Nr. 57. Abonnements- Bedingungen: bonnements Breis pränumerando Bierteljährl. 8,80 M., monatl. 1,10., wöchentlich 28 fg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Bost- Beitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Erideint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 fg., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Eisenbahner und Geldiackparlament. Sonnabend, den 7. März 1908. mit Löhnen haben abspeisen lassen, die teilweise erheblich hinter Idenen der Privatindustrie zurückbleiben! Das Recht, auf dem Wege des Zusammenschlusses sich höhere Löhne zu erringen, wird den Arbeitern genommen, als Entgelt dafür erhalten sie dann nach 20 Jahren nachträglich eine Mart pro Jahr zurück. Fürwahr, eine Wohltat", wie sie des preußischen Staates " Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. unseren Flottenetat verantwortlichen Minister im deutschen Interesse zu beeinflussen." Der Brief sei zweifellos authentisch und Lord Tweedmouth habe ihn beantwortet. Schließlic wird gefordert, daß Brief und Antwort dem Parlamente vor. gelegt werden. In einem Leitartikel wenden sich die„ Times" in schärffter Weise gegen die Einmischung in die inneren englischen Angelegenheiten durch geheimen Das Dreiflaffenparlament fümmert sich erfahrungsgemäß würdig ist. nur recht selten um die Arbeits- und Lohnverhältnisse der Aber darin erschöpft sich die Fürsorge der preußischen Appell an den Chef eines Departements, von welchem die nationale Eisenbahnangestellten, insbesondere der in der Eisenbahn- Staatseisenbahnverwaltung nicht, sie zahlt auch den Arbeitern, Sicherheit abhängt." Wenn König Eduard einen solchen Brief an verwaltung beschäftigten Arbeiter. Für die 15 Mart, die sie die nicht ausdrücklich nur zu vorübergehenden Zweden anden Chef des deutschen Marine- oder Militärdepartements gerichtet täglich an Diäten einstecken, schwatzen die Volksvertreter" in genommen sind, in Fällen vorübergehender, unverschuldeter hätte, so hätte es in Deutschland einen allgemeinen Zornesausbruch jeder Sigung fünf Stunden lang über alles mögliche, die Dienstverhinderung Lohnvergütungen, und zwar erhalten Ar- gegeben, und die Welt würde Deutschland recht gegeben haven. nebensächlichsten Dinge werden des langen und breiten beiter, die mindestens ein Jahr ununterbrochen im Dienste Falls der deutsche Kaiser England etwas über ein billiges Einver erörtert, aber zu einer Besprechung der Arbeiterverhältnisse der Verwaltung beschäftigt sind, bei militärischen lebungen von ständnis über Rüstungen zu sagen habe, so befize er amtliche fehlt es an Zeit. Und doch wäre es dringend erforderlich, nicht mehr als 14 Tagen zwei Drittel des Lohnes, voraus- Wege hierzu; feinerlei Privatbeziehungen könnten die Abweichung einmal von Grund aus die Lage der Eisenbahner zu erörtern, gefeßt, daß sie verheiratet oder überwiegend Ernährer von bom regelrechten Verfahren und die Zuhülfenahme von privatem denn die dem Abgeordnetenhause unterbreitete, beim Etat der Familienangehörigen sind. Bei Arbeitsversäumnis infolge von Einfluß entschuldigen, dem einige Männer zugänglich wären, wenn Eisenbahnverwaltung mit zur Debatte gestellte Dentschrift Teilnahme an Kontrollversammlungen, Wahlen und dergleichen er von hoher Seite tomme. England sei jezt berechtigt, die Verüber die Ergebnisse des Betriebes der vereinigten preußischen wird ihnen der Lohn für die Dauer der notwendigen Ab- öffentlichung des Briefes und der Erwiderung zu verlangen. Die und hessischen Staatseisenbahnen im Rechnungsjahre 1906 wefenheit weiter gewährt, natürlich unter Anrechnung der Lektion für England sei klar. Wenn vorher zweifel über fordert in hohem Maße zur Kritik heraus. für den Zeitverlust etwa anderweit gewährten Entschädigungen. die deutsche Flottenvermehrung bestanden, so könnten Die Staatseisenbahnen haben trotz des Geschreies, das In anderen Fällen, namentlich bei Arbeitsversäumnis wegen nach einem solchen Versuche, den für die englische Flotte verant augenblickiich im Abgeordnetenhause angeſtimmt wird, ein dringender persönlicher Angelegenheiten, bleibt es dem Er- wortlichen Minister in einer dem deutschen Interesse günstigen glänzendes finanzielles Ergebnis gezeitigt. In der Zeit von messen der Verwaltung überlassen, ob sie den Lohn gewähren Richtung zu beeinflussen, in anderen Worten: nach einem Versuche, 1882 bis 1905 betrug der rechnungsmäßige Ueberschuß der will; dem Arbeiter steht ein Anspruch hierauf nicht zu. Endlich es den deutschen Rüstungen leichter zu machen, die englischen au Eisenbahnverwaltung zusammen die nette Summe von kann den Arbeitern auch ein Erholungsurlaub gewährt werden, überholen, teine 3 weifel mehr verbleiben. Gegenüber diesem Artikel erklärt Lord Tweedmouth, der 9507,17 Mill. Mart. Zieht man hiervon die auf den Ueber- aber um in den Genuß dieser Wohltat" zu gelangen, müssen schuß zur Verzinsung der Eisenbahnfapitalschuld angerechnete sie erst 5 beztv. 7 Jahre sich gut geführt haben und zu- Brief des deutschen Kaisers an ihn enthalte eine rein persön Summe von 3933,21 Millionen ab, so bleiben immerhin noch friedenstellende Leistungen aufweisen. Treffen diese beiden liche Mitteilung, die ihm nicht in seiner Eigenschaft als Erftem 5573,96 Millionen Mart Reinüberschuß für Voraussetzungen zu, dann können sie vielleicht auf Urlaub Lord der Admiralität gemacht wurde, und habe mit dem engdiefe 24 Jahre, also pro Jahr im Durchschnitt rechnen. Ein Recht darauf haben sie aber ebensowenig lischen Marineetat nichts zu tun. Der Sekretär 232 Millionen. Im Jahre 1905 hatte der Reinüberschuß wie die Beamten. Die Streckenarbeiter vollends sind von Tweedmouths sagte, am kommenden Montag werde eine Mitteilung die ansehnliche Höhe von 552,24 Millionen erreicht, und im dieser Vergünstigung grundsäßlich ausgeschlossen, weil die über die Angelegenheit an das aus der Lords gelangen. Bis Jahre 1906 ist er noch etwas höher. Bedenkt man, daß die Verwaltung die Art ihrer Tätigkeit schon an und für sich dahin fei eine Veröffentlichung der betreffenden Korrespondenz nicht beabsichtigt. Brutto- Einnahme an direkten Steuern im Jahre 1905 als eine Art lebenslänglichen Erholungsurlaubs ansieht. Es ist nicht zu verkennen, daß der Artikel der Times" nichts fich nur auf 242 Millionen Mart belief, so hat Weiß die Eisenbahnverwaltung wirklich nicht, daß zahlman den Schlüssel für die Zähigkeit, mit der die reiche Gemeinden, ja sogar vereinzelte Privatunternehmer in weniger als deutschfreundlichen Gesinnungen entspringt. Die Mehrheit des preußischen Landtages auf die Er- bezug auf die Gewährung solcher Vergünstigungen ihr schon Times" gehören zu den enragiertesten Flottentreibern zielung noch höherer Ueberschüsse aus den Eisen- weit voraus geeilt find? Aber das ist ja das Charakteristische und suchen durch Erzeugung einer chauvinistischen Stimmung die bahnen bedacht ist. Die Herren nehmen die Vorteile, die bei der ganzen Sache, daß die Regierung in Uebereinstimmung Bahn für Schußzoll. Imperialismus und Marinismus frei zu ihnen das preußische Geldsackswahlrecht gewährt, gern in mit dem Dreitlassenparlament ängstlich darüber wacht, daß machen. Leider scheint ihr die Gelegenheit dazu von deutscher Seite Stauf, aber von der Aufbringung der Mittel durch direkte es den Staatsarbeitern nicht besser geht, als den Arbeitern erleichtert worden zu sein. Die direkte Politik einer unver Steuern wollen fie nichts wissen. So müssen denn in der in der Privatindustrie. Mehr als einmal hat der preußische antwortlichen Stelle bildet eben stets eine große Gefahr. Bisa mard, dem man darin sicher einiges Urteil zutrauen kann, hat Hauptsache die Betriebsverwaltungen die Mittel für allge- Landtag ausdrücklich an die Regierung die Forderung gestellt, mard, dem man darin sicher einiges Urteil zutrauen kann, hat meine Staatszwede liefern, sie müssen Ueberschüsse heraus- dafür zu sorgen, daß die Löhne bei sintender Stonjunttur fich stets auf das schärfste gegen jeden Versuch gewandt, auswärtige wirtschaften, sei es auch auf Kosten von Leben und Gesund- geringer werden, damit die Privatindustrie teinen Schaden Politik unter Umgehung des verantwortlichen Ministers zu treiben. Gesund- geringer Man toeiß, daß das unter dem„ Zidzadkurs" anders geworden ist. heit der Arbeiter, die nicht nur mit niedrigen Löhnen bei erleidet. Und als vor einigen Jahren die Verwaltung dazu ülow hat weder den Mut noch die Autorität. um mehr zu tun, langer Arbeitszeit abgespeist werden, sondern auch in ständiger überging, in ihren Werkstätten den neunstündigen Arbeits als die Afte des persönlichen Regiments, nach dem sie geschehen Arbeits- ülow hat weder den Mut noch die Autorität. um mehr zu tun, tag einzuführen, Gefahr schweben, im Betriebe zu verunglücken. da erhob sich im Junkerparlament find, zu verantworten", was bekanntlich auch vor dem Reichstag Ein wie gewaltiges Heer von Beamten und Arbeitern die ein großes Wehklagen, daß die preußische Regierung nicht schwer fällt. Das Telegramm an den Präsidenten Krüger, Eisenbahnverwaltung beschäftigt, davon kann man sich kaum nun sogar schon sozialdemokratische Forderungen bewillige. bas" Sekundanten- Telegramm" an Goluchowsti haben die eine Vorstellung machen. Die Zahl der etatsmäßigen Beamten Dabei handelte es sich bei jener Maßnahme um nichts weiter Stellung Deutschlands in der auswärtigen Politik ebensowenig belief sich im Jahre 1906 auf nicht weniger als 153 920, da- als um ein Mittel, noch höhere Arbeitsleistungen von den verbessert, wie der Zidzadfurs in der Maroftopelitik. Auch jetzt von waren der größte Teil, nämlid) 103 818 Personen, Unter- Arbeitern zu erzielen. Die Verkürzung betrug nur eine halbe fürchten wir, hat ein bielleicht gutgemeinter, aber politisch nicht beamte. Außetatsmäßige Beamte wurden 9381 gezählt, Stunde, und der Vorteil, den die Arbeiter davon haben, wird angebrachter Brief chauvinistischen Treibereien Vorschub geleistet. darunter 2253 untere Beamte. Weiter tamen in Betracht doppelt und dreifach aufgewogen durch den Vorteil der Ver- Denn daß der Brief nicht so völlig persönlich" sein kann, geht doch 2175 technische Gehülfen, 74 869 nichttechnische Gehülfen und waltung, die nicht nur an Betriebskosten spart, sondern auch wohl daraus hervor, daß ihn Lord Tweedmouth im Oberhause aur Hülfskräfte im unteren Dienst und 207 690 Arbeiter. Zu Vorsorge getroffen hat, daß dasselbe Arbeitsquantum wie Sprache bringen will. diesem Personal von insgesamt 448 035 Köpfen sind aber noch früher in 9 Stunden jegt in 9 Stunden geleistet wird. Es Der Artikel der" Times" hat, wie unser Korrespondent aus hinzuzählen 201 Regierungsbaumeister und Bauführer, wurde nämlich gleichzeitig die bis dahin üblich gewesene Be London telegraphiert, dort ungeheure Sensation herbora 368 Zivilsupernumerare und 988 Gepäckträger, die keine Ver- schränkung des Lohnes im Affordsystem auf 150 Proz. be- gerufen. Welche Folgen die Veröffentlichung haben werde, lasse gütung aus der Staatskasse empfingen und endlich waren beim feitigt, was natürlich einer Steigerung der Intensität der sich vorläufig absolut nicht voraussehen. In konservativen Streifen Bau neuer Bahnstrecken und bei den außerordentlichen Er- Arbeit gleichkam. hoffe man fogar, daß eine Ministertrise nicht ausgänzungs- und Erweiterungsbauten auf den im Betriebe Schon diese wenigen Angaben beweisen, wie wenig der geschlossen sei. befindlichen Strecken 5613 Arbeiter beschäftigt. preußische Staat in seiner Eigenschaft als Arbeitgeber sich von Wir wollen hoffen, daß das englische Parlament diesen von ber Auffallend groß ist die Zahl der Arbeiterinnen. privaten Arbeitgebern unterscheidet. Ausbeutung des Arbeiters Times" wohl beabsichtigten Zwed nicht erfüllen wird. Kaiserbriefe Von 71 314 Betriebsarbeitern waren 2213, von 73994 Bahn- hier und Ausbeutung des Arbeiters da! Die einen beuten haben in unseren Zeiten denn doch nicht die hohe Bedeutung, die unterhaltungsarbeitern 937, von den 5613 Streckenarbeitern ihn aus, um sich oder ihren Aktionären die Tasche zu füllen, ihnen zu chauvinistischen Zwecken die" Times" beilegen möchten. 94 weiblichen Geschlechts. Ob das gerade Beschäftigungsarten die anderen, um die besitzenden Klassen vor Leistungen an Beder in Deutschland noch in England haben die Massen mit find, für die die Frauen sich besonders eignen? Wahrscheinlich den Staat in Form von Steuern zu bewahren. dieser Berhebung irgendetwas zu schaffen. Die einzige Lehre, die wird in erster Linie die Sucht, möglichst billige Arbeitsfräfte Die Staatsbetriebe sollen Musterbetriebe werden! Ein aus dem sicher unnötigen Vorfall zu ziehen ist, ist die, daß eine zu gewinnen, die Verwaltung zu einer so ausgedehnten Jn- schönes Wort; nur schade, daß es nicht in Erfüllung geht, Verständigung zwischen Deutschland und Enganspruchnahme von Frauen bewogen haben. Unter den wenigstens so lange nicht, wie der preußische Staat von einer Iand über die Flottenrüstungen durchaus notBeamten finden wir das weibliche Geschlecht prozentual weit Handvoll durch Besiz oder durch Geburt Bevorzugter regiert wen big ist. Es ist die stetig steigende Last der schwächer vertreten, und auch da nur unter den unteren, wird, die sich als Sachwalter der Interessen ihrer Klassen Rüstungen, die jenen Zustand der Beunruhigung schafft, nicht aber auch unter den mittleren oder gar den höheren fühlen, für die Arbeiterflasse aber nichts übrig haben. Sollen der für die Interessenten einer uferlofen Marine- und Weltpolitik bie Staatsbetriebe in Wahrheit Musterbetriebe werden, dann ist hüben und drüben so günstig ist. Beamten. Einen großen Raum in der Denkschrift nimmt, tole all- ein völliger Bruch mit dem jezigen System erforderlich. Das jährlich, so auch diesmal die Schilderung der Wohlfahrts- aber hat wiederum die Beseitigung des Dreiklassenwahlrechts einrichtungen in Anspruch. Die Verwaltung fann sich zur Voraussetzung. So stoßen wir denn, gleichviel, welches Eine Candesumsatzsteuer für Sachfen? gar nicht genug ihrer väterlichen Fürsorge für ihre Beamten Gebiet wir betreten, in Preußen immer und immer wieder und Arbeiter rühmen, und dabei bleibt, wenn man den auf unsere Grundforderung: Ersag des Dreitlassen. Seit beinahe einem Jahrzehnt setzen die sächsischen Dingen auf den Grund geht, von dieser Fürsorge wirklich wah Isystems durch das allgemeine, gleiche, Ronservativen der Regierung zu, damit sie durch Landesnicht allzu viel übrig. Da wird mit besonderem Nachdruck direkte und geheime Landtagswahlrecht. gesetz eine Umsatzsteuer für Warenhäuser und hervorgehoben, daß den Arbeitern bei zufriedenstellenden Erst wenn dies Ziel erreicht ist, wird es möglich sein, auch Konsumbereine einführt. In erster Linie will Leistungen und guter Führung nach mindestens zwanzigjähriger für die Staatsarbeiter, die heute als Staatsfflaven betrachtet man damit die verhaßten Arbeitergenossenschaften Dienstzeit eine Belohnung von sage und schreibe 20 Mart werden, bessere Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu erringen. Ein Brief Wilhelms II. schröpfen, damit sie nicht mehr fonkurrenzfähig bleiben. In den letzten Jahren sind diese Bestrebungen durch die Mittelstandsvereinigung unter großem Geschrei unterstützt worden. Die sächsische Regierung hat aber noch immer eine diese Forderungen und ihr Verhalten der gewährt werden kann, die allmählich steigt, bis sie nach 45 Jahren die Höhe von 100 und nach 50 Jahren die Höhe von 150 M. erreicht. Das klingt recht schön und nett, bedeutet aber in Wirklichkeit gar nichts. Was will es denn be- Aus London tommen merkwürdige Nachrichten. Die Times" ablehnende Haltung gegen fagen, daß im Jahre 1906 ganze 267 360 M. an Belohnungen veröffentlichen eine Buschrift ihres militärischen Korrespondenten Konsumvereinstöter eingenommen ausgezahlt find! 267 360. bei einer Gesamtausgabe von mit dem Titel: llnter welchem Könige?". Darin wird auch mehrfach, einmal durch eine Denkschrift, später 524 652 151 M. für persönliche Ausgaben das macht ganze mitgeteilt, daß der deutsche Kaiser einen Brief an den durch eine Rede des Ministerialdirektors Dr. Roscher, ein0,05 Proz. aus. Und dabei darf man nicht außer Betracht englischen Marineminister Lord Tweedmouth über gehend begründet und dabei soviel statistisches laffen, daß die Arbeiter, wenn sie wirklich nach 20 Jahren in die Flottenpolitit gerichtet habe. Dieser Brief, versichert der Material gegen die Umsatzsteuer beigebracht, daß den Genuß dieser 20 M. gelangen, sich die ganze Zeit hindurch Times"-Korrespondent, bersteige fich zu dem Versuche, den für daraus geschlossen werden konnte, die fächsische Regierung Werbe sich niemals dazu verstehen, den Mittel- ständlern Zugeständnisse auf diesem Gebiete zu machen. Doch obwohl sie die Ungerechtigkeit der Umsatzsteuer nachwies, gestattete sie alöbald. daß die Gemeinden den Umsatz der Konsumvereine bis zu 2 ProK. besteuerten. Zu den Forderungen einer landesgcsetzlichen Umsatzsteuer hat sie aber noch immer eine ablehnende Haltung ein- genommen. Das scheint jetzt anders werden zu sollen. Am Dienstag stand in der Zweiten Kammer des sächsischen Landtags abermals der Umsatzstcuerantrag der Konservativen zur Beratung. Nach einer langen Begründung durch den Abgeordneten Spieß, die nichts Neues brachte, er- hob sich der Minister Graf Hohenthal. Wer aber von dem neuen Herrn in, Ministerium des Innern eine bestimmte Erklärung über seine Haltung zu den reaktionären Forderungen der Mittelständler erwartet hatte, sah sich getäuscht. Der Graf erklärte, er wolle erst die Entscheidung der E r st e n Kammer über den Antrag abwarten, ehe er sich dazu äußere; bis dahin wolle er den Zuhörer spiele». Dieses Verhalten läßt entschieden den Schluß zu, daß die Negierung im Bc° griff ist, eine Schwenkung zu vollziehen. Denn wenn sie ihre frühere ablehnende Haltung beibehalten wollte, brauche sie die Entschließung der Ersten Kammer nicht abzuwarten. Offenbar will' Graf Hohenthal den Mittelständlern entgegenkommen. Wenn er das noch nicht erklärt, sondern geschwiegen hat, ist das wohl in der Erwägung geschehen, daß er sich durch eine bestimmte Stellungnahme die Position bei der Wahlrechtsreform der- derben könnte. Manches spricht dafür, daß öine Warenhaus st euer geplant ist; wo Hohenthal aber einmal nachgibt, werden ihn die Konservativen auch schließlich dazu bringen, auch in eine Schröpfung der Konsumvereine einzu» willigen. In einem Punkte hat er ja schon Entgegen- kommen gezeigt, indem er kategorisch erklärte, von den Staatsbeamten, die einer Wirtschaftsvereinigung an- gehörten, erwarte er, daß sie sich der Bedeutung des Mittel st andes bewußt würden. Daraus geht her- vor, daß er der zweiten Forderung der Konservativen, den Staatsbeamten die Mitgliedschaft bei einem Konsumverein zu unterbinden, nicht ab- geneigt ist. Bei der erwähnten Verhandlung wurden die kon- servativen Umsatzsteuertreibercien vom Genossen G o l d st e i n scharf und zutreffend gekennzeichnet. Er wies nach, daß die Umsatzsteuer eine besondere Besteuerung des Lebens mittelverbrauches der Arbeiter darstelle und die Erträge dieser Schröpfungssteuer dazu verwendet würden, Handwerker ausbilden zu lassen und das Handwerk zu fordern. Man nehme also den Arbeitern, den Aermsten, das Geld ab und laffe dafür die Söhne des Mittelstandes ausbilden. Das sei eine geradezu skandalöse Art, mit Arbeitergroschen umzuspringen, die man den Annen eist zwangsweise abgeknöpft habe. Ale!kh das Aiemer-Matt leibst ohrfeigt! Die„Freisinnige Zeitung" genießt ja mit Recht neben dem Rufe unverwüstlicher Unanständigkeit auch den nicht minder redlich verdienten Ruf seltener Unintelligenz. Aber waS sie sich dieser Tage leistete, übersteigt selbst das bei dem Wiemer-Blatt gewohnte Maß der Begriffsstutzigkeit. Die Leser entsinnen sich unseres Artikels in der letzten Sonntaasnummer:„Etwas vom Teile n". Die„Frei- sinnige Zeitung" hatte nach mehrwöchigem Kopfzerbrechen eine Polemik gegen den„Vorwärts" wieder aufgenommen und den Sozialismus dadurch vernichtet, daß sie ausrechnete, daß bei einer gleichmäßigen Verteilung der preußischen Einkommen auf jede der 12 821 783 Personen mit einem selbständigen Ein- kommen der Betrag von nur 11Ü2 M. entfällt. Wir bewiesen demgegenüber, daß bei einer solchen Teilung gleichwohl e l f Z>v ö l f t e l der Bevölkerung besser fahren würden als heute. Gegen unsere unwiderleglichen Zahlen vermag die »Freif. Ztg." nichts vorzubringen. Aber etwaS muß sie doch sagen, um nicht von unS auf ihre Hülflofigkeit ebenso fest- genagelt zu werden, wie daS kürzlich den offiziösen Fälschern und Ignoranten der„Nordd. Allg. Ztg." gegenüber geschah. Sie behauptet also, der„Vorwärts" habe„jongliert", als er u. a. feststellte, daß bei der die starke Hälfte des ganzen preußischen Volkes bildenden Bevölkerung mit weniger als 900 M. Einkommen auf den Kopf nur ein Einkommen von 139 M. entfalle. DaS Famose dabei aber ist, daß wir diese Tatsache gerade der„Freif. Ztg." selbst entnommen hatten. Man vergleiche: „Freist Ztg." vom 26. Febr.: „Die steuerfreie Bevölke- ruiig umfaßte in Preußen in diesem Jahre 18 345 47V Köpfe (1BÖ5/06: 21 105 033 b-zlv. im Lorjahre: 20297 174).... Jahre 1890/91 wurde amtlich bonchtet, daß auf jede Haushaltung in den Klaffen mit einem Einkommen unter 900-v?. durchschnittlich 2.S0 Per- sonen konimen. Mmmt man an, daß diese Angabe auch jetzt noch zutrifft, so wurden in der steuer- freien Vevölkermig 7 034 763 <7 956 789 bezw. 7 630 513) Per- sonen. mit einem selbständigen Einkommen vorhanden sein. Wir schützen daS selbständiae Ein- kommen derjenigen Personen, welche weniger als 900 M. beziehen, auf durch fchnitt- l i ch 5 00 M. Diese Schätzung durfte eher zu hoch als zu niedrig gegriffen sein. Auf der Grundlage dieser Berechnung er- gibt sich, daß die steuerfreie Bevölkerung insgesamt ein Einkommen bezieht von 3 542 331 500 M." »Freist Ztg." vom 4. März: „Der„Vorwärts" schätzt nicht nur das politische Verständnis, sondern auch die allgeiueine Bil- dung seiner Leser so nieorig ein. daß er ihnen die wunderbarsten Sachen zu bieten wagt.... Da will er beispielsweise glauben machen, daß mehr als die Hälfte aller Preußen nicht mehr Ein- kommen als 190 M. jährlich besitzt, eine Summe, die viele Arbeiter in einem einzigen Monat verdienen.... Aber auch abgesehen davon, kann der„Vorwärts" seine monströse Rechnung nur dadurch zustande bringen, daß er die Anzahl der Z e n s i t e n mit der G e f a m t- kopfzahl vertauscht. Zu den Personen, die angeblich ein Einkommen von nur 190 M. beziehen. gehören also auch alle Säuglinge, Krüppel und voll- ständig Erwerbsunfähigen. Wenn man die allerdings mit- rechnet, dann muß sich natürlich bei der Gruppe mit einem Einkommen von weniger sehr als 900 M. ein sehr g e r i n g e S Durchschnittseinkommen ergeben." Also am 26. Februar rechnete die„F r e i st Z t g." selbst aus, daß—(die Schätzung sei„eher zu hoch als zu niedrig" gegriffen)— 18 845 470 Köpfe zusammen nur 3 542 000(XX) M. Einkommen haben. Das macht nach Adam Riese 130 M. pro Kopf. Und ebenso sind 13 845 470 Personen nach Adam Riese die gute Hälfte der rund 37 Millionen Preußen! Die Redaktion der„Freist Ztg." steht aber mit den vier Spezies auf so gespanntem Fuße, daß ihr die Lösung solch einfacher Divisionsaufgaben als„Taschenspielerstücke" und „die wunderbarsten Sachen" erscheinen! Aber aller Neid der Wicmer-Leute unseren angestaunten Künsten gegenüber ändert nicht das geringste an den von unS festgestellten Tatsachen! Die Teilung im heutige» Staate ist schon so, daß bei 18 845 060 Preußen auf den Kopf ein Ein- kommen von 130 M. entfällt, während bei 1816000 Preußen (den 559000 Zeusiten mit mehr als 3000 M. Einkommen samt ihren Angehörigen) auf den Kopf ein Einkommen von 2830 M. entfällt! Und daß unter den 18845000 Proleten auch Säuglinge, Krüppel, Erwerbsunfähige sind, spielt nicht die geringste Rolle, denn unter den 1 816 000 Preußen befinden sich prozentual genau so viel Säuglinge und, wenn auch nicht Erwerbs- unfähige, so doch Erwerbs untätige. Wenn aber die „Freist Ztg." nur die Personen mit einem selbständigen Einkommen gegenübergestellt haben will, so tun wir ihr mit Vergnügen auch diesen Gefallen. Dann stellt sich die Sache so: Erwerbstätige Durchschnitts» Gesamt» resp. Zensiten Einkommen Einkommen 7 084 000 500 M. 3542000000 M. 550 000 9 400„ 6166000000„ Während also bei einer Verteilung des Einkommens auf die Köpfe die Schicht mit einem Einkommen von mehr als 3000 M. nur füufzehnmal soviel Durchschnittseinkomnien auf- wies, weist sie bei einer Verteilung auf die Personen mit einem besonderen Einkommen das neunzehufache Durchschnittseinkommen auf! So entdeckt man die„wunderbarsten Sachen" und die beispiellosesten Dummheiten des Wiemer- Blattes, wenn man nur ein wenig rechnen kann! politische(leberlickt. Berlin, den 6. März 1908. Fortsetzung der sozialpolitischen Debatte. In der heutigen Sitzung des Reichstages be- handelte Genosse Hoch die Hülfskassenfrage, indem er den Plan der Regierung, die Selbstverwaltung der Kaffen zu vernichten oder zu beeinträchtigen, scharf zurückwies. Die Schwindelkassengefahr lasse sich bannen, wenn nur die Auffichtsbehörden von ihren Befugnissen den richtigen Gebrauch machen wollten. Je weitgehender übrigens die Selbst- verwaltungsbefugnisse der freien Hükfskassen seien, um so ge- sündere Verhältnisse würden wir bekommen. Wahrhaft skandalös sei es dagegen, wie die Berufs- genossenschaften mit den invaliden Arbeitern umspringen, was der Redner durch verschiedene Beispiele belegte. Sehr be- dauerlich sei es, daß der Präsident des Versicherungsamtes, Herr Kaufmann, durch feine lobpreisenden Festreden die Berufs- genossenschaften in ihrer arbeiterfeindlichen Haltung bestärke. So habe er bei dem Festmahl der Seeberufsgenossenschaft den Ausspruch getan, trotzdem Herr Leis dabei anwesend war, der in einem bekannten Briefe die UnfallverhütunaSvorschriften als„Dekoration" verhöhnt habe. Bei diesen Ausführungen widerstand Herr Heckscher nicht dem heißen Drang, durch einige tiefempfundene Zivischenrufe als Offizialverteidiger der Hamburger Reeder sich in empfehlende Erinnerung zu bringen. Indem Hoch dann für die Vereinheitlichung der Kranken- und Unfallversicherung eintrat, verwandte er einige Worte darauf, die jüngsten Angriffe des Herrn Dr. M u g d a n auf die Sozialdemokratie zurückzuweisen. Auf Herrn v. Dirksen nochmals einzugehen, lohnt sich nicht, da dessen Kolportage abgestandener Retchslügcnverbandsmärchen zu geschmacklos sei, als daß sie außerhalb seiner nächsten Nachbarschaft noch Eindruck machen könnte. Der Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg habe die Behauptung aufgestellt, daß er in den Arbcitskammern auch die Arbeiter in vollem Maße zu Wort kommen lassen wolle. Dem widerstreite aber der Wahlmodus, der vorgeschlagen werde. Nur bei allgemeiner, Seheimer und direkter Wahl würde die wahre Meinung der rbeiter auch da zur Geltung kommen. Herr v. Bethmann-Hollweg vermied eS in seiner Erwiderung, den Wahlmodus des Gesetzentwurfs zu rechtfertigen, indem er sich mit dem allgemein gehaltenen Vorwurf aus der Affäre zu ziehen suchte, daß die Sozialdemokratie der Regierung immer mißtraue. Eingehender trat er der Beniängelung des neuen Rentenfestsetzuugsverfahrens entgegen, indem er be- hauptetc, diese Revision des Verfahrens sei notwendig ge- worden, um die Ausbeutung der Jnvalidenkassen durch Simulanten zu verhiiten. Der Freisinnige Dr. M u g d a n wärmte seine sattsam bekannten Vorwürfe wieder auf. daß die Sozialdemokratie die Krankenkassen zu ihren Parteizwecken mißbrauche und die Aerzte vergewaltige, was ihm, wie üblich, die freudige Zu- stimmung der Konservativen und antisemitischen Scharfmacher zuzog. Zum Schluß entspann sich daraus noch ein Kleingewehr- feuer von persönlichen Bemerkungen zwischen Hoch und Mugdan._ Antisozialpolittk. Am Freitag fuhr das GcldsackSparlamcnt in der Prinz-Albrecht- Straße in der Mißhandlung des Etsenbahnetats fort. Ein Antrag des Frcikonservativen G a m p auf Gewährung freier Fahrt für die Wahlmänner rief so etwas wis eine Wahlrechtsdebatte hervor. Ter Groß-Lichterfelder Dividendenmüller, früher im Reichs- tage als Müller-Sagan bekannt, im Abgeordnetenhause aber auf ven Namen Müller-Berlin hörend, und unterschiedliche andere Frei- sinnige wagten ein leises Murren über das Dreiklassenwahlrecht. und ein Zentrumsabgeordneter mischte gar einig« fromme Zähren in die freisinnigen Krokodilslränen. Die Junker taten jedoch den Freisinnigen nicht den Gefallen, sich auf ein« Wahlrechtsdebattc ein- zulassen, und der Freifahrtsantrag wanderte an die Budget- kommission.