Nr. 48. RbonnementS'Bedlngunsen: roonnementS• Preis JiänuntetonSo» M-rieljährl. 8,30 SRI, monca 1,10 MI, wöchentlich 23?fg, frei in« Hauö, Einzelne Stummer 6 Pfg. Eonntags- nummer mit illustrierter Sonntag«. Beilage.Die Neue Weif 10 Pfg, Post- Wonnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Bosl. ZcttungZ. BreiSIiste. Unter tkeuzband siir Deutschland lind Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pr« Monat, Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark Holland, Italien. Luxemburg. Portugal, Kuniünien. Schweden und die Schweiz. TS. Jahrg. CrfchtlBt agil» uBa BeDtags. Vevlinev Volksblatt. Die TnlertlonS'GeliQbr detrügt für die sechsgespaltene Koloncl» geile oder deren Raum 50 Pfg, für poNtische und gewerlschafUiche Vereins- und VersainrnlungS-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Hnieigen", das erste(fest« gedruckte) Wort 20 Pfg, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf» ftellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort K Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Stummer müssen biZ Ii Uhr nachmittags in der Expedition «bgegeben werden. Die Expeditw» ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Delegrarnm. Adresse: „StzUllUnslint R(ril>M. Zentralorgan der fozialdcmokrat» feben Partei Deutfchlands. Redaktion: Sd. 68, Lindenstraaac 69« Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1983. Lioe Verleugnung lies KlaManipfes. Wenn uns die bisherige Wahlrechtsbewegung in Preußen irgend ettvas gelehrt hat, so die Tatsache, daß es den bürgerlichen Parteien ohne jede Ausnahme nicht e r n st mit der Erringnng des allgemeinen und gleichen Wahlrechts ist. Seit Jahren hat ja die gesamte Partcipresse in Hunderten von Artikeln die Tat- sache behandelt, daß weder das Zentrum noch der Freisinn jemals einen ernstlichen Versuch gemacht haben, eine entschiedene Wahlreform in Preußen durchzusetzen. Und gerade der Wahlkamps der letzten Jahre, und erst recht des letzten halben Jahres, hat jedem Urteilsfähigen be- wiesen, daß die bürgerlichen Parteien, einschließlich dcS Zentrums und des Freisinns, gar nicht daran denken, für daS allgemeine und gleiche Wahlrecht in einen Kampf einzutreten. Das Zentrum ist bis zum Augen- blick noch nicht aus seiner eisigen Reserve herausgetreten, und der Freisinn— von der Handvoll Leute wie Barth. Breitscheid, Gerlach abgesehen— hat just in d e m Äugenblicke mit dem Abhalten von Versammlungen und der Annahme zahmerer oder radikalerer Resolutionen begonnen, wo es an der Zeit war, für die Neuwahlen für sich R e- k l a m e zu machen I Als es galt, die Volksmassen aufzu- peitschen, um Regierung und Reaktion zu Zugeständnissen zu zwingen, bekämpfte und schmähte der Freisinn nicht nur die zum Wahlrechtskampf aufrufende Sozialdemokratie, sondern auch diejenigen Freisinnigen, die nicht der konservativ-liberalen Paarung zuliebe die Reaktion möglichst unbehelligt lassen wollten. Ein denkender, und gar ein sozialistisch g e- schulter Politiker wird sich nun über das Wahlrechts- verräterische Verhalten des Zentrums und des Freisinns nicht etwa nur moralisch entrüsten, sondern auch einmal nach den Ursachen des Verhaltens dieser Parteien fragen. Die Antwort wird ihm, sofern ihm die politischen Tatsachen nicht unbekannt sind. auch nicht allzu schiver werden. Parteien pflegen sich nur dann für eine politische Reform zu ereifern, wenn dabei Vorteile für sie herausspringen. Vorteile vom allgemeinen und gleichen Wahlrecht aber haben weder Zentrum noch Nationalliberale noch Freisinnige zu erwarten, wie wir in unserem Artikel„Wahlrechtskampf— Klassenkampf" nach- gewiesen haben. Oder sollte der Freisinn sich deshalb für das allgemeine und gleiche Wahlrecht ins Zeug legen, um die agrarische Reaktion zu brechen? DaS würde er vielleicht tun, wenn ihm dann nicht auf Grund des allgemeinen, gleichen Wahlrechts in der Sozialdemo- kratie ein noch viel unbequemerer und v e r- haßterer Gegner erwüchse! Mit den A g r a r- konservativen hat sich der Freisinn ja sogar block- ehelich gepaart, während er mit der Sozialdemokratie nicht einmal ein flüchtiges Wahlbündnis eingehen will, bei dem er nicht das mindeste von seinen Prinzipien aufzugeben braucht! Es bedarf also keines weiteren Beweises, daß dem Freisinn die Reaktton viel weniger verhaßt ist. als die Sozialdemokratie, daß er also i h r oder seinen„demokratischen Prinzipien" zuliebe keinen Finger rührt, sofern ihn nicht das eigene Interesse treibt. Ein Interesse des Freisinns am allgemeinen und gleichen Wahlrecht liegt aber nicht vor. Das sind alles sonnenklare Dinge für leden. der die politischen Zustände objektiv betrachtet, vollends aber für einen Sozialisten, der begriffen hat, daß die Triebkräfte deL politischen Lebens wirtschaftlicher Natur und die Parteigruppierungen eben diesen wirtschaftlichen Triebkräften entsprungen sind! Wie sollte die liberale Bourgeoisie einem verjährten Prinzip zuliebe dazu kommen, dem Proletariate das gleiche Recht erkämpfen zu helfen, damit es auch in Preußen die proletarischen Interessen in der Steuerpolitik wie im ganzen Verwaltungs Wesen energisch wahrzunehmen ver- mag! Und zu dieser Bourgeoisie gehört auch ein Teil des Mittel st andes. Je mehr das Proletariat sich gerade durch seine wirtschaftlichen Organisationen eine Ver- besserung seiner Lebenslage zu erkämpfen vermag, desto feind- l i ch c r tritt ihm jener Teil des Mittelstandes entgegen, der Arbeitnehmer beschäftigt. Die letzten Reichstags- Wahlen haben das ja erst wieder bewiesen. Nur der Teil des Mittelstandes, dessen wirtschaftliche Interessen mit jenen des Proletariats zusammenfallen, vermag auch für das all- gemeine und gleiche Wahlrecht interessiert zu werden. Da ist es denn doch wirklich überraschend, daß sich ein Sozialdemokrat findet, der gegen die Ausführungen unseres Arfikels„Wahlrechtskampf— Klassenkampf" polemisiert. Es ist der Genosse Dr. Südekum, dessen Korrespondenz in einem Artikel„Die Taktik der Reaktionäre" gegen den „Vorwärts" den Vorwurf erhebt, die an der Ein- sührung des Reichstagswahlrechts inter- essierten Volksschichten gegeneinander zu etzen und dadurch die Taktik der Reaktion zu unterstützen. 'er Wahlrechtskampf, fo belehrt uns Südekum— und bis „Sächsische Arbeiterzeitung" druckt diese erstaunliche Weisheit ohne Kommentar, sogar in Sperrdruck, nach— habe mit Klassenkampf gar nichts zu tun. Vielmehr— doch geben wir Südekum selbst das Wort: '„Die Einführung des Reichstagswahlrechts an Stelle der Dreiklasienichaiche in Preußen ist keine Angelegenheit einer einzigen Älasie, ebensowenig wie sie eine Angelegenheit etwa allein der Blondhaarigen oder der Schwarz- äugigen, der Männer oder der Frauen, der Jünglinge oder der Greise ist. Nein: sie ist die Sache der Vorwärts st rebenden gegen die Nückschrittler, der Denkenden gegen die Finsterlinge, der städtischen Bevölkerung gegen die Agrarier, der Demokratie gegen die Bureaukratie, der Bauernschaften gegen die Gutsbezirke, Westelbiens gegen O st e l b i e n, kurzum eine Sache, die in allen Teilen der Bevölkerung Parteiungen hervorrufen muß und hervorgerufen hat. Es kommt jetzt darauf an, dir Freunde der Uuigestallung, was sonst immer sie auch trennen mag, in diesem Punkte zusammenzuführen. Ob dies gelingt oder nicht gelingt, ist entscheidend für den preußischen Wahlrechtskampf. Das ist der Sinn der bekannten Aeußerung Singers, daß die Arbeiterschaft in ihrem Wahlrechtskampse jede ehrliche Hülfe gern annehmen iverde." An dem ganzen Gerede ist nur soviel richtig, daß die Arbeiterschaft in ihrem Kampfe jede ehrliche Hülfe gern annimmt. Alles andere ist leeres Geschwätz. Lassen wir die Blondhaarigen und Schwarzäugigen und was dieser fürchterlichen Geistreichigkeiten mehr sind, ganz aus dem Spiele: Aber wie kann uns ein Sozialdemokrat gleich dem letztbesten Liberalen mit nichtssagenden Phrasen:„die Sache der Vorwärtsstrebenden gegen die Rückschrittlichen",„der Denkenden gegen die Finsterlinge" kommen! Wo es sich um ein Wahlrecht handelt, durch das die ganze Steuer- und Verwaltungspolitik des preußischen Staates z u- gunsten der nichtbesitzenden Klassen um- gemodelt werden soll, da verw an d eln sich eben Freisinnige, die sonst die Phrasen von„Finsterlingen" und „Rückwärtsern" ebenso schön am Schnürchen haben, wie Genosse Südekum, selb st in Finsterlinge und Rück wärtser! Oder ist dem Herausgeber der„Kommunalen Praxis" das lehrreiche Kapitel des KommunalfrcisinnS so völlig unbekannt? Ebenso löst sich der angeblich schroffe Gegensatz zwischen„städtischer Bevölkerung und Agrariern", „Demokratte und Bureaukratie", wenn auch nicht in Wohlgefallen. so doch in konservativ-liberale Paarung, d. h. in gegenseitige Duldung auf, wenn man sich die Dinge näher ansieht. Daß auch im bürgerlichen Lager Jnteressenunterschiede vorhanden sind, haben wir in unserem mehrerwähnten Ärtikel nicht nur zugegeben, sondern sogar ganz präzis gezeigt: z. B. die Differenzen in bezug auf die Neueinteilung der Wahlkreise, die zwischen Liberalen einerseits und Konservativen und Zentrum andererseits bestehen. Auch haben wir auS- drücklich ausgeführt, daß es keineswegs ausgeschlossen sei, daß trotz alledem ein K o m p r o m i ß w a h l r e ch t zustande komme, das sogar dem Proletariats eine Scheinvertretung bietet. Wir glauben sogar, daß ein solches Konipromißwahlrecht in den nächsten Jahren zustande- kommen wird, sei es auch nur, um den Stachel abzustumpfen, der für daS Proletariat in dem Gefühle der absoluten Rechtlosigkeit liegt. Für dieses Wahlrecht also, sei es ein ständisches, sei es ein P l u r a l iv a h l r e ch t, würden Zentrum, Freisinn, sogar die Nationalliberalen zu haben sein. Zentrum und Liberale hätten damit ein Mittel, nicht nur die proletarischen Wahlrechtsmahner in ihren Reihen tvenigstens fürs erste einmal abzuspeisen, sondern die Gewährung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts mittels dieser Abschlagszahlung möglich st lange hinaus- zuschieben! Aus alledem ergibt sich, daß der Kampf für das all- gemeine und gleiche Wahlrecht erfolgreich nur in Gestalt des Klassenkampfes geführt werden kann. Für einen Sozialdemokraten sollte es dieses Beweises nicht einmal erst bedürfen. Statt aus ganz unzutreffenden Ver- gleichen mit anderen Bundesstaaten oder mit dem Auslande auf die fiir den preußischen Wahlrechtskampf notwendige Taktik zu schließen, sollte Südekum die preußischen Verhält- nisse berücksichtigen. Eine Kenntnis der preußischen und deutschen Verhältnisse aber beweist, daß das allgemeine und gleiche Wahl- recht nur erobert werden kann auf dem Wege des pro- l et arischen Klassenkampfes. Alle sich überlegen dünkende Möchtegerndiplomafie kann weder die Sozial- demokratie noch den Wahlrechtskampf fördern, sondern nur das zu entlarvende Gaukelspiel der bürgerlichen Volksbetrüger erleichtern! Preußische Parteiblätter haben den Artikels Südekums bis jetzt nicht abgedruckt. Wir hoffen, daß sie auch künftig gegenüber derartigen Versuchen, die klar vorgezcichnete Wahlkampftaktik zu verwirren, mit der gebotenen Vor- ficht verfahren werden. Genosse Südekum, der seiner- zeit bereits in seiner Korrespondenz höchst eigenmächtig dekretierte, der Wahlrechtskampf sei nun zu Ende, es be- ginne nun der Wahl kämpf, täte freilich besser, wenn er sich künftig auf die Lieferung bloßen Tatsachenmaterials beschränkte, statt auf eigene Faust eine Parteipolitik zu treiben, die aller theoretischen Erkenntnis und aller praktischen Erfahrung gleichermaßen Hohn spricht! Expedition» 8d. 68, Lindenstraesc 69* Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. nochmals der lustizetat. In der heutigen Sitzung des Reichstags wurde die zweite Lesung des Justizetats zu Ende gebracht, nachdem noch einige Auseinandersetzungen über verschiedene der im Laufe der Debatte berührten Fragen stattgefunden hatten. Der Reichsverbandsgeneral v. Lie b e rt begründete seine Resolution, die sich für die D e p 0 r t a t i 0 n von Ver- blechern nach den Südseeinseln ausspricht. Er war dabei so liebenswürdig, den Sozialdemokraten zuzusichern, daß, wenn sie dereinst wegen ihrer Gesinnung als Verbrecher abgeurteilt werden sollten, wonach sein menschenfreundliches Herz sich offenbar heftig sehnt, sie doch die freie Wahl haben sollten, ob sie im Kerker oder auf einer Südseeinsel ver- kommen wollen. Der Staatssekretär Dr. Nieberding konnte zwar dem Licbertschen Deportationsplan keinerlei empfehlendes Wort widmen, da der Gedanke aber im Kopfe einer so eminent staatserhaltcnden Persönlichkeit entsprungen war, hielt der Hüter des Reichsrechts es offenbar für ratsamer, ihn nicht kurzer Hand abzulehnen, sondern meinte, er sei noch nicht genügend ausgereift. Der Pole Chrzanowski wies an der Hand zahl» reicher vorgelegter Bilder und Druckschriften nach, in welch' ungenierter Weise die Behörden den Kampf gegen die polnische Literatur und Kunst führen. Herr Roeren be- klagte sich im Gegensatz dazu darüber, daß gegen unzüchtige Schriften und Bilder nicht genügend seitens der Behörden eingeschritten würde. Der Nationalliberale Junck forderte die zivilrcchtliche Regelung der Tarifverträge, da die Not- wendigkeit des kollektiven Arbeitsvertrages sich mehr und mehr Anerkennung verschafft habe. Genosse Heine wies die krampfhaften Versuche des Herrn v. Maltzan, den Genossen Stadthagen wegen seiner Ausstoßung aus dem Änwaltsstande zu verdächtigen, mit einigen kräftigen Bemerkungen zurück, um dann an einem Gegenstück zu zeigen, wie die Behörden, wo es sich um schwere Verleumdungen gegen einen sozialdemokrattschen Abgeordneten handele, die Erhebung einer Anklage abgelehnt hätten. Es handelt sich da um die Verleumdungen, die die„Post" und Blätter ähnlichen Schlages gegen den Genossen Richard Fischer in die Welt ge- setzt hatten. Der Staatssekretär Dr. Nieberding versuchte zwar von Amtswegcn die Staatsanwaltschaft zu entschuldigen. mußte aber doch so viel zugeben, daß Herr Jsenbiel Keffer getan hätte, nachdem ihm zur Einleitung von Ermittelungen das öffentliche Interesse stark genug erschien, auch die An- klage gegen die„Post" zu erheben, als sich herausstellte, daß deren Angaben als durch und durch unwahr sich heraus- gestellt hatten. Den Maltzan suchte nunmehr der Kreth zu über- trumpfen, indem er nicht nur die Vorwürfe gegen Stadt- Hagen aufwärmte, sondern allerhand aus dem Müllkasten des Reichsverbandes ausgegrabene Anwürfe gegen die Sozial- demokratie verlas. Nicht einmal die Blöckparteien konnten diesen abgestandenen Krethereien noch Geschmack abgewinnen. Genosse Stadthagen beschränkte sich darauf, in einer per- sönlichen Bemerkung mit einem kräftigen Ruck den keifenden Kreth von sich abzuschütteln. Dann wurde die Abstimmung über die vielen Resolutionen vorgenommen. Die sozialdemokratische Resolution über die Beseifigung des Zcugniszwanges für Redakteure wurde an- genommen, abgelehnt aber die Resolution zur Sicherung der Immunität der Abgeordneten. Es fiel auf, daß Herr Erz- berger dagegen stimmte, trotzdem sie durch seinen Fall gerade notwendig geworden war. flusurärflge IPoiitifc In Oesterreich- Ungarn. AuS Wien wird uns vom 22. Februar geschrieben: Die diesmaligen Verhandlungen der Delegationen--»» fenex Abordnungen der beiden Parlamente, denen die dualiz>ische Ver» fassung die gemeinsamen Angelegenheiten zuweist— beanspruchen aus mannigfachen Gründen ein größeres Interesse. Einesteils wird die österreichische Delegation zum ersten Male von einem Hause des allgemeinen Wahlrechts abgeordnet und so kommen die wahren Stimmungen der österreichischen Völker ganz anders zum Vorschein, als eö in der vom Kurienparlament entsendeten Dcle» gation der Fall war. Anderenteils treten die beiden Delegationen — sie tagen nicht gemeinsam, denn ein einheitliches Exekutivorgan kennt der Dualismus nicht— zum ersten Male nach dem Ab- ichlusse deS Ausgleiches zwischen Oesterreich und Ungarn in Be- rührung, und das Verhältnis der beiden Staaten erscheint von dem Bleigewicht befreit, das durch zehn Jahre jede ihrer Beziehungen verzerrt hatte. Zum dritten will aber die auswärtige Politik Oesterreich-UngarnS einmal aus dem Gleise der indifferenten Be- schaulichkeit treten, in dem sie sich durch Jahrzehnte bewegt hatte, was zur Folge hat, daß die„Beliebtheit", der sich der Donaustagt in dem„Konzert der Mächte" so lange erfreute, einer fast allgemeinen Befchdung gewichen ist. Seit dem Jahre 1876, jvo sich Oesterreich» Ungarn auf dem Berliner Kongreß das Mandat zur Okkupation der zwei türkischen Provinzen(Bosniens und der Herzegowina)! geholt hat, die seitdem zu seinem Territorium gehören, ohne jemals Sirtwütiert worden zu fein, ist in den Mitteilungen des Freiherrn von Aehrenthal an die Delegation zum ersten Male wieder von viner Aktion die Rede, die über die konventionelle Bewahrung der Freundschaften und Bündnisft hinausreicht. Grund genug, um den diesmaligen Delegationsverhandlungen Beachtung zu widmen. Das Neue an dieser Delegationsverhandlung ist durchaus die österreichische Wahlreform, und im Grunde hat an den Eisenbahn- Plänen des Freiherrn von Aehrenthal sie den namhaftesten Anteil. Bekanntlich hat der Minister des Aeußern den Delegationen in seinem Expose mitgeteilt, er bemühe sich beim Sultan um die„Er- mächtigung zur Vornahme von Studien" zu dem Vau einer Bahn zwischen Uvae und Mitrovitza, die den Anschluß des bosnischen Eisenbahnnetzes an das türkische herbeiführen und so Oesterreich- Ungarn den Zugang zum Aegäischen Meer öffnen würde. Das Recht Oesterreich-Ungarns zu diesem Bahnbau ist unbestreitbar und «s wird auch nicht bestritten; wird doch in dem Artikel 25 des Ber- liner Vertrages Oesterreich-Ungarn das Recht eingeräumt, im Sandschal von Novibazar„im ganzen Umfange dieses Teiles des ehemaligen Vilajets Bosnien Garnisonen zu halten und militärische sowie Handelsstraßen zu besitzen". Auch daß darüber und dazu nur eine Verständigung mit der Türkei notwendig ist. wird in jenem internationalen Vertrage ausdrücklich bestätigt. Trotzdem ist, wie man weiß, das in jeder Hinsicht bescheidene Projekt das Objekt der heftigsten Angriffe geworden, zu denen sich mit Ruß- land und dessen französischen Alliierten auch England vereinigt hat, und die dieser Tage in fast identischen Kundgebungen des offiziellen englischen Telegraphenbureaus und des offiziösen Blattes der russischen Regierung hervorgetreten sind. Da an dem materiellen Rechte Oesterreich-UngarnS nicht zu mäkeln ist. wird als Vorwand die durch das Bahnprojekt angeblich hervorgerufene Gefährdung der mazedonischen Reformaktion benützt, obwohl der rein wirtschaftliche Gedanke dieses Bahnbaues mit politischen Expansionsgelüsten gar nichts zu tun hat und vor Mißdeutung schon durch seine Unbe- trächtlichkeit— es handelt sich um ganze 120 Kilometer Schienen— geschützt sein könnte. Daß die heuchlerische Presse das Bahnprojekt als«ine von Berlin auS angezettelte Intrige ausgibt, kann nicht überraschen; und daß es dabei an England, das guten Grund hat, den unbequemen Nebenbuhler von Asien abzulenken, einen Bundes- genossen findet, ist ebensowenig erstaunlich, als daß die französt. sehen Regierungsblätter wegen des Bahnprojektes, das von der Realisierung noch recht weit entfernt ist, ungemein„besorgt" tun. Um so nachdrücklicher muß erklärt werden, daß das alles sinnlose Uebertreibungen sind, von denen sich die sozialistische Betrachtung befreien muß. Der Ausbau jener in zwei Sackgassen steckenden Bahn ist für Oesterreich-Ungarn, das mit seiner ganzen indu- striellen Entwickelung auf den nahen Orient angewiesen ist, eine ökonomische Notwendigkeit. Daß die Leiter unserer auswärtigen Politik auf den Plan, der so nahe liegt, daß man ihn geradezu selbstverständlich nennen kann, erst jetzt verfallen sind, obwohl er früher, als Rußland noch in der Not feines Krieges steckte, ungleich leichter zu verwirklichen gewesen wäre, wogegen er jetzt die mannig- fachsten Gegnerschaften findet, das beruht wahrhaftig auf keinen geheiminsvollen Ursachen. Vielleicht wirkt auch mit. daß der kurz. sichtige und träge Goluchowski durch den regsameren früheren Bot- schafter in Petersburg abgelöst worden ist; aber der eigentliche Grund ist in der Umwandlung der inneren Verhältnisse Oesterreichs zu suchen. Tie durch die Wahlreform bewirkte O e k o. nomisierung der österreichischen Politik zwingt die Machthaber, aus den gewohnten Gleisen herauszutreten und der wirtschaftlichen Entfaltung in der durch den Kapitalismus bedingten Form Raum und Gelegenheit zu schassen. Das ist der eigentliche Sinn dieses Bahnprojektes; mit jener utopistischen und fantastischen „Weltpolitik", die wir Sozialdemokraten überall mit Recht be- kämpfen, hat der Anschluß der österreichischen an die türkischen Bahnen, in seinem Umfang an den einer Sekundärbahn reichend, nichts zu tun. Für Leute, denen die auswärtige Politik das Pro- dukt der Einfälle der Monarchen dünkt und die unter der Beschäfti- gung mit den auswärtigen Fragen das Ztachspüre» nach Kulissengeheimnissen verstehen, mag sich das Sandschakbahnprojekt als eine mysteriöse Improvisation darstellen. Wer aber auch in diesen Dingen die ökonomischen Kräfte als waltend und treibend erkennt, dem ist es nicht unerklärlich, daß das Aufkommen neuer Elemente im Innern Oesterreichs zu neuen Auffassungen der auswärtigen Angelegenheit drängt._ Die bürgerlichen Parteien und die auswärtige Politik Rißlands. Man schreibt uns aus Petersburg: • Es ist eine allgemeingültige Erfahrung, daß der Liberalismus in ernsten Augenblicken stets vor dem blinde» Hurrapatriotismus kapituliert und so die Gesckmfte der Reaktion besorgt. Dies beweist auch wieder einmal die Haltung, die die russischen Liberalen in der Frage der Valkanbahnen einnehmen. Man vergenlvärtige sich die Situation: das alte Rußland hat eine Schlappe er- halten, die die„Nowoje Wremja" mit Recht als eine Niederlage der ganzen Balkanpolitik Nußlands bezeichnet Jeder wirkliche Freund der freiheitlichen Entwickelung Rußlands kann darin nur einen Gewinn sehen. Daß die oklobrisiischen Reptilien den Entrüstungsrummel minnachen, ist ja selbstverständlich. Ihr Fuselpatriotismus äußert sich ja jetzt so schön in dem Drängen der oktobristiichen Fraktion, die Regierung möge noch brutaler gegen Finnland vorgehen. Dieser Kmiten-JmpemlismuS der Gutschkow und Stolypin weiß, daß für ihn die Dinge auf dem Balkan augenblicklich schlecht stehen, und er hat allen Grund, dies durch eine übertriebene chauvinistische Hetze zu verhüllen. Welchen Sinn hat es aber für die Liberalen, nach derselben oktrobristischen Pfeife zu tanzen? Irgendwelche fortschrittlichen Interessen Rußlands werden durch seine Hinausdrängung aus dem Balkan nicht berührt. Denn Rußland hat genug in seinem eigenen Land zu tun: es hat allen Grund, seine Grenzen nicht noch weiter auszudehnen; für den kulturellen Fortschritt Rußlands ist es vor allen Dingen nötig, auf jede Eroberungspolitik zu der- zichten; die Kosten des Militarismus übersteigen ja ohnehin die Kräfte des Landes. Aber, sagen die Liberalen, hinter Oesterreich-Ungarn steckt Deutschland und die Stärkung Deutschlands bedeutet Vergrößerung seines Einflusses auf die innere Politik Rußlands; deshalb muß der Liberalismus die Regierung in ihrer Haltung gegenüber Oesterreich- Ungarn unter st ützen. Auf den ersten Blick erkennt man die Verkehrtheit dieser Schlußfolgerung. Bliebe der Status guo des Mürzfteger Abkommens weiter bestehen, wie eS die liberale Presse wünscht, so hätte sich die Annäherung Rußlands an England nicht fo rasch vollzogen, und gerade diese Annäherung an England ist es ja, die die russischen Liberalen befürworten. Wenn man also in dem Glauben lebt, daß durch eine Annäherung Rußlands an England der preußische Einfluß auf die innere Politik Ruß- landS beseitigt werden würde, so haben die Liberalen allen Grund, sich über die Auflösung des Mürzfteger Abkommens zu freuen. In Wirklichkeit wird aber die Annäherung Rußlands an England in der auswärtigen Politik für die inneren Verhältnisse Rußlands keinen Borteil haben. Denn eine solche Annäherung würde zunächst die Finanzen des alten Regimes stärken und was daS bedeutet, hoben wir ja durch da» Bündnis mit Frankreich ge- sehen. Der russische Liberalismus erweist also mit seiner StimmungZ- mache für eine Entente mit England dem Lande keinen Dienst. Aber die Regierung schlägt daraus bereits Kapital. Sie hat Plötz- lich ihr englandfreundliches Herz entdeckt und daS Bild ist nun reizvoll: Reaktion und Liberalismus liegen einander an der Brust. Mit stolzer Geste kann die Stolypinsche Bande sagen: seht, wir haben das Land hinter uns, es besteht in der auswärtigen Politik, wie die liberale„Rußj" es ja so schön bestätigt,„keine Disharmonie zwischen der Regierung und der russischen Gesellschaft". Noch nie hat der russische Libera- lismus der Regierung einen solchen Dienst erwiesen wie eben jetzt durch diese seine Haltung. Seinen Dank hat er übrigens schon er- halten. Wegen seiner„patriotischen Unzuverlässigkeit" ist er aus der LandesperteidigungLkommisjion in der Duma herausgeschmissen worden. iilarokko. Die Marokkodebatte in der französische« Kammer. Aus den Verhandlungen über die Interpellation Jaurös ist noch folgendes nachzutragen: Der Minister des Auswärtigen Pichon protestierte dagegen, daß man bemüht sei. in Frankreich wegen der Ereignisse eine Panik hervorzurufen. General d'Amade trage nur Erfolge davon. sLärm aus der äußersten Linken.) Pichon wiederholte seine Worte trotz dieses Lärms, worauf die äußerste Linke ihm zurief: Und die Toten und Berwimdelen? Der Minister erklärte darauf, daß Frankreich einfKließlich deS Gefechts am 18. Februar bisher 57 Tote und 217 Bcrwmidete gehabt habe. Er forderte die äußerste Linke auf, den französischen Trnpen und ihren Generälen, die sich bewundkrungs- würdig geschlagen hätten, mehr Vertrauen zu ichenkeir.(Lebhafter Beifall links und im Zentrum.)'ut" I a u r ö S erwiderte, eS handle sich nur darum zu wisien, ob eine Fortsetzung der Aktion in Marokko daS Recht Frankreichs sei und ob sie in seinem Interesse liege. Die Politik der Regierung sei eine Politik der Hintergehung und Täuschung.