Nr. 59. RbonnemtntS'Bedlngunaen: Abonnements> Preis pränumerando, Liertcljährl. Z.Z0 Ml. monatl l.io Ml. wöchentlich 2S Psg. frei inS HauS. Einzelne Nummer k Ptg. Sonntags. nunimer mit Austriertcr Sonntags. SeUage.Die Neue Wein 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posl.Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemari, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, eiuuiönUn. Schweden und die Schweiz, Crfdillst lZgiich iiilkr DoatatL 25* Jahrs Verlinev Volksblertk. VIe fnleMons-eedllh» beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- jcilc oder deren Raum bll Psg., für politische und gewerlschaftliche Bereins- und Bersammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „KUine Anreizen", das erste(seit- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes wciicra Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stellcn-Anzeigcn daS erste Wort 10 Pfg,, jede? weitere Wort ö Pfg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserats für die nächste Nummer muffen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Zelegramm- Adresse: „SozialdciDeKrat Berlin". Zentralorgan der rozlaldemokratifcben Partei Deutfcblands. Redahtion: 8M. 68» Lindcnstrasse 69* Fernsprecher: Amt IV, Nr. I9S3. Dernburg der Gerechte! Man hat dem deutschen Kolonialminister bitter Unrecht getan: man hat geglaubt, und zwar selbst dort, wo man ein verständigeres Urteil hätte erwarten sollen, es sei ihm wirklich darum zu tun, in Afrika eine huniane Kultur aufzupflanzen. Diese Vorstellung gewann man nach seiner ersten Rede in der Budgetkommission und meinte, er sei durch seine Afrikareise zu einer besseren Einsicht geführt worden. Weshalb er denn auch von der kolonialpatriotischen Presse heftig angegriffen wurde. Wie gesagt, sehr zu Unrecht; denn es fiel ihm gar nicht ein, die Kolonialpolitik als Eingeborenenpolitik aufzu- fassen. Das erklärte er denn auch unumwunden in seiner Zuschrift an die„R h e i n i s ch- W e st f ä li s ch c Zeitung". Er sei mißverstanden worden. Er sagte, wenn man genau liest, nichts, was nicht mit den Ansichten der Verfechter einer schrankenlosen Kolonialherrschaft, die ihn soeben wütend an- gegriffen hatten, übereinstimmt. Wie sie. will er die Rassen- Herrschaft der Weißen; ihre Grundsätze sind seine Grundsätze und ihre Gerechtigkeit seine Gerechtigkeit. Das bestätigte ihm denn auch mit Beifall und innigem Behagen die kolonial- patriotische Presse und stellte ihre Angriffe ein. Nur die Kolonialagrarier zogen sich mit miß- trauischen Blicken zurück. Sie wissen wohl, warum. Hier ist anderes im Spiele. Nicht um die Neger handelt es sich. Die Agrarier sind zu sehr geriebene Geschäftsleute, um sich durch humanitäre Phrasen aus der Fassung bringen zu lassen. Damit erschreckt man sie nicht. Sie wissen sehr gut, daß nicht die Berliner Maximen über die afrikanische Wirklichkeit entscheiden, sondern die kolonialen Verhältnisse in Afrika die Berliner Kolonialpolitik bestimmen. Aber sie haben D e r n- bürg, nicht ohne Grrmd, im Verdacht, daß für ihn die Interessen der Pflanzer, also der Kolonialagrarier, nicht das einzig Maßgebende in der Kolonialpolitik sind. Nicht als Negerfreund und nicht eigentlich als Pflanzerfeind, aber als Vertreter eines höheren kapitalistischen Interesses, des Interesses der B ö r s e in den Kolonien, erscheint ihnen Dernburg gefährlich. Hinter dem Streit um größere oder geringere Mißhandlung der Eingeborenen offenbart sich hier ein kapitalistischer Jntereffenkampf, der in der nächsten Eni- Wickelung der deutschen Kolonien noch schärfer zur Geltung kommen dürfte. Die Gefoppten sind, wie immer, die Freisinnigen. Wie schlechte Schauspieler, die nicht Maß zu halten verstehen, haben sie sich selbst an ihren Worten berauscht, sich eine Kolonialpolitik suggeriert, die es gar nicht gibt, und schließlich den deutschen Kolonialminffter als einen liberalen Neger- messias gefeiert. Er aber dreht den Freisinnigen respektlos den Rücken und schiebt vertraulich seinen Arm unter den Arm des Plantagenbesitzers, der da„mit der Peitsche herumläuft"! Am possierlichsten benahm sich bei dieser Gelegenheit das „Verl. T a g e b l a t t". das erklärte, die Zuschrift Dernburgs an die„Rhcin.-Westf. Ztg." sei gar nicht ernst gemeint, diene nur zur Beschwichtigung der aufgeregten Gemüter. So quittiert der Freisinn die politische Ohrfeige, die er erhielt, indem er sie für einen Scherz erklärt. Denn würde er sie ernst nehmen, so würde sein eigenes Tun als polifischer Clown spaß erscheinen. Was war in Wirklichkeit vorgefallen? Die Bestialitäten einzelner lassen sich vertuschen, obwohl auch, wie die Fälle Dr. Karl Peters, Wehlau usw. zeigen, nicht auf die Dauer; die Brutalitäten eines Regimes aber lassen sich selbst in Afrika nicht mehr verheimlichen. Die Mißstände in den deutschen Kolonien sind längst publik geworden. Darum ist es für die Regierung viel klüger, sie von vornherein zuzugeben, statt sie hinwegdisputieren zu wollen. So werden der Opposition die Spitzen vorweg- genommen, die Regierung steht im Glänze ihres Wohlwollens und der Opposition fällt, wenn sie nicht, wie die Sozial- demokratie, die kapitalistische Kolonialpolitik grundsätzlich ver- wirst, die sehr lästige Aufgabe zu, nachzuweisen, wie sie es besser machen würde, wenn sie am Ruder wäre! Denn daß die Regierung es nicht extra darauf abgesehen hat, die Neger zu quälen, das kann man ihr ebensogut glauben. wie man ihr nicht zu glauben braucht, daß sie die Neger beglücken will. Aber wer will denn die Neger quälen? Wollen das die Pflanzer? Ja, wenn man mit den Seufzern der Gequälten Windflügel bewegen könnte, dann vielleicht: da eS aber keinen materiellen Nutzen bringt, so ge- hört es nicht ins Geschäft. Und die Plantagenbesitzcr haben nicht minder, wie Dernburg, recht, wenn sie behaupten, daß sie nicht zu dem Zweck nach Afrika gehen, um den Negern weh zu tun, sondern um Geschäfte zu machen. Dieses kapitalistische Geschäft ist es aber gerade, das den Neger mordet. Darum ist den Negern damit nicht gedient, und ist es eine elende Heuchelei, wenn man den„bösen Willen" der kolonisierenden Kapitalisten bekämpft und zugleich das kapitalistische koloniale Geschäft emporblühen lassen will, unter dem der Neger leidet. Es ist auch richtig, daß der Neger jetzt vom geschafts- mäßigen Standpunkt aus anders aufgefaßt wird, als früher. Man hat die Eingeborenen abgeschätzt, wie ihr Vieh, ihre Hütten, ihren Grund und Boden.„Der Neger ist eine Rechnungsgröße geworden, man muß sein Leben schonen"— Expedition: SM. 68» Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt lV, Nr. 1981. das ist jetzt der Ruf auf dem kolonialen Markt. Der Neger steht auf dem Kurszettel der Börse— das weiß Dern- bürg. Aber mit der Philanthropie, die diesem Gesichtspunkt entspringt, ist es nicht weit her, sie kennt schon jener Sklaven Händler, den H. H e i n e beten läßt: Um Christi willen verschone. 0 Herr, Das Leben der schwarzen Sünderl Verschone ihr Leben um Christi willen, Der für uns alle gestorben I Denn bleiben mir nicht dreihundert Stück, So ist mein Geschäft verdorben. Kommt der Neger jetzt besser weg. da er als ein Stück Kapital in die Geschäftsbücher der kolonialen Gesellschaften eingetragen wird? Früher jagte man ihm höchstens eine Kugel nach, als er in die Wildnis floh; jetzt holt man ihn aus der Wildnis hervor, da man ihn zur Arbeit braucht.-Man um- stellt die Eingeborenen— nicht anders, wie diese ihre Elefanten- Herden— und jagt sie in Massen zu Eisenbahnbauten, in die Plantagen usw. Wie man ihre Arbeitskraft braucht, so braucht man jetzt auch ihre Jagdgründe, die Weideplätze ihres Viehes, ihren gesamten Grund und Boden. Man hebt ihren primitiven Ackerbau auf, weil man glaubt, durch Baumwollkulturen ein besseres Geschäft machen zu können. Will man wissen, wie das wirkt, so braucht man bloß bei Karl Marx oder anderen nachzulesen, wie es z. B. in England zuging, als die Lords, mit dem Aufkommen der flandrischen Äollmanufaktur, die Bauern von der Scholle verjagten und die proletarisierten Massen unter Blutgesetze gestellt wurden. Der gleiche Prozeß der primitiven kapitalistischen Akkumulation, nur noch viel brutaler, weil einer fremden Rasse gegenüber und fern von der zivilisierten Welt, auch jetzt in Afrika. Aber es gibt selbst wohlwissende Gelehrte und Politiker. die nur dann ein Verständnis ftir eine soziale Erscheinung haben, wenn sie ein paar Jahrhunderte von ihnen entfernt ist. Es läuft mancher humane Philosoph auf den Straßen von Berlin herum, der nicht Worte genug der Entrüstung fände, wenn die jetzige deutsche Wirtschaft in den Kolonien in das XVI. oder XVII. Jahrhundert entrückt wäre, der aber in ihr eine kulturelle Tat entdecken zu können glaubt, da die Vor- gänge sich in seinem Zeitalter abspielen.. Die Eingeborenen freilich empfinden anderS: sie würden eine historische Ungerechtigkeit viel eher verschmerzen, als die Wunden, die ihnen in der Gegenwart die kapitalistische Aus- beutung schlägt unter dem Regime DernburgS des Gerechten. verdächtiges Schweige». Die Berliner Blätter der Freisinnigen Volkspartei schweigen weiter mit verdächtiger Beflissenheit über die Absichten des Frei sinns zum Sprachenparagraphen des Reichsvereins- g e s e tz e s. Die Meldung der„Lib. Korr.", daß sämtliche frei- sinnigen Mitglieder der Reichsvereinsgesetz-Kommission entschlossen seien, beim§ 7 nicht über den abgelehnten freisinnigen Afr änderungsantrag der ersten Kommissionsberatung hinauszugehen, hat bis Montag abend in der„Freisinnigen Zeitung" und in der „Vossischen Zeitung" noch nicht Erwähnung gefunden! Sie wird verschwiegen, wie auch die Erklärung v. Paycrs von diesen Blättern des unverfälschten Blockfreisinns verschwiegen wird! Vom volkSparteilichen Abgeordneten Müllcr-Meiningen liegt allerdings eine Aeußerung in der Sonnabcndnummer der„Münch. Neuest. Nachrichten" vor. Die ist aber weit entfernt, dieselbe Klarheit zu schaffen, wie das Dementi v. Pahers. Sie ist eher dazu angetan, den Eindruck zu erwecken, daß hinter den Kulissen noch geschachtelt wird. Die„Deutsche Tageszeitung" hat ganz recht, wenn sie meint. diese Erklärung lasse darauf schließen, daß endgültige Beschlüsse noch nicht gefaßt worden seien. All das kann nur so gedeutet werden, daß die Richtung inner. halb der freisinnigen Fraktionsgemeinschaft, die bereit war, die Regelung der Sprachenfrage der Landesgesetzgebung zu überlassen, d. h. das Versammlungsrecht der Polen und das Koalitionsrecht dem preußischen Dreiklasscnhause und dem Herrenhause aus- zuliefern, und die nach der Meldung der„Lib. Korr." vorläufig unterlegen wäre, immer noch auf eine Wendung hofft, die ihr wieder Oberwasser geben soll. Die Gefahr des Umfalls scheint demnach durchaus noch nicht abgewendet. Die Regierung und die Rechtsparteien lassen indes alle Minen springen. Die„Kölnische Zeitung" brachte am Sonntag ein offiziöses Berliner Telegramm, worin sie mitteilt, daß die B e- ratung des Gesetzes verschoben worden sei, weil man die Hoffnung noch nicht aufgegeben habe, außerhalb der Kom- Mission zu einer Verständigung zu kommen. Die Regierung sei fest entschlossen, wenn der§ 7 des Gesetzes nicht angenommen werde, das ganze Gesetz zurückzuziehen. Sie bestehe darauf, klar und deutlich müsse im s 7 zum Ausdruck gelangen, daß die Sprache in öffentlichen Versammlungen die deutsche ist. Auch die„Deutsche Tageszeitung" hört, daß die ver- bündeten Regierungen entschlossen sind, in der Nachgiebigkeit nicht einen Schritt weiter zu gehen. Wann wird die Presse der Freisinnigen Volkspartei zu diesen Aeußerungen und denen ihrer freisinnigen Bruderfraksionen die Sprache wiederfindend ver Kaiferbricf. In den englischen Parlamenten kam am Montag der Brief ded Kaisers an Lord Tweedmouth zur Sprache. Vorher wurde noch ein Ministerrat abgehalten. Als sein Ergebnis ist zu betrachten, daß eine Veröffentlichung des Briefes unterbleiben wird. Es liegt ja überhaupt im Interesse der liberalen Regierung, die Diskussionen über einen Vorfall, durch den ein Mitglied des Kabinetts immerhin bloßgestellt ist, möglichst einzuschränken. Daher versucht auch die liberale Presse, wie uns aus London, 6. März, geschrieben wird, die Bedeutung deS deutsch-englischen Zwischensalles zu verkleinern, aber nur deshalb, weil sie weiß, wie tief die liberale Regierung durch den kaiserlichen Brief erschüttert worden ist. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Tarifreformer und I i n g 0 e s diesen Zwischenfall gehörig ausbeuten werden. Die nächsten parlamentarischen Nach- Wahlen werden noch schlimmer für die Regierung ausfallen. Der kaiserliche Brief hat sicherlich die Lebenszeit der liberalen Regierung erheblich abgekürzt. Man kann bereits die Leute von einer«Regie- rung der Verräter" sprechen hören. Soweit unser Korrespondent. Auch daraus wird ersichtlich, daß eS gegen die sinnlosen Flottentreibereicn in beiden Ländern nur ein Mittel gibt: Eine offene Verständigung zwischen England und Deutschland über eine E i n s ch r ä n- kung des Flottenbaues. Diese Verständigung ist um so leichter möglich. da sie nicht nur im Juteresse der breiten Volksmassen hüben und drüben liegt, sondern auch ein parteipolitisches Interesse des englischen Libera- lismus ist. Die chauvinistische Stimmung und nervöse Er« regung, die aus dem steten Wettrüsten naturgemäß folgt, schafft nur die Vorbedingungen für den Wahlsieg der imperialistischen und schütz- zöllnerischen Konservativen. Aber die deutsche Regierung sucht diese Gunst der Umstände keineswegs auszunützen. Vielmehr dementiert heute die«Kölnische Zeitung" offiziös die Nachricht von Ver- Handlungen zwischen" der britischen und deutschen Regierung über eine gegenseitige Einschränkung des Baues von Kriegsschiffen. Um so notwendiger wird es sein, daß im Reichstage diese Forderung erhoben wird. Ueber die Regierungserklärung im Unterhause meldet der Telegraph: Schatzkanzler A S q n i t h erklärte, daß er seinen Ausführungen vom letzten Freitag nichts weiter hinzuzufügen habe, als daß Lord Tweedmouth sofort nach Empfang des Briefes Kaiser Wilhelms diesen Brief dem Staatssekretär des Aeußeren Sir Edward Grey gezeigt und sich mit Grch darüber verständigt habe, daß der Brief keinen offiziellen Charakter trage und als eine Privatmitteilung zu be- handeln sei.(Beifall.) Es könne absolut keine Rede davon sein, eine private, persönliche Korrespondenz auf den Tisch des Hauses niederzulegen. Nach der Erklärung ASquiths fragte der Konservative Lock- w 0 0 d,- ob Asquith denken könne, daß eine Mitteilung in einer so wichtigen Frage zwischen dem deutschen Kaiser und dem Ersten Lord der Admiralität irgendwie als privat und vertraulich angesehen werden könne. Asquith antwortete: Ich habe nichts zu erläutern oder zu ändern. Der Gegenstand wurde sodann verlassen, Die nitersverikherung vor der Kammer. Paris, 6. März.(Eig. Ber.) Bekanntlich hat die letzte Deputiertenkammer ein Gesetz über die Altersversicherung angenommen. Die Wahlen standen vor der Tür und man konnte den Wählern nicht mit leeren Händen unter die Augen treten. So war denn auch die Mehrheit für das Gesetz ungeheuer. Und'dieses ging viel weiter als die enttprechenden Gesetze anderer Länder. Denn nicht nur die landwirtschaftlichen Arbeiter, sondern auch die Bauern und Pächter waren mit ein« bezogen. Die Höhe der Rente war allerdings sehr mäßig. Dreißig Jahre lang sollte sie nur 129 Frank jährlich betragen. Das Gesetz ging nun an den Senat. Und dieser ließ sich, wie immer bei sozialpolitischen Reformen, sehr viel Zeit, stellte Untersuchungen an, verlangte AusMnste von der Regierung usw. Die wichtigste Frage, die er an diese stellte, drehte sich verständlicher- weise um die Kostenstage. Nach dem angenommenen Gesetz sollten die Kosten durch Beitragsleistungen der Arbeiter und Unternehmer und durch Zuschüsse des Staates bestritten werden. Vor einigen Wochen gab nun die Regierung in der Senatskommission die ver- bluffende Erklärung ab, daß sie jährlich nur einen Maximal- betrag von 109 Millionen zuschießen könne. Damit aber war die Durchführung des Gesetzes unmöglich gemacht. Denn, um auch nur die geringeren Renten der UebergangSperiode zu sichern, wäre ein StaatSbeitrag nötig, der von verschiedenen Kennern auf 144 bis 2S9, vom Finanzministerium sogar auf 299 Millionen geschätzt wird. Bestand die Regierung auf der ge« nannte Pauschalsumme, so wäre die Ausschließung zahlreicher Kate- gorien vom Rentenbczug und eine Herabsetzung der Rente auf 99 Franks, ja vielleicht nur 4S Franks im Jahre die notwendige Folge gewesen. Begreiflicherweise erregte die Zu- mutung, sich 4 Proz. vom Lohn abziehen zu lassen, um im Alter den Bettel von 4 oder S Franks monatlich zu erhalten, in der Arbeiterschaft große Erbitterung und die bürgerlichen Demokraten empfanden das Bedürfnis, den Eindruck der Massen, daß die Parka- mentler wieder einmal Schindluder mit ihnen getrieben hatten, zu verwischen. So kam es dank einer Interpellation zur gestrigen Debatte. Optimisten werden mit ihrem Resultat bielleicht zufrieden sein. Der Arbeitsminister gab nämlich, um das von der Regierung verlangte einfache Vertrauensvotum durchzusetzen, die Erklärung ab, daß er auf dem Pauschalzuschutz, der auch nur als Ucbergangs- system gedacht sei, nicht bestehe und auch andere brauchbare Formeln, die die wesentlichen Grundsätze deS Gesetzes von 1006 nicht verletzen, zu erwägen bereit sei. Man solle der Regierung im Juteresse der Reform die Freiheit lassen. Die auf Verlangen der Regierung beschlossene Tagesordnuug, die von Millerand beantragt war, dessen Haltung in dieser Frage Clemenceau unlängst selb st als Bluff bezeichnet hat, spricht die Erwartung aus, daß die Regierung„im Laufe dieses Jahres im Senat die günstige Abstimmung durchsetzen werde, die er- lauben werde, das Gesetz über die Altersversicherung vor Ablauf der Gesetzgebungsperiode kundzumachen". Da aber das beschlossene Gesetz im Senat gar keine Aussicht hat, angenommen zu werden, und da die Regierung die Voraussetzung dazu, die Bei stellung der notwendigen Mittel, als unerfüllbar ailerkannt hat, so sind die gestrigen„prinzipiellen" Versprechungen samt dem Beschlust, der sie mit 474 gegen 66 Stimmen sanktionierte, eine bloste Spiegelfechterei. Genosse C o n st a n S traf ins Schwarze, als er in seiner Kritik der Regierungspolitik erklärte, die Bourgeois- republik, die in Marokko für die Kapitalisten ungezählte und un- begrenzte Millionen hinauswerfe, habe für ihre abgearbeiteten Bürger nichts übrig. politifche ücberlicbt Berlin, den 9. März 1903. Tödliche Langeweile ist das Kennzeichen des Dreiklassenparlamentes selbst an den sogenannten großen Tagen. Von dem Stumpfsinn der Kirch- turmsinteressen, der sich heute im Abgeordnetenhause beim Extraordinarium des Eisenbahnetats austobte, kann sich ein vernünftiger Mensch überhaupt keine Vorstellung machen. Sechs Stunden lang jeden Abgeordneten sein Dveiklassen- Niahlmandat verteidigen zu hören, indem er für seinen Wahl- kreis eine neue Bahn, einen Bahnhofsumban oder die Be- seitigung eines Niveauüberganges fordert, ist eine Art in- tellektueller Tortlir, die durch die Selbstgefälligkeit der Lokal- großen des Dreiklassenparlamentes noch verschärft wird. Wir verzichten deshalb auch heute darauf, die Zeit unserer Leser durch einen Bericht über die Debatte in Anspruch zu nehmen. Morgen haben bei der Vorlage über den Masurischen Kanal zunächst ein Dutzend wiederwahllüsterne Ostpreußen das Wort, danach bei den kleineren Etats die Vertreter anderer Lokalschmerzen und-Wünsche. Postscheckverkehr. Dem Reichstage ist die Vorlage über den Postüberweisungs- und- Postscheckverkehr in Form eines Ergänzungsetats für 1908 zugegangen. Zunächst sollen 9 Postscheckämter errichtet werden und zwar in Berlin, Breslau, Köln, Danzig, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe und Leipzig. Nach der beigegebenen Denkschrift kann für jeden bei den Postscheckämtern ein Scheckkonto auf Antrag eröffnet werden. Die Kontoinhaber haben eine Stammeinlage von 169 M. einzuzahlen, die auf dem Konto bleibt, solange es besteht. Eine Verzinsung der auf dem Konto gebuchten Einlagen soll nicht stattfinden. Der Scheck soll nicht durch Indossament, übertragbar sein. Es sollen folgende Gebühren erhoben werden: 1. Bei Bareinzahlüngen für je bvo M. oder einen Teil dieser Summe S Pf. 2. Für jede Barrückzahlung ein Achtel vom Tausend der auszuzahlenden Be- träge und außerdem eine feste Gebühr von S Pf. 3. Für jede Ueberweisung von einem Konto auf ein anderes Postscheckkonto 3 Pf. 4. Bei jährlich mehr als 669 Buchungen für jede weitere Buchung eine Zuschlagsgebühr von 7 Pf. Die Formulare zu Zahlkarten und für Ueberweisungen sollen einzeln unentgeltlich abgegeben werden. Die durch den UeberweisungS- und Scheckverkehr eingehenden Gelder sind zinstragend anzulegen und zwar unter Mitwirkung der Reichsbank. Die Reichsbank übernimmt die Verwaltung der Gelder für Rechnung und Gefahr des Reiches. Für diese Ver- waltung beansprucht sie eine jährliche Vergütung von V* Proz. der tm sie zur zinstragenden Anlegung abgeführten Summe, Meischkonsnm und Mehlpreise. In der agrarischen Presse wird der Versuch unternommen, die Klagen über Lebensmittelteuerung. Fleischnot und Beschränkung der Lebenshaltung der breiten Masse als unberechtigt erscheinen zu lassen. Das geschieht unter Hinweis auf die Zunahme der Schlachtungen im Jahre 1997 gegenüber 1997. Geflissentlich ver- ei« polizeilicher Nshlrechttilemonitrant. Ein Pechvogel, den es aber mit unwiderstehlicher Gewalt immer lvieder— wie den Verbrecher an die Stätte seiner Missetat— zur Sozialdemokratie und ihrer Organisation, den Wahlvereinen, hin- treibt, ist der Kriminalbeamte Kaflube. Kein Misterfolg. nicht Hohn, nicht Spott schreckt ihn ab, selbst blutige Hiebe löschen nicht seine unstillbare Liebe zur Partei. In seiner Reichstagsrede vom 22. Januar über die Berliner Wahlrechtsdemonstration hat Genosse Fischer unter anderem von diesem Kassube zu erzählen gewußt: Meine Herren, in letzter Stunde erhalte ich eben noch eine Nachricht: Der Kriminalbeamte Kastube, Kopeuhagener Straße 26 wohnhaft, der früher unter dem Namen Schneider Mitglied im S. Berliner Reichstagswahlverein war(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten), und dort schriftliche Arbeiten für die sozial- demokratische Stadwerordnetenwahlagitation zur Unterstützung des Vertrauensmanns gemacht hat,— dieser Kriminalschutzmann Kassube ist an der Gertraudtenbrücke von der Polizei mit Säbel- hieben traktiert worden, sodast er in einer Droschke nach Hause gebracht werden mutzte.(Hört! hört l bei den Sozialdemokraten und Heiterkeit.) Fischer hat damals noch hinzugefügt, er habe diese Nachricht noch nicht nachkontrollieren können. Die gegnerischen Abgeordneten erwarteten daher ein baldiges Dementi; aber da in all' den Wochen die politische Polizei kein Sterbenswörtchen gegen diese sie so schwer kompromittierende Behauptung an so autoritativer Stelle verlauten liest, nmstten schließlich auch die Gegner annehmen, daß diese Behauptung— zu ihrem Leidwesen— ebenso wahr sei, wie die andere bezüglich der politischen Polizei. Wer dieses auffällige Stillschweigen der sonst so gesprächigen politischen Polizei— sogar der„Post" erstickte die Ableugnung im Halse— war das Schweigen des schlechten Gewissens! Die Sache liest sich nicht ableugnen, denn Kassube tvurde in der Sanitätswache in der Brüderstrastc gleichzeitig mit dem ebenfalls an der Gertraudteil- straste verwundeten Genossen N. verbunden. Indes, schweigt die Polizei— so wollen«vir von KassubeS Liebe zur Partei weitererzählen. Kassube hat sich nicht begnügt, ' schwiegen wird dabei, daß das Jahr 1996 ein wahres Notjahr war, in dem die Schlachtungen teilweise rapid zurückgingen. Nur bei Schweinen erfolgte eine Zunahme. Weiter lästt man auster Acht, dast die unzulängliche Versorgung in den Jahren 1905 und 1996 die Bestände an Dauerware reduziert hatte und die ver- mehrten Schlachtungen im Jahre 1997 teilweise zur Korn pletticrung der Läger gedient haben. Schließlich darf auch nicht vergessen werden, daß die hohen Preise im Jahre 1996 die kleinen Besitzer veranlaßt haben, ihr Vieh zu verkaufen, während die jetzigen niedrigeren Schweiuepreise zunächst wohl den Konsum der Schweinezüchter steigern läßt, die, soweit sie auch etwas Getreide produzieren, jetzt dieses lieber verkaufen, weil die Preise dafür eine austerordentliche Hohe erreicht haben. Will man ein Urteil ge Winnen, dann muß nwn die Ergebnisse der Jahre 1994 und 1995 zum Vergleich heranziehen. Die„Berliner Korrespondenz" ver- öffeutlicht nun nach den Zusammenstellungen des Kaiserlich Statisti- schen Amts die Ergebnisse der Schlachtvieh und Fleischbeschau im Deutschen Reiche für das IV. Vieteljahr 1997. Danach ergeben sich folgende Resultate. Es betrug die Zahl der beschauten Tiere: 4. Vierteljahr 1994 1995 1397 Pferde und andere Einhufer.. 44 819 52 591 45 263 Ochsen.......... 152 867 156 349 153 291 Bullen.......... 111763 99 763 103 144 Kühe.......... 410 763 426 707 432 180 Jungrinder über 3 Monate alt. 219 773 262 146 273 572 Kälber bis 3 Monate alt... 999 326 913 112 1 943 084 Schweine......... 4 404 168 3 471 742 4 845 370 Schafe.......... 609 630 657 722 603 160 Ziegen.......... 136 938 152 931 139 704 Hunde.......... 1763 2 405 2 299 Berücksichtigt man, dast seit 1994 die Bevölkenmg um mindestens 2'/z Millionen Köpfe zugenommen hat, dann kann von einer Steigerung der Schlachtungen kaum die Rede sein, besonders dann nicht, wenn man noch erwägt, dast die Jahre 1995 und 1996 teilweise erhebliche Ausfälle gebracht haben. Ganz unzweifelhaft wird aber der Arbeiterhaushalt durch die Steigerung der Mehl- und Butterpreise ganz enorm belastet. Nach den Zusammenstellungen der„Statistischen Korrespondenz" kostete im Durchschnitt nach den Marktpreisen an 23 Marltorten ein Kilo- gramm Pfennig: Jahresdurchschnitt Febniar 1995 1996 1997 1998 30 31 32 37 26 27 28 33 242 245 245 26 i der Preis gegenüber den» Jahres- bei Weizenmehl um 33,3 Proz., bei und bei Estbutter um 19,39 Proz. Daß keine Einschränkungen in der Lebens- 1994 Weizenmehl.. 39 Roggenmehl., 25 Estvutter... 236 Im Februar 1998 ist durchschnitt 1994 gestiegen: Roggenmehl um 33 Proz solche Preissteigerungen Haltung der breiten Masse bedingen, behaupten. kann nur ein Agrariergemüt Auch eine Kritik. Wir haben unlängst von einer Wahlrechtsversammlung berichtet, die ein freisinniges Komitee, dem mehrere Führer der Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine angehörten, in Berlin abhalten wollte. Die Versammlung sollte öffentlich sein und Herr Naumann das Referat halten. Herr Naumann aber stellte eine schwere Bedingung. Er wollte das Referat nur übernehmen, wenn außer ihm auch ein Mitglied der freisinnigenVolkspartei zum Referat aufgeforderr würde-. Also gebot es ihm sein fraktionssrommes Gemüt. Als das Komitee dies erfuhr, gab es den Plan der Versammlung ctligst auf: es hatte eingesehen, daß man ein Mitglied der freisinnigen Volkspartei unmöglich in einer öffentlichen Ver- sammlnng noch als Kämpfer für das Wahlrecht auftreten lassen könne._ Wie dir Zentrumsbanern über die Zentrums- abgeordneten denken. Die»Rheinische V o l k S st i m m e das Blatt der Zentrumsbauern im Westen, hat schon öfter gegen die Zu« sammensetzung der Kreiswahlkomitees und die Auswahl der Kandi- daten des Zentrums protestiert und tut das auch in einer ihrer letzten Nummern wieder. Das Blatt schilt auf den braven deutschen Michel von katholischem Bauer, der geduldig harre wie ein Schaf, bis ihm Vertrauensmänner vorgesetzt würden, zu denen er zwar kein Vertrauen habe und die ein Wahlkomitee zusammenbrächten, dem jedes Verständnis für die bäuerlichen Sorgen mangele. So könne es natürlich nicht ausbleiben, daß den Bauern der Kandidat serviert werde, den sie verdienen, und gewählt werde er natürlich auch; dazu fehle eö nicht an ein paar schönen Sprüchen in der Wählerversammlung und ein leutseliges Herab« lassen bis zum Tage der Wahl. Wörtlich schreibt daS Blatt: im Zuge der Demonstranten als einer unter Tausenden zu mar- schieren, nein, als„organisierter Genosse" hat er seinen Stolz darein gesetzt, aus seinem Bezirke am 12. Januar als der Erste an der Zahlabendstelle zu erscheinen. Unter dem Namen Karl Krutzke, Weberstr. 13, bei Witwe Kahnke hat er sich schon am 19. Januar 1996 als Mitglied in den Wahl- verein des 4. Kreises einschreiben lassen und ging während des ganzen Jahres den jüngeren Genossen mit gutem Beispiel voran. Nie fehlte er bei einer Flugblattverbreitung; mit unermüdlichem Flciste stieg er treppauf und treppab und mit ganz besonderem Eifer ließ er es sich angelegen sein, säumige Mitglieder zu mahnen und sie an ihre Pflichten gegen die Partei eindringlichst zu er- inncrn, damit der Kassierer glatte Abrechnung habe. AlS seinen Beruf gab er bei Aufnahme in den Wahlverein den eines Bcr- sicherungSbeamten an. Ob er in Vorahnung seiner Ver- wundung an der Gertraudtenbrücke die Unfallversicherung als Spezialität betrieb, ist uns nicht bekannt; kurz, er gab sich als Ver- sicherungsbeamter aus, der eigentlich in Eberswalde wohne, aber in Berlin sein Tätigkeitsfeld habe. So entzog er sich mit Erfolg den Nachforschungen der Genossen; doch entschädigte er die Ge- nossen andererseits wieder dadurch, dast er z. B. bei der letzten Reichstagswahl eine Menge schriftlicher Agitationsarbeiten zur all- gemeinen Zufriedenheit und mit anerkenmmswcrter Genauigkeit erledigte. Diese Tätigkeit muß man ihm besonders hoch anrechnen, denn gerade solche schriftlichen Arbeiten für die Partei hatten ihm früher bereits großes Leid gebracht. Kassube war bekanntlich früher schon unter dem Namen Schneider im 5. Wahlkreis tätig gewesen und hatte dort bei den Stadtverordnetenwahlen sich zu den schriftlichen Agitationsarbeiten des Wahlkomitees erboten. Damals hatte et sich als Reisender eines SeifengcschäfteS ausgegeben, was wohl darauf schlichen läßt, daß er Vorliebe für Reinlichkeit hat. Oder sollte er der Meinung gewesen sein, daß sein Handwerk eine öftere Reinigung nötig macht? Dann hätte er auffällig mit seinem Kollegen, dem Kriminalbeamten Dietrich 14 harmoniert, der als Genosse Ernst Philipp im 8. Wahlkreise und als Hausdiener Ernst Philipp im Transportarbeiterverbaud or- ganisiert war- „Statt daß die Bauern in jedem Orte beizeiten geeignete Männer als Vertrauensleute ausstellen, legt man teils aus politischer Schwersälligkeil, teils aus Menschenfurcht die Hände in den Schoß und wartet, bis von oben irgend eine willfährige Puppe dazu bestimmt wird, die man natürlich nur an der Kordel zu ziehen braucht.... Diese Leute haben nur die Meinung, die ihnen vorgekaut wird und sind pflichtschuldigst davon überzeugt, daß irgend ein gelehrter Stadtfrack der einzig wahre und geeignete Vertreter des Bauern- standeS ist, wenn er auch keinen blauen Dunst von der Land, Wirtschaft hat. Er war vielleicht mal vier Wochen zum Land- aufenthalt irgendwo oder hat als Referendar einen Bauernprozest bearbeitet; das genügt jedenfalls, um den kleinen Be- fähig» n gs nach weis für die Fähigkeit als Ab- geordneter eines bäuerlichen Wahlkreises zu erbringen." Es ist, wohlverstanden, ein Z e» t r um s b l a tt, das in dieser Weise über die Vertrauensleute und Abgeordneten der Zentrunis- Partei urteilt._ Eine Krise in der sächsischen Wahlrechtsreform. Es bestätigt sich, daß sich in der Dunkelkammer, die sich auster- ordentliche Wahlrechtsdeputation nennt, etwas Austerordenlliches zugetragen hat. Der Minister deS Jmieni Graf Hohenthal hat, wie bürgerliche Blätter mitteilen, zu Beginn der letzten Sitzung eine Erklärung der Regierung zur Verlesung gebracht, die im wesentlichen besagt, dast da» Ministerium nicht mehr so wie bisher mitmachen wolle. Nach monatelaugen Beratungen sei noch nichts zustande gekommen. Die bisher im Prinzip angenommeueu Wahlsysteme(Pluralwahlrecht mit vier Zuschlags st immen und ZensuSwaHl mit 19 Mark Zensus) müsse die Regierung ablehnen. Auch das Berufs- Wahlrecht könne von ihr n i ch t a k z e p t i e r t werden, dagegen seifte unter gewissen Bedingungen mit einer Verminderung der Kommunalvertreter auf ein Drittel bis ein Viertel der Ab- geordneten einverstanden. Im weiteren aber müsse die Regierung erwarten, dast die Deputation nunmehr die Regierungö- Vorlage alsbald in Angriff nehme. Hohenthal liest ferner durch- blicken, dast sich die Regierung an den Beratungen der Wahlrechts- deputation ferner nicht mehr beteiligen werde. Dast die Regierung dieser Erklärung die größte Bedeutung beilegt, geht schon daraus hervor, dast sie die Kundgebung als vertraulich allen Abgeordneten gedruckt hat zugchen lassen. Die Wahlrechtsdeputation soll nach Entgegennahme dieser Regierungserklärung die Beratungen alsbald abgebrochen haben, nachdem geltend gemacht worden war, jetzt müßten erst die Fraktionen zu der neugeschaffenen Situation Stellung nehmen. Von der Haltung der konservativen Fraktion wird die weitere Entwickelung der Wahlrechtsreform in Sackisen ab- hängen. Man erkennt jetzt jedenfalls sehr deutlich, daß ein plötzliches Scheitern der ganzen Wahlrechtsftage leicht eintreten kann. Wenn die Konservativen ihre Verschleppungstaktik durchkreuzt sehen, werden sie jedenfalls auf andere Weise die Wahlrechtsreform zu versenken suchen.---_ Zurückgehen der Militärtauglichkeit. Die deutsche Regierung Hilst selbst durch ihre künstliche Ver- teueruug der Lebensmittel, wie durch die Behinderung der Arbeiter- bewegung nicht unwesentlich mit, die Wehrfähigkeit des deutschen Volkes zu untergraben. Besonders machen sich die Folgen der Aus- beutung durch die Unternehmer und andrerseits durch die Agrarier in den notorischen Hungergegenden bemerkbar. In Sachsen kann neben demErzgebirge dieLausitz als solche bezeichnet werden. Meistens ist die durch ihre erbärmlichen Lohnverhältmsse unrühmlich bekannte Textilindustrie dort vorherrschend. Was Wunder, wenn in diesen Distrikten die Militärtauglichkeit ganz gewaltig zurückgeht. In einem Orte der Oberlousttz hart an der böhmischen Grenze, in Ebersbach, wurden von 224 Militärpflichtigen sage und schreibe nur— 45 Mann diensttauglich befunden. In Neusalza waren von 248 Militärpflichtigen 67 tauglich. Das sind schlimme Resultate der Ausbeutung und AuSwucheruna der VotlSlraft. Wer sind denn nun die wirtlichen Feinde des Bater- landes, die eS wehrlos machen? Etwa die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften, die mit aller Energie fiir eine Verbesserung der Lebenshaltung eintreten? Oder sind es nicht die energischsten Hurra- schreier im Bunde mit der Regierung selber?