommission auch Bedeutung beim Alfordverdienst. Bei der Einführung des Neunstunden- Regel.( Sört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn das der Fall die Drucksache, in der die Regierung die Grundsäge für die Betages hat man die Löhne der Hülfsarbeiter um 2 Pf. pro Stunde erhöht. ist, so ist die segensreiche Maßregel der Verkürzung der Arbeitszeit, fetzung der Subaltern- und Unterbeamtenstellen bei den ReichsDas bedeutet für die Leute eine Verminderung des Tagelohnes um die hier betont worden ist, ganz illuforisch.( Sehr richtig! bei den und Staatsbehörden mit Militäranwärtern aufgestellt hat, über20 f.( hört hört!) Richtig ist, daß in den letzten Jahren die unterfte Lobullaffe gestrichen ist und eine Erhöhung der anderen Sozialdemokraten.) Wenn schon feststeht, daß die Werftverwaltungen wiesen wird. über ein besonderes Angebot von tüchtigen Arbeitskräften nicht ver Dieser Antrag wird angenommen. stattgefunden hat. Andererseits sind aber auch Lohnkürzungen bor- fügen, fo ist es um so befremdlicher, daß die Vorsteher einiger Damit schließt die Debatte. Das Gehalt des Staatssekretärs gekommen. So find den Heizern bei der Nachtschicht Abzüge efforts die Arbeiter ber Dienstordnung zuwider verteilen; auch wird bewilligt, ebenso bebattelos eine Anzahl weiterer Titel. gemacht worden!( hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Im werden ältere Arbeiter manchmal ganz willkürlich anderen Lohnklassen Beim Titel Schiffsverpflegung tabelt allgemeinen mögen ja die Löhne der Werftarbeiter gestiegen fein, Abg. Dr. Dahlem( 8.) die Verpflegung der Mannschaften mit aber fie bleiben noch weit hinter dem Mindestbedarf des Arbeiter zugeteilt, als ihnen nach ihrem Alter zukommt! Was mein Kollege Legien über die Entlassung von Arbeitern in französischem Rotwein, der zwar billig, aber auch schlecht sei; die budgets zurück und ermöglichen den Arbeitern eine angemessene Gr Riel vorgetragen hat, läßt sich auch auf die Verhältnisse in Wilhelms- Marineverwaltung sollte ihren Weinbedarf in Deutschland nährung nicht. Infolge diefer ungenügenden Ernährung sind die Krankheitsverhältnisse auf den Reichswerften viel ungünstiger als die haben übertragen. Auch dort kommen ähnliche Sturiofa bei den Entdecken. Unsere rheinischen Weine sind sehr gut, ich lade Sie ein, Krankheitsverhältnisse der Arbeiter im Deutschen Reiche im allgemeinen! laffungen vor. Bei der Werft in Wilhelmshaven kommen viele zu uns an den Rhein zu kommen.( Alseitige freudige ZuDie Zahl der Erkrankungen pro Hundert und Jahr betrug im Durch Sategorien von Arbeitern erst nach Ablauf von 14 Jahren in die ſtimmung.) Die Einladung ist nur an die Herren von der schnitt aller deutschen Krantentassen im Jahre 1900 88,6, in höchfte Lohntlaffe!( Sört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Marineverwaltung gerichtet.( Ah! und Heiterkeit.) Staatssekretär v. Tirpit: Wir beziehen unsern Wein nur aus Arbeiter, die mit hydraulischen und pneumatischen Werkzeugen zu der Betriebskrankentajie Stiel aber 41,4, in Wilhelmshaven 45,8, in tun haben, die ja allerdings eine erhebliche technische Verbesserung Deutschland, am liebsten vom schönen Rhein. Ich weiß, daß die Danzig 71,3!( hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In Wilhelmshaven und Danzig ist die Krankenziffer bis 1906 etwas darftellen, flagen fast ausnahmslos über Schädigung ihrer Gesundheit, Rheinweine gut sind; ich will aber gern der Einladung folgen und zurüdgegangen, in Kiel aber auf 45 gestiegen.( ört! hört 1 bei den über Blutandrang nach dem Kopfe, Pupillenerweiterung, Schlafstörung, mich noch einmal davon überzeugen.( Heiterkeit.) Darauf vertagt das Haus die weitere Beratung auf Freitag Sozialdemokraten.) Die Marineverwaltung selbst wird mindestens frühzeitige Ermüdung, Furcht vor Geräuschen usw. Im Zusammenhange to gut wissen wie ich, daß die Ernährungsverhältnisse in Kiel fich damit steht eben die Tatsache, daß die Krankheitsziffer auf den faiserlichen 1 Uhr. Außerdem Justizetat, Etat des Reichseisenbahnamtes, Werften viel höher ist als in sonstigen industriellen Betrieben Deutsch Schluß 6% Uhr. besonders verschlechtert haben. Ursprünglich hatten die Arbeiter ges lands. Zur Verbesserung dieser Zustände würde wesentlich beitragen glaubt, daß sie von den großen Schiffsbewilligungen Vorteil haben eine höhere Entlohnung der Arbeiter, damit sie durch reichliche würden. Jetzt aber sehen sie allgemein ein, daß ihre Lebenshaltung Nahrungsmittelzufuhr sich erhöhte Sträfte verfchaffen können. Aber fich infolge der gestiegenen Wohnungs- und Nahrungsmittelpreise bedeutend verschlechtert hat.( hört! hört! bei den Sozialbemo- gerade bie Löhne dieser Arbeiter sind nur sehr wenig erhöht. In acht Jahren erreichen sie den fraten.) Herrenbaus. 4. Gigung, 30. Januar, mittags 18 Uhr. Das Haus ist gut besucht. Am Ministertisch: v. Rhein. baben, Dr. Bejeler. b. Arnim. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildet die Bereidigung der neuen Mitglieder Ludwig Delbrüd und Vogel v. Faldenftein. Den zweiten Bunft der Tagesordnung bildet die Brasi. dentenwahl. denten zu wählen den bisherigen 1. Vizepräsidenten rhr. bon Manteuffel, zum 1. Bizepräsidenten den bisherigen zweiten Vizepräsidenten Beder und zum 2. Bizepräsidenten Frhrn. Ignaz v. Landsberg. Höchstlohn von 43 Pf. pro Stunde. Das sind die allgemeinen Beschtverden der Arbeitet der Neichswerften. Zur Begründung ihrer bestimmten Forderungen ber( ört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das Reichsmarineamt weise ich auf ihre Eingabe vom März 1907. Aber ich will auch wünscht zwar, daß die Arbeiter, welche in Afford arbeiten, einen nicht verfehlen, die Beschwerden der Arbeiter bestimmter Affordzettel erhalten, auf dem der Preis verzeichnet ist. Dieser Ressorts vorzubringen: Die Arbeiter der Kategorie 1 sind beim Wunsch wird aber von den Werftbeamten, z. B. in Danzig, nicht Wegfall der untersten Lohnklasse nicht sofort in die höhere eingerückt, erfüllt. Das führt zu betrügerischen Manipulationen. Besonders fo daß sie- entgegen den Bestimmungen des Staatssekretärs beliebten Arbeitern werden 20-30 Proz. Aufschlag ausbezahlt, Herzog zu Trachenberg schlägt vor, zum Präfia erst nach 10 bis 12 Jahren in die höchfte Klasse eintlichen. Diese während andere Arbeiter trop angestrengtester Arbeit nur den Bohn Urbeiter sind jederzeit zur Arbeit verpflichtet, wenn sie einberufen werden, verdienen. Wenn ein Alford zu niedrig einfaltuliert worden ist und am Tage und nachts, aber sie erhalten für die Nachtarbeit nicht sich dies herausstellt, nachdem die Arbeit dreiviertel beendigt ist, so die Ueberftundenzulage. Auch bie Verpflegungsentschädigung verlangen die Arbeiter, daß der Nest neu taltuliert wird. hat ihnen der Reffortdirektor Kapitän Wilbrandt rechtswidrig be Das geschieht aber nicht, weil die Beamten nicht an die höheren schränkt. Sie können jegt 16%, Stunden hintereinander arbeiten, Beamten herantreten wollen, um ihnen flaren Wein einzuschenken, ohne diese Entschädigung zu erhalten! Außerdem flagen die Ar- da sie dabei selbst ihre Unfähigkeit beweisen würden. Ich beiter über große Hitze und Mangel an Wascheinrichtungen. Aehnlich bitte den Herrn Staatssekretär, hier Wandel zu schaffen. ungünstige Arbeitsverhältnisse sind im Ressort 7. Die Wachthabenden Die Klagen über willkürliche Bevorzugung oder Benachteiligung erhalten während der Nachtdienststunden, wo sie für das ganze Schiff von Arbeitern ziehen sich wie ein roter Faden durch alle Berichte, berantwortlich sind, den horrenden Lohn von 10 f. pro bie uns zugehen. Interessant ist ein Vorkommnis vom Jahre 1905 Stundel( hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Auch die in Danzig. Dort erhielten die Arbeiter auf wiederholte Bitte eine Mannschaften, die zum Kohlentragen kommandiert sind, sind Bulage. Bei der ersten Lohnzahlung erklärte aber der Oberinspektor: jüngst durch einen Tagesbefehl des Obertverftdirektors in ihrem Ich werde schon dafür sorgen, daß Sie die Zulage nicht lange be Gintommen gefchädigt worden. Die wiederholten Unglücksfälle halten!( hört! hört!) und in der Tat wurde ben Arbeitern nach Ich halte die ganze Frage für noch nicht geklärt. Deshalb follten doch Veranlassung geben, den Wünschen dieser Arbeiter drei Monaten die Zulage von 10 auf 5 M. gefürat!( ört hört! bin ich dafür, daß die Staatsregierung das Gesetz noch einmal mehr Rechnung zu tragen. bei den Sozialdemokraten.) " Das Haus beschließt so. Die drei Gewählten nehmen mit Dant an. Es folgt die Beratung des Gefeßentwurfs über Maßnahmen zur Stärkung des Deutschtums in den Provinzen Westpreußen und Bosen in der Fassung des Abgeordnetenhauses. Auf Antrag des Frhrn. v. Landsberg findet eine Be sprechung der Vorlage statt. Kardinal Kopp: Ueberhaupt find die Reichsarbeitsstätten weit davon entfernt, Arbeiter, die sich beim Inspeltor mißliebig gemacht haben, kommen in Erwägung zieht. Es ist gewiß Pflicht des Staates, die Grenzen Musteranstalten zu sein. Das hat der Staatssekretär felbst zuge erst nach 15, 20, 30 Jahren in die erste Lohnflasse, während die zu schüßen und dafür zu sorgen, daß an den Grenzen eine Be geben, indem er uns die Zahlen über den Wechsel der Arbeiterschaft Dienstordnung der kaiserlichen Werften vorschreibt, daß die Arbeiter bölkerung wohnt, die sich ihrer Zugehörigkeit zum Staate bewußt mitgeteilt hat: Bon 8000 Arbeitern waren im Jahre 1906 nur über schon nach zwölfjähriger Beschäftigung in die erste Lohnklasse ist. Troh mancher Erscheinungen, welche dieses Zusammengehörig2000 länger als 10 Jahre im Betriebe, 1195 Arbeiter wurden neu fommen! Wenn die Werftwerkstätten wirklich Musteranstalten teitsgefühl vermissen lassen, wird von polnischer Seite behauptet, eingestellt unb 1184 find abgegangen, davon nicht weniger als 822 wären, so würden sie mindestens all' die Wohltaten einführen, die daß die Bevölkerung im allgemeinen loyal ist. Wenn das der auf eigenen Wunsch. Wenn die Betriebe wirklich Musteranstalten gesetzlich vorgeschrieben sind, aber durch die Spruchpraris der Ge- Fall ist, so sollte man sich hüten, ein Ausnahmegeseb zu schaffen. wären, würden sie nicht so leicht von den Arbeitern verlassen werden. werbegerichte tein zwingendes Recht haben. So sollte die Wohltat Solange die Bevölkerung ihre staatsbürgerlichen Pflichten erfüllt, Es lage aber im Intereffe der Marineverwaltung, die Arbeits des§ 616 des B. G.-B. überall zur Durchführung gelangen, wo muß man über Stimmungen hinwegsehen. Eine viel geberhältnisse so zu gestalten, daß die Arbeiter möglichst lange auf den Arbeiter als Geschworene oder als Gemeindevertreter tätig sind. fährlichere Richtung, eine hochgefährliche Richtung ist der polnische Radikalismus. Diese Richtung zu bekämpfen, muß unser Werften bleiben. ( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Staatssekretär jebe diefer meiner Beschwerden an der Die bürgerlichen Parteien sprechen immer von den Hunger- aller Aufgabe sein.( Bravo!) Auf die Dauer ist es nicht möglich, mit Ausnahme Hand der stenographischen Berichte prüft, wird er ihre volle Be- löhnen in sozialdemokratischen Druckereien". Ich möchte nur wünschen, rechtigung anerkennen müssen. Ich würde ja gern der Marine daß die Staatswerkstätten in bezug auf die Erfüllung des§ 616 gesetzen zu regieren! berivaltung und mir den Vortrag dieser Klagen sparen, aber ich des Bürgerlichen Gefegbuchs dasselbe leisten, mögen wie die sozialWenn man erst die kleinen polnischen Befizer von ihrer Scholle tann es nicht, so lange die Marineverwaltung sich nicht demokratischen Betriebe.( Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) zu der einzig vernünftigen Auffassung durchgerungen hat, mit Weiter wünschen die Arbeiter die Lohnzahlung während der bertreibt, so wird es teine Ungerechtigkeit sein, allmählich auch den Großgrundbesik heranzuziehen! ihren Arbeitern zu verhandeln, wie das in den Privatbetrieben Arbeitszeit und auch eine Bezahlung der gefeßlichen Feiertage. Das Nun hat die Regierung erklärt, ce liege ihr fern, die polnische Längst geschieht. Die Arbeiterausschüsse wünschen bei der Festsetzung sind beides Forderungen, die nur der Gerechtigkeit entsprechen und Bevölkerung zu brangsalieren.( Der Ministerpräsident Fürst von der Sohn- und Arbeitsbedingungen und bei den fanitären Ein- die selbst in andwerksbetrieben längst durchgeführt Bülow betritt den Saal.) Der bloße Erfolg allein rechtfertigt Man verweist nun immer auf die sogenannten richtungen mit zu entscheiden, in Fragen technischer Natur und bei sind. nie eine Maßregel! Gegen die Entscheidung der AnsiedlungsArbeiterentlassungen wegen Mangel an Arbeit gutachtlich gehört zu Wohlfahrtseinrichtungen". Die Arbeiter lächeln über diese fommission gibt es nur eine Berufung an intereffierte Inwerden und das Recht zu haben, dem Reichsmarineamt wie den" Wohlfahrtseinrichtungen"; denn sie wissen, daß diese Wohlfahrts- stanzen! Wir wissen aus der Geschichte, daß ein großer preagischer Arbeitern über ihre Tätigkeit Bericht zu erstatten. Diefe einrichtungen" viel mehr den Zwed haben, fie unfrei zu König, als er zur Abrundung ein Grundstück erwerben wollte Forderungen nach Kompetenzerweiterung sind gewiß sehr bes machen.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) scheiden und sollen den Arbeiterausschüssen nur die Sicherheit Zu der bevorstehenden Revision der Arbeitsordnung spreche ich ben den Gerichten zurückgehalten wurde, die ihm in den Ørm Hier sehen geben, die berechtigten Wünsche der Arbeiter gebührend zu ver- den Wunsch aus, daß die vorsintflutlichen Bestimmungen über die fielen und ihn zum geordneten Rechtsweg anhielten. treten. Mit der bloßen Resolution ist da sehr wenig geholfen. So fozialdemokratischen Agitatoren daraus verschwinden. Die Arbeiter wir, daß der Enteignete ohne weiteres fein Eigentum verlassen lange ich diesem Hauſe angehöre und die Marineverwaltung das auf den Staatswerften sollen sich nicht nur im Besiz der bürger- muß. Der preußische Richter, auf den wir so viel geben, ist in seiner Entscheidung einfach ausgeschaltet! Die Regierung verBerhandlungsprinzip nicht anerkannt hut, werde ich von dieser Stelle lichen Ehrenrechte befinden, sondern sie dürfen auch keine sozial wahrt sich dagegen, daß Polizeimaßregeln angewendet werden sollen. aus Jahr für Jahr die Beschwerden der Arbeiter vor Deutschland demokratischen Agitatoren sein.( Sört, hört! bei den Sozial- Aber der Enteignete wird sich nicht ohne weiteres sein Eigentum und der ganzen Welt vortragen. Wir wollen einmal sehen, wer das demokraten.) Von einem Verbot der Agitation für den Flotten nehmen lassen, er wird sich weigern, seinen Hof zu verlassen. länger aushält.( Heiterkeit.) Wir wollen einmal sehen, ob wir verein ist in der Arbeitsordnung nicht die nicht soviel Einfluß auf das sozialpolitische Verständnis der Meichs( Seiterfeit bei marineberwaltung haben, daß fie ihren Arbeitern endlich dieselben fozialdemokratische Agitation"? Schon eine Unterredung mit möglich, daß sich die Bevölkerung bei ihrer leichten Erregbarkeit Rechte gewährt, die diese in den Privatbetrieben längst haben. Selaffengenoffen auf dem Nachhausewege über den Beitritt zur zu ungefeßlichkeiten verleiten läßt. Es wird also tros des Willens ( Bravo! bei den Sozialdemokraten.) gewerkschaftlichen Organisation wurde als folche Agitation" an der Regierung ohne polizeiliche Maßregeln nicht abgehen. Noch ein zweiter Punkt: Wir sprechen soviel von der Bodengefehen!( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Man hat WerftAbg. Dr. Spahn( 8.)( auf der Tribüne fast völlig unverständlich) arbeiter, die man für Sozialdemokraten hielt, auf die Polizei beständigkeit, von dem Abwandern von der Scholle, wtr wollen ein stellt und eingehend ihre Perfonalien festgestellt! Sogar nach ihrem Heimstättengesetz schaffen. Bei alledem gehen wir von der Ueber. Bater unb Mutter hat man Erkundigungen eingezogen.( Hört! hört! Beugung aus, daß es wichtig ist, eine feßhafte Bevölkerung zu Die Klagen ber Werftarbeiter müssen wir deshalb hier zur Bolizeigeist seinen Einzug in diese Reichsverwaltung gehalten. Wir burch Enteignung getroffenen Gemeinden beeinträchtigt werden, bei den Sozialdemokraten.) Wie man steht, hat der preußische schaffen. Hier aber wollen wir diese Ueberzeugung verleugnen! Sprache bringen, weil diese Arbeiter im Arbeiterausschuß keine Ver Polizeigeist seinen Einzug in diese Reichsverwaltung gehalten. Wir Durch die Enteignung wird übrigens auch die, Steuerkraft der tretung haben.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Herr wünschen ein bißchen weniger Bureaukratismus und Militarismus, so daß es nicht mehr als billig sein dürfte, daß die Ansiedelungs. Naumanu meinte im vorigen Jahre, das System der konstitutionellen dafür aber ein mehr von fozialpolitischen Freiheiten.( Lebhaftes tommission eine Entschädigung an die Gemeinden zahlt. Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Staatsregierung wird ihre Absichten nicht erreichen. Die Grenzen Verfassung könnte wohl am besten in den kaiserlichen Werften bers Geh. Admiralitätsrat Harm8: des Reiches werden nicht gesichert, sondern der Unfriede zwischen wirklicht werden. Wir haben aber gesehen, daß gerade in diesen Betrieben das Ideal mehr von der Wirklichkeit abweicht als in Nach den angestellten Grmittelungen sind die Löhne bei der Deutschen und Polen wird noch größer werden. Meiner Meinung jedem anderen, daß gerade hier die Arbeiter so gut wie gar feine Marineberwaltung im Vergleich mit den Löhnen für entsprechende I nach atmet die Vorlage den Sab: Macht geht vor Recht! Diefer beschäftigt sich mit den Beschwerden der Werftarbeiter. Abg. Severing( Soz.): beu Rede. Was Sozialdemokraten.) . heißt nun Seine Freunde werden alles tun, um ihm zu helfen. Es ist leicht Die Grundfah der staatlichen Omnipotenz( Allmacht) aber bedt sich Der Präsident teilt mit, daß er die nächste Sigung schwerlich| fratischen Kandidaten Haupt 8351 Stimmen. Bei der Stichwahl mit dem politischen Materialismus, der keine Jdeale kennt. Nur vor den 17. Februar anberaumen werde. eine Partei wird mit der Enteignung sehr zufrieden sein; das ist die Partei, die neulich vor dem Abgeordnetenhause demonstriert hat, um ihr Mißfallen fundzugeben. Jah möchte nicht wünschen, Schluß 4% Uhr. erhielten Stimmen: v. Byren 12 858, Mertens 11 678. Der Wahlprotest behauptet nun, daß die Amtsvorsteher admesser in Gommern, Meißner in Großglück und Baron von Münch hassen in Reitten in verschiedenen Ortem, so daß fie auch vor dieſem Haufe demonstriert, aber um ihr 20 Der Poſtetat vor der Budgetkommiffion. namentlich in Gommern, Gütersgilüd, Leitsfau, Walternienburg, gefallen auszudrücken.( Seiterkeit.) Jch fann mich nicht überzeugen, daß die Vorlage ihren Zweck erreicht und möchte die Regierung bitten, die Vorlage noch einer Revision zu unterziehen. Geht das nicht an, so bitte ich das Haus, die Vorlage einer Kom mission au überweisen.( Beifall.) Ministerpräsident Fürst von Bülow: ... # Wir müssen Elbenau, Grünewald, Ladeburg unzulässige Wahlagitation betrieben haben. Desgleichen sollen die Gemeindevorsteher in Leits( Sigung vom 80. Januar.) fau, Plötzki und Prekin in unzulässiger Weise auf die Wähler Die Beratung beginnt bei den laufenden Ausgaben der Post- eingewirkt haben. Da die Behauptungen des Wahlproteſtes nicht verwaltung. Referent Bed teilt mit, daß eine starke Personal- immer genügend substantiert waren, die Zahl der hier in Frage bermehrung eingetreten ist; außerdem sei die Frage der all kommenden Wähler auch nur eine geringe war, so hätten im ungemeinen Gehaltsaufbesserung hier von großer Be- günstigsten Falle etwa 600 Stimmen in Abzug gebracht werden deutung. Er frägt an, wann das Besoldungsgeset tönnen, so daß immer noch eine geringe Mehrheit verblieb. Da fomme! Unterstaatssekretär Twele kann das nicht fagen, aber nach den Behauptungen des Protestes auch viele Stimm= in einer späteren Bemerkung jedoch gibt er der Hoffnung Ausdruck, zettel zu Unrecht für ungültig erklärt worden sind, so soll daß die Vorlage dem Reichstag in der nächsten geit zugehen hier noch eine genaue Nachprüfung stattfinden. Gine Raffation fönne. 