Nr. 27. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Vierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 fg. frei in's Haus. Einzelne Nummer 5 fg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Bfg. Boft- Abonnement: 8,30 Mt.pro Duartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. DesterreichUngarn 2 Mr., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Boft- Bettungs- Preisliste für 1893 unter Nr. 6708. Vorwärts 10. Jahrg. Insertions- Gebühr beträgt für die fünfgefpaltene Petitzeile oder deren Raum 40 fg., für Bereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pig Inferate für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition tit an Wochens tagen bis 7 Uhr bends, an Sonnund Festtagen bis 9 hr Bors mittags geöffnet. Fernsprech- Anschlu Amt I, Nr. 4186. Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Der Bergarbeiter- Ausstand im Saar- und Ruhrgebiet. Mittwoch, den 1. Februar 1893. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Machtbefugniß geschwellten Behörde! Und dieses Recht" rechte fich zu immer flarerer Erkenntniß emporringen. $ gar noch vor den wohlmeinenden Anordnungen der hohen Auch sie mußte immer tiefer die Wahrheit des Shakespeare Behörde schützen" zu wollen! Das geht denn doch weit, schen Sazes empfinden, daß der Mensch, der nur so viel weit über das Maß des Erlaubten hinaus! Was fordern hat, als er braucht, ein Thier ist. Es ist eine gefunde Mus Gelehrtenkreisen wird uns geschrieben: sie denn, diese unverschämten Menschen?- Abänderung und hochbedeutsame Entwickelung, die einen großen Theil Die öffentliche Meinung", soweit sie ihre Quelle in der Lohnbestimmungen zur Verhütung willkürlicher Lohn- der Bergarbeiterschaft dahin gebracht hat, daß fie um Güter der bürgerlichen Parteipresse. hat, stellte sich dem Streit fürzungen, Schutz gegen einseitige Geldstrafverhängungen und willen, welche über die bloße leibliche Selbfterhaltung hinaus schroff entgegen. Solche Löhne! und eine solche bös- soustige Maßregelungen, Nichteinführung der Lehrhauer- Neue- ihrer höheren menschlichen Fortbildung dienen, in einen so willige Widerspenstigkeit, mitten im dunklen, falten Winter, rung, Abänderung der Bestimmungen über den Arbeiterausschuß gefährlichen Kampf einzutreten die Kraft fand. Zu einem wo die Steinkohlen so nothwendig sind, wie das liebe Brot! im Sinne einer unabhängigen, energischen Vertretung der Kampf um die Werthung der Arbeit gehört die Der wackere Herr von Stumm hatte ganz Recht; fortjagen Interessen der Mannschaft, baldigste Errichtung von Gewerbe- Triebkraft der Noth; zu einem Kampf um die hätte man sie sollen, alle miteinander menn nur jemand gerichten und dergleichen. Um solche und ähnliche Dinge Würde des Arbeiters gehört darüber hinaus noch anders da wäre, der der fröstelnden Kulturmenschheit die dürfte man höchstens bitten als um unverdiente Wohl die Schwungkraft der Begeisterung! lieben Steinkohlen zu Tage förderte!- Ja- ihr guten thaten und Gunsterweisungen; aber selbst das Bitten be- Die Arbeiter an der Saar sind unterlegen, ohne das Kafino- Philifter, holt doch selbst einmal das kostbare schwarze wiese einen gänzlichen Mangel an Untergebenen- Bescheiden- Geringste von ihren Forderungen durchgesezt zu haben. Ihre Gut aus der stickigen und finsteren, Tod und Verderben heit und Diener- Demuth. Und nun gar auf einem anderen aufopferungsfreudigen Kameraden an der Ruhr sind dem drohenden, heimtückischen Tiefe! Dann wird Euch der Lohn als dem instanzenmäßigen Wege der allerunterthänigsten gleichen Geschicke verfallen. Das Herren recht hat vielleicht nicht mehr zu hoch erscheinen. Gesundheit und Bitte vorzugehen; ihr Recht" gar erzwingen zu wieder einmal triumphirt; die Kasino Gesellschaft hat Leben verkauft man niemals zu hoch. wollen! Der Historiker aber, Das ist einfach eine Unverschämtheit: Anfahren, sich wieder einmal beruhigt. Doch waren die Löhne, welche die Bergleute im Saar- dann verhandeln! und auch dann nicht etwa über die dessen Blick nicht durch die goldene Brille ererbter Vorrevier bezogen, auch im allgemeinen nicht so hoch, daß man gegenwärtig in Frage kommenden Beschwerden! urtheile und Vortheile getrübt ist, macht sich ein Merkfich das tägliche Brot" im Sinne der Lutherischen Aus- Wer in den Dienst eines Arbeitsherrn tritt, der verzeichen an Zeit und Ort jener Bewegung, um nicht zu verlegung der vierten Bitte dafür hätte kaufen können, so tauft nicht nur seine Arme und Beine, sondern auch Herz geffen, daß auch dort Kräfte zu Tage getreten sind, die waren sie doch andererseits auch nicht so niedrig, daß fie und Hirn. Einen Hungerstreik hätte man den Berg- mit jeder Niederlage tiefer einwurzeln und höher empornicht vor dem leibhaftigen Hunger geschützt hätten. Und so leuten zur Noth verziehen, aber einen Recht 3 st re if, wachsen, bis sie eines Tages mit unwiderstehlicher Gewalt mögen alle die Recht haben, welche diesen Streit nicht aus einen Rechtsstreit gar gegen die hohe Staatsregierung! jedes Hinderniß aus ihrer Entwickelungsbahn hinwegder Magenfrage heraus rechtfertigen können und wollen,- Nein, soweit sind wir noch lange nicht in unserem schleudern. weil sie von vorn herein einen standesgemäßen Unterschied modernen R e chts staat"! Da haben die Bergleute an die zwischen Kafino Magen und dem Boltsküchen Magen als große Frage gerührt, die unsere Zeit bewegt! Sie haben für das Wohl der Menschheit unerläßlich ansehen. Außer nach der Frucht der Erkenntniß gegriffen, die noch nicht gedem leiblichen Hunger giebt es aber auch noch pflückt werden darf, und die zu begehren das Verbrechen einen anderen Hunger. Dieser andere Hunger der bösen Sozialdemokratie ist. Geht das persönliche aber war der Hauptbeweggrund in dem jüngsten Menschenrecht über das kapitalistische MachtAusstand, und das macht denselben zu einem bemerkens- recht? Darf der Arme vom Reichen sein Recht for werthen Symptom für den inneren Fortschritt der bedern, oder darf er ihn nur um ein Almosen bitten? deutschen Studentenliede von den italienischen Wanzen und Italia, Italia, was haft du für Canaglia, heißt es in einem troffenen Bergarbeiterschaft. Wir meinen den Hunger Steht der Wahlspruch: Bedingungslose Gere ch- Flöhen. Aber neben der sechsbeinigen Canaglia giebt es auch nach Recht! tigkeit höher als das Aushängeschild: Nächst en zweibeinige dort, und la bella Italia besteht darauf, zu zeigen, Die Bewegung im Saarbrücker Grubenrevier fenn- liebe unter Vorbehalt? Das ist die große daß fie in dieser Beziehung nicht unebenbürtig dasteht neben zeichnet sich als ein praktischer Zusammenstoß der alten Frage. la belle France von Panama und neben der züchtigen Germania Lehre vom Befehlsrecht des Arbeitsherrn und der Ge- Jm Sinne der vom Abg. von Stumm und Genossen der Gottesfurcht, der frommen Sitte und des Welfenfonds. horsamspflicht des Arbeitsknechtes auf der einen Seite und erhobenen, oberflächlichen Auflagen hat die Sozialdemokratie Italien läßt sich sein Papiergeld fabriziren von sechs Banten, der neuen Lehre von der vollen Rechtsgleichheit auch im nicht Schuld an dem im Saar- und Ruhrrevier geführten zwei tostanischen, einer neapolitanischen, einer fizilischen und Wirthschafts- und Erwerbsleben auf der anderen Seite. Ausstand; sie hat ihn nicht, wie jene behaupteten, ver- wei römischen: Banca Romana und Banca Nazionale. Die Banknoten verbiefer sechs privilegirten Banken haben Kurs als vollgiltiges Das Evangelium von der Menschenfreiheit und Mannes- anlaßt. Sie hielt ihn aus taktischen Gründen und Zahlungsmittel durch ein Gesetz, das vor einigen Jahren ablief, würde im freien Arbeitsvertrag ist in Widerstreit ge- Vernunfterwägungen für ein unkluges Beginnen, und der dann von Jahr zu Jahr, bis zum 31. Dezember 1892, und endlich rathen mit der altehrwürdigen Ueberlieferung von dem Verlauf hat ihr Recht gegeben.- Aber in tieferem Sinne auf drei Monate bis 31. März 1893 verlängert wurde. väterlichen Wohlwollen und der kindlichen Entsagung im trifft die Sozialdemokratie doch die Schuld an dieser Be- Schon unter dem Ministerium Crispi wurde 1889, im Hin gottgewollten Dienstverhältniß. Einen Rechtsschutzverein" wegung, denn sie hat sie verursacht. Diese Schuld" blick auf die nöthig werdende Erneuerung dieses Bankhaben die Bergleute gegründet! Welche Beleidigung liegt aber trägt die Sozialdemokratie leicht, denn sie ist in privilegiums, und von wegen umlaufender beunruhigender Geschon in dem bloßen Namen für die alte Heilslehre vom höherer Auffassung ein Verdienst. Es ist das Verrüchte, eine Untersuchung über die Geschäftsführung dieser Banten Zwangspatriarchat! Wie können Bergleute, Menschen ohne dienst der sozialdemokratischen Partei, daß durch ihr befohlen. Die Banca Nazionale wurde untersucht vom Senator Consiglio, die Banca Romana vom Senator Alvist, einem ehrhöhere Bildung", die im Dienste der Staatsregierung raftloses Arbeiten und Wirken die sozialistischen Wahrlichen Manne, bem als Sachverständiger ein tüchtiger Beamter stehen und noch dazu auf der untersten Stufe des Beamten beiten immer weiteren Kreisen der Arbeiterschaft zum Be- des Finanzministeriums, Biagini, beigegeben wurde. Was thu ms, wie können die von ihrem Recht" reden gegenüber wußtsein tommen. So mußte auch in der Bergarbeiter Configlio entdeckt hat, darüber ist bis jetzt jezt nichts einer hohen, von akademischer Weisheit und dekorirter schaft das Gefühl für die menschlichen Hoheits- bekannt geworden; von dem Bericht Alvist's nebst allen " " Feuilleton. Nagbrud verboten.) [ 3 Vom italienischen Panama. I. Nein, gewiß nicht. Er billigte durchaus die neue Ent- welche aus ihrer Botschaft athmete, fand in seinem Herzen wickelung des revolutionären Terrorismus. Aber keines- mächtigen Wiederhall. Wie konnte er eine Reibung oder wegs stimmte er mit den einzelnen Maßregeln seiner ein Mißverständniß bei Leuten für möglich halten, die Freunde überein. Die Zentralisirung der Macht in den daran denken konnten, ihn, der den meisten von ihnen Händen des Exekutivkomitees war ihm entschieden zuwider. persönlich ein Fremder war, zu schonen, während sie selbst im Feuer standen? Die Laufbahn eines Nihilisten. Davon gedachte er zunächst seine Freunde zu überzeugen. Von S. Stepniat. Autorisirte Uebersehung. Frei ins Deutsche übertragen von Bertha Braun. als Was hatte sich nicht alles ereignet, seitdem er St. Peters- Er schmeichelte sich nicht einen Moment, daß in ihm burg verlassen! Raum ein halbes Dugend seiner alten Ge- selbst etwas war, das diese Rücksicht verdiente. Obgleich er fährten waren noch übrig geblieben in der Partei. Nur eben erst das Mannesalter erreicht hatte, so hatte ihn doch Zivei von ihnen lebten augenblicklich noch in der Hauptstadt. die Frühreife seines Geistes und seine bedeutenden ErlebAlle übrigen Genossen waren während der drei Jahre seiner niffe mit einer Erfahrung ausgestattet, welche für einen um Nach längerer Pause war nun die unterdrückte Abwesenheit neu eingereiht worden. Werden sie wohl zu zehn Jahre älteren Menschen vollkommen genügt hätten. revolutionäre Bewegung wieder mit doppelter Heftigkeit einander passen und ohne große Reibungen zusammen ar- Mit 27 Jahren war er ein gefeßter Mann, welcher ausgebrochen, und Andrej's Durst, sich aktiv an den beiten können? Gleichviel, er vertraute der eigenen das Alter der Illusionen lange hinter sich hatte. Die Kämpfen zu betheiligen, erwachte von neuem. Auf ein Kraft und seiner Routine praktischer Re- Güte seiner Freunde steigerte nicht feine Eitel abermaliges beredtes Gesuch von seiner Seite erhielt er volutionär. Das Verlangen nach Kampf und Gefahr feit. Sie war die Großmuth der Zuneigung, nach einigen Wochen des Wartens Gregor's Brief als mit dem Muth und der Energie, die eine Niederlage welche ihre Gaben nicht mißt. Er nahm sie als gutes Antwort. nur noch zäher und standhafter macht, erwachte von neuem Beichen mit Erkenntlichkeit und heller, reiner Freude ent " Endlich denn!" wiederholte er, indem er stehen blieb, in ihm. Ein verächtliches Lächeln zuckte über seine Lippen, gegen. Ja, das ist der Fels, auf den ihre Kirche erbaut mit eigenthümlich ruhiger Stimme. Ein Anflug von als er an die Prahlereien der Polizei dachte, welche Gregor wurde und die Hölle soll sie nicht überwältigen. Melancholie lag im Tone dieser Worte. Was machte ihn in seinem Briefe erwähnt hatte. Die Thoren! Sie hielten Andrej löschte seine Lampe. Er war im Begriff, obmelancholisch? Die Verhaftung von Boris?- Ja, aber Dinge für beendet, die eben erst ihren Anfang nahmen. wohl Mitternacht längst vorüber war, einen kleinen Spazier das nicht allein. Der Gedanke, nach Rußland zurückzukehren, Dem Namen nach kannte er die hervorragendsten der jeßigen gang ins Freie zu unternehmen. Das Mondlicht lag auf hatte etwas von seinem Reize verloren. Nun das Er- Parteimänner. Einige erinnerte er sich bei den Zusammen- den weißen Rouleaux seiner Fenster. Wohin wollte er? wünschte endlich da war, schien es ihm so einfach und fünften der geheimen Studentenklubs gesehen zu haben. Er kannte den See bei dieser phantastischen Beleuchtung, natürlich, daß er fast die Tausende von Meilen und Ge- Sie mußten zu prächtigen Männern herangewachsen sein. den Genfer See mit seinen Wassern, seinem leichten, kaum fahren seiner Reise, welche die Erwartung von der Wirt- War's nicht in der That ein seltener Glücksfall, sich mit merkbaren Wellenschlage, den ragenden Hügeln und den lichkeit trennten, vergaß. Er war wieder in St. Peters- solchen Leuten verbunden zu wissen? Vor kurzem hatte ihn hängenden, mauerumfaßten Wein und Obstgärten seiner burg, in einer ganz anderen Welt, einer ganz anderen Um- noch der Gedanke gequält, die drei Jahre Abwesenheit Gestade sollte er sich jetzt, den Uferpfaden folgend, diesen gebung. möchten die Bande, welche ihn an seine Genossen so eng Anblick zum letzten Mal gönnen? Er erwog die wichtigen Fragen, die in Gregor's Briefe fesselten, gelockert haben. Jetzt wußte er, daß sie Nein! Schon allzu lange hatte er hier in müßiger enthalten waren und wurde ärgerlich darüber, daß seine so start wie je in gemeinschaftlicher Verbrü- Ruhe die Schönheiten der Natur bewundert, während seine Freunde geglaubt hatten, er würde sich so leicht fügen. derung verknüpft waren. Die Fülle der Zuneigung, Freunde und Genossen den Kelch der Bitterkeit bis zur Belegstücken ist nach«Ivist'S Tode eine Abschrift in Hände gekomnre», die man gewöhnlich als unbefugte bezeichnet, und daraus ist denn der Panamino, der kleine Panama, wie die Italiener ihn nennen, entsprungen. Damals legte das Ministerium Crispi den Bericht still- schweigend zu den Akten. Alvisi erwähnte die Sache ein paar Mal im Senat, drohte mit Skandalgeschichten, ließ sich aber immer zum Schweigen bringen. Er schwieg auch, als der Mi» nister Miceli, der die Untersuchung befohlen, bei der nächsten Jahresverlängerung des Bankgesetzes einen gewaltig schönfärben- den Bericht über die Banca Nomana in der Kammerkommission erstattete, und seinen Freund Alvisi inständig bat, ihn und den Kredit des Landes nicht durch �Enthüllungen zu kompromittiren. CriSpi stürzte, Riidini ersetzte ihn; Rudini siel, ihm folgte das ,etzt herrschende Ministerium Giolitti. Das definitive Bankgesetz, das die Banken reorganisiren und ihr Privilegium aus 6 Jahre verlängern sollte, schwebte noch immer in der Luft. Keiner wollte an diesen gefährlichen kiöder anbeißen. Wie„Fünkchen lebt noch", der Glemmspahn im Kinderspiel, ging es von Hand zu Hand, bis endlich am 21. Dezember das letzte Fünkchen un- befugter Weise grausam zerdrückt wurde. Noch am 6. Dezember 1692 hatte Giolitti einen Gesetzentwurf zur Verlängerung des Bankprivilegiums auf sechs Jahre einbringen lassen. Aber infolge der fatalen Gerüchte, die unbefugter Weise umliefen über grobe Unregelmäßigkeiten in den Bankverwallungen verlangte Giolitti schon am 21. Dezember nur eine Galgenfrist von drei Monaten— bis 31. März. Während der Debatte trat der Teputirte Colajanni auf und verlas zur allgemeinen Ueberraschung verschiedene Stellen ans Alvisis Generalbericht über die Banca Roinana und aus Biaginis Spezial- bericht über die von ihm geprüften Bücher und Bestände. Da kamen schöne Dinge an den Tag! 9 Millionen Franken ungesetz- lich im Uebermaß ausgegebene Banknoten, eine für Bank- gouverneur und Kassirer äußerst angenehme statutenwidrige Bcr- Mischung von Banktasse und Goldreserve, ein Portefeuille voll uneinlösbarer Reitwechsel, von den Fonds der Bank 73 Millionen vorgeschossen an 179 bevorzugte Personen, davon 33'/e Millionen an nur 19 Personen; unter den Schuldnern der Bank figurirten der Bankgouverneur Tanlongo über einer Million und der Präsident des Aussichtsraths, Fürst Giulio Torlonia, mit 4 Millionen re. jc. Im übrigen nannte Colajanni keine Namen, gab aber zu verstehen, daß er mehr wisse als er sage. und verlaugte eine parlamentarische Untersuchung über die Banken. Ein anderer Deputirter, Gavozzi, las dann eine fernere Stelle des Berichtes vor, wonach starke Vorschüsse von der Banca Romana an Advokaten, Journalisten und politische Charaktere gemacht worden seien, und solche Spezialkunden Gelder erhallen hätten bis zu 12 Millionen, die in den veröffentlichten Bilanzen nicht figurirten. Auf sprang Miceli, der Exminister, der unter Crispi die Untersnchnna befohlen hatte. Auf sprangen Giolitti, Crispi, Rudini, die drei betheiligten Ministerpräsidenten, einer nach dem andern, um diese Enthüllungen für Fabeln zu erklären. Und mit welcher Gewaltsamkeit der sittlichen Entrüstung traten sie auf! Ein deutscher Handlungsreisender, dem man die auf gute Muster hin bestellten und in schlechter Qualität ge- lieferten Waaren vorgehalten, hätte keinen edleren Zorn ent- wickelt. Am selben Tag« wechselten die Deputirten an der Kammer- lasse für über öOiXX) Franken Noten der Banca Romana um, und die Aktien(zum Nominalbetrag von 1990 Fr.) fielen um 199 Franken. Aber nach den heroischen Ministerreden waren die Börfenleute schon am Abend wieder obenauf. Man glaubte den Skandal erstickt und begraben. VolikiMo TtevevNMk. Berlin, den 31. Januar. Im Reichstage führte gestern die auf der Tagesordnung stehende Berathung des Etats des Reichsamts des Innern zu einer Fortsetzung der Nothstandsdebatte. Der Abgeordnete Scipio(natl.) hatte nämlich die unglückliche Idee, dem Herrn Staatssekretär v. Bätticher bei dieser Gelegenheit eine Art Zustimmungserklärung zu dessen neulichen rosafarbenen Aus- lassungen gegenüber der Liebknecht'schen Interpellation darzu- bringen, selbstredend benutzten unsere Genossen Schmidt und Bebel diesen Umstand, um das ihnen vor allem in bezug auf Sachsen in reichlicher Fülle zu Gebote stehende Beweis- Material für daS Vorhandensein des außerordentlichen Nolhstandes den Gegnern vor Augen zu führen. Als es den letzteren unter der drückenden Last der angeführten That achen gar zu unheimlich ward, griffen sie, wie schon oft bei solchen Anlässen, nach der letzten schweren Waffe, dem Zukunftsstaat. Die Sozialdemokraten möchten Hefe tranken. Mit verschränkten Armen hatte er dem kalt- blütigen Hinmorden der Besten unter ihnen aus der Ferne zugesehen. Die ersten Angriffe der Revolution waren mit ungeheuren Verlusten niedergeschlagen worden. Eine tiefe Entmuthigung hatte die Klassen ergriffen, welche das Hanptkomiugent zur revolutionären Bewegung stellten. Die zerstreuten Ueberbleibsel einer ungeheuren Macht kämpften ihrem Banner treu bis zum letzten Athemzuge.