Nr. 71. Abonnements- Bedingungen: bonnements. Breis pränumerando? Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus, Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. summer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost. bonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene ftolonel geile oder beren Raum 50 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. ..Kleine Hnzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für atvei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Abonnements- Einladung. Dienstag, den 24. März 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. sichert die Regierung das„ Majoritätsprinzip" gegen die zu- läßt mit Bestimmtheit voraussagen, daß Ungarn vor einer fünftigen Minoritäten der unpatriotischen Elemente". revolutionären Bewegung steht, in der der politische Kampf Die Regierung will ein Pluralwahlrecht mit des klassenbewußten Proletariats seinen Abschluß finden öffentlicher, gemeindeweiser Abstimmung muß. Welches immer die Machtmittel einer brutalen Arbeiter Berlins! In prächtigen Demonstrationen hat einführen. Nach der geplanten„ Reform" soll wohl jeder Regierung auch sein mögen, das organisierte Proletariat wird das Proletariat Preußens und an seiner Spike, wie es die des Lesens und Schreibens kundige Arbeiter das Wahl an der Spitze des gesamten Proletariats seinen Kampf siegPflicht gebot, die Arbeiterschaft Berlins, den unerschütter- zahlreichen Analphabeten sollen, wenn sie teine Steuerzahler Lehrers: Die Proletarier haben nichts zu verlieren als ihre recht bekommen, aber die unter den Nationalitäten besonders reich weiterführen, eingedenk der Worte unseres Meisters und lichen Willen kundgegeben, das gleiche politische Recht zu er- sind, auch weiterhin entrechtet bleiben. Die Mitglieder der Ketten, sie haben eine Welt zu gewinnen!" An der Opferringen und der Demokratie auch den Weg nach dem reaktionären herrschenden Klassen aber würden über zwei und drei willigkeit des Proletariats werden alle reaktionären GewaltPreußen zu bahnen! Aber der Forderung des Proletariats Stimmen verfügen. Zieht man nun noch in Be- maßregeln Schiffbruch erleiden. haben die herrschenden Klassen den frechen Hohn ihres Nie- tracht, daß die Regierung durch das öffentliche, gemals" entgegengestellt. Einen schweren und wichtigen Kampf meindeweise Wahlverfahren den Terrorismus der„ staatshaben wir zu kämpfen. Wenn wir aber stets kampfbereit sein wollen, müssen wir uns unterrichten über alle Phasen des Kampfes! Führerin in diesem Kampfe ist die Arbeiterpresse und vor allem das Blatt des Berliner Arbeiters, der Vorwärts". tiert für den ,, Vorwärts". " erhaltenden Elemente", der Pfaffen, Gemeindenotare Ein europäisches Ereignis. und Stuhlrichter aufrecht erhalten und durch eine kunstgerechte Nationalitätskandidaten unmöglich machen will, dann wird es nummer kommen Sie wiederholt auf die Rolle zurück, die Herr Wahlkreisgeometrie den Wahlsieg der sozialistischen oder Ein alter Parlamentsjournalist schreibt uns: In Ihrer Sonntagss nur zu sehr verständlich, wozu das frivole Spiel mit der Müller- Meiningen bei dem Streit der parlamentarischen Bericht Revision der Geschäftsordnung dienen soll. erstatter gespielt hat, den die bürgerliche Presse mit sattem Be Ungarn hat durch seine verspätete wirtschaftliche Ent- hagen als europäisches Ereignis" registriert. Hat Herr MüllerIhn zu lesen, wird jetzt doppelte Pflicht eines jeden, der wickelung noch heute feine flassenbewußte Bourgeoisie. Gleich- Meiningen in der Tat eine Aeußerung des Herrn Gröber, die dieser den Kampf der Arbeiterklasse mitkämpfen will, mitkämpfen zeitig mit der Bourgeoisie hat sich das industrielle Proletariat nur zu seiner nächsten Umgebung getan hat, für hetzerische Zwecke an der Abschüttelung der Dreiklassenwahl. In den nächsten entwickelt und in Gewerkschaften organisiert, die den wirt- der Journaliſtentribüne hinterbracht, so ist der ganze Lärm finnMonaten wird der Wahlrechtskampf des preußischen Prole- fchaftlichen Stampf gegen das Kapital aufgenommen haben. und zwecklos, wenn man nicht eine historisch bemerkenswerte Tattariats die Form des Wahlkampfes annehmen. Diesen Wahl- gierung Schutz gesucht und gefunden. Die Regierung hat die Male in ihrem Dasein ein„ europäisches Ereignis" herbeigeführt hat, Das bedrängte Kapital hat nun bei der agrar- feudalen Re- fache darin erblicken will, daß die freisinnige Partei zum ersten Kampf zu einer mächtigen Demonstration der Entrechteten zu Gelegenheit ausgenügt, um auf der einen Seite das gut zu und zwar auf dem Wege heimlichen Klatsches. inachen, zu zeigen, daß wir uns nicht einschüchtern und nicht machen, was sie auf der anderen Seite durch einseitigen Schutz Als zur Zeit des Sozialistengesetzes ein sozialdemokratischer terrorisieren lassen durch die Deffentlichkeit der Wahl, daß der und Unterstützung des feudalen Großgrundbesizes gegenüber Abgeordneter eine flammende, auch die bürgerliche Mehrheit fortpreußische Proletarier fein feiger Wicht ist, der seine Ge- dem industriellen und Handelskapital verbrochen hat. Die Zeche reißende Rede hielt, sagte Herr Bamberger zu seiner nächsten Um sinnung schnöde verleugnet, wenn die Mächtigen es berlangen, mußte freilich das Proletariat bezahlen. Der ganze feudale Ver- gebung in wehmütiger Resignation: Sie haben noch den Glauben. das wird nun die wichtigste und dringendste Aufgabe, die wir waltungsapparat des Ministers Andrassy wurde gegen die Diese Aeußerung gelangte in den Züricher Sozialdemokraten", in nächster Zeit erfüllen müssen. Damit diese Aufgabe aber Arbeiterorganisationen losgelassen, die Gewerkschaften teilweise worauf sich in der freisinnigen Presse ein fürchterliches Geheul ergeleistet werden kann, mußieder Arbeiter zum Wer- suspendiert, teilweise aufgelöst, Versammlungen nicht ge- hob über die pöbelhafte unanständigkeit"," private Aeußerungen ber und Agitator für die Arbeitersache, für nehmigt, die Arbeiterpresse durch die unabhängigen" Gerichte von Reichstagsabgeordneten" zu„ belauschen" und in die Deffentlichdie Arbeiterpresse werden. Darum werbt und agi- gesprochen agrarischen Charakters, die Bourgeoisie auf ihre eine politische Aeußerung, die ihren Urheber selbst in gar kein verfolgt! So gelang es der Regierung, trotz ihres aus- feit zu tragen. Nun war die Aeußerung Bambergers immerhin Seite zu bringen! schlechtes Licht stellte, denn sie zeigte, daß Herr Bamberger den Es ist aber noch ein anderer Umstand, dem wir es zu- Mahnungen seines ehemals demokratischen Gewissens nicht ganz unJe kräftiger die Unterstügung, desto wuchtiger die Waffe. politische Rechte auf den Beistand der übrigen Klassen Sozialdemokraten" eine„ pöbelhafte Unanständigkeit" war, wie soll schreiben müssen, daß das Proletariat in seinem Stampfe um zugänglich war. Allein wenn ihre Verbreitung durch den Züricher In ihrem Kampfe um das Recht der Arbeiter steht die nicht rechnen darf. Die Regierung hat es verstanden, man dann, an diesem freisinnigen Maßstabe gemeffen, das Verfahren Arbeiterschaft allein. Nur auf die eigene Kraft kann sie sich durch die Vereitelung des selbständigen ungarischen Zoll- des Herrn Müller- Meiningen nennen? verlassen. Verrat an der eigenen Sache begeht deshalb jeder, gebietes- einer alten Forderung der Kossuth- Partei!-den Die Journalistentribüne hätte darum auch am flügsten daran geder statt der Arbeiterpresse die bürgerliche agrarischen Charakter des Landes zu wahren, andernteils tan, dem Klätscher die Tür zu weisen. Ich weiß nicht, ob sie jetzt Presse unterstützt. Gerade jetzt hat sich die völlige aber hat sie sich mit den Millionen von Subventionen, die so viel frommer geworden ist, aber vor einigen Jahrzehnten pflegten politische Korruption der bürgerlichen Parteien völlig offen- zum 3mede der Industriebeförderung" votiert wurden, die wir jungen Kerle, wenn uns ein endloses Gerede des Herrn Eduard bart; in einem schmählichen Prinzipienverrat, in der Schaf- industrielle Kapitaliſtentlasse dienstbar gemacht. Wenn wir Laster oder des Herrn Eugen Richter daran hinderte, rechtzeitig zum fung eines Ausnahmegesetzes gegen die fremdsprachlichen dann noch an die zahlreichen Interessenbande denken, die die Abendschoppen zu kommen, also aus einem immerhin nicht dringlichen fung eines Ausnahmegesetzes gegen die fremdsprachlichen Kleinhändler, Kleingewerbetreibenden und Intellektuellen an Anlaß, Schmeicheleien an die Urheber unserer Durstigkeit zu richten, Staatsbürger, der Verschlechterung des Koalitionsrechtes, in die herrschenden Schichten stellen, müssen wir es nur zu be- die sich mit den schwäbisch- derben„ Saubengels" wohl messen konnten. der Ausnahmebestimmung gegen die Jugendlichen ist der greiflich finden, daß das kämpfende Proletariat sich einer Hätte uns deshalb irgend ein Klatschmaul bei den also gekränkten deutsche Freisinn verendet. Wollt Ihr da das politische Leben kompatten Reaktion gegenüber befindet. Ehrenmännern denunziert, so trauen wir ihnen noch im Grabe gern dieser Partei noch künstlich verlängern, indem ihr noch länger Der Druck der politischen Entrechtung, die brutale Ver- zu, daß sie deshalb noch nicht mit dem elenden Angeber fraternisiert ihre Presse unterstützt? folgung der Koalitionsfreiheit und die wirtschaftliche Depression, hätten. die einen Teil der Arbeiterschaft von der Werkstätte auf die So viel über Herrn Müller- Meiningen! Steht die Sache aber so, Straße versetzte, sind die Ursachen, weshalb der politische daß Herr Gröber in abfichtlich kränkender Weise die„ Saubengels" Kampf des Proletariats, nachdem dasselbe die schmählichen zur Tribüne hinaufgeschleudert hat, so ist der Streit der JournalistenPläne der Regierung kennen gelernt hatte, immer schärfere tribüne vollkommen gerechtfertigt. Wir haben dann alle Sympathie Formen annimmt. Der Optimismus eines Teils der Arbeiter- dafür und bedauern im Interesse der Streifenden nur, daß sie sich schaft, die„ nationale" Regierung werde ihr ihrem Versprechen ein wenig spät auf ihre Ehre und Würde befinnen, daß sich ihnen gemäß Recht gewähren", hat schon lange an Boden verloren eine Gesellschaft anhängt, in der wir sie ungern sehen, und und die Massen ergreift immer mehr jene dumpfe Unzufrieden- namentlich auch, daß ihre gerechte Sache für sehr ungerechte Zwecke heit, die revolutionären Aktionen voranzugehen pflegt. So ausgebeutet wird. gewinnt die zielbewußte Aftion des organisierten Mag man Herrn Gröbers„ Saubengels" so schwer einschätzen, Proletariats immer mehr an Bedeutung, je mehr das ganze wie man will, so ist das geflügelte Wort doch ein Kinderspiel gegen Proletariat die unteren Schichten des Kleinbürgertums das, was sich die Journaliſtentribüne sonst hat bieten lassen. mit inbegriffen sich der Haltlosigkeit der bestehenden Zu- Als Bismard im Jahre 1874 den Gebrauch von Operngudern auf stände bewußt wird und den Weg sucht, diese abzuschaffen. ihr verbot, aus Angst, daß ihm in seine Aften geblickt werden Der Wahlrechtskampf des ungarischen Proletariats ist in Nur durch diese führende Rolle des organisierten Proletariats fönnte, wurde sie in unverschämtester Weise beleidigt, aber der ein neues, entscheidendes Stadium getreten. Die Regierung fönnen wir uns die Größe seines politischen Einflusses er- Versuch, den unser verstorbener Genosse Leopold Jacoby und der hat die Absicht, die Arbeiterschaft mit ihrer Wahlreform flären, die weit über ihre zahlenmäßige Größe hinausragt. Schreiber dieser Zeilen machten, fie deshalb zu einem Streit zu schmählich zu hintergehen und nur das opferfreudige Auf- Je flarer die voltsfeindliche Tendenz der Regierung an veranlassen, erstickte an allgemeinem Hohngelächter über eine so zeittreten des Proletariats wird imstande sein, das geplante den Tag tritt, um so entschiedener ist der Widerstand, auf den widrige Zumutung. Insofern macht es einen nicht ganz unbedenkAttentat zu verhindern. fie beim Proletariat stoßen muß. Am 8. März hat die erregte lichen Eindruck, daß der erste Versuch der Journalistentribüne, fich Hinaus mit der bürgerlichen Presse aus dem Heim des Arbeiters! Jedem Arbeiter, jeder Arbeiterfrau, die noch abseits steht, bringet den Satz zum Bewußtsein: In das Hans des Berliner Arbeiters gehört nur ,, Vorwärts". ein Blatt, der Der Wahlrechtskampf in Ungarn. Aus Budapest wird uns geschrieben: Die in der Regierungskoalition vereinigten Parteien Arbeiterschaft Demonstrationen arrangiert, die sich an den zu ermannen, jezt an dem Mitgliede einer Partei gemacht wird, auf haben zwar unter dem Druck der Verhältnisse das allgemeine folgenden Tagen wiederholt und am 13. März in den Straßen die augenblicklich die ganze Blockbrüderschaft loshackt und der Wahlrecht in ihr Programm aufgenommen und die Regierung Budapests einen ganz revolutionären Charakter angenommen namentlich die hochwohllöbliche Regierung von Herzen einen Dent die Verpflichtung übernommen, es schleunig zu verwirklichen, haben. Das entschiedene Auftreten der Arbeiterschaft hat denn gettel gönnt. aber sowohl die Parteien, als auch die Regierung haben ihr auch die Regierung veranlaßt, entschiedene" Maßregeln zu Immerhin kann darauf die Journalistentribüne erwidern: Was Möglichstes geleistet, um die sogenannte„ Uebergangszeit" ergreifen. Der Minister des Innern, Graf Andrassy, der können wir dafür, daß gerade ein ultramontaner Abgeordneter uns ihres Regimes zu verlängern und die Wahlreform zu ver- rücksichtslose Verfechter feudaler Klasseninteressen, hat am befchimpft hat? Dieser Einwand ist auch vollkommen zutreffend. citeln. 14. März, am Vortage des nationalen Freiheits" festes unter Aber eine etwas größere Reserve gegen unwillkommene BundesJedoch die Galgenfrist ist abgelaufen und die brennende stürmischem Jubel des ganzen Hauses erklärt, er werde selbst genossen könnte sie sich wohl auferlegen. Wenn sie in ihren täglichen Frage der Wahlreform muß gelöst werden. Um mun aber vor Blutbergießen nicht zurückschrecken und auch zur Schlachtenbulletins mit besonderem Wohlgefallen hervorhebt, daß Herrin sowohl der Wahlreform als auch des zukünftigen Auflösung der Gewerkschaften schreiten. Budapest wurde tat auch die Telegraphenbureaus und die Zeitungsblätter, die im Dienste Barlaments zu sein, hat die Regierung, die aus der Ob- sächlich in den Belagerungszustand versetzt und die Herrschaft der Regierung stehen, ihren Streit unterstützen, so muß sie sich doch struktion gegen die Tiszasche Hausordnungsrevision hervor- des Polizeifäbels proklamiert. flar darüber sein, daß diese Unterstützung nicht irgend einem Interesse gegangen ist, einen Entwurf zur Abänderung der Geschäfts- Es ist aber sehr kurzsichtig, zu glauben, daß eine not- für die„ Ehre und Würde" der Presse entspringt, die ja tagtäglich ordnung eingebracht, durch die jede Obstruktion in Zukunft un- wendige geschichtliche Entwickelung durch die Hufe der Polizei- von den Organen der Regierung mit Füßen getreten wird, sondern möglich werden soll. Durch dieses Manöver bezweckt die Re- pferde aufgehalten werden kann. Die Zahl der jährlichen allein dem Wunsche, dem Zentrum eins auszuwischen. Wir haben gierung zweierlei: erstens wird sie in die Lage versett, Auswanderer, die sich auf 250 000-300 000 beläuft, ist das sicherlich nichts für das Zentrum übrig, also für Herrn Gröber oder ihre Wahlreform gegen den Widerstand der Sozialisten und beste Symptom der Haltlosigkeit der bestehenden Zustände. gar Herrn Erzberger, der ein abschreckender Typus von parlamen Nationalitäten in fürzester Zeit durchzupeitschen; die Arbeiter- Amerika schickt die Auswanderer zurück und sperrt seine tarischem Kretinismus und reporterhafter Geschäftemacherei ist, aber schaft, die entschlossen ist, wenn es sein muß, zu der Waffe Grenzen. Die wirtschaftliche Strife wirft einen großen Teil der selbst dieser Gesellschaft gegenüber können wir nicht ganz das des politischen Massenstreis zu greifen, soll vor Arbeiterschaft auf die Straßen, in Budapest hat das immer zeitgemäß umgemodelte Wort Leffings bergeffen: Auf wen eine vollendete Zatsache gestellt werden. Anderseits aber wachsende Elend bereits den Hungertyphus erzeugt. Al' dies Bülows Zeitungsgeschwister losschlägt, der hat vor uns Frieden Oder ein ander Beispiel! Die SchlachtenbulletinS der Jour- nalistentribüne melden preislichst, der Verein Berliner Presse unter- stütze ihren Streik und wolle sogar, wenn auch noch keinen seiner servilen Lakaienbälle, so doch eine„Extrasitzung" dem Falle widmen. Dieser BnndeSgenossenschaft sollten sich die Streikenden auch nicht gerade rühmen. Denn jener biedere Verein hat mit seinem gewerbs- mäßigen Almosenheischen bei mehr oder minder berühmten Mimen, mit seiner Sanktion von Preßbeteiligungen in den Fällen Schweitzer und Stephany und anderen Dingen, mehr die„Ehre und Würde" der Presse mehr geschädigt, als sämtliche Schimpfwörter der deutschen Sprache sie schädigen könnten, selbst wenn sie mit voller Zentrumslungenkrast auf sie geschleudert werden. Genug dieser Beispiele, die wohl schon zur Genüge zeigen, daß der gerechte Streik der Journalistentribüne von einer sehr zweifel- haften Bundesgenossenschaft für sehr ungerechte Zwecke aus- gebeutet werden kann und auch schon ausgebeutet wird. Die freisinnige Presse tobt nicht umsonst wie besessen für die„Ehre und Würde der Presse", sie will damit den infamen Verrat vergessen machen, den sie eben in Sachen des Reichsvereinsgesetzes begeht. Hiergegen sich beizeiten zu verwahren, ist unseres Erachtens für die Arbeiterpresse umso nötiger, je mehr auch sie verpflichtet ist, den Streik der Journalistentribüne, soweit er in der Tat einem Bewußt- sein für Ehre und Würde der Presse entspringt, an ihrem Teile zu unterstützen. Es ist ein recht bescheidener Anfang, gewiß, aber gut Ding will Weile haben, und wenn die bürgerliche Presse endlich von ihrer feigen Knechtscligkeit gegen die unterdrückenden und ihrer feigen Verlogenheit gegen die unterdrückten Klaflen ablasien will, so soll es ihr an unserem kundigen Rat und unserer wohlwollenden Unter- stllhung nicht fehlen. Allein loenn ein noch recht schüchterner Aus- nahmefall— denn schließlich wiegt das„europäische Ereignis" an wirklicher Bedeutung für menschliche Kultur nicht den kleinsten Streik auf. den hungernde Proletarier gegen entwürdigende Behandlung kämpfen—, benutzt werden soll, die schmähliche Regel zu bestätigen, so muß hier von vornherein eine klare und scharfe Grenzlinie gc zogen werden.. Die„ehelichen Anwälte der(Polen". Die Kunst des Beschönigens steht augenblicklich beim Blockfreisinn in hoher Schätzung. Gewiegte Schminkkünstler, die es verstehen, „verblühten" Gesichtern jugendliche Frische zu verleihen, finden in der freisinnigen Presse zurzeit lohnende Beschäftigung. Es gilt zu beweisen, daß der Freisinn die Vereins- und Versammlungsfreiheit nicht verraten hat, wie böswillige Leute behaupten, sondern daß er sie im Gegenteil tapfer verteidigt hat; daß er die Polen nicht unter- drücken hilft, sondern daß er der ehrliche Anwalt der Polen ist. Diesen Ton hat bekanntlich Staatsmann v. Payer angeschlagen. Ihm pfeifen nun die anderen Staatsmänner, so in der Presse des entschiedenen Liberalismus sitzen, gelehrig nach. U. a. auch der sehr freisinnige Dr. Oehlke der ebenso freisinnigen„BreSl. Ztg." Er redet ein Langes und Breites über die Unfruchtbarkeit des prinzipiellen Stand Punkts in der geschwollenen Manier des Lakaien, der einmal mit- reden darf. Die Zulassung der Jugendlichen zu Vereinen und Ver- sammlungen hält er für eine„sehr untergeordnete Frage". Daß infolge der Zurückweichung des Freisinns die schulentlassene Jugend den Einwirkungen der reaktionären Parteien ausgeliefert wird, deren religiös-hurrapatriotische Jugetidvereine natürlich von den Bestimmungen des Vereinsgesetzes nicht getroffen werden, daß eine organisierte Gegenwirkung wider diese Vereine stark erschwert wird, das sieht Herr Oehlke nicht oder will er nicht sehen. Und dann fährt der ehrliche Anwalt deS UmfalleS und der dO prozentigen Eni rechtung fort: »Hinsichtlich deS Sprachenparagraphs aber sind wir taffächlich die ehrlichen Anwälte der Polen gewesen. Wir haben im Reichstage zu retten gesucht, was an Freiheit für sie zu retten war, und was sie sicher verloren hätten, wenn die ganze Materie aus- schließlich im Landtag zur Entscheidung gekommen wäre." Indes hält die Pose des ehrlichen Polenanwalts nicht lange vor. Herr Dr. Oehlke hat anscheinend empsimden, daß die Beteuerung der polenfreundlichen Gründe deS UmfallS nicht allzu- viel Kredit finden und ärgerlich darob fällt er aus der Rolle und beginnt wütend auf die Polen loszuhauen, die die Mißhandlung durch die preußische Reaktion nicht mit der sanftmütigen Ergebung, nicht mit der„Würde" hin genommen haben, mit der ein loyaler deutscher Freisinn alle- zeit die Fußtritte der preußischen Jnnkcrkaste quittiert hat. „Steht uns das Jntereffe unserer deutschen Reichsbürger nicht doch näher, als daS des ewig gegen den Staat frondierendeu PolentumS?" fragt der freisinnige Mann, der längst vergessen hat. daß er nicht wegen der Verletzung polnischer Interessen, sondern Wegen Verletzung eines freisinnigen Grundsatzes angeklagt ist. Ja, es ist allerdings wahr, die preußische Polenpolitik hat die Polen stark gereizt— aber die Polen haben in der Abwehr doch die Würde und Besonnenheit vermissen lassen, sie haben sich erlaubt, zu hassen und in den Aeutzerungen ihres Hasses temperamentvoll über die Stränge zu schlagen, sie haben auf die Provokation der Hakatisten mit ebensolchen Provokationen geantwortet, sie haben in ihrem Kampfe dem Deutschtum nicht immer objektiv Gerechtigkeit wider- fahren lassen k Kurz, sie sind sehr schlechte Gesellen, denen es eigentlich gar nicht übel genug gehen kann, für die ein deutscher Freisinn gar keine Veranlassung hat, seinen Sitz am äußersten Ende der Regierungsbank zu riskieren. Ja, wenn die Polen loyale preußische Staatsbürger wären, dann würde der Freisinn sie mit Löwenmut zu verteidigen bereit gewesen sein— zumal es dann gar nicht notwendig gewesen wäre. Man sieht, der Blockfreisinn hat nicht mehr weit zum HakatiS- muS. Wenn die Blockpolitik noch einige Zeit dauert und ein ähn- licher Happen wie die Börsenreform den Staatsmännern an die Nase gehängt wird, die die Unfruchtbarkeit als prinzipiellen Stand- punkt angesehen haben, so nimmt der Freisinn schließlich auch noch den HakatismuS an— mindestens zu 40 Prozent. In der Wüste predigen die wenigen, die den Umfall verdammen. Resigniert schreibt v. Gerlach in der„Welt am Montag": „Eins schien bisher für den deutschen Liberalismus fest- zustehen: der Grundsatz des gleichen Rechtes für alle. Liberale, die für Ausnahmegesetze sind, gab es nicht, abgesehen von Nationalliberalcn natürlich, die ja längst konservativ geworden sind. Jetzt hat der Liberalismus sich selbst aufgegeben. Die Kon- servativen können jubeln. Wer die Polen unter Ausnahme- gesetze stellt, soll die Sozialdemokraten davon verschonen? Die Antisemiten können triumphieren: es ist erreicht! Wer die Polen ob ihrer Rasse entrechtet, wie soll der grundsätzlich einem Antijudengesetze opponieren?" Und voll grimmer Satire, aber wenig kampflustig sagt der demokratische„Nürnberger Anzeiger": „Am Schicksalstagc des 18. März 1908 starb der deutschen Demokratie politisch ein Mann, der bislang vielen als ihr Führer gegolten: Friedrich Ritter v. Payer. Er war einer von denen, die schon die Nähe der Macht nicht vertragen konnten. Mag er weiter mit Seiner Eitelkeit, dem viclbeheimateten Herrn Müller, bei Fürst Bülow dinieren,»nag er sich immerzu als »Staatsmann" betätigen, für die deutsche bürgerliche Demokratie, der er das Odium deS nacktesten Prinzipienverrats aufgeladen hat. ist er nicht mehr, darf er nicht mehr sein!" Indes ist gerade aus Nürnberg ein Kampfruf ergangen. Der Gesamtausschuß des demokratischen Vereins zu Nürnberg hat folgende Resolution gefaßt: „Der Ausschuß nimnit mit Entrüstung Kenntnis von der Haltung der demokratischen Fraktion des Reichstages in der Sprachenfrage des Rcichsvereinsgesetzes. Der Ausschuß beantragt: 1. Beim Parteivorstand in Karlsruhe die unverzügliche Einberufung eines außerordentlichen Partei- tagcs der deutschen Volkspartei behufs Stellung- nähme zur Haltung der demokratischen Fraktion im Reichstage. 