2 attmann falägt Beamtenausfüife vor, gegen der Wahl erscheint nichtsdestoweniger unwahrscheinlich. die sich Gröber wendet, der auch die Petitionen erst dann vom Parlament behandelt fehen möchte, wenn sie vorher die Postverwaltung paffiert haben! Graberger bringt hierzu Beschwerden Aus dem Reichstag: Sozialdemokratische Interpellationen: bor, nach denen ein Postdirektor den Unterbeamten untersagt hat, Eingaben zu machen! 1. Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, die Löhnung Staatssekretär Straette stimmt Gröber lebhaft zu: er til für Gefreite und Gemeine, einschließlich der Spielleute, nichts von Beamtenausschüssen wissen, denn sie würden bald ihre Dekonomiehandwerker und Sanitätsmannschaften, für das RechnungsBefugnisse überschreiten. jahr 1908 entsprechend zu erhöhen und die Mittel dazu in einem Nachtragsetat anzufordern; wirken, daß die gesetzlich garantierte Deffentlichkeit ber 2. den Herrn Reichstanzler zu ersuchen, nachdrücklich dahin zu geführt wird; Einlauf. Auf einzelne der Einwendungen des Vorredners werde ich und die Herren Ressortminister noch im Laufe der Debatte ein. gehen. Ich möchte hier nur sagen: Es handelt sich darum, ob die beiden Provinzen Bofen und Westpreußen deutsch bleiben oder polnisch werden sollen! Eine der beiden Provinzen nimmt schon achtzehn Meilen von Berlin ihren Anfang, es handelt sich da um eine akute Gefahr. neue Mittel schaffen oder die Ansiedlungspolitik aufgeben. Das lektere würde ein Aufgeben der östlichen Provinzen und ihre völlige Polonisierung bedeuten. Das Mittel der Enteignung vorzuschlagen, ist mir nicht leicht geworden, und ich habe es erst getan, nachdem alle anderen Mittel als zu leicht befunden worden sind. Den Schutz des Privatbesites halte ich für die Voraussetzung jeder gefunden Sozialpolitik! Gine Zukunftsregierung und ein Zukunftsparlament, die etwa zur Enteignung des Großgrundbefizes schreiten wollten, dürfen sich aber nicht auf eine Präzedenz in der gegenwärtigen Vorlage berufen. Hier handelt es sich um eine Ausnahmemaßregel, um außer auf dem Standpunkt, daß sie sehr nütlich sein tönnten, wenn erhandlungen der Militärgerichte tatsächlich durch ordentlichen Gefahren zu begegnen... Ich hoffe, dieses hohe Haus, das immer der Hort preußischer Staatsgesinnung war,() wird die Vorlage annehmen, damit, wo deutsche Bäter säten, deutsche Enkel ernten können.( Bravo!) Verfassung und gegen das allgemein gültige Prinzip von der Fürst Radziwill: Die Vorlage verstößt gegen Gesetz und Unantastbarkeit des Privateigentums. Geben Sie den Bolen nur Gerechtigkeit, für die geistigen Güter" wird die polnische Nation selbst sorgen. Ich schließe mich den Worten die der König von Preußen meinem Großvater bei der Huldigung der Stände mitgab: Suchen Sie mir die Herzen meiner polnischen Untertanen durch Gerechtigkeit zu gewinnen." Abg. Eichhorn tritt energisch für baldige Vorlage des Beamten besoldungsgesetzes ein. In der Frage der Beamtenausschüffe steht Eichhorn im Gegensatz zu Gröber man den Beamten nichi das Koalitionsrecht vorenthielte; denn ohne dieses ist nach den Erfahrungen, die mit Arbeiterausschüssen gemacht wurden, nichts anzufangen. Der Fall Schellenberg- Wiesbaden zeigt. weisen man sich von der Postverwaltung verfehen muß, wenn ein sich Redner nicht anschließen; das laufe auf eine Einschränkung Beamter eine eigene Meinung äußert. Dem von Gröber gemachten Vorschlag über Behandlung der Betitionen fann bes Petitionsrechts der Beamten hinaus. Will die Kommiffion die Stellung der Postverwaltung genau fennen, so mag fie die eingehenden Personalpetitionen den Verwaltungen aur üd äußerung zusenden. baldigst einen Entwurf betreffend die Reform des Militär. 3. die verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Reichstage strafrechts vorzulegen. Resolution von Liebert und Genossen: Reichsgesetz eine Ergänzung des Strafgesetzbuches dahin zu bewirken, Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, durch ein besonderes überfeeischen Strafvollzuge geeigneten, innerhalb be daß den nach ihrer förperlichen und geistigen Beschaffenheit zum stimmter Altersgrenzen stehenden Berurteilten auf Ansuchen durch die Strafvollzugsbehörde geftattet werden könne, die auferlegte längere Freiheitsstrafe in einer deutschen Strafkolonie( Südseeinsen In der weiteren Debatte sprechen noch Semler, Hamecher, Gröber und andere. Der Bostbeamte amecher tritt im allgemeinen der Auffassung Eichhorns bei, zu berbüßen. will aber fein uneingefchränktes Stoalitionsrecht oder etwa gar Streifrecht für die Beamten gelten lassen! Noske vertritt nochmals die Forderung baldiger Gehaltsreform und der Beamtenausschüsse. Die Anforderungen an Beamtenbesoldungen werden genehmigt. Bei Titel 20, der die Gehälter der Vorsteher von soll der „ Bostaffeffor" Aus der Partei. Ferris Abschiedsschreiben im Avanti. bem Oberbürgermeister Adides: Wir im Westen sind der Meinung, daß der Nationalitätenkampf im Osten ein Unglüd für unser Volf ist, wir können uns aber der Erfahrung nicht verschließen, daß sich in den Ostprovinzen eine Neuorganisation der polnischen Bevölkerung auf demokratischer Grundlage etabliert hat, und es besteht die Gefahr, daß diese Bevölkerung in fritischen Zeiten nicht treu zum Staate steht! Dem entgegenzuwirken, sehe ich kein Nom, den 25. Januar.( Eig. Ber.) anderes Mittel als eine Ansiedlung deutscher Bauern. Es mag Aemtern erster Klaffe enthält, entsteht eine sehr lebhafte Ju Ergänzung unseres Telegramms vom 25. d. M. ist über sein, daß die Vorlage die radikalen Elemente stärken wird. Noch Debatte über die Zulassung zur höheren Postfarriere. Ferris Abschiedsartikel noch folgendes zu berichten. Der Artikel mehr aber wird das der Fall sein, wenn Sie die Vorlage ab Im Laufe der Zeit hat man nämlich immer engere Schranken um erstreckt sich über fünf Spalten und gibt im ersten Teil einen Rücklehnen. Im Nationalitätenlampf müssen starke Mittel mit die höheren Bostbeamtenstellen gezogen; jetzt soll für gewiffe höhere blid auf die Geschichte der italienischen Bartei. Ferri erinnert darin Energie und Konsequena angewendet werden. Oberbürgermeister Nörte: Ein großer Teil dieses Hauses ist Stellen ein breijähriges alademisches Studium zur an die erfte intransigente Phase des Parteilebens, bann an das refor. Oberbürgermeister Nörte: Gin großer Teil dieses Hauses ist Giolitti und an das Erwachen der wirtschaftlichen Bewegung jedenfalls von schweren Bedenken gegen die Vorlage erfüllt, die dingung gemacht werden und dem gewöhnlichen Posteleven mistische Intermezzo unter dem Ministerium Lanardelli. durch die Ausführungen des Ministerpräsidenten nicht behoben des Proletariats. Diese Bewegung, die im Generalstreit vom find. Ich kann auch nicht zugeben, daß das Werk der AnsiedlungsJahre 1904 gipfelle, rief nach Ferri als Reaktion das Bündnis der kommission bisher Erfolge erzielt hat. Der Ministerpräsident folgen. Abg. Drescher( t), Lattmann, die Freisinnigen Regierungsparteien mit den Klerikalen hervor, aus dem die im sprach ja selbst von unüberwindlichen Schwierigkeiten! sind für diese Entwickelung, Erzberger spricht gegen den November 1904 gewählte Kammer hervorging. Der Artikel meint, Zweifelhaft ist mir, ob wir schon alle Maßregeln erschöpft haben, ffefforismus. Straette verteidigt den Plan mit den Fortschritten daß die Bourgeoisie jetzt bereits dieses Bündnisses müde sei so daß wir berechtigt sind, Enteignung aus politischen Gründen der Technik und der Wissenschaft: man müſſe mit der Bostleistung und eingesehen hätte, daß das Pfaffentum eine schlimmere Gefahr fei als die proletarische Revolte. Da fich gleichzeitig in zu treiben. In einer Zeit, die bewegt ist von Angriffen auf das auf der Höhe bleiben und darum akademische Bildung für die Eigentum, das nur aus Gründen des öffentlichen Wohles be- höheren Stellen verlangen. der Partei selbst eine ſtarfe Gegenströmung gegen die Streifmanie" Abg. Stüdlen wendet sich entschieden gegen den Verschränkt werden soll, will man diesen Tendenzen von der Regierung fuch, eine neue Staſte bevorzugter Beamten zu bilden. Es werde fühlbar machte, tam es in vielen Orten spontan zu einer Blockbildung aus entgegenkommen! Was heißt überhaupt" Staatswohl gegen, damit der Bostassessorismus großgezogen, Schneidigkeit" in die Poster Volksparteien gegen den Klerikalismus, welche Blockbildung sich über polonifierende Bestrebungen"? Es wird vielleicht gerade Sache dieses Hauses fein, zu sagen: Diesen Schritt machen eingeführt, wo sie doch am wenigsten am Blage fei. Eidhoff it. in Rom auch auf die bürgerlichen Liberalen erstreckte. Im im Gegensatz zu Stüdlen fehr erfreut über die Abfichten der Beichen dieses Zusammenschlusses der demokratischen Parteien werden, wir nicht mit!( Lebhaftes Bravo!) Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben: Mit Entgegenkommen Regierung! raette und Unterstaatssekretär Sybow meinen, wie ferri meint, die nächsten Barlamentswahlen stehen. Es sei nicht anzunehmen, setzt der Artikel im zweiten Teil aus. es handle fich nicht um Affefforismus, sondern hat man bei den Polen nichts erreicht, das lehrt die Geschichte. um einander, daß vor diesen Wahlen ein frischer Windhauch in die Arbeiten wir den polnischen Anfäufen nicht entgegen, so wird die Notwendigkeit der Ausbildung der Posteleven in den Nafis unseres politischen Lebens dringen werde. Da aber das Land immer mehr deutscher Befiz polonisiert werden. Es handelt sich technischen und Naturwissenschaften. Abg. Eichhorn betont, daß fich wirtschaftlich entwickelt und fortschreitet, so daß die Trägheit um teine politische, sondern um eine nationale Attion( Beifall die Sozialdemokraten selbstverständlich nichts gegen eine gediegene und Widerspruch), darum, ob wir oder die Polen das Heft in und auch wissenschaftliche Bildung der Beamten haben; wir feiner Regierung es beständig hemmt und einschnürt, ist es ausVersprechungen abspeisen kann. der Hand behalten sollen. Den deutschen Großgrundbesi wenden uns nur gegen die Eröffnung dieser akademischen Karriere, geschlossen, daß die Regierung auf die Dauer die Bevölkerung mit Falls sie bei dieser Taktil verharren sollte, hätte man zu expropriieren, daran denken wir nicht, damit wir nicht unfere weil wir darin eine weitere Absperrung der oberen Beamtenbeste Stütze wegreißen! Wir hoffen, daß das Herrenhaus uns stellen gegen das Einbringen der mittleren und unteren Bolksschichten einen Aufstand zu gewärtigen. Wahrscheinlich fei aber, daß sehen. Abg. Semler spricht sich auch sehr entschieden in dieser wichtigen nationalen Angelegenheit nicht im Stich lassen zur Bewährung ausgiebiger gegen die Neueinrichtung aus; er warnt davor, über diese sich die Regierung endlich wird.( Bravo!) Reformen Für die nächste Legislaturperiode Geheimrat Dr. Hamm: Von Ungerechtigkeit gegen die Polen bedeutungsvolle Neuerung so leicht hinwegzugehen. Die Position sieht also Ferri ein Reformtabinett voraus, fann bei der Vorlage nicht die Rede sein. Wenn schon aus wirt wird schließlich genehmigt. Folgen die Anforderungen für die mittleren auch die Sozialisten ihre Unterstützung gewähren werden. Einem solchen Experiment fei Schreiber des schaftlichen Gründen enteignet werden darf, dann erst recht aus Hierbei wird die Frage des organischen Artikels im Jahre 1900 entgegengetreten. Heute halte er den Augenrationalen. Es ist der Stolz der Hohenzollern, in den Ostmarken und unterbeamten. gemanisiert zu haben, das gab ihnen das Recht, deutscher Kaiser Aufbaues der Beamtengruppen eingehender besprochen. Referent blid für gekommen, es ausreifen zu lassen, obgleich er selbst nicht zu werden. Seien Sie gerecht, aber seien Sie gerecht auch einmal Beck möchte das Syſtem der sogenannten gehobenen Stellen" bei übertriebene Hoffnungen darauf fetze und es für nötig halte, daß den Unterbeamten erhalten und weiter ausgebildet sehen. Korreferent die Leitfäße und Ziele unferer Partei gesellschaftung der Produktionsmittel Graf v. Thiele- Windler: Ich kenne die Verhältnisse in den opsch hält es für beffer, wenn eine Teilung der Unterbeamten in zwei übereinanderstehende Schichten eintrete. StaatsOstmarken und halte die Vorlage für einen Schlag ins Wasser. fetretär Straette ist gegen eine weitere Zeilung, da fie die Aus- propagandiert würden. Ferri meint, das italienische Proletariat fei Wenn wir heute aus nationalen Gründen expropriieren, dann garantiert uns niemand, daß man morgen nicht aus sozialen gaben im ersten Jahre um 37 Millionen Mark erhöhe. Der et reif genug, um Nußen von einer Reformpolitik zu haben, auch und fonfessionellen Gründen expropriiert! Um bas wieder richtige Weg scheint ihm die weitere Ausbildung des Systems tönne teine Bourgeoisie ihren gefchichtlichen Byllus durchlaufen, ohne eine Phase der radikalen Reformpolitik. gutzumachen, was wir im Osten durch eine verfehlte Politik verder gehobenen Stellen". Er hat eine Verordnung erlassen, nach Um ihn zum Niederlegen der Chefredaktion des Avanti" zu loren haben, dazu gehört zunächst eine Beamtenschaft von höchster welcher fünftig die Beförderung in eine gehobene Stelle" an ein Qualität. Hierin liegt gegenwärtig ein Mangel. Schaffen wir schriftliches und mündliches Examen gebunden ist! Den Unterbeamten bestimmen, hätten die folgenden Erwägungen zufammengewirft: „ erstens ist es heilsam, daß das Proletariat sich an den Gedanken weiter eine deutsche Staatsschule. Stellen Sie 20-30 Millionen der" gehobenen Stellen" sollen einfachere Arbeiten, die gegenwärtig gewöhnt, daß kein Mensch unentbehrlich ist, wenn auch ein jeder der Mark, auch mehr darauf kommt es nicht an für diese Zwecke frei. Und endlich löfen Sie die Ansiedlungskommission auf, die Stellen"; diese Einrichtung stellt sich heute dar als ein Herd der Avanti", die nicht die finanziellen Mittel hat, wie die bürgerliche Abg. Eichhorn wendet sich gegen das System der gehobenen Partei nüßlich sein kann; zweitens ist es gut, von Zeit zu Zeit die leitenden Kräfte zu erneuern, besonders in einer Zeitung, wie der an den jetzigen Zuständen schuld ist. 4% Millionen Polen zu 4½ Millionen Polen zu Korruption; die Beförderung in die gehobene Stelle ist vielfach Breffe, und daher in unglaublicher Weise die persönliche Energie expropriieren ist einfach unmöglich.( Bravo!) Landwirtschaftsminister v. Arnim nimmt die Beamten in der nicht bedingt durch größere Verantwortung, schwierigere Arbeit oder aufreibt und verzehrt; drittens ist es besser, wenn einmal ein Ostmark gegen den Vorwurf des Vorrebners in Schutz. In Zeiten höheres Dienſtalter, sie hängt von dem Gutdünken des Vorgesetzten Experiment reformistischer Politik gemacht werden soll, daß es von der Gefahr fann eine große polnische Bevölkerung geradezu eine ab. Wenn nun eine Prüfung vorgeschrieben werden foll, fo wird denen unterstützt, verteidigt und illustriert werde, die ihre lleberdie Ostmark und kann sagen, die Polen haben den Krieg an den tönnen, vorausgesetzt daß die Zulassung zur Prüfung nicht wieder freier über die neue Direktion des„ Avanti" entscheiden können. Er Der nächste Parteitag werde in seiner, Ferris, Abwesenheit Oberbürgermeister Dr. Kersten- Thorn: Ich kenne seit Jahren wenden haben und ihr eine Weile abwartend gegenüberstehen zeugung und ihr Temperament darauf hinweist." Saaren herbeigezogen und uns aufgezwungen. Wir danken es einseitig beschränkt wird.- Staatssekretär Straette protestiert bliebe natürlich zur Verfügung der Partei, falls diese zur Unterder Regierung, daß sie mit dem Bidzadkurs endgültig gebrochen gegen den Ausbruck Korruption" in Beziehung auf Beförde stügung der voraussichtlichen Reformpolitik feiner bedürfe. Zulegt verbreitet sich Ferri über die Lage des„ Avanti". Er hat. Die Tätigkeit der Ansiedlungskommission kann ich als ein rung der Beamten; die nicht beförderten fühlten sich immer Kulturwerk ersten Ranges bezeichnen, und zwar aus eigener An- zurüdgefeßt und flagen über Günstlingswirtschaft. Abgeordneter stand, habe das Format vergrößert, habe allwöchentlich eine sechs schauung. Wenn wir sehen, daß der Weg der Regierung zum amecher bestreitet, daß eine weitere Teilung der Beamten habe das Blatt übernommen, als es am Rande des Abgrundes schaft finanziell bon großer Bedeutung fei; er tritt Biele führt, werden wir gern weitere Mittel bewilligen! Seiten starke Nummer eingeführt, zwei neue Rotationsmaschinen gehobenen Unterbeamten ein. Oberbürgermeister Dr. Bender- Breslau: Ich würde den für das Examen der in drei Jahren Eigentum des Blattes sein werden, wenn die heutigen polnischen Herren hier dankbar sein, wenn sie erklären würden, Gröber verlangt für die Beamten das Recht, miteinander in( 46 000 ire) und fünf Seßmaschinen( 61 000 Lire) angeschafft, die daß das polnische Wolf den Sonderbestrebungen fernsteht. Trotz- Verbindung treten zu dürfen, um sich über Forderungen zur dem verwerfe ich die Vorlage, weil ich sie für zweckundienlich halte. Hebung ihrer Lage zu verständigen. Ein eigentliches to alitions- atenabzahlungen fortdauern. Daß das Blatt wirtschaftlich, auf für den Pressefonds müßten alljährlich 20-25 000 Lire ergeben. Da Sie machen dadurch, daß Sie einem Polen Deutsch beibringen, ein recht soll das nicht sein, nur etwa so eine Aufhebung des Ver- eigenen Füßen stehen könne, sei leider eine Jalusion; die Sammlungen dummes sind zu einem flugen Kinde. Eine gerechte, feste, wohl. bindungsverbots. Gidhoff begnügt sich auch mit dieſem be- in den letzten Jahren diese Sammlungen nur 7000 Lire ergaben, wollende Verwaltung, die die Polen sich selbst überläßt und das fcheidenen" Recht"; er fragt noch an, ob die bisher ohne Gramen fei ein Defiait entstanden, für dessen Deckung Ferri unlängst Deutschtum pflegt, wird am besten geeignet sein, den Kampf zu Gehobenen" in ihrer Stellung bleiben, was bejaht wird. Damit wird die Verhandlung abgebrochen und bis Freitag beendigen. Das Gesetz wird uns nichts nüßen, wir haben die bertagt. schwersten Bedenken dagegen.