Nr. 68. Abonnements- Bedingungen: bonnements. Preis pränumerando? Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 fg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Bost- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich außer Montags. für Vorwärts Berliner Volksblaff. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel. geile oder deren Raum 50 Bfg., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 fg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Bort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Big., fedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die Debatte über die Arbeitslofenvorlage. London, 15. März. Freitag, den 20. März 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Bilder, die sie sich von der kapitalistischen Gesellschaft machen, ver- bereits auf einem Niveau, daß, wenn sein Nachfolger wieder unziert werden. Eine Arbeitslosenvorlage ist ein Windstoß gegen im gleichen Maße an Befähigung zurückbleiben sollte, er ungedie Illusionsschlösser, die die Verteidiger der kapitalistischen Gesell fähr auf jener Höhe der Leistungsfähigkeit stehen dürfte, wie schaft bauen. Findet die gegenwärtige Regierung kein Mittel zur in England die vierte oder fünfte Diplomatengarnitur. Und Erleichterung des Arbeitslosenübels, so berurteilt sie sich zur dieser Qualifikationsverminderung entspricht die Stellung Machtlosigkeit. Ich gebe zu, daß es heute keine Lösung der Arbeits- Preußen- Deutschlands im Konzert der Mächte. Die lediglich Losenfrage gibt, da diese mit dem ganzen Problem der heutigen plöglichen Impulsen folgende romantische ExperimentierGesellschaftsordnung verknüpft ist. Die Lösung kann nur gefunden biplomatie seiner verantwortlichen und unverantwortlichen Wenn auch Margens Name jetzt viel öfter und mit viel werden in einer Gesellschaftsordnung, die den Leiter hat Deutschland glücklich zu einer völligen folierung größerer Achtung in England genannt wird als früher und der Arbeitern das Produkt ihrer Arbeit gibt und für geführt. Trotz der Bedeutung seiner Waffenmacht und sozialistische Gedante eine Proletarierschicht nach der anderen fast sogenannte„ Gentlemen" feinen Platz hat. Aber es ist unsere feiner wirtschaftlichen Entwickelung wird das Deutsche mühelos durchdringt, so wird doch die soziale Frage hier anders Pflicht, anzuerkennen, daß die Frage der Arbeitslosigkeit existiert Reich in der internationalen Diplomatie als faum formuliert, als auf dem europäischen Festlande. Die letzten Hefte und eine Antwort Heischt. Die konservative Regierung hat der Beachtung würdige Quantität betrachtet. Selbst der Fortnightly Review" enthielten mehrere Artikel, in denen wenigstens die Frage bejaht. Damals( im Jahre 1905) fagte der Desterreich, bisher noch der einzige Staat, der Deutschland in hechgebildete bürgerliche Politiker ihrem ti, en Unbehagen Aus- heutige Präsident der Lokalregierung( John Burns), die Vorlage auswärtigen politischen Fragen manchmal unterstützte, bedruck gaben über die geistige Umwälzung, die sich in sozialpolitischen sei ein Automobil ohne Petroleum". Als er aber zur Macht kam, ginnt, seit es sich durch die Erledigung der inneren WahlDingen sichtbar vollzieht. Und die von der" Westminster Gazette" hat er, anstatt fürs Petroleum zu sorgen, das Automobil zer- rechtsfragen gekräftigt fühlt, den lieben Nachbar als Tölpel unlängst veranstaltete Untersuchung über die Diskussionsgegen schlagen. Und ich wundere mich darüber gar nicht. Ein Minister anzusehen, wie das jüngste Auftreten Desterreichs mit eigenen stände in den großen Arbeiterklubs enthüllte die lehrreiche Tatsache, einer liberalen Regierung konnte gar nicht anders handeln. Das Bahnprojekten auf der Balkanhalbinsel unter Ignorierung der daß die Arbeiter überall sozialistische Themata allen anderen Fragen Problem, mit dem wir uns beschäftigen, betrifft nicht die Pro- deutschen Ansprüche beweist. borziehen. Freihandel und Schutzzoll, Homerule und Zentralisation, duftion, sondern die Verteilung des Reichtums. Und wo es sich um Religion und Unglaube und ähnliche politische Ladenhüter er die Berteilung des Reichtums handelt, müssen die Arbeiter sich auf tveden in Arbeiterkreisen wenig oder gar kein Interesse. Aber ihre eigene Straft verlassen. Da liegt ihre Mission; sie sollten ebensowenig fümmert man sich da um theoretische Debatten über nicht glauben, daß die Arbeitslosenfrage so schwer zu lösen sei. Sie den Sozialismus. Wollte man mit wenigen Worten sagen, worin ist nur eine Geldfrage. Und in den berstenden Säcken der unverder Umschwung im sozialpolitischen Denken der intelligenten dienten Einkommen, an die die Regierung zu rühren fürchtet, gibt Arbeiter und bürgerlichen Politiker besteht, so könnte man sagen, es genug Mittel, den Hunger des Volkes zu bannen." daß sich bei ihnen die Ueberzeugung Bahn bricht, die Armut Die Rede Graysons peitschte John Burns auf. Er sang sei nicht notwendig; die menschliche Arbeit sei ergiebig genug und der menschliche Geist bereits start genug, um dem mas teriellen Glend ein Ende zu machen. Und das materielle Glend wird hier vor allem am tiefſten empfunden durch das Borhanden. sein von Arbeitslosen, die, wie statistisch nachweisbar, ohne ihre persönliche Schuld ins Elend geraten sind. Der erste Verfuch allerdings ein sehr schwacher Versuch-, diesem Uebel näher zu treten, wurde im Sommer des Jahres 1905 von der letzten konservativen Regierung gemacht. Sie sette eine Unemployed Workmen Act durch, die im Prinzip die Berantwortlichkeit der Gesellschaft für die Arbeitslosigkeit anerkannte und cinen Verwaltungsapparat schuf, die Arbeitslosen und die lokalen Störperschaften aneinanderzubringen. Die Schwäche dieses Gesetzes bestand erstens darin, daß es keine normalen Finanzquellen eröffnete, sondern an die öffentliche Wohltätigkeit appellierte; zwei tens, daß seine Geltungszeit auf drei Jahre beschränkt wurde. Als die Wahlen vom Januar 1906 eine Arbeiterfraktion ins Unterhaus brachten, bewilligte die liberale Regierung 200 000 Pfund Sterling zur Ausführung des Gesetzes, aber Mr. John Burns, in dessen Kompetenz das Gesez fiel, zeigte wenig Neigung, an die Arbeitslosenfrage ernst heranzugehen. Die Arbeiterfraktion geriet des. halb oft mit ihm in Konflikt, was die Kluft zwischen dem ehe. Aber hat Bülows Diplomatie bei auswärtigen Politikern, die sie nicht nach ihrem weltmännischen Getänzel, sondern nach ihren Erfolgen beurteilten, seit langem nur Spott gewedt, so glaubte man doch, daß im inneren Staatsleben Preußens alles gut bestellt sei. Die blockpolitische Fortwurstelei ohne Sinn und Ziel, die feruellen Offiziersprozesse der letzten Zeit, Bülows Rede am 10. Januar im eine Lobeshymne auf die humane Politik des Liberalismus und Abgeordnetenhause und die darauf am 12. und 21. Januar folgenden blutigen Polizeiangriffe auf friedliche Wahlrechtsauf die Wohltätigkeit Englands im allgemeinen. Er meinte ferner, bemonstranten, das totale Fiasko der preußischen Bolender ganze Trade Unionismus ginge zugrunde, wenn die Arbeits- politik und die von der Regierung ergriffene Maßregel Losenvorlage angenommen würde; ebenso würde ein berartiges zwangsweiser Enteignung polnischer Grundbefizer haben Arbeitslosengesetz die Arbeiter demoralisieren; sie würden glauben, jeboch biefe gute Meinung sehr forrigiert und das Anihre Pflicht getan zu haben, wenn sie sich als Arbeitslose sehen des preußischen Regiments im registrierten. Die Vorlage sei utopistisch, unpraktisch und deshalb Die Polizeiattacken des schwer kompromittiert. au verwerfen. Burns Rede wurde oft von den Arbeiterabgeord. 18. März werden diesen Ruhm Preußens neten durch scharfe Zurufe unterbrochen. Jowell rief ihm" Hum. im Auslande berbollständigen. Es fehlt bug!" au; Gebots rief, Burns spreche die unwahrheit; Curran ett nur noch, daß die Regierung bei den meinte, die Arbeiterbewegung komme auch ohne Burns aus. nächsten Wahlrechtsversammlungen oder Nach dieser Rede dürfte es nicht mehr möglich sein, auch nur Demonstrationen Militär aufmarschieren und von einer Sympathie Burns für die Arbeiter zu sprechen. Die Aluft zwischen der englischen Arbeiterbewegung und Burns ist viel weiter als die zwischen dem französischen Sozialismus und Mille. rand. Es hat sich deutlich gezeigt, daß Burns nichts weiter als ein Phraseur ist. Preußische Regierungskunft. Wieder ist Blut in den Straßen Berlins geflossen. An es sich nicht zu versagen vermocht, den Gedenktag des Auslande auf das eigene Bolt schießen läßt, um jenen weifelhaften Ruhm Preußens auf die höchst erreichbare Stufe zu bringen. Wir haben gegen diese Bloßstellung Preußens durch sein Junkerregiment nichts einzuwenden; vielleicht ist auch sie eine der notwendigen Vorbedingungen eines zweiten Jenas der oftelbischen Junterherrlichkeit. maligen revolutionären Sozialdemokraten und den Arbeiter der Moltkebrücke wie in der Landsberger Afee hat sie Bolizei Ein blutiges Gefecht in Südwestafrika. bertretern nur erweiterte. Da das Gesetz im August dieses Jahres automatisch zu Ende 18. März durch blutige Attacken zu feiern und auf die Der südwestafrikanischen Schuttruppe ist es endlich gekommt, brachte vie Arbeiterfraktion eine neue Arbeitslosenvorlage einzelnen Trupps von Versammlungsbesuchern, die nach ihrer lungen, Simon Copper in der Kalahari zu überrumpeln ein, die von den linksliberalen Abgeordneten unterstützt wurde. Meinung ihrem Gebot, sich aufzulösen, nicht schnell genug und ihm schwere Verluste beizubringen. Die deutschen Wir gaben ihren Wortlaut vor einigen Tagen wieder; ihr Grund- Folge leisteten, mit dem Säbel einzuhauen. Die Polizei Verluste betrugen 14 Tote, 9 Schwer- und 8 Leichtverwundete. gedanke war, ein Recht auf Arbeit festzulegen, für dessen wußte durch ihre Spione, daß das Proletariat Berlins Die amtliche Meldung über das Gefecht lautet: plante; dennoch ließ sie Durchführung die lokalen Körperschaften in Verbindung mit dem feine Straßendemonstration die Versammlungsbesucher, die in den überfüllten Ministerium der Lokalregierung zu sorgen hätten. Versammlungssälen feinen Einlaß fanden und deshalb in Losen fleinen Trupps nach anderen Lokalen zogen, nicht ruhig ihres Weges gehen, sondern versuchte mit der ihr eigenen befannten Zurückhaltung die einzelnen Trupps, wie es im Polizeijargon heißt, zu zerstreuen". Fast scheint es, als wenn die Berliner Polizei, über deren Qualität selbst in gemäßigt- liberalen Blättern gespöttelt wird, beweisen wollte, daß, wenn auch ihre Findigkeit alles zu wünschen übrig läßt, sie doch ihre alte traditionelle Schneidigkeit zu konservieren verstanden hat. Begründet wurde die Vorlage von Mr. P. W. Wilson, dem parlamentarischen Korrespondenten der„ Daily News", der die Arbeitslosenfrage als eine der wichtigsten nationalen Fragen, betrachtete, der sich das Parlament nicht entziehen dürfe. Genosse J. R. Macdonald unterstützte die Vorlage und möchte von ihr nicht um ein Jota abgehen. Er sagte:" Hinter der Vorlage stehen die vereinigten Sträfte der Arbeiter. Die Arbeiterpartei ist entschlossen, ein Recht auf Arbeit zu proflamieren. Wir verkennen die Schwierigkeiten nicht, die mit der Durchführung der Es ist nicht nur eine höchst blamable Probe ihrer eigenen Berlage verbunden sind und werden darauf Rücksicht nehmen. Es ist heute allgemein bekannt, daß die moderne Industrie nicht ohne Güte, sondern des ganzen preußischen Staatsregiments, die eine Reserbearmee von Arbeitslosen bestehen kann. vorgestern wieder die staatliche Berliner Polizei geliefert hat. Jeder Dekonom, jeder soziologische Forscher tennt dieses Uebel, Wenn uns nicht die Opfer ihrer Schneidigkeit leid täten und das mit der Natur der bestehenden industriellen Organisation ver- wir eine Politit der Bosheit trieben, so fönnten wir versucht knüpft ist. Daraus ergibt sich aber die Notwendigkeit, die Lasten sein, diese Polizeiattacken mit einer gewissen Schadenfreude zu der Arbeitslosigkeit nicht auf einzelne der schwächsten Menschen zu betrachten; denn sie werden den Ruhm des preußischen Regiwerfen oder sie durch Wohltätigkeit erleichtern zu wollen, sondern ments im Auslande wiederum beträchtlich vermehren und durch§ III unserer Vorlage, der die Behörde verpflichtet, die ganz zweifellos in der großen ausländischen Presse dieReserbearmee zu beschäftigen oder zu ernähren. Auf Grund des selbe verächtliche Verurteilung finden, wie Bülows schöne Arbeitslosengesetzes vom Jahre 1905 wurden 87 000 Arbeitslose Rede im Abgeordnetenhaus am 10. Januar und die zwei Tage registriert, von denen 60 000 als unterstüßungswürdig anerkannt darauf in Berlin veranstaltete Niedermegelung friedlicher Wahlwurden, aber nur 36 000 tonnten einige Beschäftigung erhalten. rechtsdemonstranten. Das Ausland ist eben, mag auch in Wer unter uns ist kühn genug, derartige Zustände zu verteidigen? fremden Staaten manches faul sein, noch nicht dazu gelangt, Unter den jetzigen sozialen Verhältnissen wird den alten Armen in der rücksichtslosen Brüstierung des größten Teils der eigenen geholfen, indem man sie ins Arbeitshaus schickt. Warum sollen Bevölkerung und in der gewaltsamen Niederhaltung betvir teine Anstalten treffen, den Armen früher zu helfen? Die rechtigter Reformforderungen die höchste Stufe der StaatsKosten einer einzigen„ Dreadnought"( eines der modernsten Linien- tunst zu erblicken. schiffe) würden genügen, eine Reform des Arbeitslosenübels einzu. Seit Jahrzehnten hat Deutschland das Ansehen, das es leiten, und das Ergebnis wäre für die Nation viel nüßlicher." durch die Reichsgründung und die nachfolgende Periode Gegen die Vorlage sprachen zwei liberale Abgeordnete, die vor eines mächtigen industriellen Aufschwungs im Auslande bielen Jahren den Gewerkschaften angehörten, jeßt aber ganz im errungen hatte, nach und nach wieder verloren. Deutsches Dienste liberaler Kapitalisten stehen und das Recht auf Arbeit be- Wissen, deutsche Arbeit, deutsche Ausdauer werden auch heute kämpfen. Ihnen antwortete der walisische Bergarbeiterführer noch im Auslande hoch geschäßt; aber ein spöttisches Lächeln Brace, der die negative Kritik der Liberalen verwarf und jeden umzieht den Mund eines jeden gebildeten, mit deutschen Ver positiven Vorschlag der Sozialisten bewillkommnete. Sodann sprach hältnissen vertrauten Ausländers, wenn man von deutscher ein liberaler Bodenreformer gegen die Vorlage, worauf Genosse und besonders von preußischer Diplomatie spricht. Und mit Grayson mit einer Kampfrede für die Arbeitslosen eintrat. Recht. Jeder der letzten Reichskanzler stand als Staatsmann Er sagte: Biele in diesem Hause hassen die realistischen um einige Stufen niedriger als sein Vorgänger, und der jett Schilderungen der Arbeitslosigkeit, da dadurch die idealifierten die auswärtige deutsche Politit leitende vierte Kanzler steht ,, Berlin, 19. März. Nach einem Telegramm des Oberst Teutnants v. E storff griff das Expeditionskorps des Hauptmanns b. Grdert am 16. März die Werft Simon Coppers mitten in der Kalahari, etwa 100 Kilometer nordöstlich Geinab, an. Der Feind verlor an Toten 58 Männer; 7 Männer und einige Weiber wurden gefangen genommen. Simon Copper entlam im dichten Busch, der Rest der Werft zerstreute sich nach Süden und Südwesten. Hauptmann v. Erdert, Leutnant Ebinger und 12 Mann find gefallen, 9 Mann wurden schwer, 3 Offiziere, 5 Mann leicht verwundet. Das Expeditionstorps war in zwei Kolonnen von Goschas am 6., von Arahoab am 8., in der Gesamtstärke von 430 Weißen mit 4 Maschinengewehren und 700 Ramelen aufgebrochen. Am 11. ber einigte sich das Korps bei Geinab. Nach vier Tagen wurde zum erstenmal abgekocht. Die tägliche Wasserration für den Mann bes trug bei heißer und trockener Witterung erst zwei, dann einen Liter. Bei Geinab war das letzte Bleywasser gefunden worden; es reichte aber nicht zum Tränken der Kamele. Hauptmann v. Erdert hatte auf der Spur Simon Copper3 am Abend des 15. dessen Werft erkundet. Am 16. mit Tagesanbruch griff er die Werft mit zwei Detachements unter den Hauptleuten Grüner und Willete an, fiel jedoch gleich bei Beginn des Gefechts. Hauptmann Grüner übernahm das Kommando und befahl dem im Halbkreis um die Werft liegenden Expeditionsforps den ununterbrochenen Anlauf gegen den Feind. Dieser wurde zwei Stunden lang von Stellung zu Stellung geworfen, bis er vormittags halb acht Uhr feinen verzweifelten Widerstand aufgab und in regelloser Flucht nach Süden und Südwesten aus einander lief. Erbeutet wurden 29 Gewehre, zahlreiche Munition, eine fleine Herde Vieh sowie einige Pferde. Das Hottentottenkommando, das am 8. nördlich Koes eine Patrouille überfallen hatte, scheint bereits am 15. wieder bei Copper gewesen zu sein. Hauptmann Grüner geht zunächst zum Nossob zurück, weil er Waffer haben muß. Dort findet er das letzte sichere Wasser in Arahoab. Simon Copper ist schwer geschädigt, aber noch nicht endgültig beseitigt. Weitere Grenzbewachung und erneute Expeditionen bleiben nötig. Nach Meldung des Oberstleutnants v. Estorff muß die Leistung des Expeditionsforps als ganz hervorragende Waffentat bezeichnet werden. Mit dem tapferen und bewährten Führer Hauptmann b. Erdert verliert die Schutztruppe einen ihrer besten Offiziere." An der amtlichen Meldung ist verschiedenes auf- fallend. Erstens fehlt seltsamerweise jede Angabe über die Stärke des angegriffenen Feindes. ES wäre doch von Interesse, zu erfahren, wieviel Waffenfähige Simon Copper noch geblieben sind. Lluffallend ist ferner, daß die Copper- Leute zwar 58 Tote, aber anscheinend keinen einzigen Ber- ivnndeten hatten! Sollte es ihnen gelungen sein, alle ihre Verwundeten, auch die Schwerverwundeten, mitzu- nehmen— die Zahl der Verwundeten mußte im Verhältnis zu den Getöteten mehr als 1 an der Christlichkeit der Dernburgschen Politik hatte Herr Erzbergcr noch gelinde Zweifel. Herr Müller aus Meiningen war offenbar sehr peinlich davon berührt in seinem freisinnigen Blockherzen, daß die Zentrumskonkurrenz den Sohn der Börse den Armen seiner frei- sinnigen Freunde zu entreißen suchte, und richtete deshalb an Herrn Dernburg die flehentliche Warnung des getreuen Kultur-Eckart, nur ja sich von den Römlingen nicht umgarnen zu lassen. Sonst erging er sich in einigen beachtenswerten Ausführungen über di-- Notwendigkeit, die Eingeborenenrechte zu erforschen und festzu- stellen. Herr Dernburg folgte der Müllerschen Mahnung, die Distanz zwischen ihm selbst und dem neuen Freund Erzberger zu markieren, wodurch er denn ganz von selbst wieder der Liebertschen Auffassung über die Negcrausbeutung näherkam. Möglichst neutral zwischen den sämtlichen bürgerlichen Rich- hingen suchte sich der ci-devant Kolonialdirektor, Erbprinz zu Hohenlohe-Langenburg, duri�uwiuden, dessen Lebens- maxime es ist, niemals Anstoß zu erregen. Ein wahres Muster von Korrektheit dieser gute Prinz! Zwischendurch empfahl Herr v. Treuenfels einen konserva- tiven Antrag aus Errichtung eines Denkmals für die in Südwest- afrika gefallenen Krieger, was den üblichen patriotischen Applaus bei allen staatserhaltenden Elementen auslöste und Herrn D e r n- bürg das Stichwort gab, eine Depesche aus Südwestafrika zu ver- lesen, die einen„Sieg" über den einzigen bisher noch das Feld haltenden Hottentottenführer Simon Copper zu berichten wußte. Genosse Eichhorn wies mit einigen kräftigen Worten die alberne Verdächtigung des Herrn v. Treuenfels zurück, daß die Sozialdemokratie die deutschen Soldaten beschimpft hätte. Wir hätten vielmehr nur gegen die AusbeutungS- und Unterdrückungs- Politik Front gemacht, ließen aber keineswegs die einzelnen Sol- daten die Fehler der Politik entgelten. Dann erörterte Eichhorn eingehend die Eingeborenenpolitik der Regierung. Was Dernburg vorschlage sei keineswegs etwas völlig Neues. Sein Verfahren gegenüber den Eingeborenen beseitige nicht die Ausbeutung, sondern wolle nur an Stelle der wilden Ausbeutung die or- ganisierte Ausbeutung setzen. Stelle er doch nach seinen eigenen Worten die Neger als wertvolle Aktiven in Rechnung. Alle die Fürsorgcmaßregeln, die da ge- plant seien, hätten den Zweck, die Arbeitslraft des Negers erfolgreicher auszunutzen, als das mit den brutalen Mitteln der Liebert und 5wnsortcn möglich sei. Um die„Kultur", die da in die Kolonien getragen werden solle, sei es sehr windig bestellt. Erst solle man einmal wirkliche Kulturpolitik in Deutschland selbst treiben. Nunmehr erschien Herr Paaschs auf der Bildfläche, um ganz in dem Sinne, wie Semler und er selbst das in der Kom- Mission schon vorher getan hatten, den Staatssekretär in der satt- sam bekannten halb verschleierten Manier wegen seiner angeblich übergroßen Negerfreundlichkeit anzugreifen und Herrn v. Liebert in Schutz zu nehmen. Der Sinn dieses Vorstohes war dem ge- ämten Haufe, das mit gespannter Aufmerksamkeit zuhörte, voll- kommen klar. Es war die Kandidatenrede Paasches als Kandidat der agrarischen Fronde für den Posten des Kolonialsekretärs. Herrn Dernburg schien der Zweck auch völlig klar zu sein. Er beobachtete die Taktik, darzulegen, eigentlich bestehe zwischen Paasche und ihm selbst gar kein wesentlicher Unterschied. Wozu also der Lärm? Er werde mißverstanden. Die Plantagenbesitzer und Farmer drücke er alle mit gleicher Liebe an seinen Busen. Charakteristisch war bei diesen Ausführungen das Verhalten der [taatserhaltenden nationalen Parteien. Sie bezeugten durch ivachfende Unruhe und Geschwätz ihre Nichtachtung. Herr Dernburg hatte nicht mehr das Ohr des HauseS. In dieser Situation griff er zu dem bei nationalen Staats- männern beliebten Trick, plötzlich mit einem scharfen Ausfall gegen die Sozialdemokratie zu schließen, um den üblichen Beifall zu er- zwmgcn. Aber auch das mißglückte, da ein Zuruf von unserer Seite:„Das war aber mal ein schöner Abgang!" bewirkte, daß das Haus durch allgemeine Heiterkeit sein Verständnis für Dein- burgS Manöver kundgab. Die Debatte hatte noch ein eigenartiges Zwischenspiel ge- zeitigt. Bei der Rede Erzbergcrs hatte irgend jemand auf der Tribüne laut gelacht. Herr Gröber antwortete darauf mit einer groben Jnvcktive. Herr Müller- Meiningen aber fühlte sich gezwungen, als Mundstück der„Gesamtheit der Journalisten" dem Delinquenten noch eine Extrarüge mit seinem höchsteigenen Dichtermunde zu applizieren. Eichhorn wies diese Anmaßung gebührend zurück. Die Journalisten selbst verlangten vom Präsidenten Genug- tuung und traten, als sie ihnen nicht in angemessener Weise zu- teil wurde, um 6� Uhr in den Streik ein!— Aus dem Abgeordnetenhause. Die dritte Lesung des K u l t u s e t a t s im Dreiklaffen- hause gab zu der üblichen blockbrüderlichen Auseinander- setzung zwischen konservativen Dunkelmännern und liberalen Dämmerlingen Anlaß. Nirgends vertiefte sich die Diskussion und selbst der tragische Fall des Schülers Mathcus vermochte in dieser Atmosphäre kein reinigendes Gewitter zu erzeugen. Es versteht sich von selbst, daß die Freisinnigen, welche an sich berechtigten Beschwerden sie auch vorbrachten, überall auf der Oberfläche blieben. Am Schlüsse der Sitzung. fand sich der Studtblock zusammen und lehnte die von der Gesamt- linken beantragte Wiederherstellung des dem Holle zum warnenden Exempel gestrichenen Kreisschulinspektors ab, ob- wohl die um Zedlitz denen um Friedberg und Kopsch das Blockalmosen erwiesen, für ihren Antrag zu stimmen. Am Freitag wird die dritte Etatlesung fortgesetzt und soll sie beendet werden._ Die Vernichtung des kleinen Grundbefitzes. Herr v. P o dbielS ki, der in seiner Person so trefflich die feudalen mit den kapitalistischen Bcreicherungsmethoden zu verbinden wußte, äußerte sich in einen, Interview in folgender interessanter Weise über die Zukunft der Landwirtschaft: „ES ist meine feste Ueberzengimg, daß die Zukunft der deutschen Landwirlschaft im Großgrundbesitz ruht. Der kleinere Grundbesitz, nock mehr der mittlere, ist unbarmherzig an daS Elend der Landarbeiter not gefesselt. Der Groß- grundbesitz kann sich von diesem Elend durch Anwendung der n, odernen technischen Errungenschaften, namentlich der elektrischen Kraft, freimachen. Ich muß immer lachen, wenn ich noch den Landmann hinter dem Pfluge hergehen sehe. Bei mir sitzt der Knecht auf dem Pfluge, dem motorisch angetriebenen Pflng. Dagegen kann auch das Genossenschaftswesen nicht helfen. ES ist kein All- Heilmittel Mag cS sich auch vortrefflich bewähren, wo z. B. Molkerei- oder Kreditgenossenschaften in Frage kommen— es dem gemeinsamen Erwerb und Betrieb großer Maschinen nutzbar zu machen. ist ein Ding der Unmöglichkeit. weil sich in der Landwirtschaft beispielsweise das Be- dürfmS zu dresche» gleich»ach der Erute so häuft, daß man in einer Genossenschaft, die eine Dreschlokomobile der- wertet, nicht wüßte, wer die Maschine zuerst bekommen soll. ES muß doch jeder Genosse seinen Scheunenbau haben, um dort die Ernte sicherzustellen, während der Großgrundbesitz gleich frisch weg vom Erntefeld drischt und das gedroschene Stroh in Diemen aufstapelt, während er mit dem Verlauf des ErdruscheS ruhig die Konjunktur abwartet. Diese Ueberlegenheit ist durck nichts auszugleiche n." Man muß es Herrn v. Podbielski lassen, daß er, was an ihm lag, zur Förderung dieser Entwickelungstendenzen in der Landwirt- schaft getan hat. Der von ihm mit erstrittene Zolltarif begünstigt den Großgrundbesitz auf dem Gebiete, wo seine Ueberlegenheit am stärksten hervortritt, auf dem Gebiete dcS Getreidebaues, am meistcu und schädigt durch die Verteuerung der Futtermittel die klein- bäuerliche Viehzucht, das Rückgrat des landwirtschaftlichen Klein- und Mittelbetriebes. Herr v. Podbielski und seine Leute vom„Bund der Landwirte" dürfen sich wirklich rühmen, daß sie zur Vernichtung des Kleinbetriebes das ihre beigetragen haben. Nur schade, daß sie den armen Bauern so ganz anderes erzählen.— „Saubengels". Als in der Reichstagssitzung vom Donnerstag Herr Erzberger in trivialem Pathos ausrief, daß auch"der Neger eine„unsterbliche Seele" habe, erscholl auf einer ter Tribünen Lachen. Ob die Heiterkeit des oder der Lacher mm Herrn Erzbergers Schmierenpathos, der„unsterblichen Seele" im Allgemeinen oder der einem Neger zugeschriebenen unsterblichen Seele galt, gleichviel: Herr Erzberger ent- rüstete sich in edlem christlichen Bckennerstolze darüber. daß man im Reichstag anscheinend nicht einmal von der Unsterblichkeit der Seele sprechen dürfe. Und Herrn Gröber beraubte das Lachen gar so sehr aller christlichen Seelenruhe, daß er die Lacher, die sich seiner Ansicht nach auf derJournalistentribüne befanden,„S a u b e n g e l L" titulierte I Und was tat Herr Müller-Mciningen? Dieser Freisinnige protestierte nicht etwa gegen die Unverschämt heit des biederen Zentrumsmannes, sondern er glaubte die angeflegelten Journalisten dadurch in Schlitz nehmen zu müssen. daß er behauptete, es habe ja nur einer der Journalisten gelacht. Jämmerlichkeit, dein Name ist Freisinn! Erst Genosse Eichhorn sagte, was zu sagen war. Die Journalisten empfanden die ihnen von Herrn Gröber angetane Beschimpfung als gemeinsame Ehrenkränkung und richteten deshalb an den Präsidenten folgendes Schreiben: Berlin, den 19. März 1908. Der Abg. Gröber hat. als während der Rede des Abg. Erz- berger aus der Journalisten tribiine angeblich gelacht wurde, in den Saal gerufen:„Das sind wieder dieselben Sau- bengels wie neulich!" Die auf der Journalistentribnne anwesenden unterzeichneten Mitglieder der Presse sind nicht gesonnen, diese Beschimpfung hin- zunehmen. Sie richten an den Herrn Präsidenten die Bitte, ihnen die Genugtuung zu verschaffen. die der Würde des deutschen Reichstages und der Würde der deutschen Presse entspricht. Baale. Berlowitz. Henninge. Neumann. Adolf Zimmermann. H. G. ErdmannSdörfer. Nagel. E. Mendel. Dr. B. Borchardt. Emil Zimmermann. Dr. Bahr. Dr. Hermann Rösemeier. Nudolf Friedemann. Dr. H. Elkan. Rudolf Wagner. Hugo Frenz. Heinrich KerriS. Alfred Schultz. Hermann Abrahamsohn. Adoli Petrenz. Dr. Paul Hamburger. Dr. Otto Schmelzer. E. Heil- mann. Heinrich Hink. A. Kuntze. Kurt Metger. H. Kötschlc. M. Winterberg. Willy Ohm. M. Wießner. Wilhelm Lorenzcn. Pasiavant. Der Präsident Graf Stolberg jedoch wiederholte nur die Drohung, bei einer Wiederholung eines solchen Zwischenfalles die betreffende Tribüne räumen zu lassen. Den Gröberschen Ruf erklärte er überhört zu haben; sei er in der Tat gefallen, so bedaure er ihn. Diese Form der„Genugtuung" entsprach selbstverständlich den Empftndungen der Journalisten so wenig, daß sie a u Protest ausnahmslos dieTribüne verließen. Es dürfte wohl in keinem anderen Parlamente der Welt möglich sein, daß ein Abgeordneter auf der Tribüne tätige Journali st en öffentlich„Saubengels" tituliert, ohne sofort vom Präsidenten und dem gesamten Hause zur Ordnung gerufen zu werden I Sozialpolitik auf dem Stuttgarter Rathause. Au? Stuttgart wird uns geschrieben: Seitdem die Sozialdemokratie auf dem Stuttgarter Rathause z.l einer achtunggebietenden Macht geworden ist, wird den Fragen sozialpolitischer Natur weit mehr Aufmerksamkeit geschenkt, als das früher der Fall war. Die Wohnungsfürsorge, die Arbeits- verinittelung, das Bestattungöwesen usw. sind für manche Orte vor- bildlich geworden. Ganz besonders lassen sich unsere Genossen die Förderung der Volksschule angelegen sein. Die vor einiger Zeit vorgenommene Neuregelung der Gehalisverhältnisse der Volk?- schullehrer wird allen billigen Ansprüchen gerecht. Für die Bolls- schulkinder ist die Lernmittelfreiheit eingeführt worden. Bedürftig- Kinder erhalten ein warmes Schulfrühstück, in einem Viertelliter- Milch und einem Brot bestehend, unentgeltlich. Das Frühstück gilt selbstverständlich nicht als Armenunterstützung. Kinder bemittelter Eltern können das Frühstück gegen Bezahlung einer geringen Summ- (42 Pfennig wöchentlich) erhalten. Die Abgabe geschieht derart, daß die Kinder nicht wissen, ob das Frühstück bezahlt wird oder nicht. Von der Stadt wurden im vergangenen Jahre 1080 erholungs- bedürftige Volksschulkinder in Solbäder, Ferienkolonien und Erholungsheime geschickt. 30 000 M. waren für den Zweck in den Etat eingesetzt. Von den rund 10 000 Volksschulkindern unterzogen sich 8037 freiwillig der Untersuchung durch den Stadt- arzt, der zugleich als Schularzt fungiert. Auf Grund dieser Unter- suchung wurde die Errichtung einer S öb ü l e r z a h n k li n i k be- antragt. ES hat sich nämlich herausgestellt, daß nrnd 90 Prozent der Kinder zahnkrank sind. Genieinderat und Bürgerausschuh be- schlössen in ihrer letzten gemeinsamen Sitzung. 11 000 Mark für die Zahnklinik auszuwerfen. Neben dem Stadtarzt soll ein beamteter Schulzahnarzt angestellt werden, der keine Privatpraxis treiben darf. Als Gehalt für den Schülerzahnarzt sind 3850 Mark, sonstige Kosten 3150 Mark vorgesehen. an einmaligen Ausgaben für die erste Einrichtung sind 4000 M. in den Etat ein- gefetzt. Die freie zahnärztliche Behandlung soll später aus die Kinder der Bürgerschule ausgedehnt werden. Weiter wnrde beschlossen, wiederum, wie im Vorjahre. 