� Sehr wenige verließen ihr Vaterland, um auswärts eine Zufluchtsstätte zu suchen. Sie starben, Männer und Frauen, zu Dutzenden, zu Hunderten ans ihren Posten. Hatte er eigentlich noch ein Recht, zu leben? Wie oft schon hatte er sich, von Schmerz überwältigt, diese Frage selbst vorgelegt. Andrej hatte sich auf den Stuhl vor seinem Schreib- tische niedergelaffen und drückte Stirn und Augen in die flache Hand. Eine schreckliche Vision tauchte plötzlich vor ihm auf. Es ist Nacht. Eine trüb erleuchtete Zelle in einem der sttdrussischcn Gefängnisse. Ihr Bewohner— ein junger Student— liegt auf einer Strohmatratze ausgestreckt, ?ände und Füße sest mit Stricken zusammengebunden, ops und Körper mit Striemen bedeckt. Soeben ist er vom Kerkermeister schmachvoll geschlagen worden, weil er sich rncht unterwürfig genug gezeigt hatte. Unter der brutalen Behandlung leidend, denkt er über die ihm einzig gelassene Rache—' die eines schrecklichen Selbstmordes— nach. Feuer soll das Werkzeug sein. In der Todtcnstille der Nacht erhebt er sich mit Anstrengung von seinem Lager. Mit dem Munde nimmt er den heißen Lampen- Zylinder ab, welcher seine Lippen verbrennt; mit den Zähnen schraubt er den Brenner ab und schüttet das Oel ans die Matratze. AlS das Stroh gesättigt war, entzündete er mit dem brennenden Dochte die Matratze und streckt sich dann wieder aus das Fenerbett. Hier liegt er ohue Stöhnen, während das Feuer an seinem Fleische leckt und brennt. Als die Kerkermeister, durch den Ranch herbeigezogen, in die Zelle eilen, finden sie ihn kalb verkohlt und sterbend. doch endlich einmal ein« Darstellung ihres Reiche? geben und den Beweis liefern, daß es sich dorr besser leben lasse, als unter der heutigen göttlichen Weltordnuna. Die parla- mentarischen Stützen der besten aller Welten handelten jedoch recht inkonsequent, als es am Schluß der Sitzung zur Abstimmung über die Vertagung der Diskussion kam. Mittels Hammelsprung wurde die Anwesenheit von nur 147 Abgeordneten festgestellt, von denen K8 für und 79 gegen die Vertagung stimmten. Die Sitzung mußte des- halb abgebrochen werden und wird die Debatte, da morgen Schwerinstag und am Donnerstag katholischer Feiertag ist, also keine Sitzung stattfindet, am Freitag fortgesetzt. Herr von Caprivi wird von dem boshaften Schicksal verfolgt, daß er das Gegentheil alleS dessen thun muß, was er zu thun sich vorgenommen. Als reinlicher Mann hatte er einen erklärlichen Abscheu vor dem Reptilienschmntz— er verschwor feierlich die Reptilienpreffe. Und siehe da, heute hat er einen ebenso großen und wohlgefüllten Zoologischen Garten mit Reptilien in allen Farben und Größen, wie sein Herr Vorgänger ihn nur jemals besessen. Des wetteren hat Herr von Caprivi sich weiland auf's kräftigste gegen die Wauwautaktik und die Züchtung des Beunruhigungs-Bazillus ausgesprochen. Und heute? Es giebt in ganz Europa keine so riesige Reinkultur von Beunruhigungs- Bazillen jeder Art, als in der deutschen Reichskanzlei und den zu ihr gehörigen Stellen. Tie neue Militärvorlage mit ihrem Krieg nach zwei Fronten, das düstere Orakelwort: die Existenz Deutsch- lands hänge von der Annahme der Militärvorlage ab, der wilde Chorus der militärischen Reptilien, die Deutschland verloren sehen, wenn es nicht in den sauren Apfel der Militärvorlage beißt, die„immer dichteren und dichteren Kriegswolken", die sich im Gürzenich um den Schädel deS Generals von Schkupp(oder von Schkopp— der Name wird verschieden geschrieben) zusammenballen— wir wüßten nicht, wie die Züchtung des BeunruhtgnngS- bazillus systematischer und rn größerem Maßstab betrieben werden könnte. Nur ein Gutes ist an dieser unheimlichen Geschichte: eS glaubt kein vernünftiger Mensch an die Gc- fährlichkeit der Caprivi- Bazillen— Niemand nimmt die Caprivi'sche Reinkultur ernst, und wenn es demnächst zu Neuwahlen kommen sollte, würde alle Makulatur der mili- tärischcn Reptilien nur eine karnevaliftische Wirkung hervor- bringen. Wir sind zwar noch in dem alten Kurs, der unter Bismarck � im Februar 1887 seinen letzten Sieg feierte, allein solche Siege lassen sich nicht zwei Mal erfechten.— Für die Militarvorlage erlassen jetzt auch Generale Promrnziamento'S(Kundgebungen) in Wort und Schrift. Die Generale Gras Waldersee, v. Schkopp, v. Leszynski, v. Levinski n. A. sind vorangegangen und andere werden folgen. Daß den Generalen die Erhöhungen des Militär- bestandes und des Militäretats willkommen sind, haben wir nie bezweifelt; nur haben wir sie nie als Vorbilder politi- scher Weisheit erachtet. Woher sollten sie diese auch erlangt haben? In Gehorsam und Disziplin sind sie aufgewachsen; nie haben sie gegen die Befehle der Vorgesetzten Kritik üben dürfen; als Stolz der Armee wurde gerade dieser Gehorsam bezeichnet, ohne welchen die ganze Disziplin zum Teufel gehen sollte. Und jetzt, wo der oberste Kriegsherr eine Vorlage bringt, was ist natürlicher, als daß sie voll und ganz für dieselbe eintreten, zumal ihre ganze Erziehung sie alle Dinge vom militärischen Standpunkt aus betrachten lehrt. Was bedeuten da alle Kundgebungen sämmtlicher Generale, sämmtlicher Offiziere? Nicht ein Gran mehr Gewicht legen sie dem Willen dcs obersten Kriegsherrn bei, und sie können höchstens den Geist des Militarismus schwächen, indem sie die Diskusston ermuntern. Der Militarismus aber verträgt am wenigsten die Diskussion.— Petitionen an den Reichstag. Das fünfte Ver- zeichniß der beim Reichstage eingegangenen Pctttioncn umfaßt die Nummern 11172— 16 811. Eine ganze Anzahl dieser Petitionen mit etwa einer Viertelmillion Unter- schriften, meistens von lutherischen Pfaffen und national- liberalen„Patrioten" ausgehend, verlangt die Beibehaltung de? Jesuitengesetzes. Die Beseitigung des Impfzwanges wird wieder in einer Masse Petitionen gefordert. Eine Reihe Petitionen bezieht sich aus die Militär- und die Das war kein Phantasiegebilde, daS war schreckliche Wahrheit. Monate lang hatte die quälende Vision Andrej verfolgt, und jetzt peinigte sie ihn von neuem, als ob er sie erst gestern gesehen hätte. Und was that er, während derartig Schreckliches in seinem eigenen Lande vor sich ging? Er verharrte in Sicherheit, studirte gelehrte Bücher, bewunderte die Schön- Hessen der Natur und die der Kunst. Und sein Gewijsen, der strenge unerbittliche Richter, flüsterte ihm peinigend ins Ohr: Hält dich außer den Gründen deiner Freunde nichts hier zurück? Bist du am Ende nicht doch in Furcht, deine Sicherheit auszugeben und deinen Hals nochmals in die Schlinge zu stecken? Oder dein Zimmer mit einer unter- irdischen Zelle in den Kasematten des Zaren zu ver- tauschen? �. Nicht immer gelang es ihm, diesen schrecklichen Richter zum Schweigen zu bringen. Er kannte die Angst des Zweifels und die Qualen der Selbswerdammung. Es gab Momente, wo er seinen früheren revolutionären Eifer als Aufwallung der Jugend und Neigung zu heftigen Empfindungen verdammte, wo er sein Leben als eine große Berirrnng und sich selbst nur als einen Zwerg in einer Riesenrüstung betrachtete.— Aber jetzt war Alles vorüber, in Vergessenheit, in Nichts versunken, wie häßliche Traum- und Trugbilder der Nacht vor dem hereinbrechenden Aiorgen. Nein, die langen Jahre entnervender Unthätigkeit hatten keine Spuren in seiner Seele hinterlassen. Er erhob sich und ging zum Fenster, das Rouleaux rn die Höhe zu ziehen. Der Mond war untergegangen, ein matter Lichtschein kam von der Laterne der Straße herauf. Stolz und Freude blitzte in Andrej's dunkeln Augen, da er im Geiste m die Zukunft blickte. Er sehnte sich, an seinen Posten zu kommen. Das berauschende Bewußtsein unleugbarer Kraft, die nicht Gefahr, nicht Leiden, nichts, überhaupt nichts auf Erden abhalten kann, auch nur um Haaresbreite von dem einmal beschrittenen Wege abzuweichen. Er wußte, daß er einen guten und treuen Soldaten in der Schaar, welche für d,e Sache ihres Landes kämpfte, abgeben werde. Solches Selbst- bewnßtsein verleiht dem Manne die Kraft über Andere, verleiht ihm die Kraft der Ueberzengung, die Fähigkeit eines Steuervorlagen, sowie die dem Reichstage»or liegende» Ge- setzentwürfe und Anträge.— Der Provinzial- Ausschuß der Rheinprovinz hat es für gut gesunden, eine Kundgebung für die Militär- vorläge abzugeben. Die Herren des Provinzial-Ausschuffes haben freilich hierzu kein anderes Recht, als daß sie wissen, hiermit oben nicht anzustoßen. Nichtsdefloweniger bleibt es von ihnen eine Anmaßung, sich in dieser Sache als Ver- treter der Rheinprovinz aufzuspielen, wo sie nicht die ge- ringste Wurzel im Volke haben. Sie sind die Gewählten der Notabeln, der Pluto- und Bureaukratie der Provinz, und können höchstens als Stimme dieser Kreise gelten. Uno was die Herren Stumm, Baare, Krupp und deren Organe wollen, wissen wir; sie werden für den Militarismus jeder- zeit eintreten, so lange man nicht ihren Geldbeutel oder ihr Privileg auf Ausbeutung des Volkes antastet.— Die Haltung des„Freisinns" zur Militärvorlage ist nicht so sest, wie Herr Eugen Richter sie darstellen möchte. Die„Kölnische Volks-Zeitung' schreibt über sie folgendes: „Es sind gerade freisinnige Blätter und Parlamentarier, welche sich vom Zentrum die Kastanien aus deni Feuer holen lassen wollen, um vor dem gefürchteten Konflikt vorbeizukommen, auf welchen Eugen Richter mit mulhigen Schlägen losrudert. Diese Herren in Lackstiefeln wollen den ertrinkenden Reichskanzler retten, aber nicht selbst ins Wasser springen; ein« wohlausgebildete Gänsehaut ziert sie vom Kopf bis zu den Zehen, wenn sie vom Konflikt sprechen hören, und zugleich vergehen sie in Begierde nach dem in der Militärvorlage kredenzten steifen Grog, welchen andere trinken sollen, damit sie das unbehagliche Gefühl los werden. Woher die Bänglichkeit der Herren m Lackstieseln? Manchem würde eben das Tanzen vergehen, wenn der Reichstag aufgelöst würde, nicht well die Opposition im ganzen zusammen- schmölze, sondern well Bebel ausspielte. Die Sozial- deiuokraten würden eifrig Umschau halten in deutsche» Landen und manchen freisinnigen Wahlkreis reif finden, um ihn einzuheimsen; in anderen Wahlkreisen ist der anti- semitische Weizen trotz später Ackerbestellung üppig in die Halme geschossen und verspricht für die„Sozialdemokratie der dummen Kerle" ebenfalls reichliche Ernte; der Rest verblieb« den Frei- sinnigen mit den Wasserstiefeln. Wird dagegen der Reichstag nicht aufgelöst, so hat man mindestens die Gnadenfrist bis zu den nächsten ordentlichen Wahlen, vielleicht aber noch mehr. Ks kann auch dann regnen oder schneien, es kann aber auch schönes Wetter kür die Freisinnigen sein, und still im geretteten Kahn triebe in den Hasen der Greis. Aus derlei nützlichen Betrachtungen ergiebt sich für die Freisinnigen der angedeuteten Richtung der folgerichtige Entschluß, muthig abzuwarten, bis ein Retter sich findet, der m den Grund taucht, nicht »im Caprivi, sondern um st« zu retten. Bis jetzt haben sie vergeblich gewartet, und sie dürften auch im weiteren Verlaus sich überzeugen, daß die Dummen wirklich alle ge- worden sind." Ob aber das über den„Freisinn" Gesagte nicht auch ganz gut auf das Zentrum paßt? Ob die Neigung zum Kompromiffeln nicht hier ebenso stark ist wie dort? Die akademische Lehrfreihelt sieht Herr v. Treitschke darin, daß man aus dem Katheder allen möglichen Unsinn sagen darf, ohne daß die Presse davon Kenntniß nimmt. Er gab in einer seiner letzten Vorlesungen dem Unwillen. Ausdruck, daß man seine jüngste Faselei in der Presse mit- getheilt habe. Er verwahrte sich gegen den„Unsinn", gesagt zu haben, Luther wäre kein Revolutionär gewesen. Ec führte aus, daß es einen Unterschied gebe zwischen Re- volutionär und Revolutionär, daß gewisse Revolutionen be- rechtigt sein können.„Aber, fuhr er wörtlich fort, der Kultus der Revolution, das Reden ins Blaue hinein von guten Revolutionären, das ist zu verwerfen!" Also wenn Treitschke etwas sagt, dann ist er weise. wenn Virchow dasselbe sagt, ist eS ins Blaue hineingesprochen, ist es Faselei. Nun, wir haben keinen Anlaß, uns für Virchow ins Zeug zu legen, besonders wo er von politischen und sozialen Dingen spricht. Aber Virchow hat wenigstens auf anderen wissenschaftlichen Gebieten etwas g e- leistet. Was aber hat Herr von Treitschke geleistet? Die Geschichte hat er im Dienste der Macht gefälscht und entstellt, und sein ganzer Ruhm steht und fällt mit der Hurrah-Kanaille.— Die Frage der KammerauflSsung ist in F r a n k- reich ganz in den Hintergrund getreten. AlS daS Mini- agitatorischen Genies, die menschliche Seele zu beeinflussen und umzubilden. Inzwischen war eS völlig dunkel geworden und erst in zwei oder drei Stunden konnte die Sonne heraufkommen. Es drang bereits eine frische, dünne Morgenluft durch die Ritzen dcs Fensterverschlusses. Große bleierne Wolken zogen hintereinander über den Himmelsbogcn, die weißen Pünktchen der Milchstraße verschwanden mehr und mehr. Andrej beschloß, zu Bette zu gehen. Er mußte früh- zeitig wieder aufstehen. Lena würde sicherlich nach Beendi- gung ihrer Unterrichtsstunden wieder bei ihm vorsprechen. Auch hatte er noch vieles in Ordnung zu bringen, um ohne Aufschub abreisen zu können. Er entkleidete sich, legte die Uhr neben sich, und als sein Haupt die Kissen berührte, schlief er sofort den Schlaf des Gerechten. II. Kapitel. A n der Grenze. Samuel Süsser, vertraulich der rothe Schmul genannt, der Hauptschmuggler und Schankwirth zu Jschky, einem Dorfe an der litthauischen Grenze, bediente seine Kunden mit der gewöhnlichen Behendigkeit. Sein lebhaftes Auge erfaßte immer den richtigen Moment, wenn einer von ihnen durstig war, und seine geübte Hand goß nie einen über- flüssigen Tropfen aus, so daß das GtaS nachgerade gefüllt schien. Diesen Moment aber war sein thäriger Geist ander- weitig in Anspruch genommen; er folgte dem Schnellzuge, welcher gerade die letzten Meilen zwischen St. Petersburg und der Grenze durchschnitt. Heute Morgen hatte er ein Telegramm von David Stirn, einem Studenten jüdischer Herkunft, erhalten, der sich mit den rebellischen„Gojims"(Christen) gegen die Obrig- keit verbunden hatte, und jetzt für sie„die Grenze hütete." In verabredeten Ausdrücken hatte David seine Ankunft mit dem Adeiidzuge, in Begleitung von drei Gefährten. welche über die Grenze geschmuggelt werden mußten, mit- getheilt. Drei Personen zu zehn Rubel per Kops ist kein schlechtes Geschäft für einen Tag. Eigentlich hoffte aber der rothe Schmul etwas mehr als diese Summe für seine Mühe fteriums in Berlegenheit war, erklärte es, die Auflösung| Nach ben neueften Nachrichten find die Engländer eifers| allerdings würben schon in den nächsten Jahren eine Erhöhung veranlaffen zu wollen, sobald dies ohne Schaben für die füchtig auf die Erfolge der Amerikaner. Ein englisches erfahren müffen. Auf absehbare Beit hinaus tönne mit den Republik geschehen könne. Jebt, da es glaubt, ziemlich feft Geschwader ist bereits nach Hawai( wie die Eingeborenen vorhandenen"( foll wohl heißen: nach dem Entwurf neu zu im Sattel zu fizen, hört man von Auflösung tein Wort die Sandwich- Inseln nennen) beordert worden, und wie es bewilligenden) Mitteln gewirthschaftet werden. mehr. Es wäre fehr gut, wenn die französischen Sozialisten scheint, hat man in London die Absicht, ein gemeinsames, Abg. Richter erwähnten Mindereinnahmen trügen nicht ben Reichs- Schaßsekretär von Ma Izahn behauptet, die vom den Ministern klar machten, daß diese Kammer unter englisch- amerikanisches Protektorat für die Sandwich- Inseln Charakter eines Defigits. Ob die wirthschaftliche Lage ihren allen Umständen von dem Schauplatz zurücktreten muß, und einzurichten. daß nur durch Neuwahlen wieder eine feste Regierungsgrundlage gefchaffen werden kann. Ju Italien ist die Regierung in Krieg mit den Studenten gerathen. Zwei Universitäten: Neapel und Balermo, mußten in jüngster Zeit gefchloffen werden, weil Parlamentarischres. liberalen Redners. Tiefpunkt schon überschritten habe, tönne niemand fagen.. Schäßungen auf 5 Jahre hinaus, wie sie Richter verlange, feien sehr unsicher; faltulatorische Exempel in dieser Beziehung könnten ja gemacht werden, würden aber wenig Werth haben. Abg. v. Stumm redet als freiwilliger Regierungss tommiffarius, sekundirt dem Schahsekretär und verspricht sich von die Behörden fein anderes Mittel wußten, um die lärmenden über die Abzahlungsgeschäfte hielt gestern ihre erste Sigung die Pflicht habe, die finanziellen Folgen der Militärvorlage gang den Arbeiten einer Subkommission teinen positiven Erfolg Die Kommiffion zur Berathung des Gesekentwurfes Dr. Buhl ist für die Subkommiffion, da die Kommission Rundgebungen der Studenten zu verhindern. Der Anlaß ab. Es wurde beantragt, die Verhandlungen so lange auszusehen, Hlar zu ermitteln. Auch die weiteren Wünsche des Abg. Richter zu diesen Tumulten ist freilich sehr geringfügiger Natur- bis die Kommiffion zur Vorberathung der Wuchergesegnovelle in bezug auf die an die Finanzverwaltung zu richtenden Fragen immerhin aber zeigt sich auch in diesen Borkommnissen das ihre Arbeit erledigt habe. Begründet wurde dieser Antrag damit, über die nöthig werdenden Mehrausgaben im Reiche auf nichtUngesunde der ganzen Lage.daß die gesetzliche Regelung der Bestimmungen über den Sach wucher eventuell bestimmend für die weitere Behandlung des militärischem Gebiete und die beabsichtigten Maßnahmen der Das englische Parlament wurde heute Nachmittag Entwurfs über die Abzahlungsgeschäfte sein könnte. Dieser Regierung finden zum größten Theile die Billigung des nationaleröffnet. Ueber die Thronrede sagt das erste uns vor Antrag wurde abgelehnt, dagegen nach längerer Debatte bes Liegende Telegramm: schlossen, die Regierung zu ersuchen, das vorhandene Material Richter stellt einige Behauptungen und Mißverständnisse mit den auswärtigen Mächten bestehenden Beziehungen als stände im Druck vorzulegen und bis zum Eingang dieser scheine, der Schaßfekretär in der That einen Finanzplan, wie London, 31. Januar. Die Thronrede bezeichnet die über die bei den Abzahlungsgeschäften hervorgetretenen Uebel- ber Regierungsvertreter richtig und verweift insbesondere auf die ganz enormen Mehrausgaben für Marinezwecke. Da, wie es freundschaftliche, der Aufrechterhaltung des Friedens günstige. Materialien die Sitzungen auszusetzen. Redner ihn verlangt, nicht gemacht habe, so werde wohl anDie angeordnete geringe Vermehrung der Ditupationstruppen in Egypten bedeute keine Aenderung der britischen Politik. Sigung zunächst den zweiten Bericht für die Wahl des Ab- Grschrecklichkeit desselben auf die Aufstellung verzichtet habe. Die Die Wahlprüfungs- Kommiffion stellte in ihrer geftrigen genommen werden dürfen, daß man wegen der wahrscheinlichen Angekündigt wird die Vorlage über Abänderung des Regie: geordneten Schier( Hanau) feft und trat dann in die Prüfung stärkste Zumuthung an den Reichstag sei die, daß er eine solche rungs- Systems in Irland. Ueber die Verlobung des Herzogs des Ergebnisse der seinerzeit beschlossenen Erhebungen über die Borlage, wie die gegenwärtige ift, annehmen foll ohne ganz von York ist in der Thronrede nichts enthalten. Wahl des Abgeordneten Hartmann( Plauen) ein. Die Wahl flare finanzielle Unterlagen. Er bestehe darauf, daß die RegieEin späteres Telegramm ergänzt das obenstehende selbst ist bereits früher für giltig erklärt. Die Erhebungen er rung die von ihm verlangten Ermittelungen vorlege. bie folgt: gaben zunächst ungesetzliche Versammlungsverbote durch die Amt3In der Thronrede heißt es: Die Königin unterhalte fort- hauptmannschaft Auerbach und amtliche Beeinflussung von Wald- kommissarius v. Af chenborn diverse Aufschlüsse. Er theilt gefeht freundschaftliche und einträchtige Beziehungen mit allen arbeitern durch einen Oberförster. Die Kommission beschloß diese u. a. mit, daß der Reichszuschuß für die Alters- und Invaliden fremden Mächten, deren Erklärungen überall der Aufrecht- unzulässigen Vorkommniffe zur Kenntniß der Regierung gelangen versicherung betragen werde: 1897/98: 267/10 Millionen, 1898/99: erhaltung des europäischen Friedens günstig lauteten. In Ber- zu laffen. 