Nr. 61. Abonnements- Bedingungen: B bonnements Preis pränumerando Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene stolonel geile oder deren Raum 50 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinss und Versammlungs- Anzeigen 80 Pig. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Zur Wahlrechtsbewegung. Donnerstag, den 12. März 1908. and stark gemacht, die Arbeiterklasse organisiert und mit Klassenbewußtsein erfüllt, und wenn das deutsche Proletariat heute so mächtig dasteht, ist es vor allem der Aufklärung durch den parlamentarischen Kampf zu verdanken. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Auch die preußlichen Beamten gehen leer aus. Jetzt fühlt es sich start genug, den Kampf um das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht für Preußen Die bürgerlichen Parteien des preußischen Abgeordnetenhauses In dem Dreiklassenwahlrecht liegt für den suchen sich in ihrem Wettbewerb um die Gunst der Beamten, deren Als die ökonomische Entwickelung in Deutschland immer zu beginnen. tärker das Bedürfnis nach einem kräftigen Einheitsstaat Arbeiter alle Polizeiwillfür, alle Rechtlosigkeit, alle Schul- Stimmen sie bei den bevorstehenden Wahlen brauchen, einander hervorgerufen hatte, wurde dieser zuerst im Norddeutschen Pfafferei, alles was tagtäglich empört und verbittert, enthalten; den Rang abzulaufen. Nicht weniger als vier Interpellationen, Bund, dann im Reiche, in der Zwittergestalt eines Staaten- daher muß der Kampf zur Aufhebung dieses Wahlrechts in der Konservativen, der Freikonservativen, des Zentrums und der der großen Volksmasse überall Sympathie hervorrufen; daher vereinigten Linken, standen am Mittwoch auf der Tagesordning bundes zusammengezimmert, in dem die alten Staaten einen bildet dieser Ruf eine geeignete Losung zur Entfachung der Sitzung des Abgeordnetenhauſes, um der Regierung zu Gea bedeutenden Teil ihrer Selbständigkeit behielten. Die Vereiner großen Massenbewegung. Aber leicht wird der müte zu führen, wie notwendig die Gehaltsaufbesserung der Beteilung der Befugnisse fand dergestalt statt, daß dem Reiche nicht sein. In Ländern mit einer noch amten ist. Bekanntlich sind die Beamten des Außendienstes im diejenigen Gebiete zugewiesen wurden, die im Interesse des ampf nicht Kapitalismus einer modernen Ausgestaltung notwendig be- schwachen Arbeiterbewegung ist das Ziel des allgemeinen Jahre 1907 mit Gehaltserhöhungen bedacht worden; die Throndurften, alles andere den Einzelstaaten überlassen blieb. So Wahlrechts leichter erreichbar, weil die Bourgeoisie ganz gut rede, mit der die laufende Session eröffnet wurde, stellte die Durch= wurden Zoll- und Verkehrswesen, Handels- und Gewerbe- weiß, daß ihr dabei doch die Herrschaft gesichert bleibt. Für führung der durch den Etat für 1907 begonnenen Aufbesserung der politit, Striegswesen, Schiffahrt und Konsulatswesen, aus die Junker liegt die Sache schlimmer; mit der Ersetzung des Gehälter der Lehrer, Geistlichen und Beamten in Aussicht, aber ländische Beziehungen zur Reichssache, während die ganze Ver- Dreiklassenwahlrechts durch das allgemeine ist es mit ihrer bisher ist das Versprechen noch nicht erfüllt, obwohl der Finanzwaltung Landessache blieb. Die Folge war, daß sich im darüber sein: das allgemeine und gleiche Wahlrecht ist in Ginzelheiten des Planes gemacht hatte. Die Folge war, daß sich im Herrschaft zu Ende. Deshalb müssen wir uns ganz flar minister bereits am 11. Dezember genaue Angaben über die Reiche alles zusammenfand, was einen modernen Zug hatte; Preußen nur durch die völlige Niederwerfung Die Beamten, die noch immer voller Vertrauen zu der Res Genau wie dort fühlte man den kräftigen frischen Wind einer gewaltigen ber Junker zu gewinnen; um einen billigeren Preis ist gierung aufblidten, sind bitter enttäuscht worden. ökonomischen Entwickelung; die Klassenkämpfe der modernen der Vertreter der verbündeten Regierungen im Reichstage, so era es nicht zu haben. Zeit spielten sich auf seinem Boden ab, und für das Reich war Die Junker aber verfügen über die ganze Regierungs- flärte der Vertreter des preußischen Staatsministeriums im Abdeshalb auch das allgemeine Wahlrecht, das den Arbeitern die gewalt, über alle Machtmittel des Staates. Und die geordnetenhause, daß die Absicht, die Besoldungsvorlage noch in Teilnahme an den politischen Kämpfen ermöglicht, unver- Bourgeoisie steht bei diesem Kampfe größtenteils auf dieser Seffion dem Landtage zu unterbreiten, sich nicht verwick meidlich. Dagegen behielt die ganze Verwaltung ihren rückihrer Seite. Wir haben also die ganze herrschende lichen laffe. Zwar spielt für Preußen die Deckungsfrage nur eine ständigen Charakter, unberührt von dieser Entwickelung, die, Klasse mit der Staatsgewalt uns gegenüber. Unser untergeordnete Rolle, aber die Regierung hält es für zweckmäßig, wie die ganze deutsche Einheit, den alten preußischen Dieser Grund ist so wenig stichhaltig, wie nur irgend denkbar, Herrschern äußerst zuwider war, und dem entsprach auch das Stampf um das gleiche preußische Wahlrecht ist also nicht auf das Vorgehen im Reiche zu warten. eine spezielle Bewegung für irgend eine erwünschte Reform, Fortbestehen des Dreiklassenwahlrechts in Preußen. Die sondern er ist der Klassenkampf selbst zwischen der herrschenden und im Laufe der Debatte mußte der Finanzminister das auch sonderbare Mischung eines hochentwickelten Kapitalismus und felbst zugeben. Denn auf die Anfrage, ob Preußen auch dann noch rückständiger reaktionärer Verwaltungsformen findet in dieser Klasse und dem Proletariat. Das will nicht sagen, daß unsere Forderung des all- warten wolle, wenn im Herbst die Reichsfinanzreform nicht zuTeilung der Gewalten zwischen Reich und Einzelstaat ihren gemeinen Wahlrechts in Preußen überall außerhalb des stande komme, erwiderte Herr v. Rheinbaben, daß Preußen unmittelbaren und äußeren Anlaß. Nun war das Dreiklassenwahlrecht seiner Natur nach ein Nun war das Dreitlassenwahlrecht seiner Natur nach ein Proletariats auf Widerstand stoßen wird. Es gibt auch unter dann für sich vorgehen würde. Wenn das aber im Herbst möglich fapitalistisches, ein Geldfacwahlrecht, und man tönnte er der Bourgeoisie Schichten, die Interesse daran haben, daß die ist, warum sollte es dann nicht auch schon jetzt möglich sein? Vou kapitalistisches, ein Geldsackwahlrecht, und man könnte er- Macht der Junker eingedämmt wird, Schichten, die unter ihrer dem Wohlwollen der Regierung werden die Beamten nicht fatt, warten, die kapitalistische Bourgeoisie würde im preußischen Herrschaft zu leiden haben und die einen Vorstoß gegen jene ist durchaus unzulänglich. Die Vertreter der Regierung meinten, und die Teuerungszulage, die ihnen weiter gewährt werden soll, Parlament wie es tatsächlich in den sechziger Jahren ge- hochnäßigen Herren nicht ungern sehen würden. Wenn schah- und daher auf die Dauer in der ganzen preußischen bann eine energische Aktion der Klassenbewußten Arbeiter- baß sie materiell ja das Versprechen der Thronrede einlösen, denn in der Thronrede sei nur gesagt, daß den Beamten, Lehrern und Regierung herrschen. Daß es anders gekommen ist, liegt an schaft diejenigen Proletarier mitzureißen droht, die Geistlichen die Wohltat der Gehaltserhöhung vom 1. April 1908 der Einwirkung des proletarischen Klassenkampfes. Mit dem Wachsen der Arbeiterbewegung wurden die re- iezt noch in der Gefolgschaft bürgerlicher Parteien( Freifinn ab zuteil würde. Das solle auch geschehen, die späteren Gehaltsund Zentrum) marschieren, wird man sich dort, aus Furcht, aufbesserungen würden rüdwirkende Kraft erhalten. Bei dieser aktionären Neigungen der Bourgeoisie immer stärker; ihre sie ganz zu verlieren, zu einer attiveren Wahlrechtsfreundlich Ausrede vergaßen die Herren von der Regierung nur das eine, Hauptsorge wurde, das Proletariat niederzuhalten. Als diese teit bequemen müssen. So wird zugleich mit unserer Be- daß nämlich die Thronrede von jedem Menschen so verstanden ist, Absicht auf dem Wege der Reichsgesetzgebung mißlungen wegung und durch sie in dem Bürgertum eine Bewegung für daß die Gehaltsregelung noch vor dem 1. April durchgeführt werden daß nämlich die Thronrede von jedem Menschen so verstanden ist, der Kampf gegen die Arbeiter auf Wahlreform entstehen, die, als eine Spaltung unserer Gegner, daß die Gehaltsregelung noch vor dem 1. April durchgeführt werden sollte. dem Wege der Verwaltung, mittels Polizei und Schule unsere Sache nur fördern tann. Das ist dann ein neuer Die Debatte selbst war herzlich belanglos. Ob Serr übrig. Für diesen Kampf waren aber die Junker Fall der allgemeinen Erfahrung, daß bei einer träftigen maltewitz von den Konservativen in hohlem Bathos in Be mit ihrer beschränkten, reaktionären Brutalität biel Aftion des Proletariats die herrschende Klasse sich spaltet; amtenfreundlichkeit macht, ob Herr Dietrich Hahn der Linken des geeigneter als eine modern angehauchte liberale Intelligenz. ein Teil will durch starre Verweigerung und Gewalt, der Reichstags den Krieg erklärt oder ob Herr Müller aus Berlin Die liberale Intelligenz als Verwalter in Preußen wäre im andere durch Zugeständnisse und Irreführung des Klassen- seinen Mitbürgern fund und zu wissen tut, daß die Freisinnigen stande, die Arbeiter als gleichberechtigte Bürger zu behandeln bewußtseins die Bewegung eindämmen. einen schweren Wahlkampf gegen agrarische und soziale Demagogie und ihnen auf der Volksschule modernes Wissen, das sie bloß Die einzige Gefahr einer bürgerlichen Wahlrechts vor sich haben, den sie aber mit Ehren bestehen werden, ist sowohl unzufriedener machen fönnte, beizubringen. Also überließ bewegung liegt für das Proletariat darin, daß es deren für die Beamten als auch für die Allgemeinheit gleichgültig. sie den Junkern die Herrschaft in Preußen; die wirklichen Charakter nicht durchschaut und sich von ihr irreführen Wichtig ist einzig und allein das Ergebnis, daß die Beamten wieder großen materiellen Interessen der Bourgeoisie wurden ja doch läßt; daß es glaubt, von dieser Seite Bedeutendes erwarten einmal auf die Zukunft vertröstet werden. Die Regierung berlangt war, blieb nur im Reichstage verfochten und nicht in den Landtagen. Der Aufstieg des Proletariats hat bekanntlich bewirkt, zu können und sich nicht mehr auf die eigene Straft allein ber von ihnen zwar bei den Wahlen die Betätigung ihrer patriotischen daß die Bourgeoisie die Junkerklasse als Verteidiger der heutigen läßt. Wenn es zu einem wirklichen Stampf kommen wird, Gesinnung, d. h. ein Gintreten für die ihr genehmen Kandidaten, daß die Bourgeoisie die Junkerklasse als Verteidiger der heutigen wird die ganze Bourgeoisie vielleicht mit Ausnahme einiger fie fürzt den Beamten ihre staatsbürgerlichen Rechte, indem sie Ordnung gebraucht und ihr deshalb einen bedeutenden Zeil Ideologen sich darauf befinnen, daß die Junterherrschaft ihnen das Petitionsrecht und das Vereinsrecht nimmt, aber ihren des von den Arbeitern produzierten Mehrwertes überlassen zum Zwecke des Niederhaltens der Arbeiter da ist; fie wird Pflichten als Arbeitgeber, der seine Angestellten ausreichend entmuß. Die Funktionsteilung zwischen Reich und Staat er klärt, weshalb die Bourgeoisie die Herrschaft in der Haupt- bor der Aussicht, allein aus eigener Kraft ein mächtiges Pro- lohnt, fommt sie nicht im entferntesten nach. Auf die schönen von klärt, weshalb die Bourgeoisie die Herrschaft in der Hauptfächlich verwaltenden preußischen Regierung den Junkern über- letariat bezwingen zu müssen, zurückschaudern; und ihre Beamtenfreundlichkeit überschäumenden Reben der Vertreter der Aftion wird im entscheidenden Moment zusammenbrechen. Bourgeoisie ist nichts zu geben, das sind Wahlreden, deren man laffen hat. So ist die rückständigste Tatsache Deutschlands, die Die ganze Geschichte von sechzig Jahren her beweist, wie sich nachher nicht erinnert. Für die Beamten gibt es nur eine Junterherrschaft, eine unmittelbare Stonſequenz seiner vor- die Bourgeoisie bei jedem Vorstoß der Arbeiter als diese Rettung; fie müssen ihre Klaffenlage erkennen, sie müssen eingeschrittensten Tatsache, eines mächtigen Proletariats. Die noch ziemlich machtlos waren ihre Opposition gegen sehen, daß sie von der heutigen Gesellschaftsordnung nichts zu era Junter blieben tatsächlich, was sie als ihr angestammtes Recht die Junter abschwächte oder oder gar aufgab; und jetzt warten haben, und Schulter an Schulter mit der Sozialdemokratie beanspruchten: die geborenen Regierer Preußens. Ueberall, foll es auf einmal anders sein? Jetzt, wo die Arbeiterklasse kämpfen. wo für die verwickelte Verwaltung eines modernen Staates wo für die verwickelte Verwaltung eines modernen Staates eine wirklich drohende Gefahr für die ausbeutende Klasse Im Laufe der Verhandlungen erklärte übrigens der Finanza einige Kenntnisse nötig waren, konnten sie über die bürgerliche bildet? minister, daß das Staatsministerium über den Termin der Intelligenz verfügen, der sie die niederen Stellen überließen Daher wird man auf die Opposition im Bürgertum teine 2 andtagswahlen noch keinen Beschluß gefaßt habe, sondern und die sie in hohem Maße mit ihrem eigenen brutalen Geist großen Hoffnungen bauen dürfen; sie ist uns willkommen, aber daß nur die Bertreter der verschiedenen Parteien den Wunsch Die Junker haben diese Lage der Bourgeoisie vortrefflich Butrauen dürfen wir nur zu unserer eigenen Straft hegen. ausgesprochen hätten, die Wahlen im Juni stattfinden zu lassen. Die Junker haben diefe Lage der Bourgeoisie vortrefflich unsere Erfolge werden von der Energie abhängen, mit der wir unsere Genoffen werden gut tun, dieser Erklärung keine Beausgenutzt. Während sie ihr Amt, die Arbeiter unter der ausgenutzt. Während sie ihr Amt, die Arbeiter unter der polizeilichen Fuchtel zu halten und die Arbeiterfinder durch des proletarischen Klassenkampfes führen. Der Schwierigkeit die Wahlen werden also ficher im Juni stattfinden, polizeilichen Fuchtel zu halten und die Arbeiterfinder durch diesen Kampf als Klassenkampf, mit den Mitteln und Waffen deutung beizumeffen. Der Landtag tritt im Oktober zusammen, eine verpfaffte Schule zu verdummen, gehörig erfüllten, der Erringung ist die Größe und die Bedeutung des Zieles strichen sie mit der größten Unverfrorenheit immer größere materielle Vorteile in den Beutel und nisteten sie sich fest in angemessen; nicht um irgend ein kleines Reformchen handelt es sich, sondern um den völligen Umschwung der Verhältnisse die preußische Regierung ein. Als preußische Regierung üben in Preußen- Deutschland. Der preußische Wahlrechtstampf ist sie einen ausschlaggebenden Einfluß auf die Reichsregierung für die nächsten Jahre die hauptsächlichste Form des proleBrüssel, 10. März.( Eig. Ber.) aus, und wo dem Reichstage der Form nach eine Reichs- tarischen Klassenkampfes überhaupt. Er wurde wirklich nicht übel inszeniert, dieser neue Kongovertrag regierung gegenübersteht, ist es in Wirklichkeit das preußische Die Tattit des Wahlrechtstampfes wird also dieselbe sein Junterparlament, das ihm gegenübersteht. müssen, wie die Tattit unseres Klassentampfes im allgemeinen; Leopolds. Vorerft ein wochenlanges, durch düftere Krisengerüchte Unter dem Einfluß der emporſteigenden Arbeiterbewegung statt zu versuchen, bei den Gegnern Wohlwollen zu finden, und hochdramatische Bulletins gewürztes Feilschen und Markten um ist also das Dreiklassenwahlrecht zu der festen Grundlage der gilt es, durch Energie und Kraftentfaltung die Masse der die vom Könige geforderten Millionen für den Spezialfonds" und politischen Macht der Junker geworden; dies war aber nur Arbeiter aufzuklären und mitzureißen, ihren Kampfesmut und die übrigen größenwahnsinnigen Pläne. Dann, nachdem der König möglich, weil die Bourgeoisie dem Junkertum aus Furcht vor ihre Begeisterung zu heben. In diesem Sinne war die schon nach Ostende davongelaufen und die Kriſe angeblich losDas Proletariat hat sich lange um das preußische Wahl- Demonstration des 12. Januar ein vortrefflicher Anfang. erfüllten. dem Proletariat diese Macht einräumte. recht nicht gefümmert, weil ihm das allgemeine Reichstagswahlrecht den geeigneten Kampfplatz zur Entfaltung seiner Kräfte bot. Und das allgemeine Reichstagswahlrecht hat seine Aufgabe vollkommen erfüllt; es hat die Partei groß Der König des Geschäfts. W zuplagen drohte, ließ die Kongopresse den„ harterrungenen" Triumph der natürlich ebenso sehr den Edelmut des Königs wie die patriotische Standhaftigkeit der diplomatischen Unterhändler ber deutlichen sollte immer näher rüden bis der Vertrag eines Tages vom Hosianna der Kongopresse umjubelt, in Gestalt eines von Regierung und dem( Kongo) Preßbureau sorgsam zubereiteten offiziellew SftrfCme* es i'Cn Belgiern schwarz auf weiß prasensseri wurde. Die Blätter dour Schlage der ,Moile beige" und des„Petit Bleu", die mit frecher Vüttuosität die Geschäfte de? Königs besorgen, konmten sich vor Jubel nicht fassen. Wer durste e-Z jetzt noch wagen, von der„Unnachgieb�gleit" des Königs, vom„AfstalutasmuS" u. dgL zu reden, nachdem Leopold die Krondomäne genystZÄ der Sswm« das Abstimmungsrecht über das Budget zugesmnden und übsrhaupck in allein„mit sich hatte reden lasten". Selbst Dorstchtige wallten nach diesem„Resümee" st' den neuen Bedingungen beträchtliche Vorteile gegenüber den früheren finden. Aber«lö bald darauf der neue Vertrag im Wortlaut erschien, erfuhr die Oestentlichkeit, vaelch leckes lltetöver die Regierung ausgeführt hatte. Denn es zeigte sich in vollster Deutlichkeit, daß die„trenen Bedingung«»" nicht um ein Haar bester waren clZ die früheren, daß sie vor allem ebenso wie diese eine ostentative Verletzung der Parlamentsrechte sind, deren Anerkennung sich die Kammer in ihrem Votum vom Dezember 1906 ausdrücklich vorbehalten hatte. Daß die Negierung sin deren Mitte Herr Helleputte sitzt, da- seinerzeit für die Anerkennung der Kontrollrechte der Kammer, geredet und gestimmt hat) es überhaupt wagt, diesen Vertrag darzulegen. in dem, nur in anderen materiellen und juristifchcn Formsa, alle Wünsche des Königs genau so wie im ersten registriert find, ist wirklich ein starkes Stück. Trotz der Aufhellung der Tatsachen durch den WorSlaut des Vertrages selbst, fährt die Kongopresse unbeirrt fort, den neuen Vertrag den Belgiern als ein„glänzendes Geschäft" einzureden. Aber es hat sich gezeigt, daß nicht nur die„prinzipiellen" Aunexiensfeinde, fondern auch„angesehene" Politiker, die„Slimexionisten" find, den neuen Vertrag als unannehmbar erklärten. Als höchsten Trumpf spielte man aus, daß sich sogar Äeernaert, der starr- köpfige Nörgler, zufrieden erklärt habe. Leider kam bald em Dementi, daS das Gegenteil besagte. Auch Cattier.der angeschenste Kolonialfachmann und selbst ein Annexionist, sprach sich gegen den Vertrag auS. Desgleichen der alte Demokrat I a n s o n. Ewe Reihe von durchaus kolonialsteundüchen Blätrern verurteilen ebenfalls den neuen Vertrag auf daS schärfste und erklären seine Bedingungen für «och- verhängnisvoller als die des ersten Vertrag?.— Was hat Leopold nun eigentlich in dem neuen Vertrag seinen Belgiern„gewährt"? Wie sahen diese„königlichen" Opfer auS? Er hat wirllich dem Willen der Oeffentlichteit Rechnung getragen und die K r o n d o m ä n e„geopfert". Die Krondomäue ist tot— es lebe der Spezialfonds. Mit besten aus den Eingeborenen gepreßten Millionen konnte der König ohne parlamentarische Kontrolle seine größenwahnsinnigen Baupläne ausführen. Er hat sich dazu von der Regierung die runde Summe von 45 Millionen bewilligen lasten. ES ist nur eine Stimme darüber, daß die Kammer nie aus Eigenem für die höchst unpopulären LuxuSbauten des Königs ihre Zu- stimmung gegeben hätte. So ist fie nun auch noch verpflichtet. die vom König eingegangenen Kontrakte einzuhalten. Eine Stufe höher noch aber erklimmt die leopoldinische Anmaßung in der Kreierung jener 50 Millionen„aus den Sinnahmen der Kolonie", die sich der König für Werke im Kongo— ohne Kontrolle ihrer Verwendung natürlich— als Zeichen der Dankbarkeit bewilligen ließ. Bescheiden wie immer eSkomptiert Leopold bereits den Dank der Nachwelt für sich und„fein Kongowerk"— nach- dem ihm die Mitwelt statt des DankeS nüchtern an die Einhaltung des Berliner Vertrages erinnert, den er durch sein wildes Ausbeutungssystem gebrochen. ES ist wirklich echtLeopoldinisch. daß sich in den Tagen, in denen allenthalben die Empörung über die grausame StegerauSbeutuug und Negermißhandluug im belgischen Kongo laut wird, der Schöpfer dieser Greuel sich mit einem Millionenfonds den Dank für sein Werk quittieren läßt. Gerade die Klausel von der Dankbarleit hat die Presse übrigens nicht übel aufgebracht. Ein anderer Zug Leopolds kommt in der Bestimmung zum AuS- druck, die dein Prinzen Albert bis zu seiner Thronbesteigung eine jährliche Dotation von 120000 Fr. und der Pciuzesstn Clementine bis zu ihrer Verheiratung 75 000 Fr. zuspricht. Nun weiß der König, daß Belgien auch im besten Falle Millionen in die Kolonie wird hineinstecken müssen, wenn ander« eS nicht in Konflikt mit den Mächten des Berliner Vertrages geraten will. Leopold weiß, daß Belgien nur den Kongo übernehmen kann, wenn es alle jene Reformen durchführt, die daS bestehende Leopoldinische Ver- flavungS- und BuSbeutungSsystem notwendig macht. Daß aber der R J_____!-— I--■■■■■'■■JJ- � Sie Vorboten des 18. MSrs. Die Märzrcvolution brach mit der Plötzlichkeit einer Katastrophe Nicht nur über die Fürsten, sondern auch über daS Bürgertum herein. „Wir sahen", heißt eS in einer Darstellung auS dem Jahre 1849. „wie sich der Himmel verfinsterte und die Lust schwüler und schwüler wurde.... daß endlich ein LoSbruch des Sturmes erfolgen mußte, wußten alle.... Wer aber hätte den so plötzlichen und so vir- uichtenden Sturm geahnt, wie ihn der Februar des Jahres 1848 brachte...." Am ahnungslosesten waren die absolutistischen Gewalt- Haber. Die Hofschranzen und politischen Handlanger wiegten die Fürsten vollends in den Wahn ihrer souveränen Gottähnlichkeit, und von Zeitungen «rhielten auch damals die gekrönten Häupter nur eine vorsichtig getroffene Auslese. Drastisch sagt Wilhelm Zimmer- mann in seiner Schrift„Die deutsche Revolution":„Mehr als ein deutscher Fürst war in der Lage Ludwigs XIV.„Wann wird Ihre Frau entbunden." fragte der König einen seiner Höf- linge.„Wann eS Euerer Majestät gefällig sein wird," antwortete dieser mit tiefer Verbeugung. So glaubte mancher deutsche Fürst, eS komme auf ihn an. ob und wann die Zeit eine neue Geburt vollbringen soll oder nicht." So erklärte ja auch bekanntlich Friedrich Wilhelm IV. noch 1847.„nimmer werde er dulden, daß ein Blatt Papier sich zwischen den Herr-Gott im Himmel und daS Land dränge", wobei der Preußenkönig sich für den allmächtigen Stellvertreter dieses Herr-BotteS im Himmel hielt. Da kam die Pariser Februarrevolution. Unter dem Bürgerkönigtum des gekrönten Bourgeois LouiS Philipp und der KorrupttonSpolitik einer„Volksvertretung", die von noch nicht einer Viertelmillion Staatsbürgern gewählt war, die über je 200 Frank direkte Steuern bezahlten, war die Nation derartig ausgeplündert und politisch kompromittiert worden, daß die Empörung eine allgemeine geworden war. Am 22. Februar demonstrierten Kleinbürger und Proletarier auf der Straße. Die Demonstration wiederholte sich machtvoller am 23. Februar. Es kommt zu einem Zusammenstoß mit dem Militär, Bürgerblut wird vergossen und im Nu wachsen die Barrikaden aus dem Boden. Der Kampf dauert bis zum andern Tage: UmlUhrmittagö am 24. Februar zieht daS siegreiche Volk in die T u l e r i e n ein. Der Bürgerkömg aber bringt seine teuere Person und sei» gefülltes Portemonnaie durch eilige Flucht in Sicherheit. Die Nachricht von der siegreichen Revolution, von der Er- richtung der Republik erregte in ganz Deutschland einen Orkan de? Jubels und der Begeisterung. Vergebens versuchten die offiziösen Berliner Preßkosaken den Spießbürgern vor einer fran- zö fischen Invasion Gruseln einzuflößen, vergebens bramarbasierte die»Allgemeine Preußische Zeitung", daß,»wenn neues Gelüste König dem sicheren Defizit des Budgets noch diese„Groß- mutSspenden" anhängt,— die er, wie man wohl weiß, ans eigener Tasche bezahlen kann, wenn ihn schon danach gelüstet— ist ein Beweis inehr, was für ein sonderbares„Geschenk" und welches „Geschäft" die Kolonie für die Belgier zu werden verspricht.— Zu den weniger auffallenden, aber immerhin bezeichnenden Be- stimmungen des Vertrages gehört auch die Zuwendung einer JahrcS- rente von 60000 Fr. an die Verwalter der 5kronendomäne, zu denen unter anderem die Geschäftemacher des Königs und Millionärs Baron G o f f i n e l, Baron S n o h u. a. gehören. Was der noble König nicht alles aus den armen Negern herauspreßt, um— groß- mütig zu sein! An den mitgeteilten Hauptzügen des Vertrages mag man ersehen, welch ein„Fortschritt" in den neuen Bestimmungen liegt! Nun, die Regierung kann heute schon ersehen, daß trotz ihrer kecken und skrupellosen Negiekünste ihrem zweiten Vertrag kein anderes Schicksal blühen wird, als dem ersten: daS Schicksal, begraben zu werden._ Die Lemi'besi'dnuligs- flovelle in der Keichstsgsßommiiiion. Gestern fand die erste Sitzung der 28gllederigen Gewerbe- ordmingSkommisfion statt. Von sozialdemokratischer Seite gehören der Kommission die Genoffen Molke nbuhr, Schmidt- Berlin und Stadthagen an. Von ihrer Seite waren zunächst zu den KZ 105 bis llvb eine Reihe Anträge gestellt. Auch die Zentrumsmitglieder hatten viele AbänderungSanträge gestellt, die sich auch auf andere Paragraphen als die in der Vorlage berührten be- ziehen. Die Kommission war damit einverstanden, daß zunächst die zu§ 118 der Gewerbeordnung gestellten Anträge zur Beratung ge- langen und später auf§ 105 usw. zurückgegangen werde. Beschlossen wurden zwei Lesungen. Als Berichderstatter für die Vorlage wurde Abg. Prep er. für die Petitionen Genosse Schmidt- Berlin gewählt. Der jetzige§ 118, Absatz 1 der Gewerbeordnung lautet:„Beim Abgange können Arbeiter ein Zeugnis über die Art und die Dauer ihrer Beschäftigung fordern." Die Regierungsvorlage schlägt vor, um den aufgetretenen Zweifel zu beseitigen, ob das Zeugnis bereits von der Kündigung ab verlangt werden könne, den Eingang des Absatzes so zu saffen:„Bei der Beendigung deS Dien st Verhältnisses im Falle der Kündigung von dieser an. Bon sozialdemokratischer Seile wuroe betont: bei loyaler Auslegung des§ 113 müste sowohl die Frage, ob bereits von der Kündigung ab, wie die weitere, ob die in der RegierungS- Vorlage nicht berührte ohne Aenderung bejaht werden, daß das Zeugnis auch nach dem Au Stritt verlangt werden kann. Bei der Beratung deS§ 680 Bürgerlichen Gesetzbuchs und bei ß 73 HandelS-GesetzbuchZ war von sozialdemokratischer Seite beantragt. beide Fragen ausdrücklich im Gesetz zu bejahen. Damals halten die RegierungSvertrcter und die KommissionSmitglieder ausweislich des Berichts zu§ 73 HandelS-GesetzbuchS ausdrücklich er- klärt,„daß nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch kein Zweifel sein könne, daß nach Maßgabe der Bestimmungen über Treu und Glauben bei Verträgen das Zeugnis schon verlangt werden kann vom Tage der Kündigung ab und auch nach dem Austritt." Wird nun n u r K 113 Gewcrbe-Ordnuug geändert, so liege es leider nahe, daß dann K 73 deS Handelsgesetzbuches und K 630 deS Bürgerlichen Gesetzbuches fortan irrig interpretiert werden. Um diese Ver- schlechterung der HandlungSgehülsen und der dem Bürgerlichen Gesetz- buch unterstellten Arbeiter, z. B. der Landarbeiter, zu verhüten, sei eS zweckmäßig, entweder alle drei Paragraphen oder leinen nach dieser Richtung zu ändern, im Gegensatz zur Regierungsvorlage aber eventuell auch die Streitfrage über die Zeit nach dem Austritt in bejahendem Sinne zu schlichten. Aus der Mitte der Kommission wurde betont, daß un Bericht festgelegt werden könne, daß die für HandlungSgehülsen usw. durch Aenderung deS Z 113 der G.-O. nachteilige Interpretation nicht gewünscht sei. DaS Zentrum beantragte zum Absatz 1 deS§ 113 auch eine Klarstellung darüber, daß auch im Fall vermeintlich unberechtigten Austrittes auS der Arbeit ein Zeugnis ver- langt werden kann. Ein Regierungövertreter vertrat zu lebhafter Ueberraschung die Anficht, daß eine Weigerung der Zeugniserteilung bei unberechtigtem Austritt möglich sei. ZcntrumSabgeordnete, Frei- sinnige und unsere Genossen betonten, daß unter allen Umständen ein Zeugnis verlangt werden müsse. DaS sei jetzt durch Annahme deS Zentrumsantrages und dann durch auS- drücklichen Ausschluß deS 273 des Bürg. Gesetzbuchs an anderer Stelle„absolut klar zu stellen. Schmidt- Altenburg(Rp.) wollte ein„vorläufiges Zeugnis" zulassen. Sein Antrag erwachen sollte nach deutschen Fluren, vielleicht gekleidet in daS Streben der Völkcrbeglückung nach dort reifenden Theorien, Deutschland dastehe, wohlvorbereitet, jeden Angriff ernst und. wenn eS sein muß, blutig zurückzuweisen." Diese chauvi- nistischen Hctzversuche verpufften. Die Masse des Volkes begriff. daß der Feind nicht jenseits sondern diesseits des Rheines stand. Zuerst begann es sich in Süd- und Westdeutschland zu rühren. In Baden hatte ja die liberale Opposition die schärfsten Formen angenommen, dort hatte sich bei der Mäste sogar der Gedanke der Republik eingebürgert. Luch in Württemberg, Hessen, Rhein« Preußen bestand bereits feit geraumem eine liberale Opposition. Aber auch Thüringen und Sachsen wurden jetzt durch die Pariser Ereignisse in den Strudel hineingerissen. Ueberall erhob sich der Ruf nach einem starken und einigen Deutschland. Fast einstimmig verlangte man allenthalben in den deutschen Ländern und Länderchen:„Ein deutsches Parlament, frei gewählt durch daS Volk. Jeder volljährige Deutsche, ohne Rücksicht auf Rang, Stand, Vermögen und Religion, kann Mitglied dieses Parlaments werden.