Nr. 66. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando Bierteljährl 8,30 m, monatl. 1.10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Jtalten, Luxemburg, Bortugal, Rumänien. Schweden und die Schweis Ericheint täglie außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 25. Jahrg. Die Infertions Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonet geile oder deren Raum 50 fg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., fedes weitere Wort 5 fg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sechzig Jahre der Volksentrechtung! man, Mittwoch, den 18. März 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. um den Mittelstand gegen das allgemeine, gleiche und diese Minderheiten liefert der Kompromißantrag der Freisinnigen Wahlrecht einzunehmen, behauptet, daß in der zweiten der preußischen Regierung aus. Wir tönnen im Augenblid nicht Klasse wenigstens der Mittelstand dominiere. Aber auch das ist feststellen, ob es Kreise in Westfalen und im Rheinland gibt, sicht richtig. Denn speziell in den Städten, wo der in denen die polnische Bevölkerung 20 Prozent und mehr gewerbliche Mittelstand ja in erster Linie in Frage kommt, der Gesamtbevölkerung ausmacht. Jedenfalls dürften im Westen überwiegt die Zahl derjenigen Urwahlbezirke, in denen der folche Bezirke, wenn ste überhaupt vorkommen, dünn ges eigentliche Mittelstand nicht den Ausschlag gibt. In Berlin fäet sein und zweifellos würden Tausende und Aber Sechzig Jahre nach Verübung schnöden Wahlrechtsraubs beispielsweise beträgt die durchschnittliche Steuersumme tausende bon Polen des Gebrauches ihrer Muttersprache ist das preußische Proletariat genötigt, sein Recht durch ge- in den Urwahlbezirken der zweiten Klasse mehr als in Versammlungen beraubt werden. Wer aber ermittelt die waltige Maffenfundgebungen zu fordern! Im Jahre 1848 400 Mart. Budem finden die Neuwahlen wiederum mit Bahl der Polen in einem bestimmten Bezirke und wer grenzt hatte sich das preußische Volt bereits das allgemeine, gleiche kleinen Veränderungen nach der alten Wahlkreis- die Bezirke ab? Die preußische Regierung und ihre Unterund geheime Wahlrecht erobert! Durch die schwächliche geometrie statt, die das platte Land den Industriebezirken und behörden? Welchen Verwaltungskunststücken damit die Tür geöffnet Haltung, ja durch die direkte Verräterei des Bürgertums den Großstädten gegenüber ungeheuer begünstigt. In welchem wird, das kann jeder ermessen, der jemals von preußischer Wahlkreiserlangte die junkerlich absolutistische Reaktion bald wieder Maße das der Fall ist, beweist ja die Tatsache, daß das geometrie und von ungarischer Nationalitätenstatistit gehört hat! so viel Macht, um dem Volte sein Wahlrecht rauben und Zentrum mit 26 000 Urwählerstimmen 23 Mandate erobern Die zwanzigprozentige Beschränkung ändert nichts an dem das elendeste aller Wahlsysteme aufzwingen zu können. fonnte, die Konservativen mit 42 000 Urwählerstimmen Charakter der Ausnahmebestimmung, die der§ 7 ist, nichts an der Und das Bürgertum ist seitdem politisch derartig sogar 43 Mandate, während die Sozialdemokratie mit 314 000 Eatsache, daß ein entschiedener Liberalismus" sich an der Schaffung heruntergekommen, daß es ganz allein das Stimmen tein einziges Mandat erlangte! eines Ausnahmegefezes beteiligen will, nichts daran, daß das Proletariat ist, das den Kampf um das all. Gegen dieses ungeheuerliche Wahlsystem protestiert heute Stoalitionsrecht der deutschen Arbeiterschaft eingeschnürt wird! Die gemeine und gleiche Wahlrecht führt. Von dem ehe- abermals das Proletariat mit allem Nachdrud. Und es Beschränkung der Bestimmung läßt gerade diesen besonderen Zweck maligen liberalen Bürgertum sind die National libe- protestiert nicht nur gegen das Dreitlassenwahlrecht in mit größerer Deutlichkeit hervortreten. ralen direkte Gegner des allgemeinen und gleichen feiner heutigen Form, sondern gegen jedes neue Vor 60 Jahren forderten die deutschen Liberalen Vereins. Wahlrechts geworden. Der fleinere Zeil des Liberalismus, lassen und Privilegiertenwahlrecht: gegen und Versammlungsfreiheit. Heute schaffen sie an Ausnahmedie drei freisinnigen Parteien, fordern zwar in ihrem ein ständisches. Wahlrecht nicht weniger wie gegen bestimmungen gegen die Vereins- und Vereinigungsfreiheit beProgramm das allgemeine und gleiche Wahlrecht, aber sie ein Mehrstimmenwahlrecht, wie es die National- stimmter Boltsteile mit! find bereit, mit jedem Kompromißwahlrecht fürlieb liberalen empfehlen. Denn die Wirkung bei einem Aber freilich, 1848 glaubten fie noch für die Freiheit schlechttveg zu nehmen. Ja, der Freisinn hat es nicht einmal für nötig ständischen oder Pluralwahlrecht würde eben die sein, zu fämpfen. eben die sein, zu fämpfen. Heute streben und schachern fie für die Freiheit der gehalten, den Block zu fündigen, trotzdem Fürst Bülow nicht daß die Masse des Voltes, die 85 Prozent Wähler, Börse. einmal die Beseitigung der öffentlichen Abstimmung die heute in der dritten Klasse wählen, fünftig unter allen Das ist der Fortschritt von 60 Jahren 1 für annehmbar erklärte! Umständen nur einen fleinen Bruchteil der AbWas diese öffentliche Abstimmung zu bedeuten hat, beweist geordneten zu wählen hätten, während die besitzende ja die Erklärung, die erſt vor wenigen Tagen der preußische Minderheit die ungeheure Mehrheit erhielte Das Württemberg und der ArbeitskammernEisenbahnminister Breitenbach im Reichstage abgegeben der befitlosen Mehrheit des Voltes durch solch eine hat. Er erklärte dort, daß jeder Arbeiter, der sich zur Sozial- Reform" eingeräumte Wahlrecht wäre also nur ein Schein. demokratie betenne, rücksichtslos entlassen Wahlrecht, das an der Klassen gesetzgebung der Besitzenden werden solle. Den mehr als 34 Millionen Staatsarbeitern nichts zu ändern bermöchte! Der Umfall. Gefetzentwurf. Ein Pfuschwert fondergleichen! So lautet das ist damit do Recht genommen, bei der preußischen Landtags- Die besitzenden Klassen glauben des Wahlrechtssturms des Urteil aller Sachverständigen und Behörden über den famosen Gewahl so zu stimmen, wie es ihrer politischen Ueberzeugung Voltes spotten zu fönnen. Sie alle, von den Konservativen fehentwurf betreffend die Errichtung von Arbeitskammern. Von entspricht! Die Staatsarbeiter und die Unterbeamten sollen bis zum Linksfreifinn, verhöhnen den Unwillen der ent- den acht württembergischen Handelskammern haben sich zwei fich also so will es die Regierung der Stimme ent- rechteten Klassen. der Stimme ent- rechteten Klassen. Es ist Aufgabe des Proletariats, den( Stuttgart und Calw) für Arbeiter fammern ausgesprochen; halten, obgleich gerade der Landtag der Ort ist, wo herrschenden Selaffen allen Spott und lebermut die anderen sechs sind für Arbeitskammern, aber nicht für Gebilde, ihre Lohn- und Arbeitsverhältnisse geregelt werden! Die auszutreiben! Mag die herrschende Klasse noch so sehr wie sie der Gefeßentwurf schaffen will. Von den vier HandwerkeStaatsarbeiter und die Unterbeamten sehen sich also ihrer auf den Polizeifäbel pochen, mag sie die Bajonette für einen fammern sind drei ebenfalls für Arbeitskammern, für die Regelung Staatsbürgerrechte beraubt und mit gebundenen sicheren Schuhwall ihrer Privilegien halten: Das Proletariat der Materie im Sinne der Reichsbeamten bedanken sie sich aber. Händen der Regierung den ausbeu- wird durch wuchtige Aufrüttelung und unermüdliche Auf- Die Heilbronner Handelskammer stellt das Bedürfnis einer Artenden Klassen ausgeliefert! flärung die Massen des Volkes über das an ihnen berübte beitervertretung in Abrede. Die Vertreter der BerufsgenossenNoch ein anderes Beispiel für den standalösen Ter- schreiende Unrecht belehren und alle Entrechteten, nicht nur schaften haben sich gegen die Uebernahme der Gesamtoften ausrorismus gegenüber den Staatsarbeitern und zugleich für Arbeiter, sondern auch Kleingewerbetreibende, fleine Beamte, gesprochen. Die Hälfte der Kosten würden die Berufsgenossendas schmachvolle Dreiflaffenwahlrecht sei angeführt. Infolge turz alle Nichtbesitzenden, in die Armee der Wahlrechtsfämpfer fchaften eventuell übernehmen. der vom preußischen Landtage beschlossenen Fassung der eingliedern! Die Arbeiterbeiräte der 8entralstelle für Steuergesetzgebung sind die Unternehmer ber- Parteigenoffen! Demonstriert machtvoll gegen die Wahl. Gewerbe und Handel( ein Zentrallandeskollegium, das pflichtet, das Einkommen der Arbeiter und derjenigen Be- entrechtung! dem Ministerium des Innern untergeordnet ist und in dessen Geamten, die ein Einkommen von weniger als 3000 m. befizen, schäftskreis die sämtlichen Vorkehrungen zur Förderung von Ges der Steuerbehörde mitzuteilen. Dieser Bestim werbe und Handel fallen, welche in der Aufgabe der Staatsbehörden mung gemäß sind die Arbeiter jetzt mit aller Schärfe heranliegen) und die Vertreter der Versicherten bei der gezogen! Das Proletariat wird nicht nur durch die in- Am Vorabend des 18. März haben die angeblichen Nachlommen ürttembergischen Versicherungsanst a It haben Diretten Steuern und den Brot- und Fleischwucher der liberalen Sturmgesellen von 1848 fich den Entschluß zum Um sich grundfäßlich für die Errichtung von Arbeiter fammern ausdes Juntertums in unerhörter Weise geschröpft und in un fall beim Sprachenparagraphen des Reichsvereins- gesprochen. Sollten doch Arbeitsfammern errichtet werden, bergleichlich höherem Maße getroffen, als die Angehörigen gefeges abgerungen. Die freifinnige Boltspartei ging voran o müßten fie territorial abgegrenzt werden. Besondere Ab. der besigenden Klasse, sondern die Arbeiter werden nun- unter der Führung Müller- Meiningens. Sie war für die Einleitung teilungen für alle wichtigen Industrie- und Gewerbezweige müßten mehr auch viel schärfer zur diretten Steuer herangezogen, des Kuhhandels am besten zu brauchen. So hielt sie denn wider errichtet, ihre Befugnisse ausgedehnt werden auf die Regelung der als die besigenden Klassen! Für die Personen mit einem den Brauch eine Fraktionsfizung für sich ab und gegen den Wider- Arbeitszeit und Arbeitslöhne. korporative Arbeitsverträge usw. In Einkommen von mehr als 3000 M. besteht ja das Recht der stand der Träger, Stengel, Dohrn und Hormann beschloß fte, ber Gewerbe, in Handel und Verkehr, Bergbau und Landwirtschaft den Kammern müßten Vertretung finden alle in Industrie und Selbsteinschätzung. Daß gerade in den Kreisen mit Regierung ein Kompromiß anzubieten, wonach das Verbot nicht- Gewerbe, in Handel und Verkehr, Bergbau und Landwirtschaft hohem Einkommen gewaltige Summen versteuerbaren Ein- deutscher Sprache in solchen Bezirken gelten soll, in denen die Zahl Proporzwahl bei dem gleichen, direkten und geheimen Stimmrecht. beschäftigten Personen. Weiter verlangen die Arbeiterbeiräte tommens der Steuerbehörde unterschlagen werden, ist ja der Bolen nicht 20 Proz. der Bevölkerung erreicht. Dort, wo die Wahlberechtigt und wählbar sollen alle Großjährigen beiderlei eine befannte und jüngst erst von der agrarischen Presse selbst Bolen stärker find, soll ihnen der Gebrauch der Muttersprache in Geschlechts sein. Die befoldeten Angestellten der gewerblichen Be festgestellte Tatsache. Der Steuerbehörde bietet sich ja nur Versammlungen gnädigst gestattet sein. Die Reichsregierung, berrufsvereine sollen wählbar sein. Die Kosten der Kammern soll der sehr unzureichende Möglichkeit, das wirkliche Einkommen der treten durch Herrn Staatssekretär Bethmann- Hollweg, hat diefem Staat tragen. besitzenden Klasse durch die Steuer zu erfassen. Als einmal weitgehenden Angebot gegenüber nicht hart bleiben fönnen und will in einer Stommission des Abgeordnetenhauses angeregt wurde, fich damit zufrieden geben, da es ja so ziemlich alles gewährt, was für Gewerbe und Handel hat sich ebenfalls ein. Das Verwaltungstollegium der 8entralstelle Spartassen und Banten zu verpflichten, über die bei sie gefordert hat. Nur möchte sie die Geltung dieser Bestimmung stimmig auf den Standpunkt gestellt, daß Arbeiter fammern ihnen hinterlegten Summen und die Personen der provisorischer Weise auf 10 Jahre beschränkt wiffen, damit nach das Richtige seien. Nach Lage der politischen Verhältnisse( BlockHinterleger der Steuerbehörde Angaben zu machen, abermals 10 Jahren ein neuer Kuhhandel losgehen tann mit einem ära!) hat es aber befürchtet, daß nach Ablehnung der Arbeiterwurde diese Anregung von den bürgerlichen Parteien mit womöglich noch zermürbteren Freifinn. fammern für lange Zeit eine Vertretung der Arbeiter überhaupt Entrüstung zurüdgewiesen! In der freisinnigen Vereinigung hat das Stompromis bei den nicht zustande kommt. Deshalb möge man sich auch mit der Der besigenden Klasse soll ihr Einkommen eben nicht Abgg. Delbrück, Hedicher, Graf Bothmer und Bachnide sofort wohl Organisation und Wirksamkeit der Arbeits fammern befaffen. nachgerechnet werden; die Proletarier aber werden bei Heller wollendes Verständnis gefunden. Und schließlich hat ihr edles So beantragte der Referent Regierungsrat Kälber in und Pfennig zur Einkommensteuer herangezogen, obgleich fie Beispiel auch andere mit nationalem" Geifte erfüllt. Es wird der letzten Sigung des Gesamt follegiums der Zentralstelle für bereits unter der kolossalen Belastung der indirekten Steuern behauptet, daß in der Freifinnigen Vereinigung und in der Süd: Gewerbe und Handel am vergangenen Dienstag, der auch der Teiden! Ja und das verdient immer wieder feftgenagelt deutschen Volkspartei der Vorschlag der Freifinnigen Voltspartei Minister v. Bisch et beiwohnte. Das Gesamt follegium zu werden, es war gerade der Antrag eines Frei- als geeignete Unterlage für eine Berständigung trat dieser Stellungnahme des Verwaltungskollegiums mit 25 sinnigen, der der Steuerbehörde die Handhabe lieferte, anerkannt wird! gegen 4 Stimmen bei. Des weiteren schlug das Vers das Einkommen auch des letzten Arbeiters einwandfrei zu er- Es ist demnach fein Zweifel mehr, daß das Kompromiß zu waltungskollegium vor, neben den Berufs arbeitskammern, mitteln. So schalten die Vertreter der be ftande tommt, daß der Freifinn umfallen wird. Er wird eine die der Entwurf im Anschluß an die Berufsgenossenschaften borsigenden Klasse im Dreitlassenparlament! Ausnahmebestimmung schluden, um der Börse die Börsen- sieht, auch noch Kammern für räumlich abgegrenzte Bea Und damit an diesem System der Klaffengesez- reform zu sichern und um das Auseinderfallen des Blocs zirke, z. B. für eine Provinz, einen mittleren Bundesstaat oder gebung nicht gerüttelt werden fann, soll das Privi- zu verhüten. Der Berrat wird vollzogen. für den Bezirk einer Invalidenversicherungsanstalt zu schaffen. Tegierten Wahlrecht unter keinen Umständen preis- Das Kompromiß ist der glatte Umfall des Freifinns. Die Das Verwaltungsfollegium denkt sich die Sache so, daß jede Bea gegeben werden! preußische Regierung gibt nichts auf. Denn daß fie in Landesteilen rufs arbeitstammer eine bestimmte Zahl von Vertretern in die Die Neuwahlen sollen wiederum unter dem Drei- mit starker polnischer Bevölkerung den Gebrauch der polnischen Landes arbeitstammern entsendet, wobei die Berufsarbeits tlassenwahlrecht vollzogen werden. Einem Wahlrecht, Sprache in Versammlungen nicht verbieten tann, das weiß fie tammern zurückzutreten hätten, die schwach oder gar nicht in sem das im Durchschnitt drei Wählern in der ersten Klasse und deshalb hat sie ja im Entwurf der Landeszentralbehörde betreffenden Lande vertreten wären. Die Wählbarkeit wäre dabei soviel Wahlrecht einräumt, wie 85 Wählern der dritten das Recht zugewiesen, Ausnahmen vom Sprachenverbot zu gestatten. auf solche Personen zu beschränken, die ihren Wohnsitz oder ihren Klaffe. In den Großstädten liegen die Dinge noch schlimmer. Getroffen werden sollen nach dem Plane, der dem§ 7 des Reichs- Beschäftigungsort im Bezirk der Landesarbeitskammer haben. Oder Gehören doch beispielsweise in Berlin von je 100 Personen vereinsgefegentwurf zugrunde liegt, vornehmlich die polnischen auch: es tönnte das Wahlrecht nicht den Berufsarbeitskammern nicht weniger als 89 der dritten Wählerklasse an! Run hat Minderheiten in Bezirken mit überwiegend deutscher Bevölkerung selbst, sondern den sämtlichen Mitgliedern der Bea B rufSarveltZkirmmern, die im Bezirk der Landes arbcitskammer wodnen oder beschäftigt sind, eingeräumt werden. Arbeiterbcirat Wagner stellte den Gegenantrag, daß die Arbeitstammern u n- abhängig von den Berufsgenossenschaften auf territorialer Lage errichtet werden sollen. Dieser An- trag wurde mit 16 gegen 12 Stimmen angenommen. Nur wenn dieser Vorschlag abgelehnt bezw. bei Regierung und Reichstag keine Gegenliebe findet, wird der Vorschlag des Ver- WaltungSkollcgiumS unterstützt. Das polnische€cho. Man schreibt uns: Der„Vorwärts" hat seinen Lesern schon «itgeteilt, daß nach endgültiger Annahme des EnteignungSgesetzeS durch den preußischen Landtag in Russisch-Polcn zahlreiche dort be- schäftigte deutsche Privatbcamte, Werkmeister, Buchhalter und auch Arbeiter durch Briefe, Flugblätter und Maueranschläge aufgefordert wurden, sofort daS„Königreich Polen" zu verlassen. Besonders in dem Oberschlesien eng benachbarten SoSnowice- Dombrowaer Jndustciebezirk haben mehrere tausend Deutsche solche Auf- fordernngen erhalten mit der Drohung, bei Nichtbefolgung Gewalt erwarten zu müssen. Diese Maßregel ging von den Nnrodowi Demokrarcy, den Nationaldemokraten, aus, die in Russifch-Polen sehr stark sind. Bei den jetzt in Rußland herrschenden Zuständen waren die Drohungen der Nationalisten durchaus ernst zu nehmen, und die Bedrohten haben sich denn auch angsterfüllt telegraphisch sowohl an den deutschen Generalkonsul in Warschau wie an den deutschen Reichskanzler und sogar ganz über- flüssigerweise an einige liberale Blockbrüder um Hülfe gewandt. Fürst Bülow hat den Bittstellern geantwortet, daß„die kaiserlichen Vertretungen in St. Petersburg und Warschau zu erforderlichen Schritten wegen Herbeiführung geeigneter Vorkehrungen veranlaßt worden seien". Und worin bestehen nun die„geeigneten Vorkehrungen"? Darin. daß die russische Negierung nach SoSnowice noch fünf Kompagnien Soldaten geschickt hat zu den mehreren tausend Mann Militär. die dort schon hausen und der Bevölkerung das Leben schwer machen. Hat all daS bisher dort vorhandene Militär nicht die täglich vorkommenden Gewalttaten und Attentate verhindern können, so werden daS natürlich auch nicht die neuen fünf Kompagnien können. Man muß nun vielmehr erst recht für die Sicherheit der dort wohnenden Deutschen fürchten, denn die Kosten dieses verstärkten Schutzes muß die ohnehin unerträglich belastete SoSnowicer Einwohnerschaft tragen und das wirkt selbstverständlich sehr aufreizend gegen die so„geschützten" Deutschen. Die hakatistische Grenzpresse in Oberschlesien hindert daS nicht, wie zum Beispiel die„Kattowitzer Zeitung", mit grinsender Schadenfreude zu er- klären,„das Angenehmste sei, daß die Bürgerschaft die Unterhaltungs- kosten aufzubringen habe und ssich dafür bei den Polen(1) bedanken könne." Diesen sinnlosen Hetzern kommt es offenbar weniger darauf an. die durch die brutale Politik ihrer Regierung in schwere Gefahren gestürzten eigenen Landsleute geschützt zu sehen, als darauf, die ver- haßten Polen zu ärgern und zu schädigen. Mit höchster Genugtuung begrüßt es die hier gekennzeichnete Grenzpresie, daß man„mit der polnischen Wirtschaft in der deutschen Industrie Rußlands endlich . aufzuräumen. beginne", d. h. daß gerade in diesem Augenblick die Verwaltungen deutscher Jndustriewerke in Russisch- Polen ihren polnischen Ingenieuren und Verwaltungsangestellten gekündigt haben. Selbstverständlich kann auch diese Maßregel ebenso wie der Beifall, den sie bei den Hakatisten im preußischen Gebiete findet, nur geradezu provokatorisch wirken und eS sieht wirklich so aus, als wenn es manche» Leuten in Preußen sehr erwünscht wäre. wenn drüben in Polen Gewalttaten gegen Deutschland verübt Würden. Wie anders mutet dagegen das Verhalten der so verschrienen sozialistischen Revolutionäre an. DaS Komitee der polnisch- sozialistischen Partei des SoSnowice-DombrowaerRayonS hat ein Flugblatt verbreitet, daS sich in schärfster Weise gegen die Drohungen der Nationalisten wendet und diese auf eine Stufe mit den HuliganS stellt. ES heißt u. a. in dem Flugblatt:„WaS können denn die hier lebenden deutschen Arbeiter und Beamten für daS Vorgehen der Großgrundbesitzer und Großindustriellen, die im preußischen Landtage sitzen und das Enteignungsgesetz dank dem Fürsten, Minister, Soldaten, Bourgeois und ilrbeiter. Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen, hatte im Jahre 1847 kategorisch erklärt, daß er nicht dulden werde, daß sich zwischen den Herrgott im Himmel und daS Volk ein Blatt Papier, will sagen eine Verfassung, dränge. Und noch am 14. März 1848 sagte der hochgemute Preußenkönig in Potsdam:„Nun werd' ich nach Berlin müssen, damit sie mir dort nicht tolle Streiche machen." Ja diese selbstherrliche, siegessichere Stimmung hielt sogar noch bis zum 18. März vor. Als der Barrikadenkampf tobte, die Kanonen donnerten und die Sturmglocken heulten, wies der König durch das Fenster nach der von Bewaffneten starrenden Königstraße und sagte:„Diese Straße gehört mir." Ja. sogar noch am Morgen de? IS. März erließ er eine Proklamation«An meine lieben Berliner", in der es hieß, daß sie„von e i n e r R o t t e von Bösewichtern. meist auS Fremden bestehend' zum Aufruhr verführtt worden feien; indes wolle er großmütig die Truppen zurückziehen, wenn daS Volk zuerst die Barrikaden verlasse. Er mußte dann freilich die Truppen zurückziehen, ohne die Entwaffnung des Volkes durchgesetzt zu haben. Ja, er mußte im Schloßhof selbst den Hut vor den Bahren der gefallenen Freiheitskämpfer ziehen. Und in einer königlichen Proflamation vom 21. März hieß eS: „Heil und Segen dem konstitutionellen Fürsten, dem neuen Könige der freien, wiedergeborenen Nation." Und an demselben Tage sagte er in einer Ansprache an die bewaffnete Studentenschaft: „Ich will keineKrone. keine Herrschaft, ich will Deutschlands Freiheit, Deutschlands Einheit." Eine verblüffende Wandlung in verblüffend kurzer Zettl Es hätte nur noch gefehlt, daß er es gemacht hätte wie M e t t e r n i ch. der davongejagte Staatsküuster der Heiligen Allianz. Dieser alte Sünder spielte in den Märztagen nicht nur gleichfalls den be- geisterten Anhänger der von ihm so lange geknechteten Freiheit. sondern er behauptete sogar, stets ein Verehrer der Souveränität des Volkes gewesen zu sein! Der bekannte Dichter JustinuS K e r n e r, bei den, er auf seiner Flucht in Weinsberg Station gemacht, berichtete darüber in einem Briefe von Ende März 1348: „Ich nahm ihn in einem Turm auf, wo Graf Helfenstein vor seiner Hinrichtung durch die Bauern gefangen saß. DaS war ihm ominös i es ist ihm unheimlich und mir ist sein ganzes Wesen un- heimlich; besonders sein unverschämtes Liberaltum. Er behauptet, nur sein Wunsch, daß Deutschland eine Republik werde, den er immerdar gehegt, habe ihn zu dem illiberalen System gebracht, nur so Habesich Deutsch- laud so mächtig und kraftvoll erheben können. elenden Drelttastenwahlrecht durchgebracht haben? Wir werden unsere bedrohten Brüder, die ebenso wie wir im Schweiße ihres Angesichts ihr Brot schwer verdienen müssen, schützen, ganz gleich, welcher Nation und welcher Religion sie angehören, wir werden ihnen auch bei Angriffen auf der Straße unsere Hülfe geben. Es leben die vereinten Arbeiterl" Daß die polnischen Genossen diesen Worten die Tat folgen lassen werden, ist sicher und so dürften die bedrohten Deutschen in Russisch-Poten viel sicherer Srtuitz und Hülfe finden bei den„rohen Umstürzlern", als bei den Kosaken des Zaren, bei ihrem stolzen deutschen Reichskanzler und seinen hakatistischen Verehrern, Hirn- und herzlosen Nationalitätenhetzern l flbenteurerpolitiil. Petersburg, 9. März.