— Im weiteren Verlaus der Sitzung unterhielt man sich über die Lage der Eisenbahnbeamten und Eisen- bahnarbcitcr. Max Hirsch sel. Erbe, Goldschmidt, fand den Mut zu einigen sozialpolitischen Forderungen. Aber so sanftmütig er auch sprach: stirnerunzelnd wies Buddes Nachfolger den frei. sinnigen Kritiker in die Schranke des Blockes zurück. Auch ein ZentrumSmann entrüstete sich über freisinnige Arbeiteraufhctzungk Man sieht, wie recht der seitdem ausgemerzte PosadowSky gehabt hat. als er von den verschiedenen Gesichtern sprach, die die Parteien im Reichstage und im preußischen Abgeordnetenhause aufstecken. Dem Zentrum wird, wenn es wieder einmal sein sozialpolitisches Paradepferd reitet, sein König-Krefeld noch oft unter die Nase ge- rieben werden. Der Freisinn hat aber auch kein Recht, groß zti tun. Es ist noch unvergessen, wie noch in der vorhottentottischen Periode der Rektor aller Freisinnigen aus der Dieffenbachstraß«-' im„KreuzzeitungS"tone den Herrn v. Gerlach abkanzelte, weil dieser an der„Autorität" der Postvcrwaltung gerüttelt haben sollte. Zuletzt spann sich in der Sitzung ein breites Geschwätz' über die Kohlenfrage an. das am Sonnabend seine Fortsetzung finden soll. Industrielle und agrarische Preistteiberek. Obgleich die Getreide-, Vieh-, Milch- und Buttcrpreise eine enorme Höhe erreicht haben und den ländlichen Großgrundbesitzern hohe Profite eintragen, blicken die„Edelsten" der Nation doch mit offensichtlichem Aerger auf die Kohlen- und Eisenindustriellen, denen ihre Syndikate gestatten, ihren Abnehmern noch ganz andere Preissteigerungen auszuzwingeu, als trotz des schönen„vaterländischen" Zolltarifs den Agrariern möglich ist. Gegen das Schröpfen und gegen hohe Profite haben sie nichts einzuwenden; aber der Hauptvorteil gebührt nach ihrer Ansicht dem in Rittergütern, Rindern und Schweinen angelegten Kapital, und nicht dem Bank-, Bergwerks- und Hüttenkapital, zumal unter den Vertretern dieser Kapital- arten sich gar manche befinden, deren Großväter oder Väter mit den Hausierpackcn aus den Gefilden Polens und Galiziens eingewandert sind. Deshalb weist die agrarische Presse mit Vorliebe auf die hohen Profite der Kohlen- und Hütten- industrie, ganz besonders aber auf die rücksichtslose Preispolitik des Kohlensyndikats hin. So schreibt daS Bündlerblatt, die„Deutsche Tageszeitung", im Anschluß an einen Artikel eines hiesigen Lokalblattes, in welchem dem Kohlensyndikat verblüffende Rücksichtslosigkeit vorgeworfen wird: „Dieser Vorwurf ist schwer, aber berechtigt. Das Kohlen- syndikat hat trotz des Rückganges der Konjunktur eine Preisermäßigung nicht eintreten lasse in Wohl aber hat eS, um die Kohlenpreise hoch z>: hallen, Bestimmungen über die Einschränkung der Förderung getroffen und bis in die letzte Zeit hinein die Kohleneinfuhr zu billigeren Preisen in das Ausland forciert. Ein Syndikat kann Wirt- fchafilich förderlich sein; daS Kohlensyndikat ist es bisher nichr gewesen und hat durch seine letzten Maßnahmen aller Welt be- wiesen, wie schädlich ein Syndikat sein kann. Unseres Erachtens darf die Regierung diesem Treiben nicht mehr ruhig zusehen. Zunächst müssen die Vorzugstarife für die Kohlenausfuhr sofort vollkommen beseitigt werden. Aber das genügt doch nicht. Man wird die Frage eines Kohlen- auSfuhrzolleS nunmehr wieder erörtern müssen; die Reichs- finanzresorm gibt den natürlichen Anlaß dazu. Aber auch das reicht noch nicht auS. Wir müssen angesichts der Erfahrungeu dieser letzten Zeit ein Gesetz über die Beaufsichtigung der Syndikate schaffen. Gras v. Pofadowsky soll nach Mitteilungen, die unwidersprochen geblieben sind, einen solchen Entwurf bereits ausgearbeitet haben. Hoffentlich holt dcr neue Staatssekretär des Innern diesen Entwurf aus dem Schubfache. Falls er verständig gestaltet ist. wird er der- mutlich im Reichstage kaum irgendwelchen Widerstand finden. Sollte aber auch das noch nicht genügen, so würde man dcr von uns seit langer Zeit immer wieder aufgeworfenen Frage näher treten müsien, ob nicht eine Verstaatlichung der Kohlenwcrkc geboten und notwendig sei. Die Herren vom Syndikate scheinen sich als Herren der Lage zu fühlen. Dieses Gefühl muß ihnen unbedingt genommen werden. Mit den deutschen Kohleuschätzen darf nicht nach Willkür geschaltet werden: der Staat hat die Pflicht und Schuldigkeit, das Interesse der Bevölkerung und dcr wirtschaftlichen Zukunft Deutschlands gegenüber dem Kohlen- fyndikate zu wahren. Entzieht er sich dieser Pflicht, so v e r- sündigt er sich nicht nur an der Gesamtheit, sondern auch an der Zukunft." Wir sind ausnahmsweise völlig mit dem Bündlerblatt einverstanden, auch mit der Verstaatlichung der Kohlenberg- werke. Jedenfalls wäre eine staatliche Expropriation dcr Berawerksmagnaten(bei der natürlich nicht die hohen Kohlenpreise deS letzten Jahrzehnts als normal gelten dürften, sondern die Erträge vor der Begründung deS Syndikats im Jahre 1893 in Anrechnung gebracht werden müßten) dem Volkswohl weit dienlicher, als die jüngst voni preußischen Landtag genehmigte Enteignung polnischer Grundbesitzer. Aber, unparteiisch wie wir sind, finden wir, daß die Herren Agrarier nicht weniger die Zwangslage zu- gunsten der Füllung ihrer Taschen ansnUtzen. als die Jnter- essenten des Kohlensyndikats. Auch sie haben sich„t r o tz des Rückganges der Konjunktur" nicht bewogen gefühlt, die Preise für ihre Landprodukte herabzusetzen.. Im Gegenteil, sie nutzen genau in derselben Weise die Markt- läge zur Preistreiberei aus, wie die Kohlenmagnaten. Hat deshalb nach Ansicht der„Deutschen Tageszeitung" der Staat die Pflicht, durch bestimmte Zollmaßnahmen den ehrsamen Leuten der Finna Kirdorfs und Konsorten ihr Treiben zu legen, so hat er nicht minder die Verpflichtung, den jetzigen hohen Preisstand des Getreides durch Aufhebung der Ge- treidezölle herabzudrücken. Vielleicht versteht sich die agrar-konservative Fraktion des Reichstages in ihrer Fürsorge für daS Volkswohl dazu, im Reichstage einen Antrag zu stellen, in den sie die obigen Wünsche der„Deutschen Tageszeitung" aufnimmt und zu- gleich eine Suspension der Ge t re i d e z ö l l c fordert. Auf unsere Zustimmung kann sie bestimmt rechnen.—_ Der eonragierte Freisinn. Freisinnige Kreise planen das kühne Unternehmen, dem- nächst in Berlin eine—— öffentliche Wahlrechts- Versammlung abzuhalten, in der Herr Naumann reden soll. Um aber diese öffentliche Versammlung abzuhalten, bedarf es nicht etwa nur der öffentlichen Änkündtguna. sondern komplizierter Vorbereitungen. So ist folgendes Zirkular versendet worden: Berlin, den 23. Februar 1903. Sehr geehrter Herr! Im kleinen Kreise liberaler Freunde ist der Gedanke aufgetaucht, ob eS als Fortsetzung der Wahlrechtsbewegung nicht zweckmäßig sei. in einer großen öffentlichen Bersamm- lung hier in Berlin Herrn Dr. Naumann Gelegenheit zu geben, seine Anschauungen über das Wahlrecht zu entwickeln. Die Vcr- anstaltung einer solchen Bersammlung hätte keinerlei Schwierigkeiten, wenn der Besuch nur gestattet würde gegen Vorzeigung einer Eintrittskarte. Man mag über das System der Eintrittskarten urteilen wi� man will, in diesem Falle erscheint es uns notwendig, zu zeigen, daß der Liberalismus feine Anschau- ungen über Wahlrechtsfragcn auch vor einer ungesiebtcn Zuhörerschaft vertreten kann. Es sind deshalb osfizielle Organisationen für die Vcr- anstaltung einer solchen Versammlung schwer zu inter- es si ercn. Wir haben deshalb geplant, ein privates Komitee zu bilden, daS leincrseits die Versammlung einberuft, Herrn Dr. Naumann als Referenten bittet und alle Vorbercitungs- arbeiten übernimmt. Um die Sache ins Werk zu setzen, ist zu- nächst eine Vorbesprechung unter denjenigen Herren notwendig, die sich voraussichtlich für die ganze Angelegenheit interessieren werden. Wir laden deshalb hiermit zu einer diesbezüglichen Sitzung ein auf Montag, den 2. März 1908, abends 8 Uhr, im«Patzen- hofer", Berlin, Potsdamer Straße 123-1. Zu dieser Versammlung möchten wir auch Sie einladen und bitten um Ihr Erscheinen. Sollten Sie in Ihrem Kreise«in oder zwei befreundete Herren haben, die sich für den ganzen Plan interessieren, so stellen wir nichts in den Weg, daß diese in der genannten Sitzung mit Ihnen erscheinen. Wir wollen nur anfügen, daß geplant ist, die Versammlung am 2 2. März abzuhalten und zwar entweder im Zirkus Busch, wenn sich die nötigen Mittel dazu herbeischaffen lassen, oder sonst in den Germania- Festsälcn in der Chmissee- stratze. Hochachtend ergebcnst Anton Erkelenz, Baumschulcnweg. Baumschulenftr 100. M. Schumacher. H. Bleicher, Arbeiterseiretär. Die Arrangeure der Versammlung sind Hirsch- Dunckersche'Gewerkschaftsbeamte. Sie wollen die Ehre des Berliner Freisinns retten und zeigen,„daß der Liberalismus feine Anschauungen über Wahlrechtsfragen auch vor einer ungesiebten Zuhörerschaft vertreten kann." Aber ach, ein solches Wagnis riskiert keine offi- zielle Freisinnsorganisation! Ja, wenn man nur Leute gegen Einlaßkarten zulassen und harmlose Zwischen- rufer kurzerhand aus dem Saale befördern könnte, wie in der letzten freisinnigen Versammlung bei Buggenhagen, so hätten die Müller-Sagan, Kopsch und Mugdan Courage— aber in freier Diskussion die Freisinnssünden zu verantworten, das getraut sich keiner dieser traurigen Helden! Da soll Herr Naumann als inoffizieller Nothclfer in die Bresche springen. Damit aber Herr Naumann keinen zu schweren Stand hat und die Versamnilung nicht gar zu„ungesiebt" wird, trommelt man alle freisinnigen Arbeiter und Angestellten schon wochenlang vorher zusammen. Und je nachdem man über die nötige Zahl von„Gesiebten" nebst den dazu ge- hörigen Moneten verfügt, will man enttveder den Zirkus Busch oder die nur knapp halb so viele Besucher fassenden Germaniasäle als Versammlungelokal benutzen l Es geht doch nichts über freisinnigen Heldenniut l Und die mit so großer Mühe zustande gebrachte Aufführung soll dann beweisen,..daß der Liberalismus seine Anschauungen über Wahlrechtsfragen auch vor einer ungesiebten(!) Zuhörerschaft vertreten kann." Nur hübsch, daß wir der Oeffentlichkeit zeigen können, wie sorgfältig die ungezwungene Heldenpose vor dem Spiegel eingeübt wird, um dann vor dem geladenen»ungesiebten" Publikum„improvisiert" zu werden! Einstmals im März. Als vor sechzig Jahren die Märzstürme durch die westlichen Länder Europas fegten, da wurde es auch dem Despoten an der Newa ängstlich zu Mute. Er erließ sofort einen UkaS an das Ministerium, in dem er unter anderem sagte: «Im ivestlichcn Europa haben Ereignisse stattgefunden, welche die böse Absicht verraten, alle gesetzlichen Autoritäten zu stürzen. Die freundschaftlichen Verträge, die Rußland mit dem Nachbar- staate binden, legen unö die Verpflichtung aus. einen Teil unserer Heere in kriegsbereiten Zustand zu versetzen, damit, wenn die Ereignisse eS erheischen, gegen den verderblichen Strom der An« archie eine zuverlässige Gegenwehr bereit steht." Ueber diesen Erlaß gerieten die Liberalen in Ostpreußen der- artig in den Harnisch, daß sie in der.Deutschen Allg. Ztg." einen Aufruf veröffentlichten, der recht bemerkenswerte Worte über den moskowilischen Freund enthält. Unter anderem heißt es darin: „Unser Dasein steht auf dem Spiele. Wir kennen jene Macht, die so gern zwischen d»e deutschen Stämme hineintritt, vor deren eisigem Hauche daS Leben erstarrt, deren Freundschaft Schwereres bringt, als selbst der Krieg. Von der Düna bis zur Newa werden deutsche Bauern und Handwerker ausgebeutet. Rußland hat wieder Appetit auf unser Königsberg. Rußland hat unseren Wohlstand . ruiniert, hat uns vor 30 Jahren über den Löffel barbiert. Ruß- land würde unser Volksleben zertreten. Seine Freundschaft würde unö ans der Liste der zivilisierten Nationen streichen. DaS sind keine Träume, keine Gespenster. Alles das wird schreckliche Wahr- heit. wenn die preußische Negierung den Ratschlägen deS nordischen FuchseS folgt. Darum erheben wir laut unsere Stimme, daß wir keinen Krieg gegen uiisere Ehre, unsere Interesse», unsere Freiheit wollen. Wir kennen unsere Pappenheimer. Aber jetzt sind die Waffen in den Händen deS Volkes, und dieses Volk will keinen Bund mit Barbaren, der sich nur gegen das Volk selbst richten würde." DaS waren die Liberalen vor sechzig Jahren. Heute liegen die Enkel jener Männer vor dem zweiten Nikolaus im Staube. Wie sich Herr v. Köller die reichöländische BerfassungSreform denkt, soll er nach der„Mülhauser VoltSzeitiing" in Abgeordnetenkreisen geäußert haben. Erstes Erfordernis wäre, so nleinte er. eine erste Kammer mit Ständevertretung. Und das Wahlrecht zum Lau deSauSschuß könne dann so geändert werden, daß die 20 Abgeordneten, die jetzt die Landgenieiiiden der 20 Kreise wählen, auf Grund des allgemeinen Wahlrechts gewählt würden. Dagegen müsse die Wahl der übrigen Abgeordneten durch die Bezirkstage und die Gcmeinderäte der vier großen Städte beibebalten werden. DaS bedeutet, daß auch in Zukunft die Sozial- demokratie nur in den vier Städten Aussicht hätte, einen Kandidaten durchzubringen. Zur ErbschaftSsteueraffiire deS Ftufteu Hohtnlohe-Langenburg, früheren Statthalters von Elsaß-Lothringen, er- Ilärt Professor Lab and, daß die Nachricht, er hätte der elsaß- lothringischen Regierung ein Rechtsgutachten dahin erstattet, daß der Statthalter von der Erbschaftssteuer frei sei, nicht wahr ist: ..Ich bin von keiner Seite zu einem Rechtsgutachten auf. gefordert worden und habe überhaupt meine Ansicht über diese Frage niemals geäußert. Ich darf hinzufügen, daß, wenn ich gefragt worden wäre, meine Antwort nicht in dem mir unterschobenen Sinne ausgefallen wäre." Jetzt wird wohl dem Fürsten Hohenlohe-Langenburg nichts anderes übrig bleiben, als in den Erbschaftssäckel zu greifen. Weiter wird richtig gestellt, daß. da es sich bei der Erbschafts- steuer um eine Verlehrssteucr handelt, an der Sache nicht der ver- ftorbene Direktor der direkten Steuern. Herr Rabe, sondern nur der ebenfalls verstorbene Direktor der Verkehrssteuern. Herr Carl. beteiligt gewesen sein könne.— Der Fshich der Armut. In Hirschberg fand eine Mutter von acht Äiiidcm keinen anderen Ausweg mehr, den herzzerreißenden Hunger ihrer Kleinen zu stillen. als daß sie diese betteln schickte. Als das zur Kenntnis der Behörde kam. sorgte man nicht etwa dafür, daß die Kinder auf andere Weise gesättigr werden, man brachte die Frau vor den Richter und ver- urteilte sie zu f ü n fTagen Haft— von Rechts wegen l— Die preußische WahlrechtSsrage hat im Nürnberger Freisinn zu einem kleinen Familienzwist geführt. Vor einigen Wochen tat sich ein aus Mitgliedern der verschiedenen Blockparteien bestehendes Komitee zusammen, um Theodor Barth nach Nürnberg kommen und in einer Volksversammlung über die preußische Wahlrechtsfrage sprechen zu lassen. Vom Freisinn wurde diese Versammlung boykottiert. Nun hatten aber drei Freisinnige, der Postexpeditor Bengert, der Magistratsrat Heim und der Gemeindebevollmächtigte Käser, die Einladung zur Versammlung mit unterschrieben. Wie die bürgerliche Presse meldete, sollen sie deshalb von ihrer Partei- leitung zur Verantwortung gezogen werden. Als Antwort ver- setzen sie der Parteileitung in einer öffentlichen Erklärung einen feinen Hieb, indem si« betonen, daß si« vollständig im Einklang mit dem Programm der Freisinnigen Volkspartei und den Grundsätzen des entschiedenen Liberalismus gehandelt haben und die Ein- berufung einer Parteiversammlung verlangen, die entscheiden soll, ob das zutrifft.—_ Oertcrrdch-CIngam. Ein politischer Mord in Kroatien. Agra, 6. März. Aus politischen Motiven wurde in der Ort- schaft Jasenivic der dortige angesehene Bürger Dragics, ein Kroat, ermordet. Als der Tat verdächtig wurden zwei Grundbesitzer serbischer Nationalität verhaftet. Riißlan«!. Volks„bildttng". DaS Oktobristenblatt„GoloS Moskwh" bringt eine Anzahl nach o f f i z i e l j e m Material zusammengestellter statistischer Daten zur Frag« der Volksschulreform für das Jahr 1903. Unter der damals 144,1 Millionen Köpfe starken Bevölkerung Rußlands befanden sich bloß 26,5 Millionen oder 18,4 Proz. Alphabeten. Die jährlichen Ausgaben des Staates für Volks- bildung betrugen pro Kopf der Bevölkerung 11 Kopeken. Mit Hinzurechnung der von den Städten, Landschaften und Gemeinden für Unterrichtszwecke aufgebrachten Summen wuchs dieser Betrag auf die Summe 41 Kopeken pro Kopf der Bevölkerung! Wie gering diese Zahlen sind, zeigt der Vergleich mit anderen Ländern. ES verbrauchten für VolkSbildungSzwecke pro Kopf der Bevölkerung: Frankreich 166, Deutschland 245. Vereinigte Staaten 486, Neu-Seeland 574 Kopeken. Sogar in China steht die Volks- bildung auf einer bedeutend höheren Stufe als in Rußland, wo der Staat bei einem Budget von 2515 Millionen bloß 9,1 Millionen für den Volksschulunterricht übrig hat. Der echt russische Zar. Petersburg, 6. März. Vertreter des reaktionären Verbandes des russischen Volkes werden in ZarSkoje Selo jetzt auffallend häufig empfangen. Wie die Blätter melden, wird der Führer des Verbandes. Dubrowin, dem Zaren in der nächsten Woche Vortrag über die innere Lage halten. Die an den Judenhctzen beteiligten Personen, selbst die bereits gerichtlich Ver- urteilten, sind in letzter Zeit auffallend häufig begnadigt worden. Japan. Der Konflikt mit China. Hongkong, 6. März. Der Vizekönig von Kwantung hat be- schlössen, das japanische Schiff Tatsu Maru festzu- halten, trotz der Befehle von Peking, die Angelegenheit in freundschaftlicher Weise zu regeln.— HmcHha. Gegen Neger und Japaner. New Jork, 6. Marz. Der„New Dork Sun" zufolge haben dl« Kongreßmitglieder der Südstaaten und der Küste deS Stillen Ozeans ein Schutz-und Trutzbündnis abgeschlossen, wonach erster« sich verpflichten, ihre Kollegen des Westens bei allen Bc- mühungen zu unterstützen, wodurch der Ausschluß der Japaner aus dem amerikanischen Staatsgebiete erzielt werden kann. Dagegen verpflichten sich die Kongreßmitglieder oeö Westens, ihre Kollegen der Südstaaten in der Negerfrago zu unter» stützen, Hus der parte!« Bei den„Unabhängigen". Paris, 4. März.(Eig. Ber.) In Marseille haben einige Leute zwei Tage lang zusamniengesesien und gestritten, und da eS Leute waren, die der sozialistischen Partei den Rücken gekehrt haben, seitdem sie von ihren Angehörigen Disziplin und materielle Opfer verlangt, hieß das bewegte Kollegium pompös:»gwetter Kongreß der französischen sozialistischen Partei." Die Veranstaltung ist so trübselig ausgefallen, daß auch die Bourgeoispresse, so weit sie ihr nicht daS Wohlwollen des Schweigens erweist, ihre Bedeutungs- losigkeit zugebe» muß:„Es sind Radikalsozialisten, die das Wort Sozialist elwaS akzentuieren. Eine Nuance, das ist alleS", sagt daS „Journal deS DöbatS" sehr richtig. Charakteristisch ist, daß einem Delegierten eine» radikalsozialistischen Komitees tat- sächlich die Teilnahme an der Verhandlung gestattet wurde. Im übrigen gab eS gerade wegen der Zulassung lang- wierigeS Gezänk. Gegen die„Föderation" der Unabhängigen des Seine-DepartementS hat sich nämlich eine Opposition gebildet, die. um ihre Gegner bei den Parteifreunden recht schlecht zu machen. sie alö verkappte„Unifizierte" denunziert. Man weiß also nicht genau, wer zu der Partei noch gehört. Für die„konsequenten" Un- abhängigen sind auch jene doktrinäre Sektierer, die über die Block- treue hinaus von der Partei eine gewisse Uebereinstimmung ver- langen. Zumal die Deputierten wollen von einer solchen Tyrannei nichts wissen. AIS bei der Diskusston der Altersversicherung ein Delegierter jener verdächtigen Seine-Föderation forderte, daß die Deputierten die Regierung antreiben sollten, die prinzipielle An- nahine deS Entwurfs im Senat durchzusetzen und hernach die Gesetzes- beslimmungen zu verbessern, erklärte der Deputierte C a r n a u d, man dürfe jenen Leuten kein Argument liefern, die behaupten, daß die Altersversicherung Frankreich ruinieren werde. Man solle die Deputierten nicht durch solche Beschlllsse„genieren". Eine noch stärkere Sorge. sich nicht genieren zu lassen, legten die Deputierten gegenüber dem Antrage an den Tag. der sie zu einer festen Parteisteuer ver- pflichien wollte. Mit einer in ihrer parlamentarischen Tätigkeit un- bekannten Einstimmigkeit erklärten sie. daß eine solche Zumutimg ihre Würde verletze und daß sie im Falle seiner Annahme den „Kongreß" verlassen würden. Schließlich wurde— wenn auch immer noch gegen ihre Stimmen— folgender Beschluß gefaßt: Die Deputierten tragen kollektiv zu den PartciauSgaben bei,� in einem Ausmaße, daS die parlamentarische Fraktion selbst bestimmt.... In der Frage deS KoalittonSrcchtS der Beamten sprach sich der Kongreß für eine„Erweiterung" dieses Rechts aus. was keinen Deputierten verhindert, am Strick mit- zufleckten. womit die Beamtengewerkschasten erwürgt werden sollen. Dagegen wurde ein entschiedener Beschluß über das Listen- skruliniuin und daS Proportionalsystem gefaßt. Diese Reform wurde als„reaktionär" abgelehnt� DaS Proportionalsystem fordert ja organisierte Parteien und eine solche ist die„unabhängige" Falstaff-Kompagnie nicht. Die Ablehnung wurde mit 21 gegen 14 Stimmen beschlossen— Ziffern, die die Bedeutung dieses„Kon- grcsieS" illustrieren. Zur Erheiterung sei endlich noch mitgeieilt. daß die Unabhängigen für„internationale Verständignng und Altion der Arbeiter" sind. Der Wunsch ist schon in Erfüllung gegangen und das internationale Proletariat hat sich unter anderem auch darüber verständigt, daß eS„Sozialisten" ivie den Unabhängigen ihre vollkommene Unabhängigkeit von der Arbeiterbewegung fichert. Der Bericht des Landesvorstandes ber badischen Sozialbemo- kratie für 1907 ist erschienen. Die Mitgliederzahl der einzelnen Organisationen hat sich im Berichtsjahre erhöht, doch ist eine ziemliche Anzahl von Organisationen vorhanden, die einen Rückgang zu verzeichnen haben. Drei im Jahre 1906 neugegründcte Organisationen sind im Jahre 1907 wieder eingegangen(Lenzki-rch. Kuppcnhcim, Menzingen). Neu gegründet wurden Organisationen in Meßkirch, Säckingen, Müllheim, MiederSheim(bei Lahr), Lichtental, Schönau(bei Heidelberg). Ncckargcrach, PcterSthal, Bammenthai, Eppingen und Wertheim. Der Bericht sagt, daß für die Agitation mehr geschehen müsse. doch sei das erst möglich, wenn dem Landesvorstand mehr Mittel zur Verfügung stünden. Der Zehnpfennig-Wochen� b e i t r a g müsse in nicht allzuferner Zeit zur Einführung ge- langen. Der„V o l k S f r e u n d" zu Karlsruhe hat eine erfreu- liche EntWickelung genommen. Das Blatt erscheint seit Beginn des 4. Quartals 1907 8seitig und hat jetzt 3 Redakteure. Die Auf- lag« betrug am Ende deS Berichtsjahres 14 000, was gegenüber dem Jahre 1906 einen Rückgang um 1400 bedeutet. Es ist dabei jedoch zu berücksichtigen, daß der..Volksfreund"" infolge der Gründung der„Pforzh. Freien Presse" 1800 Abonnenten an diese abgeben mußte. Ei» neuer Kämpfer. In Jena ist die Nummer 1 oeS „Weimarischen Landboten" für den 3. Weimar. Wahlkreis erschienen. DaS für die Landarbeiter bestimmte Blatt soll gratis verteilt werden. NeueS Arbritersekrrtariat. DaS Arbeitersekretariat für Hof und Umgebung hat dieser Tage in Hof. Marienstraße 79, seine Tätigkeit eröffnet. Angefochtene sozialdemokratische Stadwcrordnctenmandate. Bei den Stadlvcrordnetenwahten der dritten Klasse zu Kassel sind bc- kanntlich sieben Sozialdemokraten gewählt worden. Vier von ihnen mußlen Hausbesitzer sein und die Kasseler Genossen glaubten dieser Bedingung genügt zu haben. Der Magistrat erkannte aber nur zwei der Gewählten als Hausbesitzer an: die Genossen H a u s ch i l d t und W e d d i g. die Mitglieder der Baugenossenschast Solidarität sind, sollen nach Beschluß des Magistrats keine Hausbesitzer sein, weshalb ihre Wahl ungültig sei. Gegen diese Encscheidung wollen unsere Genossen Klage erheben. Kirchliche Unduldsamkeit. In Jebenhausen(Württemberg) war am vorigen Sonnabend der Genosse B a n s e r gestorben. Die Leiche sollte zur Feuer« bestattung nach Stuttgart übergeführt werden. Da die Hinter- blieben«! ehrlicherweise die Mitwirkung eines Geistlichen bei der Bestattung abgelehnt hatten, so wurde die Benutzung de» bereilS zugesagten Leichenwagens, der Eigentum der Kirchengemeinde ist, kurz vor dem zur Ueberführung angesetzten Termin vom Orts- geistlichen verboten. Die Hinterbliebenen kamen in große Ver- legenheit. Schließlich konnte die Leiche auf einem von der Stadt- gemeinde Göppingen gestellten Leichenwagen nach Stuttgart gebracht werdet!. Die isländische Arbeiterpartei und die Gemelndewahlen in Reykjavik. Nach der neuen isländischen Gemeindeversassung haben alle Männer und Frauen, verheiratete wie ledige, vom 25. Lebensjahre ab das gleiche Wahlrecht, sofern sie mindestens 5 Kronen Stenern im Jahre zahlen. Für die Wahlen gilt das Pcoportionalwahtsystcm. In der Hauptstadt Islands hatten nun die ungefähr 2000 Wahl- berechtigten 13 Stadtverordnete zu wählen. Da die fozialdemokra- tische Arbeitervereinigung in ihren Reihen an 700 wahlberechtigte Mitglieder zählte, konnte sie aus mindestens vier Mandate rechnen. Gewählt wurde jedoch nur einer ihrer Kandidaten. Mehr Erfolg hatte eiue bürgerliche„unparteiische" Frauenliste, deren vier weibliche Kandidaten sämtlich gewählt wurden. Schuld an dein Mißerfolg unserer Genossen war hauptsächlich der Umstand, daß es der jungen Arbeiterpartei noch an der nötigen Einmütigkeit fehlte. Einige Gewerkschaften stellten besondere Kandidaten auf und stifteten Verwirrung unter den Arbeiterwählern, was um so verderblicher wirkte, als die kapitalistischen Parteien kein Mittel scheuten, die Sozialdemokratie zu verunglimpfen. In Kopenhagens„Socialdemokraten" schreibt ein isländischer Parteigeuosie über die Wahl: «Ja, wir haben eine Niederlage erlitten und daS schmerzt uns, denn wir hätten«wen glänzenden Sieg erringen können. Aber wir tröst«! uns mit der Hoffnung, daß wir aus der Niederlage eine Lehre gezogen haben, die uns später wohl zum Siege führen wird." poUzeiUehes, Gerichtliches ulw. Ncdakteurfrendcn. Genosse Steinkamp vom„VolkSblatt für Bochum" hat das Zentralgefängnis zu Bochum aufsuchen müssen, um dort 19 Tage zur Abbllßung zweier angeblicher Be- lewigungen zu verbringen. Strafkont» der Presse. Wegen angeblicher Beleidigung de? demokratischen GemeinderatsmitgliedeS Simonet. dessen die Gemeinde benachteiligende Grundstücksgeschäste gebührend kritisiert worden waren, ist Genosse Jean Martin von der„Mülhauser VolkSzeitung" von dem Schöffengericht zu Mülhausen zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt worden. Der Kläger Simonet erhielt auf Widerklage 50 M. Geldstrafe zudiktiert. Genosse Quint von der„ V o l k s st i m m e" zu Frank- furt a. M. wurde von der Strafkammer zu Frankfurt a. M. mit 25 Mark Geldstrafe belegt, weil er das Verfahren eines SchierSheiner Gemeindesekretärs gerügt hatte, der mit„sanften handgreiflichen Ermahnungen" Geständnisse von Kindern zu er- zielen suchte. GewerhrchaftUche� Zum drohenden Kampfe im Baugewerbe läßt sich die Verwaltungsstelle Essen deS ZentralverbcmdeS der Zimmerer u. a. vernehmen: Es liegt offen zutage, daß die Bestrebungen deS Arbeit- geberbundes für das Baugewerbe von jeher darauf gerichtet waren, einmal eine Kraftprobe großen UmfangeS mit den Arbeiterorganisationen des Baugewerbes herbeizuführen, sie sozusagen zum Weißbluten zu bringen, und sich auf diese Weise„endgültige Ruhe zu verschaffen vor den immer un» erträglicher, immer begehrlicher werdenden Forderungen der Arbeitnehmer". Was eS mit dieser Begehrlichkeit auf sich hat, möge die Tatsache zeigen, daß der Durchschnitt des in Deutschland für einen Zimmerer gezahlten Stundenlohnes zurzeit 47 Pf. bc- trägt. 47 Pf. Stundenlohn für einen Saisonberuf, dessen Angehörige während des größten Teiles des Winters auf der Straße liegen, eines Berufes, welcher in der Unfall- Versicherung in einer der höchsten Gefahrenklasse rangiert. Schon ein Hahr nach der Gründung�es Arbeitgeberverbandcs. 1899 in Karlsruhe, erklärte dessen Vorsitzender, die Macht- probe sei unumgänglich. Nach der großen Bauarbeiteraussperrung 1994 im mitteldeutschen Gebiet wurde zur Erreichung dieses Zieles vorerst als allgemeine Richtlinie, empfohlen, alle zu tätigen- den Verträge zu einem gleichen Zeitpunkts ablausen zu lassen. � Präzisere Beschlüsse faßte die Generalversammlung des Arbeitgeberverbaudes zu Köln im Februar 1997 dahingehend, daß 1. alle zu vereinbarenden Verträge bis zum 31. März 1998 und in weiterer Folge bis 31. März 1919 abzuschließen seien: 2. daß alle im Jahre 1998 zu vercinbarcnden Verträge der Genehmigung der Bundesleitung bedürfen: 3. eine Ver- kürzung der Arbeitszeit unter zehn Stunden nur nach vor- ausgegangenem verlorenen Streik, und nur mit Gcnehmi- � gung der Bundesleitung eintreten zu lassen: 4. den 1. Mai unter keinen Umständen als Feiertag anzuerkennen. Damit war fa eigentlich schon die Kampfparole aus- gegeben und es galt nur noch den geeigneten Zeitpunkt ab- zMvarten, um die Machtprobe ins Werk zu setzen. Der Ablauf der geltenden Verträge für das hiesige In- dustriegebiet und für das mitteldeutsche Gebiet, wie nicht minder die Geschäftsstockung im Baugewerbe infolge der wirtschaftlichen Krise, scheinen nun den Herren vom Arbeit- geberverbande der richtige Zeitpunkt zu sein, um ihre Ab- sichten in die Tat umzusetzen. Aus ihrer Generalversamm- lung am 21. Oktober 1907 zu Berlin wurde nun der famose Musterarbeitsvertrag ausgearbeitet, und zu den in Köln gefaßten Beschlüssen kam noch hinzu, daß Lohnerhöhungen m keinem Falle gewährt werden dürfen, ja, daß der bis- herige Stundenlohn nur tüchtigen Gesellen zu zahlen sei, sowie die Bestimmung, daß nur aus Grund der unver- änderten Annahme dieses Mustervertrages durch die Arbeit- nehmer ein Vertrag abgeschlossen werden darf. Und weiter:(Wir lassen Herr Fetisch, den Vorsitzenden des Bundes selbst reden): „Das Endziel ist darauf gerichtet, daß. falls nicht f ü r a l l e Verträge eine Einigkeit erzielt wird, dann sämtliche Verträge nicht in Kraft treten und als letztes Mittel eine Aussperrung der Bauarbeiter größeren Umfanges angedroht und durchgeführt werden soll"; und„wenn es aus Anlaß des gemeinsamen Vor- gchens zu einem Bruch mit den Arbeiterorganisationen kommen sollte, so wird natürlich bestimmt vorausgesetzt, daß sich an einer vorzunehmenden Aussperrung auch diejenigen Unterverbände be- teiligen, die keine Verträge abgeschlossen haben." Die Herren wissen ganz genau, daß dieser Mustervertrag, der nicht nur keine Verbesserungen, sondern zum Teil sogar sehr erhebliche Verschlechterungen des gegenwärtigen Zu- standes mit sich bringen würde, für die Arbeiter unannehmbar ist. Trotzdem hatten sie noch die Stirne, in der bürgerlichen Presse zu erklären, daß sie damit die Anbahnung eines all- gemeinen Tarifvertrages für ganz Deutschland bezweckten, und somit dem Wunsche der Arbeitnehmer nach Abschluß von Tarifverträgen entgegenkommen. Jedem unbefangenen Beurteiler der Sachlage wird es nach dem bisher Gesagten wohl klar sein, daß es dieser Organisation von Scharfmachern par excellence nicht um den Abschluß von neuen Verträgen zu tun ist, sondern sie wollen die Früchte ihrer langjährigen Arbeit nun einheimsen, sie wollen die große Kraftprobe veranstalten, und die Organi- sation der Arbeitnehmer zum Weißbluten bringen, um ein für allemal Ruhe zu haben. Und um ja nicht mißverstanden zu werden, haben sie an einzelnen Orten sogar schon pro- doziert, und wie ein jüngstes Rundschreiben der Herren an ihre Mitglieder beweist, diesen anempfohlen, den Stunden- lohn nicht gleich um 10 oder 15 Pf. zu kürzen, da dies nicht opportun wäre, sondern vorläufig bloß um 5 Pf. Unter solchen Umständen nimmt es nicht wunder, daß die Verhandlungen zwecks Erneuerung der Tarife im mittel- deutschen Gebiet sowohl wie auch hier im rheinisch-westsälischen Gebiet ergebnislos abgebrochen und vertagt wurden. Die Verhandlungen erhielten dadurch ein sehr flottes Tempo, daß die Arbeitgeber den ungemein bescheiden gehaltenen Wünschen der Arbeitnehmer ein striktes„Nein" entgegensetzten. Der unparteiische Leiter der Verhandlungen in Essen, Herr Beigeordneter Dr. W i e d f e l d t, ließ denn auch durchblicken, daß er es ablehnen werde, die Komödie, wie sie von den Arbeitgebern beliebt werde, weiterhin mitzumachen. Es wäre unnütz, anzunehmen, daß die Herren bei Wieder- aufnähme der Verhandlungen einlenken werden; sie wollen den Kampf unter allen Umständen. Die vielen vom Baugewerbe mittelbar und unmittelbar abhängigen Kleinindustrien und Gewerbe, welche durch diesen von den Drahtziehern in Berlin heraufbeschworenen Kampf in Mitleidenschaft gezogen werden, sie werden nebst den kleineren und niittleren Geschäften des Maurer- und Zimmer- gewerbes ziemlich unsanft über die Handwerker- und mittel- standsfreundlichen Bestrebungen des Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe belehrt werden. Denn das unterliegt Wohl keinem Zweifel, daß in dem bevorstehenden Kampfe zahl- reiche der weniger gut fundierten Geschäfte dieser Kategorie unter die Rüder kommen und vernichtet werden. Es ist dies eine Begleiterscheinung aller wirtschaftlichen Kampfe, und sie wird von den Großunternehmern und Scharf- machern des Baugewerbes sehr gut gewürdigt, wenn sie es auch nicht zugeben wollen. Ob sie siegen oder unterliegen. ans jeden Fall sind sie die unbequeme Konkurrenz der Kleinen los. Es wäre auch zwecklos, hier wieder zu versichern, daß wir eine friedliche Einigung wollen. Wir haben es be- wiesen; der Kampf wird uns aufgezwungen. Eine Annahme des Mustervertrages würde nicht mehr und nicht weniger bedeuten als die Aufgabe unserer Organi- sation: denn eine Organisation, welche sich dem willkürlichen Diktat einer größenwahnsinnigen Unternehmerclique beugen würde, hätte für uns keinen Wert mehr. Und so sollen sie den Kampf auch haben. » Eine neue Herausforderung der daugewerblichen Arbeiterschaft durch die Unternehmer ist in Groß-Berlin in Aussicht genommen. Der Verband der Baugeschäfte von Berlin und Vororte(E. V.) hat zu Montag, den 9. d. M.. nachmittags 6 Uhr. nach dem Archi- tektenhause eine außerordentliche Generalversammlung einberufen. Auf der Tagesordnung steht als wichtigste Angelegenheit und zwar als Punkt 2: „Mit Rücksicht auf daS zahlreiche Angebot von Arbeitskräften zu einem Stundenlohn von 65 Pf., ja 60 Pf. und darunter, und mit Rücksicht auf die Konkurrenzfähigkeit der Verbandsmitglieder gegenüber den dem Verbände nicht angeschlossenen Baugeschäften, den Stundenlohn der Maurer- und Zimmerergesellen sowie den- jenigen der Bauhülfsarbeiter noch einmal herabzu- setzen." Zum Schluß heißt eS in der Einladung: „Die unter Nr. 2 der Tagesordnung zur Besprechung stehende Angelegenheit ist für das Baugewerbe Groß-Berlins von größter Bödeutung. Der Gesamtausschuß erwartet demgemäß, daß jedes Verbandsmitglied an dreser Generalversammlung teilnehmen wird." Berlin, den 5. März 1908. Unterzeichnet ist diese Einladung vom stellvertretenden Vor- sitzenden F. Fiedler. Einlaß ist nur gegen Vorzeigung der Ausweis- karte zu erhalten.