Nr. 44. Jahrg. L �-W» M I � 1 1 W I»l mWW�-�m/'«��SKSS Einzelne Nummer k Pfg. Sonnlag Z. IraS§9 TV H TV H DU e9 B| W» R|M IL■) fcSS p— // und Beriammllings-Anzelgeii 30 Plg. Nummer mit illustrierter Sonntags» S�KSi|H W»» ffH WW DD W» Wg WW V) DH WD //„Kleine Hnrcigen". das erste(fett» Beilage.Die Neue«elf 10 Pfg. Post» WWW W> WD WD WD DI R9 W> W» BS DW � B«1 1 gedruckte) Wort 20 Pfg�, jedes weitere Wonnement: �10 ll�rk pro Monat. Wp�M WD WD Hj DZ|9 1 KK B H B H H Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf. �xMv°r Zj'e*eutäTtt M ü H m.«U MM JKhSL AI fl �UW s..ellen.Anze.ge,. das erste Wort.0Pfg. Deutschland und Oesterreich.' Ungarn W sB �Bz � JB. // B jedes weitere Wort S Pfg. Worte über 2 Wart, für das übrige Ausland MLS ffifikx �f/ Zj\S\/ // WD tk Buchstaben zahlen ,ur zwei Worte. 3 Wart pro Monat. BostabonnemenlZ /j�_ MWK Inserate für die nächste Nummer müssen nehmen an: Belgien. Dänemark. � y f_ � ▼/ bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition LSÄ'TS'SA.« �"■■■tAwwSe"1"1" Berliner Vnllesblnll. js=». Zentralorgan der rozialdemokrattfcbcn Partei Deutfcbtandd. Redaktion: SRI. 68, Lindcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. AzhIrechtsKamps-IilailenIiampf! Der ganze Verlauf der Wahlrechtsbewegung hat bewiesen, daß es nur eine einzige Partei gibt, die es mit ihrem Ein- treten für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahl- recht ernst meint: die Sozialdemokratie. Selbst die freisinnigen Parteien haben nicht nur nichts getan, um den Wahlrechts- kämpf zu fördern, sondern sogar alles aufgeboten, den Wahl- rechtskämpfern Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Sie haben, als es an der Zeit war, durch Entfesselung einer gewaltigen Volksbewegung einen Druck auf Regierung und Reaktion aus- zuüben, keinen Finger gerührt, sondern wie hypnotisiert des Zeitpunktes geharrt, wo Fürst Bülow geruhen würde, die Absichten der Regierung zu enthüllen. Daß aber Fürst Bülows Erklärung eine geradezu provozierende sein und eine glatte Absage an jede wirkliche Wahlreform bedeuten würde, mußte der Freisinn ganz genau wissen. Und der Freisinn wußte das auch! Wenn er trotzdem in absoluter Untätigkeit verharrte und noch obendrein — von den paar Eingängern wie Barth, Gerlach und Breit- scheid abgesehen— mit giftigem Hasse alle Aktionen der proletarischen Wahlrechtsbewegung schmähte, so ge- schah das, weil dein Freisinn an einer Uebertragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen im Ernste gar nichts gelegen ist. Er hat ja nichts zu gc- Winnen, höchstens an die erstarkende Sozialdeniokratie Mandate zu verlieren. Wie sollte er sich da für ein Wahlrecht ins Zeug legen, das mir seinem verhaßtesten Gegner Vorteil bringen wird I Wenn der Freisinn nicht trotz alledem noch hunderttausende proletarischer und kleinbürger- l i ch e r Stimmen zu verlieren hätte, würde er sogar gleich den Nationalliberalen die Forderung des allgemeinen, gleichen. direkten und geheimen Wahlrechts für die Einzelstaaten aus seinem Programm gestrichen haben. So„fordert" zwar der Frc�inn„unentwegt" das gleiche Wahlrecht. aber er hütet sich. irgend etwas zu tun. was diese Forderung der Verwirklichung näher bringen könnte. Und wenn der Freisinn jetzt Versammlungen über Versammlungen abhäll, wenn jetzt selbst die M u g d a n und Genossen gegen Bülow und die Reaktion poltern und mit trotziger Gebärde das gleiche Wahlrecht verlangen, ja wenn selbst in offiziellen Freisinnsversammlungen Resolutionen gegen die Blockpolitik angenommen werden, so hat das mit einem Wahlrechtskampfe nicht das mindeste zu tun. Es handelt sich sür den Freisinn einfach darum, die Wählermassen für die Neuwahlen gehörig mit Phrasen- schäum einzuseifen! Und zu diesem Geschäft des Ein- seifens gehört nun einmal die trutzige Gebärde des unentwegten Prinzipienkämpfers. Selbst Herr Mugdan hat deshalb die Parole des Herrn Albert Träger„alles oder nichts" adoptiert. Ist der Wahlkampf vorüber, hat der Freisinn seine Mandate behauptet oder gar noch etliche dazu gewonnen, dann werden die freisinnigen Volkstribunen wieder die umgänglichsten Leutchen werden, die mit jeder Wahlrechtsflickerei zufrieden sind. Nicht besser steht es um das Zentrum, schlechter noch um die N a ti o n a l l i b er a l e n. Das Zentrum wird durch das Dreiklassen Wahlsystem nicht sonderlich benach- teiligt, obendrein durch die skandalöse WahlkreiScinteilung nächst den Konservativen besonders begünstigt. Wie sollte eS sich da für die Einführung des gleichen Wahlrechts begeistern? Die Nationalliberalen fühlen sich bei dem D r e i k l a s s e n Wahlsystem ganz wohl, nur behagt ihnen die Wahlkreisgeometrie nicht allzu sehr: sie möchten gern das Uebcrgewicht des platten Landes durch eine Neueinteilung der Wahlkreise beseitigt sehen. Davon will aber wieder das Zentrum nichts wissen! Keine einzige bürgerliche Partei ist also an der Einführung deS gleichen Wahlrechts interessiert. Einzelne unter ihnen wünschen zwar gewisse Refornten. aber selbst loenn es nach langem Schachern und Prachern zwischen ihnen schließlich zu einem Kompromiß kommen sollte, das auch der nichtbesitzenden Klasse eine gewisse Schein- Vertretung einräumen würde— mit dem allgeni einen und gleichen Wahlrecht würde diese Flickreform nicht die entfernteste Äehnlichkeit haben! Nun gibt es allerdings innerhalb des Zentrums und des Freisinns Elemente, die am allgemeinen und gleichen Wahlrecht interessiert sind. Ein Teil des Mittelstandes und vor allem das Proletariat hat ja alle Ursache, eine radikale Wahl- reform zu wünschen. Aber diese Elemente geben innerhalb ihrer Partei nicht den Ausschlag. Und sobald sich ihre Unzufriedenheit lebhafter regt, pflegen'die fteisinnigcn und uliramontanen Demagogen den törichten Haß der Hirsch- Dunckerschen und christlichen Gewerkschaftler gegen die sogenannten„sozialistischen" Gewerkschaften und die Sozialdemokratie aufzustacheln. Reicht aber das Gefühl der Rivalität noch nicht aus, um bei den freisinnigen und christlichen Arbeitern den Instinkt der gemein- samen proletanschen Interessen abzustumpfen. so versucht man es mit der Einräumung von ein paar Mandaten. Diese arglistige Demagogie hat bisher noch immer ihre Schuldigkeit getan. Als ernsthafter Kampfer für das allgemeine und gleiche Wahlrecht kommt nur die Partei des politisch ausgeklärten. des klassenbewußten Proletariats in Frage, die Sozialdemo- Freitag, den 21, Februar 1908. kratie. Die Aussichten des Wahlrechtskampfes wachsen also in dem Maße, in dem die Zahl der k l a s s e n-> bewußten Arbeiter wächst, in dem die Schichten des Kleinbürgertums, deren Interessen sich mit denen der Arbeiterklasse decken, sich der Partei des Proletariats, der Sozialdeniokratie. an- schließen. Es ist eine Utopie, von dem guten Willen, dem politischen Anstand oder auch nur dem politischen Weit- blick der herrschenden Klassen die Gewährung des gleichen Wahlrechts in Preußen zu erwarten. Noch nie hat es eine bevorrechtete Klasse gegeben, und nie wird es eine privilegierte Klasse geben, die freiwillig auf ihre Vorrechte verzichtete. Sie kann nur durch die Entrechteten selb st dazu ge- zwungen werden. Um aber die Entrechteten im frei- sinnigen und ultramontanen Lager zu veranlassen, ihre Par� teien energisch vorwärts zu treiben, sie gegen das Interesse der besitzenden und privilegierten Elemente zu weitreichenderen Zugeständnissen an die rechtlose Masse— nicht nur zur Abtretung einiger Mandats an Hirsch-Duncker- sche oder christliche Arbeiter— zu bewegen, ist es notwendig, den freisinnigen und Zentrumsarbeitern �Klassen- bcwußtsein einzuflößen. Erst wenn das Solidaritäts- aefühl dieser Arbeiter gegenüber den sozialdemokratischen Arbeitern stärker ist, als sogenannte„nationale" und kon- fessionelle Vorurteile und die Rivalität gegenüber den freien Gelverkschaften, erst dann werden diese proletarischen Ele- mente den herrschenden Mächten im Freisinn und Zentrum wirklich unbeguem werden. Tann freilich dürfte es auch eher zu einer reinlichen K l a s s e n s ch e i d u n g kommen, als zu einer Demokratisierung der bürger- lichen Parteien! Wie dem aber auch sei: Nur die Erweckung der noch in der Befangenheit bürgerlicher Vorstellungen lebenden Prole- tarier zum Klassenbewußtsein vermag die Wahl- rechtsbewcaung zu fördern und schließlich unwiderstehlich zu machen. Deshalb wäre auch nichts unsinniger, ckls wenn die Sozialdemokratie den Wahlrechtskamps, rcsp. den Wahlkampf, der ja nur ein Teil des Wahlrechtskampfes ist, nicht im Zeichen des k o n i ea u e n t c sten Klassenkampfes führen wollte! Es gilt nicht nur, mit schoimngsloscr Schärfe die Sünden aller bürgerlichen Parteien zu geißeln, sondern es gilt auch vor allen Dingen. die Wahlrechtsverrätereiendes Freisinns und des Z e n t r u m s als n o t w e n d i g e K o n s e g u e n z des Klassencharakters dieser Parteien darzustellen. Jede Verhehlung dieser Tatsache, jede V e r s ch l e i e- r u n g des Faktums, daß der W a h l r e ch t s k a m p f in Preußen nichts anderes ist, als eine Episode im Aus- trag des allgemeinen Kampfes zwischen der nicht besitzenden Klasse und den privi- legierten Klassen, würde nicht nur verhängnisvolle Illusionen im eigenen Lager auslösen und schädliche Ver- wirrung stiften, sondern auch verhindern, daß in den noch rückständigen proletarischen Schichten in der Gefolgschaft der bürgerlichen Parteien endlich die Erkenntnis der Notwendig- keit des Klassenkampfes geweckt wird! Das stärkere Setterreich. I. Oesterreich auf der Balkanhalbinsel. Der Bau einer Eisenbahn nach Mitrowitza— zu dein so- eben die österreichische Regierung die Einwilligung der Türkei er- halten hat— ist wirtschaftlich die Konsequenz der Fertigstellung der bosnischen Eisenbahn. Denn durch dieses kurze Zwischenstück wird die bosnische Eisenbahn mit der türkischen Solonikibahn verbunden, so daß Oesterreich Zutritt zum Aegäischen Meer erhält. Wir wollen uns nicht darüber aufhalten, ob es nicht auch in Oesterreich wirtschaftliche Aufgaben gibt, die den Interessen der Volks- massen näher stehen, als der Bau dieser Eisenbahn auf einem stemden Gebiet. Auch das wollen wir unerörtcrt lassen, welchen Segen der mit der Eisenbahn eindringende Kapitalismus der ein- heimischen Bevölkerung bringen werde. Die steigende Entsorstung und steigende Auswanderung, wie in Bosnien, werden jedenfalls die Folgen sein. Wir wollen diesmal die Frage nicht in ihren großen sozialen Znsammenhängen, sondern bloß vom Gesichtspunkte der kapitalistischen Staatspolitik betrachten, und zwar ganz besonders zur Beleuchtung der genialen Art, wie die deutsche Reichöregierung Geschichte macht. Man kann jetzt auf zwei Eisenbahnwegen die Balkanhalbmsel bis an die südlichen Geivässer durchqueren: über Bukarest nach Konstantinopel und über Belgrad nach Saloniki. Nun wird noch dazu die österreichische Verbindung über Bosnien kommen. Auch andere Eisenbahnpläne sind publik geworden, deren Ver- wirklichung nahe bevorstehen soll und jedenfalls aus Rück- sichten der politischen und wirtschaftlichen Konkurrenz nun- mehr stark gefördert werden dürste. So eine Eisenbahn, die von Turn-Severin an der Donau über N i s ch in Serbien durch die Türkei nach der W e st k ü st e der Halbinsel gehen soll. Diese Eisenbahn würde das Schwarze Meer mit dem Adria- tischen verbinden, den rumänischen ltnd ungarischen Eisenbahnen einen Ausweg nach dem Adriatischcn Meer schaffen. Eine Eisenbahn S o f i a» U e s i ü b, die die bulgarischen Eisenbahnen mit dem Salonikistrang, also mit dem Aegäischen Meer, und wenn die soeben genannte Bahn gebaut wird, auch mit deil westlichen Gewässern verbinden würde. Eine kurze Eisenbahn S a l o ,l i k i- L a r i s s a, durch die Griechenland an das große europäische Eisenbahnnetz an- gegliedert wird. Gelangen diese Eisenbahnprojekte zur Susführung, Expedition: SM. 68» Lindcnstraeec 69» Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. so wird damit ein großer Schritt vorwärts getan, um das Stück Asien in Europa, ivelches die Balkanhalbinsel darstellt, zu beseitigen. Dies aber hat jedenfalls sür die wirtschaftliche EntWickelung Europas unvergleichlich mehr Bedeutung, als alle deutschen Kolonien zusammengenommen jemals haben könnten, denn: erstens ist die Balkanhalbinsel das an Naturschätzen reichste Land Europas, zweitens braucht man keine Weltreisen zu machen, um dieses Land zu er- reichen, dritten» liegt es an der großen Verkehrsstraße nach den Ländern des Sttllen Ozeans, deren Bedeutung auf dem Weltmarkt riesenhaft zunimmt. Indessen tritt die führende Rolle Oesterreichs bei der Erschließung der Balkanhalbinsel immer schärfer hervor. Es verdankt das der veränderten politischen Situation und seiner eigenen Entwickelung. Die polittsche Situation hat sich ungemein zugunsten Oester« reichs verändert durch die Lahmlegung Rußlands. Wir haben wiederholt an dieser Stelle darauf verwiesen, daß Rußland auf- gehört hat, als Großstaat mitzuzählen. Seine Ohnmacht zeigte sich denn auch diesmal in einer beschämenden Weise. Denn otese österreichische Eisenbahn bedeutet in politischer Beziehung die Ausdehnung des österreichischen Okkupationsgebiets bis nach Mittowitza, also Einverleibung deS SandfchakS Novibazar, durch das die neue Eisenbahn geht. Hat es einmal die Einwilligung der Türkei zum Bahnbau, so wird ihm schon durch den Berliner Vertrag das Recht verliehen, dort Garnison zu halten. Oesterreich wird mich nicht umhin können, eS zu tun, da die Türkei selbst in dem nahen Mazedonien bekanntlich die Ordnung nicht mehr aufrecht zu erhalten vermag. Es wiederholt sich also daS Gleiche wie in Bosnien, daS bereits von aller Welt als österreichisches Gebiet auf- gefaßt wird. Zugleich schiebt sich Oesterreich durch diesen netten Besitz mit einem breiten Keil zwischen Serbien und Montenegro ein, welch letzteres es auf diese Weise bogenförmig umspannen wird. So erreicht Oesterreich mit der Erweiterung seines Gebietes zugleich eine Verstärkung seiner Angrifföftellung gegenüber den Balkanstaaten und noch mehr eine Steigerung seines allgemeinen politischen Ein« fluffeS im Orient. Der Aerger der ruffifchen Diplomatie war so groß, daß sie ihn nicht herunterzuwürgen vermochte und mit Vergeltungsmaßregeln drohte. Sie hat aber nur das Projekt der adriatischcn Eisenbahn herausgebracht, dessen wir schon oben gedacht haben. Diese Bahn ivürde Oesterreich nicht schaden, vielmehr nützen, da sie seine Eisen-' bahnliuie kreuzen und ihr, außer dem Aegäischen, auch noch das Adriatische Meer zugänglich macht. Die Idee war denn auch ver- mutlich die, noch im letzten Augenblick auf die Türkei einen Druck auszuüben, indem nian ihr in Aussicht stellte, daß noch mehr Einfalls- torc in ihr Gebiet eröffnet werden. Die Wirkung ging total fehl, da man nunmehr auch türkischerseitS noch weitere Eisenbahnbauten in Aussicht stellte. Die russische Diplomatie war aber nicht einmal darüber oriensiert, was auf dem Balkan vorging, denn eS erweist sich jetzt, daß Oesterreich selbst Serbien vorschlug, die Adriabahn zu bauen. Russische Eisenbahnen find nicht gefährlich; sie nützen nur dein Feind, wie das Beispiel der mandschurischen Eisenbahn zeigte. Auf die Adriabahn aber wird Rußland schon nach seiner geographischen Lage auch nicht den geringsten Einfluß ausüben können— denn zwischen ihm und dieser Bahn liegen selbständige Staaten: Oester- reich, Rumänien, Bulgarien. Biel eher ist anzunehmen, daß die Adriabahn. mit österreichischem Gelde gebaut werden und dazu dienen wird, weitere österreichische Okkupationen vorzubereiten. Wollte Rußland sich in der Türkei Kompensationen schaffen, so wüßte die zarische Regierung sehr gut, wo diese zu schaffen wären: näntlich in Westasie» resp, Kleinasien. Das ist ja die traditionelle russische Politik, für jede Schlappe im europäischen Orient sich an den asiatischen Gebieten der Türkei zu regalieren. Rußland ist machtlos, in Asien wie in Europa; statt selbst vorzudringen, fürchtet es vielmehr, daß die Türkei auf seine Kosten in Russisch-Armenien sich K 0 m« p e n s a t i 0 n e n sür den an Oesterreich verlorenen LandeSteil werde schaffen wollen I Die Rollen sind vollkommen gewechselt: Rußland tritt an die Stelle der Türkei und die Türkei an die Stelle Rußlands. Die österreichische Regierung hat von sich aus nichts dazu bei- getragen, um die politische Situation zu schaffen, deren Gunst sie jetzt ausnützt. Sie befand sich vielmehr auch während des russisch- japanischen Krieges im Schlepptau der Politik des Deutschen Reiches, die im russischen Fahrwasser segelte. Aber die Ereignisse, von seinen leitenden Staatsmännern keineswegs vorausgesehen, kamen Oesterreich zugute. Die Ausschaltung Rußlands aus dem Konzert der Großmächte mußte die Stellung Oesterreichs auf der Balkan- Halbinsel ebenso stärken, wie sie die Weltsiellung Englands gestärli hatte. So kann man denn jetzt in Oesterreich leicht ein großer Staatsmann werden. Geist braucht man dazu nicht, nur Ent- schlossenheit; zu viel Geist könnte sogar schaden, denn das schafft Bedenken._ Line hlcrifcalc Abfertigung. Auf das vom Erzbischof von Bamberg an den liberalen katholischen Pfarrer Grandiugcr gerichtete Verbot, öffentlich für die liberale Partei zu agitieren, hatte die liberale Fmk- tion des bayerischen Landtages an den Bamberger Erzbischof ein Schreiben gerichtet, in dem sie sich gegen dieses Verbot verwahrte. Der Erzbischof antwortet darauf, indem er sich mit Geschick der von den Liberalen gcaen sozialdemokratische Staatsbeamte und Staatsarbeitcr gebrauchten Argumenta« tion bedient, mit folgender Abtrumpfung: «Es lag und liegt mir ferne, die staatsbürgerlichen Rechte der meiner besonderen Aufsicht unterstellten Geistlichen irgcndtvie wehr zu beschränken oder zu beeinträchtigen, als sie ihnen durch die besonderen Pflichten ihres Standes ohnehin beschränkt sind. So besitzt an sich jeder Staatsbürger das Recht, zur Ehe zu schreiten, Tanzunterhaltungcn zu besuchen, sich zu kleiden, wie er will usw., dem katholischen Geistlichen aber ist dies Recht durch die besonderen Vorschriften seines Standes verwehrt. Dadurch, daß er den Stand seinerzeit freiwillig auf sich genommen hat, hat er auch die mit ihm verbundenen besonderen Verpflichtungen auf sich genommen, ähnlich, wie dies beim Staats- beamten und Offizier der Fall ist. Wie nun der Staatsbeamte bezüglich der Annahme des Abgcordnetenmandates an die Genehmigung von feiten der vorgesetzten staatlichen Be- Hörde gebunden ist, welche ihm dieselbe erteilen, oder aus einem gerechten Grunde auch verweigern kann, so ist dasselbe auch bei einem Geistlichen der Fall. Wie ferner die Staatsbehörde im Interesse des Staatswohlcs und der Beamtendisziplin einem Staatsbeamten den Beitritt zu einer grund- sätzlich staatsfeindlichen Partei verbieten kann, so dürfte wohl auch der kirchlichen Oberbehörde das Recht nicht abgesprochen werden können, aus Erwägungen reli- giöser, kirchlicher und seelsorgerischer Natur einem ihr unter- stehenden Geistlichen den Beitritt zu einer bestimmten Partei zu verbieten. Dies habe ich seinerzeit im Falle Grandinger getan, indem ich ihm aus Erwägungen kirchlich-seelsorgerischer Natur die Genehmigung zur Annahme des Abgeordnetenmandats nur unter der ausdrücklichen Bedingung erteilte, daß er der liberalen Partei weder als Mitglied noch auch als Hospitant beitrete. Ich hätte Herrn Pfarrer Grandinger unter Berufung auf den hier- orts von Tag zu Tag immer drückender sich geltend machenden Priestermangcl die Annahme des Mandats einfach verbieten können. Ich mochte dies aber nicht tun, damit es nicht den An- schein gewänne, als wollte ich dem Austrag der Frage:„Kann ein katholischer Geistliche liberaler Abgeordneter sein?" feige aus dem Wege gehen..... Als ich vor Jahresfrist einer ganzen An- zahl von Geistlichen aus Motiven religiös-seelsorgerischer Natur verboten, bei der Stichwahl Erlangen- Fürth mit den Sozialdemokraten gemeinsame Sache zu machen, erinnere ich mich nicht, daß von feiten der liberalen Partei hierin eine Verletzung der verfassungsmäßigen Rechte von Staats- angehörigen gefunden wurde; ich glaube, daß bei meinem Vorgehen gegen Pfarrer Grandinger, bei welchem mich dieselben Gründe kirchlich-seelsorgerischer Natur leiteten, ebenso- wenig von einer Verletzung verfassungsmäßiger Rechte die Rede sein kann." Den liberalen und konservatip-liberalen Blättern ist diese Abfertigung, wie ihr verlegenes Hin- und Hergerede zeigt, höchst unbequem: denn der Bamberger Erzbischof schlägt sie mit denselben Gründen, mit denen sie es bisher rechtfertigten, daß der Staat sich nicht nur der Staatsbeamten entledigt, die der sozialdemokratischen Gesinnung verdächtig sind, sondern auch der in Staatsbetrieben angestellten sozialdemo- kratischen Arbeiter, und zwar selbst dann, wenn diese nicht, wie Herr Grandinger, öffentlich für ihre Partei agitieren, sondern nur ein sozialdemokratisches Blatt lesen oder bei Wahlen für einen sozialdemokratischen Kandidaten stimmen. Zluch der Hinweis auf die Stichwahl in Erlangen-Fürth ist recht geschickt in die Antwort eingefügt: denn damals hat kein einziges liberales Blatt darin eine Beeinträchtigung der Gewissensfreiheit oder der staatsbürgerlichen verfassungs- mäßigen Rechte zu finden vermocht, daß Herr Dr. Abert einer Anzahl katholischer Geistlichen kurzweg ver- bot, irgendwie die Sozialdemokratie zu begünstigen. Im Gegenteil, damals wurde der Bamberger Erzbischof als ein- sichtiger, patriotischer, mannhafter K i r ch e n f ü r st, als die Blüte der feinsten geistlichen Äilduna gepriesen. Die„patriotische" Presse weiß gegen diese Abfertigung des Erzbischofs denn auch nichts anderes zu erwidern, als daß sie mehr oder minder offen erklärt, was gegen die Sozialdemokratie angebracht sei, schicke sich nicht gegen die Liberalen. So meint die „Tägl. Rundschau", die bekanntlich je mehr sie gegen die Iesuitenmoral eifert, desto unverschämter nach dieser Moral Politik treibt:„Dcnnesi st etwasanderes. wenn ein Erzbischof die Unterstützung der prin- zipiell religionsfeindlichen Sozialdemo- kratie, als wenn er die Unterstützung des L i b e r a l i s m u s v e r b i e t e t, der gar nicht daran denkt, religions- oder kirchenfeindlich zu sein, sondern nur an der ultramontanen Jnfizierung der katholischen Kirche eine sehr berechtigte Kritik übt." Vielleicht erläßt Herr Dr. Abert zur Abwechselung demnächst wieder ein gegen die Sozialdemokratie gerichtetes Ver- bot. Dann werden ihn die Liberalen wiederum als einsichts- vollen, hochgebildeten Kirchenfürsten feiern.