Kr. 73. HMtMntntS'Btflwiiitn: TOoitnemenlS• Prei» pitmmmmia, SinienaW. 8,30 Mi, monatl. 1,10 Mi, wöchentlich 2cj Psz, ttei WS HauZ, Einzelne Nummer k Pfg. Sonntags. mimmcr mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt- 10 Psa. Post. Monnement: 1,10 Mari pro Monat. Ewgetragen w die Post. Zeitung S- BreiSliste. Unter Kreuzband wr Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Mari, slir das ilbriae Ausland 3 Mari pro Monat. Pos nehmen Belgien. bonnementS DSnemart, olland, Italien. Luxemburg, Porrugal, mänien. Schweden und di« Schweig. «»«»it Uglich uStr Sootui. SS. Jaksrg. Verlinev Volksblntt. VI« snltkNonZ'Sedilhk betrögt für die sechsgespaltene Kolon el. «eile oder deren Raum bO Psg,, für politische und gewcrlschastltche Verein». und LcrsammlungS-Anzcigen 30 Psg. „Aleine Snreigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Psg, jedes Wetter« Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlaf« stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg, jede» weitere Wort 3 Psg. Wort« über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geösstiet. Telegramm-Adresse: .SoxialiKiiiokral Rtrllb". Zentralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfchtandd. Redahtiom 8«l. 68, Llndcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. IS8Z. Aaffenttillitanl!. Die Verhandlungm im Baugewerbe sind am Donnerstag beendet worden. Bekanntlich wurden sie geführt zwischen den Vertretern des Arbeitgeberbundes und den Ver- tretern der Arbeiterorganisationen der Maurer, Zimmerer und Bauhülfsarbeiter unter unparteiischer Leitung. Die Verhandlungen bezogen sich auf den vom Arbeitgeberbund aufgestellten sogenannten„Mustertarif". Die Debatten waren mitunter ziemlich scharf, besonders über die Fragen der Akkord- arbeit, die Agitation auf der Baustelle, die Vertragsdauer. Am Donnerstagabend um 11 Uhr waren die Parteien nach mehrfachen Sonderberatungen soweit gekommen, daß sie sich über die in dem Mustertarif aufzustellenden Grundbestim- niungen geeinigt hatten. Dann wurde eine Redaktions- kommission eingesetzt, die bis 2 Uhr nachts an der Formu- lierung des Mustertarifs arbeitete, der nunmehr als zwischen den beiderseitigen Vertretern vereinbart gelten kann. Der Tarif hat in verschiedenen Punkten eine andere Fassung, als die von den Unternehmern aufgestellte, erhalten. Den Ver- tretern der Arbeiter gelang es, einige Bestimmungen, an denen sie Anstoß nahmen, zu beseitigen oder doch zugunsten der A* beiter abzuschwächen. Dem ß 3. der im Entwurf der Unternehmer lautete: „Ueberstunden sowie Nachtarbeit und Arbeit an gesetzlichen Feiertagen sind in besonderen Fällen auf Verlangen des Arbeitgebers zu leisten," ist der Zusatz angefügt: „und dürfen im wesentlichen nur gefordert werden, wenn durch deren Unterlassung Ntenschenleben in Gefahr kommen, Verkehrs- störungen eintreten oder zu beseitigen sind. Ferner bei dringen- den Reparatur, und JnstallationSarbeiten in Theatern, Fabriken und bei ähnlichen Arbeiten." Im 8 4 des Tarifs sollte der Stundenlohn festgesetzt werdeivier— nach dem Entwurf— an tüchtige Maurer, Zimmerer und Hülfsarbeitex zu zahlen ist.— Hierdurch wäre es den Unternehmern möglich gewesen, jedem Arbeiter, den sie nicht für tüchtig halten, geringere als die vertragsmäßigen Löhne zu zahlen. Dadurch würde das gleichzeitige Bestehen verschiedener Lohnklassen ermöglicht und.ein Zustand ge- schaffen worden' sein, den die Arbeiter seit Jahren bekämpfen. — Das Wort„tüchtig e" ist nunmehr aus dem Tarif gestrichen.— Die Bestimmung, daß für minder leistungs fähige Arbeiter geringere Löhne vereinbart werden können, hat eine andere Fassung erhalten und lautet jetzt: „Für Gehlllsen, die infolge Alters oder Invalidität in ihrer Leistungsfähigkeit beschränkt sind, für jugendliche Arbeiter sowie für Junggesellen im ersten, und zweiten Jahre, nach beendigter Lehrzeit und bestandener Gesellenprüfung kann ein geringerer Lohn durch freie Vereinbarung festgesetzt werden." § 5 lautet: „Akkordarbeit ist zulässig; die Akkordpreise unterliegen besonderer Vereinbarung." § 6 setzt die Lohnzahlungsperiods fest und sagt: „Der Lohn wird nur für die wirklich geleistete Arbeitszeit bezahlt. Der Arbeitnehmer kann für solche Zeiten keinen Lohn fordern, in denen er durch einen in seiner Person liegenden Grund an der Arbeit verhindert worden ist, auch wenn die Ver- säumnis entschuldbar und nicht von erheblicher Tauer ist(K 61k des B. G.-B.). Für diejenige Zeit, in welcher die Arbeit ruhen muß infolge Materialmangels, Witterungsverhältnisie, Polizei- licher Anordnung, Sistierung des Baues durch den Bauherrn, Betriebsstörung der Materialsörderungsanlagen oder partieller Streiks der auf den Arbeitsstätten beschäftigten Mitarbeiter kann der Arbeitnehmer ebenfalls keinen Lohn beanspruchen. In Orten, wo Kündigungsfristen vereinbart sind, kann bei Material- mangel das Arbeitsverhältnis von den Arbeitern ohne Einhal- tung der Kündigungsfristen gelöst werden, sofern der Arbeitgeber sich nicht rechtzeitig zur Zahlung des Lohnes bereit erklärt." § 8 handelt von der Schlichtvngskommission. In§ 9 verpflichten sich die Parteien, Streiks, Bau- sperren und Aussperrungen, welche im Widerspruch mit dem Vertrage ausbrechen sollten, nicht zu unterstützen. § 19 verbot in seiner ursprünglichen Fassung„jegliche Agitation aus der Arbeitsstelle bei sosortiger Entlassung." Der 8 111 ist wesentlich geändert worden. Er lautet jetzt: „Das Zusammenarbeiten mit anders- oder Nichtorganisierten Arbeitnehmern auf ein und derselben Arbeitsstelle darf nicht beanstandet werden. Die Einstellung und Entlassung von Ar- beitern steht im freien Ermessen des Arbeitgebers. Jegliche Agi- tatwn während der Arbeitszeit ist verboten. Die Pausen gelten nicht als Arbeitszeit. Anders- oder Nichtorganisierte Arbeiter dürfen in Pausen sowie vor und nach der Arbeitszeit nicht be- läftigt werden. Der Zutritt zu den Arbeitsstellen ist anderen als den dort beschäftigten Personen ohne Erlaubnis des Arbeit- gebers nicht gestattet. Die Zugehörigkeit zur Organisation darf kein Grund zur Entlassung sein; ebensowenig darf der Austritt aus einer Organisation vom Arbeitgeber verlangt werden. Ar- beitsovdnungen dürfen den Vertragsbestimmungen nicht zuwider- lausen." 8 11 enthält die Bestimmung, daß der Vorstand des Arbeitgeberbundes und die Vorstände der vertragschließenden Gewerkschaften die Einzelverträge zu genehniigen haben. Neben dem so umgestalteten„Mustertarif" sind Erläute- rungen desselben vereinbart und protokollarisch festgelegt worden. Hinsichtlich der Arbeitszeit haben sich die Parteien dahin geeinigt, daß da. wo die Arbeitszeit bis 19 Stunden beträgt, zurzeit keine Verkürzung derselben eintreten soll. Mit dem Abschluß der hier mitgeteilten Verhandlungen ist die gegenwärtige Bewegung im Baugewerbe noch keines- wegs beendet. Auf Grund der allgemeinen Bestimmungen des„Mustertarifs" sind jetzt die Einzeltarife in den ver- schiedenen Orten oder Bezirken zu beraten. Es handelt sich dabei um Festsetzung der örtlichen Verhältnisse, besonders der Lohnsätze. Diese Beratungen finden statt am 1. Apri!� in München, am 6. April in Essen(sür Rheinland-Westsalen), ani 9. April in Berlin, am 13. April in Frankfurt a. M.(für Mitteldeutschland). Bis zum Abschluß dieser Verhandlungen werden natürlich keine Kampfmaßregeln unternommen. Die Aussperrung, welche die Unternehmer für den Fal des Nichtzustandekommens der Tarife für den 1. April an gedroht hatten, unterbleibt also, wenigstens vorläufig. Ob es überhaupt nicht zum Kampfe von feiten der Unternehmer kommt, läßt sich jetzt noch nicht sagen, denn wenn auch nur einer der noch zu beratenden Einzelvcrträge nicht zustande kommen sollte, wäre immer noch die Situation gegeben. welche die Unternehmer zur Voraussetzung der allgemeinen Aussperrung gemacht haben. Gegenwärtig herrscht also im Baugewerbe Waffenstillstand. Ob er zu einem dauern- den Frieden führt, wird sich erst nach Mitte April entscheiden können. Die ßfllow- Huldigung der Nshlrechk feinde. Alle Wahlrechtsfeinde und Scharfmacher sind entzückt von Bülows gestriger Philippika gegen das all gemeine und gleiche Wahlrecht, aus der die märchenhafte Feinhörigkett des Freisinns eine wärmere Nuance für eine wirkliche Wahlreform herausgehört hatte. Mit beißendem Spott überschüttet die„Krcuz-Zeitung" die unverwüstliche Potthoffnungsfteudigkeit des Freisinns: »Der Reichskanzler hat gestern den Liberalen aller Schattierungen einen Stein vom Herzen genommen: er hat den trockenen amtlichen Tqn der am 10. Januar im preußischen «bgeordnetenhause verlesenen Wahlrechts erklärung gleich- fam„zurückgenommen" und ihren Inhalt in den denkbar elegantesten Worten und unter Zugabe einiger Bonmots wiederholt. Auf das Maestoso hat er daS Scherzo folgen lassen. Das Thema ist zwar dasselbe, aber die verschiedenen Verarbeitungen erzengen verschiedene Stimmungen, und die Liberalen find heute sehr vergnügt. ES ist besonders auffallend, wie schnell sich der Freisinn an das Aufblicken zur Regierung und an das Beobachten ihrer Augenbrauen gewöhnt hat. wie schwer er schon daran trägt, wenn ihm eine Forderung in der nüchternen, unversöhnlichen Amtssprache ab geschlagen wird, und wie er aufatmet, wenn ihm dann das bittere Nein mit einigen freundlichen Worten versüßt wird.... Inhaltlich unterschied sich die gestrige Rede de? Reichs kanzlerS natürlich gar nicht von der Erklärung der preußischen Regierung, und wenn einige Sätze der Rede so gedeutet werden, als enthielten sie positive Versprechungen, so ist das sicher ein M i ß v e r st ä n d n i S. da ja bekanntlich die Wahlrechts- Vorlage der preußischen Regierung nicht einmal in ihren Grundzügen feststeht." Der„D e u t s ch e n T a g e s- Z t g." hat ganz besonders Bülows Verhöhnung des allgemeinen und gleichen Wahl- rechts gefallen. Sie sagt darüber: „Mit vollem Rechte und mit guten Gründen hat er eine, wenn auch milde, so doch genügend deutliche Kritik an dem Reichstagswahlrechte geübt. Diese Kritik bewegte sich vielfach in der Richtlinie dessen. was an dieser Stelle oft ausgeführt worden ist. ES ist ein Unsinn und ein Unfug, wenn man das Reichstags- Wahlrecht als das gerechteste und vollkommenste bezeichnet. Trotzdem wird man vorläufig daran festhalten müssen, weil es ungemein ftaglich ist. ob es unter den jetzt obwaltenden Umständen möglich sei, etwas Besseres an seine Stelle zu setzen. Gut ist das ReichStagSwahlrecht sicher nicht, aber«S mag er- ttäglich sein." Auch die„P 0 st" konstattert mit Behagen, daß Bülow die Forderung nach einer preußischenWahlreform mit einer„vernichtenden" Kritik des— Reichstags- wahlrechts beantwortet hat: „Die Kritik, welche der K< anzler seinerseits an dem Reichswahlrecht übte, war geradezu ver- n i ch t e n d. Oder gibt eS etwa eine schärfere Verutteilung des ReichswahlrechtS als den Ausspruch, daß kaum ein anderes Wahlrecht auf die Reife des Urteils, auf geistige Bildung, politische Erfahrung so wenig Rücksicht nimmt wie daS allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht?" Der„Reichsbote" zieht auS Bülows Rede gegen daS Reichstagswahlrecht nicht nur die Folgerung, daß in Preußen gar nicht an eine ernsthafte Wahlreform zu denken sei, sondern er deutet sie halb und halb auch als eine Ver- Warnung an andereBundesstaaten, die preußische Rcaktionspolitik nicht durch eine freiheitlichere Politik ihrerseits zu durchkreuzen: „Zum Schluß wies der Kanzler mit ernsten Watten auf die Bedeutung des preußischen Staates für Deutsch» land hin und folgert« darauf, daß man Preußen nicht dem demokratischen de« Um so mehr aber wäre zu emut >« fährlichen Experiment WahlrechtSauSsetzen darf. wünschen, daß auch denKleinstaaten zu geführt würde, daß sie die Einführung dieses Wahlrechts für ihre Landtage zurückweisen s oft l t e n; denn die Einführung in jene Siaaten wird immer wieder eltend gemacht auch für Preußen. Wenn die liberalen eituugcn manche Ausdrücke Bülows so deuten, als würde S»pedltfom SM. 68» Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt W, Nr. 1981. er in einer Reformvorlage für Preußen das geheime Wahl- recht vorschlagen, so ist diese Auslegung sehr voreilig; erst am lv. Januar hat der Kanzler das zurückgewiesen und auch gestern hat er sich nicht dafür ausgesprochen." Diese reaktionären Preßstimmen lassen an aufreizender Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Sie künden trium- phierend, daß nicht nur an eine wirklicheWahlreforin in Preußen nicht zu denken sei. sondern daß die preußische Regierung auch die demokratischen Strömungen Süddeutschlands eindämmen, ja schließlich auch vor einem Attentat auf das Reichstagswahlrecht nicht zurückschrecken werde! Sache des entrechteten Volkes Preußens ist es, all diese schönen scharfmachettschen Pläne durch einen«»- widerstehlichen Ansturm gcgeu die Dreiklassenschmach zu schänden zu machen! Die beste Deckung ist der Hieb! Zeigt das ent- rechtete Volk, wie gewaltig bereits die Empörung über die preußische Wahlcnttechtung angeschwollen ist, so wird es weder ein Bülow noch ein wirklich„starker Mann" wagen, jemals einen Anschlag gegen dan Reichstagswahlrecht zu unternehmen l / Vom Strelhfichrer zum Streikbrecher. Ultramontane und konservative Journalisten wissen mancherlei Wundersames über Bülows eigenartige Stellung zum Presse- streik zu bettchten. Daß Bülow den streikenden Journalisten eine gewisse Sympathie bewiesen, war ja bekannt. Nun wird aber be- hauptet, daß er zu besonderen Sympathicbeweisen bereit ge- Wesen sei und versucht habe, bei dem Konflikt dergestalt im Trüben zu fischen, daß er die Presse gegen den Reichstag ein- nahm! So berichtet die„Köln. V 0 l k s z t g.": „ES wird in Abgeordnetenkreisen erzählt, daß ein dem Fürsten Bülow sehr nahestehender Journalist, ein Alldeutscher, der im Streik eine führende Rolle spielte, ein Schreiben au den Fürsten Bülow und ein Antwortschreiben des Fürsten Bülow an die.Tribünenjournalisten abgefaßt und dem Fürsten lvülow zur Unterzeichnung vorgelegt hätte. Der Reichskanzler hätte sich, wie dieser Herr der Streikverjammlung verfichette, zur Unterzeichnung des Schriftstückes bereit erklärt, falls die Streikversammlung dieses wünsche. In dem Antwortschreiben des Fürsten Bülow sei das Be- dauern über die Haltung des Reichstages und eines einzelnen seiner Mitglieder ausgesprochen worden. Die Versammlung hätte aber dieses Eingreifen des Reichskanzlers abgelehnt." Deutlicher noch gibt die„Dortmunder Ztg.". ein amt« liches Organ. Aufschluß über des Kanzlers Absichten: „Es braucht nur angedeutet zu werden, daß die leitende Persönlichkeit im Reiche bereit gewesen ist, weit über den Wortlaut und Inhalt der Gröberschen Abbitte hinaus den ReichStagsjournalistrn eine besondere EhrenrrtlSrung zu geben. Wenn dies Anerbieten freundivilliger Dienste abgelehnt wurde, so geschah es in dem Wunsche, auS dem Kleinkrieg zwischen Presse und Parlament nicht eine große und in ihren Folgen unabsehbare Aktion der Regierung gegen den Reichstag erstehen zu lassen. Ein Eingreifen, wie es Für st Bülow beabsicht haben maA. würde das völlige DeSaveu mindestens des Präsidenten Grafen Stolbera bedeutet und zu Konflikten mit dem parlamentarischen Selbstbewußtei» geführt haben, über die Blockpolitik und Kompromißaktionen von Monaten klirrend hätten in Sckcrben gehen können. ES wird gut sein, daß man im Lande draußen von diesen Vorgängen wenigstens andeutungsweise erführt. Einerseits sollte die Kenntnis davon nützlich für das Bild sein. daS man sich von der vor- nehmen Art des Kanzlers noch mehr alsfrüher machen darf; dann aber wird die Entscheidung der Journalisten, die Demonstration gegen die 0 b st i n a t e n M. d. R. zu beenden, er st durch die dankend abgelehnte Bülowaktion ganz verständlich und erhältihre rechte Beleuchtung stiller Selbstlosigkeit." Bülow wollte also den Journalistenstreik dazu benutzen, sich wieder einmal als„modernen" Menschen in der Presse des In- und Auslandes in reklamehafte Erinnerung zu bringen. Zu gleicher Zeit wollte er das aus dem allgemeinen und gleichen Wahlrecht hervorgegangene Reichsparlament herabsetzen— eine Absicht. deren Mißlingen er ja dann durch seine Rede am 26. März nach Kräften wieder weit zu machen versuchte! BülowS Reklamebedürfnis und anttparlamentattsche Intrige scheiterten am Widerstand der Journalisten, die denn doch durch eine Bülow-Reklame nicht ihr bis dahin solidarische» Vorgehen zersplittett sehen mochten. Wenn jetzt nachträglich, wie daS in der„Dortmunder Zeitu n g" geschieht, Bülows Anerkennung gegenüber den Journalisten zum höheren Ruhme deS pressefteundlichen Kanzlers in einen Gegen- satz zu dem Verhalten der„obstinaten M. d. R." gebracht werden oll, so wollen wir nicht erst versuchen, den solchen Lockungen zugäng- lichen Journalisten ihren Bülow-EnthusiaSmus auszutreiben. Wenn Bülow mit Hülfe solcher„kommandierender Generale" den Kamps gegen daS Volk und die Volksinteressen führen zu können wähnt, so gönnen wir ihm diese Illusion von Herzen I Wir wollen nur an dieser Stelle nochmals.feststellen, daß gerade das bülow- offiziöse Organ, hid. Nord d. All g. Zt g.'. am DienStagnach- mittag durch eingehende Wiedergabe der Reden Bülows und v. SchoenS schnödesten Streitbruch(verübte! Der Protektor des Pressestreiks. Fürst Bülow, genierte sich also nicht, in d e m s e l b e n A u g e n b l i ck, wo er sich als wohlaffektionietten Bundesgenossen und Sachwalter der streikenden Jour- nalisten empfehlen ließ, durch sein eigenes Organ, die offiziöse„Nordd. Lllgem. Zeitung", schimpslichstr» Sttritbruch verübe» zv lassen! Der abgeschüttelte ttelchsverband. Der Reichsverband zu Kassel ist ärgerlich und will seinen Aerger an unserem Kasseler Parteiblatt, dem„Volksblatt" auslassen. IG Vorstandsmitglieder des Reichsverbandes haben die Privatklage gegen das„Volksblatt" eingereicht— Sie Zumutung, die Macken- schaften der Liebcrtgarde durch eine Klage von Amtsloegen zu decken, hat die Staatsanwallschaft abgelehnt. Die Privatklage erklärt auch die Bezeichnung„Reichslügenverband" für eine Beleidigung. Der Prozes; wird also eine willkommene Gelegenheit bieten, den Be- weis zu führen, wie berechtigt diese Bezeichnung ist. Weshalb der Rcichsverband zu Kassel ärgerlich ist, das ist nicht schwer zu ergründen. Die glänzenden Siege unserer Genossen bei den Stadtverordnetenwahlen und des ReichsverbandcS nicht minder glänzender Reinfall bei dem Versuch, seinen Anteil an der bürger- lichen Niederlage zu leugnen(unsere Leser erinnern sich der „Berichtigung" deS Reichsverbandes und ihrer kritischen Auflösung im„Vorwärts") haben ihm genügenden Anlaß gegeben. unzufrieden mit sich und der Welt zu sein. Dazu kommt aber noch, daß ihm auch von bürgerlicher Seile eine Ohrfeige versetzt wurde, die ihm besonders schmerzlich sein mußte. Bekanntlich fand am Lv. März eine Stadtverordnetenwahl in Kassel statt, an der unsere Genossen sich nicht beteiligten, da sie diese Wahl für ungesetzlich an- sieht.(Die Wahl zweier Sozialdemokraten war vom Wahlvorsteher für ungültig erklärt worden, weil sie angeblich nicht Hausbesitzer waren; dem Gesetze nach hätte die Stadtverordnetenversammlung die Wahl prüfen müssen.) Trotzdem nun wegen der Wahlenthaltung der Sozialdemokraten keinerlei Gefahr für die bürgerlichen Gruppen drohte, konnte es der Reichsverband in seinem Eifer nickt unterlassen, die Bürgerlichen aufzufordern, für die Wahlschlacht sich unter einem Banner zu einigen. Dabei ist ihm nun das Malheur passiert, daß mrt'die Beamten-, Lehrer- und„nationalen" Arbeiter- vereine sich seiner Führung unterstellten, während die unabhängigen Bürgervereine seine Gesellschaft abgelehnt haben. Und zwar in nicht sehr verbindlicher Weise. In einem öffentlichen Aufruf setzten sie auseinander, weshalb sie nicht mit dem Neichsverband zu- sammengehen mochten und dabei sagten sie: „ES wird sich später zeigen, daß durch das Vorgehen des Reichsverbandes die Einigkeit nicht nur nicht gefördert, sondern im Gegenteil die Zersplitterung und der Hader der Parteien nur vermehrt werden wird. Man braucht kein großer Prophet zu sein, um schon heute voraussagen zu können, daß hierdurch die noch in bürgerlichem Besitz bestndlichen Stadtverordnetenmandate der dritten Wäblerklaffe der Sozialdemokratie ganz gewiß ans- geliefert werden." Das ist natürlich sehr bitter für den Reichsverband und da das „Volksblatt" offenbar sehr viel dazu beigetragen hat, daß diese Erkenntnis vom Wesen des ReichSvcrbnndes sich verbreitet hat. so muß der Reichsverband eS verklagen. Der Prozeß kann interessant werden. Daß besagtes Erkenntnis übrigens in Kastel so schnell durch- gedrungen ist, muß um so auffallender erscheinen, als Kastel bisher stets mit Stolz bezeichnet worden ist als der Sitz der stärksten OrtS- gnippe des Reichsverbandes. Die Mitgliederzahl ist wiederholt auf nahezu S000 angegeben worden. Die vom Bureau des Reichs- Verbandes angestellten„Werber" laufen Tag für Tag treppauf treppab, um Mitglieder zu gewinnen. Die Beamten. Unterbeamten und in Staatsbetrieben beschästtgten Arbeiter sind schon nahezu bis aus den letzten Mann„organisiert". Wehe ihnen, wenn sie sich sträuben sollten! €io Expropriateur. Pari«, 25. März.(Eig. Der.) Die wirkliche Börse interesfiert Frankreich in diesen Tagen mehr als die parlamentarische. Ein kapitalisttscheS Zauberschloß ist krachend geborsten. Hundert oder zweihundert Millionen sind im Boden verschwunden und nichts blieb zurück, als ein heftiger Ge- stmtk.... Es wird vielleicht Leute geben, die geneigt find, Herrn Raoul Henri R o ch e t t e. den verunglückten Gründer, der jetzt im Arrest sitzt, für ein Genie zu halten. Wenn seine Geschäfte nicht unzeitig unter- brachen wären, hätte ihn wohl die„Gesellschaft" als solches anerkannt; er wäre als Industrie Hauptmann gefeiert worden, statt als Industrie r i t t e r verflucht und verachtet zu werden. Seine Laufbahn hatte so glückverheißend begonnen. Nach Entlassung aus der Volks- schule hat Rochette als Pikkolo in einem Cafö der Provinz debütiert. Aber der Verdienst genügt dem aufgeweckten Burschen nicht. Er verwendet eine kleine Erbschaft, um in Paris die Buchhandlung zu erlernen und tritt dann in ein Bankgeschäft ein. Er findet in seinem Chef einen Lehrer, der ihn in alle Künste des Börsenschwindels Einblick gewinnen läßt. ES handelt sich namentlich darum, Aktien einer angeblichen Kupfermine„Rio Tenido" ins Publikum zu bringen. Rio Tenido klingt nämlich so ähnlich wie Rio Tinto und Rio Tinto ist ein beliebtes Spekulationspapier.... Der Lehrer bekommt mit den Gerichten zu tun. aber der Schüler übernimmt sein Werk. Die erste Unternehmung mißlingt. Aber im Jahre 1904 gelingt eS Rochette, eine„Minengefellschast" zu gründen. Das Aktienkapital ist noch recht bescheiden: 550 000 Fr. Doch zwei Monate später hat dieses junge zarte Geschöpf schon ein Riesenkind geboren, eine Kohlenwerksgesellschaft mit zwei Millionen, und diese Fruchtbarkeit hält an. Während neue, immer größere Gesellschaften entstehen, wird daS Kapital der alten vergrößert. In nicht viel mehr als drei Jahren hat der junge Mensch, der heute noch keine dreißig Jahre alt ist. Gründungen mit 84 Millionen Kapital geschaffen, darunter die Banque franco-espagnole mit 20 Millionen, die Gesellschaft der Rerva« Minen mit gleichfalls 20 Millionen, daS„Syndikat minier" des- gleichen, die Glühstrumpf-Unternehmung Hella mit lb Millionen ... Und das Publikum reißt sich um diese Papiere. Die Hella-Mtien werden um daS Dreifache deS Nominal- wertes ausgegeben und steigen dann noch weiter. Wie hat Rochette das fertig gebracht? Nun, durch die üblichen Künste des Gründerschwindels: durch eigene maskierte Aufkäufe auf der Börse, durch Anwerbung vornehmer Strohmänner für die Verwaltungsräte seiner Gründungen— im Verwaltungsrat der ftanzösisch-spanifchen Bank und der Nerva-Minen sitzen mehrere ehemalige spanische Mini st er, etliche spanische Senatoren und Deputierte, ein ehemaliger Gouverneur der Bank von Spanien. Barone, Marquis und Offiziere— vor allem aber durch eine un- geheure Reklame. Rochette hat ein Börsenblatt herausgegeben, das natürlich nur seinen Geschäften diente und für das er monatlich über 100 000 Fr. geopfert haben soll. Mindestens das Doppelte hat ihm die Benutzung der„xublicttö", der Börsenrubrik der Tagespreise ge- kostet, wo man für teures Geld alles, wirklich alles unterbringen kann und das Inserat dem naiven Publikum noch immer wie ein uneigennütziger Ratschlag der Redaktion erscheint. Rochette hat namentlich daS Publikum der„kleinen Sparer" ausgeplündert, das immer wieder daraus hereinfällt, wenn man ihm märchenhafte Gewinne verspricht, die geldgierigen Kleinbürger und ihre Gesinnungsverwandten aus der Welt der Hausmeister, Lakaien usw. In dem reichen Frankreich ist Kapital für ernste. weitzielende Unternehmungen so schwer zu finden, daß die industrielle Entwickelung darunter leidet. Der Rentner bleibt entweder ängstlich bei seinen Staatspapieren oder er springt blind in die wildeste Exotik der Börse hinein. Vielleicht hätte Rochette auSgehalten und allmählich den luftigen Bau unter seinen Füßen solide ausgemauert, wenn er nicht anderen Finanzgrößen ins Gehege gekommen wäre. Mit den 3l/s Millionen, die er noch in der Kasse hatte, konnte er der Kontermine wohl noch lange Widerstand leisten und die Operationen seiner Mandatare an der Börse decken, zumal da ihm daS Geld aus der Provinz zu- sttömte. Aber er hatte versucht, die Aktien des in der letzten Zeit_ stark zurückgegangenen TraffchblatteS„Petit Journal" vermittels eines an die Aktionäre gerichteten warnenden ZirkularS um billigen PretS in seine Hände zu bekommen und da geriet er auf eine zur Hebung des Blattes organisierte Gruppe, an deren Spitze der Präsident des VerwalwngSrats, Senator P r e v e t steht. Prevets Strafanzeige soll die eigentliche Veranlassung der Ber- hastung RocketteS gewesen sein. Jedenfalls kann man sich vorstellen, welche Bedeutting die Er- Werbung des„Pettt Journal" für Rochette gewesen wäre. Er hätte ein