Nr. 62. Abonnements- Bedingungen: bonnements. Preis pränumerando Bjerteljährl. 8,30 M., monatl. 1,10 m., wochentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 fg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Danemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Eridbeint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 25. Jahre. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinss und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Bort 20 Bfg., jebes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Gegen das Attentat auf das Schweizer Asylrecht. An das Schweizer Volt! Die russische Regierung fordert von der Schweizer Republit Die russische Regierung fordert von der Schweizer Republik die Auslieferung des Bromar- Vassiliev, der im Januar 1906 als Mitglied der sozialisten- revolutionären Partei den Polizeipräfekten von Benfa, Komdowurow, getötet hat. Freitag, den 13. März 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. daß in der Denkschrift zum Etat für 1907 ausdrücklich erklärt Bost um eine neue Sendung, um die der eiligen Drudsachen, war, daß sich die Fürsorge für die Unterbeamten auf die Er- bereichern. leichterung des Aufrüdens der Beamten in ge- Leider ist zu der Verteuerung des Drudsachenportos nicht die hobene Dienststellen erstrecken solle, daß aber Folgerungen Zustimmung des Reichstages erforderlich. Die Sache läßt sich also für Angehörige der gleichen Gehaltsstufe nicht gezogen werden auf dem bequemen Verordnungswege machen. Auf den ersten Blick dürften". sieht die Schaffung eiliger Drucksachen vielleicht tatsächlich Die Regierung hatte also nicht nur keine Absicht, die Be- wie eine Reform aus, so daß der Laie in ihr eine VerkehrsWir haben bereits in unserer Nummer vom 11. 6. M. auf den amtengehälter aufzubessern, sondern sie hielt es fogar für verbefferung erblicken könnte. Wie aber liegen die Verhältnisse in schmählichen Versuch hingewiesen, das Asylrecht der Schweiz durch n'otwendig, alle weiteren Wünsche und Hoffnungen der Wirklichkeit? Auslieferung des Sozialisten- Revolutionären Bromar- Vassiliev Beamten bereits im Reime zu erstiden! Die Drucksachen gehören zu der Briefpost, die instruktionspreiszugeben. Wir erwähnten auch bereits die Adresse an das Aber da trat der unvorhergesehene Fall ein, daß Bülow mäßig mit jeder Gelegenheit auf dem schnellsten Wege zu Schweizer Bolt, die von französischer Seite ausgeht um diesen Ver- sich aus allerhand Verlegenheiten durch einen Gewaltstreich, befördern ist, im Gegensatze zu der Geld- und Paketpost, bei der such zu vereiteln. Wir veröffentlichen heute die Adresse im die Reichstagsauflösung und Neuwahlen im Zeichen der mehr auf Regelmäßigkeit als auf besondere Schnelligkeit gesehen Wortlaut zugleich mit den Namen deutscher Parteigenossen, die Blockpolitik, retten mußte. Und da Bülow selbst sehr wenig wird. Wer also eine Drucksache aufliefert, ist der Meinung, daß fie sich ihr angeschlossen haben: Butrauen zu seinem gewaltsamen Experiment hegte, galt es, genau so schnell an den Bestimmungsort gelangt, wie ein Brief. wenigstens die Beamten durch freundliche Vorspiegelungen und eine Todesanzeige, eine Zeitung unter Streuzband, ein hektozu ködern, sie durch die Inaussichtstellung einer Gehaltsauf- graphiertes Beitungsmanuskript, eine Besuchsanzeige, eine Einbefferung mit der Politik der agrarischen Boltsausplünderung labung usw. hat es auch meist viel eiliger als der gemütliche Brief. und der kolonialen Geldverschleuderung auszusöhnen. Die Ab- Die Dienstanweisung für Post und Telegraphie, jenes zwölfstimmung bei den Reichstagswahlen erfolgte ja im Klosett", bändige Ungeheuer, in dem alles bis auf die Art und also geheim, und da mußte man in Beamtenfreundlich weife der Siegelung eines Briefsackknotens genau an feit machen, um nicht in Gestalt roter Stimmzettel die gegeben ist, macht deshalb auch keinen Unterschied zwischen Quittung für den Brot- und Fleischwucher ausgestellt zu der Beförderung verschlossener Briefe und unverschlossener erhalten! Drucksachen. Das Publikum richtet sich denn auch bei der Frankierung einer Sendung als Drucksache nur nach der Zulässigkeit des Inhalts, ohne dabei zu denken, daß die mit 3 Pf. frantierte Drucksache ihren Weg langsamer zurüdlegen könnte, als der respektablere Brief. Bisher erlitten auch nur die in großen Waffen aufgelieferten Drucksachen eine Verspätung. Es ist ja klar, daß die Tausende und Abertausende von Breisturants, die zum Beispiel die Firma Rudolph Herzog mit einem Schlage zur Bost bringt, nicht im Handumdrehen sortiert werden können, zumal es bei derartigen Massenauflieferungen dem Absender auf einen Tag früher oder später gar nicht ankommt. Diese Maffenauflieferungen haben mun mit der Zeit einen so großen umfang erreicht, daß das Briefpostamt Berlin C schon seit Jahren eine besondere Maffendruckfachenverteilungsstelle hat einrichten müssen, wo die Sendungen in aller Gemütlichkeit d. h. was man bei der Bost„ Gemütlichkeit" nennt fortiert werden. Der Polizeipräfekt von Bensa hatte aus Anlaß friedlicher und gefeglicher Manifestationen, welche den Barenerlaß vom 17./30. Ot tober feiern sollten, Niedermezelungen von Frauen und Kindern organisiert; er organisierte zugleich Bogrome der Intellektuellen und ließ in den Gefängnissen politische Gefangene foltern. Die Tat von Bromar- Vassiliev, im Auftrage seiner Partei, war eine rein politische. Unter ähnlichen Umständen hat Frankreich die Auslieferung Hartmanns verweigert, der an dem vorbereiteten Attentat auf Alexander II. teilgenommen hatte. Italien weigerte sich Michel Götz auszuliefern, das Mitglied der Kampforganisation der sozialisten- revolutionären Partei, der Sipjagin und Blehwe getötet hatte. Schweden verweigerte die Auslieferung Tscherniats, der angeflagt war, sich an dem Attentat auf Stolypin beteiligt zu haben. Das offiziöse Organ behauptete also, bereits im Jahre 1906 habe die Regierung die feste Absicht besessen, die Beamtengehälter aufzubessern! Und heuer, im Jahre 1908, erklärte der neue Reichsschatzsekretär Sydow, daß diese Gehaltsaufbefferung solange vertagt werden müßte, bis die neue Reichsfinanzreform die Mittel dafür gebracht habe! Für die Aufbesserung der Beamtengehälter ist also fein Geld da! Die Beamten müssen sich mit mageren Teuerungszulagen begnügen! Das durch die Finanzreform vom Jahre 1906 aufgebrachte Geld ist für die famosen Kolonien und den Marinismus berausgabt worden! Aber trotzdem jetzt wieder ein so Die österreichischen Geschworenen haben soeben, bor faum acht en ormes Loch im Reichssä del flafft, hat man eine Tagen, unter Abweisung der Anklage des faiserlich österreichischen neue Marinevorlage eingebracht, um unsere Flotte abermals Staatsanwalt Frl. Wanda Krapuelska freigesprochen, die sich zu berjüngen". Und diese Marinevorlage, die ganz überrühmte, auf den Generalgouverneur von Polen, Stalon, eine flüffig ist, an der aber unsere Panzerplattenpatrioten ein Bombe geworfen zu haben. hübsches Stück Geld verdienen, ist eingebracht und auch bereits von den bürgerlichen Parteien bewilligt worden, ohne daß das nötige Geld zur Deckung bereits beschafft worden ist! Für die Flotte und für die Kolonien nimmt man einfach Anleihen auf eine Milliarde nach der anderen; aber wenn schlecht bezahlten Unterbeamten ihr Gehalt auf gebessert werden soll, müssen erst die Mittel vorhanden sein!" Selbst die Bossische Beitung", das Organ jenes Freisinns, der mit Baufen und Trompeten für die neue Marinevorlage gestimmt hat, statt erst einmal für die Einlösung des Versprechens der Regierung den Beamten gegenüber zu sorgen, bemerkt:" Damit sollen sich die Beamten geAnatole France; Octave Mirbeau; A. Ferdinand Hérold; trösten. Klipp und klar: Ohne Finanzreform feine BeCh. Seignobos, Professor an der Sorbonne; Jean Jaurès; soldungsreform, und die Finanzreform muß so umfassend Gustave Geffroy; Francis de Pressensé, Bräsident der sein, daß auch wirklich die Millionen für die Liga der Menschen- und Bürgerrechte; Pierre Quillard; Beamten abfallen, nachdem viele andere Bedürfnisse Paul Painlevé; Gabriel Séailles, Professor an der Sorbonne; befriedigt sind." Die Schweizer Republik wird nicht das tun, was nicht einmal Königreiche und Kaiserreiche getan haben. Schon ist ihre Vertrauensseligkeit getäuscht worden, als sie den russischen Behörden Belentfow auslieferte, der noch, bevor er abgeurteilt werden konnte, durch die Mißhandlungen in seinem Gefängnisse starb. Alle Zeit hat die freie Schweiz sich daraus eine Ehre gemacht, gegen die stärksten Gewalten die politischen Flüchtlinge aller Nationen zu beschützen. Wir sind gewiß, daß sie nicht dadurch, daß sie die Auslieferung Bromar- Vassilievs zuläßt, diese ehrenvolle Tradition wird ableugnen wollen. Bei der Ankunft erleiden die Massendrucksachen ebenfalls eine Verzögerung, da fie, wenn z. B. eine leine Stadt plötzlich mit Meh u. Edlichschen Katalogen überschwemmt wird, nicht sofort abgetragen werden können. Diese Notpraris scheint Herrn Kraette auf seinen Reformgedanten gebracht zu haben. Er will alle Drucksachen hinsichtlich der Beförderung den Massendrucksachen gleichstellen und für solche Drucksachen, die in der bisher vorgeschriebenen Werse befördert werden, ein erhöhtes Porto erheben. Die verteuerten Drucksachen heißen eilige Drucksachen und bedingen nach den Deutschen Nachrichten" bis 100 Gramm einen 8uschlag von 1 Pfennig, von 100 bis 500 Gramm einen Zuschlag von 3 Pfennigen und von 500 bis 1000 Gramm einen Zuschlag von 5 Pfennigen. " Da natürlich niemand, außer der Massenauflieferung, feine Drudsachen verspätet befördert haben will, würde das Bublifum, um seine Drucksachen in der bisherigen Weise befördert zu sehen, ge nötigt sein, den Zuschlag für eilige Drudsachen zu zahlen. Die Drucksachenreform Straettes würde also nicht etwa in der Schaffung eiliger Drucksachen bestehen, denn bisher find instruktionsCh. Pair- Séailles, Chefredakteur des ,, Courrier Européen"; Aber die Regierung braucht ja jetzt bei den Beamten Jean Longuet, Albert Thomas, 2. Rémy, Redakteure der nicht mehr um gut Wetter zu bitten. Bei der Reichstagswahl " l'Humanité"; F. Cruch, Redakteur der" Dépêche"; Charles haben sie ja ihre Schuldigkeit getan! Und bei der mäßig alle Drucksachen eilig, sondern in der Schaffung lang. Nichet, Mitglied der l'Académie de Médecine; Gley, Professor an Landtagswahl hat sie die Regierung ja in der Hand! Die samer Drucksachen. der medizinischen Fakultät; Meslier, Deputierter; H. Tarbouriech, Abstimmung ist ja öffentlich! Ein hoher MinisterialHubert Lagardelle, Lehrer am„ Collège des Sciences Sociales". gegeben: Die wertvollite Kolonie. beamter soll nach bürgerlichen Blättern erst fürzlich geäußert Deutscherseits haben ihre Zustimmung zu der Adresse haben: Was wollen Sie? Wir haben doch bei uns ein öffentliches Wahlrecht! Wer will denn da bei uns Ledebour, Stolle, Lehmann, N. Fischer, Hildenbrand, Metzger, durch seine Stimmabgabe gegen uns re- Ms solche galt und gilt vielleicht heute noch Südwestafrika Sachse, Arthur Stadthagen, Frohme, Dr. Frank- Mannheim, Eichhorn, monstrieren?" vielen unserer Kolonialschwärmer. Denn dies ist ja die Kolonie, Stücklen, Scheidemann, Severing, Diez, Noske, Th. Schwarz- Lübeck, In der Tat: Als die Reichstagswahl vom Januar 1907 wo weiße Siedelung möglich sein soll, wo ein Neu- Deutschland einst Albrecht, R. Schmidt, K. Hengsbach, C. Legien, E. Brey, Hoch, vor der Tür stand, versprach die Regierung die Beamten erstehen soll. Die teuerste Kolonie ist das Gebiet zweifellos; mit 2. Emmel, B. Böhle, Brühne, Geyer, Kaden, Ged, H. Moltenbuhr, gehaltsaufbesserung, die schon 1906, vor der Reichstags- Strömen Blutes ist es gedüngt, und viele Hunderte von Millionen Horn( Sachsen), Heine, Paul Singer, Bebel, Hue, Mar Grunwald, auflösung, angeblich beschlossene Sache gehaben aus dem Säckel des Reichs, aus den Taschen der Steuerzahler Eugen Ernst, Liepmann, Boeste, Wels, die Redaktion des Vorwärts" wesen sei. est, im März 1908, wo die Landtagswahl vor für das Land entnommen werden müssen. Und was ist erreicht in der Tür steht, erklärt dieselbe Regierung fühl: Gehaltsauf- iegt 24 Jahren deutscher Befigherrlichkeit? Die Eingeborenen find besserung gibts erst dann, wenn die neue Reichsfinanz- dezimiert und versllavt, etwa 4899 weiße Männer, die zu einem reform unter Dach und Fach gebracht ist und sich ergiebig großen Teil von der fleinen Kolonialarmee, die noch im Lande steht, genug erweist, daß dann auch noch etwas für die mittleren und unteren Beamten übrig bleibt! Doppelt geprellt! " So sind die Beamten, die sich bei der Reichstagswahl durch die liebenswürdigen Versprechungen der Regierung bestechen ließen, die doppelt Geprellten! Während des letzten Reichstagswahlkampfes fündigte auf einmal, ganz überraschend, die offiziöse Nord deutsche Allgemeine Zeitung" an, daß die verbündeten Regierungen entschlossen gewesen seien, die Gehälter Hoffentlich aber haben sie jetzt wenigstens gelernt, was für die mittleren und unteren Beamten aufzubessern, daß sie von dergleichen Versprechungen der Regierung und der jedoch die Auflösung des Reichstages verhindert habe, ihre Umschmeichelung bürgerlicher Parteien zu halten ist. Absichten verlautbaren zu lassen. Und diese wundersame Botschaft teilte das offiziöfe Organ unter der Spitmarke„ Zum Wahlkampf" mit, ein Versuch täppischer Gimpelfängerei, den selbst die Deutsche Tageszeitung" als„ Gipfel des Ungeich i c 3" bezeichnete. Kraetkes Reform. leben, oder von den Beamten, die es verwalten, oder von den Bahnbauten, die mittel- oder unmittelbar auf Kosten der deutschen Steuerzahler vorgenommen werden. Von den weißen Männern sind ganze 640 Ansiedler! Kein Wunder, wenn man bedenkt, daß das Land an einem furchtbaren Wassermangel leidet, so daß mit großen Kosten Brunnen gebohrt werden müssen. Der Preis solcher 30 Meter tiefer Bohrlöcher stellt sich im günstigsten Fall- bei weichem Ges stein auf 2100 M.!( Die Wasserstellen sucht der Landrat v. Uslar* mit der Wünschelrute auf, der in Europa zum Gespött der Fachleute wurde.) Eine Viehfarm braucht 10-20 060 Hektar Land, um die Herden vor dem Verhungern und Berdursten einigermaßen zu schüßen, bösartige Seuchen sind heimisch. Von den 109 Technikern und 2428 Handwerkern," Arbeitern, Wir wiesen seinerzeit nach, daß es sich bei dieser eigen. Bon einem höheren Bostbeamten a. D. wird uns geschrieben: Bergleuten usw. werden nach Vollendung der Bahnbauten viele der artigen Ankündigung einer Aufbesserung der Beamtengehälter Die Deutschen Nachrichten" sprechen von einer neuen Reform, Kolonie wieder den Rücken kehren, die übrigen Weißen gliedern sich um nichts anderes als einen plumpen Wahlschwindel handelte. die Herr Kraette, der ohne irgendwelche bekannte Verdienste an die in 825 Kaufleute, Händler, Gastwirte, Frachtfahrer, die zum Teil Wir zeigten, daß wederim Etat für 1907, noch in der Spiße des Reichspostamts gelangt ist, plant. Die Reform soll in von der Schutztruppe, den Beamten und dem Bahnbaupersonal dem Etat beigegebenen Denkschrift auch nur mit einer der Einführung einer neuen Art von Bostsendungen bestehen. Bis- leben, in 324 Regierungsbeamte und 73 Geistliche und Missionare Silbe die angeblichen beamtenfreundlichen Absichten der ver- her war die Gattung Drucksachen noch nicht in zwei Spezies getrennt. und andere mehr. bündeten Regierungen erwähnt worden waren! Was doch Kraette will nun das postalische System Linné vervollkommnen und Daß diese Bevölkerung auf lange Zeit nicht erheblich steigen unbedingt geschehen wäre, wenn diese Absicht wirklich be- die Drucksachen in zwei Unterabteilungen scheiden; er will, wie tann, liegt auf der Hand. Einen Begriff von der Zukunft dieser standen hättel sa. mehr noch: Wir wiefen des weiteren nach. ler wahrscheinlich schönrednerisch im Reichstage verkünden wird, die wertvollsten Kolonie fann folgendes Rechenérempel geben: Südweſt, ofrilo hat 823 500 OuadraMometer FlZche. Die Viehzucht ist der einzige Produktionszweig, der ernstlich in Betracht kommt. Die Viehfarn, muß(nach Dernbnrg) 10 000—20 000 Hektar groß sein. Nehmen wir als Durchschnitt IS 000 Hektar, so ergibt sich, daß in der Kolonie, da 823 200 Quadratkilometer 82 3S0 000 Hektar sind. 5i90 solcher Viehfarmen Platz finden könnten, wenn nicht noch größere Flächen fiir Ortschaften und flir Wüstenstrecken ab- zurechnen wären, die für den Farmbetrieb nicht in Betracht kommen. Von den reichen Mineralschätzen, die dem Lande nachgerühmt worden sind, hat man bis jetzt sehr wenig gefunden. Zwei ganze Kupferminen sind im Beginn des Betriebes. Angebliche Goldfunde erwiesen sich als Schwindel. Und für eine Kolonie mit diesen glänzenden Aussichten sind allein in den Jahren 1839 bis 1907 an Reich Szuschutz (inklusive Kriegskosten, exklusive Dampfersnbvention und Anteil der Marinekosten, sowie des Anteils an der Kolonialverwaltung in Deutschland) 464 273 000 M. ausgegeben und für 1908 sollen über 40 Millionen neu hinzukommen, die neuen Eisenbahnpläne noch nicht gerechnet, die Dernburg noch im Sacke hat. In der Tat eine wertvolle Kolonie! Und um der Behauptung dieser wertvollen Kolonie ist Leben und Gesundheit Tausender deutscher Soldaten aufs Spiel gesetzt tvorden und sind Zehntausende von Eingeborenen erschossen oder in Konzentrationslagern, wo die Sterblichkeit 45— 6V Proz. betrug, vom Leben zum Tode gebracht worden oder in der Wüste Omaheke den Qualen des Durst- und Hungertodes überliefert worden! Und der Rest der Unglücklichen, der noch geblieben, wird jetzt unter„verantwortlicher Redaktion" Dernburg verhindert, sich aus dem Elend wieder zu erheben, wird versklavt des Profits der Farmer und Minengesellschaften wegen! Kulturpolitik I Aber die Wörmann und die Tippelskirch und Podvielski u. a. mehr zogen und ziehen ihre Profite aus dieser Kolonie. Und die Minengesellschasten und die Banken und die Lieferanten des Eisenbahn- Materials— sie alle wissen, weshalb Südwestafrika trotz alledem doch eine wertvolle Kolonie ist. Für einige Kapitalisten nämlich! Denn die Kosten trägt ja das deutsche Volk l_ poUtifcbe Qeberficbt. Berlin, den 12. März 1908. Seefahrtsfragen. Eine Nachmittags- und eine Abendsitzung wurden heute im Reichstage dazu verwandt, um die Einzelberatung des Reichsamts des Innern zu Ende zu bringen. Allerhand Spezialfragen wurden dabei abgehandelt, doch entfiel der Hauptteil des Interesses auf Seefahrtsfragen. Ehe es dazu kam, brachte noch Genosse S a ch s e die Miß- stände zur Sprache, die sich aus der neuerdings mit Hoch- druck betriebenen Jnvalidenrentenherabsetzung ergeben haben. An einer Fülle von Einzelheiten wies er nach, daß besonders in Schlesien diese Rentenverkürzung besonders nachteilige Wirkungen für die Invaliden der Arbeit gehabt hat, während umgekehrt die Verwaltungskosten gestiegen sind. Direktor Caspar glaubte diese Beschwerden dadurch entkräften zu können, daß er behauptete, nur so würde sich die Erhöhung der Jnvalidenkassenbeiträge vermeiden lassen. Aber das ist doch immer noch kein Grund für die Ungleich- Mäßigkeit der Regulicrungsmethode in den verschiedenen Landesteilen und für die auffällige Erhöhung der Ver- waltungskosten. Genosse H u e nahm lloch Gelegenheit, die völlig unzu- treffende Behauptung des Abgeordneten Mugdan vom Tage vorher zu widerlegen, daß die Sozialdemokratie nicht gewagt habe, die Forderung der Bergarbeiter nach freier Arzt- Wahl ihrerseits zu vertreten. Der freisinnige Dr. M u g d a n blieb natürlich eiscnstirnig bei seiner unrichtigen Behauptung. Ter IZ. März In Bllen and Berlin. Bevor es in Berlin zur Explosion kam, erlebte Wien seine Straßenkämpfe und den Triumph des Volkes. Metternich, der allmächtige österreichische Staatsmann, der„Staatskünstlcr der heiligen Allianz", hatte in Oesterreich 33 Jahre lang sein berüch- tigtes System zu konservieren vermocht. Er hatte in den Habs- burgischen Landen den Nationalitätenstreit dazu benutzt, die ein- zelnen Völker gegeneinander auszuspielen und im Schach zu halten. Dabei war er so unvorsichtig, den Magyaren konstitutionelle Zu- geständnisse zu machen, die das Selbstgefühl der Ungarn der- artig gesteigert hatten, daß gerade von Ungarn aus das Signal zur allgemeinen Erhebung gegeben wurde. Die inneren Zu- stände Oesterreichs schildert Marx folgendermaßen:„Die Re- gierung des Fürsten Metternich stützte sich auf zwei Klassen, die feudalen Grundbesitzer und die hohe Finanz; und sie versuchte dem Einfluß und der Macht jeder dieser Klassen durch die andere die Wage zu halten, so daß die Regierung volle Freiheit des Handelns behielt.... Was die anderen Klassen der Bevölkerung anbelangt. so kümmerte sich Metternich wenig um ihre Zustimmung. Ihnen gegenüber kannte er nur eine Politik: ihnen in der Form von Steuern soviel als möglich abzuzapfen und sieglet chzeitigruhigzuerhalten...Die Industrie erfreute sich eines ausgiebigen Schutzes, der in den meisten Fällen bis zum völligen Ausschluß jeder auswärtigen Konkurrenz ging. Aber dieser Vorteil war ihr hauptsächlich mit Rücksicht auf die Vermehrung ihrer Steuerkraft gewährt worden und wurde in großem Maßstab« wett gemacht durch Beschränkungen der In- dustrie, Privilegien von Zünften und anderen feudalen Korpo- rationen... Der Kleingewerbetreibende wurde in die engen Schranken dieser mittelalterlichen Zünfte eingepfercht, die einen ununterbrochenen Krieg der einzelnen Gewerbe unterein- ander um ihre Privilegien im Gange hielten. Der Bauer und der Arbeiter endlich wurden bloß als steuerbares Material be- handelt.... Jede alte, festgesetzte, angestammte Autorität wurde in derselben Weise wie die des Staates aufrechterhalten, die Au- torität des feudalen Grundherrn über den Gutsuntertancn, die des Fabrikanten über den Fabrikarbeiter, die des Handwerks- meisters über seine Gesellen und Lehrjungen... und jede Art des Ungehorsams von ihnen als eine Uebcrtretung des Gesetzes mit dem Universalwerkzeug der österreichischen Justiz bestraft— dem Stock." Zuerst regten sich die Ungarn und Tschechen. Dann aber wurde es auch in Wien lebendig. Es wurden Adressen an den Kaiser Ferdinand entworfen und eingereicht, die die bekannten Volks- forderungen enthielten. Namentlich die W i e n e r Studenten bcmäch- tigtcn sich der Bewegung und erfüllten sie mit Lebhaftigkeit. Eine von 2000 Studenten besuchte Versammlung richtete an den Kaiser eine Adresse, welche die Volksrechte heischte. Am 13. März kam ks vor dem Ständehaufe, wo die Stände tagten, zu einer ge- Beim Titel S e e a m t entspann sich die erregte Debatte über die Seemannsfragen, in der der Reederstandpunkt eifrige Vertreter fand in den freisinnigen Abgeordneten H e ck s ch e r und H o r m a n n sowie dem unermüdlichen Wortführer aller großkapitalistifchen Interessen, dem national- liberalen Dr. S e m l e r, während unsere Genossen Metzger- Hamburg und S ch w a r tz- Lübeck, teilweise unterstützt von dem antisemitischen Abgeordneten Raab, die Beschwerden und Forderungen der Seeleute zur Geltung brachten. Metzger verlangte Auskunft von der Regierung über zwei wichtige Fragen, weshalb nämlich die Regierung nicht, wie es selbst das Seeamt aus einem bestimmten Anlaß ge- fordert habe, dafür Sorge trage, daß die Schiffskohle bei dem Antritt einer längeren Fahrt auf ihre Entzündbarkeit und ihren Ursprung nach Zechen geprüft würde, um Anhalt dafür zu gewinnen, welche Zechen schwefelkieshaltige Kohlen licfcr- ten. Ferner fragte er nach dem Schicksal einer vor 6 Jahren vom Reichstag einmütig angenommenen Resolution, in der die Einsetzung eine Seebehörde zur Kontrolle der Seetüchtigkeit ausgehender Schiffe, Festsetzung ihrer Ladelinie usw. ge- fordert wurde. Die Beantwortung übernahm der Direktor v. Jonquiöres, der während der ganzen Debatte die Reden der oppositionellen Redner durch höhnische Grimassen kommentierte und in einem derartig anmaßenden Tone auf den Reichstag los- belferte, wie sich das klügere und taktvollere Regierungs- Vertreter noch nie herausgenommen haben. Offenbar kam es ihm gar nicht zum Bewußtsein, wie komisch es wirken mußte, als ein so untergeordnetes Organ in der bureaukratischen Maschinerie, wie seine eigene geheimrätliche Nummer 00, die Verteidigung des bekannten Reeders Lcis durch Herrn Heckscher unmittelbar darauf mit den Worten belobigte:„Die N e i ch s v e r w a l t u n g ist sehr erfreut..." Gleichfalls als„Reichsverwaltung" erklärte dieser schneidige Bureaukrat, die vor sechs Jahren angenommene Reichstagsresolution aus- zuführen, liege kein Anlaß vor. Dieses provokatorische Auf- treten gegen den Reichstag trat in peinlichen Gegensatz zu der auffälligen Nachgiebigkeit gegen das Kohlensyndikat. Da diese hochansehnliche Körperschaft sich geweigert hat, die Nach- forschungen nach den Kohlenzechen zu gestatten, die gefährliche Schiffskohle liefern, meinte Herr v. Jonqui�res, lasse sich nichts weiter dagegen von feiten der Regierung tun. Genosse S ch w a r tz brachte dann aus dem reichen Schatz seiner dreißigjährigen seemännischen Erfahrung zahlreiche Be- weise dafür bei, wie notwendig es sei. den Beschluß des Reichstages betreffs der Kontrolle der Seetüchtigkeit der Schiffe auszuführen, und wies darauf hin, wie jetzt schon durch die ungünstige Lage der Seeleute die Lust zur Ergreifung des seemännischen Berufs gerade in der Küstenbevölkerung im Ab- flauen begriffen sei. Durch einen Schlußantrag wurde abermals unseren Ge- nossen Hoch und Metzger die Möglichkeit abgeschnitten, auf verschiedene Angriffe sachlich zu erwidern. Nach einer Fülle persönlicher Bemerkungen vertagt sich das Haus um ß'/z Uhr auf 8 Uhr zu einer Abendsitzung. Eine sozialdemokratische Interpellation. Im sächsischen Landtage hatte Genosse G o l d st e i n eine Interpellation eingebracht, durch die er die Regierung auf- forderte, Aufklärung darüber zu geben, ob die von mehreren Eisen- bahnvcrwaltungen an die Eisenbahnangestellten ergangenen Aus- forderungen, aus Konsumvereinen auszutreten, vom Finanzmini- sterium veranlaßt worden seien? Tatsächlich waren solche Auf- forderungen fast zu gleicher Zeit in einer großen Anzahl Eisenbahn- stationen in Sachsen ergangen. Am Dienstag kam die Interpellation des einzigen Sozialdemokraten im sächsischen Dreiklassenparlament zur Verhandlung. Nach einer kurzen, sachlichen Begründung durch Genossen G o l d st e i n nahm der Finanzminister das Wort, um einen Rückzug anzutreten. Die Regierung, so führte er aus, habe wohl ein« Umfrage angeregt, aber diese sei so ungeschickt in Szene gesetzt worden, daß daraus die Beschwerde resultiere. waltigen Volksansammlung. Ein junger Wundarzt stieg auf das Dach eines Brunnens und ließ die Freiheit hochleben. AlSbald erscholl es von allen Seiten:„P r e ß f r e i h e i t!"„Konsti- tution!"„Ministerverantwortlichkeit!" Als ein Student der bewegten Masse eine Rede Kossuths, des Führers der ungarischen Opposition, vorlas, ertönte aus tausend Kehlen der Ruf„Fort mit Metternich",„Weg mit den Jesuiten", „Volksbewaffnung" usw. Man drang in das Ständehaus, dessen Räte auseinanderstoben. Jetzt griff das Militär ein. Der Erzherzog A l b r e ch t ließ scharfe Salven auf die unbe- waffncte Menge abgeben. Es kam zu einer Reihe von Straßen- kämpfen, bei denen das Volk 50 Tote und Verwundete hatte, dar- unter auch Frauen. Der Kaiser Franz Ferdinand hatte nicht den Mut, es zum Aeußersten kommen zu lassen. Er gab dem Drängen der ent- sandten bürgerlichen Deputationen nach und willigt« in die ge- forderte Entlassung Metternichs. Vom Burgplatz aus wurde der Sturz Metternichs den Massen verkündet. Ein unge- heurer Jubel erfüllte die ganze Stadt. Am folgenden Tage erschien allerdings eine Proklamation, daß der Kaiser beschlossen habe, zur Wiederherstellung der Ruhe dem Feldmarschalleutnant Windisch grätz alle nötigen Vollmachten zu übertragen und ihm alle Zivil- und Militärautoritäten unter- zuordnen. Diese Proklamation löste indessen einen solchen Sturm der Empörung in der Wiener Bevölkerung aus, die sich inzwischen allgemein bewaffnet hatte, daß der Kaiser seine Proklamation zurücknahm und das feierliche Versprechen abgab, eine Konsti- tution zu gewähren. Eine Verordnung verkündete für Oester- reich Proßfreiheit, Errichtung einer Nationalgarde mit freier Wahl der Führer, Einberufung von Abge- ordneten aller Provinzmlständc, der verschiedenen Gebiete und Staaten des Kaiserreiches in möglichst kurzer Frist, mit ver- stärkter Vertretung des Bürger st andes, zum Be- Hufe der Vereinbarung mit dem Kaiser über die von ihm beschlossene Konstitution des Vaterlandes.— In Berlin nahmen die Ereignisse ebenfalls ihren stür- mischen Fortgang. Die Forderungen des Volke? in Köln, die Adressen aus allen größeren Städten de» Rheinlandes an den König wirkten aufpeitschend auf die Berliner. Auch von Königs- berg war eine von Rupp, Jacoby und Dinier entworfene und zahlreich unterzeichnete Adresse nach Berlin gebracht worden, in der es hieß, daß nur ein durch freie Einrichtungen er- starktes und den Interessen Deutschlands sich hin- gebendes Preußen Schutz bieten könne, und nur durch eine wahre, aus allen Ständen des Volkes hervorgegangene Volksvertretung, durch unbedingte Preßfreiheit und durch ein deutsches Parlament Teutschland die Kraft erlangen könne, allen Feinden zu widerstehen. Seit Anfang März fanden in Berlin bewegte Versammlungen statt. In einer solchen Versammlung vom 7. März kam ein- Adresse zustande, in der die Volksforderungen in entschiedener Sprache vertreten wurden. Der Deputation, welche die Adresse Die Regierung könne und' wolle den Beamten die Mitgliedschaf! bei den Konsumvereinen nicht verbieten. Bon den besser bezahlten Beamten aber erwarte sie, daß sie sich der Tatsache bewußt lverden, daß der Mittelstand durch Konsumvereine geschädigt werde; dcn unteren Beamten und Arbeitern könne man aber den Vorteil gönnen, den die Konsumvereine ihnen bringen. Das gelte aber nur für Konsumvereine, die rein wirtschaftliche Zwecke verfolgen; dagegen werde die Eifcnbahnverwaltung alle Beamten und Arbeiter die Beteiligung an Konsumvereinen untersagen, die sozial- demokratische Zwecke verfolgen. Da es solche Konsum- vereine gar nicht gibt, blieb dieser Teil der ministeriellen Verlegen- hcitsrede unklar. Genosse Goldstein blieb dem Minister die Antwort nicht schuldig. Er forderte den Minister auf, Farbe zu bekennen und offen zu erklären: Ihr kleinen Beamten bleibt ruhig im Konsum- verein. Der Finanzminister, der sich eben in VerlegenheitSredcn geübt, übte sich jetzt im VcrlegenheitSschweigen. Dadurch trat aber nur um so deutlicher zutage, daß die sozialdemokratische Jnter- pcllation einen vollen Erfolg hatte. Delirium. Der fromme christliche„Reichsbote" läßt sich von einem Destillenbcsucher schreiben: Wie Arbeitslose über Tachstuhlbranbe urteilen. Während die Bewohner der obersten Etagen besonders von Eckhäusern gegenwärtig berechtigte Besorgnis bei jedem Feuerlärm erheben — weiß doch niemand, wann und von wem ihm der Dachstuhl über dem Kopfe angesteckt wird— behandeln in Destillen ein gewisser Schlag Arbeitsloser die Tagesfragc„D a ch st u h l- b r a n d" mit besonderer Befriedigung.„Durch diese Schadenfeuer wird wenigstens ArbeitSgelcgcn- hcit geschaffen, und es wird noch viel mehr brennen!" Das waren die Worte, die unser Gewährsmann am Mittwochabend in einer Großdestillation in Berlin ZW. hörte. Mit dieser letzteren Auffassung wären allerdings die psychologischen Rätsel der Dachstuhlbraudstifter erklärt. Wenn aber als Nachwehen der vorjährigen Streiks im Baugewerbe eine Horde Brandstifter gezeitigt worden wäre, dann empfiehlt es sich, die Arbeitslosen, mit denen man sonst Mitleid haben möchte, ganz besonders scharf zu bewachen und alle als vermutliche Brandstifter Festgenommene auf ihre sozialen Verbindungen zu prüfen. Dem Gelvährsmaml des„Reichsbotcn", der seine geistige Nahrung in Destillen schöpft, kann man eS nicht übel nehmen. wenn er sich durch Mitteilungen über das, was„ein gewisser Schlag Arbeitsloser" in seiner Gegenwart erzählt, ein paar neue Schnapsgroschen zu verdienen sucht. Wenn aber die Redaktion des„Reichsboten" die Phantasterei des Deliriuni- kranken weitergibt und behauptet, diese Aeußerungen seien Nachwehen der vorjährigeil Aussperrung im Baugewerbe. die eine Horde Bran'dstifter gezeitigt habP so finden wir dafür keine Entschuldigung, so lange uns nicht nachgewiesen wird, daß auch die„Reichsbotcn"-Redakteure ge- wohnheitsmäßige Destillenbesuchcr sind. Die Ausgesperrten des Vorjahres gehören nicht zu dem„gewissen Schlag Ar- beitsloscr", die mit.,Reichsboten"-Gewährsleutcn gemeinsam die Schnapspulle leeren und dabei dem Bruderherz— hupp! — anvertrauen— huppi—, welche entsetzlichen Ver- wirrungen das Delirium in ihrem armen Gehirn an- gerichtet hat>_ So denken alle preußischen Freisinnige»! Nämlich wie Eickhoff über den Sprachenzwang in der Reichsvereinsgesetzvorlage! Der Berliner Mitarbeiter der„Münchener Neuesten Nach- richten" telegraphiert diesem Blatte so. Ob er recht hat? Aus der freisinnigen Presse erfährt mans nicht. Für die „Vossische Zeitung" und die„Freisinnige Zeitung" existiert der NeichsvereinSgesetzentwurf nach wie vor nicht! dem König überreichen sollte, wurde jedoch vom Polizeipräsi- denken erklärt, er habe gemessenen Befehl, die Ueberreichuug des Beschlusses zu verhindern, und wenn es dabei zum Blutvergießen kommen sollte! Immerhin hatte die Adresse den Eindruck auf den König gemacht, daß er am 8. März in einer Proklamation eine durchgreifende Reform de» Prcß- gesetzcs mit Zensurfrciheit in Aussicht stellen ließ, ftcilich auch von„Garantien gegen dcn Mißbrauch der Preßfrciheit" sprach. Am 9. März fand abermals Unter den Zelten eine große, von Tausenden besuchte Volksversammlung statt. Die Vcrsamm- lung beschloß, die Stadtverordneten zu ersuchen, die Adresse dem König zu überreichen. Als am Abend die Stadtvcr- ordnctenversammlung tagte, waren die Zuhörerräume überfüllt. Es wurde zunächst über die Arbeitslosigkeit diskutiert, die in Berlin eine sehr große war. Auf dem neugeschaffenen Bureau für Arbeitsnachweis hatten sich am ersten Tage 700 Arbeitslose gemeldet, von denen nur 3 Arbeit vermittelt werden konnte. Die Frage der Arbeitslosigkeit wurde vertagt, die Ucberreichung der Adresse der Volksversammlung abgelehnt. Am 13. März verbreitete sich mit Nachrichten von der fort- schreitenden Bewegung im Nhcinlande die Kunde, der Prinz von Preußen habe in einer Ansprache die Truppen auf den Kampf vorbereitet und werde nach dem Rheinlande ab- gehen, um dort die Volksbewegung blutig zu ersticken. Infolge dieser Nachrichten füllten sich die Straßen mit Menschen. Tie Regierung traf Gegenmaßregeln. Zahlreiche Kavallerieabteilungen durchstreiften die Straßen. Schloß und Zeughaus wurden von -Infanterie besetzt, sogar Geschütze waren aufgefahren! Wiederum tagte Unter den Zelten eine große Volksversammlung. in der unter anderem eine Verbesserung des Loses der Arbeiter und Schaffung eines Arbeitsministe- r i u m s defordert wurde. Am Brandenburger Tor kam es zwischen der Kavallerie und dem aus den Zelten zurückströmenden Volk zu einem Zusammen st oß. Die Kavallerie hieb scharf ein und am Schloß wurde das Volk gar mit dem Bajonett attackiert! Schon an diesem Tage wurde der Versuch gemacht, Barrikaden zu errichten. Noch einmal indessen beruhigten sich die Wogen der Volksbewegung. Bemerkenswert ist, daß schon in diesen Tagen die liberale Presse hämische und verächtliche Angriffe gegen das Proletariat richtete. So schrieb die„V o s s i s ch e Zeitung" über das Publikum der Versammlung vom 13. März: „Wirklich bestand der große Teil der gestrigen Versammlung nur aus Gesindel und unerwachsenen Leuten, welche ohne irgend ein politisches Bewußtsein dort nur Nahrung für ihren Mutwillen suchten und sich nicht scheuten, im Interesse dessen hierbei das Leben und das Eigentum ihrer besonnenen Mitbürger zu gefährden." Man sieht, die liberale Presse verstand sich auf ihr Ver- leumdungshandwerk proletarischen Kundgebungen gegenüber vor sechzig Jahren schon genau so gut wie heute! Leichtfertige Ausgaben und falsche Sparsamkeit. Im preußischen Dreiklassenparlament stand heute der Etat des Finanzministeriums zur Debatte. Er fordert neue Mittel zur Ver- mehrung der Beamten in den Landratsämtern, obwohl diese sich doch schon um alle möglichen Dinge kümmern, die sie gar nichts an- gehen. Die Polenunterdrückungspolitik kostet Preußen jährlich .45 Millionen, wie der Pole v. Dzicmbowski den Privi- legienmandatarcn vorrechnete. Dem Finanzministcr hielt er das inzwischen ausgegrabene Zitat aus einer seiner Reden vom Jahre 1902 vor. in der Freiherr v. Rheinbaben die Enteignung, das gewaltsame Wegnehmen des polnischen Grurid und Bodens noch für ungerecht erklärt hatte. Ter Finanzministcr gab zu, daß er damals die Enteignung noch für verkehrt gehalten hätte, aber die Not der Zeit, meinte er, habe zu diesem Schritt gedrängt. Wie rasch preußische Minister klug werden I Vielleicht wird Fürst Bülow, der jetzt das ReichstagSwahlrecht für staatsgefährlich erklärt hat. auch noch einmal unter der„Not der Zeit" es als notwendig erkennen. Ausführlich sprach man im Dreiklassenparlament ohne alle Kompetenzbedenken über die Reichsfinanzreform. Dietrich Hahn schlug dabei zum Hohn für die Freisinnigen als einzige annehmbare direkte Reichs st euer die Dividenden- st euer vor und verlangte eine Erhöhung des EmissionsstcmpelS für ausländische Wertpapiere. Die Tantiemensteuer begründte er mit dem Satze, daß es bei den Aktiengesellschaften kein Wohlwollen für die Arbeiter gäbe. Damit hat er ganz recht; aber bei dm preußischen Junkern gibt es das noch weniger. Zentrum und Frikonservative erklärten sich übrigens auch energisch gegen jede direkte Rcichssteuer, die in das Finanzsystcm der Einzelstaaten eingreift, also gegen Rcichseinkommen- und Reichsvermögenssteucrn. Da sind wir begierig, zu wissen, wie die Freisinnigen unter der berühmten und unerschütterlichen Wahrung ihrer Grundsätze die Reichsfmanzreform zustande bringen wollen. Im übrigen ärgerten die Junker, die nach der Ablehnung des Dörsengesetzes in der Reichstagskommission schon ein neues Kartell mit dem Zentrum heraufsteigen sehen, die Frcisinnign mit der Opernhausfrage. Der Kaiser möchte bekanntlich ein neues Opern- hauö auf dem Krollschcn Grundstück gebaut sehm, und'das alte Opernhaus will die Regierung zu teuerem Preise der Stadt Berlin aufhalsen. Die Konservativen aber erklären, daß sie das alte Opernhaus für den Staat behalten wollen, und daß die Brand- fchatzung Berlins sich in der Form von Beiträgen zu den Baukosten des neuen Opernhauses einfacher und gründlicher be- sorgen ließe. Die Freisinnigen wagten nicht einmal mit einer Silbe gegen solche Vorschläge aufzumucken. Ausführlich dagegen nahmen sie an der Debatte über die Er- IjöhllNg der Diäten der Dreiklassenwahlerkorenen teil. Die Ab- geordneten des preußischen Landtages beabsichtigen, sich ihre Diäten in der Form der Reichstagsdiäten auszahlen zu lassen. Dabei ist ihre ganze gesetzgeberische Tätigkeit für das Volk nicht einen Heller wert. Das Beispiel der jetzigen Vcrhandlungssittcn im Reichstage kann auch nicht gerade zur Nachahmung reizen. Aber die Ab- geordneten wollen es. und die Regierung wird in dieser Frage dem Dreiklassenparlament seinen Willen tun. Hingegen weigerte fie sich heute unter Zustimmung der Konservativen und des Zentrums wiederum, den Beamten einigermaßen anständige TeuerungS- Zulagen zu geben. So verschwendet man und so spart man Im preußischen Dreiklassenparlament. Ein Baisfe-Angriff auf die Blockpolitik. Die Börse nkom Mission des Reichstages beendete heute ihre erste Lesung. Dabei kam die Kontermine der Konservativen und des Zentrums gegen die Blockpolilik zum platzen. Diese Parteien batten die Wiedereinführung deS Terminregisters beantragt. Dieser Antrag wurde a n- genommen. Danach sind auch alle sonst erlaubten Börsen- termingeschäfte ungültig, wenn nicht beide Parteien in ein Börsenregister eingetragen sind. Damit ist das Börsenregifter wieder eingeführt, die von der Börse so schwer behagte Rechtsunsicherheit bleibt be- stehen und der bisherige Zustand im wesentlichen aufrecht erhalten. Die so heiß ersehnte Reform ist futsch, die freisinnigen Verrätereien sind vergebens gewesen. Aber die Junker machen gründliche Arbeit. Sie haben nicht nur die Verbesserungen beseitigt, sondern die Gelegenheit benutzt, um der Börse eine neue Zuchtrute zu binden. Die Konservativen haben einen neuen Paragraphen beantragt, der den Abschluß oder die Verleitung zu einem verbotenen Bürsentermingeschäft mit G e- f ä n g n i S und mit Geldstrafe bis zu IV OVO M. bestraft. Sogar der preußische Handels mini st er Delbrück erklärte das Gesetz in der beschlossenen Form für unannehmbar, zumal mit diesen Strafbestinunungen. Trotzdem wird der Antrag der Kouser- vativen mit 14 gegen 12 Stimmen angenommen. Kein Wunder, daß die Börse sehr unglücklich ist.