— Im Thüringischen hat der Arbeitgeber-Bezirksverband für das Baugewerbe in seiner letzten Sitzung in Eisenach einstimmig be- schlössen, die neuabzuschließenden Verträge in den Orten Eisenach, Erfurt. Weimar. Gotha, Meinigen, Jena. Kahla. Salzungen usw. nur auf Grundlag« des Normaltarifes des Bundes abzuschließen. In allen Städten sollen, falls bis zum 31. d. M. dieser Tarif von den Arbeitnehmern nicht anerkannt worden ist, sämtliche Bau- geschäfte geschlossen werden. Eine Materialsperre soll über alle diejenigen Firmen verhängt werden, die nicht organisiert sind oder dem Beschluß nicht nachkommen. " Vcrantw. Redakt.: Georg Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw ßerUn und ümgegend« Mißstände bei der A. E. G. Am Donnerstag tagte im„Swinemündcr Gesellschaftshaus" eine stark besuchte Versammlung von Arbeitern aus dem Betriebe der A. E. G. in der Brunnen- und Voltastratze. Schon vor etwa zwei Wochen wurden in einer Versammlung verschiedene im gc- nannten Betriebe bestehende Mißstände besprochen. Seitdem haben sich aber— wie der Referent Adolf Cohen sagte, die Ver- bältnisse in der A. E. G. nicht gebessert, sondern es scheine, daß weitere Verschlechterungen eingetreten sind. Es sei deshalb not- wendig, daß die Klagen der Arbeiter öffentlich besprochen werden. An einer großen Zahl von Einzelfällen zeigte der Referent, daß die Betriebsleitung die gegenwärtige Zeit der Krise benutzt, um die Löhne herabzusetzen und sich einen Stamm gefügiger Arbeitskräste heranzuziehen. Der Redner verwies in dieser Hinsicht auf die Turbinensabrik, die auch zum Betriebe der A. E. G. gehöre. Dort würden jetzt nur solche Arbeiter eingestellt, die einen Schein vom Nachweis der Gelben haben. Die. Voraussetzung zur Erlangung eines solchen Scheines sei aber der Beitritt zur gelben Organi- sation. Selbst im Betriebe werde verlangt, daß die Arbeiter, wenn sie nicht entlassen werden wollen, der gelben Organisation bei- zutreten haben. Es werde hier also ein ofsenlundiger Zwang auf die Arbeiter ausgeübt, der sicher bestraft würde, wenn er von einem Mitglied? einer freien Gewerkschaft ausginge, doch habe man noch nicht gehört, daß irgend jemand mit einem Straf- verfahren bedacht worden wäre, der Terrorismus zugunsten der Gelben ausübt.— Verschiedene Klagen brachte der Redner vor aus der Abteilung des Meisters Bösel, wo gewisse Arbeiter be- günstigt werden und der am meisten Begünstigte mit einem Re- volver bewaffnet im Betriebe herumlaufe.— In der Metallgießerei beim Meister Schmidt herrsche noch das in anderen Betrieben längst beseitigte System, wonach Arbeiter, welche ge- wisse HülfS- oder Nebenarbeiten in Lohn verrichten, von den Akkordarbeitern bezahlt werden müssen, so daß die Firma also in diesem Falle ihre Generalunkosten auf die Arbeiter abwälze.— Ferner führte der Redner verschiedene Fälle von Herabsetzung der Akkordlöhne an. In der Abteilung des Meisters Scholz sollen die Abzüge besonders stark sein. Bei einer Anzahl von Artikeln seien die Akkordlöhne durchschnittlich um 50 Proz. gekürzt worden. — Alles in allem seien die Verhältnisse bei der A. E. G. derart, daß man sagen könne, die Forderungen, welche man an den Betrieb einer Weltfirma stellen könne, seien, hier nicht erfüllt. Die Arbeiter verlangen, daß die Arbeitsräume den hygienischen Anforderungen genügen, daß die Arbeiter durch die Vorgesetzten anständig be- bandelt werden, daß die Arbeitszeit nicht zu lang ist und daß die Löhne ausreichen, um eine Arbeiterfamilie anständig zu ernähren, was nach den Abzügen der letzten Zeit nicht mehr möglich ist. Vor allem aber verlangen die Arbeiter, daß ihr Koalitionsrecht seitens der Direktion und der Betriebsangestellten respektiert wird.— In nächster Zeit wolle die A. E. G. das Jubiläum ihres 25jährigen Bestehens feiern. Es verlaute, daß die Firma bei dieser Gelegen- heit eine größere Summe für eine Wohltätigkeitskasse der Arbeiter stiften wolle. Besser wie derartige Wohltaten, die ja doch nur aus dem von den Arbeitern für die Firma erworbenen Vermöge» bezahlt werden, würde es sein, wenn man die Arbeiter ausreichend bezahlt. Sie würden dann gern auf Wohltaten solcher Art ver- zichten.— Die Ausführungen des Referenten, die in einem Aufruf zur Stärkung der Organisation ausklangen, fanden allseitige Zu- stimmung und lebhaften Beifall. Roch eine Weltfirma. Die Zustände in der Pianofortefabrik C. Bechstein wunden in einer Fabrikversammlung der dort beschäftigten Ar- beiter besprochen. Bei dieser Firma, der größten der deutschen Musibinstrumentenindustrie, avbeiten hier in 2 Betrieben ungefähr 900 Perjonen, die in der Mehrzahl eine längere Reihe von Jahren Dort in Beschäftigung stehen. Die Produkte der Firma Bechstein genießen in der ganzen Kulturwelt den besten Ruf. Trotzdem sind die Arbeitsverhältnisse in der Fabrik von Bechstein durchaus keine mustergültigen. Wenngleich im Laufe der Jahre immer größere Anforderungen an eine sachgemäße und saubere Ausführung der Arbeit gestellt worden sind, haben die Akkovdpreise bei fast allen Spezialbrauchen seit länger als einem Menschenolter keine Auf- besserung erfahren. Es wurde berichtet, daß in der gegenwärtigen Zeit, wo der Geschäftsgang ein schlechterer geworden zu sein scheint, die fertige Arbeit mit einer außergewöhnlichen Peinlichkeit und Genauigkeit nachgesehen wird, und in sehr häufigen Fällen Arbeits- stücke, die nach Ansicht des Meisters nicht ganz tadellos hergestellt sind, zum Nacharbeiten dem betreffenden Arbeiter zurückgegeben werden. Diesen Arbeitern entsteht dadurch eine empfindliche Schädigung an ihrem Verdienst, so daß ein derartiges Verhalten einzelner Wersführer als indirekte Lohnabzüge betrachtet werden. Am meisten haben unter diesem Zustand die Arbeiter der Piano- Putzerbranche zu leiden. Bei den Hülfsarbeitern wurde in der letzten Woche eine direkte Lohnreduktion vorgenommen. Dieselben erhielten für das Reinigen und Ausfegen der Betriebsräume nach Feierabend die dazu verwendete Zeit in der Dauer einer Stunde mit 45 Pf. für dieselbe extra bezahlt. Nunmehr wurde seitens der Fabrikleitung den Hülfsarbeitern eröffnet, daß von jetzt an eine Bezahlung dieser Ueberstundenarbeit nicht mehr erfolgt. Das be- deutet für diese Arbeiter, die einen Wochcnlohn von 24 M. erhalten, einen Abzug von 2,70 M. pro Woche. Diese Maßnahmen der Fabriksleitung scheinen die Arbeiter von Bechstein. die in ihrer größeren Anzahl den Bestrebungen der Organisation indifferent gegenüberstehen und nur zu 25 Proz. organisiert sind, doch ein wenig wachzurütteln. Es wurde in der Fabrikversammlung von verschiedenen Seiten aus die dringende Notwendigkeit der Organi- sation hingewiesen, um weiteren Verschlechterungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen energischen Widerstand entgegensetzen zu können. Aufmunternd wirkte hierbei das Verhalten der Klavier- arbeiter der Pianofabrik von Blüthner in Leipzig, dem zweitgrößten Betriebe der Musikinstrumentenindustrie, wo nach jeder Richtung hin gleichartige Verhältnisse herrschen wie bei Bechstein. Die Ar- beiter dieser Firma haben sich in ihrer übergroßen Mehrzahl seit einem Jahre dem Holzarbeiterverband angeschlossen und im vorigen Herbst eine allgemeine Erhöhung der Akkordprcis« und andere nicht unwesentliche Verbesserungen durchgeführt. Die wöchentliche Arbeitszeit im Betriebe von Bechstein ist gleichfalls noch mit 53 Stunden eine längere als die in den meisten Berliner Pianofabriken übliche 51stündige Arbeitszeit.� ES scheint nunmehr dank dem Verhalten der Fabrikleitung begründete Hoff- nung vorhanden zu sein, daß den Bechsteinschen Klavierarbeitern ein größeres Interesse für die Bestrebungen ihrer Klassengenossen abgewonnen werden kann._ Der paritätische Arbeitsnachweis im Steinsetzgewerbe ist für Groß-Berlin gesichert. Am Freitag tagte die paritätische Schlich- tungskommission, um sich mit dem paritätischen Arbeitsnachweis zu befassen. Es wurde beschlossen, daß der paritätische Arbcitsnach- weis am Montag, den 9. März eröffnet wird, und daß dann im dreimeiligcn Umkreis von Berlin Umschau nach Arbeit nicht zu- lässig ist. Die in Frage kommenden Hülfsstellcn werden noch am Nachmittag des 9. März eingerichtet. Achtung! Kleber und Bauyandwerker! Der Unternehmer Emil Wunsch— Bau Krossenerstr. 5— ist für Kleber wegen Nichtbezahlung der Tarifpreise gesperrt. Freie Bereinigung der Tapezierer Dunau und Arbeitsnachweis: Schützenstr. 14, Tel. 1z 5477. Deutfchcs Reich. Steinarbeiterstreik. Der als bevorstehend angekündigte Streik der Steinarbeitcr in den Brüchen bei Wilsberg(Fichtelgebirge) ist nunmehr tatsächlich ausgebrochen. Die Arbeiter haben am 1. März die Arbeit niedergelegt, weil die Unternehmer sich weigern, :Th.Glock�Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr.u.Vcrlagsanstalt in Verhandlungen zur Festsetzung fester Lohn- und ArbeiiS» bcdingungen einzutreten. Es handelt sich nicht um erhebliche Lohn» forderungcn, wie behauptet wird, obwohl solche bei den dortigen Verhältnissen gar nicht unberechtigt wären, sondern lediglich um die Anerkennung eines Tarifs, wie er im Fichtelgcbirge sonst all» gemein Geltung hat und wodurch die beständig wechselnde will» kürliche Preisfestsetzung beseitigt und stabile Verhältnisse vertrag- lich gesichert werden sollen._ Nahrungsmittclindustrieverband. Auch in Nürnberg erklärte sich eine Mitgliederversammlung des Bäckerverbandes, Bezirk Nürnberg, einstimmig für die Ver- fchmelzung der vier Verbände(Bäcker, Brauer, Müller und Fleischer) zu einem Jndustrieverband der Nahrungs- und Genuß» mittelindustrie. Bustand* Ein Ultimatum der mährischen Kohlengräber. Unter der Bergarbeiterschaft im Ostrau-Karwiner Kohlen» revier an der schlesisch-mährischen Grenze gärt es mächtig. In zwei großen Versammlungen in Ostrau und in Orlau, von denen die erstere allein von über 4000 Bergleuten besucht war, wurde zunächst die Forderung einer neuen, den jetzigen Verhältnissen entsprechenden Dienstordnung aufgestellt. Werde diese nicht in kürzester Zeit eingeführt, so sind die Arbeiter bereit, die nötigen Konsequenzen zu ziehen, für deren Folgen sie die Gruben- Verwaltungen verantwortlich machen werden. Zur Lohnfrage kam folgende Resolution zur Annahme:„Die im Oktober v. I. ge» machten Konzessionen und die vereinbarten Lohnkontrakte zwischen Unternehmer und Arbeiterschaft wurden nicht eingehalten. Dieses Vorgehen mutz als ein unehrenhafter Bruch der gewährten Kon» Zessionen sowie als Provokation der Arbeiterschaft angesehen werden. Wir erklären, daß wir nicht gewillt sind, den Bruch der Vereinbarungen zu dulden und daß wir auf die strengste Ein- Haltung der Konzessionen bestehen. Wir haben durch die Dele» gierten die Beschwerde eingebracht, allein bisher wurde uns weder Antwort zuteil, noch ist eine Besserung eingetreten. Wir fordern nochmals die Bergdirektionen dringend auf, ihren Betriebsleitungen den Auftrag zu geben, daß diese Vereinbarungen genau eingehalten werden. Im Falle diesem dringlichen Ansuchen nicht Folge ge- leistet werden wird, betrachten wir uns berechtigt, die von unseren Delegierten gemachten Zusagen(zunächst eine zweijährige Ruhe in der Lohnbewegung zu bewahren) zu brechen." Gerichts-Geltung. Zur Prügelei in der Volksschule. Wie wenig die Volksschulkinder gegen Prügeleien durch Lehrer in Preußen geschützt sind, zeigt folgender dieser Tage vor Sem Obcrverwaltungsgericht entschiedener Fall. Der 8jährige Sohn des Ziegeleiarbeiterö Groß in Stichnitz» hatte eine häusliche Schularbeit von seinem älteren Bruder abge» schrieben und wollte dies, als es vom Lehrer entdeckt wurde, nicht zugeben. Er wurde deshalb vom Lehrer Heinz zu Groh-Leppi» auf Rücken und Gesäß so derbe geschlagen, daß die Spuren noch nach 5 Tagen erkennbar waren und er beim Berühren der einen Stelle am linken Schulterblatt noch drei Tage nach der Züchtigung über Schmerzen klagte. Er wurde von drei verschiedenen Aerzten untersucht. Am Prügcltage, dem 18. August 1906, vom Dr. Babing, den der Vater holte. Außer blauroten Flecken auf der Hinterbacke. stellte dieser unter dem linken Schulterblatt eine handtellergroße Anschwellung und gelblich-rötliche Verfärbung sowie eine Haut- abschürfung fest. Auch fand er etwas Fieber. Dies wurde jedoch durch einen arideren Arzt, der drei Tage später Scharlachfieber fest- stellte, hierauf zurückgeführt. Dieser Arzt, Dr. Breit den der Lehre geholt hatte, fand an Züchtigungsspuren auf Rücken und Gesäß verschiedene gelblich-grüne Streifen, am stärksten unterhalb des linken Schulterblatts. Dort war auch noch eine leichte Schwellung und der Junge klagte über Schmerzen an der Stelle. Auf der Haut war eine Verletzung nicht zu sehen. Es möge ja vielleicht, meinte der Arzt, am ersten Tage die von Dr. Babing gesehene Abschürfung vorhanden gewesen sein. Sie müßte aber dann ganz geringfügig gewesen sein, sonst wäre sie nicht nach drei Tagen vollständig verheilt. Die Züchtigung sei energisch gewesen, die Kränklichkeit der nächsten Zeit habe aber damit nichts zu tun, sondern sei lediglich durch Scharlach bedingt gewesen.— Weitere zwei Tage später fand der ebenfalls vom Lehrer veranlaßte Kreis- physikus die Stelle an� der linken Schulter im Durchmesser von 41/j Zentimeter noch grünlich-gelblich. Schmerzen waren nicht mehr vorhanden. Der Bater stellte Strafantrag gegen de» Lehrer wegen Kürper- Verletzung. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein und verwies auf die Privatklage, die Groß denn auch anbrachte. Bor einer Verhandlung erhob die Regierung in Potsdam den Konflikt zugunsten des Lehrers. Das Obervcrwaltungsgerich« erklärte den Konflikt für begründet und entschied demgemäß, daS daS Straf. verfahren gegen den Lehrer endgültig einzustellen fei. Nach den Bekundungen der Aerzte sei es außer Zweifel gestellt, daß da? Fieber und die sonstige Erkrankung außerhalb eines Zusammen- Hanges mit der Züchtigung stehe und ihre Ursache lediglich in der Erkrankung am Scharlach hätten. Im übrigen sei unbestritten, daß der Junge sich einer groben Verletzung der Schuldisziplin schuldig gemacht habe und deshalb gezüchtigt worden sei. Die Züchtigung habe Spuren auf Schulterblatt und Rücken zur Folge gehabt, die in der Schwellung und in Verfärbungen bestanden und Schmerzen verursachten. Aber solche Spuren von Züchtigungen pflegten in der Regel einzutreten. Und Schmerzen zu verursachen, sei ja der Zweck jeder Züchtigung. Es liege kein Anhalt dafür vor, imß Heinz das Züchtigungsrecht etwa vorsätzlich oder fahrlässig überschritten hätte. Es sei keine solche Züchtigung gewesen, die auch nur auf entfernte Art die Gesundheit des Knaben zu schädigen geeignet gewesen wäre. Der Lehrer möge sich aber doch die ihm erwachsenen Unbequemlichkeiten zur Wahrnung dienen lassen und nicht zu derbe zuschlagen. Letzte INfachncDtcn und Dcpcfchca Da» Voll muß blute«. Paris, 6. März.(W. T. B.) Senat. Bei der Beratung des Nachtragskredits für Marokko erwidert« Kriegsminister Picquart auf eine an ihn gerichtete Frage, der Truppenbestand in Marokko fei nach und nach auf 13000 Mann erhöht worden. Der Unterhalt der Truppen einschließlich derjenigen von Udschda und im Gebiete der Bern©nassen und die Erneuerung des Materials habe bisher einen Aufwand von nngefähr 16 Millionen erfordert. Marineminister Thomson erklärte, von der Marine- Verwaltung seien außerdem noch ungefähr 4 Millionen verausgabt worden, nicht gerechnet die Reparatur der Schiffe» die noch kW beendigt sei. Erdbeben. Reggi» di Calabrla, 6. März.(W. T. D) Heute nachmittag 6'/z Uhr wurde hier«in wellenförmiges Erdbeben verspürt. FeuerSbrunst. Tokto» 6. März.(B. H.) Eine große FeuerSbrunst zerstörte kl der Ortschaft Nodasoh in der Nähe von Tokio mehrere hundert Wohnhäuser. Der Schaden beläuft sich über 12 Millionen Marl. Paul-ingerL: Co.» Verlin L1V. Hierzu 3 Beilagen u.UnterhaltungSbl, 9t. 57. 35. ZahtMg. L StilM dcs.AmSrls" Kerlim KIKsdlM. Sonnabend. 7. Mar; t908. Rcichstacf. 117. Sitzung vom Freitag, den 6. März 1003, nachmittags 1 Uhr. Am BrmdeSratStische: v. Bethmann-Hollwe�. Aus der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zwrlten Beratung deS Etats des Reichsamt des Inner«. Bayerischer Ministerialdirektor Dr. Burkard: Der Abg. Fuhr- mann hat gestern behauptet, der bayerische Finanzminister habe sich für direkte Reichssteuern ausgesprochen. Das ist nicht richtig. Der bayerische Finanzminister hat vielmehr erklärt, daß der Reichstag, lornn er neue indirekte Steuern bewilligen solle, wohl auch die Erb- schastSsteuer für Kinder und Ehegatten verlangen würde, ivas gegen- über direkten Reichssteuern immerhin das kleinere Uebel wäre. Freilich hat er sich durch diese Erklärung nicht für alle Zukunft binden wollen, wir sollten uns überhaupt hüten, solche bindenden und programmatischen Erklärungen abzugeben. Abg. Hoch lSoz.): Der Mg. Gras Könitz hat gestern erklärt, dast die gegen- wärtig bestehende Teuerung aller Lebensmittel nicht durch die hohen Zölle, sondern durch die Preispolitik der Syndikate verschuldet sei. Das ist nicht richtig. Eine Preissteigerung hat auch bei Gegen- ständen stattgefunden, in denen eine Syudizierung bisher noch nicht staltgesunden hat. Man kann daher mit gutem Recht die hohen Zölle für die Preissteigerung verantivortllch machen. Wir können den Parteien. welche die hohen Zölle und Steuern beschlossen haben, den schweren Vorwurf nicht ersparen, dost sie sich am arbeitenden Bolke auf das schwerste versündigt habe». (Sehr wohrl bei den Sozialdemokraten.) Alles das, was wir vorausgesagt haben und was die bürgerlichen Parteien als ganz unnwglich bezeichnet haben, ist durch den Gang der Dinge als wahr bezeichnet worden. Die Ausführungen, welche Graf Kunitz gegen die Kartelle machte, könne» wir vollständig unterschreiben. Das können wir um so leichter, als das, was Graf Kanitz uns gestern hier vorgeführt hat, unsere Auffassung vom Gang der wiit- schaftlichen Entwickelung durchaus bestätigt hat. Wir sind der Meinung, dost die heutigen Produktionsverhältnisse dazu führen müssen, dost daS ganze wirtschaftliche Leben unter den Einfluß einiger weniger Groß- k a p i t a l i st e n gerät, daß daS Spiel der freren Kräfte auf- gehoben wird, daß nicht mehr davon gesprochen werden kann. unsere wirtschaftliche Entwickelung vollziehe sich in freiheit- lichen Bahnen. Wir haben von jeher auf dem Standpunkt gestanden, daß die Entwickelung mit Naturnotwendigkeit dazu führen muß, daß die große Masse des arbeitenden Volkes ganz und gar der wirtschaftlichen Ucbermacht einer kleinen Clique ausgeliefert wird. Die Entwickelung hat dem ersten Satz unserer wiitschastlichen Grundsätze vollständig recht gegeben. Wenn wir die heutigen Zustände vergleichen mit denen vor 20 Jahren, so muß man sagen, baß wir heute eine ganz neue Wirtschafts- ordnung gegen früher haben. 1893 fand hier die be- kannte ZukufnftsstaatSdebatte statt. Damals verlangten die Herren Eugen Richter und Freiherr v. Stumm von uns Sozialdemokraten eine ganz genaue Geschäftsordnung für den Zukunstsstaat. Sie sagten: Wenn Ihr Sozialdemokraten uns nicht ganz genau sagt, wie es in Eurem Zutuiiftsstaat aussehen wird, so können wir uns nicht dazu entschließen, unsere Zustiinnlung zu einer neuen wirtschaiilichen Ordnung zu geben. Inzwischen hat sich unsere alte Wirtschaftsordnung gewandelt, von Grund auf ge- ändert, ohne daß die Herren ihre Zustimmung dazu zu geben brauchten. Grai Kanitz führte auS, daß eS so nicht weiter gehen könne, daß wir Zuständen entgegengingen, bie un- erträglich wären. Ich hoffe, daß Graf Kanitz und seine Freunde eS nun begreifen werden, wenn die Arbeiter schon seit langem diese Zustände als unerträglich empfunden haben, und mit allen Kräiten danach trachten, eine andere, brfferr, höhere Wirtschaftsordnung zu erlangen. Und ich hoffe, daß Graf Kanitz und seine Freunde in den Leuten, die eine Umänderung der auch von ihm als unerträglich enipfundenen Zustände hcrbeisiihrcn wollen, nicht mehr Verbrecher oder schlechte Menschen sehen, die man bekäinpfen muß. sondern Leute, die sich uni das Wohl des Vaterlandes ver- dient machen.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Wenn Graf Kanitz schon die jetzigen Zustände als unerträglich verurteilt, wie viel mehr müssen sich die Arbeiter dagegen wenden. Denn die Arbeiter leiden nicht nur als Konsumenien unter der Preispolitik der Syndikate, sondern sie leiden auch unter der Lohnpolitik der Syndikate.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Gerade jetzt, wo ein wirtschaitlicher Niedergang zu verzeichnen ist, versuchen die Großkapitalisten mit ihren Arbeitern zu machen, was sie wollen. Sowohl derZentralverband deutscher Industrieller, kleines feuilleton. Ein Lawinenunglück vor hundert Jahren. Das schreckliche Lawinenunglück in Goppcnstein ruft lebhaft die Erinnerung an frühere Naturereignisse dieser Art wach. Eines der furchtbarsten Lawinenjahre— so lesen wir im Berner„Bund"— war das Jahr 1808, und die Ecbreckenstage vom Dezember jenes Jahres blieben den Bergbewohnern noch lange im Gedächtnis. Nach längerer Regenzeit fielen damals in den schweizerischen Bergen etwa vier- zehn Tage lang ungeheuere Schnecmassen, was zu den schlimmsten Befürchtungen Anlaß gab. Daß die Besorgnisse nicht unbegründet waren, sollte sich leider nur zu bald zeigen. Am Abend des 12. De- zembcr gingen im ganzen Berner Oberland und in der Urschweiz gewaltige Lawinen nieder, die überall Tod und Verderben im Ge- folge führten. In den Aemtern OberhaSle, Jnterlakcn, Frutigen und Obcrsimmental kamen an jenem Abend insgesamt 36 Per- sonen umS Leben;!98 Stück Groß- und Kleinvieh wurden getötet; 14 Wohnhäuser und 168 Scheunen und Alphütten wurden gänzlich zerstört. Weitaus am schwersten betroffen wurde die Gemeinde Gadmcn. Das Dörflein Obermad wurde fast vollständig zerstört; von den 70 Einwohnern des Ortes kamen 23 ums Leben. Von überall kamen Hiobsposten, so von Ebligcn und Ringgenberg am Brienzer See. von Saxctcn, Lütschental und namentlich auch aus Grindelwald. Bei Burghaucncn wurden drei Häuser mit zu- fammen 14 Personen weggefegt. Im ganzen Grindelwaldtale wurden mindestens 60 Jucharten Wald zerstört. Auch in den Ur- kantonen ereigneten sich am gleichen Abend zahlreiche Unglücksfälle infolge von Lawinenstürzen. Bei Gersau wurde ein Haus weg- gerissen, wobei Vater, Mutter und fünf Kinder umkamen. In Oberrickenbach wurden mehrere Personen getötet, und zu Bürglcn und Unterschächen im Kanton Uri wurden nicht weniger als 60 Häuser durch Lawinen zerstört, wobei ebenfalls Menschenleben zu beklagen waren. Im März 1809 bat die Bernische Regierung in einem Aufruf die Bevölkerung des Oberlandes, am Ostersonutag eine Liebessteuer für die durch die Lawinen an den Bettelstab ge- brachten Bewohner des Landes einzusammeln. Die Saug- und StaunngStherapir bei afrikanischen Völkern. Prof. Bier hat bekanntlich in Deutschland die Saug, und StauungStherapie, wie sie schon früher in unvollkommener Weise bestand, wieder in die wissenschaftliche Welt eingeführt. AuS den Angaben von Dr. Wohlgemuth in der„Deutschen Medizin. Wochen- schrift" ergibt sich nun. daß eine afrikanische Völkerschaft, die OvamboS, eine solche schon lange kennen. Bei Entzündungen der Haut, bei tiefer liegenden Schmerzen, wie z.'B. bei Gesichtsnerven- schmerzen usw. benutzen sie das obere Ende eines OchsenhorneS. wie der Verein der Eisenhüttenleute haben erklärt, daß sie ihre Betriebe so einrichten wollen, wie sie es für nötig halten. und daß die Arbeiter nichts dreinzuredm haben.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Arbeiter sollen sich also gefallen lassen, was die Herren in ihrer Weisheit und Güte dort oben festsetzen. Es ist im Laufe der Debatte wieder- holt vom wirtschaftlichen Niedergang gesprochen worden. Aber es ist noch nicht darauf hingewiesen worden, welch Unterschied besteht zwischen den Folgen, die dieser Niedergang für die Arbeitgeber auf der einen und für die Arbeiter auf der anderen Seite hat. Die Kapitalisten füllen in den Zeiten guten Geschäftsganges ihre Reservefonds, mit denen sie bei schlechten Zeiten den Gewinnausfall decken. Die großen Kartelle und die großen Unternehmer können einen Wirt- schaftlichen Niedergang ziemlich lange aushalten. Sie r e d u- zieren die Produktion und entlassen Arbeiter. Und wenn dann wieder bessere Zeiten kommen, dann ist meist die Herr- ichaft des Großkapitals noch stärker wie vor dem Beginn der Krisis. (Sehr wahr l bei den Sozialdem.) Man hat gesagt, die Arbeitslöhne seien stärker gestiegen als die Preise. Selbst wenn daS richtig wäre, so beweist das nur, daß die Arbeiter während der guten Geschäftszeit etwas weniger hungern müssen. Wenn die Krisis aber jetzt so weiter geht, wenn die Großunternehmer, wie sie eS im Baugewerbe wollen, nicht nur die Löhne herabdrücken, sondern auch die Gewerkschaften knebeln, wenn sie das erreichen dann werden die Arbeiter gerade jetzt während der Krisis aus das denkbar tiefste Niveau herabgedrückt» dann wird die gesamte Arbeiterschaft in ihrer Lebenshaltung, in ihrer ganzen wirtschaftlichen Stellung herabgedrückt und wenn der neue Aufschwung einsetzt, müssen sie wieder von vorne anfangen.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Die schwierige Loge des arbeitenden Volkes ist verschärst worden gerode durch die Zollpolitik und die Syndikate. Selbst für weite Kreise des Unternehmertums, des kleinen, daS am Syndikatsprofit keinen Anteil hat. sind die Zu- stände unerträglich geworden. Da hat man nun verlangt, daß der Staat eingreisen und die Syndikate brav und artig machen solle, daß sie niemals von ihrer wirtschaftlichen Uebermacht Ge- brauch machen. Ich hätte allerdings erwartet, daß daS Zentrum nicht diese Kartellresolntionen. sondern das Kartellgesetz einbringen werde, das der Kollege Spahn angeblich schon jähre- lang in seiner Schublade hat.(Heiterkeit.) Ich weiß nicht, worauf Herr Sp«hn noch wartet. Die Verhältnisse sind heute so weit, daß eS Zeit ist. einzugreifen.(Vielfaches Sehr ivahr!) Es fragt sich nur, wie eingegriffen werden soll. Graf Kanitz hat der preußischen Regierung den Vorwurf gemacht, daß sie eigentlich schuld sei an der Syndikatswirtschast. Ich bin nicht berufen und nicht im entferntesten gewillt, die preußische Regierung zu verteidigen.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Aver was verlangt denn Gras Kanitz von der Regierung? Sie schwebt doch nicht in der Lust; sie ist doch nichts weiter, als ei« Ausschuß der Befitzendeu (Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten), und wenn ein Minister sich einfallen läßt, einen Seitensprung zu machen, so kann sich bald der Zentralverband Deutscher Industrieller rühmen: Wir haben auch diesen Staatssekretär beiseite geschafft.(Schi wahr I bei den Sozial- demokiaien.) Die Regierung ist nichts weiter als ein Organ der Großkapitalisten. und da kann ste natürlich nicht gegen die Kapitalisten vorgehen. Was der Abg. Frhr. v. G a m p gesagt hat. daß gesetzliche Maß nahmen gegen die Kartelle unmöglich seien, ist ganz zutreffend. In Einzelheiten und Kleinigkeiten kann vorgegangen werden, aber es kann nicht verhindert werden, daß die, die die Wirtschaft- liche Macht habe», sie mißbrauchen zum Schaden der Gesamtheit.