unbezahlbares, gerade in den Kreisen, auf die er spekulierte, wirksames Reklameorgan gehabt und er wäre eine Macht im öffentlichen Leben geworden, hätte eS vielleicht sogar mit Herrn Bünau-Varille vom„Matin" aufnehmen können, nach deffen Pfeife Minister und Präsekten tanzen, während jetzt die Politiker der Republik, die, wie Herr R a b i e r, der Vizepräsident der Kammer, und der Senator H u m b e r t einträgliche Beziehungen zu Rochette gehabt haben, sich bemühen müssen. sie möglichst be« deulungSloS erscheinen zu lassen. Zum Moralisieren bietet die Affäre Rochette keinen Anlaß, so traurig auch daS Schicksal mancher Betrogenen sich gestalten mag. Sie sind einem Naturgesetz der kapitalistischen Wirtschaftsordnung zum Opfer gefallen. Sie hofften auf arbeitslosen Riesenprofit auS der Arbeit von Bergwerkssklaven und sind einem klügeren Profit- mocher zum Opfer gefallen. Im Kapitalismus wollen die großen bösen Haie ebenso leben wie die kleinen braven Raubfische. poUtifcbc Gcberficbt Lerlin, den 27. März 1908 Die Wahlrechtsfrage im Reichstage. Im Reichstage kam es heute, nachdem die polnische Resolution auf Veranstaltung von Erhebungen zur Untersuchung der politischen Verhältniffe der polnischen Bevölkerung im Deutschen Reich mit 158 gegen 148 Stimmen angenommen war, in der dritten Lesung deS Etats zu einer Auseinandersetzung mit dem Fürsten Bülow wegen seiner gestrigen Angriffe auf das Reichstagswahlrecht. Zwei der Redner der bürgerlichen Parteien, die zunächst daS Wort ergriffen, umgingen diese Frage deS TageS. Sowohl Herr Speck von der Zentrumspartei wie der Konservative Graf K a n i tz beschränkten sich darauf, ihrer Wemut wegen der Finanzmisere AuS- druck zu geben. Beide stimmten darin überein, daß sie von direkten Reichssteuern nichts wissen wollten. Genoffe David unterstrich jene Kennzeichnung der Reichs- finanzmisere noch dadurch, daß er darauf hinwies, wie der frühere Schatzsekretär, Herr v. S t e n g e l. in der Verzweiflung. Ordnung zu schaffen, über Bord gegangen sei. Durch Verstaatlichung der Kohlengruben wie durch direkte Steuern könne das Reich seine Ein- nahmen erhöhen. Den vom Reichskanzler gebilligten Standpunkt des Abg. Lattmanu, daß die Beamten Lehnsmänner der Regierung sein müßten, bekämpfend, wies er darauf hin. daß die logische Kon- sequenz dann die sei, daß Beamte nicht wählbar sein dürften für den Reichstag. Dann rekapiwlierte Genoffe David gegenüber den Ausführungen deS Reichskanzlers die Ungereimtheiten des preußischen Dreiklaffen- Wahlrechts. daS umso aufreizender auf die Bevölkerung Preußens wirken müsse, da die Süddeutschen durchweg ein demokratisches Wahlverfahren sich errungen hätten. Die Rede Naumanns glaubte er als eine entschiedene Absage an den Reichskanzler und seinen Block auffassen zu dürfen und sprach die Hoffnung aus, daß auch noch andere Freisinnige nach und nach von der Blockgemeinschaft sich lossagen würden; habe doch vor kurzem sogar der Abgeordnete M u g d a n sich gegen den Reichskanzler scharf ausgesprochen. Wenn man der Sozialdemokratie vorwerfe, sie führe einen Klassenkampf, so sei zu erwidern, die Junker mit Fürst Bülow an der Spitze führten ja selbst den schlimmsten Klassenkampf zur Auftechterhaltung ihrer Vorrechte. Der Redner schloß mit der Aufforderung an den Reichskanzler, er solle dem Monarchen begreiflich machen, daß er sich in die Seele der Arbeiter versetzen müsse. Denn wolle die preußische Regierung das tun, was im Jntereffe Preußens und des Reiches liege, so müffe sie dem nachkommen, was das werktätige Volk in der Wahlrechisfrage erwartet. Der Freisinnige Schräder glaubte zur Wahlrechtsreform betonen zu müssen, daß man durch Auftechterhaltung deS Drci- klassenwahlrechts nur der Sozialdemokratte AgitationSstoff liefere. Sei doch die Sozialdemokratie groß geworden durch die Fehler der Regierung. ES komme deshalb darauf an, dafür zu sorgen, daß die Masse des Volkes nickt dauernd das Gefühl des erlittenen Unrechts habe. Nach feiner Auffaffung soll also die Erwähnung deS Reichs- tagswahlrechtS als so eine Art BerubigungSpulver wirken. Genosse Bebel ließ dem fteisinnigen Senior keinen Zweifel darüber, daß seine Schlafpulverexperiinente zur Einschläferung der sozialdemokratischen Bewegung nie und nimmer führen würden, da sie durch die wirtschaftliche Entwickelung geschaffen sei und an den Klassenkämpfen, den diese gebäre, sich immer von neuem entzünde. DaS Proletariat wachse Von Jahr zu Jahr an Ausdehnung und geistiger Reife. So kommt eS naturgemäß zur Forderung der Gleichberechtigung mit den herrschenden Klaffen; ein Teil seines Klassenkampfes sei die Durchsetzung dieser Gleichberechtigung auf allen Gebieten, also auch deS allgemeinen, gleichen Wahlrechts für Preußen. Als Bebel mit sich steigender Wucht den Regierungsmännern und Abgeordneten dann die Worte ins Gesicht schleuderte: Wenn Sic dem Proletariat die politische Gleichberechtigung verweigern, so treiben Sie td zur Revolution,— bezeugte der stürmische Beifall der Parteigenoffen. daß er den Kernpunkt der Wahkrechtsfrage getroffen hatte. Nicht auf die verspäteten Triebe der politischen Herbstzeitlosen des Bügertums, die Wahlrechtsgefühle entwickeln, weil sie die abtreibenden proletarischen Schritte in der liberalen Gefolgschaft festhalten wollen, nicht auf das spärliche erweckbare Wohlwollen gekrönter Häupter für Erweiterung der Volksrechte können sich die Proletarier in ihrem Emanzipationskampf verlassen, sondern nur auf sich selbst, auf ihre Organisationsfähigkeit und Tatbereitschast für den Klaffenkampf. Schließlich ist eS ja. wie Bebel treffend betonte, die blaffe Furcht vor der wachsenden Macht der Sozialdemoftatie, der angeblich„Nieder- gerittenen", die bisher noch die herrschenden Klassen von der Ge- Währung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts in Preußen zurückhält. Gerade dieser zeitweilige Widerstand ist ein Zeichen der Stärke unserer Bewegung. Der Widerstand der Furcht ist aber eine Henimung von kurzer Dauer. Das ist die ttöstliche Schlußfolgerung, die die Sozialdemokratie aus der Lage zu ziehen hat. Bebels Ausführungen klangen denn auch in die Ankündigung aus, daß die Sozialdemokratie nicht eher ruhen wird, als bis sie sich ihr Reckt, ihr ganzes Recht erkämpft hat. An dieie Auseinandersetzungen knüpfte sich noch ein Rededuell mit Herrn Kraetke, den Bebel aus den Akten des Trofimoff- Prozesses, Singer durch Vorlegung eines einem Sozialdemokratcu erbrochen und um drei Tage verspätet zugegangenen Brief nach- wies, daß die Briefe von Sozialdemokraten auf der Post vor polizeilichen Nackforschungen nicht sicher sind. Herr Kraetke bestritt das selbstverständlich._ Müller und Schulze. Im Dreiklassenparlament setzte man heute daS Gerede über die Sekundärbahnvorlage fort, nachdem der Antrag Jderhoff, den Besuch der ländlichen Fortbildungsschulen für Hannover obligatorisch zu machen, in dritter Lesung angc- nommen worden war. Dann traten mehrere Wiederwahl- lüsterne Parlamentarier auf und verlangten Berücksichtigung der Eisenbahnwünsche ihrer nach„Bildung und Besitz" maßgebenden Wähler; und der Minister sagte allen eine wohl- wollende Berücksichtigung ihrer Spezialschmerzen zu. Zum Schlüsse der Sitzung machte der konservative Wgc- ordnete Kunze die„Enthüllung", daß ein anderer Abgeord- netcr mit distinguiertem Namen, der Dr. Hermann Müller aus Groß-Lichterfelde sich trotz ausdrücklichen amtlichen Ber- botes noch immer Müller-Sagan nenne. Diese schreckliche Geschichte beschäftigte den Präsidenten, die Schriftführer und die beiden beteiligten Abgeordneten ungefähr eine Stunde lang. Müller-Sagan blieb Sieger, weil er Postanweisungen auf Müller-Sagan vorweisen konnte, die ihm ausgezahlt worden sind. Das war- für das Abgeordnetenhaus ent- scheidend. Morgen wird das interessante Kapitel der Zngver- bindungen weiter diskutiert! Müde Seelen. DaS Herrenhaus war in der heute abgehaltenen Sitzung wieder einmal ganz auf den Ton aristokratisch degenerierter Müdigkeit gestimmt. Seit dem PolencnteignungSgesetz, der letzten großen Kraftansttengung, war eS heute zum erstenmal wieder zusammen. Da stellte denn daS Präsidium zunächst fest, daß die amtlichen Abstimmungslisten im Herrenhause eine halbe Woche gebrauche::. ehe sie auf Richtigkeit Anspruch erheben können, und daß in den Kommissionssitzungen die meisten geborenen Gesetzgeber sich nie sehen lassen, sodaß man nie weiß, ob sie noch Mitglieder der Kommission sind. Sein Radikalvorschlag. Herrenhäusler, die wiederholt unentschuldigt die Kommissionssitzungen schwänzen, als ausgeschieden zu betrachten, fand jedoch keine Gegenliebe. Man fürchtet wohl, daß man dann bald nicht mehr die Kommisstonen besetzen könnte. Die müden Aristokratenseelen arbeiten eben nicht einmal auf den weichen Polstern des Herrenhauses. Auf der Tagesordnung der Sitzung standen nur Petitionen und Verwaltungsberichte. In der Debatte über sie liefen zufällig zwei vernünftige Anregungen mit uuter, die des Oberbergrats Wachler auf bessere Versorgung deS oberschlesischcn Kohlenreviers mit Wasser und die eines Bürgermeisters auf Er- höhung der Lehrerpensionen. Sonst herrschte Greisenhaftigkeit vor. So wurde z. B. von den echten„Herren" die Einschränkung des Eisenbahnverkehrs und Eisenbahnbaus gefordert, weil die Fahr- gelegenheit ihre GutSnntertanen nach der Großstadt locke. Fenier ging man über eine Petition auf Entlastung der Einkommen unter 8000 M. von der Einkommensteuer kurzerhand zur Tagesordnung über. DaS paßt ausgezeichnet zu dem Widerstande des Herrenhauses gegen jede Erhöhung der Pro- gresston der Einkommensteuer über 4 Proz. hinaus. Ein komme» unter 3000 M. versteuert kein Herren Häusler. Morgen beginnt die Etatberatung. Gelüste der HerrenhäuSler..„ DaS Verlangen der Junker des Herrenhauses nach neuen indirekten Steuern zur Belastung der Massen kommt in dem von der Kommission für den StaatshauShaltsetat und für Finanz- angelegenheiten erstatteten Bericht deutlich zum Ausdruck. In der Debatte spielte naturgemäß die Finanzlage des Staates eine hervorragende Rolle. Der Generalbcrichterstatter Graf v. Keyser- lingk-Neustadt bezeichnete es als das eigentliche Meisterstück der Blockpolitik im Reiche, eine gesunde Finanzpolitik zu schaffen. Gleichzeitig warnte er davor, sich etwa der Täuschung hinzugeben, als ob man um einen weiteren Ausbau der indirekten Steuern werde herumkommen können. Neben Branntwein und Tabak werde auch das Bier noch mehr besteuert werden müssen. Die stärkere Heranziehung des Bieres sei so wesentlich, daß man bereit sein sollte, auch auf dem Gebiete der sogenannten Veredelung der Matrikularbeiträge Konzessionen zu machen. Vor allem empfindet der edle Junker es schmerzlich, daß seinerzeit die Reichserbschaftssteuer zu billig fortgegeben sei, denn sie wäre im gegenwärtigen Moment ein Kompensationsobjekt ersten Ranges. Dabei ließ er es dahingestellt, ob eine Erweiterung dieser Steuer überhaupt diskutabel sei. Di�se Ausführungen wurden von verschiedenen Mitgliedern der Kommission noch verstärkt. Ein Herr bezeichnete eS alz von großer Wichtigkeit für die Politik der Zukunft, wenn das Reich in die Steuervcrhältniffe der Einzelstaaten eingreife; er verlangte, Preußen müsse darauf hinwirken, daß in der Reichspolitik die Verfassung beobachtet werde und daß man sich im Reiche lediglich auf die indirekten Steuerquellcn beschränke. In ähnlichem Sinne äußerte sich ein anderes Kommissionsmitglied, das zugleich noch ein wehmütiges Klagelied über die Verschwendung des Reichstages anstimmte, ohne zu br- denken, daß die Vermehrung der Ausgaben für unproduktive Zwecke gerade auf die Blockpolitik zurückzuführen ist. Noch schärfer ging ein Herr vor, der an die Regierung direkt die Bitte richtete, sich den Bestrebungen des Reiches, auf das Gebiet der direkten Steuern über- zugreifen, zu widersetzen. Die preußische Regierung habe schon jcht dem Reiche die Erbschaftssteuer teilweise überlassen und auch auf anderen Gebieten seien schon erhebliche Konzessioncu an daS Reich gemacht worden; so sei durch Einführung der Fahr- kartensteuer ein schädigender Einfluß auf die Eisenbahnen auS- geübt. DaS ganze Finanzgcbaren des Reiches könne nur mit größtem Mißtrauen angesehen lv erden; das Verhalten der Reichstagsabgeord- neten sei auf populäre Steuern gerichtet, die den Wählern gegenüber am ehesten vertreten werden könnten. ES ist nicht daS erste Mal. daß die HerrenhäuSler, um die be- sitzenden Klassen zu schonen, für neue indirekte Steuern mobil machen, und eö ist auch wiederholt vorgekommen, daß die Reichsregierung dem Drängen dieser Gesellschaft nachgegeben und dem Reichstage neue Steuervorschläge unterbreitet hat. In diesem fortwährenden Verlangen nach einer weiteren Belastung des Volkes äußert sich die Gcmeingefährlichkeit der„geborenen" Gesetzgeber Preußens nicht minder, wie in ihren Versuchen, die Arbeiterklasse zu knebeln, ihr das Reichswahlrecht zu entziehen und sie unter Ausnahmegesetze zu stellen.— Der Fall Hill. Der Wechsel in der amerikanischen Botschaft zu Berlin scheint sich wieder zu einer artigen Klatsch- a f f ä r e auswachsen zu wollen. Nach einer Tarstellung des Londoner„Standard" sei eine Bemerkung W i l- Helms II. dazu benutzt worden, um. gegen Herrn Hill, der zum Nachfolger des jetzigen Botschafters Tower von der amerikanischen Regierung bereits ernannt war, in Washington zu intrigieren. Die Aeutzerung des Kaifers hätte gelautet: „Sagen Sie dem Präsidenten Sdbosevelt, daß ich mit ihm böse bin, weil er Towers Rücktrittsgesuch angenommen hat." Diese jedenfalls scherzhafte Aeußerung, die an den amerikanischen Vizekonsul in Berlin bei einem Diner ge- richtet worden war, habe dieser oder einer seiner Freunde nach Washington berichtet. Der„Standard" meint sehr richtig, der Fall liefere dem Kaiser eineneueMahnung, wie leicht seine privaten Aeutzerungen als amtlicheMeinungskundgebun genausgelegt werden. In Washington hat der Fall ziemlich große Erregung hervorgerufen, um so mehr, da die deutsche Regierung bereits ihre Zustimmung zur Ernennung Hills ausgesprochen hatte. Deutschland hat wirklich Pech. In den?„Privatbrief" an Lord Tweedmouth spielten bekanntlich einige sehr un- liebenswürdige Aeußerungen über einen hohen englischen Hofbeamten eine gewisse Rolle. Jetzt sind es wieder einige allzu liebenswürdige Worte. Es ist uns nicht bekannt, daß in anderen Ländern solche Unglücksfälle so häufig sind, wie just in Deutschland. Man kann nur wünschen, daß das Ausland„privaten Aeußerungen" keinen politischen Charakter beilegt, da der andere Wunsch, daß solche, um mit Fürst Bülow zu reden,„zugleich private und zugleich politische Worte, Reden. Telegramme, Briefe" vermieden werden, offenbar unerfüllbar bleiben muß. Der regierende Bürgermeister von Hamiurg, Dr. v. Mönkeberg, ist am Freitagmorgen an den Folgen eines Schlaganfall», der ihn Sonntag ereilte, im Alter von 68 Jahren gestorben. Noch am Sonn- abendabend vertrat er in der BiirgerlchaftSsitzung das Staatsbudget für 1008. In dem Verstorbenen verliert der Senat seinen fähigsten Kopf. Neben dem damaligen zweiten Bürgermeister Dr. Burchard war der Verblichene ein energischer Gegner der Wahlrecht«- Verschlechterung, aber beide wurden von dem Scharfmacher- flügel im Senat überstimmt. An der parlamentarischen Beratung des Wahlgesetzes beteiligte Dr. M. sich nicht, sondern er überließ die Vertretung der Vorlage zwei unbedeutenden Senatoren. Der Kaiser hat von Venedig aus ein Beileidstelegramm an den Hamburger Senat gerichtet._ Innungen gegen Jugendorganisationen. Es scheint, als ob ein allgemeiner Vorstoß der Innungen gegen die freien Jugendorganisationen stattfindet. Eben haben wir die Meldung vom Vorgehen der Rostocker Innungen veröffentlicht, da bringt die„Schleswig«Holsteinische Volkszeitimg" zu Kiel aus einem Zirkular der dortigen Malerinnung folgende Stelle zum Abdruck: „Kürzlich haben wir erfahren, daß ein Teil unserer Lehrlinge der hier bestehenden ,, Vereinigung der Lehrlinge, jugendlicher Arbeiter und Arbeiterinnen von Kiel und Umgegend" angehört. Die Bereinigung hält satzungsgemäß regelmäßige Versammlungen im GewerkickaftShausc ab; ihre Mitglieder find zur monatlichen Beitragszahlung verpflichtet. Wir ersuchen Sie a) Ihre Lehrlinge zu fragen, ob sie der Vereinigung an- gehören, und diejenigen Lehrlinge, die Mitglieder der Vereinigung sind, uns namhaft zu mache», damit wir das weitere veranlassen: b) in die fortab von Ihnen abzuschließenden Lehrverträg« als„besondere Bedingimg" die Bestimmung aufzunehmen, daß der Lehrling nur mit Ihrer Zustimmung einem Verein angehören darf. Auf dem kürzlich in Rcumünster abgehaltenen Obermeister« tag gelaugte zum Ausdruck, daß das Jugendorganisationswesen viel weiter ausgedehnt sei, alS malt glaube, und daß die Innungen alle Ursache hätten, jenen Organisationen energisch entgegenzutreten." Der Kampf, den die Jnmingen den freien Jugendorganisationen ansagen, wird sie stählen und stärken, wenn alle Genossen und Ge- nossiimen, vornehinlich die proletarischen Eltern, ihre Pflicht Um.— Herr Müller-Meininge«. Wie UNS aus München gemeldet wird, sollte daS Mitglied der Freisinnigen Volkspartei, der königliche LandgerichtSrat Dr�jur. Ernst Müller in München, bekannt unter dem Namen Müllcr-Meiningen, zum OberlandeSgerichtSrat befördert werden; auf Nachsuchen des Herrn Müller ist diese Beförderung jedoch verschoben worden, da sie eine Nachwahl �zum Reichstag und bayerischen Landtag nötig machen würde, die Herr Müller zurzeit gern vermeiden möchte.— Die Internationale Zuckcrkommission ist von der belgischen Re- gierung auf Veranlassung der italienischen Regierung zu einer Konferenz in Brüssel zusmnmenberufrn worden. Nach der Agence HaveS-Reuter glaubt die italienische Regierung, daß sich in Italien. welches nach den Bestimmungen der Internationalen Zuckerkon- vcntion von gewissen Verpflichtungen befreit ist, solange es keinen Zucker exportiert, daS Bedürfnis nach Aussuhr von Zucker fühlbar machen werde, bevor die auf b Jahre erneuerte Konvention abge- laufen ist. Um die Regelung der sich hieraus ergebeirden Fragen herbeizuführen, hat sie die belgische Regierung um Einberufung der Zuckerkommission ersucht._ Die Kartellenquete beendigt. Nach der Mitteilung der«Nationalzeitung" ist die Kartell- enquete beendet. Die bisherigen Ergebnisse der auf Wunsch deS ReichtStageS von der Reichsregierung eingeleiteten Enquete über das Kartellwesen sind in einer amtlichen Denkschrift niedergelegt, von der drei Teile erschienen sind und ein vierter vorbehalten war. Wie verlautet, ist jedoch von dem Erscheinen dieses Teiles vorläufig Abstand genommen worden. Von den erschienenen brachte Teil I eine Zusammenstellung der bestehenden Kartelle nebst Statuten und Lieferungsbeiträgen, Teil II enthielt das inländische Recht und Teil III gab eine Uebersicht der Kohlensyndikate: ern vierter Teil sollte, soweit bekannt, die Eisenkartellc behandeln. Eine ZuchthauS-Meuterek vor Grricht. Im Juli vorigen Jahres brach im Zuchthause zu Rawitsch in Posen(berühmt geworden durch den Hauptmann von Köpenick) aus ganz gering- fügigen Ursachen eine folgenschwere Rebellion auS. Ein Insasse namenS Walter war unter den Leidensgenossen als einer bekannt, der sich Priemtabak und andere„Leckerbissen" zu verschaffen wußte und meist den anderen nicht» davon abgab. AlS er sich am LS. Juli wieder einmal weigerte, ehrlich zu teilen, entstand ein heftiger Streit, den die Aufseher nicht zu schlichten vermochten. Mit allerlei Werkzeugen schlug man auf den „Geizhals" los und als er sich(eS war in der großen Schneiderwerkstatt) mit Holzklötzen zur Wehr setzte, da schlug man ihn mit einem schweren Bügelholze derart auf den Kopf, daß er tot zusammenbrach. Die Folge davon war, daß alle 76 Teil- nehmer dieser Keilerei unter Anklage gestellt wurden; die vier Rädelsführer haben sich am 6. April vor dem Schwurgericht in Lissa i. P. wegen Todschlages'zu verantworten, während gegen die übrigen heute und morgen in Rawitsch verhandelt wird. Da das GerichtSgebäude für fo diele Angeklagte und Zeugen keinen Platz bietet, findet die Verhandlung im Znchthause selbst und zwar in demselben Saale, in dem Walter erschlagen worden ist, statt. Wir werden über den Prozeß berichten.-- Ein agrarisches Mittel gegen die Landflucht. Auf der 67. Delegiertenversal, imlung des Landwirtschaftlichen Zentralvereins zu Königsberg am 25. März stellte der Gutsbesitzer Henke-Reu-Waldeck den Antrag, beim preußischen Abgeordnetenhaus zu beantragen, daß es gesetzlich verboten werde, inländische Arbeiter bei dem bevorstehenden Bau des Masurischen Schiffahrtskanal zu beschäftigen. Rur Gefangene. Zuchthäusler und billige ausländische Arbeiter dürsten dabei arbeiten. Begründet wurde dieser Antrag damit, es müsse unter allen'Umständen verhütet werden, daß etwa der letzte Rest der in Ostpreußen vorhandenen Landarbeiter lohnendere Beschäftigung beim Kanalbau finde. Erschwerung der Freizügigkeit, sowie das Verbot, ländliche Arbeiter beim Eisenbahn- und Kanalbau zu beschäftigen, da» sind also die Mittel der ostelbischen Junker, um die Landflucht auf- zuhalten._ Oertcmich-Clngam. Die Wahrmund-Affäre. Wien, 26. März. Vor dem Preß-Senat des Landgerichts fand heute die E i n s p r u ch s v e r h a n d l u n g des ProfesiorS Wahr- mund gegen die Konfiskation seiner Broschüre statt. Von den fünf inkriminierten Stellen wurde bezüglich dreier die Konfis- kation aufgehoben, bezüglich der beiden anderen wurde sie bestätigt. franhmcb. BertranenSseligkeit. Pari«, 26. März. Heute abend fand eine zahlreich besuchte Versammlung von Aktionären der Rochetteschen Gründungen statt. Die Versammlung, in der eS stürmisch zuging, protestierte gegen die Verhaftung Rochettes, der sie die erlittenen Verluste zuschrieb, und forderte seine vor« läufige Freilassung sowie Fortführung der Untemehmungen, bis Röchelte sich rechtfertigen könne. LieferungSschwkndcl. Paris, 27. März, llnglaubliche Zustände sind in den Garnisonen Bar-le-Dnc, Nancy und St. Mihiel aufgedeckt worden. Der Unterstaalssekretär für den Krieg Cheron machte die Fesistellung, daß aus dem Pariser Schlachthaus La Vilette das Fleisch von krankem Vieh nach verschiedenen Garnison- städten der Ostgrenze versandt werde. Eine sofort eingeleitete Untersuchung führte zur Verhaftung mehrerer Armee- l i e f e r a n t e n oben genannter Garnisonen. Weitere Verhaftungen dürften folgen._ Ein Matrosenstreik. Marseille, 27. März. Die Bewegung unter den eingeschriebene» Seeleuten, die wegen der Verurteilung von fünf ihrer Mitglieder eingesetzt hatte, nimmt große Dimensionen an. Di« ge- samt« Besatzung des Dampfer„Diego Suarez" hat wegen schlechter Nahrung und Behandlung die Arbeit eingestellt. Das Syn- dikat der Marinecingeschriebencn erklärte sich mit den Ausständigen solidarisch und hat zum Protest Maueranschläge aichringen lassen, worin sämtliche Eingeschriebenen ausgefordert werden, dem ersten Rufe Folge zu leisten, falls den Ausständigen keine Genug- tuung gegeben wird. Ferner werden die Ausständigen für nächsten Sonntag zu einer Versammlung eingeladen um energisch für die Rechte und Freiheit der Matrosen zu demonstrieren. Unter den Eingeschriebenen herrscht große Aufregung. Rußtand. Polizei-Korruption. Petersburg, 27. März. Der mit der Untersuchung der Miß- bräuche bei der Moskauer Polizeiverwaltung betraute Senator Garrin entdeckte, daß der Chef der Moskauer Geheimpolizei Molslejenko Bestechungen angenommen und sich großer Unterschlagungen schuldig gemacht hat. Auch gegen den ehemaligen Stadt Hauptmann Ratnoott werden verschiedene Klagen erhoben. GefängniSgreuel. Von den unzähligen Blättcrmeldungcn über die Greuel in russischen Gefängnissen seien nachstehende angeführt: Vor kurzem brach im GouvcrncmentsgcfängniS in Tifli« ein allgemeiner Hungerstreik aus. Der Gouverneur veröffentlichte hierauf eine Erklärung in den Zeitungen, daß die Klagen der Ge. fangcncn berechtigt seien und daß sie der pekuniären Unter- stützung der(Gesellschaft bedürften! DaS Gefängnislazarett in Kiew ist mit T Yp h u S kranken überfüllt. Der Gouverneur wandte sich an das Stadthaupt mit dem Ersuchen,«inen Teil der Kranken in städtischen Kranken- Häusern unterzubringen. . Furchtbare Zustände herrschen in L u g a p S k. Das Gefängnis- lazarett ist mit Typhuskranken überfüllt. Täglich sind Todesfälle zu verzeichnen. Selbst die Gefängniswärter fallen der Krankheit zum Opfer. Während der letzten zwei Monate erkrankten 15 Auf- seher, von denen zwei starben. Unter den Gefangenen sind Todes- fälle weit häufiger. Im Januar starben 10 von ihnen, darunter zwei„Politische". Von 45 politischen Gefangenen sind 13 am Typhus erkrankt. OirKel. Die mazedonische» Reformen. Petersburg, 27. März. Die russische Regierung macht folgende Vorschläge für die Reformen in Mazedonien: Der Posten des Generalgouverneurs soll beibehalten werden. Den Vertretern Frankreich«, Englands. Deutschlands und Italiens in der Finanzkommtssion werden in bezug auf die allgemeine Konttolle die dem russischen und dem österreichisch- ungarischen Zivilagenten zustehenden Rechte gewährt. Das von den Mächten ausgearbeitete Justizreformprojekt wird in vollem Umfange der Pforte zur Annahme empfohlen. Dabei wird der Finanzkommission die Kontrolle des Gerichtswesens übertragen, welche, wie vorstehend erwähnt. au« den in türkischen Dienst getretenen Delegierten der sechs Mächte besteht. Zur besseren Wahrung der Ruhe im Lande wird eine Landwache eingeführt, welche unter der Teilnahme und der Aufficht der durch europäische Offiziere umgewandelten Gendarmerie organisiert wird. Tie organisierte Gendarmerie wird vermehrt, soweit das mazedonische Budget es gestattet. Die Bedeutung dieser Vorschläge besteht darin, daß, während bisher nach dem Mürzsteger Uebereinkommen Rußland und Oester- reich die führenden Mächte in Mazedonien waren, jetzt auch Frank- reich, Italien, England den gleichen Einfluß aus die Reformaktton erhalten sollen. ES ist die« in WirNichkeit ein Durchbrechen de« MürzstegerS Abkommen: Oesterreich und Deutschland sollen durch das Uebergewicht der mit Rußland übereinstimmenden Westmächte, Italien eingeschlossen, in den Hintergrund gedrängt werden. MroKKo. Jaurös gegen die Militärgreuel. Paris, 27. März.