— Die Stöckerpartei und das Wahlrecht. Die Christlichsozialen, die gegenwärtig im industriellen Westen eifrig auf den Arbeitcrfang gehen, erweisen sich in der Wahlrechte- frage als recht unsichere Kantonisten. Die Beschlüsse, die sie ge- faßt haben, vermeiden mit Absicht jede klare und entschiedene Stellungnahme. Man merkt den Leuten an, daß sie nur darauf bedacht sind, für ihr Arbcitergefolge etwas herauszuschlagen, dast sie aber ebenso sehr einer Reform widerstreben, die geeignet ist, der Sozialdemokratie den ihr gebührenden Einfluß in Preusten zu sichern. Manche der Zuschriften, die oas christlich-soziale Wochen- blatt„Die Arbeit" zur Wahlrechtsfrage bringt, sind derart, daß sie dem ärgsten Scharfmacher alle Ehre machen würden; Kassube hat also bei den Reichstagswahlen im 4. Wahlkreise genau so wie früher im 5. Wahlkreise anläßlich der Stadtver- ordnetcnwahlen bei den schriftlichen Agitationsarbeiten für die Partei mitgeholfen, wiewohl et gerade bei diesen Arbeiten im 5. Wahlkreise als unwillkommener Mitarbeiter vom Alexanderplatz ganz unsanft exmittiert worden war. Aber seine Anhänglichkeit an die Partei und sein friedfertiges, schüchternc-s Wesen, das ihm nunmehr am 12. Januar an der Gertraudtenbrücke zu so blutigen Hieben verholfen, hat sich schon damals verraten. Auf die Auf- forderung, sich zu legitimieren, liest er sich damals von zwei Genossen ruhig nach der Rheinsberger Straße in seine angebliche Wohnung eskortieren. Er machte zwar uuterlocgS ein paar schüchterne Versuche— freilich erfolglos— sich seiner Begleiter zu entledigen, aber schlietzlich stieg er auch noch die dunklen Treppen mit hinauf, um sich mit seinen Hausgenossen konfrotieren zu lassen, ja zuletzt wollte er den einen seiner beiden Transporteur« in seiner Freude über die endliche Erlösung sogar noch zu einem Glase Bier einladen, was zu seinem Leidwesen ganz unhöflich abgelehnt wurde. Man darf jetzt gespannt sein, demnächst zu erfahren, in welchem Kreise er nunmehr zu schriftlichen Arbeiten für die Partei sich erbieten wird. Wir zweifeln nicht daran, daß seine Liebe zur Partei ihn auch all die bisherigen Mißgeschicke vergessen läßt, so lange die blutigen Hiebe ihm von so befreundeter Seite, wie der Berliner Schutzmannschaft, zuteil werden. Unter Kameraden ist ja alles ejall Als Nachtrag möchten wir hier noch anfügen, daß der von Genosse Fischer in seiner Reichstagsrede gleichfalls als eifriger Wahlrechtsdcmonstrant gekennzeichnete Kriminalbeamte Wilhelm Draber, Auguststr. 63, der unter dem Namen Gräsling Mitglied des WahlvercinS im 3. Kreise geworden war, sein Mitgliedsbuch für den Lotterieklub Preußen in der Redaktion des„Vorwärts", Lindenstr. 69, jeden Abend in den Stunden von 5—9 Uhr gegen Quittung und Legitimierung seiner Persönlichkeit abholen kmm. Ausweislich dieses Büches war er dort am 6. Januar 1998 eingetreten unter dem Namen Wilhelm Gräfling. Ne- anderstr. 2, hat 50 Pf. Eintrittsgeld und 2 M. an Beitrag gezahlt. Das Buch steht also zu seiner Verfügung! Parteigenöfifche Objektivität. günstigsten Falles Gersteigen sie sich zu einer geringfügigen, Julius Kopsch in Berlin. Herr Kopsch war da wirklich ges Abänderung an einer der Scheußlichkeiten des preußischen Wahl wählt und stammelte als Dankgebet für Erlösung aus schwerer Not systems. In einer dieser Buschriften wird anerkannt, daß dashrift us!" Seither soll man's aber von ihm nicht wieder ge- ohne ihn allerdings zu nennen, journalistische Ungezogen lebten Mal sein Sprüchlein:" Gelobt sei Jesus Die Rheinische Zeitung" wirft dem Vorwärts", preußische Wahlrecht reformbedürftig sei, aber man müsse mit hört haben. Jetzt zieht er im Lande umber und hält flammende beiten" bor. Sie erklärt die Diskussion über die Taktik im Wahlden politischen Machtverhältnissen rechnen. Dann Reden gegen Zentrum, Ultramontanismus und pietistische Reaktion, heiten" bor. Sie erklärt die Diskussion über die Taktik im Wahlheißt es: unterzuschieben." Der radelnde Polizist. " " " Wir wollen dieser Legende doch einmal die Tatsachen gegen " Als verfassungstreue Männer fönnen wir nicht billigen, sonderen Kulturblod" zu den preußischen Land- austausches. Man solle doch vermeiden, dem Gegner schnodderig" daß die Verfassung der Bundesstaaten durch die Reichsgefeh tagswahlen gründen will. So entbehrt wenigstens der vorzuwerfen, daß er nicht einmal das ABC des Sozialismus bcgebung ohne ihre Zustimmung geändert wird, folglich scheidet neue Stulturblod" der Löwen von Löwenberg" nicht der Inschrift, herrsche. der Reichstag für die Frage aus. Die Wähler der sondern er hat ihrer gleich zwei: Auf der Vorderseite:„ Gelobt Die Rheinische Zeitung" ist offenbar das Opfer eines Bir dritten Klasse können zwar nicht anerkennen, daß größerer Besin fei Jesus Christus!", auf der Rückseite aber: Ich kann auch fulars des Genossen Südekum geworden, der sich in seiner die Gleichheit vor dem Gesetz und dem Staate aufhebt und ein anders!" Preußen- Korrespondenz" darüber beschwerte, daß der WahlrechtsVorrecht durch größere Stimmenhäufung gibt. Andererseits tampf auf das Niveau eines schmählichen Parteizantes" herabfind die Bedenken der Gegner des allgemeinen, gewürdigt werde und daß ihm die Vorwärts"-Redaktion vorgegleichen Wahlrechts angesichts der brutalen Demagogie Bei dem Transport des Vergmanns Beidler von Oberdisteln worfen habe, daß er wieder einmal an das ABC des Sozialismus erinnert werden müsse. Nach dieser Information der Preußender Sozialdemokratie durchaus nicht von der Hand zu weisen und haben gewiß manches für sich. Und völlig zum Amtsbureau Recklinghausen, saß der Polizeibeamte König hoch Korrespondenz", der die" theinische Beitung" offenbar ohne falsch ist es, den Wahlrechtsgegnern irgend unlautere Motive marschieren mußte. Eine Gruppe von Arbeitern nahmen an diefer der schmähliches Parteigezänt" entfesselte und sich in journa auf seinem Stahlroß, während der arme Gefangene neben ihm Kenntnis der Tatsachen Glauben schenkte, war es der„ Vorwärts", Das christlich- soziale Blatt kommt auf Grund dieser Gr- Rücksichtslosigkeit Anstoß und versuchten, den Beamten zu veranlassen, liftischen Ungezogenheiten" gefiel. wägungen zu dem Ergebnis, daß es aussichtslos sei, das Reichs- vom Rade abzuſteigen. Der Beamte zog hierauf die Waffe und Mit dieser Tatsache müsse man sich abfinden und sich mit der Ab- widerseßlich zeigte. Dem 8. wurde durch einen Hieb mit der Waffe einen Artikel Wahlrechtstampf Klassenkampf", der die Nots tagswahlrecht für die nächste Zeit auch für Preußen zu fordern. schlug auf den Beibler ein, der, wie er vor Gericht angab, sich überstellen. stellung des schlimmsten Mangels: der öffentlichen Stimmabgabe die rechte Ohrmuschel vollständig abgetrennt. Die Bochumer begnügen. Darum sei geheime Stimmabgabe die Wahlparole! Straffammer erkannte gegen diefen gemeingefährlichen und rücksichtsMan muß gestehen, daß die Christlichsozialen geradezu Meister losen Beamten auf Freispruch, weil durch die Beweisaufnahme dar der Bescheidenheit sind. Sie sind im Westen bei den liberalen getan wurde, daß der Polizeibeamte sich in Notwehr befand. Unternehmern nicht gelitten; die öffentliche Wahl ist ihnen hinderBerichtigung. In der Sonntagsnummer brachten wir unter lich, weiter haben sie deshalb an dem Dreiklassenwahlrecht nichts der Ueberschrift Widerlegte agrarische Behauptungen" einen Verauszusetzen. Und ebenso bescheiden wie sie in ihren Wahlrechts- gleich der Biehstandsermittelungen der Jahre 1900 und 1907. Da forderungen sind, ebenso nachsichtig sind sie in der Beurteilung der uns die Statistische Korresp." nicht zur Hand war, nahmen wir Wahlrechtsgegner. Beileibe soll man bei den volts- und arbeiterfeind die Zahlenangaben aus der Deutschen Tageszeitung" in der Anlichen Junkern und Scharfmachern, die das Geldsadswahlrecht aufnahme, daß dieses Blatt als Zentralblatt der Landbündler jedenrechterhalten wollen, teine unlauteren Motive" annehmen; wohl falls die richtigen Zahlen bringen werde. Bei heutiger Nachaber darf man der Sozialdemokratie, die für das allgemeine, prüfung entdeckten wir jedoch, daß die angebenen Zahlen teilweise gleiche Wahlrecht und gegen die Entrechtung des Boltes eintritt, aus dem Jahre 1906 stammen. Wir kommen auf die Ermittlungsbrutale Demagogie" nachsagen. Die Christlichsozialen können ergebnisse zurüd, sobald sie vollständig vorliegen. Die Zahlen der trob ihres arbeiterfreundlichen Getues ihre Verwandtschaft mit den" Statistischen Korrespondenz" sind nur vorläufige Konservativen nicht verleugnen. Gehaltsaufbefferung der Offiziere. Oefterreich- Ungarn. Wahlrechtsdemonstration. " " In seiner Nr. 44 vom 21. Februar brachte der„ Vorwärts" wendigkeit nachwies, den preußischen Wahlrechtstampf im Zeichen des sozialistischen Klassentampfes zu führen. Der Artikel vertrat nichts anderes als den Standpunkt der Sozialdemokratie, wie er nicht nur durch die theoretische Auffassung der Partei, sondern auch durch den Beschluß des Mainzer Parteitages ungweideutig festgelegt worden war. Gegen diesen Artikel wandte sich die von Südekum herausgegebene Breußen- Korrespondenz", und zwar in einer Form, von der selbst das doch wahrhaftig nicht als radikal geltende Dessauer Boltsblatt" fagte:" Wir finden, daß die Lust an Geistreichelei hier Südefum eine sehr unglückliche Formulierung in die Feber gegeben hat." Wir antworteten in unserer Nr. 48 vom 26. Februar in dem Artikel„ Eine Verleugnung des Klaffentampfes" mit der uns in Anbetracht der erstaun lichen Ansichten Südefums gebotenen Schärfe. Handelte es sich doch unserer Ueberzeugung nach um nichts Geringeres als um eine Vers leugnung der fozialdemokratischen Auffassung im preußischen Wahlrechtskampf. Die Sächsische Arbeiterzeitung" und Genosse Süd etum erwiderten am 27. Februar schr gereizt oder um mit der Rheinischen Zeitung" zu sprechen fehr„ ungezogen". Wir erlebten jedoch die Genugtuung, daß am 2. März Den Reichstag wird nächstens eine Vorlage über die AufBudapest, 9. März. Gestern abend veranstalteten die Sozia- zwei Redakteure der Sächsisch'e'n Arbeiterzei befferung der Gehälter der Leutnants, Oberleutnants und Haupt- listen Rundgebungen vor dem Koffuthklub für das all- fung" in einem Artikel dieses Blattes erklärten, daß ihre AufLeute beschäftigen. Daß der Block alles bewilligen wird, ist klar. das Pluralwahlrecht. gemeine und gegen Nach fassung sich im wesentlichen mit der des Vorwärts" deckel Am Um so mehr ist es nötig, auf die Sache einzugehen. Es besteht mehreren Polizeiattaden wurden eine Anzahl Personen festge- 3. März antwortete der Vorwärts" auf die Ausführungen der nämlich die Absicht, auch hier mit dem Gelde der Steuerzahler sehr „ Sächsischen Arbeiterzeitung" und des Genoffen Südetum vom fplendid umzugehen, obwohl die Zeiten sicher nicht dazu geeignet 27. Februar. Und in dieser Entgegnung befand sich die von der find. Die für die Oberleutnants und Leutnants geplanten Gehalts" Rheinischen Zeitung" gerügte Bemerkung von der leidigen Noterhöhungen könnte man, wenn man von unserer prinwendigkeit, gewisse Genossen wieder einmal an das ABC des Sozipiellen Gegnerschaft gegen das preußischzialismus erinnern zu müssen. Das soll nun eine journalistische deutsche Armeesystem absieht, allenfalls billigen. Ungezogenheit" gewesen sein! In Wirklichkeit war es nur eine Der Leutnant foll fünftig ein Anfangsgehalt von 1500 M. ertatsächliche Feststellung, die im Interesse der Klarheit halten, nach je vier weiteren Dienstjahren kommt eine Alterszulage der sozialistischen Anschauungen abfolut geboten war. Wenn die bon 300 m. hinzu, bis das Höchstgehalt von 2100 M. erreicht ist. Rheinische Beitung" journalistische Ungezogenheiten rügen Dieses Stadium tritt also nach achtjähriger Dienstzeit als Offizier wollte, hätte sie fich gerade gegen den Genossen Südekum ein. Für die Oberleutnants wird ein besonderes Gehalt nicht wenden sollen, der vorher, am 27. Februar, dem" Borwärts" mehr vorgesehen. In die Praxis übertragen liegt die Angelegenein feltsames Gemisch von abgegriffenen Selbstverständlichkeiten, heit so, daß die Oberleutnants und ältesten Leutnants 2100 M. rollenden Phrasen, hahnebüchenen Unrichtigkeiten und groben talGehalt beziehen. Abgesehen vom Gehalt stehen den Offizieren noch tischen Ungeschicklichkeiten" vorwarf! Wozu freilich am 2. März die Wohnungsgeldauschuß und Servis zu, die beide nach der Größe der Garnisonen wechseln und nach Servisklassen geregelt werden. Brüffel, 9. März. Die Opposition gegen die Kongo- beiden schon erwähnten Redakteure der Sächsischen Arbeiterzeitung" bemerkten: Die alte bewährte, von Es gibt fünf Serbisklassen, von denen für die Offiziere aber nur borlage nimmt zusehends zu, nachdem jetzt die genauen Punkte vier Geltung haben, weil die fünfte sich nur auf Orte ohne Gar- der Uebernahme bekannt geworden sind. Die Linke sowie ein unserer Theorie gestüßte und durch jahrzehntelange Entwidelung nisonen bezieht. In der höchsten Servistlaffe stünden fünftig einem Teil der Klerikalen sind entschlossen, gegen die neue als richtig bestätigte Kampftaktit( wie fie der Vorwärts" vertrat), jungen Leutnant 2460 M., in der letzten 2031 M. zu. In An- Vorlage zu stimmen und werden dies in einer Tagesordnung im soll nur berhindern, unklarheiten und Verbetracht des Umstandes, daß es sich hier um junge Männer, von Laufe der Woche zum Ausdrud bringen. Die Opposition stüßt sich fchwommenheiten in die eigenen R'e'then denen die ältesten höchstens 26 Jahre alt sind, handelt, und die u. a. auf die Verfassung, nach welcher der König teinerlei Maß- tragen. Um abgegriffene Selbstverständlichkeiten" handelt es fich Vorbildung dieser Männer verhältnismäßig wenig verschlang, muß regeln ohne vorheriges Einverständnis mit den Ministern treffen auch nicht, das beweifen gerade die beiden gegen den die Bezahlung als sehr nobel bezeichnet werden. Man darf hier Ferner werden die Basten, welche Belgien aus der Vorwärts" gerichteten Artitel." to 16 Es handelt sich also um alles andere, als journalistische Unnicht vergessen, daß nur in Bayern von den Offiziersaspiranten lebernahme des Kongostaates erwachsen und sich auf fünfzig gezogenheiten" des„ Borwärts"! Wollte die Rheinische Zeitung" das Absolutorium eines Gymnasiums gefordert wird. Bei den Millionen jährlich beziffern, als au bedeutend betrachtet. wirkliche Ungezogenheiten geißeln, so hätte sie viel eher dem GeLeutnants, die das vierte Offiziersdienstjahr hinter sich haben, werden die genannten Bezüge um 300 m. jährlich erhöht. Sie betragen also 2760 M. bezw. 2331 M. Die Oberleutnants und ältesten Leutnants sollen 3060 M. Beziv. 2631 M. erhalten. nommen. Schweiz. Gegen die deutsche Viehabsperrung. Bern, 9. März. Die bernische Regierung richtete an den Bundesrat das Gesuch, er möge auf die Aufhebung der Sperre gegenüber dem bernischen Grportvich bei Deutschland wirken, da der Kanton Bern schon seit langer Zeit von Wiehseuchen böllig frei sei. Eine von etwa 200 bernischen Landwirten besuchte Versammlung nahm gestern eine Resolution an, die das Gesuch der bernischen Regierung unterstützt. fann. Belgien. Gegen die Kongovorlage. Rußland. Der gefolterte Journalist. Perfien. Schah und Parlament. 1 nischen Zeitung", daß sie den Versuch Südekums, die sozialdemofratische Wahlrechtstaktik zu verwirren und die im Partei. interesse gebotenen Zurüdweisungen dieses Verfuches als persönliche Ehrenfräntungen zu verdäch tigen, mit Entschiedenheit zurückweisen wird. Teheran, 9. März. Ein neuer konflift droht zwischen dem Schah und dem Parlament auszubrechen. Der Schah richtete an dieses ein Schreiben, worin er sich über die ungenügen den Maßregeln beschwert, die im Anschluß an den gegen ihn gerichteten Attentatsverfuch getroffen worden sind. Schah wirft dem Parlament vor, es lege eine unbeschreibliche Untätigkeit an den Tag. Man befürchtet wiederum Un- Wie ein Vertrauensarzt bei einer Berufsgenossenschaft sein Amt ruhen. Soziales. nossen Südek um eine Bettion erteilen müssen! Genoffe Südefum, der seine Korrespondenz dazu mißbrauchte, ..Unklarheiten und Verschwommenheiten in die eigenen Reihen zu Petersburg, 9. März. Von dem in Minst verhafteten tragen", ist freilich eifrig bemüht, die Barteiredaktionen durch Den Löwenanteil der Gehaltsaufbesserung bekommen, wie sich Italiener Levine sind nur spärliche Nachrichten eingelaufen. persönliche Erklärungen", die er seiner Storrespondenz beilegt, von selbst versteht, jene, die gar keine Gehaltserhöhung benötigen, Levine erklärte, daß die oberflächliche Pflege durch den viel be- glauben zu machen, es handele sich um einen schmählichen Partei. nämlich die Hauptleute und Rittmeister. Die Offiziere diefer schäftigten Gefängnisarzt seinem Gesundheitszustande nicht ent- gant". Statt auf unsere fachlichen Darlegungen sachChargen sind jetzt schon ausreichend bezahlt. Ein Hauptmann usw. spreche. Es sei ihm einstweilen nicht gelungen, Privatärzte zu lich zu antworten, versucht er, den fachlichen Meinungsaustausch 1. Klasse bezieht jetzt je nach der Servisklasse, in der seine Garnison tonsultieren. Die italienische Botschaft scheint sehr wenig mittelft Bearbeitung der Parteiblätter durch Zirkulare wirklich rangiert, 5800 bis 4900 W., ein Hauptmann 2. Klasse 4600 bis energisch aufzutreten. Bis jetzt hat die russische Regierung auf das Niveau schmählichen Barteizants" herabzudrücken! Wir 3700 M. Für die Miete eines Pferdestalles wird außerdem das ihr keine Antwort auf die Eingabe zu gehen laffen, welche hegen freilich das Butrauen nicht nur zur Objektivität der Mehrheit Stallservis gewährt. Hier wäre eine Aufbesserung gewiß nicht der italienische Botschafter an das Ministerium weitergegeben hat. der Parteipreffe überhaupt, sondern auch zur Redaktion der Rheinötig. Sie wird aber in unglaublicher Weise geplant. Der Unterschied zwischen Hauptmann 1. und 2. Klasse soll überhaupt fallen, weil man nämlich schon die jüngsten Hauptleute fünftig so besolden will, wie es jetzt die Hauptleute 1. Klasse sind. Das Anfangsgehalt für einen Hauptmann bezw. Rittmeister bill man auf 4000 M. festseßen. Alle vier Jahre tritt eine Erhöhung von 600 M. ein, bis das Höchstgehalt im Betrage von 5200 W. crreicht ist. Demnach würde ein Hauptmann usw. in den ersten vier Dienstiahren inklusive Servis und Wohnungsgeldzuschuß je nach der Garnison 4984 bis 5872 2. erhalten. Vom bierten bis achten Dienst jahre fämen 5584 bis 6472 m. und nach dem achten Dienstjahre 6184 bis 7072 M. in Betracht. Nimmt man an, daß der deutsche Offizier durchschnittlich mit 35 Jahren Hauptmann wird, so ergibt sich, daß er durchschnittlich im Alter von 35 bis 39 Jahren ein Einkommen von rund 5000 bis 5900 M. erhalten soll, im Alter von 39 bis 43 Jahren werden 5600 bis 6500 M. daraus. Vom 43. Lebensjahre an will man ihm 6200 bis 7100 W. geben. Hat ein Hauptmann in seiner Charge 8 Jahre gedient, so braucht er nicht lange zu warten, bis er Major mird. Und dahin tommt eine neue große Aufbesserung aller Begüge. Für die Steuerzahler hat dieses Wirtschaften mit ihrem Gelde weitere unangenehme Konsequenzen, weil die Erhöhung der Ge. hälter auch eine Erhöhung der Pensionen nach sich zieht. An dem voraussichtlich gelingenden Versuch der Aufbefferung ter Hautpmannsgehälter kann man ersehen, wie die Regierung die Jahre der Blockherrlichkeit auszunüßen gebentt. Das deutsche Volt muß den letzten Wahlausfall teuer bezahlen. lauer Volts macht": ,, Gelobt sei Jefus Chriftus!" Unter dieser lieblichen Ueberschrift schreibt die Bres Das ist ein frommer Gruß, der noch heutzutage in ländlichen Das ist ein frommer Gruß, der noch heutzutage in ländlichen fatholischen Gegenden Deutschlands vielfach üblich ist Evangelische pflegen sich einer nicht zu bedienen, höchstens taten sie es in den Beiten den Heiligen Allianz und auch damals nur aus einer gewiffen orthodoren Scheinheiligkeit heraus, die Heine einst nicht übel ber= spottet hat in Gestalt des Rates bei der Regierung in der frommen Stadt, wo der Sand und der Glaube blüht, der bei der Verheißung ciner Gehaltszulage von hundert Talern Kurant verzüdt und wonnebebend stammelt Gelbot sei Jesus Christus!" Japan. Der Konflikt mit China. Der auffaßt. Nehrere Gutachten" eines Vertrauensarztes einer Berufse genossenschaft erfuhren in einer Verhandlung vor dem Schiedsgericht für Arbeiterversicherung in Dresden eine eigenartige Beleuchtung. Selbst der Borsigende des Schiedsgerichts nahm in einem Falle Veranlassung, das Berhalten dieses Vertrauens" arates in öffentlicher Sigung gebührend zu kennzeichnen. Folgende bier Fälle lassen den Vertrauensarzt als solchen im grellsten Lichte erscheinen. Wegen der Beschlagnahme feines Dampfers hat Japan an China ein Ultimatum gerichtet. In diesem wird die Wiedererstattung des Dampfers und der Ladung und Zahlung einer boll gültigen Entschädigung innerhalb einer angemessenen Zeit gefordert. Im Falle der Unterlassung oder Verzögerung wird Japan gemäß den im Ultimatum gestellten Bedingungen unverzüglich entEin Arbeiter hatte bei einem Unfall schwere Verlegungen sprechende Maßregeln ergreifen. Japan erwartet bis morgen davongetragen. Es wurde ihm nach längerer Strankenhausbehand Antwort. G3 lehnt das Anerbieten Chinas, eine Untersuchung lung die Bollrente gewährt, welche er ein Jahr bezog. Es erfolgte anzustellen, ab und besteht auf einer Genugtuung für das Nieder- dann eine erneute Untersuchung durch den Vertrauensarzt und holen der japanischen Flagge auf der Tatsu Maru. Es wird eine dieser hielt nunmehr 25 Bros. ber Vollrente als angemessen. Der Vermittelung nicht annehmen, da es den Standpunkt Verlegte legte gegen die Serabfeßung auf 25 Proz. Berufung ein vertritt, China sei unzweifelhaft im Irrtum. In seiner Antwort und erflärte den Vertrauensarzt Dr. Sandbuhl für Gefangen. sucht China Zeit zu gewinnen. Der Fall fönne nicht beigelegt Dem Schiedsgericht schien diefer Sprung auch zu groß und gewährte werden ohne eingehende Untersuchung der Tatsachen. Ein Mit dem Verlegten noch für eine Beit 50 Broz. und von da ab bis glied des Auswärtigen Amtes beriet gestern lange mit dem auf weiteres 33% Pro3. japanischen Vertreter über die wegen der Ladung zu treffenden Maßnahmen. China schlug vor: Zurüdführung der Waffen und Striegsvorräte nach Japan und Aufhebung der Verschiffungs. erlaubnis für dieselben, ferner Bürgschaftsleistung von feiten Japans für die Unterdrückung des japanischen Handels mit Kriegsvorräten nach dem Festland. Japan gab seine Geneigtheit zu er tennen, die Sache in Erwägung zu ziehen. Amerika. Arbeiters gegen die Herabjegung feiner Rente von 40 auf 30 Proz. Im zweiten Fall handelte es sich um die Berufung eines Er hatte eine Quetschung ber linten sand erlitten. Nachdem der Berlegte die 40 prozentige Rente längere Zeit bezogen hatte, wurde er vom Vertrauensarzt untersucht, welcher eine wesentliche Befferung feststellte und die Minderung der Erwerbsfähigkeit nur noch auf 30 Broz. schätzte. Auch hier hielt sich das Schiedsgericht nicht an das Gutachten dieses Vertrauens" arates, sondern gewährte dem Kläger nach Inaugenscheinnahme der verletzten Hand eine Rente von 33% Broz, indem es zu gleicher Zeit aussprach, daß es sich hier wohl um eine Dauerrente handeln dürfte. Ebenfalls um eine Berufung gegen die Herabsetzung der Rente auf Grund eines Gutachtens" handelte es sich im dritten Falle. Der Kläger hatte mehrere Finger der linken Hand dadurch ver foren, daß er in eine Fräsmaschine kam. Er bezog für die Folgen Der Kampf um die Präsidentschaft. Man weiß, daß Roosevelt feinen ganzen Einfluß auf Die katholischen Bauern des Kreises Löwenberg- wendet, um Herrn Taft als Präsidentschaftskandidaten der und gar nicht die ältesten unter ihnen erinnern sich noch recht republifanischen Partei aufzudrängen. In diesem Streben hat lebhaft eines liebenswürdigen, schlichten Herrn aus Berlin, der Roosevelt jest eine Niederlage erlitten. Das republikanische ihre Gegenden häufig durchstreifte und wenn er einen von ihnen Komitee des Staates New York hat beschlossen, für die kan traf, recht artig sein Hütchen zog und mit himmelwärts gerichtetem didatur des Staatsgouverneurs Hughes einzutreten, wodurch des Unfalls eine Rente von 40 Proz. der Vollrente. Der Ver. Blid den treuherzigen Gruß sprach:" Gelobt jei Jesus die Aussichten Tafts bedeutend verschlechtert worden find. Dies trauensarzt konstatierte bei einer neueren Untersuchung des VerChristus!" Sie erfuhren, daß dieser Serr, dessen gottgefälliger scheint Roosevelt benüßen zu wollen, um seine wohl stets gehegten letzten, daß eine gewiffe Gewöhnung eingetreten sei. Er schätzte Lebenswandel fo offenfundig war, Rat bei der Regierung in der geheimen Wünsche nunmehr zu verwirklichen und sich, troßdem die Minderung der Erwerbsfähigkeit nur noch auf 30 Broz. und frommen Stadt Berlin" fei, und sich zurzeit- man schrieb Anfang dies aller republikanischen Tradition widerspricht, zum drittenmal begründete dies zum Teil damit, daß det Berlebte jetzt einen Februar 1907- in der Stichwahl um das Reichstagsmand at als Präsidentschaftskandidaten aufstellen zu laffen. Die Daily annehmbaren Berdienst" habe. Unter diesen annehmbaren Verbon Löwenberg bewerbe. So zogen sie denn in hellen Haufen zu News" wiffen sogar schon zu melden, daß Roosevelt bereits enddienst versteht diefer Vertrauensarzt einen solchen von den Wahllokalen und gaben ihre Stimmzettel ab für den ettor gültig beschlossen habe, seine Kandidatur aufzustellen. pro Woche. Auch hier hielt das Schiedsgericht die Schätung des 16 M. ,>Der?rauensarztes" siir z» niedrig und sprach dem Verletzten nach Besichtigung der verkrüppelten Hand eine 35proz. Rente zu Besonders bemerkenswert ist aber das Verhalten des Ver- krauensarztes im vierten Falle. Hier handelt es sich um eine Berufung eines Arbeiters gegen die Einstellung der Rente. Der Kläger hatte infolge eines Unfalles eine Berkrüppelung der linken Hand davongetragen, wofür er mehrere Jahre eine Illproz. Rente erhielt. Schließlich mußte sich der Verletzte einer neuen Unter- suchung durch den Vertrauensarzt unterziehen und dieser stellte denn auch tatsächlich fest, daß„völlige Gewöhnung" an die Folgen des Unfalles eingetreten sei, weshalb die Rente eingestellt werden müsse. Die Genossenschaft stellte dann auch die Rentenzahlung a» den Verlebten ein. Da der„Vertrauens"arzt Wohl annahm, daß der Verletzte gegen die Einstellung Berufung einlegen werde, so schrieb er in das„Gutachten", die Sache eventuell bis zum Rekurs kommen zu lassen. Dies war ein Wink für die Berufsgenossen- schaft, wonach diese für den Fall, daß sie vom Schiedsgericht zur Weitergewährung der Rente verurteilt werden sollte, eine Ent- scheidung des Landesversicherungsamts herbeiführen solle.(Es handelt sich hier um die sächsische Holzberufsgenossenschaft, für welche als höchste Instanz das Landesversicherungsamt zuständig ist.) Dieses Verfahren des„Vertrauens"arztes wurde vom Vor- sitzenden energisch gerügt, indem er ganz richtig ausführte:„Wenn flw Dr. Sandbnhl als Partcianwalt der Genossenschaft aufspielen woll�, dann verdienten seine Gutachten überhaupt keine Beachtung!" Das Schiedsgericht hielt sich auch in diesem Falle nicht an daS „Gutachten" des ,.Vertrauens"arztes, sondern verurteilte die Ge- nossenschaft zur Weitergewührnng der Rente. Die einseitige Parteinahme gegen den Arbeiter ist nichts, was den Dr. Sandbuh! auszeichnet, sondern eine allgemeine bei Berufs- genossenschaftsärzten anzutreffende Erscheinung. Das ist der Hauptgrund, weshalb die Scharfmacher, mit Dr. Mugdan an der Spitze, dies Lertrauensarztsystem nicht genug zu preisen vermögen. Liberale Gemeinden gegen Krankenversicherung. Wie der„liberale" Stadtmagistrat in Nürnberg, so sträubt sich auch der Schwabachcr Stadtmagistrat gegen die Errichtung von ji)rtskrankenkassen. In beiden Städten besteht lediglich das völlig unzureichende Surrogat einer Krankenversicherung, die Gemeinde- krankenversicherung. Der Stadtmagistrat Schwabach hat sich trotz Aufforderung der Regierung zum wiederholten Male so auch jetzt geweigert, die Gemeindekrankenkasse durch eine Ortskrankenkajse zu ersetzen. Dazu will er sich erst dann verstehen, wenn durch Abstimmung festgestellt sei, daß die Mehrheit der Versicherungs- Pflichtigen mit dieser Vcrsicherungsform einverstanden ist. Dabei soll aber der famose, vom Nürnberger Stadtmagistrat erfundene Abstimmnngsmodus zur Anwendung gelangen, daß die Gesamtzahl der Versicherungspflichtigen festgestellt wird und, wenn die Orts- lasse errichtet werden soll, niehr als die Hälfte der Versicherungs- Pflichtigen ihre Stimme dafür abgeben müssen. Diejenigen, die ihr Wahlrecht nicht ausüben, werden einfach als Gegner der Ortskafse gezählt!_ 6cwerkrcbaftUcbees Verleumde nur zu i In Fürth organisierten sich die Mehrzahl der städtischen Arbeiter in einer Zahlstelle des Verbandes der Gemeinde- und StaatSarbeiter. Sosort waren auch die Hirsche bei der Hand, um einen OrtSverein ihrer Richtung zu gründen und gegen die Frei- organisierten mit den üblichen Verdächtigungen vorzugehen. Der Stadtmagistrat hat einen Fonds errichtet, aus dem städtische Arbeiter im Falle der Hülfsbedürftigkeit untelstützt werden. Die Entscheidung in den einzelnen Fällen liegt in den Händen eines Ausschusses, der in seiner Mehrheit aus Frei- organisierten besteht. Das war den Hirichen ein Dorn im Auge. Ihr Arbeitersekretär Barnholt behauptete wiederholt in Versammlungen, die Verwaltung des Genieindearbeiter- Verbandes. habe Gelder aus dein genannten Fonds unter sich verteilt, was von der Reichsverbandspresse weidlich ausgeschlachtet wurde, obwohl der Vorsteher des städtischen Bauamts in öffentlicher Magistratssitzung die Behauptung als dreisten Vorwurf erklärte, an dem kein wahres Wort sei. Der Vorsitzende des ArbeiterausschusscS und der Zahl- stcllenvorsitzende sahen sich deshalb gezwungen, gegen Varnhalt Klage wegen Beleidigung zu stellen. In der Verhandlung zog er es vor, zu erklären, daß er weder dem ArbeiterauSschuß noch der Verwaltung der Zahlstelle den Vorwurf habe machen wollen und können, sie hätten Unterstützungsgelder unter sich verteilt, und be- dauere, wenn seinen Ausführungen dieser oder ein ähnlicher Vorwurf entnommen werden konnte._ L erlin und Umgegend. Eine ausierordcntliche Generalversammlung deS Ver- Landes der Bangeschäfte von Berlin und den Vororten(E. V.) tagte gestern abend im Architektenhause, Wilhelmstraße 92, um u. a. zu dem Antrag des Gesamtausschusses, den Stundenlohn der Maurer und Zimmerer so- wie den der Bauhülfsarbeiter noch ein nral herabzusetzen, Stellung zu nehmen. Die Versammlung war sehr zahlreich besucht. Es wurde mit großer Mehrheit beschlossen, den Stundenlohn für Maurer und Zimmerer, der zurzeit 79 bis 75 Pf. beträgt, auf K5 Pf., und den der Bau- hülfsarbeiter statt 45 bis 59 Pf. auf 45 Pf. festzusetzen. Ferner wurde folgender Antrag angenommen: Alle Arbeiter, die am 18. Mar� anläßlich der geplanten Wahlrechtsdemonstration völlig oder teilweise die Arbeit ruhen lassen, find bis auf weiteres entlassen. Die Wiedcreinstellung soll erst nach einem neuen General- Versammlungsbeschluß erfolgen. Zwei BerbandStage auf einmal hielt am Sonntag der sogenannte„Allgemeine Metallarbeiter- Verband" ab. Die Abteilung W i e s e n t h a l tagte im„Volks- heim" in der Ackerstraße, die syndikalistische Richtung im„Rosen- thaler Vereinshaus" zu Berlin. Die Teilnehmer des„Verbands- tages" im„Volksheim" waren mit einer Ausnahme Berliner Rohrleger; außer ihnen war nur noch ein Gießereiarbeiter aus München anwesend. In der Rosenthaler Straße dagegen waren außer den Berlinern vertreten unter anderen die Orte Erfurt. Dresden, Leipzig, Quedlinburg und Hamburg. Karlsruhe hatte auf eine Beschickung verzichtet mit der Motivierung, die Berliner „mögen ihre Eseleien allein fertig machen". Der Verein werde sich auflösen,„weil derartige Miniaturorgani- sationen in der Praxis keinen Zweck haben". In der Hauptsache diente der«Verbandstag" in der Ackerstraße dem Zwecke, alles gut zu heißen, was Wiesenthal getan hat, der in der Rosenthaler Straße dem, Wiesenthal für einen kompletten Lumpen zu erklären. In der Ackerstraße wurde W i e s e n t h a l zum 1. Vorsitzenden gemacht, in der Rosenthaler Straße schloß man ihn cum inwmia aus dem Allgemeinen Metall- arbeiterverbande aus. Interessanter als die Rohrlegerkonferenz in der Ackerstraße, deren Beschlüsse man ja voraussehen konnte, war die Tagung in der Rosenthaler Straße. Sie zeigte deutlich, daß das syndikalistische Löwensell nur ein übergeworfenes ist. Ein aus Hannover gestellter Antrag besagt, daß alle Unterstützungen, welche sich nicht auf den wirtschaftlichen Kampf beziehen, also Arbeitslosen-, Reise- und Sterbeunterstützung usw.. der Kampfes- Organisation nachteilig und deswegen aus dem Statut zu ent- fernen sind. In der Diskussion erklärten sich die meisten Redner zwar als prinzipielle Gegner jeder Unterstützungs-Em- richtung, aber ein Aufgeben derselben wird nicht für angezeigt er- achtet, da damit ein erheblicher Mitgliederberlust verbunden sein dürfte. Die„syndikalistische" Erziehung scheint also dem Idealismus nicht förderlicher zu sein als die viclgcschmähtc zentralistische. Bei Erörterung der Preßverhältnisse entwickelte K l e i n l e i n den Plan, die„E i n i g k e i t" i n eine Tages- zeitung der revolutionär- syndikali st ischen Rich- t u n g umzuwandeln. Bis jetzt wisse man in Deutschland von dem Vorhandensein dieser Richtung viel zu wenig. Der Arbeiterschaft mit ihrer korrumpierten Parteipreffe— dem„Vorwärts" an der Spitze— müsse aber gezeigt werden, was Klassenkampf im re- volutionären Sinne ist. Um der unheimlichen Nachbarschaft W i e s e n t h a l s zu entgehen, verlegte man dann den Sitz des Verbandes nach— Erfurt. Mit dieser wahrhaft revolutionären� Tat schloß die Tagung der Syndikalisten. Achtung, Friseurgehülfen! Differenzen sind beigelegt bei Kleinfeldt, Boxhagener Straße 27 und Palm, Wolliner Straße 7. Die Kontrollkarten müssen laufend gestempelt sein. Verband der Friseurgehülfen, Zweigverein Berlin und Vororte. I. A.: Paul Liere. Achtung, Kleber! Die Firma Kumin, Rixdorf, Hcrmannstraße und Berlin, Koppenstraße— rcsp. sein„Tapezierermeister" Immer — Bauten Ideal-Passage(wird von Vorstandsmitgliedern und An- gestellten der Rixdorfer Ortskrankenkasse aufgeführt), Fuldastraße und Bodcstraße, Bau Mutschke sind für Kleber wegen Nichtbezahlung der Tarifpreise gesperrt, obgleich der Herr Immer den Tarif unterschriftlich anerkannt hat. Freie Vereinigung der Tapezierer. Bureau und Arbeitsnachweis: Schützenstr. 