(Beifall auf der äußersten Linken.) C o n st a n s(Sozialist) kritisierte den Plan der Regierung und brockte einen Antrag ein, der dem Bedauern darüber Ausdruck gibt. daß die Regierung nicht die dem General Drude erkeilten Weisungen aufrechterhalten habe. Pichon wiederholte darauf, daß die Instruktionen für d'Amade die gleicken seien. Das Ziel Frankreich« sei nicht auf eine Er- oberung Marokkos gerichtet oder darauf, nach Fes oder Marrakesch zu marschieren. lBeifall in der Mitte und auf der Linien.) Der KriegSminister General P i c q u a r t suckle nachzuweisen, daß die französischen Truppen keine Niederlagen erlitten hätten. Die Rückmärsche, welche zu dem Zwecke der Verproviantiernng notwendig gewesen seien, seien keien Niederlagen und auch nicht halbe Niederlagen. C o n st a n S beharrte darauf, daß der Minister nähere Auf- klärungen darüber geben möge, warum auf die zuwartende Haltung deS Generals Drude die beunruhigende Offensive dÄmades gefolgt sei.(Beifall auf der äußersten Linken.) Nach einer die Regierungspolitik verteidigenden Rede des Republikaners® Henne sprach dann noch der Ministerpräsident Clemeneeau. Er sagte unter anderem: Die Franzosen befänden sich in den Häfen, um die Sicherheit der Europäer zu gewährleisten und um die Interventionen anderer unnötig zu machen, die vielleicht in Europa schwere Konflikte hervorzurufen verni ächten.(Bewegung und Beifall.) Frankreich will keine Politik der Verzichtleistung, aber cS will auch keine Eroberungspolitik.(Beifall.) JaurvS erwiderte, die Regierung sei der von der Kammer angenommenen Tagesordnung, die ihr Vorficht anempfahl, nicht treu geblieben. Noch seien die Franzosen nicht in Marrakesch, aber wenn man so fortfahre wie bisher, werden sie in zwei oder drei Tagen dort sein. Möge die Siegierung sich davor hüten, die Kammer- Mehrheit in Abenteuer hineinzuziehen.(Beifall auf der äußersten Linken.) Darauf wurde die bereits gemeldete Tagesordnung mit 370 gegen 102 Slimine» angenommen. Aus dem Rededuell Jaurös-Pichon hebt ein späteres Telegramm noch die folgende bemerkenswerte Stelle heraus: Pichon sagte: Wir dürfen nicht das Beispiel eines Volkes darbieten, welches sich selbst im Stiche läßt. Warum sollte» wir nicht imstande sein. eine militärische Kraflanstrengnng durchzuführen, welche andere Völler, wie England, Deutschland und Holland unter schwierigen Verhälwisien durchgeführt haben? JauröS erwiderte, der Minister habe die Kolonialkämpfe Englands und Hollands erwähnt, aber dieser Vergleich sei wahrlich nicht zulässig. England wußte, welches Ziel eS mit dem TranSvaalknege verfolgte. Aber Sie geben das Blut der Soldaten und das Geld Frankreichs aus. und zu welchem Zwecke? Sie wissen doch, daß ein internationales Abkommen Ihnen verbietet. Marokko zu erobern.(Lebhafter Beifall links.) « Larrache. Madrid, 22. Februar. Infolge beunruhigender Nachrichten, die der spanische Konsul deS marokkanischen Hafens Larrache über die bedrohte Sicherheit der dorrigen Europäer an die hiesige Negierung gelangen ließ, ging sofort das Panzerschiff„Estremadura" von Cadix nach Larrache ob..Heraldo" lobt diese schnelle Entsendung eines Kriegsschiffes, warnt aber vor einem unnötigen oder übereilten Ein- greifen. Das Anfangsstadium des französischen Vorgehens in Cosa- blanca müsse als abschreckende/Lehre wirlen. polltilcbc Ocberficbt Berlin, den 25. Februar 1908 Bildungsbegeisterung. DaS Dreiklassenparlament wird von seinen Anhängern be. kanntlich damit verteidigt, daß sein Wahlrecht die Bildung gegen. über der bloßen Zahl berücksichtige. Danach sollte man annehmen, daß mindestens die Debatten über die Universitäten und höheren Lehran st alten, von der Volksschule ganz zu schweigen, im preußischen Landtage auf einem einigermaßen hohen Niveau ständen. Davon ist aber nicht die Rede. Im kleinlichsten Kleinkram schleppt sich die Debatte müde dahin. Heute beim Etat der höheren Lehranstalten wurde zunächst von der Mehrheit, ein Antrag der freisinnigen Parteien aus Beseitigung der Vorschulen und Unterweisung der späteren Zöglinge der Gymnasien und Real- schulen in den unteren Klassen der Volksschule abgelehnt. Die wohlhabenden Kinder sollen eben auch als Sechsjährige nicht eine Schulbank mit dem Proletariersohn drücken, ein Wunsch der be. sitzenden Klassen, der allerdings in dem miserablen Zustand der preußischen Volksschule einige Berechtigung findet. Die Frei» sinnigen, die sich im Landtage als Anhänger der Ein- heits schule aufspielen und große Töne von ausgleichender Gerechtigkeit und Ueberbrückung der sozialen Gegegensätze redeten, lehnen übrigens in der Berliner Stadtveroro- n e t e n v e r sa m m l u n g ihrerseits auch die Auf» Hebung der Vorschulen ab! In der eigentlichen Etatdebatte wirkte der alte Zank über die Vorzüge der Gymnasien, Realgymnasien. Oberrealschulen und Re- formschulen einigermaßen nach. Die älteren Herren erzählten Reminiszenzen aus ihrer Schulzeit, und begeisterten sich jeder für die Art der Schule, die er einmal in kurzen Höschen besucht hatte. Ernst nahmen den Streit nur die beiden freisinnigen Helden Eickhoff und Cassel, die sich beinahe die Freundschaft kündig- ten, weil Eickhoff für die lateinlose Schule, Cassel für Latein und Griechisch schwärmt. Moderner denkt Eickhoff, der Reichstags- abgeordnete von KeimS Gnaden, deshalb auch nicht, wandte er sich doch mit heuchlerischer Frömmigkeit gegen die sexuelle Aufklärung der Jugend in der Schule. Am Donnerstag wird das Abgeordnetenhaus die Beratung de? Etats deS Ministerium des Innern beginnen, morgen macht eS frei, während das Herrenhaus die Polenenteignungsvorlage debattiert. Als ein Versuch mit untauglichen Mittel» am untauglichen Objekt stellt sich der am Sonntag in Essen abgehaltene„Fortschritt- liche Arbeitertag" dar. Tie Arbeiter hatten gewiß recht mit ihrer Kritik des Liberalismus, seiner politischen Waschlappig- keit, seiner sozialpolitischen Rückständigkeit und seiner Scheu vor allem, was nach Arbeiter aussieht. � Manches kräftige und gewiß auch ehrlich empfundene Wort ist bei dieser Gelegenheit übel die Lippen von Arbeitern gekommen, die sich selber noch liberal nennen und der liberalen Fahne folgen, wenn sie auch sehen müssen, daß diese Fahne sie in den Sumpf führt, daß Tausende und Aber- tausende zurückbleiben und entweder müde am Wege verharren oder frischen Mutes sich einer anderen Fahne anschließen, unter der sie begeistert einem neuen Ziele zustreben. Man konnte Mit- leid empfinden mit denjenigen, die als Arbeiter dem Liberalismus bis heute treu geblieben sind, die soviel guten Willen einzu>etzcn vermögen für eine Sache, die auf ewig verloren ist. Freilich hatten auf dem fortschrittlichen Arbeitertag nicht nur die liberalen Arbeiter, sondern auch die bürgerlichen Vertreter de? Freisinns recht.„Wo sind in unseren Versammlungen die Arbeiter. die sich liberal nennen und auch noch liberal wählen? Und wenn sie in geringer Anzahl kommen, sieht man sie sich scheu hinter Säulen und in den Ecken herumdrücken, aber sie gewinnen cs nicht über sich, offen für unsere Sache einzutreten und Opfer zu dringen"— meinte der in Essen anwesende Sekretär der Frei- sinnigen Volkspartei. Sie schämen sich voreinander: die liberalen Arbeiter vor dem Freisinn und der Freisinn vor den liberalen Arbeitern. Sie trauen einander nicht mehr, weil sie wissen, daß sie nichts mehr voneinander zu erwarten haben. Und dieser Zustand wird dadurch nicht geändert, daß sich am Sonntag 30 bb 40 liberale Arbeiter aus der Millionenmasse des rheinisch- wesi- falischen Proletariats zusammenfanden zu dem Versuch, auS dem zerbröckelnden Gestein des Freisinns noch einige Funken zu schlagen. Der fortschrittliche Arbeitertag wird kaum Spuren hinter- lassen. Die liberale Arbeiterschaft ist zu schwach, zu begeisterungS- und hosfnungSarm, um den Liberalismus zu Taten aufzupeitschen, und der Liberalismus ist zu morsch und zu verrottet, um der er- warteten Taten, auch wenn die Einwirkung eine dreifach stärkere wäre, fähig zu sein. Es war ein Versuch mit untauglichen Mitteln am untauglichen Objekt, was sich am Sonntag zu Essen ab- spielte.—_ Die„Germania" ergeht sich in spalienlangen Betrachtungen über den Wahl- rechtskampf der Sozialdemokratie. Mit ihrer Politik der großen Worte und Phrasen, mit ihrem auf die drei Millionen iÄähler pochenden Kraftmeiertum habe die Sozialdemokratie in ihrer Anhängerschaft die unbegründetsten Hoffnungen erweckt. als ob cs bloß einer Wahlbcwegung bedürfe, um der preußischen Regierung eine Wahlreform„abzutrotzen". Nun habe sie sehen müssen, daß sie sich in eine Sackgasse verrannt habe, und da ziehe sie. um sich in der schivülen Situation Lust zu machen, das Ventil: Zentrumshetze. Das Hauptorgan des Zentrums erzählt seinen Lesern wissentlich die Unwahrheit. Es weiß, daß eS der Sozialdemokratie nie eingefallen ist, ihren Anhänger,: einzureden, daß das Bollwerk der preußisch-deutschen Reaktion. das Dreiklassenmahlrecht. so leicht durch einen DemonstrationL- stürm hinwegzufegen sei. Die Sozialdemokratie hat im Gegenteil daS Zentrum und den Freisinn gerade deshalb in der schärfsten Form angegriffen, weil sie nicht durch ihre Teilnahme am Wahlrechlskampf denselben unwider st ehlich»lachten! Aber gerade weil Zentrum und Freisinn so vollständig versagten, blieb der Sozialdemokratie nichts anderec. übrig, als allein den Kampf um so energischer aufzunehmen. Und zwar nicht nur gegen die offenen Wah! rechtsfeinde, sondern auch gegen die verkappten, also auch daS Zentrum I Wie peinlich dieser Kampf dem Zentrum ist. beweist nicht weniger als die heutige langstielige Salbaderei der „Germania" auch die Tatsache, daß die führende Zentrums- presse sich über die beiden Leitartikel drS„Vorwärts", in denen wir an der Hand der Zahlen der Wahlltatistik die Gegner- schaft deS Zentrums gegeu das gleiche Wahlrecht und die Bc- schirmung der agrarischeu Reaktion durch das Zentrum nach gewiesen hatten, bis heute vollständig auSgefchwiege» hat! Statt törichtes Zeug zu reden, sollte doch die„Germania" einmal unsere Anklagen abdrucken und zu widerlegen versuchen!—_ Ein Kaisergeschenk, das sie nicht erreichte. Der Erlaß deS Gouverneurs von Südwestafrika betreffend Aufhebung der Kriegsgefangenschaft der HereroS. dessei: Inkraftsetzung für Kaisers Geburtsrag geplant war. ist nicht in Kraft getreten, da in letzter Zeit angeblich zu viele HereroS ent- laufen sind. Der Grund der Vertagung deS kaiserlichen Gnadengeschenkes ist absolut un stichhaltig. Den HereroS sollte ja gerade die Möglichkeit gegeben worden, sich selb st einen Herrn auS- z u s u ch e n. Gerade durch Gewährung dieses Rechtes wäre ja dem Entlaufen guS dem Zwangs dienst gesteuert worden. Aber die nackte Sklaverei war für die Farmer noch wohlfeilerl Deshalb erreichte das Kaisergeschenk die Hereros nicht! ES ist übrigens ein hübscher Beitrag zu DernburgS neuem System, daß»och jetzt, l'/z Jahre nach der faktischen Lc- rndigung deS Krieges, in Südwestafrika die KricgSgcfaugenschaft besteht I Hat denn der Kolonialminister so gar nichts zu sagen?— Prensiischcs Vercin-Zrecht. Ist der Textilarbeiterverband ein politischer Verein? Diese Frage hatte daS Verdinger Schöffengericht wieder einmal zu entscheiden. Der Landrat des Kreises Krefeld stellte sich auf den Standpunkt, der genannte Verband dürfe Frauen. Lehrlinge und Schüler weder in leinen Versammlungen dulden, noch als Mitglieder aufnehmen, weil er unter§ 3 de» VcreinSgesetzeS falle. Er begründete diese Auffassung damit, daß er erklärte, in den Mit- gliederversammlungen der Filiale Bakum des Verbandes würden öffentliche Angelegenheiten erörtert. Als Beweis brachte er zwei 4' ScuummlunflSBcrfäjte des in Betracht kommenden uberwachenden Polizcibeamten bei. Der Vorsigende der Bakumer Filiale erhielt ein Strafmandat wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz. Gegen den Strafbefehl erhob er Einspruch. Der Amlsanwalt an dem Verdinger Schöffengericht trat der Auffassung des Landrats bei, nicht so das Gericht. ES wurde festgestellt, daß in den Versammlungen zur politischen Betätigung, zun, Anschluß an die sozialdemokratische Partei sowie zum Abonnenient auf die Arbeiterpresse aufgefordert wurde. DaS Gericht kam zur Freisprechung mit folgender Begründung: Eine Aufforderung zur politischen Betätigung sei noch keine Er- örteruitg öffentlicher Angelegenheiten. Aber wenn auch in einer oder zwei Versammlungen politische Gegenstände behandelt worden wären, so könne für solche Einzelerscheinungen ein Verband nicht verant- wortlich gemacht werden. Der überwachende Polizeibeamte habe das Recht gehabt, den Referenten durch den Vorsitzenden auffordern zu lassen, solche hetzerischen(I!) Redensarten nicht zu gebrauchen. Durch das Statut stehe fest, daß der Textilarbciter-Verband sich mit wirtschaftlichen Fragen beschäftige und diese Satzungen wären maß- gebend._ Sozialistendebatte im Badischen Landtag. Bei der Beratung des Justizetats in der Zweiten badischen Kammer hatte Genosse Adolf Geck zum Beweise dafür, daß bei Strafverfolgungen sich preußischer Einfluß in Badep geltend gc- macht hat. erzäylt, wie ihm der Staatsanwalt Jolly im Jahre 18S3 zu sich gebeten und ihm gegenüber gellagt habe, daß er gegen ihn eine ungerechte Anklage erheben müsse. Er sei gezwungen, sie zu vertreten, da sie aus Preußen stamme. Zwei Tage später hat dann der Staatsminister Dusch eine Erklärung in der Kammer abgegeben, wonach er die Akten durchgesehen,� aber einen solchen Fall nicht gefunden habe. Wahr- scheiulichs, so meinte er, handele es sich um einen Artikel veS damals in Offenburg erscheinenden„Volksfreund s", der einer in Hamburg erschienenen Broschüre entnommen kei, gegen die die Hamburger Staatsanwaltschaft eine Verfolgung nicht eingeleitet hatte. Staatsanwalt Jolly habe gleichfalls Bedenken gehabt, gegen den verantwortlichen Redakteur Geck vorzugchen, sei aber, ohne daß Preußen sich eingemengt habe, und ohne daß mit den Hamburger Behörden eine Korrespondenz erfolgt wäre, von dem Oberstaatsanwalt zur Erhebung der öffentlichen Klage an- gewiesen worden. Als der StaatSminister diese Ausführungen machte, befand sich Genosse Geck im Reichstage, so daß seine Ant- wort sich etwas verzögerte. Am vergangenen Montag nun gab er vor Eintritt in die Tagesordnung die Erklärung ab. daß er seine Behauptungen in vollem llnifaiigc aufrecht erhalte und fügte hinzu, Herr Jolly habe auch einem anderen Sozialdemokraten, dem dumalizen Redakteur Z ie l ow s k i, gegenüber sich ähnlich gc- äußert und ihm Ratschläge gegeben, wie er einem Eröffnungs- beschlutz in einem gegen ihn anhängig gemachten Strafverfahren wirksam begegnen könne. Diesen Vorgang hat übrigens Z i e l 0 w s k i, der jetzt Redakteur und Stadtverordneter in F r a n k f u r t a. M. ist, in einem Artikel des„V o l k s f r e u n d s" im Jahre 1ö0ü veröffentlicht und von keiner Seite ist ihm wider- sprockien worden. Diese Erklärung Gecks fand in der Kammer auch bei den bürgerlichen Parteien stillschweigende Zustimmung. Sic wisien lehr wohl, daß es Preußen von jeher leicht war, die badische Nc- dierung im reaktionären Sinne zu beeinflussen, auch wenn der badische Staatsminister davon nichts in den Akten findet.— Der beleidigte Militarismus. J» einer öffentlichen Versammlung der Anarchisten in Frank- furt a. M. sprach am 3l. August 1907 der Schneider August Ketteil- dach über die Ziele des Anarchismus. Dabei äußerte er, den juligen Leuten müsse eingeschärft werden, daß e-Z eine Schmach sei, im Heeresdienste zu stehen, besonders sei eS lintcr jeder menschlichen Würde, als Kapitulant im Heere weiter zu diencii, um dadurch eine Stelle im Staatsdienste zu erlangen. Obgleich Kcttcnbach gellend machte, er habe den iuternMionaleil Militarismus genicint, fühlte sich der deutsche doch beleidigt, und Kettenbach wurde zu der hohen Strafe von 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Seine Revision wurde vom Reichsgericht verworfen.— Ein Vertrauensmann des Breslauer Polizeipräsidenten. Zu der in der Sonnabendnummcr mitgeteilten Verurteilung des Polizeispitzels Werner zu Breslau wegen Körperverletzung zu 3 Monaten Gefängnis wird uns noch geschrieben: Werner war in den anarchistischen Zusammenkünften eifrig tätig. Er vcr- breitete anarchistische Zeitungen, drang sehr darauf, daß möglichst viele verbotene Schriften angeschafft würden. Vernehmungen Breslauer Anarchisten und Haussuchungen bei ihnen mehrten sich während dieser Zeit auffällig. Wenn es nach Werner gegangen wäre, so würden wer weiß wie viele Arbeiter zu jahrelangen Gefängnisstrafen wegen antimilitaristischer Propa- ganda unter Gestellungspflichtigen erhalten haben; indes drang der Lockspitzel mit der Empfehlung dieser Propaganda nicht durch. Von der VreSlauer„Volkswackst" holte Werner monatelang in der Expe- dition eins der ersten Exemplare, das er dann schleunigst zur Staatsanwaltschaft schaffte. Das kam heraus uno bei näherer Beobachtung fand man dann, daß der wütende„Anarchist'" auf dem Polizeipräsidium verkehrte. Tic„Volkswacht" veröffentlichte da? vor rund Ist Monaten. Wer noch in der Verhandlung konnte Werner erklären, daß er wöchentlich 5 M. auf dem Polizeipräsidium erhalte. Dieser Bursche ist jetzt vom BreSlaucr Landgericht zu drei Monaten einer Woche Gefängnis verurteilt worden, weil er die 76jährige Großmutter seiner Frau, die den arbeitsscheuen Menschen wiederholt unterstützte, und seine Frau selbst in brutalste: Weise mißbandelt hatte. Werner war vielfach Ivegen allerlei Verbrechen mit langen Gefängnisstrafen vorbestraft. Auf die neueste Strafe war er vorbereitet, denn er renommierte bereits vor der Verhandlung, daß er es im GciängniS gut haben würde, da er infolge seiner„guten Beziehungen" Gefängniskalfaktor werde.... Herr Dr. Bienko wird sich jetzt nach einem neuen Vertrauens- mann umsehen müssen.—__ Herr v. Gerlach in der Provinz. Am 26. Februar hat Herr v. Gerlach eine WahlrechtSversammlung ln P r e n z I a u abgehalien. Gegen das, was er in seinem Vortrag sagte, war ini allgemeinen nichts einziiweudeii. Dagegen fiel es unseren in der Versammlung auweseiiden Genoffen setir auf, daß der Stefereiit es an jeder Kennzeichnung der Jammerhaltuiig der Wiemer, Fischbeck, Kopich usw. fehlen ließ, während in den Groß- städien von diesem Redner scharfe Kritik an dielen seinen Partei- genossen geübt wurde. Genosse Fendel mußte den Herrn erst an diese Lücke in seinem Referat eriiiiiern, worauf er sich zögernd zu einigen Worten der Mißbilligung verstand. Der Herr v. Gerlach in der Kleinstadt schien ein anderer zu sein, als der in der Großstadt.—_ Schweiz. Die Volksabstimmung. Bern, 24. Februar.(Eig. Ber.j Wie bereits telegraphisch.be- richtet, sind in der gestrigen Volksabstimmung alle drei Gesetz« angenommen worden, und zwar das Streikbrecher- gcsetz mit 35 IW gegen 22 398 Stimmen, das Arbeiterinnenschutz. gesetz mit 37 693 gegen 29 177 Stimmen, daS Tuberkulosengesetz mit 48 399 gegen 7757 Stimmen, letztere sind wohl die prinzipiellen Neinsager. An der Volksabstimmung beteiligten sich nur 40 Proz. der Stimmberechtigten. Die zwei letzteren Gesetze, an sich bc- grüßenswerte sozial« Fortschritte, verlieren erheblich an materieller Bedeutung infolge der gleichzeitigen Annahme des Streikbrecher» gesetzes. Das Stimmenverhältnis und die Abstimmung von 60 Proz. der Stimmberechtigten lassen erkennen, welche umfangreiche und hiteiisive Aufklärungsarbeit unsere Partei im Kanton Bern zu verrichten hat und welche großen Gewinne nn Volke sie noch erzielen kann. Gerade das neue Streikbrcchergesetz, das noch viele Opfer fordern wird, dürfte sich als ein mächtiger Hebel zur Erstarkung der Arbeiterbewegung erweisen. Aus der Geschichte des deutschen Sozialistengesetzes sind die Wirkungen eines Ausnahmegesetzes be- kann. Wer Wind säet, wird Sturm ernten. Oeftemkb. Die böhmischen Landtagswahlen. Prag, 25. Februar. Bei den heutigen Stichwahlen der Oandgcmeindenkurie für den böhmischen Landtag wurde der Ob- mann des Tschechenklubs, K r a m a r, gewählt. GrafSternbcrg ist unterlegen. Frankreich. Russenausweisungen in Paris. Paris, 22. Februar.(Eig. Ber.) Die zahllosen russischen Polizeispitzel in Paris sind in reger Tätigkeit und sie arbeiten unter der zuvorkommenden Mitwirkung der französischen Behörden. Donnerstag und Freitag sind hier fünfRussen verhastet und zur Polizeipräfektur geführt worden, wo man ihnen eröffnete, daß sie ausgewiesen seien. Ein Aufschub zur Ordnung ihrer gelegenhesten wurde ihnen nicht gewährt. Nicht einmal das Er- suchen eines von ihnen, der eben aus dem Krankenhause entlassen worden und noch nicht hergestellt ist, wurde berücksichtigt� Belgien. Der Kougostaat. Brüssel, 25. Februar. Wie zuverlässig mitgeteilt wird, hat der König in der Kongofrage dem Drangen der Minister nach- gegeben und eS ist eine Verständigung erzielt worden. Es bestätigt sich, daß der Kabinettschef in der letzten Woche dem König ein Ultimatum unterbreitet hatte, wonach er die De- Mission des Kabinetts in Aussicht stelle für den Fall, daß in dieser Woche eine Verständigung nicht erzielt werden sollte.--- Italien. Der Prozes, Rast. Rom, 25. Februar. Die Blätter billigen die Verurteilung NasiS durch den StaatsgerichtShof und heben hervor, daß seit dem Bestände des Reiches zum ersten Male ein Minister verurteilt wird. Den Blättern zufolge stimmten nur drei Senatoren gegen die Verurteilung NasiS. Dieser blieb heute zu Bett, da sein Arzt ein Zeugnis ausstellte, wonach der Gesundheitszustand NasiS nicht zulasse, daß er inS Gefängnis übergeführt werde.(!) Die Wirkung in Sizilien. Palermo, 25. Februar. Als die Verurteilung NasiS hier bekannt wurde, durchzogen einige hundert Manifestanten die Straßen im Zentrum und suchten die Schließung des„Teatro Massiino" herbeizuführen. Als die Vorstellung trotzdem fortdauerte, wurden unter Protestrufen einige Scheiben eingeschlagen. Gegen ll Uhr platzte vor dem Präfekturgebäude eine Petarde aus Papier, ohne besonderen Schaden anzurichten. In E a t a n i a und Messüna verliefen die Kundgebungen ohne Unfall; Sy- r a k u s und G i r g e n t i blieben ruhig. Snglsnd. Die Schulreform. London, 24. Februar. Unterhaus. Das Unterrichts- gesetz wurde heute von dem Präsidenten des öffentlichen Unter- richtSamts Mac Kcnna eingebracht. ES trägt einen viel e n t- schiedcncren Charakter als daS vor zwei Jahren von Birrcll eingebrachte Gesetz und bestimmt, daß es in Zukunft nur eine Art von öffentlichen Elementarschulen geben Wirb, die durch die Gemeinwesen beaufsichtigt und geleitet werden wllen ohne Prüfungszwang in der Religion fsür die Lehrer. Die freiwilligen Schulen würden nicht mehr Geld- mittel aus den Gemcindeabgaben erhalten, aber sie würden ebenso wie die öffentlichen Elementarschulen reichere Zuwcn- düngen aus der Staatskasse empfangen, falls sie das notwendige Normalmatz des Erfolge? aufrechterhalten. In den Bezirken, wo nur freiwillige Schulen bestanden, würden diqe aufhören zu bestellen und würden durch die Gemeindebehörden über- nommen und als öffentliche Elementarschulen weitergeführt werden. Es würden aber Erleichterungen für Erteilung eine» konfessionellen Religionsunterrichts außerhalb der Schulstunden gewährt werden. Balfour griff das Unterrichtsgesetz scharf an, und es erscheint daher die Er- Neuerung des Streites über den Unterricht unvermeidlich zu fein. Die englische Flotte. London, 24. Februar. Das Marinebudgct für 1903/1909 belauft sich auf 32 319 500 Pfund Sterling gegen 31 419 500 Pfund Sterling für das Jahr 1907/1908. Es weist also«ine Vermehrung von rund 900 000 Pfund auf. Das Flotten bau Programm ist folgendermaßen festgestellt worden: Ein Schlachtschiff von der verbesserten Dreadnought-Klasse, ein großer armierter Kreuzer, sechs schnelle geschützte Kreuzer. 16 Torpedobootzerstörer. Ferner ist auch'cine Anzahl von Unterseebooten vorgesehen, deren Gesamt. kosten auf eine halbe Million Pfund Sterling geschätzt werden. Die beigegebene Denkschrift führt aus: Dieses Programm genügt für 1908/1909. Ob eine Erweiterung im nächsten Jahre oder in den folgenden Jahren nötig ist. muß von den Vergröße- rungen der fremden Kriegsflotten abhängig gemacht werden. Rücktritt des Premiers? Der englische Ministerpräsident Campbell-Bannerman ist seit einiger Zeit schwer leidend. Gerüchte über seinen be> absiclitigten Rücklritt lourden jedoch stets demenliert. Trotzdem glaubt man. wie a»S London gemeldet wird, in parlainentacischen Kreisen, daß sein Rücktritt nahe bevorstehend sei.