„Das G e- schüft", berichtet das.Berl. Tagebl.",„stockte fast völlig, die Kurse bröckelten ab. Dieselben Kreise, die noch vor einigen Wochen die Blockpolitik über den grünen Lklee lobten, äußerten sich heute dahin, daß die Liberalen die Hinein- gefallenen seien." ES ist doch lehrreich, welch hohe politische Intelligenz in den heiligen Börsenhallen wohnt und von welchen tiefen Erwägungen sich das Urteil dieser Kreise leiten läßt. WaS geht das gleiche Wahlrecht oder daS freie Vereinsrecht die Börse an! Die Blockpolitik war so lange gut, als sie die Börfeuspekulation zu erleichtern versprach. Sie wird miserabel, sobald sie eine Termin- geschäftsstörung bedeutet. Wie wenig Stimmen müßten doch beim Pluralwahlrecht die Börsianer und wie viele Stimmen die Proletarier bekommen, wenn politische Reife und Ur- teilsfähigkeit den Maßstab bildeten! Es ist übrigens vorläufig »roch nicht zu erkennen, ob die Stellungnahme der Konservativen erfolgt ist, weil sie die Blockpolitik überhaupt sllr aussichtslos halten und ihr Ende beschleunigen wollen, oder ob sie damit nur«ine Pression auf den Freisinn ausüben wollen, um ihn beim Vereinsgesetz zu Konzessionen in der Sprache»frage zu bewegen. Ein geeignetes Objekt für solche Erpcesserpolitik wäre ja der Freisinn immerhin._ In Preuftens Schlepptau. Hessen entwickelt sich in preußischer Richtung. In der Zweiten Kammer erklärte heute der durch seine neulichen Aeußerungen über die Berliner Wahlrechtsdemonstration auch außerhalb des Hessenlandes bekannt gewordene Staatsminister Braun im Ver- lauf seiner Etatsrede, die Lage der Landwirtschaft sei im Gegen- satz zu der von Handel und Industrie nur teilweise befriedigend. Für einen nachhaltigen Seuchen schütz müsse gesorgt werden. Ein Problem, das zu lösen wäre, sei die Arbeiterfrage in der Landwirtschaft; auch hier werde Abhülfe möglich sein, wenn das Zurückfluten der Industrie die Arbeiter zwinge, zu der Land- Wirtschaft zurückzukehren. Zur Erhaltung und Gesundung des Mittelstandes seien Reformen der Grund- und Gewerbesteuer dringend notwendig. Weiter müsse dem Mittelstande geholfen werden durch Erleichterung und Förderung des Zusammenschlusses und durch Genossenschaften und Besteuerung des kapita- listischen Großbetriebes, wie Warenhäuser und Konsumvereine..ES frage sich, ob man dabei dem preußischen oder sächsischen Muster folgen solle, das heißt dem Staat oder den Ge- meinden die Besteuerung überlassen solle. Weiter verbreitete sich der Minister über den Reichsweingesetzentwurf, der eine ganze Reihe von tief einschneidenden Acnderungen mit sich bringe. Der Minister erklärte sich mit den Bestimmungen des Gesetzentwurfes im ganzen einverstanden.—_ Preußische Ausloeisnngspraxis. Die preußische Regierung fährt fort, die russischen und polnischen Arbeiter, die nicht dadurch an dem Wohl des preußischen Staates mitwirken wollen, daß sie sich den Agrariern als billige Arbeitskräfte zur Verfügung stellen, aus dem preußischen Gebiet auszuweisen. In Magdeburg hielt sich seit September 1908 der 28jährige Monteur Metschislaw Motschulsky aus Kownow(Rußland) auf. Während dieser ganzen Zeit arbeitete er als Schlosser auf der Maschinenfabrik von R. Wolf, Er kümmerte sich weder um eine Gewerkschaft noch um eine Partei und gehörte auch keinem Verein als Mitglied an. Am 13. Februar d. I. kam nun ein Schutzmann zu ihm auf seine Arbeitsstätte und überbrachte ihm die Aufforderung, unverzüglich nach der Polizeistation Buckau zu kommen. Auf der Polizei wurde ihm unter Androhung von Zwangsmaßregeln eröffnet, daß er als Ausländer binnen vier Wochen das preußische Staatsgebiet zu ver- lassen habe. Seiner polnischen Abstammung wegen dürfe er sich in Industriezentren nicht auskfalten! Ihm wurde dann ein Schriftstück zur Unterschrift vorgelegt. Motschulsktz hat mittlerweile Preußen verlassen, obwohl »hm eine schriftliche Aufforderung dazu nicht mehr zu- gegangen ist. Interessant ist die Begründung der Ausweisung. Indirekt besagt sie: Wärst Du nicht Industrie- son- dern L a n darbciter, so würden wir Deinem Aufenthalt nichts in den Weg legen. Da Du aber nicht zur Linderung der Leutenot der Agrarier beiträgst, so hast Du schleunigst aus Preußen zu ver- schwinden. Für diese Offenherzigkeit kann man der Polizei, die ja bekanntlich nicht nötig hat, Gründe für die Ausweisung anzu- geben, nur dankbar sein.—_ Die Folgen der Versklavung! AuS Densch-Südlvestafrika wird amtlich gemeldet; Am 8. März wurde eine deutsche Patrouille, die aus einem Sergeanten, drei Reitern und zwei Eingeborenen be- stand, bei Kubub(zwischen Kocs und Gazie am Westrand der Kalahari) von etiva 28 Hottentotten erschossen. Der nach Norden abziehende Gegner wurde durch Oberleutnant Müller mit 25 Reitern verfolgt. Auch in diesem Falle dürfte es sich wie bei früheren Ueberfällen in jener Gegend um Leute Simon C o p p e c S handeln. Die kleinen KarraSberge wurden von einer Kompagnie abgesucht, nachdem dort in letzter Zeit eine Hottentotten- bände verschiedene Viehdiebstähle verübt hatte. Einer Patrouille gelang eS, der Bande sämtliches gestohlenes Vieh und daS Ein- geborenengerät abzunehmen. Von dem Kommando der Schutztruppe sind die erforderlichen weiteren Maßnahmen zur Unschädlichmachung der erwähnten Banden in die Wege geleitet. Simon Copper, der keineswegs zu den entschlossensten Führern der Hottentotten gehörte, würde längst die Waffen gestreckt haben, wenn ihm nicht die Behandlung der Eingeborenen immer neue Flüchtlinge zuführte. Bleibt das Bersklavungsgesetz der Eingeborenen noch lange bestehen, so sind Ucberraschungen in Süd- westafrika durchaus nicht ausgeschlossen! Ein Pfüschlverk. Als ein soziales Reformwerk erst-n Ranges wird der von der bayerischen Regierung veröffentlichte Entwurf zu einem neuen Gehaltsregulativ für die Staatsbeamten und-Bedien st eten gepriesen. Je näher man sich aber das Ding besieht, desto mehr entpuppt eS sich als ein gänzlich u n- soziales Pfuschwcrk. Die höheren Beamten haben allerdings keine Ursache zu Ilagen, denn sie sind reichlich be- dacht, ganz anders ist es jedoch bei dem niederen Personal, vorzugsweise bei den Bediensteten, die mit Sehnsucht auf dieses Regulativ warteten, weil sie von ihm endlich die Besserstellung ihrer miserablen Lage erhofften. Sie sind nun schrecklich enttäuscht. Wo Aufbesserungen vorgesehen sind, sind sie vielfach gar nicht der Rede Ivert, bei einem großen Teil der Bediensteten sind sogar er- hebliche Verschlechterungen vorgesehen. Während die höheren Beamten eine manchmal nach Tausenden betragende Auf- besserung erhalten sollen, hat man den Mut, den unteren Be- diensteten eine„Reform" zu bieten, die sie zu einem großen Teile schlechter stellen würde, als sie jetzt schon gestellt sind. Die Auf- regung darüber hat die sonst so geduldigen Leute in Bewegung gebracht. In Nürnberg fand eine aus ganz Bayern beschickte Landes- Versammlung der Justizbedicnsteten(Gerichtsdicner, Gerichtsboten, Aufseher der Strafanstalten usw.) statt, in der der Entwurf einer vernichtenden Kritik unterzogen und beschlossen wurde, durch eine Petition die Einreihung in höhere Gehaltsklassen zu verlangen. Eine Anzahl Landtagsabgeordnete aller Parteien waren zur Versammlung eingeladen, erschienen war aber nur der sozialdemokratische Abg. Dr. S ü h h e i m, der die Be- schwerdcn der Bediensteten als berechtigt erklärte, und versprach, daß die sozialdemokratische Fraktion alles aufbieten werde, um zu betvirken, daß mit der Aufbesserung nicht von oben, sondern von unten angefangen werde. Auch das Kanzleipersonal des Justiz- dienstes hielt in Nürnberg eine Versammlung ab, in der die schärfste Mißbilligung über den Entwurf ausgesprochen wurd«. Ein neues Haftpflichtgesey. Dem Abgeordnetenhause ist der Entwurf eines Gesetzes über die Haftung des Staates und anderer Verbände für Amtspflicht- Verletzungen von Beamten bei Ausübung der öffentlichen Gewalt zugegangen. Tie wichtigsten Bestimmungen dieses Entwurfs lauten: ß 1. Verletzt ein unmittelbarer Staatsbeamter in Ausübung der ihm anvertrauten öffentlichen Gewalt vorsätzlich oder fahr- lässig die ihm einem Dritten gegenüber obliegende Amtspflicht. so trifft die im A 839 des Bürgerlichen Gesetzbuchs bestimmte Verantwortlichkeit anstelle des Beamten den Staat. Die Ver- antwortlichkeit des Staates ist ausgeschlossen bei solchen Amts- Handlungen, für welche der Beamte Gebühren von den Betet- ligten zu beziehen hat. 8 2. Wird der Staat auf Grund der Vorschrift des 8 1 in Anspruch genommen, so finden auf die Feststellung, ob der Be- amte sich einer Ucbcrschreitung seiner AmtsbefugniS oder der Unterlassung einer ihm obliegenden Amtshandlung schuldig ge- macht hat. die für den Fall der Verfolgung der Beamten gelten- den Vorschriften entsprechende Anwendung. 8 4. Die Vorichriftcn finden entsprechende Anwendung: 1. Auf die für den Dienst eines Kommunalver- bandes angestellten Beamten mit der Maßgabe, daß an die Stelle des Staates der 51ommunalverband tritt, 2. a u f die Lehrer und Lehrerinnen eines Schulverbandes mit der Maßgabe, daß an die Stelle des Staates der Schulder- band tritt. 8 0. Soweit durch Reichs- oder Landcsgcsctz für bestimmte Fälle eine Haftung des Staates oder der Kommunalverbände über den in jenen Gesetzen bestimmten Umfang hinaus ausge- schlössen ist, finden die Porschriften dieses Gesetzes keine An- wenduna. Keine Spucknäpfe. DaS Material für die statistische Ucbersicht der Schulberhältnisse in Niederbayern haben bisher allein die geistlichen Schul- inspektoren geliefert. Man scheint damit schlechte Erfahrungen ge- macht zu haben, denn die Regierung gab dieses Jahr Frage- bogen hinaus. Das veranläßt einen Pfarrer, in der„Douau- Jeitung" über die Vielfragerei zu schimpfen; am meisten ärgert iün die Forderung der Aufstellung von Spncknäpfe« in den S ch u l z i m m e r n. Durch solche Maßnahmen der Regierung, meint er, werde im Volke nur Unzufriedenheit geweckt. Gegen derartige„unnötigen und unfruchtbaren Lteue- rrmgen" müsse energisch Stellung genommen werden. frankreicb. Eine Niederlage ClemenceauS. Paris, 11. März.(©ig. Ber.) Der Stern des Ministeriums ist am Verbleichen... Die gestrige Verhandlung der Deputierten- kammcr über die Wiedereinsetzung des Abgeordneten R e i n a ch in seinen Offiziersrang brachte der Regierung ein indirektes, aber darum nicht im geringsten zweifelhaftes Mißtrauensvotum. Bekanntlich hat General Picquart für den seinerzeit wegen Disziplinbruch abgesetzten Reinach ein Spezialgesetz eingebracht. Die Nationalisten verlangten darauf mit voller Berechtigung, daß die Wiedereinsetzung allen wegen politischer Vergehen degradierten aktiven und Reserveoffizieren zuteil werde. Unsere Genossen aber fügten die weitere Forderung hinzu, daß auch die wegen ihrer g e- werkschaftlichcn Betätigung entlassenen Be- amten wieder eingesetzt würden. Da sich schon unlängst die Kammcr geneigt gezeigt hatte, auf diese Absichten einzugehen, ver- fügte der Chef des Postwesens S i m y a n die Wiedereinsetzung des gemaßrcgelten Beamten C l a v i e r, um die versöhnliche Stim- mung der Regierung zu manifestieren und die Majorität zum Ber- zicht auf einen Beschluß zu bewegen, der als eine Demonstration gegen die Regierung angesehen werden mußte, nachdem der Handelsministcr wiederholt erklärt hatte, er lasse sich die Einstellung der gemaßregelten Beamten nicht aufzwingen. Aber als gestern Genosse C o n st a n s im Namen der sozialistischen Partei in einem Zusatzantrag die Wiedereinsetzung forderte, hatte die Regierung angesichts der Stimmung in der Kammer nicht den Mut, die Vertrauensfrage zu stellen. Und sie schickte auch als Sprecher nur den Unterstaatssckretär der Post vor. trotzdem es sich nicht nur um Postbeamte handelte, sondern auch den Lehrer, Ge- nassen N e g r e, und um Ministerial- und Präfekturbeamte, wie M o r i z e t und I a n v i o n. Simhan erklärte, die in Frage kommenden Beamten seien nicht wegen ihrer politischen Meinungs» delikte, sondern wegen Disziplinbruch entlassen worden(was aber auch, wie Constans sofort feststellte, von Reinach gilt), die Regie- rung sei jedoch entschlossen, ihre Angelegenheit mit dem größten Wohlwollen zu erwägen, nur möge ihr die Kammer in dieser Be« ziehung Vertrauen schenken. Tie Kammcr schenkte ihr dieses Vertrauen nicht. Ber- t e a u x, der Präsident der Armeekommission. die sich mit dem auf Reinach bezüglichen Vorschlag beschäftigt hatte, erklärte, er könne wohl über den die Zivilbeamten betreffenden Antrag ConstanS keine offizielle Meinung äußern, aber er sehe keinen Grund, sich seiner Annahme zu widersetzen. Wenn die Regierung habe ver- lauten lassen, daß sie zu einer Wiedereinsetzung der Beamten bereit wäre, sobald das Beamtenstatut zur Berawng komme, so stehe man vor der Tatsache, daß zwei Jahre nach dem Beginn der Legislatur- Periode diese Reform noch nicht auf der Tagesordnung stehe. ES gäbe überhaupt viele Fragen, von denen noch keine einzige erledigt sei. Das war eine unverkennbare Kritik der ganzen RegierungS- Politik und ihrer klappernden Reformmühle. Die Kammer unter- strich sie noch mit demonstrativem Beifall. Und Constans Zusatz» antrog wurde mit 352 gegen 147 Stimmen angenommen. Die gcmaßregelten Genossen sind also wieder in ihr Amt eingesetzt — vorausgesetzt, daß der Senat den Beschluß der Deputierten- kammer annimmt. Man kann gespannt darauf sein, wie sich die Regierung bei der Senatsverhandlung verhalten wird. Jedenfalls hat die gestrige Kammersitzung bewiesen, daß das Ministerium keine parlamentarische Mehrheit mehr hat. Wird es für die verlorenen Stützen von Links, Ersatz bei den Gemäßigten finden, denen die großkapitalistische Presse uramS- gcsetz das Schreckgespenst des wiederkehrenden Combismus an die Wand malt? Es ist möglich, daß sich eine neue Konzentration der gemäßigten Parteien bildet, mit dem Hauptprogramm, die von den arbeitenden Massen geforderten Reformen zu vereiteln. Aber es ist wenig wahrscheinlich, daß sie auf das Benesiz des Inventars verzichtet und die Last politisch kompromittierter und glückloser Regierungsmänner, wie Clemenccau und Briand, mit übernimmt. Combcs gegen Clemenceau. Paris, 12. März.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Gestern fand ein republikanisches Fest zu Ehren des alten B r i s s o n statt. Combes benutzte diesen Anlaß, um seiner Opposition gegen die Regierung Clemenceaus, der immer mehr zur Rechten hinneige, scharfen Ausdruck zu geben. Clemenceau antwortete mit seinen gewohnten Phrasen, die immer weniger Glauben finden. Er wird heute dafür von den Blättern der Rechten sehr gelobt. Doch gilt die Stellung Clemenceaus, dessen Nachfolger dann CombeS werden würde, für erschüttert. Eine Amnestie. Paris, 12. März. Im heutigen Ministerrat im Elhfee, dem auch Barthou wieder beiwohnte, beschloß die Regierung einen Ge- setzentwurf betreffend eine Amnestie für die an den E r e i g» nissen im Süden Beteiligten vorzulegen. Lelgien. Die Sozialiste» gegen die Kongovorlage. Brüssel. 11. März. Die sozialistische Linke der Kammer und dcS Senats hielten heute Versammlungen ab. um Stellung zur Kongovorlage zu nehmen. Es gelangte einstimmig eine Resolution Vanderveldc zur Annahme, worin die Vor- läge unter Hinweis auf die Folgen der Einverleibung abge- lehnt wird. Eine zweite Resolution des Abg. B e r t r a n d er- klärt die dem Parlamente jetzt unterbreitete Vorlage als den Rechten und Interessen Belgiens widersprechend und lehnt sie deshalb ab. Snglanck. Die Arbeiter für den Frieden. London, 11. März. Die den Trades-Unions an- gehörenden Mitglieder des Unterhauses hielten eine Ver- sammlung ab, in der der Versuch eines Teils der englischen Presse, ztvischcn England und De utchlan deine Entfremdung herbeizuführen, aufs schärfste ver» urteilt wurde._ Die Lords gegen das Unterhaus. London, 11. März. Oberhaus. Nach zweitägiger Ver- Handlung über das Landpachtgesctz für Schottland, das vom Unterhaus mit großer Mehrheit angenommen worden ist, wurde heute mit 153 gegen 33 Stimmen eine Resolution cingc- nommen, in der die Hauptbcdenken des Oberhauses gegen die Vorlage aufgeführt werden, und in der es abgelehnt Wird, der Borlage in ihrer jetzigen Form zuzustimmen. Rußtand. Eine Debatte über auswärtige Politik. I in Berlin nicht Platz greifen sollten. Die einschlägige Statistik ist überaus interessant, da sie auch Auskunft über den Grund der Abweisungen gibt. Im Quartal Oktober/Dezember 1907 waren Politik. Die Abgeordneten fühlten sich sehr beglückt, weil Jswalsri. der Minister des Auswärtigen, mit Zustimmung des Zaren das Wort ergriff. Sie wollen darin ein Zeichen sehen. daß die Regierung das Recht der Duma anerkenne, in den Fragen der auswärtigen Politik mitzureden. Sie vergessen nur die Hauptsache, dast nämlich die Regierung sich zu dieser Anerkennung erst entschlossen hat, nachdem und weil sie die Ueberzeugung gewonnen hatte, dast die Duma ihr unbedingt gefügig sei. JswalSki erklärte. Rustland wolle keine Revanche gegenüber Japan. Durch das Abkommen vom 23. Juli sei der Porthsmouther Friedensvertrag ausgebaut Worden. Durch die internationalen Verträge mit Frankreich und England sei Rutzlands Lage durchaus günstig. Es ist bezeichnend, dast die bürgerliche Opposition sich jeder schärferen Kritik enthielt.— Stadtverordneten' Versammlung. 11. Sitzung vom Donnerstag, den 12. März, nachmittag S Uhr. Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung nach Slb Uhr mit einem Nachruf für den jüngst verstorbenen Geh. Reg.-Rat Härder, der 42 Jahre lang als Bürgerdeputierter Mitglied der Armen- direktion gewesen ist. Die Vorlage betr. die Abänderung deS Zinsfußes für die Serie II der Berliner Stadtanleihe von 1904 wird ohne Diskussion angenommen. Dem Verlangen der Versammlung nach einer besonderen Vor- läge wegen Erhöhung des Schulgeldes Auswärtiger hat der Magistrat mit ganz außergewöhnlicher Schnelligkeit ent- sprachen. Stadtv. Rcalschuldirektor Dr. Hellwig(A. L.) bekämpft die Vorlage.' Stadtv. Ullstein(soz.-fortschr.) freut sich der Zustimmung des Vorredners zu seinem schon in der vorigen Sitzung vertretenen ablehnenden Standpunkt. Stadtv. Barth sA. L.): Die überwiegende Mehrheit der Alten Linken ist im Gegensatz zu dem Stadtv. Hellwig für die so- fortige Annahme der Vorlage. Berlin hat keine Spur einer ----—------- ebenso billig elbstkosten pro Die Duma führte gestern eine Debatte über die auswärtige 956, 368 und 429 Abweisungen. Gründe: Behandlung nicht er- cr>!. aic.---- iäc»-—«jc forderlich 77, 63, 68; ungeeignet wegen der Krantheitsform 34, 34� 39; Aufnahme nicht dringend 117, 172, 230; kein Platz 113, 87, 71; wegen Trunkenheit 9, 22, 12. Dem Arzte muß ja die Entscheidung über die Aufnahme verbleiben, obwohl eigentlich nicht nur der Befund, sondern auch andere dringende Verhältnisse häuslicher Natur usw. dabei mit in Rücksicht gezogen werden sollten. Die beiden vorletzten Rubriken aber erscheinen unter ganz eigentümlichen Lichte.„Aufnahme nicht drin gend" mit 599 Abweisungen! Diese 500 wären also aufgenommen worden, wenn die Verhältnisse der Kranken Häuser es gestattet hätten. Und nahezu 300 sind wegen Platz mangels abgewiesen! Diesem Zustand muß so schnell wie irgend möglich ein Ende gemacht werden. Wie entsetzlich es ist, wenn Kranke von einem Krankenhaus zum anderen befördert werden müssen, um wegen Platz nachzufragen, darüber braucht man kein Wort mehr zu verlieren. In der Deputation ist ja die Sache oft besprochen worden, und die Direktoren erklärten stets, wirklich dringende Fälle würden nicht zurückgewiesen. Ueber das Verhältnis der Krankenhausdepntation zum Magi strat oder richtiger umgekehrt, möchte ich mich durch eine Flucht in die Oeffentlichkeit aussprechen. Der Magistrat macht der Deputation ihre Arbeit sehr schwer. Ich rede nicht davon, daß er die Vorschläge der Deputation wegen Besetzung von Stellen ignoriert, denn das ist sein Recht; aber sehr schön ist es vom Magistrat nicht. Schwerer wiegt die durchaus berechtigte Klage, daß der Magistrat die Verhältnisse, wie sie die Deputation aus ihrer Kenntnis der Dinge heraus schildert, nicht genügend würdigt. Die Deputation hatte vorgeschlagen, das Virchowkrankenhaus für eine Belegung von 1600 Betten herzurichten, gestützt auf das ein- stimmige Votum der ärztlichen Berater; der Magistrat hat von seinem grünen Tisch aus die Zahl um 200 herabgesetzt. Innerhalb der Deputation wird die eifrige Mitarbeit der Magü stratsmitglieder in ihrer Mitte allseitig geschätzt und anerkannt; ich kann die Empfindung nicht unterdrücken, daß der Vater der Hindernisse in dem Kämmerer zu suchen ist. Sparsamkeit ist eine schöne Sache; sie muß aber am richtigen Orte angewendet werden. Das Wichtigste aber ist, daß die vorbeugende Tätigkeit gegen den Würgeengel der Bevölkerung, die Tuberkulose, von Stadt wegen keine genügende Förderung erfährt. Der Heilstätten für Tuberkulose bedürfen wir dringend; die Brustkranken füllen unsere Krankenhäuser, während für sie die dortige Behandlung gar nicht erforderlich ist, sie vielmehr viel billiger untergebracht und verpflegt werden könnten. Die Errichtung solcher Anstalten, die so notwendig ist, um den Bau des fünften Krankenhauses nicht zur unmittelbaren Notwendigkeit zu machen, ist von der Deputation seit Jahren beim Magistrat angeregt worden. Dieser aber kommt jetzt an die Deputation mit dem Antrage, einen Plan für ein Krankenhaus für Brustkranke mit ganzen 100 Betten aufzustellen! Man hätte wirklich in der Deputation über die Sache lachen müssen, wenn sie nicht gar zu traurig wäre. Der Magistrat wird sich hoffentlich von der Unzulänglichkeit seines Antrages überzeugen lassen; wir haben unsererseits für unsere Pflicht gehalten, diese Sache hiermit in die Oeffentlichkeit zu bringen, um auch auf diesem Wege die Sterilität(Unfruchtbarkeit) des Magistrats zu bekämpfen. Stadtv. Dr. Wetzl(Soz.): Die Krankenhausdeputation hat einen Beschluß gefaßt, der hoffentlich den Magistrat veranlassen wird, in der Krankenhaus- frage etwas schneller vorwärts zu kommen. Vorläufig schlummert dieser Beschluß aber noch im Schöße des Magistrats und auch ich muß mit dem Beschlutz die Flucht in die Oeffentlichkeit antreten. Es wird darin gefordert, Erholungsstätten und-Heime für solche Kranken zu schaffen, die gegenwärtig ohne Not in Krankenhäusern untergebracht sind und die besser und billiger in Erholungs- st ä t t e n aufgenommen würden. Nach den Berechnungen der Krankenhausdirektoren gehört ein Viertel der Kranken: Reionvales- genten, Blutarme, Nervenschwache, nicht in die Krankenhäuser; sie sind dort nur aus sozialen Rücksichten aufgenommen, da andere Einrichtungen nicht bestehen. Der chirurgische Direktor Neumann des Krankenhauses am Friedrichshain hat festgestellt, daß 1905 von 4619 Erwachsenen zirka 900 Patienten nicht als Schwerkranke be- handelt zu werden brauchten. Auch vom Standpunkte des Arztes sind diese Kranken in den Genesungsheimen viel besser unter- gebracht, die außerdem viel billiger sind als die Krankenhäuser. Ich hoffe, daß der Magistrat bald einen materiellen Beschluß faßt. Ich muß mich nun weiter gegen die Pläne wenden, die der Herr Kämmerer und u. a. auch Herr Mommscn bereits angedeutet haben. Zunächst erstrebt man eine Erhöhung der Kurkosten für Vorort- bewohner. Wir werden dem aus denselben Gründen entgegen- treten wie der Erhöhung des Schulgeldes für die Auswärtigen. Ferner denkt man an die Schaffung von Bürger-Kranken- Häusern; Stadtrat Dr. Straßmann soll einem Mitarbeiter des ..Berl. Lokal-Anz." gegenüber eine solche Einrichtung als nötig hingestellt haben. Wir widersprechen ja darin nicht, daß auch die Wohlhabenden ein Krankenhaus benutzen können, aber wenn hier für 5 bis 6 M. Kurkosten Einrichtungen mit dem gewünschten Komfort geschaffen werden, so wird zunächst einmal den mindest- zahlenden Klassen sicherlich später nicht mehr zuteil werden, als was bisher besteht. Unsere Krankenkassenpatienten, die in Privat- kliniken müssen, keiinen den Unterschied zwischen 1., 2. und 3. Klasse genau. Im Prinzip meinen wir, daß das Krankenhaus eine öffentliche Einrichtung ist, die den Wohlhabenden keine Extra- wurst zu braten hat; wir betrachten es als einen Ruhmestitel unserer Krankenhäuser, daß es dort nur eine einheitliche BeHand- lung gibt. Wenn man auch in Fragen der Gesundheit den Geld- Punkt erst zuletzt zu bedenken hat, so mache ich doch darauf aus- merksam, daß die Zuschüsse zu solchen Bürgcrkrankenhäusern ge- waltig steigen werden. Nun hat Herr Mommsen auch eine Erhöhung der Kurkosten der Krankenkassenkranken vorgeschlagen. Nach Z 7 des Kranken- kassenversicherungs-Gesetzes sind die Kassen gar nicht verpflichtet, ihre Kranken den Krankenhäusern zu überweisen. Ferner ist zu bedenken, daß ein erheblicher Teil der Kassenkranken der Armen- Verwaltung zufallen würde, wenn die Versicherung nicht be- stände. Die Kassen heben überhaupt die Gesundheit ihrer Mit- glieder und vermindern ja dadurch indirekt die Zuweisung zu den Krankenhäusern. Das Gesetz hat übrigens eine Maximalgrenze der Aufwendungen der Kassen für ihre Mitglieder festgesetzt, um die Kassen leistungsfähig zu erhalten. Ein Umstand sozialer Art kommt noch in Betracht. Der sogenannte Mittelstand hat doch auch gerade den Vorteil davon, wenn die Arbeiterschaft gesund ist oder schnell und gründlich gesund gemacht wird. Eine wirkliche Reform der Krankenpflege führt uns eben zu der Forderung: „Hände weg von der Erhöhung der Pflegegclder für die Kassen. Mitglieder! Hände weg von der Forderung besonderer Bürger- krankcnhäuserl" Bei der Lohnordnungsfrage liegen die Dinge noch skandalöser als in der Frage des Verhältnisses des Magistrats zur Deputation. Da hat der Magistrat geradezu ein Schildbürgerstückchen geleistet. Die Angestellten der Krankenhäuser, die Pfleger, haben immer zurücktreten müssen; in diesem Jahre endlich ist für sie eine Lohn- ordnung geschaffen worden. Der Kämmerer hat— wie natürlich — auch hier bueraukratisch und engherzig an allen Ecken und Enden geknappst. Die Verwaltungsdirektoren�haben erklärt, sie Verpflichtung, auswärtigen Schülern die Bildun zu überlassen wie den Berlinern, zumal da die Kopf der Schüler das Schulgeld ganz bedeutend übersteigen. Stadtv. Singer(soz.): Eine Ausschußberatung halte auch ich für überflüssig. Bei der Behandlung der Frage selbst muß scharf unterschieden werden, ob das Schulgeld überhaupt erhöht werden soll oder ob die Aus- wältigen allein die Erhöhung tragen sollen. Die erste Frage steht heute nicht zur Erörterung; die zweite beantworten wir mit einem runden Nein. Auch auf deni Gebiete der Verteuerung der Bildung und des Unterrichts bleiben wir Freihändler; wir haben keine Neigung, Schutzzölle für die Verbreitung von Bildung an unseren Unterrichtsstätten einzuführen. Das scheint uns auch der Stadt nicht angemessen. Die Vorortfrage spielt hier eine zu stark hervortretende Rolle. Die unangenehme Erscheinung, daß eine große Anzahl potenter Steuerzahler das Weichbild Berlins verläßt und in den Vororten steuert, sollte man doch nicht durch so kleinliche und unwirksame Matznahmen bekämpfen. Ich möchte am allerletzten beim Schulwesen die alte Bannmeile um Berlin wieder ziehen lassen. Ich halte es aber auch nicht für richtig, gerade jetzt Beschlüsse zu fassen, welche in die Vor- orte Mißstimmung und Uebelwollen hineintragen müssen. ES handelt sich dabei nicht allein um den Zweckverband, sondern wir sind in der Erkenntnis, daß die G e m e i n d e e i n h e i t von Groß-Berlin nach Möglichkeit herbeigeführt werden soll, nachdem die Eingemeindung verpaßt ist, überhaupt soweit ge- kommen, daß wir die Erreichung dieses Zieles zu fördern, nicht zu hemmen haben.(Beifall bei den Soz.) Stadw. Mommsen(Fr. Fr.): Wir stimmen der Vorlage ohne Ausschußberatung zu. Die Vororte haben dasselbe gemacht. Stadtv. Tropske(N. L.) führt an, daß an einigen Berliner Anstalten 20, ja 40 Proz. auswärtige Schüler vorhanden sind. (Hört hört!) Stadtv. Cassel(A. L.): Die Vorlage erscheint mir kulturell als durchaus zweckwidrig. Die Eltern der Auswärtigen sind zumeist Berliner Bürger gewesen und erst später nach den Vororten ge- zogen, andererseits besuchen zahlreich Berliner Kinder die Schulen der V o r o r t e. Es handelt sich um weite Kreise, denen der Zugang zur höheren Bildung nicht erschwert werden soll. Kämmerer Dr. Steiniger: Ethik ist eine schöne Sache, unsere Ethik beschränkt sich aber doch aus die Stadt Berlin. Sie haben auch nicht einmal das Recht zu einer Begünstigung der Auswär- tigcn; denn die Groschen unserer Steuerzahler haben nach der Städteordnung für die Berliner verwendet zu werden.(Ruf: Also eine Mauer um Berlin!) Im Zeitalter des friedlichen Ausgleichs mit den Vororten stehen wir allerdings; da ist es recht interessant, daß wir in der letzten Woche zu 200 000 M. Beiträgen allein für Weißensee durch den Bezirksausschuß verurteilt worden sind! Stadtv. Cassel: Auch dieser Umstand kann mich nicht veranlassen, in einer wichtigen Knlturfrage kleinlich zu handeln. Wäre die Ver» günstigung ungesetzlich, so müßte ja der Kämmerer viel mehr als die 40 M. fordern. Keine Städteordnung verbietet einer Stadt Anlagen, Anstalten und Unternehmungen, die sie um ihres An- schens, um ihrer Blüte willen einrichtet. Haben wir denn bisher in einem ungesetzlichen Zustande gelebt? Dieser Standpunkt des Kämmerers kann vor gar keiner juristischen Prüfung standhalten. Stadtv. Liebcnow(A. L.): Die Erhöhung ist nicht ein Zoll auf die Bildung, sondern Gerechtigkeit gegen unsere Berliner Mit- bürger. Die Erhöhung des Realschulgeldes hat man seinerzeit lediglich als billig und gerecht angesehen. Stadtv. Cassel: Ich habe auch der Erhöhung des R ea l schul- g e l d e s nicht zugestimmt. Stadtv. Mommsen verwahrt sich gegen die Auffassung, als ob er bei Zustimmung zur Vorlage für einen Bildungsschutzzoll sei. Uebrigens werde für die Auswärtigen auch in den Volks- schulen Berlins ein Schulgeld erhoben. Die Vorlage wird durch namentliche Abstimmung mit 57 gegen 49 Stimmen angenommen. Die Spezialberatung des StadthauShalts- «tats für 1908 wird hierauf fortgesetzt. Ueber die Etats für die städtischen Krankenhäuser referiert namens'des Etatsausschusses an Stelle des verhinderten Stadtv. Bütow(Fr. Fr.) Stadtv. Arons(Soz.). Es wird eine Resolution vorgeschlagen, wonach der Mi- gistrat erwägen soll: im Etat für 1909 die Gleichstellung der Ober- ärzte für die chirurgischen Abteilungen der Krankenhäuser mit den dirigierenden Aerzten der inneren Abteilungen durchzuführen. Den Anirag auf Einsetzung eines Ausschusses zur Prüfung «er Lohn- und Arbeitsbedingungen der städtischen Arbeiter und der Angestellten in den Pflegeanstalten glaubte die Mehrheit dem Plenum zur Annahme nicht empfehlen zu können. Die Resolution wird angenommen. Stadtv. Singer(Soz.): Die Zeit der Krankenhausnot ist ja insofern vorüber, als die Klage darüber nicht mehr so akut und umfangreich wie früher auf- tritt. Aber die Verwaltung darf deswegen nicht etwa glauben. eS herabgesetzt wird! Die Verwaltungsdirektoren sind darüber Wäre keine Krankenhausnot mehr vorhanden. Ich knüpfe an die geradezu in Verzweiflung; der Handwerker und Arbeiter hat sich recht bedauerliche Tatsache an, daß immer noch aus den Kranken- eine hochgradige Aufregung bemächtigt. Das sind also„verbesserte Häusern Leute abgewiesen werden müssen aus Gründen, welche doch Löhne!" Das gleiche gilt von den Waschküchen- und Hausmädchen, die statt einer Lohnaufbesserung, eine Verschlechterung er« fahren. Der Kämmerer hat einfach diese Verkürzungen mit kaltem Blaustift verfügt.