— Unbedingte Preßfreiheit.— Vollständige ReligionZ-, Gewissens- und Lehrfreiheit.— Auf- Hebung der stehenden Heere.— Allgemeine VolkS- bewaffnung mit freier Wahl der Offiziere.— Volkstümliche Rechtspflege mit Schwurgerichten.— Alkgemeines deutsches Staatsbürgerrecht.— Gerechte Besteuerung nach dem Einkommen.— Wohlstand, Bildung und Unterricht für alle.— Schutz und Gewährlei st ung der Arbeit. Ausgleichung des MißverhältuisteS zwischen Kapital und Arbeit.— Volkstümliche und billige Staatsverwaltung.— Be- schränkung des Beamtenheeres.— Verantwortlichkeit aller Minister und Staatsbeamten.-- Abschaffung aller Vor- rechte.— Freies Vereinigungsrecht usw. usw." Am 5. März fand in Heidelberg eine Versammlung badischer. hessischer, württembergischer und rheinischer Liberaler und Radikaler statt, die beschloß, die Einberufung eines deutschen Parlaments zu fordern. Zugleich wurde beschlosten, auf den 81. März nach Frank- furt a. M. eine allgemeine VertrauenLmännerversammlung der Nation einzuberufen, die denn auch als sogenanntes„Vorparlament" zu- sammentrat. Kaum waren diese Beschlüsse bekannt geworden� als man von einem Fürstenkongreß hörte, der eine Gegenaktion dar- stellen und sich bereits am 25. März in Dresden versammeln sollte. Aber diese Gegenaktion kam nicht zustande: Der 13. März warf den Absolutismus für erste derart über den Haufen, daß ihm all'. Lust zu Quertreibereien verging. Erst als die Zerklüftung und der Hader unter dem Bürgertum selbst begann, kam die Reaktion wieder zu Kräften. Die siegreiche Erhebung deS PariseS Volkes war den Mzcht- Hävern aber auch ohnehin schwer in die Glieder gefahren. Der wurde einstimmig abgelehnt. Dasselbe Schicksal widerfuhr einer nationallibcralen Anregung, dem Arbeitgeber stets zu gestatten, im Zeugnis zum Ausdruck zu bringen, ob des Arbeiiero Abgang berechtigt erfolgt sei. Bei der Abstimmung über Z 113 Absatz 1 fiel der sozialdemokratische Antrag, entweder die jetzige Fassung zu behalten oder auch klar auszudrücken, daß auch nach dem Austritt ei» Zeugnis verlangt werden könne, durch Annahme de? ZenirumLantrageZ folgender Form sdie Aenderungen gegen den jetzigen Wortlaut sind durch Sperrdruck hervovgehoben): Bei jedem Austritt aus dem Dienstverhältnis oder im Falle der Kündigung von dieser an, können die Arbeiter von dem Arbeitgebereinschrift- l i ch e S Zeugnis über die Art und die Dauer ihrer Beschäftigung ' fordern. Wenn zwischen der Kündigung und dem. Ansiritt ein Zeitraum vo» mindestens einem Monat liegt, so kann der Arbeiter ein Ergänzungö- zeugnis beanspruchen. Die ZentrimiSinitglieder hatten auch zu den weiteren, in der Regierungsvorlage nicht berührten Absätzen deS ß 113 eine präzisere Fastung beantragt. Unsere Genossen verlangten eine Klarlegung, daß auch negative Merkmale des Zeugnisses unzulässig sein sollen, daß also eine gewohnheitsmäßige Bescheinigung„ordnungsmäßig entlasten" erteilt und ein Gebrauch eines anderen Formulars(also eine Art schwarze Liste) untersagt wird. Diese Umgehung des Gesetze? soll durch Einschaltung der Worte„oder geeignet sind" erreicht werden. Der dahin gestellte, im Jahre 1891 abgelehnte Antrag wurde mir 15 Stimmen(Zentruni, Freisinn, Sozialdemokraten) angenommen. Der Abg. Schack stiminte dagegen, also für eine Umgehung der Arbeiterschutzvorschrift und ftw Fcmbriefe. Die weiteren Absätze erhalten folgende Gestaltung(die Aendernngen sind durch Sperr- druck ersichtlich): Dieses Zeugnis ist auf Verlangen der Arbeiter auf ihre dienstliche Führung und ihre oienstlichen Leistungen auszudehnen. Das Zeugnis darf eine dem wirklichen Sach- verhalt lvidersprcchende Auskunft nicht enthalten und muß von dem Arbeitgeber oder einem dazu bevollmächtigten Betriebsleiter unterzeichnet werden. Das Zeugnis darf nicht mit Merkmalen versehen werden, welche den Zweck haben oder geeignet find, den Ardeiter in einer aus dem Wortlaut des ZcugnisteS nicht erficht- lichen Weife zu keimzeichnen. Die nächste Sitzung findet am Freitag statt. politifcbe CCeberlicbt. verlin. den 11. März 1908. Geschäftsordtmngskämpfe und modernistische Kultur. In der heutigen Sitzung des Reichstages wurde die Generaldebatte über daö Reichsamt des Jnncnr zu Ende gc bracht. Nachdem einige bürgerliche Redner über alle mög- lichen Fragen bereits Gesagtes in anderen Worten wieder- holt und wenig Neues vorgebracht hatten, wäre unsererseits Genosse Hue zum Wort gekommen, der die bisher noch nicht erörterten Berg Werksfragen vorbringen lvollte. Da erschien der Blockantrag auf Schluß der Debatte, der denn auch mit der üblichen Blockmehrheit angenommen wurde. Als nunmehr nach der Abstimmung über die Resolutionen in der Spezialdiskussion weiter fortgefahren wurde, ergriff der Genosse Hue das Wort zum Titel„Gehalt der Direktoren", geriet aber gleich in Konflikt mit dem Präsi- deuten Stolberg, der nicht dulden wollte, daß Hue in irgend einer Weise Fragen streifte, die allgemeinen Charakters sind. Schließlich mußte Hue abtroten. Nunmehr versuchte Genosse Stadt Hägen sein Heil. Den Kampf mit ihm hatte Gras Stolberg dem Vizepräsidenten P a a s ch e überlassen. ES gelang Stadthagen zwar eine Zeitlang eine sachliche Erörterung durchzusetzen. HerrPaasche, immer nervöser werdend, studierte in den Zwischenpausen zwischen seinen präsidialen Einmischungen die Geschäftsordnung, um ausfindig zu machen, mit welchem Paragraphen er den Einwendungen Stadthagens begegnen könnte. Schließlich drohte er, nachdem Stadthagen zweimal zur Sache gerufen war. mit einem Appell anL HauS, um dem renitenten Sozialdemokraten das Wort entziehen zu lassen. Stadthagen beendete indes rasch mit kurzen Worten seine Ausführungen. Bundestag, diese Vertretung der Regierungen, versprach bereits in einer Proklamation vom 1. März:„Deutschland wird und muß auf die Stufe gehoben werden, die ihm unter den Nationen Europas gebührt." Ferner gab er den Regierungen die Aufhebung der Zensur frei und geruhte sogar am 10. März, den„Böllern" da? Tragen der„deutschen Farben", schwarz-rot-gold zu gestatten, ja sie zu den amtlichen Farben des deutschen Bundes zu erheben. Inzwischen freilich hatten sich verschiedene dieser deutschen„Völler" bereits anderweitige Freiheiten herausgenommen. In Baden erzwang das Voll die Entlastlmg dreier verhaßter reaktionärer Minister. In Württemberg erzwang man ebenfall« die Berufung eines liberalen Märzministeriums. Obendrein aber rotteten sich gar die Bauern im Odenwald und Taubergrund, im Schwarzwald usw. zu- sammcn, um die Feudallasten gewaltsam abzuschütteln. Die Alten und Lehnsbücher wurden verbrannt; in Nieder ftettcnging bei dieser Einäscherung sogar da» Schloß in Flammen auf. Die adeligen Gutsherren gerieten darob in solchen Schreck, daß viele freiwillig aus Zinsen und Renten verzichteten. Auch in Sachsen, Bayern, Hestcn- Darmstadt, Kurhesseir, Hannover usw. schlug der Aufruhr in hellen Flammen empor. Auch in P r e u ß e n, und speziell in Berlin, begann es gewaltig zu gären. Aber Friedrich Wilhelm IV. befand sich noch immer in dem optimistischen Wahn«, daß sein Volk die Untertanen- scheu nicht abstreifen werde. Als sich der Kanton Neuenburg in der Schweiz, den der Wiener Kongreß unter preußische Hoheit gestellt hatte, von Preußen losriß, meinte der König, er verliere dabei nichts als die schöne Aussicht vom dortigen Schlosse. Aber die Vorgänge im preußischen Rheinlande hätten ihm immerhin eine Warnung sein sollen. Dort, wo die Industrie höher entwickelt war. wo die Erinnerung an dle Errungen- schaften der großen französischen Revolution noch besonders lebendig war, kam es zu sehr bewegten BoltSszenen. In Köln konnte man die Marseillaise singen und über einen Anschluß an Frankreich diS- kutieren hören, und neben der bürgerlichen Bewegung machte sich bereits auch eine proletarische Bewegung geltend, die in mächtigen Straßendemonstrationen Schutz der Arbeit und Stcherstellung der meuschlicheir Bedürlnisse verlangte. Aber die Junker und Bureau- lraten in Berlin stellten übermütig die schärfsten Maßregeln in Aussicht, falls sich auch in Berlin der„Pöbel"„mausig machen" sollte. Und da? Vertrauen des preußischen König« in die Uncrschütterlichleit seines feudal-absoltitistischen GotteSgnaden-ReginrentS war noch am 6. März ein so festes, daß er an diesem Tage in einer Thronrede den schönen Satz aussprach,„daß in Preußen der König, das Heer und das Volk dieselben seien von Geschlecht zu Geschlecht". Er sollte bald genug eine« Besseren belehrt werden. Bei einigen der folgenden Positionen. Germanisches Museum", verbreitete sich nunmehr der Zentrumsabgeordnete Dr. Pfeiffer aus Bamberg über die gesamten Auf- Wendungen für Kulturzwccke, die das Reich macht. Auch ihm fiel Herr Paaschs in � das Garn, was wiederum zu einein Ringkampf zwischen dem Redner und dem Präsidenten führte, in dessen Kunstpausen der Herr Präsident wiederum eifrig in der Geschäftsordnung umherblätterte. Hosfent lich geben die bevorstehenden Osterferien dem un sicheren Präsidentenlehrling die erforderliche Muße, um sich über seine Kompetenzen hinreichend zu informieren. ES trägt gerade nicht zur Förderung dcS präsidialen Ansehens bei, wenn die Herren auf den: Präsidialsessel so merkbar ihre Un- "rfahrcnyeit zur Schau stellen müssen. Dem Zentrumsredner sprang mittlerweile Herr v. G a m p fjülfreich bei, indem er den Antrag einbrachte, eine Reihe von -Positionen zusammcnzufa.ssen, um dem Redner die Fort- führung seiner Siede zu ermöglichen. Ter Antrag war seiner- seits dem Zweck keineswegs entsprechend, wurde aber doch vom Zentrum und der Rechten angenommen. Nunmehr las Herr Pfeiffer seine sorgfältig ausgearbeitete und stilisierte Rede weiter vor. Sie wurde dadurch bemerkenswert, daß dieser Zentrumsredner Ideen entwickelte, die ihm im korrekten Verlauf der Dinge den Bannfluch des Papstes eintragen müßten. Was er entwickelte, war der Modernismus in der Kunst und Wissenschaft. Als er erklärte, das Wort Schillers: „Mein Fürst, geben Sie Gedankenfreiheit!" müsse auch auf die Kunst Anwendung finden, rief die Linke einmütig „Bravo l". Am Schluß seiner Rede erhielt Herr Pfeiffer aber dann auch stürmischen Beifall von seiner Fraktion, die damit demonstrieren wollte, daß sie mit ihm einverstanden war. Aber gerade deshalb kann man darauf gefaßt sein, daß die klerikalen Federn sich seht eifrig bemühen werden, zu bc- weisen, daß Herr Pfeiffer nichts gegen Rom gesagt hat. Zur Erbschaftssache Hohenlohe-Langenburg. Ter frühere Statthalter von Elsaß-Lothringen Fürst zu Hohen» lohc-Langenburg hat in seiner Erbschaftssache an den Staats- sekretär v. Koellcr«in Schreiben gerichtet, in dem er darauf hin- lveist, daß er lange vor dem Tode der Fürstin, und zwar schon vor dem Januar ISSS, den Herrn Untcrstaatssekrctär v. Schraut, Vor- stand der Finanzabteilung, aufgefordert habe, ihm ein Gutachten über feine Steuerpflicht in Elsaß-Lothringen abzugeben. Dieses Gutachten spreche sich dafür aus, daß für ihn keine Verpflichtung bestehe, in Elsaß-Lothringen eine Erbschaftssteuer zu bezahlen, daß vielmehr die württcmbergische Gesetzgebung hiervei maß- gebend sei, weil der Wohnsitz der Fürstin Langenburg und nicht Straßburg sei. Er habe keinen Grund, an der Richtigkeit dieses Gutachtens zu zweifeln, da er unbestritten als württembergifcher Standesherr seinen Wohnsitz in Langenburg habe. I n L a n g e n» bürg habe er die gesetzlichen Gebühren bezahlt. Das württembergische Erbschafssteueramt habe auch den Nachlatz der Fürstin in Württemberg für crbschaftssteuerpflichtig erklärt. Sollten die gesetzlichen Vorschriften Elsaß-LothringenS eine andere Behandlung verlangt haben, so sehe er der Mitteilung des Staats- sekretär» hierüber entgegen.--_ Die Neichsvereinsgesetzkowmisfio» sollte am Mittwoch die zweite Lesung der Vorlage beginnen. Tie Sitzung ist jedoch im letzten Moment abgesagt worden. Offenbar wird immer noch daran gearbeitet, den Blocksreisinn für ein Unfallskompromiß zu gcivinnen. Offiziell wird angegeben, daß der Staatssekretär des Innern v. Bethmann-Hollweg die Vertagung gewünscht habe, bis der Etat des Rcichsamts des Innern, den er zu vertreten hat, im Plenum des Reichstages erledigt fei. Die Presse der Freisinnigen Volkspartei setzt ihr vcr- dächtigcS Schweigen über dje Absichten ihrer Partei fort!— Wahlrechtskrawall im sächsischen Landtag. Dresden, 11. März ISlZS. (Privattelegramm des»V o r w ä r t S".) In der zweiten Kammer des sächsischen Landtages kam eS heute zu einem Wahlrechtskrawall. Als der freisinnige Antrag auf Herstellung der Oeffentlichkeit der Wahlrechts- deputation verhandelt wurde, untersagte der Präsident jede Berührung der geheimen WahlrechtSverhand- langen in der Deputation. Darauf erwiderte der frei- sinnige Abgeordnete Bähr, solches Verhalten sei eines Kultur- volles unwürdig. Diese Wort« lösten starken Beifall auf den Tribünen auS, worauf der Präsident sofort die dichtbesctzten Tribünen räumen ließ. Unter stünni- scher Unruhe dcS Hauses wurden der Genosse G o l d st e i n und der Freisinnige Günther, die gegen die Maß- nahmen dcS Präsidenten protestierten, von diesem zur Ordnung gerufen. In der wiederaufgenommenen Verhandlung legte Genosse G o l d st e i n unsere Haltung zu der geheimen WahlrechtS- dcputaiion dar. Der Konservative Opitz beantragte Verweisung dcS Antrages an— die geheime Wahlrechtsdeputation, womit, wie Genosse G o l d st e i n treffend bemerkte, der Bock zum Gärtner gemacht werde. Hierauf vertrat der Nattonalliberale Schill den Standpunkt feiner Fraktion und bemerkte, daß die Geheimnis- lrämerei bis in die Reihen der gretkonservativen Unwillen erregt habe. SchließliÄ wurde der Antrag doch an die geheime Wahlrechts deputation abgeschoben. ES liegt bereit« wieder eine freisinnige Interpellation über die W a h l r e ch t s f r a g e vor und eS wird voraussichtlich bald wieder zu Zusammenstößen w der Zweiten Kammer kommen. Eine Anklage zur Lynar-Affäre. Wegen Beleidigung des ÄriegSministerS hatte sich am Montag Genosse Stein kamp vom.Bolksblatt für Bochum" vor der dortigen Straflammer zu verantworten. Der KrtegSminister von Einem erklärte in seiner bekannten ReichStagSrede vom 4. Dezember auf einen Angriff Paasches, daß sich der Major L y n a r dem Gerichte gestellt habe. Einige Tage später teilte der „Hannoversche Tonrier" mit, baß Graf Lynar nicht habhaft sei. DaS„Pollsblatt" druckte diese Mitteilung ab und fügte eine«twaS freie Charakteristik der entgegenstehenden Versicherung deS Kriegs- Ministers an. Eingangs der Verhandlung hielt der Vorsitzende dem An- geklagten vor, daß er in dem Artikel dem KriegSmintster den Vorwurf der krassen Lüge gemacht habe. Genosse St ein kamp wieS auf die Mitteilung regierungsfreundlicher Organe vi», nach denen sich Graf Lhnar nicht gestellt habe. Das habe ihn zu der festen Ueber« zeugung gebracht, daß die Aussagen des Kriegsministers nicht den Tatsachen entsprochen habe. Als dann die„Rordd.«llg. Ztg.* die Auslassungen der Blätter dementierte, habe auch daS.Volksblatt* davon Notiz genommen und erklärt, daß dadurch auch die Schluß. folgenmgen des„Vvlksblattes* hinfällig feien. Staatsanwalt Wagner erklärte, daß die Zurücknahme nur in bppothctischer Form erfolgt sei. Der V e r t e i d i g e r, Rechtsanwalt' Dr. R a v i tz k y. führte aus, das Dementi der„Nordd. Mg. Ztg.* besage nichts, wie so viele Dementis dieses Blattes. Hier komme es vorauf an, ob sich Graf Lynar schon am 4. Dezember gestellt habe. Er wolle den Beweis antreten, daß dies am 4. Dezember noch nicht geschehen s e i und ersuche dafür als Zeugen zu laden den Journalisten Busa rd- Berlin und den Grafen Lynar. Der Staatsanwalt erklärte, gegen eine Vernehmung der Zeugen wende er nichts ein, um nicht ein Recht des Angeklagten zu verkümmern, er halte aber dem Angellagten entgegen, daß es geradezu unfaßbar sei,»vcnn der Kriegsminister vor den versammelten Abgeordneten, bei der damaligen politischen Situation vor der ganzen Welt, die leicht eine Kontrolle ausüben könne, die Unlvahrheit gesagt habe. Den Angeklagten ersuche er, eine faßbare Erklärung abzugeben. Verteidiger NcchtZanwalt Ravitzky entgegnete, nicht ausgeschlossen sei, daß den, KriegSnnnister die Mitteilung geworden, Graf Lynar und Hohenau würden sich den Gerichten stellen. Erklärlich erscheine eS, wenn der Knegsininister bei der damals hochgehenden politischen Situation des Effekts willen diese Mitteilung in positiver Form gemacht habe. Der Staatsanwalt meinte, diese Er- llärung mache dem Kriegsminister höchstens den Vorwurf der Un- Vorsichtigkeit, während der fragliche Artikel den der bewußten Un- Wahrheit enthalte. Nach kurzer Beratung beschloß das Gericht die lommissarische Vernehmung der angebotenen Zeugen. Zum neuen Termin soll ein Abdruck des amtlichen Stenogramms der Rede des Kriegsministers und der Rede PaascheS vom 4. Dezember beigebracht werden. Landtagstvahle« vor Pfingsten! Die„Deutsche T a g e s z t g." empfiehlt dringend, die LandtagSwahlen mit Rücksicht auf daS Fest und die Heuernte bereits vor Pfingsten stattfinden zu lassen: „In einem Punkt scheint uns aber die Wiedergabe der Aeuße- rungen des Minister« ungenau zu sein. Mitte Juni können die Landtagswahlen nicht wohl stattfinden, weil da? P f i n g st f e st auf den 7. Juni fällt und es nicht ratsam sein würde, die Wahlen so kurz nach dem Feste anzusetzen. Außerdem würde dann die Abgeordnetenwahl sich dem Zeitpunkte nähern, wo die Heuernte beginnt, und daS wäre nicht zweckmäßig. Wir glauben deshalb, daß c« geraten sei, die Wahlen so sestzuseyen, daß sie vor den» Pfingstfest beendet sind." Es ist nicht unwahrscheinlich, daß dte Regierung dem agrarischen Drängen, die Wahlen zu einem den agra- rischen Interessen möglichst günstigen Zeitpunkt stattfinden zu lassen. Rechnung tragen wird!— Arbeiterfreundlich. Da» Zentralorgan der„Volks'partei Zentrum, die„Germania*, führt wiederum einen hinterlistigen Streich gegen Arbeiterrechte. Sie nimmt eine vom„Leipz. Tagebl." veröffentlichte Notiz, die über angebliche Inkorrektheiten in der Chemnitzer Ortskrankenlasse be- richtet, zum Anlaß, gegen die Selbstverwaltung der Krankenkassen zu hetzen. In der Notiz wird konstatiert, daß die Staatsanwaltschaft trotz heißem Bemühen keine Handhabe gefunden hat, gegen die Kassenverwaltung vorzugehen. Trotzdem schreibt die„Germania*: „Nach dem genannten Blatt sind die Akten über die Ver- fehlungen der in Frage kommenden Kasse noch nicht abgeschlossen, weil wegen mehrerer anderer Vorgänge das Verfahren»och schwebt. Indessen bieten schon die bisher festgestellten Borgänge «inen ne»len Beweis für die dringliche Neforinbedürfttgleit des Krankenkassengesetzes." Selbst wenn die angeblichen Verfehlungen einzelner Beamten auf Wahrheit beruhten, läge für einen objektiv urteilenden Menschen noch kein Anlaß vor, deshalb der Selbstverwaltung der Kassen an den Kragen zu gehen. Nach der Logik der„Germania* wäre es z. B. dringend liotwcildig. die katholische Kirche aufzuheben, weil nicht nur in einzelnen, sondern in zahlreichen Fällen katholische Priester sich sexuelle Vergehen haben zuschulden kommen lassen. Graf Hohenau. Einige Blätter wußten in den letzten Tagen zu melden, Graf Hohenau sei vom militärischen Ehrengericht seiner Titel und Orden verlustig erklärt worden. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" dementiert diese Nachricht in folgender komischen Weise: „Gegenüber den in mehreren Blättern enthaltenen Nachrichten rönnen wir auf Grund einer Anfrage an zuständiger Stelle bestimmt erklären, daß ein ehrengerichtlicher Spruch gegen den Generalleutnant z. D. Grafen Hohenau bisher nicht er- gangen ist." Es ist also noch immer kein Urteilsspruch ergangen: viel» leicht ergeht auch keiner mehr! Was doch die mili- tärischen Ehrengerichte für eigenartige Institutionen sind? Bon Helldorff-Bcdra. Auf seinem Schlosse Bedra bei Neumarl sRegicrungSbezirl Halle) ist heute ein Mann gestorben, der einst als Politiker und Führer der konservativen Partei eine bedeutende Rolle gespielt hat. seit mehr als einem Jahrzehnt aber nur noch selten genannt wurde: Herr v. Helldorff-Bedra. Am 10. August 1833 auf dem Gute Bedra geboren, studierte Otto Heinrich v. Helldorff in Bonn, Leipzig, Heidelberg und Berlin Jura und Kameralia, arbeitete am KreiS- gericht und bei der Regierung in Merseburg. Er wurde 1867 Land- rat de« Kreises Wetzlar, schied aber 1874 auS dem Staatsdienst, um da» väterliche Rittergut Bedra zu übernehmen und sich zugleich der Politik zu widmen. Schon 1871/74 war er von dem Wahlkreise Wetzlar in den Reichstag gesandt worden. Besonders nahm er an der Reorganisation der deutschkonservativen Partei regen Anteil, und zwar al» einer der Hauptverfechter des KartellgedankenS, des Zu- sammengchenS mit der nationalliberalen Partei. Er wurde 1877 von Willenberg in den Reichstag gewählt, führendes Mtglied des FrattionSvorstandeS der Deurschkoniervativen im ReichSlage und deö Ausschusses deS deutschkonservattden WahlvereinS. Mit Ausnahme der Legislaturperiode 1881/84 bertrat er Schweimtz-Wittenberg bis 1890. Bei der Neuwahl im Jahre 1860 unterlag er dem Freisinnigeu Dr. Dohrn, wurde aber bei einer Ersatzwahl im Wahlkreise Schlochau- Jlatow gewählt. Seine kartell- und regierlmgSfreundlichen Neigungen brachten ihn jedoch bald mit den entschiedenen Aararkonservativen in Konflikt, besonder« als er für die Landgemeinde-Ordnung sowie für dte ersten Caprivischen Handelsverträge eintrat und sich gegen das Zedlitzjche Bolksschulgesetz wandte. In diesen Streitigletten blieb die um Hammerstein geschart« Gruppe Sieger. Herr v. Helldorf wurde in den ParteiauSschuß und den FraktioiiSvorstand mcht mehr gewählt und trat bei den Wahlen im Jahre 18VS nicht wieder als Kandidat auf.---_ Gelobt sei Jesus Ghristus! Die hübsche Geschichte von dem frommen Gehaben dcS Rektors >psch während der Wahlbcwegung im Kreise Lölvenberg wird von der„Freisinnigen Zeitung* als Unwahrheit bezeichnet. Sie sagt: „Die grobe Unwahrheit ist bereits richtig gestellt worden. Der Verbreiter dieser Nachrickit. ein Herr aus Rabiöhau. hat sie in einem Brief an Herrn Abg. Kopsch in Worten der Entschuldigung zurückgenommen."_ Eine Ohrfeige für Preufjcns Dreitlassenparlament. Die bayrische ReichSratSkammer lehnte in ihrer Sitzung vom Mittlvoch die Genehmigung zur Strafverfolgung des Nürnberger sozialdemokratischen Organs„Fränkische Tagespost" wegen cincö Artikels„Wie man Rcichsrat werden kann" ab» Die„Not" der Landwirtschaft kommt besonders kraß zum Ausdruck bei den„landwirtschaftlichen Festen". Auf dem Stiftungsfest des„Landwirtschaftlichen Vereins von Woltersdors und Uingegend' in Sachsen sang man u. a. folgende schönen Verse: Wir können uns den schönen Tag Schon leisten ohne Not. Denn um der Londivirtschast zu nützen, Tat man sie„oben" mehrfach schützen, Djamit recht teuer das Brot. Wir werden deshalb heute nur Am Fleisch uns essen satt. Wir wollen sicher nicht bergessen, Daß Brot nur von denen wird gegessen. Wer kein Vieh im Stalle hat. Es soll die edle Landwirtschaft Stets blühen und gedeihen. Es muß em jeder danach streben, Den Preis der Produkte zu heben, Dann bringt sie auch etwas noch ein. Wenn 100 Mark der Scheffel Korn, Die Butter eine Krön, Wenn Gold manzahlt für Milch und Eier, Das Schlachtvieh dreißigmal so.teier*. Dann sind wir erst richtig belohnt. Der Mann, der das holprige Ding verbrochen, ist zwar kein Dichter, aber sehr offenherzig. Mit rückstchtSlofer Brutalität bringt er die Freude über den Hunger der Armen und die durch ihr von den Agrariern erzielten Profits und die Gier nach mehr zum Ausdruck._ Berichtigung. Herr v. Dirkfen sendet uns folgende Berichti- gung, die wir, obgleich sie nicht den Bedingungen deS§ 11 des PreßgcsetzeS entspricht, zum Abdruck bringen: Aus der„Märkischen Volksstimme" vom 8. d. M. ersehe ich, daß im„Vorwärts" zu meiner ReichStagSrede vom 5. d. M. bemerkt worden ist: mein Vater sei ein geadelter Bauunternehmer gewesen— daher stecke mir der Haß gegen die Bauarbeiter im Blut, die dem Vater das Geld für den zusammengekauften Großgrundbesitz verdienen mußten. Unter Bezugnahme auf§ 11 des Preßgesetzes darf ich Sie ersuchen, in der nächsten Nummer Ihres Blattes diese Angaben zu be- richtigen. Mein Vater war nicht Bauunternehmer, sondern ist als Stadt- gerichtSrat... gestochen: er ist nicht geadelt worden, sondern ich zu seinen Lebzeiten. Mein Grundbesitz stammt nicht von dem Gelbe, das Bauarbeiter meinem Vater verdienen muhten, sondern von mütterlicher Seite. Mein Haß gegen die Bauarbeiter endlich hat sich in mehrwöchiger Mitarbeit in der Kommission betätigt, die mit der Beratung des Gesetzentwurfs über die Sicherung der Bau- forderungen betraut ist.„„ � �. gez. v. Dirkfen. M, d. R» tt. d. Abgh. Gngarn. Die Wahlreform. Budapest, II. März. Ju Beantwortung einer Interpellation des Abgeordneten FarkaShazh erklärte der Ministerpräsident im Reichstage, die Regierung beabsichtige die Vorlage der W a h l- r e f o r m noch vor den Sommerferien einzubringen» damit über sie in der Herbstsession verhandelt werden könne. England. Pa« Wettrustn. Trotz aller offiziösen Redereien hat der K aiser brief in England die Stimmung für beschleunigten Ausbau der Flotte ge- fördert. Di« Radikalen innerhalb der Regierungspartei, die gegen zede Vermehrung des Marinebudgets aufgetreten find, find zurück- gedrängt, und die Stellung der Imperialisten im englischen Kabinett, die durch die andauernde Krankheit Eampbell-Banncr- rnans ohnehin in ihrer Position gestärkt sind, hat sich verbessert. DaS geht auch aus der Marinedebatte im Unterhaus deutlich hervor. In Beantwortung einer Frage BalfourS über das deutsche Flottenprogramm erklärte Asquith, eS bestände keine McinungS- Verschiedenheit darüber, daß England seine unangreifbare Borherrschaft erhalten müsse und daß für diesen Zweck der Zw ei-Mächte» Standard ein guter und praktisch aus- führbarer Standard fei. Die Annahme BalfourS, Deutsch» l a n d würde im November 1911 im Besitz von 13 Schiffen der Dreadnought-Klasse sein, stütze sich auf zwei Voraussetzungen, nämlich erstens, daß das deutsche Programm buchstäblich aus- geführt werden, und zweitens, daß die Schnelligkeit im deutschen Schiffbau den Bau dncS jeden Schiffes innerhalb von 30 Monaten vom Datum der Kiellegung ab gestatten würde. Er glaube, daß schwerwiegende Zweifel berechtigt seien, ob die gegenwärtige Schnelligkeit im Bau aufrechterhalten bleibeil könne. Im Januar 1911, wenn die Schiffe de» diesjährigen Programms vollendet sein würden, würde England zwölf Fahrzeuge der er» wähnten Klasse haben, d. h. ein» weniger als Deutschland am Ende deö JahreS 1911. Hierbei sei jedoch angenommen, daß in bczug auf Neubauten im nächsten Jahre nicht« geschähe. ASquith fuhr fort, er könne wohl, ohne sich über das Programm der nächsten Jahre auszulassen, sagen, falls sich die Wahrscheinlichkeit ergeben sollte, daß daS deutsche Flottenprogramm sich so, wie auf dem Papier vorgesehen, erfüllen werde, daß die Re- gierung eS dann für ihre Pflicht halten werde, für eine so aus- reichende Zahl von Schiffen und deren rechtzeitig« Kiellegung zu sorgen, dag eine Ueberlegenheit Deutschland« nicht zur Tatsache würde. Dies fei die Politik der Regierung, die bestehen bleibe, und da» HauS möge versichert fein, daß die Re- gierung nicht beabsichtige, in dieser Beziehung ins Hintertreffen zu geraten.— DaS Regierungsprogramm wird von dem größten Teil der Presse gebilligt. Die konservativen Zeitungen sehen ihre Forderungen im wesentlichen erfüllt und die radikale Opposition ist verstummt. Zugleich geht aber auch auS dieser Antwort die ganze Sinnlosiglkcit dcS gegenseitigen Wettrüstens deutlich hervor. Rußland. BcrnhigungSarbeit in TomSk. Seit zwei Jahren herrscht in TomSk der Kriegszustand. Das Fazit der BeruhigungSarbcit während dieser Frist ist folgendes: ES wurde verurteilt: zum Tode durch den Strang 14 Per- fönen, zu Gefängnisstrafen 1104, zur Ausweisung und Deportation 431, zu Geldstrafen 836(auf insgesamt 16 645 Rubel), zur Amts- cntfernung 24. Außerdem wurden S Zeitungen gänzltch und 2 auf einige Zeit suspendiert._ Korruption. Petersburg» 11. März. In hiesigen Waffen- und Munition«. dcpots ist man großen U n r e g c lmä ß i g kc it.cn auf die Spur gekommen. In einem Magazin befanden sich statt zwanzig Millionen nur 400000 Patronen. Eine strenge' Unter- suchung wurde eingeleitet. Rumänien.