Nr.se. RbenneitKntS'Bedlnsungen: ntommmti• Preis pränumerands, Sicrteljährl. ZLV Ml., tnonall. l.io Ml.. wöchenllich LS Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg, SoniuagS- »ununer mil illufirierfer SomUags- Beilage.Die Neue Weif If> Pfg. Poll- «bonnemenl: l.io Marl vro Monat. Eingelragen m die Pos!. Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deulfchland und Oesterreich, Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland S Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark, Solland. Italien Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. vlchtlii ttsUd) lußcr Osiooi. 25- Jahrg. Verlinev Volksblertk. vle lslertianz-eedilhr lelrägt für die fcchsgelpaltcne Kolol'.N» geile oder deren Raum bo Pfg., für politische und gcwerlschastliche Vereins- und LersammIungs.Anzcigen L0 Pfg. „ültelne Snreigen", das erste(scU- gedrulitc) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über lo Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis K Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Wrefle: „SMlaldcrnoKrat Berlin". Zentralorgan der rozialdetnokratifchen parte! Deutfchlands. Redahtton: 8 AI. 68, Lindenstrasee 69. Fernsprecher: Amt ZV. Nr. ZS8Z. Mittwoch, den 1Ä. Februar r Expedition i 8 AI. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt ZV, Nr. 1984. Zur einjährige» Dienitzcit. Die Militärverwaltung hält ivieder einmal etwas für unannehmbar. Dieses Mal ist es die Einführung der ein- jährigen Dienstzeit, die keine Gnade vor den Augen der Ge- rechten findet. Aehnlich lagen die Verhältnisse vor zwanzig Jahren. Da erklärte der 5triegsminister die Einführung der zweijährigen Dienstzeit als ausgeschlossen, die Zunftsachver- ständigen klatschten Beifall und prophezeiten mit düsterer Stirne. daß eine nur zweijährige Präsenzzeit die Armee ruinieren und das Deutsche Reich unfehlbar seinen Feinden ausliefern würde. Als ein paar Jahre später ein Reichs- kanzler gekommen war. der das übliche Junkcrbrett nicht vor dem Hirn hatte, wurde die zweijährige Dienstzeit dennoch zur Tatsache. Caprivi hätte übrigens die Dienstzeit, ohne Schaden anzurichten, noch mehr beschneiden können, denn mit der Ab- schaffung des alten Exerzierreglements und mit dein Ersatz der großkalibrigen Gewehre durch solche von kleinem Kaliber wurde die Ausbildung der Fußtruppen so vereinfacht, daß die Präsenzzeit, auch unter der Beibehaltung des stehenden Heeres, um mehr als ein Jahr hätte verkürzt werden können. Wir wollen zunächst eine Skizze der Erleichterungen geben, die die Beseitigung des alten Reglements mit sich brachte. Dieses Reglement.schrieb als Normalaufstellung die Aufstellung in drei Gliedern vor, obwohl sie auf dem Gefechtsfelde überhaupt nicht zu gebrauchen war. Wollte eine Truppe ein Gefecht beginnen oder eine Marschordnung annehmen, aus der jeden Augenblick ins Ge- fecht übergegangen werden konnte, so mußte sie die zwei- glicderige Formation wählen. Die Folge war, daß die Leute daS Exerzieren nicht nur in zwei, sondern auch in drei Gliedern, also doppelt, lernen mußten. In der drei- gliederigen Aufstellung hatte eine Kompagnie zwei Züge, in der zweigliederigen drei, ein Bataillon hatte in der drei- ' gliederigcn Formation acht Züge, in der zweigliederigen zwölf. Aber nicht genug damit, daß das alte Reglement eine doppelte Exerzierausbildung verlangte, es wies auch eine Reihe von Bewegungen auf. die reine Paradeübungen waren und mit der Ausbildung zum Kriege gar nichts gemein hatten. Sie waren Triumphe der Gamaschcnknöpferei. Die ragenden Gipfel dieser Taktik stellten die beiden Schulangriffe des Bataillons vor. Im Felde war dieser Blödsinn überhaupt nicht zu der- wenden. Beim ersten Schulangriff stand das Bataillon in einem länglichen Viereck dicht beisammen. Die rechte Hälfte des Vierecks bildeten sechs zweigliedrige Züge, die linke be- stand aus ebenso viel. Kam eö zum Gefecht, so wurden zuerst nicht etwa die zwei vordersten Züge als Schützen entwickelt. sondern di�zwei hinter st en. Feierlich mußten die beiden Züge das ganze Bataillon entlang geführt werden, in der Höhe des ersten Gliedes wurde der Befehl zum Ausschwärmen gegeben. eine Sektion blieb als „Unterstützung" zurück. Durch ähnliche Intelligenz zeichnete sich daS zweite Schulgefecht des Bataillons aus. Hier stand das Bataillon in Linie. vorne acht Züge, dahinter vier Züge. Auch hier wurde das Gefecht nicht mit den vorderen, sondern mit zwei Zügen der hinteren Reihe eingeleitet. Diese beiden Schulangriffe forderten natürlich einen großen Zeitaufwand, bis sie fehlerlos heruntergeleiert werden konnten. Auch daS Bataillonskarree war ein zcitmordendes Un- getüm. Es ist uns nicht möglich, an dieser Stelle alle Verzwickt- hellen deS alten Reglements aufzuführen. Nur das sei bc- merkt, daß es mindestens zwei Dutzend Formationen und Formationsveränderungcn vorschrieb, die im Kriege nicht nur unnötig, sondern überhaupt gar nicht anwendbar waren. Selbst das Plänkeln war nach dem alten Reglement schwieriger, weil eS auch einen besonderen, 4—5 Schritte be- tragenden Abstand von Schützengruppe zu Schützengruppe— eine solche Gruppe setzte sich aus 8—12 Mann zusammen— vorschrieb. Diese Abstände sind inzwischen ebenfalls aus- gemerzt worden. Damals gab es auch noch den Gewehrgriff: Faßt das Gewehr an. der von allen Gewehrgriffen die größten Schwierig- kellen bereitete. Nach seiner Vollendung mutzte der Mann das 4'/, Kilogramm schwere Gewehr allein mit dem Daumen, dem Ringfinger und kleinen Finger der rechten Hand tragen. Der Lauf lehnte an der rechten Schulter, die trotz der relativ großen Belastung der rechten Hand weder gesenkt noch gehoben noch sonstwie aus der normalen Lage gebracht werden durfte. Dies fiel natürlich schwächlichen Leuten sehr schwer. Namentlich der Marsch mit angefaßtem Gewehr verursachte ihnen in der Rekruteuzeit viele Verdrießlichkeiten. Endlich Mußte der Gewehr- griff nicht nur stehenden Fußes, sondern auch im Marsche geübt werden. Mit all dem genannten Larifari: mit dem dritten Glied, also dem doppelten Exerzieren, mit den Schulangriffen, mit dem Bataillonskarree, mit dem Griff„Faßt das Gewehr an" hat schon das Reglement vom Jahre 1888 aufgeräumt. Auch die überflüssigen Formattonen und Formattonsveränderungen wurden größtenteils beseittgt. Das alte Reglement wies, wie bemcrtt, mindestens zwei Dutzend Formattonen und Be- wcgungcn auf, die im Kriege überhaupt nicht zu brauchen waren. Das Reglement vom Jahre 1833 zählte höchstens sechs solcher Ueberflüssigkeitcn. die das Reglement vom Jahre 1996 ebenfalls abschaffte. ( Auf diese Weise wurde die taktische Ausbildung der Fuß- truppen im Laufe der letzten 19 Jahre wesentlich vereinfacht. Aber auch die S ch i e ß a u s'b i l d u n g ist nicht entfernt mehr so kompliziert wie früher. Der Schütze wird nicht mehr durch den Rauch am Ausblick auf das Ziel verhindert, der Rückstoß des Gewehres ist viel geringer geworden und die Präzision der Gewehre hat enorm zugenommen. Sehr wichttg für die Gestaltung der Flugbahn des Ge- schosses ist das Maß, um das es sich über die horizontale Visierlinie erhebt. Je geringer dieses Maß. das man die Flughöhe nennt, um so weniger droht die Gefahr des Ucber- schießens, um so größer wird die Treffwahrscheinlichkeit. Ein Vergleich der Flughöhen des Geschosses des Gewehres Ü 71 und des jetzigen deutschen Jnfanteriegewehrcs N 98 ist sehr lehrreich und darum wollen wir davon ein kleines Beispiel geben. In der folgenden Tabelle sind die Flug- der Geschosse der beiden Gewehre bei Anwendung des i s i e r s 659 Meter in Zentimeter angegeben. Die in Klammern gestellten Zahlen sind die Flughöhen für das 24 71, die anderen für das jetzige Gewehr N 98. Die Flug höhen betragen also auf Ivo rn 200 in 800 rn 350 rn 400 m 65(274) 110(477) 140(392) 145(609) 145(596) 450 in 500 in 550 in 600 in 650 in 185(551) 120(472) 95(355) 55(199) 0(0) Man betrachte diese großen Unterschiede! Während beim Gewehr M 71 die höchste Flughöhe 699 Zenttmcter be trägt, reduziert sie sich beim Gewehr dl 98 auf 145 Zenttmeter. Ein aufrecht stehender oder gehender Mann mißt in der Höhe durchschnittlich 179 Zenttmcter. Angefangen von der Mündung bis auf 659 Meter Entfernung erreicht das Geschoß des Gewehres 98 niemals eine solche Höhe. Ueberschossen kann also ein aufrechter Mann nicht werden, wenn richttg gezielt wird. Beim Gewehr dl 71 aber fliegt daS Geschoß von 199 Meter an bis 699 Meter immer höher als 179 Zenttmeter Ebenso wie bei dem angeführten Beispiel verhält es sich auch auf allen übrigen Entfernungen. Das Gewehr dl 98 ist tatsächlich dem Gewehr dl 71 kolossal überlegen und dabei nicht im geringsten schwieriger zu handhaben. Endlich sind jetzt auch brauchbare Entfernungs messer erfunden, so daß auch auf diesem Gebiet wesentliche Erleichterungen zu verzeichnen sind. In der Zeit der drei jähngen Dienstzeit war man auf das Auge angewiesen, das sich beim Abschätzen von Entfernungen sehr täuschen kann. Der Dienst der Fußtruppen, vor allem der Infanterie, hat also in den letzten 29 Jahren solche Erleichterungen er- fahren, daß eine wettere Beschneidung der Präsenzzeit sehr leicht möglich wäre, wenn die tonangebenden Kreise sie wollten Ein Jahr würde trotz des noch immer hochverehrten Paradedrills vollauf genügen. Was die Verkürzung der Dienstzeit auf ein Jahr bei der reitenden Feldartillerie und der Kavallerie anbelangt, so fragen wir, ob vielleicht die Mannschaften des jewellig jüngsten Jahr- ganges dieser Waffengattungen an den Manövern nicht teilnehmen können, weil sie zu schlecht retten? In Wirklichkeit reiten diese Leute die waghalsigsten Attacken, sie fahren ihre Geschütze über Stock und Stein gerade so auf, wie ihre Kameraden mit zwei- und dreijähriger Dienstzeit. Der Stell- Vertreter des Äriegsministers hat allerdings darauf hin- gewiesen, daß die Kavallerie Mannschaften im dritten Jahre zum Zureiten von Pferden benöttge. Dies ist aber keine genügende Begründung dafür, daß man ungefähr 45999 Mann zwei Jahre länger bei der Truppe festhält, als nötig wäre. Hier kann die Einstellung besser gelöhnter Freiwilliger helfen. Die Verkürzung der Dienstzeit bei den berittenen Waffen und den SpezialWaffen könnte auch dadurch wesentlich unter- stützt werden, daß den Rekmten bei der Anmeldung zur Stammrolle daS Recht eingeräumt würde, daß sie etwaige Wünsche bezüglich der Waffe und der Regimenter, denen sie zugeteilt werden wollen, äußern dürfen. Diese Wünsche wären zu vermerken. Wenn sie auch nicht alle erfüllt werden könnten, so'würden sie bei der Verteilung der Rekruten auf die Truppentelle dennoch sehr wertvoll sein. Es würde dann nicht geschehen, daß ein Mann, der Kavallerist werden möchte, lir Infanterie kommt, während ein anderer, der gar keine "orliebe für den Reiterdienst hat. auf das Pferd gesetzt wird. Woher die Abneigung„der maßgebenden Kreise" und ihrer Anhänger gegen eine abermalige Herabsetzung der Präsenzzeit kommt, weiß man. Sie hoffen von der Kaserne noch immer die Vernichtung der Sozialdemokratie..» Ueue flusnatyntgtletee gegen die ländlichen Arbeiter. Die Bollversammlung beä deutschen LandwirtschastSratS rief in ihrer gestrigen Sitzung nach Ausdehnung der LegitimattouSkarten für ganz Deutschland und nach weiteren neuen Ausnahmegesetzen gegen die ländlichen Arbeiter. Zu dem Gegenstand der Tagesordnung: MaftnaHme» gegen den Kontraktbruch landwirtschaftlicher Arbeiter wies der Berichterstatter, Generalsekretär Landesökonomierat Stein- bach- Danzig. in längerer Rede auf die große Not hin. unter der die deutschen Landwirte wegen des Mangels an Arbeitern insbesondere zur Erntezeit leiden. Ganz unendlich litten die Landwirte unter dem Kontraktbruch. Im Jahre 1907 seien allein in Westpreutzen 9000 Konttaktbrüche„festgestellt". Aehnlich sei cö aber überall. Der Schaden, der dadurch den Landwirten cnt- stehe, sei ganz unberechenbar. Bedauerlich sei, daß den Arbeitern im allgemeinen da? Bewußtsein abhanden ge- kommen, daß der Kontraktbruch ein Betrug wie jeder andere sei. Ein Kontraktbruch bei der Industrie sei lange nicht so schlimm wie bei der Landwirtschaft. Jndustrieerzeugnisje können zu jeder Zeit hergestellt werden, die Landwirtschaft könne aber be« kanntlich nur zu gewissen Zeiten und bei günsttgem Wetter pro- duzieren. Durch den gegen die Landwirte begangenen Kontraktbruch werde gleichzeing das allgemeine Bolkswohl geschädigt. Wenn die Gesetzgebung Zölle auf Brotfrüchte lege, dann müsse sie auch Maß- nahmen treffen, daß die Brotftüchte, wenn sie reif seien, geenitet werden können. Er ersucht folgendem Antrage zuzustimmen: „Der deutsche Landwirtschaftsrat beschließr: 1. Diejenigen Landesregierungen, welche bis jetzt noch leine Inlands« l e g i t i m a t i ö n e n für oie ausländischen Arbeiter bezw. keine Ausweisung beim Antreffen der Arbeiter ohne solche vorgeschrieben haben, um Einiühruiig dieser Maßnahmen zu bitten. 2. Die Landes- regierung zu ersuchen, Bestimmungen über den Vertragsbruch der ländlichen Arbeitnehmer, analog denen in den§§ 119, 124b und 125 der Reichögewerbeordnimg zu treffen und außerdem Bestrafung der Gesindevennieter und Agenten, welche kontraktbrüchige Arbeit- nehmer vermitteln, sowie aller Personen, welche Arbeitnehmer zum Vertragsbruch verleiten, ins Auge zu fassen."— Beifall.— Zum ersten Teil dieses Antrages äußerte unter lebhaftem Bei- fall der Versammlung der Geheime OberregierungSrat Dr. Heinrich vom preußischen Ministerium deS Innern:„Der preußische Minister des Innern habe bereits mit der Einführung von Legitimationen für die landwirtschaftlichen Arbeiter in den östlichen Provinzen begonnen. Der Minister werde diese Maßnahmen sehr bald ans die ganze Monarchie ausdehnen. Er sei außerdem bemüht, die anderen deutschen Staaten dafiir zu interessieren. Beide Mecklenburg. beideLippe und Oldenburg seien bereits dafür gewonnen. Der Minister habe außerdem mit Sachsen, den Thüringischen Staaten und Braun schweig Unterhandlungen an- geknüpft. Der Minister verspreche sich von der Einführung der Legitimationen großen Erfolg. Wirkl. Geh. Rat Dr. Graf v. Stosch(Schlesien) betonte die Notwendigkeit, auch die Arbeitgeber, die kontraktbrüchige Arbeiter in Arbeit nehmen, zu bestrafen. Das Zeitungsinserat, das Landesökonomierat Steinmeher von einem sächsischen Landwirt vorlas, in welchem Letzterer mit verklausulierten Worten kontrakt» brüchige Arbeiter suche, rede doch Bände.— Rittergutsbesitzer von Steckhausen(Abgunst) beantragte. dem Antrage des Landesökonomierats Steinmeyer hinzuzufügen:„die Landesregierungen sind gleichzeitig zu ersuchen, die Kosten der etwa erforderlichen Ausweisung als landes- polizeilich zu übernehmen und eine Regreßpflicht der Arbeitgeber nur in solchen Fällen in Anspruch zu nehmen, in denen diesen ein Verschulden bezüglich deS Kontraktbruchs der Arbeiter nachgewiesen wird." Freiherr v. Wangenheim- KI.-Spiegel meinte:„ES werde vielleicht in Zukunft zu erwägen sein, Arbeitskammern auch auf dem Lande zu errichten." Frh r. v. C e t t o- Reichertshausen(Bayern): Bestrafimg und Ausweisung allein werden keine besseren Berhältniffe schaffen. Die Landwirte müssen, ebenso wie die Jndustrieherrcn, ihren Arbeitern das Leben auf dem Lande durch soziale Einrichtungen usw. möglichst angenehm zu machen suchen; damit werde man bedeutend mehr erzielen als durch Polizeimaßnahmcn. Geh. Ober-Regierungsrat Dr. Jaup: Sein Chef, der Staatssekretär des Reichsamts des Innern, nehme an dem vor- liegenden Gegenstände das lebhafteste Interesse. Er sei nicht in der Lage, den Standpunkt seines Chefs, auch nicht seinen eigenen, in der vorliegenden Frage klar zu legen, er könne aber mitteilen, daß der Staatssekretär die vom preußischen Ministerium des Innern ge- ttoffenen Maßnahmen so weit als möglich unterstützen und alles tun werde, was geeignet sei, den Mißständen zu steuern. Graf zu Rantzau- Rastorf empfahl, die Stellenvermittler unter schärfere Kontrolle zu stellen.— Hofbesitzer Bartmann- Lüdicke(Bezirk Wiesbaden) empfahl die Begründung von Arbeitgeberverbänden zwecks Bekämpfung des Kontrakt- bruchs.— Major a. D. v. Busse(Provinz Sachsen): Die Landwirte können mit der Industrie nicht konkurrieren. Noch größer sei aber die Konkurrenz, die den Landwirten seitens der Eisenbahnen bereitet werde. Alle Leute, die vom Militär abgehen, wenden sich der Eisenbahn zu. Dort erhalten sie Löhne, die von den Landwirten nicht bezahlt werden können. Diese Leute stehen sich im allgemeinen besser als die kleinen Bauern. Die Arbeiter auf dem Lande haben im übrigen alle Sonntag Tanzvergnügen. Er wisse nicht, wie man den Leuten den Aufenthalt noch angenehmer machen solle. Noch noch längerer Erörterung, in der sich alle Redner mit dem Antrage Steinmeyer einverstanden erklärten, gelangte dieser Antrag, nebst dem Antrag v. Stockhausen und dem An» trage deS Grafen Rantzau zur Annahme:„Es ist dafür ein- zutreten, daß unter Aenderung der ReichSgewerbeordnung die KonzessionSpflicht der Gesindevermieter und Agenten, soweit sie sich mit der Vermittelung landwirtschaftlicher Arbeitnehmer beschäftigen, sehr stark verschärft werde." Als Grundlage dieser Forderungen nach Maßnahmen mußte auch in dieser Versammlung daS von den> Großgrundbesitzern zum Dogma gestaltete Märchen von dem durch Arbeiter ver« schuldeten Kontraktbruch herhalten. Mo liegt es denn in Wahrheit Z Die veränderte ProduttionZIveise auf dem Großgrundbesitz hat bewirkt, daß immer iveniger Arbeiter fiir das ganze Jahr angenommen werden. Ein großer Teil der landwirtschaftlichen Arbeit auf dem Großbesitz ist Saisonarbeit. Saisonarbeiter würden sich in Hülle und Fülle finden, wenn der Arbeitslohn nicht trotz der Riescneinnahmen des Besitzers infolge der Zölle schmachvoll niedrig, die Arbeitsbedingungen besonders harte, die Behandlung eine menschenunwürdige und die Rechtslage der ländlichen Arbeiter infolge parteiischer Handhabung der Gesetze eine fast recht- lose wäre. Die Drangsalierung der Arbeiter hat in Preußen in wachsendem Maße die Landflucht bewirkt. Da iverden dann Ausländer als Lohndrücker unter betrügerischen Vorspiegelungen nach Deutschland gelockt. Statt der er- hofften Erfüllung der von Junkeragenten gemachten Ver- sprechungen finden sie jammervolle Arbeitsbedingungen, menschen- unwürdige Behandlung vor und fühlen sich durch parteiische Gesetze und Rechtsprechung fast jedem von den Großgrundbesitzern begangenen Vertragsbruch gegenüber schütz- und rechtlos. Das einzige Mittel, dem Elend zu entfliehen, in das moderne Menschenhündler sie gehetzt haben, ist das Ausreißen. Das ist kein Vertragsbruch. Denn ihnen gegenüber ist der Vertrag, den ihnen gewissenlose Agenten der Agrarier vorspiegelten, nie eingehalten, ja nicht einmal der von den Junkern anerkannte Vertrag. Daß dem so ist, ist offenkundig. Wir erinnern daran, daß vor kurzem der Vertrauensmann einer Landwirtschastskammer, Rittergutsbesitzer Harb er-Kl. Waldeck, auf der 22. Jahresversammlung deS»Landwirtschaftlichen Zentral- Vereins Königsberg" offen erklärte, mit Mühe und Not habe er einen Boykott, den galizische Arbeiteragenten gegen Deutschland wegen der den galizische» Arbeitern gegenüber verübten Kontrakt- brüche verhängen wollten, verhindert. Die Kontraktbrüche der Arbeitgeber lägen in der Tatundzwar nicht vereinzelt vor. So seien den Arbeitern von ihrem schwer verdienten Lohn hohe Beträge für Geräte und dergleichen ab- gezogen, das Reisegeld trotz Zusage nicht gezahlt und so weiter. Dringend ist ein reichsgesetzliches Vorgehen gegen die modernen Menschenhändler und gegen die Rechtlosigkeit der Landarbeiter, eine wirtschaftliche und rechtliche Gleich- stellung der Landarbeiter mit den Industriearbeitern er- forderlich. Umgekehrt gehen die tonangebenden Großgrundbesitzer und Regierungsvertreter vor. Sie fordern nicht ein Vorgehen gegen die Vertragsbrüchigen Abnehmer und Auftraggeber der Sklavenhändler. sondern verlangen, daß die armen Kulis in Deutschland zwangs- weise an der Arbeitsstätte festgehalten werden. Während Groß- grundbesitzer ständige Vertragsverletzer sind, schreien diese über Ver- tragSbruch der Arbeiter. Aufs einseitigste schildern sie die Verhält- nisse und fordern selbst in Widerspruch mit den Staatsverträgen stehende Staatshülfe durch Ausdehnung von Ausnahmemaßnahmen gegen die ländlichen Arbeiter. Der Erfolg wird freilich im Gegen- satz zu den Wünschen der Agrarier naturgemäß eine Verstärkung der Leutenot sein._ Ashlverivsiickte Seelen. Die„Deutsche Tagesztg." wird immer alberner. In ihrer heutigen Morgennummer erklärt sie, daß sie im allgemeinen„keinen A n l a ß" hätte, auf unseren Arttkel in der Sonntagsnummer„D i e Ethik der Korrupte n" einzugehen; hinterher geht sie dann aber doch auf ihn ein-- allerdings in einer Weise, die deutlich zeigt, daß ihr Verzicht auf eine längere Erwiderung mir der Unzulänglichkeit ihres Könnens entspringt. So antwortet sie z. B. auf unseren Nachweis, daß sie bereits eine Nichtbeachtung will- kürlicher polizeilicher Verfügungen durch deutsche Arbeiter für„ g e- n ü g e n d" erachtet, um eine Niedersäbelung der Arbeiter zu recht- fertigen, daß ihr aber der Meineid, die offene VerfaffungSverletzung und die Deportation widerrechtlich Verhafteter nach den afrikanischen Fieberkolonien noch lange nicht als„genügend" erscheinen, um die Auflehnung eines Volkes gegen seinen lieben Monarchen von Gottes Gnaden zu rechtfertigen, mit dem blöden Ein- wand, in Portugal wären ganz andere„Verhältnisse"— als wenn es sich um eine Verschiedenheit der Verhältniffe in Deutschland und Portugal handele und nicht vielmehr um eine prinzipielle Auffassung. Besonders aber hat eS das ehrsame Blatt verdroffen, daß wir die Partei der konservativen Regcneradores in Portugal, die Partei der portugiesischen Gesinnungsgenossen der preußischen Junker und der „Deutsch. Tagesztg." genannt haben. „Diese Behauptung," schreibt das Bündlerblatt,„wirkt an sich schon überaus komisch; selbst der„Vorwärts" sollte aber wisien, daß die portugiesischen„Konservativen" mit irgend welchen konser- vativen Grundsätzen oder gar mit einem Konservatismus deutschen Zuschnittes nicht das geringste zu tun haben, daß die portugiesi- schen„Liberalen" genau so die Korruption begünstigt und mit- gemacht haben, wie die Konservativen und daß die portugiesischen, allerdings etwas stark anarchistisch gestimmten Freunde der Sozial- demokratie in diesem Punkte sich' mit den bürgerlichen Parteien völlig solidarisch fühlen." Daß die portugiesischen Konservativen die heillose Korruption in Portugal verschuldet haben, leugnet also auch die„Deutsch. TageSztg." nicht, nur führt sie zur Entschuldigung an, daß die Liberalen in Portugal genau so korrupt seien, und daß ferner die portugiesi- schen Konservativen„mit konservativen Grundsätzen oder gar mit einem Konservatismus deutschen Zuschnitts" nicht das geringste zu tun hätten. Die letzte Behauptung ist nichts anderes als eine verlogene Ausrede. Daß der portugiesische Konservatismus nicht genau dem preußisch- junkerlichen AgrarkostservatiSmuS entspricht. ist richtig; aber genau denselben Konservatismus, den das preußische Junkertum vertritt, gibt cS überhaupt in keinem zivilisiertem Lande der Welt mehr— dieses westkalmückische Jdeengemengsel ist so borniert und rückständig, daß, abgesehen von Ostelbien, alle Länder Mittel- und Westeuropas schon längst darüber hinaus sind— wohl aber vertreten die portugiesischen konservativen RegeneradoreS, die nebenbei sich selbst konservativ nennen und in allen Geschichtswerken auch als konservative Partei genannt werden, konservative Anschauungen und ihre maßgebenden Anhänger rekrutieren sich auS dem adeligen Höflingtum, der höheren Bureaukratie und den vermögenden Grundbesitzern, also denselben Schichten, aus denen der preußische Konservatismus feine Führer bezieht. Wenn schließlich die„Deutsche Tageszeitung" behauptet, daß in bezug auf Korruption auch die„stark anarchistisch gestimmten Freunde der Sozialdemokratie' sich in Portugal mit den bürgerlichen Parteien völlig solidarisch fühlen, so ist das nichts als eine er- logene Verdächtigung, für die bisher das Bündlerblatt keinen ein- zigen Beweis beigebracht hat und auch nicht beibringen wird. Die Sozialdemokratie ist leider bisher in Portugal so wenig zahlreich, daß sie fast gar keinen politischen Einfluß besitzt und daher noch keine Gelegenheit hatte, sich mit den portugiesischen Gcstnnungs- gcnoffen des VündlerblattcS„solidarisch zu fühlen". Opfer der Kaserne. Der Musketier Weiß von der 10. Kompagnie Les Lritten Bataillons des Lnfantevie-Regiments Nr. 41 in Memel desertierte am 24. Januar S. Cv- aus der Kaserne und blieb längere Zeit verschwunden. Bei der Käisersgeburtstagsfcier wurde von den Mannschaften dieses Truppenteils zwar eifrig über die Gründe dieser Fahnenflucht diskutiert, aber bestimmte Ansichten traute sich wohl niemand zu äußern. Alle an- gestellten Recherchen über den Verbleib deS Fahnenflüchtigen, der feit Oktober v. I. diente, blieben erfolglos. Endlich, ain 6. Februar abends, tvurde der Verschwundene in einem gerade- zu Schaudern erregenden Zustande entdeckt. Man fand die kaum noch menschenähnliche Gestalt des desertierten Soldaten in einem tief ausgehöhlten Strohhaufcn fast bewußtlos liegen. In der Nähe des Strohlagers, welches dein Soldaten zwölf Tage als Versteck gedient hatte, lagen einige mit den Zähnen ausgehöhlte rohe Kohlrüben, von denen er sich, zusammen mit Roggenkörnern, die er in der Sckjcunc gesunden, ernährt batte. Seinen Durst konnte der freiwillig in dieser grau- samen Gefangenschaft lebende junge Mann nur deS Nachts stillen. Er schlich sich dann auf den Hof an die Pumpe und trank von dem eiskalten Wasser auf 24 Stunden Vorrat. In den ersten Tagen seines Aufenthalts in der Scheune herrschte besonders � des Nachts starker Frost. Dagegen konnte den Soldaten in seiner mangelhaften dünnen Betltzidung natürlich auch das dichte Strohlager nicht schützen. Besonders, weil er sich, um nicht entdeckt zu werden, gar nicht bewegen konnte, erfroren dem Flüchtling zuerst die Füße und dann die Beine bis zu den Knien. Nun konnte er auch nicht mehr des Nachts nach der Pumpe gehen, sondern er nmßte, dieerfrorenen Glieder nachschleifend, auf Händen und Knien rutschen, um zur Pumpe zu gelangen. Welche unmenschliche Qualen der junge Mensch Tag und Nacht aus- gestanden hat. möge sich jeder selbst ausmalen! Der Guts- und Ziegeleibesitzer Herr Zimmer ließ dem erstarrten hülflosen Menschen vorsichtig heiße Milch einflößen, bis er sich mit seiner Umgebung, die ihn in»arme Kleidung hüllte, verständigen konnte. Die erste Frage, die man all- seitig an ihn richtete, lautete:„Was hat Sie veranlaßt» sich solche grausame» unmenschliche Qualen aufzuerlegen?" Er antwortete:„Ich bin schrecklich gemißhandelt worden in der Kaserne und konnte rö dort nicht mehr länger aus- halten." Der den Transport des Deserteurs leitende Offizier äußerte zu ihm in vorwurfsvollem Tone:„Was haben Sie nun davon, obendrein kommen Sie noch ein paar Jahre auf F e st u n g." Auf die Umstehen- den wirkte diese Acußerung, angesichts des hülflosen Krüppels, geradezu erschütternd. Hoffentlich wird von der Militärbehörde eine genaue Untersuchung eingeleitet darüber, ob die Aeußerung des un- glücklichen Soldaten, er sei durch unerträgliche Mißhandlungen in der Kaserne zur Flucht getrieben worden, auf Wahrheit beruht. Ausfallend ist es, daß bei diesem Memeler kleinen Truppenteil innerhalb zweier Monate dieses der dritte Fall von Desertion von Soldaten ist! Vor etwa zwei Monaten flüchtete, wie in Memel allgemein bekannt ist, ein Soldat der 12. Kompagnie aus der Kaserne und warf sich vor den, sich in voller Fahrt befindenden K l e i nb a h nzu g, der ihn tötete. Vor ellva 1v Tagen desertierte ein Soldat der 9. Kam- pagnie dieses Bataillons, den man bisher nichtgefunden hat. Er soll nach England entkommen sein. Wir fragen daher:„Was geht dort in der Memeler Garmson bor?"