(Eig. Ber.) Die russische Reaktion triumphiert jetzt, sie herrscht über daS ganze Land und erdrosselt mit eiserner Faust jede freie Lebensäußerung. Aber nicht nur die innere Politik steht in ihrem Zeichen, sondern auch ins Gebiet der äußeren Politit streckt sie ihre Fühler aus und das neueste Gesetzesprojekt, welches das Ministerium Stolypin der Duma vorgelegt hatte, ist dafür ein beredtes Zeichen. Es handelt von der Bewilligung von Mitteln für den Bau einer Eisenbahn im nördlichen Amurgebiet. Die Länge der Bahn soll 2949 Werst betragen und das Ministerium fordert zu diesem Zweck die Kleinigkeit von 395 Millionen Rubel. Außerdem verlangt es 61 Millionen Rubel für den späteren Bau eines zweiten Gleises und 19 Millionen Rubel für eine Zweigbahn nach BlagowjeschenSk (südliches Amurgcbiet), alles in allem 466 Millionen Rubel. In dieser Summe sind aber sämtliche Ausgaben für Betricbsmaterial usw. noch nicht inbegriffen; außerdem gesteht das Ministerium selbst zu. daß eine Erhöhung der notwendigen Mittel möglich ist, da die Voruntersuchungen uvd Messungen noch nicht abgeschlossen sind. Hält man sich dabei das Beispiel der sibirischen Bahn vor Augen, die anfänglich„nur" auf 359 Millionen Rubel veranschlagt wurde, schließlich aber rund eine Milliarde gekostet hatte, so kann man ohne jede Uebertreibung annehmen, daß auch die jetzt ge- forderten 466 Millionen Rubel in wenigen Jahren sich verdoppeln werden. Womit begründet aber die Regierung die Notwendigkeit solch' ungeheurer Geldopfer? In der den Gesetzentwurs begründenden Denkschrift heißt es: der Bau der verlangten Bahn„biete die Möglichkeit, die Kolonisation und die Produktion deS Gebietes zu fördern." Wie sieht es aber damit in Wirklichkeit aus? Hören wir, was Kenner des Amurgebietes über dessen Beschaffen. heit sagen. Die Durchschnittstemperatur deS Jahres ist 2,4 Grad unter Null; im Winter ist der Boden einen Meter tief hart- gefroren; Wintergetreide kann daher nicht gebaut werden; daS Sommergetreide aber wird durch wochenlanges Regenwetter meist total vernichtet: die höchsten Ernten ergeben kaum das fünf- und sechsfache der Aussaat; mineralische Schätze sind nicht vor- Händen; die Bevölkerung beträgt kaum 9,4 pro Quadratkilometer usw. Angesichts alle? dessen kann selbstverständlich von keiner- lei ökonomischer Bedeutung der Eisenbahn gesprochen werden, sie ist in dieser kalten Einöde gleich Null. Aus denselben Gründen ist es aber auch unmöglich, den Eisenbahnbau mit der Notwendigkeit, das Amurgebiet vor dem Eindringen dep Japaner oder der Chinesen zu schützen, zu rechtfertigen. Sie können kein Interesse an dieser unwirtlichen Wildnis haben, die weder als Kolonisationsgebiet, noch als Absatzgebiet ernstlich in Betracht kommen. Ihre ökonomischen Jntereffen drängen sie nicht ins Amur- gebiet, sondern nach der Mandschurei und Korea, und Rußlands Pläne können nur durch das Bestreben erklärt werden, sich einen Weg zum Stillen Ozean zu bahnen, den Einfluß der Japaner zu brechen und die Herrschaft an sich zu reißen. Das ist aber dieselbe Losung, um derentwillen vor 4 Jahren Tausend« von Menschen hingeschlachtet worden sind, dieselbe Abcnteurerpolitik, die über das Volk das namenlose Elend des Krieges und über die Re- gierung die Schande einer militärischen Niederlage gebracht hat. Die geplante Amurbahn ist der erste Weg zur Erneuerung dieser Politik und von diesem Standpunkt aus wird diese Frage auch all- gemein erörtert— sowohl im Lager der Reaktion, die offen den Ruf nach der„Herrschaft im Stillen Ozean" erschallen läßt, wie auch auf Seiten der Opposition. Nur der kadettische OffiziosuS „Rjetsch", der bei anderen Gelegenheiten nicht genug über„die oft- asiatische Aventüre" jammern kann, die Rußland an den Rand des Bankerotts gebracht haben, macht eine unrühmliche Ausnahme und erklärt feierlich durch den Mund A. Kaufmanns:„Die Frage der Amureisenbahn hat nichts mit der Abenteurerpolitik im fernen Osten zu tun", sie ist vielmehr„eine Frage der Einheit unseres StaatsorganiSmus." Gleichzeitig erklärt Herr Miljukow:„in der Das fei sein Werk, und von ihm geflissentlich so durch- geführt. Er ruhte nicht, bis ich auf meinen Turm eine rote Fahne st eckte." Wer weiß, ob der Ex-Staatskanzler, wenn die Revolution siegreich geblieben wäre, nicht allen Ernstes Anspruch darauf erhoben hätte, im Pantheon der Freiheitskämpfer die erste Stelle zu erhalten. Und dieser Mensch war drei Jahrzehnte lang der allmächtige Staatsmann der Heiligen Allianz I Ob nicht auch unter ähnlichen Umständen andere Staatskanzler ähnlicher Wand- lungen fähig wären? Am 21. März hielt Friedrich Wilhelm IV. an die Berliner Stadtverordneten eine Ansprache, in der er sagte, er wisse wohl, daß er nicht st a r k sei durch die Waffen deS Heeres oder durch seinen Schatz,„sondern allein durch die Herzen und die Treue seines Volkes." Er harte auch alle Ursache dazu. Denn daß et sich auf sein Heer keineswegs mit Sicherheit verlassen konnte. beweist beispielsweise eine Episode, die ein alter Achtun d- vierziger(Sigmund Borkheim), der im Frühjahr l343 zur Garnison Festung G log au gehörte, erzählt. Der ehemalige Student und Gloganer Kanonier durfte eS wagen, in den dem 13. März folgenden Wochen als revolutionärer Redner in Volksversammlungen aufzutreten:„Die Volksversammlungen kamen jetzt in die Mode; sie wurden gewöhnlich in einem öffentlichen Garten« außerhalb der Fortifikationen abgehalten. Ich produzierte mich öfter als Redner, und zwar immer in Uniform, was eigentlich gefährlich war und die Zuhörer verblüffte. Ich sprach hauptsächlich gegen die stehenden Heere, von dem elenden Traktement der Soldaten und den unverhältniSmätzigen Gagen der höheren Chargen. Gewöhnlich opponierten nur Offiziere. die mich durch ihre Gläser in einer Weise fixierten, welche die Ab- ficht, mich aus der Fassung zu bringen, deutlich verriet. Sie erreichten dies aber nie, beim ich bereitete mich stets gehörig vor. Einmal tumulwierten auch die Bürger- lichen ob meiner Keckheit; man stürmte auf die Redner- bühne los. wahrscheinlich. um mich herunterzuzerren. und ich hätte mich wohl einschüchtern lassen, wenn nicht eine An- zahl Unteroffiziere der Beuthener Kürassiere, lauter riesenhafte Kerle, einen Wall vor mir formiert und mir zu- gerufen hätten, ich möchte mein Sprüchlein nur ruhig fertigsagen."-- � So lange das Proletariat im Jahre 1848 sein Blut ver- spritzte, nur um für die V o u r g e o s i e die Kastanien auS dem Feuer zu holen, kargte die besitzende Klasse nicht mit ihrem Lobe. Arn 23. März erließen Bourgeois einen Aufruf zu Beiträgen, um für die arbeitslosen Proletarier Brot kaufe» zu können. Sie ver- »Viesen in diesem Aufruf daraus, daß die Arbeiter sich»in den ostasiatischen Politik Rußlands liege ein« gewisse Tradition, die nicht aufgegeben tverden darf." Praktisch fällt zwar diese Stellung- nähme der Kadetten für das Schicksal der Regierungsvorlage nicht ins Gewicht, denn ihre Annahme durch den schwarzoktobristischcn Block ist ja sicher. Aber für die kadettische Partei ist sie äußerst charakteristisch: sie zeigt, wie eine Partei, die ehemals immerhin aufrichtig die ostasiatische Politik der Regierung bekämpft hat, jetzt. im krampfhaften Bestreben, sich durch„Patriotismus",„Loyalität" und ähnliche Tugenden das Wohlwollen, der Regierung zu erobern, dieser verbrecherischen Politik ihren Segen gibt und dabei mit der Reaktion gemeinsame Sache macht, ohne sich bewußt zu werde». daß sie dadurch das letzte Recht auf den Namen einer oppositionellen Partei— die sie doch in den Augen des Landes bleiben möchte— verwirkt. Kommt es aber einmal soweit, daß die Abenteurerpläne der Regierung ihr« traurigen Früchte tragen, so werden die Kadetten sich der Mitverantwortlichkeit dafür nicht entziehen können. politilcbe(leberlukt. Berlin, den 17. März 1908. Der Kolonialetat im Reichstag. Die Debatte über den Kolonialetat setzte heute im Reichstage sehr flau ein. Die eigentlichen Kämpfe zwischen Dernburg und seinen konservativen und nationalliberalcn Widersachern, den Vertretern der Bureaukraten und Ansiedler im Gegensatz zu den von Dernburg vertretenen Interessen des Börsenkapitals, waren bereit? in der Budgetkommission des langen und breiten zum Austrag gebracht worden. Dort war es auch nach längeren heftigen Auseinandersetzungen schließlich zu einem modus vivendi gekommen. Die Konservativen und sonstigen Freunde der An- sicdker und Kolonialbureaukratie sind gewillt, den Plänen Dcrn- burgs prinzipiell nichts in den Weg zu legen. wenn Dernburg auch seinerseits bereit ist, es mit seinen Plänen beim Prinzip bewenden zu lassen. Und Dernburg hat ja auch bereits erklärt, daß er bereit ist, auch den Interessen aller übrigen kolonialen Ausbeuter in weitgehendstem Maße Rechnung zu tragen, wenn nur seinen Bahnprojekten die Zustimmung nicht versagt wird. Diese Bahnprojekte liegen übrigens ja aud? durchaus im Interesse der Ansiedler, weil durch die Brotlos- machung der K a r a w a n e n t r ä g e r für die An- siedler willige und billige Arbeitskräfte gc- schaffen werden. Daß, nachdem Dernburg heute in sehr knappen Zügen sein Programm entworfen, die Redner der Konservativen, National- liberalen usw. dem Kolonialsekretär keinerlei Opposition machten, erklärt sich daraus, daß man sich in diesen Parteien nachgerade davon überzeugt hat, daß Dernburgs Kolonialpläne durchaus in Ein- klang zu bringen sind mit den Ausbeutungsintcressen der Ansiedler und den bisher geübten Vcrwal- tungSpraktiken unserer Kolonialbureaukratie. Dernburg hält es mit der Maxime..Leben und leben lassen". Wenn ihm die 159 Millionen für die Kolonialbahnen bewilligt werden, so wird er beide Augen zudrücken, wenn es gilt, den Plantagen- besitzern— sei es auch in Form von Arbeitskontrakten— Eingeborene als Sklaven zu überliefern oder sonst in irgend einer Weise rücksichtslose Ausbeutungsgelegenheit zu gewähren. Herr Dernburg sagte auch unter anderem, daß der Reichs- zuschuß für die Kolonien fixiert werden solle. Herr Dcrn- bürg sollte sich etwas genauer darüber verbreiten. Sein Plan. die Verzinsung für die Kolonialeisenbahnen durch die Kolonien selbst aufbringen zu lassen, bedeutet ganz und gar nicht eine solche Fixierung der Reichszuschüsse. Jeder durch die Kolo- nialpolitik verursachte Aufstand kann den Zuschuß auf eine ebenso ungeheuere Höhe anschwellen lassen wie der süd- we st afrikanische Krieg! Das Eingreifen unseres Genossen Ledebour, der morgen in der Debatte das Wort nehmen wird, dürfte einen etwas frischeren Zug in die stagnierende Kolonialdebatte bringen. Freifinnige Schwätzer und konservative Scharfmacher. Im Dreiklassenhause wuide am Dienstag die dritte sogenannte Etatsberatung fori gesetzt. Ein Langes und Breites wurde über Ansiedelungen im Osten geredet. Tiefere soziale Probleme wurden natürlich nicht berührt. Durch unerträgliche Schlvatzhaftigkeit zeichnete sich»vieder der Tagen der Gefahr mit einer ruhmwürdigen Zurück- Haltung benommen, daß sie Hunger und Not obne Murren und ohne Forderungen(I) ertragen" hätten. „Ohne Forderungen" l Ja, solche Arbeiter waren des Preises würdig und wenigstens des trockenen Brotes, das sie vor dem Ver- hungern schützte. Die Stimmung der Bourgeoisie schlug aber jäh um, als das Proletariat mitForderungen hervortrat und sich als Klasse zu fühlen begann. Am 23. März erschien nämlich auch in der „Berliner Zeitungshalle" ein Artikel, in dein es hieß:«Die Wahr- heit ist, daß auch bei unS— so gut wie in Frankreich, wie in Eng- land— der Bruch zwischen der Bürgerllasse und der Arbeiterklasse schon vollendet ist. Nicht zwischen dem Königtum und der Republik ist Krieg, sondern zwischen den Besitzenden und den mit ihrer Arbeits- kraft zum Besitz Drängenden. Unsere Bürger fühlten dieS gar wohl, und darum beginnen sie schon jetzt. schon nach dem ersten Tage unserer glorreichen Revolution, aus allen Kräften rückwärts zu ziehen." Dieser Artikel verschnupfte in der Bourgeoisie gar sehr. Handwerker begaben sich mit ihren Arbeitern nach der Redaktion, um den Verfasser des Artikel» durch ihr.einträchtiges Leben" zu überzeugen, daß er mit dem„Bruch: zwischen Bürgertum und Arbeiter' im Irrtum sei. Auf der Börse aber verpflichtete man sich feierlich, das dreiste Blatt durch Boykott in jeder Form nach Möglichkeit zu schädigen. Und als die nichtbesiyende Klasse gegen die Be- schränkung deS demokratischen Wahlrechts durch die indirekte Wahl protestierte, als da» Proletariat Massen- aufzüge vorS Schloß plante, da stellte man die Bersaiier der Aufrufe zu dieser Demonstration vor Gericht, und die Bürger- wehr und bewaffnete Studentenkorps machten es sich zur Pflicht, die Demonstration zu vereiteln! Das geschah im Mai 18481 Wenige Wochen nach dem glorreichen 13. März und nach der pomphaften Ehrung der Märzgefallenen gab sich die Bourgeoisie bereit» dazu her. das Proletariat an Straßendemonstrationen zu hindern, durch die eS ein wahrhaft demokratisches Wahlrecht erzwingen wollte I DaS Proletariat, das für die Freiheit, die Rechte und die Interessen der Besitzenden aus den Barrikaden kämpfte» war deS Beifalls der Bourgeoisie sicher; als jedoch das Proletariat für seine eigenen Rechte nur einen Massen- aufzug veranstalten wollte, da stellte die Bourgeoisie elbst die Sicherheitspolizei für die ReaktionI Ben Akiba hat wieder einmal recht I Bereits 1343 entlarvte ich das liberale Bürgertum als genau so arbeiterfeindlich, wie im Jahre 10931 dekorierte Hottentottenhäuptling von Königsberg G y ß l i n g aus.— Beim Etat des Polizeiministeriums machte der als unfreiwilliger Erheiterer der Mitmenschheit bekannte Junker v. Arnim-Züsedom den Nachfolger Putt- kamersfür den 18. März scharfl Acut Freisinniger fühlte sich bemüßigt, den Znsedomschen Scharfmachereien, die natürlich beim Moltke auf inniges Verständnis stießen, ent- gegenzutreten. Wohl aber redete der Freisinnige Wölfs aus Lissa mit epischer Breite über einen durchgebrannten, aber geisteskranken Bürgermeister der ehemals kurhessischen Kleinstadt Amöneburg. In ziemlich später Nachmittags- stunde vertagte das Haus die Fortsetzung des Schwatzes auf Mittwoch, und Jordan V. Kröcher ging zum Reichstage. um dort auszuschlafen._ Die preußischen Landtagswahlen! Die Wahlmännerwahlen zum preußischen Abgeordnetenhaus sollen, wie die„Germania" er- fährt, bereits am Donnerstag, den 4. Juni stattfinden. Gegen das Attentat auf das Schweizer Asylrecht. Der„Adresse an das Schweizer Volk" haben sich die Genossen Reichstagsabgeordneten v. Wollmar und Ehrhart angeschlossen * ♦ Diverse skrupellose Ordnungsblätter hat unsere deutliche Erklärung über die Stellung der Sozialdemokratie zum TerroriSmilZ nicht gehindert, aufs neue die Lüge aufzustellen. daß die Sozialdemokratie für die Propaganda der Tat und ähnliche Schändlichkeiten sei— unsere Erklärung dient diesen edlen Seelen geradezu als Material für ihre Giftmischerei. Das berührt uns natürlich weiter nicht— wir sind an solckie Beweise moralischer und intellektueller Minderwertigkeit von jener Seite längst gewöhnt. Wenn wir überhaupt an dieser Stelle darauf hinweisen, so nur deshalb, um die immerhin nicht ganz uninteressante Tatsache zu vermerken, daß jenes Blatt, daß den meisten Eifer an den Nachweis gewandt hat. daß„die Sozialdemokratie die Propaganda der Tat prinzipiell gutheißt", nicht etwa die„Post" oder die„Nordd. Alla. Ztg.", sondern das Organ des Herrn Wiemer und der freisinnigen Volkspartci, die„Freisinnige Zeitung" ist! Das Blatt einer Partei, die sich als die Bewahrerin der Traditionen jenes Bürgertums betrachtet, das einst die Tat eines Sand bejubelt hat!_ Sozialdemokratische Resolutionen zum Kolonialetat. Die sozialdemokratische Rcichstagöfraktion hat folgende beiden Resolutionen zum Äolonialetat eingebracht: Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, Anordnungen zu treffen, durch welche den E i n g e b o r e n e n st ä m m e n im Schutzgebiet Südwestafrika, denen infolge des Aufstandes ihr Land genommen wurde, aus den der Regierung zur Verfügung stehenden Ländcreien so viel Land zurückgegeben wird, daß sie darauf ihren Lebensunterhalt in der den Landcsverhältnissen entsprechenden Wirtschaftsweise in selbständigen Betrieben ge- Winnen können. Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, Anordnungen zu treffen, durch welche die im Schutzgebiet Ostafrika gültigen Be- stimmungen, betreffend den Betriebszwang für Plan- tagenländereicn, sinngemäß auch für das Schutzgebiet Togo in Kraft gesetzt werden. Die Reichsfinanzreform in der bayerischen Kammer der Neichsräte. In der Kammer.der Reichsräte besprach am Sonnabend Reichsrat Graf Törring die Reichsfinanzreform. Das Reich müsse vorwiegend auf indirekte Steuern ange- wiesen werden. Bayern sollte auf da? Reservat deS Malzaufschlages verzichten gegen genügende Kompensation. ReichSrat Fr hr. v. H e r l l i n g wandte sich gegen den Gedanken der Einführung direkter Reichssteuern. Die Deszenden- tensteuer wäre namentlich fürdiegrundbesitzenden Kreise unerträglich. daS lehre die Wirkung der Deszendenten- steuer in England. Redner betont im übrigen die Notwendigkeit, für den berechtigten Mehrbedarf im Reiche die erforderlichen Mittel zu beschaffen. Minister v. Pfaff erklärte die Einführung der direkten Reichöstrucr für völlig ausgeschlosscn. DaS Reich sei aus indirekte Stenern angewiesen, welche bei ii»S noch lange nicht so hoch feien. wie in auswärtigen Staaten. Dies gelte besonders für Branntwein und Tabak. Diese Steuerquellen lassen noch eine wesentliche Steigerung zu. Falls sich im Reichstag keine Mehrheit finden werde, um den gesamten Mehrbedarf durch die Erhöhung der indirekten Steuern zu decken, so fei die Aus- dehnung der Erbschnftssteiiern aus die Deszendenten daS kleinere Uebcl. Bei der Einführung der Deszcndentensteuer müßten Kanteten geschaffen werden, daß die kleinen Vermögen und die Grund. besitzer nicht überlastet werden. Fürst zu Lciningen erklärte. der Erbschafts st euer könnten die deutschen Grundbesitzer unmöglich zustimmen. Beffer waren andere indirekte Steuern, so OuittungS- und Annoncensteuern. Reichsrat Frhr. v. Soden meinte, die Finanzreform sei mit der frühere» ReichStogSmajorität durchzuführen gewesen, nicht aber mit der jetzige» Blockmajorität. ReichSrat Universitätsprofessor Schanz sprach sich für die Deszcndentensteuer aus. Die Erbschaftssteuer sei die einzige unabwälzbare Steuer und auch ein treffliches Kontrollmittel hinsichtlich der richtigen Bezahlung der Steuern.— Der unwürdige Prinz. Prinz Joachim Albrecht von Preußen hat, wie ein hiesiges Mittagsblatt meldet, den Abschied aus der Armee erhalten. ohne die Erlaubnis zum Tragen der Uniform. Auch habe mau ihm seinen persönlichen Adjutanten, den Hauptmann V. Braiidenstein. genommen, der den Gardefiifiliercn zugeteilt wurde. Der Grund zu dieser Maßregel sei in den fortgesetzten Beziehungen des Prinzen zu der Baronin Liebenberg-Sulzer zu juchen, die noch nicht geschieden ist. Der Prinz habe Berlin bereits in Zivil ver- lassen und werde im Auslande leben. DaS ist die Strafe, die den höfischen, in die Arntee hinein- getragenen Ehrbegriffen offenbar angemessen ist. Der Prinz unter- hält nicht jene„flüchtigen Beziehungen", die in den Kreisen der Moralheuchelei natürlich unanstößig find. Er vergaß sich soweit, die frühere Schauspielerin Sulzer heiraten zu wollen l Zuerst machte man den Versuch, den Prinzen von diesem anständigen Vorsatz dadurch abzubringen, daß man ihn in eine unserer Kolonien schickte, die offenbar in den hohen Kreisen als wenig angenehmer Aufenthalt angesehen werden. Da aber der Prinz hartnäckig blieb, so wird er jetzt ganz verloren gegeben und für unwürdig erklärt. den„Rock des Königs" zu tragen. Möge er sich trösten I Man weiß doch wenigstens, daß er nicht mit jungen Untergebenen allzu intim geworden ist. Denn sonst hätte er ja a la Hohenau und Lynar seinen Rock behalten.— Diplomatengereve. B ü l o w hat mit dem Korrespondenten der„Nowoje Wremja", einem der schlimmsten und reaktionärsten Hetzblätter gegen Deutsch- land. eine längere Unterredung gehabt, worin er der russischen Presse nach seiner Schvnrednerart zuredet, sie möchte doch ihre Angriffe auf Deuischland einstellen. Erfolg wird Fürst Bülow außer der Reklame für die„Nowoje Wremja" ebensowenig haben wie sein Herr mit seinen Briefen. Die Ausführungen Bülows bieten im übrigen nichts Neues. Oe st erreich habe die Kabinette von Petersburg und Berlin gleichzeitig über das Sandschak-Bahnprojekt benachrichtigt. Daher seien die Behauptungen der russischen Presse. das Projekt sei von Berlin angeregt. vollkommen irrig. Deutschland hintertreibe auch durchaus nicht das mazedonische Reformwerk. eS halte an der Gemeinsamkeit der Aktion der Mächte fest, und falls gelegentlich deutsche Vorschläge nicht die Billigung Europas fänden, würde Deutschland den mehr interessierten Mächten den Vortritt lassen. In P e r s i e n ver- folge Deutschland nur kommerzielle Ziele. In der Angelegenheit der Bagdadbahn wies der Reichskanzler die phantastischen Gerüchte zurück, daß Deutschland beabsichtige. Hand auf Persien zu legen. Deutschland denke weder an die Kolonisation Kleinasiens, noch an die Erwerbung eines Hafens im Persischen Meerbusen, hoffe aber, daß die Bahn Mesopotamien wirtschaftlich heben werde, waS von Nutzen für die Allgemeinheit fein werde. Wir wollen nur unserer Industrie ArbeitSmärkte schaffen. Die Ge- rüchte von einer Einmischung Deutschlands in die inner- russischen Verhältnisse seien lächerlich.-- Christliche Arbeiter und indirekte Steuer«. Jüngst hat die„Kreuz-Zeitung" auS einem der volkswirtschaftlichen Aufsätze Richard Calwers, worin die Steige- rung der Arbeitslöhne mit der Steigerung der Lebensmittelpreise in Vergleich gesetzt wird, die Anschauung entwickelt, daß die Lage der Arbeiter gar nicht derart sei, um nicht noch eine Vermehrung der indirekte» Steuern zu ertragen, besonders wenn man in Be- tracht ziehe, daß in Deutschland die Gesamtverbesserung der Ar- beiterlage 12—13 Proz., in Amerika dagegen die Gesamtsteigerung des Reallohnes in den letzten zehn Jahren nur 8 Proz. betrage. Hierzu bemerkt die„B a u g e w e r k s ch a f t", das Blatt des Ver- bandes christlicher Bauarbeiter: „Nein, damit wird nichts widerlegt. Dazu gehört, daß man die Lage der Arbeiter anderer Kulturländer mit den deutschen in Vergleich stellt, und dann den strikten Beweis liefert, daß die deutschen Arbeiter sich in einer besseren Wirt- schaftlichen Lage befinden wie jene. DaS ist bekanntlich nicht der Fall, denn der e n g l i s ch e, vor allem aber der a m e r i k a- nische Arbeiter sind wirtschaftlich bedeutend besser gestellt als der deutsche Arbeiter. Nun ist aber anzunehmen, daß durch die wirtschaftliche Krise auch die wirklich eingetretene Verbesserung der deutschen Arbeiter wenn nicht ganz, dann doch zum größten Teile wieder ver- loren geht. Im weiteren hat es den Anschein, daß gewisse Kreise der Meinung sind, daß dem Arbeiter sofort wieder ge- nommen werden müßte, was er durch mühselige Kämpfe sich errungen hat. Errungen auf dem Wege der Selbsthülfe und durch Opfer, welche gleichfalls von jener Seite den Anlaß zu der Forderung einer höheren Besteuerung der Arbeiter abgeben müßte. Der Arbeiter, der hohe GeWerk- schaftsbeiträge zahlt, kann auch höhere Steuern bezahlen, so meinen sie. Hat er dann durch seine Beiträge bessere Verhält- nisse geschaffen, dann kann er wieder höhere Steuern bezahlen. So reden die Leute, denen der Staat, also die All- gemeinhcit, die größten Vorteile mühelos in den Schoß wirft, ohne persönliche Opfer. Ob die Be- rechtigung vorliegt, wollen wir nicht untersuchen, wir meinen aber gerade diese Beschützten hätten besonderen Anlaß zur Vor- ficht gegenüber dem wirtschaftlich Schwächsten, dem Arbeiter." Diese Erkenntnis hält die christlichen Arbeiter nicht ab, den- jcnigen Parteien nachzulaufen, die unablässig mitwirken an der Belastung des Volkes durch indirekte Steuern und so, wie das christliche Gewerkschaftsblatt sagt, dem Arbeiter sofort wieder nehmen, was er durch mühselige Kämpfe sich errungen hat.-» Die sächsische W nhlreform. Dresden, 17. März.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) Die Wahlrechtsdeputation hat die Ocffentlichkeit ihrer VerHand- lungen beschlossen._ Hamvnrgische Polizeipraktiken. Die Hamburger Bürgerschaft berät zurzeit daS Staatsbudget für 1808. In der letzten Sitzung schnitt Genosse E. Fischer beim Artikel„Polizeibehörde"(1 390 200 M.) die Handhabung des Vereins- und Versammlungsrechts durch die politische Polizei an. An der Hand eines reichhaltigen Materials schilderte er die Ruhmestaten der republikanischen GesinnungS- Polizei, um die sie ihre Berliner Kollegin beneiden dürfte, wle z. B. Verbote polnischer Versammlungen und solche deS Freidenker- Vereins, in denen über„religiöse Toleranz" und andere staatsgcfährliche Dinge gesprochen werden sollte. Ein angekündigter Vortrag von Adele Schreiber über„Sexualpädagogik" verfiel dem polizeilichen Verbot,„weil ihr Vortrag in weiten Kreisen Aergernis erregt habe und daher den öffentlichen Frieden ge- fährde". Obwohl auf eine Beschwerde beim Bürgerausschuß dieser das Vorgehen der Polizei gegen die Freidenker als g e s e tz- widrig bezeichnet und der Senat bei dieser Gelegenheit erklärt hat. er habe die Polizei ersucht, ihre untergeordneten Organe an- zuweisen, in Zukunft vorsichtiger zu sein, ist so ziemlich alles beim alten geblieben. Ter Polizeirat Dr. Sihamer, ein früherer Staatsanwalt, hat dem Vorsitzenden des Freidenkervereins mitgeteilt, daß der Vortrag von Lederer-Nürnberg Bedenken er» regt habe, weil in den Versammlungen gegen die Religion und die christliche Kirche zu Felde gezogen werde; die Polizei könne nicht dulden, daß den jungen Leuten, die diese Vorträge besuchten, die Religion genommen lverdc.(I) Ferner meinte der Chef der„Politischen", er werde eS nicht dulden, daß in den Frcidenkervcrsammlungen zum Austritt aus der Kirche(eine Landeskirche gibt es in Hamburg nicht) aufge- fordert werde. Auf Veranlassung dieser Polizei ist gegen einen Freidenker eine Untersuchung wegen Verächtlichmachung von Ein» richtungen der christlichen Kirche eingeleitet worden, weil er ein Gedicht von Arthur Fitger vorgetragen hat. Enttäuschungen. Der„Deutsche Holzarbcitc r", ein christliches GeWerk- schaftSblatt, bringt einen Artikel über die„guten Kerle", d. h. diejenigen Verbandsmitglieder, die zwar ihrer Sache treu bleiben, aber sich nach und imch auf das Altenteil zurückziehen und anderen die Arbeit für die Gewerkschaft überlassen. Das sei besonders bei den Zahlstellen der Fall, die den Anspruch machten, die ersten des Verbandes gewesen zu sein, hier sei aller Spiritus zum Teufel und nur das Phlegma geblieben. Zum Beweise beruft sich der Artikel auf drei Orte: 1. Eine größere Stadt in Westdeutschland, wo der christliche Verband, wenigstens was die Schreiner betreffe, dominiere. Trotz- dem aber habe der christliche Verband in drei Jahren nur um ö. der sozialistische dagegen um 32 Mitglieder zugenommen. Die Zahl- stelle stehe nicht schlecht, alles sei in tadelloser Ordnung, nur hätten die Kollegen das Bedürfnis noch beschaulicher Ruhe.„Die guten Kerle sehen zu und überlassen den Genossen die Agt- tation und diese arbeiten mit einer Zähigkeit und einer Ausdauer, die nachahmenswert ist." 2. Eine Stadt in Süddeutschland. Auch hier sehe sich die Zahl- stelle von außen ganz gut an, aber ihre EntWickelung lasse alles zu wünschen übrig; ehemals habe das Mitgliederverhältnis des freien zu dem christlichen Verbände sich wie 3 zu 2 gestellt, jetzt dagegen stehe es wie 10 zu 2. Das sei eine„Affenschande!" Anerkannt tüchtige Kollegen hätten hier etwas leisten können und sollen.„Aber nein, die unorganisierten Kollegen zu gewinnen, das überließ man den Genossen, denen man zwar geistig zehmnol (wirklich?) überlegen ist, von denen man aber nicht lernen will, daß Ausdauer zum Ziele führt." 3. Eine dritte Stadt irgendwo. Hier gibtS großzügige Arbeit: „Da die Genossen stark sind, so erblickt man seine Lebensaufgabe in deren Vernichtung. Wie der MopS den Mond an» bellt, so gehts gegen die Genossen an. Jeden Tag, so sollte man meinen, müßten wenigstens hundert durch mündliche oder schriftliche Agitation erlegt werden. Hier das Resultat einer dreijährigen Arbeit: Die Genossen nahmen 1054 Mitglieder zu, unser Verband etwas weniger, nämlich— fünfzehn. DaS ist der Erfolg eiiner tzdlen Geschwätzigkeit, den mfan alten Weibern entlehnt hat. Hätte man sich weniger mit den Genossen herumkrakeelt, dann wäre Zeit und Kraft für den Ausbau der Zahlstelle gewonnen worden. Er- scheint es auch ausgeschlossen, daß unser Verband sich ähnlich wie der sozialdemokratische entwickeln könnte, so ist der Gewinn von 15 Kollegen doch ein geradezu blamabler Erfolg." Der christliche Artikelschreibcr besitzt mehr Ehrlichkeit und gesunden Verstand, als man sonst in seinen Kreisen zu treffen gewohnt ist.