- Die Bauernbewegung. Bukarest» 11. März. Unter den Bauern der nördlichen Moldau nimmt die Bauernbewegung wieder größer« Dimensionen an. Die Bauern stellen an die Gutsherren und Päckter Forderungen. Kavallerie und Infanterie wurdg in Sonderzügen in die bedrohten Gegenden abgesandt, perften* Neue Unruhen. London, II. März. Der Meldung eines hiesigen Blattes aus Teheran zufolge sind in Schiras ernste Unruhen aus- gebrochen. Zwei einflußreiche Mullahs sollen getötet worden sein. Eine Partei befinde sich im Vormarsch a u s T e h e r a n. Die Reaktionäre seien geschäftig. Das Ministerium sehe den Er- eignisscn tatenlos zu. Hmeriha. Sozialistische Stimmen. In Philadelphia fanden jüngst die Gemeindcwahlen statt, an denen sich auch die Sozialisten beteiligten. Sie erhielten 3604 Stimmen gegen 1643 im Februar 1907. Im November 1397, bei der Wahl des Staatsgouverneurs, war ihre Stimmenzahl aller- dings noch etwas höher als jetzt, nämlich 3313, aber die Wahl- betciligung war diesmal im allgemeinen schwächer. Bei der Wahl sucht. Unter dem Vorwand, daß es an Arbeit fehle, sollten kürzlich s und habe für 6 Kinder zu sorgen. Ein anderer, der schon 19 Jahre die Maßschneider wieder zu Hause arbeiten oder aussetzen. Die für die Stadt als Straßenreiniger tätig lväre und nach dreimonatlicher Absicht der Firma war offenbar, die bestehende Betriebswerkstätte aufzulösen. Durch Verhandlungen mit der Organisation gelang es, dies zu verhindern, und es zeigte sich dann auch, daß Arbeit genug vorhanden war. Im übrigen wurden die Firmen Schul- meister, Karl Stier und Karl Zobel genannt, über die verschiedene Beschwerden vorlagen, die teils schon mit Erfolg ge- regelt, teils noch nicht erledigt sind. Verschiedene Geschäfte, die den Tarifvertrag bisher nicht unterzeichnet haben, richten sich jetzt darauf ein in der Erkenntnis, daß sie der tariflichen Regelung nicht mehr entgehen können. Bedingung des Erfolges der Organi- sation ist selbstverständlich überall, daß die Maßschneider in den einzelnen Geschäften selbst treue Mitglieder des Verbandes sind bereit, den Forderungen den nötigen Nachdruck zu verleihen. Eine Arbcitslosenversammlung der Bildhauer tagte am Mitt woch im Gewerkschaftshaus. Es sind in diesem Berufe, welcher agitation empfahlen sich viele Kandidaten der anderen Parteien! stündig unter großer Arbeitslosigkeit leidet, gegenwärtig �08— das „auch" als Sozialisten, allerdings als„unabhängige". Die Kor-'" 3 ruption in der Stadtverwaltung schreit nach Reformen, und da bezeichnete man sich gern als„Sozialist" zum Zeichen, daß man auch wirklich das allgemeine Wohl im Auge habe. Gewählt wurden nur die falschen Sozialisten. Ge werk fcbaftllcbcB. Die gewerkschaftliche Einigung macht weiters ersLeulithe Fortschritte und die noch wider strebenden Elemente schmelzen mit der emporsteigenden Sonne immer mehr zusammen. Die Zahl der Zimmerer, die ihren Uebertritt zum Verband erklärt haben, ist eine weil größere, als man nach den Quertreibereien der Syndikalisten zu hoffen wagte. Ihre genaue Ziffer wird sich erst feststellen lassen, wenn die auf den 14. d. M. angesetzte Frist für den Uebertritt abgelaufen ist. Inzwischen haben auch die F l i e s e n l e g e r in Dresden mit 10 gegen 7 Stimmen ihre Einigung mit dem Maurer verbände beschlossen. Die Fliesenleger waren von jeher zentralorganisiert und hatten von vornherein die Absicht, sich der Generalkommission der Gewerkschaften anzugliedern. Nicht prinzipielle Gegnerschaft der Fliesenleger gegen diese, sondern die Bedenken des Maurerverbandes gegen eine gesonderte Fliesenlegerorganisation verhinderten diesen Anschluß. So kam es, daß die Fliesenleger Rückendeckung bei der Freien Ver einigung suchten, deren prinzipielle Haltung sie natürlich bald abstoßen mußte. Abgesehen von diesen ganzen Berufsgruppen, die den Weg der Einigung beschreiten, verlassen aber jetzt auch in immer wachsender Zahl die sozialistisch denkenden Arbeiter diejenigen freien Vereinigungen, in denen die Syndikalisten die Mehrheit haben und einen geschlossenen Uebertritt vev hindern. Von der„Gewerkschaft der Maler Berlins und Um� gegend" hat sich ein großer Teil der Mitglieder— etwa die Hälfte— entschlossen, zu dem Zentralverband der Maler überzutreten. Die Uebertrittsbedingungen wurden in einer Besprechung, die am Dienstagabend unter den Eini gungsfreunden stattfand, bekannt gegeben. Die Mitglied schaft in der„Gewerkschaft" wird in dem Zentralver- band zur Anrechnung gebracht und alle Rechte werden zw gestanden, die auf Grund der Dauer der Mitgliedschaft zu be anspruchen sind. Der Datum, bis zu dem der Uebertritt voll zogen sein muß, wird noch bekannt gegeben. Jedem Mik gliede bleibt es selbstverständlich freigestellt, für die Ideen, die es bisher hochgehalten, auch im Zentralverbande zu wirken und Propaganda zu machen. Die Versainmelten erklärten sich mit den Uebertrittsbedingungen einverstanden und werden nach Kräften unter den Mitgliedern der„Gewerkschaft" agi- tieren, um sie für den Zentralverband zu gewinnen. Heute, Donnerstagabend, findet eine Versammlung der„Gewerkt schaft" statt, und die Einigungsfreunds hoffen, daß ihnen ge� stattet wird, ihren Standpunkt darzulegen, sie sind überzeugt, daß viele ihrem Beispiele dann auch folgen werden, um die notwendige Geschlossenheit in der gewerkschaftlichen Organi- sation herbeiführen zu helfen. Was die meisten in der alten Gewerkschaft noch hält, ist der Arbeitsnachweis, aber dieser ist in seiner jetzigen Gestaltung unhaltbar geworden. Jeden- falls wird es nur eine Gruppe sein, die sich noch abseits stellt und den geschlossenen Uebertritt zum Zentralverbande hindert. So werden also die noch verbleibenden syndikalistischen Gruppen durch die Massenflucht ihrer Mitglieder in die Ver- bände noch bedeutungsloser, als sie es ohnehin schon sind. Es ist kein Zweifel, daß der anarchistisch-syndikalistische Spuk in Deutschland ein schnelles Ende finden wird. Berlin und Hingegen d« Die Ausdehnung des Mahschneidertarifs auf alle Mahgeschäfte Vcllins stand Montag abermals auf der Tagesordnung einer öffentlichen Maßschneiderversammlung. Sie tagte in den„Andreas- Festsälen", im Osten der Stadt. Auch hier kommen selbst die bis- her Gleichgültigen unter den Maßschneidern mehr und mehr zu der Erkenntnis, daß sie dauernd zur Organisation halten und so mit vereinten Kräften für allgemeine Anerkennung und strenge Durchführung des Tarifes wirken müssen, wollen sie nicht, daß ihre Lebenslage sich bei der furchtbaren Teuerung immer mehr verschlechtert. Der Referent Kunze führte auch treffende Bei- spiele dafür an, wie töricht es war, daß einzelne Maßschneider, die sich unter dem Eindruck der Tarifbewegung und Aussperrung im vorigen Jahre organisiert hatten, später dem Verbände wieder untreu wurden, weil sie den im Verhältnis zu den errungenen Vorteilen doch recht geringen Beitrag zu ersparen gedachten. Ein solch überschlauer„Sparer", der für Landsberger in der Friedrich- straße arbeitete, hatte damit den Erfolg, daß ihm innerhalb eines Zeitraumes von 4 Monaten nicht weniger als 133 M. vom Ar- beitslohn abgezogen wurde. Die Tariftreue der Unternehmer richtet sich eben nur zu oft nach dem Maß von Organisationstreue der Arbeiter. In der Versammlung wurden verschiedene Firmen erwähnt, die teils den Tarif noch nicht anerkannt, teils ihn an- erkannt haben, sich aber nicht streng daran halten oder sonstwie die Arbeitsverhältnisse zu verschlechtern suchen. Besondere Mißstände herrschen bei der Firma Stephan Enders in der Kaiser- Wilhelm-Straße, die mit Kapital des katholischen Klerus arbeitet. Unter anderem sucht diese Firma, die die Einstellung von Ar- beitern davon abhängig macht, daß sie katholischen Glaubens sind, durch ein ganz verwerfliches System die Löhne ihrer Tagschneider zu kürzen. Durch Bestrafung mit einem Abzug von 19 Pf. die Stunde zwingt sie ihre Zuschneider, die Stundenzahl, die die Tag- schneider zu den Aendcrungsarbeiten gebrauchen, herabzudrücken. Arbeiter, die im Tagschneidertarif auf 19 bis 12 Stunden be- rechnet sind, sollen hier in 3 bis 4 Stunden erledigt werden. Die Firma pflegt ihre Arbeitskräfte aus katholischen Gegenden zu be- ziehen. Sache der Organisation wird es sein, hier sowohl inner- halb wie außerhalb des Betriebes für Beseitigung der Mißstände zu sorgen, sowie dafür, daß ein vernünftiger Tarif eingeführt wird. Als in diesem Geschäft vor nunmehr zwei Jahren die Konfektionsschneider streikten, wußte der Geschäftsführer den Weg zur Organisation wohl zu finden.— Ferner wurde die Firma Julius Lindenbaum erwähnt, die wohl den Tarif ancr- kannt hat, aber hier und da Verschlechterungen durchzuführen ver- sind zirka 23 Proz.— der organisierten Gehülfen arbeitslos Gegenüber der Behauptung von Gegnern, die Arbcitslosenversamm lungen würden entriert, um Erregung unter die Arbeiterschaft zu tragen, verwies der Referent Stadtv. D u p o n t darauf, da; diese Versammlung, ebenso wie solch« in anderen Berufen, au' ausdrücklichen Wunsch der Arbeitslosen einberufen worden sei. Der Referent legte dar, wie Kommune und Staat sich ihren Ver pflichtungen gegenüber der unbemittelten Bevölkerung entziehen. wenn diese von Arbeitslosigkeit betroffen wird. Von den nach folgenden Rednern wurde betont, daß man unter den obwaltenden Umständen zur Selbsthülfe greifen müsse, durch Erhebung von Extrabeiträgen zur Unter st ü hu ng ausgcsteuer- ter Arbeitsloser. Unter den 258 Arbeitslosen sind 192. deren letzte Beschäftigung ins Vorjahr fällt. Die Versammlung sprach in einer Resolution ihr Bedauern aus, daß eine Abstimmung unter den Holzbildhauern über Erhebung eines freiwilligen Bei- träges nicht die erforderliche Zweidrittelmajorität gebracht habe und stellt an eine demnächst einzuberufende Generalversammlung den Antrag, zur Unterstützung der statutarisch ausgesteuerten Mir glieder neben dem regulären Wochenbeitrag von 1 M. einen o b l i � gatori scheu Extrabeitrag von 1 M. pro Woche zu erheben._ Die Auflösung des Gutenberg-Bundes. Eine interessante Sitzung des Gutcnbcrg-Bundcs, der neuen Abteilung der„Christlichen", fand am Sonntag statt. Etwa 69 Bündler hatten auf ein Rundschreiben früherer Mitglieder des Bundes an dieser teilgenommen, unter ihnen auch der ganze Stab des Vorstandes des Bundes, unter Führung des christlichen Agitators H o f s ä tz. Der Zweck der Einladung war der, daß einige aus dem Bunde dem Verbände der deutschen Buchdrucker Beigetretenen ihren früheren Kollegen die Gründe für ihren Austritt klarlegen wollten. Deshalb war auch der ganze„Stab" erschienen, um seine Getreuen vor etwaigen„Verführungen" der Uebergetretenen zu retten. Es half aber nichts! Denn die er- schienenen Bündler schienen es satt zu haben, sich mit leeren Vev sprechungen der Bundesvorstandsmitglieder abspeisen zu lassen. Es wurde ihnen vorgehalten, daß auf dem zweiten Kongreß der christlichen Gewerkschaften von feiten der Vertreter des Bundes auch nicht einer es gewagt hat, den provozierenden Aeußerungen eines anwesenden Regierungsvertreters, die dahin gingen, daß die christlichen Arbeiter mit Gottesfurcht, Bescheidenheit und Fleiß ihre gewerkschaftlichen Aufgaben zu erfüllen hätten, mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. Es wurde dabei noch ausdrücklich betont, daß dies um so energischer hätte geschehen müssen, da man die Arbeiterschaft von derselben Seite mit Zwangsgesetzen statt mit einer Erweiterung des Vereinsgesetzes und der Gewerbeordnung zu beglücken sucht. Des ferneren wurde den Anwesenden ziffernmäßig vor Augen geführt, wie der Bund immer mehr und mehr zusammenschmelze, daß von den ehemaligen 4999 Mitgliedern im Deutschen Reiche heute sich noch kaum 2599 vorfinden, daß der Bund so gut wie gar keinen Nachwuchs hat und die in demselben verbleibenden älteren Mitglieder um ihre Zukunft im Bunde besorgt sein müssen. Im besonderen wurde aber darauf hingewiesen, daß er die Einigung, die ihm vom Ver- bände angeboten, aus schnöder Selbstsucht stets zurückgewiesen, daß die meister Mitglieder leider zuwenig Rückgrat zeigen, sich von fünf bis sechs Personen alles bieten ließen und daß der Zweck des Bundes heute noch derselbe sei wie bei seiner Gründung: Gegen den Verband eine S ch u tz t r u p p e für das Unter nehmertum. Den Eindruck, den diese Ausführungen auf die an- wesenden Bündler und ihre Begleiter machten, suchte Herr Hofsäß dadurch abzuschwächen, daß er sich in Ausfällen auf die Ueber- getretenen, den Verband und die Sozialdemokratie erging und unter dem Schutze seiner Begleiter die Sitzung zu stören suchte. Damit dürften auch die Bündler eingesehen haben, daß in Gegew wart solcher Helden eine sachliche Diskussion unmöglich ist und sie ihre Aufklärungsarbeit in anderer Weise zu verrichten haben, wenn sie Erfolge verzeichnen wollen, und dies wird ihnen um so leichter werden, wenn sie ihre Mitkollegen auf das Entgegenkommen des Verbandes bei ihrem Uebertritt, vor allem aber auf die moderne Arbeiterbewegung hinweisen, die im Gegensatz zu der christlichen für politische und ökonomische Rechte und Freiheiten ihre ganze Kraft zur Geltung bringt. Die Agitation wird aber dadurch noch ganz erheblich gefördert werden, wenn wir mit-» teilen, daß von den achtzig Versammelten etwa vierzig bereits wiederum dem Verbände beigetreten sind; die Kapuzinade des Herrn Hofsäß ist also doch nicht ohne Wirkung geblieben._ Achtung, Metallarbeiter! Bei der Firma Hugo Härtung, Wiclefstraße 16-17, wurde kürzlich den Gießereihülfsarbeitern ein Abzug von 5 Pf. pro Stunde angeboten. Da trotz mehrmaligen VerHandelns mit einer Kommission der im Betriebe beschäftigten Arbeiter sowie mit Vertretern der Organisation keine Einigung zu erzielen war, legten am 4. März 29 Gießereihülfsarbeiter die Arbeit nieder. Am selben Tage sperrte die Firma alle Former lMaschinenformer, Kernmacher und Kcrnmacherinnen) sowie Be- triebsschlosser aus. Die Firma glaubt nun durch den Nackjtoeis der Gelben in der Chausseestraße Ersatz für die Streikenden und Ausgesperrten zu bekommen. Sie ließ verkünden, daß am Mitt- wochfrüh der Betrieb in vollem Umfange aufgenommen werden olle. Wie schwer aber die Hoffnungen der Firma getäuscht wurden, geht daraus hervor, daß sich am Mittwoch ganze 15 Arbeitswillige zur Arbeit einfanden. Mit diesen Leuten, die nicht imstande sind, >ie Gießereiarbeiter zu ersetzen, geschweige denn die Kernmacher und Former, können die Streikenden nicht wankend machen. Auch die den Kernmacherinnen angesagte Zusicherung, sie könnten wieder anfangen, wenn sie gewisse Bedingungen unterzeichnen, verfangen nicht. In der gestern stattgefundenen Streikversammlung, in der Vertreter des Metallarbeiter- sowie des Transportarbeiterver- bandes die Situation schilderten, erklärten die Streikenden, für ie liege keine Veranlassung vor, dem Gerede der Betriebsleitung irgendwelchen Wert beizumessen. Der Nachweis der Gelben habe bisher stets den Beweis erbracht, daß er niemals brauchbare Ar- beitskräfte liefert. Von einem sich direkt mit Streikbrecherver- Mittelung beschäftigenden Nachweis sei Derartiges auch nicht zu erwarten. Der Betrieb ist bis auf weiteres streng gesperrt. Bei den damaligen Verhandlungen erklärte der Betriebsführer, er be- dauere, auf diese Weise seine guten Leute zu verlieren. Will er das nicht, muß er andere Saiten aufziehen. Die Straßenrcinigcr der Stadt Berlin nahmen in einer äußerst zahlreich besuchten Versammlung in dein Königstadt- Kasino, Holzmarktstraße, zu den Entlassungen kranker Kollegen Stellung. Wie in der Versammlung ausgeführt wurde, sollen zwei derartige Fälle besonders krasse sein. Ein ber seinem Eintritt voll- ständig gesund erklärter Arbeiter habe sich während seiner sechs- jährigen Dienstzeit eine Lnugenerkrankung Krankheir die Arbeit wieder ausgenommen habe, bald jedoch aufs neue erkrankt sei, habe darauf seine Entlassung erhalten. Die Ver- sammelten nahinen einstimmig eine Protestresolution an, worin sie ihre Entrüstung über derartige Entlassungen kundgaben und ihrem Be- fremden umsomehr Ausdruck gaben, als nur gesunde, ärztlich unter- suchte Arbeiter eingestellt werden. Eine Erkrankung durch den gesundheitsschädlichen und gefahrdrohenden Dienst dürfe nicht durch Entlassung der Arbeiter gestraft werden. Die Verwaltung habe vielmehr die Pflicht, gemäß dem Beschlüsse des Magistrats sowie der Stadtverordnetenversammlung bezüglich der sozialen Fürsorge für die städtischen Arbeiter die Arbeiter nach ihrer Gesundung, wie es in allen anderen städtischen Betrieben durchgeführt werde, wieder einzustellen. Das Bureau wurde beauftragt, diese Resolution dem Magistrat und der zuständigen Deputation zu überreichen. Oeuvtcbes Reich. Die zweifelhafte Tariftrene der Unternehmer wird durch einige Beispiele aus der Handschuhbranche treff« lich charakterisiert. Im Verlauf der 1996 vorhandenen günstigen Konjunktur gelang es dem Verband der Handschuhmacher, an den meisten Jndustrieorten die Arbeitslöhne zu erhöhen, und fast immer auf Wunsch der Unternehmer kam es hierbei zu einem Tarifabschluß, Man sollte nun annehmen, daß in solchen Fällen eS erst recht Pflicht der betreffenden Unternehmer ist, die eingegangenen Verpflichtuirgen auf die vereinbarte Zeit zu halten. Aber weil gefehlt. Die Firma S, Alexander in Liegnitz z. B brachte in ihren Tarif- vertrag mit besonderem Nachdruck eine Bestimmung hinein, nach welcher dem jeweiligen Vorsitzenden der örtlichen Arbeiter- organisation die Verantwortung für die Aufrechterhaltung des TarifeS zugeschoben wird. Eine andere Veriragsbestinimnng besagt, daß am Orte nicht mehr wie fünf Heimarbeiter beschäftigt werden dürfen. Die Firma Alexander durchbrach den Verlrag, indem sie sämt- liche Fabrikarbeiter entließ und dasür Heimarbeitern in größerer Zahl als laut Vertrag zulässig, zu niedrigeren Löhnen Beschäftigung gab. Arbeiter in die Fabrik will die Firma ebenfalls nur zu reduzierte» Löhneu einstellen. Ein weiterer Tarifbruch konnte durch die Ankündigung der Arbeitseinstellung in Johanngeorgenstadt verhindert werden. Dort ist die Firma L. Cohn in eine G. m. b. H. umgewandelt worden und diese Gelegenheit sollte zu einer ganz außerordentlichen Lohnreduzierung benutzt werden. Es gelang jedoch, diesen Anschlag abzuwehren, und zwar hauptsächlich deswegen, weil ein Streik dieser Firma geradezu verhängnisvoll werden konnte. So blieb eS bei den alten Tarif- löhnen. Wenn aber die Tarifverträge so leichter Hand von Unter- nehmern durchbrochen werden und die Aufrechterhallung nur durch Ankündigung einer Arbeitseinstellung erzwungen werden kann, dann� wird der Wert dieser„gewerblichen Friedensdokumente" durch daS Verhalten der Unternehmer recht bedenklich beeinträchtigt. Eine Tarifbewegung der Schneider ist in Bamberg ausgebrochen. Die Arbeiter verlangen hauptsächlich eine dringend notwendige Regu» lierung der Löhne. Die Antwortschreiben der Unternehmer auf die eingereichten Forderungen haben im allgemeinen nicht befriedigt, wenn auch einige Firmen glatt genehmigt haben. Eine Versamm- lung beschloß einstimmig, die Bewegung durchzuführen: jeder Ver- sammlungsbesucher verpflichtete sich, Eiuzelaugebote von Unternehmern strikte abzulehnen und die Herren a» die Lvhnkommission zu ver- weisen. Da in Bamberg eine Unternehmerorganisation nicht besteht, wird die Lohnkommission nunmehr in Verhandlungen mit den ein- zelnen Arbeitgebern eintreten. Letzte JSacbncbtcn und Dcpcfcbcn. Freisinniger Johannistrieb in Sachsen. Dresden, 11. März.(W. T. B.) Die freisinnigen Abgc- ordneten Günther, Bär und Roch haben in der zweiten Kammer eine Interpellation eingebracht, in der sie die Regierung fragen, welche Maßnahmen sie nunmehr in die Wege leiten werde, um noch in der laufenden Session eine von keinerlei kommunalen oder Körperschaftswahlen oder berufsständischen oder ähnlichen Systemen bepackte, dem hohen Kulturzustande des sächsischen Volkes ent» sprechende Wahlrechtsreform zum Abschluß zu bringen. Die Münchener Tarifverhandlungen. München, 11. März.(B. H.) Die Tarifverhandlungen im Bau« gewerbe haben ihren vorläufigen Abschluß gefunden. Die endgültigen Tarifberatungen werden erst am 20. März stattfinden. Bergmannslos. Dortmund, 11. März.(W. T. B.) Auf der Zeche Lukas" ereignete sich heute 1 Uhr nachmittags eine Explo- sion schlagender Wetter. Bisher sind fünf Tote, ein Sch.ver- verletzter und ein Leichtverletzter zutage gefördert. Von den getöteten Bergleuten waren drei verheiratet, zwei unver- heiratet. Es gilt als ausgeschlossen, daß sich noch Personen unter den Trümmern befinden. Die zubruchgegangene Strecke wird in einigen Tagen wieder frei sein, eine direkte Betriebsstörung besteht nicht. London, 11. März.(W. T. B.) Die Hülfskolonne, die seit mehreren Tagen an der Befreiung der im Kohlenberg- werk zu Hanistead eingeschlossenen Bergleute arbeitete, hat heute dreizehn Leichen herausgeholt. Es besteht keine Hoff- nung, daß noch einer der Eingeschlossenen am Leben ist. Eisend ahnunfall. Kristiania, 11. März.(SB. T. B.) Zwischen KjelsaaS und Nitedal stießen heute ein Arbeitszug und eine Lokomotive zusammen. Mehrere Wagen des Arbeitszuges wurden zertrümmert, ein Arbeiter wurde getötet, mehrere verwundet. Dynamitexplosiou. Muhrort, 11. März.(B. H.) Auf der Strecke zwischen DuiS- bürg und Ruhrort sollte heute ein alter Brückenpfeiler beseitigt werden, um daS Bett des Rheinhafenkanals freizulegen. Der In- genieur Kall aus Düsseldorf war mit den Vorarbeiten zur Spren- gung beauftragt. Plötzlich folgte ein furchtbare Dynamitexplosion. Der Ingenieur und ein Vorarbeiter wurden in Stücke zerrisse». Von der Leiche des Ingenieurs konnte bisher nur ein Teil ge- 'unden werden. Das in der Nähe befindliche Dynamitlager ist vollständig in die Luft geflogen, auch in der Nach- barschast, bis nach Ruhrort hinein, sind Beschädigungen entstanden. Effen(Ruhr), 11. März.(B. H.) Zur Dynamitexplofion bei Ruhrort wird noch gemeldet: Die Explosion war von furchtbarer Gewalt. Die Einwohner kürzten erschreckt aus den Häusern. Wo die Holzbrücke gestanden hatte, zeigte sich nur noch ein wüstes Durcheinander. Balken und Bretter bedeckten zum Teil das Dach der jenseits der Ruhrbrücke gelegenen Ruhrorter Portland-Zementfabrik. Eiseneimer und Hammer- kiele waren total verbogen. Von den beiden bei dem Unglück getöteten Arbeitern konnte die Leiche des Vorarbeiters Görtz, der außer einer Frau auch zwei unmündige Kinder hinterläßt, erst morgens gefunden werden. Von dem Schießmeister Kroll, der ebenfalls «tötet wurde, konnte mir ein Bein gefunden werden. Die Leiche t wahrscheinlich von der Ruhr hinweggeschwemmt worden. Kroll hinterläßt Frau und sechs kleine Kinder. Das in Ruhrort verbreitete Gerücht, es sei noch eine dritte Person bei der Katastrophe um- gekommen, erwies sich als unbegründet. Wahrscheinlich ist die Explosion erfolgt, als die beiden Getöteten die Baracke betraten, um dort einen drohenden Regenschauer abzuwarten und ihre Kleider am zugezogen und dadurch. __________ arbeitsunfähig und entlassen worden."Dieser ist Familienvater Ofen zu trocknen._ Verantw. Redakt.: Georg Davidjohn, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstält�Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u.UnterhaltuugtU, Nr. 61. 25. Jahrgang. Reichstag. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donnerstag, 12. März 1908. scheint mir eine Angliederung des Finanzwesens der Arbeitskammern gu die Kranken- und Invalidenversicherung. Wenn die Arbeitskammern aus einer bloß begutachtenden Organifation zu lebenskräftigem Funktionieren ausgebaut werden, werden 119. Sigung bom Mittwoch, den 11. März 1908, wir gerir daran mitarbeiten.( Bravo! bei den Freisinnigen.) nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: v. Bethmann- Hollweg. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Beratung des Etats für das Reichsamt des Innern. Abg. Naumann( frs. Vg.): Sitz in dem Syndikat verschaffte, um dort größeren Einfluß zu ge winnen. Hierauf wird ein Schlußantrag des Blocks angenommen. Es folgen die Abstimmungen über die Resolutionen. Die Resolution des Zentrums auf baldige gesetzliche Sicherung des Abg. Gräfe( Antis.) tritt für den Mittelstand, ein, der über der oalitionsrechts der Arbeiter, der privatrechtlichen Versozialpolitischen Gesetzgebung vergessen sei, obwohl er die ganze Arbeitstammern und auf Sicherung und weitere Ausgestaltung hältnisse der Berufsvereine aller Art, auf Errichtung von Arbeit des Volkes, auch die geistige, leiste.( Lachen bei den Sozial- der Tarifgemeinschaften zwischen Arbeitgebern und Arbeitdemokraten.) Die Warenhäuser und Konsumvereine müßten erdrosselt werden, sonst würden sie unseren Kaufmannsstand erdroffeln. nehmern wird gegen die Stimmen der Rechten an genommen, ebenso die Resolution des Zentrums auf Vorlegung Der Gefeßentwurf über Arbeitskammern macht sie zu nur be- für alle Stände Sozialpolitik treiben. Abg. Sir( 3.): Wir wollen nicht nur für den Mittelstand, sondern eines Gefeßentwurfs, in dem die gewerbliche Sonntagsruhe ratenden Kammern mit begutachtendem Charakter. Sie dürfen über Sozialpolitik ist bisher der Kaufmannsstand behandelt worden. Die fahrt beschäftigten Person ausgedehnt wird. Mit derselben Als Aschenbrödel bei der auf Gastwirtschaften und auf die in der Binnenschiffalles mögliche beraten, haben aber nicht den inneren Halt, den ein Arbeitszeit der Handlungsgehülfen und Lehrlinge an Sonntagen wehrheit angenommen wird eine Resolution der Nationalliberalen bestimmter Zweck und eine bestimmte Verwaltung gibt. Als ihr sollte auf höchstens zwei Stunden beschränkt werden. Das Verbot auf Vorlegung eines Gesetzentwurfs, durch welchen die ArbeitsZweck wird angegeben, sie sollen den Frieden zwischen Arbeitgebern jeder Sonntagsarbeit im Handelsgewerbe, wie es der Antrag zeit und die Sonntagsruhe in kontoren und sonstigen und Arbeitnehmern sichern; dabei fungieren sie nicht einmal als Schack verlangt, ist aber mit den Interessen des Kaufmannsstandes kaufmännischen Betrieben geregelt wird. Eine weitere Resolution obligatorisches Einigungsamt. Diese Bestimmung muß phrasen nicht vereinbar. Dort, wo sich Prinzipale und Gehülfen einig sind, des Zentrums mit Forderungen zugunsten der Privatbeamten haft bleiben, ebenso wie wenn es in der Verfassung hieße: der fann die volle Sonntagsruhe auch jetzt schon eingeführt werden. Im und technischen Angestellten wird ebenfalls gegen die Stimmen Reichstag ist dazu da, das gute Einvernehmen zwischen den wider übrigen aber muß auf die Verschiedenartigkeit der wirtschaftlichen der Rechten angenommen. Die Resolution Sch a c( wirtsch. Vg.), streitenden Parteien herbeizuführen. Die Arbeitsfammer sollte reale Verhältnisse in den einzelnen Gegenden Rücksicht genommen werden. die die Reichsregierung ersucht, mit dem Arbeitskammergesetzentwurf Befugnisse haben und eine Selbstverwaltungs- Wenn man die Feiertagsruhe streng durchführen wollte, würde bei- auch einen solchen über die Einrichtung von Vertretungen für die behörde für das Gewerbe sein. Das kann sie nicht, so spielsweise das katholische Bayern gegenüber anderen Landesteilen Handelsangestellten und für die Werkmeister und Techniker vorlange niemand sich nach ihren Gutachten zu richten braucht, in den Rückstand kommen. Auf dem Lande haben die Gehülfen zulegen, wird mit knapper Mehrheit angenommen. Eine weber die Ortspolizeibehörde, noch die Gewerbeinspektion. Soll die überhaupt freie Zeit genug. Der ländliche Kaufmannsstand hat es weitere Resolution des Zentrums auf einheitliche Regelung des Arbeitskammer nicht das fünfte Nad am Wagen bleiben, so muß sie ohnehin schwer genug, da ihm infolge der billigen Fahrpreise und Bergrechts und des Knappschaftswesens gelangt gegen mehr Befugnisse haben; die polizeilichen Befugnisse wird man ihr der Sucht des Publikums, auswärts zu kaufen, die großen Warenhäuser die Stimmen der Rechten zur Annahme. Abgelehnt nicht ohne weiteres übertragen fönnen, wohl aber müßte die Polizei schwere Konkurrenz machen. Ich wäre mit vielen meiner Freunde mit der gegen die Stimmen der Freisinnigen und behörde, wenn sie nach dem Gutachten der Arbeitskammer sich nicht vollen Sonntagsruhe nur dann einverstanden, wenn die Auswüchse demokraten wird eine sozialdemokratische Reso Sozialrichten will, die Entscheidung der höheren Behörde anzurufen ge der Gewerbefreiheit beseitigt würden. Redner flagt des weiteren lution, die Maßnahmen zum zwungen sein. Heute besteht unsere soziale Gesetzgebung darin, daß über die Konkurrenz, die dem seßhaften Gewerbestande durch das Hüttenwerken und Metallschleifereien beschäftigten Schuße der in Walz, man Bestimmung über Bestimmung häuft, die von den Beteiligten Haufiererwesen erwachse, und verlangt schärfere Maßregeln gegen die Arbeiter verlangt. Die Zentrumsresolution auf Anstellung gar nicht aufgenommen werden können.