_ Die Cage der Postillione. liebet die Lage der Berliner Postillione wird uns mitgeteilt: Der Dienst der Postillione liegt in einer Woche morgens von SÄ5 bis 10 Uhr und nachmittags von 1 bis ö Uhr. In solchen Wochen beträgt also die wöchentliche Arbeitszeit, da auch die Sonntage in Frage kommen, Stunden. In den Wochen, in die ein freier Sonntag fällt, beginnt die Arbeitszeit vor- mittags 0 und dauert bis 162 Uhr mittags und dann wieder von 145 bis%11 Uhr nachts. Seit ungefähr 14 Tagen aber müssen die Postillione auch in diesen Wochen, wo sie eigentlich erst um 9 Uhr ihren Dienst beginnen sollten, bereits ebenfalls morgens 5 Uhr in den Dienst, um auf die sogenannten Beiwagen zu warten, und bis 7 Uhr bleiben, gleichviel, ob die Beiwagen zu fahren fyiben oder nicht. Dadurch ist natürlich auch für die Nächstwohncnden die Möglichkeit ausgeschlossen, wieder nach Hause zu gehen, weil sich die Zeit nicht mehr lohnen würde. Der Sonntagsdienst regelt sich so: Jeder zweite Sonn- tag ist dienstfrei; dafür müssen aber die Postillione den nächst- folgenden Sonntag schon früh um 5 Uhr bis mittags r62 Uhr Dienst leisten, nachmittags wieder von 6 bis nach 11 Uhr nachts und am nächsten Morgen wieder früh um 5 Uhr bis nach 1 Uhr mittags unddannwiedervon?45bis fl-ll Uhr abends! Einzelne müssen sogar noch früher als 5 Uhr morgens den Dienst antreten, und in einzelnen Fällen trifft es sich, daß die Postillione von Sonnabend nachmittag 3 Uhr bis Sonntag vormittag 8 Uhr Dienst haben mit zweimal zwei Stunden Ruhepause. Nach? mittags haben sie dann wieder von 3 bis 11 Uhr nachts Dienst. Die Wünsche des Personals gehen dahin, daß am ersten Sonn- tag nur vormittags, am zweiten Sonntag nur nach- mittags Dienst fein soll, während der dritte Sonntag ganz dien st fr ei bleiben soll. Noch schlimmer ist der N a ch t d i e n ft. der alle 6 bis 7 Wochen für jeden Postillion in Frage kommt. Im Nachtdienst müssen die Postillione 7 Tage hintereinander von abends 8 Uhr bis morgens KUhr Dienst leisten, d. h. also. der Nachtdienst beträgt 70 Stunden in der Woche! Und während bei den Postboten der Nachtdienst mit 50 Proz. Zuschlag bezahlt wird, erhalten die Postillione für den Nachtdienst fernen Pfennig extra! Nur jede sechste oder siebente Nachtschicht dauert die Arbeitszeit nur von nachts 12 Uhr bis morgens 6 Uhr. Die Postillione, welche den sogenannten Hofdienst haben, d. h. die den Hof fegen, die Lampen putzen, oder Hülfsaufseher- dienst verrichten, haben in einer Woche bei freiem Sonntag 54 Dienststundcn, in der anderen ohne freien Sonntag 63 Dienslstunden. Und die Postillione meinen, was tür den leichteren Hofdien st recht sei, sei für den schweren Tag- dienst nur billig. Und wenn man die Postboten mit„Herr" anrede, so könnten das die Postillione auch verlangen! Nun wird der Dienst aber noch weiter erschwert. In den Wochen, wo die sogenannte Paketbestellung in die Vororte er- folgt, beginnt der Dienst morgens 3 Uhr bis nachmittags 3 Uhr. Und da in diese Woche der freie Sonntag fällt, beträgt demnach in den 6 Tagen die Arbeitszeit 72 Stnnden! Oder vielmehr, da hierzu noch der sogenannte Pferdedicnst kommt, d. h. das Pferdeputzen, das Pferdcbeschlagen, das Ausdüngen und An- spannen, das täglich eine Stunde ungefähr erfordert, gar 78 Stunden! Der freie Sonntag bringt also für die Postillione statt früher 61 � Stunden, jetzt 78 Stunden pro Woche Dienst 1— politische(leb ersieht. Berlin, den 11. Februar 1998. Zuckcrsteuer und Militäretat. Ä u S d e m R c i ch s t a g e. In der dritten Lesung der Ergänzung zur Zuckerkouvention kennzeichnete Genosse Südckum den demagogischen Bcriuch des Grafen Schwerin, die Agrarier als Hüter der Volkswohlfahrt anzu- prcilcn, indem er nachwies, daß sie sich auch bei dieser Ge- legenheil nur von ihrem Ausbeuterinteresse stsijen ließen. Genosse Ledebour ergänzte diese Ausführungen durch den Nachweis, daß der Antrag Bassermann ein völlig wider- sinniges Machwerk iei, das seinen angeblichen Zweck, die Reichssinanzen zu sichern, nicht einmal erfülle. Herr P a ch u i ck e übernahm die Verteidigung des Blockabkommens; dann wurde die Konvention einstimmig, der Antrag Basser- mann wieder gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und des Zentrums angenommen.� Die Weiterberatung des M i l i t ä r e t a i s gab bei der Beratung der einzelnen Etatstitel zu einer Fülle von Einzel» beschwerdcn Anlaß. Genosse B ö h l e erörterte die Ar- b c i t e r v e r h ä l t n i s s c in den M i l i t ä r b e t r i e b e n. Dabei kam er auch auf die A r b e i � e r a u s s ch ü s s e zu sprechen, denen durch die Geschäftsordnung jede selbständige Betätigung und die Vertretung der Arbeiterbeschwerden den Behörden gegenüber nahezu unmöglich gemacht sei. Speziell ging er dann auf die Zustände in den Militärwerkstättcn in Straßburg ein. Der Zentrumsabgeordaete Will unter- stützte diese Ausführungen und brachte den Antrag ein, in die Kommissionsresolution wegen der Beachtung dct» Tarif- Verträge und der Verhandlung mit den Arbeiterausschüssen, die der gleichlautenden für die Marinewerkstätten nachgebildet ist. hinter dem Wort„Arbeitcrausschüsse" die Worte„u n d Arbeiterorganisationen" einzuschalten. � Das ist der Antrag, den beim Marinetat die Sozialdemokratie gestellt hatte und der damals von der Blockmchrhcit abgelehnt war. Genosse Bohle erklärte, daß wir selbstverständlich die Wiederaufnahme unseres Antrages� an dieser Stell? mit Freude begrüßen, da das Haus aus diese Weise abermals vor die Frage gestellt werde, wie eS sich zu den gewerkschaftlichen Arbeiterorganisationen stellen wolle. Der General Sirt v. Arnim meinte, die Militär- behörden seien nicht nur von dem größten Wohlwollen für die Arbeiter erfüllt, sondern lebten auch mit ihnen im besten Einvernehmen: nur„eine gewisse Presse" suche dieses Ein- vernehmen zn stören. Heber die Arbeiterausschüsse und die Frage der Verhandlung mit den Arbeiterorganisationen schwieg er sich klüglich aus. Die Abstimmung über die Resolution und das Amendc- ment wurde bis zur dritten Lesum, vertagt. Dann wurde die zweite Lesung des Militäretats zu Ende gebracht. Bülows Mazedonier. Die„N o r d d. A I l g e m. Z t g." ahmt mit stoischer Bc- harrlichkeit den Schwindlertrick nach, durch den„taubstumme". angeblich gewaltsam ihrer Zunge beraubte Mazedonier un- längst mitleidige Seelen in Berlin schröpften, bis ihnen die Polizei das Handwerk legte. Das offiziöse Organ hat diesen Mazedoniern ihren Trick abgesehen: es hat die Zunge verschluckt und spielt den Taubstummen. Selbst unsere Ver- suche, sie durch einen Druck auf ihren Kehlkopf zum Aufgeben ihrer Komödie zu veranlassen, sind bis heute vergeblich ge- Wesen. Das offiziöse Organ schweigt, schweigt... Es. vermag nichts zu entgegnen, da ignoriert es über- Haupt unsere Feststellungen, um die Blamage möglichst zu vertuschen! Dagegen versteht eS sich von selbst, daß die„Nord d. A l I g c m. Z t g." heute den frechen Schwindel von dem „Rückgang der Sozialdemokratie" im Kreise Teltow-Beeskow, den wir an anderer Stelle ausführlicher erwähnen, ebenfalls unbesehen abdruckt. Ob das Blatt wenigstens diesen Schwindel berichtigen wird? I— Verspätete Reue. In einer liberalen Volksversammlung in Dessau sprach der ReichStagSabgeordnete Karl Schräder über die Blockpolitik. Er führte u. a. aus: „In der Frage der preußischen Wahlreform, dem Prüfstein für die Ehrlichkeit der Politik des Fürsten Bü low, habe der Reichskanzler die steisiunigen Erwartungen nicht erfüllt. Auf diesem Gebiete sei von Biilow überhaupt nichts zu erwarten. Die Antwort, die die Freisinnigen im Abgeordnetenhause gegeben haben, habe in weitesten Kreisen verstimmt. Die deutliche Zurück- Weisung, die das Volk erwartet habe, sei nicht erfolgt. Dieö fei ein Fehler. In weiten Kreisen werde nicht nur dem Fürsten Bülow, sondern auch dem Verhalten der Liberalen Mißtrauen entgegengebracht. ES sei zu erwarten, daß das Versäumte noch nachgeholt werde. In einer Resolution b e d a ci e r t e die Versammlung daS schwäch licheVerhalten der freisinnigen LandtagSsraktion gegenüber der rücksichtslosen Zurückweisung der freisiiiuigen WahlrechtSauträge durch den Fürsten Bülow." DaS Geständnis, daß die Politik des Freisinns ein Fehler war, — wir müßten allerdings einen viel schärferen Ausdruck gebrauchen ist immerhin wertvoll; jedoch können wir von Versuchen, diese Fehler gut zu machen, nicht daS geringste bemerken. Die freisinnige Fraktionsgemeinschaft hat sich auch nach dem 10. Januar als die unbedingte sie Stütze der Bülowitischen Blockpolitik bewährt. In der Politik genügt die ErkemituiS allein nicht. An Taten hat eS aber auch die Freisinnige Ver- einigung im Reichstag vollständig fehlen lassen und sich den Geboten der Fraklionsgemeinschaft willig untergeordnet. Mit der Einsicht in das Notwendige ist nichts getan, wenn man nicht die Energie aufbringt, das Notwendige auch zu wollen.— Mugdan heimgeschickt. In einer Versammlung des fortschrittlichen Vereins des PotS- damer Stadtviertels sprach das Blocksaltotum Mugdan über das Landtagswahlrecht, in der Art, wie diese Leute nun einmal reden. Er versicherte, fortwährend unterbrochen durch Gelächter und höhnische Zwischenrufe, daß die Freisinnigen ihre Prinzipien hoch- halten und daß die Straßelidemonstrationen entsetzlich schädlich seien. I» der Diskussion sprach zunächst Stadtverordneter Rechtsanwalt Marggraff, der dem offiziellen Freisinn sein Sündenregister vor- hielt. Schon bei den Stichwahlen hätten die Freisinnigen den Reaktionären 36 Mandate zugeschanzt. In der WahlrechtSstage hätten sich Fischbeck und Pachuicke jammervoll benommen. Vielleicht bekämen die Freisinnigen jetzt noch von der Börse Geld, nach Verabschiedung des Börsengesetzes werde auch daS auf- hören. Die Verurteilung der Straßendemonstrationen sei eine Verleugnung aller demokratischen Grundsätze. Die Haltung der„Freisinnigen Zeitung" sei schmählich. lLaute Pfuirufe.) Die LandlagSabgeordnetcn berücksichtigten nur die Wähler erster und zweiter Klasse. Auch andere Freisinnige sprachen scharf gegen die Blockpolitik, die nur der Mugdancse HanS Barth. ein Berliner Stadtverordneter, verteidigte. Dann kam Herr v. G e r l a ch zum Wort, zunächst mit grobem Lärm von einem Teil der Versammlung empfangen. Er erklärte, daß kein Kultur- mensch das Recht auf die Strasze be st reiten dürfe. Er habe sich über die Strabendemonstrationen gefreut, denn dadurch hätten die Arbeiter be- wiesen, daß wenig st cns sie keine Hundeseelen seien und sich nicht alles von den Junkern gefallen liehen. Dort wo die Freisinnigen die Macht dazu gehabt hätten, im Reichstag, hätten sie schmählich versagt. Der WahlrechtsauSschuß habe abgelehnt, grohe öffentliche Bolls- Versammlungen zur Agitation für daS gleiche Wahlrecht einzuberufen. Für den wahrhaft volkStünilichen Kampf müsse man die Bundesgenossen überall nehmen, wo man sie findet, z. B. auch bei der Sozialdemokratie. Die Sozialdemo- kratie zeige ein bewuitderS wertes Maß von politischer Vernunft und die Freisinnigen ebenso viel doktri- näre Verblendung. Aehnlich sprach Dr. Barth. Die politische Ehre deS Freisinns hätte erfordert, dah man Bülow, nachdem er den Freisinn so miserabel behandelt hätte, möglichst rasch über die Klinge hätte springen lassen. Aber seit Jahrzehnten ist die demokratische Gesinnung des Freisinns in Dekadenz und vom Programm spricht man nur noch an den hohen politischen Kirchenfesten.(Zurufe: Roter Adlerorden I) In der Finanzreform betreibt Bülow die Politik eineS Bankrotteurs, der wegen betrügerischen Bankrotts ins Gefängnis gehörte. Das Landtags- Wahlrecht muh mit allen gesetzlichen Mitteln erkämpft werden, also auch mit Strahendemonstrationen. Wenn die Polizei ruhig beiseite stünde, würde die Sozialdemokratie bei ihrer großen Disziplin schon für Ruhe und Ordnung sorgen. Das Demonstrieren ist ein wirksames Mittel gerade für den Philister, der sich sonst so schwer zu ernsthaftem politi- schen Kampfe aufrafft. Dadurch würde er gemahnt, seine Pflicht zu tun für die unterdrückten, entrechteten, arbeitenden Massen, die heute nichts weiter haben als den Hohn der Mächtigen. Mugdan verteidigte dann nochmals seine Politik, worauf ihm zwei freisinnige Arbeiter aus dem Hirsch-Dunckerschen Gewerk- verein entgegentraten. Sie seien ebenso fürDemonstrationen, wie die Sozialdemokraten. Der freisinnige Wahlrechtsausschuß sei ein Ausschuß zur Verhinderung der Wahlreform. Bei dieser Führung müßten auch die letzten Arbeiter Ab- schied von der freisinnigen Partei nehmen. Schließlich wurde eine Resolution, die einen energischen Kampf ohne jede Rückficht aus die Blockpolitik fordert, mit allen gegen drei Stimmen angenommen.—_ Wie die bürgerliche Presse berichtet! Die bürgerliche Presse bringt heute eine Notiz, die an Verdrehungen und Entstellungen so Unglaubliches leistet, dast sie der„Post" oder der„Freis. Ztg." zur Zierde gereichen würde, obwohl sie sogar von der„ V o l k s- Z t g." gebracht wird! Die Notiz lautet: lieber den Rückgang der Sozialdemokratie im Kreise Teltow- Beeökow- Eharlottenburg wurde in der Generalversammlung des sozialdemokratischen Zentralwahlvereins filr diesen KmS lebhaft Klage geführt. Während in früheren Jahren der Zuwachs an politisch organisierten Parteigenossen nach vielen Tausenden z ä h l l e, habe die Gesnmtmitgliedcrzahl im letztenJahrc kaum LOOO betrage». Sehr bcdcnccrlich seien die Massenaustritte aus den Wahlvereincn. bei denen sich nicht weniger als övov Mitglieder abgemeldet haben. Die Ausgetretenen gingen der Partei meist auch als Wähler verloren. In einer ganzen Reihe von Ortschaften habe sich das VerhältuiS der Organisierten zu der Zahl der sozialdemo- kratischen Wähler noch erheblich verschlechtert. Auch die Kasseuverhältniffe seien recht unbefriedigend. Die größten Bororte im Kreise, wie Wilmersdorf und Charlottenburg, nähmen zwar ständig an Einwohnern zu. der Zuwachs käme aber lediglich den bürgerlichen Parteien zugute; die Position der Sozial« demokratcn in diesen Orten werde immer schwächer. Nur in 74 von 407 Ortschaften ständen der Partei Versammlungslokale zur Verfügung. Diese Darstellung, die aus dem Bericht des„Vorwärts" zusammengcschncidcrt worden ist, ist ein Nonplusultra an Vergewaltigung der Tatsachen! Da soll die Mitglicderzahl des Zcntralmahlvereins 1907 nur 2000— zweitausend!— betragen haben. In Wirklichkeit betrug sie, wie ganz u n m i tz v e r st ä n d l i ch im„Vorwärts"- Bericht, also der Quelle der„Volks- Zeitung", zil lesen stand, gerade zehnmal soviel, nämlich 20373 gegen 18 377 im Jahre 1906. Das der Rückgang der Sozialdemokratie in Teltow-Beeskow! Es schieden aus dem Wahlvercin 6000 Mitglieder aus, aber es traten 8000 neu ein— diese 8000 unterschlägt aber einfach der Skribifax der„Volks-Ztg." Der„Rückgang" der Sozial- demokratie trat auch in der Verbreitung des„Vorwärts" zu- tage: er betrug 1906 nur 24 355, 1907 aber 28 355 Abonnenten. Und so iveiter! Die bürgerliche Presse ist also bös aufgesessen. Der Teil von ihr, der es mit der Wahrheit genauer nimmt, sollte doch der betreffenden Korrespondenz zu verstehen geben, daß sie ihre Berichte da ablagem sollte, wohin sie gehören: in den Organen deS Reichslügenverbandes!— Sächsischer Wahlrechtsjammer. Die Wahlrechtsvorloge der sächsischen Regierung ist bekanntlich einer besonders gebildeten Wahlrcchtsdeputation überwiesen worden, die aus 23 Mitgliedern besteht, eine für den sächsischen Landtag außerordentliche KommiisionSstärke. Aber die große Zahl der Wahlrechts koche scheint den Beratungen nicht zum Vorteil zu gereichen. Großes Vertrauen ist der Deputation, in der sich die konservativen WahlrechtSfeinde die Mehrheit gesichert haben, ja von Anfang an nicht entgegengebracht iverden, direktes Mißtraurn aber machte sich stark fast allerwärts bemerkbar, als beschlossen wurde, bis auf weiteres geheim zu verhandeln. Seitdem hat die geheime Deputation etwa 1b Sitzungen abgehalten. Man müßte annehmen, daß nunmehr endlich etwas zustande gekommen. ctivas beschlossen wäre. Aber nichts von alledem. Die schon gekennzeichnete Geheimhaltung verhindert zwar, sich ein völlig über- sichtliches und klares Bild über die Verhandlungen zu machen; es ist aber doch soviel aus dem reaktionären Dunkel der Deputation heraus- gedrungen und in die bürgerliche Preffc gelangt, daß es schon möglich ist. zu erkennen, wie trostlos verfahren die Dinge in der Wahlrechts- deputation sind. Die bis jetzt gefaßten Beschlüsse sind prinzipieller Natur und lassen gerade deshalb die erzreakionären Absichten der bürgerlichen Mehrheit, besonders der Konservativen erkennen. Wohl in zehn Sitzungen soll man darüber diskutiert haben. auf welche Weise man am besten den kapitalistischen Parteien durch Zuteilung von Zusatzstimmen das Uebergewicht sichern soll; unausgesetzt soll sich die Diskussion darum gedreht haben, wie man daS mit den Plural st immen einzurichten hat, damit sie nur den bürgerlichen Parteien und nicht zum Teil auch der Sozialdemokratie zugute kommen. Bei diesem Bemühen soll sich die bürgerliche Mehrheit für eine große Anzahl Zuschlagsstimmen entschieden haben. die vorwiegend auf Grund des Einkommens, der A n s ä s s i g- keit, der Bildung, der wirtschaftlichen Selb st ändig- keit usw. erteilt werden sollen. Es soll übrigens die Absicht be- stehen, in derselben Weise, wie über das Pluralwahlrecht verhandelt worden ist, über das Bcrufswahlrecht zu diskutieren und zu be- schließen. So beabsichtigt man offenbar, alle Wahlsysteme zu diS- kutiercn. Bei diesem Treiben in der Wahlrechtsdeputation ist es kein Wunder, daß'immer häufiger die Ansicht austaucht, es sei der konservativen Mehrheit nur um eine Verschleppung der Wahlrechtsreform zu tun. Ja, daS Mißtrauen ist so stark, daß sogar konservative Blätter, wie daS„Chemnitzer Tageblatt", das langsame Vorschreitcn der Verhandlungen in der WahlrechtSdeputation als sehr bedenklich bezeichneten. Daraufhin hat zwar die Regierung versucht, dem starken Unbehagen, daS sich auch in bürgerlichen Kreisen zeigt, durch Beruhigungspillen beizu- zukommen; aber die Art, wie sie betonte, sie iverde gegebenenfalls auf eine Beschleunigung der Wahlrechtsreform dringen, zeigt nur, daß sie selbst kein rechtes Zutrauen hegt. Die Dinge liegen in Wirklichkeit wohl so: Die Konservatiben möchten am liebsten die ganze Wahlrechtsreform unmöglich machen, denn sie befürchten von jeder Wahlrechtsändorung eine Schwächung ihreS Besitzstandes. Mit Recht sind sie der Ansicht, daß ihnen kein Wahl- recht so günstig ist, wie das Dreiklasscnivahlrecht. Sie geben sich jetzt den Anschein großer Geschäftigkeit in der Wahlrechts- deputation, trachten aber offenbar danach, die Sache in den Sand zu fchiebeir. Etwas anders betrachten die Nationalliberalen die Sache, die eine Vermehrung ihres Besitzstandes von einer Wahl rcchtsreform in Wirklichkeit von einem neuen Wahlunrecht hoffen. Die Konservativen aber haben die Mehrheit. Wenn sie bisher mit ihren wahlrechtsreformfeindlichen Absichten noch nicht offen herausgerückt sind, so deshalb, weil sie nicht offen mit der Regierung anbinden wollen und von einer etwaigen Landtagsauflösung der Wahlrechts- reform wegen trotz des DreiklassenwahlrechtS das schlimmste er- warten. Dies Bedenken nur hält die Konservativen in Aschach. Sie geben aber die Hoffnung nicht auf, daß durch Hinausschieben der Wahlrechtsreform fiir sie noch alles gerettet, das heißt das Dreiklassenwahlrecht erhalten werden könnte!— Ein christlichsoziales Blatt billigt den Fürstenmord. Das chri st lichsoziale.Borarlberger Volksblatt" (das Organ deS Abg eordneten Dr. Drexel), beurteflt die Ereignisse in Portugal folgendermaßen: ...„Den Abschluß der revolutionären Bewegung bildet somit ein blutiger Fürstenmord. Gewiß, jeder Mord, such der Tyrannen mord, ist ein Verbrechen. Aber im vorliegenden Falle waren die Mörder die Diener der öffentlichen Meinung und der empörten Stimmung des Volles. Das portugiesische Königshaus wurde von einer schier gerechten Strafe ereilt.... Der Mord und die Mörder an sich find zu verdammen— aber, aber das Volk hat gesprochen. „DeS Volkes Stimme ist Gottes Stimme!" Das Gericht des Volkes in seiner Begründung läßt sich vollauf verstehe n." Der Leipziger Gesinnungsgenosse deS österreichischen anti semitischen Abgeordneten, Herr T h e o d o r F r i t s ch. der es ein „gutes Werk" nannte, wenn jemand Bebel, Singer oder Stadt Hagen„spieße", weil die Sozialdemokratie nicht Tränenströme über den Tod des portugiesischen Königs vergoß, kann jetzt seinen „Hammer" auf daö Haupt seines Gesinnungsgenossen niederschmettern lassen, der den KönigSmord eine„gerechte Strafe" nannte I—_ Es hat nicht sollen sein! Das Strafverfahren, das gegen den Genossen Adolf Soffmann wegen Beleidigung des preußischen Landtages, Vev ächtlichmachung bestehender Staatseinrichtungen, öffentlicher Be- leidigung und anderer Kleinigkeiten im Vorverfahren eingeleitet war. ist, wie der Staatsanwalt dem hartgesottenen Sünder untcrin 8. Februar mitteilt, eingestellt worden. Schade, er hätte so gern erfahren, wie es. ihm möglich war, den preußischen Landtag verächtlich zu machen.—_ Dir Kultuödebatte der badischen Kammer gab der sozial demokratischen Frastion Veranlassung, die Frage der Trennung der Kirche und des Staates zu behandeln. Genosse Lehmann er- klärte die Gründe der Ablehnung der geforderten Erhöhung der Pfarrergehälter durch einen'Staatszuschuß und verwies die notleidende Geistlichkeit auf die Verbesserung der Kirchensteuer und auf die Verichälfung der Gebühren für kirchliche Fimknonen. Der andere Weg leide an der Unehrlichkeit, daS Volk zu täuschen über die wahre Höhe seiner Besteuerung für religiöse Zwecke. Die Sozial- demokratie lehnte dementsprechend die Dotation ab.— „Die Sozialdemokratie hat uns auf den Schwung gebracht!" Am Sonntag fand in H a m in der märkische Parteitag der Zentrumspartei für die Wahlkreise Hamm-Soest, Dort- mund- Hörde, Bochum- Gelseukirchen, Altena- Iserlohn und Hagen- Schwelm statt. Der Parteisekretär Böhm redete über die Or- ganisation. Dabei sagte er: „Wie im Heere, so muß cö auch in einer Organisation Führer, Offiziere. Unteroffiziere und Mannschaften geben. DaS ist not- wendig, denn die beste Sache läßt sich nicht durchsetzen, wenn sie mangelhaft vertreten ist. Die Sozialdemokratie hat den Parteien gezeigt, was organisieren heißt, und sie hat auch uns auf den Schwung gebracht." Das stimmt allerdings. Die eigentliche ZcntrumSorganisatlon. der Volksverein für!vis katholische Deutschland, ist gegründet worden im Jahre 18V0. nach dem Fall des Sozialisten« gesetzeS und nach dem großartigen Wahlsieg der Sozialdemokratie— und der Volksverein entstand, wie offen bekannt wird, zu dem Zweck, die Sozialdemokratie zu beläinpscn. Auch die übrige OrganisalionS- tätigkeir des Zentrums: die Gründung der ch r i st l i ch e n G e- werkschaften, der Ausbau der A r b e i t e r- u n d I u g e n d- vereine, ist auf die Abwehr der Sozialdemokratie zurückzu- führen, und io hat allerdings der nltramontane Parteisekretär recht: ,. Die Sozialdemokratie hat das Zentrum auf den Schwung gebrach t." Ohne die Sozialdemokratie würde da« Zentrum in seiner gemächlichen Ruhe verharren und sich den Teufel um seine Wähler schere». Wie gut übrigens das Zentrum von den Sozialdemokraten ge- lernt hat. beweist die Mitleiliing des»ltramontanen Parteisekretärs, daß der Volköverein in Gelse»kirchen-Stadt und-Land nicht weniger als 1000 Vertrauensleute hat und daß in Aktena-Jserlohn auf acht Zentrumswähler ein'Vertrauensmann kommt. Hier könnte allerdings wieder die Sozialdemokratie vom Zentrum lernen und es würde nicht sch rdeü, ivenn an manchen Orten die Sozialdemokratie sagen könnte, daß dav Zentrum uns„auf den Schwung gebracht" hätte.