Nr. 27. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Vierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 Mr., möchentlich 28 Big. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pig. Post Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Marf, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. für Vorwärts Berliner Volksblaff. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene stolonel. geile oder deren Raum 50 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ., Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition is bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonnabend, den 1. Februar 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Der Zuſammenbruch der frei- pflege zu werden? Und damit auch das lehte nicht fehle, Wenn indirekte Steuern, wie die Tabakbanderolensteuer usw., zur finnigen Sozialpolitik. lofen Arbeitern zuzumuten, Objekte der städtischen Armen- den Mehrkosten des Flottenrüstens dem Volke erwachsen werden. Samit Fischbeck in seinem Unverständnis und seiner Herzens- Dedung der neuen Flottenlast herangezogen werden- und der roheit fich völlig mit einem reth verbrüdern könne, Freiherr v. Stengel stellte ja bereits die Zigarren. mußte er den Berliner Arbeitern noch raten, jetzt im Winter banderolensteuer und das Branntweinmonopol fich landwirtschaftliche Arbeit zu suchen! Ist es da in Aussicht so ist dafür der Freifinn mit haftbar. Die Wahlrechtsfrage war die Probe für den Freifinn, ob zu verwundern, wenn Fischbed, wie für seine Haltung in der ganz einerlei, ob er diese Steuern nachher ablehnt, oder bewilligt. er genug Liberalismus und Ueberzeugungstreue befize, um in Wahlrechtsfrage, so auch diesmal wieder die Lobsprüche Denn er wußte ganz genau, daß die neuen Flottenkosten auf der wichtigsten Angelegenheit des deutschen Volkes die Gebote der unter einheimst? Seine Antwort," schreibt die niemand anders als die breiten Massen abgewälzt werden würden! der Demokratie zu befolgen. Die Antwort war die völlige Kreuz- 3tg.", ließ an Energie und Deutlichkeit nichts Daß aber das 3Zentrum dem Freifinn deshalb Vorhaltungen Bankrotterklärung, die Lossagung von der Demo- zu wünschen übrig; sie war eine in jeder Hinsicht zutreffende." macht, ist ein starkes Stüd. Befindet sich doch das Zentrum tratie, die Beschimpfung der energischen Wahlrechts- Freilich, den einsichtigeren Freisinnigen beginnt es all- genau in dem gleichen Falle wie der Freifinn. Auch das tämpfer. Die Debatte im Stadtparlament Berlins, mählich vor Fischbeck zu grauen. Das Berliner Tageblatt" Bentrum will die breiten Massen angeblich vor neuen indirekten das Verhalten des Freisinns gestern im Reichstage bilden meint: Steuern schüßen. Es verlangte deshalb auch in der Kommission die notwendige Ergänzung zum Verrat der Demokratie. Der Herr Fischbeck hat schon, als er am 10. Januar im preußis die vorherige Lösung der Deckungsfrage. Und anderen Tages Bankrotterklärung in der Frage der freiheitlichen Entwickelung schen Abgeordnetenhause auf die Wahlrechtserklärung des Fürsten stimmte es gleichwohl munter in zweiter Lesung für das FlottenBülow antwortete, zur Genüge bewiesen, daß ihm das wich gefeß! Das Zentrum trägt also genau dieselbe Verantwortung ist die Bankrottertlärung in der Frage der tigste Erfordernis eines Politikers, das Augen- für die unausbleiblichen neuen Belastungen des Volkes wie der fozialpolitischen Entwidelung auf dem Fuße ge- maß, fehle. Er fand in dem Fußtritt, mit dem Fürst Freifinn. Beide sind einander ebenbürtig, beide haben sich gegen folgt. Wieder stand ein Lebensinteresse der Arbeiterklasse auf Bülow die das gleiche Wahlrecht heischenden liberalen Parteien dem Spiele. Die Frage der Arbeitslosigkeit und die abwies, etwas Erfreuliches". Ein solcher Politifer feitig nichts vorzuwerfen. Frage der Anerkennung der Arbeiterorgani wäre in einem parlamentarisch regierten Lande und in einer sationen. Partei, die etwas auf sich hält, unmöglich. Bei uns darf Herr Fischbeck den Liberalismus weiter kompromit tieren. 0 = Ob die beiden Parteien bei der dritten Lesung anders handeln werden? Das Berliner Tageblatt" erklärt es für unabwendbare Pflicht des Freisinns, nur dann die neue Flottenvorlage zu bewilligen, wenn ihre Kosten nicht durch indirekte Steuern gedeckt würden. Da die Regierung so deutlich zu erkennen gegeben habe, daß sie einfach die indirekten Steuern auf Branntwein und Tabak erhöhen wollte, sei für den Freisinn Die Arbeitslosigkeit ist die empörendste und aufreizendste Tatsache der kapitalistischen Wirtschaftsperiode. In ihr zeigt sich der ganze Wahnsinn eines Systems, in dem die Wirtschaft nicht Er hat es gestern mit erschredendem Erfolg berfucht. Die Antwort, die der Berliner Stadtrat Fischbeck gestern bewußt von der menschlichen Gemeinschaft geregelt wird, sondern auf den Arbeitslosenantrag gab, fann nur von dem Gesichtsdem blinden Spiel der Privatinteressen ausgeliefert ist. punkte aus entschuldigt werden: Herr verzeihe ihm, er weiß Periodisch wird über die Arbeiterklasse die Geißel der Arbeits- nicht, was er tut. Eine solche Antwort eines solchen doppelte Vorsicht geboten. Man brauche ja die FlottenTosigkeit verhängt. Dieselben Gründe, die den Kapitalismus Magistratsvertreters fom promittiert den ganzen borlage nicht abzulehnen, sondern nur die Verschiebung der eine Zeitlang zwingen, alle Produktivkräfte und vor allem die Magistrat der Reichshauptstadt." dritten Refung auf folange zu erzwingen, bis die menschliche Arbeitskraft aufs äußerste anzuspannen und ausAber deshalb wäre es doch durchaus verfehlt zu meinen, Würfel über die Reichs- Finanzreform ge= zunügen, führen immer wieder zu einer Strife und Depression, daß Herr Fischbeck wie in der Wahlrechtsfrage so in der fallen seien. Das sei feine ,, unzulässige Pression", in der sich plötzlich Tausende und Abertausende von fleißigen Sozialpolitit etwa isoliert wäre. Schon Herr Gold- fondern die Pflicht des Liberalismus. Ob der Freifinn nicht Arbeitswilligen aufs Pflaster gesetzt sehen, weil leber ich midt, obwohl mit den Hirsch- Dunderschen auch diesmal die Warnungen des„ Berliner Tageblattes" in der produktion, leberhandel und Ueberspekulation der Privatbesiger Organisationen eng berbunden, hat nicht Wind schlagen wird? der Produktionsmittel den Wirtschaftsmechanismus wieder das geringste zur Unterstügung der Arbeiterforderungen Aber auch das Zentrum mag fich der Verantwortung bes cinmal in Unordnung gebracht haben. Die Sozialdemokratie getan! Im Reichstag vollends haben die Herren Bachnide wußt sein, will es seine Schuldenlaft nicht um ein neues schweres weiß, daß dieses fürchterliche Uebel unverschuldeter plöglicher und Mug dan offen gegen die wichtigsten Arbeiter- Verbrechen am Volkswohl vermehren. Bei der neuen FlottenArbeitslosigkeit, das feine frühere Wirtschaftsperiode gekannt forderungen, gegen die Anerkennung der Arbeiterorgani- vorlage handelt es sich ja nicht nur um die Bewilligung von ein hat, erst mit der Ueberwindung des Kapita- lation Stellung genommen. Als die Sozialdemokraten be- paar hundert Millionen für vier neue Linienfchiffe. Die Auslismus, mit der Aufhebung des Privateigen- antragten, daß bei der Festsetzung der Arbeitsbedingungen gaben werden vielmehr dauernde sein. Dadurch, daß bis zum tums an Produktionsmitteln, mit der Leitung in den Werkstätten der Marineverwaltung nicht nur die Jahre 1910 nach der neuen Flottenvorlage jährlich vier große der vergesellschafteten Produktion durch die Gemeinschaft Arbeiterausschüsse, sondern auch die Arbeiterorganisationen Schiffe gebaut werden, bereitet man neuen Flottenbewilligungen und für die Gemeinschaft ein Ende finden fann. gehört werden müssen, da wandten sich die Freisinnigen da die Bahn. Auch nach dem Jahre 1910, erst recht aber nach dem Es ist uns auch nie eingefallen, von den Vertretern gegen, während sogar der christlichsoziale Abgeord- Jahre 1912, wo dann nur noch zwei Linienschiffe jährlich zu der bürgerlichen Gesellschaft zu berlangen, ste folle nete Behrens die selbstverständliche Berechtigung der For- bauen wären, wird die Regierung für die Bedie Arbeitslosigkeit beseitigen. Was wir aber verlangen derung zugeben mußte. Fischbeck ist also nicht allein, sondern schäftigung der Panzerschiffsindustrie forgen! und als Vertreter der Arbeiterinteressen verlangen müssen, ist, der größte Teil des Freisinns steht hinter ihm. Damit be- Es handelt sich also um eine Milliarde, die bis zum Jahre daß die bürgerliche Gesellschaft alle ihr zur Verfügung stehenden weisen aber die Herren nur, daß sie selbst jede Hoffnung auf- 1917 ausgegeben wird, um jährlich rund 100 Millionen, Mittel anwendet, um die Arbeitslosigkeit zu milder n. geben, Arbeiter noch in ihrer Gesellschaft zu halten. Denn und für diese dauernden Riesenlaften soll- neben anderen MehrDas und nichts anderes haben vorgestern unsere Genossen die Anerkennung der Arbeiterorganisationen ist eine For- ausgaben!- die Deckung geschaffen werden. Bewilligen also in der Stadtvertretung gefordert: Verkürzung der Arbeitszeit, derung aller Arbeiter, und als Feind der Arbeitersache Zentrum und Freifinn das Flottengesek, bevor die nötigen Vermeidung der Ueberarbeit, nangriffnahme städtischer muß betrachtet werden, wer der Erfüllung der Forderung diretten Steuern bewilligt sind, so trifft sie die volle Schuld Bauten, Unterstützung der Arbeitslosenversicherung der Gewerk- lich widersetzt. für die erneute indirekte Steuerschröpfung der ohnehin unter der schaften und fortlaufende Arbeitslosenstatistit. Zur Ablehnung haben die Freisinnigen auch noch die allgemeinen Teuerung und einer sich mehrenden Arbeitslosigkeit Was hatte der Freifinn auf diese selbstverständ- Beleidigung gefügt: Mit den Organisationen könne leidenden besiklofen Klassen! lichen und bei gutem Willen leicht auszuführenden kratisch. Wird aber damit etwas anderes verlangt, als man nicht verhandeln, denn sie feien sozialdemo Forderungen zu antworten? Die Antwort war ganz analog daß die Arbeiter das Recht auf ihre eigene poli zu jener anderen in der Wahlrechtsfrage. Die Antwort war tische Ueberzeugung aufgeben sollen? Die ArFischbed. Immer wenn es gilt, nicht sozialdemo- beiter sollen zuerst dem Bürgertum politisch dienst bar fratische, sondern freisinnige Forderungen zu werden und die Interessen ihrer Klassen verraten, deren Herausgeber, Professor Hans Delbrück, mit der Im letzten Heft der Preuß. Jahrbücher" beschäftigt sich verraten und diesen Verrat durch die gehässigsten An- dann werden die Herren Freifinnigen vielleicht so gnädig sein, Bülowschen Wahlrechtserklärung und den Gründen, die den verraten und diesen Verrat durch die gehässigsten Angriffe gegen die Vertreter dieser Forderungen zu mastieren, ihnen einige sozialpolitische Brocken als Almosen zukommen preußischen Ministerpräsidenten zu seiner höhnisch- brutalen dann drängt sich zu diesem Geschäft der Herr Fischbed. höhnisch- brutalen Bewußt arbeitet er darauf hin, die Freifinnige Volkspartei zu lassen! Aber Arbeiter sind keine Freifinnigen und das Ablehnung des freisinnigen Antrages bestimmt haben. Die von allen Resten demokratischer Tradition vollends zu aufgeben der Ueberzeugung um zweifelhafter persönlicher Folgerungen, zu denen Delbrück gelangt, sind für die freiVorteile willen ist nicht Arbeiterfache! sinnigen Parteien und ihre Führer wenig schmeichelhaft, denn reinigen, sie zu forrumpieren und zu einer Schußtruppe der Borteile willen ist nicht Arbeiterfache! Nach den Erfahrungen der gestrigen Debatte scheint es er findet das Motiv des Bülowschen schroffen Auftretens in Junker gegen die Sozialdemokratie zu machen. Fischbeck ist der Vertreter jener reaktionärsten und borniertesten für den größten Teil des Freisinns ausgeschlossen, daß er je der Schwäche der freisinnigen Parteien und ihrer fehlerhaften Elemente im Freifinn, jener Handwerksmeister und Klein- fratie bertritt. Der Arbeiterklasse kann diese Klarheit nur wieder auch nur den Standpunkt bürgerlicher Demo- Tattit. Der Eindruck der Bülowschen Erklärung wäre, meint kapitalisten, die, dem Aufsaugungsprozeß durch das GroßProfessor Delbrück, in weiten Streisen der der Ueberraschung fapital berfallen, ihren schließlichen Untergang vor Augen erwünscht sein. Zwischen der Haltung des Freisinns in der Wahl- wie der Enttäuschung gewesen. Viele hätten geglaubt, daß sehen. In dem Gefühl der Ohnmacht gegen das siegreich vordringende Großfapital richten sie ihren ganzen Haß gegen politik besteht ein enger Zusammenhang. Es ist fervativ- liberalen Paarung nunmehr definitiv abgeschlossen sei. vordringende Großkapital richten sie ihren ganzen Haß gegen rechtsfrage und seiner Haltung in der Sozial- die Möglichkeit einer fruchtbaren Politik auf Grund der kondie Arbeiterbewegung. Sie hassen die gewerkschaftliche der Beweis, daß der Blockfreisinn sich auf eine dauernde Wie anders, wenn Fürst Bülow ein festumrissenes Programm Organisation, die ihnen das letzte Auskunftsmittel, die ge- Gemeinschaft mit der Reaktion eingerichtet vorgetragen hätte mit dem fest ausgesprochenen Willen, es steigerte Ausbeutung der Arbeitskraft, genommen hat. In ihrem blinden Haß gegen die Arbeiter schreiben sie diesen hat. Das müssen die Arbeiter erkennen und danach die Schuld an ihrem wirtschaftlichen Niedergang zu, der nur die Folge der Ueberlegenheit des Großkapitals ist. Sprachrohr dieses Hasses ist der Fischbeck. Von den ausgesprochenen Antisemiten, zu denen er nach Geistesart und Manieren ge= hört, unterscheidet er sich nur durch zweierlei: einerseits durch Das Zentrum hat in zweiter Refung für die neue Flottendie Rücksichten auf das Börsenkapital, andererseits dadurch, borlage gestimmt. Es hat dafür gestimmt, trotzdem es unmittelbar daß ihn die manchesterliche Tradition seiner Partei von zubor erklärt hatte, daß es die Flottenvorlage nur dann be jener Heuchelei befreit, die den Antisemiten der Schwindel willigen werde, wenn vorher die Dedungsfrage ge= des christlichen Sozialismus auferlegt. Und so wächst dieser lost sei. Und trotz dieses fläglichen Umfalls besikt die in dieser Art vorgegangen? Aus Mangel an Geschicklichkeit? Fischbeck allmählich zu einem Typus des Arbeiter Märkische Voltszeitung". der Ableger der„ Germania". Aus feindes heran, der zum Dolmetscher der Arbeiterfeindlich- ncch den unbegreiflichen Mut, dem Freisinn vorzuwerfen, daß feit aller reaktionären Elemente in Deutschland wird. Hat er der Vorlage seine Zustimmung gegeben habe, ohne„ unerbittlich er doch dazu auch die Befähigung seiner Unwissenheit. Was und konsequent" zu verlangen, daß man nicht bloß eine soll man zu einem Menschen sagen, der sich erlaubt, öffent- Schonung der schwachen Schultern bei der Deckung lich über Sozialpolitik zu sprechen, und nicht einmal Streit dieser Mehrkosten verspreche, sondern vorher als möglich nachund Aussperrungen zu unterscheiden weiß? Was zu der weise". handeln! Das Zentrum als Freifinnswarner. Weisheit, die die Arbeitslosigkeit, welche die internationale Die Angriffe gegen den Freifinn sind an sich durchaus beKrise herbeigeführt hat, zu einer Folge früherer Arbeits- rechtigt. Durch sein Eintreten für die Flottenvorlage macht er einstellungen macht? Was zu der Gefühlsvornehmheit. arbeits- sich zum Mitschuldigen aller der Lasten, die aus Dem politischen Siechtum verfallen. " gegen links wie gegen rechts durchzusehen, etwa:„ Stein Reichstagswahlrecht, sondern Pluralwahlrecht; keine schematische Neueinteilung der Kreise, sondern nur Korrektur im einzelnen; geheime Abstimmung." Mit einem derartigen Programm hätte die Regierung die Zügel in der Hand behalten, die Parteien unter ihren Willen gezwungen, alle gemäßigten Elemente befriedigt und um sich gesammelt und auch für die große Steuerreform die nötige Autorität gewonnen. Weshalb ist, fragt Professor Delbrück, Fürst Bülow nicht reaktionärer Gesinnung? Delbrück antwortet darauf: Fürst Bülow, ist weder ungeschickt, noch reaktionär. Er ist als Taftifer sogar sehr hervorragend und dazu gehört auch, daß man die eigene Kraft nicht überschätzt. Die Politit, wie wir fie eben gezeichnet haben, wäre die Politik eines starken Mannes gewesen. Eine Politik für den Fürsten Bismard, wenn er sic gewollt hätte. Aber Fürst Bülow wird gefunden haben, daß er für solche Politik nicht start genug sei. Das Schidjal Caprivis steht dauernd als warnender Schatten aus Horizont doutschsr Staa'Smänner. Die stärkste Macht unter der Krone Preußens sind nach wie vor die Konservativen. Wohl ist es möglich, sie im einzelnen Falle zu zwingen, sich einer Staats- Notwendigkeit zu beugen. Aber wer es tut, wird ihrer Rache nicht entgehen. Eine Wahlreform, wie wir sie oben gezeichnet haben, hätte ja tatsächlich den Konservativen wenig Abbruch getan, aber schon dieses Wenige ist ihnen zu viel. Nur durch einen starken Druck von oben wären sie an dieses Programm heranzubringen gewesen. Ist es für einen Staats- mann, der nicht Bismarck ist, geraten, einen solchen Druck an- zuwenden? Ich gestehe, ich habe eine Zeitlang eine solche Er- Wartung gehegt; aber jetzt, da sie nicht erfüllt worden ist, ist es mir doch nicht so ganz unverständlich. Wenn man aber die Konservativen nicht kräftig heranholen will, wie will man dann die Freisinnigen am Block festhalten? Die Antwort wird sein, daß Fürst Bülow in dem Jahr, seit er nch nun mit den Freisinnigen anfreundete und mit ihnen ver- handelte, herausgefunden hat, wie überaus schwach, man darf wohl sagen schwächlich, diese Partei heute ist. Sie hat es noch nicht einmal fertig gekriegt, ihre drei Gruppen zu einer Einheit zusammenzuschmelzen, und es fehlt ihr durchaus an taktischer Führung wie an einem Führer. Fürst Bülow wird also zu der Ueberzeugung gekommen sein, daß auch ganz minimale Konzessionen, wie das neue Vereinsgesetz und das neue Börsengesetz, genügen, die Partei vorläufig an der Stange zu halten. So ergibt sich die Möglichkeit, mit den Freisinnigen zu regieren, ohne fich die Konservativen zu ver- feinden; man behält zwar den Kurs nach links, laviert aber mit solcher Langsamkeit, daß das Vorrücken sich fast unmerklich vollzieht und die Konservativen nicht ver- stimmt. Man bleibt in steter Fühlung nach beiden Seiten; sollte der Druck der öffentlichen Meinung von links stärker werden, so kann man ihm etwas nachgeben, sollte die rechte Seite so stark bleiben, wie sie heute ist, so geschieht auch weiter so wenig im liberalen Sinne, wie eS heute geschieht... In dieser Weise sich von der öffentlichen Meinung treiben zu lassen, ist nicht das Wesen einer starken Regierung, aber daß die Taktik im parlamentarischen Sinne klug und richtig ge- dacht ist, hat sie auf der Stelle gezeigt. Statt in einen allgemeinen Wutschrei auszubrechen über die Enttäuschung, die ihnen bereitet ist, haben die Freisinnigen unter einigem Seufzen und Klagen sich des allerbescheidensten ToneL befleißigt. Liegt das etwa an den Führern, daß sie sich gar zu sehr geschmeichelt fühlen, auch einmal, wenn auch ganz unten am Regierungstisch zu sitzen? So spotten die Gegner. Aber es ist nicht wahr, der Grund liegt viel tiefer. Dieser Grund ist, daß die freisinnige Wählerschaft in ihrer großen Mehrzahl konservativ, man möchte beinah sagen, reaktionär geworden ist. Diese freisinnigen Wähler, die Hausbesitzer, Kauflcute, Rentner, Klcinindustrielle, Maurermeister, Krämer, Vauern wollen in Wirklichkeit gar nicht das demokratische Wahlrecht, das in dem Programm der Partei als Paradestück prangt. Sie sind hingegen sehr zufrieden, wenn die Partei mit ihren Anhängern von den Behörden nicht mehr als eine re- gierungsfeindliche angesehen wird. Ein Teil der Freisinnigen freilich, namentlich die Juden, die unter dem stillen Antisemitis- mus der regierenden Schichten zu leiden haben, und die idea- listischen Anhänger der liberalen Doktrin. sind mit dieser Haltung der Partei nicht einverstanden, aber sie kommen nicht auf gegen die Taktiker, die eingesehen haben, wie schwach die Partei in Wirklichkeit ist und sich danach richten und gegen die Stimmung der Menge, die fast ausschließlich beherrscht wird von der einen Empfindung des Gegensatzes gegen die Sozialdemokratie." Der Charakter des heutigen Freisinns ist in diesen Aus- Rührungen im wesentlichen richtig gezeichnet. Einst die Partei Her sogen, liberalen Berufe, des fortschrittlichen Gelehrten- rums, der aufstrebenden kommerziellen Schichten, ist sie unter der unfähigen Leitung ihrer Führer vom Schlage der Fischbcck, Kopsch und Konsorten in der Hauptsache zur Partei jenes Teils des Kleinbürgertums geworden, der über die Sorge um seine rein materiellen Interessen alle liberalen Ideale eingebüßt hat, den aber ein letzter Rest alter Tradi- tioncn noch davon zurückhält, sich den antisemitischen Mittelstandsrettern anzuschließen. Aber noch ein anderes Motiv hält des Freisinns Führer davon zurück, aus die Bülowsche Vrüskierung mit der Auf- kllndigung des Vlockverhältnisses zu antworten. Sie fühlen selbst, wenn auch wohl meistens nur instinktiv, daß der Frei- sinn nach seinem Perhalten im letzten Wahlkampf und nach seinem Konkubinatsverhältnis zu den Konservativen zu sehr bloßgestellt ist, als daß er ohne weiteres wieder in die frühere Oppositionsstellung einschwenken könnte. Große Teile seiner Anhängerschaft, besonders der ihm noch verbliebenen Handels- und Börsenkreise, sind viel zu sehr in den Kolonial- und Flottenrummcl mit allen seinen Nebenerscheinungen hinein- gezogen, als daß sie solche Schwenkung mitmachen würden. Und diese Kreise sind diejenigen, aus denen die dürftigen Parteieinnahmen des Freisinns fließen; die gewerblichen Kleinbürger, die den freisinnigen Parteischwanz bilden, stimmen wohl freisinnig, aber sie zahlen nicht. So kurz auch die Mitwirkung des Freisinns an der Blockpolitik ist, hat doch seine Stellung als Rcgierungshülfs- Partei seine oppositionelle Kraft gebrochen. Das wird sich gar bald zeigen, wenn die klerikal-konservative Koalition wieder hergestellt sein wird. Neilk Sklaven. Mit dem heutigen Tage tritt die Einrichtung der Aus- stellung von Jnlandsausweispapieren(Arbeiter- legitimationskarten) für ausländische Arbeiter in Preußen in Wirksamkeit. Dies neueste Hörigkeitsverhältnis von Ausländern soll nach einer Meldung der„Kölnischen Zeitung" auch von den beiden Mecklenburg, von Oldenburg, Bückeburg und Lippe-Detmold nachgeahmt iverden, auch sollen Verhandlungen mit den übrigen norddeutschen Bundesstaaten über ähnliche Maßnahmen schweben. Dies Verfahren ist ein Verstoß gegen die mit Deutsch- land geschlossenen S t a a t s v e r t r ä g e. die den Ausländern dieselben Rechte wie den Inländern— versprechen. Die Legitimationskarte soll den ausländischen Arbeitern ab- genommen und ihnen so unmöglich gemacht werden. eine Arbeits st elle ohne Zustimmung des Arbeitgebers zu verlassen. Tun sie es dennoch. so sollen sie ausgewiesen werden. Die unter allen möglichen betrügerischen Vorspiegelungen nach Deutschland hinübergelockten Arbeiter Rußlands. Oester- reichs, Italiens usw. sind also vollkommen rechtlos. sobald sie gegen das Verlangen ihrer Arbeitgeber sich ans- lehnen. Es ist bekannt und von Gutsbesitzern selbst offen zu- gegeben, daß nach Deutschland verlockte ausländische Arbeiter von Großgrundbesitzern in ihren Rechten schwer gekränkt werden, und daß in vielen Fällen die Besitzer die Kontraktbrüchigen sind. Nicht anders steht es mit Großindustriellen. Gewisser- maßen als Prämie für den Kontraktbruch der Arbeitgeber muß die Neueinrichtung wirken... Sie soll offensichtlich ferner Streikbrecher, die unter betrügerischen Vor- spiegelungcn nach Deutschland verlockt sind, von Informationen durch ihre Arbeitsbrüder zurückhalten. Die ausländischen Arbeiter können danach nicht dringend genug davor gewarnt werden, sich nach Deutschland anwerben zu lassen, weil sie hier fortan fast vollkommen recht- und schutzlos sind! politilcke ClcbcrUcht. Berlin, den 31. Januar 1908. Kampf um Anerkennung der Arbeiterorganisationen. Aus dem Reichstag. Bei Weitcrberatung des Marinebudgets kam es zu einer lebhaften Auseinandersetzung über die Frage, ob die Marineverwaltung mit den gewerk- schaftlichen Arbeiterorganisationen über Arbeitsbedingungen verhandeln solle. In der Budgetkommission war unter Mitwirkung unserer Partei eine Resolution angenommen worden, die verlangt, daß die Marineverwaltung nur an solche Firmen Arbeiten vergeben dürfe, die in Beziehung auf die Arbeitsbedingungen die gesetzlichen Vorschriften innehalten und falls Tarifver- träge für die betreffende Art der Arbeit am Ort des Be- triebes gelten, nicht hinter den Bestimmungen dieser Tarif- Verträge zurückbleiben. Ferner solle die Marineverwaltung angewiesen werden, die Festsetzung oder Neuordnung von Arbeitsbedingungen in den Reichsmarinebetrieben unter Mit-- Wirkung der Arbeiterausschüsse vorzunehmen. Aus dem letzteren Satze der Resolution war in der Kom- Mission das Wort„Arbeiterorganisation" gestrichen worden. Die Sozialdemokratie beantragte nunmehr, dieses Wort wieder hinzuzufügen, so daß also mit dieser Ergänzung der Reichstag sich dahin aussprechen würde, daß die Marine- Verwaltung in Verhandlungen mit den Arbeiterorganisationen eintreten solle. Die Resolution in der Kommissionsfassung wurde von dem Zentrumsabgeordneten Gröber begründet, der nach- wies, daß ähnliche Beschlüsse über die Notwendigkeit bei der Vergebung von Regierungsarbeiten den Unternehmern die Anerkennung von Tarifverträgen aufzuerlegen, bereits früher gefaßt wurden. Zum Schluß erklärte er für seine Partei auch die Zustimmung zu dem sozialdemokratischen Antrage. Gegen die Resolution überhaupt sprach der Konservative v. R i ch t h o f e n. der darin einen unberechtigten Eingriff in die freie Vereinbarung zwischen Unternehmern und Arbeitern entdeckte. Genosse Ledebour vertrat den sozialdemokratischen Verbesserungsantrag. Er wies zunächst den von dem Admiral v. Tirpitz in der Kommission gemachten Einwand zurück, daß durch eine solche Bestimmung die den Arbeitern gesetzlich ge- währte Koalitions f r e i h c i t in einen Koalitions zwang verwandelt würde. Kein Arbeiter solle gezwungen werden, einer Koalition beizutreten, und alle bestehenden oder noch zu begründenden Arbeiterorganisationen sollen zur Teil- nähme an den Verhandlungen berechtigt sein. Unverständlich sei es, wie von freisinniger Seite geltend gemacht werden konnte, daß man der Behörde doch nicht zumuten könne, mit Sozialdemokraten zu verhandeln. Daun dürfe sie auch nicht mit den Ausschüssen verhandeln, ja sie dürfe dann überhaupt keine Sozialdemokraten beschäftigen. Hoffentlich hätten die Herren von der Freisinnigen Partei sich das mittlerweile über- legt. Hätten sie nur irgend ein Mitglied der ihnen nahe- stehenden Hirsch- Dunckerschen Organisationen gefragt, so würden sie zweifellos die Auskunft bekommen haben, daß unser Antrag im Interesse aller Arbeiter, aller Arbeiter- organisationen jedweder Richtung liege. Er hoffe deshalb, daß im allgemeinen Arbeiterinteresse auch die Freisinnigen für das Amendement stimmen würden. Zur Beruhigung der Herren, die allerhand Unheil in dem Antrage witterten, wies Ledebour nach, daß in Eng- land seit dem Jahre 1891 das Unterhaus zuerst durch einen Beschluß die Sache in Fluß gebracht habe, sich die Anerkennung der Trade- Union- Vages(Gewerkschaftslöhne) durch die Regierungsbetriebs sowie die Praxis, den Unternehmern die Anerkennung dieser Löhne bei Regierimgskontrakten aufzu- zwingen, sich mit Erfolg zuni Nutzen der Regierungsbehörden wie der Arbeiter und der Unternehmer durchgesetzt habe. Gehe der Reichstag auf unseren Vorschlag ein, so werde das dazu beitragen, die rückständige Auffassung vieler Unter- nchmer, daß die Arbeiter nicht gleichberechtigt sein dürften, aus der Welt zu schaffen. Der Abg. S e m l e r sprach sich namens der national- liberalen Partki sowohl gegen die Kommissionsresolution wie natürlich auch gegen das sozialdemokratische Amendement aus, indem er versicherte, verschiedene Schifisbaufirnien würden unter solchen Bedingungen(Anerkennung von Tarifen) konkurrenzunfähig werden. Tarauf sprach für die gesamte freisinnige Fraktionsgemeinschaft der Abg. P a ch n i ck e die Zustimmung zu der Kommissionsresolution aus, um dann in sehr gewundenen Redensarten die Aufnahme der Worte„u n d Arbeiter. organisationen" abzulehnen. Seiner Ansicht nach könnten die Arbciterausschüsse in den Marinebetriebcn die Verhandlungen mit den Behörden ganz allein sübren. Die Organisationen seien nicht dazu erforderlich. Zur Recht- fertigung der in der Kommission gefallenen freisinnigen Worte ging er zu einem Angriff auf die Sozialdemokratie über, die die Arbeiter nur ins Verderben führe. Die freien Gewerkschaften müßten sich von der Sozialdemokratie cman- zipieren— kurz die alte Litanei, die bei Sozialdemokraten und Gewerkschaftlern nur Heiterkeit erweckt. Weit mehr soziales Verständnis bewies der christlich- soziale Herr Behrens, der sick. allerdings nur für seine Person, nicht auch für die Wirtschaftliche Vereinigung, zu- gunsten der Resolution sowohl wie des sozialdemokratischen' Amendements erklärte. Ledebour kennzeichnete die Darlegungen Pachnickes als Verlegenhcitsausreden, die nur die arbeiterfeindliche Ab- stimniung der Freisinnigen bemänteln sollten. Die Arbeiter aller Arbeiterorganisationen würden das als einen Schlag ins Gesicht empfinden. Nachdem Herr P a ch n i ck e seinen Standpunkt abermals vertreten, die Identität der Sozialdemokratie und der Ge- werkschaften betont hatte, ergriff Genosse Hue das Wort. Seinen Darlegungen, daß auch die Hirsch-Dunckerschen Ge- werkvereine Politik treiben, knüpfte er die Bemerkung an. er für seine Person stehe durchaus aus dem Standpunkt der Neutralität der Gewerkschaften; er wolle aber nicht verhehlen. daß innerhalb der Sozialdemokratie es Genossen gebe, die eme Keil innigere Verbindung Set GeKerkschaskeli fitfl 5SI Sozialdemokratie anstrebten. Herr Dr. M u g d a n machte darauf einen heftigen An- griff auf die Sozialdemokratie, der er vorwarf, daß sie das Arbeiterinteresse gar nicht bei diesem Antrage verfolge. Wie raffiniert sie vorgehe, zeige sich wieder darin, daß sie jetzt den Abg. Hue vorgeschickt habe, um von ihm die Neutralität der Gewerkschaften betonen zu lassen. Ledebour wies diese Insinuation zurück, indem er fest- stellte, daß Hue keineswegs beauftragt sei, das Wort zu er- greifen, sondern auf seine eigene Verantwortung hin ge- sprochen habe. Mugdan habe ja früher schon seine Arbeiter- feindlichkeit hinreichend durch seine Angriffe auf die Selbst- Verwaltung der Krankenkassen erwiesen. Sein heutiges Auf- treten stehe völlig im Einklang damit. Da namentliche Abstimmung beantragt war. wurde die Abstimmung über die Resolution und das Amen- dement auf den folgenden Tag vertagt. Im Verlauf der sonstigen Marinedebatte nahm noch Ge- nosse S üd e k u m im Einklang mit Herrn Erzberger vom Zentrum Anlaß, die Marineverwaltung darauf hinzu- weisen, daß sie in den Gemeinden, wo Marinebetriebe be- stehen, auf die Einführung der Wertzuwachssteuer hinwirken möge. Zum Reichseisenbahnetat brachte Genosse Stolle die vielen Eisenbahnunfälle zur Sprache, die offen- bar häufig auf Mängel im Betriebe zurückzuführen seien. Der Präsident Schulz bestritt indes, daß da irgend welches Verschulden der Verwaltung sich nachweisen lasse. Tie Herabsetzung der Zuckersteuer. In der Kommission, die zur Prüfung des Nachtrage? zur Brüsseler Zuckerlonvention am 30. und 31. Januar tagte, drehte sich die Erörterung fast ausschließlich um den An« trag Schwerin, der die Herabsetzung der Zuckersteuer von 14 M. auf 10 M. für den Doppclzentner zur Vorbedingung der Zustimmung zu der Konvention machen will. Wie aus der ersten Lesung erinnerlich, hatte Graf Schwerin seinen Antrag verkoppelt mit der Bestimmung, daß die eventuellen Einnahmeausfälle durch Anleihen gedeckt werden sollten. Das war schon im Plenum ver- schiedenerseits für unzulässig erklärt worden. Der Antragsteller hatte deshalb zunächst seinen Antrag dahin geändert, daß der Ersatz des Einnahmeausfalls durch andere Verbrauchssteuern in Aussicht gestellt werde. Der freisinnige Abgeordnete Wiemer beantragte dagegen eine Fassung, die zwar auch die Herabsetzung der Zuckersteuer von 14 auf 10 M. forderte, aber der Regierung leine bindende Per- pflichtung auferlegte. In der Debatte wurde seitens der Konservativen, der Rational- liberalen und des Zentrums geltend gemacht, daß die Herabsetzung der Zuckersteuer unbedingt notwendig sei, um der Zuckerindustrie. der der auswärtige Markt durch den Nachtrag zur Konvention noch mehr beschränkt werde, einen Ersatz durch Vermehrung des Inland- konsums zu schaffen. Die Regierungsvertreter wandten ein, der Einnahmeausfall sei zu groß, um die Herabsetzung der Steuer zu rechtfertigen. Es handele sich zunächst um einen wahrscheinlichen Ausfall von 20 bis 25 Millionen Marl. Seitens verschiedener Vertreter der Kommission wurde daran erinnert, daß die Regierung schon 1302 eine Herabsetzung der Steuer in Aussicht gestellt habe. Ferner habe der Reichstag dreimal die Herabsetzung beschloffen und dennoch wende die Regierung auch jetzt wieder ein, sie könne dem nicht zustimmen. Namens der Sozialdemokratie erklärte Genosse Ledebour. daß der Antrag Wiemer ganz zwecklos sei, da er der Regierung keine bindende Verpflichtung auferlege. Das sei aber nach den bjs. herigen Erfahrungen durchaus erforderlich. Die Herabsetzung der Steuer sei nicht nur im Interesse der Industriellen, sondern auch der Konsumenten erforderlich. Der Antrag Schwerin fei aber auch in seiner neuen Fassung für uns unannehmbar, da er mit einer neuen Verbrauchssteuer drohe. ES sei richtiger, die Frage, w i e der Ausfall zu decken sei, hier völlig aus dem