289/10 Millionen, 1899/1900: 327/10 Millionen. Bei den Ueberbindung mit der bevorstehenden Räumung von Uganda seitens weisungen an die Bundesstaaten werde im nächsten Statsjahre der britischen Ost- Afrika- Gesellschaft habe die Königin einen Aus der Militärkommission des Reichstags. Nach Er- fich immer noch ein Ueberschuß von 8 bis 10 Millionen ergeben, Kommissar entsandt, um die geeigneten Mittel ein in bezug ledigung einiger geschäftlichen Angelegenheiten trat die Kom- ber an die Einzelstaaten herauszuzahlen ist. Bei dem Bankwesen auf Uganda einzuschlagendes Verfahren an Ort und Stelle zu mission in die Berathung der finanziellen Wirkungen der Militär- sei ein Minus zu erwarten, ein Mehr bei dem Tabak und an prüfen. Angesichts der jüngsten Ereignisse in Egypten habe vorlage ein. Der Reichstanzler ist nicht anwesend. Abg. Richter Böllen, die Truppenverpflegung werde ca. 9 Millionen mehr die Königin befchloffen, eine geringe Vermehrung der bemängelte die von der Regierung gegebenen Kostennachweisungen foften, im Ganzen fei eine Besserung für 1894/95 au erwarten; dortigen britischen Truppen eintreten zu laffen. Diese Maß als ungenügend und stellte feft, baß bei einer Anzahl Militär- genauere Aufschlüsse ließen sich jedoch nicht wohl geben und regel bedeute feine Aenderung in der Politik oder in den verwaltungen teine Rücksicht auf die Vermehrung der Kosten würden auch für die nächste Sigung einen besonderen Werth Bersicherungen, welche die britische Regierung von Beit durch die Militärvorlage genommen ist. So sei für definitive nicht haben. zu Zeit in betreff der Offupation Egyptens gegeben habe. Rafernenbauten noch nichts vorgesehen, nur die provisorischen Dr. Bieber meint, gerade die legten Aeußerungen des Der Khedive habe in befriedigenden Ausdrücken der Königin Baraden feien aufgeführt, desgleichen sei nach seiner Ansicht für Regierungsvertreters bewiesen, wie unbedingt nothwendig gegenüber die Erklärung abgegeben, daß er beabsichtige, bie Utensilien ein viel zu geringer Betrag aufgeführt, ebenso für Garnisons- die Subkommission sei, damit der Reichstag und speziell bisherigen Gewohnheiten der Berathung mit der britischen verwaltungen, für Unterhaltung der nothwendigen neuen Abzugs die Militärtommiffion fich sagen fönne, Alles gethan zu Regierung in politischen Angelegenheiten zu befolgen. Bezüg- pläge und für Militär- Gefängnißwefen gar nichts. Weiter sei die haben, was zur Klarlegung der Finanzfragen nöthig fei. lich der Abänderung der Beftimmungen über die Regierung Erhöhung des Fonds für Uebungsmunition viel zu niedrig ge- Seit Mitte der 80er Jahre stand es in den Regierungsfreifen von Jrland werde sobald als möglich eine Vorlage gemacht griffen 2c. 2c., im Ganzen dürften die nöthig werdenden Wehr- feft, daß eine neue Militärorganisation nöthig fei; trozdem habe werden, dieselbe fei vorbereitet, um dem irischen Bolte Bu- ausgaben um ca. 14 Mill. zu niedrig angegeben sein. Außerdem man den Reichstag fort und fort im alten Rahmen bewilligen friedenheit, dem britischen Parlamente Erleichterung zu ver- fehle die noch unbedingt eintretende Erhöhung des Pensions lassen und sogar 1890 bei Begründung der damaligen Verschaffen, und weitere Sicherheiten für die Stärke und die Gin- fonds, die auch auf wenigstens 6 Millionen zu veranschlagen mehrung erklärt, alles was etwa später noch nöthig sei, würden beit des Reiches zu gewähren. Der übrige Theil der Thron sei, in Summa alfo über 20 Mill. Redner beantragt schließlich nur Nachbesserungen 2c. fein, während man jetzt eine gänzlich rede empfiehlt den Mothstand der Landwirthschaft der Auf- die Ginfegung einer Subkommission zur Berathung dieser Frage. neue Organisation, zu der sehr große Mittel gehören, verlangt. merksamkeit des Parlaments und sagt, die Verbrechen in Fr: Die Kosten der definitiven Kasernirung beziffert R. auf rund 150 Mill. Die Regierung hege alfo Pläne, in die der Reichstag nicht, oder land feien fortgefeßt in Abnahme begriffen. An Vorlagen Mart. Die Mehrkosten für Heer und Marine, welche für die nicht rechtzeitig eingeweiht werde. Es sei endlich Zeit, daß ein wird angekündigt die Abänderung der Wahleinschreibung nächsten fünf Jahre auf Rechnung des jezt schon bestehenden neues Finanzverfahren eingeschlagen werde und man aufehe, wie ( Registration), die Verkürzung der Legislaturperioden und die Militäretats erwachsen werden, müßten gleichfalls jeht über- der Karren fünftig weiter gefahren werden könne. Einführung eines Wahlsystems, nach welchem jeder Wähler ebungspläge für ganze Armeetorps zu beschaffen, zwei folche tommission einverstanden. schläglich festgestellt werden. So beftehe z. B. der Plan, Abg. v. Hammerstein ist mit Einſegung einer Subnur eine Stimme haben soll. feien schon angekauft, für die sämmtlichen übrigen Armeekorps Der Direktor des Militär- Dekonomiedepartements, v. Fund, Aus diesem Bericht über den Inhalt der Thronrede feien sie noch zu beschaffen, jeder werde im Durchschnitt 2 bis giebt zu, daß es allerdings in den letzten Jahren scheinen erhellt, daß diefelbe für ein Regierungsprogramm, das sie 3 Millionen toften. Dazu kommen die enormen Ausgaben für fonnte, als ob, wie Dr. Lieber erwähnte, die Regierung andere doch sein soll, außerordentlich mager ist. Die wichtigste neue Panzerschiffe und die nöthigen Grundreparaturen Pläne verfolgt habe, als sie dem Reichstag vorlegte. In WirtMittheilung ist unzweifelhaft die, daß die irische Homerule- des vorhandenen Materials. Redner beantragt ferner lichkeit sei es aber doch nicht so gewesen, sondern man habe in Bill noch nicht fertig ist. Das Ministerium Gladstone an den den Reichs Schatzfekretär die Frage zu richten, der That immer geglaubt, fich im alten Geleise weiter behelfen befindet dadurch seine Schwäche und Unentschlossenheit; wie hoch die zu erwartenden Mehrausgaben im Reich, zu können, bis sich endlich herausgestellt habe, daß es eben doch und die Opposition wird jest in ihren Angriffen nur um abgesehen von Heer und Marine, sich belaufen, und welche so nicht mehr gehe. Mindereinnahmen aus Böllen c. im nächsten Etats- Richter erklärt sich durch die Auskünfte der militärischen so heftiger sein. jahre fich ergeben werden. Eigentlich müßten die hier ver- und der Finanzvertreter der Regierung nicht befriedigt Die Sandwichinseln, auf denen jetzt die Republit langten Aufstellungen feitens des Schaufefretärs bereits gemacht und tritifirt sehr scharf die Art der Aufschlußerthei= proklamirt worden ist, haben im ganzen nicht einmal fein, denn es sei doch nicht denkbar, daß man solch große Mehr- lung durch den Finanzdirektor von Aschenborn, worauf 100 000 Einwohner. Die Zahl der Eingeborenen ist durch aufwendungen verlange, ohne eine ganz genaue Uebersicht über letterer kurz erwidert. An dem weiteren Gepläntel betheiligen Die Finanzlage zu haben. Er sei der Meinung, daß, sich noch Dr. Lieber, Direttor von Fund, Major Wachs, die Segnungen der Zivilisation oder richtiger Syphilisation wenn der Herr Reichskanzler die wirkliche Finanzlage Abg. Rickert, welch letzterer ausdrücklich feststellt, daß die seit Ende des vorigen Jahrhunderts von 300 000 auf etwa des Reiches genau genau gefannt hätte, er taum so auf Regierung den Reichstag über ihre Absichten auf militärischem 40 000 zusammengeschmolzen. Die übrigen Einwohner sehen getreten wäre, wie er es hier gethan hat. Redner Gebiete nicht genügend informirt hat. An den Schahsich aus Chinesen( 15 000), Japanern( 12 500), Portugiesen beweist aus einer langen langen Reihe von fehr genauen sekretär richtet er die Frage, ob die Abschaffung der Matrikular ( 8600), Amerikanern( 2000), Engländern( 1500) und über Aufstellungen, daß die meisten Ginnahmepofitionen im Reichs- beiträge geplant fei und ob die Reichsfinanzverwaltung mit dem 1000 Deutschen zusammen. Politisch die leitende Rolle etat fich im Rückgange befinden und daß wir den preußischen Finanzminister in Unterhandlung stehe bezüglich haben die Amerikaner, auf deren Einfluß auch die jetzige Dabei betragen die Mehrausgaben des Reichs im nächsten hältnisse zwischen Reich und Einzelstaaten. tiefsten Punkt noch nicht einmal nicht einmal erreicht haben. anderweitiger ge jeglicher Regelung der finanziellen VerRevolution zurückgeführt wird. Die abgesetzte Königin Gtatsjahre, ohne die Kosten ber neuen Militärvorlage, nach Lilinofalani war die Schwester( nicht Tochter) des Königs feiner Berechnung mindestens 100 Millionen Mart. Kalakaua, der kinderlos starb. Die acht bewohnten Inseln Major Wachs fucht nachzuweisen, daß die von der Militärder Sandwichgruppe sind sehr fruchtbar und haben einen verwaltung aufgestellten Berechnungen für die Mehrausgaben ziemlich ausgedehnten Handel. nicht zu niedrig gegriffen feien. Die Unteroffiziersprämien 9 zu erhalten. Es war die Zeit der Aushebung, zu welcher anderer Güter untersagt war, so mußte es ein an der Grenze besondere Vorsichtsmaßregeln getroffen waren, Schmuggelgeschäft erster Klaffe für die feinen Herren sein, um die jungen Söhne Jsraels zu verhindern, dem Militär- von dem er herzlich wenig verstand. Das ging ihn aber dienste zu entwischen. Ein ehrlicher Schmuggler hatte wohl ein nichts an, vorausgesetzt, daß er gut bezahlt wurde. Er Recht, in solchen Beiten eine Extrazulage zu erzwingen. Mit hatte mit seinen eigenen Sachen zu thun. einem folchen Snider wie David muß man aber vorsichtig sein. Das Pfeifen der Lokomotive kündigte die Ankunft des Doch kein übler Kerl dieser Herr David. Ein scharfer St. Petersburger Buges an. Kopf, ein echt jüdischer Kopf, der seinem Stamm überall" Da sind sie," dachte Schmul, während er mit einem Ehre machen würde. Er muß ein General oder etwas unterwürfigen Lächeln einen Polizei- Offizier mit Branntdieser Art unter den„ Gojim" sein. Ein schlauer Junge, wein bediente. Herr von Malzahn giebt eine Antwort, durch welche gar nichts gesagt ist, und verspricht, dem Abg. Rickert perfönlich nähere Mittheilungen zu machen. In der Abstimmung wird der Richter'sche Antrag auf Niederfegung einer Subkommission und Buweisung verschiebener Fragen an dieselbe einstimmig angenommen. Die Subtommission wird aus 7 Mitgliedern bestehen. Auch der zweite Antrag Richter's, die Anfragen an die Finanzverwaltung betreffend, wird in seinen sämmtlichen Punkten angenommen. Schluß der Sitzung 14 Uhr. Die nächste Sigung wird stattfinden, wenn die Subkommission mit ihren Arbeiten fertig lein wird, wahrscheinlich nächsten Montag. Briefkaffen der Redaktion. der wohl weiß, auf welcher Seite das Butterbrot gestrichen Schmul's Schenke lag ziemlich weit vom Bahnhof ab. 2. 2. v. 100. Leider ist das Mädchen für Alles" zu ift. Er wird weit tommen, und ein ehrlicher Schmuggler Die meisten Passagiere suchten an näheren und besseren Diensten, die ihr bekannt gegeben oder üblich sind, verbunden, hat nichts zu fürchten, wenn er mit ihm unterhandelt. Er Orten Erfrischung, doch famen einige Nachzügler zu ihm. also auch zum Austragen der Waare. Zu dem von Ihnen anhütet seine Zunge und wenn er sein Wort gegeben hat, So hatte er denn Vorbereitungen zum Empfang seiner gedeuteten Zweck darf natürlich Niemand sie gegen ihren Willen fann man sich auf ihn verlassen. Er fnidert aber um Gäfte zu treffen. Er wischte die beiden Eichentische ab, zwingen. einen Pfennig, wie ein Zigeuner auf dem Pferdemarkt. welche zu beiden Seiten des Bimmers standen, prüfte genau M. N. 100. Ist die Waare nicht Eigenthum Ihres Ver Der rothe Schmul hatte manche Gelegenheit, seinen die Getränke, welche zum Gebrauch bereit waren, füllte täufers geworden, so müssen Sie dieselbe dem Gigenthümer sonderbaren Auftraggeber zu studiren. Alle drei oder vier aus der langen Reihe der an der Wand stehenden Flaschen aurückgeben und können sich nur an Ihren Verkäufer halten. Monate erschien der junge Mann an der Grenze und einige Gläser und stellte sich wartend hinter den Schenktisch. Nummer bes Dampfboots" zu. Fr. Richter, Köpenick. Schicken Sie uns die betreffende brachte Trupps von Gojims" mit sich, welche aus dem Die Schenke begann sich zu füllen. Einige Bauern " " W. T., Rügenerstraße. 1. Das Unterlassen der AufLande heraus oder hinein wollten. Ferner waren diskutirten laut über die Neuigkeiten des Marktes, von forderung die an sich zulässig und wünschenswerth ist ist Bücher von auswärts einzufchmuggeln- ein sehr welchem sie gerade zurückkehrten. Zwei Gendarmen, welche nicht strafbar. 2. Haben Sie die Arbeit abgeliefert, so haben vortheilhaftes Geschäft, da der Schmuggel von Büchern von der Wache am Bahnhofe abgelöst waren, sprachen zu Sie fein Burückbehaltungsrecht mehr. Sonst hat der Arbeiter, weit beffer als der von Tabak und Seide bezahlt wurde. einem Trunte ein und setzten sich an den Ehrenplay. der auf Stücklohn arbeitet, ein Rückbehaltungsrecht an der Arbeit David hatte längs der ganzen Grenze viele Verbindungen, Einige gewöhnliche Kunden famen und gingen, aber David bis Zahlung des Lohnes allerdings ist aber verschieden entder rothe Schmul war aber stolz, sein Lieblingsagent zu sein. erschien nicht. Eine Stunde war ungefähr nach Eintreffen schieden worden. Strafbarfeit liegt nicht vor; nur dürfen Sie Was dies Alles bedente- wer die sonderbaren des Buges verflossen, ohne daß David sich blicken ließ. natürlich weder durch Kauf, noch durch Verpfändung, noch sonst Leute seien, mit denen David in Verbindung stand was Schmul fannte zu wenig die Gefahren, welche einen Ver über die Sache verfügen. 1000. Der freigesprochene Angeklagte hat das Recht auf sie wollten barüber konnte der rothe Schmul nicht klar schwörer umgeben, um irgend eine Besorgniß zu hegen. Fostenlose Ertheilung einer Urtelsabschrift. Das folgt aus§ 35 werden. Durch seine jüdische Neugier getrieben, las er Er schloß daher, daß David irgendwo aufgehalten worden Straf- Prozeßordnung und ist vom Kammergericht in einem einige revolutionäre Broschüren und Flugblätter, welche er war und deshalb erst morgen, das heißt Freitag, dem Vor Spezialfall ausgesprochen. In Zivilfachen hat jede Partei Andurchzuschmuggeln hatte. Bei seiner unvollkommenen abende des Sabbath, eintreffen würde. Da dies ein Tag spruch auf Ertheilung von Abschriften der Protokolle und des Renntniß der russischen Sprache aber fonnte er wenig von sehr kurzer Arbeitszeit war, begann der unter Urtels. Für jede Seite werden 10 Pf. Schreibegebühr beNugen aus dieser Lektüre ziehen und unterließ es daher, nehmende Schäntwirth bereits in Erwägung zu ziehen, wie rechnet; die unterliegende Partei hat in der Regel diese Kosten meiter zu forschen. Wenn ein so geriebener Bursche wie er aus David's Mangel an Pünktlichkeit Nuzen ziehen zu erstatten. D. Seibel. 1. Nein. 2. Ja. David David daran theilnahm, mußte wohl ein Profitchen dabei könne, als er, fich zur Rechten wendend, Carl B., Begefack. Ein öffentlicher Maskenball herausschauen, wie hätte David denn sonst diejenigen, die in Person ruhig am Tische neben den Gendarmen fizen sah, bedarf polizeilicher Genehmigung; nur eine auf den Kreis der er beschäftigte, so pünktlich und gut bezahlen können? denen er ebenso wenig Aufmerksamkeit schenkte, wie sie ihm. Vereinsmitglieder beschränkte Lustbarkeit bedarf keiner GeDa die Einfuhr dieser Bücher, wie die verschiedener ( Fortsetzung folgt). nehmigung. Für den Inhalt der Juferate über. timmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Mittwoch, den 1. Februar. Opernhans. Die Here. Schauspielhaus. Wohlthätige Frauen. Deutsches Theater. Zwei glückliche Tage. Berliner Theater. Der Romödiant. Leffing- Theater. Heimath. Wallner- Theater. Die Großstadt Iuft. Kroll's Theater. Die Zauberflöte. Viktoria Theater. Die Reise um die Welt in achtzig Tagen. Residenz Theater. Gläubiger. Familie Pont- Biquet. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Fürstin Ninetta. Adolph Grunt- Theater. Modernes Babylon. Thomas- Theater. Der Distanzritt. Nenes Theater. Zwingende Ge walten. National- Theater. König Lear. Alexanderplatz Theater. Die Kellnerinnen, von Berlin. Apollo Theater. Spezialitäten Borstellung. Theater der Reidshallen. Spezialitäten- Vorstellung. Raufmann's Variété. SpezialitätenVorstellung. Gebrüder Richter's Variété. Spezialitäten- Vorstellung. Winter- Garten. Spezialitäten- Vorftellung. Adolph Ernst- Theater. Bum 39. Male: Circus Renz, ( Karlstraße.) Mittwoch, den 1. Februar 1893, Abends 71,4 Uhr: Große Vorstellung. Novität! Ein Künstlerfest. Novität! Große Ausstattungs- Pantomime vom Hofballetmeister A. Siems. Mit überraschenden Licht- und Wassereffecten. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten hiermit die traurige Nachricht, daß mein guter Mann, unser lieber Vater, der Schriftseter Theodor Stolle nach längerem Leiden heute plößlich im 45. Lebensjahre verstorben ist. Die trauernde Wittwe nebst Kindern. Auf das Glänzendste in Szene gefeht Die Beerdigung findet am Freitag, Blumen- Corso. Ballet von 100 Damen. der Leichenhalle des Nazareth- Kirchvom Direktor Fr. Renz. Grosser den 3. Februar, Mittags 1 Uhr, von Außerdem Auftreten der Künstler- hofes, Dalldorfer Chaussee, aus statt. Fillis mit dem Schulpferde Markir. Spezial. I. Ranges; Mr. James von Frl. Clotilde Hager 2c. Im Reiche der Blumen. fantaisie équ. Gr. Vorstellung mit neuem Programm Morgen, Donnerstag: Abds. 71/ 4Uhr: und Ein Künstlerfest. Billet- Vorverkauf an der Zirkuskaffe u. beim„ Invalidendant", Markgrafen Straße 51a. Fr. Renz, Direktor. Kaufmann's Variété Am Stadtbahnhof Alexanderplatz. Vollständig neues Programm. 13 neuе Nummern. Im Theater ist durch die nene Heizanlage eine angenehme warme Temperatur. Anfang Wochentags 8 Uhr. Entree 50 Pf. Feen- Palast Burgstraße, neben der Börse. Heute: Modernes Babylon. Gesangspoffe in 3 Atten v. Ed. Jacobson Gr. Spezialitäten- Vorstellung. und W. Mannstädt. Couplets theilweise Anf. Wochent. 