— Euq der pamL Der ReichSverband am Pranger! Am Freitag, den 21. Februar, hatte der ReichSverband gegen die Sozialdemokratie einen schlimmen Tag. In Hannover attestierte ihm das Schöffengericht, daß er leichtfertig verleumdet! Es handelte sich um die gerichtliche Klarstellung der durch die ReichSverbandS- presse gegangenen, von den„Hannoverschen Tagcsnachrichtcn" er- fundcnen Verleumdungen gegen das Hannoversche Gcwerkschafts- kartell. Dieses Blatt, das demnächst noch weitere Prüfungen seiner Wahrheitsliebe zu erdulden haben wird, schrieb am 8. November 1907 folgendes: „Das Gewcrkschaftsfcst ist dem Mrt dcS Herrenhäuser Schloßgartens, Herrn Meier, übertragen worden, wofür er pro Hektoliter Bier 2 M, an die Gewcrkschaftskasse abführen mußte. Das bringt bei 475 Hektoliter 950 M. Es hatte sich aber auch ein Genosse erboten, das Fest zu übernehmen und pro Hektoliter 5 M. abzugeben. Das macht also 475 X5— 2375 M. und das Minus für die Gewerkschaftskassc, welches diese durch die bereits zum zweiten Male an den Genossen ergangene Absage erlitt, be- trug 1425 M. Aber das schadete wohl nichts, wenigstens den Kartell- und GewerkschaftLvorständcn nicht, denn diese wurden bis auf einige wenige Ausnahmen auf Kosten des Herrn Meier zu einem Fcstschmause vereinigt zur Erholung von den Strapazen, Ivelche das Festkomitee durch seine Arbeit auf sich genommen hatte. Die Genossen die die eigentliche Arbeit vom Feste gehabt hatten, durften draußen zuschauen, wie die Herren von den Vor- ständen es sich gut schmecken ließen. Nun, wir gönnen den Herren ihre Freuden von Herzen gern, wollen ober der Oesjentlich- keit und dem arbeitenden Volke zeigen, wie es von den Führern düpiert und verdummt wird, wir wollen ferner diesen Elementen, die sich nicht scheuen, von den mit„saurem Schweiß der Arbeiter erworbenen Grosckien der Arbeiter" es sich wohlgchen lassen, die Maöke vom Gesicht reißen." Auf diesen Artikel antwortete daS Gcwerkschaftskartell: „Da der vorstehende Artikel von verleumderischen Unwahr- Helten wimmelt, so werden wir dem Artikelschreiber die Ehre nicht antun, ihm hier zu antworten. Wir werden die Angelegen- hcit vielmehr gerichtlich zum AuStrag bringen." Wegen dieser im„Volkswille" erfolgten kurzen Abfertigung hatte der Redakteur der„Hannoverschen TageSnachrichtcn", Herr Hupfer, Widerklage erhoben'. Ueberhaupt schlug der Herr große Töne an und in einem zwei Tage darauf erschienenen neuen Ver- lcumdungSartikel schrieb er,„den gerichtlichen Feststellungen, was nun die Sozialdemokraten unter Unwahrheiten verstehen, sehen wir mit Interesse entgegen". Der Redakteur Hupfer hat demnach noch nicht gewußt, was Un- Wahrheiten sind. Das wurde ihm aber am Freitag recht deutlich zum Bewußtsein gebracht, trotzdem er sich den Vorsitzenden dcS ReichSverbandeS zum Verteidiger erkoren hatte. ES wurde nichts erwiesen. Der FestschmauS bestand darin, daß Herr Meier bei der Abrechnung über das Fest den erschienenen Vorstandsmitgliedern ein Glas Bier und ein Butterbrot angeboten hatte, weil die Er- schienenen teilweise noch nicht Abendbrot gegessen hatten, denn die Abrechnung war auf eine frühe Abendstunde angesetzt. Von diesem Angebot hatten auch nur die Gebrauch gemacht, die nicht erst zu Hause gegessen hatten. Und das Angebot dcS Genossen, der 5 M. pro Hektoliter bezahlen wollte, war eine ausgewachsene echte Reichs- verbandslüge. Der geladene Gastwirt, der das Angebot gemacht haben soll, wußte davon selbst nicht das Mindeste, weil eS ihm nie eingefallen war, etwas Derartiges zu tun. Auch die Angabe, daß pro Hektoliter Bier 2 M. an die GewcrkschatSkasse gezahlt werden sollten, ist erlogen. Herr Meyer hatte vielmehr zugesagt, 2 M. zu zahlen bis zu 150 Hektoliter. Ter zugeflossene Betrag war also nicht 950 Mr., sondern nur 300 M. Bei der Abrechnung über diesen Betrag fand nun das„Festessen" statt. DaS Gericht verurteilte den Kämpfer für den ReichSverband zu 50 M. Geldstrafe! Seine Widerklage gegen die Mitglieder des Kartellvorstandcs wurde abgewiesen, weil es eben wahr gewesen, daß er verleumdet hat. In der Begründung sagte das Gericht, daß der Vorwurf gegen den Kartellvorstand, er habe unter Mißbrauch der Parteiinteressen dem Wirt Meier daS Fest zugeschoben, weil er ein Festessen versprochen, er habe ferner ciiicu Genossen zurück- gewiesen, weil Meier ihm den Schmaus versprochen, nicht nur nicht erweislich wahr sei, sondern es sei festgestellt, daß die angeführten Dinge unwahr seien. Von einem Schmaus könne gar keine Rede fein. Aus dem Schlußsatz gehe auch die Absicht der Beleidigung hervor. Die Beleidigungen seien schwere und sie seien von dem Angeklagten in der leichtfertigsten Weise erhoben worden. Der angeklagte Redakteur Hupfer hatte nun noch gegen den Redakteur vom„Volkswille", Genossen Linxweiler, Klage erhoben. weil Linxweiler in einer Erwiderung auf den obigen Artikel dem Herrn Hupfer ebenfalls persönliche Verleumdung vorgeworfen hatte. Es war in den„TageSnachrichtcn" in aanz unmotivierter Weise dem Genossen Linxweiler Mitwissen über den erlogenen Festschmaus unterschoben und gesagt, vielleicht habe er selbst daran teilgenommen. Linxweiler wurde aber freigesprochen, denn, so sagte das Gericht. Linxweiler hat nur eine angemessene Verteidigung geschrieben. Sein Artikel bezog sich auf einen Anwurf, der, wie die Verhandlung ergeben habe, in recht leichtfertiger, gehässiger und verleumderischer Weise, wenn nicht von Hupfer selbst, so doch von seinem Urheber erfunden sei! Zu dieser Stäupung des Rcichöverbandes kam aber doch noch ein kleiner Trost. Wegen eines zweiten Artikels, der auch in der Abwehr der Verleumdungen des ReichSverbandeS geschrieben war, wurde Genosse Linxweiler zu 50 M. Geldstrafe verurteilt. Er hatte dem ReichsverbandSblättchen des Herrn Hupfer perfide Verdächtigung vorgeworfen, es Revolverpresse geuaimt und die verleumderischen Beleidigungen als das typische Verfahren des ReichsverbandeS bczw. der Skevolverprefse bezeichnet. Doch wurde mildernd berücksichtigt, daß er von der Gegenseite in frivolster Weise angegriffen worden ist. Die Kosten wurden in diesem Prozeß gegen Linxweiler geteilt. So ist der große Stratege des Reichsverbandcs schon bei den ersten Versuchen, seine Verleumdungen gegeki führende Genossen in Hannover zu beweisen, arg zerschunden vom Kampfplatz gewichen. Der Verteidiger des Herrn Hupfer, Rechtsanwalt Kleinrath, Vorsitzender des Reichsverbandes in Hannover, bat das Gericht um Gnade, weil sein Klient mit diesen Veröffentlichungen erzieherisch auf die Sozialdemokratie einwirken wollte. Der Reichsverband als Erzieherl Das ist eine köstliche Satire! Seine Erziehungsmittel sind— auSgcstunkene Lügen!_ Zum Beschluß des Vorstandes der Polnisch-Sozialdemokratischen Partei Preuße»? auf Ausschluß deS GenossenStifan Thiel wird uns mitgeteilt, daß Genosse Thiel gegen diesen Beschluß deS Vorstandes die satzungsgemaßen Instanzen anrufen wird. Ein Bolkshau? in Madrid. Die Genossen in Madrid haben den Palast deS Herzog? von Bejar für 300 000 Pesetas erworben, um ihn zu einem VolkshauS umzugestalten. Gemessen an der all- gemeinen Mittellosigkeit, die in Spanien herrscht, ist die Kanffumme ungeheuer hoch und bewundernswert ist die Opferwilligkeit, die dazu gehört, sie aufzubringen. polizeiliches, Serie!, vliches ulw. Redaktcurfreuden. Genosse Oskar Geck von der„Volks- stimme" zu Mannheim hat aus einen Monat das Gefängnis bezogen. Es handelt sich um die Begleichung einer Sckrnld an die deutsche Justiz, die aus dein ReickStagSwahlkampf von 1907 stammt. Damals hat die Mannheimer.Voltsstimme" die Abbildung einer HinrichtimgSszene in Südwessafrika gebracht. Im begleitenden Text soll die Straftat begangen sein. SnverKseKafÜicbes. Bergmanns Forderungen. Am Sonntag tagte im„Schützenhofe" zu Bochum eine von über 7000 Ruhrberglcutcn besuchte Versammlung, die zu der Knappschaftsfrage und zu den Vorgängen im ReichS- rage, soweit sie auf die Bergarbeiter Bezug haben, Stellung nahm. Nach den Reden der Genossen Hue, Sachse und Pokorny wurden folgende Resolutionen angenommen: „Die heutige, auf dem„Schützenhos" in Bochum stattge» fundene. von über 7000 Ruhrbergleuten besuchte Versammlung erklärt: Der neue Reichstag hat die entsprechend den gemachten Wahlversprcchungen auf ihn gesetzten Hoffnungen hinsichtlich einer enischiedenen großzügigen Sozialpolitik nicht erfüllt. Trotz gegenteiliger Versicherung erblickt die Versammlung in dem Ar- beitskammcrgesetzentwurf keinen Versuch, der Arbeiterklasse eine wirksame Vertretung ihrer Interessen zu geben, sondern offen- sichtlich soll wieder eine Jnstitutic», geschaffen werden, die eine Handhabe bietet zur Verschleierung der sozialen Uebelstände. In dem Gesetzentwurf betreffend den Reichsdcreinsgcsctz- cntwurf kommt unverkennbar ein kleinlicher Polizcigcist und eine das arbeitende Volk entwürdigende Sucht zur Bevor. mundung zur Geltung. Insbesondere ist es nicht zweifelhaft. daß der§ 7. Sprachenparagraph, würde er in der vorgeschlagenen Form zum Gesetz erhoben, sich direkt gegen die gewerkschaftliche Organisation der Arbeiter in Rheinland-Westfalen richtet. Den ohnehin sehr mächtigen Industriellen würde durch ein auch nur indirektes Verbot, in nichtdcutschcr Sprache die zirka 200 000 nicht der deutschen Sprache mächtigen Arbeiter im Industrie- bezirk über ihre wirtschaftlichen Interessen aufzuklären, eine neue Zuchtrute für die Arbeiter in die Hand gegeben., Deshalb protestiert die heutige Versammlung energisch gegen den sogenannten Sprachenparagraph im Reichs« vcreinSgesetzentwurf und bittet die VereinSgesetzkommisston dcS RelchSiageS und überhaupt sämtliche Volksvertreter, nur einem Vereinsgesetz ihre Zustimmung �u jjeben, daS aufräumt mit aller burcaukratischen und polizeilichen Bevormundung des Volkes.". „Die heute im„Sckützcnhof" zu Bochum tagende, von 7000 Bergarbeitern besuchte Versammlung ist mit der Haltung der Aeltestcn völlig einverstanden, der verlangte Ersatz für das Kindergeld war das Mindeste, was sie verlangen mußten. Die Versammlung erwartet, daß auf dieser Grundlage das Statut möglichst bald zustande kommt. Es gereicht den invaliden Aeltesten, die sich durch die Abstimmung zum Teil selbst schädigten, zur hohen Ehre, daß sie das Interesse der aktiven Kameraden so hochhielten. Die Ver- sammlung spricht auch ihre Freude aus über die Haltung der meisten Redner im Reichstag, die kräftig für reichsgesctzliche Regelung der Berggesetzgebung eintraten. Um so tadelnswerter ist die Haltung der Regierung, die sich grundlos gegen ein für die Bergarbeiter günstiges Reichsgesetz sträubt und damit nur den Interessen der Scharfmacher dient. Der preußische Landtag hat doch zur Genüge gezeigt, daß von ihm die Bergarbeiter nichts zu erwarten haben. So lange das elende Drciklassenwahlsystem besteht, bei welchem 85 Proz. der Wähler tatsächlich rechtlos sind, ist auch keine Besserung zu er- warten. Die Bergarbeiter sind deshalb erst recht verpflichtet, auch mit allen Kräften die Einführung des geheimen und gleichen Wahlrechts für den Landtag zu ver- langen." » „Die heute von über 7000 Ruhrbergleuten besuchte Ver- sammlung ersucht den Reichstag, die Eichung der Förder- wagen und der Fördergcsäße durch das Gesetz betr. Maß- und Gewichtsordnung unbedingt vorzuschreiben und alle gegen- teiligen Anträge abzulehnen." Wenn durch die enge Eulengasse Bochum die vieltausendköpfigen Scharen der Bergarbeiter zum„Schützen- Hof" hinaus steigen, dann geht in ihren Kreisen stets etwas ganz besonderes vor. Im nächsten Jahre werden zwei Jahr- zehnte— für den einzelnen eine lange, für die Geschichte eine nur kurze Spanne Zeit— verflossen sein, seitdem der Saal in seinen Mauern jene, für die Bergarbeiterbewegung so charakteristisch gewordenen Riesenbergarbeiterverlamm- lungen tagen sah. Bon dieser Zeit an war der Saal Zeuge der wichtigsten Aktionen der Bergarbeiterbewegung. Und wenn beim großen Bergarbeiterstreik entgegen dem 89er Streik die entscheidenden Delegiertenversammlungen zwar in Essen tagten, so war wohl hierbei nicht zuletzt das ungastliche, rückständige Gebaren der Bochumer Stadtverwaltung mit- bestimmend. Aber trotzdem fanden die imponierenden Riesenversammlungen, die für die Situation ausschlaggebend waren, auf dem„Schützenhofe" statt. Jetzt gärt es wieder mächtig in den Bergrcvieren. Durch einen schmachvollen Ge- waltstreich haben die Grubenprotzen den Bergleuten von dem letzten Recht, was sie aus alten Knappentagen sich noch her- übergerettet hatten, das Beste entrissen, man hat ihnen von ihren Knappschaftsrechten genommen, sie sind, wie die Bauern in den Tagen der Feudalherrschaft„g e l e g t" worden. Wenn trotzdem die Dinge nicht zur Explosion ge- kommen sind, so ist dieses wohl ganz allein dem Einfluß der Organisation zuzuschreiben. Zwanzig Jahre gewerkschaft- licher Organisationsarbeit sind nicht spurlos an den Berg- arbeitern verüber gegangen. Wer die stürmischen Bersamm- lungen in jenen denkwürdigen Maitagen im Jahre 1889 ge- sehen hat und sie mit der gestrigen vergleicht, der konnte den Unterschied von damals und heute deutlich erkennen. Kopf an Kopf stand die vieltausendköpfige Menge, eine Muster- Versammlung in des Wortes vollster Bedeutung: ruhig und gefaßt lauschte sie den Reden ihrer Führer und einstimmig nahm sie die gefaßten Beschlüsse an. Sind auch die Gruben- Herren dank ihrer wirtschaftlichen Uebermacht die Herren der Situation, so haben sie doch in der Organisation der Berg- leute einen Gegner gefunden, mit dem sie schon merklich zu rechnen haben._ Berlin und Umgegend. Die Ausdehnung des Mastschneidertarifs auf alle Berliner Mastgeschäfte. So lautete die Tagesordnung einer öffentlichen Versammlung der Herrenmaßschneider, die am Montag bei Köhler in der Ticck- straßc stattfand und namentlich für die in dem Stadtteil jenseits der Friedrichstraße wohnenden und arbeitenden Schneider und Schneiderinnen einberufen war.� Der Referent Kunze gab eine Ueberstcht über die Entstehungsgeschichte des Maßschneidertarifs, der bekanntlich im vorigen Frühjahr nach sechswöchigem Kampf zustande gekommen ist. Der Arbcitgcberverband für das Schneider- gcwerbe hatte eine Aussperrung über das ganze Reich veranstaltet, die, wenngleich sie nur sehr mangelhaft durchgeführt wurde, doch zur Folge hatte, daß die Gesamtzahl der Streikenden oder Aus- gesperrten auf ungefähr 15 000 stieg. Der Schneiderverband mußte dann seine Hauptkraft darauf zusammenfassen, den Widerstand des Arbeitgcbcrverbandes zu brechen, was ja auch trefflich ge- lungen ist. Der Erfolg war der Tarif, der der großen Masse der Herrenmaßschneider schätzenswerte Vorteile bietet. Die törichte AuSsperrungstaktik des Arbeltgeberverbandes ist zu einem großen Teil schuld daran, daß der Tartf nicht gleich auf alle Geschäfte der Herrenmaßschneiderei ausgedehnt werden konnte. DaS ge- reicht nun natürlich den organisierten Arbeitern selbst niuil zum Vorteil, daß die Tarifverpflichtungen, an die sie gebunden sind. nicht" auch für alle ihre unorganisierten Kollegen gelten. Inzwischen haben die leitenden Personen dcS Arbeitgeberverbandes auch ein- gesehen, daß verhandeln vorteilhafter ist für ihre Mitglieder, als die Arbeiterschaft in den Kamps zu treiben. Am 21. November bcs verflossenen JahreS kamen Vereinbarungen zwischen dem Ar- bcitgcberverband und dem Schnciderverband zustande, wonach, bevor an irgend einem Orte von der einen oder anderen Partei zur Arbeitsein st ellung ge- griffen wird, zwischen den Haupt- und Orts- Vertretern der beiden Verbände verhandelt werden soll. Daran, daß der Tarif nicht in allen Maß- geschäften Berlins durchgeführt werden konnte, ist selbstverständlich auch die Lauheit eines Teiles der Maßschneider selbst schuld. Wären alle Arbeiter mW Arbeiterinnen der Branche organisiert und kämpf- bereit, so wäre es natürlich ein leichtes gcivesen, alle Geschäfts- inhaber, ganz gleich, ob sie ihrem Verbände angehören oder nicht, zur Anerkennung des Tanfes zu zwingen, und man brauchte auch nicht damit zu rechnen, daß in einzelnen Tarifgeschäften immer wieder versucht wird, die Vereinbarungen zu durchbrechen. Daß, wenn nur die nötige Einmütigkeit vorhanden ist, etwas erreicht werden kann, geht schon aus der Tatsache hervor, daß, obgleich nur 152 Geschäfte an der Arbeitseinstellung in Berlin beteiligt waren, doch 200 den Tarif anerkennen mußten. Leider gibt es noch manche Maßschneider, die wohl in Zeiten des Kampfes der Organisation beitreten, aber nachher dem Verband wieder untreu werden. Dann möchten sie die geringen Beiträge sparen, erreichen aber damit nur, daß der Arbeitgeber ihnen in der schlechten Geschäftszeit die Löhne um das Vielfache dcS Betrages kürzt, weil er weiß, daß er mit un- organisierten Arbeitern zu tun hat. In solchem Falle kommen sie wohl nach dem Verband gelaufen und verlangen Abhülfe, und gewiß sind die Verbandsvertretcr immer bereit, einzugreifen, aber die Verhandlungen werden natürlich erschwert, wenn es an dem nötigen Zusammenhalt der Kollegen in dem Geschäfte fehlt. Ein anderer Uchclstand ist es, daß einzelne Maßschneider in der Hauptsache für ein Geschäft arbeiten, daS den Tarif anerkannt hat, nebenbei Berantw. Aedakt.: Georg Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantttm aber für andere Geschäfte hier und da ein Stück mitmachen und nicht darauf achten, ob auch diese Geichäfte tariftreu sind. Der Arbeitgeberverband in Berlin läßt es sich nicht angelegen sein, für weitere Durchführung des Tarifes zu sorgen, obwohl das im Interesse feiner Mitglieder liegen würde. Als jüngst die Firma S. Baum in der Friedrichstraße ihre Betriebswerkstätte aufhob mit der Begründung, in der Werkjtätte müsse man den Tarif zahlen— der Tarif gilt selbstverständlich ebenso gut für Heim- arhcit—, da lehnte es der Arbeitgebervorstand ab, seinen Einfluß geltend zu machen, und antwortete auf ein Schreiben der Schneider- organisation, daß ihn die Sache nichts angehen. Es ist natürlich Vorsorge getroffen, daß der Arbeitgeberverband sich doch mit der Angelegenheit befassen muß. In der Versanimlung wurden ferner verschiedene andere Firmen genannt, die sich stets Verstoße gegen den anerkannten Tarif zuschulden kommen lassen, teils den Tarif überhaupt noch nicht anerkannt haben. Nach der Stimmung der Versammlung zu urteilen, und bei der unamasstgen Agitation, die nun wieder seitens dcS Schneide rverbandes für die allgemeine Durchführung des TarifeS entfaltet wird, ist sicher anzunehmen, daß man in der nun beginnenden Saison diesem Ziele ein gut Stück näher kommen wird, und daß die Arbeitgeber sich nicht einbilden dürfen, nun immerfort die Löhne drücken zu können. Ein Kampf um Z 394. Unter dieser Ueberschrift berichtet die„Berliner Volkszeitung" über eine vom Verein der Arbeitgeberbeisiyer des Berliner Gewerbe- geridbts einberufene Versammlung im großen Saale de? Gewerbe- gerichlS, die zu der schon von uns besprochenen Acnderung deS Z 394 des Bürgerlichen Gesetzbuchs und der Hallung der Arbeiter- beisiyer dazu Stellung nehmen sollte. Der Bericht entspricht nicht in allen Punkten völlig den Tatsachen. Wir werden deshalb über die Angelegenheit noch eine Darstellung von unterrichteter Seite brinoen_ Achtung, Kleber und Vauhandwerker! Unser Streikbureau befindet sich Schützenstr. 14 im Restaurant von Schulz— Telephon la, 5477— und ersuchen wir etwaige Differenzen dorthin zu melden. Gesperrt ist der Bau Kurfürsten- dämm 173/174, und die dort arbeitenden Tapezierer verrichten Ar- bcitswilliaendienste Freie Vereinigung der Tapezierer. Achtung! Kleber! Gesperrt sind: Grottke, Pallisadenstr. 105, Bau Stolpische Straße 53. Giedcck, Eberswalder Straße 31, Bau Soldiner Straße 29. Lüdecke. Nixdorf, Hcrmann-Straße 203, Bau Rixdorf, Lcine-Straße 54, Hcrmann-Straße 196. Ihlenfeld, Alexandrinen-Straße 8, Bau Akazienstraße 26/27, Aschaffen- burger. Ecke Haberland-Straße(Schöneberg), Dreyse-Straße(Char- lottenburg), Steglitz am Bahnhof. Die Sperre über die Firma Ro s e n t h a l. Jsland-Stratze 10, 12/13, ist aufgeboken. Die Verbandsleitung. DeuiTcKes Reich. Zwei Textilnrbeitcrkonferenzen tagten vergangene Woche. In Mülhausen i. E. hatten sich die organisierten Textilarbeiter Elsaß-Lothringens und des badischen Wiesentals zusammen- gefunden. In diesem Bezirk werden gegen 102 000 Textilarbeiter beschäftigt. Der Textilarbeitervcrband erstreckt sich jetzt auf 78 Orte und zählt 7300 Mitglieder. Vor zwei Jahren waren dort 2850 Mit- gliedcr vorhanden. Insgesamt wurden in der Berichtsperiode (IVz Jahr) 647 Versammlungen abgehalten und 395 625 Flugblätter und Laufzettel verbreitet. Durch die Tätigkeit der Organisation wurde der Zehnstundentag errungen im ganzen badischen Wiesen- kal, in Mülhausen, in Gebweiler, Bischweiler, Erstein, Deutsch- Rumbach, St. Amorien, St. Kreuz und Lahr. In einigen Orten außerdem der I01h-Stundentag. Trotzdem gibt eS auch heute Orte mit dem 12stündigen Arbeitstag.— Die zweite Konferenz tagte In Hamburg für den nordwestlichen Bezirk, umfassend Schleswig- Holstein, Hansastädte, Oldenburg, Provinzen Hannover, Hessen und Braunschweig. In diesem Bezirk werden gegen 70000 Arbeiter be- schäftigt. Organisiert sind 10 029 in 36 Orten. Versammlungen haben 1355 stattgefunden. Auch in diesem Bezirk, in welchem Haupt- sächlich große Wollkämmereien, Kammgarnspinnereien und Jute- fabrikcn sich befinden, haben die Arbeiter durch die Organisation wesentliche Vorteile errungen. Alles in allem gibt eS in beiden Bezirken noch außerordentlich viel Organisations» und Agitations- arbeit zu leisten._ Die schlesischen Lithographen und Steinbrncker hielten am 23. Februar in Breslau eine von 18 Delegierten aus Altwasser, Breslau, Bunzlau, Freiburg, Gleiwitz, Glogau, Görlitz, Hirschberg, Groß-Göhlenau, Katwwitz, Neurode, Posen und Schweidnitz besuchte Gaukonferenz ab. Der Stand der Organi- sation ist ein recht guter zu nennen. Von 730 organisationsfähigen Berufsgenossen im Gau gehören 631 dem Verbände an. Eine starke Organisation ist aber auch gerade in Schlesien besonders nötig. Denn nirgends ist der Kampf des Unternehmerschutzver- bandes geejen den Senefelderbund so groß wie hier. Auch die Lehrlingszüchterei ist außergewöhnlich groß. Die Arbeitszeit be- trägt 9 bis 10 Stunden, der Wochenlohn schwankt zwischen 20 und 40 M. Aus Oberschlesien wurden Klagen über das mangelnde Solidaritätsgefühl der österreichischen Kollegen, aus Glogau über die Interesselosigkeit der Kartographen laut. Die Konferenz be- schloß, dem Hauptvorstande die schon auf früheren Generalver- sammlungen beschlossene Anstellung eines Gaubeamten dringend ans Herz zu legen._ Wie man die EulengcbirgSweber erbuntcrtänig machen will. Unter den Webern des Eulengebirges wächst die Erbitterung über ihre trostlose Lag« immer mehr, und die Fabrikanten scheinen die Abwanderung ihrer Lohnsklaven zu fürchten. Um diese zu verhüten und die Abhängigkeit der Textilprolctarier zu einer voll- kommenen zu machen, ist man nun in Langenbielau auf die schlaue Idee gekommen, Rentengüter für gewerbliche Ar- b e i t e r zu schaffen. Zu diesem Zwecke ist bereits— bezeichnender Weise unter Leitung eines Pastors, den offenbar das Vorbild Bodelschwinghs lockt— eine Genossenschaft von Fabrikanten und sonstigen Interessenten zusammengetreten. Der Textilarbeiter- verband aber wird dafür sorgen, daß die Eulengebirgsproletarier über die wahre Bedeutung derartiger.Arbeiterwohlfahrtseinrich- tungen" gebührend aufgeklärt werden. Reeder kontra Hafenarbeiterverband. In diesem Aufsehen erregenden Zivilprozeß, über den wir schon wiederholt berichtet haben und dessen auch Genosse Stadthagcn bei der Erörterung des Justizetats im Reichstage gedacht hat, liegen nunmehr die Urteilsgründe vor. die in der Hauptsache sich mit den in der einstweiligen Verfügung ergangeneu Gründe decken. In beiden einen vollen„Sieg" der Wasserkapitalisten bedeutenden Ur- teilen steckt viel„Weltfremdheit", um mit dem nationalliberalen Richter und Reichstagsabgeordneten Heinze zu reden.„Die Reeder haben korrekt gehandelt, die beklagte Seite hat durch die Störung des Zuzuges von Arbeitskräften nach dem Hamburger Hafen, durch die Veröffentlichungen der„Warnungen" in der Arbeiterpresse usw. usw. wider den Vertrag verstoßen", so heißt es in verschie- denen Variationen in der umfangreichen Begründung. Alle Einwände der Beklagten werden für unbeachtlich erklärt, da schon festgestellt sei, daß der Vertrag durch bloßen Zcitablauf am 1. Oktober 1907 sein Ende nicht erreicht habe und daß die Beklagten für die veröffentlichten Warnungen verantwortlich seien. Es komme auf die Vernehmung des Zeugen Körsten-Berlin, wie der Artikel im„Vorwärts" entstanden sei, nicht an. Auch wenn die diesbezüglichen Behauptungen der Beklagten richtig wären, hätten sie durch Unterlassung eines Widerspruchs gegen diesen angeblichen Mißbrauch ihrer Unterschrift diesen Aufsatz als in ihrem Namen veröffentlicht nachträglich stillschweigend genehmigt. Schr„weltfremd" mutet diese Stelle an:_ Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr, u, Lerlagsanstqlt „Selbst tveim Kläger mehr als 2000 Konkrakiarbelker ange- warben haben sollte, wofür Beklagte übrigens keinerlei Beweis und lediglich Kläger Gegenbeweis angetreten habe, so würde doch noch nicht ersichtlich sein, inwiefern dies den Zweck des von den Parteien geschlossenen Vertrages gefährden würde. Ebenso würde in der Ausübung eines Drucks auf einzelne Schauerleute zwecks Unterzeichnung des Kontrakts nicht ohne weiteres eine so schwere Vertragsverletzung des Klägers zu erblicken sein, daß infolge ihrer die Beklagten das Interesse an der Vertragserfüllung ver- loren hätten, ums oweniger, als Kläger und seine Mitglieder nicht ohne Grund der Ansicht sein konnten, daß an sich die Eingehung des Kon» trakts in wohlverstandenem Interesse der Mit« glieder des Hafenarbeiterverbandes liege." Also selbst wenn die Reeder direkt gegen den Vertrag ver« stießen, wenn sie mehr als die vertraglich zulässigen 2000 Kon- traktarbeitcr angeworben hätten, würde dies„den Zweck des von den Parteien geschlossenen Vertrages nicht gefähvden", wie der Druck der Reeder auf„einzelne" Schauerleute zur Unterzeich» nung des Kontraktes nicht so schwer wiegt, daß daraus eine Ver» tragsverletzung hergeleitet werden könnte! Die Kläger hätten sich dann immer noch in dem guten Glauben befunden, daß das von den Arbeitern so verpönte Kontraktverhältnis in deren Interesse liege! Da fragt man unwillkürlich: Wo leben diese Herren Richter? Aus den Verhandlungsprotokollen geht klar hervor, daß die Anwerbung von Kontraktarbeitern von den Vertretern der Hafen- arbeiter mit allen Fasern bekämpft und nur um des lieben Friedens schweren Herzens bis zur Höhe von 2000 Mann zugestanden wurde. Das alles wiegt federleicht gegenüber der Warnung vor Zuzug nach dem Hamburger Hafen. Ein solches Urteil zeigt eine sehr starte Weltsremdbeit. Die Schwäche dieser Argumentation scheint daS Gericht auch selbst herausgefühlt zu haben, denn unmittelbar darauf wird aus» geführt: „Für die Entscheidung des gegenwärtigen Prozesses braucht aber diese Frage der Berechtigung zum Rücktritt gar nicht einmal entschieden zu werden. Denn wenn auch ein Recht der Beklagten zum Rücktritt bestände, so würde es doch die Wirkung der Ver- tragsaufhebung nicht ohne weiteres kraft Gesetzes, sondern erst dann ausgeübt haben, wenn die Beklagten von ihrem Rücktritts» recht in der gesetzlichen Form Gebrauch gemacht hätten. Nach den§§ 327, 349 des Bürgerlichen Gesetzbuchs erfolgt der Rücktritt durch Erklärung gegenüber dem anderen Teile." In ellenlangen Ausführungen wird das Kardinalvergehen der Beklagten, die veröffentlichten„Warnungen", behandelt. Die Ver» öffentlichung des Widerrufs müsse in den in Betracht kommenden Blättern erfolgen,„um so den früheren Zustand wieder herzustellen". „... Hiernach war dem Antrage auf Veröffentlichung des Urteils stattzugeben. Während die Beklagten, insbesondere der Gesamtverband über die Zeitung„Der Hafenarbeiter" als ihr offizielles Organ unmittelbar verfügen, also auch die vom Gericht angeord- nete Veröffentlichung direkt veranlassen können, vermögen sie an die Redaktionen der übrigen in Betracht kommenden Blätter nur den entsprechenden Vertragsantrag zu stellen(im Klageantrag ist von„fordern" die Rede), den anzunehmen deren Redaktionen vom Kläger und vom Gericht nicht gezwungen werden können. Für den fall solcher Ablehnung erscheint daher die vom Kläger erbetene rmächtigung gerechtfertigt, das Urteil auf Kosten der Beklagten anderweit zur Veröffentlichung zu bringen." Forderungen der Leipziger RatSarbciter. Der Arbeiterausschutz der städtischen Straßenreiniger in Leip- zig war beauftragt worden, die Erhöhung des Wochenlohnes auf 25 M., Zuschläge von 25 Proz. für Ueberstunden und 50 Proz. für Sonntagsarbeit zu fordern, sowie die freie Lieferung von Hosen und Stiefeln seitens des Rates. Dieser ging darauf vorläufig nicht ein. Die Hosen und Stiefeln würden eine Mehrausgabe von 23 000 M. erfordern, deshalb könne man sich erst im nächsten Jahre auf eine Prüfung der Forderung einlassen. Außerdem wolle man erst abwarten, welche Wirkung die am 1. April in Kraft tretenden Schichtlöhne zeigen. In Frage kommen zirka 700 Straßenreiniger. Husland. Der Konflikt im englischen Schiffsbau scheint noch einmal beigelegt zu werden. Als Ergebnis einer Kon- ferenz mit dem Handelsminister Lloyd-George wurde zur Bei- legung des Konfliktes ein vorläufiges Abkommen getroffen, das die Vertreter beider Parteien den Arbeitgebern und Arbeitnehmern zur Annahme empfehlen wollen. Letzte IVachrichtcn und Dcpefdm Mißtöne im europäischen Orchester. London, 25. Februar.