30000 M. für die Verschickung der erholungsbedürftigen Schulkinder in Solbäder und Luftkurorte in den Etat einzusetzen. UeberdieS soll mit dem Verein für freie Arztwahl ein Abkomme'., dahin getroffen werden, daß von den Spezialärzten für Augen- und Ohrenkrankheiten und der Orthopädie für Uutersnchung der Schulkinder nur der niedrigste Satz berechnet wird. Für die so« genannten„lleinen Heilmittel" und für Arzneien wurden von den bürgerlichen Kollegien 3000 M- bewilligt. Die Fürsorge unserer Genosse» für die Schule hat der Sozialdemokratie das Bertraue» weiter BedolkerungSkreise eingebracht. DaS allgemeine, gleiche, ge- fieime und direkte Gemeindewahlrecht nach dem Proporz zu beiden bürgerlichen Kollegien hat auch den Widerstand der bürgerlichen Parteien gegen diese Reformen in der Hauptsache gebrochen. Zum sächsischen Wahlrechts-Kompromitz. AuS Dresden wird vom 19. März gemeldet: In der heutigen Sitzung der Zweiten Kammer wies der Staaisminister Graf v. H o h e n t h a l bei der Beratung des Etats des Ministeriums des Innern die von verschiedenen Rednern gegen das Ministerium erhobenen Angriffe zurück, nahm insbesondere die Wahlrecht sdeputatio u in Schutz und erklärte, ihre Beratungen seien durchaus nicht auf einem toten Punkte angelangt. Er hoffe, daß noch ein er- sprießlicheS Ergebnis erzielt werden würde; auch gegen die technische Behandlung der Angelegenheit habe er keine Bedenken gehabt. Die auf der Tagesordnung stehende freisinnige Interpellation über den gegenwärtigen Stand der Wahlrechtsfrage werde er nicht beant» Worten. Danach erwartet die Regierung offenbar, daß durch die Per- q u i ck u n g von Mehrstimmen- und Korporationswahl- recht etwas auch ihren Intentionen Entsprechendes herauskommen wird.—_ franhmcb. Tie Altersversicherung. Paris, 13. März. Der Arbeitsministcr Viviani teilte dem Obmann der sozialistisch-radikalen Gruppe mit, daß die Regierung dadurch, daß sie die k I c i n e n P ä ch t e r und die bäuerlichen Dienstboten von der Zahl der Teilnehmer an der Arbeiterpension ausgeschlossen hat, die Zahl dieser Teil- nehmer von 2 200 000 auf 1300 000 ermäßigt habe. Das pcnsions- berechtigende Alter sei auf öS Jahre erhöht worden, so daß ein Staatsbeitrag von ungefähr 100 000 000 Frank genügen würde. Die radikalsozialistische Fraktion hat beschlossen, gegen die Ab- ficht der Regierung, die ländlichen Arbeiter von der Altersversiche- rung auszuschließen, Stellung zu nehmen. Die Sozialdemo- traten lehnen diese Verschlechterung gleichfalls auf daS cnt- fchiedenste ab._ Wahlreformbestrebunge». Paris, 19. März. Die republikanische Kammergruppe für Wahlreform hat einen Beschlußantrag angenommen, nach welchem jedes Departement so viele Mandate erhalten soll, als es nach Abzug der Ausländer je 80 000 Einwohner besitzt, wobei ein weiteres Departcmentsmandat auf je einen, 40 000 übersteigenden Bruchteil entfallen soll. Hierdurch würde die Zahl der Deputierten Frankreichs von S7S auf 478 vermindert werden. Die Gruppe be- schloß, die Regierung zu befragen, welche Stellung sie zu diesem Bcschlußantrag einzunehmen gedenke. ßelgien. Annahme der Kongoakte. Ein etwas unklares, offiziöses Telegramm meldet aus Brüssel, 18. März: In der heutigen Sitzung der Kolonialkommission er- klärte der Sozialist Vanderveldc, er sei ein Gegner des Vertrages, aber ein A n h ä n g e r d e r A n n e x i o n. Er sei nicht der einzige in seiner Partei, der dafür sei. Wenn Belgien kolonisieren wolle, dann sei es Zeit zu handeln, denn der Kongo sei der einzige Teil der Erde, der noch in Besitz genommen werden könne. Wenn mau den Kongo int er national machen wolle, müsse man dies für ganz Afrika wollen. Redner bestritt, daß es für Belgien gefährlich sei, Kolonien unter demselben Rechts- anspruch zu besitzen wie Portugal oder Holland. Nachdem der Be- richterstatter ernannt worden war, wurde die Zusatzalte vom 5. März mit 12 gegen 3 Stimmen, bei zwei Stimmenenthaltungen, angenommen Wie bekannt, nimmt Genosse Vandervelde in der Kongofrage einen Standpunkt ein, der von dem der Majorität der bel- gischen Partei abweicht. Die Majorität steht auf dem- selben prinzipiellen Standpunkt der Ablehnung der Kolonialpolitik, den die deutsche Sozialdemokratie einnimmt. Spanien. Gegen das Frauenstimmrecht. �Madrid, 19. März. Die Kammer lehnte mit öS gegen ZS Stimmen den Gesetzentwurf betr. Gewährung des kommunalen Stimmrechts an Frauen ab. Snglanck. Das Flottenprogramm. London, 18. März. Im Oberhause erklärte der Marincminister Lord Tweedmouth, die drei Schiffe der..Temeraire"-Klasse seien unendlich besser als der.,Drcadnought"-Typ und auch die drei Schiffe der ,.Saint-Vincent"-Klasse seien ein großer Fortschritt gegenüber dem genannten Typ. Das Programm gehe dahin, daß England im Frühjahr 1911 drei Geschwader von je vier dieser Schiffe haben werde. Er sage dem Hause zuversichtlich, daß keine Macht eine solche Flotte von Schlachtschiffen ersten RangeS haben werde, als sie dann England besitzen würde. Er sei fast gc- neigt, soweit zu gehen, daß er sage, daß die Kombination aller Mächte der Welt nicht imstande sein werde, ein gleiches Geschwader aufzustellen. Er glaube, daß ein wc niger rascher Bau dieser großen, einen Versuch darstellenden Schiffe höchst Wünschens- wert sei. Daiti. Beruhigung. Washington, 19. März. Ten letzten Meldungen aus Haiti zu- folge hat das Eintreffen fremder Kriegsschiffe sehr beruhigend gewirkt. Tie Situation scheint für die Fremden bereits weniger gefährlich zu sein. Die Franzosen haben die Zu- sage gegeben, daß das Konsulat in Zukunft den Eingeborenen keine Zuflucht mehr gewähren werde.— Stadtverordneten• Verfammlang. 12. Sitzung vom Donnerstag, den 19. März» nachmittags S Uhr. Ter Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung nach S�s Uhr mit einem Nachruf für den verstorbenen Professor Julius L e s s i n g, den Regenerator des Berliner Kunstgewerbes und Begründer des Berliner Kunstgewerbemuseums. Die Mitglieder hören die Worte des Vorstehers stehend an. Tie Versammlung setzt die Beratung des Stadthaus- haltsctats für 1908 fort. Ucbcr die Spczialetats„G e m e i n d c schu l e n".„Taub- stummcnschule",„Blindenanstalt",„W a h l- und Pflicht- fortbildungsschulwesc n",„Gewerbliches Unterrichts- wcsen" referiert Stadtv. Hellriegcl(N. L.). Die sämtlichen Etats werden unverändert zur Bewilligung empfohlen. Stadtv. Dr. Wehl sSoz.): Ich frage den Magistrat, weshalb auch in diesem Etat wieder nur 47 Schulärzte vorgesehen sind. Schon 1906 wurde die Zahl auf 47 vermehrt; durchschnittlich sollten 6 Schulen einem Schularzt überantwortet werden. In diesem Jahre ist nur dieselbe Zahl in Aussicht genommen, obwohl die Zahl der Schulen und der Kinder erheblich zugenommen hat. Bei der Zunahme der Schulen und Klassen, auch"ganz abgesehen von der ' Zunahme der Schulkinder, ist der Durchschnitt nicht mehr 6. sondern nahezu schon 7. Die Zahl der Schulärzte muß also unter allen Uniständen vermehrt werden. Es soll in den nörd- liehen und nordöstlichen Distrikten schon drei Schulärzte geben, von denen jeder acht Schulen hat? Ständig kann eln einzelner Arzt eine so ungeheuerliche Zahl von Schülern nicht sorgsam über- wachen. Stadtrat Selberg: Das Verhältnis hat sich nicht so wesentlich geändert, daß schon eine weitere Anstellung nötig wäre. Die Schulärzte im Zentrum haben eine sehr viel geringere Zahl von Schülern zu überwachen als die an der Peripherie. Im nächsten Jahre wird eventuell eine Vermehrung oder anderweite Per- teilung erfolgen. Stadtv. Dr. Preuß(soz.-fortschr.): Die Ermäßigung der Pflichtstundenzahl sollte auch auf die dienstältesten Fachlehrerinnen ausgedehnt werden; so hat die Schuldcputation beschloffen. Im Etat ist darüber nichts zu finden. Hatte der Magistrat noch keine Gelegenheit, sich mit dem Beschluß der Deputation zu befassen oder hat der Beschlutz keine Gnade vor ihm gefunden? Stadtschulrat Dr. Fischer: Die Mehrheit des Magistrats war der Meinmig, daß hier alles beim alten bleiben könnte, im wcsent- lichen aus dem Grunde, weil die Tätigkeit der Fachlehrerinnen nicht so wichtig und nicht so anstrengend ist als die der wissen- schaftlichen Lehrerinnen, sie auch fast keine Vorarbeiten brauchen. Da sind vier Stunden täglich für die Damen unter 50 Jahren doch nicht zuviel. Der Etat für die Gemeindeschulen wird darauf en bloc ge- nehmigt, desgleichen die anderen vorstehend aufgeführten Spezial- ctats. Referent für die Etats Armenwesen. Hospitäler und Siechenanstalten ist Stadtv. L i e b e n o w(A. L.). Stadtv. Hintze(Soz.): Es ist sehr erfreulich, daß der Magi- strat 160 000 M. für Entsendung von Kindern in Heilstätten in das Extraordinarium eingestellt hat, so daß diese Fürsorge wohl nicht als Armenunterstützung angesehen werden kann. Weniger erfreulich steht es mit der Höhe der Pflegegelder für Kinder; der Durchschnittssatz beträgt nur etwas über 8 M. Die Armen- kommissionen können sich noch immer nicht entschließen, den Höchst- satz von 9 M. zu gewähren. Wir möchten wiederholt anregen, daß der Höchstsatz mif 12 M. erhöht wird. Bedauerlicherweise hat sich die Armendirektion dieser Anregung bisher nicht angeschlossen. Bei den heutigen teuren Lebensmittelpreisen ist ein Kind selbst für 9 M., also täglich 30 Pf., nicht zu erhalten. Stadtrat Mllnsterberg: Herr Hintze hätte leicht erfahren können, daß die eingesetzte Subkommission die Erhöhung des Mindestsatzes auf 9 M. beschlossen hat. Stadtv. Ewald(Soz.): Diese Erklärung ist richtig. In der Subkommission hatte ich den Antrag gestellt, den Pflegesatz auf 12 M. zu erhöhen. Es ist aber nur der Satz von 10 M. angenommen worden, bis zu dem die Vorsteher gehen können, ohne erst die Armenkommission zu fragen. Nur allzu recht hat aber Kollege Hintze mit der Ausführung, daß die Kommissionsvorsteher geneigt sind, das Pflegegeld herunterzudrücken, möglichst bis auf den Satz von 6 M. In meinem Armenkreise gibt es eine ganze Reihe solcher, die das Pflegegcld nicht höher gewähren, sondern erst nach und nach eine Erhöhung eintreten lassen wollen. 6 M. für einen Monat können unmöglich ausreichen, das kann man gar nicht verantworten. Die Subkommission hatte weiter beantragt, die Vorsteher sollten bei Herabsetzung des Pflegegeldes unter 9 M. eine Begründung dafür geben. Dieser Antrag wäre sehr angebracht gewesen; leider ist er abgelehnt worden. Stadtrat Münstcrberg: Die Klasse der Pflegegeldsätze von 6 bis 6,50 M. ist seit 1904 um 3000 Köpfe zurückgegangen, und diese 3000 sind in die Klasse von 7,50— 10 M. hinaufgerückt. Im nächsten Plenum der Armendirektion werden die Anträge verhandelt werden. Stadtv. Sachs(A. L.): Die Behauptung entbehrt jeder Begründung. daß die Vorsteher bestrebt sind, den Pflegegeldsatz hinab- zudrücken. Das Gegenteil ist der Fall. Wir haben den Kom- Missionen das Wohl und Wehe unserer Armen anvertraut, wir müssen zu ihnen auch Vertrauen haben. Die 6 M. reichen natürlich nicht; aber wissen denn die Beschwerdeführer hier, welche Reben- einnahmen die Witwen sonst noch haben? Stadtv. Hintze(Soz.): Die Sache liegt doch anders: Es waren 1907 noch mit 6— 6,50 M. Pslegeaeld unterstützt: 1426 Knaben und 1662 Mädchen, zusammen über 3000 Pflegekinder— über 25 Proz. der Gesamtheit lllnruhe). Es trifft nicht zu, daß die Konrmissions- Vorsteher von selbst damit höher gehen. Viele trägen eben den ver- änderten Lebensverhältnissen nicht Rechnung, wenn auch ein Teil seines Amtes in humaner Weise waltet. Wenn eine Frau vier Kinder hat, dann erhält sie nur für drei Pflegegeln; das vierte muß sie selbst ernähren.(Zuruf: Sehr richtig!) In meinem Armcnkreise kann ich die Kommissionsvorsteher nicht dazu bringen, auch für das vierte Kind das Pflegegeld zu bewilligen; mit 18 bis 21 M. kann aber eine Frau doch nicht vier Kinder erhalten; das müßte selbst dem Kollegen Sachs klar sein. Auch der Stadtrat er- kennt ja an, daß die Sätze ungenügend sino. Von 11000 Kindern waren es 1907 ganze 284, die über 10 M. erhielten; 1906 waren es noch 409; die Zahl ist also ganz beträchtlich zurückgegangen. Dem muß entgegengetreten werden. Stadtv. Ewald(Soz.): Ausführungen, wie die des Kollegen Sachs haben wir oft gehört. In nieinem Armenkreile gibt es noch eine ganze Reihe von Kindern mit 6 M. Dein Magistrat mache ich �weniger einen Vorwurf; das Plenum der Armendirektion ist es, welches die Sache so auffaßt, daß Frauen mit 4— 5 Kindern immer noch nebenbei arbeiten können. Machen Sie doch einmal mit Ihren Frauen den Versuch! Die wären dazu gewiß nicht zu gebrauchen. Die armen Frauen sollen auf alle Kinder Pflegegeld erhalten, damit sie sich nicht so abzurackern brauchen« daß sie vor Arbeit zu- sammenbrechen. Stadtv. Barth(A. L.): Die Armenkommissionen sind Teile unserer Selbstverwaltung; sie verdienen das harte Urteil der Herren Ewald und Hintze nicht. Auch mit Erhöhung des Pflegegeldes wird man die Mitwirkung der Mütter nicht ausschalten können; es wird immer fleißige und faule Frauen und Mütter geben. Stadtv. Sachs: Ich spreche meine Meinung aus; waS die Sozialdemokraten davon halten, ist mir ganz gleichgültig. Die Herren haben wieder einmal in die Welt hinausposaunt, WaS für schlechte Menschen wir sind, daß wir den Frauen zu wenig geben und daß diese unter der Last der Arbeit zusammenbrechen. DaS ist un- erhört.(Ilnruhe.) Der Etat für das Armenwescn wird bewilligt, ebenso die anderen Etats der Armcnverwaltung. Es folgen die Etats Waisenpflege, Fürsorge- erzichung, Arbeitshäuser, städtisches Obdach. Referent Stadtv. Aden(A. L.). bemerkt Stadtv. Sassenbach(Soz.): Das Obdach hat mehrfach von sich reden gemacht wegen der Gummiknüppel und der Artikel Heijer- maus' im„Berliner Tageblatt". Wir sehen, in dem System ist Methode: den Leuten den Aufenthalt dort so ungemütlich wie möglich zu machen, damit sie nicht allzu oft wiederkehren. Wie anders faßt der Berliner Ashlberein für Obdachlose seine Aufgabe auf! Ich habe selbst Gelegenheit gehabt, den Unterschied zu er- proben. Auch die Asylisten sind für Zureden empfänglich; es ist durchaus nicht nötig, die Ordnung durch Prügeln aufrecht zu er- halten. Es soll ein anderer Geist dort einziehen; vor allem müssen die Gummiknüppel sobald wie möglich wieder abgeschafft werden, denn ein besonderes Ehrenzeichen für die städtische Verwaltung sind sie nicht; eine Notwendigkeit dafür liegt nicht vor. Heijermans hat nach der hygienischen Seite verschiedene Besserungen vorgeschlagen, Herr Fischbeck aber hat im Ausschuß gemeint. Heijermans hätte das Asyl nicht zur richtigen Zeit gesehen und daher eine falsche Darstellung gegeben! Was Heijer- maus gesehen hat, wird schon richtig gewesen sein. Berlin könnte doch mindestens das schaffen, was eine Privatgesellschaft ge- schaffen hat. Stadtrat Fischbrck: Beide Sachen sind schon im Ausschuß vor- gebracht. Herr Heijermans, der sich als armer Mann angekleidet hatte, kam in das Asyl, hatte keine Kenntnis davon, daß die Auf- nahmezeit zwischen 4 und 8 Uhr abends ist. Er kam um V-9 Uhr und Hai warten müssen mit einer gewissen Gesellschaft zusammen» die später kam. Alles, was bei uns nächtigen will, trifft vor 8 Uhr ein, die Leute bekommen dann ihre Mehlsuppe und ihre 290 Gramm Brot. Was nach 8 Uhr kommt, sind in der Regel solche Leute, die sich von der Kneipe nicht früher losmachen konnten. Herr Heijermans kommt mit dieser Gesellschaft in einen Auf- nahmcsaal, den er gar nicht kennen gelernt hätte, wenn er v o r 8 Uhr da war. N a ch 8 Uhr, wo das ganze Personal mit den 3000 vorher Eingetroffenen beschäftigt ist, ihnen ihr Abendessen zu geben, wird mit den Nachzüglern summarisch verfahren. Das „Berliner Tageblatt" hat wohl selbst nachher eingesehen, daß die Schilderung nicht ganz mit den Tatsachen stimmte; es schickte mir einen Redakteur und bat um nähere Auskunft. Aus meiner objektiven Antwort ist im„Berliner Tageblatt" etwas sehr Merk- würdiges geworden: alles, worauf es ankam, war herausgestrichen! (Hört! hört! und Bewegung.) Herr Heijermans konnte nicht schlafen„wegen des Schnarchens von 2000 Menschen(Heiterkeit); der Saal faßt nur 80 Mann. Daneben hätten 2000 Frauen geschlafen— in Wirklichkeit waren 27 an dem Abend da.(Große Heiterkeit.) Die Gummiknüppel- geschichte reduziert sich auf folgendes: Wir haben unter den 3000 Asylisten auch aufsässige Elemente, denen gegenüber unser kleines Personal machtlos ist. Im Januar traten manche Leute mit besonderer Renitenz auf— ich bringe das nicht etwa mit den Wahldcmonstrationcn in Verbindung.— Sie haben unsere Auf- scher angepackt, niedergeworfen, sie waren bewaffnet mit Steinen, Diebcswerkzeugen, Totschlägern.(Unter großer Heiterkeit der Versammlung zeigt der Redner eine Anzahl solcher Instrumente vor.) Unsere Beamten verlangten Schutz dagegen; wir überlegten, ob wir ihnen Säbel(!) geben sollten, und wir waren so harmlos, ihnen Gummiknüppel zu geben.(Große Heiterkeit und Zwischen« rufe.) Es war eine der humansten Maßregeln, die wir treffen konnten.(Stürmisch« Heiterkeit.) Stadtv. Singer(Soz.): In dem Streit mit dem„B. T." will ich mich nicht mischen, aber eine naivere Entschuldigung für die Verwaltung, als die, daß Herr Heijermans so spät gekommen ist. ist mir noch nicht vorgekommien.(Lärm und Zustimmung,) Werden etwa auf den Polizeiwachen diejenigen, die zu spät kommen, deshalb in stinkige, schmutzige, ungesunde Räume gc- bracht? Das städtische Obdach muß doch in einem Zustand sein, in dem die Leute, für die es bestimmt ist, in menscheMürdtge Verhältnisse kommen; daß sie zu spät kommen, ist keine Ent- schuldigung dafür, daß die Räume so elend beschaffen sind. Herr Fischbcck sagt ja, Heijcrman wäre sonst gar nicht in diesen Raum gckoinmenl ES sieht so aus, als wenn der Raum so beschaffen ist, um den Leuten das Zuspätkommen abzugewöhnen. Mit der Anschauung, daß es sich meist um fuselgefüllte Individuen handelt, kann man allerdings humanitäre Anstalten nicht leiten. Ob Heijermans seiner Phantasie besonders die Zügel hat schießen lassen, habe ich nicht nachgeprüft; aber gegenüber dem Obdach ist die Flucht in die Oefscntlichkeit tatsächlich geboten. Dem unhygienischen Zustande dort mutz ein Ende gemacht werden; das ist auch im Interesse der Bürgerschaft notwendig. Wenn im Obdach, namentlich bezüglich der Ventilation und des Luftwechsels größere Sorgfalt geübt und die Räume sauber gehalten würden, so wäre das ein Fortschritt. Nach meinen eigenen, mehr als dreißigjährigen Erfahrungen und Beobachtungen in den Anstalten des Asylvereins, hat sich ergeben, daß humane BeHand- lung erzieherisch auf die Leute wirkt und ihr Betragen verbessert. Als ich vor 30 Jahren die Verwaltung des Männerasyls über- nahm, habe ich mit ähnlichen Zuständen zu kämpfen gehabt, und ich habe immer gefunden, daß die Veranlassung zu Exzessen die Roheit der Aufseher gewesen ist. Erst als ich die Aufseher, die zu Exzessen Veranlassung gaben, mit sofortiger Entlassung be- drohte, ist es besser geworden. In unserem Männerasyl nächtigen 700 Menschen durchschnittlich, und dafür haben wir einen einzigen Mann als Nachtwache,(Zurufe) der reicht ausl Gewiß nehmen wir keine Betrunkenen auf, aber die Hausordnung des städtischen Obdachs schließt die Trunkenen ebenfalls aus. Betrunkene sind auch nicht die richtigen Insassen solcher Asyle; dafür müßten eigene Trinkerasyle geschaffen werden. WaS hindert denn die Obdachs- Verwaltung, Baracken für Betrunkene herzurichten? Einen eigentümlichen Eindruck hat es auf mich gemacht, daß Herr Fischbeck das Gelächter der Versammlung und auch eines Teiles seiner Kollegen hervorrief dadurch, daß er diese Gummi- knüppel als harmlose Wusse bezeichnet! Solch ein Gummi- knüppel wird gewöhnlich als„Totschläger" bezeichnet, wer'mal das Vergnügen gehabt hat, einen solchen Gummiknüppel auf seinem Rücken herumtanzen zu fühlen, der wird einen anderen Begriff davon haben. Die Bewaffnung der Aufseher in unserem Obdach müßte unterbleiben; die Gefahr, in der sie schtveben, ist keine solche, daß sie uns durch die Vorführung jenes Museums klar gemacht werden mutzte. Sind wirklich Exzesse zu unterdrücken, so verfügen sie ja über eine Anzahl Polizeimannschaften. Gewiß können unter solchen Menschenmassen auch Exzedenten sein, und die Aufrechterhaltung der Ordnung kann nur statthaben, wenn den Weisungen der Beamten gehorcht wird. Wenn ein Mann sich an einem Beamten vergreift, muß er natürlich das Haus verlassen (Lachen), aber die Aushändigung der Waffe ist eine Anreizun�. davon Gebrauch zu machen. Sollte sich denn wirklich die Haltung der Asylisten so verschlechtert haben, seitdem Herr Fisch- deck dort der Herr ist? Unter Stadtrat Mamroth war die An- Wendung von Knüppeln aufs strengste verboten.(Hört! hörtl) Daß ein Kollegium wie der Magistrat der Maßregel zustimmte, hätte ich nicht für möglich gehalten. Aber auch die Mehrheit der Versammlung scheint das für gut zu halten.(Ruf:„Jawohll Nicht erst mit Füßen treten lassen!") Die Erzählungen des Herrn Fischbcck...(Borstehrr: Sie dürfen nicht die amtlichen Mit- teilungcn des Stadtrats als„Erzählungen" bezeichnen!) Bei solcher Feinfühligkcit dürfen hier bald parlamentarische VerHand- lungen überhaupt nicht mehr möglich sein. Zum Ruhme unserer Stadt Berlin gereicht jedenfalls jene Maßnahme nicht. Stadtrat Fischbeck: Ueber die Angriffe auf die Beamten ist ein amtlicher Bericht erstattet worden; gegen einen der Exzedenten ist die Staatsanwaltschaft eingeschritten.„Verlassen Sie das HauS!" damit richtet der Aufseher nichts auS; er muß der Aufforderung auch Nachdruck geben können!„Harmlos" war natürlich nur relativ gemeint. Ich bedaure, daß Herr Hoffmann heute nicht hier ist; mit dem mich zu unterhalten, wäre mir viel amüsanter. (Große Heiterkeit.) Die Asylisten haben die geöffnete Ventilation immer wieder geschlossen, weil sie es warm haben wollen; da haben wir die kostspielige Einrichtung getroffen, daß die Schließung nur von außen geschehen kann, und Herr Hoffmann hat dabei bedeutend mitgewirkt. Was die Trunkenheit anlangt, so hat Herr Singer in seinem Asyt die Hautevolee, die Be- trunkenen gehen gar nicht erst dahin. Zu uns aber kommen sie, und wenn es auch in unserer Hausordnung steht, daß wir Be- trunkene nicht aufnehmen, so müssen wir doch für jeden Obdach- losen sorgen, und wenn ich an einem solchen Januarabend einen Betrunkenen hinauswerfen würde, wenn der dann gar erfriert— den Spektakel möchte ich dann hören! Wir sind immerhin soweit, daß wir bei Frost und Schnee die Leute nicht auf die Straße werfen, endern ihnen einen warmen Raum geben, wo sie misschlafen önnen. Auf den drakonischen Standpunkt des Herrn Singer können wir uns nicht stellen.(Stürmischer Beifäll bei der Mehr- heit.) Stadtv. Barth(A. L.):. Ich erinnere Herrn Singer an die Zu- stände in der früheren Filiale des Asylvereins— Füsilierstratze—, wo die armen Frauen in den Häusern der Umgebung nachts umher- lagen, weil der Verein ausnahmslos keine Betrunkenen auf- nahm. Stadtv. Dr. Nathan(soz.-fortschr.): Wenn Herr Fischbcck etwas gegen den Asylvercin vorbrin'gen kann, so wäre es seine Pflicht als Magistratsbeamter, diese Dinge hier zu erörtern. Hoch anzuerkennen ist es, daß Leute wie Heijermans und Göhr« sich in die Tiefen der Gesellschaft aus Humanität begeben. (Großes Hallo und Widerspruch bei der Mehrheit. Zuruf: Warum dann im Feuilleton!! Aber wieso können im Feuilleton nicht ernste Dinge besprochen werden? Von einem angesehenÄr libe- ralen Blatt wie dem Berliner Tageblatt" fo wegwerfend zu sprechen, wie Herr Fischbeck es getan hat, scheint mir für einen Liberalen nicht gang angebracht. Ich begreife ja, daß er mit der Haltung des Blattes ihm gegenüber nicht ganz einverstanden ist, aber er kann doch nicht verlangen, daß alle Blätter ihn so behandeln wie die Kreuz- Beitung", die ihm wegen seiner Rede über die Arbeitslosen einen wahren Liebesantrag gemacht hat. Stadtrat Fischbeck: Ich habe mit meinem Nachbar gesprochen und höre, daß in der Rede des Herrn Nathan auch die Rede von mir gewesen sein soll. Ich habe kein Wort verstanden, was von mir gesagt wurde. Stadtv. Nathan: Diese Bemerkung scheint mir sehr deplaciert. Herr Fischbed braucht nicht hier zu sein, aber wenn er hier ist, hat er die Pflicht, den Verhandlungen zu folgen. Stadtrat Fischbed: Solange ich an dieser Stelle stehe, habe ich darüber zu bestimmen, ob ich zuhören will oder nicht.( Aufregung.) Stadtv. Nathan: Ich habe nicht zu bestimmen, was Herr Fischbeck tut, aber ich habe das Recht, zu kritisieren, was er tut. ( Lebhafte Zustimmung.) Stadtrat Fischbed: Ich habe ihm(!) nicht verwehrt, eine Rede zu halten; er tann reden, was er will.( Sturm des Unwillens; Nufe: Unverschämt!) Stadtv. Nathan: Es ist sehr wichtig, festzustellen, in welcher Weise derjenige dem städtischen Parlament gegenübertritt, der von uns gewählt ist.( Ruf: Und bezahlt wird!) Es wird nicht leicht ein Liberaler zu finden sein, der sich in dieser Weise benimmt. ( Stürmische Zustimmung.) Ja, wenn das Herr v. Kröcher getan hätte nicht ungerügt durchlassen. Vorsteher: Ich kann die Aeußerung des Stadtrats Fischbed Stadtv. Singer: Ich erkläre hiermit für mich und meine Freunde, daß wir das Verfahren des Herrn Stadtrats Fischbed als eine Mißachtung unserer Qualität als Stadtverordnete ansehen und uns nicht gefallen lassen!( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtrat Fischbeck: Ich habe nur auf persönliche Angriffe des Herrn Nathan geantwortet. Stadtv. Nathan: Nein, Sie haben eben nicht geantwortet, fondern sie haben erklärt: was ich sagte, sei Ihnen ganz gleich gültig.( Die stürmische Erregung der Bersammlung dauert fort.) Damit schließt die Debatte. Persönlich erflärt Stadtverordneter Singer: Ich habe nicht gefagt, daß man die Betrunkenen nicht aufnehmen soll, selbst auf die Gefahr hin, daß sie erfrieren, sondern daß man in den städtischen Anstalten besondere Aufenthaltsräume für Betrunkene einrichten soll. Oberbürgermeister Kirschner: Ich habe die Pflicht, den Standpunkt des Magistrats zu wahren. Der Vorsitzende der Versammlung hat erklärt, daß er eine Aeußerung des Stadtrats Fischbeck nicht ungerügt durchlassen kann. Das läßt erkennen, daß ihm den Mitgliedern des Magistrats gegenüber ein Rügerecht zu steht. Das ist nach unserer Verfassung nicht der Fall, und ich darf daraus kein Präjudiz herleiten lassen. Das Rügerecht gegen über Magistratsmitgliedern steht nur mir zu. Vorsteher Michelet: Ich glaube, ich habe die Rechte unserer Stadtverordneten selbst gegenüber Magistratsmitgliedern zu wahren.( Lebhafter allseitiger Beifall.) Wenn ich glaube, daß ein Mitglied der Versammlung beleidigt worden ist, habe ich die Pflicht, dieses Mitglied selbst gegenüber Magistratsmitgliedern zu schützen. Oberbürgermeister Kirschner: Ich muß dabei stehen bleiben, daß ein Rügerecht dem Herrn Vorsteher nicht zusteht. Aus der Partei. Auch das ist in Charlottenburg nicht der Fall, nicht einmal in Rig- gerichtsgefeßes auch auf Elfab 2othringen aus dorf; dort werden sogar die Arbeiteranzüge gestellt. In Berlin zu dehnen. Die dortigen alten Landesbestimmungen seien vielfach müssen die Straßenkolonnenarbeiter ihre Kleider und ihr Frühstück für die Arbeiter nachteilig. auf die Straße legen, wo es manchmal von Hunden berunreinigt Der Regierungsvertreter von Elsaß- Lothringen bekämpfte wird; in Charlottenburg fahren den Kolonnen kleine Wagen nach, die Petition und wollte die Zuständigkeit des Reichstages in dieser auf denen die Arbeiter ihr Mittagessen wärmen können. Berlin Frage bestreiten, sogar der Zentrumsabgeordnete Dr. Fervers darf da nicht weiter mit schlechtem Beispiel voranstehen.( Beifall schloß sich diesem letteren Standpunkt des Regierungskommissars an. bei den Sozialdemokraten.) Der Referent und die Mehrheit der Kommission nahmen aber einen Bürgermeister Dr. Reide: Die Arbeitszeit ist auf eigenen für die Betenten günstigeren Standpunkt ein und überwiesen schließ Wunsch der Arbeiter verkürzt worden und die Verkürzung der lich diese Petition dem Reichskanzler zur Erwägung. Pausen auf ihren eigenen Wunsch erfolgt. 7 Monate Die sonst noch erörterten Petitionen hatten fein größeres lang haben die Arbeiter 10%, 1 Monat 10, 1 Monat 9 und Interesse. 3 Monate 8% Stunden Arbeitszeit, der Durchschnitt wird höchstens 9 Stunden betragen. Der Stundenlohn ist nicht plöblich statt des Tagelohnes und auch nur für die vorübergehend Beschäftigten eingeführt worden. Gelegentlich muß bei Regenfällen die Arbeit zeitweise ausgesetzt werden, aber nur bei 44 Tag Ausfall wird der Lohn nicht gezahlt. Diese Fälle kommen nur äußerst selten vor. Die Verwaltung ist ja zurzeit gerade mit der Prüfung der besonderen Wünsche der Parkarbeiter beschäftigt; was schwere Arbeit ist, muß aber der Obergärtner entscheiden, wer soll es denn sonst? Ueberstunden werden nur im Falle äußerster Nötigung gemacht und dann auch besonders bezahlt. Die Werkzeuge sollten von der Verwaltung vorgehalten werden. Für die Unterkunft der Parkund Gartenarbeiter ist doch sehr viel geschehen und geschieht, besonders in diesem Etat, noch mehr; auch weiter wird damit fortgefahren werden. Ich hoffe, daß die Parkarbeiter sich in ihrem Butrauen zu mir, trop der Ausführungen des Herrn Zubeil, nicht irre machen lassen werden.( Beifall.) Gemeindewahlerfolge. In Heffen Nassau wurden zu klein- Schwalba zwei unserer Genossen gewählt. In Fischbach und Ddershausen brang je einer unserer Genossen durch. In Langenbielau brachten die Sozialdemokraten zwvel Kandidaten durch, ebenso in Zirlau bei Freiburg. Unsere Toten. In Barmen ist der Genosse Karl Stürmer nach langer Krankheit freiwillig aus dem Leben geschieden. Er hat schon unter dem Sozialistengesetz eifrig für die Partei gewirkt; im großen Elberfelder Geheimbundsprozeß erhielt er sechs Wochen Ge fängnis. Mehrere einander folgende Schlaganfälle lähmten in letzter Zeit Stürmers fräftigen Körper und raubten ihm fast völlig die gesetzt. Ehre seinem Andenken! Sprache. So hat er denn schließlich selbst seinen Leiden ein Ziel sprochen. Die 10% ftündige Arbeitszeit haben die Arbeiter nicht Stadtv. Zubeil: Von Ueberstunden habe ich gar nicht geberlangt. Der Stundenlohn wird den Saisonarbeitern, d. h. der Warnung! Russische Genossen teilen mit: In der letzten Zeit. Mehrheit der Gesamtheit, gezahlt, und damit ist seit dem Sommer 1907 die wirtschaftliche Lage derselben erheblich verschlechtert ist im Auslande ein Subjekt aufgetaucht, das sich an die russischen, worden; denn sie haben 5 Monate lang ohnehin nichts zu beißen lettischen usw. Genossen mit der Bitte wendet, ihm in verschiedenen und zu brechen. Charlottenburg hat Unterkunftswagen geschaffen. Angelegenheiten behülflich zu sein und Verbindungen mit den Ges Zur Legitimierung seiner Berlin kann das anscheinend nicht. Die Gärtner müssen sich nossen im Auslande zu verschaffen. sämtliche Werkzeuge selbst halten und petitionieren um Lieferung. Persönlichkeit zeigt der Betreffende eine Empfehlung der„ TechStadtv. Schulz( Soz.): Die Parkarbeit ist doch nur Saison- nischen Gruppe am Zentralfomitee der sozial. arbeit. Man zahlt doch überhaupt keinem Arbeiter Stundenlohn, demokratisden Arbeiterpartei Rußlands" vor. Da sondern Wochenlohn.