( Bravo!) gegen sich selbst! Gefahr für den Staat werden. Justizminister Dr. Befeler: Die Staatsregierung hat nie einen Zweifel darüber gehabt, daß sie mit ihrer Vorlage auf gesetzlichem Boden steht. Das öffentliche Wohl geht dem Privateigentum voran, und unter öffentlichem Wohl" find in erster Linie zu verstehen Maßnahmen zur Erhaltung des Staates selbst. Graf Droste zu Bischering bezeichnet die Vorlage, weil sie der Gerechtigkeit widerspreche, die ein chriftlicher Staat niemals berlegen dürfe, als unannehmbar. Sie führe in ihren Konsequenzen zum sozialdemokratischen Staat. Ein Schlußantrag wird angenommen. Graf Botho zu Eulenburg beantragt, die Vorlage an eine Stommission von 25 Mitgliedern zu verweisen. Das Haus beschließt fo. Zwei Betitionen des Zentralrats der Hirsch- Dunderschen Gewertvereine best, eines Ortsvereins dieser werden durch moti vierte Tagesordnung erledigt. von mittleren Beamten verrichtet werden, übertragen werden. man allerdings nicht mehr so viel gegen die Einrichtung einzuD " " Parlamentarifches. Die Wahlprüfungskommission beschloß in ihrer Donnerstag sizung zunächst, die Wahl des Abg. Dr. Arning( 7. Hannover.) für gültig zu erklären. Sodann prüfte die Kommission die Wahl des Abg. b. Byern( deutscht., 3. Magdeburg). Der von frei. sinniger Seite eingelegte Proteft behauptet zunächst, daß durch die bei der Hauptwahl stattgefundenen Wahlbeeinflussungen das Wahl resultat insofern gefäscht worden sei, als der konservative Kandidat zu Unrecht in die Stichwahl gekommen sei. Die Kommission war einstimmig der Meinung, daß die behaupteten Wahlbeeinflussungen eine solche Verschiebung in den Stimmenverhältnissen der KandiEs entfielen auf den Daten nicht hätten herbeiführen können. konservativen Kandidaten v. Byern 11 955, auf den Kandidaten der Freifinnigen( Behrer Mertens) 8591 und auf den sozialdemo Slaffenlampf und Ver immer in den Massen 80 000 Lire von wohlhabenden Genossen aufgebracht hätte. Es sei aber nötig, daß der„ Avanti" täglich 6 Seiten start sei, und dazu müßte ein alljährlicher Zuschuß von 80 000 Lire gesichert sein. Um diese Summe aufzubringen, feien bereits von mehreren Gewerkschaftsverbänden Vorschläge gemacht worden; als Gegenleistung beanspruchen die Gewerkschaften die dritte und vierte Seite, so daß die erste, zweite und ein Teil der fünften Seite für Politit, Lokalteil usw. verbleibt. Ferri hofft, daß am nächsten ersten Mai dies neue Pro jelt verwirklicht werden könne. Als Nachwort veröffentlicht der„ Avanti" einen Brief Ferris, in dem dieser an die Genossen des Parteivorstandes schreibt, daß er nach Rücksprache mit anderen Genossen zu der Ueberzeugung ge tommen fei, daß Morgari die geeignetste Persönlichkeit zum Nachfolger in der Leitung des Avanti" fei. Ferri fchlägt also vor, um den Schaden seines Rücktrittes zu mildern", Morgari bis zum nächsten Parteitag zum Chefredakteur zu wählen. Wie bekannt, ist Genoffe Morgari politischer Sekretär des Partei vorstandes und der Parlamentsfrattion. Personalien. Genosse Herman Wendel ist aus der Redaktion| zuziehen. Bisher ist es der Firma nicht gelungen und wird der Leipziger Boltszeitung" ausgeschieden. " 9 Der Borstand der englischen Arbeiterparteifraktion. Eine Sigung der Fraktion der Arbeiterpartei hat am zum Bizevorfizenden und Ramsay Macdonald zum ParteiDienstag artur Henderson zum Vorsitzenden, George Barnes fekretär für die fommende Seffion gewählt. Holland im Jahre 1907. Als nach den Kammerwahlen von 1905 das Ministerium Kuyper zurüdtreten mußte, empfand dies auch die aufgeklärte Arbeiterschaft als eine Befreiung von unerträglich gewordenem Drud. So wenig Gutes man von den liberalen Nachfolgern der Heritalen„ antirevolutionären" Minister erwarten konnte, so war cs doch immerhin eine Genugtuung, daß lettere endlich aus den Teitenden Stellen verdrängt wurden. Das liberale Ministerium De Meester hat sich dann im ersten sowoh', wie im zweiten Jahre feines Daseins in der Tat unfähig gezeigt, seinem Programm Geltung zu verschaffen und irgendwelche nennenswerten liberalen Reformen durchzuführen. Es mußte gegen Ende des Jahres in folge seiner inneren Schwächen und seiner parlamentarischen Unhaltbarkeit zurücktreten. In der Ersten Kammer hatte das Mi. rifterium überhaupt keine Mehrheit, und von den 100 Abgeordneten der Zweiten Kammer gehören 49 tleritalen Parteien an. Die 7 Sozialdemokraten bilden hier also das Bünglein an der Wage Sie fonnten das Ministerium De Meester selbstverständlich nur infofern unterstüßen, als es in der Tat liberal und demokratisch sein wollte oder sich in anderer Hinsicht bemühte, Kulturintereffen zu fördern. Aber unsere Parteigenossen fanden nur allzu wenig Gelegenheit, irgendwelchen Vorlagen des Ministeriums ihre Stimmen zu geben, ja sie mußten schließlich dazu beitragen, die liberale Regierung zu Fall zu bringen. Zur Situation im Baugewerbe. es wahrscheinlich auch so leicht nicht gelingen, da die Streikenden Eine am Dienstag in Dresden tagende Zimmererberfamm jeden, der bei der Firma Arbeit annehmen will, bereitwilligst, in lung lehnte ebenfalls einmütig den von den Bauunternehmern vor. freundlicher und höflicher Art und Weise die Ursache ihrer Arbeits- gelegten, in feinen schlimmsten Bestimmungen schon veröffentlichten einstellung mitteilen. Bergebens hat die Firma durch ihren Herrn Tarif ab.( In dem Bericht über die Maurerversammlung ist inaufmerksam gemacht, um sie los zu werden. Die Polizei hatte aber nur die Zentralvorstände für Abschluß resp. Kündigung maßObergärtner die Schußleute auf die Streitposten stehenden Gärtner sofern ein Irrtum enthalten, als darin steht, daß der Tarif von den Unternehmern einseitig vorher aufgehoben werden könne. Es sollen eben keinen Grund, einzuschreiten und kann sich auch ferner ver- gebend sein.) Gauleiter& tisch ging scharf mit dem Machwerk ins sichert halten, daß ihr zum Einschreiten keine Gelegenheit ge- Gericht. Jntereffant ist, daß Interessant ist, daß in der Unternehmer- Versamm geben wird. Das gefällt aber dem Inhaber der Firma W. Swoboda lung der Baumeister Noad- Dresden anerkannt habe, daß das und auch dem Herrn Obergärtner Mühlner nicht und so veran- bisher bestehende Tarifverhältnis durchaus ersprießliche Ver laßten beide, daß zwei Geheimpolizisten auf direkte Weisung des hältnisse im Baugewerbe geschaffen habe. Trotzdem ist in der bergärtners Mühlner, drei der Streifpoften, als sie ruhig, ohne Generalversammlung der Bauarbeitgeber mit 212 gegen nur 45 Stirumen iemand belästigt zu haben, auf dem Fußweg bor der Firma auf solution, in der das Eingehen auf den von den Unternehmern boreine Lohnerhöhung abgelehnt worden. Eine entsprechende Ne und ab patrouillierten, anhielten und dann zur Wache führten, wo gelegten Tarif abgelehnt wird und man sich mit dem Verhalten der ihnen der Prozeß wegen Uebertretung des§ 153 der Reichsgewerbe- Lohnfommission einverstanden, aber zu weiteren Verhandlungen beordnung angedroht wurde. Wir empfehlen der Polizei ein auf- reit erklärt, wird dann angenommen. Die Versammlung war bon mertsames Studium des§ 153 der Reichsgewerbeordnung und fie 1200 Zimmerern besucht. wird darin nichts finden, was eine Anklage gegen das Verhalten der drei nach der Wache geführten Gärtner abgeben könnte. Herr . Svoboda aber soll sich auch gesagt sein lassen, daß einzig und allein sein eigenes Verhalten diesen, für ihn höchst fatalen Zustand heraufbeschworen hat, der am wenigsten durch solche Maßnahmen beseitigt wird. Deutsches Reich. Die Bertragsbruchsklage der Hamburger Reeder gegen den Hafenarbeiterverband gelangte am Dienstagnachmittag vor der Zivilkammer III des Landgerichts Hamburg zur Verhandlung. Ein Vorläufer dieser Klage war, wie schon mitgeteilt, der Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung, dem Beklagten zu verbieten, den Zuzug von Hafen arbeitern in irgend einer Weise, sei es direkt oder indirekt zu stören, insbesondere öffentliche Warnungen vor solchem Zuzug zu erlassen oder zu veranlaffen, die Kontraftarbeiter als Streifbrecher usw. zu bezeichnen und dem Beklagten aufzuerlegen, zur Sicherstellung des lägers gegen fernere Verlegungen des Vertrages eine hohe Geldder Hauptfache stattgegeben. Gegen den Entscheid ist aber Berufung summe an Gerichtsstelle zu deponieren. Diesem Antrage wurde in beim Oberlandesgericht eingelegt worden. Nunmehr haben die drei in Frage kommenden Organisationen des Bauberufs in Dresden einstimmig das Machwerk der Unternehmer, das sie wohl selber kaum ernst genommen haben, abgelehrt. Es wird sich ja nun zeigen, ob die Unternehmer ihre Drohungen wahr machen werden. Husland. Der russische Gewerkschaftskongreß aufgefchoben. Die Organisationsfommission für die Einberufung des Ge tvertschaftskongresses gibt in der letzten Nummer des„ Gewerkschaftsanzeigers" die Erklärung ab, daß alle Schritte, die zur Legalisation des geplanten Gewerkschaftskongresses unternommen die Einberufung des Kongresses in nächster Zukunft sich als untourden, ohne Erfolg geblieben seien, und daß aus diesem Grunde möglich erweise. Gleichzeitig ersucht die Organisationsfommission die Verbände, die Frage zu erörtern, ob fie nicht infolge des Aufschubes des Kongresses die Einberufung einer Konferenz zur Erörterung einiger Tagesfragen für notwendig erachteten. Anfangs des Jahres 1907 versuchte der damalige Kriegsminister Staal ein ganz klein wenig von seinem Sparprogramm durchzusehen. Sein Budget wurde jedoch von der übermächtigen tlerifal und militaristisch gesinnten Mehrheit der Ersten Kammer verworfen. Er mußte abtreten. Nach langem Suchen fand man in dem General Van Rappard einen neuen Kriegsminister. Auch dieser mußte gegen Ende des Jahres fein Amt worfen hatte. Einerseits waren es die militaristisch gesinnten niederlegen, nachdem die zweite Kammer sein Budget ber Abgeordneten auf der rechten, andererseits Abgeordnete der linken Seite, unter diesen natürlich die Sozialdemokraten, die gegen das Budget stimmten. Diesmal erklärte sich das ganze Ministerium mit dem Kriegsminister solidarisch und reichte zu Weihnachten sein Abschiedsgesuch ein. Inzwischen ist der flerifale„ antirevolutionäre" Abgeordnete eemsfert mit der Zusammenstellung eines neuen Ministeriums betraut worden, hat aber diese schwierige Aufgabe bis jetzt noch nicht gelöst. waren. Gesetzgeberisch mar das verflossene Jahr fast ganz unfruchtbar. Die nun zur Verhandlung stehende Klage verlangt, festzustellen, daß der im April 1907 zwischen Reebern( Hafenbetriebsverein), und Hafenarbeiterverband abgeschlossene Bertrag nicht am 1. Oftober 1907 erloschen ist. Ferner beantragt der Kläger, die Bellagten( ähnet, Borsitzender der Hamburger Schauerleute, Döring, Borsigender des Gesamtverbandes, sowie die Mitgliedschaft der Schauerleute und den Gesamtverband) zu verurteilen, die oben genannten Handlungen zu unterlassen und zur Vornahme folgender Handlungen zu verurteilen: 19 Eine neue Buchbrucerorganisation in Petersburg. Wie erinnerlich, wurde der Petersburger DrudereiarbeiterTarifvertrages mit den Unternehmern schreiten wollte. Seitdem verband, die stärkste Gewerkschaft in Petersburg, im August v. J. polizeilich geschlossen, gerade als er an die Abschließung eines haben sich die Beziehungen zwischen den Drudereibesißern und Arbeitern so zugespißt, daß ein Teil der Unternehmer selbst darum nachsuchte, die Legalisation eines neuen Verbandes zu beschleunigen. Am 21. Januar hat denn auch die Behörde für Vereinsangelegenheiten die Registration des Vereines der Arbeiter der graphischen Künste" gestattet, nachdem zwei ähnliche Gesuche, die während der letzten Monate eingereicht wurden, abschlägig beschieden worden Künste" außerordentliche Einschränkungen auf. So gestattet es Das neue Statut legt den Arbeitern der graphischen die Abhaltung nur solcher Versammlungen, in denen Fragen be handelt werden, die unmittelbar mit der Tätigkeit des Vereines in Verbindung stehen. Die Auffassung jenes Petersburger Revierauffehers, der auf einer Metallarbeiterversammlung erklärte: Hier dürfen nur Fragen erörtert werden, die mit der Bearbeitung von Metall in Verbindung stehen", ist somit zum Gesetz erhoben. Eingegangene Druckfchriften. Otto Ernst, Des Kindes Zeitschriftenschau. Bibliographic 18. Heft des 26. Jahrgangs erschienen. Es hat folgenden Inhalt: Taltisches Bon der Neuen Zeit"( Stuttgart, Paul Singer) ift foeben das zur Blodpolitit. Das politische System der Sozialdemokratie Bon Ant. Methoden der Kolonialverwaltung. Bon S. Kautsky. Zwei Banneloet. Schriften über Moral. Von G. Edstein. Die paffive Resistenz" im Leipziger Buchhandel. Von Paul E. Plottke( Leipzig). Das argentinische Arbeitsamt. Bon Germán Avé- Lallemant( San Luis, Argentinien). Literarische Rundschau: Mag Reichmann, Die christlichen Gewerkschaften. 3hr Werden, ihr Wesen und ihre Ziele. J. Giesberts, Die chriftlichen Gelichen Leben. C. Forschner, der chriftliche Gewerkschaftsgebante. Jahrbuch werkschaften in der Arbeiterbewegung, der Volkswirtschaft und im öffent der chriftlichen Gewerkschaften. Bon ad. br. Freiheit und Freude. Von h. sch. des Sozialismus. Die„ Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch handlungen, Bostanstalten und Kolporteure zum Preise von 3.25 m. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann diefelbe bei der Boft nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft fostet 25 Pf. Brobenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Bibliothèque du Mouvement Socialiste II La Confédération Générale du Travail. Emilie Pouget. 64 Seiten. Syndicaliste. Victor Griffuelbes. 67 Seiten. Marcel Rivière, Paris. IV L'Action Großstadt Dokumente. Dr. M. Hirschfeld. Die Gurgel von Rechtsanwalt Dr. J. Werthaner. Sittlichkeitsbelifte der Ein Gesetz über die Untersuchung nach der Baterschaft, das die Rechtsstellung unverheirateter Mütter und ihrer Kinder verbessert, tam in der Zweiten Kammer nach langer Debatte zustande. Sonst Innerhalb drei Tagen nach Rechtskraft des Urteils des Urteils die ist auf sozialem Gebiete kein Gefeß geschaffen worden, das irgend Redaktionen des Vorwärts", des Hamb. Echo", des„ Stettiner wie Erwähnung verdiente. Selbst der Schimmer von Hoffnung, Volksboten" und des„ Hafenarbeiter" aufzufordern()," den erden man dem Arbeitsminister Beegens auf Grund seiner Tätigfcit als freijinnig- demokratischer Abgeordneter entgegenbringen tennenden Teil des Urteils in ihrer nächsten Nummer auf Kosten der fonnte, hat sich als trügerisch erwiesen. Für neue fönigliche Pferde- Beklagten zu veröffentlichen. Im Falle Nichterfüllung verlangt der ställe oder bielmehr Pferde paläfte bewilligte die Kammer Kläger die Ermächtigung, den erkennenden Teil des Urteils in 425 000 Gulden und für neue Kriegsschiffe erhielt das Ministerium anderer geeigneter Weise zur Kenntnis der Hafenarbeiter und invon der Kammer eine Million mehr als es gefordert hatte. Zur tändischen Arbeitsvermittelungen zu bringen, und zwar bis zum Linderung der sozialen Not der Arbeiterklasse aber war kein Geld Höchstbetrage von 3000 m. auf Kosten der hierfür als Gesamt übrig! Zur Wahlrechtsreform brachte das Ministerium im Oktober schuldner haftenden Beklagten. Der Kläger behält sich außerdem die einen ziemlich radikalen Entwurf ein, der das allgemeine Wahlrecht Geltendmachung weiteren Schadenerfazes vor. auch den Frau en bringen sollte. In längeren Ausführungen suchte der Die gewaltige allgemeine flägerische Anwalt Wahlrechtsdemonstration der niederländischen Arbeiterschaft, die Dr. Ehlers den Nachweis zu führen, daß die Bellagten zur Er diesmal in Rotterdam stattfand und stärker war als je zubor, cr- füllung der Klagepunkte verpflichtet seien. Sie müßten die geties fich als vorzüglich geeignet, dem Ministerium in dieser seiner nannten Blätter veranlassen zur Aufnahme der Richtigstellungen. cinzigen großen demokratischen Sache den Rücken zu stärken. Aber Der Einwand des Bellagten ähnel, daß ohne fein Verschulden die Regierung De Meesters stand ja damals schon vor dem Fall. die Warnungen vor Zuzug von Arbeitskräften nach dem Hamburger Wollte sie die Wahlrechtsfrage wirklich lösen, jo hätte sie mit ihrer Safen im„ Borwärts" und" Voltsboten" erschienen feien, sei unVorlage früher fommen müssen. War ihr dann kein Erfolg beschieden, so hätte sie sich wenigstens einen ehrenbollen Ab- glaubhaft, wie auch unglaubhaft sei, daß er die Warnung nur als gang gesichert. Die holländische Arbeiterschaft ist nun auch in der Information an den Arbeitersekretär Albin Kör sten Berlin geWahlrechtsfrage wieder ganz auf ihre eigene Kraft angewiesen. fandt habe, der sie dem„ Vorwärts" zugetragen haben solle. Diese Ihre Stärke aber wächst beständig und unaufhaltsam. Immer Stellen würden sicher nicht ohne Zustimmung so verfahren, denn das gewaltiger wird die Zahl derer, die sich um das Banner des ail- wäre äußerst leichtfertig gehandelt. Döring sei ebenfalls vergemeinen Wahlrechts scharen. An diefer von Jahr zu Jahr an antwortlich zu machen, weil er in einem Brief an den Kläger geschwellenden Bewegung muß schließlich die Macht der Wahlrechts- schrieben habe, er billige den Inhalt der Warnungen. Der Rechtsfeinde zerschellen. Auch bei den Wahlen des verflossenen Jahres trat der wachsende beistand der Beklagten, Dr. Bliz, tritt diesen Ausführungen Hähnel fönne Einfluß der Sozialdemokratie trotz des elenden Wahlrechts deutlich entgegen. gar nicht berklagt werden, zutage. Bei den Wahlen zu den Provinzialstaaten stieg die Zahl weil er gar feinen Vertrag mit dem Kläger ab- Dr. Reymann. Berlag von Edmund Demme, Leipzig. 1,50. ber sozialdemokratischen Vertreter in Nordholland von 1 auf 4, in gefchloffen habe. Schließlich könnten ja die sämtlichen Mitglieder Oberijsel von 1 auf 2, in Groningen von 1 auf 4 und in Friesland des Hafenarbeiterverbandes belangt werden. Hähnel habe die Invon 3 auf 8. Die Gemeinderatswahlen brachten unseren Genossen formation an die Berliner Gewerkschaftskommission gefandt und ohne über Erwarten gute Erfolge. Die Gesamtzahl ihrer Gemeindevertreter in den verschiedenen Städten und Orten stieg von 43 auf fein Dazutun habe die Warnung am 2. November 1907 im 99! In dem Städtchen Goor brachten sie es sogar auf die Mehr Vorwärts" gestanden. Die in Frage kommenden Personen feien heit der Mandate. zur Eidesleistung bereit. Dr. Ehlers: Der Augenschein spricht zu ſehr dagegen, daß der Vorwärts in leichtfertiger Weise unterfchriebene Aufrufe aufnehme. Am zweckmäßigsten wäre es, wenn Sörften an dieser Stelle eidlich darüber vernommen würde. auf nächsten Dienstag ausgesetzt. Nach längerem Für und Wider wurde die Urteilsverkündung Die mit der Sozialdemokratie Hand in Hand arbeitende Gewerkschaftsbewegung hat ebenfalls einen starten Aufschwung genommen. Dem Verband der Fachverbände sind jett rund 32 000 Arbeiter angeschlossen. Der Mitgliederzuwachs betrug im berflossenen Jahre 6000. Gegenwärtig leidet die holländische Arbeiter schaft schwer unter der Wirtschafskrise. Die Arbeitslosigkeit hat einen erschreckenden Umfang angenommen; sie zeigt der Arbeiter. flasje wieder einmal deutlich, was die sittliche" bürgerliche Gesellschaftsordnung wert ist. Ohne Zweifel wird das Jahr 1908 auch für die holländische Arbeiterklasse ein Kampfjahr werden. Sie geht den Kämpfen entgegen: beffer gerüstet als je. Gewerkschaftliches. Linderung der Notlage oder Ausnutzung derselben? Die Notlage der Arbeiterschaft infolge der herrschenden Krise hat überall Veranlassung gegeben, die Gemeinden zur Linderung Dieser Not aufzufordern. Wie die bürgerliche Gesellschaft sich nun ein solches Eingreifen denkt, mag folgendes erweisen. " Berlin. Großstadt. Einzelbeft 1 M. Verlag H. Seemann Nachfl., Berlin NW. 87.tapitän a. D. 35 Seiten. Berlag R. Cordes in Stiel. Die Zuckerkrankheit ist heilbar. Ein neues Heilverfahren." Bon Kollisionsgürtel und Torpedoku tine. Bon Sebelin, Korbetten1,50 M. Selbstverlag in Breslau, Auguftaftr. 82. Nachtschatten. Ein Fall preußischer Rechtspflege. Bon M. Pulk. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballen- Direktion über den Großhandel in den Zentral- Markthallen. Marktlage: Fleisch: Bufuhr start, Geschäft schleppend, Breise für Schweinefleisch nachgebend, sonst Geflügel: Zufuhr reichlich, Geschäft lebhafter, Preise befriedigend. unverändert. Bild: Bufuhr nicht genügend, Geschäft lebbaft, Breise gut. Fische: Bufuhr mäßig, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Stäje: Geschäft ruhig, Breise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschäft auffallend still, Preise wenig unverändert. Wafferstands- Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt bom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Der Gasarbeiterstreit in Halle a. S., über den wir bereits telegraphisch berichteten, ist vom Stadtverordneten follegium und Bürgermeistern in rigoroser Weise provoziert worden. Da man bor nicht allzu langer Zeit Magistratsmitgliedern, Polizei- und anderen Beamten und Lehrern bedeutende Gehaltszulagen von insgesamt rund 300 000 M. bewilligt hat, glaubten auch die städtischen Arbeiter um kleine Forderungen bitten zu dürfen. Sie petitionieremel, Tilfit ten vor Weihnachten bei dem Stadtverordnetenkollegium um Einführung der Wochenlöhnung, damit die Arbeiter in Festwochen nicht mehr mit Beträgen von 10 und 12 M. pro Woche nach Hause gehen brauchten. Das liberale" Kollegium lehnte die bescheidene Forderung ab und ein„ Liberaler" fand Mut, die Arbeiter, die Lohn für Feiertage verlangen, als Faulenzer zu bezeichnen. So rig endlich die Geduld der Arbeiter. Natürlich bezeichnet die Lataienpresse den Streit als sozialdemokratische Berhebung. Moderner Arbeitswilligen- Transport. Auf Antrag einer Arbeitslosenversammlung beschloß der Gemeinderat des Harzstädtchens Ofterwied behufs sofortiger Jnangriffnahme von Rolstandsarbeiten" vorläufig 3000 M. auszuwerfen. Die zur Regelung dieser Angelegenheit eingesetzte Kommission hat Bei dem Streit der Ziegeleiarbeiter der Dampffalzziegelfabrik nun den Tagelohn für die Notstandsarbeiten auf 1,50 M. für berheiratete und 1 M. für ledige Arbeiter festgesetzt. Noehold in Briesnig bei Dresden feiert die moderne Verkehrstechnik Troß dieser niedrigen Lohnfäße meldeten sich gleich am ersten ihre Triumphe. Das Auto wird in den Dienst des ArbeitswilligenTage 40 Arbeiter, um Arbeiten zu übernehmen, die jedenfalls unter Transports gestellt. Bregel, Insterburg Weichsel, Thorn ober, Ratibor Atroffen Frankfurt Barthe, Schrimm Landsberg Nebe, Bordamm Elbe, Leitmeriz Dresden Barby Magdeburg " am feit 29. 