— Das engllich-ruMiche Abkommen. London, 18. Februar. Da» Unterhaus besprach gestern die Vorteile und Nachteile des im August 1907 zwischen England und Rußland abgeschlossenen Abkommens über mittelasiatische Streitpunkte. Wenn auch das Abkommen vielfach kritisiert wurde, so erhob sich doch keine Stimme gegen dessen Prinzip. Die oppositionellen Redner anerkannten den Wert und die Bedeutung dcS Ausgleiches mit Rußland, nur meinten sie, England habe viel geopfert und nichts Greifbares dafür erhalten. Dieser Gedanke lag der Resolution zugrunde, mit der Lord Percy die Debatte eröffnete. Lord Percy, der in der letzten konservativen Regierung den Posten des Unter. staatssekretärs des Aeußeren bekleidete, stellte die Behauptung auf. daß sowohl in Afghanistan wie in Tibet die russische Diplomatie viel mehr erhalten habe, als sie erwartet hatte, und daß in Persien die Handelsinteressen Englands aufgeopfert worden seien, ohne von der russischen Regierung eine bindende Erklärung erhalten zu haben, daß der Persische Golf in die britische Einflußsphäre falle. Das ganze Uebereinkommen habe nichts definitiv geregelt, wohl aber Rußland bedeutende Handelsvortcile verschafft. In der darauffolgenden Debatte, die 7 Stunden dauerte, sprachen verschiedene Abgeordnete teils für, teils gegen die Re- gierung. Die wichtigste Rede kam von Sir Edward Grey, dem Minister des Aeußeren, der etwa folgendes sagte: Man wirft dem englisch-russischen Uebereinkommen vor, es sei an manchen wichtigen Stellen nicht klar genug, um Mißverständnisse auszuschließen. Derselbe Vorwurf kann gegen jedes internationale Uebereinkommen erhoben werden, da es nicht möglich ist, alles vor- auszusehen. Hätten die beiden Vertragsmächte alle Ursachen mög- licher Mißverständnisse und Reibungen besprochen und ihnen vor- zubeugen versucht, dann wäre das Uebereinkommen nicht zustande gekommen. Die Lage in Persien drängte aber zu einem Ein- Verständnis zwischen England und Rußland. Ohne dieses Ein- Verständnis wäre es infolge der konstitutionellen Kämpfe in Persien zu Reibungen zwischen den beiden Großmächten gekommen. Ruß- land wäre vom Norden her in Persien eingedrungen und England vom Süden. Ein Zusammenstoß wäre unvermeidlich geworden. Es ist auch übertrieben, wenn behauptet wird, daß England bedeutende Handelsinteressen geopfert habe. Denn man muß bedenken, daß Nordpersien in den letzten 20 Jahren finanziell und politisch unter russischem Einfluß geraten war. Die russischen Handelsinteresscn sind jetzt dort größer als die britischen. Rußland erhielt auch als seine Sphäre den Nordosten Persicns, um an der EntWickelung Mesopotamiens, die infolge des Baues der Bagdadbahn zu er- warten ist, teilnehmen zu können. Die russische Regierung gab ferner eine schriftliche Erklärung ab, nach welcher das von Lord Lansdowne bezeichnete Verhältnis Englands zum Persichen Golf bestätigt wurde. Auf Grund dieser Erklärung wurde das englische Begleitschreiben zum Uebereinkommen abgefaßt. Aber es war nicht angängig, diese Erklärung dem Uebereinkommen einzuverleiben, da der Golf nur zum Teile persisch ist. Und vom Standpunkte des Handels wird der westliche Teil des Golfs— infolge des Baues der Bagdadbahn— bald viel wichtiger werden als der östliche. Allein die Wichtigkeit des Uebereinkommens liegt nicht auf Wirt- schaftlichem, sondern auf strategischem Gebiete. Es handelte sich bei England darum, die Nordwestgrenze Indiens zu sichern, und dieser Zweck wurde vollständig erreicht, indem Seistan(an der Südostgrenze Persiens) zur englischen Einflußsphäre gemacht wurde. In Afghanistan und Tibet hat England nichts geopfert; anderer Meinung können nur diejenigen sein, die dort«ine Eroberungs- Politik in Aussicht hatten. Die liberale Partei ist aber gegen jede aggressive Politik in den mittelasiatischen Pufferstaaten. Schließ- lich ist nicht zu vergessen, daß es der englischen Regierung daran liegt, mit Rußland in Freundschaft zu leben. Lange Jahre herrschte tiefes Mißtrauen zwischen beiden Reichen; jeder Schritt, der von einem der beiden unternommen wurde, fand eine falsche Aus- legung, so daß die Beziehungen immer gespannt und zuweilen kritisch waren. Diesem Zustande wollte die englische Regierung ein Enhe machen. Und mit diesem Ziele im Auge war es not- wendig, Vertrauen zu zeigen, um Vertrauen wecken zu können. Die englisch-russischen Beziehungen sollen nunmehr auf Vertrauen begründet sein, um entstehende Reibungsflächen durch freundliches Einvernehmen befriedigen zu können. Von diesem Geiste war die englische Diplomatie bei der Ausarbeitung und Behandlung des Uebereinkommens geleitet. Die Lage Englands wurde durch die Besserung der Beziehungen zu Rußland erheblich gestärkt. Die liberale Regierung hat nur die Politik Lord Lansdownes fortgesetzt, und wenn die Konservativen wieder zur Regierung gelangen, werden sie finden, daß die Liberalen nicht nur die von Lord Lansdowne abgeschlossenen Freundschaften aufrechterhalten, sondern auch ge- stärkt und ausgebaut haben. Ebenso haben sie gezeigt, daß man sich auf England verlassen kann. Greys Auseinandersetzungen wurden mit großem Beifall auf- genommen. Marokko. Die erste Niederlage von S e t t a t ist von General d'Amade und der französischen Negierung bestritten worden. Und am Mittwoch hat die Regierung aber- mals Meldungen von französischen Niederlagen und Beunruhigungen Casablancas entschieden dementieren lassen. In den Meldungen des Generals d'Amade vom 20. Februar, worin mehrere Zusammenstöße gemeldet werden unter dem Hinzufiigeu, daß der Feind überall mit bedeutenden Verlusten geworfen wurde, steht nichts von Nieder- lggen. Spät am Abend des Donnerstag aber lief die fol- gende Depesche des Bureau Herold ein: Paris, 20. Februar. Im Kolonialministerium ist jetzt eine Mel- dung eingetroffen, welche die Informationen aus eng- lisch er Quell« bestätigt, wonach die Franzosen eine Nieder- läge erlitten und ihre Verbindungen abgeschnitten sind. Wo der Schauplatz dieser Niederlage ist, welches die abgeschnittenen Verbindungen sind, das läßt sich aus den vorliegenden Nachrichten nicht feststellen. Die L o n- d o n e r„Central New s" haben eine Niederlage bei S e t t a t(südlich von Casablanca) gemeldet: eine Tanger- Depesche der„Frankfurter Zeitung" vom 19. Februar sagt, daß um 8 Uhr 20 Minuten ein Gefecht bei einem Orte Bus- n i k a fortdauerte, der 6 Kilometer nördlich von Casablanca liegt. Den Franzosen waren dabei bis dahin 2 Offiziere und 7 Mann getötet und 30 verwundet worden. Endlich melden Nachrichten aus Tanger, daß die Marokkaner, während General d'Amade mit einer Abteilung sich in der Richtung auf Settat entfernt hatte, bis an die Gärten von Casablanca vorgedrungen seien, wobei die Fran- zosen viele Tote verloren hätten. General d'Amade sei eine Zeitlang von der Stadt abgeschnitten gewesen: die Marok- kaner sollen ein französisches Geschütz erbeutet haben. Von der französischen Regierung liegt noch keine Aeuße- rung vor, die die Niederlage zugibt. Vielmehr erließ der Kabinettschef am Donnerstag eine amtliche Note, worin auf das entschiedenste alle Gerüchte von weiteren Truppen- sendungen zurückgewiesen und daS Publikum vor falschen Meldungen gewarnt wird. Indes wird die Nachricht von der Niederlage indirekt bestätigt durch folgende Depesche: Paris, 29. Februar. Ein Telegramm des A d m i r a l s Philibert berichtet, daß er vorsichtshalber alle verfüg- baren Geschütze und Mannschaften gelandet habe zur Teilnahme an den Operationen bei Casablanca. Die Lage der Besatzung von Casablanca muß danach sehr böse sein. Mulay Hafid scheint Ernst machen zu wollen mit se'ner Versicherung an seine Getreuen, daß er die Franzosen verjagen werde. Der heilige Krieg ist jetzt wirklich entbrannt, und gar bald können die Truppensendungen Wirklichkeit. werden, die Clemenceau eben noch entschieden in Abrede ge- stellt hat._ Politische ücbcrlicbt- Berlin, den 20. Februar 1908. Fortsetzung der Justizdebatte. Während in der vorhergehenden Sitzung des Reichstags die Klassenjustiz den Kernpunkt der Verhandlungen bildete, wurde heute eine eigenartige Abart desselben, die R a s s e n j u st i z in den sogenannten Ostmarken von dem polnischen Abgeordneten S e h d a an den Pranger geschlagen. Er zeigte an Einzelbeispielen, von welch giftigem Haß gegen die Polen in den östlichen preußischen Provinzen richterliche Beamte erfüllt sind, von denen eine angeblich unparteiliche Rechtsprechung ausgeübt werden soll. Staatssekretär Dr. Nieberding deduziert:„Inkompetenz, preußische Angelegenheit!" Abg. V a h r e n h o r st(freikonservativer Amtsrichter auS der Lüneburger Heide) echot:„Inkompetenz, preußische An- gclegenheit",— um dann eine seiner unfreiwillig komischen Hcidschnuckenreden. diesmal nicht über Pferdezucht, Mutter- milch oder Dohnensüeg, sondern über allerhand Rechtsfragen zu halten. Er versichert, daß er kein Blutrichter sei und da dieses Selbstbekenntnis noch nicht einen durchschlagenden Er- folg bei den ungläubigen Sozialdemokraten erzielte, über- trumpfte er es durch den Zusatz:„Glauben Sie es nur, ich bin ein Gemütsmensch l" Der freudig zustimmende Beifall. den diese Worte auslösten, ermutigte diesen parlamentarischen Fritz Triddelfitz noch längere Zeit auf dem weiten Gefilde der Justiz und Moral umherzustolpern wie ein cinwöchigcs Saugfohlen auf frischgepflügtcm Acker. Nochmals wirkte er da erfolgreich auf das Ziverchfell seiner Zuhörer durch die düstere Prophezeiung, daß die Verhandlungen des Moltke-Harden- Prozesses ahnungslose Backfische in Versuchung führen könnten, das, was sie gelesen,„am eigenen Leibe" zu erproben! Nachdem der freisinnige Abgeordnete Dave einige ganz verständige Ausführungen gegen die Verknöcherung des Juristen- rechts gemacht hatte, verbreitete sich der mecklenburgische Ab- geordnete v. M a l tz a n über den Fall der Für st i n W r e d e, um davor zu Ivarnen, daß die Gerichte durch ungleich- mäßige Behandlung reicher und armer Angeklagter nicht den„Agitatoren" Stoff zu der Behauptung vom Vorhanden- sein einer Klassenjustiz geben möchten. Diese Brücke benutzte er dann zu einem persönlichen Angriff auf den Genossen Stadthagen, dessen Darlegungen er nicht etwa sachlich bc- kämpfte— dazu reichte offenbar der junkerliche Intellekt nicht—, sondern gegen den er im Stil und schleppenden Ton- fall einer Kaffeeklatsche verschleierte Andeutungen von dem machte,„was sich die Fama über Stadthagens Entlassung aus dem Anwaltsstande erzählt". Auch diese Reichslügen- Verbandswaffe ist längst schartig und unbrauchbar geworden. Tut nichts! Trotz wiederholter Widerlegung ist sie noch immer gut genug für die junkerlichen Stützen von Thron und Altar. Der mecklenburgische Bundesratsbevollmächtigte Freiherr v. Branden st ein, Typus: inaktiver Korpsbursch im zwanzigsten Seniester, gestattete sich eine Verteidigungsrede der mecklenburgischen Justizverwaltung, nachdem er dem Kommilitonen v. Maltzan einen Hochachtungsschluck gekommen war. Zum Schluß stellte er sich das Attest aus, daß er die mecklenburgische Unparteilichkeit völlig gerechtfertigt habe, was um so notwendiger war, da er sonst keinen Eindruck irgend welcher Art erzielt hatte. Herr Basser ma.nn beschränkte sich als zweiter Redner der nationalliberalen Partei auf die Frage der Kriminalität der Jugendlichen, für die er besondere Bestimmungen in den neuen Justizgesetzen forderte. Der Staatssekretär Dr. Nieberding kündigte an, daß in der unmittelbar bevorstehenden Vorlage über die Reform der Strafprozeßordnung für die Jugendlichen neue Bc- stimmungen getroffen seien. Man möge sich bis dahin das Urteil reservieren. Dann wurde die Debatte auf morgen vertagt. Die nächste Landtagswahl. Die„Deutsche Tageszeitung" befürwortet in ihrer letzten Nummer, daß der preußische Landtag vor Pfingsten geschlossen wird und dann so bald als möglich die Neuwahl stattfindet. „Es gibt", nieint das Blatt,„für die Wahlen, wenn man die Verhältnisse des platten Landes und auch der kleinen Städte zunächst ins Auge faßt, drei günstige Zeiten, einmal der Spät- herbst, dann die Zeit zwischen der Frühjahrsbestellung und der Heuernte nnd schließlich die Zeit zwischen der Heuernte und dem Beginne der Getreideernte. Am allergllnstigsten ist ja, wie die letzten ReichStagswahlen gelehrt haben, der Winter, die Zeit, wo die eigentlichen landlvirtschaftlichen Arbeiten in der Hauptsache ruhen. Bis zu diesem Zeitpunkte lassen sich aber die Wahlen wohl nicht hinausschieben. Man wird also einen von den beiden anderen Terminen wählen müssen, die Zeit vor oder nach der Heuernte. Die Wahl eines dieser Termine würde allerdings nach den ein- schlägigen Bestimmungen, soweit wir sie überschauen, die Auf- lösung des Abgeordnetenhauses nötig machen; doch das würde eine Frage von untergeordneter Bedeutung sein. Entschließt man sich nun dazu, den Schluß des Landtages vor Pfingsten eintreten zu lassen und die Wahlen für die Zeit vor oder nach der Heuernte anzuberaumen, dann wird es zweckmäßig, javielleicht unvermeidlich sein, denReichStag um etwa dieselbe Zeit zu schließen oder vielmehr zu vertagen. Die Vertagung wird sich als nötig er- weisen, da bis zum Frühsommer der Reichstag die ihm vorliegenden und zugedachten Arbeiten schwerlich erledigen wird und die Arbeit der Kommissionen nicht unter den Tisch fallen darf." Die lange Auseinandersetzung ist nur als Fühler und zugleich als eine an die konservativen Kreise gerichtete Mah- nung, sich auf den baldigen Wahlkampf vorzubereiten, an- zusehen. So gut, wie wir, weiß auch die„Deutsche Tages- zeitung", daß die Regierung beabsichtigt, die LaildtagSlvahlcn bald nach Pfingsten stattfinden zu lassen.— Versprechen und Halten. Ten„Münch. N. Nachr." wird aus Berlin gemeldet, daß dre Finanzreform vorläufig, das heißt bis zur nächsten Session, zurück- geschoben, dagegen die Aufbesserung der Gehälter der Reichs- beamten noch in dieser Session erledigt werden soll: „WaS aber die vom Reichstag im Frühjahr 1907 beschlossene, von den Regierungen zugesagte Aufbesserung der Beamten- gehälter betrifft, so wird die Vorlage noch in dieser Session ein- gebracht werden, freilich wohl mit dem Vorbehalt, daß sie erst mit den neuen Steuern in Kraft gesetzt wird, wenn auch dann mit Rückwirkung auf den 1. April 1908." Die Regierung will also trotzalledem das Versprechen einlösen, mit dem sie bei der letzten Reichstagswahl die Reichsbeamten ge- ködert hat. Die Verpflichtung dazu hat sie zweifellos: aber Ver- sprechen und Halten sind zweierlei.— Auch ei» Arbeiterverem. Der evangelische Arbeiterverein in Derendorf. einem Stadtteil von Düsseldorf, versendet, um seinem schwachen Mitgliederstande /»ufzuhelfen, ein Flugblatt, daS sich an„alle evan- gelischen Männer in Derendorf" richtet und folgendermaßen beginnt: „Unsere Zeiten sind ernst. Wir stehen mitten in großen und schweren Kämpfen. Ein Unwetter erscheint am Horizont, das von Menschen unvcrantwortlicherweise mehr und mehr herbeigezogen wird. Menschenaufläufe und Straßenkämpfe haben bereits in verschiedenen Städten unseres lieben Vaterlandes statt- gefunden. Gewissenlose Leute hetzen Tag für Tag, um ihre Mitmenschen zu veranlassen, auf der Straße zu demon- strieren, während sie selber sich zu Hause wohlbehaglich ein- schließen. Besonders sucht man den Arbeiterstand mobil zu machen, weil man in ihm die große Masse de-Z Volkes erblickt und weil man ihn am leichtesten verhetzen zu können glaubt. Keck und immer kecker erhebt die Sozial- demokratie ihr Haupt und meint sich schon künftig als Herrin unseres Vaterlandes aufspielen zu können. Welche Gefahr für alle national gerichteten, welche Gefahr für alle christlich denkenden Menschen würde heraufbeschworen, wenn es dieserSozial- demokratie gelänge, die Macht zu erringen!" Der Schlich wendet sich dann unter Hinweis auf den Spruch: »Fürchtet Gott, ehret den König, habt die Brüder lieb", an alle „evangelischen und vaterländischen Männer" mit der Forderung, mit Einsetzung der ganzen Person mitzuhelfen, datz die evangelischen Arbeiter.vor der Verseuchung durch die sozialdemokratischen Irr- lehren bewahrt bleiben und zu gesunder, gesetzlicher Selbsthilfe her- augebildet werden," In den evangelischen Arbeitervereinen haben die Arbeiter nichts zu sagen. Ihre Leitung liegt in den Händen konservativer oder christlich-sozialer Pastoren, Unternehmer und höhere Beamten geben den Ton als Ehrenmitglieder an und die Arbeiter müssen froh sein, wenn sie bei der Feier von Kaisers Geburtstag Hurra schreien und bei Verbandsfesten die Fahne schwenken dürfen. Diese Armen wissen nicht, was die deutsche Arbeiterschaft der Sozialdemo- kratie verdankt und welche Kulturarbeit sie mit dem gegenwärtigen Wahlrechtskampf verrichtet, sonst würden sie nicht unter dem Motto: Habet die Brüder lieb I ihre Pastoren und Ehrenmitglieder schimpfen lasten über die einzige Kultur- und Arbeiterpartei: die Sozialdemo- kratie!_ Ein Erfolg der Llgrarier. Die Börsengesetzkom Mission deS Reichstages lehnte Äcn§ 50 in der Fassung der Regierungsvorlage, der den Getreide- terminhandel betrifft, sowie alle dazu vorliegenden Abänderungs- anträge ab. Angenommen wurde lediglich der Satz: ,. Börse ntermingeschäfte in Getreide- und Mühlen- fabrikaten sind verboten." Die von der Novelle vor- geschlagenen Ausnahmen von diesem Verbote sind also ge- strichen. Damit ist der Getreideterminhandel vollkoinmen verboten und das Börsengesetz verliert für die breiten Massen der Bevölkerung jedes Interesse. Es entfällt also für die Sozialdemokratie jeder Grund, das Zustandekommen dieses Gesetzes, das jetzt nur mehr den Dank Bülows für die.patriotische" Wahlhülfe der Effektenbörse darstellt, zu fördern. Diesem Blockdienst müssen sich jetzt schon die Konservativen und Antisemiten unterziehen.—- Die freisinnigen Aengsterlinge von Bremerhaven. Thomsen: Aengsterling? �a, wenn'S den lokalen Machthabern gilt, dann bin ich wirklich ein Aengster- ling; in dieser Beziehung Hab' ich etwas gelernt in der Schule der Erfahnmg, Aber kommen Sie mit hoher Politik i machen Sie selbst der Regierung Opposition und Sie sollen sehn, ob ich Angst'mbe. (Henrik Ibsen:„Ein Volksfeind". III. Aufz. 3.). Den Stadtvätern von Bremerhaven lag Mitte vorigen Monats tln Antrag des Stadtrats auf Aenderung der Stadwertassung vor. Nach§ 9,5 der Stadtversassung steht das Gemeindebürgerrecht(Wahlrecht) demjenigen zu, der bei einem Mietssteuersatz von 4 Proz. mindestens 8 M. au städtischer Mietssteuer entrichtet, also eine Mietwohnung im Werte von mindestens 200 M. inne hat. Nun ist aber durch de» Gebietsabtretungsvertrag zwischen Preußen und Bremen bezw. durch da« diesen. Vertrage zugefügte Protokoll in der Stadt Bremer- Häven bestimmt, daß Mietsteuer von denjenigen Personen, die eine Mietwohnung biö zum Mietbetrage von 300 M. im Jahre ein- schließlich inne haben, nicht mehr erhoben werden darf. Die Folge hiervon ist die, daß, wer eine Mietwohnung von 2—300 M. be- Ivohnt und früher demnach auf Grund des Z 9,5 sein Gemeinde« bürgerrecht ausüben konnte, fernerhin dieses Rechtes verlustig geht. Um das zu vermeiden beantragt der Stadtrat, das Gemeindebürger- recht jeden, zuzusprechen, der eine Wohnung zum Mietlverte von mindestens 200 M. innehat und überhaupt Steuern(Personal- steuerj zahlt. Die Vertreter der Sozialdemnkratie im Bremerhabener Stadt- Hause forderten bei dieser Gelegenheit eine gründliche Verfastungs- änderung, nämlich Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts mit geheimer Stimmabgabe für alle Personen über 20 Jahre. Stand da als erster Redner nach dem unseren Antrag ein- bringenden Genossen Schmalfeldt der Stadtv. Rob. L. Meyer auf, ein Mann, der nur mit dem Brustton der Ileberzeugung von seinem Liberalismus zu sprechen pflegt, und sagte, genau nach dem oben zitierten Jbsenschen Musterliberalen, für die Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für die K o m m u n e wäre er nicht zu haben, wogegen er sich der Not- wcndigkeit eines derartigen Wahlsystems für einen Staat wie Preußen absolut nicht verschließe.„Ja, ich würde es bedauern, wenn wir das gleiche Wahlrecht für unsere Komm"ne einführten, ich befürchte, daß in einem derartigen Falle alles drunter und drüber gehen würde!" Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust. Die Kourage der Freisinnshelden stellt sich immer erst ein, wenn die Gefahr vorüber ist. Der Antrag unseres Genossen Schmalfeldt wurde selbstvcrständ- lich von der liberalen Majorität niedergestimmt. Die Borlage wurde einer Kommission überwiesen, in welche— ein zweites Heldenstück des Liberalismus!— kein einziger Sozialdemokrat gewählt wurde.—_ Freisinnige Wah lrechtöfreundschaft. Als vor einigen Wochen Herr Naumann in Hamburg linkSliberale Ansichten vortrug, jubelten ihm die dortigen Führer der Links- und sonstigen Liberalen zu, und kurz darauf wurden in liberalen Versammlungen Resolutionen zugunsten der Ueber- tragung des Reichstagswahlrcchts auf— Preußen angenommen. „Verschon mein Haus, zünd' andre an," mag dabei manch„Libe- raler" gedacht haben. Nun hat bekanntlich vorige Woche in Hamburg eine Ersatz- Wahl zur Bürgerschaft stattgefunden, die eine Stich- Wahl zwischen unserem Genossen Umland, dem nur 21 Stimmen an der absoluten Mehrheit fehlten, und einem „liberalen" Gegner eines wirklich demokra. tischen Bürgerschaftswahlrechts jm Gefolge hat. Zur Hauptwahl war von allen Richtungen eine ungeheure Agitationsarbeit geleistet worden, so daß, in dem Bezirk 93,5 Proz. der Wahlberechtigten ihre Stimmen abgaben. An dritter Stelle standen die„entschieden" Liberalen(„Vereinigte Liberale" nennen sie sich), die nur der Stichwahl fernzubleiben brauchen, um unseren Genossen mit großem Mehr durch's Ziel gehen zu lassen. Aber solch eine offizielle Parole ist nicht erfolgt! Zwischen den beiden Stichwahlkandidaten pendeln nun. wie der bekannte Esel zwischen den beiden Heubündcln, die Linksliberalcn hin und her. Das volksparteiliche„Hamburger Fremdenblatt" hat die Parole aus- gegeben, dem bürgerlichen Kandidaten die Sttmme zu geben, „der uns trotz alledem näher steht als der Sozialdemo. trat." Ein Musterbeispiel für die„freisinnige" Wahlrechtöfreund- schaft! Jm letzten Augenblick— die Stichwahl findet Freitag statt— haben der Führer der Vereinigten Liberalen, Dr. Braband und der ausgefallene Kandidat dieser Partei, Chefredakteur Platcn. in der liberalen Presse das Wort ergriffen, um für ihre Personen zur Stichwahl„Stellung" zu nehmen. Erstcrcr sagt:„Wenn die Fraktion der Linken einen Kan- didaten ausstellt, der auch so gar nichts Liberales in seiner An- schauung hat, so kann sie sich nicht wundern, wenn Vereinigte Liberale diesem ihre Stimmen nicht geben können, in ihm ein ebenso großes, oder vielleicht ein zurzeit noch größeres Uebel als in Herrn Umland sehen werden." Platen erklärt:„Der frühere Kandidat der Vereinigten Liberalen im 45. Bezirk muß es für seine Person ablehnen, Herrn Wächtler— so heißt der„Linken- mann"— irgendwelche Wahlunterstützung zu leisten." Klipp und klar auszusprechen: Wählt den Sozialdemokraten! bringen beide Herren nicht fertig!— Der Zentrumspfarrer uud der Arbeiter. Am 1. September v. I. kam es in einer Versammlung zu Ingolstadt zu einer heftigen Aus- einandersetzung mit den Christlichen, die durch Geheul die nicht- christlichen Redner unterbrachen. Auch der bekannte Zentrums- agitator und Stadtpfarrer Heller benahm sich in einer Weise, daß ein Arbeiter sich gedrungen fühlte, den geistlichen Herm zu er- mahnen, er möge doch parlamentarischen Takt bewahren und sich zum Wort melden, wenn er mit den Ausführungen seiner Gegner nicht einverstanden sei. Das erboste den frommen Mann derart, daß er dem Mahner zurief:„Halten Sie das Maul, Sie grüner Junge!" Deshalb wegen Beleidigung verklagt, machte er vor Gericht geltend, daß er durch den Staudesuuterschicd, der zwischen ihm und dem beleidigten Albeiter bestehe, zu seiner Antwort berechtigt gewesen sei. Um aber nicht der Strafe zu verfallen, mußte er sich schließlich bequemen, dem Arbeiter öffentlich Abbitte zu leisten und alle Kosten zu übernehmen.—_ Auch ein Reichsverbandssieg. Bei den Stadtverordneteuwahlen in Kassel hat die sozial- demokratische Liste glänzend gesiegt. Sieben Genossen, darunter Scheidemann und H a u s ch i l d, sind mit 2338 bis 2353 Stimmen auf sechs Jahre gewählt, zwei weitere Parteigenossen als Ersatzleute auf zwei Jahre. Was diesem Resultat ein besonderes Interesse verleiht, ist der Umstand, daß die bürgerlichen Parteien, die sich unter Führung des Reichsverbandes geeint hatten, vereinigt zu Boden geworfen wurden. Der Reichsvcrband unterhält in Kassel eine eigene Geschäftsstelle und die dorttgen Liebert-Jüuger spielten sich von allem Anfang an als B o r in ü n d e r der bürgerlichen Parteigruppen auf. Sie beriefen die Vorstände der bei den Stadt- verordnetenwahlen in Frage kommenden Vereine und vereinbarten mit ihnen eine gemeinsame bürgerliche Kandidatenliste. Ein„brauchbarer" Unteroffizier!! Wegen Mißhandlung, vorschriftswidriger Be- Handlung und Beleidigung Untergebener in 10 Fällen, sowie wegen Abhaltung eines Untergebenen von einer Beschwerde, hatte sich der Unteroffizier Galle vom 12. Artillerie-Regiment vor dein Kriegsgericht in Dresden zu verantworten. Der Soldatenschinder hat die Untergebenen, meist Rekruten, bei jeder passenden und unpassenden Gelegen- heit geohrfcigt, daß es mir so klatschte. Ein Soldat hat einen kräftigen Schlag ins Genick erhalten, der weithin hörbar war. Als sich der Soldat die getroffene Stelle hielt. drohte ihm der Angeklagte noch mehr zu geben. Ein anderer Soldat hat einen Schlag mit der Säbelscheide über die Hand bekonimen, und ein weiterer wurde„Schweinehund" genannt. Von zwei der geohrfeigten Soldaten hat einer vor Schmerz geweint und der andere einen Tag auf dem getroffenen Ohr n i ch ts h ö r e n k ö n n e n. Als sich ein Soldat wegen allzu großer Schmerzen krank melden wollte, hat ihn der Angeklagte durch Drohungen davon abzuhalten ver- sucht. Der Oberleutnant des Angeklagten, der als Ver- leidiger(!) fungierte, stellt dem Soldatenschinder ein sehr gutes Zeugnis aus, er habe die Straftaten im„Pflichteifer" be- gangen. Der Angeklagte habe eine sehr gute Gesinnung und sei ein „dien st eifriger" Unteroffizier. Alle Straftaten seien nur als vorschriftswidrige Behandlung anzusehen, nicht,,. als Mißhandlaug. ES sei ja, so sagte der Oberleutnant, bedauerlich., daß sich der AngeTlagte habe zu Tätlichkeiten hlmÄßeit lassen, aber solche Unteroffiziere seien den Offizier« liehgr»ich lrrmichbmer als solche, die den Untergebenen gegenüber ruhig bleiben. Er be- antragt, auf die gesetzliche M i n d e st st r a f e in allen Fällen zu erkennen. Der Vertreter der Anklage versucht, den unangenehmen Eindruck der Rede des Oberleutnants durch eine Erwiderung abzu- schwächen, damit diese, wie er sagt,„nicht falsch verstanden" werde. DaS Kriegsgericht verurteilt den Soldateuschinder zu der h ö ch st zulässigen Arreststrafe von sechs Woche»!!! Auf eine höhere Strafe konnte das Gericht nicht erkennen, sonst hätte es Gefängnis auswerfen müssen(das wäre ja schrecklich gewesen!), und dazu waren die Fälle zu„leicht" und in der„Erregung" begangen._ Oeflcirdcb. Tie Balknnbahn. Wien, 20. Februar. Bei Besprechung des Artikels der PcterS- burger„Rossija" über das Sandschakbahnprojekt erklärt das offiziöse„Wiener Frcmdenblatt", daß die Besorgnis, Oester- rcich-Ungarn veranlassen könnte, feine bisherige Haltung in der Widerstand gegen das Reformwerk unterstützen, gänzlich unrichtig sei. Nichts sei geschehen und nichts werde geschehen, toas Oester- reich-ngarn veranlassen könnte, seine bisherige Haltung in der Reformfrage zu ändern. frankreick. Ein Svionngeprozeß. Toulon, 20. Februar. Vor dem Marinekricgsgericht begann heute der Prozeß gegen den der Spionage beschuldigten Schiffs- fähnrich Ullmo. Der Staatsanwalt beantragte Ausschluß der Oeffcutlichkeit, während der Verteidiger Ulluws dafür eintrat, daß der größte Teil der Verhandlungen öffentlich stattfinde. Der Gc- richtshof beschloß, dem Antrage auf Ausschluß der Oeffcutlichkeit nicht stattzugeben. Lelgien. Klerikale Arbeitcrfeindschaft. Brüssel, 15. Februar 1903.