— Dje LerfaffungSfrage wird gegenwärtig in den Reichslanden leb- Höst besprochen. Die Sozialdemokraten Elsaß-LothringenS wünschen selbstverständlich eine bollstäudige Autonomie deS Lande? unter einer republikanischen Regierung, während die bürgerlichen Kreise sich einen Regenten oder eine Dynastie wünschen. Jnleressant ist eS, wie ein elsäsfischer ZentrumS-ReichStagsabgeordncter, Dr. Vonderscheer- Straßburg, über diese Frage denkt. Der„Petit Parisien" ver- öffenilicht ein Interview dieses ReichstagSabgcordncten, in dem eS unier anderem heißt: „Da er an eine Erfüllung der ihm am meisten sympathischen Forderung einer Republik nicht glaubt, sieht Bonderscheer wenig Vorteil für Elsaß- Lothringen auS einer jetzt erfolgenden Verfassungsrevision. Wenn man wenigstens einen von Preußen im- abhängigen süddeutschen Prinzen auf den Thron setzen würde. Da man aber einen hohenzollcrnscken oder norddeutschen Prinzen wählen wird, so würden die elsaß-lothringüchen Slimmen im Bundesrat einfach eine Verstärlung deS an sich schon iibetmächtigen Preußens bedeuten. Elsaß-Lothringen hätte dann keinen Vorteil, als den einer großen Zivilliste und einer noch teureren Regierung, als der jetzigen. Ist unter solchen Umständen die Verfassungsänderung wirklich wünschenswert? Daran könne man zweifeln und Bonderscheer glaubt, daß eS besser wäre, Elsaß-Lothringen bleibt, waS cS ist und wartet die Ereignisse ab." Das Wahlluvert bei den GemeinderatSwahlcn. Die Zentrums- fraktion des elsaß-lothrin zischen LandeSausschiisses hat einen Antrag eingereicht, nach dem bei den Gemeinderatswahlen zur Abgabe der Stimmzettel Wuhlknverts ähnlich wie bei den RcichStagswahlen zu verwenden sind.— Kommunalwahlen nach dem Proporz. Es ist ein gewisses System der bürgerlichen Parteien, in Körper- schaften, in denen die Majorität der Vertreter Sozialdemokraten sind, das Wahlgesetz derart umzugestalten, daß die Minorität durch das Proporzwahlsystem einige Sitze zufallen müssen. Auch im„libe- ralcn" Staate Oldenburg kam aus Betreiben der Delmenhorster Stadtverwaltung das genannte Wahlsystem für die Kommunen zur Einführung. Aber leider nicht obligatorisch, sondern cö ijt den Äommunalverwaltungcn freigestellt, cS anzu- wenden. ES kam vorige Woche zum ersten Male in D e l m e n- Horst zur Anwendung. Mit dem Erfolg können wir zufrieden sein. Neben unserer Kandidatenliste waren eine Zentrumsliste und zwei weitere bürgerliche Listen eingereicht worden. Auf unsere Liste entfielen 883 bis 886 Stimmen; die Zentrumsliste vereinigte 170 bis 177 Stimmen auf sich und die bürgerlichen Listen 391 bis 411 resp. 377 bis 384 Stimmen. Der Stimmen- zuivachs betrug auf unserer Seite 108 Stimmen, auf bürger- licher Seite dagegen nur 12, cS entfallen demnach von den zu ver- gebenden 12 Sitze» 6 auf die Sozialdemokratie, 1 auf das Zcn- trum, b auf die übrigen„gepaarten" Parteien. Die Wahlbeteili- gung betrug etwa 88 Proz.; von 21ö0 eingetragenen Wählern übten 1874 ihr Wahlrecht aus.>— Tie Wahlen zur Stadtgebictsver- tretung(Gebiet außerhalb der eigentlichen Stadt), die gesondert stattfanden, brachten ein besseres Resultat, obwohl hier nur von 721 eingetragenen Wählern 437, also etwa 88 Proz., von ihrem Stimmrecht Gebrauch»lachten. Von den 437 Stimmen entfielen auf die sozialdemokratische Liste 381, auf die bürgerliche nur 130 Stimmen, so daß 7 Parteigenossen und 3 Blockbrüdcr gewählt sind. Da von den zuletzt Gewählten 3 Parteigenossen auch dem Gc- samtstadtrat angehören, ziehen somit 9 Genossen ins Stadt- Parlament, aus dem sie einige Jahre verdrängt ivaren. Scheiden noch drei Jahren die jetzt noch amtierenden Mitglieder aus, dann wird unser Sieg ein vollständiger werden und in diesem Stadt- Parlament eine sozialdemokratische Mehrheit vorhanden sein.— Ein Fiasko des Zeugniszwangsverfahrens. Der durch das Zeugniszwangsverfahren gegen den verantwortlichen Redakteur der Straßburger„Freien Presse", Genossen Max Schneider, in weiten Kreisen bekannt gewordene Welcidigungsprozeß des Holz- Händlers Meyer gegen das Gemeinderatsmitglieo Genossen Thomas in Bischweiler wurde nunmehr beendigt. Genosse Schneider war wieder als Zeuge geladen. Er verweigerte wie im ersten Termin die Auskunft über die Verfasserschaft deS Artikels. Daraus wurde Genosse Thomas von der Anklage der Beleidigung freigesprochen. In der Urteilsbcgrüiwung führte das Gericht auS, daß zwar eine starke Vermutung bestehe, daß ThomaS den Artikel geschrieben habe, daß aber infolge der Zengnisperweigerung Schneiders ein Beweis hierfür nicht erbracht fei.—_ fl-ankrdcb. Die Karriere des sozialistischei, Renegaten. Paris, 11. Februar. Wie verlautet, hat die Regierung nun- mehr beschlossen, den bisherigen Gencralgouverneuer von Mada- gaskar Augagneur zum Gcneralgouverneur von. I n d o ch i n a zu ernennen als Nachfolger Bcaus, der den Gesandt- schaftsposten in Brüssel erhält. Tentsch-französische Annäherung. Paris, 18. Februar. In einer Versammlung französischer Kaufleute, in welcher der ehemalige Generalresident von Tunis Rene Millct den Vorsitz führte, wurde die Bildung einer f r a n- zösisch- deutschen Handelsorganisation beschlossen mit der ausdrücklichen Bedingung, sich nicht mit Politik zu befassen und lediglich für die Verbesserung der kommerziellen Beziehungen beider Länder zu arbeiten. Portugal. Die Forderungen der Republikaner. Lissabon, 11. Februar.(B. H.) Die republikanische Zeitung „EI Mundo" schreibt: Alle Elemente der Bevölkerung sind geneigt, zur Ruhe und zum Frieden des Landes beizutragen, ohne daß die republikanische Partei ihre Grundsätze und Ansprüche beiseite setzt. DaS Blatt wirft die Frage auf. od die Regierung diese ausgezeichnete Gelegen- heit zu benutzen versteht; die Regierung müsse alle Beamte verab- schieden, welche die Bevölkerung gereizt hätten; sie müsse olle feindseligen Dekrete aufheben, eine weitgehende Amnestie bewilligen und bald die CortcSwahlen ansetzen, um den Willen des Volkes zu erforschen. Unentschlossenheit der Rcgiernng. Lissabon, 11. Februar. Der Ministerrat befaßte sich in seiner gestrigen Sitzung mit der Begn.adig»ng der Meuterer des Kriegsschiffes„VaSco da Gama". Ein definitiver Beschluß wurde nicht gefaßt, da die Minister den Bericht des Staatsrates abwarten wollen. In politischcit Kreisen wird behauptet, die Re- gierung beabsichtige eine Abänderung der Polizei- Organisation._ Verhaftungen. Madrid, 10. Februar. Nach Blättermcldungcn sind in Lissabon drei Sergeanten und ein Gefreiter verhaftet worden, weil sie für einen künftigffn Aufstand Wafifen beiseite geschafft haben. Snglanct. Der Kampf um die Flottenvorlage. London, II. Februar. DaS parlamentarische Zentrum der libe- ralcn Parteien hat beschlossen, eine Protestnote an Sir Campbell Banncrman zu richten, worin Einspruch gegen jede Verringerung der Flottcnbautcn erhoben wird. Eine Demonstration.' London, 11. Februar. Beim Eintreffen König Eduards in Brtghton, wo cr einige Tage lang als Gast des Herzogs von Five sein wird, versuchten Sozialisten,«ine Kundgebung zu veranstalten. Sie schickten sich an. dem königlichen Wagen zu folgen und ein Meeting zu inszenieren, wurden jedoch von der Polizei zerstreut. R-ulZUmcl. Ein n.euer Staatsstreich? Paris, tl. Februar. Der Petersburger Korrespondent des »Petit Parisien" berichtet, es gehen neuerdings mit großem Nach- druck Gerüchte um. daß, wenn die Duma, wie es wahrscheinlich sei, sich weigern werde, die Marinekrcdite zu bewilligen, sie aus- gelöst werden würde, wie dies bei den beiden vorherigen Dumas der Fall gewesen sei. Nach dieser Auflösung würde keine neue Duma mehr einberufen werden; Stolypin würde sich dann zurückziehen und einer reaktionären Regierung Platz machen, an deren Spitze Akimow und D u r n o w o stehen würde. Kulgarien. Gutgemachte Mastregelung. Sofia, 10. Februar. Durch Verfügung des Unterrichtsministers erhielten alle von der früheren Regierung neucrnannten Uni- versitätsprof essorcn den Abschied und wurden durch die im Vorjahre wegen der Studentendemonstrationen gemaßregelten Professoren ersetzt. Hmmka. Vom Wettrüsten. Washington, 10. Februar. Der Ausschuß des Reprä- scntantenhauses für Marineangelegenhciten befürwortete außer dem Bau von zwei Schlachtschiffen der Delawarc-Klasse den Bau von 10 Torpedobootzerstörern sowie acht Unterseebooten. Ins- gesamt wurden für das Etatsjahr 101 Millionen Dollars für Ma- rinezwccke bewilligt. daß diese Branchenorganisation bollständig ausgerieben wird,»(er ist kürzlich krankheitshalber zurückgetreten) und großes An- Gcwerk fcbaftlicbc� Berlin und Qmgcgend. Wirrwarr! Die ehemaligen„Solalisten" scheinen jetzt völlig versprengt. Wieviel Anhänger in der anarcho-sozialistisch-syndikalistischen Ge- Werkschaftsform sich noch zusammengefunden haben, vermögen wir zurzeit nicht festzustellen, weil uns bis zur Stunde die letzte Nummer der„Einigkeit" noch nicht zugegangen ist. Wir vermuten, daß dies kein bloßer Zufall ist und haben Sorge getragen, daß Mr daö Blatt auf anderem als dem bisherigen Wege erhalten. Die Zcrbröckelung des Allgemeinen deutschen Metallarbeiter- Verbandes ist eine völlige. Die Kämpfe werden von beiden Seiten mit allen Mitteln geführt. Wir haben schon mitgeteilt, daß Wiesenthal den Redakteur S ch o n h e i m des„Deutschen Metallarbeiters" und den Kassierer W i e s n e r ihrer Aemtcr cnt- setzte. Das geschah, nachdem Wicsenthal selbst von einer Vorstandssitzung mit 8 gegen 4 Stimmen seiner Funktionen als Geschäftsleitcr enthoben war. Jede Seite der Streitenden hat also die andere„abgesetzt". Vorläufig ist Wiesenthal der'„Mächtigere"; denn er hat-.--»-..„.--■■„ die Zeitung und das Verband-Vermögen in seine Hände zu bringen Arbeiter wa�n die Berh� ab� und werden sich vorbehalte. gewußt. Wie das geschah, schildert ein Flugblatt, das von dem— sagen wir„syndikalistischen"— Splitter des zersplitterten„Allbeantragen die Unterzcichntcn, heute in der Genralvcrsammlung eine fünfgliedrige unparteiische Kommission, also von nicht in Funktionen sich befindenden oder befunden habenden Kollegen zu wählen, welche mit der uns am nächsten stehenden Organi- sation, dem D. M. A. V. im Namen des Vereins Berlin zwecks fünstiger Ucbertrittsbedingungen in Verbindung tritt. Wir er- uchen speziell die Rohrleger und Helfer, im Interesse unserer Branche sich diese Resolution zu ihrer eigenen zu machen. Es ist dies um so notwendiger, da der großen vereinigten Kapitalisten- masse eine große vereinigte Arbeitermasse gegenüber gesetzt werden muß, was wohl jeder von uns in letzter Zeit als not- wendig kennen zu lernen Gelegenheit hatte. Auch als Sozial- demokraten haben wir die Pflicht, die Einheitsorganisation der Gewerkschaften durch Anschluß an oicselbe fördern zu helfen. Wie wir erfahren, ist die Anzahl der Rohrleger, die hinter dieser Resolution stehen, so stark, daß damit die Beherrschung des Rohrlegergewerbcs durch die hinter W i e s e n t h a l stehende Gruppe in Frage gestellt ist. Damit wäre eine etwa beabsichtigte selbständige Rohrlegerorganisation ebenso dem Zerfall über liefert, wie die daneben bestehende syndikalistische Gruppe. Die Organisation, die sich den stolzen Namen„Allgemeiner Metall- arbeiterverband" zulegte, teilt also schnell das Schicksal derer um Kater. Zum Segen für die deutsche Arbeiterbewegung, die eine ernste Sache und keine Komödie ist! Lohnabzüge in der A. E. G. In einer am Sonntag im Swinemünder Gesellschaftshaus ab- gehaltenen sehr zahlreich besuchten Versammlung nahmen die Ar beiter und Arbeilerinnen der Wickelei und Jsolierabteilungen der A. E. G., Brunnen- und Voltastraße. Stellung zu den in allen Ab- teilungen vorgenommenen Abzügen. Der Branchenleiter Bartke wies in seinem Referate nach, daß die Interesselosigkeit der Arbeiter dieses Betriebes an den OrganisalionSarbeilen ihrer Branchen kollegen zum großen Teil schuld' fei an den jetzt unhaltbaren Zw ständen. Nach der letzten verunglückten Maifeier glaubten dieselben ihren Interessen am besten durch unerhörte Ueberstundenschieberei zu dienen. Auch mache die Zerrissenheit der Organisierten in verschiedene Verbände wie Transport-, Fabrikarbeiter- und andere Verbände ein einheitlickeS und schnelles Handeln fast unmög- lich. In der sehr regen Diskussion stellte sich heraus, daß die Firma ihre Konkurrenzfähigkeit mit der Erniedrigung der bisberigen Sluiidenverdienste ermöglichen will, was einer modernen, sich liberal geberdenden Firma nicht zur Ehre gereicht. Auch wurde der Nachweis erbracht, daß die Abzüge zum großen Teil die Firma selbst am schwersten schädigen, da bei den jetzigen Preisen schon die äußersten Anstrengungen gemacht werden müssen, um eine zuverlässige Arbeit liefern zu können. Die früher übliche Sauberkeit und Gediegenheit ist bei den ständigen Abzügen nicht mehr möglich, zum Schaden für das Renommee der Firma. Auch wurde moniert, daß der Gewerbeinspektor eine Neuerung im Verlöten, nicht, wie man erwarten konnte, im Be- triebe, sondern außerhalb deS Betriebes besichtigt hat, waS das Vertrauen zu diesem Beamten nicht fördern kann. ES wurde beschlossen, in allen Abteilungen, in denen Abzüge vor« genommen sind oder werden, alle Instanzen durchzugehen, um die geplanten Abzüge rückgängig zu machen. Die gemeinen" Verbandes herausgegeben wurde. Der Verein Berlin hatte bis dato ein Vermögen von welcher Weg einzuschlagen ist. Man sah es den verbitterten Gesichern an, daß es ihnen Ernst ist mit der Abwehr der Ber- schlechterungen. Oeutkcheo Reich. SOSOO M. der Deutschen Bank angelegt Giranten desselben' � � Asbest?" In M aZd e?u?�ind innerhalb der waren Moritz, Kanrercr, Zedier, Vorsitzender, und Gud de, j � g- zwei neue sogenannte„Werkvereine" gegründet Schriftführer dcö Vereins. Das Scheckbuch befand sich im Gc- worden, für den Betrieb der Firma Otto G r u s o n u. Co. und wahrsam des Kassierers Moritz, der auf W i e s e n t h a l s> für die Maschinenfabrik Buckau A.-G. Damit bestehen in Seite steht. In einer der letzten Vcreinsvorstandssitzungen wurde � Magdeburg fünf gelbe„Arbeiter"vereine und außerdem noch der dem Vereinsvorstand der Auftrag zuteil. 7000 M. zwecks Regelung verschiedener Ausgaben abzuheben. Zedier unterschrieb als Girant, wie bisher üblich, am 23. Januar ein Blanko--Akzept, das der Kassierer Moritz anstatt mit der beschlossenen Summe von 7000 M. zu verschen mit 20 400 M. ausfüllte. Diese Summe hob er bereits am Montag, den 27. Januar, ab, ohne den anderen Giranten eine Mitteilung davon zu machen. Am 30. schöpfte Zedier Verdacht, daß mit seiner Dlanko-Unterschrift Mißbrauch gc- trieben sei und ging zur Bank. Dort wurde ihm die Mitteilung, am anderen Tage wiederzukommen. Am folgenden Tage, den öl., erfuhr Zedier auf der Bank den nackten Tatbestand, daß 20 400 Mark von Moritz abgehoben und nur 112 M. noch vorhanden seien. . Inzwischen hatte das„Wiescnthal-Kollcgium"(Ausdruck des 'Flugblattes) von einzelnen Maßnahmen seiner Gegenpartei Kenntnis erhalten und so kam es. daß der Vereinsvorsitzende Zedier, als er am Sonnabendnachmittag sein Bureau aufsuchte, von Moritz aus demselben hinausgewiesen wurde. Zedier leistete dem erklärlicherweise mit Hinweis auf seine Eigenschaft als Vorsitzender des Vercinch der das Bureau gemietet habe und mit weiterem Hinweis auf seine gc- schäftlichc Tätigkeit keine Folge, und so sprang sofort der gleichfalls im Bureau anwesende Wiesenthal für Moritz ein und ließ die Polizei holen, die dann Zedier entfernte. Damit war diese, je nachdem man will, lustige, besser gesagt aber traurige Komödie in der Arbeiterbewegung nicht zu Ende. Die Syndikalisten machten gegen W i e s e n t h a I und M o r i y Anzeige wegen Veruntreuung der 20 400 M. Wiesenthal war aber wieder der raschere gewesen. Er verließ das Polizei- Präsidium, wo er, um ein Einschreiten der Behörde zu verhindern. „Aufklärung" über die Vorfälle gegeben hatte, schon in dem Augen» blicke, als seine Gegner dasselbe zwecks Erstattung der Anzeige betraten. Da das abgehobene Geld nicht angegriffen, sondern nur anderwärts deponiert ist, dürfte auch der Staatsanwalt kaum Arbeit bekommen, sondern höchstens der Zivilrichter. Am Sonntag fand nun in Dräsels Festsälcn eine General. Versammlung des Allgemeinen Metallarbeitervcrbandes statt, in der sich— wenn es nicht zu einer geschlossenen Einigung der Rohr. leger mit dem Metallarbeiterverband kommt— eine dritte Ab- splitterung vorbereitete. Die Generalversammlung, in der zunächst Wiesenthals Gegner statutenmäßig Anspruch auf die Leitung machten, kam wegen Lärmens zur Auflösung. Damit hatte aber Wiesenthal gerechnet, der sofort eine neue, rechtzeitig vor- her angemeldete Versammlung eröffnete und da? Bureau mit seinen Freunden besetzte. Auch diese Versammlung mußt« später abgebrochen werden, weil sie solange tagte, daß sie das Feld rcsultatlos einer anderen Gesellschaft räumen mußte, an die der Saal vermietet war. In der zweiten Versammlung— und das scheint unS das wichtigste— wurde nun die folgende Resolution eingebracht: Die heute, den 9. Februar 1908. in Dräsels Festsälen tagende Generalversammlung des Allgemeinen deutschen Metallarbeiter- Verein reichstreuer Arbeiter, der o f f i z i e l l zu dem Reichsverband in nahen Beziehungen steht. Am Sonnabend sprach der Heraus- geber des gelben Blattes„Bund", Herr Rudolf L e b i u s, im Arbeiterverein des Krupp-Grusonwerks über„Unsere moderne l!) Arbeiterbewegung". Erheiternd wirkte seine Erklärung des Be- griffes„modern". Die Sozialdemokratie und die freien Gewerkschaften seien altmodisch, dagegen rc- präsentierten die„gelben" Werkvereinc die� moderne Arbeiterbewegung, da sie sich den Verhältnissen anzupassen wüßten. Eine hübsche Umschreibung für den Ausdruck„Streikbruch!"— Der Reichsverband richtet gegen Ende dieses Monats einen auf vier Wochen berechneten Kursus zur Aus- bildung von Rednern in Magdeburg ein, zu dem„national gc- sinnte Männer aus allen Ständen und Berufen" herangezogen werden sollen, insbesondere Arbeiter und Handwerker, die bereits einige Wortgewandtbeit besitzen, denen es aber an geistigem Rüst- zeug und Schulung fehlt! Der Lehrplan sieht so aus: 1. Arbeiter- recht auf Grund der Gewerbeordnung. 2. Die EntWickelung der deutschen politischen Parteien(Geschichte, Taktik und Ziele der Sozialdemokratie). 3. Heer und Flotte. 4. Handwerks- und Mittelstandsfragen, b. Kolonialpolitik. 6. Rede- kunst, parlamentarische Ordnung und praktische Agitation. 7. Ar- bcitervcryältniffe des In- und Auslandes. Besonders werden auch die Arbeitgeber gebeten, geeignete Teilnehmer namhaft zu machen. Der Reichsvcrband, der in Magdeburg einen General- sekretär namens Leufetj angestellt hat, will jetzt mit Gewalt die Sozialdemokratie vernichten. In den letzten Tagen überschwemmte er ganz Magdeburg, besonders abhängige kleine Handwerker und Kleinkrämer mit seinen Drucksachen, tn denen er zum Beitritt aufforderte, wobei er als Lockmittel prahlerisch seine„Erfolge" bervorhob. Daß charaktervolle Leute nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen, hat er allerdings nicht verraten!— Für Metallarbeiter ist bei Annahme von Arbeit daraus zu achten, daß jetzt bestimmte Firmen Leute einstellen, um Lohn- drückerei vornehmen zu können. Aus dem Grunde und anderen Ursachen bestehen Differenzen in Roßleben: Maschinen- fabrik und Eisenwerk Roßleben, Aktiengesell- schaftinSuhlundHeinrichSbeiSuhl.Simsonu. Co., Waffen fabrik, Kriegsfahrzeug- und Fahrrad- werke; in Schönebeck a. E.: Metallindustrie und Fahrradfabrik Weltrad.- In obigen Werken kann kein solidarisch gesonnen« Metall« arbeiter Arbeit annehmen. Achtung, Zimmerer! In Hagen i. SB. haben in der Fabrik von Funke u. Huck sämtliche Zimmerer wegen Reduzierung des Stunden- lobnes um 4 Pf. die Arbeit eingestellt. In BetraBt komint noch. daß die Finna bisher schon 2 Pf. unter dem tarifmäßigen Lohn von öl Pf. pro Stunde zahlte. Da die Fertigstellung der Arbeit drängt. versucht die Firma von außerhalb Zimmerer heranzuziehen und ist dieserhalb der Zuzug von Zimmerern nach Hagen streng fernzu- halten. Hustand. Die amerikanischen Kohlengräber haben zwei starke Organi- sationen, die United Mine Workers of Amerika und die Western eiteln. Federation of Miners. Die erste ist die stärkste und gehört dem' amerikanischen Arbeiterbunde— American Federation os an. Die zweite war bisher die Hauptstütze der In! sehen genießt, empfiehlt die Verbindung als sehr wünschenswert und notwendig. Auf der 19. JahrcSkonferenz, die die United Mine Workers jüngst in Jndianopolis avyieUen. wurde gezeigt, wie dieser Verband seit 1897 gewachsen ist. Damals war die Zahl der Mit» glieder nur 9721, die im Jahre 1907 auf 263 726 gestiegen war. Im letzten Jahr war die Zunahme allein 35 905. Das feste Ver- mögen des Verbandes, das als Kriegsfonds bereit liegt, beträgt 900 000 Dollar. Die Organisationsarbeit ist unter den Kohlen» gräbern eine schwere und erfordert viel Umsicht und Menschen- kenntnis. Da sind alle Nationen der Erde vertreten und die Leitung muß Agitatoren in allen Sprachen heranbilden, um das Gewerkschastsprinzip zu propagieren und die Leute zum Anschluß an den Verband zu bewegen. Durch ihre starke Organisation haben die Kohlengräber manchen guten Erfolg errungen. Seit 1898 sind— nach Mitchells Tabellen, die er der Konferenz in Jndianopolis vorlegte— die Löhne um etwa 70 Proz. in die Höhe gegangen und die Arbeitszeit ist in vielen Distrikten von 10 auf 8 Stunden verkürzt worden. Der Einfluß der Sozialisten ist nicht sehr stark in diesem Verbände, obgleich mancher wichtige Posten von Sozialisten besetzt ist. In der Western Federation— dem Bunde der Kohlengräber der Weststaaten mit etwa 100 000 Mit- gliedern— haben sie dagegen sehr großen Einfluß gewonnen. Haywood, ein Führer dieses Bundes, der kürzlich in dem be- kannten Prozeß zu Idaho von der Anklage der„Verschwörung" freigesprochen wurde, ist Sozialist. Er erschien auf der Konferenz des Bruderbundes in JuiuanopoliS und hielt dort eine Rede zu- gunstcn der Vereinigung beider Verbände.— Man brachte Haywood eine große Ovation dar und beglückwünschte ihn zu seinem Sieg im Prozeß zu Idaho. Durch diesen Prozeß, der von der ganzen Arbeiterschaft aufmerksam verfolgt wurde, ist Haywood zu einer nationalen Berühmtheit gelangt. In der sozialistischen Partei spricht man davon, ihn für die Präsidentenwahl im Herbst d. I. als Kandidaten aufzustellen, umsomehr, als er gerade in Gewerkschaftskreisen sehr populär ist. Kongreß der italienischen Eisenbahner. Die geeinigte Organisation der italienischen Eisenbahner hat vom 29. Januar bis zum 4. Februar in R o m ihren zweiten Kongreß abgehalten. Von den 57 Sektionen des„Syndikats der Eisenbahner" waren 48 durch 60 Delegierte vertreten. Aus dem am vorletzten Tage abgegebenen Rechenschaftsbericht des Vor- standcs geht hervor, daß diese Gewerkschaft zurzeit 33 500 zahlende Mitglieder zählt, ein Jahreseinkommen von 183 145 Lire hat, dem eine Ausgabe von 181700 Lire gegenübersteht, und einen Kassenfonds von 48 667 Lire. Das Gewerkschaftsblatt,„Tribuna bei Ferrovieri", das alle vierzehn Tage erscheint, kostete im letzten Jahre 28 000 Lire und ergab an Einnahmen, da es den Mitgliedern kostenlos zugestellt wird, nur 423 Lire. Aus den Verhandlungen des Kongreffes sei die mehrtägige Diskussion über den Bericht des Zentralkomitees hervorgehoben, die den mißglückten Generalstreik vom Oktober 1907 betraf. Der Referent, Genosse Bielanorvida, versuchte ias Verhalten des Zentralkomitees bei dieser Gelegenheit zu rechtfertigen und vertrat die Ansicht, daß die Eisenbahnerorganisation nicht stark genug sei, um einen Generalstreik gegen die Regierung siegreich durchzuführen. Auch N i g o l a und Quarlino, als Vertreter der Konföderation der Arbeit, geben Erklärungen ab. um das Ver« halten der Konföderation zu verteidigen. Der infolge des Mai» länder Streiks gemaßregelte Eisenbahner Ercole berichtete, daß den Mailänder Eisenbahnern der Streik von den Reformisten aufgezwungen lvorden sei. Als Redner sich gegen den Streik aus, sprach, hätten ihn die Reformisten angeschrien:„Ihr seid Verräter, wenn Ihr nicht streikt!" Nachher hätten dann gerade die Rc- formistcn die Eisenbahner im Stich gelassen. Nach langer, heftiger Diskussion wurde mit 26 gegen 23 Stimmen, bei einer Stimm» enthaltung, eine Tagesordnung angenommen, die das Abstehen vom Streik billigt und das Verfahren der Konföderation tadelt, die die Tagesordnung gegen den Streik unter Umgehung der Eisenbahner direkt der Presse mitteilte. Gegen dieses Votum stimmten die Syndikalisten, die eine Tagesordnung vorgelegt hatten, in der dem Zentralkomitee wegen seines Verhaltens im Oktober Mißbilligung ausgesprochen wurde. Auch in der Frage der Taktik der Organisation behielten die Jntegralisten die Oberhand und brachten, gegenüber der antiparla- mcntarischcn Tagesordnung der Syndikalisten, eine Tagesordnung zur Annahme, die unter der Betonung des Prinzips des Klassen- kampfeS der Gewerkschaft von Fall zu Fall die Wahl der Kampf- Methode freistellt. In bczug auf das Memorial, das die Eisenbahner am 1. Mai der StaatSbahndircktion vorlegen werden und mit dessen Aus- arbcitung eine Kommission beschäftigt ist, wurde einstimmig bc- schlössen, die Wiedercinstellung der gemaßrcgeltcn Eisenbahner als erste Bedingung auszuitellen. Ferner wurde beschlossen, den Sektionen den Beitritt zu den Arbcitstammcrn zur Pflicht zu machen und das Eisenbahner» svndikat an die allgemeine Konföderation der Arbeit anzuschließen. Hetzte IVacbnchtcn und Oepe leben. Tic franzosische Schlappe. Paris, 11. Februar.(W. T. B.) Ter„Agence Havas" wird aus Mediouna vom 4. Februar telegraphiert: Die 5tolonne des Oberst Boulegourd, die am 2. Februar ein Gefecht hatte, war, ohne Widerstand zu finden, bis 23 Kilometer von Taouet vorgedrungen, hatte ein Dorf besetzt und ungefähr 4000 Stück Bich weggenommen. Das GroS der Abteilung rückte dann gegen eine ansehnliche Häusergruppe vor, welche sie in Brand steckte, als Marokkaner in großer Menge herankamen und die yn Zahl schwächere Kolonne um- zingelten. Das zur Bewachung der Viehherde zurückgelassene Detachement eilte zur Hülfe, die Jäger feuerten mehrere Male, und in diesem Augenblick wurde Leutnant Ricard um- ringt und getötet. Ein anderer Leutnant, der Kommandant der Mitrailleusenabteilung, befreite sich mit blanker Waffe. Als die Marokkaner die verlassene Herde sahen, führten sie dieselbe fort, indem sie vom Kampfe abließen, während die Kolonne Boulegourd sich staffelförmig bis Berreschid zurück- zog. Die Marokkaner, welche an dem Kampfe teilnahmen, werden auf 3000 bis 4000 geschätzt und gehörten zu den Mzanozostämmen und zur Mahalla Hafids. Die englischen WahlrechtSkämpferinnen. London. 