2. Beim engeren Landcsausschuß der deutschen Volkspartei in Bayern iMünchen) die Einberufung einer außcrordent- lichen Landcsversammlung, um über den Austritt der bayerischen Organisation aus der Gesamt- Partei zu beschließen, falls die Reichstagssraktion ihre Stellungnahme in Sachen des Sprachenparagraphen nicht ändert. Was wird dabei herauskommen? Wir vermögen leider an einen Erfolg der Nürnberger Demokraten nicht mehr zu glauben Das„Berliner Tageblatt", das den Umfall nicht verteidigt, hofft auf eine Verständigung zwischen Fraktion und Parteiorgan» sation. Auf eine Verständigung— nicht auf eine Unterwerfung der Fraktion( Politilcbs ücbcrlicbt. Berlin, den 23. März 1908. Kleinkram im Dreiklafsenhause. Während der Reichstag unter Ausschluß der Oeffei»tlichkeit sich gestern über auswärtige Politik unterhielt, verhandelte das spärlich besetzte Abgeordnetenhaus über Ouellenfchutz und Hebammentaxe Das von der Regierung vorgelegte Qucllenschutzgesetz wurde von Zentrums- und FrcisinnSrednern als Eingangspforte zun» ZukunftS staat denunziert, Ivcil es gewisse EnteignuirgSvorfchriften enthält. In der Tat stattet cS die Öuellenbcsitzer mit allerhand Privilegien aus, die für Vertreter des Proletariats unannehmbar sein würden, wenn solche im Gcldsacksparlament säßen. Der nationalliberale Abgeordnete L u s e n S k y riskierte den faulen Witz, daß das Gesetz am meisten in Hessen-Nassau begrüßt werde, weil eS nämlich für Heffen-Nassau keine Geltung haben soll. Nachdem daS Ouellenschutzgefetz glücklich unter Dach und Fach gebracht worden war, verwandelte sich das ganze HauS in einen hcba»»»menfreundlichen Block und dosierte eine Vorlage, die den Hebammen direkt kleine Verbesserungen ihrer Lage bringen soll. Bei dieser Gelegenheit war es, daß Müller- Sagau- Berlin unter Hinblick auf die schwache Besetzung des Hauses mit zumeist recht bejahrten Herren sich den Scherz leistete: die Sache scheine ja nur Großväter zu interessieren. Schließlich kam noch ein freisinniger Antrag an die Reihe, der ein paar modern misfchauende Flicken auf die urreaksionäre und hochagrarische sogenannte Kreisordnung heften will. Prompt diente ein Konservativer seinen Blockbrüdern mit einem Gegenantrag, der vielmehr den agrarischen Charakter der Kreisordnung, dieser Selbst verwaltungskarikasiir. noch mehr festlegen soll. Beide Anträge »vanderten an eine Kommission, worauf sich da« Haus verlief, um sich für die bevorstehende Lesung der Sekundärbahnvorlage zu stärken. Vom Journnlistenstreik im Reichstage. Der Verein Arbeiterpresse hat durch seinen Vor stand an die Journalisten der Rcichstagstribüne folgenden Brief gerichtet: „Der unterzeichnete Vorstand deS Vereins Arbeiterpresse be glückwünscht die Pressevertreter auf der Tribüne des Reichstages zu ihrer energischen Abwehr ungerechtfertigter und beleidigender Angriffe und wünscht ihnen vollen Erfolg in ihrem Kampfe. (gez.) Emanuel Wurm, Heinrich Schulz. Robert Schmidt, Max Grunwald, HanS Block." Trotz des einmütigen Zusammenhaltens und der störungsfreien Solidarität der deutschen Journalisten aller Partei- richtungen hat sich an der Situasion im Reichstage nicht das geringste geändert. Der Abg. Gröber bleibt bei seinem un anständigen Verhalten, die einmal ausgestoßene und bekannt gewordene Beleidigung nicht zurückzunehmen, Müller Meiningen veranstaltet eine verzweifelte Hetzjagd auf alle bürgerlichen Journalisten von Einfluß, um ihnen zu erklären, daß er aufgeregt, sonst aber ein warmer Freund der Presse sei, und der Präsident Graf S t o l b e r g gleicht andauernd dem Greise auf dem Dache, der sich nicht zu helfen weiß, macht heute Vermittelungsvorschläge, um sie morgen wieder Herr Gröber nicht will, zieht ab- Muadan. Kröcher, Normann und zu Rate und kommt zu keinem begann der Reichstag heute die deS Auswärtigen Amtes, und um Stunde nervös auf seinem wem er eher zu Gefallen sein sollte, dem unfähigen Reichstagspräsidium oder der Presse. Schließ- lich winkte er aber, zum Reden aufgefordert, mit verzweifeltem Achselzucken ab, und so ist denn die Welt um die glänzende Chance gekommen, das Bülowsche Geschwätz einmal nicht zur Kenntnis nehmen zu brauchen. Die Situasion bleibt also völlig ungeklärt, die Aussichten auf eine Einigung werden durch die lange Zeitdauer, die inzwischen verstrichen ist. nicht besser. Es läge im dringenden Interesse der deutschen Volksvertretung, die verfassungs- niäßig garantierte Oeffentlichkeit der Verhandlungen wieder herzustellen.—_ zurückzunehmen, weil wechselnd Bassermann, Rogalla v. Bieberstein Entschluß. Inzwischen Beratung des Etats Bülow saß Stunde Platze und wußte nicht, Der blamorene Europäer. err Müller- Meiningen bestreitet in einer Zuschrift an i>ie Presse, daß er das Gröbersche Schimpfwort der Presse „denunziert" habe. Nach einer Mitteilung der Tribünen- Journalisten des Reichstags stellte jedoch der Journalist, der mit Herrn Müller-Meiningen während der fraglichen gesprochen hatte, fest, daß er erst durch er-Meiningen erfahren habe, daß Gröber den Ausdruck„Saubengels" gebraucht habe. Nur habe Herr Müller die Mitteilung nicht am Anfang des Gespräches gemacht, sondern erst am S ch l u ß. als er„ans dem Spnmge gewesen" sei, in den Sitzungssaal zurück- zukehren. Durch diesen Journalisten erhielt dessen Kollegen- chaft von der Aeußerung Gröbers also überhaupt erst kennwis l Wenn Herr Müller-Meiningen bestreitet, daß er Herrn Gröber habe denunzieren wollen, o mag die A b s i ch t auf sich beruhen. Die Tatsache der Denunziation steht jedenfalls fest l Ebenso die Tatsache, daß es Herr Müller-Meiningen war. der die Entrüstung des Zentrums er st auf die Journalisten- tribüne ablenkte und"dadurch Gröbers Bemerkung irovozierte. Schließlich erklärte der betreffende Journalist, der das Gespräch mtt Herrn Müller-Meiningen gepflogen hatte, daß er Herrn Müller in keiner Weise Ursache gegeben habe, sich, wie er daS nachher tat. gewissermaßen im Auftrage der Gesamtheit der Journalisten über die Ungehörigkeit eines einzelnen von ihnen zu entrüsten. Nicht Herr Gröber ist also bei der ganzen Affäre der blamorene Europäer, sondern Herr Müller-Meiningen! Sozialisten in der bürgerlichen Presse. Wie die vorletzte Nummer der„Sozialistischen Monatshefte", findet auch die letzte Nummer(Heft 6 des Jahrg. 1908) in der Prcffc der bürgerlichen Parteien große Anerkennung. Besonder- erfreut sich ein„W a h l r e ch t s k a m p f und W a h l k a m p f" b:- titelter Artikel Richard Calwers, in dem die„Klassenkampftaktil" bei den preußischen Landtagswahlen verworfen und unserer Park: die unbedingte Unterstützung der sich für ein„freies Wahl- recht" erklärenden bürgerlichen Kandidaten empfohlen wird, viel- seitiger Zustimmung. Zitiert werden in den bürgerlichen Blättern meist folgende Sätze: Es handelt sich vielmehr darum, ob wir einen langwierigen Weg zur Erreichung eines freien Wahlrechts zum preußischen Abgeordnetenhausc nicht scheuen wollen, nachdcin man erkannt bat, daß es einen kürzeren nicht g»bt. Nehmen wir die Hülfe, von welcher Seite sie kommt! Wir müssen zunächst darauf aus- gehen, solche Männer in den Landtag zu lvählcn, die eine fort- schrittliche Acnderung des Wahlrechts gleich uns erstreben. Ohne Rücksicht auf die C-ringung eigener Mandate muß es unsere Aufgabe sein, durch die Stimmen der dritten Wählcrklassc die Entscheidung zwislben den Kandidaten der ersten und zweiten Klasse in einem für die Wablrechtskampagnc fort- schritttichen Sinne herbeizuführen..... Wir dürfen in diesem Kampfe mit de» uns in der Wahlrcchtsfrage nahestehenden Par- teien zum Vorteil der Anhänger des bestehenden Wahlrechts nicht auch dann in Wettbewerb treten, wenn da- durch der strikte Gegner unserer Bestrebungen in den Sattel gehoben wird. Auf diesein Wege kommen wir nie und nimmer in der WahlrechtSfragc vorwärts. Wollen wir in absehbarer Zeit vorwärts komincn, so in ü s s e»» wir sogar in scheinbar lveitc st geh ender Uncigen- nützigkeit die Parteigruppen im preußischen Landtag zu verstärken suche», die sich für eine freiere AuSge staltung des Wahlrechts erkläre»» und dafür eintreten wollen..... Wenn bis zur Landtagswahl die bisher empfohlene Taktik nicht aufgegeben wird, wenn Liberale und Sozial- demokraten in den nämlichen Wahlkreisen sicki gegenseitig bekämpfen, um den gemeinsamen Gegner zu stärken, dann bleibt die Zusammensetzung des preußischen Ab- geordnxtenhauscs in» allgemeinen genau so, wie sie ist, und die Frage einer Wahlrechtsreform ist dann auf lange Zeit hinaus wieder vertagt. Am besten gefällt natürlich dieser Vorschlag einer Unter- stützung der sogenannten„wahlrechtfrcundlichcn" Parteien den Frei- sinnigen� doch findet selbst die„Kreuz-Ztg." Calwcrs Ausführungen treffend", In Zentrum und Wahlrecht. einer Zentrumsversammlung in Berlin hat der Reichstagsabgeordnete Giesberts, der dort über die preußische Wahlrechtsfrage redete, sich auf das Wort Bismarcks von dem elendesten aller Wahlsysteme berufen und im Anschluß daran gesagt:„Die Wahlkreiscinteilung und die plutokratische Zuspitzung des Wahlrechts führen zu ganz eigenartigen Ergebnissen." Herr Giesberts hätte hinzusetzen sollen, daß das Zentrum, wie seine Abstimmung über den freisinnigen Wahlrcchtsanttag beweist, es ablehnt, an diesen„ganz'eigenartigen Ergebnissen", soweit sie durch die Wahlkreiseinteilung bewirkt werden, etwas zu ändern! Und die„Westdeutsche Arbeiterzeitung", der Herr Giesberts einst an leitender Stelle vorstand, schrieb noch vor kurzen»: »Die Zentrumspartei hat m der preußischen Wahlrechtsfrage getan, tvas sie in der Blocks ra tun konnte: sie hat den» An- trage auf Einführung des ReichStagswahlrechtS in Preußen ein- stimmig zugestimmt, die Reueinteilung der Wahlkreise unter dem' gegenwärtigen Wahlsystein aber abgelehnt. Und daran tat sie gut. Denn eine Wahllreiscinteilung in der Blockärn hätte zweifellos dahin geführt, daß die Zentruni Spartet zur Oh i»»nacht geon, etrisiert worden wäre mit de»» Ziele: Teilung der Beute zwischen Nationalliberalen und Kon- fervativen." Die Begründung, weshalb das Zentrum sich der Neu- einteilung der Wahlkreise widersetzt, ist Schwindel. Die Blockära" hat im Abgeordnetenhause nichts zu bedeuten und das Zentrum braucht von seinen guten Freunden, den Kon- ervativen, in diesem Falle gar nichts zu fürchten, aus den: einfachen Grunde, weil die Konservativen sich ebenfalls einer Neu einteilung der Wahl- kreise widersetzen. Zudem hat das Zentrum diese Ncucinteilung der Wahlkreise bereits abgelehnt zu einer Zeit, als es noch regierende Partei im Reiche war und niemand noch an den konservativ-libcralcn Block dachte! Wenn das Zentrum die jetzige höchst ungerechte und widersinnige Wahlkreiseinteilung beibehalten will, so nicht mit Rücksicht aus die„Blockära", sondern mit Rücksicht aus den Vorteil des Zentrums, das in hervorragendem Maße von der Bevorzugung der kleineren ländlichen Wahl- kreise profitiert. Daß dadurch gerade das industrielle Prolc- tariat in der skandalösesten Weise entrechtet wird, ist dem „arbeiterfreundlichen" Zenttum gleichgültig!— Zeitungsreklame auf Reichskosten. Die»Frankfurter Zeitung" macht über die Afrika-Expedision de? Herzog? Adolf Friedrich zu Mecklenburg neuerdings interessante Mitteilungen. Die Expedition des Herzogs, von dessen wissenschaftlicher Befähigung wenig bekannt ist, der aber alS großer Liebhaber des JagdsportS gilt, ist nicht nur durch Berliner und andere Museen und Institute, sondern auch von dem Reich mit 60000 Marl unterstützt worden. Und zwar, wie die.Franlfurter Zeitung' seinerzeit behauptete, auf Be- fürworiung des Vorsitzenden der landeskundlichen Kommission für die Schutzgebiete, der mit dem Verleger der»Täglichen Rundschau" identisch ist. Ihren wissenschaftlichen Charakter hat die Expedition erst durch die Teilnahme jüngerer Fach- leute der Botanik, Zoologie»ind Ethnographie erhalten. Inzwischen sind einige Berichte des Herzogs in der„Tägliche» Rundschau" erschienen. Dies Blatt, daö 20000 M. Beitrag zur Expedition geleistet hat, hat dafür das Recht erworben, daß die Berichte der Expedition ausschließlich in seinen Spalten veröffentlicht werden; das amtliche ..Kolonialblatt', das Organ der Regienlng. ist darauf angewiesen, sie nachzudrucken! Die Hauptaufgabe der Expedition soll angeblich in der Et- forschung der Kiwuvulkane bestehen, eine Aufgabe, die nach der Versicherung der.Frankfutter Zeitung" von einem oder mehreren Gelehrten im Auftrage des Reiches viel wohlfeiler hätte ge- löst werden können, als durch eine solch eigenartige Verkoppelung von amtlicher und privater Expedition, von Sport«, Reklame- und wissenschaftlichen Zwecken I � Versammlungs-Freiheit in Mecklenburg. Im Obotritenlande wurde 1851, nach Beseitigung der Erfolge der 1818er Revolution eine Verordnung erlassen, wonach öffentliche politische Versammlungen der Genehmigung der Regierung be- dürfen. Als Begründung wurde ausgeführt, daß„in den letzt- dergzngeuen Iahren öffentuche Versammlungen und Vereine zu Politischen Zwecken verderbliche Einflüsse aus Ruhe und Ordnung ausgeübt" hätten. Diese Verordnung ist noch hente mecklenburgisches Verfammlungs- gesctz! Als nun dieser Tage der sozialdemokratische Vertrauensmann für Rostock die Erlaubnis für eine öffentliche Versammlung nach- suchte, in der über die vom Großherzog angekündigte Versassungs- reform gesprochen werden sollte, erhielt er folgenden Bescheid: Die erbetene Genehmigung zur Abhaltung der für Mitte April geplanten Versammlung ist nicht zu erteilen. Großh. ineckl. Ministerium des Innern. Das Wappen der mecklenburgischen Lande ist bekanntlich der Ochsciikopf.—_ Vom„arbeiterfreundlichen" Zentrum. In der Stadt Limburg an der Lahn haben 250 Geschäfts- leute sich mit einer Eingabe an den Reichstag gewendet, um gegen eine Verschärfung der Sonntagsruhe Stellung zu nehmen. Die Verkaufszeit an Sonntage» dauert bisher von>/„12 bis 1 Uhr; eS ist klar, daß unter diesen Umständen für die Än- gestellten von einer Sonntagsruhe nicht die Rede sein kann, sie haben nicht einmal einen freien Borniittag oder einen freien Nachmittag für sich. Jetzt soll durch Ortsstatut die Verkaufszeit auf die Stunden von'/z12 bis 2 Uhr festgelegt werden. Das wäre eine geringe, aber durchaus noch nicht genügende Verbefferung der Sonntagsruhe, von der erst in wirklichem Sinne bei völligem Ladenschluß die Rede sein könnte. Man sollte nun meinen, daß eine Partei, die sich laut ihrer Arbeiterfreundlichkeit rühmt, sich iin Interesse der Angestellten au' das entschiedenste dem kurzsichtigen Begehren der Limburger Laden- besitzer entgegenstellen würde. DaS Zentrum aber denkt anders, denn sein führendes Organ, die„Germania", bemerkt zu der Eingabe: „Jedenfalls würde es sich empfehlen, eine ernste Prüfung der Verhältnisse eintreten zu lassen, ehe man die für Großstädte etwa nötigen Beschränkungen auch auf die ganz anders gearteten Ver- hältnisse des flachen Landes und der Kleinstädte überträgt." AIS ob die Angestellten der kleinen Laden nicht ebenso sehr oder nicht noch mehr unter der Ausnutzung ihrer Arbeitskraft zu leiden hätten, wie in großen Geschäften, und als ob ein Ladengehülfe in einer Kleinstadt nicht ebenso gut das Bedürfnis nach einem freien Sonntag hätte, wie in einer Großstadt. Aber es ist die alte Praxis des Zentrums, nur Schäden und Gefahren am Großbetriebe und in der Industrie zu sehen, dagegen die Landwirtschaft, den Kleinhandel und das Handwerk möglichst zu schonen— der ultramontanen Bauern, Krämer und Züustler wegen, auf deren Stimmen es an- gewiesen ist.—_ NeichStagsersabwahl in Emden-Norben-Leer. Bei der am 19. d. Mts. im 1. hannoverschen Wahlkreise veranstalteten Reichs- tagscrsatzwahl wurden, wie jetzt amtlich richtiggestellt ist, 22 269 Stimmen abgegeben. Es erhielten Domäncnpächtcr Fegtcr(freis. Vg.) 8422, Rechtsanwalt Groeneveld(dcutsch-sozial) 6846, Ober- bürgermeister Fürbringcr(natl.) 4581 und Buchdruckereibesitzer Hug (Soz.) 2916 Stimmen. Zersplittert waren 4 Stimmen. LandtagSersatiwahl in Württemberg. Für den verstorbenen Ab- geordneten und Bauernbundssührer Haug fand am letzten Freitag die Ersatzivnhl statt. Gewählt wurde der Bauernbundskandidat Laudwirtschaftsinspektor Ströbel-Ulm. Die Sozialdemokratie komnit in dem Bezirk kaum in Betracht. Wir erzielten eine kleine Stimiitenzunahme.—_ Tem enti oder Bestätigung? Nachdem die freisinnige Fraktionspresse tagelang geschwiegen hatte, kommt jetzt eine schwache Abtoehr jener Feststellungen, die die Abhängigkeit der freisinnigen Volkspartei von einigen Geld- gebcrn gezeigt haben. Der Stadtverordnete Fasquel schreibt der ..Morgenpost", daß die Kandidatur Gerschcls nicht von feiten der Parteileitung dem Wahlkreis aufgedrängt worden ist und daß dieser auch zur Vorbereitung seiner Wahl kein Geld hergegeben hätte. Darauf ist zu erwidern, daß niemand behauptet hat, daß Herr Gerschcl speziell für seine Wahl Geld hergegeben hat. Im übrigen aber hat die„Morgenpost" recht, wenn sie sagt: Tatsache ist, daß Herr Dr. Gerschcl bis zu seinem Auftreten als Laudtagskandidat im Jahre 1993, Ivo er, wenn wir nicht irren, in Luckenwalde erfolglos kandidierte, niemals politisch hervorgetreten war, und daß auch innerhalb der freisinnigen Volkspartci allgemeine Vcrständnislosigkeit darüber herrschte, welchen Verdiensten er das durch den Tod Max Hirschs erledigte Mandat verdankte. Die„Freis. Zeitung" behauptet übrigens, daß Herr Müller- Sagau nicht erst nach der Wahl Herrn Gerschcls in den Aufsichts- rat eingetreten� ist, sondern schon früher dringcsesscn hat. Von einer Kandidatur des Herrn Haberland sei nichts bekannt. ES sollte uns freuen, wenn es uns durch unsere Indiskretion ge- lungen ist, die Wähler von dieser Kandidatur befreit zu haben. Im übrigen braucht man wohl seit dem schmählichen Umfall des Freisinns beim Vereinsgesetz keine weiteren Beweise für seine Ab- hängigkeit von der Börse._ Pod als LandtagSkandidat. Wie der„Hannoversche Courier" meldet, hat sich der frühere Landwirtschaftsministcr von Podbielski in einer Versammlung des Bundes der Landwirte, die in Diepholz stattgefunden hat, bereit erklärt, die ihm angetragene Landtagskandidatur im Kreise Dicp- holz-Sykc anzunehmen, falls man keine genehmere Kandidatur finden sollte._ Der RcichSvcrband im Gcrichtssaal. Vom Schöffengericht Magdeburg-Buckan wurde ein reichstreuer Schmiede- geselle von der Anklage des Diebstahls freigesprochen. Er sollte einem Logiskollegen einen Ring gestohlen haben, den man offen in seiner Ueberziehertasche fand. In der Begründung der Freisprechung erklär�» sich das Gericht mit der Ansicht des AnitSanwalts einver- standen, es sei gerichtsnotorisch, daß reichstreue Arbeiter auS Rache allerlei Vergehen beschuldigt Würden, um ihnen eins zu versetzen. Nächstens wird noch in einem Gerichtssaal als„notorisch" angenommen, daß Herr v- Lieber! ein Genie und die deutsche Justiz die erste der Welt ist.—_ Oeftcmicb-Cliigarn. Gegen den KlerikaliSmns. Wien, 23. März. In Brünn fanden gestern anläßlich der Jahresversammlung des katholischen Vereins tschechischer Bauern stürmische Gegendemonstrationen seitens der Sozia- listen und der Nationalsozialen statt. Der Bischof Graf Huhn wurde mit den Rufen:„Es lebe die Freiheil der Schule!" begrüß». Auf einem großen Platze hielten die sozialdemo« kratischen Abgeordneken Hhbesch und Waniek Ansprachen. Die Polizei schritt ein, woraus sich die Demonstranten zerstreuten. In der Versammlung des Vereins selbst verwahrte sich Bischof Huhn dagegen, daß der Papst und der Nuntius in Wien eine sremde Macht genannt werden. Portugal. Franca zurückgekehrt? Lissabon, 22. März. Wie die Blätrer berichten, ist der frühere Ministerpräsident Franca nach Portugal zurückgekehrt. Die Rc- gierung hat die erforderlichen Maßnahmen zu seinem Schutze ge- troffen. Sngwnc!. Die Arbeiterpartei und die Zollpolitik. London, 21. März. Im Unterhause wird am 24. März eine zollpolitische Debatte stattfinden. Der konservative Abgeordnete Goulding wird eine Resolution einbringen, die die gegenwärtig herrschende Arbeitslosigkeit dem Freihandelssystem zuschreibt und des- halb eine Tarifreform im schuyzöllnerischen Sinne fordert. Dem- gegenüber beschloß die Arbeiterfraktion ein Amendement ein- zubringen, das folgenden Wortlaut hat: „Das Haus blickt mit Sorge auf die Zunahme der Arbeits- losigkeit und ist der Ansicht, daß eine Aenderung unserer Zollpolitik nutzlos und irrrefübrend sein würde, denn auch die schutzzöllneriiiben Staaten wie Deutschland und Amerika leiden an Arbeitslosigkeit. Die Einführung der Schutz- zollpolitik würde nur den Besitzern von Wirtschaft- lichen Monopolen zugute kommen: sie würde ferner zur Bildung von überkapitalisierten Trusts führen, die das Gemein» Wesen und die Arbeiterorganisationen bedrohen würden." Der Begründer dieses Amendements wird Genosse BarneS, der Sekretär der EngineerS, sein. Wie England seine Bürger schätzt. London, 21. März. Ein Londoner Kaufmann namenS Luxen- bürg, der in Warschau gebürtig und in England naturalisiert ist, wurde vor einigen Wochen in Odessa verhaftet. Er befand sich au dem Bahnhofe, als nicht weit von seinem Platze ein Sack mit re- volutionärcn Schriften von der Gendarmerie aufgefunden wurde. Luxenburg wurde sofort verhaftet, aber eS gelang ihm, sich mit dem britischen Konsul in Verbindung zu setzen. Die Verhaftung hat in London viel Aufsehen erregt und das Auswärtige Amt sandte den telegraphischen Auftrag an den britischen Konsul in Odessa, sich des Verhafteten anzunehmen. Wie heute aus Odessa telegraphiert wird, besuchte der Konsul den Verhafteten und teilte ihm mit, daß er mit Petersburg über seine EntHaftung unterhandele. Die Angelegenheit kommt am Montag vor daS Parlament, wo der radikale Abgeordnete Mitchell- Thomson den Staatssekretär des Aeußern darüber interpellieren wird. Ein königlicher Kurier ist heute mit Dokumenten, die die Ver- Haftung Luxenburgs betreffen, nach Petersburg abgefahren.