(Redner führt noch eine Anzahl weiterer Fälle aus den verschiedenen Krankenhäusern an.) Bei dieser Lohn- „Aufbesserung" dürfen doch unter keinen Umständen schon bestehende Gehälter und Löhne eine Verkürzung erfahren. Ich hoffe, daß die Verwaltung sofort eine entsprechende Erklärung ab- gibt. Die Lohnordnung muß so gestaltet werden, wie es modernen Auffassungen entspricht. Kämmerer Dr. Steiniger: Zu einer Lohnor'onung gehören generelle Bestimmungen. Der Magistrat mutz Skalen aufstellen. Die älteren Sätze werden gar nicht berührt; der ganze Eifer war also gar nicht gerechtfertigt. Die neuen Skalen müssen in einen gewissen Einklang mit den Skalen der Irrenanstalten gebracht werden. Die von uns vorgeschlagenen Skalen sind bisher von anderer Seite nicht als ungerecht befunden worden; ich brauche also wohl nicht auf das einzelne einzugehen. Stadtv. Rosenow: Ein neues Krankenhaus brauchen wir un- bedingt, das zeigt die konstant hohe Zahl der Abweisungen. Man soll doch wirklich endlich darangehen, die Krankenhäuser von Lungen- und Leichtkrankcn� zu evakuieren. Es handelt sich um 600—700 Lungenkranke, die ihre Betten für schwerere Fälle her- geben könnten; es handelt sich ferner um Kranke mit leichten Ver- lctzungen u. dergl. Der Magistrat schweigt hartnäckig auf alle diese Anfragen und Anregungen; warum kommt er mit seinen Ansichten, seinem Material nicht heraus? Die Hospitalverwaltung hat in Buch ein Haus für ambulante Sieche mit 1400 Betten erbaut, die längst nicht belegt sind; hier kann vielleicht die Krankenhaus- Verwaltung Platz finden. Stadtv. Langerhans(A. L.): Der Vorschlag, die Kranken- Häuser zu entleeren und die Lungen- und Leichtkranken anderswo unterzubringen, hat ja manches für sich. Ich hatte im vorigen Jahre angeregt, jedem Krankenhause eine Abteilung für Lungen- kranke mizugliedern, wo alle Lungenkranken ohne Unterschied aufgenommen werden. Die Trennung der verschiedenen Stufen der Tuberkulose wird jetzt von der Wissenschaft verworfen. Machen wir Heime, aber schassen wir zuvor Krankenhäuser! Stadtrat Weigert: Das stehend« Thema der Abweisungen hat auch heute wicker seine Rolle gespielt; trotz der 1250 neuen Betten im Virchow-Krankenhause sind sie nicht ganz zu vermeiden gewesen. Die Zahlen Singers sind ja nicht überwältigend, abr sie sind auch nicht vollständig; denn da fehlen die schon sofort von der Zentral. Meldestelle verfügten Abweisungen! Trotzdem sind wir autzcrockentlich vorwärts gekommen. Das Tuberkulosenheim wird bearbeitet: das Rekonvaleszentenheim, Erholungsheime usw. werden nicht übersehen, sind vielmehr in der Deputation schon sehr gründ« lich verhandelt worden. Stadtv. Körte(Fr. Fr.) bittet den Magistrat wiederholt, der Krankenhausdeputation endlich ein etwas freundlicheres Gesicht zu zeigen; durch das jetzige Verhältnis werde die Arbeitsfreudigkeit v:: Mitglicker rndt!:töbt. Stadw. Dr. Nathan(soz.-fortschr.): Heute gibt der Magistrat endlich zu, daß auch nach der Eröffnung des Virchow-Krankenhauscs vie Lage noch eine durchaus anormale ist. Mit den schon �ockange „schwebenden" Erwägungen muß aufgeräumt, und es muß endlich zu Taten geschritten werden, damit die Bürgerschaft beruhigt wird und die Evakuierung der Krankenhäuser vorsichgehen kann. Die Krankenschwestern sollen bis zu 14 Stunden Dienst und sehr wenig Urlaub haben; auch hier muß rasch remediert werden, sonst werden wir kein genügendes Pflegepersonal behalten. Die Etats der einzelnen Krankenhäuser werden darauf cn bloi bewilligt. Zum führt Etat der Irrenanstalten Stadtv. Dr. Zabek(soz.) aus: Unsere früheren Bestrebungen auf Verbesserung der Lohnordnung für das Wärterpersonal sind ab- gelehnt worden; neuerdings hat aber der Magistrat ein Einsehen ge- habt und unsere damals beantragte Lohnordnung ziemlich ange- nommen. Wir werden also wohl in Zukunft auch ein zufriedeneres Pflegepersonal für unsere Irrenanstalten bekommen. Es gehört dazu aber auch die Erfüllung der Forderungen des männlichen Personals, daß die bisherige Unfreiheit aufhören möge. Die Sache ist nicht so einfach zu erledigen, weil die Anstalten auf ■reieS Logis und freie Beköstigung nicht zugeschnitten sind. Wir haben ja neuerdings gehört, wie in Wuhlgarten wegen der schlechten Verpflegung große Unzufriedenheit austrat: man wird also um die Frage nicht herumkommen. Man wird Familienhäuser für das Personal bauen müssen, man wird den Pflegern Gelegen lxit geben müssen, früh zu heiraten und einen eigenen Hausstand zu gründen; das wird ein großer Gewinn für die Leute sein, die an solche Anstalten gebunden sind. Die Frage eines Kasinos für die Pfleger ist auch für die Unver- heirateten von großer Bedeutung. Dagegen besteht nach wie vor die Gefahr der Aerztenot fort und ist jetzt geradezu akut ge- worden. Seit einer Reihe von Jahren haben wir unsere Not, die genügende Zahl von ärztlichen Assistenten zu beschaffen. Der Magistrat hat das selbst ausdrücklich anerkannt und ist auch über die Gründe durchaus informiert. Seit vielen Monaten werden Annoncen in den medizinischen Zeitungen veröffentlicht, eS läuft nichts darauf ein. Die Zahl der Vakanzen ist nicht gering. Das Nächste wäre doch eine Erhöhung des Anfangsgehalts gewesen; denn 1500 M. sind keine Verlockung. Der Magistrat begnügt sich aber damit, emen neuen Anstaltsarzt zu schassen und die 3jährige Steigerung in eine 2jährige zu verwandeln. Das ist ganz unzureichend. Das Anfangsgehalt muß mindestens 1800 M. be- tragen und die Anstellung nach kürzerer Dienstzeit gesichert sein, auch die Stellung der Aerzte selbständiger gemacht werden; diese Forderungen der Aerzteschast sind durchaus gerechtfertigt. Schon ind wieder nahezu 2000 Irre in Privatanstalten untergebracht worden; in Herzbcrge hat man schon Lagerstätten auf den Fuß- böden errichten müssen.(Hört! hört!) Das Hospital in Buch könnte uns ja fürs Erste aus der Verlegenheit helfen. Der Plan ür eine 5. Anstalt muh entworfen und die schleunige Vollendung )er Anstalten in Buch betrieben werden. Berlin darf in der Für- 'orge für die Geisteskranken nicht hinter Brandenburg zurückbleiben. Stadtrat Dr. Straßmnnn: Es ist allerdings einmal eine Un- Zufriedenheit unter dem Pflegepersonal der Anstalt in Wuhlgarten wegen der Beköstigung entstanden, der Direktor hat aber die Sache aus der Welt geschafft, indem er den Leuten ordentlich zu Herzen redete. Wuhlgarten nimmt neben einer anderen Anstalt für Epileptische bei Bielefeld eine ganz besondere Stellung in ganz Preußen ein, da drängen sich die Aerzte nicht so dazu. Die betr. Etats werden genehmigt. Darauf wird die EtatSbcratung vor dem Etat der Gemeinde- schulen abgebrochen. Die Vorlage, betr. Uebernahme zweier Grundstücke in Pankow und Nieder-Schönhausen und Zahlung von 400 000 M. im Wege des Vergleichs, wird auf Antrag Langerhans einem sogleich niedergesetzten Ausschuß von 15 Mitgliedern überwiesen. Schluß gegen?�10 Uhr. Letzte IVadmebten und DcpeFcbca ES wird weiter ,, geschützt"! .................................(.v| Petersburg, 12. März.(W. T. B.) Für die Städte Jekateri- Lünten"bei den bisheRmn Löhnen'tüchtig Perftnal" überhaupt! noslaw und Nishny-Dneprowsk ist die Frist des außerordentlichen nicht bekommen. Den Kleinlichkeiten der Abknappsung gegenüber Schutzes bis zum 13. September 1908, für das Gouvernement steht nun der sonstige Inhalt dieser Lohnordnung, der wie Hohn Witebsk der verstärkte Schutz bis zum 29. März 1909 verlängert auf die Beteiligten wirken muß. Da finden sich z. B. Lohnskalen worden. für Handwerker, in welchen ihr Lohn nicht hinauf-, sondern Generalstreik. Sidney, 12. März.(B. H.) Die hiesigen Schauerleute _____________ beschlossen den sofortigen Generalstreik.____ Verantw. Redakt.: Georg Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer Lc Co.. Berlin 5W. Hierzu 3 Beilagen u.Unterhaltungsbl, Nr. 62. 25. Jahrgang. 1.$rjla;r Ks Freitag.!3. März l9v8. l<.eickstag. !2V. Sitzung Vom Donnerstag, den 12. März 1903, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: v. Bethmann-Hollweg. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Be- ratung des Etats fiir das Rcichsamt des Innern. Die Beratung beginnt beim Titel„Zur Förderung der Binnen- fischerei 85 000 M." Abg. v. Pfetten sZ.) bemerlt, dah die geforderte- Summe in keinem richtigen Verhältnis zu der für die Förderung der Seefischerei geforderten 350 000 M. stehe. Die wissemchaftliche Erforschung der Fischkrankheiten sei notwendig, um den Fischkrankheiten wirksamer entgegentreten zu können. Abg. Prinz zu Schönaich-Carolath snatl.) pflichtet dem Vor- rcdner bei. Der Titel wird bewilligt. Beim Titel„Zur Förderung" der Seefischerei 350 000 M." bemerkt Abg. Raab(Wirtsch. Vgg.): Die Erhöhung diese? Titels um 50 000 M. begrüßen wir mit Freuden; die Fischerbetiölkerung ist diejenige, aus welcher die Handels- und Kriegsmarine sich rekrutiert. Eich dieser Volksklasse anzunehmen, sei um so notwendiger, als sie selbst sehr bescheiden sei. Der Titel wird bewilligt. Beim Titel„Für Zwecke des internationalen landwirtschaftlichen Instituts in Rom" 60 000 M. bemerkt Abg. Erzbergcr lZ.): Für das Institut sind bereits im vorigen Jahr 30 000 M. bewilligt. DaS Institut ist nicht ins Leben getreten. Ich bitte daher um Aufklärung, warum jetzt wieder 60 000 M. für das Institut gefordert werden. Unterstaatssekretär Mermuth: Das bisher bewilligte Geld ist zu Vorarbeiten verwandt worden. Endgültig wird das Institut am 23. Mai ins Leben treten. 46 Staaten haben ihren Beitritt bereits erklärt. Auch wir müssen, nachdem wir uns zum Beitritt entschlossen haben, das Institut wirksam unterstützen. Abg. Erzbergcr(Z.j bedauert, daß zugunsten dieses Instituts der Deutsche Landwirtschaltsrat geschädigt werden soll, der mit einem geringeren Betrage unterstützt werden soll, obwohl er sicher mehr leiste, als jenes Institut in Rom. Abg. Graf Schwerin-Löwitz(k.) dankt dem Abgeordneten Erz- berger für die Anerkennung des Deutschen Landwirtschaftsrats und bittet, was von der Position etwa erspart werde, dem Deutschen LandwirtschaftSrat zuzuwenden. Beim Titel Belastung des Reiches aus den auf Grund des JnvalidenvcrsicherungSgesetzeS zahlbaren Renten, 51 Millionen Mark, ergreift das Wort Abg. Sachse(Soz.): Ich möchte bei diesem Titel etwas zur Sprache bringen, worüber der Reichstag sich einmal aussprechen muß. ES ist auf- fallend, daß hier nur 1 180 000 M. mehr eingestellt sind als im Vorjahre. Man kann doch nicht annehmen, daß die Regierung mit dieser geringen Einschätzung einen Fingerzeig dafür geben will, daß mit der Bewilligung von Jiivnlidcnrentcu noch rigoroser vorgegangen werden soll als bisher. Im Jahre 1903 sind 172 862 Renten bewilligt. Im Jahre 1903 nur 122 868 und im Jahre 1906 nur noch 110 969. sHört l hört! bei den Sozialdemokraten.) Im Jahre 1902/03 sind noch reichlich 13 Millionen mehr ausgegeben loorden, als in dem vorhergehenden � Jahre. In dem Jahre 1906 dagegen nur noch etwa 6 Millionen mehr.(Hört I Hört l bei den Sozialdemokraten.) Dabei steigt die Kopfzahl der Rentner in jedem Jahre. Die Steigerung der Renten ist angewachsen bis zum Jahre 1903. Von da an geht sie auffallend zurück und es ist dringend not- wendig, daß die Ursachen dieses Rückganges hier besprochen werden müssen. Die Verwaltungskosten sind aber ständig gewachsen. Im Jahre 1900 betrugen die Verwaltungs- ausgaben pro 1000 M. der Gesamteinnahmen 64 M., im Jahre 1906 dagegen 74 M.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Aus de» Kuappschaflskasse» kommen andauernde Klagen über das rigorose Vorgehen bei der Bewilligung von Alters- und Invalidenrenten. Die Rente ist Leuten wieder entzogen worden, welche sich in einem kleines feiaUewu. DaS ZeitungSwesen in Pcrsicn. Im„Journal deS DöbatS" ver- öffentlicht R. Champlau eine Korrespondenz aus Teheran über die neueste EntWickelung des persischen Zeitungswesens. Bis zur Verkündung der Preßfreiheit durch die Verfassung vom August 1906 gab es in Teheran keine eigentlichen Zeitungen. Es erschienen wohl lithographierte Blättchen in unregelmäßigen Zwischenräumen, die hochtrabende Titel wie„Mu-biat."(Erziehung) und„Mearef"(Wissenschaft) führten, aber ihr Inhalt beschränkte sich auf farblose Ge- schichten. Allerdings erschienen in Baku persische Zeitungen, aber von zehn Nummern wurden durchschnittlich vier von der russischen Polizei und ebensoviel von der persischen ver- boten, lvährend der Rest beim Transport„verloren" ging. Besser stand eS um die Zustellung des in Kalkutta er- scheinenden Wochenblattes„Hadl-oWilatsn"(„Die mächtige Hülfe"), daS auf dem Wege über Bombay und Schiras ziemlich regelmäßig, wenn auch mit zweimonatlicher Verspätung, ankam und bei den Abonnenten ausgetragen wurde. Die Verkündung der Konstitution hat diesen Zustand gründlich verändert. Seit 13 Monaten vergeht kaum eiire Woche, ohne daß in der Hauptstadt oder in der Provinz eine neue Zeitung ins Leben ge- rufen wird. Allerdings sind die meisten dieser Blätter, wie das in revolutionären Zeiten die Regel ist. sehr kurzlebig. Von den Zeitungen, die eine größere Lebenskraft vernmten lassen, sind folgende bemerkenswert: Der Meckscblis(Parlament), der den offiziellen Bericht über die Sitzungen der Volksvertretung bringt. Steno- graphen gibt dort nicht. Aber der Redakteur loohnt den Sitzungen bei und gibt die Verhandlungen möglichst getreu wieder. Das Parlament hat drei Sitzungen in der Woche, das Blatt erscheint täglich mit Ausnahme des Freitags. Das gelescnste Blatt von Teheran ist gegenwärtig der„Habl-ol-Uatsn", der sozusagen ein Zwillingöbruder deS Blattes von Kalkutta ist. Die Auflage beträgt 4000 Exemplare. DaS Blatt bringt knappe Parlamentsberichte, polemische Artikel und vermischte Nachrichten. Es hat Korrespondenten in verschiedenen Städten des Landes. Seine Behandlung der Landespolitik sticht durch ihren Pessimismus hervor. Ein richtiges Kampfblatt ist der„Sur Esrafti"(Die Trompete Raphaels). Auf der ersten Seite zeigt es die Gestalt des Erzengels, der die Toten zum jüngsten Gericht weckt. Jede seiner Nummern bringt ihm eine Suspendierung von 14 Tagen ein. Am Tage seines Erscheinens reißt man sich um die Nun, mein, die jedesmal irgend eine sehr scharfe, sehr geistreiche und literarisch feine Kritik, sei es des Schahs. sei eS eines Ministers oder auch deS Parlaments enthalten. Zu denen, die es mit der größten Nervosität erwarten. gehört der Unterrichtsminister, der dem Schah und dem Parlament für alles, was in der Stadt gedruckt lvird, verantwortlich ift. Dieses Blatt hat am meiste» zur patriotischen Volksbewegung gegen den englisch-persischen Vertrag beigetragen. Der„Nedaje Vatän" wird namentlich um seiner illustrierten Beilage„KascsiAuT willen gekauft. Kaschgul ist der Kürbis, den die Derwische tragen und worin sie alle möglichen Dinge aufbewahren. Das Wort wird in der Volkssprache auch für einen Trödelladen gebraucht. Der' Titel besagt also ungefähr dasselbe wie die deutsche Wendung: Gemischter schlechteren Zustande befanden, als zu der Zeit, da sie die Rente er- hielten.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Rheinisch- westfälische Knappschaftsverein hat eine ganze Reihe solcher Klagen zu uns gebracht. In den allerärmsten Gegenden steht es mit der Bewilligung der Renten am schlechte st en; von der Versicherungsansialt Schlesien wurden im Jahre noch 20 148 Renten bewilligt, im Jahre 1906 dagegen«ur 3294. Von ein- gegangenen Anträgen wurden 1903 noch über Proz. bewilligt und 21 Proz. abgelehnt. Im Jahre 1906 dagegen wurden «ur 47 Proz. bewilligt und 46 Proz. abgelehnt.(Hört! hört I bei den Sozialdem.). Aus Schlesien kommen noch die Hauptklagen. Dort klagen sogar schon die gelben Gewerkschaften über das rigorose Verfahren bei den Rentenbewillignngen. Ich möchte die Regierung fragen, ob sie hierüber unterrichtet ist. Eine Kommission ist zwar in den Versicherungsanstalten berumgeschickt worden. Vom fiskalischen Standpunkte aus hat sie auch sehr gute Erfolge gehabt. Allein von der Versicherungsanstalt Schlesien sind 847 Renten entzogen worden. Von diesen entzogenen Renten mußten im Streitverfahren wieder 112 bewilligt werden. Bon den abgelehnten sind 102 ohne Einverständnis der Rente«stellen abgelehnt worden, obwohl doch in den Rentenstellen Arbeiter sitzen, mit denen die Regierung ziemlich nach Belieben umspringen kann. Zu denken gibt auch, daß bei der Versicherungsanstalt Schlesien die Be- rufungen immer weniger Erfolg haben, von 6283 Berufungen hatten nur 966, das sind 15 Proz., Erfolg, während im Vorjahre 18,6 Proz., in dem vorhergehenden 26,2 Proz. und in dem diesem vorher- gehenden 23,2 Proz. Berufungen erfolgreich waren; also auch hier ist der Erfolg ziemlich auf die Hälfte herabgegaugen. Die Ver- sicherungsanstalt Schlesien ist die stärkste, doch ist die in der Rheinprovinz ziemlich gleich st ark. Trotzdem sind die Verwaltungskosten in Scylesien bedeutend größer. Der Reichstag muß sich darum kümmern, wofür diese ungeheuren Summen ver- wendet werden. Die Entziehung der Renten verursacht sehr erheb- liche Kosten und es muß doch einmal untersucht werden, ob diese Entziehungen im Sinne deS Reichstages vorgenommen werden. Die Ausgaben für die Berufungen betrugen bei der Versicherungsanstalt Schlesien im Jahre 1906 151 248 M., in der Rheinprovinz nur 50 323 M., also kaum den dritten Teil, und im Königreich Sachsen noch nicht 40 000 M. Auch für die Gehälter wird in Schlesien am allermeisten aus- gegeben, 622 844 M.; in Berlin und in der Rheinprovinz beträgt dieser Posten nur% der Summe, im Königreich Sachsen nur die Halste. Die Versicherungsanstalt Schlesien hat 377 Beamte, während die Rheinprovinz mit 246 Beamien auskommt. Sachsen mit 219 und Berlin mit 244. Nach jeder Seite hin zeigt also die Versicherungsanstalt Schlesien sehr ungünstige Verhältnisse für die Arbeiterschaft. Zum Schluß will ich noch auf einzelne Fälle eingehen, um zu zeigen, wie man es ferttg ge- bracht, bewilligte Renten wieder zu entziehen. Wir haben durch die Petition eines Bergmannes aus Michailowitz erfahren, daß die ihm am 15. September 1904 gewährte Rente am 1. Oktober 1906 aber wieder entzogen wurde; nach dem Gut- achten desselben Arztes, auf d e s s e n G u t a ch t e n hin sie ihm gewährt worden war. Der Bergmann erhob Beschwerde. Derselbe Arzt, auf dessen Gutachten hin ihm die Rente entzogen worden war, stellte im November ein ihm günstiges Gutachten aus. Auch ein zweiter Arzt gab ihm in seinem Gutachten Recht. Da schickte ihn der Vertrauensarzt in das Knappschaftslazarett zu Kattowitz. Der dortige Arzt, ein Dr. Arendt, gab ihm nun ein Zeugnis, daß er noch leichte Arbeiten verrichten könne und daher nicht als Invalide angesehen werden könne; er sei zwar hysterisch, sonst aber gesund und kräftig. Auch vom Schiedsgericht wurde der Arbeiter abgewiesen, weil er nur zwei günstige und ein ungünstiges Gutachten hatte, wahrscheinlich hätte er sechs günstige Gutachten haben müssen, um durchzudringen.(Heiterkeit und Sehr gut I bei den Sozial- demokraten.) Einen anderen Fall, der ein grelles Licht auf das Salat, oder das süddeutsche: Wurichlkessel. Der„Kascftgul" bringt zweimal wöchentlich eine vierblätlrige Nummer mit sehr schlechten Zeichnungen, aber oft sehr boshaftem Text heraus. Erivähul sei noch das Tageblatt„Lobbs Sadsle"(Morgenröte der Wahrheit), das als erstes den wirtschaftlichen Interessen seiner Leser Rechnung trägt. Seine Spezialität ist der Kurszettel für Brot und die wichtigsten Nahrungsmittel. Bemerkeusivert ist der Titel M-Ossarvat, der dem französischen„Egalitairo"(Anhänger der Gleichheit) entspricht. Hier ist der Einfluß der französischen Revolution deutlich, der auch sonst in der jungen persischen Politik hervortritt. In Gesprächen wie in der gedruckten politischen Erörterung zeigt sich immer wieder die Tendenz, für die persischen Ereignisse und die persischen Politiker eine Parallele in der französischen Revolution zu finden. Was Champlau über die Situation der Redakteure berichtet, zeigt diese gerade nicht in einer beneidenswerten Lage. Sie müssen in der Regel das ganze Blatt selbst schreiben und auch das Aint deS Metteurs übernehmen. Wenn nun auch das Format nur etwa ein Viertel des großen Formats deutscher Blätter beträgt, so ist die Aufgabe, täglich vier Seiten zu füllen, nicht so leicht, zumal da das Jnseratenwesen ganz unentwickelt ist. Auch die Freude,„Speck" machen zu können, ist Setzern und Redakleuren in sehr geringem Maße zugemessen, da nur einerlei Schriftsatz verwendet wird und Ueberschriften und Manschetten nicht vorkommen. Der Redakteur behilft sich nun, indem er seinen„Leitartikel" über alle vier Seiten dehnt. Die persische literarische Mode, der kein Reichtum von Rede- blumen zu groß ist und die namentlich auch Zitate liebt, gestattet ihm. Vergleiche endlos an einander zu fügen und Verse aus Sadi und Hafis, mit besonderer Vorliebe aber aus dem Koran zu zitieren, auch wenn sie nicht eben in den Zusammenhang gehören. In dem üppigen Urwald orientalischer Bilder geht oft der Sinn ganz ver- loren. Manchmal schassen sich die geplagten Redakteure einige Muße, indem sie die Leser des Blattes zur Mitarbeit auffordern und die interessantesten der einlaufenden Briefe veröffentlichen.— Sind so die Kosten der Redaktion verhältnismäßig gering, ist doch ein persischer Zeitungsherausgeber nicht auf den Roi'en von Schiras gebettet: Papier. Druckerpressen, Schriftsatz, Tinte— das alles konunt aus Rußlaud und ist mit hohem Zoll belegt. Demgemäß ist der Preis einer Nummer sehr hoch: drei SchahiS, was etwa 7 Pfennigen gleichkommt, aber bei dem hohen Geldwert etwa dem doppelten Betrage entspricht. Der Verkauf geschieht durch Ausrufer in den Straßen und in den Buchhandlungen. Abonnenten hat nur der„Medschlis". Die Gefahr der Unterdrückung ist zu groß. Nicht nur der UnterrichtSminister kann ein Blatt verbieten, sondern auch die MuschtschedS, die höheren Mollahs, stellen Zeitungen für einige Tage ein, wenn sie die Grundsätze der Orthodoxie außer acht ge- lassen haben. Endlich kommt es vor, daß der Redakteur, sei es wegen eines traurigen oder freudigen Familienereignisses, oder weil ihm gar nichts mehr einfällt, sich eine Ruhepause gönnt, oder auch. daß das Papier ausgegaugen ist. die Maschine nicht pariert oder der Drucker nicht bei Laune ist.— Im ganzen läßt sich aber trotz mancher kleinlich-komischcn Momente die überraschende Eutwickelung der Presse nicht abstreiten und wenn das dem Parlament vor- liegende Preßgesctz, daS freilich reichlich Möglichkeiten für Schikanen offen läßt, erst in Kraft sein wird, ist ein weiterer Aufschwung sicher. Auges seiner könne. an, daß hatte, sich Vorgehen der Versicherungsanstalten wirft, trage ich nach den Akten vor. Ein Arbeiter aus Nicklasburg erhielt am 10. Oktober den Bescheid, daß ihm die Invalidenrente nicht bewilligt werden könne, er habe nur die ganz gewöhnlichen Beschwerden des Alters und neben einer Erblindung des linken ein Hämorrhoidalleiden, das schon wegen langen Dauer nicht inS Gelvicht fallen Wahrscheinlich nimmt also die Versicherungsanstalt der Arbeiter, weil er das Leiden schon so lange mit steigendem Alter daran gewöhnt hätte. Leider stellte dem Manne kein anderer Arzt ein Gntachteit aus als der Vertrauensarzt der Anstalt. Wie bei Unfallsachen vermeiden es jetzt leider auch schon in Jnvalidensachen die Aerzte ängstlich, Zeugnisse auszustellen. Der Mann bekam also trotz seiner Leiden keine Rente. Einer 60jährigen Aufwärterin, die schon zwei Jahre Rente bezogen hatte, wurde sie wieder entzogen, weil eine wesentliche Besserung ein- getreten sei. Dabei war die 60 jährige Frau vollkommen aufgebraucht, hatte ein H e r z- und ein Magenleiden, und der M a st d a r in trat heraus. Als sie von dem Schiedsgericht abgewiesen wurde, brach sie in die Worte aus: es gibt keine Gerechtigkeit«nehr! (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Zu dieser Auffassibig muß der Arbeiter bei der Art kommen, wie ihn jetzt die Jnvalidenschieds« gerichte behandeln. Aehnlich liegen einige Fälle aus dem nieder- schlesischen Kohlenrevier, wo der Arbeiter schon eine andere Rente be- kommt, z. B. die kleine Knappschaftsrente, scheinen die Vcrsicherungs- anstalten ihm überhaupt eine Rente nicht mehr zubilligen zu wollen. Ich habe hier eine Reihe von Fällen in den Akten vor mir, in denen völlig arbeitsunfähigen Leuten durch Versagung der Rente schweres Unrecht geschah. Ich will sie beute nicht vortragen, weil der Rechtsweg noch nicht erschöpft ist. Jedenfalls haben wir alle Ursache, die Reichsregierung zu fragen, ob das wirklich der Zweck der Untersnchungskommission war, die von Anstalt zu Anstalt herumgeschickt wurde, daß den Arbeitern ihre Renten zu Unrecht entzogen wurden. Der Kollege G i e S b e r t s ist ja Bor st ands Mitglied der Invaliden ver- sichern ngsan st alt in der Rheinprovinz. WaS sagt er dazu, daß im Rheinland von 180 Renten, die nachgeprüft wurden, 67 entzogen wurden?(Hört! hört! bei den Sozial- deniokraten.) Vielleicht dehnt der Kollege Mugdan seinen weit- reichenden Einfluß auf die Aerzte dahin aus, daß sie den Mut finden, alten Ehrenmännern, alten Arbeitern und Arbeiterinnen wenigstens ein Gutadften auszustellen, ob sie noch arbeits- fähig sind oder nicht. Diese ganzen Nachprüfungen werfen doch ein recht bezeichnendes Licht auf die Herren Aerzte. Entweder, wem, die Nachprüfung Recht hat, haben sie früher die Kranken leichtfertig begutachtet, oder wenn, wie wir glauben, den Arbeitern die Renten jetzt zu Unrecht entzogen werden, haben die Aerzte sich durch die Nachprüfungen so» einschüchtern lassen, daß sie jetzt ganz anders urteilen�(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Vielleicht erzieht Dr. Mugdan seine Kollegen zu etwas mehr Mut. Die schweren und ungerechten Vorwürfe, die der Wahrheit zuwider Dr. Mugdan uns am Freitag gemacht hat, werden wir an anderer Stelle zurückweisen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Ministerialdirektor Caspar: Der JnvaliditätSbegriff war von den Anstalten bei der Bewilligung von Renten vielfach unrichtig ausgelegt worden. Die Revisionen waren notwendig, damit man sich bei der Bewilligung von Renten künftig vorsichtiger an den Wortlaut des Gesetzes hielt. Run niag ja die Strenge in der Prüfung der einzelnen Fälle jetzt manchmal weiter gegangen sein als notwendig ist. Aber zur Berichtigung falscher Urteile sind ja die höheren Instanzen da. Besonders stark sind die Schwankungen in Schlesien gewesen. Dort hatte allerdings auch eine übermäßige Steigerung der Rente» stattgefunden. Nun sagt der Abg. Sachse, diese Revisionen hätten einen guten Erfolg vom finanziellen Standpunkte, aber einen schlechten Erfolg vom Standpunkte der Arbeiter gehabt. Ich glaube, daß die Arbeiter nicht wünschen, daß für Renten, die nach dem Gesetz nicht bewilligt werden dürften, ihre Beiträge erhöht werden müßten. Der Unterschied in den Berwallungskosten zwischen Schlesien und den Anderen Provinzen erklärt sich durch die Art der Verwaltung. In Notizen. — Der Fall Girardi. Girardi ist bald der populärste Mann in Berlin. Am Mittwoch ist er bereits zum 50. Male in der (urblöden) wicnerisch-bcrlinerischen Posse„Immer obenauf" auf- getreten. Aus den Festseiern, Empfängen, Ehrengelagen konrnrt er schon gar nicht mehr heraus. Schab', daß keine Austauschprofessur oder ein Kanzlerposten frei ist, er würde sie sonst sicher bekommen. Die Premierentigerinnen flöten nur noch wcanerisch, Wiener Mehl- speisen sind ein gesuchter Modeartikel. Die Anreißer, die hierzu- lande für deutsche Dichter und Schriftsteller gelten, haben ihn völlig nrit Beschlag belegt. Wird nicht bald ein Girardi-Theater gegründet werden? Oder wenigstens ein Vortragszyklus veranstaltet, in dem Girardi über„Berliner Kultur" plauscht? Unternehmende Zeit- schriften, Mäcene, Literaturjobber, laßt euch die Gelegenheit nicht entgehen. Daß der Fall Girardi nicht bloß eine Berliner sondern in viel höherem Grade eine Wiener Angelegenheit ist, hat die„Wiener Arbeiterzeitung" hervorgehoben.„Für die nächste Saison", schreibt sie,„hat der wienerischeste Schauspieler in Wien kein Engagement, er bleibt in den: Berliner Theater und gastiert dann in Deutschland herum. Nach Posen und Merseburg wird Herr Girardi vielleicht kommen, nach Wien nicht. Das ist bei einem Künstler, der leinen Satz hochdeutsch, kein Wort ohne wienerische Geste sagen kann, ein ganz widernatürlicher Zustand.... Vor allem ist natürlich daS finanzielle Moment entscheidend. Girardi beloinmt in Berlin eine viel höhere Gage als er sie zuletzt in Wien hatte. Sagen wir's einmal aufrichtig: Diese hohen Gagen der Schau» spicler und Sänger sind ein Unglück. Nicht allein des- halb, weil dann die Gagen der Kleinen um so kleiner ausfallen, sondern weil diese hohen Gagen die Künstler moralisch korrumpieren: sie werden Speknlanten mit ihrem Talent, sie ver« lieren den festen Bodenstand und schwimmen ans dem Theatermarkt. Wenn nur die Bilanz der Börsenspekulation mit dem eigenen Talent genug erträgnisreich abläuft. Glaubt Herr Girardi wirklich, daß seine durch und durch wienerische Kunst in Berlin echter wird? Er wird ein„Wiener" für norddeutsche Bedürfnisse. JSar eS schon in Wien bedenklich, daß er höheren Aufgaben allzu ängstlich auswich, so werden ihn die berlinisch-wienerischen Lokalstücke geistig noch ganz anders herunterbringen." — Der Verfall des Schauspielhauses. Von der fürchterlichen Blamage des„Meisters Matthias" hat sich daS vor- trefflich geleitete königl. Schauspielhaus durch ein Lustspiel fiir höhere Töchter vergangener Zeiten, das unendlich langweilig, matt, ab- geleiert ist. schnell erholt. Dieses Stück, das den Titel„Der Schrittmacher" führt, ist ein sehr unlieber Bekanntor ans der deutschen Schwanklitcratur, dem Schauspielhause schien eS neu, weil es von einem Russen stammen soll. — Sensation statt Kunst wollten Warschauer Geschäftsleute in Musik den Besuchern der Philharmonie liefern, als sie Toselli, den Mann der Montignoso, engagierten. Es war aus- gemacht, daß die ehemalige Kronprinzessin mit erscheinen solle. Sie kam aber nicht, und da Toselli außerdem sich als ein mäßiger Dilettant erwies, so gab'S einen Skandal. Den sensationslüsternen Unternehmenl und dem törichten Publikum kann man den Reinfall von Herzen gönnen. Wahrheit sind die VerwaltuiigSkosten in den anderen Probinzen nicht niedriger, sondern nur zum Teil an anderer Stelle gebucht Die hohen Kosten für Schiedsgerichtsberhandlungen in Schlesien erklären sich aus dem Einfluß der Winkelkonsulenten, die in Schlesien alle Fälle vor die höhere Instanz bringen. Auf d i e E i n z e l fälle kann ich nicht eingehen, weil sie entweder schon rechtskräftig entschieden sind oder noch vor den Gerichten schweben (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Dr. Pansche: Nur eine kurze Zwischenbemerkung Nach dem Beschluß dcS Seniorenkonvents soll d i Beratung dieses Etats morgen zu Ende gehen Vorläufig sind dazu noch 70 Redner gemelde (Schallende Heiterkeit.) Wenn jeder von Ihnen, ganz abgesehen von den RegieruugSvei tretern. nur 15 Minuten reden wollte, würden 18 Stunden 15 Minuten zur Beendigung der Beratung erforderlich fein.(Heiterkeit.) Ich möchte also die Herren bitten, sich ein klein wenig einzuschränken. Abg. Dr. Mngdnn(frs. Vp.): Die Organisationen der Aerzte, die für die freie Arztwahl eii'treten, treten auch dafür ein, dem be handelnden Arzt mehr Rechte in der Invalidenversicherung zu geben Der Vorwurf des Abg. Sachse war also unberechtigt. Zum Schluß hat der Abg. Sachse mir mit irgend etwas gedroht, ich habe nicht verstanden, ivomit. Ich entnehme daraus nur. daß meine Vorwürfe vom Freitag der Sozialdeniokratie sehr unangenehm waren, und damit haben sie ihren Zweck vollkommen erfüllt.(Lachen bei den Sozial demokraten.) Ich stelle nochnials fest, daß bei der KuappschnftS interpellation die Sozialdemokraten die Forderung der Bergarbeiter auf freie Arztwahl verleugnet haben.(Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Abg. Sachse(Soz.): Wenn die Aerzte gezwungen sein würden. wahrheitsgemäße Gutachten auszustellen, so würden nicht wie bisher Tausende von Arbeitern um ihre Rent kommen. Hier muß ein gewisser staatlicher Zwang ausgeübt werden. ES kann nicht so weiter gehen, daß der behandelnde Arzt »ind die Rentenstelle, die den Jnvalidenarbeiter steht, überzeugt sind. daß ihm kimmelfckreiencles Cinreebt geschieht und daß er trotzdem abgewiesen wird. Ich hatte gemeint, daß Herr Dr. Mugdan bei seinen Kollegen dahin wirken könnte, daß ihre große Furcht vor den LandcsversicherungSanstalten. ihren Arbeitgebern, etwas schwindet. Heute haben nur noch wenige Aerzte den Mut, in Invalidität?- und Unfallsachen Gutachten aus- zustellen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Vertreter der Regierung hat gemeint, daß die Nachprüfung der Renten notwendig geworden sei, weil sonst die Beiträge der Arbeiter hätten erhöht werden müsten. Wir sehen jedenfalls aus den zahllosen Petitionen, die hier einlaufen, daß sehr viele Arbeiter sich durch diese Nachprüfungen in ihren Rechten geschädigt sehen. Dann klagte der NegierungSvertreter über das Winkelkonsu- leutentum in Oberschlesien. DaS ist ganz einfach die Folge davon. daß es in Oberschlesien keine starken Arbeiterorganisationen und keine Arbeitersekretäre gibt, und daß die Arbeiter deshalb zu den Winkelkonsulenten laufen. Aber der Präsident des ReichsversicherungS� amteS hat ja jüngst auf die oberschlesischen Arbeitgeber wegen ihrer Wohlfahrtseinrichtuugen große Lobreden gehalten. Aber gerade diese WohlfahrtSeinrichtungen, derentwegen er sie über den grünen Klee gelobt hat. dienen dem Unternehmertum nur dazu, die Arbeiterorganisationen niederzudrücken und daher resultiert dann das Winkelkonsulententum.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) In Niederschlesien, wo wir eine starke organisierte Arbeiterschaft haben, finden Sie keine Spur davon. Da werden durch die Arbeitersekretariate nur gerechte und al'SsichtS volle Sachen vertreten. Deshalb bleiben die hohen Kosten für die Berufungsinstanz in Schlesien auffällig und die Regierung hat des halb allen Grund, die Zustände in der schlesichen Versicherungs anstalt im Auge zu behalten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo kraten.) Der Abg. Dr. Mugdan hat nun behauptet, ich hätte ihn bedroht. Zugleich hat er selbst zugegeben, daß er mich nicht verstanden hat. Ich will also wiederholen, was ich gesagt habe: Dr. Mugdan hat am Freitag den schweren Torwurf gegen uns erhoben, daß wir nicht für die freie Arztwahl in den Knappschaftskasien eingetreten feien. Ich erwidere ihm darauf, daß wir bei einer Interpellation natürlich keine bestimmten Anträge stellen können, er ist lange genug im Hause, um daS selbst wissen zu können. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Außerdem drehte sich die Interpellation nicht um die Arztwahl, sondern um die Beibehaltung dcS Kindergeldes. Im übrigen ist es aber nicht wahr, daß wir die Forderung der freien Arztwahl für die Bergarbeiter fallen gelassen haben. Sie steht in unser e-m Initiativ» a n t r a g und in allen Anträgen der Miiglieder de§ Bergarbeiter» Verbandes zu den Knappschaftsstatuten. Die vollständig freie Arztwahl in den Knappschaftskassen wäre eine Verrücktheit. Denn dann könnte ein Mirglied deS Dortmunder KnappschaftSkasienvereinS von Hamm nach Duisburg fahren, um sich behandeln zu lassen. Deshalb haben wir freie Arztwahl im Umkreise von zehn Kilometern gefordert, und für diese Forderung sind wir stets und überall eingetreten. Der Abg. Mugdan aber hat unS schweres Unrecht getan und wieder einmal die Unwahrheit gr- sproche».(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Mugdan(frs. Vp.): Ich habe behauptet, daß die sozialdemokratischen Bergarbeiter die freie Arztwahl forderten, die sozialdemokratischen Abgeordneten sie hier aber noch in keiner einzigen Rede bis auf den heutigen Tag vertrete» haben, und daß sie auch ihre Pflicht nicht erfüllt haben, bei der Interpellation über das KuappschaftSwesen dafür einzutreten.(Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemokraten, stürmische Zurufe: Alles unwahr!) Weil Sie nun genau wissen, daß ich die Wahrheit gesagt habe, (Schallendes Gelächter bei den Sozialdemokraten) deshalb ziehen Sie sich auf Ihre üblichen Schiinpfereien zurück.(Sehr wahr! beim Abg. Heckscher.) Abg. Hue(Soz.): Herr Mugdan war so freundlich, auch bei diesem Punkte die frei« Arztwahl wieder zu berühren, und so komme ich ja doch noch zu der Rede, die ich gestern abend nicht halten konnte.