14. Tel. 1a S477. Berichtigung. In dem Bericht über die Arbeitslosenversamm- lung der Holzarbeiter unter Gewerkschaftlichem unserer Sonntags- nummer ist ein sinnentstellender Druckfehler enthalten. Es muß nicht heißen, daß auch die Arbeitgeber, sondern die Ar- b e i t e r selbst daran schuld sind, wenn der paritätische Nachweis nicht funktioniert. Deuttches Reich. Krupp-Wohlfahrt. Die seit einiger Zeit angekündigte Einführung der acht stündigen Schicht in der Zündcr-Laborierwerkstatt l und II und Zünderabnahme ist nun perfekt geworden. Nach einem Anschlage am Nummerkasten sollte am 4. März die achlstündige Schicht du treten, und zwar von früh 6 bis nachmittags 2'ch Uhr. Damit nun die Arbeiter nicht von Langerweile geplagt werden, prangte unter obigem Anschlage eine Bekanntmachung des hiesigen Flottenvereins in dem es hieß, daß vom S. bis 12. März Borstellungen veranstaltet werden, zu welchen sich die Arbeiter Karten zum Preise von 30 Pf bei ihren Werkmeistern holen könnten. Die Schichtverkürzung tritt nach einem späteren anderen Anschlage erst am 16. März ein. Die bürgerliche Presse berichtete, daß Lohnkürzungen bei der kürzeren Schicht nicht in Frage kämen; das ist eine dreiste Lüge. Die Löhne in der Laborierwerkstatt I und II, die 3,80—3,96 M. betragen, sinken durch Verkürzung der Schichtzeit auf 3,04— 3,14 M,. was bei 12 Arbeitstagen 36,48— 37,68 M. ausmacht. Dazu kommen die Abzüge, z. B. etwa 2,50 M. Kranken-, Pcnsions. und Jnvalidenbeiträge, außerdem zirka 9 M. Miete und 2,50 M. Steuern, im ganzen ungefähr 16 M., so behält der Arbeiter den königlichen Lohn von 20—23 M. übrig. Zu diesem Lohne arbeiten zirka 800 Arbeiter, mit Ausnahme der Dreher, die Akkord haben. Fast alle diese von der Schichtverkürzung Betroffenen sind Familien Väter. Von ihnen verlangt man Patriotismus für die Firma Krupp und Besuch des Flottenvereins. Als ob die Arbeiter von ihrem Hungerlohn ein menschenwürdiges Dasein führen könnten, geschweige 30 Pf. übrig haben für patriotische Vorstellungen. Eine Konferenz deS linksrheinischen GaueS des Teutschep Textilarbeitcrverbnndes tagte am 7. und 8. März im Volkshauie in Köln. Besucht war dieselbe von 27 Delegierten, welche 19 Filialen verttäten, außerdem war anwesend der Gauvorstand und' der Vorsitzende des Zentralvorstandes. Genosse H ü b s ch- Berlin. 'Dem Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß die Zahl der orga- nisierten Textilarbeiter in den letzten 2 Jahren von 6597 auf 9786 stieg. Wenn die Steigerung an sich auch ziemlich groß zu nennen ist, so ist die Zahl der Organisierten überhaupt verschwindend, gegenüber der Zahl der im Bezirk beschäftigten Textilarbeiter (110 000). Doch muß in Betracht gezogen werden die Schwierigkeit der Agitation daselbst; Pfaffen, Unternehmer und Behörden arbeiten hübsch Hand in Hand, um die Arbeiterbewegung nicht hoch kommen zu lassen. Einen steinigen Boden gilt es dort zu beackern. Die Konferenz beschäftigte sich am ersten Tage fast ausschließlich mit der verunglückten Stoffweberbewegung in Kre- selb. Unter den Webern machte sich eine Strömung geltend, welche der Verbandsleitung die Schuld an dem Zusammenbruch der Be- wegung zuschiebt. Besonders wird der Leitung die Verweigerung der Unterstützung(nachher wurde doch gezahlt) sehr verübelt. Auf der Konferenz wurden diese Vorwürfe auch erhoben, doch nahmen die Delegierten gegen eine Stimme, nach einer gründlichen Aus- spräche eine Resolution an, welche besagt, daß Zentral- und Gau- vorstand unter den obwaltenden Umständen nicht anders handeln konnten, als sie gehandelt haben. Weiter wurden noch zwei An- träge angenommen, welche eine Statutenänderung in dem Sinne befürworteten, daß dem Zentralvorstande bei Ausschluß von Mit- gliedern sowie bei Streiks und Aussperrungen größere Rechte ein- geräumt werden. Zu den Kosten der Gauverwaltung muß der Zentralvorstand jährlich 3600 M. beisteuern. Die Konferenz erklärte sich im Prinzip mit Einführung der Arbeitslosenunterstützung einverstanden. Gleichzeitig beschloß sie, die Beiträge um 10 Pf. pro Klasse zu erhöhen; im Statut des Ver- bandes ist nämlich die Staffelung der Beiträge vorgesehen. Der Sitz des Gauvorstandes wird in Krefeld belassen. Einen eigenartigen Streik gab eS in der verflossenen Woche in dem Lausitz« Dorfe Ober- kummersdorf. Der dortige Konsumverein hatte einen Antrag der Bäckermeister, die das Brot für den Konsumverein liefern, die Brot- preise um 3 Pfennig für drei Kilogramm zu erhöhen, die den Mit- gliedern deS Konsumvereins aber zu gewährenden Rabattsätze aber von 8 auf 6>/z Prozent herabzusetzen, in seinem ersten Teil ab- gelehnt, im letzten Teil angenommen. Darauf traten die Bäcker- meister in den Streik. Sie lieferten kein Brot an den Konsum- verein mehr._ Zur LerschmelzungSfrag« mit dem Verband der Burcauangestellten nahm ein Bezirkstag der Verwaltungsbeamten der Krankenkassen Sachsens in Leipzig Stellung. Prinzipiell erklärte man sich mit dem Statutenentwurf, der dem Verbandstage in Berlin demnächst vorgelegt werden und die Einigung beider Verbände herbeiführen soll, einverstanden. Einige Anträge auf Aenderung der vorgeschlagenen Statuten wurden angenommen, so daß der neue Verband„Verband der Bureauangestellten" heißen sollte; der Monatsbeitrag für Mit- glieder über 20 Jahre soll auf 1,20 M. statt auf 1 M. festgesetzt werden, dafür müsse der Sonderbeitrag für den BerbandStag weg- fallen usw. Gleichzeitig beschäftigte man sich mit der Schaffung einer fakultativen Pensionskasse. Wenn man auch die Schwierig- leiten nicht unterschätzte, erklärte man sich doch prinzipiell für die Einführung einer solchen, sei es auch erst in späterer Zeit. In Sachsen haben eine Anzahl von Ortskrankenkassen den Tarifvertrag des Verbandes angenommen, wenn auch noch viel für den Tarif zu arbeiten ist. Zurzeit hat der Verband in Sachsen 667 Mitglieder gegenüber 627 im Jahre 1907. Hueland. Krisis, die bis zu'r Stunbe anLäuerk. Was haben bis za'riflhek» Polizcischergen nicht alles angewendet, um den Gewerkvereinen die Existenz unmöglich zu machen! Man löst sie dutzendweise auf. Die Arbeitervcrsammlungen werden aufgehoben, wenn man in ihnen vom Streik zu sprechen anfängt. Aber meistenteils wollen die Ortssatrapen überhaupt von Arbciterversanimlungcn nichts wissen, obwohl den Arbeitern durch ein Gesetz ein gewisses Recht dazu zusteht. Doch was scheren den Zarismus seine eigenen Gesetze. wenn es einen Kamps gegen das revolutionäre Proletariat, gegen seinen„Totengräber" gilt?! Der Kampf wird mit allen möglichen Mitteln geführt. Ueberrascht die Polizei eine Arbcitervcrsamm- lung, dann holt sie ein Dutzend Kosaken herbei und man schleppt die Teilnehmer samt und sonders ins Gefängnis. Wer muckt—> dem wird eine gehörige Tracht Nagaikas zum"besten gegeben. Vor kurzem wurde eine 600 Mann starke Arbeitcrversammlung in Warschau in die staatlichen unmöblierten Zimmer transportiert. Daß dann des Arbeiters für das kleinste Vergehen die ungeheuer» lichsten Strafen harren, ist ja bekannt. Dieser Tage wurden für eine Streikagitation 21 Lodzer Arbeiter zu 2 Monaten Gefängnis und zur Verbannung verurteilt. Aber nicht genug damit, ersann Väterchen ein ganz neues Mittel gegen die Gewerkschaften. Ein sehr einfaches und �— einträgliches. Bei den Durchsuchungen tn den Bureaus werden die Gelder der Gewerkschaften konfisziert, r„dl sie eben ungesetzlichen Verbindungen gehören. Die Treibjagden auf die Gewerkschaften sind jetzt für die Polizei- boomten sehr eindringlich, denn der größte Teil der konfiszierten Gelder bleibt natürlich in ihren Taschen stecken. Doch könnten die Repressalien der Regierung nicht die gegen- wärtige Krisis der Gewerkschaftsbewegung herbeiführen, wenn sich dazu nicht die industrielle Krisis gesellte. Der amerikanische Kupferkrach hat auch auf Rußland eine große Wirkung ausgeübt; von den vorgekommenen Produktionseinschränkungen, Einstellung der Produktion, Arbeiterentlassungen, wurde seinerzeit im„Vor- wärts" berichtet. Und dieser Zustand dauert bis zur Stunde fort. In Lodz z. B. wurden im Januar 23 Fabriken geschlossen, in 12 die Produktion eingeschränkt. Dazu kehren noch tägliche Tausende aus Amerika zurück, die also den Arbeitsmarkt noch mehr über- füllen helfen. In großen. Städten, und zumal in Petersburg, hat die Arbeitslosigkeit nie dagewesene Dimensionen angenommen. Daß solche Verhältnisse auf die junge russische Gewerkschaftsbewegung die schlimmsten Wirkungen ausüben müssen, liegt aus der Hand. Viele Vereine lösten sich auf; in den bestehenden ist ein sehr großer Rückgang der Mitgliederzahl zu konstatieren. Im Mos- tauer Rayon verminderte sich die Zahl der Mitglieder der Gcwcrk- vereine sogar auf 70 Proz. Der neue Petersburger Verein der Bauarbeiter hat 100 Mitglieder anstatt 6000, die im alten waren. Alle Gewerkschaften haben eine sehr große Zahl von Restanten auf- zuweisen. In Kiew zahlen von 6430 organisierten Arbeitern regulär ihre Beiträge nur 2710, im Verein der Petersburger Kon- fektionsarbeiter von 2000 nur 200 usw. Nicht besser steht es mit der Gewerkschaftspresse: von vielen Zeitungen sind nur sehr wenige geblieben. Man sieht: es ist keine günstige Lage. Aber trotzalledem strecken die Gewerkschäften nicht ihre Waffen. Der Kampf dauert fort. Und es mehren sich die Zeichen, die bezeugen, daß die gegen- wältige Krise trotz aller Rücken und Tücken der Reaktion binnen kurzem überwunden werden wird. In Mexiko ist die Lage der Arbeiter eine sehr gedrückte. Die Mexikaner sind sehr bedürfnislos und deswegen auch gehaßt und verachtet von den amerikanischen Arbeitern. Ungelernte Arbeiter erhalten nur 1 M. bis 1,25 M. Tagelohn. In den Zuckerfabriken. wo es drei bis vier Monate im Jahre viel zu tun gibt, und an den Eisenbahnbauten erhalten die Arbeiter etwas mehr, nämlich 2 M. bis 2,50 M. pro Tag. Dieser Lohn wird auch in den Bergwerken bezahlt. Tüchtige Handwerker verdienen 4 bis 6 M. pro Tag; davon sind sehr viele Eingewanderte, und häufig trifft man deutsche Landsleute. Die meisten Deutschen in Mexiko ziehen es vor, als Farmer zu leben oder Handel zu treiben. Wo sie als Arbeiter oder Handwerker leben, haben sie sich im Verein mit den Amerikanern, die gewöhnlich gern dazu bereit sind, um die Organi- sation von Gewerkschaften bemüht, aber vorläufig noch mit ge- ringen Erfolgen. Die große Masse der mexikanischen Arbeiter kann weder lesen noch schreiben und lebt in Stumpfheit und Unwissenheit dahin. Die Unternehmer klagen viel über die„Faulheit" der Arbeiter, beuten sie aber rücksichtslos aus und tun nichts, um die Lage dieser verachteten Arbeiter zu heben. Erst den Gewerk- sckaften, die hier und da im Entstehen begriffen sind, wird es vor- behalten bleiben, erzieherisch auf die Arbeiterschaft einzuwirken. Und die Arbeiter, brauchen die Gewerkschaften immer dringender zu ihrem Schutze gegen die wachsende Rücksichtslosigkeit der Unter- nehmer. Viele Unglücksfälle in mexikanischen Bergwerken sind gerade darauf zurüzuführen. daß die Unternehmer in der gewissen, losesten Weise das Leben der Arbeiter aufs Spiel setzen. Letzte JVacbricbtcn und Dcpclcbcn. Lord Tweedmouth und der Kaiserbrief. London, 9. März.(W. T. B.) Oberhaus. Das Häus war in Voraussicht der Erklärung des Lord Tweed- mouth von den Mitgliedern stark besetzt. Die öffentlichen Tribünen wie die Diplomatenloge waren überfüllt. Lord Tweedmouth sprach unter lautloser Stille und in merklicher Erregung: „Ich höre, daß einige Mitglieder des Hauses gesonnen sind, über die ungewöhnlichen Ausbrüche, welche in der Presse im Laufe der letzten Tage erfolgt sind, eine Anfrage zu stellen. Ich möchte jeder Anfrage, die gestellt werden könnte, zuvor- kommen. Es ist Tatsache, daß ich am 18. Februar einen Brief von Seiner Majestät dem deutschen Kaiser erhalten habe. Dieser Brief ging mir ans dem gewöhnlichen Postwege zu. Der Brief war ein privater und persönlicher. Er war sehr freundlich gehalten, und sein Ton war ganz ungezwungen. Als ich ihn erhielt, zeigte ich ihn Grey, der mit mir einer Meinung darüber war, daß er als P r i v a t b r i e f und nicht als offizielles Schreiben zu behandeln sei. Demgemäß sandte ich Seiner Majestät dem Kaiser am 29. Februar ein Antwort- schreiben, das in demselben Sinne gehalten war, wie sein eigener an mich gerichteter Brief, nämlich in einem freund- lichen, zwanglosen Tone. Alles, was ich weiter sagen kann, ist: Ich bitte das Haus, sich versichert zu halten, daß ich der festen Meinung bin, daß der von mir befolgte Weg ein guter und darauf berechnet war, das zu tun, was wir alle so sehr wünschen, nämlich alles zu tun, was in unseren Kräften steht, um zwischen dem Deutschen Reiche und uns das gute Ein- vernehmen zu befördern." Favrikbraud. Königinhof, 9. März.(B. H.) Die unter dem Patronat der österreichischen Kreditanstalt in eine Aktiengesellschaft umgeivandelte Kattundruckerei von Anton Bauer ist zum großen Teil ein Raub der Flammen geworden. Der Schaden beträgt zirka eine Million Kronen, ist aber durch Versicherung gedeckt. Lawine. München, 9. März.(B. H.) Die Damsenjochhütte der Sektion Der gegenwärtige Stand der Gewerkschaftsbewegung in Rußland. Baherland im Karwendclgebirge ist durch eine Staublawine weg- Infolge der wilden Repressalien der Regierung endete das' gerissen worden. Das ganze Mobiliar ist vernichtet. Der Schaden _____________________.. �„ Fahr 1907 für die russischen Gewerkschaften mit einer schweren beträgt 45 000 M.______ Verantw. Redakt.: Georg Davidsohv, Berlin. Jnseratevteil verantow TH.Gl»cke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u, BslggSMtglt Paul Singer& Co.. Berlin S.W. Siergu S Beilagen«. Unterhalt»»»«� Nr. 59. 25. Jahrgang. L Ktilm»es Jitmitte" Kerlim NcksblR Dienstag, 19. Mar; 1998. SenerZlveilMinlimg der fozialdemo' llrstiiche» Nshlvereine für Groß-Berlin. Am Sonntag tagte im Germaniasaal in der Chaussee-Straße die Generalversammlung des Verbandes sozialdemokralischer Wahl- vereine Berlins und der Umgegend. Aus der Tagesordnung stand als erster Punlt: BorstandS- und Kassenbericht. Den Bericht des Vorstandes erstattete der Zentralborsitzende E u g�e n E r n st. Er verwies darauf, daß zu Beginn deS Berichts- jahrÄ' dir ckeichstagSwahlen vollzogen wurden und sagte, wenn die- selben auch nicht so ausgefallen sind, wie wir wünschten, so haben sie uns doch gezeigt, was die Kraft und Stärke unserer Organisation twnuig. Da auch unsere Gegner zum Teil gut organisiert seien, so � dürfe � es in unseren Reihen keine Zersplitterung geben, alle Kräfte müßten zusammengefaßt werden. Alle Orte, wo wir über eine gute Organisation verfügen, hätten bei den Wahlen gut ab- geschnitten.— Der Redner ging auf die Tätigkeit des Zentral- Vorstandes während der Berichtszeit ein und führte unter anderein aus: � Am 6. September beschloß der Zentralvorstand:»Den «Vorwärts" auch ferner für den neuen Metallarbeiterverband gesperrt zu halten. Der Zeutralvorstand tritt der Anschauung seiner Spezialkommisfion bei, wonach der neue Verband nicht in die lokalisierte Gewerkschaft aufgegangen sei, vielmehr das um- gekehrte der Fall ist."— Am 10. September wurden die Anträge zum Parteitag beraten. Am 12. Oktober wurde ein Flugblatt zur Gewinnung von„Vorwärts"« Abonnenten in 1080 000 Exemplaren verbreitet. Der Erfolg war ein Zuwachs von 12 000 Abonnenten. Am 27. Oktober fand eine außerordentliche Generlaversammlung statt, welche das Stawt für Groß-Berlin endgültig annahm. Im Oktober und November wurden die Vorträge über Nationalökonomie gehalten von Rosa Luxemburg und M o l k e n b u h r. Am 16. Oktober fanden sich Tausende bei Keller in der Koppenstraße ein, um dem Vonrage des Genossen Bebel über den nationalliberalen Parteitag zuzuhören. Ein Ausdruck der Sympathie des Volkes nüt dem wegen Hochverrats v-rurteilten Genossen Liebknecht und ein Ausdruck der Empörung gegen das Urteil des Reichsgerichts war die am 28. Oktober in der«Neuen Welt" abgehaltene Versammlung, wo die Genossen Fischer und Liebknecht sprachen und Zehnlausende erschienen waren. Eine Vorbereitung für die Stadtverordneten- und Landtagswahlen war es, daß an die Parteigenossen der Aufruf er- ging, sich, soweit sie nicht preußische Staatsbürger find, in den preußischen Staatsverband aufnehmen zu lassen. ES ist dringend zu wünschen, daß von dieser Befugnis ein größerer Gebrauch gemacht wird. Die Unkosten für die Aufnahme in den Staatsverband sind gering, sie sollten nicht gescheut werden, denn durch die Erfüllung dieser Formalität sichern sich die Genossen ihr Wahlrecht. Im November fanden die Stadt- verordnetenwahlen in Berlin statt. Sie brachten uns einen Zuwachs von 7S25 Stimmen. Im Jahre 1901 stimmten 32,5 Proz., im Jahre 1907 aber 36,1 Proz. der Wahlberechtigten für uns. Auch in einigen Vororten � erzielten wir Erfolge bei den Gemeinde- Wahlen. Am 21. bis 23. November fand in Berlin der preußische Parteitag statt. Er schuf für Preußen eine lose Organisation, deren Leitung er in die Hände der Berliner Organisation legte. — Dem Verbände der Handlungsgehülfen leisteten wir Beistand bei der Sammlung von Unterschristen für den Achtuhr- ladenschluß. Mehr als 18 000 Stimmen wurden gesammelt, die hoffentlich den Erfolg haben werden, daß den im Handelsgewerbe Beschäftigten eine Verkürzung ihrer Arbeitszeit zugestanden wird. In die Differenzen, welche der TronSportarbeiterverband mit der Firma Jandorf hatte, griffen wir gleichfalls ein durch Boykott und Verbreitung von Flugblättern. Der Verlauf dieser Angelegenheit ist bekannt, die Firma wird für die Zukunft eine Lehre daraus ziehen. Um die Agitation zu fördern, hat sich der Verband bemüht, den Bezirksführern mit Material bei Ausübung ihrer Tätig- leit an die Hand zu gehen, den Genossen eine Anzahl von Büchern und Broschüren zu ermäßigten Preisen abgegeben und auch einige politisch aufllärende Broschüren gratis verteilen lassen. Im April erhielten die Bezirksführer die statistlschen Erhebungen über die letzte ReichstagSwahl, im Mai wurde Richard Fischers Rede „Eine Abrechnung mit dem Reichslügenverband" an die Genossen verteilt. Im Juli wurde die Broschüre„Womit man vor Sozial- dcmolraten graulich macht" verteilt. Die statistischen Erhebungen kleines fciulleton. Theater. Neues Schauspielhaus:„D e r D u m m k o p f", Luft spiel von Ludwig Fulda. Die neue, zuerst in Wien aufgo führte Fuldasche Komödie fand bei trefflicher Besetzung eine sehr freundliche Aufnahme. Der zugrunde liegende Gedanke ist viel- versprechend. Der Autor möchte zeigen, wie sich die Welt im Kopfe eines Menschen spiegelt, dessen kindliche Naivität die anderen un- besehens für das nimmt, als was sie sich jeweilig aufspielen. Das gibt den Ausblick auf eine Fülle komischer und rühender Kontraste. Und auch darin liegt eine lustspielmäßig fein ersonncne Kontrast- Wendung, daß diesem Wehr- und Waffenlosen, der in seiner Mischung von Dummheit und Güte im Llampfe ums Dasein jedem gewissenlosen, noch so Plumpen Betrüger unterlegen scheint, das von den übrigen trotz ihrer Intrigen vergebens erstrebte Glück hartnäckig, eigensinnig nachläuft, bis es ihn erwischt. Das Spiel des Zufalls, das dem armen Burschen Menschen zuführt, die ihm gerade um deswillen, was ihn wehrlos macht, gut sind und für ihn sorgen, ist liebenswürdig, ohne allzu arge Unwahrscheinlichkeil. Leider erhebt sich die Ausführung des hübschen Planes nicht über das gewöhnliche Niveau. Die Figur des Justus wird, um billige Effefte zu erzielen, mit einer solchen Uebcrfracht von Dummheit ausgestattet, daß sie den Eindruck bald des Possenhaften, bald des Pathologischen hervorruft. Seine Dummheit beruht auf einem vollkommenen Mangel an Urteil, einer Borniertheit, die nirgends die Dinge nach ihrer wirklichen Bedeutung abschätzen kann. Die ursprüngliche Ironie schlägt bei der Ausführung in eine Reihe derb karikierender Späße um, die obendrein durch die Monotonie ihrer Pointen bald ermüden. Ein schnurriger Kauz von Onkel setzt Justus als den „Dümmsten" und darum Bedürftigsten der Verwandten zum Universalerben ein, worin der junge Mann eine schwere Kränkung seiner Ehre erblickt. Wfcs hätten die drei Vettern, die Justus noch mehr bewundert, als sie es selber tun— der Poet, der Erfinder und der Finanzmann der Zukunft—, mit dem schönen Gelde deS Testators alles leisten können! Die plötzlich erwachte Freundlich- kcit der Drei rührt ihn von Herzen, es beglückt ihn, die Million unter sie, die Würdigsten, zu verteilen. Selbst wie dann der Dichtersmann mit dem Mädchen, die eben noch den reichen Justus at.g�schwärmt, sich als glücklicher Bräutigam vorstellt, wird sein Vertrauen nicht erschüttert; noch irritiert es ihn. daß, sobald es ihm schlecht geht, sich niemand um ihn kümmert. Ein edelmütiger Doktor, durch den die lieben Verwandten ihn für verrückt erklären lassen wollen, attestiert vor allem Publikum dem Patienten schließ- lich geistige Gesundheit, verbunden mit poetischem Empfinden, und eine schöne, reiche Amerikanerin, die die Vettern für sich kapern wollten, nimmt ihn in eheliche Obhut. Harry Walden b ragte das hülflos gutmütige, scheu sich «urückhaltende Wesen, die unentwegte Jllusionskraft des Erben über die Parteiorganisation Groß-BerlinS gelangte im Oktober und November zur Verteilung an die Delegierten und Funktionäre der Organisation. Das intemationale Protokoll, das Protokoll des preußischen Parteitages, Davids Referenten- führer, Kautskys Kolonialpolitik, die Wahllügen der bürgerlichen Parteien, Eisner„DaS Ende des Reiches", wurden zu ermäßigten oder Selbstkostenpreisen an alle Genossen, welche den Bezug wünschten, abgegeben. Die Tätigkeit der Äuerdenkmal-Kommission beziehungsweise die Wahl und Ausführung des Entwurfes� ist von der Bildhauer- organisation zum Gegenstand von Angriffen gemacht worden. Der Aktionsausschuß hat in Gemeinschaft mit den Vertretern der Bild- Hauer diese Angelegenheit beraten. Diese Beratung endete mit der Annahme einer Resolution, welche lautet: «Das Komitee gibt zu. daß es ein Fehler war, die Entwürfe zum Auerdenkmal nicht öffentlich ausgestellt zu haben. Es be- dauert weiter, daß die mit der Ausführung beauftragte Firma auch Unorganisierte beschäftigt.— Dagegen erklären die Vertreter der Bildhauer, daß sie den auf Grund falscher Informationen erhobenen Vorwurf nicht aufrecht erhalten können, daß lediglich mit Rücksicht auf den bereits erteilten Auftrag die Exhumierung vorgenommen und der Platzwechsel stattgefunden hat; ebenso nehmen die Vertreter den Vorwurf zurück, der Stein sei bereits vor Vergebung des Auftrages bestellt worden.— Sämtliche Be- teiligte erklären die Angelegenheit nunmehr für erledigt." Das im Auftrage der Genossen Berlins herausgegebene Werk «Die Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung" hat leider immer noch nicht die Beachtung gefunden, welche es verdient. Da die Ge- nossen das Werk zu ermäßigten Bedingungen erhalten. auch lieserungswcise abonnieren können, so werden die Parteigenossen von dieser Stelle aus ersucht, für die Verbreitung des Werkes zu wirken. Weiter gab der Redner eine Uebersicht über die Beschlüsse der Preßkommission und über die Tätigkeit der Agitationskommission für die Provinz Brandenburg. Ihr Hauptaugenmerk hat die Kommission aus den Ausbau der Organisation gerichtet. Sie hatte den Erfolg, daß sich die Zahl der Ortsvereine von 136 auf 144 und die Zahl der Mitglieder von 17 000 auf 20 000 erhöhte. Eine besondere Agitation unter den Schiffern ist eingerichtet, die Ein- fnhrung von Auskunftsstellen in der Provinz ist beschlossen, der „Märkische Landbote" ist in 320 000 Exemplaren verbreitet worden, die«Fackel" in 708 000 Exemplaren. Der Zuschuß, den Berlin für die Agitation in der Provinz leistete, betrug im Jahre 1905 16 967 M., im Jahre 1906 54 873 M.. im Jahre 1907 35 132 M.— Nachdem der Redner noch die wesentlichsten Momente aus dem Kampf um die Erlangung von Lokalen angeführt hatte, gab er einen Ueberblick über die rein geschäftliche Tätigkeit des Zentralvorstandes. Außer zahlreichen Kommissionssitzungen fanden statt: 3 Generalversammlungen, 17 Sitzungen des Zentral- Vorstandes, 23 Sitzungen deS Aktionsausschusses, eine Sitzung der Kassierer. 8 Sitzungen mit anderen Körperschaften. Referenten wurden vermittelt für Gewerkschaften 104, für die Partei 775.— Die Mitgliedcrzahl des Verbandes hat eine erfreuliche Steigerung erfahren. Der Verband hatte am 31. Dezember 1905 41 700 Mitglieder, , 31.. 1906 64 968, „ 31.. 1907 82 427 So erfreulich auch da? Wachstum der Mitgliederzahl ist, so darf daS allein uns noch nicht befriedigen. Vor allem kommt eS darauf an, die neu gewonnenen Mitglieder zu zielklaren Parteigenossen zu machen, zu Sozialdemokraten, die durchdrungen sind von unseren Prinzipien, und die bereit und befähigt sind, unser Ziel: die Be- freiung der Menschheit zu erkämpfen. Im Vordergrund des politischen Interesses steht jetzt der Wahl. rechtSkampf in Preußen. Das Dreiklassenwahlrecht entrechtet den größten Teil des Volkes, weil es arm ist. In Preußen wird das Volk nicht nur als rechtlos gebrandmarkt, sondern auch verhöhnt. Aber das preußische Volk verlangt die Gleichberechtigung und wird sie durchsetzen. Wir werden den Kampf um die Eroberung eines freien Wahlrechts fortsetzen, nicht in der Weise, wie eS die Gegner wünschen, sondern so, wie wir es für notwendig und zweckmäßig halten. Die Wahlen zum preußischen Landtag stehen bevor. Wir wünschen und hoffen, daß daS Proletariat im Wahlkamps mit aller Schärfe die Antwort gibt auf die Verhöhnung, die ihm durch die schroffe Ab- Weisung der Wahlreform zuteil geworden ist. Sogar die geheime Slinnnabgabe ist mit Hohn zurückgewiesen worden. Die Regierung und die herrschenden Klassen brauchen die öffentliche Abstimmung als Waffe gegen alle, die von ihnen abhängig sind. Jetzt werden wir wider Willen zu wunderbar beredtem Ausdruck und milderte nach Möglichkeit das Karikierte. Sehr flott und reizvoll war die Ameri- kanerin des Fräulein Tilly Waldegg. Von den übrigen, die samt und sonders mit Geschick und Laune bei der Sache waren, sei bier nur noch HanS Siebert namentlich erwähnt, der in der kleinen. Episodenrolle des Irrenarztes eine Porträtskuze von frappanter Echtheit enttvarf. dt. Humor und Satire. Block> Aschermittwoch. Der Karneval ist aus. Jetzt laßt mit Asche Ihr Liberalen, euch die Glatzen reiben! Die Freude schwand und leer ist jede Tasche, Nichts bleibt euch übrig von dem frohen Treiben. Ihr lieft als Patrioten durch die Gaffen; Der heitre Bernhard stand an eurer Spitze. Er hat ein Jahr lang euch gewähren lassen Und mehrte selbst den Spaß durch gute Witze. Wie fröhlich hörtet ihr ihn doch beteuern. Er sei von gleichem Geist, wie ihr durchdrungen, Und er gehöre ganz und völlig zu den Euern. Da habt die Narrenkappen ihr geschwungen! Der Scherz ist aus, den ihr so ernst genommen; Ihr glaubtet wohl, er ivürde niemals enden? Doch, wie es mußte, ist es jetzt gekommen, Und Bernhard will zum bittern Ernst sich wenden. Auch euer Aschermittwoch graut im Osten. Nehmt schmerzlich Abschied, rüstet euch zum Gehe»! Ihr durftet eure Freiheit länger kosten, Als Narrentage im Kalender stehen. Peter Schlemihl. Referendar-Examen.«Sie haben daS Examen bestanden, Herr Kandidat. Ihre schriftliche Arbeit war leider nicht ausreichend, Ihr mündliches Examen war auch nicht genügend. Wir glaubten jedoch kompensieren zu können. Grüßen Sie, bltte. Ihren Herrn Papa l" («SimplicissimuS'.) Notizen. -- Bühnenchronik. GirardiS Gastspiel am T h a l i a- Theater schließt am 27. März. Im Herbst wird er ein neues Gastspiel in Berlin beginnen und in Wien überhaupt vorläusig kein Engagement eingehen.— Uvette Guilbert hat ihr Gastspiel am Apollo-Theater verlängert. — Musikchronik. Richard Strauß wird noch in diesem Jahre die Komposition der.E l e ktr a" vollenden. Der Text ist ab- gesehen von einigen Kürzungen unverändert der Uebersetzung Hugo von Hoffmannthals entnommen. Die Uraufführung soll zu Ansang 1909 in Dresden stattfinden. die Waffe aufnehmen und sie gegen diejenigen anwenden, die sich bei der Wahl als unsere Gegner erklären. Wer nicht mit uns ist, der ist gegen uns.(Beifall.) Lange genug sind wir Ambos gewesen, jetzt wollen wir Hammer sein! Wir werden den Wahlkampf mit voller Schärfe und Leidenschaftlichkeit führen. Allen Parteigenossen rufen wir zu: Tut in diesem Kampfe Eure Schuldigkeit.(Lebhafter Beifall.) Den Kassenbericht erstattete der Verbandskassierer B ö s k e. In der Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 1907 betrug die Gesamteinnahme 324 386.82 M., die Gesamtausgabe 290 864,75 M., bleibt ein Bestand von 33 522,07 M. Unter den Einnahmen sind 198 950 M. Monatsbeiträge der acht Wahlkreise, 38 190 M. für Mitgliedsbeitragsmarken a 5 Pf.— Die Ausgaben setzen sich aus folgenden Posten zusammen: An den Parteivorstand 168 229,60 M., Agitationskommission 58 961,85 M., Preßkommission 444,82 M., Lokalkommission 350 M., an die Stadt- und Gemeindevcrordneten 4552,07 M., Drucksachen 29 824,02 M., Agitation für Groß-Berlin 14 402 M., Auslagen für die Kreise 5733,57 M., Berwaltung 7096,31 M., gemischte Unkosten 1270,51 M. Durch einen Vergleich der finanziellen Leistungen der einzelnen Wahlvereine mit denen des Vorjahres wies der Redner nach, daß die Leistungsfähigkeit gestiegen ist. Den Delegierten wurde der gedruckte Jahresbericht eingehändigt. Derselbe weist unter vielem anderen die Mitgliederbewegung in den einzelnen Wahlkreisen während der letzten drei Jahre nach. Wir führen diese Zusammenstellung hier an. Mitglieder hatten: Tube Dezbr. Ende Dezbr. Ende Dezbr. 1905 1906 1907 der 1. Kreis..... 700 614 784 , 2....... 3 250 4 827 5 292 „ 3....... 2 250 2 850 2 542 : t: mf:: 18834 19217 . 6,„.... 1600 1 761 1704 „ 6....... 11000 16 950 22 821 Teltow-BeeSkow.... 8200 18377 20373 Nieder-Barnim.... 6 050 6 205 9 094 Summa 41700 64 918 82 427 Zunahme 23 218 17 509 Die Zahl der nach den Kassenberichten eingegangenen Vereins« beitrage belief sich auf: 1906 1907 1. Kreis...... 6 850 Beiträge 7 670 Beiträge 2.„...... 49 562„ 48191 3.„...... 20 402„ 21923 4.„...... 136 356„ 155 008 5.„...... 13 858„ 13 742 6.„...... 159 323„ 217 824« Teltow-Beeskow... 164 295„ 173 555« Nieder-Barnim.... 74 463„ 87 728 In Summa 624 109 Beiträgs 720 641 Beiträge mithin 106 632 Beiträge mehr als 1906. Zur Diskufsto» über den Geschäfts- und Kassenbericht meldete sich nur ein Redner. Derselbe wünschte, daß die Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung noch billiger als jetzt abgegeben werde. Ernst bemerkte dazu, daß das beim besten Willen nicht möglich sei. Hierauf wurde der Vorstand entlastet. Dann folgte der zweite Punkt der Tagesordnung: VorstandSwahle». Einstimmig wiedergewählt wurden: E r n st als erster Vorsitzender, L i e p m a it n als Schriftführer und B ö s k e als Kassierer.— Die übrigen Vorstandsmitglieder sind in den Generalversammlungen der Wabkvereine gewählt und zwar: 1. Kreis: Woldersky(Aktions- ausschuß), A r o n s(Preßkommission), Bartsch(Lokalkommission), S ch u st e r(Agitationskommission).— 2. Kreis: S ch w e m k e(Akt.), Königs(Preßt.), Zinke(Agit.), Schröder(Lok.), Meyer (Aspirant).— 3. Kreis: P o h l(Akt.), K r ä k e r(Prcßk.), G e h r« mann(Agit.), König(Lok.)— 4. Kreis: H o f f m a n n(Akt.), Büchner(Preßt.), Hackelbusch(Agit.), Rott(Lok.), Lang- Hammer, Mann und Lusche(Aspiranten).— 5. Kreis: Friedländer(Akt.), Wels(Preßk.), Zucht(Agit.), H a h n i s ch (Lok.).— 6. Kreis: Fahrow(Akt.), B i t t o r f(Preßk.), — Adolf L'Arronge beging am Sonntag seinen 70. Ge- burtstag. Titel, Orden sind ihm zuteil geworden. Dafür ist er schließlich nicht verantioortlich zu machen. Die Berliner Theater haben ein Wettrennen in der Aufführung seiner Stücke veranstaltet. Im Deutsche li Theater ist am Sonnabend sein.Compagnon" unter seiner eigenen Regie gespielt worden. Die unberufensten Leute notzüchtigten die Poesie, und die größten Zeitungen setzten den Ouarl ihren Lesern vor. Kurzum: gefeiert wurde er wie„ein ganz Großer". Es scheint. eS kommt den Festfrendigen gar nicht mehr darauf an, wer gefeiert wird. Das Posaunenblasen und Hurraschreien ist nun auch tn der Literatur glücklich zum Selbstzweck geworden. DaS Opfer dieser Epidemie ist auch L'Arronge geworden, dessen brave Stücke das gute und satte Bürgertum in anspruchsloseren Zeiten unterhielten und der sich selbst sowie Blumenthal und Lindau und Schönthan- Kadelburg und andere nationale Dichter fleißig in dem von ihm geleiteten Deutschen Theater gespielt hat. Wrr wollen L'Arronge gewiß gern seine Verdienste um das rein Theatern, äßige(Regie. Zu- sammenspiel) und uin die Entdeckung tüchtiger Schauspieler lassen, aber ihn für einen großen Dichter, Bühnenreformator und Bop kämpser der Literatur auszugeben, ist geschmacklose Mache. Felix Weingartner ist von der königl. General- intendantur für kontraktbrüchig erklärt worden, da er die Leitung der Sinfoniekonzerte eigenmächtig unter dem nichtigen Vorwande niedergelegt habe, daß ,hm die Intendantur noch Geld schulde.— Die Wiener Oper müßte also Weingartner in Ungnaden entlassen, wenn die Generalintendantux recht hätte. Auf den Ausgang des Kumpfes darf man gespannt sein. Wenn die Künstler ebenso solidarisch vorgingen wie die Bühnemmternehmer, müßten sie die Konzerte der Berliner Intendantur sperren. Anleitung zur Führung solcher Kämpfe wird ihnen die Generalkommission der Gewerkschasten gewiß gern erteilen. — Dr. Hermann Brehmer, dem Begründer der Lungen- Heilstätten zu Görbersdorf, die für die Behandlung der Tuberkulose durch Höhenllima vorbildlich geworden sind, wurde in Breslau ein Denkmal gesetzt. Es ist von der Balneologischen Gesellschaft, die dort eben tagt, gestiftet und wurde am Sonntag emgeweiht. Brehmer hat als junger Student an der revolutionären Bewegung des Jahres 1843 in Breslau lebhaften Anteil genommen. Er gehörte als einer der Leitenden dem demokratischen Klub an. der sich in einer weiteren Entwickelung aus die Arbeiterschaft stützte und er- klärte,„daß nur in einer demokratisch-sozialen Republik das Glück und Heil des Volkes gesunden werden könne." Der Sieg der Reaktion riß Brehmer aus seiner Karriere. Er studierte nun Medizin und gründete 1854 seine Heilanstalt. Die'Behörde versagte ihm zunächst die Konzession, die durch Vermittelung Alex. v. Humboldts erst 1858 erteilt wurde. Brehmer blieb seinen Jugendidealen treu und' trat auch in freundschaftliche Beziehungen zur Sozialdemokratie. — Der FleckthphuSbazillus entdeckt. Einige Assistenten der Budapester pathologischen Universitätsklinik wollen den Erreger des Flecktyphus in einem Protozoon, das mit dem Malariabazillus Aehnlichkeit hat, entdeckt haben. Die Verbreitung des Erregers soll durch daS Ungeziefer erfolgen. Saukant(Agit.). Hentschek(Lok.), Herbst, Höhnisch R o s e n o w und I e n k e(Aspiranten).