— » London, 23. März.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) Die britische Intervention hat schnellen Erfolg erzielt. Der ver- haftete Engländer, Luxemburg, ist bereits auf telegraphische An- Weisung von Petersburg aus in Freiheit gesetzt worden. l�nßlancl. Lcvins. Mehr alS drei Wochen hat eS gedauert, bis die russische Regierung sich herbeigelassen hat, eine Erklärung über die scheuß- lichen Mißhandlungen, hie der italienische Journalist und Korrespon- dent unseres Frantfurter Parteiorgans Levinö im Minsker Gefängnis erlitten hat, zu geben. Die Erklärung ist zwar kurz, dafür aber auch nicht wahr. So behauptet das Ministerium in offenkundigem Widerspruch mit den Tatsachen, daß Levinö zu keinem geringeren als dem Zwecke, „einen Kongreß der nordwestlichen Organisation der sozialrevolu- tionären Partei zu organisieren, von Petersburg nach Minsk ab- kommandiert(!) wurde". Doch vermeidet es die Regierung, auch nur den geringsten Anhaltspunkt für diese Behauptung zu geben. Die furchtbaren Mißhandlungen, denen Levinö im Gefängnis ausgesetzt war und die von Zeugen bestätigt werden, übergeht die offizielle Erklärung mit völligem Stillschweigen. Sie weist bloß darauf hin, daß seine Schilderung falsch sei, weil er in den ersten Tagen keine Beschwerden erhoben habe I Sie unterschlägt hierbei wissentlich die Tatsache, daß der Staatsanwaltsgehülfe auf die Forderung Levinös erst am fünften Tage bei ihm er- schien und ihn ärztlich untersuchen ließ. Der GesundheitS- zustand Levinös war infolge der erlittenen Mißhandlungen so bedenklich, daß der Gefängnisarzt seine Ueber- führung in ein Hospital anordnete. Die offizielle Erklärung behauptet jedoch, daß„sein Gesundheitszustand befriedigend war und daß nur(!) drei blutunter« laufene Stellen von der Größe einer Nuß bei ihm konstatiert wurden, die nur(!) von drei leichten(!) Schlägen her- rühren konnten". DaS ist alles, was die russische Negierung zu ihrer Recht- fertigung vorzubringen hatte. Levinö weilt gegenwärtig, ein kranker, zerrütteter Mann, im MinSker Gefängnis und wird noch viele Monate der Entscheidung in dem ihm angedichteten Prozesse harren müssen. Für die italienische Regierung aber ist eS wirklich wenig ehrenvoll, so wenig zum Schutze der italienischen Bürger im Aus- lande zu vermögen.—_ Demission von Ministern. Petersburg, 22. März. Der Kriegsministcr Rüdiger und der Marincminister Dikow haben nunmehr ihre seit längerer Zeit angekündigte Demission eingereicht. Verhaftungen. Petersburg, 23. März. In der Redaktion der Wochenschrift „Poet" wurde gestern eine Haussuchung, vorgenommen und der größte Teil der Redaktionsnntglieder wegen Komplotts verhaftet.— China. Die Stimmung gegen Japan. Die Nachgiebigkeit der chinesischen Regierung in dem letzten Konflikt mit Japan hat der Agitation der chinesischen Nationalisten neue Nahrung zugeführt. Aus Hongkong wird telegraphiert: Eine von über sünfzigtauscnd Personen besuchte Protest Versammlung wurde auS Anlaß des Tatsu-Maru- Zwischenfalles in Kanton abgehalten. Es wurden aufreizende Reden gehalten, und die Leute entledigten sich der aus Japan stammenden Kleidungsstücke, Mützen und Taschentücher, warfen sie auf einen Haufen und verbrannten sie. Die Versammlung beschloß, dem Staatsrat Duan-schi-kai ihre Mißbilligung auszu» sprechen für seine Nachgiebigkeit gegenüber den japanischen Ford:- rungen. Ein anderes Telegramm aus Peking berichtet von großen Unruhen im Süden Chinas. Eine tausendköpfige Menge fordert die Entlassung des Generalgouverncurs von Kanton. Die Bevölkerung boykottiert japanische Waren. Die japanischen Kaufleute ver- lassen eilig Kantor Inclo- China- Asien den Asiaten? Paris, 23. März. Der„Matin" berichtet, daß die anti- französischen Treibereien in Jndo-Ehina seit einiger Zeit einen bedenklichen Umfang angenommen haben. Anamitische Bonzen verbreiten massenhaft Flugschriften, die zur Steuerver Weigerung und zu bewaffnetem Kampfe gegen die Franzosen auffordern und in denen den Eingeborenen der Sieg der Japaner über Rußland als erhebendes Beispiel vorgehalten wird. Die Flugschriften seien aus Japan von anamitischcn Flüchtlingen eingeschmuggelt worden. In- folge dieser Treibereien sei bor einigen Monaten bei dem 3. Ton- kinesischen Schützenbataillon eine ernste Verschwörung ausgebrochen, die jedoch bald entdeckt und im Keime erstickt worden sei. Hrnrnha. Solderhöhunss. Der Senat in Washington nahm eine Bill an, welche die Bc- zahlung der Soldaten der regulären'Armee um etwa 49 Praz. erhöht. Dem Präsidenten wird weitgehende Vollmacht in der Ab- Messung des Soldes gegeben. Seit langer Zeit schon wurde die Erhöhung des Soldes in den leitenden Armeekreisen dringend empfohlen als ein Mittel, den sich stetig mehrenden Desertionen der Soldaten zu begegnen und die Armee auf die durch das Gesctz erlaubte Stärke zu bringen. Zugleich will man b durch auch dos Ansehen des Soldatenstandes heben, das in Amerika ebenso wie in England nur geringe Achtung genießt. Der amerikanische Bürger sieht in jedem gemeinen Soldaten eine Art von Taugenichts, der nur noch gut genug zum Armcedicnst ist. Em der Partei. Gcmeindewahlerfolge. In Groß-Beckeru bei Liegnitz wurde der erste Sozialdemo« lrat mit 49 gegen 16 Stimmen gewählt. Das ist zugleich der erste sozialdemokratijche Gemeindevertreter im Reiche des Herrn Fischbeck, dem Wahlkreise Liegiiitz-Goldberg-Hahnau. In P i l s n i tz bei Freiburg kam der sozialdemokratische Kan- didat in die Stichwahl. Bei den Gemeindevertreterwahlen im Regierungsbezirk Magd e« bürg haben unsere Genossen eine ganze Reihe von Erfolgen zu ver- zeichnen. In Borne wurde ein Genosse gewählt, in Niedern- dodeleben kam zum erstenmal— ein Sozialdemokrat durch— mit 95 gegen 72 Stimmen. Ebenfalls zum erstenmal zieht in Elben ein Genosse ins Gemeindcparlament ein. In Felge- leben errang ein Genosse ein Mandat. Ohne Gegenkandidaten wurden in Groß-Ottersleben zwei Genossen mit je 156 Stimmen gewählt. In Westerhüsen siegte ein Genosse mit 233 gegen 84 Stimmen. Weiter wurden in Hötensleben ein Genosse mit 153 gegen 92 Stimmen, in Diesdorf zwei Ge- Nossen mit je 159 gegen 22 Stimmen und in Fermersleben ebenfalls zwei Genossen mit 391 bezw. 299 gegen 198 bezw. 196 Stimmen gewählt. Ohne einen Gegenkandidaten wurden mit 84 Stimmen in Hohendodeleben und in Klein-Otters- leben mit 99 Stimmen je ein Genosse gewählt. In HundisburS war ebenfalls kein Gegner aufgestellt; unser Genosse erhielt 19 Stimmen. Mit 494 gegen 284 Stimmen holten sich unsere Ge- Nossen in dem schönen Harzort T h a l e ein Mandat. In F r o h s e (Elbe) siegte ein Genosse mit 68 gegen 33 Stimmen. Alle diese Genossen wurden in dritter Abteilung gewählt; dagegen siegte in Lemsdorf neben einem Genossen in der dritten Klasse, der mit 156 gegen 2 Stimmen gewählt wurde, auch ein Genosse in der zweiten Klasse; er erhielt 42 Stimmen, während sein bürgerlicher Gegner mit 25 vorlieb nehmen mußte.— Das sind bisher 19 Ge- memdevertretermandate, zu denen noch eine Anzahl hinzukommen wird.—_ Ein neuer Kämpfer. Nr. 1 der„ B o l k s z e i t u n g Organ für die werktätige Bevölkerung der Oberlausitz zu Zittau. ist erschienen. Geleitworte des Parteivorstandes und des Genossen Bebel eröffnen die inhaltreiche Nummer, die auch einen inter- essanten Rückblick auf die Geschichte der Arbeiterbewegung in der Oberlausitz bringt. Glück auf! dem neuen Kämpfer. Eine Biographie I. B. v. Schweitzers hat Herr Dr. Gustav Meher-Heidelberg gegenwärtig in Arbeit. Herr Dr. Meyer bittet nun diejenigen Parteigenossen, die mit v. Schweitzer bekannt waren oder Briefe von ihm besitzen, bei der Beschaffung von Material für die Biographie behülflich zu sein und sich zu diesem Zweck an Herrn Dr. Gustav Meyer, Heidelberg, Theaterstr. 11. zu wenden. polizeUicbes» Gerichtliches ufw. Eine Freisprechung. Wegen Beleidigung eines Polizcisergeantcn in Elmshorn hatte sich vor dem K i e l e r Schöffengericht der Genosse Burkhardt von der„S ch l e s w i g- H o l st e i n i s ch c n Volkszeitung" zu verantworten. In der inkriminierten Notiz war es scharf kritisiert worden, daß der Polizeisergeant dem Vor- sitzenden eines ArbeiterradfahrervereinS die Vorladung zu einem polizeilichen Verhör nicht in die Wohnung, sondern in das Bureau seines Arbeitgebers zugestellt und ihm dadurch Unannehmlichkeiten bereitet hatte. Dem Polizisten war Bequemlichkeit vorgeworfen worden. Obwohl der Amtsanwalt eine schwere Beleidigung des Beamten als vorliegend erachtete, gelangte das Gericht zur Frei- s p r e ch u n g des Angeklagten. Im Urteil wurde ausgeführt, daß daS Vorgehen des Polizisten den gesetzlichen Bestimmungen zuwider- gelaufen sei. Wenn er, wie er behaupte, die Privatwohnung deS Angeklagten nicht ermitteln konnte, so hätte er die Ladung als un- bestellbar an die Behörde müssen zurückgehen lassen; an der Arbeits- stelle, wo diesem nur Unzuträglichkciten erwachsen konnten, durfte er ihm die Vorladung nicht zustellen. Der Artikel habe einen offenbaren Mißgriff des Beamten gerügt, und eS müsse deshalb Freisprechung erfolgen. Ein Polizciprozeß nahm am Montag, den 23. März, vor der Stuttgarter Strafkammer seinen Anfang. Die berühmte Breslauer Polizei und ihre Heldentaten anläßlich der Metall- arbeiteranssperruiig werden von einem schwäbischen Gericht einer Musterung unterzogen werden. Der nominell Angeklagte ist der Redakteur des„Wahren Jakob", Genosse H e y m a n n, der durch ein satirisches Bild im„Wahren Jakob" die tapfere Breslauer Polizcitvuppe mit Einschluß des mysteriösen, noch immer nicht c»t- deckten HandabhackerS beleidigt haben soll. Es haben in Breslau in Gegenwart deS Genossen Heymann umfangreiche Vernehmuiigen statt- gefunden. Wir werden über den Prozeß berichten. Strafkonto der Presse. Der Genosse Artur Molkenbuhr von der„F r e i e n P r e s s e" zu Elberfeld war vom Schöffen- gericht von der Anklage, einen Gendarmen beleidigt zu haben, freigesprochen worden. Auf die Berufung des'Amtsanwalts kam die Sache vor die Strafkammer. Die Beweisaufnahme ergab, daß der Gendarm drei ruhig des Weges gehende Leute plötzlich an- gefallen, zwei gestoßen hat wobei der eine zu Boden fiel, und den Dritten anpackte. Angeblich geschah das, weil der Gendarm in dem Dritten irrtümlich einen steckbrieflich Verfolgten vermutete, den er auf dem Wege erwartete— die beiden anderen will er beiseite gestoßen haben, um den als gefährlich bekannten Verbrecher packen zc können. Der Artikel hatte, ohne irgend eine formelle Seleidigung zu enthalten. den Tatbestand richtig geschildert. DaS hinderte aber nicht, daß das Gericht den Genossen Molkenbuhr der Beleidigung überführt erachtete und ihn zu 300 M. Geldstrafe verurteilte.. In der Begründung hieß es: „... Der Wahrheitsbeweis sei nicht erbracht, denn es habe sich nicht um einen Ueberfall deS Beamten auf ruhige Bürger gehandelt, sondern nur um eine Verwechselung von Personen. Wenn in dem Artikel gesagt worden sei, der Beamte habe drei Personen über» lallen und mit Faustschlägen traktiert, so müsse der Leser zu dem Glauben kommen, daß sich der Beamte eiites groben Mißgriffes schuldig gemacht habe...' Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Eine Wahlrechtsdemonstration der Berliner Metallarbeiter. Die Situation in der Herrenmaßbranche und um einen solchen zu provozieren. Die Arbeiter hatten zunächst die Aufgaben der Organisation war das Thema, über für Steinseher, Rammer und Hülfsarbeiter einen gemeinsamen das der Referent unze sprach. Daß der im vorigen Frühjahr Tarifentwurf aufgestellt. Da aber die Unternehmer erklärten, abgeschlossene Tarifvertrag nur auf 290 von den ungefähr 600 nur gruppenweise verhandeln zu wollen, gingen die Arbeiter darauf Maßgeschäften Berlins ausgedehnt werden konnte, ist bekanntlich ein und boten diese Form der Verhandlung an. Es zeigte sich aber, zu einem guten Teil Schuld der scharfmacherischen Taktik des Ar- daß die Unternehmer nur Ausflüchte gemacht hatten; fie lehnten Bekanntlich haben die Metallindustriellen beschlossen, jeden Ar- Schneider tannte, jede Zohnerhöhung ablehnte, die Verhandlungen dingungslose Annahme des Unternehmertarifs. Auch die Kompe Arbeitgeberverbandes, der, ehe er einmal die Forderungen der nämlich auch jetzt ab und verlangten von den Arbeitern die be beiter auszusperren, der wegen des Besuchs der Nachmittagsversamm auf die stille Zeit des Hochsommers verlegen wollte und dann die tenz des Gewerbegerichts als Einigungsamt bestritten fie. lungen am 18. März der Arbeit fern bleibt. Unter dem Druck der allgemeine Aussperrung über das ganze Reich veranstaltete. Der wollen ihre Erklärung, den Lohn zu verkürzen, unter allen Um fchlechten Konjunktur und der Drohung mit der Aussperrung fonntebe- Erfolg blieb auf seiten des Schneiderverbandes. Die Unternehmer ständen in die Tat umsehen. Natürlich denken die Arbeiter nicht greiflicherweise ein großer Teil der Metallarbeiter an den Wahlrechts- mußten einsehen, daß ihre Taktik verkehrt war, was ja dann auch daran, sich das gefallen zu lassen. Sie haben in einer einstimmig demonstrationen nicht teilnehmen. Sie haben das aber in besonderen später auf der Generalversammlung ihres Verbandes deutlich genug angenommenen Resolution den Unternehmertarif ausdrücklich als Veranstaltungen nachgeholt. Der Metallarbeiterverband hatte zu zum Ausdruck kam. In diesem Frühjahr zeigt es sich denn auch, unannehmbar bezeichnet. Um aber ihren guten Willen zu be gestern abend in Berlin und einigen Vororten elf Versammlungen einberufen mit der Tagesordnung:„ Der 18. März, die Metallindustriellen und das Landtagswahlrecht für Breußen". weisen, wurde beschlossen, noch einmal den Versuch einer gütlichen Verständigung zu machen. Mißlingt auch dieser, dann werden die Arbeiter bereit sein, den Kampf aufzunehmen. Zum Kampf im Baugewerbe. daß die Arbeitgeber in den Orten, wo Lohnbewegungen stattfinden, friedliche Verhandlungen dem Kampfe vorziehen. Inzwischen strebt Reich, ähnlich dem der Buchdruder, zustande zu bringen, der zwischen der Arbeitgeberverband danach, einen Tarifvertrag über das ganze den beiderseitigen Zentralvorständen abgeschlossen werden soll. Die Die Versammlungen waren durchweg start besucht ein Be- christlichen und die Hirsch- Dunderschen Organisationen sollen sich weis dafür, daß die Drohungen der Unternehmer nicht imstande damit einverstanden erklärt haben, wenigstens ihre Vorstände. Bei Nachdem in Dresden die Verhandlungen mit den Arbeitgebern find, die Metallarbeiter in der Betätigung ihrer Gesinnung von den der verschwindend geringen Mitgliederzahl dieser Organisationen resultat los verlaufen find, weil lettere feinen Schritt von Bahnen abzudrängen, die jedem klassenbewußten Arbeiter durch seine haben mit ihnen vereinbarte Tarife keinerlei Wert für die Gesamt- ihrem Mustervertrag abgehen zu können glaubten, haben bereits die eigensten Interessen vorgezeichnet sind. Als Referenten fungierten verband. Die Unternehmer wollen sich mit dem Einheitstarif ein den Vertrag in der vorliegenden Form einmütig abgelehnt. Jezt heit der Berufsgenossen. Anders liegt die Sache im Schneider- Dresdener Maurer und Zimmerer in überfüllten Versammlungen Mitglieder der Leitung des Metallarbeiter- Verbandes: Bahn, neues Kampfmittel schaffen, die Möglichkeit gewinnen, eine haben nun auch die Dresdener Banhülfsarbeiter in einer Behrend, Eggert, Handke, Hartmann, Jakobsen, Generalaussperrung über das ganze Reich durchzuführen. Darum am Sonntag stattgefundenen von 1500 Arbeitern besuchten VerMahle, Maus, Buschick, Wucke und Cohen. Die kann der Schneiderverband nicht ohne weiteres dem Wunsche der sammlung Stellung zu dem Tarif genommen und denselben nach Redner kritisierten den Beschluß der Unternehmer und verwiesen Unternehmer entgegenkommen. Der Redner meinte, daß wohl zu stürmischer Debatte, in welcher das Verhalten der Arbeitgeber und darauf, daß derselbe für die gegenwärtige politische Situation be- vor eine gründliche Umgestaltung der bestehenden Tarife notwendig zeichnend ist. Obgleich es sich am 18. März um eine Demonstration sein werde. Sollten die Arbeiter durch einen Einheitstarif keinen der Mustervertrag als eine Provokation bezeichnet wurde, Es wurde eine Resolution für eine liberale Forderung handelte, und ein großer Teil der hier macht ihrer Organisation ab, sowie davon, wie weit die Ortstarife angenommen, wonach das in Dresden bestehende Einigungs Schaden erleiden, so hänge das selbstverständlich vor allem von der einstimmig abgelehnt. in Frage kommenden Unternehmer sich zu den Liberalen zählen wirklich allgemein durchgeführt sind. Für die Tarifbewegung in a mt angerufen werden soll, um eventuell doch dürfte, berhinderten sie die Arbeiter, sich an dieser Demonstration diesem Frühjahr sind bis jetzt 49 Firmen, die 994 Maßschneider be- noch zu einer Verständigung zu gelangen. Die Arbeiterschaft zur Erringung eines freien Wahlrechts zu beteiligen. Diese Handlung schäftigen, angemeldet. 22 dieser Firmen hatten den Tarif schon will den Kampf nicht, aber wenn ihr derfelbe von den Arbeitgebern der Unternehmer kennzeichnet sich als ein Angriff auf das politische anerkannt, haben sich aber mehr oder minder schwere Tarifbrüche aufgezwungen wird, dann wird sie ihn führen müssen. Die VerRecht der Arbeiter und auf die Ausübung ihres Koalitions- zuschulden kommen lassen. Bei 4 von ihnen ist die Angelegenheit rechts. Böllige Unterdrückung und Rechtlosmachung der Arbeiter ist jedoch schon geregelt. 27 Firmen mit 306 Arbeitern find es bis antwortung für diesen folgenschweren Kampf haben dann aber auch die Parole der Unternehmer. Diese Bestrebungen der Unternehmer ießt, die neu in die Tarifgemeinschaft einbezogen werden sollen; die Arbeitgeber zu tragen. zeigen aufs neue, daß die Arbeiter eine durchgreifende Verbesserung von einer Reihe anderer Firmen haben die Maßschneider wohl den ihre Zahl wird gewiß in den nächsten Tagen noch wachsen, denn ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse nicht erlangen werden, wenn es Wunsch nach tariflicher Regelung geäußert, aber noch nicht den ihnen nicht gelingt, politische Rechte für die Arbeiterklasse zu er Antrag gestellt, der mit genauen Mitteilungen über die Löhne verringen. Zunächst gilt es, das allgemeine, gleiche, geheime, direkte bunden sein muß, damit man sieht, in welche Tarifklasse die GeWahlrecht für Preußen zu erringen. An diesem Kampfe beteiligen schäfte gehören. Der Redner schilderte dann die Lohnverhältnisse sich selbstverständlich auch die Metallarbeiter in Gemeinschaft mit und die Tarifbrüche bei verschiedenen Firmen. Unter anderen er= ihren übrigen Klaffengenossen. Das war der Gedankengang, der wähnte er die Firma Albert Erich in der Mauerstraße, die für recht und billig hielt, ihren Werkstattschneidern 10 Broz. für dic in den Versammlungen zum Ausdruck kam. Einstimmig wurde in Benutzung der Werkstatt abzuziehen, und sich, als sie damit kein allen Versammlungen die nachstehende Resolution angenommen: Glück hatte, durch Maßregelung zu rächen suchte. Diese Firma läßt übrigens ihre Sport- und Livreefachen in der Strafanstalt zu Tegel herstellen. Auch über das Warenhaus Wertheim wurde in der Versammlung gesprochen, das sich im vorigen Frühjahr so vornehm zeigte, noch 5 Proz. über den für das Geschäft maßgebenden Tarif 1b zu bewilligen, jetzt aber zum Teil nach dem billigeren Tarif 2a arbeiten lassen möchte. Die Versammlung nahm einftimmig folgende Resolution an: Die Versammlung hat Kenntnis genommen von dem Beschluß der Metallindustriellen, wonach die Metallarbeiter, welche am 18. März nachmittags nicht zur Arbeit kommen, entlassen und ausgesperrt werden sollten. Da die Dringlichkeit der Aufträge beim gegenwärtigen Stand der Konjunktur die Ursache dieses Beschlusses nicht gewesen sein kann, so bleibt nur übrig die Annahme, daß dieser Beschluß der Ausfluß der seit dem Jahre 1899 fattsam bekannten Arbeiterfeindlichkeit der Kühnemänner ist. Die Versammelten ersehen aus diesem Beschluß, daß die Herren aus der Gartenstraße beabsichtigen, durch Vernichtung des Soalitionsrechts und Bekämpfung der Bestrebungen der Arbeiter nach politischen Rechten die Arbeiter wirtschaftlich und politisch zu unterdrücken, um so ungehindert die Arbeit der Ausbeutung und Ausplünderung vornehmen zu können. Gegenüber diesen arbeiterfeindlichen Absichten erklärt die Verfammlung es als eine unabweisbare Notwendigkeit, daß die Arbeiter mun erst recht alle Kräfte zusammenfassen, um endlich für die Arbeiter die Rechte zu erlangen, die andere Gesellschaftstlassen längst haben. Das ist auf politischem Gebiete das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht zum preußischen Landtag. Auf wirtschaftlichem Gebiete die unbedingte Sicherheit der Ausübung des Koalitionsrechtes. Da die Ver= sammlung der Ueberzeugung ist, daß dieses Ziel am besten erreicht wird durch die Stärkung der politischen und wirtschaftlichen Organisationen, verpflichten sich die Anwesenden, nach besten Kräften zur Kräftigung und Stärkung der Arbeiterorganisationen beizutragen. Achtung, Metallarbeiter! Der Streit im Autobau der A. E.-G. Oberschöneweide dauert unberändert fort. Der Betrieb ist für sämtliche Dreher, Werkzeugmacher und Schlosser gesperrt. Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin. Bor Hartungs Fabrik in Moabit ging es gestern, Montagabend, ruhiger her, wie an irgendeinem der letzten Tage. Polizei war nur wenig zu sehen, außer dem gewöhnlichen Doppelposten vor dem Fabrikeingang. Von 26 Uhr ab tamen die Streitbrecher in fleinen Trupps heraus und machten sich so schnell wie möglich aus dem Staube. Auf der anderen Seite der Straße hatten sich wieder biele Leute angesammelt, die nur von Zeit zu Zeit vertrieben wurden. Sie sahen nicht den gewohnten Zug der Arbeitswilligen kommen, sondern nur immer die kleinen Trupps. Die Polizei versucht, die Sache weniger auffällig zu machen und war nach außen hin scheinbar weniger start vertreten; aber es lagen genug Polizisten in Bereitschaft, um sofort einzugreifen, wenn jemand versuchen sollte, sich mit den Arbeitswilligen in Verbindung zu sehen. Mehrere Polizeioffiziere inspizierten nach 6 Uhr die Gegend, fanden aber alles ruhig und verschwanden wieder. " Die heute, den 22. März, im Friedrichshain versammelten Maßschneider nehmen mit Befriedigung Kenntnis davon, daß der Verband der Schneider auch in diesem Frühjahre nach Möglichkeit die Ausdehnung des im Vorajhre abgeschlossenen Maßschneidertarifs auf alle Berliner Maßgeschäfte zu erreichen bestrebt ist. mit seltener Einmütigkeit treten wird. Wenn also die Arbeitgeber Besonders erfreulich ist, daß die Arbeiterschaft in diesen Kampf nach den Berliner Scharfmacherbeschlüssen handeln, dann kommt es auch in Dresden am 1. April zu einer Aussperrung, bei welcher zirkta 15 000 Arbeiter in Mitleidenschaft gezogen werden würden. Ausland. Eine Aussperrung der Gummibandweber und Börtelmacher zu Neubrüd und Mainburg in Niederösterreich währt seit län. gerer Zeit. Da die Firma fich bemüht, in Deutschland Erfah für die Ausgesperrten zu finden, so sei hierdurch vor Zuzug gewarnt. die Firma ist Pitvonta, deren Chef Führer der österreichischen Scharfmacher ist. Ein amerikanisches Urteil gegen die Trade- Unions. Wie ein Donnerschlag hat die Bekanntgabe eines Urteils des höchsten amerikanischen Gerichtshofes in Sachen der Firma Löre u. Co., amerikanische Hutfabrikanten, gegen die Bereinigte Hutmacherorganisation von Nordarmerika( Boykotterklärung) auf die Trade- Unions der Vereinigten Staaten gewirkt. Das Gericht er. tannte nämlich, daß das Sherman- Antitrust geseh auf die Gewerkschaften anzuwenden ist, und verurteilte die Hutmacherorganisation, an die Firma Löre u. Co. 240 000 Dollar Sie richten daher an alle Kollegen das Ersuchen, diese Ab- Buße zu zahlen, d. i. dreimal sobiel, als der wirk. sicht mit allen Kräften zu unterstützen. Die Versammelten er- liche Schaden der Firma durch den Boykott ihrer warten diesbezügliche Unterstützung von der Gesamtheit der Waren. Mr. Samuel Gompers, der Präsident der amerikaKollegen um so mehr, als die Einheitlichkeit der Löhne sämtlichen nischen Arbeiterpartei, weist in dem offiziellen Organ der Partei Kollegen zugute kommt. auf den Unterschied zwischen einer Arbeiterorganis Die Versammelten erkennen aber auch an, daß die Aus- sation und einem Trust hin und verteidigt die Organidehnung des Tarifs und die Aufrechterhaltung desselben nur fationsbewegung mit folgenden Worten:„ Die Gewerkschaften durch die Organisation zu erreichen ist. Sie verpflichten sich werden weiter leben, fie fönnen nicht mehr ihrer Eristenz beraubt daher, für den Einfluß und die Stärkung der Organisation in werden. Die Arbeit verlangt Abhülfe vom Kon. jeder Hinsicht Sorge zu tragen." greß, und zwar sofort. Gompers hat eine diesbezügliche Er. Als zweiter Punkt stand die dem Reichstag vorliegende klärung an den Präsidenten Roosevelt und an jedes einzelne Mita Novelle zur Gewerbeordnung auf der Tagesordnung. glied des Kongresses geschickt. Nach einem, mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Zeit kurzem Vortrage Kunzes wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: „ Die heute, den 22. Mära 1908, in der Brauerei Friedrichs: Letzte Nachrichten und Depeschen. hain tagende Schneider- und Schneiderinnenversammlung nimmt mit Bedauern Kenntnis davon, daß die berbündeten Regierungen dem Reichstage unter dem 21. Dezember 1907 eine Novelle zur Gewerbeordnung haben zugehen lassen, welche den von der Arbeiterschaft seit Jahren erhobenen Forderungen nur in ganz spärlichem Umfange gerecht wird. Sie bedauern dies um so mehr, als der Reichstag zu wiederholten Malen das Elend der Heimindustrie zum Gegenstand seiner Erörterungen gemacht hat und ein Eingreifen der Gesezgebung forderte. Die seit Jahren von den Heimarbeitern und Arbeiterinnen erhobenen Klagen haben ihre Berechtigung in feiner Hinsicht verloren. Angesichts dieses zaghaften Versuches, gefeßliche Bestim mungen zugunsten der Arbeiterschaft zu treffen, nimmt die Versammlung mit Entrüstung Kenntnis davon, daß die Detaillistenverbände die Forderung erheben, für die Detailgeschäfte der Hut- und Buzindustrie, sowie der fertigen Konfektion die Bundesratsverordnungen vom 31. Mai 1897 und 17. Februar 1904 außer Kraft zu setzen. Sie richten daher an die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages das dringende Ersuchen, derartigen Anträgen, wenn solche im Reichstage eingebracht werden, mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten, sowie bei Beratung der Novelle zur Gewerbeordnung sich den von ihr ausgearbeiteten Gefehentwurf zum Schuße der Heimarbeiter als Richtschnur dienen zu lassen." Die wirtschaftliche Situation im Bergrevier. Essen, 23. März.( Privatdepesche des„ Vorwärts".) Die Tarifverhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Baugewerbe Rheinland- Westfalens sind auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Aus Mangel an Absatz wurden auf mehreren Zechen Feierschichten eingelegt. In Steele ist einer Anzahl von Bergleuten gekündigt worden. Der Kampf mit Simon Copper. Bon der Expedition gegen Simon Coppers wird aus DeutschSüdwestafrika amtlich gemeldet: Die Werft Simon Coppers ist dadurch aufgefunden worden, daß man der Spur der Bande folgte, die am 8. März eine deutsche Patrouille am Auob überfallen hatte. In dem Gefecht am 16. stand der ganze Orlog Simon Coppers und Lamberts mit über 200 Mann und mehr als 100 Gewehren unserem Kamelreitertorps gegenüber. Der Gegner verlor auch zwei Großleute, darunter einen Bruder Simon Coppers. Der infolge der großen Anstrengungen und Entbehrungen sehr geschwächte Zustand der Kamele sowie der Mangel an Waffer verboten weitergehende Verfolgung. Auch machte sich die Nähe der englischen Grenze hindernd geltend. Aus dem Pariser Baugewerbe. Das Auftreten der Polizei in den letzten Tagen hatte die Situation zweifellos in der Hauptsache verschärft, führte aber auch hin und wieder zu humoristischen Zwischenfällen. So wird u. a. erzählt: Eine Arbeiterfrau tam mit einem Milchtopf in der Hand die Straße entlang, fand dieselbe aber versperrt. Der Schuhmann, an den sie sich wandte, wies sie zu ihrer größten Ent- In der Zigarrenfabrik Kurse u. Hering( Berlin), Magazinrüftung zurück, obgleich sie sich auf den Milchtopf als eine Legi- ftraße 14, wurden unsere Kollegen sofort entlassen, da dieselben timation für durchaus friedliche Absichten berief. Als alles Barla- am 18. März nachmittags die Arbeit ruhen ließen. Diese Firma mentieren und auch der Hinweis auf die Kinder, für welche die jetzt einen großen Teil ihrer Fabrikate bei der Firma Richter in einer heute abgehaltenen Versammlung, mit allen Mitteln die Milch bestimmt war, nichts nüßen wollte, weil der Beamte an seiner Instruktion festhielt, rief die Frau erregt:" Dann nehmen Sie". Franke, Berlin, ab, welche in allen Stadtteilen Detail- von den Arbeitgebern gegen sie etwa zu treffenden Maßnahmen doch den Topf, um die Milch zu holen! Ich werde derweile Ihren geschäfte unterhält. Die Firma Kurze u. Sering läßt ihre zurückzuweisen. Die Arbeitgeber halten ihrerseits den Entschluß Säbel halten." Natürlich erregte dieser Vorschlag die größte Bigarren außerhalb herstellen und zahlt dafür die niedrigsten Löhne. aufrecht, die Generalaussperrung zu defretieren, falls die Arbeiter Heiterkeit der Umstehenden. Heute vormittag halten die Streifenden eine Versammlung ab, um über die Lage zu beraten. Paris, 23. März.( B. H.) Die streitenden Maurer beschlossen im Streit verharren. Die Arbeiter tun gut, sich diese Wahlunrechtsfreunde zu merken. Denn schließlich sind es die Arbeiter, welche deren Fabrikate faufen und rauchen. Im übrigen hat unterzeichneter Verband Wiener Gemeinderatswahlen. über genannte Firma die Sperre terhängt. Der Verband der Zigarrenfortierer und Kistenkleber Deutschlands. ratswahlen des dritten Wahlkörpers find in allen Wiener Bezirken Wien, 23. März:( W. T. B.) Bei den heutigen Gemeinde Zahlstelle Berlin. Christlich- Soziale gewählt worden. Deutfches Reich. Zur Frage der Grenzstreitigkeiten. Ein Schurkenstreich. Die Tarifbewegung der Herrenmaßschneider. Nachdem seit Anfang dieses Jahres die Herrenmaßschneider in ben verschiedenen Stadtbezirken durch eine Reihe von VersammIungen aufgerufen wurden, mit aller Kraft für die allgemeine Durchführung ihres Tarifvertrages zu wirken, fand am Sonntag in der Brauerei Friedrichshain eine große öffentliche Zürich, 23. März.( B. H.) Auf den Nachtschnellzug Parisum Grenzstreitigkeiten unter den Gewerkschaften nach Mög- Mailand wurde in der Nähe der Station Martigni ein Attentat Herrenmaßschneiderversammlung zur Einleitung der Tarifbewegung statt. Die Polizeibehörde hatte offenbar das Zu- lichkeit ganz zu verhindern, nahm das Gewerkschaftskartell zu verübt. Unbekannte Täter hatten auf dem Viadukt über den hochsammenströmen der Massen von Schneidern für ein höchst staats- Magdeburg einen Antrag an, wonach die Vertreter aller angeschwollenen Bergstrom Dranse große Feisstücke auf das Gleis gefährliches Ereignis angesehen; fie begnügte sich nicht mit der Organisationen sich verpflichten, Uebertrittsgesuche von Mit- gewälzt. Zum Glück konnte die Maschine die Felsstücke beiseite üblichen Ueberwachung der Versammlung durch zwei Beamte, gliedern anderer Verbände erst dann anzunehmen, nachdem das schieben, so daß der Zug nur leichte Beschädigungen erlitt und fondern hatte dazu noch im Kellerraum unter der Bühne ein zahl- Mitgliedsbuch vorgelegt wird und dasselbe den Vermerk der Ver- bie Strecke passieren konnte. Eine strenge Untersuchung wurde reiches Aufgebot starter, wohlbewaffneter Männer untergebracht. bandsleitung enthält, daß die Abmeldung ordnungsgemäß erfolgt eingeleitet. Da es sich jedoch bald herausstellte, daß die Schneider keine Miene ist. Solange ein Arbeiter in seinem Berufe tätig ist, für den machten, den preußischen Staat in seinen Grundfesten zu erschüttern, konnten die meisten der Beamten schon vor Schluß der seine bisherige Organisation zuständig war, darf er in eine andere Versammlung abziehen. Zur Beruhigung ängstlicher Gemüter Organisation nicht aufgenommen werden. fann jedoch mitgeteilt werden, daß die bewaffnete Macht an der Straße und im Hain noch stark genug war, um jeden revolutionären Gewaltakt der Schneider im Keime zu ersticken. Wirbelsturm. New Orleans, 23. März.( Auf deutsch- atlantischem Stabel.) Ein Tornado richtete in einem Teile der Staaten Louisiana, Mississippi und Alabama große Verheerungen an. Verschiedene Ortschaften Jm Breslauer Steinsehgewerbe wird es voraussichtlich auch wurden zerstört. Auch eine Anzahl Personen ist dabei umge zum Kampfe tommen, da auch hier die Unternehmer alles tun, temmen. Verantw. Redakt.: Georg Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin, Drud u.Verlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Raul Singer& Co., Berlin SW, Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsbl Nr. 71. 25. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Dienstag, 24. März 1908. Abgeordnetenbaus. 69. Sigung vom Montag, den 23. März 1908, bormittags 11 Uhr. Am Minifiertisch: Dr. Delbrück. vorstand zu hören ist. Weiter verlangt er, daß die Entscheidung in werden auf Kosten der Vertretung des platten Landes. Die Zurüd Streitfällen, die nach der Vorlage der Regierungspräsident endgültig treffen soll, vom Bezirksausschuß getroffen wird. Abg. Münsterberg( frf. Vg.) hält die Vorlage für den ersten Schritt zur Reform des Hebammenwesens. Minister Dr. Holle: Aus den Aeußerungen der sämtlichen VorDer Gefeßentwurf über die Erweiterung des Stadt- eine Reform des Hebammenwesens notwendig ist. Ich bitte, über redner entnehme ich die erfreuliche Übereinstimmung darüber, daß freifes Herne wird in dritter Beratung anzeugt zu sein, daß, wenn der eingeschlagene Weg nicht zum Ziele genommen. führen sollte, ein anderer Weg eingeschlagen werden wird.( Beifall.) Gegen den Antrag Lüdicke habe ich keine Bedenken. Der Gesetzentwurf über die Erweiterung des StadtPreises Essen wird in erster und zweiter Beratung erledigt. Es folgt die dritte Beratung des Quellenschutz gefeges. Abg. Lusensky( natl.) äußert Bedenken gegen die Fassung der Beschlüsse zweiter Lesung, bleibt aber im einzelnen auf der Tribüne unverständlich. Minister Dr. Delbrück: Trotz der wesentlichen Aenderungen an der Regierungsvorlage, die vom Hause vorgenommen sind, ist der gesetzliche Schutz der Quellen, wie ihn§ 3 vorsieht, doch wertvoller als Polizeiverordnungen. Ich bitte Sie daher erneut, der Vorlage zuzustimmen. Abg. Linz( 3.) empfiehlt einen Antrag, wonach bei Streitigkeiten über die Genehmigung oder Nichtgenehmigang von Arbeiten in einem Quellenschutzgebiet das Verwaltungsstreitverfahren plazgreifen soll. Minister Dr. Delbrück äußert mehrere Bedenken gegen den Antrag und bittet um dessen Ablehnung. Abg. Dr. Gerschel( frs. Bp.) erklärt, daß seine Freunde dem Antrage Linz zustimmen würden, dem Gesetze aber die Zustimmung verjagen müßten. Redner befürwortet einen Antrag, der den Kreis der erlaubnispflichtigen Arbeiten erweitern will. Ein Regierungskommissar führt aus, daß grundsätzliche Bedenken gegen diesen Antrag nicht zu erheben seien. Abg. Krause- Waldenburg( ft.) bezeichnet den Antrag Gerschel als überflüssig. Abg. Graf Spee( 3) spricht sich gegen den Gesezentwurf aus. Abg. Schmidt- Warburg( 8.): Jch bedauere, daß meine ausführlichen Darlegungen über die Verfassungswidrigkeit des Gesetzes bei der zweiten Lesung außerhalb meiner Fraktion feinen Anklang gefunden haben. Wo ist denn Herr Dr. Hahn?( Buruf rechts: Jm Reichstage!) Wenn diese Vorlage Gesetz wird, so kann man der Verstaatlichung des Grundbesizes mit oder frei nach Bebel im Prinzip nicht mehr wider sprechen. Mit Rücksicht auf die im Gesetz liegende Verfassungsänderung beantrage ich eine nochmalige Abstimmung nach 21 Tagen. Die Vorlage wird in der Fassung der zweiten Lesung an Der Antrag Schmidt Warburg auf nochmalige Abstimmung nach 21 Tagen wird gegen die Stimmen des Zentrums und der Freifinnigen abgelehnt. genommen. Es folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfs über die Gebühren der Hebammen. Nach der Vorlage soll die Bezahlung der berufsmäßiger Dienstleistungen der Hebammen nach einer vom Regierungspräsidenten festzulegenden Gebührenordnung erfolgen. Die rechtskräftig festgesezte Gebühr unterliegt der Beitreibung im Verwaltungszwangsverfahren durch den Kreisausschuß. Kultusminister Dr. Holle: Die Vorlage stellt den ersten Baustein für eine Reform des Hebammenwesens dar. Das Notwendigste ist die Festsetzung der Gebühren und deren Eintreibung. Daneben besteht der Plan, im Verwaltungswege durch Verhandlungen mit den Kommunalverbänden eine den Verhältnissen in den einzelnen Berbänden sich anpassende Regelung des Hebammenwesens herbeizuführen. Abg. Burchard( t.) spricht sich namens seiner Freunde für den Entwurf aus. Abg. Schmedding( 8.) begründet einen Antrag, die Staatsregierung zu ersuchen, dahin zu wirken, daß den Hebammen Gebühren und Auslagen, die wegen Mittellosigkeit der Wöchnerinnen nicht beigetrieben werden können, aus öffentlichen Mitteln ersetzt werden. Abg. Heydweiller( natl.) erklärt namens seiner Freunde das Einverständnis mit dem Gesetzentwurf. Abg. Lüdicke( ft.) empfiehlt einen Antrag, nach dem bei Festsetzung der Gebührenordnung der Kreisausschuß bezw. der GemeindeKleines feuilleton. Abg. Dr. Müller- Berlin( frf. Vp.): An einer guten Regelung denn die Zukunft des Volkes hängt davon ab, daß die Kinder gesund des Hebammenwesens hat die Allgemeinheit ein großes Interesse, zur Welt gebracht werden. Gegen den Antrag Schmedding habe ich einige Bedenken. Minister Dr. Holle legt dar, daß die Bezirkshebammen durch Sicherung der freien Hebammen gegen Ausfälle werde ich gern er ihre Verträge gegen Ausfälle geschützt feien. Die Frage der wägen. Damit schließt die erste Beratung. In der zweiten Beratung wird der Gesezentwurf mit dem Antrage 2ü dicke angenommen. drängung des Großgrrndbefizes liegt nicht im Interesse der Selbst verwaltung. Der Antrag v. Böhlendorff geht uns zu weit. Abg. Dr. Kager( 3.) spricht sich für den Antrag v. Böhlendorff aus. Abg. Frhr. v. Zedlik( ft.) gibt für seine Freunde die Erklärung fommission einverstanden seien. ab, daß sie mit der Ueberweisung der Anträge an die GemeindeDamit schließt die Debatte. Im Schlußwort bittet Abg. Gyßling( fri. Vp.) die Regierung um Vorlegung einer Statistik über die Zusammensetzung der Kreistage und erklärt, daß schoben habe. er gerade das Interesse der Landgemeinden in den Vordergrund geDie beiden Anträge gehen an die Gemeindekommission. Ein Antrag Winckler( f.) auf Annahme eines Gesezentwurfes, betreffend die Wegeordnung für die Provinz Sachsen wird an eine Kommission von 14 Mitgliedern verwiesen. Hierauf vertagt sich das Haus auf Dienstag 11 Uhr.( Se fundärbahnvorlage.) Schluß 4 Uhr. Soziales. Der Antrag Schmedding wird, da keine Kommissionsberatung beantragt und aus dem Antrage nicht ersichtlich ist, ob staatliche Mittel zur Verwendung kommen sollen, auf Vorschlag des Präsi- Ist ein Haussohn auch dann krankenversicherungspflichtig, wenn kein denten v. Kröcher durch die Debatte für erledigt erklärt. Arbeitsvertrag vorliegt? Es folgt die Beratung des Antrages der beiden freisinnigen Parteien, die Staatsregierung um baldmöglichste Borlegung vom 16. Februar 1906 bis zum 18. Mai 1906 in Magdeburg bei Der in Magdeburg geborene jugendliche Bürstenmacher Beck war eines Gefeßentwurfs zu ersuchen, der eine Abänderung der Kreis feinem Vater, dem Bürstenmachermeister Karl Beck beschäftigt. Er ordnung insbesondere dahin herbeiführt, daß das Wahlrecht reiste dann fort, wurde innerhalb drei Wochen frant und wurde zum Kreistage entsprechend der vermehrten Bedeutung der längere Zeit in Stadt- und Landgemeinden sowie von Industrie und Gewerbe ab- des Armenamts der Stadt verpflegt. einem Leipziger Krankenhause auf Kosten Als endgültig fürsorgegeändert wird. pflichtiger Armenverband mußte der Armenverband MagdeMit der Beratung wird verbunden über den Antrag b. Böhlen- burg die gesetzlichen Kosten in Höhe von 91 Mark erstatten. dorff Kölpin( f.) auf Erlaß eines Gesetzes, wonach durch könig- Diefer Armenverband beanspruchte nun auf Grund des§ 57 des liche Verordnung für einzelne Kreise nach Anhörung des Provinzial- Krankenversicherungsgesetzes von der Allgemeinen Orts. rats bestimmt werden kann, daß von dem nach der Kreisordnung trantentasse in Magdeburg Erfagleistung in Höhe von für die Wahlberechtigung im Wahlverbande der größeren ländlichen 60,50 M., indem er geltend machte, Bed jun. fei infolge der Grundbesizer maßgebenden Mindestbetrage an Grund- und Gebäude- er wähnten Beschäftigung beim Vater Mitglied steuer wenigstens die Hälfte auf die Grundsteuer ent- der Ortstaffe gewesen und hätte, da die Krankheit fallen muß. innerhalb drei Wochen nach dem Verlassen des väterlichen Abg. Gyßling( frs. Vp.) begründet den Antrag der Freifinnigen. Betriebes ausbrach, für die Leipziger Verpflegungszeit an Der Antrag entspricht einem alten Wunsche meiner Partei. Nicht die Kasse Anträge in Höhe von 60,50 M. gehabt. nur in den östlichen Provinzen, sondern auch in Hannover, in West- Die Kaffe bestritt dies. falen und in der Rheinprovinz besteht ein dringendes Bedürfnis nach Magdeburg verurteilte fie aber nach dem Klageantrage Der Bezirksausschuß einer anderen Zusammensetzung der Kreistage. Die Landgemeinden und führte unter anderem aus: Kurt Beck( der Sohn) sei tatsächlich und die Stadtgemeinden haben seit dem Erlaß der Kreisordnung bei der Allgemeinen Ortsfrankenkasse Mitglied gewesen. Verfehlt eine erhebliche Zunahme ihrer Bevölkerung und damit eine steigende sei ihr Einwand, daß er nicht frankenversicherungspflichtig geweſen fulturelle Bedeutung erlangt, der ihre Vertretung in den Streis- sei, weil ihm der Bater nur Logis und Lebensunterhalt gewährt tagen absolut nicht entspricht. daß Aktiengesellschaften und Städte, die in einem Ein unhaltbarer Zustand ist es, hätte. Nach Annahme des Gerichts sei für die KrankenversicherungsKreise anderen pflicht die Tatsache der Beschäftigung in einem der in den ParaGrundbesitz haben, sich dort nicht durch eigenen Vertreter, sondern nur durch einen Kreiseingefeffenen Betriebe einen graphen 1, 2 und 2a des Krankenversicherungsgesetzes genannten auf dem Kreistage bertreten lassen tönnen. Der Antrag v. Böhlen- Beschäftigung in solchem Betriebe, sofern sie nicht durch die Natur ausschlaggebend. Im allgemeinen begründe jede dorf- Kölpin geht sehr einseitig bor. Hoffentlich wird in der ihres Gegenstandes oder im voraus durch den Arbeitsvertrag auf Gemeindekommission, an die ich beide Anträge zu verweisen be- einen Zeitraum von weniger als einer Woche beschränkt sei, die Ver antrage, Licht und Schatten in dieser Frage gleich verteilt werden. ficherungspflicht. Hiernach kann die Versicherungspflicht Kurt Beds ( Beifall lints.) feinem Zweifel unterliegen. Abg. v. Böhlendorff- Kölpin( f.) begründet seinen Antrag, der nicht eine Veränderung der Kreisordnungen, sondern nur eine ander weite Regulierung der Wahlberechtigung nach§ 86 der Kreisordnung für die östlichen Provinzen bezwecke. Aus den Ausführungen des Streisausschüsse herausgeflungen. Borredners habe ein gewisses Mißtrauen gegen die Tätigkeit der landt wurde vor dem Oberverwaltungsgericht geltend Die Kasse legte Revision ein. Von dem Rendanten E. Wendgemacht: Nicht jede Beschäftigung in Betriebe sei versicherungspflichtig, sondern nur die gegen Gehalt Nicht jede Beschäftigung in einem der erivähnten oder Lohn. Dieser könne nun nach dem Gesetze zwar auch in Naturalbezügen bestehen. Immerhin müsse er aber gewährt werden Abg. Schulze- Peltum( t.) erklärt, daß seine politischen Freunde auf Grund eines Arbeitsvertrages. Der Bezirksdie größten Bedenken gegen eine Aenderung der Grundlagen des ausschuß habe es aber unterlassen, darüber Beweis zu erheben, Wahlrechts zu den Kreistagen haben.