—_ Eine charakteristische Militärgerichtsverhandlung. Vor dem OberkriegSgericht in K o b l e n z stand der Haupt» m a n n H a g e m e i st e r von der 8. Kompagnie deS Infanterie- regimentS Nr. 69. Vor kurzem ist der Unteroffizier Klose von der- selben Kompagnie wegen Mißhandlung Untergebener in 132 Fällen und Verleitung zum Meineide zu 1 Jahr und 4 Monaten Zuchthaus verurteilt worden. Diese An- gelegenheit kam inS Rollen durch einen Musketier Schmitt, der wegen der unerträglichen Mißhandlungen durch Klose und wegen Quälereien durch andere Unteroffiziere desertiert war. Als er zurück- kehrte, erhob er gegen den Hauptmann Hagemeister die schwere Be- schuldigung. daß dieser Beschwerde» gegen seinen Peiniger Klose nicht weitergegeben beziehungsweise unterdrückt habe. DaS Kriegsgericht der 16. Division hatte den Hauptmann von der Anklage der vorsätzlichen Unterlassung der Verfolgung straf- barer Handlungen seiner Untergebenen freigesprochen. In- folge der Berufung des GerichtSherm kam die Sache vor das Ober- kriegSgericht. Die Verhandlung fand unter strengem Ausschluß der Oeffentlich- keit statt. Auch die Verkündigung der Urteils gründe erfolgte bei verschlossenen Türen wegen„Gefährdung militärdienstlicher Interessen". Nicht einmal der Name des angeklagten Hauptmanns war aufgerufen worden. Der Hauptmann wurde nach mehrstündiger Verhandlung wegen vorsätzlicher Unterlassung der Verfolgung straf- barer Handlungen seiner Untergebenen inzwei Fällen zu drei Tagen Stubenarrest verurteilt.—_ Oerterrdeb-angam. Wie Arbeiter antworten! Budapest, 17. März. Als Antwort auf die vom Minister des Innern Gras Andrassy angedrohte Auslösung der Gewerkschaften veranstaltet die sozial- demokratische Partei am Freitag in Budapest gleichzeitig 40 Protestversammlungen. („Franks. Ztg.-) Schweiz. Eine Volksabstimmung. Zürich. 15. März.(Eig. Ber.) Am Sonntag hat in der Stadt Zürich die Volksabstimmung über die Vorlage betreffend die Subventionierung der projektierten neuen Universität, ferner im Kanton Zürich eine solche über zwei Vorlagen stattgefunden, wovon die eine die Revision des Jagdgesetzes und die andere die Verstaatlichung der elektrischen Energie betrifft. lieber die erste Vorlage sagt das„VollSrecht", daß sich die Arbeucrichast aus Respekt vor der Wissenschaft über alle die Mißhandlungen und Verfolgungen der letzten Jahre hinweggesetzt und für die Vorlage gestimmt haben würde, wenn nicht durch daS Antistreikgesetz alledem die Krone aufgesetzt worden wäre, durch daS der Arbeiter minderen Rechtes gemacht wird. Darauf mußte und wollte die Arbeiterschaft eine Antwort geben.„Eine andere Möglichkeit wäre uns lieber gewesen Wir wissen eS, die Hochschulbauten hätten für uns einigen Vorteil gebracht, wenn darüber auch die ungeheuer- lichslen Ueberlreibtmge» ausgesprochen werden. Die Abteilungen nämlich, die für das Proletariat die größte Bedeutung haben, die Spitäler, werden ja trotz der SechSmillionenbauten im bisherigen, durchaus ungenügenden Zustand bleiben. Trotzdem, eine andere Möglichkeit wäre unö lieber gewesen. Aber die zürcherische Arbeiter- schaft müßte keinen Charakter haben, wenn ihr Groll nicht einmal zum Ausbruch känte und wenn sie nicht auch den Stolz besäße, ein- mal zti zeigen, daß mit ihr gerechnet werden muß, und zwar anders als mit einem Prügelsiittgen. Man hat es so gewollt. Wohlan. wir werden demenlsprechend handeln. Wir haben unsere Stellung bezogen und wir wissen die volle Verantwortung dafür zu tragen." DaS revidierte tantonale Jagdgesetz bringt verschiedene Neuerungen, so die Erhöhung der Gebühr für das Jagdpatent, Verschärfung der Strafbestiimmingcn, Ausschluß von Personell, die wegen Verbrechen bestraft, vom Jagdrecht usw. Das Gesetz über die Elektrizitätswerke des Kan- tonö Zürich betrifft die Verstaatlichung der elektrischen Energie. Die staatlichen Elektrizitätswerke werden als selbständige staatliche UttteriteHmuitg. also unabhängig von der Regierung, or- ganifiert und betrieben und der Overaussicht des KanlonSratcS unterstellt; Ueberschüsse sollen zur Verbilligung der elektrischen K r a s t. die an Gemeinden und Private abgegeben wird, verwendet werden. In der Volksabstimmung wurden alle drei Gesetze angenommen. Gegen die Hochschulvorlage wurden 10416 Stimmen, dafür 14 802 abgegeben.— Spanien. Behördlicher Mord.' Madrid, 17. März. Dem„Fmparcial" zufolge gab die Bürger- wehr von Villa Nueva aus gegen die Wiedereinführung städtischer Zölle demonstrierende Frauen eiye Gewehr- salve ab, ttachdern die Kundgeberinne» der Aufforderung, sich zu zerstreuen, nicht Folge geleistet hatten. Eine Frau wurde aus der Stelle getötet, zwanzig verwundet; eine zweite Frau ist bereits ihren Verwundungen erlegen; zwei wettere schweben in Lebensgefahr. Der Vorfall hat große A u f r e a utt g in der Stadt hervorgemfen. da die Kundgebung sehr fried- l i ch e r Natur war. KulUancL Die Bauernbewegung. Petersburg, 17. März. Nach Meldungen, die der Regierung zu- gegangen sind, sind inder Wolgagegend Bauer nunruhen ausgebrochen. In der Nähe von Saratow haben Zu- saniinenstösie mit Gendarmen stattgefunden. Militär ist abgegangen. Australien. Flottenpläne. Shdne», 15. März. Der P r e m i e rm tnäster des Austra- tischen Bundesstaates D e a t i n führte in einer über die Landes- Verteidigung gehaltenen Rede aus, daß Australien jedem Angriff schutzlos preisgegeben wäre, wenn nicht die Suprematie der englischen Flotte vorhanden wäre. Die Bewohner Australiens müßten einsehen, dag sie nicht erwarten könnten, den Schutz dieser Flotte zu genießen, ohne zu ihren Kosten beizutragen. Australien könne gute Seeleute liefern, brauche aber Schiffe. Für die Landes- Verteidigung seien zunächst jährliche Ausgaben in der Höhe von KM 0M Pfund Sterling erforderlich. In Zukunft würde Australien 2M KM Mann ausgebildete Truppen und eine Flottille von fünfzehn Schiffen für die Hafen- und Küstenverteidigung besitzen. Ralti. Die Schreckensherrschast. Paris, 17. März. Dem hiesigen„New Jork Herald' wird aus Port-au-Prince von gestern gemeldet: Präsident Alexis hat seinen politischen Freunden erklärt, er fürchte die Schiffs- demoustralionen nicht, er ziehe sogar vor, daß sie ohne Verzögerung stattfinden, da sonst die gegenwärtige Lage sich endlos verwirren würde. Die haitianische Regierung sei entschlossen, sich mit G e- Walt der Flüchtlinge zu bemächtigen, wenn mau sie ihr nicht gutwillig herausgäbe. Trotzdem habe der Präsident, um weitere Verwicklungen zu vermeiden, die gegenwärtig in der fran- zösischen Gesandtschaft befindlichen Flüchtlinge ermächtigt. Haiti frei zu verlassen. In der Stadt seien die abenteuerlichsten Gerüchte verbreitet. Man sage, daß die haitianischen Soldaten bei Ankunft der fremden Schiffe die Ausländer angreisen wollten. Die Hin- richtungen dauerten. fort. London, 17. März. Aus' Washington wird gemeldet: Das Staalsdepartement glaubt nicht, daß ausländische Interessen ernstlich bedroht seien. Die Vereinigten Staaten seien der Ansicht, daß Haiti sich um sein Heil s e l b st bekümmern könne und be- trachteten eZ daber nicht als ihre Obliegenheit, sich da einzumengen, es müßte denn sein, daß amerikanische Interessen gefährdet würden oder die Gebote der Menschlichkeit ein Einschreiten notwendig machten. New Dort, 17. März. Einem Telegramm aus Porte-au» P r i n c e zufolge erließ der Präsident von Haiti eine P r o k l a- m a t i o n, in der er erklärte, für die ö s f e n t l i ch e O r d n u n g und Sicherheit sowie für die Wahrung des Friedens Sorge tragen zu wollen. New Jork, 17. März. Der„New Jork Herald' meldet aus Port-au-Prince von gestern, daß Präsident Alexis in einer Proklamation erklärt, die Verschwörer gingen mit dem Plane um. ihn und die Minister zu ermorden. Diejenigen von ihnen. welckie mit Waffen ergriffen worden seien, hätten nur die gerechte Strafe(!) erhalten. Washington, 17. März. Die Lage in H a i t i ist nach der offi- ziellen Angabe des Staatsdepartements entschieden e r n st e r als dies seit der Revolution der Fall war. Die haitianische Regierung weigert sich jetzt, den Flüchtlingen in den fremden Gesandtschaften zu gestatten, das Land zu Verlaffen. Der amerikanische Kreuzer „Des Moines" und das Kanonenboot„Eagle" wurden sogleich nach Port au Prince entsendet mit der Weisung, die amerikanischen Interessen zu schützen. Cewcrhrcbaftlicbe�. Erklärung. Seitens des Gewerkschaftskartells für Berlin und Um- gegend war der Expedition ein Inserat zugegangen, welches zu einer für Dienstag, den 17. März, tagenden großen gemeinsamen Versammlung aller Mitglieder der dem Berliner Gewerkschaftskartell bezw. der„Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften" angeschlossenen Organisationen aufforderte und deren Tagesordnung Die„Freie Bereinigung deutscher Gewerkschaften", eiue Not- wendigkeit für die Arbeiterbewegung lautete. Die Expedittonsleitung legte dieses Inserat der TageS- ordnung wegen dem Obmann der Preßkommiffion vor, der nach Rücksprache nnt den anwesenden Mitgliedern des Partei- Vorstandes die Ablehnung desselben empfahl. Die Preßkommission und der Parteivorstand befaßten sich in einer am gestrigen Tage stattgehabten besonderen Sitzung mit dieser Frage und beschlossen nach eingehender Beratung: Es ist feststehend, daß durch die gegebene Tagesordnung die zurzeit schwebenden Einigungsvcrhandlungen der einzelnen lokalen und zentralen Berufsorganisationen gestört werden sollen, welche gemäß den Beschlüssen der Parteitage vom Parteivorstande eingeleitet wurden, nachdem korporative Ver- Handlungen zwischen Gewerkschaftskartell und General- kommission von elfterem abgelehnt waren. Die Preßkommtssion hält es für ihre Pflicht, darauf zu achten, daß die der Partei zur Verfügung stehenden Organe nicht der Zersplitterung, sondern der Einheitlichkeit der Arbeiterbewegung und der Durchführung der Parteitags- beschlüsse dienen. Sie erblickt in der Handlung des Kartell- ausschusses eine schwere Schädigung der Arbeiterbewegung und betrachtet denselben als das Exekutivkomitee der jede Einigung hintertreibenden syndikalistischen Richtung inner- halb der„Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften". Die Kommission beschließt deshalb, nachdem von dieser Stelle der Absicht der weiteren Zersplitterung der Arbeiter- bewegung entgegen dem Willen der Parteitage zu Mann- heim und Essen so klar Ausdruck- gegeben wurde, für das „Gewerkschaflskartell für Berlin und Umgegend" als Kor- poration den„Vorwärts" zu sperren. __ Die Preßkommiffion. Berlin und Umgegend. Der Streik bei der Firma Hugo Härtung in Moabit, Wiclef- straße. dauert unverändert fort. Eine vollständig unwahre Dar- stellung über die Ursachen des Streiks gab vor einigen Tagen in einer im Betriebe an die Arbeitswilligen gehaltenen Ansprache der Meister Squa. Wie von einigen Arbeitswilligen, die dem Be» trieb wieder Valet gesagt haben, nachdem ihnen der wahre Grund des Streiks mitgeteilt, erklärt wurde, erzählte Herr Squa, ein Arbeiter sei betrunken gewesen, derselbe habe deshalb entlassen werden sollen, und aus diesem Grunde hätten alle anderen die Arbeil niedergelegt. Da dieses Gerücht auch von dem Streikbrecher- bureau der Gelben, Chausseestraße 9, verbreitet wird, haben die Streikenden allen Grund anzunehmen, daß dasselbe die Streiken- den in der Oeffentlichkeit herabsetzen soll. Demgegenüber berufen sich die Streikenden auf die Äußerungen des Betriebsleiters S t u- Berantw. Redakt.: Georg Davidsohn, Berlind Inseratenteil verantw.I b i v s k i. Derselbe erklärte der Verhandlungskomwiffion in Gegen- wart der Vertreter der Organisation, er wisse, daß alle im Betriebe Beschäftigten ihre Schuldigkeit tun und er bedauere, weil er die Abzüge nicht zurücknehmen könne, seine langjährig bei ihm beschäf- tigten Leute zu verlieren. Ein Schauspiel sondergleichen ist der schon von uns geschilderte allabendliche Transport der Arbeitswilligen durch die Polizei, die kurz vor Feierabend zu Fuß und zu Pferde aus den verschiedensten Torwegen anrückt, um die„nützlichen Elemente" durch die nach Hunderten zählenden Zuschauer hindurchzuführen, welche sich angc- sichts des starken Polizeiaufgebots ansammeln..Wahrscheinlich glaubt die Polizei, daß auch diesen Arbeitswilligen die Wahrheit über die Ursachen des Streiks mitgeteilt werden könnte, und da dieses ängstlich vermieden werden muß, um ja nicht den Profit des Unternehmers zu schmälern, sperrt man die lieben Arbeitswilligen hermetisch ab, und macht es den Streikenden unmöglich, ein Wort der Belehrung an dieselben zu richten. Einem Vertreter der Organisation, der auf dem 194. Polizeirevier bei dem Leutnant Beschwerde führte über das rigorose Vorgehen der Beamten gegen die ruhig ihre Pflicht erfüllenden Streikposten, wurde von diesem kurz erklärt:„Bei Härtung besteht kein Streik. Ueberhaupt habe ich keine Veranlassung, mich mit Ihnen zu unterhalten, und ge- schieht das Vorgehen der Beamten auf meine Veranlassung." Trotz des polizeilichen Vorgehens und trotz der Entstellung der Tatsachen durch den Meister des Betriebes sowie die Gelben, werden sich die Streikenden in der Ausführung ihrer Pflicht und ihres Rechts nicht wankend machen lassen. Will die Firma Härtung den Frieden, die Streikenden haben bisher stets den Beweis er- bracht(bei der Firma Härtung waren die Arbeiter schon oft ge- nötigt, in t>en Streik einzutreten), daß sie dazu bereit sind, auf einer Grundlage, die beiden Teilen Rechnung trägt. Der Betrieb ist durch den Metallarbeiterverband für Former, Maschinen former, Kernmacher, Schlosser sowie für sämtliche Gießereihülfsarbeiter streng gesperrt. Arbeiterfreundliche Blätter werden um Abdruck ersucht. Die Bewegung der Masischneider für die allgemeine Durch. führung des im vorigen Frühjahr mit dem Arbeitgeberverband ab- geschlossenen Tarifes gewinnt immer mehr an Ausdehnung und Stärke und ist jetzt soweit gediehen, daß die Einreichung der Tarife an die Firmen, die bis jetzt noch glaubten, nach Belieben zahlen zu können, nahe bevorsteht. Am Montag fand wiederum in einem Stadtteil, wo noch mehrere tarifliche Geschäfte vorhanden sind, eine öffentliche Versammlung der Herrenmaßschneider statt. Sie tagte bei Gieske in der Landsberger Straße. Das Referat Kunzes über die Ausdehnung des Tarifes aus alle Berliner Maßgeschäfte fand lebhaften Anklang. Auch wurden wiederum eine Anzahl Firmen genannt, bei denen die tarifliche Regelung vor allem not- wendig ist. So wurden auch in diesem Stadtteil die Vorbereitungen für die diesjährige Tarifbewegung getroffen, die das nachholen soll und muß. was im vorigen Jahre nicht erreicht werden konnte. Die Ausnutzung der schlechten Konjunktur durch die ReichSregierung kam in einer Versammlung der Berliner Korbmacher zur Sprache. Die Korbmacher hatten in jüngster Zeit ihr lebhaftes Interesse den bevorstehenden großen Regierungsaufträgen für Feldpatronen- körbe zugewendet. Eine Kommission des Verbandes trat auf Ver- anlassung der Unternehmer mit diesen in Verbindung. Die Regie- rung zahlt nicht mehr die früheren Preise, weil sie genügend billigere Angebote erhalten hat! Sie hat aber bekannt gegeben, daß sie 6 M. pro Korb zahlen wolle. Ehe die Unternehmer sich darauf fest- legten, wollten sie erst mit den Arbeitern über einen Einheitspreis schlüssig werden. Die Kommission kam nach vielen Verhandlungen zu dem Resultat, daß der Preis pro Korb für den Arbeiter nicht unter 3 M. fallen dürfe. Die Unternehmer aber verpflichten sich, den Korbmachern. die Zuschrift der den Auftrag vergebenden Behörde vorzulegen, aus der die Menge der bestellten Körbe ersichtlich ist und für diese Menge nicht unter den vereinbarten Lohnsatz herunterzugehen. Ein wichtiges Zugeständnis der Unternehmer besteht darin, daß sie sich ferner verpflichtet haben, die benötigten Arbeitskräfte in erster Linie von den Arbeitsnachweisen des Holzarbeiterverbandes zu entnehmen. In einer außerordentlichen Branchenversammlung der Korb- macher, pie am Montag im GewerkschaftShause stattfand, stellte Maaß als Vertreter der Kommission diese Vorschläge zur Dis- kussion. Obgleich der Satz von 3 M. manche Opposition weckte, da man glaubte, mehr verlangen zu dürfen, gab die Versammlung doch ihre Zustimmung zu den von der Kommission vereinbarten Be- dingungeu. Der Vorsitzende Richter machte noch bekannt, daß die Kol- legen diejenigen Werkstätten, wo in jüngster Zeit Entlassungen wegen Arbeitsmaugel vorgekommen sind, oder wo die Arbeitszeit verkürzt worden ist, meiden möchten, um durch daS starke Angebot nicht die Bedingungen noch zu verschlechtern. veurlcbea Reich* Zum Kampf im Baugewerbe. Die bedeutsamen Verhandlungen der Vertreter der Banarbeiter- verbände(Maurer, Zimmerer und Bauhülfsarbeiter) mit den Ver- tretern des mitteldeutschen ArbeitgeberverbandeS für daS Bau« gewerbe fanden am Montag in Frankfurt a. M. statt. Diesen Verhandlungen ging am Sonnabend eine Vorbesprechung in Koblenz voraus. An dieser nahmen auch Vertreter des Rheinisch« westfälischen Arbeitgeberverbandes teil. Die Unternehmer machten schon bei dieser Vorbesprechung einige Ziigesländniffe, so daß die Verhandlungen in den einzelnen Bezirken festgesetzt werden konnten. An den Verhandlungen in Frankfurt nahmen ungefähr 49 Ver- treter der Arbeiter und 1ö Vertreter der Unternehmer teil. Die Debatten zogen sich bis in die Abendstunden hin. Die Unternehmer ließen einige Houplstretlpunkte fallen. So zogen sie das Wort .tüchtigen' im§ 4 ihres Vertragsentwurfs zurück. In diesem Para- grapben hieß es:„Der Stundenlohn beträgt für einen tüchtigen Maurergesellen". Würde also das Adjektiv.tüchtig' stehen bleiben, so hätte es jeder Unternehmer in der Hand, den Lohn nach Belieben festzusetzen. Im ß 19 des Vertragsentwurfes der Unternehmer heißt es:„Jegliche Agitation auf der Arbeitsstelle ist bei sofortiger Entlassung verboten'. Hier wurden die Worte„bei sofortiger Entlassung' von den Unternehmern zurückgezogen. Auch in sonstigen unwichtigeren Punkten wurde eine Einigung erzielt. Die Gegensätze in den strittigsten Fragen blieben aber bestehen. DieS sind: Arbeitslohn, Arbeitszeit, Vertragsdauer und G e- nehmigungsklaulel. Eine Lohnerhöhung wollen die Unter- nehmer weder jetzt noch in den nächsten zwei Jahren bewilligen. Die Arbeitszeit soll auch fenierhin zehn Stunden betragen. Die Vertreter der Arbeiter hielten an der neuneinhalbstündigen Arbeitszeit fest. Ebenfalls an der Forderung von nur einjähriger Vertragsdauer, während die Unternehmer Vertrags« abschluß bis l9l0 vorschlagen. Im übrigen wollten die Unter- nehmer sich die Genehmigung der Vereinbarungen durch den Bundes- vorstand des ArbeitgeberverbandeS für daS Baugewerbe vorbehalten. Auch hieraus konnten die Arbeitervertreter nicht eingehen. Die Ver- Handlungen wurden, weil über diese Punkte keine Einigung erzielt werden konnte, abgebrochen. Die verschiedenen Vertreter sollen ihren Organisationen Bericht erstatten und weitere Direktiven einholen. Dann werden voraussichtlich in zirka 14 Tagen weitere Verhandlungen stattfinden. ZH. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstalt 48 SchiffSzimmerer haben am Montag in Rathenow die Arbeit niedergelegt. Sie forder» 42 Pf. Stundenlohn, der bisherige Lohn bettug 49 Pf. Alle Einigungsversuche scheiterten an der Hart- näckigkeit der Unternehmer. In Frage kommen für den Streik die Schiffswerften von Weiß und Dröscher. Die Werft von Böttcher (Neue Schleuse) hat die Forderung anerkannt. Die Streikenden rechnen auf die Solidarität der Kollegen. Der Arbeitgcberschutzverband der Holzindustrie für Hamburg und die Nachbarstädte hatte zu Sonnabendabend die dem Perlmnde angeschlossenen Gcwerke, Firmen und Meister von Hamburg. Altona, Wandsbeck und Umgegend zu einer Versammlung einberufen, um zu den bisher gescheiterten Verhandlungen mit dem Holzarbeiter- verbände— Tarifvertragverlängerung betreffend—'Stellung zu nehmen. Tie Versammelten nahmen nach einem ausführlichen Vortrage des Referenten Wolframm folgende Resolution an: 1.„Trotzdem die Verhandlungen mit der Gesellenorganisation bezüglich Abschluß eines neuen Tarifes derzeit als gescheitert zu betrachten sind, beschließt die Versammlung, vorläufig von einer Aussperrung nach dem 1. April abzusehen. 2. In allen Betrieben, die bisher unter dem Vcrtragsver- hältnis standen, sind am 1. April gleichlautende Plakate ohne jede Kopfbemcrkung einer Organisation und nur mit der Unter» schrist des Inhabers versehen, an sichtbarer Stelle anzubringen. Auf diesen Plakaten sind die ab 1. April geltenden Arbeitsbedin- gungen, die dem bisherigen Vertrag zu entnehmen sind, bekannt- zugeben. 3. Die bei den gehabten Verhandlungen vorgeschlagenen Ver» besserungcn der Arbeitsbedingungen für die Arbeiter bezüglich der Arbeitszeit und Lohn werden infolge der geänderten Ver- hältniffe zurückgezogen und sind als nicht geboten zu betrachten. 4. Sollten wider Erwarten nach dem l. April seitens der Arbeiter in einem oder mehreren Betrieben Forderungen er- hoben und versucht werden, diese durch Arbeitseinstellung und Sperren des Betriebes durchzusetzen, so ist nur durch die Organi- sation der Arbeitgeber der Versuch zu machen, eine Regelung herbeizuführen. Scheitert dieser, so haben sämtliche Betriebe ihre Werkstätten zu schließen und das Zurückziehen der gestellten Forderungen abzuwarten. Durch die Beschlüsse und Maßnahmen der Organisation der am Bau beteiligten Innungen usw. wird dieses Vorgehen in weitgehendster Weise unterstützt werden. 5. Obige Beschlüsse gelangen nicht zur Durchführung, wenn seitens der Arbeitnehmerorganisation die Bereitwilligkeit, vor Ablauf des jetzigen Tarifes einen neuen Tarifvertrag, laufend bis I. April 1919 einzugehen, erklärt werden sollte." Werftarbeiter-Aussperrung. Falls auf der Werft der Howaldtswerke in Kiel zwischen den Arbeitern und der Direktion kein« Einigung erfolgt, wird, wie die Kieler„Neuesten Nachrichten" melden, nicht nur ein« Aussperrung von 69 Proz. der Kieler Werftarbeiter Platz greifen, sondern es werden, einem Beschlüsse des„Verbandes der deutschen Eisen» und Metallindustriellen" zufolge, Ende März 69 Proz. der Ar» beiter aller d em Verbände angeschlossenen deutschen Schiffswerften entlassen. Brbeiterrntlassungen» Lohnreduktionen und Feierschichten kennzeichnen die Situation im Ruhrrevier. Auf Zeche„Friedrich der Große" in Herne ist 89 Hauern und Lohnhauern gekündigt. Das- selbe ist auf„Heinrich Gustav" in Werne der Fall: dort wurde am Sonnabend 29 Arbeitern gekündigt. Auf„General" in Weitmar ist, wie schon telegraphisch gemeldet, am Sonnabend eine Lohnreduktion von 19 Proz. angekündigt, das gleiche auf der Sttnnesschen Zeche„Prinz-Regent". Busland. Drohender Setzerstreik in Olmütz. Die Gehülfenschaft der Buchdruckereien in Olmütz beschloß in einer am Montag abgehaltenen Versammlung, für den Fall, daß die von dem im Vorjahre verstorbenen Genossenschaftsvorsteher Josef Gr o a k gegebene Zusage, daß mit dem 1. Januar 1998 eine Erhöhung des Minimallohnes um 2 Kronen in Anbetracht der Lebensmittelteuerung zugestanden würde, nicht eingehalten werde, sofort in den Streik zu treten. Bereits am verflossenen Sonnabend wurde seitens der Setzer mit der passiven Resistenz eingesetzt und erschienen die Zeitungen infolgedessen einige Stunden später. Die Frage: Jnbustricverband oder Berufsorganisation b«. schäftigt jetzt sehr lebhaft auch die Petersburger Gewerkschaften; sie wird in vielen Versammlungen diskutiert. Die meisten ent- scheiden sich für Jndustrieverbände und so ist jetzt in Petersburg eine starke Tendenz zur Vereinigung der Gewerkschaften verwandter Berufe bemerkbar. Sie äußert sich in der allmählichen Vereinigung einzelner Funktionen, in der gemeinsamen Errichtung einiger Unternehmungen und führt zur völligen Verschmelzung verwandter Vereine. Die Metallarbeiter z. B. beschlossen, die medizinische und juri- stische Hülfe gemeinsam mit kleinen Vereinen verwandter Berufe zu organisieren. Die Techniker und die Zeichner errichteten gemein- sam einen Arbeitsnachweis. Der Verein der Arbeiter, welche mit der Bearbeitung der faserigen Stoffe beschäftigt sind, verschmolz sich mit der Gewerkschaft der Triiotstricker und-Strickerinnen. Die Böttcher stehen auf dem Punkte, sich mit den Holzarbeitern zu ver- einigen u. a. m._ Läckerstreik in Mailand. In einer von mehr als 2999 Bäckergehülfen besuchten Versammlung wurde einstimmig beschlossen, sofort m den Streik einzu- tieten, weil die Bäckermeister die Forderung der Gehülfen auf Ge- Währung eines vollen Ruhetages in jeder Woche abgelehnt haben. Da die Stadt nur für einen Tag mit Brot»ersehen ist. hat sich die Munizipalvertretung an die Staatsbehörden mit der Bitte ge- wendet, bei längerer Dauer des Streikes durch die militärischen Bäckereien zumindest das nötige Brot herstellen zu lassen. Letzte I�acbncbtcn und vepelcben. Ein Sargschifs. Valencia, 17. März.(B. H.) Der Dampfer-Villa Reale" ist in der Nähe der Küste gesunken. Von den IS Mann der Besatzung konnten sich nur 6 retten. Unter den S Ertrunkenen befinden sich der Kapitän, der Ingenieur und der erste Heizer. Die„Villa Reale" war ein altes, nicht mehr seetüchtiges Schiff. Der Manu mit dem ponr le merite. Petersburg, 17. März.(W. T. B.) Der Kaiser hat die ihm vom Kriegsminister unterbreitete Petition des Kriegsgerichts unter» zeichnet und die über General Stössel wegen Uebergabe Port Arthurs verhängte Todesstrafe in zehnjährige Festungshaft mit Ausschluß vom Dienste und Rangverlust abgeändert. klutomobilfreuden. Eichstädt, 17. März.(W. T. B.) In dem Prozeß wegen räuberischer Erpressung gegen die vier Angeklagten aus Dörndorf bei Eichstädt, welche am 4. August 1997 den Herzog Franz Josef von Bayern auf der Chaussee an der Weiterfahrt im Automobil längere Zeit hinderten und ihn erst nach Erpressung von Geld weiterfahren ließen, wurden die Angeklagten zu Strafen von vier. drei und zwei Monaten, beziehungsweise sechs Wochen Gefängnis verurteilt.__ ßaul Singer& Co„Berlin S W. Hierzu 8 Beilage« n. Unter 6 altungSbh Ar. 66. 25. Iahrgaag. L DM des Junrtrts" leiliner Kllisdlsll Pittoiii 18. Pütj 1908. Reicbstacf. 121. Sitzung Vom Dienstag, den 17. März 1V0F. nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratStische: D e r n b u r g. Auf der Tagesordnung steht zunächst die namentliche Ab- stimmung über den Antrag Graf v. Hompesch u. Gen.