11. Februar.(W. T. B.) Die Anhängerinnen de» Frauenstimmrechts zogen heute vor das Parlament und versuchten, den Eintritt zu erzwingen. Zwölf Frauen wurden verhastet. London, 11. Februar.(W. T. B.) Die Tlnhängerinnen deS Frauenstimmrechts, die heute vor das Parlament gezogen waren, versuchten später die Polizei zu überraschen und versteckten sich in den Gewcrbchallen, um in den Sitzungssaal des Unterhauses ein- zubringen. Jnsolge ihrer Unfähigkeit, sich schnell genug vorwärts zu bewegen, hatte die Polizei jedoch Zeit, ihren Plan zu ver- 54 Frauen wurden verhaftet. Verbandes, des Vereins Berlin, nimmt Kenntnis von der Ver—*------—,..... W-...~ wirrung und den Zerwürfnissen innerhalb unserer Organisation, Workers of the World, eines ArbeiterbundeS mit sog! da dieselben so schwerwiegender Natur sind, daß ein verständiger; Tendenzen, der gegründet wurde als Gegengewicht und gütiger Ausgleich innerhalb des Gesamtverbandcs auS- geschlossen erscheint. Da die Rohrleger und Heiser Berlins und Umgegend aber als große Gruppe des Verbandes in diesem Jahre bei Kündigung des Tarifverhältnisses durch die Uneinigkeit arg in Mitleidenschaft gezogen werden�ja sogar die Gefahr besteht American Federation of Labor, aber zu keiner Beb« langte. Zwischen den beiden Organisationen der Kol. wird es voraussichtlich bald zu einer Verbindung kommen die Führer treten eistig für ein Zusammengehen ein». Mitchell, der seit 10 Jahren die United Mine WorkcrS Bcrantw. Redakt.: Georg Dovidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw.:Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Ve Ifflom Schnellzug erfaßt. Breslau, 11. Februar. bristen stieß der Antrag auf heftigen Widerstand— trotzdem sie stets versichert haben, gegebenenfalls für die BudgctrcchtS- crloeiterung einzutreten. Sie seien, so lassen sie durch den Baron Me Yendorf erklären, nur für.teilweise Vereinfachung des gesetzgeberischen Verfahrens in betreff des Budgets" zu haben. Und warum? Weil, einmal im Besitze des Rechts der Verweigerung einzelner Posten, könnte die Duma auf diese Weise ganze Jnstitu. kionen aus der Welt sckiaffen— was ja eigentlich auch die geheime Absicht der Kadetten ist; aber einen solchen Eingriff inS Staatsleben seitens der Duma halten die Oktobristcn für unzulässig! „Ganz meine Meinung!" könnte die Regierung dieser wackeren „Oppositionspartei" zurufen. Die sozialdemokratische Fraktion erklärte sich mit dem kadettischen Antrag einverstanden, denn gegenüber dem gegenwärtigen Zustand würde seine Annahme zweifellos einen Fortschritt bedeuten, jedoch behielt sie sich da? Recht vor, bei seiner Beratung Zusatzanträgc zu stellen, die be- zwecken, der Duma zu ihrem vollen Budgetrccht zu verhelfen. Der iadettische Antrag wurde schließlich an eine Kommission verwiesen, doch ist nach der Stellungnahme der Ottobristen mit Sicherheit zu erwarten, daß er nur in arg gerupftem Zustande ins Plenum zurückkehren wird. Die Sicgesfreude der kadettischcn Presse ist daher entschieden verfrüht. Auch an dem üblichen Purischkewitsch-Skandal hat es in den paar Wochen nicht gefehlt: von der Dumatribüne herab hat der „ccht-russischc" Clown den Äadettenführer Miljukow Schuft, Lump und Verräter beschimpft. Daraufhin wurde er auf lö Sitzungen ausgeschlossen. Das Geschimpfe an und für sich hat ja nicht viel zu sagen, interessant ist aber der Anlaß dazu. Es handelte sich um die„Kommission für Staatsschutz", die im Plenum um die Erlaubnis nachsuchte, ihre Sitzungen für geschlossen, d. h. für Nicht-Mitglicder nicht zugängig, erklären zu dürfen, mit der Motivierung, daß im entgegengesetzten Fall militärische und andere Mitteilungen vertraulichen Charakters an die Presse gelangen könnten. Die Spitze des Antrages richtete sich gegen die Opposition,— denn die Kommission selbst besteht ausschließlich auS Rechten und Oktobristen, und Purischkewitsch hat mit seiner Er- klärung. beim Erscheinen Miljukows in der Kommission müßte der Kriegöministcr seinen Rock zuknöpfen und sich entfernen, und mit dem ihm zugeschleudcrtcn Wort„Verräter" nur das klar aus- gesprochen, was die Oktobristen in ihren schlauen Reden zu ver- bergen suchten. Obwohl sie für den Ausschluß von Purischkewitsch gestimmt haben, denken sie im tiefsten Herzen selber nicht anders: sonst hätten sie ihren ungeheuerlichen Antrag, einen Teil der Duma von der Kenntnis der Vorgänge in der Duma selbst aus- zuschließen, nicht gestellt. UcbrigenS wird der Antrag tvahrschcinlich angenommen werden. Von dem„schwarzen Block" ist eben alles zu erwarten. Sieht nian von der Beschlußfassung über den kadettischcn An- trag ab, so findet sich in der ganzen gesetzgeberischen Arbeit der Duma der letzten Session kaum etwas Beachtenswertes. Denn ihre Sitzungen sind meist mit der Erörterung solcher hochwichtigen An- gclcgcnhcitcn ausgefüllt, wie z. B.„über Verabfolgung von Brenn- holz zum Zweck der Speisczubereitung für die höheren Stabs- osfiziere während ihres Aufenthaltes in den Sommerübungs- Plätzen."?! ES ist ja gewiß schön und gut, wenn ein Parlament die Etaatsmaschine bis ins letzte Rädchen hinein beherrscht, aber der russischen Duma harrt noch so viel ungetane grundlegende Arbeit, daß die Beschäftigung mit unbedeutendem burcaukratischen Kram geradezu den Stempel der Böswilligkeit an sich trägt. Die Duma tritt an die großen Aufgaben nicht heran, nicht weil sie nicht kann, sondern weil sie nicht will. Im heiligen Rußland soll ja alles beim alten bleiben, höchstens soll das morsche alte Gebäude mit einer modern aussehenden Farbe übertüncht werden; und einem bedeutenden Teil der Duma geht selbst dies zu weit. Von dieser Duma ist leine Erneuerung Rußlands zu erwarten. I Mende hatte seinen eigenen Meister wider besseres Wissen Meineids bezichtigt und ihn der Staatsanwaltschaft denunziert. Mende war wiederholt betrunken vor Gericht erschienen, so daß ihn einmal ein Vorsitzender aufforderv mußte, vom Richtertisch etwas zurückzutreten, weil er nach. Fusel roch. Mende war wiederholt als Zeuge unvereidigt gelassen worden, weil die Gerichte erklärien, daß er infolge seines Suffs keine Ahnung von der Heiligkeit des Eides habe, grob falzrlässig handele und sehr unzuverlässig in. Mende hatte als Zeuge erklärt, nach einer früheren Verhandlung nur in zwei Schnapskneipen gewesen zu sein. Mehrere Zeugen aber sagten unter Eid ans, sie hätten ihn in sechs Kneipen beim Schnapslrinken beobachtet. Mende war wegen Meineides angeklagt gewesen, aber frei- gesprochen mit der Begründung, daß er er iniolge seines Znstaiides unzuverlässig und nnfähig sei, die Bedeutung des Eides zu kennen. Mende hatte Genossen wegen Beleidigung denunziert, obwohl Hus der Partei. Ein„sozialdemokratisch Fühlender". Vor dem Schöffengericht zu Mannheim wurde am Freitag ein PrivatbcleidigungSprozeß des Herrn Rexhänser. Redaltcur des„Korrespondent für Deuts chlandsBuckdrucker" verhandelt. Die Klage richtete sich gegen einen Herrn Katz, Ver- leger de» in Mannheim erscheinenden„Papier niarktes", eines Blattes, das die Bestrebungen des gegen die Buchdruckeriarif- gcmeinschafl gegründeten Buchdrucker-ArbeitgcberverbandeS vertritt. Zn einer Polemik hatte der„Papiermarkt" von einem Blatt und einem Redakteur gesprochen, die nicht einmal den persönlichen Mut besitzen, ihre wahre politische Gesinnung frei und offen jederzeit zu bekennen, von Gesinnungslumpen usw. Aus der Verhandlung, über die die„Mannheimer Vollsstimmc" einen längeren Bericht bringt, seien zwei Stellen wiedergegeben. Die erste lautet: ,.... Eine Frage nach seiner Parteizugehörigkeit beantwortet der Kläger lRexh ä u ser) dahin, er gehöre der sozialdemokratischen Partei nicht an, als Rcdaktenr gebiete ihm jedoch die Pflicht, einen neutralen Standpunkt einzunehmen. Wohl habe er auf der Ver- lra»enSinä»ner-Konserenz der Gewerkichancu in Berlin gesagt, er fühle sozialdemokratisch. er stehe jedoch auf dem Standpunkte, daß die sozialdemokratischen Endziele nur sozialrevolutionärc Tiradcn, Kindereien, Utopien sind. Es fei doch ein Unterschied zu machen zwischen Sozialismus und Sozialdemokratie... Die zweite: .... Re� Häuser wandte sich in seinem Schlußwort noch- mal« mit Scharfe gegen die Ausstellungen des gegnerischen Anwalts und gegen die Angriffe des Artikels. Ganz besonders protestiert er gegen den Vorwurf der Gcsinmnigslumpelei. Wenn er damals in Berlin gesagt habe, er fühle sich als Sozialdemokrat, so fühle er auch jetzt noch mit der Sozialdemokratie, und wenn er nicht offizielles Mitglied der Partei sei. so sei er es deshalb nicht, weil er die Kon- seqnenzen des Parteiprogramms nicht mehr auf sich nehmen könne. ivelche nicht mehr hallbar feien....- Wir gebe» diese Stellen natürlich nicht wieder, um die»sozial- rebolutionären Tiraden, Kindereien und Utopien" gegen Herrn RejjhäuserS Kritik zu verteidigen. Wir bringen die Zitate vielmehr lediglich deshalb, weil es nicht mnmeresiant ist. zu sehen, wie das „sozialdemokratische Fühlen" des Herrn Rexhänser beschaffe» ist. lDer Prozeß endete mit der Bernmilung des Herrn Kay zu SO M. Geldstrafe. Rexhäuser erhielt auf eine Widerklage hin 20 M. Geldstrafe zudiktiert.) polizeiliches, Gerichtliches ukw. Ein Gczeichncicr. Der Breslauer Staatsanwalt, der erst kürzlich, wie der„Vor- wärt«" in Nr. 210 1007 berichtet, sich mächtig für einen Slreilbrecher und schweren Rowdy ins Zeug gelegt. Hatte gegen die.Volksmacht" im öffentlichen Interesse Anklage wegen Beleidigung eineö christlichen, trunksüchtigen Arbeitswilligen namens August Mende erhoben. Durch einen Artikel, in dem an der Hand von Tatsachen der Mende als Denunziant, Trunkenbold und Faulpelz geschildert worden war, fühlte er sich beleidigt. In der Verhandlung am Sonnabend vor der ersten Straflanuner aber verließ er über und über mit Wunden bedeckt den Kampfplatz. ES war»ämlich durch vereidete Zeugen folgendes festgestellr ivorden: Mende hatte wiederholt Genossen wider besseres Wisse»r denunziert. Mende hatte wiederholt die Genugtuung, die von ihm Tcnun- zierten zu Gefängnis ,md Geldstrafen verurteilt zu sehen. dieselben nachweislich an dem von ihm benamsten Tage überhaupt nicht tu Breslau waren! Mende war derart„berühmt", daß fein Vorgesetzter eidlich bekundete: Gutes habe man ihm über Mende überhaupt nicht erzählt Und so weiter! In der Verhandlung log Mende derart frech drauf loS. daß der Vorsitzende ihn mehr wie dreimal erregt anfahren mußte und ihn schließlich mit sofortiger Festnahme drohte. Und m»l der Begründung. daß Mende nicht säbig sei, die Bedeutung seiner Aussage und des Eides zu ermessen, wurde er auch diesmal nicht vereidigt. Und für diesen Burschen hatte sich der Staats- an w alt„im öffentlichen Interesse" ergagiert! Selbstverständlich wurde Genosse Wolff auf Grund dieser Beweisaufnahme— freigesprochen? O nein! ES war doch in Breslau! Er wurde zu 20 M k. Geldstrafe verurteilt, und zwar, weil— ihm wohl der Beweis gelungen fei, daß Mende ein Trunkenbold und Denunziant fei, nicht aber der, t>aß Mende ein träger Arbeiter fei!! Die Anklage aus§ 186 fBehautzuung nicht er- weislich wahrer Tatsachen) war fallen gelassen und»ur§ 185 angewendet worden. Und nun die zweite Ueberraschung: Während t«'r Gerichtshof beriet, rief der Staatsanwalt laut durch den Sovl:„Mende, kommen Sie'mal her I" Und als er gekommen, sagt» der Staatsnnwalt zu ihm— und zwar offensichtlich so laut, duß die in der Nähe sitzende» Berichterstatter der„BolkSwacht" eS böre» mußten: „Mende. Sie haben ja schon wieder gegen die„Volks- wacht" eine Anzeige erstattet. Wieder wegen Beleidigtng. Hören Sie nun den Bescheid. Die StaatSanwalischaft lehnck e« ab, im öffentlichen Jmereffe Anklage zu erheben. Sie sind also hier- mit auf den Weg der Privattlage verwiesen. Oder»sollen Sic nicht lieber die Anzeige freiwillig zurücknehme,»? Nein? Na, dann bleibt Ihnen nur der Privatklageweg." Und betrübt mußte der Denunziant von dannen zictien. Die Lektion, die dem Staatsanwall durch die Beweisanfwahme er- teilt worden war, hatte also geholfen. Die Lust, die Behlörde vor den Karren von Rowdies und notorischen Lügnern zu spannen, dürfte der Breslauer Staatsanwaltschaft auf lange Zeit hintruL arg vergällt sein.... Immerhin verzeichnen wir es mit Genugtuung, daß waiigstenö in diesem einen Falle der Staatsanwalt seinen Eifer öffentlich bereut hat!—_ Ein Frrispruch. Da? Organ unserer polnischen Genosssn, die „Gazeta robotnicza" zu Kattowitz, sollte durch einen Artikel über den Geschichtsunterricht die Volksschule, eine Staats- einrichtnng, verächtlich gemacht haben. Der Genosse Caspars stand dieser Tage vor Gericht. Das Verfahren endete indeL mit Freispruch._ Hus der f rauenbewegimg» Dieustbotenglück. Die honette Gesellschaft leugnet das Vorhandensein eines Dienst botenelendeö. Sie spricht von Dieustbotennot. Zu bedauern sollen nach ihr nur die Herrschaften sein. Einmal wegen des Mangels an Dienstboten, dann auch wegen der Ansprüche, die diese stellen in de zug auf Lohn und Behandlung. Vor mehreren Jahren crkläute einer derer vom geflickten Strohdach im Zirkus Busch: Unsere Dienstboten haben es besser wie unsere Frauen und Töchter. Diese können sich kaum ein neues Kleid anschaffen. Und auS der Manege und aus den Logen klatschte man Beifall.— Warum spielen denn die Töchter da nicht Dienstboten? Warum treten die Damen der besseren Kreise als Lohndrücker auf, vermindern den Arbeiterinnen in der Luxnsbranche usw. die Erwerbsgelegenheit? Warum helfen sie dem Dienstbotenmangel nicht ab und erobern sich die bcneidenS- werten Stellen? Eitler Lohnfronderin Los ist immer noch erträglicher als daS in der HauL- und Gesindesklaverei. Wenn man die wirtschaftliche Lage der Dienstboten an dem Zöschen einer reichen, auf großem Fuße lebenden Familie beweriet, dann sieht'S sich nicht unübel an. DaS Zöschen, das gewissermaßen mit zur Repräsentation gehört, teilweise als Dekoration dient, einem Hanshalt angehört, wo der HauSlnecht die grobe Reinigung besorgt. Zentralheizung vorhanden ist, die Sorge um die Kinder Gouvernanten und Kinderfräulein überlaffen bleibt. da ist das physische Leben der Dienenden in vielen Fällen gewiß beneidenswert. DaS dienende Mädchen lebt sorgloser und oft auch besser, als der große Teil de§ Mittelstandes. Und die soziale Gebundenheit kommt ihm wohl selten zum Bewußtsein. Unter- würfigkeit und Autoritätsglaube sind ihm anerzogen. Will man das soziale und wirtschaftliche Elend der Dienstboten erkennen, dann studiere man die Verhältnisse in der breiten Schicht de« Mittelstandes, des Kleinbürgertums. Hier, wo die Frau Dame spielen will, soll der Diensibotc den Haushalt nicht belasten, sondern oft genug noch entlasten. DaS Mädchen soll Hausknecht, Waschfrau. Kinderfränlein, Köchin. Scheuerfrau. Zimmermädchen, kurzum alles in einer Person sein. Es kann kein jammervolleres Leben geben, als das eines armen Geschöpfes, das in der Welt alleinstehend, durch wirtschaftliche Fesseln und die Ketten der Eesindeordnuilg ge- knebelt, der Willkür und Rücksichtslosigkeit solcher Herrschast aus- geliefert wird, bei der eS für alle Lasttier ist. Und solche Herr- schaftcn fühlen sich noch als Wohltäter. Durch grenzenlose Ausbeutung der Arbeitskraft wird die Perlon vor Ber- sührung bewahrt, keine Minute freie Zeit wird gewährt. Das nennt die wohltätige Dame— Familienanschluß. Wie es mit solchem Familieliaiischluß bestellt ist, will ich auf Grund eigener Wahr- nehmung schildern: Im Laufe der letzten vier Jahre habe ich als„Pensionärin" oder Inhaberin eines möblierten Zimmer« da« Leben der Dienst- mädchen in bürgerlichen Familien kennen gelernt. Zuletzt wohnte ich ein volles Fahr an«mer Stelle, Die Aufzählung der Pflichten und Aufgaben deZ hier bedienftete» Mädchens soll der Spiegel sein, der ihr bedauernswertes Dasein schildert. Die.Herrschaft" wohnt im Westen Berlins. Sie besteht ans zwei Familien, zwei verwinveten Schwestern, deren eine einen 20jährigen Sohn(Student) besitzt, die andere eine lOjährige Tochter. Die Damen betreiben eine Weinhandlnng uns vermieten „möbliert". Die Wohnung besteht aus dem Geschäftslokal im Vorder- Hause, der dahinter liegenden Weinsnibe und einem Wohnzimmer ffir eine der Schwester». Bon weiteren fünf im Seitenflügel belegenen Zimmern sind zwei möbliert vermietet. Früher besorgte ein Hans- burschc da« Austragen der Weine und eine Auswärterin das Auf- räumen der Ziunn«. Tie übrigen Arbeiten verrichteten die Damen selbst. Seit April v. I. hat Pauline, ein SOjährigeS Mädchen, alle Funktionen übernolymur. Die Damen bemühen sich bloß noch im des| Laden(wenn sie nicht gerade verreist sind) alles andere ist PaukinenS Sorge, Morgens um 6 Ufir beginn! ihr Tagewerk. Der Herr Student und die„Möblierten" wünschen den Kaffee und die Stiefel. Da? Töchtcrchen ist für die Schule anzukleiden. Dann ist der Laden zu bohuern und die zwei dahinter liegenden Räume müssen gesäubert werden. Auch die fünf Zimmer zu reinigen, gehört zu PaulinenS täglichen häuslichen Verrichtungen. Zu dem kommt allwöchentlich die Hauswäsche. Schürzen, Waschkleider, Binsen, Strümpfe, Taschen- tücher, auch Gardinen, müssen in regelmäßigen Zwischenräumen gc- waschen werden. Die„große" Wäsche wird ans dem Hause gegeben und ist nach der Lieferung von Pauline zu plätten. Ter Freitag und Sonnabend sind als Reinmachelage verzeichnet, mit Tepvich- und Matratzenklopfen. Fensterpuyen usw. Dle Küche wird jüdisch geführt. Damit das Seelenheil nicht durch einen Tropfen Blut gefährdet wird, sind zur täglichen stundenlange» Wäfferung deö Fleisches, mit immer frischem Aufguß, zwei Wannen Wasser nötig, die per Eimer in die unter dem Laden befindliche Kellcrküche getragen werden müssen. Als sehr unliebsame Unterbrechung kommt noch das Wein- austragen hinzu, das Pauline meistens mitten aus der Arbeit reißt, denn die eingegangenen Aufträge müssen zur bestimmten Zeit erledigt werden. DaS nötigt Pauline. sich vom Waschfaß fort, naß und erhitzt,„in den Staat zu werfen" und ihre Arbeit für den folgenden Tag auf mehrere Stunden zu unterbrechen. Bei ihrer Rückkehr harren dann schon andere Pflichten und das Versäumte bleibt für den nachzuholen. Dadurch ergeben sich immer Rückstände in» TageS- Pensum, die eine freie Minute zur Unmöglichkeit machen. Zudem kommen die Einkauss- und Ausgehtage der Damen, an denen Pauline auch noch als Verkäuferin tälig sein muß. Auch sind die Herrschasten fleißige Thealerbesucher. Sie begnügeil sich nicht mir ein oder zwei Abenden in der Woche, sondern waren, wie ich feststelle» Srnntc, mehrfach wöchentlich alle Abende im Theater. Pantine h-ue den Laden zu schließen und uin 11 oder 12 Uhr mit dem Abendbrot aufzuwarten. Kurzum, Pauline mußte von morgens 0 Uhr bis um 12 Uhr nachts zur Verfügung stehen. An ein Pausieren war lein Gedanke. Ununterbrochene Hätz war Ihr Tagewerk. Vom Keller ging'S in den Laden, zur Klindschast, wieder in die Kellerkü»e, in die hinteren Räume, dann zum Einholen und so fort, ohne Pause, ohne Er- holung. Daß bei solcher Arbeit Pauline sich öfter erkältete, ist nur zu erklärlich. Tagelang litt sie an heftigen Zahnschmerzen— aber sie mußte vorwärts in der Tretmühle. Einige Male fand ich sie, als ich gegen>/e11 Uhr nach Hause kam. in meinem Zimmer auf dem Sofa hockend, eingeschlafen. Sie hatte einen'Moment ausruhen wollen und da hatte der Schlaf sie übermannt. Stundenlang hörte ich sie dann noch hantieren: sie holte das Versäumte nach,— Im Sommer machte die„gnädige Frau" nebst Tochter eine Erhohlungöreise. Die Schwester wollte sich natürlich für das Zu- hausebleibeu schadlos halten. Sie schlief an Regentagen bis um 11 Uhr oder kam bei schönem Wetter erst um diese Zeit von einem Morgenspaziergang durch de» Tiergarten zurück. Pauline hatte in- zwischen den Lad-n zu hüten. In den nächsten paar Stunden mußte sie dann sämtliche Zimmer reinigen und daS Essen kochen. Um 3 Uhr nachmittags traten die Freundinnen der Schwester an. um sie zu einem Ausflug abzuholen. Pauline,„die Verkäuferin", trat in Aktion. Abends nach 0 Uhr mußte sie ihre häuslichen Obliegenheiten vollenden. Sonntags wird erst um 2 Uhr nach Ladenschluß gespeist. Pauline ist dann„schon" um 5 Uhr frei und darf mit einem alters- schwachen Hund, der ihrer Obhut anvertraut ist, spazieren gehen. Da« sind PaulinenS„Sommerfreudeu" und sie sind noch erträglich gegen die Wintervergnügcn. Als Schlaufraum dient dem Mädchen die ungeheizte Küche der großen Wohnung, die zugleich als Trockenboden benutzt wird und last nie ohne naffe Wäsche ist. DaS Feldbett macht sich nur durch sein Gestell bemerkbar. In dieser naßkalten Luft sind, nach der Auslage de» Mädchens, die Glieder morgens wie erstarrt, KedeS Kleidungsstück, das eS anzieht, ist klamm. Pauline fürchtet sich, ii, der kalten Küche die Wäsche zu wechseln und scheut erklärlicherweise auch uiorgenS eine gründliche Waschung. So leidet auch die körperliche Pflege. Die Zimmer werden auch nicht geheizt; niemand von den „Möblierten" ist zu Hause. Das Mädchen muß also stundenlang in den lallen Zimmern hontiereu, nirgends ein Eckchen zum Aufwärmen. Und zum Ueberfluß noch hinaus in die Kälte,«in den Wein zu expedieren. Die Folgen dieser. beneidenswerte» Existenz" ließen nicht lange auf sich warten. Pauline spielte„den Geschwollenen". Bald sah man sie nur noch mit wattiertem Geficht und verbundenem Kopfe, aber unermüdlich Tcppiche klopfen. Fensterputzen usw. Denn.da» bißchen Reißen" befreite sie nicht von dem großen Reinemachen vor dein Feste. Die Gardinen mußten gewaschen und aufgesteckt werden usw. Nebenbei waren vor Weihnachten noch täglich 20 bi» 30 Flaschen Wein wegzubringen. Bon furchtbaren Schmerzen ge- plagt, ging Pauline dann zum Lbrzt, der operativ eiugmfeu mußte, da sich die Geschwulst durch den andauernden Kältezustand verhärtet hatte. Der operative Eingriff mußte in kurzen Zwischen- räumen noch dreimal wiederholt werden, wobei daS Mädchen immer ohnmächtig wurde. Als WeihnachtSpräseul erhielt eö dan» aber auch IS Marl und einen Unterrock. Schürze, Taschen- tücher usw, und brauchte trotz Schmerzen und Schwäche ihre Arbeit nicht auszusetzen. So kann man sich den LuxuS erlauben, Dicnsiboten zu halten, sich bedienen zu lassen und doch zu— sparen. Für PaulinenS Bezüge konnte man keinen HausSurschen und dazu noch eine Auf- wärteoin haben. Andererseits übernahm Pauline zu den Arbeiten des HomSburfchen und der Aufwärtorm, die sonst von den Daineu zu verrichtende Küchcnarbcit, die kleine Wäsche, das Plätten usw.— und spielte obendrein Verkäuferin und Kammermädchen. Und wenn ein gesundes Mädchen vom Lande nach kurzer Dienst- zeit sich abgearbeitet hat, dann wird es krankheitshalber entlassen und geht daim leicht den Weg des physischen und moralischen Ver- kommenS. f. Versammkuligen— Boeanstaltnngc». Zchlcndorf. Mittwoch, den 12. Februar, 8 Uhr bei Micck, Karlstr. 12, Vortrag. Wilmersdorf. Donnerstag, 13. Februar, im Luisenpark, Wilhelms- aue 112: Vortrag des Herrn Dr. Äeibel:„Der Bau des weib- licben KmrperS und die Symptome van Frauenkrankheiten". Allen Arcioiden und Bekannten die traurige lachncht. das,, man lieber Mann, der lliostaiiratelir Ernst Beyer am Sonnabend, den f. d. M, abends 9'/4 Uhr, im Alter von 58 Jahren verstorben Ist. Die Beerdigung jindct am Msttwoch, den 12. d, Ä., nam- nüIlagS 1 Uhr, von der Halle des Sophien-irirchhoies, Berg- straße, aus statt. Wae. Beyer, Schwedterstraße 228. Snglisslieii Unterricht, eiuzelu und im Zirkel, erteilt 36372* Gertrud Swienly, Schöneberg, Sedanslraßc 57, IIL Kanstelle 290 Onadmtrutcn, Jndustriegegeno bei TeUoirv Baullasie C—- drei Etagen— Gas. WasserleitunK zum Preise von nur 20 M. pro Quadrat- rutc zu verkauscu. Anzahlung löOO Marl, Rest mit i'L Ptoz. aus langjährige �ypotbct. Offerten unter R 5 an die rrr- pcdüiou des.Vorwärts". rauchen hehlrarben der 7 Pf.sCIgarre Nr. 22 - 10 Stück 50 Pf., vorzügliche Qualität, großes Format. J.NEUMANN Cigarren-Fabrlken.— 150 Zweiggeschäfte, davon in Berlin: Bmnnenstr. 52. B. An- klamerstr.— Chausseestr. 22, E. Inva- lidenstr.— Chausseestr. 48, E. Schwartz- kopffstr.— Dresdeners tr. 5, B. Adalbert- Straße.— Friedriohstr. 171, E. Franzö- ßiachestr.— Invalidenstr. 148, E. Bergstr. — Jerusalemerstr. 41, E. Krausenstr.— Kaiser Wilhelrastr. 19, E. Münzstr.— Königstr. B. Spandauerstr. 56.— Mark- grafenstr. 17, E. Junkerstr.— Oranien- straße 30, E. Ädalbertstr.— Potsdamerstraße 57-58, E.Bülowstr.— Prinzenstr. 91, E.Ritterstr.— Kosenthalerstr.48, E.Xeue Schönhauserstr.— Uhlandstr. 33, E. Idetaenburgorstraße.— Wallstr. 14a, E. Xeue Grüns tr.— Wienerstraßo 22, E. Grünanerstr.— Rixdorf, Bergstr. 146. 'jytalinda-Cigsrren1 in allen PrelHlagen sind und bleiben die deuten tjualitlits-Oleaeren der Vexensvaet und XnüiinPt. Der kewte Beweis{ür die VorBÖgllchkelt dieser figarren ist. Jiasi obige Marke jedes Jahr in vielen Millionen 5lüdf verraucht wird. 18782* = Vor Nachahmung wird gewarnt.= Z u haben in den Z i g a r r c» g e s ch a f t e». Oenersl-Verireter: 8. IfrmÄ, Berlin 0., MarSÜlUS-Str. 23. Amt VlI. 10479. Passage-Theater. Abends 8 Uhrt Danny Gürtler der König der Boheme 1 1 und das große Februar-» ' Programm! Montiplatz.._. , imlhcatenaal iLlgllOt! I M in und daS Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf. Im unteren Kanzertiaal täglich die allerersten Mllltür- liapellen: Becker, Przvwarski, Göriich. Neumann, Osseneh. Lüliich. I-iaven Tie Lioff? Ich lemet davon Anzug od. Paletot nach Mass, schick, dauerh. Zutaten, von 20 Mark an. Moritz Labaad, Neue PromenadesJKhidtb. Börse). "1 ii Leili-Haus Friedrich-Rarl-Platz 12 Beleih, v. Brillant.. Gold- u. silbersach. OI»»rIvttei»I»I»rK Uhren. Büch., Wäsche.!4leidu»gsst.:c. Lillige Roltlaballe. Max Jacoby, Strelitzerstr. 52 Gardinen. Portieren. Decke«. Federbetten. Bettwäsche, Bilder, Uhren aus Teilzahlung. Postkarte erbeten.* l. Matzner, siugg; m. MANN UETZ LEIPZIGER STRASSE Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Sonnabend,»ow«« vorrmt: ALEXANDERPLATZ Vorzugspreise für Lebensmittel Fr.Schwein.-KotelI.prd. 80 Pf. Pr. Schweine-Lies.p«. 05pt. Prima Rückenfett Ptd, ßQpf. Pr.Delik.