( Widerspruch.) Wie die Stadt den eine solche technische Gruppe" gar nicht existiert und die Barkarbeitern gegenüber verfährt, das ist der Stadt unwürdig. Legitimation daher als falsch zu betrachten ist, werden hiermit alle Sollen die Leute etwa von dem Lohn, der noch dazu solche Abzüge Genossen vor diesem Individuum gewarnt. erfährt, für den Winter etwas zurücklegen? Wochenlohn muß gezahlt werden: diese Forderung muß jeder rechtschaffene Mensch unterstützen. Der Parketat wird genehmigt, ebenso der Etat Polizeitosten". Die Vorlage betr. die Bewiligung von 17 000 m. zur Instandhaltung der Dienstwohnung des Polizeipräsidenten wird in Verbindung hiermit gleichfalls angenommen. Stadtv. Dr. Preuß führt Beschwerde über die Langsamkeit der Arbeiten des Kaufmannsgerichts, welches den Anforderungen des Tages offenbar nicht mehr gewachsen sei. Stadtrat Bohn: Es sind jetzt 5 Kammern in Tätigkeit. Die Verschleppung erklärt sich teilweise durch die Schwierigkeit der Materien. Zum Etat der Bibliotheken erneuert Stadtv. Heimann ( Soz.) seinen Protest gegen die Kürzung des Etatstitels unter Verwendung der Zinsen der Leo- Stiftung u. a. Der Abstrich bei diesem Etat sei um so schmerzlicher, als gerade diese Spezialverwaltung zu den bescheidensten gehöre; rund 12 000. feien allein an dem Titel für Anschaffung von Büchern an den Anträgen des Kuratoriums gestrichen worden! Die Braris des Magistrats werde von der sozialdemokratischen Fraktion nach wie vor verworfen. Die erwähnten Etats werden genehmigt, und darauf wird die Statsberatung abgebrochen. Nach Erledigung einiger kleinerer Vorlagen schließt die Sigung gegen 10 Uhr. Am Dienstag wird die Etatsberatung in einer Ertra sig ung gefördert werden. Parlamentarifches. Aus der Budgetkommission. Die Budgetkommission be" Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Der klagende Suchsland. Aus Halle a. S. berichtet man uns unterm 17. März: Rechtsanwalt Such sland, der bekanntlich die Redakteure Däumig, Molkenbuhr und Thiele vom Volksblatt" auf Grund des§ 823 des B. G.-B. wegen Schadenersatz berklagt hat, geht neuerdings in seiner Juristenlogik noch einen Schritt weiter. Er deduziert jezt einfach so: Hätte das„ Volksblatt" feine Artikel gegen ihn gebracht, dann hätte er aus den Kreisen der Leser des„ Boltsblatts" biel mehr Verteidigungen übertragen bekommen. Er fühle sich geschäftlich geschädigt. Suchs land, der mit seinem Beleidigungsprozeß gegen den Genossen Thiele trot Zeugniszwangs hineingefallen ist, verlangt num in dem Zivilprozeß, Thiele soll a 13 Beklagter jet beschwören, ob er den damaligen Artikel geschrieben hat oder nicht. Thiele ent gegnete ihm heute vor dem Amtsgericht mit Recht: Wohin soll denn das führen: da könnte ja ein Staatsanwalt schließlich gegen einen freigesprochenen Angeklagten wegen Eintreibung der Soften flagen und verlangen, der frühere Beschuldigte soll nachträglich beschwören, ob er die Tat, die ihm zur Last gelegt war, begangen hat oder nicht." Das Amtsgericht kam zur Vertagung der Sache be hufs Prüfung mehrerer Rechtsfragen. Redakteurfreuden. Der Genoffe Dstar Fröhlich vom ,, Boltsblatt für alle" hat am Freitag für zwei monate unfreiwilligen Aufenthalt im Hallenser Gefängnis ge nommen. Unter demselben Dache verbüßt zurzeit Genosse Thiele eine fünfmonatige Strafe, die ihn bis Mitte Juni der Freiheit beraubt. Oberbürgermeister Kirschner: Dies Recht des Vorstehers stelle schäftigte sich heute eine ganze Sigung mit einem Nachtrag Letzte Nachrichten und Depeschen. ausgeübt wird. Buren- Miliz. Bolas Leiche im Pantheon. Baris, 19. März.( W. T. B.) Die Kammer verhandelte über die Vorlage, einen Kredit von 35000 Frank für die Ueberführung der Afche Zolas nach dem Pantheon zu bewilligen. Barrès( Nationalist) meinte, Zolas literarisches Wert sei unflätig und verleumde die französischen Sitten. Hier wurde der Redner von der Linken ungestüm unterbrochen. Berichterstatter Buhat erklärte, der Brief " J'accuse"( ch flage an!) würde genügen, die Ueberführung zu rechtfertigen. Im übrigen sei das Werk Bolas durchaus moralisch, denn es habe die Gefahren des Lasters gezeigt. Stadtv. Singer( zur Geschäftsordnung): Ich weiß, daß die Frage, ob unter der Disziplin des Präsidenten einer gesetzgebenden Körperschaft der Bundesrat, die Minister und analog hier der Magistrat stehen, streitig ist; aber unstreitig ist, daß jedes einzelne Mitglied das Recht hat, von dem Vorsitzenden geschüßt zu werden gegen Angriffe, woher sie auch kommen mögen. Diese Tatsache möchte ich feststellen; über die Form streite ich nicht. Der Vorsteher wird sich der Zustimmung aller Gruppen versichert halten können, und wir sind ihm dankbar dafür, daß er den Versuch gemacht hat, uns gegen solche Beleidigungen zu schüßen. ich in feiner Weise in Abrede; in Abrede stelle ich nur, daß eine zu den Grundsätzen für die Besetzung der SubalternRüge ausgesprochen werden darf; eine solche ist eine Disziplinar- und Unterbeamtenstellen bei den Reichs- und Bloemfontein, 19. März.( Meldung des Reuterschen Bureaus.) maßregel. Ich fann es nicht unwidersprochen lassen, wenn von dem Staatsbehörden mit Militäranwärtern. Premierminister Fisher Kündigte die in kurzem bevorstehende Ber Vorsitzenden eine Disziplinargewalt gegen Magistratsmitglieder Den Militäranwärtern genügen ihre bisherigen Vorrechte öffentlichung eines Gesezes an, das jedem Bürger das Recht gibt, Stadtv. Gaffel: Da durch das Eingreifen des Oberbürger- nicht mehr; sie haben wiederholt petitioniert und deshalb soll ein Gewehr zu befizen und sprach die Hoffnung aus, daß eines meisters die Debatte wieder eröffnet ist, bemerke ich, daß jedenfalls nun ein Nachtrag zu den Grundsägen vom Jahre 1882 er- Tages für jeden Mann der Befiz eines Gewehres obligatorisch Tein Magistratsmitglied verpflichtet ist, mehrmals dieselbe sachliche lassen werden. Die Vorschläge der Regierung haben mehr fein möge. Auskunft zu erteilen. Auch gehen die Ausführungen der Streuz- formelle Bedeutung; das Zentrum hat eine Reihe Abzeitung" über Herrn Fischbeck uns hier gar nichts an. Herr änderungsanträge eingebracht, von denen einige auch materiell Nathan muß wissen, daß von gewisser Seite alles ausgenutzt wird, den Militäranwärtern Vorteile bringen sollen; sie werden um Herrn Fischbed, mich und andere herabzuziehen, wenn irgendwo teils angenommen, teils nach entgegenkommenden Erklärungen über uns ein Wort der Anerkennung steht. Unserem Vorsteher der Regierung zurückgezogen. muß das Recht vorbehalten sein, die Mitglieder gegen Belidigungen Morgen soll noch über eine Alenderung der Anstellungsund sonstige Mißhelligkeiten zu schützen. Das Rügerecht mag er nicht haben, das hat auch kein Präsident, aber die parlamentari berhältnisse der Militäranwärter bei den Kommunalbehörden schen Präsidenten, auch die konservativen,( 3uruf: Gerade die erst verhandelt werden. recht!) haben es sich nie nehmen lassen, die Parlamentsmitglieder Wahlprüfungskommission. In den Sizungen vom 18. und gegen Ausschreitungen der Regierung zu schüßen. Darum hat der 19. März beschäftigte sich die Kommission ausschließlich mit der Vorsteher ganz recht gehandelt. Fassen die Herren das als Rüge Wahl des Abgeordneten Sch to a bach, nationalliberal, Wahlkreis Jaurès lobte lebhaft das Leben und den Mut Zolas. Nachdem auf, so ist das ihre Sache; ich als stellvertretender Vorsteher der Memel- Heidekrug. Bereits voriges Jahr beschloß der Reichstag auf Versammlung würde auch keine andere Pragis einschlagen. Wollen Antrag der Kommission, Erhebungen über mehrere Fälle anzu wir solche Ungelegenheiten vermeiden, so muß aber auch der Ton stellen, in denen Wahlbestechungen vorgekommen sein sollten. in unseren Debatten derart sein, daß wir, namentlich wo wir so Schwabach, mehrfacher Millionär, soll für seine Wahl Geld mit • tief in der Arbeit siten, nicht in der sachlichen Erledigung auf- vollen Händen ausgeworfen haben. Die Resultate der Erhebungen gehalten werden.( Lebhafter Beifall.) ließen noch manche Unflarheit bestehen, so daß die Kommission auch Revolver- Attentat auf den Genossen Bernerstorfer. Oberbürgermeister Kirschner: Ich kann mich diesen Dar- jetzt noch zu keiner endgültigen Entscheidung tam und daher beschloß, legungen anschließen. In geeigneter, angemessener" Weise kann die Wahl zu beanstanden und abermals Beweis Wien, 19. März.( Privat- Depesche des Vorw.".) Heute nachmittag der Vorsteher. Kritik üben. Es ist aber das Wort Rüge" gefallen, erhebungen anstellen zu lassen. um 6 Uhr feuerte ein 35 jähriger irrsinniger Edelsteinhändler namens und eine Befugnis zur Rüge hat der Vorsitzende nicht. Vorsteher: Ich habe nicht eine Rüge erteilt, sondern bloß ges In der Petitionskommission wurde am 18. März eine Betition Ignaz Bollat im Flur der Redaktion der Arbeiter- Zeitung" aus einem 7 Millimeter- Revolver zwei Schüsse gegen unseren Genossen fagt, diese Aeußerung fönne ich nicht ungerügt vorübergehen lassen. des Verbandes der Handelsmüller und einer Anzahl Bernerstorfer ab, der sich gerade auf dem Wege zur Redaktion be die die Getreideausfuhr einStadtrat Fischbed: Ich habe mich schon wiederholt verwahren andelstammern beraten, fand. Beide Schüsse trafen: einer in den Rücken, einer in den müssen, hier mit politischen Momenten wie Blockpolitik usw. ange- zuschränken fordern, weil durch die Aufhebung des Identi- linken Arm; sie hatten jedoch zum Glück nicht die Kraft, den diden tätsnachweises und die bekannten Ausfuhrscheine eine Reihe interrock zu durchschlagen. zapft zu werden, worauf ich hier nicht erwidern kann, wo ich als von Grenzbezirken von Getreide ganz entblößt werden. Wertreler des Magistrats stehe. Da reißt einem endlich einmal die Bollat richtete sodann die Waffe gegen seine eigene rechte Die Betenten führen an, es sei ein Widersinn die Ausfuhr Schläfe. Gebuld. Er stürzte, getroffen zusammen und wurde durch Stadiv. Nathan: Auch ich bin mit Herrn Cassel einverstanden. bon deutschem Getreide so zu beglinſtigen, wenn die eigene Produt- die Rettungsgesellschaft ins Spital gebracht. Befragt, ob Ich habe nicht von Blodpolitit, sondern von der Auslassung der tion den eigenen Bedarf nicht decke. Sie verlangen teils die völlige es Zufall oder Absicht gewesen sei, daß er auf Bernerstorfer ercuzzeitung" über unsere Arbeitslosendebatte, also einer rein Beseitigung der Aufhebung des Identitätsnachweises oder mindestens geschossen habe, erwidert der Irrsimmige:" Bernerstorfer und Adler die Aufhebung für die Monate Februar bis August. Die Ausfuhr verfolgen mich, darum habe ich das Attentat begangen." tommunalen Angelegenheit gesprochen. - Der scheine dürften nicht mehr zur Einfuhr anderer Waren, sondern nur Borfall erregt in Wien ungeheures Aufsehen. Wolffs Bureau, das über den Vorfall gleichfalls berichtet, teilt zur Einführung derfelben Getreidearten zugelassen werden, welche Jetzt wird mit den Ausfuhrscheinen mit, Bollat sei ein alter Querulant, der an Verfolgungswahn leidet ausgeführt worden sind. fogar ein flotter Handel getrieben, zum Schaden der Allgemeinheit. und sich auch von Pernerstorfer verfolgt glaubte, wiewohl dieser ihn Der Regierungskommissar bestritt die Schädlichkeit des jezigen gar nicht fennt". Systems, mußte aber zugeben, daß die Getreideausfuhr zu mancher Zeit ganz auffallend gestiegen sei, man hoffe aber, daß das nur eine vorübergehende Erscheinung sei. Genosse Sachse bestritt dies lettere und befürwortete die noch Unterrichtsminister Doumergue Bola gepriesen hatte, der um der Gerechtigkeit und Wahrheit willen der allgemeinen Erbitterung Trotz geboten habe, wurde unter dem Beifall der Linken die Vorlage mit 356 gegen 164 Stimmen angenommen. " Reichstags- Erfahwahl. " Emden, 19. März.( W. T. B.) Bei der heute stattgehabten Reichstagserfahwahl im ersten Hannoverschen Wahlkreise erhielt egter( Freis. Vgg.) 8816, Groenebeld( Wirtsch. Vgg.) 6579, Fürbringer( natl.) 4905 und Hug( Soz.) 3115 Stimmen. Es ist also Stichwahl zwischen Fegter und Groeneveld erforderlich. Der Etat für das Obdach wird genehmigt. dür die Etats der Park- und Gartenverwaltung"," PolizeiToften", Feuerlöschwesen"," Märkisches Provinzialmuseum"," Statistisches Ami"." Gewerbegericht und Kaufmannsgericht"," Stadt bibliothek, Voltsbibliotheken und Lesehallen, hat der Etatsausschuß Den Stadtv. oneten Dr. Arons( Soz.) zum Referenten bestellt. Bei den art- und Gartenanlagen bemerkt Stadtv. Zubeil( Soz.): Am 28. Juni 1907 hat der Magistrat den Parkarbeitern endlich statt 11 Stunden Arbeitszeit 10% Stunden zugestanden, troßdem 10 schon genügten. Aber diese Ver- Petitionen. fürzung ist wettgemacht dadurch, daß die Erholungspausen verkürzt Gegen den konservativen Referenten Herrn Guen, der beantragte worden sind. Außerdem werden den Arbeitern Regentage ab- die Petitionen dem Reichstanzler als Material zu überweisen, gezogen und selbst solche Feiertage, die sie nicht wünschen! Professor stellten unsere Genossen den Antrag, sie zur Erwägung" zu Wagner hat Recht, wenn er Berlin die rückständigste Stadt der überweisen. Da dieser lettere Antrag auch von liberaler Seite mit Welt nennt( Oho!), denn selbst in Rigdorf und Charlottenburg unterstützt wurde, zog der Referent seinen Antrag zugunsten des geschieht das nicht. Erhalten etwa die Magistratsbeamien und der von unseren Genossen gestellten zurück, der dann angenommen Kämmerer an Regentagen auch nichts?( Unruhe.) Die Arbeit ist wurde. eine sehr schwierige.( Zurufe.) Kriechen Sie nur einmal auf einen Eine längere Diskussion entspann sich bei der Petition, die von hohen Baum hinauf; Sie werden nicht wieder herunterkommen! einer Sonferenz christlicher Gewerkschaften Elsaß ( Lärm und Heiterkeit.) Die Gärtner müssen sich sogar ihre eigenen Lothringens eingesandt und in welcher gebeten wurde, die in Werkzeuge halten, was jährlich 26 M. ausmacht.( Hört! hört!) bielen Bunften günstigeren Bestimmungen des deutschen Gewerbe Verantw. Rebatt.: Georg Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsbl Neberschwemmungen. New York, 19. März.( Auf deutsch- atlantischem Kabel.) Ber. heerende Ueberschwemmungen infolge Tauwetters, das von Wolfens brüchen begleitet ist, werden aus Pittsburg fowie aus Wheeling ( Westvirginia) gemeldet. Die Flüsse steigen rasch weiter. Nr. 68. 25. AahtMg. L ßdlagt des Jotwättf Sftlintt ilalkslilatt. 20. W«! 1908, Reichstag. 126. Sitzung vom Donnerstag, den 19. März 1908, nachmittags 1 Uhr. Am BundesratStische: Dernburg. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Be- ratung des Kolonial-EtatS nebst den dazu beantragten Resolutionen. MZlbg. Erzberger(F.): Der Staatsselretär Dernburg hat sich in allen wesentlichen Punkten auf denjenigen Standpunkt gestellt, den das Zentrum seit Anbeginn der Kolouialpolitit gefordert hat. sLebhaftes Sehr richtig! im Zentrum. Lachen rechts.) Statt der Systemlosigkeit haben wir ein Programm erhalten; allerdings kommt es auch auf die Art der Ausführung an. Daß unsere Forderungen seitens der Mehrheit und der Re- gierung jetzt anerkannt werden, wo das Zentrum als ausgeschaltete Partei gelten soll, erfüllt uns mit besonderer Genugtuung. (Sehr wahr I im Zentrum.) Hätte unsere Kritik nicht ein- gesetzt, so würde das System der Vertuschung und Ver- schleppung noch fortbestehen.(Zustimmung im Zentrum.) Herr Dernburg hat mit der Lfsenheit, die ich an ihm anerkenne und rühme, in der Budgetkommission dargestellt, dast die Schwarzen in den Kolonien nicht Recht finden können, genau, wie der Abg. Roeren es ini Dezember 1906 hier dargestellt hat. Es war ein Schauspiel für Götter, in der Kommission zu sehen, wie der Staatssekretär gerade von den Kreisen angegriffen wurde, welche das nationale Empfinden in Erbpacht genommen zu haben glauben. Wir dagegen konnten den Staatssekretär unter- stützen, wenn wir auch in manchen Punkten anderer Meinung sind als er; das zeigt nur, wie objektiv das Zentrum Politik treibt. (Lebh. Zust. i. Zentrum, lärmender Widerspruch rechts u. b. d. Nationall.) Das Programm des Kolonialsekretärs hat drei Hauptpunkte, erstens die negererhaltende Politik, zweitens den Bruch mit der bisherigen Proteklions- und Begllnstigungswirtschaft gegenüber den weißen An- siedlern, drittens das Streben nach einer durchsichtigen Finanzwirt- schaft in den Kolonien. Herr Schräder meinte, in der Billigung dieses Programms seien alle Parteien einig; aber der Staats- sekretär hat bereits auf den Gegensatz zu Herrn Liebert hingewiesen. Dieser verlangt für sich die Autoritär eines alten Afrikaners; aber wenn drei alte Afrikaner beisammensitzen, haben sie fünf verschiedene Meinungen. Auf diese Autorität geben wir also nichts. Die Eingeborenenpolitik des Staatssekretärs findet unsere Unterstützung; wir freuen uns, daß der Staatssekretär von der bisherigen verkehrten Eingeborenenpolitik abgerückt ist und den Satz geprägt hat: die Eingeborenen sind das wichtigste Aktivum der Kolonien. Geradezu klassisch zeigte sich der Gegensatz der Anschauungen im Münchener Peters-Prozeß. wo Herr von Liebert als Sachverständiger den Neger als bar jeder Dankbarkeit und Treue, als voll von Lüge be- zeichnete, während der Missionar Acker die guten Eigenschaften deS Negers hervorhob. Gestern hat al�ch der Abg. v. Liebert hier erklärt, die Neger sind gutmütig und ganz brav.(Heiterkeit.) Als ich seine Aussage im PeterS-Prozcß las, war ich geradezu erschrocken, daß ein Mann mit solchen Anschauungen der oberste Beamte in einer Kolonie mit mehreren Millionen Negern sein konnte.(Zustimmung im Zentrum.) Jedenfalls hat der Staats- sekretär die große Mehrheit des deutschen Volles aus seiner Seite, wenn er nicht will, daß Ostafrika ein Sklaven- staat wird.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Einen Mangel freilich hat das Programm des Staatssekretärs, er hat Kultur und Ethik so ziemlich ausgeschaltet. Er meinte, das sei eine Frage der Weltanschauung: das gebe ich ihm zu, aber als Vertreter einer anderen Weltanschauung; ich betone: ohne Religion ist keine sittliche Veredelung möglich.(Lebhaste Zustimmung im Zentrum und rechts.) Auch der Eingeborene in Afrika ist ein Mensch mit einer unsterblichen Seele.(Lachen auf der Tribüne.) Das wird mau im deutschen Reichstage doch sagen können.(Rufe ün Zentrum: Das Lachen war oben I Abg. Groeber: Beiden Saubengels obenl) Präsident Graf v. Stolberg: Ich bitte, alle Zeichen des Miß- fallens oder Gefallens aus den Tribünen zu unterlassen. Ich würde kleines feuilleton. Der Affenmensch— als Junkerideal. Ein Anthropologe schreibt uns: Unter der Ueberschrift„Experimente über die Ab- stammung des Menschengeschlechts" brackiten Sie vor einigen Tagen eine Notiz, der Sie am Schlüsse zufügten: Ob die Sache ernst zu nehmen ist? Nehmen wir einmal an, die Sache sei ernst zu nehmen und es gelänge, dem Herrn Bernelot Mocns und den königlichem Persönlichkeiten die nötigen Geldmittel aufzubringen, um die .Kongoneger für ihre Gefälligkeiten und Dienstleistungen in der Gattenrolle gegenüber den anthropoiden Affendamen gebührend zu zahlen— so teuer werden ja die Negerpapas nicht sein!— und nehmen wir lveiter an, daß alle Schwierigkeiten bei den Liebes- affären glücklich überwunden werden könnten und es gelänge auch den Äongomissionaren, allem Modernismus zum Trotz, die neuen Geschöpfe von � der ihnen anhaftenden halben Erbsünde gründlich rein zu waschen— was dann? Ja, was dann? Denken Sie sich ein Geschöpf, das mit der WilligkeU und der Intelligenz, der Zähigkeit, der Genügsamkeit und Stärke des Negers die Geschmeidigkeit, Flinkheit und die Muskelkraft des Affen verbände, dessen Ausnutzung als Arbeitstier schon im siebenten oder achten Jahre beginnen könnte und das, trotzdem es wie ein Tier arbeiten könnte, doch so viel Menschliches an sich hätte, daß es die ihm aufgetragenen Arbeiten mit einer gewissen Selbständig- kcit verrichten könnte! Bei richtiger Zuchtwahl müßte es gelingen, ein Geschöpf zu ziehen, das so viele verständliche Laute von sich geben könnte, als gerade nötig sind, um mit ihm sein Arbeits- Pensum zu verhandeln. Hei, wäre das eine Freude für unsere Agrarier! Kein Koalitionsrecht, keine Wohnung, kein warmes Essen! Mit Vorliebe würden die Anthropogorillen und Anthropo- orangs des Abends nach getaner Arbeit auf den Bäumen über- nachten! Keinen Arzt, keine Krankenkasse hätten sie nötig! Ten Alten und Kranken konnte man allenfalls die Heuböden zur Ver- fügung stellen! Bei Wind und Wetter, Sturm und Regen würde der treue Orang mähen und säen, er würde oie Futterrüben ein- heimsen, jäten und rühren! Das Putzen der Ställe wäre ihm eine Kleinigkeit: er würde dem Herrn sogar das Geschirr sparen! Bon Hand ginge ihm alles besser. Und erst auf den großen Treibjagden! Wo gäbe es einen besseren, flinkeren Treiber? Kein Baum, kein Feld, kein Teich und kein Rohrdickicht wäre für ihn ein Hindernis: Durch seine Doppelnatur als Halbmensch und Halbtier unter- stände er der Gesindcordnung nur so weit, als es dem Herrn paßte. Für angerichteten Schaden wäre er dem Herrn haftbar. Oldenburg-Januschau würde schleunigst eine neue Äenderung des § 838 B. G.-B. beantragen, damit der Herr auch von der Ersatz- Pflicht des Schadens befreit würde, den ein ungeschickter Ostelbier- orang einem anderen zufügte. Nach Verdrängung der russischen und galizischen Saisonarbeiter könnten die paar deutschen Landarbeiter ruhig nach den Städten sonst zu meinem großen Bedauern genötigt sein, sie räumen zu lassen. Abg. Erzberger(fortfahrend): Es wäre ein trauriges Zeichen, wenn man im deutschen Reichstage nicht seine christliche Welt- anschauung vertreten könnte.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum und rechts.) Bei den Negern reichen sich wirtschaftliche Interessen mit der Christianisierung die Hand. Der Staatssekretär will freilich das Labora(Arbeitel) vor das Ora(bete!) bei den Missionen setzen. Ich bin anderer Ansicht, beide niiissen nebeneinander hergehen. (Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Aber für eine materielle Unterstützung der Missionen durch das Reich bin ich nicht, das würde nicht im Interesse des Reiches und der Missionen sein. Wertvoll ist dagegen die nioralische Unterstützung der Missionen durch das Reich, damit den Eingeborenen zum Bewußtsein kommt, daß sie zu einem christlichen Reich gehören.(Sehr richtig! im Zentrum.) Auch mit dem zweiten Punkt des Programms des Staatssekretärs, daß mit dem Begünstigungssystem gebrochen werden soll, sind wir einverstanden. Die Beseitigung des Kolonialrats begrüßen wir als einen Schritt auf diesem Wege. Ebenso erkennen wir an, daß in der Aufstellung des Etats Fortschritte gemacht sind, er hat an Klarheit und Ucbersichtlichkeit gewonnen. Wir müssen aber ver- langen, daß wir die Abrechnungen früher erhalten, z. B. die von 1900 nicht erst im Jahre 1908.(Beifall im Zentrum.) Abg. Dr. Müller-Meiningen(frs. Vp.): Ich bin gebeten worden zu erklären, daß das Lachen auf der Journalisteittribüne nur die Taktlosigkeit eines Ein- z e l n e n war. Redner begründet hierauf die freisinnige Resolution auf allmähliche Trennung von Justiz und Verwaltung in den Kolonien und auf Kodisizierung des Eingeboreneustrafrechts. Ich habe einmal auf einem Schiffe dem Vollzug der Prügelstrafe beigewohnt;»sie ist so ekelhaft, daß ich seitdem unbedingter Gegner der Prügel st rase bin. In unseren Kolonien wird jedenfalls viel zu viel geprügelt; hoffentlich wird das besser, wenn wir die zugesagten Eingeborenenkommissare bekommen. Wir verlangen eine Trennung zwischen Justiz und Verwaltung, die sich natürlich nicht mit einem Schlage durchführen läßt. Wir halten das System des Staatssekretärs in wirtschaftlicher und politischer Beziehung fiir richtig; aber Herrn Erzberger gegenüber betone ich, daß nach den Kolonien die unselige konfessionelle Verhetzung nicht verpflanzt werden solle. Die Aufhebung der Regierungsschule in Dar es Salam hat in weiten Kreisen böses Blut gemacht; man meinte bereits daran zu erkennen, daß sich ein Systemwechfel vorbereite. Der Staatssekretär lacht und das freut mich.(Heiterkeit.) Jedenfalls sollte er sich hüten, eine schwarzweiße Schwarzenpolitik zu treiben.(Heiterkeit.) Ich sage das angesichts der großen Gefahr einer Ueberlragung einer Krankheit des Mutter- landes auf die Kolonien. Freilich sagte Herr Erzberger, er wolle keine materielle Unterstützung der Missionen, fondern nur eine moralische. Aber der Pferdefuß kam hinten nach— er sprach /lachher von einer Einwirkung auf die Wahl der Häuptlinge. Diese moralische Einwirkung unter einem christlichen Regiment nach Ihrer Anschauung kennen wir.(Heiterkeit und Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Wir wollen den ganzen unseligen Kampf um die Schule nicht auf die Kolonien übertragen. Ich hoffe, daß die groß- zügige wirtschaftliche Politik des Staatssekretärs auch auf das ethische Gebiet übertragen werden möge.(Beifall bei den Freu sinnigen.) Staatssekretär Dernburg erkennt an, daß die Resolution des Zentrums auf Schaffung erhöhter Rechtsgarantien in den Kolonien und die steisinnige Resolution, so weit sie die Trennung von Justiz und Verwaltung verlangt, wertvolle Anregungen für die Veo waltung enthalten. Für die Kodifizierung des Ein- gebor nenrechtes aber könne er noch' nicht ein- treten, er müsse die Entscheidung darüber vertagen, bis das genügende Material, mit dessen Sammlung eine Kommission beauftragt sei, vorliege. Gegenüber dem Abgeordneten Erzberger bestreitet der Redner, seine An- schaunngen geändert zu haben. Auch heute sei er noch der Ansicht, daß das Dabors.(Arbeite!) vor dem Ora(Bete!) kommen müsse, erst muß der Mensch leiblich satt sein, dann wird er auch seelischen Hunger bekommen. Redner geht dann auf die in del: Kolonien geplanten Eisenbahnen ein und verteidigt in längeren finanzpolitischen Ausführungen daS System der Kolonialanleihen. Abg. v. Treuenfcls((.) begründet die von ihm eingebrachte Re- solution, im Etat für 1909 Mittel für ein Denkmal zu fordern, das für die in Südwestafrika Gefallenen in Berlin errichtet werden soll. abziehen und Industriearbeiter werden. Dann könnten die paar Schulen eingehen und zu Stallungen umgebaut werden. Die Lehrer wären erlöst! Sie sehen, lieber„Vorwärts", das angebliche Experiment über die Abstammung des Menschengefchlechts ist weiter nichts als ein Experiment zur Schaffung von ländlichen Arbeitern. Der geriebene Bernefpt Moens scheint im Dienste unserer Junker zu stehen. Und die königlichen Persönlichkeiten? Leopold ist sicher dabei. Er ist ein Geschäftsmann wie kein zweiter! Glückt ihm sein Experiment und vermehren sich seine neuen Untertanen so stark, wie die alten bei der Kautschuksuche abgenommen haben, dann kann er sie den Ostelbiern tausendweise gegen angemessene Vergütung ablassen. Die Ostelbier werden zugreifen und züchten dann ihrerseits. Die Anlagekosten schlagen sie dann an den Ausfuhrprämien heraus, die das Reich ihnen für die ins Ausland gehende Ueberproduktion zahlen wird. Gerolstein in Haiti. Wie eine Verwirklichung der Offenbachschen Parodie auf die deutschen Duodezfürstentüiner mutet das Kaisertum des Negergenerals Soulouque in Haiti an. 1848 verübte er einen Staatsstreich und proklamierte sich 1849— ganz wie einige Jahre später LouiS Napoleon von Badinauets Gnaden— als Faustin I. zum Kaiser. Er war ein ebenfo großer Heros. Uebermensch, Förderer der Künste, der Wissenschaften und des Prunks, ein ebenso eiller Geck und in äußerlichster Repräsentation aufgehender Hohllops wie seine weißhäutigcn Kollegen. Nur hatte er den Vorzug, origineller und witziger zu sein. Er kopierte den Hosstaat Napoleons I. Er ließ sich dieselbe Krone und denselben Mantel anfertigen, blieb sie aber schuldig. Seine Gesponsin, die hehre Adelina, hielt sich Hofdamen, fünfzig Palastdamen und zweiundzwanzig Kan, merzofen, so gut wie irgend eine andere der stets erhabenen, tugendhaften, und majestätischen Landesmütter. Der Hof hatte einen Großalniosenier, einen Hoftheaterintendanten, einen Gouverneur der kaiserlichen Schlösser usw. Der Kaiser stiftete zwei Ritterorden. Dann machte er seine Divisionsgenerale und Vizeadmirale zu Fürsten und Herzögen und die Brigadegcnerale zu Grafen; die höheren Zollbeamten wurden alle Barone. Mlt einem Schlage hatte Haiti S9 Herzöge, 100 Grafen, 336 Barone und 340 Ritter. Die Titel dieser neuen Aristokratie waren Landgütern und phantastischen Lehnsherrschaften entlehnt; Faustin hatte diese Lehen aus dem Nichts hervorgezaubert und ihnen feltsame und burleske Namen gegeben. Johann Joseph, des Kaisers Bruder, hieß Herzog von Port-de-Paix(Portepee); Charles Alerte, der Groß-Brotkämmerer, war Herzog des Cachots(das heißt der Gefängnisse); de Mare, Herzog de la Limonade; Linding, Herzog de la Marmelade; Cyprien Toni, Herzog du Trou(vom Loch). Höchst drollige Namen hatten auch die Grafen du Numöro-Deux, de Grand- Gosier(Großschlund). de la Seringue(Klistierspritze», deS Giispes(Wespen), du Diamant. Zu erwähnen wären noch ein Ritter Coco und ein Fürst du Sale-Trou(daS heißt vom schmutzigen Loch). Im Jahre 1858 wurde Kaiser Soulouque-Faustm leider durch eine Militärrevolution gestürzt. Die loyalen Europäer, die alleS dies höchst sonderbar und komisch finde», mögen bedenken, daß eS im Grunde dieselbe» Ein- Staatssekretär Dernburg begrüßt diese Anregung sympathisch und bringt ein soeben eingetroffenes Telegramm über ein siegreiches, aber verlustreiches Gefecht der deutsche» Truppen iu Südwestafrika zur Verlesung. Erbprinz zu Hohenlohe-Langenburg(Rp.) tritt dafür ein, die Kolonien finanziell selbständig zu machen und selbständige Kolonial- beamten zu schaffen, was durch systematische Vor- und Ausbildung der Beamten und die Sicherstellung ihrer Zukunft geschehen müsse. Vizepräsident Kaempf gedenkt der in Afrika Gefallenen und bittet die Mitglieder des Hauses, zu Ehren der auch in den früheren kolonialen Kämpfen Gefallenen sich von den Plätzen zu erheben. (Die Mitglieder erheben sich,) Abg. Eichhorn(Soz.): Zu Beginn seiner heutigen Rede hat der Abg. Müller- M e i n i n g e n mit Bezug auf die Presse eine Bemerkung gemacht, die ich so aufgefaßt habe, als ober im Auftrage der ge- samten Presse einem der Herren Preßvertreter eine Rüge zu erteilen hatte. Ich bin der Meinung, daß, wenn die Herren dort oben einmal etwas laut werden oder wenn sie einmal sich von ihren Gefühlen etwas hinreißen lassen, wir dann nicht so engherzig fein und uns darüber besonders aufregen sollten. Wir selbst bilden uns nicht ein, unfehlbar zu sein und das werden die Herren dort oben von sich auch nicht denken. Aber es lag nach meiner Ansicht keine Veranlassung vor, der Presse hier eine Rüge zu erteilen. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Nun zum Kolonialetat. Der Abg. Müller-Meiningen hat vor allem hervorgehoben, daß sich jetzt daS Zentrum, das noch vor einem Jahre auf einem ganz anderen Standpunkt gestanden habe, dem Staatssekretär aggeschlofsen habe. In der Tat hat sich jetzt plötzlich ein kolonialer Block von rechts bis zur bürgerlichen Linken herüber einschließlich deS Zentrums gebildet.(Abgeordneter S t o r z ruft: Und S ch i p p e l?