71/2 Uhr, Sonnt. von G. Görss. Mufit von G. Steffens. 6 hr. Kaffeneröffnung 1 Std. vorher. Entree 50 Pf. In Szene gesetzt von Adolph Ernst. Anfang 71/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. American- Theater. Novität! Novität! Der Dussel ( Nulpus) Parodistisch- realistischer Borgang in der Dachlammer, frei nach Jbsen und Tolstoi von Oscar Wagner. = ( Klemm Ede.. Martin Bendix.) Alfred Bender Etablissement Buggenhagen. Morih Play. Todes- Anzeige. Am Montag, den 30. Januar, Abds. 8 Uhr, starb nach langem, schwerem Leiden unser lieber Kollege, der Schriftsetzer Verein Berliner Buchdrucker und Schriftgiesser. Sonnabend, den 4. Februar 1893, Abends 9 Uhr, in den Räumen der Berliner Bockbrauerel und in denen der Brauerei Friedrichshain: Zwei grosse Wiener Masken- Bälle. Billets à 50 Pf. find in unserem Vereinsbureau, bei Herrn Stolle, Oranienftr. 126 II., zu haben; außerdem werden solche für die Brauerei Friedrichshain von Herrn Hermann Röhn, Memelerftr. 50 III., und folche für die Berliner Bockbrauerei von den Herren Alba Maskini, Belleallianceftr. 66, Hof III., und Karl Möhle, Belleallianceftr. 11, Quergeb. I., Um recht regen Zuspruch ersucht Theodor Stolle. vorrätig gehalten. Sein kollegiales Wesen und sein biederer Charakter sichern ihm ein dauerndes Andenken. Das Personal der Max Bading'schen Buchdruckerei. 283/2 Die Kommission. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 5. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Versammlung Linienstraße 5. Zages Ordnung: Orts Krankenkasse der Steindrucker am Mittwoch, den 1. Februar, Abends 82 Uhr, im Schükenhause, und Lithographen zu Berlin. Am 29. Januar cr. verstarb unfer Mitglied, der Besitzer Herr Adolf Renaud. 1151b Die Beerdigung findet am Donners 870/5 1. Vortrag. Referent: Reichstags- Abgeordneter Hoffmann( Chemnik). 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. tag, den 2. Februar, Nachmittags Verein zur Regelung der gewerbl. Verhältnisse vom Trauerhause Maybach- User 2 nach dem Französischen Kirchhofe, Liesenstraße, statt. Um zahlreiche Betheiligung Der Vorstand. bittet Todes- Anzeige. Auten Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß meine Frau 1152b Caroline geb. Dienst der Töpfer Berlins u. Umgegend. Wander Versammlung in Charlottenburg Donnerstag, den 2. Februar, Abends 6 Uhr, im Lokale des Herrn Krause, Bismarckstraße Nr. 74. Zages Drdnung: 1. Vortrag. 2. Stellungnahme zu der Lohnreduzirung in Spandau. Der Vorstand. Hierdurch zur Mittheilung, am 31. Januar cr. gestorben ist. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 3. Verschiedenes. 2. Februar, Nachm. 3 Uhr, von der 323/14 Leichenhalle des Neuen Jakobikirchhofes Moriz aus statt. Play. W. Tschirner n. Töchter, Heimstr. 23. Täglich Instrumental- Konzert. Todes- Anzeige. Großer Frühstücks- n. Mittags- Allen Freunden und Bekannten die tisch. Spezial- Ausschank von Paten- Mittheilung, daß meine Frau hofer Lagerbier, hell und dunkel. An Sonn- und Kentagen Elisabeth König geb. Wagner findet das Konzert in den oberen Sälen statt. Entree Wochent. 10 Pf. Sonnt. 25 Pf. Säle für Versammlungen, Rommerse, Festlichkeiten 2c. am 31. Januar, Vorm. 81/2 Uhr, nach langem Leiden gestorben ist. Die Beerdigung findet statt am Donnerstag, den 2. 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Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin, SW, Beuthstraße 2. Helle freundl. Wohn., best. a. Stube, K., R., 228, 240, 270. fof. u. 3. 1. April 11376* zu verm. Gartenplay 3. Hierzu zwei Beilagen 1. Beilage zum„, Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 27. Darlamentsberichte. Deutscher Reichstag. 31. Sigung vom 31. Januar 1893. 1 Uhr. Am Tische des Bundesraths: v. Bötticher. Präsident v. Levehow erklärt, daß bei dem schwachen Befuche des Hauses der Präsident und das Haus bei der Ertheilung von Urlaub vorsichtiger verfahren müßten. Mittwoch, den 1. Februar 1893. 10. Jahrg. Don Wochenverdienst einschätzen könne. Der Staatssekretär v. Bötticher schlechten Jahren müssen die noch einigermaßen potenten Unter behauptete, daß in der Wollenweberei der Lohn um 25 pCt. gestiegen nehmer ihre Betriebe vergrößern resp. andere Betriebszweige einsei. Die Arbeiter behaupten aber, daß gerade eine Ermäßigung richten, um die Konkurrenz aushalten zu können. Dem Briefe um 25 pet. eingetreten sei. Die Textilarbeiter leiden nicht bloß einer Näherin aus Plauen fann ich einen anderen Brief eines unter dem Druck der Unternehmer und der Lohnreduktionen der Arbeiters entgegenhalten, in dem es heißt: Der Minister möge selben, sondern auch durch das Faktorenwesen, welches dort ein- einmal zu uns tommen und sehen, wie Mann, Frau und Kinder geriffen ist. Die Faktoren schlagen aus den Erträgen der Arbeiter bei einem Verdienst von wöchentlich 6 M. Tag und Nacht am bis zu 80 pCt. Verdienst heraus. Es kommt vor, daß die Unter- Webstuhl sich abmühen müssen, um nothdürftig das Leben zu nehmer den Hausarbeitern Maschinen liefern im Preise von fristen. Graf Hohenthal nimmt die Dresdener Polizeidirektion noch Darauf wird die zweite Berathung des Reichshaushalts- Gtats 80-100 M. Die Arbeiter müssen für die Benutzung derselben in Schuh. Ist es nicht unerhört, daß eine höhere Verwaltungsfür 1893/94 fortgefeht und zwar beim Etat des Reich 3 wöchentlich 50 Pf. bezahlen. So ist die Maschine in 3 Jahren behörde den Versuch eines Romitees, eine Statistik der Arbeitsamts des Innern; Gehalt des Staatssekretärs. bezahlt. Die Arbeiter bleiben aber nicht in dem Besitz der Ma- lofen aufzunehmen, verbietet? Die Arbeitslosen- Statistiken, die Abg. Scipio( natl.) kommt auf die Nothstands- Interpellation schinen, fie sind dann die Dummen. Das ist auch ein Beitrag von seiten meiner Freunde aufgenommen werden, tönnen allerzurüd, bei deren Besprechung der Abg. Dreesbach von der zum Wuchergesez. Schlimmer fann nicht gewuchert werden als dings nicht entfernt dazu beitragen, ein volles, wahrheitsgetreues Arbeitslosigkeit in Mannheim gesprochen habe; er habe von in den Textilfreisen in Sachsen, hierauf sollten die Antisemiten Bild von dem Nothstande zu geben, dazu fehlen ihnen die Mittel 1040 Arbeitslosen gesprochen. Das sei ein vorübergehender Zu- mal ihr Augenmerk richten. Ich glaube hiermit den Beweis er- und Kräfte. Daraus, daß sich etwa 3000 Arbeiter in einer Stadt stand gewesen. Mehrere große Fabrikanten hatten aus Mangel bracht zu haben, daß die Lage der Arbeiter in den sächsischen von 200 000 Einwohnern zu einem Jahresfest zusammenfinden, an Arbeit Arbeiter entlassen müssen; aber inzwischen ist das Industriebezirken eine überaus traurige ist, und daß die gegen- fann doch Graf Hohenthal nicht folgern, daß tein Nothstand vor beffer geworden, wie die Nachweisungen ergeben haben, welche theilige Behauptung des Staatssekretärs eine geradezu leicht- handen ist. Leute, die sich das ganze Jahr über abmühen bei der Bürgermeister mir mitgetheilt hat. fertige ist. schwerer Arbeit, haben doch auch einmal das Bedürfniß, sich zu Abg. Schmidt- Sachsen( Soz.): Der Staatssekretär von Vizepräsident Graf Ballestrem: Der Ausdruck leichtfertig", amüsiren. Uebrigens haben wir auch nie behauptet, daß alle Bötticher äußerte bei der Nothstands- Interpellation, daß zum auf den Herrn Staatssekretär oder seine Rede bezogen, Arbeiter sich in der größten Nothlage befinden. Er hat ferner gesprochen Beispiel ein amtlicher Bericht aus dem Königreich Sachsen entspricht nicht der Ordnung des Reichstages. das ist ja das alte Eiapopeia der Herren eine wesentliche Besserung für alle Betriebe, insbesondere Abg. Schmidt( fortfahrend): Dann sage ich, daß sie nicht der Harmonie der Interessen der Arbeiter und der Unterfür die Weberwaaren= Branche, tonstatire. E3 be der Wahrheit entspricht. Das Urtheil der Arbeiter steht mir benehmer. Diesen Standpunkt haben die Arbeiter jahrhundertelang stände danach nur die zur Winterzeit regelmäßig eintretende deutend höher, als das der Fabrikanten. Der Staatssekretär ertragen, bis sie zur Erkenntniß des Gegentheils gekommen sind. Arbeitslosigkeit, und eine öffentliche Hilfe sei, obwohl die Mittel würde sich ein Verdienst erwerben, wenn er die Fabrikinspektoren Wenn Sie einmal Arbeiter gewesen wären, was Sie nie gewesen zur Verfügung gestellt wären, nirgends erforderlich gewesen. anwiese, sich auf das Eingehendste mit der Lage der Arbeiter zu sind, und mit einem Unternehmer zu thun gehabt hätten, dann Als hier im Haufe der Einwurf gemacht war, daß die Löhne befassen. Geschieht das nicht, so vermuthe ich schon jetzt, die würden Sie am eigenen Leibe erfahren haben, daß die Untergesunken seien, meinte der Staatssekretär, dieselben seien gestiegen. Berichte der Fabrikinspektoren über 1892 werden so günstig nehmer ganz andere Leute sind, als Sie sie schildern, daß von Ich weiß nicht, was das für ein amtlicher Bericht ist; ich nehme lauten, daß noch einmal für eine Militärvorlage 65 Millionen einer Harmonie der Interessen gar keine Rede ist. Wie die Veran, daß derselbe ein Vorläufer des Fabritinspektoratsberichts sein vom Bolte fordern könnten. Es herrscht in Arbeiterkreisen eine hältnisse liegen, zeigen auch die Thatsachen, welche in letzter Beit soll. Dann muß ich konstatiren, daß dieser Bericht vollständig große Erbitterung. Geradezu empört ist man über die Aeuße über die preußische Eisenbahnverwaltung bekannt geworden sind. tendenziös abgefaßt ist. Wir haben alle Ursache, hier im Reichs- rungen des Ministers von Berlepsch gegenüber der Deputation Die Einnahmen weisen schon jetzt einen bedeutenden Rückgang tage einmal zu untersuchen, ob der Bericht, wie er hier gegeben der Arbeitslosen. Eine solche Behandlung wird mehr und mehr auf und werden sich noch ungünstiger stellen. Der Eisenbahnist, den thatsächlichen Verhältnissen entspricht. Nach der Ein die Arbeiter der Sozialdemokratie in die Arme treiben. Fahren minister hat alles aufgeboten, um die gegenwärtige Ungunst der tommenstatistik haben in Sachsen 75,8 pet. fämmtlicher Steuer- Sie nur so fort!( Beifall bei den Sozialdemokraten.) Umstände von seinem Standpunkt als Unternehmer auszunuzen, den zahler weniger als 950 M. Einkommen, 97,7 pet. weniger als Sächsischer Bevollmächtigter Graf zu Hohenthal: Die Schaffnern und Zugführern wurden sogar die Belzmäntel aus Gr 3300 Mart. Steuerfrei find in Sachsen 5,4 pCt., Lohnreduktionen, die eingetreten sind, sind eine Folge der Kon- sparungsrücksichten genommen, die ihnen bisher geliefert wurden. Die reil sie nicht 300 m. jährliches Einkommen haben. junktur des Weltmarktes; aber von einem allgemeinen Nothstand noch vorhandenen Pelzmäntel wurden an einen Händler zum Preise Damit ist der Beweis erbracht, daß es der sächsischen unter den Arbeitern fann feine Rede sein; denn von einem Noth von 7 M. verschleudert, während die Schaffner bei den Händlern gewerbthätigen Bevölkerung nicht besonders wohl ergeht. stand kann doch überhaupt nur die Rede sein, wenn die Löhne dafür 25 M. bezahlen mußten. Wenn das ein Staat thut, dee Das Verhalten des preußischen Handelsministers gegenüber der so tief herabgesunken sind, daß man davon nicht mehr leben an der Spige der sozialen Reform steht, und die Beamten sehen, Deputation der Berliner Arbeitslosen ist in Arbeiterkreisen sehr kann( Buruf bei den Sozialdemokraten: So schlimm ist es!) oder wie ihnen das Fell über die Ohren gezogen wird, dann dürfen mißfällig aufgenommen worden, weil dieselbe nicht in angemessener wenn eine große Anzahl von Arbeitern dauernd arbeitslos ist. Sie sich nicht wundern, wenn auch die Mißstimmung in jene Weise empfangen wurde. Der Empfang hat nur 10 Minuten Die fächsische Regierung hat die Lage der Arbeiter immer im Kreise hineingetragen wird. Die Erfurter Eisenbahn- Direktion gedauert; man behauptet, daß die Audienzen der Großindustriellen Auge behalten und die Behörden aufgefordert, regelmäßig Bericht hat auch darauf hingewiesen, daß namentlich die alten Arbeiter und Agrarier länger dauern. Staatssekretär v. Bötticher hat die zu erstatten. Die Versammlungen der Arbeitslofen bewiesen im Lohn gekürzt werden sollten, daß den Beamten der Lohn statt Rigdorfer Arbeiter wenigstens getröstet, und um sie vollständig nichts, denn die größten Schreier in den Versammlungen sind bisher vierzehntägig jezt monatlich ausgezahlt werden soll, um 81 trösten, schenkte er ihnen je zwei Zigarren.( Heiterfeit.) Die gewöhnlich solche, bie nicht zu arbeiten brauchen, weil sie über einige Diätarien zu ersparen, die für die Auszahlung nothwendig Bigarren mögen sehr gut gewesen sein, aber so gut sind sie doch genügende Renten verfügen( Lachen bei den Sozialdemokraten). find. In einem bürgerlichen Blatte, der Bossischen Beitung", wurde nicht, daß sie den Nothstand linderten. Meine Parteigenossen Die sächsische Regierung hat auch Mittel zur Verfügung gestellt. das führe ich für den Abg. Möller an im Handelstheil wollten dieselben anfangs verauftioniren, haben sie aber dem Partei- Bis zum Dezember waren sie aber noch nicht in Anspruch ge- darauf hingewiesen, daß im Dortmund- Bochumer Industriebezirk sekretariat übergeben, damit sie fünftigen Geschlechtern erzählen, wie nommen. Redner beruft sich auf verschiedene Berichte aus ohne Ausnahme Arbeitslosigkeit, Lohnreduktionen und Arbeiter man im Jahre 1893 den Nothstand linderte. Auch die Fabrikinspek- Sachsen, welche die Auffassung des Staatssekretärs v. Bötticher entlassungen stattgefunden hätten. Wenn Angesichts aller dieser toratsberichte vom vorigen Jahre konstatiren einen vielfach stockenden bestätigen. Er schließt seine Rede mit der Mahnung Thatsachen immer und immer wieder vom Regierungstisch Bes Geschäftsgang, unter welchem die Arbeiter sehr zu leiden hatten, und an die Arbeiter, daß sie erkennen möchten, daß ihre Interessen hauptungen laut werden, wie die heutigen, so wird man das das Sinken der Löhne. Danach sind diese Verhältnisse schon drei mit denen der Arbeitgeber gemeinsam find; denn die Arbeitgeber Jahre in Sachsen dieselben, ohne daß irgend welche Aussicht auf beschäftigen oft Arbeiter, obgleich sie gar feinen Vortheil davon Befferung vorhanden ist. Besonders in der Textilindustrie wird haben, lediglich im Interesse der Arbeiter. eine ungünstige Situation fonstatirt. Die Berichte der Fabrik- Abg. Bebel( Soz.): Wie neulich Herr von Bötticher, so inspektoren für 1892 dürften noch ungünstiger lauten, als für hat heute der Vertreter von Sachsen bestritten, daß ein Nothstand 1891. Nur in einzelnen Industriezweigen, welche Saisonartikel existirt. Verstehen Sie denn etwa unter allgemeinem Nothstand, liefern, ist eine Besserung eingetreten. Wenn aber die kurze daß alle Arbeiter feine Arbeit haben? Es kommt darauf garnicht Sächsischer Bevollmächtigter Graf zu Hohenthal tritt einigen Periode der angestrengten Arbeit vorüber ist, pausiren die Arbeiter an, was die Herren vom Bundesrath darunter verstehen, sondern Ausführungen des Vorrebners entgegen, bleibt aber, weil er sich 6 bis 8 Monate. Aber auch hier sind die Löhne feineswegs was die öffentliche Meinung, das Volt, Nothstand nennt. Die wieder nur zu den Sozialdemokraten wendet, unverständlich. gestiegen. Daß ein Einschreiten mit öffentlichen Mitteln sich Herren leugnen, daß ein Nothstand, überhaupt eine wesentliche Abg. Buhl( ntl.) führt aus, daß allerdings eine Zeit der nicht nothwendig gemacht habe, ist eine völlige Verdrehung der Verschlechterung der wirthschaftlichen Lage im letzten Jahre vor Depression vorhanden sei, hofft aber, daß dieselbe bald überThatsachen. Wo stecken denn die Leute, die diesen amtlichen handen ist. Dem gegenüber möchte ich hervorheben, daß heute wunden sein werde. Die Unternehmer behalten ihre Arbeiter Bericht gemacht haben? Schlafen sie denn eigentlich? Eine in der Militärkommission, wo über die Frage verhandelt wurde, auch bei mangelnder Arbeit, um nur den Betrieb aufrecht Hilfe hat sich nothwendig gemacht in Leipzig, allerdings aus wie die Mittel für die Militärvorlage aufzubringen seien, der zu erhalten. Wenn im sozialistischen Staate aber einmal eine privaten Mitteln, weil es die Stadtverwaltung ablehnte, mit Reichsschatzsekretär äußerte: Ob der Tiefpunkt der wirthschaft- Krife eintreten sollte, wie wird es dann aussehen!( Buruf öffentlichen Mitteln einzuschreiten. In Chemnitz hat der Bürgerlichen Verhältnisse erreicht ist oder nicht, weiß in diesem Augenblick der Sozialdemokraten: Abwarten!) Redner beruft sich auf die meister mit den Arbeitslosen nicht verhandeln wollen; auch dort niemand." Dieser Herr hätte es doch am ersten wissen müssen. Daß ein Einkommenseinschätzung, die in den letzten Jahren eine erhebliche ift Hilfe nothwendig gewesen. In Dresden hat die Polizei ver- Nothstand vorhanden, bestätigt die Thatsache, daß eine ganze Reihe Verbesserung aufzuweisen haben und welche auch beweisen, daß boten, eine Arbeitslosenstatistik aufzunehmen. Die Zahl der von Reichseinnahmen gegen das Vorjahr ein bedeutendes Minus der Mittelstand, dessen Untergang immer prophezeit wird, nicht Almofenempfänger ist in allen diesen Orten gestiegen. Es besteht aufweist, daß nach der Statistik die Zahl der Bankerotte eine solche im Schwinden begriffen ist, denn in Sachsen hätten die Einein umfangreiches Elend in den Industriebezirken. Wie anders Höhe erreicht hat, wie noch nie vorher, obgleich schon das Jahr kommen von 2000-9000. fich mehr vermehrt als die Bes ist sonst die Maßregel zu deuten, daß man augenblicklich in Sachsen 1891 ein fehr ungünstiges gewesen war. Hand in Hand mit der völkerung. Das ist ein Beweis dafür, daß unsere Verhältnisse beschlossen hat, die sogenannten fäumigen Steuerzahler zu brand- größeren Anzahl der Banterotte geht auch die größere Bahl nicht so schlecht sind, wie es von den Feinden der heutigen marten? In einer Wohlthätigkeitsanstalt zu Dresden wurden der Moratorien und Vergleichungen, wo infolge eines Bankerottes Gesellschaftsordnung immer behauptet wird. während der ersten zehn Monate des Jahres 1892 6161 Personen nicht einmal die Gerichtskosten gedeckt werden würden. Graf schlechten Zeiten müssen die Arbeitgeber bestrebt sein, die Arperpflegt, in Riesa sind in der gleichen Zeit 5000, in Meißen Hohenthal hält nun den Inhalt der Berichte, welche am 13. Januar beiter über die Krisis hinweg zu helfen; aber die Arbeiter in derselben Zeit 10 479 Bittsteller zu befriedigen ge- verlesen worden sind, voll aufrecht. Diese Berichte sind ganz müssen auch ermahnt werden, diesem Streben der Arbeitgeber wefen. In Dresden wurden Mittags 7523 Männer und einseitig abgefaßt; denn die Unternehmer haben ein Interesse nicht unnüherweise entgegen zu treten.( Beifall bei den National Frauen und eine große Anzahl Kinder gespeist. In Zwickau daran, den Behörden nicht die volle Wahrheit zu sagen. Wenn liberalen.) = allenfalls im Reichstage, im Volle nie verstehen. Wenn in solcher Weise die höchsten Staatsbeamten Reden halten, fo tönnte man zu dem Glauben kommen, daß auch heute noch das Wort des alten Drenstierna gilt:" Du weißt nicht, mein Sohn, mit wie wenig Verstand die Welt regiert wird."