( Sehr richtig! bei den Hausierer. von Baukontrolleuren und auf Erlaß von Verordnungen zum Freifinnigen.) Diese Bestimmungen müßten von dem gewerblichen Volte selbst in die Hand genommen werden. Abg. v. Brockhausen( t.): Zunächst muß ich im Namen des Schuße der Bauarbeiter wird angenommen, abgelehnt eine Grafen Kaniz die Erklärung abgeben, daß er sich bei seinen Angaben sozialdemokratische Resolution, die bestimmte Maßnahmen zum Schuße über die Bergarbeiterlöhne in der Sizung am 5. März geirrt habe; der Bauarbeiter vorschlägt. Einstimmig angenommen werden die von ihm vorgetragenen Zahlen beziehen sich nur auf unterirdische die drei ersten Abfäße einer sozialdemokratischen Reso Bergarbeiter. lution, in denen Schutzvorrichtungen für Glasarbeiter, als Früher beschäftigten wir uns bei diesem Etat nur mit den Magimalarbeitstag der Achtstundentag und ein Arbeitern, jetzt glücklicherweise auch mit den Handwerkern. Ich Betrieb es zuläßt, gefordert werden. Der vierte Absatz, der in Verbot der Nachtarbeit in Glashütten, soweit der schließe mich meinem Vorrebner darin an, daß die Lage des Hand- Glashütten das Arbeiten an Sonn- und Festtagen mit werkers eine überaus traurige ist. Die Sozialdemokratie kann nur darauf basieren, daß sie den Mittelstand beseitigt, daß Handel und Ausnahme der erforderlichen Unterhaltung des Feuers an den Defen Gewerbe auf großkapitalistischen Warenhäusern beruht; wenn die allgemein berbieten will, gibt zu einem Sammelsprung Freifinnigen mit den Sozialdemokraten zusammengehen wollen, Beranlassung. Für diesen Absatz erheben sich die Sozialdemokraten, sollten sie bedenken, daß sie dabei stets die Schwächeren sein werden. Die Freisinnigen, das Zentrum und ein Teil der Wirtschaftlichen ( Sehr wahr! rechts.) Vereinigung. Das Bureau bleibt zweifelhaft, ob dies die Mehrheit ist. Ueberaus traurig ist die Lage unseres Bauhandwerks. Deshalb muß ich mit einigen Worten auf den Maurerstreit eingehen. nahme des Absatzes, ferner werden angenommen eine ReDie Abstimmung ergibt mit 123 gegen 104 Stimmen die AnSoll die Arbeitskammer eine industrielle Verwaltungsbehörde Die Löhne der Bauarbeiter sind erheblich ge= sein, so muß fie beruflich, nicht örtlich gegliedert sein, darin ſtimme stiegen. Auf den Bauten, herrichten nicht mehr folution der Wirtschaftlichen Vereinigung auf Anstellung einer Beich dem Staatssekretär zu. Deshalb ist auch eine Angliederung der die Bauunternehmer, sondern die Sozial- rechnung über die Wirkung der Herabsetzung der Alters. Arbeitskammern an die einzelnen Berufsgenossenschaften empfehlens- bemokratische Lohntommission, entschied über grenze für den Bezug einer Altersrente auf das 65. Lebens= wert. Freilich muß dann der Begriff der Berufsgenossenschaft tiefer Anstellungen und Entlassungen, nicht der Arbeitgeber. Als i ahr, eine Resolution Sch a c auf Vorlegung eines Gefeßentwurfs, gefaßt werden als es heute der Fall ist, heute sind sie nicht gebie wodurch für alle Wahlen von Vertretern der Arbeitgeber und der Verlängerung des Tarifes zur Verhandlung stand, eignet, Träger der Arbeitskammern zu sein.( Sehr richtig! bei verlangten die Arbeiter Arbeiter auf Grund der Arbeiterversicherungs- und der Arbeiterbon vornherein den achtstündigen den Freisinnigen.) Arbeitstag. Das Einigungsamt, das angerufen wurde, gestand diesen rechtsgesetze das System der Verhältniswahlen reichsDie Wahlrechtsfrage für die Arbeitskammern ist eine nicht zu, wohl aber Lohnerhöhungen. Die Arbeitgeber nahmen den gesetzlich vorgeschrieben wird; eine Resolution des Zentrums 3wed mäßigteitsfrage, darin stimme ich mit dem Staats- Schiedsspruch an, nicht aber die Arbeiter. Deshalb entschlossen sich auf Regelung der Frage der Kartelle, sekretär überein. Aber die in dem Entwurf vorgesehenen die Arbeitgeber im Mai zur Aussperrung. Darauf entstand ein all- in der ein Gesezentwurf verlangt wird, in der die aktive ähnlichen Vereinigungen; eine Resolution der Konservativen, Bestimmungen würden die Arbeitskammern tot machen, ihnen genteiner Streit im Juni und Juli. Arbeitswillige waren zwar sehr und passive Bestechung der in Privatunternehmungen die Möglichkeit zu funktionieren nehmen, so daß mit diefem gemeiner Streit im Juni und Juli. Arbeitswillige waren zwar sehr in der ein Gefeßentivurf verlangt wird, in der die aktive die Möglichkeit zu funktionieren nehmen, so daß mit diesem viele vorhanden, aber gegenüber dem Terrorismus vieler Wahlrecht die Vorlage für meine Freunde un annehmbar angestellten Personen sowie den Versuch hierzu unter ist. Denn mit diesem Wahlrecht würde nie erreicht werden, daß die Taufender gehört sehr viel dazu, arbeitswillig zu bleiben, und unsere Strafe stellt, eine Resolution der Nationalliberalen auf Vorlegung Das der Arbeiterschaft an diesen Kammern ein aktives Interesse hat. Man willigengesek ist leider in einer sehr bedauer sollte es mit dem Proportionalwahlrecht versuchen, mit lichen Art und Weise verabschiedet worden. Der Rechtsagenten, Notare und Gerichtsvollzieher, ferner der Beamten Borschlagslisten der Gewerkschaften. Das Wahlrecht Arbeitgeber muß, unbeschadet aller Tarife, darüber entscheiden, ob und Angestellten der Krankenkassen usw. über die Arbeitszeit, die muß darauf hinauskommen, den organisierten Arbeitern eine Ber der einzelne Arbeiter tüchtig und weiter zu beschäftigen oder zu ent- vorschriften vorsteht, wie sie das Handelsgesetzbuch und die Ge Kündigungsfristen und die Sonntagsruhe die gleichen Schutztretung zu verschaffen. Würden die Gewerkschaften/ oder 3/4 der lassen ist.( Sehr richtig! rechts.) Arbeiter umfassen, so hätte es teine Schwierigkeit. Da wir aber so für die Handelsangestellten enthält, eine weit nicht sind, muß man ein allgemeines Wahlrecht geben und entwurfes, in dem eine bessere Unfallfürsorge bei Arbeiten, welche werbeordnung Resolution Neuner( natl.) auf Vorlegung eines Geset babei voraussehen, daß die Arbeiterverbände mit ihren Borschlagslisten auftreten, wobei das Proportionalwahlrecht den freiwillig zur Rettung von Personen und zur Bergung von Ausgleich zwischen den freien Gewerkschaften, den Hirsch- Dunckerschen Abg. Dr. Jund( natt.) führt aus: Die Kartelle feien aus der Gegenständen vorgenommen werden, enthalten ist, und schließlich Gewerkvereinen usw. gewährleistet. wirtschaftlichen Entwickelung hervorgewachsen und hätten viel Nußen eine Resolution Rieseberg( Wirtsch. Bg.) auf Abänderung der Die Finanzen der Arbeitskammern sind im Entwurf an die gestiftet. Aber die Syndikatsbildung bringt auch Gefahren für die Gewerbeordnung nach der Richtung, daß den Innungen das Necht Kassen der Unfallversicherung angehängt, was bedenklich ist, weil das Industrie nnd die Arbeiter; sie können als Schrittmacher der sozia- verliehen wird, für gleichbleibende Leistungen unter Zustimmung der eine reine Unternehmerkasse ist. Die Sozialdemokraten listischen Produktion aufgefaßt werden. Wir, die wir auf dem Boden Aufsichtsbehörden Mindestpreise festzusetzen. Abgelehnt wird eine wünschen, daß die Reichstasse die Kosten übernehmen soll. Das der heutigen Wirtschaftsordnung stehen, lehnen den Gedanken der Resolution der Sozialdemokraten auf Vorlegung eines Gesetzscheint mir nicht praktisch, weil die Regierung damit eine Verstaatlichung etwa der Sohlenbergwerke ent- entwurfes, der alle Arbeit im Dienstverhältnisse durch reichsgesetzliche Kontrollbefugnis über die Arbeitskammern bekommen würde. Nichtiger i chi e den ab, wohl aber wäre es nüglich, wenn der Staat sich einen Vorschriften einheitlich regeln soll. Die zweite Bestimmung ist, daß die Arbeitskammer die Tarife begutachten soll. Auch hier reicht die bloß gutachtliche Tätig feit nicht aus; für die Schaffung eines Tarifgefeßes ist heute die Zeit noch nicht gekommen, dazu bedürfen wir noch längerer Erfahrungen. Hierzu müßten die Arbeitskammern helfen. Neben diesen beiden Aufgaben, der Auslegung der Arbeiterschutzbestimmungen und der Tarife, scheint mir alles andere, was man den Arbeitskammern zuweisen will, nebensächlich. Es sind Dinge, zu deren Erledigung teilweise Organe schon existieren, teilweise gehen fie lediglich die Arbeiter an und gehören nicht für eine aus Arbeit gebern und Arbeitnehmern zusammengefeßte Organisation. Deswegen wird durch die Arbeitskammer auch die Arbeiterkammer nicht überflüssig, vielmehr erscheint die Arbeitskammer als erster Schritt auf dem Wege zur Arbeiterkammer, die ebenso notwendig ist, wie etwa die Handwerkerkammer. Kleines feuilleton. eingebrachte Resolution, welche Maßnahmen gegen Bestechungen bei Des weiteren begründet der Redner eine von den Konservativen Privatunternehmungen wünscht. Vater und Sohn. Der kleine Willi, dessen Vater geHütte, der nach einwöchiger Arbeit glücklich vollendet wurde. Das möchte ich mich heute nicht äußern. Damit wären diese AngelegenAutomobil, auf das Leutnant Shackleton so große Hoffnungen heiten erledigt. Ich stehe zur Verfügung, wenn Sie wieder mal fest, fonnte noch nicht erprobt werden, da an der Landungsstelle das was brauchen.( Beifall rechts.) Kunstabfolutismus. Der Direktor der Nationalgalerie v. Tschudi Gelände bergig und derartig zertlüftet ist, daß eine Fahrt un möglich scheint. Bald trat sehr starker Frost ein und erschwerte hat auf höheres Anraten einen einjährigen Urlaub antreten müssen, die Ausladung der Kohlenvorräte. Die Ungunft der Witterung borener Lothringer und naturaliſierter Deutscher ist, hat heute den Ser als Uebergang zu seinem Abgang anzusehen ist. Der verdiente wuchs und ward schließlich zu einem furchtbaren Orkan, der jede deutsch- französischen Krieg in der Geschichtsstunde durchgenommen und Mann hat das für preußische Verhältnisse unerhörte Vergehen auf Arbeit unmöglich machte. Nur mit Mühe gelang es den Booten, sitzt am Abend nachdenklich in seinem Stuhl." Worüber denkſt Du fich geladen, Geschmack zu haben und zwar anderen Geschmack als das Schiff wieder zu erreichen. Drei Tage lang währte der Sturm, nach, Willi?"" Nicht wahr, Papa, bei Sedan haben wir Euch ben bei Hofe etikettierten und amtlich zugelassenen. Wir verdanken ein furchtbarer Hagelschauer überraschte die Gelandeten und dabei ordentlich verteilt?" ( ,, Lustige Blätter.") Tschudi die Neuordnung der Nationalgalerie; die aus einer Rumpel fant die Temperatur immer tiefer und erreichte schließlich 38 Grad fammer unter seiner Hand eine übersichtliche, die Entwickelung der Celsius unter Null. Der Sturm trieb das Schiff ab, die Atmosphäre Notizen. deutschen Malerei im 19. Jahrhundert charakteristisch widerspiegelnde ward von Schnee und Hagel so getrübt, daß man nur wenige Meter- Von königlichen Kassen, die öffentliche sind. Sammlung geworden ist. weit sehen konnte. Als das Wetter sich endlich etwas legte, fonnte Der Streit der Berliner fgl. Intendantur mit den Wiener Hofopern Die höfische Aesthetik legt aber darauf kein Gewicht. Ihr sind man erkennen, daß der„ Nimrod" fünf englische Meilen weit fort- direktor Weingartner wird immer ergößlicher. Weingartner hatte die historischen Stiefel- und Anekdotenmaler lieber, da sie zugetrieben war. Ginige Stunden mehr des Wetters und das gekündigt, weil man ihm das fällige Honorar nicht schickte. Jetzt dynastischen und patriotischen Nebenzivecken die ihr die Haupt- Schiff wäre unfehlbar an der Küste zerschellt. Gewaltige Eis- macht die Intendantur bekannt, daß die Kaffe der fgl. Theater eine fache sind sich verwenden lassen. Und diese ehrenwerten Auch barren türmten sich um das Fahrzeug, die Maschine mußte zeit- öffentliche Staffe ist und daß jedermann verpflichtet ist, ihm getünstler hat Tschudi angeblich vernachlässigt. weilig gestoppt werden, und einige Stunden lang glaubte man, bührende Beträge dort persönlich zu erheben. Nun war aber Weins Dann aber hat er auch die Einsicht gehabt, daß die moderne Kunst daß das Fahrzeug verloren sei. Nach und nach gelang es, frei- gartner in Wien und München. Macht nichts. Preußische international ist( wie sie es auch früher war) und daß man die zukommen. Auffällig ist die Erscheinung, daß während des Ortans Kassen schicken kein Geld ins Ausland. Und so hatte Weingartner deutsche Kunst ohne die französische, die im 19. Jahrhundert ohne die Temperatur fiel anstatt stieg, und zwar so schnell, daß das einen Kündigungsgrund und die fgl. Intendantur das Nachsehen. preußische Genehmigung die führende war, nicht recht würdigen kann. Waffer fror und das Steuer festlegte. Mit Aerten mußte daran Denn ob ihre Klage beim Schiedsgericht Aussicht hat. Doch Darum begann er, man denke, in der National galerie fran- gearbeitet werden, es wieder von dem Gise zu befreien. Schließ- über folch' figliche Dinge sollte man nichts prophezeien. Gute Freunde zösische Stünstler aufzunehmen und noch dazu Künstler, die wirklich lich wurde die Kälte so groß, daß das Meer in kurzer Zeit zufror; der Intendantur, die die Post offenbar nicht anerkennt vielleicht malen konnten. Und diese Nuchlosigkeit hat er noch fortsetzen dadurch wurde die Kraft der Wogen überwunden. Nach dem Sturme ist ihr Regulativ aus den Beiten, da man Geld nicht gern verNun jammern die bestellten Kunstkenner der bürgerlichen Blätter war das Verded über und über mit einer ein Fuß dicen Eisschicht schickte suchen inzwischen Weingartner bei der Wiener Oper zu Arbeit mit Art es daß ihre Meinung bei Hofe so gar nichts gilt und daß die Stultus- möglich, Maste und Tauwerk soweit von der Eiskruste zu befreien, Menzel in München. Die Nichte Menzels hat dem minister immer dieselben Ansichten haben, die bei Hofe gangbar daß die Segel gehißt werden konnten. Der„ Nimrod" wird im bayrischen Staat, um Menzels freundschaftlicher Gesinnung für find. Sie scheinen nicht zu begreifen, daß in Preußen der Kunst Januar in die antarktischen Regionen zurückkehren, um die Expe- München Ausdruck zu geben, 60 Werte des Meisters geschenkt, gerade recht sein muß, was auf allen anderen Gebieten Brauch ist. Dition wieder aufzunehmen und dann nach England zurückzuführen, darunter 17 Bilder und Stizzen. Die Kunstwerke werden in den Anderswo würde man an die Voltsvertretung, appellieren, die ja too man ihre Heimkehr für das Frühjahr 1909 erwartet. staatlichen Museen ihre Stätte finden. nicht zum Geldbewilligen da ist. Aber in Preußen! Humor und Satire. wollen. Edmondo de Amicis, einer der bei uns am meisten Bont der englischen Südpolegpedition liegen in Londoner bekannten modernen italienischen Schriftsteller, ist im 62. LebensBlättern jetzt neue Nachrichten vor, die zeigen, welch furchtbare- Eine Musterrede. Nieberding: Der geehrte Herr Vorjahre in Bordighera( Riviera) gestorben. Amicis, der aus Kämpfe die Forscher mit den Elementen zu bestehen haben, um ihr rebner hat eine Reihe höchst auffälliger und in gewissem Sinne einer genuesischen Familie stammte, hatte ursprünglich die militärische Ziel zu erreichen. Der„ Nimrod", der Leutnant Shackleton beklagenswerter Fälle aus dem Justizwesen vorgebracht, die ich nun- Karriere eingeschlagen und auch an verschiedenen Feldzügen teilund seine Gefährten in die antarktischen Regionen geführt hat, mehr der Reihe nach durchgehen und erledigen will: Der erste Fall genommen. Seine ersten literarischen Leistungen waren Skizzen ist jetzt wieder in Christchurch eingetroffen. Er hatte auf seiner gehört nicht ins Neffort des Reichsjustizamts. Ueber den zweiten aus dem Militärleben. Von 1871 an hatte er sich ganz der Schrifts Fahrt mit außerordentlichen Unbilden der Witterung zu kämpfen, Fall bin ich nicht informiert. Der dritte Fall hätte nicht hier im stellerei gewidmet, in der er sich der älteren, nichtnaturalistischen Die Eisverhältnisse zeigten eine schlimme Ungunst. Mit vieler Reichstag, sondern im Abgeordnetenhaus zur Sprache gebracht werden Richtung anschloß. Zahlreiche Neisen lieferten ihm den Stoff zu Mühe begann die Landung der Expedition an der Stelle, die vor- müssen. Der vierte Fall betrifft den Strafvollzug und läßt sich, farbigen, leicht geschriebenen Reisebeschreibungen und Kulturbildern. gesehen war. Die Hütte des Kapitans Scott wurde zwar intakt, da wir bekanntlich ein Strafvollzugsgesetz nicht befizen, über- Von seinen Erzählungen, von denen manche übersetzt wurde, aber tief verschneit vorgefunden und die Freilegung erforderte haupt nicht beantworten. Der fünfte Fall wird erst bei der u. a. auch von Paul Heyse, hat am meisten Beachtung das für die außerordentliche Anstrengungen. Mit unsäglicher Mühe begann Justizreform aktuell werden, wenn wir sie erleben. Der sechste Fall reifere Jugend geschriebene Buch„ Cuore"( Herz) gefunden. In dann die Landung der Vorräte und der Materialien zur Errichtung tangiert ein Stronrecht Seiner Majestät, entzieht sich somit der Er- feinen letzten Romanen( z. B. Der Roman eines Lehrers") und in Der Baracke; das Wetter war unausgesetzt stürmisch und nur lang- örterung. Der siebente Fall eignet sich nicht zur Debatte in pleno. einigen Broschüren bekannte sich Amicis zu einem von Kultur jam schritt das Wert vorwärts. Dann begann der Aufbau der Der agte Fall ist noch nicht spruchreif. Ueber den neunten Fall gedanken und leidenschaftlichem Gefühl getragenen Sozialismus Es folgt Titel 2: 3 Direktoren je 15 000 Tl. usw. Abg. Hurle verfahre» worden... Präsident Graf Stolberg: Ich darf eine Kritik meines Verfahrens nicht zulassen und bitte Sie wiederholt, auf die Genera ldiskussion nicht zurückzugreifen. Abg. H»c(Soz.): Ich habe geglaubt, nach dem Vorgange beim Justizetat auch beim Gehalt der drei Direktoren das vorbringen zu können, was ich in der Generaldebatte nicht vor bringen konnte. Präsident Graf Stolberg: Inwiefern der Vergleich mit dem Justizetat zutrifft, iveiß ich nicht. Jedenfalls dürfen Sie nicht auf die Generaldiskussio» zurückkommen. Abg. H»c(Soz.): Dann will ich einige Angriffe zurückweisen, die gegen mich in der Debatte erhoben worden sind. Präsident Graf Stolbcrg: Das können Sie in einer Person l i ch e n Bemerkung. Abg. Hue(Soz): Wie Sie sehen, bin ich nicht in der Lage, das vorzubringen, was ich nach dem Borgauge beim Justiz etat vorbringen wollte. Ich will deshalb nur konstatieren, daß am Freitag sehr heftige persönliche Angriffe gegen mich gerichtet worden sind. (Präsident Graf Stolberg: Wir find bei Titel 21) Mir ist vorhin das Wort abgeschnitten worden. Mir ist es daher nicht möglich, darauf einzugehen, und ich werde bei der d r i t t e n L e s u n g das Wort nehmen.(Sehr gut l bei den Sozialdemokraten. Graf Swl derg überläßt das Präsidium dem Abg. Paasche.) Abg. Stadthngen(mit großer Heiterkeit von der Mehrheit be grüßt): Ich möchte darlegen, daß die Anstellung von drei Direktoren bei dem großen Umfange der Geschäfte des Rcichsamts des Innern zu wenig ist.(Stürmische Heiterkeit.) Es wird nötig sein, noch einen besonderen Dezernenten einzusetzen, der dafür sorgt, daß das Reichsrecht nicht durch landcsrechtliche Maßregeln ««gangen wird, wie eS durch die Berordnung über die LegitimatioiiS- Papiere für ausländische Arbeiter seitens der preußischen Regierung geschehen ist. Vizepräsident Dr. Paasch?: Wenn Sie diese Ausführungen fort- führen, liegt die Gefahr vor, daß die Generaldiskussion weller geht. Ich muß nach dem eben gehörten Vorgang darauf hinweisen, daß ein solches Eingehen auf die Generaldislussio» nicht zugelassen werden kann. Abg. Stadthagen(Soz.): Mir liegt es fern, in die General- diskuision einzutreten.(Heiterkeit.) Vizepräsident Paasche: Sie können nur begründen, warum Sie nicht drei Direktoren, sondern mehr wünschen. Abg. Stadthagen: Ich halte es für notwendig, daß da? Arbeits- gebiet der Direktoren erweitert wird. Ich habe bereits Heim Justiz- etat ausgeführt, daß die genannte Verordnung eine Gefahr für unsere inländische» Arbeiter bedeutet und auch zu imeriiationolen Verwickelungen führen kann. Ich will nicht nieine damaligen Ausführungen wiederholen, aber eS erscheint mir unzweifelhaft, daß diese Ber- ordnnng den Handelsverträgen widerspricht und daß die Direktoren darauf dringen müssen.(Rufe rechts: Zur Sache I) Vizepräsident Paasche: Sie kommen auf ganz allgemeine Er- örterungen. Das kann ich nicht zulassen. Ich rufe Sie zur Sache. Abg. Stadthagen(Soz.): Ich wollte nur hervorheben, daß meines Erachtens die drei Direktoren(Große Heiterkeit)... Vizepräsident Paasche: Die Direktoren sind die ausführenden Organe des Staatssekretärs. Sie können bei diesem Titel nicht alle möglichen sachlichen Wünsche vorbringen. Abg. Stadthagen: Ich glaube doch, daß sachliche Erörterungen zulässig sein müssen. Wir müssen doch wisse«, wes- wegen die Direktoren ernannt werden sollen, lvas sie zu tun haben, was unseres Erachtens zu ihren, Wirkungskreis gehören sollte. Derartige sachliche Ausführungen gehören wohl in den Rahmen dieses Titels. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Paasche: Die Verteilung der Geschäfte des Reichsamts des Innern ist Sache desStaatssekretärs und nicht Sache des Reichstages.(Zustimmung rechts.) Abg. Stadthagen: Sache des Reichstages ist eS doch, die Direkioren zu b e w i l l i g e n. Ich wollte daher... Vizepräsident Paasche: Ich bitte Sie nochmals, auf diese Dinge nicht weiter einzugehen und mache Sie aus die geschäfts- ordnungsmäßigen Folgen aufmerksam, wenn ich Sie zum zweiten Male zur Sache rufe. Abg. Stadthagen: Ich muß begründen, weshalb wir mehr Direktoren gebrauchen. Ich könnte insbesondere ausführen. daß auf dem Gebiete der ländlichen Arbeiterfürsorge nichts geschieht. Das würde aber zu weit führen.(Heiterkeit.) Ich will mich darauf beschränken, hervorzuheben, daß das, was ich vorhin anführte, ein derartiger Brnch mit den Handelsverträgen ist, daß mir mehr als drei Direktoren notwendig erscheinen. Wenn die allervornehmsten Punkte, die durch internationale Verträge geregelt sind, nicht einmal beachtet werden, so sehe ich nickt ein. zu welchem Zweck wir überhaupt besoldete Direktoren haben. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich habe die betreffende Verordnung, die ich vorhin anftihrte, vor mir... Vizepräsident Paasche: Ich kann nicht dulden, daß Sie darauf weiter eingehen, und werde nunmehr nach§ 46 der Geschäftsordnung das Haus zu ftagen haben, ob eS Ihnen weiter gestattet, über diesen Gegenstand zu sprechen. Abg. Stadthagen: Ich verzichte!(Stürmische Heiterkeit.) Der Titel 2 wird bewilligt, ebenso debattelos eine Reihe weiterer Titel. Beim Titel.Unterstützung für das Germanische Museum w Nürnbergs will Abg. Dr. Pfeiffer(Z.) eine allgemeine Uebersicht über die Kultur« aufgaben des Deutschen Reiches geben. Er wird wiederholt vom Vizepräsidenten Dr. Paasche ersucht. sich an den Titel zu halten. Abg. Dr. Pfeiffer: Dann konstatiere ich. daß eS im deutschen Reichstag nicht möglich ist. über deutsche Kulturausgaben zu sprechen.(Lauter Beifall im Zentrum.) Ich verzichte hier auf daS Wort.(Demonstrativer Beifall im Zentrum.) Abg. Frhr. v. Gamp(Np.): Im Interesse der Abkürzung unserer Verhandlungen und um dem Redner Gelegenheit zu geben, seine interessanten Ausführungen zu machen, beantrage ich. alle Titel über die Unterstützung wissenschaftlicher Korporationen zu verbinden. Abg. Dr. Mngdan(frs. Vp.): Dieser Antrag ist ein Unrecht gegen den Abg. Hue, dem soeben verwehrt wurde, all- gemeine Ausführungen zu machen.(Zustimmung links.) Gegen die Stimmen der Linken wird der Antrag Frhr. v. Gamp angenommen. Abg. Dr. Pfeiffer fährt daher in seinen Ausführungen fort und verbreitet sich auSsiihrlich über die Bestrebungen zahlreicher wissenschaftlicher Korporationen. Die 75 000 M. von der HohkönigSburg sollten in den All- gemeinen FondS eingesetzt werden als Ehrensold für Künstler, Ge- lehrte, Dichter. Es gibt große Dichter in Deutschland.(Stürmische Heiterkeit.) Ich meine natürlich nicht Herrn Dr. Müller-Meiningen. (Erneute große Heiterkeit.) ES darf bei uns nicht mehr vorkomnien, daß die Künstler bei einem Reiterstandbild in einer großen Stadt an einer Stelle untergebracht werden,'wo das Pferd, um mich deutsch auszudrücken, die uiiassimilierbaren Substanzen vegctabili- scher Nahrung ausscheidet.(Stürmische Heiterkeit.) Wir müssen endlich dazu kommen, daß das Reich ein deutsches National- theater tiibventioniert und so daS feinige dazu tut, das ästhetische Gefühl des Volkes zu heben.(Lebhafter Beifall. Abg. David(Soz.): Hoch der Modernismus!— Große Heiterkeit.) Die Titel werden bewilligt. Die weitere Debatte wird vertagt auf Donnerstag 1 Uhr. Schluß 7V4 Uhr._ Südwestafrilla cor der KlidgetkemmM». (Sitzung vom 11. März.) Am Schluffe der gestrigen Sitzung sprach Gröber sein Erstannen aus, daß Abg. S e n> l e r als Referent so sehr schweigsam bei der Debatte über Südivestafrika gewesen. Heute nahm nun Seniler als erster Redner das Wort, um sein verärgertes Herz auszuschütten. Er ist sehr unzufrieden mit dem bisherigen Verlans der Kolonial- beratungen in der Kommission. Die Dernburgschen Programm- erklärungen liegen ihm schwer im Magen, er behauptet, in O st- afrila seien die Farmer sehr niedergedrückt und mißmutig geworden, man sei entrüstet darüber. daß jeder neu zu- ziehende Weiße als Vergrößerung der ReibungSflächen betrachtet ivürde. Auch in K a m e r u n sei man sehr verärgert über Der»- burgs Beurteilung der dortigen weißen Händler. Und sie selbst, die nationalliberalen Abgeordneten, welche Dernburgs Kolonial« Politik tragen wollten, hätten mit ihren Anregungen keinen Erfolg gehabt. Das seien die Gründe, weshalb er sich gestern nicht an der Debatte beteiligt habe. Nach dieser elegischen Trauerrede bespricht er im einzelnen den Etat für Südwestafrila; er er- klärt die Burcnfrage in Südwestafrika für die wichtigste Frage, geht kurz auf das System Rechenberg in Ostafrika und daS System Lindequist-Schuckmann in Südwestafrika ein, ver« teidigt sehr nachdrücklich den Eisenbahnbau in den Kolonien und fordert den Staatssekretär auf bis auf weiteres nicktS gegen die OvamboS zu unternehmen. Daneben macht er allerhand dunkele Andeutungen über Personaldifferenzen in den Kolonien und polemisiert gegen Erzbergers Bemerkung, daß der Etat für Südwest- afrika ein nationales Unglück sei. Abg. Dehrn war von Semlers Kriegserklärung gegen Dernburg überrascht und glaubt, er habe mit diesen Ausführungen seine Befugnisse als Berichterstatter überschritten, denn die Mehrheit sei mit Dernburg einverstanden gewesen. Dohr» protestiert dann gegen die dunkele» Andeutungen Semlers, wenn er Mißstände kennt, soll er mit der Sprache herausrücken. Ledebour schließt sich dem letzteren Protest an und ivendet sich gegen die in SemlerS AuSfübrungen liegende Absicht, später, wenn die vollendeten Bohnbauten eö möglich machen, gegen die OvamboS gewaltsam vorzugehen. Man soll diese kulturell weit vorgeschrittenen Neger durch Friedenswerke zu gewinnen sucken. Ueberdies würde ein Kampf gegen die OvamboS sehr zweifelhaft in seinem Erfolge sein, denn es handelt sich dort um tropisches Land. Ledebour verlangt dann Auskunft über die Lokalisierung der Hottentotten auf der Haifisckinsel. Im Bericht wird mitgeteilt, daß die Sterb- lichkeit außerordentlich groß gewesen ist. der Reichstag habe doch verlangt, daß diese Lokalisierung aufgehoben werde. Weiter zitiert Ledebour aus einem Artikel des Hauptmann Hütter im heutigen„Berliner Tageblatt" Urteile über LindequistS Ein- geborenenverordnung, welche durchaus dem entsprechen, waS Ledebour gestern ausführte. Dernburg bemerk gegen Semler. daß er nichts weiter getan, als auf Wunsch der Kommission seine Erfahrungen in den Kolonien mitzuteilen. Er habe daS in sachlicher Weise getan und Licht und Schatten gerecht verteilt. Nachdem die Kameruner Verhältnisse von anderer Seite zum Gegenstand der Erörterung gemacht wurden, habe er sich auch hier verpflichtet gesuhlt, aus den Akten tatsächliche Mitteilungen zu machen, welche zur Klärung der Sachlage beitragen. Heftiger werdend fährt er fort: Entweder ich führe die Geschäfte nach meiner Ueberzeugung oder ich laffe die Hände ganz davon. Ich kann mcht im Interesse einzelner Kreise oder Klassen Dmge verschweigen, die gesagt werden müssen, um zu einem ricktigen Urteil über die Kolonien zu kommen. Wenn meine Stellungnahme manchen abstößt, der bisher für die Kolonien tätig war, so ist mir daS schmerz- lich, aber ich kann auf einzelne Kreise und Klassen keine Rücksicht nehmen, die Kolonialpolitik muß getragen werden von den breiten Schichten des Volkes. Und in diesen Kreisen habe er erhöhtes Jnreresse wahrgenommen, seit er rückhaltlos die Wahrheit über die Kolonien ausgesprochen. Das Volk habe Anspruch auf Wahrheit. Redner geht nun auf die erörterten sachlichen Fragen ein. An einen Zusammenbruch in Südwe st afrika glaube er nicht, er habe nur von einer sehr ungünstigenHandelS- bilanz gesprochen. ES sei nur notwendig. Borsickt zu üben und zu beachten, daß Leute hingehen, welche genügend Geld haben, da- mit sie eS drei bis vier Jahre aushalten können. In der O v a m b o- frage könne er erklären, daß Gewalt nicht angewendet werden soll, ein Häuptling hat einen Pastor überfallen und konnte bisher nicht zur Rechensckast gezogen werden, aber ein Rachezug ist nicht geplant. Er sei derselben Meinung, wie Ledebour, daß unsere Soldaten in dem tropischen Klima nicht bestehen könnten. Zum Schluß verlangt Dernburg bestimmte Erklärungen von Semler, welche Sorte von BureaukratiS- m u s und welchen Mangel an Courtoisie er mit seinen dunllen Andeutungen gemeint habe. Seniler verteidigt sich zunächst gegen Dohrn und Ledebour, er habe keine Kriegserklärung gegen Dernburg ausgesprochen, er sei nur nicht zufrieden mit Dernburg. weil dessen offene Programmerklär ringen auch in den Punkten, die seine Zustimmung habe», nicht förderlich für die Kolonien sein könnten. Er beklagt sich dann, daß ihn die Kolonialverwaltung nicht einmal in Schutz ge- nomine» habe, als er von den Sozialdemokraten wegen seiner Broschüre über Südwestafrika heftig angegriffen wurde. Auf die Frage DernburgS, wo ein Mangel an Courtoisie zutage getreten sei, teilt er mit, daß der neue Gouverneur v. Schuck- mann bei seinem Amtsantritt nicht zuerst Besuche bei den dortigen Beamten und Offizieren gemacht habe, wodurch ein heftiger Streit zwischen der Müitärvenvaltung und dem Gouvernement entstanden sei, der nur beigelegt wurde, nachdem Schuck- mann dem Leiter der Schutztruppe in Windhut die erwartete Antritts- Visite gemacht hatte. Zur Ehre der Budgetkommission muß gesagt werden, daß die große Mehrheit über diese alberne Zeremoniengeschichte herzlich lachte. Q u a d e teilt noch mit, daß amtlich den heimischen Be- Hörden von diesem Froschmämekcieg nichts bekannt ist. Erzberger spricht sich gegen das frühere Vertusch ungS- s y st e m ans. Von seiner Meinung, daß der Etat für Südwest« afrika— nicht der Besitz der Kolonie— ein nationale? Unglück sei. geht er nicht ab. hier fehle es an den notwendigsten Mitteln, für die Kolonie müßten 40 Millionen aufgewendet werden. Auch an den wirtschaftlichen Zusammenbruch glaubt er, die zahl- reichen Konkurse unter den wenigen Weißen deute die Schwierigkeiten an. v. Richthofen hält den südwestafrikanischen Krieg für da? Unglück, daS an allem sckuld sei, im übrigen ist er für die Kolonialpolitik. Dohr» polemisiert gegen Seinler und Wiemer lobt den Staats- sekretär, der mit seiner Politik der Offenherzigkeil der Kolonial- Politik viele neue Freunde gewonnen habe. Er bitte so fortzu- fahren. Die pessimistische Meinung Erzbergers über Südwestafrila teilt er nicht.. Lindcqnist rechtfertigt in langer Rede seine Ein- gebore nen-Verordnung, die im Einverständnis mit dem Gouvernementsrat und den Missionaren erlassen wurde. Er glaubt damit im Interesse der Eingeborenen gehandelt zu haben. Die Paßmarke tragen die Neger um den Hals, und sie sollen so stolz darauf sein wie etwa ein freisinniger Abgeordneter auf seinen Orden. Bei der Sckilderung� der Konzentrationslager teilt Liiidequist mit, daß die Sterblichkeit_ in eiiizeliicn der Lager von 45 bis 60 Pro;, betragen habe.