( Zustimmung rechts.) In ob die von Kurt Beck vom Vater erhaltenen Naturalbezüge Westfalen gebe es Kreistage, denen infolge des Vordringens der In- Ausfluß eines Arbeitsvertrages dustrie schon kein Großgrundbesizer mehr angehöre. Ivaren, was die Kaffe bestritten habe. Schon deshalb müsse das Urteil aufdes Vorredrers an und erklärt sich mit der Verweisung der Anträge Beck lediglich seiner Alimentationspflicht dem Sohne Abg. Linz( 3.) schließt sich im wesentlichen den Ausführungen gehoben werden. Die Kaffe behaupte, daß der Bürstenmachermeister an die Gemeindekommission einverstanden. gegenüber gerecht geworden fei. Aber auch noch in einem anderen der städtischen Industrie auf den Streistagen fönnte nur ermöglicht gültig verpflichteten Armenverband Magdeburg ohne weiteres als Abg. Dippe( natl.): Eine stärkere Vertretung der Städte und Bunkte gehe das Urteil fehl. Insofern nämlich, als es den endLowell hat eine wichtige Beobachtung als Stüße seiner Behauptung, daß der Mars alle Lebensbedingungen für organisierte Wesen biete, zu verzeichnen. Wie die Nature" berichtet, ist es seinem Universitätszustände in Preußen und in Kulturstaaten. Das Er Assistenten Slipher gelungen, mittels eigens zu diesen Versuchen staunlichste an der Farce, die Rektor und Senat der Berliner konstruierter photographischer Platten Bilder des Mars- Spektrums Universität mit dem Verbot zur seruellen Aufklärung bestimmter Vor- zu erhalten, auf denen die Wasserdampf- Linien weit schärfer erträge aufgeführt haben, ist die Geduld, mit der die Studenten kennbar sind als in den Mond- Spektren, die bei gleicher Höhe über diese Bevormundung hingenommen haben. Es ist bezeichnend für die dem Horizont aufgenommen sind. Damit ist eine der allertnechtselige Unterwürfigkeit, in der alle bürgerlichen Preußen wichtigsten Vorbedingungen für die Annahme der Bewohnbarkeit vor den willkürlichsten Verfügungen der Behörden ersterben, daß selbst unseres Nachbarplaneten gegeben. Die photographische Bestätigung die akademische Jugend sich gegen die Unterbindung ihrer Bewegungs- für die Gristenz der Kanäle erfährt eine außerordentlich wichtige freiheit zu feinem träftigen Protest mehr aufzuraffen vermag. Zuerst Ergänzung durch die Tatsache, daß auch das Wasser vorhanden ist, hat die Regierung die Freiheit der Wissenschaft an den preußischen um sie in der warmen Jahreszeit zu füllen. Die weißen Kappen Universitäten auf allen Gebieten, wo sie den Interessen der an den Polen hatten die Gegner der Marsbewohnbarkeit nicht als herrschenden Schicht gefährlich werden kann, durch die Art, wie sie hinwiesen, daß diese Massen aus gefrorener Kohlensäure bestehen vollgültigen Beweis angenommen, indem sie auf die Möglichkeit ihr Professoren- Ernennungsrecht ausübt, in Wirklichkeit vollkommen aufgehoben. Trotzdem setzen sich diese Herren mit hoher oberpreußischer tönnten, obgleich sich auf diese Weise die unscharfen Ränder zur Erlaubnis von Zeit zu Zeit als Verfechter der freien Wissenschaft Zeit der Schmelze nicht recht erklären ließen. Daß aber die verin Positur und zetern, wenn Zentrum nicht gerade Trumpf dunstende Kohlensäure gar im Spektrum der Marsatmosphäre die ist, über die Unduldsamkeit der Papsttirche, während sie gegen die Linien des Wasserdampfes schärfer hervortreten lassen sollte, werden größere und gefährlichere des preußischen Ministeriums nicht auf- behaupten können. Wenn sich also die vorläufig von Lowell telewohl auch die hartnädigsten Berfechter der Verödungstheorie" nicht zumuden wagen. Daß diese preußischen Zustände nichts anderes sind als eine graphisch an Sir Norman Rocher mitgeteilte Beobachtung beTeilerscheinung der Allmacht der Alleinherrschaft der Bureaukratie, stätigt, was wohl anzunehmen ist so wird eine ganze Reihe die jede Freiheit als ihren Todfeind hassen muß, zeigt sofort ein Blick von Einwänden gegen die Bewohnbarkeit des Mars hinfällig. Es auf andere Länder. In Desterreich würde sich kein Student die Zensur der Marsoberfläche beobachtete, die ihn das Vorhandensein von ist recht bezeichnend, daß schon Secchi im Jahre 1858 Veränderungen feiner Vorträge durch eine akademische Behörde gefallen lassen; was in Breußen als das Schredlichste aller Schreden gilt, konnte in Dunst- und Wolkenmassen in seiner Atmosphäre annehmen ließen. Desterreich ohne jedes Hindernis längst verwirklicht werden. An Auch Sir Norman Lockyer fand anläßlich der Erdnähe im Jahre der Wiener Universität besteht seit vielen Jahren eine sozialistische 1862 so rasche, binnen Stunden vor sich gehende Aenderungen des der Wiener Universität besteht seit vielen Jahren eine sozialistische Details, daß er zu ihrer Erklärung die Wolkenbildung heranzog. Organisation der Studenten, die in ihrem Verein über alle Fragen des wissenschaftlichen Sozialismus ungehindert Vorträge hält, sozialistische Studenten nehmen an der März- und Maifeier des Proletariats teil. Und eben jezt hat der Verein eine Märzfeier veranstaltet, in denen die Genossen Mar Adler, Otto Bauer und der Abgeordnete Karl Renner, selbst frühere Mitglieder des Vereins, über Mary als Philosophen, Nationalötonomen und Politiker gesprochen haben. Und der akademische Senat, weit entfernt, den in Desterreich undenkbaren Versuch zu machen, diese Vorträge zu verhindern, hat dem Verein ohne weiteres den großen Hörsaal der Universität zur Abhaltung der Mary- Feier zur Verfügung gestellt. Noch schrecklicher geht's aber in England zu. An der Universität bon Glasgow ist nächstens Rektorwahl. Die englischen Universitäten haben noch die mittelalterliche Korporationsverfassung. Der Rektor vird daher nicht bloß vom akademischen Senat gewählt, sondern von allen, die an dieser Universität einen akademischen Grad erworben haben. Und da hat nun die sozialistische Gesellschaft an der Universität Glasgow als Kandidaten für das Rektorat Genossen Seir Hardie aufgestellt. Seine Gegenfandidaten find CambpellBannerman und Lord Curzon. Dafür ist aber auch England ein zurückgebliebenes Land und wir kennen feine englische Uebersetzung des echt- preußischen Professorenwortes von der Leibgarde der Hohenzollern. Wasser in der Mars- Atmosphäre. Zu der neuesten Mars entdeckung wird den Allg. Wiss. Ber." geschrieben: Prof. Percival Humor und Satire. Streiflieber, im Reichstag zu singen. I. Die Presse streift. Der Terror wütet. Die Streifpoften hält kein Gesetz mehr im Zügel; Ein Kerl, gestellt von der" Post", entbietet Den Nauhbeinen hahnebüchene Prügel. Streifbrecher liefert hier selbstverständlich Das Zentrum. Kinder, gönnt es ihm gerne, Auf daß der christliche Arbeiter endlich Seines Zeitungsgeschwisters sich schämen lerne! II. Selig, wer sich vor der Welt Sonst zumeist verschlossen hält. Neidlos senden ihren Chor Heut' die Primadonnen vor. Denn was nügt der Rede Schwall, Bleibt er ohne Widerhall In des treuen Lesers Brust? Deubel, da vergeht die Lust. Drum wird heut', wer sonst Dho" Nur geschrien, des Nedens froh; Fröhlich tummelt auf der Flur Sich die letzte Garnitur. III. Saubengel? Rein so arges Wort. Ich reicht' ihm eins am rechten Drt, Um dann in aller Freundschaft zu sagen: Gelt, Gröber! Wollen uns weiter bertragen! Erzbergers unsterbliche Negerseele Hingegen und ähnliches fromme Gegröhle Brächten auch mich im Reichstag zum Rasen, Lieber noch Gröber als Heuchelphrasen! Notizen. Fridolin. Bühnenchronit. Eleonora Duse beginnt ihr Gastspiel im Neuen Theater am 7. April in der Stolle ber D'Annuncio und am 9. April Rosmersholm" gegeben. Ein Teil des Locandiera". Am 8. April wird„ La Citta morte" von Ensembles des Neuen Schauspielhauses wird in der Zeit von Anfang April bis Ende Juni im Berliner Theater borwiegend Stücke leichten und heiteren Charakters" aufführen. " Der Richter, der beim Worte genommen und wurde. Die Richter benutzen ihre privilegierte Stellung nur zu oft dazu, um die vor ihre Schranken zitierten mit unangebrachten Mahnungen, weisen Lehren und ähnlichem zu behelligen. Meistens muß der ihnen Ausgelieferte schweigend solche Ungehörigkeiten, die von Unwissenheit und Klassenvorurteilen diktiert werden, über sich ergehen lassen. In Ungarn hat man jetzt einmal einen Richter beim Wort genommen durch Tatsachen( hoffentlich gründlich) belehrt. Die Frankfurter Zeitung" berichtet darüber: Vor dem Budapester Gerichtshof fand vor einigen Tagen die Ver handlung gegen einen wegen Aufreizung zum Klaffenhaß an geflagten fozialistischen Agitator" statt. Präsident Sárkány redete dem Verbrecher ins Gewissen, den Haß gegen die heutige Gesellschaftsordnung aufzugeben, denn die Gesellschaft fei besser als ihr Nuf. In Ungarn tönne jeder brave Arbeiter, nur wolle, täglich unbedingt fünf Kronen ber Am nächsten Tage erschien im Inseratenteil zweier Budapester Blätter folgender Aufruf: Arbeiter! Wer täglich fünf Kronen verdienen will, melde sich: VIII. Bezirk, Baroßgasse Nr.."( Die genaue Wohnungsadresse des Gerichtspräsidenten Sárlány.) Seither ist es um die Nuhe des Herrn Sárkánh gefchehen. Von früh bis abend melden fich Hunderte und Hunderte von Arbeitern in seiner Wohnung und suchen um Arbeit an. Vor dem Haufe des Gerichtss präsidenten herrscht zu manchen Stunden des Tages ein lebensgefährliches Gedränge der Arbeitsuchenden, so daß selbst die Polizei intervenieren mußte. Nun hat man die erwähnten beiden Zeitungen ersucht, die gefährliche Anzeige nicht mehr zu publizieren, und die übrigen Zeitungen, über die Sache zu schweigen. Man hofft damit die gestörte soziale Ordnung wieder ins richtige Geleise au bringen. ivenn er dienen. leflUimlerten Kläger anerkenne. Nur der borläufig berpflichtet« Armenverband Leipzig sei zur Klage berechtigt geivesen: zum »nndesten aber hätte Magdeburg nicht über den Kopf von Leipzig hinweg klagen dürfen. Der 3. Senat des OberverwaltungerichtS hob die Vorentscheidung auf, verwies die Sache zu nochmaliger Ver- Handlung an den Bezirksausschuß zurück und führte au«: Es sei nthiig, baß Hauskinder nur dann versicherungspflichtig wären, ivenn cm Arbeitsvertrag geschlossm sei. Das ergebe sich aus dem Gesetz. Der Abschluß eines Arbeitsvertrages sei bisher noch nicht festgestellt. Deshalb sei das Urteil aufzuheben. Aber auch der zweite Grund, das Klagerecht Leipzigs betreffend. grelse durch. Es müsse eine Erklärung Leipzigs betgebracht werden, daß es nichts mehr zu fordern habe, bevor Magdeburgs Klagcrecht einwandfrei sei. Besserer Schub gegen die Milzbrandgefahr. Die organisierten Bürsten- und Pinselmacher Nürnbergs haben schon vor 1H Jahren den Kampf gegen die furchtbare Gefahr der Ansteckung mit Milzbrand, der die Arbeiter der Bürsten- und Pinsel- industric ausgesetzt sind, eröffnet. Eine von ihnen eingesetzte Milz- brandkommission hatte die Aufgabe, die Agitation in dieser Frage zu betreiben und die öffentlichen Gewalten zu bestimmen, auö« rcichendc Schutzmaßnahme» zu erlassen. Das unermüdliche Drängen hatte auch den Erfolg, daß einige Vorkehrungen getroffen wurden, die aber durchaus unzureichend sind. Ein volluändiger Schutz gegen die Milzbrandansteckung existiert noch nicht, noch immer kommen Er- krankungen und Todesfälle infolge Milzbrand ziemlich zahlreich vor. Die Arbeiter sind der Ansicht, daß ein vollkommener Schutz nur dann garantiert ist, wenn das gesamte zur Verarbeitung kommende Material, auch das inländische, dem DeSinfektionszwang unterworfen wird. Gegen diese Forderung haben sich die Industriellen bisher stets mit der Ausrede gewendet, daß hierdurch das Material entwertet werde. Nun hat vor einiger Zeil die Zentraltommission der Bürsten« und Pinselmacher Deutschlands, die in Nürnberg ihren Sitz ha», an den Reichskanzler eine Eingabe ge- richtet, in der neuerdings die ZwangSdesinfektton für alle zur Ver« arbeitung kommenden mländiichen Tierhaare gefordert wird. Die Reichsregierung ließ Erhebungen pflegen und forderte unter anderen auch vom Stadt niagi st rat Nürnberg ein Gutachten ein, ob durch den allgemeinen Desinfektionszwang eine Volkswirtschaft- liche Schädigung zu befürchten wäre. Der Magistrat hat sich mit den Industriellen in Verbindung gesetzt und im Einvernehmen mit diesen sein Gutachten dahin formuliert, daß vom voll» Wirt- schaftlichen Standpunkte aus keine Bedenken gegen die Anordnung deS Desinfektion Szwangö für die zur Verarbeitung bestimmten Haare von inländischen Rindern, Pferden und Ziegen sowie für die Borsten inländischer Schweine bestehen. In Nürnberg besteht bereits eine orttpoltzeiliche Vor- schrift, die die Zwangödesinfektion für Haare von Rindern, Pferden und Ziegen vorschreibt. Wird der Bundesrat nunmehr allgemein den DeSinfektionszwang einführen? Menschen als Ware. Der Arbeitsnachweis der Landwirtschaftskammer der Provinz Sachsen zu Halle a. S. erläßt Inserate, die folgenden Wortlaut haben: „Mehrere größere Posten Wanderarbeiter lMänncr. Frauen und Burschen) find noch abzugeben.* Aehnliche Inserate gehen von anderen LandwirischaftSIammern aus. Den Agrariern find die Landarbeiter eine Ware, die man be- liebig verhandelt. Menschenrechte? Ein leeres Wort, das im Sprachschatz unserer Junker nicht existiert— Notabene soweit sie nicht meinen, daß ihnen selbst noch Menschenrechte vorenthalten werden. Dann wissen sie nicht genug zu schreien über die Un- gerechtigkett der Welt und der Menschen.... Wir sind die Herren und ihr seid die Sklaven, die wir noch geringer achten als unser Vieh l»_ Eine staatliche Versuchsanstalt ein Seuchenherd? Zu Greifswald besteht an der Gützkower Chaussee die staatliche Versuchsstation zur Ersorsckiung der Erreger der Viehseuchen und der Bekämpfnng derselben. Aus vier Gehöften in der Umgegend brach nun ISOS die Maul- und Klauenseuche aus. Nach den Feststellungen einer von den Mimstern entsandten Untersuchungskommisston ist mit größter Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß die Seuche msolge Uebertragung durch die zu Versuchszwecken ge- haltcnen Tiere des Instituts entstanden ist. Die Kommission fand die Abschließung der Anstalt inangelhast und ihre Lage auch nicht geeignet.— Zivei Gutsbesitzer, deren Vieh von der Maul- und Klauenseuche befallen war, verklagten den Fiskus als Besitzer und Professor Dr. L ö f f l e r als den Leiter der Station auf Schadenersatz. Der KultuSmini st er erhob Konflikt zugunsten des Professors und machte geltend, er sei lediglich Leiter der Anstalt gewesen und eS falle ihm eine Uebertretung seiner Amtspflichten oder eine Unterlassung einer AmtS- Handlung nicht zur Last, mithin könne er nicht zivilrechtlich verant- wortlich gemacht werden. Das Oberverwaltungsgericht verwarf dieser Tage den Konflikt als unbegründet, weil nicht unwiderleglich dargetan fei, daß Löffler sich einer Unterlassung der ihm obliegenden Pflichten uicht schuldig gemacht habe. Em Induftrie und Rande!* . Gewinnsteigernug. DaS Essener Steinlohlenbergwerk A.-G. erzielte für das letzte Jahr eineil Reingewinn von 2 808 678 M. gegen 2 284 666 M. für das Jahr 1606. Die Kohlenförderung stieg in derselben Zeit von 1366 923 Tonnen auf 1486 333 Tonnen. Demnach ist der pro Tonne Förderung herausgebrachte Reingewinn von 1,636 M. auf 1,835 M. gewachsen. Das ist eine Steigerung von über 15 Proz. Und da die Zahl der Arbeiter von 4413 auf nur 4840 hinaufging, ist der pro Arbeiter erzielte Reingewinn von 518 M. auf 580 M. gestiegen._ Folgen der Schlchzöllnerei. Die Handelskammer zu Hanau bemerkt in ihrem letzten Jahresbericht: Wenn demnach die Außenhandelsverhältniffe Deutsch- lands für 1607, ziffernmäßig betrachtet, im ganzen noch günstig erscheinen, so darf in diesem Zusammenhang doch nicht ver. schwiegen werden, daß die neuen Handelsverträge, teils an sich, teils in Verbindung mit anderen Momenten, ihre nachteiligen Wirlungen für unsere Exportindustrien mehr und mehr fühlbar zu machen beginnen. So wird uns aus der Weberei berichtet, daß infolge hoher Zölle ihr Absatz nach Frankreich, Spanien, Rußland und den Vereinigten Staaten fast unmöglich geworden sei und der- jenige nach Italien, Oesterreich-Ungarn und der Schweiz empfind- liche Einbuße» erlitten habe. Die Bijouteriebranche klagt nament- lich über die enorme Zollerhöhung in Oesterreich, und dort sowie in Frankreich und Italien, wo überdies noch niedrigere Arbeits- löhne gezahlt werden, erwachse ihr ein« zunehmende Konkurrenz. Die Emaillewarenindustrie steht sich infolge der Zollverhältnisse in wichtigen ausländischen Absatzgebieten aufs ernsteste bedroht, wo mit Hülfe billigeren Rohmaterials zudem eine immer mehr er- starkende eigene Industrie entstanden ist. Für chromolithographische Erzeugnisse und für Metallflittern ist der Export durch hohe Zölle sehr erschwert, und die deutsche Tecrfarbenindustrie befindet sich in einem harten Kampf um d:e Behauptung ihrer Vormachtstellung auf dem Weltmärkte._ Roheisenerzeugung. Nach den Ermittelungen des Vereins Leutscher Eisen- und Stahlindustrieller betrug die Roheisen- crzeugung in Deutschland und Luxemburg während des Monats Februar 1908 insgesamt 664 186 Tonnen gegen 1 061 329 Tonnen im Januar 1993 und 973 191 Tonnen im Februar 1997. In der Produktion der einzelnen Sorten in den einzelnen Bc- zirken liegen auffällige Verschiedenheiten gegen den Vormonat vor. So ist im Siegerland die Erzeugung von Vessemerroheisen von 8753 Tonnen aus 47 Tonnen gefallen, in Rheinland-Westfalen die Erzeugung von Puddelroheisen von 1612 Tonnen auf 3230 Tonnen gestiegen.— Jedenfalls hat man sich darauf verlegt, Schmiede- eisen auf Lager zu produzieren. Streiflichter auf die Weltkrise. England. Die wirtschaftliche Situation hat sich in der Tcxtil-, Eisen- und SchisfSdauindustrie entschieden verschlechtert. N o r d a m e r i ka(II. St.). Die Geschäftsverhaltnisse sind nach wie vor schwierig, die Hoffnungen auf eine» raschen Verlauf der Krise sind dahin. Kanada. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß auch dieser Nachbarstaat der Union eine ernste ökonomische Krise durchmacht, deren Umfang allerdings noch nicht genau abzuschätzen und deren bleibende Folgen zurzeit nicht abzusehen sind. Die offiziellen Bulletins sind zwar bemüht, die gegenwärtige mißliche Lage nur als eine durch momentane Geldknappheit verursachte vorübergehende Unterbrechung der günstigen Konjunktur darzustellen, die angesichts der reichen natürlichen Einnahmsqucllen rasch und sicher zu beheben sein werden; aber fachmännische Privatberichte sowie aucki die Saisonausweise der diversen Eisenbahn- und Exportgesell- schaften geben andere Urteile von der Lage. Chile. Die Verhältnisse werden noch immer als recht un- günstig geschildert. Die Streiks in den Salpetergrubcn beeinflussen die Lage höchst ungünstig. Brasilien. Die Regierung will sich autorisieren lassen. gewissen Staaten(U. St.) anstatt eines Zollnachlasseö von 20 Proz. einen solchen von 50 Proz. zuzugestehen. Die Hamburger Exporteurs sind darob sehr beunruhigt und wandten sich an die Regierung. China. Die Situation ist fortgesetzt eine prekäre. Besonders ins Gewicht fällt der Rückgang des Absatzes von Baumwollwaren, der seine Erklärung darin findet, daß übergroße Bezüge im Vor- jähre den Markt überfüllt haben. Aus Niutschwang wurden mehrere große Fallimente gemeldet. Ein bedeutendes Handelshaus, das zwei Banken und mehrere Oelmühlen besitzt, ist mit einem Defizit von etwa 6 Millionen Taels in Konkurs geraten. Dadurch sind in Niutschwang weitere 30 Firmen in Mitleidenschaft gezogen worden; auch Tientsin und Sutschou wurden betroffen, und eine größere europäische Firma sowie mehrere Banken, darunter die russisch-chinesische Bank, sollen mit etwa 1 Million Taels bedeutende Einbuße erlitten haben. Japan. Hier ist die wirtschaftlich-finanzielle Krise eine überaus heftige. In den letzten Wochen haben 12 Firmen, die in der Mehrzahl der Metallindustrie angehören, ihre Zahlungen ein- gestellt. In Tokio sind drei kleinere Banken fallit geworden, auf andere fanden Runs statt. Neben den Vorgängen im Eisenimport wurde die wirtschaftliche Lage auch dadurch beeinträchtigt, daß der Scidenexport infolge der amerikanischen Krise zurückgegangen ist. Ostindien. In den mißlichen Verhältnissen ist keine ivescnt- liche Besserung eingetreten. Verschiedene große Firmen und auch Banken im Innern des Lande» sind Opfer der Krise geworden. Viele Traten kommen uneingelöst zurück. Das Ansammeln von großen Warenmengen an den beiden Jinportstapclplätzcn Bombay und Kalkutta hat derart zugenommen, daß Mangel an Lagerraum ein- getreten ist. Westafrika. An allen Plätzen macht sich eine starke De- presston geltend. Die Faktoreien sind mit Waren überfüllt. Ein- läufe, zumal in Textilien, werden aufL äußerste beschränkt. Slur in Peru, Uraauay. Paraguay, Kolumbien, sowie vor allem in Argentinien entwickeln sich Produktion und Handel gut; ebenso in Mexiko, wenngleich hier eine kleine Abschwächung— infolge der Knse in den Vereinigten Staaten— eingetreten ist. Ei« Ssterreichisches Maschinenkartell. Die bedeutendsten Ma- schinenfabriken in Oesterreich haben sich zusammengeschlossen. In dem neugeschaffenen Kartell befinden sich acht große Mtiengescll- schaften und zwei große Privatfirmen. Die Altlengescllschaften verfügen zusammen über ein Aktienkapital von 51,16 Millionen Kronen und 6,29 Millionen Kronen Reserven. Der jährliche Umsatz der kartellierten Fabriken wird auf 70 bis 80 Millionen Kronen beziffert. Das Kartell ist auf 10 Jahre geschlossen, sein Endtermin fällt ziemlich zusammen mit dem Endtermin des Eiscnkartells(1617). ES ist kein direktes PrciStartell, sondern bloß ein Kontingentier- kartell mit gemeinsamer Geschäftsführung. Jeder Fabrik ist eine Beteiligungsquote zugewiesen, unter gleichzeitiger Festsetzung, wie- viel von dieser Quote auf jede Gruppe entfällt. Die Aufträge werden durch eine ständige Kommission in Prag verteilt. ES»st jedem Besteller unbenommen, sich an eine bestimmte Fabrik zu wenden. u»»d jeder Fabrik, die Beziehungen zu ihrer Kundschaft aufrecht zu erhalten, nur müssen diese Aufträge der Kommission bekanntgegeben und in die Quote aufgenommen werden. Einer der Hauptzwecke der Vereinigung ist, eine weitgehende Spezialisierung zu ermöglichen, die Produktion dcS einzelnen Fabrikates möglichst bei einer einzigen Fabrik zu konzentrieren und dadurch die Produktionskosten wesentlich zu verbilligen. Mit diesem Verfahren hat das Eisenkartell seinen großen Erfolg erzielt, das Maschinenkartell will eS ihm nachmachen. Die Wirkung dieser neuen Kartellbildung wird sich dahingehend zeigen, daß die nichtkartellierten Industrien von dieser Seite Be- drängnissen im In- und Auslandsgeschäft ausgesetzt werden und es w,rd sich heftiger als bisher der Drang entwickeln, sich selbst zu kartellieren. So zieht sich der Ring der Kartelle um die Volkswirtschaft immer dichter._ Hus der frauenbewcc(ung* Tic Frau gehört ins Haus! Das Statistische Amt der Stadt Köln beginnt seinen soeben veröffentlichten Bericht über den Arbeitsmarkt im Monat Februar mit diesem Satz:„Die sonst im Februar einsetzende Frühjahrs- stcigerung der gewerblichen Tätigkeit ist diesmal aus- geblieben.* Das Verhältnis der arbeitsfähigen Krankenkassen- Mitglieder zur Bevölkerungszahl stellte sich mit 231,6 auf 1000 erheblich niedriger als in den beiden Vorjahren, wo die Zahlen 240,4 und 242,8 betrugen. Trotz dieser außerordentlichen Ungunst des ArbeitsmarktcS weisen zwei Kölner Krankenkassen bei erheblicher Abnahme der männlichen Mitglieder eine be- deutende Zunahme der weiblichen auf. Bei der Orts- krankenkasse für die in stehenden Gewcrbetricbcn beschäftigten Per- sonen nahm die Zahl der männlichen Arbeiter um 464 ab, während sich die Zahl der Arbeiterinnen um 454 erhöhte, und bei der Ver- einigten Ortskrankenkasse für Handwerker sank die Zahl der männ- liehen Mitglieder um 1204, während die der weiblichen um 154 zunahin. In diesen Zaholcn kommt die Gier des Unternehmertums nach der wohlfeileren und auch willigeren weiblichen Arbeitskraft zum Ausdruck. Bei der Krankenkasse für das stehende Gewerbe läßt die annähernd gleiche Höhe der verminderten Arbeiter(494) und der vermehrten Arbeiterinnen(454) fast darauf schließen, daß die männlichen Arbeiter durch weibliche ersetzt worden seien. Weibliche Arbeitslose kennt die Allgemeine Arbeitsnachweisanstalt der Stadt Köln überhaupt nicht In der weiblichen Abteilung über- wiegt ständig die Nachfrage der Unternehmer das Angebot der weiblichen Kräfte. Dieser Tage las man in einer Veröffentlichung der Anstalt:„Am 1. und 15. jeden Monatö kann man auf dem Arbeitsnachweisburcau die Beobachtung von dem Abströmen der Mädchen in alle möglichen Berufe der In- d u st r i e machen. Die ungünstige Konjunktur hatte bisher nur aus die Arbeitslosigkeit der männlichen Arbeitskräfte Einfluß. Mehrere hiesige industrielle Betriebe sind außerstande, trotz aller möglichen Nachfragen und Bekanntmachungen ihren Bedarf an weiblichem Personal zu decken. Von den Nachfragen nach Dienst- mädchcn können in der Regel nur 30 Proz. gedeckt werden.