Spiele zu lassen. Ucbrigens könne der Einnahmeausfall auch durch Ausgaben» r e d u k t i o n beglichen werden. Um diesen Einwendungen entgegenzukommen, legte nunmehr Graf Schwerin am Freitag eine neue Fassung vor, die mit einer später aufgenommenen redaktionellen Aenderung S a v i g n y lautet: Artikel 1. Die Zuckersteuer wird späte st enS vom 1. Ol- tober 1909 ab von 14 aus 10 M. von 100 Kilogramm Rein- gewicht herabgesetzt. Artikel 2. Sollte vor dem 1. Oktober 1309 eine Erhöhung anderer eigener Einnahmen des Reichs erfolgen, welche eine Deckung des etwaigen Ausfalls an Zuckcrsteuer sicherstellt, so soll die im Artikel 1 gedachte Herabsetzung der Zuckersteuer a u s Anordnung des Bundesrats gleichzeitig mit dieser Er- höhung anderer eigener Einnahmen des Reichs stattfinden. Artikel 3. Dieses Gesetz tritt gleichzeitig mit der Ratifi- kation des in Brüssel am 28. August 1907 zwischen dem Reiche und mehreren anderen Staaten abgeschlossenen Vertrages in Kraft. Der Reichsschatzsekretär erklärte, daß er zweifelhaft sei. ob nicht bei Annahme dieses Antrages die Regierung die Kon- vcntion scheitern lassen würde. Er erklärte sich für den Antrag Wiemer. Trotzdem wurde der Antrag Schwerin mit der Maß. gäbe, daß die Konvention nicht«her ratifiziert werden dürfe, als bis Bundesrat und ReicbStag ihre Zustimmung zur Herabsetzung der Zuckcrsteuer gegeben hätten, mitallen gegendrei srei- sinnige Stimmen angenommen. Die Freisinnigen erwiesen sich in der Zuckerfrage also als die einzige regierungstreue Parten_ JuftizaUerlci im Treiklasfetthansc. Die Geldsackscrkorcnen in der Prinz-Albrechl-Straße stellten am Freitag den Justizetat in zweiter Lesung fertig. Nachdem Tesseu- dorffS„Geist" in den vorigen Sitzungen sich ausgetobt, büeb— Heini grundsätzlichen Ausschluß jeder Kritik der Klassenjustiz in diesem Klassenhause—"ur noch eine kärgliche Auslese übrig. Immerhin trieb die Reaktion noch ein paar wohldiiftende Blüten. Der Zentrumsmann Dablem begeisterte sich für Einschränkung des Armenrcchlö. Sehr hübsch von einem Vertreter der Partei, die Erz- bergcr in Hobe» Tönen als christliche Volkspartei gefeiert hat. Der Abg. Baensch-Schmidtlein erzählte ein an sich nicht üblcS Siückchcn. wie er den FiSluS genötigt hat. einer zu llnrccht eingesperrten alten Frau 15 M. zu bezahlen; eigentlich bandelte es sich um 18 M., aber 3 M. ist der Fiskus»och schuldig geblieben. Das Histörchen ist bezeichnend für die schäbige Filzigkeit des Fiskus. UebrigenS kann Herr Baeusch-Schmidtlein seinem Schöpser aus den Knien danken, daß seine freikouservative Parteistetlung ihn vor jedem Verdachte böswilligen Vorbedachts schützt; ein Sozialdemokrat wäre er dem Schicksal nicht entgangen. vom Staatsanwalt wegen.Erpressung" beim Schlasittchen genommen zu werde». Aeußerst erbaulich für die freisinnigen Vlockbrüder der Katst-r- vativen. insonderheit für die Rosenow und Cassel, mag da» fröhliche Judenschmoren gewesen sein, dem sich die Konserbatiben nach alter Gewohnheit wieder einmal hingaben. Dr. Arendt beteiligte sich übrigens nicht daran. Am Sonnabend wird über den Etat der Handels- und Gewerbeverwaltung gefeichtbeutelt. Wer schwindelt? Aber der Freifinn mag fortfahren, den Liberalismus zu entwürdigen, um die Geschäfte der Neaktion zu besorgen, wie er das im legten Jahre getan hat und wie das auch heute wieder im Reichstage die Herren Pachnide und Mug dan zur Entrüstung selbst christlicher Gewerkschaftsvertreter und Barlamentarier fertig gebracht haben! Um so rascher wird er den letzten Arbeiter aus feiner Gefolgschaft vertreiben! und es gelang ihm auch, Sen Mann aus den Händen seiner Beiniger zu befreien. Nun aber richtete sich die Wut der Angreifer auf St. und einer der Burschen versette dem Kriminalschutzmann mit dem Rufe:„ Verdammter blauer H mit einem Stock einen derartigen Hieb über den Kopf, daß dieser zusammenbrach. Dann schlugen die Rowdies noch mit Gummischläuchen auf den Schuhmann ein. Als dieser drohte, von seinem Revolver Gebrauch machen zu wollen, traten die Angreifer mit Füßen auf den Beamten, so daß dieser gezwungen war, tatsächlich die Schußwaffe zu ziehen und mehrere Schüsse auf die Rowdies abzugeben. Drei derselben wurden durch die Kugeln getroffen. Dem Hauptangreifer, dem Arbeiter Neger, drang ein Geschoß in den Unterleib und verlegte ihn so schwer, daß er in fast hoffnungslosem Zustande nach dem Krankenhause Friedrichshain übergeführt werden mußte. Eben dahin mußten auch zwei andere Raufbolde gebracht werden, die durch Schüsse in den Bauch resp. rechten Oberschenkel schwere, wenn auch nicht lebensgefährliche Wunden davongetragen hatten." Wie gesagt, wir begreifen, daß die Germania" sich in solcher perfiden Weise rächt; aber eine derartige Plumpheit der Fälschung haben wir ihr bisher nicht zugetraut. Preußische Inquisition. Die Energie, mit der die Frauen in England für die Ein führung des Frauenstimmrechts tämpfen, ist entschieden be wundernswert, wenn auch die Mittel, die sie zur Er. reichung ihres Bieles anwenden, nicht immer nach unserem Geschmad sein mögen. Der Verlauf der Frauenbewegung in England hat eben gezeigt, daß mit einer lediglich doktrinären Politik in dieser Frage, wie sie von den ersten, bor etwa vierzig Jahren entstandenen Frauenvereinen befolgt wurde, kein Erfolg zu erzielen ist. Erst seitdem die englischen Frauen nach dem Rat und Vorbild einer ihrer tatkräftigsten Führerinnen, Miß Christabel Pankhurst, eine kriegerische Tattit anwenden und auf jede mögliche Weise, gelegentlich selbst unter bewußter Berlegung des Gefeßes, öffentlich für ihre Sache de monstrieren, hat diese wesentliche Fortschritte gemacht, und da im Unterhause eine große Mehrheit der Wahlrechtsfrage freundlich gesinnt ist, so ist es nicht unwahrscheinlich, daß diese in ab sehbarer Zeit eine den Wünschen der Frauen günstige Lösung finden wird." Also: Wenn in Deutschland eine sozialdemokratische Frau für die Wahlreform eintritt und dabei noch mit keinem Schritt den Weg des Gesetzes verläßt, so gebührt ihr dafür eine Kaltwasserbehandlung, d. h. sie ist verrüdt. Wenn aber englische Frauen rechtlerinnen für das Wahlrecht demonstrieren und dabei eine friegerische Taftit, selbst unter Verlegung des Gesezes, anwenden, so ist das bewundernswert. Und dieses Geschwäb nennt sich dann ultramontane Konsequenz! Klerikale„ Radaubrüder". Frechen Schwindels", plumper und maßlofer Entstellung" soll fich der Vorwärts" nach Behauptung der Freifinnigen Zeitung" wieder einmal schuldig gemacht haben. Und zwar dadurch, daß er in der Erörterung der politischen Forderungen, die der General. rat der Gewerfbereine am legten Sonnabend programmatisch aufgestellt hat, den Nachweis führte, daß die HirschDunderschen Gewerkvereine für den Freisinn nicht eintreten tönnten, wenn sie es mit der Forderung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts für den Staat und die Gemeinden, der Beseitigung aller indirekten Steuern usw. ernst meinten. Habe doch der Freisinn durch seine Blockhandlangerdienste sowohl den Kampf für die preußische Wahlreform als auch die ernst hafte Oppofition gegen den agrarischen Bollwucher die Grenz fprerren usw. aufgegeben. Sollen das etwa plumpe und maßlose Entstellungen" sein. Nur nicht nur die Herren Barth und Breit. Die Fälle Pfannkuche" häufen sich. Zuerst hat der scheid haben genau dasselbe erklärt, nicht nur Herr Pachnide liberale Pfarrer in Osnabrück die Frommen im Lande gegen hat zugestanden, daß sich mit der Blockpolitik ein ernsthafter fich aufgebracht durch seine auf dem jüngsten Hannoverschen Kampf gegen das Agrariertum nicht vertrage, sondern die Pfarreriag vertretene Forderung auf radikale Beseitigung Zaten des Freisinns während der Blockära haben unsere Be- des Gotteslästerungsparagraphen. Johannes Fusangel, ehemals Zentrumsabgeordneter, ist hauptungen tausendfach bestätigt! Dann hat er es durch seine tapfere Stellungnahme gegen die bekanntlich von seiner Partei abgesägt worden. Man hat ihn bei der ,, Gewerkschaft" Oder ist es frecher Schwindel", daß der Freifinn von der von gelbe Firma Hammersen der letzten Reichstagswahl durch einen jungen Arbeitersekretär aus den Hirsch- Dunderschen geforderten Gleichberechtigung der Arbeiter u. Comp. in Osnabrück mit den Geldsacsseelen verdorben. seinem alten Wahlkreis verdrängt, ihn aus dem Provinzialin den Gemeinden grundsählich nichts wissen will? Will etwa die Das hat ihm jekt richtig zu der Ehre einer amts. ausschuß der westfälischen Zentrumspartei entfernt und schließlich Freifinnige Zeitung" das Gegenteil behaupten? Wir bezweifeln brüderlichen Zwiesprache" mit dem aus Hannover her- seinem Blatt, der Westdeutschen Volkszeitung", den Charakter als wirklich, daß sie dazu den Mut finden wird! beigeeilten Generalfuperintendenten verholfen. Die Sentrumsorgan aberflärt. Jetzt verweigert man Herrn Fusangel sogar für seine Versammlungen die Zentrumslokale. Seine AnOsnabrücker Bourgeois find bekanntlich in kirchlichen Dingen hänger in Haspe bei Hagen wollten eine Versammlung im„ Kon intensiv" liberal" und mögen die stockorthodoxe Kirchenbehörde stantia"-Saale abhalten, aber das Lokal wurde ihnen nicht be nicht leiden; wenn sie sich ihrer aber zum Schuße des Geldwilligt. Was nun weiter geschah, schildert die Westdeutsche Woltsbeutels bedienen können, so rufen sie ohne Bc- zeitung" wie folgt: " Wir als tatholische Bürger von Haspe, Freunde des Herrn finnen auch ein hohes fönigliches Konsistorium Fusangel, hatten diesen gebeten, er möge nach 15jähriger Tätigkeit gegen den liberalen Pastor zu Hülfe. Nach den gelben Kapitalisten hat jetzt eine staatliche im hiesigen Wahlkreise seinen Anhängern einen Vortrag halten. Instanz ergernis genommen" an dem gar zu kezerischen Wir haben denn auch eine imposante Versammlung abgehalten Der Kölner Anarchistenprozeß, Pfarrer, den abermals ein Rüffel ereilt. Pfannkuche hatte im Vereinshause der Volksverein für das fatholische Deutschland eine und das trotzdem von den Gegnern Fusangels im katholischen über dessen Vorgeschichte wir bereits in Nr. 17 berichtet haben, Osnabrüder Lehrerverein über„ Die Ergebnisse der neueren Bersammlung einberufen hatte. Herr Fusangel hatte seinen Vorbeschäftigte gestern die Kölner Straffammer. Angeklagt waren fünf Forschungen zum alten Testament und die daraus sich ergebenden trag beendet; er war von der Versammlung mit der allergrößten Männer und eine Frau, durch Verbreitung der antimilita Forderungen" geredet. Der Vortrag enthielt nichts, was einem Ruhe angehört worden. Die Diskussion hatte in aller Ruhe beristischen Broschüre Soldatenbrevier" zum Un- halbwegs modern Gebildeten neu ist, daher war er natürlich Gift gonnen und unsere Tagesordnung war bereits erledigt, da hatten gehorsam gegen die Gesetze aufgefordert, sowie verschiedene Selaffen für die Untergebenen des Nachstudtschen Regiments. Die Re- die Macher im Bolfsverein in ihrem Lokale Schluß gemacht und der Bevölkerung zu Gewalttätigkeiten aufgereizt" zu haben. Um gierung, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen, nahm also stürzten wie eine Meute in unsere ruhige Ver. die Verbreitung zu erleichtern, ist die in London gedruckte Broschüre mit völlig unbureaukratischer Promptheit„ Anstoß", da das Auf- fammlung, um zu skandalieren, Lärm zu schlagen, mit einem Worte um unsere Versammlung fo ausgestattet, als sei fie im„ Berlage des Kriegsministeriums" in treten des Pfarrers Pfannkuche" geeignet sei, große Verwirrung sprengen. Es blieb deshalb dem wachthabenden Beamten nichts Berlin erschienen. Der Dedel ist schwarz, weiß, rot, zeigt das unter den Behrern(!) und schwerste Beunruhigung unter den anderes übrig, als unsere Versammlung aufzulösen. Reichswappen und die Aufschrift:„ Mit Gott für König und Eltern hervorzurufen". Das Konsistorium zu Hannover schloß sich Dieser Sch and fled wird am fatholischen Wolfsverein in Haspe Waterland". Die Broschüre, die ursprünglich„ Soldatenfreund" der Auffassung der Regierung gehorsamst an. Es erfolgte eine hängen bleiben. Also darum zahlt der katholische Arbeiter für den hieß, wurde am 1. Februar 1907 bom Berliner Verurteilung ohne Verhör und Verteidigung, Wolfsverein 1 M., damit Ra daubrüder gezüchtet werden." Amtsgericht tonfisziert Die Radaubrüder und ihre Gönner, das sind dieselben Leute, und am 8. Juli durch wie sie sich nur noch evangelische Geistliche in Preußen gefallen Urteil eingezogen. Der in Wien geborene, in Arnheim( Holland) anfäffige laffen müssen. Das Urteil brüdt das ernste Mißfallen" des hohen die nicht genug über sozialdemokratischen Terrorismus" aetern Tischler Alfred Hörmann soll die Broschüren von London be- Konsistoriums aus und ersucht den Pastor Dr. Pfannkuche, seine zogen und durch holländische Tabalarbeiter, die in Emmerich be-" Schulmeinungen" nicht weiter in der Deffent. Drohungen gegen Straßendemonstrationen. Die lichkeit zu berbreifen. Es ehrt den Osnabrüder schäftigt waren, über die deutsche Grenze geschafft haben. Die lichkeit zu verbreiten. Solingen, 81. Januar. anderen in Köln anfäffigen Angeklagten sind der Verbreitung oder ehrerverein, in deffen Mitte jener Vortrag gehalten wurde, ( Privatdepesche des Vorwärts".) der Beihülfe beschuldigt. daß er der Anmaßlichkeit der Behörde Trotz bietet und sich die Eine sozialliberale Protestversammlung von 1500 Teil Während der Verlesung der Broschüre durften mur die Vertreter Schulmeinung" Pfannkuches zu eigen macht. Es wurde im über die Grenze geschafft und 30-40 Stüd dem Angeklagten Tischler wirrend", sondern in je der Beziehung Klärend gewirkt habe. Saal war polizeilich gesperrt, die Sozialdemokraten waren stark verder Presse im Gerichtssaal bleiben. Hörmann gibt zu, 500 Stüd Verein festgestellt, daß der Vortrag bei keinem Hörer„ ber- nehmern, in der Hoff- Ktiel referierte, faßte eine scharfe Proteſtresolution gegen die Wahlrechtsverlveigerung und gegen Bülow. Der Der Osnabrüder Lehrerverein hat eine Denkschrift an die treten. Mehr als tausend Demonstranten zogen nach May Luke gegeben zu haben. Er macht überhaupt umfassende Angaben über seinen Berkehr mit den anderen An- Landessynode gerichtet, worin eine zeitgemäße Reform" des Schluß durch die Hauptstraßen und vor das Rathaus. geklagten, die er zum Teil belastet. Religionsunterrichts erstrebt wird. Zu der reinlichen Der Oberbürgermeister droht bei Fortdauer der Demonstrationen Als Unstifter bezeichnet er den im Auslande befindlichen anarchistischen Schriftsteller Nacht, Konsequenz der bölligen Trennung von Schule und mit der Schließung des Gewerkschaftshauses und Verhängung der auch Roller genannt, der auch die Broschüre geschrieben haben. Kirche können sich diese Lehrer noch nicht durchringen. Immer- Polizeistunde. Die Drohung ruft starke Erregung hervor. Auch der Tischler Luze ist bei der Vernehmung sehr mit- hin bekundet es in Preußen schon einen gewissen Mut, wenn Voltsteiljam. Er sagte, im November fei in einer Sigung der" Föde- schullehrer sich nicht mehr zur Heuchelei vor ihren Schülern ration" beschlossen worden, die Broschüre von London fommen zu 3pingen lassen wollen. Auch Pastor Pfannkuche soll nicht gewillt Lassen, um sie in Berlin gelegentlich der wegen des fein, sich von einer hohen geistlichen Behörde des Dreiflassenstaates Liebknechts- rozesses abgehaltenen Brotest- wie ein Schulbube abrüffeln und den Mund verbieten zu lassen. versammlung au verteilen. Die Berteilung habe aber Die zahlreichen" intellektuellen" Toren aber, die sich von den nicht stattgefunden. Luze belastet den angeklagten Schuthuationalen Wahlen" und der Ersetzung Studts durch einen macher Heder und den flüchtigen Mitangeklagten anderen Juristen und Reserveoffizier die liberale Morgen Schuhmacher Georg Kunze. Endlich belastet auch der An- röte versprachen, erfahren abermals, daß die preußische Reaktion mit jedem Tage dreister wird! getlagte gementierer Wilhelm Busch den Maurer Start Laß. foll. " Berurteilt wurden: Hörmann und Luge zu je 10 Monaten, Seder wegen Beihilfe zu 5 Monaten, Laß wegen Begünstigung zu 2 Monaten. Busch und Frau Lut wurden freigesprochen. Die hochanständige Germania. Die„ moralische" Germania", das Hauptbiatt des Zentrums, rächt sich für unseren Nachweis, daß das Zentrum in der Wahlrechtsfrage ein frivoles doppelzüngiges Spiel treibt, dadurch, daß fie allerlei perfide, verlogene Notizen über die sozialdemokratische Wahlrechtsdemonstration erfindet. So enthält z. B. ihre letzte Nummer folgende Notiz: Seinen Berlegungen erlegen ist der 25 Jahre alte Gelegen Heitsarbeiter Wilhelm Uted aus der Petersburger Straße, der am Sonntag vor acht Tagen( gelegentlich der sozialdemokratischen Straßendemonstrationen) von dem Kriminalschuhmann Steise, den er vor dem„ Elysium" in der Landsberger Allee tätlich angriff, in der Notwehr mit der Browningpistole in den Unterleib geschossen wurde. Er starb jezt im Krankenhaus am Friedrichshain. Stelse, der auf den Kopf geschlagen und auf die Brust getreten wurde, ist noch frant und dienstunfähig. Wir finden es in Anbetracht der eigenartigen Moral des Blattes ganz begreiflich, daß es zu derartigen Fälschungen greift; aber wenn ihm auch nicht seine Begriffe von Anstand solche Ent. stellungen verbieten, dann sollte es wenigstens die Klugheit von berartigen Leistungen zurüdhalten. Erftens haben am Sonntag vor acht Tagen, also am 19. Ja. " Besorgte Ordensjäger. Der Freifinnigen Zeitung" fann es die Sozialdemokratie nie recht machen. Die Leipziger Volkszeitung" hatte Herrn Dr. Breit scheid wegen seiner mannhaften Haltung in der Wahlrechtsfrage das Beuguis ausgestellt, daß er ein wirklicher Liberaler" fei. Da meint nun die Freisimmige Zeitung", der Liberalismus Breitscheids könnte nicht ärger fompromittiert" werden, als durch solches Lob aus sozialdemokratischem Munde. Der Geschmack der Müller- Sagan und Wiemer ist ja bekanntlich ein anderer als der Breitscheids. Während diefer auf die Anerkennung demokratischer Elemente Wert legt, renommiert die Freisinnige Zeitung" damit, daß sie sich bei . Reichsbehörden", ja sogar an höchsten Stellen" besonderen Ansehens erfreue! Wenn fönnen. Klaffenjuſtiz. zu Der Deutsche Holzarbeiter", ein chriftliches Gewerk. schaftsblatt, stellt in feiner lekten Nummer Betrachtungen über unsere Rechtsprechung an. Das Blatt findet, daß die heutige Rechtsprechung an den ordentlichen Gerichten nach der sozialen Seite arg im Rüd stande ist, daß sie weder das praktische Leben mit seinen vielgestaltigen Dingen, noch soziale Standestugenden, noch das sittliche Empfinden der breiten Volks schichten kennt, die die Träger des wirtschaftlichen Lebens sind". Um das zu beweisen, greift das Blatt die Rechtsprechung während eines Streits oder einer Lohnbewegung heraus: „ Der Arbeiter, der weiß, unter welchen Nöten sein Stand leidet, wird es als größte Schmach betrachten, seinem Stande Hindernisse im Kampfe um seine Besserstellung in den Weg zu legen. Wie der Patriot den Vaterlandsverrat haßt, so ist auch der Arbeiter von Bitterfeit erfüllt, wenn er steht, wie die Tugend der Solidarität von seinem Standesgenossen verworfen wird Aber während der Vaterlandsverräter vor aller Welt gebrand. markt wird und eine harte Strafe ihn trifft, ist es dem Arbeiter nicht erlaubt, den Verratan seinem Stande mit den richtigen Worten zu kennzeichnen. Wehe dem, der einen Streifbrecher einen Streifbrecher nennt. Dann wird das Gericht denjenigen bestrafen, der den Vorwurf erhoben hat. Solche Rechtsprechung ist keineswegs danach angetan, das sitt. liche Empfinden des Volkes zu kräftigen und soziale Tugenden auszubilden; sie stärkt nicht das Gefühl der Verantwortlichkeit des einzelnen, sondern bedeutet eine Prämiierung der sozialen Untugenden und erzieht zur Charakter losigkeit." Aber davon abgesehen. Das Wiemerblatt pflegt doch stets darüber zu greinen, wenn einem Freisinnigen von sozialdemokratischer Seite Verrat der liberalen Prinzipien vorgeworfen wird. fich aber wirklich noch ein paar Freifinnige finden, denen die Sozialdemokratie eine Anerkennung aussprechen kann, so ist es Leuten Wahlrechtsagitation in Mecklenburg. von der Freijinnigen Zeitung" auch nicht recht! Aber die MüllerUnser No sto der Parteiorgan, die Medlenburgische Sagan, Wiemer, Kopsch. Fischbeck und Konsorten mögen sich be- Boltszeitung" führt jetzt eine scharfe Agitation für Ber rubigen: ihrem Ansehen an höchsten Stellen wird die fassungsreform und allgemeines Landtagswahl. fozialdemokratische Presse schwerlich jemals durch kompromittierliches recht. Die Donnerstagsnummer der Boltszeitung" trägt in ob schaden! Soweit es an uns liegt, wollen wir die Hoffnungen großen Lettern folgende Stopfleiste: ber beim heurigen Ordensfest übergangenen Freifinnsmannen, auch " Reform der Verfassung wenden! noch einen Roten Adlerorden 4. Klasse zu erwischen, wahrhaftig nicht Nur ein Büffel tann fich gegen eine zeitgemäße Auf zur Agitation für das allgemeine Landtagswahlrecht! zu schanden machen! Zentrums- Konsequenz. Nachwehen vom Harden- Prozeß. tuar, nirgends Demonstrationen in Berlin stattgefunden, was die„ Germania" selbst in ihrer Nummer vom 21.( Beilage, erste Seite, dritte Spalte) bescheinigt, zweitens aber hat auch am Die Effener Volkszeitung" bringt in ihrer Nr. 24 roten Sonntag, den 12. Januar, weder im„ Elysium" eine Ver- vom 30. Januar eine Stelle aus einer Wahlrechtsrede, die Genossin Vor dem Kriegsgericht der Garde- Kavallerie- Division hatte sich ſammlung stattgefunden, noch ist daselbst irgend ein Zusammen- Bettin in Berlin gehalten hat. Genossin Bettin führte darin aus, gestern der Einjährigfreiwillige Jacoby, der Sohn eines hiesigen sto mit der Polizei vorgefallen. Der„ Arbeiter" uted ist denn das fämpfende Proletariat Bülows Herausforderung annehmen Fabrikanten, vom 1. Garde- lanenregiment wegen Beleidigung des auch nicht gelegentlich der sozialdemokratischen und sich durch seine Drohungen nicht schreden lasse; der Stampf Regiments der Gardebukorps in Potsdam zu verantworten. Die Straßendemonstrationen" verwundet worden, sondern ums Wahlrecht erfordere Opfer, er werde vielleicht lange dauern, Anklage fügt sich auf einen Vorgang, der sich in der Wohnung gelegentlich einer Rauferei zwischen Personen, die wegen Streitig- Anfang die Demonstration, an deren Ende vielleicht der Massen- Eltern des Angeklagten ist mit einem Unteroffizier des Re aber es gebe fein Zurück auf der beschrittenen Bahn, an deren der Eltern des Angeklagten abgespielt hat. Das Dienstmädchen der feiten aus dem Tanglofal Elysium" hinausgeworfen worden streit stehe. waren. Die„ Germania" berichtet selbst darüber in Nr. 16 Sierzu bemerkt das Essener Zentrumsblatt:" Derartige giments der Gardedukorps verlobt. Als Jacoby bies ges bem 21. Januar: rebolutionäre Karnevalsreben lassen die Frage angezeigt legentlich eines Besuches in der elterlichen Wohnung in Erfahrung " Drei Personen durch einen Kriminalbeamten niederge- erscheinen, ob nicht für solche Rednerinnen eine leichte alt. brachte, ließ er sich dem Dienstmädchen gegenüber zu einer schossen. Zu einem blutigen Krawall fam es in der Nacht zum wasserbehandlung zweckmäßig sei. Anderseits muß immer Aeußerung hinreißen, die sich auf die Vorgänge, die in ben Montag vor dem Hause Landsberger Allee 41, in welchem sich das wieder auf die Schädigung hingewiesen werden, die der Wahlrechts- beiden Prozeffen gegen Maximilian Harden und gegen die Grafen bekannte Tanzlotal Elysium" befindet. Als der in demselben frage dadurch erwächst." Hause wohnende Kriminalschußmann Otto Stölzel, gegen 12 Nun liegt ber Effener Boltszeitung" ein Unterhaltungsblatt Sohenau und Lynar behandelt wurden, bezieht und die an dieser Das Dienstmädchen ühr nachts vom Dienst kommend, sich nach seiner Wohnung be- bei: Die Zeit in Wort und Bild". Diese brachte in Nr. 4 vom Stelle nicht wiedergegeben werden kann. geben wollte, bemerite er, wie ein Mann aus dem Tanglofal 26. Januar ein Bild, das sechs Frauenrechtlerinnen darstellt, wie erzählte dies beim nächsten Zusammentreffen ihrem Bräutigam und hinausgeworfen und auf der Straße von mehreren Bersonen sie Blatate mit der Wahlrechtsforderung durch die Straßen von durch den letzteren tam es zu Dhren der Offiziere. Im Namen des mißhandelt wurde. Der Beamte leistete dem Bedrängten Hülfe London tragen. In dem begleitenden Text heißt es: Offizierkorps des Regiments stellte daraufhin der Regiments " Ein objektiver Richter. tvaren 3 fommandeur Herr Freiherr v. Richthofen gegen den Einjährigen| des verfloffenen Jahres von 3762 auf rund 5000 geftiegen. Die pflichtet, diesen Beschlüssen in jeber Beziehung Rechnung zu tragen. Strafantrag wegen schwerer Beleidigung. Jahreseinnahmen betrugen 26 715,35 M. gegenüber 18 118,60 M. Die Gegner der Einheitsorganisation handeln deshalb durchaus Gestern fand vor dem Kriegsgericht der Garde- Kavallerie- Ausgaben. An den Parteivorstand in Berlin wurden 2800 W. ge- nicht im Interesse der Allgemeinheit, sondern sie verfolgen Sonderricht Division in Potsdam die Verhandlung in der Beleidigungsaffäre sandt. Flugschriften wurden in einer Zahl von 322 000 Gremplaren interessen, die in der neueren politischen Stellungnahme der Freiev statt. Sie wurde unter Ausschluß der Deffentlichkeit geführt. Auf berbreitet. Die öffentlichen Versammlungen- 27 an der Zahl Grund der Beweisaufnahme tam der Gerichtshof zu einer Ver- 22 600 Abonnenten. Die Versammlung beschloß, das Geschäftsjahr alle gut besucht. Vereinigung deutscher Gewerkschaften ihre Ursachen haben. Die Volksstimme" zählt zurzeit Wir appellieren daher an alle unsere Mitglieder, im besonderen urteilung des Angeklagten. Er erkannte auf eine Mittelarrest- des Vereins statt von Neujahr zu Neujahr vom 1. Juli bis Ende aber an unsere Berliner Kameraden, angesichts der Rüstungen des strafe von drei Wochen. Juni laufen zu lassen und den Beitrag, entsprechend einem Beschlusse Unternehmertums die Streitagt zu begraben und den Beschlüffen des Bezirkstages, vom 1. Juli d. J. ab auf zehn Pfennig wöchentlich der Parteitage der Sozialdemokratie entsprechend für die zu zu erhöhen. schaffende Einheitsorganisation einzutreten. Das Gewerkschaftstartell in Schmölln hat an den dortigen Jm 11. badischen Reichstagswahlkreis( Mann- Da in Berlin der Uebertritt nicht geschlossen erfolgt, der VorAmtsrichter Schuster folgendes„ Offenes Schreiben" gerichtet: heim) ging im 4. Quartal 1907 die Mitgliederzahl des Sozial- stand des Vereins der Zimmerer Berlins und Umgegend die Ueber„ Nach einer von einer ganzen Reihe absolut einwandfreier demokratischen Vereins von 6217 auf 6093 zurüd. Der trittsbedingungen vielmehr vollständig ignoriert, obwohl der VerOhrenzeugen uns gemachten Witteilung haben Sie, Herr Amts- Bericht des Vorstandes führt als Grund an, daß infolge der nieder- treter des Vereins an allen Verhandlungen teilgenommen hat, so richter, in der Schöffengerichtsverhandlung vom 21. Januar ge- gehenden Konjunktur eine Abwanderung der Arbeiter legentlich einer Berufungsfache bei der Urteilsbegründung gefagt: haft aus den industriellen Gegenden des Wahlkreises stattfindet. werden die Mitgliedsbücher der Berliner Rame„ Es ist dem Gericht längst bekannt, daß zwischen den Trotzdem hat sich die Zahl der Boltsstimme" Abon- raden im Bureau der Geschäftsleitung, Dra organisierten Arbeitern und den nichtorganisierten Arbeitern nenten von 12 120 auf 12 472 erhöht. gonerstraße 15, of part, entgegengenommen ein heftiger Streit besteht. Es kommt einem organisierten Jm November fanden Lehrkurse statt, in denen die Genossen und gegen Legitimationstarten ausgetauscht. Arbeiter selbst auf einen Meineid nicht an." Böttger über Arbeiterversicherung". Dr. Frank Auch können daselbst die restierenden Beiträge Das unterzeichnete Gewerkschaftstart ell, als die berufene Ver- über Reichsverfassung" und Emil Maier über Ge- entrichtet werden. tretung der hiesigen organisierten Arbeiterschaft, weist diese werkschaftsbewegung" sprachen. Es nahmen daran durchAeußerung als eine Beleidigung, wie sie schwerer und verlegender schnittlich 43 Genossen teil. Die Zahl der Gemeldeten hatte 66 benicht erhoben werden tann, mit aller Entschiedenheit zurück. Diese Unterstellung fezt eine Niedrigkeit des fittlichen und moralischen Empfindens feitens der erdrückenden Mehrheit der hiesigen Arbeiter schaft voraus, gegen welche wir mit aller Entschiedenheit Verwahrung einlegen. Wir bewundern zwar die tühle Sicherheit, mit welcher Sie diesen Grundsatz aufstellen. Aber wir müssen Ihnen, Herr Amtsrichter, jede Legitimation absprechen, in diefer abfälligen Weise über die organisierten Arbeiter zu urteilen, sintemalen wir Sie, Herr Schuster, troß Ihrem Amte, nicht als unfehlbare Macht betrachten, welcher gestattet wäre, was anderen Sterblichen verboten ist. Daß ein solcher Ausspruch nicht geeignet ist, unser Vertrauen zu Ihrer Rechtsprechung sonderlich zu erhöhen, dürfte vielleicht Ihnen selbst einleuchten. Da es aber des Landes Brauch ist, Behauptungen nicht nur aufzustellen, sondern auch zu beweisen, so erwarten wir, daß Sie, Herr Amtsrichter, sich beeilen werden, diese Ihre Aeußerung in genügender Weise zu begründen." Db der Herr Amtsrichter antworten wird? England. Die Debatte über die Arbeitslosigkeit. In der Adresdebatte haben die Vertreter der Arbeiter partei Macdonald und Currann einen Antrag eingebracht, der die Regierung angreift, weil sie keine Maßregeln gegen die Arbeitslosigkeit vorgefchlagen hat. Der Minister Burns, der frühere Sozialist, verteidigte die Regierung: Er sehe keinen Grund für die von einigen Rednern ausgesprochenen trüben, pessimistischen Ansichten bezüglich der gegen wärtigen sozialen und industriellen Lage Englands. Er bestreite, daß die Frage der Arbeitslosigkeit jeden Tag ernster würde. Im weiteren Verlaufe seiner Rede bestritt Burns die Behauptung, daß die wirtschaftliche Lage in Berlin besser sei als in London. Was die Gesundheits-, Lohn-, Miets- und Unterkunftsverhältnisse anbelange, so stehe London beffer da als Berlin. Nachdem Redner noch auf verschiedene Maßnahmen hingewiesen hatte, welche die Regierung zur Verbesserung der Rage bereits ergriffen habe oder einzuführen beabsichtige, wurde das von Macdonald beantragte Amendement mit 195 gegen 146 Stimmen abgelehnt. Zu der Minderheit gehörten die Mitglieder der Arbeiterpartei, die Nationalisten und einige Unionisten. Die Regierung hat also nur eine Majorität von 49 Stimmen erzielt und die Arbeiterpartei, deren Vertreter den Tadelsantrag überaus wirkungsvoll begründeten, damit bewiesen, daß ihre Macht im Parlament immer mehr wächst. Portugal. Die Diktatur. Lissabon, 31. Januar. Das Erscheinen der beiden Blätter Coreo da Noite" und" Dia Paiz" ist auf 30 Tage untersagt worden. Lissabon, 31. Januar. Ein Leutnant von der Zollverwaltung und mehrere andere Personen wurden heute morgen festge= nommen. Die Polizei ist geplanten und gebungen auf die Spur gekommen. Es wurde in mehreren Wohnungen Haussuchung gehalten und dabei Waffen und Munition entdeckt. Lissabon, 31. Januar. Amtliche Meldungen besagen, daß trok der heftigen Agitation der Republikaner und Progressisten die revolutionäre Bewegung keinerlei Fortschritte mache und daß die Ruhe und Ordnung im Lande in keiner Weise gefährdet sei. Aus der Partei. Parteiliteratur. Wahlrecht und Wahlrechtsdemonstration vor dem deutschen Reichstage. In wenigen Tagen erscheint im Verlage der Buchhandlung Vorwärts in Berlin unter diesem Titel die Rede des Genossen Fischer nebst der Erklärung des Reichskanzlers zu dieser Frage. Die Broschüre ist für die Massen verbreitung bestimmt und bittet der Verlag um möglichst baldige Aufgabe der Bestellung. Im Verlag der Buchhandlung Vorwärts find soeben erschienen: Alkoholfrage und Sozialdemokratie. Referat auf dem Parteitag in Effen 1907. Mit einem Anhang. Von Emanuel Wurm. Preis 1 M., Agitationsausgabe 30 f. Der Parteitag in Essen hatte beschlossen, das Referat des Genossen Wurm als besondere Broschüre herauszugeben. Wurm hat aber der Broschürenausgabe einen Anhang beigefügt, in dem einzelne, im Referat nur furz gestreifte Stellen ergänzt und erläutert find. Die Broschüre hat damit auch Interesse für diejenigen Genossen, die das Protokoll besitzen. Enthält doch der Anhang reichhaltiges Material zur Beurteilung der Alkoholfrage. Die Sozialdemokratie und die technischen Angestellten in Industrie und Gewerbe, Bergbau, Schiffahrt und Landwirtschaft. Unter diesem Titel ist soeben ein neues Heft der Sozialdemokratischen Flugschriften herausgegeben. Preis 10 f. Der Verfasser zeichnet in furzen Strichen die wirtschaftliche Lage der technischen Angestellten. Er weist nach, daß deren LebensLage feine bessere, eher eine schlechtere ist als die der gewerblichen Arbeiter und daß sie nur durch die Gesetzgebung gebessert fann, solange die Angestellten nicht Weg werden " tragen. " " Der Wahlverein Stettin hatte im Jahre 1907 eine Einnahme von 9093,80 M., eine Ausgabe von 8968,46 M., der Be stand beträgt 125,34 M. Die Mitgliederzahl ist in langsamem, aber stetigem Steigen begriffen. Eifrige Agitation für das Parteiorgan betreiben zurzeit die Wiener Arbeiter. Nach Verbreitung einer vorzüglich zusammengestellten Agitationsnummer der Arbeiterzeitung" haben Sammler am legten Sonntag 6000 neue Abonnenten gewonnen. Allein im Bezirk Favoriten wurden 1360, in Ottakring 1130 neue Leser gewonnen. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Straffonto der Presse. " Essen, 31. Januar. ( Privatdepesche des Vorwärts".) Die Straffammer verurteilte den Genossen With. Dstlamp von der Arbeiterzeitung" wegen Beleidigung des städtischen Bureaudirektors Draeger und der Stadtverwaltung durch einen Artikel über die Mißstände der Stadtverwaltung zu drei Wochen Gefängnis. Die Begründung sagt, daß der Angeklagte beabsichtigte, die Leser der„ Arbeiterzeitung" aufzuregen und sie zur Mißstimmung gegen die Stadtverwaltung zu reizen. wit vom„ Volksblatt" zu Mühlhausen i. Th. entlassen. Er Aus der Staatspension wurde am Freitag Genoffe Marte hat dort vier Wochen wegen angeblicher Beleidigung des deutschen Reichskanzlers zugebracht. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Vereinigung der Zimmerer Deutschlands! Achtung, Mitglieder! Nach dem Beschluß der siebenten Konferenz vom 1. und 2. Dezember 1907 ist die unterzeichnete Geschäftsleitung beauftragt, den Anschluß an den Zentralverband der Zimmerer zu veranlassen. Zur Ausführung dieses Beschlusses sind mit den Bentralinstanzen des Verbandes am 19. Dezember v. J. folgende Uebertrittbedingungen vereinbart: 1. Die Mitglieder der Vereinigung der Zimmerer Deutschlands treten als vollberechtigte Mitglieder in den Verband über. Vollberechtigt im Sinne des Verbandsstatuts. Demnach erhalten die Mitglieder der Vereinigung vom Tage des Uebertritts ab das Recht auf Streitunterstüßung, Gemaßregeltenunterstützung, Arbeitslosenunterstüßung, Reiseunterstüßung, Rechtsschutz sowie alle weiteren Unterstüßungen, wie sie im Verbandsstatut festgesetzt sind. Pflichten und Rechte der übertretenden Mitglieder der Ver= einigung im Verbande beginnen am 2. März 1908. Demzufolge muß der Uebertritt bis zu diesem Tage erfolgt sein. Mitglieder, die später als am 14. März übertreten, gelten als neu eintretende Mitglieder. Die Beitragsleistung der Vereinigung hört am 1. Februar 1908 auf. Während der beitragsfreien Zeit vom 1. Februar bis zum 2. März haben die Mitglieder der Vereinigung ihre Bücher in Ordnung zu bringen und dieselben an die Geschäftsleitung beziv. an den Vereinsvorstand zum Zwecke des Umtausches abzugeben. Das Vermögen der Geschäftsleitung wird nach Erfüllung aller Verbindlichkeiten der Hauptkasse des Verbandes zugeführt. Aus den Kassenbeständen der einzelnen Vereine geht der vierte Teil an die Hauptkasse über. Der übrige Teil des Vermögens( einschließlich Inventar und Bibliotheken) wird den örtlichen Kassen der Verbandszahlstellen überwiesen. Mit kameradschaftlichem Gruß Geschäftsleitung und Ausschuß. Th. Fischer. F. Labitke. W. Schmidt. W. Repschläger. Fr. Czeminski. Achtung, Werkzeugmacher, Schlosser! Der Streit in der Waffen- und Munitionsfabrik in Wittenan dauert unverändert fort. Der Betrieb ist für Werkzeugmacher und Werkzeugdreher gesperrt. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Metallarbeiter! In der Waffen- und Munitionsfabrik zu Berlin find anläßlich des Streits der Einrichter zirka 1000 Metallarbeiter ausgesperrt. Es ist Pflicht eines jeden Metallarbeiters, diesen Betrieb zu meiden. Die Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik ist bis auf weiteres gesperrt. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Die Sperre über die Norddeutschen Stahl- und Eisenwerte in Ober- Schöneweide ist aufgehoben. Die Kollegen traten heute die Arbeit wieder an. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Deutfches Reich. Eine Arbeitslosenzählung nahm, wie man uns mitteilt, am Donnerstag das Magdeburger Stadtteilen fünf Bählstellen eingerichtet und die Arbeitslosen ersucht Gewerkschaftskartell bor. Es waren in den verschiedenen worden, sich dort zu melden. Es meldeten sich 1256 männliche und 17 weibliche Arbeitslose. Verheiratet waren 731 männliche Arbeitslofe mit 1270 Kindern. Einschließlich der Familienangehörigen betrug die Zahl der unter der Arbeitslosigkeit leidenden Personen 3257. Die Zahlen dürften aber bei weitem nicht vollständig sein, zumal sich unter denen, die sich meldeten, noch 84 Auswärtige befanden. 1080 der gezählten Arbeitslosen waren organisiert. Auch in Burg bei Magdeburg fand kürzlich eine Arbeitslosenzählung statt. Dort wurden 258 Arbeitslose gezählt, darunter 174 verheiratete mit bis zum 26. Januar insgesamt 12 315 Tage arbeitslos. Welch' eine 290 Kindern. 89 waren unorganisiert. Die 258 Arbeitslosen waren Summe von Elend spricht aus diesen Zahlen! Wir möchten diesem Bericht hinzufügen, daß wir diesen Zäh lungen durch freiwillige Meldung einen erheblichen Wert nicht beizulegen vermögen. Wollen die Gewerkschaften Arbeitslosenzählungen über die Zahl der organisierten Arbeitslosen durch die Verbände beveranstalten, so kann dies soweit man sich nicht mit den Angaben gnügt nur durch eine Zählung von Haushalt zu Haushalt gefchehen, wie dies seinerzeit die Berliner Gewerkschaftskommission in geradezu vorbildlicher Weise unternahm. Die freiwilligen Meldungen der Arbeitslosen fämen nur als Maßstab für das Sinken und Fallen der Arbeitslosigkeit in Betracht, wenn man sie in furzen Zwischenräumen regelmäßig wiederholt und den gewonnenen Ziffern feinen absoluten, sondern nur einen Vergleichswert beimißt. Aber selbst dann muß man noch damit rechnen, daß bei öfteren Wiederholungen die Arbeitslosen zum Teil das Interesse an der Sache verlieren. Immerhin. Unser Berichterstatter hat Recht: Welch' eine Summe von Elend spricht allein aus diesen so unzulänglichen Zahlen! Nachklänge zur Krefelder Weberbewegung. Im Riesensaale der Krefelder Stadthalle fand am Mittwody eine außerordentliche Generalversammlung der Krefelder Filiale des Verbandes deutscher Textilarbeiter statt, um Stellung zu nehmen zu der durch den Verlauf der letzten Stoffweberbewegung geschaffenen Situation und um vor allen Dingen die Haltung der Verbandsvertreter zu beleuchten. Der Andrang war ein gewaltiger, zirka 2000 Personen füllten Saal und Galerien. Schon am 23. Januar war zu gleichem Zwed eine Bersammlung einberufen. Das damals gewählte Lokal erwies sich als zu klein und mußte deshalb jene Bersammlung vertagt werden. 3n Anfang der Versammlung wurde die Schlußabrechnung der Bewegung gegeben. Die Kosten des Streiks belaufen sich auf 79 446,40 M. Der Gau2. An Orten, wo eine Verbandszahlstelle bisher nicht be- leiter Reimes behandelte eingehend in zweistündiger Rede Ursachen, stand, ist nach erfolgtem Uebertritt eine Neuwahl des Vorstandes Verlauf und Ende des Kampfes. Die Debatte sette lebhaft ein nach den Satzungen des Verbandsstatuts vorzunehmen. Dort, und fam es wiederholt zu bewegten Szenen. Stürmischen Widers wo eine Verschmelzung der Vereinigung mit der Verbandszahl- spruch rief ein Antrag hervor, welcher dem Gauleiter und dem stelle erfolgt, ist die erstmalige Beſegung des Vorstandes ent- Geschäftsführer des Verbandes Verrat vorwirft und diese aufsprechend der Mitgliederzahl beider Richtungen vorzunehmen. Die Art der Besetzung wird unter Berücksichtigung des Vorstehenden vorher von den Beteiligten am Ort vereinbart. Das Bestätigungsrecht des Zentralvorstandes scheidet in diesen Fällen aus. Erörterungen und Beschlußfassungen betreffend die inneren Einrichtungen der Verbandszahlstellen( Delegiertensystem usw.) bleiben den Zahlstellenversammlungen vorbehalten. Alle früheren Beschlüsse verschiedener Verbandszahlstellen in bezug auf den Uebertritt einzelner Kameraden finden bei der Verschmelzung feine Anwendung. 3. Die Zentralinstanzen des Verbandes der Zimmerer verpflichten sich, den§ 24, Abs. 5, des Verbandsstatuts betreffend das Bestätigungsrecht des Zentralvorstandes auf der nächsten Generalversammlung zur Verhandlung zu bringen und für eine beffere Fassung event. Beseitigung dieser Bestimmung einzutreten. Die freie uneingeschränkte politische Betätigung ist allen Mitgliedern des Verbandes gewährleistet. Demnach sind in diesem Jahre noch vier Wochenbeiträge zu entrichten. Vom 1. Februar bis 2. März werden keine der Selbsthülfe durch die gewerkschaftliche Organisation zu betreten Beiträge gezahlt. Wer sich seine Rechte sichern wagen. Der Verfasser schildert dann die Stellung der einzelnen will, muß bis spätestens 14. März sein Verbandsbürgerlichen Barteien in dieser Frage und liefert den Nachweis, daß buch in Händen haben. nur die Sozialdemokratie ihrem ganzen Wesen nach befähigt ist, 0 fordert, ihre Aemter niederzulegen. Der Antrag wurde abgelehnt. Das gleiche Schicksal hatte ein Antrag, wonach die Filiale aus dem Kartell auszuscheiden habe. Nachstehende Resolution wurde mit großer Majorität angenommen: " Die heutige Generalversammlung der Krefelder Filiale des Zentralverbandes deutscher Textilarbeiter erklärt, daß die Vertreter unseres Verbandes in der verflossenen Stoffweberbewegung nichts anderes getan haben, als was ihre Pflicht und Schuldigkeit war. Sie weist deshalb auch die in der Resolution der Stoffweberausschüsse enthaltene Behauptung, die Verbandsbertreter hätten durch ein zweideutiges Verhalten die Bewegung berpfuscht, als Verleumdung auf das entschiedenste zurüd. Die Generalversammlung berurteilt es, daß einige gewohnheitsmäßige Strateeler die Stoffweberbewegung dazu benutzt haben, in unberantwortlicher Weise gegen die Verbandsleitung zu heben und dadurch die Organisation aufs schwerste zu schädigen. Sie spricht die Erwartung aus, daß sich die Mitglieder nicht durch diese Zerstörungsarbeit verleiten lassen, sondern nach wie vor, im vollen Vertrauen auf die Verbandsleitung an dem Ausbau der Organisation zu vollkommener Aftionsfähigkeit mitarbeiten werden." die Interessen dieser Berufsschicht, wie aller Angestellten und verband von einigen Personen im lekten Augenblick agitiert wird Kameraden! Obwohl gegen den Uebertritt in den Bentral Letzte Nachrichten und Depeschen. Arbeiter wahrzunehmen. Aus Deutsch- Südwestafrika. Geschlechtliche Erziehung in der Arbeiterfamilie. Von Dr. Julian und man besonders in Berlin versucht, künstliche Gegensätze zu Marense. Heft 15 der Arbeiter Gesundheits- fonstruieren, ist die Geschäftsleitung dennoch verpflichtet, die Kon- bei Nanib am Westrand der Kalahari ein Ueberfall statt. Ein Reiter Berlin, 31. Januar.( Amtliche Meldung.) Am 19. d. M. fand bibliothet, herausgegeben unter Leitung von Dr. Babet ferenzbeschlüsse auszuführen. Die Vereinigung der Zimmerer ist wurde leicht verwundet. Es handelt sich wie bei dem Ueberfall bom Preis 20 Pf. feit der Zeit ihres Bestehens eine Organisation mit demokratischen 5. Dezember letzten Jahres zwischen Araheab und Kewife- Kolt anDie Schrift soll den Eltern die geschlechtliche Erziehung ihrer Einrichtungen; die Konferenzbeschlüsse sind die höchste Instanz selbst scheinend auch diesmal um Leute Simon Coppers, gegen den in Kinder erleichtern. dann, wenn in einigen Versammlungen unter Anwendung demago- nächster Zeit gemeinsam mit der Kappolizei vorgegangen werden soll. Aus den Organisationen. Der Sozialdemokratische Verein für gischer Kniffe das Gegenteil durchgesetzt worden ist. Nach dem Magdeburg hielt am Mittwoch seine Generalversammlung ab. Regulativ entscheidet die Konferenz über alle Fragen, welche die Dem Bericht des Vorstandes zufolge ist die Mitgliederzahl im Laufe Gesamtorganisation betreffen. Die einzelnen Bereine sind verVerantw. Redakt.: Georg Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlaasanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsbl. Nr. 27. 25. Jahrgang. Reichstag. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonnabend, 1. februar 1908. 91. Gizung vom Freitag, den 31. Januar 1908, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: v. Tirpit. Die zweite Beratung des Marineetats wird fortgesett. Beim Kapitel„ Garnisonderwaltung" bringt Abg. Spethmann( frs. Bp.) die Unzufriedenheit der Angestellten und Beamten in der Torpedowerkstatt Friedrichsort zur Sprache. Das Kapitel wird bewilligt; der Rest der dauernden Ausgaben wird debattelos bewilligt; desgleichen nach unwesentlicher Debatte die einmaligen Ausgaben. Jm Extraordinarium werden zur Anlage des Hafens für fleinere Fahrzeuge bei Helgoland 2 000 000 m. gefordert. Abg. Ahlhorn( frf. Vp.): Ich bitte den Staatssekretär, hier öffentlich zu erklären, daß der Bestand der Insel Helgoland weder durch die Tätigkeit des Meeres noch durch die Befestigungen gefährdet ist. Helgoland ist teuer erkauft; es in die Luft zu sprengen, wie von einer Seite wegen dieser Befürchtungen befürwortet wurde, wäre der größte Fehler. Staatssekretär v. Tirpis: Nach den eingehenden Untersuchungen, die stattgefunden haben, glaube ich, daß die Befürchtungen über den Bestand der Insel grundlos sind. Der Titel wird bewilligt. Zum Bau einer Trodendodanlage an der Unterelbe werden als erste Rate 250 000 m. gefordert. Abg. Dr. Paasche( natl.) hebt die Vorzüge der Schwimmdocs gegenüber den Trockendocks hervor und bittet, vor der endgültigen Entscheidung die Frage noch einmal zu prüfen. Etaatssekretär v. Tirpis: Die Marineverwaltung steht der Frage, ob Schwimm- oder Trockendods anzulegen sind, vollkommen objektiv gegenüber. Es handelt sich darum, ob unter den gegebenen lofalen Verhältniffen ein Schwimmdod oder Trockenbod angebrachter ist. Nach den mir vorliegenden Kostenanschlägen stellen sich die Koften für zwei Schwimmbods um 4 Millionen Mark höher als für zwei Trockendocks. Der Titel wird bewilligt. Die Abgg. Albrecht und Genossen( Soz.) beantragen, in der macht. In den Marinebetrieben finden wir alle Arten von Ge letten Beile hinter Arbeiterausschüsse" einzuschalten und Arwertschaftsorganisationen, die freien Gewerkschaften, deren parlabeiterorganisationen". verwaltung, auf die Entwickelung der TarifAbg. v. Richthofen( t.): Es ist nicht Sache der Reichs. berträge einzugehen. Wir werden deshalb gegen die Resolution stimmen. Abg. Ledebour( Soz.): mentarische Vertretung die sozialdemokratische Fraktion ist, die christlichen Gewerkschaften, die hier vom Zentrum und der Wirtschaftlichen Vereinigung vertreten werden, und die Hirsch- Dunderschen, die bisher ihre politische Vertretung in den freisinnigen Parteien zu erblicken geivohnt waren. Es handelt sich hier also um keine Parteifrage, sondern um eine Frage des allgemeinen Ars beiterrechts, in der die Vertreter aller Parteien, die bisher ein Interesse für die Arbeiterorganisationen befundet haben, einmütig zusammenstehen follten.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) mission Zu unserem großen Erstaunen hat aber in der Kome Abg. Gröber( 8.): Eine Erweiterung der Tarifverträge ist anzuftreben, wenn auch der Bund der Industriellen meint, daß durch Tarifverträge die Industrie gefährdet wird. Deshalb ist die Annahme der Resolution für uns selbstverständlich. Die bayerische Regierung sowie die Verwaltungen verschiedener Städte handeln bereits heute im Sinne dieser Resolution. Ein finanzielle 3 Bedenken, daß etwa da, wo die Tarife innegehalten werden, höhere Löhne bezahlt werden, tann gar nicht in Betracht werker eine entsprechende Resolution angenommen hat, fann er sie tommen. Nachdem der Reichstag bereits in bezug auf die Hands in bezug auf die Großindustrie nicht gut ablehnen. Wir sollten uns werter Weise entwickelt sind. Auch bei uns find in den letzten zehn erklärt, daß man es den Behörden wie der Marineverwaltung England zum Muster nehmen, wo die Tarifverträge in bewunderne gerade ein freifinniger Abgeordneter Jahren Taufende von Tarifverträgen abgeschlossen, was allein nicht zumuten fönne, mit sozialdemokratischen Ar schon ein Beweis für ihren Nußen ist. Der Antrag Albrecht ber- beitern zu verhandeln. Der Herr hat durchaus recht, daß die überlangt bei der Festsetzung der Arbeitsbedingungen die Mitwirkung wiegende Mehrzahl der Arbeiter der Marinebehörden sozialdemo der Arbeiterorganisationen. Ueber die Art dieser Mitwirkung ent- fratisch ist, und es ist sehr erfreulich, daß diese Erscheinung immer hält er nichts, fie brauchen also auch nur gutachtlich gehört zu weiter um sich greift. Aber das sollte doch kein Grund sein. werden. Wir stimmen deshalb diesem Antrage zu. bandeln mit dem Unternehmer, also in diesem Betätigung des Koalitionsrechts durch Ver die Arbeiter an der praktischen Ausübung, der Falle der Marineberwaltung, zu hindern. Hoffent. lich sind die freisinnigen Herren inzwischen selbst von ihrem unhaltbaren Standpunkt zurückgekommen und stimmen für unseren Die Resolution ist auf unsere Anregung in der Antrag, dessen Annahme sie ja dadurch ermöglichen fönnen. Sommission angenommen, unser Zusakantrag aller Wenn sie sich inzwischen bei den organisierten Arbeitern erdings mit 10 gegen 10 Stimmen abgelehnt worden. Deshalb haben kundigt hätten, die ihnen nahe stehen, so hätten sie zweifellos wir es für erforderlich gehalten, ihn hier noch einmal zu stellen. erfahren, daß auch diese sich auf den Standpunkt des allgemeinen Herr v. Richthofen macht gegen den ganzen Antrag geltend, er bes Arbeiterinteresses stellen Sonst müßte man ja auch zu der Folgedeute einen Eingriff in die Entwickelung von Verhältnissen, die rung kommen, daß die Marineberwaltung auch nicht mit den Arder freien Vereinbarung vorbehalten bleiben müssen. Mit diesem beiterausschüssen verhandeln dürfe, da auch dort Sozialdemokraten Einwand kommt er ober etwas zu spät; denn über die prin fiben, oder überhaupt keine Sozialdemokraten beschäftigen dürfe. zipielle Frage hat sich das Haus, wie er aus der Nede des( Heiterkeit.) Wenn aber eine Behörde genötigt ist, in ihren BeHerrn Gröber hätte entnehmen fönnen, I ängst entschieden. trieben die Arbeitskraft von Arbeitern aller Parteien zu verwerten, Bei dem Vertreter einer so traditionellen Partei wie der konser so darf sie sich nicht auf den engherzigen Standpunkt stellen, daß vativen wundert mich dies Verhalten.( Heiterfeit bei den Sozialfie Sozialdemokraten zwar brauche, um ihren Betrieb aufrecht zu Zum Bau fistalischer Mietswohnungen für demokraten.), Weiter erklärt Herr v. Richthofen sich gegen die Re- erhalten, aber mit ihnen über Betriebsfragen nicht verhandele. Offiziere in Wilhelmshaven werden 800 000 m. gefordert. solution, weil er nicht wünscht, daß den Gewerkschaften überhaupt( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Vorgestern bezeichnete der Die Kommission hat 200 000 M. davon gestrichen, irgendein Einfluß eingeräumt werde. Tarifverträge werden Staatssekretär v. Tirpis den englischen Kriegsschiffbau als vorAbg. Dr. Semler( natl.) bittet, die Position nach der Re- aber von allen Arbeiterorganisationen in Deutschland gefordert. bildlich. Der englische Schiffsbau arbeitet schon seit gierungsvorlage zu bewilligen. Verschiedenheit unter ihnen besteht lediglich über die Form der Jahren mit den Mitteln, die unser Antrag Ihnen Abg. Erzberger( 3.): In der Kommission bin ich für Streichung Berträge. Aber über diese innerhalb der Arbeiter strittige Fragen empfiehlt. Damit ist wohl auch der Einwand widerlegt, als der 200 000 m. eingetreten; ich habe mich aber inzwischen über- haben wir uns hier nicht schlüssig zu machen. Damit die Arbeiter ob es ein Eingriff in die Koalitionsfreiheit sei, wenn die Re zeugt, daß in Wilhelmshaven nicht genügend Wohnungen vor- überhaupt Tarifverträge abschließen können, die für sie günstig gierung nach unserem Antrage die Unternehmer, die für sie liefern, handen sind, und bitte daher, die höhere Summe zu bewilligen. Be- sind, müssen die Arbeiterorganisationen stark sein. Denn nur zwinge, die Löhne der Tarifverträge zu zahlen. Das vorbildliche merten will ich aber der Marineverwaltung, daß durch Verlegung eine starke, durchgebildete Organisation kann annähernd auf dem Berhalten Englands in dieser Beziehung datiert schon auf das ven Staatsbetrieben nach Gemeinden dort sehr erhebliche Wert- Buß der Gleichberechtigung mit den Unternehmern verhandeln. Jahr 1890 zurück. Damals nahm das englische Unterhaus steigerungen des Grund und Bodens hervorgerufen werden; wenn eine Resolution an, in der es für die Pflicht der Regierung erklärte, eine Kommune an die Marineverwaltung wegen Gewährung einer jede Anstrengung zu machen, um bei Vergebung von Arbeiten an Beihülfe herantritt, sollte die Marineverwaltung sie zunächst auf Brivatunternehmer die Zahlung solcher Löhne zu sichern, die für die Erhebung einer Wertzuwachssteuer verweisen. gelernte Arbeiter des betreffenden Berufszweiges als angemessen Abg. v. Richthofen( f.): Mit der letzten Anregung müssen wir angesehen werden. Dort ist also das Prinzip genau so allgemein wohl warten, bis uns das Gefeß über die Steuerpflicht der Staatsformuliert wie in unserem Antrage. Allmählich hat sich die Praris betriebe in Gemeinden vorliegt. durchgesetzt, als angemessen diejenigen Löhne anzusehen, die von den Trade Unions als angemessene Mindest. Löhne für einen bestimmten Berufszweig anerkannt werden. Im Jahre 1897 hat dann eine englische Unterhauskommission unter Hinzuziehung organisierter Arbeiter diese Frage gründlich geprüft und ist zu dem Resultat gekommen, daß der Staat als Arbeitgeber nicht nur ein gutes Beispiel geben, sondern auch dafür sorgen müsse, daß die Arbeitsbedingungen der Privatunternehmer bei Staatsaufträgen zufriedenstellend seien. Sie hat konstatiert, daß auch die Unternehmer im großen und ganzen dieser Bestimmung nicht mehr feindlich gegenüberstehen und daß die Beziehungen zwischen Unternehmern und Arbeitern dadurch nur günstig beeinflußt worden sind, daß diese Bestimmung dazu beigetragen habe, Bereinbarungen über die Lohnhöhe und die Arbeitsbedingungen zwischen den Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu fördern.( Sört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ferner ist in der Kommission der Einwand gemacht worden, daß die Marineberwaltung als einzelne Behörde einen solchen Beschluß nicht fassen könne. Gerade in bezug auf die Marine hat aber England schon einen weiteren Schritt getan. Am 6. März 1893 hai das Unterhaus beschlossen, daß die Abg. Dr. Südekum( Soz.): Der Meinung des Vorredners, daß die Anregung des Abg. Erzberger aufgeschoben wird, bis das Gefetz über die Steuerpflicht der Staatsbetriebe in Gemeinden vorliegt, tann ich nicht zustimmen. Auch heute fann jebe Gemeinde bereits die Wertzuwachssteuer einführen. Ich bedaure lebhaft, daß die Marineverwaltung, wenn sie Beihülfen für einzelne Gemeinden von uns verlangt hat, uns nicht dabei hat sagen können, daß sie mit der betreffenden Gemeinde bereits wegen Einführung einer Wertzuwachssteuer in Verhandlungen getreten ist. Ich unteritüße die Anregung des Kollegen Erzberger in jeder Richtung. Die Summe von 300 000 m. wird bewilligt. Der Rest des Etats wird debattelos bewilligt. Die Budgetkommission empfiehlt die Annahme einer Rejolution, wonach die Marineverwaltung nur an solche Firmen Arbeiten vergeben soll, in denen die gesetzlichen Vorschriften über die Arbeitsbedingungen innegehalten werden und die Löhne nicht hinter den Bestimmungen der Tarifverträge zurüdbleiben; weiter foll die Marineverwaltung die Festsetzung der Neuordnung von Arbeitsbedingungen in den Reichsmarineämtern unter Mitwirkung der Arbeiterausschüsse vornehmen. Kleines feuilleton. Broletarierkunst für Kirchgänger. Wer in Dänemark Bier trinken will, dem braucht nicht bange zu sein, daß er etwa eine schlechte Sorte erhält. Aber der dänische Biertrinker wird vor eine andere Frage gestellt, nämlich vor die Frage, ob er die Wissenschaft, die Kunst oder die Sozialdemokratie unterstüßen will. Die Ueberschüsse der Karlsbergbrauereien werden zum Teil für Wissenschaft und Kunst verwandt, während die der Brauerei Stjernen der Arbeiterbewegung zufließen. en Wunsch nach Stärkung der Arbeiterorganis fationen haben alle Organisationen der verschiedensten Richtungen. Und eines der Mittel, ihnen einen neuen 3mpuls zu geben, fie in eine bessere Stellung zu bringen, ist eben, daß in den Regierungsbetrieben die Berechtigung der Organisation anerkannt wird. Dazu soll insbefondere der von uns beantragte Zusatz dienen. Daß in der Resolution bei der Festsetzung der Arbeitsbedingungen auch die Mit wirkung der Arbeiterausschüsse verlangt wird, ist deshalb gerechtfertigt, weil nach den bisherigen Erfahrungen die statutenmäßige Befugnis der Arbeiterausschüsse in dieser Richtung in der Praxis zu allerhand Ausstellungen und Bedenten geführt hat, ich verweise nur auf die in der geftrigen Debatte gemachten Ausführungen meines Kollegen Regien. Die Resolution foll also auch dazu dienen, die bereits bestehenden Ausschüsse zu Berhandlungen und Abmachungen mit den Behörden zu berechtigen. Worauf wir aber ein besonderes Gewicht legen, ist die Mitwirtung der Arbeiterorganisationen. In der Kommission ist gegen unsere Forderung geltend gemacht worden, daß dadurch die den Arbeitern gewährte Koalitions freiheit in einen Koalitions. 3wang berwandelt würde. Das ist eine durchaus unzu treffende Ansicht. Auch wenn die Arbeiterorganisationen bei der Feststellung der Arbeitsbedingungen mitwirken, braucht der einzelne Arbeiter deswegen noch nicht irgendeiner Organisation oder allen bestehenden Organisationen beizutreten. Ein Unter schied zwischen den gewerkschaftlichen Organisationen der verschiedenen Richtungen haben wir in unserem Antrage nicht geMedizinisches. 0 d Notizen. 5 und Gin Serum gegen die Syphilis. Die Pariser Ges Musitaronit. Jm nächsten Sonntagskonzert sellschaft für Biologie veröffentlicht in ihren Verhandlungen einen des Schiller Theaters in Charlottenburg kommen zum VorBericht von Profeffor Hallopeau, Mitglied der dortigen Akademie trag: ein Klaviertrio von Gade und Klaviertrio op. 1 Nr. 2 bon der Medizin, über seine Erfahrungen mit einem Serum gegen Beethoven, außerdem Lieder von Brahm, Reisenaurer, Weingartner, Syphilis, das Dr. Quéry hergestellt hat. Schon in einer früheren Hugo Wolf. Beginn 12 Uhr. Der dritte boltstümliche Sigung derselben Gesellschaft hatte Dr. Quéry feine Unter- Richard Wagner Abend in Charlottenburg findet am Sonnfuchungen besprochen, die ihn zu dem Schluß geführt hatten, der tag, abends 7%, Uhr, im Kaiser- Friedrich- Festsaale am Savignyplazz eigentliche Erreger der Syphilis wäre ein Bazillus, der sich durch statt und bringt Teile aus Siegfried und Götterdämmerung. Sporen fortpflanzte und von dem das bekannte durch Schaudinn Bühnenchronit. Girardi hat sein Gastspiel am entdeckte Spirillum nur eine Nebenform darstellte. Eine große Zahl von Forschern hat diese Behauptung von Dr. Quéry nach- Thalia Theater bis zum März berlängert und lehrt im Dtgeprüft und bestätigt gefunden. Nunmehr ist Dr. Quérh auch tober zu einem mehrmonatlichen Gastspiel zurüd. Aus Ueberschüssen der Ny Karlsbergbrauerei ist die Ny Karls- bazu übergegangen, den fraglichen Bazillus auszuscheiden und zur Die meistgespielten Komponisten berg Glyptothek erbaut worden, die sicherlich als einer der herr- Herstellung eines organischen antisyphilitischen Serum zu be- Dramatiker. Nach den von Breitkopf u. Härtel herausgegebenen lichsten Stunfttempel der ganzen Welt gelten tann, besonders seitdem nußen, das ganz nach dem Verfahren für das Antidiphterieserum Spielplänen hatten in der Spielzeit 1906/07 die höchste Aufführungsder Wintergarten eröffnet wurde, der inmitten der Gebäude liegt zubereitet und benutzt wird. Profeffor Hallopeau zeigt nun an, aiffer Lebars Operette Lustige Witwe" mit 2932 und Skowronnets und mit seinen vornehmen Kunstwerken, seinen seltenen Gewächsen daß unter seiner Aufsicht bisher 20 Fälle mit dem Serum be- Lustspiel Husarenfieber" mit 1688 Aufführungen. Ein gewisser und plätschernden Springbrunnen zu stillem Genießen einladet. handelt worden seien und daß sich in jedem einzelnen Fall eine Richard Wagner mußte fich für alle ſeine Werte mit 1710, Sorging Der Gründer der Glyptothet, der Brauer Jacobsen, ist un fortschreitende Befferung habe beobachten lassen. Zur Vorsicht mit 725, Mozart mit 514 Aufführungen begnügen. Unter den ablässig bemüht, diefen allen unentgeltlich zugänglichen Tempe feien die eigenen Worte von Professor Hallopeau wiedergegeben: Dramatifern hatten Schiller 1375, Sudermann( 1) 1169, Shakespeare der Schönheit mit immer neuen wertvollen Kunstwerken zu be-" Die beobachteten Befferungen konnten nicht der normalen Ent- 1130, 3bfeu 932, Goethe 588, Hauptmann 512 Aufführungen aufzuweisen. reichern. Unter den neuesten Erwerbungen, die dieser Tage in widelung der Krankheit zugeschrieben werden, denn ich habe be- Die bloßen Macher wie Blumenthal, Kadelburg, Schönthan überholen Stopenhagen eingetroffen sind, befinden sich sechs Gruppen und merkt. daß sie im ersten Beginn der sekundären Symptome Plab natürlich die Dichter bei weitem. Bemerkenswert ist in dieser Statuetten des französischen Bildhauers Rodin, dabei auch ein griffen, und sie zeigen daher eine ausgeprägte Wirkung des Seruni Statistit gegen das vorhergehende Jahr ein Abflauen Meyerbeers in Ralfstein ausgeführtes großes Werk„ Der verlorene Sohn". auf die Entwidelung der Krankheit an. Ob diese Besserungen und ein starkes Steigen Lorgings sowie R. Strauß'( Salome). Außer den Werken von Rodin tam aus Paris eine Bronzegruppe von Dauer sein werden, darauf tann ich nach meinen Studien Sinkende Tendenz verzeichneten. Grust, Hauptmann, Hartleben, des jungen Bildhauers Roger Bloche:" Le Froid"(" Die bis jetzt keine bestimmte Antwort geben." Auch Dr. Quéry be- Meyer- Förster( das Modestück Alt Heidelberg scheint endlich abStälte"). Ein Mann und eine Frau stehen da in ärmlicher merkte zu diesem Bericht, daß man vorläufig das Wort Heilung geleiert zu fein), Dhorn, Philippi und leider auch Schnitzler. Steigende Kleidung, der Not und Wintertälte preisgegeben, schmiegen sie mit Bezug auf die Wirkung des Serum nicht gebrauchen sollte, daß Aufführungsziffern buchten Bernstein, der Mann für alles, Halbe, fich aneinander, Broletarier, die trostlos in die Zukunft bliden.- er aber für seine Person einige Patienten schon vor 4 Jahren be- Herzog, Jbsen, Wedekind, Wilde. Ein Mitarbeiter von Socialdemokraten" traf den Brauer handelt habe, bei denen noch kein Rüdfall eingetreten sei. Fürs Für die zweite belgische SüdpolaregpediJacobsen im Wintergarten der Glyptothet. Ja, es ist wahr," sagte erste wird empfohlen, die Serumbehandlung in Verbindung mit tion, die für das Jahr 1910 geplant ist, hat die belgiiche SteDer Kunstmäcen, daß Bildhauer Roger Bloche Sozialdemo. Quedsilberatoryl und Jodkali zu gebrauchen. gierung 750 000 Fr. Unterstüßung zugefagt. Weitere 250 000 Fr. frat ist. Er ist ein junger Pariser Künstler in den Dreißigern, Humoristisches. sollen durch eine Sammlung aufgebracht werden. der bisher ganz unbekannt war, aber nun fich plößlich emporEntrüstung. Das Stück war einfach skandalös! Finden Institut für zoologische Psychologie, das von den vom Staat für Die Schule der Tierbändiger. Das Pariser gerungen hat durch diese Arbeit, die ganz im Stile der Werke bon Meunier ausgeführt ist, die in der Glyptothet aufgestellt find. Sie nicht auch, Herr Leutnant? Am liebsten wäre ich gleich das naturgeschichtliche Museum ausgeworfenen Geldern erhalten aber ich fürchtete, es Ich bin gewiß tein Sozialdemokrat, aber ich intereffiere mich für nach dem ersten Aft nach Hause gegangen wird, hat jetzt einen interessanten Entschluß gefaßt: die Eröffnung die Arbeiter. Und besonders interessiere ich mich nun, da Meunier würde heute zum legteninal aufgeführt!" einer Spezialschule für Tierbändigung. Der Lehrkörper dieser eigentot ist, für diesen jungen Künstler, der den Spuren Meuniers Er hat seine Schuldigkeit getan. Nach drei artigen Anstalt wird sich aus Gelehrten zusammensetzen und aus folgt und seine Stoffe wählt aus der Welt der Arbeiter, aus dem Wochen bringen Sie mir erst meinen Regenschirm zurück?"-Aber Tierbändigern, die ehemals in Zirkussen und Menagerien ihren Broletariat." Jacobsen sprach weiter davon, daß die Gruppe ich bitt' Sie, es hat ja doch die ganze Zeit geregnet 1" Beruf ausgeübt haben. Bären, Tiger, Löwen, Wölfe und andere nicht in der Glyptothet stehen bleiben solle. Sie folle inmitten Drohung. Dichter:" Sol Berühmt bin ich jetzt!... chule gebracht werden, wo man sich bemühen wird, sie durch rein Vierfüßler aus dem anstoßenden zoologischen Garten sollen in diese ber Stadt, an verkehrsreicher Straße, wo tagtäglich eine Menge Menschen vorbeikommen, vor einer Kirche gestellt werden. Es ist Jetzt freut euch, was ich von nun an zusammenschreib'!" pinchische Beeinflussung unter Vermeidung jeder äußeren Gewalt meine feste Absicht," sagte er, daß die Gruppe unmittelbar bor abzurichten. einer Kirche Platz finden soll. Die meisten Menschen, die zur- Humor des Auslandes. In China, liebe Freunde",-15 Tempel bon Philae( Aegypten) sind durch die beKirche gehen, sind nämlich nicht Sozialdemokraten, und diese fagte der Miffionar, wird einem Menschenleben nur geringer Wert absichtigte Erhöhung des Nildammes von Aisuar mit leberKirchengänger werden Ruben davon haben, jenes Kunstwerk zu beigelegt. Ja, wenn ein wohlhabender Chinese zum Tode verurteilt flutung bedroht. Man will sie daher für die Wissenschaft vorher sehen, das ein so ausgezeichnetes Bild von dem armen, frierenden wird, fann er leicht einen mieten, der für ihn stirbt; und ich glaube, noch durch gründliche Aufnahmen erschließen. Verschiedene Staaten Proletariat gibt". daß mancher arme Kerl sich dadurch seinen Lebensunterhalt er beteiligen fich daran. Die preußische Akademie der Wissenschaft will wirbt, daß er solcherweise als Stellvertreter dient." fich besonders der Inschriften( durch Abklatschen und Photographien) ( Pick me up".) annehmen. ( Fliegende Blätter".) Behörden bei der Vergebung von Arbeiten darauf achten sollten, das? in den Betrieben überall die Trade-Unions-Wages ge- zahlt würden. In den NegierungLbetricben selbst werden ebenfalls diese fair wage 3, die von den Gewerkschaften anerkannten Löhne gezahlt und die 48stündige Arbeitszeit pro Woche, der Achtstundentag, ist allgemein durchgeführt. '(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) So sollten auch die Be- triebe der deutschen Reichsmarineverwaltuug anspornend auf die Unternehmer einwirken. Gerade die Marinebehörden sind dazu besonders geeignet, weil die Aufträge, die sie vergeben, kolossal groß sind und nur auf die sehr I e i st u n gs. fähigen Schiffsbaufirmen entfallen. Auf diese Weise könnte der Reichstag dazu beitragen, daß die Arbeiterorganisa- tioncn gestärkt und kräftig entwickelt werden und könnte darauf hinwirken, daß überall in Deutschland die Gleichbe- rechtigung der Arbeiter mit den Unternehmern bei Abschluß von Arbeitsverträgen anerkannt und die Rückständigkeit, die noch in vielen Köpfen spukt, als ob sie sich etwas vergeben, wenn sie mit den Arbeiterorganisationen auf dem Fuße der Gleichberechtigung verhandeln, überwunden wird. Möge der ReiHstag durch seinen Beschluß mit gutem Beispiele voran gehen!