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung des Oberhauses richtete Newton an die Regierung eine Anfrage hinsichtlich der Lage in Makedonien und verwies auf die Wirkung, welche die türkische Eisenbahnkonzession auf das Mürzsteger Programm und das europäische Konzert aus- üben werde. Der Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt, Lord Fitzmanrice, erklärte darauf, er könne dem Hause keine erfreulichen Mitteilungen machen; man sei in dieser Frage ans einem sehr kritischen Punkte angelangt, sowohl in Mace- dornen selbst als auch in diplomatischer Hinsicht im euro- päischen Konzert._ Niederlage der galizische» Schlacht«. Lemberg, 25. Februar.(W. T. B.) Bei den heutigen Land- tagswahlen der Kurie der Landgemeinden erhielten die polnischen Konservativen 25 Mandate(in der vorigen Wahlperiode 41), die Demokraten 8(4), das polnische Zentrum 3(7), die polnische Volks- Partei 17(4), die Ruthenen 21(13). Spanien wird russisch! Madrid, 25. Februar.(W. T. B.) Infolge der jüngst vorgekommenen anarchistischen Anschläge hat der Minister des Innern in einem heute im Amtsblatt veröffentlichten Erlaß angeordnet, daß innerhalb Monatsfrist in jedem Hause ein Pförtner angestellt werde, welcher eine genaue Ueberwachung des seiner Obhut anvertrauten Hauses durchzuführen habe, als behördlicher Agent angesehen und Befugnis zur Ver- hastung von Uebeltätcrn haben wird. Die Nafianrr. Rom, 22. Februar.(W. T. B.) Der fizilianische Deputierte Aguglia hat unter den Deputierten eine Petition zur Unterschrist in Umlauf gesetzt, in welcher der König gebeten wird, er möge Rast begnadigen. Bis jetzt haben 31 Deputierte die Petition unterzeichnet. Palermo» 25. Februar.(W. T. B,) Heute früh veranstalteten Studenten und Advokaten in Trapani Kund- gedungen. Eine zahlreiche Schar von Demonstranten zog vor die Präfektur, zerstreute sich jedoch auf Ersuchen des Bürgermeisters. Die Demonstranten erwarten Erklärungen von der für heute abend zusammenberufenen Magistratsversammlung.— In Catania und Caltanisetta streikten die Schüler und ver- suchten die Schließung der Geschäfte zu erzwingen I ES kam zu einem Handgemenge mit der Polizei, doch ist kein ernsterer Zwischen- fall zu beklagen._ Schiffs-Nntergang. London, 25. Februar.(W. T. B.) Nach einer Llohdmekdung aus Laguna(Mexiko) ist der Dampfer„Canuto Bulner" während eines Sturmes gesunken. 27 Passagiere und 2 Mann der Schiffs, befatzung sind ertrunken. Paul Singer Lc Eo., Berlin L1V. Hierzu 3 Beilage« v-UaterhaltunaSbl. st. 48. 25.»5.n, ffiiiip dts JarniSrts" KerliM Wldsdlatt. M!twch.Ai.Kw.«iM. R.eickstag. 108. Sitzung vom Dienstag, den 23. Februar 1308, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratstische: Kraetke, v. Bethmann-Hollweg, Dr. Nieberding, Der n bürg, Sydow. Das Gesetz betreffend Abänderung des Telegraphen« g e s e tz e s, wonach in Zukunft auch drahtlose Telegraphenanlagen nur mit Genehmigung des Reiches errichtet und betrieben werden dürfen, wird in dritter Lesung debattelos angenommen. Ebenso wird das S ch e ck g e s e tz in dritter Beratung nach un- wesentlicher Debatte angenommen. Es folgt die Fortsetzung der zweiten Beratung des Etats für die Reichsjustizverwaltung. Die Beratung wird fortgesetzt beim Titel.Gehalt des Staats« selretärS 44 000 M«. Abg. Schuck lwirtsch. Vg.); Ich möchte den Staatssekretär fragen, ob er über das Ergebnis der Erhebungen über die Wirkung der Konkurrenzklausel Mitteilungen machen kann. Das völlige Verbot der Konkurrenzklausel oder doch mindestens ihre erhebliche Ein- schränkung wird von den Handlungsgehülfen für dringend notwendig gehalten. Es muff aber auch dafür gesorgt werden, daff das Verbot oder die einschränkenden Bestimmungen nicht umgangen werden. Reichsschatzsekretär Sydow: Ich lege Wert darauf, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit eine kurze Erklärung abzugeben, und bitte um Entschuldigung, wenn ich deshalb die Verhandlungen über den Justizetat für einen Augenblick unterbreche. Die nächsten Wochen werden meine Kraft ziemlich stark in Anspruch nehmen, um mich über alle Fragen meines Ressorts zu informieren. Ich werde deshalb in der folgenden Zeit hier nicht so regelmäßig und häufig anwesend sein können, wie mein verehrter und verdienter Amts- Vorgänger zu tun pflegte. Ich kann aber die Vertretung der ein- schlägigen Fragen meinem verdienten Herrn Kollegen(zum Unter- staatssekrctär Twele gewandt) mit gutem Gewissen über- lassen.(Bravo I im Block.) Ich bitte Sie deshalb, mein Fehlen in der nächsten Zeit nicht als Rücksichtslosigkeit gegen das hohe Haus aufzufassen. Abg. Licbcrt c V e r t(Rp.) auf Einrichtung von Straf- kolonicn wird gegen die Stimmen der Reichspartei abgelehnt; an- genommen wird dagegen die Resolution Dr. Gö r ck e(natl.j, welche um Mitteilung der Erfahrungen fremder Staaten mit dem über- seeisckien Strafvollzuge ersucht. Die Resolution A l b r e ch t(Soz.) ans Einrichtung besonderer Gerichte für die Streitigkeiten zwischen Bureangehülsc» und ihren Arbeitgebern, sowie zwischen ländlichen Arbeitern und ihren Ar- dcitgebern wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten ab- gelehnt. Die Resolution A l b r e ch t(Soz.), das Recht der Zeugnis» Verweigerung allen an der Herstellung einer Zeitung beteiligten Personen zu erteilen, wird mit den Stimmen der Sozialdemo- lraten, Liberalen und Polen a» a« n o m m e n. Die Resolution S£ l b r e ch t(Soz.) auf Feststellung des Rechtes der Zeugnisverweigcrung für Mitglieder des Reichstages, der Landtage und kommunaler BertrctungSkörper wird abgelehnt, an- genommen wird dagegen die Resolution Dr. Ablaß(frs. Vp.), das Recht der Zeugnisverwcigerung für Mitglieder de» Reichstages und der Landtage festzustellen, und gerichtliche und sonstige IlntersuchungShandlungcn in den Räumen des Reichstages und der Landtaqc an die Genehmigung der betreffenden Körperschaft rcsp. ihres Präsidenten zu binden, wird angenommen. Die Resolution A l d r c ch t(soz.) auf Gewährung von Reise- kosten und Tagegeldern für Schöffen und Geschworene wird mit großer Mehrheit angenommen; desgleichen die entsprechende Resolution Dr. Ablaß(frs. Vp.). A n g c n o m»i r» werden ferner noch die Resolutionen Dr. I n ii ck(natl.) und Graf Hompesch lg.) auf rechtliche Sicherung und weitere Ausgestaltung der Tarifgemeinschaften. Die Resolution Dr. A blaß(frs. Vp.) aus Beseitigung der Härten aus der Fassung der Geburtsurkunden vorehelicher, später legitimierter Kinder wird angenommen, desgleichen die Resolution Dr. Ablaß(frs. Vp.) auf größere Sicherung des RechtSgutcS der elektrischen Energie. Hierauf vertagt daS Haus die Wciterberatung auf Mittwoch 1 Uhr. Außerdem: Wahlprüfungen, Petitionen, lleiiierc Vorlagen und die Novelle zur Gewerbeordnung. Schluß vi? Uhr.__ Hbgeordnetenbaue. 88. Sitzung v o in Dienstag, den 25. Februar 1908, vormittags 11 Uhr. Am Ministeriisch: Dr. Holle. Die zweite Beratung des KultuSetatS wird fortgesetzt beim Kapitel„Höhere L e h r a n st a l t e n". Avg. Ernst(frs. Vg.) begründet eine» Antrag der Freisinnigen auf organische Vervin du ng der Lehrpläi, e der Volksschule» iSnd der höheren Lehranstalten und allmähliche Aufhebung der Vorschulen bei den höheren Lehranstalten. Am einzelnen bleiben die Ausführungen dcS Redners auf der Tribüne unverständlich. Abg. u. KSlichrn(f.) hält den Antrag für undurchführbar ohne gänzliche Umgestaltung der Volksschule und der höheren Lehr- anstalten und sieht auch kein Bedürfnis für solche Einheitsschule, da begabte Schüler der Volksschulen auch heute schon die Mög- lichkeit hatten, in das Glimnasium übernommen zu werden. Abg. Dr. Glattfcltcr(Z.) wendet sich ebenfalls gegen den Antrag. Abg. Cassel(frs. Vp.) empfiehlt den Antrag Ernst im Jnter- esse der sozialen Versöhnung, der ausgleichenden Gerechtigkeit und der Hebung der Volksschule. Ein R c g i e r u n g S k o m m i s s a r crllärt, daß dem An- trage Ernst Bedenken entgegenstehen. Die große Mehrzahl der VoliSschuler würde durch die Berücksichtigung der wenigen Schüler, die spater auf höhere Schulen übergehen wülden. geschädigt verdca. Wg. Dr. Aerndt(nctll.) beanttragb, tut Falle der Ablehnung des Antrages Ernst die Resolntio», die die Unterrichtskommission im vorigen Jahre gefaßt hat, zum Beschluß des Hauses zu er- heben. Diese Resolution regt an, den Lehrplan für das dritte Volksschnljahr organisch mit dem der untsrsten Klassen der höheren Lehranstalten zu verbinden. Tie Resolution lehnt weiter die Auf- Hebung der Vorschulen ab, empfiehlt aber, den Besuch der unteren Klassen der höheren Mädchenschulen durch Knaben im Notfall zu gestatten. In der Abstimmung wird der Antrag Ernst gegen die Stimmen der freisinnigen Parteien und einiger Nationalliberalcn abgelehnt, der Antrag Berndt gegen die Stimmen der Konservativen und der Mehrheit der Freilonservativcn an- genommen. Abg. v. Neumann-Großenboran(k.) klagt über die Ueber- bürdung der Schüler, über die Störung der Dichterlekturc durch das Herausreißen einzelner Sätze und Worte, und über das Philistertum bei den Lehrern, das durch Reisen und FortbildungS- kurse bekämpft werden sollte. Ein Regierung»ko in missar erwidert, daß auf den deutschen Unterricht großer Wert gelegt werde, und daß bei der Tichterlektüre ans den Zusammenhang des ganzen Werks das Hauptgewicht gelegt werden solle. Für die Fortbildung der Lehrer sei schon viel geschehen. Abg. Fritsch(natl.) bespricht Bestrebungen auf Schaffung einer Einheitsstcnographie und bittet den Minister, diese Bestrebungen zu fördern. Abg. Marx(Z.) unterstützt den Wunsch des Vorredners. Werde eine EinheitSstenographie geschaffen, so werde damit dem un- seligen Streit unter den verschiedenen Stenographenschulen ein Ende bereitet. Ein Regierungskommissar erklärt, daß dia Unter- richtsverwaltung entsprechend dem im vorigen Jahre hier gefaßten Antrage sich auf eine Prüfung des vorhandenen Materials be- schränken mußte, zumal ein weitergehender Antrag im Reichstage angenommen worden ist. Abg. Eickhoff(frs. Vp.): Wurden in allen gebildeten Kreisen die Anschauungen des Abg. b. Neumann geltend sein, so würde uns die Erziehung der Jugend im nationalen Geiste wesentlich erleichtert werden. In der Kommission ist die Frage der sexuellen Belehrung der Jugend in der Schule errötcrt worden, �ch meine, daß das in erster Linie Sache der Eltern ist.(Sehr richtig! links.) Preußen und Bayern sind jetzt die einzigen Bundesstaaten, in denen das System der Koedukation noch nicht zugelassen ist. Ich bin der Meinung, daß grundsätzliche Bedenken gegen dieses System nicht geltend gemacht werden können. Bei der Mädchenschnlreform würde ich es für einen Kardinalfehler halten, wen» man den Oberbau der höheren Mädchenschulen in eine Gymnasial-, Real- gymnasial- und Oberrealschulabteilung gabeln würde. Die Ober- rcalschule ist hier das praktischste. Die für ei» Fachstudium not- wendigen Kenntnisse des Lateinischen und Griechischen können durch Privatkurse erworben werden. Das Verhältnis der Zahl der Hülsölehrer zu den Oberlehrern sollte durch vermehrte Anstellung von Lehrern verbessert werden. Dringend zu empfehlen ist die Einführung des oblfgatorijchen englischen Unterrichts an den obere» Klasse» dcS Gymnasiums, diese darf aber nicht auf Kosten des Unterrichts im Französischen erfolgen. In den Städren, wo das Gymiiasiuin die einzige Höhcrc Lehranstalt ist, sollte man gricchischlose Parallelklassen einrichten, in denen daö Englische an die Stelle des Griechische» trete» könnte. Das würde auch dazii führen, daß der Unterricht in den oberen Klassen mehr individuali- siert werden kann. Das numerische Uebcrwicge» der Gymnasien über die anderen höheren Lehranstalten ist eine Gefahr für die Bildung unseres Volkes.(Sehr richtig I links.) Wir brauchen vor allem Nealanstalten. Nach der Statistik erreichten 1889/1830 nur 20,5 Proz. der höheren Schüler das Ziel der Anstalte», 40 Proz. ginge» mit dem Zeugnis für den einjährigen Dienst von der Schule und 39,0 Proz. ohne jedes BerechtigungSzengnis. Das ist inzwischen nicht besser geworden. Eine Besserung würde sich durch eine Reform der Mittelschule in der Richtung ermögliche» lassen, daß sie als ein Aufbau auf die Volksschule zu betrachten ist.(Beifall links.) Ein NegieruiigStommissar erwidert, daß das Verhältnis der Zahl der etatsmäßigen Oberlehrerstellen zu denen der HnlsSlehrer mit 13: 1 sich als zutreffend ergeben habe.� Wenn der Vorredner vom Uebcrwiegen der Gymnasialanstalten über die Nealanstalten gesprochen habe, so sei darauf hinzuloeiscn, daß im Etat mehrere neue Nealanstalten vorgesehen seien. Abg. Dr. Kriiger-Marienbnrg(I.) wendet sich gegen den über- mäßigen Lateinunterricht. Notwendig sei vor allem die Forderung de? Unterrichts im Deutschen. Abg. Metger(natl.) ist der Ansicht des Abg. Eickhoff, daß die Aufklärung der Jugend in sexuellen Fragen in erster Linie Sache der Eltern sei. Abg. Liidicke(ff.) bittet um den Neubau des Gymnasiums in Spandan. Auf Anregung des Abg. Dr. v. Böttingör(natl.) erklärt Minister Dr. Holle, daß er beabsichtige, an den Anstalten, deren Leiter sich für die Einführung des biologischen Unterrichts anS- sprechen, die Einführung dieses Unterrichts versuchsweise zu ge- statten.(Beifall.) Das Kapitel wird bewilligt. Damit ist die Beratung deS KultnsetatS beendet und die Tagesordnung erschöpft. Nächste Sitzung: Donnerstag 11 Uhr(Etat dcS Ministeriums de? Innern). Schluß 4 Uhr. vernburg! IKoIonialprograrnrn vor der kudgetliomwiisso». (Sitzung vom 25. Februar.) Abg. Lirbert eröffnet die Generaldebatte. Er begrüßt im all« geineinen das Programm. Aber mit den Scblußsolgernngen Dernburgs sei er nicht einverstanden. Dernburg habe nur die Küste, die beiden großen Slädte und die Bahngebiete gesehen. Im Fluge sei er durch die Pflanzungen gekommen(elf Tage l ruft Dernburg I) ...„so. das ist längere Zeit, wie ich glaubte." Dernburg habe nur die Itcnoininiernegcr gesehen. Es sei unbestreitbar, daß der Neger träge, stnpive und gleichgültig sei. nur schioer, selbst unter Anwendung von Gewalt zur Arbeit zu bringen sei. Die Wirt- schaftliche Tutwickelung der Kolonie auf de» Fleiß der Neger basieren, sei eine Utopie. Um diese Anschauung zu begründen, der- gleicht er die Handelsbilanz Deutschlands- mit der Handelsbilanz Ostafrika«. Im weitere» macht er seine Vorschläge, von denen die Erhöhung der Hüttensleuer der wichtigste ist. Er setzt dem Programm als seine Ansicht entgegen: Weniger Optimismus über den Fleiß der Neger, mehr Entgegcnkominen gegen Pflanzer, Haupt« sächlich in der Beschaffung der Arbeiter, Heranziehung neuer Pflanzer iind stärkere Betonung oeS nationalen Charakters der Kolonial- Politik. Dernburg polemisiert gegen Liebert; er schildert den Neger als Landarbeiter und konstatiert auö einem Bericht, daß deutsche Arbeiter nicht mehr leisten als die Neger. Ig einem Bezirk haben sich die Neger sogar zusammengeschlossen, um genossenschaftlich Baumwolle zu bauen. Was die Haltung der Regierung gegen die Pflanzer an- langt, so ist nicht möglich, ihnen in der Beschaffung der Arbeiter mehr cntgcgenzutomiiicii. Die Pflanzer sollen ihre Arbeiter gut be- handeln, dann habe» sie Arbeiter. AuS einem Bericht liest Dernburg vor, daß Arbeiter unter Umständen angeworben werden, die sici, vo» Sklavenjagden überhaupt nicht mehr unterscheiden. — Der Fiskus soll immer die Peitsche in der Hand haben, um den Pflanzern Arbeiter zu beschaffen. DaS tun wir nicht, denn wir haben bei Unruhen die Lerantwortung zu tragen. Bei den Pflanzern herrscht nackter Eigemmtz vor; aus Berichton und Ein- gaben von Pflanzern trägt Dernburg vor, daß Pflanzer verlangt haben, man soll den Eingeborenen die AuSdehmnig der Kautschuk» Pflanzungen verbieten oder die Bäume niederschlagen, da sie de» Weißen Konkurrenz machen. Luch gegen die höhere Besteuerung wendet sich Dernburg sehr entschieden, die Leute mußten bei den dortigen Verhältnissen 200 Tage im Jahre auf der Straße liegen, um ihre Steuern zu zahlen. Liebert verlangt für die Weißen für 4M) Pflanzer besonvere Benefizien. darauf werde ich unter leinen Umständen eingehen. Auch Ansiedler werden wir nicht hinaus locken, eS muß vermieden werden, ein weißes Proletariat dort z» schaffen, sonst kommen wir zu ganz gefährlichen Zuständen. Und die Weißen können ohne Bahnen noch nicht besiehen. sie haben tveit größere Bedürfnisse als die Neger, die Neger aber können ja noch nicht einmal S Rupien Sleuer zahlen.' Zum Schluß schildert Dernburg die Gefahren cineS Ausstandes. bei dem Hmiderttaiisende von Negern totgeschlagen und hunderte Millionen Mark geopfert weiden. Diese Gefahren müssen vermieden werden. Die nächste Aufgabe ist Aus- bau der Verkehrswege. Abg. Arniiig ist im großen ganzen mit Dernburg einver- standen.— Redner will auch rasch Eisenbahnen bauen und hofft davon die Alisdehnung und Sicherung der Herrschaft der Weißen. Die Rechtssicheruna der Eingeborenen sei nicht so not- wendig, auch die Arbeiter bei den Pflanzern würden nicht durch- gängig schlecht behandelt, aber die Arbeiterordmmg sei zu begrüßen. Er verlangt Luxussteuern auf den Schmuck der Frauen, ferner, daß die Negiilung sich der Arbe'teranwerdung mehr annimmt, wodurch der Arbeiterinaiigel wegfalle und Uebergriffe vermieden würden. Im Gegensatz zu Liebert sei er nicht der Ansicht, daß der Neger faul iei. e» müsse mebr auf ein Zm'ammenivirken zioiichen Schwarzen und Weißen hingewirkr lverde». ES sei nicht angenehm, mit dem Inder zu verkehre», dieser sei ein Wucherer und cS seien schon Aufstände durch dieselben entstanden. Gegen die Inder müßten Maßregeln ergriffen werde», welche die Ueberschwemmiing der Kolonie mit Indern der- hüten; Frankreich habe strenge Maßregeln getroffen, die deutsche Regierung sollte sich dem anschließen und die Inder stark besteuerii. Er stellt ickließlich als das Ergebnis einer Aerziekonferenz fest, daß einige Distrikle in Ostafrika sich zur Mastenansiedelung von Weißen eignen, aber Borbedingung seien Eisenbahnen. Abg. Spahn meint, daß Dernburg doch recht viel Wasser in seinen Wein getan habe, wenn man sich seine Rede vor Augen halte, die er voriges Jahr in der Kolonialgesellschaft gehalten habe. Mit dem Wirtschastsprogramm DernburgS ist er einverstanden; die Neger müßten zur Arbelt erzogen werden, damit werde auch der Kullivierung vorgearbeitet, denn die Erziehung zum Ehristeiitum gehe»nr durch die Arbeit. In der Inder- und Araber- frage neige er mehr der Ansicht ArningS zu. Was den Bahnbau an- langt, so lSnne er sich wohl nicht für die Bahn nach Dabnssa er- wärmen, man solle nur Slichbahnen bauen und die Flüsse schiffbar zu mache» suchen; hier sei noch zu wenig geschehen. In nationaler Beziehung müßte die Verbindung des Mutierlandes mit den Kolonien eng geknüpft werden, ohne die Selbständigkeit des Negers zu ver- nichten. In der Beurteilung der Neger könne er keinesivegS Liebert beitreten, der im Petersprozeß in München eine sehr schiefe Ausfassung zum besten gegeben habe.— Spahn glaubt an die Enlwicketung der Kolonie, aber man müsse sich mit Geduld wappnen, es gehe sehr langsam. Der Eisenbahnbau möge nicht allein in den Vordergrund gerückt werden, der Straßenbau sei ebenso wichtig. Aach die Planiagen möchte er fördern, wobei aber der Staat die Zuführung der Arbeiter nicht übernehmen darf. Das Zentrum werde die WirtschaftSpolitil Dernburgs uiiterstiiyen. Abg. Frhr. v. Richthofen will mit dem Eisenbahnbau ein raschere« Tempo einschlagen als Spahn; es solle deutsche Kultur gefördert werden, was nur durch Verkehrsmittel möglich fei. Aus Ostafrika dürfe kein Negerland gemacht werden, in denen vielleicht die Weißen schlechter stünden als die Ein- geborenen. Redner verlangt Ärbcitszwang gegen b i e Neger, mehr indirekt als direkt, es soll das Eiiaagernent der Schwarzen geregelt werden, wie daS hier mit den Galiziern durch die Feldzentrale geschehe. Das Ziel müsse sein: Kultivierung der Neger, Förderung der Ansiedelung und vor allem rascher und umfangreicher Bahnbau; die Schiffahrt scheine ihm keine Zukunft z» haben. In der Steuerfrage macht sich von Richtbofen den Pflanzerstandpunkt zu eigen, die die Lebensmittel» ölle den Einaeborcne» um 25 Proz. erhöhen wollen, um sie durch Hllngcr zur Arbeit zu zwingen. Dafür soll man den Rotwein- und AUobolzoll der Weißen ermäßigen. Dernburg verteidigt die Inder gegen den Vorlviirf, daß sie Wucher treiben. Wir herrschen in Ostafrika durch da« Ansehe»»nserer Waffen, tvill man aber Handel treiben, da muß man sich auf gleichen Boden mit den Eingeborenen stellen. Und deshalb brauchen ivir den Inder, der unter demselben Recht steht wie der Schwarze, nur geprügelt darf er nicht werden, das hat sich die britische Rc« gierung ausbedungen, aber Kcttenhnft und Zuchthaus droht ihm wie dem Eingeborenen. Der weiße Handler bildet eine große Gefahr. man vergesse doch nicht, daß die Uebergriffe der Händler den letzten Anstoß zu dein Aufstande»n Süd- ivestafrika gegeben haben. Ich will das Land den Indern nickt überlassen, aber den Handel fördern, eine Kolonie schaffen. welche den Reichsiäcke! nicht mehr belastet. Religion, Ethil und Kultur kommen hinterher.— Weiter polemisiert der Staats- sekretär gegen Liebert und die Pflanzer; daß et nichts von Afrika gesehen habe, sei eine gehässig« Unterstellung, die Pflanzer wollten ihm keinen Einblick in ihren Betrieb gestatten.— Ganz allgemein genommen handelt es sich in der Kolonie um einen Interessen- kämpf zwischen Händler und Pflanzer; die letzteren wollen billig? Löhne. die anderen Kultur und winschastlichc Eiitwickelung, die dem Handel Absatzgebiete eröffnen, welche bei billigen Löhnen ausgeschlossen sind. Er wolle gewiß nicht einseitig sein, lasse sich von de» Pflanzern aber auch nicht auf eine Seile drängen. DaS Deuischtnm wolle er durch die Verwaltung und Gesetze verbreiten, das scheine ihm sicherer, als die Erziehung der Schwarzen Leuten zu überlassen, die daheim noch erzogen ioerden müßten. Die Leute, die in die Kolonien gehen, fangen alle eine neue Existenz an. weniger als 25 Proz. sind vier Jahre dort, wie soll da von Erziehnng die Rede sein. In der Arbeiterfrage werde Richthofenö Anregung nachgegangen werden, aber man könne der schwachen Bevölkerung wegen die Schwarzen nicht au« dem Inner» ziehen. Zur Kleinsiedlerfrage be- merkt er, daß die Regierung keine Werbetaligkeil entfalten würde, diese Entwickelung setze voraus, daß die Siedelungen prosperiere» und Absatz finden, was nur mit Bahnverbindung denkbar ist. Damit schließt die Sitzung; morgen geht die Debatte weiter. parlamentarifcbes. Einkauf. Im Reichstage gingen ein: Geschäflsbericht deS Reichs Militärgerichts für 1907. Berichte der W a h l p r ii f n n g ö k o m m i s s i o n über die Wahlen der Abgg. Eickhoff(1. Düsseldorf) und v. Byern (3. Magdeburg). Eiinvurf cineS ScheckgesetzcS(nach den Beschlüssen dritter Beratung). Em IndulYrie und Handel Die deuschcu Aktiengesellschaften im Jahre 1907. Von den zirka vo» 5600 Aklicngcsellschaften, die gegcnlvärtig w Deiitschland ihre Tätigkeit entfalten, haben im Jahre 1907 nur 4643 Gesellschaflen ihre Bilanz veröffentlicht und zwar so. daß anS ihr der Reingewinn r e s p. der V e r l u st ermittelt iverden konnte. Die 4643 Gesellschaften hatten zusammen ein Aktienkapitok im Nominaliuert von 12,61 Milliarden Marl. Von der Gesamtzahl der beriicksichiigten Gesellschaften haben nach den im Jahre 1907 ver- öffentlichte» Bilanzen 4072 einen Reingewinn im Betrage von rund 1,61 Milliarden Mark aufzuweisen gehabt, lväbrend 571 Gesellschoflcn mit einem Aklieukapital von 633,95 Millionen Mark zusammen einen Verlust von 100,76 Millionen Mark zu verzeichnen hatten. Für fämtlichv berücksichtigten Akliengesellschaften ergibt sich nach Abzug deS Ver- lusteS ein Neingewum in der Höhe von 1515,23 Millionen Mark. Auf das Nominalkapttal berechnet macht dieser Gewinn 12.01 Proz. auS. Aus dem Reingewinn wird die Dividende verteilt, die für 3 521 Gesellschaften ermittelt werden konnte. Das Nominalkapital dieser Gesellschaften stellte sich auf 11,23 Milliarden Mark. Auf diese Kapitalsumme wurden aus dem im Jahre 1V06 verrechneten Reingewinn 973,34 Millionen Mark als Dividende verteilt oder 8,7 Proz. Im Jahre vorher hatte die Dividende auf das nämliche Aktienkapital 8,1 Proz. ausgemacht. Die Aktiengesellschaften, die an der Berliner Börse gehandelt werden. verteilen eine merklich höhere Dividende als sie unserem Durchschnitt entspricht. 1995 betrug diese Dividende 9,49, 1996 dagegen 19,58 Proz. ftür daS Jahr 1997 liegen erst vorläufige Berechnungen vor. Für die Aktiengesellschaften, deren Werte an der Berliner Börse gehandelt werden, stellte sich die Dividende auf zirka 11.99 Proz._ KSnigSborn Aktiengesellschaft für Bergbau, Salinen und Sool- betriebe. Die Aktionäre der Gesellschaft erhalten für das letzte Jahr 16 Prozent Dividende. Im Vorjahre wurden 12 Prozent aus- geschüttet._ Dividenden-Ernte. Der Essener Bergwerksverein erzielte im Jahre 1997 einen Reingewinn von 2 725 995 M. gegen 2 129 236 M. im Jahre vorher. Also trotz der angeblich autzerordentlich gesttegenen Löhne eine ganz ansehnliche Gewinnsteigerung. Diese wird durch folgende Zahlen noch deutlicher markiert. Es betrug: 1996 M. 11 118 553 4 523 861 2 129 286 1997 M. 12 987 996 5 333 619 2 725 995 Die Einnahme.., Die Gesamtlohnsumme Der Reingewinn.... Mithin pro 1 M. Lohn summe Reingewinn. 