-(Deputiertenkammer.) In der heutigen Verhandlung über die von der Regierung für die militari fti, scheu Operationen in Marokko geforderten außeror« deutlichen Kredite verlangte I a u r ö s. daß dem Parka» ment von allen Aktenstücken Kenntnis gegeben werde, die sich auf das von der französischen Artillerie unter den marokkanischen Frauen und Kindern angerichtete Blutbad, daS sich am 15. März ereignet habe, bezogen. Kriegsminister Pi q u a r t entgegnete, daß die von den Zeitungen über dieses Ereignis gebrachten Meldungen auf ganz ungenauen Informationen beruhten. I a u r e s wiederholte demgegenüber, daß die französische Artillerie von den Höhen auf die unverteidigte Ansiedelung, die 80 Kilometer von der Küste entfernt liege, ein Feuer eröffnete und daß die Ueberlebenden durch französische Bajonette gefallen seien. Gegen diese Darstellung erhoben Piquart und Clemenceau entrüstet Pro- tcst. Douiner rief Jaurcs zu:„Es gibt keinen humaneren Eol- daten, als den französischen!"(Beifall.) Piquart erklärte, er setze Jaurös' Worten die des General d'Amade entgegen. Tic» menccau bemerkte gegenüber Jaures, daß d'Amade den Befehl erteilt habe, das Feuer einzustellen und so Frauen und Kinder rettete.(Beifall.) J-aureS meint dagegen, daß die Intervention des Generals zu spät kam. Jvures sagte im weiteren Verlaufe seiner Rede, daß er über die Besserung in den deutsch-französischen Be- Ziehungen erfreut sei, wies aber darauf hin. daß Staats- sekretär v. S ch o e n, wenn auch in höflichster Form, sich auf die von Frankreich gegebenen Versprechungen berufen und Erklärungen betreffs Saffi und Asemmur gefordert habe. Der Minister des Aeußcren, Pichon, entgegnete: Nein. Er fragte an, ob wir die Absicht hätten. Saffi zu besetzen. Tarauf habe ich geantwortet. daß wir unter den gegenwärttgen Verhältnissen die Absicht nicht hätten, falls die Fremdenkolonien nicht in Gefahr wären. Die Beziehungen zwischen der französischen und deutschen Diplomatie zeigen, daß unsere Politik die richtige ist. Jaures erwidert hierauf: Sie ist die richtige nur unter der Bedingung, daß wir uns ohn« Säumen zurückziehen. Er forderte schließlich die Rc- gierung auf, auf weitere militärische Unternehmungen in Marokko zu verzichten und zu friedlicher Betätigung im Interesse deS Handels und der Wissenschaft zurückzukehren.(Beifall aus der äußersten Linken.)_ Die MgeciraSakte. London, 26. März. Im Unterhaus fragte Ashley(Kons.), ob eine auswärtige Macht an die britische Regierung mit dem An- sinnen herangetreten sei. die Alcgecirasakte zu kündigen oder abzuändern. Staatssekretär Grey aab darauf eine per- nein ende Antwort._ Hiid der parteu Di« oldenburgische LandtagSfraktio» vor ihren Wählern. Am Mittwochabend gelangte die Abstimmung der oldenburgischen sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten bei der Wahlrechtsreform- vorläge in einer Parteiversammlung zu Bant zur Erörterung, der die Fraktion beiwohnte. Nach mehrstündiger Debatte gelangte folgende Resolution zur Annahme: „Die am 25. März tagende Mitgliederversammlung de« Sozialdemokratischen WahlverernS Bant kann die Abstimnmng der LandiagSfraktion in Sachen der Wahlrechtsfrage nicht billigen. Insbesondere verurteilt sie die dazu gegebene Bcgründuitg als nicht mit den Parteianschauungen in Einklang stehend. Weiter kann die Versammlung in der Preßpolemik seitens der Redaktion nach den gegebenen Allsklärungen einen groben Verstoß gegen die parteigenössischen Gepflogenheiten nicht erblicken." Gemeindewahlerfolge. Bei der Stadtverordneten-Ersatzwahl zu Bitter feld wurde ein Sozialdemokrat gewählt._ Wieder eine RrichSverbandSlüge geplatzt. Bor Jahresfrist brachte die Reichsverbandspresse eine Notiz aus Gera, wonach die Vereins- brauerei Gera mit der sozialdemokratischen Parteileilnng ein Ab- kommen gettoffen habe, nach dem die Brauerei für jeden Hektoliter Bier, der die KonsumtionSziffer von 14 000 Hektoliter übersteigt, je 2 M. in die Parteikasse zu zahlen sich bereit erklärt habe. Als Aequivalent sollte sich die Partei verpflichtet haben, dafür zu sorgen. daß in den Fabrikkantinen nur BereinSbier verzapft wird. Die Vereins- brauerei strengte gegen dte Schwindelnotiz des ReichslügenverbandcS Privatklage an. und ermittelte den Schrifisieller Schott in Langenberg bei Gera, eine bekannte Reichsverbandsaröße, als den Verfasser. In dem Prozesse wurden eine große Zahl Zeugen vernommen. Die Aussagen führten zu dem Ergebnis, daß Schott mit der Brauerei einen Vergleich abschloß, nach dem er seine Behauptungen als unwahr zurücknimmt und sämtliche in dem Prozesse erwachsenen Kosten trägt. Natürlich wird die ReichZverbandSpresse ihre Schwindclnachricht nicht widerrufen, denn soviel Anstand besitzt sie und ihre Reptile nicht. Hätte der Schott aber nicht tief in den Geldbeutel gegriffen, dann wäre seine Verurteilung wegen Verleumdung sicher gewesen.— AuS den Organisationen. Eine Parteiversammlung für den 4. sächsischen Reichstagswahlkreis(Dresden-Neustadt) beschloß nach längerer Debatte, nach dem Antrage deS AgitationSlomiteeS, einen Wahlfonds zu gründen und zu diesem Zwecke pro Mitglied und Jahr 40 Pf. Extrabeitrag zu erhebeu. Die„Sächsische Arbeiterzeitung" teilt»nit, daß sie auf Grund eines Beschlusses der Parteiorganisationen der drei Dresdener Wahl- kreise zum ersten Juli ihren Titel in„Dresdner Volks- zeitung" umändern wird. E§ geschieht das. um die Einheitlich- keit der ganzen ostsächsischen Parteipresse herbeizuführen— das neugegründete Organ der Oberlausitz sowie die neuen Partciblätlcr für den 7.(Meißen), 8.(Pirna) und 9.(Freiberg) Wahl- kreis, die in Dresden hergestellt werden, führen sämtlich den Titel Volkszeitung. DaS Dresdener Parteiblatt hat diesen Namen übrigens schon früher jahrelang geführt, bis eS 1378 dem Sozialisten- gesetz erlag. polUeUlcbes, OcrichtHchcs ufw, Dir Presse vor der RcvisionSinstanz. Am 28. Mai 1907 brachte unser Stuttgarter Partelblatt, die „Schwäbische Tagwacht", eine Notiz, m der sie sagte, eigen- artige Auffassungen vom Berufe eines Jugendbildners scheine der Lehrer Ziegler m Feuerbach zu haben, der den Unterricht mit uu- züchtigen Handlungen und Reden verquicke und deshalb suspendiert sei. Deshalb wnrde Genosse Sauerbeck zu 100 M. Geldstrafe verurteilt, trotzdem nachgewiesen wurde, daß Ziegler elf- bis zwölf- jährige Mädchen in der Schule und in seiner Wohnung geküßt und gekniffen hatte. Das Gericht hatte aber angenommen, daß er nicht aus un- sittlichen Motiven, wenn auch taktlos gehandelt habe. ES wurde weiter festgestellt, daß Ziegler suspendiert worden wäre, wenn er nicht schleunigst Urlaub genommen hätte. Tut nichts, der. Jude wurde verbrannt. Das Reichsgericht ließ das Urteil auch be- stehen. In einem Artikel:„AuS dem Reiche des Herrn Studt' soll die „Schleswig-Holsteinsche Volkszeitung" die Abteilung für Kirchen- und Schulwesen der preußischen Regierung beleidigt haben. ES war darin kritisiert worden, daß ein Kieler Lehrer, der für den freisinnigen Kandidaten Leonbart eingetreten war, nichtiger Sachen wegen hohe Disziplinarstrafen erhalten habe und schließlich ohne Pension entlassen worden sei, da er sozial- demottatischer Gesinnung verdächtig sei und er sonst den Staat auf Staatskosten bekämpfen würde. Der Redatteur Genosse Burk» Hardt erhielt deshalb eine Gefängnisstrafe zudiktiert. Der Straf- antrag war van der Regiernngsabteilung für Kirchen- und Schul- Wesen selbst gestellt, und das hielt selbst ,n der Revisionsinsianz der Reichsanwalt nicht für zulässig, da. sie keine selbständige Behörde. sondern nur ein Teil des Kultusministeriums fei. Er beantragte deshalb Aufhebung des Urteils und Einstellung des Wer- fahrens. Das Reichsgericht erklärte jedoch die Abteilung für antrogsberechtigt. 6a fie allein beleidigt worden sei und den Antrag nicht als vorgesetzte Behörde gestellt habe. Da jedoch aus unzureichenden Gründen die Beweisführung verhindert worden war, wurde das Urteil aufgehoben und die Sache zurück- verwiesen. Hua Induftnc und ftandeL Produktionseinschrönkung im Kohlenbergbau. DaS Rheinisch-westfälische Kohlensyndilat beschloß in seiner gestrigen Zechenbesitzerversammlung, die Beteiligungsanteile für Äpril d. I. in Kohlen auf 85 Proz., in Koks auf vö Proz. und in Briketts auf 9V Proz. festzusetzen. Der Vorstand wurde sodann über die jüngsten Preßerörterungen, die die Angriffe des Vorsitzenden des AufsichtsratS der Hamburg-Amerika-Linie in ihrer letzten General- Versammlung gegen das Rheinisch-westfälische Kohlensyndikat zum Gegenstand hatten, interpelliert. Er erklärte, daß die dort vor- gebrachten Klagen über übermäßig hohe Kohlenpreise sich nur auf Kohlen englischer Herkunft beziehen könnten, da die Hamburg- Amerika-Linie vom Rheinisch-westfalischen Kohlensyndikat zu be- sonders vorteilhaften Preisen gekauft habe, die nicht allein für das rücklicgende Geschäftsjahr der Hamburg-Amerika-Linie Geltung ge- habt, sondern sogar noch bis weit in das laufende Geschäftsjahr in Kraft seien. Wegen eines neuen Abschlusses seien Verhandlungen eingeleitet._ Die Preispolitik de» KohleusyudikatS. Die Abschwächung der Marktlage hat schon eine Wirkung gehabt, die die Preispolitik des rheinisch-westfälischen Syndikats in ihrer ganzen Verkehrtheit zeigt. Während die Grubenpreise nicht nur aus dem Hochkonjunkturnweau verharren, sondern noch darüber hinaus- gehen, müssen sich die Händler, namentlich im Detailhandel, schon zu Preisermäßigungen entschließen, wollen sie Geschäfte machen. Von Berlin abgesehen, zeigen die Detailpreise für die meisten Kohlen- sorten in einigen größeren deutschen Städten eine rückgängige Be- wegung. In Berlin, wohin hauptsächlich Oberschlefien Kohlen sendet, ist der Kohlenhandel ziemlich monopolisiert, so daß die Konsum- schwankungen nur langsam auf die Preise einzuwirken vermögen. Im Nordosten Deutschlands, so vernehmlich in Stettin, Königsberg, sodann aber auch in Altona, in welchen Städten der Markt durch englische Kohle stark umstritten wird, sind die Preise zurückgegangen. Für diese be- strittenen Gebiete beobachtet das rhemisch-westfälische Kohlensyndikat aber auch eine andere Preispolitik, um der englischen Konkurrenz zu begegnen. Bezeichnender sind die Preisschwanlungen in den Bezirken, in denen die Rnhrkohle vorherrscht. So ist z. B. in Barmen der Preis für Nußkohle im Februar zioar etwas teurer. Hausbrandkohle aber und vor allem Kpks sind im Preise zurückgegangen. In Elber- feld ging der Kokspreis ebenfalls zurück. In Köln ist der Preis für Steinkohle von Januar auf Februar gesunken, während er 1907 ge- stiegen war. In Mittel- und Süddeutschland vermochten sich die Steinkohlenpreise im Febmar noch auf ihrem Stande zu halten, während die Braunkohlenpreise bereits eine abfallende Tendenz auf- Wielen. Das stört die Syndikatsherren nicht. Ein Urteil über die Wirtschaftslage. Der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller sagt in seinem Jahresbericht, nachdem er zunächst bemerkt, daß der Wirtschaftszustand nicht als Krise, sondern nur als Abschwächung angesprochen werden könne, u. a. folgendes:. „Der internationale Charakter der Hochkonjunktur ist einem internationalem Rückschlag gewichen, und die Gleichzeitigkeit dieses Rückschlages hat zur Folge, daß die fremden Märkte als Absatz- gebiete für die heimische Industrie nicht mehr im früheren Um- fange in Betracht kommen. Die erschwerenden Wttknugen der Hochschutzzollpolitik werden sich mehr und mehr geltend machen. Dazu kommt, daß neben dem Warenmarkte auch der Arbeitsmarkt internationales Gepräge angenommen hat. Die Arbeitermassen, die Amerika wieder auf den Kontinent zurück- geworfen hat. verstärken den Andrang von Arbeitsuchenden. Und ie Industrie, die in den Zeiten der Prosperität die Löhne erhöht hat, wird den Rückgang der Preise durch technische Verbesserungen allein nicht ausgleichen können, sich vielmehr zu Lohnreduzierungen genötigt sehen, denen wiederum die anhallende Teuerung der Lebensmittel erschwerend gegenübersteht. Dazu kommt die anhaltende Vermehrung der Bevölkerung, die nach Arbeits- und Verdienst- gelegenheit verlangt. Der Vorteil des gegenwärtigen Augenblicks liegt im Gegensatz zum Vorjahre in der Klarheit und Uebersichtlichkeit der Verhältnisse. Sagten wir damals die rückläufige Konjunktur vor- aus, so befinden wir uns— darüber ist kein Zweifel mehr— heute mitten in ihr. Aber unser damaliges Schlußwort können wir auch heute wiederholen: daß die deutsche Volkswirtschaft im Kerne so gesund und kräftig ist, daß zur Beunruhigung kein Grund vorliegt: daß aber weiterhin die Zeiten ernst genug sind, um be- sonnen einzuhalten und das Erreichte auszubauen. Für die nächste Zeit darf es nur eine Parole geben: nur gesicherten Kurs zu nehmen, langsame Fahrt und fest die Hand am Steuer!" Das Urteil ist darum bemerkenswert, weil es aus jeden Fall das Richtige trifft. Mag's auch noch weiter rückwärts gehen, na, dann ist halt die Mahnung nicht beachtet worden. Die Vorsicht der Fachmänner läßt daraus schließen, daß sie zu einer entscheidenden optimistischen Auffassung nicht gelangen können. Zuckerkartell. Eine in Berlin abgehaltene Konferenz der Zucker- raffinenen beschloß mit großer Majoriiät den Abschluß einer Preis- kartellierung. Die nicht vertretenen Raffinerien haben ihre Eni- scheidung bis längstens zum IS. April zu erklären. Gewcrhfcbaftlicbee. Der Oberhirsch als Streikbrecheragent. Mit Herrn Strohfeld, dem schlesischen Bezirksleiter der Hirsch- Dunckerschen Metallarbeiter, hat sich der„Vorwärts" leider schon öfters beschäftigen müssen, und die Kritik, zu der seine arbeiter- freundlichen Handlungen herausfordern, hat erst jüngst aus rein formalen Gründen zu einer Verurteilung des„Vorwärts" zu ganzen 10 Mark Geldstrafe wegen angeblicher EhrenkrSnkling des Herrn Strohfeld geführt. Was aber heute von diesem Arbeiterführer zu vermelden ist, das setzt in der Tat allem Vorangegangenen die Krone auf. Bei der Firma Gubisch in Liegnitz find die im Metallarbeiter- Verbände organisierten Arbeiter wegen Akkordpreisabzüge dieser Tage in den Streik getreten. Die Hirsch-Dunckerschen hatten zuerst versprochen, sich ebenfalls an diesem Abwehrkampfe zu beteiligen, auf Beranlaflung des Herrn Strohfeld aber sind sie dann doch im Betriebe geblieben. Indessen das wäre— obgleich schlimm genug— immer noch das schlimmste nicht. Aber Herr Stroh- feld will den Streikenden direkt in den Rücken fallen durch Lieferung von Streikbrechern! Auf dem Breslauer Bureau des Metallarbeiterverbandes meldeten sich verschiedene Ge- werkvereinler, die bei ihrem von Herrn Strohfeld geleteten Arbeits« Nachweis um Stellung nachgesucht hatten und von diesem an die Firma Gubrich verwiesen worden sind und auch Reisegeld nach Liegnitz erhalten haben!____ Bertin und llmgegend. Verband der Schneider und Schneiderinnen« Bei der am Mittwoch stattgehabten Wahl eines Ersatz. angestellten wurde der Kollege R e i n k e gewählt. ___ Die Ortsverwaltung T. Berantw. Redakt.: Georg Davidsehn, Berlin. Inseratenteil verantw.: Die Probe aufs Exewpel ihrer Harmonietheorie haben die Hirsch-Tunckerschen Gewerkvereinler wieder einmal zu machen Ge- Icgenheit. In Glogau ist es den Mitgliedern des Echneidergewerk- Vereins trotz allen Mühen nicht gelungen, einen Tarif durckizusetzen. weil die Unternehmer jeden Versuch dazu strikte von der Hand wiesen. Die Glogauer Gcwerkvercinsschneider wollen nun die Konsequenzen ziehen und zum letzten Mittel, zum Streik, greifen. So zwingen die wirtschaftlichen Verhältnisse auch sie zur Anerken» nung des Klassenkampfes._ Sie fordern Arbeit! In Breslau hat am Mittwochnachmittag im Gewerkschaftshause eine� Arbcitsloscnvcrsammlung stattgefunden, die von etwa 2000 Personen besucht war. Mit Recht konstatierten die Referenten Macholl von den Bauhülfsarbeitern. Zimmer von den Transport- arbcitcrn, Metallarbeiter Philipp, Maurer Rotter, Fabrikarbeiter Frampe und Bildhauer Brand, daß die Anwesenden nur einen Teil der zurzeit in Breslau vorhandenen Arbeitslosen darstellen. Be- sonders der Bildhauer klagte über den geradezu entsetzlichen Grad der Bcschäftigungslosigkeit in seinem Berufe, während der Vertreter der Metallarbeiter die bisherige leidliche Lage in der Breslauer Maschinenindustrie einzig auf die augenblicklichen großen Austräge der Eiscnbahnverwaltung zurückführte. Alle Redner aber warr.r sich darin einig, und besonders der Vertreter der Transportarbeiter betonte dqs, daß nach ihren Beobachtungen im Laufe des SommerS die Krise in Breslau noch weit schärfere Formen annehmen werde. In der Versammlung herrschte eine außerordentlich erbitterte Stimmung, die sich besonders Luft verschaffte, wenn die Redner auf die Politik der Blockparteien im Reichstage zu sprechen kamen. Schließlich beschlossen die Versammelten, vom Magistrat die sofortige Inangriffnahme der geplanten städtischen Bauten zu fordern. Em außerordentlich starkes Polizeiaufgebot hielt das Grundstück de? Gewerkschaftshauses und die angrenzenden Straßen besetzt. Die Arbeitslosen bewahrten aber eine imponierende Ruhe und Ordnung. Die Kupferschmiede der Provinz Posen haben ihren Arbeitgebern einen neuen Lohntarif unterbreitet, der vor allem eine Regelung der Montagezuschläge vorsieht und eine Belämpfung des Ueberstundcnunwcfens, das bei Brauereimontagen üblich ist, bezweckt. Außerdem sieht der Tarif eine Sllstündige wöchentliche Arbeitszeit(bisher 60 Stunden) und 45 Pf. MlinimalloHn(bisher 40 Pf.) vor. Die Bewegung erstreckt sich auf 32 Orte der Provinz Posen, und finden die ersten Verhandlungen über den neuen Tarif zwischen den in Frage kommenden Arbeitgebern und der Bezirks» leitung des Verbandes der Kupferschmiede am Montag, den 30. März, in Posen statt. Achtung, Marmorarbeiter! Vom 1. April ab befindet sich unser Arbeitsnachweis Seydek- siraße 30 bei Engel, Tel. Ia, 0248. _' Die Ortsvcrwaltung. Abwehrbewegung der Berliner Textilarbeiter. In allen Betrieben der Berliner Textilindustrie finden gegen- wärtig Versammlungen statt, um Stellung zu nehmen zu dem teil- weise rigorosen Vorgehen einzelner Unternehmer. Die Tcxtil- industriellen haben es auf die Vernichtung der Organisation ab- gesehen. Ehe sie sich die rückläufige Konjukiur— die sich in der Berliner Textilindustrie immer fühlbarer macht— zur Verschlechterung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse zunutze machen, wollen sie die Macht der Organisation brechen, die ihnen bei der Durchführung ihrer Absichten hindernd im Wege steht.— Besonders sind es die in den einzelnen Betrieben bestehenden Mißstände, unter denen die Arbeiterschaft schwer zu leiden hat. Es gibt in Grotz-Berlin Teppichfabrikcn, in denen über 300 Menschen beschäftigt sind und wo trotzdem kein Arbeiterausschuß existiert.„Der Ausschuß bin ich," sagen die Unternehmer.„Wer eine Beschwerde vorzubringen hat, der mag sich nur vertrauensvoll an mich wenden, ich werde ihn schon anhören." Ja, anhören, das ist auch alles, aber vom Abstellen der Mißstände ist keine Rede. Vor allen anderen ist es die in der Teppichfabrik von G. Fei- bisch in Treptow beschäftigte Arbeiterschaft, die alle Ursache hat, sich über die in diesem Betriebe bestehenden Verhältnisse zu be- schweren. Diesem Betrieb steht in der Hauptsache ein Meister vor. der alles und— nichts macht. Wenn ihn ein Weber braucht, dann muß er erst wie eine Stecknadel oft stundenlang gesucht werden. Außerdem ist derselbe von einer geradezu unheimlichen Sparwut in Webutensilien und anderen Sachen befallen. Diese soll wahr- scheinlich im Interesse des Geschäfts liegen. Reparaturen an den Webstühlen dauern besonders lange, weil die Schlosser kein der- nünftiges Handwerkszeug zur Verfügung haben. Auch fehlt es ihnen am notwendigen Material. Anstatt das zerbrochene Stück durch eine» neuen Teil zu ersetzen, wird alles zusammengeflickt und-gepatzt. Die Maschinen werden dadurch in kurzer Zeit zu „alten Klamotten". Natürlich erhalten die Weber für die Zeit des Meistersuchens und des Wartens bei Reparaturen oder beim „Bauen", selbst wenn das letztere tagelang dauert, nichts bezahlt. Wer das Unglück hat, an einem der vielen zusammengeflickten Stühle zu arbeiten, ist zu bedauern. Um den Verdienst künnnert sich niemand und der ist in solchen Fällen sehr niedrig. Hinzu kommt noch, daß es dem Weber nicht möglich ist, auf solcher „Klamotte"— Webstuhl genannt•— fehlerfreie Ware zu liefern. Tann setzt es Strafen und häufig wird auch die Entlassung an- gedroht— natürlich wieber dem Weber, während jedoch die Schuld daran das System falscher Sparsamkeit und die dadurch bedingte unheilvolle Schlamperei trifft, die im Betriebe herrscht. Ein organisierter Kollege, der in einer Betriebsversammlung die hier geschilderten Zustände kritisiert hatte und zum Vertrauensmann gewählt worden war, wurde gleich darauf angeblich wegen Mangel an Arbeit entlassen, während fast zu derselben Zeit ein anderer neu eingestellt wurde. Herr F e i b i s ch erklärte dem Betreffenden: „Sie haben sich wieder um Angelegenheiten in meinem Betriebe ge- kümmert und das dulde ich nun einmal nicht." Eine sehr stark besuchte Versammlung der in der Teppichfabrik von F e i b i s ch Be- schäftigten nahm eine scharfe Resolution an, in der die Entlassung dieses Kollegen als eine Maßregelung erklärt und verlangt wird, daß die vorhandenen Mißstände beseitigt werden, weil durch das Vorhandensein derselben die Arbeiterschaft in ihrem Verdienst und in ihren ganzen wirtschaftlichen Verhältniffen auf das schwerste ge- schädigt wird. Die Arbeiter betonen, daß sie auch ein Recht haben, zu verlangen, daß in dem Betriebe Zustände herrschen, die es ihnen ermöglichen, ihre Arbeiten so zu erledigen, wie es der Unternehmer selbst von ihnen verlangt. Herrn F e i b i s ch und verschiedenen anderen Unternehmern ist der Textilarbeiterverband ein Greuel und sie entlassen jeden, der in ihren Betrieben offen eine Funktion für denselben ausübt. Trotzdem blüht und gedeiht der Verband. Es wird dann eben im Geheimen gearbeitet und eine richtige Maulwurssarbeit verrichtet. deren Wirkungen die Unternehmerterroristen eines TageS mit Schrecken gewahr werden sollen. Deutfcftes Reich. Ein Tischlerstreik. In der Möbelfabrik von F. A. B r a u n in Sangerha usen sind sei 25. März sämtliche 78 Holzarbeiter aller Branchen ausständig. In dieser Fabrik waren sogar während der letzten zwei Jahre trotz des günstigen Geschäftsganges mehr- fach Lohnreduktionen vorgenommen worden. Auch jetzt sollte wieder ein solcher Aderlaß bei den Polierern vorgenommen werden, wäh- rend die Tischler infolge der Produktionsänderung(Büfetts, früher Umbauten) überhaupt mit keinen festen Akkordpreisen rechnen konnten. Deshalb stellten am 7. März die Arbeiter die Forderung: Fe st legung sämtlicher Lohn- und Akkordsätze. Am 23. März begannen die Verhandlungen hierüber. Die Firma erklärte jedoch immer wieder, daß sie Zugeständnisse in bezug auf Verbesserung der Lohn- und Akkordsätze nicht machen könne, weil das den„Ruin des Geschäfts" bedeuten und sie deswegen das- selbe eher ganz aufgeben würde. Wie sehr solche Verbcsserungen jedoch vonnöten sind, beweisen die bisherigen Verdienste. Dieselben betrugen für Maschinenarbeiter 34— 38 Pf. pro Stunde, für Polierer 32—45 Pf., für Stuhl bauer und Gejtellmacher 17>— 19 M. und für Tischler 22— 24 M. pro Woche. Jetzt sucht die Firma in bürgerlichen Blättern die Mär zu verbreiten, die Arbeiter hätten trotz der schlechten Geschäftslage eine ISprozeniige Zulage gefordert. Wenn dies wahr wäre, würde es jedenfalls zum Ausgleich der Löhne zwischen hier und anderswo immer noch nicht genug sein. Aber so„unverschämt" waren ja die Arbeiter gar nicht, sie hatten vielmehr den besten Willen, durch gütlichen Ausgleich die Sache beizulegen. Die Firma ganz allein hat den Ruhm,, sie in den Ausstand hineingetrieben zu haben durch ihre am 25. März kund- gegebene Erklärung:„Die Kommissionsvertreter, mit denen wir verhandeln wollen, bestimmen wir," womit sie in brüsker Form bewies, daß sie sich nicht nur jeder materiellen Aufbesserung, sondern auch jeder anständigen vertraglichen Regelung des Arbeitsverhält- nisses aufs äußerste zu widersetzen gewillt sei. Sie mag also ihren Willen haben. Vor Zuzug von Tischlern, Drechflern, Stuhl- und Gestellmachern, Polierern und Maschinenarbeitern nach Sanger- Hausen wird deswegen dringend gewarnt. Streik und Aussperrung auf den Stettiner Werfte«. Wie bereits berichtet, sind Donnerstag nachmittag auf den drei Stettiner Werften etwa 459 Rieter in Streik getreten. Mit dem Streik auf den Howaldtwerken in Kiel hat diese Arbeitsnieder- legung nichts zu tun. Es handelt sich lediglich um die Nicht» bewilligung eingereichter Lohnforderungen. Die Streikenden sind zum allergrößten Teile organisiert. Am Freitag gaben die Stettiner Werften bekannt, daß heute(Sonnabend) eine Aussperrung von 30 Proz. aller Werftarbeiter eintritt. Diesen Akt des Terrorismus, dem sich auch die übrigen deutschen Seeschisfswerften anschließen, begründen die Scharf- macher mit dem angeblich unberechtigten Streik der Schiffsbauer auf den Howaldtwerken in Kiel. Wie verlautet, sollen nächste Woche abermals' 30 Proz. der Werftarbeiter ausgesperrt werden. Das Vorgehen der Werften ruft in Kiel allgemeine Erregung hervor, zu- mal fast alle Werke gut beschäftigt sind. Die Kieler Schiffswerften machen bekannt, daß sie vom 2S. März ab den Betrieb einschränken werden, dg die Streikenden ihrer Aufforderung, die Arbeit bis zum 21. d. M!s. wieder auf- zunehmen, nicht nachgekommen sind.— Der Arbeitgeberverband der � teilte die Polizei ihr mit, daß sie sich gezwungen sehe,"das HauS Eisen- und Metallindustrie in Kiel hat sich dieser Matzregel an»! der Frau Toselli so lange zu bewachen, wie der König von Sachsen geschlossen.