> Daraus konime ich vielleicht noch später zu sprechen. Alles ist berauscht von dem neuen Programm deS Staatssekretärs, und alle setzen große Hoffnungen auf das neue System, Da möchte ich denn doch die Frage auf- werfen, worin sich denn eigentlich daS neue S h st e m von dem früheren System unterscheidet, und ob es wirklich so viel anders ist, daß sich eine so plötzliche Schwankung in der Kolonialpolisik recht« fertigen läßt. Die Dinge liegen doch so, daß jetzt in den amtlichen Denkschriften endlich zugegeben wird, daß in den Kolonien böse Zustände bestanden haben, ja bis zur Stunde noch bestehen. DaS hat der Staatssekretär mit einer anerkennenswerten Offenheit zugegeben, und diese Offenheit und Ehrlichkeit ist wohl das einzige, was auch uns an ihm gefällt. Er hat zugegeben, daß skandalöse Zustände in Ostafrika bestanden haben, daß dort die Eingeborenen ausgebeutet ivnrden, und daß die Pflanzer alles aufboten, um einen hohe» Profit zu erzielen. Er hat weiter zugegeben, daß die Pflanzer e? als die Aufgabe des Reiches ansehen, ihnen die Eingeborene» zur Arbeit znznpcitsche», um, gestützt auf diese Arbeitskräfte, aus der Kolonialpolitik finanzielle Vorteile herauszuschlagen,(Sehr richtig I bei den Sozialdemokrateu.) Uns waren diese Mitteilnnge» nichts Neues. Neu war nur, daß endlich auch der leitende Be- amte sie eingestand. Wir haben diese Zustände schon immer in dieser Weise geschildert und haben unS dafür den Vor- wurf der Verhetzung, der Verleumdung und d e S Herunterreißens gefallen lassen müssen. Weiter hat der Staatssekretär mitgeteilt, daß nicht nur in O st a f r i k a sich be« bäuerliche Zustände herausgebildet haben, sondern daß auch in Südwestafrika und in K a m e r u n das Treiben der Händler gcradez» verbrecherisch genannt werden müsse,(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Und das wichtigste Zngcstäildiiis ist das, daß das Treiben dieser An- siedler schlicsilich zum Ausstande geführt hat. Wertvoll ist auch daS Zugeständnis, daß die Eingeborenen in Togo um ihr Land betrogen worden sind, und daß erst der Reichstag ein- schreiten mußte, um den Eingeborenen wieder zu ihren: Rechte zu verhelfen. Das sind alles Dinge, die jedem, der ein Verständnis für Kolonialpolitik hatte klar machen mußten, daß es so wie bisher nicht lveiter gehen könne.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Dazu kamen die Brutalitäten, deren sich weiße B e- amte schuldig machten. Ich weiß. Sie wollen an die ollen Vorfälle nicht gern erinnert sein, und bezeichnenderweise war cö gestern Herr Schräder, der sagte, man solle über die alten Dinge richtungen sind, die sie bei sich zu Hanse aufs höchste verehren. Wenn in der Nachahmung die Karikatur besser herauskommt, so sind wahrscheinlich die Vorbilder daran schuld. Und die Hofpoeten und nationalen Geschichtsschreiber von der bekannten Sorte haben in Haiti Faustin mit Recht genau so besungen, beweihräuchert und zum Mittel- Punkt der Welt gemacht, wie ihre Kollegen— in Gerolstein. Notizen. — Im Hebbel-Theater wurde ins Strind berg« Repertoire statt des quälenden Rachestückes„Samum" die gleichfalls ältere, phychologisch und technisch interessante Szene„D i e Stärkere" aufgenommen, die am Mittwoch gute Aufnahme fand. Strindberg hat in diesem Dramolet die dramatische Oekonomie aufs höchste gesteigert. Zwei Frauen treffen sich im Cafehause. Nur die eine kommt zu Worte. Aber in ihrem Monolog, der keineswegs maniriert wirkt, kommen beider Schicksale zu runder Gestaltung: ihr Kampf um de» einen Mann mit all seinen Wendungen, in denen die lebensvollere, anpasinngsfähigere über die andere, die stolzere und herrschsüchtige, Siegerin blieb. Frau B e r t e n s, als die Stärkere, ließ uns-mit sprudelnder Lebhasligkeit und beseelender Bertiefling die Stationen ihres Kampfes intensiv miterleben. Ein Bravourstück, das man gern durch ausdrucksvollere Mimik des zur stummen Partnerin verurleilten Fräulein Maria Mayer unterstützt gesehen hätte.— r. — Die Freie Volksbühne veranstaltet am Sonn- abend, den 21. d. M., im Bürgersaale des Rathauses einen K a m m e r:n u fi k a b e n d für Streichquartett und Gesang. Einlaß- karten a 35 Pf. sind in den bekannten Zahlstellen zu haben.— Am Sonntag beginnen die Aufführungen von Henri Bernsteins Drama »Die Kralle" im Neuen Schauspielhause. — Bühnenchronik. Harry Walden sollte zum Herbst 1909 ins Deutsche Theater übersiedeln, wo er ein reicheres Betätigungsfeld zu finden hofft. Indes wird er nun schon von diesem Herbst an ins Deutsche Theater eintreten, düsür aber die nächsten Jahre jeweils für einen Teil der Saison an das Neue Schauspielhaus beurlaubt werden. — Eduard Zeller. der Senior der deutschen Philosophie- Professoren, ist im Alter von 94. Jahren in Stuttgart gestorben. Er war ein Schwabe, der in Tübigen und Berlin Philosophie und Theologie studiert hatte und als theologischer Kritiker im Sinne der Tübinger Schule begann. 1849 wurde er in Marburg bon seinen orthodoxen Kollegen aus der theologischen in die philosophische Fakultät verdrängt. Zeller war dann von 1872 bis 1894 an der Berliner Universilät tätig, wo er's bis zum Gcheimrat und zum Lobrebner des Philosophen— Friedrich II. brachte) Von seinen Schriften ist seine im Hegelschen idealistischen Sinne verfaßte um- fangreiche Geschichte der griechischen Philosophie, von der auch eine kürzere Ausgabe erschleiien, zu erwähnen. — Der gerettete Schiller gaten. Der Schillergarten in Jena, den bureaukratische Unvermmft für irgend einen Neubau opfern wollte, bleibt in seinem alten Zustande erhalten. Der Ein- spnich der Presse hat genützt. mm Gras wachsen lassen lind sich mit der Zukunft beschäftigen� tSehr richtig! bei den Kreisinnigen.) Ja, man hat meinem Partei- freund Ledeoour einen Vorwurf daraus gemacht, daß er hier olle Kamellen vorgebracht hat.(Zustimmung des Abg. S t o r z.) Man sollte� doch nicht vergessen, das; diese Brutalitäten die Ursache dafür gewesen sind, das; wir mit unserer Kolonialpolitik so schlecht gefahren sind.(Sehr richtigl bei den Sozialdeinokraten.) Wenn wir soeben die Opfer, die drüben in Afrika gefallen sind, geehrt haben, und wenn das ganze Haus sich dem anichlotz, so darf doch nicht verschwiegen werden, daß diese� Opfer durch das System mitverschuldet worden sind._(Lebhaste Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wir hätten wahrscheinlich_ die opferreichen Aufstände gar nicht bekommen, wenn früher ein anderes Berwaltuugssystem gefolgt wäre. Wenn der Abg. v. Treuenfels gesagt hat, daß von unserer Seite unsere braven Soldaten beschimpft worden seien so ist das eine Unwahrheit. �Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten, Widerspruch rechts.) Das Gegenteil ist der Fall. Wir haben unseren Antrag auf möglichst frühzeitige Zurückziehung der Soldaten aus dem Schutzgebiet gerade -damit motiviert, daß wir sie dem mörderischen Klima nicht länger ausgesetzt sehen wollten, als un- bedingt notwendig war.(Sehr wahr! bei den Sozial- demolraten.) Wir erkennen auch die Treue unserer Soldaten an. denn sie sind Fleisch von unserem Fleisch und Blut von unserem Blut.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten. Hört! hört! rechts.) Es sind unsere Brüder, es sind die Söhne des Volkes, die dort drüben kämpften, nicht die Angehörigen Ihrer Klasse(nach rechts) allein.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Also wir erkennen ohne weiteres die Treue der Leute an, die Tapferkeit, niit der sie sich ge- schlagen und ihre Pflicht erfüllt haben.(Beifall bei den Sozial- demolraten.) Aber diese Treue hat zur Voraussetzung, das; die Leiter unserer Schutztruppe dafür sorgen, daß das Lebe» der Soldaten nicht leichtfertig aufS Ziel gesetzt wird. DaS ist aber teilweise unter dem bisherigen System ge- schehen, das zu Ausständen führen mußte und geführt hat. Diese Zustände mußten zur Bernichtung aller Werte in den .Kolonien führen, und diese Raubpolitik fand ihre natürlichen Grenzen dort, wo niclitS mehr zu holen war. Der Zusammenbruch war also unausbleiblich, und es konnte dem Staatsickretär, der ja viel kausmä, mischen Sinn hat. nicht schwer fallen, auszurechnen, daß ein Wandel platzgreifen mußte. So kam denn der Staatssekretär zu seinem neuen Programm und zu dem Satz, daß der Eingeborene der wertvollste Besitz der Kolonien sei, und daß die Eingeborenen- kultur gefördert werden müsse. Herr Schräder übersetzte diesen Satz � damit, daß unsere Kolonien nicht AuSbeutungs« gebiete darstellen sollen. Ich glaube, diese llebcrsetzung trifft nicht zu, und auch der Staatssekretär wird sich wohl energisch verbitten, daß man seinen Satz so interpretiert. Herr Deimburg hat ja klipp und klar ausgesprochen, daß die erste Pflicht sei. die Eingehorenen zu schützen, daß ober andererseits aus den Eingeborenen sür die Kolonie Nutzen gezogen werden müsse. Die Eingeborenen sollen dem Mutterlande gewissermaßen eine Rente abwerfen. Dieser Ausbeutung wegen, denn anders ist es »licht zu nennen, hat. glaube ich, der Staatssekretär die Ein- geborenen als das wichtigste Aktivum bezeichnet. Der Staats- sekretär hat ausgeführt, daß aus dem Neger ein gehorsamer, williger Untertan gemacht werden soll, hat aber dann hinzugefügt, daß gegen Uubotmäßigleit strenge Strafen angewendet werden müssen. Schon der Abg. Ledcbour hat darauf hingewiesen, daß diese Ausführungen des Staatssekretärs noch dadurch erweitert sind, daß er sich für die Prügelstrafe erklärt hat. ES ist heute ja viel von einer Kodifizierung des Ein- geborenenrechtS die Rede gewesen und zwar zum Schutz der Eingeborene». Ich möchte hierbei gleich erwähnen, daß, wenn man von einer Wahrung des Rechtes der Eingeborenen spricht, eZ dringend notwendig ist, eine Aenderung der Prügel- ordnung vorzunehmen. Jetzt besitzen die Gouverneure das Recht, jedem vorgeschobenen Posten die Berechtigung zur Berhängung der Prügelstrafe zu erteilen. Wenn ein Unterosfizier oder ein weißer Soldat der Schutztruppe mit zwei oder drei Mann zu einem Patrouillengang aufgefordert wird, so hat er das Recht, diese Strafe zu Verhängen. Es ist uiiangöngig, daß Organe, welche sich der Pflichten einer solchen Machtbefugnis nicht bewußt sind, eine solche Befugnis erhalten.(Zustinunung bei den Sozial- demolraten.) Wir sind unbedingte Gegner der Prügelstrafe, hier deckt sich einmal ausnahmsweise unsere Anschauung mit der von Dr. Müller-Meiningen. Wir glauben, daß man auch dem Neger gegen- über ohne Prügelstrafe auskommt. Wenn aber die Verwaltung ineint, sie müsse sie beibehalten, so müssen jedenfalls der Befugnis scharfe Grenze» gezogen werden. Ich hoffe, daß der Staatssekretär »cicht allzuweit von dieser Anschauung entfernt ist. Hat er doch selbst in der Budgetkommission mit Zeichen des Unwillens erzählt, daß er auf einem KalTenamt auf dem Zabltifcb die peitfcbe gefunden habe, also in einem Amt. wohin sie doch sicherlich nicht gehört. Er will die schärfsten Strafen gegen Unbotmäßigkeit und will die Prügelstrafe nur mil gewissen Kautelen umgeben; er hofft, wenn die Willkür der einzelnen Privatpersonen, der Pflanzer und Händler, aus- geschaltet wird, so werden die Eingeborenen Vertrauen zur Regierung ge- lv innen, die als eine Art Patriarch erscheinen soll. Für die Re- gierung handelt es sich also nicht darum, die schrankenlose AuS- beutung der Eingeborenen abzuschaffen, sondern sie in ge- wisse geordnete Bahnen zu leiten, sie zu organisieren.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Für die Kolonialverwaltung sind die Eingeborenen das Aktivum, wie es für die Sklavenbesitzer die Sklaven loaren. Wenn die Sklavenbesitzer danach trachteten, die Sklaven zu vermehren und ihre Gesundheit zu schützen, so ist die Kolonialverwaltung bestrebt, die Eingeborenen zu schützen. Von diesen» Gesichtspunkte aus betrachte ich das Programm des Kolonialsekretärs.(Zustimmung bei den Sozial- demolraten.) Gewiß sind wir keine Gegner der neu einzuführenden Arbeitsordnung; wir werden es begrüßen, wenn sie von einem ge- wissen Maß sozialen Verständnisses beseelt ist. Wir sind auch damit emverstanden, daß Eingeborencnkommissare eingeführt werden, welche die Rechte der Eingeborenen vor Gericht vertreten, damit die Eingeborenen nicht davonlaufen, damit sie nicht, wie der Staatssekretär selbst zugegeben hat. in die englischen Kolonien laufen und sich so das Aktivum der Kolonien vermindert. (Sehr richtigl bei den Sozialdemokraten.) WaS nützen UNS denn Eingeborene, wie sie jetzt in Südwestafrika find, diese halbverhungerten Massen, die schließlich dem Mutterlande>zur Last fallen. Wenn der Staats- sekretär jetzt soziale Maßnahmen anstrebt, so geschieht das nicht aus dem reine» Kulturempfinde» heraus, menschlich zu handeln, sondern sie sind diktiert von dem Bestreben, das Aktivum der Kolonie zu erhalten.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Von diesem Gesichtspunkt aus find auch die sanitären Maßnahmen zu betrachten. welche die Kolonialverwaltung vorschlägt. Manchmal könnten wir wünschen, daß nur der zehnte Teil der Sorg- sali, den die Kolonialverwaltung den Eingeborenen jetzt zuwenden will, in Deutschtand angewendet wird. Es werde» Hospitäler eingerichtet, es werden Expeditionen ausgerüstet, um die Krankheiten zu erforschen. Es»verde» Lazarette errichtet und in jeder Weise wird dafür gesorgt, die Sterblichkeit unter den Eingeborenen zu verringern. Das ist ganz gut und schön. Wir »nißbilligen es nicht, wir beneiden die Eingeborenen förmlich darum, weil bei uns in Deutschland in diesen Dingen noch so viel zu wünschen übrig ist.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) 'Aber auch hier ist der Grund aller Maßnahmen der, daß die Siegierung das Aktivum der Kolonien bewahren und deshalb die Sterblichkeit der Eingeborenen vermindern will. Auch darauf will sie sehen, daß die Fortpflanzung der Neger eine geregeltere und bessere wird. General Trotha rottete die Neger in Sndwcstafrika aus. Vielleicht erläßt jetzt der Staatssekretär an Stelle der Vernichtungs- und Ausrottungspolitik eine Ver- ordnung, daß die in Siidivestasrika noch vorhandenen deutschen Soldaten der Fortpflanzung der Neger nutzbar gemacht werden sollen (Heiterkeit), um das Aktivum des Staalssekrctärs in den Kolonien zu vermehren. Man vermehrt also das Grundkapital, mit welchem man jenen märchenhaften Kolonialsegen erzeugen will, der vor den Wahlen den Wählern so schimmernd ge- zeigt wurde, den der Staatssekretär jetzt aber auf einige Generationen vertage« will.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Borläufig wird der Reichszuschuß nach und nach in Anleihen umgewandelt, damit er nicht so fühlbar wird, und dann hofft man. daß später das dort angelegte Kapital sich in irgend einer Weise wieder verzinst. Dieses Streben, die Ausbeutung nicht zu beseitigen, sondern für uns nutzbar zu machen. beweist auch der Hinweis des Staatssekretärs auf die französische Kammer; dort wurde ausdrücklich gesagt, die meisten Kolonien sind AuSbeutimgstolonien und müssen eS auch bleiben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Staatssekretär hat auf verschiedenen Seiten Widerstand gegen sein neues System gefunden; aber vielleicht nur deshalb, weil jene Kresse fürchten, daß der schrankenlosen Ausbeutung, die sie bisher trieben. zu enge Grenzen gezogen würden. Wenn die Herren Semler, Spahn und andere die Interessen der Pflanzer und Händler und großen Handelshäuser gegen den StaatSiekrelär wahrnahmen, so haben wir hier nur den Gegensatz der schrankenlosen Ausbeutung drlrch private. gegenüber der Ausbeutung zuin Nutzen des Staates zutage getretenen. Dr. A r n i n g sagte ganz ehrlich: die geistige Eutwickeluug der Neger»vollen»vir in die Hand nehmen, aber nur insoweit. als eS unseren Interessen nicht widerspricht. DaS ist sehr bezeichnend.(Sehr richtig! bei den Sozial- demolraten.) Bisher erzählten Sie der Bevölkerung draußen, Sie wollten Kulturpolitik in Afrika treiben. Aber in dem Augenblick. wo der Eingeborene durch unsere Kulturarbeit so weit selbständig wird, daß er sich nicht mehr als Ausbeutungsobjekt der deutschen Verwaltung fühlt, sondern selbständig sür sich schaffen will, haben Sie kein Interesse mehr an seiner Kultur und bielleicht schreiten Sie dann wieder zu einem Trothaschcn Erlaß, um den Eingeborenen in der Kultur wieder zurück- zuiverfen. ES freut mich, daß Dr. Urning einmal so ehrlich die KulturmaSke vom Gesicht genommen hat.(Zusttinniung bei den Sozialdemokraten.) Für die bürgerlichen Parteien hat die ganze Kolonialpolitik keinen anderen Zweck, als sich zu bereichern. Daran ändert auch nichts das Lob. das der Christianisierung und der Kulturarbeit gesungen wurde. Sie sehendie Missionare noch lieber als Ge« schäftstreibende. Sie sollen die Neger noch lieber zur Ausbeutung er- ziehen, als daß sie sie für die Christianisieruna gelviimen.(Zust. b. d. Soz.) Der Herr Staatssekretär reklamiert nun seinen Anteil an dem Ge- winn, den man aus der Negerkrast schlagen will,»>nd daher ergibt sich der Widerstand der Missionen gegen ihn und die Vorwürfe, die. wenn auch in milder Form, im Plenum gegen ihn vorgebracht worden sind. Insoweit bietet also das System des Staatssekretärs nichts Neues, nur das Etikett ist geändert. Man kann Ihre(nach rechts) Politik überhaupt nicht treiben ohne Ausnutzung der Neger. Der Staatssekretär zieht»»un die Konsequenzen aus diesem System, indem er den Bau von Eisenbahnen fordert. Die verlangten 150 Millionen werden freilich nur der Anfang sein. Man wird sich aus den Standpunkt stellen: Warum halbe Arbeit machen, warum nicht das Doppelte bewilligen? Vermutlich wird man in einer der nächsten Sessionen kommen»md sagen: es hat sich herausgestellt, daß»vir »v e i t e r b a u e n müssen, der Anfang genügt nicht zur Renlabilität der Bahn. Die Hoffnungen, die vom Staatssekretär und auch von anderer Seite an die Entwickelung der Kolonien ge- knüpft werden, können wir nicht teilen. Die Begeisterung wird legen, wenn man nur nächstens die Berichte durchsieht, die unter Redaktion des Staatssekretärs selbst zustande gekommen sind. Auch 'onst sind uns ja verschiedene Aufschlüsse über die finanzielle»»nd wirtschaftliche Lage der Kolonien gegeben werden. Da wird uns ge 'agt, daß Kamerun vor dem wirtschschaftlichen Znsammenbruch tehe, da dort jahrelang Raubbau an Produkten und Menschen ge- trieben worden sei. Dieser Zusammenbruch wird kaum auszuhalten 'ein dadurch, daß man in aller Eile eine Eisenbahn ballt. In Süd- westafrila würde eS hunderte von Jahren bedürfen. ehe die Kolonie zu einer solchen mit einem starken Aktivum wird, wie Herr Dernburg sagt. Die Eingeborenen sind ja zum größten Teil vernichtet. Dann haben wir Ost- afrika, nach ihrem Etat und ihrer Veranlagung unsere beste Kolonie. Aber auch hier wird eS lange dauern, bis die Neger- kulwr einigermäßen Erträge bringt. Wir haben dann noch die Musterkolonie Togo, mit der man renommiert, weil sie im Etat balanziert. Das ist aber nur dadurch möglich, daß man den Schnapsgenuß ausbeutet. DaS kann uns wirklich nicht veranlassen, mit Lust und Freudigkeit wieder ungezählte Millionen in die Kolonie hineinzustecken. Also die, die jetzt neue Opfer sür die Kolonien bringen, werden sich mit großer Geduld wappnen müssen, ehe sie Vorteil aus den Kolonien ziehen. Die Kapitalsnnlagcn werden ins Ungcmessene wachsen, ohne daß eine Aussicht auf Rückerstattung vorhanden ist.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Aus die etatrechtlichen und budgelrecht- liche» Fragen will ich mich nicht einlassen. Aus den diesbezüglichen Ausführungen des Herrn Erzberger habe ich nur so viel entnommen, daß er eigentlich gegen die Eisenbahnen sprechen müßte.— Man könnte nun sagen, wir in Deuischland sind verpflichtet, Kulturpolitik zu treiben; wenn Deutschland im Rate der Völker eine Rolle spielen olle, dürfe eS sich nicht beiseite schieben lassen, wenn eS gelte, Kulturarbeit zu leisten. Demgegenüber habe ich dargelegt, daß es ich hier um nichts weniger als eine Kulturpolitik ändern um eine Ausbeutungspolitik handelt, die dem Kapitalismus zugute kommt. Und haben wir eS nicht viel notwendiger, Kultur- arbeit in Drutschland selbst zu treiben? Aus praktischen und prinzipiellen Gründen lehnen wir die Kolvnialpolitik ab.(Bravo bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Paasche(natl.): Den Ausführungen des Herrn Treuenfels und seinen anerkennenden Worten für unsere tapferen Truppen schließen wir uns gern an. Bestreiten muß ich, daß .wischen den Absichten des Herrn Staatssekretärs und denen des Herrn Liebert ein so großer Unter- chied besteht. Auch Herr Liebert will die Neger nicht nur für die Pflanzer und Plantagenbesitzer zur Arbeit erziehen, sondern auch im Interesse dieser Pflanzer. Wir sind eben der Meinung, daß nicht jeder ein selbständiger Mann sein kann, die Neger können sich auch sehr wohl fühlen unter humanen und wohlwollenden Arbeitgebern.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Wenn nun Herr Eichhorn gesagt hat, auf dem Gouvernement liege der Stock bereit, so beweist das gar nichts. Wenn Sie hier auf irgend ein Bureau gehen, dann können Sie vielleicht auch den Spazier stock des Rendante n auf deni Tisch liegen sehen. lLacben bei den Sozialdemokraten.) In Afrika kaust man sich die Nilpferdpeitsche und die Stöcke nicht zum Hauen(Gelächter bei den Sozialdemokraten), sondern ihres eigenartigenAuSsehenS wegen.(Stiirmi'cheS Gelächter bei den Sozialdemokraten.) Präsident Graf Stolderg: In den letzten Tagen find mehrfach während der Reden einzelner Mitglieder des HanieS Zeichen des Mißfallens von der Journalistentribüne gegeben worden. Ich habe bereits Gelegenheit gehabt, diese Störungen der Ordnung zu rügen. Ich will aber noch einmal darauf aufmerksam machen, daß ich im Wiederhol ungs- alle genötigt sein würde, diejenigen Tribünen, von denen solche Störungen ausgehen, räumen zu lassen. Wenn ein Mitglied des HauseS gegenüber solchen Störungen einen von mir übrigens nicht gehörten unparla- m entarischen Ausdruck gebraucht hat, so bedauere ich das. Die Mitglieder der Joumalisteatribüne verlassen de« Saal. (Laute» Lachen im Zentrum.) Sss verelnzgeketr in der Klockfsffung angenommen. Die Kommission beendete om Donnerstag in einer sel?r leb- haften Sitzung die zweite Lesung dcZ Entwurfes. Selbst die schlimmsten Erwartungen über die Unzuvcrlässigkeit der freisinnigen Parteien wurden durch ihr« Haltung noch übertroffeu. Ter Freisinn hat nicht nur beim§ 7 sich unter den Willen der hakatsstischen preußischen Regierung gebeugt, sondern sich auch der Forderung der Konservativen unterworfen, die Versamm- lungsfreiheit der Jugendlichen einzuschränken. Er ist damit in seiner reaktionären Blockknechtschaft noch über die rückschrittlichen Forderungen des Regierungsentwurfes hinausgc- gangen. Alle Versuche der Sozialdemokraten und de» Zentrums, die schlimmsten Vorschriften de» Gesetzes zu beseitigen, scheiterten an dem kompakten Widerstande der Blockparteien,'deren frei- sinniges Quartett unentwegt alle freiheitlichen Fortschritte abzu- lehnen- mithalf. Auf die Festellung des Genosscn Hildenbrand, bah der n«ie 8 7 schlimmer sei als die Re g i e r u n g S v o rl a g e, weil er sich in der Hauptsache zugunsten der rheinischen Industriellen gegen die wirtschaftlichen Bestrebungen der deutschen Arbeiter in Rheinland-Westfalen wendet, für die die Organisierung der Polen eine unabweisbare Notwendigkeit ist, ging kein Redner des B l o ck S e i n. In Rheinlan-d-Westsalen sitzen in keinem einzigen Bezirk 60 Proz.»alt-eingesessene Polen", so daß dort in keiner Versammlung die polnische Sprache zugelassen ist, und den deutschen Arbeitern dort jode Möglichkeit genommen ist. sich mit ihren polni- schcn Kameraden zu verständigen. DaS Schweigen der Regierung und der Blockparteien war das Eingeständnis, daß der neue 8 7 diese Wirkung haben wird. Der Freisinn suchte sich vergeblich durch staatsmännische Redensarten für seinen llmfall zu entschuldigen. Herr v. Payer suchte in langer Rede auseinanderzusetzen, daß er seinen Namen nur auS Freundschaft für die Polen unter da- Gesetz geschrieben hätte, denn ohne dieses Nachgeben der Frcl- sinnigen wäre es gar nicht zustande gekommen, und dann wäre Preußen, wie das EntcignungSgesetz zeige, noch schlimmer mit den Polen umgesprungen. Nach diesem geistvollen Argument hätte der Freisinn ja von vornherein für den-§ 7 eintreten können; jetzt hat er einfach auS Furcht vor der Zertrümmerung der eln- träglichen Blockgcmeinschaft seine bestimmtesten Versprechungen ge- brachen und der preußischen Regierung die Verantwortung für ihre Polenhctze abgenommen. � Vor Eintritt in die Verhandlungen verlasen vw freisinnigen Abgeordneten Dr. Müller-Meiningen, v.� Payer und Schräder folgende Erklärung:.,.„_ „Gegenüber den gehässigen Ausstreuungen»n der Presse, daß unsere nunmehrige Haltung zu 8 7 dcS VereinSgesetzeS ab- hängig gemacht sei von Konzessionen auf dem Gebiete des Lörscn- gcsetzes. erklären wir:.. ES ist eine Verleumdung, wenn erne solche Verknüpfung der beiden legislativen Aufgaben behauptet wird. Als Vertreter meiner Partei bei den Kompromißverhand- kungen erkläre ich. daß in keinem Stadium der Verhandlungen auch nur mit einem Worte die Absicht einer solchen Verkoppelung ausgedrückt oder angedeutet wurde, vielmehr wurde o limme jede solckje Verbindung von der Hand gewiesen." Die freisinnigen Wahrhcitsfreunde ließen sicb diese Erklärung von den Ab gg. Dietrich(k.). Fürst v. Hnhfeti»(Rpt.) und Dr. Hiekier (natl.) bestätigen und appellierten an die Ehrlichkeit der Gegner, diese Erklärung wahrheitsgemäß in der Presse zu verbreiten. Dl- Erklärung über die..nunmehrige Haltung" der Freisinnigen»st ganz allerliebst. Ein Gedanke, der nie ausgesprochen oder auch nur angedeutet worden ist. ist von den unentwegten Freisinnigen ausdrücklich zurückgewiesen worden! DaS Kunststück bringt nur Müller-Meiningen fertig. Wer's glaubt, muß direkt Mitglied der Freisinnigen VolkSpartci sein. Im übrigen werden wir ja sehen. ob nun die Konservativen beim Börsengesctz den freistnnigcn Wünschen entgegenkommen oder nicht,--solche„Konzessionen können eben auch verabredet werden, ohne daß man sie ausspricht oder andeutet..„„.. Selbstverständlich bekämpften unsere Genossen auch den neuen 8 lOa. das Ausnahmegesetz gegen die jugendlichen Arbeiter. Genosse Hildenbmid faßte unseren Standpunkt in die Worte zu- scurrmen: Wir in Süddeutschland bedanken un» für die Einfuhrung des Zustandes, mit dem sich Sachsen vor der gcmzen Welt lächerlich gemacht hat. Mier alles hals nichts, der Block sa�te seine Bei�lussc. und verfügte den Ausschluß aller Jugendlichen unter 18 Jahren von den politischen Versatmnlungen. Die jetzt beschlossenen 88 � bis 16 lauten:' § 7. Die Verhandlungen in öffentlichen Versammlungen sind in deutscher Sprache zu führen...„ r- � , Die Vorschrift findet auf internationale Kongresse sowie auf Versammlungen der Wahlberechtigten zum Betriebe der Wahlen für den Reichstag und für die gesetzgebenden Versamm- langen der Bundesstaaten und Elsaß-LotbringenS vom Tage der amtlichen Betannlmachung des Wahltages bis zur Beendigung der Wahlhandlung keine Anwendung. Die Zuläffigkeit weiterer Ausnahmen regelt die SandeSgesetz- gcbung. Jedoch ist in Landesteilen, ,n denen zur Zeit des Jnkraft- treten» dieses Gesetze» alteingesessene Bevölkerungsteile nichtdeutscher Muttersprache vorhanden sind, sofern diese Bevölkerungs- teile nach dem Ergebnisse der jeweiligen letzten Volkszählung 60 vom Hundert der Gesamtbevölkcrung übersteigen, während der ersten 20 Jahre nach dem Inkrafttreten dicje» Gesetzes der Mit- gebrauch der nichtdeutschen Sprache gestatlet, wenn der Per- anstalter der öffentlichen Versammlung mindestens dreimal 24 Stunden vor ihrem Beginne der Polizeibehörde die Anzeige erstattet hat, daß und in welcher nichtdeutschen Sprache die Ver- Handlungen geführt werden sollen. Ueber die Anzeige ist von der Polizeibehörde sofort eine kostenfreie Bescheinigung zu erterlen. AIS Landcsteilc gelten die Bezirke der unteren VerwaltungS- behörden. Ferner sind, soweit die Landesgcsctzgebung Abweichendes nicht bestimmt, Ausnahmen auch mit Genehmigung der Landes- zentralbehörde zulässig. 8 8. Beauftragte, welche die Polizeibehörde in crne offent- liche Versammlung entsendet, haben sich unter Kundgebung ihrer Eigenschaft dem Leiter oder, solange dieser nicht bestellt ist, dem Veranstalter der Versammlung zu erkennen zu geben. Dem Beauftragten mutz ein angemessener Platz eingeräumt werden. Die Polizeibehörde darf nicht mehr als zwei Beauftragte entsenden. § S. Die Beauftragten der Polizeibehörde sind befugt, unter Angabe des Grundes die Versammlung für aufgelöst zu erklären, 1. wenn die Bescheinigung über die ordnungsgemäße Anzeige nicht borgelegt werden kann; 2. wenn die erforderliche Genehmigung nicht erteilt ist; S. wenn die Zulassung der Beauftragten der Polizeibehörde verweigert wird; 4. wenn Bewaffnete, die unbefugt in der Versammlung an- wesend sind, nicht entfernt werden; 6. wenn in der Versammlung Anträge oder Vorschläge erörtert werden, die eine Aufforderung oder Anreizung zu Verbrechen oder nicht nur auf Antrag zu verfolgender Vergehen enthalten; 6. wenn Rednern, die sich verbotswidrig einer nichtdeutschen Sprache bedienen, auf Aufforderung der Beauftragten der Polizei- behörden von dem Leiter oder Veranstalter der Versammlung das Wort nicht entzogen wird, 5Sfl eine OerföWttluTlö für aufgelöst erklärt worden, so Hai die Polizeibehörde dem Leiter der Versammlung die mit Tatsachen zu belegenden Gründe der Auflösung schriftlich mitzuteilen, falls er dies binnen drei Tagen beantragt. tz 9s regelt den Rechtsweg für die Anfechtung der Auflösung einer Versammlung. § 10. Sobald eine Versammlung für aufgelöst erklärt ist, sind alle Anwesenden verpflichtet, sich sofort zu entfernen. § 19,. Personen, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, dürfen nicht Mitglieder von politischen Vereinen sein und weder in Versammlungen solcher Vereine, sofern es sich nicht um Veranstaltungen zu geselligen Zwecken handelt, noch in öffent- lichen politischen Versammlungen anwesend sein. Z§ 11 und IIa setzen die Geldstrafen bis zu 159 M. und 899 M.