— Teltow-BeeSkow Wollermann(Akt.). Zietsch(Presst.). Fischer(Agit.). Roh (Lok.), Hoffmann, Heinrichs, Küter, Groger(Aspiranten!. — Niederbarnim: Freiwaldt(Akt.), K u b i g(Prejzk.), I a l o b s e n (Agit.), Elias(Lok.), L i e s e g a n g(Aspirant.)— Die Generalver- sammlung bestätigte die vorstehend aufgeführten Vorstandsmitglieder. -— Als Revisoren wurden gewählt: Wein mann, Freythaler Schmidt, Klamm und Breitkreuz. Nun folgt die Beratung der gestellten Anträge. Nach kurzer Diskussion wurde der folgende Antrag des zweiten Wahlkreises angenommen: Bei wichtigen Veranlassungen, wie beispielsweise die De monstration am Sonntag, den 12. Januar, Maifeier usw.. ist eine Extranummer des„Vorwärts" nicht nur herauszugeben, sondern auch den Abonnenten am nächsten Morgen durch die Botenfrauen zuzustellen, damit die Genossen nicht aus die mehr oder weniger entstellten Berichte der bürgerlichen Blätter angewiesen sind. Die entstehenden Mehrausgaben der Extranummer durch die Bolen frauen trägt der Verband sozialdemokratischer Wahlvereine Grob> Verlins resp. die Firma Hintze u. Co. Ein Antrag deS vierten Kreises lautet: Den Beschluß: Parteigenossen, welche drei Jahre organisiert und drei Monate arbeitslos sind, auf Antrag den„Vorwärts" gratis zu liefern, aufzuheben und dafür zu setzen: ein Jahr 1 e ch s Monate und zwei Monate auf seinen Antrag usw. Dieser Antrag wurde abgelehnt, nachdem mehrere Redner darauf hingewiesen hatten, daß die weitere Ausdehnung der unent geltlichen Lieferung deS„Vorwärts" einen zu großen Einnahme« »usfall ergeben würde und man es daher bei dem bestehenden Ver» hältnis lassen möge. Dem Aktionsausschuß wurde ein vom vierten Wahlkreise ge stellter Antrag überwiesen, welcher besagt, daß zur Maifeier einheit liche Eintrittskarten zu 20 Pf. auszugeben sind, welche zum Besuch aller Veranstaltungen in allen acht Wahlkreisen berechtigen. Ein Antrag des vierten Kreises: Die Lokalliste mindestens einmal im Jahre und zwar im Frühjahr den Gewerkschaftsblättern beizulegen, tvurde abgelehnt, weil er praktisch nicht durchgeführt werden kann. Ein ebenfalls vom vierten Kreise gestellter Antrag fordert, daß der Aktionsausschuß eventuell in Verbindung mit dem Bildungs- ausschuß Merkblätter herausgibt, welche die für die Arbeiter wichtigsten Bildungsgegenstände in kurzen populären Darstellungen behandeln. — Der Antrag wurde abgelehnt, nachdem mehrere Redner geltend gemacht hatten, daß die Absicht des Antragstellers mit der Annahme und Ausführung des Antrages nicht erreicht würde, und daß für Arbeiter, welche bemüht sind, sich weiter zu bilden, durch die ver- schiedensten Veranstaltungen: Borträge, Bibliotheken, Arbeiten bildungsschule, Parteischule usw. Gelegenheit gegeben sei. Em Antrag: Sämtlichen organisierten Genossen Groß-Berlins ist ein Zahlstellenverzeichnis von Groß-Berlin zu liefern, wurde ab- gelehnt. Ebenso ein Antrag, welcher lautet: Der Beschluß des Zentralvorstandes betreffs Diäten für Delegierte zum Parteitage wird aufgehoben und es findet eine einheitliche Regelung statt. Angenommen wurde der folgende, vom Kreise Niederbarnim ge- stellte Antrag: In dem Ausschuß der Stadtverordneten und Gemeindevertreter Groß-Berlins sind Niederbarnim statt der bisherigen zwei Vertreter deren drei zuzubilligen. Ein Antrag aus dem vierten Wahlkreise, der zwar nicht dem AktionSausausschuß eingereicht ist. durch Beschluß der General« Versammlung aber mit aus die Tagesordnung gesetzt wurde, lautet: Gehaltsfragen der Angestellten des Verbandes der sozial demokratischen Wahlvereine Groß-Berlins sowie der„Vorwärts"« Angestellten unterliegen der Beschlußfassung der Parteigenossen Llroß-Berlins. Zunächst wurde darauf hingewiesen, daß das, was der erste Teil deS Antrages will, bereits geltende Praxis und im Verbands- statut ausdrücklich bestimmt ist.— lieber den zweiten Teil deS An« träges entstand eine längere Debatte. Für den Antrag wurde geltend gemacht: die Antragsteller wollten gegen die Er höhung deS Gehalts der„Vorwärts"-Angestellten an sich nichts einwenden, jedoch erhöben sie Protest dagegen, daß die Preßkommission die Gehaltserhöhung bcschloffen habe, ohne den Parteigenossen Gelegenheit zu geben, sich darüber zu äußern. — WelS vertrat den Standpunkt der Preßkommission. Er sagte unter anderem: Die Preßkommission sei sich wohl bewußt, daß sie als eine von den Berliner Parteigenossen gewählter Ausschuß nichts anderes als die Meinung der Parteigenossen auszuführen habe. Da die einzelnen Kreise in der Preßkommission proportionell vertreten sind, so entspreche es den demokratischen Grundsätzen voll kommen, wenn ein Mehrheitsbeschluß der Preßkommission als AriSdruck deS Willens der Mehrheit der organisierten Genossen betrachtet werde, umsomehr, als im vorliegenden Falle die Mitglieder der Preßkommission acht Wochen Zeit hatten, um die An- gelegenheit m ihren Kreisen vorzubringen. Nachdem die Angelegen- heit tatsächlich in den Kreisen beraten worden sei und die Mehrheit der Kommission für den Antrag gestimmt habe, könne der Kommission nicht der Vorwurf gemacht werden, sie habe einen Verstoß gegen die demokratischen Gepflogenheiten begangen.— Bethke bemerkte, die Mitglieder deS vierten KreiseS hätten vor der Annahme der Gehalts- erhöhnng nichts von derselben erfahren. Büchner sagte dagegen, er habe die Angelegenheit der Kreiskonferenz unterbreitet, die auch darüber beraten habe.— Nachdem noch mehrere Redner für und f egen den Antrag vom vierten Kreise gesprochen hatten, wurde der« clbe mit schwacher Mehrheit angenommen. In der Generalversammlung waren vertreten: der 1. Kreis durch 10, der 2. Kreis durch 39, der 8. Kreis durch 17, der 4. KreiS durch 135, der 6. Kreis durch 11, der 6. Kreis durch 177, Teltow- BeeSkow durch 141, Niederbarnim durch 67, Partei- und Zentralvorstand sowie die übrigen zur Teilnahme berechtigten Körperschaften durch 60, das find zusammen 657 Delegierte. Die Tagesordnung war damit erledigt. Ernst ersuchte die Genossen, dafür zu agitieren, daß die am 18. März stattfindende Wahlrechtsdemonstration eine einheitliche und geschlossene wird, und daß daö Proletariat in dem bevorstehenden Wahlkamps die Antwort gibt auf die Verhöhnung seiner Rechte durch die Regierung. Der Redner schloß die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf die Sozialdemokratie. ViNichMIcher Wokhendericht. Berlin. 7. März IMS. Arbeiter und Wirtschaftslage.— DaS rüstende Bauunternehmer. tum.— Krise auf dem Baumarkt.— Banken und Bauunternehmer- interesse.— Kräftezersplitterung bei den Arbeitern.— Kommunen und Arbeitslosigkeit.— Schuldenwirtschaft der Kommunen. Noch vor Jahresfrist blieben die Mahnungen, für die Zeit des wirtschaftlichen Abstieges zu rüsten, in weiten Kreisen der Ar- beiterschast unbeachtet. Man wiegte sich in Sorglosigkeit. Gerade als ob der starke Begehr nach Arbeitskrästen nie mehr dem um- gekehrten Verhältnis Platz machen werde. Die lange Zeit un- gemindert anhaltender Nachfrage nach Arbeitskräften, dazu das treibende Moment der Lebensmittelteuerung, ließ auch ' dort die Löhne anziehen, wo die gewerkschaftlichen Einflüsse direkt nicht einsetzen konnten, weil die Indifferenz der Arbeiter die Organisation noch nicht zu einem mitsprechenden Faktor hatte werden lassen. Das Interesse«der Unternehmer gebot, die Arbeiter in Gleichgültigkeit zu erhalten. Stimmungsberichte, die in den hellsten Farben die Situation auf dem Wirtschaftsmarkt schilderten, wurden systematisch veröffentlicht und dadurch die Ansicht bestärkt, aus absehbare Zeit sei mit einer Aenderung der Verhältnisse nicht zu rechnen. Was brauchte man sich da um die gewerkschaftliche Organisation zu kümmern? Sich zu orgpnisieren. das hatte ja noch Zeit; in den Schutz der Gewerkschaft konnte man ja dann flüchten, wenn wirklich mal ein Krisenunwetter sich ankündigte. Dabei zogen die Gewitterwolken schon drohend herauf. Aber man wollte nicht sehen. Anders verhielten sich die Unternehmer. Wer nicht ganz blind war, mutzte schon längst erkannt haben, daß speziell daS Bauunternehmertum zu einem großen Schlage gegen die Arbeiter rüstete. Dieses rechnete damit, daß das Jahr 1903 eine wirtschaftliche Depression bringen werde. Das war die rechte Zeit, den Kampf gegen die Arbeiterorganisation und die von dieser errungenen besseren Arbeitsbedingungen zu führen. Daher das systematische Streben, die Entscheidung über die Gestaltung der Lohnverhält- nisse, Arbeitszeit usw. in das laufende Jahr zu verlegen. Und darum auch die Schönfärbereien über die Wirtschaftslage. Man wollte eine Stärkung der Arbeiterorganisation hintertreiben, in- dem den noch rückständigen Arbeitern ein Glaube an dauernde Gunst auf dem Arbeitsmarkt suggeriert wuyd«. Bald zeigte sich, daß das Gebäude der Hochkonjunttur schon unterwühlt war. Und der in Amerika akut werdende Finanzkrach hat den direkten Anstoß gegeben zu der sich nun über die ganze Welt erstreckenden In- dustriekrise. Am stärksten trat die Abschwächung auf dem Vaumarkt herbor. Besonders war eS der hohe Bankdiskont, der hier hemmend wirkte. Die Schwierigkeit. Baugelder zu erlangen, scheint aber nicht lediglich in den Gcldmarktvcrhältnissen ihre Ursache zu haben. Zwar ist nickst zu verkennen, daß in Deutschland die offizielle Bank- rate außerordentlich hoch war und noch ist. Während z. B. Eng- land jetzt einen offiziellen Satz von 3(4 Proz. hat, ist der Diskont der Reichsbank heute erst auf 5(4 Proz. herabgesetzt worden, nachdem er seit dem 25. Januar auf 6 Proz. gestanden hat, und es ist frag lich, ob wir in absehbarer Zeit wieder auf unter 5 Proz. hinab gelangen. Trotzdem muß die Zurückhaltung der Banken b« Anforderung von Hypothekcngeldern und die Höhe der Lasten, die dem Leiher aufgewälzt wurden, falls er das Glück hatte, Baugelder zu erlangen, doch auffallen. Aber die Erklärung hierfür liegt nahe. Viele Banken sind als Grundstücksspekulanten sehr stark inter« esfiert. Wie in der Großindustrie üben sie auch hier einen maß« gebenden Einfluß aus. Das Bauunternehmertum ist zum großen Teil eigentlich nur Geschäftsführer der Banken. Diese sind zu« nächst die Grundstücksbesitzer, die die Bodenpreise in die Höhe treiben. Nachher strecken sie die Baugelder vor. Vielfach sind die Bauherren vollständig mittellos; kaum ist ein Bau fertig, kommt er zur Subhastation. Die gcldgebcndc Bank oder eine von ihr vorgeschobene Person wird Erwerberin. Je billiger gebaut worden ist, desto besser. Daher sind die Banken bei den Versuchen, die Arbeitsverhältnisse zu verschlechtern, teilweise mit interessiert. Natürlich gibt�es auch reellere Firmen, bei denen solche Sachen nicht gemacht werden. Aber ihre reellen Geschäfte treiben trotz- dem praktisch nach derselben Richtung. Wenn der Baumarkt für einige Zeit brachgelegt wird und dadurch die Wohnungsnot Steigerung erfährt, so reizt das unbefriedigte Bedürfnis nach einiger Zeit in erhöhtem Matze die Spekulation, die dann' zunächst am Grundstücksmarkt zur Geltung kommt und die Bodenpreise hinauftreibt. Damit ist den Banken gedient. Sie schlagen ihren Grundbesitz zu hohen Preisen los. So hängt das Interesse der Banken mit dem deS Bauunternehmertums zusammen und daher die Unterstützung, die dieses durch jene bei dem organisierten Kampf gegen die Arbeiterschaft findet. Auch heute noch wird die Baulust, soweit sie sich regt, durch Erschwerung der Hypotheken- beschaffung eingeengt und die Unternehmer benutzten die vor- handene Arbeitslosigkeit dazu, den Bauarbeitern verschlechterte Arbeitsbedingungen aufzunötigen. Solche Bestrebungen würden viel weniger erfolgreich sein, wenn die Arbeiter den Unternehmern wirtschaftlich als eine ge« einte Masse gegenüberständen. Leider aber werden die Reihen nicht nur durch die immer noch große Schar der Indifferenten und Speichellecker, d,e sich vom Kapital bewußt als Verräter ihrer Arbeitsbrüder mißbrauchen lassen, empfindlich geschwächt; zu der eigenen Schwächung trägt auch noch die Organisationszersplitterung bei. Hoffentlich wird wenigstens dieser unerquickliche, von den Unternehmern freudig beklatschte Zustand recht bald verschwinden. Auch die Indifferenten werden mehr und mehr das schädliche ihres Tuns einsehen. Mancher von denen, die bisher den Anschluß ver- säumt haben dürfte das jetzt schon bitter beklagen. Zu dem Be- dauern, von oen Unterstützungen der Gewerkschaft ausgeschlossen zu sein, muß sie auch noch das peinigende Bewußtsein treffen, durch ihren JndifferentiSmus die Angriffslust und auch die Macht des Unternehmertums gestärkt, nicht nur sich selbst, sondern auch die Gesamtheit der Bcrussgenossen geschädigt zu haben. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß das gesamte Bauunternehmertum zu einem großen Schlage gegen die Arbeiter sich anschickt. Alle Unterlassungssünden.' die auf feiten der Arbeiter begangen worden sind, können nicht noch in letzter Stunde wieder gut gemacht werden. Aber es ist doch möglich, den Unternehmern eine Macht entgegen- zustellen, an der wenigsten? ihre Attentatsaktionen zerschellen. Dazu fft nötig, daß die Unorganisierten endlich in die Reihen ein- rücken, in die sie gehören, daß sie den Weg zu ihrer Berufsorgani- sation finden. Das Unternehmertum sollte da als Beispiel und Muster gelten. Die meisten Unternehmer sind nicht nur als Ver- käufer von Waren in Ringen und Kartellen vereinigt, sie bilden auch noch besondere Organisationen als Käufer von Arbeitskraft. Dieser muß die Vereinigung der Verkäufer von Arbeitskraft sich gegenüberstellen. Leidcx sind wir in unserem sozialpolitisch gerühmtem Lande noch nicht einmal so weit, in nennenswerter Weise den schrecklichen Folgen der Krisen entgegenwirken zu können, weil im allgemeinen die staatliche und kommunale Tätigkeit auf dem Gebiete der Arbeits- losenfürsorge noch fast gar nichts leistet. Wo Sozialdemokraten in den Gemeindekörpern sitzen, da ist zwar die Anregung zur Initiative der resp. Kommune gegeben worden, aber im großen und ganzen bisher mit noch wenig Erfolg. Für die bürgerlichen Vertreter er- chöpft sich die kommunale Sozialpolitik mit der— Armenunter- stützung. Für die Forderung, Arbeit zu schaffen, hat man gewöhn- lich nur Hohn oder faule Ausreden. Das fehlte auch noch, daß das in den Kommunen« dominierende Unternehmertum Zustimmung dazu gebe, Arbeiten in Gemeinderegie auszuführen, an denen das Privatkapital seinen Rebbach machen will. So weit geht die Huma- nität doch nicht; da zahlt man lieber Armenunterstntzung aus dem — allgemeinen Säckel. Und beschimpft und verhöhnt die Arbeiter. Sie sollen nicht streiken, rufen die FreisinnSmannen. Sie vertun ihr Geld durch Zahlung der hohen Gewerkschaftsbeiträge, höhnen die Wackeren. Das ist alles bewußte Heuchelei. Schließlich könnte auch eine freisinnige Stadtgröße kapieren, daß durch Streik keine Arbeitsgelegenheit verschwindet, daß ein Streiks den Ausbruch einer Krise höchstens hinausschiebt, jedenfalls aber nicht die Arbeits- losigkeit vermehrt. Von den skrupellosen Aussperrungen wollen �vir gar nicht reden. Aber von den Gewerkschaftsbeiträgen. Zunächst ist da zu bemerken, daß cS kaum irgendeine andere Verwaltung gibt, die so billig arbeitet wie die gewerkschaftliche Organisation. Ind durch ihre Unterstützungseinrichtungen ist sie hervorragend Vermögensverwaltungsstelle. Keine sonstige Privatvcrsichcrung zahlt an die Versicherten relativ so hohe Summen wie die gewerk- chaftliche Organisation, keine Kapitalversicherung arbeitet so billig vie diese. Außerdem ist das, was die Arbeiter für ihre Organi- ätion zahlen, lächerlich gering gegenüber dem, was die Unter- nehmer für ihre Organisation aus dem Arbeitsertrag ihrer Lohn- tlaven aufwenden. Ein Beispiel mag das illustrieren: Die Berg- bau-Gesellschaft Neu-Essen erzielte im letzten Jahre einen Rein- gewinn von 1 667174 M. Sie hat aber 483 384 M. Syndikatsumlage gezahlt, also pro 1 M. Reingewinn annähernd 30 Pf. Da die Gesellschaft 2008 Arbeiter beschäftigte, entfällt auf daS einzelne Belegschaftsmitglied ein Syndikatsbeitrag von 247 M. DaS zahlen die Arbeiter unfreiwillig für die Unternehmerorganisation. Auch außerhalb der Kommunen erfährt deren doch so minimale soziale Tätigkeit Widerspruch. Das Unternehmer- und Speku- lantentum erhebt ganz allgemein gegen die Kommunen den Vor- Wurf der Schuldenwirtschaft. Dieser Vorwurf ist geboren ans dem Haß des Privatkapitals gegen jede Erweiterung kommunaler Gütererzeugung und Eigenregie. Das Unternehmertum verwirft solche kommunale Tätigkeit, weil dadurch der Kreis Privatwirtschaft- licher Pkusmacherei eingeengk wird. Soweit der Vorwurf de» Schuldenmachens diesen Zweig kommunaler Betätigung trifft, ist er im allgemeinen vollständig unberechtigt. Dasselbe trifft in den meisten Fällen auch zu. soweit soziale Einrichtungen in Frcyie kommen. Die gewaltige industrielle EntWickelung der letzten 40 Jahre hat teilweise erst die aus dem Zusammenpferchen vieler Menschen auf kleinem Wohn- und Arbeitsraum und die aus be- stimmten Beschäftigungen resultierenden gesundheitlichen Schäden hervorgerufen und erkennen lassen. Die späte Erkenntnis von den Bedürfnissen der öffentlichen Hygiene und das jetzt erst allmählich erwachende soziale Bewußtsein zwingt heute zu Maßnahmen, die vielfach als Buße für Unterlassungen unserer Vorfahren ange- sprachen werden können, die aber gegenwärtig enorme Lasten aus- erlegen, die unvermeidlich sind. Es ist gar nicht angängig, mit den sozialen Einrichtungen so lange zu warten, bis die erforder- lichen Unkosten durch vorher gemachte Ersparnisse gedeckt sind. Die bürgerlichen Sozialpolitiker fallen auf das Gerede der dirett Inter- essierten über das kommunale Schuldenmachen hinein, in der törichten Annahme, durch die kommunale Anleihepolitik werde die Gütererzeugung eingeengt. Wo die Kommunen soziale Ein- Lichtungen schaffen, die Eigenregie und die Güterproduktion er- weitern, da wirken sie, auch wenn das lediglich durch Jnanspruch- nähme des öffentlichen Geldmarktes geschieht, nicht hemmend, son- dcrn belebend auf den Wirtschafts- und Arbeitsmarlt, f), Candesparteltag der badüche» Sozialdemokratie. Am Sonnabend und Sonntag fand der diesjährige badischr Landesparteitag in Offenburg statt. Er war mit 147 Delegierten aus 82 Orten stärker besucht, als alle seine Vorgänger Vom Parteivorstand war der Genosse E b e r t anwesend, die schwäbischen Gc- nossen hatten die Genossen W a ß n e r und Keil als Gäste entsandt. Nach dem Bericht des Landesvorstandes ist die Zahl der Organi- sationen und Mitglieder seit den ReichStagswahlen etwa gleich geblieben. Die Einnahme auS Beiträgen(sieg gegen das Borjahr in- folge besseren Eingangs von 8000 aus 11 000 Mark. Die Zahl der weiblichen Mitglieder ist, obgleich daS badische Vereinsgesetz die Frauen nicht anders behandelt als die Männer. gering; sie betrug insgesamt nur 335, wovon allein 300 auf die Mitgliedschaft Mannheim entfallen. Eine von der weiblichen Ab- teilung dieser Mitgliedschaft eingebrachte Resolution, wonach den Parteigenossen ernstlich empfohlen wird, ihre Frauen und erwachsenen Töchter zum Eintritt in die Parteivereine aufzufordern, fand ein- stimmige Annahme. Jugendorganisationen bestehen in zwölf Orten mit 560 Mitgliedern, wovon 200 auf den wichtigsten Parreiort Mannheim entfallen. Der vorjährige Parteitag hatte beschlossen, zwei Parteisekretäre anzustellen, welchen Beschluß der Landesvorstand nur insoweit ausführte, indem er einen für einen Teil deS Unterlandes mit dem Sitz in Heidelberg angestellt hatte. In der Debatte über den Vorstandsbericht wurde lebhaft be- dauert, daß es mangels genügender Mittel nicht möglich gewesen sei. auch für daS Oberland, mit dem Sitze in Freiburg, oder auf dem Schwarzwald ein Parleisekretariat zu errichten. DaS Resultat der langen Debatte war. daß der Landesvorstand von Karlsruhe nach Mannheim verlegt wird, der bisherige Parteisekretär behält seinen Wohnsitz in Karlsruhe und erhält hauptsächlich den S. und 10. Kreis zur Bearbeitung. Außerdem ist noch ein weiteres Sekretariar in Freibürg zu errichten; auch das Sekretariat in Heidelberg bleibt bestehen. Die Sekretariatsgeschäfte des LandeSvorstandes wird der Mannheimer Lokalsekretär Genosse Schäfer mit übernehmen. Ueber die Parteipresse entspann sich gleichfalls eine lebhafte Debatte. Es handelte sich darum, die nebe» den gut fundierten Parteizeitungen in Mannheim und Karlsruhe in Offenburg und Lörrach wöchentlich einmal resp. zweimal ericheinenden lleineren Blätter auszubauen. Ein Antrag, das in Offenburg erscheinende .Volksblatt" wöchentlich zweimal erscheinen zu lassen, wurde ab- gelehnt, weil die Mehrheit glaubte, daß für die hier in Betracht kommenden industriellen Orte im Lahrer Bezirk der»Lollsfreund" geeigneter sei als ein kleineres Blatt. Nach einem kurzen Referat des LandtagSbgeordneten Pfeiffle über die KreiStagSwahlen wurde nach kurzer Diskussion eine Resolution einstimmig angenommen, worin die LandlagSsraktion auf- gefordert wird, Anträge zu stellen, daß auch zu den KreiStagSwahlen das allgemeine, direkte und geheime Wahlrecht eingeführt und im Lande eine Agitation dafür entfaltet wird. Ueber die politische Lage in Baden sprach Abg. Frank. Er zeigte, daß durch den Wechsel in zwei Ministerien das Gesamt- niinisterinm völlig mit der liberalen Vergangenheit deS Landes gebrochen und sich der Blockpolitik im Reich angepaßt habe. Der Kampf gegen die Sozialdemokratie solle, wie der Fall Schaufele zeige, auch in Baden in Zukunft in schärferer Weise geführt werden. ES zeige sich auch hier, daß der Einfluß Preußens die freiheitliche Entwickelung der Einzelstaatcn hemme. Es wurden zwei Resolutionen angenommen. In der einen wird die Ueberzcugung ausgesprochen, daß zur fteiheit- lichen Entwickelung DeittschlandS der Sturz der Junker- Herrschaft in Preußen und die Einführung deS all- gemeinen Wohlrechts zum preußischen Ab- geordnetenhause gehört. In der anderen wird die Landtags- sraktion aufgefordert, im Landtage eine Resolution einzu- bringen, worin erklärt wird. daß die Regierung kein Recht habe, die Beamten in irgend einer Weise deshalb zu benachteiligen, weil sie außerhalb ihreSDienstes irgendwelche politischeTätigkeit entfaltet haben. Durch diese Resolution sollen, wie der Antragsteller Genosse Geck in der Begründung erklärte, die bürgerlichen Abgeordneten im Landtag gezwungen werden, zu dieser wichtigen Frage offen Stellung zu nehmen. Zur Frage der Reform der Städte- und Gemeinde- o r d n u ii g wurde nach einem Referat des Abg. S ü ß k i n d eine der sozialdemokratischen Auffassung entsprechende Resolution ange- nommen. Von sonstigen Beschlüssen find zu erwähnen: Ein Mtglied, das länger als 4 Wochen krank oder arbeitslos ist. soll bis zum Wiedereintritt der Erwerbsfähigleit von derBeitragSleistung befreit sein. Die Borsitzenden der KreiSwahlvereme sollen in Zukunft aus Kosten der Kreiskasien Sitz und Stimme auf den Partei- tagen erhalten.— Die Ueberlragung von Doppelmandaten zum Reichs- und Landtage soll kiinslig„möglichst" vermieden werden. Der nächste Parteitag findet abermals in Offenburg statt. GauSonferenz der textiiarbeiter. Am Sonntag fand im„Englischen Garten" in der Alexander- straße eine außerordentliche Gaukonferenz für den Gau Branden- bürg deS Verbandes deutscher Textilarbeiter statt. Der Bericht des Gauleiters über die Zeit vom 1. April 1907 bis zum 31. Dezember 1907 lag gedruckt vor. Nach einem Beschluß der vorigen Gau- konfercnz sollte die nächste erst zu Ostern 1909 stattfinden. Bei der bisher üblichen Art, die Gaukonferenz immer ein Jahr nach der Verbandsgencralversammlung abzuhalten, war es nicht mög- lich, über aktuelle Anträge zu den Generalversammlungen zu beraten. Darum hatte es der Gauvorstand für notwendig erachtet, die Konferenz jetzt schon als eine außerordentliche einzuberufen. Der Bericht zeigt im allgemeinen, daß die Organisation gute Fortschritte gemacht und ansehnliche Erfolge erzielt hat. In den letzten Monaten hatte die Auftlärungs- und Agitationsarbeit unter der Krise zu leiden, die sich besonders scharf in Forst, Sprenivcrg, Luckenwalde wie in der ganzen Tuchindustrie der Nicderlausitz mit Ausnahme von Kottbus geltend macht. In Luckenwalde haben einige Unternehmer den Betrieb überhaupt aufgegeben. In Berlin kriselt es in der Teppich- und Plüschindustrie und in der Sticker- und Posamentenbranche herrscht große Arbeitslosigkeit. In NowaweS ■ Ltthen tlmgc UntetneWcr mü Lohnkürzungen. F» SchivlcbuS versuchte man die einheimischen Arbeitskräfte durch billiger arbeitende Ausländer zu ersetzen, was jedoch dank der Wachslunkeit der Organisation nicht gelang. Seit Anstellung des besoldeten Gauleiters gehören zu dem Gau vußer Brandenburg auch die Provinzen Pommern und Ost- und Westpreußen sowie die beiden Mecklenburg. In Pommern ist an mehreren Orten eine bedeutend ausgedehnte Textilindustrie vor- Händen, während sie in den beiden anderen Provinzen und in Mecklenburg nur schwach entwickelt ist. In Stettin und in Barth an der Ostsee sind Filialen des Verbandes gegründet worden. In Stolp in Pommern konnte die Organisation noch nicht dauernd festen Fuß fassen, offenbar deswegen nicht, weil die Lohn- und Arbeitsverhältnisse so traurige sind, daß die Arbeiter und Ar- beiterinnen an der Besserung zweifeln. Besonders tüchtige und fleißige Arbeiterinnen sind bei täglich 12 bis 14 Stunden Arbeit kaum in der Lage, die Woche 3,50 bis 4 M. zu verdienen. Das Zwischenmeistersystem steht hier in Blüte; Versuche, es abzuschaffen, sind bisher mißlungen. Der Gauleiter Franz Kotzke, der den gedruckten Bericht mündlich ergänzte, bezeichnete die Hausarbeit in der Textilindustrie. >uie man sie in verschiedenen Orten Pommerns in besonders krasser Form vorfindet, als einen Schandfleck für die deutsche Sozial- Politik.� An kleinen Jndustrieorten und in Kleinbetrieben werden hauptsächlich Militärtuche hergestellt. Die Lohnverhältnisse sind hier besonders elend; es werden kaum 500 M. im Jahre verdient. Lohnbewegungen haben während der BerichtSzeit 23 stattgefunden, von denen 3 zu Streiks führten. Sie erstreckten sich auf im ganzen 62 Firmen mit 2823 Arbeitern und Arbeite- rinnen. Bei zwei Streiks handelte es sich um Abwehr von Lohn» Verschlechterungen und in einem Fall- war Maßregelung die Ursache. Im ubngen haben die Lohnbewegungen den beteiligten Arbeitern und Arbeiterinnen Erhöhung der wöchentlichen Lohn summen um 4453 M. gebracht. Daß eine lebhafte Agitation betrieben wurde, geht schon daraus hervor, daß im Gau während der Berichtszeit 49 000 Flugblätter verbreitet wurden, 142 öftentliche und 29 Fabrikversammlungen abgehalten wurden. An 83 öffentlichen Versammlungen sowie an 24 Mitglieder- und 29 Fabrikversammlungen nahm der Gauleiter teil. Die Mitgliederzahl im Gau ist während der Berichtszeit von 13 362, und zwar 7922 männlichen und 5440 weiblichen, auf 12 705, 8147 männliche und 5558 weibliche, gestiegen. Die Abrechnung der Gaukasse schließt mit der Bilanzsumme von 4535,44 ML Allein für die Agitation wurden 1323,55 M. aus- gegeben. In der Debatte über die Berichte, die sich durch Sachlichkeit auszeichnete, wurden von verschiedenen Delegierten Anregungen zur Besserung der Organisationsverhältnisse gegeben, die an manchen Orten noch viel zu wünschen übrig lassen. Ferner wurden die Lohnbewegungen sowie die Lohnverhaltnisse besprochen. Be. sonders erwähnenswert ist der Streik bei der„Ersten beut- zchen Jutegarnspinnerei" in Brandenburg an der Havel. In dieser Fabrik lvar eS ein neuer Obermeister, der durch sein allzu scharfes Auftreten den Arbeiterinnen und Arbeitern die llnentbehrlichkeit der Organisation zum Bewußtsein brachte unv so unfreiwillig ein gut Teil dazu beitrug, daß der Streik mit Hutem Erfolg durchgeführt werden konnte. Di« Arbeiterinnen ver. oienten hier 8 bis 9 M. die Woche, die Arbeiter 12 bis 15 M. Die durch den Streik erzielten Lohnerhöhungen betragen 3, 4 M. und mehr; für einzelne Arbeiterinnen wurden die Löhne fast auf das Toppelte erhöht. Als ebenso schlecht wie vor dem Streik i» jener Spinnerei wurden die Lobnverhältnisse i» der Kammgarn- spinnerei von K u m e r l e bezeichnet. Dieser Unternehmer sucht nun den Arbeitern und Arbeiterinnen weiszumachen, daß sie ihre Lebenslage durch einen„Sparverein" verbessern könnten. Im Statut dieser neuen Gründung heißt eS, daß Lohnstreitigkeiten nur durch den Sparvercin geregelt werden. Es ist also eine richtig gelbe Gewerkschaft, und die Spargroschen der Arbeiterschaft sollen dazu dienen, den Verband im Betriebe auszuschalten, lieber traurige Verhältnisse wurde auch aus einer Jutespinnerei zu Landsberg berichtet, in der die Löhne der Männer nicht nur so elend niedrig sind, daß eine Familie dabei verhungern müßte, sondern auch bei Androhung von Entlassung verlangt wird, daß die Frauen mitarbeiten. Darum hat man auch ein Kinderheim ge- gründet; aber die Kinder sollen dort so schlecht versorgt werden, daß die Sterblichkeit weit größer ist als sonst in Proletarier- samilicn. Die Diskussion schloß damit, daß der Gauleitung wie dem Gau- kassierer P r i l l w i tz einstimmig Techarge erteilt wurde.— Inzwischen hotte die Prüfung der Mandate ergeben, daß 38 Delegierte, unter ihnen 3 Frauen, anwesend waren. D« Mandate waren sämt- lich ordnungsgemäß ausgestellt. Im übrigen war der Verbands- vorstand vertreten durch Z e h m S, Fräulein Hoppe und den Redakteur W a g n e r; der Gauvorstand durch Kotzke. Kor« und Rasch. Die Konferenz befaßte sich dann mit der Frage der Arbeits- losenunterstützung. deren Einführung von der letzten Verbandsgeneralversammlung im Prinzip beschlossen worden ist. Endgültig wird darüber in der im Mai zu Leipzig stattfindenden Generalversammlung entschieden werden. Der Referent Kotzke hielt die Arbeitslosenunterstützung für dringend notwendig und führte unter anderem aus, daß sie keineswegs den Klassenkampf- charakter der Organisation schwache, sondern vielmehr ein wirksames Kampfmittel in sich schliche.— Seinen Ausführungen entsprechend erklärte die Konferenz mit allen gegen eine Stimme, daß die Ar- beitslosenunterstüung so bald wie möglich eingeführt werden solle und nahm folgende Resolution an: „Zur gedeihlichen Entwickelung unserer Organisafton gehört nicht nur die intensivste Agitation unter den in der Textil- industrie Beschäftigten, sondern auch, daß die Mitglieder dauernd kampffähig crhalien und Mittel und Wege gefunden werden, die Mitglieder an die Organisation zu fesseln. Aus diesen Er- wägungen heraus crllärt sich die Gaukonfcrcnz mit den Aus- führungen des Gauleiters einverstanden, und die Delegierten verpflichten sich, mit aller Energie für die Einführung der Ar- beitSlofenunterstützung als eines weiteren Mittels, die Arbeiter- fchaft vor der brutalen AuSbcutungstaktik des Unternehmertums zu schützen, einzutreten. Die Erhöhung der Wochenbeiträge um 10 Pf. hält die Konferenz zwecks Wahrung des Klassenkampf. charakterö der Orgainfatton für unbedingt notwendig. Als Gegen- leiftuna soll den Mitgliedern die Arbeitslosenunterstützung, die möglichst noch in diesem Jahre eingeführt werden soll, gewähr. leistet werden." Hierauf wurde über Anträge der Delegierten beraten. Hinsicht- sich der Maifeier erklärte sich oic Konferenz dafür, daß sie überall, Ivo es möglich ist, durch ArbeitLruhe begangen lvcrdcn soll. Ein An! vag an die Generalversammlung, wie die Gauleiter, so auch die Geschäftsführer der Filialen aus der Verbandskasse zu besolden, wurde gutgeheißen. Zum internationalen Textilarbeiterkongreß. der im Laufe dieses Jahres in Wien stattfindet, nominierte die Kon. fcrenz Kotzke als Kandidaten des Gaues für die Delegierten- lvahlen, die der Generalversammlung obliegen. Sodann hieli der Gauleiter Kotzke einen Vortrag über„D t e Taktik der Unternehmer verbände". Auf Grundlage reichhaltigen Bcweismatcrials zeigte der Redner, wie das Unter- nchmertnm namentlich durch den Verband der Industriellen danach strebt, die Arbeiterklasse zu knebeln und zu knechten, ihre Organt- sationen zu vernichten und auch die bescheidenste Forderung nach tariflicher Regelung der Arbeitsbedingungen brutal abzuschlagen. Um so mehr müsse die Arbeiterschaft sich fest zusammenschließen. keine Mühe, kein Opfer scheuen, um ihre Rechte zu wahren, ihre Ziele zu erkämpfen. Der Vortrag faich lebhaften Beifall. Mit Hochrufen auf den Verband und dem Gesang der Ärbeitermarfeittaife wurde die Konferenz nach 7stündiaer Tagung abends 7 Uhr gc. schlössen. Deutsche Gesellschast zur KeKuulpfuug der Geschlechts- kraukheiten. Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechts- krankheiten hielt am Sonntag im Bürgersaale des Berliner Rat- Hauses unter zahlreicher Teilnahme von Aerzten, Mitgliedern und Freunden der Gesellschaft ihre Hauptversammlung ab. Den Vor- sitz führte Professor Dr. Ncißer-Breslau. Den Jahresbericht der Gesellschaft erstattete Dr. Blaschko-Berlin. Er griff auf den von der Gesell- schaft veranstalteten Mannheimer Kongreß zurück, der sich in zweitägigen gründlichen Erörterungen mit der Frage der Sexual- Pädagogik beschäftigt habe. Was sich der Kongreß damals als d,e nächsten Ziele gesteckt habe, sei zum großen Teile schon er- reicht. In die Fortbildungsschule» sei der Unterricht über die Gefahren des Geschlechtsverkehrs allgemein eingeführt, sogar in Berlin. Ueber die Abiturirntenvorträge zur sexuellen Aufklärung der angehenden Studenten habe das Kultusministerium eine Enquete veranlaßt, deren Ergebnisse demnächst vorliegen werden. Für die Lehrer an Seminaren und Universitäten seien von der Gesellschaft und anderen ärztlichen Vereinigungen Kurse ein- gerichtet worden, um sie in den Stand zu setzen, auf Grund eines umfassenden biologischen Wissens Aufklärung unter ihren Schülern zu verbreiten. Ein Elternmcrkblatt, das diesen Anleitungen zur sexuellen Aufklärung ihrer Kinder geben solle, liege in zwei Entwürfen, darunter einem von Professor Dr. William Stern in Breslau vor und werde demnächst publiziert. Für ein besonderes Merkblatt für Soldaten und Matrosen über die Gefahren der Geschlechtskrankheiten sei ein Preisausschreiben erlassen. Der Jury gehören drei hohe Offiziere, drei Aerzte und Senatspräsident Dr. Schmölder-Hamm an. Für die Mitglieder der Krankenkassen seien fortlaufend Bortragskurse über die Geschlechtskrankheiten ein- gerichtet worden. Für Dienstmädchen, Ladenmädchen usw. halte jetzt zunächst in Berlin, später in Schlesien Frl. Dr. Hacker mit gutem Erfolge Vorttäge. Die Belehrung der Studentcu sei leider durch das hächstcigentümliche Verhalten des Rektors der Berliner Universität Prof. Stumpf, der den Aerzten Vorträge über sexuelle Themen vor Studenten verbiete, zeitweilig gestört worden. Die drei größten Erfolge der Gesellschaft im abgelaufenen Jahre seien der Entwurf des Kurpfuschereigeseyes, der die Behandlung der Geschlechtskrankheiten durch Kurpfuscher verbiete und nachdrückliche Unterstützung verdiene; das gegen den Berliner Magistrat er- gangcne Kammergerichtsurteil, das die Beteiligung der Kranken- lassen an hygienischen Kongressen ausdrücklich für zulässig erklärt. und die Berordnung des preußischen Kultusministers vom 11. 12. 1907 über die Neuordnung der Reglementierung der Prostitution. Diese Neuordnung wolle den Mädchen, die auf der schiefen Bahn zur Prostitution herabgeglitten, die Rückkehr ins bürgerliche Leben ermöglichen und ihnen in diskreter Weise Heilung von den Ge- schlechtskrankheitcn verschaffen. Die Einschreibung, bisher der Kernpunkt in der Bekämpfung der venerischen Krankheiten, sei als äußerstes Mittel ganz ans Ende gerückt. Hoffentlich würden sich die unteren Verwaltungsbehörden recht bald von dem ein- gcbürgcrten Verfahren befreien und recht weitsichtig sein. Aus dem inneren Leben der Gesellschast sei hervorzuheben, daß der BreSlauer Polizeipräsident sie für einen politischen Verein erklärt und den Ausschluß der weiblichen Mitglieder gefordert hätte. (Schallende Heiterkeit.) Das Oberverwnltungsgericht habe dem Polizeipräsidenten Recht gegeben, da die Gesellschaft sich doch mit Dingen wie die Aendernug des Strafgesetzbuches befasse, die auf öffentliche Angelegenheiten Bezug haben.(Rufe: Hört, hört!) Das neue deutsche Neichsvereinsgesey werde hoffentlich in dieser Beziehung Wandel schaffen.(Lebhafter Beifall.) Nach Genehmigung des Jahresbericht» ergriff Professor Welandrr aus Stockholm das Wort zu dem Vortrage über: Wie kau« man die durch heredilär-fvphilitische Kinder verursachte soziale Gefahr bekämpfen? Der Redner führte aus: Keine Krankheit hat sich so rasch verbreitet, wie seit dem Ende des 15. Jahrhunderts die Syphilis über die ganze Kultur.oelt. Weder Palast noch Hütte hat sie mit ihrem furchtbaren Leiden verschont. Ihre furchtbarste Esijen» schaft aber ist die, daß sie schon im Mutterleibe auf den FotuS übergehen kann und ihn tötet oder so angreift, daß daS Kind um Wochen zu früh in elendem Zustande zur Welt kommt. Aber auch bei anscheinend gesund geborenen Kindern kann die Syphilis Jahre lang schlummern, und diese bilden dann eine große Gefahr für ihre Umgebung und die ganze Gesellschaft. Nur eine energische, Jahre lange Behandlung mit den Mitteln der neueren Wissenschaft ermöglicht ihre Heilung. Schon eine kräftige Behandlung syphili- tischer Frauen in der Zeit der Schwangerschaft ist ein großer Schutz für das Kind. EL bedarf aber auch dann nach der Geburt dauernder ärztlicher Uebcrwachung, da es nur frei von den Symptomen aber nicht von den Keimen der Krankheit ist. Die schwierige Frage ist nun, wo diese Kinder behandelt werden sollen. In das Waisenhaus werden sie nicht aufgenommen, die Mütter sehen diese Kinder, die meist mehr das Aussehen vertrockneter Greise als junger Mcnschcnwesen haben, oft nur als Last an, und die einmalige Behandlung im Krankenhause ist nicht genügend. Die Kinder müssen vielmehr Jahre lang isoliert bleiben, aber da sie schon nach ganz kurzer Behandlung äußerlich vollkommen kräftig und gesund sind, nicht in ein Krankenhaus oder Asyl, sondern in einem gewöhnlichen Kinderheim. Sie brauchen nur wirklich gesunde Wohnstätten. Licht, Luft, Reinlichkeit, gesunde Nahrung und zweckmäßige Behandlung. Der Redner schildert dann die Ein- richtung seines nach diesen Grundsätzen verwalteten«Kleinen Heims in Stockholm, in dem bisher 34 syphilitische Kinder geheilt worden sind, ohne daß bei einem einzigen die Krankheit im späteren Leben wieder zum Ausbruch gekommen wäre.(Leb- hafter Beifall.) SanitätSrat Dr. Rvfenthal-Verlin teilt dann die Bildung eines Komitees zur Gründung eines Pflegeheims für örtlich-kranke Kinder auch in Berlin mit und legt den Aufruf vor, den es zur Sammlung von Mitteln erlassen hat. Dr. Ritter-Berlin macht darauf aufmerksam, daß ein Teil dieser Aufgaben des Pflegeheims schon durch das SäuglingSkrankcnhauS von Professor Ledermann erfüllt werde. Professor Schloßmann-Düsseldorf huldigt dem Vor- tragenden als Menschenfreund und Arzt, hebt aber die Ver- schiedcnheit zwischen Deutschland und Schweden hervor. In Schweden sei die Kindersterblichkeit unendlich viel geringer, wollte man hier syphilitische Kinder ohne Muttermilch ernähren, so würde man eine Sterblichkeit von 99 Proz. haben.(Sehr wahrl) Die Säuglingsfürsorge werde gerade jetzt in Deutschland einheitlich und großzügig organisiert. Das syphilitische Kind sei niemals eine Gefahr für die Umgebung, wenn man von der Krankheit wisse. Meist aber erkenne man sie erst aus den Primäraffektionen der angesteckten Umgebung. Jedes syphilitisch erkrankte Kind komme in die Krankcnabteilung der Asyle oder in die Säuglingsabteilung der Krankenhäuser und bleibe— außer in dem rückständigen Berlin— dort solange, bis jede Ansteckungsgefahr verschwunden sei. Die wohlmeinenden Pläne des Vortragenden seien für Deutsch- land ein überwundener Standpunkt. Geheimrat Dr. Kirchner, Vortragender Rat im Kultusministerium: Die Säuglingspflege sei in Deutschland jetzt in großem Aufschwünge. Die Kräfte zur Bekämpfung der ungeheuren Säuglingssterblichkeit, die in manchen Städten noch 20—25 Proz. betrage, dürfe nicht zersplittert werden. Gleichwohl habe auch er, der in der ersten Linie die. Seuchenbekämpfung in Preußen zu organisieren habe, seine Unter- schrift unter den Auftus gesetzt. Man könne ja einwenden, daß es zweckmäßig märe die armen Wesen, die syphilitisch geboren werden, dahingehen zu lassen und daS Geld für gesündere zu verwenden, aber jedes Kind sei das Kind einer Mutter und jede Mutter liebe ihr Kind. Wenn sich daher offene Herzen und Beutel für diese Kinder finden, solle man es nicht zurückstoßen. Unsere Kinder und Enkel würden hoffentlich soweit, tomme». alle tuberkulösen Kinder zu isolieren. Wenn jetzt für die ebenso schlimme schleichende Volkskrankheit der Syphilis ähnliches an« gebahnt werde, joUe man neben der allgemeinen Organisation deS Säuglingsschuhes auch dieses andere nicht lassen.(Lebhafter Beifall.) Von einer formellen Beschlutzfassung nahm man Abstand. Damit hatte die Jahresversammlung ihr Ende erreicht, weil wegen der vorgerückten Zeit der noch in Aussicht genommene Vortrag deS Professor Reißer ausfallen mußte. Zus Induftrie und DandeU Aus der Kltliindnstrie. Ueber ein agrarisches Attentat auf die Kaliindustrie und Ge- Werbefreiheit schlug die Dörsenpresse vor einiger Zeit Lärm, obwohl die Geioerbefreiheit im Bergbau durch die Syndikate gründlicher ab- geschafft ist. als in irgendeiner anderen Industrie. Das Zetermordio, das die Kalibarone erheben, und die„Gefahren" für die„frei spielenden Kräfte" des Handels und der Industrie war natürlich nur Deckmantel; was man befürchtet, ist in Wahrheit nur eine Schmälerung der Syndikatsprofite. Wenn die„Landwirtschaft" beabsichtigt, sich eine gewisse Mitwirkung bei der Produttion deS wichtigen landwirtschaftlichen Rohmaterials zu sichern, so ist dagegen nichts einzuwenden. Die Kalisalze sollen doch nicht nur ein Düngemittel desKapitalgewinnes sein. Die industriellen Agrarier hätten auch gerade den richtigen Zeitpunkt gewählt, um in die Kaliindustrie einzudringen. Die Kaliwerke unier- liegen gegenwärtig einer starken Depression, die durch den all- gemeinen wirtschaftlichen Niedergang, insbesondere durch die Stockung des amerikanischen Geschäfts, wohl vertieft wird, aber Haupt- sächlich die natürliche Folge einer beispiellosen Ueberspannung der Spekulation ist. Die gleichen Ursachen haben bereits Ende der neun- ziger Jahre einmal zu einem Krach geführt, das Publikum vergaß aber die Erfahrungen und zog sich ein neues Kalifieber zu. an dem freilich immer nur die kleinen Spekulanten.starben". Eine Unzahl neuer Werke sind reine Spekulationsgründungen. Den Grundbesitzern in der Nähe von bereits im Betriebe befindlichen bergbaulichen Unternehmungen wurden für ihr Land, das man zu diesem Zwecke zusainmenkaufte. hohe Preise gezahlt und ohne daß man sich über die Frage, ob man überhaupt fündig werden würde, die mindeste Gewißheit verschafft hatte, wurden die Bohr- türme herbeigeschafft und die Bohranteile unterS Publikum gebracht. Brach dann das Unternehmen zusammen, so hatte eine Menge kleiner Sparer ihr Geld verbohrt, aber den vermittelnden Finanz- Helden war wieder eine Schafschur geglückt. Ueber Ort und Art des landwirtschaftlichen Kaliwerks selber ist einiges durchgesickert, seitdem der Aufsichtsrat des Kalisyndikats sich vor einigen Tagen offiziell mit der Frage des Felderverkaufs der Gewerkschaft B u r b a ch beschäftigt hat. Burbach hat für daS letzte Jahr einen Rückgang seines Reingewinns von etwa 200000 M. zu verzeichnen und gebraucht bares Geld um so nötiger, als eS jetzt einen zweiten Schacht zu bauen hat. Leider erlaubt die Regierung den Kalibaronen die Herstellung deS zweiten Schachte« auf dem billigen Wege einer durchschlägigen Verbindung mit einem Nachbarunternehmen, und die Schaffung eines solchen NachbarunternehmenS. mit dem eS die Kosten für den zweiten Schacht zusammenzutragen hätte, ist mit der Zweck deS von Burbach beabsichtigten Felderverkaufs. Obwohl über die Verkaufsverhandlungen strenges Geheimnis bewahrt wird, weiß man doch soviel, daß es die landwirtschaftlichen Interessen sind, mit denen die Verhandlungen gepflogen werden, deren Abschluß übrigens nahe bevorstehen soll. Landwirtschaftliche Kaliaktionäre und Gewerke gibt eS übrigens heute schon recht viel- fach, ohne daß diese sich bei der syndizierten Preistreiberei als Störenfriede zeigen. Hat doch auch bei aller agrarischen Schreierei nach dem Kaliausfuhrzoll oder gar dem Kaliausfuhrverbot eine einflußreiche agrarische Gruppe der Preispolitik des Kalisyndikats stets das Wort geredet— man denke nur an den Grafen v. Schwerin-Löwitz und den A r n i m- Z ü s e d o m, die bei derHercynia-Debatte im preußischen Abgeordnetenhause ihre Ritterlanzen für daS Syndikat einlegten. Welche Interessen und Tendenzen dem Plan des landwirtschaftlichen Kaliwerkes zugrunde liegen, muß sich noch erst zeigen. Industrielle Konzentratio«. In einer Besprechung über Verbandsbestrebungen und«Hemmungen in der deutschen Eisenindustrie macht die.Rh.-Wests. Ztg." inter- essante Angaben. Danach vereinigt der Walzdrahtverband eine Pro- duktion von 1050 000 Tonnen, die syndizierte und nicht syndizierte Blecherzeugung wird auf l1/« Millionen Tonnen geschätzt und die Stabeisenherstellung auf 3°/, Millionen Tonnen. Die Fabrikation der drei Artikel: Blech. Draht und Stabeisen, würde sich mithin auf rund 6 Millionen Tonnen stellen. Von dieser Gesamtmenge sind 5 Millionen Tonnen, und zwar 3,3 Millionen Tonnen Stabeisen, 901 000 Tonnen Blech und 742 000 Tonnen Draht im Stahlwerks- verband organisiert. Der Verband kontrolliert also fünf Sechstel der Gcsamterzeugung in dieser Produktion. Von der im Stahl- verband vertretenen Menge wird weiter fast die Hälfte von nur 5 Firmen beherrscht. Die Beteiligung dieser Werke ist folgende: Thyssen 532000 Tonnen, Gutehoffnungshütte 252 000 Tonnen, Hösch 276000 Tonnen, Phönix 620 000 Tonnen und de Wedel 343000 Tonnen, zusammen 202 800 Tonnen. Bei dem Mißverhältnis zwischen Rohmaterial- und Halbzeugpreisen werden immer mehr reine Werke Anschluß an gemischte Betriebe suchen müssen, so daß der Anteil dieser an der Gesamterzeugung in Walzprodukten immer größer wird. Die Gesamtbeteiligung der fünf Werke bettägt 3 765 000 Tonnen, so daß auf Halbzeug. Träger und Formeisen nur noch eine Menge von 1 742 000 entfällt. In absehbarer Zeit werden die gemischten Werke fast die ganze Weiterverarbeitung an sich gerissen haben._ Die Solinger Messcrindustrie. Die„New A orker Handelszeitung" veröffentlicht daS Urteil eines amerikanischen Importeurs über die deutsche MesserwarenprodUktwn. Der Amerikaner erklärte: Die einheimische Industrie in dieser Branche entbehrt jedes individuellen Gepräges; das Rohmaterial wird alles auS einer und derselben Quelle bezogen, die Muster sind bei allen Fabrikanten fast die gleichen und die Ausführung richtet sich starr nach derselben Sckiablone. Der erklärende Grund hiersür ist die Preisübereinkunft zwischen den Fabrikanten.... Wenn man hier bei einem Fabrikanten ein Muster herausgreift, so kann nian sicher sein, genau dasselbe bei zwanzig anderen zu finden. Anders in Deutschland. Dort ist jeder Fabrikant bestrebt, möglichst etwas Neues und Originelles, von dem Vor- handenen Abweichendes zu schaffen.... Ein anderer sehr schwacher Punkt der amerikanischen Fabrikationen ist die Tatsache, daß sämt- liche kleineren Federmesser fast niemals scharf(dünn) geschliffen sind, was doch eigentlich ein kleines Messer sein sollte. Unter den hohen Zollsätzen würde Solingen sein Absatzgebiet in diesen Artikeln nicht behaupten können, ivenn es nicht dieses Umstandes wegen wäre. In Scheren beherrscht Deutschland den amerikanischen Markt fast vollständig. Was hier in Amerika in Scheren gemacht wird— mit Ausnahme von„sheare"— ist sehr unbedeutend; französische Ware geht ein klein wenig. während die Engländer fast ganz aus dem Markte sind. Iii Rasiermessern hat Deutschland tn den letzten 10 Jahren gewaltige Fortschritte gemacht. Eö mag paradox klingen, wenn ich sage, daß die seinften und besten Scheren, die feinsten und besten Nasiermesser, die hier im Markte verlauft werden, Solinger Fabrikat sind, während es andererseils Tatsache ist, daß auch sehr viel Schund aus Solingen kommt.'Der dortige Fabrikant richtet sich aber vollständig nach dem Verlangen der Kundschaft, die immer billigere Ware verlangt; aber er zeigt auch. daß er auszeichneteS machen kann, wen» der Preis dafür bezahlt wird. Gerichts-Leitung. Beleidigung der Polizei? Die kürzlich bor der ersten Strafkammer des Landgerichts I vertagte Verhandlung gegen den Nedaktenr des AnarchijtenblatteS " Zur Sonntagsruhe. Zentralverband der Fleischer.( Ortsverwaltung Berlin.) Heute abend 9 Uhr: Mitgliederversammlung im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Straße 11/22. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Industrieberband oder Berufsorganisation? Kaufmännische Kranken- und Sterbekasse von 1885.( E.§. 71.) Heute abend bei Landré, Stralauerstr. 36/37. Vermischtes. Der Revolutionär", Ladierer Gustab Neumann, wurde gestern greife indessen nicht Blak. Gefchloffene Räume seien Räume wieder aufgenommen. Es handelt sich um einen im„ Revolutionär" unter Dach und Fach, welche gedeckt und umfriedigt beröffentlichten Artikel unter der Ueberschrift:„ Der Vorwärts" und seien. Der Bahnhof Wanbsbek fei nun zwar innerhalb das unwichtige Notizbuch". Bei Gelegenheit der Haussuchung in der Bahnsperre, wo die Verteilung vor sich ging, der Privatwohnung eines Redakteurs des„ Revolutionär" hatte ein friedigter Raum. Er fei aber nicht überdeckt. Es sei nur ein kleines Schußmann ein Notizbuch verloren, in welchem allerlei Notizen ent- Dach zum Schutz gegen die Unbillen der Witterung vorhanden; halten waren. Der Revolutionär" war bald in der Lage, einige sonst liege der Raum ganz unter freiem Himmel. Es sei also fein Dinge aus den Geheimnissen dieses Notizbuches auszuplaudern. geschlossener Raum. Demnach sei Angeklagter, der keine Erlaubnis Die Art, wie der Vorwärts" diesen Vorfall besprach, mißfiel dem hatte, zu verurteilen. Höltge legte abermals Revision ein. Das Anarchistenblatt und veranlaßte es zur Veröffentlichung des in-& ammergericht berwarf das Rechtsmittel. Die wachsame Polizei. Aus Breslau wird uns 6om 8. Mäta friminierten Artikels. Dieser polemisierte gegen den„ Borwärts" und telegraphiert: fritisierte in scharfen Ausdrücken die Art und Weise, wie die politische Das Auftreten Danny Guertlers wurde heute polizeilich Polizei die Ueberwachung der Anarchisten vornehme, und die ganze Der Konfitürenhändler Guhl war der Meinung, Konfitüren ge- berboten. Das Verbot veranlaßte Menschenansammlunaen. Soeben Tätigkeit der politischen Polizei den Arbeitern überhaupt gegenüber. hörten zu den Konditorwaren und es fänden auf Konfitürenhand- wurde Guertler grundlos verhaftet. Es kamen darin Ausdrüde wie„ Hallunkenstreiche"," Ehrlosigkeit", lungen die Bestimmungen der Berliner Polizeiverordnung vom Gemeinheit"," Niederträchtigkeit" und dergleichen vor. Durch diesen 20. Juni 1895 Anwendung, wonach der Handel mit Bad- und Artikel fühlte sich die politische Abteilung des Berliner Polizei- Konditorwaren aus offenen Verkaufsstellen des Sonntags bis 3 1hr den Großhandel in den Zentral- Markthallen. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen- Direktion über präsidiums beleidigt und der Strafantrag wegen formaler nachmittags gestattet ist. Weil er am zweiten Pfingstfeiertag fein Zufuhr start, Geschäft ruhig, Preise für Hammelfleisch, nachgebend, sonst Marktlage: Fleisch: Beleidigung war vom Polizeipräsidenten gestellt, der An- Geschäft bis 8 Uhr offengehalten und solange eine Verkäuferin unverändert. Bild: Bufuhr nicht vorhanden. Geflügel: Rufuhr geflagte auch gleichzeitig in Haft genommen worden. Im lekten beschäftigt habe, wurde er auf Grund der Verordnung und der genügend, Geschäft flau, Preise gut. Fische Zufuhr mäßig, Geschäft Termine stellte der Verteidiger Rechtsanwalt§§ 105b und 146a der Gewerbeordnung zu einer Geldstrafe ziemlich rege, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft Dr. Ludwig Friedmann eine Reihe von Beweisanträgen. berurteilt. Das Landgericht ging davon aus, daß Kon- ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Er wollte durch Vernehmung einiger Polizeibeamten, insbesondere fitüren teine Konditorwaren seien und daß G. deshalb sein Geschäft Bufuhr reichlich, Geſchäft matt, Preise gedrückt. des Kriminalkommissars Kunze und des Kriminalwachtmeisters Neu- an Sonntagen und den zweiten Feiertagen der großen Feste um mann sowie durch andere Personen festgestellt haben, daß die Ueber 2 Uhr nachmittags schließen müsse. wachung der Anarchisten durch die Polizei eine äußerst scharfe, mit Das Kammergericht verwarf die Revision des gesetzlichen Vorschriften nicht immer zu bereinbarende sei, daß Angeklagten, jedoch aus einem anderen Grunde. Anarchisten widerrechtlich gezivungen würden, sich auf der Polizei ließ die Frage offen, ob Konfitüren zu den Konditorwaren gehörten. photographieren zu laffen, daß in zwei nachweislichen Fällen durch Denn es war auf Grund einer genauen Durchficht der Berordnung Bolizeibeamte versucht worden sei, Angehörige der anardes Polizeipräsidenten zu der Feststellung gelangt, daß die zweiten chistischen und der sozialdemokratischen Partei Feiertage der großen Feste im Gegensatz zu den Sonntagen nicht durch Geldversprechung zum Verrat an ihren Gezu den Ausnahmetagen gehörten, wo die Geschäfte mit Bad- und noffen zu verleiten, daß feiner Beit dem Anarchisten Kar- on ditor waren bis 3 Uhr nachmittags geöffnet sein dürften. funkelſtein gegenüber ein Polizist die Liſt gebraucht habe, eine Haus. Auch die Bäcker und Konditoren müßten am aweiten Blingsttag, um Ferdinand Schlichting suchung bei diesem damit zu motivieren, daß er der Wirtin des K. den es sich hier handle, um 2 Uhr nachmittags schließen. Schon sagte, derselbe sei ein Buhälter usw. usw.- Von den über diese deshalb hätte Angeklagter am zweiten Pfingsttag um 2 Uhr schließen Bunite benannten Beugen war ein großer Teil nicht müssen. Die eigentliche Streitfrage, auf die es dem Angeklagten zur Stelle, die Beugen Kunze und Neumann hatten antomme, tönnte erledigt werden, wenn ein gewöhnlicher Sonntag die Genehmigung zur Aussage seitens ihrer vorgesetzten Behörde in Betracht käme. nicht erhalten. Da vom Gericht die von den benannten Zeugen zu befundenden Tatsachen als wahr unterstellt wurden, bezw. dem Angeklagten zugebilligt wurde, daß er sie für wahr hielt, so 9 Ein Messerstecher ist ,, arbeitswillig" also milde Strafe! Die Bahnarbeiter Wilhelm und Willi Rosenhahn in Halle Sozialdemokrat. Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis Nachruf! Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genoffe, der Maurer am 6. März verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Der Vorstand. Verein der Rohrer Berlins u. Umgebung. Am 7. März verstarb unser treuer Kollege am an der Proletarierkrankheit. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 11. März, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenballe des Auferstehungs- Friedhofes in Weißensee, Weißenseer Weg, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. eriibrigte sich fast die ganze Beweisaufnahme. Bernommen wurden hatten in der Silvesternacht den Arbeiter Bertram aus ganz nich nur die Frau des Anarchisten Kielmeyer und der Kriminal- tigem Anlaß derartig mißhandelt, daß der Unglückliche schuhmann Hübsch. Letzterer hatte eines Tages bei Kielmeher eine fofort starb. Bertram hatte in einem Lokal einmal auf Wilhelm Haussuchung nach einem Beitungsblatt abgehalten, hierbei fiel ihm.'s Trompete blasen wollen. Darüber geriet der Rohling derartig auch ein im Bücherschrank bewahrtes Buch„ Platens Heilmethode" in But, daß er dem B., einen Familienvater von drei Kindern, Paul Schüler in die Hände. Demfelben waren Tafeln und Abbildungen bei vier Mefferstiche, babei einen in den Herzbeutel, versezte. gefügt, die die weiblichen Geschlechtsteile zur Darstellung brachten. Die vor dem Schwurgericht anhängig gemachte Anklage lautete Frau Kielmeyer behauptet nun, daß der Beamte auf Körperverlegung mit Todeserfolg. In der Beihr diese Abbildungen mit einem die weibliche weisaufnahme traten mehrere Unternehmer auf, die aussagten, Ehre beleidigenden Seitenblick und einem zynischen Rosenhahns feien ruhige, zufriedene, arbeitswillige, fleißige Lächeln hingehalten habe. Der Beamte stellte die Sache Menschen. Das machte Eindruck, und so tamen die Geschworenen anders dar. Er behauptete, daß der kleine fünfjährige Sohn der zur Bewilligung mildernder Umstände, obwohl der Frau Kielmeyer in bezug auf diese Abbildungen eine Bemerkung Staatsanwalt gefagt hatte, St. habe den B. abgestochen wie gemacht habe, die darauf hindeutete, daß er den Unterschied der Ge- ein Stüd Vieh. Wilhelm R. wurde zu einem Jahre sechs schlechter schon lenne. Dies habe ihn veranlaßt, der Monaten und fein Bruder zu vier Monaten Gefängnis Frau einen warnenden Blick zuzuwerfen! Frau K. berurteilt. bestritt entschieden diese Darstellung, die auch dem Gerichtshof nicht recht einleuchten wollte.- Staatsanw. Dr. Fiegner hielt die Beleidigungen für äußerst schwere. Der Angeklagte habe sich nur auf eine Reibe von Tatsachen bezogen, die die Anwendung jener schwer beleidigenden Worte aber nicht rechtfertigen könnten. Der Staat habe ein außer ordentliches Interesse an der scharfen Ueberwachung der Anarchisten, und jede Polizei sei darauf angewiesen, sich der Hülfe von MittelsErgänzungen des Etatsgefet. und teichshaus. personen zu bedienen, die ihr zweddienliche Mitteilungen machen balts Entwurfs für 1908 nebft Anlagen, enthaltend u. a. tönnen. Daß die Polizei das Recht habe, Anarchisten und andere Dentschrift betr. die Einführung des Poft überweisungsbalts- Entwurfs auch gegen ihren Willen zu photographieren und zu messen, habe das Reichsgericht in einem Urteil im 32. Bande anerkannt. Die und Schedberlehrs nebst Anlagen. Anarchisten seien Leute, die offen den Kampf gegen die bestehenden Resolution zum Etat des Innern v. Schwerin- 2öwis Geseze predigen und alle Attentate, nicht nur die gegen politische und Genoffen( t.): noch in dieser Seffion einen Gefeßentwurf vorzuBerfonen, sondern auch die gegen Arbeitgeber verübten, bejubeln, und zulegen, durch welchen für solche Märkte und marttähnliche Veres fei Pflicht der Polizei, sich über die Entwidelung und die inneren anstaltungen, welche dem Handel mit Schlachtvieh in größerem Um Borgänge der anarchistischen Gruppen auf dem Laufenden zu fange dienen, Anordnungen zu treffen sind, welche eine zuverlässige erhalten. Der Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht auf die Jugend& eststellung der Bichpreise nach Lebendgewicht geRechts- 85. bis 95. Bericht der Petitionstommiffion Parlamentarisches. Einlauf. Jm Reichstag gingen ein: währleisten. Aus der Frauenbewegung. Versammlungen Veranstaltungen. des Angeklagten drei Monate Gefängnis. anwalt Dr. Ludwig Friedmanu trat den Ausführungen des Staatsantvalts scharf entgegen und führt aus, daß die Tatsachen, die der Gerichtshof als wahr unterstellt habe, doch so ungeheuerlich seien, daß man es dem Angeklagten als Anarchisten wohl nachfühlen könne, wenn er in erbitterter Stimmung über die Polizei den scharfen Artikel veröffentlichte. Er verdiene daher eine mildere Strafe. Das Gericht Adlershof. Dienstag, den 10. März, 8 Uhr, bei Wöllstein: Borhielt dem Angeflagten zu Gute, daß er durch die von ihm als wahr angesehenen Vorkommnisse sehr erregt gewesen sei und bei seiner Jugend noch nicht die genügende Entwickelung und Reife der Lebensanschauung befize. Das Gericht erkannte dennoch auf drei Monate Gefängnis, unter Anrechnung von zwei Monaten Uutersuchungshaft und sprach den Beleidigten die Publikationsbefugnis zu. Der Angeklagte wurde aus der Haft entlassen. Die Strafart und das Strafmaß des Urteils ist außerordentlich hart und hoch. Vor dem Gesez sind alle Preußen gleich. Eine Justiz, die nach der der jeweiligen Richtung nicht genehmen politischen Richtung des Angeklagten das Strafmaß ausmißt, ist Tendenzjustiz in der trasfesten Weise und zeigt die tiefe Kluft, die zwischen Ge rechtigkeit und Justiz gähnt. Flugblattverteilung auf Bahnhöfen. trag. Behlendorf. Mittwoch, den 11. März, 8 Uhr, bei Mied, Karlstr. 12: Generalversammlung. Steglitz. Donnerstag, den 12. März, bei Wahrendorf, Schloßstr. 117: Vortrag. Herr Heiurich Schulz:„ Kindererziehung". Verfammlungen. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß meine liebe unvergeßliche Frau Mathilde Jander am Sonntag früh verstorben ist. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 11. März, nachmittags 3 Ubr, von der Leichenhalle des Schöneberger Friedhofes, Marstraße, aus statt. 22316 Der tieftrauernde Gatte Hieronymus Jander. Sonnabend, den 7. März, verstarb unser lieber Bruder, Schwager und Dnkel, der Tapezierergehülfe Otto Preuß. Die Beerdigung findet Dienstag, den 10. d. M., nachmittags 2 Uhr, auf dem Emmaus- Kirchhof statt. Die tranernden Geschwister. Danksagung. Teilnahme bei der Beerdigung meines Für die vielen Beweise herzlicher lieben Mannes sagen wir allen Befannten und Kollegen sowie dem Metallarbeiter Verbande für die rege Beteiligung unseren besten Dank. Frau Lüttschwager geb. Snopf und Sohn. 22302 Danksagung. Ms Trost empfinden wir die Bes teiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Baters Ferdinand Jarnott. Den Kolleginnen und Kollegen der Wwe. Martha Jarnott und Kinder. Die Generalversammlung des Holzarbeiterverbandes, die am Freitag in Frehers Saal stattfand, setzte die Tagesordnung fort,. E.-G., der Firma Schulz, dem Wahlwelche in der vorigen Generalversammlung nicht ganz erledigt verein Friedenau, dem Männergefangworden war. Zur Debatte stand ein Antrag der Ortsverwaltung, verein" Morgenrot" sowie Herrn wegen der vermehrten Geschäfte einen neuen Hülfsarbeiter im Richter und allen anderen Beteiligten Das Verteilen von Flugblättern auf einem Bahnhof und die Verbandsbureau anzustellen. Nach längerer Diskussion wurde der für die liebevollen Beiträge bei der Anwendbarkeit des alten preußischen Preßgesezes darauf betrifft ein Antrag mit großer Mehrheit angenommen. Dann nahm die Ver- Beerdigung herzlichen Dank. dieser Tage ergangenes Urtell des Kammergerichts. Während sammlung die Neuwahlen der statutenmäßig ausscheidenden Mitdes Streits der Schauerleute wurden wiederholt auf den Bahnhöfen glieder der Ortsverwaltung bor. Wiedergewählt wurden teils in Hamburg, Altona und Wandsbek Streifflugblätter berteilt. einstimmig, teils mit großer Mehrheit: Glode als erfter Be Als mun eines Tages der Gastwirt Höltge auf dem vollmächtigter, Miete als erster Staffierer, Döring als SchriftWandsbeker Bahnhof ein oder zwei Flugblätter führer, Felix Leopold als Beifiber, Reiche als zweiter Ob in ein Rupee eines ankommenden Buges hiueingereicht mann der Schlichtungskommission, Güth als Arbeitsvermittler. hatte, wurde er polizeilich festgestellt. Einem Fahrgast Bu Revisoren wurden Breittopf und abermann, in den wurde das Blatt, das er in der Hand hatte, vom Bolizeibeamten Ausschuß Brunk und Köppen, als Hülfsarbeiter leß ge entriffen. Höltge sollte sich gegen die§§ 10 und 41 des alten wählt. Die Wahl für das neugeschaffene Amt eines Hülfsarbeiters preußischen Breßgefeges, die mit einigen Modifitationen noch au ergab noch kein endgültiges Resultat. Es ist eine Stichwahl erRecht bestehen, vergangen haben, und zwar dadurch, daß er an forderlich. Schließlich wurde noch beschlossen, jedem der zurzeit einem öffentlichen Orte ohne polizeiliche Erlaubnis unentgelt- borhandenen ausgesteuerten Arbeitslosen 6 M. aus den einlich Druckschriften verteilte. Nachdem die Sache bereits gegangenen freiwilligen Beiträgen zu zahlen. Die Auszahlung ereinmal das Kammergericht befchäftigt hatte, verurteilte folgt am Mittwoch. Westmanns modernes Trauermagazin für Damen- und Kindergarderobe. Hauptgesch.: W., Mohrenstraße 37 a, a. d. Kolonnad. Filiale: 0., Gr. Frankfurterstraße 115, 2. Haus an der Andreasstraße. Verkanf z. konkurrenzl. Preis. Beacht. d. Firma u. Hausnumm liegt in Ihrem Interesse. Bei Einkauf v. M. 30,- an ein eleg. Trauerhut gratis. Soeben erschienen: Sozialdemokratischer Wahlverein Adlershof. Todes- Anzeige. Am Sonnabend, den 7. März, verstarb unser Genesse Hermann Panzram. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 11. März, nach mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Adlershofer Friedhofes aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Verband der Fabrik-, Land-, Hülfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands Zahlstelle Adlershof. Todes- Anzeige. Am Sonnabend, den 7. März, verstarb unser Kollege Hermann Panzram im 51. Lebensjahre. Wir verlieren in ihm ein lang jähriges treues Mitglied. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 11. März, nach mittags 4 Uhr, von der Leichen halle des Adlershofer Friedhofes aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Rauchklub Siehen roocht" Adlershof ( M. b. Urb.- Raucher- Bundes). Sonnabend, den 7. b. Mts, nach mittags, verschied unter schwerem Leiden unser langjähriges Mitglied Hermann Panzram. Ein treuer Freund hat uns berlaffen. 284/10 am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 11. März, nach mittags 4 Uhr, von der Halle des Adlershofer Friedhofes aus statt. Vollzähliges Erscheinen zu derfelben ist Pflicht. Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Wilhelm Ressel am Freitag, den 6. März, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 10. März, nach mittags um 3, Uhr, bon der Leichenhalle des AuferstehungsKirchhofs in Weißensee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Am 7. März verstarb unfer lieber Sohn, der Rohrer Paul Schüler. Die Beerdigung findet am Mittwoch nachmittag 5 Uhr, bon der Leichenhalle des Auferstehungs Kirchhofes in Weißensee aus statt. W. Schüler und Frau, Matternstr. 16. 582b das Landgericht Altona Höltge zu einer Geldstrafe. Der Zentralverband der Maurer hielt am 5. März bei Freher Es führte aus: In der durch das Reichspreßgefez veränderten in der Stoppenstraße eine Generalversammlung aller zum Zweig Faffung mache§ 10 des preußischen Breßgefezes das öffentliche berein Berlin gehörenden Zahlstellen und Bezirke ab. Auf der unentgeltliche Verteilen von Plakaten, Aufrufen und Betammt- Tagesordnung ftand der Bericht von der 10. Gaukonferenz. Zumadungen von einer vorherigen Erlaubnis abhängig. Die erste nächst wurde jedoch über eine Maßregelungsangelegenheit entFrage sei deshalb, ob es sich überhaupt um eine derartige Drud fchieden und zwar zugunsten der zwei Mitglieder, die Unterstützung schrift handle. Das sei zu bejahen. Das Flugblatt sei ein Auf- beanspruchten. Sodann machte der Vorsißende Otto Hante auf gelangende zu fördern, nicht als Schauermann zu arbeiten und eventuell die Nummer des Grundsteins" aufmerksam, in der ein Rundschreiben Arbeit niederzulegen. Zweitens fei es ein Berteilen, wenn H. des Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe abgedruckt ist, aus dem ein oder zwei Blätter in das Koupee durchs Fenster hineinwarf, hervorgeht, daß die Unternehmer eine allgemeine Aussperrung in denn er habe das Blatt dadurch einer Mehrheit von Personen zu allen Städten, wo sie nicht durch länger dauernde Tarifverträge gänglich gemacht. Auch würde er noch weiter berteilt haben, wen gebunden sind, durchführen wollen. Auch in Berlin müsse man sich Die Polizei ihn nicht daran verhindert hätte.