____'sich in Italien aufhält._■ Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: VorwärtsBuchdr. u. Berlagsanstalt Paul Singer L- Co., Berlin L�V. Hierzu 4 Beilagen u.tlnterhaltuagsbl. Eiu schnelles Ende. Mit vielem Tamtam wurde im vorigen Jahre nach den Hotten« totkenwahlen und nach dem verloren gegangenen Streik bei Seidel u. Naumann in Dresden eine gelbe Tageszeitung gegründet. DaS Blatt erschien täglich acht Seiten stark, und mit den Agitations» nummern wurde in allen Gegenden Sachsens kolossal gewlliet. Jetzt ist kaum ein Jahr ins Land gegangen und die Herrlichkeit hat schon wieder ein Ende. Die Industriellen, die nach verbürgten Nachrichten 60 000 M. der gelben Großmannssucht geopfert, wollen nicht mehr zahlen für eine aussichtslose Sache und ziehen ihre mildtätige Hand zurück, nachdem Terrorismusversuche, die Kontorpersonale und die Arbeiter der Betriebe als Abonnenten zu pressen, wenig geftuchtet haben. Annoncen hatte daS Blatt fast garnicht. Die zahlreichen Annoncen unter Arbeitsmarkt hatte man einfach aus anderen Zei- tungen abgedruckt und oft genug find deshalb Reklamationen gekommen. Am vorigen Sonnabend wurde in der Druckerei von Schönfeld, der vor einem dutzend Jahren einmal die.Sächflsch» Arbeiterzeitung" und jetzt das gelbe Organ druckt, sämtlichen Setzern gekündigt. Es soll gutem Vernehmen nach nur em Ableger des Lebius» schen„Bund" einmal wöchentlich den armen gelben Heloten in die Hand gedrückt werden. Ein armseliges Ende der gelben Preß- Herrlichkeit! Vom täglich erscheinenden Blatt mit zwei Redakteuren zu einem wöchentlich erscheinenden Ableger des Lebiusschen gelben Preßerzeugnisies.— So zerrinnt die gelbe Herrlichkeit und zurück bleibt nur ein ungeheurer moralischer und finanzieller Katzen» jammer. HusUncU Die Differenzen im Pariser Baugewerbe. Die Unternehmer verfolgen seit einigen Tagen eine andere Taktik. Währenddem sie in der ihnen ergebenen Presse noch vor einigen Tagen mit großem Pathos mit der allgemeinen Aus- sperrung drohten, zeigen sie sich jetzt etwas konzilianter. Herr V i l l e m i n, der Führer der Bauunternehmer, laßt erklären, daß sie, die Unternehmer, zu größtem Entgegenkommen bereit seien. Wahrscheinlich ist diese veränderte Taktik auf das entschiedene Auf- treten der Arbeiter zurückzuführen. Diese hingegen sind sehr kampfesmutig und schließen sich, das ist das Erfreulichste dabei, in der Föderation des Baugewerbes immer enger zusammen. Die Stukkateure, die Steinmetzen, die Marmorarbciter, kurz alle Kategorien der Bauhandwerker und deren Hülfsarbeiter haben sich mit den Maurern solidarisch erklärt. Streiks und Aussperrungen in Belgien im Jahre 1997. Nach den Mitteilungen des„Office du Travail" wurden im Jahre 1907 in Belgien 227 Streiks und 4 Aussperrungen regt- striert. Die Zahl der streikenden Arbeiter erreichte 46 908, von den Aussperrungen wurden 16 274 betroffen: hierzu kommen 19 248 Arbeiter, die durch die Konflikte zum Feiern gezwungen wurden. sodaß insgesamt 82 430 Personen durch gewerbliche Konflikte be- troffen wurden. Die Zahl der im Jahre 1907 beendeten Streiks betrug 221, die der Aussperrungen 3 mit insgesamt 80 175 Ar» beitern. In den meisten Fällen bilden Lohndifferenzen die Ursache der Konflikte, jedoch werden auch die Forderungen nach Verkürzung der Arbeitszeit immer häufiger. Von den Aussperrungen ist die der Hafenarbeiter von Antwerpen die bedeutendste, an ihr waren 16 000 Arbeiter beteiligt. Ueber den Ausgang der Konflikte werden folgende Angaben gemacht: 50 mit 6910 Streikenden endeten zu» gunften der Arbeiter; 122 mit 15 360 Arbeitern zugunsten der Unternehmer und 49 mit 22 731 Arbeitern fanden ihr Ende durch einen Vergleich.— Von den Aussperrungen wurde bekanntlich die Antwerpener durch einen Vergleich beendet, die zweite mit 90 Ar» beitern endete zugunsten dieser, während die dritte mit 134 Per, sonen den Arbeitern eine Niederlage brachte. Letzte JVachrichtcn und DepcFchen« \ Proletarier lind— Frankfurt a. M.» 27. März.(B. H.) Ein Bäckerbursche klettert« heute morgen, um die Brötchxn an das Parterrefenster eines Hauses in der ScheidSwaldstraße zu legen, auf einen Staketenzaun. Er glitt ab und die eisernen Spitzen drangen ihm in den Unterleib. Schwer» verletzt wurde er in das Hospital eingeliefert. Ei» ängstlicher Monarch. Florenz, 27. März.(©. H) Um zu verhüten, daß Frau Toselli den Versuch machen sollte, sich dem König von Sachsen zu nähern, Dr. 75. 25. Jahrgang. L MM des„llotmärts" fitrlintt Sonnabend, 28. März 1908. Reicbötag« * 182. Sihutrg- Freitag, den 27. März. Nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: v. Bülow, v. Tirpitz. Sydow. Dr. Nieberding. Erster Gegenswnd der Tagesordnung ist die namentliche Ab- ftimmung über die zum Etat des Reichskanzlers gestellte Resolution Brandys und Genossen(Polen), durch welche im Etat für 1903 Mittel gefordert werden zur Bestreitung der Kosten einer aus Mtt- gliedern der verbündeten Regierungen und des Reichstages zu- iammengesetzten Enquetekommission behufs Untersuchung der poli- tischen Verhältnisse der polnischen Bevölkerung im Deutschen Reiche. Die Resolution wird mit 158 gegen 148 Stimmen bei 2 Stimmenenthaltungen angenommen. Es folgt die dritte Beratung des Gesetzentwurfs zur Aende- rung des Z 2 des Gesetzes betr. die deutsche Flotte (Herabsetzung der Ersatzfrist für Linienschiffe und Kreuzer von 25 auf 20 Jahre) und die dritte Beratung des Etats. Die Generaldiskussion über beide Gegenstände wird auf Vor- schlag des Präsidenten verbunden. Abg. Speck(Z.): Das Defizit des Reichshaushalts hat sich durch die Beschlüsse der zweiten Lesung entgegen früheren Etatsberatungen erhöht. Mit dem für die Teuerungszulagen erforderlichen Nachtragsetat wird das Defizit 286 Millionen Mar! betragen. In der Weise, wie jetzt im Reiche finanziell gewirtschaftet, geht es auf die Dauer nicht weiter. Im weimarischen Landtage hat man die Finanzwirtschaft des Reiches mit der eines Bankerotteurs verglichen. Ter Ausdruck mag zu scharf sein, aber in der Sache ist er nicht weit von der Wahrheit, mindestens mutz man sagen, das Reich wirtschaftet wie ein Mann, der eS in Geldsachen nicht sehr genau nimmt(Sehr richtig! i. Z.). Der Vorschlag der Veredelung der Matri- kularbeiträge würde eine Erhöhung der Ein na hm e n nicht bringen, sondern nur eine Verschiebung. Sollten sie nach oben beschränkt werden, so müssen sie durch einen andern beweglichen Faktor unseres Finanzshstems ersetzt werden; das ginge nur durch eine quotisiertc Steuer. Direkte Reichs steuern sind zweifellos nach der Verfassung zulässig, aber durch die ganze geschichtliche Entwicklung sind diese den Einzelstaatsn über- wiesen. Wir würden das finanzielle Rückgrat der Einzel staaten brechen, wenn wir die direkte Ein- kommen st euer ihnen entzögen. Eine solche finanzielle Mediatisicrung der Einzelstaaten würde auch die politische Mediati- sierung der Einzelstaaten im Gefolge haben.(Sehr richtig! i. Z.) Der direkten Reichseinkommensteuer ziehe ich bei weitem noch die unge- deckten Matrikularbciträgc vor, bei denen noch die Selbständigkeit der Einzelstaaten gewahrt bleibt.(Zustimmung i. Z.)— Die Finanzreform sollte man nicht als so unzulänglich bezeichnen, wie man es tut; die Ausgaben sind eben stärker gewachsen, als bei der Finanz- reform vorausgesehen wurde.— Für die ungedeckten Ausgaben gibt das Reich Schatzanwcisungen aus, die eine wachsende schwc- bende Schuld darstellen. Mit diesem System mutz bei einer Finanz- reform gebrochen werden. Das Ansehen des Reiches nach autzen steht auf dem Spiel durch unsere Finanzwirtschaft; möge dem neuen Herrn un Reichsschatzamt eine gedeihliche, gerechte Lösung der Finanzreform gelingen.(Bravo! im Zentrum.) Abg. Graf Knnitz(k.): In den meisten Punkten kann ich mich meinem Vorredner anschlietzen. Unfern Standpunkt zu all diesen Fragen haben wir bereits bei der ersten Lesung des Etats dar- gelegt.— Bei der zweiten Lesung haben wir eine Resolution Spahn angenommen, welche eine staatliche Kontrolle des SyndikatLwesens verlangte. Die Vorgänge der allerneueften Zeit, die lveitcren Preis st eigerun gen des Rheinisch-Westfälischcn Köhlens yndikats, legen den Gedanken eines E i n s ch r e i- tens des Staates erneut nahe.(Bravo! rechts.) Abg. Dr. David(Sog.): Herr v. Stengel ist über Bord gesprungen aus Verzweiflung darüber, datz es ihm nicht möglich erschien, daS Reich aus der ent- schlichen Ftnanzkalamität herauszubringen, die er selbst bei seinen EtatSreden hier so treffend charakterisiert hat. Der Reichskanzler erklärte damals, datz die Sanierung der Reichsfinanzcn durch eine durchgreifende Rcichsfinanzresorm eine sehr dringliche An- gelegenheit sei, die in allernächster Zeit erledigt werden müsse. Inzwischen hat man sich entschlossen diese sehr dring- l i ch e Angelegenheit bis auf den Herbst voder vielleicht noch später zu verschieben. Diese HinauSschiebungcn der allerwich- ligsten Angelegenheiten dcS Reichs charakterisiert am besten unsere gegenwärtige politische Situation(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- traten), an der die Regierung die Hauptschuld trägt. Was inzwischen kleines femUeton. Vom Bernstein. Die Natur hat keine Geschichtsschreiber, die ims ihren Werdegang erzählen, überall aber hat sie kleine Museen und Raritätensammlungei, angelegt, deren genaues Studium den Bericht des Ucberlieferers ersetzt. Wir nehmen an, datz die Beensteinwätder aus einem jetzt unter das Meer gesunkene» Küstenstrich der skandi- navischen Ostsee standen. Die Bäume waren Nadelhölzer, unseren Kiefern verwandt. Aber das kostbare Harz, das aus ihren mit Flechten, Laub- und Lcbermosen bclvachsencu, von Löcherschwämmcn verrotteten Stämmen ausfloh, hat als Rarilätcn zahlreiche Blätter, Blüten und Früchte eingeschlossen, die uns berichten, datz damals auch Sumpf- Zypressen und Glytostrobeu. Eichen, Edelkastanien, Buchen. Oel- und Zimtbäume, Magnolien, Deupie», Teesträucher, Fächer- und Fiederpalmen und eine Menge anderer Gehölze und Blumen unter den Nadelhölzern wuchsen. Ein solches Vegetationsbild zeigt heute noch Japan. Die Bernsteimvälder wuchsen Jahrtausende hindurch an der Ostseeknste in jener früheren Stufe der Tcrliärzcit, die von den Geologen den Namen Oligocäne erhalten hat. Mit den mannigfachen Gewächsen, deren Reste im Bernstein gefunden wurden, haben sich vornehmlich Gocppert, Eaipary und v. Conwentz bcschäfligt. Conwentz stellte nach ein- gehender Forschung fest, datz in de» Baumwipfeln des Bernstein- Waldes Parasiten aus der Verwandtschaft der Misteln und Loranthen schmarotzten, datz ihre Stämme von Spechten angegriffen, von Holz- bocken und anderen Holzinsekten angebohrt und von einem noch jetzt lebende» Löcherschwamm(I'olz'porus vaporarius) verrottet wurden. Auf Grund der chemischen Untersuchungen HelmS(Danzig) wird jetzt der echte baltische Bernstein als Sucrinit von ähnlichen fossilen Harzen unterschieden; er stammt vom Harz der Bemstemkiefer Pinus suocinifera. Conwentz lätzt unentschieden, ob die Bernsteinbäunie unseren Fichten oder unseren Kiekern näher standen, da die mikroskopische Untersuchung der Hölzer keine ent- scheidenden Merkmale liefert. Die Bezeichnung Bcrnsteinkiefer verdankt d Baum lediglich dem Umstände, daß die Kiefern heute sich meist durch gröberen Harzreichtum auszeichnen. Die Bernsicinwälder wurden, vom Meere verschlungen, unter bläulichen Sandablagerungen begraben. Während der Diluvialzeit(Glacial- zeit) wurde der Bernftein von seiner ursprünglichen Lugerstätte weiter nach Süden, ein Teil nach der Ostseekllste des Samlandes zwischen Königsberg und Elbing geführt; doch findet sich Bernstein auch am Strande der Nordsee und über die ganze norddeutsche Ebene zerstreut bis an den Fuß der deutschen Mutelgebirge; in Schlesien selbst noch in den Tälern des Waldenburger und Riesen» uebirges bis zu einer Höhe von 425 Meter. Früher nahm man an. der Bernstein sei durch Meeresfluten fortgeschwemmt worden: heute herrscht die Ansicht, datz der Transport im Gletschereise ge- chehen ist. der Presse verlautet ist über die geplante Reichsfiimnzreform, mutz dazu beitragen, eine ungeheure Beunruhigung in große Kreise des Erwerbslebens zu tragen, und dem deutschen Volke die Aussicht auf eme noch stärkere Belastung der notwendigsten Gebrauchsartikel zu eröffnen.(Sehr wahr! links.) Herr Speck hat sich gegen direkte Steuern im Reiche gewandt, also der Regierung Mut gemacht, es mit indirekten Steuern weiter zu versuchen. Da befinden sich die Herren vom Zentrum wieder in holder Gemeinschaft mit den konservativen Parteien, die unter keinen Umständen eine direkte Besteuerung zulassen wollen. Eine stärkere Belastung des Bieres, Tabaks und der Zigarren war schon angekündigt, neuerdings spricht man von einem Zündholz- und einem Petroleummonopol, alles Dinge, die, wenn sie zur Quelle von großen Einnahmen gemacht werden sollen, eine Belastung des Massenkonsums darstellen.(Sehr war! bei den Sozialdemokraten.) Es mutz doppelt unterstrichen werden, datz Herr Speck erklärt hat, seine Partei sei gegen direkte Reichssteuern, denn in der Agitation draußen im Lande ist durchaus nicht selten auch von Rednern des Zentrums erklärt worden, sie seien gegen jede weitere Belastung von Massenkonsumartikeln, gegen das indirekte Steuersystem(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten) und für eine Verschärfung der ReichSerbschafts st euer. Hier im Hause lehnen lTie Herren es ab, die Lasten des Reiches auf die Schultern zu wälzen, die sie tragen können. Herr Speck meinte, mit direkten Steuern nehme man den Einzelstaaten ihre Finanzquellen weg. Aber niemand denkt. doch daran, daß bei der Einführung direkter Reichssteuern die direkten Steuern in den Einzelstaaten abgeschafft werden sollen. Nein, auch iw den Einzel- st a a t e n ist das Finanzsystem nach unserer Meinung auf d i r e k- t c n Steuern zu basieren. Die Konsequenz ist natürlich, daß mehr direkte Steuern erhoben werden. Insbesondere zur Deckung der ungeheuren Bedürfnisse von Armee und Marine sollen direkte progressiv ansteigende Reichsvermögens- und Erbschafts- steuern geschaffen werden. Graf Kanitz, der sein Einverständnis mit den Herren vom Zentrum in dieser Beziehung erklärte, hat anderer- seits im Einverständnis mit unserer Auffassung sehr stark das Kohlensyndikat angegriffen. Es ist richtig, daß das Kohlensyndikat eine unverantwortliche Auswucherung des Volkes betreibt. Graf Kanitz hätte aber seine Kritik auch gegen die schlesischen Gruben- Magnaten und die Lausitzer Brikettfabrikanten richten müssen, die genau so vorgehen, wie das Westfälische Kohlensyndikat.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten) Uebrigens können sich die Kohlenmagnaten bei ihrem Vorgehen auf das Beispiel der großen Agrarier berufen(Lachen rechts), die ihnen in der Preistreiberei ihrer Produkte vorangegangen sind.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Graf Kanitz sollte auch nicht vergessen, datz der p r e u tz i s ch e Fiskus in seinem sehr ausgedehnten Grubenbesitz die Preistreiberei des Kohlensyndikats mitmacht. Es könnten neue Reichseinnahmen geschaffen werden dadurch, datz man die großen Gruben auf daö Reich übernimmt. Dafür können wir uns aber nicht erklären, solange wir keine Garantie haben, datz das Reich und die Staate» von demokratischen Gesichtspunkten geleitet werden und der Wille des Volkes dabei die ausschlaggebende Macht darstellt. Die Frage der Grubenver- staatlichung hängt also eng zusammen mit der Frage der Ver- fassuilgsuiiigcstabtung, inerster Linie in Preußen. Daraus komme ich noch. Die Verschiebung der Rcichsfinanzreform hat auch schwere Ent- täuschung hervorgerufen in den Kreisen der Beamtenschaft. Herr Lattmann hat gestern die Theorie aufgestellt, datz die B e- a m t e n Lehnsmänner der Krone seien, und der Herr Reichskanzler hat diese Theorie unterschrieben. Damit beweisen die Herr«ui nur, datz sie noch im Mittelalter stehen. Im Interesse der Beamten mutz man gegen eine solche Theorie pro testieren.(Sehr richtig! links) Die Beamten sind keine Diener der Fürsten mehr, sie sind Diener des Staates, Funktionäre des Volkes.(Sehr richtigl bei den Sozialdemokraten.) Es ist eine persönliche Degradicrung der Beanitrn, wenn man sie als L e h n s t r ä g e r der K ro n e hin stellenwill. Wären die Beamten in erster Linie verpflichtet, das zu tun, was die Krone wünscht, dann würde die Frage aufzuwerfen sein, ob ein Beamter noch Rcichstagsabgeordneter sein darf.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Denn im Reichstag sitzen die Vertreter der Souveränität des Volkes, die sie zu wahren haben gegenüber den Rechten der Krone, und LehnSträger der Krone ge- hören nicht in dieses Hans der Volksbertvetung. lSehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Preußen und das Reich gehen freilich von der Auffassung aus, datz die Beamten nicht nur ihre Arbeitskraft, sondern auch ihre ganze Persönlichkeit und ihre poli lisch« Gesinnung dem Staate verkaufen. Sie vindi Humor und Satire. Preutzcnhymne. Ich bin ein Preuße; dieses will besagen, Datz ich ein Unterlan, jedoch kein Mann, Und datz der Polizist mich packt beim Kragen, Geh' ick, den Staat ums Reichstagswahlrecht an. Doch blickt nur i» die Ferne, Dann konstatiert ihr gerne, Datz man in Preußen— wie die Brust sich hebt!•— Noch etwas freier als in Haiti lebt. Ich bin ein Preuße; na, Du weißt ja, Bebel, Datz wir ein Staat von ganz besondrer Art; Drrieinig walle» hier der SchntzmannSsäbel, Das fromme Bäffchen und der Habhbart. Und wenn die WahlrcchtSschranken In Süd und West auch wanke», Uns schützt die Plempe vor der GleichheitSpest; Wir hatten am Dreiklassenlvahlrecht fest. Und weil ich Preuße, drum beglückt auf Erden Mich nur dies eine hohe Ideal. Datz eilist zur Trainkaserne möge werden Am Königsplatz der deutsche ReichStagssaal. Welch' seliges Entzücken Für mich, ivernr auf dem Rücken Der Bayern selbst die derbe Junkerfaust So ungeniert wie auf dem meinen haust. _ Frkdolin. Notizen. Theaterchronik. Im Schiller-TheaterO. wird Shakespeares Lustspiel„Der Widerspenstigen Zähmung" ein- studiert. Die erste Aufführung findet Mittwoch, den 1. April, statt. — Bühnenchronik. Else Lehmann tritt an, Montag zum erstenmal wieder im Lessing-Theater in JbsenS„Bork- nian" auf.— Lina Lossen vom Münchener Hostheater ist von 1910 ab an daS Berliner Leffing-Theater engagiert worden. — Musikchronik. Im Bürgersaale deS Berlinischen Rat- Hauses findet am Sonntag ein Mozart-Abend statt. Eröffnet wird der Abend durch einen einleitenden Vortrag von Dr. Burkhardt. — Das Komilee für Jugend-Konzerte wird als 190. Ver- anstalning die„Schöpfung" von H a y d n bringen, und zwar am Sonntag, den 5 April, nachmittags 3 Uhr, in der Garnison- Kirche. Neue Friedrichstratze. Es wirken mit der Mozart-Chor und das Nene Sinfonie-Orchester, unter der Leitung von Max Batike. Einlatzkarten zu 50 Pf. sind bei allen Schulvorständen, ferner beim Küster der Garnison-Kirche und bei dem Komitee. W. Neue Winter» I feldtftratze 48, zu haben.* zieren sich das Recht, dem Beamten, der eine oppositionelle Stel- lung einnimmt, zu matzregeln. Das eklatanteste Beispiel dafür ist das Verhalten Preußens gegenüber den F ö r st e r n. denen man bei Strafe des Wegfalls jeder Gehaltserhöhung und jeder Beförde- rung im Dienst verboten hat, einer Organisation weiter anzugehören, (Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Das ist eine Knebelung allerschlimmster Art. Durch dieses Vorgehen gegenüber den Beamten erweckt man auf der anderen Seite den Strebern die besten Chancen. Diese werden natürlich jede Gelegenheit ergreifen, um recht ostentativ die Politik nach autzen zu betonen, von der sie wissen, daß sie den hohen Bor- gesetzten genehm ist, um bei Aufrücken besonders begünstigt zu werden.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wie rückständig gerade der preußische Staat in dieser Beziehung ist, beweist das Vorgehen anderer Staaten. In Preußen darf nie ein Sozial- demokrat Turnlehrer sein, er darf in keiner Schulkommission sitzen, keine Stelle einnehmen, die irgendwie mit öffentlichen Funktionen verknüpft ist. Zu d e r s e l b e n Zeit aber sitzt im bayerischen Landtage unser Parteigenosse Rotzhaupt, der noch heute in seinem Privatverhältnis Arbeiter der bayerischen Eisen- bahmverkslätten ist.. Der bayerische Staat hat ihn nicht genötigt, diesen Posten aufzugeben, ja er zahlt ihm sogar noch den Akkord- lohn, den er verdient haben würde.(Hört! hörtl bei den Sozia!» demokraten.) Obgleich der Mann sozialdemokratischer Landtags- abgeordneter ist, bezieht er vom Staat sein Gehalt weiter. Die bayerische Regierung hat durch dieses eine Beispiel ge- zeigt, wie turmhoch sie über der preußischen Re» gierung steht.(Sehr richtigl bei den Sozialdemokraten.)! Wie die Beamten enttäuscht sind, so sind auch die Arbeiter enttäuscht worden. Der Reichskanzler hatte hier im borigen Jahre die Ver- sicherung gegeben, daß jetzt, wo weniger Sozialdemokraten im Reichstage seien, die Regierung erst recht mit der Sozial- Politik Ernst machen würde, um die christlichen Arbeiter zu gewinnen und überhaupt möglichst viel Arbeiter von der Sozial- demokratie abzulenken. Aber auch in dieser Beziehung ist nichts geschehen. Das hauptsächlichste Gesetz ist das über die Ärbei.t.S» k a m m e r n. Dieser Entwurf aber ist so gestaltet, datz nicht nur die Sozialdemokraten, sondern auch die nationalen Arbeiter sagen: damit wollen wir nichts zu tun haben. Wieder ist es ein Staats» mann aus Süddcutschland, der in den letzten Tagen an dem Ent- wurf dieselbe Kritik geübt hat, die in der Hauptsache auch wir daran geübt haben. Der badischc Minister Bvdmann erklärte im badischen Landtage, er stehe auf dem Standpunkte, datz nicht Arbeitskaminern, sondern Arbeiterkammern zu wünschen seien; von da aus, sagte er, kann man nachher zu paritätischen Jnstitutronen, zu Arbeitskammern kommen. Er verwarf auch durchaus das indirekte voll» kommen ungenügende Wahlverfahren und erklärte, er sei der Meinung, zu den Arbeiterkammern müßte die geheime, direkte Wahl nach dem Proportionalverfahrcn stattfinden. Auch hier sehen Sie wieder, wie sehr die süddeutschen Staatsmänner über denen in Berlin stehen. Die Dinge, die man hier als sozial- demokratisch ausgibt, werden dort von den leitenden Männern der Regierung empfohlen. Weiter sind die Arbeiter durch das Ver- eins- und Versammlungsgesetz enttäuscht worden. Der Sprachenparagraph verhindert, daß die ausländischen Arbeiter aufgeklärt und von der Schmutzkonkurrenz abgehalten werden. (Sehr richtigl bei den Sozialdemokraten.) Eine weitere Ent- täuschung liegt in der Matzregel, welche den ausländischen Arbeitern einen LegitimationSzwang auferlegt hat. Diese Knebelung richtet sich nicht nur gegen die ausländischen Arbeiter, sondern auch gegen die heimischen? denn dadurch, daß Sic die ausländischen Arbeiter so knebeln, daß sie die Lohn- und Arbeitsbedingungen annehmen müssen, wie dev Arbeitgeber sie bietet, datz sie an eine Erringung besserer Löhne gav nicht denken können, dadurch wird auch der heimischen Arbeiterschaft eine Schmubkonkurrenz auf den Hals gesetzt.(Sehr richtigl bei den Sozialdemokraten.) Es ist aber auch ein schwerer Verstoß gegen die Reichsverfassung, deren Artikel 1 die Freizügigkeit, das Patz- Wesen, die Fremdenpolizei der Beaufsichtigung des Reiches und seiner Gesetzgebung unterstellt. Das ist auch notwendig, weil diese Dinge weit über die Grenzen eines Landes in ihrer Bedeutung hinausragen. Aber die preußische Regierung und die preußische gesetzgebende Körperschaft scheut nicht davor zurück, fortgesetzt vom La u desrecht aus ins Reichs recht über zu- greifen.(Sehr richtigl bei den Sozialdemokraten.) Ich erinnere nur an die verschiedenen Versuche, das Freizügigkeitsrecht für jugendliche Arbeiter einzuschränken, das Koalitionsrecht ein- zuschränken und an die Bestiminungen über die Schiffahrtö» abgaben. Da berührt es doch eigentümlich, wenn der Kanzler — Wir haben ihn wieder,„unseren unvergeßlichen Sieg- mund Lautenburg". Nachdem er mit dem Wiener Thalia- Theater so schnell fertig geworden ist und da in Wien sonst kein Be- darf an Lautenburgeni zu sein scheint— das Wiener Theater wird von den Budapestern besorgt— wird er Berlin wieder beglücken mit seinen„künsilerisch-direktorischeii Fähigkeiten", wie ein Theater- journalist so schön zu erzählen weitz. Siegfried bringt alleö mit. Geld, Wagemut und— eine vollwichtige Ehrenerklärung des Deutschen Biihnenvereins, die ihm unter den Schauspielern so leicht niemand diskontieren wird. — Neue Bücher. Unter dem Titel:„Vom Urtier zum Menschen" beginnt in der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart ein BilderailaS großen Formats zur Abftammungs- und Ent- Wickelungsgeschichte des Menschen zu erscheinen. Der begleitende Text ist von Dr. K. G u e n t h e r. Das Werk, das auf der Basis moderner Naturforschung beruht, bietet ganz vortrefflich gelungene Tafeln. Es wird zwanzig Lieferungen a 1 M. umfassen. — Einen deutschen Fl ugmaschineii preis im Betrage von 49 909 M. hat ein Mannheimer Fabrikant für Wettbewerbe auf dem Tempelhofcr Felde gestiftet. Zugelassen find nur deutsche Fabrikate. — Der Wettkampf der Flugmaschinen. AuS Paris wird berichtet: Alltäglich ziehen jetzt die Flugversuche von Henri F a r m a n und Läon Delagrange eine große Zahl von Zu» schauern auf daS Manöverfeld von Jlly-leS-Moulineaux und eS hat sich ein richtiger Wcttkampf zwischen den beiden entwickelt, bei dem ein nahezu glcicber Stand erreicht ist. Am Dienstag blieb De- lagrange 3 Minuten und 29 Sekunden in der Luft und legte so eine Sirccke von 3299 Nietern zurück, während Farmans längster Flug bisher 3 Minuten 47 Sekunden gedauert halte. Farman, der am Nachmittag nur einen Flugversuch unternahm, konnte sich 3 Minuten 29 Sekunden in der Luft hatten, erreichte jedoch eine Höhe von 8 bis 19 Metern, in der er das ganze Manöverfeld überflog. Die Lösung des Flugproblems liegt jetzt in der Koiistruktioii des Motors und zwar besonders in der Kühlvorrichtung. Bisher haben beide Motore Wasserkühlung; die Notwendigkeit, neues Wasser aufzilnehmen, war in den meisten Fällen der Grund, weshalb die Führer den Flug unterbrechen und wieder auf den Boden zurückkehren mutzten. — Der wa ii der! n st ige Storch. � Die Vogelwarte in Rositten hat im vergangenen Sommer' eine große Anzahl Krähen, Möven und auch an 1999 Störche mit einem Ftitzringe ver» sehen lassen, um damit wissenschaftliche Beobachtungen über den Vogelflug zu ermöglichen. Eine Mvve mit dem Rositlcner Ringe ist nun bereits im Innern von Tunis und ein Rosittener Storch ist gar in Südafrika erlegt worden. Soweit reist also Meister Langbein. gestern ijict lagte, er werde strenge darüber wachen, daß Reichs« und Landesangelegenheiten säuberlich auseinandergehalten werden. (SS wäre ja dankenswert, wenn er strengstens darüber wachte, daß dieses Durcheinander zwischen preußischen Landesgesetzen und Reichstag endlich einmal aufhörte. Die Tatsache besteht, daß der preußische Landtag sich in einer ganzen Reihe van Fällen gegen den Reichstag gestellt hat. und daß er dabei die S a n k t i o n i e» rung der preußischen Regierung und des p r e u ß,- schen Ministerpräsidenten gefunden hat. der ja im Nebenamt auch Reichskanzler ist.