1. 28. 1. cm cm ¹) 3483) 2473)+11 2283)+4 +4 Wasserstand Saale, Grochlik Havel, Spandau 2) Rathenow) Spree, Spremberg) Beeskow 237)+131 171 273)+ 143efer, Münden 201+2 Minden 1443)+7 Rhein, Marimiliansau + bedeutet Wuchs, ) eisfrei. 5) Treibeis. am feit 29. 1. 28.1. om cm¹) 147-42 122+4 149 0 146+44 103-106 158+-2 120-20 111+2 Kaub Köln Redar, Heilbronn Main, Wertheim Mosel, Trier 1355)+46 189+53 150+75 180+25 200+50 Fall. ³) Unterpegel. Eisstand. 73 +3 -12+19 -102-2 136+11 Witterungsübersicht vom 30. Januar 1908, morgens 8 Uhr. Stationen Barometer. stand mm 28ind. Sun Better Temb. n. 5° 6.=( anderen Umständen der Gemeinde weit höher zu stehen kommen Am Dienstag tam ein Trupp Galizier auf dem Neustädter würden. Wenn nun auch bei zirka 100 Arbeitslosen mit 3000 m. Bahnhof an. Die Arbeitswilligen wurden aber nicht durch die nicht viel anzufangen ist, so läuft der Tagelohn von 1-1,50 M. Bahnhofssperre befördert, sondern nach dem Passieren berdoch mehr auf eine Ausnugung als auf eine Unterstützung der fchiedener Gleife, was ja bekanntlich für jeden gewöhnlichen Notlage hinaus. Der sicherlich nicht zu hoch angesetzte ortsüb. Sterblichen mit Strafe bedroht ist, wurden sie nach dem für Militärliche agelohn veträgt für Osterwied 1,70 m. bis 2,20 m., transporte bestimmten Ausgang und von dort unter gehöriger unter bem sollten jedenfalls auch nicht die Notstandslöhne zur Aus. polizeilicher Bedeckung zu fünf bereitstehenden Autodroschken Swotnembe 755 823 2wolfent- 0 zahlung gelangen. Es wird nun von der Arbeiterschaft versucht, geführt, um dann in sausender Geschwindigkeit nach dem Betriebe Camburg eine entsprechende Erhöhung zu erreichen. gefchafft zu werden. Der Ziegeleibefizer hat nun auch die organi fierten Arbeiter feines Filialbetriebes in Langburfersdorf bei Sebnis München Franfi.a M 764 W Berlin und Umgegend. Bolizei und Streikposten. Die Gärtnereifirma J. C. Schmidt, Hoflieferant, Steglib, Albrechtstr. 85, versucht nun mit allen Mitteln Arbeitskräfte heranBerantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Berlin Wien 758 758 764 SD 1761 Stationen Barometer. stand mm Wind. richtung 28indstarle Better aparanda 743 NN 2beiter 2 Betersburg 740 SS 1 bedeckt 3 wolfig 3 bedeckt 2 Scilly 1 bedeckt 771 9 4 bedeckt Temp. n. trobe seen. 1 1 Aberdeen 761 Still bedeckt 2 Schnee-1 Baris 767 2 2 wolten!-1 ausgesperrt. 3 heiter So werden alle verkehrs- und bahnpolizeilichen Anordnungen Wetterprognose für Freitag, den 31. Januar 1908. fuspendiert alles wegen der Ordnung und Sicherheit der treuen Arbeitswilligen und im Interesse des dreimal geheiligten westlichen Winden; Temperatur wenig verändert. Vorherrschend wolkig mit geringen Niederschlägen und ziemlich frischen Rapitalismus! Berliner Betterbureau Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u.Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Br. 26. 25. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Freitag, 31. Januar 1908. Arbeitslofenverfammlungen in Rixdorf. einer Erscheinung zu tun, die unabänderlich iſt? Nein, der Uebel- seit längerem unter einer zum Teil durch eine verlehrte Zollpoliti In Rigdorf fanden gestern vormittag wieder einmal Straßendemonstrationen statt. Sie waren aber nicht etwa von den arbeitslosen Arbeitern veranstaltet, die sich zu Tausenden, aber in aller Ruhe und ohne besonderes Aufsehen zu ertegen, vei oppe in der Hermannstraße und bei Thiel in der Bergstraße bersammelt hatten, sondern von der Polizei, die, des Suchens nach unauffind baren Mördern und Verbrechern überdrüssig. nun ihre beste Straft einsette, um Rigdorf und seine Umgegend bor bermeintlich furchtbaren Gefahren zu bewahren. Was Rigdorf selbst an Polizeileuten zur Verfügung hat, reichte sicherlich nicht aus, um dem schrecklichen Feind erfolgreich die Stirne bieten zu können. Darum tamen schon frühzeitig große Truppe reitender Schuhleute aus Berlin herbeigeeilt. Ein Gerücht, wonach am gestrigen Tage die vater. Landslosen Gefellen in Rigdorf die öffentliche Gewalt an sich reißen wollten, und dann die Revolutionsheere sofort nach Berlin marfchieren sollten, um die Reichshauptstadt zu unterjochen, war offenbar auch nach dem Alexanderplatz gedrungen. Hier sah man der Gefahr mit der altgewohnten Tapferkeit entgegen. Alles wurde aufgeboten, um den heimtüdischen Plan der Rigdorfer im Keime zu erstiden. Es gelang denn auch und es gelang so gut und ohne jede weitere Anstrengung, daß den Unbeteiligten die friegerischen Maßnahmen der Polizei als gänzlich überflüssig erschienen und bei manchem ein höhnisches Lächeln hervorriefen, das wohl soviel fagen wollte wie: Arbeitslose„ überwachen" ist gewiß leichter, als Mörder fangen. Massen. Gibt es natürliche Gründe dafür, haben wir es mit Lebensmittelteuerung in Desterreich. Auch Desterreich leidet schon stand ist nur in dem herrschenden System der kapitalistischen Pro- hervorgerufenen schweren Lebensmittelteuerung. Im österreichischen duktion begründet, das die tollsten Widersprüche zutage fördert. Konfumverein" finden wir eine Zusammenstellung der Preise der Da sind Leute obdachlos und arbeitslos, weil es zu viele Woh- wichtigsten Lebensmittel im Oftober 1902 und 1907, der wir folgende nungen gibt und teine Häuser gebaut werden, um ihnen Arbeit zu Angaben entnehmen: geben. Die Arbeitslosigkeit der Massen zieht weite Streise in Mit1902 1907 Steigerung leidenschaft, und je länger fie andauert, desto schlimmer werden Heller die von ihr ausgehenden Wirkungen. Reich, Staat und Kommune 1 kg Auszugmehl haben alle Ursache, Mittel zur Einschränkung der Arbeitslosigkeit 1. Erbsen, gespalten. anzuwenden. Der Redner empfiehlt die schon früher von ihm i vertretene Einrichtung einer Arbeitslosenversicherung 1 Butter. bon Reichs wegen, ähnlich der Unfall-, Kranken- und Inva- 1 Ltr. Milch lidenversicherung. Wenigstens ein Minimum zum Leben sollte 1 Ei dem Arbeitslosen gesichert sein. Der Staat müßte veranlaßt 1 kg Kartoffeln werden, helfend einzugreifen durch Vornahme großer und allge- 1 Semein nüßlicher Arbeiten wie " " Linfen. • Heller in Broz. 33 38 15,1 44 54 22,7 51 82 60,7 260 290 11,5 25 30 20,0 6,6 7,5 13,6 8 10,5 31,2 19 1 Rindfleisch( hinteres mit Knochen) 151,11 Kalbfleisch " Schweinefleisch 176,43 16,9 141,05 173,3 22,8 142,05 176 23,8 • 174 155 199 14,3 209 34,8 1 P Kots Eine Teuerung der notwendigsten Massenkonsumartikel von 11,5 bis 60,07 Broz! Trotzdem wagte es der christlich- soziale Abgeordnete Bielohlawet bei Beratung der sozialdemokratischen Dringlichkeitsanträge von einem Teuerungsschwindel" zu sprechen. Kanalanlagen, Bahnbauten, Urbarmachung von Debland usw. 1 Jn sehr vielen Städten find neue Bahnhöfe eine dringende 1 8tr. Steinkohlen. Notwendigkeit geworden. Die Kommunen könnten viel leisten, wenn sie Schulen bauen lassen, über deren Mangel regelmäßig lage geführt wird; wenn die se analisation in den Städten eingerichtet würde, wo sie nicht besteht, wäre Arbeit genug vorhanden. Eine allgemeine Regelung der Arbeitszeit würde segensreiche Wirkungen haben. Gegenwärtig werden in jeder Krisis die Arbeiter gezüchtigt für die Sünden der Kapitalisten. Der Redner wies zum Schluß seiner Rede auf die Bestrebungen der Sozialdemokraten hin, die Produktion fozialistisch einzurichten und damit den Forderungen der Arbeiter und Arbeiterinnen als Kulturmenschen gerecht zu werden. Nachdem der allgemeine laute Beifall der Versammelten verflungen war, brachte der Vorsitzende die Resolution zur Verlesung, die schon in den vorhergehenden Arbeitslosenversammlungen angenommen und auch im Vorwärts" bekannt gegeben worden ist. mit träftiger Zustimmung wurde der Passus begrüßt, daß die Arbeitslosen jede Hülfe zurückweisen, die den Charakter der Armenunterstübung trägt. Die Resolution fand einstimmige Annahme. Obgleich die Versammlung bis auf den letzten Platz gefüllt war, hatte die Polizei nicht abgesperrt. Der Verkehr regelte sich in ruhiger Weise, auch ohne Absperrung. Vor dem Beginn der Versammlung war ein halbes Dußend Schußleute in der Nähe von Hoppes Lokal zu sehen, ohne daß irgend ein Grund dazu ersichtlich war. Die Zahl der Schußleute verdreifachte sich aber sofort, als die Versammlung geschlossen wurde und die Menge auf die Straße drängte. Ein Leutnant gab Befehle, als erwarte er etwas; auch die Berittenen ließen sich sehen. Aus der Menge erfolgte keinerlei Sundgebung und ruhig ging man auseinander. Das Polizeiaufgebot sah aus, wie das lebendige schlechte Gewissen der herrschenden Klaffe, Aus Industrie und Handel. Ernte. Bei Thiel war der große Saal schon lange vor Beginn der Versammlung bis auf den legten Stehplatz voll von Arbeitslosen, jungen Leuten, Leuten in den besten Jahren und älteren. Auch eine Anzahl Frauen waren da, aber nicht sehr viele. Für Frauen, die gewohnt sind, Lohnarbeit zu verrichten, gibt es ja in Zeiten der Arbeitslosigkeit soviel häusliche Arbeit zu verrichten, daß sie nur ungern die Zeit opfern, um in eine Arbeitslosenversammlung zu gehen. Den Versammlungsbesuchern sah man vielfach die Entbehrung an. Es herrschte denn auch die Stimmung, die die Not hervorbringt, von der man nicht weiß, wann und wie sie enden wird. Nur der Gedanke, daß Kräfte in der Gesellschaft tätig sind, die diesem wahnsinnigen Zustand, wo arbeitsfreudige und arbeitstüchtige Menschen müßig gehen und nicht wissen, wie und wo sie fich Nahrung und Notdurft des Lebens beschaffen sollen, ein Ende machen werden, wedte einen Schimmer von froher Hoffnung. Der Referent, Reichstagsabgeordneter Emmel aus Mülhausen, hob denn auch in seinem Vortrage diesen Gedanken start hervor und unterließ es nicht, die Versammelten darauf aufmerksam zu machen, daß jeder aufgeklärte Arbeiter berufen ist, mit ganzer Kraft für eine Gesellschaftsordnung zu wirken und zu streben, in der es jedem möglich ist, zu arbeiten und von den Früchten seiner Arbeit ein menschenwürdiges Dasein zu führen. Im übrigen schilderte der Redner treffend die Ursachen der Arbeitslosigkeit, die tapitalistische Wirtschaftsordnung mit ihrem Wechselspiel von Prosperität das den Arbeitslosen immer zutraut, sie könnten jeden Augenblick und Krise, mit ihrer scheinbaren lleberproduktion, die die Arbeits- die Geduld verlieren und daß sie deshalb ängstlich überwacht werden kräfte lahmlegt, die Arbeitermassen zu Hunger und Entbehrung müssen. verurteilt, weil sie zu viel geschaffen haben. Dann wies der Redner vor allem darauf hin, daß Reich, Staat und Gemeinden die Pflicht haben, für Arbeit und Berdienst zu sorgen, die Arbeitslosen nicht zu bitten, sondern zu fordern haben, daß man sie nicht schonungslos der Not preisgibt, die nicht durch ihr Verschulden, sondern durch die unzweckmäßige Wirtschaftsordnung und durch törichte Gesetze, Das Jahr 1907 mit seiner ungünstigen Entwickelung für die wie durch den Zolltarif, noch verschärft würde. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Der Vorsitzende, Genosse Arbeiter hat den Unternehmern reichliche Ernte eingebracht. Die Hendrischte gab bekannt, daß der Magistrat und sämtliche meisten industriellen Unternehmen bringen für das letzte Jahr erStadtberordnete von Rigdorf schriftlich zu der Versammlung ein höhte Gewinne heraus. Die Bergwerksgesellschaft Hibernia, die für geladen waren, und forderte nun zunächst vielleicht anwesende 1905 einen Betriebsüberschuß von 10%, Millionen Mark erzielte, Gegner auf, ihre Meinung zu sagen. Es meldete sich aber keiner. schloß für 1906 mit einem Ueberschuß von 15 Millionen Mark und In der Diskussion sprach zunächst Genesse Franke im Sinne des für 1907 mit 15%, Millionen Mark ab. Die Aktionäre der GlasReferats. Dann kam ein Redner zu Worte, der in langen Aus- und Spiegelmanufaktur in Schalte sollen für das Geschäftsjahr 1907 führungen und mit törichten Redensarten über verschiedene Streits 14 Prozent Dividende erhalten. Die Chemnitzer Aftienspinnerei sprach, leitende Personen in der Gewerkschafts- und Parteibewegung wie den Vorwärts" zu beschimpfen suchte und die Absicht zu haben in Chemnitz will für das legte Jahr 10 Prozent verteilen, gegen schien, Zwietracht in der Arbeiterschaft zu säen oder die Versamm 3 Prozent im Vorjahre. Bon 11% auf 15 Prozent geht die lung zu sprengen. Nachdem die Versammlung das eine gute Weile Dividende für die Aktionäre der Mechanischen Baumwollspinnerei ruhig mit angehört hatte, mußte er das Spiel verloren geben. Kaufbeuren hinauf. Der„ Neptun", Schiffswerft und MaschinenVon den sozialdemokratischen Stadtverordneten sprach Genoffe fabrit in Rostoc erhöht die Dividende von 6 auf 7 Prozent. Die Conrad, der zunächst dem vorigen Redner die Wahrheit sagte Leipziger Baumwollspinnerei bringt 16 Prozent heraus. und dann erklärte, daß die sozialdemokratische Interpellation über die Arbeitslosigkeit in der nächsten Sibung des Stadtparlaments 1 Prozent auf 13% Prozent erhöhte fich die Divivende der Gummizur Sprache gebracht werde und die sozialdemokratischen Vertreter fabrik in Groschwitz. alles aufbieten werden, damit städtische Arbeiten sofort in Angriff genommen werden, um den Rigdorfer Arbeitslosen soweit wie nur irgend möglich lohnende Arbeit zu verschaffen. Genosse Emme! machte in feinem Schlußwort besonders darauf aufmerksam, daß städtische Arbeiten in eigener Regie und nicht durch Zwischenunternehmer ausgeführt werden sollten, und erwähnte die Erfolge. die hiermit in Mülhausen, wo er selbst dem Stadtparlament angehört, erzielt worden sind. Auch warnte der Redner vor den Quertreibereien innerhalb der Arbeiterschaft, wie sie hier in der Versammlung von jenem einen Diskussionsredner bersucht wurden. Der Vorsitzende madyte zum Schluß darauf aufmerksam, daß sich jezt häufig allerlei zweifelhafte Elemente in die Arbeiterversammlungen zu schleichen suchen, und warnte vor Provokationen. Auf der Straße wimmelte es bon Schuhleuten und Geheimen. Aus den Bürgerfälen"( Rigdorfer Theater), die einige Häuser vom Thielschen Lokal entfernt liegen, tamen Trupps Berittener und Schußleute zu Fuß. In jenem Lotal war eine fliegende Polizeiwache eingerichtet, wo wohl mehr denn hundert Beamte die Ents wickelung der Dinge abgewartet hatten. Sie fanden aber feine Gelegenheit, irgendwie einzugreifen. Die Versammlungsbesucher entfernten sich in aller Ruhe. 1907 einen weiteren Aufschwung genommen. Der Verband der schweizerischen Konsumvereine hat im Jahre Die Zahl der ihm angeschlossenen Genossenschaften stieg von 287 bis 250, der Mitlieber bon 152000 auf 170 000. Der Warenumsag erfuhr eine glieder von 152 000 auf 170 000. Erhöhung von 10 648 460 Frant auf 14 354 809 Frant, um 3 706 34 Frank oder 34,8 Proz. Soziales. Prolongierte Probeengagements. zu der in Nr. 20 mitgeteilten Verhandlung vor dem Kaufmannsgericht macht uns die Auer- Gasglühlichtgesellschaft zwei Mitteilungen. Die erste bezieht sich auf die als gegen die guten Sitten verstoßend gerügte Bertragsklausel. Die Firma schreibt: Bei Unterzeichnung der Klausel, welche die Firma cr mächtigt, den Reisenden bei Nichterreichung eines bestimmten Wochenumsazes zu entlassen, ist, wie der Kläger selbst in der Verhandlung vorgetragen hat, den Reisenden ausdrücklich erklärt worden, daß eine Entlassung niemals lediglich wegen zu geringer Erfolge, sondern nur dann eintreten würde, wenn außerdem Grund zu der Annahme vorläge, daß der Neisende seinen Verpflichtungen nicht mit der erforderlichen Sorgfalt nachgekommen ist. Nach diesen Grundsäßen ist denn auch stets verfahren worden. Nur in ganz vereinzelten Ausnahmefällen sind Entlassungen vor ordnungsmäßigem Ablauf des Engagements er= folgt, und insbesondere sind von den mit dem Kläger zugleich engagierten Herren nicht der größte Teil", sondern nur zwei, und zwar der eine nach 2 Monate langer, der zweite nach mehr als 3 Monate langer Tätigkeit entlassen worden, nachdem überdies die Herren wiederholt darauf hingewiesen worden waren, daß, falls sie nicht mehr Eifer zeigten, die Firma von ihrem Entlassungsrecht Gebrauch machen müsse." Dadurch, daß die Firma von der Klausel danach in der Regel feinen Gebrauch macht, verliert die Vertragsklausel selbst nichts von der vom Gericht hervorgehobenen Eigenschaft. Die Beseitigung einer solchen Atlausel täte not. Ueber die nach dem Vortrag des Klägers diesem ihm erteilte Antwort: Wir haben kein Asyl für Obdachlose!" bemerkt die Firma: " Der Kläger hat zwar eine solche Bemerkung, die wir, falls fie erfolgt wäre, auf das schärfste verurteilen würden, vorgebracht, aber selbst nur behauptet, daß dieselbe von einem der unteren Beamten, der mit der Geschäftsleitung nichts zu tun hat, ausgegangen sei. Von unserem Vertreter ist in der Gerichtsverhandlung die diesbezügliche Behauptung des Klägers fogleich bestritten worden." Zum Kapitel der Leutenot auf dem Lande dient folgende Leidensgeschichte einer ostpreußischen Landarbeiter. Um familie. Auf dem Gute Schugsten im Kreise Fischhausen, welches einem Herrn Hauptmann Rechholz gehört, wohnt seit länger als 2 Jahren eine Landarbeiterfamilie, bestehend aus Mann, Frau und drei Auch das Geschäftsjahr 1906/07 hat durchweg hohe und ge- noch nicht schulpflichtigen Kindern. Der Mann arbeitet auf dem steigerte Gewinne erbracht, wie die folgende Aufstellung einer Reihe Gute als Tagelöhner, wofür er neben freier Wohnung, die einen Unternehmen aufweist. Es betrug die Mietswert von jährlich höchstens 50 M. hat, pro Tag jetzt im Dividende Winter 1,50 M. erhält. Er bekommt nicht einmal Brennholz. in Brozent Eine Kuh oder ein Schwein darf er sich nicht halten, den Kartoffel1905/6 1906/7 ader muß er pro Rute mit 10 Pf. bezahlen. Der kleinen Kinder wegen kann die Frau zum Verdienst nichts beitragen. Salpeterwerke Fölsch u. Martin in Hamburg. Rhein.- westfäl. Kupferwerke A.-G. in Olpe. Bismarckhütte Bofener Spritfabrik A.-G. Königsberger Bellstofffabrit A.- G.. " Phönig" Bergbau A.-G., Köln. Eschweiler Bergwerksverein 10 40 10 10 22 25 18 25 11 11 15 17 14 14 Kölner Dynamitfabrit 15 15 Salzwerk Chamberg A.-G., Straßburg 12 12 Gehe u. Co. A.-G., Dresden 12 13 Kontordia, chemische Fabrit auf Aktien 13 Eisenwerk Kraft bei Straßwicz. 11 11 Portlandzement- und Wasserfallwert Mad. 5 14 Harpener Bergbaugesellschaft. 11 12 Vereinigte König- und Laurahütte 12 12 Lothringer Hüttenverein Humeß u. Friede 12 Mannheim- Bremer Petroleum A.- G.. 3 12 Deutsche Gold- und Silberscheideanstalt, Frank furt a. M. 22 30 Chemische Fabrik Grünau, Lendshoff u. Meher. Zeiger Paraffin- und Salonölfabrik, Halle a. S. Hartorische Bergwerk u. chemische Fabrit, Schwelm. 12 Leipziger Gummiwarenfabrik Mary, Heise u. Co. Chemische Fabrik Düsseldorf. 15 20 11 12 10 10 . 