-Speck Cp" Pfd- 8 5 Pf. Prima fetter Speck pw. 7 5 pt. la prima Nussschink. la Delikat.• Fleischw. 7 5 Pf- I a Sülzkotell.st. 40, 2 st. 7 5 Pf. Delikat. Sülze c.iPfd.Rieg. 70 Pt laOel.-Schinkenspeck l00 Frühstückssardin. Do«e3 2 Pf. Sardinen M.„Carmen" Dose 46 Pf Sardinen M.„Renommee" VsDo«6!35 Sardinen M.„Sauplquet"»/aDo»e l45 SardinenM.1ISauplquet,,ViDo$e 2 70 Sardinen M.1Perrlor,1y4Do8e0 0 Pf. Sardinen M.,PeiTior'Vj Dose l15 Hummer l Kronen, Vi Dose 2�° PainSdlverserGeschmacl(Doae4 6 Pf. Sprotten in Oel. Dose7�pf Prima starke Fasanenhähne 260 Pa. Birhwild Hähne Stück 200 Hennen H 00 Stück 1 Schneehühner. 105| Früchtekonserven Gemüsekonserven J/i Dose ,/s Dose la prima Stangenspargel»/m I45 78 pe Riesenbruchspargel...... I25 68 p< Bruchspargel I extrastark.... I'5 6 3 Pf. Kaiserschoten extrafein..... I20 66 Pf Schoten mittelfein.......... 5 6 Pf 3 3 Pf» Schoten Siedung III.......... 46 Pf 28 Pf Leipziger Allerlei«»tf».... 9 6 Pf 6 4 Pf. Schoten u. Karotten I... 76 Pf 4 3 Pf. Dicke Bohnen........... 68p». 39 Pf- Pfefferlmge.............. 46 p» 23 Pf. Spinat................. 40 Pt.- Pf. 'Besonders preiswert: 'h Dose Dose Stangen-Spargebo� l55 32 pf Schoten Siebung I 85 48 pf Leipziger Allerlei la 75 43p» Mirabellen........... 68 39p» Me ange-Früchte... 95 52 pf Erdbeeren........... 95 pf. Marmelade la �r™: 220 Marmelade lahmer Pfd: 120 KaKao I20 'Ii Dose'h Dose Pflaumen aosso Frucht... 54 Pf. 3 2 Pf. Saure Kirschen mit stein. 7 2 Pf 41 Pf. Kaiserkirschen okn» stein.. Pfirsiche>», Vs pfuckt, geschält l35 73 Pf. Aprikosen VaPrucht........ I15 63 Pf Birnen extra............. 78 Pf 44 P» Apfelmus.............. 5 8 Pf. Senfgurken........ i cias 6 5 p». Zuckergurken..... a Dias Ananas inwortein......... I55 8 3 Pf. Ananas zur sowie d. 48 Pf I65 33 Pf. Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Kaffee Mischung I III IV VI gebr. p,„„d 85 901051'5135155 Tee III IV VI hochfeine Mi,chung 1_ M,schung. pfUnd T5 180 220 270 350 420 Tderantwortlicher Redakteur: Georg D-vidf-Hn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts 25. 2. Dtilllgt üts„Öonnirtö" Sdinft VollisdlM. heute üiittwocl) findet für Berlin und Vororte der Zablabend statt. Die Maufmann$9eri(l)t$wal)len der Drbeitgeberbeiiitzer finden heute, den 12. Februar, von 1Ä— 4 Uhr statt: Die sozialdemokratischen Arbeitgeber haben auf Liste ll ihre Kandidaten vereinigt. Pflicht aller sozial und frei denkenden Arbeitgeber ist es, ihr Wahlrecht auszuüben und ihre Stimme für Liste U (Liste der sozialdemokratischen Arbeitgeber) abzugeben. Sie Vstri ist geheim! Jeder wählt an der Wahlstelle des Stadt- bezirks. in welchem das Geschäftslokal liegt. Partei- �fngelegenbeiten. Slrulnu. Heute abend 8 Uhr findet in allen Bezirken der Zahl- >.bend statt. Da derselbe pünktlich eröffnet wird, ersuche» wir die Genossen, vollzählig zur Stelle zu sein. Der Vorstand. Treptow-Baumschulenweg. Im heutigen Zahlabend wird über den Antrag der Funktionäre: die Wahlvereinsbezirke den Kommunal- Wahlbezirken entsprechend einzuteilen, beraten werden. Der erste Kommuiialwahlbezirk umfaßt das Gebiet von der Mitte der Kiefholz- strahe bis zur Spree und von Berlin bis zur Mitte des Damin- Weges inklusive den Gebäuden im Plänterwald. Der zweite das Gebier von der Milte des Dammioeges ausschlichlich der Gebäude im Plänterwald bis zur Gemarkung Kanne und von der Spree bis Mitte Kiefholzstrafie. Der dritte von der Kiefholzstrahe bis Rixdorf und von der Gemarkung Kanne bis zur Milte des Dammweges. Der vierte von der Mine des Dammweges bis Berlin und von der Mitte der Kiefholzstratze bis Rixdorf. EL gelangen die bestellten Protokolle und Broschüren zu ermäßigten Preisen zur Ausgabe. Zahlreiches Erscheinen ist deshalb erforderlich. Der Vorstand. Ober- Schcincweidr. Donnerstag, den 13. Februar, abends 8'/s Uhr. findet im Wilhelmineuhof eine Volksversammlung statt, in welcher Gemeindevertreter Julius Grunow über das Verhalten der Gemeindeverwaltung zu dem eingebrachten Antrag über„Jnangriff- nähme von Notstandsarbeiten" referieren wird. Zu dieser Ver- sammlung findet heute, Mittwoch, abends 3 Uhr, eine Handzettel- Verbreitung von den Bezirkölokalen aus statt. Die Genossen sind Verpflichtet, vollzählig zu erschemen. Der Vorstand. Reiuickendorf-Ost. Zu dem am Sonnabend, den 22. Februar. stattfindenden Stiftungsfest(Walkotte-Abend) find die Billetts heute abend bei den BezirlösüHrern zu haben. Wir ersuchen die Genossen, sich recht rege für den Vertrieb zu verwenden. Der Vorstand. Spandau. Am heutigen Mittwoch findet in allen Bezirken Zahl- abend statt._ Berliner JVacbricbtens Die Fortschaffung des ScherbelbergeS. Der Magistrat hat nunmehr der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage unterbreitet, die die Abräumung des Müllabladc- Platzes an der Stralaucr Allee zum Gegenstand hat. In der Be- gründung sagt der Magistrat: „Auf dem östlichen Teil des Geländes zwischen Bosse- und Bödickerstratze sind nach einer früheren Aufmessung zirka 180 000 Kubikmeter HauLmüll aufgefahrcu worden. Diese großen Müll- mengen lagern zurzeit noch daselbst, denn bis auf eine geringe Abschachtung, welche die Kanalisationsbauverwaltung beim Bau eines EntwässerungSkanales im Zuge der Pcrsiusstraße über den Platz hat ausführen lassen, ist an dem früheren Zustand nichts geändert. Die nicht mit Müll bedeckten Flächen des Abladeplatzes werden zurzeit von der Pächterin, der Firma A. Tabbert, zu zeitweiliger Ablagerung von Strahenkehricht benutzt. Im Laufe der Jahre ist die Bebauung bis an diesen ?lbladeplatz herangerückt. Die Goßlerstraße und der größte Teil der Bödickerstratze ist längs des Platzes gepflastert und meist bebaut, so daß der Abladeplatz mit seinen großen Müllbergen und den Ablagerungen von Straßenkehricht von Wohnhäusern eingefaßt ist. Von Vereinen und einzelnen Awohnern wird über die häß- lichen Zustände in jener Gegend immer häufiger geklagt und die endliche Beseitigung verlangt. Wenn die Schilderungen der vorhandenen Uebelstände auch nicht immer der Wirklichkeit entsprechen, so ist doch nicht zu leugnen, daß die Klagen in mancher Beziehung berechtigt sind. Es liegt aber auch im eigensten Interesse der Stadtgemeinde, das wertvolle Gelände durch Abtragen des Müllberges b a u r e i s zu machen; denn die Kosten für die Abfuhr werden reichlich aufgewogen werden durch die dann ermöglichte Verwertung der neu geschaffenen Bau st eilen. Nach den unverbindlich«ingegangenen Angeboten haben wir die zu machenden Aufwendungen auf 750 000 M. im Höchstbetrage �"mü der Ausführung dieser Arbeiten würde ein Gelände von etwa 38 605 Quadratmeter baureif gemacht werden, welches einen Verkaufswert von mehreren Millionen besitzt. Wenn die Ausführung dieser Arbeiten an sich auch nicht dringlich ist, so halten wir es doch für angezeigt, angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Lage dieselbe ungesäumt in Angriff zu nehmen und dem Unternehmer die Verpflichtung aufzuerlegen, bei den in Berlin vorzunehmenden Arbeiten nur solche Arbeiter zu beschäftigen, welche in Berlin wohnen und mindestens drei Monate im letzten Jahre hier gearbeitet haben." Aus dieser Begründung geht hervor, daß dem Magistrat nicht so sehr darum zu tun ist, Notstandsarbeiten zu schaffen, als viel- mehr darum, das Gelände der Bebauung zu erschließen. Was die Verpflichtung anbelangt, die die Stadt den Unternehmern auf- erlegen will, bezüglich der zu beschäftigenden Arbeiter, so vermissen wir in der Vorlage die Bedingung, den Arbeitern einen bestimmt festgesetzten Mindcstlohnsatz zu zahlen. Eine solche Bedingung gehört unweigerlich in den Vertrag mit dem die Arbeit aus- führenden Unternehmer hinein, damit derselbe nicht die große Arbeitslosigkeit noch besonders in seinem Interesse ausnutzt. Ein schwerer Automobilunfall hat sich gestern nachmittag in der Potsdamer Straße zugetragen. In der Nähe der Lützowstraße kam eS zwischen dem Gala-Auwmobil der Firma Rudolf Hertzog und einem Geschästslvagen zu einem heftigen Zusammenstoß Der Chauffeur mit Namen Dulcmka wurde vom Sitz herunter- geschleudert und erlitt am Oberarm schwere Verletzungen. Der Insasse des Automobils, Herr Hertzog, kam bei dem Unfall mit dem Schrecken davon. Nachdem D. auf der Rettungswache in der Steglitzer Straße die ersten Notverbände erhalten hatte, wurde er von Herrn H. in dem Automobil nach einem Krankenhause ge- bracht. Im Grunewald erschossen hat sich ein unbekannter Mann, dessen Leiche vorgestern im Jagen 52 von einem Förster aufgefunden wurde. Ter Tote dürfte etwa 45 Jahre alt gewesen fein. Es handelt sich anscheinend um eine Persönlichkeit aus den besseren Ständen. Der Lebensmüde ist von stattlicher Erscheinung gc- Wesen und trug einen dunklen Voll- und Scl>nurrbart. Bekleidet war er mit schwarzem Jackettanzug, dunklem Paletot und schwarzem steifen Hut. Tie Leiche wurde nach der Halle des Selbstmörder- sricdhofes bei Schildhorn übergeführt. Massenvergiftungen von Sunden sind in der letzten Zeit in Pankow vorgekommen. Vermutlich handelt es sich hier um das Treiben einer Mannsperson, die die Hundemorde systematisch begeht. So sinb in der Alten Schönholzcr Straße allein vier Hunde vergiftet worden. Viele Hundebesitzer wagen es infolge dessen gar nicht, ihre Tiere auf die Straße zu schicken. Dir Selbstmorde von Arbeitslosen häufen sich immer mehr. Der 34 Jahre alte Militärinvalide Heinrich M. aus der Pannter- straßc 15 war seit Monaten arbeitslos. Vergeblich suchte er Tag für Tag nach Beschäftigung und schließlich geriet er in helle Ver- zweiflung. Vorgestern bereitete er seinem Leben gewaltsam ein Ende. Während seine Frau in der Küche den Kaffee zubereitete, jagte sich der Unglückliche eine Revolocrkugel in den Kopf. Unter den Händen eines hinzugerufenen Arztes starb der Lebensmüde bald darauf. Bei einem Oleumattentat schrecklich zugerichtet wurde die Ehefrau Helene Schubert aus der Kösliner Straßc 10. Zwischen der Sch. und einer Nachbarsfrau hatte schon seit Monaten bittere Feindschaft geherrscht. Die letztere hatte der Sch. wiederholt ge- droht, sie werde ihr noch einmal einen gehörigen Denkzettel geben. Als die Frau von einem Ausgange ahnungslos die Treppe hinauf- stieg, trat unvermutet die Feindin aus ihrer Wohnung heraus und übergoß sie mit Oleum. Die ätzende Flüssigkeit floß der Ueberfallenen über das ganze Gesicht hinweg und richtete es schreck- lich zu. Auch andere Körperteile wurden schwer verbrannt. Auf der nahen Unfallstation erhielt die Schwerverletzte die erste ärzt- liche Hülfe. Die Augen sind ihr ebenfalls mit Oleum übergössen worden und es ist zu befürchten, daß Frau Sch. die Sehkraft ver- lieren wird. Arbeitcr-Sängcrbund Berlins und Umgegend. In der Aus- sch Frak. tion beantragte, den Antrag dahin zu erweitern, daß das D r e i-, klassen Wahlrecht ebenfalls beseitigt wird. Dicse beantragte Crwcitervng dcS Antrages hielten einige Herren nicht für gcschäftsordnungsmähig. sie muhten sich aber eines besseren belehren lassen. Stadtv. Starke(Lib. Frkt.) begründet den Antrag seiner Fraktion. Die Bevölkerungsziffer spreche eine so beredte Sprache. bah der Antrag wohl kaum Widerspruch erfahren könnte. Die Stcucrleistung hat mit dem Hausbesitzerprivileg nichts zu tun. Seine Fraktion habe absichtlich davon Abstand genommen, bei dieser Gelegenheit weitergehende Anträge auf Aenderung des Kom- munalwahlrechts zu stellen, weil der Antrag mit der Wahl- rcchtsfrage nicht verquickt werden soll. Stadtverordnetcnvorstehcr Lohausen(Lib. Vg.) stellt namens seiner Fraktion den folgenden Antrag:„Die Stadtver- vrdnetenversammlung richtet das Ersuchen an den Magistrat, beim Lorstand des preußischen Städtetages die Anregung zu geben, Er- Mittelungen darüber anzustellen, ob und inwieweit die gegen- wärtigen Verhältnisse im Grundbesitz eine Aenderung des§ 16 der Städteordnung angezeigt erscheinen lassen."— Redner hält diesen Weg für den aussichtsvolleren. Die Schönebergcr Petition allein würde keinen Eiirdruck machen. Seine Fraktion werde gegen den Antrag der Liberalen Fraktion stimmen, da das doch nur der Anfang zu weitergehenden Anträgen sei. Die Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages halte er für selbstverständlich. Seine Fraktion halte das Weiterbestehen des Dreiklassenwahlrechts für kein Unglück und durjchaus für notwendig. Stadtv. H c p n e r(Unabh. Vg.) ist für Beibehaltung des Haus- besitzerprivilegs. Die Hausbesitzer sind an den Ort mehr gebunden wie die Mieter und haben deshalb auch eine grötzere Värant- Wartung für die Zahlungsverpflichtungen der Stadt. Stadtv. Molkenbnhr(Soz.) gibt zu, daß die Petition keinen besonderen Eindruck auf den preußischen Landtag in seiner heutigen Zusammensetzung machen werde. Die Konservativen haben schon von jeher eine Abneigung gegen die Interessen der großen Städte gezeigt. Trotzdem dürfe man sich nicht davon abhalten lassen, die Abänderung des jetzigen Wahlrechts fortgesetzt zu fordern. Wenn jede Stadt einzeln vorginge, sei mehr zu er- warten. Das Hausbesitzerprivileg kann mit der Stcuerlcistung nicht in Einklang gebracht werden. Kein vernünftiger Mensch könne dieses Vorrecht der Hausbesitzer heute noch gutheißen. Der Grundbesitz liegt in manchen Städten in wenigen Händen. Auch unter den Hausbesitzern befinden sich sehr viel zweifelhafte Elemente, gegen diL bereits mit besonderen Gesetzen vorgegangen werden muhte. Das Dreiklassenwahlrecht ist das niS BNammonistische übertragene Vorrecht der Grundbesitzer. Bildung und Besitz sind zwei getrennte Dinge. Redner weist auf einen Vor- gang in Essen hin, wo sich zu Lebzeiten Krupps 4 Wähler in der ersten Klasse befanden. Nach dessen Tode rückten mit einemma! 600 Wähler in die erste Klasse ein, die nach kurzer Zeit wieder aus der ersten Klasie verdrängt wurden, als sich die Tochter Krupps verheiratete. Etwas derartig Verrücktes könne doch kein Mensch gutheißen. Die" Interessen der Stadt werden viel mehr gefördert, wenn jegliches Vorrecht in der Gemeinde beseitigt wird. � Mit dem allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrecht werde dem Gemeinwohl besser gedient. Stadtv. Zobel(Lib. Frakt.) wendet sich gegen die Mitglieder der Liberalen Vereinigung, die sich heute gegen eine alte liberale Forderung ausgesprochen haben. Auch bei der letzten Stadt- verordnetenwahl haben sich die Herren von der Liberalen Ver- ainigung für Abschaffung des Hausbesitzerprivilegs ausgesprochen; heute pfeife man auf diese Versprechungen. Stadtv. Lohausen(Lib. Vereinigung) sucht sich den Vor- würfen des Stadtv. Zobel gegenüber zu rechtfertigen. Das Wahl- recht in der Gemeinde kann nicht fo gestaltet werden wie im Staate. An dem Tage, wo wir in der Gemeinde das allgemeine Wahlrecht haben, wären die Haus- und Grundbesitzer ruiniert. Stadtv. L u l e y(Lib. Vereinigung) tritt für Beibehaltung des Hausbesitzerprivilcgs ein. In Schönebcrg sei bei dem Bestehen dieses Privilegs in den letzten zehn Jahren Musterhaftes geleistet. Die weitere Debatte geht dann wie üblich auf das persönliche Gebiet über, wobei es zwischen einzelnen Mitgliedern her bürger- lichen Fraktionen zu lebhaften Auseinandersetzungen kommt. Auch der Ordnungsruf des Vorstehers fehlte nicht. In namentlicher Abstimmung wird der Antrag der Liberalen Fraktion mit 31 gegen 28 Stimmen abgelehnt; damit war auch der sozialdemokratische AbänderungSantrag gefallen. Der Antrag der Liberalen Vereinigung fand ebenfalls nicht die Mehrheit. Die Anträge betreffend Neubau des Refor nl-Gymnasium s. Errichtung einer Stadtgärtnerci und Genehmi- gung des FluchtlinicnplanS für das Südostgelände wurden be- sonderen Ausschüsien überwiesen und die übrigen 9 Punkte der . Tagesordnung vertagt. In Sachen der einheitlichen Ladcnschlußzeit an den Sonntagen hat sich der Magistrat gemäß dem am 2. Dezember 1907 gefaßten Beschluß der Stadtverordnetenversammlung an den Polizeipräsidenten gewandt. Derselbe hat geantwortet, daß im Lkeichsamte des Innern ein neuer Entwurf über die Sonntagsruhe- Vorschriften im Handelsgewerbe ausgearbeitet sei. Dieser Entwurf werde wahrscheinlich eine Einheitlichkeit der Ladenschlußzeit bringen. Steglitz. Als eine Fata Morgan» erwies sich in der Gemeindebertreter- sitzung die Teuerungszulage für unsere Volkssckmllehrer. Nach- dem der in der Januarsitzung gestellte diesbezügliche Antrag der Etatskommission zur Vorberatung überwiesen war, glaubten sich sicher die Lehrer zu der Hoffnung berechtigt, daß ver Antrag zum Beschluß erhoben würde. Die in großer Zahl auf der Tribüne ver- sammelten Jugenderzieher sollten jedoch eine schmerzliche Ent- täuschung erleben. Die Etatskommission beantragte Ablehnung des Antrages und die Hausbesitzermehrheit beschloß selbstverständlich dein- gemäß. Die Redner der Mehrheit mußten zwar die herrschende Teuerung zugeben, aber da es nicht möglich war. einen verhungerten Schulmetster auf den Tisch des Hauses niederzulegen, konnten sie einen„Notstand unter den Lehrern' nicht anerkennen, zumal sie die grandiose Entdeckung gemacht hahen, daß eS— natürlich außerhalb ihres Kreises— Mensiben gibt, die mit noch weniger Einkommen leben müssen, als die Volks- schullehrcr in Steglitz beziehen. Und dann das bäßliche Wort „Teuerungszulage", das fo nach Almosen riecht. Man muß die formvollendete, von hohem sittliche» Pathos getragene Rede des G.-V. Gädeke, seines Zeichens Lehrer an der königl. Blinden- anstatt und— Hausbesitzer, gehört haben mit der er die seinen Kollegen drohende Teuerungszulage belämpfte. Dann erst wird man begreifen, welchen Schimpf die Mehrheit mit ihrem ablehnenden Be- schlusse von unserer Lehrerschaft ferngehalten hat.„Immer nobel. wenn dir ooch hungert!' sagt der schnoddrige Berliner. Vielleicht eignen sich diese Worte als Motto für die Dankadresse, die die hiesigen Volksschullehrer ihrem Kollegen Gädeke zu überreichen nicht versäumen sollten. Das Wohlwollen der Mehrheit für unsere Volköschullehrer zeigte sich auch noch bei der Beratung eines neuen Ortöstatutö für die Schuldeputation. Ein Antrag, der verlangte, daß dieser Körperschaft neben den Rektoren auch e i n Lehrer angehören muß, wurde von derselben Mehrheit ab- gelehnt, vermutlich, um die Herren Lehrer nicht mit Sitzungen zu behelligen.— Der weitere Antrag:„Einsetzung einer Uutersuckmngs- kommiision über die Ernährung der Schulkinder" erfreute sich der- felben liebevollen Behandlung. Das fehlte gerade noch: Unter- suchungen anstellen, wobei sich schließlich etwas Unangenehmes herausstellt. Machen wir nicht! Ist auch gar nicht nötig. Der Gememdevorstcher hat nicht erst auf diesen Antrag gewartet, er hat schon längst durch die Nettoren Ermittelungen anstellen lassen (natürlich sehr vorsichtig, damit die Kinder ja nicht den Zweck merken). Die ganz vereinzelten Fälle, die sich dabei herausgestellt haben, wurden inildtätigcn Händen überwiesen. Die Mehrheit hielt damit die Sache für erledigt.— Einstimmigkeit wurde erzielt bei dem wenig aufregenden Antrag auf Beitritt unserer Gemeinde zum Verkehrs-Zweckverbanh Groß-Berlin und ebenfalls bei der nachträglichen Aufnahme bon fünfzehn Wählern in die Gemeinde- Wahllisten. Lichtenberg. Achtung GetverbegerichtZwahl! Am heutigen Mttwoch, nachmittags von 3— 8 Uhr, finden die Wahlen der Beisitzer der Arbeitnehmer zum hiesigen Gewerbe- gericht statt. Wahlberechtigt ist, wer das LS. Lebensjahr vollendet hat und zur Zeit der Wahl am Orte wohnt oder beschäftigt ist. Da bei der Wahlhandlung die Arbeiter sich legitimieren müssen, liegen im Nathause in der Dorfstraße und in der Vorwärtsspedition bei O. Seikel, Kronprinzenstraße 50, Formulare aus. welche die Wähler ausfüllen mögen. Diejenigen Wähler, welche am Orte arbeiten, lassen diese Formu- lare vom Arbeitgeber unterschreiben und wählen in dem Bezirk, in welchem der Arbeitgeber wohnt oder seine gewerbliche Nieder- lassung hat. Alle am Orte wohnhaften, aber nicht arbeitenden Wähler lassen dieselbe vom Einwohnermeldeamt des Ortes unterstempeln. Auch genügt für diese Wähler die Quittung der letztgezahlten Steuer oder Mtetskontrakt. Gewählt wird in vier Bezirke». Das Wahllokal im ersten Bezirk ist Restaurant Paul Schwarz, Dorfstr. 25/26. Kandidat: Karl Kruse, Former, Hagenstr. 51. Zweiter Bezirk. Wahllokal: Restaurant von Gürsch(Krön- prinzen-Garten), Frankfurter Chaussee 128. Kandidaten: Moritz Henschel, Maler, Frankfurter Chaussee 90. Gustav Holvack, Fabrikarbeiter, Pfarrstr. 32. Ludwig Lufter, Maurer. Gürtelstraße 23 eu Dritter Bezirk. Wahllokal: Gasthof zum Schwarzen Adler, Gebr. Arnhold, Frankfurter Chaussee 6/8. Kandidaten: Albert Hamrnerma»», Holzarbeiter, Frankfurter Chaussee 19. Waldemar Graf, Hutmacher, Frankfurter Chaussee 19. Vierter Bezirk. Wahllokal: Prnchtsäle des Ostens(Inhaber OSkar Cranz), Frankfurter Allee 151/152. Kandidaten: Richard Hoff, Eisendreher, Frankfurter Chaussee 153. Ott» Schilling, Bauarbeiter. Mainzer Straße 25. Arbeiter Lichtenbergs! Agitiere jeder Einzelne aus seiner Arbeitsstätte für diese Wahl, damit die vorgeschlagenen Kandidaten nicht nur gewählt werden, sondern auch eine imponierende Stimmenzahl aus sich vereinigen. Gcwerkschaftskommisfion Berlin(Abteilung Lichtenberg.) Ei» erfreuliches Resultat ergab die am gestrigen Tage statt- gefundene Wahl der Arbeitgeber-Beisitzer zum Gewerbegericht. l. Bezirk. Zu wählen 2 Kandidaten. Abgegebene Stimmen 42: Gegner 25, Kartell 17. Gewählt: Gegner. II. Bezirk. Zu wählen 3 Kandidaten. Abgegebene Stimmen 50: Gegner 24, 25 u. 25, Kartell 25, 25 u. 25. Gewählt: 1 Kartell. 2 Auslosung. III. Bezirk. Zu wählen 1 Kandidat. Abgegebene Stimmen 51: Gegner 22, Kartell 29. Gewählt: Kartell. IV. Bezirk. Zu wählen 2 Kandidaten. Abgegebene Stimmen' 21: Gegner 4 u. 4, Kartell 17 u. 16. Gewählt: Kartell. Treptow-Baumschnlenweg. AuS der Gemeindevertretung. In einem Schreiben teilte der Schöffe. Gartenbaudirektor Hoffmann, mit, daß er wegen häufiger Abwesenheit von Treptow aus Grund seiner Privattätigkeit das Ami eines Schöffen nicht mehr ausüben könne. Die Neuwahl soll in der nächsten Sitzung geschehen. Der Beitritt der Gemeinde zum Verkehrsverbande für Berlin und seine Vororte wurde im Prinzip beschlossen und die von der VerkehrSdeputation beschlossenen Ab- änderungsanträge zum Statutenentwurf nach kurzer Debatte au- genommen. Hiernach wird gewünscht, daß auch die Siemensbahn den Straßenbahngesellschaften zugerechnet wird, daß ferner Beschlüsse nicht mehr mit mehr als zwei Drittel, sondern auch mit weniger als zwei Drittel sämtlicher Stimmen gefaßt werden können. und zwar, weil zu befürchten ist, daß eine Gemeinde, welche über sämtlicher Stimmen verfügt, wie dieses im Statut vorgesehen. Anträge dadurch zu Fall bringen kann.— Die Erhebung von Bei- trägen für die Unterhaltung des Straßennetzes wurde in einem Ortsstatut festgesetzt. Die Höhe der Beiträge wird mit Rücksicht auf die Verschiedenheit der Vorteile der Grundbesitzer für einzelne Teile des Straßennetzes in jedem einzelnen Falle durch Gemeindebeschluß in dem durch 8 9 des Kommunalabgabengesetzes geordneten Ver- fahren bestimmt. Zu den Kosten gehören auch die Auswendungen für den Erwerb der zur Straße erforderlichen Grund- flächen, welche die Grundbesitzer zu tragen haben. Bei der Pflasterung der Baumschnlenstraße, womit in diesem Frühjahre be- gönnen werden soll, wird dieses Ortsstatut zum erstenmal in An- Wendung gebracht. Der Anteil der Gemeinde hierzu beträgt 50 000 M., das sind 20 Proz. Zum Schluß wurde noch von unsere» Genossen ans die bei nassem Wetter unpassierbare Elsenstraße hin- geiviesen. Der Stadtgemeinde Berlin, welche an diesen betreffende» Stellen die UnterhattungSpflicht hat, soll nahegelegt werden, für Befestigung zu sorgen. Adlershof. Di« letzte Gemeinderatssitzung war in der Hauptsache der Etats- beratung gewidmet. Bor Eintritt in dieselbe wurde der neugewählte Schöffe Kaiser in sein Amt eingeführt und zwei Einsprüche gegen die Aufstellung der Gemeindewählerlisten als berechtigt anerkannt. In dem Voranschlage für das Rechnungsjahr 1908 ist auch die Wert- zuwachssteuer und Einnahmen und Ausgaben für das Gewerbe- und Kanfmannögericht vorgesehen. Bei der Beratung dieser Punkte wurde vom Gemeindevorsteher die Einbringung besonderer Vorlagen für die nächste Zeit in Aussicht gestellt. Es gewinnt damit den Anschein, als wenn diese Punkte endlich in den Kommissionen zur Beratung gelangen sollen. Die Etatskommission hatte in der Verteilung des «teuerbedarfs wie im Borjahre löv Proz. Znscblag zur Staats- einkommensteuer und eine Herabsetzung der Grund- und Gcbäude- steuer von 4 vom Tausend aus 3.7 vom Tausend vorgeschlagen. Hierzu stellten unsere Vertreter den Antrag, den Zuschlag zur Staats- einkommensteuer aus 140 Proz. herabzu'etzen und die Grund- und Gebäudesteuer auf 4 vom Tausend bestehen zu lassen. Genosse Hildebrandt wies nach, daß von der Herabsetzung der Grund- und Ge- bäudesteuer nur die ganz großen Grundbesitzer einen Vorteil genießen. .welche ihr Einkonunen meistens in anderen Gemeinden versteuern. Der mittlere und kleine Grundbesitz, wie er heute noch in Adlershof vor- herrschend ist, hat aber nur geringen Nutzen davon, während an einer Herabsetzung des Steuerzuschlages alle Steuerzahler Parti- zipieren würden. Auch würde die Herabsetzung der Grund- und Gebäudesteuer ein Geschenk für die Grundbesitzer darstellen, da die jetzige Höhe der Steuer schon längere Jahre besteht und auf die Mieter abgewälzt ist. Im übrigen hatte der Gemeindevorsteher er- klärt, daß die jetzigen Mehreinnahmen nur durch den Antrag des Abgeordneten Dr. Gerschel im Abgeordnctenhause herbeigeführt seien, nach welchem die Arbeitgeber verpflichtet sind, die Einkommen der bei ihnen Beschäftigten genau anzugeben, so daß bis auf den letzten Pfennig das Einkommen des Mannes, der Frau und der Kinder zur Steuer herangezogen wird. Schon aus letzterem Grunde erfordert die Gerechtigkeit, daß der Stcuerzuschlag herabgesetzt wird und die Grund- und Gebäudesteuer in bisheriger Höhe bestehen bleibt. Der Antrag unserer Genossen wurde gegen zwei Stimmenthaltungen angenommen. Auch in dem zur Beratung stehend?» Voranschlage mußten noch 1000 M. zum Ersatz des geleisteten Pflastergcldes für die Hacken- bergstraße, welche seinerzeit widerrechtlich mit verausgabt waren, eingesetzt werden. Die Einnahmen aus den direkten Steuem be» tragen: Kommunalsteuerzuschkag 123 000 M.