— im Unvermögensfalle Haft— oder Haft fest für die Zu- Widerhandlungen gegen die Ordnungsbeftimmungen des Vereins- gesetzeS. Reu ist im§ 11 der Absatz S. der mit dieser Strafe trifft, wer als Vorstand oder als Mitglied des Vorstandes eines Ver- eins entgegen den Vorschriften des K 19, dieses Gesetzes Personen, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, in dem Vereine duldet, und lAbsatz 9), wer entgegen den Vorschriften des§ 19, als Minderjähriger in einer politischen Versammlung anwesend ist. tz iL. Die Vorschriften dieses Gesetzes finden keine Anwendung auf die durch das Gesetz oder die zuständigen Behörden angeordneten Versammlungen. § 13. Welche Behörden unter der Bezeichnung„Polizei- behördc",„Untere Verwaltungsbehörde" und höhere Verwaltungsbehörde" zu verstehen sind, bestimmt die Landeszentralbehörde. § 14. Der Vorstand hat dem Amtsgericht auf dessen Ver- langen jederzeit eine von ihm vollzogene Bescheinigung über die Zahl der Vereinsmitglieder einzureichen. ß 15 enthält die Aufzählung der durch das ReichsvercinSgesctz ersetzten Landes, und Reichsgesetzc. Z 16. Unberührt bleiben die Vorschriften dez Landesrcchts über kirchliche und religiöse Vereine und Versammlungen, über kirckiliche Prozessionen, Wallfahrten und Bittgänge, sowie über geistliche Orden und Kongregationen; die Vorschriften des Landes- rechts in bezug auf Vereine und.Versammlungen für die Zeiten der Kriegsgefahr, des Krieges, des erklärten Krieges(Belaaerungs- zustandeSs oder innerer Unruben(Aufruhrs); die Vorschriften des Landrechtes in bezug auf Verabredungen ländlicher Arbeiter und Dienstboten zur Einstellung oder Verhinderung der Arbeit; die Vorschriften des LandeSrechts zum Schutze der Feier der Sonn- und Festtage; jedoch sind für Sonntage, die nicht zugleich Fest- tage sind, Beschränkungen des Versammlungsrechtes nur bis zur Beendigung des vormittägigen Hauptgottesdienstes zulässig. Damit hat die Reichsvei einSgesetz-Kommission ihre Arbeiten beendet, ohne auch nur den Schein eines wirklichen, freiheitlichen Vereinsrechtes in Deutschland geschaffen zu haben. Sie tritt nur noch zu einer kurzen Sitzung zur Feststellung ihres Berichtes an das Plenum zusammen. Dort wollen die Blockparteien noch vor Ostern das Reichsvereinsgesetz in der jetzt beschlossenen reaktionären Fassung durchpeitschen._ Huö Induftm und ftandeL Zweierlei Statistik. Schon wiederholt ist darauf hingewiesen worden, dasi unsere amtliche Statistik über industrielle Verhältnisse kehr unzureichend ist. Und zu der Mangelhaftigkeit tritt die Unzuverlätzlichkeit. Die amt- lichen Ziffern beruhen auf Angaben der Unternehmer. ES fehlt aber an bestimmten Normen für die Feststellungen der Ergebnisse und eine Nachprüfung ist so gut wie ausgeschlossen. Das mutz zu Täuschungen führen, schon darum, weil je nach den BestimmungS- zwecken anscheinend verschiedene Statistiken angefertigt werden. Für diese Behauptung geben wir nachstehend einen Beweis durch Gegen- Überstellung der von der Bergwerksgesellschaft„Hibernia" in ihrem (im„Börsen-Courier" veröffentlichten) Geschäftsbericht pro 1997 ge° machten Angaben und denen, die die Gesellschaft in dem offiziellen Organ des„Vereins zur Wahrung der bergbaulichen Interessen". im„Glückauf"(Beilage zu Nr. 11, Jahrgang IVOS) hat publizieren [äffen. Angaben der„Hibernia" im Geschäfts- in dem offiziellen bericht 1997 Organ„Glückauf" 1996 1997 1906 1907 Kohlensördening in To. 6 669«87 S 999 939 5 562 147 5 373 1 18 KokSerzeugung-- 806 932 798 975 1 394 462 1 273 795 Arbeiterzahl...... 18 973 10 212 17 978 19 199 Nicht sehr erheblich ist die Differenz in den beiden Angaben über die Belegschaftsstärke; um so auffälliger ist der Unterschied in den Produktionsziffern. Nach den Angaben des Geschäftsberichtes ist die Kohlenförderung im letzten Jahre um rund 330 909 To. gestiegen, »ach den offiziellen Ziffern im Verbandsorgan ist sie um fast 199 999 To. gesunken; autzerdrm ergeben sich noch starke Unterschiede in der absoluten Höhe. Und bei den Angaben über die Koks- erzeugung betragen diese Unterschiede sogar bis über 69 Proz., ob- wohl, wie bemerkt, die Zahlen über Belegschaftsstärke sich sehr nahe kommen. ES liegt auf der Hand, datz man zu sehr verschiedenen Resultaten kommt, je nachdem die Angaben des Geschäftsbetriebes respektive dir des verbandsamtlichen Organs der Gruben benutzt werden. Nach den Angaben im Geschäftsbericht entfällt zum Beispiel für daS letzte Jahr auf den Kopf der Arbeiter eine Kohlenförderung von 397 Tonnen und eine KokSerzeugung von 41,5 Tonnen, während nach der, offiziellen Verbandsziffern pro Arbeiter nur 281 Tonnen Kohlen gefördert, aber 66,7 Tonnen Koks erzeugt worden sind. Dieselben Verschiedenheiten ergeben sich natürlich auch, wenn man die Produktions- und BclegschaftSziffem zu Wert» und Kosten- bcrechnungen benutzt._ Hibernia. Im Geschäftsbericht der Gesellschaft wird, wie wir der„Franks. Zeitung" entnehmen, behauptet, die pro Kopf der Belegschaft zurück- gegange Nettoförderung sei ein Beweis für die eingetretene Ver- Minderung der Arbeitsleistung. Leichtfertiger kann eine— unwahre Behauptung nicht aufgestellt werden. Schon vor Jahren hat der Bergbauliche Verein in seinem Geschäftsbericht ausdrücklich gegen den Unfug sich gewendet, die nackte Förderung nach irgend einer Richtung als Matzstab der Arbeitsleistung zu verwerten. Unbedingt notwendig ist, neben der Förderung auch die Nebenproduttion, ferner den Umfang der vorrichtungSarbeiten zu berücksichtigen und was ganz besonders wichtig ist, die Summe der Ueberlchichten mutz mit in Rechnung gestellt werden. Die Zahl der pro Arbeiter verfahrenen Schichten ging um annähernd 3, von 329,99 auf 326,15 zurück Schon das allein mutz natürlich die Kopfquote ernrätzigen. Nach den von der„Franks. Ztg." angegebenen Förderziffern würde übrigens die Leistung sowohl pro Arbeiter als auch pro Kopf und Schicht erheblich gestiegen sein. Die Gesellschaft hat trotz der um- sangreichen VorrichtungSarbeiten, die nach der wilden Förderung im Vorjahre erforderlich waren, sehr gut abgeschnitten. Der Rein- gewinn ist von 6 862 185 M. im Jahre 1900 auf 0 167 538 M. im letzten Jahre gestiegen._ Soziales. Gin verständiges Urteil. »5or dem Amtsgericht Lörrach stand dieser Tage der Geschäfts- führer deS Te�tilarbeiterverbandeS, Genosse Adolf KieSlich in Lörrach, wegen Beleidigung des Herrn Äöchlin io Steinen, eines der reichsten Grotzindustriellen des Wiesentals, unicr Anklage. Gegenstand der Klage war eitt Flllgblatk, welches Äieslich verbreitete und in welchem unter anderem auch gesagt war, die Spinnerei und Weberei Steinen habe im Jahre 1996 pro Kopf der Arbeiter einen Reingewinn von 691 M. verdient, in welchem Zusammenhange das Wort„herauspressen" ge- braucht wurde, welches Kachlin als eine verleumderische Beleidi- gung auffaßte. Der als Zeuge geladene technische Fabrikleiter .Hardt mutzte bekennen, datz er die Arbeiter zwang, sich durch Unterschriften bereit zum Austritt aus der Textilorganisation zu erklären, datz den Arbeitern mit der Kündigung auch die so- sortige Räumung der Fabrik wohnung auferlegt wurde, datz der sogenannte Dekompt geübt, d. h. den Arbeitern ein höherer als der verfallene HauSzinsbetrag am Zahltag ab- gezogen wurde. Nach den Lohnzetteln betragen diese Gummen in Steinen und Maulburg zusammen 12999 Mark in einem Jahre. Ferner wurden die Eltern gezwungen, ihre Kinder nur bei dieser Firma zu beschäftigen, gegen Strafe der Kündigung. Auch wurde durch das Zeugnis des christlichen Gewerkschaftssekretärs festgestellt, datz seine betagten Eltern brotlos gemacht wurden, weil der Sohn vom Koalitionsrecht Gebrauch gemacht hatte. Die Verfemung durch schwarze Listen mutzte ein- geräumt werden. Nach etwa Vtstüitdiger Beratung sprach das Gericht den An- geklagten frei. C�eiverKscKaftUcKes. BerUn und Clmgegcnd. Die AuSsperrungsgelüste der Unternehmer lvegen der Märzfeier halten sich nach den bisher ein- gelaufenen Meldungen in engen Grenzen. Bei den Bau- arbeitern, Maurern. Zimmerern sind nur vereinzelt Maß- regelungen vorgekommen. Dort absorbiert der Abwehrkampf gegen die geplanten Lohnreduktionen alles Interesse und eine Maßregelung wegen der Märzfcier würde sich in den meisten Fällen gerade auf die Leute erstreckt haben, die jetzt schon in den Kampf getreten sind, um ihre gewerkschaftlichen Prinzipien hochzuhalten. Sie haben selbst eine große Reihe von Sperren verhängt über Bauten, wo die alten Löhne nicht mehr gezahlt werden.— Bei den Metallarbeitern fanden Aussperrungen in drei Werkstätten mit zusammen etwa 50 Mann statt. Als feiernde Werkstätten waren im Per- bandsbureau angemeldet 79 mit zusammen 3999 Mann. Viele haben keine Anmeldung nach dem Bureau gesandt. Von manchen Betrieben gingen die Arbeiter am Mittag ge- schlössen nach den Vcrsamlungslokalen, und diese Geschlossen- heit imponiert den Arbeitgebern stets. Der Streik bei Hugo Härtung, Stahl- und Eisenwerk in Moabit, wird besonders verschärft durch die P o I i z c i m a tz- regeln, die das Recht der Arbeiter, sich zur Wahrung ihrer Interessen zu verbinden, illusorisch machen. Der Eiser der Polizei, die Arbeitswilligen zu beschützen, geht über alle durch die Rechte der Streikenden gezogenen Grenzen hinaus. Kein Wunder daß es der Firma gelungen ist, 69 Streitbrecher einzustellen. Viel Klagen werden jetzt von den Lehrlingen bei Härtung laut, an welche große Anforderungen gestellt werden; z. B. müssen sie schwere Kräne ziehen. Von den Arbeitswilligen werden sie schlecht b e- handelt. In den letzten Tagen fanden Besprechungen der Lehr- lingc, in Gemeinschaft mit den Eltern derselben, statt. Man will sich die rücksichtslose Ausnutzung, verbunden mit der schlechten Be- Handlung, nicht länger gefallen lassen. Die Lehrlinge hassen die Arbeitswilligen und hörten jüngst eine Ansprache des Geschäfts- sührcrs Stabinski mit sehr gemischten Gefühlen cm, als dieser die jungen Leute vor den streikenden Formern warnte. Stabinski sagte, diese Streikenden seien„Schnapstrinker" und„rohe Patrone" und stellte sie den Lehrtingen als Beispiele von Leuten hin, die man sich nicht zum Muster nehmen dürfe. Ein Lehrling, der zum l. April ausgelernt hat, wurde vor einigen Tagen von f ü n f Mann verprügelt, weil cr sich seinem Meister widersetzt hatte, und dann entlieh man ihn sofort.— Ter Streik wird fortgesetzt. Die Arbeiter werden ersucht, den Betrieb von Härtung zu meiden. Der Polizeisäbel trat auch gestern wieder in Aktion. Allabend- lich lockt das außerordentlich starke SchuhmannLaufgebot Hunderte von Neugierigen an, die dann gewaltsam auseinander, in die Häuser und Seitenstraßen getrieben werden. Wie uns von Augen- zeugen mitgeteilt wird, war das Verhalten der Polizeiorgane am Mittwochabend geradezu unerhört. Die Streikbrecher der Hartungschen Gießerei hatten an diesem Tag schon um 4 Uhr die Fabrik verlassen und die Straße bot das gewöhnliche Ansehen, bis gegen 6)4 Uhr 40—50 Schutzleute, die gleich eine große Menge Neugieriger im Gefolge mitbrachten. erschienen. Bon den an der in Frage stehenden Lohn- bewegung beteiligten Arbeitern wird die Umgebung der Fabrik gemieden; würde diesem Beispiel auch die Polizei folgen, wir sind überzeugt, eS käme nicht die geringste Ruhe- störung vor. Am Mittwochabend mutzten wir leider beobachten, wie sich die Polizei durch das unsinnige Gejohle halbwüchsiger Burschen ver- leiten ließ, blank zu ziehen und blindlings in das Publikum drein- zuhaue». An der Waldstvatze, Ecke Wielefstrahe. trug ein Arbeiter eine nicht unerhebliche Kopfwunde davon; die Zahl der am Mitt- ivoch verletzten Personen soll ziemlich groß sein. Organisierte Ar- beiter und Parteigenossen werden solchen Dingen fernbleiben; ebenso ist dringend zu empfehlen, die Kinder dem Schauplatz fernzuhalten» Unter den Anwohnern der Wiclefstratze ist die Empörung über das Verhalten der Polizei groß. Allgemein herrscht die Ansicht vor, datz ohne die Anwesenheit derselben Ruhe und Ordnung nicht ge- stört würden. Zum Beweis dafür mag dienen, datz sich am gestrigen Abend mit dem Abrücken der berittenen Schutzleute die Ansammlung bald von selbst verlief. Solange allerdings auf dem Bürgersteig entlang geritten wird, wird es auch an Zuschauern nicht fehlen. DeutkeKes Reich. Achtung, Tapezierer'. Die Tapezierer in Gera sind in eine Lohnbewegung eingetreten. ES fand bereits eine Unterhandlung zwischen den Gehülfen und der Innung statt, deren Resultat aber in einer Versammlung der Gehülfen abgelehnt wurde. Es wurde beschlossen, am Sonnabend die Kündigung einzureichen. Man hofft indes, datz es vor Ablauf der Kündigungsfrist noch zu einer Verständigung kommen wird. Tarifbewegung der Maler und Anstreicher in Mitkel- und Süddeutschland. Wie den Bau- und Holzarbeitern stehen den Malern und An- streichern in Mittel- und Süddeutschland harte Tarifkämpfe be- vor. Bekanntlich haben, wie in der Bau- und Holzbranche, auch im Malergewerbe die Unternehmer die Tarife gekündigt. Diese Kündigung erfolge„lediglich zur Herbeiführung eines für den Verband allgemein geltenden Tarifvertrages", hietz es in dem Schreiben der Unternehmer. Der wirkliche Zweck der Vertragskündigung tritt jetzt, nachdem die Unternehmer Tarife eingereicht haben, klar zutage: die süddeutschen Malermeister wollen den Ge- hülfen einen Vertrag aufoktroyieren, der für die Arbeiter be- deutende Verschlechterungen enthält. Ende Februar fanden in Mannheim Verhandlungen zwischen dem Süddeutschen Maler- und Tünchermeisterverband und den Vertretern des MalervcrbandeS statt. Dort wurde nicht, wie eine bürgerliche Notiz, die auch durch die Parteipresse ging, meldete, ein Tarif für Baden, Hessen, Hessen-Nassau und Rheinpfalz ver- cinbart, sondern nur ein allgemeines BcrtragSformular ausgearbeitet, Bei bicfc» Verhandlungen gelang rS den Ar- beitervertrelern, verschiedene Verbesserungen in bctft Eniwurf de? Prinzipale zu erzielen. In ß 2 dieses Entwurfes hietz eS:„Der Lohn beträgt bei normaler Leistung" usw. usw. Was dieselbe Bedeutung hat wie das ominöse Wort„tüchtig" in dem Vertragsentwurf der Bauarbeiter. Die Unternehmer zogen schließ- lich die Bestimmung„bei normaler Leistung" zurück. Auf Grund- läge des nun festgesetzten Vertragsformulars sollten die ort- lichen Verhandlungen aufgenommen werden, die bis zu»' 18. März beendet sein mutzten. Diese Verhandlungen hatten sich auf die Festsetzung der Arbeitszeit, der Lohnhöhe, der Vergütung der Ueberstunden-, Nacht- und Sonntagsarbeit sowie der Uebcrland- arbeit und der Regelung der Lohnzahlung zu erstrecken. Die Arbeitgeber der Landesverbände von Hessen und Hessen-Nassau machten sich diese„Verhandlungen" sehr leicht. Sie setzten, ohne mit den Vertretern der Arbeiter zu verhandeln, in ihren Orts« gruppen Verträge auf und sandten sie dieser Tage der Bezirks- leitung des Malerverbandes zu. In diesen werden nicht nur die gesamten Forderungen der Arbeiter abgelehnt, sondern auch V e r- s ch l e ch t e r u n g e n der bisherigen Lohnverhältnisse angekündigt. So wollen die Herren die Löhne in Offcnbach, Höchst und Wiesbaden reduzieren. Die Löhne in den übrigen Ver» tragsorten," Frankfurt a. M., Hanau, Homburg, Darmstadt, Fried- berg und Nauheim, sollen keine Aufbesserung erfahren. Eine Verkürzung der Arbeitszeit wurde rundweg abgelehnt. Am 21. März sqllen nun wieder zwischen den Vertretern deS Süddeutschen Maler- und Tünchermeisterverbandes und des Maler- Verbandes Verhandlungen in Mannheim stattfinden, obwohl ja dem Beschlüsse der letzten Verhandlungen in Mannheim bezüglich der örtlichen Verhandlungen von den Arbeitgebern keine Rechnung getragen worden ist. Kommt cS bei diesen Beratungen, an denen auch der Vorstand des Hauptverbandes der Arbeitgeberverbände im Malergewerbe teilnimmt, zu keiner Einigung, dann sind schwere Lohnkämpfe unvermeidlich. Zur Situation im Baugewerbe. In Dresden nahm jetzt wieder eine von 2099 Personen besuchte Maurerversammlung Stellung zum Tarif. Auch in Dresden sind die Verhandlungen resultatloS verlaufen, weck die Arbeitgeber nach wie vor auf die für die Arbeiterschaft unannehm- baren Bestimmungen verharren. Die Lohntommission ist auf- gefordert worden, im Prinzip dem Vertrage zuzustimmen, über eine Lohnerhöhung würde sich dann schon reden lassen, sagten die Arbeitgeber. In die Versammlung war auch der Vertreter der Berliner Scharfmacher, der Dresdener Baumeister Noack. geeilt. um schließlich die Arbeiterschaft zu einer Zustimmung zum Taris zu bewegen. Während sich alle Redner der Arbeiter auf den Standpunkt stellten, datz der Tarif unannehmbar ist. glaubte der Herr Noack den Arbeitern die entgegengesetzte Meinung plausche! machen zu können. Er meinte. eS sei ihm unbegreiflich, wie es die Arbeiterschaft wegen ein paar Worte auf einen Kampf an- kommen lassen könne. ES sei falsch, wenn geglaubt wird, die Ar- beitgeber wollten die Arbeiter knechten, knebeln und Lohndrückerci betreiben. Der Arbeitgeberbuich wolle nicht den Kämpf, sondern nur Ordnung, Ruhe und Frieden. Bei ruhiger Ucberlcgung müßte die Arbeiterschaft den Tarif in der vorliegenden Form annehmen. Die Versammlung mit ihrer Einmütigkeit dürfte aber diesem Herrn gezeigt haben, daß die Arbeiterschaft einem solchen Monstrum von Tarif unter keinen Umständen ihre Zustimmung geben wird. Es wurde schließlich eine Resolution angenommen, die dem Tarif die Zustimmung versagt und die Lohnkommission beauftragt. für den Fall, datz keine Einigung zustande kommt» daS in Dresden bestehende Einigungsamt anzurufen. Bei der Firma Küpperbusch Söhne in Gelsenkirchen» Schalke sind heute wiederum 699 Arbeiter aus Solidarität in den Ausstand getreten._ Die Tarifbewegung der Leipziger Maler neigt ihrem Ab- schluh zu. Die Unternehmer werden jetzt selber der tariflosen, der schrecklichen Zeit überdrüssig. Nachdem sie alles mögliche unter- nommen hatten, um den alten Tarif wieder zur Anerkennung zu bringen, sogar einen Streik von T/j Wochen überstanden Häven, sind sie jetzt geneigt, Konzessionen zu machen. Zwar soll eine Lohnzulage erst von 1999 an bewilligt werden, aber nachdem die Gehülfen die Forderung von 62 Ps. Stundenlohn auf 69 Pf. reduziert haben, hofft man den Tarif auf dieser Grundlage vom 1. April ab durchzusetzen. Bisher betrug der Lohn 58 Pf. Einen Antrag, die Streikbrecher vom letzten Streck wieder in den Ver« band aufzunehmen, lehnte die Gehülfenversammlung ab. Aussperrung der Leipziger Marmorarveiter. Die Marmorarbeiter Leipzigs sind ausgesperrt worden, weck sie die Verlängerung des am 1. März abgelaufenen Tarifvertrages auf 2 Jahre ohne jede Verbesserung, wie es die Unternehmer ver- langten, entschieden ablehnten. Die Löhne dieser Arbeiter stehen gegen andere Orte aber noch bedeutend zurück. Bisher erhielten die Marmorarbeiter 55 Pf. und die Schleifer 45 Pf. Stundenlohn bei neunstündiger Arbeitszeit. Für die Schleifer bestand außerdem ein Akkordtarif. Di« Arbeiter hatten eine zehnprozentig« TrHöHunn verlangt, weil sie sich dazu für berechtigt hielten; denn innerhalb acht Jahre ist nur eine Aufbesserung der Stundenlöhne um 5 Pf. erfolgt. Die Unternehmer sagten schließlich zu, den„besseren" Arbeitern eine kleine Lohnerhöhung, aber ohne Festlegung im Tarif, zu ge- währen. Das genügte aber den Arbeitnehmern auch nicht und so- mit wurde die angekündigte Aussperrung durchgeführt. Viele der Ausgesperrten haben infolge der gegenwärtigen günstigen Kon- junktur in der Marmorindustrie außerhalb schon Unterkommeu gefunden. Deswegen sollte sich aber kein Marmorarbeiter verleiten lassen, nach Leipzig zu kommen, um hier Arbeit zu suchen. Gesperrt sind die Firmen: Gebrüder Bosiener, John u. Sohn, Wutzler, Sachse (Urban und Weine)._ Lohnbewegung der Holzarbeiter in Frankfurt o. M. Die Unternehmer in der Holzbranche in Frankfurt a. M. kündigten den Tarifvertrag und wollen den Arbeitern einen Vertrag mit bedeutenden Verschlechterungen aufoktroyieren. So wollen sie fürderhin bei Akkordarbeiten nur noch 80 Proz. des Lohnes garantieren, während früher der ausgemachte Stundenlohn voll garantiert wurde. Die Arbeitszeit der Anschläger soll ver- l ä n g e r t werden. Sie betrug bis zu 9 Stunden und soll auf OVj Stunden verlängert werden. Die Arbeiter sollen auch gegen die unorganisierten Unternehmer ausgespielt werden. Die Herren verlangen, datz bei Arbeiten für auswärtige Unternehmer, die dem Untcrnchmcrverband nicht angehören, 19 Proz. Zuschlag verlangt wird. Daß die Arbeiter, die den Ver- trag nichr kündigen wollten, sich die Verschlechterungen nicht aufdrängen lassen, ist wohl klar. Sie stellten Gegenforderungen auf. Und zwar verlangen sie, wenn ein neuer Vertrag zum Ab- schlutz kommt, eine allgemeine Lohnerhöhung von 5 Pf. pro Stunde, die auf die nächsten drei Jahre verteilt werde,, soll. Die Unter- nehmer lehnten auch den Vorschlag der Holzarbeiter, drei- jährige Bertragsdauer, ab. Sie wollen nur Abschluß bis 1919. Eingeleitete Verhandlungen sind gescheitert. EL ist nicht aus- geschlossen, datz es am 1. April zur Aussperrung kommt. In Be- tracht kommen 1699 Arbeiter, von denen- 99 Proz. organi- siert sind.. MSlzereiarbeiterftreik. In der Malzfabrik von Hüttmann in Heidingsfcld-Würzburg sind Differenzen ausgebrochen. Die Ar» beiter wollten die Arbeit solange aussetzen, vis die Differenzen durch eine persönliche Verständigung mit dem Unternehmer ge- regelt seien. Die Unterredung wurde zugesagt, aber plötzlich er- schien der Fabrikant in Begleitung eines Gendarmen und erklärte. binnen fünf Minuten hätten alle Arbeiter den Betrieb zu ver- lasse». Eingegangene Druckfchriften. Bon der Neuen Zeit"( Stuttgart, Paul Singer) ist foeben das 25. Heft des 26. Jahrgangs erschienen. Es hat folgenden Inhalt: Die fommenden Landtagswahlen. Ein neues China. Bon Parvus. Preußen und der Zollverein. Bon Hermann Wendel. Berkünder des Klassenkampfes vor Mary. Von Th. Rothstein( London).( Fortseßung.) Die erste internationale Unternehmervereinigung gegen die Arbeiter. Bon Emil Fischer. Zum Thema„ passive Resistenz". Bon Karl Böttcher ( Berlin). Literarische Rundschau: M. W. Noworußki, Achtzehneinhalb Jahre hinter russischen Kerkermauern. Bon N. N. Voltaire. Von Ph. Notizen: Mach in Rußland. Zeitschriftenschau. Die Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle BuchHandlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3.25 m. pro Duartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Poft nur pro Duartal abonniert werden. Das einzelne Heft loftet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. PP -O " Der Arbeitsmarkt", Nr. 6. Monatsschrift der Zentralstelle für Arbeitsmarktberichte( Herausgeber Prof. Dr. J. Jastrow). Verlag von Georg Reimer, Berlin W. 35. Für unsere Kinder: See und Wasserfall. Von Nikolaus Lettau. ( Gedicht.) Bom kleinen Bund". Jüdische Kinder spielen! Bon A. R. Der Bettler und sein Hund. Von Adalbert v. Chamisso.( Gedicht.) Siehe da, es war sehr gut." Bon Brand. Die Sage bom Hirschgulden. Der Menschenfenner. Nr. 1. Monatsschrift. Herausgegeben von Bon Wilhelm Hauff. Die Eichensaat. Von Karl Simrod.( Gedicht.) Dr. F. Dumstreh und Magdalene Thum- Kinkel. Verlag: Otto Wigand in Messen und Wägen. Bon K. D. Der Dieb. Indische Fabel. In der Leipzig. Einzelheft 60 Pf. Elektrischen. Von H. Scharrelmann. Der fleine Häwelmann. Ein Kinder- Danziger Bilder. Bon Dr. Käthe Schirmacher. In Leinwand märchen. Von Theodor Storm. Bom flugen Mäuslein. Von Friedrich gebunden 2 M. Schwänke aus aller Welt. Herausgegeben von Güll.( Gedicht.) Dr. Ostar Dähnhardt. Gebunden 3 M. Verlag von B. G. Teubner in Die Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer Leipzig. 10 Pf., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich Charon. Januar- und Februarheft. Monatsschrift für moderne deutsche ohne Bestellgeld 55 Pf., unter Kreuzband 85 Pf. Jahresabonnement Chrit. Vierteljahr 1,50 M. Charonverlag, Groß- Lichterfelde, Roonstr. 15. 2,60 M. Urgeschichte der Ehe. Von Ferd. Frhr. v. Reizenſtein. 1 M., geb. Von A. W. Unger. 1,25 M. Verlag B G. Teubner in Leipzig. 2 M. Frankhsche Verlagsbuchhandlung in Stuttgart. Aus Natur und Geisteswelt. 175 Bd. Wie ein Buch entsteht? Jahresbericht 1907 des Verbandes der Kupferschmiede, Filiale Berlin. hält in der Hauptsache eine größere Arbeit Eduard Bernsteins„ Karl Marx Verlag: Berlin, Gartenstr. 101. Porträt Karl Marx das Fatfimile der letzten Seite des Marrschen Entwurfs verwaltung Berlin. 72 Seiten. Verlag: Berlin, Charitéstr. 3. und sein Lebenswert". Beigegeben sind dieser Abhandlung außer dem Jahresbericht 1907 des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Drts. zum Kommunistischen Manifest", sowie eines Briefes von Friedrich Engels, der die Nachricht vom Tode Karl Marx enthält. In einem besonderen v. Liebenfels. Berlag der Universitäts- Buchhandlung Georg Szelinski, Wilhelm Frehs Wegweiser: Was soll ich werden? Von Jörg Lanz Artikel veröffentlicht Wilhelm Blos einen an ihn gerichteten und inhaltlich Leipzig. Duerstr. 11. 1 M. in verschiedener Beziehung sehr interessanten Brief Karl Mary'. Auch von diesem Brief ist der Faksimileabbrud beigegeben. Nummer herausgegeben. Dieselbe wird eingeleitet mit einem stimmungsMs Karl Mary- Nummer hat der Wahre Jacob" seine neueste vollen Gedicht Starl Marg. Zu seinem 25. Todestag". Die Beilage ents Biedermeier Wünsche. Herausgegeben von Prof. Dr. G. E. Pazauret. 50 Tafeln in Licht- und Farbendruck. Preis in Wappe 40 M. Berlag: J. Hoffmann in Stuttgart. Bon der Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen ( Stuttgart, Berlag von Baul Singer), ist uns soeben Nr. 6 des 18. Jahr gangs zugegangen. Sie hat folgenden Inhalt: Karl Marg. Die Frauen fandidaturen zu den Landtagswahlen in Böhmen. Bon Karl Mácha. Das Reichsvereinsgesetz in der Kommission. Bon H. B. Dienstbotens berhältnisse und Hauswirtschaft in Amerika und Deutschland. Schularzt berichte. VIII. Von Dr. Zadet. Die weibliche Fabritinspektion im Groß herzogtum Sachsen- Weimar. Bon B. Eine Parlamentsdebatte über das Frauenwahlrecht. Von d. r. Aus dem weiteren Inhalt der Nummer erwähnen wir ein Porträt des Ein neuer Flickversuch zur Reform des verstorbenen Genossen Sear I Meist nebst einem lurzen Nachruf; ferner Hebammenwesens. Bon M. Kt. In der Sträflingsschule. Von L. H. Aus der Bewegung: Bon der Agitation. Hinter Klostermauern von Franz Helbing. 303 Seiten. Verlag: die beiden farbigen Bilder„ Die Reichsfinanzreform mit Hindernissen" und Von den Drganisationen. Ein neuer Vers zum alten Lied von Polizeischikanen. " Die Teilung Marottos", sowie die Jülustrationen„ Der Reichsdufaten- R. Jacobstbal, Schöneberg, Bahnstr. 22. Mutter Ebel † macher"," Nahrungsmittelveredelung"," Der Zufriedene"," In Ostelbiens Zeitschrift für Sexualwissenschaft. Nr. 2. Von Dr. Magnus Hirsch. Politische Rundschau. Von H. B. Gewerkschaftliche Rundschau. Genossenschaftliche Rundschau. Bon H. Fl. Notizenteil: Dienstbotenfrage. lichen Teil heben wir noch die Gedichte hervor" Zum 18. März“,„ Schnitter- 7,50 M. Verlag: J. C. B. Mohr( P. Siebec) in Tübingen. Boltsschulen"," Opferfreudig" und" Liberale Mitbürger 1"" Aus dem tert- feld. Jährlich 12 Hefte, 8.- M. G. H. Wigands Verlag in Leipzig. Die Regierung Englands von Sidney Low. Geheftet 6 M., geb. Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen. Frauenstimmrecht. Sozia- lied"," Der getnidte Stengel"," Die Zirkus Busch- Männer" und" Ein altes listische Frauenbewegung im Ausland. Fürsorge für Mutter und Kind. Lied."" Der Preis der 16 Seiten starten Nummer ist 10 Pf. Geschäftsbericht der Deutschen Zündholzfabriken A.-G. 1906/07. Frauenbewegung. Feuilleton: Den Toten des März. Bon Dtto Krille. Hundert Stimmen aus vier Jahrhunderten über den Jesuiten. ( Gedicht.) Nährikele. Von Gottlieb Schnapper- Arndt.( Fortsetzung.) Die Kirche und die politischen Parteien. Von Dr. E. Horneffer. orden von R. Ecart. 1. und 2. Band. Beide Bände 5 M. G. H. Wigands Bum 14. März 1908. Von g. g.( Gedicht.) 1 M. Berlag: B. Klinghardt in Leipzig. Verlag in Leipzig. Unserem lieben Freunde und Genossen, dem Bezirksführer des 529a Bezirks Albert Kürbis nebst Braut 2345 die herzlichste Gratulation zur heutigen Bermählung. Sozialdemokratischer Wahlverein des sechsten Berliner Reichstagswahlkreises. II. Abt. 6. Berliner Reichstags- Wahlkr. Freitag, den 20. März, abends 8 Uhr, in der Brauerei Groterjan, Schönhauser Allee 130: Unserem Bezirksführer Albert Kürbis nebst Braut 23412 :: die herzlichsten Glückwünsche:: zum heutigen Tage. Die Genossen des Bezirks 529a. Statt jeder besonderen Meldung. Montag, den 16. März abends, entschlief nach langen schweren Leiden im Alter von 63 Jahren unser erster Borsitzende, der Bigarrenfabrikant Herr Albert Köhler. Bei seinem kollegialischen Wesen fowie feinem aufopfernden Pflichtgefühl während seiner 34jährigen Tätigkeit als Vorstandsmitglied, wird man ermessen, welchen herben Berlust wir in dem Dahingeschiedenen zu beklagen haben. Ehre seinem Andenten. Der Vorstand der Ortskrankenkasse der Zigarrenmacher, Zigarettenmacher usw. zu Berlin. Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, nachmittags 3 Uhr, bon der Leichenhalle des Stirchhofes der St. Golgatha Gemeinde, Barfusstraße, aus statt. 23392 , Dienstag, den 17. März, früh 3 Uhr, verfchied nach langem schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Bater und Schwiegervater, der Großdeftil lateur 23332 Fritz Schulz im 49. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Marie Schulz geb. George. am Die Beerdigung findet Sonnabend, den 21. März, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause Brüsseler Straße 21 aus auf dem Charité- Kirchhof, Müllerstraße 42/43, statt. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß uns unser innigft geliebter, unvergeßlicher Sohn 23382 Fritz im Alter von 32 Jahren durch den Würgeengel Diphtheritis nach breitägigem Krankenlager entrissen wurde. Dies zeigen tiefbetrübt an Töpfer Emil Ürzkeitis und Frau, Hochmeisterstr. 6. Am 14. März verschied plößlich infolge Berufsunfalles unser lieber Kollege, der Kutscher Reinhold Müller. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. 7615 Das Personal des Fuhrwesens G. Pagel. Die Beerdigung findet heute, Freitag, nachmittags 3 Uhr, bon der Leichenhalle des neuen Nigdorfer Friedhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters Otto Liehr fagen wir allen Freunden und Bes fannten sowie den Kollegen der Firma Schwarzkopff und Wert Wildau, dem Gesangverein Neu- Erwacht" und dem Wahlverein des 6. Streifes unseren innigsten Dant. 23432 Witwe Auguste Liehr nebst Sindern. Großer astronomischer Vortrag gehalten von Herrn Dr. Archenhold, Direktor der Sternwarte in Treptow. Thema: Wanderungen durch das Weltall. Juſtriert durch über 225/20 Gültig zu den Vorträgen sind die Billettnummern 29 501-34 500. 100 Lichtbilder. Billetts sind bei den Bezirksführern und im Bureau zu haben. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Hiermit diene den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser treues Mitglied, der Geschäftskutscher Reinhold Müller am 14. d. Mts. im Alter von 27 Jahren durch Unfall( Hufschlag eines Pferdes) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 20. März, nachm. 3 Uhr, von der Reichenhalle des Rigdorfer Kirchhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. 68/3 Die Verwaltung 2. Nachruf! ber Der am 16. März 1908 nach langem schweren Leiden storbene Vorsitzende unserer Kasse, der Zigarrenfabrikant Herr Albert Köhler war uns immer ein humaner und wohlwollender Borgejezter. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beamten der Ortskrankenkasse der Zigarren- u. Zigarettenmacher usw. zu Berlin. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teilnahme und vielen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und Mutter Emilie Waldt sage ich allen Beteiligten, insbesondere Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Heute Freitag, abends 82 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15: Sitzung der Ortsverwaltung. Am 12. und 20. April finden Urania- Vorstellungen statt. Am 12. April: Eröffnung vormittags 10 Uhr, Borstellung 11 Uhr. Kairo und die Pyramiden. Am 20. April: Eröffnung nachmittags 4 Uhr, Vorstellung 5 Uhr. Eine Nilfahrt bis zum zweiten Katarakt. J. A.: Die Ortsverwaltung. Branche der Vergolder! Zentralverband der Dachdecker. Verwaltungsstelle Berlin. Sonntag, den 22. März cr., vormittags 10 Uhr, bet Kern, Weinstr. 11: Versammlung. Tages Ordnung: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes. 2. Wahl der Mitglieder zum Gauvorstand. 3. Stellungnahme zum 1. Mai. Zahlreiches Erscheinen erwartet 54/5 Der Vorstand. Freie Jugendorganisation Deutschlands Ortsverein Berlin. Abt. I. Sonnabend, den 21. März, in den, Pharus- Sälen" Müllerstr. 142 Müllerstr. 142 ( Empire- Saal) Großer Konzert- und Theater- Abend unter gütiger Mitwirkung der Pr.- Th.