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Was hat Herr Mugdan am Freitag gesagt. und möchte er nun nicht getagt haben, wo der Abg. Sachse es ihm vorhält? Er sagte:.Wie die Sozialdemokratie es versteht, heute so und morgen anders zu sprechen, haben wir bei der Interpellation über die Krankenversicherung der Bergarbeiter gesehen. ES war sehr merkwürdig, daß sie dort nicht über die freie Arztwahl gesprochen haben, denn man hätte sonst für die freie Arztwahl sprechen müssen, da sie eine Hauptforderung der Bergarbe'«» ist." Was wissen Sie denn. Herr Mugdan! von der Hauptforderung der Berge arbeiter?(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Er sagte weiter: „Die Herren Sozialdrmokraten spielen ein falsches Spiel; toenn sie ehrlich die Anträge der Bergarbeiter vertreten wollten, hätten sie bei der Interpellation für die freie Arztwahl eintreten müssen. DaS wollten sie aber nicht, weil sie die freie Arztwahl gewöhnlich beschimpfen. Infolgedessen haben sie sie unter den Tisch fallen lassen; dann aber stellen sie sich vor die Bergarbeiter hin und sagen:.Wenn wir nicht wären, würden wir überhaupt nicht vor- wnrts kommen". Ich verlange von dem Abgeordneten Mugdan, daß er nachweist, wo wir die Forderung aus freie Arztwahl hier in, Reichstage haben fallen lassen. Ferner verlange ich von ihm den Nachweis, wo ich mich so verhalten habe, wie er es darstellt. Bei der Interpellation handelte eS sich nicht um die freie Arztwahl und Krankenversicherung, sondern um die Situation, die im Ruhurrevier durch das Z w a n g s st a t u t ge- schaffen war.(Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten.) Ich bitte die sämtlichen Herren Kollegen, die Reden der Herren Schiffer und Behrens nachzulesen, die dasselbe Thema behandelten. ob sie darin ein Wort über die freie Arztwahl finden. ES ist ganz falsch, zu sagen, daß die freie Arztwahl eine sozialdemo- tra tische Beraarbeiterforderuna ist. Schon bevor eine sozialdemo- ' kratifche Organisation bestand, sind Herren, die dem Zentrum an- gehören, für die freie Arztwahl der Bergarbeiter eingetreten, und haben schwere Kämpfe mit den Herren Kollegen des Abg Mugdan darüber ansgefochten. Die freie Arztwahl ist nicht eine sozialdemokratische Forderung, sondern sie ist eine Forderung der Bergarbeiter, welche alle Bergarbeiterorganisationen aufgestellt haben. Hätte es sich bei der Interpellation' um die freie Arztwahl gehandelt, so hätte Herr Mugdan seine Vorwürfe auch gegen dis Abgeordneten Schiffer und Behrens zu richten gehabt. welche kein Wort davon gesagt haben. Der einzige, der die freie Arztwahl überhaupt gestreift hat, bin ich gewesen, indem ich ausführte, daß wichtige Forderungen der Berg arbeiter, so die der freien Arztwahl, von ihnen im Interesse der Einigkeit zurückgestellt sei. Was ist denn überhaupt die freie Arzt- wähl bei den Kuoppschaftslassen? Ich konstatiere, daß eine ganze Menge Knappschaftsärzte, in Preußen allein über 1500, vielleicht sogar die Mehrheit, der Aerzleorganisation angehören. Professor L o b k e r, der aus den Aerztctage» da? große Wort führt und dort für die freie Arztwahl eintritt, ist einer der heftigsten Gegner der freien Arztioahl in den Knappschafts- lassen. Wenn ich Knappschaftsärzte um Gutachten für die freie Arztwahl anging, so wurde ich von ihnen gebeten, sie zu verschonen, weil sie davon große Unannehmlichkeiten hätten.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Möge Dr. Mugdan sich bei seinen Kollegen, den KnappschaftSärzten bemühen, daß auch sie für die freie Arztwahl eintreten. Geschähe daS, so wären wir schon weiter. Ich bin vollkommen mit seiner Anschauung über die freie Arztwahl einverstanden und ebenso mein Parteifreund Hoch, der ausdrücklich betont hat. daß eS falsch ist, zu sagen. daS Verhältnis zwischen de» Kasten und den Aerzlen sei etwa dasselbe, wie zwischen dem Fabrikherrn und den Arbeitern. Vielmehr haben die Kassen ein Interesse daran, die Aerzte nach jeder Richtung hin zu befriedigen, um einen Aerztestand zu haben, der seinem Beruf mit Lust und Freude nachgehen kann. Ausdrücklich hat auch Hoch zugegeben, daß Fehler auf beiden Seiten-gemacht find, daß die Frage bei vernünftigem Eutgegenkommen auf beiden Seiten gelöst werden muß. Dadurch, daß Mugdan in feiner Art und Weise die OrlSlaffenvorstände angreist, schadet er der freien Arztwahl mehr als irgend jemand in diesem Hause.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Zeigen Sie mir eine einzige BetriebSkranlenkafie, eine einzige KnnppschaftSkasse im Deutschen Reiche oder in Westfalen, wo die freie Arztwahl ein- geführt ist. Dort haben die Unternesimer die Herrschaft und dort wird die freie Arztwahl, welche die Arbeiter bean tragen. stetS abgelehnt. Der Verband der westfälischen BetriebSlrankenkassen, der sich vor zwei Jahren gebildet hat, hat sich in allerstriktefter Weise gegen die freie Arztwahl ausgesprochen und sie geradezu als den Ruin für die Kasten hingestellt. Wenn das, was Dr. Mugdan in dem neuen Kraiikeiikassengesetz anstrebt, Gesetz wird, wird eS mit der freien Arztwahl in den Ortölrankenkassen bald zn Ende sein.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Die„Arbeitgeberzeitung" chreibt sehr deutlich:„Wir wollen die Arbeiter nicht in ihren Rechten verlürzen, wir wollen nur, daß bei den Ortskrankenkassen das eingeführt wird, was bei den Betriebskranken- lassen bereits zu Recht besteht und sich als praktisch er- wieien hat." Das ist aber die Ausschließung der Arbeiter von der Verwaltung der Kassen. Freie Arztwahl besteht nur. wo die Arbeiter die Verwaltung der Kassen in Händen haben, und nun müsten wir es erleben, daß ein Führer der Aerzte. der doch wohl ür die freie Arztwahl eintreten will, Unternehinungen unterstützt, die. wenn sie praltisch werden, mit einem Schlage der gmizen freie» Arzt- wähl ein Ende machen müssen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir haben die Forderung der freien Arztwahl in vielen Fällen allen lasten müsten, weil die Unternehmer sie nicht wollten, nur um �u einer Einigung zu konnnen. Auch unser Initiativantrag über eine lieform des KnappschaftswesenS sieht die freie Arztwahl vor. Wir wollen also dasselbe, was der Abg. Mugdan will. Wie kommt er da dazu, hier derartiges vorzubringen? Wie will er beweisen, daß irgend einer von den Bergarberterführern die Forderung der reien Arztwahl hat fallen lasten, ja noch mehr, wie kann er beweise», daß wir anS demagogischen Neigungen hier daS nicht agen, was wir draußen sagen? Ich habe für die Forderung der reien Arztwahl schon Strafen erlitten, weil ich aufs chärsste das System der Zwangsärzte kritisiert habe. Ich bin für die freie Arztwahl schon eingetreten, als man an Mugdan noch gar nicht dachte. Ich erwarte, daß Herr Mugdan eine Behauptungen beweist oder zurücknimmt.(Beifall bei den Sozialdemolraten.) Abg. Dr. Mugdan(frf. Vp.): Es ist geradezu erstaunlich, wie die Herren Sozialdemokraten behaupten können, sie hätten dieselbe Resolution eingebracht, wie die Herren vom Zentrum und der Wirt- schaftlichen Vereinigung. Während die beiden letzten Parteien sich nach den Maßnahme» erkundigten, die die Regierung zu ergreife» gedenke, um die sich bei der Durchführung des KnappschaflSstatntS zerauSgestellten Schwierigkeiten zu beseitigen. interpellierte die Sozialdemokratie um die Vorlegung einer Novelle zum Krankenversicherungsgesetz. Wenn Sie(zu den Sozialdemo- kraten) diese Interpellation begründeten, mußten Sie auf die freie Arztwahl eingehen.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) DaS haben Sie aber nicht getan, sondern Sie haben stets nur ge- ägt, die Aeltesten hätten die so wichtige Forderung zurückgestellt. Im übrigen habe ich aus den vielen Worten des Abgeordneten Hue nur entnommen, daß ich recht gehabt habe und daß jetzt versucht wird, zu verschleiern, was ich gesagt babe.(Unruhe bei den Sozial- demokraten. Zurufe: S o p h i st e r« i I Sie haben Ihren Beruf e r f e h l t, Sie hätten Linksanwalt werden sollen!) Damit schließt die Debatte. Persönlich bemerkt Abg. Hue(Soz.): Der Abgeordnete Mugdan hat gesagt, ich hätte nur gesagt, die Aeltesten hätten diese wichtige Forderung zurückgezogen. Ich konstatiere, daß ich hinzugefügt habe: Zurückgestellt, um auf die von den Regierungsvertreter» gewünschte Einigung hinzuwirken.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Der Titel wird bewilligt. Beim Kapitel SchiffSvermessungSamt wünscht Abg. Dr. Delbrück(frs. Vp.) gleichmäßige Festsetzung der Tief- ladelinie durch eine Vereinbarung der verschiedenen Regierungen. Es folgt das Kapitel: Behörden für die Untersuchung on Seeunfällen. Abg. Dr. Heckscher(frs. Vp.): Herr Raab hat bei der ersten Lesung von dem Fall des Dampfers„Kongo" gesprochen. Dieser Dampfer gehört aber einer italienischen Gesellschaft und die deutschen Behörden sind nicht berechtigt, seeuntüchtige ausländische Schiffe der Ausfahrt zu verhindern. Ganz falsch ist eS. wenn Herr Raab behauptete, die SchiffahrtSgesellschafte» wängen die Kapitäne, bei Nebel auszufahren. So töricht t keine Gesellschaft. Erwünscht wäre eine internationale Ver« einbarung dahin, daß Wracks sofort in den Grund gebohrt werden. Unberechtigt ist das Sträuben der gewerkschaftlichen Vertretung der Seeleute und der Sozialdemokratie gegen die Beschäftigung von KuliS auf den Schiffen. Für gewisse Arbeiten sind' die Kulis sehr geeignet. Die Arbeitszeit der Stewards sollte Keffer geregelt werden.— Herr Hoch hat neulich meine Stellungnahme für dle Reeder dadurch von vornherein zu diskreditieren gesucht, daß er mir zurief:„Mich wundert daS nicht, jeder betätigt sich eben für die Leute, die ihn bez...., na. Sie wissen ja".(Widerspruch des Abg. Hoch.) Herr Hoch hat das im ftenographischea Bericht ausgestrichen, aber Tausende von Arbeitern haben eS doch gelesen. Ich weiß, worauf er diese Bc- merkung gestützt hat. AIS ich eine rein vermittelnde Tätig- keit zwischen den Hafenarbeitern und den Reedern ausübte, kam das Gerücht auf, iS fei von d-» Reedern bezahlt, und zwar wurde eZ von Sozialdemokraten aufgebracht. Das ist dieselbe Art des Kampfes, unter der ja die Herren von der äußerste!» Linken auch leiden. Selbstverstäiidlich sind die Reeder so anständig gewesen, es nicht zu wagen, mir für die ehrenamtliche Tätigkeit etwas anzubieten. Der ausgezeichnete Führer der Hafenarbeiter, Döring, hat übrigens so viel Pflichtgefühl gehabt, in einer öffent- lichen Versammlung der Schauerleute mit aller Schärfe diese, wie er sich ausdrückte, Verleumdung und gemeine Verdächtigung zurück- zuweisen. Wie kommt Herr Hoch dazu, diese Verleumdung hier im Reichstage wiederzugeben, was gibt ihm da? Recht, mit der Ehre eine? Kollegen ein derartig frevelhaftes Spiel zu treiben? Auch bei seinen Zahlenangaben hat der Abg. Hoch stark übertrieben; nicht 28 000 Verletzungen sind vorgekommen, sondern 15 000, nicht 7150 ist die Zahl der Todesfälle, sondern 2701. Dem harten Urteil des Abg. Hoch über die Seeberufsgenosienschaft halte ich die anerkennenden Urteile des Seemanns", des OrganS der sozialdemo- kratischen Seeleute gegenüber. Abg. Metzger(Soz.): Hat die Regiernng Kenntnis genommen von der Verhandlung, die vor dem Flensburger Seeamt im Mai 190S über die Brände, welche auf den Dampfern„Prima",„Tertia",„Vesta" und„Neptun" stattfanden? Auf allen vier Dampfern waren sämtlich rheinisch-west- fälische Kohlen geladen und auf allen vieren ist ungefähr gleichzeitig die Ladung in Brand geraten, wodurch die Mannschaften der Schiffe und die Schiffe selbst in große Gesohr gerieten. Alle vier Schiffe waren von der Hamburg— Amerika-Linie zum Dienst als russische Kohlenschlepper gechartert. Nach dem Urteil des Sachverständigen waren die Brände auf Sellistentzündimg der Kohlen zurückzuführen. Der Neichstommissar v. Treuenfcls äußerte, die Untersuchiiiig habe nichts davon ergeben, daß seitens der Mannschaft böswillig oder nachlässig gehandelt worden sei. Sehr bedauerlich sei es, daß er bei dem Kohlenshndikat auf Widerstand gestoßen sei, als es ihm darum zu tun war, festzustellen, aus welchen Zechen die Kohlen stammten (Hört I hörtl bei den Sozialdemokraten), und ob dieselben frisch gefördert oder längere Zeit gelagert gewesen seien. Hätte das Syndikat diese AnSkünfte nicht verweigert, so hätte fest- g e st e l l t werden löniten, wie die chemischen Eigen- I ch a s t e n der betreffende» Kohlen sind. Er glaube sagen z» können, daß durch die Berweigerung der Nanien der Zechen Mißtrauen gegen die we st fälische Kohle wach- gerufen werden lvürde. Das Seeaint bat er, in seinem Spruch auszuführen, daß sich die SchiffSoffiziere davon überzeugen sollen, von welchen Zechen die Kohlen im Raum der Schiffe stanunen. Wie viele Schiffe mögen sich unter den verschollenen mit Mann und Maus untergegangenen befinden, die Kohlenladungen gehabt haben und dann i» Brand geraten find und untergingen. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Spruch des See« amtS ging dahin, daß die Kohlenladungen durch Selbstentzündung in Brand geraten seien, im übrigen schloß sich das Seeaint den Ausführlmgen des NeichSkommisiarS an und wünschte ebenfalls eine Feststellung der Herkunft der Kohlenladungen. Doch konnte es fich nicht darüber äußern, durch welche Mittel eine solche HerkunftS- feststellung zu erzielen sei.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn daS Syndikat sich weigerte, anzugeben, woher die Kohlen loininen, so hätte wohl ausreichender Grund zu einer Anklage wegen fahrlässiger Brandstiftung vorgelegen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) DaS See- amt muß daS Recht und die Pflicht haben, von Amtswegen alle Mittel anzuwenden, um sestziistellen, Ivoher die Kohlen stammten. Nicht auf die Bequemlichkeit des Syndikats, sondern aus den Schutz gegen die Gefahren für Leben und Gesundheit der Schiffsmannschaft lommt eS an.(Sehr richtig! bei den Sozialdemolraten.) Weiter erinnere ich an die Resolution, welche der Reichstag am 26. Mai 1002 gefaßt bat:„Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Reichstage >nit tunlichster Beschleunigung und unter Berücksichtigung der praktischen Erfahrungen der Handelsmarine über Tiefgang und Ladelmie einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen die Frage einer behördlichen Aufsicht über Seetüchtigkeit. Tiefgang, Bemannung und Ver- proviantierung von Kauffahrteischiffen geregelt, für Abstellung etwaiger Mängel Sorge getragen und zu diesem Zwecke eine der Oberaufsicht des Reiches unterstellte Instanz bestimmt wird." Ich rage, welche Schritte die Regierung unternommen hat, um diesen, eiiytimmigen Wunsche des Reichstages Rechnung zu tragen I(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Gehcimrat v. JonquiireS: Der Frage der Entzündbarkeit der Kohlen auf Schiffen haben wir seit jeher unsere Aufmerksamkeit zugewandt. In dem von dem Herrn Vorredner erwähnten Falle hat das Seeamt entschieden, daß nach Lage der Verhältnisse es für die Aufdeckung der Ursachen der Entzündung nicht daraus ankommt, aus welcher Zeche die Kohlen her- tamme». ES handelte sich um Kohlen, die für den russisch- japa- nischen Krieg geliefert werden sollten und die Monate unterwegs waren, ohne daß Vorkehrungen getroffen werden konnten, um der Selbstentzündung vorzubeugen. Ich will ober hinzufügen, daß die Reichsverwaltung sich an dieser formalen Erledigung der Angelegenheit nicht hat genügen lassen, sondern versucht hat, außer- halb des Verfahrens vor dem Seeamte die Herkunft der Kohle bei dem Kohlensyndikat zu ermitteln. Das Kohlen syndikat hat eS für richtig gehalten, auf dieseFrage nicht zu antworten.(Lebhaftes Hört l hört I bei den Sozialdemo- kraten.) Ob man das billigt oder nicht, darüber habe ich etzt kein Urteil abzugeben. Wir haben die Kohlen nicht vom Kohlen- yndilat bezogen und haben deshalb leinen Einfluß auf die Stellung- nähme des Kohlensyndikats. Daß die. Verwaltung dieser ganzen ?rage der Herkunft der Kohlen nicht gleichgültig gegenübersteht, kann ich dadurck beweisen, daß schon vor 20 Jahren das ReichSamt dcS Innern eine besondere, noch heute als maßgebend anerkannte Broschüre auf Grund von Be- ratungen der Sachverständiqen darüber herausgegeben hat, wie die Steinkohlenlager auf Schiffen zu behandeln sind, in der auch aus alle die Gesichtspunkte hingewiesen ist, die für die Frage der Entzündlichkeit von Bedeutung ist. Es ist dort auch empfohlen worden, soweit möglich im einzelnen Falle die Herkunft der Kohle festzustellen. denn eS ist bekannt, daß ge- wisse englische Kohlen besonders zur Endzündlich- keit neigen. Was die zweite Frage deS Borredners an- betrifft, so kann ich nur sagen, daß die verbündeten Regierungen offenbar die Errichtung eines ReichsschiffahrtsamteS noch nicht zur Entscheidung für reif gehalten haben, jedenfalls nicht im positiven Sinne. Im übrigen möchte ich Herrn Heckscher meinen besonderen Dank aussprechen für sein Ein- treten für die Seeberufsgenossenschaften, die ihren Aufgaben aufs beste gerecht geworden sind. Wenn insbesondere Herr Karl Ferdinand Leis hier angegriffen worden ist, im Anschluß an eine Verhandlung, die fich zum großen Leidwesen der Regierung hier abgespielt hat, so kann ich konstatieren, daß die Ehre dieses Verstorbenen von der Reichsregierung ebenso hoch gehalten wird, wie von allen, die seine Verdienste zu schätzen wissen. Im Namen '-er Reichsregierung danke ich Herrn Heck scher. aß er Gelegenheit genommen hat. für diesen „ervorragenden Mann eine Lanze einzulegen. (Bravo! rechlS.) Abg. Hoormann(frs. Vp.) polemisiert gegen die AliSführnngen deS Abg. Raab, der die Lage der Schiffsarbciter als erbärmlich ge- schildert habe, ohne Beweise dafür zu erbringen. Abg. Raab(wirlsch. Vg.j: Unter der Aufdeckung von Miß- tänden kann die Schiffahrt nicht leiden, sondern nur Vorteil von ihr haben. Herrn Hoormann erwidere ich. daß die Hamburg— Amerika-Linie drauf und dran ist. die Selbstversicherung auf- zuheben. Herrn H e ck s ch e r gegenüber betone ich, daß das Schiff„Eongo" bis zuletzt ein deutsches Scbiff war.. Aber abgesehen davon. welche Flagge eS führen dürfte, war seine Seeuntüchtigkeit in Hamburg be» kann i; es ist trotzdem aus dem Hofen heraus- gelassen worden. Ich konstatiere, dast in England kein see- nntiichtigeZ Schiff aus einem Hafen herauskommt. Bei uns ist die Aufficht über diese Dinge der Seeberufsgenossenschaft übertragen, die nur berechtigt ist. die Schiffe zu überwachen, die in ihr Kataster eingetrogen sind. Daher brauchen wir ein N e i ch s s ch i f f a h r t s- a m t. Mit diesem können solche Unfälle vermieden werden auch ohne internationale Vereinbarungen. Auch die zu geringe Be- mannung der Schiffe wäre von diesem Amte zu kontrollieren. Abg. Dr. Semler(natl.) polemisiert gegen den Abg. Raab, dessen einseitige Ausführungen der Schiffahrt nur schaden konnte». Abg. Schmarl; m e n. � Es folgen persönliche Bemerkungen. Abg. Hoch: Durch den Schluhantrag, für den auch Herr Heckscher gestimmt hat, ist eS mir unmöglich gemacht, auf seine An- griffe ausführlich zu antworten. Ich kann daher nur auf sie ein- gehen, soweit es mir im Rahmen einer persönlichen Bemerkung möglich ist. Herr Heckscher hat behauptet, ich hätte in bezug auf rhu aus- geführt:„Jeder betätige sich für die Leute, die ihn bez.. also bezahlen. Das ist nicht richtig. Ich habe hier daS unveränderte Stenogramm, daraus ergibt sich, dah ich genau wie es im gedruckten Bericht steht, von Bezahlung kein Wort gesagt habe. Ich kann mich aber auch auf Herrn Heckscher selbst beziehen. Als ich meine Ausführungen niachte, stand er dicht vor mir und hörte genau zu. Er hat dann später in einer persönlichen Bemerkung das Wort ergriffen und hat das, was er aus meiner Rede für unberechtigt hielt, sofort zurückgewiesen. Hätte er irgend etwas von diesem Ausfall gehört, so hätte er sich selbstverständlich auch dagegen gewandt. Also er selbst, der hier zugegen war. hat eS nicht gehört.(Präsident Graf S t o l b e r g: Das ist nicht persönlich I)— Meinen Vorwurf gegen den Direktor im ReichsversicherungSamt Kaufmann habe ich einzig und allein darauf begründet, dah Herr Direktor Kaufmann sich berufen gefühlt hat, die Tätigkeit der Berufsgenossenschaft über olles Mah zu loben im Gegensatz zu dem Urteil, dah die Arbeiter über diese Berufsgenossenschaft und ihre Arbeiter- feindlichkeit haben.— Herr Dr. H e ck s ch e r �hat dann meine Zahlen über die borgekommenen Unfälle bemängelt. Ich habe aber ausdrücklich erwähnt, dah die Zahlen zitiert sind nach den Angaben des Berichterstatters, der i>n Jahre 1906 auf dem Schutzkongreh aller an der Seeschiffahrt beteiligten Arbeiter referiert bar. Wenn schliehlich Herr v. Jonquisres behauptet hat. ich hätte die Vorwürfe, die ich gegen Herrn Laeis erhoben hätte, als etwas ganz Neues hingestellt, so habe ich ausdrücklich darauf hingewiesen, dah diese Vorwürfe bereits vor vielen Jahren erhoben worden sind. Damals hat sich kein Herr von JonquiöreS ge- funden, der es gewagt hat, diese Handlungen mit einem Wort zu verteidigen.(Sehr gut l bei den Sozial- demokraten.) Abg. Metzger(Soz.): Ich muh mich im Rahmen einer persönlichen Bemerkung darauf beschränken, dem Geheimrat v. JonquiöreS zu erwidern, dah ich von der Regierung keineswegs verlangt habe, dah sie die Herkunft aller Kohlen ermitteln solle, die auf einem Schiff verladen werden, sondern dah ich nur den Wunsch des Seeamtes hier vorgebracht habe, dah vor Anttitt einer langen Seereise jedesmal kontrolliert werde, aus welcher Grube die Kohlen stammen. Im übrigen muh ich mir eine ausführliche Antwort für einen Fall vor« behalten, wo uns nicht durch den Debatteschluh die sachliche Erwiderung unmöglich gemacht wird.(Sehr gut! bei den Sozial« deinokraten.) Abg. Dr. Heckschcr(frs. Vg.): Der Mg. Hoch hat sich auf mein eigenes' Zeugnis berufen. Ich habe perlönlich gehört, wie der Kollege Hoch mir gegenüber eme Bemerkung inachte, mit einer Silbe anfing, das Wort aber nicht aussprach. Diese Silbe habe ich nicht verstanden. Am nächsten Tage fand ich dann im„Vorwärts" und im»Hamburger Echo" die Behauptung, ich sei von den Reedern bez... also bezahlt. Nach dem stenographischen Bericht hat der Abgeordnete Hoch gesagt:„Jeder betätigt sich für diejenigen Leute... na, Sie wissen ja wohl?" Was versteht der Abg. Hoch unter diesen Worten, was hat er damit sagen wollen? Im übrigen wäre es eine Ehrenpflicht gewesen, den ihm nahestehenden Zeitungen Berich- tigungen zuzusenden. Denn es ist doch beileibe keine Kleinigkeit, wenn einem Abgeordneten hier von der Tribüne aus gesagt wird, er sei bezahlt.(Sehr wahr! bei den Freisinnigen.) Mg. Hoch(Soz.): Herr Dr. Heckscher hat wiederum behaupket ich hätte irgend etwas im Stenogramm geändert.(Widerspruch bei den Freisinnigen.) Er hat behauptet, er hätte eine angefangene Silbe gehört. In dem Stenogramm ist diese Silbe nicht, und es ist ein- fach nicht wahr, dass ich sie ausgesprochen habe. Für das, was ich gesagt habe, stehe ich ein. Ich habe keinen Grund, mir gefallen zu lassen, dost man mich für etwas zur Veranrwortung ziehen will, was ich nicht gesagt habe. iSehr wahr! b. d. Sozialdemokr.) Herr Heckscher aber bat behauplet, daß ich mein Stenogramm geändert hätte, ohne sich von der Wahrheit der Behanprung zu Überzeugen. Von dem, was ich gesagt babe, habe ich keine Veranlassung, etwas zurück- zunehmen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Nach weiteren persönlichen Bemerkungen der Abgeordneten Raab(Wirlsch. Vg), S e m l e r(natl.) und H o o r m a n n(frs. Vp.) vertagt das Haus die Weiterberatung auf heute.abend 8 Uhr. Schluß ß8/4 Uhr. #* Abendsitzung. Am BundcSratStisch: v. Bethmann-Hollweg. Die Beratung des Etats für das Reichsamt des Innern wird fortgesetzt beim Kapitel„Statistisches Amt". Abg. Wiedeberg(Z.) fragt an, wieweit die Erhebungen über die Arbeitsverhältnisse in den Walz- und Hüttenwerken gediehen sind. Abg. Graf v. Schwerin-Löwitz(k.) begründet die Resolution der Konservativen: die Viehpreise nach Lebendgewicht auf den Märkten genauer festzustellen. Abg. Wachhorst de Wente(natl.) stimmt dem Antrage zu. Abg. Brey(Soz.): Ich lenke die Aufmerksamkeit auf die Tausende von Arbeitern und Arbeiterinnen, die in der chemischen Industrie beschäftigt uno durch die Explosionen großen Gefahren ausgesetzt sind. Bis jetzt sind Erhebungen hierüber nicht angestellt; aber Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind über die Notwendigkeit solcher Erhebungen einig. Die Arbeiterorganisationen werden solche Erhebungen, wenn sie vorgenommen werden, sehr gern unterstützen. Aber auch die Unternehmervereinigung hat in Lübeck im vorigen Jahre beschlossen, ein technisches Institut zu schaffen, das bei der Erforschung der Gefahren in der chemischen Industrie tätig sein sollte. Seine erste Aufgabe sollte Untersuchung zur Förderung der Erkenntnis der in den chemischen Fabriken vorhandenen Gefahren sein. Ferner sollen hygienische Vorträge für diejenigen gehalten werden, die sich der staatlichen Fabrikinspektion oder Berussgenossenschaften widmen wollen. Die Unternehmer erkennen also die Notwendigkeit solcher Erhebungen an und haben dem Institut in Frankfurt a. M. eine Subvention versprochen. Aber solch Institut darf nicht allein in der Hand der Unternehmer liegen; denn� bei den Unternehmern gilt nicht der Satz: Gleiches Recht für alle;(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten) sie selbst organisieren sich, aber dem Arbeiter rechnen sie es zur Schande an, wenn er sich organi- sieren will. Die Arbeiterorganisationen würden daher, wenn das Institut allein in den Händen der Unternehmer bleibt, bei den Erhebungen nicht mitwirken können; tatsächlich ist auch das An- erbieten der Arbeiterorganisationen zur freiwilligen Mitarbeit abgelehnt worden!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dabei liegt ein außerordentlich reiches Material vor, aus dem hervorgeht, wie notwendig solche Erhebungen gerade in der chemischen Industrie sind, um den großen Gefahren in den ver- schiedenen Betrieben wirksam entgegentreten zu können. Redner schildert den Verlauf von Erkrankungen, von denen Arbeiter zufolge ihrer Beschäftigung in chemischen Fabriken be- troffen werden. . Vizepräsident Kaempf: DaS gehört nicht zum statistischen Amt. Abg. Brey(Soz.): Ich habe versucht, auf Grund ärztlichen Urteils die Gefährlichkeit solcher Erkrankungen zu schildern, und ich bin der Anschauung, dah von selten des Reiches dafür gesorgt werden mutz, daß Erhebungen hierüber angestellt werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) 'Vizepräsident Kaempf: Ich bitte, zu dem Kapitel Statt» sches Amt zu sprechen. Abg. Brey(Soz.): AuS den angeführten Gründen, denen ich noch einiges Material zufügen köttsite(lebh. Bravo! b. d. Soz.). komme icfi zu der Schlußfolgerung, daß es zu den Aufgaben des Beirats für Arbeiterstatistik gehört, die Gefahren, die dieses Gebiet für Leben und Gesundheit der Arbeiter birgt, zu er- forschen.(Lebh. Sehr richtig! b. d. Soz.) Das scheint um so notwendiger, als in den Chromatfabriken z. B., in denen die Gefahren ganz ungeheure sind, die Schutzbestimmungen zum Stillstand gekommen sind. Der Chromstaub, der in die Nase kommt, richtet, wie die Fabrikinspektoren selbst festgestellt haben, böse Verheerungen an. Einer der Herren hat freilich gemeint, eS gehe für die Arbeiter kein Nachteil daraus hervor, wenn ihnen durch den Ehromatstaub die Nasenscheidewand hinweggeätzt wird. (Hört! Hört! bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Kaempf: Ich bitte, zur Sache zu reden,(lln- ruhe bei den Sozialdemokraten.) Abg. Brey(Soz.): Ich bcdaure, daß eS mir nicht möglich ist, an der Hanld des vorliegenden Materials auf die ganze Schwere der Gefahren und auf die Verschlechterung aufmerksam zu machen, welch« die neue liberale Aera gebracht hat.(Bravo! bei den Sozial- demokraten.) DaS soll mich nickst abhalten, den Wunsch nach Er- Hebungen auszusprechen, damit der Schaden, der durch die Ver- schlechterung angerichtet ist, wieder gut gemacht werden kann.(Leb- Haftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Fischbeck(frs. Vp.) betont, daß die Schweincprcise tn der letzten Zeit in Berlin erheblich gesunken seien. Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg: Den Abg. Brey möchte ich bitten, Loch nicht von vornherein ein Institut mit Mißtrauen zu betrachten, dessen Begründung ich mit Freude begrüßt habe, weil ein solches Institut bisher gefehlt hat.(Zuruf b. d. Soz.: Es ist einseitig!) Das sagen Sie immer. Glauben Sie doch nicht immer, daß wir die schlechtesten Menschen sind, und sagen Sie nicht von vornherein: was herauskommen wird, muß schlecht und einseitig im Interesse der Unternehmer sein.(Lebh. Beif. b. d. Mehrheit, Zurufe b. d. Soz.) Abg. Dr. Potthofs(frs. Vg.) beschwert sich über; die mangcl- hafte nationalökonomische Vorbildung der Beamten des Statistischen Amtes. Abfl. Keller(wildlib.) tritt für die Resolution des Grafen Schwerin ein. Mg. Legien(Soz.): Die Arbeiten des Statistischen Amts verdienen Anerkennung, doch könnten sie noch bedeutend verbessert werden, wenn behufs der Arbeitsloscnzählung das Statistische Amt mit den Gcwerk- schatten mehr Hand in Hand arbeitete. Auch bei der Streik- statistik des Statistischen Amts arbeiten die Gewerkschaften nicht mit; denn die Streikstatistik ist eingeführt unmittelbar nach dem Fall des Zuchthausgcsetzes. Das allein mußte schon den Verdacht erwecken, daß die Statistik gegen die Arbeiterorganisationen ver- wendet werden sollte. Verstärkt wurde diese Empfindung durch ein Reihe von Fragen auf dem Fragebogen, die mit den Streiks nichts zu tun haben. Natürlich haben die Gewerkschaften kein Interesse daran, Material zu einem neuen ZuchthauSgesetz herbeizuschaffen. Weil aber eine Arbeiterstatistik ohne die Mit- Wirkung der Arbeiterorganisationen nicht möglich ist, taugt die Streikstatistik nichts. DaS Statistische Amt holt seine Auskünfte von dem Polizeibeamten, der den Gewertschaftslsiter viel- leicht eben verhaftet hat! Mit denen zusammen zu arbeiten, er- laubt dem Arbeiter sein« Ehre nicht.(Unruhe rechts.) Sie kennen den Arbeiterstolz nicht. Wir ernähren uns mit unserer Hände Arbeit und haben uns mühsam emporgearbeitet.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wir haben in den Abend- und Nachtstunden mühsam angefangen uns zu bilden; Ihnen dagegen ist alles zu- geflogen, und die geistigen Kräfte möchte ich nicht miteinander vergleichen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Die Ehre, die der Arbeiter hat, tauscht er mit der Ihrigen nicht ein.(Abg. v. O e r tz e u: Unverschämtheit! Unruhe bei den Sozialdemokraten.). Daß unier jenen Ilmständen die Streikstatistik nicht gut werdttt kann, ist selbstverständlich. Das Statistische Amt hat jetzt die An- gaben über die territoriale Verteilung, über Beginn und Ende der Streiks fortfallen lassen und dadurch�den Gewerkschaften die Nach» Prüfung der Angaben der amtlichen Streikstatistik erschwert. Gleich» wohl wurden in'diesem Jahr nicht weniger als 257 Streiks von der. Genernlkommission als fehlend ermittelt.(Hort, hört! bei den Sozialdemokraten.) DaS ist die Folge davon, daß durch die Frage nach dem Kontraktbruch die Streikstatistik zu einer Kriminal- statistik wird.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Fest» stellungen der Ecneralkommission über die Mängel der Streik- statistik im„Correspondenzblatt" werden im Statistischen Amt und im Reichsamt des Innern ganz genau gelesen. Außerdem haben wir von der Generalkommission eine ausführliche Eingabe über die Reform der Streikstatistik im Jahre 1904 an das Reichsamt des Innern gerichtet. Vor einiger Jeit erhielt ich die Antwort, daß die Erwägungen noch nicht abgeschlossen seien.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In allen ausländischen Ministerien liest man unser Korrespondenzblatt ganz genau. Ist es der Regierung an- genehm, daß man in den ausländischen Arbeitsämtern ständig er- fährt, daß eine der wichtigsten Statistiken— dafür hält man die Streikstatistil wenigstens im Auslande— in Deutschland durchaus unzulänglich und falsch ist? Ich möchte also an den Staats- sekretär die Frage richten, wie weit die Erwägungen über die Reform der Streikstatistik gediehen sind?(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten. Zuruf: Die schweben noch!) Präsident Graf Stolberg: Während der Ausführungen des Vorredners ist das Wort„Unverschämtheit!" gefallen Ich hatte es überhört.(Zuruf: Verschlafen! Abg. v. Oertzcn ruft: Ich habe das gesagt!) Wenn Sic sich dazu bekennen, rufe ich Sie zur Ordnung.(Heiterkeit.) Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg: Die Gewerkschaften ihrer- seitS wären wohl auch nicht in der Lage, eine vollständige Streik- statistik zu schassen. Die Frage nach dem Kontraktbruch kann nur von einem mangelnden Rechtsgefühl bemängelt werden; sie gehört zu einer wissenschaftlichen Erforschung des Streiks. Mit der Eingabe der Generalkommission, so heifit sie ja wohl(Heiterkeit), habe ich mich noch nicht beschäftigen können, wie mit anderen Fragen meines Ressorts auch.(Zuruf: Das merkt man!) Ich nehme aber gern alle Vorschläge entgegen, die zu einer wirklichen Verbesserung der jetzt mangelhaften Streikstatistik führen können. Abg. Kobelt(wildlib.)(Fleischermeister aus Magdeburg) er- geht sich, von beständigen HeitcrkcitsauSbrüchen des Hauses unter- brachen, in Schilderungen des ehrsamen Lebens der ehrsamen Fleischcrmeister und bekämpft dieMefolution deö Grafen Schwerin. Damit schließt die Diskussion. Abg. Brey(Soz.)(persönlich): Dem chemisch-technischen In» stitut in Frankfurt a. M. habe ich nicht Einseitigkeit vorgeworfen, sondern ich habe die Einseitigkeit der Organisation als nicht zweck- entsprechend getadelt. Abg. v. Oertzen(Rp.)(persönlich): Der Abgeordnete Legien sagte, die Arbeiter hätten eine bessere Ehre als wir zu habere glauben; darin liegt ein Zweifel, gegen den der von mir gebrauchte Zwischenruf der mildeste Ausdruck war, der mir gerade einfiel. Abg. Legien(persönlich): Meine Bemcrkpng hatte ihren Grund darin, daß, als ich von der Arbeiterehre sprach, die Herren von der Rechten lachten.(Widerspruch rechts. Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es liegt mir fern, der Ehre der Herren persönlich zu nahe zu treten, doch wird Herr v. Oertzen mir zugeben, daß viele dier Herren— natürlich nicht der Herren im Hause(Heiterkeit)— eine Ehre zu haben glauben, die sie nicht besitzen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der Staatssekretär fragte, ob ich glaube, daß die GeWerk- schaften eine vollständige Streikstatistik machen können. Nein, das können sie allein so wenig wie das Statistische Amt; beide müssen zusammen arbeiten. Der Titel wird bewilligt. Die Resolution des Zentrums auf Erhebungen über die Arbeits- Verhältnisse in den Walz- und Hüttenwerken wird ange» n o m m e n, desgleichen die Resolution Schwerin. Debattelos werden einige weitere Titel bewilligt. Daraul vertagt das Haus die Weiterberatung auf Freitag 1 Uhr. Schluß 11 Uhr. • Berichtigiyr». Im gestrigen Bericht ist bei der Wiedergabe de» Ergebnisses der Abstimmungen über die Resolutionen zum EtatdeSReichSamtsdesJnnernein Irrtum untergelaufen; die sozialdemokratische Resolution, die Maßnahmen zum Schutze der in Walz- und Hüttenwerken und in Metallschleifereien beschäftigten Arbeiter verlangt, ist nicht abgelehnt, sondern angenommen worden. Dagegen ist abgelehnt worden der Abs. 3 in der sozialdemokratischen Resolution auf Schutzvorrichtungen in den Glashütten. Absatz 3 forderte den Achtstundentag und das Verbot der Nachtarbeit an den Glasöfen behufs Verarbeitung der Glasmasse und wollte an den Strecköfen das Strecken verboten wissen. SUu»eMriIra vor der Kudgclkommission. (Sitzung vom 12. März.) Zu den Einnahmen aus Steuern regt Erzberger die Ein» führung einer Einkommensteuer an. Dernburg bemerkt, der Gouverneur habe ihm bestätigt, daß kapitalkräftige Leute in der Kolonie sitzen, welche zu Steuern herangezogen werden sollen. Sobald er in diesem Jahre in Südwestafrika gewesen sei, werde er neue Einnahmequellen zu eröffnen suchen. Die Einführung eineS Kupferausfuhrzolles erscheint jetzt nicht angebracht. Die Eisenbahneinnahmen belaufen sich auf 1 290 000 M. Auf Anregung Dernburgs werden 400 000 M. mehr eingestellt. Bei Kapitel 1 der Ausgaben nimmt Ledcvour das Wort, um S e m l e r aus seiner Broschüre nachzuweisen, daß er für die Eroberung des Ovambolandes Stimmung macht und wenn die Unterwerfung der� OvamboS auch zunächst durch Um- klammerung mit Eisenbahnen gedacht ist, bleibt doch naturgemäß die' Gewalt nicht aus. Erzberger bringt bei den Ausgaben für die I u st i z v e r w a l» t u n g eine Menge Beschwerden über M i ß st ä n d e im I u st i z- Wesen. Das Recht sei weder im Zivil-, noch im Strafprozeß gesichert. Die Beisitzer seien abhängige Leute. Erzberger verlangt eine dritte Instanz in Deutschland, die etwa die Funktion eines Be- rnfungsgerichtS hat, damit sie auch Tatsachen nachzuprüfen in der Lage ist. Die Zahl der Prozesse sei außerordentlich hoch; bei 5000 Weißen kommen jährlich 3000 Strafprzesse vor. Redner bringt dann einen geradozu unglaublichen Justizsall zur Sprache, in welchem ein Mann wegen Dieb st ahls angeklagt lourde, weil er Wasser aus e i n e r T o n n e im G o u v ernementS- garten genommen und Holz usw. genommen, daS er im fiskalischen Interesse verwendete. Dernburg gibt zu, daß schwere Mißstände im kolonialen Justiz- wesen bestehen, er gedenkt ans gesetzlichem Wege eine dritte Instanz für die Kolonialprozesse in Deutschland zu schaffen. Auch die von Erzberger angeführten Fälle gibt er zu und entschuldigt sie damit, daß es bisher noch nicht möglich war, Ordnung in das Justizwesen zu briiiaen. lieber die Polizeiorganisation beurcrkt Dernburg. daß die Polizeitruppe in diesem Jahre auf 7 20 Ma.nn gebracht iverden müsse, wenn die Schutztruppe um lOOO Mann vennmdert■ werden soll. Es müsse aber Vorsicht mit der Hinaussendung von Unteroffizieren und deutschen Schutzleuten geübt werden. Es fehle an geeigneten Leuten. Bei mehreren Punkten erfolgen Mstriche. Die Kommisston geht nun zur Beratung der Militärverwaltung über. Hier kommen in Abzug die Kosten für die 1000 Mann, welche im Laufe des Jahres 1908 zurückgezogen werden sollen. Der Referent S e m l e r beantragt daher eine Menge Abstriche, die zu- sammen die Summe von rund 1300000 M. ausmachen. Semler Aenderung des§ 35 Abs. 2 der Gewerbeordnung wurde einstimmig angenommen. glaubt nicht, daß noch Aufstandsgefahren in der Kolonie bestehen, es I turde, wieder gemäß der Regierungsvorlage auf die Frist vom 1. März dem die Arbeiter aus der Gemeinschaft mit den Demokraten sich feien sehr viel Neger abgeschossen" worden und viele andere find bis 15. September beschränkt. Zur Belohnung für dieses Entgegen befreit und als sozialdemokratische Partei auf eigene Füße gestellt Von 16 Organisationen waren 28 Delegierte entsandt fonst umgekommen. Deshalb lasse sich die Schutztruppe vermindern. fommen verkündete die Regierung ihre Bereitwilligkeit, alsbald ein haben. Redner empfiehlt dann Eisenbahnkompagnien und plädiert sehr leb- Gefetz vorzulegen, durch welches die Jagd auf Lerchen ver- worden. Der Parteitag behandelte verschiedene wichtige Beschlüsse. haft für Eisenbahnbauten. boten wird. Ein Antrag Behrens, welcher das Feilbieten und So beschloß er die Aufstellung der Forderung nach Einführung der Nach längerer Debatte, in der Erzberger die Notwendigkeit von Verkaufen des Vogelleims und der Schlingen zum Zwecke des Proportionalwahl für die Behörden in der Gemeinde, im Bezirk 3000 Mann Schuztruppe bestreitet und Ledebour entschieden weitere Vogelfanges gesetzlich verbieten will, wurde abgelehnt gegen und im Kanton. Die Besoldungsvorlage, die in der Hauptsache Verminderung der Schußtruppen fordert; bei den höchstens die Stimmen der beiden Sozialdemokraten, des Abg. v. Treuenfels nur die höheren Beamten berücksichtigt und sonstige starke Mängel Die Bestimmung zur entsprechenden aufweist, lehnte er ab. Für die Regierungsratswahl wurde die 55 000 Menschen in der Kolonie seien viel zu viel Soldaten dort. und des Antragstellers. Jezt vertröste man auf den Bahnbau; wenn die Bahn fertig ist, Stimme freigegeben. Für die Kantonsratswahlen sollen wo möglich in allen Wahlkreisen eigene Kandidaten aufgestellt werden. Als wird man sagen, man braucht die Soldaten zum Schuße der Bahn, - während Oberstleutnant Quade die Lage als nicht unKandidat für die im Herbst stattfindenden Nationalratswahlen gefährlich hinzustellen sucht; erst gestern abend sei ein Telegramm wurde Genosse Senn, Sefretir des Textilarbeiterverbandes, aufeingegangen, das von einem Gefecht mit 70 Hottentotten gestellt. Ein Antrag auf fortschrittliche Revision des Volksschulberichtet und Dernburg erklärt, daß die Verminderung der gesetzes fand einstimmige Annahme. Der„ Grütlianer"( Zürich) und die„ Thurgauer Post"( Stopfblatt der Winterthurer ArbeiterTruppe nicht als Kompensationsobjekt für Eisenbahnen dienen soll, wird der Etatsboranschlag einstimmig abgelehnt, der Beitung") wurden als Publikationsorgane der Partei erklärt. Dem Parteitag ging eine Delegiertenversammlung der ThurAntrag Semler, die Ausgaben für die Militärverwaltung unter Bugrundelegung einer Schutztruppenstärke von 3000 Mann zu gauischen Gewerkschaften voraus, die einen kantonalen Sekretariatsberband gründeten, dem sich 1862 Mitglieder angeschlossen haben bemessen, gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und dessen Aufgabe es ist, ein fantonales Arbeitersekretariat zu er angenommen. richten. Dem Abgeordneten Pauli gelang es nicht, für den Handel mit dressierten Gimpein eine Ausnahme zu konstruieren; auch wurde sein Antrag abgelehnt, welcher eine besondere Behandlung der Fälle bezweckte, bei welchen Vögel durch einen Unfall( Leuchttürme, elektrische Drahtleitungen usw.) zu Schaden kommen. Die Regierung schlug als Termin für das Inkrafttreten des Die Kommission beschloß, die Gesezes den 1. Oftober d. 3. vor. Fristbestimmung dem Plenum in der zweiten Lesung zu überlassen. Einlauf. Erzberger ersucht noch um Begnadigung bon ber Jm Reichstage gingen ein: urteilten Soldaten; es feien schwere Berurteilungen erfolgt, Resolution Dr. Röside und Genossen( f.) zum Etat so wegen Achtungsverlegung zu 10 Jahren Gefängnis! Nachdem des Innern auf Erlaß einer Bundesratsverordnung betreffend davon zwei Jahre verbügt sind, könnte doch Begnadigung eintreten. den andel mit Essig und Eifigessenz. Dernburg sagt Erwägung zu. Vereinbarung zwischen dem Reich und der Schweiz betreffend Bei verschiedenen Titeln werden noch 800 000 m. abgestrichen. Verlegung der badisch schweizertschen LandesDer Militäretat für Südwestafrika, der rund 25 Millionen Mark grenze bei Leopoldshöhe und Entwurf eines Gesetzes über erforderte, dürfte sich nach den Abstrichen auf 22 Millionen Mart bie Verlegung der deutsch schweizerischen Grenze reduzieren. bei Leopoldshöhe. Morgen soll der Etat zum Abschluß kommen. Parlamentarifches. 0 Aus der Partei. Die Mary- Nummer der Neuen Zeit". Aus Induftrie und Handel. Wertzuwachssteuer. Die Besteuerung des Wertzuwachses durch die Kommunen findet immer größeren Antlang. Nunmehr hat auch das Stadtverordneten tollegium in Halle die Einführung der Wertzuwachssteuer bes schlossen und zwar mit der großen Majorität von 43 gegen 6 Stimmen. Die Steuer erhält für bebaute Grundstücke auf zehn Jahre, für unbebaute anf 20 Jahre rückwirfendr Kraft. In die Stenerordnung wurde auch die Bestimmung aufgenommen, daß Die soeben erschienene Nr. 24 der, Neuen Zeit ist unserem bei einem Ertrag von 300 000 m. die Umsatzsteuer um ½ Proz., bei In den meisten Steuerordnungen werden für den bebauten Altmeister gewidmet. Sie enthält an Artikeln, die das wirken und 500 000 M. Ertrag um 1 Proz. herabgefezt wird. die Lehren des großen Toten behandeln: Karl Marg zum Gedächtnis. Henriette Roland- Grundbesig gewisse Erleichterungen und Abschwächungen der Steuer vorgesehen. Holst, Marg und das Proletariat in der bürgerlichen Revolution. Nach zweitägiger Debatte hat sich auch die Vertretung der Stadt Barvus, Karl Marg und sein politischer Gesichtspunkt. Th. Wien für Einführung der Steuer erklärt. Rothstein( London), Verkünder des Klassenkampfes vor Marg. ชน Starl Kautsky, Mary als Verfechter der Sklaverei. Auch im Feuilleton der Nummer wird dem großen Vorkämpfer Die Bichseuchenkommission, die nunmehr wöchentlich zwei Sigungen abhält, hat in den beiden voraufgegangenen Sigungen sehr wichtige Beschlüsse gefaßt. Von sozialdemokratischer Seite ist mit Entschiedenheit dagegen angekämpft worden, worden, daß solche Kautschutbestimmungen in das Gesetz aufgenommen werden, wonach giftfangende Gegenstände von der Einfuhr ausgeschlossen werden sollen. Mindestens, so wurde verlangt, solle angegeben werden, was eigentlich unter giftfangenden Gegenständen 3u ber stehen sei. Von polnischer Seite wurde betont, daß mit Westfälischer Elektrizitätsverband. Hülfe dieses Gesetzes die Erleichterungen beseitigt Das geplante Unternehmen, das dem Plane zugrunde lag, die werden können, deren sich die Grenzbevölkerung heute noch erfreut. Dann drehte sich die Debatte wieder um gehuldigt. Franz Mehring zeigt in einer Abhandlung Karl Monopolbestrebungen der Thyssen und Stinnes zu durchkreuzen das zu befürchtende Verbot der Einfuhr von Fellen, Marg und das Gleichnis" die Kraft und Plastik des Marr- durch Schaffung eines Verbandes kommunaler Elektrizitätswerke, ist twobei von der Regierung erklärt wurde, daß man allerdings nicht schen Stils. Das Gleichnis, wie Marg es handhabt, ist die finn- nunmehr als ein Kompromiß zwischen beiden Bestrebungen zustande jede einzelne Haut darauf untersuchen könne, ob sie mit Bazillen liche Mutter des Gedankens, der von ihr den lebendigen Ddem gekommen. Beteiligt sind die folgenden Großunternehmer: Dorts mund 1350000 M., Elektrizitätswerk Westfalen in Bochum 600 000 M., behaftet sei und daß die Einfuhr nur dann verboten werden soll, empfängt." wenn besondere Umstände vorliegen, die den Seuchenverdacht recht- Der Titel des Kautskyschen Auffages Marg als Ber- reis Hörde 450 000 M., Rheinisch- Westfälisches Elektrizitätswert fertigen. Der fozialdemokratische Redner wies darauf hin, daß man fechter der Stlaberei" flingt frappierend. Leider aber gibt( Stinnes- Thyssen) 300000 M., Harpener Bergbaugesellschaft 300 000 m., einer Regierung, die sich von agrarischen Einflüssen nicht frei halten es Leute, die sich Sozialdemokraten nennen und denen die Behaup- Elektrizitätswerk wird die Zentrale Wiendahlsbank des RheinischGelsenkirchener Bergwerksgesellschaft 300 000 m. tönne, derart weitgehende Befugnisse unter keinen Umständen zugestehen dürfe, sonst fönne man den Erlaß der Ausführungsbestimmungen tung, Marg sei ein Verfechter der Sklaverei gewesen, gar nicht un- Westfälischen Elektrizitätswertes übernommen. Die Aftionäre find auch gleich dem Bund der Landwirte übertragen. Ein freisinniger geheuerlich erscheint. Genosse Kautsky sieht sich am Vorabend des zur Abnahme von 1 Million Kilowatt auf 10 Anteile als PflichtRedner findet, daß die Ansichten der Sozialdemokraten allerdings be- 25. Todestages von Karl Marg gezwungen, in seinem Artikel das quantum verpflichtet. Der Preis des Kilowatt beträgt 6 Pf. Für rechtigt sind, gleichwohl möge man ihnen nicht zustimmen, in der Andenken des Begründers des wissenschaftlichen Sozialismus von die Elektrizitätswerke von Dortmund und Bochum sind die Absaz zweiten Lesung des Gesezentwurfes werde eine allgemein be- der Behauptung zu reinigen, Marr habe sich gegen die Abschaffung gebiete genau begrenzt. friedigende Faffung gefunden werden. der Negersflaberei in den Vereinigten Staaten ausgesprochen. Bei der Abstimmung wurde der die rigorosen Bestimmungen des Gefezzentwurfs mildernde Antrag der Sozialdemokraten abgelehnt, dagegen ein konservativer Antrag angenommen, wonach auch die Erzeugnisse feuchenverdächtiger Tiere von der Einfuhr ausgefchloffen werden können. Der polnische Antrag auf Schuß der der Grenz bevölkerung eingeräumten Vorrechte wurde abgelehnt. Es tann also der Grenzbevölkerung untersagt werden, künftig Eier, Butter oder Milch aus dem Auslande einzuführen, sobald angenommen wird, daß im Auslande Tiere seuchenverdächtig seien. Bei der Abstimmung über§ 7 des Gesetzes wurde ein sozialdemokratischer Antrag, das Verbot der Einfuhr tierischer Erzeugnisse zu streichen, abgelehnt. Als VerbandsDie Krisis. Im Waldenburger Rebier( Niederschlesien) arbeiten Es mag unglaublich flingen, aber es ist ein sich als sozialistisch von jezt an die Weberei und Spinnereibetriebe nur an fünf Tagen bezeichnendes Organ, die" Sozialistischen Monatshefte", in der Woche. Der Menschenfreund wird sich bei dieser Nachricht das diese Behauptung als neueſte Senſation ſeinen Lefern vorgesetzt damit trösten müssen, daß die schlesischen Weber ja bon jeher im hat und also den 25. Todestag Mary' würdig feiert. Und der Ver- Hungern eine besondere Routine beweisen mußten. tünder dieser neuen Wahrheit ist Mag Schippel, derselbe, der in derselben Zeitschrift schon einmal als iegrim" behauptet hat, Engels sei ein Gegner des Milizsystems gewesen. Wir wollen den Schluß des Kautskyschen Artikels hierherfezen: " Wie sagt Schippel: Marg hat viel zögernder über die abschaffung der Negeriflaverei geurteilt als bürgerliche Reformer. Wir sehen, in welcher Weise er dies tat: Soziales. Bur Fürsorgeerziehung. Ein sechzehnjähriger elternloser Knabe war von seinem Bormund bei einem Schlächtermeister in Kassel in die Lehre gegeben, wo ihm, wie er angibt, feine allzu liebenswürdige Behandlung zu teil wurde. Der§ 9 des Gefezes bezieht sich auf die Anzeigepflicht. Bei AusEr jubelt über die Befreiung einer gefnechteten Raffe, fieht in Infolgedessen lief er davon und gelangte nach Diemarden bei bruch einer Krankheit oder sobald sich verdächtige Erscheinungen zeigen, der Sklaverei eines Landes ein Hemmnis des proletarischen Göttingen, wo ihn der Oberschweizer des Klostergutes in die Lehre foll der Polizeibehörde unverzüglich Anzeige erstattet werden. Die Emanzipationstampfes auch in anderen Ländern, erklärt, die Sklaverei nahm. Er zeigte große Lust zu dem neuen Beruf und sein LehrPflicht der Anzeige haben auch Hirten, Schweizer und Viehpfleger, fchände die Republik, und brandmarkt das Eintreten der meister war sehr zufrieden mit ihm. Als aber der Vormund den insbesondere auch Schäfer. Ferner sind zur Anzeige verpflichtet herrschenden Klassen für Erhaltung und Verbreitung der Sklaverei Aufenthaltsort feines Mündels in Erfahrung brachte, ließ er ihn Tierärzte und Kastrierer. Hierüber entspann sich eine lange Debatte. als eine Infamie. durch Vermittelung des Landratsamtes Göttingen berhaften und Die Agrarier hatten die Befürchtung, daß bei der Ausdehnung der Was hätte er erst gesagt, wenn er erlebte, daß es innerhalb des der Fürsorgeerziehungsanstalt in Fehrenshausen zu Anmeldepflicht auf die bezeichneten Personen der Schikane für die Sozialismus Publizisten und Zeitschriften gibt, die sich dessen schuldig führen, wo er nun angeblich gebeffert" werden soll. Drastischer wie Tierhalter Tür und Tor geöffnet sei. Sie verlangten, daß die An- machen, was er bereits bei der Bourgeoisie als Schande und durch diesen Fall kann das Gesetz in seiner ganzen Härte und zeige dem Zierhalter zu erstatten ist, der dann seinerseits der Polizeinfamie bezeichnete, die sich eifrig bemühen, den Proletariern 8wedlofigkeit nicht illustriert werden. Mitteilung machen kann. Schließlich einigte man sich auf eine die Erhaltung und Verbreitung der Sklaverei mundgerecht zu Fassung, wonach Hirten, Schäfer, Senner und Sennerinnen zur An- machen, und dazu, um ihren trügerischen Argumenten mehr Gewicht meldung verpflichtet sind, wenn das Vieh sich längere Zeit außerhalb des zu verleihen, Marg selbst fälschen und so zu ihrem Schwurzeugen Anwesens des Besizers befindet. Von sozialdemokratischer Seite wurde degradieren? betont, daß auch das Personal geschüßt werden müsse vor Schikanen, denen In der Tat, eine würdige Totenfeier des grimmigften Saffers es wegen der Anzeige seitens der Tierhalter ausgesezt sei. Kastrierer aller Ausbeutung, aller Lüge und Gemeinheit." find nur dann zur Anzeige verpflichtet, wenn sie dieses Gewerbe gewerbsmäßig betreiben. geben einen guten Einblick in das gewaltige Lebenswert unseres Altmeisters. Beigegeben ist der Nummer außerdem ein gut aus geführtes, bisher wenig gekanntes Bildnis unseres Toten, anscheinend aus der Zeit seines besten Mannesalters. Wir empfehlen unseren Lesern die Anschaffung der Mary- Nummer Der§ 10 fieht die Anzeigepflicht bei folgenden Seuchen vor: Milzbrand, Rauschbrand, Wild- und Rinderfeuche; Tollwut; Roß; der Neuen Zeit" ganz besonderst Die durchweg trefflichen Artikel Maul und Klauenfeuche; Lungenfeuche des Rindviehes; Boden feuche der Schafe; Beschälseuche der Pferde, Bläschenausschlag der Pferde und des Rindviehes; Näude der Einhufer und der Schafe; Schweinefeuche und Schweinepest; Rotlauf der Schweine und Nesselfieber; Geflügelcholera und Hühnerpest; Tuberkulose des Rindviehes. Die weiteren Verhandlungen drehen sich nunmehr um die mehr oder minder große Gefährlichkeit dieser Seuchen. Jm politischen Teil der Nummer findet sich noch ein Artikel des Genossen 2e debour, 1848 und 1908", solvie die Zeitschriftenschau. Das Feuilleton weist nach dem Mary- Artikel Mehrings Das Vogelschutzgesetz hat die zweite Lesung in der Kom mission hinter sich. Der versteckte Versuch der Minorität, das noch folgende Beiträge auf: Das klassische Zeitalter der englischen Verbot des Dohnenstieges wieder zu umgehen bezw. die Re- Malerei. Von John Schikowski. Ludwig Thoma. Von Heinrich gierungsvorlage im§ 8 wieder herzustellen, scheiterte selbst an dem Ströbel. Bücherschau: Ricarda Huch, Der Kampf um Rom. Widerstand der Reichsregierung. Der Vertreter des Reichsjustizamtes setzte es durch, daß im§ 6 das Maximum der Geldstrafe von Johannes V. Jensen, Himmerlandsgeschichten. Magister F. Ch. Lose Blätter: Bom Grabe 300 auf 150 m. herabgesetzt wurde( gemäß der Regierungsvorlage), Laukhards Leben und Schicksale. damit eine Analogie mit anderen Materien( Fischerei, Feldfrevel) Thomas Mores zum Grabe von Karl Marg. aufrecht erhalten und hier nicht die lebertretung in ein Vergehen Der erste sozialdemokratische Parteitag der Sozialdemokratie umgewandelt wird. Ferner wurde noch auf Wunsch der Regierung im § 8 die Schoufrist, die vom 1. Februar bis 1. November festgesetzt des Kantons Thurgau fand am Sonntag in Romanshorn statt, nachEine Angestellte, die sich für ihren Chef in Schulben stürzt. Vor der ersten Kammer des Kaufmannsgerichts flagte die Buchhalterin Hedwig H. gegen den Architekten Hugo D. auf Zahlung von 450 M. Dreieinhalb Monate hatte sie ihr Gehalt anstehen lassen, weil der Chef immer so knapp bei Kaffe war". Buletzt hatte sie, als ihr der Prinzipal seine pretäre Lage schilderte, ich von anderer Seite 100 m. geliehen, um diesem aus der Berlegenheit zu helfen. Da sie nun für die 100 m. einstehen sollte, geriet sie selbst in große Bedrängnis, so daß sie, der Not ge horchend, ihren Chef, der ihr Entgegenkommen mit Entlaffung lohnte, verklagte. Die Buchhalterin erzielte ein Verfäumnisurteil in Höhe ihres Anspruchs. Briefkaften der Redaktion. Die fnriftische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, zweites Sof, Dritter Eingang, vier Treppen, Fahrstuhl Geöffnet 7 the wochentäglich abends von 7½½ bis 9½ Uhr statt. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. O. B. 74. 1. In Ihrem Fall müssen Sie sowohl an die evangelische wie an die katholische Kirche je 3,41 M. zahlen. Die bereits zuviel ge zahlten 3,41 M. fordern Sie zurüd. 2. Mit dem Schluffe dieses Jahres B. K. 75. Um Dispens müßten Sie bei dem Landgericht nachsuchen, das die Scheidung ausgesprochen hat. 2. O. 45. Bestreiten Sie die Verpflichtung zur Zahlung und lassen Sie es auf einen Prozeß ankommen. Die in Rede fiehende Frage wird verschiedenartig beurteilt. 1908. 1 Sunlicht Seifen Duft Sunficht Seifer verleiht der Wäsche blütenweisse Reinheit, entzückende Frische und jenes köstliche Aroma, als wäre sie aus einem Blumengarten hervorgegangen und hätte den zarten Hauch duftender Blüten in sich aufgesogen! Sunlicht Seife ist auch vorzügliche Badeseife. Berantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 62. 25. Jahrgang. 2. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt Abgeordnetenbaus. 61. Sibung vom Donnerstag, 12. März, 11 hr. Am Ministertische: Frhr. v. Rheinbaben. Freitag, 13. März 1908. Unterstaatssekretär Dombois verteidigt diese Forderung des Abg. Gyßling( frs. Bp.): Wenn wir den Antrag annehmen, Etats mit der Belastung des Oberpräsidenten. so folgen wir damit nicht nur dem Reichstage; in verschiedenen Abg. Kölle( b. f. Fr.) führt Klage über die Art und Weise, Bundesstaaten besteht bereits ebenfalls die Einrichtung der Frei wie die Teuerungszulagen verteilt worden sind, wobei er das fahrkarten. Die verfassungsmäßigen Bedenken werden in der Beispiel eines Gerichtssekretärs anführt, der deshalb, weil er auf Stommiffion genau zu prüfen sein. eine Gehaltserhöhung Anspruch hatte, keine Teuerungszulage er- Die Abgg. Wagner( ft.) und Stroffer( 1) sprechen sich für den halten habe, obgleich er acht noch nicht erwachsene Kinder habe. Antrag aus. Weiter befürwortet Redner eine Besserstellung der besoldeten Abg. Dr. Münsterberg( frs. Vg.) steht dem Grundgedanken des Antrages sympathisch gegenüber. Er müsse sich aber entschieden dagegen aussprechen, daß eine ähnliche Kontrolle eingeführt werde, wie sie im Reichstage bestehe. Es sei unwürdig, wenn Abgeordnete wie Schulbuben kontrolliert würden.( Beifall links.) Zu dem Antrage des Abg. Held( b. t. F.) auf Genehmigung gur Einleitung eines Strafverfahrens gegen sich selbst erteilt das Haus entsprechend dem Antrage der Geschäfts- Affefforen. ordnungskommission seine Zustimmung. Unterstaatssekretär Dombois erwidert, daß die TeuerungsDagegen wird die vom Justizminister nachgesuchte Ermächzulage allen mittleren Beamten mit einem nicht höheren Gehalt tigung zur strafrechtlichen Verfolgung des berant- als 3600. ausgezahlt worden sei. twortlichen Schriftleiters des Lech", Kucit in Gnesen, wegen Be= leidigung des Abgeordnetenhauses durch einen Artikel nicht erteilt. Es folgt die Beratung des Etats des Finanzministerium 3. Abg. Kirsch( 8.) erklärt zur Geschäftsordnung, daß seine Freunde mit Rücksicht auf das Ausbleiben der Beamtenbesoldungs: verlage sich vorbehalte, bei der dritten Beratung des Etats auf Beamtenfragen einzugehen. Abg. Dr. v. Dziembowski( Pole) stellt dem Finanzminister gegenüber fest, daß dieser tatsächlich sich 1902 in dem von ihm zitierten Sinne geäußert habe. Die allgemeine Debatte wird geschlossen. Abg. Wikmann( natl.) bittet um eine stärkere Dotierung des Fonds für Unterstüßungen für pensionierte Beamte und für Witwen und Waisen solcher Beamten. 1 Der Antrag wird der Geschäftskommission überwiesen; da gegen stimmen nur eine Anzahl Konservativer. Der Etat wird genehmigt, ebenso der Etat der 8ölle und Verbrauchssteuern. Hierauf vertagt sich das Haus auf Freitag, 11 Uhr ( Etat der allgemeinen Finanzverwaltung, Statsgesetz, zweite Bes ratung des Quellenschutzgesetzes). Schluß gegen 5 Uhr. Die Abgg. Gykling( fri. Vp.) und Dr. Friebbers( natl.) geben nationalliberaler Antrag vor, in dem die Regierung Eine Reichsverbandslige vor Gericht. die gleiche Erklärung für ihre Parteien ab. Bei den„ Einnahmen" geht Abg. Frhr. v. Beblis( ft.) auf die Reichsfinanzreform ein und mahnt dann zur möglichsten Sparsamkeit, die angesichts der größeren Zahl von neuen etatsmäßigen Stellen für Oberregierungsräte im Etat noch nicht genügend zum Ausdruck komme. Die bei den Oberpräsidenten in Koblenz und Münster vorgesehenen neuen Stellen für je einen Oberpräsidialrat ließen nicht darauf fchließen, daß die vom Hause stets befürwortete Verminderung des Schreibwerks von der Verwaltung erstrebt werde. Notwendig sei eine größere Dezentralisation in der Verwaltung. Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben: Ich bin dem Abg. Frhrn. b. Zeblik dankbar für seine Mahnung zur Sparsamkeit, ich glaube aber, daß ich öfter Gelegenheit haben werde, diese Mahnung an das Haus zu richten. Die Einstellung der Präsidialräte bei den Oberpräsidien in Koblenz und Münster war notwendig mit Rücksicht auf die außerordentliche Belastung beider Oberpräsidenten, während die Vermehrung der Stellen der Oberregierungsräte nötig war, um die Aufrückungsberhältnisse der zahlreichen in außeretatsmäßigen Stellen befindlichen Beamten zu verbessern. Abg. Dr. v. Campe( natl.) bittet um Anrechnung der Dienst zeit der Beamten, soweit sie Kriegsteilnehmer sind, vor dem 18. Lebensjahre in Anrechnung zu bringen. Die Reichsbeamten feien in dieser Beziehung günstiger gestellt. Abg. Gyßling( fri. Bp.): Der Aufforderung zur Sparsamkeit fann ich mich durchaus anschließen. Wenn aber die großen Parteien nicht mit Anträgen auf Verminderung der Ausgaben borgehen, so werden Anträge von unserer Seite feine Aussicht auf Annahme haben. Die Verquickung der Reichsfinanzreform mit der Beamtenbesoldungserhöhung billigen wir nicht. Wir nehmen aber nach der gestrigen Erklärung des Finanzministers an, daß wir hier die Besoldungsvorlage im Herbst auch dann bekommen werden, wenn die Reichsfinanzreform noch nicht zustande gekommen ist. Wir sind stets für eine gerechte Besteuerung eingetreten, und das liegt im Interesse des ganzen Staats.( Beifall links.) Abg. Peltasohn( frs. Vg.): Die Freisinnigen sind bereit, an dem Zustandekommen der Reichsfinanzreform mitzuarbeiten, wir müssen aber die Einführung direkter Reichssteuern verlangen. Dem Wunsche des Abg. Dr. v. Campe kann ich mich nur anschließen. Unterstaatssekretär Dombois erwidert, daß die Behandlung der Dienstzeit vor dem 18. Jahre bei den Kriegsteilnehmern im Reiche und in Preußen gleich sei. Abg. Dr. v. Dziembowski( Pole): Dem preußischen Staate foftet die Polenpolitik jährlich 45 Millionen Mart. Die Seele dieser Politik ist der Finanzminister, der 1902 noch erklärt hat, daß die Enteignung von Gütern eine Ungerechtigkeit sein würde. Der großzpolnische Agitator ist der Finanzminister, der durch seine Maßnahmen die Unruhe unter den Polen hervorgerufen hat. Im Tag" hat ein Artikel gestanden, in dem gesagt wird, daß durch die Enteignung die Güter für die deutschen Ansiedler zu teuer werden, man möge ein Kriegsrecht statuieren und den Polen den Boden einfach wegnehmen.( Beifall bei den Polen.) Zum Titel„ Diensteinkommensverbesserungen für die Beamten, Geistliche und Lehrer" liegt ein ersucht wird, infolge der Nichteinbringung der Besoldungsvorlage den Beamten eine einmalige Gehaltszulage zu gewähren, die betragen soll bei höheren Beamten 10 Broz., bei mittleren Beamten 12½ Proz., bei Unterbeamten 15 Proz., bei Geistlichen 10 Broz bei Lehrern 15 Broz. Abg. Dr. Friedberg( natl.) begründet den Antrag. An den höheren Beamten könne die Regierung bei den diesmaligen Teuerungszulagen nicht vorübergehen. Der Antrag habe vor der vorjährigen systemlosen Berteilung der Teuerungszulagen den Vorzug, daß er systematisch vorgehe. noffen Schlice, Werner, Reichel und Massatsch in Stuttgart, hatten Der Vorstand des Deutschen Metallarbeiterverbandes, die Geeine Privatklage gegen den Redakteur des" Sorauer Tageblatts" Lehmann wegen Beleidigung angestrengt. Gleich einer Anzahl anderer gegnerischer Blätter hatte das" Sorauer Tageblatt" aus dem„ Stahlwaren- Arbeiter" in Solingen einen Artikel nachgedruckt, in dem der„ Stahlwaren- Arbeiter" behauptete, Dokumente im Besitz zu haben, die beweisen, daß der Metallarbeiterverband von einer entsetzlichen Clique regiert werde." Soviel Verworfenheit, Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben: Mit der Tendenz des wie uns da entgegenstarrt, hätten wir an der Spike der größten Antrages sind wir einverstanden insoweit auch wir wünschen, den Gewerkschaft Deutschlands nicht zu finden gehofft. Es wäre eine unteren und mittlern Beamten einen festen Betrag für dies Jahr Schmach für die deutsche Arbeiterbewegung, wenn sie an ihrer als Zulage zu gewähren. Aber der Antrag liegt doch in feinen Spize noch länger Leute dulden würde, die, um ihre Ziele zu als Zulage zu gewähren. Aber der Antrag unterliegt doch in erreichen, vor keinem Verbrechen an der Arbeiterschaft zurückfeinen Einzelheiten erheblichen Bedenken. Zunächst kommt die schreden." Das„ Sorauer Tageblatt" hatte unter der Ueberschrift: finanzielle Tragweite in Betracht. Nach meinen Berechnungen" Sozialdemokratisches Cliquenwesen" den Artikel abgedruckt mit würde seine Durchführung für die Beamten 80 Millionen, für die dem Zusab:" Diese Charakteristik würde an Wert verlieren, wenn Behver 30 Millionen Mark erfordern, für die Geistlichen kann wir nicht hinzufügen wollten, daß es gleichfalls Sozialdemokraten ich die Wirkung im Augenblick nicht übersehen. Dazu würden uns find, die so über ihre Genossen zu urteilen gezwungen sind." die Deckungsmittel fehlen. Außerdem würde der Antrag der bebor Der Vorstand des Metallarbeiterverbandes hat sämtliche Beitungen, stehenden Gehaltsregelung in sehr unerwünschter Weise präjudi- die den Artikel des Stahlwaren- Arbeiters" nachgedruckt haben, zieren, und eine Anrechnung dieser Säge auf die verklagt. Gegen den Redakteur des„ Stahlwaren- Arbeiters" Ern zukünftigen Gehälter wäre gar nicht möglich. war zunächst nur ein parteischiedsgerichtliches Verfahren einAuch der Neuregelung der Wohnungsgeldzuschüsse würden solche geleitet. Nachdem Ern aber in seinen Angriffen fortfuhr, ist auch prozentualen Buschläge sehr hinderlich sein. Wir beabsichtigen gegen ihn die Klage angestrengt. Am 12. d. M. stand vor dem daher, an solchen gleichmäßigen Säßen wie 100 resp. 150 M. Zulage Schöffengericht Sorau Termin gegen den Redakteur des„ Sorauer festzuhalten. Tageblatts" an. Dieser verlangte zunächst Aussehung des VerAbg. Jderhoff( ft.): Der Herr Finanzminister hat recht, daß fahrens, bis der Prozeß gegen Ern entschieden sei. Ern habe. die Gleichmäßigkeit des Antrages der Nationalliberalen zu großen ihm reiches, bei seinen Aften befindliches Material gegen den Ungleichheiten führt. Wir haben also auch Bedenken gegen den Metallarbeiterverband zur Verfügung gestellt, das Ern in seinem Antrag, so dringend wir auch wünschen, daß Teuerungszulagen Prozeß gewiß vorbringen werde. Vom Vorsitzenden gefragt, ob gewährt werden. Wir nehmen an, daß der Antrag der Budgetkom- er auf Grund dieses Materials bestimmte Beweisanträge stellen mission überwiesen wird, wo wir uns eingehender mit ihm be- wolle, erklärte der Angeklagte ausdrücklich, daß er den Wahrheitsschäftigen können. beweis anzutreten nicht in der Lage sei. Weiter berief sich der Angeklagte auf den Schutz des§ 193 Strafgesetzbuchs. Er habe lediglich den Artikel gebracht, um den sogenannten Sauheerdenton zu kennzeichnen, den die Sozialdemokraten bei ihrer Kritik gegeneinander anwenden. Nachdem sich die bürgerlichen Parteien in dem Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie einen MittelAbg. Gyßling( frs. Vp.): Ich stimme dem Grundgedanken des Antrages zu. Bedenken, die gegen ihn vorliegen und die auch vom Finanzminister geltend gemacht sind, können in der Kommission geprüft werden. Abg. Graf Braschma( 3.) beantragt, den Antrag der Budget- punkt geschaffen haben, sei es nicht nur sein Recht, sondern sogar tommission zu überweisen. Abg. Freiherr v. Erffa( f.) bittet, den Antrag zurüdzuziehen, bis die Vorlage der Regierung eingegangen sei. Er tönnte später wieder eingebracht und derselben Kommission überwiesen werden, die die Regierungsvorlage vorzuberaten habe. Abg. Graf Praschma( 3.): Wir können den Antrag jetzt der Budgetfommission überweisen, und diese kann in seine Beratung eintreten, sobald ihr die Regierungsvorlage überwiesen wird. Die Abgg. Dr. Friedberg( natl.) und Freiherr v. Beblis( L.) schließen sich dieser Auffassung an. Der Antrag geht an die Budegetkommission, der Titel wird bewilligt. Beim Titel: Bu baulichen Herstellungen und Instandsetzungen bei den königlichen Theatern in Berlin 42 720 M." bemerkt feine Pflicht, solche Urteile von Sozialdemokraten gegen Sozialdemokraten seinen Lesern mitzuteilen. Der Vertreter der Kläger, dem Angeklagten zur Verfügung stehende Material doch ein überRechtsanwalt Dr. Heinemann aus Berlin, führte aus, daß das aus dürftiges sein müsse, wenn er, trotzdem Ern die bürgerlichen arbeiterverbandes versorgt habe, hier erkläre, er könne den WahrBlätter mit Material gegen den Vorstand des Deutschen Metallbeitsbeweis nicht einmal antreten. Wie fonfus und mangelhaft müsse dies Material aussehen! Der Angeklagte sei verantwortlich, denn er habe sich die gröblichen Beschimpfungen des Solinger Blattes zu eigen gemacht. Gegen die Aussehung des Verfahrens Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben: Ich will keine große müsse protestiert werden. Es fehle an jedem gefeßlichen Grunde Polenrede halten, muß dem Vorrebner aber erwidern: Soweit sind für eine solche Verschleppung. Das Gericht erklärte, von einer tvir doch noch nicht, daß wir in den Ostmarken von den Polen Anwendung des§ 193 fönne feine Rede sein. Auch sei die BeAbg. Henning( f.): Das alte Opernhaus entspricht zwar nicht hauptung der Kläger, daß Angeklagter sich die beleidigenden Angriffe regiert werden. Der Schutz der Deutschen dort ist uns so wichtig, mehr den modernen Ansprüchen, ich möchte aber doch bitten, die des„ Stahlwaren- Arbeiters" zu eigen gemacht habe, richtig. Bu daß die finanziellen Opfer nicht genau abgewogen werden können. Frage eines Neubaues dilatorisch zu behandeln, schon wegen der Ich habe es für meine Pflicht gehalten, den leitenden preußischen großen Kosten. Wünschenswert ist es, daß die Stadt Berlin zu den einer Aussetzung des Verfahrens liege kein Grund vor, nachdem Staatsmann in seiner Bolenpolitit zu unterstützen, und ich werde Kosten eines neuen Opernhauses beiträgt, denn die Vorteile, die erklärt habe, den Wahrheitsbeweis nicht erbringen zu können. Er Angeklagter feinerlei fubstantierte Beweisanträge gestellt, vielmehr das tun, so lange ich an diesem Plaze stehe.( Beifall rechts.) Wir Berlin dadurch hat, sind in die Augen springend.( Sehr richtig! sei daher und zwar mit Rücksicht auf seine Unbescholtenheit zu haben für die Provinz Posen viele Opfer, auch auf dem Gebiete rechts.) Wenn es auch prächtigere Opernhäuser gibt, so macht unser 20 M. Geldstrafe verurteilt, außerdem sei auf Einziehung der des Bahnbaues gebracht. Ich weiß nicht mehr genau, wie ich altes Opernhaus immer noch einen erhebenden Eindruck. mich 1902 geäußert habe. Aber seitdem hat sich die Notwendigkeit Schauspielhaus hat mehr den Charakter eines Beitung und Publikation des Urteils im" Sorauer Tageblatt" ergeben, einen Schritt zu tun, den wir damals für unrichtig ge- ustspieltheaters, und selbst wenn ein neues Opernhaus halten haben. Ein Zidzadkurs in der Polenpolitik wird nicht wieder gebaut wird, so könnte das alte Opernhaus immer noch zur Aufeingeschlagen werden.( Beifall rechts.) führung großer dramatischer Werke verwendet werden. Ich bin also schon deshalb gegen eine Ueberlaffung des alten Opernhauses an die Stadt Berlin. Besonders aber kommt für mich die altpreußische Tradition in Betracht. Dieses Haus, in dem sich unsere alten preußischen Könige erholt und erfreut haben, darf der Stadt Berlin nicht überlassen bleiben. Wenn gegen deren Verwaltung nicht, was da noch einmal für Fahnen aufgezogen werden.( Sehr in der Gegenwart auch nichts einzuwenden ist, so weiß man doch richtig! rechts.) Ich meine, das Opernhaus muß im Besitz des preußischen Staates bleiben.( Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Kirsch( 3.) bittet den Minister, allen Bestrebungen auf Einführung der Wertzuwachssteuer entgegenzutreten und vers teidigt dann die Haltung des Zentrums in der Frage der Reichsfinanzreform. Seine Freunde seien durchaus bereit, neue Steuern zu bewilligen, wenn es notwendig fei. der Oberpräsident der Rheinproving überlastet sei. Wenn er zu Finanzminister Freiherr v. Rheinbaben betont nochmals, daß Kreistagssigungen und zu öffentlichen Veranstaltungen reise, so liege das im Interesse der Provinz.