12 10 11 Wie bringt es diese Familie nun fertig, mit 9 M. pro Woche ihren Unterhalt zu bestreiten? Hier die Tagesspeisekarte: Früh morgens vor Beginn der Arbeit ein taffeeähnliches Getränk und ein Stüd trockenes Brot. Frühstück: Ein Stückchen Schmalzbrot und Kaffee. Mittag: Kartoffeln mit Salz oder Kartoffeln mit Zwiebeln, ab und zu auch Kartoffeln mit etwas Schmalz übergebraten. Einmal in der Woche, wenn es sein kann, drei kleine Heringe zu den Kartoffeln. Vesper: Ein Stück trockenes Brot und Kaffee. Abendbrot: Startoffeln mit Zutaten wie mittags. Fleisch ist in den zwei Jahren, welche die Familie auf dem Gut wohnt, von ihr noch niemals gegessen worden. Dazu reicht es, wie aus folgendem Haushaltsetat zu ersehen, auch nicht aus. Das Eins tommen des Mannes beträgt wöchentlich 9 M., wenn er alle 6 Tage arbeitet. Die Ausgaben sind folgende: Wöchentlich 8 Brote zu 3% Pfund, a 50 Pf. gleich 4 M., 2 Pfund Schmalz oder Margarine a 60 f. gleich 1,20 m., 7 Liter Milch a 10 Pf. gleich 70 Pf., 3 Heringe a 5 Pf. gleich 15 Bf.. Salz, Zwiebeln, Kaffeeschrot. Holz, Hoppes Lotal in der Hermannstraße war schon eine Stunde Betroleum, Seife und sonstige unentbehrliche Kleinigkeiten die bor der angesetzten Zeit start gefüllt, und um 10 Uhr waren Saal Woche über 2,20 M., zusammen 8,25 M. Es bleiben somit nach und Galerien dicht besest. Arbeitslose Männer und Frauen Anschaffung der allernotwendigsten Lebensmittel, die auch nur mit ernsten sorgenvollen Mienen, die gekommen waren in der gerade ausreichen, um eine Familie vor dem Verhungern zu be. Hoffnung, daß man doch vielleicht ihren Notschrei hören würde wahren, ganze 75 Pf. pro Woche zur Anschaffung von Kleidern, und daß sich die Kommune auf ihre Pflichten gegenüber den Wäsche und all der Bedürfnisse, die auch im ärmsten Haushalt unehrlich um eine Existenz ringenden Mitgliedern des Gemeinwesens entbehrlich find. Also trok des vollständigen Verzichts auf Fleischnahrung oder sonstige den Verbrauch der Kräfte ersehende Nahrung befinnen würde, saßen da beisammen. Der Andrang wurde stärker nach 10 Uhr; man sette die Tische beiseite und rückte zu nicht die geringste Aussicht, verbrauchte Kleider und Wäsche zu er fammen. tie Gegenwart dieser zahlreichen Menge aus dem Arsezen. Schuhe oder Stiefel besikt weder der Mann noch die Fran beiterstande am Vormittag eines Wochentages allein schon hätte oder die Kinder, sondern nur selbstgemachte Holzpantinen. Wird es durchaus notwendig, ein Hemd oder ein Kleidungsstück zu erjeden zweifelnden Stadtvater" von Rigdorf überzeugen müssen, daß es sich bei den Klagen über die Arbeitslosigkeit um eine furcht- Schutz der nationalen Arbeit. Wahrscheinlich um die nationale feßen, dann fällt für eine Zeitlang Schmalz und Hering vom bare Wahrheit handelt und um ein ernstes Problem, das Arbeit zu schüßen, nehmen die Syndikate den deutschen Abnehmern Speisezettel fort und es wird auch an Brot gespart. gebieterisch eine Lösung erheischt. Sie waren eingeladen worden höhere Preise ab als dem ausländischen Verbraucher. So bietet So begetiert diese und ähnlich alle anderen Landarbeiterzu der Versammlung, um sich von dem Stande der Dinge in der der Walzdrahtverband am Auslandsmarkt Walzdraht für 110 m. an, familien dieser ostelbischen Junkerdomäne in normalen Zeiten. Arbeiterbevölkerung ihrer Kommune persönlich zu überzeugen, aber während die Inlandsverbraucher 1322 M. blechen müffen. Der Noch grauenhafter wird aber das Elend, wenn Krankheit und Gr fie waren nicht erschienen. Keine Antwort erfolgte, als der Vor- Stahlwerksverband fordert von seinen Inlandsabnehmern für werbslosigkeit eintritt. fizende Boeste die Frage an die Versammlung richtete, ob Snippel 100 m. und für Platinen 102,50 M. ausschließlich Fracht; Am 30. Dezember vorigen Jahres verunglückte der Mann bei vielleicht einer der Herren von der bürgerlichen Vertretung im auf dem Auslandsmarkt wird zu Preisen verkauft, die sich um 20 M. der Arbeit und wurde erwerbsunfähig. Er mußte sich zu Betk Stadtparlament anwesend sei und das Wort wünsche. Freilich unter den vorstehenden Sägen halten. Durch solche Politik wird die legen. Seine Frau, die jeden Tag ihrer Niederkunft entgegen sah, um ärztliche Hülfe für ihren Mann. Sie erwäre es einem jeden Gegner schwer geworden, auf die scharf poin- Konkurrenzfähigkeit der inländischen Weiterverarbeiter natürlich ganz bat nun tierten Ausführungen des Genossen Molkenbuhr, des Ver- außerordentlich erschwert, wenn nicht ganz unterbunden, aber die hielt als Antwort: Laß den Lümmel man arbeiten gehen." Natürlich erhielt der Mann nun auch feinen Lohn, als die Woche um fammlungsredners, etwas zu erwidern. Sehr aufmerksam folgten Syndikate schützen die nationale Arbeit. war. Am 15. Januar wandte er sich schriftlich an den Kreisausdie Versammelten dem Redner und gaben oft laut ihre Zustim mung zu erkennen, wenn er ihnen so recht aus dem Herzen ge- Bodenwucher. Wie der Liquidator der Norddeutschen Lagerhaus schuß und bat um ärztliche Hülfe und um Unterstübung für seine sprochen hatte. Seine wuchtigere Antlage gegen die tapi-.- G. in Liquidation mitteilt, wurden 9 Barzellen berkauft und auf- hungernde Familie. Auch von dort ist bis jetzt weder Bescheid noch talistische Gesellschaft gibt es, fo erklärte er, als die zugestandene gelassen, die einen Ueberschuß von 856 595 M. über den Einstands- Hülfe auf das dringende Gesuch eingetroffen. Nachbarn, die selbst Ohnmacht gegenüber der furchtbaren Arbeitslosigkeit großer I preis ergaben. sehr arm und in elenden Verhältnissen leben, brachten ab und zu " Die Papierinhaber streichen nun die Ernte ein, während die Arbeiter mit Lohnfürzungen und Lebensmittelverteuerungen Heimgesucht werden. Das nennt die besigende und genießende Klasse: Göttliche Weltordnung! Arbeit bei dem Gutsherrn gemeldet. Die Gefahren der Elektrotechnik. Der Bericht der Berufsgenossenschaft der Feinmechani! konstatiert, daß die Zahl der versicherten Betriebe von 5059 auf 5402, die Zahl der beschäftigten Personen von 185 046 auf 206 539 gestiegen ist. Im Maschinenbau waren davon 33 997, in der Glettrotechnit Dagegen 94 472 Arbeiter beschäftigt. Die Zahl der Betriebsunfalle ist von 7970 auf 9679 gestiegen, barunter 56 Todesfälle. Der Bericht erwähnt, daß die legte Genossenschaftsversammlung in Straßburg auch die Frage aufgeworfen habe: Woher tommt die ständige Zunahme der Unfälle?" Die Antwort war, daß die abfolute Zahl der Unfälle allerdings stetig gestiegen und noch im Steigen begriffen sei. Aus diesem Anwachsen tönne aber nicht die Erfolglosigkeit der Unfallverhütungsbestrebungen gefolgert werden. Versammlungen Veranstaltungen. Berlin. Montag, 8. Februar, 8 Uhr, im Neuen Klubhause. Kommandantenstr. 72: Dritter Vortrag zur Geschichte der Frau", Referentin: Wally Repler. Das Stiftungsfest, welches zu einer Goethe- Feier gestaltet wird, findet am 16. februar im Gewerkschaftshause statt. Billetts sind im Verein und in den Zahlstellen zu haben. Groß- Lichterfelde und Umgegend. Sonntag, den 2. Februar, mittags 2 Uhr, in Groß- Lichterfelde- Dft, am Kranold- Blag im Restaurant Raiferhof, öffentliche Frauenverfammlung. Bortrag der Genoffin Lungwiz„ Die wirtschaftliche und politische Stellung der Frau in der heutigen Gesellschaft." Verfammlungen. emige Lebensmittel und bewahrten die Familie vor dem Ber- wird über Die Ausbildung der Hebammen", Frau Dr. Sprague 1250 D. S. 1. Wenn die Kündigungsfrist erst am Ersten das Ende er hungern. Ende voriger Woche traf nun noch ein junger Welt- über" Die soziale Stellung der Hebammen" referieren. reicht, so muß bis dahin die Stellung ausgefüllt werden. 2. Nein. D. B. 27. Ja. bürger ein und schrie nun zusammen mit den anderen fleinen Königs- Wusterhausen. 1. und 2. Ja. 3. Nein. Ein Kongreß der Bofibeamtinnen tagte am vergangenen Sonntag 3 E. W. 100. Leider feine Verwendung, da wir erst fürzlich diese Kindern nach Nahrung. Die entkräftete Mutter konnte aus ihren 3. N. 100. Nein. A. W. 20. Leider leeren Brüsten ihm nichts bieten. So mußte denn der eine Liter in Wien. Hierzu waren Delegiertinnen aus allen Kronländern er- Sache behandelt haben. Milch, den die Herrschaft gnädigst auch während der Krankheit ohne schienen. Nach den Darstellungen der Rednerinnen befinden sich die gibt es solche Vereine nicht. Wenden Sie sich aber an die VersicherungsD. 130. 1. Nein. 2. Im Fall der Pfändung müßte Ihre Frau Bezahlung täglich gab, auch für den Familienzuwachs ausreichen. im Postdienst beschäftigten Mädchen und Frauen in einer sehr anſtalt. Interventionsflage erheben. 3. Nein. G. B. 2. Der PfändungsTrok seines elenden Zustandes hat sich der Mann zu leichter schlechten Lage. Auf 800 bis 1000 kronen pro Jahr stellt sich das beschluß ist bei der von Ihnen geschilderten Sachlage unzulässig. Legen Sie Durchschnittseinkommen. Der Staat scheut sich nicht, sechzehnjährige gegen denselben Beschwerde ein. F. S. 100. 1. und 2. Ja. 3. und Kurz vor Weihnachten bat und erhielt der Mann vom Guts- Mädchen täglich zwölf Stunden auszubeuten. Der Kongreß fordert 4. Die Ehefrau und die ehelichen Kinder fönnen im Fall der Pfändung Herrn 20 M. Borschuß zur Anschaffung von Arbeitskleidern, aus bezüglich der Bezahlung die Gleichstellung mit den männlichen An- des Lohnes für außereheliche Alimente widersprechen. Es ist der Lohn denen er schon fast herausfiel und zu Wäsche für den zu erwarten gestellten, die Regelung der Dienst- und Pensionsverhältnisse, ferner wegen Alimente eines unehelichen Kindes nur soweit pfändbar, als der den Familienzuwachs; er erhielt sie aber nur unter der Bedingung, auch die Aufhebung des Heiratsverbotes, die Gewährung eines Lohn nicht zur Bestreitung des notdürftigen Unterhalts des Vaters und daß er sich jede Woche 3 M. vom Lohn zur Rückzahlung des Vor- wöchentlichen Ruhetages usw. Angeregt wurde die Gründung einer zur Erfüllung seiner Pflichten gegenüber seiner Ehefrau und seinen ehe. lichen Kindern erforderlich ist. In dem von Ihnen geschilderten Fall schusses abziehen läßt. Für die nächsten Wochen müssen diese Leute Organisation mit den männlichen Beamten zusammen. würde eine Beschwerde oder eine Widerspruchsflage voraussichtlich im vollen also nun ihren Hungeretat von 9 auf 6 M. pro Woche herabsehen. Umfange Erfolg haben. A. S. 100. Wenn nicht etwa ein Ans So sieht in Wahrheit die Not der ländlichen Arbeiter aus erkenntnis vorgelegen hatte, so lassen Sie es auf eine Stlage ankommen. E. B. 200. und dann wundern sich die Herren über die Leutenot". Beauftragen Sie einen Gerichtsvollzieher mit der der betreffende selbständiger Handlungsagent, nein. Swangsvollstreckung auf Grund des Urteils. E. 2. 2. 1. und 2. Ist Ist er Angestellter, ja. Königstr. 106. 1. Wenden Sie sich direkt an einen Arzt. 2. Nach Ablauf von 5 Jahren nach Leistung eines Offenbarungseides kann noch mals Leistung desselben verlangt werden. R. G. 111. Der Weg zur Aufnahme in den preußischen Staatsverband ist ausführlich am 28. Januar Die Aufnahme eines Deutschen in den preußischen von uns dargelegt. Ludwig 312. 1. Benden Sie sich an Staatsverband erfolgt fostenlos. 2. Kriegsinvaliden. 3. Die Ber die Stiftungsdeputation, Boſtſtr. 16. sicherungsanstalt hat das Recht, aber nicht die Pflicht, Aufnahme in Beeliz usiv. zu gewähren. 4. Das ist unmöglich. 5. Uns nicht bekannt. 6. Benden Sie sich an einen Arzt. Eine Raterteilung ohne genaue Kenntnis des Falls ist unmöglich. 7. Der Bote hat recht. 8. So wie sie gesprochen werden. 9. Wenden Sie sich an Genossen Simanowski, Engelufer 15. F. J. Abonnent. Ja, aber Weiterversicherung ist zweckmäßiger. 2. N. 560. Eine Klage gegen diejenigen, die die Herausgabe verweigern, erscheint nicht aussichtslos. Th. 2. Sie müßten bei der Polizei die Zweiter Wahlkreis. Durch ein Versehen find im gestrigen Ausstellung von Ersazkarten nachsuchen. Der Antrag ist an den Magistrat, Der Für die absolute Vermehrung der Unfälle tämen Bericht die Resultate der Vorstandswahlen weggefallen. Wir laffen Abteilung für Versicherung, Köllnischer Park, zu richten. Bwedmäßiger ist Martha K. Nixdorf. Unseres Wissens vielmehr in Betracht: 1. Die Zunahme der versicherten Be- sie daher hier nachfolgen. Gewählt wurden zu Vorsitzenden: aber die Weiterversicherung. E. B. 1890. Rein. triebe und Personen. 2. Der intensivere Betrieb. 8. Die Schwemte und Röderit, Schriftführer: Rautmann und nein, wenden Sie sich an eine Münzenhandlung. 5. B. 71. Ihre Schwägerin soll bei dem Landgericht durch einen größere Heranziehung ungeschulter Arbeitsträfte. Jacubowski; Beisiger ist Werner; zu Revisoren wurden R. S. 18. Anwalt auf vollen Schadenersatz flagen. Nein. 4. Die vermehrte Verwendung von Maschinen, gewählt: Bernert, Henning und Simon, während Ge-. D. 26. Sie können Teilung und Herausgabe des Buches verlangen. Breffen, Stanzen. 5. Die größere Maschinengeschwindignoffe Seitritt mit 170 Stimmen in der Minderheit blieb. In Benden Sie sich zunächst an den Vormundschaftsrichter. S. F. 76. die Preßkommission werden Königs und Meier, in die Nein. Klagen Sie auf Zahlung beim Gewerbegericht. A. B. 79. Das ist wenigstens mal ein offenes Wort und sticht wohltuend Agitationskommission 8 inte, in die Lokalkommission Schröder Es tommt nur zur Teilung, was nach der AuseinandersehungsDie Erben sind die Eltern. Die ab von den krampfhaften Versuchen anderer Aufsichtsbeamten, die und in den Zentralvorstand von Groß- Berlin 4 Mitglieder des berhandlung dem Bruder gehörte. aus den Unfallmeldungen der Unternehmer immer und immer wieder Vorstandes und ein Aspirant delegiert. Erben sind zur Hälfte der Vater und zur andern Hälfte die Geschwister. M. H. A. B. 111. Wenn Sie den Sachverhalt in der Spartaffe vor die Ursachen der Unfälle auf: Leichtsinn, Ungeschicklichkeit oder Der Zentralverband der Stuffateure hielt am Montag eine tragen, so tann sofort Auszahlung erfolgen. Luise 20. Beide Stellen Trunkenheit der Arbeiter" zurückzuführen bestrebt sind. R. 13. Nein. V. 2. Nein. H. Schulz. Daß auch die„ Unfallverhütungsbestrebungen" mehr gefördert Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand der Jahres- nehmen Besuche an. bericht des Vorstandes für 1907. In demselben wir unter anderem 1. Nein. 2. a. 7. R. 100. Ja. Solms 30. Sie müssen sich an werden müssen, ist auch klar und daß bei der total veränderten 23. N. A. 84. 1. bis 4. Nein. Buch5. Bei der Vorwärts. Produktionsweise dieses Industriezweiges auch die Arbeitszeit angeführt, daß drei Werkstattstreits stattfanden, von denen einer teil- bie Schließgefellſchaft wenden. weisen und zwei vollen Erfolg hatten. Der große Kampf im Bau- brudere bes Seizer Brüttierein, Bürich. C. 2. 200. 1. u. 2. Ja. verkürzt werden muß, sollte die Berufsgenossenschaft doch auch gewerbe zog die Stuffateure durch starte Arbeitslosigkeit in Mit- buchhandlung und bei jeder Parteibuchhandlung. zugeben. Und wie nötig die Betriebsrevisionen sind, zeigt uns auch leidenschaft und erforderte einen Kostenaufwand von 11 942 M. Ser Bericht: Es wurden von 5402 versicherten Betrieben nur 1110 mit der Durchführung des Tarifvertrages beschäftigten sich revidiert und davon 704 Betriebe bemängelt. Die Berufsgenossenschaft wurde von verschiedenen Seiten darauf 8 allgemeine Zahlstellenbesprechungen. Außerdem fanden statt 26 Werkstatt- und Bauversammlungen. Der Agitation dienten aufmerksam gemacht, daß die bisher als genügend erachtete Beit 7 regelmäßige Versammlungen, 4 ordentliche und 2 außerordentbon zwei Stunden für Wiederbelebungsversuche bei Personen, welche vom elektrischen Strom getroffen wurden, un- Ende 1906 betrug der Mitgliederbestand 1198. Ende 1907 war die Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: liche Generalversammlungen und 5 öffentliche Versammlungen. genügend fei". Als Ursache des RückSie wandte fich deshalb an den bekannten Spezialisten im elet- Mitgliederzahl auf 937 zurüdgegangen. trischen Unfallwesen Dr. H. Jellinek zu Wien mit der Bitte um eine ganges wird die schlechte Geschäftslage bezeichnet, die sich auch in gutachtliche Aeußerung hinsichtlich der Zeit, innerhalb welcher fünft- ben Bahlen des Arbeitsnachweises spiegelt. Die Verhältniszahl gutachtliche Aeußerung hinsichtlich der Zeit, innerhalb welcher fünft der besetzten Stellen war in jedem Monat des Jahres 1907 geliche Atmung anzuwenden sei, da die Ansichten darüber sehr ver- ringer als in denselben Monaten des Jahres 1906. Im Jahresschieden seien, bald 2, bald 8 Stunden angenommen würden. durchschnitt für 1906 erhielten von je 100 Arbeitslosen 35,1 Arbeit, Der Wiener Arzt gab folgende intereffante Auskunft: Ihre im Jahre 1907 aber nur 16,3. Die Kassenabrechnung für 1907 werte Anfrage beehre ich mich dahin zu beantworten, daß eine zeit- fchließt in Einnahme und Ausgabe mit 59 178,23 M. Das Ver- d. liche Beschränkung resp. Begrenzung der Wiederbelebungsversuche an mögen der Filiale beläuft sich auf 19 572 M. Bei den Ausgaben elektrisch Unfallverlegte eigentlich nur in der Kon finden sich unter anderem folgende Posten: Streitunterstützung im statierung sicherer Todeszeichen gegeben ist, was eigenen Beruf 12 346 M., für andere Berufe 2050 M., Rechtsschutz allerdings nur ein Arzt bestimmen kann. Sterbeunterstützung 424. 224 M., Reiseunterstüßung 595 M., Notstandsunterstützung 1816 M., teit." Deutscher Metallarbeiter- Verband. of I. Amt 3, 1239. Charitéstraße 3. Hof III. Amt 3, 1987 Sonntag, den 2. Februar 1908, vormittags 10 Uhr: Allgemeine Branchen- Versammlung Rohrleger u. Helfer Berlins u. Umg. in Meyers Festfälen, Sebastianstraße 39. Zages Drdnung: 1. Die gegenwärtige politische Lage. Referent: Reichstagsabgeordneter Böhle- Straßburg i. E. 2. Disfuffion. 3. Branchenangelegenheiten. Pflicht eines jeden Kollegen ist es, die Branchenversammlungen von jett ab so oft als möglich zu besuchen. Auf Grund der Beobachtungen der Unfallpraxis, mit der ich mich seit 8 Jahren beschäftige, und auf Grund von Tierversuchen Der Vorfizende Krebs gab zu dem gedruckten Bericht einige tomme ich immer mehr zur Üleberzeugung, daß der elektrische mündliche Erläuterungen, denen eine rege Diskussion folgte. Tod nur ein Scheintod ist, und ich hoffe, daß es der Hierauf wurde die Neuwahl der Ortsverwaltung und der Funktio weiteren Forschung gelingen wird, Erfolge zu erzielen. näre vorgenommen. Dieselbe hatte folgendes Resultat: 1. VorLeider kommt ärztliche Sülfe in ben meisten Fällen fißender Krebs, 2. Vorsitzender Wardin, 1. Kassierer Sched, 2. Staf Achtung! zu spät, d. 6. die fostbarste Zeit ist verstrichen. So habe ich jüngst bei einem Berunglückten, zu dem ich aller- fierer Fahs, 1. Schriftführer Wengels, 2. Schriftführer Gnad, Beidings erst 1 Stunden nach dem Unfall gelangte, noch durch fiber Eichner und Jakob. Revisoren Sorauer, Wille. Delegierte zur Gewerkschaftskommission Giebler und Wengels. Ferner zu Bauanschläger! Achtung! Sonntag, den 2. Februar, vormittags 10 Uhr: 3 Gt unben Wiederbelebungsverfuche angefellt, weil ich noch aus wurden die Hülfskafſterer gemäß den Vorschlägen der Bahlstellen Allgemeine Versammlung jener Zeit durch besondere Unterstützungen Anhaltspunkte hatte, daß gewählt. definitiver Zob nicht eingetreten war, leider war meine Mühe umsonst." Das alte und das neue Arbeitsverhältnis. Graphischer Ortsverein Treptow.Baumschulenweg. Sonnabend, ben 1. Februar, abends 9%, Uhr, im Reſtaurant Christ, Ede Marienthaler der Bauanschläger Berlins u. Umgegend Straße: Bersammlung. Vermischtes. Die in den Prägereien beschäftigten Bräger werden gewerbsüblich unter Kündigungsausschluß in Attord beschäftigt. Bei Neueinstellung von zwei Prägern, die vor längerer Zeit, der eine sogar vor 12 Jahren, schon einmal bei der Firma Bernhard u. Co. unter Ueberfall auf ein Pfarrhaus. In dem Drte Carben wurde den genannten Bedingungen beschäftigt gewesen waren, war bom Werkmeister übersehen worden, ausdrücklich kündigungsausschluß gestern nacht, wie aus Köln gemeldet wird, bei der sogenannten zu vereinbaren. Die beiden flagten nun, nachdem sie entlassen Hillig- Feier ein Anschlag auf das katholische Pfarrhaus verübt. Als Firma erhobene Einwand, die Präger feien schon früher bei ihr hatten, wurden plößlich auf die Schlafzimmer, in denen sich die drei tätig gewesen und hätten daher genau gewußt, daß bei ihr Kün- Personen befanden, zahlreiche Schüsse abgegeben. Der Pfarrer und digung ausgefchloffen sei, wurde vom hiesigen Gewerbegericht mit die beiden Frauen flüchteten darauf in die hinteren Räume, aber Recht als nicht stichhaltig zurückgewiesen; obendrein sei im vor, liegenden Falle der Zeitraum zwischen der ersten Beschäftigung und der Wiedereinstellung ein so erheblicher gewesen, daß die Kläger nicht annehmen konnten, die Kündigungsbedingungen seien die felben geblieben. in den Mufiker- Sälen, Kaiser- Wilhelm- Straße 18m. Sages.Ordnung: 1. Bortrag. 