(Z.) zum Etat des Reichsschatzamtes, zum Titel„Kriegsteilnehmer- beihülfen', als hülfsbedürstig alle Kriegsteilnehmer zu erklären, deren steuerbares Einkommen nicht mehr als 900 M. beträgt. Der Antrag wird mit 167 gegen 123 Stimmen bei 3 Stimm- enthaltungen abgelehnt. Der Titel.Kriegsteilnehmerbeihlllfen, 21,3 Millionen Mark" wird angenommen. Es folgt die Beratung des Kolonial-EtatS. Hierzu liegen drei Resolutionen vor: 1. Graf v. Hompesch u. Gen.(Z.) verlangen, daß tunlichst bald die schärfsten Maßnahmen gegen die Einfuhr und den Ausschank von Alkohol in den Schutzgebieten ergriffen werden. 2. Graf v. Hompesch u. Gen.(Z.) beantragen, daß die Rechtspflege unter den Eingeborenen mit erhöhten Garantien um- geben wird, daß die Rechte der Eingeborenen in Rechtsangelegen- heiten mit Weißen genügend gewahrt werden, daß für die Weißen in Strafsachen eine Berusungsinstanz im Schutzgebiete geschaffen und als Revisionsinstanz das Reichsgericht bestimmt wird, in Zivilsachen eine Berufungs- und Revisionsinstanz im Deutschen Reiche geschaffen wird. 3. Dr. Ablaß u. Gen. sfrs. Vp.) beantragen, die allmähliche Trennung von Justiz und Verwaltung in den Kolonien in die Wege zu leiten und zur Vorbereiiung der Kodifizierung des Eingeborenen- Strafrechts allgemeine Anweisungen über die Anwendung des deutschen Strafrechts zu erlaffen. Die Beratung beginnt beim Titel„Gehalt des Staats- sekretärS 44 000 Mar C. Staatssekretär Derndurg: Wenn der Kolonialetat einen so großen Umfang in der Kom- Mission angenommen hat, so ist das ein erfreuliches Zeichen für das erhöhte Interesse an den Kolonien, das auch die Kreise der äußersten Linken zu ergreifen beginnt. Die Beratung der Kommission wurde durch einen anderen Umstand noch erschwert. Nach meiner umfangreichen Reise nach Ostafrika haben meine dort gemachten Erfahrungen zu programmatischen Erklärungen geführt, die ich hier in voller Ausführlichkeit nicht wiederholen will. Aber ich muß doch erklären, was denn eigentlich meine Politik ist. Angestrebt wird eine deutsche Regierung in den Kolonien, welche das Verlrauen aller in den Kolonien vertretenen Stände. Berufsarten und Klassen erwerben imiß. Sie hat die große Aufgabe, die wirtschaftlichen Kräfte, welche in den Kolonien ruhen, zu entwickeln. Daher muß unbedingt das Ansehen der Regierung gewahrt bleiben, so daß ihren Anordnungen unweigerlich Folge geleistet wird, und sie die Kraft hat. sie durchs zusetzen. Daraus folgt, daß die Regierung eine Regierung der Gerechtigkeit und des Wohlwollens gegenüber Weißen und Schwarzen sein muß. Sie muß getragen werden von Personen, welche die notwendige wirtschaftliche Vorbildung besitzen, die die notwendige Kenntnis von Land und Leuten und den wirb schaftlichen Zuständen haben. Sie muß eine ruhige und stetige Ver- waltungspraxis durchführen und von der großen und wichtigen Auf gäbe überzeugt sein, große und volkSrciche Länder zu entwickeln, die inaterielle Wohlfahrt und das köperliche Wohl- ergehen der Eingeborenen zu fördern, und sie zu höherer Gesittung empor zu führen. Diese Aufgabe muß ohne Hast und Eifer, langsam und zielbewußt durchgeführt werden. Ich bin es den Beamten der Reichsverwaltung in den Kolonien schuldig, ebenso den Offizieren der Schutztruppe, für den Geist, in dem sie ihre Aufgabe erfaßt haben, die höchste Anerkennung auszusprechen. lLebhafter Beifall rechts, bei den Nationalliberalen und den Frei' sinnigen.) Um größere Stabilität innerhalb der Verwaltung zu erreichen, muß die koloniale Karriere den Gebildeten aller Stände eröffnet werden, damit ein koloniales Beamtentum herangezogen wird. Die Regierung muß eine deutsche sein; deshalb ist eine Nassenjustiz notwendig, aber getragen von der notwendigen Selbstzucht der Weißen, (Sehr richtig I) Zur wirtschaftlichen Erschließung der Kolonie ist eine Unterstützung der Weißen notwendig kleines feuilleton. Aus ZolaS Werkstatt. In dem Augenblick, da angesichts der bevorstehenden Ucberführung der irdischen Reste Zolas ins Pantheon der Streit um den Vielbefehdeten in Frankreich aufs neue ausloht, veröffentlicht die„Revue" eine Reihe bedeutsamer Entwürfe und Notizen des Dichters, die eine wertvolle Ergänzung zur Charakteristik seiner Persönlichkeit bilden und zugleich einen fesselnden Einblick gewähren in seine Art, zu schaffen. Die Frag- mente, bald hastig hingeworfene Bemerkungen, die dem Dichter bei der Konzeption der ersten Idee einfielen, bald ein regelrecht durch- geführter Anlageplan eines Werkes, beziehen sich auf die„vier Evangelien", die bekanntlich„Fruchtbarkeit",„Arbeit",„Wahrheit" und„Gerechtigkeit"(Menschlichkeit) umfassen sollten. Der Tod hat dem Dichter die Feder mitten in der Arbeit aus der Hand gc- nommen, aber die vorliegenden Werke in ihrer machtvoll heraus- gearbeiteten Tendenz zur Umgestaltung des Lebens genügen zur Widerlegung derer, die den Wescnskcrn des Dichters der Äougon- Macquart in dem Endziel sehen, das Leben mit allen seinen Nöten und Auswüchsen so zu schildern, wie er es sah. In seinen letzten Werken greift Zola nach der Palme des Gesellschaftsreformators, und ein fast romantischer Idealismus, ein unerschütterlicher Glaube an den Fortschritt der Menschheit bricht hervor, die unver- cinbar sind mit dem pathetischen Pessimismus, die viele als die Triebfeder des Zolaschen Schaffens ansahen. Als in seiner Seele zum crstcnnial der Gedanke an den Zyklus der„vier Evangelien" die Schwingen breitete, bezeichnet er diese Arbeit als natürlichcii Schluß- stein seines Wirkens.„Nach einer langen Untersuchung der Wirk- lichkeit eine Verlängerung in das Morgen, in einer lyrischen Art. Meine Leidenschaft für die Stärke und für die Gesundheit, für die Fruchtbarkeit und für die Arbeit, mein Bedürfnis nach Wahrheit und nach Gerechtigkeit brechen schließlich aus. Ich eröffne das kommende Jahrhundert. All das auf die Wissenschaft begründet. Alles mit Güte und Zärtlichkeit durchtränkt, eine ganze herrliche Blütezeit, eine herzergreifende, wcithiuschallende Verkündigung." Die Macht seiner Phantasie und die Kraft seines Temperaments mußten Zola notwendigerweise zu der Konzeption von gewaltigen Romanen führen, in denen die Hauptpersonen die weit aus- greiff'dai Abstraktionen riesiger Wesenheiten sind. Er träumte von einer Ethik, die alle Sehnsüchte und alles Streben der Gegen- wartsseele in Harmonie bringen würde. Die ersten Aeußerungen über den neuen Plan verraten schon jenes Streben zur metho- dischen Ordnung der Einzelerscheinungen, jene Willenskraft, die die Welt und Zukunft umfassenden Ideen zu etwas„Gewaltigem und Symmetrischen, das den glühendsten Idealismus verrät", zu- sammenschließcn soll.„Es kommt mir der Gedanke, vier Ver- kündigungen zu machen und nicht drei, um ein Gegenstück zu den vier Evangelien zu schaffen". So kommt er zu dem Gedanken, vier Söhne„des Petrus" zu schaffen, vier Brüder, die die Helden der innerhalb der Grenzen, die durch die Mittel des Reiches und die Rücksicht auf andere Interessen notwendig sind. Die Begrenzung hat zu einem Konflitt mit den Farmern und zu einer Petition der Farmer an das hohe Hans geführt. Gleichgültig, wie das Haus sich dazu stellen wird, mögen die Farmer versichert sein, daß das Wohlwollen der Kolonialverwaltung für sie nicht geringer ist. als für die Offiziere, Kauf- l e u t e. Missionare. Bei den Aufgaben des Staate? muß ich auch der Missionen beider Konfessionen gedenken, von denen wir in gleicher Weise Unterstützung erfahren haben. Ueber die Moral der Neger will ich mich nicht verbreiten, ihr Kulturzustand ist sehr niedrig, ideelle Prinzipien sind ihnen kaum zugänglich, mit ihrer Wahrhaftigkeit ist es nicht weit her, aber verdiente Strafen nehmen sie mit einer gewissen Genugtuung entgegen. Sie zeigen einen be- sonders stark ausgeprägten Erwerbssinn, sie sind geradezu begehrlich. Es folgt daraus, daß scharfe Strenge gegenüber Unbotniäßigkeit anzuwenden ist, und leidenschaftslose(St- rechtigkeit gegenüber Weißen und Schwarzen. Sonst würden unsere ostafrikanischen Kolonien immer ein unsicherea Besitz sein. Um so notwendiger ist die Beachtung dieser Grundsätze, als unsere Machtmittel sehr gering sind. Die Produktion der Eingeborenen ist das Rückgrat der ostafrikanischeu Produttion und kann nicht durch Plantagendau ersetzt werden. Bezüglich der Eisenbahnen muß ich sagen, daß wir in der EntWickelung der Verkehrswege zu ängstlich gewesen sind; wir haben uns von unseren Nachbarn überflügeln lassen. Einöden sind unsere Kolonien nicht, wir haben im tropischen Afrika so gute Kolonien, wie sie dort überhaupt erhältlich gewesen sind.(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Nahezu alle afrikanischen Eisenbahnen haben gleich nach ihrer Er öffnung ihre Betriebskosten selbst getragen, manche sogar eine Rente gegeben. Ueberall hatten sie die Wirkung, die Ein- und Ausfuhr der Kolonien zu heben und damit auch ihre Steuerkraft zu stärken. Da- durch, daß wir nicht für Verkehrswege gesorgt haben, haben wir den nationalen Reichtum von Ostafrika geradezu verschwendet. Auch bei der Togobahn sind diese Erfahrungen wieder bestätigt. Die vor- geschlagenen Eisenbahnen sollen dazu dienen, die Heimat zu eist- lasten. Der Reichszuschuß für die Kolonien soll in seiner Höhe fixiert werden, das ist bereits ein großer Fortschritt. Die Schutz- gebiete haben ihr eigenes Vermögen und es ist nur recht und billig. daß sie auch ihre eigenen Schulden zahlen.(Zu- ruf bei den Sozialdemokraten: Ausgezeichnet I) DaS stärkt daS Gefühl für ihre Selbstverantwortlichkeit. Die Eisenbahnen in den Kolonien müssen aber auch staatlichen Zwecken dienen, und dürfen daher nicht im Besitz privater Gesell- schaften sein. Die Kolonien müssen durch Bahnen aufgeschlossen lverden, die Frage kann nnr sein, welche zuerst kommt. Bei den kolonialen Eisenbahnen kann es nicht darauf an- kommen, h o ch w erti g e G üter aus dem Lande herauszubekommen, sondern es kann sich nur darum handeln, festzustellen, welche geringwertigen Massengüter in Betracht kommen. Von der englischen Ugandabahn fürch- teten viele eine Schädigung unserer Kolonie, und verlangten eine Konkurrenzbahn. Tatsächlich hat unsere Kolonie von der Uganda- bahn Vorleil gehabt. Die Nationen haben überhaupt nicht die Auf- gäbe, sich gegenseitig das Wasser abzugraben. Die Kulturaufgaben sind so gewaltig, daß man sich freuen mutz, wenn der eine den» andern es erleichtert, sein Päckchen zu tragen.(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Die ganzen Bahnen tosten keineswegs eine übermäßige Summe. In zwanzig Jahren sollen sie allmählich gebaut werden, und ich hoffe, daß die dann erschlossenen Kolonien einen wesentlichen Teil der Kosten übernehnicn können. Ich bitte alle Interessenten, ihre Spczialwiinsche zurückzustellen und sich entschlossen der Regierung anzuschließen. Nach menschlichem Ermessen schließt unser Kolonial- Programm eine dauernde Belastung des Reiches durch den Eisenbahn- bau aus. Der Trägerlohn ist jetzt auf den Kilometer doppelt so hoch, als die Eisenbahntransportkosten sich stellen werden. Ich bitte um freundliche Prüfung unserer Vorlagen.(Bravo l bei den Nationalliberalen.) Abg. Frhr. v. Richthofen(k.): Wenn man bis in die Nacht im Plenum sitzt und des Morgens Kommifsionssitzungen hat, dann kann man seine Rede nicht so gründlich vorbereiten, wie eS die Würde des Gegenstandes eigentlich erforderte.(Zustimmung.) Der Chef der Koloiiialverwaltung hat sich in den Kommissionsverhandluugen als gründlich vertraut mit seinem Ressort und als Mann energischer Initiative gezeigt.(Zustimmung bei den Nationalliberalen und rechts.) Redner wendet sich der Missionsfrage zu. Die Mission muß sein, sie muß aber nicht nur christianisieren, sondern vier Episoden werden sollen.„Der entschiedene Vorteil davon würde sein, daß ich in jedem Romane ein Menschenleben bis zum 80. oder 90. Jahre entwickeln könnte, wenn ich will, sogar ein ganzes Jahrhundert; auf diese Weise kann ich den ganzen Fort- schritt verfolgen, die ganze Zukunft, ohne sie zu zerstückeln. Jeder Bruder vertritt den Titel seiner Episode." Schon in diesen Zeilen verrät sich die Art, wie Zola seine Pläne konzipierte; nicht eine Persönlichkeit ist es, die ihm vor Augen steht, die ihn zur Gestal- tung drängt, sondern eine weitumfasscnde allgemeine Idee. Aus der Notwendigkeit, diesen Gedanken lebendig darzustellen, erwachsen ihm die einzelnen Personen, nicht mit einem Schlage, sondern als das Ergebnis sorgsamer Erwägungen. Außerordentlich interessant sind in dieser Hinsicht die ersten Entwürfe der ersten drei Evan- gelten. Die Idee wird erst beleuchtet, dann erfindet der Dichter eine Gestalt, die sie verkörpert, und er skizziert einen Lebenslauf, der in allen seinen Teilen vor allem der Versinnlichung des Grund- gedankcns dient. Erst allmählich erstehen in der Phantasie des Dichters die Ncbengcstaltcn, teils als ergänzende Argumente, teils als strenge Kontraste gedacht, und erst wenn diese fast Wissenschaft- liche Arbeit abgeschlossen ist, beginnen die Personen aus dem Reich der Abstraktion in die Wirklichkeit überzutreten, gewinnen ihre menschlichen Einzelzüge. Immer mehr Episoden und Geschehnisse werden eingeführt, alle Chancen erwogen, alle Notwendigkeiten des Technischen untersucht, und so entsteht dann ein Entwurf, der auf wenigen Seiten bereits den völligen Gcschehcnsinhalt des späteren Werkes zusammenfaßt. Zolas ganzes Streben gilt dann der Ver- besserung der Gesellschaft und aus allem spricht eine Leidenschaft für das Leben, ein Vertrauen auf den Fortschritt, und ein Wille nach praktischen Wirkungen, die weit hinausgreifen über die be- schränkten Thesen deS dogmatischen Naturalismus.„Ach, diese Angst vorm Leben," so ruft er während der Arbeit an der„Frucht- barkeit" leidenschaftlich aus,„diese Furcht vor den Mühen und vor den Pflichten, vor den Widerwärtigkeiten und den Katastrophen, die es macht, daß man in der Angst vor den Schmerzen die Freuden zurückweist. Diese Feigheit empört mich, ich kann sie nicht ver- zeihen. Man soll leben, ganz leben, das ganze Leben leben und besser auch das Leiden, das Leiden allein, als der Verzicht auf das, was man lebendig und menschlich in sich trägt." Aus diesem Ge- fühl heraus entstehen die vier Evangelien und er widmet sie„der Jugend, um ihr Vertrauen zu geben und sie zum Leben tapfer zu machen." Fruchtbarkeit, Arbeit und Wahrheit sind die Elemente, aus denen die neue Menschheit hervorgehen muß. Vor allem aber die Wahrheit, die den Urgrund jedes Fortschritts ausmacht und aus der allein die Gerechtigkeit hervorgehen kann. Notizen. — Theaterchronik. Das Hebbel-Theater wird von Mittwoch ab in seiner Strindberg-Aufführnng statt„Samum" „Die Stärkere"(mit Rosa Bertens und Maria Mayer) aeben.— DaS Neue Schauspielhaus hat den Vorverkauf an der auch kultivieren.— Beim Kultivieren aber kommt es zu Reibungen mit dem Staat. Das zeigt sich besonders in der Schulfrage. Hier müssen wir vor allem daran festhalten, daß in allen Missionsschulen deutsche Sprache und deutsches Wesen gepflegt wird. Die Mission wird, ohne es zu wollen, zum Anwalt der Eingeborenen. Das liegt in der Natur der Verhältnisse. Damit aber wird sie zur Partei. Der kann diese Entwickelung nicht verhindern. Aber er muß darauf halten, daß Verwaltung und Mission in den Kolonien durchaus getrennt bleiben. Dernburgs Satz, daß der Ein- geborene das wertvollste Gut der Kolonie sei, ist durchaus richtig. ES ist unsere erste Aufgabe, ihn zu erhalten und zu schützen, zu bewahren vor allen Dingen vor dem Alkohol. Ich freue mich, daß internationale Abmachungen gegen den Alkohol in den Kolonien getroffen sind und erhoffe noch Besseres von der Zukunft. Geschützt muß der Eingeborene weiter werden gegen die ansteckenden Krankheiten. Wir können stolz darauf sein, daß ein Deutscher, Professor Koch, die Schlafkrankheit wirksam zu bekämpfen gelehrt hat.(Bravo I) Das wichtigste � wird aber immer die Erziehung der Eingeborenen zur Arbeit bleiben. Diese Erziehung ist schwer, aber sie muß geleistet werden. Der Ein- geborene kann am besten durch indirekten Zwang zur Arbeit erzogen werden, dadurch, daß man ihn zu kommunalen Leistungen, zu Stcuerleistungen heranzieht, dadurch, daß man ihr« zeigt, daß sich sein eigenes Interesse mit der Arbeit verknüpft. Wichtig für diese Erziehung sind Arbeiterkommissariate in den Kolonien und Arbeiterordnungen. Bei der Frage, ob die deutschen Kleinsiedler nicht stärker ge- fördert werden können, waren wir in der Budgetkonnnission mit dem Chef der Kolonialverwaltung nicht ganz einig. Der deutsche Klein- siedler ist der Träger des nationalen Gedankens, er ist in der Stunde der Gefahr der deutsche Landwehrmann.(Beifall rechts.) Bezüglich der finanziellen Verhältnisse bemerke ich, daß die Wert« zuwachsstener in der Kommission Wohl zu scharf hervorgehoben wurde, für Weite Bezirke ist sie jedenfalls noch überflüssig. Die verlangte Kodifizierung der Rechtsgebräuche der Ein- geborenen halte ich nicht für angebracht; es muß eine dauernde Umbildung dieser Rechtsbräuche stattfinden. Die beabsichtigte Grün- dung einer Kolonial akademie in Hamburg begrüßen wir mit großer Freude.(Beifall rechts.) Abg. Arning(natl.): Die Besserung der finanziellen Verhältnisse der Kolonien ist recht erfreulich. Die Zurückziehung der Truppen aus Südwestafrika bedeutet keineswegs einen Kanossagang Dern- burgs und SemlerS. Den Kernpunkt der Ausführungen Dernburgs bildete die Eingeborcnenpolitik. Wir haben daS Recht und die Pflicht, den Eingeborenen eine menschenwürdige Existenz zu ber- schaffen. Deshalb müssen wir Schulen gründen und die sanitären Verhälmisse verbessern; vielleicht gelingt es dem Staatssekretär da- durch auch, das bei den Negern herrschende Zweikindersystem zu be- seitigen. Um die Neger zur Arbeit zu erziehen, ist die Auf- legung von Steuern für sie nötig; ich halte die Kopfsteuer für geeigneter hierzu als die Hüttensteuer, da viele Neger gar keine Hütte haben. Vor allem müssen die Leute seßhaft gemacht werden, man muß ihnen also gestatten. Kautschuk- kulturen usw. anzulegen. Abg. Dr. Spahn(Z.), auf der Tribüne fast unverständlich, geht zunächst auf die Etats der einzelnen Kolonien ein. Des weiteren betont er, daß die Schwarzen zur Arbeit erzogen werden müssen, wenn sie nicht in die Barbarei zurückfallen sollen; aber diese Er- ziehung zur Arbeit darf die Schwarzen nicht zu Sklaven machen, sondern muß mit der Freiheit der Schwarzen verträglich sein; zur Arbeit soll man nicht zwingen, sondern erziehen. Redner geht dann auf die in der vom Zentrum beantragten Resolution niedergelegten Forderungen ein. die Rechtspflege in den Kolonien mit erhöhten Garantien zu umgeben.(Bravo I im Zentrum.) Darauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Mittwoch 1 Uhr. Schluß'/ä? Uhr._ Hbgeordnctciibau9* 55. Sitzung vom Dienstag, den 17. März IVOi,, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. A r n i in. Die dritte Lesung des Etats wird fortgesetzt beim Etat der landwirtschaftlichen Verwaltung. Hierzu liegt der Antrag des Abg. v. Arnim(k.) auf Flüssigmachung von 200 000 M. Theatcrkaffe von 10 Uhr vormittags bis ö'/a Uhr abends ausgedehnt. — Musikchronik. DaS letzte SonntagSkonzert deS Charlottenburger Schiller-TheaterS findet nächsten Sonntag, mittags 12 Uhr, statt. Auf dem Programm stehen die zweite große Sonate für Pianoforte und Violine von Raff und ein Klaviertrio von Beethoven; ferner Lieder von Schubert, Pfitzner, Erler und Humperdinck.—„Der Mann mit den drei Frauen" erlebt im Neuen Operetten-Theater seine Erstaufführung erst am Freitag. Das Theater bleibt am Donnerstag geschlossen. — Das kaiserliche Warenhaus. In Cadinen wird ein Ton gewonnen, den die kaiserliche Verwaltung für geeignet hält zu keramischen Zwecken. Sachverständige haben eine andere Meinung darüber und die Cadiner Produkte sind von der unabhängigen Kritik als mißlungen gekennzeichnet worden. Jetzt nimmt das Warenhaus Wertheim sich der Sache an; es hat nach einer Korrespondenz 50 000 M. zur künstlerischen Belebung des Cadiner Tons aus- geworfen. Messel, der ja hoffähig geworden ist, macht den Mittels- mann und Leiter. Werthcim wird also kaiserlicher Hoflieferant in doppeltem Sinne. — Herr Bode als Kunstdiplomat. Der General- direktor der Berliner Museen, Bode, dessen Schweigen in der zu einem europäischen Skandal gewordenen Tschudi- Angelegen- h e i t in Kunstkreisen sehr unliebsam empfunden wurde, hat sich zu einem Vertreter einer Wiener Zeitung über die Sache auSgelasien. Herr Bode bestätigte, was alle Welt weiß, daß Anton v. Werner und seine Clique, deren Bilder anzukanfen Tschudi mehr als nötig unterlassen habe. hinter der Maß- regelung steckt. Der Generaldirektor findet überhaupt, Tscknidi wäre zu rücksichtslos und nicht diplomatisch genug aufgetreten. Mit anderen Worten: in preußischen Knnstdiensten sind nur Leute ver- wendbar, die den Intentionen unverantwortlicher, aber maßgeblicher Personen sich schmiegsam fügen. Die ganze Frage ist, wie alle Kunst- und Kulturfragen in Preußen, damit gekeim- zeichnet als eine politische. Die absolutistischen Zustände, die hier vorherrschen, können nur durch Erringung eines demokratischen Wahlrechts ernstlich bekämpft werden. — Johannes Fastenrath, ein Kenner und Vermittler panischer und katalanischer Literatur, ist in Ä ö l n im Alter von 69 Jahren gestorben. Die von ihm 1899 inS Leben gerufenen Kölner Bluinenspiele, eine Nachahmung einer unter ganz anderen Bedingungen erwachsenen Troubadoursitte, erwiesen sich alS eine unfreiwillige Parodie, eine dilettantische Spielerei, die der Schwärmer Fastenrath ernst nahm. � — Neues vom Mars. Wie der amerikanische MarSforscher der Pariser Akademie der Wissenschaften mitteilte, ist eS ihm ge- lungen, auf dein Planeten MarS Wasserdäinpfe festzustellen. Wenn sich diese Beobachtung bestätigen sollte, so wäre die Möglichkeit organischen Lebens auf dem Mars damit aegebezu* gut Beschaffung von Saatgut in Ostpreußen vor. Sventue? so? diese Summe durch Abstriche bei anderen Titeln gewonnen werden. Abg. Gyßling(frs. Vp.): Dem Abg. Herold gegenüber bemerke ich. daß nach unserer Auffassung eS zweckmiißiger ist, die Wasserbau- Verwaltung bei der Bauvcrwaltung zu belassen. AudererseilS bin ich auch der Meinung, datz die Forstbeamten nicht durch Juristen kon- trolliert werden sollen. Ich halte die Bevorzugung der Juritieu in der Verwaltung nicht für richtig. Die ganze moderne Entwickelung geht dahin, den technischen Beamten dieselben Rechte zu geben wie den juristisch vorgebildeten Verwaltungsbeanuen. Dem Eventual- antrage v. Arnim stimmen wir zu.(Beifall links.) Übg. Glatzel(natl.) erklärt, daß seine Freunde einmütig dem Eventualantrags v. Arnim zustinimen werden. Laudwirtschaftsminister v. Arnim spricht seine Zustimmung zu dem Eventualantrags aus. Abg. Dr. v. Woyna(fk.) tritt gleichfalls für diesen Antrag ein und bittet um Förderung der Moorkultur. Abg. Negclcin(f.) wünscht, daß die Schüler der landwirtschast- lichen Fortbildungsschulen mit einer besseren Vorbildung in diese Schulen eintreten. Abg. Dr. v. Savignp(Z.) richtet an den Minister die Bitte, die Bestrebungen des Westfälischen ProvinziallandtageS, die sich darauf richten, den Besuch der ländlichen Fortbildungsschulen obligatorisch zu machen, zu uurerstützen. Weiter befürwortet Redner eine Förde- rung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens in Westfalen. Abg. Dr. Lötz(Hosp. der frk.) schließt sich dem Wunsche deS Abg. Dr. v. Woyna auf weitere Förderung der Moorkultur an. Abg. Tourncau(Z.) verlangt eine baldige Abänderung des für einen Teil deS Regierungsbezirks Erfurt geltenden AblösuugSgesetzeS von 1850. Mmister v. Arnim führt aus, daß die Verwaltung bestrebt sei. durch Einrichtung von elektrischen Zentralanlagen die Moorkultur zu fördern. Die Debatte wird geschloffen. Der Eventualantrag v. Arnim wird angenommen. Abg. v. Bieberstein(k.) begründet einen Antrag, die Staats- regierung zu ersuchen, das Zustandekommen der A n s i e d e l u n g S- bank für Ostpreiißen zu fördern, unter der Voraussetzung, daß Provinz. Kreise und Generallaudschast zusammen Leistungen in gleicher Höhe rechtsverbindlich beschließen, in drei Raten, vom 1. April 1909 beginnend. 