( Beifall bei den Sozialdemokraten.) Gerade in den hat vor einigen Tagen eine Arbeitslosen Versammlung statt- Sie objektive Berichte hätten bekommen wollen, hätten Sie sich Abg. Mehnert( Dr.) tann aus eigener Erfahrung eine Besse gefunden, und der Bürgermeister konstatirte, daß der Nothstand nicht nur an die Unternehmer, sondern auch an die Arbeiter rung des wirthschaftlichen Lebens im legten Theile des Jahres in diesem Jahr schlimmer sei als in den früheren. Eine Hilfe wenden müssen. In Deutschland haben wir keine Organe, die 1892 feststellen. Die Zahl der Konkurse und ihre Zunahme be wäre wohl nothwendig gewesen, aber vom Staat ist sie verein einigermaßen richtiges Bild über die wirthschaftlichen Zustände weisen nichts; man muß dabei nicht blos zählen, sondern näher weigert worden. Das Chemnizer Tageblatt", welches den der großen Masse geben können. Wir haben keine Arbeits- zusehen. Die Konkurse betreffen nicht die Großindustrie, fon= Unternehmerstandpunkt völlig vertritt, brachte im September Be- statistit, teine Lohnstatistik, teine Arbeiterkammern. Wenn Graf bern gerade den kleinen und Mittelstand. Aber wenn es sich richte darüber, daß eine Verschlechterung der Lage der Arbeiter Hohenthal sagt, er könne einen Nothstand nicht als vorhanden darum handelte, diesen Mittelstand zu schüßen, da haben die immer ihre Mithilfe versagt. Redner eingetreten fei, und in den letzten Monaten des Jahres hat sich ansehen, wenn noch Löhne bezahlt werden, von denen die Familien Sozialdemokraten die Lage derselben nicht gebessert. Redner beruft sich auf zahl noch leben können, so muß man doch darüber billig erstaunen, beruft sich ebenfalls auf die fächsische Einkommensteuer reiche Lohnbücher der Arbeiter, welche ihm vorliegen, und welche wenn man bedenkt, daß von einem Lohn von 10, 8, 6, ja 31/2 M. und darauf, daß der Konsum von Fleisch, Bier, Kaffee u. s. w. einen Wochenlohn von 8-4 M. nachweisen in einer Zeit, wo es wöchentlich eine Familie von 5 und mehr Köpfen noch leben soll. zugenommen hat, daß die Spareinlagen erheblich gestiegen sind. nach dem Urtheil des Staatssekretärs v. Bötticher den Arbeitern Das sind doch wahre Hungerlöhne! Daß überhaupt Menschen Sachsen weist die höchsten Spareinlagen für den Kopf auf. Daß beffer gehen sollte. Besonders umfangreich ist das Beweismaterial dabei noch leben, beweist, daß nicht nur ein augenblicklicher, der Staat für die Arbeiter sorgt, zeigt besonders der Umstand, aus den Kreisen der Textilarbeiter. Redner will die Namen sondern ein permanenter Nothstand vorhanden ist. Der daß der Freiberger Bergbau troß der großen Unterbilang weiter der betreffenden Fabrikanten nicht nennen, denn sonst Nothstand macht sich überhaupt viel weniger durch die geführt wird. Bei einem Narrenfest der Arbeiter, bei welchem fliegen die Arbeiter erfahrungsmäßig aus der Fabrit, er stellt Bahl der Arbeitslosen, als durch die allgemeinen Lohn- 3000 Menschen sich betheiligt haben, trugen auch die Führer die aber das gesammte Material dem Staatssekretär zur Verfügung. reduzirungen geltend. Daß damit auch die kleinen Gewerbe- Narrentappe. Bisher wurde diese doch nur von der Menge gea Die Löhne in der Textilindustrie sind in den letzten beiden treibenden in Mitleidenschaft gezogen werden, liegt auf der tragen, welche am Narrenseile geführt wurden. Der Vorwärts" Jahren erheblich, in einzelnen Fällen sogar um 30 pet. und Hand; denn diese leben hauptsächlich von den breiten Waffen bringt täglich eine ganze Reihe von Festanzeigen. Ich gönne mehr reduzirt worden. Der Wochenlohn schwankt zwischen 5 bis der Arbeiterbevölkerung. Ich kenne die Verhältnisse in Sachsen den Arbeitern ein Vergnügen. Aber wenn eine so große Menge 10 M. bei voller Arbeit. Arbeitsgelegenheit ist aber nicht immer schon seit 30 Jahren. Das Hauptnahrungsmittel der Arbeiter von Festlichkeiten stattfindet, dann soll man nicht immer über die vorhanden, und so gehen viele Arbeiter zu Eisenbahn und ist die Kartoffel, der Raffee, in dem tein Kaffee enthalten ist, harmlofen Vergnügen der wohlhabenden Klassen zetern und über Wafferbauten über. Bei den Handschuhnähereien sind sich die und allenfalls noch Brot. Nach der Statistit eines Arztes ver- den Nothstand jammern. Abg. Bebel: Daß alle hungern, haben wir nie gefagt, aber Löhne von 1884-87 gleichgeblieben, von 1887-92 aber find fie braucht eine Arbeiterfamilie jährlich durchschnittlich 700 Pfund stetig im Rückgange. In einem Briefe aus einem fächsischen Kartoffeln, 300 Pfund Brot und nur 7 Pfund. Fleisch. Wenn ein großer Theil der Arbeiter ist in schwerer Noth, theils durch Dite wird der Staatssekretär aufgefordert, dort einmal Umschau der Staatssekretär behauptet, diejenigen, welche in den Arbeits- niedrige Löhne, theils durch Arbeitslosigkeit. Daß die Redner in zu halten. Zu Mittag würde er dort freilich nichts anderes lofen- Versammlungen auftreten, feien nicht wirklich Arbeitslose, den Arbeitslosen- Versammlungen Rentner sind, hat Graf Hohenfinden als Kartoffeln und höchstens Hering; wenn er damit für sondern nur Schreier, die die Leute aufheben wollten, so hätte thal durch Namensnennung nicht bewiesen. Bezahlt werden die lieb nehmen wolle, so sei er hiermit freundlichst eingeladen. er doch Namen nennen sollen. Ich halte sie für Leute, die ein sozialdemokratischen Agitatoren natürlich aus der Parteikasse. Wenn ( Heiterkeit.) Der Staatssekretär sollte die Lage der Arbeiter Mitgefühl haben für die Noth ihrer Mitmenschen, die es für ein Arbeiter unter seinen Genossen auftritt und sich mit seinem Arbeitnicht in den Salons der Unternehmer, sondern bei den Arbeitern ehrenvoller halten, in die Versammlungen der Arbeitslosen zu geber in Widerspruch seht, wird er auf die Straße geworfen und ftudiren; er sollte dann mit einem Donnerwetter unter seine gehen, denn als Vertreter der satten Tugend und zahlungs- wird auch von keinem Anderen angenommen, denn die Arbeitgeber Herren Räthe fahren, die ihm die Sache falsch darstellen. Man fähigen Moral vom Bundesrathstische Reden zu halten, haben dazu ihre schwarzen Listen. Solche Genossen werden dann Die Zusammenstellungen von der Partei als Agitatoren, Expedienten und dergleichen be= follte auch nicht übersehen, daß es sich in dieser Branche fast nur welche den Nothstand leugnen. um sogenannte Saisonartikel handelt. In der Handschuh- aus den Berichten der Fabrik- Inspektoren geben fein objektives schäftigt. Die Arbeit eines solchen Agitators schätze ich unter • Industrie ist ebenfalls von einer stärkeren Beschäftigung berichtet Bild der wirthschaftlichen Lage, und wenn man die Zahl von Umständen qualitativ und quantitativ weit höher, als die eines worden, aber, wie die Arbeiter berichten, sind die Löhne nicht ge- 106 im Jahre 1892 neu errichteten Betrieben vergleicht mit den föniglich sächsischen Vertreters im Bundesrath.( Heiterkeit.) Ich fliegen, sondern gesunken, und die Arbeit dauert überhaupt nur 117 refp. 217 neuen Betrieben der Jahre 1891 und 1890, fo be dente, Graf Hohenthal wird von meiner Antwort befriedigt sein. fünf Monate im Jahre, während der übrigen fieben Monate ist weisen diese Zahlen gerade das Gegentheil von dem, was Graf Die Polizeidirektion in Dresden hat durchaus ihre Rompara nichts zu thun. Ein Fabrikant erklärte bezüglich der Einkommen- Hohenthal daraus geschlossen hat. Uebrigens find diese Zahlen überschritten. Ich behaupte das nochmals auf Grund meiner fteuer- Einschäßung, daß er die Löhne der Arbeiter nur mit 6 M. durchaus nicht maßgebend, denn gerade in wirthschaftlich Kenntniß der sächsischen Landesgesetzgebung. Wenn sich meine Genossen über daZ Verfahren der Polizei nicht beschwerten, so l>egt das daran, daß sie mit der Ausübung des Beschwerderechts schon bei früheren Gelezenheiten recht schlimme Erfahrungen ov- znacht haben. Daß unter Hunderttausenden von Än- bertern einig« Tausend noch die Möglichkeit finden, sich an emem Abende zu amüsiren, spricht durchaus nicht gegen den Nothstand. Die Vergnügungen der vornehmeren Klassen � sind manchmal nicht ganz harmlos, wie z. B. die zahlreichen Bälle im Wintergarten, die Herrenabende oder die Balleteusen- feste. Von einer Humanität der Unternehmer ist keine Rede, sie handeln nur im eigenen Jntereffe, wenn sie auch in schlechten Zeiten eine Anzahl Arbeiter beschäftigen, weil sie bei eintretender Prosperität sofort eingearbeitete Leute brauchen. Die Löhne find das erste, was in schlechten Zeiten sinkt. In der Textilindustrie mag in letzter Zeit eine Besserung bemerkbar sein, aber das ist eine Saisonindnstrie, in welcher jetzt die Vorräthe für den Sommer gefertigt werden. Dazu kommt, daß die Baumwollenpreise Ende 1392 den niedrigsten Stand seit Jahren erreicdten, so daß die Spinner die Produktion einschränken und die Preise um 23 pCt. erhöhen wolllen. Um noch von den niedrigen Preise» zu profiliren, kauften die Baumwollenfabrikanten große Massen auf. Sie wollen wieder wissen, wie wir uns die zukünftige Gesellschaft dächten. Unser Programm können Sie jederzeit lesen. Wozu sollen wir hier darüber Reden halten, wo wir Sie doch nicht überzeugen! So lange wir in der Minorität sind, haben wir keine Veranlassung, unsere Pläne hier vorzutragen. Man thut immer so, als ob das Unternehmerthum eine von Gott eingesetzte Ordnung fei. Wenn sämmtliche Aktionäre und Unternehmer mit Sack und Pack und Geld und Gut auf die schönen Schiffe in Hamburg gepackt uno nach Afrika geschafft würden, man würde garmchts davon merken; sie erzeugen ja nicht die Werthe, sondern die Arbeiter. Sie irren also ganz gewaltig, wenn Sie glauben, daß die Unternehmer- schaft eine unentbehrliche Einrichtung jeder menschlichen Gesellschaft sei. Der Abg. Buhl hat an der Hand der Einkommensteuer- Statistik zn beweisen versucht, daß die Einkommenverhältnisse der Arbeiter in Sachsen günstige feien. Es wird sich später Gelegen- heit finden, die von ihm angeführten Zahlen auf ihren Werth zu prüfen. Es geht aber aus der amllicben Statistik hervor, daß die Einkommensterrcrpflichtigen bis zu 1600 M. in den letzten Jahren in stetem Rückgange begriffen sind. Daraus gehl hervor, daß auch die Klerndürger und der Bauernstand, nicht bloS die Arbeiter, leiden. Die erhöhten Spaareinlagen beweisen nichts. Ein großer Thcil der kleinen Kapitalisten macht diese Einlagen, weil sie jederzeit ohne große Umstände und Geldverluste ihr Geld aus den Sparkassen wieder herausnehmen können. Die Spar- kassen sind geradezu die Depots der Kapitalisten geworden. Das Königreich Sachsen hat allerdings unter sehr bedeutenden Kosten Gruben angekauft, um den Arbeitern zu helfen. Der Staat befand sich dabei in einer gewissen Zwangslage: eine ganze Reihe von Gruben stand still, und Taufende von Arbeitern mußten dem Hungertode verfallen, wenn der Staat nicht eintrat. Es war ein großer Nothstand vorhanden, dem Niciiimid anders als der Staat abhelfen konnte. Wir haben natürlich für die Vorlage über den Ankauf der Gruben gestimmt. Der Abg. Mehnert hat auf das große Arbeitcrfest im Trianon in Dresden hingewiesen und gememt, es hätten sogar die Führer die Narrenkappe aufgesetzt, während sonst nur die große» Massen die Narrenkappen trügen. Ich erwidere ihm, bei uns haben die Führer nur einmal im Jahre die Narrenkappe auf, bei den anderen Parteien das ganze Jahr. Staatssekretär v. Bötticher: Ich hätte eS gern gesehen, wenn der Vorredner uns endlich einmal Ausschluß gegeben hätte über den sozialdemokratischen Zukunftsstaat(Zuruf des Abg. Bebel: Das loidet der Präsident nicht!) Bei dem Titel Staats- sekretär des Reichsamts des Innern kann über alles gesprochen werden. Ich habe in der Nothstandsdedatte anerkannt, daß es «ine Thorheit wäre, das Bestehen eines Nothstands zu leugnen; ich habe nur bestritten, daß ein Nothstand vorhanden ist, der das Einschreiten des Reichs erfordert. Trotzdem wird die Sachlage in der Presse der Sozialdemokraten immer noch falsch dargestellt. Es wird bei der öffentlichen Erörterung dieser Frage nicht immer streng die Wahrheit festgehalten Ich kann es begreifen, daß die Vorredner die ihnen zugehenden Zuschriften benutzen, aber wir können auch die uns zugehenden Mittheilungen nicht unberücksichtigt lasten, und diese besagen, daß wer Arbeit finden will, sie immer noch finden kann, wenn er nur dorthin geht, wo die Arbeit ist.(Zustimmung rechts.) Der Zudrang der Arbeitskräfte in die Industriezentren ist ein so großer, daß mehr Arbeitskräfte vorhanden sind, als verlangt werden. Aber man will diesen Zudrang zu den Industriezentren nicht hindern. Herr Bebel hat von der Sparsamkeit der Eisenbahnverwaltuiig gesprochen, namentlich von der Entziehung dar Pelze. Solche Pelze sind nur im Osten verivendet worden, sie sind auch nicht abgeschastt worden, fondern werden nach wie vor benutzt, nur da, wo die Beamten sich in geheizten Konpees befinden und der Pelz für sie eine Last ist, haben einzelne Direktionen den Pelz abgeschafft. Auch die viel getadelte lnonatliche Abrechnung ist kein Nachlheil für die Arbeiter. Jede Verwaltung will möglichst billig arbeiten: deshalb ist an die Stelle der vierzehntägigen die monatliche Abrechnung ge- treten, aber unter Ausrechterhaltung der vierzehntägigen Lohn- zahlung. Es müssen schwache Gründe sein, wenn man so mit persönlichen Spitzen und Jnvektiven vorgeht. Es ist ja mög- lich, daß die Mitglieder der Regierung mit wenig Verstand de- oavt sind.(Zuruf Bebcl's: Das habe ich nicht gesagt!) Es ist möglich, daß ein sozialdemokratischer Agitator mehr leistet im Sinne des Herrn Bebel, als«in Bundesrathsbevollmächtigter. Es besteht aber«in Unterschied: Wir wollen der Wahrheit aus den Grund kommen, aber Sie wollen nur Unzufriedenheit säen und da machen wir nicht mit.(Znstimmuna rechts). Abg. Mehnert(dk.) bestreitet, daß die kleinen Kapitalisten ihr Geld bei der Sparkaffe niedergelegt haben. Die Zahlen be- weisen, daß es sich dabei nur um die Einzahlung von kleinen Leuten, von Arbeitern handelt. Wenn die Sozialdemokraten nieinen, daß Verschwinden der Unternehmer aus der Gesell- schast würde kaum bemerkbar werden, so kann ich sagen: Das Verschwinden der Herren Sozialdemokraten würde nur wohlthätig wirken. Abg. Bachem(Zentr.): Die Ausbeute der heutigen Debatte war«ine sehr dürftige. Es ist manches wieder vorgetragen worden, was uns schon bekannt war; aber nicht ein Mittel der Abhilfe. Es würde um die Arbeiter sehr schlecht stehen, wenn alle Leute so verlegen um AbHilfsmittel wären, wie die Sozialdemokraten. Da könnten die Arbeiter noch lange auf Besserung warten. Gerade beim Gehalt des Staats- sekrelärs hätten die Sozialdemokraten die beste Gelegenheit, den sozialdemokratischen Zukunftsstaat zu schildern. Man hat aller- dings früher einmal gesagt, wir würden doch den Sozealdemo- kraten nicht folgen. Umsomehr müßten Sie unfern tauben Ohren predigen, und wir werden ehrlich bestrebt sein, aus dem, was Sie uns vortragen, recht viel zu lernen. Ich habe die Werke der Sozialdemokratie durchaus„studirt mit heißem Bemühen", um den Zukunftsstaat kennen zu lernen, aber„da stehe ich nun, ich armer Thor, und bin so klug als wie zuvor!"(Heiterkeit.) Steht der Zukunftsstaat in Köhlers oder in Bebel's Schriften oder bei Bellamy? Einige Balken und Schindeln habe ich wohl entdeckt, ober ein ganzes Gebäude nicht, und ich will doch erst wiffen, ob wir nicht verfrieren und verhungern, ehe das neue Gebäude aufgerichtet ist. Richter hat von ihrem Zuknnslsstaat ein viel klareres Bild gegeben als alle sozialdemo- kratischen Werke. Haben Sie etwa Richter's Zukunsts- staat in Ihr Programm aufgenommen? Wenn Sie das nicht thun wollen, dann müssen Sie ein Werk schreiben, in welchem Sie nachweisen, so wird der Staat aussehen. Im Zukunftsstaat wird ein größeres Maafi von Autorität von oben nolhwendig sein als bei uns und ein größeres Maß von Unterwerfung, ein stärkeres Gesühl der Solidarität und eine größere Berufsfreudigkeit von unten. Werden denn die Anhänger der Sozialdemokratie dieses übergroße Maß von Bcrufssreudig- kcit haben, werden sie Engel sein? Wenn ein Mann vorhanden wäre, der die Autorität über alle Arbeiter Härte, dann wäre die Umwandlung denkbar. Hat denn Liebknecht oder Bebel oder gar Herr Singer solche Autorität? In jeder anderen Partei sind fester stehende Autoritäten vorhanden. In der Sozialvemokratie herrscht nicht die Berufsfreudigkeit, sondern der Neid. Wird H>errn Liebknecht vorgeworfen, daß er 7000 M. Gehalt hat? (Auruf Liebknechts: In Ihren Zeitungen!) Nein, nicht in unfern Zettungen. sondern in Ihren Versammlungen. Eine Partei, in welcher solche Vorwürfe gegen die Führer erhoben werden, ist keine derartige, welche einen Zu- kunstMaat ausrichten kann. Sie schimpfen immer über die Tyrannei, aber ist denn die Tyrannei bei der Sozialdemokratie nicht ebenso groß? Es ist Herrn Bebel nur nicht gelungen, die Jungen«us der Partei hinauszuwerfen(Widerspruch bei den Sozialdemr'kraten), er würde es heute noch gern thun. In sozialdemokratischen Unternehmungen hat sich gezeigt, daß die Autorität dps Unternehmers nicht vorhanden war, und im sozial- demokratischem Siaale würde noch viel weniger Autorität vor- handen sein. Sie werden hier gezwungen werden, Ihren sozialistischen Staat darzulegen. Wenn Sie nicht eine sozialistische Bäckereigenoffeieschast leiten können, dann können Sie keinen Staat leiten. Wir machen den Sprung ins Dunkle nicht mit. und ich bin überzeugt, der deutsche Arbeiter macht ihn auch nicht mit(Zustimmung). Er wird fragen: Wie sieht der Staat aus, und wenn Sie ihn nicht darstellen können, fürchten Sie sich vor den Folgen! Die Arbeiter werden Rechenschaft verlangen von denen, die ihnen thörichte Phantasmara vorgetragen haben. Hier sind in Volksversammlungen die Backen vollgenommen worden. lvie werden das nicht von Ihren Rockschößen abschütteln können, wie Sie den Bergarbeiter- und Buchdruckerftreik von sich abgeschüttelt haben. Die kleinen Agitatoren leben von der Parteikasse, wie Sie davon leben.(Zustimmung.) Wir wollen in der ruhigsten, objektivsten Weise über Ihren sozialdemokratischen Staat sprechen, aber ein leeres Wahnbild werden wir nicht anerkennen.