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Wer die Macht hat. macht von ihr zu seinem Nutzen Gebrauch, und auch das preußische Junkertum hat seine Macht stets ausgenutzt. rücksichtslos und schamlos gegen die Gesamtheit. (Lebhafte Zustimmung links.) Mit aller Gesetzgeberei können Sie den Kartellen keinen andere» Charakter gebe», als sie ihrer ganzen wirtschaftlichen Struktur nach haben. Das Versagen der wirtschaftlichen Gesetzgebung gegen die Kartelle hat sich in allen Staaten gezeigt; eS wird sich auch in Deutschland zeigen. Dabei möchte ich mir eine Nebenbemerkung ge statten. Es ist gesagt worden, es lohne nicht mehr, die Kartellenquete weiter zu veröffentlichen, da die Karrelle sich täglich veränderten und weiter entwickelten und die Tatsachen, die in der Kartellenquete fest- gestellt seien, längst überholt wären. Aber es ist doch auch von Wert. das Talsachenmaterial über die Entstehung der Kartelle kennen zu lernen, z. B. die Mittel, durch die bei der Entstehung des Außen syndikats die außenstehenden Werke hereingezwungen wurden. Was sollen wir aber nun tun, um diese wirtschaftliche Gefahr der Kartelle dessen Spitze durchlöchert ist. Der eine Ovambo setzt das Horn auf die schmerzende Stelle, nimmt seinen Zeigefinger, an dem er eine kleine Lehmkugel angedrückt hat, und die Spitze des Horns in den Mund, und der Saugapparat sitzt fest wie ein Bierscher Apparat. Ebenso wird es bei Geschwüren gemacht. Stauungen bei Binde- gewebsentzündungen usw. werden nicht durch Gummischläuche wie bei uns, sondern durch eine ziemlich dehnbare, aus Gräsern ge- flochtene Schnur um das betreffende Glied, und zwar oberhalb der gebrochenen Stelle, ausgeführt, was vollkommen richtig geschah. Es muß den Arzt merkwürdig berühren, wenn er sieht, daß noch ver- hältnismäßig nahe dem Urzustand stehende Völker schon lange Mittel anwenden, die wir zu unseren neuesten Errungenschaften rechnen. Tdeater. DaS Neue Operetten-Theater. das bisher im Ber« liner Theater zu Gast war. hat am Donnerstag sein neues Haus am Sänffbauerdamm mit Hellbergers.Opernball" eröffnet. Die flotte Aufführung war in Besetzung und Inszenierung ganz die alte geblieben. So bliebe nur vom Hause zu sprechen. Aeußer- lud bietet es nichts des Erwähnenswerten und innerlich gewährt es dasselbe Schauspiel wie die moderne Operette, die immer noch von der Nachahmung der alten lebt, ohne irgend etivaS ihr gleichwertiges hervorzubringen. Ein Logenrheater mit zwei Rängen, das Parterre ist für die Garderobe reserviert. Enge Treppen, enge Gänge. Vieles noch unfertig. Die Ausschmückung beruht auf dem alten Dreiklang rot weiß-gold. DaS ist traditionell und soll freudig stimmen. Mit den Sluckkünsten und der Malerei hätte man uns besser ganz ver- schonen sollen. Ob die geradezu verschwenderisch blendende Helle des elektrischen Lichts den Augen wohltut? Bkan hätte einfacher, gediegener und geschmackvoller sein können. Aber paßt das vielleicht nicht zur Operette? Akustisch scheint daS neue Theater besser gelungen. Man hört und sieht und sitzt gut. und da der Raum nicht ss beängstigend als ein Turminneres wirkt, wie bei der Komischen Oper und in etwas auch beim Hebbel-Theater, so ist auch daS Raumgefühl ein erträgliches. Ueber die Hauptsache: die Pflege der Operette, wird man erst nach weiteren Proben reden können. LeharS Neuestes soll als erste Novität herausgebracht werden.-»r. Humor und Satire. — Ungeeignet..... Was, Sie wollen Ihren Sohn Chemie studieren lassen? Der stottert ja!"—„Schadet denn das, Herr Professor?"—„Aber gewiß I Der kann ja nicht eimnal die einfachsten chemischen Benennungen aussprechen, wie zum Beispiel: Pstramstftz'Ichsmiäoclldüortnxbsn�IoarHiänckl" — Umgekehrt. A.:„ES ist wohl manchmal schwer, einen Patienten so lange am Leben zu erhalten, bis der Arzt kommt?*—. für die Gesamtheit des Volkes unschädlich zu machen? Sind doch die Zustände zugegebenermaßen unerträglich. Wenn wir nicht in der Lage sind, den Kartellen ihren gemeinschädlichen Charafter zu nehmen, so ergibt sich als notwendiger Schluß, daß wir die Produktions- mittel, die in den Händen der Minderheit eine unerträgliche Last für die Gesamtheit geworden sind, ins Eigentum äieler Gesamtkeit überftikren müssen. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wenn man die Voraussetzung zugibt, daß die wirtschaftliche Uebermacht der Kartelle den Interessen der Gesamtheit direkt zuwider läuft, muß man natur- notwendig auch den zweiten Sctiritt unseres Programms mitmachen, unter Einführung der sozialistischen Produktion, der Produktion durch die Gesamtheit im Interesse der Gesamtheit zustimmen. Dann wird auch dem Zustande ein Ende gemacht werden, daß die reichen Leute die Güter in ihren Speichern aufhäufen und die große Masse des arbeitenden Volkes in Elend und Hunger zugrunde geht, weil zu viel vorhanden ist. Mit der Beseitigung der Ausbeutungsvorrechte des Großkapitals wird auch der Abfluß der Produkte gesichert, nicht zum Fluch und Schaden für die Bevölkerung, sondern zum Segen für das ganze Volk.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Denn im selben Maße, wie die Produktion und Verteilung der Güter sozialisiert und verbessert wird, steigt auch das Kulturniveau des ganzen Volkes. Dann brauchte das Proletariat auch die Wohltaten der reichen Leute, auf die sich die Herren Gamp und Dirksen so viel zugute tatSu, bei Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit und der Tuberkulose nicht mehr. Ist es denn nicht geradezu ein skandlöser Zustand, daß diejenigen. die sich mühen und quälen, zum großen Teile in so furchtbarem Elend leben, daß sie trotz allen ehrlichen Fleißes noch nicht einmal in der Lage find, ihren Kindern Milch zu verschaffen? Ist eS nicht geradezu skandalös, daß diese Leute aus Mangel an Nahrung der ProlelarierkrankHeit zum Opfer fallen und Almosen annehmen müssen von Leuten. die nichts tun und Millionen verdiene«, indem sie die Arbeiter ausbeuten?(Vielfaches Sehr gut l bei den Sozialdeniokraten.) Wenn nicht mehr eine AuSbeutungs- clique sich großsaugen kann an dem. was das arbeitende Volk erzeugt, braucht eS keine Wohltaten mehr.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Das Ziel der ganzen parlamentarischen Arbeit muß es heute sein, der sozialistischen Produktion und Gllterverteilung die Bahn zu ebnen, und die Sozialpolitik darf nur die Aufgabe haben, der Uebermacht des Großkapitals entgegenzutreten. Die einzige Aufgabe der Sozialpolitik besteht darin, der Allmacht des Großkapitals die Grenzen zu ziehen, die notwendig sind zum Wohle der Gesamtheit und im Interesse der Kulturentwickelung. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Vorgestern hat der Herr Staatssekretär uns vorgeworfen, wir seien einseitig, und zwar hat er diesen Borwurf erhoben, nachdem er uns erzählt hatte, er selbst sei nicht so einseitig, er hole sich seine Ansichten nicht nur auS den Reden der einen Seite, sondern auch auS denen der anderen. Von dieser Art Einseitigkeit, vor der sich der Herr Staats» sekretär bewahrt, sind auch wir vollkommen frei. Auch wir verfolgen sehr eifreig alles, was in dem gegnerischen Lager vor sich geht, und holen uns unsere Auskünste, genau wie der Herr Minister, von allen Seiten. Aber von seinen Handlungen sprach der Minister nicht und mit vollem Recht. Denn wenn eS daraus ankommt, in sozialpolitischen Fragen Stellung zu nehmen, dann heißt es, e n t- weder— oder. Entweder fördert man das G r o ß k a p i t a l in seinen Bestrebungen, oder wenn man das nicht will, wenn man die Willkür des Großkapitals beschränken will, so muß man eben gegen das Großkapital und gegen die Ausbeutung Stellung nehmen. (Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Sie haben ja Zeit genug gehabt das zu tun. als die Arbeiter von der Sozialdemokratie noch nichts wußten, sondern im Schwanz der liberalen Parteien sich be- fanden. Aber weil Sie für die Arbeiter nichts taten, weil Sie gegen das Großkapital nie etwas unternahmen, haben die bürgerlichen Parteien den Boden unter den Arbeitern verloren. (Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Eine ähnliche Entwickelung vollzieht sich jetzt. Der Abg. Stresemann hat sich darüber gefreut, daß die HandlungSgehülfen in Massen für die bürgerlichen Parteien eingetreten sind. Warten wir es ruhig ab, wie lange eS den bürgerlichen Parteien gelingen wird, das Vertrauen der HandlungSgehülfen zu erhalten. Die HandlungSgehülfen sind bereits mit ihrer Lage unzufrieden und begnügen sich nicht mit schönen Worten, sondern wollen Taten sehen. Versprechungen sind ihnen im Reichstage gemacht worden. Aber schon bei dem Anfang, beim§ 63 deS Handelsgesetzbuches, Junger Arzt(ohne Praxis):„Ja— aber oft noch schwerer, einen Arzt so lange am Lebe» zu erhalten, bis ein Patient kommt." („Fliegende Blätter.") — Auf dem Dorf. Sie sind ein Vagabund, Sie arbeite» nicht.— Und Sie, Herr Bürgermeister, arbeiten ja auch nicht.— Das ist ganz'was anderes: ich bin Rentier. � Zu Fuß. Der Gendarm: Sie laufen da auf ber Land- ftraße herum, das ist verboten.— Der Vagabund: Schön. Herr Wachtmeister. Ich wußte das nicht... Ich will versuchen, mir ein Automobil anzuschaffen. („I/assistts au beurreu; Die Vagabunden.) Notizen. — Skandinavischer Kunst in Wort und Ton ist der volkstümliche Kunstabend in Charlottenburg am Sonntag, den 8. März, in der Kaiser-Friedrich-Scbule am Savignyplay gewidmet. Ibsen, Strindberg. Björnson, Kjelland, Bang. Jens P. Jacobson, Drach- mann. Wied kommen durch berufene Künstler zu Worte, in Tönen wird GriegS, SindiNgS usw. gedacht und skandinavischer VolkSgesang vermittelt werden. — Das Meininger Theater, das völlig niedergebrannt ist, verdient keine besondere Landestrauer. Es war ein gleichgültiger alter Kasten. Was das Theater an wertvollen Erinnerungen, Re- quisiten, Archivsachen besaß, befand sich größtenteils in anderen Räumen oder scheint gerettet zu sein. Die Bedeutung deS Meininge. Theaters für die beut, che Bühne ist nicht an ihr Haus gebunden. Was unter dem theaterfreudigen Herzog Georg in de» 60cr und 70er Jahren heranreifte und dann auf den langen Gastspielreisen (1874—1890) hinausgetragen wurde, ist Gemeingut des deutschen Theaters geworden, das vertiefte Verständnis für„historische" Inszenierung, das Stteben nach Ort- und Zeitkolorit, die Erzeugung von Stimmung und malerischen Effekten und vor allem die lebendige Regieführung, die die Massen gliederte und in bewegte Gruppen auslöste. Die Mciningerei, soweit sie Stilfererei des Echten war, ist tot, aber die Gefahren opernhaster Ueberinszenierung bestehe» weiter. — Vom Gefängnis zur Akademie. Jean Richepin ist in die französische Akademie gewählt worden! Unter den Chanson- dichter» war er eine Zeitlang der freieste und feinste, er fand neue Stoffe und Töne und seine Lyrik, die den Elenden und AuS- gestoßenen Worte innigsten Mitempfindens lieh, brachte ihm bereits einmal eine staatliche Anerkennung: als Verfasser eines Vagabunden- liebes wurde er ins Gefängnis geschickt. Inzwischen ist er zahmer geworden, so daß er jetzt leider schon für die Akademie die Reife zu* besitzen scheint. Bei dem alle Parteien darüber einig sind, daß da-Z Recht der Handlmrgsgehülfen llar vor Augen liegt, kommt in der Kommission ein Resultat nicht zu st an de, weil die Regierung nicht nachgeben will. Aber sollte die kleine Verbesserung wirtlich bewilligt werden, so werden die weiteren Fragen sich anschließen. Herr Dr. Naumann hat im vorigen �ahre vom Reichstage verlangt, er solle gegen das Großkapital Stellung nehmen. DaS kann er gar nicht, weil Sie alle auf dem Boden der heutigen Gesellschaft stehen, und auf dem Boden der heutigen Wirtschaftsordnung gegen die Aubeutung nicht austreten können. Deshalb müssen Sie das Vertrauen der Ausgebeuteten verlieren.(Lebhafte Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Wie die Syndikate, die Ringe und Kartelle nur der sozialistischen Produktionsweise vorarbeiten, so arbeiten auch Sie uns vor, Sie sorgen dafür, daß die Privat- Beamten, soweit sie noch nicht für uns sind, z u uns kommen. Ihre Sozialpolitik entspricht nicht denjenigen Anforderungen, welwe vom Standpunkt der Arbeiter zu stellen sind. Von jeher war es viel- mehr das Bestreben der Parteien und der Regierung, die Soziolpoliiik nicht zu fördern, sondern zu hemmen mrd zu hindern. Jeder Blick in die Berichte der Gewerbeinspektoren, jeder Blick auf die Gesetzgebung kann das beweisen. Freilich sagen die Herren zu uns: Geht Ihr doch voran, Ihr Sozialdemokraten? Nun. Herr v. Gamp sagte gestern, man dürfe nicht so schnell vorgehen, sonderu müsse zunächst über die einzelnen Fragen eine internationale Verständigung herbeiführen. Waren denn aber die Arbeiter nicht die ersten, die auf internationale Verständigung drängten?(Sehr richtig! bei den Soziald.) Waren die internationale» Konferenzen nicht die unmittelbare Folge des internationalen ArbeiterkongresseS in Paris? Wenn wir mit internationalen Vereinbarungen nicht weiter gekommen find, so liegt die Schuld wahrlich nicht an den Arbeitern, sondern an der Regierung und den bürgerlichen Parteien.(Sehr wahrl bei den Sozial- demokradm.) In dieser Debatte haben verschiedene Redner abfällig darüber geurteilt, daß so viel sozialpolitische Resolutionen ein- gebracht sind, man meinte, man solle nur die spruchreisen Fragen herausnehmen. Welche von de» Fragen, die in den Resolutionen angeschnitten sind, ist aber nicht spruchreif? Wenn wir ge- zwungen sind, hier so viele Resolutionen zu beantagen, so liegt das daran, daß die Sozialpolitik nicht geleistet hat, was sie hat leisten solleu.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Die Großindustrie sagt, in den letzten 20 Jahren hat sich eine vollkonnnen neue Wirtschaftsform herausgebildet. Unsere Gewerbeordnung aber liegt zwanzig Jahre zurück. Die Ge- setzgebung halfen die Herren der neuen Wirrschaftsordnung nicht an- gepaßt, sie haben vielniehr imrner weiter die Mißstände heraus- bilden und bestehen lassen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Herr v. Gamp hat gestern gegen meinen Freund Molkenbuhr behauptet, daß die große U n t a l l z i f f e r in der Landwirtschaft gegenüber der Unfallziffer in der Industrie daher rühre, daß auf dem Laude jeder kleine Unfall, zum Beispiel ein S ch n e i d e n mit dem Messer mitgezählt sei. DaS ist unrichtig; denn Molkenbuhr hat nur d i e Unfälle an- gegeben, die sick, bei Motoren und Transmissionen er- eigneten.(HörtI hört I bei den Sozialdemokraten.) Gestatten Sie einige Worte über die neuen Vorlagen, die eingebracht find. Noch jedesmal haben wir es erlebt, daß bei der Arbeiterjchutzgesctz- gebmtg ein großes Geschrei von den Interessenten erhoben wird, die Industrie geht zugrunde, wenn die Bestimmungen eingeführt werden. ES war mir sehr interessant, daß bei den neuen Vorlagen Herr Günther hier ein großes Loblied über die Vorzüge der Hennindiistrie in seiner Heimat erhoben hat. Vor einigen Jahren hat die Handels- und Gewerbekammer von Planen in einer Eingabe betont, daß in den Fabrikbetrieben Mißstände nicht existieren, daß eS dagegen sehr schlimm in der Heimindustrie stehe. DaS wurde damals gesagt, weil eS sich nicht um den Schutz der Heim- industrie handelte, fondem weil Schutzvorschristen in den Fabriken in Frage standen.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Mit einige» Worten will ich auf die angekündigte Krankenkassengcsetznovelle ein- gehen. ES ist sehr bezeichnend, daß Herr v. Gamp gesagt hat. die Industrie sei jetzt bereit, die Hälfte der Beiträge zu zahlen, und deswegen müsse die Novelle jetzt eingebracht werde». Gegenüber der Behanptnng. daß die Krankenkassen zu parteipoli- tische» Zwecke» mißbraucht würden, frage ich: wo sind die Beweise dafür? Sie können uns nichts anderes sagen, als daß die Arbeiter. die in den Krankenkassen etwas zu sagen haben, das Ver- brechen begangen haben. Sozialdemokraten anzustellen, Aber handeln Sie von Ihrem parteipolitischen Standpunkt auS nicht ebenso?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Stellen etwadie Berussgenossenschaften Sozialdemokraten an? Oder stellt der Staat, der sich nicht scheut, doSGeld von Sozialdemokraten zu nehinen, etwa Sozial- demokraten an?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Rein, der Staat geht noch viel weiter. Er maßregelt sofort einen Beamten, von dem er erfährt, daß er Sozialdemokrat ist. Sollen angesichts dieser Zustände die Arbeiter nicht das Recht haben. tuen» sie tüchtige Leute finden, sie anzustellen, auch wenn sie Sozial- demokraten find? Wenn die Arbeiter das tun, so ist das ihr gutes lliccht «nd lein Mensch auf der Welt sollte ihnen.daraus einen Vorwurf machen. Die Arbeiter haben genau so gut das Recht, Sozialdemokraten anzustellen, wie Sie das Recht haben, Nicht- fozialdemokratcn aiizlistellen. Geben Sie nur den Krankenkassen das uueingeschräuktr Vcrwaltungsrecht, die Arbeiter werden schon dafür sorgen, daß kein Mißbrauch damit getrieben wird.(Lachen rechts.) Nun hat vorgestern der Staats« fekretär erklärt, daß das HülfSkaffengesetz nicht zurückgezogen fei. da bestehende Mißstände nach Abhülfe verlangten. Ich gebe Ihnen zu, daß durch Schwindelkasse» viel Unheil angerichtet worden ist. In der Kommission, die zur Beratung des HülfskassengeseyeS eingesetzt wurde, verlangte die Regierung Material für die Be- urteilung'der Vorgänge, die sich in den Schwindelkasscn abgespielt haben. Dieses Material wurde ihr vorgelegt, und es ergab sich daraus, daß alle Mißstände auf zwei Ursachen zurückzuführen waren. Entweder hatten die Verwaltungsbehörden gegenüber den S ch w i n d e l k a f s e n von den Befugnissen, die sie hatten, nicht den richtigen Gebrauch gemacht oder das Selbstverwaltungsrecht der Arbeiter war nicht in genügendem Maße durchgeführt. Es besteht für mich auch aar kein Zweifel darüber, daß die Arbeiter durchaus fähig sind, selbst den Mißständen entgegenzutreten. DaS Gesetz, was Sie uns damals vorgelegt haben, war die voUrtändtgc Leseitigung der Selbstverwaltung der Krankenkassen, eine Entrechtung der Arbeiter.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Der Hülfskassengesetzentwurf atmete den- feroen Geist, wie der jetzige ArbeitSkammergesetzentwurf. Er war auch eine Maßnahme zur Förderung der gelben Gewerkschaften.(Zuslumnung bei den Sozialdemokraten.) Nun haben einige Interessenvertretungen der Unternehmer den Bor- schlag gemacht, man solle zu den Generalversammlungen der Krankenkassen Unternehmer und Arbeiter in gleicher Zahl zulassen. Der Borsitzende soll ein staatlicher Beamter sein. Es sollen also die Krankenkassen genau so organisiert werden wie die Betriebskaffen. Dem- gegenüber möchte ich doch in aller Kürze feststellen, daß in den Betriebs- kassen sich die allergrößten Mißstände herausgebildet haben und zwar nur deshalb, weil die Arbeiter bei ihnen nicht in der Lage find, ihre Interessen genügend wahrzunehmen. In den Berichten der Arbeitersekretäre können Sie Hunderte von Fällen finden, in denen Enffcheidungen der Aufsichtsbehörden darüber herbeigeführt wurden, daß erkrankten Arbeitern gegen die Absicht des Gesetzes ihr Krankengeld verweigert worden war.(HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Und wie werden die Arbeiter erst vor den Berufsgenosfenschaftcn behandelt I Ich könnte Ihnen zahllose Einzelfälle mit Namen vorführen, aus denen hervorgeht, mit welcher Brutalität, Schinderei und Quälerei die Arbeiter behandelt worden sind.(Zurufe rechts.) Wenn Sie es wünschen, will ich Ihnen die Fälle namhaft machen, aber ich glaube mit Rücksicht auf die Zeil davon Abstand nehmen zu können. Wem, die Herren gewillt wären, der Wahrheit einigermaßen Rechnung zu tragen, so wäre ja schon längst vieles besser.' Die Be- russgenossenichasten ziehen, ehe sie die Reute feststellen, den Arbeiter Monate und Monate hin. Je später sie die Rente festsetzen, desto weiter könnte ja zu ihrem Vorteil der HeilungSprozeß vorgeschritten sein. Manche Berufsgenoffenschaften stellen dann den Arbeitern den Bescheid nicht nach ihrer Wohnung, sonderu nach ihrer Arbeitsstelle zu und lassen sie dann gleich mitten in der Arbeit einen Schein unterschreiben, daß sie mit der Renten- f e st s e tz u n g einverstanden sind.(Hört! hört I b. d. Soz.) In Braunlchweig ist das vielfach Sitte, und auch im Berichte de? Arbeitersekrelariats Brandenburg finden Sie solche Fälle aufgeführt. Einen Fall will ich Ihnen ganz kurz vortragen, um zu zeigen, in welcher Weise verunglückte Arbeiter behandelt werden, nicht von einer xbeliebigen Berufsgenossenschast, sondern von einem Kam« munalbeamtenverband mit einem Landeshaupt- mann an der Spitze, ein Fall, der zugleich zeigt. wie die Schiedsgerichte Recht sprechen. Am 23. November 1905 verunglückte ein Arbeiter in einem kommunalen Steinbruch. Der LandeSbauptinann wies seinen Rentenanspruch ab, weil nach seiner Anffaffung die anderen Arbeiter von einen, Betriebsunfall gar nichts gesehen hätten. Der Arbeiter wandte sich an das Schiedsgericht und stellte unter Beweis, daß seine Mitarbeiter Zeugen des Unfalls gewesen keien. Das SchiedS- gericht aber wies ohne jede weitere Beweiserhebung seine Klage ab. da nach den Zeugenaussagen eS kaum wahr- scheinlich sei. daß überhaupt ein Unfall vorläge. Unter Zeugenaussagen verstand also daS Schiedsgericht die Privatunterhaltungen eines Abgesandten des Landeshauptmanns mit den anderen Arbeitern. Erst daS Reichsversicherungsamt vernahm die Zeugen eidlich, und nun wurde sofort ein Betriebsunfall festgestellt und dem Manne am 23. Juni lSl)7 die Bollrente zugesprochen. Inzwischen ivaren aber fast zwei Jahre vergangen und der arme Teufel ins größte Elend geraten.(Hört! HörtI bei den Soziald.) Der Landeshauptmann zahlte übrigens für die Berufsgenossenschast die Rente erst am k». Oktober aus, nachdem der Arbeiter sich noch einmal hatte beim Reichsversicherungs- amt beschweren müssen.(Hört I Hört I bei den Soziald.) So rück- sichtölos und anmenschlich behandelt selbst eine Berufsgenossenschast, an deren Spitze ein hober Beamter steht, die Arbeiter, die um ihre Rente kämpfen. Unendlich aber ist die Quälerei und Schikaniererei der Arbeiter, die zwar eine Rente bekommen, bei denen aber die Berufsgenossenschast glaubt, sie herabsetzen zu können. Sie werden von Arzt zu Arzt gejagt, bis ihnen ein so- genannter Vertrauensarzt bescheinigt, daß sich der Zustand gebessert habe. Durch öffentliche Milteilmigen deS Professors Lennerhoss ist bekannt geworden, daß die Berussgenosse»- schaften den Aerzten dabei gleichzeitig Aussagen von Polizisten und Bürgermeistern mitschicken, daß der zu untersuchende Arbeiter jetzt mehr Lohn verdiene, waS sich natürlich gar nicht kontrollieren laßt. und daß eine weitgehende Gewöhnung an die Unfallfolgen eingetreten zu sein scheine. Darin liegt natürlich eine starke Beeinflussung deS Gutachters.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Aber selbst wenn der A r z r f e st st e l l e n muß, daß sich an dem Zustande nichts geändert hat, selbst dann teilt die BerufSgenossen- Ichaft dem Arbctter mit, daß sich nach dem Gutachren des Professors Soundso sein Zustand gebessert habe und seine Rente gekürzt werden müsse.(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) ES ist einfach skandalös. wie hier gutgläubige Arbeiter uui ihr Recht beschwindelt werden.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Wie kann da die angeblich unparteiische Regierung mit gutem Gewissen behaupten, daß bei den BerufSgeuossenschaften alles in bester Ordnung sei. Aber der Präsident des ReichsveisiwerungSamteS hält eS ja für angemessen, zu den Festessen der Berufs- genossenschaften umherzufahren und dort Reden zu halren über die Vortrefflichkeit der sozialen Fürsorge für die Arbeiter. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) So sagte er beim Fest- essen der Seeberufsgenossenschaft:.Der gute tat- kräftige Geist, der durch die Verwaltung der Seeberufs» ge nossenschaft zieht,(Der sogenannte freisinnige Abg. Heckscher ruft: Sehr w a h r 1) ist vom Reichsversicherungs- amt stets anerkannt worden.(Heckscher: Bravo!) In der Seeberufsgenossenschafl hat stets der richtige Mann am richtigen Fleck gestanden.(Mudgau und Hcckscher: Bravo! Bravo!) De» Vorsitz führt ein temperamentvoller, weitblickender Unternehmer F. Ferdinand L e i s.*(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Aber Herr Hecklcher. warum rufen Sie denn jetzt nicht: Sehr richtig?(Abg. Heckichcr: Ich rufe eS ja I) Dann löuiien Sie mir vielleicht sagen, Herr Heckscher, ob zu diesen richtigen Männern am richtigen Fleck auch der Reeder Adolf Schiff aus Elbing gehörte, der im Jahre 1832 an einen seiner Kapitäne schrieb:„Zwei meiner Schisse sind mir jetzt total verloren gegangen und ich freue mich, daß ich die Assckuranzgelder ein- geheimst habe. Leider ist dabei die Mannschaft gerettet worden. lStürmische Hört! hör,!-Rufe und lebhafte Bewegung bei den Sozial- demokraten.— Abg. Hcckscher: Olle Kamellen!) Ich hätte keinen Grund gehab», diese ollen Kamellen wieder aufznrühren. wenn nicht Herr Dr. Kauffmann gerade Herrn F. Ferdinand Leis gefeiert hätte, der als Borsitzender der See- lierufsgeiiossenschaft am 8. Februar L896 schrieb:.Die Unfall- verbütungsvorschriften habe» weniger einen direkten fach- lichen Zweck, alsdaß sie dazu dienen, die Behörden und das Publikum zu beruhigen, wie vortrefflich in der Seeberufsgenossenschast alles geregett ist. Bon diesem Gcsichlopuuktr ans sollten wir jede auftauchende Frage durch eine UnfallverhütungS- Vorschrift zu lösen suchen, je harmloser, desto besser. AUindus vult decipl! (Die Welt will betrogen sein.)" lStürmische Hört I hört I- Rufe bei den Sozialdemokraten.-- Abg. Heckscher: Ach loa 5!) Eine solche'Aeußerung zeigt, daß gerade dieser Vorsitzende der Seeberufsgenossenschaft jeder Spur menschlichen Gefühls bar war (Abg. Heckscher: O h o!) und daß der Abg. Heckscher ihn der- teidigt und ihm huldigt, daS zeigt mir nur. daß derselbe Geist in bezng auf die Arbeiterfürsorge in den sogenannten liberalen Parteien herrscht.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten. Abg. Heckscher: Oho!) Die Haltung des Abg. Heckscher— wir kennen ja den Blockjüngling auS dem„Berliner Tageblatt"— wundert mich auch nicht, denn jeder betätigt sich eben für die Leute, die»hn bez..- na. Sie wissen j a.(Große Heiterkeit und lebhafter Beifall bei den Sozial- demokraten.) Ich will Ihnen aber doch mitteilen, wie die Verhältnisse bei der Sceberufsgenossenschaft sich von der Seite der Arbeiter auS ansehen. Wie die Dinge in Wahrheit liegen, mögen folgende Zahlen beweisen, die die Arbeiter über die Berhäll- nisse in der Seeberufsgeiiosseuschaft aufgestellt haben. Danach sind vom Jahre l8ng bis zum Jahre 130t in deutschen Schiffs» betrieben 380 190 Unfälle vorgekommen, darunter 23910 Ver- letzungen, 7150 Todesfälle und Selbstmorde. Auf das Jahr 1899 entfallen 1352 Unfälle, auf das Jahr 1991 3185 Unfälle.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Todesfälle kamen 1899 993 und 1904 2901 vor.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Auf einem Kongreß der Arbeiter wurden diese Zahlen eine erschreckende Statistik genannt, die eine schwere An- klage gegen die Urheber dieses schandbaren Systems bedeute. Nun mit wenigen Worten zur Invalidenversicherung. Die Verwaltung der Jnbaiidenbersicherung hat sich als bollständig den Arbcstcr« interessen entgegengesetzt erwiesen. Es ist bezeichnend für sie, daß die Behandlung der Invaliden in dem Augenblick umschlug, in dem von oben herab dekretiert wurde: So geht es nicht weiter, wir haben zu viel Invaliden. Da auf einmal setzte eine andere Behandlung der Invaliden ein und die Zahl der Jnvalidcncmpfänger geht von Jahr zu Jahr zurück.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Was ergibt sich daraus? Entweder war die Praxis vorher oder nachher falsch. Entweder gewährte man vorher zu viel Renten oder man bewilligt jetzt zu wenig. Das Urteil aller Personen, die mit der Invaliden- Versicherung zu tun haben, geht nun dahin, daß die Renten- empfänger jetzt in einer geradezu unerhörten Weise behandelt werden. Selbst ein Arzt hat das zugeben müssen und erklärt, daß die Erlangung einer Rente auch bei wirklich Schwachen und Elenden heute allzu sehr erschwert sei.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das Verfahren, wie eS heute beliebt wird, spottet in der Tat auch aller Beschreibung. Da werden eines schönen Tages 50 und noch mehr Rentenempfänger vorgeladen und engroS untersucht. Und dann bestimmt der Vertrauensarzt, daß so und so viel Leute nicht oder nicht mehr erwerbsunfähig sind. Das geschieht im Handumdrehen, trotzdem diese Abschätzung selbst nach Angaben von Aerzten außerordentlich schwierig ist. Ich möchte den Minister gelegentlich der bevorstehenden Reform unserer Arbeiterversichcrung dringend bitten, gerade diese schlimmsten Mißstände zu beseitigen und wenigstens den Aermsten einige Er- leichtcrungcn zu gewähren. Hier sollte die Reform einsetzen. Ich komme nun noch zur Acrztefrage, der wir eS ja zu ver- danken haben, daß die ganze Oeffentlichkeit gegen die Kranken- kassenvorftände scharf gemacht wurde. Dr. M u g d a n hat in der Sitzung vom 23. Januar 1998 hier ausgeführt, daß der Kampf mit den Aerzten daraus entstanden fei, weil meine Partei- genossen es absolut ablehnten, mit der Organisation der Aerzte zu verhandeln.