( Beifall rechts.) Das Abg. Goldschmidt( frs. Bp.) beleuchtet die ungünstige soziale Der Titel wird bewilligt, ebenso der Rest des Etats. Lage der Chorsänger an den Theatern. An den königlichen Bühnen Der Etat des Herrenhauses wird debattelos genehmigt. feien sie besser gestellt, aber im übrigen seien sie finanziell sehr Es folgt die Beratung des Etats des Abgeordnetenhauses. schlecht gestellt, und infolge ihrer Verträge seien sie die Sklaven Bu dem Titel: Reisekosten und Tagegelder für die Abgeordder Theaterdirettoren. Bei einem zu erlassenden Theatergesetz neten" liegt ein Antrag des Abg. Dr. Arendt( ft.) vor, der von sei es notwendig, diese Verhältnisse zu bessern. Auch die Verhält. Mitgliedern aller Parteien unterzeichnet ist, und der die Regierung niffe der Orchestermusiker seien vielfach sehr ungünstig.( Beifall ersucht, noch in dieser Session einen Gesetzenttourf vorzulegen, durch lints.) nur den Tagegelder und Reisekosten für die Abgeordneten entsprechend Ein Regierungskommissar erklärt, daß die angeregte Frage denjenigen für die Reichstagsabgeordneten gewährt werden. mit dem vorliegenden Etat nur in losem Zusammenhange stehe, Abg. Dr. Arendt( ft.) begründet den Antrag. Die Bestimda es teine staatlichen Chorsänger gebe. mung, daß der Reichstag alle 14 Tage zwei freie Tage habe, sei Abg. Dr. Hahn( B. d. 2.) befürwortet die Einführung eines von großer Wichtigkeit, denn sie ermögliche es, mehr Männer des Dividendenstempels, der Beute treffen praktischen Lebens in das Barlament zu entsenden. Die Annahme würde, die ein großes mobiles Stapital besitzen. Wohl des Antrages würde sogar Ersparnisse bringen. wollende Aktiengesellschaften gegen die Arbeiter gebe es nicht. Abg. Freiherr v. Erffa( f.): Der weitaus größere Teil meiner ( Buruf des Abg. Dr. Friedberg.) Herr Dr. Friedberg, Sie ver- Freunde hat große Bedenken gegen den Antrag. Die Einführung treten das assoziierte Kapital. Wenn wir mehr Arbeitgeber hätten, von Freifahrkarten würde eine Verfassungsänderung bedeuten. wie es Freiherr v. Stumm und Krupp waren, so würde die So- Im Reichstage sind die Diäten eingeführt worden, weil er arbeitszialdemokratie nicht so start angewachsen sein. 3wedmäßig würde unfähig geworden war. Die Arbeitsfähigkeit des Ab eine stärkere Besteuerung der ausländischen geordnetenhauses ist noch niemals angezweifelt Wertpapiere sein. Der Börsenliberalismus tritt für. worden.( Sehr richtig! rechts.) Wir befürchten von dem Andirekte Reichssteuern ein, weil mobile Sapitalien leichter der Be- trage ein Anwachsen des Berufsparlamentarismus. Wir können steuerung entzogen werden können.( Sehr richtig! rechts.) Wir uns auch jetzt nicht Vorteile verschaffen, nachdem die Beamtentreten für eine stärkere Heranziehung des Großkapitals ein.( Bu- vorlage hinausgeschoben worden ist. Wir bitten, den Antrag abruf links: Großgrundbefizer!) Der Großgrundbesitz bringt Opfer zulehnen.( Lebhafter Beifall rechts.) für die Gesamtheit, seine Söhne dienen in der Armee, und sie stehen an exponierten Stellen im Staatsdienst.( Lachen links.) Die Familien der Börsenleute haben sich noch nicht so weit entwidelt, daß ihre Söhne diese Stellen einnehmen können.( Heiterfeit rechts.) Abg. Dr. Friedberg( natl.): Meine Freunde stimmen dem Antrage mit wenigen Ausnahmen zu. Wir müssen auf alle Fälle darauf hinarbeiten, daß das Haus beschlußfähig bleibt. Abg. Dr. Porsch( 3.): Ich halte die Ausführungen des Abg. Arendt bezüglich der Diäten für durchaus richtig. Es ist etwas Abg. Frh. v. Seblis( ff.) empfiehlt nochmals größere Spar- Unwürdiges, daß wir pro Tag Entschädigung famkeit, die natürlich nicht so weit gehen dürfe, daßz Kulturaufgaben erhalten, ich halte es für wünschenswert, daß diese Frage nach barunter leiden, und bemängelt nochmals die Anstellung eines dem Vorbilde des Reichstages geregelt wird, ebenso ist eine ander Oberpräsidialrats in Koblenz weitiae Regelung der Reisekosten notwendig erkannt. Zum§ 153 der Gewerbeordnung. Drohungen, durch Ehrberlegung oder Verrufserklärung bestimmt Wer andere durch Anwendung körperlichen Zwanges, durch oder zu bestimmen versucht, an Verabredungen gemäß§ 152 teildiesen Verabredungen handelt es sich bekanntlich um die durch§ 152 zunehmen, oder ihnen Folge zu leisten, wird nach§ 153 der Gewerbeordnung mit Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft. Bei den Gewerbetreibenden, gewerblichen Gehülfen, Gesellen oder Fabrikarbeitern" freigegebenen Verabredungen und Vereinigungen zum Behufe der Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedin gungen, insbesondere mittels Einstellung der Arbeit oder Entlaffung der Arbeiter". Arbeiter gegen Arbeiter, beziehentlich Arbeitgeber gegen Arbeits geber? In diesem engeren Sinne hat das Kammergericht in früheren Entscheidungen( 21. Mai 1891, 15. September und 8. Dezember 1898) die unseres Erachtens allein Aber die Kammerzulässige engere Auffassung vertreten. gerichtsjudikatur hat bereits aus den neunziger Jahren ein gegenteiliges Urteil( vom 9. April 1894) aufzuweisen und hatte sich in den letzten Jahren fast uneingeschränkt zu der weitergehenden, den Arbeitern ungünstigeren Auslegung befannt. In einem am Montag ergangenen Erkenntnis ist es zum Teil zu der älteren Auffassung zurückgekehrt. Der Fall lag folgendermaßen: Bezieht sich andere" nur auf dieselben Gruppen, also nur auf Der Maurer Krause zu Rigdorf war wegen Vergehens gegen den§ 153 der Gewerbeordnung vom Landgericht zu einer Woche Gefängnis verurteilt worden. Auf zwei nebeneinader liegenden Neubauten in der Hermannstraße zu Rirdorf, die denselben Baus herrn und denselben Baumeister hatten, arbeiteten im Sommer 1906 neben einem chriftlich organisierten Maurer Schulz nur Mitglieder des Zentralverbandes der Maurer Deutschlands. Aus Anlaß einer Nachricht aus dem Rheinland, wonach der christliche Verband einen minderwertigen Tarif eingegangen war, beschlossen die Mitglieder des Zentralverbandes in der gemeinschaftlichen Baubude, mit dem christlich organisierten Kollegen Schulz nicht mehr zusammen zu arbeiten und die Arbeit niederzulegen, wenn er nicht entlassen werde. Der Angeklagte Krause und ein nicht ermittelter Maurer erhielten den Auftrag, den beiden Polieren dies zu unterbreiten. Die Poliere erklärten, die Verbändler könnten ihre Bapiere friegen, worauf diese nach dem Frühstück die Arbeit ruhen ließen. Die Angelegenheit erledigte sich dann dadurch, daß Schilz, der Christliche, selber aufhörte. Das Landgericht erachtete nun für feststehend, daß man nur die Entlassung des Schulz herbei. fügten Ironie, so Sitg eine Einwirkung auf Schulz im Sinne dez. 8 1S3 der Gewerebordnung nicht in Frage komme. Tagegen kam das Landgericht zu der Ueberzeugung, daß der Angeklagte(in Ge- meinschaft mit dem zweiten Beauftragten) die beiden Poliere durch Drohung(mit dem Streik nämlich) zu bestimmen versucht habe, einer Verabredung der Berbandsmaurer zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen Folge zu leisten. Die Poliere seien„andere" im Sinne des Z 123. Es wäre unerheblich, daß sie nicht zu den Berufsgenossen des Angeklagten im engeren Sinne des Worts gehörten. Ferner'sei der Beschluh in der Baubude eine Verabredung zur Erlangung günstiger Arbeitsbedingungen ge- Wesen, denn es sei den im Zentralverband organisierten Maurern darauf angekommen, mit der Entfernung des im christlichen Verein organisierten Schulz, der ihnen lästig war, das Arbeitsverhältnis für sich angenehmer zu gestalten. Es sei ihnen angenehmer ge- Wesen, nur mit den die gleichen Interessen verfolgenden Genossen zusammen zu arbeiten. Die Poliere hätten nun durch die von Krause vorgetragene Drohung, die Arbeit niederzulegen, gezwungen werden sollen, durch Entlassung deS Schulz jener Verabredung Folge zu leisten. Der Angeklagte legte Revision ein. Rechtsanwalt Wolfgang Beine, sein Vertreter, rügte in doppelter Beziehung Unrichtigkeit der Vorentscheidung. Falsch sei die Auslegung des Begriffs „günstige Lohn- und Arbeitsbedingungen". Nach dem Gesetz und dem Willen des Gesetzgebers könne es sich immer nur um Bedin- gungen handeln, die das Vertragsverhältnis, den eigentlichen In- halt des Arbeitsvertrags zwischen den Parteien selbst beträfen. Dazu gehöre es nun keineswegs, wenn die Arbeiter in einem kon- treten Falle erklärten, lieber ihre Arbeit aufgeben zu wollen, als mit einem, ihnen unangenehmen Kollegen zusammen zu arbeiten. Dann stehe in Widerspruch zur Geschichte der Gesetzesstelle die Auf- fassung des Landgerichts, daß das Vorgehen gegen die Poliere nach 8 1b3 der Gewerbeordnung strafbar wäre. Der Anwalt legte dies eingehend dar und machte u. a. geltend, daß man sich nicht an die Worte„andere" und„Folge leisten" klammern dürfe. Tatsächlich hätte mit 8 1�3 nur der Zwang getroffen werden sollen, den etlva Arbeiter gegen andere Arbeiter oder Arbeitgeber gegen andere Arbeitgeber ausübten, um sie zur Beteiligung an solchen Verab- redungen zu zwingen. Auch Landmann im Kommentar zur Ge- Werbeordnung vertrete diesen Standpunkt. Es kämen somit die Poliere als Vertreter des Arbeitgebers hier überhaupt nicht als „andere" i», Sinne des§ 1b3 in Betracht. Der erste Strafsenat des Kammergerichts folgte dem Antrage de? Anwalts, hob die Vorentscheidung auf und sprach den Ange- klagten frei. ES wurde ausgeführt: Das Reichsgericht meine in feiner letzten bezüglichen Entscheidung(8. Juni 1307, Band 40, Seite 226), daß gegen den Arbeitgeber selbst, der durch Streik ver- anlaßt werden solle, eine Forderung zu bewilligen, ein Vergehen gegen s 123 nicht dadurch begangen werden könne, daß ihm der Streik vorher angekündigt werde. Wenn nach dem Beginn eines Streiks der Arbeitgeber nach dem Grunde fragen würde und die Arbeiter würden das beantworten, so würden-sie nicht bestraft werden können. Ebensogut müßten sie vorher sagen können, daß man auS dem und dem Grunde streike. Andererseits sei„nicht gaiiz unmöglich" ein Vergehen auS Z 123 gegen den Gegner im Lohnkampfe. So könne z. B.(Bayerisches Oberlandesgericht) durch Drohungen gegen einen Arbeitgeber, der mit einer Schar Arbeiter in ein Streikgebiet kommen wolle, beabsichtigt werden, den Zuzug seiner Arbeiter fernzuhalten und dadurch die Koalition zu stärken. Vorliegend sei nun die Verabredung der beteiligten Arbeiter dahin gegangen, den mißliebigen Christlichen wagzu- bringen. Das Mittel zur Erreichung dieses Zieles sei die Arbeits- niederlegung gewesen. Wenn den Polieren gedroht wurde, man werde die Arbeit niederlegen, so hätten sie dadurch nicht bestimmt werden sollen, an der Verabredung teilzunehmen, sondern nur dazu, als Vertreter ihres Arbeitgebers das Ziel des Streiks, die Entlassung deS Sch., zu bewilligen. Die Sache liege genau so, als wenn der Arbeitgeber selbst es bewilligen sollte. Somit liege kein Bergehen gegen den Z 153 vor. GewcrklcbaftUche� An die Kistenmacher Deutschlands! K 0 1 l e g e n I In Berlin droht in unferem. Gewerbe ein schwerer Kampf auszubrechen, Die Kistenfabrikanten Berlins haben sich zu einem Vereine zusammengeschlossen, um gemeinsam die Preise für ihre Produkte zu erhöhen. Da ihnen dies aber nur in wenigen Fällen, in den meisten gar nicht, gelungen ist. sind sie auf die Kdee gekommen, den Ausfall deS Mehrverdienstes auf die Arbeiter abzuwälzen. Sie haben einen neuen Lohntarif auSge- arbeitet, welcher die Preise um zirka 25 Prozent unter den bis jetzt üblichen herabsetzt. Um ihre Absicht durchzuführen, haben sie sich dem sogenannten Arbeitgeberschutzverband angeschlossen, und glauben nun, unter dessen schützender Hand und mit Hülfe der jetzt allgemein gewordenen Depression wird es ihnen gelingen, die Arbeiter nach Belieben ausrauben zu können. Die Hauptmacher bei dieser Aktion sind sonderbarerweise gerade diejenigen Fabrikanten, die vor wxmgen Jahren noch unsere Kollegen waren, und denen der jetzt geltende Tarif damals gar nicht scharf genug durchgeführt werden konnte. Da es noch gar nicht vorauszusehen ist. welche Unannehmlich- leiten bei der Verhandlung über dieses Unikum von Tarif entstehen können, werden die Kollegen allerorts ersucht Berlin möglichst zu meiden. Auch wäre es ratsam, wenn die unverheirateten Kol- legen, welche teils arbeitslos sind, teils noch in Arbeit stehen, Berlin verlassen würden. Die Branchenleitung. I. A.: Fritz Märten. Berlin, Wiener-Straße 20. Berlin und Umgegend. Achtung, Metallarbeiter! Der Autobau der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschast ist gesperrt für alle Dreher, Schlosser und Werkzeugmacher. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Die Lohn» und Arbeitsverhältnisse in der Kostüm- und Musterbranche. In einer öffentlichen Versammlung der Kostüm- und Muster- schneider und-Schneiderinnen, die am Dienstag in den„Armin- hallen" stattfand, wurden die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in dieser Branche des Schneidergewerbes geschildert. Den AuSfüh- rungcn des Referenten Knoop lagen statistische Erhebungen zu- gründe, die sich ällerdinas nur auf ungefähr ein Achtel der Be- triebe erstrecken, aber doch ein ziemlich zuverlässiges, wohl eher zu günstiges als zu ungünstiges Bild der Verhältnisse bieten. Die Erhebungen umfassen 2S Betriebe, in denen wäbrend des größten Teiles des Jahres 175 Arbeiter und 680 Arbeiterinnen, in der Hochsaison jeooch 280 Arbeiter und 900 Arbeiterinnen beschäftigt werden. Die Hochsaison währt in Jahren guten Geschäftsganges ungefähr drei Monate, war aber oft auch schon in zwei Monaten beendet, lieber ein Drittel der Schneider und fast ein Viertel der Schneiderinnen dieser Branche finden hier also nur vorübergehend Beschäftigung und sind genötigt, nach der Saison in anderen Be- trieben Arbeit zu suchen. Ein Teil der Männer wird in der Kon- fektion Arbeit finden, jedoch kann dieser Industriezweig, nament- lich in Zeiten der Krise, lange nicht alle in jener Branche überflüssig gewordenen Arbeitskräste aufnehmen. Von den arbeitslosen Kostüm- schneiderinnen wird ein verhältnismäßig geringerer Teil in der Konfektion Unterschlupf finden. Die übrigen beHelsen sich wohl teils mit Privatarbeit oder mit schlecht bezahlter Arbeit in Nähstuben. sind aber auch zum Teil, und soweit sie nicht Eltern haben, die für sie sorgen, den Gefahren ausgesetzt, die bei unserer„sittlichen" Weltordnung für junge Mädchen mit her Arbeitslosigkeit und Armut verknüpft sind, Wenn man nun aber glaubt, daß jene, die dauernd in den Werkstätten der Kostüm- und Musterbranche tätig sind, wirklich das ganze Jahr über Arbeit haben, so irrt man sich. Durch die Er- Hebungen wurde festgestellt, daß sie in 2 von den 28 Betrieben 4 bis 5 Woche», in sechs 6 bis 7, in fünf 8 bis 9, in drei 9 bis 10 und in je einem Betriebe 11, 12 und 16 Wochen im Jahre aus- setzen müssen. Aus 2 Betrieben wurde die Frage über diesen Punkt mit„unbestimmt" beantwortet und aus 6 Betrieben fehlt die AuS kunft darüber. lieber die Lohnverhältnisse ergaben die Erhebungen, daß die Tailleuarbeitcrinnen 20 bis 30 M. die Woche verdienen und der Durchschnittslohn 23,22 M. ist; daß die Paletotarbeiterinnen 18 bis 26 M. erhalten, der Durchschnittslohn 21,90 ist und daß die Rock- arbeiterinnen 18 bis 27 M haben und ihr Durchschnittslohn 21,72 Mark ausmacht. In einzelnen Betrieben, wo Teilarbeit eingeführt ist, gibt es Aermelarbeiierinnen, und sie verdienen 18 bis 24 M., im Durchschnitt 21,60 M. Den Stepperinnen werden 13 bis 26 M., im Durchschnitt 22,30 M. die Woche bezahlt, den Zuarbeiteriimcn 9 bis 20 M.j im Durchschnitt 14,75 M. Für die selbständigen männlichen Arbeiter, von denen der langt wird, daß sie in allen vorkommenden Arbeiten tüchtig sind, ist der Wochenverdienst 30 bis 42 M., der Durchschnittslohn 37,20 Mark. Bügler werden in der Branche nur wenige beschäftigt, ihre Löhne betragen 30 bis 40 M.; ebenso männliche Zuarbeiter, deren Löhne zwischen 22 und 30 M. schwanken. Der durchschnittliche Jahresvcrdienst beläuft sich für die dauernd beschäftigten selbständigen Arbeiterinnen der verschiedenen Fächer, die Zeit der Arbeitslosigkeit abgerechnet, auf 923,80 bis 999,72 M.; für die Zuarbeiterinnen auf 634,22 M.; für die mann- lichen Arbeiter auf 1438,40 bis 1612,12 M. Die Löhne find höher als in verschiedenen anderen Branchen des Schneidergewerbes, aber dafür werden auch besonders hohe Anforderungen gestellt hinsichtlich der Tüchtigkeit und Geschicklichkeit. Daß die Löhne zu einem menschenwürdigen Dasein bei der Tcue- rung vollkommen ausreichend wären, wird man nicht behaupten können, zumal wenn man bedenkt, daß davon noch die Kassen- beitrüge abgehen und schließlich auch die Unkosten für Fahrgeld usw. Das Einkommen ist also selbst bei dauernder Beschäftigung viel zu gering. Was die sanitären Vechältnisse anbetrifft, so äußerte der Redner, daß in den letzten Jahren einige besonders erbärmliche Werkstätten, wo es an Licht und Luft allzu sehr mangelte, ver- schwunden sind. Jedoch sind manche Arbeitsräume vorhanden, die viel zu klein sind für die Zahl der darin tätigen Arbeiterinnen und Arbeiter. Bei den Erhebungen wurden nur vier Werkstätten entdeckt, die in dieser Hinsicht den Vorschriften entsprechen, die für die Gefängnisse gelten, also so groß sind, daß auf die einzelne Person 15 bis 16 Kubikmeter Luftraum kommen. In den übrigen Werkstätten müssen sich die Arbeiterinnen und Arbeiter mit einem durchschnittlichen Luftraum von 13,8 bis-hinunter zu etwas über 2 Kubikmeter begnügen. Diese erbärmlichen Zustände erscheinen um so verwerflicher, wenn man bedenkt, daß es sich um Geschäfte handelt, die im übrigen über glänzend ausgestattete Räumlichkeiten verfügen und von ibrer woblhabenden Kundschaft ja auch dieser Ausstattung und der Arbeit entsprechend hohe Preise verlangen. In nur 6 van jenen 28 Werk- stätten waren Ventilationsvorrichtungen angebracht, in 22 ist man also darauf- angewiesen, ein Fenster zu öffnen, wenn man frische Luft haben will. Es kommt nicht selten vor, daß junge Mädchen infolge der schlechten Luft ohnmächtig werden. Die hoch- gestellten Damen, die 1000. sa 2000 M. für eine Robe aufwenden. würden wohl einen großen Abscheu empfinden, wenn sie ihre Nase in solch einen Arbeitsraum stockten. Bei den Erhebungen wurde auch die Frage gestellt, welche Forderungen im Falle einer Tarifbewegung an die Unternehmer zu richten seien. Die Antworten lvaren jedoch, was die Höhe der Lohnforderungen anbetrifft, so verschieden, daß etwas Bestimmtes nickt dabei herauskam. Im übrigen ist zu erwähne», daß sich die Erhebungen auf die Kostüm- und die Musterbranche gemeinsam erstreckten. Eine genaue Trennung dieser zwei Branchen war nicht gut durchzuführen, weil häufig dieselben Personen bald auf Kostüme, bald auf Muster arbeiten. In den„reinen" Musterwerl- stätten wurden Löhne von 30 bis 36 M. ermittelt. Unter den Zwisckenmeistern der Branche tritt das Bestreben hervor, die Löhne so tief wie möglich herabzudrücken. Im allgemeinen zeigen die Erhebungen, daß die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in der Kostüm- und Musterbranche sehr ver- besserungsbedürftig sind. Soll aber in dieser Hinsicht etwas erreicht werden, so ist vor allem ein fester Zusammenschluß in der Organt- sation, dem Verband der Schneider und Schneiderinnen, notwendig. Achtung, Kleber! Die Sperre über die Bauten des Tapezierer- meisters Immer ist aufgehoben, da die von der Organisation geforderten Preise bezahlt werden. Verbandsleitung der Tapezierer, Berlin, Engelufer 12. Deuttcheo Reich. Drohende GeneralauSsperrung im Stelnsehgewerbe. Im rheinisch-westfälischen Industriegebiet droht außer der Aussperrung der Maurer, Zimmerer und BauhülfSarbeiter noch eine Generalaussperrung der Steinsetzer, Nammcr, Pflasterer. Steinhauer usw. Der Verband der Pflastermeister von Rheinland und Westfalen, Sitz Köln, droht all diesen Arbeiterkategorien an, falls bis zum 31. März der Meistertarif nicht anerkannt werde, alle Geschäfte des ganzen Lohngebietes am 1. April zu schließen. Die Arbeitgeber hatten für die am 31. März ablaufenden Scktions- Verträge gefordert einen gemeinsamen Tarif für das ganze Gebiet. Diesen erkannten nach den ersten resultatlosen Verhandlungen die Arbeitnehmer nicht an und erklärten sich bereit, statt Sektions- tarife örtliche Tarife abzuschließen. Auch über die Lohn- und ArbeitSzeitverkürzungs-Forderungcn kam cs zu keiner Verständi- gung, so daß bei den letzten Verhandlungen obige ErNärung der Meister erfolgte. Die Arbcitnehmerorganisation hat sich nunmehr. da die meiste Arbeit der Meister aus Kommunal-, Kreis- und Provinzarbeiten besteht, entschlossen, sich an diese Behörden zu wenden, dahin zu wirken, daß die Meister sich dem Einigungsamt des Gewerbegerichts unterwerfen müßten. Es wird ferner darin gebeten, den Pflastermeistern behördlicherseits die Lieferungsfristen nicht zu verlängern und wenn die Meister wiederum nicht geneigt sein sollten, vor dem EinigungSamt zu erscheinen und Frieden zu schließen. Sorge dafür zu tragen, ob nicht die Arbeiten vorläufig in eigener Regie herzustellen gehen, um jede Verkehrsstockung zu vermeiden._ Arbeitslosigkeit der Leipziger Bildhauer, Stukkateure und Steinarbeiter. Während die durchschnittliche Arbeitslosinzahl in den Leipziger Gewerkschaften zirka 2 Proz. der Berufsangehörigen beträgt, ist die der Bildhauer 19 Proz., der Steinarbeiter 22 Proz., der Stukka- teure 20 Proz., und von den Beschäftigten arbeiten viele mit ver- kürzt« Arbeitszeit. Dabei hat die Jahreszeit fast keinen Einfluß. das zeigt eine Monatsstatistik der Stukkateure, aus der wir einige Zahlen herausgreifen; Januar 1907— 889 ArbeitSlosentage, März 1005 Tage, Juni 615 Tage, August 336 Tage. September 731 Tage Dezember 746 Tage, im ganzen Jahre zirka 7000 Tage Arbeits- losigkeit. Die Steinarbeiter hatten zirka 9000 Tage Arbeitslosigkeit und einen Lohnausfall von zirka 21 000 M., während sich die Arbeitslosenunterstützung deS Bildhauerverbandes auf zirka 6000 M. belief. Die Ursache liegt vor allein darin, daß mit den fraglicken Arbeiten besonders viel auswärtige Unternehmer betraut werden, besonders aber auch daran, daß die Stadt Leipzig bei ihren Bauten jetzt ein besonderes Sparsystem walten läßt. wurden doch erst kürzlich bei dem Anschlag für das neue Kaufhaus 70 000 M. für Bildhauer- und ähnliche Arbeiten gestrichen. Die drei Gewerkschaften haben deshalb bei dem Stadtrate eine P e t i t i o n eingereicht, in der er ersucht wird, bei neuen öffentlichen Gebäuden mehr für künstleriscke Ausschmückung zu- tun. aber dann die fraglichen Arbeiten in Leipzig lelbtt herstellen zu lassen. Besonders soll dies zur Bedingung ge- macht werden, wenn die Aufträge Leipziger JmnmgSmeister erhalten._ Behördliche Saalabtreibcrei. In Wilsberg(Oberfranlen), wo die Steinarbeiter streiken, et» schien bei dem Wirt, in dessen Gasthaus sich das Streiklokal befindet, ein Gendarm und erklärte, er sei vom Bezirksamtsassessor geschickt mit dem Auftrage, dein Wirt zu eröffnen, daß er sein Lokal de» Slemarbeitern nicht mehr überlassen solle. Der Wirt besaß so viel Rückgrat, demgegenüber zu erklären, daß sich die Streikenden stets ordentlich betragen hätten und er keinen Grund einsehe, warum er sie aus seinem Lokal verbannen solle. Im übrigen sei er Ge- schäftsmann und müsse seine Steuern zahlen; wenn das Bezirks- amr seine Steuern bezahlen wolle, werde er sich die Sache über- legen. Ausland. MassenauSspftnmg in der Provinz Parma. Rom, den 11. März.(Eig. B«.) Die„Associazione Agraria", der Verband der Grundbesitzer und Pächter der Provinz Parma, hat beschlossen, alle Arbeiter der Pro- vinz auszusperren. Dieser Vorsatz, der ein Territorium mit rund 300 000 Einwohnern trifft, ist durch die zahlreichen Streiks, die die Kontraktbrüche der Unternehmer heraufbeschworen haben, veranlaßt worden. Die Arbeiter sind auf alles gefaßt: sie werden zunächst die sofortige Inangriffnahme der vom Parlament beschlossenen Öffentlichen Arbeiten in der Provinz fordern, eventuell sind sie bereit, in Massen auszuwandern. Die Unternehmer haben Streikbrecher- korps gebildet„aus Mitgliedern der besten Familien", wie die Unternehmerpresse berichtet. Am 7. d. M. haben diese neuen Frei- schärler sich versucht in der elektrischen Mühle Scalini in Parma, wo die Arbeiter seit 32 Tagen streiken. 200 Doppelzentner Weizen zu lüften. Wie die 80 jungen Leute„aus den besten Familien" damit fertig geworden sind, verschweigt daS Blatt, meldet aber, daß jeder der Wackeren einen Revolver trüg. Gegen dir Bauarbeiter«öffnen auch die amerikanischen Bauunternehmer einen Kampf. In New D o r k wollen sie den Gewerkschaften den Achtstundentag entreißen. In New Orleans suchen sie die Macht der Gewerkschaften zu zerstören, indem sie im ganzen Lande bekannt machen, daß in New Orleans viele Bauarbeiter gesucht würden. Der Bürgermeister dieser Stadt hat sich veranlaßt gesehen, eine Gegenerklärung zu«lassen, um die Stadt nicht mit Arbeitslosen zu überfüllen. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marltballen-Dlrektton über den Großhandel in den Zenwal-Marltballen. Marktlage: Fleisch: Zusuhr stark, Geschäft still, Preise sür Rindfleisch nachgebend, sonst unvcr- ändert. Wild: Zusubr knapp, Geschäft ruhig. Preise gut. Geflügel: Zufuhr knapp, Geschäft etwas lebhafter, Preise hoch. Fische: Zufuhr mäßigl, Geschäft ruhig, Preise wenig oerändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Süd» s r ü ch t e: Zufuhr genügend, Geschäft schleppend, Preis« wenig verändert WagerstandS-Nachrtchten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom ')+ bedeutet Duch»,— Fall.—*) Unterpegel.—•) Eisstand. st Eisstopfung an der Zlngerappbrücke.— st Höchster Wasserstand: 295 cm am 10. um 2 Uhr nachmittags. Nach telcgraphischer Meldung Ist die Weichsel bei Thmn heute vor- mitlag aus 390 cm gesunken. > Sozialdeinokrat. MI?» für den I. Berliner Reielistaiswalreis (Görlitier viertel.) (Bezirk Nr. 166.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Metall- drücker August Müller gestorben ist. Ehre seinem Andenken i Die Beerdigung findet am Freitag, den 13. März, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- Halle de? neuen Luilen-Kirchhoses in Rixdors, Hermannstratze, aus stall._ (Frankfurter viertel.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriger Genosse. der Metallarbeiter Jobann Forkel gestorben ist. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet heute, Freitag, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle deS Zentral. FriedsojeS tu FriedrichSselde auS Um rege Beteiligung ersucht Oer Vorstand. Sozialdcniokratiselier WaM?ereio| Charlottenburg. TodeS-Anzetge. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt Sermann ftreeker Sprecstr. 14 verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonntag, den 12. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des neuen Luisen-KirchhoseS am Fürstenbrunner Weg ans statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht »ei- Voratand. Deutseber Holzarbeiler-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischt« Radyica Mibajclovie am 7. März»«starben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Freitag, den 13. März, vor- mittags S Uhr, vom Virchow« Krankcnhause auS nach dem rusfischen Friedhos in Tegel statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortöverwattung. Killlnen-»nd tachiildkm von Roberl Meyer,. not Mamllneu-Sttaße 2. Verband der freien Gast- u. Schankwirte Deutschlands Ortsverwallung Charlottenburg. Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß unser Kollege Hermann Strecker Spreestr. 14 verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnlag. den 12. März, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen. Halle des neuen Luisen-Kuchhofes am Fürstenbrunner Weg aus statt. 6L0b Iii« Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß meine liebe Frau am Dienstagabend vn> starben ist. Die Beerdigung findet Sonn. abend, den 14. März, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause aus statt. Fritz Fink, suempn«, Spandau, Jagowstr. 14. Allen, die meinem LebenSgesährten, dem Möbelpolier K.arl Kühne, die letzte Ehre erwiesen haben, ins. besondere dem Wahlverein sür Rix- dors. dem Deutschen Holzarbeiter. verband und allen Genossen und Bekannten, sagt hiermit besten Dank Eharlotte Zander. Rixdors, den 1?. März 1908. Für den Inhalt der Inferate Abernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, den 13. März. Anfang 7 Uhr. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Abends 8 Uhr: Eine Nilfahrt bis zum zweiten Katarakt. Invalidenstraße 57/62. Theater abends 8 Uhr: Privatdozent Dr. Ristenpart: Sternschnuppen und ihre Bedeutung für die Kosmogonie. Königl. Opernhaus. Samfon und Neues Operetten- Theater Dalila. Königl. Schauspielhaus. Schrittmacher. Anfang 8 Uhr. Der Opernball. Der zerbrochene Krag. Sonntag nachm. 3 Uhr: Blaubart. Deutidies. Der Kompagnon. Kammerspiele. Frühlings Er. Zentral- Theater. wachen.[ Anfang 8 Uhr.] Anfang 8 Uhr. Senes Operetten. Der Opernball. Neues Schauspielhaus. Der Dnmmtopf. Leffing. Lebendige Stunden. Neues. Simson. Lorking. Figaros Hochzeit. Berliner. Förster- Christl. Lustspielhaus. Panne. Schiller 0. • Wallner Theater.) Der Weg zum Herzen. Cchiller Charlottenburg. Auf der Sonnenseite. Theater an der Spree. Ungültig. Komische Oper. Tiefland. Kleines. 2 × 2= 5. Friedrich Wilhelmstädt. Schan spielhaus. Hasemanns Töchter. Sebbel. Frau Warrens Getverbe. 2eften. Ein Walzertraum. genbenz. Bibi. Zentral. Ein seltsamer Fall. Butsen. Robinsons Eiland. Thalia. Jmmer oben auf. Trianon. Baron Toto. Vernhard Noie. Die Heiratsfalle. Metropol. Das muß man seh'n. Pipollo. Mitislam der Moderne. Yvette Guilbert. Spezialitäten. Folies Caprice. Jeunesse dorée. Mal was andres. Gebr. Herrnfeld. Papa und Genoffen. Salomonisches Urteil. Bürgerl. Schauspielhaus. Hof gunft. Kafino. lichkeit. Alte Jakobstraße 30. Sum 110. Male: Ein seltsamer Fall mit Alwin Neuß. Kaffeneröffnung 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Luisen- Theater. Neichenbergerstr. 34. Abends 8 Uhr: Robinsons Eiland. Sonnabend 4 Uhr: Dornröschen. Abends: Krieg im Frieden. Sonntag nachm. 3 Uhr: Des Mädchens Lebenswege. Abends zum erftenmal: Die Maschinenbauer von Berlin. Montag: Maschinenbauer von Berlin. Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner- beater). Freitag, abends 8 1b r: Der Weg zum Herzen. Sennabend, abends 8 Ubr: Luftspiel in 4 Afien v. Adolf L'Arronge. Philister. Hierauf: Die Lore. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Der Kaiserjäger. Sonntag, abends 8 Ubr: Auf der Sonnenseite. Schiller- Theater Charlottenburg. Freitag, abends 8 br: Auf der Sonnenseite. Luftspiel in 3 Aufzügen von Ostar Blumenthal u. Gustav Kadelburg. Sonnabend, nachm 3 Uhr: Kaiser und Galilaer. Sonntag, naam. 3 Uhr: Don Carlos.. Sonntag, abends 8 11 br: Der Weg zum Herzen. Schiller- Saal( Schiller- Theater) Charlottenburg 9 Uhr: Vortrag von Dr. Leopold Hirschberg: Giuseppi Verdi. Deutsche Konzerthallen An der Spandauer Brücke 3. Täglich Deutsch- Amerikanischer Urbock- Trubel. DERNHARD ROSE THEATER Zirkus Schumann Gr. Frankfurterstr. 132. Die Heiratsfalle. Bochentagspreise. Anfang 8 Uhr. Sonnabend nahm. 4 Uhr Stinder borstellung: 1001 Nacht. Abends: Trilby. Heute Freitag, den 13. März, abends 8 Uhr: Große tomische Borstellung. Ausstattungs- Pantomime AMERIKA Die Freuden der Häus Theater an der Spree Serie afferetette Parodie. Tannhäuser. Nachtasyl. Monna Banna. Wintergarten. Spezialitäten. Ringtampf- Konkurrenz. Passage. Madame Hanalo. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Gustav Behrens. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies Bergère. Spezialitäten. Balast. Ringlampf- Stonkurrenz. Spe zialitäten. Irania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Eine Nilfahrt bis zum zweiten Rataralt. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Theater abends 8 Uhr: Privatdozent Dr. Ristenpart: Sternschnuppen und ihre Bedeutung für die Kosmogonie. Berliner Theater. Tagl 18 Uhr: Gastspiel Hansi Niesi: Die Förster- Christl. Neues Köpenider Straße 68. Täglich 8 Uhr: Ungültig. In Vorbereitung: Der Onkel aus Kottbus. Metropol- Theater Abends 8 Uhr: Das muß man seh'n!! Gr. Revue in 4 Akten( 12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Bender, Giampietro, Josephi, Thielscher, Darmand, Massary. Rauchen überall gestattet. Theater. Sonntag, 15. März, nachm. 3 Uhr: Anfang 8 Uhr. Simson. Ferdinand Bonn als Gast. Sonnabend: Simson. Sonntag: Neu einstudiert: Meißner Porzellan. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: 2 mal 2= 5. 5. Sonnabend: 2 mal 2 Sonntag nachm. 3 Uhr: Maria Magdalene. Abends 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Theater des Westens. 8 Uhr: Ein Walzertraum. Sonntag nachm. 34, Uhr halbe Preise: Die lustige Witwe. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Neuestes! Allerneuestes! WINE BARTEN Genaro u. Theol, equilibrist. Produktion.- Der Biograph, der enge Schuh. Die vier Bracks, Akrobaten. Hania de Vert, Sängerin. De Dio, Phantasietänzerin. Truly Shattuck, amerikan. Sängerin. - Marquis Dassie, dressierte Ponys. Die Tiller Girls, engl. Gesangs- u. Tanztruppe. Paul Jülich, Humorist. Große RingkampfKonkurrenz am die Sieges- Prämie von Hasemanns Töchter. 10000 Mark. Anfang 8 Uhr. Sonnabend: Der gehörnte Steg Erstes Auftr. d. Welt- Champion Iwan Padoubny, Rußland. fried. Siegfrieds Tod. Sonntag nachm. 8 Uhr: Rachtafol. Abends 8 Uhr: Lokomotivführer Clauffen. Lortzing- Oper. Belle- Alliance- Straße 7/8. Abends 8 Uhr: Figaros Hochzeit. Sonnabend: Don Juan. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Freis ſchüß. Abends 8 Uhr: Die Zauberflöte. Hebbel- Theater, toniggräßer Str. 57/58. Abends 8 Uhr: Frau Warrens Gewerbe. Drama in vier Aften von B. Ghat. Residenz- Theater. Direttion: Richard Alexander. 8 Uhr. Bibl. 8 Schwant in 3 Atten bon de Gorsse und de Marfan. Hierauf: Der selige Octave. Sonnabend, den 14. März, aum erstenmal:" Der Floh im Ohr." Sonntag, den 15. März, 3 Uhr: Haben Sie nichts zu verzollen? Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Panne. Heute ringen: Weltmit eigens dazu engagierten 120 schwarzen Leuten. Herrliche und Lichteffekte. Des enormen Erfolges wegen prolongiert: Mr. Resisto das elektrische Rätsel. Das aus 12 erfttlasfigen Nummern, sämt liche Clowns, Auguste mit neuen urtomischen Entrees. Dir. Albert Schumanns neue und moderne Schul- und Freiheitsdreffuren. Rixdorfer Theater XIII. Saison. Passage- Panoptikum. Deutschlands größter Soldat Josef Schippers der lange Kerl. Kunsttancher Kapt. Gröbl m. s. Riesenbass. Sicilian. Briganten- Kapelle. Ohne Extra- Entree! Eintr. 50 Pf. Kind. u. Sold. 25 Pf. Kasino- Theater. Brunnen- Theater Babftraße 58. Direkt.: Bernh. Rose. Freitag, den 13. März 1908: Die Else vom Erlenhof oder: Schuld und Sühne. Schauspiel in 5 Atten v. 2. E. Staad. Borverkauf vorm. 10-2 Uhr. Stafseneröffnung 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Boranzeige! Montag, 13. April: Benefizvorst. f. Lina u. Karl Moeller: Unschuldig verurteilt. Bürgerl. Schauspielhaus früher Lothringerstr. 37. aglich 8 br: Prater- Theater Nur noch bis Donnerstag, den 19. März: Freitag, 13. März, Abonnementsvorst. Die Frenden d. Häuslichkeit. Freitag, den 20. März, zum ersten mal: Die Rantzau. Sonntag 4 Uhr: Heirat auf Probe. W.Noacks Theater Direttion: Rob. Dill. Brummenitr. 16. Auf allgemeinen Wunsch: In der Irre. Schauspiel n. d. Morgenpost"-Roman. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Bf. Abonnenten bedeutende Ermäßigung. Sonnabend: Berführt und entehrt, oder: Die Berlassenen. Zirkus Busch Walhalla abends 7, Uhr: Gala- Vorstellung! Neueste und größte Sensation! Sturz aus der Höhe v. 6 Etagen ( Mons. Gadbin). Jokoda- Truppe! Driginal Japaner, 12 Berfonen. Herr Kommissionsrat Gustav Stensbeck, Direttor des Berl. Tattersall Herr E. Schumann, Neudreſsuren. Fräul. Est. Préval, Schulreiterin. Um zirka 101: Auf der Hallig! Sonntag, den 15. März: Zwei große Gala- Vorstellungen. Palast- Theater Burgstr. 24. Bhf. Börse. Ringkampf- Konkurrenz Preis von Berlin: 10 000 Mark. Ali Ogli, Turteftan, gegen Illa, Infel Ruba. Variete Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenthaler Tor. Abends 8 Uhr: Das neue März- Brogramm. Die heiligen Chinesen in ihren geheimnisvollen Sitten und Gebräuchen. Gauller und Bauberspiele. Kofta der Mann mit dem breh. baren Kopf und die übrigen internationalen Stünstler. Tunnel: Bockbierfest, Reg.