(Eig. Ber.) Zum Aufputz ihrer„Arbeiterfreundlichkeit" haben sich die belgi. scheu Klerikalen zwar zwei radikale Minister mit sozialem Anstrich beigelegt— aber von ihrem Einfluß hat man bis jetzt noch nichts zu spüren bekommen. Im Gegenteil ist weit eher anzu- nehmen, daß sich der ministerielle Radikalismus den bewährten kapitalistisch-klerikalen Tendenzen anpaßt, als umgekehrt. Jeden- falls haben die Klerikalen diese Woche wiedr gezeigt, mit welcher Sorte Arbeiterfreundlichkeit sie die belgischen Arbeiter beglücken. — In die Debatte über das Eiscnbahnbudget schob sich die sozialistische Interpellation über das Grubenunglück in Quaregnon im Januar d. I., das, wie die Bcrgarbeiterdeputierten in ihren sachlichen Tarstellungen nachwiesen, durch eine sträfliche Leicht- fertigkeit der Berginspektorcn verschuldet worden war. Daß die Regierung den Vorwurf der Sozialisten, der Sach- Walter kapitalistischer Interessen zu sein, vollauf verdient, bekräftigte sie durch ihre Haltung in der Debatte. Für die Wahrung dieser Interessen darf die Regierung denn auch immer auf eine Majorität rechnen, die auch Pünktlich die sozialistische Tagesordnung abgelehnt hat, in der ausgesprochen ist, daß die 5ratastrophc durch eine w a ch- samere und ernsthaftere Inspektion hätte ver- mieden werden können. Immerhin erscheint die Ab» lehnung dieser Tagesordnung, durch die sich die Regierung einen eigenen schweren Tadel zugefügt hätte, moralisch begreiflich. Daß aber das HauS auch die liberale Tagesordnung M a s s o n rundweg abgelehnt hat, die in übrigens ganz unbestimmter Form verlangt, daß die A r b c i t c r de l e g i e r t e n für die Inspektion von der „Arbeiterklasse" ernannt werden(entgegen der sozialistischen For- derung übrigens, die sie direkt von den Gewerkschaften ge- wählt haben will), vergegenwärtigt noch umso deutlicher den eng- herzig-klassenpolitischcn und kapitalistischen Charakter der Kammer- Majorität und den gerühmten„sozialen" Zug der Klerikalen. Itatten. Der Prozeß Nasi. Rom, 20. Febr.(Privat-Telegr. des„Vorwärts".) Mura» tori, der Verteidiger Nasis, bestreitet die strafrechtliche Verantwortung seines Klienten, da die Ausgaben von den staatlichen Nechnungsbehörden geprüft und bestätigt worden seien. Der Tatbestand des Uuterschlcifs sei nicht gegeben wegen des Fehlens des persönlichen Vorteils und des spezifischen Dolus. Der Senat folgte der Rede mit größter Aufmerksamkeit. Muratori wird morgen endigen. Das Urteil wird für Sonnabend erwartet. Snglancl. Parlamentarische Korruption. Im Untcrhause wurde gestern, nach einer Meldung des„B. T.", von dem liberalen Abgeordneten Lee die parlamentarische Korruption zur Sprache gebracht. Dabei wurde die Existenz von geheimen Fonds aufgedeckt, die für W a h l z lv e ck e dienen. Nach den Ausführungen des Liberalen Lee habe unter Balfour ein e i g e n c r T a r i f für die Erlangung von Titeln und Dekorationen bestanden. Ter Preis für die PeerSwürdc habe in den letzten Jahren drei Millionen Mark betragen. Von Juni 1903 bis Scp- tomber 1905 ernannte Balfour 13 Peers, 13 Mitglieder des geheimen Rats, 33 Barone und 73 Ritter; davon sind 28,1 Proz. Mitglieder des Hauses. Vom Dezember 1905 bis Anfang 1908 schuf Camp- bell-Bannerman 20 Peers, 19 Geheimratsmitglieder, 23 Barone, 95 Ritter, von denen 22,1 Proz. Unterhausmitgliedcr sind. Ich will nicht sagen, fügte Lee hinzu, daß alle Mitglieder sich wählen ließen, um soziale Vorteile zu erhalten. Niemand könnte diese Anklage gegen die Soziali st en und die Arbeiterpartei erheben. Wie radikal aber auch ein Mann ist, so scheint doch in der Atmosphäre des Hauses ein Bazillus zu sein, der nach längerer Zeit seine Wirkung nicht verfehlt. Vor zwei Jahren bin ich Mitglied einer Kommission gewesen; der Präsident wurde zum Ritter geschlagen, einer seiner Kollegen weigerte sich, ihm zu gratulieren, indem er bemerkte, daß dies eher ein Anlaß zum Bedauern und Mitleid als zur Gratu- lation sei. Denken Sie sich mein Erstaunen, als nach acht Monaten dieser Entrüstete selber zum Ritter geschlagen wurde. Beide tvaren Radikale(einer davon der bekannte Crcmer, Inhaber des Nobelpreises). Was hat denn daS Haus Stern für die Krone oder auf dem Felde der Ehre getan, daß zwei seiner Mitglieder Peers wurden, und zwar eines von einem liberalen Ministerium, das andere von einer Tory-Rcgicrung kreiert? Zwei andere Peers- würden sind auf die Begründer von„Answers"(eine populäre reklamesüchtige Wochenschrift) und„Comic Cuts"(ein Witzblatt) sowie auf die Begründer der„Daily Mail" gefallen, die nun alle unter den Aristokraten sitzen und für uns Gesetze machen. Amerika. Die imperialistische Politik. Das von der japanischen Regierung überreichte Memorandum über die Einwanderungsfrage erfüllt die meisten amerikanischen Forderungen. Dagegen stößt das Vordringen Japans in der Mandschurei neuerdings auch in den Vereinigten Staaten auf Widerstand. Entgegen dem Versprechen, das Prinzip der offenen Tür in der Mandschurei zu respektieren, suchen die Japaner die Verkehrsmittel und den Handel immer mehr für sich zu monopo- lisieren. Die Chinesen stehen diesem Vordringen Japans machtlos gegenüber und hoffen auf eine Intervention der Vereinigten Staaten. Diese suchen unterdessen ihre militärische Stellung gegen- über Japan zu stärken. Dem dient nicht nur die Fahrt der amerika- nischen Flotte nach dem Pacific, sondern auch die Befestigung der Philippinen. Deren Hauptstadt Manila soll zu einer Flottenbasis ausgestaltet werden. Dort soll dann ein starkes Gc- schwader ständig unterhalten tvccdcn. ji;.:.. tiü- Stadtverordneten• Versammlung. 8. Sitzung vom Donnerstag, den 20. Februar, nachmittags 5 Uhr. Der Vorsteher Mi ch e l e t eröffnet die Sitzung nach 5% Uhr. Zur Gcneraldiskussion steht der Entwurf be- treffend die Festsetzung des'Stadthaushaltsetats für 1908. Der Entwurf balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 159 038 902 M.. 11533 138 M. mehr als im Vorjahre. Stadtkümmcrer Dr. Steiniger: Im Gegensatz zum vorigen Jahre, wo 75 000 Einwohner mehr festgestellt wurden, crtzab sich am 1. Januar d. I. eine kleine Verminderung von 1701 Seelen. Trotzdem ist der Netto-Etat auf 159 Millionen gestiegen, ps sind 11 Millionen— 8 Prcz. Plus. Der gesamte Auf» pid an Zinsen usw. für unsere Schuldcnverwaltungj beträgt jährlich 28 Millionen— 13,33 M. pro Kopf. Es ist ferner kein Geheimnis mehr, daß wir über 300 Millionen neuer Anleihen demnächst be- dürfen. Ich muß mit dem preußischen Finanzminister fragen: Wohin soll das führen? Mir ist es nicht klar. Jeden- falls kann man sagen: Die Städte leben im Zeichen der Schulden! Gewiß sind Anleihen zu werbenden Anlagen nicht gefährlich, aber als werbende Anlage steht uns nicht allzuviel zur Verfügung. Die neue Anleihe ist im Prinzip bereits genehmigt; immerhin werden wir uns in Zukunft tunlichste Beschränkung auferlegen. Ohne Bauten ist ein Gesamtaufwand für das Schulwesen von 29 Millionen erforderlich, mit Bauten 35,4 Millionen. Die Reform der Ober» lehrcrgehältcr und eine kleine �Reform des Schulgeldes Aus- wärtigcr kommen beim höheren Schulwesen zum Ausdruck. Die Realschulen sind von letzterer Erhöhung noch nicht getroffen; der Magistrat meint aber auch hier, die zahlreichen auswärtigen Schüler zu einer kleinen Erhöhung des Beitrages zu unseren Selbstkosten heranziehen zu sollen. Der Zuwachs der Bevölkerung. soweit er sich in der Schülerzahl der Gemeindeschulcn ausdrückt, ist nur noch minimal; um so freundlicher wird die Versammlung es wohl begrüßen, daß für- neue Schulbautcn nicht weniger als 3,3 Millionen im Etat stehen— der Durchschnittssatz der letzten 10 Jahre war nur 2% Millionen. Der Zuschuß auf den Kopf deS Gemcindeschülerö springt auf 88 M., ohne die Bauten. Tie PflichtfortbildungSschulcn werden mit einem Mehr von 33 000 Schülern in den Etat eingesetzt. Hier wie bei den Wahl- fortbildungsschulen und den Fachschulen sind Reformen im Werke, die sich auf die Lehreranstellung und-Besolung usw. beziehen. Die Armenverwaltung im weitesten Sinne, mit Waiscnpflcge,?lrbcits- haus und Obdach, erfordert einen erhöhten Zuschuß von 14.9 Millionen. Das Mehr der Ausgaben von% Millionen rührt von den Hospitälern her. Beim Arbeitshaus wird eine Minder- belcgung von 350 Köpfen— 2300 statt 2660— vorgeschlagen. AuS diesen und den Ziffern im Obdach lassen sich weitgehende Schlüsse auf besonders schlechte Zeiten nicht ziehen.— Die Fürsorge- erziehung nimmt ein Mehr von 700 Zöglingen in Aussicht. Auffällig sind die ungemeinen Unterschiede zwischen den Kosten in- der städtischen und in der Privatpflcge, Gegensätze, die sich bis 1100:220 steigern!(Hört! hört!) Was die Krankenhaus- Verwaltung betrifft, so' ist gegenwärtig der, Ansturm auf unsere Betten wieder ein ganz gewaltiger; er tann zum Teil nicht befriedigt werde», anscheinend, iveil ein Teil unserer Kranken- Häuser zu sehr auf Spezialitäten eingerichtet ist. Gegen den Ansturm sind besondere Maßregeln getroffen; so sind z. B. alle ctatsmäßigen Betten im Virchow-Krankenhause zur Ver- fügung gestellt worden. Die Meinung, daß die Vororte jetzt schärfer mit eigenen Krankenhausbautcn vorgingen und die Zahl der auswärtigen Kranken sich bei uns vermindern würde, hat sich als falsche Prophezeiung erwiesen. Wir werden erneut prüfen müssen, wie wir die Vororte stärker heranziehen können; denn wir haben weder Pflickst noch Berechtigung, ihnen'täglich pro Kopf wie im Virchow-Krankenhause 8L Mk. zuzuschießen. Ich' finde cS auch nicht richtig, daß unser steuerzahlendes Bürgertum von oteicn Anstalten gar nichts hat; Ich will ihm nicht eine Extrawurst braten, aber es muß an der Extrawurst entsprechend beteiligt werden. Die Irrenanstalten verlangen bei Mehrbelegung von 5 Proz. einen Mehrzuschuß von 12 Proz.; es ist hier, wie bei den Krankenhäusern, eine neue Lohnordnung vorgesehen, die hoffentlich die erhobenen Klagen beseitigen wird. Unter den Hochbauten wird das neue Verwaltungsgebäude noch 1 Million aus Anleihen er- fordern; aus laufenden Mitteln erfordert unter anderem das Virchow-Krankenhaus 1,1 Million.— Unter den Briickenbauten ist eine erste Rate für den Bau der massiven Hansabrücke vorgesehen. Rach� dam Vorgang von Staat und Reich könnten wir nicht gut mit Besolduiigsverbcsserungen zurückbleiben, es sind dafür lib Millionen einstweilen als Pauschquantum ausgeworfen. So- weit das oberflächliche Bild über die Ausgaben. Unter den Ein- nah men figurieren zunächst die Werke; ihr Ergebnis vcr- schlechtert sich um nahezu 20 Proz. im ganzen; unter anderein sind bei den Wasserwerken 600 000 M. minus. Die Renten bringen ein ganz erhebliches Mehr, von der Jmperialgasgesellschaft und den Elektrizitätswerken sl Million mehr) bis zu den Straßenbahnen. Wenn es bei 14 Millionen Ueberschuß nicht gelingt, einen einzigen besonderen Fonds zu stiften oder höher zu dotieren, so ist das für mich sehr beschämend(Oho! Oho!), aber diese Beschämung wird dadurch gemildert, daß wir aus ordentlichen tNitteln viele Bauten bestreiten, die andere Gemeinden fröhlich auf Anleihen nehmen würden. Der Rest ist Steuern! Die Gesamtzahl der Steuerpflichtigen ist auf 660 000 gestiegen, die unter 3OO0 M. auf 613 000 veranschlagt. Die Umsatzsteuer hat nicht einmal die veranschlagten 5 Millionen gebracht. Die Um- Wandelung Berlins zur Handelsempore macht die einzelnen Steuer- ahlen mehr und mehr unsicher. Die Aussichten sind für die Zu- unft nicht durchweg erfreulich; 1900 wird die Einkommen- und Gewerbesteuer Ausfälle haben. Die Anleihezinsen steigen 1909 um 2 Millionen. Ich wünsche Ihnen sehr viel Freude an dem Etat; er bringt ja vieles und also jedem etwas. Vorsicht und Zurück- Haltung ist für die nächste Zukunft jedenfalls geboten.(Beifall.) Stadtv. Bruns(Soz.): Ter Herr Kämmerer hat doch vielleicht die nächste Zukunft etwas zu schwarz gemalt. Ich glaube nicht, daß unsere Ausgaben wesentlich eingeschränkt werden müssen, weil die Steuern nicht mehr aufgebracht werden. Wir werden auch in Zukunft mit lleberschüssen aus diesem Etat zu rechnen haben; denn es werden z. B. einige Millionen im Bauetat im Jahre 1908 gar nicht verbaut werden können. Zweckmäßiger wäre es ja getviß ge- Wesen, wenn wir schon in früheren Jahren daran gedacht hätten, «inen Fonds anzulegen, in welchem Ueberschüsse der Vorjahre gesammelt werden, auf die in Zeiten des Niederganges hätte zurück- gegriffen werden können. Für diesmal wird es damit zu spät sein, aber hoffentlich wird es uns künftig, wenn wir wieder einmal im Gelde schwimmen sollte», zur Lehre dienen. Ich fürchte mit dem Kämmerer, daß der Einkommcnsteuerctat etwas zu hoch angesetzt ist; die jetzt so scharf niedergehende Geschäftskonjunktur wird hier den Etat vielleicht sehr korrigieren. Die Zahl der unter 3000 M. Einkommen veranlagten Censiten ist rm Etat stark erhöht, aber gerade diese Klasse hat beim Abflauen des Geschäfts am meisten zu leiden, und bei ihr wird dann der Steuerexekutor zuerst heimisch werden. Bei der Stundung der Steuern ist also auch die Lage der Konjunktur zu berücksichtigen. Als es sich um die Wertzuwachs- steuer handelte, sagte der Oberbürgermeister, es wäre nicht zweck- mäßig, ein solches Steucrobjekt unbeachtet zu lassen und andere zur Steuer heranzuziehen, die gerade nach Möglichkeit davon bc- freit werden müßten. Die heutige Situation zeigt, daß die Ab- lehnung damals ein ganz besonders großer Fehler war. Der Zu- schlag zur Braumalzsteuer ist wieder mit 700 000 M. eingestellt; es ist dies eine indirekte Steuer, welche Kreise belastet, die man doch nicht doppelt belasten sollte, und ich würde es der Erwägung anheimgeben, für diese Steuer eine andere, weniger ungerechte, ausfindig zu machen. Bei den Werken schließt der GaSetat noch immer mit einem bedeutenden Ueberschuß ab; die Gaswerke sind auch in Zukunft noch entwickelungsfähig. Der Ueberschuß der Gaswerke stellt einen Reingewinn von über 11 Millionen dar. Mit gewissem Bedauern konstatierte der Kämmerer, daß er nicht— wie die Privatjndustrie — in niedergehenden Konjunkturen auch die Arbeiter löhne herab- setzen kann; unsere Zustimmung würde er zu solcher Maßregel nicht finden. Gerade die Kommune hat die Pflicht, in schlechten Zeiten den Lohn hochzuhalten. Ganz gern gebe ich zu, daß vieles auch bezüglich der Löhne bei den städtischen Werken und Anstalten besser geworden ist. Die Pfleger und Pflegerinnen in den Krankenhäusern haben jetzt bestimmte Lohnsätze und Zulagen. Die Einführung solcher Regulierungen ist stets das Ziel meiner Freunde gewesen. Die Entlassung von Arbeitern nach Möglichkeit einzuschränken, sollte sich auch die Verwaltung der Gaswerke zur Aufgabe machen; ein ständiger fester Stamm von Arbeitern muß da sein, und außerdem sollte doch die Arbeitszeit auf allerhöchstens 9 Stunden herabgesetzt werden.(In der Versammlung herrscht fortdauernd lebhafte Privatuntcrhaltung; der Borsteher er- sucht wiederholt um Ruhe.) Mit der Aufbesserung der vielfach noch ganz ungenügenden Löhne, wie z. B. beim Viehhof, geht die Verwaltung angesichts der ungeheuren Steigerung aller Preise viel zu langsam vor. Geklagt wird ferner, daß das Verhältnis zwischen Verwaltung, Beamten und Arbeiterschaft nicht überall so ist, wie es sein sollte. Erst vor einigen Tagen drohten die Arbeiter im Wuhlgarten mit Arbeitseinstellung, wenn das Essen nicht besser würde. Da sollte es doch der Verwaltung naheliegen, mit den Gewerkschaften zu verhandeln, damit dergleichen nicht vorkommen kann. IVs Millionen sind für eventuelle Beamten- bcsoldungsverbesserungen eingesetzt, aber tvahrscheinlich wird weder das Reich noch der Staat in diesem Jahre damit vorangehen, und die Summe wird für dieses Jahr daher erspart werden. Ich finde es nicht richtig, daß die städtische Verwaltung Aufbesserungen, die sie für notwendig hält, nur nach dem Vorgang von Reich und Staat eintreten lassen will. Wir haben unsererseits Ihnen seit 1584 eine Reihe von Anregungen unterbreitet, die zuerst abgelehnt worden, schließlich aber doch durchgedrungen sind. Von uns ging 1884 die Anregung zu den gewerblichen Schiedsgerichten aus, 1880 verlangten wir zuerst die obligatorische Fortbildungsschule, die Herr Bertram weder für notwendig, noch fiir wünschenswert erklärte, und 1897 wurde unser Antrag angenommen; dann haben wir 1886/37 die Reliktenversorgung für die städtischen Arbeiter an- geregt, über die man zuerst hier zur Tagesordnung überging. Von uns ging die Anregung zu den Brausebädern in den Gemeinde- schulc»« aus; Herr Spinola bekämpfte beides, heute haben wir beides! Aehnlich ging es mit den Schulärzten.(Der Vorsteher bittet dringend um Ruhe.) Das Programm des Oberbürger- Meisters bei Gelegenheit der Wertzuwachssteuer enthielt auch die Herabsetzung der Klassenfrequenz, die Einrichtung von Waldschulen, die Erbauung weiterer Krankenhäuser und Irrenanstalten: alles Punkte, denen wir freudig zustimmen; leider aber hat dieses Pro- gramm keine Aussicht, wenn wir— nach den Worten des Kämmerers— uns nach der Decke strecken sollen. Für die Kranken- pflege insbesondere geschieht noch lange nicht genug. Ist das Virchow-Krankenhaus voll besetzt, so müßten wir eigentlich sofort ein neues Krankenhaus zur Verfügung haben. Dasselbe gilt von den Irrenanstalten.(Borsteher: Meine Herren! Wenn Sie schon jetzt nicht Ruhe halten können bei dem ersten Redner, was soll denn nachher werden?(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial- deinokraten.) Die vierte Irrenanstalt, zu der noch kein Spaten- stich gemacht worden ist, könnte schon jetzt voll belegt lverden mit jenen Kranken, die private Unterkunft finden müssen, dort aber nicht die gehörige Verpflegung haben. Das gleiche gilt von Wühl- garten; 234 Kranke sind in Privatanstalten untergebracht. Ver- nachlässigt ist auch völlig die Wohnungsfürsorge. Die Bau- tätigkeit ist jetzt kolossal vermindert; gibt eS einen neuen Auf- schwung, so werden wir vor einer großen Wohnungsnot stehen. (Zuruf: Gar nicht dran zu denken!) Ja, wir haben eine dauernde Wohnungsnot in Berlin in dem Sinne, als viele Menschen nicht so wohnen könne», wie sie wohnen sollten. Damaschke hat eine Statistik gegeben, nach der in 2917 Wohnungen 74 917 Menschen Verantw. Rcdakt.: Georg Davidsohn. Bttlirn- Inseratenteil verantw. wohnen, welche nur über ein einziges Gelaß verfügen. In diesem einzigen Gelaß wird oft genug gekocht, gegessen, gearbeitet, geboren und gestorben! Eine kürzliche Wohnungsenquete der Krankenkasse der kaufmännischen Angestellten gibt auch von dieser Wohnungs- misere ein erschreckendes Bild. Solange dieses Grundübel nicht � beseitigt ist, werden wir nach wie vor ungezählte Millionen für Kranken- und Irrenhäuser ausgeben müssen. Dieser Wohnungs- kalamität muß entgegengearbeitet werden, nicht erst, wenn sie uns auf den Nägeln brennt, sondern schon vorher.(Zuruf: 13 000 leere Wohnungen!) Was nützen diese 13 000 allen denen, die sie nicht bezahlen können!(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraterl.) Der Kämmerer will anscheinend auch dem besseren Bürgerstand Gelegenheit geben, in unseren Krankenhäusern unterzukommen. Selbstverständlich werden die Krankenhäuser jedem geöffnet sein, der hineingehen will; ich wüßte nicht, daß sie nur dazu da sind, Arme zu heilen. Aber, wenn Sie etwa die Absicht haben, Krankenhäuser erster und zweiter Klasse zu schaffen, so werden wir dem nicht zustimmen. Gerade im Gegenteil ist es notwendig, daß die Angehörigen des Bürgertums in unsere Krankenhäuser hineingehen: vielleicht kommen dann notwendige Verbesserungen schneller zustande.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Verbesserung des G e m e i n d e s ch u l w e s e n s käme nicht bloß den Kindern der ärmeren Volksschichten zugute, sondern wäre eine Verbesserung für die Gesamtheit und eine sehr nutz- bringende Kapitalsanlage. In dem Reisebericht über amerikanische Verhältnisse, den eine offizielle preußische Kommission erstattet hat, wird ausdrücklich erwähnt, daß die gemeinsame Volksschule für Arm und Reich die Klassenunterschiede' auslöscht. Damit komme ich auf die Vorschulen, die ja auch manche Liberalen ab- geschafft wissen wollen.'Gerade wir in Berlin hätten doch die beste Gelegenheit, die Probe darauf zu machen. Die Vorschulen sind ein Hemmschuh für die EntWickelung unserer Voltsschulen. Solange ein kleiner Prozentsatz der besser Situierten die Vorschulen frequentiert, kommen wir mit der Hebung der Volksschule nicht so voran, wie es sonst geschähe.— Noch ein Wort über die Unentgelt- lichkeit der Lehrmittel. Sie haben bisher diese unsere Anträge ab- gelehnt, weil solche Forderung dem sozialistischen Zukunftsstaat in die Arme führe. Die schon erwähnte Kommission findet, daß diese Einrichtung von ungeheurem Einflüsse auf die günstige Eni- Wickelung der Schule und des Volkes gewesen ist; dort drüben braucht sich niemand zu schämen, daß er seine Lehrmittel aus all- gemeinen Mitteln erhält. Die EntWickelung des Pflichtfortbildungsschulwcsens, das auf unser Betreiben eine städtische Einrichtung geworden ist, wird noch vielfach durch die kleinen Handwerksmclster gehemmt, die auf diese Schule scheel blicken, da sie ihnen die Lehrlinge zu ihnen ungelegener Zeit entzieht. Die Verwaltung sollte diesen Klagen nicht Gehör schenken; die kommunalen Lehrlingswerkstätten Amerikas mit ihren anerkannten Erfolgen reden auch hier eine beredte Sprache. Die Festschrift zur Hundertjahrfeier der Städte- ordnung, die vorbereitet wird, sollte auch auf die Mängel hinweisen, welche sich in der Zwischenzeit herausgestellt haben, so auf das Privileg der Hausbesitzer. Was vor hundert Jahren vielleicht gut war und notwendig schien, hat sich seitdem als überflüssig und schädlich herausgestellt. Ein großer Teil unserer Klagen über die soziale Rückständigkeit Berlins hat in diesem ZNißverhältnis seine Ursache. Mancher Hausbesitzer glaubt tatsächlich, was seinem Stande frommt, müsse auch der Gemeinde und allen übrigen Gemeindeangehörigen frommen. Solche Erscheinung beweist, wie dringlich die Beseitigung dieses Privilegiums ist. 2>ie Drei- klassenwahl ist ebenfalls für die Abschaffung reif; denn sie cnt- spricht den heutigen Verhaltnissen nicht mehr; es ist an der Zeit, diese Bestimmung iyr Städteordnung zu ändern und ein all- gemeines Kommunalwahlrccht einzuführen. Wir alle wollen die Selbstverwaltung hochhalten, aber sie kann nur dann durchgcfühct toerden, wenn die Leitung.nicht in die Hände weniger gelegt wird, sondern die große Masse der Wähler gleichberechtigt daran teil- nimmt; erst dann wird von einer wirklichen Selbstverwaltung geredet werden können, die auch wirkliche und energische Fortschritte verbürgt. In diesem Sinne werden wir an dem Etat die Prüfung vornehmen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Cassel-(A. L.): Wegen des Hausbesitzerprivilegs bc- stehen bei Uns kein« Meinungsverschiedenheiten.(Hört! hört!) Unsere Abstimmungen sind nicht davon abhängig, ob wir Haus- besitzer sind oder nicht.(Zuruf des Stadtv. Hoffmann: Wert- zuwachssteuer!) Ich würde es mit Freude begrüßen, wenn dieses Privileg fällt. Doch zum Etat! Wo sind die 14 Millionen, lieber- schuß geblieben? Aber eigentlich kommen ja nur 3 Millionen in Betracht; denn schon im vorigen Jahre hatten wir 11 Millionen Ueberschuß, deren Quelle fortwährte, aber auch die Ausgaben daraus. Nur diese besonderen Einnahmen machen es möglich, den Etat zu balancieren. Der Etat ist nicht zu knapp; wir haben für Gemeindeschulen 4,4 Millionen m ehr und dabei ungewöhnlich hohe erste Raten für Bauten eingestellt. Von früher sind noch zirka 26 Millionen solcher bewilligten Bangelder unverbraucht vor- Händen. Hört! hört!) Hoffentlich wird das alles bald ausgeführt. Für Armcnwesen geben wir über 490 000 M. m ehr aus, für Krankenpflege über 1 Million, ebenso für Unterricht; diese Er- höhungen von 1907 auf 1903 sind erheblich höher als die von 1906 auf 1907! Herr Bruns hat uns eine Reihe Einrichtungen aufgezählt, die seinen Freunden zu verdanken wären. Es wäre nicht schwer, an der Liste manches zu korrigieren. Bertram hatte ganz ausgezeichnete Verdienste und er war kein Freund der obligatorischen Fort- bildungsschulc, darum konnte sie sich nicht sofort so entwickeln, wie es sonst geschehen wäre. Aber wenn diese Erfolge errungen sind, so können Sie doch diese Klagen gegen Berlin und die Mehrheit dieser Versammlung nicht erheben. Ihre Klagen reichen ja auch nicht heran an diejenigen, welche von einer gewissen anderen Seite unter Führung eines antisemitischen Professors gewerbsmäßig er- hoben werden, als ob Berlin die rückständigste Kommune sei.(Leb- hafte Zustimmung.) Redner zählt dann eine Reihe von Fort- schritten in der Komniunalverwaltung auf, die unter gleichzeitiger Schonung der Stcuerkraft der Einwohner erreicht seien, und de- nierkt, daß die Berliner Vorschulen aufzuheben zurzeit untunlich sei, tvcil d-azu eine ganz andere Organisation des Schulshstemö geschaffen werden müsse. Ich bin Gegner einer vexatorischen und inquisitorischen Ver- anlagung, aber daß der Steuerzahler auch den festgestellten Ein- kommensbetrag richtig versteuert, das ist doch lediglich ein Gebot der Gerechtigkeit. Das neue Polizeikostengesetz bedroht uns mit etwa 3—4 Millionen, eine Summe, groß genug, unseren Etat zu gefährden. Wir müssen allerdings nach der Anregung des Kol- legen Bruns für einen Etatsausgleichsfonds sorgen; auf diese Idee wird zu geeigneter Zeit zurückzukommen sein. Auch sollte die Befugnis unserer Finanzdeputation in gleicher Richtung aus- gebaut und ausgedehnt werden. Für diesmal bleibt es bei de» 100 Proz. Diese sind für mich kein Dogma, aber solange wir können, sollten wir sie nicht überschreiten. Die Steigerung unserer Anleihen wird nachgerade besorgniserregend. Im ganzen vcr- traue ich darauf, daß der Stern von Berlin auch in Zukunft nicht verblassen wird.(Beifall.) Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.): Der Etat ist vorsichtig aufgestellt, das ist anzuerkennen. Ich stehe auf dem etwas pessimistischen Standpunkte des Kämmerers und lehne den Optimismus von Bruns wie von Cassel ab; dieser Optimismus schadet uns gleich- mäßig draußen, und besonders beim Fiskus, der doch nur zu gern an unS herumzwackt. Ohne den Ueberschuß von 14 Millionen sieht sich der Etat gar nicht besonders günstig an. Die Wertzuwachs- steuer bekommen wir ja schließlich doch, ich gehe heute darauf nicht näher ein. In der gesamten Verwaltung ließen sich durch ztveck- mäßige Vereinfachungen und Reformen nach der persönlichen unS nach der sachlichen Seite hin viele Hunderttausende sparen, so z. B. im Etat der Badean st alten! Der Ueberschuß aus den Gas- werken geht trotz der kolossalen Steigerung des Konsums zurück; das muß uns ebenfalls zur Vorsicht mahnen. Der Etat der Kana- lisationswerke legt ebenfalls nahe, an die Erhöhung der Kana- : Th. Glocke, Berlin. Druck u.Berlag: Vorwärts Büchdr. u.Berlogsanstalt lisationsabgabe zu denken.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Da kennen Sie die Hausbesitzer schlecht!) Die Frage der Scheidung zwischen den Kranken, die die Stadt aufnehmen m u ß und den- jenigen, für welche sie den Krankenkassen pro Kopf und Tag 2 M. zuwendet, wird ebenfalls zu prüfen sein, ebenso die Einrichtung einer 1. Klasse in den Krankenhäusern. Der Mahnung des Kämmerers zur Sparsamkeit kann ich mich nur dringend an- schließen. Die IV2 Millionen zu Stellenzulagen werden vielleicht nicht zur Verwendung kommen, und wir tun hier gut, einmal dem Staate zu folgen, nicht ihm voranzugehen, da wir mit Gehalts- zulagen inzwischen nickt stagniert haben. Stadtv. giosenow(N. L.): Auch der Pessimismus, der in diesem Saale gepredigt wird, ist geeignet, uns draußen zu schaden. Zeitgemäße Reformen in der Verwaltung, besonders der Werke» werden wir gern mitmachen, wenn dadurch Ersparnisse und Mehr- ertrüge erzielt werden. Herr Mommsen schwärmt ja für die Vcr- Pachtung der städtischen Werke, um ohne Mühe eine Anzahl Mil- lionen einzustreichen, er wird dockidabei auch nicht dieKanalisations- werke vergessen. Die„Große Berliner Straßenbahn" als unser Kontrahent hat ein Verfahren beobachtet, das der Würde Berlins geradezu ins Gesicht schlägt; soll dieses Beispiel uns ermutigen, die Stadt Berlin der Willtür noch mehr solcher Gesellschaften aus- zuliefern?! Die Aufhebung der Vorschulen halte ich für dringend notwendig; dem Wiederaufkommen der Privatschulen wird durch gewisse Zwangsbestimmungen vorzubeugen sein. In Berlin be- steht zurzeit geradezu eine Krankenhausnot; der Magistrat wird außerordentliche Mittel zu ergreifen haben, um ihr zu steuern. Speziell bezüglich der Steuern stehen meine Freunde nach wie vor auf dem Standpunkt, daß wir Steuern nicht auf Borrat bewilligen sollen. Stadtv. Dr. Preuß(soz.-fortschr.): Als fünftes Rad am Wagen werde ich mich wohl kurz fassen müssen. Abwechselnd kamen hier Pessimisten und Optimisten zum Wort; jetzt ist ein Pessimist an der Reihe, und ich bin es auch, aber nicht zu knapp! Ich kann zum Kämmerer nur sagen:„Herr, erlöse uns vom Ueberschuß!" Denn der in Aussicht gestellte„kleine" Ueberschuß des nächsten Jahres würde ein großes Defizit bedeuten.(Sehr richtig!) Die Androhung der Wertzuwachssteuer hatte eine leb- hafte Bewegung in Grundstücken hervorgerufen, die jetzt einer Reaktion Platz macht, und so auch die Erträgnisse der Umsatzsteuer verringert hat. Es ist nicht gut, daß die Hälfte der Einnahmen aus den Steuern und davon die Hälfte wieder aus der Einkommensteuer fließt. Allerdings sind auch die Erträgnisse der Betriebswerke von den wirtschaftlichen Verhältnissen abhängig. Bedauerlicherweise scheint sich hinsichtlich der Sicherung des besten dieser Betriebe— des Verkehrs— in dem Ausschüsse für den Verkehrsverband ähnliches vorzubereiten wie bei der Hintcrtreibung der Wcrtzuwachssteuer(Hört! hört!), trotzdem es sich hier um ein Lebensbedürfnis Berlins handelt. Hierauf geht der Etat an den Etatsausschuß, der vom Vor» stände bereits ernannt ist und sich auch schon konstituiert hat. Schluß:?t19 Uhr. Eue der Partei. Da? Rastatter Freischarcudenkmal wird aus einem Fonds unter» halten, der von einem Komitee verivaltet wird. Der Rechner des- selben. Herr Franz Peter in Achern(Baden), veröffentlicht die Abrechnung für das Jahr 1907. Der Fonds ist durch die Zinsen der Sparlasse Achern(3'/z Proz. von 984,13 M.) und durch eine Bareinnahme von 83 M. zu Ende 1907 auf 1046,60 M. angewachsen. Es konnte neben den laufenden Kosten einem Kriegsinvaliden des badischen Freischarcnkorps von 1349 zu G.(Württemberg) eine Bei- hülse von 40 M. gewährt werden. Diese außerordentliche In- anspruchnahme deö Fonds wurde dadurch ermöglicht, daß die sozialdemokratische Arbeiterschaft anläßlich der vor- jährigen Märzfeier des Rastatter DenkmalfondS gedachte und dem Fonds drei Zuwendungen gewährte, nämlich 1. durch P. Schmid- B e r Ii n 30 M., 2. vom sozialdemokratischen Berein deS 8. und 10. schleswig-holsteinischen ReichstagswahlkreiseS 50 M., 3. vom sozialdemokratischen Verein D u r l a ch 5 M., Summa 85 M. Auch diesmal richten wir an die März-feiernden Genossen die Bitte, an die Adresse des Kassierers Franz Peter in Achern Zu- Wendungen für den Fonds zu machen. Es wird an das Denkmal- komitee bald die Aufgabe herantreten, zur Erhaltung des D 0 r t u» Grabes in Freiburg aus dem Fonds beizutragen. JuleS Gueöde auf Urlaub. Paris, 15. Februar.(Eig. Ber.) Genosse JuleS GueSde Hai sich auf dringendes Zureden mehrere Aerzte entschlossen, einen ein- jährigen Parteiurlanb zu nehmen, den er in Algerien verbringen wird. Die Aerzte sehen in diesem Aufenthalt im südlichen Klima und in der mit ihm verbundenen vollständigen Enthaltung von der Propagandatätigkeit daö einzige, aber sicher wirksame Mittel. GueSde seine Gesundheit und die volle Arbeitsfähigkeit wiederzugeben. Den Vorkämpfer des wissenschaftlichen Sozialismus in Frankreich bc- gleiten die herzlichsten Wünsche der Parteigenossen.— Das Wochen- blatt„Le SocialiSme", das sich in erfreulicher Weise entwickelt hat, wird während der Abwesenheit GueSdeS Genosse Bracke leiten. Letzte JVaebnebten und Depefeben. Unsere Justiz. Schweidnitz, 20. Februar.(Privatdep. d.„Vorw.".) Das hiesige Landgericht verurteilte heute einen fünf- zehnjährigen Lehrling wegen Diebstahls und Betruges im Rückfall zu 3�(drei und einem halben) Jahre Gefängnis! Der Herr Staatsanwalt hatte— 5(fünf!) Jahre beantragt. Preußen macht Schule. London, 20. Februar.(W. T. B.) Dreihundert Mann Artillerie sind mit Rücksicht auf etwaige Kundgebungen der aus- gesperrten Werftarbeiter nach Sunderland entsandt worden. Auf Einladung des Handelsministers Lloyd George sind Vertreter der Unternehmer und Arbeiter der Tyneschissswcrstcn zu einer Be- sprechung mit dem Minister hier eingetrossen. Stössel. Petersburg, 20. Febryar.(W. T. B.) Im Stössel-Prozeß wurde heute das Urteil gefällt. General Stössel wurde zum Tode verurteilt, ohne Verlust der Ehrenrechte, General Fock erhielt einen Verweis, die Generale Reiß und Smirnoff wurden freigesprochen. Der Gerichtshof wird den Kaiser bitten, die Strafe für Stössel in zehn Jahre Festungshaft umzuwandeln in Anbetracht der Helden- mutigen Verteidigung der Garnison unter seinem Oberbefehl sowie seiner persönlichen Tapferkeit. Ob Stössel, falls Nikolaus die Todesstrafe vollstrecken lassen sollte(was allerdings so gut wie ausgeschlossen ist), am Bande seines pour Is mörito aufgelnüpft wird— wie die.Jugend" kürzlich in Aussicht stellte— darüber meldet die Depesche nichts. Genickstarre im Heere. Karlsruhe, 20. Februar.(B. H.) Aus zuverlässiger Quelle erfährt der..Volksfreund", daß bisher ein Todesfall an Genickstarre vorgekommen sei. Drei Soldaten liegen im Lazarett. Beim Exerzieren ist räumliche Trennung vorgenommen worden. Paul Singer 6: Eo..BerlinLW. Hierzu 3 Beilagen».UntcrhaltungSbl. Hr. 44. 25. Iuljtiimj. 1. DtÜllU Reichstag 106. Sitzung vom Donnerstag, den 20. Februar 1908, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: Kraetke, Dr. Nieberding. Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Beratung eines Gesetzes betreffend die Abänderung des Gesetzes über das Tele- graphenwefen des Deutschen Reiches. Danach sollen elektrische Telegraphenanlagen, welche ohne metallische Verbindungsleitungen Nachrichten vermitteln, nur mit Genehmigung des Reiches errichtet und betrieben werden. Abg. Frank- Mannheim1 auf 12 Stunden erhöht, obwohl der Lohn von 2 M. für 14 bis Ibjährige Arbeiter, 2,50 M. für 16— 13 jährige und für ältere auf 3 M. bestehen blieb. Bedenkt man, daß fast keine Pause während der langen Arbeitszeit gewährt wurde, so ist es erklärlich, daß sich eine Bewegung dagegen cittfaltcte, die schließlich auch dazu führte, daß auch für diese Arbeiter die achtstündige Arbeitszeit sesi- gelegt»vurde. Hierbei wurde den Arbeitern der Lohn auf 1P0, 2,00 rcsp. 2,40 M. gekürzt mit der Bemerkung, wer mehr verdienen wolle, könne noch einige Stunden des Tages al» Platzarbeiter bc- schäftigt werden. Dieses Ansinnen»vurde zurückgewiesen, und da die Direktion nicht nachgab, die Arbeiter auch eine Verbesserung ihrer Kost- und WohnungSverhältnissc in den zum Betriebe ge- hörigen Häusern nicht erreichten, die Arbeit eingestellt. Ohne Ein» halten ciucr Kündigungsfrist für die Glasmacher läßt jetzt die Direktion den ganzen Betrieb stilliegen, so daß auch die Platz- arbciter brotlos sind. Ein solche» brutales Vorgehe» ließ auch die Verhandlungen zwischen der Direktion und dem Arbciterausschuß unter Hinzuziehung der Kommission der streikenden Einträger scheiterten. DicnStag kamen bereits von Brauuschwcig Glasarbeiter an, die jedoch, nachdem sie über die Lage informiert waren, auf die Arbeit verzichteten, obwohl ihnen ein höherer Lohn zugesagt war als die Ausständigen verlangen. Diejenigen Arbeiter der Glashütte, die trotz ihrer Kündigungsfrist unfreiwillig brotlos ge- worden find, werden Schadenersatzansprüche geltend machen. Vor allem gilt es, weiteren Zuzug nach Oldenburg von gelernten uiid ungelernten Arbeitern fernzuhalten, damit den Ausständigen, die großenteils im Handels- und Transportarbcitcrvcrband organisiert sind, eine einigermaßen gerechte Entlohnung und Verbesserung ihrer Wohnungsverhältnisse in den Hüttcnhäusern zuteil wird. Die Tarisbewegung im Brrslauer Baugewerbe. Die Arbeitgeber im Breslauer Baugewerbe babcn den bis jetzt bestehenden Tarif ge- kündigt und wie wir berichteten, den Arbeitern einen Entwurf zu- gestellt, der so viel Verschlechterungen bringt, daß er unter allen Umständen nicht angenommen werden kann. Die Arbeitnehmer und zwar zunächst die Maurer, haben daraufhin einen eigenen Tarif entworfen und ihn den drängenden Meistern, die es in diesem Jahre auffallend eilig haben, bereits übermittelt. Danach soll die Arbeitszeit nicht, loie eS der Meistertarif will, eine Verlängerung der bisherigen Arbeitszeit von b'/- auf 10 Standen, sondern im Gegenteil eine Verkürzung auf 9 Stunden erhalten, lieberstunden sollten nach dem Mcisterwrif geleistet werden iiiüsßen„in dringenden Fällen"; der Gesellencntwurs präzisiert wie der alte Tarif diese Fälle: wenn Meilschenlebe» in Gefahr find, schwere Schädigungen eines Betriebes bestehen oder der Verkehr gehemmt ist. Als EinheitS- lohn werden 60 Pf. pro Stunde gefordert; für Jnnenpiitzer soll eine Erhöhilitg um 15 Pf. eintreten.— Hoffenttlich kommt auf dieser Grundlage eine friedliche Vereinbarung zusta»de. Die Arbeitsloscnfürforge einer Stadtverwaltung. Durch eine vom Gcwerkschaftskartell in Krefeld« dorgetiommcnc Zählung war festgestellt worden, daß die Arbeitslosigkeit dort größer war als in den früheren Jahren in dieseur Monat. Auf Grund eines Jnscrats zeichneten sich zirka 500 Arbeitslose in die Listen des Gcwcrkschaftskartells ein. Annehmen ko»itte man, daß die Zahl bedeutend größer war. Vom Gcwerkschaftskartell»vurde die Stadtveitvaltung uiin aufgefordert, diesen Arbeitslose» Beschäftigung zu gebe». Von feiten der Verwaltung Ivurdc ein außergewöhnlicher Notstand be- stritten; es handele sich um die gcioöhnlichc Arbeitslosigkeit, die im Winter um sich greife. ES»vurde nebenbei ein Llamento über die Vergnügungssucht(!) der Arbciter angestimmt, dann aber schließlich zugesagt, daß die am schlimmsten Not Lqidendcn Bc- schäftigung erhalten sollen. An Lohn könne aber nicht mehr als 2,50 M. bezahlt werden; der ortsübliche Tagelohn beträgt in Krefeld 3 M.! Die Arbeitslosen beschäftigten sich in einer Ver- sammlung mit dem Verhalten der Verwaltung, toelchaS in einer einstimmig gefaßten Resolution scharf verurteilt wurde. Weiter verlangte man den ortsüblichen Tagelohn. Die Resolution wurde von der Verwaltung gar nicht beachtet. Man bezahlt 2,50 M., bcioilligtc aber dem Oberbürgermeister, der ein Einkommen von 17 000 M., ohne Nebeneinnahmen, und freie Wohnung hat, eine Gehaltserhöhung von 3000 M. Das nennt man kommunale Sozialpolitik._ Die Bewegung im Bangcwcrbe. Auch in Straubing(Nicderbayern) hat der Arbeitgeber- verband für das Baugewerbe den Tarifvertrag mit den Arbeitern gekündigt und einen neuen Lohntarif mit Verkürzung der Löhne vorgelegt. Es kommt zu Differenzen. Der Streik der Bodenleger am Gefängnisncubau in Aichach (Oberbaycrn) hat mit einem Siege der Arbeiter geendet. Unsolidarisch aus Prinzip. Die Fabrikanten Wessels und Lcvingcr in Augsburg »vurden wegen sehr groben Verstoßes gegen die Generalabmachungen aus dem Verband der deutschen Schuhfabrikanten ausgeschlossen. Dafür sind die beiden Herren zu Ehrenmitgliedern der Gelben ernannt worden, ivelche gegenwärtig in den Betrieben dcr�beidcn Unternehmer als Streikbrecher sich nützlich machcm Ausland. Ueber die Streiks und Aussperrungen in Nicderland im Jahre 1907 gibt das„Centraal Bureau voor de Statistik" in der neuesten Nummer seiner Monatsschrift eine Uebersichl, der zn entnehmen ist, daß das Bureau Kenntnis erhielt von 139 Streiks, die im Jahre 1907 ausbrachen. Von 135 Streiks»vurden die Zahlen der Betci- ligtcn angegeben; c»»varen im ganzen 11092 Arbeiter und Ar- beiterinnen. Zum Vergleich wird angeführt, daß im Jahre 1906 164 Streiks ausbrachen und eine Zahl von 11 069 Streikenden er- mittelt wurde. Für die ersten fünf Jahre dieses Jahrhunderts wird die Durchschnittszahl der Streiks auf 194,4 angegeben, die der Beteiligten aus 11 832. Bei den meisten Streiks ivaren selbst- verständlich Forderungen auf Lohnerhöhung oder Abwehr von Lohn» kürzungcn die Ursache. Bemerkenswert ist jedoch, daß nicht weniger als 27 Streiks ausbrachen, weil einzelne Arbeiter entlassen, also gemaßregelt worden waren, lieber den Erfolg der Streiks wird initgeteilt, daß 24 zugunsten der Arbeiter, 59 durch Vergleich bc- endet wurden und 40 verloren gingen, während 14 am Jahre»- schluß noch fortdauerten. 3 unentschieden blieben und von 3 Streiks die Angaben über den Ausgang fehlten. Aussperrungen kamen 16 vor und die Zahl der Ausgesperrten »vird auf 3192 angegeben. Jin Jahre 1906 lvurdcn dagegen 17 Aussperrungen mit 7780 Ausgesperrten gemeldet. Die Durchschnitts- zahl der Aussperrungen in den Jahren 1901— ,1905 wird auf 11,2, die der Ausgesperrten aus 2644,8 angegeben. Die Unternehmer haben mit ihren Aussperrungen im verflossenen Jahre nicht viel Erfolg erzielt. Nur 3 endeten zu ihrem Vorteil, 2 zu ihrem Nach- teil, lvährcnd 4 durch Vergleich erledigt wurden und 2 ins neue Jahr hinein dauerten. Die übrigen Aussperrungen blieben teils unent- schieden, teils ist dem Bureau über den Ausgang nichts bekannt geworden._ Konflikt im englischen Schiffbaugewerbc. > L o n do n, 19. Februar. Laut Nachrichten aus Ncwcastle droht im Schiffbaugeivcrbc am Tyne und am Elyde ein Konflikt,' der etiva 70 090 Arbeiter umfalicn würde. Die Ursache des Kon- � flikts ist der Versuch der Arbeitgeber, die Löhne herabzusetzen. Sollte cS bis Ende dieser Woche zu keinem Vergleich kommen, dann würden zahlreiche Werften geschlossen werden»' Lohnforderungen der Hebammen in Schweden. Der schwedische Hebammenverband—.barmnorskeförbundet"— hielt am Montag in Stockholm einen außerordentlichen, von 200 Delegierten aus allen Teilen des Landes besuchten Kongreß ab, auf dem über die Lohn- Verhältnisse der Hebammen und ihre Stellung zu Staat und Kom- mune beraten wurde. Man verlangt, daß die Hebammen im all- gemeinen mit den Bolksschullehrerinnen gleichgestellt werden sollten, und beschloß, an den schwedischen Reichstag das Ersuchen zu richten, ihnen ein festes Mindestgehalt von 400 Kronen, teils aus Staats-, teils aus Kommunemitteln, zu garantieren. Ferner beschloß der Kongreß, daß in den abzuschließenden Kontrakten für Festsetzung einer einmonatigen Ferienzeit gesorgt werden soll. Soziales. Edle Untcrnehmerpläne. Gewisse Kreise des deutschen Unternehmertums zetern unauZ- gesetzt über die angeblich unerträgliche Belastung durch die soziale Gesetzgebung. Jetzt scheint man nun in Unternehinerlreisen Material sammeln zu wollen, um gegen das bißchen Sozialreform Sturm zu lausen. Daraus wenigstens scheint das nachfolgende von der Sächsischen BauberusSgenossenschast an ihre Mit- glieder versandte Zirkular hinzudeuten. Es lautet: „Nach Z 12 Abs. 1 des Gewerbe-UnfallversicherungSgesetzeS vom SV. Juni 1000 ist von den Unternehniern, in deren versicherungspflichtigen Betrieben sich ein Unfall ereignet hat, für den Verletzten vom Beginn der 6. Woche nach Eintritt des Unfalls bis zum Ablaufe der 13. Woche ein Zuschuß zu dem statutenmäßig von der Krankenkasse ?u gewährenden Krankengelde, welches auf-/, deS festgesetzten Tage- ohnes erhöht wird, aus eigenen Mitteln an die Krankenkassen zu zahlen. Diese Belastung kann unter Umständen recht drückend werden, daher ist vom Verband der deutschen Baugewerks-Berufsgenossenschaft an- geregt worden, alles Material über die Belastung der Mitglieder durch jenen Gesetzesparagrapheu zu sammeln, um es dem Reichsversicherungsamte bezw. dem Reichsamt deS Innern zu unterbreiten und damit eine Gesetzesänderung anzustreben. Zu diesem Zwecke werden unsere Genossenschaftsmitglieder er- sucht, genaue Aufzeichnungen darüber zu machen: 1. In wieviel Fällen im Laufe deS JahreS 1908 K r a n k e n g e l d z u s ch u ß für die Zeit vom Beginn der fünften Woche nach Eintritt des Unfalles ab an die Krankenkasse hat gezahlt werden müssen und 2. auf wie hoch dieser Krankengeldzuschuß nach Mark und Pfennigen im Jahre 1903 insgesamt sich beläuft. Wir werden Maßnahmen treffen, daß diese beiden Fragen in der nächstjährigen Lohnnachweisung zu beantworten sind. Dresden, den 20. Dezember 1907. Der Genoffenschaftsvorstand. Wenn eine Aenderung deS Unfallversicherungsgesetzes notwendig ist, dann doch höchstens dahingehend, daß für Unfälle nicht mehr die Krankenversicherung, zu der die Arbeiter zwei Drittel der Beiträge zahlen, die ersten 13 Wochen nach dem Unfall, sondern die Unfall- berussgenossenschaft aufzukomme» hat. Die Unternehmer, die vielfach durch die Außerachtlaffung der gesetzlich vorgeschriebenen Schutzvorschriften schwere Schuld an den Unfällen trifft, möchten noch nicht einmal für die Opfer ihrer Profit- sucht den geringen Lohnznschuß zahlen. Arbeitszeit in Plättanstalten und Wäschereien. Der Beirat für Arbeiter st ati st ik beschäftigte sich in seiner Sitzung am Donnerstag mit der Formulierung des Gut- achtens an den Reichskanzler, das im Anschluß an die Ergebnisse der Erhebungen über die Arbeitszeit in Plättanstalten und Wäschereien gegeben wurde. In Betracht kommen nur die Klein- betriebe oder nach der vorliegenden Novelle zur Gewerbeordnung: Betriebe, die unter zehn Personen beschäftigen. Für die übrigen Betriebe kommen die Bestimmungen der Gewerbeordnung für Fabrik- betriebe in Anwendung. Der Beirat empfiehlt für Kleinbetriebe eine Verordnung ähnlich derjenigen für das Konfektions- g e w e r b e. d. h. eine entsprechende Anwendung der Zs 13S— 139 und des Z 139b der Gewerbeordnung. Als Ausnahme wurde empfohlen, an Sonnabenden und vor Festtagen den Schluß der Arbeitszeit bis 7 Uhr abends auszudehnen. Der Autrag wurde mit der an Sonnabenden vorhandenen Häufung der Arbeit und mit dem Hinweis begründet, daß. wenn diese Aus- dehnung nicht gestattet würde, die Gewährung von Sonntagsarbeit sehr begünstigt würde. Der Beirat lehnte die generelle Befugnis ab, will aber im Jahre an 30 Sonnabenden und Tagen vor den Festtagen dem Unternehmer nach freier Wahl die Ueberschreitung der sonst festgesetzten Ivstündigeii Maximalarbeits- zeit bis auf 12 Stunden gestalten. In gleicher Weise soll an weiteren dreißig Tagen eine Ausnahme zulässig sein. Ueber 10. Uhr abends soll in solchen Fällen die Beschäftigung nicht dauern und eine 10 stündige Ruhezeit bis zur Wiederaufnahme der Arbeit innegehalten werden. Finder vor den Festtagen oder an den Sonnabenden eine längere Beschäftigung statt, so soll für den Sonntag die Arbeit nicht gestattet werden, wie überhaupt eine Be- seitigung der Sonntagsarbeit empfohlen wird. Eine Anregung, die Ausnahme im ganzen nur an 20 Tagen zu gewähren, fand nicht die Zustimmung._ Vergleich Ztcrmin mit Beisitzern. Eine Neuerung hat Magistratsrat Techow, der Vorsitzende der ersten Kammer beim Kaufinnnnsgcricht zur Einsühruug gebracht. Zum Zwecke einer schnelleren Abivickelung der anhängig geinachten Prozeßsachcn läßt er gleich zum ersten Vergleichstermin die Beisitzer laden, die sich dann an den Vergleichsverhandlnngen auch lebhast beteiligen. Tatsächlich ist auch die Zahl der zustandegekommcnen Vergleiche in de» Vergleichssitzungen mit vollbesetzter Kannner weit größer als im Termin vor dem einzelnen Richter. Die Tatsache, daß die Parteien gleich die Meinung der Laienrichter hören, stimmt viele vorerst Abgeneigte doch noch zu einem Vergleich.— Die Neuerung trägt nicht nur zu einer Beschleunigung des Geschäfts- ganges beim KaufinannSgericht bei, sondern liegt auch im Interesse aller Rechtsuchenden. Hus Induftm und Ftandel. Wieder ein Monopolprojekt. Des Reiches Finanznot gebiert allerlei Monopolprojckte, deren Realisierung den Steuersäckel füllen soll, ohne dabei der privaten Plünderet wehe zu tun. Solche Erwägungen dürften auch dem vom„Hamburger Correspondent" empfohlenen Reichs-Petroleum- Monopol zugrunde liegen. Das Blatt kommt auf die kürzlich ange- schnittene Frage wieder zurück und bemerkt dazu: „Die bisherige Diskussion hat vollständige Einstimmigkeit darüber ergeben, daß durch ein Pctroleummonopol kein Erwerbs- zweig in Deutschland mehr geschädigt werden könnte, dann die Standard Oil Co. bei der Ausschaltung des selbständigen Petra- leumhandcls bereits zu große Fortschritte gemacht hat. Es wird sodann die Frage erwogen, ob der Oil-Trust nicht in der Lage sei, auch dem Staate ganz willkürlich die Preise zu diktieren. Das wird verneint: „Es gibt in Amerika neben der Standard Oil Co. auch unab- hängige Pctroleumgefellschasten, deren größte das vor allem wich- tige pennsylvanische Oel herstellt. Es würde jedoch nach Ansicht der Kreise, von denen die erste Anregung in der Frage des Petro- lcummonopols ausgegangen ist, aus taktischen Gründen nicht rat- sam sein, nähere Einzelheiten über die Mittel und Wege zum freien Ankauf von amerikanischem Petroleum jetzt der breitesten Oeffentlichkeit vorzulegen. Wie wir aus diesen Kreisen erfahren, herrscht dort die Ansicht, daß eine wirklich gründliche und fach- gemäße Erledigung dieses Punktes der Petroleumfrage am besten durch eine von der Reichsregierung einzuberufende Enquete mög- lich ist. Zu dieser Enquete würden Sachverständige jeglicher Art, wie Geologen, Chemiker. Bohrtechniker, Kaufleute usw. zugezogen werden müssen und es würde vor allem Wert darauf zu legen sein, daß diese Sachverständigen sämtlich in keinerlei Beziehungen zu der Standard Oil Co. oder ihren Tochtergesellschaften stehen. Gewinne der Gruodstücksgesellschaften. Die Grundstücks-Aktiengesellschaft iu Berlin bringt für das letzte Jahr eine Dividende von 20 Prozent gleich 125 000 M. heraus. Dabei werden 112 090 M. auf neue Rechnung vorgetragen und dem Reservefonds 60 000 M. überwiesen.— Die Neu Bellevue- Aktiengesellschaft für Grundstücksverwertung in Liqui- dation hat weitere vier Baustellen für den Preis von 442 000 Mark verkauft.— Der letztjährige Ueberschuß der Neue Boden- Aktiengesellschaft stellt sich auf 2 207 333 Mark. Davon werden dem Reservefonds 102 451 M. überwiesen, 91847 M. an Tantiemen verteilt, 1 820 000 M. als Dividende ausgeschüttet, 133 034 M. werden auf neue Rechnung vorgetragen. Fusion in der Elektrizitätsindustrie. Von der deutschen Firma Brown Boveri wurde seinerzeit das Tecnomasio Jtaliano angekauft und damit Tecnomasio Jtaliano Brown Boveri gegründet. In den letzten Tagen ist nun ein Vertrag zustande gekommen, nach dem auch die Firma Gadda u. Co. in diese Fusion mit ihren Fabriken übertritt. Die Firma Gadda u. Co. war bisher die bedeutendste elektrotechnische Firma, die elektrische Maschinen in Italien gebaut hat. Seit einigen Monaten herrscht in der dortigen Elektroindustrie eine schwere Krisis und ist besonders diese Firma davon betroffen. Die Aktien, die vor einigen Monaten noch auf 100 bis 110 Lire standen, sind jetzt auf zirka 60 Lire herunter gegangen. Der ganze Betrieb der Firma Gadda u. Co. wird mit etwa 3 Millionen Lire übernommen, wovon ungefähr die Hälfte in Form von Aktien der riiheren Firma überlassen wird. Das Aktienkapital der Firma Gadda betrug 5 Millionen Lire. Neuregelung der Fernsprechgedühren in Deutschland. Nach langen eingehenden Beratungen und Besprechungen zwischen den Vertretern der Deutschen Reichspostverwaltung, der Telcgraphenverwaltung von Bayern einerseits und Vertretern von Handel, Industrie und Hand- werk andererseits ist der neue Fernsprechgebührentarif ausgearbeitet worden und soll folgende Gestalt erhalten: 1. Die Pauschgebühr wird aufgehoben. Es gibt nur noch An- chluß gegen Grund- und Gesprächsgebühren. 