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Die ganze Struktur des Reiches ist ja darauf angelegt, ein solches Durcheinander zu etablieren; in der Person des Reichskanzlers, in der Personalunion von Reichskanzler und preußischem Ministerpräsidenten ist dieses Durcheinander ja am drastischsten repräsentiert. Der preußische Einfluß im Bundesrat ist so stark, daß gegen Preußens Willen im Bundesrat absolut nichts durchgehen kann. Das illustriert weiter das Durcheinander von Reich und Preußen. Aber ein Vorgehen muß noch viel schärfer illustriert werden als bisher geschehen ist: alle Entwürfe, die in irgend einem Reichsamt ausgearbeitet werden, gehen im ersten Stadium ihres Lebens zu- nächst dem betreffenden preußischen Res sortmini st er zu, bevor sie dem Bundesrat vorgelegt werden. Im Fall Oldenburg ist das bestritten worden. Aber alle Dementis haben nicht die Hauptsache betroffen, daß alle Gesetzentwürfe im ersten VorbereitungSltadium in preußischen Ressorts zur Begutachtung unterbreitet werden. Das ist ausdrücklich in zwei eklatanten Fällen rwch jüngst im Reichstage mitgeteilt worden. Der Staatssekretär des Reichsamts, Dr. Nieberding, sagte am 12. Februar d. I., daß er das Automobilgesetz dem preußischen Mint- fterium vorgelegt habe, und sobald von dieser Seite keine Einwendungen erhoben würden, es dem Bundesrat vorlegen würde. Am 20. Februar erklärte er dasselbe für die neue im Reichsjustiz. amt fertiggestellte Strafprozeßordnung.(HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Sobald Einwände des preußischen JustizininisteriumS nicht erlwben würden, würde auch diese Vorlage unverweilt an den Bundesrat gelangen.(Lebhaftes Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Für dieses Vorgehen findet sich ia der Verfassung nicht die geringste Unterlage, im Gegenteil es ist vollkommen verfassungswidrig. Aber Effekt und Absicht dieses Vorgehens liegen auf der Hand. Dadurch, daß die preußischen Ressortminister die Möglichkeit er- langen, vor allen anderen bundesstaatlichen Ministern zu den Ent- würfen Stellung zu nehmen,� können sie auf die noch weichen Gebilde einen weit tieferen Eindruck ausüben, als alle anderen Re- gierungen im Bundesrat. Die anderen Bundes st aaten haben geradezu die Pflicht, gegen dieses Verfahren der Reich sbchörden zu protestieren.(Lebhafte Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Solchen Protest sind sie ihrem eigenen Lande schuldig.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Angesichts dieser Tatsachen ist die Behauptung, daß Deutschland ein Föderativstaat mit gleichen Rechten seiner Glieder sei, nur formal richtig. In Wahrheit ist Deutschland eine preußische Hegemonie. (Sehr wahr? bei den Sozialdemokraten.) Preußen herrscht in allen toichtigen Fragen vor. Wenn Bayern, Württemberg, Baden oder Hessen in solcher Weise in die Reichsgesetzgcbung eingreifen wollten, wie die preußische Regierung und der preußische Landtag das wiederholt getan haben, würde wahrscheinlich die Exekution gegen sie beantragt werden.(Heiterkeit.) Aber Preußen steht in dieser Beziehung anscheinend über dem Gesetz. Die letzte Erklärung dieses Einflusses liegt in der Struktur der preußischen VerfassungS- und Gesetzgebungsmaschine, in dem elenden Wahlsystem, das in Preußen herrscht. Schon daraus geht hervor, wie wenig ernsthaft sich der Standpunkt aufrecht erhalten läßt, daß die Zusammensetzung der preußischen Landesvertretung Deutschland nichts angehe. Nein, das ganze Reich bekommt das Dreitlaskenwahlsystem zu kosten, das ganze Sieich muß es ausbadcn.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Auch die Nichtpreuhen haben nicht nur das Recht, sondern geradezu die Pflicht, an der Beseitigung dieses Wahlunrechts mitzuwirken. Die preußische Wahlreform ist die Grundlage der weiteren Entwickclungsmöglich. keit des deutschen Volkes.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial. demokraten.) Der Reichskanzler meinte, daß bei der Verschieden- hcit der einzelnen Bundesstaaten eine Ausgleichung ihres Wahl- rechts nicht angebracht sei. Aber gerade diese verfassungsrechtliche Verschiedenheit ruft fortgesetzt die schwersten Reibungen in Deutschland hervor. Die ganze Reichs Verdrossenheit ist nichts als der Ausdruck der Disharmonie in der Zu- sammensetzung der Landesvertretungen.(Abg. Kreth ruft:, Hört, hörtl). Dem Abg. Kreth ist das natürlich ganz neu.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Wenn er die älteren Verhandlungen des Reichstages kennen würde, würde er wissen. daß schon 1881(Zuruf des Abg. Kreth: Damals waren Sie ja auch noch nicht da!) ein Antrag Büsing hier im Hause beraten wurde, die Landcsvertrctungen in den deutschen Staaten auszu. gleichen. Damals war es kein anderer als der deutsche Historiker Treitschke, der erklärte, daß, wenn das Reich Bestand haben solle, die E i n z e l st a a t e n aus eine gleiche Grundlage ge- stellt werden müßten. Das ist auch unsere Auffassung.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Reichskanzler berief sich auf die Schweiz und Nordamerika, wo Kantons- und Bundes- angclegenheiten auch streng geschieden seien. Auf genau dieselben Beispiele hat sich Treitschke in dieser Rede berufen. Er hat darauf hingewiesen, daß gerade bei der großen Verschiedenheit der ein- zelnen deutschen Bundesstaaten wie in der Schweiz und Amerika wenigstens die einzelnen Bundeskörper gleich organisiert sein müßten.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Unsere Auf- fassung hat Anhänger also auch in den Kreisen der Leute, die sonst nicht zu uns gehören. Solange die Dissonanz zwischen dem Reiche und Preußen nicht beseitigt ist, kann von einer liberalen Aera im Reiche nicht geredet werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sie ist eine platte Unmöglichkeit, solange in Preußen ganz andere Instanzen das Heft in Händen halten, und nicht dulden, daß der preußische Ministerpräsident libreal regiert. Selbst die optimistischsten Libe- ralen haben ja das in den letzten Wochen einsehen müssen. Wir haben vor wenigen Tagen hier eine scharfe und präzise Auf- tündigung gegen den Reichskanzler aus dem Munde des Abg. Nau. mann vernommen. Aber er ist es nicht allein und ich will mich auf keinen weiteren Redner vom linken Flügel des Freisinns be. rufen, sondern auf das Zeugnis eines ManneS von der anderen Seite der freisinnigen Volkspartei, der hier auch dem Hause an- gehört. Der hat am 17. Februar 1S08 in einer Wählerversammlung gesagt:„Wo ist die Begeisterung geblieben, die bei de» letzten Wahlen namentlich die Jugend ergriff? Sie ist tot gemacht worden durch eine Regierung» die jedes Vertrauen ertöten muß. Der Reichskanzler hat am 10. Januar den Freisinn schroff brüs- kiert. Es ist geradezu unverständlich, wie er, der das Wahlgeheim- niS zum Reichstage gesichert hat, sich letzt gegen das geheime Wahl. recht so schroff hat aussprechen können. Seine Wahlrechtserklärung war der Bruch des Versprechens, das er den Liberalen am 4. De- zember gegeben hat.(Hört, hörtl bei de» Sozialdemokraten.) Wir werden kühl bis ans Herz hinan ihn unterstützen bei den Gesetzen, die im Sinne deü Liberalismus sind, ihn aber im übrigen entschieden bekämpfen."(Hört, hörtl bei den Sozialdemokraten.) Wissen Sie, wer so gesprochen hat? Der Herr Abg.---- Dr. M u g d a n.(Große, langanhaltende Heiterkeit im ganzen Hauses Der Reichskanzler hat stch gestern noch einmal eingehend über die preußische Wahlrechtsfrage ausgesprochen. Ich hatte oen Ein- druck, als ob er gestern die positiven Seiten seiner Erklärung mehr herausheben wollte, weil er inzwischen gefühlt hat, daß seine Erklärung vom 10. Januar die Kombination, auf der jetzt seine Politik beruht, aufs schwerste stört, und daß darauf hin ein Mann »lach dem andern von der linken Seite des Blocks abbröckelt. Darum hat er Worte gebraucht, die in seiner Erklärung im preußischen Landtage nicht standen. Während er dort von Erwägungen über die Wahlreform sprach, hat er gestern eine gründliche Reform des preußischen Wahlrechts bestimmt in Aussicht gestellt. Aber um das Vertrauen zu dem Liberalismus des Reichskanzlers Wiederher- zustellen, reichen Worte ni cht mehr aus, da müssen Tatsachen kommen, wirkliche Tatsachen, sonst glaubt kein Mensch mehr daran.(Heiterkeit.) Was der Reichskanzler über das Reichstagswahlrccht gesagt hat. hat übrigens den Hoff- nungsschimmer in seiner Rede nicht verstärkt, sondern a u s g e- löscht. Wir denken nicht daran, eine Kritik de» Reichstagswahl- rechtes zu verbieten. Aber der Reichskanzler selbst wird von sich nicht glauben, daß er ein Tbcliebiger ist.(Heiterkeit.) Wenn er das Fundamentalrccht der deutschen Volksvertretung von dieser Stelle aus kritisiert, wie er es gestern getan hat, so muß und wird das politische Konsequenzen haben.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Der Reichskanzler tadelte die Gleichheit und leichte Zugänglichkeit des Reichstagswahlrechtes und erörterte die Ge« danken einer V-rlängerung des Aufenthaltes oder einer Pluralgestaltung. Als er so redete, hatte ich den Verdacht, daß er vielleicht den Weg gehen will, auf den seit Jahren Frhr. v. Zedlitz hinweift: als Kompensatiou für das Preußische Wahlrecht eine Verschlechterung des ReichStagSwahlrechtS zu verlangen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dagegen würde sich im deutschen Volke ein solcher Protest erheben, daß die Regierung es nicht zustande bringen würde, diesen Plan zu realisieren. Das Reichstagswahlrecht ist eine Institution, die sich das deutsche Volk nicht mehr aus der Hand nehmen läßt. (Lebhafte Zustimmung links.) Wenn etwas daran geändert werden soll, so kann es nur in der Richtung auf ein wirklich gleiches Wahlrecht geschahen. Denn heute ist das ReichStagS- wahlrecht ein Pluralwahlrecht zugunsten der agrarischen Bezirke, wo jeder Wähler zehnmal soviel Wahlrecht hat wie in den Großstädten. Nur darauf beruht ja auch die Mehrheit des Reichskanzlers.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) ES ist nur eine Mehrheit der Mandate, keine Mehrheit der Wähler.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nahezu eine Million Stimmen mehr haben bei der letzten Reichs- tagswahl gegen die Politik des Reichskanzlers votiert. Hier sollte das Reichstagswahlrecht reformiert werden, um diese Un- gleichheit zu beseitigen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo. kraten.) Der Reichskanzler meinte, daß das Reichstagswahlrccht keine Rücksicht nähme aus die politische Bildung, daß kein Wahl- recht politische Erfahrung so wenig berücksichtige, wie das Reichs- tagswahlrecht. Ich mache mich anheischig, ihm ein anderes Wahlrecht zu nennen, das sie noch weniger berücksichtigt, das preußische Dreiklassenwahlrecht.(Sehr wahrl bei Pen Sozialdemokraten.) Im Reichstagswahlrccht hat der Pro- chssor wenigstens ebenso viel Einslutz wie irgend ein Millionär, unter dem Dreiklassrnwahlsystem ist die ganze Intelligenz, die ganze geistige Arbeiterschaft, die nur auf ihr Gehalt angewiesen ist, in die d r i t t-e Klasse hineingepreßt.(Lebhafte Zustim- mung.) Sie hat ein schlechteres Wahlrecht, al? zum Reichstag und ein hundertmal schlechteres als ein Ärundstiickspekulant oder jemand, der auf noch unsauberere Weise Millionen zusammcn- geschachert hat. Der Reichskanzler z B. wird für sich ein hohes N!aß politischer Einsicht und Erfahrung beanspruchen, und sein Beruf bringt ja eine ganze Menge politischer Kenntnisse mit sich. (Heiterkeit.) Gleichwohl wählten, wie Graf Posadowsky unS seinerzeit erzählt hat, der Reichskanzler Fürst Hohenlohe und er selbst mit ihren Portiers zusammen in der dritten Klasse. (Heiterkeit und Hörtl hört! links.) JedeS junge Bürschchen aber, das durch einen Erbfall Millionär geworden ist. kann in der ersten Klasse wählen. Der Reichskanzler Fürst Bülow selbst würde, wenn er nicht zufällig in glücklichere Ber- mögensverhältnisse gekommen wäre(Heiterkeit), auf Grund seines Gehalts in der dritten Wählerklosse. bei den Leuten minderen politischen Urteils, wählen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.)� Da Gras Posadowsky nicht mehr von dieser Stelle aus sprechen kann, will ich mich einen Augenblick zu seinem Sprachrohr machen. Er sagte uns nichts davon, daß das Pluto- kratische Landtagswahlsystem eine Bevorzugung der politischen Er- fahrung und Intelligenz bedeutet. Der Besttz sei kein Vorzug, und kein Verdienst, sondern meist nur eiue angenehme Tatsache. (Heiterkeit.) Graf Posadowsky sprach nichts von den politischen oder sittlichen Werten, die mit dem großen Vermögen verknüpft seien.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Nur der Be- s i tz wird aber durch das preußische Wahlrecht privilegiert.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nicht nur die Arbeiter in In- dustrie und Handwerk, auch alle geistigen Berussarbeiter, die Be- amten, die Angestellten in kaufmännischen Betrieben usw. sind genau so entrechtet wie die Arbeiter. In Berlin machen sie vv Prozent der Bevölkerung auS, die, wenn sie alle zusammenhalten, nicht in der Lage sind, einen Abgeordneten durchzubringen, gegen- über den bcsserbemittclten 10 Proz. Wie konnte angesichts dieser Tatsache der Reichskanzler im preußischen Landtage erklären, daß durch das preußische Wahlrecht der Tinfluß des Mittelstandes gestärkt werde. Der ganze Mittelstand kommt bei diesem Wahlrecht ebenfalls unter den Schlitten, der Reichskanzler müßte denn annehmen, daß der Mittelstand bei den Leuten anfängt, die in Berlin über 3000 M. Steuer im Jahre zahlen. Es handelt sich also hier um Privilegienrccht einer kleinen Kaste. Es war auch kein besonderes Kompliment für den Reichstag, wenn der Reichskanzler meinte, bei dem ReichztagSwahlrecht werde die Intelligenz nicht genügend berücksichtigt. Will er etwa be- haupten, daß das intellektuelle Niveau des Reichstages unter dem des Dreiklassenparlamcntes steht? Ich will zu seinen Gunsten an- nehmen, daß er das nicht im Ernst gemeint hat. Der Reichstag aber muß sich dagegen verwahren, daß durch solche Definitionen der Anschein erweckt wird, als ob der Reichstag infolge seines Wahl- rechts minderer Intelligenz sei.(Sehr gut! bei den Sozialdemo- traten.) Der Reichskanzler hat weiter betont, daß das Reichstags- wohlrecht in Preußen nicht eingeführt werden könne, weil der Landtag die Schulangelcgenheitcn zu besorgen habe. Wenn man an diesen Punkt rührt, an die Tätigkeit des preußischen Dreiklassenparlamentes auf dem Gebiete der Schule und des gei- stigen Lebens überhaupt, so muß dem gebildeten Deutschen die Schamröte ins Gesicht steigen. (Lachen rechts, Sehr gut! links.) Taraus, daß der Reichskanzler diesen Punkt berührt hat, muß ich den Schluß ziehen, daß er auch in seinem innersten Wesen auf dem Boden der äußer st en Rechten st cht und nicht die Empfindung hat, die jeder auch nur mäßig liberal gerichtete Mann haben muß, wenn er an diese Schulpolitik Preußens denkt.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Mit seiner Erklärung gegen die geheime Wahl in Preußen hat sich der Reichskanzler in vollständigen Wider- spruch gesetzt zu seinem Vorgehen'm Reich, wo er zum wenigsten die Absicht gezeigt hat, das Wahlgeheimnis zu schützen. In Wirk- lichkeit hat ja jene Vorlage das Wahlgeheimnis nicht ge- schützt, sondern eS zerstört.(Ruf rechts: Aufheben!) Seine Wirkung ist genau in das Gegenteil umgeschlagen. Wer sich davon überzeugen will,—(nach rechts) Sie sind ja davon überzeugt(Abg. Kreth ruft: Fällt uns gar nicht ein!)— der nehme nur die Akten der Wahlprüfungskommission aus konservativen Wahlkreisen zur Hand. Dann wird er zur Ueberzeu�nng kommen, daß durch die Einführung der Wahltüverts in den ländlichen Wahlkreisen tatsächlich jeder Wähler mit Gewißheit aus seinen Stimmzettel hin kontrolliert werden kann. Dafür ist Material in den Wohlprotestcn Massen- Haft vorhanden.(Widerspruch rechts.) ES liegt ja auch auf der Hand, man braucht nur in Pappschachteln oder ähnlichen Gegen- ständen WahlkuvertS der Reihe nach zu ordnen und eine Liste der Wählenden zu führen, um bei der Oeffnung der Kuverts die Ab- stimmung jedes einzelnen festzustellen. ES ist mir wiederholt er- zählt worden, daß nach dem neuen Wahlgesetz die Wähler auf dem Lande nicht mehr sozialdemokratisch wählen könnte», ohne kontrol- liert zu werden..(Lachen rechts.) Daß das Gesetz so gewirkt hat. dafür spricht bor allem die Tatsache, baß G i e(nach rechts) gegea die Einführung von Wahlurnen sind.(Sehr gutl bei den Sozial- demokraten). Sie wollen die Wahlurnen nicht, weil Sie die geheime Wahl nicht wollen.(Sehr richtig! bei de» Sozialdemc- kraten.) Wenn der Reichskanzler es also ehrlich meint mit der Sicherung des Wahlgeheimnisses, so muß er die verbündeten Re- gierungen veranlassen, schleunigst eine Borlage auf Einführung von Wahlurnen einzubringen.— Nun hat der Reichskanzler die Liberalen mit den Folgen der Uebertragung deS Reichstagswahlrechts aus Preußen einzuschüchtern gesucht. Er meinte, die Folge werde sein das Rote Meer, in dem diejenigen ersaufen, die keinen Moses und Aaron zu Führern haben.(Heiterkeit.) Damit hat der Reichskanzler das Zugeständnis gemacht, daß die große Me h r h e i t deS Volkes bei diesem Wahlrecht s o z i a l d e mo k r a t i s ch ab- stimnit. Das ist ein sehr wichtiges Zugeständnis, daß die Sozial- demokratie die große allgemeine Kulturbewegung der arbeitenden Klassen ist, die nach oben streben. DieS Streben. daS Herr von Bethmann-Hollweg im preußischen Landtag fördern wollte. Wenn es gefördert werden soll, so kann cL nur aus dem Wege geschehen, daß nian den breiten Volksmassen das allgemeine Wahlrecht gibt, damit sie voll teilnehmen können an den öffentlichen Angelegenheiten. Wir wollen ein Wahlrecht, daS ein genaues Abbild der politischen Auffassungen des Volkes ist, deshal-' sind wir ja für das P r o p o r t i o n a l w a h l r e ch t.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Diese Forderung beweist, daß wir an nichts weniger denken, als an eine Terrorisierung ganzer Volks- Massen. Wir wollen den ganzen politischen Kampf sanieren.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.— Lachen rechts.) Diejenigen, die die Oeffentlichkeit der Wahl aufrecht erhalten wollen, aus materiellen Gründen« halten damit das System der politische» Korruption aufrecht.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) DaS allgemeine Wahlrecht kommt durchaus nicht nur den sozialdemokratischen Ar- beitern zugute, sondern 80— S0 Proz. des deutschen Volkes, die durch das heutige System entrechtet sind. Daher denken auch die christlichen und nationalen und auch die freisinnigen Arbeiter in dieser Frage genau so, wie die sozialdemokratischen. Noch in letzter Zeit hat ein ch r i st l i ch e s Blatt.„Die Arbeit", den 10, Januar als einen, nationalen Unglückstag bezeichnet, Die ruhige EntWickelung sei jetzt in Frage gestellt; in dem heutigen Wahlrecht zum preußischen Landtag liege auch nicht der Funken von Gerechtigkeit. Aehnlich heißt eS in einem Aufruf der Hirsch-Dunckerschen Arbeiter, der von einer schweren Enttäuschung der Arbeiterschaft außerhalb der Sozialdemokratie infolge der Erklärung vom 10. Januar spricht. Also der Reichs- kanzler kann diese Frage nicht zu einer spezifisch sozialdcmokra- tischen machen, nein, eS handelt sich hier um einen Volkskampf, der gerichtet ist gegen den Klassenkamps der preußi- schen Konservativen.(Sehr gut! b. d. Soz.) Da man uns einen Vorwurf daraus macht, daß wir behaupten, die großen politischen Bewegungen seien im Untergrunde bedingt durch die großen wirtfchaftlichen Interessen einzelner großer Volksklassen, so liefern die Konservativen in Preußen den klassischen Beweis rür die Richtigkeit unserer Behauptung. Sie führen selbst den schärfsten Klassenkampf, ihr Wahlrecht trägü ja den Namen: Dreiklassenwahlrecht. Der Reichs- kanzler kämpft d i e f e n K l a s f e n k a m p f derJunker m i t, wenn er sich auf den Standpunkt des preußischen Wahlrechts stellt. Der Reichskanzler hat eine Acusp:rung Bebels, die gegen Preußen gerichtet war, so aufgefaßt, als ob Bebel wünsche, daß Preußen vom Erdboden verschwände. DaS ist eine groteske Auffassung unserer Stellung. Wir denken natürlich nicht daran, und am wenigsten Bebel, der ja selber Preuße ist, in dieser Frage «inen Gegensatz aufkommen zu lassen zwischen der Sozialdemokratie und dem preußischen Volke. Wir vertreten vielmehr die Rechte der Massen des preußischen Volke? gegen die regierend« Kaste in Preußen. (Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Daß der Klassenkampf der Junker ein brutaler genannt werden mutz, beweist das Vorgehen der preußischen Regierung gegen den friedlichen Ver- sammlungsbesuch zur Demonstration für das ReichstagSwahlrecht. Wir haben wiederholt erklärt, daß der„Vorwärts" erst kürzlich noch schrieb:„Kein normaler Mensch von politischem Verständnis kann der Sozialdemokratie bei ihren Demonstrationen gewalttätige Absichten zutrauen. Aber Sie(nach rechts) wollen die Welt an solche Absichten glauben machen, um ein gewaltsames Vorgehen Ihrerseits zu rechtfertigen. Berlin bot am 13. März mit seinen Haufen von herumstehenden Schutzleuten, von berittenen Patrouillen den Anblick einer Stadt im Belagerungszustände. Tatsächlich herrscht ein permanenter Kriegszustand der preußischen Regierung gegenüber dem preußischen Volke.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Man droht dem preußischen Volke mit der Anwendung von Waffengewalt, wenn eS seinen Willen auf Aenderung des Wahlrechts öffentlich bekundet. Dieser permanente Kriegszustand im Innern gibt der ganzen politischen Lage sein Gepräge. ES ist ein Zu st and, der auch die aus- w artige Lage Deutschlands sehr schädigen muß. (Sehr richtig! b. d.'Soz.) Der tiefe Riß zwischen Süddeutschland und Norddeutschland erweitert sich von Jahr zu Jahr in dem Maße. als im Süden das Wahlrecht demokratisiert wird. Die Kluft zwischen den breiten Massen des Volkes und der Regierung ist so stark, daß diese bei dem geringsten Anlaß Polizei und Militär aufbieten muh. DaS ist ein AuSfluß der Rcgierungs- Weisheit, die in dem Cäsaren Worte gipfelt: o 6 er int dum ractuant— mögen sie mich hassen, wenn sie mich nur fürchten. man verläßt sich auf die Bajonette. Aber man sollte daran denken, daß diejenigen, die die Waffen tragen, mit zu den Entrechteten gehören, und daß die, welche„Hoch das Wahlrecht!" rufen, dieskeS Wahlrecht auch den Schutzleuten und dem Militär geben wollen. Meinen Sie, daß diese Einsicht auf die Dauer aus den Köpfen deren, die die Waffen tragen, fernzuhalten sein wird? Man wird nickit aus die Dauer auf Bajonetten sitzen können.(Sehr wahr! links— Gelächter rechts.) Dem oderint dum metuant möchte ich einen anderen Satz gegenüberstellen, der cinnial in der preußischen Nationalhymne stand; er soll ja jetzt aus den Schul- büchern entfernt worden sein:„Nicht Roß, nicht Reisige, sichern die steile Höh', wo Fürsten steh'»". DaS ist eine politische Weisheit von besserem Wert als jener Zäsarcnspruch. in dessen Sinn man dem preußischen Volke mit Gewalt gedroht hat. Ich erinnere nur an die bekannte Alexandrinerrede. Es ist daS ein bedauerliches Verhältnis zwischen der Regierung und Preußen, und eS ist auch nicht das allgemeine Verhältnis, sondern ein spezifisch ostclbischeS Verhältnis, daS sich erklärt auS dem Kulturniveau OstelbienS. «Lärm rechts— Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der künstige Träger der bayeristhen Krone, Prinz Ludwig, ist in Bayern für ein gerechtes Landtagswahlrecht, sogar für die Einteilung der Wahlkretse nach dem Be- völkerungszuwachö und auch für dw g e h e i m c Wahl eingetreten. Er bat dabei auch einen Wink gegeben, der wohl nach Berlin gerichtet war. Er sprach von auswärtigen Staaten, die ein verkünstclteS Wahlsystem hätten, und meinte damit jeden- falls Preußen.(Lochen rechts, Zurufe: Hamburg. Lübeck!) Hamburg und Lübeck hätten ihr Wahlrecht nicht verschlechtert, wenn sie nicht Preußen«lS Rückendeckung gehabt hatten.