* Mit der letzteren Feststellung deckt sich auch die Tatsache, daß die Kölner Wirteinnung bei ibrer Krankenkasse im Gegensatze zu den beiden anderen genannten Kassen eine Zun« h m e der männ- lichen Mitglieder(um 102), dagegen eine Ab na!) nie der weiblichen(um 64) im Monat Februar verzeichnet. Die Berufe der Dienstmädchen und der VasthauSangestollten weisen, im Gegensatz zu allen anderen Bernsen in Industrie, Gewerbe und Handel, eine Abnahme der weiblichen Arbeitskräfte aus. In welchem Umfange die wciblickie Arbeiiskraft in der In- dristrie Verwendung findet, zeigt daö Ergebnis der Tätigkeit des Arbeitsnachweises des Vereins der Metallmdustriellen in Berlin. Danach waren im Jahre 1907 bei den Vercinsinitgliedern 79 407 Personen beschäftigt, davon 16 666 Frauen und Mädchen. ES ge- borten mithin fast 14 Proz. der Beschäftigten dem weiblichen Ge- schlecht an.(siegen 1606 war die Zahl der weiblichen ArbcitSkrSfie im Jahre 1007 um 432 gestiegen. In den letzten Monaten soll sich das Verhältnis sehr verschoben haben, indem auch hier anstelle entlassener Männer die billige weibliche Arbeitskraft Verwendung fand._ Dänische Frauen in der Wahl. Durch das Hlilfskassengcsetz vom 4. Mai 1697 habe» die dänischen Frauen eine Art kommunalen Wahlrechts erhalten, das zwar auf die Gemeindeverwaltungen selbst keinen Einfluß ausübt, aber doch von großein sozialen Wert ist. Schon seit Mitte deS vorigen Jahrhunderts bestehen in den Provinzstädten und Landgemeinden Dänemarls„Freie Armenkassen*. deren Leistungen für die Empfänger nicht, tvie die allgemeine Armen- unterstlitzuiig, den Verlust des Wahlrechts noch des Recht« auf Altersversorgung nach sich ziehen. Bisher wurden die Kassen- Verwaltungen von den Gcmeinderälen eingesetzt, was zur Folge hakte, daß die Hülfsbedürfligen nur zu oft an die Gemeindekasie verwiesen wurden, besonders dann, wenn es sich uni sozialdemokratisch gesinnte Arbeiter handelte, denen man aus diese Weise daS Wahlrecht entreißen konnte. Seit 1604 steht den Freien Armenkassen ein Staatszujchuß von im ganzen 250 000 Kronen das Jahr zur Verfügung, aus dem ihnen bis zu einem Drittel ihre Ausgaben ersetzt werden lömien. Dieser Zuschuß kann aber nur von solchen Gemeinden voll ausgenutzt werden, die selbst pro Jahr und pro Kopf der Einwohner mindestens 30 Oere für die Kaste aufbringen. Ein gut Teil des Zuschusses ist bisher nicht ver- braucht worden, da nur pie Gemeinden, wo die Arbeiterklasse trotz des kommunalen ZweiklassenwahlrechtL im Gcmeinderat starl genug vertreten ist, da« nötige Interesse für die Freien Armenkassen zeigen. Durch das neue Gesetz, das diese Kassen als„H ü l f s k a s s e n* bezeichnet, ivird eine ziemlich gründliche Demokratisierung der Kastenverwaliungen durchgeführt. Allen mindestens 25 Jahre alten. stcuerzahlenden Männern und Frauen, steht daS aktive und passive Wahlrecht zu. Wenn man ein Jahr in der Kommune ansässig ist und seine Steuer gezahlt oder be» Ehefrauen der Mann sie gezahlt hat, ist da« Wahlrecht zur HülfSkasse gewonnen. Die Wahlen sind proportional. Die Wahlen finden in diesem Monat statt und haben auch bereits in mehreren Gemeinden zu guten Erfolgen für die Sozial- demokratie und die ihr angehörenden Frauen geführt. Besonders lebhaft ist der Wahlkampf»n Frcderiksberg. der Nachbargeineinde Kopenhagens und größten Provinzstadt Dänemarls, wo die Wahlen am Dienstag stattfinden. Hier versuchte eine bürgerliche Frauen- organisation eine besondere Fraucnliste aufzustellen, die lediglich Damen aus der„besten* Gesellschaft aufwies. Der Versuch mißlang jedoch, und die Damen mußten sich damit beg»ügen. daß zwei von ihnen auf die Liste der Konservativen übernommen wurden. Der Versuch mit der„reinen" Frauenliste ging ursprünglich von den RegicrungSliberalen auö, die sich in FredcrikSberg zu schwach fühlen. um unter eigener Parteiflagge den Wahlkampf aufzunehmen. Von den bürgerlichen Parteien haben außer den Konservativen nur noch die Radikalen eine eigene Liste aufgestellt. Die sozialdemo- kratische Liste enthält die Namen von fünf Genossinnen und von sechs Genossen, unter diesen die drei, die bisher in der Verwaltung der Freien Armenkasse saßen. Auf dem Stimmzettel werden die Kandidatenlisten einfach mit Liste A.— B. und— C. bezeichnet,� und der Wähler oder die Wählerin macht bei der Liste, die sie zu wählen gedenkt, ei» Kreuz. Die Kommunalverwaltung hat die sozialdemo- kratische Liste mit„A* bezeichnet und man darf erwarten, daß diese Liste auch die größte Stimmenzohl erhält. Die Stimmabgabe ist selbstverständlich geheim; daS unsittliche preußische System der öffentlichen Stimmabgabe gibt eS in Dänemarl überhaupt nicht._ DaS Frauenwahlrecht in den Kommune». Die nationale Föderation der sozialistischen Frauen Belgiens wendet sich in einem Aufruf an die sozialistischen Vertreter in deir Gemeinden. Sie fordert dieselben auf. das Wahlrecht der Frauen zu den Gemeindevertretungen zu propagieren. Der Aufruf erinnert daran, daß entsprechend den Beschlüssen der Internationalen Konferenz zu Stuttgart und des vorjährigen Kongresses der belgischen Sozialdemokratie das Wahlrecht für alle Frauen vom 21. Jahre an ohne jede weitere Einschränkung gefordert werden muß. ES wird das besonders betont, weil eine bürgerliche Frauenvereiniguna das kommunale Wahlrecht zu denselben Bedingungen fordert, als eS heute die Männer haben, und das ist den sozialistischen Frauen, da sozialistischen Partei überhaupt selbstverständlich nicht weitgehend genug._ Versammlungen— Veranstaltungen. Trevtow-Baumschulenweg. Mittwoch, den 25. d. Mts., Uhr» bei Christ. Marienthaler Straße, Ecke Ernststraßc: Vortrag. Herr Sewekow:„Die Bedeutung der Frau im Wirtschaftsleben." Köpenick. Mittwoch, den 25. März, 8 Uhr. bei Joch. Schönerlindcr Straße 1: Vortrag. Wilhelmsruh. Mittwoch, den 25. März, 8Vj Uhr. bei Barth. ßcricbtö- Zeitung. AuS einem Warcnhaufr. Der Besitzer eines der größten Warenhäuser in Essen, der öljährige Kausinann Moritz Nathan, verheiratet und Vater erwachsener Kinder, stand am Sonnabend in Essen unter der Anklage, in sechs Fällen der tätlichen Beleidigung junger Mädchen, bc- gangen in den Jahren 1903—1907, sich schuldig gemacht sowie in zwei Fällen einen wissentlichen Meineid geleistet zu haben. Die Versehlungen deS Nathan kamen dadurch zur Kenntnis der Behörde, daß eine Verkäuferin des Nathanschen Warenhauses, die angeklagt war, Waren aus dem Geschäft entnommen zu haben und deshalb wegen Unterschlagung zu 50 M. Geldstrafe verurteilt wurde, in der Schöffengerichtoverhandlung aussagte, daß Nathan ihr wie anderen Lehrmädchen und Verläuferinnen erlaubt habe, ruhig Waren, die sie nötig hätten, abends mit nach Hause zu nehmen. Nathan be st ritt dieses unter seinem Eide in der Schöffengerichtssitzung am 16. August 1607 und vor der zweiten Straflammer am 4. Juni 1907. Das hatte die Anklage wegen wissentlichen Meineids zur Folge. Durch die Unter- suchung wurde festgestellt, daß N. in einer Reihe von Jahren eine Anzahl seiner weiblichen Angestellten— von denen mehrere noch nicht 16 Jahre alt waren— in sein Privatkontor kommen ließ und dort mit ihnen, unter Mißbrauch seiner Autorität, fortgesetzt, oft mit, oft ohne Erfolg unsittliche Handlungen vorgenoinmen hat. Da die gesetzlichen Vertreter der jungen beleidigten Mädchen die Strafantrage zurückzogen, mußte wegen dieser Punkte das Vcr- fahren eingestellt bleiben. ES blieben die zwei Meineids- fälle übrig. Die Verhandlung, zu der über 60 Zeugen und auch der Direktor der Grafenberger Irrenanstalt, sowie zwei andere medi- zinische Sachverständige geladen waren, fand unter vollständiger Ausschließung der OetfenUichkeir statt. Der Llngellagte, der längere Vermischtes. " " befagt, will die ständige Kommission für unterſeeische Berteidigung Ein eigenartiges Versuchsobjekt. Wie eine Meldung aus Toulon demnächst Versuche mit einem neuen Explosivstoff unternehmen, der eine wirksamere Verteidigung der Stüfte und der Häfen gestatten soll. Die Versuche erfordern die ufopferung eines Zorpebobootes. Zeit in der Jrrenanstalt zu Grafenberg zweds Beobachtung feines| auch nicht eingefchriebenes Mitglied der gelben Drgani Geisteszustandes interniert war, ist von den behandelnden Werzten fation war, so gehörte er doch auf Grund seiner Streifbrechertätig gestern im Walde von Montmorenczy. Ein Chauffeur, der einem Ein Automobilunfall ereignete fich Bariser Meldung zufolge vor. für vollständig zurechnungsfähig erklärt worden, und berurteilte ihn feit zu jenen Leuten. Trogdem fuchte das Organ der Gelben Motorrade ausweichen wollte, machte eine so plögliche Bendung, das Gericht unter Versagung mildernder Umstände in den Einbrecher an die Stockschöße des Bäckerverbandes zu daß der Wagen in einen Graben stürzte. Ein Herr, eine Dame einem Falle zu einem Jahre und zwei Monaten Gehängen. Dagegen wehrte sich natürlich der Weckruf". das Organ und ein kleines Mädchen, die sich in dem Wagen befanden und deren fängnis.der Berliner Mitgliedschaft des Bäckerverbandes. Der Weckruf" Identität noch nicht festgestellt werden konnte, sind schwerverlett verwies darauf, daß man den Einbrecher zu den Gelben rechnen worden. Der Chauffeur, der unter den Wagen geriet, wurde buchEin falscher Berichterstatter, fönne und daß es ja auch ein Gelber sei, den der Krüger bestohlen. stäblich zermalmt. ber längere Zeit hinburch in dem Moabiter Kriminalgericht seine Die gelegentliche Bemerkung des Weckruf", daß der bestohlene Betrügerische Tätigkeit ausgeübt hatte, tourde gestern aus der Unter- Kretschmar vor dem Diebstahl mit dem Einbrecher Krüger einträchtig Eine Explosion. Elf Leichen. In einer Arbeiterfaserne in den suchungshaft dem Schöffengericht Berlin- Mitte vorgeführt. Wegen zusammengearbeitet habe und also ein gelber Streitbruder den Naphthawerken von Balachany fand vorgestern abend, wie eine Betruges und Bergebens gegen die Gewerbeordnung war der anderen bestohlen babe, gab dem Bäder Kretschmar Veranlassung zu Meldung aus Batu befagt, eine heftige Explosion statt, beren Ursache Buchhalter Heinrich Gingrieber vor dem Strafrichter einer Beleidigungsklage gegen Schneider, den Redakteur des Beck- bisher nicht festgestellt werden konnte. Das Gebäude ist teilweise angellagt. In den Sigungsfälen des Moabiter Kriminalgerichts ruf". Es stellte sich heraus, daß die Annahme, der Kläger habe mit zerstört; unter den Trümmern wurden 11 Leichen gefunden. gebäudes treibt sich tros aller Vorsichtsmaßregeln noch immer Krüger zufammengearbeitet, auf einer irrigen Information Schneiders eine gewisse Sorte von Kriminalſtudenten" herum, denen es, beruht. Schneider wurde wegen Beleidigung gestern vom Schöffen trop aller Warnungen in der Presse, immer wieder gelingt, gericht zu 50 Mart verurteilt. fich an Angeklagte oder sonstige Prozeßbeteiligte heranzu drängen und fich als Berichterstatter auszugeben. Zu diefen ges meingefährlichen Subjekten gehörte auch der jegige Angeklagte Gingrieber, ber die Zuhörerräume im Winter als eine Art Wärmehalle benuzte. Mit der Zeit faßte er den Gedanken, das Angenehme auch zugleich mit dem Nüglichen zu verbinden. Er gab sich den Gerichtsdienern gegenüber als Vertreter der Preffe" aus, die ihn auch pajfieren ließen, da er eine Art Legitimation vorzeigte. Die Absicht des Angeklagten ging jedoch nur dahin, von verurteilten Angeflagten Geld zu erlangen. Hierbei gab er an, er fei der Bericht erstatter mehrerer Zeitungen und könne es ermöglichen, daß die Verhandlung nicht in die Zeitungen käme, wenn ihm der angebliche Schaden ersetzt werde. Tatsächlich fielen auch mehrere Leute auf diesen Schwindel hinein und waren am nächsten Tage sehr erstaunt und entrüftet, als fie doch die fragliche Berhandlung in den Zeitungen abgedruckt fahen. Außerdem verstand es der Angetlagte auch noch, sich in dem Gerichtsgebäude als Wintelfonsulent zu etablieren und einer Anzahl Leuten für völlig tonfuse und wert lofe Schriftfäge Geld abzunehmen. Das Gericht erkannte in Anbetracht der überaus niedrigen Handlungsweise des Angeklagten auf einen Monat Gefängnis. Kampfmittel der Gelben. In dem Blatte des gelben Bäderberbandes ist dem Verbande der Bäder( freie Gewerkschaft) die Neun Mann ertrunken. Wie aus Ratzeburg gemeldet wird, ging am Sonntagabend 9 Uhr infolge Ueberlastung ein auf dem Mageburger See verkehrendes Fährboot mit 14 Infaffen, 100 Meter von der Landungsstelle entfernt, unter. Von der Besatzung erreichten nur fünf Mann schwimmend das Ufer; die übrigen neun Mann, darunter der Fährmann Koch, ertranten. Außer dem Fährmann ist von den Berunglückten bis jetzt nur noch der Schuldiener Berndt aus Rageburg refognosziert. Die Leichen sind bisher noch nicht aufgefunden. Unter den Toten befinden sich auch zwei Sonntagsläger. Briefkaften der Redaktion. Geöffnet he Die furistische Sprechstunde fludet Lindenstraße Nr. 3, zweiter wochentäglich abende von 7% bis 9% ur statt. Sof, Dritter Eingang, vier Treppen, Fahrstuhl Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Aufrage ift ein Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. 5. F. 600. Erkennen Sie bei dem Standesbeamten Ihre Baterschaft an und beantragen Sie die Umschreibung des Namens. R. N. 08. 1. Jn Berlin von 1600 M. ab. 2. Ja. Gilt 100. Die Geschäftsaus Eisenbahnzusammenstoß. Nach einer Meldung aus Gera fuhr gaben find abzurechnen. P. S. Die Beiträge und die Prämien sind gestern früh der Schnellzug 71 auf Bahnhof Köstris infolge dichten abzugsfähig. E. P. 45. Fragen Sie bei dem alten Wirt an, ob in Rebels auf eine Rangiermaschine. Gin Heizer und zwei Neifende der Sat die Miete zediert ist, oder verlangen Sie Beglaubigung der Unterwurden leicht verlegt, zwei Lokomotiven und zwei Wagen beschädigt. müssen, auch von dem alten Wirt in Anspruch genommen zu werden. schrift, bann tönnen Sie an den neuen Wirt zahlen, ohne befürchten zu Der Verkehr ist nicht gestört. Die Reisenden wurden mit dem nächsten 3. 2. 1. Nein. 2. Die Klage hätte feine Aussicht auf Erfolg, weil die Personenzuge nach Leipzig weiterbefördert. Sündigungsfrist ausgeschlossen ist. 444. B. G. Das Borgehen lann als strafbarer Betrug verfolgt werden. P. 2. 47. Steineswegs. Eine Schiffskatastrophe- über 200 Personen ertrunken... 6. Zur Zahlung Des Fasses find Ste verpflichtet. A. G. 100. Nein, Sie tönnen nur auf Erfüllung des Bersprechens Eine furchtbare Nachricht kommt aus New- York. Nach einem gegen den Berläufer lagen. 23. 23. 108. In den nächsten Tagen. Unterſtellung gemacht worden, er zähle Einbrecher und sonstige bort eingetroffenen Telegramm aus Tokio ist bei einem Zusammenstoß Bahlstelle. Weitläufige Berwandtschaft aus einer Seitenlinte beſtehend. fragwürdige Elemente zu seinen Mitgliedern. Diese allgemeine B. 11. In der Tierarzneischule und im Tierschutzverein, Schicklerstraße. Berdächtigung ſtüyte das gelbe Organ auf die Tatsache, daß ein in der Nähe von Hakodate gestern früh der Dampfer Matfu23. R. 1001. 1. Gegen den Meister tönnen Sie nicht mit Erfolg vor. Bäckergefelle Krüger fich des Einbruchsdiebstahls an einem Kollegen Maru gesunten. Der Kapitän, 43 Mann der Besatzung und gehen. Der Betreffende hätte der Krantentasse nitteilen sollen, daß er Stretfchiar schuldig gemacht hatte und deshalb bestraft die meisten der 244 Bassagiere find umgekommen. weiteres Mitglied bleibt. 2. Nein. .. 27. 1. Benden Sie sich worden ift. Krüger ist allerdings gana turze Zeit Mitglied des beschwerdeführend an den Magistrat. 2. Etwa 100 M. 3. M. 12. Bäckerverbandes gewesen, aber sofort ausgeschloffen worden, flagen und dann Pfändung in die Blusen vornehmen. 1. Ja, 2. Nein. R. 2. 30. Nein, Sie könnten nur den Lohn einnachdem man ihn als unsauberen Patron erkannt hatte. Dagegen schweizer, 26. Die Wutter tönnte die Alimente noch nachträglich verOber: ist der Einbrecher Strüger, ehe er dem Verbande beitrat, als Streit langen, nach Ihren Darlegungen scheint sie aber darauf verzichten zu wollen, brecher während des Berliner Bäderstreiks tätig gewesen. Wenn er Bweds Beitreibung brauchte sie nicht ein neues Erkenntnis zu erwirken. Für den Juhalt ber Jnierate übernimmt die Redaktion dem Bublikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Dienstag, den 24. mars. Anjang 7 Uhr. Königl. Opernhaus. Der Evangell. mann. Königl. Schauspielhaus. Das große Licht. Deuriches. Die Räuber. Stammerspiele. Frühlings Er wachen.( Anj. 8 Uhr.) Anfang 8 Uhr. Neues Operetten. Der Mann mit den drei Frauen. Neues Schauspielhaus. Judith. Lessing. Das Tal des Lebens. Neues. Meißner Porzellan. Lorking. Martha. Berliner. Förster- Chriftl. Lustspielhaus. Banne. Schiller • 0.( Bauner Theater.) Der Weg zum Herzen. Schiller Charlottenburg. Raffer und Galiläer. Theater an der Spree. Unter Spiritisten. Komische Oper. Tesland. Kleines. 2 × 2= 5. 1 Kleines Theater. Dienstag, den 24. März: 2 mal 2= 5. Anfang 8 Uhr. Mittwoch 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Donnerstag: 2 mal 2= 5. Theater des Westens. 8 Uhr: Ein Walzertraum. Sonntag nachm. 3% Uhr halbe Preise: Die lustige Witwe. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Hasemanns Töchter. Anfang 8 Uhr. Mittwoch: Hasemanns Töchter. Donnerstag: Die Rangau und die Bogwisch. Lortzing- Oper. Belle- Alliance- Straße 7/8. Abends 8 Uhr: Martha. Residenz- Theater. Direktion: Richard Alexander. Anfang 8 Uhr. Friedrich Wilhelmstädt. Schau Der Floh im Ohr. spielhaus. Hasemanns Töchter. Hebbel. Frau Barrens Gemerbe. Schwank in drei Alten von Georges Weften. Ein Walzertraum. Mesidenz. Der Floh im Dhr. Zentral. Freiheitsdrang.( Anfang 8 Uhr.) Quisen. Unsere Don Juans. Thalia. Jmmer oben auf. Trianon. Baron Toto. Bernhard Noie. Onkel Toms Hütte. Metropol. Das muß man seh'n. Apollo. Feydeau. Deutsch von Wolff- Jacoby. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Haben Sie nichts zu verzollen? Beim Blumenpflücken abgestürzt. Nach einer Meldung aus Reichenau ist der Fabrikant Robert Droesler aus Inzersdorf beim Blumenpflücken von einer hohen Wand abgestürzt und war sofort tot. Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Ballner- Theater). Dienstag, abends 8 Uhr: Der Weg zum Herzen. Lustspiel in 4 Aften v. Adolf L'Arronge. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Hexenkessel. Sierauf: Jungfer Immergrün Donnerstag, abends8Uhr: Maria Stuart. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Abends 8 Uhr: Schiller Theater Charlottenburg. Dienstag, abends 8 Ubr: Kaiser und Galiläer. 3bfen. Deutsch von E. Brauferetter. Eine Nilfahrt bis zum Welthistorisches Schauspiel von Henrif Erster Teil: Casars Abfall. Schauspiel in 5 Atten. Mittwoch, abends 8 Uhr: Kaiser und Gallläer. Donnerstag, abends8Uhr: Zum ersten Male: Stein unter Steinen. Schiller- Saal( Schiller- Theater) Charlottenburg Mittwoch abend 8 Uhr: Bortrag von Dr. Hans Mackowsky: Rafael: Madonnen. Zirkus Schumann Heute Dienstag 28 Uhr abends: Brillante Vorstellung. Glänzend beurteilt von Breffe und Publikum. Die größte Sensation Berlins Der menschl. Chimpanse. Konful Peter, das große Naturwunder. Die große sensationelle Ausstattungspantomime Amerika mit eigens bas 120 ichwarzen au da Leuten. Herrl. 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Für die Parteigenossen der 4. Gruppe findet warten ist, dürfte diese Straße und die Straße Unter den Linden verabredet. Als er sich zum Weggange anschickte, fand sich ein am Mittwoch, den 25. März, abends 8 1hr, im Lokale von Schulz, zu den verkehrsreichsten von Berlin zählen. Wäre die Kaiser: fremder Mann bei ihm ein, der angeblich ein Kaufgeschäft mit Kaiser- Friedrich- Straße 24, ein gemeinsamer Extrazahlabend statt. Wilhelm- Straße f. 3. nicht hergestellt worden, würden die Zu- ihm abschließen wollte. Bernstein ging deshalb in den im selben Tagesordnung: Die Technik der Landtagswahlen". Um zahlreiche Stände in der Königstraße geradezu unhaltbar sein. Beteiligung ersucht Hause befindlichen Zigarrenladen von Sperling und ersuchte dort Treptow Baumschulenweg. Die Parteigenoffen werden ersucht, die Frau, seinem Freunde zu telephonieren, daß er sich noch kurze die heute abend 81%, Uhr im Restaurant zur Rennbahn und im Restaurant Krause stattfindenden Versammlungen zahlreich zu be- gehabt über eine Mutter, die einer Lehrerin Vor- erledigen habe. Als Frau Sperling den Auftrag erledigt hatte und Wieder einmal hat dieser Tage ein Gericht zuurteilen Beit gedulden möge, da er selbst eine kleine geschäftliche Sache zu fuchen. Tagesordnung:„ Die Technik der Landtagswahlen". Res haltungen hatte machen wollen, weil sie ein nach etwa acht Minuten die Wohnung Bernsteins betrat, fand sie ferenten: Dr. B. Borchardt und Stadtv. E. Böske. Außerdem steht sind übermäßig geprügelt habe. Zwei Mädchen einer Was haben Sie denn gemacht? keine deutliche Antwort mehr be unsere Maifeier zur Verhandlung. diesen in seinem Kontor blutbedeckt vor. Als sie auf ihre Frage: Der Vorstand. Familie Jung befuchten die Donnerstag, 26. März, abends 7 Uhr, findet( in der Gräfestraße), die vom Rektor Tambor geleitet wird. fam, holte sie Hülfe. Von der benachrichtigten Kriminalpolizci eine Flugblattverbreitung statt. Treffpunkt bei Albert Gobin, Roons Beide schwänzten ohne Wissen der Eltern den Unterricht. Sie erschien alsbald die Mordkommission unter Führung des Der Vorstand. Nieder- Schöneweide. Am heutigen Dienstag, abends 81%, Uhr, eigten dann in der Schule Verfäumniszettel vor, die von dem stein, an seinem Schreibtische fibend, zwei Schläge auf den Hinter. Die ergab, daß Bernfindet die Mitgliederversammlung des Wahlvereins bei Jul. Fischer, älteren Mädchen selber geschrieben worden waren. Die Lehrerin Berlinerstr. 92, statt. Die Genossen werden ersucht, sich zahlreich des jüngeren Mädchens, ein Fräulein Weber, merkte den kopf und emen an die Stirn erhalten hatte und zwar in dem daran zu beteiligen. Täuschungsversuch und prügelte das achtjährige Kind mit dem Der Getroffene ist dann noch nach der Küche geeilt, wo große Augenblicke, als er auf einer Geschäftskarte Notizen machen wollte. Ober- Schöneweide. Am Mittwochabend findet von den bekannten Rohrstod. Fräulein Weber ließ sich sodann die ältere zwölf Blutlachen vorgefunden wurden. In bewußtlosen Zustande mußte Bezirkslokalen aus eine Handzettelverbreitung für die Konsum- jährige Schwester aus einem anderen Klassenzimmer herausholen er dann nach dem Krankenhause am Friedrichshain geschafft werden. genossenschaft statt. Die Genossen werden ersucht, vollzählig daran und hieb auch auf diese mit dem Rohrstock ein. Bald darauf mußte Ale Täter tommt ein gutgekleideter Mann mit Zylinderhut in teilzunehmen. Der Vorstand. diese Schülerin nach Hause geschickt werden, weil der Arm Köpenick. Heute abend 8 Uhr: Versammlung des Wahlvereins blutete. An dem Mädchen war fünf Wochen vorher eine Wieder- Frage. Für die Ermittelung dieses Mannes sind 1000 M. Be im Lokale des Herrn Scheer( Wilhelmsgarten"). Die Genossen impfung mit Erfolg ausgeführt worden, da mögen die vielleicht lohnung ausgesetzt. werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Der Vorstand. noch nicht ganz verheiiten Pockennarben unter der Einwirkung des Nieder- Schönhausen und Ortsteil Wilhelmsruh. Am Mittwoch, Rohrstodes wieder aufgebrochen sein. Diese Vermutung wurde vor den 25. d. M., abends pünktlich 128 Uhr: Flugblattverbreitung. Gericht unterstützt durch einen Arzt, der das Kind untersucht hatte. Genossen! Die Verbreitung muß gewissenhaft vor sich gehen, es ist Frl. Weber dagegen stellte die unbewiesene Behauptung auf, daß deshalb Pflicht eines jeden, sich im Bezirkslokal pünktlich einzufinden. das Mädchen absichtlich die Poden aufgefragt habe, um die Lehrerin Das Wahlkomitee. Wahlverein Eichwalde und Umgegend. hineinzulegen. Auf die Anklagebank war nicht Frl. Weber geAm Mittwoch, den kommen, sondern die Mutter der beiden Kinder. Frau Jung hatte 25. März, abends 82 Uhr, findet die Generalversammlung des Wahlvereins im Lokale Seglerfchloß" in Hantels Ab nämlich nach jener Prügelerekution, deren Folgen sie sehr erregten, Tage statt. Tagesordnung: Vorlesung; Wahl eines ersten Bor- sich nach dem Schulhause begeben, um um sich über die fizenden; Vereinsangelegenheiten. Die Wichtigkeit der Tages- ehrerin zu beklagen, und hierbei soll es dann zu einem ordnung erfordert pünktliches und vollzähliges Erscheinen. heftigen Auftritt gekommen sein, der der Mutter eine An= Iage wegen Beleidigung und Körperberlegung eintrug. Frl. Weber beschwor, daß Frau Jung wütend auf sie zugeftürmt sei, sie laut beschimpft habe und ihr eine so kräftige Badpfeife gegeben habe, daß das Fräulein gleich an die Wand flog. Die Angeklagte versicherte, sie habe überhaupt nicht geschlagen, wohl aber habe Frl. Weber sie ein freches Weibstück geTagen Haft. Hiergegen wurde von ihr und auch vom Staatsschimpft. Das Schöffengericht verurteilte Frau Jung zu bierzehn anwalt Berufung eingelegt. Vor der Straffammer beantragte der Staatsanwalt 6 Monate Gefängnis, das Gericht verurteilte die Angeklagte jetzt zu einem Monat Gefängnis. " Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Majestät Lenz! P Ueber eine Familientragödie wird gemeldet: Gestern früh schoß der Arbeiter Gustav Teichert aus der Reichenbergerstr. 