2. Diskussion. 3. Verbands- und Branchenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Bahlreicher Besuch wird erwartet. Sonntag, den 2. Februar, vormittags 9%, Uhr: worden waren, auf 14 Tage Lohnentschädigung. Der von der sich der Pastor, dessen Schwester und die Magd zur Ruhe begeben Bezirks- Versammlung Aus der Frauenbewegung. auch dort wurden sie durch Schüsse verfolgt. Insgesamt wurden fiebzehn Fensterscheiben zertrümmert und mehrere hölzerne Fensterläben bei dem lleberfall zersplittert. In den Zimmern richteten bie einschlagenden Kugeln große Verwüstungen an. Die Infaffen des Pfarrhauses schwebten bis zum frühen Morgen in großer Lebensgefahr. Dann verschwanden die Attentäter, von denen bisher noch teine Spur gefunden wurde. Eisgang auf der Ober. Wie aus Breslau berichtet wird, ist auf der Dder bei start wachsendem Wasserstande Eisgang eingetreten. Erdbeben in Tiflis. Wie aus Tiflis gemeldet wir, wurden dort zwei Tage nacheinander Erdbeben verspürt. Ein Rendant um 10 000 Rubel beraubt. Nach einer Meldung aus Sosnowig wurde der Rendant der Graf Renard- Grube Kuciak gestern von mehreren Männern überfallen, die ihm nach heftiger Gegenwehr über 10 000 Rubel raubten. Die Täter find unerkannt entlommen. Briefkaften der Redaktion. Bur Hebammenfrage. Die Reformbedürftigkeit unseres Seb. ammenwesens ist eine seit Jahrzehnten bekannte Tatsache, Un ermüdlich haben Aerzte und gebildete Laien eine zeitgemäße Aus gestaltung der Fürsorge für die Gebärenden gefordert, um die außerordentlich hohe Bahl der Todesfälle an Kindbettfieber und der aus mangelhafter Geburts- und Wochenpflege resultierenden Frauenkrankheiten einzuschränken. Wiederholt wurde auch von ministerieller Seite eine„ baldige" Regelung dieses wichtigen Ge bietes der öffentlichen Gesundheitspflege in Aussicht gesteйt. Bei diesen platonischen Versicherungen war es aber bisher geblieben. Auch eine vor wenigen Tagen vom Kultusministerium einberufene Die furiftifche Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, zweiter Dritter Eingang, vier Treppen, Fahrstuhl 0 Konferenz zur Erörterung der Hebammenfrage, an der sich außer dof, Geöffnet 7 1hr. Regierungsvertretern, Landtags- und Herrenhausabgeordneten die toorhentäglich abends von 7 bis 9½ Uhr statt. Geschäftsführerin der Vereinigung deutscher Hebammen beteiligte, Sonnabende beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Bahl als Werkzeichen beigufügen. Briefliche Antwort nahm den Ausgang, der sich nach all den Erwartungen der letzten wird nicht erteilt. Gilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Jahre erwarten ließ: Es wird nichts Durchgreifendes geschehen! 2. M. 19. 1. Nein. 2. Wahrscheinlich nicht. G.. 100. Die Nach den üblichen wohlwollenden Erklärungen beschloß man, von Berlobungsringe können beiderseits zurückgefordert werden. G. B. 1908. einer gesetzlichen Regelung der nachgerade brennend gewordenen Bur Aufnahme in ein Krankenhaus hat der Erkrankte fein Recht. Arzt Frage abzusehen und im Verwaltungswege nur einige fleine Schön- und Kaffenvorstand entscheiden über die Notwendigkeit und 8medmäßigkeit. heitsfehler zu beseitigen. Es soll doch nicht so aussehen, als ge- Shnen steht für den Fall der Erkrankung das Recht auf freie ärztliche Be schähe gar nichts. handlung und auf Krankengeld nach Maßgabe des Kaffenstatuts zu. Danach läßt sich mit einiger Sicherheit voraussehen, welches ned 9. Ihr Vater fann erst nach Bollendung des 70. Lebensjahres Altersrente erhalten. 23. 42. Nach zutreffender Ansicht geht das WahlSchicksal der von nationalliberaler Seite fürzlich angekündigte recht in solchem Fall überhaupt nicht verloren, indeffen wird dies rüdsichtlich Antrag auf eine gewiß nicht sehr radikale- Aenderung der ber Stadtverordnetenwahl in der Regel anders gehandhabt.- 2. t. 5. gefehlichen Bestimmungen über das Gebammentesen im Ab- Grben her berlochan Stimbes treten 1 geordnetenhause finden wird. Hätten wir ein Frauenwahl und steinder als Erben ein. Entel, deren Eltern noch leben, haben keinen Erb2. F. 97. Nein. Stimmrecht zum Parlament, so wären die gemeinschädlichen Bu- anspruch rücksichtlich des Nachlaffes ihrer Großeltern. stände auf dem Gebiete der Geburtshülfe ficher längst beseitigt. 2. 14. Ja.. R. 100. Grundsäglich lehnen wir die Empfehlung Schlagmann. 1. Sa. 2. Za, wenn wegen bes Neuerdings plant man von bürgerlicher Seite eine öffent. bestimmter Firmen ab. liche Stellungnahme zur Hebammenfrage. Wie wir erfahren, hat Ehebruchs die Ehe geschieden wird und die Ehefrau Bestrafung beantragt. Becker. 1. Ja. 2. Kaiser- Wilhelm- Straße 46. B. p. 333. Treten der Bund für Mutterschutz eine außerordentliche Tagung Sie birelt mit einer Brauerei in Berbindung. 2. B. 80. Ja. zum Sonntag, den 18. Februar, mittags 12 Uhr, nach dem J. P. Falls in der Police nicht entgegenstehende Abmachungen stehen, so Architektenhause", Wilhelmftr. 92/93, einberufen. Professor würde der Berfall eintreten. A. B. 100. 1. Ja. 2. Sogleich. 3. Ein Dr. Krömer, Leiter der Königlichen Hebammenschule zu Berlin, Drittel& Die Frau 5. Benden Sie fich an die Snelbertaffe. für Köpenick= im Lokale von Otto Joch, Grünauerstraße 7. Tages Drdnung: 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Genossen Robert Schmidt: 2. Diskussion. Die fozialpolitischen Gesetzesvorlagen im Reichstage". 2. Berbandsangelegenheiten. Die Kollegen und Stolleginnen werden ersucht, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. S Den Kollegen zur Nachricht, daß Broschüren handlungen des Reichstages über den GesetzTim Bureau zu haben find betreffend die Verentwurf betr. die gewerblichen Berufsvereine. Für Mitglieder ist der Preis 25 Pfennig ( Buchhändlerpreis 75 Pfennig). Folgende Zahlstellen sind nen errichtet: in Wildan, Schwarzkopffftraße bei Otto Schumann. Berlin N., Fehmarnstraße 19 bei Johannes Hinke. Schliemannstraße 39 bei Paul Dobrohlaw. Müllerstraße 118 bei Bruno Allzeit. Chauffeestraße 100 bei Paul Liese. 222222 " " " " " . " " " " " " " " " " " " " Stralsunderstraße 17 bei Richard Henkel. O., Matternstraße 19 bei Herm. Reinet. Mühlenstraße 49a bei Richard Le Père. Cadinerstraße 1 bei Adolf Gorn. SO., Manteuffelstraße 47 bei Paul Pannete. Schöneberg, Grunewaldstraße 110 bei Joseph Wielod. Erkner, Bahnhofstraße 11 bei Alfred Fieter. Die Ortsverwaltung. 111/11 Cifchler- Verein( E. H. No. 89). Sonnabend, den 1. Februar, abends 8%, Uhr, Melchtorstr. 15: Versammlung. Lichtbilder Vortrag des Herrn Direktor 0. Sanne fiber bas aktuelle Thema: Das geschlechtliche Elend des Mannes. Vereinsangelegen heiten. Ausgabe der Billetts zum„ Sommerfest" am 29. Februar im großen Saale der" Arminhallen", Kommandantenstraße 58/59. Nur Mitglieder und Gäfte( Herren) haben Zutritt. 198/3 Bahlreichen Befuch erwartet Der Vorstand. VI. Wahlkreis ( Schönhauser Vorstadt). Sonntag, den 2. Februar, abends 7½ Uhr, in Arndts Festsälen, Belforter Straße 15: Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß Arbeiter Oeffentliche Versammlung für Männer und Frauen. Karl Schimmelpfennig Tagesordnung: 1. Vortrag des Genoffen Ludwig Bartel über:„ Terrorismus". 2. Diskussion. Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein mit Tanz. Um zahlreichen Besuch bitten [ 224/ 15*] Die Abteilungsführer. J. A.: Wilhelm Iaust. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Puter. Achtung! Putzer! Achtung! Sonntag, den 2. Februar 1908, vormittags 10 Uhr, Kommandantenstraße 58/59, Arminhallen( großer Saal): gestorben ist. 111/10 Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwaltung „ Berliner ArbeiterRadfahrer- Verein" Mitglied des Arbeiter Nadfahrer- Bundes Solidarität“. Touren zum Sonntag, den 2. Februar: 2. Abt. 9 Uhr: Strausberg( Hungr. Wolf). Start: Fontane- Promenade. 3. Abt. 2 Uhr: Behlendorf, Karl straße 12. Start: Mariannenplag. 4. Abt. 2 Uhr: Hirschgarten Bahn: Schlesischer Bahnhof. Mitglieder- Versammlung. magnus ab und Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal 1907 und Jahresabrechnung. 2. Vortrag ses Arbeiterfekretärs Ad. Ritter über: Die sozialpolitischen Gesekesvorlagen im Reichstage. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Statt besonderer Meldung. Am 28. Januar verstarb plöglich im 42. Lebensjahre unser Freund und Kollege, der Tischler Gustav Hoffmann. Sein ehrlicher und guter Charakter wird uns dauernd im Andenken bleiben. Die Beerdigung findet Sonnabend, den 1. Februar, nachmittags 3 Uhr, auf dem Friedhof der Stadt Rigdorf am Mariendorfer Weg statt. Familie Exner, Rigdorf, Friedelstr. 26. Für Kranzdeputationen stehen Mariannenstr. 41 bis 2 Uhr Wagen bereit. 28095 Gesellenausschuß der Berliner Tischlerinnung. Am 28. Januar verstarb plötzlich unser Kollege Gustav Hoffmann Altgeselle der Berliner Tischlerinnung. Dies zeigen wir Freunden und Kollegen hierdurch att. 28085 Der Gesellenausschuß. Zentral- Verband der Steinsetzer 5. 26. 2 Uhr: Bichelswerder.( Pilasterer) und Berufsgenossen Start: Elysium. 6. u. 10. Abt. 2 Uhr: Baumschulen. weg. Start: 6. Abt.: Dderberger Straße 28. 10. Abt.: Elsasser und Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Mits Gormannstraßen- Ede. gliedes pünktlich zu erscheinen. 183/4 Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne dasselbe keinen Zutritt. Der Vorstand. J. A.: Ernst Schulze. 8. Abt. 1, Uhr: Spandau( Köpnid). Start: Rostoder Straße 17. 9. Abt. 12 Uhr: Potsdam. Start: Schillingstr. 22. 10/10 Heute abend bei Bok, Klosterstr. 101: Freie Vereinigung der Maurer Deutschlands rart. Sihung. Ortsverein Berlin. Freitag, den 31. Januar, abends 8 Uhr: Mitglieder- Versammlung bei Dräsel, Neue Friedrichstraße 35. Zages Drdnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht des Vorstandes. 2. Bericht der Revisoren. 3. Bericht des Ausschusses. Mitgliedsbuch legitimiert. 129/ 3* Der Vorstand. Gebr. Herrnfeld- Verband der Sattler Theater. Ortsverwaltung Berlin. Branchen- Versammlungen Die nächsten 57 Rommandantenstraße Nr. 57. Täglich 8 Uhr: Papa und nben an nachfolgenden Tagen flatt: Genossen Borber: Madame Wig- Wag. Dienstag: Premiere. Salomonisches Urteil. Mittwoch und folgende Tage: Papa und Genossen. Salomonisches Urteil. Sonntag, den 2. und 9. Februar, nachm. 3 Uhr: Endlich allein. Der Fall Blumentopf. orussia Geschirrbranche: Mittwoch, den 5. Februar 1908. Treibriemenbranche: Montag, den 8. Februar 1908. 156/6 Taschen, Koffer- und Galanteriebranche: Donnerstag, den 6. Februar 1908. Militärbranche: Sonnabend, den 1. Februar 1908. Linoleumleger und Teppichnäher: Donnerstag, 6. Februar. Wagenbranche: Donnerstag, den 6. Februar 1908. Eisenmöbelbranche: Donnerstag, den 6. Februar 1908. Sektion Charlottenburg: Montag, den 3. Februar 1908. Um zahlreichen Besuch der Branchenversammlungen ersucht Die Ortsverwaltung. Weißensee. Am Sonnabend den 8. Februar findet im Lotal Albrechtshof", Partstraße, unser 10/11 4.Stiftungsfest ftatt. Die umliegenden Bundes. bereine sind hierzu freundlichst ein geladen. Das Komitee. Zlobang 25-28. Februar 6.WohlfahrtsGeld-Lotterie En Zwecken der Deutschen Schutzgebiete 420 000 Lose 12977 Geldgewinne 490000 Hauptgewinns bar chuo Abzug Mark: 75000 50000 25000 15000 30 extra. Wohlfahrts- Lose 3,80 Porto a Liste Lud. Müller& Co., Berlin C., Breitestr. 5 Glicksmäller. Achtung Koffermacher! Achtung! rebles wir: Die beliebtes Montag, den 3. Februar 1908, abends 8, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 8: VariétéTheater Außerordentliche Branchen- Versammlung. und Festsale Inh.: J. Leschkowski. Ackerstraße 6-7. Täglich: Theater- und SpezialitätenVorstellung. Auftret. v. 15 Künstler- Spezialit Zages Drdnung: 1. Die Kündigung unseres Zarifvertrages. 2. Verschiedenes. Sollegen: Es ist unbedingt notwendig, daß alle Roffermacher diese Versammlung besuchen. Die Branchenleitung. Sonnabend, den 8. Februar, in Louis Kellers Festsälen, Koppenstr. 29: empfehlen Berliner 1 Mk. Pferde- Lose 11 für 10 Mk. Porto u. Liste 30 dextra.c Nur für Damen! Nur für Damen! Haararbeiten, oilligste Quelle, ohne Kontur renz Zöpfe ohne Stordel, modern. Lock., Frisetts enorme Ausw. Ausgekämmtes Haar wird auf Wunsch verarb. Frisuren, Ondolation, Färben, Stopfwäsche. Gustav Gr. Berliner Maskenball. FR. Muller, Berlin C. 25, BehrensUm 1 Uhr: Kaffeepause. Während derselben: Theater. Sumoristische Vorträge ausgef ,, Ulf- Trio". Berlin W., bom Ueberraschungen. Eintritt 50 Pf. Anfang 9 br. Goltzstr. 9. Eröffnung 8%, Uhr. Das glänz. Januar- Programm Billetts find im Bureau sowie bei den Werkstattvertrauensleuten zu haben. Kouskainitza Truppe. Rumänisch serbische Gesänge u. Tänze. 4 Pers. Skandal im Theater, Boltsstüd mit Gesang. Außerdem: 16 Spezialitäten. Jeden Abend: Duskes Kinematograph. Anfang 8 Uhr, Sonntags 5, Uhr. Um zahlreichen Besuch ersucht Das Komitee. Zentral- Krankenkasse der Maurer usw. ,, Grundstein zur Einigkeit" Seden Sonnabendnachmittag 3%, Uhr: Sonntag, den 2. Februar 1908, vormittags 10 Uhr, Große Kinder- Vorstellung. 10, 20 und 30 Pf. Buggenhagen Moritzplatz im Theatersaal täglich; i im Gewerkschaftshause, Engelufer 15: Alexanderstr. 37a, I. Kein Laden.. Gegenüber dem Bolizeipräsidium. Grosse Betten 12 Mk. T.; r. ( Oberbett, Unterbett, 2 Riffen) mit doppeltgereinigten neuen Bett febern, beffere Betten 15, 19, 24 1 fchl. Betten 15, 20, 23, 29, 36 ufw. Versand geg. Nachnahme. Preis. liste, Proben, Berpackung foftenfrei. Berlin S. 890 Gustav Lustig, Prinzenstr, 48 Größt. Spezial- Geschäft Deutscht. Dr. med. W. Fackelmanns Mitglieder- Versammlung. Spezial- Institut Tagesordnung: 1. Kaffen- und Revisionsbericht vom 4. Duartal für 1907 und Jahresbericht. 2. Bahl des 1. Staffierers, 2. Bevollmagtigten Beinleiden 1. Schriftführers und zweier Revisoren. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. 149/2 Albert Böhme Deutscher Holzarbeiter- Verband. und das großartige Januar- Programm. Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pl. Em unteren Konzertsaal täglich bie allerersten Militär. Kapellen: Beder, Przywarsti, Görisch, Neumann, Offeneh Lüttich. Heute Freitag, abends 81% Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- llfer 15: Sitzung der Ortsverwaltung. Moabit. 78/17 Bom 1. Februar wird die Zahlstelle 65 bon Goglowsthstraße 18 nach Goykowskystraße 36 a Frosch belegt. Auguststr. 93, Eke Oranien burgerstraße. 9-12, 8-6. Sonntag u. Mittw. 9-12. Sanssouci Kottbuser Straße 6. Direttion: Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoffmanns Nordd. Sänger und Tanzkränzchen Beg. Somnt.5, Bodent. 81 Deutschlands. Filiale Groß- Berlin I. Unterbezirk Berlin- Osten. Hierdurch zur Nachricht, daß unser Kollege Paul Geisler im Alter von 48 Jahren verftorben ist. am Die Beerdigung findet Freitag, den 31. Januar, nach mittags 3 Uhr, von der Reichenballe des Zentralfriedhofes in Friedrichsfelde aus statt." 175/2 Der Vorstand. Am 28. Januar entschlief sanft nach schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Bater Gustav Zargus. Dies zeigen tiefbetrübt an Witwe Anna Zargus und Kinder. Die Beerdigung findet am 1. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Kapelle des Philipp. Apostel- Kirchhofes, Müllerstraße 43 aus statt. Zentral- Verband der Töpfer Deutschlands. Filiale Berlin. Todes- Anzeige. Am Dienstag, ben 28. b. M., verstarb der Kollege Gustav Zargus ( Bezirk Wedding) im Alter von 51 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 1. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Philippus Apostel- Kirch. hofes, Müllerstr. 44/45, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 192/3 Der Vorstand. Sozialdemokrat. Wahlverein Friedrichsfelde. Am Dienstag, den 28. Jantar, verstarb unser Genoffe, der Schant. wirt Johann Losse. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 31. Januar, nachmittags 3 Uhr auf dem Friedrichs. felder Gemeinde- Friedhofe statt. Rege Beteiligung erwartet 238/2 Der Vorstand. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter ( E. H. Nr. 29, Hamburg). Filiale Baumschulenweg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Heinrich Kunath verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, nachmittags 2%, Uhr, bom Trauerhause, Frauenlobftraße 29, aus statt. 111/12 Die Ortsverwaltung. Allgemeine Kranken- und Sterhekasse der Drechsler und Berufsg. Deutschlands.(.. 86.) Berwaltungsstelle Berlin D. Am 29. b. Mts. verstarb unser Mitglied 282/13 Robert Hanke. Chre feinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonnabend, den 1. Februar, nach mittags 4, Uhr, von der Leichen. halle des Georgen Stirchhofes, B Sozialdemokratisch. Wahlverein Rixdorf. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Tischler Gustav Hoffmann ( 1. Bezirk) verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonnabend, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Rigdorfer Friedhofes( Mariendorfer Weg) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 234/5 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Bezirk SO. Todes- Anzeige. Am 28. Januar verstarb plötzlich unser langjähriges treues Mitglied, der Tischler Gustav Hoffmann. Sein Andenken werden wir freu in Ehren halten. 78/19 Die Werkstatt- KontrollKommission der Bezirke SO. I and II. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Gustav Hoffmann am 28. Januar plößlich durch Hirnschlag verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 1. Februar, nachmittags 3 Uhr, bon der Leichenhalle des Rigdorfer Ge meinde- Friedhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. 78/18 Die Ortsverwaltung. Verband der Lithographen, Steindrucker u. verw. Berufe. Mitgliedschaft Berlin. Am 28. Januar verstarb nach turzem Stranfenlager unser Mit glied, der Lithograph Emil Blobel an Herzlähmung im Alter von 34 Jahren. 282/14 am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonnabend, den 1. Februar, nach mittags 1,3 Uhr, von der Leichenhalle des Thomas- Kirchhofes, Rigdorf, Hermannstraße, aus statt. Die Verwaltung der Filiale III. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion d. Gips- u. Zementbranche. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Wilhelm Protz am 28. Januar 1908 nach urzem Krantenlager an Lungenentzündung verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 31. Januar, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofs der Nazarethgemeinde, Reinickendorf West, Sögelstraße aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 136/8 Der Vorstand. Dr. Simmel Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. Landsberger Allee 21/23 aus ftat. Prinzenstr. 41, dicht am Die Ortsverwaltung. Moritzplatz, 10-2,5-7. Sonntags 10-12, 2 hr den Inhalt der Inferate Abernimmt die Nedattion dem Publikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, 31. Januar. Anfang 7 Uhr. Königl. Opernhaus. Bajazzt. Johann von Paris. Königl. Saauspielhaus. Die Rabensteinerin. Deutiches. Was ihr wollt. Kammerspiele. Liebelet.( Anfang 8 Uhr.) Lortzing. Don Juan. Theater an der Spree. fritifcher Zag. Anfang 8 Uhr. Ein Leffing. Die Stüßen der Gesellschaft. Neues Schauspielhaus. Wollenfrager. Lustspielhaus. Panne. Berliner. Blaubart. Neues. Der Dieb. Schiller 0. allner Theater.). Gebildete Menschen. . Schiller Charlottenburg. Der Herenkessel. Immergrün. Hebbel. Maria Magdalene. Komische Oper. Tosca. Friedrich Wilhelmstädt. Schan 3 spielhaus. Nathan der Weise. Westen. Ein Walzertraum. Kleines. Mandragola. Zentral. Frau Barrens Gewerbe. Residenz. Bibi. Quisen. Des Mädchens Lebenswege. Trianon. Fräulein Josette- meine Frau. Thalia. Immer oben auf. Bernhard Rose. Der Kaufmann von Venedig. Bürgerl. Schauspielhaus. Kinder der Erzellenz. Die Metropol. Das muß man feh'n. Apollo. La belle Alexia. Shmad. Gentes. Folies Caprice. Mal was andres. Dunkle Punkte. Eine anständige Frau. Gebr. Herrnfeld. Papa und Ge noffen. Kafino. Die Freuden der Haus lichkeit. Wintergarten. Robert Steidl. Spe zialitäten. Parodie. Nachtashl. Tannhäuser. Monna Banna.