§ 10 sege ferner Un- also wieder auf einen Kampf gefaßt machen. Den Mitgliedern entgeltlichkeit voraus, d. h. er fege voraus, daß der Verteiler von seinem werde in den nächsten Tagen Gelegenheit gegeben, zu den Plänen Auftraggeber fein Entgelt erhalte. Angeflagter habe teins erhalten. Die der Unternehmer Stellung zu nehmen. Unentgeltlichkeit sei somit festgestellt. Weiter frage es fich, ob der Von der Gaukonferenz berichtete Golfe. Er faßte sich kurz Bahnhof ein öffentlicher Ort sei, denn es müsse ein öffentliches Ber- und wies darauf hin, daß ja im Vorwärts" ein ausführlicher Beteilen sein. Zweifellos sei ein Bahnhof ein öffentlicher Ort. richt erschienen ist. Seinen Ausführungen wie der Diskussion, die Schließlich sei noch zu rechnen mit§ 43 Abf. 5 der Gewerbeordnung, sich daran schloß, ist zu entnehmen, daß die Maurer Berlins trob welcher laute: n geschlossenen Räumen ist zur nicht- der schweren Kämpfe des vorigen Jahres auch in diesem Jahre gewerbsmäßigen Verteilung von Drudschriften oder anderen Schriften nicht vor dem Unternehmertum au Streuze triechen, sondern fest oder Bildwerken eine Erlaubnis nicht erforderlich". Diese Bestimmung und treu zusammenhalten werden. ruf. den nes rufe alle Arbeiter auf, den Streit der Schauertente die neuefte, am Sonnabend in die Hände der Mitglieder eenen Die historische Lentung von Kari Marx. " Bum 25. Todestage des Meisters herausgegeben von Karl Kautsky. Mit einem Porträt. Preis 30 Pf. Die preußischen Landtagswahlen. Die gesetzlichen Bestimmungen nebst Erläuterungen. Herausgegeben von Dr. Leo Arons. Dritte veränderte Auflage. Preis 20$ 1. Expedition des„ Vorwärts", Berlin SW. 68. Lindenstr. 69. Laden. Berantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 25,3#«. 2. KtillP i>ts JoriDirts" Kerlilltt AlksdIM. mmMmm TriUvavitchc Rundfcbau. Eine Geschichte bei Dreiklassenschmach.»)1 Eine zusammenfassende geschichtliche Darstellung des preußi- schen Wahlrechts war bisher nicht vorhanden. Wohl ist in zahl- reichen Artikeln und Broschüren geschildert, wie tm Laufe der Jahr- zehnte das preußische Wahlrecht immer reaktionärer gestaltet, wie das Volk allmählich entrechtet wurde, wie das Dreiklassenparlament seine Aufgabe darin erblickte, das Wahlsystem weiter und weiter nach rückwärts zu revidieren und wie die Regierung den herrschen- den Klassen dabei Helfersdienste leistete, aber im Zusammenhang find die Ereignisse noch nicht beschrieben worden. Diese Lücke der Literatur hat H. v. G e r l a ch zu einem großen Teil ausgefüllt, dessen soeben erschienenes Werk über die Geschichte des preußischen Wahlrechts eine Fundgrube für jeden ist, der den innerpolitischen Ereignissen in Preußen von 1848 bis auf die heutige Zeit Interesse entgegenbringt und sich mit Rüstzeug in dem preußischen Wahl- rechtskampfe verschen will. Freilich eine Geschichtsdarstellung, die unseren wissenschaftlichen Ansprüchen genügt, ist das Buch nicht; auch ist es nicht ganz frei von Irrtümern, so z. B. stimmt es nicht, daß durch die Entrechtung der Unselbständigen im Herbst 1848 niemand sein Wahlrecht verloren hat, der es bis dahin besaß. Immerhin aber bietet die Schrift für den Politiker reiches Material. Was dem Gerlachschen Buch bleibenden Wert verleiht, ist vor allem, daß es jede seiner Behauptungen aktenmäßig beweist, und zwar gerade durch Dokumente aus den Verhandlungen des Parla- mentes selbst. In ihrer Gesamtheit bilden diese Aktenstücke eine Materialiensammlung, die niemand unbeachtet lassen kann, gleich- viel aus welchem politischen Standpunkt er steht. In Uebereinstimmung mit der Sozialdemokratie und im Gegensatz zu allen bürgerlichen Autoren zieht v. Gerlach aus der Entstehungsgeschichte des Dreiklassenwahlsystems den Schluß, daß die noch heute gültige Verordnung vom 30. Mai 1849 nicht nur widersinnig, sondern auch widerrechtlich ist.—„An der Wiege des Dreiklassenwahlrechts stand der Verfassungsbruch l Das materi-lle Unrecht, das es all die Jahrzehnte hindurch dem preußi- schen Volke zugefügt hat, hat zur Grundlage eine formelle Rechtswidrigkeit gröblichster Art." An diesem Urteil, dem wir uns nur anschließen können, ändert natürlich auch die Tatsache nichts, daß der auf Grund der oktroyierten Verordnung gewählte Landtag den Gewaltstreich der Regierung nachträglich gut geheißen hat. Die Kritik, die der Verfasser an dem Dreiklassenwahlsystem übt, ist geradezu vernichtend. Die Willkür in der Fe st- setzung der Wahlkreise, die Schikanierung der Wahlmänner durch die Bestimmung der Wahlorte, die„aus- gesuchten Feinheiten" der Klasseneinteilung werden bis in alle Details besprochen und schonungslos der Lächerlichkeit anheimgegeben. Ganz besonders lesenswert ist das Kapitel über die öffentliche Wahl, ein trauriges Kapitel obri gleit- licher Bevormundung aller abhängigien Existenzen vom hohen Staatsbeamten herab bis zum Nachtwächter und Gemeinde- diener in den entlegensten Dörfern, ja sogar bis zu den Gewerbe- treibenden, die auf Beamten- und Soldatenkundschaft angewiesen sind. Wahlbceinflussungen sind unter dem Dreiklassenwahlsystem mit seiner öffentlichen Stimmabgabe etwas ganz Selbstverständ- liches, nur die Parteien, zu deren Ungunsten sie geübt wurden, wechseln. In der Konfliktszeit richteten sie sich gegen die Fort- schrittler, zehn Jahre später gegen das Zentrum, dann zur Ab- wechselung wieder gegen die Polen— von den Sozialdemokraten ganz zu schweigen. Und der Neid muß es der Regierung lassen, sie versteht sich auf ihr Handwerk. Welch ein Geschrei würden die Sozialistentöter erheben, wenn von sozialdemokratischer Seite auch nur der hundertste Teil des Terrorismus ausgeübt würde, den die regierenden Kreise seit jeher ausgeübt haben! Schon die kleine Blütenlese von Wahlmitzbräuchen, die Gerlach gibt, ist so ungeheuerlich, daß sie jedem wirklichen Patrioten— nicht denen, die den Patriotismus in Erbpacht genommen zu haben vorgeben, deren Patriotismus sich aber in Wahrheit in hohlen Phrasen und Niederhaltung der Volksmassen erschöpft— die Schamröte ins Ge- ficht treiben müßte. Da erfahren wir, daß in Potsdam die Militärbehörde es sich in den sechziger Jahren angelegen sein ließ, allen Gewerbetreibenden, die liberal gewählt haben, ihr Einkommen zu schmälern, indem sie den Soldaten bei Androhung von drei Tagen Arrest verbot, bei den durch Name und Wohnung näher bezeichneten Fortschrittsmännern Waren zu kaufen. Also ein regelrechter Boykott, diktiert von den unlautersten Beweggründen. Ein Rittmeister richtet an einen Bäcker, weil er nicht im Sinne des Königs gewählt hatte, die höfliche Bitte, sich wegen Lieferung der Schrippen für das Regiment nichtmehr zu bemühen. Ein Herr v. Saldern wagt es, an die„Königlich Preußischen Urwähler der Herrschaft Messersdorf. Schwerta und Volksdorf" einen Wahlerlaß zu richten, worin angekündigt wird, daß aus den Wahllisten die erforderlichen Zusammen- stellungen gemacht würden, um zu ersehen, wie die Wähler gewählt haben; wer nicht Personen im Sinne des Königs und der Minister wählt, der würde, wenn er Arbeiter in der Forst oder den Oekonomien ist. entlassen werden, wenn er Beamter ist. würde er die Kündigung erhalten, als Handwerker oder Kauf. mann würde ihm die Arbeit entzogen werden. Wir begnügen uns mit diesen wenigen Beispielen. Mit Recht betont v. Gerlach, daß, wenn in den letzten Jahren über besonderen Wahldruck gegenüber den Beamten nicht mehr so viel geklagt wird wie früher, die Er- klärüng dafür auf der Hand liegt: die abhängigen Beamten stimmen entweder gar nicht oder nach dem Willen der Regierung. DaS öffentliche Wahlrecht tut seine Schuldigkeit auch ohne ausdrückliche Wahlerlasse. Angesichts dieser Beweisstücke ist eS eine doppelte Verhöhnung des Volkes, wenn Fürst B ü l o w unter Verweigerung des Ersatzes der offenen Stimmabgabe durch die geheime davon zu reden wagt, daß die Regierung sich jeder Mahlbeeinslussung enthalten würde. Sie hat es eben nicht nötig, die Maschine funktioniert auch so. In dem Teil des Buches, der der Kritik des Verhaltens der verschiedenen Parteien in der Wahlrechtsfrage gewidmet ist. hält der Verfasser gründliche Abrechnung, nicht nur mit den offenen. sondern auch mit den verkappten Gegnern deS allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts. Die Darlegungen Gerlachs be- weisen schlüssig, waS eS mit dem angeblichen Kampf des Frei- ') H. v. Gerlach: Die Geschichte des preußische» Wahlrechte?. ZKOs. Verlag der.Hülfe". Kreis SM. ljinns gegen das Dreiklassenwahlsystem auf sich hat. Wohl hat eS zu jeder Zeit vereinzelte Ausnahmen gegeben, die mit zäher Energie für die Beseitigung des preußischen Wahlunrechts ein- getreten sind, aber das Gros des Freisinns hat in diesem Kampfe versagt, es hat Jahre hindurch Gewehr bei Fuß gestanden und nichts getan, um seine programmatische Forderung zu propagieren. Ja. es fehlt sogar nicht an Bei- spielen, wo Abgeordnete des Freisinns indirekt das Dreiklassen- tvahlsystem zu neuem Leben zu erwecken suchten. Was soll man dazu sagen, wenn der Abgeordnete Kreitling im Jahre 1993 der Regierung Ratschläge erteilte, wie sie durch Aenderung des Reglements die von sozialdemokratischer Seite angeregte Obstruk- tion bei den Wahlen im Keim ersticken könntet Das ist nicht nur „bedauerlich", wie v. G e r l a ch meint, sondern es grenzt an Verrat, besonders wenn man sich der Bemerkung des Abg. Kreitling erinnert, daß durch seine Vorschläge das Dreiklassenwahl- system durchaus nicht tangiert wird. Genau so unzuverlässig wie der Freisinn hat sich das Z e n» t r u m erwiesen, das zwar in der Oeffentlichkeit sich als Anhänger des Reichstagswahlrechts für Preußen gebärdet, aber hinter den Kulissen von jeher eine schmähliche Schacherpolitik getrieben hat, um seine eigenen Parteigeschäfte zu machen und für sich möglichst viel herauszuschlagen. Die Stellung der übrigen Parteien ist bekannt, wir übergehen sie deshalb und beschränken uns darauf, zum Be- weis für das„Gerechtigkeitsgefühl" mancher Politiker den charakte- ristischen Ausspruch des ehemaligen Chefrodakteurs der„Kreuz- zeitung", des Freiherrn v. Hammer st ein, wiederzugeben, daß die Konservativen das Wahlrecht deshalb nicht ändern wollen, weil sie dabei gute Geschäfte machen. Ein naives, aber wertvolles Zugeständnis! Die Wandlungen, die sich in den Reihen der Sozialdemokraten in bezug aus die Wahlbeteiligung vollzogen haben, schildert v. Gerlach an der Hand der Beschlüsse der verschiedenen Parteitage, ohne aber den Beweggründen näher nachzuforschen. Dazu steht er dem Leben der Partei, den Anschauungen des Proletariats zu fern, als daß er die tieferen, dem Verhalten der Partei zugrunde liegenden Ursachen überschauen könnte. Es ist auch nicht richtig, daß die Beteiligung an den Landtagswahlen erst 1893 angeregt wurde; bereits unter dem Sozialistengesetz haben sich die Berliner Parteigenossen sehr eingehend mit dieser Frage beschäftigt. Doch das nur nebenbei. Diese falsche Beurteilung der So- zialdemokratie ist gewiß bedauerlich, aber sie vermag nicht unser Urteil über die fleißige Arbeit zu trüben, deren eifriges Studium wir allen Genossen dringend empfehlen können. P. H. Die städtische Bodenfragr. Eine Untersuchung über Tatsachen, Ursachen und Abhülfe von Dr. K. v. Mangoldt. Göttingen, Vadenhoeck und Ruprecht. 745 Seiten. Broschürt 19,— M., gebunden 11,39 M. Das von dem Deutschen Verein für Wohnungsreform heraus- gegebene Werk trägt das Motto«und erlöse uns von dem Uebel". Die Worte Rousieaus«Der erste, welcher ein Stück Feld. uinzgunte und zu den andern sagte:„Das ist mein" und Leute fand., die. leichtgläubig genug, ihm das glaubte», war der wahre Stifter der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Laster, Kriege, wie viel Elend hätte der den, Menschengeschlecht erspart, der den Zaun wieder ein- gerissen, den Graben wieder ausgefüllt und zu den anderen dann gesagt hätte: Glaubt diesem Betrüger nicht, ihr seid verloren, wenn ihr einmal vergeßt, daß die Erde keinem allein, die Früchte aber allen gehören", klingen als unterdrückte oder unbewußte Klage aus jeder der 745 Seite» der überaus fleißigen Arbeit. Wie ein Alp lastet die wucherische Ausbeutung des Grund und Bodens aus dem Volke. Milliarden werden da in wenigen Jahren von einzelnen Bevorzugten aus der Erde gezogen und als verzinsbare Last aus die Schultern der Allgemeinheit gewälzt.„Wir befinden uns wie in einem Zauberlande", sagt der Verfasser. Die Millionen, �a die Milliarden sprießen nur so aus dem Boden hervor. Dürrer Sandacker, dem vorher nur mit Mühe und Not kärgliche Ernten abgerungen werden konnten, verwandelt sichohne besonderes Zutun seiner Besitzer in das reine Goldfeld! Wer da hat. dem wird gegeben I Während die Landwirtschaft schwer um ihre Existenz ringt, während ganze Schichten des Handwerks im Elend versinken, während der Arbeiter- stand mühsam um jeden Groschen kämpfen muß und, von der Furie der Arbeitslosigkeit verfolgt, oft nicht hat. wo er sein Haupt hin- legen kann, während Reich, Staat und Gemeinde mit immer stärker anschwellenden Schuldenlasten zu kämpfen haben, während all dies geschieht, ergießt sich ein großer, breiter Goldstrom von den im Werte steigenden bebauten und unbebauten städtischen Geländen. Hier verwandeln sich Schweiß, Mühe uyd Entbehrungen eines ganzen Volkes in unverdienten Ertrag für solche, die da ernten. ohne zu säen." Das Werk bietet für diese rapide Steigerung der Bodenwerte und deren treibende Faktoren eine Fülle von Beweisen aus großen und kleinen Städten. Nur einiges sei aus der Fülle des Materials herausgegriffen. Es stieg der Grund- rentenkaufwert der bebauten Grundstücke am HauSvogteiplatze in Berlin im Durchschnitt pro Quadratmeter von 115 M. im Jahre 1865 aus 344 M. im Jahre 1889 und 999 M. im Jahre 1895. Heute wird er sich abermals um hunderte von Mark erhöht haben. Der Gesamtwert deS Grund und Bodens am Berliner Kurfürstendamm betrug 1869— 199 909 M., 1865---- 1 Millon, 1879= 2,5 Millionen. 1872---- 6,5 Millionen. 1885---- 14 Millionen. 1899= 89 Millionen. 1898— 59 Millionen, 1993---> 65 Millionen Mark. Professor Schmoller berechnet die in den letzten 59 Jahren in Berlin gebildeten Monopolbodenwerte aus 2— 3 Milliarden. Der Grundrentenertragswert der bebauten Grundstücke der Stadt Berlin stiegen von 17 Millionen Mark im Jahre 1839 auf 2118 Millionen im Jahre 1898. Auch in London stieg der Mietwert 1871—1391 von 24 auf fast 49 Mill. Pfd. Sterl., wovon 7.15 Mill. als Monopol- weit(nicht durch Arbeits- und Kapitalsaufwendung bedingt) berechnet wurde, das sind in 29 Jahren 119 Millionen Pfd. Sterl. gleich 2299 Millionen Mark Kapitalwert. Der auf nationalsozialem Boden siehende Verfasser erkennt denn auch die ganze Größe der Gefahr, die durch den Bodenwucher nicht nur dem Wirtschaftsleben, sondern in seiner Folge auch dem StaatSleben droht und ruft in„elfter Stunde", wie er sagt, um Hülfe. Seine Vorschläge bezwecken eine Verbesserung der heutigen Verhältnisse im Rahmen der geltenden Wirtschaftsordnung, keine radikale Heilung des Grundübels.«Dezentralisation und öffentliche Stadterweiterung, Bannkreisorganisationen und Gemeindeverbände, Enteignungsrecht und Stadterweiterungstaxe, Stadterwciterungsrecht, Reform der kommunalen Wahlrechte, Nutzbarmachung der Wert- steigerungen für die Allgemeinheit, planmäßige Verbesserung der schon bebauten Gebiete unter Heranziehung der durch die Wert- steigerung draußen gewonnenen Geldmittel und andere Maßregeln können und werden zun, Ziele führen. Es nuiß gelingen, die vielen Millionen kommenden Stadtvolks, die wir noch zu erwarten haben, und die Milliarden neuer städtischer Bodenlverte, die wir gleichfalls noch erwarten haben, einer großen Reformpolitik dienstbar zu machen." Zwei Tendenzen laufen bei diesen Vorschlägen parallel, die eine, eine Wertsteigerung des für die Stadterweiterung benötigten Grund und Bodens möglichst hintan zu halten, die andere, eingetretene Wcrtsteigerungen' für den Säckel der Allgemeinheil in Anspruch zu nehmen. Zu ersterem Zwecke wird gefordert, daß die Stadterweiterung für ein öffentlich-rechtliches Geschäft erklärt werde, das von Staat, Gemeinde oder besonderen von ihnen zu schaffenden oder zu privile- gierenden Organisationen in die Hand genommen werden solle. Der öffentlich-rechtlichen Stadterweiterung wird dabei die Auf- gäbe zugewiesen, baureifes Land, das durch einen weitsichtigen Bau- plan sür Jahrzehnte im voraus erschlossen wird, in dem Gebiete des „schmalen Randes", der zwischen dem bebauten und dem Ackerland liegt, zu billigen Preisen bereit zu halten. Der Verfasser glaubt, daß dies Ziel zu erreichen sei durch Schaffung eines branchbaren Euteignungsgesetzes und einer von ihm vorgeschlagenen Stadt- erweiterungstaxe, wozu die Gemeinden freiwillig die Hand bieten würden. Der Optimist I— Denn heute find ja gerade die Hyänen des Grund- und Bodenwuchers die maßgebenden Matadore in den Gemeinden und Sladtverordnetenkollegien, die sich nach den An- forderuugen des Gesetzes mindestens zur Hälfte aus Haus- besitzern und Grundstücksspekulanten zusammensetzen. Die jeweiligen Ratsbehörden sind in den meisten Fällen nur die Bedienten der Spekulantencliquen. Der Leipziger Professor Bücher sagt sehr richtig:„Heute sitzen nicht selten Bauinteressenten als Sachverständige in den Bauausschüssen der Sladtvertretung, spekulierende Jmmobiliengesellschaften üben einen matzgebenden Ein- fluß auf die Stadtverwaltung und ihre Beschlüsse in Bebauung.;- sachen. Magistrat und Stadtverordnete bemühen sich um die Wette, die Preise der Bauplätze in die Höhe zu treiben, welche die Stadt etwa selbst zu verkaufen hat." Ein typisches Bild dieses gemeindebehördlichen Bodenwuchers bietet Berlin. Beispielsweise hatte die Stadt an der Weidendammer Brücke aus einer Straßenregulierung 1999 Quadratmeter Land übrig behalten, für die es die Kleinigkeit von 1499 999 M. forderte, lind da weder ein Wohn- noch ein Warenhaus diesen Preis für bloßes Bauland anlegen konnte... gründete man ein Theater, die Komische Oper! Kapital spielt zunächst gar keine Rolle, denn hinter den Kulissen des Bodenwuchers steht als Dratzieher die Hochfinanz. Die Dresdner Bank allein hatte iin Jahre 1994 auf ihrem Effekten- konto für 2 249 153 Terrainaktien, außerdem war sie noch an zehn Terrainaesellschaften mit 3 383 367 M. beteiligt. Aus welchen Widerstand wird unter solchen Umständen ein brauchbares, die Bodenspekulation treffendes Enteignungsgesetz oder die vom Verfasser vorgeschlagene fakultative oder obligatorische Stadterweiterungstaxe stoßen. Unter Stadterweiterungstaxe versteht dieser,„daß daS gesamte Land in der Erweiterungszone der Städte, das überhaupt etwa für die Besiedelung der nächsten 59 Jahre in Betracht kommt, jetzt, ohne Verzug und alsbald, nach seinem jetzigen Werte taxiert wird und zwar so. daß keine übertriebenen Schätzungen stattfinden und daß dann, wenn die zur öffentlichen Stadterweilerung berufenen Stellen, sei eS früher, sei es später, zur Enteignung von Land greifen, im allgemeinen der so durch die Stadterwetterungslaxe festgestellte jetzige Wert zuzüglich gewisser mäßiger Extrazuschläge als höchster Entschädigungspreis bei der Enteignung angesehen und höhere Ansprüche seitens der Landeigentümer nicht sollen erhoben werden können." Der Verfasser glaubt an eine Ueberwindung der seinen Vor- schlagen entgegenstehenden Schwierigkeiten, weil heute schon einzelne größere Städte den Bodenwucher einzuschränken versuchen. so Frankfurt a. M., Ulm, Mannheim uslv. Doch auch hier bestätigt nur die Ausnahme die Regel. Diese genannten Städte können nämlich insofern bestiinmend in die Bodenpolirik ihrer Geineiuden eingreifen, weil sie selbst einen mehr oder weniger großen Teil des Gemeindegebietes besitzen. So hat Ulm 69 Proz., Frankfurt a. M. 57,8 Proz., Mannheim 49 Proz. des innerhalb des GemcindebezirkeS gelegenen, bebauten oder unbebauten Grundbesitzes in Eigen- besitz. Da kann natürlich auch einmal ein weitsichtiger Bürger- meister gegen den Willen der im Stadtvcrordnetenkollegium maß- gebenden Spekulantengruppe gesunde Bodenpolitik treiben I Anders liegen natürlich die Dinge in Städten, wo kein erheblicher Grundbesitz der Gemeinde den Egoismus der privaten Boden- spekulanten niederhalten kann. Haben doch Berlin nur 13,3 Proz., Essen 9 Proz., Stettin 4,1 Proz., und Barmen gar nur 2,1 Proz. eigenen städtischen Grund und Boden! Hier fehlt selbst den von bestem Willen beseelten Ratsbehördcn die Möglichkeit, den Widerstand der Jnteressentengruppen im Stadtverordnetenkollegium zu brechen. Typisch ist in dieser Beziehung ja der Widerstand, den die Wettzuwachssteuer im Berliner Rathaussaale fand. Dabei handelte es sich hierbei nur um eine geringe Abgabe von einem bar eingenommenen Wertsteigerungsgewinn, geschweige denn um die freiwillige Beseitigung der privaten Raff- und Wuchermöglichkeit. Mit der freiwilligen Unterstützung der Resormpläne des Verfassers sieht eS hiernach windig genug aus! Die Inanspruchnahme der LandeZparlamente zur Durchdrückung eines Enteignungs- und Stadt- erweiterungsrechtes schneidet der Verfasser ernstlich gar nicht an. Er fordert mit der Bescheidenheit eines Devoten und„guten" Staatsbürgers„Kommunalwahlreform" I Als ob die vom Himmel fiel! Wer wird ernsthaft eine solche z. B. in Sachsen und Preußen sür möglich halten, so lange in diesen Bundesstaaten die Dreiklassen- wahlrechtsschmach herrscht! Hausbesitzerprivileg und Dreiklassen- Wahlrecht sind Fleisch von einem Fleische, die einseittgste Vertretung egoistischer Geldsacksinteressen. Eine Krähe hackt aber der anderen kein Auge aus I Uns dünkt, daß auch in dieser Frage die Beseitigung des Dreiklassenwahlrechtes ungleich fördernder wirken würde, als jeder noch so gut gemeinte, noch so überzeugungstreu vorgetragene Appell an das gute Herz und die Einsicht der die Klinke der Gesetz- gebung in der Hand habenden Geldsackspolitiker I Die Ausschaltung der privilegierten Spekulantengruppen in Ge« meinde und Landesparlament ist das Primäre, ist der springende Punkt, ohne den alle VerbesserungSvorschläge in der Luft schweben. Ist dies geschehen, so spielt die Verwendung des städtischerseits er- wordenen Baulandes, ob durch Erbbaurecht, durch„Bauleihe", durch Baugenossenschaften, oder durch Offenhaltung des Wiederkaufs- rechtes usw., nur eine nebensächliche Rolle. Auch die Beschaffung der in Frage kommenden notwendigen Mittel wird leine Schwierigkeiten bereiten, denn sicherlich hat eine Kommune so viel Kredit wie ei» pttvater Bodenspekulant oder eine Terraingesellschaft. Bei seinen Vorschlägen erwähnt der Verfasser den Bau von Häusern und die Vermietung ihrer Wohnungen durch die Städte in eigener Regie nur in knappen vier Zeilen. Und doch wäre unter den heutigen Verhältnissen gerade dies das zwingendste Mittest.die Erpressungstendenz der Baustellenpreise in Bezug auf die Wohnungs- mieten", d. h. das ganz von selbst erfolgende Steigen der Wohnungs» preise bei jeder eintretenden Besserung der Einkommensverhältnisse der Gesamtbevölkerung, hintenan zu halten. Aber dieser Borschlag könnte die Profitmaschine der Bauunter- nehmer zum Teil ausschalten, darum unterläßt der Verfasser seine Erörterung stillschweigend. Dem Privateigentum will er unter keinen Umständen wehe tun l. Für die Sozialdemokratie haben denn auch all die Vorschläge des Verfassers nur die Bedeutung eines Palliativmittels. Denn selbst ihre allseitige und glatte Durchführung wäxe für das Krebsübel des Bodenwuchers nur ein Homöophatisches Linderungsmittel. DaS kapitalistische System würde durch Zinseszinsen, Provisionen und andere liebliche Geflogenheiten schon auf seine Rechnung komme» . und die Stadt felber wieder zu einem gewissen, wenn auch wefent- 1 des Bereinigten Königsreichs von 231, Will. Pfb. Sterl. im Jahre| Wittet", aber durchaus nicht das Mittel", wie bei den Boben lich bescheideneren, Bodenwucher treiben. 1780 auf 49 Mill. Pfd. Sterl. im Jahre 1814), brachte dann auch reformern, der Lösung der sozialen Frage. Die überschwenglichen Daß aber die Sozialdemokratie naturgemäß jedwede Be- eine ganze Reihe bürgerlicher Theoretifer auf die Beine, die gegen Hoffnungen, welche fie an ihre Pläne und an ihre Agitation knüpften und strebungen unterstützt, die geeignet sind, den Boden und den mit das schädigende Privateigentum am Grund und Boden mit wirtschaft- fnüpfen, kann die Sozialdemokratie in flarer Erkenntnis der wirklichen ihm Hand in Hand gehenden Wohnungswucher einzuschränken, be- lichen und politischen Gewaltmaßregeln vorgehen wollten. In der Verhältnisse nicht teilen, noch weniger aber ist sie bereit, ihre agitatodingt schon ihre Stellung als Vertreterin des Teiles der Bevölkerung, Hauptsache forderten sie ein solches Vorgehen aus dem naturrecht rische Kraft einseitig auf die Durchfegung bloßer Bodenreformen zu der am meisten unter der Last und dem Drucke der wuchernden lichen Motiv heraus: kein Mensch hat das Land geschaffen, also fonzentrieren. Die Sonderstellung des Grund und Bodens als Spekulanten leidet. fann es auch niemandes persönliches Eigentum sein". Das Privat- Produktionsfaktor wird vom Sozialismus auf das entschiedenste ver eigentum an den Produkten der Arbeit, die freie Konkurrenz und neint. Nicht nur das Privateigentum am Grund und Boden, Die Bodenreform, eine dogmengeschichtlich- kritische Studie von Dr. das freie Spiel der wirtschaftlichen Kräfte galt ihnen im übrigen für sondern auch das Brivateigentum an den anderen gesellschaftlichen Die Bodenreform, eine dogmengeschichtlich- kritische Studie von Dr. unantastbar. Bei ihren Untersuchungen beschränkt sich die Verfasserin Produktionsmitteln bedeutet heute die Trennung der Arbeiter von Paula Gutzeit. Leipzig, Dunder u. Humblot. Preis 3 M. auf diejenigen Naturrechtler und Sozialökonomen, die mit der Boden- den Mitteln zur Arbeit. Die Bergesellschaftung des Bodens allein Die Verfasserin gibt in vorliegender Arbeit einen Ueberblick reform den Stein der Weisen und damit die mehr oder weniger beseitigt daher noch lange nicht diese Trennung, die Grundlage der fiber die geschichtliche Entwickelung und den Stand der Bodenreform vollständige Lösung der sozialen Frage gefunden zu haben glaubten. Ausbeutung der Arbeit in der fapitalistischen Gesellschaft. fowie der programmatischen Forderungen ihrer Verfechter in den Da ist zunächst der Engländer Thomas Spence( 1775), der Und wenn die Bodenreformer obendrein noch wie Flürscheim verschiedenen Staaten, England, Frankreich, Deutschland, Amerita usw., radikal die entschädigungslose Konfistation des gesamten Grund und forderten, die Vorbedingung eines gemeinsamen Zusammengehens in Bergangenheit und Gegenwart. Bodens forderte. Der Engländer Thomas Baine( 1798) war schon viel fei die Aufgabe des Klassenkampfstandpunktes feitens der SozialDie Rezeption des römischen Rechts und der Uebergang von zahmer, er wollte sich mit einer scharfen Steuer begnügen. Noch genüg demokratie, da es sich nicht um den Kampf der Arbeit gegen das Ser Natural zur Geldwirtschaft zeitigte bekanntlich in allen euro- famer waren die späteren Reformer, wie John Stuart Will, der Chartist Kapital, sondern um den Kampf der Arbeit gegen die Rente handele, päischen Susturländern die gleiche Erscheinung, die Verjagung der D'Brien, eine Reihe Franzosen und die späteren Deutschen Goffen, so lehnte und lehnt die Sozialdemokratie ihrerseits jebes engere Bauernschaft vom Grund und Boden und die gewaltsame Aneignung Stamm, Samter, Flürscheim. Hier aber endet die anfänglich mit Bufammenarbeiten schon auf Grund dieser Zumutung fühl lächelnd des Gemeindelandes durch Junker und Landlords. Wurden doch großen Worten und viel Gefchrei geforderte Bodenreform in ihren ab. Damit berzichtet fie natürlich feineswegs auf die energische nach Macaulay in England( das übrigens das römische Recht nie- Endzielen überhaupt nur in einer bloßen Steuerreform, so die Pläne Propagierung des Kampfes für die Befreiung des Grund und Bodens mals angenommen hat) bon 1710-1760 334 974 Ader, zwischen 1801 des Amerikaners George. aus den Klauen des Privateigentums! und 1881 nach Marg 3511 770 Acer englischen Gemeindelandes von den Landlords geraubt. In einem besondern Kapitel, Das Verhältnis der Bodenbesitz reform zum Sozialismus" behandelt die Verfasserin in fachlich und Die mit Händen greifbare Schädigung des Allgemeinwohls durch torrefter Weise die Stellung, welche die Sozialdemokratie gegenüber den nunmehrigen Monopolcharakter des privaten Grund- und Boden- diesen mehr oder weniger halben Forderungen der Bodenreformer befizes und die durch ihn hervorgerufene rapide Steigerung der einnimmt und eingenommen hat. Für die Sozialdemokratie wat Grundrente( nach Muchall stieg in England der Grundrentenwert die Vergesellschaftung des Grund und Bodens von jeher ein Genoffinnen! Sechster Wahlkreis. Genossen! Donnerstag, den 12. März, abends 8 Uhr, im„ Swinemünder Gesellschaftshaus“, Swinemünder Straße 42: Volksversammlung. Zages Ordnung: Die wirtschaftliche und politische Stellung der Frau in der heutigen Gesellschaft. Reichstagsabgeordneter Böhle( Straßburg), Bahlreichen Besuch erwartet Referent: 1/ 12* Die Einberuferin. Zentralverein der Bildhauer Deutschlands. Furunkel, Mittwoch, 11. März, vormittags 10 Uhr: Arbeitslosen- Versammlung im Gewerkschaftshaus, Saal I. Donnerstag, den 12. März, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshaus: Versammlung. Lagesordnung: Bericht der Kommiffionen und Neuwahl derfelben. Achtung! Maler. Dautgeschwüre, Hautfucken, juckende Hant ausschläge, Gesichtspickel, Mitesser, Blüten, Wimmerin, Sommersproffen 2c., wer baran leibet, gebrauche Zucker's Patent- Medizinal- Seife, D. R. V., ärztlich empfohlen und tausendf. bewährt, Breis 50 Bfg.( leine Badung, 15% ig) und r. 1,50( große Badung, 35% ig, von ftärtster Wirtung). Wunderbare Erfolge, zumal bei gleichzeitiger Anwendung von Bub. Crême, dem herrlichsten und 16552* Nur einmal jährlich! Inventur- Extrapreise ardinen Gard abgepaßte Fenster, weiß und creme Schallänge pro M. 285 Schallänge pro M. 435 mit Point- lace2,75 Mtr. Fstr. 3,20 Mtr. Eleg. Sezessions. Achtung! Für die Mitglieder der Gewerkschaft der Maler Berlins und Umgegend, welche für Schaffung einer Einheitsorganisation find, findet am Dienstag, den 10. März, abends 8%, Uhr eine Besprechung im Rokale von Geisler, Veteranenstr. 4 statt, um über die vereinbarten Uebertrittsbedingungen Beschluß zu fassen. Gewerkschaft der Maler Berlins. s. a. G. Genz. Zentralverband der Steinsetzer, Pflasterer u. Berufsgen. Deutschlands. Achtung! An die Verbandsgenossen der Filiale Groß- Berlin der Steinfeger, Pflasterer und Berufsgenossen Deutschlands. Den Verbandsgenossen zur Kenntnis, daß am Montag, den 9. d. Mts., der paritätische Arbeitsnachweis in Kraft getreten ist und werttäglich die Eintragungen in den Listen bezw. die Arbeitsvermittelung von nachmittags 4-7 Uhr im Städtischen Zentral- Arbeitsnachweis, Rückertstraße 9, linker Aufgang II, für Fach- Arbeitsnachweis unter Vorzeigung der Legitimationspapiere erfolgen. Die Ortsverwaltung. Chaiselongue ,, Sorgenlos" D. R.-P. 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Hörsaal 8 Uhr: Dr. C. Thesing: Vererbung erworbener Eigenschaften. Residenz- Theater. Direktion: Richard Alexander. Bum 50. Male: Kammerspiele. Lysistrata( An. 18 Uhr. fang 8 Uhr.] Anfang 8 Uhr. Neues Operetten. Der Dpernball. Neues Schauspielhaus. DerDumm topf. Leffing. Das Zal des Lebens. Neues. Simson. Lorking. Der Troupadour. Berliner. Förster- Christl Lustspielhaus. Panne. Schiller 0. Bibi." 8 Uhr. Schwant in 3 Alten von de Gorsse Bretillot und de Marfan. • Richard Alexander. Hierauf: Der felige Octave. Sonntag, den 15. März, 3 Uhr: Haben Sie nichts zu verzollen? Neues Operetten- Theater Anfang 8 Uhr. Der Opernball. allner Theater.) Lustspielhaus. College Crampton. Schiller Charlottenburg. Hegen. feffel Immergrün. Theater an der Spree. Ungültig. Komische Oper. Carmen. Kleines. 2 × 2= 5. 0 Friedrich Wilhelmstädt. Schau spielhaus. Lokomotivführer Clauffen. Hebbel. Frau Warrens Getperbe. Westen. Ein Balzertraum. Abends 8 Uhr: Panne. Zentral- Theater. Alte Jakobstraße 30. Zum 107. 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Tunnel: Bockbierfest, Reg.- Kapelle, Sänger, italienisches Orchester. Theaterbesucher freier Eintritt. Passage- Panoptikum. Deutschlands größter Soldat Josef Schippers der lange Kerl. Kunsttancher Kapt. Gröbl m. s. Riesenbass. Sicilian. Briganten- Kapelle. Ohne Extra- Entree! Eintr. 50 Pf. Kind. u. Sold. 25 Pf. Gustav BehrensTheater. Berlin W., Schönhauser Allee 148. Dienstag, den 10. März 1908: Die Else vom Erlenhof ober: Schuld und Sühne. Schauspiel in 5 Atten b. 2. C. Staad. Staffeneröffn. 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. appoldt's Neuer Konzertsaal Jeden Dienstag, Donnerstag und Sonntag: Großes Militär- Konzert. Dr. Schünemann Spezial- Arzt für 14752 Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ecke Schüßenftr 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 Uhr. Soldinerstr. 16, zwei bis Goltzstr. 9. Wohnungen ein Bimmer sofort. Gr. Damen- Ringkampf Ziehung 9., 10. u. 11. April Preisgekrönte Ringerinnen. Neu! Richter als Walzerkönig. Boffe in 1 Att. 16 Spezialitäten. DustesVitograph. 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( Nachdruck verboten.) 