153 auf seine Frau und richtete dann die Waffe auf sich selbst. Der Mann war sofort tot, die Frau wurde schwerverwundet nach der Unfallstation gebracht. Der Grund zu der Tat wird in einem Zwist gesehen, der zwischen den Eheleuten infolge der längeren Arbeitslosigkeit des Mannes entstand. Die Frau saß ruhig an der Maschine, als das Attentat erfolgte; sie hat zwei Schüsse durch den Kopf erhalten und wird wohl schwerlich davonkommen. Das Chepaar besitzt drei Kinder im schulpflichtigen Alter. straße hat sich in der Nacht zum vorgestrigen Sonntag der praktische Selbstmord eines Arztes. In einem Hotel in der EichendorffArzt Dr. Gutmann aus der Blumenstraße mit Morphium das Leben genommen. Der Lebensmüde, der eine außerordentlich umfangreiche Praxis hatte, lebte in der letzten Zeit in dem Wahne, er werde irrsinnig, da er an einem Gemütsleiden zu tragen hatte. legung seiner Wohnung ihm keine Gelegenheit geboten wurde, sich Er wollte aber lieber sterben. Da am Sonnabend durch die Verstraße auf, in dem er den Selbstmord ausführte. Er vergiftete fich das Leben zu nehmen, so suchte er ein Hotel in der Eichendorffmit Morphium und wurde in das Krankenhaus Moabit eingeliefert, wo er bald nach seiner Ankunft den Wirkungen des Giftes erlag. Wedding zugetragen. Der 19 Jahre alte Schloffer Hermann Wredel Das Gericht hat nach den Aussagen der Lehrerin Weber und Straßenbahnbetriebe hat sich am Sonnabend spät abends auf dem Vom Straßenbahnwagen abgestürzt. Ein schwerer Unfall im aus der Pantstr. 12 versuchte während der Fahrt auf einen Straßenbahnwagen der Linie 34 aufzuspringen. Er kam dabei zu Fall und wurde ein Stück mitgeschleift. Der Unvorsichtige erlitt einen schweren Schädelbruch und wurde in fast hoffnungslosen Zustande nach dem Virchowkrankenhause übergeführt. aufgefundenen Schuhmachers Hermann Dombrowsky iſt SelbstAls Todesursache in der Sache des in der Ritterstr. 116 tot mord festgestellt worden. das Er ist da! An diesem Sonntage zeigte er sich zum erstenmal offiziell. 3war konnte man ihn" intognito" in letzter Zeit öfter er blicken, und ein geheimnisvolles Schaffen und Walten in Flur und Hain ließ keinen Zweifel an seiner Anwesenheit aufkommen. Aber am Sonntagmorgen hielt der junge, Glück und Bonne spendende König auf strahlendem Sonnenwagen seinen feierlichen Einzug, und Tausende und Abertausende waren ihm in trunkenem Freudenrausch des Rektors Tambor als erwiesen angesehen, daß die Lehrerin ihr entgegengezogen, um ihn aufs herzlichste willkommen zu heißen. Büchtigungsrecht nicht überschritten habe. Dem gegenüber wollen Einfach und bescheiden, wie nun einmal wirklich große und vor- wir feststellen, daß die Schuldeputation im vorigen Jahr den prünehme Männer find, hatte er auf jeden äußeren Flitter und Pomp gelnden Lehrpersonen ein Merkblatt gewidmet hat, das sie belehrt, berzichtet und seinen Siz unter knospenden Büschen und Sträuchern auf Mädchen seien am besten überhaupt nicht zu prügeln. Sodann muß der junggrünenden Erde aufgeschlagen. Und aus den Toren der Stadt die Frage aufgeworfen werden, ob der Oberarm zu denjenigen wälzten sich schon in frühen Morgenstunden ungezählte Menschenkinder mit Körperteilen gehört, die dem Rohrstod der prügelnden lachenden, erwartungsfrohen Gesichtern und Blumensträußchen in den Pädagogen freigegeben sind. Frl. Weber hat vor Gericht Händen, um Seiner Majestät Lenz ihre begeisterte, tiefempfundene sich damit entschuldigt, daß sie den Oberarm nur aus Versehen Huldigung darzubringen. Niemand hatte fie beauftragt, teiner ihnen getroffen habe. Dann wird zu erwägen sein, ob sie nicht wenigstens einen allzu deutlichen Wink gegeben, nein, aus eigenem Antriebe, wegen fahrlässiger Körperberlegung belangt werden Arbeiterin Emma Schönilowsky, im Erdgeschoß des Hauses Grüner Ueber den Totschlag eines Kindes wird berichtet: Die ledige nur der Wallung ihres Herzens folgend, pilgerten sie hinaus, dem kann. Wer ein Schießgewehr ungeschickt handhabt und dabei einen Weg 65 als Aftermieterin wohnhaft, unterhielt seit längerer Zeit frohen Ereignis entgegen. Und auch wir schlugen die schweren Menschen verletzt, wird bestraft. Soll straflos bleiben, wer mit ein Liebesverhältnis mit dem am 10. Juni 1885 zu Berlin geAugenlider früher als gewöhnlich auf und rieben uns verwundert dem Rohrstock auf ein Kind einhaut und dabei aus Versehen den borenen, zurzeit wohnungslosen Arbeiter Alfred Ditimar. Aus und schlaftrunken die Augen. Seine Majestät der Lenz hatten aller- Oberarm blutig schlägt? Soll nur das Kind die Folgen solcher diesem Verhältnis war ein am 29. Februar d. J. geborener Knabe gnädigst geruht, uns seinen Leibfänger zu senden, der uns die An- Fahrlässigkeit zu spüren kriegen und die fahrlässig prügelnde Lehr- ununterbrochen bei seiner Braut. Dittmar war in der letzten Zeit fast kunft seines Gebieters verkünden mußte. Und er setzte sich auf den person unbehelligt bleiben? Itern sind selten geneigt, Bärchen bereits früh zu Bett begeben. Gestern hatte sich Höchsten Baumwipfel vor unserem Fenster, der schwarze Burfche mit dem eine prügelnde Lehrperson anzuzeigen. Dagegen schrie und sich durchaus nicht beruhigen wollte, sprang Dittmar gegen Als das Kind fortgesett gelben Schnabel, und schmetterte in tiefen, vollen Tönen die frohe wird von der Schule keine Gnade geübt, wenn mal 9 Uhr abends plöglich auf, riß das Kind aus seinem Bett und Botschaft in den sonnenklaren Morgen hinaus. Und wir, wir starr- eine Arbeiterfrau in berechtigter Erregung nicht etwa gleich Back- schleuderte es, nachdem er es hoch in die Luft gehoben hatte, mit köpfigen, gott- und vaterlandslosen Gesellen, die wir uns von allen pfeifen austeilt, sondern nur eine etwas zu träftige Sprache mit aller Gewalt gegen den Fußboden, so daß es sofort tot liegen blieb. Fürstenempfängen mit feltener Hartnädigkeit fernzuhalten pflegen, einem Lehrer oder einer Lehrerin redet. Gerade Frl. Weber hat Während der Nacht verabredete der rohe Patron mit seiner Ge konnten nicht umhin, diesmal dem allerhöchsten Wunsche Folge zu einmal eine Mutter, deren Kind sie wegen einer geringen Unge- liebten, daß sie dem Arzte sagen wollten, daß das Kind an den Am Nachmittag wuchs der Strom der Ausflügler ins Ungemessene. gelegenheit friedlich zu erledigen und als beigelegt zu betrachten. Dittmar wurde festgenommen und der Kriminalpolizei zugeführt. hörigkeit ausgiebig geprügelt hatte, sehr dringend gebeten, die An- Folgen eines Stoßes gestorben sei. Später schlug der Mutter das Gewissen und sie teilte dem Milchhändler W. das Angegebene mit. Wie dunkle endlose Riesenschlangen wälzten sich an beiden Seiten Jene Mutter hat das getan. Hätte sie es nicht getan, sondern die Die Leiche des Kindes ist beschlagnahmt und dem Schauhause überder Linden und Friedrichstraße die Menschen hin. Automobile tuteten Sache weiter verfolgt, so wäre vielleicht Frl. Weber zu der Er- wiesen worden. unaufhörlich, Radfahrer und auch schmucke Nadel- Mädels flogen blig- tenntnis gelangt, daß es ratsam ist, künftig weniger kräftig zuzuschnell zwischendurch und die Elektrischen waren zum Brechen gefüllt. hauen. Und es wäre später einer anderen Mutter erspart geBor den Zelten promenierten die jungen Pärchen in beängstigendem blieben, das immer noch prügelnde Frl. Weber zur Rechenschaft Gedränge und lauschten den schmetternden Klängen der Kapellen, ziehen zu müssen und dadurch sich selber ins Gefängnis die wohl zum ersten Male in diesem Jahre Konzertierten. Auf den zu bringen. Frau Jung wird jetzt aus dem Kreise ihrer FaSpielplägen aber tummelten sich Kinder und spielten mit Sand. milie herausgerissen. Die Lehrerin, die zu diesem traurigen AusSpielten, gruben, badten, mit glänzenden Augen, mit rotglühenden gang den ersten Anlaß gegeben hat, hat wahrlich nicht dazu beigeWangen in weltvergessener Unschuld. Vorbei ist der trübe Winter, der dumpfe Bann ist gesprengt, die tragen, die Beziehungen zwischen Schule und Familie freundlicher Sonne tüßt die Blümchen wach und sprengt die Stnoipen. Und nach au gestalten und die Achtung der Familie vor der Schule zu Helden schlummernt, junge und alte, Kinder und Greise, zog es Der Lehrer Faubel vom Sophien- Realgymnasium, dem ein Tausende von Menschen, die in stiller Wehmut und tief ergriffen Verschulden an dem Selbstmord des Schülers Matthias zum Vorden braven Schlafenden einen stummen Gruß überbrachten. Im wurf gemacht wird und dessen Versetzung an eine andere Schule weiten Umkreis aber blizten hinter den Büschen und Bäumen Helm- deshalb angeordnet wurde, ist vorläufig vom Dienste dispensiert. spitzen und allenthalben begegnete man waffenstarrenden Ordnung aufnehmen. Soffentlich bleiben auch andere Schulen von diesem Er wird den Unterricht im Sophien- Realgymnasium nicht wieder männern. Wir lächeln mitleidig. Sie müssen es ohnmächtig mit Pädagogen verschont. ansehen, die Aermften, wie auf den Gräbern die junge Märzfaat tausendfältig sprießt, wie die Sonne die Hügel in ihren purpurnen Mantel hüllt, und sie müssen es geduldig anhören, daß oben in den Zweigen viele Kleine Revolutionäre verkünden: den Frühling den Völkerfrühling. Teisten. dem stillen, weltabgeschiedenen Fleckchen Erde im Friedrichshain, wo steigern. jahr. Sonntags sind vom 1. April ab alle töniglichen Museen( das Besuchsordnung der königlichen Museen für das SommerhalbAlte, Neue, Pergamon, Kaiser- Friedrich- und Kunstgewerbemuseum, die Nationalgalerie, das Museum für Völkerkunde und die Sammlung für deutsche Volkskunde) von 12 bis 6 Uhr geöffnet. An den Wochentagen mit Ausnahme der Montage sind das Alte, Neue Bostämter in Groß- Berlin. Zwei neue Bostämter werden Neue, Pergamon- und Kunstgewerbemuseum, das Museum für em 1. April in Groß- Berlin eröffnet. An diesem Tage wird die Völkerkunde sowie die Sammlung für deutsche Volkskunde von 10 Postagentur in Reinidendorf- Schönholz aufgehoben. Gleichzeitig bis 4 Uhr offen. Das Kaiser- Friedrich- Museum und die National wird in Reinickendorf( Ost) in der Provinzstr. 57 eine neue Post- galerie werden an allen Wochentagen offengehalten und zwar das anstalt eröffnet. Sie erhält die Bezeichnung Reinidendorf( Oft) 2" Raiser- Friedrich- Museum Montags, die Nationalgalerie Donnersund bildet eine Zweigstelle des Poftamts in Reinickendorf( Oft) in tags von 1 bis 6 Uhr, beide Museen sonst von 10 bis 6 Uhr. Am der Residenzstr. 43/44. Dieses lettere Poftamt erhält am 1. April Starfreitag, ersten Osterfeiertag, Himmelsfahrtstag und ersten die Bezeichnung Reinickendorf( Ost) 1". Das neue Postamt Pfingstfeiertag sind die Museen geschlossen, am zweiten Oster- und Reinidenvorf( Oft) 2" erhält Telegraphenbetrieb und öffentliche zweiten Pfingstfeiertag wie Sonntags geöffnet. Der Besuch der Fernsprechstelle. Es können dort Bostsendungen jeder Art und königlichen Museen ist im allgemeinen unentgeltlich, nur im Telegramme eingeliefert somie postlagernde gewöhnliche Brief- Kaiser- Friedrich- Museum wird Montags 1 Mt., Dienstags und fendungen abgeholt werden. Für den Verkehr mit dem Publikum Mittwochs. 50 Pf., in der Nationalgalerie Donnerstags 1 M., ist das neue Poftamt an Werktagen im Sommer von 7 bis 12 Uhr Freitags und Sonnabends 50 Pf. Eintrittsgeld erhoben. bormittags und von 3 bis 7 Uhr nachmittags geöffnet. Im Winterhalbjahr beginnt der Dienst um 8 Uhr. An Sonn- und Feiertagen sowie am Geburtstage des Kaisers bleibt das Poftamt geschlossen. Ein Bostamt wird ferner in Borsigwalde bei Berlin eröffnet. Am 1 April wird dort die Postagentur in ein Bostamt 3. Klasse umgewandelt. Die lehte Berkehrszählung hat ergeben, daß der Fuhriverksverkehr in der Staiser- Wilhelm- Straße größer ist als der in der Sönigstraße und sogar zeitweise den in der Leipziger Straße bei Stralauer Straße 44 ab. Dort wurde der 50jährige Möbelhändler Ein Raubmordversuch spielte sich Sonntagnachmittag in der Sigismund Bernstein von einem noch nicht ermittelten Mann durch drei schwere Schläge auf den Kopf lebensgefährlich verletzt und anscheinend auch beraubt. Hause Linienstr. 199b, der als biertes der Kapitalverbrechen Der Raubmord an der 77jährigen Witive Marie Nielbod im innerhalb der ersten drei Wochen des neuen Jahres am 18. Januar sich abgespielt hat, wird voraussichtlich schon in der Maitagung das Schwurgericht am Landgericht Berlin I beschäftigen. Die Borunterfuchung gegen den Galvaniseur Nitsche aus Charlottenburg und die 43jährige Döhl wegen Mordes beziehungsweise Hehlerei und Beihilfe steht jetzt unmittelbar vor dem Abschluß und die Anklage wird demnächst erhoben werden. Die Döhl soll die Geliebte des verstorbenen Ehemannes der Ermordeten gewesen sein und mit dem Galvaniseur Nitsche in Verbindung gestanden haben. Sie ist dadurch, daß bei ihr Sachen, die der Ermordeten gehört haben, gefunden wurden, in den schweren Verdacht geraten, an dem Verbrechen beteiligt zu sein. Sie sowohl als auch Nitsche haben bisher jede Schuld bestritten. jährige Sohn des Tischlers Bonnehs durch das Fuhrwerk des Durch Ueberfahren getötet wurde Montag nachmittag der fünfFouragehändlers Jüngling aus der Brunnenstraße. Der Kleine wollte das Fuhrwerk. sich vor einem ihn anspringenden Hund retten, dabei geriet er unter Theater an der Spree. An der Stelle, an der nach der Absicht der bisherigen Direktion die alte Berliner Posse wieder aufleben sollte, scheint jeht ohne jedes Programm gewirtschaftet zu werden. Der Beweis hierfür ist erbracht worden durch zwei Stücke, die in voriger Woche kurz hintereinander aufgeführt wurden. Das erste betitelt fich: Spiritisten" und hatte den zukünftigen Leifer der gelben Volksbühne, Herr Rudolf Lebius, zum Verfasser. Es lohnt sich nicht, über den Schmarren etwas zu sagen; er war unter aller Kritik. Am Sonnabend gelangte Sven Langes Schauspiel: Ein Verbrecher" zur Aufführung, eine Arbeit im Stile eines schlechten Kolportageromans, wie wir fie ihrem wesentlichsten Inhalte nach schon auf einigen Vorstadtbühnen gesehen haben. Ein in Wucherhänden befindlicher Buchhalter kann sich nicht anders retten, als daß er schließlich den alten Wucherer, der ihm, unter Einfluß seines Schivagers stehend, aus besonderen Gründen die weitere Prolongierung eines Wechsels verweigert, totschlägt. Gespielt wurde immerhin ganz annehmbar. zahlreicher. Bis jetzt sind schon mehr als 100 festgestellt, ohne daß Die Brandstiftungen in Berlin und den Vororten werden immer es gelingen will, dem gemeingefährlichen Treiben der Brandstifter Einhalt zu bieten. Am Sonntag shid wieder mehrere Brandstiftungsfälle vorgekommen. Unter anderem um Mittag eine in der Bernstein ist Junggeselle und hat in der ersten Etage des be- openhagenerstr. 9, wo in den Bodenverschlägen der Fußboden und zeichneten Hauses mehrere Zimmer inne, die feinen Geschäfts- fchränkt werden. Beit bedeutender war die zweite Brandstiftung. die Balkenlage brannten. Der Brand konnte auf den Boden bes zwecken dienen. Mit seinen hier lebenden Verwandten hatte er Früh um 7 Uhr stand in der Georgenfiuchftr. 37 a an der Ziekmann strafe der Dachstuhl des mächtigen Gebäudes in großer Ausdehnung in Flammen. Die erste Kompagnie war unter Leitung des Brand- inspettors Leybold mit mehreren Zügen zur Stelle. Ueber die schon verqualmten Treppen und eine große mechanische Leiter wurde mit vier Schlauchleitungen von Dampfspritzen angegriffen. Stunden- lang hatte die Feuerwehr zu tun, um des Feuers, das besonders an dein Hausrat der Mieter reiche Nahrung gesunden hatte, Herr zu werden. Der Schaden ist ganz erheblich, weil nicht verhindert werden konnte, das; die oberen Stockwerke durch Wasser beschädigt wurden. Die dritte Brandstiftung kam abends um 7 Uhr zur Mel- duug, diesmal aus dem äußersten Osten, aus der Boxhagener Str. 29. Auch hier brannten Bodenverschläge mit Inhalt. Es gelang der Feuerwehr, die Flammen an weiterer Ausdehnung zu verhindern. Während in diesem und dem ersteren Falle eS möglich war, die Brandstiftungen festzustellen, war dies in der Georgenkirchstr. 37a bei der großen Ausdehnung nicht mehr möglich. Der Brand muß dort schon vorher längere Zeit unbemerkt gewütet haben oder gleich an vielen Stellen angelegt sein. Am Montagvormittag wurden sechs solcher Brände gemeldet, die auf Brandstiftung zurückgeführt werden. Es brannte um IV Uhr in der Oranienstr. öS, Ivo auf dem Dachboden alter Hausrat in Brand gesteckt lvorden war. Gleich darauf brannten Lumpen und anderes au' dem Boden Stallschreiberstraße 57. Der dritte Brand wurde aus der Alten Jakobstraße 40/41 gemeldet. Dort hatte der 17. Zug längere Zeit mit größter Anstrengung zu tun, um die Flammen zu löschen. Gleichzeitig hatte die Feuerwehr einige Häuser weiter. Alte Jakobstraße öv, zu tun, wo Türen, Fenster, Möbel und anderes in Flammen standen. Noch waren diese Brände nicht gelöscht, als schon wieder ein Dachstuhlbrand aus der König- straße zur Meldung kam. Dort brannte der Dachstuhl des Hauses Nr. 66 und Teile des Hauses Nr. 65. Da im Dachgeschoß Mädchen kammern sich befinden, deren Fenster auf das steile Dach münden, so bestand dort die Gefahr, daß Personen, denen der Rückweg über die Treppen abgeschnitten, nicht leicht hätten gerettet werden können. Zum Glück fand aber die Feuerwehr keine Personen mehr dort vor. Mit Rücksicht auf die Zunahme der Brandstiftungen wird er- wogen, die Hauseigentümer in all den Fällen für den Schaden regreßpflichti'g zu machen, in denen nachgewiesen werden kann, daß es an der nötigen Sorgfalt und Beobachtung gefehlt hat I» solchen Fällen, wo zum Beispiel die Bodenlüren nicht genügend mit sicheren Schlössern versehen sind, die Türen offen stehen oder leicht geöffnet werden, wo eS an der Kontrolle fehlt. Fremde ohne weiteres die Böden betreten können, soll der Regreßanspruch aus- geübt werden._ Einen schweren Verlust hat am Sonnabend ein Arbeiter erlitten, indem er nachmittags 3 Uhr auf dem Wege von der JaSmunder Straße bis zur Uscdomstraße 26» seinen ganzen Wochenlohn <30 Mark in Papiergeld) verlor. Der Verlierer bittet den eventuellen Finder um Abgabe bei Schlicker, Usedomstraße 26», rechter Seiten- stügel parterre. Radrennen zu Treptow, 22. März. Die Eröffnung der Renn- saison vollzog sich bei sonnigem, wenn auch kühlem Wetter vor völlig ausverkauftein Hause. Die Rennen brachten spannende Kämpfe und verliefen ohne jeden Unfall. Drei der besten Treptower Dauer- fahrer, Artur S t e l l b r i n k, der Zehlendorfer S ch u l z e und der Dresdener Rosenlöcher maßen in zwei Nennen ihre Kräfte. In dem 10 Kilometer-Nennen mit Motorführung<100, 60, 40 M.) siegte Stellbrink in 4 Minuten 17>/z Sekunden vor Schulze(160 Meter zurück) und Rosenlöcher<270 Meter); die Reihenfolge war während des ganzen Rennens die gleiche. Aufregender gestaltete sich das 50 Kilometer-Nennen hinter Motoren<600, 400, 200 M.), das von S ck> u l z e in 42 Minuten 23Vg Sekunden vor Rosenlöcher<2260 Meter) und Stellbrink<2340 Meter zurück) gewonnen wurde. Anfangs hatte Stellbrink die Spitze, hart be- drängt von Rosenlöcher, während der Zehlendorfer etwa 200 Meter zurückblieb, dock nach dem 10. Kilometer holte er zusehends auf, nach dem 13. Kilometer überholte er Nasenlöcher und nach dem 22. auch Stellbrink, um unangefochten mit weitem Vorsprung zu siegen. denn seine Gegner, durch mehrfachen Wechsel ihrer Führung be- hindert, gerieten immer mehr ins Hintertreffen.— In einem Fahren der Rennmotoren über 5 Kilometer<100, 50, 25 M.) erwies sich der Schrittmacher L ie s e als der beste; er beendete die Fahrt in 3 Minuten 482/5 Sekunden vor Heßlich<310 Meter), Sucher <430 Meter) und Käser<640 Meter zurück). Zwei Rennen für die Flieger wurden von starken Feldern bestritten. Das Haupt- fahren über 1200 Meter<50, 25, 15, 10 M.) gewann Stabe vor Rabe. Pawke und Hoffmann. Im Vorgabefahren 1500 Meter <40, 25, 15, 10, 5 M.) siegten die„Außenseiter": 1. v. N a tz m e r <130 Meter Vorgabe, 2. Harsch<120 Meter). 3. Hildebrandt<150 Meter). 4. Bäuerle<130 Meter) vor Rabe tMal), der noch den fünften Preis rettete, und den anderen. wird erwartet, daß die Arbeiterschaft einmütig für den Kandidaten der Sozialdemokratie, Genossen Mörschel, eintritt. Neinickendorf. Heute findet nachmittags von 4 bis 8 Uhr im ersten Bezirk sNeinickendorf— West) nochmals im Markschen Restaurant, Schorn weder straße eine Ersatzwahl für den verstorbenen Ge- nosscn Schilling statt. Kandidat ist Genosse Otto Ohl. Partei- genossen! Eure Pflicht ist es. dafür zu sorgen, daß der heutige Tag vollendet, was der gestrige begonnen. Straßensperrungen. Es sind gesperrt bis auf weiteres: DieParallel- straße der Königgräver Straße vom Platze vor dem Brandenburger Tor bis zur Lennestraße, die Grünstraße von der Gertraudten- straße bis zur Grünstraßen-Brücke, und die Friedrichstraße im Zuge der Mohrenstraße zur Herstellung einer Tunneldecke der Untergrund- bahn vom 23. d. Mts. ab zur Hälfte(zunächst die östliche, dann die westliche Hälfte). Feuerwehrbericht. In der Nacht zum Montag kam auf dem Gesundbrunnen Feuer aus. In der Freienwaldcr Straße 13 stand ein Stallgebäude in Flammen. Nach Rettung der Pferde gelang es mit zwei Schlauchl-itungen, den Brand auf das Stallgebäude zu beschränken. Die Entstehung wird auf Fahrlässigkeit zurück- geführt.— Am Sonntagabend kam während der Vorstellung in einem Kinematographentlscater Feuer aus. Bei Ankunft des 7. ZugeS brannte der Vorführungsraum Petersburger Straße 57». Die Flammen konnten bald gelöscht werden. Das Publikum blieb ruhig.— Zweimal wurde die Feuerwehr nach der Brunnenstratze alarmiert. Zuerst nach der Brunnenstr. 