- Stapelle, Sänger, italienisches Drchester. Theaterbefucher freier Eintritt. Buggenhagen Moritzplatz ... im Theatersaal täglich Albert Böhme und das Bürgerfäle, Bergstraße Nr. 147. Erdmann, Berlin, gegen Krichelsdorf, großartige März- Programm. Sonntag, ben 15. März 1908: Unsere Frauen. Luftspiel in 5 Aften von Moser und Schönthan. Anjang 7 Uhr. Opollo Theater Gastspiel- Verlängerung 9 Yvette Guilbert, französische und englische Lieder. Ab 8 Uhr: Die erstklassigen Attraktionen. 1. a: Paul Spadoni The black Diamonds Die vier Athlétas und Mitislaw der Moderne mit Mia Werber ats Gaft. Passage- Theater. Abends 8-11 Uhr. Hanako Japans größte Tragödin mit ihrem Ensemble und das glänzende Berlin. Ferner: Pohl- Abs II, Deutschland,' gegen Woldt, Berlin, Hallmann, Berlin, geg. Bau, Elberfeld. Raykowicz, Serbien, gegen Kornatzki, Bolen. Anfang 8 Uhr. Beginn der Ringtämpfe: 9%, Uhr. Gebr. HerrnfeldTheater. Anfang 8 Uhr. Borbert. 11-2 Uhr. Jedes Wort ein Schlager! so lautet das Referat über Salomonifches Urteil. Nachspiel zu Anfang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 Pf. Sennt. reserv. 1 M. Entree 50 Bf. Familienbill. a 40. Im unteren Stonzertsaal täglich bie allerersten MilitärKapellen: Beder, Przywarsti, Görisch, Neumann, Offeneh, Lüttich. Begen Rheumatismus Gift Hofgunst. Morgen: Krieg im Frieden. Sanssouci Kottbuser Straße 6. Direttion: Wilhelm Reimer, Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoffmanns Norddeutsche Sänger und Tanzkränzchen. Beg. Sonnt. 5, wochent. 81. Gustav BehrensTheater. Berlin W., Goltzstr. 9. Gr. Damen- Ringkampf Preisgekrönte Ringerinnen. Neu! Richter als Walzerkönig. Boffe in 1 Aft. 16 Spezialitäten. DuskesVitograph. Anfang 8 Uhr Sonntags 5%, Uhr. 光速 肉 ie follen wir W unire Kinder ohne Prügel erziehen? Bon J. Borchardt Preis 30 Pfennig Der Berfaffer geht von dem Gedanken aus, daß das Prügeln in der Schule zu verwerfen fei, baß aber auch das Prügeln ber Kinder im Hause für die körperliche und geistige Entwickelung des Kindes verderblich ist. Er gibt vielfache An. regungen, wie die Eltern ihre Kinder ohne Prügel erstehen können. Zarembas Burgunder Pechpflaster. Buchhandlung Vorwärts Drogerie Weinbergdweg 1, direkt am Rosenthaler Tor. Berlin SW. 68. Zentralverband der Steinsetzer, Pflasterer u. Berufsgen. Deutschlands. Achtung! An die Verbandsgenossen der Filiale Groß- Berlin der einsetzer, Pflasterer und Berufsgensffen Deutſchlands. Den Verbandsgenossen zur Kenntnis, daß am Montag, den 9. d. Mts., der paritätische Arbeitsnachweis in Kraft getreten ist und werktäglich die Eintragungen in den Listen bezw. die Papa und Genossen Arbeitsvermittelung von nachmittags 4-7 Uhr im Städtischen Beide Stüde mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in ben Hauptrollen. Sonntag 3 Uhr: Es lebe das Nachtleben. März Programm. Happoldt's Trianon- Theater. 8 Uhr. Baron Toto. 8 Uhr. Sonntag nagm. 8 Uhr: Fräulein Iwan Padoubny, meister, Josette- meine Frau. Rußland, gegen Weltmeister, Raoul de Lyon, Frankreich. Jakob Koch, Deutschland gegen Bernard, Belgien. Max Schneider, Bergen, Savanné, Rheinland. Entscheidungskampf Gambier II, Frankreich, gegen Schibilski, Berlin. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Zum Schluß: Neu: HusarenStreiche. Anfang: Bochent. S Sonnt. 71. Neuer Konzertsaal Jeden Dienstag, Donnerstag und Sonntag: Großes Militär- Konzert. L. Katz& Co. Spandauerstr. 45, a. Molkenmarkt Filialen: Ecke Kaiser- u. Schillingstraße Rixdorf, Bergstraße 65, am Bahnhof. Brandenburg a. H., Hauptstraße 59/60. Größtes Spezialgefchäft sämtlicher GastwirtsArtikel. Zentral- Arbeitsnachweis, Rückertstraße 9, linker Aufgang II, für Fach- Arbeitsnachweiß unter Vorzeigung der Begitimationspapiere erfolgen. Die Ortsverwaltung. Meiner hochgeehrten Kundschaft von Teltow und Umgebung die ergebene Mitteilung, daß ich mein Barbier. und Friseurgeschäft an Herrn Ballier verkauft habe. Indem ich für das mir geschenkte Wohlwollen hierdurch meinen besten Dank sage, bitte ich, dasselbe auch auf meinen Nachfolger übertragen zu wollen. Hochachtungsvoll Max Hattwich, Breitestraße 4. Unter Bezugnahme auf obige Mitteilung empfehle ich mich als Nachfolger des Herrn Hattwich und bitte, das demselben geschenkte Vertrauen auch auf mich zu übertragen. In ergebener Hochachtung Hugo Ballier, Barbier und Friseur. Teltow, 9. März 1908. Spottbillig! Engl. Bettstellen m. Matraße, in Satin v. 55 Wt. an. Kleiderschränke, Vertiko b. 35 M. an. Möbel = Gegen Kasse! Sofas, Kücheneinrichtungen, Tische, Stühle uft. Spiegel, Spiegelspinden b. 20 M. an. Kein Laden! M. S. Weber, Prenzlauerstr. 49( nabe Alexanderplat), I. Etage. Gesundheit ist Reichtum! Bade Berlin- Ost im ,, Bad Frankfurt" Große Frankfurterstr. 136. SOOLKLEIE SCHWEFEL BADER Medizinische Bäder aller Art in werktäglich ununterbrochen geöffneten Sonder- Abteilungen für Damen 466L und Herren. FIGHTENNADEL 2 Wannenbäder mit je 2 Handtüchern 75 Pf.( 40 Minuten Badezeit.) Lieferant sämtlicher Krankenkassen. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Heute Freitag, abends 81%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15: Sitzung der Ortsverwaltung. Die Bibliothek wird am 25. März wegen Juventur gefchloffen. Bis zum 25. März müssen alle Bücher abgeliefert werden. Nene Bücher werden vom 16. März ab bis zur Beendigung der Inventur nicht mehr ausgegeben. Achtung! Korbmacher! Achtung! Montag, den 16. März, abends 81, Uhr: Außerordentliche Zwei 6. Wahlkreis. Sonntag, den 15. März 1908, abends 6 Uhr: Versammlungen für Männer und Frauen 1. im Kolberger Salon( B. Raabe), Kolberger Straße 23: 1. Bortrag des Genoffen Wilh. Düwell über: Die göttliche Weltordnung". 2. Diskussion; 2. bei Wilke, Brunnenstraße 188: 1. Bortrag des Genoffen Bartels über: Terrorismus". 2. Distuffion. 8u recht zahlreichem Besuch laben ein Die Abtellungsführer. Nach den Versammlungen: Gemütliches Beisammensein mit Tanz. Sozialdemokratischer Wahlverein Branchen- Versammlung des sechsten Berliner Reichstagswahlkreises. im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 8. Zages Ordnung: 1. Die Verhandlungen mit den Unternehmern wegen der Geschoktörbe. 2. Branchenangelegenheiten. Branche der Kistenmacher. Sonnabend, den 14. März: Großer Wiener Maskenball in Anton Bökers Festsälen, Weberstr. 17. Um rege Beteiligung ersucht Der Obmann. Zentralverband der baugewerbl. Hülfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. Sektion der Putzerträger. Am Sonntag, den 15. März, vormittags 11, Uhr, im Lokal von Obiglo, Schwedterstraße 23: Mitglieder- Versammlung. Sektion der Dachdeckerhülfsarbeiter. Sonntag, 15. März, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15, Saal 7: Mitglieder- Versammlung. Freitag, den 13. März, abends 8 Uhr, in der Kronen- Brauerei", Alt- Moabit 47/49: Großer astronomischer Vortrag gehalten von Herrn Dr. Archenhold, Direktor der Sternwarte in Treptow. 100 Lichtbilder. Thema: Wanderungen durch das Weltall. Juftriert durch über traße 10; Freitag, den 20. Wiars, in der Brauerei Groterjan, Schönhauser Allee 130. Die nachfolgenden Vorträge finden statt Dienstag, den 17. März, in den Germaniasälen, Chauffee. März, Gültig zu allen Vorträgen find die Billettnummern 29 501-34 500. Billetts sind bei den Bezirksführern and im Bureau zu haben. Sonnabend, den 14. März 1908: Stiftungsfest im Palaft- Theater, St.- Wolfgang- Straße, Ecke Burgstraße. Konzert Spezialitäten Theater Festrede. Festrede. Massengefänge. Ausgeführt von mehreren Gesangvereinen Eintrittskarte 25 Pf., an der Kaffe 30 Pf. -O ( M. d. A.-S.-B.). Anfang abends 8 Uhr.- Der Vorstand Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- u. Zementbranche. Berliner ArbeiterRadfahrer- Verein" Mitglied des Arbeitere Radfahrer- Bundes Solidarität". Touren zum Sonntag, den 15. März: 1. Abt. 2 Uhr: Steglitz( Birkenwäldchen). Start: Bülowftr. 58. 2. Abt. 1, Uhr: Hermsdorf. Start: Fontane- Bromenade. 3. bt. früh 7 Uhr: Beeliz. 1 Uhr: Wannsee. Start: Mariannenplag. 4. Abt. 12 Uhr: Schönholz( Baum gärtner). Start: Küstriner Blaz. 5. Abt. 2 Uhr: Haffelwerder. Start: Elysium. 6. Abt. 1, Uhr: Bichelswerder ( Freund). Start: Oderberger Str. 28. 7. Abt. 1 Uhr: Bernau( Elysium). Start: Grenzstr. 21. 8. Abt. 2 Uhr: Hafenfelde. Start: Waldstr. 8. 9. Abt. 4 Uhr: Baumschulenweg ( 3abang). Start: Gewerkschaftshaus. 10. Abt., Jugendabteil., 11, Uhr: Bernau. Start: Kasino- Theater. Die Sigungen finden jeden dritten Mittwoch im Monat bel Wilke, Brunnenstr. 188, statt. Bankow- Schönhausen i Uhr: Hafenfelde. Start: Bahnbrücke. Dr. Simmel Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, Moritzplatz, dicht am 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Sofastoffe Riesenauswahl aller Qualitäten. Hüsch- Reste! Moquetts. Satteltaschen. Muster b. näh. Angabe franko. Emil Lefevre, Oranienstr. Berlin, 158. Zura 18. März Soebe erschien: WahlrechtsProtestkarte. 100 Stüd 3 Mart. Häidler erhalten Muster gratis. Rauh& Pohle, Leipzig. Sektion der Töpferträger Gruppe der Zementierer, Einschaler und Hülfsarbeiter. Gänsefedern Montag, den 16. März, tm Restaurant Wohlfahrt, Rosenthalerstraße 58: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. Sollten Mitglieder der Freien Bereinigung noch nicht im Besitz des Mitglieds buches sein, so legitimiert die Karte. In Anbetracht der ernsten Situation erwarten wir, daß jedes Mitglied in diesen Versammlungen erscheint. Der Zweigvereins vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Arbeitsnachweis: Hof I. Amt 3, 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Charitéstraße 3. Hof III. Amt 3, 1987. Sonntag, den 15. März, vormittags 9%, Uhr: Mitglieder- Versammlung für die Branche der Eisen-, Metall- und Revolverdreher im gr. Saale d. Vereins Berliner Musiker, Kaiser Wilhelmstr. 18m. Zages Drdnung: 1. Vortrag des Genoffen Ströbel über: Die fetige politische Situation. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten und Berschiedenes. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Ohne Mitgliedsbuch kein Butritt. Montag, den 16. März, abends 8 Uhr: General- Versammlung in der Neuen Welt", Hasenheide 108/114. Zages Ordnung: 1. Jahresbericht der Ortsverwaltung für 1907. 2. Rassenbericht und Bericht der Revisoren. 3. Neuwahl des ersten Bevollmächtigten, des zweiten Staffierers, zweier Revisoren und zweier Beifizer. 4. Stellungnahme zum Gewerkschaftsfongreß. Ausstellung der Kandidaten zum Kongreß. 5. Endgültige Stellungnahme zu dem Antrag betreffend die anderweitige Busammensetzung der Generalversammlung. 6. Festsetzung der Ur abstimmung hierüber. 7. An die Verwaltung gelangte Anträge. Ohne Mitgliedsbuch fein Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Zentralverband d. Steinsetzer, Pflasterer u. Berufsgenossen Deutschlands. Bahlbezirke der Sektion I( Steinseher). Am Sonntag, den 15. März, vormittags 10 Uhr: Mitglieder- Versammlungen Bahlbezirt Norden: Badftr. 12. Lotal: Inhaber Herr Frisch. Nordoft: Pappel- Allee 25. Lokal des Herrn Maertins. Dften: Andreasstr. 26. Lokal des Herrn Mertowski. Tages Ordnung: Stellungnahme zur Generalversammlung am 22. März. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung, Gormannftr. 28. Zentral- Krankenkaffe der Maurer ,, Grundstein zur Einigkeit". Verwaltungsstelle Berlin. Sonntag, den 15. März, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshause]: Außerordentliche Mitglieder- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Anträge zur Generalversammlung. 2. Wahl der Delegierten zu derselben. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert! NB. Die Zahlstelle SW. befindet sich Bergmannstraße 97 bei Maak. Die örtliche Verwaltung. Berantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin. Für den Sonntag, den 15. März, vormittags 10 Uhr, bei Jannascht, Inselstr. 10: Mitglieder- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Bortrag des Kollegen Otto Haese über: ,, Die Pläne der Unternehmer im Baugewerbe". 2. Disfuffion. 3. Verschiedenes. In Anbetracht der gespannten Situation im Baugewerbe ist es Pflicht eines jeden in der Zementbranche arbeitenden Kollegen, in dieser Versammlung zu er scheinen. Der Gruppenvorstand. Zum 25. Todestage von Karl Marx Das Kapital. bringen wir feine Schriften in empfehlende Erinnerung. Revolution und Konterrevolution in Deutschland. Deutsch von Karl Kautsky. Brosch. M. 1,50; geb. M. 2, 1. Band: Der Produktionsprozeß des Kapitals. 4. Aufl. M. 9,-; in Halbfranz geb. M. 11, 2. Band: Der Birkulationsprozeß des Kapitals. 2. Aufl. M. 8,-; in Halbfranz geb. M. 10, 3. Band: Der Gesamtprozeß der fapitalistischen Produktion. 2. Teile.. 10,-; in Halbfranz gebunden M. 14,-. Die Klaffenkämpfe in Frankreich 1848-1850. Mit einer Einleitung von Fr. Engels. R. 1,-. Der Bürgerkrieg in Frankreich. Adresse des Generalrats der Internationalen Arbeiter- Affoziation. M. 0,30. Lohnarbeit und Rapital. Separatabdruck aus der Neuen Rheinischen Beitung" vom Jahre 1849. Mit einer Einleitung von Friedrich Engels. Neu herausgegeben von R. Kautsky. M. 0,75; Agitationsausgabe M. 0,25. Das Elend der Philosophie. Antwort auf Proudhons Philofophie des Elends". Deutsch von Eduard Bernstein und Karl Kautsky. Mit Vorwort und Noten bon Fr. Engels. Brosch. M. 1,50; geb. M. 2,-. Marg vor den Kölner Geschworenen. Prozeß gegen den Ausschuß der rheinischen Demokraten wegen Aufrufs zum bewaffneten Widerstand( 9. Februar 1849). Mit Vorwort von Fr. Engels. Neue Auflage. M. 0.20. Das kommunistische Manifeft. Bon Karl Marg und Friedrich Engels. Siebente autorisierte deutsche Ausgabe mit Vorwort von Karl Kautsky. M. 0,50; billige Ausgabe M. 0,20. Der 18. Brumaire des Louis Bonaparte Diese Broschüre gegen den Drganisator des Lumpenproletariats ist wohl die glänzendfte Streit. Schrift von Karl Mary; fie enthält auch eine äßende Kritik der politischen Feigheit und Halbheit des Bürgertums". M. 1,-. Zur Kritik der politischen Oekonomie. Herausgegeben von St. Kautsky. Geb. M. 2,50. Jahrzehnte lang war diese 1859 erschienene Schrift, die Borläuferin des Kapitals", im Buchhandel bergriffen; die jetzige Ausgabe ist mit einem Borwort des Herausgebers versehen. Theorien über den Mehrwert. Aus dem nachgelassenen Manuskript: 8ur Kritik der politischen Defonomie". Herausgegeben von Karl Kautsky. 1. Band: Die Anfänge der Theorte vom Mehrwert bis Adam Smith. M. 5,50; geb. M. 6,-. 2. Band: I. Teil: David Ricardo. M. 5,50; geb. M. 6,-. 3. Band: II. Zell: David Ricardo. M. 5,-; geb. M. 5,50. Aus dem literarischen Nachlaß von Karl Marx, Friedrich Engels und Ferdinand Laffalle. Herausgegeben von Franz Mehring. 4 Bände. Gebunden statt M. 31,- nur M. 20,-. Ferner empfehlen wir Bilder von Karl Marx. Bapter| In Orig. Kupferradierung auf chinesischem Papier Größe 85 X 65 cm. Preis M. 4, Photographie auf steifem Starton Größe 38 X 32 cm. Preis M. 1,-. Expedition des ,, Vorwärts", Berlin S. 68, Lindenftr. 69( Laden). Tischler- Verein zu Berlin. ( E. H. Nr. 89.) Sonnabend, den 14. März, abends 8, Uhr, Melchiorftr. 15: Versammlung. Lichtbilder- Vortrag des Afrikareisenden Herrn C. Hoffmann: Eine Reise in Ostafrika. Billettausgabe zum Thalia- Theater am 12. April. Zahlen der Beiträge. Gäfte( Damen und Herren) willkommen. Der Vorstand. liefert frto. ftiel- und staubfrei, schnec weiß, daunenreich, pr. Pfd. M. 1,40, dieselbe geschliff. M. 2,40.( Muster grat.). Schneier, Myslowitz, Schles. Nr. 4. moderne Ketten, Charlottenburg. Solide Uhren, Reparaturen an uhren u. Goldwaren preiswert u. gut. Friedrich Stahenow, az Warbans). ( am Rathaus). Kein Laden! Guter Schnitt! Neu eingerichtete Detail- Abteilung. Berl. Herren- Bekleidungs- Industrie! 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Der Borstand. Königs-Wusterhauseu. Den Parteigenossen zur Kenntnis, daß am heurigen Freitag, T'/g Uhr abends, eine Flugblattverbreitung vom Lokale der Witwe Lange aus stattfindet. Es ist Ehrenpflicht eines jeden Parteigenossen, da uns nur wenige Tage zur AgitationS- arbeit für die Gemeindewahl übrig bleiben, zu erscheinen. Der Vorstand. Hohen-Schönhausen. Am heutigen Freitag, abends 7 Uhr. findet eine Flugblattverbreitung zur Gemeindevertreterwahl statt. ES ist Pflicht der Parteigenoflen. recht zahlreich und pünktlich in ihren Bezirkslokalen zu erscheinen. berliner JVadmcbten« Die Blute der Nation. --- UZ ist Mitternacht vorüber. Wir stehen an der Jannowitz. brücke, unserm dritten Begleiter nachblickend, den das Rattern des soeben einfahrenden Zuges mitten aus unserer ernsten Unterhalwng aufgeschreckt hatte. Wir setzen die abgerissene Diskussion nun zu zweien fort, im gemütlichen Schlender- schritt unseren heimatlichen Gefilden zusteuernd. In den Pfützen der Straße spiegelt sich der Schein der Laternen, und die vorbeisausenden Automobile überziehen die Passanten von oben bis unten mit dem allerschönsten Spritzwurf. Plötzlich dringt durch die Stille der Nacht der Klang verworrener Männerstimmen, aus rauhen Bierkchlen schallte heiserer, lärmender Gesang, der mit dem Näherkommen sich entsprechend verstärkt. Die Straßengänger bleiben überrascht stehen und sehen sich erwartungsvoll um. Hinter den dunklen Scheiben der Wohnungen tauchen weiße Nachtmützen und Zipfelhaufcen auf, gespensterhafte Gestalten husdhen hin und her, die ver� ängstigten Gesichter scheinen zu fragen:„Macht denn die rote Gesellschaft schon wieder Demonstrationen?" Oder sind es hun- gernde Arbeitslose, die zu mitternächtiger Stunde das soziale Gewissen des Bürgertums aus seinem Dornröschenschlaf er- wecken wollen? Und wo bleiben denn die Hüter der Ordnung, die blinkenden Helmspitzen, die blitzenden Säbel, die galop- piercnden Pferde und die drohenden Browningpistolen? Nichts von alledem läßt sich blicken. Immer näher rückt das Unheil, immer lauter setzen die Stimmbänder ein, aber das Auge des Gesetzes wacht diesmal sonderbarerweise nicht. Ein köstliches Vexierbild, wo ist der Schutzmann? Wer löst das Rätsel? Und die bange Frage beunruhigt uns friedliche, polizeigcwohnte Bürger in hohem Maße. Ein Königreich für einen Schutzmann! Nichts rührt sich!„Wo wird er weilen, was wird er treiben, wo wird er Eingegangen sein? Vielleicht sitzt er setzt..."— 9hin sind die stimmgewaltigen Männer bei uns ange- langt. Keine Wahlreckstskämpfer sind's, keine arbeitslosen, hungernden Proletarier: ach nein, die da singen und lärmen haben des Lebens Stürme noch nicht erprobt, haben noch nicht erfahren, waS es heißt, rechtlos den Nacken zu beugen im kapitalistischen Joch! Ach, sie sind ja durchweg nach dem neuesten Schnitt gekleidet, aus den wohlgenährten Gesichtern spricht sattes Behagen und aus den gläsernen, weinseltgen Äcuglcin glänzt ungetrübte Lebenslust, ungebrochener Jugendmut. Wahlrecht, Volksrechte, Arbeitslosigkeit— Quatsch, lächerlich, sich mit solchem öden Philisterkram abzu- geben, ein Studentenherz befaßt sich mit solch plebejischen Dingen selbstverständlich nicht. Stundcnten? Freilich sind's Musensöhne, alberne Frage, sonst war doch auch ein Schutz- mann da. Im Gänsemarsch ziehen sie vorüber. Die kleine Mütze im Genick, von den wcinrotcn Gesichtern heben sich kreuzweise alte und neue Schmisse ab und über die Brust läuft schräg ein schmales buntes Band. Sie reißen die Kinn- laden auf, daß ein Heuwagen darin umkehren könnte und der nicht allzudünnen Stimmritze� entströmen ununterbrochen allerlei unartikulierte Laute. In den Händen aber schwingen die„teutschcn Burschen" fürchterliche Knüppel, mit denen sie kriegerisch in der Luft herumfuchteln, daß es den Vorübergehen- den angst und bange wird.„Die Blüte der deutschen Nation", bemerkt mein Begleiter, als der tolle Spuk vorüber ist. Wir aber schütteln skeptisch das Haupt:„O ein. wie schlöß' ein Hirn so eng und klein, die Blüte eines Volkes ein?" Und unsere Gedanken schweifen zurück nach den Räumen der Arbeiterbildungsschule, die wir eine Stunde vorher ver- lassen hatten. Wir sehen die harten, ernsten Gesichter der Hörer, vom Jüngling bis herauf zum gereiften Mann, wie sie nach schwerer, physischer 9— 10 stündiger Tagesarbeit mit brennenden Augen, niit Fleiß und Aufmerksamkeit den histo- rischen Darlegungen des Vortragenden folgen und sich in die entferntesten Epochen der Weltgeschichte versenken, wie sie mit steifen, ungelenken Fingern Notizen an das vor ihr liegende Schreibheft eintragen oder auch stenographiert das Gehörte fixieren. Hier offenbaren sich Kraft, Intelligenz, hier erstehen die reichen, sittlichen Werte, die unbeachtet in den Tiefen des Volkes schlummern. Hier steigen Kämpfer empor, in deren Herzen eine reine, edle, sittliche Welt- ansckjrniung wurzelt, die mit ungebrochener Kraft den Hammer schwingen helfen, dessen wuchtige Schläge den Klassenstaat in seinen Grundfesten erschüttert. Neue Gemcindeschulen und neue Schulhäuser. Zu Be- ginn des Sommerhalbjahres 1908 werden sechs neue Ge- meindeschulen eröffnet werden: in der Senefelderstraße die 288. und die 289. Schule, in der Tanziger Straße die 290. Schule, in der Seestraße die 291. Schule, in der Kolonie- straße die 292. Schule, in der Straße Alt-Moabit die 293. Schule. Nur in der Senefelderstraße können die beiden neuen Schulen sofort ein eigenes Schulhäus beziehen, das zum April fertig werden soll. In der Danziger Straße sowie in der Seestraße werden die beiden neuen Schulen bis auf weiteres in Baracken einquartiert, in der Koloniestraße und in der Straße Alt-Moabit können den beiden neuen Schulen nur Mietsräume zur Verfügung gestellt werden. Neue Schulhäuser sollen auch noch in der Eckertstraße, in der Frankfurter Allee und in der Litauer Straße zum April fertig werden. Sie sind bestimmt für sechs schon bestehende Gemeindeschulen, die bisher in Mietsräumen Hausen mußten. Religionsunterricht mit der Elle gemessen. Die.Pädagogische Zeitung" bringt eine nicht üble Betrachtung über das Thema: „Das Alte Testament im evangelischen Religionsunterricht." Der „Schulbote" für Hessen hat nachgewiesen, daß in den evange- tischen Schulbüchern die Geschichten des Alten Testaments n-och ausführlicher behandelt wer- den. als in den israelitischen Historienbüchern. Es war da das in Hessen-Darmstadt benutzte Buch für evangelische Kinder mit der für jüdische Kinder bestimmten„Biblischen Ge- schichte" eines Rabbiners verglichen worden. Dabei hatte sich er- geben, daß in der Wissensquelle evangelischer Kinder auf eine ganze Reihe von Geschichten etwa noch einmal soviel Raum verwendet worden ist. als in dem Geschichtenbuch, aus dem Israels Nach- wuchs sein Wissen schöpft. Die„Pädagogische Zeitung" macht nun darauf aufmerksam, daß bei uns m Berlin die Dinge ähnlich liegen. Sie vergleicht die hier benutzte„Biblische Geschichte" von Fischer und Scholz(Ausgabe für Volksschulen, 1L03) mit den„Bib- lischen Erzählungen für die israelitische Jugend" von Dr. Auer- dach(kleine Ausgabe, 1906). Da werden herausgczählt: Schöpfung Kam und Abel Turmbau zu Babel....... Abraham und Lot....... Untergang SodomS und GomorrhaS Isaak gewinnt Rebekka....... Esau und Jakob........ Moses und Aron vor Pharao bis zum Auszug......... Zug durch die Wüste: Israel murrt. Kampf gegen die Amaleliter.... Mirjams Tod die Israeliten", bemerkt hierzu die„Pädagogische Zeitung". Dieses Lehrerblatt weist schließlich noch darauf hin, daß„das Ver- hältnis sich noch mehr zu unseren Ungunsten verschiebt," da den Erzvätern im evangelischen Buch 35 Seiten eingeräumt seien, im jüdischen zwar 37 Seiten, aber 37 Seiten kleineren Formats mit reichlichem Fettdruck und durchschnittlich weniger Buchstaben auf der Reihe. Welche Schlüsse werden hieraus von den Berliner Lehrern gezogen werden? Tut nichts, das Christenkind wird verhauen, wenn es in seinen Schädel nicht die alt- jüdischen Märchen hincinkricgt, die sogar den Juden kaum noch des Auswendiglernens wert erscheinen. Bon der gewissenhaften Berichterstattung der StSckerblatter gaben wir in der vorgestrigen Nummer im Vorortteil wieder mal eine Probe. Heute muffen wir schon wieder eine Fälschung oder Dumm- hcit des edlen Zeiwngsgeschwisterpaarcs festnageln. Aus unserm Bericht in der Dienstagnummcr über die Generalversammlung des Verbandes der Wahwcrcinc Berlins und Umgegend entnahmen die Zeitungsschreiber in der Königgrätzer Straße eine Reihe Ziffern über das Wachstum der Parteiorganisation Groß-Berlins, die ihnen anscheinend imponiert haben. Wohl um den Eindruck abzu- schwächen, fügen sie dann hinzu, daß„die Mitgliedschaft im ersten Kreis kaum hundert betrug". Um einen Satzfehler kann es sich bei dieser falschen Angabe nicht gut handeln. Aus unserer Tabelle am Dienstag ging klar hervor, daß die Mitgliedschaft im ersten Berliner Reichstogswahlkreisc Ende Dezember 1S06 614 und Ende Dezember 1907 784 betrug, mithin in dem einen Jahre ein Zuwachs von 170 Mitgliedern zu verzeichnen war, was relativ ein beträcht- licher Fortschritt ist. Entweder fälschen die Stöckerlinge mit be- rechnender Absicht, oder sie sind zu liederlich und denkfaul, um klar gedruckte Ziffern und Sätze zu kapieren. Macht man sich einmal die unangenehme Arbeit, diese Sorte Presse auf ihren Inhalt genau zu prüfen, so stößt man auf jeder Spalte mindestens auf ein halbes Dutzend Dummheiten und Unrichtigkeiten. Vorige Woche ließ das„Reich" gelegentlich der Reichstagsrede des Genossen Robert Schmidt diesen als den„Beherrscher der Vorwärtsdruckerei" aufmarschieren, wie cS früher schon den Genossen Ledebour zum „Schwiegersohn Bebels" ernannt hatte. Der Intellekt der Leser dieser Blätter muß wohl mit dem der Redakteure auf gleicher Höhe stehen, sonst ließen sie sich Wich nicht fortgesetzt ein solches Ge- misch von Unwahrheiten, Bosheit und Dummheit gefallen. Neue Vorschriften für Drucksachen. Die Vorschriften über Drucksachen sind vom Rcichs-Postamt jetzt in neuer, zum Teil ab- geänderter Fassung für die Postämter zusammengestellt worden. Sie betreffen insbesondere die Vervielfältigungen mit der Schreib- Maschine, wie sie durch die mannigfache EntWickelung dieses Zweiges notwendig geworden find. Gegen die ermäßigte Taxe werden befördert: alle durch Buchdruck, Kupferstich, Stahlstich, Holzschnitt. Lithographie. Metallographie, Photographie, Hekto- graphie, Paprygraphie, Chromographie oder ein ähnliches mechanisches Verfahren vervielfältigten Gegenstände, die nach ihrer Form und sonstigen Beschaffenheit zur Beförderung mit der Briefpost ge- eignet sind. Briefe dürfen den Drucksachen nicht beigefügt werden. Die Drucksachentaxc wird auch auf solche Vervielfältigungen der mit der Schreibmaschine hergestellten Schriftstücke angewandt, die durch die bezeichneten mechanischen Verfahren gewonnen sind, auf die mit dem Cyclostyle-Kopierapparate, dem Edison-Mimcographen und dem Multiplikator erzielten Vervielfältigungen sowie auf die durch Kautschukbuchstaben unter Verwendung eines Stempels oder Typenhalters hergestellten Drucksachen. Autographierte Schrift- stücke usw. werden den lithogarphierten, durch Kallographie oder mit dem sogenannten Typographen hergestellte Schriftstücke den metallographierten Schriftstücken, Lichtpausen den durch Photo- graphie vervielfältigten Gegenständen gleichgeachtet. Abziehbilder, die durch eins der bezeichneten VervielfältigungSvcrfahren hergestellt sind, können ebenfalls gegen die Drucksachentaxe befördert werden. Von der Beförderung gegen die ermäßigte Taxe sind dagegen aus- geschlossen die mittels des Durchdrucks, der Kopierpresse und der Schreibmaschine hergestellten Schriftstücke, ferner Drucksachen, die Zeichen tragen, welche eine verabredete Sprache darzustellen ge. eignet sind. Durch Prägedruck auf Kartonpapicr hergestellte Zeichenvorbildcr sind aber zur Beförderung gegen die Drucksachen- taxe zugelassen. Unentwertete und entwertete Postfreimarken sind als Drucksachen zulässig. Die ermäßigte Taxe findet auch An- Wendung auf solche Drucksachen, die durch verschiedene Verviel- fältigungsvcrfahren, z. B. teils durch Buchdruck, teils durch Hekto- graphie, hergestellt sind. Ebenso ist die Ausfüllung gedruckter usw. Formulare durch Abdruck einzelner Kautschukbuchstaben oder Kaut- schukzahlen zulässig. ES kann dies geschehen bei Zahlenauf- forderungen, Lieferscheinen. Ausweispapieren usw.. wie überhaupt aller Formulare, deren Zweck es mit sich bringt, daß jede einzelne Ausfertigung einen teilweise anderen Text enthält. Fortgesetzte Diebstähle und Betäubungen auf den hiesigen Güterbahnhöfen haben die Acltestcn der Berliner Kaufmannschaft veranlaßt, um strengere Ucbcrwachung der Abladestcllen auf den Bahnhöfen zu ersuchen. In der letzten Zeit sind ständig Klagen darüber eingelaufen, daß auf den Güterbahnhöfen und ganz be- sonders aus dem Nordbahnhof Beraubungen der Waggons vor- genommen wurden. Die Königl. Eisenbahnverwaltung kommt nur dann für den Schaden auf. wenn er durch Verlust oder Ver- Minderung der Güter in der Zeit von der Annahme zur Beförderung bis zur Ablieferung entsteht. Die Aeltesten der Berliner Kauf- Mannschaft haben nun die Königl. Eisenbahndirektion in einem diesbezüglichen Antrage ersucht, für eine strengere Beaufsichtigung der Ladestellen Sorge zu tragen. Die Eigentümer der Güter sollen durch eine sorgfältigere Ueberwachung der Bahnhöfe, ins- besondere der Ladegleise, nach Möglichkeit vor Beraubungen ge- schützt werden. Die Grosse Berliner schickt uns unter Bezugnahme auf unsere gestrige Notiz, daß sie neue Pläne zu den bekannten Tunnelprojekten eingereicht habe, folgende Zuschrift: „Die in Ihrer heutigen Morgenausgabe enthaltene Mittei- lung, daß die Große Berliner Straßenbahn dem Berliner Magi- strat ein neues Projekt für einen Tunnel unter der Leipziger und Potsdamer Straße überreicht habe, ist ihrem ganzen Inhalte nach falsch. Die Straßenbahn hat kein neues Projekt ausgearbeitet, konnte daher auch ein solches dem Magistrat nicht überreichen, sie hat vielmehr auf Veranlassung der staatlichen Aufsichtsbehörde schon im Sommer 1907 lediglich die Frage untersucht, wie bei dem Aus- bau des Tunnels die Möglichkeit zu wahren wäre, im Falle späteren Bedürfnisses einen Schnellverkehr durchzuführen. Die Prüfung hat diese Möglichkeit ergeben, worüber unter Ucberreichung von Eni- Wurfsskizzen der Aufsichtsbehörde berichtet wurde; von letzterer mögen die Pläne an die Stadt Berlin gelangt sein. Den Verhandlungen mit den Behörden liegen nach wie vor die ursprünglichen Entwürfe zugrunde, von denen abzugehen keine Veranlassung vorliegt." Diese Berichtigung ist recht nwrkwürdin und gelinde gesagt— dreist. In der Einleitung wird unsere Mitteilung von der Ein- reichung neuer Pläne seinem ganzen Inhalt nach für falsch erklärt und zum Schlüsse wird die Einreichung neuer Pläne an die Auf- sichtsbehörden zugegeben. Daß diese Pläne von der Großen Ber- liner nur an die Ausiichtsbehördcn und nicht direkt an die Verkehrs- deputation gerichtet sind, macht der Sache selbst keinen Abbruch: das zeigt höchstens, daß die Gesellschaft weiter auf die Begünstigung von oben rechnet, indem sie die städtischen Körperschaften weiter glaubt ignorieren zu können. Eine Betriebsstörung trat gestern auf der Vorortstrecke Nieder- schöneweide-Berlin ein. Der um 11 Uhr 10 Minuten von Nieder- schöneweide nach Berlin abfahrende Personenzug blieb plötzlich an der Treptower Rennbahn liegen. DaS Publikum wurde genötigt, auszusteigen und zu Fuß nach dem Bahnhof Treptow zu gehen. Die Ursache zu dieser Betriebsstörung soll eine defekte Eisenbahnschiene gegeben haben. Der Kriminalbeamte Kassube» Kopcnhagener Straße 26, dessen Rolle in der Parteiorganisation wir dieser Tage schilderten, hat sich unter andern auch als Mitglied des Wahlvercins für den vierten Wahlkreis unter dem Namen Karl Krutzke, Weber-Stratze 63, bei Witwe Kahnkc eintragen lassen. Da aber der Druckfehlerteufel aus der Nummer 63 die Nummer 13 gemacht hatte, so hielten wir als gewissenhafte Chronisten es für notwendig, mit minutiöser Ge- nauigkeit festzustellen, wo sich Krutzke alias Kassube aufgehalten hat. vcber einen Mordversuch und Selbstmord wird gemeldet: Der 22jährige Kaufmann Wrede versuchte gestern abend die am 17. März 1888 zu Homsberg, Kreis Osterode, geborene Buchhalterin Käthe Walewski im Flur des HauseS Krcfelder Straße 3 durch mehrere Revolverschüsse zu töten. Darauf flüchtete er und schoß sich vor dem Grundstück Alt-Moabit 83c eine Revolverkugel in die linke Schläfe. Noch lebend wurden beide nach dem Krankenhause Moabit gebracht, wo W. bald darauf gestorben ist. Der Beweggrund zu der Tat des W. war verschmähte Liebe. Das Geheimnis ber Perlenkette. DaS tiefe Dunkel, das die Affäre«des verschwundenen Perlenhalsbandes der Gräfin von Wartensleben umgibt, ist immer noch nicht gelichtet worden. Die Kriminalpolizei hat ihre Nachforschungen fortgesetzt, aber der Wer- bleib der wertvollen Perlen konnte nicht ermittelt werden. Die Angelegenheit, die schon von Anfang an recht mysteriös war, ist im Laufe der Untersuchung noch geheimnisvoller geworden. Die Zofe der Gräfin, Frau Martha Steger aus Frankfurt a. M.. die anfänglich allein für eine cttvaige Täterschaft in Betracht kam. wurde mehr und mehr entlastet und ist gestern endlich vom Unter- suchungsrichter aus der Haft entlassen worden. Die Untersuchung ist gegen' sie mit aller Sorgfalt und Vorsicht geführt worden, sie hat aber nichts ergeben, was die Zofe der Gräfin ernstlich belaste» konnte. Dagegen hat die Kriminalpolizei ihre Recherchen nach einer anderen Richtung hin fortgesetzt, und die Affäre ist nicht zum wenigsten dadurch verwickelter geworden, daß sie von Erpressungen gegen die Gräfin Wartenslebcn begleitet wird. Die Kriminal- Polizei neigt sogar der Annahme zu, daß wahrscheinlich gar lein richtiger Diebstahl vorliegt. Wegen Sittlichkeitsvergehcn, begangen an schulpflichtigen Kindern, verhaftet wurde der 52 Jahre alte Friedrich Kämpfcrt, Pankstr. 42a wohnhaft._ Verhaftung eines Wüstlings. Gestern morgen wurde durch die Kriminalpolizei der Schrift- stellcr Dr. Riedel, der in der Leipziger Straße 35 seine Wohnung hat. verhaftet. Bereits vor 114 Jahren nahm sich seinetwegen das 16 Jahre alte Mädchen Benst aus der Ackerstraße daL Leben, indem es sich in den Landwehrkanal stürzte. Gestern hat sich die erst� im Februar aus Schlesien hier eingetroffene 15 Jahre alte Elisabeth Klimert, die in der Stcphanstr. 4 als Dienstmädchen in Stellung war und ebenso wie die Benst durch den Riedel verge- waltigt wurde, durch Vergiften das Leben genoinmen. Riedel war bereits im Februar vergangenen Jahres verhaftet worden, wurde aber damals bald wieder auf freien Fuß gesetzt. Bei dem im No- vember vergangenen Jahres stattgefundencn Termin bestritt die als Zeugin vernommene Schülerin Else K. aus der Oppelner Straße die vorher der Behörde gemachten Angaben. Das Gericht beschloß eine Aussetzung des TcrmineS, um weitere Recherchen in dieser Sache von der Kriminalpolizei vornehmen zu lassen, die dazu führten, daß festgestellt wurde, daß Riedel mit Hülfe von Detektivs die Eltern und das Kind selbst zur falschen Aussage beeinflußt hatte. Die Elisabeth Klimert wurde auf einem Wege zu einer Vermittelung von Riedel auf der Straße getroffen, mit- geschleppt, in der Wohnung durch Liköre und Wein trunken gemacht und dann von Riedel vergewaltigt. Riedel wurde gestern morgen dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Ein folgenschwerer Unglücksfall ereignete sich gestern nach- mittag in der Turmstraße. Der Kaufmann Bruno Dieffenbach. Belle-Alliance-Straße wohnhaft, wollte mit seinem Zweirade die Straßenbahngleise in der Turmstraßc nahe der Gotzkowskystraße kreuzen. Er blieb hierbei mit dem Vorderrade in einer Schiene stecken und stürzte um. In demselben Moment kam ein Straßen- bahnwagen der Linie 12(Moabit— Görlitzer Bahnhof) daher. Ob- wohl der Führer sofort Gcgenstrom gab, vermochte er doch den Wagen nicht zum Stehen zu bringen. Der Radler wurde zwischen Plattform und Straßendamm eingeklemmt und mit zerquetschtem Brustkasten und Gliedern unter dem Wagen hervorgezogen. Auf Wm Wege zum Arzt, wohin man den Schwerverletzten brachte, starb er bereits. Die Freie Volksbühne feiert ihr Märzfest am morgigen Sonnabend, abends 814 Uhr, in der Brauerei Frildrichshain. Außer dem Sinfonieorchester unter Leitung des Kapellmeisters C. Zimmer haben ihre Mitwirkung zugesagt: der Männerchor �Kreuzberger Harmonie"(Dirigent Mvx Reinhardts und Herr Magnus Stift vom Berliner Theater(Rezitation)'. Dahlreicher Besuch der Mitglieder und ihrer Familien ist erwünscht. Einlaß- karten und Marken aGOPf. inklusive Ball und Programm siud in allen Zahlstellen zu haben. Neue Dachstuhlbriinbe. Gestern mittag wurden schon wieder zwei große Dachstuhlbrände aus dem Südosten gemeldet. Der erste um 11 Uhr aus der Wiener Straße 6g, wo das Eckhaus an der Skalitzer und Manteuffelstratze in großer Ausdehnung in Flammen stand. Die von mehreren Seiten alarmierte Feuerwehr war bald mit 4 Zügen zur Stelle und griff sofort mit allen Kräften an. Erst nach mehrstün- diger Tätigkeit konnte die Feuerwehr wieder abrücken. Der Dach- stuhl war nicht mehr zu retten. Eine halbe Stunde später brannte der Dachstuhl des Eckhauses Waldemarstr. 