(Sehr richtig I bei den Freisinnigen. Zuruf bei den Sozialdemokraten: Sehr unrichtig!) Dr. Mugdan sagte weiter, der Streit um die freie Acrztewahl sei nichts anderes als der Streit darum, ob die Krankenkasse mit dem einzelnen Arzt oder mit der Organisation Verträge abschließen sollte. Das hat Dr. Mugdan gesagt, obgleich er genau wußte, daß eS mit der Wahrheit nicht übereinstimmt. (Große Unruhe bei den Freisinnigen. Dr. Mugdan begibt sich unter der Heiterkeit des Hauses zum Vizepräsidenten Dr. Paafche und macht ihn auf die Aeußcrung aufmerksam. Dr. Paaschs macht jedoch eine abwehrende Handbewegung und lehnt ein Eingreifen ab. Dr. Mugdan begibt sich wieder auf seinen Platz. Stürmische Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Ich will nicht bestreiten, daß einzelne Kassenvorftände eS abgelehnt haben mögen, mit Aerzten zu verhandeln. Aber weshalb? Weil die Kranken- kassenvorftände genau wußten, daß es sich bei den Verhandlungen mit den Aerzten oder besser mit der Aerzteorganisation nicht um ein„Verhandeln" dreht, nicht darum, einen Ausgleich zu finden, sondern daß die Aerzteorganisation einfach die Bedingungen fest seht. WeShalb sträuben sich nun die Krankenkassenvorstände gegen die freie Aerztewahl? ES wäre falsch, anzunehmen, daß die Arb>.iter prin- zipielle Gegner der freien Aerztewahl sind. Die Arbeiter haben sich vielmehr früher für die freie Aerztewahl ausgesprochen, und die Aerzte bei der Erfüllung dieser Forderung in jeder Weise unterstützt. WaS hat sich aber bei der Durchführung der freien Aerztewahl gezeigt? ES mögen Fehler hüben wie drüben vorgekommen sein, auch die Arbeiter mögen sich schwerer Fehler in bezug auf die Bezahlung und Behandlung der Aerzte schuldig gemacht haben. Ich halte es auch für ganz etwas Selbst- verständliches, daß die Aerzte sich zusammentun mutzten und eS nicht dem einzelnen überlassen konnten, die Verhandlungen mit den Krankenkassen zu führen. Aber die freie Arztwahl hat zu den allerschwersten Mißständen geführt. Zunächst wurden die Kosten sehr hoch, freilich stehe ich auf dem Standpunkt, daß eS unter allen Umständen Aufgabe der Krankenkassen ist, die für die Durchführung eines richtigen ArztfystemS notwendigen Kosten aufzubringen D i c Arztfrage darf keine Geldfrage sein. Die Kranken- kassen können und müssen so viele Aerzte anstellen, als sie brauchen. Wenn die Aerzte sich darüber einig sind, daß in einem bestimmten Falle etwa zehn Aerzte zu wenig sind, sondern daß es 12 oder 29 sein müssen, so ist das eine Frage, über die sich reden läßt. Ebenso läßt sich darüber reden, ob das Honorar für die einzelne Leistung zu erhöhen ist. Wenn aber einer Krankenkasse gesagt wird, du sollst nicht nur für die Aerzte sorgen, die du brauchst, du brauchst zwar yur 19 Aerzte, wir haben in der Stadt aber 39 Aerzte, und deswegen mutzt du 39 Aerzte bezahlen, so muß man doch fragen, wö da die Grenze sst. Mag man die Bezahlung der Einzelleistung auch noch so hoch schrauben, bei diesem System wird immer der Arzt, welcher nur wenige Kranke hat, dem Elend verfallen, wenn er sonst keine Einkünfte hat. Und deshalb gibt eS bei diesem System für die Kasse überhaupt keine finanzielle Grenze. Auch bei der Behandlung der Kranken haben sich bei der freien Arztwahl schwere Mißstände herausgestellt. Man denkt bei der freien Arzt- wähl immer, der Arbeiter könne jeden Arzt in Anspruch nehmen. DaS ist aber nicht der Fall. Man versteht darunter nur, daß eS jedem Arzt freistehen soll, zu behandeln, nicht aber dem Kranken, jeden Arzt in Anspruch zu nehmen. Auch von ärztlicher Seite ist darauf hingewiesen, daß bei diesem System einige Aerzte sehr viel, andere sehr wenig in Anspruch genommen werden, so daß der Arzt, der viel in Anspruch genommen wird, gar nicht imstande ist. die Patienten richtig zu behandeln. Aus allen diesen Gründen sind die Kassenvorftände dazu gekommen, nicht etwa die freie Arztwahl grundsätzlich abzulehnen, sondern sie stehen auf dem Standpunkt, daß die Frage von Fall zu Fall zu ent cheiden i st und sich nach den gegebenen Verhältnissen einer Kasse richten muß; sie hoben sich deshalb dagegen gewehrt, daß ihnen die Pistole auf die Brust gesetzt und gesagt wird, die freie Arztwahl muß unter allen Umständen durchgeführt werden. Ich hoffe, dah die Ver- Handlung zwischen den Kasscnvorständen und Aerzten, dte jetzt im Gange sind, zu einem guten Erfolge führen. Ich bin weit davon entfernt, die Stellung zwischen den Aerzten und Kassen mit der zwischen Arbeiter und Fabrikherr zu vergleichen. Die Arbeiter haben ein Interesse daran, die Aerzte nach jeder Seite hin zu befriedige u. einen Aerzte st and zu haben, der mit Freuden seinem Berufe nach- k o m m(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Mit zwei Worten will ich jetzt noch auf einige Aeutzerungen zurückkommen. die in der vorhergehenden Debatte gemacht sind. Ich wende mich zunächst an den Bundesratsvertreter von Elsaß-Lothringen, der sich bemüßigt fühlte, die Gewerbeinspektion in Elsaß-Lothringen zu rechtfertigen. Er hat uns die Zahl der Gewerbeaufsichtsbeamtcn cui- geführt und gezeigt, wie sie großer und größer geworden ist, und wie sie sich auS kleinen Anfängen entwickelt hat. Wäre er noch etwas weiter zurückgegangen, so wäre er auf eine Zeit gekommen, wo noch gar keine GcwcrbeaufsichtSbeamten vorhanden waren, und er hätte dann zeigen können, wie die Gewcrbcinfpektion aus dem Nichts entstanden ist.(Heiterkeit.) Er hat uns aber nicht gezeigt, was das Wichtigste ist, nämlich daS Verhältnis der Gewerbe» aufsichtsbeamten zu den Betrieben. Ich will das deshalb nachholen. In dem Bericht von 1992 wird angeführt, daß die Fabriken und die den Fabriken gleichgestellten Anlagen durch- schnittlich nur alle vier Jahre einmal besucht werden. Sollen auch die Handwerksbetriebe mit besucht werden, so wird jeder Betrieb durchschnittlich nur alle sechs Jahre einmal besucht. Diese seltenen Revisionen haben den Ucbelstand— so sagt der Fabrikinspektor— daß unsere Arbeit häufig ganz verloren geht. Wir finden bei der nächsten Revision neue Betriebsleiter vor, die von unseren Ab- machungen nichts wissen. Im Jahre 1993 sagte der Gewerbe- inspektor:„Die Anzahl der Revisionen hat wie im Vorjahre eine merkliche Abnahme erfahre n." (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dies fällt um so mehr ins Gewicht, als die Zahl der Fabriken überhaupt abgenommen hat. Im Jahre 1904 wird mitgeteilt, daß nur 19.3 Proz. der re- bisilM?psI?chttg«n Veiriebe besucht töurben. ES heißt dabei, die Zabl der Besuche ist in den letzten Jahren infolge der ver° rnchrtcn Bureauarbeiten zurückgegangen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Im Jahre I90S heißt c6: „Während im Vorjahre 19,8 Proz. der rcvisionspflichtigen Betriebe besucht wurden, konnten in diesem Jahre nur 18,2 Proz. besucht werden." Und im letzten Jahre mutz gesagt werden, datz nur 14,4 Proz. der Betriebe besucht werden konnten.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Während es also nach den Angaben des RegierungsvertretcrS erscheint, als ob eine Besserung eingetreten ist. ist in Wahrheit eine Verschlechterung eingetreten. Der Re. gierungsvertreter hat auch darauf hingewiesen, datz die Bürger- meister verpflichtet sind, sich um die Revision der Fabrikbetriebe zu kümmern. Bei einer Gerichtsverhandlung gelegentlich eines Unglücksfalles wurde aber festgestellt, datz der Bürgermeister seit einer Reihe von Jahren den Betrieb nicht betreten hatte, und datz er die Formulare, die er hätte ausfüllen müssen, einfach in die Fabrik geschickt und von dem Betriebsleiter hat ausfüllen lassen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Unsere Vorwürse waren also in jeder Richtung gerechtfertigt.(Zustimmung bei den Sozial- dcmokratcn.) Der Herr Staatssekretär hat sich in seiner Rede auch mit den Arbeitskammern beschäftigt, und hat bedauert, datz der Entwurf von unserer Seite, wie er sagte, in Grund und Boden verurteilt wurde. Die Tatsache ist ja richtig, aber der Herr Staats- sekretär wird mir zugeben, datz wir uns bemüht haben, den Entwurf sachlich zu prüfen, und datz wir zu einer a b- lehnenden Stellung deshalb gekommen sind, weil wir die Bestimmima-n des Entwurfes als arbeiterfeindlich bezeichnen müssen. Ich verweise zunächst auf die berufliche Gliedc- rung, die in dem EntWurfe vorgeschlagen ist; an den Handels- kammern hat der Herr Staatssekretär ein Vorbild, wie die Gliede» rung nach Bezirken geschehen kann, ohne die Berufsinteressen zu vernachlässigen. Die besonderen Berufsintercssen können gar nicht von den lokalen Interessen losgelöst werden. ES ist ja bekannt, daß die Arbeiterverhältnisse in dem einen Gewerbe einen Einfluß auf die Arbeiterverhältnisse eines anderen Kreises in dem ganzen Bezirk ausüben. Auch gibt es Interessen, welche alle Arbeiter an- gehen, für die also auch eine Instanz vorgesehen sein müßte. Es ginge sehr wohl, es auch anders zu machen, und die Organisation nach Bezirken vorzunehmen, und es mutz daS gehen, weil sonst die Tätigkeit der Arbeitskammern unfruchtbar bleiben wird.(Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) DaS ist aber für unS nicht das Entscheidende. Die Hauptsache ist noch etwas anderes. Der Herr Staatssekretär sagte ja selbst, datz eine solche Organisation an sich noch gar nichts nützt, der Gesetzgeber könne nur die Form schaffen, die dann mit dem richtigen Geist erfüllt werden müsse. Dann aber mutz man doch den Arbeitern die Möglichkeit geben, den richtigen Geist hineinzubringen. Wenn Sie die Arbeiter ab- schließen, so verurteilen Sie die Organisation von vornherein zur Unfruchtbarkeit. Sollen die Arbeiter den richtigen Geist hinein. bringen, so müssen Sie ihnen ein geheimes, allgemeines Wahlrecht gewahren.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Jeder, der den Herrn Staatssekretär hörte, hat wohl den Eindruck bekommen, der Herr Staatssekretär meint es aufrichtig. Er glaubt wirklich, das von ihm vorgeschlagene Wahlrecht ermögliche rö den Arbeitern, die Männer ihres Vertrauens hineinzubringen. Die Arbeiter aber, die den Staatssekretär nicht gesehen haben. müssen glauben, daß sie geradezu verhöhnt werden sollten.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wie kann man von den Arbeitern Vertrauen verlangen, wenn man gegen sie so mißtrauisch ist, so von dem engsten, kleinlich. ftcn Polizeigeist beseelt.(Sehr richtig! bei den Sozialdcmo- traten.) Wollen Sie mit einer solchen Organisation den Anfang machen, so ist eine freie Wahl der Arbeitervcrtretcr unerläßlich. Die Arbeiter müssen dann auch in der Lage sein. die Männer ihres Vertrauens zu wählen, die aus der Fabrik herausgegangen sind, die an der Spitze der Gewerkschaften stehen, aber doch eben schlichte Leute aus der Werkstatt sind.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wenn diese ausgeschlossen werden, können Sie sich nicht wundern, datz die Arbeiter sagen, diese Maßnahmen sind gegen die Arbeiter gerichtet, sie sind ein- geführt, um die Stimmen der Arbeiter zu unterdrücken. Nun hat der Staatssekretär auf die Schwierigkeit der Regelung der Kostcnfrage hingewiesen. Ich verstehe nicht, daß eS keinen Ge- hcimrai gegeben hat, der ihm diese Weisheit verraten hätte.(Heiter- teit bei den Sozialdemokraten.) Auch der letzte Arbeiter hätte dem Staatssekretär sagen können, datz die Arbeitskammern auf die Be- seitigung bestehender Mißstände hinarbeiten sollen und deshalb eine im Dienste der Allgemeinheit wichtige Funktion ausüben. Dann aber sollte auch die Gesamtheit die Kosten tragen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.�) Das wird natürlich für un- möglich gehalten, weil man es für ein Staatsverbrechen anstchr, wenn ein paar tausend Mark vom Militari S- mus oder MariniSmuS gestrichen we rden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Für die Arbeiter ist eben kein Geld da. Auf das, was der Abgeordnete v. Dirksen über die Ver- Wendung der Beiträge der freien Gewerkschaften gesagt hat, gehe ich nicht ein. Das ist schon zu oft widerlegt worden, und eS ist Sache des persönlichen Geschmacks, ob man es jetzt noch einmal für nötig hält. Rur eines möchte ich richtigstellen. Herr v. Dirksen hat hier so geheimnisvoll getan, als er die Zahlen über die Tätig» keit der Verwaltungsstelle Hamburg des Deut» schen Metallarbeitcrverbandcs vortrug. Er tat so, als ob er damit eine große Enthüllung gemacht habe. In Wahr- heit liegen die Dinge so. datz die Zahlen dem gedruckten Geschäfts- bericht für 1997 entnommen worden sind, den jedes Mitglied zugestellt erhält.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) In dieser Abrechnung ist als Gehälter die Summe von SS 890 M. eingesetzt, die auf 17 Beamte entfallen. Auf jeden Beamten entfallen also durchschnittlich 2999 M. pro Jahr. Nun möge Herr v. Dirksen einmal die Arbeit die er leistet, und das Einkommen, das er bekommt, mit diesem Gehalt und der Tätigkeit dieser 17 Beamten vergleichen, und ich möchte wirklich wissen, ob er dann noch seine Behauptung von der Vergeudung der A r b e i tc r g r o s ch c n aufrecht er» hält.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Ausführungen des Herrn v. Dirksen waren bezeichnend für die Stellung der bürgerlichen Parteien gegenüber der Sozialpolitik. Wenn es nach den Herren gehen würde, würden die Arbeiter in den allertraurig. sten Verhältnissen niedergehalten werden. Das beweist die ganze Geschichte der Arbeitcrgesehgebung. Und so erklärt cS sich auch, daß alle Vorlagen aus dem Gebiete der Sozialpolitik, die in letzter Zeit gekommen sind, nichts anderes waren, als Nachahmungen von Anregungen, die wir schon vor Jahrzehnten gegeben haben. Ge. freut hat es mich, datz der Herr Staatssekretär bei einer Bemer. kung: er wolle nicht immer Männer haben, die stets nein sagen, auf einen Zuruf auö unseren Reihen ausdrücklich feststellte, datz er uns damit nicht gemeint habe. Ich habe es ihm allerdings nach- gefühlt, datz er in demselben Augenblick, wo er sah. daß alles. was er als Regierungstaten vorweisen konnte, auf Anregungen von uns beruhte, unmöglich behaupten konnte, wir hätten immer nein gesagt. Er mutz sich überzeugt haben, datz gerade wir es sind, die bei jeder Gelegenheit ja gesagt haben.(Lachen rechts.) Wir haben nur nein gesagt bei den Entrechtungen, die die bürgerlichen Parteien an den Arbeitern verübt haben. Wo eS aber galt, wirklich Arbeiterinteressen zu vertreten, haben wir stets positive Arbeit geleistet. Wenn es nach Ihnen ginge, hätten wir noch nicht den ersten Anfang des Arbeitcrschutzes. Wohin jetzt Ihr Bestreben geht, beweisen die großen Kämpfe im Baugewerbe. Durch unsere Blätter haben Sie ja die vertraulichen Verhandlungen der Arbeitgeber kennen grlerm. die darauf hinausgingen, wie man am besten die Arbeiter mürbe machen könne. Glücklicherweise hängt die EntWickelung nicht von Ihnen oh. Sie sind nicht in der Lage, den Vormarsch der Arbeiter zurück- zuhalten. GeEitz bin auch ich der Ansicht, daß die Arbeiker sehr schweren Zeiten entgegengehen, sie werden ihre gewerkschaftlichen und politischen Kampfmittel den neuen Verhältnissen anzupassen haben. Aber sie werden vorwärts marschieren, weil sie vorwärts marschieren müssen. Der Kapitalismus braucht zu seiner Entwicke- lung eine intelligente Arbeiterschaft, die er nicht erhalten kann bei elenden Löhnen und vergewaltigten Arbeiterorganisationen. So entsteht aus der wirtschaftlichen EntWickelung heraus eine entgegen- gesetzte Tendenz, die die Arbeiter vorwärts treibt gegen die Ueber- macht deö Großkapitals. Die Arbeiterschaft wird so an Macht immer mehr zunehmen, bis wir ein Ende machen können mit den heutigen Ausbeutungsverhältnissen, bis die Syndikatswirtschaft abgelöst werden kann von der sozialistischen Wirtschaft. Unser die Welt trotzalledcm!(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär v. Bcthmann-Hollweg: Auf die Frage der Arbeitskammern will ich nicht noch einmal zurückkommen. Ich fürchte, ich würde mich mit dem Herrn Vor- redner doch nicht einigen(Sehr gut! rechts). Der Herr Vorredner hat sich in seinen Ausführungen leider nicht von der Animosität freimachen können, welche in jedem Schritt der Regierung eine Tat der Arbeiterfeindlichkeit erblickt.(Sehr wahr! rechts.) Der Herr Vorredner hat u. a. auch die Festsetzung der Invalidenrenten kriti- stert und hat es bemängelt, datz das Verfahren dabei einer Prüfung unterzogen worden ist und daß das Ergebnis dieser Prüfung eine Verminderung und Zurückziehung von Rentenfestsetzungen gewesen sei. Zu dieser Nachprüfung des Rentenfestsetzungsver» fahrenS war die Reichsregierung verpflichtet, nachdem sie zu der Ueberzeugung gekommen war, datz stellenweise Renten in solchen Fällen gewährt wurden, wo die gesetzlichen Voraussetzungen dazu nicht vorlagen. DaS Nachprüfungsverfahren bei der Rentenfcst. setzung war nicht so oberflächlich, wie es nach den Ausführungen des Abg. Hoch'den Anschein haben konnte. Der Abg. Hoch sagte, datz an einem Tage 99 Leute vor den Landrat geladen worden seien, der summarisch festgesetzt habe, ob ihre Rente berechtigt sei oder nicht, und ein so flüchtiges Verfahren hätte natürlich nur sehr unbefriedigende Ergebnisse liefern können. Er hat sich weiter auf das Gutachten eines Arztes bezogen, der die Wahrnehmung gc- macht haben will, datz nach Stattfinden der Revision eine zu große Strenge in der Festsetzung der Renten eingetreten sei. In der ge- schilderten summarischen Weise ist das Verfahren nicht nachgeprüft worden. Es ist vielmehr so vorgegangen worden, daß ein beamteter Arzt das gesamte Aktenmaterial über die nachzuprüfenden Renten erhielt und am Tage vor dem Termin den Rentenempfänger ärzt- lich genau untersuchte. Am nächsten Tage sind dann bis zu 25 Per- sonen vorgeführt worden und der beamtete Arzt hat dem behau- delnden Arzt und den Personen gegenüber, die bei der Rentcnfest- setzuna mitgewirkt hatten, auSeincmdergesetzt, wie er glaube, den Fall beurteilen zu müssen. DaS war ein durchaus fach- gemäßes und gründliches Verfahren(Sehr wahr! rechts). Der Abg. K a e m p f hat an mich vorgestern die Frage ge- richtet, was infolge der Resolution Ablaß geschehen sei, die den Verlust des Wahlrechts infolge öffentlicher Armenunterstützung betrifft und im Frühjahr vorigen Jähre? vom Reichstag mit Stimmenmehrheit angenommen worden ist. Der Bundesrat hat sie demnächst dem Reichskanzler überwiesen, so'daß ich gegenwärtig mit dieser Angelegenheit beschäftigt bin. Ich kann natürlich nur meine persönliche Ansicht darlegen, da die Bundesregierungen noch nicht in der Lage waren, sich zu äußern. Nach meiner Ansicht ist der Verlust öffentlicher Rechte— es handelt sich nicht nur um das Wahlrecht, sondern auch um den Schössen- und Geschworenendienst— allein durch den Umstand, datz Armenunterstützung gewährt worden ist. n i ch t m e h r in allen Beziehungen mit den gegenwärtigen Auf- fassungen in Ucbereinstimmung zu bringen. Die Art der Gewährung von Armenunterstützungen hat sich im Laufe der Jahre außerordentlich geändert. Auch aus diesem Grunde glaube ich für meine Person, daß man an eine Revision der be» stehenden Bestimmungen herangehen mutz. Ich habe mich einst» weilen mit dem preußischen Minister des Innern in Verbindung gesetzt, um festzustellen, ob der Weg gangbar ist, den die Resolution Ablaß unS vorschlägt. In dieser Resolution wird nämlich aufge- zählt, welche Formen von Armenunterstützung den Verlust bürgerlicher Rechte nach sich haben sollen oder nicht. Die Abgeord- neten D o V e und Stadthagen haben die Verfügung des preußischen Ministers des Innern auf Einführung von Legitim«- tionskarten für ausländische Arbeiter besprochen. Der Vorgang selbst ist wohl bekannt. Die preußische Regierung läßt für auL- ländische Arbeiter besondere AuSweiskarten anfertigen und bedient sich dabei der unter staatlicher Aufsicht stehenden Feldarbeiter- zentrale. Ich möchte ausdrücklich hervorheben, daß die Ausfertigung der Papiere durch die Polizeibehörden und auf deren Verantwortung hin erfolgt und daß sich die Polizeibehörden lediglich der Mitwirkung der Feldarbeiterzentrale bei der Beschaffung der Unterlagen für die AuSweiS- papiere bedient. Die beiden Abgeordneten haben gesagt, datz diese preußische Verfügung rechtlich unzulässig sei, weil sie sich in Widerspruch setze mit den Bestimmungen unserer Handelsverträge und mit Reichs- gefetzen. Ich halte diese Bedenken nicht für z�r- treffend. ES handelt sich bei der Maßnahme deS preußischen Ministers des Innern lediglich um eine sich auf daS Gebiet der Fremdenpolizei beziehende Verordnung. Dieses Gebiet ist durch handelsvertragliche Bestim» mungcn in keiner Weise beschränkt. Die Verfügung hält sich ferner durchaus in den Grenzen, innerhalb deren die preuhische Regierung befugt ist. Verordnungen zu erlassen. Ich kann daher in keiner Weis« zugeben, datz� die Verfügung der preußischen Regierung mit den Handelsverträgen in irgend welchem Widerspruch steht. Es ist ferner bemängelt worden, datz für die Ausfertigung dieser Ausweispapiere eine Gebühr erhoben wird. tch halte eine derartige Gebühr zur Deckung der verschiedenen osten für durchaus gerechtfertigt. Endlich hat der Abg. Stadthagen bemängelt, datz in der Verfügung dem Land- rat die Befugnis zugesprochen wird, in einem Vor- verfahren darüber zu bestimmen, ob das Ausweispapier von dem einen Arbeitgeber auf andere Arbeit geb er umzuschreiben ist. Er hat das einen Eingriff in die richterliche Hoheit des Reiches genannt. Die Eni- fcheidung des Landrats hat zu erfolgen unter Berücksichtigung etwaiger gerichtlicher oder sonstiger Entscheidungen über das Kontraktverhältnis und ist außerdem selbstverständlich nur eine vor- läufige. Was die Bemängelung bezüglich deö Patzwesens anlangt, so kann ich nur betonen, datz der preußische Minister nicht einen Patzzwang eingeführt hat, sondern lediglich ein Ausweispapier für die Uebernahme bestimmter Arbeit. Ich kann deshalb erklären, datz die preußische Verfügung weder mit den Handelsverträgen noch mit den Reichsgesetzen in Widerspruch steht. Ich könnte damit meine Ausführungen schließen, möchte jedoch noch einige allgemeine Bemerkungen machen. Wir sind leider gezwungen, sowohl in der Industrie als vornehmlich in der Landwirtschaft mit einer großen Anzahl von ausländischen Arbeitern zu rechnen, weil die inländische Arbeiterschaft das vor- handcne Bedürfnis nicht deckt. ES ist im Laufe der Debatte gesagt worden, die Unternehmer hätten ein Interesse an ausländischen Arbeitskräften, da diese aus den Lohn drückten. Das ist durchaus unrichtig.(Zustimmung rechts.) Wir be- grüßen jeden fremden Arbeiter, d e r s i ch unseren Gesetzen fügt. Aber auf der anderen Seite ist der preußische Staat e n t- schloffen und bereit, olle Bestrebungen zu unter. stützen, welche darauf gerichtet sind, die Schaffung eines inländischen Arbeiterstandcs für die Landwirtschaft als auch fiir die Industrie in jeder Weise zu fördern.(Beifall rechts.) Ich halte dies für eine der Lebensfragen unseres Staates.(Erneuter Beifall rechts.) Vom kaufmännischen Standpunkt könnte man vielleicht meinen, mit ausländischen Saisonarbeitern billiger wegzukommen. Aber selbst das halte ich nicht für durchschlagend, denn die Landwirtschast hat das größte. Interesse an der Erhaltimg eines kräftigen inländischen Arbeiter« standes.(Sehr richtig! rechts.) Die in Preußen ergriffene Matz- regel soll wesentlich dazu dienen, die Leute, die zu uns kommen, für eine längere Zeit an den Arbeitsort zu halten und einen Kontraktbruch möglich st zu verhindern. Die Bestimmung, datz die a u s l ä n d i s ch c n Arbeiter sich an den L a n d r a t z u n ä ch st wenden müssen, damit dieser entscheidet, ob sie Grund haben, ihr Arbeits- Verhältnis zu ändern, halte ich für sehr gut. Herr v. G a m p hat mit der Zunahme deS Personals bei uns einen wunden Punkt berührt. Als im vorigen Herbst der englische Minister John Burns mich mit seinem Besuche be- ehrte, sagte er mir, was ihm am meisten in Deutschland auffiele. wären die Unzahl von Reglements und die Unzahl von Beamten und die weiteren Bemerkungen, die er daran knüpfte, zeugten eigentlich nicht dafür, datz er große Sympathie für diese unsere Ver- Hältnisse hätte. Wir sind tatsächlich, wie ich fürchte, bei einem Zustande angelangt, der eine derartige Ver- slärkung unseres Beamte nkörperS nach den ver- schieden sten Richtungen fordert, datz man hier und da bedenklich werden kann. Dies auszusprechen ist ja für einen Staatssekretär des Innern gefährlich, denn ich höre schon im voraus die Kritik, welche mir vorwerfen wird, nun würde die soziale Politik überhaupt Halt machen, denn ich hätte Angst vor zuviel Beamten. Ich bin deshalb Herrn Naumann zu bc- f o n d e r e m Danke für die Ausführungen verpflichtet, welche er neulich anläßlich der Heimarbeiternovelle hier gemacht hat. Es waren Ausführungen, die mir zum übergroßen Teil aus der Seele gesprochen waren. Er hat, wie ich glaube, sehr zu- treffend appelliert von der Fülle der dürren Para» g r a p h e n und von dem Heer der die Ausführung dieser Paragraphen kontrollierenden Be- a m t c n an den Menschen wie er leibt und lebt, an die Gesinnung des Menschen. Gerade diesen Gesichtspunkt, den wir bei unserer ?esamten Verwaltung vielleicht etwas mehr ins Auge fassen sollten, at Herr Naumann in sehr klarer und schöner Weise zum AuS- druck gebracht— Herr G a m p hat dann weiter die Zunahme der statistischen Arbeiten bemängelt. Ich weise darauf hin, datz seit 1992, seit der großen Handwerkcrenquete eine ganze Reihe weiterer Enqueten vom Reichstag verlangt worden sind und datz auch in dieser Session wieder eine ganze Reihe von Resolutionen statistische Erhebungen wünschen. Herr Gamp selbst hat ebenfalls gestern wieder eine neue statistische Erhebung verlangt. (Heiterkeit.) Ich mutz nun noch kurz auf die Frage der Kartelle eingehen. Die Resolution Spahn lief hinaus auf eine staatliche Ueberwachung und eine gesetzliche Auskunftspflicht der Kartelle. Die Kartellenquete, deren Ergebnis von verschiedenen Rednern als durchaus negativ bezeichnet worden ist, ist veranlaßt worden durch eine Resolution Gröber im Jahre 1999 und man wird jedenfalls zugeben müssen, datz sie mit großer Gründlichkeit und Unpartei- lichkeit geführt worden ist. Ich bitte auch, nicht zu übersehen, daß das Gesamtergebnis der Enquete in den stenographischen Berichten über die kontradiktorischen Verhandlungen und in der Denkschrift nicht Raum gefunden hat. Es sind außerdem noch Dinge zur Sprache gekommen, Mitteilungen gemacht worden, zu deren Ver- öffentlichung sich das Reichsamt deS Innern nicht ohne weiteres kompetent hielt. Man wird doch auch den Kartellen das Recht auf die Wahrung eines gewissen Geschäftsgeheimnisses zugestehen müssen, sonst hört überhaupt jeder geschäftliche Betrieb der Kar- tclle auf. Die Mitteilungen, die uns so nebenher gemacht worden sind, sind aber vom Reichsamt deS Innern durchaus benutzt worden, und sie haben dahin geführt, datz in wiederholten Fällen sich das Reichsamt deS Innern mit Kartellen über bestimmte Fragen m Beziehung gesetzt hat. Ich darf auch konstatieren, datz diese Ver- Handlungen in manchen Fällen dazu geführt haben, datz die Kar- telle ihre Absichten einer nochmaligen Prüfung unterzogen haben. Wollte man alle diese Mitteilungen publizieren, so würde daS auch eine ungünstige Einwirkung auf unsere Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt ausüben. Ich bin deshalb der Ansicht, datz man eS sich sehr gründlich überlegen sollte, ob man durch gesetzliche Bor- schriften auf di« Berhältnisse der Kartelle unmittelbar einwirken soll. Es ist unzweifelhaft, daß eine derartige Einwirkung sich nicht speziell beschränkt auf die Verhältnisse der betreffenden Kartelle, sondern einen großen Einfluß ausübt auf daS gesamte Erwerbs- leben. Nur solche Mahnahmen sind zu treffen, welche die Sicher- heit bieten, datz wir tatsächlich zu einer Besserung gelangen. In der Resolution Spahn wird ein AuflichtSamt vorgeschlagen in einer gewissen Analogie mit dem AufsichtSamt für Privat- Versicherung. Zwischen ihnen und den Kartellen ist aber doch ein gewisser Unterschied. Die Privatversicherungen haben es mit einem ganz abgegrenzten Geschäftskreis zu tun, sie werden nach cinheit« licher Norm dirigiert und daher können für sie auch einheitliche AufsichtSbcstimmungen getroffen werden. Di« Kartelle aber wachsen aus der Gesamtheit unserer ProduktionSbedingungen her- vor und sind in ihren Rechtsformen und in ihrer Geschäftstätigkeit durchaus voneinander verschieden. Nun ist gestern und auch heute wieder vom Abg. Hoch auf amerikanische Verhält- n i s s c Bezug genommen und Graf K a n i tz hat meiner Ansicht nach zutreffend auf die Kühnheit des Präsidenten R o o s e v c l t hingewiesen, mit der er den Auswüchsen der Kar- telle zu Leibe geht. Aber die Grundlage der amerika- nischcn Kartelle ist eine ganz andere als die der deutschen. Charakteristisch ist in dieser Hinsicht, was vor kurzer Zeit auf einer Versammlung in Amerika beschlossen wurde, an der maßgebende Parlamentarier, Beamte, Vertreter der Industrien, kurz aller der Kreise, die an den Kartellen interessiert sind, teil- genommen haben. DaS Ergebnis der langwierigen Verhandlungen sind Resolutionen gewesen, die hinauslaufen auf die Herstellung deS ZustandeS, den wir in Deutschland bereits haben. Man ver. langte nämlich, daß die Eisenbahnen verstaatlicht werden oder doch einer starken Einwirkung des Staate? unterworfen werden, und man verlangte zweitens, datz die Gesellschaften einer Publizität unterworfen werden, etwa wie die Aktiengesellschaften bei uns. Die Gefahren der Kartelle erblickte man hauptsächlich darin, datz die großen Erwerbsgesellschaften mit den Eisenbahnen verknüpft sind, und in dem Mangel einer öffentlichen Kontrollq. Beides ist bei uns anders. Ferner find die Kartelle in Amerika eine große politische Macht, während sie bei unS politische Macht nicht haben. (Sehr wahr! und Widerspruch.) Es ist sehr wohl denkbar, datz die Regierung eine strengere Aufsicht über die Kartelle führt. Ich weiß aber nicht, ob der Weg der Resolution gangbar ist, möchte mich daher auch nicht für meine Person entscheiden. Die Rcsolu- tion wird ja unzweifelhaft von der Mehrheit des Reichstages an- genommen werden und ich werde sie dann den verbündeten Regie- rungen vorlegen. Ich bitte aber, sicher zu sein, datz die Reichs- Verwaltung nicht feit gestern und heute, sondern schon feit langer Zeit die große wirtschaftliche und sozialpolitische Bedeutung der Kartelle mit voller Aufmerksamkeit beobachtet, den Ernst der Sach- läge durchaus anerkennt und den dringenden Wunsch hat, wenn die Kartelle über das zulässige Matz hinausgehen sollten, ihnen einen Riegel vorzuschieben. Trotzdem mutz sie bei der wirtschafts- politischen Bedeutung des KartcllwefenS auch auf die Schwierig- leiten aufmerksam machen, welche einer schematischcn Regelung entgegenstehen.