(I) Diese furcktbare Sterblichkeit soll darauf zurückzuführen sein, daß die Neger durch den Krieg sehr heruntergekommen, halb verhungert und entkräftet gewesen seien. K-psch spricht sich im Gegensatz zu Wiemer sehr skepttsch über Südwestafrila aus er steht auf Erzbergers Standpunkt und schiebt die Sckuld an diesen Verhältnisse» den Kolonialichwärmern zu,� die das Reich in dieses Dilemma hineingetrieben hätten.(Also müssen Sie den Etat ablehnen I ruft Lattmann.) Nein, aber wir werden alles streichen, was irgend möglich ist. Dernburg hält gegen Kopschs Pessimismus eine lange recht optimistisch gefärbte Rede über die wirtschaftliche Zukunft Südwest- afrikas. Nach einigen weiteren Bemerkungen Dr. Arnings, ArendS, Erzbergers und DernburgS wird die Generaldebatte ge- schlössen. Morgen wird in die Spezialberatung eingetreten. pariamentanlcbes. Wahlprüfungskommisfion.(Sitzung vom 11. März.) Die Kommission prüfte die Wahl des Abg. Everling(natl.), der in der Stickwahl mit 14 42l Stimmen gegen den Sozialdemokraten Pinkau-Leipzig, der 12 763 Stimmen erhielt, im 10. sächsischen Wahl- kreise(Döbeln- Waldheim) gewählt worden ist. Ein Wahl- Protest behauptete, es seien eine Reibe von Verstößen vorgekommen, die jedock zum Teil nicht genügend substanttiert waren. Das wichtigste der behaupteten Vorkommnisse lvar die Aufforderung des für die Stickwahl ausgefallenen konservativen Kandidaten Rüder in der gesamten bürgerlichen Presse, den nationalliberalen Everling zu wählen: seiner Unlerichrift hatte Herr Röder seinen Amtscharakter als Bürgermeister beigefügt. Die Kommission erklärte diesen Vorgang für unerheblich. nachdem die Blockniehrheit im Plenum bekanntlich_t)ie frühere Praxis über den Haufen geworfen hat und kam demgemäß zur Gültig- keitserklärung der Wahl Everlings. Die Prüfung der Wahl des sozialdemokratischen Abgeordneten Kaden, Wahlkreis DreSden-Neustadt. wurde begonnen, aber nicht zu Ende geführt._ Hiid der parteu Zum siebzigsten Geburtstage von Wendclia Weißheimer haben am Gedenklage der Kämpfe von 1848 unsere Genossen in Kandern (Hessen), vereint mit denen von Lörrach, dem bewährten Genossen und Komponisten zahlreicher Arbeiterlieder ein Ständchen ge- bracht, an das sich eine erhebende Festfeier und ein Fest- zug anschloß. Weißheimer, der als Sohn des Bürgermeisters zu Osthofen(Hessen) am 26. Februar 1833 geboren wurde, erhielt seine musikalische Ausbildung auf dem Konservatorium zu Leipzig, war dann viele Jahre Kapellmeister am Stadt-Theater zu Mainz und komponierte mehrere große Overn, u. a.„Meister Martin", die vor wenigen Jahren am Darmstädter Hof-Theater wieder zur Auf- führung kam. Weißheimer war ein Anhänger und später Person- licher Freund Richard Wagners, zu einer Zeit, in der jenem noch nicht die Sonne des Erfolgs strahlte, wie in den„Erinnerungen an Richard Wagner", die Weißheimer herausgab, sehr intereffaut zu lesen ist. Auch zu Franz Liszt stand er in engen künst- lerischen wie persönlichen Beziehungen. Am hellsten aber leuchten noch heut« die Augen des Alten auf, wenn er von seinem Verkehr mit Ferdinand Laffalle erzählt, der ihn in Osthofen besucht und bis zu seinem Ende mit ihm in Verbindung blieb. Weißheimer hatte sich gleich zu Anfang der sozialistischen Bewegung dieser begeistert angeschlossen. Seine Komposittonen von Arbeiterliedern atmen revolutionäre Glut. Auf dem Mainzer Parteitage erweckte seine Komposition des Herweghschen.Bei' und arbeit'" wie des Heineschen. TendenzliedeS" stürmischen Beifall, nicht minder auf dem Mannheimer Parteitag seine gewalttge Kompositton des„Empor zum Licht", deffen schwierige Einstudierung er selbst übernommen hatte, wie er auch in Mainz wie Mannheim die Chöre dirigierte. Im Parteiverlage von Dietz sind mehrere seiner Arbeiterlieder er- schienen. Den Glückwünschen, die unsere Genossen in der stillen Heimat WcißheimerS ihm zu seinem siebzigsten Geburtstage dar- brachten, schließen sich die Hunderttausende, die er mit seinen Liedern erfreute, aus vollem Herzen an, zugleich mit dem Wunsche, daß er noch manches Lied für die Arbeitersänger schaffen möge! Parteiliteratur. Im Verlag der Buchhandlung Vorwärts erschienen: Die historische Leistung von Karl Marx. Zum 25. Todestage des Meisters herausgegeben von Karl K a u t s k y. Mit einem Portrait von Karl Marx. Preis 1 M- Volksausgabe 30 Pf. Kautsky will durch diese Arbeit daS Verständnis deffen erleichtern, was Marx der Welt gebracht hat. DaS dürfte, wie KautSkh in seinen: Vorwort sagt, keineswegs so allgemein bekannt sein, wie eS not- wendig wäre in einer Zeit, in der so heftig für und wider Marx gestritten wird. Die Broschüre will nicht bloß eine Studie zur Paneigeschichte sein, sondern auch ein Beitrag zur Entscheidung aktueller Fragen. ».» In zweiter, neu durchgesehener Auflage ist erschienen: Referenten- Führer. Eine Anleitung zum Erwerb deS für die sozialdemokrattsche AgitationStätigkeit nötigen Wissens und Könnens. Von Eduard David. Preis 1.50 M._ Gemeindewahlsiege bt Hessen-Nassau. Weitere erfteuliche Erfolge haben unsere Genossen bei den Gemeindewahlen in der Umgebung von Frankfurt a. M. errungen. In Fechenheim a. M. siegten sie über ihre Gegner, der„Färb- werkspartei", die mit Unterstützung deS ReichsverbaudeS glaubte, die Farbwerlsklaven für sich zu gewinnen. Ferner wurden unsere Ver- treter gewählt in E ck e n h e i m, wo zwei Genossen in den Gemeinde- rat einziehen. In HedderSheim gelang es, sämtliche drei Kandidaten durchzubringen. Ferner wurden sozialdemokratische Ver- treter gewählt in Hausen bei Frankftirt a. SDi. und in K a h l b a ch. Ueberall ist ein crfteulicheS Anwachsen unserer Stimmenzahl zu konstatieren._ Die ArbeitSbörse in Toulon und der Bürgermeister. Paris, 9. März.(Eig. Ber.) Ueber einen angeblichen Konflikt zwischen dem Bürgermeister und der ArbeitSbörie in Toulon haben auch in der deutschen Presse Nackrichten Eingang gefunden, denen sckon darum entgegengetreten werden muß, weil sie geeignet sind, eine sozialistische Gemeindevertretung in ein falsches Licht zu bringen. Denn der Gemeinderat von Toulon gehört in seiner Mehrheit der geeinigten Partei an. ES ist nicht richtig, daß der Bürgermeister— Genosse EScartefigues— die Arbeits- dörse gesperrt hat. Der wahre Kern an der Sache ist, daß der sozialistische Bürgermeister angesichts eines Konflikts innerhalb der Gewerkschaften durch die Pflicht der Unparteilichkeit gezwungen war, gewisse Verfügungen über die Zuweisung der verschiedenen Räume deS Gebäudes zu treffen. In den Gewerkschaften von Toitlon ist vor einiger Zeit ein Streit ausgebrochen, der zum Austritt etwa der Hälfte der Orga- miattonen aus dem bisherigen Verband und zur Konstituieruna eines neuen geführt hat. Der Konflikt soll auf dem veborftehendcn i willigt hatte, würde Krämer keine Putzer von der Sektion Bekommen ht*v Ofit.-'-fv /•»/«,.>rtTrttirrt»rt Ittr» /-rPvi�v Srtvt ort S, v-»»Aftwt /tTfn Ott-» Sr»S �n�'Jfhovfv/�ooÄ Kongreß der Arbeitsbörsen zum Austrag gelangen. Um aber den Beschlüssen dieses Kongresses nicht vorzugreifen und den bestehenden — sicher sehr bedauerlichen— Tatsachen Rechnung zu tragen, hat der Bürgermeister ein Stockwerk der Ardeitsbörse dem neuen Verband provisorisch überwiesen und den alten Verband augewiesen, dieses Lokal zu einem bestimmten Termin zu räumen. Das ist alles, was an dem Konflikt zwischen Bürgermeister und Arbeitsbörse wahr ist. Man wird also auch weiteren Nachrichten der offiziösen Depeschenbureaus über diesen Gegenstand mit Mißtrauen begegnen müssen. Der vierzehnte Parteitag der Sozialdemokratischen Partei in Holland findet wie olljährlich zu Ostern, d. h. am 19., 20. und 21. April, zu Arnheim statt. Aus der provisorischen Tagesordnung ist hervor zuHeben: Jahresbericht des Partei-Schriftsührers; Berichte über die Parteikasse; Bericht der Kammerfraktion; Ernennung der Redaltion von„Het Volk"; Berichterstattung der Delegierten zum Internationalen Kongreß von 1907. Insgesamt sind 91 Anträge angemeldet, worunter 1ö allein in bezug aus die Redaktton von .Het Volk', gegen dessen Inhalt und Standpunkt mebrere Ab teilungen ernstbafte Bedenken haben, welche ihres Erachtens im Wesen der jetzigen kollektiven Redaktion liegen. Beantragt wird demzufolge, wieder zur Ernennung eines Chefredakteurs zurückzukehren. Einige Abteilungen schlagen die Genossin Henriette Roland-Holst oder den Genossen Rechtsanwalt Mendels vor.— Die weiteren wichttgsten Anträge betreffen: die Herausgabe einer Monats schrift durch die Partei selbst sneben der bereits bestehenden, aber von einzelnen Genossen herausgegebenen wissenschaftlichen Zeilschrist .De Nieuwe Tyd'); die Ernennung der Schlichtungskommission für Differenzen zwischen der.Het Volk'-Redaktion und Ein- sendern; Stellungnahme zur Aktion der Partei gegenüber der sozialpolitischen Gesetzgebung: die Agitation für das allgemeine Wahlrecht, die, mit Aufhebung des gegenwärtigen Wahlrcchtskomitees, direkt in die Hand der Partei zu nehmen sei unter Mtwirkung des Verbandes der Gewerkschaften; das Frauenwahlrecht! die sozialdemokratische Frauenorgauisation, die Frauenarbeit; die Ernennung von Kommissionen zur Unter- suchung des Gemeindeprogramms der Partei und zur Heran- Bildung propagandistischer Kräfte; die Genossenschaften; die Gewerk- fchaftsbewegung. Organisation der Partciprcsse Schwedens. In Stockholm fand dieser Tage eine Konferenz von Verttetern der sozialdemokratischen Zeitungen und Druckereien Schwedens statt, in der die Gründung einer gemeinsamen Organisation der Arbeiterzeitungen— „�rdstartiäninziu-nas Lamorxanisatton"— beschlossen wurde. Die Organisation soll sämtliche ans sozialdemokratischem Boden stehenden Arbeiterzeitungen und kooperativen Druckereien umfassen und. soweit es auf diesem Wege möglich ist, ihre ökonomischen und anderweitigen Interessen wahrnehmen. An der Konferenz nahmen IS Delegierte von zehn Parieizeitungen teil und als Vertreter des Parteivorstandes der Genoffe Albin Weidenhayn. Polnische Agitationsschriften. Der Verlag des polnischen ParteiblatteS. Gazeta Robot« nicza' in Kattowitz hat wiederum eine Anzahl sozialdemo- kratischer Agitationsbroschüren herausgegeben. Gerade in der gegen- wältigen politischen Situation, da riesige polnische Arbeitennassen in deutsche Bezirke ziehen, ist eS dringend notwendig, daß die in Frage kommenden AgitationSkomiteeö und Kreisleitungen polnische Agitationsschriften in größeren Auflagen in die Masse werfen. Nachstehende polnische Broschüren werden empfohlen: KautSky, Die Grundlagen des Sozialismus. Preis IS Pf., mit Porto 18 Pf., 100 Exemplare 10 M., 1000 Exemplare 70 M. Dr. van der Brink, Wie ist ein katholischer Geist« licher Sozialdemokrat geworden? Preis 10 Pf., mit Porto 13 Pf., 100 Exemplare 7 M., 1000 Exemplare 50 M. Daszynski, Erzählungen über denSozialiSmuS. Zweite Auflage. Preis 10 Pf., mit Porto 13 Pf., 100 Exem- plare 7 M., 1000 Exemplare 50 M. Der 8 st ü n d i g e Arbeitstag. Einzelpreis mit Porto 10 Pf., 100 Exen, plare 0 M. SO Pf., 1000 Exemplare 4S M. Die Schriften sind von obengenanntem Verlage zu beziehen. Die Adresse lautet:.Gazeta Robotnicza'. Kattowitz, Oberschlesien. Gleichzeitig ersuchen wir die Geiioffen. bei jeder Gelegenheit die polnischen Arbeiter auf das polnische Parteiblatt aufmerksam zu »lachen. Die Parteiblätter werden um Nachdruck gebeten. Jubiläum der„New Dorker Voltszeitung". New Dork, 29. Februar. fEig. Ber.) Die.New Dorker Volks- zeitung", unser täglich erscheinendes Parteiorgan, konnte im Januar auf ein dreißigjähriges Bestehen zurückblicken. Dieser Geburtstag wurde von der Arbeiterschaft der beiden Millionenstädte New Dort und Brooklyn, einein alten Brauch gemäß, erst am 22. und 23. Fe- bruar durch riesig besuchte Feste gefeiert. Aus Anlaß dieser Feste Sab die.New Dorker Volkszeitung" eine 36 Seiten starke lubiläumS-Nummer in großem Format heraus, die verschiedene recht gediegene Beiträge hiesiger Genossen und eine Reihe von Glückwunschschreiben aus dem Auslande enthält. Von besonderem Interesse dürften für die deutschen Parteigenossen in der Union die Briese August Bebels und deS deutschen Parteivorstandes sein. Beide weisen auf die hohe Bedeutung hin, welche die»Volks- zeitung' namentlich für jene Ausgewiesenen hatte, die Ende der 70er und in den 80er Jahren nach Amerika kamen.„Ihnen war die .Volkszeitung" eine Lenkerin", schreibt der Parteivorstand. Und in der Tat war die.Volkszeitung" zu jener Zeit daS einzige Binde- glied zwischen den Versprengten selbst und zwischen ihnen und� der deutschen und internationalen Sozialdemokratie. Und den gleichen Berus hat die„Volkszeitung' auch nach dem Fall des Sozialistengesetzes in hohem Maße erfüllt. Sie war und ist der Born, aus den, alle Sozialisten deutscher Zunge— und hierbei handelt es sich in Amerika um Reichsdeutsche, Oesterreicher, Schweizer und Russen— schöpfen._ Von der Partei in den Bereinigten Staaten. Das National- komitee der Sozialistischen Partei hat mit 33 � gegen 17 Stimmen abgelehnt, EinignngSverhaiidlungen mit der Sozialistischen Arbeiterpartei zu führen, und mit 44 gegen 11 Stimmen wurde ferner abgelehnt, ein Komitee von sieben Genossen zu diesem Zweck zu erwählen. Keinerlei Ver- Handlungen über Fragen der Politik oder der Taktik sollen statt- finden, dagegen werden die Genossen von der S. A.-P. zum Beitritt 'N die Sozialistische Partei eingeladen. haben. Krämer nahm also ein Formular des Tarifvertrages. schrieb selbst den Namen„David Joseph' darunter, fügte auch einen Stempel der Firma hinzu und gab den so gefälschten Tarif im Bureau der Putzersektion ab. Hier konnte natürlich niemand an eine Fälschung denken. Man hielt die Unterschrift für echt und Krämer bekam die Putzer, die nun in dem Glauben, der Bauunternehmer habe den Tarif bewilligt, mit Krämer zusammen arbeiteten.— Aber mit diesem Falle waren die Fälscherstückchen des Putzmeisters noch nicht erschöpft. Er mußte auch jeden Einzelvertrag, den er mit Bauunternehmern abschloß, von der Putzersektion unterstempeln lassen, um den mit ihm zusammenarbeitenden Putzern gegenüber in jedem Einzelfalle nach- weisen zu können, daß der Bauunternehmer den Tarif anerkannt habe. Für den Bau Joseph bekam er den Sektionsstempel auf Grund des eingereichten gefälschten Tarifs. Später aber nahm er wieder Arbeiten bei Unternehmern an, die den Tarif nicht bewilligt hatten. Hier versuchte Krämer es nicht erst mit der Fälschung eines Tarifs, sondern er fälschte die Einzelverträge, indem er sie mit einem Stempel der Putzerseklion versah, den er sich selbst hatte anfertigen lassen.— In einem besonderen Falle hat Krämer außerdem seine Mitarbeiter dadurch bemogelt, daß er ihnen einen Puyvertrag vor- legte, laut dessen er für den Quadratmeter Fassadenputz 1,70 Mark erhielt, während er in Wirklichkeit mit dem Unter- nehmer einen Vertrag über 2,25 Mark abgeschlossen hatte. Die betrügerischen Manipulationen Krämers führten zu einer Anklage wegen schiverer Urkundenfälschung i n mindestens drei Fällen und Betruges. Am Mittwoch fand die Verhandlung vor der dritten Strafkammer deö Landgerichts I statt. Die Feststellung der Personalien des Angeklagten ergab, daß Krämer schon oft vorbestraft ist. Er ist schon beim Militär— jedenfalls war er Unteroffizier— wegen mehrfacher Mißhandlung mit Freiheitsstrafen und Degradation bestraft. Weiter hat er eine Reihe Vorstrafen wegen Diebstahl, Körper- Verletzung, Sachbeschädigung. Urkundenfälschung, Mißhandlung und Uebertretung des KrankenversicherungsgesetzeS erlitten.— Die ihm zur Last gelegten Fälschungen gab Krämer zu, er führte aber zu seiner Entschuldigung an, er sei durch Streikposten arg be- drängl worden und habe deshalb zu dem Mittel der Fälschung greifen müssen, um arbeiten und leben zu können.— Die B e- weiserhebung war eine sehr eingehende. Sie erstreckte sich hauptsächlich auf Einzelheiten hinsichtlich des Tarif- und Vertrags- abschlusses, der Gepflogenheiten im Pntzergewerbe usw. Die Täuschung mit dem Vertrage, der fälschlich 1,70 M. als Preis für den Quadratmeter angibt. beschönigte der Angeklagte damit, daß er aus dem ihm verbleibenden Ucberschuß die Träger bezahlt habe, die nach dem Tarif der Putzersektion vom Bauunternehmer bezahlt werden müssen. Die Lamentationen des Angeflagten über seine angebliche Be- drängung durch Streikposten und seine eigene Arbeits- ivilligkeit verfehlten ihre Wirkung im Gerichts- sa a le nicht. Der Staatsanwalt legte zunächst in längeren juristischen Ausführungen dar, daß der Tarifvertrag als Urkunde anzusehen sei, die Beweiskraft vor Gericht hat. Dasselbe gilt von den Einzel- Verträgen, die hier in Frage kommen. Der Angeklagte habe sich also der schweren Urkundenfälschung in zwei Fällen schuldig gemacht. Betrug liege jedoch nicht vor, denn wenn der Angeklagte in dem fraglichen Falle 2,2S M. pro Quadratmeter bekam, den Putzern aber nur 1,70 M. auszahlte, so habe er als Meister diese Differenz für die Kosten des Trägers und für seine sonstigen Unkosten in Anrechnung bringen dürfen. Hinsichtlich der Urkundenfälschung sei zu berücksichtigen, daß der Angeklame arbeiten mußte, wenn er leben wollte, daß er also einen Akt sozialer Notwehr aus- übte, wenn er sich durch Fälschimg der Unterschriften, die Möglichkeit zu arbeiten verschaffte. Der Angeklagte habe durch die Fälschung niemand betrügen, sondern nur seine Arbeitskraft ver« werten wollen. Die Straftaten seien deshalb nicht so hart zu be« urteile»». Für die Fälschung dos Tarifes beantragte der Staats« anwalt einen Monat, für die Fälschung eines Einzelfalles zwei Wochen, zusammen einen Monat und eine Woche Gefängnis. Das Gericht sprach den Angeklagten von der Anklage des Betruges frei, weil durch die Differenz zwischen dem Preise, den er erhielt und dem Preise, den er zahlte, der Ange- klagte keinen Vermögensvorteil erzielte und auch die Putzer keine Vermögensschädigung erlitten hätten. Auch koniite in Fiesem Falle, da der betreffende Vertrag nicht vorlag, keine Urkunden fälschung festgestellt werden. In den beiden anderen Fällen hielt das � Gericht schwere Urkundenfälschung für vor- liegend. Tarifverträge seien beweiskräftige Urkunden, die im bürgerlichen Rechtsstreit von Erheblichkeit sein können. Die Fat schung des Tarifvertrages stelle sich als eine qualifizierte Fälschung dar. Dasselbe gelte von dem einen Einzelvertrage. Was das Strafmaß betrifft, so sei nicht zu verkennen, daß eS sich hier um Verträge handelt, die bestimmt sind, wirtschaftliche Kämpfe zum Abschluß zu bringen und solche für die Zukunft zu verhindert» Wer solche Verträge verletzt»»nd fälscht, verdiene schwere Strafe. Auf der anderen Seite müsse aber berücksichtigt werden, daß tm Kampfe der Parteien häufig die schärfsten Mittel zum Zweck angewandt werden und daß sich der Angeklagte in einer Zwangs läge befunden habe, weil der Arbeitgeber, bei dem er Beschäftigung gefunden hatte, den Tarif nicht bewilligen wollte. Da der An geklagte ohne diese Bewilligung keine Arbeiter vom Maurerver band bekominen konnte, so habe er sich gesagt, er müsse zur Fäl schung des Tarifs greifen, um arbeiten zu können. DaS sei scharf zu verurteilen. Wenn auch der Angeklagte schon oft v o r b e straft sei. so seien doch seit der letzten Strafe schon 10 Jahre verflossen, auch sei zu bedenken, daß eine Freiheitsstrafe von längerer Dauer den 65 Jahre alten Angeklagten schwer treffen würde. Das Gericht hat aus diesen Gründen den Angeklagten wegen schwerer Urkundenfälschung in zwei Fällen mit drei Wochen Gefängnis bestraft. Der Putzmeister Krämer kann sich Glück wünschen, denn er hat»nilde Richter gefunden. Streikende Arbeiter, welche sehen, daß sie durch Streikbrecher an der Verbesserung ihrer Lage ge hindert werden, können mit mehr Recht als Putzmeister Krämer sagen, daß sie sich in einer sozialen Notlage befinden. Wenn aber ein Streikender eine unwillige Bemerkung zu einem Streik brecher macht und deshalb angeklagt wird, dann pflegt er nicht jo milde Richter zu finden und keinein Staatsanwalt wird es ein- fallen, einem Streikenden einen Akt sozialer Notwehr als MSlderungSgrund zuzubilligen. MttildknMschnug zur Ktgmlßiguug des Streikbruihs. Des verbrecherischen Mittels der Urkundenfälschung hat sich der Putzmeister Krämer bedient, um während des vor- jährigen Kampfes im Baugewerbe Putzarbeiten bei solchen Bau- Unternehmern ausführen zu können, welche den Tarifvertrag der Putzersektion des Maucerverbandes nicht anerkannt hatten.— Um eine Konttolle darüber zu haben, daß nicht unter anderen als den Bedingungen ihres Tarifs gearbeitet werde, hatte die Putzer- seklion beichlossen, daß ihre Mitglieder nur bei solchen Unter- nehmern arbeiten dürfen, welche den Tarif unterschrieben und im Bureau der Putzer niedergelegt hattei».— Putzmeister Krämer hatte Putzarbeiten für den Bauunternehmer David Joseph angenommen. Uin die Arbeiten auszuführen, brauchte er eine Anzahl Putzer, die er aber nur von der Settion des Maurer- Verbandes bekommen konnte. Da David Joseph den Tarif nicht be- Hm Inclultrie und Rande!. Ernte. Die Aktionäre der Gen-esheimer Glashüttenwerke genehmigten sich für das letzte Geschäftsjahr eine Dividende von lS Proz. Die deutsch-österreichifche BergwerkSgescllschaft Dresden verteilt für 1907 l« Proz. Dividende. 9 Proz. für 1906. Die Norddeutsche Jute-Spinnerei in Hamburg, die für 1906 9 Proz. ausschüttete, bringt für das letzte Jahr ebenfalls li Proz. heraus. Den Anteilseignern der Rheinischen Hypothekenbank in Mannheim fließen pro 1907 9 Proz. Dividende zu. Mit? Proz. müssen die Aktionäre der Krefelder Bank zu- frieden sein. Der Bankverein Arten», Kommanditgesellschaft, zahlt 12 Proz. 7 Proz. wie im Vorjahre erhalten die Aktionäre der Westfälischen Bankkommandite Dortmund. Von 11 auf lZ'/zProz. erhöhte sich die Dividende der Bielefelder Aktiengesellschaft für mechanische Weberei- Die WionZre der Deutschen Konttnentak-Gasgesellschast Dessau, die im Vorjahre 8 Proz. erhielten, bekommen für das letzte Jahr S'/a Proz. Die Norddeutsche Portland« Zementfabrik Misburg schüttet 16 Proz. Dividende aus gegen 13 Proz. für 1906. Um 4 Proz. gegen das Vorjahr, auf 24 Proz. erhöht sich die Dividende der Akttonäre der Eintracht-Braunkohlenwerke in Neu- Wolzow. Von 5 auf 8 Proz. ist die von der Maschinenfabrik Germania in Chemnitz herausgebrachte Dividende gestiegen. Die Zwickauer Kammgarnspinnerei schüttet wiederum 1.5 Proz. auS. Die Akttonäre der Alfenschen Portland-Zementfabriken»nüsscn sich diesmal mit 14 Proz. begnügen. DaS Braunkohlenbergwerk Caroline, Magdeburg, das für 1966 25 Proz. Dividende abgestoßen hat, verteilt für das letzte Jahr 28 Proz._ Klagen gegen den Stahlverband. In einer der„Köln. Ztg.' aus Kreisen der reinen Werke zu« gegangenen Zuschrift heißt es u. a.: In drei Wochen beginnt daS neue Vierteljahr. Doch die Abnehmer des Verbandes sind immer noch in Ungewißheit darüber, ob die dringend notwendige Er- Mäßigung der Halbzeugpreise einttitt oder nicht. Sie müssen warten, bis der Verband die Preise bekannt gibt und selber wissen, ob sie zu den jetzigen Schundpreisen verkaufen sollen auf die Gefahr hin, auf ein weiteres Vierteljahr mit einem Verlust bis zu 20 M. auf die Tonne zu arbeiten, wenn der Berband den Halbzeugpreis nicht herabsetzt. Dazu scheint bei der Mehrheit der Verbandsmitglieder, nach brieflichen Auslassungen zu urteilen, leider ivenig Neigung zu bestehen, wenn auch die Werke zum Teil mit den freundlichsten Worten uin Halbzeug-Spezifikationen bitten, und zwar dieselben Werke, die früher ihre Kunden nicht immer gerade zuvor- kommend behandelt haben und die vor einiger Zeit verkünden ließen, inan brauche keine Halbzeugabnehmer mehr und die Zeit der reinen Walzwerke sei vorbei._ Landwirte in der Kaliindustrie. Vorbehaltlich der Genehmigung der Generalversammlung der Gewerke von Bürbach hat ein Landwirtschastskonsortium von dieser Gesellschaft für 5 600 000 Mark Kalifelder erworben. Der Preis gilt als sehr hoch. Die„Rheinisch-Westfälische Zeitung' bemerkt: Für Burbach ist der Felderverkauf, was man so sagt, ein.feines Ge- schüft'. Besonders in Ansehung der näheren Bedingungen, die unS von anderer Seite noch mitgeteilt werden: Von der Beteiligung bei dem Felderkomplex Aller-JngerSleben gehen 550 Kuxen an das landwirtschaftliche Konsortium über, während 450 Burbach ver- bleiben. Der Kaufpreis ist zum Teil sofort, zum Teil gegen Sicherheit in weiteren Fristen zahlbar. Die Gesellschaft Burbach wird später qucrschlägig mit der zukünftigen Anlage Aller-Jngers- leben verbunden werden, sodaß hierdurch die Zweischachlfrage für Burbach in sehr vorteilhafter Weise gelöst wird. DaS neue land« wirtschaftliche Werk soll als Aktiengesellschaft errichtet werden. Große Pleite in der Lederindustrie. Die Lederhandlung H. Baumbach in Weißenfels ist, wie auS Leipzig gemeldet wird, in Konkurs geraten. Die Passiven betragen 1 000 000 M. bei geringen Aktiven. Hauptbctciliat sind Barlincr Firmen._ Die Lage in der Texttlindustrie in Manchester ist fortdauernd ernst. Falls bis Ende dieser Woche eine Verständigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitern nicht zustande kommt, liegen 70 000 Spindeln still._ Branntweinbrennerei und-besteuerung.-■—> DaS 1. Heft der Vierteljahrshefte zur Statistik des Deutschen Reiches. Jahrgang 1908, bringt unter anderem die Statistik über die Branntweinbrennerei und-besteuerung im deutschen Branntwein- steuergebiet während des Betriebsjahres 1906/07. Die Bräunt- Weinerzeugung betrug hiernach im ganzen 3 84 1 267 Hektoliter Alkohol gegen 4 376 695 Hektoliter im Jahre 1905/66, also 535 438 Hektoliter weniger. Unter den Ergebnissen der früheren Jahre steht sie an fünfter Stelle, da sie noch übertroffcn wird durch die Er- zeugung der Jahre 1903/64(3 854 299 Hektoliter), 1901/02 (4 238 908 Hektoliter) und 1900/01(4 051 860 Hektoliter). In den landwirtschaftlichen Kartoffelbrenncreien wurden 2 959 425 Hektoliter Alkohol erzeugt gegen 3 508 125 Hektoliter im Fahre 1905/06, also 543 700 Hektoliter— 15,6 Proz. weniger. Die Getrcidebrennereien haben insgesamt 752 671 Hektoliter Alkohol(1965/66 745 057) erzeugt, davon 307 722 Hektoliter(1905/06 298 609) in landwirtschaftlichen Betrieben und 444 949 Hektoliter (1905/06 446 448) in gewerblichen. Die Melassebrennereien erzeugten 89 137 Hektoliter Alkohol (1905/06 82 702), die Materialbrenncreien 29 782 Hektoliter (1905/06 30 426). Der Reinertrag der Branntweinsteuer betrug im ganzen 140 917 766 M.