2. Die Grundgebühr beträgt in Netzen � von 1 bis 1000 An- chlnffen 50 M.: in Netzen von 1001 bis 5000 Anschlüssen 65 M.; in Netzen von 5001 bis 20 000 Anschlüssen 80 M.; in Netzen von 20 001 bis 70 000 Anschlüssen 90 M.; in Netzen von mehr als 70 000 Anschlüssen für jede angefangenen weiteren 50 000 Anschlüsse je 10 M. mehr. 3. Für jede hergestellte Verbindung wird eine EinzelgesprächS- gebühr von 5 Pf. erhoben. Wenn in einem Rechnungsjahr von einem Anschluß aus mehr als 2000 Gespräche geführt werden, ermäßigt ich die Gebühr für die Gespräche von 2001 bis 6000 um je Vz Pf- und für die weiteren Gespräche nur je 1 Pf. 4. Der Teilnehmer darf sich von Dritten für daS Gespräch im Ortsverkehr einen Betrag bis zur Höhe von 0,10 M. erstatten lassen. 5. Die Fernsprechgebühren betragen biS 25 Kilometer 0.20 M., bis 50 Kilometer 0,25 M., bis 100 Kilometer 0,50 M., bis 250 Kilo- meter 0,75 M., bis 500 Kilometer 1,— SD?., bis 750 Kilometer 1,50 M., bis 1000 Kilometer 2,— M.. über 1000 Kilometer für jede weiteren 250 Kilometer 0,50 M. mehr. Hus der frauenbewec[ung* Aus der internationalen Frauenbewegung. Bereits vor Stattfinden der ersten Internationalen Konferenz sozialistischer Frauen hatte die Einberuferin versucht, durch Ein- fordcrung von Berichten ein Bild über die Entwickelung der sozialistijchen internationalen Frauenbewegung z» gewinnen. Teil- weise find die Berichte aber erst nach der Stuttgarter Tagung ein- gegangen. Die Zentralvertrauensperson hat nun, um allen denen, die sich für die Gcsamtbewegung interessieren, das Materipl zu- gänglich zn machen, dieses in einer Broschüre zusammenstellen lassen, und zioar hat sich die Genossin Zetkin dieser dankenswerten Aufgabe unterzogen. Die zum Preise von 10 Pf. von der Genossin Baader zu beziehende Broschüre„Berichte für die Erste Jntenrationale Konferenz sozialistischer Frauen" enthält zunächst den eingehenden Bericht über die Entwickelung der Frauenbewegung in Deutschland. Dann folgt eine Schilderung der Arbeiterinnenbewegung in Oester« reich. Hierauf kommen Berichte aus Belgien, Holland; über die Entwickelung des Näherinnenvereins in Amsterdam und des schweizerischen Arbeiterinnenverbandes. Dann folgt eine Information aus Paris über die dortigen Genossinnen. Eine eingehendere Berichterstattung unterrichtet über die Bewegung in Finnland. Aus einer Schilderung über die Verhältnisse in England haben wir bereits in gestriger Nummer einen längeren Abschnitt gebracht. Neben dem Bericht der Genossin Krugh enthält die Broschüre aber auch noch Mitteilungen über die Unabhängige Arbeiterpartei in Großbritannien, über den Landesverband der englichen Frauen- gewerkschaflen und über die Liga für Frauenarbeit in England. Dem schließt sich die Berichterstattung über die Nationalliga fortschritt« licher Frauen Amerikas an; dieser folgt eine Zuschrift des Aktions- ausschusses des sozialdemokratischen Frauenverbandes in Schweden. Den Schluß des Werkchens bilden zwei Briefe, einer von der Hcrausgeberin von The Sozialist Woman in Chicago und einer von dem Nestor der sozialistischen Bewegung, Genossen Friedrich Leßner-London, den wir nachfolgend im Wortlaut wiedergeben: Liebe Genossinnen I Wohl als ältester Veteran der inter« nationalen sozialistischen Bewegung begrüße ich herzlichst die erste Internationale Konferenz sozialistischer Frauen. Ich sehe in ihr ein Stück mehr von der Verwirklichung jener großen SNahnung, die das Komiministische Manifest vor inehr als einem halben Jahrhundert in die Welt hinausgerufen hat: Proletarier aller Länder, vereinigt Euch I Schon die alte revolutionäre Jnterilationale hat sich an alle Proletarier, an alle Ausgebeuteten ohne Unter- schied des Geschlechts gewendet, und sie hat jederzeit in Wort und Tal die Interessen der Proletarierinnen und das Recht des weiblichen Geschlechts verleidigt. Die neue sozialistische Inter- nationale setzt auch in dieser Beziehung das Werk fort, das ihre Vorgängerin begonnen hat. Es ist ein Zeichen des fortschreitenden Triumphes des revolutionären sozialistischen Gedankens, daß die Frauen beginnen wollen, sich international verbunden in Reih' und Glied des kämpfenden Proletariats zu stellen. Der Sympathie und tatkräftigen Unterstützung aller überzeugten Sozialisten können die Genossinnen bei ihrem Werke versichert sein. Wie die sozialistischen Parteien aller Länder immer klarer die Bedeutung einer ziel- bewußten proletarischen Frauenbewegung erkennen, so muß sich auch jeder einzelne Sozialdemokrat und Gewerkschafter mit der Ueberzeugung durchdringen, daß eS seine Pflicht ist, dahin z» streben, Weib und Tochter als treue KampfeSgefährtinnen zur Seite zu haben. Möge alle das herrliche Beispiel lehren, das unser großer Karl Marx und seine Lebensgefährtin, die edle Jenny Marx. in der reinen und starken Kampfesgenieinschast ihres Lebens ge- geben haben. Ich bin überzeugt, daß die Verhandlungen und Be- schlüsse der Konferenz recht viel dazu beitragen werden, den Lehren des internattonalen Sozialismus unter den proletarischen Frauen aller Länder Anhängerinnen zu gewinnen und ein gemeinsames erfolgreiches internationales Vorgehen der Genossinnen anzubahnen. Mit den herzlichsten Wünschen für Eure Arbeit, liebe Genossinnen, verbleibe ich m treuer Gemeinschaft des Zieles und Kampfes Euer alter _ Friedrich Leßner, London. Der Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklaffe Berlind feierte am Sonntag sein neuntes Stiftungsfest durch eine Goethe- Feier. Rings an den Wänden des GewerkschastShaussaaleS leuchteten Obstblüten, Girlanden waren über den Saal gezogen, überall flutete Helles Licht und fteudige Farbe und dichtgedrängt lauschte die au- dächtige Menge. Als Fräulein Zlotnicka mit reiner Stimme das Lied der Mignon und das„HeideröSlein", als Frau Ellen Geyer-Neustädter mit ihrer seltenen, temperamentvollen Kunst„Das Veilchen" und den„Erl- könig" fang, Dr. Emil Geyer durch den„Prometheus" den Trotz und die Kraft des kämpfenden Proletariats aufrüttelte, wurden die Zuhörer mit reiner Freude und Begeisterung erfüllt. Hermann Wendel zeigte in seinem einleitenden Vortrage„Goethe und die Frauen", wie alle tiefsten Gedanken unseres größten Dichters dem Einfluß der Frauen entsprangen, wie die Frau von Gedankentiefe. das Hausmütterchen und die Dirne, wie das Ewig-Weibliche den Lebenspfad Goethes begleitete und bis zu den höchsten und reinsten Höhen deS MemchentumS hinaufführte. Freilich, der dröhnende Tritt der Arbeiterbataillone drang noch nicht an fein Ohr, auch er konnte nur ein Kind seiner Zeit sein. Leo Kestenberg und Frau Radwauer-Birnbaum verschönten durch vollendeten Vortrag Mozart-Beethovenscher Sonaten das künstlerisch einheitlich würdige Fest._ Versammlungen— Veranstaltungen. Berlin. Oeffentliche Versammlung: Sonntag, den 23. Februar nachmittags 5 Uhr in den Moabiter Bürgersälen, Beusselstr. 9. Borttag. Genosse Pagels:„Die politische Lage und die Fraum". AgitationSvcrcin für LandSberg-Toldtn. Generalversammlung heute, Freitag, den LI. d. M., abends 8'i, Uhr, im Gewerkschastshause, Saal 2. Gäste willkommen. Wasserstands-Nachrichte» der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgetellt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m« l, Tilstt P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen , Franksurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitineritz , Dresden . Barbq . Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—») Unterpegel.—•) Eisstand. •) Eistrciben.') Heute vormittag LOS cm. Deutsche Dampfüscherei-Gesellschaft„Nordsee", BahnhotBörse. Cabliau Seelachs ohne Kopf ohne Kopf Da» Pta— 35 pl im Anschnitt. Schellfische 25-50« in allen Größen. Alle übrigen Sorten Seefische zu billigsten Tagespreisen. Seefische— schmackhaft und von hohem Nährgehalt. Täglich frisch a Zufuhren in eigenen Kühlwaggons. Riesen-Lachs-Heringe(geräuchert) st 15-20 pt Empfohlen zur Bereitung von Heringssalat: Riesen-Fett-Heringe..... stück 10-15 p* Große Auswahl in den übrigen Räucherüschen sowie in Fischkonserven. 50 eigene Fischdampfer. Eigener Fischereihafen in Nordenham. Größte Hochseefischerei Deutschlands. Achten Sie genau auf unsere volle Firma: Deutsche DanipfQscherei- Gesellschaft „NORDSEE". Verantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn. Berlin. Für denInjeratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Ar. 44. 25. Jahrgang. 2. KkilM Ks Jotmiiilo" fifiliiitt llülliolilait. Freitag, 21. Februar 1908. Partei- Hngelegcnbeitem Zur Lokalliste. Jim Sonnabend, den 22. Februar d. I., feiert der Verein„Frohe Stunden" sein Stiftungsfest in den Räumen der Hohenzollern-Festsäle. Handelstr. 35. Wir weisen darauf hin. daß das genannte Lokal der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung steht, und da nach den uns zugegangenen Informationen obigem Verein zum großen Teil Arbeiter angehören, so machen wir diejenigen, welche einer Organisation angeboren, auf die eventuellen Folgen eines Boykottbruches aufmerksam. Am gleichen Tage veranstaltet der Männergesangverein„Sänger chor"(Neue Photographische Gesellschaft) im Gesellschäftshaus in Lank- witz, Viktoriastraste, ein sogenanntes„Strandfest". Wir weisen darauf hin, dast das genannte Lokal der Arbeiterschaft zu Versammlungen nicht zur Verfügung steht, mithin sind alle dortigen Veranstaltungen seitens der organisierten Arbeiterschaft streng zu meiden. Am Sonnabend, den 22. Februar er., findet im Lokale von C. Wodrich sGermania-Säle). Charlottenburg, Spreestraste, ein Maskenball des Theater- und Vergnügungsvereins„Sicher wie Gold" statt. Genannter Verein bezeichnet sich als„Mit- glied des Arbeiter-Theaterbundes" und ist bemüht, einen möglichst grostcn Billeltumsatz unter der Arbeiterschaft zu erzielen. Demgegenüber weisen wir daraus hin. dast das Lokal von C. W o d r i ch der Arbeiterschaft zu Versammlungen nicht zur Ver- sügung steht, mithin sind alle dortigen Veranstaltungen zu meiden. Am Sonntag, den 23. Februar er., veranstaltet der Theater- und Bergnügungsverein„ I, a? ul o m u 1902u, gegr. 16. September 1902, Mitgl. des Verbandes der Privat-Theatervereine Deutsch- lands. E. B., im„ G r a n d» R e st a u r a n t O st b a h n h o f", Küstriner Platz, ein Vergnügen. Da auch dieses Lokal der Arbeiter- schaft nicht zur Verfügung steht, so ersuchen wir, alle etwa an- gebotenen Billetts zurückzuweisen. Die Lokalkommission. Schenkendorf bei Königswusterhausen. Der Wahlverein für Schenkendorf und Umgegend hält am Sonnabend, den 22. Februar, abends 8 Uhr, im Vcreinslokal von Otto Pätsch seine Monats- Versammlung ab. Gäste, auch Frauen, sind willkommen. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. Zahl- reichen Besuch erwartet Der Vorstand. Neuenhagen und Umgegend. Am Sonntag, den 23. d. M., nachmittags 4 Uhr, findet im Lokal von Max Girke, Fredersdorf. eine Volksversammlung statt. Tagesordnung: Vortrag des Ge- nossen Max Kiesel über die kommende Landtagswahl. Zu dieser Versammlung findet im ganzen Bezirk am gleichen Tage. früh 8 Uhr,, von den bekannten Stellen aus eine Handzettel- Verbreitung'statt. Es wird hierzu wie auch zur Versammlung zahlreiche Beteiligung erwartet. Nicder-Schönhausen. Am Sonntag, den 23. Februar, morgens 8 Uhr, findet eine Flugblattverbreitung für die Gemeindewahlen von den bekannten Stellen aus statt. Die Genossen werden er- sucht, sich sämtlich an dieser Arbeit zu beteiligen. Der Vorstand. Mühlcnbcck sBezirk Nicder-Schönhausen). Sonntag, den 23. Fe- bruar, nachmittags 4 Uhr, findet im„Gasthof zur Sonne"(Inhaber A. Värsch) die fällige Wahlvereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht der Gemeindeverlreter. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Ver- schiedencS. Pflicht der Mitglieder ist es, vollzählig zu erscheinen. Der Vorstand. Bernau. Sonnabend, den 22. Februar, abends 8>/z Uhr, findet im Lokale des Herrn Kuntze, Bürgerineisterstr. 225, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Zahlreiches Erscheinen der Ge- nossen erwartet_ Der Vorstand. Berliner JVacbricbten. Im Rachen des MolochS. Der„Kreuz-Zeitung" werden sich die konservativen Gedärme im Leibe umdrehen und die Postesel werden mit den langen Ohren wackeln, wenn sie erfahren, dast wir es gewagt haben, unseren profanen Fust an die geheiligte Stätte zu setzen, wo Patriotismus, Gottesfurcht und Vaterlandsliebe in Reinkultur gezüchtet werden. Zwar bringen die werktätigen Massen den Löwenanteil an Gut und Blut auf, das der unersättliche Rachen des Molochs verschlingt, zwar sind es die Söhne des Volkes, die ihre schönsten Jugendjahre im geist- und zwecklosen Drill opfern müssen und dennoch wird es in gut monarchischen Kreisen als ein fluchwürdiger Frevel empfunden, wenn sich so ein Sozi mal erfrecht, in das Allerheiligste einzudringen. Fürchtet man doch, dast in den hermetisch abgeschlossenen Bau der rote, staatsgefährliche Bazillus eingeschleppt und hierdurch unabsehbares Unheil angerichtet werden könnte. Aber derlei aufrührerische Absichten lagen uns bei unserem Gang nach der Kaserne gar nicht im Sinn, vielmehr trieb uns der Wunsch, einen jugendlichen Krieger aufzusuchen, der aus dem gemütlichen Läudchen stammt, wo die Grostherzöge mit notorischen, sozialdemokratischen Hetzern trauliche Plauderstündchen abhalten. Immerhin tragen wir Unmassen des schlimnisten AgitattonSftoffes bei uns, aber der lag fein säuber- lich verpackt im Oberkänunerchen, wo er bekanntlich nicht kon- fisziert werden kann. Nachdem man uns im Wachtlokal ge- wissenhaft gefragt hatte,„wcs Nanl', wes Art, woher des Wegs", und die Auskunft prompt gebucht war, führte uns ein behelniter preustischer Gardist nach der gewünschten Stube. Eine Anzahl Soldaten bevölkerte den kahlen, unfreundlichen Raum. Die Leute vertrieben sich mit den verschiedensten Arbeiten die Zeit. Viele hatten den Sonntagnachmittag benutzt, um einmal ohne Plumpsack und Schiestprügel durch die Strastenzu gehen, die- jenigeu aber, die zu»Hause blieben, ivollten die freien Stunden dazu verwenden, ihre Kleider gründlich auszubessern, wozu in der Woche oft die Zeit fehlt, akldcre hatten Briefe zu schreiben, manche erledigten Strafarbeiten oder unterhielten sich durch ein Spielchen. Mit trotzigem, finsterem Gesicht und übereinander geschlagenen Beinen fast einer am Fenster und blickte sinnend über den öden Kasernenplatz. der sonst von Flüchen und von Schinipfen widerhallt, und der schon so viele Schweisttropfen und— Tränen geschluckt hat. Zwei Mann reinigen und ölen ihre„Braut", im„militärischen" Sinne das Gewehr genannt. Ein anderer stopft kunstgerecht seine Strümpfe und wieder ein anderer flickt die„fünfte Garnitur", deren ursprünglicher Stoff durch aufgesetzte Flicken fast voll- komnien ersetzt ist. Er hatte die Arbeit schon einmal voll- bracht, der arme Teufel, aber der Herr Unteroffizier war so liebenswürdig, ihm wieder alles und noch mehr dazu auf- zutrenncn. Abseits sitzt ein schmächttger Mann mit einem mädchenhaften Antlitz. Er schreibt einen Brief und wischt sich bei jeder Zeile mit dem Rockärmel über die Augen.„Der hat nichts zu lachen", erklärt unser Freund,„der ist im Dienst zu schlapp".„Soll wohl heisten zu schwach?" verbessern wi?. „Na ja, zu schwach oder zu schlapp, da wird beim Dienst nicht nach gefragt, und wenn einer liegen bleibt." Plötzlich geht die Tür auf.„Achtung l" schreit der Stubenälteste. Wie ein Wirbelsturm fliegen die Soldaten auseinander. Jeder rennt nach seinem Spind und stellt sich daselbst steif wie eine Drahtpuppe auf. Was ist denn blast los? Ist der alte Herrgott auf die Erde herabgestiegen und hat sich in die militärische Dressuranstalt verirrt? Oder ist vielleicht ein gekröntes Haupt, oder ein Prinz von königlichen: Geblüt oder wenigstens ein brcitgestreistcr General erschienen? Nichts von alledem I Die Kompagniemutter, ein simpler Feldwebel hat geruht, die Stube zu inspizieren. „Viel Lärm um nichts", wird mancher denken. Aber bitte, nicht so voreilig. In der Hand dieses Allgewaltigen liegt zum großen Teil das Schicksal der Soldaten. Sein Einfluß ist weitteichend, seine Macht so groß fast wie die des Haupt- manns. Mit der Miene eines Casars durchschreitet er den Saal. Sein Blick ruht prüfend, durchbohrend auf uns arm- seligem Zivilistenpack. Uns packt ein gewaltiges Gruseln bein: Anblick dieses Schrecklichen. Endlich verschwindet er wieder. Ein Soldat reißt ihm pflichtschuldigst die Türe angelweit auf und mit der Würde eines chinesischen Mandarinen verläßt der Stellvertteter Gottes das Zimmer. Alles atmet auf, wie nach einer glücklich überstandenen Gefahr.„Weißt Du, was ich dem in den Magen wünschte?", fragt uns unser uniformierter Freund plötzlich. Wir verneinen.„Ein paar Dutzend Schweizerpillen I"„Warum? ist der so.reizend' zu Euch?" „Na, ich kann Dir sagen..."„Da gefällt Dir wohl das Soldatenleben nicht besonders gut?"„Nä", lautet die Ant- wort, im unverfälschten südlichen Dialekt;„i han die Ras' vull I"_ Vom Magen der Kirche. Daß unsere Kirchcngemeindcn einen guten Magen haben, ist bekannt. Bei den verschiedensten Gelegenheiten, seien sie nun freu- diger oder trauriger Art, suchen diese Gemeinden Geld zu mache». Man bcttachte nur, um nur ein Beispiel anzuziehen, die Gebühren- liste, die die Kirche den Angehörigen von Verstorbenen bei Begräb- nijsen überreicht, und sehe sich an, was bei einer solchen Gelegen- hcit alles für Kosten aufgesetzt werden. Dabei bleibt es aber nicht. Die Kirchengemcinden verlangen selbst Gebühren, wenn die Bc- erdigung gar nicht auf einem ihrer Kirchhöfe stattgefunden hat. Mancher wird sich über eine solche Forderung verwundern, aber es ist tatsächlich so. Und wer nicht gutwillig zahlt, der muß gewärtig sein, hierzu gezwungen zu werden. Das ging vor einiger Zeit dem Arbeiter Sch. so, der in der Schreinersttaste wohnt. Diesem Mann starb am 16. März vorigen Jahres ein Kind im Alter von VA Jahren. Die Beerdigung erfolgte auf dem städtischen Fried- Hofe in Friedrichsfelde. Ende Juli bekommt Sch. eine Mitteilung der Samariterkirche, in welcher er aufgefordert wird, eine Aus- lösungsgcbühr an die Küstereikasse zu zahlen. Der Tarif richte sich nach der Klasse, in der die Beerdigung erfolgt sei. Für Kinder bc- trage dieser Tarif in der ersten Klasse 6,75 M., in der zweiten 2,47 und in der dritten 1,47 M. Sch. war der Meinung, er brauche überhaupt nicht zu zahlen, weil die Beerdigung nicht auf dem Kirchhof der Samaritergemeinde erfolgt sei, dann aber deswegen nicht, weil das Kind gar nicht getauft war; er liest also die Auf- forderung liegen. Wiederum gehen Monate ins Land, bis er wieder an die Zahlung erinnert wird durch ein Klageschreiben der Kirche.—In diesem Klageantrage setzt dcr von der Samariter- gemeinde beauftragte Rechtsanwalt des langen und breiten aus- einander, auf Grund welcher Bestimmungen die Kirche diese Aus- lösungsgebühr zu verlangen hätte. Wir ersehen aus dem Inhalte dieser juristischen Darlegungen, dast der Anwalt sich auf Ver- fügungen von vor 100 Jahren, unter anderem auch auf ein Hof- reskript aus dem Jahre 1807 bezieht. Man sieht, auf welche ver- moderten Bestimmungen die Kirche bei diesem alten Zopf zurück- greifen mutz. Dast der Anwalt irrtümlicherweise die Kosten für die Auslösung eines Erwachsenen anstatt eine? Kindes einklagt, nur nebenbei. Um Scherereien aus dem Wege zu gehen, hat der Arbeiter die 2,47 M.— obwohl er höchstens 1,47 M. zu bezahlen gehabt hätte— entrichtet. Die Kirche will aber noch die Kosten, die die Klage bisher verursacht hat, erstattet haben; ob sie die- selben bekommt, ist eine andere Frage. Wo nichts ist, hat auch die Kirche ihr Recht verloren. Der ganze Vorfall zeigt, daß die Kirche keine Mittel scheut, wenn es sich darum handelt, ihre Kassen zu füllen. Das sollte manchem Kirchengläubigen zu denken geben. Gehn Sie weiter! Eine Parteigenossin, die aus Württemberg zum Besuch hier weilt, schreibt uns:„Die preußische Regierung tut sich besonders hervor, ihre Untertanen durch provokatorisches Betragen zu reizen. Ging ich da gestern dem Rathause zu und hatte große Eile, noch rechtzeitig zur Stunde des Vortrages einzutreffen. Unterwegs fiel mir der starke Verkehr auf. Unter den Linden sausten Droschken, Automobile in beschleunigtem Tempo dahin. Den Stratzendamm tonnte man kaum überschreiten, ohne sein Leben gefährdet zu sehen. Alle Gcsährte mündeten in den Rachen des Schlosthofcs ein. Am Nationaldenkmal wollte ich quer zum Begas- brunnen eilen, um jeden unnötigen Schritt abzuschneiden. Aber 50 Fust vom Schloß zog sich eine lebendige Kette hin. Ein auf- fallendes Aufgebot von Schutzleuten zu Fust und zu Pferd, die die lästigen Passanten vor allzu naher Berührung. mit den Herrschaften oder mit den Droschken dieser Herrschaften abhielten. Ahnungslos strebte ich dem Trottoir zu. Aber ein ehernes Halt wies mich zurück. und ein halb loyales, halb majestätisches„Gehn Sic weiter" schnarrte mir entgegen. Das loyale Durchzittern des Tones galt natürlich meiner Jugend und meiner Weiblichkeit. Als ob ich Interesse daran gehabt hätte, die hohen Gäste mit einem Blick zu belästigen oder mich sogar mit einer staunenden Bewunderung zu erniedrigen. Es ist empörend, soviel Mannschaft wegen dieses höfischen Klimbims aufzubieten. Da mutz ich sagen, unsere württembcrgischc Regierung besitzt mehr Takt und Zurückhaltung. Unsere Majestät im„Süden" scheut sich nicht, allein mit seinem Spitzhund durch die Straßen zu spazieren und wenn es regnet, so verbirgt sich Hoheit unter seinem Schirm, um den neugierigen Blicken seiner Untertanen zu entgehen. Von Schutzleuten nirgends eine Spur. Und trotzdem ist bis- lang noch kein Attentat auf seiner Hoheit Leben erfolgt. Wer soll Interesse daran haben, wenn Hoheit sein Leben selbst so niedrig einschätzt und ohne Bedeckung sich zu den Menschen wagt." Die Mascrn-Epibemie, die in diesem Jahre als eine auffällige Begleiterscheinung der Influenza auftritt, hat auch in der Um- gebung Berlins eine große Ausdehnung gesunden. In Grost-Köris mußte die Schule geschlossen werden, weil von 127 Kindern nicht weniger als 98 an Masern erkrankt sind. Gleichzeitig werden zahl- reiche Jnfluenzaerkrankungen aus dem Städtchen gemeldet, von dessen Bewohnern etwa 20 Proz. sich in ärztlicher Behandlung bc- finden. In Berlin ist die Masern-Epidcmie erfreulicherweise in den letzten zwei Berichtswochen etwas zurückgegangen. Zwar werden täglich Neuerkrankungcn gemeldet, jedoch nicht in größerer Zahl, als dies sonst zu dieser Jahreszeit der Fall ist. Dagegen scheint die Influenza sich noch immer weiter auszubreiten und je länger sie anhält, einen immer bösartigeren Charakter anzunehmen. Nachtrag zum Fernsprechvcrzeichnis. Zu dem Verzeichnis der Teilnehmer an den Fernsprechnetzen in Berlin und Umgegend hat die kaiserliche Oberpostdirektion einen Nachtrag hergestellt, der die Ausgabe vom Oktober 1907 ergänzt. Der Nachtrag enthält alle neuen Anschlüsse bis zum 9. Januar 1908. Allein aus dem Ober- Postdirektionsbezirk Berlin, dessen Anschlüsse in einem Alphabet vereinigt sind, bringt das neue Verzeichnis etwa 8900 neue An- schlüssc. Die Streichungen umfassen hier 18 Seiten, die Aendc- rungen deren 39. In die Reihe der einzeln aufgcfilhrtcn Orte des Potsdamer Bezirks sind jetzt auch die Förstereien Rehberge, Tegel- grund, Tcgclsee und die Obcrförsterei Tegel, ferner Lübars auf- genommen worden. Sie alle haben je eine öffentliche Fernsprech- stelle. Bestimmte Dienststunden sind aber nicht festgesetzt. Bei Bornstedt in der Mark, dem Ucbungsplatz Döberitz, Karow und Schlachtensce sind die Dienststunden geändert. Die Vorbemerkungen sind durch folgende Bestimmungen über den Sprechvcrkehr mit Oesterreich ergänzt worden: Ferngespräche mit Gescllschafts« anschlüssen sind auf 3 Minuten beschränkt. Die öffentliche Fern- sprechstelle beim Postamt 73 ist bon Wallstraste 70/71 nach dem Hause Wallstraste 31 berlegt worden. Für den Monat April ist eine Neuauflage des Teilnehmerverzeichnisses beabsichtigt, die Mitte Mai zur Ausgabe gelangt. Anträge auf Aenderung oder Vervoll- ständigung der Eintragungen sind möglichst frühzeitig, spätestens bis zum 8. April, schriftlich und frankiert an das zuständige Fern- sprechamt zu richten. In die königliche Klinik eingeliefert wurde gestern die. 20jährige Verkäuferin Marie Pfefferkorn aus Angermündc, die von ihrem früheren Bräutigam, dem Bäckergesellen Welling auf offener Straße niedergeschossen wurde. Die P. hatte sich vor etwa einem Jahre mit Welling verlobt, jedoch die Verlobung später wieder aufgehoben. Ter Bäckergeselle hatte darauf Arbeit in Berlin angenommen, kehrte aber Ende voriger Woche nach Anger- münde zurück und suchte seine frühere Braut zu veranlassen, ihn zu heiraten. Am Montag lauerte er dem Mädchen auf der Straße auf und gab aus einem Revolver drei Schüsse auf dasselbe ab. Tann tötete er sich durch einen Schutz in die Schläfe. Die Ver- letzungen der Verkäuferin erschienen zuerst leicht, nachträglich stellte sick aber heraus, daß eine Kugel den Schädelknochen durch- schlagen hatte und in das Gehirn gedrungen war. Die Verletzung hat eine Lähmung der linken Seite des Körpers veranlaßt. Die Schwcrverwundete wurde gestern nach der hiesigen königlichen Klinik übergeführt, doch konnte hier die Kugel noch nicht entfernt werden._ Ein Seelsorger für Arbeiterkinder. Wenn in einer Volksschule ein Lehrer seine Zöglmge mit Vorttägen über Politik unterhält und dabei die Arbeiterklasse be- schimpft, dann ist es den Eltern nicht so ohne weiteres möglich, ihre Kinder diesem Einfluß zu entrücken. Wenn aber ein P a st o r im Konfirmanden» ntcrri cht gleichfalls die Politik in den Kreis seiner Betrachtungen zieht und seine standcS» gemäße Meinung über das Ringen der Arbeiter- klasse nach wirtschaftlicher und politischer Frei- heit Arbeiterkindern vorträgt, dann haben die Eltern ein sehr einfaches Mittel, solchen Seelsorger unschädlich zu machen. Kein Mensch braucht seine Kinder konfirmieren zu lassen — auch der nicht, der noch zur Kirchcngcmcinschaft gehört—, und jedem Vater, jeder Mutter steht es frei, ein schon zum Kon- firmandenunterrichi gehendes Kind von dem Herrn Pastor weg- zunehmen und nun überhaupt auf die Konfirmation zu verzichten. In der C a p e r n ä u m g e m e i n d e, die von der Na- zarethgemeindc abgezweigt worden ist, hat der Pastor K o t t er b a eine Erfahrung dieser Art machen müssen. Herr Kotterba ist derselbe Pastor, der früher in Prittisch(Regierungs- bezirk Posen) amtierte und die Aufficht zu führen hatte über das „Rcttungshaus" Rokitten, in dessen Winkel kürzlich so erfolgreich hineingeleuchtet worden ist(vergl.