4 Millionen Mark als zinSfteicn Staatsbcitrag aus dem Fonds zur inneren Kolonisation in Ostpreußen und Pommeru zu bewilligen. Minister v. Arnim wendet sich gegen die Auffassung des Vorredners, daß die Staatsregierung cS an Juteresse für die innere Kolonisation habe fehlen lassen. Notwendig sei es aber, das Verständnis für die Bedeutung der Frage in weiteren Kreisen zu werben. In der Ansiedelungsbank würde die Regierung nicht vertreten sein. und der Ilmstand allein, daß mit deren Gründung gemei..nützrge Ziele verfolgt würden, könne für die Beteiligung der Regierung nicht maßgebend sein. Zweckmäßiger würde wirken eine entsprechende Organisation in den Kreisen. Wir können nicht gut die ostpreußische Landgesellschaft und andere Gesellschaften um einer neuen Organisation willen auflösen. Abg. v. Dewitz(Oldenburg, fk.) erklärt, daß der vom Antrag- stcller vorgeschlagene Weg nicht gangbar sei. Die Landgesellschaft in Ostpreußen arbeite durchaus in gemeinnütziger Weise. Die vor- geschlagene Ansiedclungsbank würde mit Staatsgeldern den staat- lichen Organen Konkurrenz niachen. Die Ansiedelung von Arbeitern in Landgemeinden habe sich nicht bewährt, da die Arbeiter dann meist bald in die Städte ziehen. Abg. Graw(Z.): Wir sind der Meinung, daß die Entschuldung des Grundbesitzes sowohl, als auch die innere Kolonisation nur aus genossenschaftlichem Wege durchzuführen ist. Abg. Ghßling(frs. Vp.): Wir begrüßen das Vorgehen der ostpxeußischcn Landschaft in der Eutschuldungsfrage; sie muß sich klar sein darüber, daß sie sich nicht Arbeiten übernimmt, denen ihre Kräfte nicht gewachsen sind. Fragen möchte ich den Minister, ob denn die juristischen Bedenken, die die Regierung gegen den Entschuldungsplan der ostpreußischen Landschaft geltend gemacht hat. beseitigt sind. Die Tätigkeit der ostpreußischen Landgesellichast ist anzuerkennen. Wir sind der Meinung, daß in Ostpreußen der Großgrundbesitz zu stark vertreten ist. Der Antrag wird am besten der Budgetkommission zur sorgsamen Prüfung überwiesen. (Beifall links.) Abg. Glatzel(natl) erklärt, daß feine Freunde der Tendenz des Antrages syinpathisch gegenüberstehen. Abg. Frhr. v. Gamp(fk.) hält die Bedenken deS Abg. b. Dewitz gegen die Ansiedelung von Arbeitern in Landgemeinden nicht für gerechtfertigt. Minister v. Arnim erklärt auf die Anstage deS Abg. Ghßling, daß die juristischen Bedenken gegen die Entschuldungsvorlage der ostpreußischen Landschaft beseitigt seien. Der Antrag v. Bieberstein geht an die Budget» kommission. Abg. v. Schmeling(k.) begründet einen Antrag, die für Bei- hülfen zu den bei Rentengutsbildungen vorkommenden Folge- einrichtuugSkosten festgesetzten Mittel auch zur Beförderung der Ein» richtung von Rentengütern zu verwenden. Nachdem Minister v. Arnim sich mit dem Antrage ein- verstanden erklärt hat, wird dieser angenommen, ebenso der Etat. Es folgt die Beratung deS Etats des Ministeriums des Innern. Abg. v. Arnim(k.): Die Leitung der sozialdemokratischen Partei hat bereits bor 2'ch Monaten das Programm für die Agitation am 18. März, wahrscheinlich für die Aenderung deS Wahlrechts, aufgestellt, und zwar nicht nur für Berlin und Umgegend, sondern auch für andere Städte. Es sind für den Tag Straßendemonstrationea, Auf. züge usw. geplant, die Gruppenvorstände haben genaue In- struktionen; abends sollen große Versammlungen ab- gehalten werden. In der Erinnerung an die Ereigniffe im Januar halte ich eS für richtig, datz vom Ministerium deS Innern Borsorgr getroffen wird, damit die öffentliche Ruhe und Ordnung nicht ge- stört wirb. Ich richte an den Minister die Anfrage, ob ihm bc- kannt ist, daß solche Demonstrationen geplant sind, und ob er die polizeilichen Organe angewiesen hat, mit Entschiedenheit und Tatkraft den Demonstrationen entgegenzutreten. Das alte Wort hat noch immer Geltung: Li vis pacem, psra bellum. Ich frage den Minister, ob er geneigt ist, den Demonstrationen, mit denen eine Störung der Ruhe verbunden ist. mit Nachdruck entgegenzutreten. (Beifall rechts.) Minister v. Moltke: ES ist mir bekannt, daß die Sozialdemokratie die Absicht hat, am 18. März Demonstrationen, Versammlungen usw. zu vcr- enstalten. Sollte sie wider Erwarten wieder die Straßen zum Schauplatz von Demonstrationen machen, die unerlaubt bezw. im Einzelfalle nicht genehmigt worden sind, so würde die Polizei auf ihrem Platze sein und die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung mit allem Nachbruck durchzusetzen wissen. (Beifall rechts.) Ich will, wenn der unerwünschte Fall eintreten sollte, aber an die ruhigen Mitbürger die Mahnung richten, daß sie sich nicht hinreißen lassen, als Mitläufer hinzugehen. Wenn die Anhänger der Sozialdemokratie sich Unbequcnilichkciten auS- sehen wollen und nachher den Schaden davon haben, so können sie sich bei der Leitung ihrer Partei dafür bedanken. Neugierige und Mitläufer werden, wenn sie in Mitleidenschaft gezogen werden, sich das selber zuzuschreiben haben.(Beifall rechts.), Mg. Reinhard(Z.) bittet d?n Minister, dafür zu sorgen, daß an die Sparkassen nicht zu weitgehende Ansprüche in bezwg aus die Bildung des Reservefonds gestellt werden. Abg. Frhr. v. Zedlitz(freir.): Da der Minister erklärt hat, daß die Polizei sich den morgigen Straßendemonstrationcn entgegen- stellen wird, so habe ich nicht das Bedürfnis, darauf näher cinzu- gehen, zumal das nur noch Reklame für morgen machen würde. Abg. Wolff(Lissa, freis. Vg.) bringt ein Vorkommnis in der Stadt Amöneburg zur Sprache. Dort seien in der Verwaltung Unterschlagungen vorgekommen, der Bürgermeister sei verurteilt, aber nachher freigesprochen worden, weil er geisteskrank ist. In- zwischen habe sich die Stadt einen anderen Bürgermeister gewählt, sei aber nun gezwungen, auch dem geisteskranken Bürgermeister. der nach Amerika gegangen sei, Gehalt zu zahlen, bis das Zwangs- pensionicrungsverfahren gegen ihn durchgeführt sei. Ter Fall zeige, daß die staatliche Aufficht ganz mangelhaft war, und das fei um so befremdlicher, als man ja sonst nur von zu weitgehenden Eingriffen in die Selbstverwaltung höre.(Beifall links.) Hierauf vertagt das Haus die weitere Beratung auf Mitt- woch 11 Uhr. Schluß 4�. Uhr._ Der üfeft des£tat$ in der Budgetitommünon. (Sitzung vom 17. März.) Die Beratung beginnt mit dem Etat der Reiitzsfchuld. Die Verzinsung der Neichsschuld belauft sich auf 145 784 524 M. Dazu kommt noch die Sctuildenverivnllung, die 682 500 M. Kosten der- ursackt und die Herstellungskosten von Kassenscheinen im Betrage von >/» Million, so datz die Neichsschuld alles in allem 147 Millionen jährliche Kosten verursacht. In einer längeren Debatte, in der vom Zentrumsabgeordneten Speck die Anleihewirtschaft alö verfassungswidrig bezeichnet wird, da zahlreiche Ausgabeposten auf Anleihen abgeschoben würden, die ins Ordinarium gehörten, und Reichsschatz iekretär Sydow dieses Verfahren mit der Mühe, den Etat zu balanzieren, entschuldigt und sich bereit erklärt, die Frage mit der Budgetkommission einmal erneut zu beraten, gibt Unter st aatssekretär Twele den An- leihebedarf für 1903 auf 209 Millionen Mark hoch an. Die U e b e r- chreitun g en der Bewilligungen für S ü d w e sta fri k a pro 1906 iverden 25 bis 29 Millionen betragen. Erzberger, Pansche, Wicmer, Gröber und Arendt fordern die Auf- lösung des Kriegeschatzes von 120 Millionen Mark im Juliusturm und eine Uebertührung in den Verkehr zur Verstärkung der Betriebsmittel des Reiches. Die RegierungSvertreter Sydow und Twele sowie der Konservative v. Richthofen sind dagegen. Der Etat der Reichsschuld wird bewilligt. Die Kommission geht nun zur Beratung de» Etat- gesrtzeS über. § 4 setzt die durch das letzte Finanzreformgesetz festgelegte Schuldentilgung, die 1908 beginnen soll, wieder außer Kraft. Referent Speck wendet sich auch gegen diesen Paragraphen, eS könne doch durch de» Etat ein anderes Gesetz nicht einfach aufgehoben werden.— Auf Anfragen teilt Twele mir, daß die gestundeten Matrikularbei- träge pro 1906 27 Millionen, pro 1907 40 Millionen und pro 1908 I2V2 Millionen betragen, wenn aber Z 4 gestrichen werde, erhöhen sich die gestundeten Matrikularbeiträge pro 1903 um weitere 24 Millionen. Genosse Singer tritt nachdrücklich für Streichung des§ 4 ein. Nachdem vor zwei Jahren das Gesetz über Schuldentilgung erlassen wurde, müsse es einen sonderbaren Eindruck machen, eS jetzt, wo eS Anwendung finden soll, außer Kraft zu setzen. Wenn man sage, materiell sei eS ohne Bedeutung, ob man Schulden tilge und dafür die gestundeten Matrikularbeiträge erhöhe, so treffe das nicht zu. eine kurzftistige schwebende Schuld fei immer einer konsolidierten Schuld vorzuziehen, denn hier müsse die Regierung aus Deckung bedacht sein, mit den festen Schulden macht man sich die Sache zu leicht. Sydow polemisiert gegen Singer und macht dabei das interessante Geständnis, daß die gestundeten Matrikularbeiträge niemals von den Bundesstaaten gedeckt werden könnten- Der bayerische und der badische Bundes- ratSvertreter unterstreichen dieses Eingeständnis noch, indem sie erklären, ihre Staaten hätten einfach kein Geld, sie könnten nicht zahlen. Sollte gezahlt Iverden, müßten in Bayern und Baden Anleihen aufgenommen werden, und da sei eS doch besser, die Schulden blieben gleich beim Reich. Erzberger spricht sich für die Sireichung deS§ 4 aus und Groebcr fährt die BundeSratSvertreter ziemlich grob an, weil sie sich nicht gegen die hohen Ausgaben wehren, hinterher aber kommen und sich als zahlungsunfähig bekennen. ». Richthofeu und Wiemer treten für den Fortfall der Schuldentilgung, also für Beibehaltung des§ 4 ein. Schließlich wird der Antrag.§4 zu st reichen, gegen 9 Stimmen abgelehnt. Für Beibehaltung stimmt der Block und vom Zentrum Abg. H e r t l i n g. Die übrigen Paragraphen iverden devatteloS genehmigt und darnst ist der Etat in der Budget- kommission erledigt._ Zur Rechtsprechung des Keichsverilcheruugssmtes. Seit dem Rücktritt BödikerS klammert sich die Rechtsprechung deS ReichSversicheruugsamteS immer mehr an den starren Buchstaben deS Gesetzes. Es gibt dieses Amt von Jahr zu Jahr frühere Erfolge oder Fonichritie wieder auf. damit die.Unfalllasten" auf eine.richtige Höhe" gebracht würden. Im Gegensätze zu vielen Schiedsgerichten hatte nun das Reichs- verstäierungsamt bis zuletzt an dem Grundsatz festgehalten, daß allen Beweisanträgen der Parteien nach Möglickikeit Rechnung getragen werden müsse. Hatte zum Beispiel der Verletzte bei dem SchiedS- gerickl vergeblich bcanrragt, daß dieser oder jener wichtige Zeuge in seiner Unfallsache gehört oder eidlich vernommen werden tollte, fo war das Reichsversicherungsamt immer noch die letzte Hoffnung des Klägers. Und in zahlreichen Fällen genügte eine schriftliche Erklärung deS betreffenden Zeugen, daß er dies oder jenes beweise» könnte, um einen Beschluß deS ReichSversichernngSamtS über seine eidliche Ver- nehmuna herbeizusühren. Dies bat natürlich den Berufs- genossenschasten gar nicht gefallen, die von der Praxis eines umfangreichen BeweiSverfahrenö nicht» wissen wollten. Sie liefen Sturm und erklärten stets und ständig, datz die Ueberlaslung des ReichsversicherungSaintS meist nur von den so umständlichen Beweis- Versahren herkomme. Die Herren der BerufSgenoffenschaften wissen ilfre Macht auszunützen. Nicht allein, daß sie die BerufSgen osien- schaffen ganz allein verwalten und ohne Kritik der Versicherten ihre Beschlüsse über den Renlenantrag fassen kömren, sie haben auch als solche alle HülfSinittel stets zur Hand, wie Polizei, alle Aerzte. die Gutachten nach Belieben ausstellen, juristische Berater usw. Und sie haben einen weiteren Erfolg errungenl DaS ReichSversicherungsamt gibt feine seitherige Praxis auf und geht über alle Bewciöanträge der Verletzten einfach zur Tagesordnung über. DaS zeigt folgender Beschluß vom l2. Dezember 1907: Ein Schuhmacher eines TaunuSorteS wollte nach- mittags in feinem Hofe Holz spalten, um damit Biehfuttec zu koche». Bei dieser Tätigkeit verletzte er sich sehr schwer an der Hand, so datz er schwerlich wieder feinen Beruf ausüben kann. Die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft lehnte jedoch die Enifchädigung ab, weil der Unfall bei einer Hauswirt- schaftlichen Tätigkeit sich ereignet habe, das Holz sicher zum Kaffee- kochen usw. benutzt werden sollte. Der Verletzte brachte amtliche Veweise. daß er in der Hauptsache Landwirtschaft betreibe und als Landwirt ja auch gegen Unfall versichert sei. Er habe 43 Ar eigenes Land, Wiesen und Aecker, außerdem 60 Ar Pachtland. Die Schuh« »nacherei sei dagegen nur ein geringer Nebenerwerb, denn er habe von seinem ständigen Lederlieferanten in Usingen laut besten Bescheinigung im Borjahre nur für 121 Mark Leder bezogen, Außerdem könne eine Frau im Hause bezeugen, daß das Holz nicht zum Kochen von Kaffee oder Essen benutzt werden sollte, denn der Kaffee war schon getrunken, als da? Unglück geschah, für das Nacht- essen noch viel Zeit, während zu dieser Zeit das Viehfutter gekocht werden mußte. Das Schiedsgericht ging auf die Ein- Wendungen des Klägers nicht ein und wieS die Berufung desselben einfach ab. Die letzte Hoffnung deS armen Schuh- machers war deshalb das ReichSversicherungsamt. Seiner R e k u r S- I ch r i f t fügte er«ine schriftliche Erklärung der Zeugin Frau W. bei, die folgenden Wortlaut hatte:„Ich erkläre, daß ich um dieselbe Zeit nach dem Kaffeetrinken im Keller war und Holz holte, als Herr St. im Hofe stand und Holz spaltete, wobei ihm das Unglück passierte. Seine Frau war auch im Keller, um Kartoffeln für das Vieh zu holen. DaS Abendessen wurde noch nicht gekocht, denn die Leute essen erst, wenn sie im Stalle fertig sind." Das Zentral-Arbeitersekretariat, welches die Verlretimg de? Falles übernommen hatte, beantragte deshalb im Termin: Frau W. darüber eidlich zu vernehmen, daß im Anschluß an das Zerlleinern deS Holzes, bei dem der Unfall passierte, sofort daS Viehfulter gekocht und das von dem Kläger gespaltene Holz dabei verwendet worden ist." Würde diese unter Beweis gestellte Bc- hauptung bewiesen, so könnten doch Zweifel an dem Vorliegen eines lanbivirtschaillichen Betriebsunfalles nickt mehr bestehen. Der Senat unter Borsitz des Geh. Regierungsrates Gerschcl wies jedoch den Rekurs ohne weiteres zurück mit der Begründung, daß solche Behauptungen, wie die hier in Frage lomniende, im allgemeinen mit Mißtrauen auf- zunehmen seien! Dieses Mißtrauen habe der Senat geglaubt. auck im vorliegenden Falle hegen zu müssen, da Frau W. unmöglich bekunden könne, datz gerade mit dem zerkleinerten Holz das Biehfutter gekocht worden sei. Weiter heißt es in diesem eigenlümlichen Urteile wörtlich: „Einen ausreichenden Nachweis für feine Behauptungen, daß daS Holz ausschließlich oder doch zu einem erheblichen Teile zmn Kochen deS ViehfutterS bestimmt gewesen sei, hat der Kläger nicht erbracht. Ein lolcher Nachweis war auch von der Vernehmung der Frau W. nicht zu erwarten, da eS auf diejenigen Tatsachen, die die Zeugin noch ihrer schriftlichen Bescheinigung zu bekunden in der Lage wäre, für die Entscheidung der vorliegenden Frage nicht ankommt. Denn aus diesen Tatsachen ließe sich der Beweis da- für, daß das Holz tatsächlich für den oben erwähnten Zweck be- stimmt gewesen sei. nicht mit derjenigen Sicherheit schließen, die da? Reichsversicherungsamt bei Behauptungen ähnlicher Art stets gefordert hat. Die Behauptung muß im vorliegenden Falle schon um deswillen unglaubhaft erscheinen, weil der Kläger nur eine Kuh und eine Ziege hält, also so wenig Vieh, daß ein nerawnS- wertes Kocken dafür nicht in Frage kommen kann. Die umall- bringende Tätigkeit kann daher nicht als eine landwirtschaftliche. sondern höchstens als eine mit der Landwirtschaft in Zusammen- hang stehende hauswirtschaftliche Verrichtung angesehen werden. Gegen Unfälle bei solchen Tätigkeiten würde der Kläger gemäß§ 4 I des Statuts der Beklagten aber nur dann ver- sichert sein, wenn er überwiegend in seinem landwirtschast- lichen Betriebe beschäftigt wäre. DicS trifft jedoch nicht zu, DaS Schiedsgericht hat vielmehr die Ueberzeugung gewonnen, daß der Schwerpunkt der wirtschaftlichen Tätigkeit des Klägers nicht in der kleinen Landwirtschaft zu erblicken ist, sondern in der Schuhmacherei. In dieser Hinsicht war die Bescheinigung der Lederhandlung B. in Usinge» beweisend, nach welcher der Kläger im Jahre 1906 für 121,48 M. Leder bezogen hat. Der Senat hat gerade daraus entnommen, daß die Schuhmacherei des Klägers erheblich, und daß er sehr wohl imstande fein muß. aus der Ver- arbeitung dieses LederS und den Reporawrarbeiten ein Ein- kommen erzielen, daß die Schätzung in der Steuerliste auf 600 Vi. rechtfertigt." Weil also der arme Schuhmacher nur eine Kuh und eine Ziege sein eigen nennt, deshalb kann von einem Betriebsunfall keine Rede feinl Er hatte eben»zu wen,g Vieh", so daß ein„nennenS- wertes Kochen dafür nicht in Frage kommen kann". Nach der Reichsstatistil teilen Z'/« Millionen Kleinbauern dieses Schicksal, da alle unter 2 Hektar Land besitzen N Das nennt man Schutz der Kleinbauernll Alle diese sind auf einen Nebenerwerb angewiesen und müssen sich bei einem Unfälle gefallen lassen, daß„der Schwerpunkt ihrer Wirtschaft- lichen Tätigkeit nicht in der kleinen Landwirtschaft zu erblicken ist". Beziehen sie auch nur für 12t Mark Leder, so genügt dies, mn eine„erhebliche" Schuhmacherei daraus zu machen, die ein sicheres Einkommen garantiert. Der„Schuster konnte bei seinem Leisten" nicht bleiben und erhält jetzt als Krüppel keine Unfall- rente, weil er sich zu wenig Vieh gehalten hat.„Mehr Vieh" und ihm wäre geholfen gewesen! Seine Beweisanträge werden abgelehnt, weil das ReichSversicherungsamt schon vor der Vernehmung der Zeugin weiß, daß diese unglaubhafte Aussagen machen würde! Deshalb hat man lieber den Rekurs zur Freude der Berussgenossenschaft abgewiesen, den Krüppel ohne Rente ge- lassen. Behauptet nun derselbe, daß ihm bitter Unrecht geschehen sei, daß das Urteil geeignet ist, Befteniden zu erregen, weil das Gericht die von ihm gestellten genügend substaiitierten Beweisanträgc einfach ignoriert hat, so ist ergeben ein— Nörgler. Unter BeifallS- gebrüll der Berufsgenossenschast und aller Realtiouäre„revidiert" eben das ReichsversichenrngSamt von Tag zu Tag frühere De- schlüsse und Gepflogenheiten. Die Fahrt geht zu Tall Em Induftric und RandeU Gelseukircheuer Bergwerks-Aktieugescllschaft. DaS Unternehmen erbrachte im letzten Jahre einen Brutto- Überschuß von 44 562 162 M. Nach Absetzung der üblichen Posten, wobei die Summe der Abschreibungen gegen das Borjahr rm, rund 2� Mill. M. auf 15 Mill. M. erhöht wurde, verbleibt ein Rein- gewinn von 17 272368 M., oder gegen 1906 2'/, Mill. M. mehr. Die Dividende wird mit 12 Proz.. gegen 11 Proz. im Vorjahre, ausgeschüttet. Die Zahl der beschäftigten Arbeiter stieg von 28 678 auf 30 043 und der Lohn pro Mann und Schicht von 4.60 M. auf 5,06 M. oder um 10.65 Proz. Der pro Arbeiter erzielte Rein- 622 M. 575 M. Also trotz der Lohnsteigerung und obwohl die Abschreibungen usw. höher bemessen worden sind als im Vorjahre, doch noch eine respektable Erhöhung deS Reingewinn? pro Kopf der Belegschaft. Die in den letzten Jahren an Tantieme und Dividende verteilten Summen sind nachfolgend zusammengestellt: Demnach ist für das letzte Jahr wiederum die glänz ende Rente des Jahres 1901 erreicht worden. Die Lage auf dem Eiseumarkk. Die krampfhaften Versuche, die von interessierter Seite immer noch gemacht werden, um die Wirtschaftslage möglichst wenig un- günftig erscheinen zu lassen, fönnen leider nicht verhindern, daß| fich die Verhältnisse weiter verschlechtern. Zu den von verschiedenen Seiten drohenden weiteren Belastungen, durch neue Steuern und Lebensmittelverteuerung, tritt die verschärfte Ungunst auf dem Arbeitsmarkt. Bor wenigen Tagen ließ der Stahlverband eine leichte Steigerung des Beschäftigungsgrades melden. Bei Licht befehen, entpuppt sich die Steigerung als eine der bekannten Verbandsphantasien. Zwar ist der Gesamtversand gegenüber Januar gestiegen, aber im Vergleich zu dem Resultat der gleichen Zeit der Borjahre ergibt sich ein starker Rüdgang. Es betrug der Versand im Februar: Halbzeug 1906 156 962 . 125 376 437 559 1907 in Tonnen 154 815 183 111 124 806 449 264 Eisenbahn- Oberbaumaterial. 155 671 Formeisen 1908 101 460 207 562 104 092 420 508 Gerichts- Zeitung. zu läuten. Giwa fiebenmal stieg er beim Mittagläuten zu ihr hinauf, nannte sie seine Liebste, tätschelte sie und betastete sie über ihren Kleidern. Einmal, als sie die Uhren aufgezogen hatte, Bom Bolizeikampf gegen Gastwirte. getraute sie sich nicht, herunterzukommen, weil sie die ZudringlichDaß Gastwirte, die der freiorganisierten Arbeiterschaft ihre feiten des Angeklagten fürchtete. Der Angeklagte zog sie aber am Säle zur Verfügung stellen, dafür sich einer besonderen Aufmert Rocke ein paar Stufen herunter, so daß sie auf die Treppe zu fizzen samkeit der Polizei erfreuen, ist bekannt. Mit geradezu ver- tam. Dabei berührte er sie in unzüchtiger Weise. Die W. be blüffender Deutlichkeit trat das in einem Fall in Oswig bei suchte unt jene Zeit die Christenlehre des Angeklagten, war also Breslau zutage. Der dortige Gastwirt Knabe hatte Ende August seine minderjährige Schülerin. Der Angeklagte sagt, die Bevorigen Jahres die schriftliche polizeiliche Erlaubnis bekommen, fucherinnen der Christenlehre seien teine Schülerinnen, da ihnen an den Sonntagen des September in seinem Lokal bis 12 Uhr der Besuch der Christenlehre völlig freistehe. Der Distriktsschulnachts öffentliche Tanzluftbarkeiten abhalten zu lassen. Am inspektor sagt dagegen, daß der Besuch der Christenlehre Gewissens 17. September erhielt er nun eine Verfügung des Amtsvorstehers, pflicht für die jungen Leute in diesem Alter fei. Nur nach erdurch die dieser die Tanzerlaubnis widerrief und Herrn Knabe teilter Erlaubnis blieben sie der Christenlehre fern. Daher hat, darauf aufmerksam machte, daß er die allgemeine Polizeistunde so heißt es im Urteile, ein Autoritätsverhältnis auf Grund des In seiner Revision, die am Montag um 10 Uhr innezuhalten habe. Es hieß in der Verfügung:" Nach- Unterrichts bestanden. gar Insgesamt Produkte A dem Sie Ihr Lokal zum öffentlichen Parteilokal der revolutionären vor dem Reichsgericht zur Verhandlung fam, behauptete der AnPartei hergegeben und seine Benutzung zu sozialdemokratischen geklagte, der Begriff der Schülerin sei vom Gericht verkannt Diese Zahlen laffen einen Rüdgang gar nicht berkennen. Das Versammlungen freigegeben haben, befürchte ich, daß durch den worden. Resultat würde ohne die bedeutenden Aufträge der Staatseisen verstärkten Besuch von Anhängern der Sozialdemokratie es zwischen Im Einklang mit den Ausführungen des Reichsanwalts vers bahnverwaltung ganz erheblich ungünstiger sein. Aber diese Auf- diesen und den bisherigen bürgerlichen Gästen zu Streitigkeiten warf das Reichsgericht die Revision. träge sind auch kein unerschöpflicher Born. Obwohl in den anderen tommen wird, wie das erfahrungsgemäß bei Gelegenheit öffentErzeugnissen die Versandmenge im Februar um 37 457 Tonnen lichen Tanges leicht geschieht. Da Störungen der öffentlichen Ruhe Wisch" eine Beleidigung des Polizeioberhaupts. größer war als im Januar d. J., ist die Menge des zum Versand und Ordnung zu besorgen sind, so halte ich Ihr Lotal ferner für In dem nahe der holländischen Grenze belegenen gut katholischen gebrachten Eisenbahnmaterials in derselben Zeit bereits wieder nicht geeignet zur Abhaltung öffentlicher Tanzlustbarkeiten." um 6995 Tonnen gesunken, und in dem offiziellen Bericht des Ver Anabe führte demnächst Beschwerde, da er die Verfügung für Herzenslust schalten und walten. An ein Eindringen feitens der Städtchen is elburg fonnte bislang das fromme" Sapital nach bandes wird mitgeteilt, daß ein weiterer Rüdgang zu erwarten sei, rechtswidrig erachtete. Aus demselben Grunde beachtete er auch freien Gewerkschaften in die schwarze Domäne war nicht zu denken. weil die Staatsbahnverwaltung ihre Bezüge erheblich einschränkte. die Verfügung nicht, sondern ließ ruhig am Sonntag, den 22. Sep- Der„ hriftliche" Metallarbeiterverband dagegen gründete vor Auch aus anderen Zweigen der Eisenindustrie wird über wei- tember, öffentlichen Tanz bis 12 Uhr nachts zu, und ließ auch so etwa Jahresfrist in Jffelburg eine Ortsgruppe, was bent teres Nachlassen des Beschäftigungsgrabes berichtet. Die Eingänge lange ausschänken. Er stützte sich dabei auf die schriftliche Er christlichen" Unternehmertum und auch der Behörde von Aufträgen bei den Roheisensyndikaten find fo unbedeutend, laubnis. Stnabe wurde jedoch angeklagt und auch vom Landgericht nicht recht zu sein schien, fintemalen doch sonst die christ daß die Werte nicht nur große Mengen Roheisen auf Lager nehmen, Breslau wegen Veranstaltung einer nichtgenehmigten öffentlichen lichen Gewerkschaften erst dann auf den Plan zu treten haben, sondern auch die Zahl der im Betriebe befindlichen Hochöfen re- Tanzerlaubnis und wegen Uebertretung der Polizeistunde verwenn die Freien bereits feften Fuß faffen. In ffelburg war ca buzieren. Dabei hemmen die hohen Rotspreise eine Reduktion urteilt. Die Rücknahme der erst erteilten Erlaubnis sei zulässig. nun anders. Dafür entlud fich aber auch ter volle Groll der Iffelder Preise für Roheisen und halten dadurch eine Belebung zurüd. Ob die Besorgnis des Amtsvorstehers unbegründet und die Ver- burger Hautebolee gegen die christliche Gewerkschaft. Auch die Stahlwerte gehen nun zu erheblichen Betriebseinschrän- fügung unnötig oder unzweckmäßig wäre, unterliege nicht der abtreibereien, Maßregelungen, Versammlungsauflösungen, Auflösung tungen über; für das zweite Quartal ist erst wenig verkauft. Nur in Trägern soll eine etwas regere Nachfrage sich bemerkbar gemacht Nachprüfung des Richters. Die Beschwerde hätte auch keine auf der Ortsgruppe usw. wechselten mit einander ab. Gelegentlich der schiebende Wirkung. Anmeldung einer öffentlichen Versammlung erhielt der haben. Vom Stabeifenmarkt wird berichtet, daß sich die Werke um Der erste Straffenat des Kammergerichts verwarf die hier- Ginberufer eine Bescheinigung über eine angemeldete Bersammlung die wenigen Aufträge geradezu reißen und die Preise drücken. gegen eingelegte Revision. Eine Tanzerlaubnis könne aus Gründen der aufgelösten Ortsgruppe. Hinterher erfolgte dann die Nicht besser sind die Verhältnisse am Blechmarkt. des öffentlichen Wohles, die im Rahmen des§ 10 II 17 des All- Auflösung der Versammlung, weil die( aufgelöste!) Ortsgruppe freuen sich die Drahtwerte einer relativ noch günstigen Beschäftigung. gemeinen Landrechts lägen, zurüdgenommen werden. Der Rückschlag prägt sich auch scharf aus in der verminderten hier geschehen. Es frage sich nun, ob. trotzdem tanzen lassen hat der chriftliche Gewerkschaftsführer Franzen gefagt:" Das eine öffentliche Versammlung abhalte. Bei dieser Gelegenheit Gründungstätigkeit, die schon im Januar start abgeschwächt hatte. fonnte, weil er Beschwerde eingelegt hatte. Nach verwaltungs- Oberhaupt der Stadt habe fich wieder einmal Nach den Zusammenstellungen der Frankf. 3tg." über das neu rechtlichen Grundsägen habe die Beschwerde, wenn sie eingelegt fet, etwas geleistet. Es liege wieder so ein, Wisch" investierte Stapital für Aktiengesellschaften und G. m. b. H. ergeben in der Regel aufschiebende Wirkung, abgesehen von bestimmten von Anmeldebescheinigung für die Ortsgruppe vor". fich folgende Summen: Fällen, zu denen der vorliegende allerdings nicht gehöre. Was hierdurch fühlte sich Bürgermeister August Brandt bon zufammen aber angeordnet fei, müsse nach Meinung des Senats auf jeden felburg beleidigt. Das Schöffengericht in Wesel sprach beider Monate Fall befolgt werden, bis Beschwerde eingelegt sei. Hier sei die den Angeflagten Franzen unter Zubilligung des Schutzes des§ 193 M. Rücknahmeverfügung am 17. September ergangen, am 22. Sep- des Reichsstrafgesetzbuches frei. Anders die Straffammer 247 658 600 tember habe Anabe tanzen lassen und erst am 28. September in Duisburg als Berufungsinstanz. 8ehn Marl 166 237 300 habe er Beschwerde eingelegt. Keinesfalls hätte Angeklagter_am 22. September tanzen lassen dürfen, wenn er erst am 28. Sep- foll Herr Franzen für seine Freveltat blechen. Die Bezeichnung Wisch deutet auf den Reinigungszwed der tember Beschwerde einlegte. 