(1965/66 143 667 271 M.). wovon 13 697 384 M. auf die Maischbottichsteuer. 130 680 149 M. auf Ver- brauchsabgabe und Zuschlag entfallen, während bei der Brcnnsteuer die Vergütung den vereinnahmten Betrag um 8 459 332 M. über- steigt. An UebergangSabgaoe für Branntwein aus Luxemburg wurden 115 M. vereinnahmt. Der Branntweinverbrauch im Be- triebsjahr 1906/07 berechnet sich im ganzen auf 3 793 889 Hekto- liter Alkohol(6,1 Liter auf den Kopf) gegen 3 766 966 Hektoliter im Vorjahre. Davon wurden 1 336 48-1 Hektoliter(1965/06 1 477 354) zu gewerblichen usw. Zwecken steuerfrei abgelassen. 2 457 405 Hektoliter(1905/06 2 289 612) nach Entrichtung der Vcr- brauchsabgabe(2 427 927) oder dcS Zolls(29 473) in den freien Verkehr gefetzt. Preisherabsetzung. Die schottische StahlwerkSvereini�ung beschloß, die Preise um 5 Schilling per Tonne herabzusetzen. Drei Lanarkshire- Stahliverke haben infolge Mangels an Aufträgen den Betrieb ein- gestellt._ Aus der amerikanische» Großindustrie. Nach den endgültigen Ermittlungen der American Iran and Steel Association hat die Roheisenerzeugung in den Vereinigten Staaten im Jahre 1907 insgesamt 26193 862 Tonnen bettagen. das sind gegenüber dem Vorjahre rund 2 Prozent mehr. Die bis- her veröffentlichten Zahlen sind zu gering, Iveil die tatsächliche Er- zeugung von Holzkohleneisen in zweiten Halbjahr über die Schätzung hinausgegangen ist. Die Anzahl der am 31. Dezember 1967 in Be- trieb befindlichen Hochöfen betrug 167, die der stillgesetzten 276. Wie sehr überhaupt die Industrie in der Union in der letzten Zeit darniederliegt, zeigt das Beispiel der Baldloin-Lokomotivwerke. die seit Dezember 1967 rund 10 006 von ihren Angestellten entlassen haben. Während in guten Zeiten in jeder Woche rund 66 Loko- Motiven fertiggestellt wurden, beträgt diese Zahl jetzt nur noch 20. Die Leitung der Fabrik soll bereits mit dem Gedanken um- gehen, die Werke eine Zeitlang gänzlich stillzulegen, da letzthin so gut wie gar keine Neuaufträge eingegangen sind. Amerikanische Zlutomobillndustrie. Die Automobiltechnische Gesellschaft veröffentlicht folgende Statistik über die amerikanische Automöbilindusttie: 1900 1905 Stand der Fabriken......... 57 121 Kapital in Dollar.......... 5 768 857 20 555 247 Zahl der Beamten.......... 268 954 Gehälter in Dollar......... 291 770 1 076 425 Zahl der Arbeiter.......... 2 241 10 239 Löhne in Dollar.......... 1 320 658 6 158 950 Wert der aufgewendeten Materialien in Dollar 1804 237 11 653 138 Wert der Fabrikate in Dollar...... 4 748011 26465064 Aus der Frauenbewegung. Moderne Sklaverei. zelle dienen. Selbst Dunkelarrest soll in Anwendung kommen. I dedten die Tische, bereiteten den Tee, bedienten bei Tisch und Wenn schließlich auch noch Prügel als Erziehungsmittel gelten, wuschen sogar ab. Eine in den„ Cooperative News" veröffentlichte so braucht man sich darüber kaum noch zu wundern. wohlgelungene Photographie zeigt uns die braven Genossenschaftsgebracht worden. Zu verschiedenen Malen haben Mädchen durch die Flucht sich väter, wie sie mit weißen Schürzen angetan, kampfbereit neben hoher Berge, ragen verschiedene Fabrikschlote empor. Hierher Geschöpfe sind aber meistens nach einigen Stunden wieder zurüd- ziehung, daß sie sogar eine Warnung erließen, daß jede Frau, Im oberbergischen Lande, abseits vom Berkehr, inmitten diesem Heim zu entziehen versucht. Die weltfremden, mittellosen den gedeckten Tischen stehend, ihres Amtes harren. So sehr überzeugt waren sie übrigens von ihrer Geschicklichkeit in jeder Behaben etliche schlaue Textilfabrikanten ihre Spinn- und Webereien berlegt. Männer und Frauen, jung und alt, aus der ganzen Umdie in der Küche angetroffen würde, unnachsichtlich mit einer Geld. In einem katholischen Mädchenheim einer anderen Firma in buße belegt werden würde. gegend finden hier für geringen Lohn Beschäftigung. Doch die eingesessene, anspruchslose Bewohnerschaft scheint den Unter- derselben Gegend werden die bestraften Mädchen durch schwarze nehmern nicht zu genügen, sie versuchen, billigere Arbeits- Haarschleifen gekennzeichnet, während die unbestraften Mädchen hände aus allen Gegenden Deutschlands, ja selbst aus dem Aus- weiße Schleifen tragen dürfen. lande heranzuholen. im Die Spinnerei Krawinkel u. Schnabel hat auch für ihre Spinnerei ein evangelisches Mädchenheim errichtet. Dieses steht, unter der Leitung frommer Schwestern und des Pfarrers Rühle Abwechselnd müssen die Mädchen die Hausarbeit besorgen. Für diese Tage bekommen sie teinen Lohn, sondern nur die Kost. Bar Geld erhalten die Mädchen während der ganzen drei Jahre nicht, alles, was sie gebrauchen, wird von den Schwestern eingekauft. So wedt man Persönlichkeitsbewußtsein und Menschenwürde Lande der Gottesfurcht und frommen Sitte. Alles ging in der Tat auch vortrefflich: der Tee war aus. gezeichnet und die Frauen, die diesmal die Rolle der zuvorkommend Bedienten zu spielen hatten, amüsierten sich herrlich. Musik und Tanz beschlossen das lustige Fest. Ob so etwas auch bei uns möglich wäre? Oder ob unsere deutschen Männer nicht fürchten würden, durch eine solche Selbsterniedrigung" etwas von ihrer Würde einzubüßen? Fast scheint uns dies das Wahrscheinlichere? Und doch geschieht ähnliches alle Tage. Bedienen nicht tagtäglich in Männer? Gewohnheit ist ja ein harter, widerstandsfähiger Zopf, Hotels und Restaurants Köche und Kellner ebenso gut Frauen wie aber die Entwickelung schneidet ihn doch mit der Zeit ab. Frauenpflichten im wirtschaftlichen Kampf. aus Gummersbach. Letzterer besitzt das elterliche Erziehungsrecht. öffentlichen Versammlung der Konfektionsarbeiter und Ueber dieses Thema sprach Genojsin Lily Braun in einer Das Mädchenheim wird von der Stadtverwaltung Gummers- rbeiterinnen, die am Montagabend bei Litfin in der bach gleichzeitig als Fürsorgeerziehungsanstalt benutzt, und daher Memeler Straße stattfand. Die Rednerin besprach zunächst die Befehlt es der Firma nie an Arbeitskräften. Arbeiterinnen, die in deutung des wirtschaftlichen Kampfes als einen Kampf ums Dasein, der Gegend anfäßig sind, erhalten bei dieser Firma überhaupt der besonders schwere Anforderungen an die Frauen stellt. In Gespaßige Stadt ,, väter". keine Arbeit. Es werden nur Fürsorgezöglinge und fremde Ar- dem andauernden Kreislauf, leben zu können, um zu arbeiten, Die Mithülfe der Frauen als Armenpflegerinnen usw. ist beiterinnen beschäftigt. Durch Prospekte, in denen Eltern und und arbeiten zu können, um zu leben, bleibt kaum ein kleiner von einer großen Anzahl Städte mit Erfolg eingeführt. In der Vormünder auf die günstige Gelegenheit, ihren Mädchen lohnen- Platz für den Genuß des Lebens frei. Rücksichtslos wird kleinen oldenburgischen Stadt Heppens bei Wilhelmshaven hat die den Verdienst und christliche Erziehung zu schaffen, auf die Frau in den Kampf hineingezogen, und oft genug wird Frauen- Armenkommission die Mithülfe der Frauen in besonderer Form zurückgewiesen. Die wohlweisen Herren drohten damit, ihre merksam gemacht werden, lockt man Gutgläubige heran. Eltern arbeit von denen am schärfsten ausgebeutet, die nicht laut genug oder Vormünder, die den Reklamen trauen, müssen einen drei den Beruf der Frau als Gattin und Mutter preisen fönnen. Die Aemter niederzulegen, wenn man ihnen gewaltsam Frauen zuteile. Schäden der Heimarbeit, die gerade in der Konfektionsbranche Und der Stadtrat wich mutig zurüd. An den Frauen selbst wird Jahre geltenden Kontrakt unterzeichnen. Nach diesem beträgt der traß hervortreten, sind schon oft und gründlich bloßgelegt worden, es nun liegen, den Spießern klar zu machen, daß auch sie berufen Anfangslohn 1 M. pro Tag und steigt innerhalb der drei Jahre aber es geschieht nichts dagegen. Gerade die Konfektionsarbeiter sind, überall im öffentlichen und kommunalen Leben als gleichauf 1,60 M. Von dem Lohn werden für Kost und Logis 80 Pf. und Arbeiterinnen sind von der Schutzgesetzgebung vernachlässigt berechtigt anerkannt zu werden. in Anrechnung gebracht. Der Ueberschuß wird den Mädchen gut- worden. Hier bringen die Frauen die größten Opfer und vergessen geschrieben und nach Ablauf des Kontraktes erhalten sie die zu leicht, daß sie Pflichten haben gegen sich selbst, deren VernachVersammlungen Veranstaltungen. Summe, nach Abzug des Betrages, den das Heim für Be- lässigung sie schwer büßen müssen. Sie dürfen ihre Gesundheit Wilmersdorf. Donnerstag, den 12. März, 8 Uhr, im Quisenpark: Kleidung usw. berausgabt hat, ausbezahlt. nicht verschleudern. Als Gattin, als Mutter haben sie Pflichten, Vortrag mit anschließender Rezitation. die sich nicht vertragen mit der furchtbaren Ausnutzung ihrer Arbeitstraft in der Heimarbeit. Ratlos und hülflos stehen die Frauen diesen Verhältnissen gegenüber, aber nur folange, als fie vereinzelt bleiben. Verbünden sie sich, so sind sie start, auch dem mächtigsten Unternehmer gegenüber widerstandsfähig. Nun zeigt sich aber gerade in der Konfektion, daß die Organisation noch ungemein schwach und ohnmächtig ist. A13 Grund dafür wird mit Recht angegeben: Es sind zu viele Frauen darin beschäftigt, die lassen sich nicht organi fieren. Hier ist es Pflicht aller aufgeklärten Frauen, unablässig 3 agitieren, aufzuklären und mitzuwirken an der Vereinigung machte die Rednerin den Männern deshalb, weil sie in dieser aller bedrückten und unwissenden Geschlechtsgenossinnen. Vorwürfe Beziehung den Arbeiterinnen nicht genügend zur Seite stehen und oft noch in Vorurteilen gegen die Frauen befangen sind. Leider gibt es auch Frauen, die der armen Heimarbeiterin durch Sch mu hkonkurrenz das armselige Leben noch erschweren, indem sie ohne zwingende Not sich einen„ Nebenverdienst" in der Konfektion meme I, Tilfit schaffen und die Preise herunterdrücken. Sie bedenken nicht, daß Bregel, Insterburg 247) 41 Havel, Spandau) sie Pflichten haben gegen ihre Arbeitskolleginnen. Zum Schluß Weichsel, Thorn In Preußen sind sonst alle Auf- und Umzüge verboten, wie erörterte die Rednerin die Bestrebungen, die die rechtliche Gleich- Dder, Ratibor wir erst fürzlich bei den Wahlrechtsdemonstrationen feststellen ſtellung der Frauen im öffentlichen Leben zum Ziel haben. In der Diskussion machte eine Frau auf die Anstrengungen konnten, und mehr wie einmal haben harmlose Maispaziergänger des sogenannten„ Chriftlichen Heimarbeiterinnen- Bundes" aufmerk den Unwillen der heiligen Hermandat" erregt und die Sünder" sam. Mit Kaffee und Kuchen werden die Arbeiterinnen bewirtet, wurden mit Strafmandaten bedacht. Doch um die geschilderten und dabei müssen sie dann salbungsvolle Reden anhören, in denen Umzüge der billigen und willigen Arbeiterinnen kümmert sich an- immer wieder gepredigt wird: Seid zufrieden hier auf Erden, scheinend kein Schußmann noch Gendarm. im Himmel wird es besser werden! Die Schwestern führen auch die 50-60 Mädchen in geschlossenem Zuge zur Fabrik und beaufsichtigen sie selbst während der Arbeitszeit, damit sie nicht in Versuchung geraten, mit ihren Arbeitskollegen zu sprechen. Der Zug selbst gemahnt an Zuchthäusler. Stumm wie Maschinen schreiten die Lohnsflavinnen in ihrem grauen Drillichanzug der Fabrik entgegen und grau und trüb vergeht ein Tag wie der andere. Selbst der Sonntag bringt diesen modernen Sklavinnen wenig Abwechselung. Die Kleidung an diesem Tage ist verschiedenfarbig und zweimal werden die Bedauernswerten von den Schwestern zur Kirche geführt. Auch wird an solchen Tagen unter Absingung geistlicher Lieder ein Spaziergang im geschlossenen Zuge gemacht. Das ist der Zöglinge Lebenssonnenschein! Und doch lieg Dieringhausen, das geschilderte Jbyll, in Preußen! Im Heim selbst soll eine streng klöfterliche Zucht herrschen, bei der Kostentziehung und Ginsperrung eine gewisse Rolle spielen. Im Keller soll ein zu diesem Zwed geschaffenes Gelaß als StrafAmtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen- Direktion über den Großhandel in den Zentral- Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach, Geschäft still, Breise unverändert. Wild: Zufuhr knapp, Geschäft still, Breife gut. Geflügel: Zufuhr knapp, Geschäft ruhig, Preise hoch. Fische Zufuhr mäßig, Geschäft ruhig, Preise wenig ver Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr reichlich, Geschäft sehr Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. matt, Preise gedrüdt. ändert. Wafferstands- Nachrichten der Landesanstalt für Gewässertunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand am ſeit 10. 3. 9. 3. cm cm¹) 3563)+14 Wasserstand Saale, Grochlik 寳 am ſeit 10. 3. 9. 3. cm cm) 173+12 161 0 410)+60 230 Kroffen Frankfurt Landsberg 294 260 -1 Rathenow³) 178 +14 Spree, Spremberg) Beestow 124 222 256 -2 284-4 115+45 162+22 390 +2 126 246 +5 52 +10 372+4 -46 +10 Nedar, Heilbronn 140+20 249 -1 216 +3 Main, Wertheim Mosel, Trier 200+7 296+47 Fall 3) Unterpegel. ) Eisstand. arthe, Schrimm nee, Bordamm Elbe, Leitmeriz Dresden Barby Magdeburg )+ bedeutet Wuchs, Ein eigentümliches Fest wurde kürzlich der Frauen- Genossenschaftsgilde in Jarrow von ihren männlichen Ehrenmitgliedern) Eisgang. gegeben. Die Männer hatten die Frauen zu einer TeeunterHaltung eingeladen, und als aufmerksame Wirte verrichteten sie alle Arbeit: schnitten das Brot, den Kuchen, machten die Sandwiches, Beser, Münden Minden Rhein, Maximiliansau Kaub Köln H. Greifenhagen Nachf. Brunnen- Strasse 17-18 Veteranen- Strasse 1-2 So lange Vorrat Donnerstag, Freltag und Sonnabend So lange Vorrat Hervorragend billige Waren- Posten in Haushalt- Artikeln PORZELLAN Tassen, weiss, gross.. 15 PL. Tassen, weiss, 40 er.. 18 Pt. Tassen, gerippt, Portionstassen.... 20 Pt. Tassen, mit Goldrand Tafelservice- Teile u. Goldlinie in der Mitte 20 Pt. Kompotteller Tassen, Flieder- od.Rosenmuster( 6 Stck. 1.50). 28 Pf. Dessertteller.. Vergissmeinnicht- Dekoration Goldlinie 20 Pf. 28 Pf. 20 Pt. 28 Pf. ..33 Pf. 38 Pf. •.. 33 Pf. Kartoffelnäpfe, oval mit Deckel.... 8, 18 Pt. Terrinen, oval mit Deckel... 2.85 *. 3.75 2.95 4.25 1.95 1.95 Tassen, Schalenform, Vergissmeinnicht Milchtöpfe, weiss.. Milchtöpfe, Fliedermuster, mittel.... 28 Pf. 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Besen mit Stiel.... 48 Pf. Stachelbeeren, süss 11 Dose Birnen, weisse, 48 Pf Frucht, 11 Dose.. 65 Pf. Stangenspargel 1 Dose Prima Bruchspargel 1.05 mit Köpfen, 1 Dose 98 Pf. Wirtschaftsartikel 6.85 1.15 Zink- Waschwannen. Fenstergaze, blau, Om Kohlenschaufeln... 18 Pf. Ringständer, gedreht. 38 Pt. Vorhänge- Schlösser 5, 10, 25 Pf. Leitern.... Stufe 33 Pf. Holzwaren Emaille Eimer ca. 28 cm Waschschüsseln mit Seifnapf, gross.. . 68 Pf. 68 PL. Schmortöpfe mit Ring... 58 u. 95 Pf. Brotkapsel oval, gross Waschservice, Delft Teesiebe 2.75 2.95 20 Pf. Schöpf- od. Schaumlöffel 10 Pf. Glas Kohlenkasten..... 1.95 Putz- od.Wichskasten 38 Pf. 1.95 24 cm Butterdosen gross.. Plättbrett, bezogen, mit Leiste. Presskohl.- Schrank 4.85 Aermelbrett, bezogen 38 Pt. Kleiderbügel, gr., 6st. 20 Pt. Schnittspargel mit Köpfen, Dose Junge Schoten Dose Pa. Schnittbohnen 11 Dose.. Junger Kohlrabi 11 Dose... 80 Pf. Kompottschüsseln 38 Pf. .. 15 Pt. Likörgläser( Dtz. 75 Pl.) 7 Pf. Victoriabecher mit Goldrand, 3/10 u. 14 Ltr. Prima Sprotten Kiste Prima Kassler Pfund. 16 Pt. ... 38 PL 35 Pf. . ... 68 Pf. 25 Pf. Prima Cervelatwurst Pfund... 1.10 .. 26 Pf. Pa. Hallesche Leberwurst, Pfund..... 95 Pf. Berantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Ar. 61. 25. Jahrgang. 2. ftilMt Ks Jonarts" Kcrlim WsdlÄ. Donnerstag. 12. Mar; IM. Mgeoränetenkaus. Sl>. Sitzung vom Mittwoch, den lt. März, 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Bethmann-Hollwcg, Arhr. v. Rheinbaben, v. Moltke, Dr. Holle. Aus der Tagesordnung stehen zunächst die vier Jnter- vellationen der Abgg. A r e n d t- Labiau(k.); Hob recht �natl.);. Fisch deck sfrs. Vp.) und Broemel(frs. Vg.); Frhr. v. Zedlitz(fk.); Dr. Porsch sZ.), in denen angefragt wird, aus welchen Gründen die in Aussicht gestellte Vorlage über die Erhöhung der Bezüge der Staatsbeamten, Volks- schullehrer und Geistlichen dem Landtage noch nicht unterbreitet ist und wann ihre Einbringung zu erwarten ist. Vizepräsident des Staatsmini st eriums.v. Bethmann-Hollwcg erklärt sich zur Beantwortung der Jnter- pellationen bereit. Zur Begründung der konservativen Interpellation führt Abg. v. Hcnnigs-Jachlin(k.) aus, daß man nach den früheren Erklärungen der Regierung hätte annehmen müssen, dah die Vor- läge in diesem Winter zur Verabschiedung kommen würde. Das Abgeordnetenhaus sei bereit gewesen, die Mittel, nötigenfalls durch Erhöhung der Steuern, für die Beamtenbesoldungserhöhung zu bewilligen, und es sei sehr zu bedauern, dah die Einbringung der Vorlage vertagt sei. Der Beamtenschaft habe sich das Gefühl einer großen Unsicherheit bemächtigt und dieses müßte bald beseitigt werden. Redner schließt mit der dringenden Bitte, eine Erklärung in diesem Sinne abzugeben.(Beifall.) Die Interpellation der Nationalliberalen und Freisinnigen begründet Abg. Hobrecht(natl.): Als die Staatsregierung die Einbringung der Vorlage für die Besoldungserhöhung versprach, waren wir uns darüber klar, daß es sich um die Lösung einer schwierigen Frage, auch wegen der Deckungsfrage handelt. Wir haben aber trotzdem gehofft, daß diese Fragen in dieser Session gelöst werden würden. Dadurch, daß das nicht geschieht, ist in den weitesten Kreisen der Beamtenschaft eine tiefe Mißstimmung hervorgerufen worden.(Sehr richtig! links.) Wir haben nach den gestrigen Er- klärungen der Reichsregierung unsere Interpellation nicht zurück- gezogen, weil wir volle Klarheit von der Regierung verlangen müssen.(Zustimmung links.) Zum min- besten hätte die Regierung die Neuregelung der Lehrerbesoldung nicht weiter hinausschieben sollen.(Beifall links.) Abg. Frhr. v. Zedlitz(fk.) begründet die Interpellation der freikonservativen Partei: Auch ich bin der Meinung, daß die Auf- besserung der Lehrer zuerst hätte durchgeführt werden müssen. Es ist außerordentlich zu bedauern, daß die Vertagung der Vorlage für die Beamtenbcsoldungserhöhung beabsichtigt ist. Die Beamten und Lehrer sind dadurch aufs bitter st e enttäuscht worden.(Sehr richtig!) Auf das Reich brauchen wir keine Rücksicht zu nehmen, wir können in Preußen selb- ständig vorgehen.(Sehr richtig!) Nach dem, was in der Presse über die Absicht der Regierung veröffentlicht ist, müssen wir an- nehmen, daß die von ihr geplante Grundlage für die Lehrer- besoldung nicht gutgeheißen werden kann, denn das Haus hat sich 1906 gegen die grundsätzliche Scheidung zwischen Land und mitt- leren Städten, mittleren und größeren Städten und größeren und großen Städten ausgesprochen, wie sie die Regierung anscheinend vornehmen will. Wir werden noch heute eine Resolution ein- bringen, die die Auffassung des Hauses vom Jahre 1906 wieder zum Ausdruck bringt. Ich hoffe, daß die Staatsregierung den Landtag im Herbst frühzeitig einberufen und dann die Be- foldungsvorlage uns vorlegen wird. Die Verantwortung für die Verzögerung der Vorlage lehnen wir ab, sie mag die Staats- rcgierung allein tragen.(Beifall.) Es folgt die Begründung der Interpellation des Zentrums durch Abg. Kirsch(Z.l: Nachdem die Besoldungsvorlage m der Thron- rede angekündigt war, haben die gestrigen Verhandlungen im Reichs- tage wie ein kalter Wasserstrahl auf die Beamten gewirkt._(Zustimmung.) Wenn im Reiche die Besoldungsvorlage abhängig ge- macht wird vom Zustandekommen der Finanzreform, so ist ihre Einbringung und Verabschiedung im Herbst sehr unsicher. Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, daß hier die Vorlage im Herbst be- stimmt gemacht und so reichlich ausgestattet wird, daß die Be- amten damit zufrieden sein werden. Vor allem ist notwendig, daß sie rückwirkende Kraft auch für die Pensionäre bekommt. (Beifall.) Vizepräsident des Staatsministeriums v. Bethmann-HoNweg verliest eine Erklärung, in der es heißt: Die Absicht der König- lichen Staatsregierung, die Beamtenbesoldungsvorlage noch jetzt dem Landtage zu unterbreiten, läßt sich zu dem Bedauern der Staatsregierung nicht verwirklichen, da nach Lage der Geschäfte im Reiche die Besoldungsverbesterung der Reichsbeamten bis auf den Herbst hat vertagt werden müssen und da es notwendig erscheint, die bisherige Uebereinstimmung in den Dienstbezügen der Reichs- und preußischen Beamten aufrecht zu erhalten. Daher ist es auch für Preußen unabweislich, nach dem Vorgange im Reiche, die Erledigung der Aufbesserungsfrage im Zu- sammenhang mit der Frage der DeckungSmittel bis zum Herbst auszusetzen. Zu diesem Behufe ist in Aussicht genommen, den Landtag im Ol- tober zu versammeln, um ihm ausreichende Zeit zur Beratung zu gewähren. Ein Nachteil darf den Beamten nicht erwachsen. Daher soll den Zulagen rückwirkende Kraft auf den 1. April 1908 beigelegt werden. Demgemäß werden alle, die am 1. April 1908 im Dienste stehen, und zwar auch die, die nach diesem Termine vor dem In- krafttreten der neuen Vorlage in den Ruhestand treten, sowie die Hinterbliebenen so gestellt werden, als ob die Gehaltsregelung bereits am 1. April in Kraft bestanden hätte. Die Staatsregierung wird außerdem unverzüglich eine Vorlage einbringen, durch welche den Beamten ein fester Betrag gezahlt werden soll, der auf die künftigen GehattSbezüge anzurechnen ist.(Das Haus nimmt die Worte des Redners mit tiefem Schweigen auf.) Auf Antrag des Abg. Frhr. v. Erffa(k.) wird die Be- sprechung der Interpellationen einstimmig beschlossen. Abg. Gyhling(frs. Vp.): Die Antwort der Regierung hat uns in keiner Weise befriedigt.(Sehr richtig! links.) Das Verhalten der Regierung erregt unser tiefstes Befremden und in den Kreisen der Beamten tiefgehende Unzufriedenheit, bie_ dem Staatswohl nicht frommt. Heute wird uns gesagt, wir müßten auf das Reich Rücksicht nehmen; im vorigen Jahre nahm der Finanzminister den entgegengesetzten Standpunkt ein. Das min- beste, was wir jetzt hätten erwarten müssen, wäre doch gewesen, daß uns die Regierung die Grundsätze der geplanten Besoldungs- vorläge mitteilen würde, damit wir dazu Stellung nehmen könnten. Wir müssen die Regierung für die Folgen verantwortlich machen, die sich aus der Verzögerung der Besoldungserhöhung ergeben werden.(Sehr richtig! links.) Abg. Broemel(frs. Vg.): Im Reichstage ist gestern die Ver- zögerung der Besoldungsvorlage mit dem Fehlen der Deckungs- mittel begründet worden. Man sollte doch nun aber nicht hier eine sachliche Frage mit politischen Motiven verquicken.(Sehr richtig! links.) Der Notstand der Beamten wird von allen Seiten an- erkannt, und die Regierung hätte daraus die Konsequenz ziehen müssen, für Preußen die Frage der BesoldungS- erhöhung selbständig zu lösen. Jetzt besteht die Ge- fahr, daß im Herbst das L eh r e r b e so ld u n gsg e se tz wieder aus die lange Bank geschoben wird. Die Regierung! hat jdgs Vertrauen der Beamten verloren, und damit sie cs wieder ge- l winnt, wünsche ich, daß die preußische Regierung doch mit der (Besoldungserhöhung noch selbständig vorgehen möge.(Beifall.) «, Abg. Malkewitz(f.); Wir sind verpflichtet, als die gewählten Vertreter des Volks dem schmerzlichen Empfinden der Beamten- schaft Ausdruck zu geben. Wenn es den Anschein gewinnt, als ob dje Regierungsbank zur Anklagebank geworden ist, so bedauern wir das. Ich glaube aber, daß die Beamten aus der Erklärung des Vizepräsidenten des Staatsministeriums entnehmen werden, daß tiefgehende Gründe die Regierung zu ihrem Verhalten zwingen. Wir nehmen nicht an, was die„Voss. Ztg." sagt, daß die Re- gierung hofft, nach den Neuwahlen niedrigere Gehaltssätze bieten zu können als jetzt. Jedenfalls werden meine Freunde ohne Rücksicht auf das Wahlergebnis energisch mitarbeiten, um die Wünsche der Beamten zu erfüllen. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Abg. Kirsch(Z.): Wenn in acht Tagen Reichstagswahlen statt- finden würden, so würde die Negierung dabei die Antwort der Beamten auf ihr Verhalten bekommen. Die Regierung hätte wenigstens das Lehrerbesoldungsgesctz jetzt vorlegen sollen. Man spricht von der Deckungsfrage. Bei der Polcnvorlage hat man nach der Deckung aber nicht gefragt.(Sehr richtig! im Zentrum, links und bei den Polen.) Es heißt immer: Preußen in Deutsch- land voran! In der Beamtenbesoldung sind uns aber andere Bundesstaaten weit vorangegangen.(Beifall.) Abg. Schiffer(natl.): Es darf nicht zur Gewohnheit werden, daß Vorlagen in der Thronrede angekündigt und nicht eingebracht werden. Durch die Nichteinbringung der Besoldungsvorlage sind die Beamten schwer geschädigt worden, und es ist mir nicht klar, wie man der Vorlage im Herbst rück- wirkende Kraft für die Lehrer und Geistlichen geben will. Eine klare Auskunft möchte ich von der Regierung erbitten dahin, o b, wenn die Finanzrcform im Reiche im Herb st nicht zu stände kommt, in Preußen trotzdem die Ein- bringung der Besoldungsvorlage sicher zu er- warten ist?(Beifall.) Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben: In der gestrigen Besprechung mit den Führern der Fraktionen habe ich erklärt, daß im Oktober der Landtag versammelt werden soll behufs Entgegennahme der Beamtenbesoldungsvorlage. Auf den mir dabei geäußerten Wunsch, daß die Neuwahlen möglichst früh im Sommer stattfinden follten, habe ich erklärt, daß ich dazu noch keine Stellung nehmen könne, da das Staatsministerium sich noch nicht schlüssig geworden sei. Wenn gesagt wird, dah wir seit Jahren nichts für die Beamten getan haben, so erwidere ich, daß wir in den Jahren 1906 und 1907 zugunsten der Beamten 42,5 Millionen dauernde Mehr- ausgaben in den Etat eingestellt haben. Die neue Vorlage wird einen Mehrbedarf von 135— 150 Millionen fordern, zu deren teil- weiser Deckung an eine Erhöhung der Einkommensteuer wird gedacht werden müssen. Die Erhöhung der Gehälter der Staats- beamten wird auch für die Kommunalbeamten und für die Privat- beamten und auch für die Löhne Konsequenzen haben. Einzelne Reden, die hier gehalten sind, sind nicht geeignet, das Vertrauen der Beamten zur Regierung zu erhöhen.(Sehr richtig! rechts.) Ich gebe zu, daß es nicht erwünscht ist, daß die Zusagen der Thron- rede nicht erfüllt werden. Aber wir sind bereit, das, was die Thronrede versprochen hat, zu erfüllen. Das war uns noch nicht möglich, weil der Reichstag, namentlich die Linke dort, wünschte, daß in dieser Session neue Steuerpläne nicht vorgelegt werden sollten.(Hört! hört! rechts.) Im Reiche konnte man an die Be soldungsaufbesserung, ohne für die Deckung zu sorgen, nicht herain gehen, und es ist notwendig, daß Preußen in Uebereinstimmung mit dem Reich die Besoldungsregelung vornimmt. Wenn gefragt wird, wie es mit der Besoldungsfrage bei uns werden solle, wenn der Reichstag im Herbst die Finanzreform nicht erledige, so möchte ich das als eine cura posterior bezeichnen. (Lachen links und im Zentrum.) Für den Fall, daß in der Tat die Finanzreform im Reichstage nicht erledigt werden sollte, würde uns allerdings nichts übrig bleiben, als in Preußen g e- sondert vorzugehen.(Beifall.) Abg. Marti»(fk.): Die Erklärungen der Regierung laufen darauf hinaus, daß das Reich an der Verzögerung der Besoldungsvorlage schuld sei. Wir haben doch aber hier ebenso viel gesetzgeberische Fähigkeiten, wie der Reichstag. Wenn die Regierung sagt, die Beamten sollen nicht geschädigt werden, fo werden doch die Geistlichen durch die Verzögerung der Vorlage ge- schädigt.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Hahn(B. d. L.): Fürst Bismarck hat einmal als die beste Volksvertretung diejenige bezeichnet, die sich aus einer Ver- tretung der einzelnen Stände zusammensetzt. Die Sozialdemokraten haben sich als die alleinigen Vertreter der Arbeiter bezeichnet, jetzt greift ja erfreulicherweise die Organisation der christlichen Arbeiter weiter um sich. Alle Stände haben sich organisiert, auch das Großkapital. Unsere besserenArbeiter sind besser gestellt, als die kleinen Beamten, das zeigt sich in den Lokalen, wo die Arbeiter frühstücken, das zeigt sich bei den Landpartien der Arbeiter. Die Kartelle tragen die Schuld an der Teuerung, sie haben die Hochkonjunktur ausgenutzt. Ich höre keinen Widerspruch des Abg. Goldschmidt.(Abg. Goldschmidt: Ich bin kein Demagoge!) Ich bitte den Herrn Präsidenten, mich gegen den Vorwurf zu schützen, daß ich ein Demagoge sei. Vizepräsident Dr. Porsch: Abg. Goldschmidt hat nur erklärt, er sei kein Demagoge. Abg. Dr. Hahn(fortfahrend): Die Großindustrie müßte stärker zu den Lasten des Reichs herangezogen werden. Wenn im Reich nicht die notwendigen� Mittel vorhanden sind zur Durchführung der Gehaltserhöhungen, so ist daran dieLinke schuld.(Leb- haster Widerspruch links.) Die Beamten wissen, daß bei der Regierung keinerlei Uebelwollen gegen sie besteht. Würde der Reichs- tag jetzt aufgelöst werden, so würde» bei den Neuwahle» die Leid- tragenden die Vertreter der Linken sein.