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) In Berlin scheint man aber von solchen Ansichten, wie sie Prinz Ludwig geäußert hat, sehr weit entfernt zu sein. Die Folge wird sein, daß jede ruhige Ent- Wickelung in Preusicn gefährdet wird, daß die Gegensätze sich immer mehr zuspitzen. Ich erinnere an den Ausspruch eines früheren Regenten:„Der Regent muß sich in die Lage des Landmanncö, des Handwerkers versetzen— heute würde er sagen, des Ar- b c i t e r S—, und sich dann fragen: wenn D u in dieser Klasse von Menschen geboren wärest, deren ganze» Kapital in chren Händen besteht, was würdest Du von dem Regenten der» langen?" Diesen Grundsatz sollte der Herr Reichskanzler auch der allerhöchsten Stelle nahelegen und ihn selber akzeptieren. Wenn die preußische Regierung das tun will, was im Interesse Preußens und im Interesse deS ganzen Reiches liegt, so mutz ste dem nachkommen, tvas das werktätige Volk in dieser Frage er- wartet,(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Schräder(frs. Vg.): Die Finanzpolitik des Reiches hat zu ungeheurer Vcr» schuldung deS Reiches geführt. Nicht einmal den Beamten konnten die versprochenen Zulagen gemacht werden. Die Finanzreform ist verschoben worden; wenn man an sie herangeht, wird sich heraus» stellen, datz sie ohne direkte Reichs steuern gar nicht durchführbar sein wird. Ber den ständig wachsenden Aufgaben werden mindestens 300 Millionen Mark noch notwendig sein, die man unmöglich durch indirekte Steuern noch aufbringen kann. Aber alle Finanzreformen werden nichts helfen, wenn wir nicht endlich lernen, uns nach der Decke zu strecken. Dazu kann der Reichstag so gut wie nichts tun; dagegen mutz der Bundesrat dafür sorgen, datz die Ausgaben nicht beständig ge. steigert werden. Aus die Dauer kann kein Volk das dauernde Hinaufschrauben der Ausgaben für Rüstungen ertragen. Da muh endlich Halt gemacht werden. Dann könnte eine vernünftige Finanzreform durchgeführt werden, welche Einnahmen und Aus. gaben dauernd ins Gleichgewicht bringt. Das Bestehen des Drei» klassenwahlrcchts in Preutzen. das die grotze Masse vom Einflutz ausschlietzt, bietet der Sozialdemokratie fortgesetzten AgitationS- stosf. Man soll doch nicht davon sprechen, datz eine Aenderung dieses Wahlrechts eine revolutionäre Motzregel wäre. Die revolutionärste Maßregel in Preutzen war die Gesetzgebung deS Freiherrn v. Stein, � und gerade sie hat das elende Preutzen in den Stand gesetzt, die Fremdherrschaft zu brechen.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Möge der Reichskanzler dafür sorgen, datz die Masse des Volkes nicht dauernd das Gefühl des erlittenen Un- rechte» hat.(Bravo! bei den Freisinnigen.) Abg. Bebel(Soz.): Ich kann mich nicht entsinnen, datz wir jemals seit das Reich besteht, einen Etat gehabt haben, der ein so trauriges Aussehen hat wie dieser; datz ein Etat möglich geworden ist. dessen rcgcl- mätzjge Ausgaben nicht von den regelmätzigen Einnahmen gedeckt werden� ist noch nicht dagewesen. Kein anderer als Richter hat jederzeit dagegen protestiert, datz der Reichstag Ausgaben bcschlotz, ohne datz noch die Deckung dazu vor» banden war. Jetzt aber ist daS sozusagen Mode geworben.(Zu- stimmuna bei den Sozialdemokraten.) Man mutz sagen, datz die verbündeten Regierungen und der Reichstag geradezu kopflos gewirtschaftet haben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sie können die Schuld nicht den Regierungen zuweisen, denn der Reichstag hat genau so schuld wie die Regierung. Alles Reden von Sparen und Sicheinnchtcn hat gar keinen Sinn, solange dem Reden nicht die Taten folgen. Der Vorredner hat sich darauf berufen, datz der Reichskanzler vor einem Jahre in seiner Programmrcde an- geführt hat, er denke auch daran, im Militäretat Ersparnisse zu machen. Datz dieses Wort wie so manches andere in diesem Etat seine Einlösung nicht gefunden hat, steht fest. Ich möchte die ,vrage an den Reichskanzler richten, in welcher Richtung er sich denn einbildet, beim Militärctat Ersparnisse machen zu können. Soll das heutige Militärshstem aufrecht erhalten werden, so ist an Ersparnissen im nennenswerten Matze nicht zu denken.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Im Jahre 1003 werden wir vor ein neues Ouinquennat gestellt sein. Da werden wieder neue Anforderungen gestellt werden, und so wird cS auf allen Gebieten sein. Da, wo sie Ersparnisse machen könnten, bei den Kolonien, wollen Sie nicht sparen, und auf den anderen Gebieten tonnen Sie nicht sparen.(Zustimmung bei den Sozial- dcmolraten.) Nun, mögen Sie sehen, wie Sie aus den Verlegen- Herten herauskommen. Wir werden die Vorlagen, die Sie bringen, von Fall zu Fall prüfen. Wir werden aber, fürchte ich. in allen Fällen die entschiedenste Opposition machen müssen, weil nach wie vor die haupisächlichstrn Mittel zur Deckung aus den arbeitenden Klassen herausgeholt werden sollen. Nun, Sic haben die Ausgaben gemacht. Sie müssen also auch dafür sorgen, die notwendigen Ein» nahmen zu bekommen. Ich habe nicht die Neigung, auf die Debatte darüber weiter einzugehen. Ich würde überhaupt nicht das Wort ergriffen haben, lvenn nicht die gestrige Debatte mich da- zu vcranlatzte. Zunächst mutz ich auf eine Bemerkung des Staats- fekretärs deS Reichspostamts zurückkommen, die er gegen mich ge- macht hat. Er hat Bezug darauf genommen, daß ich ausführte, datz in dem Falle Trofimoff die Polizei im Besitze der Briefe deS Angeklagten war, und der Staatssekretär führte an, der Unter- suchungsrichter habe die Beschlagnahme der Briefe angeordnet und sei dazu auch berechtigt. Das weih ich auch, und läge der Fall so. so hätte ich den Fall gar nicht angeführt. Aber in dem Urteil des Gerichts, auf das ich mich bezogen, steht ganz etwas cm- derrs. ES heitzt darin, daß die Berliner Kriminalpolizei wiederholt Briefe auffing. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das heitzt also, datz die Kriminalpolizei aus eigener Machtvollkommenheit aus ihr zu« stehenden Möglichkeiten das Briefgeheimnis verletzt hat. Ter Staats- fekretär sagt, er wisse nicht, wie das zugegangen sei, müsse aber den Vorwurf zurückweisen, datz Postbeamte beteiligt geivcsen seien. Wenn ich einen Brief in den Postkasten werfe, so befindet er sich von dem Augenblick an in der Gewalt der Post(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten), und wenn mittlerweile der Brief von der Kri- minalpolizei aufgefangen wird, so ist klar und deutlich, datz Be. amtc der Post ihre Hand im Spiele gehabt haben. Wie das zuge- gangen ist, weitz ich nicht, aber der Herr Staatssekretär bat die Möglichkeit, sich darüber vergewissern zu können. Er braucht sich nur an das Gericht zu wenden, um die Tatsachen zu erfahren, die dem Gericht den Anlatz zu diesem Satze des Urteils gegeben haben. Ich komme dann zu den Ausführungen des Fürsten B ü I o w über das allgemeine Wahl recht. Der Abg. Schräder hat gemeint, datz es auf die Tauer nicht angehen werde, die grotze Masse der Bevölkerung vom Wahlrecht für Preutzen auSzuschlietzc», daZ sie im Reiche hatte, und die Frage aufgeworfen, was die Sozial- demotratie gross gemacht habe. Die Sozialdemokratie groß gemacht baben die Zustände in der bürgerlichen Gesellschaft und die Ver- liältnisse im Staate. Schräder hat vollkommen recht, datz die Sozial- demokrate fortwährend Gelegenheit zu scharfer Kritik an den be- stehenden politischen Zuständen hat. Aber ihren eigentlichen U r- grund hat die sozialdemokratische Propaganda in der moder- nen kapitalistischen Entwicklung der bürger- tichenGesellschaft.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ihre Kraftouelle ist das moderne Proletariat, das selbst eine Folge dieser Wirtschaflsentwicklung ist. Die bürgerliche Gesellschaft selbst erzeugt ein von Jahr zu Jahr stärker werdendes Proletariat, das bilslos von Tag zu Tag um die Existenz mit seiner Hände Arbeit kämpfen mutz. Dieses Proletariat mutz sich notwendig zusammen- fchlietzen. und mit Hülfe der Sozialdemokratie sein- politischen Rechte und Ziele vertreten; denn wir alle stellen höhere Anforderungen an die Gesellschaft. Das sind die Gründe des Entstehens der Sozial- dcmokratie.(Sehr war! bei den Sozialdemokraten.) Dieses Pro- letariat wächst von Jahr zu Jahr. Auch die neue Berufözählung, di« für die verflossenen 12 Jahre gewitz sehr erhebliche Verände- rungen der sozialen Struktur nachweisen wird, wird als aller- s ch ä r f st e Verschiebung, die sich in der Gesellschaft voll- zogen hat, doch wieder d i e aufweisen, dast das Proletariat pro- zentiial am allerstärksten gewachsen ist. Solange solche Zustände existieren, werden Sie mit uns nicht fertig.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Die deutsche Sozialdemokratie besteht jetzt säst auf den Tag 45 Jahre. Die herrschenden Klassen Ixiben alles aufgeboten, wao sie vermochten, um sie niederzuhalten, Lüge, Verlciinidung und Niedertracht, haben die ganze Staatsgewalt mobil gemacht, Schule, Kirche, Polizei, Gerichte, Militär und Kapital, alle Mächte, über die die bürgerliche Gesellschaft verfügt, und wir sind von Jahr zu Jahr immer stärker angewachsen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Mit dieser Tatsache werden Sie sich wohl oder übel abfinden müssen. Das moderne Proletariat, das ohne seine Schuld besitzlos in die Welt ge setzt worden ist, verlangt mindestens gleiche p o l it i s ch e Rechte, um für die Verbesserung seiner wirtschaftlichen Lage kämp- fenzu können. Wenn Sie dem Proletariat das v e r w e i g c r n, so treiben Sie es zur Revolution, da bleibt nichts anderes übrig.(Stürmischer Beifall bei den Sozialdemokraten.) DaS moderne Proletariat bedarf der politischen Rechte, und ich behaupte, datz es an Bildung und Einsicht über Staat und Gesellschaft hinter dem Bürgertum von vor 60 Jahren nicht zurücksteht.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ein grotzer Teil deS Proletariats ist politisch sogar gebildeter als daS heutige Bürgertum, das können Sie jeden Augenblick fest- stellen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wenn dem so ist, glauben Sie, datz das Proletariat aus seine Menschen- rechte verzichten wird? So wenig wie das Bürgertum in der feu- dalen Gesellschaft sich dauernd von der politischen Gleichberechtigung ausschlictzen lieh, so ivenig wird sich das Proletariat von der bürgerlichen Gesellschaft dauernd unterdrücken lassen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Die Entwickelung geht weiter und hört nicht auf. Der Reichskanzler hat gestern gesagt, wir brauchten das radikalste Wahlrecht zur Agitation. Wir brauchen daS allerradikalste Wahlrecht, weil wir die m e i st e n armen Leute haben, die nur mit seiner Hülfe zu ihrem Recht kommen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn wir Agitationsmittel haben, warum geben Sic ste uns denn, ohne die wir machtlos, ohnmächtig wären. Sie müssen(clbst zugeben, datz Sie alles aufgeboten haben, um uns zu unterdrucken, und das ist auch selbstverständlich, denn Sie kämpfen um Ihre Existenz als herrschende Klasse.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn aber die Sozialdemokratie das all- gemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht fordert, so fordert sie nur die bürgerlich politische Gleichberechtigung aller Staats- angehörigen, die für den bürgerlichen Staat s e l b st v e r s! ä n d- l i ch sein sollte. Die Arbeiter fordern nur das Wahlrecht, das sie nicht nur zum deutschen Reichstag, sondern auch zu den s ü d« deutschen Landtagen besitzen und das bereits in einzelnen norddeutschen Staaten zur Geltung kommt. Fürst Bülow berief sich für seine Abneigung und Feindschaft gegen das Reichstags- Wahlrecht auf eine Reihe von Autoritäten. Datz Friedrich Dernburg sich gegen das gleiche Wahlrecht erklärt hat, wundert mich gar nicht. Er gehörte früher zur nationalliberalen Partei, und wurde von uns aus seinem alten Wahl- kreise herausgeworfen.(Heiterkeit.) Aber es kommt gar nicht auf die Meinungen der einzelnen Personen an, sondern darauf, wie die Masse des Volkes über das Wahlrecht denkt, unv was sie tut, um das Recht zu erlangen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Das Bedürfnis nach einer Reform des Wahl- rechts dringt von Tag zu Tag in immer weitere Kreise. Fürst Bülow kann sich die Zunge wund reden, er wird die preuhischcn Arbeiter nicht überzeugen, datz sie m i n d e r e n R e ch t e s sein müssen, als ihre süddeutschen Brüder.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Was den süddeutschen Arbeitern recht ist, ist den norddeutschen billig. Ich konstatiere aber, datz dieselben Leute und derselbe Mann, der am 2ö. Januar und 5. Februar so laut über die Niedergerittenen jubilierte, sich heute vor den Nieder- gerittenen fürchtet.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Wenn Sie glauben, uns niederreiten zu können, warum fürchten Sie sich denn vor uns? Dir blasse Furcht allein hält die Regierung ab, den Arbeitern ihr Recht zu geben.(Leb- hafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die konservative Partei, der Fürst Bülow, soweit er Parteimann ist, angehört, ist einst auch für daS allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahl. recht eingetreten. Als die Frage des Wahlrechts zum norddeutschen Bundestage 1866 vor den preußischen Landtag kam, da erklärte Herr v. Blankenburg, ein intimer Freund des Fürsten Bismarck, datz er das direkte Wahlrecht für viel besser halte als das D r c i k l a s s e n w a h l s Y st e m. Er habe nom nie gehört, datz Zensus und indirekte Wahl konservative Prin- zipien seien.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) In der- selben Debatte erklärte der Geheime Regierungsrat H e rjn a n n W a g e n e r, datz auch er Verwahrung dagegen einlegen müsse, als ob das Zensussystcm konservativ sei, eS sei lediglich eine Verwässerung der Lehre von der Volkssouveränität durch ihre eigenen Anhänger.(Vielfaches Hört, hörtl links.) Er schloß:„Ob Sie eö gerne wollen oder verabscheuen, Ste werden das allgemeine Wahlrecht nicht ver« meiden."(Lebhaftes Hört, hörtl) So sprachen die Konserva- tiven vor 40 Jahre», weil damals das Dreiklasscnwahlsystem eine entschieden fortschrittliche Kammer hervorgebracht hatte, und aus demselben reinen ZweckmätzigkeitSgrunde hatten die Liberalen bis weit nach links in die Reihen der Fortschrittler Be. denken gegen das allgemeine Wahlrecht wie gegen ein napoleonischeS Plebiszit. Der spätere nationalliberale Slbg. T w e st e n erklärt am 12. September 1866, datz die direkte Wahl den Parlamen. tariSmuS ruiniere.(Hört, hörtl links.) Recht« Hand, linke Hand, alles vertauscht. (Heiterkeit.) Fürst Bülow hat sich als Schwurzeugen gegen das gleiche und geheime Wahlrecht auf 6 Autoritäten berufen, die Hälfte davon mutz ich ihm streitig machen.(Heiterkeit.) Windt- Horst ist allerdings bei der Beratung der norddeutschen Bundes- Verfassung für das öffentliche Wahlrecht eingetreten. Später sprach er o s t und sehr entschieden für die geheime Wahl, gerade auf Grund der Erfahrungen, die er mit der öffentlichen Wahl unter dem Dreiklasscnwahlsystem gemacht hatte. Vorher hatte er es aar nicht gekannt, weil er ja annektierter Hannove- raner war. Mit S ch ä f f l e habe ich lange Jahre in engen per- sönlichcn Beziehungen gestanden und mündlich und schriftlich bis in die 80er Jahre hinein verkehrt. Ich kenne alle seine politischen Schriften und weitz, datz er niemals gegen die geheime Stimm. abgäbe Front gemacht hat.(Hört, hört! bei den Sozialdemo» Iratcn.) Mohl war im Zollparlamcnt und später im Reichstag mein Kollege; aber persönlich bin ich ihm nicht näher getreten. Indessen er war Süddentschcr, und deshalb konnte ich nicht glauben, datz er für die öffentliche Stimmabgabe eingetreten sei, denn in dieser Beziehung trennt ein scharfer Strich Norddeutschland und Süddeutschland.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Und in der Tat spricht sich Mohl in den verschiedensten seiner Schriften aus den Jahren 1862, 1873 und 1874 in der alle reut- schiedenstcn Weise für die geheime Stimmabgabe auS.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Also Fürst Bülow sollte doch seinen Geheim rat, der ihm Lesefrüchte vor- zusetzen hat, anweisen, ihn etwas vorsichtiger zu infor- inicrei».(Heiterkeit.) Mein Parteigenosse David hat schon darauf hingewiesen, datz Prinz Ludwig von Bayern sich eben- falls in der allerentschiedensten Weise für die Gewährung des all- gemeinen, gleichen, direkten und geheimen Landtagswahlrechts aus- gesprochen hat, ja sogar, was ich ihm besonders hoch anrechne, für die Erneuerung der Wahlkreiseintcilung nach jeder Volkszählung.(Hört, hört! bei den Sozialdemo- rratcn.) Prinz Ludwig wies in seiner Rede darauf hin, daß es leider Leute genug gebe, die nicht davor zurückschreckten, iyrc Untergebenen wegen einer ihnen nicht genehmen Stimmabgahe bei den Wahlen zu entlassen. Da verweise ich Sie aus die Schrift des Herrn v. Gerlach:„Die Geschichte deS preußischen Wahlrechts", wo er darlegt, wie in der K o n f l i k t z e i t damals die Beamten vom Minister bis zum letzten Landrot herab alles aufgeboten haben, um einen Wahlausfall im Sinne der Regierung zu erzielen. Da sind die verschiedensten Erlasse angeführt, in denen den Beamten klargemacht wird, datz sie dem König den Treueid geschworen hätten und zum Gehorsam verpflichtet seien. Kein Beamter dürfe daher einen liberalen Mann wählen. (Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Also genau dasselbe, was heute der Sozialdemokratie gegenüber geschieht, datz man den Be- amten verbletek, sozialdemokratisch zu wählen, geschah damals den Liberalen gegenüber. In einem Erlaß heitzt es: Wer einen Demokraten oder sogenannten Fortschrittsmann wählt, wird auf der Stelle aus dem Dienst entlassen. Die, die garj nicht wählet, werde» auch entlassen.(Hört, hörtl bei den Sozialdemokraten.) An die Förster, die Tierärzte, die Kreisbau- meister, die Kreisschulinspektoren, an die Lehrer, kurz an alle Be- amtenkategorien ergingen solche Erlasse. Die Freisinnigen, die damals jenes Vorgehen als die größte Ungerechtigkeit emp« funden haben, sollten einmütig sich gegen dieses Wahlsystem er» klären, das heute nach mehr als 46 Jahren noch aufrecht erhalten wird, allein mit der Absicht, den äußersten Druck auf alle abhängigen Leute auszuüben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Fürst Bülow erklärte, er lehne For- derungen ab, die den preußischen Staat erschüttern können. Der starke preußische Staat kann also das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht für seine Volksvertretung nicht gebrauchen, ohne in seinen Grundfesten erschüttert zu werden. Was ist doch dieser Staat für ein jämmerliches, erbärmliche» Ding. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten. Unruhe recht».) Wenn ich von der Beseitigung des preußischen Staates gesprochm habe, so habe ich selbstverständlich nur das offizielle Preutzen damit gemeint, nicht das preutzische Volk. Preußen soll das deutsche Volk zur Einheit, zur Macht, zur Größe geführt haben. Der grotze Kurfürst aber und Friedrich der Große haben an alles andere, als an Deutschlands Größe und Einheit gedacht. Sie wollten nur daS Haus Hohenzvllern gross und kräftig machen dem deutschen Kaiser gegenüber.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Für die Mission Preußens als Deutschlands Vormacht sprechen nicht die Demagogenverfolgungen durch Frie» drsich Wilhelm III. und die Tatsache, datz dieser König sein feierliches Versprechen, dem Volke eine Verfassung zu geben, in der schmählichsten Weise mißachtet hat.(Sehr wahr! bei den Sozial- Demokraten.) Immer ist Preutzen, wo es einem Fortschritt galt, hinter den anderen deutschen Staaten hergehinkt. Zu keiner Zeit ist das Wort des Fürsten Bülow: Preußen in Deutschland voran! Wahrheit gewesen. Friedrich Wilhelm IV. hat die Depu- tation, die ihm die Kaiserkrone anbot, mit den Worten empfangen: Er weise eine Krone zurück, an der der Ludergeruch der Revolution hafte. Deutschland wäre längst ein EinheitS- und ein Freiheitsstaat, wenn Preußen eS nicht verhindert hätte. (Sehr wahr! b. d. Soz.) Preußen ist heute die Inkarnation der Reaktion und verhindert jeden Fortschritt.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Der Reichskanzler meinte gestern, meine Bemerkung gegenüber Preutzen stünde auf derselben Höhe wie meine Ausführungen in Amster- dam, worin ich Deutschland eine Niederlage gewünscht hätte. Im Interesse der historischen Wahrheit mutz ich daraus einiges er- widern. In Amsterdam machte mein Parteifreund JaureS uns Deutschen den Vorwurf, daß wir, obgleich die stärkste Partei, Deutschland bis jetzt noch nicht demolratisiert hätten. Ich erwiderte ihm, dazu müßten wir noch viel stärker sein als jetzt, und sagte weiter: WaS habt Ihr denn erreicht? Habt Ihr etwa das allgemeine Stimmrecht erobert? Auch die Republik habt Ihr nicht geschaffen, die hat Euch Bismarck verschafft. Selbstverständlich mache ich Euch daraus keinen Vorwurf. Die bürgerliche Republik ist ja ganz nett, aber die Köpfe lassen wir uns deswegen nicht einschlagen. Vor die Wahl gestellt, ziehe ich jedenfalls England Frankreich vor, und wenn wir in ähnlicher Weise in Deutschland die Republik bekommen sollten, so würde ich das für kein großes Unglück halten.(Zuruf rechts: Na alsol) Es ist doch eine Tat- fache, datz vielfach erst nach einer Niederlage nach außen dem Volk im Innern Freiheiten gewährt wurden. Glauben Sie, datz die Reformen der Stein und Hardenberg, der Scharnhorst gekommen wären ohne die Niederlagen Preußens von 1806/07. (Sehr gut! b. d. Soz.) Erst die Niederlage von 1866 hat Oesterreich �nm konstitutionellen Staat gemacht, die Niederlage von 1005 hat in Nutzland zur Konstitution geführt.(Zuruf rechts: Also eine Niederlage!) Nein, in anderen Staaten, wie den süddeutschen, sind die Regierungen weise genug gewesen, beizeiten mit Reformen vorzugehen. Den Unterschied zwischen dem Prinzen Ludwig von Bayern und dem Fürsten Bülow sehe ich eben darin, datz ich den Prinzen Ludwig von Bayern für einen Staatsmann halte, den Fürsten Bülow aber nicht.(Grotze Heiterkeit.) Fürst Bülow sagte weiter: Was soll ich machen, ich habe keine Mehrheit. Wenn ich aber als Staatsmann gegen meine Grundsätze regieren soll, so d a n k e ich dafür und bleibe nicht sitzen an einer Stelle, wo ich Grundsätze vertreten in, iß, die ich nicht teile.(Sehr gut! b. d. Soz.) Wir wünschen, datz man den Arbeitern gewährt, was sie in den ersten Tagen nach der Revolution von 1848 schon besessen haben. DaS Dreiklassenwahlshstem ist erst aufoktroyiert, eS ist ein ungesetzlicher Akt. Die Arbeiter von 1008 aber sind andere als die von 1848, sie sind politisch gebildeter, politisch wissender, sie kennen das wirtschaftliche Leben nach allen Richtungen und sie werden nicht eher ruhen, biS ihnen ihr Recht, ihr ganzes Recht gegeben ist.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. D-r. Wagner(k.): Die Sozialdemokraten weisen auf direkte ReichSsteuern hin, aber sie bewilligen auch die direkten Steuern nicht. Für die Schule wird in Deutschland mehr ausgegeben, als in anderen Ländern. DaS Verhältnis des Beamten zum Staat ist ein Verhältnis der Treue; dafür haben die Sozialdemokraten natürlich kein Verständnis.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Niemand ist gezwungen, Beamter zu sein(Lacken bei den Sozialdemokraten). wie auch niemand gezwungen werden kann, Redakteur deS„Vorwärts" zu sein; er mutz dazu eine bestimmte Gesinnung haben, und so mutz auch jeder Beamter eine staatSerhal- te n d e G e s i nn u n g haben. Dr. David meinte, Beamte ge- hören nicht in den Reichstag; lveit eher kaum man sagen, Sozial» demokrate n gehören nicht in den Reichstag, denn sie vertreten nicht eine eigene Gesinnung, sondern sind nur Werk- zeug ihrer Parte,!(Sehr gut! rechts, Lachen bei den Sozialdemokraten.) DaS Wahlrecht spielte bei der Debatte auch eine grotze Rolle. Wie die Sozialdemokratie es aussaht, davon kann man sich kein rechtes Bild machen; jedenfalls aber betrachtet sie es nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel, die Schranken der Reichsversassung ntcderzureitzen. Die deutschen Fürsten Iv erden ihre Unterschrift zu ihrer Abdankung •nicht geben, die Ziele ver Sozialdemokratie können also nur durch Gewalt verwirklicht werden.(Zustimmung rechts, Lachen bei den Sozialdemokraten.) In kultureller und sozialer Beziehung steht unser deutsches Vaterland überall voran, mögen die Arbeiter sich immer mehr von den roten Jakobinern befreien.( Bravo l rechiS, Lachen links.) Staatssekretär im Reichspostamt Kraetke: Ich war begierig, zu hören, Ivomit Herr Bebel das Recht zu seiner Beschuldigung gegen die Postbeamten begründen wollte. Er ist doch sonst ein sehr scharfsinniger Herr. Aber in diesem Falle hat er das nicht be- wiesen. Er sagte lediglich, datz das Urteil in dem Falle Trofimaff davon spreche, datz die Polizei Kenntnis von den Briefen gehabt habe, berechtige ihn zu einem derartigen Vorwurf. Da mutz ich doch sagen, datz das recht leichtsinnig ist. Weil die Kriminalpolizei Briefe auffing, ziehen Sie die Schlußfolgerung, das müsse zwischen der Auslieferung und der Aushändi- gung der Briefe geschehen sein. Haben Sie noch nie gehört, daß sich andere Briefe, nachdem sie in vorschriftsmätztger Weise ausgehändigt sind, angeeignet and veröffentlicht haben? Wie kommen Sie auf Grund solcher Schlußfolgerungen dazu, den ganzen ehrenlverten Stand der Postbeamten zu be- schimpfen!(Sehr richtig! rechts.) Am 24. März haben Sic aber Ihre Schlußfolgerung nicht nur aus hem Urteil gezogen, sondern gesagt: Daß das tatsächlich in Preussen-Dcuschlanh geschieht, wissen wir auö eigener Erfahrung. Darübe: haben Sie heute aber gar nichts gesagt. Damals sagten Sic: Ich bin schon zweimal, offenbar von sehr sachkundiger Seite, im Laufe der letzten Jahre gewarnt worden: Nehmen Sie Ihre Korrespondenz in acht!(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Das genügt! Lachen rechts.) Wohin soll es führen, wenn jeder, der durch irgendeine Bemerkung eines anderen sich berechtigt glaubt, einen solchen Borwurf gegen die Postbeamten zu erheben! Die Entgegnung des Herrn Abg. Bebel ist nicht ge- eignet, die schwere Beschuldigung, die er neulich hier ausgesprochen hat, zu rechtfertigen. Ich mutz sie nach wir vor als leichtfertige und ungerechtfertigte Verdächtigung zurückweisen.(Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Abg. Bebel(Soz.): Ich weise auf das allerentschiedenste die Insinuation zurück, datz ich gegen den Stand der Po st- beamten eine Beleidigung ausgesprochen habe. Was ich ge- sagt habe, datz das Briesgeheimnis bei uns nicht sicher ist, halte ich aufrecht auf Grund meiner eigenen Erfahrung und auf Grund, des angeführten Urteils. Wenn in dem Urteil ausgeführt wird, datz Briefschaften von der Polizei aufgefangen wurden, so kann dieses Wort gar keinen anderen Sinn haben, als datz Post- beamte dabei beteiligt waren. Und was wir zur Zeit des Sozia- listengesetzes erlebt haben, kann uns in unserer Auffassung nur bestärken.