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Semler(natl.) erklärt sich gegen die Resolution. Abg. Dr. Pachnicke(frs. Bg.): Herr v. Richthofen will nicht. daß das Reich eine führende Stellung in der Frage der Entwickelung der Tarifverträge übernimmt. Wir wünschen dies, und deshalb stimmen wir— das erkläre ich für sämtliche liberale Parteien— der Resolution in der Fassung der Kommission zu. Die Bewegung für Tarifgemeinschasten greift auch in Deutschland immer mehr um sich und dringt auch in die Industrie ein; der Tarifvertrag ist der Arbeitsvertrag der Zukunft. Wenn dadurch die Löhne erhöht werden, so mutz das in den Kauf genommen werden. Auch für den zweiten Teil der Resolution stimmen wir in der Fassung der Kommission. Wir wünschen die Mit Wirkung der Arbeiterorganisationen bei der Regelung der Arbeiter Verhältnisse. Die Gewerkschaften identifizieren sich mit der soziat demokratischen Partei und das ist das größte Hindernis für den Frieden.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Für die Marinebetriebe kommen die lokalen Organi- sationcn der Arbeiter in Betracht, und das sind die Arbeiter» ausschüsse.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Des halb stimmen wir für die K o m m i s s i o n s f a s s u n g. Dazu kommt als zweiter Grund, daß die Macineverwaltung er. klärt hat, mit dieser Fassung arbeiten zu können. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Abg. Behrens(wirtsch. Vg.): Vernünftigerweise können Torifverträg« nur mit Arbeiterorganisationen abge schlössen werden, nicht mit Zwischeninstanzen. Mit dem Vorredner bin ich nicht einverstanden, daß die ArbeiterauSMüsse als solche Organisationen in Betracht kommen, man greift zu den Arbeiterausschüssen, um die Arbeiterorganisationen zu um- gehen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Segensreich können die Arbeiterausschüsse nur wirken, wenn man sie neben den Organisationen durchführt und anerkennt. Auch haben die Führer der Organisationen durchweg einen weiteren Blick als die einzelnen in den Betrieben beschäftigten Arbeiter, die dem Arbeiter- ausschutz angehören. Ich für meine Person werde daher f ü r den sozialdemokratischen Zusatzantrag stimmen. Abg. Ledebour(Sog.): Der Vorredner behandelt die Frage jedenfalls vor- urteilsfreicr als Herr Pachnicke. Leider muß ich seinen letzten Worten entnehmen, daß er nur für seine Person für unseren Antrag st türmen wird, nicht aber auch seine Partei. freunde. Dadurch verliert seine Zustimmungs- erklärung erheblich an Wert.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich»till noch daraus hinweisen, daß die Ar- beiterausschüsse und die Arbeiterorganisationen von vornherein sehr verschiedene Funktionen haben. Der Ausschuß hat den Zweck, innerhalb der Betriebe die Beschwerden zum Ausdruck zu bringen, welche die Arbeiter an die Verwaltung bringen wollen. Naturlich ist er auch bei den Arbeitsbedingungen zu hören. Aber bei Abmachungen allgemeiner Art über Festsetzung der Löhne und der Arbeitszeit ist die Verhandlung mit der G e w e r k- s cha f tS o r g a ni sa t ison notwendig, weil ja auch die Ar- beiter der Marinebetriebe nicht für ihr ganzes Leben mit der Marineverwaltung verheiratet sind, sondern auch unter ihnen die Fluktuation sehr stark ist; außerdem fügen sich auch die Marine- betriebe in das gesamte gewerbliche Leben ein. Abg. Pachnicke hat ferner den Standpunkt seines weiteren Parteifreundes in der Kommission damit verteidigen wollen, daß die Gewerkschaften auf demselben Standpunkt stehen wie die Sozialdemokraten. Der be- treffende Abgeordnete hatte in der Kommission aber gesagt: Man kann der Behörde doch nicht zumuten, mit Sozialdemokraten zu verhandeln. Aber selbst wenn die Auslegung des Herrn Pachnicke anzuerkennen wäre, ist der Standpunkt ein unzutreffender, denn die Identifizierung der Gewerkschaften mit der Sozialdemokratie ist doch nicht so aufzufassen, daß die Gewerkschaften Filialen der Partei sind.(Widerspruch bei den Freisinnigen.) Die Organisationen sind voneinander vollkomme» unabhängig, die So- zialdemokratic entscheidet für sich und die Gewerkschaften entscheiden ebenfalls für sich. In vielen Fällen behandeln sie ganz der- schiedene Fragen. Allerdings gibt es auch Fragen des öffentlichen Lebens, zu denen beide Organisationen Stellung nehmen müssen, und sie nehmen dann in demselben Sinne Stellung, weil es doch schließlich dieselben Menschen sind, die für eine Gelegenheit in dieser Weise und für die andere Gelegenheit in jener Weise organisiert sind.(Na also! bei den Freisinnigen.) Dasselbe findet auch statt bei Ihnen(�u den Freisinnigen), bei den Hirsch-Dunckerschen Organisationen. Wir haben g�ulich gelesen, daß die Hirsch-Dunckerschen G« w e r k- s ch a f t e n für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wa hl recht eingetreten sind, also zu einer rein poli- tischen Frage Stellung genommen haben. Ich nehme ihnen das nicht übel, begrüße es vielmehr als eine erfreuliche Kundgebung und hoffe, daß auch Sie Ihren Freunden nicht Knüppel zwischen die Beine'werfen wollen. Die Einwände des Herrn Pachnicke, daß die Mass« der gewerkschaftlichen Arbeiter auch politisch organisiert sei, zeigen nur. daß er um Argumente zur Be- gründung Ihrer heutigen Abstimmung sehr verlegen ist. Sie wollen mit allen Mitteln, die Ihnen zu Gebote stehen, verhül- l e n, daß Sie einen feindUchen Hkt gegen die Arbeitest- orgamfctionen sich zuschulden kommen lassen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten. Widerspruch bei den Freisinnigen.) Es ist ein feindlicher Akt gegen die Gewerkschaftsbewegung überhaupt, ein ScWag ins Gefleht der färntUchcn Hrbeiter- organilatlonen, auch der Hirsch-Dunckerschen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Daß Sie, Herr M u g d a n, darüber erfreut sind, wundert mich nicht, Sie machen aus Ihrer feindlichen Gesinnung gegen die Arbeiter niemals ein Hehl. Die Mehrheit des Hauses aber, hoffe ich, wird sich auf unseren Standpunkt stellen und für unseren Antrag stimmen.(Beifall bei den Sozialdemo- traten.) Abg. Pachnicke(frs. Vg.): Ob die Gewerkschaften Filialen der Sozialdemokratie öder unabhängig von ihr sind, ist nur ein Streit um Worte. Tatsächlich hat eine Annäherung zwischen der politi- schen Partei und den Gewerkschaften stattgefunden. Die Personal- union in beiden ist schon ein Beweis gegen die Behauptungen des Abg. Ledebour. Aber die Hirsch-Dunckerschen Gewerk- vereine legen besonderen Wert darauf, als selbständige Organisationen aufgefaßt und behandelt zu werden, und aicht Anhänger einer politischen Partei zu sein.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ln unserer Abstimmung liegt kein feindlicher Akt gegen die Arbeiterorganisationen, sondern vielmehr eine Unter stützung derselben.(Wiederholtes Lachen bei den Sozialdemo- kraten.) Abg. Hue(Soz.): Gegen die Auffassung des Kollegen Pachnicke, aus der Personal union von Gewerkschastsangestellten und Fraktionsmitgliedern die Identität von Partei und Gewerkschaften herleiten zu wollen, werden sich wohl auch die Kollegen von den christlichen Gewerk- schaften, die zugleich Abgeordnete des Zentrums und der Wirtschaftlichen Vereinigung sind, entschieden wehren. Denn sie vertreten gleich uns den Standpunkt, daß man aus dieser Personalunion eine Identität nicht herleiten darf. WaS den politischen Charakter der Gewerkschaften anbetrifft, so haben erst jüngst die Hirsch-Dunckerschen Gewerkschafte ein Programm aufgestellt, in dem sie unter anderem die volle politische Gleichberechtigung des Arbeiters namentlich in bezug au das Wahlrecht(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) und die Be seitigung aller indirekten Steuern auf Gebrauchsgegenstände und der Zölle fordern.(Sehr gutl und Heiterkeit bei den Sozialdemo> kraten und im Zentrum.) Sie haben also damit auch ein politr sches Gebiet betreten, auf dem ihnen hoffentlich auch der Abg. Pach- nicke folgen wird. Genau so steht es bei uns. Solange ich im Werkschaftsleben stehe, habe ich meine gewerkschaftliche Unabhängig keil nach allen Richtungen wohl zu verteidigen gewußt. Es kann als» auch ein Vertreter derjenigen gewerkschaftlichen Bestrebungen, die man«ls gewerkschaftliche Neutralität bezeichnet, ganz gut jn der sozialdemokratischen Partei aushalten. Darin sehen Sie den Be weis, daß der Neutralität der Gewerkschaften in unserer Partei leine SclMierigkeiten in den Weg gelegt werden, wobei ich aller dingS nicht leugnen will, daß manche andere die allerintimste Per bindung von Partei und Gewerkschaften für die beste halten. (Aha!-Rufe bei den Freisinnigen. Zuruf des Abg. Giesberts Sie sind ein weißer Rabe! Heiterkeit.) So viele weiße Raben gibt es ja gar nicht.(Heiterkeit.) Es ist doch sehr charakteristisch, daß der Abg. Behrens, ein Herr von der äußersten Rech t e n des Hanfes, hier aufgetreten ist, um unseren Antrag in Worten zu verteidigen, die ich vollkommen unterschreiben kann. Er hat durchaus recht,— und wir aus der Montanindustrie können davon ein schönes Lied singen, daß die Arbeiterauöschüsse auch dazu benuht werden können, die Gewerkschaften auszuschalten, Als vor zwei Jahren im Ruhrrevier sämtliche Organisationen der Bergarbeiter den Versuch machten, eine Lohnerhöhung durchzu führen und selbst die„Nordd. Allg. Ztg." den Unternehmern empfahl, mit der Siebenerkommission zu verhandeln, da erklärten plötzlich die Unternehmer, daß sie nur mit den Arbeiteraus s ch ü s s e n verhandeln wollten. Wenige Monate vorher hatten sie noch eine Verhandlung mit den Arbeiterausschüssen in der Lohnfrage direkt abgelehnt. Der Effekt dieser Schwenkung war, daß die Lohnbewegung auseinandergerissen wurde, und am Ende vom Liede bekamen die Bergarbeiter gar nichts.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Die Arbeiteraus� schüsie sind überhaupt nicht imstande, Tarifverträge abzuschließen Die Gewerkschaftsangeftellten haben nicht nur den weiteren Blick und die tiefere Einsicht, sondern sie sind auch unabhängiger, Die Arbeitcrausschüsse bestehen aus Leuten, die dem Betriebe selbst angehören und anS der Furcht vor Maßregelungen allzu leicht zurückweichen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten. Wenn die Freisinnigen also wirklich Freunde der Tarifverträge sind, so muß ich sie dringend bitten, für unseren Antrag zu stimmen. Ter Abg. Dr. S e m l e r sprach die Befürchtung aus daß die Tarifverträge die Fabrikate verteuern könnten. Er und seine Frattion hat mir aber noch immer nicht auf meine alte Frage geantwortet, ob tatsächlich in der Zeit, wo die Firma Krupp, die ja die großen Ma r i n e l i e fe r u n g e n hat, Lohnkürzungen vornahm, auch die Preise der Marineliefe rungen gesunken sind. Auch auHdnblicklich werden bei Krupp die Arbeiterlöhne schon wieder erheblich verschlechtert. Gerade der freisinnige Abgeordnete Naumann hat ja in der sozialpolitischen Generaldebatte des Vorjahres die Rechtlosigkeit der Arbeiter in den Großbetrieben in lebhaften Farben geschildert, Deshalb mutz ich Sie doch bitten, uns zu helfen und unseren Vorschlag anzunehmen, der auch den Arbeitern der Großbetriebe die Gleichberechtigung verschaffen soll.(Lebhafter Beifall bei den Soziaidemolraten.) Abg. Dr. Mugdan(frs. Vp.): Wir Freisinnigen sind von jeher Freunde der Tarifverträge und erkennen die freien Gewerkschaftsverbände als ihre Grund läge an. Aber der sozialdemokratische Antrag will au' etwas ganz anderes hinaus, er will alle Arbeiter unter das Joch der sozialdemokratischen Gewerkschaf- ten zwingen.(Lachen und WidcrGruch bei den Sozialdema kraten.) Leugnen Sie doch nach dem Jenaer Parteitag und nach dem erst in der letzten Wahlkampagne die freien Gewerkschaften die sozialdemokratischen Kandidaten als die einzigen Arbeiterkandi- baten zur Wahl empfohlen haben(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokraten.), leugnen Sie doch da nicht länger, daß bei Ihnen Partei und Gewerkschaften eins sind. Ich finde diese Schüchtern- heit zum mindesten merkwürdig. Aber man hat ja, um das abzu streiten, auch kürzlich an Stelle des Abgeordneten Ledebour den Abgeordneten Hue vorgeschickt.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ich bleibe also dabei, daß die freien Gewerkschaften sozialdemokratische Organisationen sind. Der Antrag, den Sie hier stellen, wäre nur durchführbar, wenn alle Arbeiter in Kiel diesen sozialdemokratischen Organisationen ange hörten.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Rur mit Ihnen soll die Marineverwaltung verhandeln.(Lautes Lachen bei den So zialdemokraten. Zurufe: Scharfmacher! Arbeiterfreund!) Ich spreche hier immer nur im Interesse der Arbeiter.(Lautes, an haltendes Gelächter bei den Sozialdemokraten.) Ich bekämpfe nur die Sozialdemokratie, weil ich sie für die größte Arbciterfeindin halte.(Lebhafte» Bravo! rechts.) Zeigen Sie mir doch, wo ich gegen die Interessen der Arbeiter gesprochen habe!(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Eben jetzt! Heiterkeit.) Weil ich daö nicht tue, das ist Ihr Aerger!(Anhaltende lebhafte Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Sie wissen genau, daß ich nicht von den reichen Leuten gewählt bin. sondern von den Arbeitern! Aber all die schönen Worte, die Sie gegen mich sagen, sagen Sie verstärkt gegen die Hirsch-Dunckerschen und die christlichen Arbeiter.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Wie er die Arbeiter anein- ander hetzt!) Wollen Sie etwa behaupten, daß Sie in Ihrem Antrage ein Verhandeln der Marineverwaltung mit den Arbeitern aller Organisationen fordern?(Stürmische Zuruf« bei den So- zialdemokraten: Ganz selbstverstöndlichi Zehnmal gesagt!) Ja, aber was unterscheidet denn dann diese Delegierten der Verschiß denen Arbeiterorganisationen von den ArbeiterauSschüssen? (Schallende Heiterkeit bei den Sozialdemokraten und im Zentrum. Abg. GieSbertS ruft dem Redner zu: Setzen Sie sich doch bloß hin! Sie verstehen ja auch rein nichts! Er- neute Heiterkeit und lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemo- kraten, im Zentrum und bei der Wirlschaftlichen Vereinigung.) Es ist in Kiel ganz undenkbar, daß die sozialdemokratischen Gewerk- schaften mit den anderen in Lohnfragen zusammengehen, und des- halb stimmen wir gegen den fozialdeimokratifchen Antrag und für den der Bugetkommission.(Lebhafter Beifall bei den Konservativen und der Reichspartei.) Abg. Ledebour(Soz.): Der Abg. Dr. Mugdan ist mit großer Verve dafür eingetreten, daß die Marineverwaltung nicht nur mit den sozialdemokratischen Organisationen, sondern mit den Gewerkschaften aller Rich- tungen verhandeln solle. Dabei habe ich in der Bcgründungsrede unseres Antrages ausdrücklich erklärt, daß es sich hier um keine Parteifrage, sondern um eine Sache aller Organisationen ohne Parteiuntcrschied handle, und daß alle Organi- sationcn, die bestehen, oder sich noch bilden könnten, Gelegenheit haben sollen, an den Verhandlungen teilzunehmen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Eine gemeinschaftliche Aktion der vertchiedenen Gewerkschaftsorganisationen ist in den ver» schiedensten Gegenden Deutschlands ermöglicht worden und hat sich gut bewährt. Nur die Voreingenommenheit des Abg. Dr. Mugdan nimmt an, daß das in Kiel nicht möglich sein würde. Der Kollege Hue ist nicht vorgeschickt ivorden, sondern hat aus freien Stücken in die Debatte eingegriffen. Dann hat der Abg. Dr. Mugdan gefragt, wo er denn etwas arbeiterfeindliches ge- sagt hätte. Ich erinnere nur daran, daß eine ganze Hauptaktioa, sein Steckenpferd, die Krankcnkassensachen, auf eine fyftematikcke dntergrabung der Selbstverwaltung der Arbeiter in den Krankenkassen hinausläuft.(Lebhaftes Sehr gut! und Seht richtig! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Mugdan meldet richtig! bei den Sozialbemokraten. Abg. Dr. Mugdan meldet sich zum Wort.) Wenn eS aber noch eines Bcwecses bedurft hätte, bietet, um sogar die gewerkschaftliche Arbeiter- bewegung zu schädigen, so hat ihn seine heutige Rede erbracht.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Wie wenig er dabei von der Arbeiterbewegung versteht, zeigt seine An- nähme, daß die Arbeiterausschüsse des Betriebes die Aktion der verschiedenen Gewerkschaftsvertreter ersetzen könnten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dabei ist es doch ganz unmöglich, heut- zutage eine Lohnbewegung isoliert auf einen Betrieb ohne Rücksicht auf den ganzen übrigen Beruf durchzuführen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir hoffen, daß die Mehrheit des Hauses vorurteilsfrei genug sein wird, um die Ver- suche des Abg. Mugdan zu vereiteln, und unseren Antrag anzu- nehmen, im Interesse aller Arbeiter, nicht nur der einer Partei. (Lebhafter anhaltender Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Behrens(wirtsch. Vg.): Wenn in einem Betriebe die Sozialdemokraten die Mehrheit haben, werden im Arbeiterausschuß nur Sozialdemokraten sitzen. Wird aber mit den Organi- sationcn verhandelt, so kommt jede Richtung zu ihrem Recht. Dazu kommt, daß die Anerkennung der Organisationen die nationalen Arbeiter ermutigen wird, sich ihren Organisationen anzuschließen. Schon heute vertreten die freien Gewerkschaften nicht mehr allein die Arbeiter, sondern die christlich-nationalen Gewerkschaften haben sich ihr Recht erkämpft. In allen reinen Arbeiterfragen aber gehen die verschiedenen Organisationen zu- sammen. Abg. Dr. Mugdan(freis. Vp.): Es war von Herrn Ledebour sehr unvorsichtig, an meine Stellung zu den Krankenkassen zu er- innern in einem Augenblick, wo man davon spricht, daß die Arbeit- geber mit den Arbeitnehmern verhandeln sollen. Die Herren von der Sozialdemokratie sollten gerade die sozialdemokratischen Krankenkaffenvorstände veranlassen, mit ihren Arbeitnehmern, den Aerzten zu verhandeln.(Lachen und Zurufe bei den Sozialdemo- kraten.) Der ganze Streit um die freie Arztwahl ist ein Streit darum, ob die Krankenkassen mit den Aerzteorganisationen ver- handeln sollen oder mit den einzelnen Aerzten.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen. Lachen bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Pachnicke(freis. Vg.): Wir berücksichtigen die Ar- beiterorganisationcn, wenn es sich um Abschluß von Tarifverträgen handelt und die Arbeiterausschüsse dort, wo sie in Betracht kommen z. B. in den Betrieben der Marineverwaltung. Darin liegt keine Uebelwollen gegen die Arbeiterschaft.(Sehr richtig! bei den Frei- sinnigen.) Damit schließt die Debatte. Es geht ein Antrag Graf Hompesch(Z.) ein, über Sdn Antrag Albrecht namentlich abzustimmen und die Abstimmung morgen zu Beginn der Sitzung vorzunehmen.(Rufe rechts: Heute!) Abg. Singer(Soz.)(zur Geschäftsordnung): Ich mache darauf aufmerksam, daß es auf einer Verabredung der Vertrauensmänner des Hauses beruht, daß namentliche Abstimmungen, die plötzlich beantragt werden, nicht in derselben Sitzung vorgenommen werden. Vizepräs. Paasche läßt darüber abstimmen, ob die namentliche Abstimmung sofort oder morgen erfolgen soll. Gegen die Stimmen eines Teiles der Konservativen und der Nationalliberalen wird beschloffen, die Abstimmung morgen zu Beginn der Sitzung vorzunehmen. ES folgt der Etat des Reichseisenbahnamts. Abg. St-lle(Soz.) führt darüber Beiqwerde, daß viele verkehrsreiche Strecken immer noch eingleisig sind und bittet den Präsidenten des Reichs- eisenbahnamtS um Mitteilung der Dienstvorschriften der Lotomotiv- sührer. Weiter bemängelt der Redner die unzureichenden Ein- richtungen vieler preußischer Bahnhöfe besonders Mitteldeutsch- lands. Auf Bahnhafen mit großem Verkehr befindet sich nur ein einziges Anschlußgleis. Die zahlreichen Entgleisungen und Zu- sammenstötze sind meist zurückzuführen auf die mangelhafte» Ein- richtungen der Bahnanlagen und auf die mangelhaften Dienst. Vorschriften. Angesichts der nicht ioegzuleugnenden Mängel am Oberbau und Unterbau sollten sich die beteiligten Behörden end- lich zu Neuanlagen und zu einer Revision der Dienstvorschriften entschließen. Das Reichscisenbahnaüit sollte die einzelnen Be- triebsverwaltungen anhalten, neue Bahnhöfe und neue Gleise zu bauen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Außerdem sollte das Rcichseifenbahnamt dafür sorgen, daß die Betriesverwaltungeu das Strecken- und Bahnhofspersonal besser instruieren, damit in Zu- kunft nicht wieder Unfälle infolge mangelhafter In- t ruht tonen entstehen. Dafür ist das Reichseisenbahncnnt zu- 'iändig und deshalb sollte es da auch seine Pflicht tun, ganz gleich, was es kostet. Die Sicherheit des reisenden Publikums allein sollte der leitende Gesichtspunkt der Bahnbehörden fein.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Die Erfüllung meiner Wünsche liegt aber nicht nur im Interesse der Reisenden, sondern auch im Interesse des Personals. Heute muß das Personal seinen Dienst tun, ständig den Tod vor Augen. Dabei ist die Bezahlung der Unterboamten bei den Eisenbahnen viel geringer wie die Bezahlung der unteren Post- und Polizeibcamlrn. Der Unterbeamte bei der Bahn verdient rund 220 M. weniger als sein Kollege bei der Post.(Hört! hört!) Angesichts solcher Verhältnisse ist es kein Wunder, wenn diese chlechtbezahlten Beamten einmal einen Fehlgriff tun.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Auch hier sollte das Reichs- eisenbahnamt auf die ihm unterstellten Behörden einen Druck aus- üben, für eine menschenwürdige Bezahlung zu sorgen. Weiter wird den Eisenbahnarbeitcrn das in der Gewerbeordnung 'edem Arbeiter garauticrte Koalitionsrecht direkt verweigert. Der preußische Eisenbahnminister hat sich sogar erdreistet, die Be- triebsverwaltungen anzuweisen, solche Arbeiter nicht einzustellen, die irgendeiner Organisation angehören. Nicht nur Sozialdemo- traten, sondern auch Angehörige anderer Organisationen sind auf die Proskriptionsliste gesetzt worden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wie kommt ein preußischer Minister zu einer 'olchen gesetzwidrigen Anweisung?(Sehr gut! bei den Sozial- Demokraten.) Wer unterhält denn die Eisenbahnen? Die Groschen der deutschen Arbeiter.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Trotzdem die preußische Eisenbahn ganz erhebliche Uebcrschüsse ab- wirft, besteht noch eine Arbeitszeit von durchsckinittllch 12 bis 13 Stunden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ist es da ein Wunder, wenn auf dem inneren Dienst in den Bahnhöfen und draußen auf der Strecke Unfälle vorkommen? Ich sage: nein. Auch dem Wagenmangcl ist noch immer nicht abgeholfen. Die Aussichten einer Betriebsmittelgemeinschaft sind unter diesen Umständen nicht besonders gut«. Im Ruhrgebiet fehlten im letzten November 23g Wagen.(Hört! hört!) Bei einer Betriebsmittel- gemeinschast müßten Preußen die fehlenden Wagen von den kleinen Staaten zur Verfügung gestellt werden; das ist für diese Zweifel- los nicht verlockend Jetzt erst fängt man in Preußen an einzu- 'ehen, daß eS an Betriebsmitteln fehlt, nachdem auch die Land- Wirtschaft darunter gelitten hat. Ich bitte den Herrn Präsidenten des Reichseisenbahnamts, seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß die von mir gerügten Mißstände beseitigt werden und vor allem die Arbeiter im Eisenbahndienst einen auskömmlichen Lohn erhalten. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Die eine follen Abg. Dr. Burdhardt( wirtsch. Vg.) wünscht, daß überall bei Regierungstische aus erflärt, daß in jedem Falle, in dem| Fassung ganz unannehmbar. Oriola will, daß der Antrag bei den Eisenbahnen Arbeiterausschüsse eingeführt werden und tritt ein Affeffor eine Hülfsrichterstelle berwaltet, ihm auch die vorschrifts- Behandlung des kommenden Beamtenbesoldungsgesezes behandelt für die Aufbesserung einzelner Kategorien von Eisenbahn- mäßige Remuneration gezahlt werde. wird, dann könne er eine allgemeine Fassung erhalten. beamten ein. Abg. Dr. Friedberg( natl.) empfiehlt dem Minister, die Ver- Abstimmung wird bis Dienstag ausgefeßt. Die Präsident des Reichseisenbahnamts Schulz: Die Aus- hältnisse beim Landgericht in Wiesbaden wohlwollend zu prüfen. Die Positionen des Etats werden sodann genehmigt. führungen des des Herrn Vorredners gehörten mehr zum Abg. Brehmer( f.) wünscht, daß die kleineren Amtsgerichte nach ordentlichen Ausgaben, einschließlich der 16 Millionen einmaliger, Etat der Verwaltung der Reichseisenbahnen. Herrn Möglichkeit mit Männern besetzt werden, die das Vertrauen der ausschließlich für Bostneubauten bestimmten Ausgaben belaufen Stolle erwidere ich, daß zur Vermeidung von Unglücks- Gerichtseingesessenen haben und deren Glaubensbekenntnis dem der sich auf 560 Millionen, die Einnahmen sind mit 644 Milfällen das möglichste geschieht. Die seit drei Jahren bestehende Mehrheit der Bevölkerung entspricht. Die Rechtspflege müsse lionen angesetzt, wozu noch die Beiträge Bayerns und Württemneue Eisenbahnbetriebsordnung darf als musterhaft angesehen deutsch sein und von deutsch- nationalen Männern ausgeführt werden. bergs kommen, so daß ein rechnungsmäßiger Ueberschuß von werden. Wegen ihrer anerkannten Vortrefflichkeit wurde sie erst( Beifall rechts.) rund 84 Millionen verbleibt. neulich von ausländischen Regierung zur Einsicht erbeten. Die Abg. Kaarmann( natl.) tommt auf den Sarden Prozeß Bei dem Titel 1 der Einnahmen, der 602 Millionen Mark Zahl der Unglücksfälle hat immer mehr abgenommen. Un- zurüd. Die Vorgänge, die sich in dem ersten Prozeß abgespielt an Porto und Telegraphengebühren aufweist fälle werden freilich immer vorkommen, solange Menschen haben, wären vermieden worden, wenn der Staatsanwalt von vorn Steigerung gegen das Vorjahr um 31½ Millionen Mark die Eisenbahnen betreiben. Bei dem Güterzugzusammen herein eingegriffen hätte. Ich bin nicht für eine Einschränkung des eine Reihe allgemeiner Fragen zur Grörterung kommen, so die stoß bei Bernau hatte ein Lokomotivführer das Einfahrssignal Brivatklageverfahrens, aber die Gerichte sind doch nicht dazu da, Frage der Erhöhung des Ortsportos, die geplante neue Regelung nicht richtig beobachtet. Das kann leider vorkommen. Das Boden- daß jeder Stänker da seine Sachen vorbringen kann." Das öffent- der Telephongebühren, Sonntagsruhe bei der Post usw. Die Frage thalbahnunglüd ist durch übermäßig große Geschwindigkeit herbei liche Interesse lag im Moltke Harden Prozeß von Anfang an bor, der Telephongebühren wird vorläufig ausgeschieden, die Postver geführt. Ben die Schuld trifft, daüber schwebt die gerichtliche mindestens hätte der Staatsanwalt am zweiten Tage der Schöffen- toaltung hat den Handels- und Landwirtschaftskammern eine Untersuchung. Auf die Verhältnisse der Beamten und Arbeiter gerichtsverhandlung eingreifen sollen. Wird doch im Interesse der Denkschrift zugesandt, weigert sich aber, auch den Abder Reichseisenbahnen komme ich beim Etat der Verwaltung der Beamten vielfach öffentlich Anklage erhoben, wenn es sich um geordneten diese Denkschrift zukommen zu lassen, da Reichseisenbahnen. Der Wagenmangel ist im letzten Herbst leider Lappalien handelt, in Fällen, in denen man die Beamten sich selbst es sich nur um Vorbereitungsarbeiten handele. Erst wenn sich die wieder recht beträchtlich gewesen. Das liegt am Anwachsen des überlassen sollte. Pläne zu einer Gesetzesvorlage verdichtet haben, sollen die AbVerkehrs, dessen wir uns zu erfreuen hatten. Daß die Verwalgeordneten das Recht haben, Material zu erlangen. tungen bemüht sind, diesem Mangel abzuhelfen, beweist die Tat sache, daß Preußen zu diesem Zwecke im letzten und diesem Etat je 250 Millionen Mark aufwendet. Ueber die Dienstzeit der Beamten und Arbeiter gibt es einheitliche Grundsätze, nach denen eine Ueberlastung ausgeschlossen ist. Die Statistit beweist mit, daß die Mehrzahl der Unfälle nicht etwa auf die letzten Dienststunden fällt, woraus man auf eine Uebermüdung würde schließen können. Im Gegenteil ist die merkwürdige Tatsache festgestellt, daß die meisten Unfälle in den ersten Dienststunden vorkommen. ( Hört! hört!) Abg. Storz( D. Vp.): Falsche Sparsamkeit ist in sehr vielen Fällen die Ursache für Eisenbahnzusammenstöße. Sachlich bin ich mit den Ausführungen des Herrn Abg. Stolle über die Beamten und Arbeiterverhältnisse einverstanden, doch erstreckt sich die Zuständigkeit des Reichseisenbahnamts taum auf diese Verhältnisse. Die Betriebsmittelgemeinschaft ist gescheitert an dem Widerstand Breußens und Bayerns. Bayern hätte aber ein großes Interesse an dieser Betriebsmittelgemeinschaft. Die Fahrkartensteuer hat die gewünschten Einnahmen nicht erreicht. Dies Fiasto fönnen wir von der Linken nur mit Genugtuung fonstatieren; wir haben alle die Folgen der Abwanderung in die unteren Klassen usw. borausgesagt. Hoffentlich wird diese Steuer bei der Reichsfinanzreform wieder beseitigt. Auch die Tarifreform hat sich als verfehlt erwiesen. Sehr mangelhaft ist noch immer die Beleuchtung und Heizung in den Zügen. Das Verbot des Verkaufs von Blättern wie des„ Vorwärts" und Simplicissimus" auf den Bahnhöfen beweist einen fleinlichen Polizeigeist.( Sehr richtig! links.) Ganze Wagenladungen dieser Blätter befördert die Eisenbahn andererseits ganz gern.( Sehr gut! links.) Präsident Schulz: Jch will anerkennen, daß die Personentarifreform nicht ohne Umständlichkeiten und Mängel ist. Es wird bereits daran gedacht, diese zu beseitigen. Hierauf berta gt sich das Haus. Präsident Graf Stolberg schlägt als Tagesordnung für die nächste Sizung, Sonnabend, 11 Uhr, vor: 1. Rechnungsfachen, 2. namentliche Abstimmung über die Resolution der Budgetkommission zum Marineetat, 3. Nachtragsetat, 4. Fort segung der Beratung des Etats des Reichseisenbahnamts. Abg. Burckhardt( wirtsch. Vg.): Jch beantrage die nament liche Abstimmung zuerst auf die Tagesordnung zu sehen. will doch mancher von uns vielleicht früher abfahren.( Große Sciterkeit.) Es Präsident Graf Stolberg: Es stehen nur formale Sachen vorher auf der Tagesordnung. Abg. Ledebour( Soz.) widerspricht dem Antrag Burchardt. Der Antrag wird zurüdgezogen, es bleibt bei dem Vorschlag des Präsidenten. Schluß 6% Uhr. Abgeordnetenbaus. 21. Sigung vom Freitag, den 31. Januar 1908, 11 Uhr. Am Ministertische: Beseler. Die zweite Lesung des anschluß erhalten. Justizetats Abg. Seydel- Hirschberg( natl.) bittet um Befferstellung der Gerichtsvollzieher, namentlich um Gewährung fester Bezüge für sie nach Dienstaltersstufen und um Beseitigung der II. Klasse der Gerichtsvollzieher. Auf des Abg. Dr. Beder( 3.) erklärt ein Regierungskommissar, daß teine neuen Staatsanwaltschaftsstellen in den Etat eingestellt seien, weil die Staatsanwaltschaften infolge der lex Hagemann, sowie dadurch, daß den Amtsanwälten volle Buständigkeit übertragen worden sei, wesentlich entlastet worden seien. Die Abgg. Meyer Diepholz( natl.), Wizmann( natl.) und Sirih( 3.) treten für Aufbesserung der Stanzleigehülfen ein. Beim Kapitel„ Gefänguiffe" empfiehlt SP Abg. Haarmann( natl.) die Uebertragung des geltenden Strafvollzugs an das Justizministerium.( Beifall.) Beim Kapitel Bare Auslagen in givil- und Straffachen" betont Abg. Wikmann( natl.) die Notwendigkeit der Revision der Gebührenordnung für Zeugen und Sachververständige, die seit dreißig Jahren besteht und deren Säße nicht mehr den heutigen Berhält nissen entsprechen. Ein Regierungskommiffar erklärt, daß Verhandlungen über die Revision der Gebührenordnung schweben. Abg. Peltasohn( fri. Vg.) bittet um Gleichstellung der Lehrer mit den höheren Staatsbeamten in bezug auf Diäten und Zeugengebühren. Ein Regierungskommissar erwidert, daß darüber der Stultus minister und der Finanzminister zu entscheiden hätten. Der Etat wird bewilligt. Es folgt die Beratung des Etats der Handels- und Gewerbeberwaltung. Abg. v. Schenckendorff( natl.) tritt für eine weitere Ausgestaltung des Fach- und Fortbildungsschulwesens und für eine bessere Ausbildung der Lehrkräfte an den Fachschulen ein.( Beifall.) Abg. Erzberger bringt folgenden Antrag ein: Der Reichstag wolle beschließen: Den Herrn Reichsfanzler zu ersuchen, Anordnungen zu treffen, daß im Interesse der Durchführung der Sonntags= tube die Annahme von Baketen an den Bostschaltern an den Vorabenden der Sonn- und Festtage nur bis nach= mittags 5 Uhr erfolgt. Staatssekretär Straette ist im Interesse der Industrie gegen den Antrag. Die Freisinnigen Kopsch und Gidhoff reden eifrig gegen den Zentrumsantrag. Beide behaupten, die Postbeamten wollten selbst keine Einschränkung der und Kürzung der Sonnabendsdienstzeit. Sonntagsarbeit Semler ist im Interesse der Hamburger Handelshäuser gegen den Antrag. Noske und Eichhorn sprechen dafür. Kraette e hauptet, die Ueberarbeit der Postbeamten sei im Dienstplan berücksichtigt, diese seien nicht geschädigt. Kopsch bricht nochmals eine Lanze für das Unternehmertum. Battmann und b. Richthofen wollen an Sonnabenden um 6 1hr Postschluß. Abg. Dove( frf.) wird im Gegensatz zu seinen Parteigenossen dem Antrage zustimmen. Die Abit im mung wird bis Dienstag verschoben. Damit wird die Verhandlung abgebrochen. Aus der Frauenbewegung. 