(gegen 97 920 im Vor« jähre), Grund-, und Gebäudesteuer 92 000 Di.(88 000 M.), Gewerbe- steuer 25 000 M.(23 625 M.). Betriebssteuer 600 M.(1225 M.); aus den indirekten Steuern: Hundesteuer 2400 M.(1800 M.)— diese Steuer soll von 10 M. auf 15 M. pro Hund erhöht werden—, Lustbarkeilssteuer 1600 M., Biersteucr 5500 M., Umsatz- und Wertzuwachssteuer 15 400 M.(20 000 M.>. An Marttstandgeld ist eine Einnahme von 2500 M.(1300 M.) borgesehen. Zu den Schul- lasten trägt der Staat 9160 Vi. bei. Der Titel Friedhofsverwallung hat eine Einnahme von 1560 M. und eine Ausgabe von 600 M. Die aufgenommenen Anleihen haben die Höhe von 982 993.67 M. erreicht, zu deren Verzinsung und Amortisation 41 516,54 M. ein- gestellt find. An Kreissteuern sind 40 225 M.(35 525 M.) zu ent- richten. Für Unterhaltung der Straßen usw., Marktvcrwallung und Anschlagsäulen sind 25 350 M.(22 500 M.) erforderlich. Di- Unterhaltung der Gemeindegrundstücke und Gebäude erfordert 5443 M.(5325 M.), Schulverwallung 95 225 Di.(88 660 M.), Gemeinde- Verwaltung 63 09l.t6 M.(57 54t, 16 M.). Für die Armenverwaltung sind 12 620 27 M.<10210.87 M.) eingestellt. Der Voranschlag der außerordentlichen Verwaltung schließt mit 325000 M. ab und es sind darin enthalten: der Bau eines Schulhanses(Anbau an die zweite Gemeindeschnle) 150 000 M., Regulierung und Pflasterung der Bismarckstraße zwischen dem Adlergestell und der Helbigstraße 75 000 M. und Bau eines Rathauses 100 000 M. Tie K-.»alisations- verwattung schließt in Einnahinen und Ausgaben mit 43 800 M. ab. Britz. Aus der Gemeindevertreterfiyung. Die bisherige Tckiildeputation wird aufgelöst und eine solche auf Grund des neuen Schiilgesetzes gebildet. Ein Antrag de» Genossen Schliebitz, einen Vertreter der dritten Wählerklasse in die Schuldeputation zu wählen, wurde ein- stimmig abgelehnt. Genosse Kitzing tadelte den Beschluß de» AuS- schusses, der dabin geht, keinen Vertreter der dritten Wählerklasse in die Schuldeputation zu wählen, weil dieser als Sozialdemokrat von der Regierung nicht die Bestätigung erhalten würde. Kein bürger- sicher Vertreter nahm zu dem' Autrag Schliebitz, noch zu den Anzapfungen des Genossen Kitzing das Wort. Sie wählten die Herren Wendt und Rese in die Schuldeputation und zeigten damit. wie wenig sie geneigt sind, einer gerechten Forderung der Arbeiter- schaft entgegenzukommen. Zugleich bewiesen sie sich als Freunde des Grundsatzes: Ducke dich nur leise, oben anzustoßen ist nicht weise. Somit besteht die Deputation aus zwei Mitgliedern de? Geineindc- Vorstandes, zwei Mitgliedern der Gemeindevertretung und zwei Schulrettoren. Genosse Schliebitz rügte dann noch, daß die Gc- meindeturnhalle in der Werderstratze dem bürgerlichen Turnverein unentgeltlich zur Verfügung stehe, während die freie Turnerschafl aus ei» diesbezügliches Gesuch nicht einmal eine Antwort erhalten habe. Der Gemeindevorsteher bestritt, daß der Verein der freien Turner- schaft keine Antwort erhalten habe. Auch träfe nicht zu, daß den bürgerlichen Vereinen die Turnhalle unentgeltlich zur Verfügung stehe. Dem Verein würde schon die Rechnung zugestellt werden, er würde allerdings nur die Selbstkosteu der Gemeinde zu entrichten haben. Die freie Turnerschaft könne die Halle nicht zur Benutzung er- halte», weil es ein Rixdorfer Verein sei und nur einige Britzer als Mitglieder dabei wären, zudem wohnten die Antragsteller ebenfalls in Rixdorf. Den Mitgliedern der freien Turnerschast stände, soweit sie Britzer sind, nichts entgegen, sich dem Verein anzuschließen, dem jetzt die Turnhalle zur Verfügung stehe. Genosse Schliebitz stellt auf Grund einer' ihm vorgelegten Liste fest, daß der freien Turnerschaft in Britz nur Britzer angehören. Durch den steigenden Verkehr ist die Freilegung der Gradenstraße notwendig geworden, dieselbe soll 25 Meter breit angelegt werden. Die Gemeindevertretung erteilt hierzu die Genehmigung. Weiler wurde beschlossen, einen Schmutzwasserkanal am Tempelhoferweg zwischen der Chausieestraße und dem Erdmannschen Grundstück an- zulegen. Die hierzu erforderlichen Kosten im Betrage von 14 000 M. sollen auf dem Wege einer Anleihe beschafft werden. Aus Wunsch der Genossen Schliebitz und Kitzing, denen sich Gemeindcvertretcr Zickert anschließt, sollen möglichst Britzer Arbeiter beschäftigt und die Arbeiten in Rücksicht aus die bestehende Arbeitslosigkeit be- schleunigt werden. Zum Armcnpfleger wurde an Stelle des Herr» Schuster der Eigentümer Karl Albrecht aus der Werder-Straße gc- rvählt. zum Schiedsmann Herr Wegener und zum Stellvertreter Herr Böcker, Rudower Straße. Weistenfee. Aus der Gemeindevertretung. Vier Einsprüche gegen die Richtigkeit der Gemeindewählerliste waren erhoben, von denen einer zu Recht anerkannt wurde. Die Beschaffung einer neuen Ein- richtung der Gemeindeturnhalle wurde einer Kommission übergeben, in der auch die Leiter der hiesigen Turnvereine vertreten sind. Um den Bau einer Bahn nach Freienwalde zu beschleunigen, wurde eine Kommission gewählt, die die beteiligten Ortschaften besuchen und mit den Behörden verhandeln soll. Der Kommission ist auch Genosse Fuhrmann zugeteilt. Die Vermehrung der Polizei- scrgeanten um vier Stellen gab dem Genossen Taubmann Berän- lassung, anzufragen ob die Sicherheit des Ortes die Anstellungen bedinge oder die Bewachung der Zahlabende der organisierten Arbeiterschaft diesen Mehraufwand bedürfe. Die überall bemerkbar werdenden Forderungen nach Polizeibeamten können doch nur den Zweck haben, die Arbeiterschaft in ihrem Wahlrechtskampfe hindern zu wollen. Die Arbeiterschaft habe bisher einen Mangel an Polizei „och nicht bemerkt. Wie der Gemeindevorsteher betonte, sollen die bisherigen Mannschaften so überlastet sein, daß Neueinstellungen notwendig sind. Die Mehrheit stimmte denn auch der Vorlage zu. Ebenso fanden die bürgerlichen Vertreter nicht den Mut, gegen einen Entscheid des ProvinzialschulkollegiumS zu entscheiden, der da verlangte, für die neuaufzubauende Obcrrealschule keine Mittel vom Staate zu verlangen, dagegen allen Anforderungen derselben Behörde nachzukommen. Die Gemeinde zahle nur das Geld, aber über die inneren Einrichtungen der Anstalten usw. machen wir die Vor- schriftcn. Für die am 1. April zu eröffnende Sparkasse werden für die Sparer Heimsparbüchsen beschafft, welche gegen eine Ein- zahlungSgebühr von 3 M. dem Sparer übergeben werden. Die Bau- gesellschaft Berliner Realgesellschaft haftet der Gemeinde an Steuern usw. die Summe von 18 500 M. Damit nun die Gemeinde zu ihrem Geld kommt, ist sie gezwungen, mehrere Parzellen anzu- kaufen. Alle Pfändungen und sonstige Maßregeln waren fruchtlos. Die„arme Gesellschaft" ist auch damit einverstanden, um wieder mal reinen Tisch zu haben. Bei einem Arbeiter läßt man die Steuerschulden nicht so lange anstehen, da weiß man schon, wie man zu seinem Gelde kommt, allerdings ist so ein Direktor einer Baugesellschaft auch gewitzigter wie der Arbeiter. Die Liste 33 für die Kommunalwahle» ist verloren gegangen. Sollte dicse Liste vorgelegt werden, so wird ersucht, sie an- zuhalten. Zchönerlinde bei Fr.-Buchholz. Am Sonntag fand im Sperlinskischen Gasthaus zu Schönerlinde eine gut besuchte Volksversammlung statt. Genosse Franke aus Rixdorf referierte über:„Die politische Lage und die nächsten Ziele der Sozialdemokratie." Die Ausführungen des Redners wurden mit sichtlichem Interesse und unter regem Beifall entgegengenommen ES war dies die erste sozialdemokratische Versammlung am Orte. welcher sehr bald weitere folgen werden, sodaß die Gründung einer Zweiggruppe des Wahlvereins Bezirk Pankow hoffentlich in nächster Zeit von statten gehen kaim. Spandau. Eine Arbeitslosenversammliing findet am Donnerstag, den 13. d. M., vormittags 11 Uhr. im Saale der Witwe Ullrich, Havel- straße 20 statt. Auf der Tagesordnung steht: Die Antwort des Magistrats und der Stadtverordneten über die Eingabe der Arbeits- losen. Zu dieser Versammlung sind die Stadtverordneten sowie die Vertreter des Magistrats eingeladen. An die Stadtvv. Bender und Lü dicke ist extra eine schriftliche Einladung ergangen. Arbeitslose erscheint in Massen in dieser Versammlung. Teller« samnilimg findet nicht statt. Das Gewerkschaftskartell. „Der RelchSverewSgesetzentwurf", tautet das Thema, über daS Reichstagsabgeordneter August Brey in einer vom Gewerkschafts- kartell am Freitagabend nach dem Saale der Witwe Ullrich ein- berufenen Volksversammlung referieren wird. Der Relchstags- abgeordnete Pauli ist brieflich eingeladen worden. Arbeiter und Arbeiterinnen! Zeigt durch Massenbesuch, dag Ihr mit dem Gesetzentwurf nicht einverstanden seid. PotSdam. In einer zu heute, vormittags 10 Uhr, nach dem Restaurant Ladenthin einberufenen Arbeitslosenversammlung will die Arbeits- lofen-Depuration Bericht erstatten über die Antwort des Magistrats bezüglich der Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit. Es ist daher jedes Arbeitslosen Pflicht, in der Versammlung zu erscheinen I__ Kommunales. Städtische Krippen und Kindergärten— abgelehnt! Die AuL- schußsitzung hat den Antrag unserer Stadtverord- netenfraktion, Krippen und Kindergärten in städtische Ver. waltung zu übernehmen, gegen die vier Stimmen unserer Fraktionsvertreter und des Dr. Nathan abgelehnt. Die Mehrheit vertrat einmütig den Standpunkt, daß durch städtische Fürsorge ar�'»•fem Gebiete die Eltern verleitet würden, ihre Pflichten gegen ihre Rinder nicht zu erfüllen und der Stadt die Verantwortung aufzuladen. Wenn die private Wohltätigkeit nicht ausreiche, so genüge es, dieser vielleicht ettvas mehr von der Stadt zuzuwenden. Eine soziale Verpflichtung bestehe nicht. Es sei auch sehr davor zu warnen, auch nur den ersten Schritt auf diesem Wege zu tun, der schließlich in den Zukunftsstaat führen müsse. Die Ent- gcgnungen unserer Vertreter fanden taube Ohren. Um so auf- merksamer wird die arbeitende Bevölkerung auf die weisen Lehren des unentwegten Freisinns aufhorchen! Gerichts-Leitung. Die Kühnemäuner als„Erzieher" der Arbeiterpresse. In einer Privatbeleidigungsklage, die kürzlich auf Betreiben des Verbandes der Mctallindustriellen gegen den„Vorwärts" ge> führt wurde, sagte Rechtsanwalt Hennigsohn als Vertreter des Klägers, diese und andere noch zu führende Klagen hätten den Zweck, auf den Ton des„Vorwärts" bessernd einzuwirken.— Inzwischen hat der Verband der Mctallindustriellen und sein Anwalt, Herr Hennigsohn, seine Bemühungen um die Herstellung eines . guten Tones" in der Arbeiterschaft fortgesetzt und die Betätigung seiner vermeintlichen erzieherischen Talente mit Hülfe des Gerichts an der„Holzarbeitcr-Zeitung" zu erproben versucht.— Am Dienstag trat vor dem Schöffengericht Verlin-Mitte der bekannte General- sekretär Nasse als Kläger gegen den Redakteur der„Holzarbeiter- Zeitung", Genossen Deinbardt in Stuttgart auf. Die„Holzardeiter-Zeitung" hatte in einem längeren Artikel die Mitwirkung des Herrn Nasse bei der Gründung eines Arbeit- gebcrverbandes der Wagenbauer besprochen und dabei die Aus- drücke„Scharfmacher",..Generalscharfmacher" und„sonderbarer Heiliger" auf Herrn Nasse angewandt.— Nasse verklagte deshalb den Redakteur Deinhardt. Dieser bot den Wahrheitsbeweis dafür an, daß der Kläger in der Tat ein Scharfmacher sei. Diesen Beweis lehnte das Gericht als unerheblich ab und stellte sich auf den Standpunkt:„Scharfmacher" sei keine Beleidigung, aber die Ausdrücke„Generalscharfmacher" und„sonderbarer Heiliger" könnten von überempfindlichen Menschen als Beleidigung aufgefaßt werden. Deinhardt wurde zu einer Geldstrafe von Ig M. ver- urteilt.— Diese Klage schwebt gegenwärtig in der Bcrufungs- instanz. Inzwischen hat Generalsekretär Nasse— wieder im Interesse des guten Tones— eine neue Klage gegen Deinhardt als Redakteur der„Holzarbeiter-Zeitung" anhängig gemacht. Diese Klage, die am Dienstag verhandelt wurde, stützt sich auf einen kurzen Bericht, den die„Holzarbeiter-Zeitung" über ihren ersten Beleidigungs- Prozeß brachte. In dem Bericht wird gesagt, durch die ver» hinderte Beweisaufnahme sei es dem überempfindlichen Herrn Nasse erspart geblieben, sich seine bekannte Scharfmachertätigkeit im Dienste der Kühnemänner vor Gericht bescheinigen zu lassen. „Und so etwas"— heißt cS am Schlüsse des Berichts—„wagt sich zu Hütern des guten Tones in der Oeffentlichkeit aufzuspielen." — Durch diese Sätze fühlt sich Herr Nasse beleidigt und sein Anwalt Hennigsohn ersuchte daS Gericht, dem Angeklagten„einen empfind- liche» Denkzettel" zu erteilen, damit sich die„Holzarbeiter-Zeitung", deren Ton durch die geringe Strafe von lü M. nicht gebessert worden sei, in Zukunft eines besseren Tones bediene!— Wolfgang Heine, als Verteidiger des Beklagten, sagte unter anderem: Der Kläger gehöre ja zu der Gruppe, die in der„Deutschen Arbeit- gcbcr-Zeitung" ihre Vertretung sieht. Wenn eS sich hier um eine Frage des guten Tones handeln solle, dann wäre es wichtig, die „Deutsche Arbeitgebcr-Zeitung" vorzulegen, um zu zeigen, in welcher Weise auf der Seite, zu der der Kläger gehört, der gute Ton gepflegt wird. Was hier dem Beklagten, zur Last gelegt wird, das sei eine Kleinigkeit gegenüber dem, was die„Deutsche Arbeit- geber-Zeituttg" gegen GewerkschaftSangcstellte und Gewerkschaftsredakteure zu schreiben pflegt. Behauptungen wie die, daß die Gewerkschaftsbeamten sich von Arbeitergroschen mästen, daß sie die Arbeiter ausbeuten und terrorisieren seien noch das mildeste von den Beleidigungen, mit denen die„Arbeitgeber-Zeitung" die Seite. auf welcher der Beklagte steht, zu treffen suche. Im weiteren führte der Verteidiger aus, daß die Auslassungen, durch welche sich der Kläger beleidigt fühlt, nicht als beleidigend angesehen werden könnten und der Beklagte deshalb freigesprochen werden müsse. Rechtsanwalt Hennigsohn bemerkte, der Kläger habe keinerlei Beziehungen zur„Arbeitgeber-Zeitung", der Ton dieses Blattes könne deshalb nicht gegen den Kläger ins Feld geführt werden.— Darauf erwiderte Rechtsanwalt Heine: Es sei erfreulich, zu hören, daß Herr Nasse zur Redaktion der„Arbeitgeber-Zeitung" keine Beziehungen habe, aber ganz ohne Einfluß auf das Blatt sei er wohl nicht. Wenn Herr Nasse den Ton in der Presse bessern wolle, dann werde er hoffentlich Schritte tun, um die„Arbeitgeber-Zeitung" zur Anwendung eines besseren Tons zu veranlassen. Das Gericht erkannte auf eine Geldstrafe von 30 M. In der UrieilSbegtündunß sagte der Vorsitzende unter änderem:„Scharf. macher" sei eine im politischen Kämpf gebräuchliche Bezeichnung und deshalb nicht beleidigend. Ter auf den Kläger bezogene Aus» druck„unfeine Arbeiterbckämpfung" würde auch nicht ohne weiteres beleidigend sein, aber in Verbindung mit dem nachfolgenden Satze- So etwas wagt, sich in der Oeffentlichkeit als Vertreter des guten Tones aufaufpielen,� sej die Absicht der Beleidigung zu erkennen. Dos Erkenntnis geht fehl. Aber sei es drum. Aus diesem von Herrn Nasse und dem hinter ihm stehenden Verband der Arbeit- geber extrahierten Erkenntnis ziehen wir gern die logische Folge: die Herren wagen es nicht, sich in der Oeffentlichkeit als Vertreter des guten Tones aufzuspielen. In der Tat können nur naive Leute glauben, daß cs den Herren vom Arbeitgeberverband nur um den guten Ton zu tun ist. Sie handeln nach dem Wort, welches Faust dem Mephisto zurief:»Du kannst im Großen nichts verrichten und fängst cs drum im Kleinen an."— Mit den kleinlichsten Mitteln suchen die Leute, den Gegner, dem sie nichts anhaben können, wenigstens zu ärgern.— Lassen wir ihnen das Vergnügen: es ist ein Versuch mit untauglichen Mitteln an einem untauglichen Objekt und führt lediglich zur Aufklärung darüber, daß die Herren Interessen vertreten, die denen der Arbeiterklasse durchaus cnt- gegenftehen._ Raubmord. Gestern wurde nach zweitägiger Verhandlung vor dem Ham- burger Schwurgericht der im September 1007 in Rathenow verhaftete Knecht Holz wegen schweren RaubeS und Totschlages zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Verurteilte ist der Haupt- täter an dem in der Nacht zum 6. August in dem hamburgischen Darf Tatenberg verübten Perbrechen. Damals wurde der Gemeinde- Vorsteher dieses Darfes. Janssen, ein 7l> jähriger Mann, ermordet und seine Frau und ein siebzehnjähriges Dienstmädchen gefesselt und gemartert. Die Täter, vier Personen, hatten es auf die Gemeindegelder abgesehen, die Janssen in seinem in der Schlaf- stubc stehenden Geldschrank aufbewahrte. Dieser widerstrebte aber ihren Anstrengungen,, und da das mißhandelte Dienstmädchen sich die Fesseln zu lösen und in einem unbewachten Moment ins jjfreic zu eilen vermochte, mußten die Verbrecher unverrichtetcr Sackie abziehen, nachdem der eine sich die silberne Uhr des er- drosselten Janssen angeeignet hatte. Als Täter wurden von dem Dienstmädchen die bei Janssen dienenden Knechte Holz und Güttich sowie der Weber Paul aus Oesterreich und der frühere Schmied Güssefeld ermittelt. Püul ist in Oesterreich zu einer Kerkerstrafe von 15 Jahren verurteilt worden, während die später ergriffenen Güttich und Güsscfeld im vergangenen Sommer vom Hamburger Schwurgericht zu lebenslänglichem bezw. zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt worden sind._ Folgen unleserlicher Rezepte. Strafbar macht sich nach§ 230 des Strafgesetzbuches, wer durch Fahrlässigkeit die Körperverletzung einer anderen Person verursacht. Nach§ 33 der Apothekenbetricbsordnung vom 18. Februar 1902 dürfen unleserlich geschriebene Verordnungen ohne Ausklärung durch den Arzt nicht angefertigt werden. F., welcher Gehülfe in einer Berliner Apatheke war, war auf Grund der obigen Vor- schriften angeklagt und verurteilt worden. In der betreffenden Apotheke erschien vor einiger Zeit ein Kauftnann L. mit einem Rezept eines ArzteS Dr. W., welcher der genannten Person Furun- kulin verschrieben hatte. F. nahm aber an, daß der Arzt For- malin verschrieben hatte, händigte L. eine Flasche Formalin aus und versah die Flasche mit der Aufschrift„Acußerlich'. Kaum hatte L. einen Teelöffel voll von dem Formalin genommen, so empfand er einen brennenden Schmerz. Infolge von Verbren- nungen im Munde, Rachen und Magen war L. gegen 14 Tage krank. F. betonte, er habe das Rezept auch einem Kollegen gezeigt, welcher ebenfalls Formalin gelesen habe. Die Handschrift des Arztes sei recht unleserlich gewesen. Obschon die Sachverslän- digen erklärten, sie würden ebenfalls wie F. gehandelt haben, ver- urteilte ihn dennoch die Strafkammer zu Strafe, weil er unter diesen Umständen gemäß§ 33 der Betriebsordnung ohne Auf- klärung durch den Arzt das Medikament nicht hätte abgeben dürfen. Infolge seiner Fahrlässigkeit sei die Gesundheit L.ö ge- schädigt worden. Gegen seine Verurteilung legte F. Revision beim Kammergericht ein und stellte in Abrede, fahrlässig gehandelt zu haben, da selbst die Sachverständigen bekunden, sie hätten ebenso gehandelt wie F.; aus dem roten Zettel mit der Aufschrift„Aeuher- lich" hätte L. auch ersehen können, daß das Mittel nicht ein- genommen werden durfte. Das Kammergericht hob die Vorentschei- düng auf und wies die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an die Strafkammer zurück. Es führte unter anderem aus, ohne Rechtsirrtum habe das Gericht angenommen, daß F. fahrlässig gehandelt und infolgedessen die Gesundheit des L. be- schadigt habe. 8 33 der Betriebsordnung sei aber vorliegend nicht ohne weiteres anwendbar, da er sich auf Arzneimittel beziehe, die „angefertigt" werden. F. habe das Medikament vorrätig gehabt und verkauft. Trotzdem könne auch in einem solchen Falle an- genommen werden, daß F. fahrlässig gehandelt habe, indem er das Arzneimittel abgab, ohne sich vorher bei dem betreffenden Arzte zu erkundigen, was er verschrieben habe. Die Prüfung nach dieser Richtung hin sei von der Strckskammer vorzunehmen. Vermircbtcs. Vom Eilzug überfahren. Amtlich wird vom gestrigen Tage aus Breslau gemeldet: Gestern nachmittag b'/g Uhr wurde am West lichen Ende des BahnhasS Sadewitz auf der Strecke BreSlau-Hirsch bera durch den Eilzug Nr, 68 ein Fuhrwerk überfahren, dessen Kutscher nebst zwei Pferden schwer verletzt wurde. Der Wagen wurde zertrümmert. Wie da? Fuhrwerk auf das Gleis geraten ist, ist bis- her unaufgeklärt. Die Untersuchung ist eingeleitet. Gasexplosion. Wie auS Bunzlau gemeldet wird, erfolgte gestern unter gewaltiger Detonation die Explosion des Gasometers in der Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen„Lindenhof". Zwei Lehr linge wurden schwer verletzt; dem einen wurde ein Bein zerrissen. der andere wurde an der Seite schwer verletzt. An den Gebäuden wurden große Verheerungen angerichtet und durch den gewaltigen Luftdruck alle Fenster zertrümmert. Die Ursache der Explosion ist noch nicht bekannt. Aus den Bergen. Der Direktorialstellvertreter Engen Wölfl der Oesterreichischen Anglobank in Wien, der in Begleitung mehrerer Herren und zweier Führer den Weg von der Loelschenlucke nach Grindelwald auf Ski-Sch»ceschuhen machen wollte, ist beim Aufstieg zum oberen Mönchjoch, die Ski ttagend, durch Verlassen des ge- bahnten Wege? in einen 70 Meter tiefen Gletscherspalt gestürzt und tat geblieben. Eine BergnngScxpedition von 12 Führern begibt sich heute»acht auf den Weg. Die Pocken in Paris. Wie Pariser Zeitungen berichten, find gegenwärtig im 20. Pariser Bezirk etwa zwanzig Pockenfälle zur Anzeige gelangt. Die Krankheit soll durch sponiiche Zigeuner ein« geschleppt worden sein, die seit einigen Wochen in der Nähe der Festungswerke kampieren. Sturm«ms dem Schwarzen Meer. Nach einer Meldung aus Konstantinapel herrscht seit Sannabend auf dem Schwarzen Meer Sturm, der zahlreiche Schiffsuitfälle mit Verlust von Menschenleben im Gefolge hatte._ Berliner Marttprelle. Aus vem amtlichen Bericht der ftädtlichen Kalkiballen-Direkiwn,(©rosjtianbeL) Ochsenftelich l- 68 70 pr 100 Vld,, IIa 62 67. lila 54 57, Bullenfleisch la 65-70, IIa 54-64, Kühe, seil 48-56, do. mager 38-44, Fresser 50-58, Bullen, dänische 51-63. Nnlbsteilch. Dovvellendcr 105—125, Mastkalbcr la 85-05 IIa 75-84, Kälber ger. gen, 55—71, do. Holl, 45—50, Hammellleilch Mall- lammer 74— 75. Hammel la 68-70. IIa 60 65, ungar. 0.00, Schaft 45—58. Schwemerleilch 50 58. Rehwild la ver Bsund 0,00. IIa 0,00. Rotwild la per Pfund 0,45— 0,52, do. IIa 0,80— 0,40. do. Stälbci 0,45—0,56. Damwild 0,40—0,60, do. Kälber 0,70—0,80 Aildlchweine per Psd. 0,35—0,50, Frischlinge per Psd. 0,00. Kaninchen, groß, Stück 0,80 bis 1,15, do. klein 0,40—0,60. Hafen, groß per Siiick 3,70—4,00, do. mittel u. klein Stück 2,00—3,00. Wildcnlen ver stück 1,40—1,75. Falanenhähne la. junge 2,90, do, IIa und alte 2,00. Fasancnhenncn 0,00, Schneehühner Stück 1,00. Birkhähne Stück 1,60—1,75. Birk- Hennen Stck. 1,25—1,50. Haselhühner Stck. 0,90—1,10. Hübner la per Stück 1,40—2,00, dito IIa 0,80—1,30. Hamburger Küken, Stück 1,10, Poularden, deutsche, p. Psd. 0,00, Tauben la 0,40-0,75, d». lla 0,00. do. alte 0,55—0,64. do. ital. 0,00. Enten, per Stück 0,00, dito russische per Stück 0,00, dito Hamburger, per Stück 3,50-3,75.©änie per Psd. 0,50-0.55, do. ig. Hamb, per Psd. 0,75-1,10. dito russische per Pfund 0,40—0,58. Pouftts per Stück 0.80—1,30, Puten la p, Psd. 0,70—0,75, do. IIa. 0,62—0,64. Hechte per 100 Plund 88—95, do. matt 0,00, do. groß 50-78, do. mittel 95. Zander, unsortiert 0,00, do. groß 0,00, do. mittel 143. Schleie, groß 90—91, dito mittel 0,00, dito IIa 82—100. Aale. Nein 0,00, do. llein-mittel 0,00, do. groß 0,00. Karpsen 70, do. 25— 30et 74—76, do, 10— 15er 54—65, do. stanz. 70— lOOct 0,00. Plötzen 0,00, do. klein 0,00. Aland 0,00. Quappen 0,00. Bleifische 0,00. Wels 0,00. Bunte Fische 33-36. Baisc matt 61—75, do. 81—90. Bleie matt 0,00. Karautchen, matt 0,00. Winter-RheinlachS, per 100 Pfund 0,00, ilmerilanlscher Lachs l», per 100 Psund 110—130, do. IIa 90—100. Seelachs, per 100 Pfund 20—30. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6, do. mittel. Kille 0,00, do. Hamb. Stiege 3—6, halbe Kille 2—3, pomm. la Schock 0,00, IIa 0,09. Bücklinge. Kieler der Wall 2.00, schwedische 1,50—2.00, englische 0,00. sSprotten, Danziger, Kiste 0,60, do. Rügenwalder, Kiste 0,40—0,60. Aale, grog per Psund 1.10—1.40, mittelgroß 0.80—1,10, klein 0,60—0,80. Heringe per schock 5,00—9,00. Schellfische, Ritte 4,00—6,00, dito Kiste 2,5t— 3,00. Sardellen. 1903 er per Anker 98, 1g04er 98, 1 905er 98. 190Ser 85-90. Schottliche VollLerknge 191« 0,00, large 40-44, knU. 38—40, med. 36—42. deutsche 30-40. Heringe, neue MatjeS, per'/, To. 0,00. Sardinen, ruf?.. Faß 1,50—1,60. Bratheringe Faß 1,20—1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Reimaugen. Schocksaß 11, do. kleine 5—6, do. iltieien- 14. Krebse per Schock 0,00, große 0 00, do, mittelgroße 0,00, dito tieine 0,00 ein 0,00, do. unsortiert 0,00, Galizier, groß 0,00. Seemirscheln 100 St. 1,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3,40—4,50, do. große 4,50—5,00. Butter per 100 Psd. Itt 132-134, IIa 127—130 Ma 120-125, abfallende 115-120. Saure ffiuifen Schock 4,50. Pfeffergurken Schock 4,50. Kartofieln per 100 Piund Dabersche 3,25—3,50, weiße runde 3,00—3,25, mag. bon. 3,25—3,50. Porree, per Schock 1,00—1,50. Äicerrettich, Schock 8—16. Spinat per 100 Psund 30—40. Sellerie, per Schock 3—6, do. pomm. 3—12. Zwiebeln per 100 Psd. 4,00—4,50. Petersilie, grün. Schockbund 0,80— l, 50, Rettich, bayrischer, per Stück 0,06—0,10, hiesiger, per Schock 0,00, Mohrrüben, 100 Psund 2,50 bis 3.50. Karotten, per 100 Pfund 10—15. Wirsingkohl v. Schock 3—6. Rotkohl, Schock 2,10-4. Weißkohl p. 100 Psd. 1,60-2,50. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 0,00, do, Erfurter 0,00, do. itaiieniicher 100 Stück 18—22, do m Körben 18 Stück 1,75—2,50. Rosenkohl, per 100 Psund 10—13. Grünkohl 6,00—8,00. Kohlrüben, Schock 2,50—4,00. Petersilienwurzeln, p, 100 Psd. 5—6, Schockbund 5,00-6,00. Schnittlauch. Töpfe Dutzd. 