66 555 92 720 47 961 1002 36[ 300] 82 506 88 673 800 2095 112 42 70 90 224 40 449 549 613 31 910 30 54[ 300] 84 3023 129 99 203 318 422 24 624 58 70 892 4206 318 688 716 968 5058 103 230 42 434 586 611 44[ 500] 913 6123 243 98 406 39 80 580 652 825 69 936 61 7051 334 58 465 82 558 630 51 711 831 8007 98 177 225[ 300] 60 448 9422 947 67 11023 66 10194 220 499 502 11023 66[ 300] 137 336 45 639 [ 1000] 995 12180 213 422 702 910 13162 217 45 321 547 635 44 840 980 14110 42 236 349 437 74 837 946 16092 104 28 214 57 393 550 881 937 48 17017 92 310 415 78 [ 300] 97 535 86 670 790 18214 639 65 755 887 927 19082 85 158 298 327 571 883 20432 579 641 782[ 300] 927[ 300] 31 21056 670 855 64 22147 420 567 773 99 851 903 23110 209[ 400] 48 329 77 479 792 900 13 24124 221 361 666 68 736 984[ 300] 25097 227 444 734 914 40 26289 354 27305 34 452 28038 250 71 450 625 64 29053 56 94 95 315 495 716 83 30178 236 86 313 28 404 52 831 96 31396 435[ 500] 73 99 524 30 32095 726 90 849 33069 83 156 217 77 367 439 47 529 30 654 704 837 902 24 34036 61 87[ 300] 192 221 333 425 513 704 16 926 35031 69 76 149 270 485 679 717 85 890 927 49 36146 466 519 714 66 37081 132 210 336 495 532 54 621 799 38158 889 561 784 883 984 39021 182 223 489 543 40125 261 94 355 479[ 300] 953 41014 78 246 56 516 33 609[ 300] 82 720 939 42047 816 684 704 81 86 91 43087 630 728 51 834 930 35 44059 180 291 521 695 758 891 961 95 45093 728 806 45 949 46075 89[ 300] 129 62 239 834 981 47262 492 761 48348 80 488 758 88 981 49028 34 116 350 539[ 300] 801 9 65 50053 303 404 53 731 851 59 79 90 970 51231 645 896 52094 95[ 300] 143 264 580 850 58 53002 206 31 33 412 560 666[ 400] 725 904 54113 64 85 451 747 55009 204 [ 300] 346 762 829 97 940 56027 35 67 234 562 762 903 32 97 57097 151 665 92 58089 208 475 804 59013 113 330 84 437 584 887 60071 348 51 856[ 300] 76 85 61036 502 715 898 950 69 62262 340 401 98 63195 203 500 25 48 80 636 778[ 300] 99 818 64073 102 303[ 300] 65 618 705 64[ 400] 880 915 55 65014 136 69 311 56 418 35 90 550 730 804[ 300] 66437 90 91 503 81 769 75 979 67001 239 336 60 455 512 14 853 60 68147[ 300] 256 866 73 69397 675 863 95 70015 77 114 336 85 406 698 71138 365 431 58 500 34 602 9 705 935 72001 418 678 721 990 73042 89 217 557 644 735 42 854 74020 150 205 85 812 29 867 75076 97 149[ 300] 438 526 600 9 932 76426 742 77193 224 307 25 826 71[ 300] 77 78274 659 715 44 816 93 96 79129 283 86 93 436 611 80 759 872 994 80011[ 500] 146 49 501 893 906 81093 181 809 711 61 993 82252 741 822 83062[ 400] 95 130 468 822 84229 76 85 366 775 91 94 908 18 88 85420 87 797 86062 99 173 [ 300] 205 363 70 73 74 77 806 87111 500 814 15 53 88196 219 323 54 549 91 666 79 868 93 962[ 300] 89311 434 579 748 939 90270 424 689 849 96 99 91185 63 213 41 594 609 49 63 713 64 94 899 956 92225 770 959 94 93002 257 347 440[ 300] 75 770 831 51 924 53 94000 24 201 7 80 458 521 40 85 631 819 72 95234 68 524 38 625 49 64[ 300] 95 886 96709 98 910 22 59 97264 98 700 56 98099 476 831 58 99116 25 357[ 400] 424 80 705 66 824 28 980 100004 20 130 34 01 290 819 88 411[ 300] 514 101227 50 90 588 892 102024 88 115 78 269 449 103082 362 495 535[ 1000] 628 71 830 78 953 104888 445 603 957 105025 109 299 371[ 300] 770 106296 396[ 300] 413 23 703 26 884 107052 113 218 24 56 429[ 300] 689 704 835 108040 216 309 412 85[ 20 000] 109348 110468 551 677 862 111126 57 333 584 666 760 68 813 112070 189 437 513 602 90[ 400] 113079 141 537 51 54 733 88 93 114200[ 300] 80 864 444 79 575 617 65 885 115021 139 499 584 89 929 116068 78 188 201 408 117295 510 72 605 52 710 48 76 836 64 118171 251 374 451 736 874 80 991 119062 174 275 605 120066 106 95 316 562[ 300] 968[ 400] 121033 115 452 61 760 847 945 122174 214 78 787 96 123213 548 646 727 49 83 124040 87 235 65[ 300] 309 501[ 300] 54 767 935 125269 423 581 91 610 859 919 126217 448 81 845 127134 847 70 72 502 64 94 750 848 974 128008 122 342 425 544 45 859 963 77 129310 562 652 845 990 130046 198 823 809 87 131071 177 79 448 993 132013 646 133106 499 500[ 800] 68 629 787 134214 579 605 744[ 800] 64 995 135036 175 93 868 660 136048 305 426 137187 227 45 83 885 94[ 300] 663[ 300] 774 827 976 138117 51 215 810 51 707 928 139029 55 137 50 85 202 97 801 81 714[ 500] 71 140083 807 412 593 842 51 85 989 141084 897 422 [ 500] 505 824 45 142090 133 294 514 98 822 143051 150 Vorletzter Tag Dritte Fachausstellung der Schuh- und Leder- Industrie veranstaltet vom Verband Deutscher Schuhwarenhändler. Ausstellungshallen am Zoo" 7. bis 11. März 1908, von 9 bis 7 Uhr. ca. 200 Maschinen der Leder- und Schuh- Fabrikation im Betriebe zeigen den Werdegang modernen Schuhwerks nach neuesten Methoden Kinderstiefel- Wettbewerb für moderne und hygienische Kinder Fußbekleidung. Täglich: Einödshofer- Konzert Wohnungs- Einrichtungen sowie einzelne Möbel zu äußerst billigen Kulante Zahlungsbedingungen. Preisen. Bis 31. März cr.: Ausnahmepreise. Bel Arbeitslosigkeit größtes Entgegenkommen. Möbel- und Ausstattungsmagazin W. L. 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227 337 406 41 74 510 79 610 715 35 42 867 257008 41 603 33 40 91 840 258078 105[ 500] 269 753 807 259023 75 84 420[ 300] 526 63 703 839 260211 69 83 300 90 483 536 683 87 819 57,989 261017 30 329 454 551 97 787 262092 143 84 335 604 735 51 263032 133 245 67[ 400] 377 86 544 733 90 264067 119 430 565 604 72[ 300] 798[ 300] 870 81 923 265070 179[ 300] 257 67 448 678 727 266104 37 293 428 81 500 848 983 267078 400 614 94 758 948[ 300] 266031 84 497 505 632 747 850 269226 415 709 877 270112 292 512 701[ 300] 71 895 918 271138 41 55 64 297 329 404 98 516 19 643 98 788 808 272068 379 445 273000 84 616 274019 205 23 52 376 473. 595 773 805 275105 89 291[ 1000] 410 500 12 25 626 725 829 276027 299 386 423 663 806 18 934 277065 268 404 569 711 278102 871 787 846 60 66 279131 62 226 70[ 300] 525 97 616[ 500] 61 728 873 935 280000 81 224 307 416 850 281512 709 282020 33 388 980 283437 671 750[ 400] 69 81 284190 847 408 84 844 285049 61 178 200 92 832 432 858 286143[ 300] 266 435 95 529 44 90 719 832 48 954 287009 137 404 3487 Die Ziehung der 4 Klasse 218. Königl. Preuss. Klassen- Lotterie findet statt am 8. und April 1908. Berantwortlicher Rebatteur: Georg Davibsohn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin SW Nr. 59. 25. IchrMg. 3. Küm In Jwiiiärts" Kcrlim AlksdlM Iievstag, t9. Miir; M8. Km Wtwoch findet für kerün unä Vororte der Zafylabend statt. für Ashlrechttäemsvsti'stionen— ift die Straße nicht da! Das A mtSgericht Berlin-Mitte hatte gestern durch die iü. Schvffenabteilung darüber zu entscheiden, ob derjenige.groben Unfug" verübt, der auf offener Strohe seine Meinung über das Dreiklassenwahlunrecht in dem Ruf nach dem freien Wahlrecht zuin Ausdruck bringt. Dem Schneider N o a ck, dem Kaufmann Thießen und dem Privatier Schulz war durch polizeiliche Strafverfügung jedem eine Woche Haft zudiktiert worden, weil sie am Abend des 9. Januar nach den Wahlentrecht nngS-Prote st» Versammlungen gemeinschaftlich„groben Unfug" verübt hätten. Sie sollten in der Frankfurter Allee„sich an einem Auf- lauf beteiligt und in ungebührlicher Weise ge- lärmt" haben. Alle drei hatten richterliche Entscheidung beantragt: als Verteidiger standen zur Seite dem Angeklagten N. der Rechtsanwalt Theodor Liebknecht, den Angeklagten Th. und Sch. der Rechtsanwalt Heine mann. N. erklärte, er sei zufällig in die Menge hinein geraten, da habe er von hinten einen Stoß anscheinend von einer Person in Zivil« kleidung— bekommen, so daß er einem Uniformierten förmltch in die Arme flog. Von dem sei er verhaftet und dabei so heftig gepackt worden, daß er in große Erregung geriet und nun erst ausrief:„Das freie Wahlrecht hoch l" Th. versicherte, er sei geschäftlich unterwegs gewesen, sei dann zufällig in das Gedränge hinein gezogen worden, habe aber keinerlei Rufe ausgestoßen. Sch. harte eine der Ver- saninilungen besuchen wollen, war nicht mehr eingelassen tvorden und hatte daraus den Heimweg angetreten. In der Frankfurter Allee beobachtete er. wie jemand verhaftet wurde und nun den Ruf „Das freie Wahlrecht hoch!" ausstieß, da begann er selber zu singen:„DaS freie Wahlrecht ist das Zeiche nl" und wurde dann gleichfalls festgenonunen. AIS Sch. vor Gericht das selber so schilderte, fragte ihn der V o r s i tz e u d e:.Glauben Sie denn, mehr Recht zu haben als andere?" Sollte wirklich irgend ein Wahlrechtsdemonstrant jemals dieser Meinung gewesen sein, so wird er durch den Ausgang dieses Pro- zesses aufs neue darüber belehrt werden, daß das genaue Gegenteil zutrifft. Drei Schutzleute, die die Verhaftungen der drei vor- genommen hatten, waren als Zeugen geladen. Ihre Aussagen ergaben, daß selbst nach polizeilicher Auffassung die Angeklagten nicht den allergeringsten Widerstand geleistet oder auch nur zu leisten versucht hatten. Nicht einmal der Vorwurf konnte gegen sie erhoben werden, daß sie der Mahnung weiterzugehen nicht gefolgt seien. Aber sie hatten— so sagten die Schutzleute—.geschrien",„skandaliert",„gebrüllt". Das Wort „brüllen" kehrt überhaupt in den Aussagen der Schutzleute immer wieder. Noack soll überdies, wohl in Erinnerung an die Behauptung in der Verfassung, daß jeder Preuße frei seine Meinung sagen dürfe und daß vor dem Gesetz alle Preußen gleich seien, ausgerufen haben. was andere vor dein Reichskanzlerpalais gedurft hätten, das dürfe er doch auch. Von den Zivilpersonen, die durch die Verteidigung geladen waren, kamen nur drei dazu, ihre Aussagen zu machen. Alle drei bekundeten, nicht bemerkt zu haben, daß die Angeklagten die ihnen zur Last gelegten Uebertrctungen begangen hätten. Diese „nichtbeamteten" Zeugen wurden nicht vereidigt. weil sie—„der Mittäterschaft verdächtig" seien. Rechtsanwalt Dr. Heinemann beantragte Ladung des Reichskanzlers Fürst Bülow und dcS früheren Polizei- Präsidenten v. BorrieS. Von beiden seien, da? werde von ihnen bekundet werden, die Straßendemonstrationen des vorigen Jahre«, die sich an die ReichStagswahlen anschlössen, öffentlich als zulässig gekennzeichnet worden. Hiernach könne eS nicht als Störung der öffent- lichcn Ordnung erscheinen, wenn die Straße, die doch für alle Parteien freistehe, auch von Anhängern des gleichen Wahlrechts zu Demonstrationen in Anspruch genommen werde: mindestens habe da? Bewußtsein der Rechtswidrigkeit gefehlt. Das Gericht lehnte diesen Bewe,santrag ab. Es sei ein Unter- s ch» e d, ob ein Teil der Bevölkerung seine Freude oder eine sanatische Menge ihre Unzufriedenheit äußere. Im übrigen aber sei die Ansicht des Reichskanzlers wie des Polizei- Präsidenten unerheblich. Hierüber wird sich wahrscheinlich am meisten der gewesene Polizeipräsident selber wundern, derselbe Polizeipräsident, dessen Ansicht über Demonstrationen als sehr erheb- lich gilt, wenn in seinem Namen für Beteiligung an Wahlrechts- demonstrationen Haftstrasen verhängt werden. Der Amtsanwalt beantragte gegen alle Angeklagten Bestätigung der Haftstrafe von 1 Woche, Für Noack beantragte der Verteidiger Theodor Liebknecht Freisprechung oder Umwandlung der Haflstrafe in eine kleine Geldbuße. Die Beweisaufnahme habe Widersprüche in den Aussagen der Schutzleute ergeben. Hierdurch sei dargetan, wie wenig zuverlässig bei solchen Gelegenheiten ihre Beobachtungsfähigkeit sei. Daß durch die Wahlrechts- demonstrationen eine allgemeine Beunruhigung bewirkt worden sei, davon könne in Berlin bei seiner größtenteils sozialdemokratischen Bevölkerung nicht die Rede sein. Wahlrechtsdemonstrationen seien in anderen Ländern erlaubt, man habe nach den Demonstrationen von 1907 als auch in Berlin erlaubt ansehen müssen. Für Thießen und Schulz machte der Verteidiger Heine niann gleichfalls geltend, daß gar kein grober Unfug, keine Beunruhigung des Publikums in seiner Allgemeinheit vorliege. Vor dem Gesetz seien die TatbestandSmerkmale dcS groben Unfugs immer dieselben, da dürfe nicht danach gefragt werden.� wer demonstriert habe. Er beantrage Freisprechung oder höchstens eine geringe Geldstrafe. DaS Gericht entschied, die Straße sei nicht für Demonstrationen da, ob die Bestrebungen der Angeklagten nun berechtigt seien oder nicht. Durch solche Massenproteste von An- hängern des allgemeinen Wahlrechts werde die übrige Bevölkerung beunruhigt, mindestens»verde durch Rufen und Singen die Ruhe gestört. Da aber Gewalttätigkeiten nicht be- gangen worden seien, so sei auf Geld st rasen zu erkennen, für R. auf 35 M.. für Th. auf 20 M.. für Sch. auf 20 M. eventuell für je 6 M. einen Tag Haft. Außerdem sei Rechtsanwalt Heinemann in eine Ungebührstrafe von 20 M. zu nehmen, weil er gesagt habe— Heinemann selber vernahm'S mit stchtlichem Staunen— im Strafbefehl sei in wenig geschmackvoller Weise von„brüllen" geredet worden. Das stehe nicht im Strasbefehl, aber auch wenn es drin stände, sei diese Kritik an einemStrafbcfehl ungehörig. Selbstverständlich wird wegen Berhängung dieser Ungebührstrafe Beschwerde eingereicht werden. Wenn eS die Aufgabe des Richters ist, mit aller Macht zu dokumentieren, daß der Grundsatz, mit dem Terenz eine ungerechte Justiz verspottete:„Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe" jetzt Grundsatz preußischer Rechtspflege geworden ist, so erfüllen die Verhandlungen wegen angeblicher Straftaten, begangen durch WahlrechtSdemonstratlonen. diese Aufgabe trefflich. Gerechtigkeit und Justiz ist eben nicht einerlei. Gefährliche Zeupisbereitichaft. Wir haben am Freitag berichtet über eine Gerichtsverhandlung gegen einen Schlosser M., der angeklagt war, am Wahlrechtssonntag den Versuch einer Gcfangenenbefreiung gemacht zu haben. M. hatte auf der Straße mit angesehen, daß ein Mann, in dem die Polizei einen Wahlrcchtsdenwnstranten witterte, festgenommen und zur Rooierwache geführt wurde. Da M. der Meinung war, daß der Mann grundlos ststert worden sei, so folgte er ihm, um sich als Zeugean zu bieten. Er hielt das für feine Pflicht obwohl der Mann ihm völlig unbekannt war. Der Sistierte wurde nun in das Haus hineingeführt, in dem das Wachlokal sich befand, dann fiel hinter ihm Äe Hanstür zu— und der Zeuge M. mußte draußen bleiben. Bei dieser Gelegenheit soll M. die„G e fa ng e n e n v e- freiung" versucht haben. Der einzige, der vor Gericht über den ganzen Vorgang etwas„Belastendes" gegen M. auszusagen wußte, war ein Schutzmann, der jenen festgenommenen Mann transportiert hatte. Dieser Schutzmann versicherte, M. habe auf dem Wege zur Wache immerfort auf ihn und den Mann eingeredet. Vor dem Hause habe er dann hinter ihnen her in die Tür hinein- gegriffen. Wir vermuten, daß M. lediglich die zufallende Tür auf- halten wollte, um mit hineinzugehen. Doch anders als sonst tn Meschcnköpfen malt sich in einem Schutzmannshirn die Welt: nach polizeilicher Auffassung hatte M.—„den Gefangenen befreien" wollen. Vor Gericht zerfloß dieser Teil der Anklage in ein klag- lichcs Nichts. Aber M. sollte, so bekundete dieser Schutzmann, dann noch längere Zeit vor dem Hause verweilt und räsonniert haben und auch der Aufforderung eines Polizeileutnants zum Trotz nicht weitergegangen sein. Hierfür beantragte der Amtsanwalt eine Strafe von— man möchte das kaum für glaublich halten— 14 Tagen Haft! Das Gericht aber ließ sich daran genügen, auf eine Geldstrafe von 20 M. zu erkennen. Warum wir das alles hier noch einmal mitteilen? Weil wir daran eine Mahnung knüpfen wollen, die uns sehr notwendig erscheint. Vor Gericht wurde dem Angeklagten vorgehalten, er habe s i ch inDinge hineingemischt, dieihn nichts angingen» er habe nicht den geringsten Anlaß gehabt, einen ihm völlig un- bekannten Mann in dieser Weise zu unterstützen. W i r sind der Ansicht, daß den Angeklagten die, wie er meinte, grundlose Fest- nähme des Mannes, auch wenn der ihm völlig unbekannt war, wohl etwas anging. M. hatte allen Anlaß, den Mann zu unter- stützen, indem er sich ihm als Zeugen anbot. Ja, das war geradezu seine Pflicht! Es war seine Pflicht nicht nur gegen diesen Mann, sondern auch gegen das Gericht, das etwa über den Fall zu urteilen haben würde. Die Aufgabe der Gerichte ist. die Wahr- heit zu ermitteln. Dazu bedürfen sie aber der Zeugen und eben deshalb ist fürdieRecht sprechung ein einziger Zeuge zehnnial wichtiger als ein halbes Dutzend Staatsanwälte und ein halbes Schock Richter. Wer sich als Zeuge zur Verfügung stellt, wo er zur Ermittelung der Wahrheit beitragen zu können glaubt, dem sollten sogar die Gc- richte ihre Anerkennung hierzu nicht versagen, und zwar auch dann, wenn er ihrer Meinung nach in der Form gefehlt und sich dadurch strafbar gemacht hat. Daß zur Ermittelung der Wahrheit das Zeugnis eines Schutzmannes schon ausreiche, wird kein Gericht glauben wollen, Zum mindesten hätten wir anderen nicht nötig, uns einer solchen Meinung anzuschließen, wenn wir sehen, daß jemand von einem Schutzmann festgenommen wird. Es ist, wir wiederholen das, jeder manneS Pflicht, sich zum Zeugen anzubieten, wenn er sein Zeug- nis für erforderlich hält. Erfreulicherweise ist auch in einem großen Teil der Bevölkerung das Verständnis für diese Pflicht noch vorhanden, und durchaus zutreffend wurde in dem Prozeß gegen M. vom Verteidiger zugunsten des Angeklagten geltend gemacht, M. habe nichts anderes getan als das, was bei Sistierungen alle Tage getan werde. Aber zu bedauern ist nur, daß auch alle Tage derselbe Fehler gemacht wird, den M. gemacht hatte. Wer bereit ist, einem Sistierten mit seinem Zeugnis zu dienen, sollte nicht das für seine nächste und wichtigste Aufgabe halten, seine Zeugnisbereitschaft auf der Straße dem si stierenden Schutzmann oder auf der Wache dem vernehmenden Beamten mitzu- teilen. Mehrfach wurde von Personen, die das versucht hatten, der Redaktion des„Vorwärts" die Klage vorgetragen, sie feien abgewiesen morden mit dem Bemerken, das gehe die Polizei nichts an. Aber der Zeuge, der in seinem Eifer, dem Sistierten zu dienen, der Polizei nachläuft, kann noch ganz andere Erfahrungen machen. Niemand sollte unnötig sich danach drängen, den Polizei- ftubcnton kennen zu lernen. Ein Zeuge, der auf der Wache— gereizt vielleicht durch diesen Ton— seiner Erregung Luft zu machen sich erlaubt, kann es erleben, daß er hinterher noch vor Gericht nicht als Zeuge, sondern als Mitange- klagter zu erscheinen hat. Leicht läßt auch ein Zeuge schon auf der Straße, wenn er neben dem Schutzmann mit zur Wache trabt, sich dazu verleiten, seiner abweichenden Meinung einen Ausdruck zu geben, der die Empfindlichkeit des Respekt heischenden Schutzmannes weckt. Nur zu rasch fühlt ein Schutzmann sich verletzt, und mit zielbewußtem Griff verwandelt er den zeugnisbereiten Begleiter in einen nun selber hülfsbedürftigen Arrestanten. So ungefähr ist eS auch dem M. ergangen. Zusammen mit dem Manne, dem er als Zeuge beistehen wollte, kam er auf die Anklagebank. Nein, eS sollte bei Sistierungen wirklich nicht der erste Gedanke etwaiger Zeugen sein, mit zur Wache zu laufen. Wichtiger und richtiger ist es, schleunigst die Adresse weiterer Zeugen zu beschaffen und mit diese» zusammen sich dem Sistierten zur Verfügung zu stellen, wenn er von der Wache zurückkommt. Gewiß, nicht jeder hat Zeit, auf der Straße zu warten, bis der Sistierte entlassen wird: auf der Wache dauert eS manchmal merkwürdig lange, bis die.Formali- täten", die bei Sistierungen üblich sind, erledigt werden. Aber es ist schon dagewesen, daß umsichtige Leute auch in solchem Falle sich zu helfen wußten. Mehrfach haben Personen, die eine Sistie- rung mit angesehen hatten, der Redaktion des„Vorwärts" unter Angabe der näheren Umstände sOrt, Zeit, Anlaß usw.) ihre Adressen mitgeteilt. Und mitunter haben wir diese Adressen dann auch dem Sistierten. wenn er sich bei uns meldete oder sonstwie von UNS er- mittelt werden konnte, überweisen können. Partei-?Zngelegenkeiten. Steglitz. Am Mittwoch, den 11. März, abends S Uhr Wähler- Versammlung bei Schellhase.— Der Zahlabend fällt aus. Schmargendorf. Morgen, Mittwoch, findet der Zahlabend im „Restaurant Lindenbaum" statt. Da zugleich das Wahlresultat von der am Nachmitag von 4—8 Uhr stattfindenden Gemeindcwahl be- kanntaegeben wird, sind auch Gäste hierzu eingeladen. Alle Partei- genossen, Arbeitslose usw., welche sich am Nachmittag freimachen können, wollen sich behufs Teilnahme an den Wahlarbeiten schon von B/� Uhr ab im Bureau deS WahlkomitceS, im„Restaurant zum Lindenbaum", vis-a-vis dem Rathaus, recht zahlreich melden.. Der Vorstand. gritz-Buckow. Morgen Mittwoch, dm 11. März, abends VsÖ Uhr, findet int»Landhaus", Chauffeeltr. 07, eine VereinSveriammlung statt. Tagesordnung: Vortrag über Gemeindepolitik. Referent: Genosse Düwell; Diskusston: Ausstellung der Kandidaten zur Gemeindewahl und Verschiedenes.— DaS Erscheinen aller Mit« glieder ist Pflicht. Frauen und Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. Maricnfelde. Der Zahlavend findet diesmal bei JaruzewSly statt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Borstand. Hoherlehme- Wildau. Am Mittwoch, den 11. März, abends 8 Uhr, findet im Lokale von Schumann eine öffentliche Gemeinde- wählerversammliing statt. Die Flugblattvcrbreilung hierzu erfolgt heute Dienstagabend vom Bezirlslokal aus. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Bezirksführer. Erkner. Am Mittwoch, den 11. ds. MtS. findet die regelmäßige Mitgliederversammlung des Wahlvcreins statt. Tagesordnung: Be- richt von der Verbandsversammlung; Bekaiintgade des Wahlresultats und Verschiedenes. Wegen der Wichtigkeit der Tages- ordnung ist es Pflicht aller Genossen, zu erscheinen. Der Vorstand. WilhelmSruh-Nicder-Schönhausen-West. Heute, Dienstag abend 7l/2 Uhr: Handzettelvorbreitung. Die Genossen treffen sich im Lokal von Barth, Viltoriastraße 7. Zahlreiche Beteiligung wird erivartct. Der Vorstand. Pankow. Heute Dienstag, abends l/39 Uhr, findet im„Kur- fürsten", Berliner Straße 102, eine öffentliche Wählerversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneteu Genossen Stückten über„Sozialismüs und Gemeindepolitik". 2. Freie Diskussion. 3. Bekanntgabe der Kandidaten für die am Donnerstag, den 12. März, stattfindenden Gemeindevertreterwahlen. Eingeladen sind sämtliche Einwohner Pankows, insbesondere die Mitglieder und Leiter der am Orte bestehenden Reichsverbands- filialc.— Die Bezirksführer werden aufgefordert, die ain Sonntag als unbestellbar zurückgekoinmencn Wahlaufforderungen vor Beginn der Versammlung abzuliefern. DaS sozialdemokratische Wahlkomitee. VerUner I�acbricbten. „Silber-Abonnenten." Das Stöckersche„Reich" pfeift wieder einmal auf dem letzten Loche. In seiner letzten Sonntagsnummer läßt das Blatt von neuem das Notsignal ertönen und bittet mit bekannter Dreistigkeit um milde Gaben. Dabei erfährt man auch, daß der vorjährige, von Stöcker mit seiner Namcnöunterschrift gedeckte Bettel die Summe von 07 050 M. 30 Pf. eingebracht hat, also weit weniger, als die fromme Gesellschaft mit beschränkter Haftung aber un- beschränkter Nehmfreudigkeit erwartete. Das Geld reichte knapp zur Deckung der alten Druckschulden aus und nun steht man wieder vor dem blanken Nichts.„Mehr Annoncen" und„2000 Abonnenten" sollen jetzt zusammengefochten werden. Da aber der Verlag die Schwierigkeit kennt,„Abonnenten in netura"— wie er sagt— zu gewinnen, so begnügt er sich— bescheiden und gerissen wie er ist— mit„2000 Abonnenten in Silber". Und„auch halbe und Fünstelabonnenten in Silber werden gern angenommen"! Man muß eS den Stöckerschen lassen: den Rummel haben sie fein heraus, und das Fechterhandwcrk verstehen sie, wie sich's für brave Kirchcnleute geziemt, auf dem ffi Ob sich genug— Freigebige finden werden?_ Taktlos. In früheren Jahren fanden es manche Lehrpersonen für an« gemessen. Entschuldigungszettel, die ihnen in ihrer amtliche» Eigen- schaft zugingen, in Berliner Blättern zu veröffentlichen. Diese Takt- losigkeiten wurden dann in unserem Blatte kritisiert und nicht ohne Erfolg: die Veröffentlichungen hörten auf. Jetzt scheint dieser Unfug wieder aufleben zu sollen. Durch einige hiesige Blätter wird wieder der Brief eine? VaterS an eine Lehrperson veröffentlicht, allerdings nur zu dem Zweck, zu zeigen, wie„unverschämt" gewisse Leute seien. Der Brief, der Ende Januar von dem Vater eines Knaben an eine Lehrerin geschrieben worden sein soll, hat folgenden Inhalt: „Geehrtes Fräulein I Ich hatte Sie foriger Woche gebeten mein Sohn die nöthigen Hefte zu überlassen, da dicS noch nicht geschehen ist so ferlange ich unverzüglich als Staatsbürger von Berlin mit einer Familie von 10 Köpfen seit November 1907. arbeitslos, mein Sohn die nöthigen Hefte zu überlassen denn wenn ein Arbeiter die nöthigen Schulmaterialien verweigert werden so nehme ich an das die Herrn Beamten Kinder sie be- kommen im Uebrigen habe ich ein gutes Recht das zu verlangen dazu werden die Schreibmaterialien angeschaft.(Unierschrifl.)" Wir können nicht in die Entrüstung gelvisser Blätter über das in dem Briefe ausgesprochene Verlangen um Gewährung der Schul- Materialien einstimmen, sondern halten eS für ganz berechtigt, wenn ein Familienvater von neun Kindern, der noch dazu seit November arbeitslos ist, für seine schulpflichtigen Kinder Schulmittel begehrt. Die Bedürftigkeit ist in diesem Falle ohne weiteres vorhanden und bedürftigen Kindern sollen ja Lehrmittel geliefert werden. Es ist höchstens zu bedauern, daß der Vater sich deshalb zum zweiten Male an die Schule wenden muß. Verurteilenswert und taktlos ist aber die Lehrperson, die ein solches Schreiben zur Veröffentlichung zur Verfügung stellt. Es wäre wirklich wünschenswert/ wenn es gelänge festzustellen, welche Lehrperson hierbei in Frage kommt; ihren Namen der Oeffcntlichkeit zu übermitteln wäre ein Verdienst. Im Fall daß sich zufällig unter unseren Lesern der Briesschreiber befinden sollte, möchten wir um den Namen der Lehrperson bitten. Entgleist. Gestern ftüh 5'/» Uhr entgleiste auf dem Schlesischen Bahnhofe beim Zurückdrängen oeö Leerzuges 1300 in Weiche 2 der Schlußwagen mit einer Achse dadurch, daß die Zunge der Weiche nach dem Umstellen nicht ordnungsmäßig schloß. Beide Ferngleise waren auf kurze Zeil gesperrt, Personen wurden nicht verletzt, Materialschaden ist nicht entstanden. Die Fernzüge 52?, 4 0 und 24 0 wurden über das Stadtgleis geleitet. Die Vorortzüge der Strecke Spandau— Strausberg haben zwischen den Stationen Straus- berg— Schlesischer Bahnhof und Spandau— Schlestscher Bahnhof ge- pendelt. Der Stadtbahnbetrieb erlitt durch das Ueberleiten der Fernzüge geringe Verspätung. Der Jugend ein Borbild. Vor einem Vierteljahr vcröffcnk- lichten wir Mitteilungen über einen Berliner Pastor, der im Kon- firmandenunterricht auf seine Zöglinge durch Schimpfwörter und durch Prügel zu wirken suchte. Ein Pastor, der prügelnd zur Kon- firmation vorbereitet, ist ja wohl in Berlin keine Seltenheit. Da- gegen dürfte ein Pastor, der seine Konfirmdnden mit ordinären Schimpfwörtern belegt, denn doch einzig dastehen. Es handelte sich um den Pastor Nürnberger von der evangelischen Paulsgemeindc auf dem Gesund- brunnen. An dem genannten Diener Gottes, dir in oiescr Weise„der Jugend ein Vorbild" gab und mit solchen Mitteln den Nachwuchs der Arbeiterbevölkerung zu rechten Ehristenmenschen er- ziehen wollte, ist die damalige Kennzeichnung seiner Unterrichts- Methode nicht ganz eindruckslos vorübergegangen. Die nächste Wirkung war die. daß er ganz Plötzlich aufhörte, seine Konfirmanden zu beschimpfen. Im Unterricht zeigte er sich kleinlaut, trug ein gedrücktes Wesen zur Schau und erschien wie umgewandelt. Erst allmählich kehrte ihm eine zuversichtlichere Stimmung zurück, und er begann wieder, sich zu fühlen. Gelegentlich äußerte er mal, ihm werde ja mehr geglaubt. Was er damit meinte, darüber ließ er sich nicht näher aus. Nunmehr wird dieser Herr Pastor Nürnberger, wie wir erfahren, den Staub der sündhaften Reichs- Haupt st adt von seinen Füßen schütteln und wird nach dem Dorf Seelow i. M. übersiedeln. Vermutlich rechnet er darauf, dort mehr Verständnis für seine Erziehungs Methode zu finden als in dem fluchwürdigen Berlin, wo die gott entfremdeten Sozialdemokraten sogar den Kündcrn des Gottes� Wortes auf die Finger zu sehen sich erdreisten und der„Vorwärts" lieblos die Pastorale Prügel» und Schimpfpädagogik an die große Glocke hängt._ Raubanfall im Grunewald. Gegen ein harmlos im Grunewald promenierendes Brautpaar ist Sonntag abend in der neunten Stunde ein Ranbanfall verübt worden. Der Drogist Böltjy aus der Westfälischen Straße S2 hatte mit seiner Braut, der LOjShrigen Wirtschafterin Berta Voigtländer aus der Sybelstr. SS einen Ausflug nach dem Grunewald unter- nommen. Abends gegen acht Uhr entfernte sich das Paar vom Restaurant„Jagdschloß" und wanderte durch den Wald nach Schmargendorf zu. Die beiden waren etwa zweihundert Meter vom Gatter entfernt, da fiel hinter ihnen ein Schuß. Als sie sich erschreckt umdrehten, sahen sie wenige Schritte von sich entfernt einen fremden Menschen stehen, der in der Rechten einen Revolver hielt. Die Waffe hielt der Unbekannte auf das Paar gerichtet. Die beiden jungen Leute wollten jetzt angstvoll flüchten, doch im nächsten Augenblick krachten wieder zwei Swüsse und von einer Kugel getroffen brach das Mädchen zusammen. Der Bräutigam lief zum nahen Restaurant„Zum wilden Eber", das an der Grenze zwischen dem Grunewald und Schmargendorf liegt, um dort Hülfe herbeizuholen. Inzwischen fiel der Täter über das junge Mädchen her und würgte die Wehrlose am Halse, als sie versuchte, um Hülfe zu fchmen. Dann setzte er dem Mädchen die Waffe auf die Stirn und wollte noch einmal abdrücken. In diesem Augenblick nahte Hilfe. Der Bräutigam kam mit mehreren Gästen, die er in dem Lokal angetroffen hatte, herbei. Der Wege lagerer entriß nun dem Mädchen den Pompadour und ergriff, nach' dem er noch zwei fehlgehende Schüsse abgegeben hatte, mit seinem Raube die Flucht. Die Tasche hatte etwa S M. bares Geld und einige kleine Wertsachen enthalten. Die Schwerverletzte wurde nach dem Restanrant gebracht. Die Kugel war in den oberen Teil des Rückens eingedrungen. Gendarmerie nahm noch am späten Abend eine Streife im Grunewald vor, die aber keinen Erfolg hatte. Die Affäre des Berliner Rechtsanwalts Dr. E., der aus dem Jrrenhaufe floh, in das er im Verlaufe von Familienstreitigkeiten gebracht war. hat eine neue Wendung erhalten. Dr. E. betrieb eine Klage gegen seinen Schwager, einem anderen Berliner Anivalt, weil er diesen für die ihm widerfahrene Behandlung verantwortlich macht. Dp. E. ist ergriffen und aufs neue interniert worden; wie der „Welt am Montag" mitgeteilt wird, in dem Augenblick, als er einer Einladung zur Versöhnung fnlgte. Durch Einatmen von Leuchtgas hat der 60 Jahre alte unverheiratete Lotteriekollekteur und Kaufmann Gustav Müller aus der Franseckistraße in seinem Geschäftslokal Wallstr. 1 den Tod gefunden. Er hat offenbar den Hahn des Gasofens aufgedreht, um zu heizen, und ist dann plötzlich eingeschlafen. Die Leiche wurde beschlagnahmt: mehrere tausend Mark in Banknoten wurden in der Brustlasche des Toten gefunden. Die Brandstiftungen in Berlin scheinen noch zuzunehmen. Am Soitntag wurden nicht weniger als drei festgestellt. Gleich früh um S Uhr stand das EckhauS Neu-KRln am Wasser 20, an der Wallstraße, in Flammen. Der 20. Zug war auf den ersten Alarm schnell zur Stelle, und es gelang in verhältnismäßig kurzer Zeit durch kräftiges Wasscrgeben, die Flammen zu löschen. Es lag un- zweifelhaft Brandstiftung bor. Das Feuer hätte sicherlich eine große Ausdehnung erlangt, wenn es etwas später bemerkt worden wäre. Die zweite Brandstiftung traf das Eckhaus Friedenstr. 40 an der Großen Frankfurter Straße 3. Dort stand um ll Uhr der Boden mit vielem Hausrat in Flammen. Als diese gelöscht waren, entdeckte die Feuerwehr drei räumlich von einander getrennte Brandherde, die alle darauf schließen lassen, daß der Brandstifter mit großer Ucberlegung zu Werke geht. Die dritte Brandstiftung wurde abends 6 Uhr aus der Köpenicker Straße 175 gemeldet. Der Brandstifter hatte an dieser Stelle Matratzen und andere leicht brennbare Gegenstände in verschiedenen Bodenverschlägen ange- zündet. Von den Tätern fehlt bis heute jede Spur. Man nimmt an, daß die Brandstiftungen in Berlin planmäßig angelegt werden. Unterstützt wird diese Annahme durch verschiedene Beobachtungen. So wurde unter anderem bemerkt, daß die zweite Brandstiftung in der Regel nicht weit von der ersten erfolgt und fast immer im Bereich derselben Kompagnie. Ferner ist beobachtet worden, daß die Feuerwehrmänner, die unmittelbar mit der Löschung zu tun hatten, pcrgamcntartige Haut erhielten und über Atmungs- beschwerdcn weit mehr als sonst klagten, was vermuten läßt, daß der Brandstifter mit Säuren operiert. Ein anderer Umstand ist ebenfalls mehrfach beobachtet worden. Es hat sich nämlich gezeigt, daß die Schlösser von den Treppenaufgängen und Bodenverschläaen ausgebrochen waren und in einigen sogar noch abgebrochene Schlüssel steckten. Mit den früheren Brandstiftungsepidemien, die in den Jahren 18LS und 1898 in Moaoit vorkamen, ist die jetzige nicht zu vergleichen. Ganz abgesehen davon, daß die damaligen Brand- stiftungen räumlich nur auf Moabit beschränkt waren, unterscheiden sich die jetzigen Brandstiftungen von den damaligen durch ihre größere Ausdehnung und dadurch, daß die damaligen nur abends verübt wurden, während die jetzigen morgens, mittags, abends und auch nachts die Feuerwehr beschäftigen. Außer obigen Bränden hatte die Wehr gestern noch zahlreiche kleinere Brände zu löschen. Vorort- JVacb richten. Zur 6ciiidndewablbewcguiig, Gemcindewahlcn finden am heutigen Tage statt in Drewitz abends von 7—7*7« Uhr, in Hohcn-Neuendorf nachmittags von 1—5 Uhr und in Atahlsdorf nachmittags von 4-7 Uhr. Es ist Pflicht jedes Wahlberechtigten, sein Wahl- recht auszuüben. Steglitz. Eine geradezu korrupte Rolle spielt der„Mieterverein" im diesmaligen Stichwahlkampfe. Im zweiten Bezirk muß er gegen die Hausbesitzer kämpfen, deren Hülfe er im ersten Bezirk dringend gebraucht, um sich der Sozialdemokratie zu erwehren. Da er aber im zweiten Bezirk gegen die Hausbesitzer nur erfolgreich sein kann, wenn die Sozialdemokraten Gewehr bei Fuß stehen, so muß er auch uns gegenüber sich in gewissen Grenzen halten. In dieser verzwickten Lage vollführt das Organ des Mietervereins, die„Stegl. Zeitung", die wunderlichsten Kapriolen. Anscheinend haben sich die Größen de? Mietervereins in die Redaktionsführung geteilt; derart, daß der jeweilig Geeignetste den Hausbesitzer-, den Kommunalverein und die Sozialdemokratie herunterreißt, andere wieder diese Gegner belobigen, um sie bei guter Laune zu erhalten. Daß dabei Logik, Moral und politischer Anstand in die Brüche gehen, scheint den Leutchen Nebensache zu sein. Ihr einziges Ziel ist: Gewinnung de! drei Mandate. Zu diesem Zwecke de!- leumdet und beschimpft man die Gegner in häßlichster Weise, zerrt man einzelne Personen durch den Schmutz, trotzdem die „St. Ztg." selbst zugeben muß, daß bisher der Wahlkampf in sachlicher und würdiger Weise geführt worden ist. Den Gipfel der Charakterlosigkeit hat das Mieterblatt aber damit erreicht, daß es schreibt, es habe unseren Genossen Schellhase als einen geraden, aufrechten Mann kennen gelernt, und trotzdem die Steglitzer Bürgerschaft anfleht„aus Patriotismus und monarchischer Treue" gegen ihn zu stimmen. Kann man sich eine größere politisch« Lumperei vorstellen? Hält der Mieterverein nur charakterlose Subjekte als Gemeindevertreter geeignet, sofern sie nur„patriotisch und monarchisch" zu sein vorgeben? Trifft er etwa die Auswahl seiner Kandidaten nach diesem Rezept? Bisher hat er doch immer betont, daß Politik im RathauS nichts zu suchen habe. Jetzt fordert man die Wähler auf. den Sozialdemokraten, den Arbeiterdertreter nicht zu wßhlen, trotzdem— oder weil?