1550 Mark Durchschnittslohn. In der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses ist behauptet worden, der Jahreslohn stelle sich für alle Bergarbeiter im Durchschnitt auf 1550 M. Das ist natürlich nicht wahr. Jm Bergbau Abg. Felisch( f.) geht auf die Wirksamkeit der Baugewerksschulen gibt es dazu neben den besser entlohnten Arbeitern und den ein. Leider reichten aber die vorhandenen Schulen nicht aus, um jugendlichen Arbeitern auch zirka 10000 Arbeitskräfte, die nicht eindie sich meldenden Schüler aufzunehmen. Am meisten mache sich mal den drittel Teil der obigen Summe erhalten. Es sind das der Plazmangel an der Berliner Baugewerksschule geltend, und es würde zweckmäßig sein, in Charlottenburg oder Schöneberg eine Frauen. Im 3. Quartal 1907 erzielten die weiblichen Arbeiter weitere Anstalt zu errichten. Minister Dr. Delbrück erklärt, daß die Verwaltung bestrebt sein Werbe, nach Möglichkeit das Fach- und Fortbildungsschulwesen auszugestalten. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Sonnabend 11 Uhr. Schluß 5 Uhr. Der Poftetat in der Budgetkommiffion. ( Sigung vom 31. Januar.) Die Beratung des Bostetats wird fortgesetzt. 2 attmann tritt dafür ein, daß man den Bezirksverbänden der Postbeamten gestattet, miteinander, in Verbindung zu treten. Kraette erklärt zu der Frage des Koalitionsrechts, ihm sei die Vereinsmeierei ein Greuel, er entwidelt so reaktionäre Anschauungen über diese Frage, wie es nur einem ganz rückständigen Bureautraten möglich ist. Die Beamten seien alle zufrieden, er bekomme beständig Ergebenheitstelegramme, an der Spiße der Vereine ständen nur unruhige ehemalige Beamte, mit denen die Beamten gar nicht einverstanden sind. • • im linksch. Braunkohlen- Bergbau. in Oberschlesien 2 Niederschlesien . Salzbergbau Halle " P 2 Clausthal " Siegener Erzbergbau " " 1,25 M. pro Tag 1,61 " " 0 2,02 22 U " • 1,74 " 2 " • 1,80 1,79 " Erzbergbau in Naffau und Weglar 1,28 rechtsrheinischer. linksrheinischer. 1,41 • 1,61 80 " Das find die Riefenlöhne, die die Bergsflavinnen für schwere, gefundheitraubende Arbeit erhalten. Die Bergarbeiterinnen spinnen nicht nur goldene Fädchen, sondern goldene Stangen für das allerchriftliche Unternehmertum. 11 Neudeutscher Liberalismus. " Die Zielbewußtheit und Unentwegtheit der freifinnigen Blods parteien scheint auch den vor kurzem in der Ostmark gegründeten Bosener Prinzipalverein für Fraueninteressen" ergriffen zu haben. In der ersten öffentlichen Versammlung des Vereins hielt die Referentin, ein Fräulein Martha Schnee aus Bromberg, eine förmwird fortgesetzt beim Kapitel Oberlandesgerichte. liche Brandrede". Sie sprach von Befreiung der Frau", von Auf eine Anfrage des Abg. Dr. Röhling( natl.) teilt ein Kulturwerten"," gemeinsamer Erziehung der Geschlechter" und der Regierungskommissar mit, daß an eine Teilung des Kopsch tritt diesen Ansichten Kraettes entgegen. gleichen schönen Sachen mehr. Aber zum Schluß kam der Berliner Kammergerichtsbezirks in nächster Zeit nicht gedacht werde. Kraette erklärt: Wenn nichts gegen die Vereine einzu- liberale Pferdefuß zum Vorschein." Der Entwurf des ReichsAbg. Dr. Dahlem( 3.) wünscht, daß alle Justizbehörden Telephon wenden sei, würden sie geduldet und selbst höhere Beamte gingen vereins- und Versammlungsgesetzes", meinte die Rednerin, sei mit Der Regierungsfommissar erwidert, dies sei neuerdings in allen mit ihren Frauen zu deren Festen, aber ungezogenheiten bulbe Beifall und Freude zu begrüßen, denn er gibt die Möglichkeit, die er nicht. In der Frage der Personalreform bleibe er Frauen durch die gemeinsame politische Arbeit mit dem Manne für Fällen, wo ein Bedürfnis dazu vorliege, geschehen. Abg. Caffel( fri. Vp.) geht furz auf die Frage des Armenrechts bei seinem System der gehobenen Stellen( die von Erz- ihre Pflichten als Bürgerinnen zu schulen. An den Frauen ist es ein und tritt der Auffassung entgegen, daß bei der Erteilung des berger und Kopsch bemängelt worden waren), er lasse sich nun, in vollem Umfange Gebrauch zu machen und den Beweis Armenrechts zur Führung von Prozessen etwa leichtfertig vor- nicht von den Abgeordneten auf einen anderen der Reife für das öffentliche Leben zu erbringen." Dann aber hört Weg drängen. man weiter:„ Die Frauenbewegung als solche hält sich nach wie gegangen werde. Weiter wendet sich Redner gegen eine Teilung b. Richthofen spricht von Petitionsunfug der Postbeamten vor von jeder politischen Parteistellung fern, fie verlangt aber von des Kammergerichts, die weder im Interesse des Publikums liege, und ist natürlich gegen das Koalitionsrecht der Beamten, die Post- jeder denkenden Frau, daß fie für sich Stellung nimmt." noch aus Gründen der Dienstaufsicht gefordert werden könne. Klagen verwaltung zeige schon hinreichend Entgegenkommen. Stüdlen Also erst nehmen die Damen den Mund gehörig voll, sprechen über die Erledigung von Prozessen beim Kammergericht beständen polemisiert scharf gegen des Staatssekretärs rückständige Ansichten von Erringung gleicher Rechte, von Kulturarbeit usw. um nachher so gut wie nicht. Raum ein Oberlandesgericht erledige Prozesse über das Stoalitionsrecht, dabei geht er auch auf die schlechte in dem Regierungsentwurfe, der gerade in der Provinz Posen als schneller und besser als das Kammergericht.( Beifall links.) Block gegen freies Vereinsrecht empfunden wird, Abg. Felisch( f.) regt an, in Bauprozessen in höherem Maße im Bezahlung der Beamten ein und bespricht im übrigen das schwerer An demselben Tage sprach sich in Baufach praktisch erfahrene Männer als Sachverständige hinzu- System der" gehobenen Stellen" im gleichen Sinne wie gestern die ihr Jbeal zu erblicken. Redner der sozialdemokratischen Fraktion. Hamecher bedauert Berlin der ebenfalls unter freisinniger Flagge segelnde Verein zuziehen. Minister Dr. Beseler erwidert, daß sich nach seiner Kenntnis auch die Stellung des Staatssekretärs Straette gaum Bereinigungs- für Frauenstimmrecht" ganz entschieden gegen den Entwurf aus. Mikstände in dieser Richtung nicht ergeben hätten. Er sei aber recht der Beamten und spricht ihm das Berständnis für die Der Verein will sich jeder politischen Barteistellung wie überhaupt bereit, der Anregung des Borredners nach Möglichkeit Folge zu geben. ganze& rage ab. Er bestätigt die Klagen über schlechte Be- politischer Tätigkeit nach wie vor"( es war die erste Versammlung) zahlung. Gröber bespricht nochmals seinen Vorschlag, daß fernhalten, verlangt aber, daß jedes Mitglied dieser Damenriege für Abg. Dr. Dahlem( 3.) bittet den Minister, dahin zu wirken, daß die Staatsanwaltschaften nicht zu häufig bei Bagatellsachen Petitionen von Beamten erst dann vom Parlament in Behandlung genommen werden sollen, wenn der Nachweis erbracht ist, daß sie öffentliche Auflagen erheben. der Verwaltung vorgelegen haben. Ferner wendet er sich, gleich Hamecher, gegen die Versuche, das Recht der Vereinigung zu gemeinſamem Vorgehen in Angelegenheiten der Verbesserung ihrer Lage zu beschneiden. Er legt den nachfolgenden Antrag vor: Der Reichstag wolle beschließen: 1. Den Herrn Reichsfangler zu ersuchen, den Beamten und unterbeamten der Reichs- Post- und Telegraphenverwaltung eine geordnete Geltend machung gemeinsamer Wünsche in der Weise sicher zu stellen, daß ganze Beamtenkategorien die jederzeitige Einreichung von Gesuchen um Verbesserung ihrer dienstlichen Verhältnisse bei den Ressortchefs gestattet und angeordnet wird, daß solche Gesuche in angemessener Frist und im Falle einer abschlägigen Entscheidung unter Angabe der Gründe beschieden werden. Abg. Gyßling( fri. Vp.) tritt für eine Vermehrung der etatsmäßigen Stellen für Stanzlisten, insbesondere derer bei den Oberlandesgerichten und dem Kammergericht, ein und für etatsmäßige Anstellung der nichtgivilversorgungsberechtigten Juftigfanzleigehülfen. Ein Regierungskommissar erklärt, daß zum Bedauern der Justiz verwaltung in diesem Jahre eine Vermehrung dieser Stellen aus finanziellen Gründen nicht möglich gewesen sei. Jm nächsten Jahre würde aber eine Vermehrung der etatsmäßigen Stellen erfolgen. Abg. Mary( 8.) schließt sich dem Wunsche des Abgeordneten Gyßling an. sich Stellung nimmt. Derartige Widersprüche und Unklarheiten sind nur bei dem lauwarmen freifinnigen Mischmasch möglich. Doch die Damen haben ihre Gründe. Gegründet von einigen dem Mittelstand angehörigen Bürgerfrauen, um auch den Dienstmädchenfang zu betreiben, möchte die Organisation nicht das Wohlwollen der Damen der Noblesse verscherzen, die für dergleichen Gründungen als Protektorinnen usw. gut zu gebrauchen sind. Briefkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, zweiter wochentäglich abends von 7 bis 9½ Uhr statt. Sof. britter Eingang, vier Treppen, Fahrstuhl Geöffnet 7 libr. Beim Kapitel Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage in cin Landgerichte und Amtsgerichte Buchstabe und eine Bahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort bedauert Abg. v. Böhlendorff Kölpin( f.), daß der Erlaß des wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Ministers, wonach die Bedürfnisse ber einzelnen Gerichte 2. Die an den Reichstag gerichteten Gingaben E. O. 66. Auch jezt tönnen Sie noch einen solchen Vertrag mil möglichst am Orte und nicht von einer Bentrale aus gedeckt der Beamten und Unterbeamten der Reichs- Post- und Telegraphen- Shrer Frau schließen. Das zweckmäßigste ist ein notarieller oder gericht. Die Kosten richten sich nach der Höhe des Objetis werden sollen, noch nicht genügend befolgt werde. Weiter rügt verwaltung um Verbesserung ihrer dienstlichen Verhältnisse, sofern licher Bertrag. P. J. 20. Die Klage lönnen Sie nicht zum zweitenmal anstellen. Redner die übermäßige Sparsamfeit bei einzelnen Gerichten, be- die Einreichung solcher Gesuche bei den Ressortchefs nach der G. 7. 1. Nein, 50 B1. 2. Sa. 23. A. 99. Ja. G. F. 40. sonders in bezug auf die Beleuchtung. Gegen die Einführung von 3iffer 1 gescheitert ist, fünftig erst dann in sachliche Be= Schreibmaschinen bestehe vielfach eine Abneigung. Die neue Stanzlei- ratung zu ziehen, wenn die Gesuchsteller sich zuvor mit 1. und 3. Das Mädchen tönnte das Haus verlaffen, indessen ist es zwedmäßig, in solchem Falle die Hülfe des Vormundschaftsgerichts in Anspruch ihrem Gesuch an den Ressortchef gewendet und einen ab= ordnung sei in mehrfacher Beziehung zu bemängeln. schlägigen Bescheid oder keinen Bescheid erhalten zu nehmen. Es empfiehlt sich in Ihrem Falle, daß Sie beim Amtsgericht K. W. 62. Sie beantragen, Sie für volljährig zu erklären. 2. Ja. haben. müssen zahlen, Berjährung liegt nicht vor. K. 4. Wenden Sie sich Eickhoff( frf. Vp.) wendet sich gegen das freie Vereinigungs- dirett an die Direktion eines der betreffenden Badeorte. R. P. 42. recht der Beamten, ein Streikrecht dürfe ihnen nicht zustehen. Bis drei Monate alte Hunde sind steuerfrei. Für einen Hund, der aus Semler spricht für den Antrag Gröber und wünscht, daß er schließlich als Wachthund dient, besteht Steuerfreiheit. Sie müssen aber F. T. 121. Ein auf alle Staatsbeamten ausgedehnt wird. Abgeord- diesen Hund anmelden und Steuerfreiheit beantragen. neter Eichhorn erklärt sich, da die Sozialdemokratie das polle bestimmter Termin ist für die Eröffnung noch nicht festgefekt. Wenden Sie Stoalitionsrecht für die Beamten fordere, nicht gegen den 1. Teil ich mit Ihrer Anfrage um Anstellung an die städtische Verkehrsdeputation, Rathaus. F. B. 17. Ihre Arbeit war leider nicht zur Veröffentlichung des Antrages Gröber, dagegen habe er große Bedenten geeignet. F. H. Belcher Art soll denn die Klinit gewesen sein, von der gegen den 2. Teil. Jedenfalls sei er in der vorliegenden Sie reden? Ein Regierungsvertreter erwidert, daß sich die Kanzleiordnung bewährt habe. Abg. Lüdicke( ft.) befürwortet die Bermehrung der Kanzlisten stellen an den Land- und Amtsgerichten. Abg. Dr. Dahlem( 8.) führt Beschwerde über den Zustand der Gerichtsgebäude im Bezirk Nassau und über die Ueberlastung des Landgerichts in Wiesbaden. Minister Dr. Beseler erwidert, daß der Bezirk Wiesbaden im nächsten Jahre eine größere Berücksichtigung finden würde. Auf eine Anregung des Abg. de Bitt( 3.) wird vom 4 Stück Phonographen- Walzen, zum Aussuchen, neueste Melodien 95 Pf. 95% 1 Bluse Barchend in schönen Dessins 1 Waschbluse modern verarbeitet 1 Matinee Barchend, moderne Fasson 1 Kostümrock englischen Karakters JANDORF Woche Sowelt Vorrat. an Ausgabe der bleibt Wiederverkäufer findet nicht statt. Von Sonnabend d. 1. bis Sonnabend d. 8. Februar Rabattmark bestehen. Die annoncierten Artikel stellen nur einen Auszug aus einzelnen Abtellungen dar. An jedem Lager Ist eine grosse Auswahl von 95 Pf.- Artikeln vorhanden. 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Manschetten und 1 weissen modernen Stehkragen 1 Prinz Heinrich- Mütze für Kasben, marineblau Tuch mit Ledersehirm 1 Matrosen- Mütze chen oder Knaben. 1 Yachtklub- Mütze for Herren 1 Likör- Service und 4 Gläser mit Schriftband für Mäd1 Tablett, 1 Flasche 95 Pt. 95 Pt. ca. 20 cm hoch, mit Glas1 Krümelschaufel mit Barste 1 Fruchtschale chale, ca. 20 cm Durchm. 1 Selter- Service Tablett, 2 Gläser im Metall- Einsatz 1 Kettentasche Leder mit Lederfutter 2 Glas- Vasen mit Metall- Beschlag, ca. 30 cm hoch 1 Handtasche braune Leder- Imitation, ca. 27 cm 1 Haussegen Glas, ca. 82 cm hoch, 67 lang 1 Handtasche Ballonform im hell, modern. Rahmen unter mustern ca. 60 cm 1 Paneel Hausapotheke Holz 1 95 PL. blau Cheviot oder dunkel Alter von ca. 3-8 Jahren 1 Knaben- Hose karierte Stoffe, für das 1 Knaben- Bluse dunkelblau m. weiss oder weiss und blau gestreifte Tennis- Stoffe, für das Alter von ca. 3-8 Jahren 2 Paar Damen- Plüsch- Pantoffel mit Filzsohle und Absatzfleck 1 Paar Damen- Plüsch- Pantoffel mit Ledersohle und Absatzfleck 1 Paar Damen- Filz- Pantoffel mit Filzsohle, 1 Paar Damen- Ledertuch- Pantoffel mit Linoleum- Sohle 1 Paar Damen- Filz- Schuhe mit Filzsohle 2 Paar Herren- Kord- Pantoffel mit Filzsohle Linoleum- Sohle 1 Paar Herren- Filz- Pantoffel m. Filzsohle 1 Paar Herren- Ledertuch- Pantoffel mit 1 Schlummerkissen Volant, fertig gestickt Satin Augusta, mit rotem 1 Spielschürze reicher Garn, vorgezeichnet modefarb. Satin Augusta mit 1 Stubenparadehandtuch mit Loch1 saum, ca. 55/115, rot oder blau, fertig gestickt aus modef. Satin Augusta Vogelbauerdecke mit Borte eingefasst, vorgezeichnet 1 Bettwandschoner creme Aidastoff vorgezeichnet 1 Bettwandschoner weiss. Stoff, rot oder blau garn, vorgez. rot oder blau garniert, fertig gestickt 1 Wäschebeutel 1 Täll- Läufer mit reicher Pointlaco- Bandgarnierung 1 Wandschoner Weiss mit Lochsaum, rot oder blau, fertig gestickt weiss mit div. Durchbrüchen, 1 Tischläufer vorgezeichnet 1 Tischläufer mit Hohlsaum, fertig gestickt zusammen weiss mit Hohlsaum 1 Läufer ca. 35/120 vorgezeichnet 1 Decke ca. 60/60, vorgezeichnet weiss mit Lochssaum 95 Pf. m. divers. 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Ein sozialdemokratischer Gemeindeverlreter und die sozialdemokratische„Freie Presse" decken die Sache auf. Der Bloßgestellte verklagt den sozialdemokratischen Gemeindevertreter, und da der Redakteur der„Freien Presse", Ge- .lasse Schneider, die Aussage, wer der Verfasser des Artikels sei, verweigert, wird er zum Zweck des Zeugiiiszwanges mit einer Geldstrafe belegt und sofort ins Gefängnis nligeführt. Am 7. Oktober hebt die Strafkammer diesen Beschluß des Schöffengerichts auf und Genosse Schneider wird aus der Haft ent la s sen. 9. Bor dem Reichsgericht beginnt die Verhandlung wegen angeblichen Hochverrats gegen den Genossen Karl Liebknecht. 1». Vor dem Berliner Landgericht ist der Buchbinder S i e w c r t wegen versuchter Erpressung angeklagt. Die Verhandlung ergibt, daß er einen bei der Firma Sittenfeld in Arbeit getretenen � Buchbinder Bivour gefragt hat, ob er Verbandsmitglied sei. V. war das nicht, konnte es auch nicht werden, weil er' wegen rück- ständiger Beiträge und aus anderen Gründen nicht mehr auf- genommen werden soll. Nach zwei Tagen wurde er entlassen. Der Werkführer A s m u s, der ihn entlassen hat, bekundet eidlich, die Ent- lassung sei nicht wegen der Differenzen des B. mit dem Verbände erfolgt, sondern weil B. zu langsam arbeitete. Weitere Beweis- antrüge, die dasselbe bekunden sollen, lehnt das Gericht ab. indem es diese Angaben als wahr annimmt. Und dann-- verurteilt das Gericht den Angeklagten Siewert zu einem Monat Ge- fängnis, weil— wie es in der Begründung heißt— er den Bivour aus der Arbeit gebracht habe. 12. Im Hochverratsprozeß zu Leipzig beantragte der Oberreichsanwalt Olshausen gegen den Angeklagten Genossen Karl Liebknecht 2 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlnst. Das Urteil lautete auf l1/» Jahre Festung. Bereits am 1ö. Oktober erhält Liebknecht vom Oberreichsanwalt die Aufforderung, seine Strafe am 24. Oktober in der Festung Glatz anzutreten. Aber erst am 7. November erhielt Liebknecht das schrift- liche Urteil mit der Begründung, obgleich die Strafprozeßordnung vorschreibt, daß das Urteil mit den Gründen binnen 3 Tagen zu den Akten gebracht werden soll. November. 18. Wie der„Vorwärts" vernimnit, hat der Oberstaatsanwalt am Kammergericht die Disziplinarklage gegen Karl Lieb- kn echt erhoben, um ihm das Mandat als Rechtsanwalt abzu- erkennen. Liebknecht soll jetzt wegen seines sogenannten Hochverrats- Prozesses, durch den er anderthalb Jahre Freiheitsstrafe zuerkannt bekam, auch noch die Existenz genommen werden! 18. In Emmerich hat, wie die„Rheinische Zeitung" be» richtet, ein Mann vor vielen Jahren ein Jahr Gefängnis be- konimen, weil er den Bürger meist er Menzel verleumdet hatte. Der Mann wußte inimer und immer wieder Strafaufschub und schließlich die Umwandlung der Gefängnis- strafe in F e st u n g s h a f t auf dem Wege der Begnadigung zu er- wirken. Dieser Mann heißt Leopold Romen und ist ein Bruder des bekannte» Kriegörats Romen. Die Begnadigung dieses Romen zur Festungshaft erfolgte nach Angabe der„Rhein. Ztg." im Januar, er spaziert aber noch heute s18. November) frei in Eimnerich Heruni. 29. Vor dem Schwurgericht zu S a a l f e l d beginnt der Prozeß wegen deS sogenannten„Aufruhrs" in Sternbach gegen elf Angeklagte. Das Verfahren ergibt, daß es sich um einen harmlosen Äirniesradau handelt. Das Urteil lautet auf S'/z, 5, öll2, 3 Monate Gefängnis, zwei Wochen und eine Woche Hast; zwei Angeklagte werden frei- gesprochen. Dezember. JS. Der Oberreichsanivalt D r. Olshausen, der � Liebknecht-Prozeß geführt hat, ist an Stelle des in den stand tretenden Dr. Treplin zum Seuatspräsidcnten am Reichs- ht ernannt worden. An seine Stelle tritt Reichsanwalt tziMweigert. 27. Ans eine Klage des HafenbetricbsvereinS zu Hamburg gegen den Hafenarbeiter-Verband erläßt das Gericht eine einstweilige Verfügung, die dem Verband verbietet, den Zuzug von Hafen- arbeiten, nach Hamburg irgendwie zu stören und die Arbeitswilligen „Streikbrecher�� zu nennen, bei einer Geldstrafe von 1500 M. für jeden Fall der Zuwiderhandlung. 19. In P o r t i tz bei Leipzig haben im Juli d. I. nächtlicher- weile einige angeheiterte Arbeiter allerhand Unfug getrieben. Des- wegen wurden 14 Man» monatelang in Untersuchungshaft gehalten. Einer hat sich im Untersuchungsgefängnis das Leben genommen. Vier werden zu 2—6 Monaten Gesängms verurteilt. Terrorismus. Oktober. 14. Nach einer Meldung des„Berliner Tageblatt" haben in einer ganzen Reihe deutscher Städte die sogenannten„bahnamtlichen" Spediteure ihren Angestellten, Kutschern und Arbeitern erklärt, daß sie keinem Verbände, auf keinem Fall dem Deutschen Transportarbeitcrverbande angehören dürfen; von der Bahn- Verwaltung srirn fie aufgefordert worden, keinen Orgauificrte» zu beschäftigen. Bis zum Jahresschluß ist nicht bekannt geworden, daß der Staatsanwalt Ermittelungen angestellt hat, um festzustellen, ob diese Nötigung von feiten der Bahnverwaltung wirklich begangen worden ist. 22. In, Breslauer Krawallproze«(der erne Folge deS Blutbades vom 19. April war) wurde neben anderen auch ein im H i r s ch- D u n ck e r s ch e n Gewerkvercin organisierter Metallarbeiter mit einer Haft von 14 Tagen belegt. Kürzlich hat er diese verbüßt. Als er aber tags darauf in der Breslauer Maschinenbau- anstalt(vorm. Lincke) seine Arbeit wieder aufnehmen wollte, wurde er barsch zurückgewiesen und ihm mitgeteilt, daß die auf. gute Sitte" haltende Direktion die Einstellung„bestrafter" Arbeiter nicht gestatte! Dezember. 29. Der„Vorwärts" berichtet: Vor einiger Zeit hat in Potsdam eine Gerichtsverhandlung wegen„Streikvergehen" stattgefunden. Die Anklage der Staatsanwaltschaft richtete sich gegen einen Schuh« machermeister, Gablokoff mit Namen, wohnhaft Kaiser-Wilhelm- Straße 44 in Potsdam. Der hatte am 2S. Oktober einen streikenden Gesellen mit einer lange» Reitpeitsche so arg mißhandelt, daß klaffende Wunden auf Arm und Hand die Folge Ivaren. Zwei andere Streikende entrissen ihm das gefährliche Werkzeug, bevor er jenen gänzlich krumm und lahm schlagen konnte. Der Angeklagte kam für seine Roheit mit 15 M. Geldstrafe davon. Gegnerische Parteien. Oktober. 2. Vor den Stadtverordnetenwahlen zu Hagen werden den am Orte erscheinenden Tageszeitungen die gedruckten Wählerlisten bei- gelegt. In diesen, Jahre wandten sich uiisere Parteigenossen an die Hgltatfons- Kalender. Stadt, auch unserem Parteiorgan, der„Freien Presse", 2000 Exem- plare für die Hagener Leier zur Verfügung zu stellen. Dies geschah. Als ihnen die Rechnung für die 2000 Stück über 110,64 M. zuging, stellten die Genossen au die Stadtverordnetenversammlung den An- trag, die Kosten aus dem Stadtsäckel zu bewilligen. In der Sitzung vom 30. September wurden die Kosten für die Her- stellung der fiir die bürgerlichen Zeitungen beigelegten Listen bewilligt(21 000 Stück— 1470,50 M.). Der Antrag der Sozial- demokraten wurde mit 13 gegen 17 Stimmen abgelehnt. 2. In Senstenberg, wo die Bergarbeiter streiken, kommt es wiederholt zu großen Krawallen der Streikbrecher. Ein Streik- brecher hat den Direktor von Henkels Werken mit dem Messer ge- stachen. Am Abend kam es zu großen Tumulten der Arbeits- willigen. Die Gendarmen haben mir blanker Waffe eingehauen, Verhaftungen in großer Zahl wurden vorgenommen. Die Geschäfts- inhaber haben wegen der Unruhen ihre Läden geschlossen. Ueber diese Tatsachen berichtet das Wolfffche Depeschenbureau und nach ihm die gesamte bürgerliche Presse wie folgt: „Scnfrenberg, 2. Ottober. Infolge der Bergarbeiterbewegung ist es zu Ausschreitungen gekommen. Heute nachmittag wurde der Direktor eines Werkes von drei Arbeitern überfallen und durch Messerstiche schwer verletzt." Wodurch dem Publikum verschwiegen wird, daß die Schandtaten von Streikbrechern begangen wnrden. 15. In dem Mainstädtchcn K i tz i n g e n wurde nächtlicherweile von dem Denkmal des Königs Ludwig die Büste herabgeworfen und zertrümmert. Da in dem Städtchen seit kurzer Zeit die Arbeiter- bewegung aufzublühen beginnt, wurde diese Freveltat den Sozial- demokraten zur La st gelegt. Das sei ein Akt sozialdemo- kratischer Roheit und nur ein kleiner Vorgeschmack dessen, was man zu erwarten habe, wenn das„Gift" noch weiter um sich greife. Den vaterlandslosen Frevlern gebühre, wenn man sie erwische. schwere Zuchthausstrafe. Der Täter wurde auch kurz darauf erwischt, aber es war kein roter Umstürzler, sondern ein Angehöriger der goldenen Jugend— ein Student. Nun wandelte sich die Roheil zu einem„ S t u- dentenulk" um, von einem zuchthauswürdigen Verbrechen ist nicht mehr die Rede! 19. Der nationalliberale Reichstags- und Landtags- abgeordnete Held hat mehrere Personen wegen Beleidigung ver- klagt, weil sie ihm allerhand unlautere Machenschaften nachgeredet haben. In der Verhandlung vor Gericht wird zunächst festgestellt. daß die nationalliberale Partei eine eingehende Unter» suchung des Falles Held vorgenommen hat, an der sich auch Juristen beteiligt haben, und die zu dem Resultat gekommen ist, daß dem Held kein Vorwurf zu machen sei. Also ein nationalliberal abgestempelter Ehrenmann! Die Gerichtsverhandlung ergibt dagegen eine ganze Reihe höchst bedenklicher Manipulationen des Held. 26. In einer Versammlung liberaler Wähler des 10. Kommunalwahlbezirks höhnte Herr Kopsch, von der Sozial- demokratie seien ja sogar schon die Dienstmädchen organisiert worden, nächstens werde sie wohl auch noch die„Damen" organisieren, die in der Nacht durch die Friedrichstraße streifen. November. 4. Wie„nasionale" Blätter berichten, ist der Radau in der Wahlnacht zu Berlin, den man als freiwilligen Ausbruch der Begeisterung hingestellt hat, Mache gewesen. Er war das Ergebnis einer Schar unter das Publikum verteilter deutschnationaler Handlungsgehülfen. 10, In F r a n k s u r t a. M. findet die Einigungs-Ver- sammlung der Freisinnigen unter Ausschluß der Dis- kussion statt. Dezember. 3. Der nationalliberale Abgeordnete P a a s ch e. Vizepräsident deS Reichstages, hält aus Anlaß des HardeuprozesseS eine sehr scharfe Rede gegen den preußischen Kriegs- minister. 4. Infolge der Rede des Abg. P a a s di e hat der Reichskanzler den Blockparteien hinter den Kulissen mit seinem Rücktritt gedroht. Die Reichstagssitzung wird deshalb nach einer Erwiderungs- rede des Kriegsministers von den Blockparteien vertagt. 5. Dem Verlangen des Reichskanzlers gemäß geben d i e Führer der Blockparteien im Reichstage nach ein- ander die Erklärung ab, daß sie von jetzt ab ganz artige Kinder sein wollen. Die Sitzung wird unmittelbar darauf geschlossen, die Sozialdemokraten werden durch Nichterteilung des Wortes ver- gewaltigt. Dem Abg. Paaschs wird von der bürgerlichen Presse ganz ungeniert nachgesagt, daß sein Vorstoß gegen den Kriegsminister nur aus persönlichen Gründen erfolgt sei, weil er erstens mit Horden verwandt sei und zweitens selber ein Staatsamt haben wolle. 11. Bei der Debatte über das ne u e V er e i n s g e s e tz sagt im Reichstag der freisinnige Redner Herr Müller- Meiningen:„Aber andererseits muß bei der neuen Fassung des § 7 auch berücksichtigt werden, daß die Polizei die Möglichkeit der Ueberwachuug von Versammlungen der Polen hat." Soziales. Oktober. 20. In Berlin findet ein„Christlich» nationaler Arbeiterkongreß statt. In einer Begrüßungsrede empfiehlt der Staatsscttetär von B e t h m a n n- H o l l w e g den Arbeitern die„vier Grundpfeiler" Fleiß, Gottesfurcht, Nüchternheit und Zu- friedenheit. Der Kongreß verzichtet auf die anfänglich beabsichtigte Fassung einer Wahlrechtsresolution. 25. Eine Abordnung deS christlichen ArbeiterkongreffeS wird vom Reichskanzler empfangen, der sie mit ein paar nichtssagenden Redensarten abspeist. Nachher läßt er sie in seinem Speisezimmer einen Imbiß einnehmen. 23. Ebenfalls in Verlin findet eine Sitzung der Delegierten des Zentralverbandes deutscher Industrieller statt. In einer Begrüßungsrede verspricht Herr von Bethmann-Holl- weg,„dem Unternehmertum und der Arbeiterschaft mit der gleichen Offenheit und Unbefangenheit gegenüberzutreten". Nachher gibt es ein Festmahl, an dem mehrere Minister tciluchmen. Auf eine Rede Kirdorfs, in der betont wird, daß die Unternehmer„Herren im Hause" sein wollen, gibt der preußische Handelsminister den Rat, dies Prinzip lieber etwas weniger schroff zu formulieren, durch die Erklärung, daß die Unternehmer„die ersten Kameraden ihrer Arbeiter" sein wollen, wie die Offiziere die der Gemeinen. November. 1. Der preußische Handelsminister Delbrück verfügt in Ge- meinschaft mit dem Minister der öffentlichen Arbeiten, daß sich die Gewerbeaufsichtsbeamten in den staatlichen und in den nichtstaatlichen Eiftnbahnwrrkstätten jeder Tätigkeit enthalten und ihre Werkstätten auch im Jahresbericht und den dazu gehörigen statistischen Nachweisungen nicht mehr berücksichtigen. Damit bricht der Arbeiterschutz im Bereiche der preußischen Eisenbahnverwaltung vollkommen in sich zusammen. 2. Die„Kölnische Zeitung" berichtet:„Der preußische Finanz- minister Frhr. v. Rheinbaben hat dieser Tage einen: amerikanischen Zeitungsmann gegenüber sich über die deutschen Finanzverhältuisse ausgesprochen und dabei ausgeführt, daß das der Einkommensteuer unterworfene Vermögen in Preußen von 5 704 000 000 M- im Jahre 1893 auf 10 332 000 000 M. im Jahre 1906 und für 1907 auf 1 1 463 000 000 M. gestiegen sei. Es habe sich also in 14 Jahren mehr als verdoppelt und sei in diesem I a h r e um mehr als 10 Proz. gestiegen. Dieselben Verhältnisse beständen in allen anderen deutschen Staaten." Wer hat nun dieses Riesenverinögen verdient und wer hat es eingcsäckelt? Auf den Kopf der Bevölkerung entfällt ein versteuerbares Vermögen von rund 3000 M. oder auf die fünfköpfige Familie von 15 000 M. Wie viele Proletarierfamilien, aus deren produktiver Arbeit das Vermögen doch in erster Linie entstammt, erfreuen sich solchen Reichtums? Dezember. 6. Der„Grundstein" und der„BauhülfSarbeiter" veröffent- lichen einen„streng vertraulichen" Verhandlungsbcricht über die außerordentliche Generalversammlung des Ar- bcitgeberverbandes für das Baugewerbe, die am 21. Oktober 1907 im Architektenhause zu Berlin tagte. Die Ver- sammlung fand unter vollem Ausschluß der Oeffent- lichkeit, vor allem auch der Presse, selbst der bürgerlichen, statt. Auch ihre Beschlüsse sollten streng diskret behandelt werden. Aus dem Protokoll geht hervor, daß die Unternehmer auf ihrer Generalversammlung zu Köln am 19. Februar 1907 beschlossen hatten: Alle im Jahre 1903 zu vereinbarenden Tarifverträge sind bis zum 31. März 1910 oder bis zum 31. März 1908 und in weiterer Folge bis zum 31. März 1910 abzu- schließen. Weiter besagt da? Protokoll, daß Ende März 1910, falls nicht für alle Verträge eine Einigkeit erzielt werden kann, dann sämtliche Verträge nicht in Kraft treten und als letztes Mittel eine Aussperrung der Bauarbeiter größeren Umfangcö angedroht und durchgeführt werden soll.„Es handelt sich also um eine sehr ernste Sache, um eine Kraftprobe unseres Bundes." 20. Auf der Jahresversaminluilg des„Landwirtschaftlichen Zentralvereins" zu Königsberg teilt der Gutsbesitzer Härder- Kl. Waldeck mit, daß der im vorigen Jahre mehr wie früher hervor- getretene Kontraktbruch der galizischen Arbeiter nach seinen Jnsorniationen nicht allein(!) an den Arbeitern, sondern auch(!) an den Arbeitgebern liege. So seien den Arbeitern von ihrem schwer verdienten Lohn hohe Beträge für Geräte und der- gleichen abgezogen und trotz der Vereinbarung das Babngeld bis Mysloioitz nicht bezahlt worden. Solche Fälle seien nicht vereinzelt vorgekommen. Aus der Partei. Oktober. 2. Die„Neue Zeit" vollendet das 25. Jahr ihres Bestehend. 30. Wegen angeblicher„Verbreitung unsittlicher Schriften" steht Genosse Zielke, Redakteur des„Volksblatt für Harburg" vor der Straskamnier zu Stade. Die Tat soll begangen sein durch eine Skizze von Laufkötter über mittelalterlichen Humor. Als Sachverständige erklären Detlev von Liliencron und Professor D i s s e l, daß sie in dem Artikel nichts Un- züchtiges finden können. Auf Antrag des Staatsanwalts selbst erfolgt Freisprechung. Von der Armee und der Flotte. Oktober. 1. Das Kriegsgericht in Regen sburg verurteilte einen armer. Soldaten, der einem anderen 1 Mark entwendet hatte, zu der un- geheuren Strafe von 1 Jahre Gefängnis! 1. Vor dem Kriegsgericht zu Altona ist ein Gefreiter der Landwehr angeklagt, ivcil er am 23. Juni in Uniform„einem ge- schlossenen Umzüge des Gewerkschaftskartells zu Bergedorf-Sande, dessen Mitglieder der sozialdemokratischen Partei angehören, mitging und dadurch den guten Ru f seines Truppenteils in der öffentlichen Meinung gefährdete. Die Verhandlung war nicht öffentlich. Der Angeklagte gibt an, er sei nicht im Zuge, sondern neben dem Zuge hergegangen, in dem er einige Bekannte erblickte. Auch sei cS keine sozialdemoiratische Veranstaltung gewesen. Trotzdem wird er zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt. November. 5. Der Chef der Nordscestation, Vizeadmiral v. Ahlefeld, hat sein Abschiedsgesuch einreichen müssen, weil er eine Duellforderung abgelehnt hat! 15. Der Hauptmann des 20. Infanterieregiments Eduard Jamin von Augsburg war vom Kriegsgericht in Augsburg wegen Mi ßbrauchs der Dienstgewalt, wegen 60 Ber- gehen der Beleidigung, sowie wegen erschwerter Achtungsverletz nng vor versammelter Mann- s ch a f t zu-- 24 Tagen Stubenarrest verurteilt worden. Vor dem OberlriegSgericht bleibt eS bei dieser Strafe, obgleich der Hauptmann schon dreimal wegen Mißbrauchs der Dicnstgcwalt disziplinarisch vorbestraft ist. 18. In der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" wird die neue Fl-ttenvorlage veröffentlicht. Gegen daS Flottengesetz von 1900 sollen 1908— 1911 fünf Linienschiffe und ein großer Kreuzer mehr aus Stapel gelegt werden. Gegen den Anschlag von 1900 macht das insgesamt einen Mehrbetrag von 336 Millionen Mark. 23. Nach der amtlichen Denkschrift beträgt die Mehr» auSgabe für die Marine— gegenüber dem Kostenanschlag von 1906— für die nächsten zehn Jahre 1000 Millionen Mark. Dezember. 16. Vor der Strafkammer in Köln stand Genosse Andree als verantwortlicher Redatteur der„Rheinischen Zeitung" unter der An- klage, die Hauptleute v. Knapp und Mohr durch einen Artikel be- leidigt zu haben, der ini Juli dieses Jahres erschien und worin Klage geführt wurde über die übermenschlicheo Anstrengungen der zu einer llebung einberufenen L a n d w e h r l e u t e des 65. Infanterie- regimentS in Köln; als Gegenleistung, so sagte der Artikel, hätten die Leute ein Essen bekommen, das von ihnen als unappetitlich und ungenießbar bezeichnet worden fei. Die Verhandlung ergab, daß die Soldaten morgens zwischen 3 und 3>/z lthr ausstehen mußten und so umhergejagt wurden, daß 15—20 Mann wunde Füße bekamen. DaS Essen war so schlecht. daß etwa 20 Leute es wegwarfen.„Die Linsen sähe» aus wie eine Kloake", sagt ein Zeuge. Nach Erscheinen des Artikels wurde es besser.