(Lebhafter Beifall rechts und im Zentrum.) Abg. Bebel beantragt die Vertagung der Verhandlung, wird dabei aber nur von den Freisinnigen und einigen Mitgliedern des Zentrums unterstützt. Da die Abstimmung durch Aufstehen und Sitzenbleiben zweifelhaft ist, erfolgt die Zählung des Hauses, welche die Anwesenheit von nur 147 Mitgliedern ergiebt, von denen 63 für und 79 gegen die Vertagung gestimmt haben. Das Haus ist also beschlußunfähig. Die Verhandlung wird ab- gebrochen. Schluß nach 5 Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr. (Anträge aus dem Hause.) Pat'fctnatfit'ltfrfcn. Protrstversammliingen gegen die Militärvorlage haben stattgesunten in Wermelskirchen(Res. Reichstags- Abgeordneter Schumacher). � Bei der Gemeinderathö-Äahl in Groß-Kühnau bei Deffau wurden in der dritten Klasse die von den Arbeitern aus- gestellten zwei Kandidaten gewählt. Bei dieser Wahl ist die merkwürdige Thatsache sestgestellt, daß. entgegen den Bestim- münzen der Stadl- und Donorbnung, in der zweiten Klasse seit vier Jahren keine Ersatzwahl stattgesunden hat. Man hat dar- über jetzt bei der Dessauer Kreisdirektion Beschwerde geführt. Zum Ansfall der Angsburger GewerbegerichtS-Wahl schreibt die„Münchener Post": Der Sieg der Sozialdemokratie erhält seine besondere Bedeutung durch die eigenthümlichen Ver- hältniffe der schwäbischen 51reishauptstadt. In keiner größeren Stadt Bayerns herrscht ein solcher Fabrikanten-Despolismus, nirgendwo ist der Ring des Unternehmerlhums, ohne jede Rück- ficht aus politische und konfessionelle Parteiverhältuisse, so eng zur Niederhaltung der Arbeiter geschlossen. Auch diesmal hatten sich alle Nichtsozialisten zu einer großen Koalition verbunden, wobei die Arbeiter die Statisten spielten und die Fabrikanten die Fäden zogen. Während sonst Augeburg wegen seines starren Konfessionalismus berüchtigt ist und hier seit alter Zeit keine protestantische Wurst in einer katholischen Pfanne gebraten werden kann, hatten sich hier die protestantischen und katholischen Ar- beiter und Gesellenvereinler schnell vereinigt, um die Sozial- demokratie zu bekämpfen. Aber alles nützte nichts, und die Freude unserer Augsvurger Genossen ist natürlich eine große. Partei-Organisation, Kreuznach wurde am 22. Januar nach einem Vortrage des Genossen Berg ein sozial- demokratischer Wahlverein gegründet. 20 Personen erklärten sofort ihren Beitritt. Don der Agitation. Auch im Gebiete zwischen München und Salzburg macht die sozialdemokratische Bewegung er- frenliche Fortschritte. In Traunstein, Rosenheim, Kolbernioor, Aibling, Trostberg, Berchtesgaden, Reichenhall und Salzburg— überall hat die Partei festen Fuß gesaßt, und die dort wohnenden Genossen lassen es sich sehr angelegen sein, die Ideen des Sozialismus immer weiter ins Land zu trageu.— Wie bereits angekündigt worden ist, vertheilten am Sonntag die Genossen im Mannheimer Wahlkreise ein Flugblatt, das die Roth- standsrede des Abg. Dreesbach enthielt. Die Verbreitung der in einer Auflage von 33 ovo Exemplaren gedruckten Schrift wurde im ganzen Wahlkreise vorgenommen, und in allen Ortschaften ist die Ausnahme der Genossen eine freundliche gewesen. Die Versammlungen, die Nachmittags und Abends in mehreren Orten stattfanden, sind gut besucht worden, so daß das agitatorische Unternehmen auch in dieser Beziehung ersichtlich guten Erfolg gehabt hat. Die süddeutschen Genossen sind überhaupt letzt außerordentlich thätig, um dem Sozialismus neue Anhänger zu gewinnen. � In Leipzig sprach Frau Klara Zetkin auS Stuttgart in einer stark besuchten Volksversainmlung über das Thema: „Die Frauen des Proletariats mid der Mititarismus". Sie erntete rauschenden Beifall. Die Versammlung erklärte sich dann einstimmig mit der Resolutton einverstanden, die aus dem Ber- liner Parteitag gegen den Militarismus beschloffen worden ist. Ucber die Berhaftung Friedrich KSster'S in Zürich wird der Magdeburger„Volksstntime" von bort gemeldet, daß das Vergehen, weswegen seine Auslieferung perlangt wird, nach Ansicht seiner Anhänger ein politisches sei. Weiter heißt es in der Zuschrift:„Köster hat gegen seine Auclieserung prolesttrt, so daß das Bunde-gericht in die Lage kommen wird, darüber zu entscheiden, ob dem Auslieferungsantrag entsprochen werden muß. Herr Proseffor Zürcher hat sich bereit erklärt, Köster's Sache vor dem Bundesgericht zu führe»." AuS New-Dork wird uns' geschrieben: Aus der im vorigen Briefe(Nr. 26 des„Vorwärts") gemeldeten neuen Wahlkampagne im Staate New-Iork ist nichts geworden, indem die Legislatur die Sache in nochmalige Behandlung nahm und den Beschluß faßte, die Wahlen zur Verfassutigs-Revisions-Konvention zusammen mit den allgemeinen Wahlen im November vornehmen zu laffen. Auch wurden einige Benderungen getroffen, so die, daß der Gouverneur keine Vertreter aus den Reihen der Prohibitionisten und Arbeiter-Organisalionen zu ernennen habe, sondern die bei den letzten Wahlen nach den Demokraten und Republikanern als stärkste Parteien aus der Wahlurne hervorgegangenen drei politischen Organisattonen je zwei Vertreter ernennen sollen, so daß neben der Prohibitionisten- nnd ver PeopleS- Partei auch die sozialistische Arbeiter-Partei durch zwei Abgeordnete auf der Konvention vertreten wäre. Damit hat es aber freilich noch gute Wege; es ist höchst wahr- scheinlich, daß man schon vor Annahme jener Bestimmung einen „Trick" ausgeklügelt hatte, durch den die Konzession an die Minoritäten— außer der republikanischen— illusorisch gemacht wird. Selbstverständlich wird aber die sozialistische Arbeiterpartei an dem Wahlkampfe energisch theilnehmen. Es finden jetzt innerhalb der sozialdemokratischen Partei Urabstimmungen darüber statt, ob in diesem Jahre eine Parlei-Konvention stattfinden und die Partei auf dem internationalen Kongreß in Zürich vertreten sein soll. Erster« wird von vielen Seiten für nöthig gehalten, um die Vereinigungsfrage definitiv zu regeln. Der frühere Pfarrer Rentecost, welcher vor einigen Jahren so viel von sich reden machte, und bis ins anarchistische Fahrwasser gehüpft war, ist nun Mitglied der korruptesten Ge- sellschaft in den Vereinigten Staaten, dem Newyorker demokra- tischen Ring„Jammany Hall" geworden, dem der andere„viel- versprechende" Amerikaner, Henry George, schon lange tangehört. » 9 Polizeiliches, Gerichtliches:c. — Da? Dresdener Oberlandesgericht hat das Urtheil des Zwickauer Landgerichts bestätigt, wonach unser Genosse G. G l a d e w i tz wegen Beleidigung des Reinsdorfer Gruben- Vorstandes ein Jahr lang im Gefängniß sitzen soll. Gladewitz will jedoch, wie das„Sächsische Volksblatt" mittheilt, die Wiederaufnahme des Verfahrens beantragen, da er hierzu die erheblichsten Gründe hat. Hoffentlich blüht ihm Erfolg. Das Zwickauer Urtheil hat in den weitesten Kreisen Befremden erregt. — Der antisemitische Buchdruckereibesitzer F« r d. G l ö ß in Dresden wurde wegen Beleidigung des Buchhändlers Her- mann Gold st ein, früher in Dresden, jetzt am„Sächsischen Volksblatt" in Zwickau, vom Dresdener Gericht zu 16» M. Geldstrafe oder 10 Tagen Gefängniß, Tragung der Kosten, Urtheilspublikation im„Dresdener Anzeiger" und Erstattung der dem Kläger erwachsenen nothwendigen Kosten verurtheilt. Glöß hat eine Schrift„Der rothe Michel" herausgegeben, in welcher unter anderen Unwahrheiten auch die enthalten ist, daß Gold- stein sich der Unterschlagung von Abonnementsgeldern schuldig gemacht habe. Das Gericht stellte die Unwahrheit dieser Be- hauptung ausdrücklich fest. Bei der Strafabmessung berücksichtigte es, daß Glöß wegen Beleidigung noch nicht destraft war und die�Broschüre aus„patriotischen" Gründen geschrieben worden ist. — Die Untersuchung, welche gegen den Genossen Süßkind in Mannheim wegen der Hänsler'schen Unterschlagungen eingeleitet war, ist, wie die„Volksstimme" mittheilt, vollständig eingestellt. — Die Bielefelder„VolkSwacht" schreibt:„Unsere Leser erinnern sich, daß im vorigen Frühjahre von einer Partei- Versammlung beschlossen worden war, Genosse Groth solle den Polizeiwachtmeister Thiele und den Schutzmann Lücke bei der Staats- anwaltschaft wegen des dringenden Verdachtes, falsche eidliche Aussagen in der Gerichtsverhandlung am 9. März 1892 gemacht zu haben, zur Anzeige bringen. Wie wir erinnern �vollen. handelte es sich darum, daß Thiele beschworen hatte, er habe bei der gewaltsamen Räumung des Wüstefeld'schen SaaleS im Sep- tember 1391 seinen Säbel nicht gezogen, und daß Lücke be- schworen hatte, er habe bei jener Räumung die auf der Bühne befindlichen Personen nicht mit Erschießen mittels seines er- hobenen Revolvers bedroht. Redakteur Groth hat den Auftrag der Versammlung vollzogen und vor einigen Tagen, wie wir zuverlässig ersahren, den Bescheid erhalten, daß die beiden An- geschuldigten auf Grund einer stattgehabten gerichtlichen Vor- Untersuchung durch Beschluß der hiesigen Strafkammer vom 6. Januar d. I. mangels genügenden Beweises außer Verfolgung gesetzt sind. Wir theilen lediglich diesen ge- richtlichen Beschluß unserem Leserkreise mit, da' wir überzeugt sind, daß er auch ohne eine begleitende Besprechung die ihm zu« kommende Beachtung und Bcurtheilung finden wird." — Der Pegau er Vertrauensmann unserer Partei soll 9 Mark Strafe bezahlen oder 3 Tage Höst verbüßen, weil er in einer Volksversammlung mehreren Personen auf deren Wunsch Parteimarken verabfolgt und das Geld dafür angenommen hat. Das soll eine gesetzwidrige öffentliche Sammlung gewesen sein, wozu angeblich die polizeiliche Erlaubniß hätte eingeholt werden müssen. Wegen Vornahme einer Tellersammlung— was in Pegau verboten— soll em anderer Genosse 6 M. Strafe zahlen oder 2 Tage„brummen". Gegen das erster« Strafmandat wird Widerspruch erhoben. Dieselbe Pegauer Polizei läßt es nicht zu, daß auf die Tagesordnungen von Versammlungen der Punkt „Parteiangelegenheiten" gesetzt wird. Wahrscheinlich ist er ihr ji, vieldeutig. Pegau liegt natürlich in Sachsen. Dslmlesu Zum Nothstand«. Herr Oberbürgermeister Zelle hat be- kanntlich verschiedene Deputationen von Arbeitslosen in liedens- würdigster Weife empfangen und denselben die Zusicherung ge- geben, zur Linderung des Nothstandes in Berlin zu thun, was in seinen Kräften stehe. Um so unangenehmer wird von der nothleidenden Bevölkerung Berlins die plötzliche Erhöhung des Koakspreises von 1 Mark pro Hektoliter auf 1,10 M. empfunden, wie solche seit Donnerstag voriger Woche, wie uns geschrieben wird, in der städtischen Gasanstalt in der Müllerstraße(und auch wohl in den sonstigen städtischen Gasanstalten) in Kraft getreten ist. Wenn man bedenkt, daß gerade die arme Bevölkernng auf dieses Feuerungsmalerial angeiviesen ist, wenn man steht, wie Frauen und Kmder sich mühsam scheffelweise den Koaks aus den Gasanstalten holen, so begreift man den Unwillen, welchem diese Maßnahme begegnet. Man hätte wohl erwarten sollen, daß in der jetzigen Zeit des doch nicht mehr hinwegzuleugnenden Nothstandes die Koakspreise eher herabgesetzt, als erhöht worden wären, zudem zu dieser letzteren Maßnahme gewöhnlichen Sterblichen ein zwingender Grund nicht ersichtlich ist. Man hat wenigstens noch nicht gehört, daß die GasanstaltSardeiter z. B. höhere Löhne erhalten und daß aus diesem Grunde die Koals» preise hätten erhöht werden müssen. Oder sollte gar der letzte Bergarbeiter« Ausstand die Koakspreise in Berlin beeinflußt haben? Mag dem nun sein, wie ihm wolle, mag die Verwaltung der städttschen Gasanstalt zu der Erhöhung des Koakspreises ver- anlaßt sein, wodurch sie wolle, immerhin erscheint der jetzige Zeitpunkt zu einer derartigen Maßnahme durchaus ungeeignet, denn die arme Bevölkerung, die mit jedem Pfennig rechnen muß, wird hierdurch ganz erheblich belastet. Erschwerend tritt hinzu die Art und Weise, wir die Erhöhung des Koakspreises ins Leben getreten ist. d. h. wie sie den Konsumenten zur Kenntniß gebracht worden ist. Man beschränkte sich einfach darauf, am Verkaufsschalter in der Gasanstalt einen weißen Zettel anzu- kleben des Inhalts: Von heute(oder morgen) ab kostet das Hektoliter Koaks 1,l0 M.! Wohl nur die Wenigsten hatten rechtzeitig von dieser„Bekanntmachung" Kenntniß genommen und konnten sich danach ciltrichten. Die Meisten waren auf eine Erhöhung des Koakspreises nicht vorbereitet. Kinder, die von den Eltern geschickt worden waren, Koaks für den Familienbedarf zu holen und denen nicht mehr Geld als 1 M.(der bisherige Koakspreis pro Hektoliter) mitgegeben worden war, Leute, die sich nicht mehr Geld mitgenommen hatten, als sie zu gebrauchen venneinten, mußten mrverrichteter Sache wieder umkehren. Ja. unserem GewährSmanne passirte es sogar(und wie ihm ist es wohl auch Anderen ergangen), daß er überhaupt nur noch 1 M. im Vermögen besaß, die er in KoakS anlegen wollte, und nun in bie zwingende Nothwendigkeit verfekt wurde, alles auszubieten, erreichender oder darüber hinausschlagender oder darüber hinausschlagender um in den Besit noch eines Nidels zu gelangen, damit er fich gungen seht. in der städtischen Gasanstalt in der Müllerstraße ein Hektoliter Roats zu taufen vermochte. Alles dieses bildet einen feltsamen Kontrast zu der Liebenswürdigkeit des Herrn Oberbürgermeisters und bildet ein seltsames Vorspiel zu all dem Schönen, das da tommen soll. " Gerichts- Beitung. Abwehrbewe| Frau stürzte sich aus einem Fenster ihrer im ersten Stock des Hauses Joachimsir. 20 belegenen Wohnung auf den Bürgersteig hinab und erlitt anscheinend schwere innere Verlegungen. Ein Edelster" versucht den anderen zu beftehlen. Ein Auf Hofe des Grundstücs Chariteestr. Nr. 3 Hotelgefpenft" hat, wie ein Berliner Blatt berichtet, in der Nacht fiel Abends ein Arbeiter zur Erde und erlitt ba zum Sonntag den Haushofmeister des Prinzen Friedrich Karl bei so schwere Verlegungen am Fuße, daß er nach der von Hessen, Herrn Ed, heimgesucht; derselbe, der nicht unbeträcht- Charitee gebracht werden mußte. Im Hause Bülowliche Summen für den Prinzen in seinem Verwahrsam hat, mußte straße 27 fiel eine 79jährige Frau von der Treppe und brach Eine Illustration zum Klebegefeh". Der Lohgerber für einige Tage in einem hiesigen Hotel, und zwar in einem der den Unterschenkel. Sie wurde nach dem Elisabeth- Krankenhause R. Dellrich ist seit mehreren Jahren lungenleidend. Wie es bei vornehmsten, Quartier nehmen. In der genannten Nacht erwachte gebracht. In der Nacht zum 31. v. M. wurde ein pensionirter diefer Krankheit gewöhnlich der Fall ist, war Dellrich in den bort Herr Ed in seinem Bett und vernahm im Zimmer ein Ge- Beamter in seiner Wohnung, in der Marienburgerstraße, erhängt legten drei Jahren zwei bis drei Monate im Jahre erwerbs räusch, das er anfangs dem Vorhandensein von Mäusen zufchrieb. aufgefunden. Am 30. v. M. Nachmittags entstand in dem erwerbsräusch, unfähig, ging aber immer wieder, sobald sein Gesundheitszustand Als er sodann auf dem Deckbett eine Bewegung wahrnahm, packte Lagerraum der Hut- und Mühenfabrik von Scheier u. Herz im es nur irgend zuließ, feinem schweren Berufe nach. Im Dezember Herr Ed rasch zu und faßte zu seiner Ueberraschung eine Menschen- dritten und vierten Stock des Quergebäudes des Hauses Mezerv. J. warf ihn aber die tückische Krankheit dauernd aufs Kranten- hand. Im felben Moment sprang ein Mann, der vor dem Bette straße 28 Feuer, wodurch ein großer Theil der dort lagernden lager. Während der Dauer eines Jahres wurde durch das aus getauert hatte, hastig auf und stürmte, während Herr Eck laut um Vorräthe zerstört wurde. Außerdem fanden im Laufe des einer Krankenkasse bezogene Krankengeld die äußerste Noth von Silfe rief, zur Thür hinaus. Auf diese Rufe eilten Hausbedienstete Tages und in der darauf folgenden Nacht sechs fleine ihm abgehalten. Als aber mit Ablauf eines Jahres die Be- und mehrere Gäste hinzu; unter letzteren befand sich ein angeb- Brände statt. rechtigung zum Bezuge von Krankengeld für Dellrich aufhörte, licher Baron, den Herr Ed als den Einschleicher bezeichnete, der trat die bitterste Noth an ihn heran. Um diese ein wenig zu aber entschieden dagegen ftritt. Am nächsten Morgen war der lindern, wurde ihm gerathen, die Invaliditätsversicherung in Herr Baron" spurlos aus dem Hotel verschwunden und die Anspruch zu nehmen, da der ihn behandelnde Arzt ihn für dauernd Kriminalpolizei fahndet jetzt auf ihn, nachdem sie von dem Vorarbeitsunfähig erklärte. Es wurde auch alles in die Wege ge- gang in Kenntniß gesezt worden ist. leitet und gab sich Dellrich schon der süßen Hoffnung hin, In validitätsrentner zu werden. Da erschien der Vertrauensarzt Eine vornehm gekleidete Dame zog gestern Abend in der der Behörde, Herr Sanitätsrath Dr. Becker, bei ihm, um ihn Friedrichstraße die Aufmerksamkeit der Männerwelt auf sich. Ein Der Herr Engrosschlächter. Eine recht empfind: vorschriftsmäßig zu untersuchen. Herr Sanitätsrath Dr. Becker junger Mann näherte fich der verschleierten Schönen und trug liche Strafe wegen einfachen Bankrotts traf den Engrosfand den zum Skelett abgemagerten Dellrich im Bette liegend ihr Arm und Geleit an. Stumm schritten Beide bis an ein Schlächtermeister Albert Emil Oskar Spiering aus Neuvor und untersuchte ihn. Das Resultat der Untersuchung war Haus der Martgrafenstraße, und der Begleiter fonnte es sich Weißensee, der am Dienstag vor der ersten Strajtammer am folgendes Gutachten, welches dem Dellrich abschriftlich zuging: nicht versagen, fein Geleit bis auf den Hausflur auszudehnen, Landgericht II stand. Derfelbe hat mit einem Baarvermögen Der Lohgerber Dellrich ist noch im Besitz so vieler um hier eine Liebeserklärung zu stammeln. Da er keine Zurück von 3000 m. im Jahre 1889 eine Engros- Rinderschlächterei Kraft, daß er noch Düten fleben und im Jahr bei dieser weisung erfuhr, so folgte er dem Fräulein die Treppen hinauf etablirt und im Jahre einen Umfaß von 250 000 bis 280 000 m. Arbeit 181 M. 0,5 Pf. verdienen kann. Within muß sein bis in ihr Zimmer, wo eine Gasflamme brannte. Bis jetzt hatte erzielt. Trotzdem hat er es unterlassen, ordnungsmäßige Bücher Gesuch um Invaliden- Unterstützung abgewiesen werden. die Dame noch kein Wort gesprochen. Da auf einmal löschte sie zu führen. Anfang März d. J. wurde es der Versicherungsbank Wenn auch ein Laie nicht auszurechnen vermag, ob ein das Licht aus, fiel dem Begleiter stürmisch um den Hals und in der Berliner Viehkommissionäre bekannt, daß Spiering in ver hochgradig Schwindsüchtiger noch so viel Kraft besitzt, um Düten einer vollfönenden Baßftimme erklangen die Worte:" Mensch, ich schiedenen Fällen die Bersicherungsbank betrogen hatte. fleben und bei dieser Arbeit im Jahre 181 M. 5 Pf. verdienen liebe dich". Entsetzt prallte der junge Mann zurück, rannte auf Versicherung hat den Zweck, ben Schlächtern den Schaden zu er zu können, so drängt fich doch unwillkürlich jedem die Frage auf: die Straße und rief einem Schuhmann zu: ein Mann in setzen, der den letzteren dadurch entsteht, daß die Thierärzte geWer giebt denn einem folchen, an Lungenschwindsucht trant Weiberkleidern!" Der Beamte forschte nach, führte die rätbfel schlachtetes Vich als ungefund verwerfen und der AbSpiering soll nun vier oder sechs barnieberliegenden Menschen überhaupt Arbeit und so viel hafte Bersönlichkeit nach der Polizeiwache in der Lindenstraße deckerei überweisen. Rinderviertel nicht an die Abdeckerei ab= Arbeit, daß er die ausgerechnete Summe zu verdienen vermag? und stellte hier fest, daß ein Geiftestranter, Namens Luckow, in verworfene Mehr aber noch muß dieser Ausspruch von einem Arzt be den Frauenkleidern steckte. Dieser war erst vor kurzem aus der geliefert und in den Verkehr gebracht, trotzdem aber die Verfremben, wenn man die Sache vom fanitären Standpunkt aus Frrenanstalt in Dalldorf entlassen worden und leidet an der sicherungsgelder von der Bant abgehoben haben. Daraufhin beschlossen die zur Bant gehörigen Kommissionäre, an Spiering betrachtet, denn nachgewiesen ist die leichte Uebertragbarkeit des