„Vorwärts" Nr. 34). Von seinem weltfernen Dorf ist er nach Berlin übergesiedelt, und da mag er wohl geglaubt haben, dast Berliner Arbeiterfamilien sich dasselbe bieten lassen wie die Mitglieder einer Dorfgemeinde. Als Pastor der Capernaumkirche hat Kotterba eö im Konfirmanden- Unterricht vorwiegend mit Arbeiterkindern zu tun. Einmal prügelte er einen Konfirmanden W., der ihn durch wieder- Haltes Grüßen verhöhnt haben sollte. Dem Pastor schrieb der Vater, auch er sei der Meinung, daß der Junge Strafe verdiene, aber er, der Vater, müsse sich die von dem Herrn Pastor beliebte Art der Bestrafung verbitten. Herr W. äußerte auch seine Ver- wunderung darüber, dast ein Pastor überhaupt zu solchen Strafmitteln greife. Er selber habe als Junge im Konfirmandcnunterricht so etwas nicht kennen gelernt; seinem damaligen Seelsorger sei von den Konfirmanden Liebe und Ver» ehrung entgegengebracht worden. Auf diesen Brief antwortete Herr Pastor Kotterba, er habe den Jungen zwar„lang auf zwei. Stühle gelegt", habe ihn aber nur mästig bestraft, und der Vater habe keinen Grund,„viel Aufhebens von der Sache zu machen". Was der Vater über seine eigene Koufirmandenzcit geschrieben habe, das treffe für Berlin nicht zu:„Hier zeichnet sich die Mehr- zahl der Kinder durch freches Benehmen gegen Lehrer, Geistliche, Schutzleute, überhaupt gegen Erwachsene aus, wie ich es niemals wieder anderwärts gefunden habe." W.s Sohn habe durch Nach-' äffung des Grußes anderer Kinder seinen Pastor verhöhnen wollen, „Er war", fügte Pastor Kotterba hinzu,„der erste Knabe, den ich überhaupt bestrafte, da ich prinzipiell sonst niemals schlage und bisher auch nicht geschlagen habe." (Die hervorgehobenen Worte find in dem Brief, der vom 8. Juni 1907 datiert ist, unterstrichen.) Ter Herr Pastor schloß mit der Drohung, bei„ähnlichen Versuchen zur Verhöhnung" den Jungen aus dem Unterricht zu entfernen. Der Vater antwortete, er würde das bedauern, es aber der von K. an- gewendeten Bestrafungsart vorziehen; er selber würde übrigens dann mit seiner Familie aus der Gemeinschaft der ch r i st- lichcn Kirche ausscheiden, um„eine Llcligion anzu- nehmen, die mit Liebe und Güte, statt mit Prügeln, den Kindern Achtung abringt". Hiermit war die Angelegenheit erledigt, und ein halbes Jahr hindurch herrschte Friede zwischen Pastor und Vater. Zu einem neuen Zwist zwischen ihnen kam es erst aus Anlaß Jier Wahlrechtsdemonstrationen vom 12. Januar. Pastor K. hatte schon öfter das Bedürfnis gefühlt, in der Kon? firmandenstunde einen Abstecher auf das Gebiet der Politik zu machen und dabei gegen die Sozialdemokratie zu Felde zu ziehen. Auch nach den Wahlrechtsdemonstrationen konnte er es sich nicht versagen, vor seinen 5tonsirmandcn seine Meinung hierüber zum Besten zu geben. Er lobte die Polizei, die anständig und besonnen gehandelt habe. Als der Vater das er- fuhr, schrieb er dem Pastor, er selber habe nur Worte der Ent» rüstung über das, was ihm bezüglich des Verhaltens der Polizei zu Ohren gekommen sei. Ihm sei unerklärlich, wie man.sccl- sorgcrische Tätigkeit mit politischen Ausführungen verquicken könne. Er sehe sich nunmehr genötigt, seinen Jungen aus dem Kon- firmandenunterricht herausnehmen und auf die Konfir-- m a t i o n zu verzichten. Hierauf erwiderte Herr Kotterba, er habe als Pastor die Pflicht, die Kinder zum Gehorsam gegen alle obrigkeitlichen Personen anzuhalten. Die. Wahlrechts- dcmonstrationen habe cr erwähnt bei Besprechung des Taufbunde�, der mit den Worten beginne:„Ich entsage dem Bösen und allen seinen Werken und all seinem Wesen." Nach diesem Schwur dürfe. das IjftBc er den Kindern gesagt, ein Christ nichts Böses tun und keinem raten, etwas zu tun, was ihm Schaden bringt; hiernach hätten Kinder z. B. stch von solchen Umzügen fernzuhalten, um keinen Schaden zu nehmen. Der„Zusammenhang" zwischen Tauf- bund und Wahlrechtsdcmonstrationcn ist, wie man sieht, ein bisichen sehr gemacht. Herr Kotterba schloß seinen Brief mit der Mit- teilung, der Junge sei nach Wunsch aus der Liste der Konfirmanden gestrichen worden, weitere Briefe des Vaters müsse er ablehnen. Der Vater hatte auch kein Verlangen danach, den Pastor noch einmal zu inkommodieren, wohl aber stellte sich bei dem Herrn Pastor hinterher noch einmal ein Schreibbedürfnis ein. Von irgend- woher muß ihm wohl nachträgliche vielleicht durch Vermittelung eines Amtsbruders, die Erleuchtung gekommen sein, daß er— mit Verlaub!— eine Dummheit gemacht habe. Herr Kotterba benachrichtigte den überraschten Bater, daß er ihm«die Hand zur Versöhnung bieten" wolle. Er habe„oft genug im Unterricht gesagt, daß vor Gott kein Unterschied des Standes und der Partei sei, daß wir keinen Menschen, er mag angehören welcher Partei auch immer, hasten noch verfolgen dürfen". Er habe„sogar hin- gewiesen darauf, daß Jesus und die Apostel gerade dem Arbeiter- stände angehörten und wir ihm alles verdanken". In diesem Ton ging es durch den ganzen Brief und zum Schluß hieß es:„Es ist selbstverständlich, daß ich alles vermeiden werde, was Mißverständnis erregen kann, und wenn Sie Ihren Sohn in den Unterricht schicken wollen, so werde ich ihn selbst- verständlich aufnehmen, ohm. daß Sie ausdrücklich mir antworten." Der Vater war einsichtig genug, sich durch das Besse- rungsgclübde des Pastors nicht umstimmen zu lassen. Er hatte genug von Pastor Kotterba, genug von den Predigern des Eotteswortes, genug von ihrer Arbeiterfreundlich- keit. Sein Junge blieb zu Hause und wird nicht konfir- miert. Er selber aber wird nun mit seiner Familie aus der Kirchcngemeinschaft ausscheiden. Durch einen Gerichtsvollzieher wurde am Dienstag in die Woh- nung des Arbeiters W. in der Schliemannstraße 5 eingebrochen. In Abwesenheit de« Arbeiters ließ der Gerichtsvollzieher Nootbaar, Nodenbergstraße 3?., durch einen Schlosser die Wohnung öffnen und nahm eine Pfändung vor. Spiegel. Spiegelipind und andere Gegenstände wurden mit Beschlag belegt und sofort aus der Wohnung transportiert. Als der Inhaber der Wohnung von seiner Arbeit nach Hau'e kam, sah er die Bescherung. An der Tür war das Pfändungsprotokoll angeheftet und in der Wohnung selbst sah es wüste aus, als wenn Vandalen gehaust hätten. Die Sachen aus der Kommode, Briefschaften und dergleichen, waren umhergeworfen wie Kraut und Rüben. Hermann W. wandte sich an den genannten Beamten um Aufklärung und Rechtfertigung, da er keine Pfändung zu gewärtige» hatte. Es stellte sich schließlich heraus, daß der Beamte sehr leichtfertig gehandelt hatte, er hatte an der falschen Stelle gepfändet. In dem Hause Schliemannstr. 6 wohnen zwei Leute mit dem Namen W., der eine heißt mit dem Vornamen Hermann, der andere, dem eigentlich die Pfändung galt, Heinrich W. Der letztere wohnte bis vor 14 Tagen noch Schliemann- straße 3. Hätte der Beamte sich, bevor er seine amtliche Handlung beging, beim Verwalter des Hauses genau er- kundigt, wie es seine Pflicht gewesen wäre, hätte er einen derartigen Uebergriff vermeiden können. Aus seine Intervention erhielt Hermann W. die gepfändeten Gegenstände wieder zurück. Was weiter mit dem Beamten geschieht, muß abgewartet werden. Auf alle Fälle bat sich der Gerichtsvollzieher Nootbaar eine schwere Ber- fehlung zuschulden komnien lasten. Hoffähig geworden ist wieder unser Stadtfreisinn. Bei dem am Mittwoch im Schlosse veranstalteten Hofkonzert waren auch der Stadtverordneten-Vorsteher Herr Michelet und der Stadtverordnete Rosenow anwesend. Der Freisinn im Zeichen der Blockpolitik ist aus seine„Erfolge" nicht wenig stolz. Wegen eines großen Dachstuhlbrandes, dessen Entstehung noch Nicht ermittelt werden konnte, wurde gestern die Feuerwehr nach der Göbenstraße 11 gerufen. Als die dritte Kompagnie unter Leitung des Brandinspeklors Becker dort ankam, stand der Dachstuhl des Vorderhauses schon zu einem Drittel seiner Ausdehnung in Flammen. ES wurde deshalb gleich mit mehreren Schlauchleitungen vor« gegangen, wodurch es gelang den Brand auf den Dachstuhl des Vorderhauses zu beschränlen. Ein neuer Borortzug wird, wie die Eisenbahndirektion bekannt Macht, von Montag, den 24. d. M., ab an den Werktagen auf der Strecke Berlin. Stettiner Vorortbahn, nach Hermsdors(Mark) und zwar in folgendem Fahrplan verkehren: ab Berlin 6.10 vormittags, an Hermsdorf 6.40 vormittags; der Zug hält auf allen Zwischen- stationen je eine halbe Minute.— Vom gleichen Tage ab endigt der Zug 6283, ab Berlin Wannseebahnhof 1.36 nachmittags, der jetzt bis Zehlendorf geführt wird, um 1.62 nachmittags in Gr.-Lichterfelde- West; der Zug 6303, der jetzt um 2.06 nachmittags in Zehlendorf beginnt, verkehrt von diesem Tage ab um 2.10 nachmittags von Groß-Lichterfelde-West.— Auf der Strecke Erkner— Fürstenwalde fallen vom Montag, den 2. März, ab die Frühzüge 4602 sab Fürstenwaide 3.44 früh) und 4601(ab Erkner 4.17 früh) aus. Der Werktagszug 4604 dagegen wird vom 8. März d. I. ab auch Sonn- tags verkehren. Am Alexanderplati geriet gestern zwischen 10 und'�11 Uhr ein älterer Mann unter das Gespann der Firma S. Hcymann, Adalbertstraße 0.— Ehe der Wagen zum Stehen gebracht wurde, wurde der Mann erst ein Stück fortgeschleift. Stark an der Stirn blutend, brachte man denselben mit seinen Habseligkeiten nach der Unfallstation. Es wird wiederholt davor gewarut, Mutwoctuage uver Mäume fn neu erbauten oder umgebauten Häusern für eine Zeit ab- zuschließen, zu welcher die von der Ausfertigung des Rohbau- abnahmescheins ablaufende Frist von 6 Monaten für die Ge- brauchsabnahine-Prüfung noch nicht verstrichen ist, da die Polizei- organe vor Ablauf dieser Frist das Beziehen der fraglichen Räume nicht dulden und nach den gesetzlichen Bestimmungen auch nicht dulden können. Die Polizeireviere werden nach wie vor auf An- fragen aus dem Publikum über den voraussichtlichen Termin de: Beziehbarkeit von Wohnungen in nei'-n b-�ipfiiinasweise umgebauten Häusern Auskunft erteilen. Im Luisentheater wurde am Mittwoch abend stark an die Tränendrüsen des Publikums appelliert und wie zugegeben werden kann, dank der guten Darstellung mit Erfolg. Das zur Aufführung gebrachte Volksstück trug den etwas sehr abgebrauchten Titel:„Ein verlorener Sohn" von Artur Halbing. Neue Ge- danken sind es gerade nicht, die den Inhalt des Stückes ausmachen: Walter, der Stiefsohn eines KommerzienratS, ist ein leichter Bursche, der dem Spielteufel huldigt und aus den Schulden nicht herauskommt. Seine Mutter hat den Sohn verzogen und immer wieder hilft sie ihm aus dem Dalles, bis schließlich der Kom- merzienrat dahinter kommt und den Bruder Leichtfuß aus dem Hause weist. Dieser will auswandern und überredet eine hübsche Försterstochter, die er liebt, mit ihm zu fliehen. Das gelingt ihm auch und die Lore, seine Geliebte, verläßt mit ihm, schweren Herzens, den alleinstehenden geliebten alten Vater. In Mexiko beginnt Walter ein anderes Leben und arbeitet fleißig. Nach Jahr und Tag kehren beide, die die Ehe geschlossen habe», wieder zurück. Walter aber, der für sein Kind erhebliche Mittel von der Mutter heimlich erhalten hat. verfällt wieder in den alten Fehler und ver- spielt binnen kurzem das ganze dem Kinde zugedachte Geld. Er will sich retten, indem er einen der Mutter gehörigen Schmuck zu Geldc machen will, kommt in den Verdacht des Spitzbuben, was seiner ohnehin schwer kranken Frau den Rest gibt. An der Leiche der Frau beginnt die Aussöhnung. Fräulein Hedwig Storm und die Herren Kurt Paulus, Robert Treborn und Feodor Brühl »lachten sich um den Erfolg sehr verdient. Bermißt wird seit dem 14. Februar 1808 die 60 Jahre alte Privatier?. Vorsteherin eines Schweizerheims, Emma Fritz. Sie ist 1,68 Meter groß, sehr stark, hat stark ergrautes spärliches Haar, volles Gesicht, hellbraune Augen und einen schwerfälligen Gang. Bei ihrem Fortgang war sie bekleidet mit schwarzem Hut, schwarzem Rock, schwarzem Jackett und karierter Bluse. Vermutet wird, daß ihr ein Unglück zugestoßen ist. oder aber, daß sie infolge plötzlich eingetretener Umnachtung planlos umherirrt. Nachrichten über die Vermißte werden in jedem Polizeirevier und bei der Kriminal- Polizei Alexanderstraße 3/6, 2 Treppen, Zimmer 334, II mündlich oder schriftlich zu 1264, IV. 6. 08 entgegengenommen. Feuerwchrbericht. Grober Unfug lag einer Feuermeldung zu- gründe, die den 7. Zug nach dem Andrcasplatz rief. Der Bengcl, der aus reinem Uebermut die Feuerwehr alarmiert hatte, wurde nicht erwischt. Derselbe Zug hatte dann noch in der Mühlenstr. 42 und Langestr. 22 zu tun, wo in Küchen Möbel, Gardinen, Lumpen, Kohlen, Fußböden und andere Immobilien brannten. Einen ähn. lichen Brand mußte der 3. Zug in der Schwedter Straße 35u löschen._ Vorort- JVacbrlcbtcm Zur Gcmeindewablbcwcgung. Mariendorf. Zu den bevorstehenden Kommunalwahlen nahm die am DienS- tag sehr gut besuchte Mitgliederversammlung des Wahlvereins Stellung. Genosse Reichardt wies auf die Taktik der Bürgerlichen hin und meinte, wenn die Sozialdemokratie die beiden Mandate behaupten will, so müssen die Genossen schon jetzt mit aller Kraft in die Wahlagitation eingreifen. Wie ihm, Redner, zu Ohren ge- kommen sei, sollen die Wahlen bereits Anfang März stattfinden. Genosse Reichardt forderte daher die Versammelten auf. alle Hebel in Bewegung zu setzen, zumal die Bürgerlichen es an Anstrengungen nicht fehlen ließen. Hätten letztere doch schon prophezeit, ein weiterer Sozialdemokrat komm« nicht ins Dorfparlament. In der darauffolgenden Diskussion versprachen alle Redner, für unsere beiden Kandidaten, den Genosten Heinrich Bruckcrt und den Genossen Paul Weber, einzutreten. Genosse Sucker gab bekannt, daß�am Mittwoch, den 26. Februar, eine öffent- liche Gemcin'dewählervcrsammlung bei Purschies Nachflgr. statt- finden, in welcher Genosse Fritz Zubeil über:„Kommunal- Wahl und Sozialdemokratie" sprechen wird. Hierauf erstattete noch Genosse Hannemüller den Bericht von der Kreis-Generalversamm- lung. Zur Generalversammlung von Groß-Berlin wurden die Ge- nassen Sucker und Sänger und Weber als Ersatzmann gewählt. Steglitz. Wegen ber unvermutet schnellen Ansehung der Wahlen zur Gemeindevertretung findet am nächsten Sonnabend, den 22. Fe- bruar, abends 8�2 Uhr, bei Schellhase, Ahornstraße, eine außer- ordentliche Mitgliederversammlung statt, in der die Kandidaten aufgestellt werden sollen. Die beabsichtigte Ueber- raschung der Wähler durch die plötzliche Ausschreibung der Wahl mutz ein Ansporn für unsere Parteigenossen sein, durch zahlreichen Besuch dieser Versammlung ihre Wachsamkeit zu bekunden. Am nächsten Sonntag, den 23. Februar, morgens 8 Uhr, findet eine allgemeine Flugblattverbreitung statt; die tätigen Genossen werden ersucht, vollzählig zu erscheinen, um eine schnelle und wirk- same Verbreitung zu ermöglichen. Das Wahlkomitee. Johannisthal. Mit der am letzten Dienstag cinberufrncn öffentlichen Ber- sammlung trat der hiesige Wahlverein in die Agitation für die bevorstehenden Gemeindevertreterwahlen ein. Der Genosse Dr. Borchardt sprach über das Thema:„Die Sozialdemokratie in der Gemeinde". Referent schilderte die hauptsächlichsten Auf- gaben der Gemblsidebertretung, wie Verbesserung der Schul- Verhältnisse, Beseitigung'der Wohnungsmiscrc/ Schasfllttg sättitäcer Verhältnisse, Verhinderung des Grund- und BodenwucherS in rürzen, MKfiM«nirlffeir. Reicher iB&faff" fiRjhfe den Ntedtter. Genosse Dühring gab in der Diskussion ein Bild von dem Wirken der sozialdemokratischen Gemeindevertreter und konnte mit Bc° friedigung feststellen, daß aus einigen Gebieten der kommunalen Tätigkeit durch unsere Genossen Wandel zum besseren geschaffen ist. Als Kandidaten wurden die Genossen P i r s i ch und P i e l i ck e der Versammlung vorgeschlagen und einstimmig gewählt. In ihren Kandidatenredcn versprachen dieselben, ihre ganze Kraft zum Besten für die Arbeiterschaft der Gemeinde einzusetzen. Von bürgerlicher Seite war die Versammlung vollständig ignoriert worden. Genosse D i e s n e r meinte, wir müßten die bürgerlichen Parteien in ihren Versammlungen aufsuchen, um eine Abrechnung mit ihnen vorzunehmen. Es müsse alles daran gesetzt werden, um die Kulissenarbeit der Gegner znschanden zu machen und unseren Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Grünau. Zum Kandidaten für die bevorstehende Geincindevertreterwahl nominierte die letzte Mitgliederversammlung den Genossen Franz. nachdem Genosse Mitzner den Bericht über die bisherige Tätigkeit des Wahlkomitees zur Gemeindevertreterwahl gegeben hatte. Während unsererseits stets in der breiten Oeffentlichkeit verhandelt wurde, arbeiteten bisher die bürgerlichen Vereine nur hinter verschlossenen Türen. Unter Vereinsangelegenheitcn gab Genosse Klein den Bericht der Kreisgeneralversammlung. Nach einigen er- läuternden Worten des Genossen Steinick protestierte die Versamm- lung energisch gegen das neue Reichsvcreinsgesctz. Zur General- Versammlung von Groß-Berlin wurde Genosse Bluhme delegiert. Aufgenommen wurden 2 Genossen. Sodann gab Genosse Mitzner den Bericht der Gemeindevertretcrsitzung. Hervorzuheben ist, daß die Anstellung eines Schularztes, Erhöhung der Lehrergehälter und Umbau der Leichenhalle infolge des wankelmütigen Verhaltens der Antragsteller zurückgestellt wurde. Unserem zu wählenden Genossen blübt also ein reiches Arbeitsfeld. Wilmersdorf. Der Etat der Stadt Wilmersdorf ist in diesem Jahre in Ein- nähme und Ausgabe auf 12 100 000 M. veranschlagt. Das ist ein Mehr von rund l8/4 Millionen Mark gegenüber dem Vorjahre. Das Ordinarium beträgt 7 681 900 M., dagegen das Exlraordinarium 4 418 100 M. Durch den Steueretat ivird ein Ueberschuß Von 4 695 160 M. erzielt. Die Geineindeeinkominensteuer mit 90 Proz. Zuschlag ergibt eine» Ueberschuß von 2 093 620 M. Gewerbe- und Betrirbssteuer l94 460M. Gemeindegrundsteuer mit 2,3 vom Tausend 1 906 000 M. Umsatzsteuer mit 2 Proz. 600 000 M. Hundesteuer 64 600 M. Lustbai keitssteuer 9500 M. Schankkonzession 87 000 M. Die Friedhofsverwaltung erzielt einen Ueberschuß von 2720 M. Zuschüsse erfordern folgende Verwaltungen: Allgemeine Verwaltung 762 402 M., Kapital- und Schuldenverwallung: 1 881 377 M., Grund- stückSverwaltung: 67 400 M., Hochbauverwaltnng: 80 700 M.. Tief- baiiverwaliung: 366 100 M., Gartenbau: 112 900 M., Feuerlöschwesen: 201 750 M.. Kanalverwaltung: 436 800 M., Armen- und Waisenetat 77 660 M.. Wohlfahrtspflege: 41060 M.. die Schul- Verwaltung: 768 360 M., davon entfallen: BiSmarcksgymiiasium 92 700 M.," Gymnasium U 29 600 M.. Goetheschule 78 000 M.. Ober- realschule 17 400 M., Viktoria-Luiseschule 26 400 M., Cecilicuschule 13 000 M., III. höhere Mädchenschule 6160 M., Volksschule 486 060 M., Fortbildungsschule 10 160 M. Die Ueberschüsse der Vorjahre find im AuögleichungSfondS mit einem Barbestand von 1 919 741 M. übern oinmen, die Gemeindeschuld beträgt mit 1. April dieses Jahres 19 433 440.60 M. Charlottenvurg. Wegen Liebeskummer ertränkt hat sich das 2Sjährige Dienstmädchen Anna©., das bei einer Herrschaft in der Bleibtreustraße 46 in Stellung war. Die Lebensmüde sprang am Humboldthafen ins Wasser und ertrank. Die Leiche konnte bald darauf gelandet werden. Freie BalkSbühne Charlottenvurg. Die ordentliche General» Versammlung des Vereins findet heute abend 8i,LUHr im„Volks» Haus" statt. Zahlreiches Erscheinen ist erforderlich. Die Tages- ordnung lautet: 1. Vortrag des Genossen Ernst Kreowski: „Richard Wagners Kamps um die Kunst"; 2. Verwaltungs- und Kassenbericht, Bericht der Revisoren; 3. Wahl der Funktionäre für das neue Geschäftsjahr; 4. Verschiedenes. Nur Mitglieder habi/ Zutritt gegen Ausweis durch Mitgliedskarte. Steglitz. Es ist kein Schwindel zu dumm, die„Steglitzer Zeitung", das Organ des„unpolitischen" Mictervereins, druckt ihn nach, wenn er nur geeignet ist, die Sozialdemokralie herab« zusetzen. Ob der Tratsch nun in der Reichsverbandsküche zu- sammengebraut wurde oder einer anderen unsauberen Quelle cnt» stammt, darauf kommt es dem Blättchen nicht an— mit Behage« wird alles nachgedruckt. So bringt es jetzt die schon längst vom „Vorwärts" berichtigte Schwindelnotiz„Rückgang der Sozial- demokratie", wonach die Gcsamtmitgliederzahl unseres Kreiswahl- Vereins im letzten Jahre kaum 2000 betragen habe, während si» in Wirklichkeit 20 373 betrug, also um genau 1996 mehr wie ine Vorjahre. Wir gönnen dem Blatt und seinen Lesern die Freud» über diesen„Rückgang". Stralau. Ans der Gemeindevertretung. Zur Nufuahme bedürftiger Kindel in Heilstätten werden 600 M. bewilligt. Diesbezügliche Verbindungen sollen angebahnt werden mit dem Hcilstättenverein.Lenzheim, Steg« litz" und dem„Brandenbiirgiscbcn Kinderheilstüttenverein". Ersterer hat seinen Kurort in Schreiberhau im Riesengebirge, letzterer in Kvlbcrg an der Ostsee, so daß nach Bedarf See« oder Gebirgsluft geboten werden kann. Der für die Gemeinde als Armenarzt fungierende Herr Dr. Sonntag wird gegen eine Ver- gütung von 160 M. jährlich als Schularzt augestellt. Die Errichtung einer gewerblichen Fortbildungsschule, welche nach wiederholter Ab« lehnung. aber auf Ersuchen des Landrats zum dritten Male auf der Tagesordnung steht, wird vertagt. Der Gemeindevorstand hält die Zahl der Säiiiler, welche nach Umfrage in den Gewerbebetrieben 260 beträgt, für zu gering, als daß Stralau«ine eigene Schule errichten kann. Er i'chlägt daher vor. mit der Nachbargemeinde Rummelsburg in Verbindung zu treten, um die Ausnahme de« jungen Leute in die dort bestehende Fortbildungsschule zu bewirken. Genosse Buck hält die Zahl der schulpflichtigen jungen Leute im Orte für höher als angegeben, da nicht nur die im Orte be« schäftigten, sondern Hierselbst wohnende junge Leute untc« 13 Jahren die Schule besuchen müssen. Die Errichtung einer eigenen Schule wäre daher sehr wohl am Platze und für Stralau dringend notwendig. Die Kosten für die Schule sind auf 3780 M. jährlich angegeben. Hiervon leistet der Staat einen Zuschuß von mindestens zur Hälfte der Summe. Es bliebe somit für die Gemeinde eint Belastung von rund 2000 M. jährlich, welche zu tragen sie gut im« stände ist. Auf Vorschlag deS Gemeindevorstehers sollen genauer« Feststellungen über die Zahl der schulpflichtigen'jungen Leut« vorgenommen und die Angelegenheit später wieder auf die Tagesordnung ge'etzt werden. Schwer wird eS ja halten, für die Errichtung der Schule eine Mehrheit zu finden, und wäre nicht vom Landrat ein Rippenstoß gegeben, so würde man kurzen Prozeß g» macht und die Sache wieder abgelehnt haben. Beschlosten wurde die Erhebung einer Beschwerde an den Minister für öffentliche Arbeiten gegen den PlanfeststellungSbeschluß vom 30. Januar 1908 für das Privatanschlußgleis der Hafenantag« auf dem Stralauer Anger. Bekanntlich will die Stadt Berlin daS Verbindungsgleis mit dem Hafen, direkt auf den Straßendamm de« Straße„Alt-Stralau" legen, so daß die Straße bei jedem �aus- und einfahrenden Güterzug gesperrt wird. Die Zahl der täglich verkehrenden Züge ist auf 20 angenommen. Jede Absperrung dauert sieben bis zehn Minuten. Bei dem starken Wagenverkehr, de« schon jetzt stündlich 260 Gespanne ausweist und durch erweitert« gewerbliche Betriebe für die Zukunft noch gesteigert wird, bedeutet es für den Ort eine gefährliche Vcrkehrsunterbindung, die gleich» zeitig eine Lebensaefahr für die Passanten in sich trägt. Es scheint, daß Unglücksfälle, wie sie unter ähnlichen Ve» Hältnissen in Ruhleben, Spandau usw. sich ereignet haben, sehr schnell aus dem Gedächtnis der Aufsichtsbehörden verschwinde», sonst könnte dieselbe trotz erfolgter Einsprüche ihre Genehmigung zu solchem unzeitgemäßem Projekt nicht geben. Rur aus Sparsamkeit will man die Bahn nicht uiiter die Straße durchlegen, obwohl es technisch gut möglich ist. Wird nun auch der Verkehrsminister zu diesem Projs� seine Zustimmung geben? Wir sind gespannt darauf. Weihenfee. Die gestrige KanfmannSgerichtSwahl fand unter lebhafte» Beteiligung statt; es wurden insgesamt 80 Stimmen ab» gegeben, davon war eine ungültig. Liste I(Deutschnationalcr HandlungSgehülfenverband) erhielt 36 Stimmen und 3 Beisitzer, Liste II(Verein der deutschen Kaufleute) 29 Stimmen und 2 Bei« sitzcr, und Liste III(Zcntralverband der HandlungSgebülfen un? -Gehülfinnen) 14 Stimmen und 1 Beisitzer. Bei der vorigen Wahl, im Jahre 1905, wurden nur öd Stimmer abgegeben, davon erhielt der antisemitische Verband 82 Stimmen, der Zentralvcrband 7, so daß der erstere damals 6, der letztere 1 Beisitzer erhielt. Die klassenbewußten Handlungsgchülfen haben demnach ihre Stimmenzahl gegenüber 1905 verdoppelt, während der antisemitische Verband zugunsten dcö Hirsch-Dunckerschen VcreiuT 2 Sitze im KaufmannSgericht einbüßt. Friedrichshagen. Die Leiche eineS unbekannten ManncS wurde gestern vormittag beim Müggelschlößchen gelandet. Der Tote, welcher längere Zeit im Wasser gelegen, dürste etwa 40 Jahre alt sein und dem Schifferberufe angehören. Er war in Hcmdärmeln und ist jeden« falls verunglückt. Von dem Fährmann der Dampffähre wurde di« Leiche im Schilftohr bei der Dampffähre geborgen. Nowawes. Die Ordnung betreffend die Errichtung einer HülfSklasse für schwachbegabte Kinder, welche in der letzten Gemeindevertretcrsitzung beschlsssen wurde, dürfte auch für weitere Kreise, insbesondere für die Eltern solcher Kinder Interesse haben, weshalb wir die wichtigsten Bestimmungen aus derselben hier wiedergeben wollen. Die Hülfsklasse wird vorläufig für die DcKier eines Jahres er» richtet; Aufnahme in dieselbe sollen solche Knaben und Mädchen finden, die zwar unterrichtsfähig sind, aber dem Unterricht mit normal begabten Kindern während eines iy>— 2jährigcn Besuches ein und derselben Klasse nicht folgen konnten. Die Entscheidung über die Aufnahme treffen ein sachverständiger Arzt, der Rektor und der Klassenlehrer der überweisenden Schule, sowie der Ge- mcindevorstehcr tunlichst nach Anhörung des gesetzlichen Vertreters der Kinder. Wöchentlich werden 22— 26 Unterrichtsstunden erteilt nach folgendem Lehrplan: Religion sechs halbe Stunden, Rechnen acht halbe Stunden, Lesen und Schreiben zwölf halbe Stunden, Anschauungsunterricht, der täglich durch 20 Minuten Gesang unter- brachen wird, vier bis sechs ganze Stunden, Rechtschreibung zwei halbe Stunden, Turnen und Spielen zwei ganze Stunden. Hand« fertigkeit zwei bis vier ganze Stunden. Mindestens alle 14 Tage sollen zwei Stunden Anschauungsunterricht im Freien erteilt werden. Ueber die Entwickelung jedes KindeS ist von dem Lehre» halbjährlich ein genauer Berickt in ein Buch einzutragen. Die Auf- nahine eines KindeS in die Hülfsklasse erfolgt auf ein Jahr; fall» nach Ablauf desselben auf Gutachten des Schularztes und de« Siektors nicht die Entlassung des KindeS verfügt wird, verbleibt dasselbe aus ein weiteres Jahr in der Hülfsschule.