— Major Kramer teilte mit, daß der Staat nur 37 Pfennig für drei Mahlzeiten der Mannschaften zahle. Urteil: 500 M. Geldstrafe. Ansere Kolonien. Oktober. 9. Wie erst jetzt bekannt wird, hat Herr v. L i n d e g u i st qm 18. August die Verordnungen über die„Rechtsverhältnisse der Eingeborenen von Südwcstafrika" erlassen, worin be- stimmt wird: 1. Eingeborene sind in Zukunft vom Erwerb von Rechten oder Berechtigungen an Grundstücken grundsätzlich ausgeschlossen. Sie könne» solche Rechte oder Berechtigungen nnr mit Genehmigung des Gouverneurs erwerben. 2. Eingeborene sollen in Zukunft Reittiere oder Großvieh grundsätzlich nicht mehr halten dürfen. Die Genehmigung zum Halten solcher Tier« mub durch den Gouvemeur besonders erteilt werden. 3. Eingeborene unterliegen der Pabpflicht. Rücksichtlich des Aufenthalts der Eingeborenen erkennen die Vcr» Ordnungen grundsätzlich eine Bewegungsfreiheit der Eingeborenen an. Nur aus wichtigen Gründen kann nach fj 5 der Verordnung über die Paßpflicht dem Eingeborenen das Verlassen seines Distrikts oder Bezirks untersagt und"die Ausstellung eines Reisepasses der- weigert werden. Eine Mitarbeit bei der Ausübung der Aussicht über die Eingeborenen weisen die Verordnungen auch den Pri- baten, den Bodengesells chaften und Dienstherren, ja jedem Weißen als solchem zu. Das bedeutet in Wirklichkeit die Sklaverei der Eingeborenen. S. Die Reise des Herrn Dernburg nach Ostafrika hat Enttäuschungen gebracht. So berichtet u. a. Herr Konrad Alberti. ein Begleiter Dernburgs:„Ich muß mit einer großen Enttäuschung beginnen. Es ist nichts mit der Baumwolle in Deutsch- Ofrika. Wenigstens borläufig nichts. Die Kultur hat sich als un- sicher erwiesen. Man hat gefunden, daß die meisten der angepflanzten Sträucher und Bäume nach einem ertragreichen ersten Jahre vom zweiten an kränkeln und im vierten verloren, sind... Der Kaffeebau ist in der Kolonie so gut wie abgetan. Die Erdnüsse, die ein vortreffliches Oel liefern, leiden dies Jahr an einer geheimnisvollen, selbst den Gelehrten in Awani unerklärlichen Krankheit und sind völlig mißraten. Die Koprakultur ist ertragreich, aber auf die Küste beschränkt, da die Kokos- Palme die Seelust liebt... Zum Schluß bemerkt dann Herr Alberti, daß nur kapitalkräftige Pflanzer überhaupt ein Fortkommen finden könnten. November. 14. Zehn Jahre find seit der eigenartigen„Pachtung" von Kiautschou verflossen und mehr als hundert Millionen hat man auf- gewendet, um das„D r e ck n e st" sKiautschou heißt ja auf Deutsch Lehmstadt vulgo Drecknest) zu einem„Kurort" zu machen. Mau hat prächlige Straßen und Gebäude errichtet, eine Art Tiergarten im Hintergründe der Stadt angelegt. Hu diesen IVO Millionen kommen dann noch die diversen hundert Millionen, die der C h i n a k r e u z- z u g gekostet hat. Und der Wert dieser„Pachtung"? Unsere Aus- fuhr dorthin ist ständig zurückgegangen: von 10.6 Millionen Mark im Jahre 1903 auf 3,9 Millionen im Jahre 1906! Dezember. 23. Gegen das Urteil der Disziplinarkammer hat Herr Horn, der ehemalige Gouverneur von Togo, Berufung eingelegt. In der Tat wird das Urteil von der höheren Instanz auf 300 M. Geldstrafe uud Strafversetzung i» ein anderes Amt herabgesetzt. Aus der inneren Politik. Oktober. lt. Auf Grund eines Erlasses de? preußischen Ministers der öffentlichen Arbeiten, Breilenbach, hat das Hauptbauamt zu Potsdam angeordnet, daß beim Bau des Kanals Berlin— Stettin Arbeiter nicht angenommen werden dürfen, welche in den letzten 12 Monaten mindestens 3 Monate in den Kreisen Teltow, Zauch-Bclzig, Niederbarnim. Osthavelland, Oberbarnim, Ruppin, Templin, Angermünde, Königsberg i. Nrn., Lebus in einem landwirtschaftlichen Betriebe beschäftigt waren, dessen Sitz nicht mindestens 25 Kilometer von der Linienführung der neuen Wasser- straße entfernt liegt. Nickt betroffen von dieser Beschränkimg sind diejenigen Arbeiter, welche in Berlin und Vororlen sowie in Potsdam und Spandau befchäfiigt gewesen sind. 17. Den? Genossen K a tz e n st e i n, der an der Arbeiter- Bilduugsschule zu Potsdam einen Kursus über Ver- fassuugsrecht abhalten will, wird dies von der Regierung zu Potsdam verboten, weil nach der Behauptung der Rcgicnmg ein solcher Unterricht auf Grund zweier Verfügungen ans den Jahren 1834 und 1839 der behördlichen Genehmigung bedürfe. 23. Bor dem Berliner Schöffengericht beginnt die Ver- Handlung des Prozesses M o l t k e- H a r d e n.(Da über diesen Prozeß eine besondere Broschüre erschienen ist, gehen wir an dieser Stelle nicht weiter darauf ein.) November. 1. Dem Genoffen Katzen stein wird angedroht, daß sein Nnterrichtsknrstis in Potsdam von der Polizei mit Gewalt vcr- hindert werden wird. Abends soll der Kursus beginnen und wird in der Tat durch 10 Schutzleute verhindert. 14. Genosse Katzen st ein erhält auf seine Beschwerde gegen die Potsdamer Regierung einen Bescheid, der formell zwar die Be- schwerde zurückweist, tatsächlich aber einen Rückzug der Behörde be- deutet, weil anerkannt wird, daß die alten Verfügungen von 1834 und 1839 nur für den Unterricht an jugendliche Per- s o n e n gelten. 22. Der Etatsentwurf für 1908 ermächtigt durch den Z 2 den Reichskanzler, zur Bestreitung einmaliger außerordentlicher Ausgaben auf dem Wege der Anleihe die Summe von 260 506 091 M. flüssig zu machen! Die Rcichsschulden haben damit die vierte Milliarde überschritten. Die Verzinsung der Reichsschuld ist auf 145 784 525 M. angewachsen! 23. Der Entwurf des neuen Reichsvereinsgesetzes kommt heraus. Er verbietet im 8? fremde Sprachen für öffentliche Versammlungen und bestimmt u. a. im§ 9, daß eine Versammlung aufgelöst werden kann, wenn der überwachende Schutzmann in einer Rede etwas Sträfliches zu erblicken glaubt und dem Redner nicht auf sein Verlangen das Wort entzogen wird. 26. Dem preußischen Abgeordnetenhause geht ein Gesetz zu, welches der Ansiedelungskommi)sion das Recht zusprechen will, den polnischen Grundbesitz zu enteignen. Von der Polizei. November. 2. Vor dem Schwurgericht zu L ü b e ck wird festgestellt, daß es auf der P o I i z e i k a s s e üblich war,„Schiebungen" vorzunehmen, d. h. es wurden die Jahresabrechnungen künstlich zum stimmen ge- bracht, indem man, je nachdem Geld vorhanden war, Rechnungen, die tn der Jahresabrechnung bereits als bezahlt erschienen, erst nach Schluß des Rechnungsjahres beglich und umgekehrt. Das geschah mit Wissen und Willen des nunmehr verstorbenen Polizeiinspektors Munck. Richtige Abrechnungen wurden überhaupt nicht gemacht, ebensowenig Tagesabschlüffe. Das Geld, zeitweise waren es bis zu 20 000 M., trieb sich wochenlang ungezählt in einer mit gewöhnlichem Schloß versehenen Pultschublade herum. Außerdem wird festgestellt, daß die Polizei in Lübeck eine Kasse mit 20 000 M. besitzt, die den Titel 8-Kasse führt; diese L-Kasse ist weder der gesetzgebenden Körperschaft bekannt, noch hat letztere je Mittel aus derselben zu bewilligen gehabt. Revisionen dieser Kasse fanden niemals statt. Den Beamten, die in dem Prozeß als Zeugen austraten, war jede Acnßcrung über die 8-Kasse verboten worden. Dennoch sickerte in der Verhandlung die Tatsache durch, daß die Kasse aus Abgaben der Bordellwirte besteht und u. a. dazu diente, um an Polizcibcamte Gratifikationen zu verteilen. 6. Ende Oktober wurde in Berlin ein wissenschaftlicher Vortrag eines ruisi'chen Gelehrten durch die Polizei unterbrochen. Der Vortragende und seine Zuhörer wurden im geschlossenen Zuge zur Polizeiwache geführt. Die meisten wurden nach einem unfreiwilligen Aufenthalt von mehreren Stunden entlassen, sechs dagegen gezwungen, dir Nacht zusammen mit Be- trunkenen und Prostituierten auf der Polizeiwache zu verbringen. Am nächsten Vormittag wurden diese sechs im grünen Wagen, wieder zusammen mit Prostilnierle'U. zum Polizeipräsidium gefahren- Dort erhallen sie die A n s w e i s u n g s v e r s ü g n n g mit einer F r i st von 48 Stunden. Die übrigen Zuhörer und der Vor- lragende werden in den nächsten Tagen nach dem Alexanderplatz beschieden und hören dort ebenfalls die Ausweisungs- Verfügung. 22. Als am 23. September er. in der Sitzung der dritten Sektion des internationalen Hygiene-Kongresses über das Fürsorgewesen für Säuglinge verhandelt wurde, erwähnte der zweite Berichterstalter Herr Sanitätsrat Dr. Taube, dirigierender Arzt des Leipziger Säuglingsheims, eines in Leipzig wiederholt vorgekommenen Verfahrens der Behörden, nämlich die Polizei- liche Abschiebung von Säuglingen nach Rußland— Kindern von Russinnen, die nach ihrer Entbindung in Leipzig von dort ausgewiesen worden waren, aber sich genöttgt sahen, ihre neugeborenen Kinder im Entbindungshause zurückzulassen. Da solche, meist wenige Wochen alte Kinder kaum imstande sind, eine Äug und Kandel. ElektrizitätSmonvpol. In dieser Frage hat das Direktorium des Zentralverbandes deutscher Industrieller an seine korporativen Mitglieder folgendes Schreiben gerichtet: In der neuesten Zeit ist in der Presse die Mc-nopolisierung der Erzeugimg elektrischer Kraft im Interesse der Reichsfiiianzen an- geregt und besprochen worden. Dauei hat man geglaubt, mitteilen zu können, daß das lllei chsschatzamr und das Ministerium der öffentlichen Ar- betten diesen Gedanken shmpathisch aufgenommen hätten---- Mit dieser Anregung sind wir vor eine Frage gestellt, die für das gan�e Wirtichastsleben der Nation und ganz besonders für die Industrie und das Gewerbe von höchster Bedeutung ist. Durch die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung, durch die hohe teckmische LeistungS« fähigkeu, durch das talkräftige kühne Vorgehen unserer Kapitalisten und Unternehmer hat die Erzeugung und Verwendung der elektrischen Kraft in Deutschland eine staunenswert schnelle Ent- Wickelung, einen gewaltigen Aufschwung genommen. Sicher jedoch muß angenommen iverden, daß die Erforschung auf den Gebieten dieser geheimnisvollen Kraft noch nicht zum Abschluß gelangt ist, daß daher die Richtungen durchaus noch nicht zu übersehen lind, in denen sich die durch Erzeugung und Anwendung der elektrischen Kraft begonnene Umwälzimg nicht nur in den industriellen und gelverblichen Betrieben, sondern auch in dem alltäglichen Leben des Volkes endgültig vollziehen werden. In diesem Stadium der Entwickelung würde die Monopolisierung der Erzeugung elektrischer Kraft seitens des Reiches ein gewaltiger, folgenschwerer Eingriff sein. lieber die Art dieser Folgen heute bereits ein ab- schließendes Urteil abzugeben, erachten wir uns nicht für befugt; ein Zweifel darüber aber kann nicht bestehen, daß diese Frage tief einschneidend in die Interessen der Industrie emgreist, deren Wahrung uns besonders auf dem Gebiete der Gesetzgebung anveriranl ist. Manche Vorgänge ans diesem Gebiet, ganz besonders bei der letzten Finanzreform, haben gezeigt, daß impulsive, mehr vom Parteiinteresse, als von der Rücksicht auf das allgemeine Wohl eingegebene Anregungen und Anträge von der Mehrheit des Reichstages angenoilmten wurden und auch die Zusümmnng des Bundesrates erhallen haben, trotzdem ihnen tchon während der Beratung von berufener Seite die schwersten Bedenken entgegengehalten wurden. Manche der in dieser Weise entstandenen Gesetze haben sich später als Fehlgriffe schlimmster Art erwiesen. Solche Erfahrungen lehren, daß Anregungen jener Art, zu denen wir die neuerdings auf- geworfene Frage der Einführung eines Elektrizitätsmonopol zählen, ernst beachtet und sofort aufmerksam verfolgt werden müssen. Um uns in den Stand zu setzen, bei der weiteren Behandlung dieser Frage die Interessen der Industrie wirkungsvoll zu vertreten, richten wir an unsere korporativen Mitglieder die dringende Bitte, sich zu der hier in Rede stehenden Fra�e der Monopolisierung der Erzeugung eleklriicher Kraft durch das Reich gutachtlich zu äußern. Wir gestatten unS dabei, darauf aufmerksam zu machen, daß uns eingehende Speziälgutachtsn von Betriebsunterilebmern und erfahrenen Technikern besonders erwünscht sind, die zu erlangen den Mitgliedern sicher nicht schwer werden wird." Das Resultat dieser Umfrage dürfte nicht zweifelhaft sein. ES werden sich gegen ein solches Eleltrizitätsmonopol alle die Kreise der Elektrotechnik wenden, die an den privatwirtschaftlichen Betrieben interessiert find; für daS Monopol entscheiden sich die Kreise, die Stromverbraucherproduzieren: Elektromotoren, Apparate, Jnstallattons- Materialien. Die Urteile beider Jnteressentcngruppen können als streng objektiv nicht bewertet werden. Bei der einen wie bei der anderen Gruppe entscheiden die privatwirtschaftlichen Interessen, die sich mit den Allgemeininteressen nicht decken. Ob die Vorteile der Verstaat- lichung, die mit dieser verbundenen Schäden, die in der Macht- stärknng der agrarischen reaktionären Regierung, und deren größere Unabhängigkeit vom Budgetrecht des Parlaments zu suchen find, überwiegen oder dahinter zurückbleiben, das kann erst nach Vorlage des Entwurfes beurteilt lverden. Ein feines Geschäft. Die vereinigte Königs« und Laurahütte oder ein Grüppchen von Gründern braucht Geld. Deshalb sollen 9 Millionen neuer Allien ausgegeben werden.— Die„Gründer" sollen die Hälfte der neuen Aktien al pari erhalten; die andere Hälfte steht den Aktionären zu 180 Proz. zur Verfügung. Für die Gründer bedeutet das einen Gewinn von 3 600 000 M.— Ein feines Geschäft!_ Aussichten. Die Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft äußern sich in ihrem Jahresberichte über die wirtschaftlichen Aussichten folgendermaßen: Die ganz besondere Kompliziertheit der wirtschaftlichen Vor- gänge des Jahres 1907 macht es erklärlich, daß über die Wirkungen des schon im Vorjahre in Kraft getretenen Zolltarifs sich auch jetzt noch iein Urteil abgeben läßt, das ans eine ausreichend große Anzahl von positiven Tatsachen gestützt werden könnte. Beim Jukrnsttrelen des neuen Zolltarifs am 1. März 1906 bestand eine Weltkonjunktur von selten dagelvesener Gunst und von nie da- gewesenem Umfange. Wenn die schädlichen Wirkungen eines den deutschen Handelsinteressen direkt entgegengesetzten Zolltarifs von den günstigen Wirkungen der allgemeinen Wirtschaftslage übertönt wurden. so ist dies kein Argument, das zu gunste» dieser Zollpolitik angeführt werden könnte. Ebensoivenig kann man freilich für die wirtschaftliche Ab- wärtsbewegnng. die sich immer deutlicher geltend macht, die Absperrung von dem Weltmarkte allein verantworlich machen. Immerhin ist für die wirtschaftliche Entwickelung. der wir numnehr entgegengehen, ein Moment von höchster Bedeutung: daß erfahrungsgemäß die Wirkungen wirtschaftlicher Rückschläge desto schärfer sind, je enger das Wirtschaftsleben der Nation eingeschlossen ist. In dieser Be- ziehuug bleibt der deutschen Zollpolittk auck jetzt noch vieles zu tun übrig. Wenngleich der größte Teil der Handels- Verträge, die im Gefolge des neuen Zolltarifs zu erwarten waren, bereits abgeschlossen sind und die Milderungen des Tarif« gesetzeS, die in weiten Kreisen des deutschen Handelsstandes ge- fordert werden, nicht bringen sollten und nicht gebracht haben, so stehen doch noch zahlreiche wichtige Verhandlungen bevor. Die Frage, ob die Rückschläge des Jahres 1907 größere oder geringere Nachwirkungen ausüben iverden, wird zum Teil auch davvn ab- hängen, ob es gelingt, für den Handel und die Industrie Deutsch- lands in der Weiterentwickelung der deutschen Zollpolitik einen Teil der Schädigungen, denen sie bisher ausgesetzt wurden, auS dem Wege zu räumen.__ Bankinsolvenzen in Amerika. Die Reihe der Bankziisammenbrüche ist noch nicht abgeschloffen. AuS New Dork wird berichtet: Der Kontrolleur des Geldumlaufs schloß die New Amsterdam Bank und stellte sie unter Zwangsverwaltung. Die Verbindlichkeiten belaufen sich auf 4'/, Millionen Dollar, wovon zwei Millionen den solche Reise lebend zu überstehen, hatte Herr Dr. Taube wiederholt bei den städtischen Behörden darauf gedrungen, diese Ausweisungen von Säuglingen, deren Transport in einer für ihren Schutz ganz un- genügenden Weise erfolgt, zu unterlassen. Er teilte einen Fall mit, bei dem es ihm erst vor kurzem gelungen war, eine Hinausschiebung der Ausweisung zu erreichen, bis das Kind ein Jahr alt wird. Er hatte aber Bedenken, ob es ihm gelingen werde, eine weitere Hinaus- schiebnng der Ausweisung zu erreichen. 23. In der Pankstraße zu Berlin findet die Polizei einen Vorrat von Pistolen, Kugeln und weißem Papier. Sie hält das für ein Geheimlager der russischen Revolutionäre. Dezember. 21. In M ü n ch e n wird ein angeheiterter Student, der auf der Straße lärmt, von einem Schutzmann erschossen. 24. Wegen grober Mißhandlung zweier Referendare auf der Polizeiwache wird in Berlin ein Schutzmann zu fünf Monaten Gefängnis, ein anderer zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. Einer der Mißhandelten muß natürlich auch auf der Anllagebank Platz nehmen. wird aber freigesprochen. Die Teuerung. Oktober. 6. In einer Statistik des„Preußischen Beamtenvereins fllr Breslau" wird— nach der konservativen„Schlesisckien Ztg."— über die Verteuerung der wichttgsten Lebensbedürfnisse festgestellt:„Die Preissteigerungen für Brot, Fleisch und Milch brauchten nicht ermittelt zu werden, da aus anderen Erhebungen feststeht, daß sie um 10 bis 20 Proz. gestiegen sind. Von den sonstigen Lebens- Mitteln sind teurer geworden Butter um durchschnittlich 25 Proz., Eier sind gestiegen um 28, Kartoffeln um 22, Mehl um 10, Obst um 14, Hülsenfrüchte um 27 bis 85, Graupe um 11 bis 20, Hirse um 45, Semmel um 27, Zwieback um 17, Heringe um 20 Proz. Die Preise für Feuerungs- Material find um 15 bis 22, für Hausgeräte um 15 bis 20 Proz. in die Höhe gegangen. Ebenso erfordert die gesamte Kleidung erheblich höhere Ausgaben. Männer- und Kinderhüte sind um 10 bis 25, Frauen- hüte um 30, Leibwäsche um 32 1'3, baumwollene Unterkleidung um 20 bis 25, wollene um 16 bis 28, Oberkleidung um 20 bis 50, Schnbwerk um 10 bis 25, Schirme, Handschuhe u. dergl. um 25 bis 28 Proz. teuerer geworden. Außerdem sind die Wohnungen im Preise(um fast 25 Proz.), das Schulgeld ist um 20 Proz. erhöht, die Bücher find durch Wegfall des Rabatts um 5 bis 10 Proz. teuerer geworden." 13. Aus Bocholt schreibt man dem„Vorwärts": Vor In- krafttrcten der neuen Zollgesetze machte die Bocholter Bürgerschaft in großem Umfange von der Vergünstigung Gebrauch, von den an der Grenze auf holländischem Gebiete errichteten Fleischverlaufsbuden Fleisch in zollfreien Quantitäten(4 Pfund pro Tag und Haushalt) einzuführen. An Sonntagen zählte man nicht selten 400 bis 300 Personen, die den zweistündigen Spaziergang nach der Grenze machten, um dort je 4 Pfund Fleisch(als zusammen 1600 bis 2000 Pfund) und andere billige Lebensmittel(Reis, Mehl, Stuten usw.) zu holen; an Wochenlagen waren es wenigstens 100. an schulfreien Mittwoch- und Sonnabendnachmittagen sicher 200 bis 300 Personen. Man zahlte damals an der Grenze pro Pfund Speck 60 Pf.. Rindfleisch 43—30 Pf., Schinkenspeck 70 Pf.. Rollschinken 73 Pf., Schweinefleisch 60 Pf., Kalbfleisch 40—43 Pf. In Bocholt zahlte man seinerzeit dagegen für das Pfund Speck 80 Pf., Rind- fleisch 73 Pf., Schinkenspeck l'.IO M.. Rollschinken 1,10 M., Schweinefleisch 90 Pf., Kalbfleisch 80 bis 90 Pf., durchschnittlich loa r also das Pfund Fleisch an Grenze etwa 30 Pfennig billiger als in Bocholt. Wenn man an- nimmt, daß eine Arbeiterfamilie von 3 Personen zweimal in der Woche jemanden zur Grenze schickte und pro Woche 8 Pfund Fleisch zollfrei holen ließ, so stellte dies eine Ersparnis von achtmal 30 Pf.— 2,40 Mark pro Woche oder 124,80 M. pro Jahr dar. Nimmt man femer an, daß nur für 1500 Haushaltungen von dieser Vergünstigung Gebrauch gemacht wurde, so ergäbe dies 1300 mal 124,80 Mk.— 187 200 Mk. Ersparnis p.o Jahr für die Einwohnerschaft der Stadt Bocholt, die 22 000 Ein- wohner zählt. Diese Summe geht also der Bocholter Einwohner- schaft, insbesondere der Arbeiterschaft pro Jahr durch die neue Zoll- gesetzgebung verloren. Hinterlegern geschuldet werden. Nach Mitteilungen der LemnUn werden die Hinterleger voll befriedigt werden. Die Mechanics and Trades Bank, mit einem Kapital von zwei Millionen Dollar, stellte ihre Zahlungen ein. Die Depositen jbf liefen sich im August auf 183/4 Millionen, waren aber nach Äm Dezemberbericht auf 10 Millionen heruntergegangen. Prä�«ät Sullivan erklärte, daß die Bank zahlungsfähig sei, aber da Äv Clearinghouse erklärt habe, es könne keine weitere Hüls« lriffKi, hätten sich die Direktoren entschlossen, zum Schutze der Deposilftfii die Bank zu schließen, bevor eine Panik ausbräche. Die Bcmr tft eine der bedeutendsten und ältesten Staatsbanken. Gestern— am 30. Januar— fand ein ziemlicher Run auf die kiesige Oriental Bank statt, von welcher noch Clearing-Zertifikate ausstehen. Ihre Depvsiten bettagen 5 Millionen. Andere Banken leisteten Hülfe, indessen ist das Publikum sowie die Jnlaudsbanken wieder einigermaßen beunruhigt. Aus Oesterreichs Bergbau. Den Bergarbeitern Oesterreichs werden wahrscheinlich in Bälde einige bergrechtliche Aendeningen beschert, auf die man in Preußen noch vergeblich wartet. Die Lohnzahlungen sollen Regelung erfahren. Gegenwärtig ist unter den bestehenden 868 Bergbaiibettiebcn in Oesterreich bei 613 Betrieben die monatliche Lohnabrechnung in Geltung, 35 Betriebe rechnen alle vierzehn Tage ab, 184 Betriebe. darunter alle des Brüxer Reviers, tun dies wöchentlich, und nur 36 Betriebe haben eine vier- bis fünswöchentliche Lohnregulierung. Wie man sieht, ist der der Lohiiabrechnung zugrunde gelegte Zeil- räum ein sehr verschiedener. Eine Neuerung dürste durch die Heranziehimg von Arbeitem zur Kontrolle der Bergbau- bettiebe eingeführt werden. In Belgien, Frankreich und England hat man mit der Mitwirkung von Arbeitern bei der Sicherheitsüberprüfung der Bergbaubetriebe gute Erfahrungen erzielt. und man erwartet, daß nun auch in Oesterreich ein Versuch in dieser Richtung gemacht wird. In diesem Falle würden stir umgrenzte Bezirke Vertrauensmänner der Arbeiter durch Wahl bestimmt werden, die das Recht hätten, innerhalb des ihnen zugewiesenen Reviers die Gruben zu inspizieren und dann der zuständige» Bergbehörde von ihren Erfahrungen und Beobachtungen Mitteilung zu machen. In naher Zeit wird überdies eine Enquett veranstaltet werden, in welcher dem Interessentenkreise Gelegenheit geboten werden soll, vor der endgültigen Fassang der neuen Bestimmungen ihre Meinungen vorzubringen.— In Preußen sind wir noch iängst nicht so weit. Dan! der tadellosen rückständigen Haltung des Zentrums geht es hier mit der Bergresorm rückwärts statt vorivärtS. Soziales. Ist das Kaufmannsgericht für zedierte Forderungen zuständig? Nach§1 des GcwerbegerichtsgesetzeS ist daS Ge« Werbegericht für Klagen zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeit- nehmer zuständig. Die herrschende Praxis nimmt auf Grund deS Wortlauts des§ 1 des Gewerbegerichtsgesetzes an, daß die Zu« ständigkeit dem Gewerbegericht für solche Klagen fehle, in denen andere Personen Ansprüche einklagen, die in einer Beziehung zu dem ArbeilSverhältniö stehen. So ist daS Gewerbegericht nicht zu- ständig für eine Klage aus einer abgetretenen oder aus einer durch Erbgang überkommenen Lohnforderung oder für eine Klage, die sich gegen den Vater eines Lehrlings als Verpflichteten richtete. So hat fast durchgängig die Praxis der Gewerbegerichte und der ge» " Lehrten Gerichte, z. B. die Landgerichte Berlin I., Frankfurt a. M., 1 werden." Während also bort als Voraussetzung für die Zuständigkeit| Bielefeld, das Kammergericht und das Reichsgericht entschieden. des Gewerbegerichts angegeben wird, daß der Arbeiter und ArbeitAbgewichen von dieser Anschauung ist nur ein Erkenntnis des geber Parteien des Rechtsstreites sind, spricht hier die Dresdener Oberlandgerichts vom 8. November 1901. Die allgemein Wortfassung dafür, daß das Kaufmannsgericht in allen Fällen dem herrschende Ansicht wird auch von den Kommentatoren, mit Aus- zuständig sein soll, in denen die Streitigkeit aus nahme von Wilhelmi- Bewer, geteilt. Dienst oder Lehrverhältnis herrührt. Hier ist nicht Voraussetzung der Anders liegt die Rechtslage rücksichtlich der Zuständigkeit der nach Zuständigkeit, daß Kaufmannsgerichte. Hier ist die Zuständigkeit der Kauf- der Rechtsstreit gerade zwischen den bezeichneten Personen geführt mannsgerichte auch dann begründet, wenn es sich um die Geltend- wird. In der Begründung des Entwurfs, auf welche das Berufungsmachung einer abgetretenen Forderung handelt. Das folgt aus der gericht hinweist, wird dies ausdrücklich hervorgehoben. Es heißt da: weitergehenden Wortfassung des§ 1 des Kaufmannsgerichtsgefeßes Durch die Wortfassung des Abfaz 1( Streitigkeiten aus dem gegenüber der des Gewerbegerichtsgefezes. Diese nicht unbestrittene Dienst- oder Lehrverhältnisse zwischen usw.") wird zum Ausdrud Ansicht ist dieser Tage vom Reichsgericht in einem Urteil gebracht, daß die Zuständigkeit des Kaufmannsgerichts auch dann gebilligt, dessen wesentlichen Teil wir nachstehend wiedergeben: geschehen ist, wenn der erhobene Anspruch vor oder nach Erhebung Der Firma Jandorfu. Co. in Berlin war von einem der Klage auf einen Rechtsnachfolger übergegangen ist". Un ihrer Schuldner, dem Buchhalter A ,, eine Gehaltsforderung an Franz S. in Berlin überwiesen worden. Diese Forderung suchte sie vor den ordentlichen Gerichten einzuflagen. Das Landgericht Berlin wies die Klage ab, weil für GeHaltsforderungen bei Handlungsgehülfen mit 5000 m. und weniger Jahresgehalt nach dem Gesez vom 6. Juli 1904 die Kaufmannsgerichte ausschließlich zuständig seien, und weil an der Zuständigkeit des Kaufmannsgerichts durch Abtretung oder Pfändung nichts geändert werde. begründet ist die weitere Behauptung der Revision, daß im Falle der Rechtsnachfolge durch Abtretung oder Pfändung und Ueberweisung der Forderung es sich nicht mehr um eine Streitigkeit aus dem Dienst- oder Lehrverhältnisse handele. Der Anspruch hat auch in solchem Falle seine tatsächliche und rechtliche Grundlage in dem Dienst- oder Lehrverhältnis, und es tritt nur der die Rechtsnachfolge begründende Vorgang hinzu. Das Gesetz hat aber auch hierüber die Entscheidung dem Kaufmannsgericht zugewiesen, und dessen Zuständigkeit würde selbst in solchen Fällen begründet ſein, Die Berufung der Klägerin gegen das landgerichtliche Urteil in denen der Anspruch aus dem Dienst- oder Lehrverhältnis ist und wurde vom Kammergericht zu Berlin zurüdgewiesen. der Streit nur den Uebergang des Anspruchs auf den RechtsnachJm selben Sinne entschied zu dieser Frage das Reichs- folger betrifft, da das Gesetz für solche Fälle teine Ausnahme gericht aus Anlaß der von der Klägerin eingelegten Revision. macht." Und zwar führt der erkennende dritte Zivilsenat unter 8 urüdErste Sigung des sog. Jugendgerichtshofes in Frankfurt a. M. weisung der Revision unter anderem folgendes aus: Am Freitag fand in Frankfurt a. M. die erste Sigung des Unzutreffend ist der Einwand, daß die vom Berufungsgericht vertretene Auffassung in dem Wortlaut des Gesetzes feinen genügenden zu Unrecht Jugendgerichtshof" getauften, seit dem 1. Januar zur burteilung Jugendlicher bestehenden Gerichtshofes statt. Das Ausdrud gefunden habe, und die Motive nicht maßgebend sein neue Gericht unterscheidet sich von einem sonstigen Schöffengericht fönnten. Der§ 1 Absatz 1 des Gewerbegerichtsgeseges bestimmt: lediglich dadurch, daß der Vorsitzende auch Vormundschaftsrichter „ Für die Entscheidung von gewerblichen Streitigkeiten ist. Innerhalb der heutigen Organisation wäre eine Buziehung 3 wischen Arbeitern einerseits und ihren von Eltern und Lehrern vor der Anklageerhebung möglich, wie sie Arbeitgebern andererseits fowie zwischen in Haspe mit dem Erfolge zur Anwendung kam, daß über drei Arbeitern desselben Arbeitgebers tönnen Ge- Viertel der Anklagen unterblieben. Das ist in Frankfurt a. M. werbegerichte errichtet werden." Der§ 1 Absatz 1 des Gesetzes nicht der Fall. So gut gemeint die Frankfurter Einrichtung ge-betreffend Kaufmannsgerichte vom 6. Juli 1904 lautet ba- wesen sein mag, in der Praxis bermag sie an den bestehenden Zugegen:" Bur Entscheidung von Streitigkeiten aus dem ständen nichts zu ändern. Das zeigt der Bericht über die erſten drei Fälle der ersten Verhandlung, den wir der Frankfurter Dienst oder Lehrverhältnisse zwischen auf Beitung" entnehmen: leuten einerseits und ihren Handlungsgehülfen. AII oder Handlungslehrlingen andererseits tönnen bei vorhandenem Bedürfnisse Kaufmannsgerichte errichtet Für den Juvalt der Zuerate übernimmt die Nedaktion dem Bublikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Sonnabend, 1. februar. Anfang 7 Uhr. Königl. Schauspielhaus. Wallen steins Lager. Die Piccolomini. Deutiches. Die Räuber. Kammerspiele. Hochzeit.( Anfang 8 Uhr.) Lorking. Die Zauberflöte. Theater an der Spree. Hokuspotus. Leffing. John Gabriel Borkman. Anfang 8 Uhr. Königl. Opernhaus. Salome. Neues Schauspielhaus. Wolkentrazer. Nachmittags 3 Uhr: Judith. Quitivtelhaus. Banne. Berliner. Blaubart. Neues. Baccarat. Sailler • 0 Wallner Theater.) Hermannsschlacht. Schiller Charlottenburg. Herenteffel. Immergrün. Hebbel. Maria Magdalene. Komische Oper. Tiefland. Der Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Baccarat. Sonntag zum 50. Male: Baccarat. Montag: Baccarat. Kleines Theater. Bum 50. Male: Mandragola. Anfang 8 Uhr. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Ein Puppenheim.( Nora) Abends 8 Uhr: Mandragola. Montag: Der Unsichere. Das Gericht( Vorsitzender Amtsgerichtsrat II menröder, Schöffen: ein Stadtassistent und ein Friseur) trat nach einer Ansprache durch den Oberlandesgerichtsrat sogleich in Tätigkeit. Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater). Sonnabend, abends 8 Ubr: Die Hermannsschlacht. Ein Drama in 5 Aufzügen von Heinrich v. Kleift. Sonntag, nach m. 3 Ubr: Das Glück im Winkel. Sonntag, abends 8 Uhr: Reiterattacke. Montag, abends 8 Uhr: Kollege Crampton. Schiller- Theater Charlottenburg. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Hexenkessel. Schausp. in 3 Atten von Georg Engel. Hierauf: Jangter Immergrün Boltsstüd in 1 Att v. E. v. Wildenbruch. Sonntag mittag 12 Uhr: Kammermusik und Gesang. Sonntag, nach m. 3 l br: Der Richter von Zalamea. Sonntag, abends 8 Ubr: Gyges und sein Ring. Montag, abends 8 Uhr: Der Hexenkessel. Hierauf: Jungfer Immergrün Schiller- Saal( Schiller- Theater) ( Charlottenburg Sonnabend, nachm. 6 Uhr: 3. Vorlesung von Prof. Dr. Schubring: Theater des Westens. nleitung aum Betrachten von Kunstwerken im Anschluß an die Schäße des Raiser- Friedrich- Museums. Abends 9 Uhr: 3. Vorlesung von Dr. M. Burkhardt: Das deutsche Lied. 8 Uhr: Ein Walzertraum. Operette von Oskar Strauß. Sonntag nachm. 3, Uhr halbe Preise: Die lustige Witwe. Neues Schauspielhaus Nachmittags 3 Uhr: Judith. Abends 8 Uhr: Wolkenkratzer. Sonntag 8 Uhr: Wolkenkrazer. Montag 8 Uhr: Wolkenkrazer. Friedrich Wilhelmitädt. Schau Friedrich- Wilhelmstädtisches spielhaus. Der gehörnte Siegfried. Siegfrieds Tod. Weiten. Ein Walzertraum. Kleines. Mandragola. Zentral. Frau Warrens Gewerbe. Stefidenz. Bibi. Luisen. Der Leiermann und sein Pflegekind. Nachmittags Crusoe. 4 Uhr: Trianon. Baron Toto. Thalia. Immer oben auf. Robinson Schauspielhaus, Der gehörnte Siegfried. Siegfrieds Tod. Anfang 8 Uhr. Sonntagnachm. 3 Uhr: Nachtashl Abends 8Uhr: Madame Sans Gêne. Montag z. 1. M.: Sein Prinzeßchen. Lortzing- Oper. Bernhard Roie. Die arme Mieze. Belle- Alliance- Straße 7/8. Nachmittags 4 Uhr: Rübezahl. Bürgerl. Schauspielhaus. schlossen. GeAbends 7, Uhr: Metropol. Das mus man jeh'n. Die Zauberflöte. Apollo. La belle Alexia. ymad. Gentes. Folies Caprice. Mal was andres. Dunkle Bunkte. Eine anständige Frau Gebr. Herrnfeld. Papa und Ge. nossen. Kajino. Die Freuden der Häuslichkeit. Wintergarten. Robert Steidl. Spezialitäten. Banage. Rudolf Mälzer. Spezialitäten Reichsballen. Stettiner Sänger. Carl- Haverland Theater. zialitäten. Spe Walhalla. Spezialitäten. Urania. Taubenitraße 18/49. Theater 8 Uhr: Eine Nilfahrt bis zum zweiten Kataralt. Nachmittags 4 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Sonntag nachm. 3 Uhr: Undine. abends 7%, Uhr: Don Juan. " Castan's Panoptikum 165 Friedrichstr. 165 Abdul Hamids Harem Zauberer Fakire Bauchtänzerinnen. Schlangen- Ungeheuer von Sumatra. Sonntags kein Extra- Entree Wochentags 20 Pt. durch besonderen Eingang. Zirkus Schumann Heute Sonnabend, abends 7 Uhr: XX. Grande Soirée High Life. Debüt Debüt Resisto das elektrische Rätsel. Neuestes Wunder aus Amerika. Mr. Mefisto läßt 300 000 Volt elek trisch tödlich wirkenden Strom zu versch. Experimenten durch seinen Körper letten. Außerdem das exquisite Programm und die Klein- Family. Um 9, Uhr XIII. Saison. Zirkus Busch Heute abend 7, Uhr präzise: Gala- Abend. Debüt! Die austral. Holzfäller! Szenen aus dem austral. Busch. Debüt! Aurora- Troupe. Debüt! Ferner: Herr Kommissionsrat Gustav Stensbeck, Direttor des Berliner Tatterfalls als Gaft! Um 10 Uhr zirka: Auf der Hallig. Gr. Ausst.