- Gesellschaft ,, Minerva I" und des Tambouragen- Klubs ,, Stahlblank". Preis des Billetts 40 Pf. Um recht zahlreichen Besuch bittet Preis des Billetts 40 Pf. 285/4 Montag, den 23. März 1908, abends präzise 8 Uhr: HERREN Branchen- Versammlung in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Genossen G. Link über: Arbeitslohn, Lebens: mittelpreise, indirekte Stenern und müssen wir uns organisieren? 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. In dieser Versammlung werden für die Rahmen. branche Fragebogen ausgegeben und können die De Bertrauensleute dieselben dort in Empfang nehmen. Pflicht eines Jeden ist es, pünktlich zu erscheinen. 81/ 18* Der Branchenleiter. Branche der Musikinstrumentenarbeiter. Montag, den 23. März, abends 8%, Uhr: Branchen- Versammlung im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 1. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Schriftstellers J. Kaliski über:" Trusts, Kartelle den Kolleginnen der Vorwärts" und Krife". 2. Branchen- und Verbandsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Spedition Moabit, den Mietern des Hauses Beusselstr. 46, den Sangesbrüdern des Gesangvereins„ Lieders luft II", den Genossen des 660. Bezirts und meinen Kollegen der Firma Mitgliedsbuch legitimiert. Bahlreichen Besuch erwartet Rich. Weber u. Co. meinen herzlichsten Achtung! Dant. 7695 Emil Waldt nebst Kindern. „ Berliner ArbeiterRadfahrer- Verein" Mitglied des Arbeitere Radfahrer- Bundes .Solidarität“. Touren zum Sonntag, den 22. März: 1. Abt. 12 Uhr: Bichelsmerder ( Freund). Start: Bülowstr. 58. 2. Abt. 1, Uhr: Wannsee. Start: Fontane Promenade. 3. Abt. früh 7 Uhr: Neue Mühle. 2, Uhr: Familientour Johannisthal ( Senftleben). Starts: Mariannenplag. 4. Abt. 8 Uhr: Königswusterhausen. 1 Uhr: Adlershof( Wöllstein). Starts: Rüstriner Plas. 5. Abt. 9 Uhr: Herrentour. 1 Uhr: Teltow. Starts: Elysium. Die Branchenkommission. Achtung! Küchenmöbel- Branche. Montag, den 23. März, abends 8 Uhr: Branchen- Versammlung für die in der Küchenmöbel- Branche beschäftigten Tischler, Maler und Maschinenarbeiter Berlins und Vororte im ,, Englischen Garten", Alexanderstr. 27e Pflicht jedes in der Branche beschäftigten Kollegen ist es, in dieser Verfammlung zu erscheinen. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. J. A.: Die Kommission. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: 6. Abt. 1 Uhr: Eichwalde( Witte). Hof I. Amt 3, 1239. Start: Oderberger Straße 28. 7. Abt. 12 Uhr: Birkenwerder ( Paradiesgarten). Start: Grenzstraße 21. 8. Abt. 8 Uhr: Dranienburg. 2 Uhr: Tempelhof. Starts: Huffitenstr. 10. Charitéstraße 3. Hof III. Amt 3, 1987. Sonntag, den 22. März 1908, vormittags 10 Uhr: Versammlung 9. Abt. 1, Uhr: Friedrichshagen aller in der Emaillierbrauche beschäftigten Arbeiter ( Konrad). Start: Schillingstr. 22. Die Versammlungen finden jegt jeden 1. und 3. Donnerstag, nachmittags 6 Uhr, bei Wicke, Schillingstraße 15/16, statt. und Arbeiterinnen im Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15, Saal 7. Tages Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Petersdorff. 10. 26t. 1, Uhr: Gorinfee. Start: 2. Distuffion. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Stafino Theater. 11/2 Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Das Komitee. 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Telephon: Amt VII, 3047. Max Ziegenhals, Kaibelstr. 20, A Berantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 68. 25. AahrMg. cilM»es FmÄis" Jerlim AIKsdlM. Keüag, ZV. Am ISV8. vom 18. „Aufreizende" Inschriften. Der offiziöse Bericht über die Demonstrationen am 18. März sagt unter anderem, daß an etwa 60 Kränzen, die auf den Gräbern der Märzkämpfer niedergelegt worden sind, die Schleifen„wegen aufreizender Inschriften" entfernt wurden. Um den Lesern zu zeigen, was nach polizeilicher Ansicht auf- reizend ist, führen wir aus unserer Sammlung konfiszierter Kranzinschriften noch nachträglich einige an. WaS Ihr gesät am Märzentage Es keimt, es sprießt, es blüht. Ob's wohl noch lange dauern mag, Bis' Volk zur Ernte ziebt? Nun fliegt ein Kranz mit rotem Band Auf Eueres Grabes Mitte. Doch eh' er auf den Hügel sank, Da ziehen schon die Wächler blank Der Zucht und frommen Sitte. Was mag wohl an diesen Versen, die den freien Turnern der Schönhauser Vorstadt konfisziert wurden, aufreizend sein? Vergebens wird man auch fragen, wieso es aufreizend sein kann, wenn Arbeiter der Firma Schwartzkopfs in Reinickendorf folgende Inschrift wählten: O, wenn wir fest zusammenstehn, Wer will uns weigern unser Recht. Enipor. empor. Du neu Geschlecht, Laß trotzig Deine Banner Wehn. Ans Werk, ans Werk, dort liegt daS Ziel. Arbeiter der Firma Belter u. Schneevogel mußten der Zeusur folgende Inschrift opfern: Wir haben ertragen lange genug Die schändenden sklavischen Bande,_ Ihr täuscht uns nicht länger durch schnöden Betrug, Und füllt uns die Augen niit Sande. Nicht länger mehr wollen wir Sklaven sein, Ein Spielzeug in Euren Händen, Wir wollen Menschen wie Ihr auch sein Und unser Elend nun enden. Eine Strophe von Henvegh, welche die Falzerabtcilung des„Lokal-Anzeiger" auf ihre Kranzschleife gesetzt hatte, wurde gleichfalls entfernt. Sie lautet: Wenn alle Welt den Mut verlor, Die Fehde zu beginnen, Tritt du, mein Volk, den Völkern vor Laß du dein Herzblut rinnen I Gib u»S den Mann, der das Pannier Der neuen Zeit erfasse, Und durch Europa brechen wir „Der Freiheit eine Gaffe!" Arbeiter der Maschinenfabrik von C. G. W. Kappker mußten folgende Inschrift in den Händen der Polizei lassen: Als nach den blutigen Kämpfen Die Freiheit nian Euch versprach, Da konntet Ihr nickt ahnen Wie bald man das Ehrenwort brach. Wurdet Ihr auch niedergestochen, Wir ruhe» und raste» nicht, Bis der Tyrannen Macht gebrochen, Zerschmettert am Boden liegt. Ein Opfer der Zensur wurde auch die von Arbeitern der Deutschen Mafien- und Munitionsfabrik dargebrachte Widmung: Wohl ruh'n sie stumm auf ihren Wällen, So wird verstummen Euer Hohn, Wenn aus de» Gräbern der Rebellen Empor wächst die Rebellion. Weh Euch! Ein schwarzes Blut wird flließen, Um diese königlich Saat, Mit würd'gem Taue zu begießen, Wenn jener rote Frühling naht. Diese Worte mögen lvohl einem Polizeigemüt fürchterlich erscheinen. Man weiß ja, daß jeder echte Bnreaukrat die bildliche Ausdrucksweise des Dichters ebenso wörtlich nimmt, wie den Inhalt amtlicher Akten. Aber was liegt wohl selbst unter dieser Voraussetzung Aufreizendes in den Worten: Und ob zum Niederreiten auch die Bedrücker schrei'n, Es steht fest loie. die Mauern das Voll in dichten Neih'n. Diese Worte entfernte die Polizei von einem Kranze, den Arbeiter der Schraubenfabrik von Stelzner gestiftet hatten. Sollte der Zensor das vielleicht für eine Aufforderung an das Volk, einer Attacke reitender Schutzleute gegenüber festzustehen, gehalten und so eine Aufforderung zum Widerstände gegen die Staatsgewalt herausgelesen haben? • Gegen den vcrblockten Freisinn. Altscheinend von einem der wenigen noch wirklich liberalen Männer wurde am Nachmittage des 18. März an den Gräbern der Freiheitskämpfer ein Kranz von gelben Immortellen niedergelegt, der auf schwarz-rot-goldenem Bande die In- schrift trug: Sechzig Jahre sind verflossen Seit Ihr Euer Blut vergossen. Weh, Ihr Helden I Jetzt verraten Durch des Freisinns Jammertate«. # Die polizeilich angeordneten Verkehrsstörungen. Obwohl die Polizei davon unterrichtet war, daß am t8. März keine Straßendemonstrationen stattfinden sollten, hatte sie sich für alle Falle in der gleichen Weise gerüstet, wie am 12. Januar. So berichten bürgerliche Blätter. Diese „Rüstungen" der Polizei erstreckten sich namentlich auf die Umgebung des Schlosses und die„Linden". Besondere Ab- sperrungsmaßregeln wurden durchgeführt, um die„Linden" möglichst von Menschen frei zu halten. Die durch die Dorothcenstraße führenden Straßenbahnlinien mußten gegen Abend den Verkehr einstellen. Die Straßenbahnwagen, welche die„Linden" queren, durften an den dieser Straße benach- harten Haltestellen nicht halten. Um das Ein- und Ans- steigen auf der gesperrten Strecke zu verhindern, wurde der Hinterperron der Wagen durch das Sperrgitter geschlossen. Später durften die Wagen die„Linden" überhaupt nicht passieren. Die Omnibuslinien, welche die„Linden" entlang führen. mußten einen anderen Weg nehmen. Droschken, welche die Friedrichstraße entlang fuhren, durften nicht die„Linden" kreuzen, auch für den Fuhrwerksverkehr an anderen Kreuzungs- Punkten der„Linden" waren Einschränkungen angeordnet. Erst am späten Abend wurden die Absperrungen zum Teil auf- gehoben und„Unter den Linden" entstand nach, und nach das gewöhnliche Bild des Verkehrs. ».. Polizeitaten. Die Polizeitaten, über die wir gestern schon berichteten, können wir heute noch durch einige weitere Vorfälle ergänzen. Als die Versammlung bei Ballschmieder in der Badstraße zu Ende war, ging eine größere Zahl der Versammlungsbesucher die Briinnenstraße entlang. An der Voltastraße stürzten sich Schutzleute mit herabgelassenen Schuppenketten auf die ruhig ihres Weges gehenden Menschen, um sie zurückzutreiben. Wer den Schntzleuien nicht schnell genug lief, bekam Stöße und Püffe, oft so derbe, daß Leute zu Boden fielen. Berittene sprengten auf den Bürgersteig und trieben die Menschen vor sich her. « Nach Schluß der Versammlung auf dem Bock bewegte sich eine Anzahl der Versammlungsteilnehmer durch die Bellealliancestraße nach dem Halleschen Tor. Hier war eine starke Polizeimacht postiert. Den Ankommenden wurde der Eintritt in die Friedrich- straße verwehrt. Es gelang jedoch den meisten Teilnehmern des Zuges, trotz der Absperrung die Friedrichstraße zu erreichen. Ein Hoch auf daS freie Wahlrecht wurde ausgebracht, die Arbeitennarseillaise ertönte, und weiter zogen die Massen auf den Bürgersteigen der Friedrichstraße. Sie kamen durch die Jägerstraße bis zur Reichs» bank. Hier wurden sie von der Polizei in die Kurstraße und die engen Nebenstraßen gedrängt und nun hielt es die Polizei für nötig, „einzuschreiten". Ein Polizeioffizier zu Pferde gab einen Befehl. Von verschiedenen Seiten drängten Schutzleute auf die Massen ein— es mögen gegen 1000 Personen gewesen sein— und teilten Stöße und Püffe aus. Ohne Wahl fielen Schutzmannsfäuste auf jeden, den sie erreichen konnten. So wurde die Masse zerteilt, die Polizei behauptete„siegreich" das Feld. » Einer Anzahl von etwa 1000 Personen war eS gelungen, gegen 6 Uhr trotz der Absperrungen bis zum Lustgarten zu kommen. Aus dem Schlosse kamen etwa 50 Schutzleute und trieben die Menge nach der Friedrichsbrücke. Niemand setzte der Polizei Widerstand entgegen und doch hieben die Schutzleute von hinten mit Fäusten aus die Leute ein. Die so Mißhandelten rannten davon, die Schutzleute hinterher, Faustschläge austeilend, wenn sie einen der Fliehenden erreicht hatten. Viele der letzteren stürzten zu Boden. Es war eine wilde Jagd. Ein Mann in Zivil, jedenfalls ein Kriminalbeamter, hieb mit einem Stock auf die Fliehenden und zwar mit solcher Wucht, daß der Stock zerbrach. Der Radfahrer, welcher bei der Schießerei in der Landsberger Allee eine Nolle spielte, soll, laut Polizeibericht im„Verl. Tagebl.", ein Schutzmann gewesen sein. Dieser soll aber nicht geschossen haben, sondern der Schuß soll aus der Menge gefallen sein und dann soll der Schutzmann, als einer den vermeintlichen Schützen arretieren wollte, von der Menge angegriffen worden sein.— ES scheint, daß diese Schietzaffäre ebensowenig aufgeklärt werden wird, wie die am 12. Januar an der Gertraudtenbrücke.— Nach den Angaben, welche uns von Augenzeugen gemacht worden sind, hat der Radfahrer geschossen, der übrigens Zivilkleidung trug und, falls er ein Schutzmann sein sollte, jedenfalls nicht als solcher zu erkennen war. Sonderbar ist jedenfalls, daß die Polizei, die mit fabelhafter Sicherheit bekunden kann, wer unter Tausenden Hoch I gerufen hat, bisher noch keinen der Schützen ermittelte, die bei den letzten Demonstrationen hier Aufregung verursachten. Bemerkens wert ist weiter, daß die Passanten den Schützen vom Mittwochabend festhalten wollten, dieser aber von Polizeibeamten entführt wurde, und man doch nicht angeben kann, wer er ist. ES handelt sich um einen Mann in Zivilkleidung, der der Masse entgegengefahren kam. Kurz vor der Menge angekommen, gab er vom Rade auS einen Schutz ab. Man versuchte, ihn fest- zustellen. Da rückte die Polizei vor, entriß den Mann den Leuten und half ihm samt seinem Rade eine Elektrische(Linie 101) zu besteigen. Andere, die denselben Wagen besteigen wollten, um den Helden doch noch festzustellen, wurden daran gehindert. Ob die Polizei die Schießerei beobachtet hat, ist UNS nicht belanut. Jedenfalls entkam der geheimnisvolle Schütze! Eine Wahlrechtsdemonstration in Beelitz. Die Patienten der Lungenheilstätte Beelitz haben sehr be- dauert, nicht an den Kundgebungen ihrer Parteigenossen in Berlin teilnehmen zu können. Sie haben deshalb, so gut es im Nahmen der Anstaltsordnung ging, ihre eigene Demon- stration veranstaltet. Der gemeinsame Spaziergang in der Pause gestaltete sich zu einem kleinen Demonstrationszuge. Arbeiterlieder wurden gesungen, Hochrufe auf das freie Wahl- recht ausgebracht und das gestern von uns mitgeteilte Tele- gramm an die Versammlung in der Koppenstraße abgesandt. •«» Nachstehend registrieren wir noch einige VersammlungSberichte, die bei Schluß der gestrigen Nummer noch nicht vorlagen. In Tegel hatten sich an 180 0 Personen eingefunden. In fürchterlicher Enge lauschten die Versammelten den Ausführungen des Genossen O b st- Schöncberg, der in marligen Worten die Feier des Tages würdigte. In Grosi-Lichtcrfelde sprach bor gut besuchter Versammlung Genosse Mermuth. Redner schloß unter spannender Aufmerksam- keit der Versamnielten seinen Vortrag mit der letzten Strophe des Freiligrathschen Gedichts:„Trotz alledem":„Nur waS zerfällt, verbietet Ihr, Seid Hasser nur trotz alledem. Wir sind das Volk! Die Menschheit wir! Sind einig drum Trotz alledem" usw. Hierauf richtete Genosse Wenzel noch anfeuernde Worte an die Versammelten, im bevorstehenden Stichwahlkampf in der dritten Klasse zur Gemeindevertretung, wie auch in dem kommenden Landtagswahlkampf ihre Schuldigkeit zu tun. Der Resolution stimmten die Versammelten begeisterungsvoll zu. Auch die KöiiigS-Wusterhansener und Wildauer Arbeiterschaft hat den Geist der Zeit begriffen. Den Beweis hierfür lieferte sie, in- dem sie irotz des unfreundlichen und regnerischen Wetters daS Ver- sammluirgslolal überfüllte, lieber 700 Personen, darunter ein großer Teil Frauen, waren zu der im Alten Schützenhause einberufenen Ver- sammlung erschienen, um den Ausführungen des Genossen Wilhelm Nitschke- Berlin zu folgen. Zum Schluß belohnten die Ver- sammelten die Ausführungen des Referenten mit stürmischem Beifall.' In Strausberg war die Versammlung von 200 Personen be» sucht. Genosse Jakobson hielt das Referat, das von den An» wescnden mit Begeisterung aufgenommen wurde. Für polizeilichen Schutz war genügend gesorgt, doch bedurfte niemand von den Ver» asmmlungSteilnehmern desselben. Nicder-Schöivweide und Johannisthal hatten sich zu einer gut besuchten Protestversammlung im Lokal„Hasselwerder" eingesunden; das vom Genossen Franke- Rixdorf gehaltene Referat wurde mit großem Beifall aufgenommen. Erkner. Die Versammlung war von zirka 250 Personen be» sucht. Das Referat des Genossen Büchner wurde mit großem Beifall aufgenommen. Trebbin. 300 Männer und Frauen lauschten den Ausführungen deS Genossen T h u r o w- Nixdorf. Potsdam. Hier referierte Genosse P a g e I S- Rixdorf bor 650 Personen. Die vereinigten Arbeitergesangvereine leiteten die Versammlung ein. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. ..» Die Märzdcmonstrationen in den Provinze». Wir verzeichnen noch folgende Kundgebungen: Frankfurt a. O.: 1000 Teilnehmer. Stendal: 400 Demonstranten. Velten: 500 Personen. Prenzlau: 300 Frauen und Männer. Nauen: 250 Besucher. Posen: 800 Teilnehmer. Schönebeck a. d. Elbe: 1200 Demonstranten. Thale a. Harz: 300 Besucher. Calbe a. S.: 300 Teilnehmer. Schiffbeck(Schleswig-Holstein): 800 Demonstranten. Meldorf(Schleswig-Holsteinj: 300 Teilnehiner. Essen: Zwei Massenversammlungen, von mehreren tausend Demonstranten besucht. Duisburg: Ueberfüllte polizeilich abgesperrte Massenversammlung. Mülhcii» a. Ruhr: Desgleichen. Bruckhausen: Desgleichen. Haan(Rheinland): 400 Teilnehmer. Hagen(Wests.): Vier von 2150 Besuchern überfüllte, polizeilich abgesperrte Versammlungen. Außerdem sind noch gutbesuchte Kundgebungen zu verzeichnen in Stargard(Pommern). Lissa(Posen), Oberlangen» bielau, Langenbielau, Reiche nbach, Peterswaldau (Schlesien), Vetschan, Driesen, Marwitz(Brandenburg), Lesum(Hannover), Kellinghusen, Heide, Husum, Marne, Sande, Braunfeld, Sieilstedt, Oldesloe, R e i n b e ck, Lauenburg, Mölln(Schleswig-Holstein), in 13 Orten deS 6. schleswig-holsteinischen Wahlkreises, in Garde- legen, AscherSleben, Quedlinburg, Staßfurt (Sachsen), Milspe, Iserlohn(Westfalen). Mülheim a. Rh., Küpper st eg, Radevormwald(Rheinland). � � Straßendemonstrationea in größerem Umfange gab es in Frankfurt a. M. Darüber wird uns berichtet: In der Holzindustrie war den Arbeitern eine fünftägige AuS- sperrung angedroht worden. falls sie feiern würden; trotzdem be- teiligten sich die Holzarbeiter zum größten Teil an den Versamm- lungen. In der Metallindustrie hatten die größten Werke die Freigabe des Nachmittags verlveigert, verschiedene mittlere und kleinere Betriebe mit zirka 2000 Arbeitern hatten dagegen freigegeben, ebenso sämtliche Brauereien mit zirka 1200 Arbeitern von 3 Uhr ab. Auch in Schuhfabriken ist das Feiern verschiedentlich mit Aussperrung bedroht worden, was auch hier viele Arbeiter nicht vom Besuch der Versammlungen ab- geHalle» hat. Die Schneider halten beschlossen, in Massen die Ver- lammlimgen zu besuchen. Der Arbeitgebervcrbaud für das Bau- gewerbe hatte den Versammlungsbesuch mit Entlassung bedroht, was die Zimmerer damit parierten, daß sie zu einer ihnen vertraglich ge- währleisteien Nachmittagsversammlung aufforderten, die Buchdruckereien hatten meistens von 3 Uhr ab freigegeben. Die Parteileitung hatte zunächst sechs, dann acht Bersammlungm angesetzt, und zwar ans 4 Uhr nachmittags. Alle Lokale waren total überfüllt, Hunderte mußten überall umkehren. An 10 000 Personen füllten die Ver» sanunlungen. Nach Schluß derselben kam es zu spontane» Straffen- kundgigiungen. Als die großen Werke der Metallindustrie im Westend um 6 Uhr Feierabend machten, trafen die hinausströmendcn Massen mit den zurückkehrenden Teilnehmern der Westendveriammlung zusammen. In kompakter Masse von sechs- bis siebentausend Personen, die ganze Straßenbreite füllend, wälzte sich unter dem Gesang der Marseillaise und Hochrufen auf das Wahl- recht, die Menge durch die Mainzer Landstraße zum Haiiptbahnhof und über den Hmiplstraßeuzug Kaiser-Straße— Zeil in die innere Stadt. Die Polizei war zunächst völlig rat- und machtlos, erst auf der Zeil teilte sie durch Absperrung den Zug, dessen vorderer Teil die Zeil entlang zum Gewerkschaftshaus weiter zog, während der in die innere Altstadt abgedrängte Hintere Teil deS Zuges teils auf den Paulsplatz vor das Rathaus und die Paulskirche, teils vor die Wohnungen des Oberbürgermeisters und deS Kommandanten der Frankfurter Garnison zog und Hochrufe auf das Wahlrecht aus- brachte. Auch die Teilnehmer der Versammlung in Sachscnhausen zogen über den Main in die Altstadt zum GewerkschaflshauS. Noch bis 9 Uhr abends durchzogen größere Trupps die Straßen der Alt- stadt. Die Polizei war zwar sehr stark vertreten, verhielt sich jedoch im allgemeinen besonnen. Das Militär stand gleichfalls in der Kaserne zu», Ausrücken bereit. Ernstere Zusammenstöße haben nirgends stattgefunden; ohne einige Verhaftungen ist es allerdings nicht abgegangen. � � Aussperrungen werden gemeldet: Frankfurt a. M., 19. März.(Privatdcpesche des„Vor- wärts".) 140 Holzarbeiter und 60 Schuhmacher wurden aus- gesperrt wegen Teilnahme an der Wahlrechtsdemonstration. Barme», 15. März. Die Spitzcnfabrik Pfleiderer u. Wurm sperrte heute 150 Arbeiter und Arbeiterinnen wegen ihrer Teil- nähme an den gestrigen Nachmittagsversammlnitgen aus. Witterungsübersicht vom IS. März 1908, morgens 8 Uhr. Statt«rn Stovinnde Hamburg Berlin grantf.aM. München Wien L c ~- 2= iL« u e aeUn 7600 760 WO 758 WO 758 WO 756 Süll 757 OSO Lhaw bd. 3 bedeckt 2 bedeckt 1 Nebel 1 bedeckt �Schnee as i) H Ss 2 1 1 1 1 1 SUlUnen -Z jn c e i Haparanda!7K2 W Petersburg 772 TÜS Sctllh i 759 ONO «berdre» 765 WWW Pari»! 758 NO B Weiter «* C C Ii M Ö | 4 bedeckt siwolkenl'— 10 4 wolkig! 5 1 halb bd' 1 2 halb bd. 0 Wetterprognose für Freitag, de» SO. März 1908. Ein wenig wärmer, teilweise ausllarend, vorwiegend trübe mit Nicdev Ichlägen und matztge» südöstlichen Winden. verltuer» Für den Inhalt der Jnierate bernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, den 20. März. Anfang 7, Uhr. Königl. Opernhaus. Der Barbier von Sevilla. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Theater abends 8 Uhr: Eine Nilfahrt bis zum zweiten Katarakt. Residenz- Theater, Direktion: Riohard Alexander. Anfang 8 Uhr. Königl. Schauspielhaus. Der ger. Der Floh im Ohr. brochene Krug. Der Schrittmacher. Deutiches. Was ihr wollt. Kammerspiele. wachen. Frühlings ErNenes Operetten. Der Mann mit den drei Frauen. Neues Schauspielhaus. Alt Heidelberg. Anfang 8 Uhr. Schwank in drei Alten von( Seorges Feydeau. Deutsch von Wolff- Jacoby. Sonntag, den 22. März, 3 Uhr: Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner- beater). Freitag, abends 8 Uhr: Der Weg zum Herzen. Schiller- Theater Charlottenburg. Freitag, abends 8 Ubr: Kaiser und Galiläer. Welthistorisches Schauspiel von Henrif uftspiel in 4 Akten v. Adolf L'Arronge. Jbsen. Deutsch von E. Brausewetter. Sonnabend, abends 811 hr: Auf der Sonnenseite. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Der Kaiserjäger. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Weg zum Herzen. Erster Teil: Cäsars Abfall. Schauspiel in 5 Aften. Sonnabend, nach m. 3 Uhr: Die Hermannschlacht. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der rote Leutnant. Sonntag, nach m. 3 u br: Das vierte Gebot. Sonntag, abends 8 Uhr: Weh' dem, der lügt. Schiller- Saal( Schiller- Theater) Haben Sie nichts zu verzollen? Freitag 9 Uhr: Bortrag von Dr. James Simon: Anton Rubenstein. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Panne. Leifing. John Gabriel Borkman. Zentral- Theater. Neues. Meißner Porzellan. Lorging. Figaros Hochzeit. Berliner. Förster- Christl. Lustspielhaus. Panne. Schiller 0. Banner Theater.) Der Weg zum Herzen. Schiller Charlottenburg. Kaiser und Galiläer. Theater an der Spree. Spiritisten. Komische Oper. Tiefland. Kleines. 2 × 2= 5. Unter Friedrich Wilhelmstädt. Schau 3 spielhaus. Lokomotivführer Claußen. Hebbel. Maria Magdalene. Westen. Ein Walzertraum. Residenz. Der Floh im Dhr. Zentral. Ein seltsamer Fall. Lutsen. Robinsons Giland. Thalia. Der Verschwender. Trianon. Baron Toto. Bernhard Roie. Dnfel Toms Hütte. Metropot. Das muß man seh'n. Apollo. Mitislam der Moderne. Spezialitäten. Folies Caprice. Menschen.§ 343. Mal was andres. Gebr. Herrnfeld. Вара und Alte Jakobstraße 30. 117. hale: Deutsche Konzerthallen An der Spandaner Brücke 3. Täglich Passage- Theater. Abends 8-11 Uhr. Hanako Japans größte Tragödin mit ihrem Ensemble und das glänzende März- Programm. Passage- Panoptikum. Deutschlands größter Soldat Josef Schippers der lange Kerl. Kunsttaucher Kapt. Gröbl m. s. Riesenbass. Sicilian. Briganten- Kapelle. Ohne Extra- Entree! Eintr. 50 Pf. Kind. u. Sold. 25 Pf. Trianon- Theater. W. Noacks Theater 8 ur. Baron Toto. 8 Uhr. Direktion: Rob. Dill. Brummenitr 16. Vor dem Staatsanwalt. Schauspiel in 4 Uften. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Sonnabend: Extra- Vorstellung: Treue Liebe. In Borbereitung: Der Flüchtling. Ein feltsamer Fall Deutsch- Amerikanischer Palast- Theater mit Alwin Neuß. Staffeneröffnung 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Theater an der Spree Stopenider Straße 68. Heute 8 Uhr: Unter Spiritisten. Schwank in 3 Aften von Rud. Lebius. Sonnabend: Premiere: Ein Verbrecher, DERNHARD ROSE THEATED Br. Frankfurterftr. 132. Onkel Toms Hütte. Anfang 8 Uhr. Urbock- Trubel. Zirkus Schumann Freitag 28 Uhr abends: Gr. kom. Vorstellung. Bum 3. Mal! Neuengagiert! hentagspreite Der menschl. Chimpanse. Konful Peter, Sonnabend: Onkel Toms Hütte. Genoffen. Salomonisches Urteil. Nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung: Bürgerl. Schauspielhaus. Die Robinson Crusoe. Anne- Liese. Kajino. Ein Dorfroman. Parodie. Die Rabensteinerin oder: Ein Walzertraum. Nachtasyl. Rosenmontag. Wintergarten. Spezialitäten. Ringfampf- Stonfurrenz. Passage. Madame Hanato. zialitäten. SpeReichshallen. Stettiner Sänger. 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Bürgerfäle, Bergstraße Nr. 147. März, Rosenmontag. Offizierstragödie in 5 Att. v. Hartleben Montag, den 23. März, abds. 8 Uhr: Letzte Boltsvorst. zu halben Breisen: Flachsmann als Erzieher. Metropol- Theater Das muß man seh'n!! Ahmed Madrali, a.Türkei. Gr. Revue in 4 Akten( 12 Bildern) Gambier II, Belgien, gegen Michael Hitzler, Bayern. WeltIwan Padoubny, meister, Rußland, gegen Max Schneider, Berlin. Walhalla Variete- Theater Theater des Westens. Weinbergsweg 19/20, Rosenthaler Tor. 8 Uhr: Ein Walzertraum. Sonntag nachm. 3%, Uhr halbe Preise: Die lustige Witwe. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Anfang 8 Uhr. Abends 8 Uhr: Das große März- Brogramm. Die heiligen Chinesen in thren geheimnisvollen Sitten und Gebräuchen. Ein Tag in der Opiumhöhle. Rostader Mann mit dem breh. baren Kopf und die übrigen internationalen Künstler. Lokomotivführer Clauffen. Zunnel: Bockbierfest, Reg.- Kapelle, Sonnabend zum 1. Male: Die Rantau und die Bogwisch. Schauspiel in 5 Aften von Detlev v. Liliencron. Lortzing- Oper. Belle- Alliance- Straße 7/8. Anfang 8 Uhr. Figaros Hochzeit. Sonnabend 8 Uhr: Fra Diavolo. Sonntag 3 Uhr: Der Trompeter von Sädingen. 8 Uhr: Fra Diavolo. Montag: Unbestimmt. Neues Operetten- Theater Unter Leit. des Komp. Franz Lehar. Zum ersten Male: Der Mann mit den drei Frauen. Morgen u. folg. Tage dieselbe Borstell. Königgräger Hebbel- Theater, Gr. 57/58. Abends 8 Uhr: Maria Magdalene. Ein bürgerliches Trauerspiel in drei Aften von Friedrich Hebbel. Luisen- Theater. Reichenbergerstr. 34. Gastspiel des Hrn. Magnus Stift: Robinsons Eiland. Anfang 8 Uhr. Sonnabend 4 Uhr: Sneewittchen. Abends: Unser Doktor. Sonntag nachm. 3 Uhr zum legten Male: Des Mädchens Lebenswege. Abends zum ersten Male: Der Pfarrer von Stirchfeld. Montag: Die Spree- Athener. Sänger, italienisches Orchester. Theaterbesucher freier Eintritt. von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Bender, Giampietro, Josephi, Thielscher, Darmand, Massary. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Sonntag, 22. März, nachm. 3 Uhr Neuestes! Allerneuestes! Sanssouci, tra 6. Kottbuser Direktion: Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoffmanns bon F. Lehár. Mia Werber. Amaranth. Gebr. HerrnfeldTheater. Anfang 8 Uhr. Borvert. 11-2 Uhr. Jedes Wort ein Schlager! so lautet das Referat über Salomonisches Urteil. Nachspiel zu Papa und Genossen Beide Stücke mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Sonntag 3 Uhr: Es lebe das Nachtleben. Kasino- Theater. Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr: Norddeutsch. Sänger in Dorf- Roman. und Tanzkränzchen Beg. Sonnt. 5, wochent. 81. Schausp. i. 4 Att. v. Erdmann- Chatrian. Borher der durchweg erstklassige bunte Teil. Sonntag 4 Uhr: Die Freuden der Häuslichkeit. Happoldt's Neuer Konzertsaal Jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag: Großes Militär- Konzert. Möbelgeschäft Gottschalk& Co. 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Drogerie Weinbergsweg 1, direkt am Rosenthaler Tor. Berantwortlicher Redakteur: Georg Davidiohn, Berlin, Für den Inieratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 68. 25. Jahrgang. 3. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt Fragen aus dem EinkommenSteuergesetz. Bei der diesjährigen Steuereinschäßung tritt der neue§ 23 бes Einkommensteuergesetzes zum ersten Male in volle Wirksamkeit. Danach haben bekanntlich die Hausbesitzer die Verpflichtung, den Arbeitgeber und die Arbeitsstätte der Arbeiter, Dienstboten und Bewerbegehülfen, die als Mieter bei ihnen wohnen, anzugeben. Herner müssen auf Erfordern Arbeitgeber den Arbeitsverdienst der bon ihnen dauernd gegen Gehalt oder Lohn beschäftigten Arbeiter, sofern deren Einkommen jährlich 3000 M. nicht übersteigt, der Steuerbehörde mitteilen. Der Steuerzettel weist deshalb für die minder begüterte Bebölkerung außerordentlich hohe Einschätzungen auf. Es mögen nachstehend einige der wichtigsten Fragen aus dem Einkommensteuergesetz zusammenfassend beantwortet werden. Wonach wird das Einkommen bemessen? Das Einkommen wird, soweit Arbeiter in Betracht kommen, nicht mehr nach dem dreijährigen Durchschnitt, sondern nach den Ergebnissen des dem Steuerjahre unmittelbar vorhergehenden Kalenderjahres( also jezt das Jahr 1907) bemessen. Für das Eintommen aus Handel, Gewerbe, Bergbau und aus Land- und Forstwirtschaft wird auch jetzt das Einkommen nach dreijährigem Durch schnitt bemessen, sofern der Steuerpflichtige in geordneter Weise Bücher führt. Von der Besteuerung ausgeschlossen sind( wir geben hier die ebentuell für Arbeiter in Betracht kommenden Vorschriften): 1. Das Militäreinkommen der Personen des Unteroffizier- und Gemeinenstandes; 2. die auf Grund gesetzlicher Vorschrift den Kriegs- oder Friedensinvaliden gewährten Pensionserhöhungen und Berstümmelungszulagen; 3. die mit dem Militärehrenzeichen 1. Klaffe und mit dem Militärverdienstkreuz berbundenen Zulagen von monatlich 3 Mark bis 9 Mart sowie die Ehrenzulagen für Inhaber des Eisernen Kreuzes; 4. bie aus einer Krankenversicherung dem Versicherten zu ftehenden Leistungen. Als steuerpflichtiges Einkommen rechnet das Gesez alle Einfünfte in Geld oder Geldeswert aus Rapitalvermögen, Grundbermögen, Pachtungen, Mieten( einschließlich des Mietswertes der Wohnung im eigenen Hause), Handel und Gewerbe sowie aus gewinnbringender Beschäftigung und aus Rechten auf periodische Sebungen und Vorteile irgendwelcher Art. Danach gehört nicht zum steuerpflichtigen Einkommen: ein Gewinn aus Geschenken, Lotterie, Spiel, Wetten, ebensowenig eine Gewerkschaftsunterstützung. Wohl aber rechnen leider die Inbaliben, und altersrenten zum steuerpflichtigen Eintommen. Das Einkommen der Haushaltungsangehörigen ist dem des Baushaltungsvorstandes zuzurechnen. Welche Abzüge sind zulässig? Den Kapitalisten sind durch die Einkommensteuernovelle eine Reihe Abzüge bei Berechnung ihres Einkommens gestattet, denen ähnliche Abzüge der Arbeiterklasse gegenüber nicht zur Seite stehen. Die wesentlichsten dieser neuen gefeßlichen Steuerprivilegien zugunsten des Großkapitals und des Großgrundbesitzes sind folgende: Es sind künftig abzugsfähig: 1. Die Beiträge zu öffentlichen Be- und Entwässerungsver bänden sowie zur Unterhaltung von solchen Wasserläufen, für welche besondere Gesetze zur Verhütung von Hochwassergefahren erlassen worden sind; 2. die von dem Grundeigentum, dem Gewerbebetrieb und dem Bergbau zu entrichtenden direkten Kommunalsteuern bis zur Höhe der staatlich veranlagten Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer. Bis zur gleichen Höhe werden in den Gutsbezirken die realen Kommunalsteuern und die neben ihnen bestehenden Guts3. die Beiträge zu den Berufskammern, z. B. die an eine Landwirtschafts, Handels, Handwerks-, Aerzte-, Anwalts-, Apothekerkammer zu zahlenden Beiträge( nicht aber die an Gewerkschaften oder Arbeitervereine zu entrichtenden Beiträge); 4. die auf Kirchenpatronats- Verpflichtungen beruhenden dauernden Lasten; 5. die auf Grund rechtlicher Verpflichtung vom Steuerpflichtigen zur allmählichen Tilgung eines auf seinem Grundbesitz haftenden Schuldtapitals zu entrichtenden Beträge, soweit fie 1 Proz. des Kapitals und den Betrag von 600 Mark jährlich nicht übersteigen; Freitag, 20. März 1908. dem Vorhandensein von drei oder vier, um zwei Stufen bei dem barster Pracht am Hofe ähnlich gefahröpft wurde wie unter Borhandensein von fünf oder mehr derartigen Familienmit der kostspieligen Regierung Friedrichs I. Aus dem riesengliedern. Bei Einkommen von mehr als 3000 Mart, aber nicht mehr großen Steuerbukett, das der verschwenderische neue König Bei Einkommen von mehr als 3000 Mart, aber nicht mehr feinen Untertanen unter die Nase hielt, ziehen wir hier zur als 6500 Mart, wird der im§ 17 vorgeschriebene Steuersatz ermäßigt um eine Stufe, wenn der Steuerpflichtige drei oder vier, Erinnerung nur ein paar besonders duftige Blüten heraus: um zwei Stufen, wenn der Steuerpflichtige fünf oder mehr Von der Generalfopfsteuer", der Mutter der heutigen Kindern oder anderen Familienangehörigen auf Grund gesez- Einkommensteuer, war niemand verschont. Selbst das ärmste licher Verpflichtung Unterhalt gewährt. Gänsemädel mußte mindestens vier Groschen bezahlen. " Bei der Feststellung der für die Ermäßigung maßgebenden Friedrich legte auch sich selbst und seiner Gemahlin ein paar Personenzahl( Absatz 1 und 2) werden nicht mitgerechnet die Ehe- tausend Taler Steuern auf. Die Berliner aber meinten, da frau des Steuerpflichtigen und diejenigen Kinder und An- der König das Geld aus des Volkes Taschen nehme, so könne gehörigen, welche das vierzehnte Lebensjahr überschritten haben und entweder im landwirtschaftlichen oder gewerblichen Betriebe er davon ohne irgendwelche Unbequemlichkeit eine Steuer des Steuerpflichtigen dauernd tätig sind oder ein eigenes Ein- zahlen, die wieder in seine eigene Kasse zurückfließe. Dann kommen von mehr als die Hälfte des ortsüblichen Tagelohnes erfand Friedrich mit anerkennenswerter Genialität die nach ihrer Altersklasse und nach ihrem Geschlecht haben. Königssteuer, die Karossensteuer und die Perückensteuer. Das einzig Gute war dabei, daß wenigstens auch die Wohlhabenden tüchtig blechen mußten. Selbst die hohen Hauben der Frauen, die sogenannten Fontangen, wurden mit einem blanken Taler besteuert. Aber das Geld reichte immer noch nicht aus, um der königlichen Genußsucht zu frönen. Bisher war die Steuer aus Spielkarten den Armen zugewiesen worden. Jetzt strich sie der König ein. Schuhe und Stiefel, Strümpfe und Hüte, Kaffee und Tee, Schokolade und Schweineborsten wurden mit Steuern belegt. Den Vogel schoß der geniale Steuerkönig mit der Bestimmung ab, daß alle unverheirateten weiblichen Personen, die heiratsfähig waren, ihre Jungfrauenschaft mit vierteljährlich 6 Groschen besteuern mußten. Jit nach Absah 1 Ermäßigung unter den Steuersaß von 6 Mart begründet, so tritt Befreiung von der Staatssteuer ein." Für einen Arbeiter, der ein kleines Anwesen mit amortifier barer Hypothek besitzt, ist noch von Erheblichkeit, daß ferner abzugsfähig sind: Die auf Grund rechtlicher Verpflichtung vom Steuerpflichtigen zur allmählichen Tilgung eines auf seinem Grundbesib haftenden Schuldkapitals zu entrichtenden Beiträge, insoweit dieselben 1 Proz. des Kapitals und den Betrag von 600. jährlich nicht übersteigen. Welche Rechtsmittel stehen dem Veranlagten zu? Seit dem Jahre 1907 ist den Steuerpflichtigen mit Einkommen von nicht mehr als 3000 Mari der Rechtsweg gegen ungerechte Veranlagungen erheblich beschnitten. Es steht ihnen nur der Einspruch an die Veranlagungskommission und die Berufung an die Berufungsfommission zu: Die Beschwerde an das Oberverwaltungsgericht ist also dem Mittelstand und dem Arbeiterstand genommen. Nur den mit Einkommen über 3000 Mart Veranlagten steht der Weg an das von der arbeitenden Bevölkerung mit bezahlte Oberverwaltungsgericht noch offen. etta wie folgt zu lauten: Einspruch. Der Einspruch ist an den Vorsitzenden der Veranlagungskom miffion au richten. Er ist innerhalb 28 Tagen einzulegen und hat Gegen die Steuerveranlagung vom 14. März( Aktenzeichen Nr. 1403) lege ich Einspruch ein und beantrage Herabseßung der Steuer von 21 auf 9 Mart. Mein Einkommen beträgt nicht 1500-1650 Mart, sondern 1050-1200 Mart. Eine Berechnung meines Einkommens im Jahre 1907 und der zulässigen Abzüge füge ich bei. Als Beweismittel beizubringen bin ich bereit( oder: als Beweismittel füge ich an usw.). Datum und Unterschrift. Ueber den Einspruch entscheidet die Veranlagungskommission. Gegen deren Entscheid ist dann Berufung innerhalb 28 Tagen zulässig. Auch die Berufung ist bei dem Vorsitzenden der Wer anlagungskommission anzubringen. Steuertarif. Die Einkommensteuer beträgt bei einem Einkommen von mehr als 900 bis 1050 Mart 6 Mark " " 1050 1200 " " 1200 1350 " 9 12 " " " " 1350 " " 1500 1500 1650 16 " " 21 " " " " 1650 1800 " " " 1800 2100 " 26 31 " " " " 2100 " " 2400 36 " " 2400 2700 " " " " " " 2700 3000 " " B 3000 3300 " 44 52 60 " " L " Partei- Angelegenheiten. " Wie wärs denn mit solchem modern aufgearbeiteten Bukettchen, Erzellenz? Wenn Sie sich nach König Friedrichs Rezept richten, brauchen Sie um Ihre Millionen nicht in Sorge zu sein. Besteuern Sie die Zylinderhüte und die Lackstiefel, falsche Haare und falsche Zähne. Aber beileibe nicht auch die falsche Gesinnung. Sonst müssen diejenigen, die das meiste Geld im Kasten haben, auch die meisten Steuern zahlen. So lebensgefährlich wie Anno dazumal ist ja das Goldmachen heutzutage nicht mehr. Der„ große" erste Preußenkönig ließ einen talentvollen Schwindler, der ihm Gold machen sollte und es doch nicht konnte, einfach hängen, sogar an einem vergoldeten Galgen. Sie werden später bloß moralisch aufgeknüpft, Erzellenz, an irgend einem breiten Seidenbande. Und das Begräbnis im Ministerfrack haben Sie sich ja, da man das Trauerspiel schon vorausahnen kann. von vornherein ausgebeten... Die Steuerveranlagungen werden jekt verschickt und rufen gerade in Arbeiterkreisen ob ihrer Höhe nicht gelinde Ueberraschung hervor. Die Steuerschraube wird immer schärfer angezogen. Wer sich auf Grund des für die Steuerveranlagung maßgebenden Einkommensteuergesetzes zu unrecht veranlagt glaubt, muß in der in der Veranlagung bezeichneten Frist von vier Wochen reflamieren. Wie das Einkommen berechnet wird beziehungsweise welche Beträge abzugsfähig sind, ersehen unsere Leser aus dem in heutiger Nummer veröffentlichten Artikel: Fragen aus dem Einkommensteuergesetz." Aus Raumrücksichten mußte dieser für die gestrige Nummer bestimmte Artikel heute zurückgestellt werden. Für den 9. Berliner Landtagswahlkreis hat die Freifinnige Volkspartei den Reftor Kähler als Kandidaten aufgestellt. Neuer Gemeinschaftsbetrieb der Straßenbahn. Einen neuen Gemeinschaftsbetrieb eröffnet die Große Berliner Straßenbahn mit der Südlichen Vorortbahn am 1. April. Die neue Linie erhält die laften als abzugsfähige Werbungskosten angesehen: Die Guts- zirken. Sonntag mittags 1 Uhr: Deffentliche Versammlung im Die Linie wird dadurch gebildet, daß jeder zweite Wagen der Linie Steglit. Heute Freitagabend Flugblattverbreitung in allen Be- Nummer 43 und verbindet Schöneberg mit dem Gesundbrunnen. lasten kommen dabei mit 30 Proz. der staatlich veranlagten Birkenwäldchen. Vorwärts! Alles auf den Posten. Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer auch dann in Absah, wenn 34 Gesundbrunnen- Kreuzberg die neue Nummer 43 erhält und bis die Gutslasten erheblich niedriger sind; Briz- Buckow. Sonntag, den 22. März, nachmittags 3 Uhr, zur Eisenacher Straße in Schöneberg durchgeführt wird. Die Linie Sonntag, den 22. März, nachmittags 3 Uhr, 43 macht also von der Ecke der Bad- und Pantstraße folgenden Weg: findet im Landhaus( Wofinski), Chausseestr. 97, eine Boltsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag: Preußen 1848 Nettelbedplay, Weddingplatz, Chauffeestraße, Dranienburger Tor, Frauen! Erscheint in Massen in dieser Versammlung und demonstriert Eisenacher Straße. Die Fahrzeit beträgt 61 Minuten, der gemeinbis 1908. 2. Die legte Gemeindewahl und ihre Lehren. Arbeiter, Weidendammer Brücke, Opernplatz, Gendarmenmarkt, Belleallianceplatz, Blücherplaz, Yorfstraße, Kazbachstraße und Stolonnenstraße bis zur dadurch gegen das elende Dreiklassenwahlrecht. Der Einberufer. same Fahrpreis 10 Pf. Werktags verkehrt Linie 43 vom GesundTreptow- Baumschulenweg. Am Sonntag, den 22. März 1908, brunnen von 6.12 bis 10.34, von Schöneberg von 7.18 bis 11.48, findet eine Besichtigung des Maschinenbetriebes der Vereins- Brauerei inie 34 bis 1 Uhr. Die Linien 34 und 43 ergänzen sich zwischen Nixdorf statt. Die Genossen treffen sich um 19 Uhr vormittags im Gesundbrunnen und Bellealliancestraße, Ede der Yorkstraße, an zu Restaurant von Käding, Baumschulenstr. 67. einem Betriebe von 7 Minuten. Friedrichshagen. Sonnabend, den 21. März, abends 9 Uhr, im 6. für die Besitzer von Waldstücken, welche nicht nach einem Restaurant Wilhelmsbad, Seeftr. 45: ,, Das Reich" ist unverbesserlich. Um sich wegen der ihm erteilten Versammlung des Wahlvereins. forstmäßigen Plane bewirtschaftet werden, trifft§ 12 des Ein- ufchif über: Der Kampf um die wirtschaftliche Freiheit". Artikelferie Rerhäusers im Buchdrucker- Korrespondent ab, worin wir Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Lektion an uns zu rächen, druckt das Blatt eine Stelle aus einer tommensteuergesetzes das neue Privilegium, daß die Ergebnisse 2. Diskussion. von Abtrieben aus diesen Waldstücken als steuerpflichtiges Ein Berlin. 4. Vereinsangelegenheiten. 5. Verschiedenes. Um zahl schimpft werden. Dabei passiert dem Reich" wiederum der Lapsus, 3. Bericht von der Generalversammlung Groß- in der bekannten Art dieses ehemaligen Sozialdemokraten grob betommen nicht anzurechnen sind, wenn und soweit dieselben sich reichen Besuch bittet Der Vorstand. in einem Jahre auf mehr als den zehnten Teil des Wertes des daß es Reghäuser als den Herausgeber des Buchdruckerborhandenen Holzes erstrecken. Neuenhagen a. d. Ostbahn. Den Genoffen zur Kenntnis, daß am Korrespondenten" bezeichnet, während es wissen müßte, daß fommenden Sonntag, den 22. d. M., nachm. 4 Uhr, bei A. Wünsche, dieser Herr lediglich einer der Redakteure des Buchdruckerblattes Neuenhagen, Bahnhofstraße, unsere regelmäßige Mitgliederversamm ist, der sich durch seine Schimpfereien auf die Sozialdemokratie, lung stattfindet. wie er selbst im einundzwanzigsten Artikel seiner Serie Niederlehme. Die Parteigenoffen werden auf den am Sonn- fonstatiert, das Mißfallen weiter Kollegenkreise zugezogen abend, den 21. März, abends 8 Uhr, stattfindenden Extra- Bahlabend hat. aufmerksam gemacht. Wichtige Besprechung über die am Dienstag" Reich" bei Anrufung dieses Kronzeugen doch Doch das nur nebenher. Wir möchten aber dem stattfindende Gemeinderatswahl. Am Sonntag, den 22. März, früh zu bedenken 8 Uhr, findet eine Flugblattverbreitung für die am Nachmittag statt geben, wie es im vorigen Herbst über die Nerhäusersche Schreibfindende Boltsversammlung statt. Der Bezirksführer. weise urteilte, als der Korrespondent" in einer neunundzwanzig Artikel umfassenden Serie den vom Reich" protegierten Gutenbergbund an den Pfahl spießte und ihm seine notorische Streitbrechertätigkeit nachwies. Damals waren die Reghäuserschen Auslaffungen Verleumdungen"," Verdrehungen"," unglaubliche Beschimpfungen" usw., heute, wo es gegen die Sozialdemokratie geht, möchte das„ Reich" die Neghäuserschen Wutausbrüche in Offen barungen einer reinen, unschuldsvollen Seele umdichten. Wir danken für so viel Konsequenz und halten die Angelegenheit hiermit für erledigt. Neben diesen insbesondere dem Großgrundbesizer zugute fommenden neuen Geschenken ist die Zulässigkeit der bereits früher für zulässig erflärten Abzüge aufrechterhalten. Dahin gehören zum Beispiel die Deichlasten, die indirekten zu den Geschäftsunkosten zu rechnenden Abgaben, die regelmäßigen jährlichen Abfegungen für Abnugung der Gebäude, Maschinen und des sonstigen toten Inventars. Aehnliche Abzüge zugunsten des Arbeiters bestehen nicht. Dem Arbeiter sind nach wie vor Abzüge für die zur Erhaltung seiner Arbeitskraft gemachten Aufwendungen nicht gestattet: er tann weder für Lebensunterhalt, noch für Bekleidung, noch für Miete Abzüge machen. Für die Abzüge, die er vom Einkommen machen barf, gelten nur folgende allgemeine Bestimmungen. Es sind abzugsfähig: Berliner Nachrichten. Exzellenz Sydow ins Stammbuch. " 1. die von dem Steuerpflichtigen zu zahlenden Schulden. zinsen; 2. Renten und dauernde Laften, die auf Privatrechtstiteln Der arme Mann, der die zweifelhafte Erbschaft des Frei( 3. B. Vertrag, Verschreibung, lettwilliger Verfügung) beruhen, herrn v. Stengel angetreten hat, ist nicht zu beneiden. Im 3. die von den Steuerpflichtigen für seine Person gesetz einsamen Staatskämmerlein grübelt er darüber nach, wie oder vertragsmäßig zu entrichtenden Beiträge zu Kranten-, man Millionen aus der Erde stampfen kann, und denkt viel- Aus der städtischen Jrrenanstalt in Buch entwichen sind im Vers Unfall, Alters- und Invalidenversicherungs-, Witwen-, Waifen- leicht auch schon an das Begräbnis erster Klasse, das ihm nach waltungsjahre 1906/07 von den dort verpflegten Geistesfranken und Pensionskaffen, soweit diese Beiträge zusammen die Höhe Jahresfrist wahrscheinlich ebenso beschieden sein wird, wie 42 Männer und 9 Frauen. Von den Männern brachen drei gevon 600 Mart nicht übersteigen; 4. Versicherungsprämien, welche für Versicherung des Steuer- allen feinen Vorgängern, die die Kunst des Goldmachens aus meinsam aus einem Klosett des Aufnahmehauses aus, indem sie 4. Versicherungsprämien, welche für Versicherung des Steuer- Bolksmark nicht richtig verstanden haben. Studieren Sie doch den dort angebrachten Eisengitterrahmen entfernten. Einer brach pflichtigen oder eines nicht selbständig zu veranlagenden Haushaltungsangehörigen auf den Todes- oder Lebensfall gezahlt fleißig die preußische Geschichte, Herr v. Sydow, und gehen aus einem Landhause aus, ein anderer ging durch die oberen werden, soweit die Prämien den Betrag von 600 Mart jährlich Sie bis auf die Scheidegrenze zwischen Kurfürstenhut und wurden durch einen Pfleger aus dem Weberwachungshause gelassen. Drahtflügel einer Zelle des Ueberwachungshauses. Vier Kranke Königskrone zurück. Da werden Sie finden, daß ein ganz Dieser wurde dafür wegen vorfäßlicher Gefangenenbefreiung zu In Betracht kommt für den Arbeiter noch folgende durch die vorzüglicher Reichsschazsekretär, von dem Sie noch vieles 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Die 33 sonst entwichenen Männer Novelle erweiterte Vorschrift des§ 19 zugunsten folcher Steuer- lernen können, der erste Preußenfönig war. Ohne seine flchen von der Außenarbeit. Von den neun entwichenen, Frauen Bahler, welche Kinder oder Angehörige zu unterhalten haben: volksruinierende Verschwendungssucht und Prunkliebe, die ließen sich zwei aus dem Obergeschoß des Ueberwachungshauses " Gewährt ein Steuerpflichtiger, dessen Einkommen den Be- enorme Summen erforderte, wäre dieser Selbstherrscher viel- an einer selbst gefertigten Leine herab, nachdem sie das Gitter mit trag von 3000 Mart nicht übersteigt, Kindern oder anderen Familienangehörigen auf Grund gefeßlicher Verpflichtung Unter- leicht gar nicht darauf verfallen, sich die Königskrone aufs einem Messer durchgefeilt hatten. Zwei andere entwichen durch das halt, so wird ihm von dem steuerpflichtigen Einkommen für jedes Haupt zu setzen. Und als sie erst mal fest saß auf dem ge- Hülfe von außen, drei durch unvergitterte Fenster. durchgeschnittene Gitter des Erdgeschosses desselben Hauses unter derartige Familienmitglied der Betrag von 50 Mark in Abzug falbten Haupt, mußte das Volk den königlichen Spaß teuer wichenen Männer waren zum größten Teil bestraft, während von gebracht mit der Maßgabe, daß in jedem Falle eine Ermäßigung bezahlen. Es hat wohl in der preußischen Geschichte keine den neun entwichenen Frauen drei bestraft waren, darunter eine stattfindet um eine der im§ 17 vorgeschriebenen Steuerstufen bei zweite Phase gegeben, in der das Volk zur Entfaltung dent- I mit Zuchthaus, nicht übersteigen. Die 42 ent Vor den Augen seiner Mutter aus dem yrn�er geiprunge» ist der 23 Jahre alte Chauffeur Kar! Ruhmann. WechenSurgerstr. VI. R. stürzte sich auS dem dritten Stock der Wohnung aus die Straße hinab und blieb mit zerschmetterten Gliedern auf dem Bürgersteig liegen. Nach wenigen Minuten starb er unter den Händen de» herbeigerufenen ArzreZ. In die Spree gefallen und ertrunken ist geßen, der 23jährige Schiffer Otto Miacher, der auf einem Lastkahn Dienst getan hatte Da» Fahrzeug hatte in der Nähe der Kronprinzenbrucke in der Spree vor Anker gelegen. Als M. abends, aus der Stadt koinmend. den Kahn betreten wollte, mußte er über ein schmales Laufbrett. das vom Ufer nach dem Fahrzeug hinübergelcgt ist, hinweg. Er trat nun fehl und stürzte in die Spree. Obwohl auf seine lauten Hülferufe hin bald Hülfe zur Stelle war. mußte M. ertrinken. Seine Leiche konnte noch nicht geborgen werden. Durch einen stürzeuden Balken niedergeschmettert. Auf dem Lagerplatz an der Ecke der Kopenhagener- und Schwedler Straße hat sich gestern nachmittag ein schwerer Unglücksfall zugetragen. Der 33 Jahre alte Kutscher Paul Jäckel, Graunstraße 4/5 wohnhast. hatte aus dem Holzlagerplatz der Finna Jußmann mit anderen Kollegen große Balken verladen. Als die Leute einen der Balken auf einen Wagen laden wollten, kam er ins Rutschen und stürzte ab. Er traf den I. mit solcher Gewalt, daß er niedergeschmettert wurde. In bewußtlosem Zustand schafften die Kollegen den Ver- imglückten nach dem Lazarus-KrankenhauS. I. hat einen schweren Schädelbruch davongetragen uitd er wird wohl kaum mit dem Leben davonkommen. Ein Herrenregenschirm ist vorgestern im„GewerkschaftShauS" in der Versammlung stehen geblieben. Derselbe kann beim Vor- fitzenden A. Pohl. Naunhnstr. 30, abgeholt werden. vermißt wird fest dem 27. Februar 1S08 der Arbeiter Paul § sedier, am 24. April 1880 in Langheinersdorf geboren. Stendaler trotze 8 wohnhaft gewesen. Beschreibung.- mittelgroß, kräftig, blond, kleinen Schnurrbart. Bekleidung: schwarzen, steifen Hut, schwarzen Ueberzieher, dunkelblau karierten Anzug. Schnürstiefel. graue Strümpfe, grauwollenes Hemd. Zweckdienliche Mitteilungen, welche zur Auffindung des Genannten dienen könnten, werden sowohl von der Kriminalpolizei als auch von jedem Polizeirevier zu den Akten 1366 IV. 6. 08. schriftlich oder mündlich entgegengenommen. Der zweite Dachstuhlbrand wurde Donnerstag mittag aus der Sophienstr. 10 genieldet. Dies Haus gehört dem Ostdeutschen Jllnglingsbuild und sind dort u. a. domiziliert die Gesellschaft zur Fürsorge für die zuziehende männliche Jugend, ein Gesellenheim, die Geschäftsstelle des KreiSverbandeS Berliner Jünglingsvereine, ein Soldaienheim, ein Lehrlingsheim u. a. m. Die Gefahr wurde erst bemerkt, als der Rauch die Treppen füllte. Der 13. Zug aus der Linienftraße war schnell zur Stelle und griff sogleich mit mehreren Schlauchleitungen energisch an. Da die Flammen, die an mehreren Stellen angelegt waren, reiche Nahrung geftmden hatten und immer »veiter um sich griffen, wurde auch der 14. Zug aus der Tieckstraße zur Brandstelle beordert. Erst nach mehrstündiger Tätigkeit gelang es. den großen Brand, der der Feuerwehr infolge der enormen Ver- qualmniig viel zu schaffen machte, zu löschen. Fcucrmehrbcricht. Die erste Brandstiftung wurde gestern früh iiin 3Vz Uhr von, Gesundbruniieil gemeldet. Dort brannte bei An- kirnft des 16. Zuges der Dachstuhl des von 30 Parteien bewohnten Hauses Aoloimstr. 30. Durch kräftiges und schnelles Waffergeben gelang cS, die Flammen auf den Dachstuhl zu beschränken. Der Täter ist wiederum unerkannt entkommen. RachtS um 3 Uhr hatte die Feuerwehr in der Denncwitzstr. 86 zu tun, wo eine Maler Werkstatt brannte und die Feuerwehr, um die Flammen zu löschen, längere Zeit Waffer geben mußte. Ferner hatte die Wehr in der Skalitzerftr. 35. Kommandantenstr. 72, Wilhelmstr. 3, Wassertorstr. 76 und anderen Stellen zu tun. Vorort- IVacbrickteNs Zur Semeinäevaklbeilvegung. In Weihensee findet bente nachmittags von S bis 6 Uhr die Gemeindewahl in der zweiten Wählerklafle statt. Kandidaten der Sozialdemokratie find die Gr «offen Otto Kohl. Max Olcy und Hermann Tender. Rudow. A« Mittwoch, den 25. März, findet die Stichwahl für die dritte Klaffe statt und zwar wieder in einer für die Arbeiter ungünstigen Zeit von 10—11 Uhr vormittags. Parteigenoffen I Diese kurze Zeit muß zu reger Agitatton auS gewitzt werden, um die säumigen Wähler aufzurütteln, damit der Sieg unser ist. Das Dreiklaffenwahlsystem zeigt sich gerade in unserem Orte in seiner wahren Gestalt. Von 28S eingeschriebenen Wählern gehören allein 268 der dritten Klaffe an. während in der zweiten Klaffe 18 imd in der ersten Klaffe ein einziger Wähler, ausgerüstet mit zwei Vollmachten, die Mandate zu vergeben hat. Wie verpicht unsere Gegner auf die Forensen sind, zeigte sich so recht bei der Hauptwahl der dritten Klaffe: hat doch ein Kandidat allein 30 dieser Papiersttmmen sich zu verschaffen gewußt, sogar eine ungestempelte Vollmacht wurde für gültig erklärt, nachdem der Be- vollmächtigte 1,60 M. auf dem Wahltisch hinterlegt hatte. ES bedarf also der Anstrengung eines jeden Genoffen, wenn wir unserem Kandidaten zum«iege verhelfen wollen. Niederlehme. Die Wahlen zur dritten Klasse finden am 24. März statt.< muß nun Aufgabe eines jeden aufgeklärten Arbeiters fein, sofort mit allem Nachdruck in die Agitatton einzutreten, damit eS diesmal ge- lingt, einen Sozialdemokraten in d»e Gemeindevertretung zu be- kommen. Zur Besprechung wichtiger Gemeindeangelegenheiten unseres Ortes und Aufstellung eme» geeigneten Kandidaten findet nun am Sonntag, den 22. März, nachmittags 3 Uhr, im Lokale des Herrn Reichelt eine öffentliche Versammlung statt, in der daS Erscheinen der Rirderlehmer Einwohnerschaft dringend erwünscht ist. Llaklevgebnlffe� Wcigensee. Bei der heutigen Gemeindevertreterwahl wurden im 1. Bezirk die Genoffen Kasiclke mit 527 und Seifert mit 528 Stimmen gewählt; im 3. Bezirk Genosse Frentz mit 645 Stimmen. Im 1. Bezirk ist ein Stimmenzuwachs von 25 Proz. zu verzeichnen, während im 3. Bezirk die Stimmen sich gegen die vorige Wahl um 10 vermehrt haben. Gegenkandidaten waren Nicht aufgestellt. Rcurnhagen a. Ostbahn. Bei der Gemeindewahl erhielten unser Kandidat der Genosse Otto Göller 42. der Grnndbesitzerverein lBabnhof) 50 und der Grundbesitzerverein(Dorf und Niederheide) 43 Stimmen; mithin Stichwahl zwischen den Bürgerlichen, an der wir uns natürlich nicht beteiligen. Roseuthal-Nordend. Bei der gestrigen Gemelndevertreterwahl erhielt unser Genosse Christ. Schulz 63 Stimmen. Pflüger, HauS- besitzer, 3 Stimmen, und Walter. Ortsverein 110 Stimmen. Letzterer ist somit gewählt. Nur der Abgabe von 50 Forenseustimmen ver- danft Herr Walter sein Mandat. Grünau. Bei der heutigen Gemeindevertreterwahl wurden insgesamt 347 Stimmen abgegeben gegen 240 bei der vorigen Wahl. Der bürgerliche Kandidat erhielt 200, der von uns aufgestellte Hl Stimmen. Die Bürgerlichen verdanken ihren Sieg lediglich den bieken Forensenstimmen und dein großen Aufgebot der Beamten» schaft, von der manche, durch den bürgerlichen TerroriSmuS dazu gezwungen, wider ihren Willen für den Kandidaten der Bürgerlichen gestimmt haben mögen.__ Charlottenburg. Die Charlottenburger Stadtverordnetenversammlimg begann an, Mittwoch die zweite Lesung des Etats. Eine Reihe unwichtiger Etats gelangte ohne Debatte zur unveränderten Annahme. Beim Etat der höheren Lehranstalten mackite Stadtv. Holz den sozial demokratischen Mitgliedern des Ausschusses den Vorwurf, daß sie gegen eine von ihm vorgeschlagene Reiolutton gestimmt hätten, durch die der Magistrat ersucht wird, auS Anlaß des Falles Mattheus an dem Sophien-Realgymnasium in Berlin durch eine Vorstellung beim Provinzial- Sctmlkollegium darauf hinzuwirken. daß sämtliche Direktoren der höheren Schulen unter Mitteilung des Tatbestandes aus sorgfältige Einhaltung der gesetzlichen Bestimimmgen und Ver Ordnungen hingewiesen werden. Untere Genossen erklärten, daß auch sie selbstredend den Fall aufs schärfste verurteilen, daß sie aber keine Veranlassung gehabt hätten, für die übrigens vom Ausschuß ab gelehnte Resolution zu stimmen, denn diese Resolutton hätte ein Mißtrauensvotum gegen die Direktoren der höheren Lehranstalten CharlottenburgS bedeutet, und dazu liege absolut kein Grund vor. Beim Etat der Fortbildungsschulen sprach Genosse Z i e t s ch sein Bedauern darüber auS, daß die staatliche Aufsichtsbebörde auS dem Lehrplan der Fortbildungsschulen den Unterricht über eine Reihe sozialpolitischer Fragen, insbesondere über die Geschichte der Arbeiterorganisationen in Deutschland und England gestrichen habe. Weiter regte Redner die Einführung des Unterrichts im Sttafrechl an. Stadtverordneter Dr. P e n z i g forderte für die FortbildungS schüler Moralunierricht. Genosse Vogel wies auf die Notwendigkeit des baldigen Neubaues der Fortbildungsschule hin. Zun, Etat der Armenverwaltung wurde die von unserer Seite gestellte Resolution angenommen, daß in Zukunft die Entsendung solcher Personen, die noch nicht der öffentlichen Armenpflege anHeim gefallen sind, in Heilstätten, nicht mehr aus Mitteln des ArmeneiatS erfolgen solle. Der Magistrat wurde ersucht, in Erwägungen darüber einzutreten, wie dieS Ziel am prakttschsten zu erreichen sei. Beim Etat des Feuerlösch- und StraßenreiiiiguiigSwesenS brachte Genosse Will eine Reihe von Beschwerden der Feuerwehrleute zur Sprache. Er tadelte die mangelhafte Ventilation in den Schlafsälen der Wache am Lützow, das Fehlen von Schutzvorrichtungen an Maschinen in der Werkstatt Rankeslraße, und forderte die Einsetzung von ArbeiterauSschüffen. Ferner kritisierte Redner die Arbeits- Verhältnisse der Firma Fricke, die die Gespanne für die Stadt liefert. DieS Verhältnis habe sich bereits zu einem öffentlichen Skandal ge- 'taltct, die Firma beschäftige außerordentlich viel junge Leute, die mit den Sprengwagen gar nicht umzugehen verständen und eine Ge fahr für das Publikum auf der Straße bilden. Stadttat Meyer mußte die vom Vorredner gerügten Miß> tände zugeben, namentlich die Zustände bei der Firma Fricke. Er erklärte im übrigen, daß die Stadt mit dieser Firme ja eigentlich gewissermaßen nur noch gezwungen verheiratet sei, am t. April 1810 werde hoffentlich die eigene Regie durchgeführt-, im übrigen sei Fricke bereits mitgeteilt, daß er Kutscher unter 20 Jahren nicht mehr anstellen dürfe. Bon der Einsetzung von ArbeiterauSschüffen für die Feuerwehrleute will der Magistrat nichts wissen. Beim Etat des Schiller-Theaters brachte Genosse Klick zur Sprache, daß der Oekonom des Tbeaterrestaurants den An Hänger» der sozialdemokratischen Partei die Säle verweigere. DaS Schiller- Theater sei auf öffentliche Kosten erbaut, zu den Kosten hätten auch die Sozialdemokraten nach ihrer Steuerkraft beigettagen, das ver halten des Oekonomen bedeute einen groben Verstoß gegen die Gleichberechligung sämtlicher Bürger. Auch der Pächter deö der Stadt gehörigen Restaurants Tiergartenhof verweigere der Partei feine Säle. An diese Ausführung knüpfte sich eine längere Debatte. Der Per- tteter des Magistrats, Bürgermeister Matting wollte nicht an- erkennen, daß das Verhalten des Oekonomen illoyal sei. Unsere Genoffen Zietsch, Hirsch, Dr. Borchardt und Will da- gegen schlössen sich der Kritik deS Genossen Klick an. Wenn die Debatte auch keinen prattischen Erfolg gezeitigt hat, so wird eö jedenfalls gut gewesen sein, das Vorgehen deS Pächters des Theaterrestaurants, mit dessen Verhalten nebenbei bemerkt auch die Direktion des Schiller-TheaterS nicht einverstanden ist, einmal öffentlich zur Sprache gebracht zu Häven. Am nächsten Mittwoch wird die Elatsberatung fortgesetzt. Rixdorf. Eine« erfreulichen agitatorischen Erfolg ergab die am Montag von der AgitationSkommission der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend einberufene Konsumentenversammlung. in welcher Genosse Schubert über den Wert der Konsumgenossenschaften referierte. Vom Referenten sowie den nachfolgenden Diskussionsrednern wurde den Anwesenden die Notwendigkeit sowie der Nutzen einer guten Konslimentenorgaittsation vor Augen geführt. Obwohl gerade die Rixdorfer Arbeiterschaft erst in den letzten Jahren de» Verlust ihrer Konsumentenorganisation zu beklagen hatte, so hat die Agitation für. die Genossenschaft Berlin Mtd Umgegend seit zirka zehn Monaten doch unerwartet gute Fortschritte gemacht, so daß in kurzer Zeit in Rixdorf die dritte Verkaufsstelle — die 18. der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend— am 18. März Wildenbruchstt. 62 eröffnet werden konnte. So erfreulich nun jedoch die bisherige EntWickelung der Genossenschaftsbewegung in R»xdorf ist. so bleibt doch noch ein großes Stück Arbeit zu letsten übrig, um wenigstens den klassenbewußten Arbeiter», die Ucber- zeugung beizubringen, daß wir der politischen und gewerlschaftlichen Organisation die Organisation der Konsumenten zur Seite stellen müssen. Es ließen sich hierauf ein großer Teil der Versammelten als Mitglieder aufnehmen. Ein Schildbürgerstückche«. Ein Turner, dem die Leitung von Jugendabteilungen in der»Freien Turnerschast" übertragen ist, wurde von der Polizeibehörde aufgefordert, seinen üblichen Be- fähigungSnachweiS von der städtischen Schuldeputation zu erbringen. FlugS tat der Turner das Gewünschte, legte Lebenslauf, tadelloses FührungSattest und ein Prüfungszeugnis vom Berliner Turnrat über erfolgreiche Borttirnerprüfung ein. und erhielt hierauf die nachgesuchte Genehmigung. Jedenfalls war die Schuldeputation nicht genügend informiert, da der Turner zur Zeit der Vorturncrlehrprufung Mit- alied des patriotischen Turnvereins Jahn war. jetzt aber freier Turner ist, daher die Genehmigung. Der Beglückte hatte dieselbe erst 24 Stunden in Händen, als ein Schutzmann erschien, nn> die erhaltene Genehmigung wieder abzuholen. DieS wurde bis jetzt alle Tage fortgesetzt aber leider vergeblich, da die Schriftstücke sich schon in den Händen deS Rechtsanwalt» befinden, dem dieses Material auf der am 31. März cr. vor dem OberverwultungSgericht statt- findenden Verhandlung als deutlicher Beweis, daß mcht sachliche. sondern Gestni»unaStüchttgkeit zur Ausübung des TurnlehrerberufeS nötig ist, dienen»oll.