2-4,00. Tomate», kanarische, per Kiste 3,00—4,00. Rote Rüben, vcr 100 Pfund 2,50—3,00. Rübchen, Beelitzer, per 100 Psund 0,00, do, Rübcheu 10-18, Eskarol, 100 Stück 8.00-18,00. Endwien, 100 Stück 15—20. Birnen, per 100 Psd. Tiroler 0,00, Kochbirnen 3—10,00, Tasel» birncn la 18-25, do, IIa 6-17, Jialiener 26-30. Aepsel, per 100 Psund, Tiroler lo 20-26, do. IIa 12—20, do. lose, per 100 Psund 0,00, do. in Kisten 120 Psd. 30-50, Most., hies., 100 Psd, 8—12. Koch. 5—14, Tafel- äpsel la 15—24, do. IIa 8—18, Amerikaner, per Faß 15—29, Jialiener, lose. 100 Psd. 11—12, do. in Körben per 100 Psd. 14—18, do. in Kisten 10—24. Weintrauben, Almeria, per Faß 6—16, Ananas I, per Psund 0,90—1,00, do, II 0,50— 0,55. Bananen, gelb, Jamaica. vcr 100 Psd. 22,00—27,00. Kokosnüsse per 100 St. 0,00. Krach- mandeiu per 100 Psd. 70—115. Maronen, ital., per 100 Psund 9—20. -Feigen, Kranz- per 100 Pfd. 21—25, do. Trommel» per 100 Psd. 40, do. in Kisten 23—58. Traubenrosinen per 100 Psund 55—120. Zitronen, Meisina. 300 Stück 8,00-9.00. do. 360 Stück 8,00—9,00. do. 200 Stück 0.00. do. 150 Stück 0.00. Apselsinen, Murcia, 200 Stück 8.00-10,00. do. 300 Stück 7,00-11,00, do. Valencia 420 Stück 15-25, do, 714 Stück 22-28,00, do. Messina-Blut 100 Stück 7-9, do, 150 Stück 7—10, do. 80 Stück 8,50-9,50, do. 200 Stück 3,50, Datteln, per 100 Kart. 33—42, do. per 10 Psd. 5,00—5.50. Johannisbrot, per 100 Pfd. 10—15. WittcrnugSsibersicht vom lt. Februar 1008, morgeuS S Uhr. SlakUm» - 6-§ Üs i e o=■c S »«ver WS c 4» S 1. S» H S: I 1 I, Swtnemde 772 WSW 3 wolkig Hamburg 1774 WSW 3 Nebel verlin! 775 WSW. 2 wolkig Frantl.a SW 779 NW i 1 bedeckt München i78l Still! wolkeul Wien 778 3128 1 2 halb Ob. — 1 2 — 1 — 1 —5 —3 SlaüMM» g- s i O« I laparandai749 S 3 bedeckt—10 Petersburg 764 NW Iwolkenl—14 Scilly 1 777 W 1 wolkig liberdee»>767 SSW! 2bedecki Pari»;778DSO Lwolkenl Wetterprognose ftir Mittwoch, den lS. Februar lSV8. Ein wenig wärmer, zeiiweiie austlarend, vorwiegend trübe mit geriugtv Niederschlägen und lebhasten westlichen Winden. Berliner W etterbnreau. WasserstandS-Tkachrtchten der LtMdeSanftait für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tilsit B r e g e l. Jnfterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen , Frankfurt Warthe, Schrimm . Lmidsberg Netze, Vordamm Elbe, Lcitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel.—*) EiSstand. — 4) Grundeis.—») starker GrundeiSgang.—•> am 9. nachmittags Eisgang.— O Eisgang. Die Weichsel hatte gestern noch teilweise EiSstand und teilweise Treibeis. BrUfkaften der Redahrton. SU juristisch« Eprcchftunde stilde» Siudenftraste Sir. 3, zweite» Hos, dritter Eingang, vier Treppen, EM» Fahrstuhl MG wochcntäglich abends von?>/, bi» Uhr statt. Geöffne» 7 Uhr. Tonnabeuds beginnt die Eprechstnude um 0 Uhr. Jeder Anfrag» ist ein Buchstabe und eine Zahl als wlertzeichen bctzufügcii. Brieflich« Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Svrechftnndc vor. A. H. K8. Die Wartezeit beträgt sechs Monate.— P. P. 4. Der Bertrag mit der Großen Berliner laust bis 1919.— B. R. tlv.. Die Kasse würde im Klagesalle gewinnen.— E. F. ZOO. Ja. Ihnen steht voller Schadenersatz zu.— 88 A. B. Die betreffende Kasse vermögen wir nicht zu empfehlen und stellen Ihnen anhclm, sich wegen Auskunft über eine empfehlenswerte Kusse an Genossen«imanowSki, Enael-Ufer 15, zu wenden. — A. ZI. Die Kirchcngcmeinde nimmt ein solches Recht für sich in An« spruch. Von höheren Gerichten ist unseres Wissens über das Recht, AuS- kausSgebühren zu verlangen, nicht entichieden. Nach unserem Dafürhalten steht der Kirche, igemeinde ein solches Recht nicht zu.— Moabit 84, DaS Revier, das die Karte ausgestellt hat.— H. 64. Ist im Vertrag nichts vereinbart, so ist der Wirt zur Instandsetzung der Jalousien verpflichtet. In Berlin wird in der Regel da« Gegenteil vereinbart Sehen Sie Ihren Vertrag daraufhin sin.— O. Nein. — E. K. 26. 1. 20 Prozent. 2. Bis zum 31. Dezember 1909. 3. Nein. 4. Die Kasse ist uns nicht bekannt.— Schwedter Strasse ZZ. 1. Ja. Die Praxis nimml aber an, der Arbeiter müsse erklären, daß er nur unter der Voraussetzung aussetze, daß Lohn weite» bezahlt wird. 2. Ja.— Küstrincheu 16. Zur Ruckzahlung der 3 Mark, nicht aber zur Zahlung der 7,50 ist da« Mädchen verpflichtet. Der Vater haftet nicht für diese Schuld.— O. S. 62. Ohne Einsicht in die Police nicht zu beantworten. — Halensee EIS. 1. Wenn Sie in einem gewerblichen oder ländlichen Betriebe arbeiten ja. 2, Der Ausländer hat ein Recht auS der Jnvattden- Versicherung. 3. Ja, beim Konsulat.— Thormahlen. Die Ehissce ist nicht zu entziffern. 1. biS 3. Ja. 4. Gewerbesteuer ist zu zahlen, wenn der JahrcSverdienst 1500 Mark oder das Anlagekapital 3000 Mark über- steigt. 5. Der Verbleust wird dem des Manne» zugerechnet: 6. DaS ist von Fall zu Fall zu entscheiden. 7 Ja.— W. M. 1. Ja. 2. Nein. M.(S. 24. Ein Arbeiter, für den keine Kündigung besteht, kann jederzeit entlassen werden. Keineswegs ist der Arbeitgeber verpflichtet, ihn nach Leistung der militürsschen Uebung zu beschästigen.— E. R. 100. Der als Nichtangesesscner gewählte Gcmelndevertreter bleibt Gemeinde« Vertreter, auch wenn er inzwischen angesessen wird. Bei der AuSschieibung der Wahl und der Ermittelung, wieviel Angesessene zu wählen sind, wird er als angesessen gerechnet, wiewohl er als Nichtangesessener gewählt war. — Streitende 1000. 1. Etwa 50 Meter, 2. Ucberhaupt nicht. 3. Ja. — Tatanka ijotanta 82. Nein.— 8. N. 84. In der Nachl zum und am Vormittag des 31. Januar 1907.— H. M. 48. Die Bevölkerung DeuiichiandS betrug nach der Zählung vom 1. Dezember 1905 61641278, die Bevölkerung Frankreichs betrug nach der Zählung vom 4. März 1906 39252267. — T. 46. 1. In Höhe des an die Dkutter Gezahlten. 2. Nein. S. Nein. — W. A. 6. Wenn die Begleitung für notwendig erachtet wird, ja.— B. 08. New.— Ph. I. 26. Die KündigungSsrist beträgt 6 Wochm zum 1. deS Quartals. ES muß also baldigst gekündigt werden.— B. W. Wenn der Wirt nicht auSdiücklich erklärt, dag er Sie vom Vertrag entbindet, so würde er noch nachträglich seine Rechte aus dem Vertrage geltend machen können. Sehen Sie zu, eine Vescheimgung oder eine mündliche Vestaiiguna der Aushebung des Vertrage« durch den Wirt. zu erhalten.— &. K. 437. Wenden Sie sich an die VsrsicherungSanstali Köllniicher Part. — Buch 4008. 1. und 2. blutrimontum Spiritus: Geistesnahrang. 3. Nein.— H. B. 500. 1. bis 8. Die Herrschast war berechtigt, die Ausnahme in ein Krankenhaus zu verlangen, da dies abgelehnt ist, steht Ihrer Schwester leider kein Anspruch aus Ersatz der Äurtosten zu. 4. Zur " nückgabe der Geschenke ist sie keineswegs verpflichtet. 5. Nur, soweit Ver« ulden vorlieat, hastet die Schwester. 6. Der Monat ist voll zu bezahlen. —' K. 52. W. 8. 100. E. K. 4 und andere Aufragen wegen Weihnachtsgeschenke an Dienstboten. 4. Nach§ 36 der altpreußischell Kestndeordnnng kann in allen Fällen> tva WeihnachtZ. oder NeujabrZ- oeschenke während eines Dienstjahres gegeben worden sind, die Herrschast dieselben aus den Lohn anrechnen, wenn der Dienstvertrag im Lause des Lahres durch Schuld des Gesindes wieder ausgehoben wird. Demnach besteht ein Recht aus Rücksorderung der Geschenke nicht und ein Recht ans An- rechnung aus den Lohn nur unter den angeführten Voraussetzungen, und nur dann, wenn der Lohn nicht schon vorausbezahlt war. Unter lausendem Dienstjahre ist nicht das Kalenderjahr zu verstehen. Hat der Dienst am lt. April 1907 begonnen, so würde das laufende Äienstjahr mit dem 31. März 1903 beendet sein. Nach richtiger, aber bestrittener Auslegung des§ 36 kann auch dann eine Anrechnung aus den Lohn nicht stattfinden, wenn der Dienst nicht aus ein Jahr abgeschlossen war. Denn§ 36 spricht ausdrücklich von einem Dicnstjahre. 2. Bestimmte Stunden oder Tage, in denen die Herrschast dem Mädchen die Aüssuchung einer neuen Stellung ge- statten muh, kennt das Gesetz nicht. Im Einzelsalle wäre aus Gewährung einer angemessenen Zeit zu klagen. 3. Wenden Sie sich an Genossin Baar, Wilmersdorf, Kaiserplatz>7. 4. Nach der Gejindeordnung ist die Herrschaft berechtigt, vom Lohn den Betrag für Schaden abzuziehen, der ihr durch Schuld des Gesindes entstanden ist. Bei der Beurteilung, ob solche Schuld zum Beispiel bei dem Zerschlagen von Geschirr besteht, neigt sich die Rechtsprechung aus die Seite der Herrschaft — P. lt. S7. Wenn nichts vereinbart ist, so gilt sür Dienstmädchen eine Kündigungsfrist von 6 Dechen zum Ersten bei OuartalS. ES würde also frühestens zum 1. April zu kündigen sein. In Ihrem Falle wäre daher eine Ausrechnung zulässig.— R. W. SV. 1. Nein, wenn nicht etwa an- genommen wird, daß in der Tat der Mann der Inhaber des Geschästes ist und die Frau nur zum Schein als Inhaberin fungiert. 2. Sowohl gegen die Anordnung des Vormundes, wie wegen Bestellung eines anderen Vor- mundes müßten Sie sich an das Vormundschastsgericht wenden.— M. U. 1. Eine strafbare Sachbeschädigung liegt nicht vor. Wird an- genommen, daß auch Sie ein Verschulden an der Schlägerei trifft, so würden Sie und der andere zum Schadenersatz verpflichtet sein.— P. W. Der Wirt müßte von neuem um Konzession einkommcn, wenn er Sie in der Tat abgemeldet hat.— M. 100. Ein Grund zum Bruch des Ver- träges würde der von Ihnen geschilderte Umstand nicht sein. Versuchen Sie eine gütliche Vereinbarung mit der Mieterin. Vielleicht läßt sie sich daraus ein, wenn Sie einen Teil der Unterlage beitragen. D. KS. Polizeipräsidium. Alexandervlatz, Zimmer 89.— W. S. 14. l. Nein, wir raten Ihnen, sich an Genossen Simanowski, Engeluser 15, zu wenden. 2. Ja. Die Verpflichtung zur Einrichtung solcher Kasse hat die Gesellschaft übernehmen müssen.— Geuoste S33. Das Gehalt würde pfändbar sein. Einen anderen Weg, wie den der Klage oder des Erlasses eines Zahlungsbesehls gibt es nicht.— A. K. 7. I. Ja. 2. Wenn das Vor- mundschaslsgericht und der Vormund dem Vergleich zugestimmt haben, ja, sonst nicht.— N. H. 49. Die Verpflichtang, sich Legtti» mations karten sür zwei Mark zu beschaffen, ist zu« nach st für die aus Rußland und Oe st erreich- Ungarn und deren östlichen Hinterländern koni menden Ar» beiter, nicht aber sür andere ausländische Arbeiter angeordnet. Die Legitmationskarten sind zu be« schassen, gleichviel, ob es sich um gelernte oder un- gelernte Arbeiter, um Arbeiter in gewerblichen ober in landwirtschaftlich en Betrieben handelt. S ch w e d en, S ka n d i n a v i e r, S ch w ei z er, Italiener sind vorläufig von der Anordnung noch nicht betraf sen. A. P. 28. Eine Klage gegen Ihren Mann würde voraussichtlich mit Ab- Weisung der Gesellschaft enden. Sollte eine Klage zugestellt werden, so sprechen Sie mit der Klage in der Sprechstunde vor.— K. R. Drall wird als Bezeichnung für krästig, stramm, aber auch sür flink und schmuck gc- braucht.— F. 100. Wenden Sie sich wegen der Ausnahme an eine städtische Lungenheilstätte, an das Heimstätlenbureau, Neue Friedrich- Straße 9. Zweckmäßig ist es, ein ärztliches Attest mitzubringen.— H. 3. 60. Der Standesbeamte hat den Vorschriften entsprechend gc- handelt.— R. B. K8. Für Anberaumung des Sühnetermins ist das Amts- silb befindet. Den Antrag erklären. gericht zuständig, in dessen Bezirk der Ehemaim sich befindet. Den Antrag können Sie aus der Anmeldcstube Gruner-Straße zu Protokoll Wie schützt man sich � Ol» Influenz»»rgrelft nur dlojonlgcn, Oaren Blut reap. Blut» kOrperchen nicht liark genug«Ind, um»lagrelch den Kampf gagen dl» eindringenden Influenza-BaiiUen aufzunehmen. Dt» Wallung de« Bluie» mu«» etärleer»ein, die Herztätigkeit »rhflht wrden; deehalb trinke man Va Stunde vor jeder Mahlaelt, also vor dem 2ten FrOhstOck, vor dem Mittag« und Abcndeaaen je V8 Pia« Sani» Lucia Kraft» Rotwein. gl»« oru Julian oet Juirrmc fiberiilnuiii die Redatnon dem vubittum gegrniider tetuerlei Weraniworruna. UKeater. Mittwoch, 12. Februar. Ansang 71/, Uhr. ASuigl. Opernhaus. Cavalleria rustioana. Johann von Paris. Sönigl. SchanspielhanS. Die Rabensteinerin. Lesfing. Kaiser Karls Geisel. Ansang 8 Uhr. Deutsches. Was ihr wollt. Kammersptele. Frühlings Er- wachen. Lortzing. Der Frellchütz. Berliner. Der Opernball. Neues Schauspielhaus. Wolken- kratzer. Neues. Simfon. LuftipielhauS. Weiße Redoute. Swilter O.•WuUuei-ioealet.) Kollege Crcnnpton. Schiller Charlottenburg. Hexen- kesscl. Immergrün. Friedrich- Wilhelmstädt. Schau- spielhaus. Sein Prinzeßchen. t ebbet. Frau Warrens Gewerbe. omische Oper. Tiesland. flttesien. Ein Walzertraum. kleines. Mandragola. Residenz. Bibi. Luisen. Des Mädchen« Lebenswege. Trianon. Baron Toto. Thalia. Immer oben ans. Thealer au der Spree. HokuS- poluS. Bernhard Rose. Der Kaufmann von Venedig. Bürgerl. Schauspielhaus. Wohl- tätcr der Menschheit. ivleiropoc. Das muß man seh'n. Apollo. Mitislaw der Moderne. Alexia. Walzrrwahn. FolieS Capricr. Mal was andres. Dunkle Punkte. Eine anständige Frau. Gebr. Herrnfeld. Papa und Genossen. Salomonisches Urteil. Kasino. Die Freuden der Häus- lichkeit. Wintergarten. Ollo Reutter. Epe- zialilälen. Pasinge. Danny Gürtler. Epe« zialitäten Retctcsbatten. Stetttner Sänger. Gustav Behrens. Ringkämpfer und Kandidat, Posse, sowie zwanzig Spezialitäten, Carl Haverlaud. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäien Folies Bergdre. Spezialitäten. Itr»»i». Z oiide»s>> u|»? 1K 40 Theater nachmittags 4 Uhr: Frühlingstage an der Rioiera. Theater 8 Uhr: Kairo und die Pyramiden. Sternmarie, Jnvalidenftr. 67/62. Berliner Theater. Mittwoch 8 Uhr: Der Opernball. Heues Theater. Ansang 8 Uhr. Ferdinand Bonn alS Gast. Simfon. Morgen und solgende Tage: Simsou. Kleines Thealer. Ansang 8 Uhr. Ulandragola. Donnerstag: Mandragola. treimg: Mandragola. onnabend: Mandragola._ Theater des Vestens. 8 Uhr: Ein Wulzertruuin. Sonntag nachm. 31/, Uhr halbe Preise: vi« I»»tis« Witwe. Friedrich-Wilhelinstädtisches Schauspielhaus. Sem Prmzetzche«. Anfang 8 Uhr. Donnerstag: Sein Prinzeßchcn. Freitag zum 1. Male: Meister Joseph. Schausp. in 4 Akt. o. Eberh. Konig. Sonnabend: König Hcinri Sorfzlng-Bper. Belle-Aiiianee-StpaOe 7/8. Abends 8 Uhr: Der Freischütz. Donnerstag: Trompeter o. Säckingen. VolkSt. Vorstell, zu ermaß. Preisen. Freitag: Die Enlsührung aus dem Serail. Bebbel-Thlaier?lSg Abends 8 Uhr: Frau Warrens Gewerbe. Drama in vier Akten von B. Shaw. Lustspielhaus, Keine Borstellung: Weiße Redoute. Residenz-Theater. — Direltion: Richard Alexander.— 8 Uhr.„Bibl." 8 Uhr. Schwank in 3 Akten von be Gorsse und de Marson. Deutsch von M. Schönau. Bretillot... Richard Alexander. Sonntag, den 16. Februar, 3 Uhr: _ Der Prinzgemahl._ Zentral-Theater. Heute und solgende Tage: An seltsamer 7alt mil Alwin Nenß. Kasseneröfstiung 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. KIMWIM >Är. ftriuiflurlerftc 132 Der Kaufmann _ von Venedig. Anfang 8 Uhr. WochentagSpreisc. Donnerstag: Der grobe Gottlieb. rännm« Köpenicker Straße 68. Abends 8 Uhr zum 45. Male; Hokuspokus. Neue Berliner Gesangsvoss e. Morgen und folgende Tage: _ Hokuspokus._ Metropol-Theater 'Uli II.4 Gr. Revue in 4 Akten(12 Bildern) von j. Freund. Musik von Viktor HoUaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. BemlEr, Giampietro, Josephi, Tltielsetor, Darntäfld, Massary. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet Sonntag, 10. Febr., nachm. 3 Uhr; Neuestes, Allerneuestes. Gebr. Herrnfeld- Theater. NM- Allabendlich-MF der interessante Prozeß wie er stürmischer nie belacht wurde: SalomoDikhes ■ lirtei I. sl Ein Nachspiel z» Papa und Genossen Beide Stücke mit den Autoren Anton und Donat Herrnseld in den Hauptrollen. Sonntag 3 Uhr: Endlich allein! Der Fall Blumentopf. fK« b i I lor-TbSutST. Schiller. Theater 0.(Waanec-Xbedin,. M 1 1 1 w o ch, abends 8 Übt: College Crumpton. Komödie in 5 Akten v. G Hauptmann. Donnerstag. abcn vS8Uhr: I>ei- rote Leutnant. Freitag, a b c n o S« Udr: Her rote Leutnant, 8cll Iiier-Saal V Cbar.ottenhur« 9 Uhr: Vortrag von Dr. Max Osborn: Holbein. Mit Li> Schilier-Thuater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Hexenkessel. Hieraus: Jungfer ImiuergrUn Donnerst ag.abendsSUbr: Zum 1. Male: Auf der Sonnenseite. F re i I a q, abends 8 U h r: College Crampton, Sehl Her-Theater� S/ ichtbildern. deutsche Konzerthallen, An der Spandaner Brücke 3. - Täglich- Deutsch- AmerUlunijcher Urbock- Trubel. „Kreuzberger Harmonie" �..s.) Sonnabend, den lS. Februar, In Happoldta neuem Saal, Hasenheide, Eingang Gräiestraße Masken= Ball. 64/5 Zirkus Scltuntann Heute abend'/ß Uhr: Brillante Vorstellung. Die Sensation des TageS! Mr. keststo, «las elektrische Kittsei. Neuestes Wunder aus Amerika. Mr. Ncsisto läßt 300000 Voll elektrisch tödlich wirkenden Strom zu verschiedenen Experimenten durch seinen Körper leiten. Außerdem hervorragendes Programm. Itieiu-l�ainilti«, Kuilstradsahrertruppe, 6 Personen mit dem urkomischen Neger. Um 9'/, Uhr Ende II Uhr: Tagesgespräch I Amerika Pracht-AusstaltungS-Panlomtme. Otto Reutter und das neue Programm von Publikum u. Presse glänzend beurteilt! s-/. Uhr. Täglich: s-,. Uhr. Mitislaw der Moderne. Operette von F. Lelidr. In Szene gesetzt v. Direkt. R. Schier. Dirigent: Kapellmstr. I Einödshoser. Amaranth: Hin. Werber als Gast. Ab 8 Uhr: Die bedeutenden neue» Attraktionen und La belle Alexia. Sonntag 3'/, Uhr: F-milicnvorslcllg. Xlll, Saison. Zirkus Bäsch Mittwoch abend I1/, Uhr: Gala-Abenil! Die australischen Holzfäller. Szenen aus dem anstral. Busch. Herr KommissionSra! Gustav Stensbeck, Direktor des Berliner Tattersalls als Gast. Aurora-Truppe! Gros. Clarkomans aus Amerika. Das Phänomenalste ans dem Ge- biete der Luftgymnastik usw. usw. Um 10 Uhr: Auf«1er Hallig! Gr. Ausst..Panl deS Zirkus Buich i. 4. B. DaS Geheimnis d. tauchend. Sirenen. Die Wunder der Tiessee. Variete-theafer Weinbergsweg 19/20. Rosenth. Tor. Ansang 8 Uhr. Das gruiiartige neue Februar- Programm! ftQT Dressierte n» Löwen, Tiger, Leoparden, vorgeführt von ll. Havemann, und die übrigen glänzenden XX VarietHkün stier. X X Tunnel: öorfbteriek, Regiments- kapeile usw. Theaterbesuchern heier Eintritt. P alast-Thealer Burgftraste 24. 8W Heute 8 Uhr"MG gy Entree 80 Pf.~0n Elly de Salta,«-»m-Dreifur. The Wellhons, eomtas-aa. Ludwig Seil!, Humorist. Hans in der Falle. Schwank von B. Slevhan. iV.TtoscksTtaatsr Dn esttv» Rod. Dill. Brumienm iv. Police H. 24. Großes Kriminal-Schauspiel nach dem letzten.Morgenpost"-Roman. Ansang 8 Uhr. Entree 30 Ps. Urania. Wiflsenschaftlichee Theater. Taubenstr. 48/49. Theater nachmittags 4 ühr: Frühlingstage an der Riviera. Theater abends 8 Uhr; Kairo und die Pyramiden. Luisen-Theater. AbendS 8 Uhr: Des Mädchens Lebenstvege. Donnerstag: Des Mädchens LebenS- wege. Freitag: Krieg im Frieden. Sonnabend 4 Uhr: Das tapfere Schneiderlein. Abends: Des Mäd- chcns Lebenswege. Sonntag nachm.: Krieg im Frieden. Abends zum l. Male: Unser Dollar. Montag: Des Mädchens Lebenswege. Rixdorfer Theater Bürgersäle. Bergftrafie Nr. 447. Mittwoch, den 12. Februar, 8 Uhr: Gastspiel des Fräul Adele Hartwig vom Deutschen Theater: Bva. Schauspiel in 5 Allen von Rich. Daß. Reichshallen-Theater. Steier Sicser. Zum Schluß: Neu: Httsareii- Streiclie. Ansang: Wochent. 8 Sonnt. 7 U. Tmnou-TkeAler. s Uhr. Baron Toto. 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr: Cyprienne. i—i Neue Weit Hasenheide 108—114. Größtes und originellstes Bockbierfest Berlins. ! BaronIncklsOrig.-BaneFiikapel!El s»äs vom Heede s Tyrolertruppe( i Morgen Donners lag: Kongreß der ft großen Herrens 1 Prämiierung der drei Größten. 8 1 3 Preise Mark 60, 40, 80. e Anf. 7 Uhr. Entree 30 P».® Kasino-Theater. Lothringerstr. 37. Täglich 8 Ubn Hann! weint— Hansl lacht Neu I Steldl-Dno. Neu! Neu I Oer urkomische Rügamer. Neu! Neu 1 Kilti UUItinl. Neu! Mrlrrndrn d. LMslichkeit. Sonntag 4 Uhr: Ein Sohn des Voltes. Zaassouci.ZN" Dtrellton Wilh. Reimer. Heute Mittwoch: Drittes Gastspiel des Buchwald< Ensembles: In der Jiistruklionsswndc. Fräulein Zeuge. Tanzkränzclieii. Bea. Sonnt. 5, wochent. 8 U Der gr. Saal ist sür Dann- abend. 7. März, noch frei. Für Nestanratenre! Prima JttXadSvlscb, Querrippe(Sannrippe) 68 Pf. Filet........ 85. . Fehlrippe...... 70, »„ Bruft........ 65, . Tchmorbrateo.... 70. Georg Wolff, Acker-Halle, Stand 12 und 58. 18992* Bekanntmach ang. Ans der Konkursmasse der bekannten WcingroB- handlung Toermer A nichaells Xachf. habe ich die gesamten Weinbestlinde. auch das l.ombard- Inger, welches im ganzen über 50 000 Flaschen waren, erworben und offeriere vorzügliche, reelle Weine zu ganz enorm billigen Preisen und empfehle, diese günstige Gelegenheit recht bald wahrzunehmen. Bot wein Medoo....... Medoc Estftphe... St. Emilion...'. Pontet Canet.... Medoo Morgan»... Bhelnweln Lanbenheüner... Bahnheimer»».. Forster...... Geisenheimer.... üoohheixner»... 60 Pf. 65. . w. 8ö l 60 Pf. 70, 80. 8o„ 100. Champagner in DentsohL a. Flaschen inDentsohL a. r laschen gefüllt Kaisersekt inkl. Steuer 1,50 M Lorraine-„ 1,75„ Meunier& Co., Chatel inkl. Steuern... 2,50„ Exzellenz v. Strauß..2,50„ Gedr. Feist& Söhne. 2,85„ Hooelweln Trabener..... 65 Pf Erdener...... 60 � Trittenheimer.... 70 B Pisporter...... 80, Zeltinger...... 80 a Dessertwein Portwein...... 80 Pf Ungarwein..... 80, Sherry....... 90, Madeira...... 90, Bamos....... 90. Kognak Belle- Allianoe- Kognak, ges. geschützt...l,OOM. Kognak in Bastflasehen 1,45, J. Pranier& Co. Orig. 3,60, J. Souvion S Co. Orig. 3,60„ Girard& Co. Original 3,60, Krim und Arac sowie Liköre von 1,00 M. an. Die Preise verstehen sich inkl. Flaschen und Stenern von 10 Flaschen ab franko Haus in Berlin; außerhalb frei zur Bahn. Reichhaltiges Lager und Preisverzeichnis kostenlos. Besichtigung des Lagers ohne Kaufzwang gern gestattet. Niohtkonvenierendeswird auf meine Kosten zurückgenommen, daher risikolos. Bestellungen sind zu richten an Fernsprecher E. von Xlalottki, WeingroBhandlunfl, III a 8192. August-SlraBe 60. Verantwortlicher Reda!teur: Georg Davidfohn» Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: TH-GIockchÄerlin. Druck u. Verlag; Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstatt Paul Singer& Co» Berlin SW( Nr. 36. 25. Ichrganz. 3. Ktiiqe dts Jonärtü" Knlim WIKsdlÄ. Wüm«ih, lZ. kebmar IM. llafsllfiirwge. In Nr. 15 der„Sozialen Praxis" veröffentlicht Regierungsrat Vreithaupt-Berlin einen Artikel, welcher die„kurze" Ueberschrift führt:„Genügt das geltende Recht zur Erzielung eines möglichst günstigen Heilerfolges für die durch Betriebsunfall verletzten Personen?" Breithaupt ist nicht klar in seinen Ausführungen und wie jeder Regierungsrat sehr vorsichtig in der Kritik und Behandlung der Materie selbst. Viele„Wenn und Aber" verzieren auch noch diese Betrachtung und der Schlusi ist wieder eine neue Belastung der ohnedies genug gedrückten Krankenkassen, die als Mädchen für alles eben auch alles leisten sollen. Doch folgen wir dem RegierungSrat auf seinem Gedankengange. Er erinnert an den Vortrag von Professor Dr. Hoffta-Berlin in der Sitzung des Deutschen Vereins für Versicherungswissenschaft am 21. Oktober 1807:„lieber die Nachteile, die sich vom ärztlichen Standpunkte aus bei der Handhabung der Unfallversicherungsgesetze ergeben haben." Es wurde dabei die Frage erörtert,„ob die Be- seirigung der Vorschrift, wonach die Fürsorge der Berufsgenossen- schaften erst mit dem Beginn der 14. Woche nach dem Unfall einzu- setzen hat, mithin die Beseitigung der sogenannten Karenzzeit zu erstreben ist." Die grosie Bedeutung dieser Frage versucht nun der Verfasser zu schildern. Belanntlich liege bis zum Beginn der 14. Woche nach dem Unfall die Fürsorge für den Verletzten regelmäßig der Kranken- lasse ob. Wer den Geschäftsgang der Berufsgenossenschaften näher kennt, wird aber zugeben, daß diese Vorschrist auch nur auf dem Papiere sieht und die armen Unfallverletzten auch nach Ablauf der ersten 13 Unfallioochen noch lange keine Rente erhalten. Würden die Krankenkassen nun von diesem Rechte Gebrauch machen und wenigstens ab 14. Woche die Fürsorge einstellen. so würden Tausende von Unfallverletzten noch viel größerem Elend, der Armennnterstützung preisgegeben werden. Man legt auch deshalb neuerdings so viel Gelvicht auf den Z 25 des Gewerbe- Unfallversichernngsgesetzes, welcher den Krankenkassen das Recht gibt, ihre Aufwendungen nach der 13. Unfallwoche wenigstens teilweise von den Berufsgenossenschaften zurück- zuverlangcn. die natürlich die Renten in dieser Höhe kürzen. Des- halb neigt die ganze Rechtsprechung auch dahin, daß die Kranken- lasse �solange weiter zu unterstützen habe, bis es der Berufs- genossenschost endlich beliebt, einfällt, sich um die Verletzten zu wminern. Damit hat man amtlich die ganze Unfähig- keit der Berufsgenossenschast bestätigt. Die Kranken- lassen müssen die Kosten tragen. Und wo keine Krankenkassen das Heilverfahren übernehme» können? Breithaupt meint: So sind die Verhältnisse überall da, wo eS an einer Kranken- lasse fehlt, geradezu als uir erträglich, nach Ab- hülfe schreiende zu bezeichnen. Krankenkassen fehlen in Preußen hauptsächlich auf dem Lande. Hier soll nach dem landwirtschaftlichen Unfallversicherungs- gesetze die Gemeinde die Funktion der Kranken» k a s s e s ü r die Arbeiter ausüben: für die gegen Unfall versicherten kleinen landwirtschaftlichen Unter- nehmer fehlt auch diese Fürsorge innerhalb der ersten 13 Wochen. Jeder, der mit Verwallungsangelegenheiten zu tun hat. wird sich— auch ohne diesen speziellen Verhältniffen näher zu stehen— ein Bild davon machen lönnen. in welcher Weise diese „Fürsorge" von den meist kleinen und leistungsschwachen ländlichen Gemeinden ausgeübt wird. Es ist ohne weiteres klar, daß hier jedes Bestreben, für die Dauer— nicht nur für die ersten 13 Wochen— etwas zu erreichen, fehlt. Die Erfahrungen der Praxis zeigen sogar, daß häufig für die Verletzten überhaupt nichts geschieht, teils weil der Verletzte von seinem Anspruch gegen die Gemeinde gar nichts weiß. teils auch, weil sich die Gemeinde, bei der oft jeder Unter st ützungsfall als eine drückende La st empfunden wird.