- Pant des Zirkus Busch. Das Phänomen der tauchenden Sirenen. Die Wunder der Tiefsee. Borher Gala- Brogramm. Eude 11 Uhr: Sonntag: 2 gr. Galavorstell. Amerika. Der Vorfißende lettete die Verhandlungen ruhig, er sprach mit den angeflagten Kindern wohlwollend und freundlich; er fand wohl auch den richtigen Ton in den Fragen, die er an sie richtete, und die Art, wie er auf sie einredete, machte offensichtlich Eindruck auf die Kinder. Ob freilich die Urteile, die dieser Ge richtshof fällen wird, die auf ihn vielfach gesezten Erwartungen erfüllen werden, läßt sich jetzt noch nicht sagen. Bis zur Mittags stunde waren drei Fälle erledigt. Der erste klärte sich nach wenigen Minuten zugunsten des Angeklagten, eines Meggerlehrlings, der seinem Meister Fleisch entwendet haben follte, auf, und es erfolgte Freisprechung. Dann wurde gegen einen sechzehnjährigen Schlofferlehrling verhandelt, der in einem Lager acht kleine Feilen im Werte von zusammen awei bis drei Mark gestohlen hatte. Der Knabe, der sich bisher fonst musterhaft geführt hat, stand offenbar in den letzten Wochen große Angst aus, und ist nun mit einem Verweis, auf den das Gericht heute erkannte und der ihn zum Vorbestraften" macht, hart genug gestraft. Der dritte Fall betraf ein drei. zehnjähriges Mädchen, das in einer fremden Wohnung ein Schulheft, einen Riemen und etwas Garn, zusammen im Werte von etwa 1 M., entwendet hatte. Das Kind ist die Tochter eines fleinen Beamten und hat noch sieben Geschwister. Nach der Aussage des eigenen Vaters ist es sehr verlogen; die Lehrer bestätigen das und nennen es außerdem diebisch. Einer der Lehrer ist sogar auf den Gedanken gekommen, daß es Kleptoman sei, weil es so ohne Sinn auch wertlose Gegenstände an sich zu nehmen scheine. Im übrigen, so sagt der Vater, ist sie zu Hause fleißig und willig. Der Amtsanwalt nannte die Tat der Angeklagten einen gemeinen Diebstahl" und beantragte drei Tage Gefängnis. Das Gericht ers tannte dem Antrage entsprechend, stellte aber be dingte Begnadigung in Aussicht. Außerdem wird das Kind wahrscheinlich in Fürsorgeerziehung kommen. Hatte wirklich das 13jährige Kind die zur Strafbarkeit er. forderliche Einsicht? Wird es gar durch Fürsorgeerziehung" preußischer Art gebessert" werden? Wäre allenfalls ein ernster Verweis nicht mehr als hinreichende Sühne gewesen? Und dünkt ferner, wirkliche Jugendgerichtshöfe, bei denen in reichlichstem Maße bereits vor der Erhebung der Anklage die Ursachen des ver meintlichen Fehltritts unparteiisch erforscht werden, hätten die Gr hebung der ersten Anklage unmöglich gemacht. Auffällig ist ferner, daß, wie es scheint, in keinem der drei Fälle dem Kind ein Offizial verteidiger bestellt war. Man mag dem in Frankfurt betätigten Bestreben, Jugendliche vor ungerechtigkeiten zu schüßen, Anerkennung zollen. Die Grundlage, auf der die neue Einrichtung beruht, ist viel zu schwach, um ben gewünschten 8med erreichen zu können. Wirkliche Jugendgerichtshöfe mit vollsten Garantien für das angeschuldigte Kind und erhebliche Herauffeßung des Zurechnungsfähigkeitsalters bleiben dringend notwendig. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Theater nachmittags 4 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Theater abends 8 Uhr: Eine Nilfahrt bis zum zweiten Katarakt. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Donath: Die Physik der Blasinstrumente. Opollo Theater Heute: Premiere! Gebr. HerrnfeldTheater. 57 Kommandantenstraße Nr. 57. Täglich 8 Uhr: Papa und Genossen Borher: Madame Wig- Wag. Dienstag: Premiere. Salomonisches Urteil. Mittwoch und folgende Tage: Papa und Genossen. Mitislaw der Moderne Salomonisches Urteil. Operette von F. Lehár Sonntag, ben 2. und 9. Februar, mit Mia Werber Gat der und Debuts neuen als Spezialitäten- Attraktionen WINDG BARTEN nachm. 3 Uhr: Endlich allein. Der Fall Blumentopf. Rixdorfer Theater Bürgerfäle, Bergstraße Nr. 147 Sonntag, den 2. Februar 1908: Gastspiel des Dpern- Ensembles ( Theater des Westens). Der Trompeter von Säkkingen. Romantische Oper in 3 Aften von Neßler. Anfang 7, Uhr. Passage- Theater. Heute Premiere Heute Premiere! Auftreten von Olinsende frustrating pantomime, Metropol- Theater Otto Ausstattungspantomime, vollendetste der Saison. Hebbel- Theater Morgen Sonntag: 2 Borstellungen. 8 Uhr 7 Uhr. Nachmittags: Königgrätzer Str. 57-58. Die lustigen Heidelberger mit der 8 Heute: Reutter. Danny Gürtler Der König der Bôheme und das große FebruarProgramm! Gr. Metropol- Theater- Ball. Sasino- Theater. Trianon- Theater. hetteren Hegenſgene, fomie Dr. Melito, L. Gr. Metropol- Theater- Ball. Uhr: Maria Magdalene. bas left ifche Rätsel. Nachm. 1 stinb Bürgerliches Trauerspiel in 3 Aften frei, weitere Stinder halbe Breise. Beginn 11 Uhr. von Friedrich Hebbel. Residenz- Theater. Direttion: Richard Alexander. 8 Uhr. , Bibi." 8 Uhr. 99 Schwant in 3 Aften von de Gorffe und de Marson. Deutsch von M. Schönau. Hörsaal 8 Uhr: Professor Donath: Bretillot Richard Merander. Theater an der Spree Stopenider Straße 68. Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr: Hanni weint- Hansi lacht Heute Anfang 8 Uhr. Reu um 1. ale: Baron Toto. Sonntag, den 2. Februar, Neu! Der urkomische Rügamer. Neu! Sonnt. nadm. 8 Uhr: Gaſtons Frauen. Nachmittags 3 Uhr: Hokuspokus. Die Herren von Maxim. Anfang 8 Uhr. Sonntag 3 Uhr: Ausgewiesen. Sonntag 8 Uhr: Der fritische Tag. Die Phyfit der Blasinstrumente, Sonntag, den 2. Februar, nach DERNHARD ROSE THEATER Sternwarte, Juvaliden. 57/62. 8 Uhr: Haben Sie nichts zu ver. Berliner Theater. Gastspiel d. Neuen Operetten- Theaters. Abends 8 Uhr: Blaubart Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Panne. gollen? Luisen- Theater. Reichenbergerstr. 34. Abends 8 Uhr: DERNHARD ROSE THEATER Das muß man seh'n!! Das muß Gr. Frankfurterstr. 182. Der Kaufmann von Venedig Anfang 8 Uhr. Wochentagspreise. 4 Uhr: Kindervorstellg.: Rübezahl. Brunnen- Theater Badstraße 58. Direft.: Bernh. Rose. Morgen Sonntag, 2. Februar: Nachmittags 3 Uhr: Nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung: W. Noacks Theater Der fedter von Ravenna. Robinson Crusoe. Abends 8 Uhr: Der Leiermann und sein Pflegekind. Sonntag nachmittags: Die Baise von Lowood. Abends: Des Mädchens Lebensmege. Montag: Cyprienne. Direftion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Heute: Geschlossen. Sonntag: In der Irre. Anf. 7 Uhr. Entree 30 Pf. Tanz. Mont., Dienst., Freit.: Ju der Jrre. Mittwoch: Großes Bockbierfest. Donnerst.: Kätchen von Heilbronn. Abends 7 Uhr: Ein Blihmädel. Nach der Vorstellung: Groffer Ball. Vorverkauf von 10-1 Uhr vormittags. Boranzeige: Freitag, den 7. Februar: Gr. Benefiz- Vorst. f. Kurt Baumeister. Hinko oder Könign. Genfersknecht. Neu! Käti Gültini. Neu! Sonntag 4 Uhr: Bieberlente. Die freuden d. Häuslichkeit.Neue Welt Saal Bechstein LinkStraße42 Morgen, Sonntag, 8 Uhr: Dritter heiterer Kunstabend von Dr. Alfred DANIEL Der Weg zum Lachen. Kt.: 1,2,3, 4 M. Mittag- u, Abendkasse. Sanssouci Kottbuser Straße 6. Direttion: Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoffmanns Nordd. Sänger Hasenheide 108-114. Täglich: Original- Bayr. Bockbierfest Baron Muckls Bauernkapelle. 30 bayerische Madl. Anf. Wochent. 7, Sonntags 5 Uhr. Entree 303f. 50 P1. " Ober- Schöneweide: Allen Freunden und Bekannten u. Tanzkränzchen. empfehle mein 14780* Morgen, Sonntag: Groke Weiß- und Bayrischbier- Lokal. Tanz. Elite- Soiree Beg. Sonnt.5, Wochent. 8. Dienstag: Theater Abend. 9 Eduard Sielot, Reuleaug Ohmstraßen- Ece. ::: Gewerkschaftshaus, Engelufer 15.::=== Sonntag, den 9. Februar 1908: Kunst- Abend H arrangiert von Margarete Walkotte. Mitwirkende: Margarete Walkotte Herr Dr. Marx Möller Frl. Käthe Dietz, Konzertsängerin Herr Hans Frl. Annie v.Luxemburg Violinvirtuosin Fräulein Elisabeth Sonntag, Pianistin u. Herr Bernhard Fredy vom Apollo- Theater Nitzsche, Pianist a. Flügel. Entree 60 Pf. im Vorverkauf. Abendkasse 75 Pf. Anfang 7, Uhr.[ 282/ 12*] Anschließend BALL. Vorverkauf bei Herrn Horsch, Engelufer 15. 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Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. Februar, nach mittags 1 Uhr, vom Trauerhause, Rigdorf, Thomasstr. 35, aus nach dem neuen Jakobi- Kirchhof in der Hermannstraße statt. 78/20 Die Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Hiermit diene den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Selter. futscher Albert Grothe am 29. b. M. im Alter von 50 Jahren an Kehlkopfkrebs gestorben ist. Ehre seinem Andenken! am Die Beerdigung findet Sonntag, den 2. Februar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi- Kirchhofes in Rigdorf, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung bittet Achtung! 67/9 Die Verwaltung II. Vororte! Gruppen und Sektionen! Da am Sonntag, den 2. Februar, vormittags 10 Uhr, Deutscher die Vorschläge der Kandidaten zur Neuwahl des Zweig- Holzarbeiter- Verband aus diesem 必 A. B. Koch eine eine Readerung der Versammlungen notwendig; Kohlen- Groß- Handlung Grunde leiter feinen Saal zu Sonntag erhalten haben, so machen sollten nun einige Vorortbezirke, Gruppen und SektionsBerlin 0. 34, Brombergerstr. 16. wir die Mitglieder darauf aufmerksam, ihre Vorschläge Breise für nur la Marken ab Blab in den Bezirken in Berlin machen zu wollen. von 10 3tr. an: Prima la Halbsteine( bekannte Die Versammlungen der Gruppen am 9. Februar fallen aus. Marten). pr. 8tr. 97 Bf. 29/4 Pfännerschaft la Diamant pr. 8tr.( 110 bis 120 Std.). la Jlje u. Ativ.. 1,02. 1,05 m. • 1,05 M. la Anthrazit Cadé p.8tr. 2,40m. Koks, Steinkohlen usw. zu den billigsten Tagespreisen. Anlieferung frei Steller je nach Quantum pr. 8tr. 10-15 Bf. mehr. Bei DriginalWaggons und größeren Abschlüffen verlangen Sie meine Spezial- Offerte. ferbiſche Gefänge ut. Tänze. 4 Per großartige Februar- Programm. Cigarren Skandal im Theater, Bolksstück mit Gefang. Außerdem: 16 Spezialitäten. 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Charlottenburg: Gustav Scharnberg, Sefenheimerstraße 1, Ede Goethestraße, Laden. Wilmersdorf- Halensee: Georg Feese, Berlinerftr. 46, Laden. Lichtenberg, Friedrichsfelde, Wilhelmsberg: Dtto Geitel, Stronprinzenstraße 50, I. Rummelsburg, Boxhagen: 2. Rosenkranz, Alt- Borhagen 56. Grünan: Franz Klein, Bahnhofstr. 6 III. Bohnsdorf und Falkenberg: G. Pfeifer, Bohnsdorf, Genossenschaftshaus. Rixdorf: M. Heinrich, Nedarstraße 2, im Laden. Schmargendorf: Gustav Kaminsky, Cunostraße 2. Schöneberg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 51, im Laden. Tempelhof: M. Müller, Berlinerstr. 41/42. Ober- Schöneweide: Julius Grunow, Edisonftr. 10, I. Nieder- Schöneweide: Bonatomsty, Hasselwerderstr. 8. Johannisthal: Franz Hünold, Kaiser Wilhelmstr. 18 III, Eingang Partstraße. Adlershof: Grich Steuer, Hadenbergstr. 5, II. Königs- Wusterhausen: Friedrich Baumann, Ludenwalderstraße 4b. Köpenick: Friedrich Woid, Stiegerftr. 6, Laden. Friedenau- Steglitz- Südende: . Bernfee, Schloßftr. 119, Hof I, in Steglit. 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DF Bitte ausschneiden. 245/ 1* Stettiner Sänger. Anfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. ReichshallenRestaurant: Bockbierfest mit groß. Militär- Konzert. Der Zweigvereinsvorstand. Möbelfabrik„, Adler" eingetragene Genossenschaft beschränkter Haftpflicht. mit Dienstag, 18. Februar, abbs. 7%, Uhr, im Geschäftslotal Frankfurter Allee 143: Generalversammlung. Tages- Ordnung: 1. Borlegung der Bilanz. 2. Neuwahl des Vorstandes und Aufsichtsrats. 3. Geschäftliches. 105/5 Neuer Vorteil für Berlin u. Vororte. Wegen getroffener Disposition fürs Frühjahr 1908 hält das Versandhaus Stralauerstraße 28, hochparterre, a. Molkenmarkt, Ausverkauf sämtlich. Winterpaletots und Anzüge, die aus Maßstoffen aufgearbeitet, zu Räumungspreisen, auch gegen wöchentliche Teilzahlung von 1 ygienische Mark an Bedarfsartikel, Gummiwaren, 1000e Anerk. V. Prof. u. Aerzt. empf., bill. Apoth. S. Schweitzers Fab. hyg. Präp., Berlin 0., Holzmarktstr. 69-70. Off. verlang. 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Ehre seinem Andenken! 79,1 Die Ortsverwaltung. Verband der Schneider und Schneiderinnen. Todes Anzeige. Den Mitgliedern geben wir hier. mit befannt, daß der Kollege Karl Schulze am 29. Januar im Alter von 44 Jahren gestorben ist. 162/3 Ehre seinem Andenken! Filiale 1. Die Ortsverwaltung. Zentralverband der Glasarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Glasschleifer Gustav Braun am 30. Januar berstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Sonntag, nachmittags 3, Uhr, von der Reichenhalle des ThomasKirchhofes in Rigdorf, Hermannftraße, aus statt. 73/00 Die Ortsverwaltung. Todes- Anzeige. Allen Berwandten und Befannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau Wilhelmine Tauer geborene Angermann nach schwerem Leiden verstorben ist. Um stilles Beileid bittet Der trauernde Gatte nebst Kindern. Die Beerdigung findet Sonntag, den 2. Februar, nachmittags 32 Uhr, von der Kesselstr. 42 nach dem Gnadenkirchhof in der Barfusstraße statt. 28326 Invaliden- Unterstützungskasse d. Steindrucker u.Lithographen. Die Beerdigung des am 28. Jan. verstorbenen Lithographen Emil Blobel findet statt am Sonnabend, den 1. Februar, nachmittags 2, Uhr, von der Leichenhalle des Thomastirchhofes, Rigdorf, Hermannstraße. 28336 Das Komitee. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Glasarbeiters 28305 Wilhelm Kranig sage ich allen Beteiligten, befonders dem Berbande städtischer Arbeiter, meinen besten Dant. Witwe Johanna Kranig. Dr. Schünemann 14752* Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ede Schüßenstr. 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 Uhr. Verantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, fit. 27. 25. 3. SkilM Ks Joraätts" Kerlim MsM. Sonnabend, t. Februar 1908. l>!e Nshlen zu den Raufmannsgericfiten setzen alle Handlungsgehülfenkreise in lebhafte Bewegung. Sowohl vom Zentralverband der Handlungsgchülfen und-Gehülfinnen Deutschlands, der klassenbewußten Gewerkschaft, wie auch von den ilbrigen unzähligen bürgerlichen Vereinen wird eine überaus rege Agitation entfaltet. Jeder Berem und jedes Bcreinchen der bürger- tichen Richtung will von der jetzigen Wahlagitation profitieren. Die Parole ist, möglichst viel Mitglieder bei dieser Gelegenheit heraus- zuschinden. Und so sind diesmal nicht weniger als 10 Listen aufgestellt, da bekanntlich die Wahlen nach dem Proporz vor sich gehen und immer ganze Listen gewählt werden. Die Liste III gehört dem Zentralvcrband der Handlungsgehülfen und-Gehülfinnen Deutschlands, die übrigen verteilen sich wie folgt: Liste I ist die der Antisemiten, Liste II Leipziger Verband, Liste IV der Hirsch- Dunckersche Verein, Liste V Verein junger Kaufleutc, Liste VI der S8er Verband,. Liste VII Buchhändler, Liste VIII Katholischer kaufmännischer Verein, Liste IX Bankbeamte, Liste X Kaufmän- nischer Hülfsverein. Wie ersichtlich, bringt man sogar einzelne Bcrufsbranchen- und Konfessionslisten in Vorschlag. Weiter kann die Krähwinkelei.darin wahrlich nicht getrieben werden. Wagt es doch sogar der Kauf- männische Hülssverein, eine Liste von 180 Kandidaten— soviel Beisitzer sind diesmal zu wählen— auszustellen, trotzdem dieser Verein bisher nur seine Hauptaufgabe in der Beschaffung billiger Dheaterbilletts sah. So ist also das Programm beschaffen, auf Grund dessen die Handlungsgehülfen diese Liste wählen sollen, ob- gleich der Verein nach den Statuten in allen sozialpolitischen sfragen jede Stellungnahme vermeiden muß. Aehnlich verhält es sich mit.der Liste des Vereins junger Kaufleute und nicht viel anders mit dem 58cr und Leipziger Verband. Nichts kann deutlicher das Niveau kennzeichnen, auf dem sich ein großer Prozentsatz der Handlungsgehülfen noch befindet, als die Zumutung, die diese Organisation an die Handlungsgehülfen stellen. Hier gilt es eben nicht Anschauung gegen Anschauung durch- zusetzen, sondern Geschäfte zu machen und möglichst viel Mitglieder zu fangen. Hierin suchen sich alle bürgerlichen Verbände den Rang abzulaufen. Geradezu vergiftend wirkt aber die Agitation unserer„wahr- hast christlichen" und„echtdeutschen" Männer des„großen", „größten",„allergrößten" antisemitischen Verbandes, wie er mit Warenhausrcllame in die Welt hinausposaunt. Dieser Verband schätzt wohl seine Mitglieder daraufhin ein, baß sie ihre Kulturaenüsse in den Spezialitätcntheatern der Friedrich- und Elsasser Straße ftnden und fühlt sich nun verpflichtet, mit diesen zu konkurrieren, damit seine Mitglieder es nicht vor- ziehen, die Abende dort, statt in der Versammlung zu verbringen. So muß er stets sorgfältig neue Sensationen in Bereitschaft halten. Eine schwierige, aber für die weniger zartnervigen Vorstadt- regiffeure nicht unlösbare Aufgabe! In einer Versammlung bringen sie z. B. die'hochsensationelle Enthüllung, daß auf einer Liste der vorigen Wahl in Weißensee ein Kandidat des Zentralverbandes der Handlungsgehülfen und-Gehülfinnen Deutschlands nominiert war, der Zuchthäusler gewesen sei und ziehen daraus den geistreichen Schluß, daß der Zentvalverband Zuchthäusler, Säuser, Betrüger, Körperverletzer, Brandstifter und so fort ausstelle.— Es wird zwar konstatiert, daß das ein Ouadratschwindel ist, aber was stört das bei einem so edlen Ziel, che Nerven der Hörer zu kitzeln? Bis nach den Wphlen wird es schon reichen und im übrigen ist der Mann, dem sie die Ehre abgeschnitten haben, schon— tot. In der letzten Versamlung wurde nun eine neue Sensation vorgeführt. Nachdem der Referent die vorbereitende Mene übernommen hatte. indem er alle Handlungsgehülfen zum Kämpfe gegen die sozial. demokratische Gefahr aufrief und für das„deutsche" Berlin „deutsche" Beisitzer, keine sozialdemokratischen, zu erkämpfen auf- forderte, versuchte ein gewisser Herr Blobcl das„teutsche" Mannes- bewußtsein der Antisemitenjünglinge noch zu steigern, indem er ur- teutonische Laute ausstieß, von denen man nur Worte verstand wie „hundsgemein".„Juden",„jüdische Beisitzer",„deutsch",„echtdeutsch" usw. Jetzt war die nötige Stimmung erzeugt und nun kam die Sensation des Abends, nämlich die Mitteilung, daß der Leipziger Verband sich laut Beschluß der Führer mit den Antisemiten ver- schmelzen w,rd. Das kundzugeben fiel Herrn Bechlh, dem Helden- darsteller, zu. Mit der Minne eines Verkünders trat er auf, ließ die Augen rollen, die Arme in der Luft umherfuchteln und gab Wort für Wort von sich, langsam und mit Nachdruck, im echten SchnrierenpathoS. So hüllte er seine Hörer allmählich in einen Phvasennebel ein. denn das allein war die richtige Stimmung, diese Nachricht entgegenzunehmen. So hörte man nicht so deutlich die Nebenklänge, die gerade für die Verbandsmitglieder das Wichtigste sein mutzten, nämlich daß ein großes Maß von„Unterordnung" und „Solbstüberwinduna" von den Mitgliedern für dieses Zusammen- gehen verlangt wird. Daß man bei dieser Einigung nicht voraussehen kann, wer später von beiden Richtungen die Oberhand behalten wird, so wenig, wie man das bei einer Ehe öder einem Kompaniegeschäft voraus- sehen kann. Jedenfalls müssen beide Teile etwas aufgeben, wenn chnen das eine oder andere auch lieb geworden ist. im Interesse der großen Sache! Was den antisemitischen Handlungsgehülfen zugemutet wird, aufzugeben„im Interesse der großen Sache" ist aber nichts mehr und weniger als ihr Grundprinzip. Im Leipziger Verband sind nämlich viele Juden, infolge dessen sollen die witzigen Antisemiten- jünglinge, deren Unterhaltungen bisher einzig gewürzt wurden durch die feinsinnigsten Bemerkungen über die Nasen und Füße der Juden künstig ohne jeden Gesprächsstoff bleiben. Jetzt sollen sie also gemeinsam mit Juden und Judensprößlingen den heiligen Krieg für die alldeutsche Sache führen. „Und so erblicke ich," ruft Bcchly in prophetischer Ekstase auS, „in diesem Beschluß schon die künftige Gruppierung, auf der einen Seite die Sozialdemokraten, auf der anderen unsere Scharen," — will sagen Arier un!» Orientalen—„die sich im zermalmenden Stoße mit jenen begegnen müssen, wenn es gilt, den endlichen Kampf zu führen zwischen„national" und„öder Gleichinacherei". DaS ist also der weitschaucnde diplomatische Plan: Aus dem Lager der Handlungsgehülfen soll eine„Schwarze Hundert"-ArMee herangezüchtet werden. Der Clown des Abends, ein kleiner Pückler, drückte das noch deutlicher aus:„Wenn es einmal zum großen Kampfe kommt, werden wir hinter den Kulissen bleiben und mit dem Pinkus Singer, der„blutigen" Rosa und dem jüdischen Getrcidcwucherer Stadt- Hägen ein ernstes Wort reden." Ein verjudeter Antisemitcnvcrein, das ist die herrlichste Blüte dieser Konfusionsdemagogen. Der Leipziger Verband hat den Antisemiten gegenüber tagS darauf zum Ausdruck gebracht:„So konfus wie Ihr, sind wir schon lange!" Dieser Verband ist der neuen Kollegenschaft würdig und reif, ein jüdischer Antisemitenvevein zu werden. Bezüglich der Frauenarbeit sehen sie zwar ein, daß sie nicht mehr zu beseitigen ist, aber bekämpft werden muß sie doch, denn— sie wollen ja mit den Antisemiten'zusammenkommen. Für die Handlungsgehülfinnen bis 18 Jahren soll obligatorischer Fortbildungsschulunterricht sein, nicht damit sie gebildeter werden, sondern damit die Chefs sie dann hinauswerfen. So sehen die Prinzipien der Gegner des Zentralverbandes der Handlungsgehülfen und-Gehülfinnen aus. Und so sehen die Be- standtcile aus, mit denen die große„Schwarze Hundcrt-Armee", der Sturmbock gegen die Sozialdemokratie, gebildet werden soll. Die Kaufmannsgerichtswahlen werden zeigen, ob es in den Köpfen der Handlungsgehülfen wirklich noch so dunkel ist, daß sie nicht verstehen, wohin sie gehören: an die Seite der um ihre Be- freiung ringenden Arbeiter oder an die Seite dieser antisemitisch- Mischen»Schwarze Hundcrt-Gruppe". Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste! In Rudow bei Johannisthal hat der Gastwirt Rein icke das Lokal der Frau Krüger mit der kontraktlichen Verpflichtung über- nomnien, daß das Lokal der Arbeiterschaft zu Versammlungen nicht zur Verfügung gestellt werden darf. Ein ähnliches Verhältnis be- steht zwischen dem Pächter des dortigen Lokals„Zum Linden- park", früher„Zum Reichsadler", Herrn Schäfer, und dem Eigentümer desselben, Herrn Bäckermeister Zahn, dortselbst. Da Herr Zahn einen ausgedehnten Brothandel treibt, der sich auch über die Nachbarorte erstreckt, so ersuchen wir, vorstehendes zu be- achten. In Fürsteawalde stehen uns sämtliche Säle zur Verfügung. _ Die Lokalkommission. Vierter Wahlkreis. Genossen des Stralauer Viertels I Am Sonn- tag ftüh 8 Uhr findet hier von den bekannten Stellen in unserem Viertel eine Flugblattverbreitung statt. Niemand darf fehlen. Die Viertelsleitung. Sechster Wahlkreis(Schönhauser Borstadt). Sonntag, den 2. Fe- bruar, abends?>/, Uhr, in Arndts Festsälen. Belforter Straße IS: Oeffentliche Versammlung für Männer und Frauen. Nach der Ver- sanimlung: Gemütliches Beisammensein mit Tanz. Um zahlreichen Besuch bitten Die Abteilungsführer. I. A.: Wilhelm Klaust. Kreiswahlvereiu Nicderbarnim. Am Sonntag, den 2. Februar d. I., mittags 1 Uhr, findet die Kreis-Generalversammlung in Rummclsburg im Lokal der Wwe. Weigelt, Türrschmidtstr. 45, statt. Tagesordnung: I. Jahresabrechnung und Jahresberichterstattung. 2. Neuwahl des Kreisvorstandes. 3. Statutenberatung. 4. Kreisangelegenheitcn. Der Vorstand. I. A.: G. Frciwaldt-Pankow. Treptow-Baumschiilcnwcg. Dienstag, den 4. Februar, hält der Wahlvercin im„Restaurant zur Rennbahn" in Treptow seine regel- mäßige Mitgliederversammlung ab. Auf der Tagesordnung steht: 1. Vortrag. 2. Die bevorstehende Gcmeindcvertreterwahl. 3. Wahl des Parteispediteurs für Treptow. 4. Vereinsangelegenheit und Verschiedenes. Vollzähligen Besuch erwartet Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Die Heiratölust steht in einer gewissen Beziehung zur je weiligen Wirtschaftslage. Wenn für die arbeitende Bevölkerung die Erwerbsgelegenheit günstiger wird, dann mehren sich gewöhnlich auch die Eheschließungen. Wenn andererseits Beschäftigungsmangel sich fühlbar macht, dann geht bald auch die Zahl der Eheschließungen zurück. Gegenwärtig befinden wir uns wieder mal in einer Periode der Abschwächung der Heiratslust, was angesichts der fortschreitenden Verschlechterung der Wirtschafts läge keinen überraschen wird. Ans den: eben zu Ende ge- gangcnen Jahr 1907 können wir die Zahl der Eheschließungen für Berlin bereits angeben: sie beläuft sich auf 23 313. Da im vorletzten Jahr 23 245 Ehen geschlossen worden waren, so ist diesmal noch eine Zunahme um 68 Ehe schließungen eingetreten. Aber gegenüber der gleichzeitigen Bevölkerungsvermehrung stellt sich diese winzige Zunahme der Eheschließungen schon nicht mehr als ein Aufstieg, sondern als ein deutlicher A b st i e g dar. In den sechs Jahren 1902-07 wurden in Berlin 19 138, 20 141, 21 220, 22 276, 23 245, 23 313 Ehen geschlossen, mithin betrug für die fünf Jahre 1903—07 das Mehr gegenüber dem jedesmaligen Vor- jähr 1003, 1079, 1056, 969, 68 Eheschließungen. In dieser Zahlenreihe wird der jähe Niedergang, den das Jahr 1907 gebracht hat, ganz augenfällig. Es ist zu vermuten, daß Berlin im Jahre 1908 sogar eine absolute Verminderung der Eheschließungen haben wird. Wir haben das zum letztenmal in den Not j a h r mi 1901 und 1902 erlebt. In den drei Jahren 1900—02 wurden in Berlin 20 756, 1 9 838, 19 138 Ehen geschlossen: wie man hier sieht, war die Verminderung der Eheschließungen, die damals eintrat, recht beträchtlich. Diese Verminderung wurde im Jahre 1903 wieder durch eine Steigerung der Heiratslust abgelöst, aber es scheint, daß der Aufschwung nur ein knappes Jahrfünft angedauert haben soll._ Ei» Nicht-Gentleman. In der Generalversammlung des dritten Berliner Reichs- tagswahlvereins konnte den Genossen wieder einmal das Konterfei eines jener Leute gezeigt werden, von deren Ver- Wendung im Völkerkriege der„alle Fritz" zu sagen wußte: „Die Halunken sind zu brauchen, aber nicht zu ästimieren!" Vor einiger Zeit ließ sich im sechsten Berliner Reichstags- Wahlkreise ein gewisser Wilhelm G r ä f l i n g in den Wahl- verein aufnehmen. Nach einiger Zeit trat derselbe in den Niederbarnimer Kreis(Bezirk Pankow) über. Im Oktober 1907 meldete er sich im dritten Kreis an und gab als Wohnung Neanderstr. 2, vorn im Keller bei B l a s z y k, Obst- und Gemüsehandlung, an. Dorthin wurden ihm denn auch die nötigen Einladungen vom Bezirksführer zugeschickt, die ihn auch immer erreichten. Der 12. Januar sollte dann in die„Parteitätigkeit" des Herrn„Gräfling" eine verhängnisvolle Wendung bringen. Sein auffälliges Benehmen bei der Demonstration veranlaßte einige Genossen, ihn besonders aufs Korn zu nehmen und nach einigen Tagen stellte sich heraus, daß man es in diesem „Demonstranten" nicht mit dem Kassenboten oder Ver- sicherungsagenten Wilhelm Gräfling, sondern mit dem Lockspitzel Wilhelm Traber, Auguststraße K3l zu tun hat, der im Adreßbuch als„Hausverwalter" firmiert. Die Blaszyk scheu Eheleute in der Neanderstr. 2 haben dem Herrn 4 Monate lang als Deckadresse gedient. Da Herr Blaszyk Angestellter der Wach- und Schließgesellschast ist und außerdem für seine staatsretterische Tätigkeit der Bei- hülfe bei der Bespitzelung ehrlicher Arbeiter genügend bezahlt sein wird, kann er hoffentlich für sein Grünkramgeschäft die Arbeiterkundschaft entbehren. In der Deputation für das Fach- und FortbildungSschulwesen ist, wie uns Genosse S>s. Arons schreibt, am Donnerstag die Frage der Bestrafung von Fortbildungsschülern besprochen worden, und zwar im Anschluß an die Artikel im„Vorwärts". Dabei wurde folgendes festgestellt: Nach dem bisherigen Wortlaut des Statuts steht den Leitern der Pslichtfortbildungsschulen eine Befugnis zur Verhängung von Arreststrafen nicht zu; sie sind bei Verstößen gegen die Ordnung der Schule darauf angewiesen, bei der Poltzei Anzeige zu machen, um durch diese eine eventuelle Bestrafung her- beizufiihren. Um nun die Ueberweisung an den Polizeirichter nach Möglichkeit zu vermeiden, ist man schon jetzt— und zwar im Jnterepe der Schüler selbst— dazu übergegangen, Arreststrafen zu verhängen, und zwar in der Weise, daß durch ein Formular den Angehörigen des Schülers davon Kenntnis gegeben wird, mit dem ausdrücklichen Hinzufügen, daß— falls der Schüler sich zum Absitzen der Strafe nicht stellen würde— die Ueberweisung des Falles an die Polizei erfolgen müsse. Im Falle des Schülers T. hat der Direktor von dem auch bei ihm vorhandenen Formular nicht Gebrauch gemacht, ist vielmehr zu sofortiger Vollstreckung geschritten— dieses Vorgehen wurde einstimmig für nicht zulässig erklärt. Ebenso wurde aber anerkannt, daß den Leitern der Pflicht- fortbildungsschulen eine Disziplinarbefugnis zustehen müsse, und zwar, weil das wichtigste Mittel— Verweisung aus der Schule— hier nicht möglich ist. Dementsprechend wird der Antrag gestellt werden, im Ortsstatut den Leitern der Schulen die Möglichkeit zu geben, Arreststrafen bis zu sechs Stunden auszusprechen; die Art der Ausführung soll von der Deputation festgestellt werden. Daß hierbei ein Dunkelarrest unzulässig sei. wurde allgemein anerkannt. Daß es sich im Falle des Schülers T. um einen solchen gehandelt habe, war die Meinung der großen Mehrzahl der Deputationsmitglieder, doch soll das Lokal noch einmal in Augenschein genommen werden. Wenn die Vorlage betreffend der Disziplinarbefugnisse der Leiter gemacht wird, wird Anlaß sein, auf die ganze Frage noch näher einzugehen. Zu dem StabtverordneiensitzungSbcricht in unserer gestrigen Nummer schreibt uns Genosse Glocke:„Meine Ausführungen be- züglich der Holzarbeiterausspcrrung sind nicht richtig wiedergegeben. Ich habe ausgeführt: Der Vertrag zwischen Arbeitgeber und Arbeit- nehmer war abgelaufen. Die Arbeitgeber wollten einen neuen Vertrag, jedoch mit bedeutenden Verschlechterungen für die Arbeiter. Die Arbeiter waren dem Abschluß eines neuen Vertrages nicht ab- geneigt, jedoch nur solchem, der eine Lohnerhöhimg und Arbeits- zeitverkürzung enthielt. Nach Ablehnung dieser Forderungen durch die Arbeitgeber erklärten die Arbeiter, zu den alten Bedingungen, jedoch ohne Vertrag, weiterarbeiten zu wollen. Demgegenüber er- klärten die Arbeitgeber: Ohne Vertrag keine Arbeit, und sie verhängten die Aussperrung vom 12. Januar bis 11. Mai vorigen Jahres über im ganzen 10 000 Personen." Vriefmarkenautoulaten. Die Automaten für die Ausgabe von Postwertzeichen baven sich im Lause der Jahre mehr und mehr ver- vollkoinmuet. Freilich sind die Apparate auch inzwischen erheblich komplizierter und darum teuerer geworden. Jeder einzelne tostet letzt ein kleines Vermögen. Die Rcichspost geht mit der Aufstellung der Apparate weiter vor. In Berlin sind bekanntlich an verschic- denen Stellen zahlreiche Apparate ausgestellt. Zur Aufstellung kommen sie insbesondere auch in Leipzig und in Breslau. Von besuchten Badeorten ist dafür das Bad Neuenahr in Aussicht ge- nommcu. Die Zahl der Postämter in Berlin, Paris und London. Die Zahl der Postämter mit fortlaufenden Nummern beträgt in Berlin jetzt 113. Von besonderem Interesse ist ein Vergleich mit der Zahl der Postämter in Paris und London. Nach dem letzten amtlichen französischen Postbuch gibt es außer dem Hauptvostamt, der Recette principale, 120 Postämter, insgesamt also 121. Der Londoner Bezirk zählt dagegen nach dem neuen Londoner Postbuch nicht weniger als 1008. Die drei Zahlen für Berlin, Paris und London, 113, 121 und 1003, lassen sich freilich nicht ohne weiteres ver- gleichen. Auch die Berücksichtigung der Einwohnerzahl reicht hier nicht aus. Nach dem Verhältnis der Einwohner hätte demnach nach London Berlin die meisten Postämter. Das wird auch un- gefähr stimmen. Die Londoner Postverhältnisse kann man nicht wohl in Vergleich»m denen auf dem Kontinent setzen. Jene mehr als 1000„Offices" sind nur zum kleineren Teil Postämter in un- screm Sinne und werden von Beamten verwaltet. Es sind ihrer Hauptmasse nach Postagenturen. Ladenbcsitzer und dergleichen übernehmen die Vertretung der Post, ungefähr so wie bei der Paletfahrt in Berlin. Man kann aber in London nicht bloß Wert- zeichen erhalten, sondern auch»ingeschriebene Briefscndungen. Wertstücke, Pakete, Geld usw. bei ihnen aufgeben. Die MietSschulen haben in diesem Winterhalbjahr sich wieder gemehrt. Keine derjenige», die im letzten Sommer bestanden, hat aufgegeben werden können. In diesem Winter sind dann noch vier neue hinzugekommen: je eine im Frankfurter Viertel, in der Friedrichshaingegend, in der Schönhauser Vorstadt, im Sccstraßenviertel. Im Sommer waren in gemieteten Häusern untergebracht: 33 Schulen und 2 Filialen mit zusammen 657 Kl«ssen, in denen 27 609 Kinder saßen; jetzt im Winter be- finden sich in gemieteten Häusern: 37 Schulen und 2 Filialen mit zusammen 713 Klassen, in denen 29 413 Kinder sitzen. Es bestehen gegenwärtig in der Stralaucr Allee zwei Mietsschulen mit zusammen 1953 Kindern, in der Warschauer Straße, Posencr Straße, Litauer Straße, Frankfurter Allee. Löwestraße, Rigaer Straße zehn Mietsschulen mit zusammen 7259 Kindern, in der Straßmannstraße. Petersburger Platz, Elbinger Straße. CotheniuS- straße fünf Mietsschulen mit zusammen 3853 Kindern, in der Greifswalder Straße eine Mietsschule mit 1249 Kindern, in der Weißcnburger Straße, Stargarder Straße, Gethsemancstraße. Schönhauser Allee sieben MietSschulen mit zusammen 5289 Kindern, in der Brunnenstraße und Scheringstraße zwei MietSschulen (darunter eine Filiale) mit zusammen 849 Kindern, in der Grünthaler Straße und Pankstraße zwei Mietsschulen mit zu- sammen 1428 Kindern, in der Seestraße, Müllerstratze, Tegeler Straße, Amsterdamer Straße, Lütticher Straße sechs Mietsschulen mit zusammen 5739 Kindern, in der Wiclefstraße, Beusselstraße, Wittstocker Straße, Alt-Moabit vier MietSschulen(darunter eine Filiale) mit zusammen 2721 Kindern. Gegenüber dem Sommer- Halbjahr hat die Zahl der in Mietsschulen untergebrachten Kinder in all diesen Außenbezirken des Ostens, Nordostens. Nordens. Nordwestens noch zugenommen, am stärksten diesmal im Sce- straßenviertel. Der RathauSfreisinn will glauben machen, daß eS in den neueren Stadtteilen nicht möglich gewesen sei, ihre Eni- Wickelung vorauszusehen und rechtzeitig für die Errichtung von Schulhäusern zu sorgen. Wann wird die hinterher humpelnde Schulverwaltung dahin gelange». für diese rund 39 009 Kinder die nötigen Schulhäuser zu haben? UebrigenS sind gegenwärtig auch noch rund 3000 Kinder in Barackenschulen untergebracht(Thorner Straße, Leopold- platz, Bremer Straße, zusammen vier Schulen). Auch das ist ei» durchaus unzulänglicher Notbehelf. Fuhrwerke im Werte von etwa 20 000 Mark sind in den letzten Tagen von den Straßen Berlins gestohlen worden. Die Wagen- marder entwickeln wieder einmal eine außerordentlich rege Tätig- keit, und in der letzten Zeit haben es diese Diebesspezialisten ganz besonders auf Dreiräder und deren Ladungen abgesehen. So wurde vor dem Grundstück Potsdamer Straße 28 dem Kaufmann. Nürn- berg, Französische Straß» 20. ein Transportdreirad mit Waren im Werte von nakiczu 1000 M. gcsto'hlen.