Wahnvorstellung, daß er ein Mädchen sei. Schwindsuchtsbazillus und aus diesem Grunde erscheint das nur noch Vieh ohne Garantie zu verkaufen, mit anderen Worten, Von Herrn von Schlieben wie vom Grafen Kurt ihn von der Versicherung auszuschließen. Nunmehr stellte der Dütenfleben für einen Schwindfüchtigen gewiß die allerungeeignetste Arbeit, da Düten gemeinhin zur Aufnahme von Nahrungs- und Kalkreuth haben wir Berichtigungen in der famosen Album Angeklagte feine Bahlungen ein, nachdem er noch am 14. und Genußmitteln der Menschen dienen. Angesichts eines folchen affäre erhalten. Stalkreuth will von der ganzen Geschichte teine 21. März Kredite von 14 000 W. in Anspruch genommen hatte. ärztlichen Gutachtens und der Mühe und Umstände, welche Ahnung haben, während Schlieben durch Zeugen beweisen will, Er bot den Gläubigern 50 pCt. an, als diese sich aber damit erforderlich find, um in den Genuß einer Invaliditätsrente zu daß Stalkreuth seine Zustimmung zu der Sache gegeben. Schlieben einverstanden erklärten, zog er den angebotenen Afford zurück gelangen, fann man sich nicht wundern, wenn die Krönung des versichert ferner, daß es ihnen beiden um feinerlei Gewinn zu und verstand sich zu nichts. Jest beschloß der Verein zur Wahrung sozialen Gebäudes" so wenig Freunde unter den Arbeitern findet. thun gewesen sei; alles, was an Geld und Geldeswerth einging, der Intereffen der Biehkommissionäre, an Spiering fiberhaupt follte für das Album verwendet werden. Es handelte sich nur nicht mehr, selbst nicht gegen Baar zu verkaufen. Der ,, Demokratische Verein" Berlins, der sehr start an darum, Sr. Majestät eine Freude zu bereiten. Daraus geht die Gläubiger ließen am 6. April d. J. den Konkurs eröffnen. Der der Schwindfucht leidet, hielt am Montag eine Bersammlung ab, Saltlosigkeit der gegen uns erhobenen Verdächtigungen wohl zur gerichtliche Bücherrevifor Töpfer fand weder eine Bilang noch in welcher ein Herr Dr. Gräger über Arbeitslosigkeit" sprach. Genüge hervor." ausreichende Bücher vor, nur mit Mühe konnte er feststellen, daß Bon Arbeitslosen war freilich feine Spur zu entdecken, wohl ein 5000 M. Forderungen außen standen, während 10 000 Dt. Der Bauunternehmer Mieh, welcher fürzlich wegen Ent Schulden vorhanden waren. Außer wegen des Vergehens gegen Beweis, wie wenig Vertrauen diese zu den Demokraten" haben. führung eines siebzehnjährigen Mädchens zu einer halbjährigen die Konkursordnung wurde Spiering wegen Betruges in brei -Gleich Anfangs feines Referats gab der Herr Dottor ein Gleich Anfangs feines Referats gab der Herr Doktor Pröbchen feines demokratischen Geistes ab. Er betonte, daß er Gefänisstrafe verurtheilt worden ist, hat sich der Verbüßung der Fällen angeklagt, weil er sich die letzten Krebite durch falsche die Flucht entzogen. Die Polizei hat bei Vorspiegelungen erschlichen haben sollte. Wegen des Betruges daß er die Frage nur von diesem Gesichtspunkte aus behandeln mehreren Personen, von denen sie vermuthet, daß sie den M. mußte er auf Grund eines Non liquet freigesprochen werden. werde; wer etwa die Absicht habe, in der Diskussion von einem verborgen hätten, Haussuchungen abgehalten, die jedoch ohne Er- Wegen des Bankrotts beantragte der Staatsanwalt 14 Tage andern Standpunkte aus zu sprechen, den rathe er, lieber fein gebniß waren. Gefängniß, mit Rücksicht jedoch auf die Leichtfertigkeit der Bier auszutrinken und zu gehen. Die große Zahl( etwa die Hälfte der zirka 80 anwesenden Personen) unserer Genoffen Nachmittag gegen 3 Uhr in Charlottenburg. Arbeiter waren damit Ein grauenhafter Unglücksfall ereignete sich am geftrigen Handlungsweise erkannte der Gerichtshof auf drei Monate Gefängniß. folgte diefem wohlgemeinten Rathe nicht, sondern nahm in der beschäftigt, soeben gelöschten Kalt in Mulden auf einen Neubau Die fast unbegreifliche Unvorsichtigkeit eines Arbeiters Hern Doktor etwas zu berichtigen. Das A und das feinertragen. Auf einer Leiter ging der 35 Jahre alte Arbeiter bat am 13. Juli v. J. auf dem Bahnhofe Friedrichstraße einen Balentin Krupte, Urbanstraße 118 in Berlin, hinter einem fchweren unglüdsfall verursacht, welcher von der AnAusführungen war die Selbsthilfe, die Arbeiter sollten Kollegen her, aus dessen Mulde ein Theil des noch heißen Ralfes Flagebehörde dem Stationsaffiftenten Suban zur Laft gelegt sparen und Rassen anlegen behufs Versicherung gegen Arbeits- sprigte und Krupte in das Gesicht traf. Mit einem gellenden wurde. In der Mittagstunde des gedachten Tages sollten auf Tofigkeit. Die Verkürzung der Arbeitszeit habe eine Gr- Schrei fant er rücklings über und mußte sofort nach der Charitee dem Bahnhof Friedrichstraße zwei mit einem Fernzuge anhöhung des Lohnes nicht zur Folge. Ueberhaupt müffe gebracht werden. Hier ergab sich, daß das rechte Auge gänzlich gekommene Wagen auf ein todtes Geleife geschoben werden. Rücksicht genommen werden auf die ausländische Stonkurrenz. Er ausgebrannt war. verwies weiter auf die großen Errungenschaften" der alten engDiese Verschiebung zu leiten, lag dem Angeklagten ob; welcher lischen Gewerkschaften durch ihre Unterstügungstaffen. Den an Konfiszirt ist der Bolts- Beitung" zufolge auf Antrag der aber bei dem bekannten Riefenverkehr auf diesem Bahnhofe Er beauf wesenden Sozialdemokraten, die überhaupt bie Situation Staatsanwaltschaft Heft 8 der im Verlage von Otto Harnisch mit dem Berrondienste vollauf belastet war. beherrschten, fie! es nicht schwer, die Schießheiten der Aus erscheinenden Halbmonatsschrift Lichtstrahlen" wegen Vergehens tragte deshalb einen in diesen Dingen erfahrenen WeichenAuf dem todten Geleife führungen des Herrn zu widerlegen, so daß er in seinem Schluß gegen§ 17 des Preßgefeßes, weil in dem betreffenden Befte der ſteller mit der Rangirung. worte barauf verzichtete, auf alle angeführten Punkte zu Beschluß über die im Dezember tonfissirten Seite 3 und 5 ber bei bem Prellbock standen bereits zwei Wagen, an welche die antworten", sich dies für ein andermal aufsparend". felben Zeitschrift abgedruckt war. Hiergegen ist seitens des Ver- beiden anderen herangeschoben werden sollten. Eine Anzahl von legers Beschwerde eingelegt worden, da bas Preßgesetz(§ 17) nur Streckenarbeitern, welche um diese Zeit ihre Mittagsruhe abDer Detailhandel in der Sentralmarkthalle ist gestern bie Veröffentlichung der Anklageschrift oder amtlicher Schriftstücke hielten, batten die leeren Wagen zu diesem Zwecke aufgesucht, in feinem vollen Umfange wieder aufgenommen worden, nachdem eines Strafprozesses durch die Bresse vor der gerichtlichen Ver- der Arbeiter August Röhl aber tam auf den unglücklichen Gedie Absteifungsarbeiten am Montag Abend beendet worden sind. handlung unter Antlage ftellt, während der Koftstationsbeschluß danken, seine Rube unter einem der Wagen direkt zwischen Nur auf den Gallerien ist an einzelnen Stellen die Absperrung nur eine amtsrichterliche Verfügung sei und mit dem Strafen Schienen zu suchen. Von dem Geräusch der angeschobenen noch aufrecht erhalten, insofern dies die Reparatur der von der prozeß nichts zu thun habe. In einem gleichen Falle wurde agen erwachte er; schlaftrunken faßte er mit der einen Hand Feuerwehr eingeschlagenen oberen Lichtfenster erfordert. Die Aufräumungsarbeiten und die Abfuhr der verbrannten Waaren ürzlich eine ebenfalls deswegen konfiszirte Nummer bes unab- die Schiene fest, in demselben Augenblick machte der Wagen, lag, infolge infolge des Sozialist" wieber freigegeben. hängigen Organs werden noch nach ungefährer Schäßung etwa 8 Tage in Anspruch tonfiszirten Heften 3 und 5 ist die tonfistation über das erstere Bewegung und das Wagenrad ging ihm über die Hand. Innehmen, obwohl eine große Anzahl Arbeiter ständig mit dem an demselben Tage, an welchem Heft 8 beschlagnahmt wurde, stinktiv faßte der unglückliche Mann nun mit der anderen Hand Berlaben des Schuttes beschäftigt ist. Uebrigens ist bisher noch wieder aufgehoben worden. nach der Schiene, der Wagen machte aber eine furze Rückwärtsnicht bekannt geworden, daß die Wasserleitung in der Halle bewegung und auch die andere Hand wurde zerschmettert. Dem Bedauernswerthen haben an beiden Händen sämmtliche Binger bis auf die Daumen abgenommen werden müffen, er ist vollständig arbeitsunfähig geworden und bezieht eine lebenslängliche Rente. Für den Unfall wurde der Angeklagte verantwortlich gemacht. Es wurde ihm vorgeworfen, daß er die Verschiebungsarbeit nicht selbst vorgenommen, sondern einen dazu nicht befugten Weichensteller damit betraut habe. Dem Angeklagten und feinem Bertheidiger Dr. Grelling gelang aber der Nachweiß, daß bei dem umfangreichen Perrondienst, den der Angeflagte auf diesem verkehrsreichen Bahnhofe zu versehen hatte, " W Bon den infolge des Feuers fchabhaft geworden ist; die neuen Er In der Aunonce in der gestrigen Nummer bezüglich einer gänzungsrohre werden gelegt, bis dahin findet Absperrung des Versammlung, die im Schügenhause, Linienftr. 5, stattfinden und Waffers statt. Wie uns ferner mitgetheilt wird, haben die Ge- in welcher der Abg. Soffmann- Chemniz sprechen sollte, ist räthschaften der Feuerwehr, insbesondere aber die Schlauch- irrthümlich der erste statt des fünsten Wahlvereins gefekt leitungen infolge der enormen Hige start gelitten und find zu worden. Wir bitten unsere Leser, diesen Fehler au berichtigen. meift reparaturbedürftig geworden. Von den erkrankten Feuer dienstunfähig. geben. unter welchem er Anpralles Die eine er nur so handeln konnte, wie er gehandelt hat. Es wurde auch festgestellt, daß der Rangirer den Aufenthalt des Verunglückten unter dem Wagen nicht wahrnehmen konnte und so sprach denn der Gerichtshof den Angeklagten frei, indem er annahm, daß der Arbeiter Röhl das traurige Geschict, welches ihn betroffen, feiner eigenen wahnwißigen Idee zuzufchreiben habe. wehrleuten find auch jezt noch eine Anzahl wegen Augenleiden Herr Paul Zimmermann, Schreiber, Weinbergsweg 11a, erfucht uns um die Mittheilung, daß er mit dem im gestrigen Unter dem Titel„ Der Kampf gegen die Cholera in Gerichtstheil erwähnten Schreiber gleichen Namens nicht Berlin" veröffentlicht" der ärztliche Dezernent beim Bolizei- identisch ist. Präsidium, Regierungs- und Medizinalrath Dr. Wernich, in der Aufforderung! Der Rahmentischler M. Schabe, zuletzt von ihm redigirten Bierteljahrsschrift für gerichtliche Medizin" in Adlershof wohnhaft und in Berlin, Kottbuser Ufer 32 bei einen Rückblid auf die Abwehrmittel gegen bie Cholera während einen Rückblick auf die Abwehrmittel gegen bie Cholera während Kristan in Arbeit, wird aufgefordert, fofort seine jeßige Adresse des legten Sommers in Berlin. Aus dem Neuen, daß in dem des legten Sommers in Berlin. Aus dem Neuen, daß in dem Artikel geboten wird, ist u. a. die Mittheilung bemerkenswerth, bei einr. Bökert, Bertrauensmann, Bismarckstr. 51, abzudaß das Publikum seine Hauptbeihilfe in Nahrungsmittel Angelegenheiten bethätigte. Das Polizei Präsidium gab den Marktpreise in Berlin am 30. Januar, nach Ermitte- Auf versuchten Mord lautete die Anklage, welche gestern Revieren Anweisungen, denen die Mahnung hinzugefügt war, lungen des Polizeipräsidiums. Weizen per 100 Kg. guter von vor dem Schwurgericht des Landgerichts I gegen den daß sie nirgend Uebereifer gegen das Publikum oder die 16,00-15,50 W., mittlerer von 15,40-14,90., geringer von 25jährigen Schlächtergesellen Friedrich Malinski zur VerSausbefizer anwenden, feine Kleinlichen Differenzen herbei 14,80-14,30 2. Roggen per 100 kg. guter von 18,80-18,40 W., bandlung gelangte, Es war eine alltägliche Liebesgeschichte, führen und die befonnene Hilfeleistung als die erfte mittlerer von 18,30-18,00 Mt., geringerer von 12,90-12,50 m. welche ihren Abschluß im Gerichtssaale fand. Der Angeflagte der Pflichten ansehen sollten. In den Sanitätswachen war Tages- Gerste per 100 g. gute von 17,50-16,30 M., mittlere von arbeitete im vorigen Sommer bei dem Hof Schlächtermeister dienst mit ständig anwesenden Aerzten organifirt. 21 000. 16,20-15,10 m., geringe von 15,00-13,80. Safer per 100 Kg. Rietsch. Er lernte dort die unverebelichte Emilie Holz wurden den einzelnen Wachen in Beträgen von 1000-2500 m. guter von 15,80-15,10 m., mittlerer von 15,00-14,30., fennen, welche in demselben Geschäft als Bertäuferin angestellt überwiesen. Es sind im ganzen 1078 Fälle, in denen während geringer von 14,20-13,50., Stroh, Richt per 100 kg. von war. Es entspann sich ein Liebesverhältniß zwischen den jungen Der Zeit der Choleragefahr die Wachen in Anspruch genommen M. Heu per 100 Kilogr. von M. Erbsen Beuten. Sie versprachen gegenseitig, fich heirathen zu wollen, die Holz wurden und Hilfe leisteten; barunter waren jedoch nur 205 cholera per 100 Rg. von 40,00-25,00 Dt. Speisebohnen, weiße per bat aber den Angeklagten, das Verhältniß so lange geheim zu verdächtige und brechruhrartige Krankheitsfälle. Dirett vom 100 Kg. von 50,00-20,00. Linfen per 100 Kg. von 80,00 balten, bis sie sich das Jawort von ihren in der Provinz lebenBolizeipräsidium aus erfolgte die Anstellung von 12 Bivilärsten, bis 30,00 M. Kartoffeln per 100 Rg. von 7,00-4,50 M. Rind- den Eltern eingeholt haben würde. Im September wechselte der die den ärztlichen Dienst an den Bahnhöfen( Lehrter, Schlesischer, fleisch von der Reule per 1 Kg. von 1,60-1,20 m. Bauchfleisch Angeklagte seine Stellung und in diesem Monate sahen sich die Bahnhof Charlottenburg) und von zwei Sivilärzten, welche die per 1 Kg. von 1,80-0,90 S. Schweinefleisch per 1 Kg. von jungen Beute nur selten. Am 80. Oftober erhielt der Ange Schiffer- Revisionen an der Plögenseeschleuse 2c. übernahmen. Mit 1,50-1,10 M. Ralbfleisch per 1 Kg. von 1,60-0,90 m. Sammel- lagte von feiner Braut einen Brief, worin sie ihm kurz und den Aerzten wurde ein Vertrag abgeschlossen, wonach sie für Fleisch per 1 Rg. von 1,50-0,90. Butter per 1 Rg. von 2,80 bündig mittheilte, daß sie gezwungen sei, das Verlobniß mit ihm Dienstleistung während der Tagesstunden( 8 morgens bis bis 1,80. Gier per 60 Stück von 7,00-3,60 m. Fische per zu lösen; ihre Eltern hätten davon erfahren und wollten unter m. 10 Abends) 12 Mart, für Nachtwache( von 10 Abends bis 1 kg.: Karpfen von 2,40-1,20 m. Wale von 2,80-1,00 m. 8 Morgens). 20 Mart enthielten. Insgesammt wurden 83 Fälle Bander von 2,40-0,80 m. Hechte von 1,80-1,00 M. Barfche von Cholera asiatica flargestellt und behandelt, von denen 17 von 1,80-0,70 M. Schleie von 2,40-0,60 m. Bleie von 1,40 starben. Dr. Wernich betont den Nugen der Deffentlichkeit und bis 0,70 M. Krebse per 60 Stück von 9,00-2,00 M. erklärt, daß hier jebe Verschwiegenheit fich räche. Die Frage: Was soll in Zukunft geschehen?" beantwortet er zum Schlusse Polizeibericht. Am 30. v. M. Vormittags wurde auf folgendermaßen: Vor allem brauchen wir jedenfalls genau fo einem eingezäunten Grundstücke an der Fröbelstraße der am mie gegen böse oder ländergierige Nachbaren einen förmlichen 27. v. 9, aus dem Gefängniß in Summelsburg entlaffene Cholera Mobilmachungsplan, ber die erbrückenden Arbeiten auf Schneider Hustadt todt aufgefunden. Derselbe hat sich an der in der Wilhelmstraße gelegenen Filiale des Nietsch'schen Gealle tragfähigen Schultern vertheilt und so eine fyftematische scheinend auf dem Wege nach dem Asyl für Obdachlose, auf das Organisation an die Stelle zuckender, halbblinder, das Biel nicht erwähnte Grundstück begeben und ist dort erfroren.- Eine keinen Umständen ihre Ginwilligung geben. Sie schickte ihren Ring zurück und bat um Auswechselung desselben. Der Angeklagte gerieth durch diesen Sinneswechsel seiner Braut in große Erregung. Gr suchte eine Zusammenkunft mit ihr, wobei er drohte, sich erschießen zu wollen, wenn sie sich weigerte, das Verhältniß fortzusehen. Das Mädchen lachte ihn aus. Am folgenden Tage kaufte der Angeklagte fich einen geladenen Revolver. Er wußte, daß die Hols sich des Abends nach 5 Uhr von der Friedrichstraße nach schäftes begab. Am 2. November erwartete er sie zur angegebenen Beit an der Ede der Puttkamer- und Wilhelmstraße. Die Holz Vermischtes. fam diefes Weges um 51/2 Uhr. Der Angeklagte begrüßte sie in] Dann gab der Raffirer den Jahresbericht: fich die Einnahme auf 8881,52 Mart und die Ausgabe freundschaftlicher Weise und versuchte wiederum, sie in ihrem Die Einnahme betrug 42 251,37 m., die Ausgabe 26922,15 M., auf 8584,46 M. Unter den Einnahmen befinden sich 500 M. Entschluffe wankend zu machen. Die Holz wandte sich mit den mithin verblieb ein Vermögen von 15 329,22 M. Nachdem er Zuschuß der Hauptkasse; unter den Ausgaben 2000 m., welche Worten: Laß mich in Ruh', ich habe teine Zeit" zum Weiter- den Bericht in der ausführlichsten Weise spezialisiert hatte, bemerkte der Hauptkaffe zugesandt worden sind. Zu Beginn des vorigen gehen. Nun feuerte der Angeflagte drei Schüsse auf sie der Kassirer daß 9 Mitglieder im verflossenen Jahre gestorben sind; Jahres zählte die Kaffe in Charlottenburg 307, am Schluffe des ab. Einer traf sie in den Rücken, zwei gingen fehl. Die Holz ein unbedeutender Prozentsaz ausgeschieden, dagegen ist der Zuwachs Jahres 329 Mitglieder. Nachdem die Revisoren die Abrechnung fant zusammen. Der Angeklagte ging anscheinend ruhig in entfeit Neujahr sehr befriedigend, so daß die Kasse gegenwärtig 1277 Mit bestätigt hatten, wurde dem Kassirer Decharge ertheilt. Zum gegengesetzter Richtung davon. Während des Gehens hielt er sich glieder zählt. Nach erfolgtem Bericht des Ausschusses wurde dem Vor- Schluß richtete der. Borsitzende die Aufforderung an die Mitden Revolver gegen die Stirn und drückte ab. Dann richtete er Bremer Bürger- Zeitung", Bremen, Schlachte 35. glieder, bei etwaigen Unglücksfällen, für welche die Unfallversiche die Schußwaffe gegen den Mund, bevor er aber zum zweiten ftande Decharge ertheilt und dann zur Neuwahl des Vorstandes rung haftbar zu machen ist, sich in feiner Weise durch Zuwendung Male abzudrücken vermochte, wurde ihm der Revolver von einem geschritten. Gewählt wurden die Kollegen Albert Reßler zum leichterer Arbeit bethören zu lassen, in solcher Lage hätten die Vorübgehenden entriffen. Die Holtz hatte nur eine geringe Ver- Vorsitzenden, Gustav Bickert zum Stellvertreter, Karl Runge Mitglieder vielmehr ganz energisch ihre Rechte zu wahren, wenn legung erlitten, da die Kugel die Korsettstange getroffen zum Schriftführer, Gustav Grauer zum Stellvertreter und sie sich vor dauerndem Nachtheil hüten wollten. hatte und dadurch in ihrer Wirkung abgeschwächt August Kuhntte zum Kassirer wiedergewählt. In den Ausworden war. Der Angeklagte bekannte sich schuldig, schuß wurden gewählt die Kollegen Emil Buyer, Wilhelm wollte aber nicht von vornherein die Absicht gehabt Sothmann, Hermann Wolter, Wilhelm Freiberg und haben, die Holtz zu tödten. Er habe vielmehr die Absicht Friedrich Hamann. Nachdem wurde das Gehalt für den gehabt, sich selbst das Leben zu nehmen, habe diesen Enschluß auf Kassirer, die Entschädigung der übrigen Vorstandsmitglieder und freiem Felde zur Ausführung bringen, vorher aber noch den Ver- die Auslagen des Ausschusses besprochen und blieben die bis- Aus