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Abg. Dr. Mugdan(frs. Vp.): Die matzkosen Ucbertreibungen des Abg. Hoch waren kguter alte längst bekannte Ladenhüter der Sozialdeuiokratie.(Sehr wahr! bei den Kom'ervalivcn und Nationalliberalcn.) Gleichwohl wird morgen im«Vorwärts- stehen, datz er eine grotzziigige Rede ge- halten und mit Peitschenhieben das Gewissen der bürgerlichen Kreise geweckt hat. Dabei sind seine eigenen Parteigenossen während seiner Rede hinanSgegangen.(Sehr gut! rechts.) Ich stelle nur fest, daß kein Land der Welt auch nur eine» Bruchteil dessen für die Arbeiter ausgibt, was ihnen in Deutschland die Wobltaten deS Staates in der sozialen Versicherung zuführen, und datz die Ber- stcherungsgesetzgebung viel älter ist als die Sozialdemokratie. Ist doch die Krankenversicherung in Deutschlaad alten kirchlichen Ursprunges. Die Behauptung, daß der deutsche Arbeiter entrechtet sei, kann in einem Parlamente des all' gemeinen Wahlrechts nur Lachen machen. Ohne die bürgerlichen Parteien wäre in der Sozialpolitik noch kein Pfifferling geschehen. Die Uebertreibungen und Verdrehungen wirken ja nicht einmal mehr in der Volksverlammlung: die Hälfte ihrer Mandate ist die Sozialdemokratie ja loS.(Sehr gutl beim Block. Ein paar Worte zur Frage der freien Arztwahl. Die Aerzte wollen die freie Arztwahl, weil nur bei ihr die Kassenpatienten ebenso be- handelt werden können, wie andere Patienten, deshalb sollte doch gerade eine Arbeiterpartei dafür sein. Die Borwürfe, die Hoch gegen die Berufsgenoffenschaften gerichtet hat. find auch gegen die Krankenkassenvorstände zu richten. Oft genug wird ein von einem Arzt für krank erklärter Arbeiter vom Kassenbeamten noch zum Ver traue»sarzt der Kasse geschickt, und dieser von der Kasse abhängige Arzt erklärt den Mann natürlich für gesund.(Grohe Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Wie ab hängig die Kassenärzte sind, beweist auch der Umstand, daß bei den sozialdemokratischen Krankenkassen ein Arzt Gefahr läuft, von der Kassenpraxis entfernt zu werden, wenn er irgend etwas sagt was den Kassenvorstand beleidigt, auch wenn er es als Zeuge vor Gericht sagt.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Nennen Sie Namen und Beispiele!) Ich habe den Fall nur konstruiert,(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.); ein Vertrag ist nicht danach zu be- urteilen, ob er Mißstände hervorgerufen hat, sonderu danach, ob er sie hervorrufen kann.(Sehr richtig I rechts.) Herr Hoch hat behauptet, die freie Arztwahl verursache, hohe Kosten; fest steht aber, dafi die freie Arztivahl für die Kasse billiger ist, als das System der fixierten Kassenärzte. Die Aerzte sind für die freie Arztwahl eingetreten nicht des Geldes wegen, sondern der Kranken wegen.(Heiterkeit b. d. Soz.) Wie zwiespältig die Sozialdemokraten sind, zeigt auch der Umstand, dafi sie bei der Interpellation über die Bergarbciterklagen verschwiegen haben, dafi der Hauptwunsch der Bergarbeiter auf die freie Arztwahl hinaus geht.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Damit mag es genug sein über die freie Arzt wähl. Ich wende mich nun zu den Fragen der Arbeiterversicherung, Eine Vereinheitlichung derselben ist dringend notwendig und ich weifi nicht, warum die Regierung bei dieser längst spruchreisen Frage noch zögert. Ebenso notwendig ist aber auch die Reform der Kranken� Versicherung.(Bravo I beim Block.) Abß. Schock(wirtsch. Bg.) befürwortet die Einsetzung einer ständigen Kommission zur Beratung der sozial- politischen Fragen. Sehr erwünscht wäre eS auch, wenn der Bundesrat jedesmal bekannt machen würde. wie er sich zu den Vorschlägen des Beirats für Arbeiterstatistik stellt. Die Einrichtung der Kaufinannsgerichte sollte weiter ausgedehnt werden. Bei allen Wahlen auf Gnind der sozialpolitischen Gesetzgebung sollte das Proportionalwahlsystem eingeführl werden. In bezug aus die Frage, ob Arbeiterkammern oder Arbeitskammern. verweise ich Herrn Hoch auf die früheren Verhandlungen des Reichs tags, in denen seine Partei selbst für Arbeitskammern eintrat.— In der Beurteilung der Ausführungen des Herrn Naumann bin ich mit dem Herrn Staatssekretär einverstanden, ja, ich gehe noch weiter und meine, die Form war das b e st e an seinen Ausführungen. Im übrigen meine ich. sind wir hier nicht zu philosophischen Er' wägungen und Ausrufen an die allgemeine Menschlichkeit, sondern zur praktischen Arbeit.(Bravo I bei der Winschastlichen Bereinigung.) Abg. Neuner(natl.) befürwortet eine Resolution auf tunlichst baldige Vorlegung eines Gesetzentwurfs betr. die Unfallfürsorge bei Arbeiten, welche freiwillig zur Rettung von Personen und zur Bergung von Gegenständen vorgenommen werden, unter besonderer Berücksichiigung der bei solcher Tätigkeit vorkommenden Feuer-, Wasser- und anderen Gefahren. Es handle sich hier um eine offen- bare Lücke in unserem Unfallversicherungsgesetz. Hierauf vertagt sich das Haus. Es folgen persönliche Be- merkungen. Abg. Hoch(Soz.): Herr M u d g a n hat behauptet, ich hätte er- klärt, die Arbeiter seien in allen Fällen gegen die freie Arzt- wähl. Ich habe im Gegenteil nachgewiesen, dafi die Arbeiter unter geloissen Umständen entschieden für die freie Arzt- wähl eintreten. Im übrigen ist eS selbstverständlich, dafi wir dafür eintreten, dafi die Krankenkassen die Aerzte angemessen be- handeln und bezahlen. Abg. Heckscher(frs. Vp.): Herr Hoch hat mir den Vorwurf der Arbeiterfeindlichkeit gemacht. Dieser Vorwurf ist nach jeder Richtung hin eine objektive Unwahrheit. Daher nehme ich an, dafi Herr Hoch es mit einer Unwahrheit nicht allzu tragisch nimmt.(Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Abg. Mugdan(frs. Bp.): Herr Hoch hat behauptet, dafi ich etwas behauptet hätte, was ich gar nicht behauptet habe.(Heiter- keit.) Ich habe nicht behauptet, dafi die Arbeiter gegen die freie Arztwahl sind, sondern die Sozialdemokratie. Das ist für mick nicht dasselbe. Nächste Sitzung: DienStagmittag t Uhr. Interpellationen wegen der Beamtenbesoldungsvorlagen. Fort- setzung der heutigen Debatte. Schluß 6'/z Uhr. Parlamentarisches. Aus der Budgrtkommissiou. (Sitzung vom S. März.) Einziger Beratungsgegenstand ist der Neubau des Reichs- Militärgerichts. Es werden dafür L'/z Millionen angefordert. Es wird im diesjährigen Etat eine erste Rate von einer Million gefordert. Referent Erzberger empfiehlt die Fordenmg zur Annahme. In der Debatte kritisiett Eichhorn die hohen Kosten für Bau- leitung und Architektenhonorar von 174 000 M.. die über 7 Proz. der gesamten Bausumme ausmachen. General Linde bemerkt dem- gegenüber, dafi das Architektenhonorar bei dem ersten Projekt 100 000 M. betragen habe, die Berechnung sei nach dem Hamburger Tarif der Architekten aufgestellt. Noch mehrere Redner finden diese Ausgabe etwas hoch, andere verteidigen fie. N o S k e bedauert, dafi eine Preisausschreibung nicht möglich war. Die Regierung möge bei ihren Bauten mehr die künstlerische Seite berücksichtigen. Nach weiterer kurzer Debatte wird die erste Rate mit 1 Million bewilligt. Nächsten DienStag beginnt die Beratung des Etats für Südwest- Afrika._ Hus Industrie und ftandel. 20 Prozent„Jlse"-Dlvldcnden. Alle Proteste der Konsumenten gegen Brennmaterialien- Verteuerung haben nichts genützt: die Kohlenmagnaten vereinigten sich und zogen die Preisschraube immer fester an. Dabei wurde den Verbrauchern vorgeredet, die Aufschläge seien notwendig als Ausgleich gestiegener Selbstkosten. Jetzt weifi man, was gestiegen ist. ES ist der Gewinn der Unternehmer, die Dividende der Papier- besitzer. Das sind jedenfalls wunderbare Selbstkosten, deren Er- höhung die Prcisaufschläge erforderlich machten. Diese Sorte Selbstkosten— der Reingewinn— hat bei der.,Jlse"-Bergbau- Gesellschaft im letzten Jahre 1 955 751 Mk. betragen. Gegen das Vorjahr stellt sich die Selbstkostensteigerung beim Reingewinn auf 037 49d Mk. gleich 48 Proz. Aber noch eine andere Selbstkosten- steigerung mufi erwähnt werden, die der— Tantiemen. Im vorigen Jahre wurden hierfür 231 555 Mk. aufgewendet, in diesem Jahre sollen es 347 801 Mk. sein, so dafi dieses Sclbstkostenkonto eine Steigerung von 50 Proz. aufweist. Nun weifi man doch, wozu die Preissteigerungen notwendig waren. Auf das 8 Millionen Mark betragende Aktienkapital werden 20 Proz. Dividende verteilt. Die borjährige Entbehrungsdividende betrug 18 Proz. Zuzüglich der Tantiemen und der Zuweisungen zum Reservefonds stellt sich der letztjährige Reingewinn auf 2 451 457 Mk., gleich 30,0 Proz. des Aktienkapitals. Autzerdem sind aber auch noch 1 084 255 Mk. für Abschreibungen verwendet, 300 000 Mk. dem Penfionskaffen- fonds überwiesen und 541 072 Mk. an Zinsen usw. gezahlt worden. Der erzielte Betriebsgewinn von 4 097 925 M. macht 02(4 Proz. des nominellen Aktienkapitals aus. Rentabilität von Aktiengesellschaften. Im Januar 1908 haben 105 Aktiengesellschaften mit dem Vor- lahre vergleichbare Bilanzen im Zentralhandelsregister veröffcnt- licht. Obgleich sich für sie die nachlassende Konjunktur schon etwas bemerkbar machte, so konnten sie insgesamt für das Jahr 1907 resp. 1900/07 eine höhere Dividende verteilen als für das Jahr 1900 resp. 1905/00. Die 105 Gesellschaften haben zusammen ein Aktien- kapital in Höhe von 251,32 Millionen Mark und verteilten darauf 17,92 Millionen Mark Dividende; das sind 7,1 Proz. gegen 0,2 im Jahre zuvor. Unter diesen Gesellschaften befinden sich 3 Elektrizi- tätsgesellschaften mit 105,85 Millionen Mark Kapital, die 8,1 Proz. Dividende ausschütteten gegen 7,0 im Jahre vorher. Besonders günstig waren die Erträgnisse für 5 Betriebe der Gruppe Eisen und Metalle, die 14,4 Proz. Dividende gegen 9.0 verteilten. Aus ein Kapital von 11,92 Millionen Mark im Verkehrsgewerbe entfiel für 1900/07 eine Dividende von 2,9 Proz. gegen 2,0 im Jahre 1905/00. Es fehlt aber auch nicht an Gewerben, wo die Divi- dendenbewegung rückgängig ist. So verteilten 50 Gesellschaften im Nahrungs- und Genutzmittelgewerbe auf 72,73 Millionen Mark Aktienkapital 5,5 Proz. gegen 5.9 im Jahre zuvor, 0 Betriebe der chemischen Industrie mit 14,05 Millionen Mark Aktienkapital 13,8 gegen 14,4 Proz. Bei drei Elektrizitäts. und Gaswerken, die aller. dings nur ein Aktieiikopital von 1,27 Millionen Mark rcpräsen- tieren, sank die Dividende von 5,1 auf 1,7 Proz. Eine Bergbaugesellschaft verteilte überhaupt keine Dividende, während eine andere für 1900/07 zum ersten Male eine Dividende von 5 Proz. ausschüttete, ein Vergleich mit 1905/00 also fehlt. Die meisie» Ge- sellschaften haben natürlich aus die veränderten Verhältnisse Rück ficht genommen, indem sie die Reservefonds gut dotierten und hohe Abschreibungen vornahmen._ Deutsche Bank. Der im letzten Jahre herausgebrachte Bruttogewinn beträgt rund 53'/z Millionen Mark. Nack Absetzung von 3 187 212 M. für Abschreibungen und 20 Millionen Mark Unkosten und Tanttemen. verbleibt ein Reingewinn von 20072100 M. gegen 18 212 347 M. für das Vorjahr und 10 745 500 M. pro 1905. Die Aktionäre er- halten wiederum 12 Prozent Dividende. Krach im Ledergewerbe. Zu der Notiz unter vorstehender Stich. mark«- in unserer Nummer vom 1. März, betreffend Insolvenz der Firma B. Baruch, Lederhandlung in Steele, wird uns mitgeteilt, daß sich die Firma in umfangreicher Weise in außerhalb ihres Gewerbes liegenden Spekulationen engagiert hatte und daraus in der Hauptsache die Verluste resultieren. Die Engagements in Ledergeschäften sind angeblich nicht sehr bedeutend gewesen. Der Eoupouschneiderlohn. Der AufsichtSrat deS Bremer Vulkan, Schiffsbau und Maschinenfabrik, hat beschlossen, der Ge- neralversammlung die Verteilung einer Dividende von 10 Proz. bei reichlichen Abschreibungen und weiterer Dotierung des Spezial- reservefonds in Vorschlag zu bringen. Internationale Abmachungen der Ematlinduftrie. Enve Fe- bruar fanden in Berlin Versammlungen des Verein? deutscher Emallierwerke und des Vereins europäischer Emaillierwerke statt, die von ungefähr 40 deutschen, österreichisch-ungarischen und schwer- zerischen Werken besucht waren. Bei diesen Beratungen wurde festgestellt, daß die allgemeine Marktlage keine Veränderung er- fahren hat, dafi vielmehr in den hauptsächlichsten Exportabsatz- gebieten die durch die Geldverhältnisse hervorgerufene Zurück- Haltung zurzeit noch andauert. Es wurde daher von einer Er- höhung der gegenwärtig geltenden Verkaufspreise abgesehen, ob- schon sie mit den verteuerten Selbsttosten nicht im Einklang stehen. Wichtiger noch als dieser Verzicht auf saure Trauben ist die Tat- 'ache, dafi die Verhandlungen zum Zwecke der Begründung eines Verbandes europäischer und deutscher Emaillierwerke in der Form organisierter Syndikate über die in den einzelnen Paragraphen durchberatenen Satzungen Einstimmigkeiten ergeben haben. Der überwiegend größte Teil der hierfür in Betracht kommenden Emaillierwerke hat sich mit den Satzungen einverstanden erklärt, ofern diejenigen Werke, welche an den Beratungen teilzunehmen verhindert waren, nachträglich ihren Beitritt zum Verbände er recht vom 21. auf das 24. Lebensjahr erhöht werden. Dazu kommk, daß, wer Armenunterstützung bezieht oder die ihm obliegenden Steuern nicht bezahlt, des Wahlrechtes verlustig geht. Wegen Armenuntcrstützung würden nun ungefähr 100 000 von jenen 1401357 Frauen ausgeschaltet. Wie groß die Zahl derer wäre, denen wegen Steuerschulden das Wahlrecht genommen würde, lieh sich nicht genau feststellen, doch würde sie bedeutend geringer sein als bei den Männern, weil viel mehr Frauen als Männer wegen allzu geringen Einkommens nicht steuerpflichtig sind. Die gemeindesteuerpflichtigen Frauen machten im Jahre 1900 8,3 Proz. der Gesamtzahl der Steuerpflichtigen und 4,5 Proz. aller Frauen im Mündigkeitsalter aus. Nur 9,7 Proz. Frauen waren ihre Steuer schuldig geblieben. Es scheint, daß man versuchen will, ein staatsbürgerliches Frauenwahlrecht einzuführen, das auf die Frauen beschränkt werden soll, die entweder selbst oder deren Männer kommunalwahl. berechtigt sind. Nach den Berechnungen der Zentralbureaus würden in solchem Fall 480 000 Frauen in Betracht kommen; das wären ungefähr 50 Proz. der Zahl der staatsbürgerlich wahlberechtigten Männer. Ein derartig beschränktes Frauenwahlrecht Wäre jeden» falls den herrschenden Klassen ganz willkommen. Versammlungen. klären. In diesem Falle würden die Verbände im nächsten Monat ihre Tätigkeit aufnehmen. Der Kapitalismus in Islands Landwirtschaft und Viehzucht. Die JSlandssahrt, die im verflossenen Jahre der dänische Reichs- tag— allerdings mit Ausnahme der Sozialdemokratie, die Haupt- achlich wegen deS militaristifch-monarchifchen Beiwerks nicht mit- machte— samt der Regierung und dem König unternahmen, sollte dazu dienen, die Insel und ihre Bewohner fester an das Mutter- land zu knüpfen. Dem mit verschwenderischem Aufwand patri, otiscker Reden durchgeführten Unternehmen lagen selbstverständlich wirtschaftliche und kapitalistische Interessen zugrunde, die sich nun auch bereits in der isländischen Landwirtschaft geltend �u machen uchen. Ein Konsortium dänischer und isländischer Geldleute hat „Brädratunge", eines von Islands größten Gütern übernommen. Es«st das ein im Südlande zwischen zwei Flüssen gelegenes Ge- lande mit weiten Strecken Wiesenlandes, das vorzüglich zur Heu- Produktion und Viehwirtsckaft geeignet ist. Durch Bewässerung und rationelle Bewirtschaftung hofft man den Heuertrag auf das Vielfache des bisherigen Ertrages zu bringen. Hauptsächlich soll die Rindviehwirtschaft kultiviert werden, auch mit einem Meierei- betrieb hofft man große Erfolge zu erzielen. Daneben sollen Schafe gezüchtet werden, die auf der Insel leicht ihr Fortkommen inden.„Brädratunge" ist altes Kulturland; es wird schon in den isländischen Sagen erwähnt. Eue der f rauenbewegung. Frauen als LandtagSkandidatinueu. Bei den Landtagswahlen in Prag, wo Genossin Mach kandidierte. ist eS dieser leider nicht gelungen, zu siegen. Eine Frau. Marie Dulemba, die von den Frauenrechtlerinnen in Lemberg aufgestellt war, erhielt 511 Stimmen. Aber die Koiiiinission hat diese Sttminen für ungülttg erklärt. Ganz gegen das Gesetz. Denn auck die galizische Wahlordnung erklärt im§ 10 für wählbar jeden Wähler, der osterreickiicher Staatsbürger und 30 Jahre alt ist; und das Wahlrecht geht auf das Gemeindewahlrecht zurück, das ebenfalls nach der galizischen Gemeindewahlordnung den Frauen unstreittg zusteht._ Zur Frauenwahlrechtsfrage in Schweden. Bei der großen schwedischen Wahlrechtsreform im vorigen Frühjahr ist für die weibliche Hälfte des Volkes nichts anderes herausgekommen, als dafi das statistische Zentralbureau Auftrag erhielt, zu untersuchen, wie die. neuen Wahlrechtsbcftimmungen wirken würden, wenn diese für die Frauen Geltung bekämen. Das Bureau hat nun seine Arbeit beendet und festgestellt, daß nach der Zählung vom Jahre 1901 in Schweden 1 401 357 über 24 Jahre alte Frauen vorhanden waren gegenüber 1 237 153 Männern. Die Ueberzahl der Frauen ist am stärksten in den Städten, und in Stockholms zweiten Wahlkreis übersteigt die Zahl der Frauen die der Männer sogar um 48,5 Proz. Nach der ja noch nicht endgülttg beschlossenen Wahlrechtsreform soll die Altersgrenze für das Wahl- „WaS war und was ist Karl Marx für die Arbeiterklasse?" Ueber dieses Thema hi-lt Eduard Bernstein am Montag einen Vortrag in einer Versammlung der Metalldrücker, die nach dem„Gewerkschaftshaus" einberufen war. Der Redner erinnert daran, dafi es am 14. März 25 Jahre her sind, dafi Karl Marx die Augen geschlossen. Der Gedenktag werde manche neue Be- trachtung über die Bedeutung dieses Mannes für die Arbeiter» bcwcgung wecken. Umstritten ist die Frage, was er den Arbeitern war, noch mehr umstritten aber, was er ihnen i st. Erst kürzlich ging eine Polemik durch die Parteiprcsse darüber, wie weit man den Arbeitern das Lesen seiner Werke empfehlen könne, wenn nicht Vorstudien getrieben würden. Marx war einer der ersten, welche die geschichtliche Bedeutung der Arbeiterklasse erkannt und ge» kennzeichnet haben. Das Kommunistische Manifest, das jeder Arbeiter gelesen haben sollte, ist das Hohelied der Arbeiter« klaffe. Der Redner verweilt dabei und zeigt, wie das Proletariat seinen geschichtlichen Totengräber produziert, und welche mächttge Wirkung die Schlußworte jener Schrift ausüben, die da lauten: „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!" Die Gedanken, die in diesem Manifest niedergelegt sind, kehren wieder in zahlreichen Agitationsschriften und werden ostmals ihres Ursprungs unbewußt ausgesprochen. Da sind Keime ausgestreut, die neue Saaten zeitigen und immer neue Früchte hervorbringen. Heute sehen wir freilich auch, wo sich Marx und Engels geirrt haben. Manche Sätze haben vor der Kritik der Zeit nicht bestehen können. Marx bat eine zu schnelle Entwickelung der Verhältnisse cm- genommen, verleitet von dem Bilde, was England ihm zeigte. Die glücklichste Zeit seines Lebens war wohl die Periode, in der er als das geistige Haupt der Internationalen Arbeiter- Assoziation wirkte, als der Lehrer der fortgeschrittensten Arbeiter aller Länder. Nachdem die Revolutionen von 1348 ge- schlagen waren, lagerte ein schwerer Druck auf der Arbeiterschaft und erst 1802 begann ein neuer Aufschwung in der Bewegung, 1804 wurde die„Internationale" gegründet, die mit dem Fall der Pariser Kommune ihren schwersten Stotz erlitt. Als sie 1872/73 zu Ende ging, hörte damit auch das Wirken von Marx in einer organisierten Körperschaft auf. Er gab seinen Rat aus der Fremde, aber das war bedenklich, denn er sah di- Dinge von fern oftmals nicht richtig. Aber er hatte ja der Arbeiterwelt seine großen Werke gegeben. 1859, in demselben Jahre, als Darwins epochemachendes Werk erschien, gab er die„Kritik der politischen Oekonomie" heraus. Aehnlich wie bei Darwin konnte man wohl in Kleinigkeiten manches später richtig stellen und verbessern, waö in dieser„Kritik" gesagt war. mutzte aber in allen großen Gedanken zustimmen. 1807 erschien das„Kapital", 1. Band. Was wollte dieses Buch? ES wollte die Tendenzen und Entwickelungsgesctze der kapitalistischen Gesellschaft klarlegen, und es bietet eine Fund- grübe für jeden, der lernen will, eine Fundgrube, die noch nicht erschöpft ist. Vorkenntnisse und Zeit sind notwendig, um es gründ- lich zu erfassen. DaS Buch mufi studiert werden. Es ist falsch, zu sagen, daß jeder agitatorisch tätige Arbeiter das Werk gelesen haben mufi. Einzelne Kapitel kann jeder verstehen, andere Kapitel setzen bestimmte Kenntnisse voraus, über die nicht viele Arbeiter verfügen und die darum besser tun, sich an populäre Schriften zu halten. Der Redner ging nun auf den Inhalt des Werkes näher ein. Kurz gesagt, ist uns hier eine Schilderung des Kampfes um den Mehrwert gegeben. Was die Wert- theorie anlangt, so sei er(Redner) abweichender Meinung, aber er wolle diese Frage hierbei unerörtert lassen. Ist sonst aber alles so, wie Marx es schildert? Die Konzentration der Be» triebe ist eine Tatsache, die niemand leugnen könne. Die Theorie aber« dafi das Kapital in immer weniger Hände gerät, ist nicht aufrecht zu erhalten, denn die Kapitalistenklasse wächst. Beweis dafür bilde schon unsere Einkommenssteuerstatistik von 1892 bis >907 und die Vermögcnsstatistik die der Redner für die Jahre 1895 bis 1899 vorlegte. Neben der Konzentration der Be» triebe und in Verbindung mit der wachsenden Kapita» listenklasse wird durch die anschwellende in» dustrielle Reservearmee ein furchtbarer Druck auf die Arbeiterklaffe ausgeübt. Die Kämpfe dieser Klasse werden heut in anderer Form geführt, als Marx dieS voraussehen konnte. Das zeigt uns ein Bsick auf die moderne Gewerkschafts- bewegung. Marx hätte mehr als ein Genie, er hätte Prophet sein müssen, um die heutige EntWickelung zu erkennen. Darum sucht man auch auf manches Problem unserer Bewegung von heute die Lösung in Marx' Schriften vergeblich. Diese Schriften sind keine Katechismen, wohl aber Fundstätten der Belehrung. Marx ist uns heute noch der große Wegweiser, der Ratgeber, der Lehrer und geistige Führerl(Reicher Beifall.) Zur Diskussion meloete sich ein Redner, der bemerkte, daß die psychologischen Faktoren in der Entwickelung größere Be- rücksichtigung verdienen, als man ihnen zugestehen wolle. Bern- stein antwortete, dafi er diese Faktoren nicht verkenne, sich aber keine größere psychologische Einwirkung vorstellen könne, als den Marxschen Appell an den Proletarier, dafi er zu siegen berufen sei und das Höchste im Menschentum erreichen könne, wenn er dafür kämpfen und mit allen Kräften eintreten wolle. Der Vorsitzende Prüfert ermahnte die Verbandsmitglieder, in allen Betrieben darauf zu achten, dafi die Verhältnisse nirgends verschlechtert werden. Allen Versuchen der Unternehmer, die KrisiS gegenwärtig auszunützen, müsse man entgegentreten, denn die Ver- Hältnisse im Beruf seien nicht hoffnungslose zu nennen, wenn auch viele Kollegen keine Arbeit haben.— Bern st ein erbat sich auch hierzu das Wort und warnte vor übertriebener Schwarzmalerei. Die Hoffnung und den Kampfcsmut dürfe man nicht aufgeben, wenn es besser werden soll. Man erweise den Organisationen einen sehr schlechten Dienst, wenn man die Lage recht schwarz male und den Schwachherzigen allen Mut nehme. Kretreltglöie Gemeinde. Sonntag, den 8. März er., vormittags 8*/, Uhr, in der neuen Gemeindeballe, Pappcl-Allee 15—17: Versammlung mit freireligiöser Vorlesung.— Sonntagvorniittag 10'/« Ubr in der Zchulaula, Kleine Frankfurt« Stratze 6: Vortrag von Fräulein Ida Altmaiin über- .Der Weg zur heiligen Gottseligkeit,' Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Rebensche Kranke«, und Stcrbekasse Skr. S, Msabethkirchstr. ts. Sonnlag, den 8. März, vormittags 10 Uhr; Generalversammlung. Stawlenänderung. ceffrniltche Bibltothek und Lefedalle»« unentgeltllcher Be» antzung für jedermann, SW., Alexandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von 5'/,— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von S— l und 3— 6 Uhr. gn den Lesesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschristen jeder Art und Richtung aus.___ verantwortlicher Redakteur: Gesrg Davidsohn, Berlin. Für denJnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW« Nr. 57. 25. Jahrgang. 2. Kkilm i>ts Lmärls" Kerlim NslKsblM Zonnabend, 7. Marz lW8. MgeorclnetenKaus. 4g. Sitzungvom Freitag, ö. März, 11 Uhr. Äm M in ist e r tis ch e: Breitenbach. Die Beratung des Etats der Enentiuhnverwaltuug wird fortgesetzt. Zur Beratung steht zunächst der Antrag des Abg. Frhrn. d. G a m p(fk.) und Genossen, die Staatsregirrung zu ersuchen, bei den Wahlen zum preußischen Abgcordnetenhause den Wahlmänncrn freie Fahrt nach und von dem Wahlorte zu gewahren, ihnen auch, wo die regelmäßigen Züge keine angemessene Verbindung bieten, Extrazüge zu stellen. Abg. Frhr. v. Gamp(fk) begründet den Antrag. Die Wahl- männer hätten vielfach weite Wege zum Wahlorte zurückzulegen, namentlich kraß lägen die Verhältnisse im Wahlkreise Mansfeld, da die Wahlmänner, um zum Wahlort zu kommen, gezwungen seien, große Umwege zu machen und so 84 Kilometer mit der Bahn zurücklegen müssen. Auch sei es den Wahlmännern infolge der weiten Entfernungen nicht möglich, an einem Tage die Hin- und Rückreise zu beendigen. Daher sollte die Eisenbahnverwaltung in solchen Fällen für Sonderzüge sorgen. Abg. Kirsch(Z.): Ich stehe dem Antrage sympathisch gegenüber, bitte aber, ihn der Budgetkommission zu überweisen, da der Antrag keine Bestimmung darüber trifft, welche Wagenklasse die Wahl- männer benutzen sollen. Vielleicht wird in der Kommission fest- gesetzt, daß die Wahlmänner die ihrer Abteilung entsprechende Klasse benutzen, also die Wahl- mäner 1. Klasse diel. Klasse usw., damit Herr von Brandcnstein nicht gezwungen ist, mit Wahlmännern 3. Klasse zu- sammenzufahren.(Heiterkeit.) Ich hoffe allerdings, daß diese Wahlen zum letzten Mal nach dem Dreiklassenwahlsystem erfolgt sind. Abg. Goldschmidt(frs. Vp.): Die Klagen, die Herr v. Gamp erhoben hat, waren nur möglich, weil wir kein direktes, sondern ein indirektes Wahlrecht haben. Hoffentlich tragen diese Vorgänge dazu bei. das Dreiklassen Wahlsystem baldmöglich st zu beseitigen.(Bravo! links.) Abg. Röchling(natl.) schließt sich dem Antrag auf Kommissions. berat» ng an. Abg. v. Quast(k.) hofft im Gegensatz zu dem Abg. Goldschmidt, daß auch die nächsten Wahlen nach dem Dreiklassenwahtsystem statt- finden werden. Abg. Dr. Müller-Berlin(frs. Vp.) erklärt sich mit der Ueber- Weisung des Antrages an die Budgetkommission einverstanden. Minister Breitenbach erklärt, daß vor den� jedesmaligen Landtagswahlen den Eisenbahndirektionen der Erlaß in Er innerung gebracht werde, wonach sie für die Beförderung der Wahlmänner Sorge tragen sollen. Ueber die Bewilligung von Freifahrtreisen müßte das Staatsministerium entscheiden. Als Resiortminister habe er Bedenken gegen die Gewährung der Frei- karten. Der Antrag Gamp wird der Budgetkommission über- wiesen. Die Einnahmen werden bewilligt. Bei den Ausgaben. Titel„Besoldungen" wendet Abg. Busch(Z.) sich gegen Wahlbeeinflussungen gegenüber Arbeitern in einer Eisenbahnwerkstätte in Oplage durch einen nationalliberalen Beamten. Minister Breitcnbach erkennt an, daß das Verhalten des Beamten zu rügen sei. Abg. Dr. Schweder-Kasiel(natl.) hofft, daß die Beamten- besoldungsvorlage bald an das Haus gelangen werde und verbreitet sich weiter über Arbeiterverhältnisie in der Eisenbahnverwaltung. Minister Breitenbach betont die Notwendigkeit der Beibehaltung der Akkordarbeit für einzelne Arbeiter. In den ArbeiterauSfchüssen könnten die Arbeiter ihre Wünsch« frei äußern. Der Erholungsurlaub werde in möglichst weitem Umfange gewährt. Abg. Eickhoff(frs. Vp.) betont gegenüber dem Abg. Busch, daß auch seine Freunde jede Art von Wahlbceinflusiungen verurteilten. In Oplage seien die Wahlen zweier liberaler Stadtverordneten kassiert, die eine davon aus dem Grunde, weil der Vorname des Gewählten von vielen Wählern nicht genannt worden war. Ein Zentrumsmandat aber sei von derselben Stadtverordnetenversamm- lung für gültig erklärt, trotzdem hier dasselbe Versehen vorlag. (HörtI hört! links.) Abg. Liebcrmann(k.) tritt für vermehrte Sonntagsruhe im Eisenbahndienste ein. Abg. Heckenroth(k.) schließt sich diesem Wunsche an und bittet den Minister, seine Haltung gegenüber dem Trierer Verband zu ändern, der sich durchaus loyal verhalte und an die Inszenierung von Streiks nicht denke. Abg. Goldschmidt(frs. Vp.): Den Wünschen auf Vermehrung der Sonntagsruhe kann ich mich nur anschließen. Nicht nur dem Trierer Verband, sondern allen Arbeiterorganisationen möge die Verwaltung mit Wohlwollen entgegenkommen. Das Koalitions- recht darf den Arbeitern nicht vorenthalten werden, denn es können Zeiten kommen, wo die Arbeiter hier im Hause und beim Herrn Minister keine Vertreter für ihre Wünsche finden. Die Lokomotiv- Heizer, die den Dienst als Lokomotivführer oft jahrelang verrichten, sollten dann unter allen Umständen auch die Bezahlung als Loko- nwtivführer erhalten. Im Direktionsbezirk Mainz hat man den Weichenstellern statt sechs. Tag. resp. Nachtschichten deren sieben in der Woche aufgehalst. Ich glaube nicht, daß der Herr Minister diese Art von Sparsamkeit veranlaßt hat. Die Arbeiterausschüsse müssen oft sechs Monate auf irgend einen Bescheid auf ihre Be- schwerde warten.(Hört! hört! links.) Das ist zweifellos zu lang. Besondere Urlaubserteilungen zu Begräbnissen oder freudigen Er- eignissen sollten nicht aus den Sommerurlaub angerechnet werden. Das mutet kleinlich an. Nur die Streckenarbeiter er- halten heute keinerlei Urlaub. Diese Ausnahme sollte man fallen lassen. Die Löhne der Arbeiter im Eisenbahndienst sind vielfach noch viel zu niedrig; ja, die Mindestlöhnr stehen mitunter sogar unter dem ortsüblichen Tagelohn desselben OrteS.(Hört! hörtl links.) Die Pensionsverhältnisse für die Arbeiter müßten besser geregelt werden. In Breslau sitzt so ein armer Teufel mit seiner kranken Frau, der 24 M. monatlich Pension erhält.