1907 1908. • • im Januar W. 185 488 900 93 634 300 im Februar 207 112 169 700 72 608 000 Dabei ist noch zu bemerken, daß von der Gesamtsumme von 72 603 000 m. allein auf die Gruppen Bergbau und Banten rund 27 000 000 0. entfallen. Für die Arbeiter hat die verminderte Arbeitsgelegenheit auch noch die unangenehme Folge, daß die Unternehmer rüdsichtslos die Löhne herabseßen. Nicht nur im Baugewerbe in Berlin haben die Unternehmer Borstöße nach dieser Richtung geplant; von Kohlenmagnaten ist eine allgemeine Lohnreduktion ebenfalls schon geferdert worden und in anderen Industrien ist, wie wir mitteilen fönnen, die Frage gemeinsamen Vorgehens auf demselben Wege schon seit einiger Zeit in der Schwebe und wahrscheinlich in den nächsten Wochen spruchreif. Das sind neue Beweise für die Notwendigkeit des Zusammenschluffes der Arbeiter, um vereint folche Anschläge abwehren zu können. Was ein Teil der Arbeiterschaft durch Vernachlässigung der wirtschaftlichen Organisationen gesündigt hat, das muß die Gesamtheit jetzt büßen. BAGAN S ( BS BAN ( BS) BAN BAHN ( BS BARAN BS BARAN B ( B5) BA BS ( BS BAN SO ( BS) ( BS BARGON 30 ( BS 30 RAE SOM D. " Vermischtes. Saal Der Gastwirt wird, wenn im Verwaltungsstreitverfahren die so benamieten Sache hin. Bezweckt eine polizeiliche Bescheinigung Gefezwidrigkeit der Verfügung des Amtsvorstehers anerkannt ist, nicht die Abwendung von Unordnung- was bezwedt sie denn dann? Schadenersas in vollem Umfange vom Amtsvorsteher zu verlangen haben. Wie verträgt sich übrigens das Vorgehen des Amisvorstehers mit der neulich in der Reichsvereinsgefeß- Kommission Gerettet. Der deutsche Dampfer Vandalia" hat gestern einer gefallenen Behauptung des Staatssekretärs v. Bethmann- Hollweg, daß ein auf Berhinderung von Versammlungen abzielendes Ver- Meldung aus Toulon zufolge fieben Schiffbrüchige des gesunkenen halten von Bolizeibeamten strafbar ist? Wird der Oswißer Amts. französischen Schoners Liberté" gelandet. vorsteher angeflagt werden? Wir möchten es bezweifeln. Bfarrer und Schülerin. Neun Matrosen ertrunken. Der Dampfer„ Villa Real" ist, einer Meldung aus Valencia zufolge, infolge Sturmes gescheitert, neun Matrofen find ertrunken. Wegen Sittlichkeitsverbrechens ist am 23. Januar vom Landgericht Augsburg der katholische Pfarrer Hermann Delhaf zu Ein wellenförmiges Erdbeben im Suganer Tale und im Sarca7 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er ist zu Reichertshofen tale veranlaßte, wie aus Trient berichtet wird, im Hochgebirge zahl Pfarrer. Ein 16jähriges Mädchen Walpurga W. hatte die Gloden reiche Lawinen. RAE BAGAN BAGIN 1 BARTH ES Einsegnungs- Anzüge. Reichhaltigste Auswahl in den neuesten Moden und Webarten, Kammgarnen, Satins, Cheviots, Drapés, Meltons, Tuchen usw. 33.- 30.27.- 24.22- 20.18-16.- 14.12M. Jeder Käufer eines Ein segnungs- Anzuges erhält reizende Beigaben umsonst. Wäsche, Hüte, Handschuhe usw. zur Einsegnung zu sehr niedrigen Preisen. Prüfungs- Anzüge moderne, gemusterte Webarten in Cheviots, Buckskins, Kammgarnen usw.allerneuester Geschmacksrichtungen, 30,- 27.- 24.- 21.- 18.- 15,-1221.- 18.- 15.- 12.10M. Baer Sohn Chausseestraße 29-30 11 Brückenstraße 11 • Gr. Frankfurter Str. 20. 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Eisenstädt, Verlangen Sie Konsum- Marken. Bei Vorzeigung dieses Inserates ein schönes Präsent extra. 00 Groß- Berlin! Mittwoch, den 18. März 1908, nachmittags 3 Uhr: Massen- Versammlungen. Lages- Ordnung: Preußen! Preußen! 1848! 1908! I. Wahlkreis Dräsels Festsäle, Neue Friedrichstraße 35. Zur Lebensquelle", Kommandantenstraße 20. II. Wahlkreis Bock- Brauerei, Tempelhofer Berg. III. Wahlkreis Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15.. IV. Wahlkreis Freyers Festsäle( früher Keller), Koppen- Straße 29. Elysium, Landsberger Allee 40/41. Boekers Festsäle, Weber- Straße 17. Urania, Wrangel- Straße 11. Sanssouci, Kottbuser Straße 6. V. Wahlkreis Brauerei Friedrichshain( früher Lipps). VI. Wahlkreis Kronen- Brauerei, Alt- Moabit 47/49. Pharus- Säle, Müllerstraße 142. Ballschmieder, Badstraße 16. Berliner Prater, Kastanien- Allee 7/9. Teltow- Beeskow Rixdorf. Hoppe, Hermannstr. 49 und Thiel, Bergstr. 152. Charlottenburg. Volfshaus, Rosinenstr. 3. Schöneberg- Wilmersdorf. Obst' Festsäle, Meiningerstr. 8. Adlershof. Kähnes Festsäle, Bismarck- Straße 60. Köpenick. Raiserhof, Grün- Straße. Nieder- Barnim Ober- Schöneweide. Restaurant Wilhelminenhof. Lichtenberg. Schwarzer Adler, Frankfurter Chaussee 5. Pankow( Niederschönhausen- Franz. Buchholz). Feldschlößchen, Berlinerstraße Rummelsburg. Witwe Weigel, Türrschmidtstr. 45. Weißensee. Schloß Weißensee. Referenten: Basner, Ed. Bernstein, Bruns, Brückner, Davidsohn, Dittmer, Ebert, Emmel, Eichhorn, Fülle, Glocke, Hugo Heimann, Hirsch, Ad. Hoffmann, Katzenstein, Noste, Saffenbach, Robert Schmidt, H. Schulz, Singer, Stadthagen, Stücklen, Dr. Weyl, Wurm, Zubeil. Abends 8 Uhr: Teltow- Beeskow " Nieder- Schöneweide. Restaurant Hasselwerder. Nowawes. Restaurant Singer, Priester- Straße 31. Mariendorf. Zum Alten Askanier", Chauffeestr. 305. Königs- Wusterhausen. Wedhorn( Altes Schüßenhaus). Gr.- Lichterfelde. Raiserhof, am Kranolder- Platz. Lankwitz. Lokal Breuert, Marienfelder Straße 17b. Trebbin. Gesellschaftshaus, Bahn- Straße 3. Treptow. Radrennbahn, am Bahnhof. Nieder- Barnim Friedrichshagen. Ww. Lerche, Rundteil, Friedrich- Straße. Tegel. Trapps Festsäle, Bahnhofstraße 1. Baumschulenweg. Speers Festsäle, Baumschulenstraße 78. Erkner. Degebrodts Gesellschaftshaus. Referenten: Büchner, Franke, Handke, Kubig, Kiesel, Kaliski, Nitschke, Dr. Rosenfeld, Stern, Thurow, Obst, Wermuth. Der Zentral- Vorstand. Verband der Fabrik-, Land-, Hülfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Bureau: Linienftr. 215. Geöffnet von 9-1 u. 4-8. Telephon: III, 938. Sozialdemokratischer Wahlverein des sechsten Berliner Reichstagswahlkreises. Bezirks- Versammlungen: Freitag, den 20. März, abends 8 Uhr, in der Brauerei Groterjan, Schönhauser Alle 130: Donnerstag, den 19. März, abends 8, Uhr: sar Norden bei Kramer, suffitenstraße 40. Zages Ordnung: " 1. Vortrag des Genossen Kosial: Wirtschaftskrise und Ver: brechen". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Far Nord- West bei Kirschkowski, Beuffelstrake 9. Tages Drdnung: 1. Vortrag des Genoffen Göhre, Pastor a. D.:" Kirche u. Arbeiter". 2. Distuffion. 3. Verschiedenes. Für Osten bei Birk, Warschauer Strake 61 Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Rollegen Bentin: Die deutschen Unternehmer: organisationen". 2. Diskussion. 3. Berschiedenes. Sir Charlottenburg im„ Volkshaus", Rosinenstrake 3. Tages Ordnung: 1. Bortrag des Genoffen Girbig: Die Organisation der Arbeit geber und die Arbeiter". 2. Diskussion. 8. Berschiedenes. sar Tegel bet Glückselig, Berliner Strake 92. Tages- Ordnung: 1. Bortrag des Kollegen Sawekow: Die wirtschaftliche und poli tische Lage und die Arbeiterschaft"." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. gar Weißensee bet Content, sehderftrake 5. Zages Drdnung: 1. Bortrag bes Stollegen Weiße: Freiwillige Krankenversicherung". 8. Distuffion. 3. Verschiedenes. Die Bersammlung für Weißenfee wird pünktlich 8 Uhr eröffnet. Für Süd- Ost unb Ober- Schöneweide fallen die Bersammlungen wegen der Parteiveranstaltungen für diesen Monat aus. Für Rixdorf findet am Sonntag, ben 22. März, nachmittags 4 Uhr, bei Hoppe, Hermannstr. 48/49, die Versammlung mit anschließendem Tanz statt. Referent: Genosse Wermuth. 3weds Ausübung einer Stontrolle über die Teilnahme an den Großer astronomischer Vortrag gehalten von Herrn Dr. Archenhold, Direktor der Sternwarte in Treptow. Thema: Wanderungen durch das Weltall. Juftriert durch über 225/20 100 Lichtbilder. Gültig zu den Vorträgen sind die Billettnummern 29 501-34 500. Billetts sind bei den Bezirksführern und im Bureau zu haben. Achtung! Putzer! Der Vorstand. Achtung! Donnerstag, den 19. März, abends 6 Uhr: Oeffentliche Versammlung im großen Saale des Herrn Freyer, Roppenstraße 29. Tages- Ordnung: 1. Bortrag des Arbeltersekretärs E. Brückner: Aus der Geschichte der Arbeiterbewegung. 2. Diskussion. 133/ 10* Es ist Pflicht aller im Intereffengebiet Groß- Berlins arbeitenden Buker, zu dieser Versammlung zu erscheinen. Es ladet freundlichst ein Der Einberufer: E. Schulze. Die Bezirkssitzungen am Mittwoch, den 18. März, fallen aus. Deutscher Holzarbeiter- Verband Zahlstelle Berlin. Bureau: Engel- Ufer 19. Telephon: Amt IV, Nr. 10 623. Achtung! Bautischler u. Einsetzer. Achtung! Donnerstag, den 19. März, abends 8 Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17: Bezirisversammlungen, wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Mitglieder Vertrauensmänner- Versammlung thr Bücher mitbringen sollen, um den Besuch der Versammlung durch Stempel im Mitgliedsbuch eintragen zu können. Gäste willkommen. Zahlreichen Besuch, möglichst mit Frauen, erwarten Spottbillig! Engl. Bettstellen m. Matrage, in Satin v. 55 Wt. an. Kleiderschränke, Vertiko v. 35 M. an. Möbel Die Bezirksleitungen. = für Berlin und Umgegend. Zages Ordnung: 1. Die Arbeitslosigkeit in unserem Berufe". 2. Diskussion. Haben Sie Stoff? Ich fertige davon Anzug od. Paletot nach Mass, schick, dauerh. Zutaten, von 20 Mark an. Moritz Laband, Neue Promenade8, II.( Stdtb.Börse). 1000 wertvolle Geschenke! für die Leser d. ,, Vorwärts". Jeder, der bei uns einen 10 Pfund Emaille- Eimer Pflaumenmus franko für Mk. 2.65 oder einen 10 PfundEmaille- Eimer künstlich. Honig franko für Mk. 3.25 oder 8 Pfd. feinste Delikateß- Margarine- in 1 Pfd.Stücken franko für Mk. 5.bestellt, erhält ein wertvolles Geschenk. -Keine Nebenkosten.Schreiben Sie sofort, da nur 1000 Geschenke für die Leser des ,, Vorwärts" ausgesetzt sind. 292/12 Versand- Gesellschaft Magdeburg 90, Postfach 171. Berliner Arbeiter- Verein. ( Gegründet 1862.) Mittwoch, 18. März, abends 81% Uhr, im Restaurant ,, Lebensquelle", Kommandantenftr. 20: Oeffentliche Versammlung. Zages- Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Rudolf Breitscheld: 1848-1908. Der Kampf für Volksrechte vor 60 Jahren und heute. 2. Freie Aussprache. Gäste, Männer und Frauen, haben Zutritt. Zahnärztliche Klinik 81/16 SW., Belle- Alliancestraße 106 I, gegenüber Warenhaus Jandorf, 3. Bericht der Branchenkommission und Tarifberatungskommission. 4. Ber Gegen Kasse!= schiedenes. Sofas, Kücheneinrichtungen, Tische, Stühle ufm. Spiegel. teilzunehmen. Spiegelspinden v. 20 W. an. Kein Laden! M. S. Weber, Prenzlauerstr. 49( nahe Alexanderplat), I. Etage. Die Vertreter der Vororte werden ersucht, an dieser Versammlung Mitgliedsbuch und Vertrauensmännerkarte legitimiert.= Karl Reiche. Reinhold Lanzke. Rezantwortlicher Redakteur: Gleare Daniblaka Berlin Sür den Anfercianteil antia: The Glade Berlin Drud u Verlag: Vorwärts 7216 N., Brunnenstraße 1851, und am Rosenthaler Tor. Zahuziehen unentgeltlich. Bei fünftl. Zähnen u. Blomben w. d. Un foften berechnet. Geöffnet von 9-6 Uhr. Sonntags 9-12 Uhr. 14212* Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 66. 25. Jahrgang. 2, KkilGt Ks Jormärts" Pitt»««. 18. März 1908. Line Lpitode vom AchlrechKioantÄS. Von der Kottbuser Brücke kam am Wahlrcchtssonntag ein Zug don Demonstranten in der Richtung nach dem Kottbuser Tamm. Polizei vom 48. Revier erschien aus dem Plan und drängte die Demonstranten in die Gräfestratzc, nach der Hasenheide zu. An der Ecke der Gräfe- und Böckhstratze stand eine Anzahl von �Renschen, die sich nicht am Zuge beteiligt hatten. Aus dieser Menschenmenge fielen Schimpfworte gegen die Schutzleute. Der Arbeiter Bohndorf, der sich in der Zuschauermenge befand, wurde auf Veranlassung des Polizeilcutnants Hüning vom Schutzmann König verhaftet und nach der Wache geführt. Er ist nach Annahme der Beamten einer von denen, welche auf die Schutzleute geschimpft haben. Am Dienstag erschien Bohndorf deshalb auf der Anklage- dank des Schöffengerichts Berliu-Tempclhof. Er soll, wie die An- klage behauptet, nicht nur Schimpfworte gegen die Schutzleute ge- braucht, sondern auch gerufen haben, die Schutzleute wären wert, in den Kanal geworfen zu werden. Außerdem soll Bohndorf der Aufforderung, sich zu entfernen, nicht Folge geleistet und dadurch die Straßenordnung übertreten haben.— Der Angeklagte behauptet auf das Bestimmteste, er habe wohl gehört, daß andere aus der Menschenmenge schimpften, er habe sich jedoch ganz ruhig verhalten, und habe sich auch den Anordnungen der Polizei in keiner Weise widersetzt. Ebenso bestimmt bekundeten Polizeileutnant HIning und Schilbmann König unter ihrem Eide, sie hätten bemerkt, daß gerade der Angeklagte am lautesten geschimpft habe.„So groß haben Sie den Mund aufgerissen", sagte der Zeuge Schutzmann König und zeigte dabei mit den Händen eine Ausdehnung von etwa einem Meter. Auch ein dritter Schutzmann unterstützte die Llussagen der beiden anderen Beamten. Daß der Angeklagte ge- sagt habe, die Schutzleute wären wert, in den Kanal geworfen zu werden, konnte jedoch keiner der Zeugen angeben. Der Angeklagte hatte zwei Zeugen zur Stelle gebracht, die bekunden sollten, daß er nicht gerufen habe. TaS Gericht lehnte die Bcrnehmung dieser Zeuge» jedoch ab. Es beantragte der Amtsanwalt eine Haststrafe von zwei Wochen wegen Beamtcnbeleidigung und drei Tage wegen Ucbertretung der Straßenordnung.— Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Hcincmnnn plädierte mit Rücksicht auf die bisherige Unbescholtcnheit des Angeklagten, und weil dieser ja, wie erwiesen, die schwerste ihm zur Last gelegte Aeußerung nicht getan habe, auf eine Geldstrafe.— Das Gericht verurteilte den Angeklagten dem Antrage des Amtsanwalts gemäß zu zwei Wochen und drei Tagen Haft. Verleumdung als Kampfmittel Im yirlch-vuncllerlchen Lager. Seit einiger Zeit wird in Hirsch-Dnnckerschen Kreisen eine Verleumdung kolportiert, welche sich gegen die persönliche Ehre Schlickes, des Borsitzenden des Deutschen Metnllarbeitervcrbandes, richtet. Die verleudcrische Behauptung geht dahin, Schlicke habe sich gelegentlich einer Verhandlung mit Unternehmern in Hamburg vom Werftbesitzer Blohm mit 1l>l> M. bestechen lasten und dafür die Interessen des Mctallarbciterverbandcs verraten. Diese Verleum- dung ist von einem Hirsch-Dunckerschen Vertrauensmann Meier in Pforzheim verbreitet worden. Schlicke verklagte den Meier, dieser wurde verurteilt, nachdem das Gericht festgestellt hatte, daß an der ganzen Geschichte kein wahres Wort ist. Der Werftbesitzer Blohm hat als Zeuge bekundet, daß Schlicke die Interessen der Arbeiter bei jener Gelegenheit sehr entschieden vertreten und für die Arbeiter herausgeholt hat, was nach Lage der Sache überhaupt zu erreichen war. Im übrigen verhält es sich mit den IM M. des Herrn Blohm so: Blohm hat nach Abschluß der Verhandlungen den in seinem Betriebe beschäftigten Arbeitern IM M. zu einem Frühstück spen- diert. Schlicke und die anderen Vertreter des Metallarbeiter� Verbandes beteiligten sich jedoch nicht an diesem Frühstück. Ob gleich diese Feststellung und die Bestrafnng. Meiers in Hirsch Dunckerschcn Kreisen bekannt geworden ist, hat Glcichauf, der Rc dakteur des Hirsch-Dunckerschen Blattes„Regulator", in Berlin die als unwahr erwiesene ehrenrührige Behauptung von neuem aufgegriffen und in seinem Blatte gegen den verhaßten Gegner zu verwenden gesucht. Da» machte Herr Gleichauf so: Unser Partei- organ, das„Volksblatt für Halle", brachte eine Zusammenstellung verschiedener Verleumdungen, welche der Rcichslügcnverband gegen Arbeiterführer in die Welt gesetzt hatte. Das„Volksblatt für Halle" kennzeichnete diese Angaben des Reichslügcnverbandes na- türlich als Verleumdungen der elendesten Art. Herr Gleichauf druckte in seinem„Regulator" die Zusammenstellung des„Volks blattes für Halle" ab und fügte dann hinzu:„Eine schöne Samm lung, die da zusammengestellt ist: 1. die bekannten IM M., Schlicke und der Werftbesitzer Blohm" usw.— So hat also Herr Gleichauf die längst abgetane Verleumdung in versteckter Form aufs neue wiederholt.— Vor dem Schöffengericht Bcrlin-Mitte, wo er sich am Dienstag auf die Beleidigungsklage Schlickes zu verantworten hatte, fand er jedoch nifht den Mut, sich� zu seiner Tat zu be- kennen. Wie der Ertrinkende an einen Strohhalm, so klammerte sich Herr Glcichauf zu seiner Rettung an das Komma, welches er zwischen die beiden Sätze:„Die bekannten IM M., Schlicke und der Werftbesitzer Blohm" gesetzt hatte. Durch das Komma sollten nach der Behauptung Gleichaufs die beiden Sätze so getrennt sein, daß Schlicke die IM M. nicht auf sich beziehen und sich nicht be- leidigt fühlen könne. Diese Ausrede half dem Angeklagten jedoch nichts.— Rechtsanwalt Dr. Heincmann, der den Kläger Schlicke vertrat, beantragte eine Freiheitsstrafe mit Rücksicht darauf, daß dem Angeklagten die Unwahrheit seiner Behauptung bekannt war, er dieselbe aber trotzdem in versteckter, hinterlistiger Form wieder holte.— Das Gericht verurteilte Herrn Gleichauf wegen öffenb licher Beleidigung zu einer Geldstrafe von IM M. Daß er die Behauptung wider besseres Wissen aufgestellt habe, nahm das Ge- richt nicht an, jedoch habe er dem Kläger Bestechung vorgeworfen in einer Form, welche die Leser an die Richtigkeit der Behauptung glauben lassen sollte. Eue der Partei» Semcindewahlsikge. «remerhafen, 17. März.(Privatdepesche deS„«orwSrkS'.j Bei den gestrigen Gemeindewahlen wurden fünf Sozialdemo» traten mit iso Stimmen gewählt. Einem dringenden Bedürfnis— de» Verfasser» nämlich~ ent- I sprechend, erscheint soeben eins neue christliche Agitationsbroschüre. | Das bedeutende, zwei Bogen starte Werk führt den Titel: Geistige Waffen im Kampfe um Prinzipien. Bearbeitet von Johannes Wokf. Dieser Herr Wolf ist Redakteur der „Gewerkschaftsstimme", des Organs des christlichen Hiilfsarbeiter- Verbandes. Er hat sich, als er seinerzeit von Norddeutschland her importiert wurde, gleich mit einer hübschen Blamage hier eingeführt, indem er in einer Dienstbotenversammlung über das preußische Ge- sinderecht sprach. Ein Sozialdemokrat mußte ihn erst belehren, daß für Bayern das preußische Gesinderecht nicht maßgebend ist. Seit- dem scheint Herr Wolf nichts hinzugelernt zu haben. Seine Bro- schüre ist nichts weiter als eine Sammlung von Abiallbrocken aus einem der München- Gladbacher Zitatensäcke. Als Schriftsteller ist Herr Wolf ein ebenso blutiger Dilettant wie als Redakteur. Dabei besitzt der Mann aber noch einen besonderen Ehrgeiz. Er möchte gerne den kleinen Jesuiten spielen. Im Vorwort zu seiner Schrift sagt er, er wolle„den einsichtigen Arbeitern, gleichviel welcher Rich- tung, den Weg zu einem friedlichen Auskommen miteinander zeigen". Wie Wolf seiiie Mission als„ehrlicher Makler" auffaßt, soll nur durch ein einziges Beispiel beleuchtet werden: Auf Seite"17 behauptet Wolf, von den Sozialdemokraten lge- meint sind die sozialdemotratischen Gewerkschaften) werde dem Menschenmord das Wort geredet. Seine Beweisführung sieht so aus: Auf der Tagung des Vereins für Frauenstimmrecht zu Frank- furt a. M. im Jahre 1907 hat ein Fräulein H e y m a n n angeblich ausgeführt: „Gesetze für Vernichtung körperlicher und geistiger Krüppel müssen geschaffen werde». In Haniburg besteht eine Anstalt für 200 Krüppel, viele sind nur Fleischmassen, bei deren Anblick man sich geradezu entsetzt. Die Pflegeriime» von solchen Fleischmassen ohne Hände und Füße sind geistig völlig heruntergekommen. Ich ging mit gesundem Menschenverstand in die Anstalt, frug mich aber bald: Hier ein großes Haus und ein herrlicher Garten für denk- und fühllose s!) Fleischniassen, draußen auf der Straße ge- sunde Arbeiterkinder ohne Pflege und ohne genügende Ernährung. Man darf sich nicht davor scheuen, Gesetze zu erlassen, um solche Fleischmassen aus der Welt zu schaffen." Nun hat der Verein für Franenstimmrecht weder mit der sozial- demokratischen Partei noch mit den freien Gewerkschaften etwas zu tun. Das weiß— ausnahmsweise— auch Herr Wolf. Er sagt selbst, dieser Verein sei sogar ein politischer Gegner der Sozial- demokratie. aber—„nicht in bezug auf ihre Weltanschauung. Beide stehen auf dem Boden des Materialismus. Dem Menschenmord redet man also offen das W o r t." Dieses„also" macht sich besonders gut. Diese„Beweissührung" zeugt von einer so grotesken Frechheit, daß man sich darüber nicht einmal entrüsten kann. Wollten wir mit den gleichen Mitteln arbeiten, so könnten wir — mit größerein Recht— behaupten, daß die christlichen Gewerl- schaften dem Fürstenmord das Wort reden. Der heilige Thomas von A g u i n hat erklärt:„Da man an keine höhere Instanz sich wenden kann, durch welche der Tyrann gerichtet werden könnte, so wird mit vollem Recht der gelobt, welcher zur Befreiung des Vater- landes den Unterdrücker tötet." Der heilige Thomas von Aquin war zwar nicht Mitglied einer christlichen Gewerkschaft, aber beide haben die gleiche Welt- anschauung. Beide stehen auf christlichem Boden. Dem Fürstenmord redet Herr Wolf„also" offen das Wort. Was zu beweisen war." polireilicke», Omebtttdte» ufw. Serleumdungöprivilegium für die bürgerliche Presse. Die Ordnungspresse darf die leitende» Personen der Arbeiterbewegung verleumden, wenn sie sie nur nicht mit Namen nennt. Das ist das Ergebnis eines Gerichtsurteils. Zur Aufhebung des Boykotts über die Oettlersche Brauerei in Weißenfels brachte das Lokal- blättchen in Merseburg,„Mersebnrger Korrespondent", am S. Oktober vorigen Jahres eine Notiz, worin es wörtlich heißt:„Wie unS von vertrauenswürdiger Seite mitgeteilt wird, soll vor diesem öffentlichen Ali eine Privatbesprechung der Leiter der Brauerei mit den maff gebenden sozialdemokratischen Personen stattgefunden haben, w o- bei sich die Firma Oettler als liebenswürdige Spenderin und Gastgeberin gezeigt habe. Die Stimmung für Oettler soll denn auch bei den Be- teiligten von vornherein günstig gewesen sein." Die„maßgebenden sozialdemokratischen Personen" waren der Vertreter der Weißenselser Arbeiterschaft und der Gauleiter des Brauereiarbeiterverbandes, Genosse A m b o r n aus Leipzig, die an der Privatbesprechung teilgenommen haben. Genosse Amborn zitierte de» Redalteur R ö ß n e r vom Merseburger„Korrespondenten" wegen der Verleumdungen vor den Kadi. Das Schöffengericht in Leipzig ließ die von Amborn angegebenen Zeugen kommissarisch vernehmen, während es den Entlastungszeugen RößnerS zur Ver- Handlung selbst laden ließ. Die beiden Zengen Amborn», der Buchhalter Ausleger und der Braumeister P i e t s ch. die im Auftrage der Oettlerschen Brauerei mit den Arbeitervertretern verhandelt hatten, sagten bei ihrer kommissarischen Vernehmung übereinstimmend aus, daß weder während, noch nach der Verhandlung irgendwelche Bewirtung durch die Brauerei statt« gefunden habe. Ebensowenig habe die Brauerei Geschenke gegeben. Der Entlastungszeuge RößnerS beteuerte, daß«r nur davon gesprochen habe, daß die Brauerei schon Bier und Wein spendieren werde. Trotz dieses BeweiSergebniffeS sprach da» Gericht Rößner frei. In seiner Begründung zu diesem Urteil sagt eS:„Die Notiz enthält Beleidigungen, auch ist sie geeignet, die Personen verächtlich zu machen; denn eS wird gesagt, daß sie sich nicht durch sachliche Erwägungen, sondern durch Geschenke zur Aufhebung deS Boykotts hätten bestimmen lassen. Der Freispruch sei aber erfolgt, weil Rößner den Amborn gar nicht gekannt, ihn also auch gar nicht gemeint habe". DaS Landgericht wird dieses salomonische sächsische Gerichts- urleil aus seine Stichhaltigkeit zu prüfen haben, da selbstverständlich Berufung eingelegt werden wird. In Schlesien find Siege in Oberkangenvielau und PeterSwaldau zu verzeichnen. Im ersteren Orte fiegte in einem Bezirk der Sozialdemokrat mit 439 gegen 104 Stimmen, im dritten der Sozialdemokrat mit 4M gegen 68 Stimmen, im zweiten. der besonders ungünstig für die Sozialdemokratie ist. unterlag ihr Kandidat mit 213 gegen 227 bürgerliche Stimmen.— In PeterS- Waldau wurden die Sozialdemokraten mit 136—183 Stimmen gewählt. In Hessen-Nassau siegten untere Genosien zuPrenngeS- heim mit 128 und 125 gegen 60 bürgerliche Stimmen Döringheim sandte für die zweite Klasse und S ch n e i d h a i n für die dritte Klaffe je einen Sozialdemokraten in die Gemeindevertretung. Der christliche Fürsienmördrr Wolf. Unter diesem Titel gibt die.Münchener Post" einem frechen Verleumder der Sozialdemokratie folgende hübsche Lektion: Soziales* Die oierpfälzische Handelskammer»egeu den Arbeitskammerentwurf. Zum Entwurf über ArbeilSkammern hat die oberpfälzische Handels- und Gewerbekammer in Regensburg ein Gutachten ab- gegeben und darin die Schöpfung reiner Arbeitervertretungen bezw. Kammern örtlicher Natur ohne Trennung nach bestimmen Gewerben gefordert. Die Verquickung mit den Berufsgenossenschaften sei zu verwerfen, ebenso die Art und Weise, wie der Regierungsentwurf die Wahlen festsetzt. Die Mitglieder der Arbeilerkammern seien durch direkte Wahlen der Wahlberechtigten zu wählen, wobei die Verhältniswahl vorzuschreiben sei. Die Kosten seien vom Reich oder von den Bundesstaaten zu tragen. Achtuhrladenschluß. Die oberftänkische Kreisregierung hat verfügt, daß im Stadt- bezirke Bayreuth ab 15. April alle öffentlichen Verkaufsstellen, auS- genommen Konditoreien und Backwarenhandlungen, an den Werk- tagen um acht Uhr abends zu schließen haben. AIS AusnahmStage sind zugestanden die Vorabende der Sonn- und Feiertage, alle Werk- tage im Dezember und während der Zeit der Wagner-Festspiele. Mangelnde Passivlegitimation. Gegen eine Entschädigungsklage des Bauarbeiters D. wandte der Beklagte W o l f s o h n vor dem Gewerbegericht ein, D. habe gar nicht bei ihm gearbeitet, sondern beim Maurermeister 11 r s u in. Er legte einen vom Kläger mit unterschriebenen Schein vor:„Zur Vermeidung von Irrtümern bescheinigen wir, daß wir bei Maurermeister Ursum in Arbeit stehen." Kläger erwidert, seine» Meinung nach sei Wolfsohn der Arbeitgeber. Der habe alles ge- liefert und ihn auch entlassen. Der Vertreter Wolfsohns erklärt, Wolfsohn habe Baugelder gegeben und auch Materialien geliefert, und zwar an den Bauherrn Ehrhart, in dessen Auftrage Ursum Arbeiten ausführte.