Halle, 31. Januar, wird berichtet: In Nietleben find fuch machen wollen, feine Braut umzustimmen. Als er so schroff herigen Bedingungen bestehen. Alsdann wurden dem Kassirer weder Neuerkrankungen noch Todesfälle an Cholera vorgekommen. abgewiesen wurde, sei ihm jede Selbstbeherrschung verloren ge- ein Mantogeld von 50 Mark und dem Schriftführer für Dagegen find in Kröllwitz bei Halle mehrere Mitglieder einer gangen und nur dunkel erinnere er sich der That. die Arbeiten der Statutenänderung eine Entschädigung von Die Beweisaufnahme war bald erledigt. Staatsanwalt 10 Mark bewilligt. Ferner wurde auf Antrag des Borstandes Familie erkrankt, bei einem Kranken ist bereits asiatische Cholera Stachow hielt auf Grund derselben die Anklage aufrecht, die derselbe ermächtigt, das Kaffenlokal verlegen zu fönnen, sobald festgestellt. Auch in diesem Falle handelt es sich um mißbräuchUeberlegung für erwiesen. Er warnte die Geschworenen, sich sich herausstellt, daß der Kassirer die ihm jezt erwachsenen Ur- liche Verwendung von Saalewaffer. Weitere Erkrankungen oder durch den Selbstmordversuch des Angektagten für denselben zur beiten in dem bisherigen Lofale nicht ausführen fann, per Breis Todesfälle werden aus dem Saalekreise nicht gemeldet. Milde stimmen zu lassen; es sei dies ein in letterer Zeit häufig hierfür wurde bis auf 20 M. monatlich festgesetzt. Die Versammlung angewandtes Mittel der Mörder, die Schwere des Verbrechens beschloß ferner, daß die Kasse der Vereinigung eingeschriebener werde dadurch aber keineswegs gemildert. Hilfstassen beizutreten hat. Es stehen den Mitgliedern die Aerzte diefer Vereinigung bis auf weiteres zur Verfügung. Eine Anregung, ob es zweckmäßig sei, Bahlstellen einzurichten, wurde dahin erledigt, daß der Vorstand diese Sache erft prüfen und der ( Depeschen des Bureau Herold.) nächsten Vierteljahrs- Versammlung Bericht erstatten soll. Nach dem der Fragekasten erledigt und das Protokoll dieser VerBreslau, 31. Januar. Die Theilnehmer an ber Bersamm fammlung genehmigt war, schloß der Vorsitzende die Versammlung der Arbeitslosen zogen heute Nachmittag um 5 Uhr ge Lung. schlossen auf den Ring, Hunger! rufend. Der Versuch ins Rath haus zu bringen, wurde vereitelt und die Menge zerstreut. Wien, 31. Januar. Nach der„ Neuen Freien Preffe wurden bei dem Sekretär eines Butarefter Hotels Briefe Artons gefunden, welcher vor zwei Wochen dort geweilt und sich den Nachforschungen der Pariser Polizisten entzogen habe. Der Vertheidiger, Justizrath Loos, suchte den Nachweis zu führen, daß die That ohne Ueberlegung begangen sei. In diesem Sinne lautete auch der Spruch der Geschworenen, worauf der Staatsanwalt wegen der nun vorliegenden versuchten Tödtung eine 3uchthausstrafe von zwei Jahren drei Monaten beantragte. Das Urtheil lautete nach diesem Antrage. Versammlungen. Depeschen. Brüssel, 31. Januar. Der Gemeinderath votirte 20000 Fr. am Mittwoch vom Minister des Innern empfangen werden. für die Arbeitslosen.- Eine Deputation von Arbeitslosen wird ( Wolff's Telegraphen- Bureau.) am Mittwoch vom Minister des Innern empfangen werden. Verbots und = Briefkaffen der Redaktion. In der am 25. Januar abgehaltenen ordentlichen General Versammlung des Vereins zur Regelung der gewerblichen Verhält nisse der Töpfer Berlins und Umgegend wurde zunächst vom erfien Vorsitzenden Bericht über die Thätigkeit des Vorstandes erstattet, welche, wie man anerkannte, eine bedeutend ersprießEine gut besuchte öffentliche Schneider- Versammlung lichere hätte sein fönnen, wenn der belanglose Streit über die tagte am 30. Januar. Auf der Tagesordnung stand die Er Form der Organisation nicht in jeder Versammlung den größten örterung der Frage: Gedenken wir zum Frühjahr Forderungen Theil der Zeit in Anspruch genommen hätte. Hieran schloß sich an die Unternehmer zu stellen und welche? Der Kollege August der Kassenbericht des Kollegen R. Topf, nach welchem für das Rondon, 31. Januar. Eine auf Tower- Hill heute Nach Täterom hob in seinem Referat hervor, daß infolge der Jahr 1892 an Einnahmen zu verzeichnen waren 9823,07 M. horrenden Abzüge, welche überall stattgefunden haben, unter den Dazu kam der Kassenbestand von 1891 mit 1584,05 m. mittag abgehaltene Versammlung von Arbeitslosen nahm eine Schneidern und Schneiderinnen allseitig das Verlangen zum Der Gesammtbetrag stellt sich mithin auf 11 407,12 m. Resolution an, in welcher die Entrüftung darüber ausgesprochen Ausdruck gebracht worden fei, energische Abwehr Ausgaben waren zu verzeichnen für Wanderunterstützung 362,80 M., wird, daß die liberale Regierung sich weigere, einen friedlichen Aufmaßregeln zu ergreifen. Die geringste Forderung, welche für Streitunterstützung, mit Ausnahme derselben beim Fenster- zug der Arbeitslosen zu geftatten; ferner werden in der Resoluan das Unternehmerthum zu stellen sei, sei die Errichtung von streit, 1309 M., für Kranken- und Extra- Unterſtüßung 1440,50 M., tion die Arbeiterverbände aufgefordert, baldigst einen MassenDie Arbeitslosen zogen hierauf Betriebswerkstätten. Im Einzelnen führte der Redner eine ganze für die Bibliothek 277,85 M., für Rechtsschutz 965,04 m., für aufzug zu veranstalten. Reihe von Firmen an, welche sich in Lohnabzügen hervorgethan Gehalt des Vorsitzenden 1753,44 M., für den Gesangverein in einer Stärke von etwa 2000 Mann trotz des polizeiArbeiterführer des Abrathens der haben. So soll die Firma Solms u. Gußfeld von den Arbeitern 307,69 M., für Inserate, Drucksachen und Abonnements 581,65 M., lichen ein Platzgeld für die eigenen Werkstätten erheben. Bei Faß für Agitation und Vorträge 702,63 M., Verschiedene Ausgaben von Tower Hill durch die City nach dem ParlamentsDie Polizei zerstreute die Manifeftanten und teffel u. Müntmann verbiete man den Arbeitern das Biertrinken. 299,82 M., für Vereins- und Schreibutensilien 74,30 M., Fahr- gebäude. Heider u. Jean Jacques hätten Abzüge gemacht, auch dort sei gelder und Unkosten des Hilfskassirers, sowie Porto des Vor- nahm mehrere Verhaftungen vor; es tam wiederholt zu einem das Biertrinken verboten worden. Lohnabzüge haben nach igenden und Kassirers und Versäumnißentschädigung 621,83 M., Handgemenge. Die Menge zog alsdann nach Trafalgar Square; dem Bericht des Genossen Täterow ferner stattgefür 4 Trauerfränze à 10 M.= 40 M. Im Ganzen mithin die Polizei verhinderte jedoch die Ansammlung auch dort. funden bei den Firmen M. Levin Un 8736,55 M. Die Bilanz stellt sich wie folgt: Einnahme und Koppel. genügende Werkstätten seien im Kaiserbazar, bei den Firmen 9823,07 M., Bestand vom 4. Quartal 1891 1584,05 M., Summa M., bleibt M., Ausgabe 8736,55 Bestand Hoffmann, Abraham, sowie bei Rudolf, woselbst das Lesen des 11 407,12 Fachorgans verboten sei. Bei Landsberger würden den Arbeitern, 2670,57 M. Nach erfolgter Entlastung des Kassirers wurde gleichviel, ob sie viel oder wenig Arbeit bekämen, jede Woche von dem Kollegen Richard Schulze über Rechtsschutz berichtet. 3 M. Plaggeld abgezogen. Auch sonst herrschten dort mancherlei In der demnächst erfolgten Neuwahl des Vorstandes wurde H. W., Nigdorf. Bitte uns die Statuten übermitteln und Mißstände. Ferner sei über das Waarenhaus für deutsche Be- zum Kassirer und Arbeitsvermittler der Kollege Richard Zopf amte und das Geschäft des Offiziervereins Klage geführt worden; gewählt; zum ersten Vorsitzenden Kollege Rich. Hagen, zum dann gelegentlich Mittags zwischen 12 und 1 vorsprechen zu desgl. über das Waarenhaus" Zum Prophet". Die Ausführungen zweiten Vorsitzenden Hugo David, zum zweiten Kassirer Heinr. wollen. Ohne genaue Kenntniß der Statuten ist die Frage undes Genossen Täterowo wurden zunächst von Schulz ergänzt. Hoffmann, zum ersten Schriftführer( Wiederwahl) W. Dau- möglich zu beantworten. 2. S. und B. 28. 100. 1. Sie müssen vertragsmäßig zahlen, Pfeifer gab der Versammlung ein Bild von der Lohndrückerei Dert, zum zweiten Schriftführer J. Ruprecht. Zu Beisigern in den sogenannten Lindengeschäften. Ferner forderte der Redner, wurden die Kollegen May Jacob, Georg Bolle und Otto sonst kann der Wirth sofort von der vertragsmäßigen Klause! daß in jedem Geschäft an zugänglicher Stelle ein Lohntarif aus- Riemer gewählt; zu Revisoren die Kollegen Ed. David, Gebrauch machen. 2. Der Hauswirth muß die Treppen, auch und G. Reuschel. Bur Rechtsschutz wenn das Gas gefroren ist, erleuchten: Petroleum, Spiritus, gehängt werde. Zum Schluß seiner Ausführungen tadelte der Aug. Karthun und G. Reuschel. Redner die Arbeitsverhältnisse bei der Firma Rückert. Frau Kommission wurde der Kollege Guft. Melzner hinzugewählt. Kerzen 2c. erhellen auch. 3. Den Anzug müssen Sie zahlen. C. Menz. P. ist nicht mehr in Berlin. Balm wies darauf hin, wie gerade im Schneidergewerbe die Die Statutenberathung wurde bis zur nächsten Bersammlung Carl Schröter, Schankwirth. Sie haben bei uns ein billige Arbeitskraft der Frau ausgebeutet wird. Timm erklärte, vertagt. Von einem Ausschluß des Kollegen Ebel wurde Abgenommen, da derselbe sich bereit erklärte, die Aktenstück liegen lassen. daß angesichts der berichteten Thatsachen Abhilfe geschafft werden stand Unbegreiflich fand man dagegen das Anonymus. Sie müssen sich an das Gericht behufs Feft. müffe. Es sei erklärlich, daß sich zur Vermeidung von Schuld abzutragen. Unbegreiflich fand vom Vor- fegung der Kosten wenden, erst auf Grund des Gerichtsbeschlusses Maßregelungen fein Kollege aus den einzelnen Werkstätten zum Nichterscheinen des Kollegen Babiel, welcher Wort gemeldet habe. Die Arbeitsverhältnisse bei den einzelnen stande durch eingeschriebenen Brief, sowie auch auf den können Sie einen Gerichtsvollzieher beauftragen. Ob der EheFirmen müßten daher im engeren Rahmen besprochen werden. Handzetteln eingeladen war, um sich über Verdächtigungen, mann haftet, ist eine bestrittene Frage. Jedenfalls müssen Sie Er empfehle daher, Adressen im Restaurant Freygang zu seinen welche er gegen den Vorstand in Umlauf gesetzt, zu verantworten. ihn nach fruchtloser Pfändung gegen die Frau erst verflagen. G. S. 93. Die Steuergeseßgebung ist wiederholt geändert; ( Zimm's) Händen niederzulegen. Nachdem Geborwsky die Der Ueberschuß vom letzten Vergnügen von 82,20 M. wurde der Hausarbeiter aufgefordert hatte, im entscheidenden Moment treu Vereinstasse überwiesen. Bewilligt wurden auf Antrag des welche Art Steuer meinen Sie? zur Sache zu stehen, richtete der Referent denselben Appell an Kollegen C. Thieme den gemaßregelten Bergarbeitern des die weiblichen Kollegen. Weiter empfahl Täterow, an einem Bochumer und Saar- Reviers je 150 M. und den ausständigen bestimmten Tage in den verschiedenen Stadttheilen vier Berliner Korbmachern 100 M.; außerdem sind denselben 100. öffentliche Schneiderversammlungen abzuhalten, in welchen leihweise übermittelt. die Meinung der gesammten Kollegenschaft zur Frage des Streits zum Ausdruck gebracht werden könne. Die Versamm lung nahm sodann einstimmig folgende Resolution an: Die Versammlung erkennt an, daß die Arbeitsverhältnisse in der Schneiderei in den letzten Jahren bedeutend herabgedrückt sind, und daß namentlich in der augenblicklichen Zeit wirthschaft lichen Niederganges die Lohnbrückerei einen Grad erreicht hat, der jeder Beschreibung spottet. Die Versammlung erklärt daher, daß es endlich an der Zeit ist, hiergegen energisch Front zu machen. Die Agitationstommiffion wird beauftragt, mit den Arbeitern aller Geschäfte wenn möglich zu fonferiren, die MißSobald ein Mitglied eine volle Woche krant ist und die stände zu ermitteln, deren Beseitigung zu fordern, und die weiteren Minimal- Krankenunterstützung von wöchentlich 6 Mark gezahlt ausführenden Schritte einzuleiten. Die Versammlung verspricht, die Konsequenz dieser Agitation tragen zu wollen, und nächigen wird, so ist es für den Monat, in welchen die Krankenwoche fällt, von seinem Beitrag befreit. Sollte die volle Krankenunter2., Charlottenburg. Nur der Grundstückseigenthümer falls die gestellten Forderungen mit einem Streit zu erkämpfen." stüßung( wöchentlich 9 Mark) gezahlt werden, so ist das Mitglied und die Gläubiger, nicht aber der Miether, hat im Fall gerichtUnter Verschiedenem wurde die Erneuerung der folgenden Resolution, welche bereits bei früherer Gelegenheit angenommen nach zwei vollen Krankenwochen von seinen Beiträgen während lichen Hausverkaufs das Recht auf vorzeitige Kündigung. Da der Dauer der Krankheit befreit. Um die Aufbringung der zur Agitation nothwendigen Kosten seinen Dank für die ihm gewährte Unterstützung ab. Die nächste Das Mitglied Karl Diener stattete der Versammlung hierauf diese nicht erfolgt ist, läuft der Vertrag weiter. . S. Die Spediteure müssen versichern. N. Scholz 34. Auf Ratenzahlungen braucht sich der zu ermöglichen, wird die Agitationskommission beauftragt, von Gläubiger nicht einzulaffen; verfuchen Sie im Wege der Güte Zeit zu Zeit Vergnügungen zu veranstalten, und den Ueberschuß Versammlung findet am 19. Februar statt. zu besagten Zwecken zu verwenden. Die bestehenden Vereine Die Freie Vereinigung der Zeitungs- Spediteure und sich mit ihm zu einigen, damit die Kosten nicht noch höher als haben diesem Rechnung zu tragen und nach Möglichkeit dahin Verkäufer hielt am 23. Januar ihre Generalversammlung ab. Das Streitobjekt werden. C. O. K. 2. 34. So lange die Armenunterstützung zu wirken, daß außer den Stiftungsfesten sämmtliche Bergnügungen nach Erledigung innerer Vereinsangelegenheiten wurde be- nicht zurückgezahlt wird, ist der Betreffende nicht wahlder Agitationskommission überlassen bleiben." schloffen, die Aufnahme eines neuen Mitgliedes, welches schrift nicht zurückgezahlt wird, lich um Aufnahme ersucht hatte, solange auszusehen, bis dasselbe berechtigt. Schüh. Verjährt ist die Forderung nicht; Sie find Die Kranken und Sterbekaffe der Berliner Hand- sich persönlich in einer der Versammlungen vorgestellt hat. diener( E. H. 61) hielt am 19. b. M. ihre erfte diesjährige bann verlas der Kassirer den Kassenbericht. Danach betrug die zur Rückgabe event. Ersatz des Fasses verpflichtet, wenn Sie dasGeneralversammlung ab, in welcher 128 Mitglieder anwesend waren. Nachden das Protokoll der letzten Versammlung geneh- Einnahme 485,29 M., die Ausgabe 226,62 m., es verbleibt fo- felbe benutzt oder hinter sich haben. N. 1000. Der Erfolg einer Beleidigungsflage wäre so migt, theilte der Vorsitzende mit, daß im letzten Vierteljahr vier mit ein Kassenbestand von 208,67 M. Bei der darauf folgenden Neuwahl des Vorstandes wurde Kollege Schäfer zum ersten Mitglieder gestorben sind, deren Andenken die Versammlung durch und Flörede zum zweiten Vorsitzenden, Zhiel zum ersten, zweifelhaft, daß wir abrathen. Erheben von den Pläßen ehrte. Ferner theilte der Vorsitzende mit, mera zum zweiten Schriftführer, Schönstein zum ersten, Berichtigung. In der Sonntagsnummer ist im Artikel daß das Statut von der Behörde genehmigt und den Mitgliedern, Schildt zum zweiten Kassirer wiedergewählt. Zu Revisoren" Die Gotteslästerung"( 2. Beilage Soziale Nebersicht") Zeile 6 soweit deren Wohnungen stimmen, zugestellt sei, die Beiträge wurden die Kollegen M. Schmidt und Kurz gewählt. Im von unten zu lesen" Stifter" anstatt" Richter". feien jetzt wöchentlich und zwar mit 40 Pf. zu entrichten, die verschiedenen wurde aufgefordert, recht rege für unsere am Rasse gewährt den Mitgliedern bei erwerbsunfähigen Kranten 12. Februar in den Arminhallen stattfindenden Maskenball zu außerdem ein Krankengeld von 10 M. pro Woche. Mitglieder, agitiren, da der Ueberschuß davon den ausgesperrten Bergarbeitern welche anderweitig schon Arzenei und ärztliche Behandlung überwiesen werden soll. Briefkaffen der Expedition. erhalten, bekommen einen Zuschuß von 5 M. also 15 M. pro In Charlottenburg tagte am 22. Januar eine Mitglieder- Für die Bergarbeiter gingen ferner ein: Woche; zu erwähnen ist jedoch, daß Einrichtungen, wie KrankenMänner- Gefangverein Liederlust" eine Wurst in Dahlem pflege- oder Bezirksvereine nicht berücksichtigt werden können, versammlung der Zentral- Krankenkasse der Maurer u. s. w. sondern daß nur gefeßlich vorgesehene Kassen in Betracht kommen. Grundstein zur Einigkeit. Zu Beginn der Versammlung richtete( Dominium) verauttionirt 12,60. Ro. Kr. Schl. 3,50. Rauchllub Die Mitglieder haben aber durch den Anschluß der Kasse an die der Vorsitzende an die Mitglieder die Aufforderung, sich genau Nanon II" 10,-. Gesammelt am Stammtisch StraußbergerVereinigung freier eingeschriebener Hilfstassen den Vortheil, daß über die Aenderungen zu informiren, die mit dem 1. Januar im straße 23 2,-. Fachverein der Tischler Berlins 150,-. Bon Vom Verein der auch den Familienangehörigen Preisermäßigung bei Arzt und Statut der Kasse erfolgt sind. Die Abrechnung ergab, daß im den Genoffen aus Hohenstein Ernstthal 20,-. Medizin gewährt wird, die Kasse hat ferner feinen Aerztezwang, 4. Quartal 1892 2707,35 M. eingenommen und 2410,29 M. aus: Steinhauer Berlins und Umgegend 14,75. Bon den Holzwürmern Bereits quittirt indem der Vereinigung über 150 Aerzte für Berlin zur Ver- gegeben sind, es betrug somit der baare Kassenbestand am Schluß des Westens 17,10 M. Summa 229,95 M. des Quartals 297,06 m. Im verflossenen Jahre stellte 8191,95 M.; in Summa 8421,90 m. fügung stehen. worden ist, von der Versammlung beschlossen: B. W. 88. 1. Wenn Sie vielleicht durch Schreib- Sachverständige den Beweis führen können, von wem die Postkarte geschrieben ist, so tönnen Sie gegen den Schreiber die Bes leidigungsklage erheben. Der Beweis ist aber sehr schwer zu Der Bauarbeiter- Verein der Rosenthaler Borstadt hielt führen; es empfiehlt sich deshalb wohl, die anonyme Rarte dahin zu werfen, wohin Lumpenfabrikate gehören, und dem oder der am 22. Januar eine Versammlung ab, in welcher zunächst die Schreiberin nicht das Vergnügen zu bereiten, ihren Zwed( Sie Abrechnung vom Oktober vorigen Jahres verlesen und für richtig zu fränten) erfüllt zu sehen. 2. In dem Prozeß wegen ber der Arbeitslosigkeit die Beiträge für die Monate November, De- ob er das Geld empfangen hat, abhängen, ob Sie abgewiesen befunden wurde. Es wurde sodann beschlossen, in Anbetracht 20 Mark würde es voraussichtlich von einem Eide Ihres Bruders, zember und Januar bis zum 10. April zu stunden. Der Arbeits- oder er verurtheilt wird. nachweis des Vereins befindet sich bei Märdtner, Ruppinerstr. 1, Georg 2, Lieberstraße. Ob die Waare vorschriftsmäßig Ecke Arkonaplatz. Folgender Antrag, welcher in der nächsten oder nicht, wird ein Sachverständiger auf grund der Vorlage Bersammlung distutirt werden soll, wurde dem Vorstand zur einer Probe unter Berücksichtigung der Vertragsvereinbarung in Ausarbeitung überwiesen: erster Reihe zu beurtheilen haben. Die Zurdispositionstellung erscheint rechtzeitig. Die Erhebung der Klage ist von viel that fächlichen Fragen abhängig, daher zweifelhaft. Johannes G. Die Frau haftet. fächlichen Fragen abhängig, daher zweifelhaft. So= Julius B. Leider nein. Berantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Druck und Berlag von Mag Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. "