(Hört! hört! links.) In Berlin haben wir die Pensionsverhältnisse der städtischen Arbeiter nach dem Beamtenpensionsgesetz geregelt. Fragen möchte ich den Minister, ob, wie behauptet wird, im Direktionsbezirk Köln eine Herabsetzung der Löhne be- absichtig, ist. Im Interesse des sozialen Friedens und der Hebung der zahlreichen Arbeiter der Verwaltung hoffe ich, daß die Bestrebungen zum Besten der Arbeiter und der Angestellten in einem lebhafteren Tempo fortgeführt werden.(Beifall links.) Minister Breitrnbach: Ich kann dem Abg. Goldschmidt nicht folgen, wenn er sagt, den Werkstätten- und Rottenarbeitern könnte das Koa l i t i o n s r ech t gewährt werden. Wir sind durchaus liberal, soweit es sich um unsere Angestellten handelt; eS gibt aber eine scharfe Grenze. die wir den ordnungsfeindlichen Bestrebungen, in erster Linie denen der Sozialdemokratie gegenüber ziehen müssen.(Sehr richtig! rechts.) Wenn darauf hingewiesen wurde, daß der Trierer Verband sich von Streikbcstrebungen ferngehalten habe, so ist mir das erfreulich; es wäre Mir aber noch erfteulicher, wenn der Ber- band das klar aussprechen würde. Wenn aber gesagt wird, daß die Eisenbahnverwaltung heidenmäßig viel Geld habe und mit Leichtig- kcit die Löhn« der Arbeiter erhöhen könne, so muß ich dem wider- sprechen. Jede Lohnerhöhung um 10 Pf. pro Kopf unserer Arbeiter- tchast und Tag bedeutet eine Mehrausgabe von 10 Millionen Mark im Jahre.(Hört! hört! rechts.) Auf dem preußischen Parteitage der Sozialdemokratie im November vorigen Jahres hat ein sozial- demokratischer Abgeordneter darauf hingewiesen, daß die preußischen Staatsbahncn im Jahre 1905 einen Ucberschuß ergeben hätten, das mache nach Abzug der Zinsen pro Kopf der Arbeiter 758 M., so daß wohl Lohnerhöhungen möglich seien. ''Das beweist, daß der Sprecher kein Verantwortlichkeitsgefühl für seine Ausführungen hat. Die Staatseisenbahnvcrwaltung muß dem Lohnmarkt folgen.(Sehr richtig! rechts.) Seit 1904 sind für Lohnerhöhungen 30 Millionen Mark auf- gewendet worden.(Hört! hörtl rechts.) Wir sind hinter den Löhnen in der Industrie und der Landwirtschaft nicht zurück- geblieben. Die Pensionskasse hat seit 16 Jahren ihre Leistungen um Ilv Proz. erhöht. Bei der Erteilung von Urlaub ver- fahren wir sehr liberal. Eine Anordnung der Herab- setzung der Löhne um 10 Proz im Direktions- bezirk Köln, von der der Vorredner sprach, würde nicht den Ansichten der Zentral st eile entsprechen. (Beifall rechts.) � Abg. Dr. Heisig(Z.) unterstützt die Forderungen des Abg. Goldschmidt der Gewährung des Koalitionsrechts an die Eisenbahnarbeiter und der Bewilligung höherer Löhne für die Arheiter. Abg. Dr. Boltz(natl.) empfiehlt, den höheren technischen Beamten bessere Chancen für ein Aufrücken in leitende Stellen zu geben. Die Jnspektionsvorstände müßten eine größere Selbständig- keit den Direktionen gegenüber haben. Minister Breitenbach: Ich mutz bestreiten, daß die Inspektionen nicht selbständig genug sind. Ihre Vorstände haben eine außer- ordentliche Aktionsfreiheit. Erwogen wird zurzeit, ob nicht die Leitung der weniger wichtigen Inspektionen mittleren Beamten übertragen werden soll. Die Besetzung höherer administrativer Stellen mit Technikern halte ich nicht für richtig. Die Debatte wird geschlossen; der Titel wird ge- n e h m i g t. Bei den Titeln über sächliche Ausgaben bittet Abg. Dr. Schröder-Kassel(natl.), den Krankenkassen und Ver- sicherungsanstalten, die gezwungen sind, ihre Kranken zu aus- wärtigen Spezialärzten zu schicken, ermäßigte Fahrpreise zu ge- währen. Abg. Dr. König-Krefeld(Z.): Die Ausführungen deS Abg. Goldschmidt sind geeignet, den Zusammenhang zwischen der Ver- waltung und den Beamten und Arbeitern zu lockern. Gerade der enge Zusammenhang zwischen Untergebenen und Vorgesetzten trägt zur Zufriedenheit in Beamten- und Arbciterkreisen bei. Bitten möchte ich, die Beschaffung eines eigenen kleinen Hauses den Beamten und Arbeitern nach Möglichkeit zu erleichtern. Abg. Dr. v. Savigny(Z.): Die Vertreter des Trierer Ver- bandes haben mir ausdrücklich erklärt, daß sie niemals daran ge- dacht haben, ein Streikrecht zu beanspruchen, und die Berliner Ver- einigung katholischer Eisenbahnarbeiter steht auf demselben Stand- Punkt. Minister Breitcnbach erklärt, daß er sich dem Trierer Verband gegenüber in gleicher Weise verhalte, wie jedem anderen Verein gegenüber, der in loyaler und angemessener Weise die Interessen der Arbeiter vertrete. Abg. Fnnck(frs. Vp.): Die Angriffe des Abg. König auf meinen Freund Goldschmidt waren nicht berechtigt, Herr Goldschmidt hat durchaus sachlich gesprochen. Ich bitte den Minister um Gleich- stellung der Pensionäre, die von Eisenbahnbetrieben übernommen würden, in ihren Bezügen mit den übrigen Staatspensionären. Der Minister wird sich auf die Dauer nicht dagegen sträuben können, den Angestellten der Verwaltung den Urlaub als ein Recht zu bewilligen. Abg. Dr. v. Savigny(Z.): Den Vorwurf, daß wir aus Partei- egoismus für den Trierer Verband eintreten, weise ich zurück. Die Debatte schließt. Die sächlichen Ausgaben werden bewilligt. Abg. Dr. v. Korn(k.) begründet einen Antrag, welcher von der Regierung Maßnahmen gegen die Mißstände auf dem Kohlenmarkt verlangt, um eine Schädigung der inländischen Verbraucher zu ver- hüten. Redner weist auf die Macht des Kohlensyndikats hin. gegen die die Verwaltung schwer ankämpfen könne. Zu erwägen sei eine Aufhebung der Ausnahmetarife. Minister Breitcnbach: Wir haben mit dem Syndikat günstige Erfahrungen gemacht. Bei den letzten Verträgen sei die Verwal- tung in eine schwierige Lage gekommen, weil sie für Lokomotiven nur eine bestimmte Sorte von Kohlen gebrauchen könne. Mit Oberschlesien sei nur auf ein Jahr abgeschlossen worden, da Ober- schlesien zu sehr in der Marktlage von Oesterreich-Ungarn und dessen Verbrauch ahhänge. Eine Ausschreibung des Kohlenbedarfs der Verwaltung sei nicht angängig, da daS Syndikat und Ober- schlcsien keine Konkurrenten hätten. Der Fiskus habe seine ge- samte Produktion bereits zur Verfügung gestellt. Das Haus vertagt sodann die Weiterberatung auf Sonnabend 11 Uhr. Schluß 4'ch Uhr._ Die ehre der Arbeitswilligen. Auf freundschaftliches Zureden des Arbeitgeberverbarrdes nahm der Gießereiarbeiter Düstng an, der„Vorwärts" habe ihn beleidigt und erhob gegen den Genossen Weber als verantwortlichen Redakteur des„Vorwärts" Privatklage. AIS Vertreter stand dem Kläger der Syndikus der Arbeitgeberverdände, R.-A. Hcnnigsohn, zur Seite. In einem Artikel, der am I. Mai v. I. im„Vorwärts" er- schien, soll Düsing beleidigt sein. Dieser Artikel berichtete über einen Zivilprozeß, in dem Düsing als Kläger gegen einen Beooll- mächtigten des Glasarbeiterverbandes vor dem Kammergericht ein obsiegendes Urteil auf Schadenersatz erzielt hatte. Dieses Kammer- gerichtsurteil kritisiert« unser Artikel, wobei unter anderem auch die Worte gebraucht wurden:„Wenn hundert ehrenhafte Arbeiter sich weigern würden, mit einem, den sie als notorischen Lumpen kennen, zusammenzuarbeiten, so kann das noch dem Kammergerichts- urteil als Verstoß gegen die guten Sitten angeschen werden, falls nur festgestellt wird, daß dieser Lump eine von der Mehrhelt seiner Arbeitsgenossen abweichende Stellung im Lohnkampf eingenommen hat." Obgleich der ganze Zusammenhang unseres Artikels ergibt, daß der angeführte Satz nur die Möglichkeiten andeutet, welche sich aus dem von uns kritisierten Kammergerichtsurteil ergeben könnten, und obgleich dieser Satz nicht die geringste Andeutung enthält, die sich auf Düsing beziehen könnte, hat sich Düsing doch be- wegen lassen, sich beleidigt zu Jühlen. Diese Erkenntnis ist dem Kläger, beziehungsweise den Kühnemännern, die ihn vorgeschoben haben, allerdings etwas zu spät gekommen. Die Klage ist erst am 11. September eingereicht worden. Deshalb hatte der Beklagte, als die Sache am 27. Dezember vorigen Jahres zuerst verhandelt wurde, die Klage wegen, verspäteter Einreichung abzuweisen. Düsing behauptete jedoch, er habe erst im Juni von dem Artikel Kenntnis erhalten, jedoch wollte oder konnte er für diese Be- hauptung keinen Beweis antreten. Das Gericht beschloß damals die Ladung des Schiedsmannes, den Weber als Zeugen dafür benannte, daß Düsing beim Sühneversuch zugegeben habe, den Artikel schon im Mai gelesen zu haben.— Die erneute Verhandlung vor dem Schöffengericht fand gestern statt. Der Schieds- mann hatte die Genehmigung des Landgerichtspräsidenten zur Zeugenaussage nicht erhalten. Der Beklagte konnte somit nicht durch einen direkten Zeugen nackweisen,-daß der Kläger den Artikel bor Ablauf der Verjährungsfrist gekannt hat. An sich liegt nicht ihn, dieser Beweis ob, sondern dem Kläger der Beweis für seine gegen- teilige Behauptung. Den führte dieser jedoch nicht. Er brachte nur die sehr unwahrscheinliche Angabe vor. daß er im Juni von Mitarbeitern gehänselt worden sei, und aus diesem Anlaß hätten ihm dieselben den„Vorwärts"-Artikel vom 1. Mai gezeigt. Zeugen für diese Be« hauptung tonnte er jedoch nicht anfuhren. Angesichts dieser Sachlage beschloß das Gericht die Einstellung des Verfahrens auf Kosten des Klägers. Das Gericht ist überzeugt, sagte der Vorsitzende, daß bei der großen Verbreitung des„Vor- wärts" der betreffende Artikel kurz nach seinem Erscheinen dem Kläger bekannt geworden ist, und für die an sich unwahrscheinliche Behauptung, daß der Kläger erst drei Monate später den Artikel kennen gelernt, habe er den Beweis nicht antreten können oder wollen. Desl)alb habe auf Einstellung des Verfahrens erkannt werden müssen. Als der Gerichtsvorsitzende vor Eintritt in die Verhandlung einen Vergleichsversuch machte, erklärte sich Weber, wie schon bei der ersten Verhandlung, bereit, eine ausdrückliche Erklärung dahin abzugeben, daß das Wort„Lump" nicht auf den Kläger Bezug habe. Rechtsanwalt Hcnnigsohn verlangte jedoch, daß der Beklagte auch sämtlickie Kosten übernehme, was Weber jedoch ablehnte. Nun unter der Bedingung, daß jeder seine eigenen Kosten trägt, wollte sich Weber vergleichen. Nun ist der Kläger nicht nur abgewiesen, sondern er hat auch noch die ganzen Kosten des Verfahrens zu tragen. Und das hat er dem Arbeitgeberverband und dessen Syndikus zu verdanken. Als im Termin am 27. Dezember Düsing, beeinflußt durch seinen An- Walt, einen vom Vorsitzenden gsmachten Vergleichsvorschlag ablehnte. sagte, wie unseren Lesern erinnerlich sein wird, Weber:„Er darf sich nicht vergleichen, denn der Arbeitgeberverband will«S nicht." Der Verlauf der Sache hat dem Beklagten Recht gegeben. Soziales. Maschinen- gegenüber Mcnschenkraft. Ein Beispiel, in welchem Umfange der Kapitalismus durch seine Maschinen früher notwendig gewesene Mcnschenkraft und Menschenarbeit überflüssig macht, gibt das Scharfmacher-Fachblatt der Schlot- und Kohlenbarone„Stahl und Eisen". Es handelt sich hier um Zahlen, die ein an den Panama» kanalbauten beschäftigter Abteilungsingcnieur auf Grund eines fünf Monate währenden Zeitabschnittes festgestellt hat. In einem Monat schachtete z. B. eine Dampfschaufel durchschnittlich 14 200 Kubikmeter Erdreich aus. Es waren dies Maschinen von 70 bis 90 Tonnen Leistung, zu deren Betrieb einschließlich des In- genieurs, der Maschinisten, des Zugpersonals und der Strecken- arbeiter 298 Mann gehörten. In der Annahme, daß ein Arbeiter in achtstündiger Schicht 4,6 Kubikmeter Boden gewinnt, wären für die Bewegung von 623 700 Kubikmeter monatlich, welche Arbeits- leistung von sämtlichen Maschinen erreicht wurde, 5460 Mann er- forderlich. Durch die Dampfschaufeln wurden also 5 000 Arbeiter gespart. Einen weiteren wesentlichen Vorteil bringt die Verwendung der Dampfschaufeln mit sich bei der Arbeit, solche Stücke von den Felsblöcken abzusprengen oder zu brechen, die mit den vorhandenen Hülfsmitteln auf Wagen verladen werden können. Während ein Mann mit Blöcken von 70—100 Kilogramm noch umgehen kann, greift eine Dampfschaufel solche von 10 000 Kilogramm. In Ge- stein, das von Arbeitern verladen werden soll, müssen daher beim Brechen zwei- oder dreimal soviel Sprenglöcher gebohrt werden wie beim Gebrauch von Dampfschaufeln. Während 150 Gramm eines Sprengmittels etwa% Kubikmeter Gestein ablösen, die von einer Dampfschaufel gefaßt werden können, müssen im anderen Fall gegen 500 Gramm des Sprengstoffes angewendet �werdon. Dadurch verschiebt sich auch die Zahl der nötigen Arbeiter von früher 2100 bis 2400 auf jetzt 700 bis 8 00. Der Verbrauch von 360 000 Kilogramm Sprengstoff pro Monat stellt sich jetzt bei gleicher Leistung auf 120000 Kilo- gramm. Die Verwendung von Dampfschaufcln bringt also hier eine monatliche Ersparnis von rund 1500 Arbeitern und 240 000 Kilogramm Sprengstoff. Das ausgeschachtete Material mußte an bestimmten Stellen abgestürzt werden, wohin es mittels einer Industriebahn befördert wurde. Das Vorschieben der Gleise besorgte eine Maschine, zu deren Bedienung 3 Maschinisten und 6 Tagelöhner gehörten, es wurde auf diese Weise die Arbeit von 500—600 Mann verrichtet. Ebenfalls eine Spezialmaschine entleerte die Wagen, wobei in 8 Stunden aus 16 Arbcitszügen 3800 Kubikmeter abgeladen wurden. Mittels 7 solcher Maschinen wurden während eines Monats von 28 weißen und 42 farbigen Arbeitern täglich 24 500 Kubikmeter Boden dem Wagen entnommen. Demgegenüber kann ein Mann mit der Schaufel täglich 9 Kubikmeter abwerfen; es wären also für die Arbeit 2600 farbige Arbeiter und dazu 100 weiße Auffeher nötig. Das Verteilen und Ebenen deS abgeladenen Bodens besorgten 8 Maschinen mit 16 weißen und 24 farbigen Arbeitern, sonst eine Arbeit für 3000 Mann. Betrachtet man auch die Art und Weise, wie vor 25 Jahren die Franzosen am Panamakanal zu Werke gingen, so tritt die EntWickelung der maschinellen Arbeit während dieser kurzen Zeit- spanne in ihrer ganzen Größe hervor. Damals bestand ein Lastzug aus 12 Kippwagen, beförderte insgesamt 36 Kubikmeter Boden, jetzt wurden zu einem Zug entweder 20 Kippwagen mit zusammen 180 Kubikmeter oder 13 Plattformwagen mit zusammen 238 Kubik- mcter Lademenge vereinigt. Während die monatlichen Leistungen der letzten Zeit 623 700 Kubikmeter Lademenge mit insgesamt 7000 Beamten, Aufsehern und Arbeitern betrug, benötigten die Franzosen mit ihren heute veralteten Betriebsmitteln bei einer Monatsleistung von 216 000 Kubikmetern 16 000— 18 000 Arbeiter ausschließlich den Beamten. Diese Zahlen machen die ökonomische Entwickelung sinnen- fällig. Auf der einen Seite daS Kapital mit immer besseren Arbeitsmaschinen, auf der anderen Seite der besitzlose Proletarier, der weiter nichts wie seine persönliche Arbeitskraft zu verkaufen hat. D�r Kapitalist nimmt nun geistige Kopfarbeiter in seine Dienste, die immer neue, rationellere Arbeitsmaschinen Ion» struieren, immer neue Herstellungsmethoden ersinnen, und mit jedem technischen Fortschritt wird damit wieder eine Menge mensch- licher Arheitskraft ausgeschaltet, verliert immer wieder eine neue Zahl von Proletariern ihre Arbeitsmöglichkeit und damit ihre Existenz. In diesem Kreislauf vollzieht sich täglich vor unseren Augen der Gang der kapitalistischen EntWickelung. LSasserstandS-Nachrtchte» her LandeSanstalt s'lr Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tllstt P r e g e l, JnNerburg Weichsel, Thum Oder, Ratibor , Strossen , Franksurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz- Havel, Spandaus , Rathenow') Spree, Svremberg') . Becskow Weser, Münden , Minden Rhein, MaxtmilianZau , Kaub , Köln Neckar, Heilbronn Main, Wertheim Mosel. Trier am b. 3. cm 176 158 173 124 213 56 166 400 285 389 115 225 205 seit 4.3. ein1) -12 +1 •+3 -2 +3 -18 -21 —15 -22 -41 -15 —19 —7 ')+ bedeutet Wuchs,— 4) ganz schwaches EiStreiden. —') Unterpegel.—*) Eis stand. Für den Juhalt der Inferate Hibernimmt die Redaktion dem Vublitum gegenüber feinerlei Nerantwortung. Theater. Gonnabend, 7. März.. Anfang 7 Uhr. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. der 8 Uhr: Prof. Dr. B. Donath: Die neueren Fortschritte Farbenphotographie. Königl. Opernhaus. Tannhauser. Hebbel- Theater, stöniggräber Königl. Schauspielhaus. Dorrit. Stlein Lysistrata[ An Deutiches. Der Kompagnon. Rammerspiele. fang 8 Uhr.] Neues Operetten. Der Opernball. Neues Schauspielhaus. DerDumm topf. Nachmittags 3 Uhr: Die Hochzeit des Figaro. Anfang 8 Uhr. Leffing. John Gabriel Bortman. Neues. Simson. Lorking. Säffingen. Str. 57/58. Abends 8 Uhr: Frau Warrens Gewerbe. Drama in vier Aften von B. Shaw. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Panne. Residenz- Theater, Direttion: Richard Alexander. Uhr. Der Trompeter von Berliner. Förster- Chrifil. Lustspielhaus. Panne. Stiller 0. Wallner Theater.) Der Beg zum Herzen. Bibi." 8 r. 99Schwant in 3 Atten von de Gorffe und de Marsan. Bretillot Nichard Merander. Hierauf: Der felige Octave. Sonntag, den 8. März, 3 Uhr: Schiller Charlottenburg. Kaifer Haben Sie nichts zu verzollen? und Galiläer. Theater an der Spree. Ungültig. Romische Oper. Die Fledermaus. Kleines. 2 × 2= 5. Friedrich Wilhelmstädt. Schan 0 spielhaus. Rokomotivführer Clauffen. Hebbel. Frau Barrens Gewerbe. Westen. Ein Walzertraum. Residenz. Bibi. Der selige Dctabe. Zentral. Ein seltsamer Fall. Luisen. Unser Doktor. Zentral- Theater. Heute und folgende Lage: Ein seltsamer Fall mit Alwin Neuß. Staffeneröffn. 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Ein seltsamer Fall. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Weg zum Herzen, Rustspiel in 4 Atten v. Adolf L'Arronge. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Der Kaiserjäger. Sonntag, abends 8 Ubr: Der Weg zum Herzen. Montag, abends 8 Uhr: Der rote Leutnant. Schiller- Theater Charlottenburg. Sonnabend, abends 8ubr: Kaiser und Galiläer. Belthistorisches Schauspiel von Henrit Jbsen. Deutsch von E. Brausewetter. Erffer Teil: Cäsars Abfall. Schauspiel in 5 Aften. Sonntag, nach m. 3 Ubr: Der Richter von Zalamea.. Sonntag, abends 8 U br: Auf der Sonnenseite. Montag, abends 8 Uhr: Kaiser und Galiläer. Schiller- Saal( Schiller- Theater) ( Charlottenburg 6 Uhr: Vortrag von Prof. Dr. Paul Schubring: Anleitung zum Betrachten von Kunstwerken. 9 Uhr: Bortrag von Dr. Max Burkhardt: Die Ballade( Zumsteeg, Löwe, Plüddemann n. a.): Das deutsche Lied. Zirkus Schumann Heute Sonnabend, den 7. März, abends 18 Uhr: XXV. Grande Soirée High Life unter persönlicher Mitwirkung des Herrn Dir. Albert Schumann. 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Gustav Behrens. Spezialitäten. Carl Saverland. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies Bergère. Spezialitäten. Palast. Ringtampf- Stonkurrenz. Spe zialitäten. Urania. Zaubenstraße 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Theater 8 Uhr: Prof. Dr. B. Donath: Die neueren Fortschritte ber Farbenphotographie. Sternwarte, invalidenftr. 57/62. Berliner Theater. Zägl. 8 Uhr: Gastspiel Hansi Niesi: Anf.811. Wochentagspreise, Bracht- Ausstattungs- Bantom. mit herrlichen Licht- u. Waffereffetten. Sonntag: 2 Borst. 4 u. 18 Uhr. Nachm.: 1 Kind frei. WINDEST CARTEN Genaro u. Theol, equilibrist. XIII. Saison. Zirkus Busch Sonnabend abends 7, Uhr: Gala Abend. Bisher noch nie gezeigt! Sturz aus der 6. Stage! Größte Sens.( Mon. Gadbin) Jokoda- Truppe! 12 Personen. Original Japaner. Die australischen Holzfäller. Szenen a. d. australischen Busch. Herr Kommissionsrat Gustav Stensbeck, Direttor des Berliner Latterfalls, als Gaft. Bros. Clarkonians. Herr Ernst Schumann. Frl. Estelle Prévat. maila Auf der Hallig! 10 Uhr: Gr. Ausst.- Pant. des Zirkus Busch in 4 Bildern. Auf hoher See! Sturm und Schiffsuntergang. Die Wunder der Tiefsee. Vorher: Gala Programm. Sonntag, den 8. März: 2 gr. Galavorstellungen. Nachm. 4 u. abds. 7 Uhr. Um 4 Uhr zahlen Kinder unt. 10 Jahr. auf all. Sitplägen halbe Breise. Um 4 Uhr: Jokel a. Koko. Gr. hum. Bant. t. 2 Bildern. Um 7, Uhr: Auf der Hallig. Gr. Ausst.. Bant. i. 4 Bild. Außerdem: Herr Kommissionsrat Gust. Stensbeck. Dir. d. Berl. Tattersall a. Gast. Sonntag nachm. 8 Uhr: Trilby. Produktion. Der Biograph, Brunnen- Theater Abends: Heirathfalle. Metropol- Theater Abends 8 Uhr: Das muß man seh'n!! Gr. Revue in 4 Akten( 12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Bender, Giampietro, Josephi, Thielscher, Darmand, Massary. Rauchen überall gestattet. Sonntag, 8. März, nachm. 3 Uhr: Neuestes! Allerneuestes! der enge Schuh. Die vier Bracks, Akrobaten. de Vert, Sängerin. 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Abends 8-11 Uhr. Hanako Japans größte Tragödin mit ihrem Ensemble Lokomotivführer Clauffen. und das glänzende Anfang 8 Uhr. Sonntag nachm. 8 Uhr: Nachtafhl. Abends 8 Uhr: Hasemanns Töchter. Lortzing- Oper. Belle- Alliance- Straße 7/8. Nachmittags 3 Uhr: Borstellung des Goethe Vereins: 0 Minna v. Barnhelm. Abends 8 Uhr: März- Programm. Palast- Theater Burgstr. 24. Bhf. Börse. Ringkampf- Konkurrenz Brets von Berlin: Der Trompeter von Säkkingen. 10000 Mark. Sonntag mittag 12 Uhr: Mufil matinee des Goethe- Bereins. Nach Entscheidungskampf: mittags 3 Uhr: Martha. Abends Ritzler- Württenberg gegen Strenge, 8 Uhr: Rigoletto. Berlin. Ferner: Neues Operetten- Theater Pohl- Abs II, Deuthland, geg. Farkas, Uniang& Uhr. Der Opernball. Ungarn. Illa, Infel Stuba, gegen Borowski, Dftpreuße. Leipzig, Luisen- Theater. Schmidt pula, gegen Erdmann, Reichenbergeritr. 34. Rachmittags 4 Uhr: Berlin. Anfang 8 Uhr: Bürgerl. Schauspielhaus früher Hänsel und Gretel. Prater- Theater Abends 8 Uhr: Unser Doktor. Sonntag nachm. 3 Uhr: Des Mäd. Heute: Privat Vorstellung: Sonntag nachm. 3 Uhr: L'Arronge Feier: Haus Lonei. Abends 8 Uhr: Banola, Italien. Ferner: Badstraße 58. Direft.: Bernh. Rose. Morgen Sonntag, den 8. März 1908, nachmittags 3 Uhr: Pfeffer- Nösel. Abends 7 Uhr: Die zärtlichen Verwandten. Nach der Borstellung: Großer Ball. Borverkauf Sonntagsvorm. 10-1 Uhr. Montag, 9. März: Benefiz für Franz Nühle: Die Elfe vom Erlenhof, oder: Schuld und Sühne. W.Noacks Theater Direftion: Rob. Dill. Brumenitr. 16. Große Etgra- Borstellung. Robert der Teufel. Schauspiel in 3 Alten von Bermond. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Bi. Nach der Borstellung: Tanz. Sonntag 18 Uhr: Dieselbe Borst. Walhalla Variete- Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenthaler Tor. Abends 8 Uhr: Das neue März- Programm. Die heiligen Chinesen Entscheidungskampf in ihren geheimnisvollen Sitten und Noèl le Bordelais, Frankgegen reich, Albert Sturm, Berlin. Happoldt's Neuer Konzertsaal. Jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag: Großes Militär- Konzert. Sanssouci Kottbuser Straße 6. Direttion: Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoffmanns Norddeutsche Sänger u. Tanzkränzchen. Morgen: Große Elite Soiree.- Tanz. Gebräuchen. Ein Tag in der Opiumhöhle. Kofta der Mann mit dem drehbaren Kopf und die übrigen internationalen Künstler. Tunnel: Bockbierfest, Reg.- Stapelle, Sänger, italienisches Drchester. Theaterbefucher freier Eintritt. Passage- Panoptikum. Deutschlands größter Soldat Josef Schippers der lange Kerl. Kunsttaucher Kapt. Gröbl m. s. Riesenbass. Sicilian. Briganten- Kapelle. Ohne Extra- Entree! Eintr. 50 Pf. Kind. u. Sold. 25 Pf. 8 Cheater 8 Uhr Folies Cprice hr Gebr. Herrnfeld- Eine anständige Frau. Theater. Allabendlich der interessante Prozeß wie er stürmischer nie belacht wurde: Salomonisches Urteil. Ein Nachspiel zu Mal was Anderes Revue mit Gesang in 3 Bildern. Gustav BehrensTheater. Berlin W., Goltzstr. 9. Papa und Genossen Gr. 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Tages Drdnung: 1. Bortrag des Genossen Mag Grunwald über: Der Produktions. prozen des Kapitals. 2. Distuffion. Metallarbeiter, erscheint in Massen in dieser Bersammlung. Reiner darf Die Ortsverwaltung. fehlen. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Bezirk Süden. Montag, den 9. März, abends 6 Uhr( gleich nach Feierabend): Bezirks: Versammlung in Kliems Festsälen, Hafenhetde 13-15. Tages Drdnung: 1. Die Agitation während der Strife. Referent: R. Leopold. 2. Distuffion. 3. Berbandsangelegenheiten. Die Kommission. Zentralverband der Lederarbeiter. Filiale I Berlin. Sonntag, den 8. März, vormittags 10 Uhr, bei Schmidt, Brinzen- Allee 33: Achtung! Zweigverein Berlin. Sektion der Buyer. Putzer! Achtung! Morgen Sonntag, den 8. März, vormittags 10 Uhr, in den ,, Arminhallen", Kommandanten- Straße 58/59: Mitglieder- Versammlung. Zages Ordnung: 1. Bekanntgabe des Wahlresultats von der Vorstandswahl. 2. Situationsbericht. 3. Beschlußfaffung über den Antrag Wilmersdorf: Die Arbeitslosen- Abstempelung in den Bezirken auch in den Sommermonaten vorzunehmen". 4. Verschiedenes. Da die Gewerbegerichts- Beisigerwahl am Sonntag von 12-4 Uhr stattfindet, muß die Bersammlung pünktlich eröffnet werden. Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne dasselbe fein Zutritt. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. J. A.: E. Schulze. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Sonnabend, den 7. März: Großes Sommerfest in den Gesamträumen der Neuen Welt", Hasenheide 108-114. Ein Sommertag in den Hochalpen= verbunden mit Reigenfahren( pünktlich 11 Uhr), Vorträge, Gesellschaft Henry Balze", Kinematograph, Alpenglühen. In allen Sälen: Großer Ball. Tanz frei. Billett 50 Pfennig. Anfang 8, Uhr. Anfang 8, Uhr. Jede Dame erhält einen Bon, für welchen ein Präsent gegeben wird.( Die Ausgabe der Bons erfolgt an der Kontrolle, der Präsente im kleinen Saal.) 80/ 5* Zahlreichen Besuch erwartet Das Komitee. Billetts sind in allen Zahlstellen, im Bureau und bis zum 7. März ständig in folgenden Lokalen zu haben: Osten: Lorenz, Koppenstr. 28, Südost: Mühle, Mariannenstr. 41, Süden: Grumbach, Schönleinstr. 6 und Zehrend, Hasenheide 9, vis- a- vis der Neuen Welt". Es wird gebeten, sich vorher mit Billetts zu versehen. Deutsche Konzerthallen An der Spandauer Brücke 3. Täglich Mitglieder- Versammlung Deutsch- Amerikanischer Zages Ordnung: 1. Bericht des Borstandes. 2. Stellungnahme zum 18. Mära oder wie feiern wir denselben? 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Der Wichtigkeit der Tages- Drdnung wegen muß es fich jebes Mitglied zur Pflicht machen, für pünktlichen und zahlreichen Besuch Sorge zu fragen, denn die gefaßten Beschlüsse sind für alle bindend. F. Range, Borfigender. Zentralverband der Maschinisten und Heizer Sowie Berufsgenossen Deutschlands. Verwaltungsstelle Groß- Berlin. Sonntag, 8. März, nachmittage 4 Uhr, bei Bercht, Ritterstr. 75: B Fortsetzung der General- Versammlung bom 16. Februar. Zages Drdnung: 1. Schlußberatung der Anträge zum Verbandstage. 2. Beschlußfaffung über die Wahl eines ersten Vorfizenden resp. Bolalbeamten. 3. Wahl eines Erfagbelegierten zum Verbandstage. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimtert. Bahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. 3.: P. Sommerfeldt. Zentralverband der Steinsetzer, Pflasterer a. Bernisgen. Deutschlands. Achtung! An die Verbandsgenoffen der Filiale Groß- Berlin der Steinfeger, Pflasterer und Berufsgen. Deutschlands. Den Verbandsgenossen zur Kenntnis, daß am Montag, den 9. d. Mts., der paritätische Arbeitsnachweis in Kraft tritt und werktäglich die Eintragungen in den Listen bezw. die Arbeitsvermittelung von nachmittags 4-7 Uhr im Städtischen Zentral- Arbeitsnachweis, Rüdertstr. 9, linker Aufg. II, für FachArbeitsnachweis unter Borzeigung der Legitimationspapiere erfolgen. Die Ortsverwaltung. insegnungsAnzüge in den nenesten Fassons= Tuchkammgarn, Ripskammgarn und Cheviot, reichhaltigste Auswahl, gute Verarbeitung, zu den billigsten Preisen empfiehlt Lindenbaum 141 Gr. Frankfurter Str. Ecke Fruchtstraße. 141 Größtes Etablissement des Ostens, Nordostens und Südostens. Anerkannt reeliste u. billigste Bezugsquelle. e Urboc- Trubel. Nathan Wand 129 aliterfir. 129. Die schönsten in nen Herren- Sommer- Paletots und Anzüge fomie( peziell Monats- Garderobe von Kavalieren getragene Sachen. fast neu, für jede Figur passend. Speziell Bauch anzüge find in großer Muswahl stets zu staunend bidigen Breifen zu haben. Nathan Wand 120 Staligerstr. 129. Hochbahnstation Rottbuser Tor. Bitte auf Hausnummer zu achten. Peek& Cloppenburg Gertraudtenstr. 25, 26, 27 Berlin C. Roßstraße 1 and la Spezialgeschäft für moderne Herren- u. Knaben- Bekleidung Besonders preiswert: Sacco- Anzüge 18237. Kleinkarierter dunkler Cheviot, Sacco auf 3 Knopf mit Schlitz M. 15.18258. 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Bezirksgruppe Berlin, Brandenburg und Mecklenburg. Todes- Anzeige. Den Kollegen hiermit aur Kennt nis, daß am 4. März, nachmittags 1% Uhr, unfer Stollege Alfred Gleinig bon der Ortskrantenfasse ber Schneider nach furzem schweren Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet hente Sonnabend, den 7. März, nachmittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des St. Georgen- Kirchhofes, Landsberger Allee 21/23, aus statt. Der Borstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former August Lüttschwager am 5. d. M. geftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 7. Mära, nach mittags 1hr, von der Leichen halle des Friedhofes der Friedens. gemeinde, Nieber Schönhausen ( Nordend) aus ftatt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Todes Anzeige. Am Mittwoch, den 4. März, verstarb unser lieber Stollege, ber Gürtler Otto Schälicke im 38. Lebensjahre an ber Broletarierkrankheit. 5095 Die Beerdigung findet Sonntag nachmittags 3 Uhr auf dem Friedhof Lichtenberg, Krugstege. statt. Seine Kollegen bei der Firma Emil Scherler. Todes- Anzeige. 5076 Am Donnerstag, den 5. März, morgens 3, Uhr, verschied nach schwerem Leiben mein innigft ge= liebter Mann, der Schriftseter Richard Knapp. Dies gelgt tiefbetrübt an Berta Knapp geb. Hanschke. Die Beerdigung findst am Sonntag, den 8. Mars, nadm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Dantes- Kirchhofes, West- Beiniden dorf, Blankestraße, aus statt. Bangenossenschaft Turnerheim Eingetr. Geneffenschaft m. beschränkter Haftpflicht. Sonnabend, ben 14. März, abends 8%, Uhr, in Thiels Festfälen, Rigdorf, Bergftr. 151/152: General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht 1907. 2. Genehmigung der Bilang und Entlastung des Vorstandes. 3. Ver teilung des Reingewinns. 4. Wahl des Aufsichtsrates. 5. Berschiedenes. Der Vorstand. Der Aufsichtsrat. Max Schönberg. Aug. Möring, Die Bilans liegt aur Einsichtnahme der Genoffen in ber Staffenftelle Bring Handjernstr. 