— auf dem Lande ist die ärztliche Behandlung meist viel teurer als in der Stadt— auf irgend welche Weise ihren Verpflichtungen zu entziehen weiß. In welchem Zustande solche Verletzte, denen entweder gar keine Für- sorge oder nur die der Gemeinde zur Seile gestanden hat, oft zu Beginn der 14. Woche an die Berussgenossenschaft herantreten, wird sich jeder vorstellen können, der weiß, was durch zu spätes Einsetzen der ärztlichen Behandlung verloren geht. Wer aber beruflich Gelegenheit hat. zu beobachten, wie massenhaft die Verletzten besonders auf dem Lande an einfacheit K n o ch e ii b r ü ch e n ihr ganzes Leben zu tragen haben, weil eS an einer sofortigen sachgemäßen Behandlung gefehlt hat, dem muß sich geradezu der Gedanke aufdrängen, daß bei der in Aussicht stehenden Reform der UnfallversicherungS-Gesetzgebung— abgesehen von der wohl nicht in ehr in Frage komm ende«Zusammen- legung der Versicherungsträger— die Abschaffung der Karenzzeit den allerwichtigsten Punkt bildet." Gut. Der Herr Regierungsrat hat aber die Hauptsache ver- geffeu! Weshalb dieser unerträgliche Zuband? Die Junker wollen ja keine Ausdehnung der KrankeiiversicherungSpflicht auf die Landwirlschaft. denn sie wollen ja nur noch mehr von der Gesell- s ch a f t haben, aber nicht abgeben I WaS kümmert diele„Edlen" der schlecht geheilte Krüppel? Auch bat der N.gieriingsral in seiner Kritik vergessen, daß die Unfallverletzten auf dem Lande doppelt geschädigt sind! Einmal als Krüppel, als schwache Arbeitskraft, daS andere Mal durch die m i s e r a b l e R e n t e, die sich nach der Höhe des JahreSverdienstes landwirtschaftlicher Arbeiter nur richtet und gewöhnlich drei- bis v i e r m a l>r i e d r i g e r ist, als die Rente gewerblicher Arbeiter. So sehr wir mit der Abschaffung der Karenzzeit einverstanden sind, da die Unfallversich''rung für die Verletzten, die Krankenkassen aber für die Kranken geschaffen sein sollten, auch entlastet werden müssen, so darf man diese„in Aussicht stehende Reform" doch nicht als wirkliche Abhülfe bezeichnen. Dem landwirtschaftlichen Arbeiter fehlt vor allen Dingen die K r a n k v e r i i ch e r u n g. Unfälle sind doch nur ein Teil der Fälle, die den Landproletarier auf das Krankenlager werfen und wer sorgt für den Kranken da überhaupt? Man schweige ja von den Verpflichtungen der„Gutsherrn"; die ja noch brutaler ihrer Pflicht sich entziehen als die Gemeinden. Der Land. arbciler ist völlig ungeschützt, im Krankheitsfälle auf die Gnade seiner Mitmenschen angewiesen, ohne jedes Koalilionsrecht seine Lage zu verbessern. Breithaupt geht natürlich diesen Fragen gänzlich aus dem Wege. Sein Plan ist. die Berufsgenossenschaften vorläufig dabin zu bringen, daß sie das Heilvenahren innerhalb der Karenzzeit schon möglichst übernehmen. Daß die Krankenkassen eigentlich gar nicht die Pflicht haben sollten, in der schwersten Zeil des Unfalls das Heilverfahren zu tragen, ohne auch nur einen Pfennig Ersatz von den Berufsgenossenschaften zu erhalten, darauf legt Breithaupt keinen Wert. Er traut den Krankenkassen das richtige Heilverfahren gar nicht zu, weil diese nur für einen gewissen Zeitraum für die Verletzten zu sorgen haben, während die Berufsgenossenschaften „durch eine möglichst intensive Gestaltung des Heil- Verfahrens ihre Rentenverpflichwng oft fiir viele Jahre wesent- lich herabmindern und nicht selten von einer Rentenzahlung über- Haupt befreit werden können." Das bringen die Berufsgenosien- schaften ja heute schon fertig! Für was sind die Vertrauens- ärzte da? Breithaupt bemängelt auch, daß heute nach 14 Wochen des Un- falls ein anderer Arzt den Verletzten behandelt. Das muß doch auch nicht sein, wenn man so hohe Achtung vor den Krankenkassen- ärzten haben will? Ja, Theorie und Praxis! Weshalb nimmt man dem Kassenarzt die Behandlung auf einmal ab? Die Berufs- genossenschaften sollten, wie dies ja im K 76c des Kranken- versicherungsgesetzes vorgesehen ist. innerhalb der Karenzzeit schon das Heilverfahren einleiten. Leider würde von diesem Rechte— eine Pflicht besteht ja nicht— zu wenig Gebrauch gemacht. Breithaupt weist auf die Statistik des Reichsversicherungsamts hin. Nimmt man die„Amtlichen Nachrichten" des Reichsversicherungs- amtS 1907 Hand, so findet man aus Seite 301, daß im Jahre: 1903: 58 gewerbliche Berufsgenossenschaften in 8292 Fällen 1905: 61„..„ 8956„ daS Heilverfahren übernommen haben und hierfür 513 000 Mark verausgabt hatten. Hingegen hatten 36 landwirtschaftliche Berufsgenossenschaften im Jahre>903 in 2329 Fällen und im Jahre 1905 nur 32 Berufsgenossenschaften in 2294 Fällen das Heil- verfahren innerhalb der Karenzzeit übernommen und hierfür 148 000 M. verausgabt. Doch Breithaupt findet hierfür auch eine„Erklärung".„Das mag zum Teil darauf beruhen, daß die für sie in Betracht kommendenKrankenkassen eine gründlicheBehand- lung verbürgen, zum Teil ist es aber gewiß auch die Folge einer gerade hier ganz unangebrachten Sparsamkeit." Letzteres wird eher stimmen, denn Breirhaupt kritisierte ja treffend, daß aus dem Lande die Krankenkassen überhaupt fehlen, folglich auch keine „gründlichere Behandlung verbürgen" können...." Und gerade die landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften sind eS, die sich am allerwenigsten um daS Heilverfahren kümmern. Zeigt uns doch obige Statistik, daß noch ein Rückgang der Zahl der Berufs- genossenschaften und der behandelten Fälle eingetreten ist! Breithaupt meint nun noch:„Es ist somit die für den Ver- letzten äußerst wichtige Frage, in welchem Umfange ihm in den ersten 13 Wochen ein Heilverfahren zuteil wird, oft geradezu dem Zufall— ob er dieser oder jener Berufsgenosfenschaft angehört— überlassen, das ist umso auffallender, als das Gesetz im übrigen naturgemäß bestrebt ist, die Rechte der Verletzten so zu gestalten, daß sie von dem Willen der B e ru f s g e n o ss e n s ch a f t e n möglichst unabhängig sind, was so weit geht, daß dem Verletzten selbst bei den kleinsten Renten und bei jeder Renten- änderung die kostenlose Anrufung der obersten Instanz freisteht." Welch' eine Aufschneiderei l Möglichst„unabhängig" heißt: in größter Abhängigkeit zu den allmächtigen Berussgenossenschaften, die über die Zelt des Verletzten stets frei verfügen können, ihn mit kärg- licher Rente abspeisen, ihn jederzeit aus dem Arbeitsverhältnis herausreißen und in eine Rentenquetsche stecken, von einem Vertrauensarzt zum andern jagen können usw. Und da hat der Verletzte sogar „kostenlose" Rechtshülfe! Nur nützt sie gewöhnlich nicht viel! Die Rechtsprechung der—„obersten Instanz" ist ja bekannt. Breithaupt ist nun der Ansicht, daß der jetzige Zustand am ein- fachsten dadurch geändert werden könnte, daß den Berufsgenossen schaften die Verpflichtung zu der Einleitung der Fürsorge auf- erlegt werde. Doch soll darüber nicht etwa der Kassenarzt, der den Zustand des Verletzten aus der Behandlung genau kennt, sondem der„beamtete Arzt" darüber entscheiden. Den Krankenkassen würden also gnädigst einzelne Fälle ab genommen, doch sollen sie verpflichtet werden:„für jeden von der Berufsgenossenschaft behandelten Fall einen Pauschalbetrag zu er- statten". Statt Entlastung, also noch größere Belastung der armen Krankenkasse», weil die Berufsgenossenschast gewillt war, in diesem oder jenem Falle das Heilverfahren innerhalb der ersten 13 Wochen zu übernehmen und um Rente zu sparen:„recht gründlich durch zusühren" I Erinnert sei daran, daß die Aerzle heute viele Verletzie, bei denen die Wunde zugeheilt, z. B. schon in der achten Unfallwoche erwerbsfähig halten. Nach§ 13 des Gewerbeunfallversicherungs geietzes niuß die Berufsgenoffenschaft nun die Rente von dem Tage ab zahlen, an welchem das Krankengeld in Fortfall kam. Nach dem Vorschlage Breithanpts würde sie die Kur auch über die achte Nufallwoche hinaus erstrecken, Massagen und evenwell mechanische Be� Handlung da eintreten lassen, nur um Rente zu sparen. Die Kranken- kasien hätten deshalb länger Krankengeld zu zahlen als jetzt, ja sie müßten noch den höheren„Pauichalbetrag" leisten, weil die Berufs- genossenschaft Rente sparen will. Wenn man selbst zugibt, daß man den BenffSgenoffenschaften heute unmöglich das Heilverfahren sofort übertragen kann, weil sonst die Verletzten verhungern würden, weshalb ist man nicht so gerecht, den Krankenkassen weiter die Fürsorge zu belassen, bis eine gründliche Reforni des Gesetzes durchgeführt ist? Weshalb ver- pflichtet man die Berufsgenossenschaften nicht, den Krankenkassen die Kosten bei Heilverfahrens vom ersten Tage des Unfalles ab zu er- setzen? Damit wäre doch den Verletzten und auch den Krankenkassen eher gedient. Denn solange die versicherten Arbeiter von jeder Mitwirkung an der Verwaltung der Berufsgenossenschaften aus- geschloffen sind, so lange würde auch jede Aenderung dieser Art eine weitere Rechtlosigkeit der Versicherten nach sich ziehen. Heute sind Tansende von Verletzten froh, daß sie wenigstens in den ersten >3 Wochen ihres Unglücks frei von den Schikanen der Unterorgani- satiouen sind. Soll dies beseitigt werden? Soziales. Die Bnreauangestellten gegen Tante Der Vorstand des Verbandes der VerwaltungLbeamtcn der Krankenkassen usw. und der Vorstand des Zcntralvercins der Bureanangcstellten Deutschlands haben der„Vossischcn Zeitung" folgende Berichtigung zugesendet: „In der Nr. 46 der„Possischen Zeitung" vom 23. Januar d. I. —Abendausgabe— heißt es in einer Notiz, die auch in andere Tageszeitungen übernommen ist:„Man schreibt uns: Einer der Wünsche der Ortskrankenkasjenbeamten, von dessen Erfüllung sie bei einer Reform der Krankenversicherung eine gleichzeitige Sicherung ihrer Stellung erhoffen, geht schon seit längerer Zeit dahin, daß ihnen die Rechte und Pflichten von Staatsbeamten bei- gelegt würden." Diese Behauptung des Gewährsmannes der„Bossischen Zeitung" ist vollständig unrichtig. Als Berufsorganisationen der Angestellten der Ortskrankenkassen erheben wir gegen diese Irreführung der öffentlichen Meinung Einspruch! Es ist vollkommen unrichtig, daß irgendwo von den Angestellten der Ortskrankenkassen oder deren Organisationen eine derartige oder ähnliche Forderung aufgestellt worden ist. Richtig ist vielmehr, daß die Angestellten einmütig Protest eingelegt haben gegen den Antrag v. Savigny bei der Be- rarung der Novelle zum Krankenversicherungsgcsctz 1903, der darauf abzielte, die Angestellten einem Einflüsse der Gemeindebehörden als Aufsichtsbehörden der Krankenkassen zu unterstellen. Unrichtig ist ferner, daß die Angestellten für eine Beschneidung der Selbst. Verwaltung der Krankenkassen eintreten, wie sie in dem fraglichen Artikel gefordert wird. Richtig ist dagegen, daß die Angestellten einer Sicherung ihrer Stellung durch Staat oder Gemeinde überhaupt nicht bedürfen. Da die Angestellten der Ortskrankenkassen, von einer kleinen Minderheit abgesehen, fast sämtlich ihren unterzeichneten Berufs- organisationen angehören, ist es ihnen gelungen, mit dem Verbände der Ortskrankcnkassen einen Tarifvertrag, über das ganze Reich geltend, abzuschließen, durch den ihnen eine bessere Sicherung ge- währt wird— so lange das Selbstvcrwaltungsrecht nicht ange- tastet ist— als sie ihnen Staat oder Gemeinde gewähren würden und können. Richtig ist ferner, daß die Angestellten der Ortskrankenkassen und ihre Berufsorganisationen stets die ungeschmälerte Aufrecht- erhaltung der Selbstverwaltung als unbedingtes Erfordernis der Krankenversicherung betont und gefordert haben und erst auf ihrem letzten Pcrbandstage 1905 jede Unterstellung unter staatliche oder gemeindliche Obhut abgewiesen haben und stets abweisen werden." Trotz dieser klaren Richtigstellung wird die gegen Selbstver- waltung der Kassen arbeitende Presse, nicht minder die nach der- selben Richtung sprechenden Parlamentarier unter Führung von Bülow-Mugdan, das vielfach Widerlegte immer wiederholen. Sie halten es mit der von Goethe als Altweiberlogik gekennzeichneten Methode: erst etwas behaupten und dann als Beweis für die un- richtige Behauptung dieselbe Behauptung wiederholen. Eue Induftric und f>andcU Ein böses Urteil über die Finanzpresse. Das Verschwinden de? Bankiers Friedberg dürfte anscheinend noch eine Preßpolemik in der Finanzpresse hervorrufen, wenn diese es nicht vorzieht, einen ihr von Alfred Lansburger hingeworfenen Fehdehandschuh nicht zu beachten. Der von Friedberg gegründete „Ratgeber auf dem Kapitalmarkt" ist in der Finanzpreffe als Anreißerblatt gekennzeichnet worden. Wenn man dieses Blatt nannte, geschah eS im Tone der staatlich konzessionierten Prostituierten, die sich über die schamlose gewerbsmäßige Unzucht entrüsten. Und auch der„Verein für die Interessen der Fondsbörse' mimte nach dem Verschwinden Friedbergs finanzpolitische Moralhüterin. Das hat den genannten Finanzschriftsteller, Herausgeber der„Bank", Monatsschrift für Finanz- und Bankwesen, sehr verdrossen. In der erwähnten Zeitschrift bekannte er sich nun als Mitarbeiter des „Kapitalmarkt" und verwahrte sich gegen die wider diesen erhobenen Vorwürfe. Er schreibt: „Das Bankhaus Siegmund Friedberg hat Anfang Februar seine Zahlungen eingestellt. Und sofort hat der Berliner„Berein für die Interessen der Fondsbörse" den Gefallenen von sich und dem Banlierstande abgeschüttelt. In einem Communiquö, daS Friedberg die Berechtigung absprach, sich„Bankier" zu nennen, wurde gesagt, er sei an der Börse nie gesehen worden, habe in Börsenkreisen keinen Kredit gehabt und sei nicht zum Berliner Kassenverein zugelassen gewesen. Alles daS stimmt. Und wenn der Verein nichts anderes gesagt hätte alS daS, so würde ich nicht das Wort ergreifen. Es ist zwar bekannt, daß die Mittel, deren sich Friedberg bedient hat um Kunden an sich zu ziehen, auch bei einigen Bankhäusern bekannt und beliebt sind, die dem Verein für die Interessen der Fondsbörse angehören. JndeS hat der BankierSsland als solcher daS Tischtuch zwischen sich und Friedberg bereits zerschnitten, als dieser noch auf seiner Höhe stand; und das gibt ihm jetzt ohne weiteres das Recht zu fordern, daß man den Fall Friedberg nicht auf sein Konto setze und aus diesem Fall verallgemeinernde Schlüsse auf die Solidität des deulschen Bankiers ziehe. Gerade angesichts der bevorstehenden Bank-Enquöte ist das Vorgehen des Vereins begreiflich und sogar taktisch klug. Aber der Verein hat noch etwas anderes gesagt. ES heißt in seinem Communiqus:„Namentlich durch daS von ihm gegründete Blatt„Der Ratgeber auf dem Kapitalmarkt" lockte Friedberg Privatleute an sich, die töricht genug waren, auf seine An- preisungen einzugehen." Gegen diese Behauptung bezw. gegen das. was zwischen ihren Zeilen zu lesen ist, bin ich genötigt, mit aller Entschiedenheit zu protestieren. Denn ich bin Mitarbeiter des„Ratgeber" gewesen und Jahre hindurch haben meine Aussätze regelmäßig an der Spitze des Blattes gestanden; bis vor etwa fünf Monaten. Ich habe während der ganzen Zeit anonhm geschrieben. Heute aber, wo die Integrität des Blattes in der frivolsten Weise angezweifelt wird, halte ich eS für meine Ehrenpflicht, unter Namenszeichnung zu erklären:„Es gibt sicherlich bessere Finanzblätter in Demichland als den„Ratgeber", aber es gibt kein ehrlicheres Blatt, als es der„Ratgeber" ist— oder war." Man darf wohl gespannt sein auf die Antwort, die unsere Finanzpreffe nun geben wird. Zu der Angelegenheit Friedberg verlautet, daß die Passiven 2 Mill. Mark noch weit übersteigen sollen. Ob Depots verschwunden sind, ist noch nickt festgestellt. Seinem Chef gefolgt ist dessen DiS« ponent, Herr Boh», Direktor der Automobilzentrale. Auch er ist unter Mitnahme verschiedener Tausendmarkscheine ohne Angabe des Reisezieles verschwunden. Die beiden Herren haben ein flotteS Leben geführt, benutzten fünf Automobile der Gesellschaft zu ihrem Privatvergnügen, hielten sich Maitressen und ständige junge Haus- Hälterinnen. Bohn hatte in letzter Zeit Automobile, die einen Ver- kaufswert von 40—50 000 M. repräsentierten, für 17 000' M. an- geboten. Er wollte jedenfalls vor dem bereits im Anzüge befind- lichen Zusammenbruch das eigene Portemonnaie noch etwas anfüllen. Die Mutter des Friedberg hat sich angeblich erboten, mit 1 Million Mark für die Verbindlichkeiten ihres Sohnes einzuspringen, wenn strafrechtliche Verfolgung unterbleibe. Wie andererseits gemeldet wird, hat die Staatsanwaltschaft die strafrechtliche Verfolgung Fried« a-ergs bereits aufgenommen. (-nnttra. Kauft> MAGGF Boulllon-WQrfel zu für eine proB» Tasse, Somlilemokrat Mvereia für den 4. Berliner Beiclistapalilkrels (Frankfurter Viertel). Bezirk Nr. 299. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser(Scnosse, der Barbier Hiijyo Hampel (Veberslr. 31) gestorben ist. Ehre feinem Andenken t Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den>2. Februar, nach- mittags ä'/n Uhr, von der Leichen. [balle des Marius- Kirchhofes in WilhelinSberg aus statt, 21S/13 Her Vorstand. Zentral-Wantl äer Manrei- Beutsebianäs. Zweigverein Bertin.— Bezirk Norden. Am 5. Februar verstarb unser Mitglied VVilKelm Henke im Alter von SS Jahren. Ehre seinem Andenken i Die Beerdigung findet heute nachmittag 3 Uhr von der Leichen- halle des Himmelsahrts-Airchboses in Nieder-Schönhausen-Nordend aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 13(3/11 Der Vorstand. Zklttral-Nrrbllnd der Schmiede. Zahlstelle Berlin. Den ilstitgliedcrn zur Nachricht, dafi der Kollege Kasimir pojut (Bezirk Rcinickcndors) am Montag, den 3. Februar er,, verstorben ist. 176/t Ehre seinem Andenken! 01« drtsverwaltung. Danksagung. Villen Freunden, Kollegen und Be- kannten für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben BlltorS und Schwiegervaters Heinrich Romko sagen wir unseren uinigstcn Dank. Die trauernden Hinterbliebene». Vodos-�iizeZge. Statt besonderer Mitteilung hierdurch die traurige Nachricht, dafi mein innig geliebter Mann, der Gastwirt �o5ep!i Menzel, Rirdors, Donaustratz e 105, ani 10. Februar nach schwerem Leiden verstorben ist. Die Beerdigung süldet am Freitag, den 14. Februar, nach- mittags 2'/, Uhr präzise, von der ' alle des Gemeinde-FriedhoseS, lariendorscr Weg. aus statt, Vtitwe Agnes Menzel nebst Kindern. Invaliden-Onterstiitzungste d.St8inöruekeru.Lilbopplien. Die Beerdigung des am 8. Februar verstorbenen Licht- druaetS Karl kerxliolta findet statt am Mittwoch, den 12. Februar, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause Brandenburg- itratze 10 aus nach dem Simeons- Kirchhose in Britz. 30b Das Komitee. tilllcn Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, datz mein lieber Mann, unser guter Vater, Bruder und Onkel, der Tischler Msttöez Webowski im S2.. Lebensjahre plötzlich und uncnvartet verstorben ist. Um stille Teilnahme bitten llie trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 13. d. Mts., pünktlich 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Nixdorser Friedhofs, Marien- dorscr Weg, auS ftalt, 24b Am 10. d. M. verstarb mein lieber Mann, unser guter Vater, der srühere Gastwirt Em\\ Landschulze Berlin, Lehninerstr, 4. Die Beerdigimg findet Donners- tag nachmittag 3'/, Uhr von der Leichenhalle des Heilig-Krcuz- Kirchhofes, Maricndors, auS statt I'ssaUnc I,anko 28 Mark, AnS- zichlisch, Stühle 3. Muschcllpiegel 12, Säulcnwumeau 36, Beltskellc mit Matratze,.Kommode. Waschtoilctte 20, .�errenschreib tisch 50, Paneelsosa, Muschelsosa, schlassosa 36, Küchen- möbel, geschnitztes Nutzbaumbüsett, Anlleideschrank Ä>, Federbetten Stand 20. Auch Teilzahlung. Wallslratze 81.* Brennaborrad, Lzändler zwecklos t recht»._ neu, vcrlä Langcstr. 10 292t� Nähmaschinen. Zahle höchste Vcr- gütung. Alle Systeme gegen kleinste Abzahlung' Hruda, Rosenthaler- straffe 19.__ 299711* Getegenbeitskänse: PaletolS. An- züge, Holen, Kofier, Revolver, TelchingS, Uhren. Goldsachen, Kessel, svoltbillig. Lücke. Oraiiicnstratze>31. Reilegtäier. Operngläser, Reiff- zeuge, Regulatoren. Freischivinger, .Harmonikas, Geigen, Ziiherii, Bilder. iieppiche, lpottbilllg. Lücke, Orauien- straffe t3t._ 5b* Ueberzählige Herrenanzüge. Herrenpalelots, nur hochtelnsle Aus- führung, ausverkauft EngroSjabrik einzeln zu Engrospreisen. Enorme GcldcrspariuS. 2—4 geschlossen. Sonn- tagsvcrlaus 12—2. Neue Friedrich- straffe 37, HI.__ 293/2» Kinderbettstelle. Kinderwagen. Sommer, Wienerstratze St. 2820b* LinoleuuitepPiche.�Linoleumresle, Sachstnchi spottbillig. Wacheluchdecken, Gummischläuche Jona», Josephstratze ll i. Siuiiliseideiie Steppdecken 4,15 (Seidcnersatz), WollatlaS-Slcppdecken 5,85, Inventur• r'lusnahmcvrcisc. TepvlchhauS Emil Lesövrc, Oranien- strotze 158. 108K Teppichhans Lcsevre, Oranien- ftrafic 158, setzt Jnventur-RäumungS- preise. Extralisl« gratis._ 109A' �Bettfedern.Gänsehalbdalmen.sehr volldaunig, ist die beste Bcttensüllung, Schönhauser Allee 57, Geslügelhand- wng, Pohlmann. 44K' 1V.VÖ. Deckbett, Unterbett, Kissen, rottosa Inlett. Pfandleihe Sltidteas- slrage 38. 206, k. Näheres durch Vollralh u. Co., Elsasserstraffe 21. 249K Milchgeschäft, Skordcn, Miete 900,—, Umsatz zirka 30,—, Preis 1200,— Mark. Näheres durch Boll- rath u. Co., Elsasserstraffe 21. 250K Versduedenes. Bolkssänger-Gcscllschast Schweitzer, Stettin erstratze 57.+78 �Glshotj� Komiker, frei. straffe 6. GropiuS- 2979b» Komiker, billig, wohnt Köpenickcr- straffe 147. Schwartz._ 4d» Pai, ulaitwati Gefiel. Gili-biner» strage 94». 255k>K» Lernt die Muttersprache bebervicheu I Erl olgreichen, leicht tatzlichen Unterricht m Wort und Schritt der dcutichen Sprache erteilt Damen und Herren (seoarat) auch abends ein tüchtiger und gewissciibaitcr Privallebrer. Die Stunde tostet eine Mark. Eine Unier- richlSstunde wöchentlich genügt Ge- fällige'Angebote und unter G. 4 an Exocdition des„Vorwärts» zu richten. Wer ein Geschäft lausen oder verlausen will, wende fich an Boll- rath u. Co., Eisasscrftraffc 21, Amt 3a, 4375. 145K» Kuiisislopferci von Frau KakoSlb Cbarlotieilbnrg. Goctbcurage 84. I.» Masken verleiht billig Henke, Dcnncwitzslraffc 1. 2g39b» Psaiidlcilic Markusstiatze 27». Bücher kaust, Kochstrage 56. beleiht Anliguariat 2840K» B>aschaustalt. Den Genossen empfehle meine Wasch- und Plätt- anslalt. Wäsche wird chtorfrci ge- waschen, im Freien getrocknet. Ab- bolung sonnabends. Karl Joch, Köpenick, GrUnauerslratzc 21. 197K» -Bücher, alle. Lexika und ganze Bibliotheken laust Seher, Oranien- straffe 138._ 1b» Waschanstalt Gebert, Köpenick, Swgusle Bittoriaslratze 24, liefert chtorsreic, im Freien getrocknete Wäsche. Laien, Leibwäsche, 4 Handtücher O.lO. Abholung Donnerstag._ 251 K Wer«Stoff hat, fertige Herrenanzug 20 Mark, feinste Zulaten, zwei Anproben. Für guten Sitz bekam goldene Medaille. Ludwig Engel, Prenzlauerftratze 23 H, Alerandcr- platz. Gegründet 1392. 6b Brautleute wirklich billige Preise für Wohnungseinrichtungen, Ueber- zeugmig macht wahrt Arndt, _ Grünerweg 73.+47________________ VercmtwortliÄcr Redalteur: Ocorg Davidsoh», Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckcrei u. Verlagsanstalt Paul Singer&(So., Berlin SW, Pharuö-Säle, Müllerstraffe 142. Durch Absage eines Abstmenten- Vereins ist der Empne-Saal 1 zum 31. März frei geworden. Vereinen und Gesellschastcn bestens empsohlen. Bodcnqerümpel, Flaschen, Eisen. Papier kaust Baude. Ebelingstraffe 8. Vermietungen. >Vödnunxen. Prächtige Zweizimmer- Balkon- Wohnungen billigst Soldinerstratze 32. Wohnungen. 4— 3 Zimmer, preis- Werl, zum 1. Ap'll zu vermieten. Buchstraffe 1, Näh« deö Putli! Bahnhofes. Wohnungen. billige, Balkon, Doppelsenster, GaS usw., zwei Zimmer, Küche(Bad), von 35 Mark an. ein Zimmer, Küche, Balkon, von lll Mark an. Kolonieftraffe 30— 31, Eoldincr- straffe 67— 63. 356» Zimmer. Herr kann noch mit einwohnen, möbliertes Zimmer, Thaerslrage4l, IH links._+37 Schlafstellen. Gut möblierte Schlasstclle mit Schreibtisch an sauberen Senn zum t., t5. März nahe Rosenthalertor Brunneiistratze 14, Ouergebände linker ?lusgang 4 Treppen links. Griffen. Schlafstelle(Mädchen) Bandmann, Chriltburgerstraffe 38.+96 Schlafstelle sür Herrn Witwe GchrS, Waldemarslraffe 18/19._+88 Mietsgesuche. Handwerker sucht zum l. März kleines möbliertes Zimmer, Nähe Görlitzer Bahnhof. Offerte» K. N., Postamt 36.+15 Arbeitsmarkt. Stellengesuche. Blinder Stnblftewier bittet um Arbeit. Slübie werden adgeboli und ziirückgelieiert. A. Gläter, Miilack- strage 27_ 14636 Stellenangebote. Tchlosserlehrlinge verlangt Brandes, Alcrandrinenstrahe l>8.» Brlegrrtnnen verlangt sabrik, Kursürslenstraffe 7. Leisten- 106/7 BIuseu-Vorderteil-Slepperin und Bluscn-Lehrdaincn verlangt im Hause. Neumann. Prenzlauerslratze�tk_ 243/6 Zritungsaiisträgeriiiue» sofort gegen gut«» Lohn gesucht Friedrich» straffe 240/241, Hos varlerre recht». Lcibchrnhose«, gefüttert, Arbeite. rinnen verlangt. Pose, Oranien- straffe 207. 34b Künstliche Blumcn-Kleberinnen, Lehrmädchen verlangt Schindelhaucr, Alte Jakobstraffc 156/57. 22b» Zeitungsfrau gesucht Solmsstratzc 4. Ilittcrrock-Ärbeiterinnen im und aufferm Hanse. Unteirock-Fabrik, Rix- dors, Saaleitraffe II. Ringbahnhos. Hnnabiru-Stellen für„Kleine Hnzcigcn44, Zentrum: ftzrift Zinke, Mauerstr. 89. A. Hahnisch. Auguftftr. 50. Hd'c�tcn: G. Schmidt, Kirchbachsir. 14. D-tcn: W. Man», Petersburgerplatz 4. R. WengelS, RüderSdorferstr. 3. Gustav Bogel. KoppensN. 83. Xordo-etc»: S. Zucht, Jntmanuelkirdistr. 12. I. Reul, Baniimstr. 42.' Xardcu: H. Raschke, Ackerstr. 36. F. Trapp, Stettiuerstr. 10. Kart Mars, Lgchencrstr. 123. Kart Wctfie, Razarethkirchstr. 49. L. Techaiid, Rnhevlatzstr. 24. H. Böget, Lortzingslr. 37. A. Tietz, Jnvalidcnstr. 124. Xurdu'Ciitcu: Karl Riiders, Salzwedelerstr. S. W. Schrulle. Kotzkowstystr. 29, SUdwcntcn: H. Werner, Giieisenaustr. 72. H. Schröder, Hagelbergerstr. 27. Giidcu: St. Fritz, Prinzenslr. 31. F. Gutschuiidt, Kollbuser Damm 8. tzsiidc-itcu: Paul Böhm. Lausitzer Platz 14/15. P. Harsch. Engel-llter 15. Okar luttc» öiirg: G. Scharnberg, Scsenheimerstr. 1, FricdHchBkcrg: O. Seilet. Kronprinzeilstr. 50. Bivdorr: M. Heinrich, Reckarstr. 7. Conrad, Hermanustr. 50. Biiuimcisikiirg: Zl. Roseutra»». Ali-Boxoagen 56i iScköncöcrg: Wtlh.Bäuuilrr. Marlin Lutherstr.St. dVcißcimcc: ff. Fiihri»»»», Sedansir. 105. Iii). Schillert, König-Chausjee 39a. Hcinlckendoi-r: P.(Diu ich, Provinzilraffe, Ecke Grünenveg. A'rcptarv: 245/2» R. Granteuz, Kiesvolzjtr. 412.