9,47 9,51 Dabei ist noch zu berücksichtigen, daß für das letzte Jahr die Zinsenlast infolge der letzten Anleihe um fast 399 999 M. gewachsen ist. Die Aktionäre erhallen für das Kummerjahr 29 Proz. Dividende, Vorzugsaktien 25 Proz. I» dem Geschäftsbericht der Gesellschaft wird behauptet, die Selbstkosten seien per Tonne um rund 1 M. gestiegen. Solche Fest- stellungen sind ganz wertlos. Die Wertbereckmung ist ganz willkürlich, sie ersaht nicht die Nebenerzeugung, DaS illustrieren diese An- gaben. Es betrug: 1995 1996 1997 Kohlenförderung. To. 815 869 966 559 1916 966 Reingewinn insges. M. 1 315 994 2 129 285 2 725 995 . pro Tonne Förderung... 1,613 2,293 2,682 Demnach ist der Reingewinn pro Tonne Förderung, trotz der rechnerischen Selbstkostensteigerung von 1 M. ganz erheblich ge- wachsen._ Goldernte der Stahlverbandsmitglieder. Die„Rhein. V.-Ztg.* berichtet: Nachdem der Stahlwerksverband erst am Anfang des Januar 1993 seinen Mitgliedern aus dem Reingewinn des Geschäfts- jahres 1997/8 einen Betrag von weit über 7 Millionen Mark über- wiesen hatte, niachte er jetzt neuerdings eine weitere Abschlags« zahlung auf den Reingelvinn und schüttete auf die Mitglieder eine Sumnie von annähernd derselben Höhe aus. Die Werke erhalten aber jetzt wiederum teilweise ganz erhebliche Beträge, so z. B. König Aktiengesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb in Hörde etwa 499 999 Mark usw., je nach den Lieferungen in dem Zeitraum vom 1. April 1997 bis Ende Januar 1993. Konjiinktitrscgen. Die Ravensberger Spinnerei in Bielefeld, die im Vorjahre— nur 8>/g Proz. Dividende herausbringen konnte, schüttet für das letzte Jahr 16-/z Proz. auS.— Die Aktionäre der Delmenhorster Linoleumsabrik müssen sich mit 22 Proz. Dividende bescheiden. Die Textilindustrie in Sachsen. Im Jahre 1995 belief sich nach den Zusammenstellungen deS Staatsversicherungsamtes in Deutsch land die Zahl aller getvrrbetätigen Personen auf 19 279 999 oder fast 29 Proz. der Bevölkerung. In Sachsen waren gewerbetätig 1159 999 Personen oder 39 Proz. aller Einwohner. Davon waren in der Textilindustrie beschäftigt: im Reick 993 999(9,7 Proz. aller im Reicks Gewerbetäligen), in Sachsen 267 999(23 Proz. aller im Reiche Gewerbetätigen). Von allen im Reiche in diesein Industrie- zweige tätigen Perionen entfielen also auf Sachsen 27 Proz. Soziales. KrankenkasienvorstSnde als Organe der BerstcherungSanstalt. § 148 des JnvalidenverfichrrnngSgesetzeS bestimmt:„Durch die Landeszentralbehörde oder mit ihrer Genehmigung durch das Statut einer Versicherungsanstalt oder mit Genehmigung der höheren Ver- waltungsbchörde durch statutarische Bestimmung eines weiteren Kommunalverbandes oder einer Gemeinde kann angeordnet werden, datz die Beiträge aller invalidenversicherungspflichtigen Personen durch rcichs- oder landesgcsetzlich« Krankenkassen oder Knappschafts- lasse» für Rechnung der Versicherungsanstalt eingezogen werden." Auf Grund dieser Bestimmung ist nun für die Gemeinde Viersen mit Gcnchiiiigung des Bezirksausschusses zu Düsseldorf ein ent- sprechendes Ortsstatut erlassen worden. Danach haben die einzelnen Kassen die Beiträge für die Invalidenversicherung einzuziehen und die Marken in die Quittungskarlen einzukleben. Tie Bersichcrungs- anstalt der Rheinprovinz glaubte nun Anhaltspunkte dafür zu haben, daß in Viersen verschiedentlich zu niedrige Beiträge ein- gezogen worden seien. Sie übergab demnächst der Ortskrankenkasse II zur Weitergabe an die Unternehmer Formulare, welche mit Lohw nachwcisuugen ausgefüllt werden sollten. Ter Zweck war. Unter lagen zu schaffen für ein« richtige Beitragslcistung zur Invaliden- Versicherung. Die Versicherungsanstalt stützte sich auf ihre im ß 161 des JnvalidenbersichcrmigsgesetzeS festgelegte Berechtigung und Verpflichtung, die rechtzeitige und vollständige Entrichtung der Beiträge regelmäßig zu überwachen.— Die Vorstandsmitglieder der Krankcnlasse weigerten sich, dem Verlangen der Bersichcrungs- anstalt nachzukommen und die Formulare weiter zu geben. Sie bestritten, dazu verpflichtet zu sein. Auf Veranlassung der Versicherungsanstalt schritt nun der Bürgermeister als AnfsichtSbehörde gegen die Mitglieder des Kassen. Vorstandes ein. Er erklärte sie für verpflichtet, das Verlangen der Anstalt zu erfüllen und drohte ihnen gemäß§ 45 des Krankenversiche- rungsgesetzes Geldstrafen an, falls sie nicht binnen einer bestimmten Frist dem Verlangen nachkämen. Der Kassenvorstand klagte darauf im Verwaltungsstrcitver- fahren, um eine prinzipielle Entscheidung der Frage herbeizuführen. Die Vorstandsmitglieder führten aus, sie seien nicht verpflichtet, die Ausfüllung der Listen mit Lohnnachweisungen herbeizuführen. Weder das Gesetz, noch das Ortsstatut böten dafür eine Grundlage. Auch habe ja der Kassenvorstand nichts verabsäumt, sondern die Unternehmer hätten es unterlassen, die richtigen Löhne anzugeben. Der Bezirksausschuß wies die Klage ab. Er führte aus: Da die Kasse nach dem Ortsstatut die Beiträge zur Jnvalidenversiche- rung einzuziehen habe, so habe der Vorstand auch dafür zu sorgen, daß die Beiträge in der vorgeschriebenen Höhe eingingen. Taraus ergebe sich die Verpflichtung der klagenden Vorstandsmitglieder zur Weitergabe jener Formulare, da ihre Ausfüllung ja dazu dienen solle, zu ermitteln, ob und in welchen Fällen zu niedrige Beiträge eingezogen und zu niedrige Marken geklebt worden seien. Der 3. Senat des preußischen OberverwaltungsgcrichtS be- statigte dieser Tage dies Urteil als zutreffend. Der Senat be- merkte noch: Wenn eine Regelung nach§ 148 des Jnvalidenver- ficherungSgesetzes getroffen sei, dann könnten die in Betracht kommenden Krankenkassen durch die Aufsichtsbehörde angehalten werden, zu tun, was hier den Borstandsmitgliedern auferlegt worden sei. Unter diesen Umständen seien sie als Organe der Versicherungs- anstalt dazu verpflichtet. �ericdts- Leitung. Scherl-Nachdruck? Fräulein Hedwig Teßmar hatte unter dem Namen Hedwig v. B. daS Illustrierte Bittona-Kochbuch verfaßt, das bereits in mehreren Auslagen gedruckt worden ist. Darauf ließ August Scherl-Berlin ein ähnliches Kochbuch verfassen und unter dem Titel„Großes Illustriertes Kochbuch" als Weihuachtsprämie zum Verkauf bringen. Fäulein T. behauptet nun, daß August Scherl ihr Kochbuch nach- gedruckt und in 199 999 Exemplaren zu 3 Mk. abgesetzt habe. Sie sei dadurch geschädigt und ihre Arbeit gänzlich vernichtet, weil sie ihr Kochbuch bei einem kleinen Verleger nicht unter 4.59 M. dem Publikum liefern könne Es komme also außer dem schadhaften Nachdruck auch Verstoß gegen die guten Sitten in der Handlungs- weise selbst in Frage. Hauptsächlich auf diese Punkte gestützt klagte die T. gegen Scherl, da dessen als Weihnachtsprämie ver- breitetes Kochbuch eine große Reihe der von ihr gesammelten und in ihrem Kochbuch enthaltenen Rezepte übernommen habe, mitunter nur mit kleinen redaktionellen Abänderungen. In einem erst gegen August Scherl angestrengten Strafverfahren wurde dieser von der Anklage des Nachdrucks freigesprochen, da nach dem Gutachten des seinerzeit noch bestehenden literarischen Sach- verständigenvereinS ein strafbarer Nachdruck nicht vorliege. In dem dann angestrengten Schadenersatzvcrfahren bezog sich das Land- gericht I zu Berlin auf dasselbe Gutachten und erkannte ebenfalls auf Abweisung der Klägerin. Im selben Sinne entschied auf die Berufung der Klägerin auch das Kammergericht zu Berlin auf Ab- Weisung der Klage. In den Entscheidungsgründcn erklärt daS Kammergericht, daß es dem Gutachten der literarischen Sachver- ständigenkammer, die dem Gutachten deS Sachverständigenvereins beigetreten sei, beipflichten müsse. Die Sachverständigenkammer habe ein eingehendes Gutachten erstattet und hätten danach 511 Rezepte des Scherlschen Kochbuchs solche Aehnlichkeit mit denen des klägerischen Kochbuchs, wie sie bei der allgemeinen Gleichartigkeit und Aehnlichkeit der Speisen immer entstehen müßten, bei zirka 264 sei eine Benutzung wahrscheinlich, bei weiteren 152 ließen sich nur geringe Abweichungen erkennen, während die anderen zirka 1999 Rezepte aus eigenen Arbeiten beruhten. Es liege also bei einem Siebentel der ganzen Rezepte eine nahezu identische Wiedergabe vor. Da es sich hier jedoch um ein Kochbuch handele, dessen Ver- fasser nicht jede einzelne Speise selbst erfunden oder durchprobiert haben kann, so müsse man Rücksicht darauf nehmen, daß stets Wiederholungen vorkommen, wie auch immer ein Kochbuch von dem anderen teilweise benutzt werde. Die Klägerin selbst habe viele Rezepte der Großmutter wiedergegeben, von diesen sei aber anzu- nehmen, daß sie ebenfalls aus anderen Kochbüchern stammen, denn Frauen pflegten sich nur diese Rezepte aufzuschreiben, die sie nicht aus ihren eigenen Erfahrungen besäßen. Das könne jedoch in diesem Falle niemandem zum Vorwurf gemacht werden. Das Nachdruck- verbot gehe nicht soweit, daß auch in den kleinsten Teilen eines Werkes teilweiser Nachdruck verboten wäre; denn dann wäre eine Fortentwickelung jeder wissenschaftlichen Verbreitung überhaupt ge- .emmt, da man sich bei Ausarbeitungen von fördernden Schriften teilweise immer wird auf ältere Werke beziehen müssen. Bei einem Kochbuch könne man auch nicht verlangen, daß der Verfasser, von dem entnommen wird, immer angegeben wird, bei wissenschaftlichen Werken sei das etwas anderes. Allerdings sei es in diesem Falle inkorrekt vom Beklagten, daß er bei irgendwelchen Entnahmen die Verfasserin nicht genannt habe, aber ein Vorwurf auf Grund des Urheberrechts sei darauf nicht zu stützen. Die von der Klägerin gegen das kammergerichtliche Urteil ein- gelegte Revision wurde vom 1. Zivilsenat des Reichsgerichts zurück- gewiesen. Das vom Reichsgericht bestätigte Urteil dürfte im Gegensatz zu der Urhcberschutzwut mit Ausnahme des Teils zutreffen, der an- nimmt, der Verfasser, von dem entlehnt ist, brauche bei einem Kochbuch nicht angegeben zu werden. Die Angabe der Quelle ent- spricht nicht nur einer Anstands-, sondern einer Rechtspflicht. Eine Klage auf Unterlassung des ferneren Abdrucks der Quelle würde wohl Erfolg haben. Für die Beurteilung der Schadenersatz- klage war diese Frage freilich unerheblich, wenngleich es der Ge- pflogenheit in Verlags- und Autorireisen entspricht, in einem Falle, wo in so erheblichem Maße ein anderes Buch geplündert wird, des Autors Genehmigung nachzusuchen und ihm für die Erteilung der Genehmigung ein Entgelt zu zahlen. Der Obersttitel deS Herrn Gaedke und daS Kammergericht. Die sattsam bekannte Titclaffäre des vormaligen Oberst Gaedke beschäftigte gestern den zweiten Strafsenat des Kammer- gerichts. Es handelte sich darum, ob Gaedke durch unbefugte Führung des Titels Oberst a. D. sich strafbar gemacht habe, nach» dem ihm, anschließend an ein ehrengerichtliches Verfahren, wegen seiner publizistischen Tätigkeit durch Kabinettsorder untersagt worden war, diesen Titel weiter zu führen. Schon einmal befaßte sich das Kammergericht im Oktober 1996 mit der Angelegenheit. Es entschied damals zwar zu seinen Gunsten, aber unter der aus- drücklichen Betonung, daß es nur deshalb geschehe, weil dem An- gcklagen die rechtsgültige Kabinettsorder von 1994 nicht zugestellt worden sei.— Der König erneuerte am 27. Dezember 1996 die Kabinettsorder, welche Herrn Gaedke zugestellt wurde, worauf dann wieder gegen Gaedke wegen Führung eineS ihm nicht zu- kommenden Titels strafrechtlich vorgegangen wurde. Vom Land- gericht als Berufungsinstanz wurde er dann auch zu 159 M. Geld- strafe verurteilt, lieber seine Revision gegen dieses Urteil hatte nun gestern das Kammergericht zu entscheiden. . Das Kammergericht kam nach langer Beratung um 6� Uhr abends zum Urteil. Die Revision des Angeklagten wurde verworfen._ Wegen Vertragstreue angeklagt. Am Montag hatten sich die Dreher Kruschwitz, Knöfelt, Töllner» Schob und Flottweg wegen Beleidigung, 5lörpervcrletz«»g und Ver- gehcnS gegen§ 153 der Gewerbeordnung vor defci Schöffengericht zu verantworten. Sie sollten ber Gelegenheit des Streiks in der Automobilfabrik der Allgemeinen Elcktrizitäts- Gesellschaft im November v. I. diese Delikte gegen eine Anzahl„Gelber" verübt haben, um durchzusetzen, daß in der Automobilfabrik nur Angehörige des Deutschen Metallarbeitcrverbandes bcsckiäftigt würden. Die Strafanzeige war elsiattet von dem damaligen Führer der Gelben in der Automobilfabrik, dem Dreher Lux. Die Angeklagten be- stritten die ihnen zur Last gelegten Taten. Ihr Verteidiger, Rechts- auwalt Heineiiiann, machte geltend, daß eine Verabredung, wonach nur Angehörige des Deutschen Metallarbeiterverbandes in der Automobilfabrik bcschäftfgt werden sollten, niemals von den Ar- bcitern getroffen sei. Auch habe der Streik— und aus diesem Grunde scheide bereits der§ 153 aus— nicht die Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen zum Ziel gehabt, die Streikenden hätten sich vielmehr nur gegen Lohnabzüge, welche trotz Bestehens des Tarifvertrages von der Fabrik vorgenommen seien, gewehrt, mithin lediglich das verlangt, worauf sie einen ver- tragsmätzigen Anspruch hatten. Die Beweisaufnahme bestätigte die Rlchligkeit dieser Behauptungen. Der Hauptbelastungszeuge Lux war zum Termin nicht erschienen. Als der Richter mitteilte, daß derselbe nicht auffindbar«esei, trat der jetzige Führer der Gelben in der Automobilfabrik, Bcyersdorf, aus dem Zuschauer- räum hervor und erklärte, daß er sofort den Lux herbeizuschaffen in der Lage sei. Nach wenigen Minuten meldete Bcyersdorf triumphierend. Lux werde sofort„mit einem Automobil herbei- geschafft werden". Lux bekundete allerlei Freveltaten der An- geklagten, muhte sodann aber zugeben, daß er das nieiste nur vom Hörensagen wisse. Er selbst konnte aus eigener Wissenschaft den Äiigeklagten nur wenig zur Last legen. �Der AmtSanwalt be- antragte gegen Kruschwitz, Knöfelt und Töllner eine Gefängnis- strafe von zwei Wochen, gegen die übrigen Angeklagten, gegen die nichts erwiesen war, die Freisprechung. Ter Verteidiger führte aus, daß aus dem obcngcnaimten Grunde der§ 153 ausscheide. Bon der Anwendung dieser Bestimmung könne übrigens schon deshalb keine Rede sein, weil die Angeklagten nach der eigenen Behauptung der Belastungszeugen iic nur zur Arbeitsniederlegung aufgefordert hätten. Das Reichsgericht stehe jedoch jetzt, wie daS vom Verteidiger überreichte, von uns in der Sonntagsnummer bereits mitgeteilte Urteil gegen RyoSk ergibt, auf dem zutreffenden Standpunkt, daß das Gesetz unter der Aufforderung zur Teilnahme au einer Verabredung nur die Aufforderung zur aktiven Be- tätiguug für die Koalition verstehe, nicht die bloße Aufforderung zur Untcrlasiung der Weiterarbcit. Wegen der durch die Beweis« aufnähme erwiesenen geringfügigen Beleidigungen sei eine kleme Geldstrafe nicht bloß mit Rücksicht auf die Unbesckoltenheit der Angeklagten am Platze, sondern vor allem auch deshalb, weil sie durch den Streik lediglich versucht hätten, unberechtigte Lohn- abzüge abzuwehren. Daß sie dgbci von höchster Erbitterung gegen diejenigen erfüllt sein mußten, die es durch ihr Weiterarbeiten der Firma ermöglichten, die Lohnabzüge durchzusetzen, werde man begreiflich finden. Das Gericht sprach Schob und Flottweg frei und verurteilte Kruschwitz und Töllner zu je 39 M. Geldstrafe, Knöfelt zu 15 M. Geldstrafe, indem als strafmildernd hervorgehoben wurde, daß die Angeklagten nicht einen frivolen Streik heraufbeschworen, sondern sich lediglich dagegen gewehrt hätten, daß eine Verschlechterung ihrer Lebenshaltung gegenüber dem Tarifvertrag durch Lohnabzüge einträte, Huq der frauenben>egung. Gleiches Recht für alle! Mit dem Erwachen der Frau aus Jndifferentismus und Un» wissenhcit trat der politische sowohl als der wirtschaftliche Kampf in eine neue Phase ein. Die bürgerlichen Parteien hatten für die Frauenbewegung zunächst nur Hohn und Spott. Nur die Sozialdemokratie trat von jeher für die Gleichstellung der Gc- schlechter ein. Der Druck des Kapitalismus schmiedete mit eiserner Macht die ausgebeuteten, unterdrückten Proletarier, Mann und Frau, zusammen, ihr Los und ihr Ziel waren die gleichen. Dieser Entwickelung sah man auf bürgerlicher Seite mit unverhohlenem Erstaunen und wachsender Angst zu. Bald sann man auf Gegen- mittel, um der revolutionären Flut einen Damm entgegenzusetzen. Sie, die vorher mit faden Witzchen und geistlosen Zirkusspößcn den Schrei der Frauenwelt beantwortet hatten, wurden nun mit einem Male von dem Ernst der Situation überrascht.„Alle Frauen an Bord!" hieß es nun und eine fieberhafte Tätigkeit begann, um die bürgerlichen und nach ihrem Wunsche auch die proletarischen Frauen ihren reaktionären Zwecken dienstbar zu machen. Selbst die Zcntrumspartei rief ihre schwarzen Kuttenmänner auf den Plan. Furcht vor dem sozialistischen Sicgeszuge ist die Ursache des Eifers. In den Kreisen der glücklich Besitzenden findet der Kampf naturgemäß nur einen schwachen Widerhall. Die zarten, ästheti« scheu Damen brauchen keine politischen Rechte; Toiletten-, Ver« znügungs- und Sensationsfrogen füllen ihr Leben aus. Beim Bürgertum wirst die Fraucnsrage schon höhere Wellen, da in diesen Kreisen bei den Frauen die Erwerbsarbeit schon eine wichtige Rolle spielt, was die Forderung nach Gleichberechtigung mit den Klassengenossen nach sich zieht. Die Interessen der Proletarierinnen sind für die Damen nicht so„brennend". Hat doch Fräulein LischnewSka, die sich selbst als„linksradikal" bezeichnet, sich unlängst gegen die Einführung des Reichstagswahlrechts erklärt und nur eine„stufenweise" Einführung desselben gefordert; desgleichen hat sie dem neuen Vcrcinsgesctzeiitwurf zugestimmt. Auch die Herren Gerlach und Breilscheid schicken das Frauenwahlrecht immer wieder, aus„Zweckmäßigkeitsgründen" natürlich, zurück in die Großvater- trübe und vertrösten, unter der Versickerung ihrer unerschütterlichen Sympathie, auf bessere Zeiten.„Wasch mir den Pelz und mach ihn nicht naß", kann man auch hier sagen. Nur die Sozialdemokratie geht zielbewußt und unbeirrt ihren Weg. Gleiches Recht für alles was Menschenantlitz trägt I Diese Losung zu verwirklichen, ist die Aufgabe der modernen Arbeiterbewegung. Versammlungen— Beraastaltmige». Wilhelmsruh. Donnerstag, den 27. Februar, 8M» Uhr, bei Barth: Vortrag. Genosse Schenk:»Die Stellung der Frau in alter und neuer Zeit"._ Lese- und DiskutierNub Heinrich Heine«. Heute abend»>/, llhr Sitzunz bei Bolze. Rodenbergstr. 8. Lese- und Diskutierklub.Eintracht«. Heut« abend 8'/, Uhr bei Beetz Gotzlerstr lv/ll- Sitzung. Käslc willkommen. Leke- und Diskutierklub„Wilbclm Liebknecht«. Heut« abend 8'/, Uhr bei Zahl. Danziger Straße 93. Lese- und Diskutierklub»»Südost«. Heute abend 6'/, Uhr bei Tolksdors, Görlitzerstr. 58. Vermischtes. Schneestürme. Große Schneemassen sind in der gestrigen Rocht im Riesen» g e b i r g e und- auch in den Tälern niedergegangen. Nach einer Meldung auS Hirschberg ist der Straßenbahnbetrieb eingestellt, sehr viele Telegraphen- und Telephonleitungen sind zerstört. In den Wäldern ist starker Schneebruch eingetreten. ES schneit ununter« brachen weiter. Auch im Achenseegebiet und im Paznauntale herrschten, wie ans Miincken gemeldet wird, in den letzten Tagen derartige Schneestürme, daß unter anderem der Ort Galtür fünf Tage lang infolge des Schneetreibens und der Lawinen von jeglichem Verkehr abgeschnitten war. Aus Oben st darf(Algäu) wird berichtet: Die letzten Tage brockten reichlichen Schneefall. Im lleinen Walsertale, wo sich im vorigen Jahre durch den Abgang der Ahomlawine vom Heuberg eine entsetzliche Lawineiikatäslrophe ereignete, betrug die Höhe des Neuschnees bereits vor drei Tagen 1,15 Meter. Inzwischen hat es — teilweise unter Blitz und Donner— fast unaufhörlich weiter geschneit. Der Donner niedergehender größerer und kleinerer Loimnen erschüttert jetzt täglich die Luft in dem sonst so stillen Tale. Gestern ist die gesürchtete Ahorn lawine am Heuberg unter Dounergetöse niedergegangen. Dank der im letzten Sommer und Herbst errichteten Schutzbauten erreichte die mächtige Schneelawine den Straßenkörper nicht._ Eröffnung der Oderschiffahrt. Die Oderschiffahrt ist, wie aus Breslau gemeldet wird, vorgestern wieder eröffnet worden. Gesunkener Fischdampfrr. Der in Boston(England) beheimatete Fischdainpfer„Seal" ist, wie aus Hamburg berichtet wird, in der Nordsee infolge Schaftbruches gesunken. Die aus neun Mann be« stehende Besatzung wurde im Rettungsboot treibend von einem englischen Dampfer aufgefunden und in Hamburg gelandet. In den Alpen verschwunden. Aus Lausanne wird berichtet: Zwei Angestellte der Eidgenössischen Bank, der 24 jährige Reichs- deutsche Otto Meyer und Arnold Böhm aus Bern, verließen am letzten Sonnabend um 9>/z Uhr abends Bex. um eine Skitour in die Waatländer Alpen zu unternehmen.� Beide sind seither ver- schwunden. Die zur Aufsuchung auSgesaudtcn Führer find zurück- gekehrt, ohne etwas ermittelt zu haben, werden aber nochmals abgehen. Bahminfakl. Nach einer Meldung auS Wien entgleiste infolge eines Dammrutsches auf der Strecke Linz— Selztal ein Personenzug. Ein Passagier ist tot. drei wurden schwer und zwei leicht verletzt. Hochwasser. Infolge rapiden SteigcnS der Moldau ist Prager Meldung zufolge Hochwasser eingetreten. Die Behörden trafen um« fassende Maßregeln.__ verantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag-Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 48. 25. Iahrgasg. killiße des Fmiirls" fttlinrt UsIIlsM Mittwoch, 26. Februar 1908. Partei- Hngclegenbeiten« Erster Wahlkreis. Soitjrtog, den 1. März, abends 6 Uhr: Versammlung mit Frauen in der.LebenSquellc", Kommandanten- stratzs 20. Vortrag des Stadtverordneten Waldeck M anasse über.„Vom Tascinskamvk»ur DaseinSfrcude". Nachdem: Ge- selligeS Beisammensein uckd �anz. Eintritt mit Garderobe und Tanz 20 Pf. Um zahlreiches?, Erscheinen ersucht Der Vorstand. FriedrichShagen. Heute abend 8� Uhr findet im Restaurant Wilhelmsbad ein E x t ry!Kt!.h� a b e n d statt. Unter anderen An- gclegenhcitcn soll auch die Lgitationsarbeit zur bevorstehenden Ge- mcindewahl besprochen ttflften. Das Erscheinen aller Genossen ist dringend notwendig,.«uVs. Der Vorstand. Lankwitz. Heute abend Uhr findet bei Rettger, Calandrelli- firatze 27/29, die regelmäßige Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins statt. Auf der Tagesordnung steht unter anderem: Vor- trag des Genossen Schütte über:„Georg.verwegh" und Aufstellung der Kandidaten zur Gemeindevertreterwahl. Der Vorstand. sieht den Am Ge Offenbar lebhaft zu LerUmr J�acbricbten» Achtung! Augen— links! Unter den Linden. Zur Zeit der Hochflut. Hastend schiebt sich die Menge vorwärts. Nur an jeder Straßen kreuzung gibt es eine Stockung. Wagen auf Wagen, Droschken, Omnibusse, Automobile usw. rollen vorbei. Selbst die Linden werden förmlich zu eng für diesen Verkehr. Der Beobachter denkt: man niüßte den Verkehr auf das notwendigste be schränken. Ablenken. Teilen. Aber der Beobachter denkt und die Polizei lenkt. Jedenfalls denkt sie nicht. Trupp auf pp kommen Soldaten daherniarschiert. Breite, unerbittliche Kolonnen. Alles weicht aus. Sogar die Wagen. Es � als ob die Wagen selbst fürchteten, von der bewaffneten ht über den Haufen geworfen zu werden. Der Führer, ein Unteroffizier, bald ein Gefreiter, späht ängstlich uniher damit ihm nicht irgendwo in Berlin und Umgegend Offizier entgeht, dem man die„Ehrenbezeugung" eisen mutz. Da ist schon wieder einer. Er schaut gar nicht hin. schämt sich offenbar ein wenig des Auftritts, der sich gleich ereignen soll. Schon geht es los: Achtung I— Augen links I Der Gefreite schreit es mit einer Stimme, wie ein königlich preußischer Heldenschauspieler. Die Köpfe fliegen links herum, die Beine in die Luft. Und dann hauen diese Beine auf das Asphaltpflaster herunter. auf das teuere Asphaltpflaster, daß sich das Niveau der Straße um einen halben Zentimeter senkt. Ein Teil des Publikums, besonders allerlei Damen, lächelt auf eine seltsame, stolze Weise. Denkt bei sich jedenfalls: Ja ja, so etwas kann man doch nur in Deutschland I Wie das klappt und tappt I Ein mittelgroßer Mann ist stehen geblieben, Soldaten verwundert nach. Dann grinst er. ficht erkennt man deutlich den Slaven. ein Russe, der hier studiert. Er scheint sich amüsieren über das Schauspiel. Ein paar deutsche Studenten sehen ihn grollend, verächtlich an. Was weiß auch dieser Mann aus dem Barbarenlande von preußischer Kultur! Was weiß er vom Stechschritt und seiner Bedeutung für die Ent Wickelung des Geisteslebens I Ist es nicht der Parademarsch, wie ihn Friedrich II. und sein Vater üben ließen, dem wir letzten Endes das Aufblühen der deutschen Literatur, dem wir Schiller, Goethe usw. zu verdanken haben? Mann aus Nuß land, gehen Sie in den Hörsaal eines preußischen Historikers I Daun werden Sic bald verstehen, warum die Soldaten den Asphaltboden mit Fußtritten bearbeiten, wenn sie einen Offizier gewahr werden. Dann werden Sie auch nicht mehr lachen über den Soldaten, der schräg gegenüber der Hofoper auf einem eigens hergerichtcten Sockel steht, in vorschriftsmäßiger preußischer Dcnkmalspose, und nach Epaulettcs ausspäht, um die ganze Wache zu alarmieren. Sie werden nicht mehr lachen bei der Ablösung dieser Wache, wenn ein Musikkorps heranrückt unter marschmäßiger Abspielung einer Melodie, die zum Marschieren etwa so geeignet ist, wie„Heil Dir im Siegcrkranz" zum Polkatanzen. Glücklich der Komponist, der sich verbrennen ließ! Er braucht sich nicht im Grabe umzudrehen. Mann aus Rußland, wenn Sie erst ein halbes Jahr in Berlin gelebt haben, werden Sie nicht mehr lächeln über das preußische Militär. Sie werden auch nicht mehr unpassende Betrachtungen anstellen über Schutzmanusbäuche und Schutz- mannsbräuche. Sie werden lernen, daß der preußische Schutz- mann eine militärische Einrichtung ist— zum Kampfe gegen den„inneren" Feind. Und daß der preußische Staat gegebenenfalls ein Polizei-Organ ist— zum Kampfe gegen den inneren Feind. Sie werden sehen, wie das Wort „Achtung I— Augen links!" eigentlich gemeint ist. Die Berliner Polizei lebt überhaupt nur noch nach diesem Kommando: „Augen links I" Schon rüstet sie sich für den 13. März. Ein Spaßvogel hat verraten, daß an diesem Tage wieder und diesmal gründ- lich Revolution gemacht werden soll.