44/45 bei D. Stlein aus. Orts- Krankenkasse Messerschmiede, Schwertfeger o. Verfertiger chirurg. Instrumente Bekanntmachung. zu Berlin, Die V. Abänderung vom Statut ( Beschluß der Generalversammlung vom 19. November 1907 betreffend Beitragserhöhung) ist vom Bezirks ausschuß genehmigt und tritt mit Montag, den 9. März 1908 in Straft. Der Vorftand. Dr. Schünemann 14758 Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ede Schüßenste 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 Uhr H. Greifenhagen Nachf. Brunnenstr. 17-18 Veteranenstr. 1-2 Der Verkauf besonders vorteilhafter Artikel zu 3 Einheitspreisen V dauert nur noch heute, Sonntag und Montag 95 1 gestrickte Golfbluse PE. 1.95 8 2.95 shilinho 0 16 Paar schw. 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Weitere Beiträge für das Auer-Denkmal sind zu richten an den Kassierer Emil BoeSke. Berbandsbureau, Berlin S�V. 68, Lindenstr. 69. Partei- Hngclcgcnbeiten. Zur Lokalliste. In Wilhelmsruh(N i e d e r- B a r n i m) hat baS Lokal„Wald-Restaurant" den Inhaber gewechselt; dasselbe steht uns nach wie vor zur Verfügung. In Göhlsdorf bei Gr.-Kreuz' e, Zementierer, und Albert Grodetzki. Genossen, die am Tage der Wahl, also am 8. März, sich an den Wahlarbeiten beteiligen wollen, mögen sich am Sonntag vormittag um 11>/z Uhr im Lokal von Preil, Rosenstr. 24 einfinden. Auch am Montag bei den Arbeitgeberwahlen sind eine Anzahl Hülfskräste erforderlich. Wir ersuchen die Genossen, sich an beiden Tagen recht zahlreich zur Verfügung zu stellen. Nicht nur unsere Arbcitnehmerliste, sondern auch unsere Arbeitgeberlifte, beginnend mir dem Namen Beutel und endend mit Hoffmann muß den Sieg davontragen. An den Genossen liegt es nun, dafür zu sorgen, daß am Sonntag sowie am Montag die Liste des Gewerk- schaslSkartells den Sieg davonträgt. Mit der bestehenden Arbeit-lofigkeit im Holzgewerbe beschäftigte sicb eine außerordeniliche guibesuchte Generalversammlung der hiesigen Zahlstelle des Deutschen Holzarbeiterverbandes. Der Bevollmächtigte gab einen kurzen Ueberblick von dem Umfang der Arbeitslosigkeit. Da vom Staate sowohl wie auch von der Kommune nicht viel zur Linderung des Notstandes zu erwarten sei. sei die Arbeitet schaft ge- zwungen. die arbeislosen Kollegen vor der äußersten Not zu ichüven. Die Verwaltung mache daher aus Ersuchen der Kollegen den Vor- schlag, zur Unterstützung der ansgesteuerlen Kollegen einen frei- willigen Beitrag von 25 Pf. pro Woche zu erheben. Nach längerer Debatte, in welcher sänitllche Redner die Notwendigkeit der Unter- stützung betonten, wurde einstimmig beschlossen, daß jeder arbeilende Kollege vom l. März bis 1. Mai eincii Extrabeilrag von 3 M zu entrichten hat. Es sollen Marken zu 25 Ps. geklebt werden. Es ist sonnt jedem arbeitenden Kollegen leicht gemacht, für seinen arbeitS- losen Kollegen und dessen Familie ein kleines Opfer zur Linderung der bittersten Not zu bringen. Zwecks Errichtung eines Volkskindergartens hat der Rixdorfer Magistrat daS Straubsche Grundstück in der Berliner Straße er- wölben. Das nach der Berliner Straße zu gelegene Gartenhaus, dos auch eine Küche enthält, und die geräumige Veranda bieten für diesen Zweck sehr geeignete Räume. Vor allem wird der große Garten vortreffliche Verwendung finden. In der Küche soll den Kindern für ein geringes Entgelt warmes Frühstück oder� warmes Mittagbrot verabreicht werden. Es wird beabsichtigt, als Schulgeld vorläufig den Betrag von einer Mark monatlich von den Eltern der Kinder zu erbeben, daneben aber für völlig Unbemittelte noch eii.„ Reihe von Freistellen zu schaffen. Der Kindergarten wird für 100 Kinder Uuterkunst bieten. Tempelhof. Arbeiter-BildungSschule verlin. Der Genoffe vorchardt wird am Montag, den S. d. R.. den Unterricht in Nationalökonomie wieder fortsetzen. SchSnederg. Ein schmerer Automobilunfall hat sich gestern in der Abendstunde an der Ecke der Hohenstaufen- und Martin-Luther-Straße zugetragen. Säuferliste Der fünfjährige Sohn Erwin des Kaufmanns Bollmann, Martin-| vielen Sonderbarkeiten seines Lebens gehört auch die Tatsache, daß eindrang. Bioniere befreiten schließlich die in höchster Lebensgefahr Luther- Straße 65, war mit dem Dienstmädchen auf die Straße ge- er vom Amtsrat in Alt- Landsberg auf die schwebenden Personen und suchten durch Sprengung des Eises der gangen. In dem Augenblick, als eine Automobildroschke heranUeberschwemmung Einhalt zu tun. nahte, riß sich der Kleine los und rannte auf die Straße. Blindlings gesetzt worden ist, mit der Begründung, daß er an manchen Tagen Die stürzende Mauer. In Grammont stürzte, wie aus Brüssel lief er gegen das Automobil und wurde umgeschleudert, so daß er 18-20 Glas Nordhäuser mit Bier vertilge und Skandal auf der gemeldet wird, auf einem Neubau eine drei Meter hohe Band ein unter die Räder geriet. In bewußtlofem Zustande wurde der Knabe Straße mache. Gegen diese Charakterisierung des Gewohnheits- und begrub drei Arbeiter. Einer wurde tot aus dem Schutt hervor. nach dem Elisabeth- Krankenhause gebracht, wo die Aerzte einen trinkers wehrte sich der Angeklagte gestern mit aller Entschieden- gezogen, die beiden anderen liegen im Sterben. schweren Schädelbruch feststellten. Der Zustand des Kindes ist fast heitund vermutete dahinter eine Machenschaft der Familie seiner Hoffnungslos. geschiedenen Ehefrau. Er ließ sich auch von verschiedenen Zeugen Reinickendorf. bestätigen, daß die Einfügung seines Namens in die Gäuferliste allgemeine Entrüstung hervorgerufen habe. Ein Zeuge meinte, man fönne in Alt- Landsberg leicht dazu kommen, in iene Liste einnichts mäß geseg ชน " Einem längst fühlbaren Bedürfnis, Schaffung von Zeichenfälen für die Gemeindeschule, soll entsprochen werden, aber in nächster Zeit nur dort, wo es ohne nennenswerte Kosten möglich ist. Dagegen wird bereits per 1. April eine private dreiflaffige Vorschule für höhere Töchter bewilligt und ein Klassenraum sowie die nötigen Lehrmittel zur Verfügung gestellt. Die notleidenden Hausagrarier versuchten die Kosten für die Straßenreinigung der Allgemeinheit aufzuhalsen, nur um der Verwaltung die Arbeit der Erhebung der Gebühren zu ersparen". Hierfür waren aber die Herren vom anderen" Geldbeutet nicht zu haben. Spandau. getragen zu werden. sof pflichtet. Briefkaften der Redaktion. 4. Nein. Baier 1886. Nein. 0,95-1,00. Enten, per Stüd 0,00, bito Gaule Die letzte Gemeindevertretersitzung erbrachte wieder so recht den Die furistische Evrechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, zweiter britter Eingang, vier Treppen, Fahrstuhl Beweis, wie wenig soziales Verständnis die bürgerlichen Herren der wochentäglich abends von 7 bis 9% 1hr statt. Geöffnet 7 Uhr. Gemeindevertretung befizen und wie gering sie das Mitbestimmungsrecht der arbeitenden Bevölkerung in Gemeindeangelegenheiten be- Bezüglich der Anklagefälle bestritt der Angeklagte jedwede Sonnabende beginnt die Sprechstunde um 6 lbr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort werten. Von allen gewählten Gemeindevertretern erhalten unsere Schuld. Er betonte, daß er durch Schriftstellerei und Hundedressur wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Genossen die größte Stimmenzahl, man sollte daher meinen, daß ausreichend viel verdient und nicht nötig gehabt habe, Schwindeleien E. B., Tegel. 1. Sie fönnen bei dem Braunschweiger Amtsgericht fie auch das gewichtigste Wort in der Gemeinde zu reden haben, und zu verüben. Durch die Hundedressur habe er mehrere tausend Mark einen Bahlungsbefehl beantragen oder eine Stage anstrengen. 2. Nein, insbesondere in den Angelegenheiten, die die arbeitende Bevölkerung pro Jahr verdient; einmal habe er eine ganze Gruppe dressierter Sie können nur auf Rückgabe lagen. 3. In diesem Falle können Sie auf am meisten angeht. Doch von dieser Selbstverständlichkeit ist bei Hunde an eine Dompteuse verkauft und dafür allein 15 000 Mart Rüdgabe flagen und außerdem Strafantrag stellen. Nathenower den Vertretern bon Geldiacks- und Hausbesizers Gnaden erhalten. Die Darlehnsgeschäfte seien durchaus reell gemeint ge- Straße 24. 1. Das Gewerbe müssen Sie anmelden. 2. Es kann be spüren. Am Montag sollte zunächst ge- wesen und auch so bearbeitet worden. Er habe keineswegs schwindel- liebig oft gepfändet werden. 2. 3. 40. 1. Ja. 2. Nein. 3. Sie den Ausführungsbestimmungen zum neuen Schul- hafte Manöver ausgeführt. Der Angeklagte führte auch eine Reihe fönnen bis am 15. zum Ersten das Zimmer fündigen. S. Keineswegs: Sie verwechseln die Bestimmung, daß der Lohn wegen eine Schuldeputation gewählt werden. die von Zeugen vor, denen er Darlehen vermittelt und andere, die sich Da Gemeindevertretung hierzu 3 Vertreter zu wählen hatte, beantragten bereit erklärt hatten, ihm Geld zur Verfügung zu stellen bezw. ihm Rückstände von Steuern nur soweit in Beschlag gelegt werden kann, als es unsere Genossen, auch einen Vertreter der 3. Klasse zu wählen, und solches tatsächlich gegeben hatten. Trotzdem tam Staatsanwalt Taube aut fich um Steuerrückstände von nicht mehr als drei Monaten handelt mit der fünfjährigen Berjährungsfrist der Steuer. schlugen einen unserer Genossen vor. Sofort erklärte der Bürger- Grund der eingehenden Beweisaufnahme zu derselben Auffassung.. 119. Ja. J. G. 60. Sie könnten zur Leistung des Offenbarungs. meister, daß ein solcher von der Aufsichtsbehörde doch nicht bestätigt wie der erste Richter und beantragte die Erhöhung der Strafe auf eides geladen und im Termin verlangen, daß Ihnen das Nähere über die werden würde, man daher also erst gar keinen Versuch machen solle. 9 Monat Gefängnis und sofortiger Verhaftung des Angeklagten. Lohnforderung angegeben wird.- O. B. 30. 1. Nein. 2. Ja. 3. Sich einigen. J. Sch. 20. Sowohl die Krankenkasse wie die Versicherungsanstalt ist Verständnisinnig lehnten dann auch die übrigen Herren den Vor- Das Gericht kam nach längerer Beratung zu einem freisprechenden flag ab. Daß eine Körperschaft, der die Pflege der Volksschule Urteil. Das Gericht hielt zwar einen nicht von der Hand zu berechtigt, aber nicht verpflichtet, Sie einer Heilstätte zu überweisen. Die obliegen foll, eigentlich der Mitarbeit der Erwählten des Volks" weisenden Verdacht betrügerischen Vorgehens für gegeben, die Be- Bersicherungsanstalt befindet am Kölnischen Bart. Sie tönnen den Antrag dort zu Protokoll erklären. W. S. 33. Am besten erhalten Sie Aus nicht entraten kann, und daß die Volksschule eigentlich eigene An- weise aber zu einer Verurteilung nicht für ausreichend. funft durch Genossen Simanowski, Engelufer 15. F. 73. Eine Klage gelegenheit" des Volts sein müßte, und daß, wenn überhaupt irgend auf Entschädigung gegen den Wirt hätte Aussicht auf Erfolg. A. S. 67. Ein schwerer Roheitsakt, Sie fönnten jemand fein Recht hat, in diefer Sache mitzureden, es ja eigentlich eine Klage beim Gewerbegericht versuchen, indessen Wilhelm 888. Nein. nur die Besigenden, deren Kinder die Volksschule nicht besuchen, sein der sich gegen die eigene 72jährige Großmutter richtete, führte ist der Ausfall ein höchst zweifelhafter. M. D. 33. Eine Stlage hätte leider sehr wenig Aussicht auf Erfolg. könnten, davon sprach man nicht. Aber daß der vom Bürgermeister gestern den 22jährigen Gelegenheitsarbeiter Alwin Barczek vor den angeführte Grund gar nicht maßgebend war, bewies die darauf Strafrichter. Wegen Körperverlegung mittels einer das Leben Bersuchen Sie es mit einer Eingabe an den Magistrat, und falls bier Abfolgende, an Stelle unseres verstorbenen Genoffen Schilling vorzu- gefährdenden Behandlung, verhandelte die zweite Strafkammer des lehnung erfolgen sollte, mit einer Petition an die Stadtverordnetenver F. B. 45. An den Magiftrat. - G. V. 9. Sie sind zur nehmende Eriagwahl eines Mitgliedes des Steuerausschusses. Wollte Landgerichts II unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Köster Zahlung berpflichtet.$. B. 217. 1. Nur für die Dauer von zwei man die Grundsäge von Recht und Billigkeit anerkennen, so hätte gegen den schon wegen Gewalttätigkeitsvergehen vorbestraften An Jahren. 2. Nur für zwei Lohnperioden. F. 5. 77. 1. Die Versiche man's hier, wo fein Bestätigungsrecht der Regierung besteht, zeigen geklagten. Die Verhandlung entrollte ein überaus trauriges rung geht weiter. 2 Sie fönnen, brauchen aber nicht die Angabe machen. Bild eines Familienlebens. In der Albrechtstraße zu Köpenick 3. Den Antrag müssen Sie bei dem Bezirkskommando ſtellen; es erfolgt fönnen. Von unferen Genossen wurde in der Person unseres Genossen wohnte seit längerer Zeit ein altes weißhaariges Mütterchen, welches dann eine Untersuchung. 4. Wenn nicht ausdrücklich Garantie geleistet ist, nein. R. 100. 1. Ja. 2. Pfändung fann erfolgen, Eine Interventionstlage Prange für diese Kommission eine hervorragend fachmännische Kraft fich infolge ihres Alters und einer Krankheit taum noch aufrecht vorgeschlagen und empfohlen. Aber da man systematisch darauf erhalten konnte. Hinzu kam die Sorge um das tägliche Brot. der Ehefrau hätte aber Aussicht auf Erfolg. 3. 3ft tein besonderer Vertrag K., Pücklerstr. 43. ausgeht, unsere Genossen aus den Kommissionen fernzuhalten, wurde Die alte Frau hatte zwar verheiratete Kinder, die aber mit sich geschlossen, so leben Sie außer Gütergemeinschaft. F. R. 100. 1. Das sind die Beleidigungsparagraphen. Den der Vorschlag abgelehnt. Da man fachliche Gründe hierfür nicht selbst genug zu tun hatten. Das allerschlimmste war aber, daß sich auch ein Dissident ist zur Gidesleistung in der vorgeschriebenen Form ver beibringen fonnte, verdächtigte man unseren Genowen, daß er wohl bei der 72jährigen Frau Schmieder noch ein junger Bursche, ihr Wortlaut tönnen Sie in jeder öffentlichen Bibliothet im Strafgesetzbuch einnicht die genügende Objektivität besige. Als Genosse Dhl diesen Enkelkind, aufhielt, welcher ihr noch das Wenige, was sie hatte, fehen. Ginen Abdruck an dieser Stelle verbietet schon der Raum. 2. Nein. H. W. 100. Nur in dem Falle, daß eine Hülfsbedürftigkeit vorlag, Vorwurf energisch zurückwies und Beweise verlangte, erklärte man, unter Drohungen mit Schlägen abnahm. Es war dies der jezige $. 77. Ja. M. M., Rigdorf. Die Adresse finden Sie das sei Gefühlssache, und darüber ließe man sich keine Vorschriften Angeklagte Barczat, welcher in Köpenick als ein sehr gewalttätiger sonst nicht. O. B. 32. Nach herrschender Ansicht nein. machen. Mit einem Lächeln ging man über die Sache hinweg. und arbeitsscheuer Bursche bekannt ist. Am 10. Dezember berlangte der im Adreßkalender. Bitterböse aber wurde der Herr Bürgermeister und mit ihm seine Angeklagte von der alten Frau unter Drohungen 65 M. Als sie ihm Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Getreuen, als ersterem entgegen gehalten wurde, daß sein Verhalten diese nicht geben konnte, schlug er auf fie los. zerrte fie an den Marktballen- Direktion.( Großhandel.) Ochsenfleisch la 68 70 pr. 100 Bid., einen sonderbaren Eindruck mache, und energisch verwahrte er sich Saaren zu Boden und bearbeitete sie mit Fußtritten. Die Greifin la 62 67, IIIa 54-57, Bullenfleisch Ia 65-70, IIa 54-64, Stübe, fett dagegen, daß auch nur der leiseste 8weifel an seiner Objektivität weigerte sich, Strafantrag zu stellen, deshalb mußten die von 48-56, do. mager 36-44, Fresser 50-58, Bullen, dänische 51-63. Nachbarn herbeigeholten Polizeibeamten unberrichteter Sache um Kalbfleisch. Doppellender 105-125, Maittälber la 80-87.[ fa 69-76, geäußert werden könnte. gen. 47-62, do. Gol. 45-50. Hammelfleisch Masttehren. Am nächsten Tage wiederholte sich derselbe Vorfall. Der Stälber Angeklagte verlangte wiederum Geld und schlug auf seine Groß- lammer 73-75, Hammel la 67 69, la 59-64, ungar. 0,00, Schaje Schweinefleisch 48-56 Notwild la per Pfund 0,55-0,56, bo. IIa 0,00. Damwild 0,50-0,60. Rentiere 0,45-0,52. Kaninchen, St. mutter ein, als diese ihm erklärte, sie habe keinen Pfennig im 44-57. Hause. Glücklicherweise tam eine verheiratete Tochter der Frau 0,70-0,90. Hafen, plomb. 1,75-3,00. Wildenten v. St 0,00. Fafanen Schmieder in diesem Augenblicke hinzu. Als sie erklärte, sie werde bäbne la, junge 0,00, do. Ila u. alt 2,50. Schneehühner, Stüd Birkhennen, Std. 0,00. Schnepfen, fofort die Polizei holen, drang der brutale Bursche mit einem 0,80-0,95. Birthähne, Stüd 0,00. offenen Messer auf sie ein und drohte, er würde sie wie ein Stalb Ila 1,00-2,00. übner. Ia per Stüd 1,50-2,50, bito IIa 0,80-1,40. abstechen", wenn sie zur Polizei ginge. Der Bedrohten blieb nichts do. Wolga St. 1,40-1,80. Hamb. Stüfen, St. 0,90-1,10, Poulets 0,90-1,20. anderes übrig, als die Flucht zu ergreifen. Sie ging zur Polizet Boularden, deutsche, p. Bfb. 0,00. Zauben, Stud 0,65-0,80, dito alte 0,50 bis und erstattete Anzeige. Bald darauf wurde B. in einer Schant. 0,70, do. italienische wirtschaft verhaftet. Die bedauernswerte alte Frau mußte sofort ruffiſche per Stud 0,00, dito Hamburger, der Stüd 0,00. ins Krankenhaus geschafft werden, wo sie nach neun Tagen an gefr. Der fb. 0,55-0,56, do. ruff. 0,30-0,50, bo. ig. Hamburger 0,80-1,05. den Folgen einer Darmentzündung starb. Der Gerichtsarzt des Buten la p. Bib. 0,75-0,90, do IIa. 0,60-0,65. echte per 100 Blund 75-94, 6o. flein 0,00, do. groß 55-74, do. mittel 92-101. Bander, Kreises Teltow, Dr. Marg, und der Medizinalrat Dr. Pfleger, unsortiert 0,00, do. groß- mittel 0,00, bo. 170-176. Solcie, groß 130, Alale, flein 0,00, bo. mittel 0,00, welche die Obduktion vorgenommen hatten, befundeten vor Gericht, dito mitte! 0,00, dito IIa 0-00. daß die als Todesursache in Frage kommende Darmentzündung do. groß 0,00. Karpfen 5-10er 0,00, do. 20-25er 0,00, do. 80-100er 0,00, 50er, Laufiber 0,00, do. 60- er 0,00, do. 50er, Stumpf, möglicherweise eine Folge von Fußtritten gegen den Leib set. do. Aland 71. Quappen, flein 39-48. Der ursächliche Zusammenhang zwischen den erlittenen Verlegungen 0,00. Blögen 43-57, dito flein 31. und dem Tode lasse sich jedoch nicht mit genügender Sicherheit feft- Wels 59. Bunte Fische, flein 29-34. Barfe 95-104, do. Klein 60-61. 100 Bfund 110-130, bo. Ila 90-100. Seelachs, per 100 Pfund stellen, da eine zu große Zeit zwischen diesen beiden Momenten Sarauichen 94. Winter- Rheinlachs, p. 100 Bfb. 0,00, Amerikan. Lachs la, per liege. Bor Gericht gab der Angeklagte ziemlich fleinmütig zu, 20-30. Flundern, Mieler, Stiege Ia 2-6, do. mittel, Stifte 0,00, seine Großmutter geschlagen zu haben. Der Staatsanwalt bean do. Hamb. Stiege 3-6, halbe Stifte 2-3, pomm. Ia Schod 0,00, Ila Büdlinge. Kieler ber all 0,00, schwedische 0,00, englische 0,00, tragte 5 Jahre und 3 Wochen Gefängnis. Das Gericht erkannte 0,00. Stralf. 3-4. Sprotten, Danziger, Kiste 0,40, do. Rügenwalder, Stifte auf 4 Jahre und 3 Monate Gefängnis. 0,00. Aale, groß per Bfund 1,10-1,40. do. mittelgroß 0.80-1,10, flein 0,60-0.80. Heringe per Schod 5,00-9,00. Schellfische, Stifte 3,00-4,00, dito, Stifte 2,00-2,50. Sardellen. 1902 er per Anter 98, 1904er 98, 1905er 98, 1906er 85-90. Schottische Vollberinge 1905 0,00, large 40-44, full. 38-40, med. 36-42, beutsche 30-10. Heringe, neue Matjes, per Zo. 0,00. Sardinen, russ., Faß Zum Brand des Meininger Hoftheaters 1.50-1,60. Bratberinge Faj 1,20-1,40, bo. Büchse( 4 Liter) 1,40-1,70. Neunaugen, Schockfaß 8. do. fleine 4-5, do. Hiesen 10. Streble per Schod werden noch folgende Einzelheiten berichtet: Die ersten Anzeichen 0,00, große 0.00, do. mittelgroße 0,00, dito fleine 0,00 cm 0,00, des Feuers wurden von einer zufällig nach der am Mittag ab- do. unsortiert 0,00, Galizier, groß 0,00. Seemuscheln 100 St. 1,00. Gier, gehaltenen Dekorationsprobe die Bühne betretenden Schauspielerin Land, unsortiert per Schod 3,00-3,60, do. große 3,75-4,10. Butter per in der Nähe der herzoglichen Loge in der nordöstlichen Ede des 100 Bfb. Ta 130 132. Ila 124 126. IIIa 120-124 abfallende 115-120. Saure Gurten Schod 4,50. Startoffeln Bierfergurten Schod 4.50. 100 Pfund Dabersche 3,25-3,50, weiße runde 2,50-3,00, Die Geschäfte des„ Märkischen Landesbureaus" unterlagen Theaters bemerkt. Es stieg Rauch aus dem Kellergeschoß auf, in per Es wurde festgestellt, mag. bon. 2,75--3,25. Borree, per Schod 0,75-1,25. Meerrettich, Schod gestern der Prüfung durch die Straffammer des Landgerichts in dem sich die Bentralheizräume befanden. 6-12. Spinat per 100 Biund 15-20. Sellerie, per Schod 3-6, unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Warnatsch. Unter der daß der untere Bühnenraum vollständig verqualmt war. Telephonisch do. pomm. 6-14. Zwiebeln per 100 Bfd. 2,00-5,00. Beterfilie, grün. oben genannten volltönenden Bezeichnung betrieb der frühere wurde die Feuerwehr in Kenntnis gefeßt, um 12 Uhr stand jedoch schodbund 0,80-1,50. Rettich, bayrischer, per Stüd 0,06-0,10, per Schock 0,00. Mobrrüben, 100 Pjund 1,50 bis Leutnant und jebige Agent Freiherr Arthur v. Creiß ein Darlehns- der ganze Bühnenraum bis zum Schnürboden in hellen Flammen. Der biefiger, 3.00. Karotten, per 100 Pfund 12-18. Wirsingfohl v. Schod 3-6. vermittelungsgeschäft, welches er in Bruchmühle in einem Zimmer eiferne Vorhang konnte der ungeheuren Glut nicht standhalten und Rotkohl, Schod 2,10 3 Weißfohl p. 100 Pfe. 1,60-2,50. Blumenkohl, hiesiger eröffnet hatte. Er annoncierte in einigen Zeitungen, daß von ihm fenfte sich rotglühend nach dem Zuschauerraum. der auch bald in 100 Stüd 0,00, do. Erfurter 0,00, do. italienischer 100 Stud 10-15, Darlehen ev. auch ohne Sicherheit gewährt werden. Gleichzeitig Rosenkohl, per 100 Pfund 18-30. suchte er durch andere Juferate Geldgeber für Darlehnsgeschäfte. Flannmen stand. Um 18 Uhr schlugen mächtige Feuergarben zum bo. in Störben 18 Stüd 1,00-1,25. Aus diesen Geschäften erwuchs ihm eine Auflage wegen Betruges Dache hinaus. Inzwischen hatten nach erfolgter Absperrung die Grünkohl 10,00-12,00. Stohlrüben, Schof 4,00-4,50. Petersilienwurzelit, Schnittlauch, Töpfe Dukend 2 2,50. Tomaten, tanarische, per Siste 5,75-7. Rote Rüben, und das Schöffengericht in Alt- Landsberg verurteilte ihn seinerzeit Rettungsarbeiten zur Bergung der Requifiten, Garderoben, Waffen, b. 100 Pfd. 4,50-5,00, Schockbund 5-6. zu 5 Monaten Gefängnis. Mit dem Angeklagten war eine große Rüstungen, die in ungeheuerer Menge von hohem Werte in den per 100 Pfund 5,00-6,00. Rhabarber 100 Bund 7-10. Rabungen 0,30 bis Anzahl von Personen behufs Beschaffung von Darlehnen in Ber- Räumen des Theaters lagerten, begonnen. Dank des Zugreifens 0,50. Rübchen 12-18. Estarol, 100 St. 18,00. Endivien, 100 St. 20-27. bindung getreten. Wie immer in folchen Fällen, begannen die zahlreicher Personen tonute fast das gesamte Inventar außer einer Birnen, Kochbirnen hiesige, per 100 Bid. 6-10,00, Tafelbirnen la 18-30, do. Ila 6-17, Staliener Ia 40, do. Ila 20-25. Alepfel, per 100 Bfund, Geschäfte mit der Zahlung eines Vorschusses von 3 und 5 Mart Anzahl historischer Damenkostüme gerettet werden. Die änßerst Tiroler Ia 20-28, do. IIa 22, bo. loje, per 100 Bfund 0,00, do. feitens der Darlehussucher. Das Schöffengericht hat nun ange nommen, daß der Angeklagte gar nicht in der Lage gewesen set, umfangreiche und wertvolle, zum Teil kaum erseßliche Bibliothet in Stiften 120 Bfd. 30-50, Moft, bief., 100 Bio. 3-12, od 5-14, TafelIa 15-23, bo. IIa 8-18, Amerikaner, per Faß 15-28, Italiener, lose, Darlehnen in irgendwie erheblichem Maße zu gewähren, daß er auch des Theaters sowie der Hofkapelle und die Instrumente sind ebenfalls äpfel 100 Bfb. 11-15, do. in Körben per 100 fb. gar feine potenten Geldmänner hinter sich gehabt habe. Nach An- in Sicherheit. Trotz angestrengter Tätigkeit der Feuerwehr war an 10-16, bo. in Kisten 8-20. Weintrauben, Almeria, per Faß 8-16. sicht des Schöffengerichts sei es ihm nur auf den Vorschuß ange- eine Bewältigung des entfesselten Elements nicht zu denken. Bald Ananas I, per Bjund 0,80-1,00, do. II 0,65--0,70. Bananen, gelb, kommen, nach dessen Empfang er nichts mehr für die Darlehns- war der ganze Zuschauerraum und die Garderobe ebenfalls vom Jamaica, per 100 Bid. 22,00-25,00. Maronen, ital., per 100 Bfund 6-20. sucher getan habe. Das Gericht hielt mehrere Fälle des Betruges Feuer erfaßt, und nunmehr stand der ganze Bau bis zum Dach in Feigen, Stranz- per 100 fd 20 25, do. Trommel per 100 Bjb. 40, do. in Kisten 28-58. Traubenrosinen per 100 Pfd. 0,00, gitronen, für erwiesen und erkannte auf die oben angegebene Strafe. Hier hellen Flammen. Abends um 8 Uhr war auch die Hauptfront des Meifina, 300 Stüd 8,00-10, bo. 360 Stud 8,00-10, do. 200 Stüd gegen legte nicht nur der Angeklagte Berufung ein, sondern auch der Staatsanwalt, der noch drei neue Fälle unter Anklage stellte Theaters vom Feuer soweit geschwächt, daß die Decke des herrlichen 0.00, bo. 150 Stud 0,00. und die Strafe für zu milde erachtete. Der jetzt 60jährige Ange- Reunionsaales in sich zusammenstürzte, so daß nur noch Mauerrefte do. 300 Stüd 7,00-12,00, do. Valencia 420 Stud 15-25, do. 714 Stüd klagte, dessen Brust das Eiserne Kreuz schmückt, hat einen inter- und Trümmer von dem stolzen Bau Zeugnis geben. Zwei wert- 22 28,00, bo. Messina- Blut 100 Std 7,50, bo. 150 Stud 7,50-8,50, do. 80 Stüd 6,50-7,00, bo. 200 Stüd 8-12. Datteln, per 100 Start. effanten Gutwidelungsgang genommen. Er hat im Domgymnasium volle Flügel, von denen einer im Werte von 6000 m. der Hof- 37-40, bo. per 10 pfd. 5,00-5,50, do. Stalif. 100 Pfund 28-30. zu Magdeburg das Abiturienteneramen gemacht, studierte dann fapelle probeweise überlassen war, fonnten wegen ihrer Schwere Naturwissenschaften und trat darauf bei den Kürassieren ein. Am nicht gerettet werden. Das Theater ist versichert, an dem Schaden 2. September 1870 wurde er im Felde zum Leutnant befördert und find acht Gesellschaften beteiligt. blieb bis 1874 aktiv. Er kaufte die Herrschaft Hammer in WestDer bei der letzten Stadtverordnetenwahl zum Stadtverordneten gewählte Schlächtermeister Konrad Schaub batte sich am Mittwoch vor dem hiesigen Schöffengericht wegen Bergehen gegen das Nahrungsmittelgefeß zu verantworten. Er hatte Breslauer Wurst mit einer Darmfarbe gefärbt. Der Gutachter Chemiker Dr. Beyer vom Nahrungsmitteluntersuchungsamt befundet, daß durch der artige Färbungen der Wurst das Publikum getäuscht werde, indem dadurch verdeckt wird, wenn nicht mehr frisches Fleisch verwendet wird. Das Kammergericht habe derartige Manipulationen als Verfälschung anerkannt. Das Gericht verurteilte den Schlächtermeister, der schon wegen eines ähnlichen Vergehens vorbestraft ist, zu 50 M. Geldstrafe. Merkwürdigerweise hat sich die hiesige Lokalpreffe über diefen Fall gänzlich ausgefchwiegen. Ter Gerichtsvoi sigende erflärte noch bei der Urteilsbegründung, daß er fünftighin dafür sorgen werde, daß derartige Urteile veröffentlicht würden. Gerichts- Zeitung. Freiherr und Betrüger? Vermischtes. preußen und bewirtschaftete sie vier Jahre lang. Dann legte er In die Tiefe gestürzt. Auf dem Mathildenfchacht in Schwienfich auf das Dressieren von Tieren, insbesondere auf die Hundebreffur. Er heiratete eine Witwe, die nicht nur erfledliches bares tochlowit riß, wie eine Meldung aus Beuthen belagt, bei der AusGelb, sondern auch ein Gut in die Ehe brachte, welches er befahrt das Förderseil. Der Storb stürzte infolgedessen in die Tiefe, wobei zwei Bergleute getötet wurden. wirtschaftete. Seine Vermögenslage wurde später immer ungünstiger und recht schlecht, als sich die Frau von ihm hatte scheiden Lawinenkatastrophe in Ungarn. Nach einer telegraphischen lassen. Er hat sich dann zur Feuerwehr ausbilden lassen und Meldung aus Budapest wurden im Dubravatale, im Komitat Liptau, richtete in einem russischen Ort die Feuerwehr ein. Mit einer durch eine Lawine zwölf Holzarbeiter verschüttet. Sechs Arbeiter zweiten Frau ist er nur 6 Wochen berheiratet gewesen, alsdann sind tot, vier sind schwer verlegt, zwei leicht verlegt. ist die Ehe auf seinen Antrieb geschieden worden. Der Angeklagte ist auch schriftstellerisch tätig gewesen. Er hat ein Buch„ Die Eisgang und Hochwasser. Eine Meldung aus Lemberg besagt: Dressur des Luxushundes" geschrieben, ferner ein Kynologisches Jufolge Gisganges ist der Sanfluß aus den Ufern getreten. Die Lexikon" herausgegeben, ist Ehrenpräses vom„ Klub Juno" und Stadt Sanok ist völlig unter Wasser gesetzt. Die Einwohner muigen hat auch landwirtschaftliche Ausstellungen veranstaltet. Bu den sich auf die Dächer flüchten, da das Wasser durch Türen und Fenster. Apfelsinen, Murcia, 200 Stüd 7,50-10,00 Witterungsübersicht vom 6. März 1908, morgens 8 Uhr. Slatonen Barometer. fland imm cloning Bindfiarte Swinembe 763 Hamburg Berlin Beller Temp n G 5°-4° 9 Stationen Barometer. Bind. 3 bedeat 2 Haparanda 765 S 763 S 764 SGD 2 heiter Sumis indftarle Better 2 bededt 2 bedeckt 1 Petersburg 769 Still 1 Scilly 2 berbeen 744 751 SSD 3 bededt 756 SS 4 bedeckt bedeckt 6 bedeckt Franti.a M 7621 Regen München Bien 766 SSD 2 tollig 0 Baris 769 Still Nebel Temp. n. C. Wetterprognose für Sonnabend, den 7. März 1908. Etwas wärmer bei ziemlich lebhaften südlichen Winden und zue nehmender Bewölkung; nachher Begen. Berliner Betterbureau Jeder Arbeiter, Castan's Panoptikum 165 Friedrichstr. 165 Abdul Hamids Harem Zauberer Fakire Bauchtänzerinnen. 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Gebäude- Konto. 178 850, Gespann- Konto Inventar- Konto. 14 900, 1 600, Maschinen- Konto Guth.- Konto b. d.G.-E.-G. Debitoren. Passiva. Konto der Genossenschafter Hypotheken- Konto Hypothefen- Zilg.- Konto. Refervefonds- Konto Unterstützungsfonds- Konto Kreditoren.. 4 400, 126,25 4 676,33 249 464,44 1050, 200 000, 11 400, 7 200, 6 733,68 23 080,76 249 464,44 Im Laufe des Geschäftsjahres 1907 ift fein Genosse belgetreten, aus geschieden 1 Genosse. Mitgliederzahl am 31. Dezember 1907: 20 Genoffen. Die Geschäftsguthaben der Mitglieder fowie die Gesamthaftsumme betragen am 31. Dezember 1907: 1050,- M. Die Geschäftsguthaben und die HaftSumme haben sich um 50 M. vermindert, Reinickendorf, 5. März 1908. Der Vorstand. Robert Engel. Karl Marschel. nach Anzüge) Paletots Maß aus Ia Stoffreften. Monats- u. nicht abgeholte Sachen stannend billig. Einsegnungs= Anzüge 21582 moderne, chice Form, hochelegant u. tadellos sitzend. Beste Verarbeitung, vollständiger Ersatz für Maßarbeit. 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