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.)' Aus die Rede des Abg. Wagner brauche ich nicht zu antworten.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Singer(Soz.): Ich will dem Herrn Staatssekretär einen Fall anführen, aus dem er sich von der Richtigkeit unserer Be- hauptungen überzeugen kann. Vor mir liegt ein Briefluvert, das im Jauuar mit dem Stempel der Redaktion des „Vorwärts" an einen Parteigenossen Grosser in Essen ab- gesandt wurde. Dieser Brief ist in dem Zustand, wie er jetzt ist, offen, drei Tage nach der Ankunft in Essen laut Poststempel ausgehändigt worden. Er befand sich dabei in einem langen g el tzj�n Kuvert, auf dem die Adresse des Grosser mit Schreibmaschine geschrieben war. In diesem offenen Zustande ist der Brief in die Hände des Adressaten gelangt, und zwar nicht durch Uebermittelung von Briefboten, sondern, wie gesagt, in einem besonderen Kuvert. Der Inhalt des Briefes bestand in einer Aufforderung, von den Versammlungen, die zum Januar seitens der Partei in- szeniert waren, einen Bericht einzusenden. Grosser hat sich an das Postamt in Esfen gewendet und in dem Bescheid seitens des Post- amtes ist gesagt, näheres habe sich leider nicht feststellen lassen, namentlich nicht, wem der Brief ausgehändigt ist. Das Postamt bedauert den Borfall lebhaft. Wer sich durch diesen Zusatz ver- leiten lätzt, sich einzubilden, datz es sich um ein ganz gewöhnliches und harmloses Ereignis handelt, dem. meine Herren, ist nicht zu helfen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten, Lachen rechts.) Die Behauptung des Herrn Staatssekretär, daß Briefe nicht zum Gegenstand polizeilicher Manipulationen gemacht werden, ist unrichtig. Ich habe nur diese eine Tatsache angcführl, damit der Herr Staatssekretär sieht, datz wir mit unseren Be- hauptungen bei der Wahrheit bleiben und sie nicht aus der hohlen Fläfche nehmen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten, Lachen rechts.) Datz die Rechte für unsere Behauptungen nur Lachen übrig hat, überrascht mich nicht. Das Gegenteil wäre ja ganz unblock- mähig.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Aber es steht fest, datz die Polizei Mittel und Wege ergreift, um unberechtigter- weise sich Kenntnis zu verschaffen von unserer Korrespondenz. Solche Mittel erklären wir für verwerflich. Aber ich pra- t e st i e r e dagegen, datz wir den ganzen Beamten st and im allgemeinen beleidigt haben. Sic können uns aber nicht verwehren, die Tatsachen hier festzustellen. Den Staats- fekretär kann man nicht für jeden einzelnen Fall verantwortlich machen. Aber datz uns der Vorwurf leichtfertiger Verdächtigung gemacht wird, ist ungerecht, weil wir nur auf Grund tatsächlicher Vorkommnisse unsere Behauptungen aufstellen. Ich weise ihn e n t s ch ieden zurück.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Kraetke: Man muh wohl zur Ueberzeugung kommen, datz der Verdacht auf der linken Seite des Hauses, die Post verletze das Briefgeheimnis, wirklich krankhaft ist. Sie führen nicht Tatsachen an, sondern ziehen aus Tatsachen falsche Schlüsse. Haben Sie denn nie gehört, datz Briefe beim Expedieren aufbrechen? Ich kann nur wiederholen, ich bedaure, daß Sie solche Schlutzfolgerungen ziehen. Damit schlicht die Diskussion. In der Spezialdiskussion wird das Flottengefev gegen die Stimmen der Sozialdemokraten debattelos angenommen. Die Etats des Reichstages und des Reichskanzlers werden de- battelos angenommen. Beim Etat des Auswärtigen Amte? beantragt Ahg. Dr. Arendt(Rp.), den Titel zum Bau eines Konsulats- gebäudcs in Tientsin, erste Rate 175 000 M., der gestern entgegen den Beschlüssen der Budgetkommission durch eine Zufallsmehrheit wieder in den Etat eingesetzt wurde, zu streichen. Staatssekretär v. Echoen bittet, es bei dem gestrigen Beschlutz zu lassen. Der Titel wird gegen die Stimmen der Nationalliberalen g e» st r i ch e n. Der Rest des Etats des Auswärtigen Amte? wird debattelos angenommen. Darauf v e r t a g t das HauS die weitere Beratung auf Sonn- abend 1t Uhr. Schlutz 6 Uhr._ Die KolODialeifenbahnen vor der ßudget* homminion. (Sitzung vom 27. März.) Die heutige Beratung beginnt mit der geplanten Kamerun- S ü d b a h n. Die Bahn soll von Duala nach Widimenge geführt werden, das ist eine Strecke von 360 Kilometer. Aber auch hier ist wie bei den anderen Kolonialbahnen der spätere Weilerbau in Aus- ficht genommen. Die Kosten der Bahn sind mit 44 Millionen ver- anschlagt, das Kilometer mit 111000 M. Diese relativ hohen Kosten sollen durch das ungünstige Gelände verschuldet sein, durch welches die Bahn führt. Die ersten ISO Kilometer hofft man im Jahre 1911 den« Betriebe übergeben zu können. Die Kamerun-Südbahn wird wenigir mit der wirtschaftlichen als mit der strategischen und politischen Not- wendigkeit begründet. Es wird in der Begründung hervor- gehoben, datz heute noch in verschiedenen Teilen Kameruns Völkerschaften vorhanden leien, welche bisher unabhängig geblieben sind, und„die sich nach den gemachten Erfahrungen Ichwerlich ohne Kampf unterwerfen werden. Wann die endgültige Befriedung der ganzen Kolonie durchgeführt fein wird, lätzt sich bis auf weiteres nicht übersehen". Bei diesen«noch bevor stehenden kriegerischen Verwickelungen" soll nun die Bahn gute militärische Dienste leisten. Autzerdem wird natürlich behauptet, datz die Bahn auch wirtschaftlich notwendig sei und sich rentiere. Es wird herausgerechnet, datz schon im ersten Betriebsjahr 1 Million für Verzinsung und Amortisation erübrigt würden. Die Rentabilität stehe also autzer allem Zweifel. lieber die Frage, o b die Bahn gebaut werden soll, besteht unter den bürgerlichen Abgeordneten eigentlich kein Streit, die Frage ist nur, wie sie geführt werden soll, ob man einen Teil Wasser- weg benützt und ob sie nicht von Kribi aus, wie es eine Anzahl Südkameruner Firmen in einer Petition fordern, gebaut werden�soll Dernburg ersuchd um unveränderte Genehmigung der Regierungsvorlage; die Bahn sei durchaus rentabel, sonst wäre sie nicht von der Regierung vorgeschlagen worden. Aber eine Aenderung in der Führung könne nicht eintreten. Die Wasserwege sind zu un- zuverlässig und das ganze Jahr hindurch nicht brauchbar, die scheiden aus. Die gewünschte Südbahn, welche statt von Duala über Edea, von Kribi nach Jaunde führen soll, sei aber nicht rentabel. In Kribi ist ein Handel von nur 1200 Tonnen, wovon 890 Tonnen auf Kautschuk entfallen; die Kautschuk gewinnung ist aber wegen des bisher betriebenen Raubbaues sehr im Rückgänge. Autzerdem besteht in Kribi nicht die Möglichkeit, einen Hafen zu bauen, das gäbe ein zweites Swakopmund. Auch wenn die Südfirmen die Bahn als Schmalspurbahn gebaut haben wollen und Garantie übernehmen wollen, ist nicht möglich, ihrem Wunsche zu entsprechen. Die Leute wollen ein gutes Geschäft machen, sie bieten Garantie nur für fünf Jahre, und in fünf Jahren ist der Gummi erschöpft. Dann haben sie kein Interesse mehr an der Bahn, der Staat hätte sie auf dem Hals, ohne datz Verwendung dafür vorhanden wäre. Die Petition geht wie so viele von durchaus egoistischen Motiven aus. Rein vom Standvunkt der strategischen und wirtschaftlichen Kolonialinteressen betrachtet, sprächen alle Gründe für die Re- gierungsvorlage. Die Abgg. S e m l e r und A r n i n g find geneigt, die Wünsche der Händler nicht ganz unberücksichtigt zu lassen; wenn es irgend angängig erschiene, würden sie gern für eine andere Linienführung stimmen, aber sie schließen sich doch zuletzt dem Regierungs- vorschlage an. Das Zentrum macht der Regierungsvorlage anscheinend aus anderen Gründen Opposition; Erzberger und Schwarze legen sich für Kribi als Ausgangspunkt ins Zeug, sie möchten Duala nicht zum Zentralpunkt machen. Erzberger glaubt überdies nicht, datz die Unruhen durch den Bahnbau vermieden werden können. Er be- spricht eine Menge Einzelheiten und fragt an, ob die ungünstigen Nachrichten, die er über angebliche ständige Versandung des Duala- Hafens erhalten habe, zutreffend sind. Dernburg hält die Ver- sandung nicht sür übermätzig, aber um die Kosten der Instand- Haltung zu ermäßigen, wolle er den Verkehr in Duala konzentrieren, damit die Beiträge der Geschäftsleute zu den Kosten herangezogen werden können. Die Debatte erstreckt sich ferner auf die Frage, welcher Gesell- schaff der Bau übertragen werden soll; andere Kolonialbahnen sind von den Firmen Koppel und Lenz gebaut worden, wegen der Kameruner Südbahn schweben die Verhandlungen noch. Jedenfalls wird der Betrieb auch wieder verpachtet. In der sehr umfangreichen Debatte werden noch so mancherlei Gesichtspunkte entwickelt, ohne datz wesentlich Neues zutage gefördert wird. Am Schlüsse der mehrstündigen Debatte werden die vier Millionen als erste Rate für die Bahn in der von der Regierung vorgeschlagenen Führung bewilligt. parlamentarilckes. Die Biehseuchenkommifsson hat in ihren letzten Sitzungen die Schutzmatzregeln gegen die Ver- breitung von Viehseuchen beraten. Zu langen Auseinandersetzungen kam es wieder über die Frage der Beseitigung der Abwässer aus Gerbereien. Seitens der Regiermtg wurde die Schädlichkeit dieser Abwässer betont, seitens der Industriellen-wird dies bestritten und sogar behauptet, datz diese Abwässer unter Umständen selbst eine desinfizierende Wirkung haben. Schließlich fand'aber die Regierungs- Vorlage Annahme. Im§ 19 ist gesagt, datz für Räumlichkeiten, in denen sich er- kranktes oder krankheitsverdächttgeS oder seuchen empfängliches Vieh befindet, eine Beschränkung des Personenverkehrs stattfinden kann. Diese Beschränkung soll sich sogar auf Marktplätze beziehen können. Die Sozialdemokraten beantragten Streichung dieser Be- stimmung. Es könne» dadurch künftig Versammlungen ver- boten werden. Der Gemeindevorsteher braucht nur anzunehmen, datz im Stalle des Gasthofes, in dem die Versammlung stattfinden soll, sich seuchenempfängliche Tiere befinden und er kann die Ver- sammlung verbieten auf Grund des Gesetzes zur Bekämpfung von Viehseuchen! Die Vertreter der Regierung bestritten zwar, datz dies möglich sei, als ihnen aber von unseren Genossen Beispiele vor- geführt wurden, gaben sie zu, daß in einem Anwesen, in dem die Maul- und Klauenseuche herrscht, allerdings keine Versammlungen oder Vergnügungen abgehalten werden dürfen. Um Schikane zu verhüte», stellten die Sozialdemokraten den Eventualantrag, diese Sperre nur auf Ställe zu beschränken. Einer unserer Genossen legte dar, daß bei Aufrechterhaltung der Vorlage die Kon- sequenzen unabsehbare sind, denn die Bazillen würden dann nicht bloß von Lersamnilungsbesuchern, sondern auch von den Gästen verschleppt, die im Gastzimmer einkehren. Ein Regierungs- kommissar gab das zu und bemerkte ausdrücklich, datz in solchem Falle einfach der Wirtschaftsbetrieb für die Dauer der Seuche ein- gestellt werden müsse. Geradezu unheilvoll kann dies für den Besitzer werden, wenn in einem größeren Gasthof eine Seuche nicht etwa schon ausgebrochen ist, sondern nur die Vermutung besteht, datz in dem Stall ein seuchenverdächttges Tier stehen könnte! Der ganze Betrieb ist dann mit einem Male lahmgelegt. Alle Einwendungen halfen aber nichts; nach einer Debatte, die sich bis in die zweite Sitzung hinzog, sind die beiden Anträge der Sozialdemokraten abgelehnt worden. Nach§ 21 wird im Falle des Ausbruchs einer Seuche oder vorliegenden Seuchenverdachtes das Verbot des freien Uniherlaufens der Haussiere vestimnit. Die Debatte drehte sich in der Hauptsache darum, datz man gewisse Haustiere, wie Katzen, Tauben usw. über- Haupt nicht einsperren könne. Bei dieser Gelegenheit wies ein Be« sitzer aus dem Osten darauf hin. datz dort die Deputanten meist keinen Hühnerstall haben und dann ihre Hühner auch den Tag über in der Wohnung haben müßten. Man kam schließlich zu dem Be- schlutz. Katzen und Geflügel von dem Verbot des Umherlaufenlasseits auszuschließen. Bei Ausbruch einer Seuche oder auch nur bei einem Verdacht, kann nach§ 23 die sofortige Impfung der Tiere angeordnet werden. Diese Bestimmung führte wieder einmal auf die Kostenfrage. Bei Beratung des Z 2 hat die Koinmission beschlossen: alle durch das Gesetz entstehenden Kosten sind von den Einzelstaaten zu tragen. Der Vertreter der Regierung ließ nun keinen Zweifel darüber, daß die Regierung das Gesetz scheitern lassen werde, wenn dieser Beschlutz nicht in zweiler Lesung wieder beseitigt wird. In der Petitionskommisfion wurde in der Sitzung vom 26. d. M. unter anderem auch eine Petition des Verbandes deutscher Journalistenund Schrift st eller, Sitz Berlin, ver- handelt. Die Petenten wünschen eine Aenderung der§§ 178— 180 der Strafprozeßordnung, dahingehend, datz ein besserer Schutz für die Presse einwete, datz die Zuständigkeit der Schwurgerichte auf die Pressevergehen ausgedehnt, datz den Pretzsnndern der Schutz des Z 193 des Strafgesetzbuches zugebilligt und das Recht der Zeugnis- Verweigerung in§ 54 Straffrozetzordnung bedeutend erweitert werde. Ferner soll der fliegende Gerichtsstand für die Presse aufgehoben und die Straffreiheit auch auf wahrheitsgemäße Berichte aus den Selbstverwaltungskörperschaften und Gerichtsverhandlungen aus- gedehnt werden. Schließlich bitten die Perenten noch die Unter- stlchtmgshast und den Strafvollzug für Pretzsünder zu mildern und den Berichtigungsparagraphen zum Schutze der Presse zu ändern. Gleichzeitig mit' dieser Petition kam auch eine Gegen- Petition eines Herrn Arno Hoffmann. Schrift- st e l I e r aus Dresden, Wilhelm st r. 1, mit zur Ver- Handlung. Dieser Herr will so ziemlich das Gegenteil von dem, was die erstere Petition fordert. Herr Hoff« mann wünscht, daß die Verjährungsfrist für die Preß- vergehen verlängert wird. Das Vorschützen von Wahrung be- rechtigter Interessen sei drückend, ebenso das Verstecken der Täter hinter verantwortliche Redaffeure. Beleidigungen durch die Presse sollen stets von der Staatsanwaltschaft im öffentlichen Interesse verfolgt und Berichtigungen müßten, wenn Ehre und berechtigte Interessen verletzt seien, dreimal aufgenommen werden. Der anwesende Regierungskomniissar betonte, datz schon seit längerer Zeit eine eingesetzte Kommiision an der Reform der Strafprozeß- ordnung arbeite, sie habe aber ihre Arbeiten noch nicht beendet. Ob auch das Pretzgesetz einer Reform unterzogen werden solle, wisse er nicht mit Bestimmtheit zu sagen. Jedensalls wird es gut sein, die Petitionen der Regierung als Material zu überweisen, damit sie die benannte Kommission noch prüfen könne. Der Herr Referent beantragt hierauf, die erstere Pesision dem Reichskanzler als Material zu überweisen, die aber des Herrn Arno Hoffmann als ungeeignet zur Erörterung im Plenum zu erklären, weil Petent gar kein geeignetes Material zur Aenderung der Gesetz- gebung beigebracht habe. Aus den Reihen der Konservativen und des Z e n t r u m S wurde letztcrem Antrage widersprochen; man beantragte, auch diese Petition mit als-Material zu überweisen; der Referent änderte darauf seinen Antrag demgemäß und wurde beschlossen, beide Petitionen als Material zu überweisen. Das gleiche Schicksal hatte eine Petition mehrerer Handels« kammern und Kaufleute, welche eine Veröffentlichung der Mani« sestanlenliste seitens der Gerichte wünschen. Jetzt wird sogar jede Auskunft über Manifestationen seitens der Gerichte verweigert. Der Rcgierungskommissar zeigte Entgegenkommen, weshalb, wie erwähnt, die Pesition als Material überwiesen wurde. Cingegangene Oruchrdmften. Von der»Reuen Zeit-(Swttgart, Paul Singer) ist foeben das 26. Heft des 26. Jahrgangs erschienen. ES hat folgenden Inhalt: Parlament und Presse.— Verkünder des Klassenkampfes vor Marx. Von Th. Rothstein-London.(Schlug.)— Aussichten der russtschen Revolution. Von Wl. Kossoivski.— Ein neues China. Von Parvus.(Schlutz.)— Wirtschastliche Rundschau. Ueberproduktio» und Kartelle. Von J.— Notizen; Zur Entwiaelung der Schissahrt in Deutschland. Von E. Q.— Zeitschristenschau. Die«Neue Zelt" erscheint wöchentlich einmal und Ist durch alle Buchhandlungen, Postan st allen und Kolporteure zum Preise von 3.35 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann diefelbc bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 35 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Versügung. 8. Jahresbericht, 1307, des ArbeiterselretasiatS und Gewerkschafts- kartells Mannheim. 86 Seiten. Selbstverlag. Zeitschwingen, Monatshcst für Literawr, Kunst und Leben. Heft 2. Jährlich 12 Hefte 5 M. Verlag: Literarische Anstalt, Düsseldorf, Paulusplatz 7. Demokratie und Sozialismus. Eine Auseinandersetzung mit Herrn Professor Blermer. Bon Dr. R. Strecker. 40 Ps. Verlag: Ed. Roethcr in Darmstadt. Nord und Süd. Heft s. MonatSschsist. Verlag:®. SchottlSndcr, Berlin. WasferstandS-Nachrichte« der LandeSanstatt für Gewässerkunde, mitgeteilt vo» Berliner Wctterbureau. Wasserstand M e m e l. Tllstt P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen , Frankiurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpcgel,—•) Eisstand,— *) Gründels; höchster Wasserstand am 25. um 5 Uhr nachm.: 163 cm bei Eisweiben. Sunfichi' Seife bildet einen vollkommenen Efrotz für die Rasenbleiche und macht schädliche Zutaten und scharfe Waschmittel überflüssig. Blüten weisse Reinheit and ■ lÄwiSFä köstlidic Frische der Wäsche entzücken die Herzen aller Hausfrauen, weiche I.r i 1 1 f oen hau strauI nur allein Sunlicht Seife verwenden. Man weise Nachahmungen zurück! Verantwortlicher Redakteur: Georg Davidsoh«, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlaasanstalt Paul Singer& Co, Berlin SW. Nr. 75. 25. Aahrglwg. 2. KcilM to Jurmütts" Sftlintt AIIlsdlM. Zo»ilnbend, 28. Miir; 1908. Hua der Frauenbewegung. Ticnstbotenfrage. Während sich bis vor kurzem die bürgerlichen Parteien um die Dienstboten gar nicht kümmerten, ist jetzt das Dicnstbotcnproblem ein viel erörtertes geworden. Aus allen Kreisen melden sich nun die Freunde, die den Dicnstbotenftand retten wollen. Das heißt retten im Interesse der Herrschaften. Alle von jener Seite kommenden Vorschläge laufen daraus hinaus, die drohende Emanzi- pation der Hausangestellten zu erschweren. Die Ultramontanen rücken natürlich mit den sogenannten christlichen Grundsätzen ins Feld, der Herrgott muh wieder mal die Rolle des BuhmannS spielen, mit dem die unartigen Kinder graulich gemacht werden. Von solchem Geiste getragen ist das zur Abhülfe der Dienst- totennot in einer von Dr. Aug. Pieper verfahren Broschüre empfohlene Rezept. Lunächst hat die Arbeit, die unter dem Titel ..Dicnslbotcnfrage und Dienstbotenvercin" vom Volksvcrcinsverlag herausgegeben worden ist, das eine Gute, das; sie gleich eingangs die zu dieser Frage von den Genossinnen auf der vierten Konfe- rcnz in Mannheim gefaßten Beschlüsse kundgibt, denen auch noch die Begründung durch die Refercntin beigegeben ist. Auf diese Weise wird manche Leserin, die sonst wohl so bald nicht, wenn überhaupt jemals, davon etwas erfahren bätt», jene Beschlüsse und die Begründung kennen lernen, und da fällt dann hoffentlich doch manch Saatkorn auf fruchtbaren Boden. Um so mebr, als der Verfasser bei Besprechung der materiellen Verhältnisse der Dienst- boten, die swon so oft gerügten, von den Herrschaften verneinten Mißstände nicht leugnen kann. Auch wird die soziale Not der unter der Gcsindeordnung und der HauSty rannet leidenden Haus- angestellten anerkannt. Aber in der Wahl der Abhülfe schaffenden Mittel und Wege befindet sich der Verfasser auf der anderen Seite der Kluft, die unv von den Verteidigern der kapitalistischen Gesell- schaftsordnung trennt. Wiederherstellung eines von Wohlwollen für die Dienenden getragenen patriarchalischen Verhältnisses, in dem der AutorttätSglauvc als AuSfltlh der Anerkennung göttlichen Willens eine sichere Stätte findet, ist das erstrebte Ideal. Der Erreichung dieses Ideals sollen sich konfessionelle, vor allein katho- lisch« Dienstbotcnvcrcinc, in denen die Herrschaften„freundschaft- lich" den Ton angeben, widmen. Tic gewerkschaftliche Form der Organisation wird verworfen. Der Verfasser ist einer von den im ultramontancn Lager am weitesten links stehenden Sozialpolitikcrn. Wenn er trotzdem den Dienstboten nur eine Organisation wie die der Jünglingsbcreinc usw. zugesteht, so beweist das, wie weit man in jenem Lager davon entfernt ist, den Dienstboten das Recht auf PcrsönlichkcitSbewuht- sein zuzuertenncn. Folgende Mahnung richtet Dr. Pieper an die Hausfrauen: „Wollen die Hausfrauen, insbesondere diejenigen, welche Mit- gliedcr der wachsenden sozialen Fraucncrganisation sind, dieser EntWickelung vorbeugen, so müssen sie jetzt mit voller Energie sich dem sozialen Ausbau der Dienstbotcnvercine widmen und solche in allen Städtn gründen. Daß man hier meist aus feiten der Hausfrauen noch so viel kleinliche Vorurteile gegen Dienstboten- vereine hegt, muß zu besonderem Eifer in der Werbe« und Auf- klärungSarocit anspornen. Wir müssen es kleinlich nennen, wenn Hausfrauen fürchten, in einem konfessionellen Dienstbotenvercin würden die Mitglieder durch die Vorträge, das unentbehrliche Ver- cinsblatt, insbesondere auch durch den Verkehr der Dienstboten "ntcrcinandcr verhetzt. Gelegenheit zu solchem Berkehr finden die Dienstboten heute bei ihren zahlreichen Ausgängen und sonstigen Gelegenheiten zu persönlicher Annäherung mehr wie in einem Dienstbotenvereine. Die Leitung eines solchen wird auch niemals ihre Aufgabe sehen in einer Verhetzung, sondern in ruhiger, fach- gemäßer Aufklärung; sie wird nicht bloß die Rechte, sondern auch die Pflichten der Mitglieder einprägen. Heute wagt kein Ein- sichtiger, derartige Vorwürfe zu erheben gegen die Tätigkeit unserer konfessionellen Jugend-, Gesellen- und Arbeitervereine. Ganz im Gegenteil wird deren beruhigende Wirkung auf Ver- cinsmitglicder, besonders gegenüber der sozialistischen Agitation, rühmend anerkannt. Gerade mit Rücksicht auf das hervortretende Drängen nach einer gewerkschaftlichen Berufsorganisation der Dienstmädchen haben wir ausschlaggebende Bedeutung beigemessen der sozialen Tätigkeit der Dienstbotcnvereinc, besonders in Regelung des Dienstverhältnisses zwischen Herrschaften und Dienstboten." Für diese Art Freundschaft, die die Hausangestellten einfach unter Kontrolle und Vormundschaft der Damen stellen ivill, be. danken sich die Begönnerten, sie wollen wie jeder andere Erwerbs- tätige wirtschaftliche und politische Freiheit erlangen. Mehr Höflichkeit gegen„gebildete" Frauen. In der Sitzung des preußischen DreiklassenhauseZ vom 21. März beschwerle sich der Nationalliberale Abg. Beumer über„den unangemessen brüsken Ton, der seitens mancher Amtsgerichte gegenüber dem Publikum, namentlich Frauen gegenüber eingeschlagen werde." Der erzürnte Blockmann meinte weiter: „Eine Frau, die sich freiwillig zur Uebernahme einer Vorn, und- schafl gemeldet habe, wie das jetzt erfreulicherweise vielfach geschehe. habe ein Formular erhalten, oaS mit den Worten begann:„Sie lvcrden aufgefordert, in der Vormundschaftssache die Genehmigung Ihres EheinaniicS beizubringen." Ein solcher Kascrnenhofton s e i gebildeten Frauen gegenüber ganz unangemessen. In Frankreich sei man in solchen Fällen weit höflicher. ES sei zu wünschen, daß in solchen Fällen die Betreffenden(die Amts- richter) auf die verschiedenen Erlasse hinwiesen, in denen von selten der Iustizinriilster ihnen eine brüske Behandlung des Publikums untersagt werde. Ein solch unhöflicher Ton züchte Hunderte von Sozialdemokralen. Der betreffende Ehemann habe in dem Falle die Genehmigung versagt mit der Begründung, er wolle seine Frau nicht dem Verkehr mit einer Behörde aussetzen. die einen solch brüsken Ton anschlage. Der Richter habe sich daraufhin damit entschuldigt, daß das Schreiben nicht durch seine Hand gegaugcn sei." Und wie gefällig war da der Iustizminisier auf einmal! Es heißt imBericht: Justizminister Bcscler: Ich bedauere cZ lebhaft, daß solche Klagen überhaupt erhoben werden können, nachdem wiederholte Ver- füaungen ergangen sind, die gerade anempfohlen und vorgeschrieben haben, daß wir entschieden verlangen, daß derartige Mißgriffe ver- mieden werden»nüssen. und daß wir entschieden verlangen, daß das Publikum mit der aiigemesseuen Freundlichkeit und Ruhe behandelt wird. Daß der Ton in dem erwähnten Schreiben nicht angemessen ist. gebe ich ahn« weiteres zu. iBravo!) ES wird nichts übrig bleiben, als eine allgemeine Revision der Formulare vorzunehmen und ich lehne diesen Gedanken durchaus nicht ab. (Bravo!) Ja: Bravo I Kann man nicht zweierlei Formulare anschaffen? „Höfliche" für daS„gebildete" Publikum? Wer weiß! Die Frauenorganisation und die Sozialdemokratie in Holland. Die sozialdemokratischen Fraucnpropagandaklubs Hollands haben sich in den letzten Jahren gut entwickelt. In 12 Städten bestehen nun solche Klubs. Es sind Eiiizclvcrcinc, die organisato- risch nicht miteinander in Verbindung stehen. Das Vereinsorgan „De proletarische Vrouw" wird vom Amsterdamer Klub heraus- gegeben. Die Frauenklubs haben bis jetzt nicht das Recht einer selbständigen Vertretung auf den Parteikongresscu. Wollen sie Anträge zum Parteitag stellen, so muß es durch die respektive» Ortsabtcilungcn der Partei oder den Partcivorstand geschehen. Zum bevorstehenden Parteitag der holländischen Sozialdemo- kratie hat nun der Parteivorstand auf Ersuche» der FraucnklubS einen Antrag eingebracht, der den Klubs, solvcit sie ausschließlich aus weiblichen Mitgliedern der Partei bestehen, das Recht einer gemeinsamen selbständigen Vertretung auf den Parteitagen geben soll, sowie das Reckst, gemeinsam Anträge einzubringen, die sich auf das Arbeitsgebiet der FraucnklubS beziehen. Voraussetzung einer solchen gemeinsamen Vertretung der Frauenklubs ist offenbar. daß sie sich organisatorisch zusamnicnschlicßcn, und cS besteht denn auch die Absicht, einen Verband der sozialdemokratischen Frauen- Propagandaklubs zu gründen. Gegen diesen Plan sowie gegen den Antrag des Parteivor« standco hat sich der Fraucnklub von Rotterdam ausgesprochen, in der Meinung, daß mit dem Verbände eine besondere Gruppe in der Partei geschaffen werde. Die Genossin Pothuis-Smit— Redakteurin von„De proletarische Vrouw"— wendet sich jedoch entschieden gegen diese Auffassung und schreibt unter anderem: „Die FranenklubS wirken gut. Sic beginnen durchzudringen zu den Frauen, und schon sieht man nicht allein, wie der Partei weibliche Mitglieder zugeführt werden, sondern auch, wie Frauen, die schon lange Mitglied waren, sich zu propagandistischen Kräften entwickeln. Wohl ist das Interesse unter den Frauen im allgemeinen noch gering, aber es hat in den letzten Jahren schon viel gewonnen. Wir stehen noch an dem Anfang unserer Arbeit; dort ungefähr, wo die deutschen sozialdemokratischen. Frauen ISÜll standen, oder vielleicht noch nicht einmal so weit. Nun ist cS unsere Sache, daß wir so schnell wie niöglich vor- wärtS kommen. Wir müssen zusammenarbeiten, um starker da- zustehen. Bereits ist unter allgemeiner Zustimmung das Amsterdamer Blatt„Der proletarische Vrouw" das Organ der Klubs geivorden. Rotterdam bat nicht protestiert; ebenso- wenig gegen die Abhaltung einer Jahrcskonfcrenz vor dem P a r t e i k o»(j r c ß. wie dies 1907 zu Haarlem beschlossen wurde. Allein schon daS gemeinsame Organ erfordert gemeinsame Besprechung." Die Verfasserin rühmt sodann als ein Vorbild„die prächtige Organisation der deutschen sozialdemokratischen Frauen", wie auch das einmütige Zusammenarbeiten der deutschen Genossinnen mit, der Partei. ßllilte Pfeisheralisetziino zirni ümziig!! Teppiclie Echte Pcrser-Tcppäche t O50 Divangrössc 33, 22,- O J50 4« 2" Saal-Teppiche Plüsch 90, 68, 50m. 