„Sämtliche Berliner Schutzleute sollen an diesem Tage umgebracht werden"— er- zählte dieser Tage in einer Zehlendorfer Heilanstalt ein— Berliner Schutzmann. Wir können die Nachricht noch dahin ergänzen, daß die Berliner Polizei sich nach Petersburg gewandt und daß man dort bereitwilligst Unterstützung in jedem gewünschten Maße zugesagt hat: Zwei Regimenter Kosaken sind bereits unter- Wegs. Und sie üben auf dem ganzen Marsche ununterbrochen: „Achtung! Augen— links l" In dichte» Nebel war gestern seit den frühen Morgenstunden unsere Haupt- und Residenzstadt eingehüllt, ein Nebel, wie ihn sonst nur England, das typische Land de-S Nebels, kennt. Die meisten Straßenbahnwagen fuhren mit eingeschaltetem Licht, und die Klingel- zeicben ertönten fortwährend, da die Führer der Wagen kaum drei Schritte vor dem letzteren etwas erkennen konnten. Auch die Droschken und anderen Fahrzeuge fuhren meist mit angezündetem Licht in den Laternen. Alle Fahrzeuge mußten sich auf eine mäßige Fahrgeschwindigkeit beschränken, da sie jeden Augenblick Gefahr liefen, mit einem anderen Wagen zu kollidieren. Bom Bau der Untergrundbahn wird uns gemeldet: Auf der Strecke Wilhelmsplatz-Hausvoigteiplatz wird fleißig am inneren Aus- bau des Tunnels gearbeitet. Von den drei eisernen Brücken, die in die Tunnelsohle zum Schutze der sich kreuzenden Bahnen ein- zesiigt worden, sind die im Zuge der Markgrafen- und Charlotten- jlcafee liegenden am weiteste» vorgeschritten. Die 22 Meter lange Brücke, welche gegenwärtig unter der Kreuzung der Friedrich- B und Mohrenstraße montiert wird, besteht aus vier schweren Eisen- trögern; ihre Konstruktion ist, mit Rücksicht auf die städtischerseits geplante N o r d- S ü d l ini e durch die Friedrichstraße, so ein- gerichtet, daß die Fahrgäste von der einen auf die andere Bahn über- gehen können, ohne erst zur Straße emporsteigen zu müssen. Der Bahnhof der Linie Potsdamerplatz-Spittelmarkt liegt zwischen den Bau- fluchten der Mohrenstraße und zwar werden die westlicheen Zugangs- rreppen an der Friedrichstraße, die östlichen jenseits der Charlotten- straße angeordnet. In der Nicderwallstraße wird die Tunneldecke fertiggestellt. Am Spittelmarkt hat die Verlegung von KanalisationS- leitungen die Arbeiten aufgehalten; jetzt sind auf dem Grundstück an der Ecke der Niederwallstraße die Eisenträger aingerammt worden, zwischen denen später die Spundwände eingezogen werden. Die Wasserhaltung wird gegenwärtig installiert; immerhin werden noch einige Wochen vergehen, ehe hier mit den Erdarbeilen zur Ver- breiternng der Baugrube begonnen werden kann. Danach erst kann daS fehlende Tunnelstiick in Angriff genommen werden. Das Hochwasser der Spree hat in diesem Jahre ungewöhnlich zeitig eingesetzt und der Wasserstand übersteigt schon jetzt den mitt- leren Hochwasserstand des Frühjahrs um 4 Zentimeter. Dabei wird noch fortgesetzt aus den oberen Gebieten weiteres Steigen gemeldet und es ist deswegen zu befürchten, daß das Hochwasser bald zu un- angenehmen Störungen Veranlassung geben wird. Auf Charlotten- buvger und Spandauer Gebiet sind weite Flächen überschlvemmt und das Laubengelände an der Jungsernheide stehr ebensalls unter Wasser. Die in jener Gegend belegenen Pferdeerholungsheime gleichen streckenweise rauschenden Seeen. Gleichzeitig mit dem Wasserstande der Spree ist auch das Grundwasser gestiegen, so daß es vielfach zutage tritt und zahlreiche Kellereien in der 5läh« der Spree unter Wasser gesetzt sind. Auch die Havel zeigt einen wesenl- lich erhöhten Wasserstand und ist in den Niederungen des westhavel- ländischen 5breises aus den Ufern getreten. Gleichzeitig wird auch Hochwasser von der Elbe und Oder gemeldet. Das Elbwasser reicht stellenweise bereits bis zu beiden Deichen. Bei Dresden ist der Wasserstand 90 Zentimeter über normal. Auch die Oder ist vielfach aus ihren Ufern getreten und hat beispielsweise bei Schwedt die Waldungen überschwemmt, so daß das Wild in den Dörfern Zu- flucht sucht. Trotz des hohen Wasserstande? ist die Schiffahrt zwischen Stettin und Berlin auf der Oder aufgenommen worden. Am Sonn- abend ist die erste Stettiner Zille in Frankfurt a. O. eingetroffen. Allerdings wird die Schisfahrt dadurch behindert, daß die im Umbau befindliche Wernsdorfer Schleuse noch nicht eröffnet ist. Ihre Freigabe wird am 1. März erfolgen. Vor der Schleuse haben Hunderte von Zillen festgelegt, die in endlosen Doppelreihen, aus Durchfahrt wartend. hiS Schmöckwitz verankert liegen. DaS Mädchen für alles. Wegen der Jagd nach zwei Einbrechern wurde in der letzten Nacht die Feuerwehr alarmiert. Auf dem Boden des Hauses Niederwallstr. 14 waren zwei Männer von Haus- bcwohnern nachts gegen 12 Uhr bei einem Einbruch überrascht worden. Von der herbeigeholten Polizei und den Hausbewohnern verfolgt, flüchteten die Beiden auf das Dach und von dort über mehrere Dächer. Einer von den Verfolgern kam auf den Einfall, die Feuerwehr zu alarmieren. Im Verein mit der Polizei wurden die Flüchtigen gestellt und festgenommen. Sie legten sich anfänglich aufs Leugnen, später bequemten sie sich aber zu einem Geständnis. Das Brandenburger Tor und die Straßenbahn. An der Umgestaltung des Pariser Platzes und des Branden- burger Tores hat vor allem die Große Berliner ein erhebliches Interesse, weil die Aendcrungen in einem sehr engen Zusammen- hang mit ihren Plänen stehen. Die„Große" soll sogar bereit sein, die Kosten für diese Umgestaltung zu übernehmen; sie hofft dadurch, daß sie sich zur Aenderung des Platzes usw. bereit erklärt, die Tunnel-Linie mit allem Drum und Dran durchzudrücken. Zu diesem Gegenstand läßt sich das„Berliner Tageblatt" wie folgt aus: „Nachdem der Kaiser das Jhncsche Modell zur Umgestaltung de? Pariser Platzes besichtigt hat, hat diese seit Jahren erörterte Frage einen ernsteren Charakter angenommen. Das Preisaus- schreiben der Akademie des Bauwesens, das vor einem Jahre die Diskussion über die Zukunft des Brandenburger Tores wachrief, trug einen rein akademischen Charakter, und trotzdem die preis- gekrönten Entwürfe des Professors Bruno Möhring und der Architekten Reimer und Körte die Geschlossenheit des Pariser Platzes durchaus wahrten, scheinen sie den Wünschen des Kaisers nicht entsprochen zu haben. Es ist bemerkenswert, daß der Weit- bewerb in allererster Reihe von den bekannten Untertunnelungs- Plänen der Großen Berliner Straßenbahnen ausging und die Niederlegung der Strackschen Häuser rechts und links vom Brandenburger Tor als eine notwendige Folge dieser Projekte ansah. In allen 67 Konkurrenzentwürfen ist aus die unterirdische kreisförmige Straßenbahn Rücksicht genommen worden, und schon damals war das Interesse, das die Große Berliner an den Ent- würfen nehmen mußte, unverkennbar. Dieses Interesse ist in- zwischen mit dem Fortschreiten der Tunnelprojekte gewachsen, und wenn die Gesellschaft auch noch keine Beschlüsse über die Nieder- lcgung der alten Häuser gefaßt hat und auch noch nicht gefaßt haben kann, so ist doch zu erwarten, daß die Straßenbahn, wenn sie den Tunnel bauen darf, auch bereit sein wird, die Umgestaltung oer westlichen Abschlußwand des Pariser Platzes in die Hand zu nehmen. Dafür spricht auch ein analoger Fall aus der jüngsten Vergangenheit. Es braucht nur daran erinnert zu werden, daß die Große Berliner vor einigen Jahren um einer viel geringeren Ursache willen dem Staat eine„kleine Gefälligkeit" erwies. Für die Genehmigung, um den Großen Stern im Tiergarten die Straßenbahnlinien mit Oberlertung statt der unpraktischen Unterleitung herumzuführen, schmückte die Straßenbahngesell- schaft den Großen Stern für einige hunderttausend Mark mit den bekannten Jagdgruppcn. Und so wird sie wohl auch die vom Kaiser befürwortete Umgestaltung des Pariser Platzes für den Fiskus ausführen lassen. Denn die Straßenbahn dürfte nicht abgeneigt sein, zu den 55 Millionen, die für die Ausfüh- rung ihrer Tunnclprojekte notwendig sind, auch die Kosten für die Platzumgestaltung hinzuzurechnen.— Als eine Art Gegenleistung für den Bau des Nordwnnels unter dem Brandenburger Tor und den Linden hat die Straßenbuhn genau wie bei dem Süd- tunnel durch die Potsdamer und Leipziger Straße bekanntlich bei den ftädtischm Behörden eine 90jährige KonzessionSverlänge- rung nachgesucht, ein Verlangen, das bisher von der Stadt Berlin nicht erfüllt worden ist." Was das„Berliner Tageblatt" zur Kennzeichnung der Politik der„Großen Berliner" hier sagt, ist im großen und ganzen sehr richtig, nur ist eS dann nicht zu verstehen, daß eS sich durch Verbreitung von im Interesse dieser privaten ErwerbSgcsellschaft ab- gefaßten Notizen zum Schleppenträger dieser Monopolgesellschaft macht. Das Ende der alten Treptow-Sternwarte. Die Tage der alten Trcptow-Sternwarte sind gezählt. Mit dem Abriß der alten Bau- lichkeiien soll, wie berichtet wird, bereits Mitte nächster Woche bc- gönnen werden. Von Donnerstag an geht der Umzug nach dem provisorischen Gebäude der Stadt Berlin, gegenüber der jetzigen Treptower Sternwarte, vor sich. Bis anfangs nächster Woche glaubt man die Bibliothek, das astronomische Museum, das photographische Laboratorium und die mannigfaltigen Sammlungen von Meteor- steinen usw. aus den alten Räumen entfernt zu haben. Nachdem der Umzug vollendet ist, werden sofort die Abrißarbciten in Angriff genommen. Die neue Sternwarte ersteht auf demselben Terrain wie die alte. Das große Fernrohr bleibt von dem ganzen Umbau unberührt. Es ist bereits ein neuer Zugang geschaffen worden, damit in den Beobachtungen keine Unterbrechung eintritt. Die Vor- träge finden während der Bauzeit in der RestaurantHalle, Treptower Chaussee 20/21, statt. Der Neubau der Sternwarte erwies sich als dringend notwendig. Wegen des geringen Fassungsraumes des alten Hörsaales— er ist nur für 200 Personen eingerichtet— ist es nicht feiten vorgekommen, daß Direktor Archcnhold an Sonntagen denselben Vortrag fünfmal hacken mußte. Im ganzen wurden 200 000 Personen gezählt, die im alten Hörsaal Vorträge hörten. Für den neuen Hörsaal sind bvv Sitzplätze vorgesehen. Bis Mitte April dürften die Fundamentierungsarbciten zum Neubau soweit gediehen sein, daß die Grundsteinlegung erfolgen kann. Ein Zusammenstoß des Automobils deS Grafen tzülsen-Haeseler mit einem Straßenbahnwagen der T-Linie an der Charlottenburger Brücke fand gestern vormittag statt. In schneller Gangart hatte das Automobil, das den:2jährigen Sohn des Grafen, Botho, zum Kaiserin-Augusta-Gymnasium in der Cauerstraße nach Charlotten- bürg bringen sollte, von Berlin her die Brücke passiert, als im dichten Nebel ein Brauerwagen'hm den Weg versperrte. Der Chauffeur sah sich gezwungen, auf die Schienen der Straßenbahn auszubiegen. Da erfolgte plötzlich ein Züsammenstotz mit einem daherkommenden T-Wagen, durch den daL Auto fast vollständig zertrümmert und der junge Graf durch die aufspringende Tür«ruf das Stratzenpflaster geworfen und am Kopf verletzt wurde. DaS Spielen mit Streichliölzcrn hat wieder einen schweren Unfall herbeigeführt. Am Montajjvorinitrag entfernte sich die Arbeiterfrau Franziska M. aus ihrer im vierten Stockwerk des OuetgcbäudeS Gubener Straße 33 belegenen Wohnung und ließ ihr vierjähriges Pflegekind Georg Lindner allein zurück. Dieses benutzte die Ge- legenheit, um mit den leicht erreichbaren Streichhölzern zu spielen. Dabei setzte es einen in der Küche nahe dem Fenster stehenden Korb mit schmutziger Wäsche in Brand. Infolge der starken Rauch- entwickelung wurde der zufällig im Hause anivesende Rangiermeister Paul Trautmann ans Rummelsburg aufmerksam, benachrichtigte den Hauswirt, der die Wohmmgsrür öffnete und drang in die qualm- erfüllte Küche, wo der Knabe bewußtlos am Boden lag. In der frischen Luft kam das Kind zwar bald wieder zur Besinnung, doch stellte matt auf der Unfallstation in der Warschauer Straße schwere Rauchvergiftung fest, die die Ueberführung des Verimglückten nach dem Kraitkenhause Am Friedrichshain notwendig machte. Dienstbotenqual. Im Hause Holzmarktsiraße 9 erscholl gestern abend in der achten Stunde jämmerliches Geschrei. Es kam auS der Wohnung des Tapezierermcisters Meyer und währte länger als eine Stunde. Endlich gingen zwei Mitbewohner des HauscL zur Polizei und gaben dort ihrer Meinung Ausdruck, daß dem Mcherschen Dienstmädchen ein Leid zugefügt werde. Der dienst- tuende Wachtmeister hatte zuerst keine Lust, sich in die Angelegen- heit zu mischen; er stellte unter anderem die Frage:„Hat ste denn schon Hülfe geschrien?"—— Schließlich aber wurde doch ein Schutzmann mitgeschickt und das Mädchen in die Obhut der Polizei genommen.— Wir beschränken uns für heute darauf, diese nackte Tatsachenmitteilung sprechen zu lassen. Ans dem Fenster gesprungen. Montag abend sprang die 17 Jahre alte Arbeiterin Hedwig W., in der Maxstraße bei ihren Eltern wohnhaft, aus einem Fenster der Schokoladenfabrik von Gebr. St. in der Chausseestraße drei Stockwerke tief hinab und blieb mit einer schtvcren Gehirnerschütterung und einem komplizierten Bruch des rechten Unterschenkels bcivußtlos liegen. Ein hinzuge- zogener Arzt leistete der Lebensmüden die erste Hülfe und ließ sie nach dem Lazarus-Krankcnhausc transportieren. Dachstuhlbrände. Am Montag hatte die Feuerwehr in der Weißenburger Straße 1 und jdastcmäenallee 24 zwei große Dach- stuhlbrände zu löschen, die anscheinend auf Brandstiftung zurück. zuführen sind. Am Dienstag mußten abermals zwei Dachstuhl- brande, und zwar in der Wassertorstr. 1/2, Ecke Louisenufcr und Moritzstr. 23, Ecke Prinzenstraße von der Feuerwehr gelöscht werden. Auch diese beiden Brände müssen nach dem Befund auf Brandstistung zurückgeführt werden. Der Dachstuhl des Eckhauses Wasscrtor- straße 1/2 stand mittags in großer Ausdehnung in Flammen. Weithin waren die Flammen sichtbar. Brandinspektor T e u b n e r ließ über die Treppen und mehrere mechanische Leitern vor- gehen und kräftig von mehreren Dampfspritzen Wasser geben. Bei der Ausdehnung des Feuers konnte es aber nicht verhindert werden, daß ein großer Teil des Dachsttihls mit dem Inhalt der Bodenverschläge niederbrannte. Ter zweite Brand in der Moritz- straße 23 konnte schneller gelöscht werden. Krankenkasscnbuch, Arbeitsbuch und Jnvalidenkarte hat gestern morgen in der Pankstraßc eine Arbeiterin auf dem Wege zur Arbeit verloren. Der eventuelle Finder wird gebeten, die Gegenstände bei Berger, Koloniestr. 122, 2. Hof, Quergebäude 3 Tr., abzugeben. Der Berliner Arbciter-Radfahrer-Berei»(Mitglied deS Ar- beiter-RadfahrcrbundcS„Solidarität") hält am Sonnabend, den 29. Februar 1908 ein„Oberbayerisches Gebirgsfest" in der„Neuen Weit". Hasenheide 108— 114, ab. Billetts ä 50 Pf. sind bei den Mitgliedern zu haben. Anfang LIb Uhr. Vorort- l�ackricbten. Zur Gcmemdewahlbewcgung. Steglitz. Die Beschränkung der Mahlzeit fällt erfreulicherweise nicht dem Gemeiiidevorstand, sondern der„Stegl. Ztg." zur Last, die in einer Lokalnotiz die falsche Angabe gemacht hatte. Allerdings trägt auch der Gemeindevorstand insofern einen Teil der Schuld an der Beunruhigung der Wähler, als er erst am Sonnabend, dem äußersten gesetzlichen Termin, die Bekanntmachung veröffentlichen ließ, die sich bereits seit Dienstag in der Druckerei befand. Wie sich aus der Bekanntmachung ergibt, scheiden aus der dritten Klasse unser Genosse Schellhase sowie die Mietervereinler Weinhausen und Gädle aus. Bon den zu wählenden Ersatzmännern entfallen auf den ersten Bezirk ein Hausbesitzer und ein Mieter, während der zweite Bezirk nur einen Vertreter zu wählen hat, der Haus» besitzer sein muß. Beide Bezirke wählen am Montag, den 2. März» in der Zeit von 10 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags und von 5 bis 8 Uhr abends. Das Wahllokal für den ersten Bezirk ist der„Albrechtshoi"; hier wählen alle Wähler, die nordwestlich der Eisenbahn (Schloß- und Nebenstraßen) wohnen, jedoch mit Ausnahme von Schloßstr. 69—86, KuhligkShof, Bahnhof 1 und 2, Lichterfelder Chaussee und Albrechtstraße. Diese von dem Bezirk abgezweigten Wähler gehören zum zweiten Bezirk, der den ganzen jenseits der Bahn gelegenen OrtSteil umfaßt mit dem Wahllokal„Turnhalle deS Gymnasiums" in der Heescstraße(Eingang Südendstraße). Wie früher, werden auch diesmal den eingeschriebenen Wühlern Aus- weiskarten vom Gemein bevor st ande zugestellt. Diese sind sorgfältig aufzubewahren und bei der Wahl vor« z u z e i g e n. Wer eine solche Karte nicht erhält oder sie mitzn« bringen vergißt, muß nicht nur für einen anderweiten Ausiveis sorgen, sondern muß sich auch eine Zurückstellung hinter die mit Karten ver» sehenen.Wähler gefallen lassen. Wir empfehlen unseren Wählern dringend, die Karten sorgfältig aufzubewahren. Aber auch die mündliche Agitation in Freundes- und Be« kanntenkreisen dürfen unsere Genossen nicht versäumen. Nur wenige Tage stehen uns zur Verfügung, darum tue ein jeder seine Pflicht, damit am 2. März unsere Kandidaten S ch e l l h a s e und Sßmann im ersten und Richard Krug im zweiten Dezir! den Sieg davontragen. Herzfelde. Dir Agitation für die kcvorfichcnden Gcmcindewlchle» wurde mit einer im Lokale von Schuker stattgefundenen öffentlichen Kommunal- wählerversammlung eingeleitet, in der Genosse Freiwaldt- Pankow über die Aufgaben der Sozialdemokratie in der Kommune referierte. Räch den lehrreichen Ausführungen wurde als Kandidat für die dritte Klasse Genosse Karl Schröder aufgestellt. Zum Schluß ermahnte der Borsitzende die Versammelten, bis zum Tage der Wahl ihre Kraft in den Dienst der Agitation für den Zlandidatcn der Sozialdemolratie zu stellen. Tchöneberg. Stadtverordnetenversammlung. Ein Antrag der liberalen Fraktion verlangt, daß vom Magistrat Schritte unternommen werden, um in Verbindung niit Berlin und Vororten geeignete Mabregeln zu ergreifen für die Erhaltung �«r Wälder rings um Berlin, insbesondere für die Erhaltung der Seenkett« im Grunewald und für die möglichste Freihaltung der Seen und Havclufcr von der Bebauung. Der Antrag wurde in längeren Ausführungen vom Stadtv. W e te ka m p CLib. Fr.) begründet. Seiner Meinung nach müsse die Frage gelöst werden, auch wenn sie noch so schtvierig sein sollte. Im Interesse der Volksgesundheit hätte auch der Staat alle Veranlassung, diesem Vorgehen keine Hindernisse in den Weg zu legen. Der Antrag fand einstimmige Annahme. Angenommen wurde sodann ein Antrag, daß der Magistrat die Einrichtung einer Feuerwache im Friedenauer OrtSteil in Erwägung ziehen soll. Ein weiterer Antrag verlangt die Veranstaltung einer Feier anläßlich des zehnjährigen Jubiläums der Stadt. werdung Schönebergs. Von einer Seite wurde vorge- schlagen,«in Buch über die Geschichte Echönebcrgs herauszugeben und in den Schulen zu verteile» in Verbindung mit besonderen Feierlichkeiten, während andererseits davon abgeraten wurde, auf Kosten der Stadt Feierlichkeiten zu veranstalten. Daö Würdigste, das man tun konnte, wäre, der Deputation für Wohlfahrtspflege 230 000 M. zur Verfügung zu stellen.— Beschlossen wurde, eine gemeinsame Deputation von 8 Stadtverordneten und 4 MagistratS- »nitgliedern zu dem Ziveck einzusetzen. Die gemachten Anregungen werden dieser Deputation überwiesen. An«inen Ausschuß gelangte der von mehreren Mitgliedern ge- stellte Antrag betreffend Errichtung einer Baugewerkschule rn Schönebsrg. Di« Antragsteller stützten sich be, der Begründung des Antrages auf einen Ausspruch des Oberbürgermeisters, wonach man in Schönebera derartige Schulen nur baue, um kräftige Steuer- zahler heranzuziehen. Für Reparatur und Umbau der mechanischen Leiter des Automobil-Löschzugeö werden 42 000 M. bewilligt. Bekanntlich war diese Leiter nn August 1S00 gelegentlich einer Uebungsfahrt umgestürzt und schwer beschädigt, wobei auch ein Feuerwehrmann sein Leben einbüßen mußte. lieber die in der Zeit vom l. April 1900 bis 31. März 1907 ausgeführten Desinfektionen ist der Versammlung vom Magistrat ein Bericht und ein namentliches Verzeichnis zugegangen. Es fanden 712 Desinfektionen statt gegen 439 im vorhergehenden Jahre. Di« Kosten belaufen sich auf 12 952 M., denen eine Einnahme von 738 M. gegenübersteht, so daß ein Zuschuß von 12 214 M. er- forderlich wurde. Stadw. Dr. Friedemann(Lib. Fr.) protestiert ganz ent- schieden dagegen, daß der Stadtverordnetenversammlung«in namentliches Verzeichnis der ausgeführten Desinfektionen bor gelegt wird, noch dazu, wo sich darunter Desinfektionen befinden, die wegen Geschlechtskrankheiten ausgeführt wurden. Es wird beschlossen, das namentliche Verzeichnis der au� geführten Desinfektionen in Zukunft nur dem Referenten deS Siech nungSausschusseS vorzulegen. Eine längere Debatte ruft der Bericht des Ausschusses zur Prüfung der Vorlage betreffend den Rathaus- Neubau hervor. Der Ausschuß hat beschlossen, kein öffentliches Preisausschrefpen zu erlassen, fondern mit der Ausarbeitung des Entwurfes die Hochbau- dcputation zu betrauen. Der Berichterstatter des Ausschusses war der Meinung, daß der städtische Vaurat den Beweis erbracht habe, daß er der geeignete Mann zur?luSführung deö Projektes sei. Stadw. K u tz n i tz k y wandte sich gegen den Beschluß des Aus- schusscs und verlangte eine öffentliche Ausschreibung. Er übte eine scharfe Kritik an den vorgelegten Entwurf. Der Overbürgermeister und alle übrigen Redner traten für den Beschluß des Ausschusses ein, mit dem sich dann auch die Versammlung einverstanden er- llärtc. Angenommen wird sodann auch der Antrag des Ausschusses betreffend den neuanzulegenden S t a d t p a r k. Der Stadtpark soll nach dem vorgelegten«Entwurf ausgeführt werden. Tie Kosten belaufen sich auf 785 000 M. Die Stadtparkarbeiten sind, falls ein Bauvertrag betreffend die Untergrundbahn Nollcndorsplatz— Hauptstraße abgeschlossen wird, so einzurichten, daß sie mit den Aus. schachtungsarbeiten für die projektierte Untergrundbahn verbunden werden können. Die Vorlage betreffend Anlegung eines zweiten städtischen Friedhofes im Südostgclände wird einem Ausschuß über- wiesen. Es folgt die zweit« Beratung des Etats der Volks- büchrni und Lesehalle. Die Einnahmen sind auf 900 M. und die Ausgaben auf 28 830 M. festgesetzt. Neu eingesetzt wird eine Summe von 250 M. für Auslegung von Tageszeitungen. Von der sozialdemokratischen Fraktion war weiter beantragt worden, das AnfangSgehalt der Düchercidiener von 1250 aus 1400 M. zu er- höhen. Der Antrag wurde schließlich mit einer Stimme Majorität angenommen.- Die weiteren Punkte der Tagesordnung werden vertagt. In nichtöffentlicher Sitzung beschäftigt man sich mit der Wahl von drei unbesoldeten Stadträten._ Rixdors. Zur Frage der Arbeitslosigkeit. Trotz der mangelhaften Bekanntmawimg des hiesigen Magistrat» in der Frage der Vekäinpfung der Arbeitslosigkeit haben sich doch noch 051 Arbeitslose im städtischen Arbeitsnachweise gemeldet. Unter diesen befinden sich 485 ungelernte und 160 gelernte Arbeiter. Die letzteren rekrutieren sich aus 43 verschiedene» Berufen. Von den sich Meldenden waren 442 verheiratet und 209 unverheiratet. Die Dauer der Arbeitslosigkeit betrug bei einen, über ein Jahr, bei 2 über v Monate, bei 4 über 7 Monate, bei 20 über 6 Monate, bei 38 über 5 Monate, bei 01 über 4 Monate, bei>05 über 3 Monate, bei 193 über 2 Monate, bei 106 über einen Monat, bei 43 über 3 Wochen, bei 42 über 2 Wochen, bei 36 über eine Woche. Leider hat der Magistrat nur einem kleinen Teile Ge» legenheit zur Arbeit bieten können. ES sind im ganzen nur 174 Arbeiter eingestellt worden und zwar 01 bei der Straßenreinigung. 50 beim Hochbauamt und 63 beim Tiefbauamt. 477 Arbeitslosen, welche sich gemeldet hatten, konnte also auch dieser schmale Verdienst nicht geboten werden. Wäre die Bekanntgabe des Magistrats eine wirksamere ge- Wesen, so hätten sich sicher ganz bedeutend mehr Arbeitslose ge- nieldet. Immerhin beweisen die vorliegenden Zahlen, wie groß die Arbeitslosigkeit und die daraus entstehende Not auch in Rixdors ist. Ein Teil der bürgerlichen Vertreter gibt sich zwar redlich Mühe, die außergewöhnliche Arbeitslosigkeit hinweg zu disputieren, jedoch vergebens: Die wirklichen Verhältnisse reden eine gar zu deutliche Sprache. Uebrigens sorgen unsere Genossen im Stadtparlament dafür, daß man nicht über diese Dinge hinwegsehen kann. < Einbreche» lm Sportluftvad. Das vom Verein für Licht« und Luftbäder erbaute Sportlufibad ist in der vergangenen Woche von Einbrechern heimgesucht worden. Besonderes Äugcnmerl hatten sie auf Mesfinggegenstände gerichtet: zwei Messingbrausen, Messing- Muttern, zwei Glocken, eine Messinglampe usw., sogar zwei Faust- bälle nahmen die Spitzbuben mit und demolierten die in den Zellen bcsindlichen Kästen und Badewäsche; ein langes Tau zum Tauziehen ließen sie nachher als zu schlecht transportabel liegen. Der Diebstahl ist um so nichtswürdiger, als eS sich um eine unter besonderen Geld- opfern geschaffene gemeinnützige Einrichtung handelt. Vielleicht führen die beiden Fauslbälle seiner mit Leinewand, der andere mit Leder bezogen) auf die Spur der Einbrecher. Charlottcnvnrg. Zwei ZusamAensiZsse zwischen Automobilen und Straßenbahnwagen fanden vorgestern an der Charlotten- bnrger Brücke statt. Gegen 1 Uhr mittags bog ein Peivatautomobil, vom Salzufer kommend, unniittelbar vor dem Straßenbahinoagen Nr. 233 der Linie dl auf die Charlottenburger Brücke. Der Führer des Motorwagens versuchte vergeblich, den Zusammenstoß zu ver- meiden. Der Anprall erfolgte mit solcher Gewalt, daß das Automobil zertrümmert wurce. Die in dem Kraftwagen sitzende Eigentümerin des Autos, die in der Berlinerstraße 108 wohnende Frau Wendt, erlitt durch GlaSlplitter Verletzungen im Gesicht und mußte die Hilfe der Unfallstation in Anspruch nehmen.