6 am Mariannenplatz. Dieser Brand konnte schneller gelöscht werden. Von dem Brand- stister fehlt auch heute noch jede Spur. Vermiht wird seit dem 2. März der WA Jahre alte Sohn der Lückeschen Eheleute, Neue Königstr. 75 wohnhaft. Der in einer Steindruckerei beschäftigte junge Mensch kam am genannten Tage nachmittags zwischen 2— 3 Uhr nach Hause und zog sich seinen Kon- firmandenanzug an, da er angab, nach Charlottenburg fahren zu müssen. Seitdem ist er verschwunden. Ter Knabe lvar bekleidet mit dunklem Paletot, schwarzem Kniffhut und hatte eine Uhr mit Doppelkapsel bei sich. Er hat eine außerordentlich frische Gesichts- färbe, dunkelblondes Haar und große Augen. Personen, die An- gaben über den Vermißten machen können, werden gebeten, dies bei den Eltern: Neue Königstr. 75, zu melden. Das Theater Folies Eaprice hat seinem Programm eine neue Einlage einverleibt:„Menschen", Pantomime in drei Bildern, Musik von Bela Laszky. Die roh gezimmerten Szenen sind wenig eindrucksvoll. Zögen sich die in ihnen mimenden Damen nicht ziemlich bis aufs Hemd aus, so würde überhaupt wohl jeglicher Effekt fehlen: im ersten Bilde„Liebe" macht die von der Hochzeit heimkehrende junge Försterfrau Nachttoilctte; im zweiten„Per- führung" betört die in einen offenstehenden Spitzcnschlafrock ge- hüllte Gräfin, aus dem die schwarzen Kniestrümpfe, die bauschigen Scidenhöschen und noch manches andere kokett hervorlugen, den jungen Förster; im dritten Bilde„Treue" erschießt die Försters- frau den um ihre Gunst werbenden Grafen. Beide männliche Rollen lagen in einer Hand; ebenso die beiden weiblichen. Paulette d'Oreon verstand es gleich gut, die Verführungs- künste der Gräfin spielen zu lassen, wie die Treue der Försterin glaubwürdig darzustellen. Charles Friese mimte den Förster Icbfrisch und gewinnend; sein Graf hingegen hatte etwas Steifes und Hölzernes.— Ein kleines Malheur, das die geringe Wirkung des Ganzen noch erheblich verminderte, passierte im letzten Bilde: atä die Försterin, um sich des Grafen zu erwehren, nach der an der Wand hängenden Flinte griff, ließ sich diese erst nach längerem Nesteln vom Haken herabholcn. Der Schuß schließlich hatte eine ungewollte Doppelwirkung: nicht nur der Graf mußte an ihn glauben, sondern auch das Heiligenbild der Försterwohnung, das vom Nagel fiel.— Fenerwehrbericht. Ein sehr gefährlicher Brand kam vorgestern abend in dem Keller der Kolonialwarenhandlung von C. Labes, an der Ecke der Horn- und Großbcercnstraße 27a, durch Unvor- sichtigieit zum Ausbruch. Ein'Lehrling hatte in dem Keller zu tun. Durch Fahrlässigkeit geriet dabei Petroleum in Brand. Statt sofort Lärm zu schlagen, versuchte der junge Mann vergeblich den Brand zu löschen. Schließlich versperrten die Flammen, die am Petroleum, Kisten, Regalen, Türen usw. reiche Nahrung ge- funden hatten, dem Lehrling den Ausgang. Hülferufend stand er vor dem vergitterten Kellerfcnster. Das Gitter mußte erst durch- gesägt werden, um den jungen Mann zu befreien. Die Feuer- wehr fand bei ihrem Eintreffen schon ein kritische Situation vor. Um die Flammen zu löschen, ließ Brandmeister v. Borch mit drei Schlauchleitungen Wasser geben und den Keller zum Teil unter Wasser setzen. Dieses � wurde später wieder ausgepumpt. Der Schaden ist erheblich, aber durch Versicherung gedeckt. Nachts um 13 Uhr wurde die Wehr zweimal nach der Kronenstr. 61/61a und Fricdrichstr. 118 gerufen. In beiden Fällen lagen Wasserrohr- brüchc vor. Um 11 Uhr nachts brannten in der Dieffcnbachstr. 18 Lumpen u. a. auf dem Boden des Hauses. Weitere Feuer- Meldungen liefen aus der Odcrbcrger Straße 53, Willibald-Alexis- straße 31 und anderen stellen ein.— Der gestrige Brand in der Hasenheide 117, Ecke Wißmannstraße, hat einen ganz außer- gewöhnlich großen Wasserschaden verursacht. Die Rixdorfer Feuerwehr hat mit 8 Rohren Wasser geben müssen, um die Flammen zu löschen. Das Wasser ist fast durch sämtliche vier Stockwerke bis in den Keller gedrungen. Die zahlreichen Mieter sind über die Nässe in ihren Wohnungen ganz außer sich. Gestern nachmittag sind abermals mehrere Brandstiftungen in Berlin und den Vororten vorgekommen. Am Luiscnufer 38, Ecke der Ritterstraße, stand nach 4 Uhr der Dachstuhl in Flammen. An dr e i Stellen hatte man Seegras, Lumpen, Papier usw. in Brand gesteckt. Zun: Glück gelang es noch, alle drei Brandherde bald zu löschen. Nicht weit davon, in der Skalitzer Straße 133, neben Frister u. Noßmann lNähmaschincnfabrik), brannten Papier und Stroh in Vodenverschlägen, und um 5 Uhr in der Josefstr. 8, Ecke Franzstraße, Hausrat, Lumpen usw. in Bodenverschlägen. Grober Unftig lag einer Feuermeldung aus der Schönhauser Allee 18 zu- gründe. Der Täter ist leider nicht erwischt. Der Brand einer Küche alarmierte die Feuerwehr nach der Drontheimer Straße 31 bei Pankow. In der Brunnenstr. 65 wurden Gardinen ein Raub der Flammen. Außerdem liefen noch Alarme aus der Waldemar- straße 3 und 22 ein, denen dann noch ein Alarm aus der Eisenbahn- straße 2 folgte._ Torort- JVadmchtcn. Zur ßemdndcwablbcwegung. In Hermsdorf bei Berlin«nd in Rahnsdorfer Mühle findet heute nachmittag von 2—7 bezw. von 5—072 Uhr die Gemeindewahl in der dritten Klasse statt. Da es auf jede Stimme ankommt, so versäume niemand, sein Wahlrecht auszuüben. Königs-Wusterhausen. Die Gemeindewahl für die dritte Klasse findet am Donners- tag. den 13. März, vormittags von 972 b i S 1 Uhr und nachmittags von 3 bis 6 Uhr statt. Partei- und Gewerkschafts- genossen! Durch die für die auswärts arbeitenden Wähler un- günstige Wahlzeit glaubt die Gemeindebehörde anscheinend die Arbeiterschaft von der Ausübung ihres Wahlrechts abhalten zu können. Indes hat die werktätige Bevökerung ein großes Interesse daran, daß auch in unser Dorfparlament ein sozialdemokratischer Vertreter einzieht. ES muß daher jeder Wähler eine Ehre darin sehen, für die Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten Genossen Franz Kaiser Sorge gu tragen. Läßt eS die Arbeiterschaft an der nötigen Agitation nicht fehlen, so geht unser Kandidat mit großer Sttmmenmehrheit als Sieger aus der Wahl hervor. Wildan-Hoherlehme. Für die am l7. März nachmittags von 5—8 Uhr stattfindende Gemeindevertreterwahl fand am 11. März eine öffentliche Wähler- Versammlung statt. An Stelle des nicht erschienenen Genossen Frey- waldt-Pankow legte Genosse Kaiser in kurzen Zügen die Haupt- forderungen des sozialdemokratischen Kommunallwahlprogramms dar. Die Genossen Klein, Becker und Tänzer ergänzten in der Diskussion die Ausführungen und brachten namentlich örtliche Miß- stände zur Sprache. Als Kandidaten wurden hierauf der Genosse Schumann, Gastwirt, als Ansässiger und Genosse Adolf Tänzer. Tischler, als Nichtansässiger einsttmmig aufgestellt. Zum Schluß forderte Genosse Kaiser die Versammelten auf. rege für die Gemeindevertreterwahl zu agitieren, damit die sozialdemokratischen Kandidaten als Sieger aus der Wahl hervorgehen. Neuenhagen(Ostbahnj. Am DicuStag, den 17. März, findet die Gemeindebertreterwahl statt. Die dritte Klasse wählt in der Zeit von 1—4 Uhr nachmittags, die zweite Klasse von 4—5 Uhr. Parteigenossen! Trotz der ün- günstigen Wahlzeit wird erwartet, daß jeder am Tage der Wahl seine Pflicht tut. Die kurze Zeit bis zur Wahl mutz noch intensiv für die Agitation ausgenutzt werden. Am Sonntag früh findet eine Flugblattverbreitung statt, wozu jeder Genosse erscheinen muß. Rahnsdorfer Mühle. Heute Freitag findet die Gemeindewahl für die dritte Ab- t eilung von nachmittags 5— 672 Uhr im Restaurant von W. Graf statt. Kandidat ist der Tischler M a x B o d d i n. ES ist die Pflicht der Arbeiter, vor allem aber der Parteigenossen, einmütig für unseren Kandidaten ihre Stimme abzugeben. MsMergebirift'e. Groß-Lichterfelde. Stichwahl im Bezirk Westen. Die Beteiligung an den vorgestrigen Gemeindewahlen war eine ganz enorme. Während im Osten unser Kandidat mit 282 gegen 447 Stimmen der Mittelstandspolitiker und 68 freisinnige unterlag, bot der auch von Arbeitern dichter bewohnte Westen ein anderes Bild. Die Parole„Kraftprobe zwischen Bürgertum und Sozial- demokratie", die von den Gegnern ausgegeben war, verfehlte ihre Wirkung auf die bürgerlichen, aber auch aus die proletariswen Wähler uicht. Kopf an Kopf, schweißtriefend standen die Massen der Wähler stundenlang, ehe sie ihre Stimme abgeben' konnten. Gegen 7 Uhr, als die Arbeiter in Scharen dem Wahllokal im Westen zuströmten, vermochte der Saal kaum die Masse zu fassen. Zum erstenmal hat die Sozialdemokratie in diesem Bezirk die m e i st e n Stimmen von allen Parteien erhalten. ES erhielten die Genossen: Neumann 493, Wenzel 488, Pints 483 Stimmen. Bon den Gegnern: Schirmer 452. Schulze 453, Engelmann 442, Dr. Brandis 423, Mathias 336, Hennig 134 Stimmen. Es ist daher Stichwahl zwischen den sozialdemokratischen Kandidaten: Neumann, Wenzel, Pints und Schulze, Engelmann. Schirmer. Durch die jetzt entstandene eigenartige Situation kann der Sieg unsererseits errungen werden, wenn die Genossen auch bei der Stichwahl ihre Schuldigkeit tun und alle bei der Hauptwahl säumigen Arbeiter heranziehen. Jede Minute bis zur Stichwahl muß durch intensive Agitation aus- genützt werden. Hohen-Ncuendorf a. d. Nordbahn. Bei der Gemeindevertreterwahl erhielt unser Genosse Max N e u m a n n 53, der Gegner Post- Verwalter August Walter 123 Stimmen. Letzterer ist somit gewählt. Die Gegner haben bei dieser Wahl mit allen Schikanen operiert. So wurden alte, lahme und krüppelige Wähler per Jagdwagen nach dem Wahllokal expediert, um ihr Wahlrecht auszuüben. Der Vor- sitzende des OrtSvereinS. ein tgl. Eisenbahnsekretär, hatte die gesamte Bahnbeamtenschaft aufgeboten, welche pflichtschuldigst antrat. Rechnet man noch die 43 Papierstimmen hinzu, so ist eS kein Wunder, daß Genosse Neumann unterlag. Unser Stimmenzuwachs seit dem vorigen Jahr beträgt 22. Lichtenrade. Bei der gestrigen Gemeindevertreterwahl gaben von 323 Wahlberechtigten 153 Wähler ihre Stimme ab. Davon ent« fielen aus unseren Genossen N o w e k 59 Stimmen, der bürgerliche Kandidat Gastwirt Reisel erhielt 46, Ruber 42 und Rademeier 6 Stimmen. Es findet also Stichwahl zwischen unserem Genossen Nowek und dem Kandidaten der Bürgerlichen, Reisel, statt. Der Termin dieser Stichwahl wird noch bekannt gegeben. Die Genossen werden gut daran tun, schon jetzt alle Kräfte für die Agitation zu entfalten, um die große Masse der NichtWähler an die Wahlurne heranzubringen und dadurch unserem Kandidaten zum Siege zu ver» helfen. Franz.- Buchholz. Bei der gestrigen Gemeindevertreterwahl wurden abgegeben: Im ersten Bezirk: Für den bllrger- l i ch e n Kandidaten Kruschke 63 Stimmen, für den Genossen R a d l o f f 76 Stimmen. Genosse Radloff ist gewählt. Im zweiten Bezirk: Für den bürgerlichen Kandidaten Kettelitz 99 Stimmen, für den Genossen Pohl 30 Stimmen. Kettelitz ist wiedergewählt. Pankow. Die gestrige Gemeindevertreterwahl war um lliiO Uhr abends noch nicht erledigt. Von dem Resultat können wir jedoch mitteilen, daß in, 1. Bezirk die Majorität für uns gesichert ist. Im 2. Bezirk ist unser Genosse Klemens mit 734 Stimmen gegen 536, die auf den bürgerlichen Kandidaten Brandes fielen, gewählt. Mit dieser Wahl haben wir die dritte Klasse vollständig für uns erobert; der achte und letzte Bürgerliche zieht nunmehr aus der dritten Abteilung hinaus I Charlottenburg. Die Stadtverordnetenversammlung hatte in der öffentlichen Sitzung 15 Punkte zu erledigen. Wichtig war die Vorlage über die Abänderung der Gemeindegrund st cuerordnung, über welche der Etatsausschuß berichtete. Er empfahl die Annahme der Vorlage des Magistrats, wonach von den unbebauten Grund- stücken das Doppelte der Steuer wie von den bebauten erhoben werden solle. Stadtverordneter Dr. Stadthagen begründete seinen ablehnenden Standtpunkt mit dem Hinweis darauf, daß er nicht wünsche, der Etat solle der Regierung zur Genehmigung vor- gelegt werden, er wolle das Sclbstverwaltungsrecht der Gemeinde wahren. Genosse Z i e t s ch sprach die Zustimmung unserer Fraktion aus, da wir in der Vorlage eine kleine Abschlagszahlung auf die Wertzuwachssteuer erblicken, auf die wir indes keineswegs ver- zichten. Das Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden könne schon deshalb nicht tangiert werden, weil es überhaupt ein sehr probte- malisches Recht sei,— könnte doch Charlottenburg aus eigener Machtvollkommenheit nicht einmal einen Gemeindefriedhof anlegen und ebenso werde Charlottenburg demnächst wieder die Erfahrung machen, daß es die Schuldeputation nicht nach seinem Willen be- setzen könne. Die Abänderung der Grundsteuerordnung wurde darauf fast einstimmig genehmigt. Eine Vorlage dps Magistrats verlangte 282 333 M. zur Er- richwng eines Asyls für Obdachlose. Genosse W i l k wies darauf hin, daß seitens unserer Partei schon seit Jahren darauf gedrungen ist, mit dem Bau des Asyls endlich zu beginnen. Es wäre wohl richtig gewesen, wenn der Viagistrat etwas früher dieser Forderung nachgegeben hätte um die unhaltbaren Zustände zu be- fettigen, anstatt auf den sanften Rippenstoß der Polizei zu warten — heißt es doch in der Begründung der Vorlage:„Der Polizei- Präsident hat dringend ersucht, für eine andcrweite Unterbringung der jetzt für unsere Rechnung im Polizeigewahrsam aufgenommenen nächtlich Obdachlosen Sorge zu tragen, da er dazu fernerhin nicht mehr in der Lage sei." Die Vorlage wurde genehmigt. Eine längere Debatte rief der Antrag unserer Genossen her- vor:„Der Magistrat wird ersucht, der Stadtverordnetenversamm- lung eine Vorlage zu unterbreiten, durch welche die obligatorische Krankenversicherung der in Charlottenburg wohnenden Heim- arbeiter auf Grund des Krankenkassengesetzcs(Novelle vom 13. April 1892) eingeführt wird." In einer großzügigen Rede begründete den Antrag Genosse Zietfch: Die Heimarbeitcrausstellung vom Jahre 1996 hat jedem Gelegenheit gegeben, einen Blick in den Jammer der Heimarbeit zu tun, und wer das getan, kann sich der Anschauung nicht ver- schließen, daß, wo irgend die Möglichkeit besteht, diesem Jammer und dieser Not enigegen zu treten, auch die Pflicht vorhanden ist. helfend einzugreifen. Vor kurzem hat der Charlottenburger Magistrat eine Schankkonzcssionssteuer einführen wollen mit der Begründung, dadurch ungesunden Wohnungsverhältnissen ent- gegentreten zu können. Hier hat er eine viel bessere Gelegenheit dazu; denn gerade der Mangel an gesunden Wohnräumen bei den Heimarbeitern in Verbindung mit der Ausbeutung der Frauen und Kinder schafft auch in sanitärer Beziehung die allerschlechtesten Verhältnisse._ DaS Reich hat etwas Eingreifendes zur Beseitigung der Heimarbeit bisher nicht getan. Freilich haben die Heimarbeiter von dem Krankengesetz insofern Vorteil, als sie vielfach, wenn sie eine kurze Zeit in einem versicherungspflichtigen Betriebe be- schäftigt waren, freiwillige Mitglieder der Krankenkasse bleiben. Dadurch füge man aber den Heimarbeitern doppeltes Unrecht zu; denn die Krankheitsgefahren sind gerade in der Heimarbeit viel größer als bei dem Arbeiter in der Werkstatt, und die Kosten für diese Versicherung werden dem Heimarbeiter allein aufgebürdet. während der Unternehmer sich davon befreie. Freilich könne man sagen, daß die Heimarbeiter ja jetzt bereits unter das Krankenversicherungsgesetz fallen, und könnte infolge- dessen meinen, es wäre richtiger, in dem Antrag„Hausindustrielle" zu sagen. Praktifch liegt die Sache aber so, daß die Heimarbeiter, soweit sie versichert sind, sich selbst versichern, der Unternehmer sich also um seine Versicherungspflicht herumdrückt. In der verlangten Vorlage muß der Begriff so gefaßt werden, daß auch die HauS- industriellen mit darunter fallen. Die Schwierigkeiten der ge- forderten Versicherung verkennen wir nicht, und es ist vielleicht richtig, daß das in Berlin erlassene Ortsstatut über diesen Gegen- stand in Wirklichkeit nicht durchgeführt werden wird. Aber das ist das Schicksal fast der ganzen Arbeiterschutzgesetzgebung, die noch nicht zu 25 Prozent durchgeführt wird, teils aus mangelndem Willen der Regierung, teils aus ihrer mangelnden Kraft gegen- über den Unternehmern. Auf keinen Fall darf man die Sache ab- lehnen mit einem Hinweis auf das Reich und den geplanten Aus- bau der Arbeiterversicherung. Es handelt sich im Reich um eine Vereinheitlichung, nicht um einen Ausbau der Versicherungsgesetz- gebung; denn die soziale Gesetzgebung steht ja ganz unter dem Einfluß gewisser Unternehmer, denen es viel zu rasch damit geht. Durch die Schwierigkeit der Materie dürfen wir uns nicht ab- schrecken lassen, namentlich nicht, wenn wir wünschen, daß Char- lottenburg in der Sozialpolitik mit an erster Stelle marschiert. (Lebhaftes Bravo bei den Sozialdemokraten.) Stadtrat Boll sang zunächst ein hohes Loblied auf die deutsche Sozialgesetzgebung, auf die jeder Deutsche stolz sein könne, und die in der ganzen Welt nicht wieder existiere. Dann bat er dringend, den Antrag abzulehnen und lieber zu warten, bis das Reich, das ja die Materie in die Hand genommen habe, sie erledigt habe. Stadtverordneter Meyer(Lib.) schloß sich dem Lob auf die deutsche Sozialgesetzgebung an und wiederholte die im Reichstag erhobenen Bemängelungen an der Heimarbeiterausstellung. Tie Heimarbeit selbst wollte er nicht missen; verdanke ihr doch z. B. die Konfekttonsindustrie ihren großen Aufschwung. Den Antrag aber bat er anzunehmen mit der Aenderung,«Hausgewerbe- treibende" statt„Heimarbeiter" zu sagen; auch eine eventuelle Erledigung der Materie durch die Regierung würde noch einen weiten Spielraum für ein Ortsstatut lassen. Stadtv. Lissauer(unpolit.) wiederholte das Lob unserer Sozialgesetzgebung, die ganz einzig in der Welt sei, zum dritten Male. Zu dem Antrage selbst erklärte er seine Zustimmung; die Schwierigkeiten werden vielfach überschätzt, man solle sich doch gegenwärtig halten, daß 52 Prozent aller Heimarbeiter in der Tabakindustrie, 33 Prozent in der Bekleidungsindustrie, also 8b Prozent allein in zwei Branchen beschäftigt seien. Genosse F l e m m i n g wies darauf hin, daß die Versammlung vor wenigen Minuten einen Beitrag von 13 393 M. für eine Robert Koch-Stiftung zur Bekämpfung der Tuberkulose bewilligt habe. Hier sei eine Gelegenheit, der Tuberkulose, dieser gerade unter den Heimarbeitern so überaus verbreiteten Prolewrierkrank- hcit, noch etwas energischer zu Leibe zu gehen. Nach einem Schluß. wort des Genossen Z i e t s ch, in welchem er unter anderem erklärte, mit der vom Stadtv. Mayer vorgeschlagenen Aenderung einver- standen zu sein, wurde der Ankrag einstimmig angenommen. Bei der Mitteilung der B a u b e r i ch t e für daS zweite Halbjahr 1937 hieß es:„Der Erweiterungsbau des Elektrizitäts- Werks hatte zu Beginn dieses Halbjahres noch unter dem Streik der Bauarbeiter zu leiden." Genosse Bartsch protestierte energisch gegen diese Verschleie« rung der Tatsachen, es handelte sich um eine Aussperrung, nicht um einen Streik. In anderen Fällen(bei dem Streit der Müll- abfuhrgesellschaft mit ihren Arbeitern) habe der Magistrat sehr Wohl verstanden, zwischen Streik und Au sperrung zu unterscheiden; freilich handelte es sich damals darum, durch die Deutung des Streites als Aussperrung den Unternehmern in ihrem Bemühen, sich arglistig ihrer Vertragspflicht zu entziehen, zu Hilfe zu kommen. Der Oberbürgermeister Schustehrus glaubte es sich nicht ver- sagen zu dürfen, die Gesellschaft gegen den Vorwurf der Arglist in Schutz zu nehmen. Bei der Mitteilung des Vorstandes betreffend die Kontrolle über die Ausführung der Beschlüsse der Stadtverordnetenversamm» lung wurde der Magistrat angefragt, wie er anläßlich der Ver- schiebung der Reichsbcamtenbesoldungen und der Beamtenbesol- düngen im Reich und im Staat über die Revision des Normaletats denke, die nur deswegen noch nicht vorgenommen ist, weil man auf das Reich und den Staat warten wollte. Bürgermeister M a t t i n g erklärte, daß der Magistrat sich bereits morgen mit dieser Angelegenheit beschäftigen werde. Bei einer anderen Frage wurde ein Antrag angenommen, den Magistrat zu ersuchen, die notwendigen Schritte sowohl zur Errich- tung eines Krematoriums als einer U rn e n h a l l e zu unternehmen; beide Fragen seien durchaus unabhängig von der Anlegung eines G e m e i n d e f r i e d ho f e s, auf welchen man keineswegs verzichte; vielmehr müsse auch diese Forderung in jeder Weise gefördert werden.— Um%13 Uhr wurde die öffentliche Sitzung geschlossen. Auf dem Neubau tödlich verunglückt ist. wie uns nachträglich noch von Arbeitern des Baues mitgeteilt wird, vorige Woche der 24jährige Miaurer Otto Krüger. Derselbe war auf dem in der Liebestraße befindlichen Neubau auf der vierten Balkenlage be- schäftigt. Als er nach dem Stil heruntertreten wollte, rutschte er auf dem Balkenknopf aus und fiel auf den Hof hinunter. Der Verunglückte hatte einen Schädelbruch und Gehirnerschütterung er- litten und starb nach einer Viertelstunde an den Verletzung. Er hinterläßt eine Frau mit zwei kleinen Kindern. Spandau. Au? der Stadtverordnetenversammlung. Vor Eintritt in die Tagesordnung nahm der Stadtverordnete S i e f e r t, der auch Vorsitzender des Grundbcsitzcrvereins ist, das Wort, um gegen eine Rede des Reichstagsabgeordneten Pauli im Reichstage über die Spandauer Wohnungsverhältnisse bei der Beratung des Militär- etats Front zu machen. Der Abgeordnete Pauli hatte nämlich im Reichstage behauptet, die Wohnungsmieten seien in Spandau so erheblich hoch, daß sie von den Arbeitern kaum noch gezahlt werden könnten. Die Behauptung bezeichnete der Grundbesitzer S i e f e r t als grobe Unwahrheit und verlangte, daß der Magistrat hiergegen Stellung nehmen müßte. Der Stadtverordnete und frühere Genosse Ducksch. der jetzt mehrfacher Hausbesitzer ist, blies in dasselbe Horn wie sein Kollege Siefert. Der von einigen bürgerlichen Stadtverordneten in voriger Sitzung eingebrachte An« trag, die Versammlung wolle beschließen, den Magistrat zu er- suchen, eine Petition an den Kultusminister zu richten dahin- gehend, die Ferien für die Volksschulen mit denen der höheren Schulen gleichzustellen und eventuell die Verkürzung der Ferien wieder aufzuheben, wurde als dringliche Vorlage behandelt. Der Stadtverordnete K i r ch begründete den Antrag und bezeichnete die Verfügung des Ministers als eine Ungerechtigkeit. Die bürger- lichen Parteien streben doch im allgemeinen danach, durch Ausgleich der sozialen Gegensätze die Sozialdemokraten an die Wand zu furter Chauffee 5/6( Schwarzer Adler"): Vortrag, Redakteur John: Hausfrauenforgen". Kommandantenstr. 72: Generalversammlung. Bericht des Vor standes. Neuwahl des Vorstandes. Rummelsburg. Dienstag, den 17. d. M., abends 8 Uhr, bei Tempel, Alt- Boghagen 56: Generalversammlung. Bericht des Vorstandes. Neuwahl des Vorstandes. Mitgliedsbuch legitimiert. Vermischtes. Srüden.( Wer lacht da?) Durch solche Verfügungen erhalten aber Bei den Spezialetats der sechs Krankenhäuser gab geht in vielen Fällen, indem die besser bezahlten männ die Sozialdemokraten wieder Wasser auf ihre Mühle. Stadtv. Ge- Genosse Singer eine eingehende Schilderung der Situation, lichen Arbeitskräfte durch schlechter entlohnte weibliche ersetzt noffe Pieper erklärt auf diesen Grguß des Zentrumsstadtverord- in der das Strankenhauswesen der Stadt Berlin sich gegen stärkten Andrang von Frauen und Mädchen auf dem Arbeitsmarkte. werden. Und solche Bestrebungen werden gefördert durch einen ver neten, daß die Sozialdemokraten vor dem Andiewanddrücken keine Angst haben. Diese seien stets für die Volksschule eingetreten, wärtig befindet. Die Krankenhaus not ist nicht mehr weil die Männer und Söhne arbeitslos sind, keinen Erwerb finden tie bürgerlichen Stadtverordneten seien aber sehr häufig nicht für so, akut wie früher, aber beseitigt ist sie noch keineswegs. fönnen, bieten sich der Arbeitslosen Frauen und Töchter um jeden Der Vater versorgt das Haus die Volksschule zu haben. Der Bürgermeister Wolf erklärt, daß Singer wies nach, daß noch immer zahlreichen Kranken die Preis auf dem Arbeitsmarkt an. der Magistrat sich an Charlottenburg gewendet habe mit der Aufnahme lediglich deshalb verweigert wird, weil im Augen wesen, die Frau geht zur Fabrit, um wenigstens das trockene Brot Erklärung, sich dem Protest gegen die Verkürzung der Ferien für blid teine freien Betten für sie zur Verfügung stehen. Wenn für die Familie zu erwerben. die Volksschulen anschließen zu wollen. Ein Bescheid vom Minister die erwartete Besserung dieser Zustände noch nicht in vollem Die Zahl der auf dem Arbeitsmarkte sich anbietenden Frauen, fei noch nicht zurückgekommen. Wohl aber habe der Minister eine Umfange eingetreten ist, so trifft die Schuld nicht die Töchter und Schwestern von Arbeitslosen wird erhöht durch ein diesbezügliche Petition des Berliner Magistrats ablehnend beant- Krankenhausdeputation, sondern den Magistrat, der aus großes Heer weiblicher Arbeitskräfte, das nach Erwerb umschaut, wortet. Stadtv. K ir ch zog ſchließlich seinen Antrag zurück, nachdem Gründen der Sparsamkeit manche Vorschläge der Kranken- weil der Berdienst des Familienhaupteswegen unterhalt der Stadtverordnete Lüdicke die Zweckmäßigkeit desselben be= zweifelt, da ja der Magistrat bereits petitioniert habe. Man will hausdeputation nur unvollkommen ausführt oder sie ganz der Familie ausreicht. So treibt die kapitalistische Wirtschaft gerade erst die Antwort des Ministers abwarten. Die Stadtverordneten unbeachtet läßt. Ueber dieses eigenartige Verhält in Zeiten, in denen die Arbeitsgelegenheit nachläßt, die Frau, die Schob und Genossen haben folgende Anfrage eingebracht: Was nis zwischen Krankenhausdeputation und angeblich ins Haus gehört, in größerem Umfange als Lohnhat den Magistrat veranlaßt, den Druck des Schuletats öffentlich Magistrat sprach Singer, der selber in der Deputation drückerin des Mannes, aus dem Hause hinaus, in die Fabrik hinein! auszuschreiben? Da doch hier sechs Buchdruckereien vorhanden sind, sigt, einmal offen seine Meinung aus, indem er erklärte, daß die sämtlich dem Deutschen Buchdruderverein angehören und den bei den immer erneuten Schwierigkeiten, die der Magistrat Versammlungen Veranstaltungen. mit den Gehülfen vereinbarten Tarif zahlen. Der Oberbürger- der Deputation bereitet, eine Flucht an die Oeffentlichtenberg. Montag, 16. März, 8%, Uhr, bei Gebr. Arnhold, Frankmeister Röle erwidert, daß der Magistrat nach dem Ortsstatut Iich feit nicht länger zu umgehen sei. Zu den Aufgaben, gehandelt habe, wenn er die Arbeit öffentlich ausgeschrieben. Nach die der Krankenhausverwaltung für die nächste Zeit bevordiesem Ortsstatut muß jede Arbeit über 200 M. öffentlich ausgeschrieben werden. Stadtverordneter Genosse Schmidt I tritt stehen, gehört der Bau eines fünften Kranken- Berlin. Dienstag, den 17. März, 8 Uhr, im Neuen Klubhans, dafür ein, daß das Ortsstatut geändert werde. Die Unterbietungen hauses und die Schaffung von Tuberkulosenfeien unhaltbare Zustände. Vom Magistrat wird die Forderung heimen, durch die die Krankenhäuser entlastet werden gestellt, an den Verein für Kinder- und Jugendschutz zur Be- fönnten. Beides wurde von dem sozialdemokratischen Redner schaffung einwandfreier Säuglingsmilch eine jährliche Beihülfe von dem Magistrat dringend zur Beachtung empfohlen. Singers 300 M. zu gewähren. Stadtverordneter Genosse Schmidt I hält die Summe von 300 M. nicht für ausreichend. Er beantragt, Ausführungen wurden ergänzt durch unseren Genossen 1000 M. zu bewilligen. Er moniert auch, daß die hiesige Presse die Weyl, der die Schaffung auch von RekonvalesNamen der vom Gericht verurteilten Milchpantscher und sonstiger entenheimen anregte. Von ihnen sei eine weitere EntLebensmittelverfälscher nicht veröffentliche. Der Antrag des Ge- lastung der Krankenhäuser und im übrigen auch ein Gewinn nossen Schmidt wurde schließlich abgelehnt und die Magistratsvor- für die Kranken zu erwarten. Weyl wandte sich dann gegen lage angenommen. Nach längerer Debatte bewilligt die Versamm die vom Magistrat angeregten Reformen", gegen die Pläne lung einen Zuschuß von 3000 m. zu den Kosten eines Bebauungs- einer weitgehenden Erhöhung der Kurkosten für planes für Groß- Berlin. Für den Entwurf eines Rathausneubaues auswärtige Krante, sowie andererseits der war ein Wettbewerb mit dem Architektenverein vereinbart, für Schaffung besonderer Abteilungen für welchen die Versammlung einen Betrag von 8000 M. bewilligt hatte. Diese Summe hat sich als zu niedrig erwiesen und werden ahlungsfähigere Kranke. Auch die immer wieder noch 7000 m. nachgefordert. Die Versammlung bewilligt diefe fehrenden Angriffe gegen die Krankenkassen wurden von dem 7000 M. und schiebt den Termin zur Ablieferung der Arbeiten Redner zurückgewiesen, und schließlich wurde von ihm die bis zum 1. Juni dieses Jahres statt 1. Mai hinaus. Die Vorlage neue Lohnordnung für das Krankenhaus des Magistrats betreffs Genehmigung des abgeänderten Bebauungs- personal beleuchtet, die vielfach die Löhne nicht auf planes des Gasanstaltsgrundstücks und Bewilligung von 17 500 Mart zur Regulierung eines für die Gasanstalt angekauften Grund- bessert, sondern sie herabdrückt. Der Magistrat antwortete stüdes einschließlich einer Zufahrtsstraße ruft eine stundenlange durch den Mund des Stadtkämmerers Steiniger und Debatte hervor. Die Vorlage wird schließlich angenommen. Die des Stadtrats Weigert, aber ihre Erklärungen fanden auch Erhöhung der Remuneration für die Armenärzte um je 500 M. bei den Rednern der übrigen Fraktionen wenig Beifall. Erwird von der Versammlung genehmigt. Zur Beschaffung von zwei freulich war nur die von Herrn Weigert abgegebene VersicheMotorwagen zur Inbetriebsehung der Straßenbahnstrede nach dem rung, daß Berlin einmal Tuberkulosenheime und RekonvalesJohannesstift werden die Mittel mit 28 000 m. bewilligt. Die zentenheime friegen soll. Hoffentlich dauerts nicht zu lange. Versammlung spricht ihr Einverständnis darüber aus, daß für Zu den Etats der vier rrenhäuser sprach Genosse schwachbefähigte Kinder drei Hülfsklassen, und zwar in jedem Stadt- 3a det. Er zeigte, daß die Lage des Pflegepersonals teil eine, eingerichtet werden und bewilligt die Mittel für die erforderlichen Lehrkräfte. Stadtverordneter Genosse Schmidt I trat noch immer sehr der Besserung bedarf, und schilderte die sehr warm für diese Vorlage ein. Er wünscht auch, daß man be- Schwierigkeit, das nötige Aerztepersonal zu beschaffen. Ueber fähigten Kindern der Volksschule auf städtische Kosten das Real- die Zustände, die sich aus der starten Bejegung der gymnasium zugängig machen foll. Eine Reihe kleinerer Vorlagen rrenhäuser ergeben, machte unser Redner aufsehenvird vertagt und dann noch eine geheime Sigung erledigt. erregende Mitteilungen. Seine Mahnung, die Stadt solle mehr eigene Irrenhäuser bauen, um endlich nicht mehr auf die Mitbenukung privater Anstalten angewiesen zu sein, wurde bom Stadtrat Straßmann beantwortet mit der wenig tröstlichen Ankündigung, daß man wohl so bald nicht dahin kommen werde, ganz auf Privatanstalten verzichten zu fönnen. Die Stadt hat nämlich ihre Pflicht, eigene Anstalten zu bauen, so lange vernachlässigt, daß es ihr jest tatsächlich unmöglich ist, die Anstalten so rasch zu vermehren, wie die rren ihr zuwachsen. Kommunales. Aus der Stadtverordneten- Versammlung. Die Etatsberatung wurde auch gestern nur wenig gefördert. Erledigt wurden nur die Etats der Krankenhäuser und der Jrrenhäuser sowie als Ergänzung zum Etat der höheren Schulen eine Nachtragsvorlage über die Erhöhung des Schulgeldes für auswärtige Schüler. Aus der Frauenbewegung. Die Frau ins Haus! an der Berlin- Wriezener Bahn gemeldet. Dort ist ein 11jähriger Ein Fall von Genickstarre wird aus dem Städtchen Werneuchen Knabe nach kurzem Krankenlager an Genidstarre gestorben. Es sind natürlich umfassende Maßnahmen getroffen, um eine Weiterverbreitung der Seuche zu verhindern und es scheint auch keinerlei Veranlassung zu irgend welcher Beunruhigung vorhanden zu sein. Fünf Kinder erstickt. Ueber ein entsetzliches Brandunglück wird aus Frankfurt a. M. berichtet: In dem Hause Offenbacher Straße 328 spielten gestern morgen die fünf Kinder einer Arbeiter. familie in Abwesenheit der Eltern mit Streichhölzern, wobei die Möbel in Brand gerieten. The Hülfe gebracht werden konnte, waren sämtliche fünf Kinder erstickt. Ein Millionendieb ist in Paris festgestellt worden. Nach einer Meldung von dort ergab die gegen den Bankier Maurice Gallet papiere veruntreut hatte, und daß seine Passiven 12 Millionen Frank eingeleitete Untersuchung, daß dieser die ihm anvertrauten Wertbetragen. Unter den Geschädigten befinden sich den Blättern zu folge die Herzogin Uzès mit 1 Million, die Gräfin Gontoud- Biron mit demselben Betrage und die Erben des Barons Rouer mit fünf Millionen Frant. Gallet wird vor das Zuchthauspolizeigericht gestellt werden. Kesselexplosion. Wiener Meldung zufolge erfolgte in den che mischen Werken zu Neu- Erlau eine Kesselexplosion. Das Kesselhaus wurde völlig zerstört, der Direktor und drei Arbeiter wurden schwer verlegt. Feuer im Schacht. Nach einer Meldung aus Pilsen ist im Austriaschachte ein Feuer ausgebrochen. Der Schaden ist bedeutend. Starter Schneefall in Schweden. Wegen andauernden starken Schneefalls find, nach einer Meldung aus Stockholm, große Stockungen im Eisenbahnverkehr eingetreten. In Gefle ist der Schnellzug von Orfa infolge hoher Schneewehen nachmittags entgleift. Ein Hülfszug ist von Fallun abgegangen, um die Reisenden abzuholen. Alle Landstraßen sind verschneit. Witterungsübersicht vom 12. März 1908, morgens 8 Uhr. Barometer. fland mm Bind. cloung Bindftarle Better Zemp. n. G 5.4° R. Staflenen Barometerstand mm richtung Bind Bindstärke 2 Haparanda 775 92 Better Temp. n. 6. 2molten!-25 Der Plan, an den höheren Schulen das Schulgeld für auswärtige Schüler zu erhöhen, rief eine lebhafte Erörterung hervor, die mit der Annahme des Die obenstehende, zünstlerische, muderische Forderung, wird Stallonen Magistratsantrages endete. Gegner dieses Planes waren ein durch Vorgänge auf dem Arbeitsmarkt charakteristisch beleuchtet. Teil der Freifinnigen und die sozialdemokratische Fraktion. Schon seit mehreren Monaten fann man eine Verschiebung in dem Die alte Streitfrage, ob Berlin die Vororte schifanieren oder Verhältnis der gewerblich beschäftigten, weiblichen und männlichen Swinembe 754 ND fie freundlich behandeln solle, wurde von neuem aufgerollt. Arbeitskräfte fonstatieren. Relativ wird die Zahl der beschäftigten Hamburg 758 NNM Es werden Berlin 753 N Für die sozialdemokratische Fraktion erklärte Genosse Frauen und Mädchen größer, die der Männer Heiner. Das nicht Franff.a M 756 politik", durch die man den Berlinern die Vorortler vom absolut zu, während die der beschäftigten männlichen Arbeiter ge- Bien Halfe halten wolle. Die Debatte lief aus in einen heftigen ringer wird. Die Gesamtzahl der Lohnarbeiter nimmt ab, die zahl Busammenstoß der Herren Cassel und Rosenow mit dem der erwerbstätigen Frauen und Mädchen wächst. Die Ursache Kühl und zunächst meist nebelig, aber trübe mit leichten Schneefällen etwas zu vorlaut geweſenen Stadtfämmerer Steiniger. liegt in der Verschlechterung der Wirtschaftsverhältnisse. Unter- und ziemlich frischen nordöstlichen Winden; später langsam aufflarend. Lohntostenkonto herabzumindern. Der Herr holte sich einen derben Rüffel. Singer fich grundsätzlich gegen diese 30II. mehr männliche Arbeitsfräfte entlaffen, als weibliche. nur! Teilweise nimmt sogar die Zahl der weiblichen Arbeitskräfte München Sensationelle Gelegenheit! SaalSalonSpeiseWohnHerrenSofaBetta Teppiche 90, 65 bis 50 Mk. 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