— Wenn die Errichtung dieser Hülfsklasse an und für sich auch einen Fortschritt in unserem Gemeindeschulivesen bedeutet, so wird dieser zum Teil leider wieder aufgehoben durch die Erteilung von sechs halben Stunden Religionsunterricht, der mit modernen pädagogischen Grundsätzen nicht in Einklang zu bringen ist. Ist es schon wider» sinnig. Vi! Köpfe normal veranlagter 6— Sjä�riger Kinder mit einem Wust von religiösen Geschichten, Sprüchen usw. zu bc- schweren, so bedeuten derartige Uebungen für schwach beanlagtc Kinder geradezu eine Tortur. Hier soll die Hauptaufgabe des Lehrers sein, die Geisteskräfte der Kinder zu Pflegen und zu logischem Denken zu erziehen. Unter diesen Umständen werden die Erfolge der Hülfsschule recht mangelhafte sein, was im Interesse der armen Schüler lebhaft zu bedauern ist. Spandau. Die am 16. Februar vorgenommene Arbcitslosenzählung der vaugewerblichen Hülfsarbeiter hatte folgendes Ergebnis: Beftagt Ivurden 72 organisierte Mitglieder, davon waren arbeitslos in der Zeit vom 1. Dezember 19V7 bis 16. Februar 1903 31 Mit- glieder(gegenwärtig sind noch 13 Mitglieder arbeitslos) mit 47 Kindern. Die Arbeitslosigkeit schwankt zwischen einer und elf Wowen. Der gesamte Lohnausfall beträgt für diese Mitglied« 4023,30 M. Die 31 Mitglieder waren insgesamt 188 Wochen und 3 Tage arbeitslos.— Heute abend SVs Uhr findet Havelstratze 20 eine öffentliche Versammlung statt, die sich mit der Äutwort des Oberbürgermeisters auf die Forderung der Arbeitslosen beschäftigen wird._ kommunales. Tie erste Lesnng des Stadthanshaltetats wurde von der S t a d t v e r o r d n e t e n v e r famm- I u n g gestern mit gewohnter Gründlichkeit absolviert. Bei der ersten Lesung pflegen alle Fraktionen der Versammlung sich ausführlich zu dem vom Magistrat vorgelegten Etats' entimirf zu aufjern: nicht nur die sozialdemokratische Fra5 tion. sondern auch die Freisinnigen— die sozialdemokratische darüber, was sie noch fordern zu sollen glaubt, die freisinnigen Fraktionen in der Regel mchr darüber, was sie nicht mitzu niachen entschlossen sind. Wenn dann im Ausschutz die Ver trcter des Freisinns ihren Kamps gegen die Anregungen der Sozialdemokraten mit Erfolg durchgeführt haben, braucht bei der zweiten Lesung die freisinnige Mehrheit der Versamrn- lnng nicht mchr viel zu reden, sondern fast nur noch ab- und niederzustimmen. Diesmal sind für die Anregungen, die von dem Redner der sozialdemokratischen Fraktion vorgetragen wurden, die Aussichten noch ungünstiger als sonst. Der Stadt l ä m m e r e r S t e i n i g e r, der dem Etatentwurf die Ein sührungsrede zu halten hatte, malte grau in grau und predigte überall Sparsamkeit. Man kennt ja die Taktik des Magistrats, die darauf abzielt, den Eindruck ?u erwecken, datz die Stadt sozusagen vor dem Bankrott steht. Mit diesem Mittel glaubt der Kämmever jede Forde rung zugunsten der minderbemittelten Bevölkerung, die von unseren Genossen im Rathause aufgestellt wird, im Keime ersticken zu können. Genosse Bruns sprach die Ansicht aus, datz das von dem Herrn Kämmerer gelieferte Gemälde doch wohl um einige Nuancen zu dunkel ausgefallen sei. Die Lage der Stadtfinanzen sei keineswegs so bedenklich, datz z. B. die Forderung, den Gemeindearbeitern noch bessere Löhne zu gewähren und ihnen die Arbeitszeit zu kürzen, nicht aufs neue aufgestellt werden dürfe. Bruns gab in seiner Rede eine Aufzählung der wichtig st en Anregungen, die in den beiden letzten Jahrzehnten von der sozialdemo- ."ratischen Fraktion ausgegangen sind sind zum Teil schließlich den Beifall auch der freisinnigen Mehrheit gefunden haben. Stadtrat Fischbeck, der Mann der„praktischen Mitarbeit". fehlte am Magistratstisch: wäre er da gewesen, so hätte er bei dieser Gelegenheit cttvas dazu lernen können. Bon den lAahnungen, die unser Redner an die Gemeindebehörden richtete, möchten wir hier eine besonders unterstreichen. Ge uosse Bruns hob hervor, datz die W o h n u n g s f ü r' sorge völlig vernachlässigt worden sei. Sobald auf die gegenwärtige Periode wirtschaftlicher Depression ein »euer Aufschwung folge, werde in Berlin die Wohnungs not sich aufs neue fühlbar machen. Da sei es Pflicht der Stadtgemeinde, schon jetzt Vorsorge zu treffen. Die Ausführungen der folgenden Redner bewegten sich in dem üblichen Gleise. Was Cassel, Mommsen, Rosenow, Preutz zum Etat zu sagen haben, kann man mit ziemlicher Sicherheit im voraus wissen. Herr Cassel trompetete, wie immer in seinen Etatsreden, mit der ganzen Kraft seiner Lungen den Ruhm der Berliner Gemeindeverwaltung in die Bürgerschaft hinaus. Herr Mommsen fand den Etats- nitwurs so schön, datz er es offen aussprach, er möchte ihn am liebsten en bloe annehmen. Das dürfte auch der Wunsch des gesamten Freisinns sein. Der Ausschutz, dem der Etatsent- wurf nach den Reden der Herren Rosenow und Preutz überwiesen wurde, wird wohl dafür sorgen, daß die Arbeit des .Kämmerers wieder mal ohne nennenswerte Aenderung an die Versammlung zurückkommt und von der Mehrheit un> besehen angenommen werden kann. Sericbts- Leitung. Magg, vor Gericht. Eine Anklage wegen Patentverletzung beschäftigte gestern die 1. Strafkammer des Landgerichts III. Die Maggi-Gesellschast vertreibt unter anderem:„MaggiS Suppen» und Speisen-Würze". Tie Würze ist in Originajflaschen verschiedener Größe im Handel. Ilm kleineren Abnehmern die Würze nach Verbrauch des ersten OriginalfläschchenS billiger liefern zu können, hat die Firma Maggi das sogenannte Abfüllsystem eingeführt. Die Händler er- halten Literflaschen, aus denen sie die ihnen überreichten leeren sjläfchchen mit echter Maggi-Würze zu niedrigerem Preise wieder vollfüllen: dadurch werden die Kosten für ein neucS Fläfchchen erspart. Die Maggi-Gesellfchaft will nun dahinter gekommen sein, baß viele Händler dieses Abfüllsystem dazu benutzen, daß sie ein durch Wasser verfälschtes Produkt nachfüllen. Die Maggi-Gesell- schaft läßt infolgedessen zur Kontrolle an allen Verkaufsplätzen regelmäßig Stichproben bei den Händlern entnehmen. Es sind auch schon mehrere Händler wegen größeren oder geringeren Wasserzusatzes verurteilt worden. Am 27. August v. I. wurde im Auftrage der Maggi-Gesellschaft in dem Geschäfte eines Warenhändlers S. in lkharlottenburg durch eine Frau Maggi-Würze gckauft; sie präsentierte ein leeres Maggi-Fläschchen und die Ver- iäuferin füllte dieses aus einer großen Maggi-Flafche voll. Das Fläfchchen wurde den, Chemiker Dr. Braun zur Untersuchung übergeben, nachdem die große Flasche versiegelt worden war. Tiefer stellte fest, daß die Maggi-Würze mit Wasser versetzt war. Taraufhm wurde Strafantrag wegen Patentvcrleining gestellt. Diese wird wie folgt konstruiert: Indem der Angeklagte der in der großen Maggi-Flafche befindlichen Maggi-Würze Wasser zu- goß, stellte er eine von echter Würze abweichende Mischware her. Indem er diese in der großen Flasche beließ und sie mit der Firma tillaggi und dem geschützten Warenzeichen versah und in seinem Laden feilhielt, hat er sich gegen das Gesetz betreffend den Schutz der Warenzeichen vergangen. Der Angeklagte bestritt, die Würze durch Wasserzusatz verfälscht zu haben und übergab die Flasche zur anderweitigen Untersuchung dem vereidigten HandclSchcmiker Tr. Aufrecht. Dieser kam auf Grund der Untersuchung nicht nur der bei dem Angeklagten vorgefundenen Flasche, sondern auch mehrerer aus Berliner Geschäften entnommenen Originalproben von echten Maggts Suppen- und Speise-Würzen zu einem anderen Ergebnis als Dr. Braun. Nach scincm Gutachten sind die dem Handel entnommenen Proben«n bezug auf den Wassergehalt mehr oder weniger großen Schwankungen unterworfen. Schon aus den Analysen, die in dem Königschen Werke:„Chemie der menschlichen Nahrungsmittel" veröffentlicht wurden, gehe hervor, datz der Ge- halt an Wasser und Salzen in den käuflichen Maggis Suppen- Würzen vereinzelt großen Schwankungen unterworfen ist. Dr. Aufrecht gab sein Gutachten dahin ab, daß die Untersuchung keinen sicheren Anhalt dafür ergab, daß die von dem Angeklagten cnt- nommene Probe durch Wasserzusatz oder andere Stoffe verfälscht ist. Das Urteil des Gerichts lautete infolgedessen nicht nur auf Freisprechung, sondern es wurden auch die dem Angeklagten ent- standenen notwendigen Auslagen der Staatskasse zur Last gelegt. Dr. Tille vor Gericht. Auf eine Reihe schwerer Preßangriffe, die daS Organ der Saarbrückener Handelskammer„Südwestdeutsche Wirtschaftszeitung", redigiert von dem Syndikus der Kammer Dr. Tille, gegen den Bürgermeister Feldmann gerichtet hatte, antwortete dieser, der Verfasser der Angriffe müsse es sich gefallen lassen, als ehr- loser Bube behandelt zu werden. Tille klagte. In der Ver- Handlung wurde Feldmann wegen formaler Beleidigung(Z 185) zu 00 M. Geldstrafe verurteilt. Tille, gegen den Feldmann Wider- klage erhoben, erhielt wegen eines von ihm am 29. Oktober in der „Köln. Ztg." veröffentlichten Artikels eine Geldstrafe von 30 Mark. Paragraph 153 der Gewerbeordnung. Das Schöffengericht in Krefeld hatte zwei streikende Schuhmacher- gehülfen auf Grund des Paragraphen 153 der Gewerbeordnung zu Gefängnisstrafen verurteilt. Sie halten Arbeitswillige zur Niederlegung der Arbeit zu überreden versucht. In der Berufung vor der Krefeld« Strafkammer machten die Schuhmacher geltend, daß es sich bei dem Streik gar nicht um Erriugung günstiger Lohn- und ArbeuSbedinguiigeil, wie eS in dem genannten Paragraphen heißt, handelte, vielmehr galt es, die W i e d e r e i n st e l l n n g zweier ge maßregelter Vorstandsmitglieder des SchuhmacherverbandeS zu erzwingen. Eine Bei' urteilung auf Grund des Paragraphen 153 der Gewerbeordnung könne deshalb gar nicht erfolgen, weil die Voraussetzungen zu einer Verletzung deS Paragraphen vollständig fehlen. Dieser Auslegung deS berüchtigten Paragraphen konnte der Staatsauwalt nicht wider- sprechen und beantragte selbst die Freisprechung, welche das Gericht dann auch aussprach. Zlmtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-DireMon wer den Großhandel in den Zcntral-Markthallcn. Marktlage: Fletsch: Zufuhr stark, Geschäft ruhig, Preise sür Kalb- und Schweinefleisch nach- gebend, sonst unverändert, Wild: Zusuhr knapp, Geschäft lebhast, Preise anziehend. G e s l ü g c l: Zusuhr kaum genügend, Geschäft rege, Preise an- ziehend, Fische: Zusuhr mäßig, Geschäft schleppend, Preise wenig ver- ändert, Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südsrüchte: Zusuhr genügend. Geschalt still, Preise behauptet. WitterungSübersscht vom 3«. Februar 1908, morgens 8 Uhr. el«Na»n £ S Ii i-3- grolnerndt Hamburg Berlin «euer 750239?® 1755®??© '753©9!® Franks.a M 758 NW Nünchen ®>eu 753® -755® 3 wolkig 3 wolkig 3 wolkig 1 wolkig 4 bedeckt 3 halb bd. » Ii i» H fe StatUnoi le e a Ü b? Haparanda 744O Petersburg 748 SSO Scilly 1 765 SN® Nberdeen 756 SW Paris I763WN® «euer 2 bedeckt 4 bedeckt bbcdeckt t bedeckt 3 bedeckt »si B«• t' t» lC —5 -1 9 5 7 Wetterprognose für Freitag, de« S1. Februar 1908. Zunächst etwas wärmer bei ziemlich srifchen westlichen Winden, zunehmender Bcwöllung und Niederschlägen: später wieder etwas kälter. Berliner Wetterbureau. Vermifektes. Eine Erdbebenmeldung. Breslau, 20. Februar. Die Erdbeben warte Krietern meldet: Das gestern abend von Wien gemeldete Erdbeben ist auch hier registiert worden. Die Bewegung begann 10 Uhr 11 Minuten 50 Sekunden und dauerte drei Minuten. Der größte Ausschlag der Instrumente betrug 0,02 Millimeter. Im Starnberg« See als Leiche geborgen wurde, wie auS München berichtet wird, der seit Sonntag vermißte 22jährige Kaufmann Felix Singer aus Berlin. In einem hinterlassenen Schreiben bat der Er- trunkene, wenn seine Leiche aufgefunden werde, an ein Fräulein S. sn Berlin Nachricht zu geben, weshalb Selbstmord angenommen wird, Der getötete Bürgermcifi«. Nach einer amtlichen Meldung aus Madrid drangen i» Daimiel(Provinz Ciudad Neal) sechs ver- kleidete Männer während einer öffentlichen Sitzung in den SitzungZ- saal deS Magistrats und töteten den Bürgermeister. Mißlungenes Attentat. Auf den Obcrbrauer der Pilsener Aktienbierbrauerei Mockcr verübte nach einer Meldung auS Pilsen ein entlassener Arbeiter auS Rache ein Attentatt, indem er mehrere Revolverschüsse in das Schlafzimmer des Mocker abfeuerte, ohne diesen jedoch zu treffen. Der Attentäter wurde verhastet. Gesteinigt. Wie aus S a l o n i ck i berichtet wird, wurden zwei griechische Mädchen bei Ostican, Bez. Castoria, von einer bulgarischen Baude zu Tode gesteinigt. ßi'iefkakten der Redahtton. Dkt suelftitibe Svrcibstnndc gndei Lindrnftraße Nr. S, zweiter Oos, dritter Eiiigan», vier Treppen,«AU- Fahrftnhl"ü wochcmäglich abends von?>/, bis»>/, Ndr statt. Geöffnet 7 Ul>r. Sonnabends beginnt die Eprechstiiude UNI ff Ubr. Jeder Slnira«- ist ein Buchstabe und eine Zabl als wtert, eichen beizufügen. Briefliche Autwori wird»ich« erteilt. Eilige Jragco trage man in der Eprechftunde vor. A, M. 34. 1. Seit Januar 1906 Reuterstraße 13. 2. Handels- und Transporlarbeilerverband, Engelnscr 15.— Finanz 88. Georg,— M. St. 64. ES darf leine Luft herantreten, dann wird cs mit der Welle werde»,— Stockheim. Ist nicht in der Post eingetragen, die Geschäfts- stelle ist Berlin, Oramcnstr, 15,— Ächtup. Ja,— W. M. 27. Sie brauchen nur für die beiden letzten LohnzahIungSpcriodcii nachzahlen,— ?l. R., Rüderstraße. Die Zuständigkeit der Gerichte können Sie bestreiten. müssen aber persönlich im Termin erscheinen. Ob das Gericht etwa doch ustündig ist, musl sich auS dem Vertrage ergeben. Ratenzahlungen braucht !er Wirt nicht«nzunehmen, sondern kann von dem kontraktlich ihm ein- geräumten Exmissionsrecht Gebrauch niachen,—<2. Mutz bezahlt werden, — B. 100. Wenn Ihre Großmutter als Witwe verstorben ist, so wird sie von ihren hinterlassenen jkindern beerbt. An Stelle der vor Ihrer Großmutter bereits verstorbenen Kinder treten deren Kinder,— P. S. 145. Ihr Austrag genügt.— M. 9. 1873. Der Meister ist im Irrtum Er muß vor wie nach kleben, well Sie nicht Werkmeister sind,— O. P. 83. Wenden Sie sich an eine Fortbildungsschule,— P. Z. 13. 1. Die Klage wäre nicht aussichtslos, 2, Der gesamte Bettag ist in Abrechnung zu bringen, 3, Der wirkliche Schaden ist geltend zu machen, 4, Sie könne» bereits jetzt Nagen, 5, Erwirken Sie das Armenrecht.— N. K. 1903. Sie können lediglich bei dem Landgericht nach voraus- gegangenem Sühnetermin bei dem Amtsgericht Klage aus Wieder- Herstellung der eheliche» Gemeinschaft anstellen. Erst wenn Ihre Ehefrau trotz obsiegenden Erkenntnisses ein Jahr lang die Wiederherstellung der Gemein- schaft ablehnt, können Sie wegen böslicher Verlassung aus Eheicheidung klage», — Gr. Besten. 1, Sic müßten zahlen, 2, Der Mieter wäre zur Zahlung verpflichtet.— C. B. 39. Der Ehes ist zur Zahlung verpflichtet,— Deutscher Michel. 1. und 2, Nein,— P. IT. t. Ja, wenn llnhescholten- heit vorlag, 2, Ja, 3, Er muß zahlen, 4, Die Klage tonnen Sie aus der Anwaltssiubc, Grunerstraße, zu Protokoll geben,— 21. K. 105. Für die früheren Schulden Ihrer Frau haben Sie nicht auszukommen. Sic leben auch ohne ausdrücklichen Vertrag außer Gütergemeinschaft, Zweckmäßig ist eS jedoch, bereits von der Ehe ein Inventar des Vermögens Ihrer Braut auszustellen, beim Notar oder beim Gericht da« Inventar anzuerkennen und sich Ihres ehemännlichen Nießbrauchs und Verwaltungsrechts zu entschlagen.— 2. l. Beide Fragen sind leider zu verneinen Z. D. 100. Wenden Sie sich an Genossen Simanowsky. Engelnser lb.. C. B. 67. Ja,- 21. M. tu R. Wenden Sie sich an den Zentral- ttankenpslegenachweis, Zicgclstr, lO/ll,— M. St. 77. 1, Die Klage kann noch später angestrengt werden, 2. und 3, Nein,— E. H. 99. Ja,— (?.«iib S. 1879. 1. Ja, wenn es sich um unmündige Kinder handelt, 2, Das könne» Sie ja halten wie Sie wollen, 3. Nach dem Bürgerlichen setzbuch gebührt, wenn kein Testament vorliegt, dem oder den Kindern drei Viertel des Nachlasses, das übrige der Witwe,— W. 2. 11. Eine Rückzahlung findet nicht statt; Sie können lediglich die Versicherung weiter führen, DaS geschieh» dadurch, daß sür je zwei Jahre mindestens zwanzig 'Marken geklebt werden. Es steht Ihnen frei, welche Marlen Sie kleben wollen,— M. BS. 1909. Verjährt am 1. April d, I, — G. B. 56. 1. Wahrscheinlich Untersuchung dort. 2. Für die Dauer der ErwerbSunsähiglcit 26 Wochen hindurch, 3. Nach Abiaus der 26 Wochen, falls ununterbcocheiie ErwerbSunsähiglcit vorlag, tritt Invalidenrente ein, — B. W. IS. Da der Anspruch gegen die Unsallversicherung in zwei Jahren verjährt, ist leider eine Klage letzt aussichtslos,— F. K. 1879. Klagen Sie beim Amtsgericht auf Äiisdebung deS Vertrages wegen undheltsgesährlichkett der Wohnung. Retchen Sie mit der Klage das :st eines Arztes«in und beantragen Sie Anberaumung eine» neuen Termins.— M. H. 18. Stellen Sic einen Antrag beim Magistrat, LIb- leilung stlrVerfichcrung. AmKöllnischcnPark.— H. 25. Wenden Sie sich an die Direktion der Feucrivehr, Lindenstr, 41.— zur Nachricht, daß unser lang. jähriges Mitglied, der Kohlen- I kutscher Hermann Scbmidke am 17. d. M. im Alter von 55 Jahren an Magenkrebs gestorben ist Ehre seinem Nudellken: Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23, Februar, Nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen. halle de« Gemeinde- KirchhoseS zu Lichtenberg, Krugstege, aus statt, 67/16 0!« Verwaltung II. Für die erwiesene Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManncS, unseres lieben Sohnes, Bruders und Schwagers, des Schneiders Uttring, sagen wir allen Ver- tvandlen, Freunden und Bekannten, sowie den Genossen des zweiten sBer- liner ReichotagswahlkreiseS, Bezirk 30, unseren herzlichsten Dank, 1g4b Faniilta DOring. Witwe Henriette IHirlns: Danksagung. Den Herren Dircltoren Paul und ugo Lewy der Altiengesellschast vorm. , Gladcnbeck u. Sohn, früher in „Irma E, Lewy u. Söhne, sagen wir anläßlich des Ablebens meines lieben Mannes und guten Vaters sür daS demselben in den vielen Jahren stets von neuem entgegengebrachte Wohl- wollen unseren innigsten und herz- lichsto» Dank, 1S2b SUnna Fiedler geb. VoS und Kinder. Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Maschincnardeiter Robert Lautz am lg, Februar nach langem Leiden an de» Folgen eines Unfalles ge« starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. Februar, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle deS Gcorgen-KirchhoscS in Weißensee, Rölkcslraße, aus statt Um rege Beteiligung ersucht 80,1 Die Ortsverwallung. Allen Verwandten und Be- kannten die traurige Nachricht, dag unser innigstgelicbtcr Vater, Schwieger- und Großvater, der Weber l�ud. Burghardt am 19. Februar nack kurzem Leiden sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 22, d.M., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-FriedhosS m Friedrichs- jeide aus statt, Die trauernden Hinterbliebenen. Todes-Anzeige. Am 18. Februar entschlief sanft nach kurzem Leiden mein innigst- geliebter Mann, unser guter Vater, Bruder u, Schwiegervater Wilhelm Watthauer im Aller von 56 Jahren, Oie trauernden Hinterbliebenen. Di« Beerdigung findet Sonn- abend, den 22, Februar, nach- mittags aus dem Tegeler Fried- hos statt. 1896 Am 19. Februar, nachm. 5 Uhr, entschlics nach kurzemKrankenIagcr meine liebe Frau, unsre gute Mutter VvnKs Zkttsn geb. Fonplani im 28. Lebensjahre. Dies zeigen ticsbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen tVlldvIin Alter und Kinder, AdlerShos. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. d. MtS,, nach- mittags 3 Uhr. von der Leichen- Halle deS AdlerShoscr Friedhose» aus statt, t98öL Danksagung. Für die vielen Beweise herzstchn Teilnahme bei der Beerdigung unsere» lieben ValcrS und Schwiegervaters Robert Becker sagen wir allen Kollegen und Be» kannten unseren herzlichsten Dank F. i-icee 1905 nebst Frau und Kindern. HnnkKNUanU. Für die vielen Bewclle liebevoller Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters Josef Fiedler sagen wir allen Kollegen und Kolleginnen der Firma H. Gladebeck u, Sohn vormals E, Lewy u. Söhne, sowie allen Freunden und Bekannten unseren herzlichsten und innigsten Dank. 1916 Minna Jicdler geb. Best nebst Kindern. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Manne«, unseres guten Vaters Ludwig Karthun sagen wir allen Verwandten, Freunde» und Bekannten unseren innigsten Dank, 1936 Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die zahlreiche Teilnahme be. der Beerdigung meines lieben Manne» unseres guten Vaters Fritz Hoppe sagen wir allen Verwandten. Freundest und Bekannten sowie dem Gaftwirts«- vercln.Süd-Oft" unseren herzlichsten Dank, 19892 Witwe Ernentlno Hoppe gcb, Gerling nebst Kindern. Fü» oen Iiirinll oci �meceat iiveriiliiiiiii sie R>?dak«ll>u dem Vnblitiim ge-leiiuder teiuerlei Beraniwortnilg. Zbcztcr. Freitag, 21. Februar. Ansang 71/, Uhr. önigl. Opernhaus. Sinsonle-Kou zert der königl. Kapelle. Mittags 12 Uhr:>«e. Mlle. Guerrerilo. Spr- ziaiiläten. ReichsbaUen. Stettiner Sänger. Gustav Behrens. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Julies Bergäre. Spezialitäten. Palast. Lehrjungenstreiche. Epe» zialitäten. Urania. Tanbenstrafte 48/49. Theater 8 Uhr: Kairo und die Pyramiden. Jnvalidenstratze 67162: 8 Uhr: Prwatdozent Dr. Ristenpart: Der Planet Jupiter. Sternwarte, Jnvalidenftr. S7/SS. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Theater abends 8 Uhr: Kairo und die Pyramiden. Invalidenstraße 57/62; 8 Uhr: Privatdozent Dr. Eisten- part: Der Planet Jupiter. Luisen-Theater. Rcicheubergerstr. 34. Anfang 8 Uhr. Der WM Imlt Sonnabend 4 Uhr: Schlaraffenland, oder: Das tapfere �chneiderlein. Abends: Krieg im Frieden. Sonntag 3 Uhr: Die Waise aus Lowood. Abends: Des Mädchens Lebenswege. Montag: Des Mädchens Lebenswege. Köpcnicker Stratze 68. Vorstellung der Freiheitlichen Bühne: Ansgewiese»». Soziales Drama von Karl Böttcher. Nach zwölfjährigem Polizei!. Verbot sreigegeben.) Morgen: Ausgewiesen. EKHimiBETtlfAI 1 /, Uhr: Zauberflöte. Sonntag 3 Uhr:~. von isäckingen. Der Trompeter 8 Uhr: Troubadour. Residenz-Theater. — Direktion: Richard Alexander.— 8 Uhr.„Blbl." 8 Uhr. Schwank in 3 Akten von de Gorsse und de Marfan. Bretillol... Richard Mexander. Hieraus: Der selige Octavr. Sonntag, den 23. Februar, 3 Uhr: Haben Sie nichts zu verzollen? IIoiiiie>-7lie»Iee.V?K' Abends 8 Uhr: Der Andere. Tragische Komödie in vier Akten von Julius Bab._ Zentral-Theater. Heute und folgende Tage: Ein seltsamer Fall mit �.Ixvln NenB. Kassenerösfn.? Uhr. Ansang 8 Uhr. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Sin glücklicher Familtenvater. isiistspivllisus. Abends 8 Uhr: Panne. S>,. Uhr. Täglich: 9-,. Uhr. Der Opereltenschlager der Saison: Mltfslsw der Moderne Operette von F. I-chdr. Ämaranth: Ria Werber. Ab 8 Uhr das glänzende Bartbtö- Programm mit La belle Alexia. Passage-Theater, i Abends 8 Uhr:» MlltGuerreritol Spaniens schönste Tänzerin und das große Februar-\ Programm I» Otto Reutter und das nene Programm von Publikum u. Presse glänzend beurteilt! Gebr. Herrnfeld- Theater. gM" Allabendlich-HWI der interessante Prozeß wie er stürmischer nie belacht wurde: Salomonilchcs ■ Urteil.- Ein Nachspiel zu Papa und Genossen Beide Stücke mit den Autoren Anton und Donat Hcrrnseld in den Hauptrollen. Sonntag 3 Uhr: Endlich allein: Der Fall Blumentopf. Heute Freitag'j.