— Kurze Zeit darauf fuhr das Privatautomobil Nr. 4102, vom Brandenburger Tor kommend, gegen den in entgegengeseyer Richtung fahrenden Straßenbahnzug Rr. 265 der Richtung T. Bei dem Anprall wurde die Vorderplatlform de» Motorwagens eingedrückt, das Vorderteil bei Automobils beschädigt und das Hinterrad gebrochen. Personen wurden glücklicherweise nicht beschädigt. Tie städtischen Arbeiter hatten sich am Freitag, den 21. d. MtS., im großen Saale des VolkShauseS zahlreich versammelt, um zu der bereits vor einem Jahre beim Magistrat beantragten Arbeits- ordnung Stellung zu nehmen. Der Referent, Kollege Schulz. verwies auf die Einführung einer allgemeinen Arbeitsordnung in Nixdorf sowie auf die Anerkennung der generellen ArbeitSverhält- naisse und Einsetzung einer MazistratSkommisfion in Berlin. Rur die sozialpolitisch angehauchte Stadtverwaltung Charlottenburgs habe die eingereichten Anträge der Arbeiter nicht einmal einer Antwort gewürdigt. Daß die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der städtischen Arbeiter einer Besserung bedürfen, zeigte Redner au mannigfachen Beispielen, Die Arbeitszeit ist noch in der Regel die zehnstündige. Ter Arbeitslohn wird als Stundenlohn und nicht, wie von sozialen Gesichtspunkten zu verlangen, als Wochcnlohn gewährt. Auch ist der geforderte Minimallohn von 4 M, nicht einmal generelle Be- stimmung. Tie Bezahlung jeder angefangenen Uebcrstundc mit einem prozentualen Zuschlag muß erst noch durckigeführt werden. Auch die sozialen Einrichtungen, die bezüglich des Urlaubs und der Lohnzuschußzahlung in Krankheitsfällen annehmbare Verhält- nisie schaffen, lassen aber in der Frage der Gewährung des Ruhe- geldcS jeden Fortschritt vermissen. Von der notwendigen Erhöhung deS Mindestruhegeldes von fünfzehn Sechzigstel auf zwanzig Sechzigstel deS LohneinkommenS ist nichts zu spüren. Uni so be- rechtigter. ist diese Forderung, als den Arbeitern bei Gewährung von Ruhegeld die ganz Invalidenrente abgezogen wird. Mit dem Mahnwort, die Durchführung der aufgestellten Anträge selbst durch die Macht einer einheitlichen starken Organisation zu beschleunigen, schloß der Referent seine beifällig aufgenommenen Ausführungen. Di« Diskussionsredner betonten besonders die Notwendigkeit der beantragten Verbesserungen und sprachen sich sämtlich im Sinne d-s Referenten aus. Nachstehende Resolution wurde ein- stimmig angenommen: .Die heute im großen Saale deS VolkShauseS zahlreich versammelten städtischen Arbeiter haben mit Befremden Kenntnis (jenomnien, daß der am 22. Februar vorigen JahreS dem Magistrat übermittelte Entwurf einer allgemeinen Arbeitsordnung bisher weder einer Antwort noch sonst einer Beratung gewürdigt wurde. Um so mehr muß diese wenig soziale Art der Behandlung von Anträgen der Arbeiterschaft Verwunderung erwecken, als die in der Allgemeinen Arbeitsordnung beantragten Verbesserungen der Arbeitsverhältnisse in einer ganzen Anzahl von Gemeinden durchgeführt sind. Neben der notwendigen generellen Regelung und Verbesserung der Arbeitszeit und Lohnvcrhältnisse sind auch die Bestimmungen für die Gewährung von Ruhegeld einer Rc- Vifion baldmöglichst zu unterziehen. Die Erhöhung des Mindest. ruhegeldes von fünfzehn Sechzigstel auf zwanzig Sechzigstel dcS Lohneinkommens, die Aenderung der BercchnungSweife, die Festsetzung eines Mindestruhegeldes von jährlich 600 M. sowie die Auszahlung der vollen Invalidenrente ist als dringend not- wendig zu bezeichnend. Die Versammelten beauftragen das Bureau der Bersamm- lung. die Resolution sowie die Abänderungen für die Ruhegeld- ordnung dem Magistrat und dem Stadtverordnetenkollegium zu übermitteln. Sie drücken hierbei die Erwartung au», daß um- gehend über die im vorigen Jahre eingereichte Allgemeine Ar- bcitSordnung sowie die eingereichte» Abänderungen der Ruhegeld- ordnung in Beratungen«ingetreten wird. In der Erkenntnis aber, daß nur durch eine starke Wirt» schaftliche Organisation» Arbeiterforderungen durchgesetzt und VcrschleppungSpraktiken, wie die gekennzeichnete. Hintangehallen werden können, verpflichten sich die Anwesenden zum Anschluß an den Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter." Die Freie Volksbühne Charlottcnbnrg hielt vor einigen Tage» im Volkshause ihre ordentlicke Generalversammlung ab, mit welcher da-Z dritte Geschäftsjahr abschloß. Nach dem interessanten, mit Beifall aufgeiiommeiien Vortrage von Ernst Kreowöki:.Richard Wagners Kampf um die Kunst" erstattete der Vorsitzende Dr. L i n d h e i m e r den Jahresbericht: Im abgelauseiien Jahre fanden sämtliche Vorstellungen im Schiller-Thenter Chnrlottenburg statt. Die Vorstellungen sind technisch und künstlerisch aus ein höheres Niveau gehoben worden, und außerdem war die VereinSleitung in der Lage, eine ganz andere Auswahl zu trcsse» als früher. Im Saale de» VollShauicS veranstaltete der Verein einen Vortrag, einen RezitationS- und einen Kunslabend. Die Monatsschrift konnte ein gesälligcreS Aussehen erhalten. Zugleich ist ihr Umsang ein wenig erweitert worden. DaS AnhänglichkeitSverhältiiiS zum VolkShauS ist gewahrt und eine Abgabe von 250 M. entrichtet worden. DaS Gesamtbild ist das ersprießlicher Entwickclung. Die Aus- dehmmg nach außen, die zum Herbst 1907 einsetzte, ist allerdings infolge der hereinbrechenden ökonomische» Krise wieder stehen ge- blieben. Die innere Festigung, die schon am Ende deS letzten Jahres zu merken war, hat sich gut bewährt und weiter vollzogen. Den Kassenbericht erteilte der Kassierer A. Will. Die Neuwahlen er- gaben Wiederwahl aller Funktionäre, die sich bereit erklärten, weiter zu amtieren. Wilmersdorf. Die Revolverschleßerei eine» flüchtigen FahrradmarderS rief in der Brandcnburgilchen Straße große Aufregung hervor. In der Konstanzer Straße hatte ein Fahrradmarder ein dem Kaufinann Bersch aus Berlin gehöriges Zweirad gestohlen. Kaum hatte er sich aus die Maschine gesetzt, so erschien der Eigentümer wieder auf der Straße. Der Dieb jagte nun auf dem Rade davon. Mit dem Rufe .Haltet ihn I" stürmte ihm B. nach und bald hatte sich eine reget- rechte Jagd nach dem Marder entwickelt. Die Situation wurde für den Flüchtling immer kritischer, und als er sah, daß ihm die Ver- folaer scharf auf den Fersen waren, zog er einen Revolver aus der Tasche hervor und gab vom Rade herunter mehrere Schüsse aus die ihm nachfolgenden Personen ab. In der Vrandcnburgischen Straße wurde einem Kutscher durch eine Revolverkngel der Mantel vollständig durchbohrt. Dem Revolverhelden gelang eS, mit seiner Beute zu entkommen.» Wittenau-Borsigtvalde. Die letzte Gemeindevertretung nahm zur Zusammensetzung der Schuldeputatiou Stellung. In dieselbe sollen gewählt werden der Gemeindeborsteher, zwei Gemeindcdertreter und zwei Pädagogen. Der Ankauf des Adamschen Grundstückes zum Preise von 160 000 M. wurde genehmigt. Angenommen wurden auch die Bedingungen für Lieferung von Elektrizität. Als bei der Beratung hierüber von unseren Genossen auf die lange Arbeitszeit der Angestellten des Elektrizitätswerkes hingewiesen wurde, entgegneten die Bürgerlichen, daß die 78stünd!ge Arbeitszeit ja vorläufig nur ein Provisorium sei. Sollte sich dieselbe als zu lange erweisen, so würde Abhülfe ge- ichaffen werden. Bei der komiuendeii Gemeindewahl haben die Atbeilcr Gelegenheit, für die ioziala Äilsicht dieser Herren die Luit- lung auszustellen. Bernau. lieber„NetivnalSkonsmie" refertrtte in der letzten Mitglieder- versainmluna deS WablvereinS Genosse K n ö s ch k e. An den Vortrag schloß sich eine rege Diskussion. Die Maiseier wurde nachmittag» im .Elyfium' abzuhalre» beschlossen. Al» Delegierter zur Kreis-General- verjaminluiig und zur G enera lve ösamitl wag Gcoß-Berlins wurde Genosse Kruger gewählt. GitzÄ| NowalveS. Fabritbrand. Die Deutsche Jutespiunerei und Weberei wurde gestern vormittag von einem Brande heimgesucht, der im Luflsckacht auskam. Die freiwillige Wehr tral sofort in Tätigkeit und erhielt nach kurzer Zeit Unterslützung durch die Berufs- und freiwillige Feuerwehr aus Potsdam. Die in der Fabrik beschäftigten Arbeiter und Arbeilerinnen konnten sich sämtlich in Sicherheit bringen, so daß Menschenleben nicht gefährdet waren. Die Ablöschnngsarbeitcn dauerten enva eine Stunde. Das Feuer konnte auf semen Herd beschränkt werden. Der Materialschaden ist erheblich. Ter StationSnanre„NowaweS-Neuendorf" wird, wie die königk. Eisenbahndirektton Berlin bekannt macht, mit Gültigkeit vom I.März dJ. ab in. N o iv a w e s" geändert. Spandau. lieber die Entsteh»ng der Krise referierte in einer nach dem Ullriässchen Lokal einberufenen öffentlichen Versammlung der bau- gewerblichen HülfZarbester Gauleiter Zteitthaler. In der Diskussion slreisle Genosse Pieper nochmals das Verhalten der bürgerlichen Parteien anläßlich der ArbeilSlosendebatte in der Stadtverordneten� Versammlung und betonte, daß sich zu wenig Arbeitslose bei. der Polizeioerwaltung gemeldet hätten. Genosse GoSpodar teilte hie» auf mit, daß das GewerkschaflSkartell eine ArbeitSlosenzählung dop- nehmen und das Material alSdan» den Sradwerordueren überweisen werde. In der Debatte wurde noch erwähnt, daß von Arbeitt- gelegenheit nicht die Rede sei. Beim Hafenbau würden vorwiegend Galizier beschäftigt. ES sei Pflicht der Kommune für Arbeitsgelegenheit Sorge zu tragen. Die Arbeitslosen hätte» nicht u»» Arbeit zu bitten, sondern ein Recht, dieselbe zu fordern. pj,/ S�erltnee Markevrelle. Au» vem-mlllckicn Sertcht der stZdtttchev Karttballen-Dilekliolr. tGrohbandel.) Lchsentleiich U 68 70 vr. 100 Pfd., IIa 62 67, ma 54- 67. Bullenllcisch la 65—70, IIa 54-64. Kühe, feit 48—56, do. mager 36—44," Fresser 50—58, Bullen, dänische 61—63. Kaldftcisch, Dopv-llender 105—125, MattlSlber la 78-85. IIa 67-74, Kälber ger. gen. 45—60, do. boll. 45—50. Hammelll-ilch Mali- bimmer 73—75, Hammel la 67-6!), IIa 59-64, imgar. 0,00, Schale 44—57. Schweineileiich 48—56. Rotwild la per Psund 0,55—0,60, do. IIa 0,00. Damwild 0,50—0,60. Wildschweine IIa 0,30, Frischlinge 0,00. kanlmben. groß, Stück 0.80— 1,00, do. klein 0,00. Halen, groß, plomb Per Stück 2,50—3.40. Wildenten ver Stuck 0,00. Falancnhäbnc la junge 0,00. Falanenhenncn 0,00. Schncehühner Stück 0,95. Birlhähiie Stuck 1,60. Blrkhennen Stck. 0,00. Haselhühner Stck. 0,90—1,00. Hühner, la per Stück 1,50—3,00, dito lla 1.00—1,40. Hamburger Küken. Stück 1,00 bis 1,10, Poularden, deutsche, p. Psd. 0,00. Tauben Stück 0,60—0,85, do. alte 0,60—0,63, do. italienische 1,00—1,05. Einen, per Stück 1,50—2,50, dito russische per Stück 0,00, dito Hamburger, per Stück 2,50-3,50.»iänle per Psd. 0.45-0.50, do. ig. Hamb, per Psd. 0,75-1,10. dito russische per Psund 0.40— 0,56. PouletS per Stück 0,30—1,20. Puten la p. Psd. 0,80-1,03, do. IIa. 0,60-0,70. Hechle per 100 Plund 78—90, do. klein 0,00, do. groß 0,00, do. groß>mi!lcl 0,00. Zander, unsortiert 0,00, do. groß 0,00, do. mittel 0,00. Schleie, groß 0,00, dito mittel 0,00, dito IIa 00-90. Aale, klein 0,00, do. mulel 0,00, do. groß 0,00. Karpfen 5—1 Oer 0,00, do. 20— 25er 70, do. 50er 60 bis 54, do. uns. 59—65, Plänen, groß 60—63, do. 41—55. Slland 0,00. Quappen 0,00. Bleisische 0,00. Wels 64. Bunte Fische 38—51. Batte matt 75, do. 00. Bleie 49—50. Karauschen, malt OHO. Winter-RheiulachS, per 100 Pfund 0,00, Amerikanischer Sachs I», per IVO Psund 110—130, do. IIa 90—100. Seelachs, per 100 Psund 20—30. Flundern, Kleier, Stiege la 2—6, do. initlcl, Kille 0,00, do. Hamb. Stiege 3—6, balbe Kille 2—8, pomm. la Schock O.OO, 17a 0.00. Bückllnge. Kieler ver Wall 0.00, schwedilche 1,50, englische 3.00, Strals. 3—4. Sprotten, Danzigcr, Kiste 0,60—0.70, do. Rügenwaldcr, Kille 0,50—0,50. Aale, grog per Piund 1.10—1,40, miltelgrog 0.80—1,10, ticin 0.60—0,80. Heringe per Schock 5,00—9,00. Schellfische, Kille 3,00-4,00. dito's, Kiste 2.50-3,00. Sardellen.>902 er per Anker 0g. 1904er 93. 1905er 98. 1906er 35—90. Schottilche Äollaermge 1005 0.00. largo 40—44, füll. 38—40, med. 33—42. deulsch« 30—40. Heringe,»eile vialseZ. ver'/, To. 0.00. Sardinen, raff., Faß 1,50—1,60. Sratbcringe Faß 1,20—1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen. Schvcksaß S. do. kleine 4-5, do. Rlcleu- 10. Krebse per Schock 0,00, große 000. do. mittelgroße 0.00. dito kleine 0,00 cm 0,00, do. unsortiert 0,00, Galizier, groß 0.00. Seemuscheln 100 St. 1,00. Eier, Land-, unsortierl per Schock 3,50-4.00, do. große 4,00—4,50. Butler per >00 Psd. la 138-141. IIa 129-137. Ma 120-128, abinllende 115-123. Saure Aurken Schock. 4,50. Bletsei gurten Schock 4.50. Kartoiscln ver 100 Pfund Dabersche 3 25—3,50, weiße rund« 2,50—3,00, ma*- bon. 2,75—3,25. Porree, per Schock 0,75—1,25. Meerrettich. Schock 8—16. Spinal per 100 Psund 20-25. Sellerie, per Schock 3—6, do. pomm. 6-14. Zwiebeln per 100 Pfd. 4,00-5,00. Pelerfilie. grün. Schockdimd 0,80— 1,60. Rettich, bayrischer. per Stück 0,06-0.10. hiesiger, per Schock 0.00. Mohrrübe», 100 Psund 2.53 bis 3.50. Karotten, per 100 Psund 10—15. Wirsingkohl v. Schock 3—6. Rotkohl. Schock 2.10-3. Weißkohl v. lOO Psd. 1,80-2.50. vlilmeukolil. hiesiger 100 Stück 0,00. do. Erfurter 0.00. do. italienlicher 100 Släck 30-40, do. w Körben 18 Stück 1,25-1,75. Rosenkohl, per 100 Psund 18-30. Grünkohl 5,00—8,00. Kohlrüben. Schock 4,' 0—4.50. Betersilienwuricl», o. 100 Psd. 4,50—5.00, Schockbund 5—6. Schutttlauch, Töpfe Dutzd. 2—2.50. Tomalc». kanargche. per Kiste 4.00-6,00. Roie Nähen, ver 100 Psund 4,00-5,00. Räbchen, veeliger. per 100 Psund 0.00, do. Räbchen 12—13. ESkurol, 100 stück 20.00-25.00. Endivic», 100 Stück 26—30. Birnen, per 100 Pjd. Tiroler 0.00, Kochbirnen 3—10/«, Tajel- birncn la 18—25, do. IIa 6—17, Iluliener 26— 30. illepscl, per 100 PsuiiS, Tiroler la 20—32, do. IIa 12—20, do. lose, per 100 Psund 0,00, do. in Kissen 120 Psd. SO-50. Most-, hies., lOOPsd. 3-12, Koch. 5—14, Tasel- öpsel la 15—24, do. IIa 8—18, Amerikaner, per Faß 15—28, Italiener, lose. 100 Psd. 11—15, do. in Körben per 100 Pfd. 10—16, do. tn Stiften 10—20. Weintrauben. Almeria, per Faß 6—16. AnanaS I, per Pfund 0.90—1,00. do. II 0.65— 0,70. Banane», gelb, Jamaica. per 100 Pjd. 22,00—25.00. Kokosnüsse per 100 Et. 0,00. Krach» »uiiidel» per 100 Pjd. O.OO. Maronen, ital., per 100 Psund 12—20. Feigen, Kranz- per 100 Psd, 21-25, do, Trommel- per>00 Psd. 40, So. in Stiften 28—59. Traubenrosinen per 100 Psd 0,00, Zitronen, Melstna. 300 Stück 8,50-11, do. 300 Stück 8,50-11, do. 200 Stück 0.00. do. 150 Stück 0.00. Apselsinen. Muvcia, 200 Stück 8,00—10.00, do. 300 Stück 7,00-12,00, do. Valencia 420 Stück 16-25, do, 714 Stück 22-28,00, do, Meifina-Blut 100 Stück 7-8, do, 150 Stück 7-10, do. 80 Stück 8,00-9.00, do. 200 Stück 0,00. Datteln, per 100 Start 37-42, do. per 10 Psd. 5,00-5,50. WttternugSsiberstcht vom 24. Februar 1908. morgen» S Uhr« Llattmm >L- - ü 4 c --- £= 8 f Swlnenide 752 RO Hamburg 1 752 SSO Berlin'751 Still jjranfl.o M 751 91 München|752 SD Wnui 752 D ! 19?eSel 2 bedeckt Nebel 1 bedeckt 4 Schnee 2 heiter 0 1 -0 2 — 0 1 i i taparanda 761 OSO eterSburg 763 SO Scillh 767?!W =>c e � S> S? *> 1 Kierteat Paris I| 2 Schnee—10 2 woltenl—17 8 5 bedeckt 7�7 WSW 2 bedeckt 760 ANA! 4 bedeckt l I I 3 s Wetterprognose für Mittlvock). den ZG. Februar 1008. Ein wenig kühler, zeitivelse ausllarend, vorwiegend trübe und nebelig mit leichten Schneefällen und schwachen östlichen Winden. Berliner Betterburraa, ßnefkaften der Redaktion. SU itiviftifdie Tvrcchstvnv- ftnfcet Slnbenftrafte Str. 3, Uttel t er Hsf, dritter Eingang, vier Treppen, BHST" Fahrstuhl~�HI wochcntäglich al-c»d>> von?>/, bis Ol/t Uhr statt.(Bcäffnet 7 Übt. ZonnabendS beginn» die Sprechstunde um Dl« Influenz» orgrelfl nur diajenlgan, Ottren Blut retp. Blut» s Brperchen nicht»tark genug»ind, um«legrqlch den Kampf sogen die eindringenden Influenza-Bazillen aufzunehmen. Die Wallung de« Blute« mu«»«täricer>eln, die Herztltlgleekt erhobt werden| deshalb trinke man V« Stunde vor ledap -----— Mahlzelt, also vor dem 2ten FrOhstQck, vor dem Mittag- und Abendessen|e V, GUa Santa Liicie Kreft-Ro'.weln, das wirkt wunderbar heilsam auf den ganzen menschlichen Organismus, Für oe» Jmmii»er Ju ere»> Uberiiiinmt die Redaktion dem Publikum gegenüder(eiarricl Bernurworrnnq. Chcatcr. Mittwoch, 26. FebrAar. Ansang 7>/, Uhr. Rönlgl. Overnbau». GStterdämme. rung.(Ansang ß'/, Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Auf NiffenSkoog. Teurtches. Wo» ihr wollt. Kammerspiele. Frühllngi Er- wachen.(Ansang S Uhr.) Lortzing. Don Juan. Ansang S Uhr. RcueS Schauspielhaus. Judllh. Lessing. Wenn wir Toten erwachen. Berliner. Der Opemball. Sieueo. Simson. LustspieldanS. Panne. SäUIler O. iW»ll»er»Theater.) Der rote Leutnant. Schiller Eharlottcnburg. Kollege Crampton, .Komiich« Qpcr. Tiefland. Kleines. 2X2=5. Jrredrich> LLilhelmstädt. Tch«m. ipielhaus. Nalha» der Weise. Hebbel. Der Andere. w3eiirn. Ein Walzertraum. Residenz. Bibi. Der selige Oetave. Luisen. De« Mädchens Lebenswege. Thalia. Immer oben auf. Trianon. Baron Toto. Theater an der Spree. AuS- gcwiefen. Bernhard Rate. Kean. Rielropol. DaS muß man feh'n. Llvollo. MillSIaw der Moderne. La belle Alexia. Beim schönen Anton. FslieS(taprire. Jeunesse doröe. Paragraph 343. Mal was andres. Gebr. Herrnfeld. Papa und Genossen. Salomonisches Urteil. Bürgert. Schauspielhaus. Der Trompeter von Jäkklngen. Kaflno. Dle Freuden der HäuS» lichkeit. Wintergarten. Otto Reutler. Spe- ziati täten. Pal">gr. Rille. Kuerrertto. Spe- zialitäten Meiciioi�alton. Stelliner Sänger. Gustav Vrbrrns. Speziatiläte� «?a»'l Hi'.vrrlnnd. Evezialitälen. 2r.»alb»lla.' Svezialitäie» FvlicS Brrgtre. SpczialitStm. Palast. Lehrjungenslrciche. Spe- zialitäten. Ile.t i.»o.?»iiventlrofie tn>19. Theater 4 Ubr: Ucber den Brenner nach Venedig. Theater 8 Uhr- Di« Sinnesorgane der Pflanzen. CTfcrmmirle, Invaliden!tr 67'82. Berliner Theater. Täglich 8 Uhr: Der Opernlmll. ?lb 28. Februar: M Hiese. Die Förster-Cliristel. Heues Theater. Ansang 8 Uhr. Ferdinand Bonn als Gast. Simson. Morgen und s olgende Tage: Timlon. iileines Theater. Abends 8 Uhr: 2 mal 2= 5. DonnerSlag: 2 mal 2= 5. Freiing: 2 mal 2= 5. Eomürbcnd: 2 mal 2 s S. Theater des Westens. 8 Uhr: Ein tzValzertrnnm, Sonntag nachm. 3';, Ubr halbe Preise t Iii« Inntlx« Witwe._ friedricti-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Nathan der Weise. 8 Uhr. Donnerstag 3 Uhr zum erstenmal: Lokomotivführer Elauffen. Freitag: Lokomilivführer Elauffen. Sonnabend: Madame SanS GSne. Lortzing- dpsr. vollv-AIIInnro.SitrnL« 7lS. Abends 7';, Uhr: Don«fnan. Donnerstag 8 Uhr: Undine. Freitag 8 Uhr: Der Troubadour. «onnabcnd 7'/, Uhr: Don Juan. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Troubadour. Abends 8 Uhr: Zar und Zimmermann._ Residenz-Theater. — Direttion: Richard Alexander.— 8 Uhr.„Blbl." 8 Uhr. Schwank in 3 Allen von de Gorffe und de Marfan. Bretlllot... Richard Alexander. Hierauf: Der selige Octave. Soimlag, den 1. März. 3 Uhr: Haben Tie nichts z» verzollen? gehtiel-Thester.VW Abends 8 Uhr: Der Andere. Tragische Komödie in vier Alte» von _ Julius Bab. Lustspeefhaus. Abends 8 Uhr: Panne. Zentral-Thealer. Heute und folgend- Tage: Em seltsamer Fall mit Atiwln NfnU. Kaffencrösfn. 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. Sonniaa nachmittag.'! Uhr: Gin glticklichcr Jainilienvater. tuisen-Theater. SiridieiibergerNr. 34. Zum 23. Male: Des Miihltjrns Lrli rnsiorgr. Ansang 8 Uhr. Donnerstag: Unser Dottor. Freitag: Der eingedildetc Kranke. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Aschen» brödel. AbendS: Unser Doktor. Sonntag nachm. 3 Uhr: Ein ver» lorencr Sohn. AbendS t DeS Mädchen« Lebenswege. Montag: Unser Doktor�_ Hc Ii Illef-IT» ea ter. Schillar-Thaater O.tWallner-Thraier). Mittwoch, abend« 8 Uhr: vor rot« I.entnant. Schauspiel in drei Allen von Eduard Goldbeck und Hermann Klenzl. DonnerSlag. abend«8Uhr: Auf der Sonnenseite. Freitag, abend» 8 U h r: »er kevleor. I 8«Ii NIoi'-�aaK SchNIar-Ihoatse Lhartctteadvrg. Mittwoch, abend» 8 Uhr: ttoliexe Qrnn.pton. Komödie in 5 Akten v. G Haupimann. Donnerstag, abendsöUhr: Her rote Dentnant. Freitag, abend» 8 Uhr: Zum letzten Male: Kaiser und Galilder. (Sohliler-Theator' Charlottenburi 9 Uhr: Bortrag von Prof. Dr. Paul Schubring: Matthias ) rünwakb Heute Mittwoch. 26. Februar, '/.8 Uhr: Krihiintt Norstrkuvg. Enormer Erfolg de? Februar» ProgrammeS. Alle» tatsächlich neu und»och nie dagewesen. ». Doststo das elektrische Rätsel. KunstsadsahiSs-IfuppeiOeiii Dir. Alb. SchnmannS allerneucst. Dressuren. Tagesgespräch k PrachtauSsiattungS» Pantomime AMJEKIKA SllleS bisherige übertreffend. Helropol-Thealer �dsnäs 8 llttr: Lt. ttovus in 4.Akten(12 Bildern) von J. Kround. Musik von Viktor Hollaender. In Siono gesetzt von Direktor Riehard Schultz. BeDdEf, Giampietro. Joscplii, Thielseher, Darraanil, Massai'j. — Rftuchcn überall gestattet.— Sonntag, 1. März, nachm. 3 Uhr: Neuestes! Allerneuestes! XIII. üfaiHon. Zirkns Unheil Mittwoch abends 71/, Uhr: tinin-Abend. Novität) Gr. Sensitionl Novität l| KSp. Lytton! O Stntomobil-Taltomortale.O| HrrrKommisfionSrat Gustav Stens-! bock, Direktor des Berliner Tatter- jallS, al» Gast. Die anstraltschen Holzfäller! Szenen a. d. australilchen Busch. I Die phän. Anrora-Trnppc! Bros. Clarkonlant au» Amerika. I crr Emst Schumann, Neudreffur.| rl. Ettalle Preval, Schulreiterin Äf Jlns der ftaltijl Vorher: t�tt�Pro�rnnm. Urania. Wiascnschaftliches Theator. Taubenstr. 48)49. Nachmittags 4 Uhr: lieber den Brenner nach Venedig. 8 Uhr: 5. 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Vorstellung der.Freihrttlichen Bühne-. Ausgewiesen. Soziales Drama von Karl Böttcher (Nach t2jähr. polizcil. Verb, sreigcgeb.) Morgen: Ausgewiesen.__ ßixdorfer Theater Bürgcrsäle. Bergstratze Nr. 147. Mittwoch, den 26. Februar 1903: Der Kaiserjäger. Komödie in 3 Auszügen von Hani Lrcnucrt und Ostwald. Anfang ö Uhr. VWWMIM Ü Gr. Fr.rntlnrierslt.>32 Kesn. �nsang 8 Uhr. WochentagSp''�� Donnerstag:_ Trianon-Tliealer. s uhr. ßaron Toto, s uhr. Sonntag nachm 3 Uhr: Frälilctn Josette— weine Frau. !'TheRlör palllZl Burgstratze 24. Heute 8 Uhr. Entrre 20 Pf. Hur noch liis Sovuahtnd: Der Lirstv-Ftlirnar-Zpirlptau. liingliaiiilif'üliiihvssaiit Ab t. März: ffitofjc ilitetnationale um den Preis von Berlin in Höhe von GiMW Mark. Gebr. Herrnfeld- Theater. SHT" Allabendlich GUI der Interessante Prozeß wie er stürmischer nie belacht wurde: Zalomonilches ■ Urteil. m f Jeunes«« dorCe. Islt5U.J l-aragraph 848. Mal was Anderes Revue mit Gesang in S Bilder». W.Koacks Theater Duektiu» Rod. Olli. 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Berlin W., Goltzstr. 9. Nur kurzes Gastspiel des berühmien SiopfläuferS vom Krystall-Palast in London(öerieibe erregte durch seinen Siratzenkopsiaus in allen Großstädten berecht. Aussehen) sowie 14! erstklass. Spezialitäten. DuskeSBitograph. Ansang 8 Uhr, Sonntags 5'/. Uhr. Jeden Sonnabend und Sonntag nach der Vorstellung: Familienkräozchen bei sreiem Tanz. Orfs-KranUenbasse der Vergolder a-Serufsgenoss. Einladung zu der am Tonnerstag. den 6. Mörz 190«. abends 8 Uhr, ftattsindenden AnBerordentllchen General-Versammlung tm EcwcrkschastShause, Engel. User IS. Taal ij. Tagesordnung: 1. Staiuien-Abänderung(ander- weitige Festsetzung der Tagelöhne, Leistungen, Beiträge usw.). 2. Kassenangelegenheiten. 270/17 Der Vorstand. Die Delegiertenkarte dient als Legitimation. SchWyblkWosscr-JkllMnllkde am Donnkrstag, den 27. Februar, abends 8� Uhr, im„Dresdener Garten", Dresdener Straße 455 TageS-Ordnung: 1.„Die vornehmsten Aufgaben der Arbeiter in der gegen- wärtigen Zeit.» Resereni Kollege Wuschich. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. 112/14 Zahlreichen Besuch erwartet Dl« Ortsverwaltang. Uer Mar Zahlstelle Berlin. Achtung! Achtung! Holzarbeiter Wilmersdorfs. Donnerstag, den 27. Februar, abends 8'/« Uhr: Oefientlidte Jtolzarkiter-Versaintniung im„Luisenpark", Wilhelmsaue 112. TageS-Ordnung: 1. vorfrag:„Warum müssen wir uns organistrre» 7« 2. DiS. fusston. 3. Verschiedenes. 80/8 ES ist Pflicht aller in SSilmcräÖorf wohnenden Kollegen, zu r Vers"'" diese: Versammlung zu erscheinen. Der Bindernder. llsliisebes Holzarbeiter- Verband. —— Zahlstelle Charlottcnbarg.—— Donmrstag, den 27. Februar, abends 8'/z Uhr, im„Bollshausr", Rofinenstraße 3: ]VIf tgllcckr»Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht von der Gau-Konserenz. 2. Gewerkschaftliches und Verschiedenes. 80/7 Die Drtsverwaltuns. Mittwoch, de« 26. Februar, abends 8'/z Uhr, in Freyers Festsälen, Koppeustr. 29: General-Versammlung. TageS-Ordnung: Kastenberichf vom 4. Quartal 1907. Bericht des Vorstandes, des ArbeilsvermtttierS, deS BibliothetarS, der Werfstaitfontrollkommission und des Obmanns der Schlichlungsfommission. Ersatzwahlen zur Orisver, waltung. Wahl der Bureauangestellten. Anstellung eineZ oeUeten Hülss- arbeiterS. Anträge. VerbandSangelegenhetten. - Eintritt nur mit Mitgliedsbuch. Die Orts Verwaltung. ««dws! Kflchenmöbel-Branche. Wegen der am Mittwoch, den 86. Februar, stattfindenden Generalversammlung fällt die ÄtUNchellherfaMM- luwg aus._ DonnerStag, de« 27. Februar, abends 8'/, Uhr: Kraachkmrsamliilig duStellmacher im„Rofeuthaler Hof, Ros entHaler Straße 11/12. TageS-Ordnung: 1. Berichterstattung vom Gautage. 2. Wie gestalten wir in Zukunft unsere Agiialion? 3. ArbeUSvermiitelung und Umschauen w unserer Branche. 4. Branchenangelegenheiten. 6. Verschiedenes. Die Branchenbernrnlsslon. SoziaideiMfat Mmm ilir den UerlinerReiebstaiswaWkrels (Stralauer Viertel). Bezirk Nr. 353. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Möbel- Polierer Ulbert Alsleben (Cadinerstr. 15) gestorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 27. Februar, nachmittogS 2'/, Uhr von der Leichenhalle des Zentrai-Fried- hoss m Friedrichsseide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Verstand. Deutsche Konzerthallen An der Spandaner Bracke 3. 1 Täglich= Donnerstag, den 27. Februar, abends 8 Uhr: KrlitillsciiilnsliliiiiilsilllidttJlilllnjiclstirdcilcr bei Anten Boeker, Weber-Straße 17. TageS-Ordnung: L„Die wirtschaftliche Lage der Gegenwart". Resereni: Genosse Adelt Bitter. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. 2. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Cbmanu. Deutsch-Amerikanischer Urbock- Trubel. Gardinen, Portieren. Decken, Nrderbetten, Bettwäsche, Bilder, Uhre» aus Teilzahlung. Posttarte erbeten.* L. Malzner, JÄ so, Würzburger Hühneraugenmittel von Dr. H. llngcr.— Gegen 30?Zfe»»ig aus 10 Ps. Anweisung frei Ohne Zweisei die bequemste u. wirksamste Hülse. Der Schmerz ist in S Min. sort. Das Hühnerauge selbst in 3 Tagen. tEnthält Salieylsäure u. indischen Hanscxtrakt.) vf. lZ. Tkngsr in �Vürzhurg. In Berlin(20 Ps.): Salomon-Apotlisks, Eharlottenstraße. Greif- Apolheke, Barnimstraße 33.— Müitchcn: Gebilleen-gpotdako.— Stutt- gart: ttirsod-gpollivko.— Breslau: Vlotoria-gpotkeks. 110/1* Verband der Haler, £ackierer, Jlnsfrslcher Filiale Berlin. Melchiorstraße 28. nsm. Fernsprecher Amt IV Nr. 4787. Donnerstag, den ÄT'. Febrnar 1008, abends 8 Uhr: General- Versammlung leinnuBi Stockarbeiter. Vtlbaud der Maler, Lackierer, Anstreicher nsiv. Filiale Berlin. Nachruf. Unseren Kollegen zur Nach- richi, daß unser Mitglied, der Maler 131/8 Bernbard Nadolny am 24. Februar verswrben ist. Ehre seinem Andeuten! Dia Ortsverwaltung. Donnerstag, den 27. Februar 1908, abends 6 Uhr, in Fcnerstelns Fcststtlen(Jnh. Knbe), Alte sJakobstr. 75 1 B r auch en-V ers ammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht der VerhandlungSkommisston. L. Werkstattbericht. 3. Der- schiedeneS. Der Obmann. ■er uid i Montag, den 2. März, abends 6 Uhr, in den Micharl-FestsSleo, —— Michaelkirchstrafte: Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag über die Pläne der Unternehmer im Baugelverde. Resereni� nosse D. Slldcrsohmldt. 2. Verschiedenes. 20/3« Der Torstand. ! Steinsetzer im Gewerkschaftshause, Engelufer 13. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Neuwahl des Vorstandes. 3. VerbandZangelegenheiten. Mitgliedsbuch legiiiinierl. Die Ortsverwaltung. 131/7« und Berufsgenossen Uuter-Bezirk Schönebcrg, Steglitz und Umgegend. SA®3 Arbeitz-Vennittlcrs Die Miiglicder aus Schmargendorf, Wilmersdorf und SchSneberg wählen in Schiinebcrs, Mciningerstr. 8 bei Kuschte. Die Mitglieder nus Steglip, Lichterfclde, Xempelhof, Marien- darf. Marienselde und Lankwitz wählen in Stcsllt», Dünther» und Florastraßen-Ecke bei F r i t s ch. Die Milglieder aus Zehlendorf, Schlachtensee, Teltow usw. wähle» in Zehlendorf, Potsdamer Chaussee bei Micklei. Die Wahlzeit ist von 10—1 Uhr.-. Mitgliedsbücher sind mitzubringen) 175/6»___ Der Torstand. Sanssouci sS Kotlbuser 6. Sireltion: Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: T Dod TaMozcbeD. Beg. Sonnt. 5, wochent. 8 U. Dr. Simmel Spezial-Arzt fßr Haut- und Harnleiden. PrinzeBstr.4l,£5r,"«, 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2— 4. �1 toi j [Haben Sie Stoff? Ith fertige dorm Anzug cd. Pzletat nach Mass, schick, dauerh. Zutaten. von20Markan. Moritz Laband,> NecePremenndet.ll.fSidtb. Börse) J Eier-Spezial-Handlung en-jros an detail Goltzstraße 25, am Winlerseldtplah, empfiehlt frische Eier zum billigsten Tagespreise. Spezialität: Trinkeier täglich frisch; von einer Mandel an 1-nde frei ins Haus. Telephon: tat 5. 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Zweigverein Berlin u. Umgegend. Bezirk Osten. Todes- Anzeige. Am Sonntag, den 23 Februar, verstarb unser treuer Kollege, der Bauarbeiter Gustav Jonas im Alter von 37 Jahre» an der Proietmäerkrankheib 29/10 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 26. Februar, nach- mittags 41/, Uhr, von der Leichen- Halle deS at Andreas-KirchhoseS, Kilhelmsberg aus statt. Um recht rege Beteiligung ersucht 0er Zweigvereinsvorsland. Oeutschsr Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin« Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mtlglied, der Metall- arbeiter Richard Qörz gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 27. Februar, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Augusta-Hospitals aus nach dem DankeS-Kuchbos in Rewlckendors, Blankeftraße, statt. 112/15 Rege Beteiligung erwartet Die OrizverwaUuag. Danksagung. Für die vielen Beweise liebevoller Teilnahme und die herrlichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter Elisabeth R-enxel sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie den Mit- arbeitern der Rixdorser Maschinen- sabrik, dem Gesangverein.Apollonia- sowie dem Fußballklub.Hertha' unseren herzlichsten Dank. 317b Bnel Frcnzcl nebst Kindern. am die itöumig zu besehleiip, gebe ieb bei MM von Mein«leg. Frühjahrskammgarn- OV«•»»•id-Sti TBC Jackett oder ein Kinderpyjak OV S«••'AS* TU Einsegiuangskleidep in großer Auswahl. Separ.-Abiell. Ju Eleg. Trauermag. für Damen 4 und Kinder. Auswahl u. Preise konkurrenzlos. Sonntag gcOkTnet 8— 10, RS S Chr. THI— Man achte gefl. im eigenen Interesse genau auf meine Firma und F insnummer! Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben, UN- vergeßlichen ManneS psul Strickert sage allen Verwandten, Kollegen, so- wie Herrn Rendant RoSmoS und Freunden meinen besten Dank. 31 bb Witwe Lnlse StrlckerU Danksagung. Für die zahlreiche Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben unvergeßlichen Frau Älter sage allen Verwandten und Be- kannten, sowie dem Gesangverein .Frohsinn' meinen innigsten Dank. Fn tiefer Traue. 203111 Wilhelm Alter. AdlerShos. Ztntrllt-Kranktll- ll.Stcrde- ltaste der Zimmerer. (E. H. Nr. 2, Hamburg.) Oertliche Verwaltung Berlin. Freitag, Lb. Februar, abeudS 8'/, Uhr, im Gewertichaftshans, Engel-Ufer lö, Saal 7: Wg!iktlcr''VLr8AMm!uvg TageS-Ordnung: Abrechnung vom 4. Quartal 1907. Wahl der Revisoren. 269/3« Der Vorstand. I.A.: Richard Schräder, Tilsiterstr. 62. Für den Lnseratenteil verantw.: TH.Glocke, Berlin. Druck u.Verlag:TorwärtsAuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Lc Co., Berlin 2W, Nr. 48. 25. Iahrgaug. I J filme des Jotmärfö" Knüm Miwoch, 26. FeZmm 1908. Der Kampf ums Preußen-Wahlrecht. v. Am Vorabend der Eröffnmig deS preuhischen Landtages finden in ganz Preuszen Massenversaiumliiiigeu zur Demonstration für das allgemeine, gleiche, direkie und geheime Wahlrecht statt. 10. In Beantwortung der freisinnigen Wahlrechts- interpellation gibt der M i n i st e r p r ä s i d e n t v. B ii l o w im preußischen Abgeordneten Hause eine Erklärung ab, worin eS u. o. heißt:.Für die königl. Staatsregierung steht es nach wie vor fest, daß die Ueberrragung des Reichs- tags Wahlrechts aus Preußen dem StaatSwohl nicht cnt- sprechen würde und deshalb abzulehnen ist. Auch kann die königl. Staatsregierung die Ersetzung der öffent- lichen Stimmabgabe durch die geheime nicht in Aussicht stellen." Weiter wird eine„gerechte Abstufung deS Gewichts der Wahlstimmen" als notwendig bezeichnet. ES„wird zu prüfen sein, ob dieses Ziel erreicht werden kann lediglich unter Zu- grundelegung von Steuerleistungen. oder ob und inwieweit das Stimmrecht auch nach anderen Merkmalen, nach Alter, B e- sitz, Bildung u. dgl. zweckmäßig abgestuft werden muß." Zum Schluß heißt eS. daß für die laufende Tagung des Landtages keine Vorlage über das Wahlrecht mehr iu Aus- ficht gestellt werden könne. 10. Vor dem preußischen Abgeordnetenhause kommt es zu einer spontauen Demonstration. Tausende von Menschen habe» sich angesammelt, singen WahlrechiSlieder und bringen Hochs auf das gleiche und freie Wahlrecht aus. In ihrem Eifer, die Straße zu.säubern", verhaftet die Polizei sogar einen—— Straßenreiniger, weil er sich weigert, von seinem Arbeitsplatz weiter zu gehen. 11. Als Antwort auf Bülows Erklärung beschließen die drei linksliberalen Parteien die Einsetzung eines-- W a h l- rechtsaus schuss es. 12. Am Sonntag finden überall in Preußen um die Mittags- stunde mächtige Wahlrcchtsdemonstratiouen statt. In überfüllten Versammlungen protestiert das Volk, Zehntausende finden keinen Einlaß und müssen auf der Straße bleiben. Nach Schluß der Ver- sammlungen kommt es zu gewaltigen Aufzügen. In Berlin stellt sich die Polizei in den Weg, um die Demonstranten von der Gegend der Linden fernzuhalten. An mehreren Stellen benutzt die Polizei ihre Waffen und vergießt Proletarierblut. 13. Im preußischen Abgeordnetenhause behaupter der Polizei minister v. Moltke, die Polizei sei an, 12. in Berlin Vom Volke angegriffen worden. Außerdem purst er der Leitung der Sozialdemokratie.gewissenloses" Handeln vor. Er droht, jedem ferneren Versuch mit den äußersten Mitteln entgegen futreten. Dabei hatte selbst die.Germania" die Vorgänge wie olgt darstellen müfien: .Die Menschenmenge auf den Straßen vermied Znsammen- stöße mit der Polizei, in, m er wieder ließ sie sich tvillig in Nebenstraßen ablenken; nur in einigen wenigen Fällen hatten die Massen sich in engen Straßenzügen so festgesetzt, daß sie nicht vorwärts und rückwärts konnten, und in diesen Fällen glhrte bann das scharf« Andrängen der Polizei regelmäßig zu rawallen, die in mehrfachen Fällen zu blutigen Zusammenstößen führten." Der schlimmste Exzeß deS Polizeisäbels war an der Ger- traudtenbrücke zu Berlin geschehen. Dort ist die Straße so eng, daß die Menge nicht umkehren noch ausweichen konnte. Was dort geschah, schildert das»Berliner Tageblatt" mit folgenden Worten: „Plötzlich sprang Hauptmann Stephan vor und rief: »Ich fordere Sie auf, sofort auseinanderzugehen. Nach etwa einer Minute wiederholte er die Aufforderung zum zweiten Male und kurz darauf zum dritten Male. Zu gleicher Zeit gab er das Kommando:„Säbel heraus! Einhauen! Nun entwickelte sich eine wilde Szene. Wohl fünfzig Schutimannssäbel hieben erbarmungslos auf die vorderen Reihen ein. Es half nichts, daß Schwerverletzte stöhnend riefen:„Wir sind unschuldig!", die Säbel- hiebe hageltcn weiter. Ein tausendstimmiger Wutschrei pflanzte sich bis in die Hinteren Reihen fort und Verwünschungen wie „Mörder! Bluthunde! Henkersknechte!" hallten durch die Luft. Während des Tumultes fiel auf der gegenüber- liegenden Wasserseite ein Schuß, der aber anscheinend i n d i e Luft abgegeben war." Im Abendblatt deS„Lokal-Anzeigers" vom 13. Januar teilt der Polizeipräsident v, Norries mit: es sei bei der Anordnung der polizeilichen Maßnahmen von vornherein damit gerechnet worden, daß von der Waffe Gebrauch gemacht, d. h. also Bürgerblut vergossen werde. Ib. Scharfe Patronen sind, wie der„Vorwärts" mitteilt, am 12. Januar an die Mannschaften des in der Blücherstraße garnisonierenden Dragonerregiments verteilt worden. Erst 40 Stück pro Kopf und dann noch extra 20. Damit die konsignicrten Mannschaften sich nicht allzusehr lang weilten, durften sie sich nach Herzenslust am Bier erlaben. Die Stimmung wurde infolgedessen auch nach wenigen Stunden eine sehr animierte. 17. In ihren Wahlrechtsausschuß haben die drei freisinnigen Parteien gewählt die Herren Müllcr-Sagan, Fischbeck, Wiemer und Pachnicke, und dokumentierten damit, daß ihnen der Wahlrechtskampf mir eine Posse ist. 19. Beim preußischen Ordensfest wurden die folgenden frei- finnigen Parteiführer mit Orden bedacht: Kaempf, Wiemer, Mugdan, Gyßling, Fischbeck, Eickhoff, Schräder. 22. Sozialdemokratische Wahlrechtsinterpellation im Reichs- tage. Der Reichskanzler lehnt die Beantwortung der Jnter- pellation a b, überhäuft dann die Sozialdemokraten mit Schmäh- ungen und Bedrohungen und verläßt darauf den Saal. Was natürlich nicht hindert, daß die Interpellation besprochen und vom Genossen Fischer ausführlich begrüitdet wird. Nachdem die Redner der anderen Parteien gesprochen, wird durch Vertagung auf unbekannte Zeit dem Genossen Bebel das Wort abgeschnitten. Für die Vertagung stimmen auch sämtliche Freisinnigen mit Ausnahme der folgenden 6: Manz, Wieland, Gothein, Neu- mann-Hofer, Dohrn, Potthoff. 27. In Solingen findet ohne ernste Zwischenfälle eine groß- artige Straßendemonftration für das Landtagswahlrecht statt. 27. Der Polizeihauptmann Stephan, der am 12. Januar an der Gertraudtenbrücke zu Berlin das Kommando znm Einhauen gegeben hat, kriegt an Kaisers Geburtstag einen Orden. Deutsche Rechtspflege. 1. Maximilian Harden wird am 31. Dezember, nach. dem die Staatsanwaltschaft nachträglich ein öffentliches Interesse IZgftatiotis- Kalender. Januar. an der Sache entdeckt und das schöffengerichtliche Verfahren, das mit Hardcns Freisprechung endete, für nicht geschehen erklärt hat, von der Strafkammer nach einer Verhandlung, deren wichtigster Teil unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfand, zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Amtsrichter Dr. Kern, der im ersten Harden- Prozeß vor dem Schöffengericht den Vorsitz führte und auf Frei- sprechung erkannte, ist bei der Geschäftseinteilung für 1908 von der Strafabteilung des Landgerichts I zur Zivilabtcilung desselben Gerichts versetzt worden. Selbstverständlich auf eigenen Wunsch. da Richter anders als auf eigenen Wunsch überhaupt nicht versetzt werden können.» 4. Der Prozeß des Memeler Denkmals. Einige Tage vor der Einweihung des sogenannten„Nationaldenkmals" in Memel, am 23. September vorigen Jahres, brachte die„Königs. berger Volkszeitung" einen Artikel, der an der Hand geschichtlicher Tatsachen die Vorgänge jener Zeit zeichnete, denen das Denkmal gewidmet sein sollte. Der Artikel wurde bald darauf, nur wenig verändert und gekürzt, in den„Ostpreußischen Land- boten" übernommen. Ein freisinniges Blatt, die„Königsberger Hartnngsche Zeitung", nahm Anstoß an dem Artikel und fiel in denunziatorischrr Weise über unser Königsbcrger Parteiblatt her. Jnsolgcdesscn schritt 11 Tage nach Erscheinen des Artikels der Staatsanwalt ein und erhob Anklage wegen-- Majcstäts- beleidigung und wegen Beleidigung der Mitglieder des Denkmal- komiiccs. Obgleich in dem Artikel vom Kaiser überhaupt gar nicht die Rede ist, sondern nur von dessen Urgroßmutter Luise, wird doch von der Königsbcrger Strafkammer(unter Vorsitz des aus dem russischen Hochverratsprozetz 1904 bekannten Landgerichts- direktorS Schubert) der Verfasser des Artikels, Genosse Marckwald, zu 1�4 Jahr Gefängnis verurteilt. Zur Begründung sagt Herr Schubert u. a.: Wenn die Denimalsenthüllung eine Tragikomödie genannt werde und der Kaiser an der Enthüllung teilgenommen habe, so erkenne man ohne weiteres die Absicht, den Kaiser herabzusetzen.— Genosse Marckwald wird sofort verhaftet und gegen eine Kaution von 10 000 Mark vorläufig aus freien Fuß gesetzt. Soziales. 5. Der Pulverarbeiter Karl Voß in Spandau war 30 Jahre lang, seit dem 1. März 1875, in der königlichen Pulverfabrik zu Spandau beschäftigt und wurde am 31. März 1905 nach vier ivöchcntlichcr Kündigung wegen emgetretener gänzlicher Dien st Unfähigkeit entlassen. Wsch seiner Entlassung wurde ihm vom RcichSmilitärfiskus eine jederzeit widerrufliche Gnadenunterstützung in Höhe von 725,20 M. gewährt. Von diesem Betrage bringt der Fiskus jedoch die Invalidenrente im Betrage von 220,20 M. in Abzug, so daß V. monatlich nur 42,25 M. erhält. Er behauptete darauf im Klagewege, daß er bei seinem zuletzt bezogenen jährlichen Gehalt von 1554 M. und seiner Mjährigcn Dienstzeit einen Rechtsanspruch auf eine ohne Abzug zu zahlende Pension in Höhe von 906,60 M. jährlich oder 75,55 M. monatlich habe. Ihm stehe die Pension nach§ 28 der Vorschriften zur Verwaltung der königlichen Pulverfabrik zu; denn er habe seine Stellung nur unter der Zusicherung angenommen, daß ihm im Falle der Erwerbsunfähigkeit ein Ruhegehalt von dem bezeichneten Betrage gewährt werde. Der beklagte Rcickismilitärfiskus bestreitet dies, indem er unter anderem ausführt, daß die Unterstützung nach Z 23 Abs. 3 der angezogenen Bestimmungen nach vieljährigen treuen Diensten im Falle der Invalidität nur„in Aussicht" g e st e l l t worden sei. Auch sei durch eine spätere Aenderung der Bestimmungen, die der Kläger mit den anderen Arbeitern unterschrieben habe, der Wider- ruf dieser Unterstützung durch das Kriegsministerium ausgedrückt worden. Das Landgericht Berlin verurteilte den Rcichsmilitär- fiskns zur Zahlung des beanspruchten Betrages. Das Kammer- gcrickt aber wies die Klage ab, und das Reichsgericht bestätigte die Entscheidung deS Kammergerichts, weil dem Kläger die volle Pension nicht versprochen, sondern nur„in Aussicht gestellt" worden sei. Demnach ist nunmehr höchstgerichtlich festgestellt, daß ein Ar. beiter sich täuscht, wenn er auf ein vom Reichsmilitärfiskus in Form deS„Jnausfichtstellens" abgegebenes Versprechen sich verläßt. 21. In Berlin finden 9 Arbeitslosenversaminlungen statt, woran etwa 12 909 Personen teilnehmen. Die Zahl der Arbeits- losen in Berlin wird von der„Tägl. Rundschau" auf etwa 69 999 geschätzt. Mehrere Stunden nach Schluß der Versammlungen richtet die Polizei ein neues Blutbad in den Straßen Berlins an. An der Kronprinzcnbrücke wird von Schutzleuten furchtbar aus die Menge eingehauen. Sogar die auf einem Neubau beschäftigten Arbeiter werden von der Polizei von ihrer Arbeit vertrieben und znm Teil verwundet. In das Verbandshaus der Metallarbeiter, Chantestr. 3, dringt ein Trupp Polizei unter Führung eines Leutnants ein, stiirmt mit gezogenem Säbel die Treppe hinauf und haut auf die dort befindlichen Personen ein. wobei viele verwundet werden. Auch in Hannover wird am gleichen Tage ein Arbeitsloser von einem Schutzmann mit dem Säbel schwer verwundet, 28. In einer Zuschrift an den„Voten aus dem Riesen. gebirge" rechnet ein bäuerlicher Besitzer aus Nieder- schlesien aus. daß die kleinen und mittleren Bauern durch die Zölle mehr Schaden als Nutzen haben. 30. Bei einer Debatte über die Arbeitslosigkeit in der Berliner Stadtverordnetenversammlung verlangt der Stadtrat und freisinnige Parteiführer Fischbeck: die Ber- liner Arbeitslosen sollen aufs Land gehen. Aus der Armee. 22. Gegen die Grafen Hohenau und Lynar wird vor dem Kriegsgericht der 1. Gardedivision zu Berlin wegen Päderastie unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelt. Hohenau wird freigesprochen, Lynar zu IM Jahr Gefängnis verurteilt. Von der Polizei. 6. Die Angelegenheit der Lübecker L-Kasse(siehe AgitationS» kokender vom 2. November 1907) kommt im Lübcckschen Parlament zur Sprache. Der Senat muß zugeben, daß Gratifikationen an Polizeibcamte aus der Bordellkasse gezahlt worden sind und daß das Defizit eines SchutzmannsfesteS aus der Kasse gedeckt wurde. Auf die anderen Behauptungen ging der Senator nickfi ein. Daß die Kasse gegen Gesetz und Recht bestehe wurde nicht bestritten. Auf die Frage, ob es richtig sei, daß der frühere Polizeihauptmann Mnnck jährlich 800 Mark Gratifikation ans der Bordellkasse erhalten und nicht versteuert habe, erfolgte keine Antwort. Bezeichnend war es, daß aus der Mitte ver Bürgerschaft der Antrag gestellt wurde, nur eine bessere Kontrolle der L-Kasse vorzunehmen, ian übrigen aber die ungesetzliche Kasse bestehen zu las senk Die Mehrheit des Äierklassenbarlaments hatte jedoch wohl so viel Scheu vor der Oeffentlichkeit, daß sie diesem Antrag nicht zu- stimmte. Ansere Kolonien. 7. Vor dem Schöffengericht zu Köln beginnt die VerHand» lung der Beleidigungsklage des Peters gegen den ehemaligen Gouverneur von Ostafrika, v. Bennigsen. In einem Artikel der„Kölnischen Zeitung" hat Herr v. Bennigsen nicht nur behauptet, daß Peters dl« Jagodja und den Mabruk aus geschlechtlichen Motiven, ohne jeden politischen Neben- grund, habe hängen lassen, sondern daß das Kolonialamt den Peters geflissentlich geschont habe, trotzdem es längst Kenntnis von seinen Verbrechen gehabt habe! Er behauptete weiter, daß die DisziplinaruntersuchunKcn gegen den Peters nur Scheinuntcr- suchungcn gewesen seien, und baß es nur seinem Eingreifen zu danken sei, daß nicht auch die dritte Disziplinaruntersuchung eine Farce geworden seil Er behauptete, daß die Pcters-Elique den Kolonialdirektor Dr. Kayser terrorisiert, ja ins Grab getrie- den habe, und daß diese allmächtige Clique nicht nur den Peters, sondern auch ein„Scheusal" wie den berüchtigten Flaschen» Schröder trotz seiner erstinstanzlichen Verurteilung zu 15 Jahren Zuchthaus mit Hülfe des Peters wieder iu ein hohes Kolonial- amt habe befördern wollen! 8. Vom Petersprozeß in Köln. Ein Eisenbahn» bcamter bekundet als Zeuge— und Peters bestätigt die Aus» sage■— Peters habe ihm erzählt, daß er eine schwarze Konkubine wegen„Ehebruchs" habe hängen lassen! Er prahlte ferner damit, daß er nie eine Strafie unter 50 Hieben vollziehen lasse! Wenn ein Boy einmal Zucker stibitze, so lasse er ihm 150 Hiebe auf- zählen! Peters habe, um schleunigst Futte'' für seinen Esel zu beschaffen� einem Dorfältesten, ei n S t r e isch h o)l z an die Lippen gehalten! An Eingeborene, die für ihre Waren mehr verlangt hätten als ein Fünfundzwanzigstel des Wertes, habe er als„Draufgeld" 50 Hiebe verabfolgen lassen I Und Peters gab zu, daß er damals dergleichen erzählt habe,„weil es seiner da- maligcn Sinnesrichtung entsprochen" habe! Ueber die Behandlung der noch nicht 20jährigen Jagodja sagt der Zeuge Wilhelm, ehemaliger Unteroffizier der Schutztruppe, sie wurde mit Hieben zerfleischt und schließlich aufgehängt, w-eil sie sich durch Flucht der Herrschaft des Peters zu entziehen suchte. Und-— so bekundete Wilhelm weiter— sie hatte alles Recht zur Flucht, denn sie stand in keinerlei Dienst- Verhältnis zu Peters! 9. Vom Petersprozeß in Köln. Der Maler Kuhnert, ein Gefährte des Peters am Kilimandscharo, hat erzählt, daß Peters eimnal von einer Streife eine Anzahl von Ketten- gefangenen mitgebracht habe. Als ihn Kuhnert fragte, tvaS denn diese Leute verbrochen hätten, antwortete Peters:„Nichts! Aber man müsse den Kerlen die Herrenfaust zeigen!"— AIS Mabruk gehängt war. setzte sich das„Richter"-Kollegium zum F r ü h st ü ck nieder. Dabei wurde ein Trinkspruch auf den unmittelbar zuvor Gehängten ausgebracht Mit den Worten:„ES lebe der selige Mabruk". Herr Liebe rt vom Reichsverband, der erst 5 Jahre nach den fraglichen Vorkommnissen nach Ostafrika gekommen ist, behauptet als„Sachverständiger": die Erregung unter den Eingeborenen sei nicht durch die Kunde vom Aufhängen der Neger verbreitet worden, sondern durch Bebels Rede im Reichstagel D. h. durch eine Rede, die erst 4 Jahre später in Berlin gehalten worden istl 11. In Köln wird über den sogenannten Tuckerbrief verhandelt. Bekanntlich ist ein Brief an den englischen Bischof Tucker nicht geschrieben worden. Es liegt eine Namensverwechselung mit dem englischen Bischof Smithie vor. Vor Gericht wird nunmehr festgestellt, daß Pehers einen Bricfentwurf gemacht hat, der ursprünglich als Brief an den Bischof Smithie abgehen sollte. Peters schickte ihn aber nicht ab, sonoern übergab ihn einem englischen Major in der Voraussetzung, daß dieser Brief- entwurf in der englischen Presse veröffentlicht würde. In diesem Entwurf" war ausdrücklich zugegeben, daß der Hingerichtete Mabruk tatsächlich ein«s„ehebrecherischen" Verhältnisses zu der schwarzen Geliebten eines Offiziers überwiesen seil Ueber die Angelegenheit mit Bischof Smithie wird folgendes festgestellt: Peters hatte dem Bischof Smithie einen Brief ge- schrieben, in dem er ihm seine Durchreise durch den Aufenthaltsort Smithies angekündigt hatte. Gleichzeitig hatte er ihn um Ueber- Mittelung eineö Briefes gebeten. Der Bischof teilte mit, daß er den Brief besorgt habe und gern geneigt sei, die deutschen Mann» schaften zu empfangen. Auch den berühmten Reisenden PeterS würde er gern kennen lernen. Nur wäre es ihm sehr lieb, wenn ihm PeterS vorher nachweisen könne, daß die „betrübenden Nachrichten" über seine Taten am itilimandscharo unrichtig seien. Also Smithie verbat ich in gar nicht mißznverstehender Form den Besuch des PeterS, lvenn dieser nicht in der Lage sei, sich vorher von den Ansckuidi- guirgen zu reinigen. Darauf wurde Peters in einem Antwort- 'chreiben hochfahrend und tat, als ob die Ankündigung seiner Durchreise ein Ersuchen um Gastfreundschaft gar nicht eingeschlossen hätte. Wiederum antwortete der Bischof, er habe erwartet, daß Peters gegenüber den Handlungen, deren er bezichtigt sei, andere Entlastungsmomentc anzuführen in der Lage gewesen sei, als seine eigenen persönlichen Beteuerungen l 13. Das Urteil gegen Jcsko v. Puttkamer, früheren Gouverneur von Kamerun, der am 25. April 1907 von der Dis- ziplinarkammer zu 1000 Mark Geldstrafe und zu einem Per- weise verurteilt worden, wird vom DiSziplinarhof aufgehoben. Pütt» tamer wibd nur zu einem Verweise verurteilt. 22. Im Kölner PeterSprozeß wird Herr v. Bennigsen zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt. Aus der„hohen" Politik. 5. Weil ihm die Genehmigung zum Bau eines Wohnhauses versagt worden, hat ein polnischer Landwirt sich einen Wohnwagen gleich den Zigeunern eingerichtet. Nun wird ihm die Unterhaltung eines Fcurherdes im Wohnwagen verVoten. Und weil er Einspruch erhebt, werden ihm 10 Mark Kosten für amtliche zwangsweise Entfernung des Ofens abverlangt. Die zahlt er nicht, deshalb wird der ganze Wohnwagen gepfändet. 18. Das EntrignungSgesetz gegen die Polen wird vom preußi- schen Abgeordnetenhaus in dritter Lesung angenommen. 30. Das Enteignungsgesctz gegen die Polen stößt im preußischen Herrenhaus auf Widerspruch. ES wird an eine Kommission verwiesen. Eingegangene Druchfcbriften, Monatsblätter für Arbeiterversicherung. Herausgegeben von Mitgliedern deS Reichs Versicherung Samtes. II. Jahrg. Heft l und 2. Preis pro Nummer lv Pf. Verlag von Lehrend u. Co., Berlin W. 64. I-es Bocnmcnt» du Projxrb». Eevuo internationale. Dings par lo Dr. Rodolphe Broda. Paraissant toas les mois. Abonnement 12 Fr. Tie Bücher deS deutschen Hauses. Herausgegeben von Rudolf Pr-Sber. Band 15: Auf tönernen Fußen. Roman von Hans Hauptmann» Band 14: spanische Novellen, von Else Otten und N. Speyer. Buchverlag für deutsche Haus, Berlm-Leipzig. Hirfch-Wilking. Elettro-Jiigenieur- Kalender 1903. PreiS 2,50 M Verlag von Oskar Coblentz. Berlin W. 30. Marie H. von Hclldorff. Aus eigenen Füßen. Praktischer Weg. weller durch alle Berussarlen sür erwerbende Frauen. Preis 40 Ps. Verlag von H. Seemann Nachs., NW. 87. Dr. L. Wahrmund. Katholische Deltanschaunng und freie Wissen- schaft. Preis geh. l M. Verlag I. F. Lehmann. München. Marie Wcgner. Die Armen- und Waisenpilege. Heft 1. Preis 50 Pf. Verlag von B.®. Teubner in Leipzig. Dr. jur. Friedrich Bendixen. Das Wesen des Geldes. Zugleich ein Beitrag zur Reform der Reichsbantgesetzgebung. Preis 1,40 M. Verlag von Duncker u. Hnmblot, Leipzig. Joseph Slngerbaner. Tischlein deck dich für alle. Preis 10 Cents. Selbstverlag, New Dort, 117 Park Row. Ulbert Rnab. Monatshefte für graphisches Kunstgewerbe. 3. Jahrg., Heft 4. Januar 1908. Verlag von Kurl Flemming A. G., Berlin W. 35. Jahresbericht der Ortsverwaltung Berlin II sür da» Jahr 1907. Deutscher TranSportarbciter-Verbaud. 93 Seiten. Verlagsanslalt Paul Singer u. Co., Verlin LW. 68. Dr. Fritz Auer. Persönlichkeiten. Friedr. Namnanw Heft 4. Preis 30 Ps. Virgil-Verlag, Charlottcnburg, Kantstr. 8. Dr. Phil. Helene Stöcker. Die Neue Generation. Jährlich 5 M., halbjährlich 3 M. Einzelnummer 60 Ps. Verlag Oesterheld u. Co.. Berlin W. 15. n Oentseher KolzarbeHer- Verband. Zahlstelle Berlin. _ Sonnabend, den 7. Mär®; Großes Sommerfest in den Gesam träum on der„ISTenen Welt*6, Hasenheide 10S— Iii. �oniinertas; in den Iffoclial|jen= verbunden mit Belgonfahrcn(pünktlich 11 Uhr). Vortrögc, Klncmatograph, Alpenglühen. In allen Sälen: 0fö|�6r SäiL Tanz frei. Anfang»'/. Uhr. Billett 50 Pfennig. Anfang S'/, vhr. MM" dsds'vÄms erhält einen Lon, kür wslohen«In präsent gegeben wird.(Die Ausgab<. der Bons erfolgt an der Kontrolle, der Präsente im kleinen Saal.) 80/ ö* Zahlreichen Besuch erwartet Da» Komitee. Billetts sind in allen Zahlstellen, im Bureau und bis zum 7. März ständig in folgenden Lokalen zu haben; Osten: Lorenz, Koppenstr. 28, Südost; Mühle, Mariannenstr. 41, Süden: Grumbach, Schönleinstr. 6 und Zehrend, Uasenheide S, vis-a-vis der«Neuen Welt". i. Krügers Speise- Leinöl ist bnö beste, täglich frisch und garantiert rein.— Hausfrauen 1 Wen» Sie mirf.ich fchmackhaste», frisches und reines Speife-Lewöl genießen wollen, dann achten>sie bei Emfauf stets aus das Plaisrln'n-Btlqaett „Sprecwüldcrln In h'atlonaltrwclif4 und forbern ausdrücklich M.« r u g e r s SPeise-Leinöl. Dasselbe ist in belferen Kolonialwaren. und Borkostgeichöften zu haben. 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