( Anj. 8, Uhr.) Passage. Rudolf Mälzer. Spezia litäten. Borussia Variété, Aderstr. 6/7. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Carl- Haberland Theater. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Urania. Taubenstraße 48/49. Theater 8 Uhr: Kairo und die Byramiden. Hörsaal 8 Uhr: Ingenieur Reßner: Dampfhämmer, Schmiedepressen und Walzwerke. JOSETTI Urania. VERA Ihr Gewicht wert in Gold, trotzdem 10 St. nur 30 Pfg. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Abends 8 Uhr: Kairo und die Pyramiden. Hörsaal 8 Uhr: Ing. Keßner: Dampfhämmer, Schmiedepressen und Walzwerke. Invalidenstr. 57/62. 8 Uhr: Dr. Ristenpart: Der Mond. Residenz- Theater. Direttion: Richard Alexander. 8 Uhr. ,, Bibi." 8 Uhr. Schwant in 3 Atten von de Gorffe und de Marson. Deutsch von M. Schönau. Bretillot Richard Alerander. Sonntag, den 2. Februar, nachm. 3 Uhr: Haben Sie nichts zu vers Sternwarte, Invalidenftr. 57/62. Abends 8 Uhr: Dr. Ristenpart: zollen? Der Mond. Josellis CIGARETTEN XIII. Saison. Zirkus Schumann Zirkus Busch Heute Freitag, den 31. Januar, abends 7 Uhr: Große komische Vorstellung. Brolongiert! Klein- Familie u. d. urkomische Neger. Gebr. Albanos, urdrollige, Klowns 2c. Um 9 Uhr zum 40. Male: Amerika zur Zeit der Bürgerkriege, Sflaberei und Trachten 1861-1863. The 6 Fluffy Ruffle Girls. Gestörte Nachtruhe in einem Wollenfrazer- Hotel. Bad der widerspenstigen Neger. Sonntagnachmittag: Die lustigen Heidelberger. 1 Stind frei, weitere Berliner Theater. Hebbel- Theater Theater alberije. Gastspiel d. Neuen Operetten- Theaters. Königgrätzer Str. 57-58. Abends 8 Uhr: Blaubart Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Der Dieb. Sonnabend: Baccarat. Sonntag: te: Maria Magdalene. 8 Uhr: Bürgerliches Trauerspiel in 3 Atten von Friedrich Hebbel. Ollo apollo Theater Heute: Luisen- Theater, Letztes Auftreten Reichenbergeritr. 34. Abends 8 Uhr: der Attraktionen u. Novitäten des Des Mädchens Lebenswege. Januar- Programms. Sonnabend nachm. 4 Uhr Kinderborstellung: Robinson Crusoe. Abends: Der Leiermann und sein Bum 50. Male: Baccarat. Bflegefind. Morgen: Premiere! Sonntag nachmittags: Die Baile Mitislaw der Moderne. Derette von Lowood. Mädchens Freitag, den 31. Januar 1908, abends 7 Uhr präzise: Komischer Gala- Abend The Klein- Family, 10 Personen. Bros. Clarkonians aus Amerika. Das Phänomenalste auf d. Gebiete der Luftgymnastik. Herr Kom miffionsrat Gustav Stensbeck, Dir. des Berliner Tattersalls als Gast! Auf der Hallig. Gr. Ausst.- Bant. des Zirkus Busch. Das Phänomen der tauchenden Sirenen. Die Wunder der Tiefsee. Borher Gala- Programm. Sonntag: 2 gr. Galavorstell. ValhallaWa Variete Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Abends 8 Uhr: nur noch wenige Tage. Das große Programm. Phänomenal! Der Kraftjongleur Acosta. 14 elektrische Sterne musikalisch. Ausstattungsatt. Infolge gr. Erfolges prolongiert! 12 Akrobaten Lorch 12. Mestrum, Komiter. Sonnabend, den 1. Februar: Gänzlich neues Programm anschließend Ball. Passage- Theater. Heute letzter Tag! Rudolf Mälzer. bon 15 als Kleines Theater. bends: Des widens Rebens- Franz Lehár. Mia Werber Abends 8 Uhr: Mandragola. Sonnabend: Mandragola. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Ein Puppenheim.( Nora) Abends 8 Uhr: Mandragola. Montag: Der Unsichere. Theater des Westens. 8 11hr: Ein Walzertraum. Operette von Dstar Strauß. Sonntag nachm. 31, Uhr halbe Preise: Die lustige Witwe. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Nathan der Weise. Anfang 8 Uhr. Sonnabend: Der gehörnte Siegfried. Siegfrieds Tod. Sonntagnachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Abends 8 Uhr: Madame Sans Gêne. Montag 3. 1. M.: Sein Prinzeßchen. Neues Schauspielhaus Abends 8 Uhr: Wolkenkratzer. Sonnabend 3 Uhr: Judith. Sonnabend 8 Uhr: Wolfenfrater. Sonntag 8 Uhr: Wolkenkrager. Montag 8 Uhr: Wolfenkrazer. Lortzing- Oper. wege. Montag: Cyprienne. Theater an der Spree Stopeniderstr. 69. 72 Uhr: Premiere: Der kritische Tag. Familienstüd in 4 Alten v. Jul. Senopf. Sonnabend 8 Uhr: Hokuspokus. Sonntag 3 Uhr: Ausgewiesen. Sonntag erstklassige 15 Variéténummern Morgen, Sonnabend, 1. Februar: Wiederauftreten WING FARTEN Danny Gürtler. Letzte Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Gebildete Menschen. Bollsstück in 3 Aufzügen von Viktor Léon. Sonnabend, abends 8 Ubr: Die Hermannsschlacht. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Das Glück im Winkel. Sonntag, abends 8 Uhr: Reiterattacke. Schiller- Theater Charlottenburg. Freitag, abends 8 Uhr: Der Hexenkessel. Schausp. in 3 Aften von Georg Engel. Hierauf: Jungfer Immergrün Boltsstück in 1 Aktv. E. v. Wildenbruch. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Hexenkessel. Hierauf: Jungfer Immergrün Sonntag mittag 12 Uhr: Kammermi und Gesars Sonntag, nach m. 3 Ubr: Der Richter von Zalamea. Sonntag, abends 8 11 b cz Gyges und sein Ring. Schiller- Saal( Schiller- Theater) Charlottenburg Freitag 9 Uhr: Vortrag Dr. Georg Münzer: Engelbr. Humperdinck. Erläutert durch Instrumentalmufit. :::::: Gewerkschaftshaus, Engelufer 15.:::: Sonntag, den 9. Februar 1908: HKunst- Abend H arrangiert von Margarete Walkotte. Mitwirkende: Margarete Walkotte Frl. Annie v.Luxemburg Violinvirtuosin Fräulein Elisabeth Sonntag, Herr Dr. Marx Möller Frl. Käthe Dietz, Konzertsängerin Herr Hans Pianistin u. Herr Bernhard Fredy vom Apollo- Theater| Nitzsche, Pianist a. Flügel. Abendkasse 75 Pf. Entree 60 Pf. im Vorverkauf. Anfang 7, Uhr.[ 282/ 12*] Anschließend BALL. Vorverkauf bei Herrn Horsch, Engelufer 15. Deutsche Konzerthallen, An der Spandauer Brücke 3. Täglich Deutsch- Amerikanischer Urbock- Trubel. Rixdorfer Theater Bürgerfäle, Bergstraße Nr. 147. Sonntag, den 2. Februar 1908: Gastspiel des Dpern Ensembles ( Theater des Westens). Der Trompeter von Säkkingen. Romantische Oper in 3 Alten von Neßler. Anfang 7 Uhr. Reichshallen- Theater. Masken- Garderobe Carl Ernst ( Inhaber Willi Ernst) Stöpeniderstr. 126, 1 Tr. Amt IV, 5062. Gr. Auswahl! Bill. Preise! Borzeiger dieser Annonce erhält 10% Preisermäßigung. Soeben erschienen: Die sozialistische Stettiner Sänger. Arbeiter- Internationale Anfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. ReichshallenRestaurant: Bockbierfest mit groß. Militär- Konzert. Anfang Trianon- Theater. 8 Uhr. Fräulein Josette- meine Frau. Sonnt. nagm. 3 Uhr: Gastons Frauen. Sonnabend z. 1. M.: Baron Toto". Neue Welt Hafenheide 108-114. Berichte der sozialdemokratischen Organisationen Europas, Austra liens und Ameritas über ihre Tätigkeit in den Jahren 1904 bis 1907 an den Internationalen Kongreß in Stuttgart. Herausgegeben vom Inter nationalen sozialistischen Bureau. Mit einem Borwort von Emil Vandervelde. 234/20 Deutsche Ausgabe. Breis 2,- M. Zur Frage des Frauenwahlrechts. Bon Klara Zetkin. Preis 50 Bf. Die Sozialdemokratie im Täglich: Original- Bayr.Deutschen Reichstag I. Bockbierfest Baron Muckls Camming abends: Des Lewige Zon: Ruth Vincent Palast- Theater Bauernkapelle. fritische Tag. DERNHARD ROSE THEATED Gr. Frankfurterstr. 132. Der Kaufmann von Venedig Anfang 8 Uhr. Wochentagspreise. Sonnabend: Dieselbe Borstellung. 4 Uhr: Kindervorstellg. Rübezahl Metropol- Theater Abends 8 Uhr: Gesangskünstlerin. Kaufmann- Truppe reizende Radfahrkünstlerinnen. Robert Steidl der beliebte Humorist, und viele andere erstklassige Spezialitäten. Brunnen- Theater Badstraße 58. Direft.: Bernh. Rose. Freitag, den 31. Januar 1908, Das muß man seh'n!! Ein Blißmädel. Gr. Revue in 4 Akten( 12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. G. Thielscher, F. Massary, Belle- Alliance- Straße 7/8. B. Darmand, Bender, Giampietro, Abends 72 Uhr: Erstaufführung Don Juan. Josephi etc. Rauchen gestattet. Boffe mit Gesang in 4 Alten von Karl Costa. Borverkauf von 10-2 Uhr vormittags. Kaffeneröffn. 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Boranzeige: Freitag, den 7. Februar: Gr. Benefiz- Borft. f. Kurt Baumeister. into oder König u. Henkersknecht. Parodie- Theater. Heute 8 Uhr Entree 20 Pf. Letzter Tag des 1 brillanten Januar- Spielplans! Sonnabend, den 1. Februar: Premiere! Attraktionen 12 12 W.Noacks Theater I. Ranges. Direttion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Zum 21. Male: In der Jrre. Schauspiel nach dem Morgenpost". Roman. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Ehren- und Vorzugstarten gültig! Sonnabend: Geschlossen. Kasino- Theater. Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr: Sonnabend 7%, Uhr: Die Zauberflöte. Sonnabend, den 1. Februar: Dresdenerstr. 97. Anfang 8%, Uhr. Hanni weint- Hanni lacht Sonntag nachm. 3 Uhr: Undine. abends 7, Uhr: Don Juan. Operette in 1 ft v. Jacques Offenbach. Sierauf II. Gr. Metropol- Theater- Ball. Nachtasyl. Beauf das neue bunte Programın. Lustspielhaus. Sonntag, den 2. Februar, Abends 8 Uhr: nachm. 3 Uhr: Panne. Die Herren von Maxim. 8um 93. Mal: Tannhäuser. Monna Vanna. Die Freuden d. Häuslichkeit. Lustspiel in 3 Atten v. M. Hennequin. Sonntag 4 Uhr: Biederleute. 230 bayerische Madl. Anf. Wochent. 7, Sonntags 5 Uhr. Entree 30 31. 50 1. Die parlamentarische Tätigkeit des deutschen Reichstags und der Landtage und die Sozialdemokratie bon 1871 bis 1874. Bon A. Bebel. Preis 60 Pf. Expedition des ,, Vorwärts" Berlin SW. Lindenstraße 69, Laden. + Männer- Vortrag+ Heute Freitag, abds. 8, Frankfurter Allee 127, Gesellschaftshaus, Nähe Warschauer. Grundmann erklärt am gr. Torso: Willenskraft und Teurasthenie Entstehung und Heilung im Lichte tieferer Naturerkenntnis. Für Arbeiter sehr wichtig. Eintritt 20 Pi. nebst Vortragsbroschüre. Naturheilverein Refuem Oft, Kopernikusstraße 29. Gesundheit ist Reichtum! Bade Berlin- Ost im ,, Bad Frankfurt" Große Frankfurterstr. 136. SOOL-, Medizinische Bäder aller Art in werktäglich ununterbrochen geöffneten Sonder- Abteilungen für Damen 466L und Herren. KLEIE SCHWEFEL FICHTENNADEL- 2 Wannenbäder mit je 2 HandBADERA tüchern 75 Pf.( 40 Minuten Badezeit.) Lieferant sämtlicher Krankenkassen. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Gløde, Berlin. Drud u.Verlag: Vorwärts Buchbruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 26. 25. Jahrgang. 8. Seilage des Jotrairts" ftfilag, 31. laM« 1908. DU ksufmsynzgerlchttMSHIe« diien immer näher. Die verschiedenen kaufmännischen Vereine machen Propaganda für die von ihnen aufgestellte Liste. Dabei verschmähen sie nicht, zu den Mitteln der Lüge und Verleumdung gegen den Zentralverband der Handlungs- gehülfen und-Gehülfinnen Deutschlands zu greifen. Das tollste hat der Deutschnationale Verband geleistet, eine Ver° einigung, die auf antisemitischer Grundlage basiert. Wie elende Verlcumderbuben haben sich führende Personen dieses Verbandes benommen. Damit richten sich diese Herren selbst. An die Handlungsgehülfen ergeht aber das Ersuchen, die kurze Zeit, die sie noch von der Wahl trennt, auszunutzen und tätig zu sein für die Wahl überzeugungstreuer, zuverlässiger und wirklicher Gehülfenbeisitzer. Am Sonntag, den 9. Februar, mutz die Liste HA(Liste des Zentralverbandes der Hand- lungsgehulfen und-Gehülfinnen Deutschlands) eine imposante Stimmenzahl auf sich vereinigen. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste! Am Sonnabend, den 1. Februar er., feiert der Verein Berliner Faktor« in Neumanns Festsälen, Rosenthalerstratze, ein so- genanntes.Kirmesfest in Tuntenhausen'. Dieses Lokal steht der rbeiterfchaft nicht zu Versammlungen zur Verfügung und machen wir daher die dem genannten Verein angehörenden Parteigenossen auf die eventuellen Folgen eines Boy.kottbrucheS aufmerksam. Der Vergnügungsverein„Fröhlichkeit"(gegr. ö. Juni 1880) der- anstaltet am Sonnabend, den 8. Februar er., in den Konkordia- Festsälen, Andreasstratze, einen Maskenball. Da man versucht, Billetts hierzu hauptsächlich in Arbeiterkreisen umzusetzen, so weisen wir darauf hin, daß uns die Konkordia-Festfäle seit Jahren beharrlich verweigert werden, deshalb find alle dortigen Ver- anstalwngen seitens der organifierten Arbeiterschaft streng zu meiden._ Die Lokalkommission. Sechster Wahlkreis. Am 1. Februar wird das Bureau deZ WahlvereinS in der Ravens-Straße 6 eröffnet. Da die femieteten Räume erst am 1. April bezogen werden können, ist bis ahm die Geschäftsstelle in den Privaträumen des Genossen Fahrow untergebracht. Alle Sendung« für den Wahlverein find daher vom 1. Februar ab dorthin zu adresfieren. AIS Bureaubeamte sind gewählt die Genossen Theodor Fischer und Hermann Müller. Alle anderen Mel- düngen zu diesen Posten sind dadurch erledigt. Der Borstand. Schüneberg. Parteigenossen I Am Sonntag, den 2. Februar, findet in allen Bezirk«, mit Ausnahme des ersten und elften, eine Flugblattverteilung zugunsten des Genossenschaftswesens statt. Mittags 12 Uhr findet in E. ObstS Festfälen, Meiningcr Straße 8, die Fortsetzung der Diskusston über die beiden Resolutionen statt. Die Genossen wollen zahlreich und pünktlich in der Versammlung erscheinen. Der Vorstand. Groß-Lichterfelde. Am Sonntagnachmittag 2 Uhr, findet im Restauraitt Kaiserhof, Kranoldplatz, eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung: Vortrag der Genossin L u n g w i tz über: Die wirtschaftliche und politische Stellung der Frau in der heutigen Gesellschaft. Frauen und Männer erscheint zahlreich in dieser Ver- sammlnng. Stralau. Dienstag, den 4. Februar, findet in den„Markgrafen- sälen", Markgrafendamm 34, eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung: 1.„Die polittsche Lage in Preußen und im Reiche." Referent Reichstagsabgeordnetcr Karl Severing-Bielefeld. 2. DiL- kusston. 3. Verschiedenes. Partcigenoffen, agittcrt für guten Besuch dieser Versammlung.— Montag, den 3. Februar, abends 8 Uhr. Kdet in ollen Bezirken eine Handzettelverbreitung für diese Ver- nmlung statt i alle Mann müffen zur Stelle sein. Der Borstand. Alt-Glienicke. Am Freitag, dm 31. Januar, abends 8 Uhr, £det eine große öffentliche Versammlung für Männer und Frauen, Lokale ves Herrn Julius Knochen, Nudower Straße 54 statt. Tagesordnung: Vorttag über: Die Arbeiterschaft im Kampfe gegen die Lebensmittelverteuerung. Referent: Stadtverordneter Reiuhold Küter. Arbeiter, Parteigenossen! sorgt für guten Besuch der Bersanunlung. Der Einberufer. KSnigS-Wusterhausen und Umgegend. Die Parteigenossen werden auf die am Sonntag, den 2. Februar, nachmittags 4 Uhr. im Lokale von Schumann in Wildau stattfindende Wahlvereinsversammlung aufmerksam gemacht. Tagesordnung: Vorttag des Genossen Robert Kendel über: Materialistische Geschichtsauffassung; Stellungnahme und Wahl der Delegierten zur Kreisgeneralversammlung; Anträge des Vorstandes. Das Erscheinen eines jeden Parteigenossen rst Pflicht. Der Vorstand. berliner Z�admebten. Zweierlei Wohnungen. Lenken wir unsere Schritte hinaus nach dem Berliner Westen, so fällt uns bei den: ersten Blick der grelle Kontrast zwischen diesem modernen Stadwiertel und den älteren Teilen unserer Reichshauptstadt in allzu deutlicher Weise auf. Breite, schnurgerade, mit Bäumen bepflanzte Straßen ziehen sich in stolzer, fast endloser Flucht dahin. Das geschäfttge, emsige und rastlose Treiben verliert sich, je weiter man in diese vor- nehme Gegend eindringt. Eine stille, wohltuende Ruhe umfängt uns. man wähnt mit einem Male in einer fremden Welt zu sein, so sonderbar inutet uns die ungewohnte Umgebung an. Prächtige, pompöse Bauten fordern unsere Bewunderung heraus. Paläste, mit wunderbaren Ornamenten, mit Marmor- säulen und breiten, teppichbeleaten Freitreppen, auf denen der Fuß lautlos dahingleitet. Sogar das Hanspersonal hat seinen besonderen Eingang, was auf eine weitgehende Rücksicht- nähme schließen läßt. Hinter den hohen, hermetisch ge- schlossenen Fenstern rieseln die kostbarsten Gardinen hernieder und zwischen den Doppelscheiben prangen Tulpen im herrlichsten Farbenschmnck. Auch Wohnungen sind zu vermieten; in feingeschwungener Rundschrift lesen»vir: Die erste Etage ist sofort zu vermieten. 12 Zimmer, Badezimmer, Dienstbotengelatz, elektrische Licht- anlage. Zentralheizimg. Warmwasserversorgung, Fahrstuhl usw. UnS armen Arbeitern stockt der Atem, schwindelnde Zahlen steigen vor unseren Augen auf, 3-, 4009 M. Miete, man muß schon eine eiserne Konstitution haben, wenn man keinen Herz- schlag bekommt. Ter Portier in seinem unterirdischen Verlies reißt sein Guckloch auf und betrachtet uns mißtrauisch. Wir fsehcn jedenfalls nicht so aus wie einer, der eine Zwölf- zimmerwohnung mieten oder besser gesagt— bezahlen kann. Ueberhaupt beschleicht uns, angesichts dieser verschwenderischen Pracht, dieser vornehmen, protzigen Umgebung ein ängstliches, bedrücktes Gefühl. Es ist hier alles so ganz anders, das ganze Straßenbild trägt den Stempel der distinguierten Wohlhabenheit. Nur selten taucht ein Arbeiterkittel auf. Pelze und Angströhren, hohe Stiefeletten und knisternde Seidenrobcn beherrschen das Straßenleben, Dienstmädchen mit weißen Häubchen huschen flink an den Häusern entlang, und die dicke Hökerfrau versucht unter den schwierigsten Zungenverrenkungen der„gnädigen Frau" auf Hochdeutsch ihre Kohlköpfe anzupreisen. Selbst die gemütlichen Schutzleute nehmen bei einer Anrede ge- räuschvoll die Hacken zusammen und legen mit unnachahm- licher Grazie die weißbehandschuhten Fingerspitzen an den Helm. Wir sind zufrieden, als die Elektrische quietschend am Molkenmarkt einbiegt. Hier ist Alt-Berlin, wo in engen Gäßchen und in windschiefen, dunklen Hänserchen viele Menschen zusammengepfercht wohnen. Da sind wohl im ganzen Hause keine 12 Zimmer und statt des Fahrstuhls krabbelt man unter steter Todesgefahr, die nur durch die lange Gewohnheit gemildert wird, die schmalen, finsteren Stiegen empor.— Am Molkenmarkt selbst lenkt ein altersgraues, lokalhistorisches Gebäude unser Interesse auf sich und weil es noch ziemlich früh am Tage ist, betreten wir den holperigen, mit unzähligen Regenpfützen bedeckten Hof. Firmenschilder leuchten auf und Inschriften weisen auf Geschäftskontore hin. Ueberall stehen Wagen, Karren, Roll- fuhrwerke und alle möglichen Gegenstände herum. Aus den Erdgeschossen klingt das Stampfen der Pferde und Türen und Fensterladen kreischen kläglich in den verrosteten Angeln. Wir sind in der ehemaligen Stadtvogtei. Im zweiten Hof ist eine Möbel-Auktionshalle. Wir erklimmen die breite, ausgetretene Treppe. Eine schlechte, stickige Luft schlägt uns entgegen. Tastend tapsen wir den dunklen Flur entlang. Das Auge muß sich erst an die egyptische Finsternis gewöhnen. Nach und nach heben sich von dem Dunkel auf beiden Seiten eine lange Flucht Türen, mit Schildern versehen, ab. Nr.—.