108, wo Fässer brannten, und dann nach der Brunnenstr. 41.— Ferner hatte die Wehr in der Elsasser Straße 92 zu tun, wo in einer Wohnung Feuer ausge. kommen war.________ Vorort- JVacbncbtem Zur Gemeindcwablbewcgimg. Gemeindewalslen finden heute statt in Zehlendorf .mchmittags von 5—8 Uhr, in Reinickendorf(Ersahtvahl für den Genossen Schilling) nachmittags von 4—8 Uhr »nd in Lichtenrade(Stichwahl) nachmittags von 5 bis 8 Uhr. Zehlendorf. Tie Gemeindewnhl für die dritte Wöhlerklasse findet heute nachmittag von 5 bis 8 Uhr statt. Nach den Anstrengungen, die die Gegner in der Agitation machen, um das Eindringen der Sozialdemokratie in die Gemeindevertretung zu verhindern, müssen die Genossen Mann für Mann antreten, damit auch der letzte säumige Wähler an seine Pflicht ermahnt wird. Die Kandidaten der Sozialdemokratie, die Genossen Wilhelm ll l m und Eduard Scheeler, können nur unter Anspannung aller Kräfte gewählt werden. Die Genossen, die bereits früher abkommen können, treffen sich um 3'/s Uhr bei Mikley. Diejenigen, die sich jedoch erst um 5 Uhr zur Wahlarbeit bereitstellen können, kommen nach dem Lokal„Zur Klause". Tue also jeder seine Pflicht I Niederlehme. Die Wähler der dritte» Klasse werde» auf die heute nachmitag von 3—5 Uhr stattfindende Gemeindewahl aufmerlsam gemacht. Es Mablergebniffe. Reinickendorf. Bei der gestrigen Wahl erhielten in der dritten Klaffe unsere Genossen M a l e i k a<1. Bezirk) 242 Stimmen; K ö h n <2. Bezirk) 186 Stimmen; Gründer<3. Bezirk) 343 Stimmen. Die Gegner erhielten 40, 141, 55 Stimnien. Gewählt sind unsere Genossen. Zühlsdorf. In der Ergänzungswahl der dritten Abteilung wurde der Genosse Albert Methuer mit 16 Stimmen gegen 9 bürgerliche Stimmen wieder gewählt. In der ersten Abteilung findet eine Stichwahl zwischen einem Bauerngutsbesitzer und einem gewerkschaftlich organisierten Maurer statt. Mühlenbeck. Bei der Gemeindewahl in der dritten Abteilung erhielt unser Kandidat 52 Stimmen, während auf den bürgerlichen Kandidaten 75 Stimmen entfielen. Letzterer ist somit gewählt. Groß-Besten. Bei der Stichwahl zur Gemeindevertretung siegte unser Genosse Keetz mit 25 gegen 24 Stimmen, die auf den Mischmasch-Kandidaten entfielen. Von 109 eingeschriebenen Wählern übten nur 49 ihr Wahlrecht aus. Charlottenburg. Ei» Mordanschlag gegen eine» Arzt wurde gestern vormittag in Charlottenburg verübt. Als vormittags um S'/z Uhr der in der Grolmanstr. 14 wohnende praktische Arzt Dr. Alfred Marcus« die Tür zum Sprech- zimmer in den Warteraum öffnete, gab ein junger 19 Jahre alter Mann namens Freisleben drei Schüffe auf den Arzt ab. Die Kugeln verletzten Dr. Marcufe an der linken Brust, am Oberarm und am kleinen Finger der linken Hand. Der Getroffene flüchtete, verfolgt von dem Angreifer, in fein Studierzimmer, dessen Tür er sofort hinter sich schloß. Der Verfolger gab noch zwei Schüsse auf die Tür ab. Als die Wirtschafterin auf die Hülferufe des Arztes erschien, flüchtete Freisleben unter Zurllcklassung von Hut und Mantel auf die Straße, wo er festgehalten und zur Wache gebracht wurde. Anscheinend handelt es sich um die Tat eines Geisteskranken. Dr. Marcuse hatte die Eltern Freislebens behandelt, die beide im Jrrenhause ge starben sind. Das Ledigenheim für männliche Personen in der Dankelmam,- traße 48/49 geht nunmehr seiner Eröffnung entgegen. Am 1. April 'oll es in Benutzung genommen werden. Das Heim enthält durch weg Einzelzimmer zum monatlichen Mietspreise von 10— 12 M. je nach Lage und Stockwerk, einschließlich elektrischer Beleuchtung und Zentralheizung. In jedem Stockwerk befinden sich einige Zimmer mit 2 und 3 Betten zum monatlichen Mietspreise von 7— 10 M. für das Bett. Für Frühstück wird ein monatlicher Preis von 3 M. er- boben. Im Hause befindet sich ein Restaurant mit volkstümlichen Preisen, ferner eine Zweigstelle der städtischen Bücherei mit Lesesaal und eine Zweigstelle der städtischen Volksbadeanstalt mit Brause- und Wannenbädern. Besichtigung täglich nach Meldung beim Haus- inspektor, der auch zum Abschluß der Mietsverträge ermächtigt ist. Bevorzugt werden bei der Vermietung Personen, die sich bisher in Schlafstellen befunden haben. Nixdorf. Familiensorgen trieben am Montagmorgen den in der Elbe- traße 31 wohnhaften 4>jährigen Tischler Gustav Schröder in den Tod. Durch Krankheit in der Familie zur Verzweiflung getrieben, trank Schröder Lysol. Ein sofort herbeigerufener Arzt konnte den Vergifteten nicht mehr am Leben erhalten. Friedrichshagen. Ans der Gemeindevertretung. In der letzten Sitzung wurde die von der Vertretung am 28. Februar d. J/befchloffene Grund- 'teuerordnung von dem Landrat in einigen Punkten bemängelt und eine Acnderung empfohlen. Die vorgeschlagene Faffung wurde einstimmig angenommen. Von der Wasserbauinspektion ist für die Dampffähre über das Müggelgemünde ein neuer Fährtarif aufgestellt. Im Gegensatz zum alte» Tarif kostet das Uebersetzen von einer bis drei Personen jetzt 10 Pf.(früher 5 Pf.), von mehr als drei Personen 5 Pf. pro Person. Für ein oder� zwei Kinder unter 14 Jahren in Begleitung Erwachsener sind 5 Pf. pro Kind, für mehr Kinder 3 Pf. pro Kind zu entrichten. Die Fähr- kosten für Wagen, Pferde, sonstiges Vieh, Automobile und Schlitten sind erhöht, so daß der neue Tarif im allgemeinen eine Erhöhung vorsieht. Ferner enthält der Tarif die neue Bestimmung, daß in den Sommermonaten und zwar vom 1. April bis 30. September für das Uebersetzen die Stunden von 10 Uhr abends bis 7 Uhr morgens doppelt zu bezahlen sind. Da jedoch diese Aenderung gegenüber dem alten Tarif ein Rückschritt bedeutet und einen schädigenden Einfluß auf den Verkehr ausüben würde, beschloß die Vertretung einstimmig, der Wasserbauinspektion zu empfehlen, diesen Paragraphen zu streichen. Bei der Verpachtung der Dampf» fähre erhielt der Eigentümer Reinhold Tantow mit einem An- gebot von 6240 M. pro Jahr den Zuschlag auf die Pachtdauer vom 1. April 1908 bis 31. März 1913. Die bisherige Pachtsumme betrug 4500 M. Bon den 1? eingegangenen Offerten war Tantow der Meistbietende. Friedrichsfelde. Zu den Schröpfungen der Gemeinde durch den Unternehmer Bruch, die bekanntlich durch die Sozialdemokratie in die Oeffent. lichkeit gebracht wurden, schreibt man uns: Einer großen Anzahl von Friedrichsfelder Bürgern und Gcmeindevertretern wurde das diesbezügliche Material viel früher zur Verfügung gestellt als unseren Genossen. Erst nachdem die betreffenden Herren keinen Gebrauch davon machten, wurde es den sozialdemokratischen Ge- mcindevertretern zur Verwertung übergeben. Durch die Prüfung der mit dem Unternehmer aufgestellten Rechnungen» durch den Sachverständigen der Gemeinde, Herrn Baurat Kleemann, ist er- wiesen, daß Bruch die Gemeinde um mehr als eine Million Mar! übervorteilt hat. Auch ist dem neuen Gemeindevorsteher schon bor Monaten Material zur Verfügung gestellt worden, wonach bewiesen werden kann, daß diese Millionenschiebung nur durch die aktive und passive Beihülfe von Beamten möglich war. Schmiergelder und sonstige„kleine Geschenke", scheinen dabei eine große Rolle gespielt haben. Hat doch der Unternehmer unter Zeugen, in bczug auf den Gcmeindebaumeistcr gesagt: „Hat er noch nicht genug gezogen; will er denn noch mehr schlucken?"— Einem Baufseher der Gemeinde, welcher dem Unternehmer etwas auf die Finger sah, wurden von einem Angestellten des B. mehrere Male je 50 M. angeboten. Der Bauaufseher lehnte jedoch ab. B. mochte nun wohl glauben, die Ablehnung erfolge, weil der Betrag von 50 M. zu niedrig sei. Bruch bot deshalb dem Bauaufseher selbst einige blaue Lappen an. Diese Tatsachen hat der Bauaufseher beim Gemeindevorsteher zu Protokoll erklärt» 1 Soviel bekannt, hat die Gemeinde, trotz der obigen Tatsachen, noch keine Strafanzeige gegen B, erstattet. Es sollen sogar Ver- Handlungen im Gange sein, um die Sache im stillen, durch einen billigen Vergleich aus der Welt zu schaffen. Die Arbeiter und „gewöhnlichen Bürger" sollen so wenig wie möglich von dem „Panama" erfahren. Ein Karlshorstcr Bürger und Grund- besitzer wollte in einer der letzten Versammlungen nähere Auskunft über die Millionenschiebung erlangen. Es wurde ihm jedoch be- deutet, daß er sich hübsch still verhalten soll; denn von der öffent- lichen Aufdeckung des ganzen Skandals hätten doch nur die Sozial- demokraten Vorteil. Die Karlshorster Gemeindewähler werden aber auch so wissen, wen sie zu wählen haben: Nur die sozial- demokratischen Eemeindevertretcr arbeiten dahin, daß die Ge- meindearbmten in eigener Regie ausgeführt werden. Dadurch würde es möglich sein, derartige Uebelstände, wie sie bei der Aus- führung der Kanalisation zutage getreten sind, zu vermeiden und hunderttausende Mark, die jetzt als Unternehmergewinn verloren gehen, könnten zum besten der ganzen Gemeinde verwendet werden. Weiftensee. Bier Gemeindevertretersitzungen sind im Laufe dieser Woche ein- berufen, wovon sich drei mit der Beratung des Etats beschäftigen. Der Etat der ordentlichen Verwaltung schließt in Einnahme und Ausgabe mit 2 347 013 M. gegen 1 967 354 M. im Vorjahre ab. Bei der außerordentlichen Verwaltung sind in Einnahme und AuS- gäbe gebracht 7 700 000 M. gegen 4 000 000 im vorigen Jahre. Der gesamte Haushaltsplan zeigt in Einnahme und Ausgabe die Summe von 10 094 282 M. gegen 5 967 345 M. im Vorjahre. Die Bildung eines Grunderwerbsfouds, der Ankauf des Rieselgutes Birkholz, sowie der Ausbau der Kanalisation haben diese Steigerung von 4 196 097 M. verursacht. Hinzu kommen die Neupflasterungen ver- schiedener Straßen, der Bau einer Gemeindeturnhalle, eines Ber- waltungsgebäudes usw. Bernau. Die Stadtverordnetenversammlung stimmte dem schiedsgericht- lichen Einigungsvorschlage, welcher zwischen der Stadt und der Gasanstalt empfohlen wurde, zu. Danach verpflichtet sich die Gas- anstalt. in jeder neuen Straße, und zwar unter den Bürgersteigeu, zwei Rohre zu legen. Einbegriffen sind hierbei die bereits be- stehenden drei Straßen, Lobmühlenweg. Kurfürsten- und Basdorfer Straße. Die Stadt hat hingegen die Verpflichtung, sofern nicht auf je 100 Meter Rohrlänge 20 Gasflammen benützt werden, die Ver- zinsung der Rohrleitung pro laufenden Meter zu tragen. Zwecks Erbauung eines Krankenhauses ist die Stadt verpflichtet, ein dazu geeignetes Terrain zu erstehen, und ist zu diesem Zweck ein 12 Morgen! großer Ackerplan der Kirchengemeinde in Aussicht genommen worden. Die von der Stadt beauftragten Taratoren hatten dieses an der Ladeburger Chaussee gelegene Grundstück auf 24 251,81 M. geschätzt. Dem Konsistorium in Berlin genügte aber diese Summe nicht und forderte 68 000 M. Es ließ sich jedoch überzeugen, daß dieses den örtlichen Verhältnissen keineswegs entspreche, weshalb die Kauf- summe zunächst auf 36 000 M. und dann auf 30 000 M. reduziert wurde. Von unseren Genossen Krüger und Heibig wurde der unerhörte Bodenwucher des Konsistoriums gebührendlich gegeißelt und darauf hingewiesen, daß die Stadt Berlin vor nicht langer Zeit Ländereieu nahe bei Bernau pro Morgen mit 500 M. erstauden hätte, lvohin- gegen Bernau verpflichtet werden soll, den Morgen mit 2500 M. zu bezahlen. Die Stadtverordnetenversammlung nahm niit der Be- gründung, daß sich die Stadt in einer Zwangslage befinde, da andere Grundstücke nicht zu haben seien, gegen die fünf Stimmen unserer Genossen die Magistratsvorlage an. Der Antrag Helbig und Genossen, den Magistrat zu ersuchen, ein Ortsstatut zu erlassen betreffend die Ausdehnung der Kranken- versicheruiigspflicht auf die gesamte Hausindustrie, wurde nach längerer Diskussion gegen die drei Stimmen der Ackerbürger an- genommen. Der Magistratsvorlage wegen Anstellung eines vierten Polizei- ergeanten traten unsere Genossen entgegen, da sie nicht einsehen konnten, daß eS notwendig sei. noch eine Polizeikraft anziistelleu. Ein Bürgerlicher der drillen Abteilung glaubte seinem Angstgefühl mehr Beruhigung zu verschaffen, indem er es gern gesehen hätte. daß in der Weinbergstraße eine besondere Polizeiwache errichtet worden wäre. Die Vorlage wurde schließlich gegen die fünf Stimmen unserer Genossen sowie eines Bürgerlichen angenommen. Eingegangene Druckschriften. Der„Süddeutsche Postillon" brwqt> in Nummer 7 PostillonS Zoo: Elward o. Oldenburg-Fanuickau: eine rührende Satire Held Fifchbcck von M. Vanselow, ferner; Auch ein Modernist, ein prächtiges Tierbild vonH. P.: als Schlußbild„Die gelbe Gefahr-, ein vielfarbiger reizender Blick in die europäische Kinderstube.— DaS Leitgedicht ehrt Karl Marx(mit Porträt) zu feinem 25. Todestage. Was in der Welt vorgeht, Aussperrungen ain 18. März, Briefe aus«achfen über die neue Wahlreform, der KönigSbrfcf und feine Folgen, Fleifchnot und Fleischernst, Ehre, GefinnungSreoiston, Bundesbrüder und eine Menge kleinerer Beiträge machen dlefe Nummer lehr interessant. Zu beziehen durch alle Parteibuchhandlungen, sowie beim Verlage von M. Ernst, München. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Dircltion über den Großhandel in den Zentral-Marlthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr stark, Geschäft ruhig, Preise für Hammelfleisch anziehend, sonst un- verändert. Wild: Zufuhr knapp, Geschäft ruhig, Preise fest. Geflügel: usuhr genügend. Geichäst ztemlich lebhast, Preise behauptet. Fische; ufuhr mäßig, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Butter und läse: Geschäft ruhig, Preise für Butter 1» nachgebend. Gemüse, Ob st und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschäft sehr still, Preise gedrückt._ Witterungsübersicht vom 83. März 1908, morgens 8 Uhr. Stationen Zwtnemde Hamburg Serttu Frantf.a M München Wien 2 � 5 5 i i 9* s SeUer 766 SO 762 O 764 OSO 759 SO 759 NO 762 SO 6 wolkig 5 wölken! 3 heiter 1 heller 1 wölken! 2 bedeckt w e c V S s» M 3> 1 3 1 4 -1 3 Statt»neu O_ »•= ö B - I 9 9 v I I Haparanda 774 SD Petersburg 779 Still Scilly Aberdeen Paris 757 W 753 SSO 757 W (Settel 2 bedeckt bedeckt 4 wolkig 3 bedeckt 1 bedeckt »d s» s? H i —6 -10 7 6 Wetterprognose für Dienstag, den 24. März 1908. Trocken und vorwiegend heiter, nachts leichter Frost, am Wittag z!cm« sich warm bei mäßigen östlichen Winden, Berliner Wetterbureau. Wafferstands-Nachrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilsit P r e g c l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krossen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leltmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg >)+ bedeutet Wuchs,— Fall,—*) Unlerpegel,•) Eis stand,— *) Gründels,—') eisjrci; heule vormittag 390 cm.\ Deutscher Metallarbeiter- Verband Deutscher Holzarbeiter- Verband. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: of I. Amt 3, 1239. Charitéstraße 3. Hof III. Amt 3, 1987. Dienstag, den 24. März, abends 8%, Uhr: Sozialdemokratischer Wahlverein für den 2. Berliner Reichstagswahlkreis Am Freitag, den 20. März, verstarb nach langem, schwerem Leiden unser braver Genosse, der Mittwoch, den 25. März, abends 8 Uhr: Außerordentliche Generalversammlung Heinrich Ammann Mitgliederversammlung für die Branche der Klempner in den Musiker- Festsälen, Kaiser- Wilhelm Straße 18m. in der Brauerei Friedrichshain", am Friedrichshain. Tages- Ordnung: 1. Wahl eines Bureauhülfsarbeiters( Stichwahh. 2. Beratung und Beschlußfassung über Anträge zum Verbandstage in Stettin. 1. Bortrag des Stollegen obert Bahn über:„ Nationale Ehre 3. Aufstellung der Delegiertenkandidaten zum Verbandstage und zum Zagesordnung: and Standesehre".- 2. Diskussion.- 3. Berbandsangelegenheiten. Kollegen! Da unter Verbandsangelegenheiten wichtige Mitteilungen zu Gewerkschaftskongreß. 4. Verbandsangelegenheiten. machen sind, auch verschiedene Firmen glauben, für sie sei der Tarif nicht mehr da, so ist das Erscheinen aller Kollegen dringend erwünscht. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Mittwoch, den 25. März, abends 8 Uhr: Versammlung der Gold- und Silberarbeiter u. verwandten Berufsgenossen im Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15, Saal 7. Tagesordnung: 1. Borttag des Genoffen Mar Schütte über:" Vor 30 Jahren". 2. Distuffion.- 3. Verbandsangelegenheiten. Mittwoch, den 25. März, abends 6 Uhr: Versammlung Eintritt nur mit Mitgliedsbuch. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht Die Ortsverwaltung. Die Bureaus Engel- lfer 15 und Engel- llfer 19 find am Donnerstag, den 26. März, wegen Umzuges gefchloffen. Vom Freitag, den 27. März ab, befinden fich die Bureaus Engel- Ufer 14, parterre, in folgenden Zimmern: Hauptkassierer: Zimmer 1.- Kaffe und Auszahlung von Unterstützungen: Zimmer 2. Krankenabfertigung und Bibliothek: Zimmer 3.- Arbeitsnachweis der bisher im Gewerkschaftshause vermittelten Branchen: Zimmer 4.- Verwaltung: Zimmer 5. Die Bibliothek bleibt bis auf weiteres geschlossen. Jalousiearbeiter. I der Chirurgischen Branche Mittwoch, den 25. März, abends 8% Uhr, bei Soeker, Weberstraße Nr. 17: im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Straße 11/12. Tagesordnung: 1. Fortsekung der Diskussion über das Wesen der Lohn- und Affordarbeit. 2. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Die Vertrauensleute werden ersucht, spätestens in der Versammlung bie Billetts vom Vergnügen abzurechnen. Bahlreichen Besuch erwartet. 114/2 Die Ortsverwaltung. Konsum- Verein für Tegel und Umgegend. ( Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht.) Donnerstag, den 2. April, abends 8 Uhr, im Saale des Herrn Götz, Tegel, Schloßftr. 7/8: Ordentliche General- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Geschäftsbericht. 2. Erwerbung eines Geschäftsanteils bei der Bau genossenschaft Freie Scholle". 3. Vereinsangelegenheiten. Der Aufsichtsrat. Zentralverband der Schmiede Zahlstelle Berlin. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Branchen- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Dbmannes. 2. Brabchenangelegenheiten. 3. Verbandsangelegenheiten. Stellmacher. wohnhaft Hafenheide 11. Ehre seinem Anbenken! Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 25. März, nachmittags' uhr, bon der Leicheneligiösen Gemeinde, Pappelhalle des Friedhofes der FreiAllee, aus ftatt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. 210/10 Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Mechaniker Heinrich Ammann am 20. März gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 25. März, nach mittags 5 Uhr, von der Leichen halle des Friedhofes der Frei religiösen Gemeinde, PappelAllee 15/17, aus statt. 114/3 Ein Geistlicher geht nicht mit. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratisch. Wahlverein Rixdorf. Todes Anzeige. Den Parteigenoffen zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Stadtverordnete Donnerstag, 26. März, abends 8%, Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosenthalerftr. 11-12: Hermann Sasse Branchen- Versammlung. Zages Drdnung: n 1. Bortrag des Stollegen Wilhelm Nitsche über: Welche Bedeutung hat die Genossenschafts: bewegung für den wirtschaftlichen Kampf?" 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Zu dieser Versammlung ist das Erscheinen aller Kollegen dringend nötig. nach langen Leiden verstorben ist. Wir verlieren in dem Berstorbenen einen allezeit opferbereiten Parteigenoffen, wir werden ihm ein ehrendes Andenken be wahren. Der Vorftand. 234/15 Bekanntmachung Verband der Sattler. folgt am Mittwoch, den 25. b. M., der Orts- Krankenkaffe Achtung! Täschner und Portefeuiller Berlins! Achtung! des Bimmerer- Gewerbes zu Berlin. Mittwoch, den 25. März 1908, abends 8%, Uhr pünktlich: Die diesbezügliche Uenderung betrifft Gemeinsame Mitglieder- Versammlung der in Gemäß§ 60 des Kassenstatuts bringen wir hiermit den Interessenten ( Arbeitgebern und Arbeitnehmern) zur Kenntnis, daß die durch die Generalversammlung vom 22. November 1907 befchloffene zweite Abänderung zum Statut die Genehmigung der höheren Berwaltungsbehörde erhalten hat. die 88 9, 10, 16, 17, 24 und 25. Diefelbe ist den Arbeitgebern sowie den einzelnen bei legteren beschäftigten Kaffenmitgliedern im Wortlaut( Drud exemplar) übersandt worden. Diese Abänderung tritt mit dem 29. März cr. willigen Mitgliedern im Kaffenlokal in Empfang genommen werden. 9235 Der Vorstaub. beiden Verbänden organisierten Schmiede in Straft und fann von den frelin Dräsels Festfälen, Neue Friedrichstraße 35. Tages- Ordnung: Fortsetzung der Debatte über die Verschmelzungsfrage. Kollegen beider Organisationen, wir richten an Euch das dringende Ersuchen, auch für einen guten Besuch dieser Bersammlung zu agitieren. Die Vertrauensleute haben die Pflicht, alle Kollegen zum Besuch dieser Bersammlung anzuhalten. Sorgt für vollzähliges Erscheinen. 130/ 20* Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne dasselbe hat kein Kollege Zutritt. Der Ortsverwaltung des Verbandes der Schmiede. 3. A.: Wilhelm Siering. A. Brunzel, E. Petermann, Borfigender. Schriftführer. Schönheitsfehler Die Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiter Verbandes. burch Buber und Schminke su verbeen, ift 3. A.: Adolf Cohen. Achtung! Portefeuiller Achtung 600 000 Berlins und Umgegend! Dienstag, den 24. März, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, großer Saal: Oeffentliche Versammlung aller in der Portefeuiller- Industrie beschäftigten Arbeiter n. Arbeiterinnen. Zages Drbnung: 1. Bericht über die gemeinschaftliche Konferenz der Vertreter ber Leberwarenfabrikanten Deutschlands und der Vertreter des Portefeuiller und Tattlerverbandes in Berlin am 23. März d. J. 2. Soll am 31. März d. J. der im Jahre 1905 abgeschlossene Tarifvertrag gekündigt werden? 3. Wahl einer Lohnkommission. Kollegen und Kolleginnen! Es soll in dieser Versammlung beraten und beschlossen werden, wie fich Arbeitszeit und Arbeitslöhne in den nächsten Jahren in der Portefeuiller- Industrie zu gestalten haben. 109/2 Erscheint also in Massen in dieser Versammlung. Der Einberufer. Berlin SO. 16, H.& P. Uder, Engel- Ufer 5. Tabak- Großhandlung und Tabakfabrik. Rauchtabake X Kautabake X Schnupftabake X Zigarren. 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Mittwoch, den 25. März, abends 8%, Uhr: Außerordentl. Branchen- Verfammlung bei Graumann, Naunynstraße Nr. 27. Zages Drdnung: 1. Der Ablauf des bestehenden Tarifvertrages, und welche Stellung nehmen wir dazu ein? 2. Berschiedenes. 156/13 Das Erscheinen sämtlicher in Taschenbetrieben beschäftigten Bersonen erwartet Die Branchenleitung. Soeben erschienen: Der Klassenkampf des Proletariats bon Parvus. Heft 2: Die kapitalistische Produktion und das Proletariat. Preis 30 Pf. Das 1. Heft betitelt sich: Der gewerkschaftliche Kampf. Preis 15 Pf. Expedition des ,, Vorwärts", Berlin SW. 68, Laden. www Lindenstr. 69. Laden. Einzelverkauf an Private Begründet 1878. findet nach wie Begründet 1873. von Filz-, Stroh- und Zylinderhüten, neueste Moden zu außergewöhnlich billigen und streng festen Preisen vor state Spezial- Hut- Engroslager Neue Königstr. 48, 1 Treppe, am Alexanderplatz. L.Katz& Co. Spandauer Str. 45, a. Molkenmarkt Filialen: Ecke Kaiser- u. 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