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Friedderg(natl.): Es ist keine Garantte dafür vor- handen, daß im Reiche im Herbste die Finanzreform zustande kommt. Wir können doch nicht eine Einigungs- kommission zur Bermittelung zwischen Abgeordnetenhaus und Reichs- tag einsetzen. Andere Bundesstaaten, z. B. Bayern, gehen selbständig vor, und das sollte auch Preußen tun. Aus die Dauer»st eine Rücksichtnahme auf das Reich nicht möglich. Wenn der Abg. Dr. Hahn meinte, die Linke sei schuld an dem Nichtzustandekommen der Reichsfinanzreform, so können wir das umkehren und sagen, Schuld daran find diejenigen, die sich gegen die Einführung direkter Reichs- steuern erklären.(Beifall links.)_ Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben erklärt, daß auch für die Geistlichen die Staatszuschüsse mit rückwirkender Kraft vom 1. April 1908 ab gewährt werden sollen. Abg. Dr. Müller-Berlin(frs. Vp.): Wenn der Finanzminister sagte, die Schuld an dem Nichtzustandekommen der Finanzreform trage die Linke, so weiß er ganz genau, wo der Hund begraben liegt. Sein Vorwurf ist unzutreffend. Er hätte uns aber schon im Februar sagen können: Ihr täuschtEuch. wenn Jhrden Worten der Staatsregierung glaubt und meint«, Ihr würdet jetzt noch die Beamtenbesoldungs- vorläge erhalten; er wußte doch da schon, daß die Reichsfinanzreform jetzt nicht zustande kommen wird. Es liegt kein Grund vor, die preußischen Beamten warten zu lassen, weil die Reichsbeamten warten müssen.(Sehr richtig! links.) Schuld an der Teuerung der Lebensmittel ist die grundverkehrte Zollpolitik des Reiches.(Sehr richtig I links. Widerspruch rechts.) Dem Abg. Hahn gegenüber bemerke ich, daß wir ganz genau wissen, daß wir bei den Wahlen einen schweren Kampf gegen die agrarische und soziale Demagogie durchzu- fechten haben werden, wir werden ihn aber durchkämpfen.(Beifall links.) Fiuanzminister Frhr. v. Rheinbaben erklärt, daß im Februar noch kein Beschlutz seitens der Staatsregierung über die Vertagung der Vorlage vorgelegen habe. Abg. Strosscr(k.) verwahrt seine Partei dagegen, daß sie nötig habe, sich an einem Wettlaufen zugunsten der Beamten zu beteiligen. Notwendig aber sei es, die Befoldungsvorlage im Herbst bestimmt zum Abschluß zu bringen. Abg. Graf Praschma(Z.): Wir müssen uns doch dem an- schließen, was uns seitens der Staatsregierung gesagt ist. Wenn der Abgeordnete Dr. Friedberg die Schuld für das Nichtzustande- kommen der Finanzrefonn von der Liitken abgewälzt hat, so kann ich mich dem nicht anschließen. Abg. Ernst(frs. Vg.): Die Ausführungen des FinnnzministerS haben uns nicht überzeugen können. Schon Herr v. Miquel hat davor gewarnt, daß man der Regierung alles glaube.(Heiterkeit.) Auf eine Anfrage des Abg. W i n ck l e r(k.) erwidert Kultusminister Dr. Holle, daß neben dem Beomtenbesoldnngs- gesetz auch das Gesetz über die Ruhegehallsklassen und über die Reliktenversorgung der Geistlichen rückwirkende Kraft erhalten würden. Abg. Busch(Z.): Wenn der Abg. Hahn annimmt, daß die Beamten durch die Erklärungen der Regierung beruhigt werden, so muß man doch daran denken, daß anch der Beamte ein Mensch ist, bei dem die Beruhigung bald zu Ende sein kann. Die Linke hebt immer die Verteuerung' der Lebensinittel hervor, warum nicht auch die der Kohlen, unter der die Beamte» schwer zu leiden haben. (Sehr richtig! im Zentrum und rechts.) Wir hoffen zuversichtlich, daß die Vorlage im Herbst bestimmt verabschiedet wird. Abg. Dr. Hahn folgte» Abstellung der elektrische» Beleuchtung. Die frühere Overnsoufflenfe G. hatte gegen dir Gesellschaft Zentral-Theatrr in Chemnitz resp. gegen den Direktor I. Schadens- erfatzanfprüche erhoben, da sie auf dem Rückwege vom Souffleur- kästen durch die erste Unterbühne wegen der dort herrschenden Dunkelheit mit ihrem Kopf an«inen harten Gegenstand gestoßen war und sich dadurch Schäden zugezogen hatte. Das Landgericht Chemnitz und OberlanbeSgericht Dresden nahmen an. daß beide Teile ein Verschulden treffe. Den Beklagten deshalb, weil er nach§ 278 B. G.-B. für das Verschulden semer Angestellten, die feine Verbindlichkeiten erfüllen sollten, ebenso hafte, wie für sein eigenes Verschulden. Dieses Verschulden lieg« aber darin, daß die Beleuchtung, zu der er verpflichtet war. zu frühzeitig von dem damit Betrauten aufgehoben worden war und zwar durch Verschulden seines gesetzlichen Vertreters, des Geschäfts- führerS. Di« Klägerin selbst treffe aber auch zu einem Drittel ein Mitverschulden, da sie im finsteren Teil der Unterbühne weiter- geschritten sei. Das Oberlandesgericht erkannte somit die Ersatz» ansprüche der Klägerin nur zu zwei Dritteln dem Grund« noch für gerechtfertigt an. Die von, Beklagten gegen daS oberkandeSgerichtlichc Urteil ein, gelegte Revision wurde vom s. Zivilsenat des Reichsgerichts zurück- gewiesen._ Ein Schutzmann als Verführer. Das Landgericht Hamburg hat am 10. Dezember v. I. den Schutzmann Wilhelm Ernst von der Anklage der Verführung frei, gesprochen. Er war angeklagt, ein noch nicht 1ö Jahre altes, un- bcfcholtenes Mädchen im Jul, 1907 verführt zu haben. Das Gericht glaubte ihm auf diese Anklage hin nicht verurteilen zu können, da cS als erwiesen ansah, daß er dasselbe Mädchen bereits im April verführt hatte.— Auf die Revision des Staatsanwalts hob am Montag das Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Wenn sich in der Hauptverhandkung herausstellt, daß Ort, Zeit oder nähere Umstände der Tat andere sind, als sie in der Anklage angegeben sind, so muß der Richter auf diese Aenderung eingehen und die Sache, falls der Angeklagte er. klärt, darauf nicht vorbereitet zu fein, vertagen. Eine Freisprechung lediglich aus dem Grunde, daß di« Handlung nicht an dem an- gegebenen Tage erfolgt fei, würde dem Angeklagten das Recht geben, später einer neuen Anklage den Einwand der abgeurteilten Sache entgegenzuhalten._ Die HalVerstSdter Würstchen beschäftigten am Montag das Reichsgericht. Der gute Ruf. den die von de« Firma Halberstädte« Wurst» und Konservenfabrik Heine u. Eo-, begründet 1589, gelieferten Würstchen in Blechdosen erlangt haben, beranlaßte den Materialwarenhändler und Fleischer Richard Heine, mit seinem Schwiegervater, der in Wehrstedt Wurst- waren fabrizierte, ebenfalls eine Fabrik zu begründen, die er Halberstädter Wurst, und Konservenfabrik Heine u. Co. in Halber- stadt-Wehrstedt nannte. Der Inhaber der erstgenannten Firma, Fabrikant Friedrich Heine, ging zunächst aus dem Zivilwcge gegen ihn vor und verlangte, daß er als Sitz seiner Fabrik„Wehrstedt bei Halberstadt" angebe. Er stellte dann auch Strafantrag gegen Richard Heine wegen Vergehen? gegen 8Z 14 und 10 des Waren- zeickienzesetzeS, weil Richard Heine die Umhüllung der echten „Halberstädter" nachgeahmt hatte. Das Landgericht Halberstadt verurteilte am 28. September v. I. Richard Heine zu einer Geld» strafe von 400 M. und zur Zahlung einer Buße an die Reben- klägerin Heine u. Co. Auf die Revision der Angeklagten hob daS Reichsgericht da« Urteil auf und verwies di« Sache an das Land, gcricht zurück. Daß der Angeklagte die Firma Hein« u. Co. wider. rechtlich benutzt hätte, ergibt sich nicht auö dem Urteile. Die Neben- klägerin hat nur die Weglaffung gewisser Zusätze verlangt, die ge- eignet seien, eine Verwechselung herbeizuführen. Aber auch die Anwendung des§ 10 des WarenzeichengesetzeS erscheine bedenklich. Versammlungen. Der Zentralverband der bc», gewerblichen HlllfSarbeiter(Zweig- verein Berlin und Umgegend, hielt am Sonntag in Frcyers Fest- sälen, Koppenstr. 29, eine zahlreich besuchte Generalversammlung ab. Zunächst wurde da? Wahlrcsultat von der Vorstandswahl bc- kanntgegeben. DaS Endresultat ist: Wilhelm Noack, I. Be- vollmächtigter; Hermann Norgel(von der bisherigen lokalen Richtung). 3. Bevollmächtigter; Karl Gräber. 1. Kassierer; K. Berger, L. Kassierer; Fr. Block, Schriftführer; Beisitzer wurden Otto Baum(bisher lokal), Hans Dupke(von den Staakern), Karl Krüger, Wilhelm Heidemann. Karl Schrödter, Albert Fritz. Ein Mitglied beantragt, Schrödters Wahl zu deanstanden. ES wurde beschlossen, die An- gelegenheit zur Erledigung an di« Vertretersihung zu überweisen. Der erste Kassierer Gräber gab dann eine Uebersicht über die Abrechnung pro 4. Quartal 1907, in welchem erst Böttcher und dann der des Amtes entsetzte Lehmann die Kasse führten. Ein« schließlich eines Bestandes vom 3. Quartal in Höhe von 49Y86.10 Mark betrug die Gesamteinnahmc 104 803.43 M. Die Gesamtausgabe betrug 09194,14 M.. so daß für das neue Quartal ein Bestand von 40009.29 M. verblieb. Es wurde beschlossen, daß die Bezirkskassierer bei ihren Abrechnungen allwöchentlich sämtliche Rarken und sämtliches Geld vorzulegen hätten.— Dem Kassierer Gräber wurde Decharge erteilt. Der Geschäftsbericht über das Jahr 1907 lag der Versammlung gedruckt vor. Der Bevollmächtigte Noack sprach dazu emige ein. ieitend« Worte, in denen er der vorjährigen Bewegung gedachte, die er als verfahren kennzeichuete. Allerdings, meinte er. wäre der Kampf mindestens vier bis fünf Wochen früher beendet gewesen, wenn die Arbeiter denselben behördlichen Schutz gehabt hätten, wie die Unternehmer. Für den Fall, daß demnächst der Fehdehandschuh wieder aufgenommen werden müßte, appelliert er an die Kollegen- schaft. den Führern besser zu folgen, wie im vorigen Jahre. Ge- warnt sei man zeitig genug. Der gedruckte Bericht selbst läßt sich eingehend über die große Bewegung des letzten Jahres und über die Einzelbewegungen ver- schiedener Gruppen aus. sowie über eine Anzahl Berufsvorgängc und über die Geschäftsführung. Die Hauptzahlen der JahreS- abrechnung sind: Ernnahme 337030,84 M.. Bestand vom Jahre 1900 dazu mit 81021.09 M., ergibt«ine Gesamteinnahme von 419 001.93 M. Die Gesamtausgabe betrug 373 442.04 M. Bestand beim Beginn des neuen Geschäftsjahres also 40 609,29 M.— Einnahmen und Ausgaben der Hauptkasse balanziertcn 1907 mit 171 417,45 M.— An Streikfondsbeitrügen wurden von der Lokal- kasse 02 911 M. eingenommen.— Die Streikabrechnung der Lohn, bewegung im vergangenen Jahre Iveist an Einnahmen und Aus- gaben 056 908,70 M. auf.— Ueber diesen Jahresbericht wurde lebhaft diskutiert, namentlich über die Erfahrungen der großen Bewegung. AuS allen, auch aus kritischen Ausführungen, klang hie Mahnung hervor: Seid einig und stark! Als Revisoren wurden Ariekeber. Geiseler und Kupsch gewählt. Mit der Vertretung in der Gewerkschafts- kommifsion betraute man Noack, Norgel. Gräber und B e r g e r. Grabe« berichtete dann über die Angelegenheit der Dach. deckereihülfsarbeiter. Diese hätten mit Hülfe des Verbandes wesentliche Vorteile errungen. Gleichwohl habe ein Teil nachdem gewisse Differenzen in Unterstützungsangeleaenheiten zum Anlaß genommen, dem Bauarbelterverbänd den Rucken zu kehren. Die Leute seien zum Teil vom Dachdeckerverband als Mitglieder auf- genommen worden, obgleich sie in den Bauarbeiterverband hinein- gehörten. Die Angelegenheit fei bis vor die Generalkommifsion der Gewerkschaften Deutschlands gebracht worden. Diese habe sich damit beschäftigt schließlich aber erklärt, haß sie hinsichtlich der Zugehörigkeit der Dachdeckereihülfsarbeiter zu der einen oder der anderen Organisation keine Entscheidung treffen könne und wolle. Sie überläßt es den Organisationen, selbst darüber zu entscheiden. Im Bauarbeiterverband sei man der Meinung, die Dachdeckerei- hülfsarbeiter gehörten als BauhülfSarheiter in den Bauarbeiter- verband, während die Dachdecker erklärten, daß sie zu ihnen ge- hörten. Redner fordert die Versammelten auf, die Dachdeckerei- hülfsarbeiter überall darauf aufmerksam zu machen, daß sie nur dem Bauarbetterverband angehören könnten.— Krause schloß sich dem an.— B a u m(bisher lokal) hebt hervor, daß nach Vollzug der Einigung der beiden Organisationen der Bauarbeiter heute die erste gemeinsame Versammlung sei. Wenn er und feine Freunde von der bisherigen Lokalorganisation den Schritt hinüber zum Ver- band getan hätten, so sei das in der vollsten Ueberzeugung geschehen, daß dem immer enger und enger sich zusammenschließenden Unter, nehmertum«ine geeint« starke Arbeiterschaft entgegenstehen müsse. Er erinnere an dos Vorgehen der Unternehmer im Baugewerbe, di« jetzt den deutschen Bauarbeitern der verschiedenen Berufe und Gruppen einen„Mustertarif" ausdrängen wollten. Jedes bittere Gefühl, das vor der Einigung aufgekommen sei zwischen den Kollegen der verschiedenen Organisationen, müsse jetzt schwinden. Und auch den Kollegen, di« gegen die Einigung waren, müsse auf den Bauten nahegelegt werden, daß es ietzt gelte, die Bruderhand zu fassen und jede Byreingenommenheit fallen zu lassen.(Lebhafter Beifall.) Im selben Sinne sprach Muck. Dann trat Schluß dr« Versamm- Inng«in. Die Sektion der Putzer vom Zentralverband der Maurer hielt am Sonntag in den Arminhallen ihr« regelmäßige Mitglied« rver- sammlung ab. Vor Tin, ritt in die Tagesordnung»hm die ver- 'ammlung in üblicher Weite das Andenken der verstorbenen Mit« lieber'Wilhelm Neuendorf.«ngust Strasse, Neinhold ienkel und Karl LusSki. Dann gab das Wahlkomitee ölgendeS Resultat der Vorstandswahl bekannt: 1. Vorsitzender Ernst Schulze, 2. Ferdinand Grothmann. 1. Kassierer Karl L e b n i g. 2. Franz Ä l ö v f e r. Schrififührer Paul Sinn- reich. Revisoren: Gustav Lebmpfuh l. Julius Keilmann. August R i e k. Ein Antrag der Charlottenburger Kollegen, für da» Charlottenburger volkshaus«inen Zuschuß von 60 M. zu erhalten, wurde gegen 80 Stimmen angenommen. Auch der Antrag de? ve- zirks Wilmersdorf: di« Arbestslosenabstempelung in den Bezirken auch in den Sommermonaten vorzunehmen, wurde gegen«ine Stimme angenommen. ES hat sich demnach jeder Kollege am Frei- tag oder Sonnabend gegen Vorzeigung der Jnvalidenkarte in den Bezirkslokalrn. welche„och durch«ine Annonce im.Vorwärts" bekannt gegeben werden, zu melden und erhält dann einen Arbeits- oien-Stempel ins Verbandsbuch. Die ArveltSlosenmarken können dann auf Listen gezeichnet werden oder im Bureau gegen Borzeiglmg des Verbandsbltches in Empfang genommen werden. Eine nach- ttägliche Meldung wird unter keiucn Umständen anerkannt. Auch können die Kollegen sich im Bureau Sophienstr. 0 melden. Dann gab der Vorsitzende Ernst Schulzs einen SituasionSbericht und weist darauf hin, daß die Unternehmer den Plan haben, die Arbeits» löhne in schamloser Weise herunter zu drücken. Unter allen Umständen sei aber die Forderung des Achtstundentages und der8 M.Abschlagszahlmig festzuhalten. Auch machte Redner auf das Rundschreiben des Arbeil- geberbundeS aufmerksam, welcher plane, am 1. Avril überall da, wo kein Vertragsverhältnis besteht oder der Mustervertrag nicht anerkannt wird, eine allgemeine Aussperrung vorzunehmen. Es ist nun Pflicht eines jeden Kollegen, kräftige Agitation für unseren Verband zu entfalten. Auch werden die Kollegen ersucht, sich an der Flugblattverbreitung, welche am 15. März stattfindet, rege zu be- teiligen. Auch findet am 19. März in Frehers Sälen. Koppenstr. 29» eine öffentliche Putzerversammlung statt. Jndustrieverdand oder BernfSorganlsatio». Mit dieser Frage be- schäftigte sich am Dienstag eine Versammlung deS Zentrakverbandrs der Fleischer. In einer früheren Versammlung hatte ein Referent und ein Korreferent über diese Frage gesprochen; in der gegen- wärtigen Versammlung wurde die Diskussion fortgesetzt. ES handelt sich un, die Frage des Zusammenschlusses der Verbände der Bäcker. Fleischer, Brauer und Mühlenarbeiter zu einer gemeinsamen Organisation für die Nahrungsmittelindustrie. Eine Konferenz der Vorstände der genannten vier Verbände hat sich im. Prinzip für den Zusammenschluß erklärt und den Mügliedern empfohlen, die Frage zu diskutieren, worauf eine zweite Vorstände- konferenz stattfinden und schließlich durch Generalversammlung oder Urabstimmung der beteiligten Verbände die Angelegenheit entschieden werden soll. In der Versammlung wurden die Gründe, welche für und gegen die Verschmelzung sprechen,«ingehend diskutiert. Es wurde auf der einen Seite hervorgchoocn, daß durch die Verschmelzung die Geschäftsführung vereinfacht, die Agitation erleichtert und di« wirtschaftliche Kampf- fähigkeit der Organisation gestärkt werde. Die Redner der anderen Seite meinten dagegen.«S sei doch bedenklich, die Selbständigkeit der BerufSorganisanon aufzugeben, eS sei zu befürchten, daß die Interessen der Fleischer als kleinere Sektton in einem großen Ver» bände nicht genügend berücksichtigt werden.— Nach einem Schlußwort des Referenten Krause, der für die Verschmelzung«intrat, und deS Korreferenten, der sich gegen dieselbe erklärte, lehnte die Ver- sammlung mit 04 gegen 10 Stimmen die Verschmelzung av. Verband de« yrisenrgebalfen Deutschland».(Zwelgvereln Serlln Heute abend 9'/, Uhr Rosenihalerstr. 57; gahlabend mit »nb Vororte.) Diskussion. Eingegangene Oriichfchrifttn. Knr Frauenfrage. Tin Dortraa, geHallen ia ber staatewissenschaslllchen Gesellschas,»u Lerlin von Dr. H. Thiel. Gehestet IS Pj.(Stuttgart, Deutsche Verlagsansialt.) Der«ampf. Hest 0. Sozia lv-mokratssch« MonatSschrilt. Jahre«- abonncmen, 6 Kr. Vierteljährlich 1,50 Kr. Cmjelhest 60 Heller. Verlaz: Wien. Wartahilserstr. 89. Böte kann man Kletsch erspare»? Bon Nanda Moser-Friedrich. 1 M. Verlag: K. Äreihlew in Leipzig. Adolf L'Arroiiae zum 70. Geburtstage von Walter TurSzintkh. 29 Seiten. Birgit'» Verlag. Tharlottenhura, Kantftr. S. „Roland", MonatsschrisI für lreiheitliche Erziehung. Hess ll. Herau«- gegeben von einer Vereinigung Bremischer Lehrer. Einzelhest 40 W. Verlag: A. Janssen w Hamburg. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todea-Anzeieeii. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Drucker Anpst Möller am 10. b. M. an Herzschlag ge- starben ist. Ehre seine» Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, den 18. Märg. nach. mittag« 4V» Uhr, von der Leichen« halle de« neuen Lutsen-KirchhoseS in Siizdors, Hermamtstratzr,«utz statt. � Den Kollegen zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Schlosser Hennann Domnick am 9. d. M. an Herzleiden gc starben ist. Ehre seine« Andenken! Die Beerdigung findet heute DonnerStaa. den lS. März, nach- mittags 2 Uhr, vom Trauerhaiüe. Tieswerder Nr. S9d hei Spandau, statt._ Den Kollegen zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Schleijer MI Ii Ritschler am 8. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenke» I Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 12. März, nachmittags 5»Hr. von der Leichen. Halle desnaue-Knchhoi»S in Äixdors, tzermanntl ratze, au« statt. Reg» Beteiligung erwartet vi» Ori»««rwj|«e. au» statt. Ei« Orrsverwaltung. Todes-Anzeige. Allen verwandten, Freunden und Genossen dl« traurige Nach- vicht. daß mein« liede Fra« und unser« gut, Mutter Luise fiCulisch geb. Voigt am Dienstag, den 10. März, nach langem Leiden versterben ifl DI« Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 4 Uhr,»an der Leichenhalle der Gethsemane- Gemeinde. Nordend, aus statt. Der trauernde Gatte 22482 Emil Kallsch, Gastwirt, nebst Kindern, Raumerstratze LT Für die reg« Teilnahm« und Spenden bei der Beerdigung unseres Sohnes sagen wir hiermit allen Be- kannten und yerwandlen, besonder» der DireMon der Firma Wehlich, sowie allen Rrbeitern und Arbeite- rinnen derselben und weinen Kollegen der Firma Härtung A..G. unseren herzlichsten Dank. 88502 En»«» nenneTiel. Mlnno Üfennoh»!. für Danksagun Allen Freunden und Kollegen dt« Teilnahme an der Beerdig meine» Manne» sag« hiermit meine» herzlichen Donk. WS IL Frau Eodm nebst Angehbrigen. ,rrau ijnat - Bit umen- s.Kranzbinderei von Aug. Heier,«m nur Wassertorstrast« Nr. STs. Kaehrat. Nach schwerem, langem Leiden verschied am 9. d. W. unser ver» ehrt« Ches. Herr psul tassplv Wir werden seiner stets in Shren gedenken. 8088 Di« Arbeiter et, Arbelterinnen der Firma Bernhard Joseph. t Westin anns moderne» Traoermngailn fttr Damen- und»I Kindepcarderobe, I Hauptfesch.: W., Hohr««- j stral« 17»,». d. Kolonnsd. Füinie; 0., Gr. Frankturter- 1 (trat« 115, 2. Hau» an derl AndrvMstraB«. | Verkanf r k«»korp«nil. frsi». I »«eM, d. Firma». Haaemimm. 1 | liegt in Ihrem Intai-me.| I Bei Einkeul ▼, dl. 30,— sb [»in aley. Traperhut gratis.| Für den Inhalt der Inferate übernimmt die Rebattion dem Bublitum gegenüber teinerlei Berantwortung. Theater. Donnerstag, den 12. ära. Anfang 7%, br. Königl. Opernhaus. Meisterfinger von Nürnberg( Anfang 7 Uhr) Königl. Schauspielhaus. Die RabenDeutiches. Was ihr toolt fteinerin. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Abends 8 Uhr: Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Ballner- beater). Donnerstag, abenb88 Uhr: Philister. Luftfpiel in 3 Aufg. b. Joh. Wiegand. Sierauf: Die Lore. Kairo und die Pyramiden. Somöble in 1 at b. D. E. Hartleben. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Rathgen: Nickel, Kobalt, Mangan und Chrom Freitag, abends 8 Uhr: Der Weg zum Herzen. Neues Operetten- Theater Saunaben, abende 8 Ubr: Anfang 8 Uhr. Der Opernball. Schiller- Theater Charlottenburg. Donnerstag, abends 8 Uhr: Kaiser und Gallläer. Belthistorisches Schauspiel von Henrif Jblen. Deutsch von E. Brausewetter. Erfter Teil: Cäsars Abfall. Schauspiel in 5 Aften. Freitag, abends 8 Ubz: Auf der Sonnenseite. Sonnabenb, nagm. 3 Uhr: Phillster. Siezauf: Die Lore. Kaiser und Galiläer. Schiller- Saal( Schiller- Theater) Sonntag nachm. 3 Uhr: Blaubart. Freitag 9 Uhr: Bortrag von Dr. Leopold Hirschberg: Giuſeppi Verdi. Sammerspiele. Spfftrata( un Zentral- Theater. jang 8 libr.) Unfang 8 Uhr. Neues Operetten. Der Dpernball. Mite Jakobstraße 30. 8um 109. Vale: Reues Schauspielhaus. Beh dem Ein seltsamer Fall der lügt Leffing. Das Tal des Lebens. Neues. Simfon Zorning. Der Trompeter von Säl. fingen. Berliner. Förfter- Chrift Lustspielhaus. Banne Stiller 0. Wadner Theater.) Philister. Die Lore. Schiller Charlottenburg. Kaiser und Galilder. Theater an der Spree. Ungültig. Romische Oper. Die Fledermaus. Kleines. 2X2= 5. Friedrich Wilhelmstädt. Schau spielhaus. basemanns Löchter. Hebbel. Frau Barrens Gewerbe. Westen. Ein Balzertraum. Residenz. Dibi. Der felige Detabe. Zentral. Ein feltjamer Fall mit Alwin Neuß. Staffeneröffnung 7 Uhr. inf. 8 1. Luisen- Theater. Reichenbergeritz. 84. bends 8 Uhr: Des Mädchens Lebenswege. Freitag: Robinsons Eiland. Sonnabend Uhr: Dornrösen. Abends: Krieg im Frieden. Sonntag nagm. 8 Uhr: Des Mäd. chens Lebenswege. Abends zum erftenmal: Die Maschinenbauer von Berlin Montag: Mafinenbauer von Berlin. nifen. Des Mädchens Lebenswege Theater an der SpreeThalia. Immer oben auf. Trianon. Baron Toto. Bernhard Rofe. Trilby. Metropol. Das muß man fel'n. Apollo. Mitislam der Moderne. Boette Guilbert. Spezialiäten. Folies Caprice. Jeunesse dorée. Mal was andres.( Umf. 8%, U Gebr. Gerrnfeld. Bapa und Genoffen. Salomonisches Urteil. Bürgert. Chauspielhaus. Flachs mann als Ergieber. Kafino. Die Freuden der Häus lichtelt. Parodie. Tannhäuser. Rachtafyl Monna Banna. Wintergarten. Spezialitäten. Ring tampf- Konkurrena. Baffage, Madame hanate. Spee stalitäten. Reichsballen. Stettiner Sänger. Guftav Behrens. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies Bergère. Spezialitäten Palak. Ringtampf- Renfurrenz. Spe alalitäten. Irania. Zanbenkrahe 48/49. Abends 8 Uhr: Raire und die Byramiden Borsaal 8 Uhr: Profeffor Rathgen: Midel, Kobalt, Wangan und Chrom Sternwarte, Invalidenfix. 67/68. Berliner Theater. 2igl 8 Uhr: Goftfpiel Hansi Niesi: Der Ropenider Straße 68. Täglich 8 Uhr: Ungültig. In Dorbereitung: Oukel aus Kottbus. DERNHARD ROSE THEATED Mr. Frankfurterftr. 132 Trilby. infang& Udr. Bochentagspreise. Freitag: Die Heiratsfalle. Metropol- Theater Abends 8 Uhr: Das muß man seh'n!! Gr. 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Truly Shattuck, amerikan. Sängerin. Marquis Dassie, dressierte Garrisonscher Volks- Opern- Verein. Volkstüml. Vorstellungen Lortzing- Oper Belle- Alliance Straße 7/8. Dienstag, den 17. März. Anfang 8 Uhr: Der Waffenschmied. Romische Oper in 3 ften von Lorking. Mittwoch, den 18. Mära. Anfang 8 Uhr: Fidelio. Dper in 2 Wften bon Beethoven. Sonnabend, den 21. März. Anf. 8 Uhr: Fra Diavolo. Romische per un 3 bulbügen von Auber. a O Bigarrengeschäft Baul Reiß, Friedrichftr. 138; Paul Grimm, Friedrichstr. 191; Preise der Blaze fowie Billettverkauf: 3m Raufhaus des Bestens; im Karl Schmölle, Friedrichstr. 203; Baul Juhl, Martin Luther Straße 81; Baul Juhl, Nürnbergerftrage, Ede Nürnbergerplab; Bilhelm Klein, König gräger Straße 17 fotoie durch die Geschäftsstelle des Bereins Albrechtstraße 14, Aufgang E. Bei telephonischen Bestellungen Amt III, 634 und Illa, 7697 auf Bunjó Busendung Sonnabend, den 14. März 1908 22503 in Kellers Festsälen( Inh. Freyer), Koppenstr. 29: Frühjahrs Klempner. Vergnügen der Großes Konzert ausgeführt vom Neuen Berliner Konzert- Orchester. Dirigent: Rud. Tietz. Apollo- Sänger. Nach dem Konserb: Großer Ball. Billett 30 PL Anfang 8%, Uhr. sind bei den Kommissionsmitgliedern, VertrauensBilletts leuten und in den Zahlstellen zu haben. Zahlreiche Beteiligung erwartet 612b Straßmannstr. 33. Die Branchenkommission: LA. J. Dietrich, Zirkus Schumann Heute Donnerstag, 13. März abends 8 Ubra Große außergewöhnl.Borstellung Die große fenfationelle Ausstattungs- Pantomime AMERIKA mit eigens dazu engagierten 120 fchwarzen Leuten. Herrliche Waffer- und Lichteffette. pompofen Balletts, Waffenaufa.. Reitermandoern auf importierten Waultieren, Feuerwehren aller Rationen und einer Drig.- Dampf fprise in Tätigkeit. Roch immer Tagedgefpräch Mr. Resisto der tollhne Amerikaner. bas elektrische Rätsel. Das Programm beft aus 19 erftflaffigen Nummern. WalhallaVarieté Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenthaler Tor. Abends 8 Uhr: Das neue März Brogramm. Ponys. Die Tiller Girls, Die heiligen Chinesen engl. Gesangs- u. Tanstruppe. Paul Jülich, Humorist. in ihren geheimnisvollen Sitten und Gebräugen. Gaufler und Sauberfpiele. Große Ringkampf- Rofa ber Wann mit dem brehKonkurrenz um die Sieges- Prämie von 10000 Mark. Erstes Auftr. d. Welt- Champion Iwan Padoubny, Rusland. Heute ringen: WeltIwan Padoubny, meister, Rußland, gegen Bambula, West- Indien. Trompeter von Säkkingen. Willy Chase, Binghalese, gegen FrankDer Trompeter von Säkkingen. Noel le Bordelais, reich. Der Freitag: Figaros Hochzeit Sonnabend: Don Juan. baren Kopf und die übrigen internationalen Stanfiler. Tunnel: Bockbierfest, Reg. Stapelle, Sanger, italienisches Drchester. Theaterbefucher freier Gintritt. Passage- Theater. Abends 8-11 Uhr. Hanako Japans größte Tragödin mit ihrem Ensemble Sonntag nagie, à libe: Der Feel Entscheidungskampf und das glänzende nach. Uhr: gegen fily. Abends 8 Uhr: Die Zauberflöte. Max Schneider, Berlin, Residenz- Theater. Antonitch, der serbischo Direktion: Richard Alexander. 99 Riese. Bibi." Palast- Theater 8. 8 r. Schwant in a fien von de Gorffe und de Marsan. Hierauf: Der felige Octave. Sonnabend, den 14. März, zum erfienmal: Der Flob im Chr." Sonntag, ben 15. Mara, 3 Uhr: Haben Sie nichts zu verzolen? Röniggrazer Burgstr. 24. Bhf. Börſe. Ringkampf- Konkurrenz Preis von Berlin: 10000 Mark. Hebbel- Theater, G. 87/58. Pohl- Abs 11, Deutschland, gegen SanuAbends 8 Uhr zum 100. Male: Fran Warrene Gewerbe. Drama in vier Alten von B. Chato. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Panne. koff, Bär von Sibirien. Gebhardt, Berlin, gegen Pugatschoff, Rußland Woldt, Berlin, gegen Paxon, Amerika. Rödl, Bayern, geg. Hallmann, Berlin. Anfang 8 Uhr. Beginn der Ringkämpfe: 9% Uhr. März- Programm. XIII. Saison. Zirkus Busch Donnerstag abends 7%, Uhr: Gala- Vorstellung! Größte und neueste Senfation! Sturz aus der obe n. 6 Glagen ( Hons. Gadbin). Jokoda Truppe! Original- Jabener, 18 Berfonen. Herr Kommiffionsrat Gustav Stensbeck, Direttor des Berl. Tatterfal Bros. Clarkonians. Die auftra lifen Golsfäller. Dere E. Schumann, Reubreffuren. Fräul. Est. Préval, Schulreiterin. Um sirla 10 Auf der Hallig! Or. Musstattungs- Bantomime des Sirtus Busch in 4 Bildern. Hus bober See! Shirm und Schiffeuntergang. Die Wunder der Lieffee. Sonntag, den 15. März: 8wei gr. Gala- Borstellungen. 4 und 7% Ubr. Um 4 Uhr: Auf all gemeinen Wunsch: Auf der Hallig! pollo Cheater Gastspiel- Verlängerung 9% Yvette Guilbert, franzöfifche und englische Lieder. Ab& Uhr: Die erstklassigen Attraktionen. 1. a: Paul Spadoni The black Diamonds Die vier Athlétas und Mitislaw der Moderne mit Mia Werber als Gaft. Freie Volksbühne Sonnabend dieser Woche, abends 8%, Uhr, im großen Saale des Konzert- Etabliss. Friedrichshain: 慈 März- Feier* mit darauffolgendem Ball 麼 Mitwirkende: Männerchor Kreuzberger Harmonie. SinfonieOrchester. Dirigent: C. Zimmer. Rezitation: Magnus Stift ( Berliner Theater). Festmarken a 60 Pf. in allen Zahlstellen zu haben. Am Freitag dieser Woche Luisen- Theater 23.( III.) Abendabteilung: Robinsons Eiland. Gastkarten a 1 M. an der Theaterkasse beim Obmann. Lortzing- Theater 21.( 1.) Abendabteilung: Figaros Hochzeit. ( Geschlossen.) Sonntag, den 15. März, nachm. 3 Uhr: Neues Schauspielhaus Berliner Theater 7.18. Abteilung: 20. Abtellung: Das Wunder des belly. Antonius. Iphigenie auf Tauris. Der Arzt seiner Ehre. 28. Kunstabend im Rathause Sonnabend, 21. März, 8%, Uhr: Kammermusikabend unter Mitwirkung der Geigenkinstlerin Frau Dr. Rothstein- Steiner. Einlaßkarten a 35 Pl. In den Zahlstellen. 