— Mann, ist auf allen zu lesen. Massive Eisenstangen mit Vorhängeschlössern sichern den Eingang. Hier wohnten einst„Menschen, die den Pfad verloren". Jetzt sind die Zellen, in denen so manches vom Sturm verschlagene Opfer sein Leben verblutet hat, an arme Proletarier vermietet. Die Stadt hat das Haus an einen Unter- nehmer verpachtet. Eine zweifenstrige Zelle mit Kochofen kostet 16 M., eine einfensttige 12 M. Wir werfen einen Blick in einen zweifenstrigen Raum. Er ist lang und schmal. Die Ausstattung besteht aus zwei alten Bettstellen, einem wackeligen Tisch und ebensolchen Stühlen. Ein paar Illustrationen aus Zeitschristen schmücken die Wand, Zeitungspapier an den Fenstern ersetzt die Gardinen. Es ist eine arnie Schifferfamilie, aus vier oder fünf Köpfen bestehend; alle wohnen, essen, schlafen in diesem einen Raum. Die Frau hat einen Zuber mit Wäsche mitten in der Stube stehen. In dicken Schivaden schlängeln sich die Seifendünste an der Decke hin, um nach vollzogenem Verwandlungsprozeß in dünnen Bächlein an den Wänden herabzurinnen. Die Frau übernimmt Wäsche, um zum Unterhalt beizutragen. Auch besorgt sie die Hausreinigung und erspart dadurch die Miete. Uns zuckt es messerscharf durch die Seele. Wir denken zurück an W.W., zwölf Zimmer mit...! Hier hausen Menschen, eine ganze Fanülie, in einem engen, nassen, muffigen Raum. Die Gefangenen, die einst hier zu„brauchbaren Mtgliedem der Gesellschaft geläutert" wurden, bewohnten die Zellen einzeln oder allenfalls zu zweien, wobei zu bemerken ist, daß dabei in den Räumen weder gekocht noch gewaschen wurde. Jetzt aber sind Arbetter, fleißige, regsame Leute in der beneidenswerten Lage, unter den ungesündesten, jämmerlichsten Verhältnissen diese„Salons" zu bewohnen. Hier, in diesen vier Wänden, spielt sich das ganze Familienleben ab. O grausamer Hohn auf die von Gott gewollte Ordnung l Und dieses„Familienglück" wollen die Sozialdemokraten zer- stören. Wir treten den Heimweg an, mit dem unerschütter- lichen Entschluß, so lange zu arbeiten, bis dieses„Familien- glück" von Grund aus zerstört ist l Die Berliner Stabtbibliethek ist nach der Benutzungsordnung, die jeder, der Bücher entleihen will, durch Unterschrift anerkennen muß, an jedem Wochentage mit Ausnahme deS 24. Dezember geöffnet. Ich war darum nicht wenig erstaunt, so schreibt uns ein Leser, als ich am 27. d. R. die Pforten der Bibliothek geschloffen fand. Ich sah mir darauf meine Benutzungsordnung noch einmal an, konnte aber den 27. Januar unter den Ausnahmetagen nicht entdecken. Zwar kam mir später zum Bewußtsein, daß der deutsche Kaiser an diesem Tage seinen Geburtstag feierte, habe aber diesen Tag bisher noch nicht für einen gesetzlichen Feiertag gehalten. Sollten die Herren und Damen der Bibliotheksverwaltung ihren patriotischen Gefühlen an diesem Tage nur durch Arbeitsruhe würdig Ausdruck geben können, so sind sie wohl in Zukunft so freundlich, diesen Tag als Ausnahmetag in der Benutzungsordnung buchen zu lassen, damit den Besuchern der lange Weg und der Schnupfen, den sich so mancher holt, wenn an diesem Tage gerade einmal kein„Hohenzollernwetter" ist, erspart bleibe. Auf der Stadtbahn. Vorgestern gab es auf der Stadtbahn einmal wieder die übliche Betriebsstörung. Das Berliner fahrende Publikum ist bekanntlich sehr geduldig und nimmt solche Zufällig- leiten als unvermeidlich hin. Ganz mögen sich ja derartige Störungen auch nicht vermeiden lassen, wenn auch ihre Häufigkeit in der letzten Zeit zu ernsten Bedenken Anlaß gibt. Was sich aber wohl vermeiden läßt, ist die Geheimniskrämerei der Ver« waltung. Auf alle Fragen: Was ist los? Wie lange dauert die Unterbrechung wohl? usw. eisige Ruhe von feiten der Beamten. Als ob die Fahrgäste die Fragen stellten, um sich die Langeweile zu vertreiben, und als ob das Wohl und Wehe der königl. preußischen Staatsordnung von ihrer Beantwortung abhänge. Es ist doch wohl P flickt der Beamten, diese Fragen zu beantworten, damit man sich in dringenden Fällen cvcntl. eine andere Fahrgelegenheit suchen kann._ Die Nervosität der Berliner Schutzleute. Es ist in der letzten Zeit sehr viel darüber geschrieben worden, daß die Berliner Schutzmannschaft sehr angestrengt werde, daß sich ihre Dienstzeit namentlich durch AbsperrungSmahregeln bei den Demonstrationen noch wesentlich verlängert habe. Wir haben schon wiederholt darauf hingewiesen, daß diese Uebcransttengung der Polizeimannschaften wenigstens an den Demonstrationstagen durchaus unnötig ist. Die deutsche Sozialdemokratie ist so gut diszipliniert, daß sie imstande ist, die Ordnung überall selbst auf- recht zu erhalten, wenn nur die Polizei möglichst fern blerbt. Die Berliner Schutzleute lassen schon in normalen Zeiten die notwendige Ruhe vermissen; sie pflegen das Publikum nicht anders zu behandeln, als in dem gewohnten Kasernenton. In den letzten Wochen sind sie hochgradig nervös, geworden. Für alles gibt es Erklärungen, warum nicht auch für diese Nervosität? Der Dienst, der den Schutzleuten jetzt ganz überflüssigerweise auferlegt wird, mag gewiß ein aufreibender sein, das konnten wir wieder am Dienstagabend gelegentlich der Versammlungen der Berliner Wahlvercine feststellen. In Kellers Fe st sälen tagte der Wahlverein des viert« Wahlkreises. Gegenüber von dem großen Festsaal, der von der Versammlung dicht besetzt war, befindet sich ein kleiner Speisesaal. Dort konnte man 5—7 Polizeioffiziere beobachten, die gelangweilt herumstanden. Da immer mehr von den Versammlungsbesuchern sie entdeckten und erstaunt anschauten, zogen sie es vor, sich nach und nach zu verkrümeln. Wo Offiziere sind, müssen auch Mann- schaften sein. Und richtig, in der Kegelbahn im Souterrain konnte man 120— 150 Schutzleute versammelt sehen. Gemütlich bei Spiel und Trank saßen sie dort und stärkten sich für die kommende Revolution. An die Tür dieses Raumes hatte man ein Plakat angeheftet mit der Aufschrift:„Geschlossene Gesell- s ch a f t". Noch weit zahlreicher soll diese„Geschlossene Gesell- schaft" am Tage der Arbeitslosenversammlung ge- Wesen sein. Die Wirte sind mit dieser Einquartierung sehr zufrieden. Es bedeutet für sie ein recht rentables Geschäft, wodurch sie in etwas für das schlechte Geschäft mit den Arbeitslosenversamm- lungen entschädigt werden. So wurden in einem Lokal, wo mehrere Tausende Arbeitsloser versammelt waren, von diesen insgesamt 43 Glas Bier verzehrt, drunten aber, wo die Hüter der Ordnung warteten, wurden an zwei Tonnen Bier ausgeschänkt. Wir meinen nun, daß überarbeitete, schlecht ausgeschlafene Leute sich vor Alkoholgenuh sehr hüten sollten, da dieser ihre Nervosität und Gereiztheit nur noch erhöhen kann. Und noch eins: Sollte man nicht etwas sparsamer umgehen mit den Groschen der Steuerzahler? Die Ansammlung großer Massen von Schutzleuten ist bei sozialdemokratischen Versammlungen durchaus überflüssig, ihre Anwesenheit kann aber unter Um- ständen ztt einer Gefahr werden. Kann oder will man denn nicht begreifen, daß die Sozialdemokratie niemals, auch nur im entferntesten daran denken kann und wird, den Kampf um das Recht des Volkes durch die brutale Gewalt führen zu wollen? Auf meinem zirka einhalbstündigen Wege nach Hause, so schreibt uns ein Genosse, der am Dienstag ebenfalls Kellers F e st f ä l e besucht hatte, fand ich die zahlreichen Ecken und freien Plätze, die sonst von Schutzmannspostcn besetzt sind, von solchen vollständig frei. Auf meinem ganzen Marsche begegnete ich nicht einem einzigen Schutzmann. Da haben Spitzbuben und sonstiges Gesindel gute Zeiten, die Herren Schutzleute müssen ehrliche Ar- beiter bei deren Versammlungen überwachen. Die Große Berliner Straßenbahn beabsichtigt, am 1. Februar den sog. Schleifenbetrieb der Linie 14 aufzuheben. Diese Linie ging bisher über Alt-Moabit, durch die Beuffel-, Turm- und Stromstraße. Sie soll jetzt in beiden Richtungen durch die Sttaße Alt-Moabit und Beusselstraße bis zur Ecke der Turmstraße ver- kehren. Der erste Wagen geht Werktags vom Moabit 5.14, der letzte 11.59, Sonntags der erste 6.44, der letzte 12.59. Vom Marheinekeplatz Werktags von 9.59 bis 9.21 und Sonntags von Sonntags von 5.51 bis 1.14. Von 6.14 bis 9.59 Werktags sowie Sonntags von 8.44 bis 12,29 verkehren die Wagen in der Richtung von Moabit in Abständen von TVa Minuten, desgleichen von: Markeinekcplatz Werktags von 9.59 bis 9.21 und Sonntags von 9.36 bis 12.15. Für die übrige Zeit ist 15-Minutenbetrieb vor- gesehen. Die Fahrzeit beträgt 45 Minuten, der Preis für die ganze Strecke 10 Pf.— Ebenfalls am 1. Februar soll im Anschluß an den letzten Wagen der Linie 91 die Nachtverbindung der Linie 92 Görlitzer Bahnhof— Wilmersdorf um 1 Stund« bis zum Ring- bahnhof Halensee erweitert werden. Die Wagen Verkehren ab Görlitzer Bahnhof Werktags von 7.17 bis 1.47 und ab Wilmersdorf von 6.08 bis 11.38 bis Ringbahnhof Halensee von 11.54 bis 12.39. Sonntags geht der erste Wagen ab Görlitzer Bahnhof 9.32, der letzte 11.47, ab Wilmersdorf der erste 8.23, der letzte 11.38 bis Halensee von 11.54 bis 12.39. Sie verkehren in beiden Richtungen in Abständen von 15 Minuten. Scherben im Walde. Mit einer schweren Verletzung wurde gestern der 9 jährige Schüler Franz Mieke, Sohn eines in Erkner wohnenden Arbeiters, in die königliche Klinik in der Ziegelsttaße eingeliefert. Der Knabe hatte im Walde gespielt, war dabei gefallen und mit der Hand auf einen Glasscherben gestürzt, der von einer zertrümmerten, wahrscheinlich von Ausflüglern achtlos fortgeworfenen Flasche herrührte. Dem Kinde wurde der Hand- ballen aufgerissen und selbst die Handsehnen durchschnitten, so daß das losgerissene Fleischstück nur noch mit der Haut an einer Stelle am Körper hing. Dem Verunglückten wurde in Erkner durch einen Arzt ein Notverband angelegt, woselbst nicht weniger als 30 Nadeln erforderlich waren, die klaffende Wunde zu nähen. Bei der schweren Verletzung der Sehnen wird die Hand des Kindes dauernd verkrüppelt bleiben. Wodurch macht ei« Ausländer sich lästig? Ja. wer das zu sagen wüßte I Die Polizei, die die„Lästigen" ausweift, pflegt ihnen nicht anzugeben, wodurch sie sich„lästig" gemacht haben sollen. Sie schickt ihnen den Ausweisungsbefehl und überläßt sie dann der Pein aller möglichen Vermutungen über das. was wohl an ihnen als„lästig,, empfunden worden sein könnte. Wie oft mag die Anzeige irgend eines anonymen Hallunken dazu führen, daß die Polizei einen Ausländer abschiebt. Dazu ist gar nicht mal nötig, daß dem unbequemen Fremdling etwas be» sonders Schlimmes nachgesagt wird. Man weiß ja, daß in Preußen- Deutschland manchmal schon die bloße Beteiligung an der Agitation kür die Sozialdemokratte oder auch nur an einer Lohnbewegung der Arbeiterschaft hinreichender Grund ist. einen Ausländer als „lästig" erscheinen zu lassen. Wir haben erst vor etlichen Monaten über die Ausweisung eines Mannes zu berichten gehabt, dem offenbar nichts anderes vorgeworfen werden konnte als seine tätige Anteilnahme an dem Kampf der Arbeiterklasse. Welche Ansichten über die Ausweisungspraxis verbreitet sind und welchenZweckendieraschausweisen dePolizei mitunter dienstbar gemacht werden soll, davon kann man sich eine Borstellung machen auf Grund der folgenden Aeutzerung, die vom„Lokalanzeiger"(30. Januar) im „Briefkasten" als Antwort auf eine Anfrage veröffentlicht wird. Die Auskunft lautet: „Otto H. Was als„lästiger Ausländer"' in Frage kommt, ist lediglich Tatfrage. Wenn Sie nun einen Ihrer Kunden um deswillen ausgewiesen wissen wollen, weil er nicht zahlt, so sind Sie im Irrtum, wenn Sie annehmen, daß der Staat sich zum Vollstrecker Ihrer privatrechtlichen Ansprüche machen wird. Ver- klagen Sie den Mann und lassen Sie pfänden. Vorher wird er jedenfalls nicht ausgewiesen. Ist die Pfändung fruchtlos aus- gefallen, können Sie eS ia mal mit einer Anzeige bei der Ab- tcilung V des Polizeipräsidiums versuchen. Wir zweifeln aber an dem Erfolge." Es ist gewiß sehr wünschenswert, daß jeder sich bemüht, seine Schuld« zu bezahlen. Sicherlich wird auch niemand es einem Geschäftmann verdenken, daß er zu seinem Gelde kommen will. Aber daß einer einen Kunden, der Ausländer ist, a u s g e w i e-s e n wissen will, weil er nicht zahlt, das ist denn doch ein starkes Stück. Beachtung verdient übrigens, daß der„Brieskastcnonkcl" deS biederen„Lokalanzeiger" die Sache zwar nicht für sehr aussichts» voll hält, aber doch den Rat gibt, es mal mit einer Anzeige beim Polizeipräsidium zu versuchen. Ziernach muh man annehmen, daß der Mann zum mindesten frei ist von sittlichen Bedenken gegen den genialen Plan dieses Otto H. Das geheimnisvolle Verschwinden der Schülerin FrederiSe Manstein, der Dochter des LehrerS M. aus der Wisimannstr. 43, hat auch bis zum heutigen Tage noch keine Aufklärung gefunden. Die Kriminalpolizei beschäftigt sich nun nahezu vier Wochen hin- durch mit dem rätselhaften Abhandenkommen des 13 jährigen Mäd- chenS. ES wird vermutet, daß die Verschwundene nicht mehr unter den Lebenden weilt und rechnet immer mehr damit, das; sie daS Opfer eines schweren Verbrechens geWarden ist. Auf die Aus- setzung einer Geldbelohnung hin haben sich mehrere Personen ge- meldet, die die Kleine bald hier bald dort gesehen haben wollen, aber in keinem Falle handelte es sich tatsächlich um die Vermißte. Die Polizeibehörde beschäftigt sich außerdem mit dem Ver- schwinden eines zweiten jungen Mädchens. Seit acht Tagen wird die am 27. Januar 1892 geborene Alice Hasenbank, die in der Bssselstraße bei den Eltern wohnte, vermißt. Das junge Mädchen machte sich am Dienstag vor acht Tagen auf den Weg zu Be- kannten, die in der Hasenheide 76 wohnen. Von diesem Ausgang ist eZ dann nicht mehr zu den Angehörigen zurückgekehrt. Es wird angenommen, daß das hübsche junge Mädchen verschleppt worden ist. Die H. hat blondes Haar und ist von großer schlanker Figur. Bekleidet war sie mit blauem Rock und blauer Taille, schwarzem Jackett und rotem Hut mit weißer Schleife. Einen schaurige» Fund machte gestern ein Parkwächter im Tiergarten. In der Nähe des Großen See? sah er auf der' Eis- decke des Verbindungsgrabens ein Paket, und als er es ans Land gebracht hatte, gewahrte er zu seinem Entsetzen darin eine Kindes- leiche. Die Umhüllung bestand in einem großen weißen Hemd und einer Tüte mit der Firma S. Siebitz, Köpenicker Straße 63. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Einbrecher im„Kicntopp". Eine recht unangenehme Ueber- raschung wurde dem Beisitzer des in der Badstraße 64 belegenen Kinemawgraphen-Theaters durch Einbrecher bereitet. AIS er morgens das Theater, das er erst vor einigen Tagen gekauft hatte, betrat, mußte er die Entdeckung machen, daß über Nacht unlieb- samer Besuch dagewesen war, der wüst gehaust hatte. Die Bande hatte für nahezu 2009 M. Films und andere zu den Vorführungen Notwendige Gegenstände gestohlen. DaS Treiben eine? Tobsüchtigen rief in der gestrigen Nacht in der Friedrichstraße ungeheueres Aufsehen hervor. Ter Beamte M. aus Königsberg, der sich vorübergehend in Berlin aufhielt, hatte in dem Restaurant des Hotels„Stadt Berlin" in der Dorotheenstraße geweilt und während er beim Glas Vier saß, wurde er plötzlich von der Tobsucht befallen. Er rannte schreiend auf die Strage hinaus und eilte nach der Friedrichstraße. Hier fiel er über eine ganze Reihe junger Mädchen her und riß ihnen die Hüte von den Köpfen Eine ganze Menschenschar war dem Tobsüchtigen gefolgt. An der Ecke der Taubenstraße hielt er plötzlich inne, griff in die Taschen und holte Geld hervor, das er auf die Straße unter die Passanten schleuderte. M. wurde dann in eine Droschke gepackt, doch gelang es ihm noch einmal, seinen Transporteuren zu entkommen. Mit Mühe und Not konnte er schließlich nach der Unfallstation gebracht werden. In dem Opc- rationszimmer versuchte er die Einrichtung zu zertrümmern. Noch während man bei der Behandlung des Patienten war, er- schienen eine ganze Reihe junger Mädchen auf der Station, die darauf drangen, daß ihnen von M. neue Hüte für die zerstörten .Köpfbedeckungen gekauft würden. Der Tobsüchtige wurde in das Virchow-Krankenhaus eingeliefert. Zum FSrstermord am Müggelsee. Heute früh ist in der Mord- fache Schwarzenstein eine neue Verhaftung erfolgt. Der Knecht Jan Mehlic, der bei dem Förster bedienstet war, ist unter dem Ver- dacht der Begünstigung verhaftet und dem Polizeipräsidium zuge- führt worden. Ter Knecht Mehlic, der 13 Jahre alt ist, hat, wie jetzt festgestellt ist, bei den Geldgeschäften des verhafteten Förster- sohnes die Vermittlerrolle gespielt und auch selbst auf den Namen des alten Försters Geld entliehen. Nachdem der Förstersohn ver- haftet worden war. trug Mehlic, wie beobachtet wurde, einen Gegenstand unter einem Tuche fort. Dadurch ist Bcweismaterial verichwunden Der Verhaftete verweigert jede Auskunft, wohin er das BeweiSmaterial gebracht hat. Unter der MaSke eines OfenkontrolleurS tritt seit einiger Zeit ein dreister Dieb auf, der im Norden der Stadt und in den an- grenzenden Vororten sein Unwesen treibt. Der Schwindler sucht die Wohnungen der Mieter aus und gibt an, er sei voni HauS- Wirt geschickt worden, um die Oefen einer genauen Revision aus die Feuersicherheit hin zu unterziehen. Kaum wird der Bursche allein gelassen, so stiehlt er in den Zimmern, was er nur wertvolles erreichen kann. Ganz besonders hat es der freche Dieb auf Schmucksachen, die offen in den Zimmern liegen, abgesehen. Es sei daher dringend vor dem falschen Kontrolleur gewarnt. Zum Mord in der Gerichtstraße wird mitgeteilt, daß festgestellt sei, daß es sich nicht um einen Raubmord handele. Bei einer wiederholten Durchsuchung der Wohnung hat man nämlich zwei Sparkassenbücher in der Höhe von 1409 Mark und einen Geldbetrag von etwa 60 Mark vorgefunden. Auch die vermißten Schmucksachen sind entdeckt worden. Dagegen wurde konstatiert, daß es sich bei dem Mord der Frau WieSner um einen ähnlichen Fall handelt, wie bei der Ermordung der Wirtschafterin Plath. Die Wiesncr hatte zahlreiche Herrenbckanntschaften und empfing wiederholt Herren in jhrer Wohnung. Ueber die Motive deS Mordes schwebt noch völliges Dunkel. Es ist auch vorläufig nicht festgestellt, ob daS Beil, mit dem die WieSner erschlagen wurde, ver Ermordeten gehört hat oder ob eS vom Mörder selbst mitgebracht wurde. Diebstahl auf de« Friedhof der Märzgefallenen. Friedhof?- schäuder haben in der vorgestrigen Nacht den Friedhof der März- gefallenen am Friedrichshain heimgesucht. Bon einigen Grabmälern wurden mehrere Metallplatien losgelöst und gestohlen. ES Handel! fich um Kupferplatten in der Größe von 41X24. In die Platten waren Aufschriften eingeprägt. Da das gestohlene Gut von großem Gewicht, so kann nur angenommen werden, daß an dem dreisten Diebstahl mehrere Personen beteiligt waren. Ja, Schutzmann, das ist'was anderes! An der sehr belebten Ecke König- und Neue Friedrichstraße soll zur Regelung des Verkehrs ein Schutzmannöposten stehen. Tort steht für gewöhnlich sogar ein D o p p e l p o st e n jener englischen Art, auf deren Einführung der eben scheidende Berliner Polizei- Präsident sich so viel zugute tut. Am Dienstag, nachmittags VsS Uhr, stand dieser Posten nicht auf seinem Platz. ES regnete, und der diensttuende Schutzmann war in einen der nächsten Hausflure rctiricrt. Mit rasender Eile sauste ein Schlächterfuhrwcrk heran: Ein Herr rettete sich mit Mühe und Not durch einen hurtigen Sprung, einer— wie sich bald herausstellte: ein taubstummer Mann von etwa 60 Jahren— wurde umgerissen und unter den Wagen geschleudert. DaS Fuhr- werk fauste davon. Hinzueilende Passanten richteten den aus einer Kopfwunde Blutenden empor, und nun kam auch unser Schutzmann aus seinem Regenbersteck hervor.... Ein Arbeiter, der den Vorgang mit angesehen und den alten Mann aufgeholfen hatte, sprach zu dem Hüter der Ordnung: „Ja, wenn cS gegolten hätte, einen von Arbeitern veranstalteten friedlichen Demonstrationszug aufzuhalten, dann würden Sie auch beim stärksten Regen nicht vom Fahrdamm gewichen sein. Aber so---" Schweigend nahm der also Angeredete diese treffende Be- merkung entgegen. Er antwortete nicht; denn er konnte darauf nichts antworten. Feuenvchrbericht. In der letzten Nacht würde die Feuerwehr nach dem Tiergarten gerufen. Ein Automobil war dort am Spree- weg in der Nähe des großen Steins am Schloß Bellevue in Brand geraten. Böswilliger Weise wurde die Wehr nach der Haidestr. 49 alarmiert. Der 16. Zug hatte in der Fennstraße 21 zu tun, wo in einer Gießerei Feuer ausgekommen war und Lack brannte. Wegen eines Kellerbrandes erfolgte ein Alarm nach der Frieden- straße 17. Holzwolle u. a. brannte dort. Vorort- JHaebnehtem Charlottenburg. Die Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich am Mittwoch mit zwei Vorlagen von großer Bedeutung. Die erste Vorlage betraf die Frage des Beitritts zum Verkehrs- verbände Groß-Berlin. Nachdem der Berichterstatter Stadt- vorotdneter Dr. F r e n tz e l die Vorlage eingehend begründet und unter anderem den geplanten Verband als einen Schutzverband gegen die Große Berliner Straßenbahn bezeichnet hatte, gab Stadtverordneter Dr. Borchardt