— Die Kammer 3 unter Vorsitz deS Ge> werberichterS Dr. Leo wies den Kläger wegen mangelnder Pasfivlegitimation deS Beklagten ab, weil nicht Wolfsohn, sondern Ursum der richtige Arbeitgeber sei. Es möge unter der Oberflüche manches gespielt haben. Darüber habe der Gerichtshof kein Urteil. Er habe auch keinen Anlaß, sich ein Urteil darüber zu bilden. Denn das unterschriebene Schriftstück müsse für den Gerichts« Hof als gültiger Arbeitsvertrag in Betracht kommen. Klage D. gegen den Arbeitgeber bor dem Gewerbegericht, dann könne er nur gegen den klagen, den er selbst durch Unterschrift als Arbeitgeber anerkannt habe._ Landarieiterlöhne in Großbritannien. In den„Mitteilungen der deutschen LandwirtschaftSgesellschast" bom 15. Februar veröffentlicht der landwirtschaftliche Sachverständige beim deutschen Generalkonsulat in London, Dr. B. S k a l w e i t, einen Aufsatz über die Dien st- und Lohnverhältnisse der englischen Landarbeiter. Wie in Deutschland, so herrscht auch in England eine große Mannigsaltigkeit der Lohnformen für landwirtschaftliche Arbeitskräfte vor. Gespannknechte. Viehwärter und Schäjer haben in der Regel halb- oder gauzjähre Dienst- Verträge; während die gewöhnlichen Arbeiter im allgemeinen wochenweise entlohnt werden. Nur in Nordengland und Schott« laud sind auch für die letzteren jährliche oder halbjährliche Dienstverträge die Regel. Neben dem Barlohn spielt der Naturallohn noch überall eine mehr oder minder bedeutende Rolle. Doch ist im allgemeinen für die gewöhnlichen Arbeiter die Tendenz auf Zurückdrängung deS naturalen Lohnteils zu konstatieren. Für die geivöhnlichen Landarbeiter in England betragen die Geldlöhne im Wochendurchschnitt 13,50 bis 16 M. In einigen der Midland-Grafschaften, besonders in der Nähe von größeren Städten, Industrie- und Bergwerksbezirken steigen sie auf 18—19 M., in Nordengland sogar bis 20 M., während sie in den rein landwirtschaft« lichen Grafschaften auf 12 M. und tiefer hinabgehen. Doch würde ein Vergleich der Wochenlöhne allein ein falsches Bild von der Lage des Arbeiters in den einzelnen Bezirken geben. Die Unterschiede zwischen höchsten und niedrigsten Wochenlöhnen, die sich auf mehr als 8 M. belaufen, werden durch Extrazuschüsse, Erntezulagen, Er« höhung des gewöhnlichen Lohnes durch Akkordarbeit, sowie Natural« bezüge bedeutend gemildert. Gerade in den östlichen Grafschaften werden die niedrigen Wochenlöhne dadurch nicht unbedeutend erhöht, während in den Grafschaften mit hohem Barlohne solche Ver- günsligungen fast gänzlich fehlen. Zieht man die Naturalzuschiisse mit in Betracht, so stellt sich der G e j a m t v e r d i e n st des gewöhn- lichen englischen Landarbeiter» auf 16,50—19 M. wöchentlich oder 850— 1000 M. pro Jahr bei regelmäßiger Beschäftigung. Die Durchschnittslöhne werden in den nördlichen Grafschaften und in einigen Mittelenglands, sowie in der Nachbarschaft großer Städte um IM— 2M M. pro Jahr überschritten. Dagegen bleibt der Arbeitsverdienst in rein landwirtschaftlichen Grasichasten des Ostens und Südens um ebensoviel hinter dem genannten Durch- schnitt zurück. Am niedrigsten stellt sich der Gesamtverdienst in Oxfordshire mit etwa 750 M. jährlich. Die Jahresbezüge der mit der Wartung de» Viehes betrauten Leute(Gespannt»echte, Viehwärter und F ü t t e r e r) sind in der Regel um 100—200 M. höher als die der gewöhnlichen Arbeiter. Am besten entlohnt werden die Schäfer, die meist neben ihren Gehalt- und Naturalbezügen Lokale von Schmidt. Prinzenallee 83 ab. Auf der Tagesordnung stand der 18. März. Zunächst wurden jedoch die Wahlen erledigt. Als Delegierte zur Generalversammlung, welche am 19. April in Frankfurt a. M. stattfindet, wurden die Mit- glieder Franz Bunge und Eduard Heidelberg gewählt. Als- dann erfolgte die Wahl von drei Mitgliedern zur SchlichtungS- kommission. sowie von einem Reviior unv zwei Mitgliedern zum Vergnllgungskomitee. In der Diskussion über die Feier de? 18. März sprachen sämtliche Redner dafür, daß der IS. März ganz besonders geeignet wäre zur Demonstration für da? allgemeine und gleiche Wahlrecht, und die Versammlung beschloß einstimmig, am 18. März die Arbeit einen halben Tag ruhen zu lassen. Die Arbeit- geber sollten sofort von dem Beschluß in Kenntnis gesetzt werden. Dann gab der Obmann deS Kuratoriums des Arbeitsnachweises einen Situationsbericht und wies darauf hin, daß die Kollegen, welche auf dem Arbeitsnachweis eingetragen und krank geworden sind, nach ihrer Krankheit in ihre vollen Rechte wieder eintreten. Verein ehemaliger Beeliver(Wteilung B). Heute abend 9 Uhr: Sitzung bei Göhlsdorf, Brunnenstr. 3. Gäste willkommen. Vernrilcdres. Selbststellimg«Ines Mörders. Unter der Selbstbezlchsigung. die unverehelichte Johanna Kranz, deren kopflose Leiche im Walde bei Neuwied aufgefunden wurde, erschlagen zu haben, hat sich der Arbeiter Wilhelm Krieger der Polizei in Neuwied freiwillig gestellt. Krieger war im März vorigen Jahres im Walde bei Horhausen mit Holzhacken beschäftigt, wobei ihm die Ermordete half- er unterhielt mit dem jungen Mädchen schon seit einigen Jahren ein Vre- hältniS und wollte es heiraten. Am Tage des Mordes fragte nun Krieger seine AuSerwählte, ob die Hochzeit zu Ostern stattfinden könne. AIS ihm eine abweisende Antwort zuteil wurde, schlug Krieger in seiner Wut dem Mädchen mit einem Eichenknüppel auf den Kopf und griff dann zur Axt, mit der er seinem Opfer den Kopf glatt vom Rumpfe trennte. Hierauf wurde er flüchtig. Von einem Freunde verschaffte er sich Papiere, mit deren Hülfe er bis nach Bayern kam. Er kehrte dann nach Neuwied zurück» um sich dort den Behörden zu stellen. Berliner DtarkivreKe. AuS dem amtlichen Serich» der IWdtllfiea piarkiballen-DneNion. sGroßbcmdel.) Cchfenflciitf) la 66 68 er 100 Pid., lla 60 65, tlla 62 55, Bullenfleisch la 63-68, IIa 52-62, Kübe. fett 46—56, do. mager 34—42, Fresser 48—56, Bullen, dänische 40—61. Ualdilejlch, Doppcllender 105—125, Mailkälbcr la 80-87, Ha 69-76 Kälber ger. gen. 47-62, do, boll, 45—50. Hannnelfleilch Malt- l immer 69—72, Hammel la 63 65. IIa 55-60, Ungar, 0 00, Schale 41—54. kchivenieileilch 46-53. Rehwild, plomb, per Biund 0,75—0,80, do, mit Abschutz 0,95-1.10, Damwild 0.60-0,63, Rentiere 0,45 Wildschweine 0,00._ Frischlinge 0,55. Kaninchen, Slück 0,60—0,80. Haien, plomb, 2,00. Schneehühner, Stück 0,75—0,90. Birkhähne, Stück 0,00. Birkhennen, Stck. 0,00. Schnepfen, IIa 0,00. Hüdner, la per Stück 1,70 bis 2,50, dito IIa 1,30—1,60, dito Wolga-, Stück 1.50— 1,85. Hainburger Küken, Stück 0,85—1,20, PoixickS 0,00. Kapaunen, deutsche, per Stück 0,00. Tauben, Stück 0,30—0,53, dito alle 0,80—0,45, do. italienische 0,80—0,85. Enten, per Psund 0,00, dito per Stück 0,00, dil» Hamburger, per Stück 3,25—4,75. Gänie, gefroren per Pfd. 0,00. do. russische 0,40—0,50, do, junge Hamburger 0,80—1,05. Puten la p, Psd, 0,80, do. IIa, u. alte 0,70. Hechte Der 100 Piund 64—84, be. mittel 0,00, do. groß 60, do. groß- mittel 0,00, do. klein 0,00. Zander, mittel 150—151, do. grotz 0,00, do. unsort. 6,00. Schleie, grog-mittel 0,00, dito klein-mittel IIa 72- 84, dite unsortiert IIa 0,00. älale, klein 0,00, do. mittel 120, do. groh-millel 108—120. ftarrfen, uns. 0,00, do. 20— 25er 0,00, do. 15— 20er 0,00, do. 50fr Lausiber 0.00, do. 70er 62—66. Roddow 50-51. Plöven 42—49, dito klein 0,90. Aland 0,0. Quappen, klein 0.00. Wels 0,00. Bunte Fische, klein 0.00 do. 54—5(5. Barle 86—92, do. klein 49. Bleie 0,00. Bleifische 0,00. Karauschen 0,00. Winler-Rheinlachs, p. 100 Psd. 0,00, Ainerilan. rkachs la, per 100 Psund 110—130, do. IIa 90—100. Seelachs, per 100 Psund 25—30. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6. do. mitlel, Kiste 0,00, do. Hamb Stiege 3—6, halbe Kiste 2—3, pomtn. la Schock 0,00, IIa 0,00. Bücklinge. Kieler der Wall 0.00, schwedische 0,00, englilche O.OO, Strals. 3— 4. Sprotten, Danziger, Kiste 0,40—0,50, do. Rügenwalder, Kiste 0,40— 0,50. Aaie, grog per Psund 1.10— 1,20, do. mitteigvoj 0,80—1.10, kieni 0,60—0.80. Heringe per Schock 5,00—9,00. Schellfische, Kiste 3,00—4,00. dito Kiste 1,75— 2.25. Sardellen.>902 er per Anker 93, l 904er 98, 1905cr 38, l306er 85— 90. Schottilche Bollberinqe 1905 0,00. larga 40-44, füll. 38-40, med. 36—42, deutsche 30—40. Hering i neue Maises, per'/, To. 0,00. Sardinen, russ.. Faß t,50— 1,60, Bratberinge Faß 1,20—1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen. Schocksaß 8. do. kleine 4—5, do. Riesen. 10. Krebse per Schock 0,00, große 0.00, do. mittelgroße 0,00, dito kleine 10—11 cm 0.00, do. unsortiert 0,00, Galizier, groß 0,00. Seemnscheln 100 St. 1,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3,00—3,40, do. große 3,50—4,00. Butler per 100 Psd. la 130-132. IIa 124-126. lila 120-124, abiallende 115-129, Saure Gurken Schock 4,50—5. Plelfergurken Schock 4,50—5. Kartotlcin per 100 Plund Dabersche 3,25—3,50, weiße runde 2,50—3,00, mag. von. 2,75—3,25. Porree, per Schock 0,75—1,25. Meerrettich, Schock 6—12. Spinal per 100 Psund 15—20. Sellerie, per Schock 3—6, do. pomm. 6—14. Zwiebein per 100 Psd. 3,00— 4,00. Pelerfilie, grün, Schockbund 0,80—1,50. Ziettich, bayrischer, per Stück 0,06—0,10, hiesiger, per schock 0,00. Mohrrüben, 100 Pfund 2.00 bis 3.00. Karotten, per 100 Psund 12—13. Wirsingkohl v. Schock 4—8. Rotkohl, Schock 4—8. Weißkohl p. 100 Psd. 2—3,50. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 0,00, do. italienischer 100 Stück 20—30, do. in Körben 18 Stück 1,60—2,50. Rosenkohl, per 100 Psnnd 18—30. Grünkohl 10,00—15,00. Kohlrüben, Schock 2,90— 4,00. Petersilicnwnrzeln, p. 100 Psd. 4,50—5,00, Schockbund 5—6. Schnittlauch, Töpse Dutzend 1,75—2,25. Tomaten, kanarische, per Kiste 2—4,00. Rote Rüben, per 100 Pfund 5,00—6,00. Rhabarber 100 Bund 7—10. Rabunzen 15 bis 40. Rübchen 12-18. Eskaroi. lOOtzSluck 15— 20. Endivien, 100 Stück 23. Birnen, Kochbirnen hiesige, per 100 Psd. 6—10,00, Taselbirnen la 18— 35, do. IIa 6—17, Italiener la 25—28, do. IIa 18— 20. Aepsel, per 100 Psund, Tiroler la 20—28, do. IIa 22, do. tose, per 100 Psund 0,00, do. in Kisten 120 Psd. 30-50, Most-, hlcs., 100 Psd. 3-12, Koch. 5-14, Tasel. Spsei la 15—23, do. IIa 8—18, Amerikaner, per Faß 15—23, Italiener, lose, 100 Psd. 8—18, do. in Körben per 100 Psd. 10—16, do. in Kisten 10—20. Weintrauben, Almcria, per Faß 12—20. Ananas I, per Psund 0,80—0,90, do. II 0,65—0,70. Bananen, Canar., per 100 Psd. 23—28, Jamaica, 22,00—25,00. Maronen, italienische, per>00 Pfund 10—20. Feigen, Kranz- per 100 Psd. 21—22, do. Trommel- per 100 Psd. 40, do. in Kisten 28—58. Traudenrostnen per 100 Psd. 0,00, Zitronen, Mesfina, 300 Stück 6,50-9,50. do. 360 Stück 7—10, do. 200 Stück 0,00, do. 150 Stück 0,00. Apselfinen, Murcia. 200 Stück 7,50—10,00 do. 300 Stück 8,00-12,00, do. Blut. 200 St. 8,50-14,00, do, Blut- 300 Stück 10,00-14,00, do. Valencia 420 Stück 14,50-18,00, do. 714 Stück 22-28,00, do. Mcssina 160 Stück 8-12,00, do. 200 Stück 8-12,50, do. 300 Stück 10-12,50, do. Blut. 100 Stück 7—8,00, do. 150 Stück 7-8,00, do. 80 Stück 6,50-7,00, do. Calis. 16-17,00. Dallcln, per 100 Kart. 37-40» do. per 10 Psd. 3,25-5,50, do. Kalis. 100 Psund 25-30. ßHefhartcn der Rcdahtfon. Sie fnrtftiliüt Sprechstunde findet Linden strafte Nr. 3, zweiter ®of, dritter Eingang, biet Treppen, OV Fahrstuhl-WWg wochentäglich abend» von?>/» bis s>/, Uhr statt. Geöffnet? Uhr Sonnabend» beginn« die Sprechstunde um s Uhr. Jeder Zlnfragr ist ein «uchftabe»ud eine Zahl als«Nerkzeichen beiznfiigen. Briefliche Slntwort wird nicht erteil«. Eilige Fragen«rage mau in der Sprechstunde vor. Brandt. Wenden Sie sich an eine Buchhandlung oder an den Direktor der Handwerkerschul«.— 100. Leider würden Sie nur gegen den jungen Mann, nicht gegen die Eltern mit Aussicht aus Erfolg klagen können.— M. B. 49. Sie können dem Schiedsrichter mitteilen, daß Sie nicht erscheinen wollen, zweckmäßiger ist«S aber, in dem Falle zu er- scheinen.— B. 99. 1. Ja. 2. Bei der Polizei. 3. und 4. Nein. — Emmi) 306. Wenden Sie sich an einen Arzt.— Austritt, 1. Ja. 2. Nein.— W. 100, Durch Sprachlehrer.— 21. N. 99, DaS ist möglich.— C. G. 10. Sie sind im Jrrtam, eine Abänderung ist nicht erforderlich, die Schreibweise tst dieselbe.— W. W. Nein. — K. 63. Wenn Ihr Sohn Ihnen den Auftrag zur Bestellung nicht er« leilt hatte, so würde die Klage gegen ihn abzuweisen sein.— O. L. 37. DaS Mädchen ist nicht lrantciiversicheruttgSpflichstg, kann aber freitvillig der Offenbacher Krankenkasse für Frauen und Mädchen lPrinzenstr. 66 bei Hinz) beitreten.— P. K. 100. Das Verzeichnis der gerichtlichen Sachverständigen finden Sie im zweiten Bande, zweiter Teil des Adreßbuches, Seite 59/60. — W. M. 100. Wenden Sie sich an die Genossin Baader. Lindenslr. 3, 1. Hos 4 Treppen.— W. B. 18. Der Betreffende ist steuerpflichtig. — A. S. 81. Sie müßten Ihre Forderung einklagen und dann Pfändung vornehmen.— M. M. 36. Wir müssen Sie an einen Gärtner verweisen: eine Ratcrteilung ohne Inaugenscheinnahme ist zwecklos. — Kupferschmied. 1. Slus dem Patentamt wird Ihnen bereitwilligst Aus- kmtst erteilt 2. Sie würden anzugeben haben, daß Sie aus der Kirche ausgetreten sind.— R. S. 14. I. Ein Stempel ist nicht ersorderlich, aber Datierung und Unterschrist. 2. Nein, aber zweckmäßig.— A. Z. 300. l. Ja. 2. Nein.—(£• H 1894. Sie wurden sich an das Vormund- schastSgerichi wenden müssen.— A. M. F. Ci. SS. 1. Nein, aber die Versicherungsgelder werden wahrscheinlich der Mutter gehören und nicht zum Nachlaß zu rechnen sein. 2 und 3. Diese Weigerungen find berechligt. — K. A. S. Ja.— E. B. 186S. 1. Wenn die Klage bald angestellt wird, so hätte sie Aussicht aus Erfolg. 2. Ja. 3. Rem. Ehebruch ist, solange die Ehe nicht rechtskräftig getrennt ist, möglich und stets ein SchcidungSgrund. 4. Nein.— H. Zch. Ans der Heirat können die von Ihnen befürchteten Nachteile nicht erwachsen. — H. B. 33. Sle können die Herausgabe der Sachen und Ihres Kindes verlangen. Wenn Sie in der EhefchetdimaSsache sich nicht durch einen An. walt vertreten lasten, so ist das von großem Nachteil für Sie. Lasten Sie sich daS Annenrecht bewilligen. Zu diesem Schüfe lassen Sie sich zunächst von dem ArmenkotnmisstonSvorsteher bescheinigen, daß Sie zur Tragung der Prozeßkoslen unvermögend sind. Dann reichen Sie dieses Attest dem Landgericht ein, legen dar, welche Anführungen sie machen wollen, welche Beweismittel Ihnen zu Gebote stehen und beantragen Sie, Ihnen das Armenrecht zu bewilligen.— E. R. 46. Sie können schrisilich und münd. lich einkommen. Es genügt die Emsetidnng des Geburtsscheins.— I. 9t. 1�0. Verfolgung des von Ihnen dargelegten Verbrechens verjährt in zehn Jahren.— M. 38. Ihr persönliches Erscheinen vor»cm Reichs- gericht wäre zwecklos, Sie können unter Beilegung einer Rückanttvorts- marke sich über den Ausfall des Termins beim Reichsgertcht erkundigen. — C. O. Wiederholen Sle Ihre Anfrage.— Mnulhnrot. Wenn aus dem Vertrage nicht das Gegentest folgt, so ist der Wirt und nicht der Mieter zum Ersatz der ohne Verschulden dcS Mieters zerbrochenen Scheiben verpflichtet.— 6. Bezirk Genosse Hermann Müller mit 472 Stimmen gegen 21 Stimmen, die auf den Eigentümer Paetsch fielen; im 7. Bezirk siegte Genosse G o r g a s mit 326 Stimme» gegen 36 gegnerische Stimmen. Den 6. Bezirk hatte bisher ein bürgerlicher Vertreter inne. In den, neuen Beamtenbezirk erhielt der vom Lehrerverein, genannt Bürger- verein, aufgestellte Lokomotivführer Lahn 161 Stimmen, gegenüber 56 Stimmen, die ans Genossen Trinks entfielen. Elfterer ist mithin gewählt. Trotzdem haben wir auch in diesem Bezirk, wenn man hierbei in Betracht zieht, daß dieser Bezirk 446 Beamte als Stimnibcrechtigte gegenüber von nur 166 Stimmberechtigten aus Treptow-Baunischulenweg. Bei der gestrigen Gemeindevertreter wähl im ersten Bezirk üblen von den 565 eingeschriebenen Wählern 259 ihr Stimmrecht aus. Es erhielt unser Genosse Miekley 169, der Konservative Nickel 126 und der Freisinnige Hiller 24 Stimmen. Demnach findet Stichivahl zwischen Miekley und Nickel statt. Vor zwei Jahren, als noch im ganzen Ort gewählt wurde, beteiligten sich 51, bei der gestrigen Bezirkswahl 47 Proz. Johannisthal. Bei der stattgehabten Gemeindevertreterwahl siegten in der Hl. Abteilung unsere Genossen P i r s i ch und G o b i n mit je 234 Stimmen gegen die bürgerlichen Kandidaten, welche 95 resp. 91 Stimmen erhielten. Wir haben seit der letzten Wahl vor zwei Jahren einen Zuwachs von 37 Stimmen zu verzeichnen, trotz- dem der Ort sich nicht wesentlich vergrößert hat. Die bürgerlichen Kandidaten haben nur deshalb noch eine solche Stimmenzahl er- halten, weil der bekannte sanfte Druck die Eisenbahnarbeiler und Beamten zur Wahl trieb, was erst seit den Hottenlottenwahlen geschieht. Britz-Buckow. Bei der stattgehabten Gemeindewahl in der dritten Klasse sind unsere Kandidaten trotz stärkerer Wahlbeteiligung und Stimmenzunahme mit 28 Stimmen unterlegen. Jedoch können unsere Gegner auf ihren Erfolg nicht stolz sein. Ihren Sieg können sie nur den Forensenstimmen verdanken. Unseren Genossen wird der Ausfall der Wahl aber ein Ansporn zu noch intensiverer Arbeit und zum Ausbau der Organisationen sein. Neu-Dabcndorf bei Zossen. Bei der Gemeindewahl erhielt der von uns aufgestellte Kandidat Genosse K a h l 8 Stimmen, der Kan- didat des Jnleresientenvereins 5 und der Bauernkandidat 26 Stimmen, letzterer ist soinit gewählt. Daß unsere Stimmenzahl eine so niedrige ist, liegt daran, daß sogar freigewerlichaftlich organisierte Maurer ihre Stiinme dem Banenikandidaten gaben. Viele hielten es gar nicht für nötig, zur Wahl zu gehen. Das ist sicherlich ein Beweis, daß wir noch viel Aufklärungsarbeit zu verrichten haben. HohcnschSnhausen. Bei der gestrigen Gemeindevertreterwahl er- hielt unser Genosse Emil Albrecht 56 Stimmen, während ein Herr Gröbler 61 und zwei andere bürgerliche Kandidaten 45 bezw. 5 Stimmen auf sich vereinigten. Es hat demnach Stichwahl zwischen unserem Genossen Albrccht und Herrn Gröbler stattzufinden. Waidmniinsliist-Lübnrs. Bei der vorgestrigen Gemeindewahl in der dritten Klasse, in der ein Grundeigentümer zu wählen ist, kam es nicht zur Entscheidung, vielmehr ist eine Stichivahl notwendig, die am Dienstag, den 24. d. M., nachmittags von 5—8 Uhr, im Lokal von Wennrich, Waidmannslust, Waidmannstr. 22, stattfindet. Von 428«ingeschriebeuen Wählern erschienen 213 am Wahllisch, 6 Wähler wurden wegen Steuerrückstände ausgeschlossen, da„ihr Wahlrecht ruhte". 267 Wähler gaben ihre Stimme ab, davon fielen auf unseren Genossen L u s ch e r 162, auf den Landwirt Faust(Lübars) 92 und ans den Fabrikanten Franke 13 Stimmen. Wären nur vier unserer Genossen mehr zum Wahltisch gr kommen, so wäre die Stichwahl vermieden worden. Wenn auch die Wahlbeteiligung eine rege war, so befinden sich unter den 56 Proz. der nicht zur Wahl Erschienenen eine Anzahl Wahlberechtigter, die Sie ehruiig der Barriltadenlränipfer. Wilhelm Zimmermann schildert in seiner Geschichte des JahreS 1343 die Trauerfeier für die gefallenen Frei- heitshelden des 13. März wie folgt: „Am frühen Morgen fand in allen Kirchen ein TrauergotteS- dienst statt. Alle Läden waren geschlössen, aller Verkehr war auf- gehoben. Von allen Dächern herab wehte die schwarz-rot-goldene Fahne, heute mit schwarzem Flor verhüllt. Die ganze Bevölkerung war in Trauer, die Frauen in tiefstes Schwarz gekleidet. Aus den Toren, auf den Türmen, auf den Ministerien, selbst auf dem Palais des veretvigtcn 5iöuigs. auf den vier Ecken des Königs- schlösse s ivaren neben der deutschen Fahne große schlvarze Trauerfahnen aufgezogen. Die Statuen von Scharnhorst, Blücher uud Bülow waren mit deutschen umflorten Fahnen geschmückt. Von 12 Uhr an begann das Strömen der G e w e r k e und Innungen, der Universität, der Gymnasien, der Schulen, der Bürgerwehrabteilungen nach dem Gen- darinenmarkt, zu der Neuen Kirche, im Mittelpunkt der Stadt. Die Säulen der Kirche waren mit Trauerflor und grünem Laube geschmückt und die hunderldreiundachtzig Särge, neben und übereiuaudergeftellt, zeigten sich aus dem Katafalk den Augen. Liebe Hände hatten auf jeden Sarg Kränze und Schleifen ge- spendet und auch der Aermste hatte irgend ein kleines Liebesopfer gefunden für seinen teuren Angehörigen. Alle Leichen, bis auf dreiunddreißig, waren von den Ihrigen erkannt worden. Auch fünf Frauen und zwei zwölfjährige Knaben waren darunter. Die eine Frau war erschossen worden, während sie ihren Säugling an der Brust hatte..... ... Gegen 2 Uhr hatten fich alle, welche sich dem Zug an- schließen wollten, versammelt. Das Mnsikkorps begann den Choral„Jesus meine Zuversicht". In langsamen feierlichen Tönen erllang er. Die Orgel aus der Kirche fiel ein, und alle Versammelten stimmten zu dieser Weise ein Lied an, daS für diesen Tag gedichtet und verteilt worden war. Der erste Vers war geendet, die Posaunen und die Orgel schwiegen. Eine lautlose Stille herrschte in der„Völkerversammlung", denn mir so konnte man diese Versammlung nennen. Wohin das Auge reichte, war Kopf an Kopf gedrängt. Da trat der H o f p r e d i g e r S y d o w vor den Altar des Katafalkes. Alle Häupter entblößten sich in einem Augenblick, als er von da herab sprach:„Traget sie hinaus, die Brüder, welche gefallen sind in dem Kampfe, d er so s e g en S r e i ch e Folgen für das Vaterland gehabt hat, und der bestimmt ist, jetzt das Band der Liebe und der Einigkeit um das ganze deutsche Vaterland zu schlingen. Lasset in der Ehrfurcht vor den Toten alle Gefühle, welche in der einzelnen Brust verschieden wogen, untergehen. Denket an den Willen Gottes, der die Geschicke der Menschen regiert und alles zum Besten führt, der die Kugeln in der Schlacht leitet und Leben gibt und nimmt." Nachdem er in diesem Geist einige Minuten gesprochen, trat ein katholischer Geistlicher, Ruhlandt, vor und begann mit den Worten: „Gestattet, meine Lieben, daß auch der katholische Bruder die Brüder grüßt", eine kurze, gehaltvolle Rede. Ihm folgte ein jüdischer Geistlicher, Sachs. Der wies darauf hin, wie alle Scheidewände, die bisher den Bruder vom Bruder getrennt haben. mit diesem herrlichen Werke gefallen seien, wie alle ohne Unterschied des Glaubens sich brüderlich die Hände gereicht haben, und auch der alte Bund des urältesten Glaubens freudig sich erhebe, diesen neuen Bund zu besiegeln.... ... Nach 2>/2 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Der ganze Zug selbst hatte die Länge einer Meile und währte vier volle Stunden und darüber. Die ältesten Leute in Berlin hatten etwas Aehnlichcs nie gesehen. Als die Spitze des Zuges von der Neuen Kirche nach dem weit entfernten Friedrichs- Hain, dem Orte der Beisetzung, aufbrach, war es gegen'/all Uhr; und es war gegen 6 Uhr. als das Ende des Zuges von dem Ver- sammlungsort aus sich entwickelte. So zahlreich waren die Leid- tragenden. Die ganze Umgegend hatte Abordnungen und Teil- nehmer geschickt. Ueber hunderttausend Menschen waren dem Zuge eingereiht, und gegen eine halb. MillionZuichauersollensich angeschlossen haben Es war ein schöner sonniger Märztag, schön wie ein Tag im Mai. Der Zug wurde eröffnet von Männern der Handwerker- vereine und den Schützengilden. Der ganze Zug bestand bald aus größeren, bald aus kleineren Abteilungen, zwischen welche eine Anzahl Särge kam, die aus umflorten Bahren getragen wurde», bald mehr, bald weniger Särge, zuweilen erschienen auch einzelne. so der letzte, ein Kindersarg. Der ersten Abteilung der Särge voran gingen junge Mädchen in Trauer, welche Kränze auf Samtkissen trugen. Hinter dem letzten. dem Kindersarg, geleitete die Geistlichkeit aller Bekennt- nisse, die evangelischen, katholischen, deutschkatholischen und jüdischen Seelsorger, alle in der Amtstracht und in außerordentlicher Zahl, die lange Reihe der Leidtragenden. sie gingen tröstend zwischen diesen. Da waren die Eltern, die Geschwister, die Frauen, die Kinder. die Verlobten der Gefallenen. Die Witwen uud Waisen schwammen in Tränen uud konnten sich ihres Schmerzes nicht erwehren. Die Leidtragenden hatten alle Blumensträuße, die aus den königlichen Gärten geschickt worden waren. Auch den Blumenschmuck des Katafalkes hatte das Hofmarschallamt'durch die Schloßgärtner besorgt. Die Abteilung der Universität folgte ihnen offenbar mit dem Reichsbanner. Der ehrwürdige Alexander v. Hum- b o l d t und der Rektor der Universität gingen voraus. Große Teilnahme erregten die Studenten, sie schritten mit ihren Waffen, durch die sie in der fürchterlichen Nacht die Führer des tapfer kämpfenden Volkes geworden waren. Ebenso blickte man mit wärmster Teilnahme ans die in militärischer Haltung und Bewaffnung einherschreilenden Mitglieder des and werkervereins und der zahlreichen Fabrik- arbeiter, die fast alle hinter oder auf den Barri- laden gestanden hatten. Da waren die Arbeiter der Borsigschen Fabrik. Herr Borsig selbst als ihr Führer; die Arbeiter der Egellschen. der Schöneberg. Stadtverordnetenversammlung. �Die letzte Sitzung wurde ganz mit den weiteren Beratungen des Etats ausgefüllt. Eine längere Debatte rief der Armen- etat hervor. Stadtv Molkenbuhr(Sog.) als Berichterstatter des Etatsausschusses forderte den weiteren Ausbau der Armenpflege naÄ dem Elberfelder System. Man solle jedem Armenpfleger nicht mehr als 2— 3 Arme zuteilen, damit die Pfleger auch in der Lage sind, den Armen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und bei der Gründung einer Existenz behülflich zu sein. Redner tritt weiter dafür ein, daß mit den Armenvorstehern und Pflegern regel- mäßig Versammlungen abzuhalten sind, wo sich eine gegenseitige Aussprache ermöglichen lasse. In Schöneberg gibt es Pfleger, denen 12 und noch mehr Arme zugeteilt sind. Es muß dafür gesorgt werden, daß alle Ideale erfüllt werden, die sich der Schöpfer dieses Systems gestellt hat. Stadtrat W a l g e r gibt zu, daß die Schöneberger Armen- pflege einer großen Reorganisation bedürftig ist, nur meint er, n.an solle sich bei Beurteilung der Angelegenheit nicht von, Zahlen leiten lassen. Stadtverordnetenvorsteher Lohausen tritt den Aus- führungcn des Stadtverordneten Molkenbuhr bei. Wenn man das System zur Tat werden lassen will, so spielen die Zahlen doch eine große Rolle. 