ß Uhr: Gala-Woiltätigkeitsyorstelinni zum Beste» des 5. Lokalkoin- mrssariats des Nationaldanks für Beteranen. Gala-Progranun und sämtliche grotzartigen neuen Februar-Spezialitäten Tagesgespräch von Berlin das elektmehe Rätsel Mr. ReslMto der tollkühne Amerikaner. AMEBIKA. Pracht- Ausstatt.» Pantom., 4 Abt. Sonntag nachm.: Die lustigen Heidelberger. 1 Kind frei, jedes weitere halbe Preise. XIII. Snlaon. Zirkus Bn�ch Freitag abend TU Uhr präz.: Komischer Gala-Abend: Novität l Große Sensation! Mir- Ar. Ez-tton! 9L • Antomobil-Saltomortale.• Wiederaustreten der australischen Holzfäller. Szenen aus dem australischen Busch. ferr Koimnisfionsrat llastav lonsbeole, Direktor des Berliner TattersaUS, als Gast. Die phänomenale Anrora-Truppe! Umtouhr: Auf der Hallls! Vorher Galaprogramm. lalast-Theater Burgstraste 34. Heute 8 Uhr. Entree 20 Pf. Paravoulesko-Zelinesku, nun. Ensemble. The Oracs, Borreu-Alt. Xiona, elastio lady. Sehrjungenstreielie. Faschings-Burleske._ P assage-Panoptikum. Ken! Ken t Der längste Menseh iinrl Josef(üchippers UUU.d. lange Korl', d. gr. Sold. der dickste Menseh ripp Wpltt Ton' T,,on,s' Ucr«ICli: 600Pfd.schw. 24Fing.u.Zeh. Ohne Extra-Entree. Neapolit. Bandenkapelle. Colsints Exper. d. 4. Dimension Eintritt 50 Ff. Kinder u. Soldaten 25 Pf. Brunnen-Theater Badstratze 53. Direkt.: Bernh. Rose. Freilag, den 21. Februar: Die llirmoirrn des Teufels. Lustspiel in 3 Akten von Arago und Vermond. Deutsch von O. Randols. Vorverkauj 10—2 Uhr. Kasieneröffn. 7 Uhr. Ansang S Uhr. Boranzeige. Montag. S. März: Grotze Benefizvorstellung für Franz Rühle: Die Else vom Erlenhof, oder: Schuld und Sühne._ Weinbergsweg 19/20, Rosenth, Tor. Ansang 8 Uhr. Das großartig* Februar- Programm J SV Dressierte~WI Fömn, Tiger, Feopardeu, vorgeführt von R. Havemann, und die übrigen glänzenden X X BariEt6künftler. X X Tunnel: Bockbierfest. Regiments- kapelle usw. Theaterbesuchern freier Eintritt. f JeuneHKe doree. 1* dB.• Paragraph 343. Hai was Anderes Revue mit Gesang in 3 Bildern. Kasino-Theater. Lothrmgerstr. 37. Täglich 8 Uhr: Hannl svelnt— Hansl lacht Neu I Steldl-Duo. Neu! Neu 1 Der urkomisebe Rügamer. Neu I Neu 1 Kiiti tiültinl. Neu! pifltfiibftt d.Hänslichheit. Sonntag 4 Uhr: Em Sohn des Volkes. �.MssksTüsster Btrelttv«: llob. Dill Srunnenllr. tv. Othello� der Mohr von Mnedig. Ansang 8 Uhr. Entree 30 Ps. Sonnabend: Gr. Ertra-Vorstellung! Die Schule des Lebens. Trisnon-Itiesler. a Uhr. Baron Toto. 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr: Cyprienne. 3 ecken Sonntag, Dienstag und Donnerstag: lifoßes Militär-Konzert.. Freitag, den 21. Februar, S'/j Uhr: Lichtbilder s Vortrag im großen Saale des Gewerkschaflshauses, Engelufer 15. Die künstlerischen Probleme der Industrie. Herr Kunstschriftsteller J. A. Lux. Eintrittskarten(inkl. Programm) 35 Pt. in allen Zahlstellen. Am Freitag dieser Woche S'/, Uhr im Lnlsen- Theater: 22.(II. Abteilung): Der eingebildete Kranke. Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden in allen Zahlstellen aufgenommen. Gastharten a 1 tflark in allen Zahlstellen und im Theater bei dem Obmann. Sonntag, den 23. Februar, nachm. 3 Uhr: Berliner Theater 9./1Q. Abteilung: Ledige Leute. Neues Schauspielhaus 14/15. Abteilung: Ipiilpii! aal faiiris. 240/9» Der Torstand. In Vertr.: G. Winkler. von All, für Zlgarrenliändler billigste Einkaufsquelle Zigarren, Zigaretten � Tabaken. bekannten eingeführten Sorten zu Original- Fabrikpreisen, MaxZIegenlials, BEREIT ISO. 18, Keibelstr. 20, 4Ä..SU. Telephon: Amt VII, 3047. Gustav Behrens- Theater. Berlin W., Goltzstr. 9. Nur kurzes Gastspiel des berühmten Kopfläiifers vom Krystall-Palast in London(derselbe erregte durch seinen Stratzenkopslaus in allen Grotzstädten berecht. Autsehen) sowie IC erstklass. Spezialitäten. DuskeSBitograPH. Ansang 8 Uhr, Sonntags o'l, Uhr. Jeden Sonnabend und Sonntag nach der Vorstellung: Familicukränzchen bei freiem Tanz. Reichshailen-Thealer. >> Stetlir Zum Schluß HusaFen- Streiele. 9ln fang: Wochent. 8 Sonnt. 7U. �ggehmgm Moritz-Dlatz, und das großartige Feliruar-Propnini. Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf.( Im unteren Konzertsaal täglich I die allcrei-Hten Ililitär-[ linpellen: Becker, Przywarski, j Görisch, Neuinami, Ojscney, I Lüttich. Sanssouci Xottbuser Straße 6. Direktion: Wilhelm Reimer Sonntag, Montag und Donnerstag: Bolfoiaiiiistall Säuger u. Tamekrünzchen. Grotzer Erfolg des neuen Soiree- Programms. Beg. Sonnl.s, wochent. 8U. m mrxxxxxxmx*xxxxxxxx*XTXTzrzxxxxxxsxxxxxx**xzsx*xxY» Sozialdemokratischer Wahlvereln des VI. Berliner Keiclistags- Wahlkreises. Geschäftsstelle: N. 39. Ravens-StraSe 6.— Fernsprecher: Amt III, 2137. mmmm Freitag, den 21. Februar, abends 8 Uhr, bei Ballschmteder, Badstr. 16: Großer astronomischer Vortrag gehalten von Herrn Dr. Archenhold, Direktor der Sternwarte in Treptow. Thema: Wanderungen durch das Weltall. o« Eiob"bilde"!"'' BV Die nachfolgenden Vorträge finden statt am Dienstag, den 3. März, in den Pharussälen, MüUerstr. 149; Freitag, den 13. März, in der Kronen-Brauerei, Alt- Moabit 47—49; Dienstag, den 17. März, in den Gennania-Sälen, Chaosseestr. UO; Freitag, den 20. März, in der Brauerei Groterjan, Schönhauser Allee 130. 225/6* GiMg�n_allen_Vorträ£en_sind_die_ßine�Nn]mmeni_29501— S4500. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. axaxra.tsxTszxxsxxxxsxmxxxzzzxxxxxxxxxxzxxxxxxxxx» ' Neue Well| Hasenhelde 108— 114. O Größtes und originellstes* SS bayerisches Bockbierfesl.! Heute: Famütkn-Abkud.• Gratis Verlosung« einer Kücheneinrichtung L im Werte von 100 M.& Jedes an der Kasse gelöste• Billett nimmt an der Ber-• lofung teil. Ansang 7 Uhr. Enlree 30 Ps. Z 'GfässäBeienMt� (Obertctl, Unterbett, S Kisten) mit doppcUgereinigtcn neuen Dett- sedern. dcstere Letten 15, IS. 24®it; l'/jfd)! Betten 15, 20, 23, 29, 36 Mk. ulro. Äersand gez. Nachnahme. 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Nr. 44. 25. Jahrgang. 3. Ccilijt des.Awärls" Jttitoä, 21. fttriinr 1908. Uercinsgcictzlicljcs. Der Vorstand der Filiale Langenbielau des Deutschen Textil- nrbeiterverbandes war vom AmlSvorsteher durch polizeiliche Ver- fügung aufgefordert worden, ein Mirgliederverzeichnis und Statuten einzureichen. Eventuell würde eine Exekutivstrafe festgesetzt werden. Die Filiale sei ein Verein, der auf vffentlicbe Angelegenheiten gemäß Z 2 des Vereinsgesetzes einzuwirken bezwecke.— Nachdem sich die Vorstandsmitglieder Haberccht, Schiller und Prasser vergeblich beim Landrat und beim Regierungspräsidenten in Breslau beschwert hatten, klagten sie beim Oberverwaltungsgericht und bestritten, daß die Filiale und der Verband eine Einivirkung auf öffentliche Angelegenheiten bezwecke. Indem der Zweck verfolgt werde, möglichst günstige Lohn- und Arbeitsbedingungen im Sinne des Z 132 der Gewerbeordnung den Mitgliedern zu erringen, ver- folge der Verband die privaten Interessen seiner Mitglieder. Im übrigen aber sei die Filiale nur ein unselbständiger Bestandteil des Verbandes, der seinen Sitz in Berlin habe. Lediglich vom Zentral- vorstand in Berlin könnte die Einreichung eines Verzeichnisies der Milglieder des Verbandes, auch derer, die in Langenbielau wohnen, verlangt werden. In Berlin sei solche Liste auch eingereicht worden. Vor dem Oberverwaltungsgericht vertrat R.-A. Dr. Ruhm die Klage. Unter anderem betonte auch er, daß wesentlich hier die Frage wäre, ob die Filiale ein selbständiger Verein sei. Nach dem Statut erscheine sie als ein unselbständiges Organ des Ver- bandes. Es sei aus dem Statut zu folgern, daß im Prinzip alles, was die Filiale einnehme, dem Verbände als solchem gehöre. Nur werde schon im voraus durch das Statut eine Bestimmung getroffen dahin, daß ein Teil der Gelder für die im One notwendig werdenden Ausgaben der Filiale verbleibe. Bei einer möglichen Auflösung einer Filiale wäre alles, auch der Äassenbestand, an die Hauplkasse abzuführen. Das Oberverwaltungsgericht wies am Diens- tag die Klage mit folgender Begründung a b: Die Frage, ob der Verband eine Einwirkung aus öffentliche Angelegenheiten bezwecke, erledige sich durch eine einfache Betrachtung des Statuts. Der Zweck des Verbandes berühre eine ganze Reihe Fragen, die die ganze deutsche Arbeiterschaft bewegten. Schon die Ausdehnung des Textilarbeiter- Verbandes über ganz Deutschland beweise, daß er nicht bloß private Angelegenheiten verfolge. Zudem könnten nach dem Statur auch Angehörige anderer Industrien, wenn für sie keine Organisation bestehe, aufgenommen werden. Ein Verein, der die soziale Lage eines ganzen Berufstandes heben wolle, verfolge schon dadurch eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten. Die Selbständigkeit der Filiale sei zu bejahen, da es sich bei ihr um eine Vereinigung handle, die eigene Befugnisse habe, unter einer eigenen Leitung stehe und sich über einen bestimmten Bezirk erstrecke.— Der Einwand, die Polizei hätte vor Erlaß einer Ver- fügung mit Strafandrohung erst in Güte versuchen müssen, das Verzeichnis zu erlangen, sei ohne gesetzlichen Anhalt. Es sei Sache ber Polizei, wie sie es halten wolle. Die Verfügung sei berechtigt. VerlammUingen. Die Propaganda-Kommission zur Förderung des Genossen- fchaftswesens hielt am Montag eine Sitzung ab, zu der eine große Zahl von Partei- und Gewerkschaftsfunktionären eingeladen waren. Es galt, die theoretischen Grundlagen des Genossenschaftswesens zu besprechen. Mehrere aus dem Gebiete der Konsumgenossenschaft»- bewegung bewanderte Parteigenossen trugen ihre Ansichten vor. Die Entwickclung der Genossenschaftsidee und die Stellung des wissenschaftlichen Sozialismus zu derselben wurden erörtert. Die theoretischen Erörterungen über die gegenwärtige Bedeutung des Genossenschaftswesens gingen in der Hauptsache dahin: Das Pro- letariat hat ein großes Interesse, die EntWickelung der Konsum- genossenschaften zu fördern, denn dieselben bieten den Arbeitern Vorteile von nicht zu unterschätzendem Wert. Die Konsumgenossen- schaften sind in der Lage, die Waren besser und billiger abzugeben als der Zwischenhandel. Der Arbeiter, der bei der Genossenschaft kauft uno dadurch an den Ausgaben für seinen Lebensunterhalt spart, kann diese Ersparnisse zur Erwerbung von Kulturbedürf- nissen anderer Art verwenden. Dadurch wird die ökonomische Macht der Arbeiter gestärkt. Durch die Ucberschüsse, welche die Konsumgenossenschaften erzielen, können sie Einrichtungen zu- gunsten der Arbeiter schaffen und den Arbeitern bei Wirtschaft- lichen Kämpfen einen gewissen Rückhalt bieten. Das kann aber nur erreicht werden, wenn in den Genossenschaften der Geist der klassenbewußten Arbeiterbewegung herrscht. Diesen Geist müssen die Kämpfer auf politischem und gewerkschaftlichem Gebiet in die Genossenschaften tragen, sie müssen dazu mitwirken, daß auch die Genossenschaften zu einer Waffe im Befreiungskampf der Arbeiter werden. In der Sitzung wurden auch Betrachtungen darüber angestellt, warum die Konsumgcnossenschaftsbewegung in Berlin nicht den wünschenswerten Aufschwung niinmt, während doch in anderen Großstädten, Hamburg, Leipzig, Dresden, Stuttgart, das Genossen- schaftswesen große Fortschritte gemacht hat. Man habe gesagt, die Warenhäuser und die räumliche Ausdehnung Berlins ständen hier der Entwickelung der Genossenschaften entgegen. Das könne jedoch nicht zutreffen, denn auch in Hamburg, Leipzig, Dresden und Stuttgart gebe es Warenhäuser, und die räumliche Ausdehnung von Hamburg und Dresden sei annähernd ebenso groß wie die von Berlin. Dagegen kämen in Berlin auf denselben Flächenraum etwa doppelt soviel Haushaltungen wie in Hamburg und Dresden. Demnach müßte Berlin ein günstigerer Boden für das Genossen- schaftswesen sein wie die anderen genannten Städte. Wenn trotz- dem die Gcnosscnschaftsbewcgnng in Berlin nicht vorwärts komme, so müßten andere als die angegebenen Ursachen daran schuld sein. Die Zersplitterung der Bewegung in zwei Vereine vcrfchiedcner Richtung habe ja früher die Propaganda beeinträchtigt. Gegen wärtig seien jedoch die beiden Richtungen in der Betreibung der Propaganda vollkommen einig und die völlige Verschmelzung der beiden Vereine sei soweit vorbereitet, daß ihre Vollendung nur noch eine Frage der Zeit sei. Die Konsumgenosscnschaftsbcwcgung könnte auch in Berlin schon weiter sein, wenn sie durch die Partei unterstützt worden wäre. Es sei zu bedauern, daß der Aktions- ausschuß, als die Propaganda-Koinmission gebildet wurde, die praktische Mitarbeit an der Förderung des Genossenschaftswesens abgelehnt habe. Der Kölner Gewerkschaftskongreß habe zwar einen Beschluß zugunsten des Genossenschaftswesens gefaßt, aber in den Gewerkschaften werde diesem Beschluß wenig Rechnung getragen. Hätten sie es getan, dann würde der Erfolg des Gcnosscnschafts- Wesens ein besserer sein. Ebenso, wie in den Gewerkschaften auf die Bedeutung der politischen Organisation hingewiesen wird, müsse auch aus den Wert der Konsumentenorganisation des Gc- nossenschaftswescns hingewiesen werden. Am Schluß der Sitzung wurde an die Propaganda-Kommission die Anfrage gestellt, ob ihr bekannt sei, welche Gründe die Partei- leitung veranlassen, den Bezirksführern die Agitation für das Ge- nossenschaftswesen zu verbieten.— Der Vorsitzende der Kom- Mission antwortete darauf, er könne nicht glauben, daß die Partei- leitung ein solches Verbot erlassen habe; er werde aber, um volle Klarheit zu schaffen, sich dieserhalb mit dem Aktionsausschuß in Verbindung setzen. Eingegangene vruckfcdriften. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben daS 21. Heft des 26. Jahrgangs erschienen. Es hat solgcnden Inhalt: Zur Geschichte der Drcittassenwahl.— Bülows Regierung und die Haus» arbeiter. Von Hernian» Btoltenbuhr.— Eine Resolution und ihre Be- deutung. Von Th. Rothstein(London).— Brief aus Amerika. Die Krisis. Die Parteien. Die Gerichtshöfe gegen die Arbeiter. Von Algernon Lee (New Jork).— Die Agrarflüge in Rußland. Von X. dl.— Literarische. Rundschau: Jahrbuch des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine. Von. Herrn. Fleißner. Karl Röseuer, Im Kampfe um die Volksseele. Von h. seh. — Zcilschriftcnschau. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch» Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,23 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quarta/l abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 23 Pf. Probcnuinmern stehen jederzeit zur Verfügung. Von der„Gleichheit", Zeitschrift sür die Interessen der Nrbeitertnne n (Stuttgart, Verlag Bo:t_ Paul Singer), ist uns soeben Nr. 4 deS 18. Jah,r. ganges zugegangen. Sie hat folgenden Inhalt:„Lieber tot als SllavK"— Die heutige Kindersürsorge in Staat und Gemeinde. Von Mathilde Wm rn. (Schluß.)— Zwei Märtyrerinnen im russischen Freiheitskampse. Von L. K. — Die Tarisbcwegung in der Holzindustrie. Von Ernst Dcinhardt.—?)as Zeugnis in: Dienslbotenbuch. Von Helene Grünberg.— Das Frauenwahl- recht in Dänemark. Von P. Knudsen.— Aus der Bewegung: Gci.rosse Kloß f.— Von der Agitation.— Von den Organisationen.— Pol! tische Rundschau. Von H. B.— Gewerkschaftliche Rundschau.— Aus der ni eder- rheinischen Textilindustrie.— Notizentcil: Dienslbotenfrage.— Ar beits- bcdingungcn der Arbeiterinnen.— Gewertschastliche Strbeilerinnenorganij atiou. — Fraucnstimmrecht.— Frauenbewegung.— Feuilleton: Ja, es ist ein mächt'ges Tagen. Von Adolf Friedrich Gras v. Schack.(Gedicht.)—> Näh» rilcle. Von Göttlich Schnapper-Arndt.(Fortsetzung.) Für unsere Kinder: Turmwächterlied. Von Friedr. de 1® Motte» Fuuquö.(Gedicht.)— Kriegsgeschichten, Von Hans Friedemann.-- Der Sturm aus die Fabrik. Aus Zolns„Zusammenbruch".— Die Tanne. Von Ferdinand Freiligrath.(Gedicht.)— Wie Häuschen Kiclelstcra einen Ausflug machte. Von 0. R.— Der Skiläuser. Von Bäßler.(Gehichi.)— „Wenn Teich' und Seen krachen"..." Von Brand.— Peti>r Ochs. Dänisches Volksmärchen.(Schluß.)— Der Steckenpserdrcitcr. Vo n Robert Rcinick.(Gedicht.) Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Ps., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementspreis vie rteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pj., unter Kreuzband 8S Ps. Jahresatbonnemeut 2,60 M. Vom„Wahren Jacob" ist imS soeben die 4. Nummer des 25. Jahr» ganzes zugegangen. Aus ihrem Inhalt erwähnen wir die beiden farbigen Bilder„Die Mainlinie" und„Driuinxli of oniro", sowie die JKusirationc» „Die Wirkung von Lissabon",„Der UcbcrmariniSmus", Dcnrschnational", „Das Gläschen und Pfeifchen des armen Mannes unter der Blockpolitik" und„Berliner Ordnungshüter". Der textliche Teil der Nummer bringt die Gedichte„Don Carlos",„Der neue Teffciidorf",„Das liberale Ketzergericht",„Die Vergclluug",„Die Lauwarinen",„Wandernd® Gesellen" von Gustav Weber,„Die Paarung"(illustriert),„Zwischen Gr/cbcrii",„Der Schuß in Berlin",„Neuestes Wintermärchen VII" und außi r zahlreichen kleineren Beiträgen noch die größeren satirischen Feuilletons„Mehrere Fingerzeige",„Waruni ein Bayer leinen Preußen leiden mecg", sowie die Novelle„Das GesängniS" von Edmund Fischer. Der Preis der 12 Seiten starken Nummer ist 10 Ps._ Renaissance des Liberalismus von E. W. Trojan. 1 M. Verlag F. Sommer, Berlin W\ 35. Maximilian Hardcn. Ein Nachruj von Karl Kraus. 50 Ps. Verlag L. Rosner, Wien und Leipzig. Nicht für die Schule, sondern fürs Leben und fürs Vaterland I Bon Ludwig Graf Rödern. 50 Ps. Verlag Paul Waetzcl, Freiburg i. Bad. Das Rost- und LogiSwesen im Handwerk von R. Calwer. Er- gebnisse einer von der Kommission zur Beseitigung des Kost- und Logis- zwangeS veranstalteten Erhebung. 224 Seiten. Verlag Gencrallommilslon der Gewerkschaften Deutschlands, Berlin. Jahresbericht des ZlrbcitersekretariatS und GewerlschastskartellS Straßburg i. Eis. 1906/07. 188 Seiten. Selbstverlag. «GAOW ist m Herren It/etäng.; Undben-mdung. Beginn: Sonnatend, d. 22. Fetruar— Ende: Sonnabend, d. 29. Februar. Serie 1 Serie II Serie III Gestreifte Zwirnbuxkinhosen. Gestreifte, nach Karnrngarnart gewebte Buxkins..... Prima derbe Buxkins, allen Strapazen spottend.... 3Mk. 20 .5 Mk. 70 7 Mk. 80 Chausseestraße 29-30 o 11 Bruckenstrasse 11 Gr. Frankfurter Str. 20. JM«"?, Rheumatismus Gicht-, Gliederreiüen, Nerven schmerzen, HlKtweh etc. sind oft unerträglich. 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Februar, vormittags 10 Uhr: Branchen- Versammlung iter Wickler, Wierer u. cermÄn Berufskollegen und Jloileginnen Berlins und Umgegend im llniuncntlicatcr, Badstr. 58. TagcS. Ordnung: 1. Vortrag deS Neichstagsabgcordncteii It«»b»'i't KelimiNt über: ,Tie sozialpolitische» Gesenesborlagcn i>n Reichstage". 2. Dislnssion. Jahresbericht und Neuwahl der Vranchcnagilalionskommisiion, deS tZranchenleiterS, des Kassierers und der Ncvijoren. 4. Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung sind alle Lranchcnlollegen IWfid«vlleginueo verpflichtet. Pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Die Versammlung wird pünktlich erössnet. ?roöMeMnü!er«nü-DnSIsnnnen! Freitag, den 21. Februar, abends 9'/- Uhr: Oeffentilehe Versammlung in de»„Brunnen-Iälen", Brunnenstr. 1s. TageS-Ordnung: l. Bortrag deS Rechtsanwalts Zlattei'sckortr. 2. Diskussion und Verschiedenes. i&lb* Da die Versammlung sehr lehrreich und interessant, erwartet zahl» reichen Besuch!>«->' Vorstand. KB. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. G Sonntag, den 23. Februar, vormittags 10 Uhr, Brauchen- Versammlung sller im Msehen Metallarbeiter-Verband organisierten Schmiede Berlins und Umgegend i. in lKIlbroiUs Festsülen, Miitlerstr. 7. TageS-Ordnung: „Die vornehm sie» Aufgaben der Arbeiter in der gegen- Diskussion. «iirtigt» Zeit". Referent: Kollege>VnN«?l,irIl. 3. Bran h)en- und Verbandsangelegenhciten. 4. Verschiedenes. So»tzntag, de» 23. Februar, vormittags 10 Uhr: Brauchen- Versammlung aller in der Metall- und Sisenindnstrie beschäftigten Jobler, Bohrer, Stojier und Fräser im„Enzfllscben Garten'", Alexanderstrafte 37c. TageS-Ordnnng: 1. Branlhenangelcgcnheiten. 2. Vortrag des Genossen Faul Gbhre über:»Religiöse Werke und Sozialismus". 3. Diskussion. 4. Ver- schiedenes. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. «V Mitgliedsbuch legtiimlert.»W> Um zahlreiche» Besuch wird ersucht. Ten Kollegen zur Nachricht, daft Broschüren im Bureau zu haben sind betreffend die Ber- Handlungen des Reichstages über den iSesetz- entwurf betr. die gewerblichen Berufsvereiue. Für Mitglieder ist der Preis 25 Pfennig M.(Buch Handlerpreis 75 Pfennig). 112/7 vte Ortsverrraltnnzx. Heute Freitag, abends SVa Uhr, im GcwerischaftShause, Engelufer 15: Sitzung den Ortsverwaltung. Branche derVerpIder. Montag, den 24.Kcliruar, abends präzise 8 Uhr, in den �.rrnln» Fallen, Äommaudautciistr. 58/59: Bramchen-Versamzulung.! TageS-Ordnung 1. Wahl deS Btranchenleiters und Ergänzungswahl zur Kommission. 2. Vortrag be5®en.WUh. Schütte über:»Die Internationale". 3. Dislnssion. 4. Verschiedenes. 73/3 WM" Mitgliedsbuch legitimiert."WS Die Versammstmg wird pünktlich eröffnet und erwartet daS Erscheinen aller Mitglieder. Die Branclienleitane. Achtung! Achtung! Steinsetzer GrH-Ktrliiis I der Unterbezirke Nord, Nordost u. Osten. Sonnwq, den 23. Februar, vormittags 10 Uhr: MgUeäer-Versammlungen für Bezirk kiiorden bei H'rls»!b, Bodttrafle 18, •„ A'ordottt bei llilrtens Pappel-Aller 25, ». Osten bei Mcrkowskl, Andrcasstr. 36. TageS-Ordnung in allen Bezirken; 1. VorstandSwahi. 2. Wahl der Delegierten zur ti-eneral-Versammlung. Kollegen, zu c Wegen der wichtigen TageS-Ordnung ist eS Pflicht jeden WWWW�M hcinen. Mitgliedsbuch legitimiert. _ Der Vorstand. I. A. W. Schwebs. Dsulacher Verband m Frauenstimmrecht Ortsgruppe Berlin und Verein„Frauenwohl" Berlin. Heute, Freitag, den 21. Februar, abends 8 Uhr: Gffenti. Nolksversammluug in den„Z.i*u»iiiIi»Uen", Kommandantenstr. 58/59. Tagesordnung: „Teuerung und Frauenrechte!" R-s-r-ntin- Frau Nenr. Fürth ans Frankfurt a. M. 283/13 Freie Aussprache. Männer und Frauen sind herzlich willkommen. Die Elnberuferln. Jerfmep Irlleiter- Hailalirer- Verein14 Mitglied des Arbeiter- Radsahrer-BundeS .Solidarität". Venr«» zum Sonntag, den 33. Februar: 2. Abt.: Besichtigung der� Arbeiter- Wohlsahrtsausflellung. Sta-t per Rad und Fug 12 Uhr: Fontane- Promenade 15. 3. Abt. 12'/, Uhr: MierZdors(Lier). Start: Mariannenplatz. 4. Abt. Früh 8 Uhr: Hoppcgarten. Nachm. 2 Uhr: Knulsdors(MecS). Start: Küstriner Platz. 5. Abt. 2 Uhr: Friedrichshagen (Eiskeller). Start: Elhsium. 8. u. 10. Abt. 2 Uhr: Treptow, Be- such der Sternwarte. Start: 6.'Abt.: Odcrberger Str. 28. 10. Abt.: Kasino- Theater. 7. Abt. 1'/, Uhr: Birkenwerder kParadicSgarten). Start: Grenz- slratze 2l. 8. Abt. t Uhr: Fakkenhagen. Start: Oldcnburgcr Str. 32. 3.'Abt. 1>/» Ilbr: Hirschgarte»(Wll- helmshos). Start: schillmgstr. 22. Rixdors. Sonnabend, 22 Fcbruarcr., abends 3 Uhr, in Frib Hoppes Fcstsäleu, Hcrmannslr. 47/43: Eine Nacht im Schlaraffenland. Die Geiamiräumc sind dement- sprechend dekoriert.— Passierschein 50 Pf. Freund« und Gönner deS Vereins sind hierdurch höflichst ein- geladen. 12/17 Ter Schlarassenrat. «»Wk'äZcXtiR'Z: Ich Namen des Königs i In der Prwalklagesache 1. deS Direktors Tbeodor Eurli, 2. des Geschästs- sührcrs Ludwig Cohnstacdt, 3. deS Redalleurs Hermann steril, sämtlich in Franksurt a. M., Gr. Eschen- heimcrstr. 37, vertreten durch Rechts- anwalt Dr. Hertz und Jullizrat Dr. Richard Bruck hier. Privatklägcr, gegen den Redakteur Wilbelm Zander zu Franksurt a. M., Werderstratze 3, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Aolsgang Heine-Berlin und Rechts« anlvalt Dr. Jakobi in München, An- getiaglen, wegen Beleidigung, bat das königliche Schöffengericht in Frank- surt a. M. in der Sitzung vom 26. November, an welcher Teil ge- nommen haben: I. AmtSgerichtSrat Rückert als Vorsitzender, 2. B-rinan», Leopold, Jmmobiiicnagent, 3. Schreiber,(ioh. Konrad. Oclonom, als Schöffen, Oiätar Gcsiner als Gerichts« schreiber, für Recht erlannt: Der Ali- geklagte ist der öffentlichen Beleidi- gniig schuldig und wird deshalb zu einer Geldstrafe von 500 M._— fünf« hundert Mark— an deren stelle ini Nichtbeitreibungsfalle jür je iuns Marl ein Tag Gcsängnis tritt und in die Kosten des VersahrenS ver- urteilt. Den Prioatklägern wird die Besugnis zugesprochen, den entscheidenden Teil des Urteils binnen 14 Tagen nach Erteilung einer rechts- kräftigen Ausfertigung des Urteils: l. in der„Franksurter BolkSstimme", 2. im.Vorwärts-, Berlin, 3. in der .Leipziger Voltszeilung--, 4. in der .Münchener Post-, 5. in der.Frän- tischen Tagespost- in Nürnberg, 6. im neucn.Würzburger JSunial-, 7. in der.Volkswacht- in Breslau je ein« mal aus Kosten des Angeklagten zu veröffentlichen. L. S. Ausgefertigt Rohrberg, Gerichtsschrciber. l,. tj. Das Urtell ist vollstreckbar. Franljuri a. M., den 13. Februar 1308. Rohrbcrg, AmtSgerichtSsekretär. Dentscblnnd». Zweigverein Berlin n. l'nigegend. Bezirk Rixdorf. 29/9 Da in der enthaltung zur : letzten BczirkSverfammlung eine kleine Minderheit Wahl- Wahl des ZweiaveremSvorstandes beschlossen bat, sieht sich der Zweigvereinsvorsland veranlaßt, dafür zu sorgen, daß die Mehrheit der Mitglieder die Gelegenheit hat, ihr Wahlrecht auszuüben. Zu diesem Zweck dabcn wir in den im»Arbeiter- bekannt gegebenen Verlehrslokalcn des Bezirks WahIkomitecS eingesetzt. Wir ersuchen nun sämtliche Kollegen, am Sonntag, den 33. Februar, von 10 bis 13 Uhr vormittags, ihr Wahlrecht mlSzuüben._ Der Zwclgverclnsvorstand. In Dosen zu 10, 20 und 25 Pf. äboraU erhältlich. Fabrik: Urban& Uenim, Charlottenburg. 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