240/11 Der Vorstand. In Vertz.: G. Winkler. Stadt- Theater Moabit. Rixdorfer Theater Alte Moabit 47-40. Donnerstag, den 13. Märg 1908: Die Elfe vom Erlenhof ober: Schuld und Sühur. Schauspiel in 5 ften b. 2. 6. Steed. Nach der Vorstellung: Großer Ball. Staffeneröffnung 7 Uhr.. str. Gebr. HerrnfeldTheater. Anfang 8 Uhr. Borbert 11-2 Uhr. Bürgerfäle, Bergftroke Rr. 147. Sonntag, ben 15. mars 1908: Unsere Frauen. Suftfpiel in& Utten von Mefe and Schönthan. Malang 7% Bürgerl. Schauspielhaus frither Prater- Theater Donnerstag, den 12. Märg: Flachsmanu als Erzieher. argen: Hofgunst. Jedes Wort ein Reichshallen- Theater. Schlager! fo lautet das Referat über Salomonisches Urteil. Rachspiel au Papa und Genossen Beide Stade mit den turtoren Anton und Donat Qerenfeld in den Hauptrollen. Sonntag 3 Ubr: Glebe bas Nachtleben. W. Noacks Theater Direftion: Rob. Oill. Brummenftr. 16. Auf algemeinen Bunsch: In der Irre. Schaufpiel n. d. Morgenpost"-Roman Anfang 8 Uhr Entree 30 1. bonnenten bedeutende Ermäßigung. Sonnabend: Berfährt und entehrt, ober: Die Berlaffenen. Kasino- Theater. Lothringerstr. 87, Täglich 8 Uhr: Nur noch bis Donnerstag, den 19. März: Gustav Die Freuden d. häuslichkeit. BehrensTheater. Freitag, den 20. Mära, sum ersten mal: Die Rantzau. Berlin W., Goltzstr. 9. Gr. Damen- Ringkampf Preisgekrönte Ningerinnen. Reu! Richter als Walzerkönig. Poffe in 1 ft. 16 Spezialitäten. DustesBitograph. Anfang 8 Uhr Sonntags 5%, Uhr. Deutsche Konzerthallen An der Spandauer Brücke 3. Täglich Deutsch- Amerikanischer Urbock- Trubel. Sonntag 4 Uhr: Heirat auf Probe. Trianon- Theater. 8 Uhr. Baron Toto. 8 ur. Sonntag nach 3 Uhr: Fräulein Josette meine Frau. Happoldt's Neuer Konzertsaal Gr. Militärkonzert. Nachdem: Ball. Passage- Panoptikum. Deutschlands größter Soldat Josef Schippers der lange Kerl Kunsttancher Kapt. Gröbl m. s. Riesenbass. Sicilian. Briganten- Kapelle. Ohne Extra- Entree! Fintr. 50 Pf. Kind. u. Seld. 25 Pf. Stettiner Sänger. Bum Schluß: Reu: Husaren Streiche Unjang: Bocent. 8 Sonnt 70 Kottbusen Sanssouel Strate 6. Direttion: Wilhelm Reimer. Qeute Donnerstag: Tanz Neues Elitesoiree Kranze Progr. v.Hoffmanns Nordd.Sänger Jubeluber Beifall! Messerschmied Buite Meves Seiree- program Deg. Sommt. 8, wochent. 81 Quggenhagen Bugs Moritzplatz wwwwww.mheaterseal täglichal Albert Böhme and bas großartige Mirz- Programm. Anfang 8 Uhr. Sonntags 7 Uht. Entree 50 Pt. Sennt. reserv. 1 M. Entree 50 Bf. Familienbill. a 40. Om unteren Konsertfaal täglic bie allereraten Militär Kapellen: Beder, Przywarski, Gori, Neumann, Dffenes, Lüttich. F. 8mil Schmidt, Restaurant, Lindenstr. 3, 2. Hof part Sonntags nadm. Don& re Gemütlicher amilien- Kuatset Räume a. Berfi. 80-120 Berf. Babift. b. Metallarb. Bezb. Zahlabond Bock, Fenn9 str. 16 empfehlt feine eritilgifigen Fabritate fu Möbeln, Spiegeln u. Polfterwaren au bentbar billighten Preljen und bittet um Besichtigung ohne jeben Raufawang. Borzeiger biefes Inferats gewähre& Pres. in bar. Genoffinnen! Sechster Wahlkreis. Genoffen! Deutscher Metallarbeiter- Verband. Donnerstag, den 12. März, abends 8 Uhr, im„ Swinemünder Gesellschaftshaus", Arbeitsnachweis: Berwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Swinemünder Straße 42: Volksversammlung. Zages Ordnung: Die wirtschaftliche und politische Stellung der Frau in der heutigen Gesellschaft. Referent: Reichstagsabgeordneter Böhle( Straßburg). Bahlreichen Besuch erwartet Die Einberuferin. 1/ 12* Dr. Simmel Zentralverband der Steinsetzer, Pflasterer u. Berufsgen. Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, dicht am Moritzplatz, Deutschlands. Achtung! 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4 An die Verbandsgenoffen der Filiale Groß- Berlin der Bir empfehlen folgende Neuerscheinungen: Sozialdemokratische Agitationsbibliothek Heft 11: Wahlrecht und Wahlrechtsdemonstrationen vor dem deutschen Reichstage Preis 20 Pf. Der Klassenkampf Hof I. Amt 3, 1239. Charitéstraße 3. Hof III. Amt 3, 1987. Sonnabend, den 14. März 1908, abends 8 Uhr: Bezirks- Versammlung für Spandau und Umgegend im Lokal von Kumke, Spandau, Schönwalder Str. 80. Tages Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Hartmann über: Das Recht der Arbeiter. tlaffe." 2. Diskussion. 3. Wahl der Arbeitslosenkontrolleure. 4. Anträge und Verbandsangelegenheiten. Bahlreicher Besuch wird erwartet. Montag, den 16. März, abends 8 Uhr: Steinseher, Pflasterer und Berufsgenoffen Deutschlands. General- Versammlung Den Verbandsgenossen zur Kenntnis, daß am Montag, den 9. d. Mts., der paritätische Arbeitsnachweis in Kraft getreten ist und werktäglich die Eintragungen in den Listen bezw. die Arbeitsvermittelung von nachmittags 4-7 Uhr im Städtischen Zentral- Arbeitsnachweis, Rückertstraße 9, linker Aufgang II, für Fach Arbeitsnachweis unter Vorzeigung der Legitimations papiere erfolgen. Die Ortsverwaltung. in der Neuen Welt", Hasenheide 108/114. Tages Ordnung: 1. Jahresbericht der Ortsverwaltung für 1907. 2. Rassenbericht und Bericht ber Revisoren. 3. Neuwahl des ersten Bevollmächtigten, des zweiten Staffierers, zweier Revisoren und zweier Beifizer. 4. Stellungnahme zum Gewerkschaftsfongreß. Aufstellung der Kandidaten zum Kongreß. 5. Endgültige Stellungnahme zu dem Antrag betreffend die anderweitige Busammensetzung der Generalversammlung. 6. Festseßung der Ur abstimmung hierüber. 7. An die Verwaltung gelangte Anträge. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Bahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. des Proletariats M. Krügers Speise- Leinöl Zentralverband der Schmiede bon Parvus. Heft 1: Der gewerkschaftliche Kampf. Preis 15 Pf. Die Klassengegensätze im Zeitalter der franz. :: Revolution::: bon Karl Kautsky. Preis brosch. 75 f., geb. 1 MR. Expedition d. ,, Vorwärts" Berlin SW. Lindenstr. 69, Laden. Zahn- Klinik. Preise beliebige Teil. zahlung.* InvalidenOlga Jacobson, straße 145. Husten, Heiserkeit beseitigen wunderbarleicht und schnell die berühmten Hustentropfen bon Otto Reichel. Nur echt mit Marte Medico" F. 50 Pf. u. 1.Vor Nachahmungen jeder Art muß dringend gewarnt werden. In den meisten Drogerien und bei Otto Reichel, Berlin 43, Eisenbahnstr. 4. 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Nieder- Schöne- weide, der Arbeiterschaft zu allen Beranstaltungen zur Verfügung steht, wobei wir noch bemerken wollen, daß der Besitzer Robert T i s m e r Inhaber der Dampfergesellschaft gleichen Ramens ist. Die Lokalkommission. Sechster Wahlkreis. Am Sonntag, den 18. März, abends S Uhr, findet im Kolberger Salon, Kolberger Straße 23, eine Versammlung für Männer und Frauen statt, in welcher der Geiwsse Wilhelm D ü w e l l über.Die göttliche Weltordnung" referiert. Bei Wille, Brnnnenstr. 188, spricht nachmittags 6 Uhr Genosse Bartels über.Terrorismus". Zahlreichen Besuch erwarten Die Abteilungsführer. Steglitz. Am Freitag, den 13. März, von morgens 10—2 Uhr und nachmittags von 8—8 Uhr findet die Stichwahl im ersten Bezirke statt. Die Parteigenossen sind verpflichtet, sich von 6 Uhr abends ab in den Bezirlslolalen zur Verfügung der Bezirksführer zu stellen. Johannisthal. Freitag, den 13. März, findet bei Schütz, Friedrichstr. 10, eine öffentliche Wählerversammlung statt, in welcher Stadtv. Schubert- Berlin über.Die Sozialdemokratie in der Gemeinde" referiert. Es ist Pflicht der Genossen, für zahlreichen Besuch der Versammlung Sorge zu tragen. Der Vorstand. LerUner JVacbricbtrn Feuerwehr und Feuergewehr. Durch den wüsten Lärm der Straße hallen die eigen- tümlichen Töne des Feuerwehrzeichens. Ihr Besonderes liegt vielleicht nur darin, daß man ihnen ganz genau die Ge- schwindigkeit anhört, mit der so ein Wagen dahineilt. Eben «och erreichten die Laute nur wie aus der Ferne das Ohr. Jetzt sind sie hell und deutlich hörbar: da hinten an der Straßenkreuzung sieht man auch den Wagen vorübersausen. Und schon verhallen die Töne, werden verschlungen vom Lärm der Straße, der. wie neu belebt, sich doppelt bemerkbar macht. In der Tat hat jeder, der irgend konnte, für einen Augenblick seine Beschäftigung unter- krochen, der er sich nun wieder zuwendet. Und vollends die Spaziergänger nehmen sich reichlich Zeit, um nichts von dem Schauspiel zu verlieren. Die Aufmerksamkeit der Müßig- gehenden ist fast noch größer, als wenn eine Hofcquipage oder ein Trupp Soldaten in Sicht kommt. Aber auch wir sehen mit Interesse hin. Es handelt sich nicht um Soldaten und nicht um eine Hofequipage... sondern um eine Kultur- einrichtung, um eine nützliche, gemeinnützige Institution. Und der ernsthaste Straßenpassant, der die Soldaten mit Ingrimm oder mit Mitleid betrachtet, der einer Hofkutschc keinen Blick schenkt...dieserPassant dreht denKopf nachder vorüberrasselnden Feuerwehr, denkt bei sich: das sind doch noch Kerle!— und wünscht im stillen, daß sie nicht zu spät kommen möchten! Und dann geht er iveiter und stellt vergleichende Be- trachtungen an. Ueber Soldaten und Feuerwehrleute. Ueber Erziehung zum Totschlag... und über Erziehung zur Lebensrettung. Ueber Feuergebcn und über Wassergeben. Oder Betrachtungen über Schutzleute und Feuerwehrleute. Ursprünglich ist ja der Schutzmann auch ein Individuum, dessen Bestimmung der des Soldaten direkt entgegengesetzt ist. Ursprünglich ist der Schutzmann ein Seitenstück, eine Er- gänzung zum Feuerwehrmann, wie dieser zum Schutzmann. Aber wie stehr es heute damit?! Zum mindesten steht der Schutzmann heute schon in der Mitte zwischen Soldat und Feuerwehrmann: bald zwar ist er von Nutzen, kann er schützen, helfen; aber bald auch... fängt er an, fürchterlich zu werden, einen Schutz gegen sich selbst nötig zu machen. Mehr und mehr ist er zu einem politischen Instrument ge- worden in der Hand der Herrschenden. Jeden Arbeiter sieht er mit Mißtrauen an. Jeder Arbeiter ihn mit Ingrimm. Das Konto dieser abgelegten Unteroffiziere ist gar zu groß geworden. Ihre Popularität ist hin. Oder vielmehr: es ist die Popularität eines Stolypin. Eine russische, d. h. eine echt preußische Popularität. Um so populärer ist die Feuerwehr. Einstweilen noch. Aber im„Tag" Hetzen seit einiger Zeit ein paar abgedankte Offiziere. Sic verlangen„kaltes Wasser" gegen Straßen- demonstranten. Der Tatendurst dieser Tapferen(vielleicht probieren sie erst selber einmal in einer geeigneten Anstalt die Wirkung des kalten Wassers?) drängt sie mit Macht... zum Schreiben, Schreien. Aber die maßgebenden Instanzen sträuben sich, Wollen es beim Kampf der Feuerwehr gegen das eine rote Element bewenden lassen. Und vertrauen im übrigen dem Feuer der Gewehre mehr als dem Wasser der Schläuche. Wollten doch die klugschwätzenden Offiziere sich lieber selbst an die Bekämpfung des roten Elementes mit Wasser begeben. Als Feuerwehrangestellte könnten sie noch ein nütz lichcs Dasein fiihren. ES ist nicht auszudenken, wie wenig Verbrechen und Unglück es geben würde, wenn die halbe Million Menschen, die in Deutschland den bunten Rock trägt, als Feuerwehr- und Schutzleute(aber wahre Schutzleute!) sich betätigte! Ein sittlich fühlender Mensch, den es zu Taten drängt, kann schlechterdings nicht schwanken, ob er Soldat oder Feuerwehrmann werden soll. In beiden Berufen kann er gleichermaßen sein Leben aufs Spiel setzen. Wagemut. Lebensverachtung beweisen. Ja, im letzteren kann er's stets, wenigstens zu jeder Zeit, einerlei, ob Krieg oder Frieden. Der Soldat... muß lange lauern, bis ein Krieg kommt. Und wenn einer kommt, was ist dann sein Tun?... Reden wir nicht davon! Schon reckt der Reichsanwalt den Hals rmd wittert ehrlose Gesinnung. Dagegen der Feuerwehrmann! Wenn körperliche Kühnheit und körperliche Leistungen den Namen der Hcldcnhaftigkeit verschaffen können: so ist hier der Held zu suchen. Der gegen das furchtbarste Element, das noch ein wenig fürchterlicher ist als Mitrailleusen imd Maschinengewehre, sein Leben einsetzt. Nicht um das Leben andrer zu vernichten, sondern um das Leben und oben- drein das Hab und Gut andrer zu retten. Lieber unterster Feuerwehrmann als oberster Kriegsherr.— Gelegenheitskaufe. Es gibt Leute, bei denen es geradezu eine Manie ist. Gelegen- Heijskäufe zu machen. Natürlich glauben sie, besonders wohlfeil / zu kaufen. Wohl in den weitaus meisten Fällen find sie aber betrogen. Der nach Profit hungernde Geschäftsgeist weiß alle menschlichen Schwächen, Gewohnheiten und Liebhabereien auszu- nützen. Und so auch in bczug auf Gelegenheitskäufe. Da gibt eZ Zigarrenfabriken und Weinmachereien, die ausschließlich für Auktionen produzieren. Möbel- und andere Geschäfte lassen von Privatleuten einzelne Gegenstände und ganze Aussteuer»„um- ständehalber" ganz billig anbieten. Alle die bekannten Umstände. als Versetzung, Sterbefall. Aufgabe der Wirtschaft usw. spielen da eine große Rolle. Die Witwe, die angeblich die Wirtschaft ver- kleinern will, war nie verheiratet; der Sterbcfall, der im anderen Falle die„Umstände" geschaffen hat, liegt vielleicht etliche Jahre zurück. Die selten günstige Gelegenheit hört nimmer auf. So- bald der angepriesene Gegenstand verkauft ist, wird sofort Ersatz aus der Fabrik beschafft. Um die Käufer zu täuschen, läßt man sogar neue Gegenstände als„wenig gebraucht" ausgeben. Eine berühmte Sängerin empfiehlt ein hochfeines Piano, fast neu. Natürlich billig. Umständehalber. Nur für Privatbesitz. Meldungen im Sekretariat. Da ist sicher eine gute Gelegenheit, denken Reflektanten. Wollten sie nur aufpassen, würden sie finden, daß die berühmte Sängerin schon seit Monaten inseriert, und wer weiß, wie oft schon das eine Piano vertauft hat. Auch andere Respektspersonen, wie Be- amtc, Polizisten usw., werden gern dazu benutzt, als Privat- Verkäufer von Gegenständen, die tatsächlich von Geschäften gestellt werden, aufzutreten. Da diese Art Geschäfte mit besonderen Un- kosten verbunden sind, muß natürlich der Käufer bei den„günstigen Gelegenheit mehr bezahlen als in reellen Geschäften, die solche Praktiken verschmähen._ Eine Unterlassungssünde des Berliner Stadtfrciflnns. Die Desinfektionsanstalt der Stadt Berlin hat in den Jahren 1906 und 1907 eine bedeutende Mehrung der auszuführenden Desinfektionen gehabt, und sie muß für 1908 noch aus weitere Zw nähme ihres Betriebes rechnen. Diesen Erfolg verdankt die Anstalt nicht so sehr einer Steigerung der Bereitwilligkeit deS Publikums, bei ansteckenden Krankheiten desinfizieren zu lassen, als vielmehr dem Zwang, der durch neueGesetzeSvorschrifteu über die Bekämpfung an st eckender Krankheiten verschärft worden ist. Das Gesetz vom 28. August 1908 hat den Kreis der Krank heiten, bei denen die Polizei die Desinfektion anordnen kann, noch um einige erweitert. Vor allem kann jetzt auch bei Scharlach jeder Art und bei Lungen- und Kehlkopftuberkulofe nach Erkrankungen bezw. Todesfällen die Desinfektion der Wohnung und der mit dem Kranken in Berührung gekommenen Gegenstände angeordnet werden, und die Polizei hat das seit 1900 in einer fortgesetzt wachsenden Zahl von Fällen getan. Diese neuen Vorschriften haben aber auch auf unsere Gemeindeverwaltung einen heilsamen Einfluß ausgeübt. Nachdem der Magistrat und die freisinnige Stadtverordnetenmehrheit sich eine lange Reihe von Jahren dagegen gewehrt hatten, der sozial demokratischen Forderung einer allgemeinen Gebührenfreiheit der Desinfektionen stattzugeben und hierdurch die Bereit Willigkeit der Bevölkerung zur Inanspruchnahme der DeS iyfektionSanstalt zu steigern, hat die gesetzliche Verschärfung des Zwanges die Gemeindeverwaltung genöttgt, immer häufiger in eine Niederschlagung der Gebühren zu willigen. Auch der Entschluß, voin April 1908 ab alle auf gesetzlicher Verpflichtung beruhenden Desinfektionen gebührenfrei auszuführen, ist den»„selbst- verwaltenden" Stadtfreisinn nur durch die Zwangslage, m die er sich gebracht sah, abgerungen worden. Ueber die Einzelheiten des Betriebsergebnisses der Desinfektionsanstalt sind wir jetzt endlich auch für das Etat- jähr 190S. d.h. für den Zeittaum vom April 1906 bis zum März 1907, unterrichtet worden; den BerwaltungSbericht hat der Magistrat vor einigen Tagen der Oeffentlichkeit übergeben. In 1908 gingen 6624 Desinfektionsaufträge ein, während in 1908 nur 8893 eingegangen waren. Dem entsprechend stieg die Zahl der desinfizierten Wohnungen von 2970 auf 3931, die Zahl der sogleich ii» den Wohnungen desinfizierten Gegenstände von 168 948 aus 219 666, die Zahl der in der Anstalt desinfizierten Gegenstände von 98 921 auf 110 III. Gemehrt haben sich, wie man sieht, besonders die Wohnungsdesinfektionen um rund ein Drittel, ähnlich auch die Desinfektionen von Gegenständen in den Wohnungen. In der Reihe der Krankheitsfälle, dlo zur DeS infektion nötigten, steht noch immer die Diphtherie obenan, im vorletzten Jahre mit 1681 Fällen, im letzten sogar mit 2026. ES folgt dann die Gruppe Lungenschwindsucht, in der die Zahl der Fälle vom vorletzten zum letzten Jahre von 796 sofort auf 1812 emporschnellte. Im vorletzten und im letzten Jahr steht an dritter Stelle Scharlach mit 636 be ziehungsweise 736 Fällen, an vierter Stelle Typhus mit 480 be- ziehungsweise 364, an fünfter Masern mit 162 beziehungsweise 182. Kleinere Ziffern entfallen auf epidemische Genickstarre, Cholera oder Choleraverdacht. Pocken usw. usw. Eine Steigerung trat ein bei Diphtherie und bei Scharlach, vor allem aber bei Lungen- s ch w i n d s u ch t. hier auf zieinlich das doppelte. Noch bedeutender ist hier die Steigerung, wenn man die WohnungSdesinfeklionen für sich betrachtet; bei Lungenschwindsucht stieg ihre Zahl von 383 sofort auf 1042. auf annähernd das Dreifache. Zu denken gibt auch die statistische Zusammenstellung über die Wohnungen der Personen, die die DesinsektionSanstalt benutzten. Berücksichtigt man für 1908 und 1906 nur die 8708 und 6481 Aufträge aus Berlin selber, so stieg der Anteil der Vorderhausbewohner von 8888 auf 4032, aber der Anteil der Hinterhausbewohner von 1823 auf 2369. Die Unterscheidung nach Stockwerken vervollständigt dieses Bild. In den Vorderhäusern zeigt der Anteil einen Rückgang für„eine Treppe' und für.2 Treppen", aber eine Erhöhung für alle übrigen Stock- werke, z. B. für„drei Treppen" von 874 auf 673. für„vier Treppen" von 363 auf 442. In den Hinterhäusern geht es so durch alle Stock- werke, speziell für„vier Treppen" stieg der Anteil vvn 289 auf 401, das heißt um mehr als vier Zehntel. Ihre Opfer holt die Lungenschwindsucht sich vorwiegend auS den Reihen der Unbemittelten, aus der.Arbeiterbevölkerung, die hier mit Recht von einer„Proletarierkrankheit" spricht. So erklärt sich's, daß jetzt, wo die Polizei nach Lungen- schivindsuchs-Sterbefällen die Desinfeltion anordnen darf, auf die Inhaber der minder teueren Wohnungen eine besonders starke An- teilsteigerung entfällt. Auch die Unterscheidung nach Berufen hat ein ganz ähnliches Ergebnis. Hier zeigt sich eine besonders starke An- teilsteigerung bei der Gruppe„Geioerbegehülfen und Arbeiter", von 1683 aus 2018, und bei der Gruppe„Witwen. Eheverlassene usw." von 823 auf 1060. Solche Ziffem lassen erkennen, wieviel bisher versäumt worden war. Gewiß sind zur durchgreifenden Bekämpfung der Volksseuche ganz andere Mittel nötig als nur Desinfektion nach Erkrankungen oder Slerbefällen. In einer Besserung der ganzen Lebenshaltung der Arbeiterklasse sehen wir eine wirksamste Waffe zur Abwehr von mancherlei Krankheiten, von Siechtum und frühem Tod- Aber auch die ergänzenden Mittel, wie die Desinfektion bei an- steckenden Krankheiten eS ist, sind nicht ohne Wert. Der Berliner Stadtfreifinn hat aus freien Stücken sehr wenig dazu getan, die. Einsicht der Bevölkerung in die Nützlichkeit der Desinfeltion zu steigern._ Die Tunnelprojekte der Großen Berliner sind von zahlreichen Sachverständigen als unausführbar be- zeichnet worden. Durch diese Sachverständigen-Gutachten wurde nur bestätigt, was unsere leitenden technischen Beamten in der städtischen Verwaltung von Anfang an, als die Tunnel- Projekte eingereicht wurden, sagten. Die Große Berliner be- stätigte diese Meinung auch, indem sie fortgesetzt neue ver- änderte Projekte einreichte. Sie täuschte aber niemanden darüber hinweg, daß sie mit der Einreichung der Projekte nur die Absicht verbindet, die Ausführung städtischer und anderer privater Vcrkehrsunternehmungen möglichst weit hinauszuschieben. Jetzt wird bekannt, daß die Direktion der Großen Berliner Straßenbahn dieser Tage der städtischen Verkehrsdeputation und den Aufsichtsbehörden neuePläne zu den Projekten ihrer beiden Unterpflasterstraßenbahnen ein» gereicht hat, die eine vollständige Umwandlung des ganzen Projektes bedeuten. Danach soll die von der Straßenbahn geplante Unterpflasterbahn unter der Potsdamer und Leip- ziger Straße so eingerichtet werden, daß sie auch dem Schnell- verkehr dienen kann. Der Tunnel soll, wie bekannt, vier- gleisig eingerichtet werden. Die„Große Berliner" plant jetzt, zwei von diesen Gleisen für den durchgehenden Straßenbahn- verkehr einzurichten, so daß auf diese Weise eine Kombination von Straßenbahn und Schnellbahn entsteht. Die alte Taktik. die wir oben schon kennzeichneten, wird hiernach nur fort- gesetzt._ Schule und Haus. EL wird gemeldet:„In letzter Zeit ist wiederholt darüber Klage geführt worden, daß Eltern, die ihren Kindern während der größeren Unterrichtspause Früh- stück in die Schule bringen wollten, insbesondere warme Milch, von Lehrern oder Schuldienern verhindert wurden, daL Schulgrund stück zu betreten. Die städtische Schul- deputation macht die Schulleiter darauf aufmerksam, daß es den Eltern grundsätzlich nicht verboten werden darf, ihren Kinder»» während der großen Pausen Frühstück zu bringen." Selbstverständlich handelt eS sich hier nur um Gemeinde- schulen. In einer höheren Schule würde nicht leicht jemand sich erdreisten, Eltern das Betreten des SchulgnmdstückeS zu verbieten, wenn sie ihren Kindern in der Pause irgend eure Er- frischung bringen wollten. In Gemeindeschulen darf das Lchr- personal es schon eher wagen, die Eltern zurückzuweisen oder sie durch den Schuldicner zurückweisen zu lassen; denn hier hat man es ja zumeist„nur" mit Arbeiterfamilien zu tun. Wie geringschätzig manche Lehrer und Lehrerinnen der Gemeindeschulen von den Eltern ihrer Zöglinge denken, in welcher verletzenden Form sie manchmal sogar vor den Kindern sich über die Eltern äußern, das ist im„Vorwärts" i», ehrfach gezeigt worden. Das Verfahren, die Eltern von den Schulgrundstücken fernzuhalten, steht.in eigenartige»» Gegensatz zu dem oft gehörten Gerede, daß man die Beziehungen zwischen Schule und HauL pflegen wolle. Die Schule und ihre Organe smd wirklich die allerletzten, die etwas Nennenswertes dazu beitragen, diese Be- ziehul»gcn zu pflegen; sie selber sind daran schuld, daß bei so vielen Eltern daS Interesse für die Schule und die Neigung, mit den Lehrern ihrer Kinder in Verbindung zu bleiben, nur zu rasch nachläßt und schwindet. Die Fcrnhaltung der Eltern von den Schulgrundstücken hat übrigens noch eine besondere Wirkung, die gewiß manchem Lehrer und mancher Lehrerin ganz erwünscht fein lrnrd. Eltern, die häufig oder gar täglich in den Pausen den Schulhof oder das Schulhaus betreten dürfen, können da allerlei bemerken, was nicht für sie bestimmt i st. Wir kennen einen Vater, der den Lehrer seines Jungen im Laufe eines Halbjahres mehrere Male im Schulhausc aufs»ichte. Zunächst machte er regelmäßig die Beobachtung, daß bei Beginn der großen Pause der Lehrer mit dem Rohrstock in der Hand auf den Korridor hinaustrat, vor der geöffneten Tür des Klassenzimmers Aufstellung nahm und seine achtjährigen Schüler so an sich vorbeipassieren ließ. Beim ersten Besuch ließ der Lehrer sich von dem auf dem Korridor wartenden Vater in seiner An- häirglichkeit an den Rohrstock nicht stören; beim zweiten Besuch schien es, wie wci»n er die Anwesenheit deS anderen in diesen» Augel»blick doch als lästig empfand; beim dritten Besuch gab er sich sichtliche Mühe, den Nvhrstock zu verbergen; vom vierten Besuch an— fehlte der Rohrstock. Zwischen Vater und Lehrer war niemals ein Wort über die Entbehrlichkeit oder Uncntbehrlichkcit dieses Erziehungswerkzeuges gewechselt worden. Aber der Vater ist wohl kein großer Meister in der Kunst, seine Gedanken zu verbergen. Da mag der Lehrer ihm bald von» Gesicht abgelesen habe»», daß er sich wunderte über die Gewohnheit des Lehrers, sich mit dem Rohrstock zu bewaffnen, wenn er seine Achtjährigen aus dem Zwang des Schulstubendrills in die Freiheit der Unterrichtspause hinauszugcleiten hatte. Seht Ihr, Ihr Väter und Mütter, solche zwar stumme. aber dennoch ungehörige Kritik an dem Schul- betrieb— denn für ungehörig hält die Schule jede Kritik der Eltern— bleibt dem Lehrpersonal erspart, wenn Euch der krcie Zutritt zum Echulhause versagt wird. Die heutige Stadtverordnetenversammlung wird sich im Wesent- lichen mit der Beratung der EinzeletatS beschäftigen. Die Wohnungsumzngstermine. Der bevorstehende Quartalswechsel veranlaßte vielerlei Anfragen über Umzugstermine und Kündigungsfristen. Wir geben die wesentlichsten Bestimmungen hierüber an dieser Stelle wieder. Umzugstcrmin. Die Räumung einer Wohnung muß in Berlin bei aus höchstens zwei Wohnzimmern und Zubehör bestehenden Wohnungen an» 1. April(iin Laufe des Mittwochs), bei aus drei bis vier Wohnzimmern und Zubehör bestehenden Wohnungen am 2. April um 12 Uhr mittags und bei größeren Wohnungen am 3. April um 12 Uhr mittags beendet sein. Unter Zu- bchör sind Alkoven. Küchen, Kammern, Baderäume, Ver- schlüge und Vorratskeller zu verstehen. Bei Wohnungen, die aus drei Zimmern bestehen, muß jedoch ein Zimmer, bei größeren Wohnungen zwei Zimmer an» 2. April bereits voll- ständig geleert und dem einziehenden Mieter zur Verfügung gestellt werden. Läden rechnen nicht als Wohn- z i m m e r. ebensowenig Schankräumc. Läden, Schankräumo und dergleichen ohne Wohnung müssen deshalb mangels anderer Vereinbarung bereits' mit Ablauf des 31. März ge- räumt sein. Die nach Vorstehendem rechtzeitige Räumung kann die Polizei(ohne vorangehenden richterlichen Entscheid) durchsetzen._ Billetts vergriffen. Ein Leser unseres Blattes schickt uns fol- gende Zuschrift:„Ich wollte Sonnabends nachts 12Ä' Uhr mit der L»nie 69 von der Thaerstraße bis Alexanderplatz fahren. Mit mir warteten gegen 20 Personen an der dort befindlichen Haltestelle. Zur Freude aller kam der Wagen fast leer an; wie groß war aber die Enttäuschung und das Erstaunen, als der Schaffner(9936) wich, bfl ich zuerst ausgestiegen war, nötigte den Wagen wieder zu verlassen, weil er keine Billetts mehr habe. Me Borstel- innren, aus dem nahclieaenden Depot, an dem der Wagen vorbei fährt, neue Scheine zu holen, nützten nichts, wir mußten alle wieder Vom Wagen herunter. Es klingt fast unglaublich, leider ist es aber wahr. Zwei alten Leuten in den Mer Jahren war es nicht mehr möglich, den Anschluß- wagen nach Weißensee zu erreichen, so daß sie gezwungen waren, den weiten Weg zu laufen." In der letzten Sitzung der Gasdrputation wurde, nachdem ein eingesetzter Ausschuß die Einführung des Neunstundentages für die Nevierarbeiter, die Arbeiter des Nöhrensystems und die Arbeiter der öffentlichen Beleuchtung abgelehnt hatte, mit ö gegen 4 Stimmen folgender Beschluß gefaßt: .Die Gasdeputation erklärt fich mit der Einführung deS neunstündigen Arbeitstage» einverstanden unter der Voraussetzung, daß die übrigen städtischen Werke, die ähnliche Arbeiter beschästigen. ebenfalls den Neunstundentag einführen." Die Minderheit stimmte für glatte Ablehnung der von de» Arbeitern gewünschten und von der Direktion vorgeschlagenen Ver- kürzung der Arbeitszeit. Die laudespolizeiliche Abnahme der VerlängerungSstrecke der westlichen Untergrundbahn von der Haltestelle.Bismarck- st r a ß e' in Charloltenburg bis zur Station..Reichskanzlerplatz" in W e st e n d hat gestern sMittwoch) vormittag stattgefunden. Die neue Bahnlinie wird, wie bereits gemeldet, am 1. April dem Betriebe übergeben werden. Empfindliche Berkchröstörungen durch Militär sind seit acht Tagen am Weinbergsweg zu beobachten. Diesen passieren täglich zahlreiche Kompagnien, meist vom zweiten Garderegiment, die nach dem Exerzierplatz in der Schönhauser Allee ziehen. Augenblicklich ist nun die Hälfte des Weinbergsweges durch Kanalisativnsarbeiten der Länge nach gesperrt. Trotzdem nehmen die Militärabteilungen nach wie vor ihren Weg über die freie Hälfte und hindern dadurch den Fuhrwerksverkehr, den« jetzt nur die eine Seite des Fahrdammes zur Verfügung steht. Wenn das Militär eüiige Rücksicht auf Publikum und Verkehr nehmen wollte, könnte eS mit kaum nennenswertem Umweg ganz gut die Veteranenstraße oder die Brunnen- und Bernanerstraße benutzen. Wenn in einer einsamen Straße ein Streikposten steht, findet sich sofort Polizei ein. um den Mann fortzuweisen. weil der.Ver- kehr gestört" wird. Im Vorliegenpen Falle bemerkt keine Polizei etwas von Verkehrsstörung. Bei der Sparkasse der Stab« Berlin wurden im Januar dieses Jahres 6