15 Pfleglinge dürfen unmöglich einem einzelnen Pfleger unterstellt werden. Stadtv. L i n i c u s(Unabh. Vg.) hält die Zuteilung von 15 Armen an einen Pfleger für gar nicht so schlimm. Die Schöne- berger Armen sind meistens alte Leute, denen nicht mehr zu helfen ist und die sich durch den Besuch der Armenpfleger nur belästigt fühlen. Das Elberfelder System lasse sich seiner Meinung nach in Schönberg nicht einführen,„weil wir nicht in Elberfeld wohnen". Stadt. Hoffmann(Soz.) wendet sich gegen die Aus- führungcn des Vorredners und bringt den Nachweis, daß von den Schöneberger Armen eine sehr große Anzahl noch im besten Mannes- alter stehen. Redner fordert, daß auch mehr Frauen zu Armen» Pflegern herangezogen werden. Stadtv. S a l i n g e r(Lib. Fr.) tritt namentlich für die Mit- Wirkung von Frauen und Arbeitern als Armenpfleger_ ein. Die Arbeiter hätten sich stets auf derartigen Posten gut bewährt. Auch zu Armenvorstehern solle man Arbeiter heranziehen. Stadtv. L i n i c u s(Unabh. Vg.) legt sich energisch dagegen ins Zeug, mehr Arbeiter zu Armenvorstehern heranzuziehen; das hieße die Politik in die Armenpflege hineintragen. Aus seiner Er- fahrung könne er nur sagen, daß die Arbeiter zur Uebernahme der» artiger Posten auch sehr schwer zu haben sind. Stadtv. Wollermann(Soz.) bringt den Nachweis, daß gerade das Umgekehrte der Ausführungen des Vorredners zutreffend ist. Eine große Anzahl von Arbeitern hat sich zur Uebernahme derartiger Posten bereit erklärt. Die Armendirektion hat aber darauf nicht die geringste Rücksicht genommen. Damit schließt die Generaldebatte. Bei der weiteren 83e- ratung des Etats wird vom Stadtv. Dr. I a c o b y(Lib. Vg.) der Antrag gestellt, vom Magistrat Erwägungen über die Einführung der freien Arztwahl in der Armenpflege anstellen zu lassen. Redner begründet den Antrag damit, daß man auch den Armen die Gelegenheit geben muß, sich an den Arzt ihres Vertrauens zu wenden. In allen Städten, wo die freie Arztwahl für die Armen- pflege bereits eingeführt ist, hat sich dieselbe gut bewährt. Redner wünscht, zunächst in einem Bezirk den Versuch damit zu machen. Stadtv. Magna n(Soz.) erkennt an, daß man auch den Armen das Recht geben muß, sich an den Arzt ihres Vertrauens zu wenden, aber die freie Arztwahl ist vielfach nicht das, was allgemein darunter verstanden wird. Die freie Arztwahl stellt es nur dem Arzt frei, ob er diesen oder jenen überhaupt behandeln will. Dann wäre es auch verfehlt, einen einzigen Bezirk herauszugreifen. Man muß mit dem ganzen System brechen. Rlldigerschen und anderer großen Fabriken, die der National« baumaschinenanstalt, und lange Reihen von Handwerkern. Die Schrift st eller waren zum ersten Male hier vertreten, mit der Fahneninschrift„freie Presse". Dann folgten dir Künstler, zahlreiche Abordnungen auswärtiger Städte, von Charlottenburg, Potsdam, Spandc»u. Magde» bürg, Frankfurt a. O., Breslau und anderen Auch die deutschen Städte Braunschweig und Ham-burg hatten ihre Vertreter gesandt. Der Magistrat mit den goldenen etten geschmückt und sämtliche Stadtbehörden, mit allen Schulen der Stadt, die Gymnasiasten selbst mit Waffen und Fahnen, waren im Zuge. Wie den Anfang, so bildeten auch das Ende des Zuge� die Gewerke, große Abteilungen namentlich der Maschinenbauer. Als der Zug die Charlottenstraße hinab nach beer Linden zu bis zum Opernplatz gekommen war, wurde er mit einem Choral empfangen von den Mitgliedern der königlichen Swauspiele, der Singakademie und des DomchorS, die sich hier anschlössen. Von da ging der Zug über den Schloßplatz. Wie er am zweiten Schloßportal anlangte, trat der König, umgeben von seinen Ministern, auf den Balkon hinaus, er nahm den Helm ab und grüßte, und blieb so, denHelm imArm., stehen. bis die letzten Särge vorüber waren. Auch die Trauerfahnen auf und an dem Schlosse wurden feierlich grüßend vor den Toten gesenkt. Draußen vor dem Tore, auf der höchsten Stelle des Friedrichs- Haines war daS Grab gegraben, ein großes Viereck. Volkskämpfer, Mitstreiter der Gefallenen hatten es gegraben, keine bezahlte Hand hatte eine Schaufel dabei geführt. ES wurde ein freier Raum in der Mitte gelassen, um das zu errichtende Denkmal aufzunehmen. Ein Altar stand auf der Höbe des Friedrichshains. Aus der Mitte des Grabes erhob sich ein Mast mit dem verschleierten deutichen Adler und dem Wappen der Stadt Berlin. Unter dem Mast sah man Lorbeerzweige und Zypressen dicht verschlungen über dem Grabe. Sarg an Sarg. in doppelter Reihe, wurde eingesenkt in das gemeinsame Grab. Am Altar sprach der P r e d i g e r S y d o w die Gedächtnisrede. Er er- innertc daran, was die Gefallenen erkämpft, indem sie erreicht und mit ihrem Blute besiegelt haben, was ihre Väter rühm- voll im Jahre 1813 begonnen. Aus dem Grab herauf töne der Ruf:„Friede, Eintracht, Liebe I" und darum müsse mit Rührung und Dairk den aus beiden Seiten Gefallenen ein Andenken geweiht werden. Der Volksmann, Assessor Jung, sprach im Geiste der ent- schiedenen Volksfreunde. Der Bischof Neander segnete die Särge ein und die Schützengilde gab nach Kriegsgebrauch den Kampf» genossen drei Salven ins Grab. „Sie sind nicht umso n st ge starben. DaS Vater- land wird ihrer ewig gedenken!" So dachten, so agten fast alle. Für die Hinterbliebenen der Gefallenen übernahm der Staat zu sorgen; für die gefallenen ärgerlichen selb st legte die ganze Stadt auf vierzehn Tage Trauer an." Groß- Lichterfelde. Der Antrag wird darauf angenommen, ebenso ein Antrag, nach| gelder für die Beifiker, denen bei der Länge der Gerichtssitungen erklärte der wayiberjammlung zurzeryanto, saz St welchem die Armenärzte fortan den Titel„ Bezirksärzte" führen stets ein voller Tagelohn verloren gehe. 4 M. seien da zu wenig; zufinden habe. Unsere Genoffen sowohl im Bureau als auch sollen. 6 M. wären angemessen. Stadtrat Dr. Glücksmann und einzelne aus der Wahlversammlung, suchten den Gemeindevorsteher Angenommen wird ferner ein Antrag, worin der Magistrat Stadtb. Em meluth bestreiten die Notwendigkeit der Erhöhung, über die falsche Auslegung des Gesezes zu belehren, aber ber ersucht wird, in Erwägung zu ziehen, ob das Arzthonorar ent- während Stadtb. Conrad( Soz.) sie befürwortet. Mit Rücksicht geblich! Eine Einigung war nicht herbeizuführen und so sah sprechend den Leistungen nicht zu erhöhen sei. Stadtv. Molten auf die vom Stadtrat in Aussicht gestellte spätere Vorlage werden sich der Gemeindevorsteher genötigt, die Verkündigung des Resultats buhr( Soz.) weist bei dieser Gelegenheit darauf hin, daß den wir so führt Redner aus jedoch unseren Antrag zurückstellen auf den nächsten Tag anzuberaumen. Krankenkassen immer der Vorwurf gemacht wird, daß sie die Aerzte und abwarten. Für Veranstaltung volkstümlicher Borträge in Am Abend darauf mußte auch der Gemeindevorsteher von schlecht bezahlen. In der städtischen Gemeinde wird aber noch Rirdorf werden 600 M. neu in den Etat eingestellt. Die für den Lankwiß sich zu der Ansicht unserer Genossen bekennen und er ber ganz bedeutend schlechter bezahlt, und gerade die Parteien, die den Oratorien- Verein als Beihülfe ausgeworfenen 300 M. will Stadtv. kündete, daß unsere beiden Genossen gewählt seien, welche FestKrankentassen diese Vorwürte machen, halten an dieser schlechten oppe( Soz.) gestrichen wissen, da er darin eine einseitige Bestellung von den Versammelten mit lebhaftem Bravo aufgenommen Bezahlung fest. vorzugung eines Vereins gegenüber anderen gleichwertigen erblickt. wurde. Nach diesem, uns von Lankwißer Genoffen zugegangenen Nach Annahme des Antrages des Etatsausschusses, zwei Er sowohl als auch Stadtv. Conrad( Soz.) rügen auch die HerabSpezialärzte für die Armenpflege anzustellen, wird sodann der sehung der Pflichtstundenzahl des Dirigenten des Oratorien- Vereins Bericht wären also unsere Vertreter, entgegen der vor einigen ganze Etat genehmigt. Die Einnahmen desselben betragen 120 210 in seiner Eigenschaft als Lehrer. Die Beihülfe wird mit 26 gegen Tagen gemachten Meldung, als definitiv gewählt zu betrachten. 21 Stimmen bewilligt. Mark, die Ausgaben 388 350 Mart. Auf eine Anfrage des Stadtv. Hoppe Damit ziehen zum ersten Male zwei Sozialdemokraten in die LantBeim Etat der Hochbauverwaltung, der in Einnahme( Soz.) erklärt der erste Bürgermeister Kaiser den hohen Betrag wizer Gemeindevertretung ein. und Ausgabe mit 4 225 000 Mart abschließt, entsteht ein Streit zur Verfügung der Stadtverordneten- Versammlung dahin, daß über den Blaz für das neu zu erbauende Armen- und Siechenhaus. man gewappnet fein wolle gegen die Schädlichkeiten des neuen Die bürgerlichen Herren fühlten sich dadurch beunruhigt, daß jeder Polizeifoftengesetes. Dieses bedeute einen Eingriff in die Selbstfür sich befürchtete, das Armenhaus werde in dem von ihm be- verwaltung und daher habe sich auch Nirdarf der Petition dagegen wohnten Bezirk errichtet werden. Der Vertreter des Magistrats angeschlossen. beruhigte aber die Gemüter, indem er erklärte, daß das Armen- teitssteuer hervor. Die Stadtvv. Hoppe( Soz.) und Gröpler Der Steuerplan ruft eine längere Debatte um die Luftbarhaus voraussichtlich außerhalb der Weichbildgrenze Schönebergs er- plädieren für Beseitigung derselben. Stadtrat Mier und BürgerBei der Kanalbauverwaltung wird über das Sub- meister Kaiser ersuchen, von einer Aenderung des Steuerplans missionswesen Beschwerde geführt. In der Debatte zeigte sich, daß ieht abzusehen, da eine Reform desselben im Hinblick auf die immer größer werdenden kommunalen Aufgaben demnächst vorzuvon der städtischen Verwaltung alle Mittel angewendet werden bereiten sei. Stadtv. W utky( Soz.) stellt fest, daß diese zugefagte müssen, um den Ausbeutungsplänen der Unternehmer nicht zum Reform lediglich seine Freunde davon abhalte, den geplanten AnOpfer zu fallen. Mit Recht wies der Stadtv. Bäumler( oz.) trag auf Einführung der Wertzuwachssteuer zu stellen. Die Abdarauf hin, daß es hiergegen nur ein wirksames Mittel gebe, das stimmung ergibt die Ablehnung der vom Magistrat beantragten wäre die Ausführung der Arbeiten in eigener Regie. Erhöhung der Brausteuer für einheimische Biere von 50 auf 65 Pf. per hektoliter; die Lustbarkeitssteuer wird beibehalten. Bor Schluß der öffentlichen Beratungen stellt die Versammlung auf Antrag Just einstimmig fest, daß sie an eine Namensänderung für Rigdorf nicht dente. Erster Bürgermeister Kaiser erklärt unter Beifall das gleiche seitens des Magistrats. Den bezüglichen Gerüchten dürfte damit ein Ende gemacht sein. richtet wird. Dem Wohlfahrtsetat, dessen Einnahmen sich auf 10 000 Mark und dessen Ausgaben sich auf 106 765 Mark belaufen, wird ohne wesentliche Debatte zugestimmt. Neu eingesetzt werden auf Antrag des Ausschusses: 5000 Mark Beitrag an die Schöneberger Rettungswache und je 100 Mart an die freiwillige Sanitätsfolonne und an den Arbeiter Samariterverein. Ein Antrag der liberalen und sozialdemokratischen Fraktion betr. Einrichtung eines Ferienheims für Lehrer, Beamte und Arbeiter wird dem Magistrat mit dem Ersuchen überwiesen, zu prüfen, ob sich eine solche Anstalt selbst erhalten könne. Weiter soll der Magistrat in Erwägung ziehen, ob eine Schulzahnklinik zu errichten oder ein Schulzahnarzt anzustellen sei. Gegen den Antrag des Ausschusses, den Leiter der Wohlfahrtspflege, Sanitätsrat Dr. Rabnow, auf 12 Jahre anzustellen, war von der rechten Seite der Versammlung Einspruch erhoben, worauf die Angelegenheit für die nichtöffentliche Sigung vertagt wurde. Beim Etat des Krankenhauses empfiehlt der Ausschuß, den Magistrat zu ersuchen, die Säße für Kur- und Verpflegungskosten den gesteigerten Preisen der Lebensmittel entsprechend zu erhöhen. Unsere Genossen Küter und Magnan treten diesem Antrage entgegen, indem sie darauf hinweisen, daß sich das Schöneberger Krankenhaus durch diese Erhöhung der Säbe isoliere. In der ganzen Umgebung werden noch die alten Säße erhoben. Das Krankenhaus habe die Pflicht, in hygienischer Beziehung zu wirken, und dafür müsse die Stadt eben Opfer bringen. Man soll nicht da, wo die Schultern der Aermsten getroffen werden, Erhöhungen eintreten lassen, das wäre ein ungerechtfertigter Grundsatz. Während Stadtv. Bismard( Lib. Fr.) diesen Ausführungen beipflichtete, traten die Stadtv. Kuß ntzky( Lib. Fr.) und Linicus( Unabh. Vg.) für die Er höhung der Säße ein. Mit 25 gegen 15 Stimmen wird sodann der Antrag, die Säße zu erhöhen, angenommen. Dafür stimmt auch ein Teil der liberalen Fraktion. Der Etat wird darauf genehmigt. Die Einnahmen betragen 242 938 Mart, die Ausgaben 388 350 Mart. Rixdorf. W In längerer geheimer Sizung am Freitagabend wurden die Beamten- und Lehrergehälter mit wenigen Menderungen genehmigt. Der Gesamtetat fand damit am Freitag in später Stunde feinen Abschluß. Arbeiter- Samariter- Kolonne. Donnerstagabend 9 Uhr, 5. Abteilung, Bergstr. 151/152, Vortrag über Verbrennungen und Erfrierungen mit nachfolgenden praktischen Uebungen. Neue Mitglieder in dieser Abteilung noch eintreten. Charlottenburg. Ruhe ist die erfte Bürgerpflicht. An diesen Grundsatz wurde am bergangenen Mittwoch ein hiesiger Einwohner unsanft ermahnt, obwohl er glaubte, denselben auch nicht im entfernteſten verlegt zu haben. Herr Klee, so heißt der Bürger, ging am genannten Abend die Wilmersdorfer Straße entlang, als ihn an der Bismarckstraße von hinten ein Bekannter mit dem Schirm auf den Hut tippte. Erschrocken hierüber stieß er einen Laut aus, doch im nächsten Augenblick sah er sich auch schon von Schußmannshänden gepackt, wobei ihm der Wächter der Ruhe in nicht mißzuverstehender Art begreiflich machte, daß er sich abends um 8 Uhr ganz ruhig auf der Straße zu unterhalten habe. K. konnte sich nicht erklären, was den Beamten zu diesem Diensteifer veranlaßte, er betonte deshalb, daß kein Grund vorliege, ihn zur Ruhe zu ermahnen, da er sich überhaupt nicht laut benommen. Daß er nicht mit auf die Wache genommen wurde, verdankt er dem Zufall, daß er dem Schußmann persönlich bekannt war; er ist nämlich zu einem Termin gegen den Schußmann als Beuge geladen. Daß diese Tatsache ein Anlaß war, den Beamten gegen. so außerordentlich empfindlich zu machen, ist wohl schwerlich anzunehmen. Ein gebildeter Jüngling. In Groß- Lichterfelde haben bei der Gemeindewahl unsere Parteigenoffinnen mit unermüdlichem Eifer und außerordentlichem Geschick sich an der Wahlarbeit beteiligt und tragen. Leider ist es vorgekommen, daß eine unserer Genossinnen, damit zum Wachstum unserer Stimmenzahl ihr redlich Teil beiges die vor dem Wahllokal Kyllmannstraße( Borcherts Kasino) als Stimmzettelberteilerin ihre Pflicht erfüllte, Weise angeflegelt wurde. Stimmzettelverteilerin ihre Pflicht erfüllte, in beschämendster als ein den„ besseren Kreisen" angehöriger Herr dem Wähler nach Sie hatte eben einem Wähler einen Stimmzettel eingehändigt, eilte, ihm den Stimmzettel abnahm und zu zerreißen suchte. Die Genossin, die den Vorgang bemerkte, stellte den Betreffenden sofort fäffige einer solchen Handlungsweise aufmerksam. Bei dieser Auszur Rede und machte ihn energisch auf das Ungehörige und Unzuund bot der Genossin Bad pfeifen an. einandersetzung fam ein junger Mann hinzu, mischte sich hinein Dieser junge gebildete Mann war der Kammergerichtsreferendar Karbe in GroßRichterfelde, Zehlendorfer Straße, ein Mitglied jener Gesellschaftsflasie, die zu den bevorzugten des preußischen Dreiklassenwahlrechts gehört. Wie wird diese feine Blüte preußischer Justiz einst in Amt und Würden über die Noheit der niederen Volksklaſſen au etern wissen. Weißenfee. VerNach dem Geschäftsbericht des Gewerbegerichts für das Jahr 1907 wurden im ganzen 321 Klagen erhoben, vom Vorjahre unerledigt waren 9. Von diesen wurden 322 erledigt. Von den Klagen sind erhoben worden von Arbeitern gegen Arbeitgeber 300, von Arbeitgebern gegen Arbeiter 28, zwischen Arbeitern des. selben Arbeitgebers 2. Der Wert des Streitgegenstandes betrug bis 20 m. bei 150 Klagen, von 20-50 m. bei 94 Klagen, von 50 bis 100 m. bei 53 Slagen, mehr als 100 m. bei 18 Klagen. Klagen, bei denen der Wert nicht festgestellt wurde, find 10 erhoben. Die höchste Klagesumme war 660 M., die geringste 50 Pf. Von den Streitigkeiten sind erledigt durch Zurücknahme 47, gleich 145, Anerkenntnis 39, rechtsfräftiges Versäummisurteil gegen Kläger 4, gegen Beflagte 24, Endurteil 40, Ruhenlassen 16. Wegen Unzuständigkeit wurden abgewiesen 7; Berufung wurde eingelegt in 2 Sachen. Erledigt sind von den Klagen in der Zeit von weniger als 1 Woche 144, 1-2 Wochen 79, 2 Wochen bis 1 Monat 58, 1-3 Monaten 39, mehr als 3 Monaten 2. Es ergingen Beweisbeschlüsse 100, Beugen und Sachverständige gelangten 70 zur Ver nehmung. Als Einigungsamt trat das Gewerbegericht nicht in Tätigkeit. Abgehalten wurden insgesammt 63 Termine. wurden verhandelt in Terminen vor den Vorsitzenden allein 42, unter Zuziehung der Beifizer in 21 Terminen. Spandau. Davon Wildau- Hoherlehme. In der geftrigen Gemeindevertretertvahl wurden unsere Kandidaten Otto Schumann als Ansässiger mit 184 Stimmen gegen den bürgerlichen Gegenfandidaten Lehmann, der 101 Stimmen erhielt, und Genosse A. Tänzer mit 129 gegen 109 Stimmen, die auf einen Herrn Stramer fielen, gewählt. Witterungsübersicht vom 17. März 1908, morgens 8 Uhr. Stationen gamburg Barometer. Band mm Bind. cichnung Bing Corle Better Temp. n. Staffonen Barometer. fland mm Bind. cichtung 766 DSD 2 halb bb.- 2 Haparanda 756 N 0 Petersburg 763 S 2 bedeckt 765 DSD 765 DSD Better Temp. n. C. 63 4 wollig 761 WSW 3 wolfig 761 SGD 2 bedeckt 762 S 2 bedeckt 1 bedeckt -7 7 8 1 Der von unseren Genossen über das Seißsche Lokal verhängte Bor ausverkauftem Hause fand am Sonntag, den 15. März, das Boykott soll, wie das Spandauer Tageblatt" zu berichten weiß, Stadtverordneten- Bersammlung.( Beratung des Haushalts- 3. Schwimmfest des Vereins Freie Schwimmer" Charlottenburg gegenstandslos geworden sein, weil der Militärfiskus mit Herrn Boranschlags.) Das Kapitel„ Armen- und Waifenpflege" ruft hef- statt. Mit regem Interesse wurden die einzelnen Wettkämpfe der Seiß einen Vertrag abgeschlossen hat, wonach der große Saal vom tige Debatten hervor. Stadtv. Böste( Soz.) hält die Pflegegelder folgt. Die Jugendstafetten wurden von der 1. Mannschaft der Freien 1. April d. Is. ab für die zu den königl. Werkstätten kommanfür Waifen in hiesigen und auswärtigen Pflegestellen für zu Schwimmer überlegen gewonnen. Die Einlage der Damenabteilung dierten Mannschaften als Schlaffaal eingerichtet wird. Die kleineren niedrig und beantragt Erhöhung derselben monatlich um 3 M. Die der Freien Schwimmer",„ Die Lorelei" fand allgemeinen Beifall. Im Räume, Garten, Kegelbahnen und Küchenräumlichkeiten bleiben als Teuerungsverhältnisse bereiten den Pflegeeltern Schwierigkeiten Bafferballspiel waren beide Mannschaften der Freien Schwimmer" Restaurationsräume bestehen. Ein Beschluß der Organisation, daß und bedingen eine Aufbefferung. Dagegen sprechen sich die Stadtbb. zum ersten Mal am Start; es siegte die Jugendmannschaft gegen der Boykott keine Geltung mehr hat, liegt vorläufig noch nicht vor. Belz, kohe, Bernitow, Noster und Rosenow aus, Männermannschaft mit 3: 2 Goals. δα wie fie behaupten die Rigdorfer Kinder meist bei gutfituierten Leuten auf dem Lande untergebracht seien, welche aus Charlottenburg. Die Sammelliste Nr. 115 für örtliche WahlNächstenliebe die Pflege übernehmen und noch nie Anträge auf Er- amede, auf welcher 2,00 M. gezeichnet waren, ist berloren gegangen. höhung der Entschädigung gestellt hätten. Stadtv. Conrad Wir bitten, diese Liste bei event. Vorzeigung anzuhalten. ( Soz.): Die Säße müssen erhöht werden; denn unter den Pflege= Der Vorstand. eltern sind viele fleine Leute. Auch die Bekleidung unserer Waisen ist mangelhaft; fie erhalten solche nur einmal. Das ge- Lankwiz. nügt nicht Berlin, Schöneberg und Charlottenburg fleiden die Kinder alljährlich neu. Der Antrag wird nach einer kurzen Replik Was im Kreise Teltow alles passieren kann. Am 11. d. Mts. des Antragstellers gegen die Stimmen der sozialdemokratischen fanden am hiesigen Orte die Gemeindewahlen der 3. Wählerklasse Schon seit Wochen Fraktion abgelehnt. Der Betrag für die städtische Säuglings- ftatt, welche sich sehr interessant gestalteten. fürsorge wird von 4000 auf 7000. auf Vorschlag des Magistrats entfalteten die Gegner eine fieberhafte Tätigkeit unter Hinzuerhöht. Eine weitere Vorlage des Magistrats will dem Frei- ziehung einer Autorität des Reichslügenverbandes, der den hiesigen willigen Erziehungsbeirat eine Summe bon 2500 M. zur Errich- Ort als geeigneten Boden betrachtet, die Samenförner der Lüge tung eines Bolfskindergartens zur Verfügung stellen. Für den auch über Lantwit auszustreuen. Durch Gründung von allen Kindergarten ist beabsichtigt, das von der Stadt angetaufte möglichen Vereinen hatte man einen Lantwißer Block zusammenStraubsche Grundstück( Ecke Berliner und Münchener Straße) zur geleimt, der aber nicht über den nötigen Halt verfügte und schon Verfügung zu stellen, dessen schöne Gartenanlage nebst Terrasse bei der Gemeindewahl bedenkliche Risse erhielt. Ihr Hauptaugenfich vorzüglich dazu eignen würde. Der Rechnungsausschuß hat mert hatten die Gegner, durch die Erfahrung gelegentlich der letzten 5minembe diese Lösung der Plakfrage abgelehnt. Stadt Bagels( Soz.) er- Gemeindewahl gewißigt, auf die Zusammensetzung des Bureaus ein Hinter verschlossenen Türen hatte die Blockbrüder- Frants.a M 762 NO sucht, dem Ausschuß nicht zu folgen; denn es sei schade, wenn das gerichtet. Grundstück brachliegen bleibe. Die in der Vorberatung ange- gemeinde in allerlei bombastischen Reden ihr Treuegelöbnis gegeben, München führten Gründe sind nicht stichhaltig. Man fürchte wohl nur, daß am Tage der Wahl pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Als Bien später dauernd ein Grundstück überlassen werden müsse. Dieser unsere Genossen kurz vor Beginn der Wahl in einer Stärke von eigentlich selbstverständlichen Pflicht wolle man sich aber von vorn etwa 130 Mann erschienen, war die Sozialistentötergesellschaft herein entziehen. Die folgenden Ausführungen des Stadtv. erst etwa 50 Mann start. Bergeblich schauten die Blockfeelen nach Binden. Abraham rekapitulieren in der Hauptsache die merkwürdigen der Tür, es tam aber feine Hülfe. Kurz vor Beginn der WahlGründe des Rechnungsausschusses, bestätigen aber sonst die Schluß- handlung bersuchte der Gemeindevorsteher Dillges in seiner Eigenfolgerungen des Vorrebners. Stadtv. Conrad( Soz.) tritt für fchatf als Wahlvorsteher ein Kompromiß herbeizuführen, indem Ueberlassung des Grundstücks zu dem gedachten Zweck ein. Auch er den Gemeindesekretär einerseits und einen unserer Kandidaten die schwerreiche Vereinsbrauerei sollte den brachliegenden hinteren andererseits als Beifizer vorschlug. Einer unserer Genossen machte Teil ihres Gartens der Jugend als Tummelplatz überlassen. Stadt- den Anwesenden klar, daß wir auf Grund der wenigen Machtrat Dr. Weinreich spricht noch für die Magistratsvorlage, doch befugnisse darauf bestehen, das unsere vorgeschlagenen Genossen in einer Form, die einem Rückzuge verzweifelt ähnlich sieht. Er das Bureau bilden. Nachdem die beiden sich bildenden Parteien flagt u. a., daß die von den Sozialdemokraten an den Wohlfahrts- gesondert waren, gehörte wirklich nicht viel dazu, um mit einem einrichtungen geübte Kritik nicht sehr ermutige. Die Mehrheit Blick zu übersehen, daß unsere Genossen in der Mehrheit waren, quittierte darüber, indem sie die Ueberlassung des Grundstücks ab- aber der Herr Wahlvorsteher schritt dennoch zur Auszählung. Der lehnte. Die Armen-, Waisen- und Wohlfahrtspflege erfordert Wahlvorsteher, welcher vor der Wahl erklärt haben soll, nicht wieder einen Zuschuß von 350 300 M. mit Sozialdemokraten am Wahltisch zu fißen, fügte sich, wenn auch fichtlich erregt, in sein Schicksal. Hierauf begann die Stimmenabgabe, welche gleich zu Anfang ziemlich stürmisch einsetzte. Inzwischen jagte das von den Gegnern bereit gehaltene Automobil, fowie einige andere Vehikel, durch ganz Lankwib, um die säumigen Zum Kapitel Allgemeine Verwaltung" hat der Rechnungs- Blockbrüder heranzuholen; kurz alle möglichen Anstrengungen ausschuß beschlossen, den Magistrat um Verhandlung mit der wurden gemacht. Um etwa 9 Uhr wurde die Wahlhandlung geStraßenbahngesellschaft zu ersuchen zweds freier oder ermäßigter schloffen. G3 waren zwei Kandidaten zu wählen. Auf zwei der Fahrt auf bestimmten Linien für die Mitglieder der Versamm- bürgerlichen Kandidaten entfielen je 210 Stimmen, auf einen lung. Maßgebend hierfür waren die mit dem städtischen Ehren- Sonderkandidaten 35 Stimmen, auf unsere beiden Genossen 263 amt berbundenen erheblichen Unkosten. Dem Beschlusse tritt die und 264 Stimmen. Nach diesem Ausfall stand fest, daß unsere Versammlung einstimmig bei. Beim Titel Gewerbe- und Kauf- Genossen den Sieg davongetragen hatten. Aber sie hatten die mannsgericht beantragt Stadtv. Bagels( Soz.) erhöhte Tage- Rechnung ohne den Lankwizer Gemeindevorsteher gemacht. Dieser wird voraussichtlich noch wenig steigen. Das Kapitel„ Krantenpflege" enthält eine Vorlage des Magistrats, welche die Erhöhung der Zahl der Krankenhausärzte bezweckt. Die Versammlung genehmigt dies. Der Zuschuß für diesen Verwaltungszweig beträgt 66 300 m. Schutz gegen Influenza! 762ND 2 molten!-2 Scilly 1 Schnee 0lberdeen 4 wolten!-3 Baris 765 SD 2 bedeckt 0 Wetterprognose für Mittwoch, den 18. März 1908. Kühl und ziemlich trübe mit Niederschlägen und frischen östlichen Berliner Wetterbureau. Wafferstands- Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt Dom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Zilfit Bregel, Insterburg weichiel, Thorn Oder. Ratibor Strossen Frankfurt Warthe, Schrimm Landsberg Neze, Bordamm Ibe, Reitmeriz . Dresden Barby Magdeburg am feit 16. 3. 15. 3. cm cm ¹) 5313) +1 am ſeit 16. 3. 15. 3. Bafferstand cm cm³) Saale, Grochliz 224-19 3714)-24 Havel, Spandau) 166+3 500)+24 Rathenow³) 180-4 218-20 Spree, Spremberg) 122 Beeskow 0 215 壽 ieser, Münden 108 261 +1 252 252 -8 274 127 92 -2 323 222 Minden Rhein, Marimiliansau 400 Kaub 294 Köln 416 40 Nedar, Heilbronn 142 258 -20 200-31 Eisstand. Grundeis. Die Weichsel Main, Wertheim 278+3 Mosel, Trier )+ bedeutet Wuchs, Fall. 3) Unterpegel. Heute um 6 Uhr morgens 534 cm bei Gisstand. Gestern mittag 504 cm, beute vormittag 516 cm. Die Influenza ergreift nur diejenigen, deren Blut resp. Blutkorporohen nicht stark genug sind, um siegreich den Kampf gegon die eindringenden InfluenzaBazillen aufzunehmen. Die Wallung des Blutes muss stärker sein, die Herztätigkeit erhöht werden; doshalb trinke man, Stunde vor jeder Mahlzeit, also vor dem 2ten Frühstück, vor dem Mittag- und Abendessen je%, Glas Santa Lucia Kraft- Rotwein. Derselbe wirkt heilsam auf den ganzen menschlichen Organismus. Rauchen Sie Phänomen Cigaretten! 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