— Da der Polizeibeamte erklärte, unter allen Umständen die Schriftstücke zurückbringen zu müssen, darf man auf de» Ausgang der Sache gespannt sein. RummclSburg. Die letzte Gemrindevertrrterfitzung, welche als Hauptpunkt die Vorberatuna deS diesjährigen Etats vorznnehmen hatte, bewilligte vorerst für die am 1. April zu eröffnende Gemeindesparkaffe einen Betriebsfonds in Höhr von 10000 M. Auf Antrag unserer Vertreter wurde der Zinsfuß für die Spareinlagen aus S'/o Proz. festgesetzt: ferner wurde beschloffen, Spareinlagen, die noch in den ersten drei Tagen des Monats gemacht werden, bereits vom MonatSerften ab zu verzinsen. Nachdem noch die Wabl mehrerer ArmenkommissionSmitglieder für die Zeit vom 1. Aprit 1808 bis 31. März 1811 und die Wahl eines Mitgliedes für den StenerauSschuß erfolgt war, begann die Etats- beratung. Die hierzu sehr zahlreich erschienenen Zuhörer kamen durch daS Schweigen der bürgerlichen Vertreter sowie deö Gemeinde- Vorstandes wohl nur zum Teil auf ihre Rechnung. Recht bezeichnend für dm GemkUldevorstaad ist es aber« wenn derselbe nach dm ein» stündigen Ausführungen unseres Genossen John, die insbesondere in eine Anklage gegen den Gemeindevorsteher als den nach jeder Seite hin willfährigen Förderer von nur Grundbesiyerinleresien aus- klangen, kein Wort der Erwiderung fand oder für notwendig hielt. Die GeueraldiSluision beschräntte sich dann allein nur auf die Einführungsrede des Bürgermeisters und die� Gegen- ausfübrungen unserer Vertreter. Der Voranschlag selbst schließt in Ausgabe und Einnahme yiit 2 614 633 Mark ab.— Einleitend bemerkt der Gemeindevorsteher, daß die Heradsehung deS Zuschlags zur StaatSeiiikoinmensteuer von jetzt 125 auf 100 Proz. sich nur möglich macht, wenn zur Bilanzierung deS Etats demselben ans dem SlraßeminlerbalumgSsonds ein Kapital von 86 000 M. zu- geführt wird. Der Bürgermeister glaubt, daß diese Kapital- zusübrung insofern unbedenklich ist, da anzunehmen sei, daß durch die Herabsetzung des Kommunalzuschlages auf 100 Proz. soviel wohlhabende Leute nach Rummelsburg ziehen werden, daß hierdurch ein hinreichender Ausgleich geschaffen wird. Die Herabsetzung selbst ergibt eine Mindereinnahme von 73 675 M. Wenn man nun in Bettacht zieht, daß der Kapitalzuschnß allein 86 000 M. bettägt, so ergibt sich, daß von Rechtswegen nicht eins Herabsetzimg. sondern eine Erhöhimg deS Zuschlags zur Staats- einkommensteiler erfolgen müßte. Auch betonte der Bürgermeister noch ausdrücklich, daß die Kulturaufgaben der Gemeinde trotz der schlechten Finanzlage nicht leiden würden! Auch ein besonderes Loblied glaubte derselbe nach seiner Ansicht noch auf unsere Ge- meindeichulen anstimmen zu können, da bei einer Berechnimg die durchschnittliche Klassenfteguenz nur 45 Kinder ergeben haben soll. Unser Genosse John führte nunmehr aus. daß er die Politik deS GemeindevorstcmdeS, der auf alle Fälle— ganz gleichgüliig. ob die Finanzlage der Gemeinde dies überhaupt zuließ oder nicht— nur allein auf das DrSngen und Schreien der Gruiidbesitzervereine die Herabsetzung deS Zuschlags zur StaatSeinlommeiisteuer auf 100 Proz. herbeiführen will, als eine äußerst gewagte bezeichnen muß, die ganz unzweifelhaft in den nächsten Jahren zum großen Schaden beb allgemeinen Interessen sich erweisen wird. Die Herabsetzung ist um so unverständlicher, weil hauptsächlich nur dem EisenbahnfiSkuS und einigen Fabrikbesitzern ein größerer Gewinn in den Schoß geworfen wird, weiter kommt aber hierbei in Betracht, daß in den nächsten Jahren der Gemeinde außerordenilich große Ausgaben für die neue Berieselungskanalisation, für Zuschüsse zum Kaiserin-Aiigusta-Viktoria- Krankenhaus und für das höhere Schulwesen bevorstehen. Auch betont unser Redner, daß bei einem GesamtanSgabebetrag von 7750 M.. verteilt auf die äußerst nolwendigste» sozialpolitischen Ge- meindeeinrichtlingen wie Ferienkolonien 2250 M., Bekämpfimg der Schwindsucht 500 M., Bekämpfung der Kindersterblichkeit 1000 M.. Lernmittel an Bedürftige 3000 M. und von 1000 M. an den Verein Frauenhülfe für warme FrühsiückSkost an bedürftige Schulkiuder über- aupt nicht die Rede davon sein kann, daß die Gemeinde Rummels- bürg mit über 45 000 Einwohnern, wovon die übergroße Mehrzahl der ärmeren BevLlkerungöklaffe angehören— sich ihrer Aufgabe in dieser Beziehung bewußt ist— geschweige daß die hierfür ein« gestellten Mttel auch nur im geringsten als genügend in Bettacht kommen können. Wenn man aber nun andererseits in Betracht zieht, daß den Hausbesitzern allein durch die Herabsetzung der Grundwert- steuer von 3'/« Proz. auf jetzt 8 Proz. ein Geldgeschenk von 22 638 M. in den Schoß fällt, wenn man_ weiter berechnet, daß den Grundbesitzern zur Kanalisation ein Ge- meindezuschuß von 56 546 M. gewährt wird und ferner noch in Be- tracht gezogen wird, daß die höhern Schulen einen Gemeindezuschuß von 87 000 M. erfordern, die doch fast ausschließlich nur den Grund- besitzern und den wohlhabenden BevölkerungSschichten zugute kommen, so erscheinen dagegen die Asmosen, die den ärmeren Be- Völkerungsschichten geboten werden, doch wohl in einem recht klag- lichen Llchte. Auch die Herabsetzung des Zuschlags zur Staats- einkommeusteuer bei der zurzeit nicht guten Finanzlage der Gemeinde muß ausschließlich als ein Gefälligkeilsakt für die Grundbesitzerpartei be- ttachtet werden. Jene Herren sollen durch Zuzug von sogenannten besseren Mietern in die Lage versetzt werden, durch MietSsteigerunaen höhere Profite aus ihren Häusern schlagen zu können. Weiter übte Redner scharfe Kritik an der Art und Weise, wie der Gemeindevorstand es beliebt. Beschlüsse der Gemeindevertretung, die im Interesse deS all- gemeinen Wohles gefaßt worden sind, zu verschleppen. So hat die Gemeindevertretung bereit» vor einem Jahre den Beschluß gefaßt, in eine Beratung über Einführung der WertznwackiSsteuer einzutreten— bi» heute ist leider nichts in dieser Sache geschehen. Ferner wurde bereits vor einem Jahre beschlossen, emen Kindergarten in größerem Stile einzurichten: auch hier ist man nicht weiter als zu den vor bereits dreiviertel Jahr von der betreffenden Kom- Mission gefaßten Beschluß gekommen— in anderen Orten befindliche Kindergärten ku besichtigen. Auch der vor einem ahre gefaßte Beschluß, ein Volksbad zu errichten, ist noch keinen schritt vorwärts gekommen, eS scheine dies auch in diesem Jahre nicht beabsichtigt zu sein, da im Etat nur die bereits im vorigen Jahre eingesetzten aber nicht verbrauchten 1000 M. wieder eingeietzt worden sind. Nachdem unser Vertreter dann noch in eingehender Weise all unsere hauptsächlichsten Kommunalprogrammforderungen als zur Einführung notwendig dargelegt hatte, und insbesondere warm für Errichtung eines EcholungSparkeS eingetreten war, nahm noch Genosse Ritler das Wort, um die Almosenbettäge, die für sogenannte WohlfahnSeinrichtungen eingesetzt worden sind, einer scharfen Krittk zu unterziehen. Ferner beantragte Redner, die Einkommen unter 800 M. steuerfrei zu lassen. Auch trat Redner warm für Verbesserungen in gesundheitlicher Bc- ziehung ein. Zur allgemeinen Verwunderung wohl aller Zuhörer, die zum mindesten einige AbschwächungSversuche aus dem Munde des Gemeindevorslchera envartet halten, hüllten sich nicht nur die bürgerlichen Gemeindevcrtreter, sondern auch der Gemeindevorsteher selbu in tiefes Schweigen. Der Voranschlag wurde dann zur Weittren Durchberatung an die Finanzkoinmission gewiesen. Lichtenberg. Bei Beratung ber Umsatzsteuerordnung in der letzten außer» ordentlichen Stadtverordnetenversammlung spielten sich die bürger- lichen Stadtverordneten als die Retter der kleinen Leute auf die das»Unglück" haben, ein Haus zu besitzen. Der Referent der Kommission empfahl entsprechend ocr MagistrcttSvorlage wie bisher eine Steuer von 1% Proz. für bebaute und 2 Proz. für unbebaute Grundstücke zu erheben. Genosse Düwell wies auf die außer- ordentlichen Mehrausgaben hin, die der Gemeinde durch das Polizeikostevgesetz sowie durch daS neue SchuIunterhaltungSgesetz entstehen. DeS weiteren werden aber auch Ausgaben für sozial- polittschc Zwecke wie Krankenhausbau, öffentliche Badeanstalten und so weiter in den Etat eingestellt werden müssen. Als Aequi» valent sei cs notwendig, den bisher an den Kreis abgeführten Prozentsatz der Stadt zu belassen, sofern die bürgerlichen Herren nicht bereit sind, eine einträglichere und gerechtere Steuerquelle zu erschließen, und zwar die Wertzuwachssteuer einzuführen. Dev Stadtverordnetenvorsteher, der die besonderen Interessen der Grundstücksspekulanten zu wahren hatte, rief unseren Redner zur Sache. Dieselben Bürgerlichen, die nämlich gegen die Wertzuwachs- teuer geredet und gestimmt hatten, wollen außerdem auch die Um- satzfteuer ermäßigen. ES wurden die verschiedensten Vorschläge ge- macht, so unter anderen auch einer Erhöhung der Grundwertsteuer daS Wort geredet, wogegen sich unsere Genossen ganz entschieden wendeten, weil diese'Maßnahme tatsächlich eine Belastung des kleinen Besitzers bedeuten würde. ES wurde beschlossen, die Steuer auf bebaute Grundstücke mit 1 Proz. und unbebaute mit 2 Proz. festzusetzen, was einen Ausfall von rund 55 000 M. für das Jahr bedeutet. Bei der Beantwortung einer Interpellation Franke u. Gen., Schaffung eines gepflasterten ZufuhrwegeS nach dem Gemeinde- friedbof von der Frankfurter Chaussee aus, ist erwähnenswert, daß feit Jahren die Gemeinde versucht, mit der Besitzerin des an» liegenden Geländes, der Tcrraingesellschaft»Frankfurter Chaussee", durch Verhandlungen dtt Anlegung einer Straße oder Wenigstenz eines gepflasterten Fußsteiges möglich zu machen. Die von der Gesellschaft an die Gemeinde gestellten Ansprüche machten indes jchx KjHandliuig icjultaUod. Wörtlich fagts ßtaiüauset une". Anipping: Jedesmal, wenn die Gemeinde glaubte, bie Gesellschaft zusammen unter Sen Geißelhieben, die Ginger Das Münchener katholische Berbummungsorgan für Dtenfthoten befriedigt zu haben, wurden erneute Ansprüche gestellt. Jedes auf ihn niedersausen ließ. Er versuchte eine Abwehr, fie begrüßt natürlich diesen Antrag und tröstet sich damit, daß die Verweitere Verhandeln hat sich als unmöglich erwiesen, weil die Gesell- mißglückte, und nur der Beifallslärm seiner Freunde blieb hältniffe in unserm Nachbarland noch ungünstiger sind wie bei fchaft glaubt, die Gemeinde ausnußen und Vorteile für sich herausschlagen zu können.- Als Baisenrat für den 20. Bezirt wurde ihm als einziger Troft. Als dann noch der Stadtv. Nathan refigniert: Die Gesindeordnungen find auch bei uns recht alt und Immerhin erklärt es am Schluffe feiner Betrachtungen ein Herr Wegener jüngst gewählt. In den Ausschuß für den An- zum Angriff vorrückte, griff der Herr Stadtrat Fisch bed refigniert: Die Gefindeordnungen sind auch bei uns recht alt und trag betreffs Speisung der Schulkinder wurden die Genossen Heckert in seiner Hülflosigkeit zu dem Mittel, die gesamte er eine zeitgemäße Abänderung, für eine Aenderung der Gesindenicht mehr lebensfähig und zeitgemäß. Darum treten auch wir für und Settel gewählt. Zu Kaffenrevisoren die Genoffen Düwell, sammlung in einer so ungezogenen Manier ordnung ein, nicht aber, wie die Sozialdemokraten, für Eisenstadt, Spiekermann. Zum Heilgehülfen für die neue Rettungs- anzurempeln, wie es bisher noch nicht dagewesen sein eine Abschaffung derselben." wache wurde der bisherige Polizeisergeant Czodrowski bestätigt. dürfte. Aus der Versammlung antwortete ihm der Zuruf: Dieses Geständnis zeigt klar, daß die Schwarzen weit davon Treptow- Baumschulenweg. Frecher Patron! Als der Vorsteher die Ungezogenheit entfernt sind, den Dienstboten die Sklavenketten abzunehmen; nur dieser Zierde des Magistratskollegiums zurüdwies, erhob etwas Zalmiüberzug will man gewähren. Oberbürgermeister Kirschner Einspruch nicht gegen das den Magistrat kompromittierende Benehmen des Kollegen Fischbeck, sondern gegen die Rüffelung durch den Versamm lungsvorsteher. Und Herr Fischbeck war abgebrüht genug, felber noch einmal zu einem Verteidigungsversuch das Wort zu ergreifen. Der Berliner Stadtfreifinn fann stola fein auf diesen seinen Bannerträger! Einen verhängnisvollen Ausgang nahm ein Zusammenstoß von Einbrechern mit dem Generalpächter Robert Naßler auf der in der Nähe der Kiefholzstraße belegenen Laubenfolonie" Zum Tauben- Baul". Hier sollten bereits in der bergangenen Woche wiederholt Flaschen und andere Gegenstände gestohlen worden sein. In einer der legten Nächte drang, der wohnungslose Hausdiener Max Römer in Begleitung zweier Männer in die Laube ein. N. hatte sich mit seiner Frau auf die Lauer gelegt. Als dies die drei Einbrecher bemerkten, erfolgte ein Busammenstoß in dessen Verlauf R. eine Zaunlatte er griff und auf die Eindringlinge einhieb. Während sich die beiden Etat der Park- und Gartenverwaltung von Im weiteren Verlauf der Etatberatung wurde beim Fremden aus dem Staub machten, wurde Römer festgehalten und Ser Polizei zugeführt. Hier verschlimmerte sich sein Zustand infolge unseren Genossen 3ubeil und Schulz die unwürdige der in der Laube erhaltenen Schläge derart, daß seine Ueberführung Schäbigkeit zur Sprache gebracht, mit der die Arbeiter dieser nach dem Krankenhaus notwendig wurde. Dort starb er bald nach Verwaltung entlohnt werden. Dieselben Arbeiter, die all der Einlieferung an den Folgen der erlittenen Berlegungen. Seine jährlich bei Beginn des Winters sich auf die Straße feßen Leiche ist polizeilich beschlagnahmt und nach dem Schauhaus ge laffen müssen, werden im Sommer rücksichtslos aus schafft worden, wo sie obduziert werden wird. Raßler behauptete bei gebeutet und mit Stundenlöhnen abgespeist. Als seiner Vernehmung in der Notwehr gehandelt zu haben. Sprecher des Magistrats antwortete Bürgermeister Seide. Man tennt die Sorte von sozialem Empfinden"; die er besitzt, Der Turnverein Jahn", Treptow, hält am Sonntag, 22. Mära. nachmittags 3-5 Uhr, in der Turnhalle Stiefholzstraße in Baumschulenweg ein Vereinsschauturnen ab. Freunde und Gönner der Turnerei sind hierzu eingeladen. Zeuthen. Aus unglücklicher Liebe den Tod durch Lysol gesucht hat am Mittwochmorgen( einen Tag nach ihrem 25. Geburtstag) die hier bei ihren Eltern wohnende Luise Hennig. Der von den Eltern der Rebensmiden sofort nach Auffinden derselben telephonisch benach richtigte Dr. Wagner aus Wildau erschien nach etwa 2 Stunden und konnte nur noch den erfolgten Tod fonstatieren. Bur gleichen Zeit verübte einen Selbstmordversuch ebenfalls durch ysol die Frau Gärtner Schl. aus Hantels Ablage. Den Bemühungen des sofort herbeigerufenen Dr. Gerligs gelang es, die Frau am Leben zu erhalten. In diesem Falle soll Furcht vor einer notwendigen Operation der Beweggrund gewesen sein. Tegel. Bei der Gewerbegerichtswahl wurde die Liste des Gewerkschafts. fartells mit 601 Stimmen gewählt. Gegner waren nicht aufgestellt. Schönholz. Ein schwerer Unglüdsfall ereignete fich auf dem Güterbahnhofe bei Schönholz an der Nordbahn. Der Kutscher Jessel, Braunstr. 5 wohnhaft, hatte für die Firma Gießmann, Vinetaplag, eine Fuhre Heu abzuholen. Als er gemeinsam mit mehreren Arbeitern die HeuTabung mit einer schweren Stange belaffen wollte, entglitt diefe den Händen der Männer und fiel dem J. so unglücklich auf den Kopf, daß er einen schweren Schädelbruch erlitt. Der Verunglückte wurde nach der Unfallstation in der Badstraße gebracht und von dort in hoffnungslosem Zustande nach dem Lazarus- Krankenhause über geführt. Kommunales. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Die gestrige Sigung, in der die Etatsberatung fortgefegt wurde, war eine der lärmbollsten, die wir im Stadtparlament erlebt haben. Der Seld des Abends war wieder mal Stadtrat Fischbed, der sein Gummi fnüppelinstitut, das Obdach, gegen die Kritik der Sozial demokraten zu verteidigen hatte. Wer Herrn Fischbecks Manier fennt- Oberbürgermeister Kirschner pries einmal diefen ungehobelten Kollegen als den richtigen Mann" für das Obdach der weiß, daß es bei solchen Gelegenheiten nie ohne Standal abgeht. Gerichts- Zeitung. Schuhmannswalten am Wahlrechtssonntag. und Eine Monsterbemonstration zugunsten des Frauenstimmrechts ist für den 21. Juni im Londoner Hyde- Bart geplant. Eine Anzahl von Frauenwahlrechtsvereinigungen hat die Sache in die Hand genommen und fordert die anderen Organisationen zum Anschluß auf. Ertrazüge sind aus allen Teilen des Landes vorgesehen, Fahrpreisermäßigungen sucht man zu erlangen, um eine große Teilnehmerzahl zu erreichen. Im Bart sollen 20 Rednertribünen aufauswärtigen Deputationen von den Bahnhöfen nach dem Bergestellt werden. Unter dem Schuße der Polizei(!) werden die aller Richtungen kann man das Zeugnis nicht bersagen, daß sie fammlungsplatz geleitet. Den englischen Wahlrechtskämpferinnen in ihrer Agitationsarbeit unermüdlich bleiben und unerschöpflich in ihren Mitteln die öffentliche Meinung in steter Aufmerksamkeit au erhalten. Von der Technik ihres Wahlrechtstampfes kann man etwas lernen. Versammlungen Veranstaltungen. Rigdorf. Dienstag, den 24. März, bei Hoppe, Hermannstr. 49: Deffentliche Volksversammlung. Vortrag: Die Wahlrechtsfrage und die Frauen". Referentin: Genossin Frau Blum Essen. Spandan. Freitag, den 20. März, 8 Uhr, bei Feuerherdt, Kurstr. 21; Vortrag. Vermischtes. Schiffsunfälle. Nach einer Meldung aus Bremen wurde ber gestern früh bei seiner Abfahrt aus der Quarantäne des Hafens Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd Kronprinz Wilhelm" von New York infolge Rebels von dem britischen Dampfer„ Crown of Caftile" angerannt. Der britische Dampfer traf den„ Kronprinz Wilhelm" mitten ins Hed. Der Steven des britischen Dampfers drang etwa 12 Fuß ein. Die Beschädigung ist über Waffer. Schraube, Steven und Ruder scheinen nicht beschädigt zu sein. Die vorläufige Reparatur wird in New York vorgenommen werden. Bei dem Unfalle wurde niemand verlegt. Der Kronprinz Wilhelm" wird am 24. März seine Reise nach Bremerhaven antreten. Der Torpedojäger Fanfare" erlitt nach Cherbourger Meldung bei Schnelligkeitsversuchen Havarie und war gezwungen, ins Arsenal zurückzukehren. Eine Unterfuchungskommission wird mit einer Prüfung des Unfalles beauftragt werden. Seine Frau erschlagen. Vorgestern nachmittag hat, wie ber „ Vogtländische Anzeiger" aus Hof berichtet, der 38 jährige Hand arbeiter Georg Löffler, Vater von sieben Kindern, seine Frau er mordet, indem er ihr mit einem Knüppel den Schädel zertrümmerte. Das Motiv zur Tat war Eifersucht. Der Mörder ist verschwunden. Konservativ- liberale Paarung. " Du Hund!" follte am Wahlrechtssonntag einer auf offener Straße laut und vernehmlich geschimpft haben. Wäre ein Demonstrant gewesen, so hätte rasch genug der Weg zur Anklag bank sich ihm geöffnet. Aber derjenige, von dem behauptet wird, daß er" Du Hund!" gefchimpft habe, war ein Schuhmann. Und so tams, daß ein anderer auf die Anklagebant geriet- einer, der sich über besagten Schuhmann aufgeregt und den Wunsch bekundet hatte, seine Nummer zu notieren. Dieser andere war ein Maler Nidmann. Am Donnerstag stand er vor den Schöffen der 150. Abteilung des Amtsgerichts Berlin- Mitte unter der Anklage, am 12. Januar etwa um 6 Uhr abends in der Kleinen Frankfurter Straße als Beteiligter einer Gruppe von 20 bis 30 Personen groben Unfug dadurch verübt zu haben, daß er gejohlt und laut standaliert habe, sowie die Straßenordnung dadurch übertreten zu haben, daß er ungeachtet der Aufforderung eines Schußmannes nicht weitergegangen sei. Durch polizeilichen Strafbefehl war eine Geldstrafe von 30 M. über Ridmann verhängt worden, nun forderte er richterliche Entscheidung. R. versicherte, er habe sich um teine Demonstration gekümmert, er sei nur mit einem Freund zum Straßenbahnbureau in der Kleinen Frankfurter Straße gegangen, um sich Lohn zu holen. Dort habe er eine Siftierung mit an. gesehen. Ein Bolizist habe mit dem lauten Nuf Du Hund!" sich auf einen Mann gestürzt, um ihn festzunehmen und habe dabei wurde gestern der städtische Vollziehungsbeamte Gottlieb Münster Wegen Unterschlagung verhaftet. Nach einer Meldung aus Essen den Mann zu Boden geriffen. R. habe bei diesem Borgang zu wegen Unterschlagung eingezogener Steuerbeträge berhaftet. feinem Freund gesagt, da müsse man sich eigentlich die Nummer des Schußmanns notieren. Im nächsten Augenblick sei der Schuhmann In der Grube getötet. Auf der Grube Alegander" wurde nach auf ihn selber augesprungen und habe auch ihn gepadt. Schuss einer Meldung aus Hersfeld gestern nacht der Bergmann Peter mann Franz Rawold, der die beiden Sistierungen vorgenommen Tann durch einen umstürzenden Baum getötet. hatte, war als Beuge geladen. Er behauptete, St. Habe trakeelt, Das gefährliche Spielzeug. Wie aus Frankfurt a. M. gemeldet standaliert, auf die Polizei geschimpft und sei troß Aufforderung wird, wurde in der Fürstenbergerstraße ein Schüler beim Spielen nicht weitergegangen. Zeuge bestätigte, daß jener Mann bei der mit einem Revolver bon einem anderen Knaben getötet. Siftierung zu Boden gerissen worden sei; er fügte hinzu, auch er fagte aus, daß er und R. den ganzen Tag für die Straßenbahnfelber sei dabei zu Fall gekommen. Ein Rollege des Angeklagten gesellschaft gearbeitet hätten das wurde auch von einem als gestrigen Nummer in großen Lettern folgendes Inserat: Das Berliner Tageblatt" enthält im Inseratenteil feiner Beuge vernommenen Beamten der Straßenbahn bestätigt daß beide abends sich ihren Lohn hätten holen wollen. Die Sifties Schadchen rung jenes Mannes wurde von diesem Zeugen in allem ebenso wie zur Bermittelung einer reichen Heirat für einen Freiherrn vom Angeklagten geschildert; auch das wurde von ihm bekundet, daß gesucht. Nur burchaus ernstgemeinte Buschriften erbeten durch die Schußmann Rawold" Du Hund!" geschimpft habe. Rickmann habe nicht standaliert, auch habe der Schuhmann ihn nicht zum Weiter Exped. d. 8tg. usw. Bon den Einzeletats, die im ersten Teil der Sigung fort gepadt worden. Der Amtsanwalt fand, N. habe sich in Dinge wird hier in die Praxis umgefezt. Hoffentlich wird das reiche gehen aufgefordert, dazu sei ja gar feine Beit gewesen, St. sei soDas schöne politische Gebilde der tonfervativ- liberalen Baarung erledigt wurden, führten nur wenige noch zu einer Er- hineingemengt, die ihn nichts angingen, dadurch habe er den Judenmädchen in der Ehe mit dem Hochfeudalen besser behandelt örterung. Beim Etat der Gemeindeschulen be- Beamten gestört, das fei grober Unfug. Er habe auch standaliert als die Liberalen trotz aller Bescheidenheit von den Junkern. mängelte Genosse Weyl, daß die Zahl der Schulärzte und habe der wohlwollenden Aufforderung des Schußmanns zum nicht schon jest vermehrt werden soll. Stadtrat Selberg Weitergehen"( wohlwollend", fo fagte der Amtsanwalt) nicht Folge Ein Millionenraub. Ein Telegramm aus Chihuahua in Merils vertröstete auf später. Stadtverordneter Breuß ersuchte, geleistet. Dafür sei er zu bestrafen mit zweimal je 1 Woche Haft, berichtet, daß aus der dem meritanischen Gesandten in den Berfich der Fachlehrerinnen anzunehmen. Schulrat aufammen 2 Wochen Haft! Der Berteidiger Rechtsanwalt Heine einigten Staaten gehörenden Bank Minero eine Summe von Fischer wintte ab. hob hervor, daß Schußmann Ratvold vor Gericht den Ruf Du 1475 000 Franks geraubt worden ist. Der Bankräuber ist ber Beim Etat des Armenwesens erneuerten unsere Sund!" mindestens nicht in Abrede gestellt habe. Dieser Ruf sei mutlich nach den Bereinigten Staaten geflüchtet; auf seine Ergreifung Genossen inge und Ewald die alte Forderung der Da habe der Angeklagte durchaus bas Recht gehabt und sogar die eine Roheit, deren ein Beamter sich nicht schuldig machen dürfe. ist eine hohe Brämie ausgefest. fozialdemokratischen Fraktion, daß die Barunterstützungen Bflicht, sich um diesen Vorgang zu fümmern. Er habe hiermit nicht zu erhöhen seien. Sie wiesen diesmal besonders auf die groben Unfug berübt feine Beunruhigung des Publikums in Notwendigkeit einer Erhöhung der Pflegegelder hin, feiner Allgemeinheit liege darin und auch keine Verlegung berech die den Witwen für ihre Kinder gezahlt werden. Beide tigter Interessen des Schutzmanns- ja, der Angeklagte habe foRedner sprachen es mit rückhaltloser Schärfe aus, daß bei vielen Armenkommissionen die Neigung besteht, gegenüber diesen Witwen sich mit Härte zu wappnen und die Pflegegeldfäße möglichst zu drücken. Stadtrat Münster bergs Verteidigung war matt. Ihm, der selber in der Armendirektion oft genug seine Anschauungen gegen die freifinnige Mehrheit nicht durchzusehen vermag, kam seine Antwort wohl faum von Herzen. Er mußte sich's gefallen laffen, daß ein Mann wie der Stadtverordnete Sachs ihm beisprang. Die Gefinnungsfreunde des Herrn Sachs bezeichneten es durch eifrige Zwischenrufe als sehr richtig", daß Witwen wie einer der sozialdemokratischen Redner herborhob von der Armenverwaltung genötigt werden, bei mehreren Kindern wenigstens eines ohne jedes Pflegegeld zu ernähren. Als bei der Abstimmung über den Armenetat die Summe der auszugebenden Millionen genannt wurde, unterstrich der Freifinn sie mit lautem Hört! hört!" gar sehr verdienstlich gehandelt. Auch ruheftörender Lärm sei nicht berübt worden und ebensowenig fei die Straßenordnung über treten worden, gegenüber den sehr unbestimmten Aussagen des von St. vollen Glauben schenken. Mindestens sei der Vorfall als Schußmanns müsse man der sehr bestimmten Aussage des Kollegen nicht hinreichend aufgeklärt anzusehen, daher müsse Freisprechung erfolgen. Das Urteil wurde gefällt nach langer Beratung, aber mit sehr kurzer Begründung. Bollen Glauben verdiene der Schuß mann; erwiesen sei durch ihn, daß N. standaliert und ihm nicht Folge geleistet habe; dafür fei der Angeklagte mit 15 m. und 10 M., aufammen 25 M.( eventuell 5 Tagen Haft) zu bestrafen, Aus der Frauenbewegung. Reine Beseitigung der Dienstbotenschmach. Kulturstaaten", in denen die Dienstboten noch nach hundertjährigen Nicht nur in Preußen- Deutschland, sondern auch in anderen Gefeßen behandelt werden, bricht sich mehr und mehr die Erkenntnis Es kam dann die Debatte über das Obdach, deffen Bahn, daß es auf diesem Wege nicht mehr weiter gehen kann. Die Berwaltung unter Fischbeds Führung, wie unser Genoffe Dienstbotenfrage beschäftigt zurzeit Taufende von bürgerlichen Quad Sassenbach treffend darlegte, eifrigst bemüht ist, den falbern und Quadialberinnen. Im gemütlichen Wien scheinen die Infassen den Aufenthalt so ungemütlich wie Verhältnisse genau wie bei uns, mit elementarer Macht auf die Bemöglich zu machen. Die Einführung der Gummi- freiung der Hausftlaven hinzudrängen, da die wirtschaftlichen Faktoren fnüppel gehört zu den Mitteln, mit denen das erreicht werden alle verstaubten Traditionen rücksichtslos beiseite schieben. Dies ergibt sich foll. Herr Fischbed wehrte fich gegen Saffenbachs aus der Mitteilung, daß im Wiener Gemeinderat ein Dringlichkeitsantrag eingebracht wurde, der sich mit dem immer fühlbarer" werdenden Forderung, daß in diese Anstalt ein humanerer Geist Dienstbotenmangel befaßt, mit dem Hinweis, daß die zurzeit einziehen müsse. Er schimpfte nach Kräften auf die Obdach geltende Dienstordnung den modernen Zeitverhältnissen nicht mehr lofen, framte mit theatralischen Gebärden aus einer Mappe genügt und ihr die Hauptschuld an der Dienstbotenmifere zu allerlei Waffen heraus, einen Stein, einen Totschläger, eine zuschreiben sei. Die betreffenden Bestimmungen stammen noch aus Brechstange usw., die bei Obdachlosen gefunden worden dem Jahre 1810( 1), ganz wie im Junterland. Folgender Antrag waren, und nannte die Einführung des Gummifnüppels eine wurde eingebracht: ..harmlose" Maßregel und die humanste", die denkbar sei. Der Magistrat wird beauftragt, mit Beschleunigung die BorMit stürmischem Bravo!" dankten ihm die Freisinnigen, als arbeiten für die Erlaffung einer neuen Gefindeordnung durchzuer geendet. Genosse Singer gab ihm die gebührende Antführen und gleichzeitig die Einführung einer obligatorischen oder wort. Er wies nach, daß das Obdach der Stadt keineswegs fafultativen Altersversorgung für Dienstboten, zu welcher ebenso fo musterhaft ist, wie Herr Fischbeck es geschildert hatte, und der Dienstgeber wie der Dienstnehmer Beiträge zu leisten hätten, in die Hand zu nehmen. Auch ist eine Versicherung gegen baß man mit Anschauungen, wie ein Fischbed fie hat, überhaupt keine humanitäre An. Arbeitslosigkeit in Verbindung mit den Dienstvermittelungsämtern Italt leiten kann. Der Gummifnüppelmann audtel " B Briefkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, weiter Fahrstuhl Sof dritter Eingang, vier Treppen, wochentäglich abende von 7 bis 9% Uhr statt. Geöffnet 7 Uhr Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Wierkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort im Artikel vom 20. März bargelegt. wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. A. H. 87. Welche Abzüge bei der Steuer zulässig find, ist ausführlich Wohnung gesundheitsgefährlich, so laffen Sie fie ärztlich untersuchen, die Rudolf Matafreh. Ist die Gesundheitsgefährlichkeit bescheinigen, reichen eine gebung des Mietsvertrages und Schadenersas beim Amtsgericht ein, fügen Selage auf Aufdas Attest bei und beantragen, einen möglichst nahen Termin festzusetzen. .. 87. 1. Leiber ja. 2. und 3. Ja... 389. Ja. Gast wirt. Die Spielfragen fönnen Sie ausmachen, wie Sie Luft haben. Wir lehnen es grundsäglich ab, über Streitfragen betreffend Spiel, zu entscheiden. S. 77. Die Gewerbedeputation des Magistrats, Stralauerstraße 1-3. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen Direktion über den Großhandel in den Zentral- Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr reichlich, Geschäft schleppend, Preise für Sealb- und Schweinefleisch anziehend, sonst unverändert. Wild: Zufuhr minimal, Geschäft still, Breife behauptet. Geflügel: Zufuhr nicht genügend, Geschäft etwas reger, safe: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Preise hoch. Fische: Zufuhr in lebenden Fischen mäßig, in Seefischen genügend, Geschäft ziemlich rege, Preise wenig verändert. Butter und Südfrüchte: Bufuhr reichlich, Geschäft in Obst still, in Gemüse etwas lebhafter, Preise zum Teil anziehend. Gemüse, Dbst und Wasserstands- Nachrichten der Landesanstalt für Gewäfferfunde, mitgeteilt bom Berliner Wetterbureau. Bafferstand memel, Luft am feit 18. 3. 17. 3. cm cm ¹) 533)-1 -26 5085)-10 191 11 regel, Justerburg 3214) eichsel, Thorn Dder, Ratibor Wafferstand Saale, Grochlig Rathenow) am feit 18. 3. 17. 8. cm cm) 202-10 Havel, Spandau) 167+3 179 Spree, Spremberg) 118 270 +3 Beestow 210 255 +3 eser, Münden 75 240 8 Minden 182 -4 Rhein, Maximiliansau 380 124 +1 254 62 -16 Köln 348 " Dresden Barby Magdeburg 33-16 Redar, Heilbronn 120 299 259 -12 Main, Wertheim 228-12 -11 Mosel, Trier 161 -17 )+ bedeutet Buchs, Fall. 3) Unterpegel. Grundeis. 9 gestern mittag Stroffen Frankfurt Barthe, Schrimm nee, Bordamm Landsberg 264 Elbe, Leitmerig in Erwägung zu ziehen und dem Stadtrate hierüber Bericht zu 6 Uhr morgens: 526 cm; Eisstand. erstatten. 506, heute morgen 474 cm; eisfrei Kaub 5) Heute um auch Möbel Teilzahlung auf ganze Einrichtungen wie auch Einzelmöbel in jeder Preislage. Enorme Auswahl. Besichtigung erbeten. Eigene Tischler- und Tapezierer- Werkstätten. A. Schatz sen. 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