— er ein Ehrenmann ist? Unsere Parteigenossen werden sich noch sehr ernst mit„solchen" Gegnern und angeblichen Arbeiterfreunden beschäftigen müssen.— Die Kampfesweise des Mietervereins macht es uns zur gebieterischen Pflicht, im ersten Bezirk alle Kräfte anzuspannen zur Stichwahl am kommenden Freitag. Die Aussichten sind günstig. Rund 299 Stimmen sind wir den Gegnern vor. Tut ein jeder Genosse seine Pflicht, hilft er die Säumigen aufrütteln, dann ist der Erfolg unser. Es handelt sich nicht nur um zwei Mandate. Unter- liegen wir. dann sind wir in den nächsten Jahren überhaupt nicht mehr im Gemeindeparlamcnt vertreten. Friedenau. „Die Bebeutung der Gemeinbewahlen" lautete das Thema, über das Genosse Grunwald in einer öffentlichen Wähler- Versammlung referierte. Der Referent kritisierte das bestehende Dreiklassenwahlrecht zur Gemeinde und kennzeichnete die Zustände. die in der hiesigen Gemeindevertretung obwalten. Es müsse durch die Wahl eines Sozialdemokraten ein anderer Geist in die Gemeindevertretung einziehen. Als Kandidat wurde einstimmig Genosse Paul Richter für die dritte Klasse nominiert. Der selbe zeigte in der darauf folgenden Diskussion, wie notwendig es gerade in Friedenau sei, einen Vertreter der Sozialdemokratie in das Gemeindeparlament zu entsenden. Genosse Meyer forderte zum Schluß die Anwesenden auf, schon jetzt mit allen Kräften zu agitieren, damit am 18. März, dem Tage der Wahl, der sozialdemokratische Kandidat als Sieger hervorgehe. Lankwitz. Der Entscheidungstag rückt immer näher. Die Gegner arbeiten im stillen mit Hochdruck. Gegenwärtig benutzen sie den Inseraten teil der hiesigen Ortszeitnng. Sie verkünden darin in großen Lettern die Kandidaten der vier hiesigen Vereine. Welche die vier hiesigen Vereine sind, wird nicht verraten. Wir können mit teilen, daß dies zwei Grundbesitzervereine sowie ein offenbar unter der Flagge des Reichslügenverbandes segelnder Bürger- verein und der Verein der selbständigen Handwerker, Kaufleute und Gewerbetreibende sind. Der unpolitische Kriegerverein und die Feuerwehr werden ebenfalls von den Drahtziehern zur Propa- gierung ihrer Kandidaten benutzt. In diesen beiden Vereinen be- änden sich leider noch viele Arbeiter, welche m Verkennung ihrer Klassenlage die arbeiterfeindlichen Bestrebungen unterstützen. Die klassenbewußte Arbeiterschaft von Lankwitz mutz dafür sorgen, daß uufcre beiden Kandidaten als Sieger aus der Wahl hervorgehen. Wer vom Ortsvorstehcr keine Legitimationskarte erhalten hat, ver- ehe sich mit der letzten Steuerquittung, Jnvalidenkarte oder Militärpaß. Auch ist es notwendig, daß sich die Parteigenossen möglichst zu Beginn der Wahlzeit einfinden, da später der Andrang diesmal noch größer werden dürfte, als vor zwei Jahren. Ver- äume niemand seine Pflicht, sondern stelle sich jeder dem Wähl. komitce zeitig zur Verfügung. Trcptow-Baumschulenweg. Auch die sog. Liberalen sind nunmehr auf dem Plan er- schienen, um das zur Wahl stehende Mandat der dritten Gemeinde- wählerklasse(1. Bezirk) für sich zu erobern. Am Freitagabend batten sie nach dem Lokale von Graßmann eine liberale Wähler- Versammlung einberufen. Der Berliner GcmeindeschuIIchrer Borchardt hatte es unternommen, den liberalen„Wählermasscn" (es waren an die zwei Dutzend erschienen) die alten liberalen Prinzipien ins Gedächtnis zu rufen, die heute im Zeichen der Zlockherrlichkeit ernsthaft nur noch von der Sozialdemokratie ver- nchten werden. Der zage Beifall am Schlüsse des Referats war wohl auch nur platonisch, denn es dürften nur wenige der Er- schienenen mit den Ausführungen des Redners einverstanden gc- wesen sein; machte er doch mit wenigen Einschränkungen das ganze '»zialdemokratische Kommunalprogramm zu dem seinigen. Wer es noch nicht wußte, wie weit der Liberalismus des Treptower Bürgertums ging, der erfuhr es bei der..Ansprack)«" und Vor- tellung des Kandidaten. ES ist nämlich der Besitzer des„Paradies- zartens", Herr Hiller, den sich dw Freisinnigen erkoren hatten, derselbe Herr Hiller, der es mit seinem Liberalismus für vor- einbar hält, der einzige Saalbesitzer von Treptow zu sein, der der Sozialdemokratie sein Lokal nicht zur Verfügung stellt. Daß Herr Hiller auf die leise Anfrage unseres Genossen Gramenz er- lärte, bei ihm sei noch niemand gewesen, der um Uebcrlassung eines Lokals zu sozialdemokratischen Versammlungen nachgefucht babe, charakterisiert den Herrn ja auch ganz nett. Und erst die Wertzuwachssteuer? Ja, darüber konnte er unserem neugierigen Genossen überhaupt noch keine Auskunft geben. Aus dem Ver- lauf dieser Versammlung sowohl wie auch derjenigen des Haus- und Grundbesitzervereins, der bekanntlich den Hausbesitzer Herrn Nickel wieder aufgestellt hat, können die Wähler der dritten Klasse ersehen, wes Geisteslinder es sind, die man dem Kandidaten der Sozialdemokratie, dem Genossen Miekley, entgegenstellt. Der eine von der Hausbesitzerklique hat überhaupt kein Programm, der andere, der„liberale", faßt sein Programm dahin zusammen: „Niemand zu liebe, niemand zu leide". Zu diesem Grundsatz, es jedermann recht zu machen, patzt ja die Saalverweigcrung ganz gut. Und auch die Ablehnung der Wertzuwachssteuer hält er wohl diesem Grundsatze entsprechend, denn die könnte ja am Ende dem Grundstücksspekulantentum und womöglich auch ihm selbst wehe tun! Auch diese Kandidatur sei der Arbeiterschaft Treptolvs eine Mahnung, mit allen Kräften für den Kandidaten der Sozial- demokratie, den Max Miekley zu wirken. Gummelsburg. Die Gemeinbcvertreterwahlen für die 3. Klasse finden am Montag, den 16. März, nachmittags von 2— 8 Uhr, in folgenden Bezirken statt: 3. Bzirk, umfassend: Wühlischstraße 59—53, Sonntagstroße 8 bis 3l Simplonstr. 1— 12, Gryphiusstr. 1— 8, Holteistr. 1— 9 und 28�— 33, Böcklinstratze, Lenbachstrahe I— 19a(Helmcnhof).— Wahllokal: Restaurant Kladziveschen, Ecke Wühlisch- und Holtei- straße 19/11.— Kandidat: Gustav Drinks, Kassenbeamter. 6. Bezirk, umfassend: Kantstr. 7— 45, Türrschmidtstr. 4— 44, Lessingstraße, Goethestr. 1— 19, Mozartstraße, Viktoriaplatz und Werkmeisterhaus.— Wahllokal: Ww. Weigel, Türrschmidtstr. 45. — Kandidat: Hermann Müller, Gcwerkschaftssckretär. 7. Bezirk, umfassend: Prinz-Albert-Straße, Liebigstraße, Rat- Hausstraße, Portlandstraße, Neue Prinz-Albert-Straße, Fischer- straße, Leopoldstraße, Emanuelstraße, WagenknechtShof, Wilhelm- straße, Fricdrichstraße und Schlichtallee.— Wahllokal: Gorgas. Neue Prinz-Albrecht-Straße 79/71.— Kandidat: Schenkwirt Albert Gorgas. Schmargendorf. Gemrindewähler der 3. Klasse. Nur'ein Tag trennt uns noch von der Gemeindewahl. Es ist daher die Pflicht eines jeden, diesen Tag noch zu intensiver Agitation für den sozial« demokratischen Kandidaten, Schlosser Paul Guttbier, aus- zunutzen.— Zugleich ersuchen wir die Genossen, bereits um 4 Uhr im Wahllokal anwesend zu sein, um dafür zu sorgen, daß die Wahl ihren vorschriftsmäßigen Verlauf nimmt. Mahlsdorf a. d. Ostbahn. Am heutigen Dienstag, von 4 bis 7 Uhr nachmittags, finde! die Ergänzungs- und Ersatzwahl zur Gemeindevertretung statt. Kandidaten sind für die Ergänzungswahl auf 6 Jahre der Genosse Robert O e r t e l, für die Ersatzwahl auf zwei Jahre der Genosse Albert Schmidt. Wir ersuchen die Genossen, sich pünktlich 4 Uhr im Wahllokal einzufinden. Mablergebmft?. PeterShagen bei Fredersdorf. Das Ergebnis der am 7. d. M. stattgefundenen Gemeindevertreterwahl in der dritten Klaffe tvar: Grundbesitzerverein 17, Sozialdemokratie 29, und für die sich „liberale Bürgerpartei" nennenden Konservativen 26 Stimmen. Es mutz also Stichwahl stattsinden, dieselbe ist zum Sonnabend, den 14. d. M.. nachmittags von 3— 47z Uhr angesetzt. Benutze jeder die kurze Zeit zur Agitation für unseren Kandidaten. Bei der Haupt- wähl haben leider sehr viele Arbeiterwähler gefehlt, diese müssen am Tage der Stichwahl aus die Beine gebracht werden. Charlottenbnrg. Mit dem Bau eines Asyls für Obdachlose soll nun endlich Ernst gemacht werden. Bereits im Jahre 1994 haben die städtischen Körperschaften einen vom Hochbauamt aufgestellten Bauentwurf für den Ausbau der Fainilienhäuser in der Sophie-Charlotten-Straße zu einem Asyl für Obdachlose genehmigt, den Zeitpunkt der Jnangriff- nähme des Baues aber einer späteren Beschlußfassung vorbehalten. Ein im Jahre 1996 gestellter Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, den Bau sofort in Angriff zu nehmen, wurde abgelehnt, obwohl die Kosten des Baues bereits in der Anleihe von 1995 bewilligt waren. Jetzt endlich ist auch der Magistrat zu der Ansicht gc- kommen, daß es so wie bisher nicht weiter geht, zumal da auch der Polizeipräsident die weitere Aufnahme der nächtlich Obdachlosen in Polizeigewahrsam nur noch bis zur Fertigstellung des neuen Polizeipräsidiums gestatten will. Aus diesem Grunde und weil die Familienhänser schon fast baufällig sind, soll jetzt endlich der Beschluß von 1994 verwirklicht werden. Der Entwurf hat eine Abänderung erfahren, die eine Erhöhung der ursprünglich auf 162 999 M. berechneten Baukosten aus 232 999 M. zur Folge hat. Da für die Mehrkosten von 129 999 M. keine Deckung vor- Händen ist, sollen sie vorbehaltlich der Genehmigung des Bezirks- ansschuffes durch ein vorübergehendes, aus der nächsten Anleihe zurückzuzahlendes Darlehen aus der städtischen Sparkasse entnonunen werden. Weiter hatte die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat ersucht, mit den Gemeindeverwaltungen von Groß-Berlin behufs Einrichtung eines gemeinschaftlichen Asyls für Obdachlose für Groß-Berlin in Verbindung zutreten. sowie Erwägungen darüber einzuleiten, ob es sich nicht empfiehlt. 'iir diese Zwecke einen Zweckverband innerhalb Groß-Berlins anzustreben und ferner eine Erweiterung des Asyls dahin vor- zunehmen, daß auch ledige obdachlose Personen darin aufgenommen werden können. Wegen des gemeinsamen Asyls für Groß-Berlin sind die Verhandlungen eingeleitet, aber ein Ergebnis ist noch nicht abzusehen. Ledige obdachloie Personen sollen Aufnahme finden, falls ie in Charlottenburg obdachlos werden und nach Lage der Ver- Hältnisse anzunehmen ist. daß sie ein sofortiges anderweites Unter- kommen nicht finden können. Darüber hinaus will weder der Magistrat noch die Armendirektion gehen, aus Fnrckt, daß, falls in Charlottenburg ein allgemeines Asyl für Obdachlose wie in Berlin besteht, alle Obdackilvst.l aus Groß-Berlin, denen der Weg nach dein Charlottenburger Asyl näher als nach dem Berliner ist, es vorziehen würden, das Charlottenburger Asyl aufzusuchen. Der neue Enlwurf sieht 69 Familienwohnungen vor. In ihnen ollen(ohne Verpflegung) ausgenommen werden in Charlottenburg orlsangehörige Frauen, insbesondere mit zahlreichen Kindern, bei denen nach Lage der Verhältnisse vorauszusehen ist, daß sie sich in einer selbst gemieteten Wohnung auf die Dauer nicht behaupten können; ferner solche Familien» die ursprünglich in geniein- ichastlichen AufenthaltSräninen Unterkunft gefunden hatten, aber innerhalb vier Wochen keine eigene Wohnung gefunden haben. In den gemeinschaftlichen Ansenlhaltsräninen, dem eigentlichen Asyl, sind die Geschlechter getrennt. Hier wird entweder Tages- und Nacht« obdach mit Verpflegung, vorübergcbend auf längstens vier Wochen, oder nur nächtliches Obdach ohne Verpflegung bis zur Dauer von einer Woche gewährt. Tages- und Nachiobdach mit Verpflegung können erhalten Familien, die in Charlottenburg wohnen und hier obdachlos werden, sowie Familien, die, ohne bis dahin in Charlottenburg gewohnt zu haben, auS bc- sonderen Gründen hier obdachlos dastehen und von der Polizei dem Obdach zugeführt werden. Nächtliches Obdach ohne Verpflegung wird einzelstehendcn Männern und Frauen gewährt, die in Charlottenburg obdachlos werden, sofern nach Lage der Verhältnisse anzunehmen ist, daß sie ein sofortiges anderweites Unterkommen nicht finden können. Abweichungen von diesen Grinidfötzen in Einzelheiten bedürfen der Genehmigung der Armcndirektion. Infolge Bchindcninq des Referenten kann der von der All- gemeinen Ortskrankeiikasse iür die vereinigten Gewerbebetriebe Charlottenbnrgs zu Charlotnubnrg am Mittwoch, den 11. d. Mts., abends 8 Uhr veranstaltete Bortrag über Augenheilkunde nicht statt- inden. Derselbe wird dagegen abgehalten werden am Moniag, den 16. März, abends 8 Uhr, in der Aula der 13. Gemeindcschnle, Nehringstr. 19. und zwar wird das vorerwähnte Thema der Spezialist auf dem Gebiete der Augeuheillunde Herr Professor Dr. Gunnann behandeln. Rixdorf. Bei der Wahl der Arbeltnehmerbelfitzer zum hiesigen Gewerbegericht wurden 6369 Stimmen abgegeben, die sämtlich auf die Kandidaten des Gewerkschasislartells entfielen. Die Gegner mögen wohl eingesehen haben, daß es für sie zwecklos ist, eigene Kandidaten aufzustellen. Gegen 1996 haben wir ein Mehr von rund 2899 Stimmen zu verzeichnen. Trotz des erfreulichen Stimmenzuwachses hat ein erheblicher Teil der Arbeiter sein Wahlrecht nicht ausgeübt. Ein Automobil in Flammen. Infolge einer Explosion ist gestern nachmittag'ein Automobilbrand entstanden. Der Chauffeur einer Automobilwerkstätte hatte in der Verlängerten Kncsebeckstraße mit einem neuen Kraftwagen Probefahrten unternommen. Während der Fahrt ertönte plötzlich eine gewaltige Detonation und im nächsten Augenblick schoß eine mächtige Flammengarbe aus dem Benzin- bchälter des Autos heraus. In wenigen Sekunden stand der ganze Wagen in hellen Flammen. Nur durch schnelles Ad'pringcn ver- mochte sich der Chauffeur zu retten. Die alarmierte Feuerwehr konnte nur noch die rauchenden Trümmer des Automobils ablöschen. Trcptow-Baumschulenweg. Zwei neue Typhnsfälle sind, wie der Bürgermeister Schablow in der Gesundheitskommission mitteilte, neuerdings vorgekommen. Der erste Fall ereignete sich wieder in einer Schlächterei und zwar in der des Hauseigentümers und Schlächtermeisters Krabben- Kost, Behringstr. 12. Erkrankt ist der Schiächtergeselle Tietze. Der Kreisarzt Mcdizinalrat Dr. Elten betonte, daß nach den bis- herigen Ermittelungen ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Wasser der Brunnenanlage auf dem Krabbenhöftschen Gehöft mit der Thphuserkrankung nicht angenommen werden kann. Trotz. dem habe er die Untersuchung des Wassers veranlaßt, das Resultat tche noch aus. Genosse Karow als Mitglied der Gesundheits» kommission hatte bereits am 2. August 1997 darauf hingewiesen. daß das Grundstück unsauber sei und daß das Brunnenwasser im Schlachthaufe verwendet wurde. Auf dem für diesen Zwed aus.| Stelle des letzteren wurde Tapezierer Schliemann gewählt. Die zufüllenden Fragebogen hatte Genosse Starom vermerkt, daß die Hundesteuer beträgt von mun an 15 M. für einen Hund, für den Verwendung des Brunnenwassers bei Herstellung von Nahrungs- zweiten 20 und für jeden weiteren Hund 25 M. mitteln eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit sei, um so Trebbin( Streis Teltow). mehr, als wenige Wochen vorher die Königliche Versuchs- und Prüfungsanstalt für Wasserversorgung und Abwässerbeseitigung ein Gutachten dahingehend abgegeben habe, daß das Brunnenwasser am Orte in chemischer Beziehung mehr oder weniger starte Verunreinigung gezeigt habe, so daß es zum Genuß für Menschen und Tiere nicht zu empfehlen sei. Diesem Gutachten hat sich auch der Kreisarzt vollinhaltlich angeschlossen. Aus diesen Gründen befürtoortete Genosse Karow auf dem Fragebogen für das Krabben höftsche Grundstück die sofortige Beseitigung oder polizeiliche Schließung des Brunnens. Dieser Anordnung ist nicht Folge gegeben worden. Als Grund dafür gab Bürgermeister Schablow an, daß zunächst die öffentliche Wasserleitung vom Vorderhause 5 bis 6 Meter weiter nach dem Schlachthause geleitet wurde. Auch habe das Brunnenwasser noch besonders untersucht werden müssen. Nach der Erkrankung des Tieze wurde aber der Brunnen auch ohne befondere Untersuchung des Waffers polizeilich geschlossen. Im zweiten Fall handelt es sich um den Einwohner Schober, der von Liebe infiziert sein soll. Die Schließung des Schlächterladens haben die Aerzte bisher nicht für notwendig gehalten, soll aber erfolgen, wenn bei einem der Eheleute Krabbenhöft Krankheitserscheinungen eintreten. Nach unserer Meinung hätte das Geschäft schon mit Bekanntwerden des ersten Typhusfalles geschlossen werden müssen. Ferner ist ein Fall von Genidstarre, ebenfalls in der Behringftraße, zur Anzeige gelangt. Bei der vorhandenen Ansteckungsgefahr werden die Einwohner Baumschulenwegs erneut auf die im vorigen Jahre allgemein verbreiteten Merkblätter verwiesen. Ein Polizeibureau und Einwohnermeldeamt ist in dem Gebäude der Gemeindeschule 1, Bouchéftr. 75, für den innerhalb der Ringbahn gelegenen Ortsteil errichtet worden. Hiervon wollen auch die Rigdorfer Bewohner, welche am 1. April d. J. eingemeindet werden, Notiz nehmen. Das Bureau ist an den Wochentagen von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags geöffnet; an Sonn- und Festtagen ist das Bureau geschlossen. Rummelsburg. Die Wahlen der Beisitzer zum hiesigen Kaufmannsgericht aus dem Kreise der Handlungsgehülfen hatte folgendes Ergebnis: Abgegebene Stimmen 53. Davon entfielen auf die Liste 1 des Deutschnationalen Verbandes 17 Stimmen( 2 Beisiger), auf die Liste 2 des Zentralverbandes der Handlungsgehülfen und Gehülfinnen Deutschlands 11 Stimmen( 1 Beisiger), auf die Liste 3 des Hirsch- Dunderschen Vereins der deutschen Kaufleute 25 Stimmen( 2 Beisitzer). Der Verein der deutschen Kaufleute verliert gegen die vorige Wahl zwei Beisiger, der Zentralverband sowie der Deutschnationale Verband gewinnen je einen Befizer. Beide bürgerlichen Verbände haben Stimmen eingebüßt, während die Stimmenzahl des Zentralverbandes von 3 auf 11 gestiegen ist. Wannsee. Zu einer Auseinandersehung mit den Antisemiten tam es in einer von Antisemiten einberufenen Versammlung, in der die Häuptlinge Zimmermann, Werner und Gräf das Thema: politische Lage und die Blockpolitit" behandelten. 8um eigentlichen Die Ueber das neue Vereins- und Versammlungsgesetz sprach am Donnerstag der Reichstagsabgeordnete Emmel im Viktoriagarten. Die Versammlung, die besser besucht hätte sein können, nahm einstimmig eine Resolution an, die die Stellung der Reichstagsfraktion bollständig billigt und den Gesezentwurf ablehnt. Vermischtes. " Briefkaften der Redaktion. N. 333. Leider nein. sonst leider nicht. Die juristische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 8, swelter Sof, dritter Eingang, vier Treppen, Fahrstuhl wochentäglich abends von 7 bis 9% thr statt. Geöffnet 7 Uhr. Eine erregte Auseinandersetzung spielte sich in der letzten Stadt- Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ift ein verordneten- Bersammlung ab. Von den Stadtverordneten erklärte Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort fich niemand bereit, das Protokoll zu führen, weshalb der Stadt- wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. sekretär Riehl gegen Entschädigung von drei Mark pro Sigung die Ihre Absicht, aus der Landeskirche auszuscheiden, mit und erklären dann, M. S. 114. Sie teilen dem Amtsgericht, in dessen Bezirk Sie wohnen, Führung desselben übernehmen soll. Im Laufe der Debatte hierüber ohne eine Ladung abzuwarten, in der Zeit vom 29. bis 42. Tage nach hatte auch der Schriftführer die Feder niedergelegt, so daß ein Eingang Ihrer Mitteilung Ihren Austritt zu Protokoll des Gerichts. richtiger Streit eintrat. Die Aufregung unter den Stadtvätern N. K. 4. Leider nein.- D. P. 100. 1. und 4. Ja. 2. und 3. Nein. wuchs noch mehr, als gar der Stadtv. Haase Beschwerde über zu M. N. 26. Bis am 13. Oftober 1908 tann Ihre Frau, wenn sie vor späte Einladung zur Versammlung führte. Der Etat für 1908 der Heirat mindestens 200 Marken geklebt hatte, Rückerstattung der Hälfte balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 85 000 m. gegen 87 800 der für sie geklebten Beiträge beanspruchen. Ratsamer ist es aber, weiter Mart im Jahre 1907. Der Zuschlag zur Staats- Einkommensteuer zu versichern. S. A. 13. Der Betreffende braucht nicht zu warten. beträgt 167 Prozent, Grund-, Gewerbe-, Gebäudesteuer 167 Prozent Chefcheidung ausgesprochen hat, Dispens vom Eheverbot nachsuchen. 2. D. 00. Nein. Sie müssen aber bei dem Landgericht, das die und Betriebssteuer 100 Prozent. G. G. 81. 1. Das ist möglich. 2. Nur wenn wegen des Ehebruchs die Ehe geschieden wird und der Mann die Bestrafung beantragt. 3. Das Potsdam. Kind gilt als eheliches. 2. F. 907. Ihre Ansicht ist nicht zutreffend. M. 27. 1. Mietsstempel wird für die Zeit vom 1. Janur bis 1. Januar oder für Teile derselben erhoben. 2. Sie müßten an beide zahlen. . H. 100. Seinen" ist richtig. M. G. 65. 1. Ja. 2. Der Bater Eine Klage wäre voraussichtlich erfolglos, da die Auslegung des Erbschafts haftet für die Schulden nicht. F. S. 19. 1. Nein. 2. Ja. R. F. 7. steueramtes zutrifft. R. P. 28. 1. Nach der Rechtsprechung keiner von beiden. 2. Die beiderseitigen Geschenke und Verlobungszeichen, die Ringe, Photographien und dergleichen sind zurückzugeben. 2. G. 1000. Leider ist der Wirt im Recht. Suchen Sie eine Einigung herbeizuführen. A. 2. 102. Sie können sich an das Berliner Polizeipräsidium Opfer des Bergbaus im Industriegebiet. Auf Zeche Carolus wenden, ratsamer ist aber wegen der Ueberfüllung ein Gesuch Magnus"-Borbeck, wurde der 27jährige Bergmann Fecke von herab- um zulassung an die Dresdener Polizeibehörde. 2. y. 3. Nein. fallenden Gesteinsmassen getroffen und auf der Stelle getötet. F. Bünger 37. Wenn die Abrede mit dem durch Steinfall. Es tonnte nur seine Leiche zutage gefördert alle derartige Anpreisungen, ein Schwindel. Sie tun gut, sich an einen Der Bergmann Spizer berunglückte auf Zeche„ Constantia 4 u. 5" Birt beweisbar ist, so würden Sie voraussichtlich den Prozeß gewinnen, 2. B. 28. Das Ihnen angepriesene Mittel ist wie werden. Durch einen zu früh losgegangenen Sprengschuß auf Arzt zu wenden.- Schwestern. Warten Sie ruhig das weitere ab. Die der Zeche Neu- Iserlohn"-Lütgendortmund, sind die beiden Hauer Forderung würde abgewiesen werden. J. R. 50. 1. Ein von der Stankowiak und Brameier berunglückt. Auf Zeche Matthias Polizei auszustellender Auslandspaß ist erforderlich. 2. Der Zentralverband Stinnes"-Carnap, wurde ein österreichischer Bergmann durch herein der Töpfer würde Ihnen am ehesten Auskunft geben fönnen. O. 8. 9. brechende Gesteinsmassen so schwer verletzt, daß er zeitlebens ein 1. Nein, 2. und 3. Ja.$. 100. Sie müßten die Sachen einschicken und Krüppel bleiben wird.. Auf Zeche„ Engelsburg"-Eppendorf stürzte baben dann ein Recht auf Selage gegen den Vater. M. W. 111. Rein. der Bergmann C. de Fries von einem Gerüst ab und war fofort freilich ist ein sicherer Erfolg der Klage nicht zu prophezeien. Dienstmädchen 20. Sie tönnten hernach auf Entschädigung flagen, 6. S. 30. tot. Auf Zeche Johanna Deimelsburg"-Steele kam der 45jährige 1. und 2. Ja. 3. Sie müssen Auskunft geben. Bergmann Wirz bei der Grubenarbeit unter herabfallende Kohlen genossenschaft Freie Scholle". Näheres Chauffee- Straße 14, Sprechstunde und war sofort eine Leiche. Der Bergmann Gießen wurde auf am Freitag 5-9 Uhr, sonst 5-6 Ubr. Julius und A. 7. Die Zeche„ Helene"-Alteneffen durch herabstürzendes Gestein erschlagen. Siftungsdeputation befindet sich Post- Straße 16, nicht Voß- Straße. Auf Zeche Präsident 2" geriet der Bergmann Borkowsky aus genügt die Adresse An die Stiftungsdeputation des Magistrats. K. M., Hamm unter hereinbrechende Steinsmassen und erlag seinen Ver- Steglitz. 1. Mein. 2. Beide sind zur Meldung verpflichtet. 2. M. 100. leßungen. Dasselbe Schicksal erfuhr aus derselben Ursache auf 1. Als Empfängniszeit gilt die Zeit vom 181. bis 302. Tage vor der Beche Franziska Tiefbau" bei Witten der Bergmann Adolf Hilde- Geburt mit Einschluß des 181. und des 302. Tages. 2. Engel- Ufer 15. Auf Zeche Rheinelbe", Schacht 1/2, zu ist das nicht zu entscheiden. 1. und 2. Dhne Kenntnis der Aften brandt aus Wengern. Gelsenkirchen, erlitt der Bergmann Be. durch Fall eine schwere Ver- Termines wäre evtl. Entschädigung zu verlangen. 3. Für die Tätigkeit außerhalb des 2. W. 100. Nein. leßung. Auf Zeche Alma" bei Gelsenkirchen, stürzte der Berg3. K. 102. Dhne Kenntnis des Sachverhalts, der Stassenstatuten und mann Winholt ab und wurde lebensgefährlich verletzt. Im des Aufforderungsschreibens ist Ihre Anfrage nicht zu beantworten. Bechenbahnhofe der Zeche Holland"-Gelsenkirchen, wurde der O. 2. 48. 1. Für die lekten vier Jahre wäre eine Forderung noch zu 16jährige Arbeiter Kreiter beim Gleisüberschreiten von einem erheben. 2. Die Mutter hat das volle Erziehungsrecht und fann die Heraus Rangierzug überfahren und getötet. gabe des Kindes verlangen. 3. Das Vormundschaftsgericht fann im Interesse des Kindes liegende Anordnungen treffen; in Ihrem Falle dürfte eine Ginigung mit der Mutter das ratsamfte sein. 2. M. 28. Versuchen sie teines der sogenannten Hausmittel, sondern übergeben Sie den Stoff einer chemischen Fabrit. Bernsdorf 6. Ja: Es handelt sich nicht um Christians. 1. bis 3. die Strafe, sondern um die Kosten des Verfahrens. und 5. Ausführliche Auskunft erhalten Sie in der Stiftungskommission des Ihrem Falle nicht zum Nachlaß. 2. R. 25. 1. Ja. 2. Nein. Die Versicherungsgelder gehörren in . G. 1908. 1. Sa, falls Ihre Frau bolljährig ist. Aber nur Ihre Frau, nicht Sie, ist zur Zahlung verpflichtet. 2. Die Firma fönnte gegen Ihre Frau auf Bahlung klagen. W. Sch. 777. Sie sind im Irrtum; Ihre Tochter muß so lange in der Schule bleiben, bis Sie das Abgangszeugnis erhält. Der Ablauf der acht Jahre befreit nicht vom weiteren Schulbesuch. Kopenhagen 46. 1. Durch Scheuern mit Rifotinjauche und durch Zitronensaft, der in die Wäsche zu 20. 63. Sa St. Sz. 13. Der fräufelt ift. 2. Leider mein. 7. G. 109. Nein. Zwei Wettende. Ja.. Berwalter ist im Recht. das beste ist, sich vorher mit dem abziehenden Wieter zu verständigen E. B. 33. Ihnen muß am Erften ein Zimmer eingeräumt werden; " 3. Nein. Löschke 2. C. A. 100. BauEs Thema wurde weniger gesprochen, in der Hauptsache schimpften die tragen über 22 Millionen Mart, die artilleristischen Armierungskosten Magistrats, Boststr. 16. 4. Die event. Rente steht Ihnen und nicht dem Stift zu. Stapellauf. Auf der Staatswerft Wilhelmshaven lief am Sonnabend das neue Linienschiff„ Ersatz Bayern" vom Stapel und erhielt bei der Taufe den Namen„ Nassau". Das Deplacement diefes neuen Koloffes beträgt etwa 18 000 Tonnen. Seine Baukosten be13 Millionen und die Torpedoarmierung etwa 1 Million, so daß das fertige Schiff die Summe von 36 Millionen Mark verschlungen haben wird. Zur Bedienung sind 860 Mann erforderlich, etiva 130 Mann mehr, als unsere bisherigen größten Schiffe an Besatzung aufweisen. Auch ein Fortschritt"! Redner nach Herzenslust über die Sozialdemokratie und deren Führer. Außerdem bliesen sie in die alte Trompete von der Rettung des Mittelstandes. Genosse Küter- Schöneberg trat den Ausführungen in der Diskussion erfolgreich gegenüber und erbrachte den Nachweis, daß der versinkende Mittelstand nur einen Bundesgenossen in dem tlassenbewußten Proletariat habe, wenn er Schulter an Schulter Verschüttet. Nach einer Meldung aus Innsbrud, ging bors mit demselben für eine bessere Zukunft kämpfe. Die Versammlung gestern nachmittag am Latscher Koft eine Lawine nieder, die den brachte auf diese Weise für uns neue Anhänger. teled and 24 jährigen, ander hiesigen Universität studierenden Deutschen Eduard Speck, der mit mehreren Teilnehmern eine Stitour unter Friedrichsfelde. ang suda renommen hatte, mitriß und begrub. Gestern früh sind von Inns Die Gemeindevertretung beschloß in ihrer letzten Sigung, Ein- brud zwei Rettungsexpeditionen abgegangen. Es ist jedoch sicher, fommen bon 420-660 m. fünftig steuerfrei zu lassen. Bereits im daß der Verunglückte nur als Leiche geborgen werden fann. Januar hatten die sozialdemokratischen Gemeindevertreter beantragt, Feuer an Bord. An Bord des mit Salpeter befrachteten Gemeindeſteuern von 420-900 m. nicht mehr zu besteuern. Der französischen Dampfers" Pleir" ist einer Meldung aus Bilbao zus Gemeindevorstand trat in seiner Vorlage dem Antrage bei, soweit folge ein Brand ausgebrochen. Jeder Löschversuch ist unmöglich, da es den fingierten Steuersatz von 2,40 m. betraf; mit dem Steuerfaz jeden Augenblick heftige Explosionen erfolgen. Man sieht sich gevon 4 M. müsse indes noch gerechnet werden, da die Gemeinde mit nötigt, das Schiff zu versenken, um eine Katastrophe hintanzuhalten. Stationen den Einnahmen jährlich 3000 m. noch rechnen müsse. Bergebens befämpfte Genosse Pinseler die Weitererhebung dieses Explosion einer Naphthagrube. Wie aus Boryslaw( Galizien) Steuerfazzes. Gegen 4 Stimmen( der Gemeindevertreter Bube, berichtet wird, fand gestern abend in Tustanowice in einem Schachte Metzner und der beiden Sozialdemokraten) wurde die Weiter der der Firma Laszcz gehörenden Naphthagruben eine Explosion statt. erhebung beschlossen. Des weiteren wurde beschlossen, Steuerbeträge Der Schacht ist gänzlich eingeäschert, der Bohrturm zertrümmert. bis 0,50 W. nicht mehr zu erheben. Zwei Arbeiter erlitten schwere, einer leichte Brandwunden. Eingegangene Druckfchriften. Bei der nochmaligen Wahl der Schuldeputation- die in voriger Sigung erfolgte Wahl hat die Aufsichtsbehörde nicht anerkannt, weil nicht per Bettel abgestimmt wurde beantragte Genosse Pinseler wiederum, die Zahl der Mitglieder zu erhöhen, um so neben dem üblichen Rektor in Kategorie III auch einen Lehrer wählen zu„ Süddeutscher Postillon", Nr. 6 ruft in seinem farbigen Titelbild fönnen. Redner wies nach, daß der§ 44 des Schulunterhaltungs- den diden Pod in die Schranken mit seinem Ausspruch: man müsse vor Das zweite Farbenbild kennzeichnet allem die hohen Löhne abschaffen. Auch der hiesige gesetzes eine Verstärkung der Kategorie III zulaffe die Stüßen des Thrones. I Ein drittes schildert die soziale Wohlfahrt und Lehrerverein hatte- wie erst nachträglich bekannt wurde einen das Schlußbild eine öffentliche Striegsverhandlung an Bord eines LuftAus dem reichen literarischen Inhalt heben wir das Leitgedicht entsprechenden Antrag an die Gemeindeverwaltung gerichtet, welcher schiffes. eigentümlicherweise nicht zur Verlesung gelangte. Der Gemeinde- Bor sechzig Jahren" hervor. Das Lied der Arbeit, Gedicht von Ludwig vorsteher ließ Gegengründe nicht gelten. Gegen vier Stiminen Bratsch. Preußische Sittenrettung, Gedicht. Polnische Karniceljagd mit wurde die Vermehrung abgelehnt. Bemerkenswert ist, daß Hindernissen und eine Reihe Beiträge, die sich mit den stürmischen Erfast ausnahmslos diejenigen, welche ihre Kinder in höhere eignissen beschäftigen, die seit langem der böse März der braven Welt bes Schulen schicken, die Verstärkung der Schuldeputation für die Volts in München wie durch alle Buchhandlungen und Filialen die Nummer für fchert. Der„ Süddeutsche Postillon" ist durch den Verlag von M. Ernst schule ablehnten. Für Erweiterungen der Gemeindeverwaltung 10 Bf. zu erhalten. wurden verschiedene Summen verlangt, so für die Bureauzimmer Reclams Universalbibliothek. Nr. 4971. Ottilie Wildermuth, einrichtung 700 m., für die Einstellung eines Vermessungstechnikers Hagestolze. Erzählungen. Geb. 60 Pf. Nr. 4972. Paul Lindau, Die jährlich 1800 m., für dazugehörige Sülfsarbeiter 1500 m., des- Brüder. Schauspiel in vier Aufzügen. Nr. 4978-4976. Samuel Smiles, gleichen für zwei Hochbautechuifer je 2400 m. Für die Sparfamkeit. Aus dem Englischen. Geb. 1,20 M. Nr. 4977. Giovanni Gemeindeschule im Drtsteil Karlshorst wurde die Er- Berga, Erst mein, dann dein. Roman. Nr. 4978. S. Hermann Mosen. von zwei neuen Lehrerstellen beschlossen. Für die thal, Deborah. Boltsschauspiel in vier Aufzügen. Nr. 4979. 4980. richtung Magerbiehhof ist F. W. Hackländer, Das Soldatenleben im Frieden. Geb. 80 Pf. EinzelAufrechterhaltung der Ordmung auf dem ein Nachtrag zur betreffenden Polizeiverordnung beschlossen. Hiernach nummer brosch. 20 Pf. Berlag Ph. Reclam in Leipzig. Bericht über die Tätigkeit der Bahlstelle Berlin des Deutschen Holzdürfen Viehbegleiter, Treiber usw. den Viehhof nicht früher betreten, arbeiterverbandes 1907. 144 Seiten. Selbstverlag. bis das von ihnen begleitete Vieh vom Tierarzt als feuchenfrei Weltgeschichte. Lieferung 7-9. Herausgegeben bon Profeffor erklärt ist. Bei der Neuwahl des Kuratoriums der Fortbildungs- Dr. J. v. Bflugt- Harttung. Berlag Ulstein u. Ko., Berlin SW. 68. schule wurden die früheren Mitglieder, darunter auch Genosse Pinseler Der Bürgerkrieg. Drama in 5 Aufzügen von J. Brod. 2,40 Str. mit Ausnahme des Arbeitnehmers Werdermann wiedergewählt; an Verlag: Wiener Boltsbuchhandlung J. Brand, Wien VI. Witterungsübersicht vom 9. März 1908, morgens 8 Uhr. Swotnemde 758 Hamburg 749 5 Berlin 755 SW Franff.a M 756 SW München 761 SW Wien Belter Stationen 4 Haparanda 769 D 8 Petersburg 765D 4 bedeckt 5 bedeckt 4 bedeckt 7 Scilly 3 wolfig 4 wollig 6 Baris 764 SW 1 bedeckt 3 8 berbeen Beller Zemp. n. C. -10 2Schnee-6 2 woltig 752 29 6 bedeckt 725 SW 2 bedeckt 756 S 6 Regen 9 Wetterprognose für Dienstag, den 10. März 1908. Etwas fühler, veränderlich, vorwiegend trübe mit Niederschlägen und starten westlichen Winden. Berliner Betterbureau. Wafferstands- Nachrichten ber Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt bom Berliner Wetterbureau. Wasserstand memel, Tilfit Bregel, Insterburg Weichse!, Thorn Dder, Ratibor am feit 8. 3. 7. 3. cm¹) Havel, Spandau) 154-2 Rathenow) 178 0 Spree, Spremberg³) 124 Beeskow 221 56 143 am feit Wasserstand 8. 3. 7. 8. cm 3373)+7 Saale, Grochliz cm cm¹) 157 2133) 272)+12 172+3 264 258 2 eser, Münden 292 289 131 Kaub 248 43 Köln 367+29 -51 +4 Redar, Heilbronn 113 255 Main, Wertheim 196 Magdeburg 218 -14 Mosel, Trier 261 )+ bedeutet Wuchs, (* Eisfrei. Fall. 2) Unterpegel. Eisstand. Krossen Frankfurt Barthe, Schrimm Landsberg Neze, Bordamm Elbe, Leitmeriz Dresden Barby Minden Rhein, Marimiliansau 390 700 Sunficht Seife Pulz- und greift nichts an, nur den Schmutz, den aber gründlich! Das wissen alle Putz- und Waschfrauen, welche diese Seife aller Seifen einmal versuchten und nun immer wieder verwenden!- Beweis: Stetig wachsender Absatz! Dr. Simmell Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, dicht am Moritzplatz, 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. CHATZ Brunnenstr. 160 ( Eing. 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