— Vier weitere ähnliche DiebstSble wurden in der Bendlerstraße, an der Ecke der Zionskirch. und Anklamer Straße, sowie in der Tiergarten, und Joachimsthaler Straße ausgeführt. Ferner wurde die Waschanstalt„Lohengrin" durch dreiste Wagenmardcr empfindlich geschädigt. Vor dem Hause Fürstenwalder Straße 3 hatte ein mit Wäsche hochbcladener Wagen der Firma gehalten, und als sich der Kutscher einen Augenblick zum Abliefern von Wäsche entfernte, sprangen zwei Diebe auf den Bock hinauf und jagten mit dem Fuhrwert davon. TaS gestohlene Gespann hat einen Wert von 3000 M.— Ein Plattenwagen im Werte von 2000 M. wurde dem Fuhrunternehmer Müller, Pesta- lozzistr.«3. in der Leibnitzstraße entwendet.— Vor der Zentralmarkthalle entführte ein Wagenmarder einen Gcschäftswagen deS Schlächtermeisters Karl Peters im Werte von nahezu 2000 M.— Schließlich sei noch der Diebstahl einer Taxanieterdroschte erwähnt. Die dem Juhrherrn Meißner, 5toloniestr. 123, gehörige Droschke Nr. 8839 wurde von dem Halteplatz fortgestohlen. D«S Polizeipräsidium teilt mit:„Unter Hinweis auf die Be» lohnungen, welche für Privatpersonen ausgesetzt sind, die sachdien» liche Mitteilungen zur Aufklärung des am 0. Jauuar an der Frau Emilie Conrad geb. Döring verübten Raubanfalles und des am IS. oder 16. Januar an der verwitweten Anna Wiesner geb. Brett. schneider gesch. Halisch verübten Mordes machen können, wird bekannt gegeben, daß am Sonntag, den 2., und Montag, den 3. Fe- bruar, von früh 8 Uhr bis zum Eintritt der Dunkelheit die Werk- zeuge, mit denen die beiden Verbrechen verübt worden sind, im ersteren Falle eine Eiscnstange. in dem anderen Falle ein zwei. schneidiges Beil, im Lichthose des Polizeidienstgebäudcs am Alexandcrplatz(Eingang gegenüber der Kaiserstraßej zur Vesichti- gung ausgestellt werden. Es wird gebeten, diese Werkzeuge in «wgensjein zu nehmen und im Falle, daß sie jemand wiederzu- erkennen glaubt, dieses einem der als Posten dabeistehenden Bc- amten mitzuteilen, der das weitere alsdann veranlassen wird. Erfroren. Ein Opfer des Frostes ist der 63 Jahre alte Bau- arbcitcr Karl Köbsch geworden. Der alte Mann war stark nerven- leidend und vor einigen Tagen entfernte er sich von seinen Ange- hörigen und blieb spurlos verschwunden. Der Bedauernswerte war plan- und ziellos in der Umgebung von Berlin umhergeirrt und schließlich landete er in dem Forst bei Königs-Wusterhausen. Dort brach er entkräftet zusammen und fand den Tod durch Erfrieren. Seine Leiche ist gestern gefunden worden. Ei» erschütternder Vorfall spielte sich am Montag früh V5O Uhr auf dem Grundstück Frankfurter Allee 23 ab. Als um diese Zeit ein FrühstiickSauSträger den Hof betrat, hörte er einen klatschende» Fall. Bei näherer' Betrachtung erkannte der junge Mensch ein Mädchen, das a»f seine Frage, was sie denn gemacht habe, die Worte stöhnte:„Ach. die schlechte Behandlung I' Mit Hülfe herbeigerufener Hausbewohner wurde das mit dem Tode ringende Wesen als das bei den im 2. Stock wohnenden SanitätSrat Hundrieserfchen Ehe- lcuten bedienstete Mädchen erkannt, das durch das Kücheiifenster auf den Hof gesprungen war. Die Polizei war ebenfalls zur Stelle. Die Schwerverletzte wurde einem Krankenhause zugeführt, wo sie inzwischen verstorben sein soll. Die Worte des Mädchens deuten darauf hin, daß es wegen schlechter Behandlung in den Tod ging. Ob daS richtig ist, dürfte eine nähere Untersuchung ergeben. Uebcr die Kindermorde i» Berlin dlv., die im Juli v. I. so ungeheures Aufsehen erregten, wird aus polizeilicher Quelle be- richtet, daß diese endlich als bestimmt aufgeklärt betrachtet werden könnten. Der geistig minderwertige Buchdrucker Paul Minow, über dessen Festnahme und Bclaftmig wir früher berichteten, soll ohne Zweifel der Täter sein. In der Heilanstalt legte Minow ein Ge- ständnis ab, und jetzt bekundete er bei seiner Vernehmung und bei der Ortsbcsichtigung. bei der er selbst den Weg, den der Mörder gegangen ivar, mit der größten Sicherheit führte, Dinge, die zum Teil in ihren Einzelheiten nur der Täter wissen konnte. Bald widerrief Minow sein Geständnis, aber das tatsächliche Belastungsmaterial konnte er dadurch nicht crschütte>n, nur in einem Punkte schien daS, was er gesagt hatte, nicht zu stimmen. Er behauptete, daß er das Mordwerkzeug auf der Flucht in der Greifswalder Straße in einen Gully geworfen habe, und beschrieb das Werkzeug genau. Der Gully wurde von Straßenreinigern und Kriminalbeamten genau abgesucht, aber ein Werkzeug wie daS beschriebene kam nicht zutage. In diesem Punkte schien Minow also die Unwahrheit gesagt zu haben. Nun teilten aber Bekannte von ihm mit, daß er ihnen öfler von einem Taschenmesser mit brauner Schale und abgebrochenem Korkenzieher gesprochen habe. Ein solches Messer befand sich auch unter denen, die nach und nach aus der Kanalisation zum Vorschein kamen und gesammelt wurden. Nach längerer Zeit wurde Minow jetzt wieder einmal nach dem Ver- bleib seines Mvrdwerlzcuges gefragt. Er hatte nun manches ver- gesien und glaubte, die Kriminalpolizei habe das Werkzeug seiner- zeit beschlagnahmt. Nach dieser Erklärung wurde er aufgefordert, eS aus der Sammlung herauszusuchen, und sofort nahm er das Messer mit der braunen Schale und dem abgebrochenen Korkenzieher und erklärte auch, woran er es als sein Eigentum erkenne. Hiermit ist nun auch der letzte Punkt, der noch übri(j war, zuungunsten MinowS aufgeklärt. Ob der Täter strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen werden kann, ist bei seinem Geisteszustände zioeifelhaft. Es muß besonders bemerkt werden, daß Minow gewissermaßen sich durch seine Selbstbezichtigung selbst gemeldet hat. Wege» Verdachts der Ermordung der Witwe Nilbock ist ein 31 Jahre alter Galvaniseur Roberl N. auS Charlottenburg verhaftet worden. N. bestreitet, seit einem Jahre in der Gegend ver Mord- stelle gewesen zu sein. Nun sagen ihm aber zwei Zeugen ins Ge- ficht, sie hätten ihn noch im November vorigen Jahres zu der Witwe Nielbock in den Keller hineingehen sehen und eine Frau bekundet ebenso bestimmt. daß N. am Mordabend um 0 Uhr und S Uhr 10 Minuten mit Frau Nielbock plaudernd an der Kellertür gestanden habe. Die Behauptung N.S, daß er nie einen Schlapphut und eine» Kneifer besessen habe, ioird von einer anderen Zeugengruppe wider- legt. Sechs Zeugen, Männer und Frauen, bekunden bestimmt, daß N. einen Kneifer getragen hat. Ein Junge hat diesen Kneifer sogar einmal in der Hand gehabt, um ihn auf die Schärfe mit seinem eigenen zu vergleichen. Folgende Bckaiiutiiiachung erläßt der Polizeipräsident: Auf Grund des§ 139ä Ziffer 3 der Gewerbeordnung setze ich hierdurch für den OrtSpolizeibe�irk Berlin die Bestimmungen des § t39o dieses Gesetzes über die den Gehülfen, Lehrlingen und Arbeitern in offenen Verkaufsstellen und den dazu gehörigen Schreib- stuben(Kontoren) und Lagerräumen zu gewährende Mindestruhezeit und Mittagspause für folgende Tage des Jahres 1908 außer An- Wendung: 1. Bei den Händlern mit Blumen für den 8., 13., 22., 29. Februar, 7.. 14.. 21.. 23. März. 18. April. 20.. 21.. 28. No- vember, 3., 12., 19. und 30. Dezember 1903. 2. Bei den Händlern mit Spielwaren für den 30. November. t. bis 3.. 7. bis 12., 14. bis 19. und 2l. bis 23. Dezember 1903. 3. Bei den Buchhändlern für den 7. bis 12., 14. bis 19. und 21. bis 23. Dezember 1903. 4. Bei allen übrigen offenen Verkaufsstellen für den 16. und 18. April, 27. Mai. 6. Juni, 21. November, 14. bis 19., 21. bis 23, und 30. Dezember 1008. Die Tage, an denen im Ortspolizeibezirk Berlin alle offenen Verkaufsstellen(einschließlich der oben zu 1 bis 3 genannten Ge- werpetreibende») für den geschäftlichen Verkehr bis 10 Uhr abends geöffnet sein dürfen, sind bereits durch die Bekanntmachung vom 14. Jauuar 1903 festgesetzt worden. Es sind dieS für das Jahr 1903 dieselben Tage, welche oben unter Nr. 4 genannt sind. Zeugengesuch! Diejenigen Personen, welche gesehen haben, wie am 21. v. M. der Mechaniker Lachmann auf dem Stralau-Rummels- burger Bahnhof verunglückte, werden gebeten, ihre Adresse an C. Bartel, Rummelsburg, Türrschmidtstr. 18, senden zu wollen. Zu rekognoszieren. Am 23. v. M. früh gegen 8 Uhr wurde im Flur deS Hauses Neue Friedrichstraße 76 die Leiche eines unbekannten etwa vierzigjährigen jüdischen Mannes� gesunden. Als Todesursache ist Erstickung durch Aushusten der Lnftröhrenkanüle, die der fUn- bekannte getragen hat, sestgestellt worden. Die Leiche, die sich im Schauhanfe befindet, war bekleidet mit grauem Anzüge, schwarzen Zugstiefeln, braunem Schlapphut und hat schwarze Haare und schwarzen Vollbart. Etwaige Mitteilungen über die Persönlichkeit der Leiche werden in jedem Polizeirevier sowie im Zimmer 324 des Königlichen Polizeipräsidiums zu 656 IV 30. 08 entgegengenommen. Am 19. Januar, nachmittags gegen 8'/z Uhr, sprang ein un- bekannter Mann mit blassem Gesicht ohne Schnurrbart, nähere Be- schreihmig nicht bekannt, von der Pukliybriicke in den Spondauer Schiffahrtskanal und ertrank. Die Leiche ist bis fetzt nicht gefunden. Ein schwarzer steifer Hut des Ertrunkenen, der die Buchstaben 0. N. trägt, befindet sich im Polizeirevier 37, Müllerstr. t33, und kann dort zu jeder Zeit besichtigt werden. Personen, welche über den Er- trunkenen Angaben machen können, wollen sich im königl. Polizei- Präsidium, Zimmer 331, oder in jedem Polizeirevier melden. Feucrttichrbericht. Im laufenden Monat wurde die Berliner Feuerwehr nicht weniger als 400mal alarmiert. Ein Beweis dafür, daß die Brände in Berlin nicht ab-, sondern zunehmen. Gester» abend hatte der 17. Zug in der Lindenstr. 105 zu tun, wo im Quer- gebände in einer Kabuse, die als Kühlrauni diein, Feuer aus- gekommen war. Der 19. Zug wurde nach der Mauerstr. 86/88 alarmiert. Dort brannte der Fußboden und fast gleichzeitig in der Flensburger Straße 29 auf einem Hängeboden Karions und Hausrat. Außerdem mußten noch mehrere kleinere Brände gelöscht werden. Vorort- JNfachrlcbteito Charlottenburg. J» einer öffentlichen Versammlung der ZeitungSauSträgerinnen und-Träger im Volkehause referierte Genosse A. Gebert über: „Dürfen, wollen und können wir uns organisieren?" Hierauf wurden verschiedene Mißstände in den einzelnen Speditionen vorgebracht, so u. a. über den Speditionsleiter des„Deutschen Blattes". Vor einiger Zeit hatten die dort beschäftigten Austrägerinnen eine Petition beß der Direltion eingereicht, in welcher die Behandlung des Speditionsleitcrs Herrn, Oehlfchlägsr moniert und eine Erhöhung des Lohnes verlangt wurde. Die Antwort auf diese Eingabe war eine vertröstende, es sollten die Klagen untersucht werden, aber von einer Erhöhung des Lohnes könne keine Rede sein. Das Ende vom Liede war, daß sich ein Teil der Frauen diese Behandlung nicht länger gefallen ließen und die Arbeit niederlegten. Es wurde betont, daß, wenn die Frauen organisiert seien, eine solche Behandlung von vornherein ausgeschlossen wäre. Als be- danerlich empfunden wurde eS. daß die Austräaerinuen deS „Vorwärts" in so geringer Zahl erschienen waren. Auch war man erstaunt darüber, daß die Parteispedition unorganisierte Frauen be- schäftige. Zum Schluß ließ sich ein großer Teil der Anwesenden in den Verband aufnehmen. Zum Brückenemsturz. Auf Veraulassung der Aufsicyrsbehörde werden nunmehr auch die anderen drei Turmgerüste an der Char- lottenburger Brücke abgetragen werden, nachdem das nördlichste Gerüst, wie wir bereits meldeten, eingestürzt und das südliche sich stark gesenkt hat. Bon dein letzteren sind die Eisenschiencn und Träger, durch die das Gerüst mit 36 Zentner belastek war, entfernt und gleichzeitig ist das Bauwerk so weil abgesteift, daß eine Gefahr für die Passanten auch bei stärkerem Winde nicht mehr vorhanden ist. Dennoch ist der Borsicht halber die südliche Hälfte der Brücke für den Fußgänger- und Wagenverlehr gesperrt. Brist. Der teilweise Einsturz eiueS Hauses verursachte gestern morgen unter den Bewohnern der Chaiiffeestraße große Aufregung. ES handelt sich um daS Hans Chausseestraße!4g� das dem Sckilächter- meister Winzer gehört, der im Parterregeschoß sein Geschäft betreibt. Vor wenigen Jahren wurde erst das eine Stockwerk des HauseS. das früher nur ans dem Parterregeschoß bestand, aufgeführt.-Gestern vormittag stürzte nun der Teil deS Hauses, der sich über einem Torweg befindet, in sich zusammen, ohne daß man vorher etwas von dem nahenden Unheil gemerkt hätte. Die Trümmer prasselten mit starkem Gepolter in die Tiefe, und nur daS Dach, das sich»och an eine Mauer stützt, blieb stehen. Die Feuerwehr, die sofort alarmiert wurde, nahm die AufräumungSarbeiten in Angriff und stellte fest, daß niemand verletzt worden ist. Die Inhaber der über dem Torweg belegenen Wohnung waren nicht anwesend, und so ist es nur einem glücklichen Zufalle zu danken, daß kein Mensch unter den Trümmern begruben wurde. Das gesamte Mobiliar der Wohnung ist durch den Einsturz vernichtet worden. Spandau. Ausländische Arveiter scheint mit Vorliebe die Aktiengesellschaft für Hoch- und Tiefbau zu beschäftigen. Zwischen Spandau und Staclken werden gegenwärtig umfangreiche Eisenbahnbauten von ge- nannter Firma ausgeführt. Trotz der gewalligen Arbeitslosigkeit zieht es die Firma vor, zur Ausführung der Arbeiten zur Hälfte Ausländer heranzuziehen. Und die Regierung, die eigentliche Ver- geberin dieser Arbeiten an obige Privatgesellschaft, sieht rjihig zu, ivenn arbeitslichende einheimische Arbeiter von obiger Firma un- berücksichtigt bleiben. Warum erhalten ausländische Arbeiter den Vorzug? Nun ganz einfach, weil fie, weniger Ansprüche an das Leben stellend, billiger arbeiten als hiesige Arbeiter und dadurch die die Arbeiten ausführende Gesellschaft einen etwas höheren Profit einstecken zu können glaubt. Was kümmert es so eine im Geruch„glühender Vaterlandsliebe" stehende Firma, wen» einheimische steuerzahlende Arbeiter arbeitslos herumirren, die Hauptsache ist, daß ihr durch die Beschäftigung ausländischer Arbeiter ein höherer Gewinn winkt. Wie nian uns mitteilt, soll aber auch die Behandlung der Arbeiter seitens der Schachtmeister und des Ingenieur» eine gerade nicht rosige sein. Unter diesen Umständen ist eS doppelt zu verstehen, wenn die auf niedriger Kulturstufe stehenden ausländischen Arbeiter den Vorzug erhalten. An die Regierung aber richten wir die Anfrage, warum sie bei Vergebung solcher Arbeiten nicht die Bedingung stellt, daß zunächst Arbeiter Beschäftigung finden, von denen der Smai ja nicht zu wenig Steuern verlangt. Zuletzt wird auch noch mitgeieilt, daß Material, Arbeits- mittel wie die sanitären Verhältnisse überhaupt bei genannter Firma viel zu wünschen übrig lassen. Semkts- Leitung. Anarchistenprozeß. Gestern hatte sich der verantwortliche Redakteur der anarchi- stischen Zeitschrift„Der Revolutionär", Schmied Gustav Schüne- mann, wegen Verächtlichmachung von StaatSeinrichtungen, An- reizung zum Klasscnhnß, Beleidigung der Berliner Kriminalpolizei usw. vor der 7. Strafkammer des Landgerichts I, unter Vorsitz des LandgerichtZdircktorS Splcttstöher, zu verantworten. Unter An- llage gestellt war ein Artikel in Rr. 47 mit der Uebcrschrift „Antimilitaristisches", ein anderer Artikel unter derselben lieber- schrift, sodann ein Artikel in Nr. 46 unter der Ueberlchrift„Para- fiten", ein Artikel in Nr. 43 unter dem Titel„Syndikalismus und Anarchismus" und eine Broschüre„Blätter aus der Geschichte des spanischen Proletariats". Der Inhalt dieser Artikel enthält nach der Ansicht deS Staatsanwalts Dr. Siegen Verstöße gegen die KZ 139. 131 und 186 des Strafgesetzbuchs. Der Staatsanwalt be- antragte trotz der geringfügigen Vorstrafe des Angeklagten das hohe Strafmaß van 9 Monaten Gefängnis. DaS Gericht ging noch weit über dies Strafmaß hinaus ES führte auS: Der Anarchismus will nicht bei einer passiven Resistenz stehenbleiben, sondern zu aktiven Handlungen übergehen, d. h. zu Handlungen gegen die Gesetze. Ein Blatt, das unter dem Motto erscheint:„Die Lust zur Zerstörung ist zugleich eine schaffende Lust" könne dem Redakteur von vornherein keinen Zweifel darüber lasten, dah er unter Re- spektierung der bestehenden Gesetze nicht tätig sein kann. Der Gerichtshof hat in allen inkriminierten Artikeln daS Vorhandensei« strafbarer Handlungen im Sinne der Anklage festgestellt, mit AuS- nähme des Artikels„Syndikalismus und Anarchismus". In den Artikeln werden nicht Streitfragen theoretisch erörtert, sondern zur Tat durch den Generalstreik, den ökonomischen Terror und die Bombe, aufgefordert. DaS Vorgehen solcher Blätter, welche den bestehenden Gesetzen direkt zuwiderhandeln und den Terror offen empfehlen, berge eine große allgemeine Gefahr in sich und deshalb habe der Gerichtshof den Angeklagten zu 1 Jahr 6 Monaten Gr- fängniS unter Anrechnung von 2 Monaten Untersuchungshaft ver- urteilt. » Die politische Tendenz zum Gegenstand richterlicher Aburteilung zu machen, ist stets mit der Gerechtigkeit unvereinbar: nur über Handlungen, nicht über politische Gesinnung soll ein Gericht wr- teilen. Bei Behcrzigung der Mahnung des bekannten Juristen Brüggemann, je ferner der Richter der politischen Ansicht des Angeklagten steht, desto ängstlicher solle er sich hüten, statt über die Handlung des Angeklagten über seine Gesinnung zu urteilen, hätte auch nicht entkernt eine so hohe Strafe wie vom Staatsanwalt be- antragt, geschweige wie vom Gerichtshof erkannt, ausgeworfen werden können._ Ein Erbschaftsprozeh. Der millionenreiche Graf Pius Chamarä auf Kunzendorf, Kreis Habelschwerdt(Schlesien), welcher meistens in Wien lebte, verunglückte am 13. Oktober 1903 bei einer Automobilfahrt in der Nähe von Ulm, konnte aber trotz seiner Verletzungen mit der Eisen- bahn nach Wien fahren und dort ging er in das Sanatorium Low. Da er auch Verletzungen am Schädel erlitten hatte, verschlimmerte sich sein Zustand und am 7. November 1903 errichtete er ein Testament, worin er die 1879 geborene Schauspielerin Wanda Blaustein zur Universalerbin seines bedeutenden Vermögens ein- setzte. Mit dieser Dame hatte er seit mehreren Jahren ein LiebeS- Verhältnis. Am 10. November hat der Graf auf dem Kranken- bette mit dieser Dame dann die Ehe geschlossen, doch erlag er am 12. November seinen Leiden und starb. Di« Verwandten des Grafen griffen nun die Erbbercchtigung der Gräfin an und ein Bruder des Verstorbenen, Graf Felix Chamare, auf Stolz in Schlesien, erhob Klage gegen die Gräfin Ehamare auf Anerkennung von ein Siebentel der Erbschaft. Im Laufe des Prozesses wurde auch die Gültigkeit der Ehe der Gräfin angefochten und die Klage dahin ausgedehnt. Das Landgericht Glatz hatte die Klage abgewiesen, doch hat auf die eingelegte Berufung des Klägers das ObcrlandeSgericht Breslau(nachdem eS in einem Teilurteil die Dispositionsunfähig» keit des Verstorbenen anerkannt) daS genannte Urteil dahin ab- geändert, daß s) der Kläger als der gesetzliche Erbe des zu Wien ver- ftorbenen Grafen Pius v. Chamare an besten Nachlaß mit einer Quote von einem Siebentel berechtigt ist; d) daß die zwischen dem Grafen mit der Beklagten ge- schlostene Ehe nichtig war. Das Urteil stützt sich darauf, daß durch einen Teil der Sach- verständigen festgestellt ist, daß der Graf zur Zeit der Errichtung des Testaments und der Eingehung der Ehe, nicht mehr dispositionS- fähig war. Andere Sachverständige waren anderer Ansicht. Gegen daS Urteil hatte die Gräfin Revision beim Reichsgericht eingelegt, welche unrichtige Anwendung des Gesetzes rügte, und geltend machte, daß der Graf schon seit Jahren die Beklagte heiraten wollte. Der 4. Zivilsenat des Reichsgerichts hat die ein- gelegte Revision gegen das Urteil deS Oberlandesgerichtes Breslau jetzt zurückgewiesen._ Ein Pfarrer und Schulinspektor. Eigenartige Enthüllungen über das Benehmen des geistlichen OrtsschulinspektorS, Pfarrers Weber aus Sehlem, dem infolge seiner eigenartigen Wahlagitation von der Regierung die Schulinspeltion entzogen worden war, kamen in der Strafkammerverhandlung am Mittwoch zu Trier zutage.— Weber war angeklagt, den Lehrer Haffner dadurch beleidigt zu haben, daß er ihm durch Schulkinder sagen ließ, er, der Lehrer, sei ein frecher Bengel. Vom[Tage seines Amtsantritts an war der Herr Pfarrer dem Lehrer nicht hold und machte seinem Groll— zum Gaudium der Schulkinder— stets vor diesen während des Religionsunterrichts Luft.„Der Lehrer ist ein frecher Schulmeister"—„er ist ein alter Flegel"— „sein teuflisches Benehmen steckt schon in den Kindern"—„alle benahmen sich in der Kirche ehrerbietig, nur der Lehrer macht eine Ausnahme" usw. DaS ist eine kleine Blütenlese der schön- geistigen Redewendungen deS Herrn OrtsschulinspektorS und Pfarrers. Als ihm nun gar die Schulinspektion von der Re- gierung entzogen wurde, kannte sein Haß keine Grenzen mehr. Für diese wollte er in der heutigen Sitzung den Lehrer verantwortlich machen. Der wirkliche Sachverhalt jedoch, der zu seiner Amts- entziehung den Anlaß gab, war folgender: Während der Reichs- tagswahlbewegung sagte er zu den Schulkindern, das„Wittlicher KreiSblättchen" sei ein Fluchblatt, weil eS Artikel gegen den Glauben bringe, wenn diese auch aus dem Sehlemer Schulhause kämen. Hierüber beschwerte sich der Lehrer, der für die national- katholische Bewegung eingetreten war. Bei der behördlichen Unter- suchung gab ein Knabe die Aeuherung des Pfarrers zu Protokoll. Der Pfarrer drang in den Knaben, feine Behauptung schriftlich zurückzunehmeu, wenn er daS nicht tue, würde er von der Beichte «uSgeschlosten werden. Der Knabe blieb aber bei der Wahrheit und wurde, trotzdem er einen ganzen Tag vor dem Pfarrhaus« ans den Knien lag, von der Beichte auS, eschlosten. Wegen diese» Vor- gangS wurde er seines Amtes als Ortsschulinspektor enthoben. Hierauf schickte er Schulkinder zum Lehrer, die bestellen mußten. der Lehrer sei ein frecher Bengel. Nachdem von 40 Zeugen erst lO vernommen waren, hatte das Gericht bereits genügend Beweis- Material und verurteilt« den Pfarrer zu 150 M. Geldstrafe und Tragunz der Kosten.__ Vermischtes. Zusammenstoß zweier Züge. Auf d« Station Kriewen er- folgt«, wie auS Pos«n gemeldet wird, infolge falscher Weichen- stellung ein Zusammenstoß zweier Züge. Der Heizer wurde ge- tötet. Der Lokomotivfüher ist verletzt. Der Materialschaden ist erheblich. Ein Fallen des Rheinstromes wird aus Mannheim gemeldet: Bei Hüningen und Kehl ist der Wasserstand des Oberrheins ver- gangene Nacht um 30 respektive 40 Zentimeter zurückgegangen. Der Wasserstand deS Mittel, und Unterrheins nimmt dagegen noch langsam zu. Der Bombrngouverneur. Vor einigen Tagen brachten wir in unserem Depcschenteil die Nachricht, daß in einem Wirtshaus, in welchem eine Bombe ge- funden wurde, dasselbe durch die Polizei mit der vorgefundenen Bombe gesprengt wurde. Wir erhalten hierüber noch folgende Nachricht: Man wußte, daß daS Tcelolal von Woronin in letzterer Zeit der Sammelpunkt allerlei verdächtiger Leute war, so kam die Polizei mit einem ganzen Haufen von Schutzleuten. Indem sie das ganze Haus von allen Seiten umlagert hatten, ging ein Teil der Polizisten ins Hau» hinein. Hier war an vielen Tischen Publikum. Die Polizei befahl die Hände hochzuheben und durch. suchte die Anwesenden, wobei 7 Personen als berdäckitig vor- kamen und deshalb verhaftet wurden. Nachher kamen die Polizisten zu vier Leuten an einem Tischchen an der Wand, an welcher ein Bild hing. Der eine Polizist bemerkte hinter dem Bilde einen Gegenstand. Man nahm denselben sehr vorsichtig heraus. Dieses Etwas war eine Bombe von großen Dimensionen. Die Bombe wurde auf den Tisch gelegt und die an den Tisch gesessenen Leute wurden arretiert. Es waren elf Personen, die unter starker Be» wachung nach der Wache gebracht wurden. In das Teehaus von Woronin fam der Polizeimeister Sistiafowsky, welcher von dieser Sache den Kriegs- General- Gouverneur und Stadthauptmann Tolmatscheto in Kenntnis feste. Es tam sofort der Befehl, die Bombe am Blake wo sie gefunden worden ist, zu zersprengen. Die Bewohner des Hauses wurden entfernt. An der Bombe befestigte man eine Bikforder Schnur, welche man anzündete. Gleich nachdem kam eine furchtbare Explosion. Das Haus erschütterte, es donnerte, und man hörte den Klang der vernichteten Möbel, zersplitternden Scheiben usw. Als man nach einiger Zeit in den Raum eintrat, bot sich den Beschauern ein furchtbares Bild der Zerstörung dar. Die Explosion war so start, daß man die Wirkung in den entferntesten Stadtteilen spürte. In den benachbarten Häusern empfand man es wie ein starkes Erdbeben, und in einigen Wohnungen wurden sogar die Möbel und Spiegel beschädigt. Verlorenes Schiff. Der bei Curhaben gestrandete Dampfer Thr" ist, wie aus Hamburg berichtet wird, nunmehr voll Wasser gelaufen. Die Mannschaft hat das Schiff verlassen; der Dampfer ist als verloren zu betrachten. Eisenbahnunfall. Eine Meldung aus Brüssel von gestern befagt: Der um 12 Uhr 40 Minuten in Paris abgelassene Schnellzug ist gestern nachmittag bei seiner Ankunft an der belgischen Grenze bei Queby Aulnois mit einer Rangiermaschine zusammen. gestoßen, wobei sechs Personen berlebt wurden, darunter vier schwer. Eingegangene Druckfchriften. ber Zomaten, anariahe per Stifte 2,00-5,00. Stote Rüben, per 100 Pfund 2,50-3,00. Rübchen, Beeliber, per 100 Pfund 0,00, do. Estarol, 100 Stüd 15,00. Endivien, 100 Stüd Heft 3 und 4 des neuen Jahrganges der illustrierten Wochenschrift Rübchen 5-18. Sie enthalten die Fort 15-18. Birnen, per 100 Bid. Tiroler 0,00, Kochbirnen 3-10,00, Tafel In Freien Stunden" find foeben erschienen. segung der beiden Erzählungen Das Einaug" von 2. Elabel birnen Ia 18-25, bo. Ila 6-17, Staliener 26-30. Alepfel, per 100 Pfund, und, Sigrid, das Fischermädchen von Th. Mügge, während Tiroler Ia 20-26, bo. Ila 12-20, bo. lose, per 100 Blund 0,00, bo. das fleine Feuilleton für Unterhaltung und Belehrung sorgt. In jeder Woche in Stiften 120 Bfb. 30-50, Moft, hief, 100 Pfd. 8-12, Stod 5-14, Tafel äpfel Ia 15-24, bo. IIa 8-18, erscheint ein 24 Seiten startes Heit für 10 Pf. Amerikaner, per faß 15-30, do. in Körben per 100 Bfd. Die Anarchie. Lieferung 1. Herausgegeben von H. Boccoll. 60 Pf. Staliener, lose, 100 Pfd. 11-12, 14-18, bo. in Stiften 10-25. Weintrauben, Almeria, per faẞ 6-18. Verlag: Maas u. van Suchtelen in Leipzig. Ananas I, per Pfund 0,70-0,90, bo. II 0,50--0,55. Banauen, gelb, 100 Bfund 0,00. Krachs Stołosniisse per 100 Stüd 0,00. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtlichen mandein per 100 fb. 70-115. Maronen, ital., per 100 Pfund 9-20. Marktballen- Direftion.( Großhandel.) Dahlenfleisch Ta 68-70 pr. 100 Bid., Feigen, Stranz- per 100 fo. 22-25, do. Trommel per 100 pfd. 40, Traubenrosinen per 100 Pfund 55-120. Bitronen, la 62 67, IIIa 54-57, Bullenfleisch Ia 65-70, IIa 54-64, Stühe, fett bo. in Stiften 28-58. do. 200 Stüd 48-56, do. mager 36-44, Greffer 50-58, Bullen, dänische 51-63. Messina, 300 Stüd 6,00-9.00, bo. 360 Stüd 6,00-9,00, Ralbfleisch, Doppellender 105-125, Mafttalbet la 85-95. La 75-84. 0,00, do. 150 Stüd 0,00. Apfelsinen, Murcia, 200 Stüď 7,00-11,00, Kälber ger. gen. 55-71, bo. boll. 45-50. Hammelfleisch Maite bo. 300 Stüd 7,00-11,00, do. Balencia 420 Stüd 13-20, do. 714 Stüd lammer 74-76, Hammel la 68-70, IIa 60-65, ungar. 0,00, Schafe 17-22,00, do. Mesfina- Blut 100 Stüd 8-9, bo. 150 Std 9-10. Schweinefleisch 50 58. Rehwild Ia per fund 0,00. 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Oderbrucher, per Pfund 0,58 bis 0,65, do. ruffische per Pfund 0,40-0,58. Boulets per Stüd 0,70-1,20. do. IIa. 0,00. echte per 100 Bjund Buten Ia p. fd. 0,65-0,80, 80-89, do. matt 0,00, do. groß 0,00, do. groß- mittel 0,00. Sander, unfortiert 0,00, bo. groß 0,00, bo. matt u. tot 0,00. Schleie, groß 101, bo. mittel IIa 72-87, bo. 0,00. Male, flein 0,00, do. flein- mittel 0,00, do. groß 0,00. Karpfen, 35-50er 0,00, bo. 50-60er 55-62, do. franz. 70-100er 0,00. Blogen 30-40, bo. flein 0,00, do. groß 0,00. Aland 0,00. Duappen 34-40. Bleifische 0,00. Wels 0,00. Bunte Fische 0,00. Barse Blete matt 22-30. Karauschen, matt 0,00. 83, do. Elein 47-50. Winter- Rheinlachs, per 100 Bjund 0,00, Amerikanischer Lachs la, per Seelachs, per 100 fund Witterungsübersicht vom 31. Januar 1908, morgens 8 Uhr. Staflenen Getter Stafionen Swinembe 752 BSW 6 bedeckt Hamburg Berlin Franfi.a M München Bien Barometer. ftand mm Binb. richtung Windstarke Better Temp. n. 753 WSW 5 bedeckt 75752 8 bebedt 2 761 23 3 bedeckt 1 Aberdeen 765 SW 4 heiter -5 Baris Haparanda 742 Still 2 Petersburg 747 WNW Scilly 768 NNW 5 bedeckt 750 2N23 5 bedeckt 763 S 2 bedeckt bedeckt -14 1 Schnee 8 4 1 764 23 2 ipollent 2 Wetterprognose für Sonnabend, den 1. Februar 1908. Beitweise aufflarend, vorwiegend trübe mit Niederschlägen, frischer westlichen Winden und langsam fintender Temperatur. Berliner Wetterbureau. 193 09 Wafferstands- Nachrichten 00 ber Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. am feit 80. 1. 29.1. cm cm ¹) am feit Wasserstand 30. 1. 29.1. cm cm³) Saale, Grochlik 174+-27 Havel, Spandau 124+2 Der Panamakanal. Welchen schnellen Fortschritt die Arbeiten nehmen und wie sich die Schnelligkeit fortwährend steigert, zeigt folgende Aufstellung über die Ausgrabungen. Im Jahre 1904 wurden durchschnittlich pro Monat 30 434 Rubikhard Erde ausgehoben. Dies geschah noch unter Anwendung der alten franzöfischen Methoden, die im Jahre 1905 bedeutend berbessert wurden und danach für das Jahr einen monatlichen Durchschnitt von 92 893 Rubilyard ergaben. Das war aber noch sehr gering im Verhältnis zum folgenden Jahre, als die amerikanische Energie fich zu entfalten begann und große amerikanische Maschinen in Tätigkeit traten. Der monatliche Durchschnitt stieg im Jahre 1906 100 Bfund 110-130, do. Ila 90-100. 20-30. Flundern, Kieler, Stiege Ia 2-6, bo. mittel, Stifte 0,00, auf 412 374 Rubikhard. Und doch trat dieses Resultat zurüd, verbo. Hamb. Stiege 3-6, halbe Stifte 2-8, bomm. Ia Schod 0,00, IIa glichen mit dem, was im Jahre 1907 erreicht wurde, besonders 0,00. Büdlinge, Kieler per Wall 2-2,50, schwedische 2,50, englische in dem letzten halben Jahre, als der monatliche Durchschnitt 0,00. Sprotten, Danziger, Riste 0,60, do. Rügenwalder, Stifte Aale, groß auf 1 628 699 Kubikhard stieg. Und auch da übertraf fast jeder 0,40. per Bfund 1,10-1,40, mittelgroß 0.80-1,10, Basserstand Heringe ber Schod 5,00-9,00. Schellfische, Stifte Monat den anderen. So wurden ausgehoben: Im Juli 1 072 627 flein 0,60-0.80. Sarbellen, 1902 er per Anfer 98, Memel, Zufit Kubikhards; im August 1274 404 Rubikhards; im September 4,00-5,00, dito, Stifte 2,50-3,00. 1906er 85-90. Schottische Vollberinge 1905 regel, Insterburg 1517 412 Stubifhards; im Oktober 1868 729 Kubikhards; im 1904er 98, 1905er 98, November 1838 486 Rubilyards; im Dezember 2200 539 Rubit 0,00, large 40-44, full. 38-40, med. 36-42, deutsche 30-40.eichsel, Thorn neue Matjes, per o. 0,00. Heringe, Sardinen, ruff., Fab Ober, Ratibor yards. Welche ungeheure Leistung aber zu vollbringen ist, er- 1,50-1,60. Bratheringe Faß 1,20-1,40, bo. Büchse( 4 Liter) 1,40-1,70. Ktroffen fennt man daraus, daß die Amerikaner selbst berechnen, daß fie seunaugen, Schockfag 11, do. fleine 5-6, do. Stieien 14. Streble per Schod Frankfurt bito fleine 0,00 cm 0,00, 28 arthe, Scrimm bis zum Jahre 1912 noch mit den Erdarbeiten zu tun haben 0,00, große 0,00, bo. mittelgroße 0,00 do. unsortiert 0,00, Galizier, groß 0,00. Seemuscheln 100 St. 1,00. Gier, Landsberg 152") Butter per nee, Bordamm Lands, unsortiert per Schod 4,00-5,50, bo. große 5,50-6,00. 100 Bfb. la 126-131, Ila 122-126. IIIa 115-120, abfallende 100-106. Ibe, Leitmerit Kartoffeln Saure Gurten Schod 4,50. Bieffergurten Schod 4,50. meiße runde per 100 Blund Dabersche 3,25-3,50, 3,00-3,25, mag. bon. 3,25--3,50. Borree, per Schod 1,00-1,50. Meerrettich, Schod 8-16. Spinat per 100 Bfund 20-30. Sellerie, per Schod 3-6, )+ bedeutet Wuchs, 3) Unterpegel. Fall. 5) Eisstand. do. pomm. 8-12 8wiebeln per 100 Bfb. 4,00-4,50. Beterfilie, grün. 0,06-0,10, Rettich, Sayrischer, ber Stüd eisfrei.) Eisgang. Schodbund 0,80-1,50. ) der höchste Wasserstand: 165 cm, trat bei Schot per 0,00. Mohrrüben, 2,50 100 Pfund hiesiger, bis starkem Eisgange am 29. um 9%, Uhr abends ein, am 30. morgens Wirfingfohl v. Schod 3-7. Schwacher Eisgang. Karotten, per 100 Pfund 10-15. -) Treibeis. Rotkohl, Schod 2,50-4. Weißfohl p. 100 Pfd. 1,80-3,00. Blumenkohl, hiesiger Nach telegraphischer Meldung trat auf der I be bei Dresden 100 Stüd 0,00, do. Erfurter 0,00, do. italienischer 100 Stüd 30-38, bo. in Storben 18 Stüd 2,00-3,00. Rofentohl, per 100 Bfund 10-30. gestern nachmittag Eisgang ein, der Wasserstand erhob sich bis auf Petersilienwurzeln, 60 Bentimeter, ist aber heute früh bei fortdauerndem Eisgang wieder Grünkohl 4,00-8,00. Stohlrüben, Schod 2,50-4,00. 8 Zentimeter gefunden. werden. Erdbeben. Aus Tiflis wird gemeldet: Hier wurden atvei Tage nacheinander Erdbeben verspürt. 4,00. Oeffentliche Bibliothek und Lefehalle zu unentgeltlicher Be nukung für jedermann, SW., Megandrinenstr. 26. 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