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November v, I, beschlossene neunte Statutenänderung vom Bezirksaus- schusj genehmigt ist und am Montag, den 30, März d, I,, in Kraft tritt, Diese Statutenänderung bestimmt die Einsührnng einer neuen Klasse als a-Klasse, für Mitglieder, deren Arbeitsverdienst für den Arbeitstag 4,00 M. und mehr beträgt. Der Beitrag hier- für beträgt 1,0s M,, das Krankengeld 13,50 M pro Woche, Ferner tritt eine Aenderung des H 14 Abf. 3 ein, wodurch die Angehörigenuntersttitzung aus Dreiviertel des Krankengeldes, das Taschengeld aus das Doppelte des bisherigen Betrages erhöht wird, tz 17 wird gestrichen, Alle übrigen Aenderungen wurden in der beschlossenen Weise genehmigt, Der Vorstand. 171/1S Bernh, Jost Carl Gottesmann Vorsitzender Schriftführer, NB. Druckexemplare obiger Aenderung sind im Kassenlolale, Engel- user 15, zu haben, Deutscher Ketallarbeiter- Uerbanl ArbcitHtmcliweis: Hof I. Amt III. 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Charltestraßo 3. Hanpt-Bnreao: Hot III. Amt III. 1087. Sonntag, den 29. März, vormittags 10 Uhr, in der„Neuen Welt", Hascnheide 108—114: General-Bersammlnng TageS-Ordnung: 1. Ter Antrag der Ortsverwaltuug betreffend die Zusammensetzung unserer General- Versammlung. S. Der Antrag der Baugruppen betreffend Wahl eines BautenkontroNcurs. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet 114,9 Die Grtsvermawmg. Unserem BezIrksfUhrer Genossen Balletrow= W (661b Bezirk) zu seinem hentigen Wiegenfest© ein donnerndes Hoch! E. J. K. H. G. Fh. HAß Gefchäftseröffnuttg. Allen Genossen, Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß ich am 1, Slprll in Alt» tiiiienieke, Köpenickerstr. 38, ein Zlgnrreu- Ciescliiift eröffne.* Um geneigten Zuspruch bittend, zeichne Hochachtungsvoll Gustav Belau, Maurer, Berichtignag. In dem Inserat der »sissM„Fortuna*4 Eingctr. Gcnosscnsch, m. beschränkter Hastpflicht, Bilanz am 3i. Dezember 1907 betreffend, muß nie Gesamtsumme unter der Rubrik Passiva nicht 15 261,14 M,. sondern 15 261,41 M. heißen. Partei- Tped itione»: Zentrum I: Fritz Zinke, Maucrstr, 80, Zentrum II: Albert Hahnisch, Auguststr, 50, Eingang Joachimstraße. S. Wahlkreis, Westen: Gustav Schmidt, Kirchbachslr. 14, Hoch- parterre. , Süden und Südwesten: Hermann Werner Gneisenaustr. 72, Laden. 8. Wahlkreis: St. Fritz, Prinzenstr. 31, Hos rechts Part. 4. Wahlkreis: Ott e n i Robert Äengcls, Rüdersdorserstr. 3, am Küstrinerplatz.— Wilhelm M a n n, Pelersburgcrplatz 4(Laden). A. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Lausitzerplatz 14/15 (Laden). S. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmanuelkirchstr. 12(Hof). *i. Wahlkreis(Hoahit und Hansaviertel): Karl Anders, Salzwedclerstr. 8, im Laden. Wedding: Karl Weiße, Nazarethkirchstraße 40. Rtosentliaier und Oranienhurger Vorstadt: Hermann Raschle, Ackerstr. 36, Eingang Anklamerstraße. klesu ndbrunnen: F. Trapp, Stettinerstr. 10. 8eh0nhauser Vorstaiit: Karl Mars, Lychenerstr. 123. Ait-«ilenieke: Wilhelm Dürre, Rudowerstr. 83 ll. Ohariottenhurg: Gustav Scharnberg, Scsenheimerstraße t, Ecke Goethestraße, Laden. Wilrnersdorf-Halensee: Georg F e e s e, Berlinerstr. 46, Laden. lAehtenherg, Prietlrichsfclde, Wilhelms berg: Otto ©eitel, Kronprinzenslraße 50, I. Bummelsbnrg, Boxhagcn:A. Rosenkranz, Alt-Boxhagen 56. Oriinan: Franz Klein, Bahnhosstr. 6 HI. Bohnsdorf und Falkenberg: G. Pfeifet, Bohnsdorf,®e« nossenschastshaus. k:______________. Rixdorf: M, Heinrich, Neckar straße 2, im Laden. 8ehmargendorf: Gustav K a minscky, Cunostraße 2. Wehitneberg: Wilhelm Bü u ml e r, ptartin Lutherstr. 51, im Ladin. Tempelhof: M. M ü l l er, Berlinerstr. 41/42. '> Bastian. Dies zeigen mit der Bttt« um stille Teilnahme an, die trauernden Hinterbliebenen Luise Bastian geb, Werner. Elisabeth Bastian. Karl Bastian. Die Beerdigung findet morgen Sonntag, den 20. März, nach. mittags>/,2 Uhr, vom Trauer. hause in Lichtenberg, Wagner straße 84, nach dem alten Georgen. Kirchhos, Landsberger Allee, aus statt. ZertsIlleiiioki'stizeliei'VsIiIvei'ein iür den Bezirk Lichtenberg. De» Genossen zur Nachricht, daß unser Mtglied, der Gastwirt Karl Bastian verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonntag, 29. März, nachmittags l'/z Uhr, vom Traucrhause. Wagncrftr. 84, aus nach dem alten Gcorgen-Kirchhose, Lands- bcrger Älllee statt. Um rege Beteiligung ersucht 14/6 Der Vorstand. Verband der freien Gast-! u. Schankwirte Deutschlands Ortsverwaltung Lichtenberg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Karl Bastian am Mittwoch, den 25. März, verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. März, nachmittags l1/, Uhr, vom Trauer. Hause, Wagncrstr, 84, aus nach dem alten Georgen- Kirchhose, Landsberger Allee, statt. Um recht rege Beteiligung ersucht 1039b Die Ortsverwaitung. Die Mitglieder versammeln sich nm 1 Uhr beim Kollege» Hcnnig, Wagnerstr. 1. Zentral- Wand der Maurer I Deutschlands. Zweigverein Berlin. Am 26. März verstarb im Mtcr von 29 Jahren an Lungen- leiden unser treues Mitglied Carl Reimanu Schivelbeinerstr. 3. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, de» 29. März, nachmittags 120, Uhr| von der Leichenhalle des Geth- semane-Kirchhoscs in Niederschön- Hausen-Nordend aus statt, Rege Beteiligung erwartet Die BerbandSleitung. Zentrai-Verhand der Zimmerer Deutschlands.) Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 23. Den Berussgcnosscn zlir Nach- richt, daß unser Mitglied L. Troßel nach jahrelangen Leiden 8er- f sterbe» ist. Ehre seinem Andenke»! _ Die Beerdigung findet am I Sonntag, den 29. d. MtS,, nach.j niittagS 5 Uhr, von der Leichen- Halle des WilmerSdorser Kirch- hoseS ans statt. Um rege BeteMgung ersucht 254/5 Hcc Vorstand. Dr. Simmel Spczlal-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 4UX-ak, 10— 2, 5— 7. Sonntags 10—12, 2— 4. Warenhaus Wilhelm Stein Berlin Chausseestrasse 70-71. Während der I T m-i �* rfv c? HPor*®� von Sonnabend, den 28. März, bis Freitag, den 3. 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Soziales« Petition des Zentralverbandes der Handlungsgehülfe» und -Gehülfinnen. In der Mittwochnummer hatten wir die wesentlichsten Anträge aus der Petition des Zentralverbandes der Handlungsgehülfe» und-Gehülfinnen Deutschlands wiedergegeben, die sich auf die Arbeitszeit, den Laden- und Kontorschlutz und die Sonntagsruhe beziehen. In der Petition sind noch eine Reihe anderer Anträge gestellt. Einen Ferienurlaub soll folgender neuer Gesetzes- pamgraph erwirken: „Ten Gehülfen und Lehrlingen, die seit mindestens sechs Monaten ununterbrochen im Dienste stehen, ist in jedem Sommer- Halbjahr ein Urlaub von 14 Tagen unter Fortzahlung des GehaltS zu gewähren. Die Zeit, während der der Dienstnehmer durch un- verschuldetes Unglück an der Leistung seiner Dienste behindert ist, darf in diesen Urlaub nicht eingerechnet werden." Ein Verbot des Kost- und Logiszwanges sucht nachstehender Gesetzes- borschlag zu erreichen: „Vereinbarungen, durch welche festgesetzt wird, daß der Arbeit- geber den Angestellten oder den Arbeitern den Lohn ganz oder teilweise durch Kost, Verpflegung oder Wohnung leistet, sind unter- sagt. Die Angestellten und Arbeiter brauchen sich solche Leistungen, wenn sie dennoch geschehen, nicht anrechnen zu lasten." In der Petition wird ferner das Verbot einer Kon. ,kur renzklau sel und folgende Strafbestimmung er- beten:„Ein Arbeitgeber oder Stellvertreter eines solchen, der sich mit einem anderen Arbeitgeber oder dessen Stellvertreter verabredet oder vereinigt, um Gehülfen, Arbeiter und Lehrlinge für die Zeit nach ihrer Beendigung des Dienstverhältnisses in ihrer gewerb- lichen Tätigkeit zu beschränken(Z 74 des Handelsgesetzbuches und § 133t der Gewerbeordnung), wird unbeschadet der Verpflichtung zum Schadenersatz mit Gefängnis bis zu 6 Monaten bestraft." Ueber das Zeugnis soll ausdrücklich bestimmt werden, daß im Falle der Kündigung auch Handlungsgehülfen ein solches der- langen können. Ferner wird ein gleicher Schutz gegen geheime Merkmale begehrt, wie er von der Gewerbeordnungskommission für gewerbliche Arbeiter beschlossen ist. Dem österreichischen Gesetz- entwurf ist der Vorschlag entlehnt:„Benötigt der Dienstnehmer während der Dauer des Dienstverhältnisses eines Dicnstzeug- nisses, so ist ihm ein solches vom Dienstgeber auf Verlangen und Kosten des Dienstnehmers sogleich auszustellen...." Der Regelung des Lehrlingswesens soll folgende Borschrift dienen:„Die Lehrlinge und Volontäre sind für ihre Tätigkeit angemessen zu entlohnen. Diese Vergütung soll nicht geringer sein als der ortS- übliche Tagelohn für jugendliche Arbeiter." Obligatorischer Fortbildungsschulunterricht für Lehrlinge, Angestellte und Arbeiter beiderlei Geschlechts unter 18 Jahren und Errichtung einer Handelsinspektion sind weitere Forderungen- der Petition. Endlich verlangt die Petition Aufnahme folgender Strafvorschrift:„Arbeitgeber oder Dienstherren und deren Vertreter, die ihre Arbeiterinnen oder son- stigen weiblichen Dienstverpflichteten zur Duldung oder Vorübung unzüchtiger Handlungen bestimmen oder zu bestimmen versuchen werden mit Gefängnis bestraft." Witternngsüversicht vom S7. März 1808, morgens 8 llhr. etafloncn »— B 2 BS I »euer ämtnembe 1773 DSD öanidurg 1771 SD Berlin 772 DSD Franki.a M 769 NO München 1 770 SO Wien i771 Still 1 wolkenl 3wo!kenl 2 wolkenl 2 wolkig 2 wolkenl wolkenl «» s 2» a II I» M& 1 2 1 0 1 SlitUncn O 5 S I a actin »ei C t» Ä I grf H S | f Saparanda 766 Still etersbürg 773 Still Scilly 766 3 ilberdeen 1761 S Paris wolkenl—15 wolkig 4 wolkig 3 bedeckt �767WSS5V 2 Regen -12 8 5 e Wetterprognose für Sonnabend, den S8. März 1808. Etwas wärmer, zunächst meist heiter und trocken bei ziemlich lebhastet füdlichen Winden: spater zunehmende Bewölkung. Berliner Wetterdureau. Für ocu Julinli»er Juierule äucrnimmt die Redaknon dem Publik» in gegenüber keinerlei Berauttvorrnng. �Keate?. Sonnabend, den 28. März. Ansang 7'/. llhr. Königk. Opernhaus. Hansel und Grete!. Die Puppensee. Königl. Schauspielhaus. Di« Jungfrau von Orleans. Deutsches. Was ihr wollt. Kammerspiele. Lysistrata.(An. fang 8 Uhr.) Anfang 8 llhr. Neues Schauspielhaus. Der Dummkopf. Nachmittags 3 Uhr: Weh' dem, der lügt. Neues Operetten. Der Mann mit den drei Frauen. Lesstng. Der Teufel. Neues. Meißner Porzellan. Lorning. Fideiio. Bertiuer. Förster-Ehristl. Tw>«e> o.«tollner- Theater.) Kaiser und Gallläer. Schiller(?barlottend«rg. Stein unter Steinen. Nachmittags- 3 Uhr: Wilhelm Tell. Dhrarer au der Spree. Ein Verbrecher. Komische Oper. Tiefland. ik»st>i>lciii»i>s. Bei uns da drüben. Kleines. 2X2— 5. Friedrich- WilhelmstSdt. Schau- fpieihans. Der gehörnt« Sieg. fried. Siegfrieds Tod. Hebbel. Liebe. Weben. Ein Walzertraum. Residenz. Der Floh im Ohr. Zentral. Ein seilsamer Fall. Luisen..Unser Doktor. Nachm. 4 Uhr: Klein Däumling. Thalia. Doktor Klapperslorch. Trianon. Baron Toto. Bernhard Rose Onkel Toms Hütt«. Nachmittags 4 Uhr: Rotkäppchen. Meirovot. Das mutz man leh'n. Apollo. Mitislaw der Moderne. Spezialitalen. FolieS Capriee. Mal was andres. Gebr. Herrnfeld. Papa und Genossen. Salomonisches Urteil. Bürgerl. Schauspielhaus. Zar und Zimmermann. Kaflno. Ein Dorsroman. Parodie. Die Rabensleinerin oder: Ein Walzertraum Nachtasyl. Rosenmonlag. Wintergarte». Spezialitäten. Pasing,. Madame Hanako. Epe- zialitäien Reimsballen. Steltiner Sänger. Gustav Behrens. Spezlalitüien. <5»rl Haverland. Spezialttälen. Walhalla. Svezialitälen Foltes Bergbre. Spezialitäten. Guerrero u. a. Palas». Ringkamps-Konkurrenz. Spe- zialiläten. Urania. Taiibeusteafte tkt/48. Abends 8 Uhr: Eine Ntlsahrt bis zum zweiten Kalaralt. Nachm. 4 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Sternwarte. Jiwalidenür. 67/62. Friedrich-Wiihelmstädtisches Schauspielhaus. Der gehörnte Siegfried. Siegfrieds Tod. Ansang 8 Uhr. Sonntag nachm. Z'h llhr: Der gehörnte Siegsried. Siegsrieds Tod. Abends 8 Uhr: Madame Sans Gene. Sortzing-Oper. Bclle-Alllance-HUrtifie 7/8. Abends 8 Uhr: Fideiio. Sonntag nachm 3 Uhr: Und Ine. 8 Uhr: Fra Diavolo. Montag 8 Uhr: Die Zauberflöte. Dienstag 8 Uhr: Fra Diavolo. RlliilölK-'Mes. — Direktion: Richard Alexander.— Ansang 8 Uhr. Der Floh im Ohr. Schwank iu drei Akten von Georges Feydeau. Deutsch von Wolss-Jacoby. Sonntag nachmittag 3 Ubr: Haben Sie nichts zu verzolle»? Zentral-Theater. Alte Jakobstratze 30. Zum ISS. Male: Ein seltsamer Fall mu Alwin Neuß. Kafleneröffnutig 7 Uhr. Ans 8>/,Uhr. Morgen 8'/» Uhr: Ein seltsamer Fall. Lustspielhaus. AbendS 8 Uhr: Bei uns da drüben. Luisen-Theater. Reichenbergerstr. 31. Nachmittags 4 Uhr: Klein Dänmling. AbendS S Uhr: Unser Doktor. Senntag nachm. 3 Uhr: Der Piarrer von Kirchseld. AbendS: Unsere Don Juans. Montag: Unsere Don JuanS._ Schiller-Theater. Schiller-Theater 0. lWallner-Tbeater). Sennabend, abends 8Uhr: Hill««« and Gallläer. Welthistorisches Schauspiel von Henrik Ibsen. Deutsch von E. Brausewetier. Erster Teil: Cäsar« Abfall. Schauspiel in 5 Akten. Soriniag. nachm. 3 Ubr: Va» Glück im Winkel. Sonn lag, abends 8 Uhr: lllaana Tanna. Montag, abends 8 Uhr: ICaleer and Gallläer. Schiller-Theater CharlettenbnrB. Sonnabend, nachm. 3 Uhr: Wilhelm Teil. Schauspiel in 5 Akt. von Fr. Schwer. Sonnabend, abends 8 Uhr: Sitein anter Steinen. Schauspiel in 4 Akt. v. H. Sudermann. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Da» vierte Gebot. Sonntag, adenos o Uhr: (Stein anter Steinen. Montag, abends 8 Ubr: Der Weg■am Herzen. Schiller-Haal(lÄJÄ') Sonnabend 9 Uhr: Vortrag von Dr. Max Burkhard»: Die moderne« Liedertompon tuen. Sonntag 8 Uhr:.Liliencron-Zlbend._ <* c t" 51 n' c Panoptikum 3 t.€M> RR«9 165 Friedrichstr. 165 Der größte Mann der Welt. Kein Extra-Entree! Deutsehe Konzerthallen An der Spandaner Brücke 3. ; Täglich■ Große Massen-Konzerte � l�Isnoli 'tm m tä■ d..x. o nc- uesieoriy Cigarette' Gebr. Herrnfeld- Theater* Anfang 8 Uhr. Vorvcrk. l 1-2 Uhr. Hente: Beginn des Herrnfeld- Zyklus I. Serie. 8 Uhr: » uhr- Endlieh allein. Original 10 Uhr: Donat Herrnfeld al»„Hausierer Jockelc",„Isidor Blumcntopj", „Simon Dalles". Anton Herrnfeld als„LäSzlo Janas", de Franz",„Prokop Lanisezeck». Sonntag 3 Uhr': Letzte Nach. mittags-BorstelluNg: «s lebe das Nachtlebe«. Sonntag 8 Ubr: Herrnfeld-ZykluS 1. Serie. Berliner Theater. Tägl. 8 Uhr: Gastspiel Hansi Niese: Die Förster-Christi. Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Mchncr Pirskhli. Morgen und folgende Tage: Meistuer Porzellan. Nleines Theater. Sonnabend, den 28. März: Ä mal 3= 5. Anfang 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr: Ein idealer Gatte. Abends 8 Uhr: 2 mal 2— 5. Montag 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Theater des Vestens. 8 Uhr: Ein Walzertraum. Sonntag nachm. 31/, Uhr halbe Preise: VI« Inntlx« Witwe. Neues OpereUen-Theater Schisibauerdamm 25. Abends 8 Uhr zum 9. Mal«: Der Mann mit den drei Frauen. Genaro u. Theol, Eqmlibrist. Der Biograph.— Die vier Brack», Akrobaten.— Hania de Verl, Sängerin.— De Dio, Phantasietänzerin.— Trnl(v Hhnttuck. Sängerin.— Mar- ÄiiIm DasMio, dressierte Ponys. le Tiller Girla. Tanztruppe. Paul Jülich, Humorist. Qr.Binghampl-Konkurrenz JJJJp Endkämpfe: � Um den Preis von lOOOO Mark ringen: Gambier II, Max Schneider,«»,»». Ferner Enfscheidungskampf Laurent leßeaucairois Weltmeistersohaftsringer, Prankreich, gegen Michael Hitzler, Bayem. Um den Trostpreis ringen: Hans Schwarz:, Bayern, gegen Bambnla, West-Indien. KIMDROtfTtlMI Gr. Frutifturlerftr 132. Anfang 8 Uhr. Wochentagspreise. 4Uhr Kindcrvorstellnng: Rotkäppchen. Sonnlag 3 Uhr: Romeo und Julia. AbendS: Onkel Toms Hütte. Heute'/,8 Uhr abendS: Glänzend beurteilt von G Presse und Publikum. Der mrnschl. Ehimpanst Konsul Feter, daS gr. Naturwunder der Gegenw. Die gr. 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Gastspiel M. Stist: Sonntag nachm. 3 Uhr: AuZ. gewiesen. Abends: Ein Verbrecher. MetropoI-TheHlei' Abends 8 Uhr: Gr. Kevue in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor HoUaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Tbielseher, Massary, Rauchen überall gestattet. Sonntag, 29. März, nachm. 3 Uhr; Neuestes! Allerneuestes! Kasino=Theater. Lothringer Stratze 37. Täglich 8 Uhr: Ein Dorf-Roman. Schausp. l. 4 Akt. v. Erckmann-Ehawian. Vorher der durchweg erstklassige bunte Teil. Sonntag 4 Uhr: Die Freude» der Häuslichkeit. W.Koacks Theater Dtretlwm Rod. Olli. Brunne, ulr. 16. Grofte Extra-Vorstellung. Uraufführung l Novität I Der Fsüchtling. Ansang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Nach der Vorstellung: Tanz. palast-fheater * Burgstr. 24. Bhf. Börse. Bntacheldnneskampt: Daumas_____ Ritzler Frankreich 6e3en Württemberg. Ferner: Pohl-Abs 11 gegen SlfeiM Deutschland. Berlin. Cbemjakin„„„ Faxen Rutzland gegen Amerika. FöBleltner_____ De WoH Wien gegen Belgien. Beginn der Kämpfe ch,g Uhr. Urania. Wissenschaftliches Theator Taubenstr. 48/49. Nachmittags 4 Ubr: Ueber den Brenner nach Venedig. Abends 8 Uhr: Eine Nilfahrt bis zum zweiten Katarakt. 4 Passage-Theater. Abends 8—11 Uhr. U-otnt« Woche t ■Japans.größte Tragödin mit ihrem Ens einöle M das glänzende März-Programm. Vi alhafla- Variete-Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenthaier Tor. AbendS 8 Uhr: Das grofte März-Programm. vis deiligen cdloeseu in ihren Gaukler- und Zauberfpiclen. Kosta— der Mann mit dem dreh- baren Kopf— und die.übrigen internationalen Künstler. Tunnel: Bockbierkesl, Reg.-Kapelle, Sänger, italienisches Orchester. IW~ Theaterbesucher freier Eintritt. Brunnen-Theater Badstratze 58. Direkt.: Bernh. Rose. Morgen Sonntag, den 29. März, nachmittags 3 Uhr: Kyritz- Pyritz mit Käthe Bach u. Emmn BehrenZ-Tarlscn. Abends 7 Ubr: Der Hypochonder. Räch der Vorstellung: Grofter Ball. Voroerk. Sonntags vorm. 10—2 Uhr. Montag: Der zerbrochene Krug. Hieraus: Wahn und Wahnsinn. Bärxccl. Schanspleltaaas früher Prater-Theatep Sonnabend, den 28. März: Zar und Zimmermann. Morgen: Nachm. 3 Uhr: Wilhelm Tell. Abends 3 Uhr: Die Anua Liesc. Sanssouci, S'V. Direllion: Wilhelm Reimer. Heute Sovnobend: Einmalige Aufführung: Othello. Tranerspiei in 1 Akt von W. Shakespeare. Vttaichi'ltiizchca. Sonntag, Montag und Donnerstag: u. Vanzhräa�chca. Beg. Sonnt. 5, wochcnt. 8 U. Vorzugskarten haben Gülligleit. Jimn Platz 75, Vperrsitz 50, Crnlvcc 40 Ps Passage-Panoptikum. \ui- noch harze Xc.lt! ßeutsetiläods größter Soldat Josef Schippers der lange Kerl. Kaasttanchcr Kapt. Qröhl m. s. Riesenhass. Sicilian. Briganten-Kapella. Ohne Extra-Katreel Eintr. 50P{. Kind. u. Sold. 25 Pf. I Menschen. Pantomime w drei Bilder«. Paragraph 343. Mal was Anderes. ■m Moritz-plati,. ??. imlhcatersaal«HZuLlV- 5 Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. llnlreo 50 Pt. Sonnt, reserv. 1 bk. Entree 50Ps. Familienbill, a 40Ps. Im unteren Konzertsaal täglich die allerersten /Militär- Kapellen: Becker, PrzywarSIi, Göriich, Neumann, Dffeney, Lüttich. Anfüge n.\»»«■ paletots lMasi aus la Stoffresten. MonatS- u. nicht abgeholle Sachen staunend billig. Makscdneiderei Voß, nurBrnnnenstr. 3, 1 tRosenihalTor) AbiNdS 8 Uhr- Dir unrrreichtrn Attraktionen. JPaal Spadonl. in(ein. Sieu�eUtn. Joaef Iftodl, Wiens popul Humor. The black Dlamona«. Die vier Alhieta« �Olympische Spiele). Dazu: ZIltlalaTT der IBoderne mit Mia Werber o.®. Letzte Woche: Letzte Woche Z •Teäeo Sonntag, Dienstag and Donnerstag: Großes Militär-Konzert. Trianon-Theater. s uhr. Baron Toto.« uhr. Mittwoch, I. April: Gaftspiel Char. lotte Wlchü: Seine erste Fra«. Asaftnacht in«iz,a�_ Gustav Behrens- Theater. Berlbi W., Goltzstr. 9. Gr. Damen-Ringkainpf Preisgekrönte Ringcrinnen. Situ! Richter alö Walzertönig. Posse in 1 Akt. 16 Spezialitäten. DusteSVitograph. hlnlonB 8 Uhr Sonntags S'l« Uhr. Jenensia» □ .10 Jahre«arantle! 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ZI., Orofle Bockenheimerstrage 8. m w Von der Sammlung! T SiMldtimihtiilislhe Gtmeissdtpililih Komnmrtalpolitische WHandlungen Herausgegeben unter Leiiimg von Paul Hirsch ist soeben das stebente Heft: Das Knitmissionswesen von Fritz Paeplow erschienen. PreiS 40 Pf., für die dessere Ausgabe I SR. Die ersten sechs Hefte behandeln folgende Themen: Heft 1 s Das kommunale Wahlrecht. Von P. Hirsch, Dr. H. Linde« niann. Preis SO Ps., Agitatlonsausgabe 30 Ps. . 2: Kommunal« Arbeiterpolitik. Von Dr. H. Lindemann. Preis 00 Ps., AzltatioiiSauSgabe 40 Pf. , 3; Kommunale Schulpolitik. iSm Führer durch die Gemeinde- tätigkeit aus dem Gebiete der Volksschule von Dr. M. Quarck. Preis i M.. AgttatienSauSgabe 50 Pf. . 4: Kommunale Wohnungspolitik. Von Paul Hirsch. PreiS 1 M., LlgitationSauSgabe SO Pf. . 5: Stenern und Gebühren. Von Dr. H. Lindemann. Preis 00 Pf., LlgitationSauSgabe SO, Pf. . 6: Die städtische Regie. Von Dr. H. Ltndemann. Preis 73 Pf., AgitationSauSgabe 40 Pf. gb beziehen durch-"'-""'' Ezpkditio» des„Nowarts" Kerlia 8W. 68. � Lindcnstraste 0», Laden. 243/15� Preibeitllebe kübne. Efoksiiirtnvavkung! Infolge der uns zugegangenen Anregungen haben wir uns entschlossein mit deT" Direktion des„Theater« an der Spree" ein neues Abkommen zu treffen, nach dem das aozlale Drama „Husgcwlcfcn" am morgigen Sonntag 3 Uhr dortselbat wiederum In Sisene geht. Dieses aus der Zeit des„Sozlallatengesetaen" stammende Kulturbild war SÄT" zwölf Jahre polizeilich verboten"WE und wird nun B n m LS. Maie gegeben!!! 120/12 Die Deser des„Vorwärts" zahlen nicht die Kassenpreise, sondern 95 Pf. für Orchesterfauteull. Slnr gegen Abgab» dieser ausgeschnittenen Anzeige'an der Kasse des Theaters an der Spree, Köpenicker Straße 68. 1 trotz teurer Lebensbedürfnisse doch elegant zu erscheinen, löst das Verssnilliaus BerlinerHerreiiioden nur Stralauer SlraBe 28 I, am Äolkenmarkt, durch Liefe- rung gediegener Herren. 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Haus. 0K.C| N., Reinickendorferstraße 23 Charlottenburg: nur Wilmersdorferstraße 122-123 Rixdorf: Bergstr. 30-31| Potsdam: Brandenburgstr. 54 NrronlißvrUicher 9i ehalt« uz: fkMt Dtwihsah«, BnUm Iii» b«wjn(et/z Uhr, findet im ersten iiommunalwahlbezirk eine F lu g b la t t v e r- breitung betr. Stichivahl statt. Wir ersuchen die Barteigenosseu anö allen Bezirken pünktlich im Lokale von Mohlau, Äiefholzstr. 85, zur Stelle zu sein, damit die Verbreitung glatt von statieii geht. Der Vorstand. Wamisre. Sonntag vormittag 1» Uhr Flugblattverbrcitung. Die Genossen werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Der Vorstand. Neuenhagen. Am Sonntag, den 20. d. M., früh 8 Uhr, findet im ganzen Bezirk von den bekannten Stellen aus eine Flugblatt- Verbreitung statt; es wird erwartet, daß sich die Genossen reger wie bisher beteiligen. Wahlvcrein Eichwalde und Umgegend. Am Sonntag, den 20. März, morgens S'/s Uhr, findet in den Bezirken Eichwalde. Miersdorf und Zeuthen eine wichtige Flugblattverbrcitung statt. Die Parteigenossen werden ersucht, sich in den bc kannten Lokalen zahlreich und pünktlich zur Verfügung zu stellen. Der Vorstand. Alt-Glienicke. Am heutigen Sonncibcnd, abends V'/a Uhr, findet die bei Habrecht aufgelöste Volksversammlung ihre Fortsetzung. Morgen Sonntag, früh 7 Uhr Flugblartveibreitung. Die Genossen »vollen sich püiiktiich bei ihren BezirlSstihrern melden. Nachmittags 3 Uhr findet die Miigliedervcrsaiinnluuy bei Säst statt, worauf die Geuoffeu ganz besonders hingewissen werden. Erkner. Am morgigen Sonittay, früh 8 Uhr, findet voin Degebrodtschen Lokal eine Flugblattverbrcitung statt, wozu uin die Beteiligung aller Genossen ersucht wird. Schriikrndorf. Heute Sonnabend, abends 3 Uhr. findet die Mit« gliederverfanunlung des Wahlvereins statt. Gäste, besonders die Frauen,»verde» dazu eingeladen. Zahlreiches und pünktliches Er- scheinen der Mitglieder erwünscht Der Vorstand. Zossen. Sonntag früh 3 Uhr findet von Schimkc aus eii»e Flugblattverbreitung statt. Die Parteigenossen müssen zur Stelle sein. Der Vorstand. Nieder-Schönhausen. Wir machen die Parteigenossen darauf auf- merlsam, dafi morgen Sonnlag. piinttlich 8 Uhr, von den Bezirks- lokalen aus eine Fliigblatlverbreitung stattfindet. Um die Agitation ain Orte erfolgreich zu führen, uillfien sich alle Genossen daran be- teiligen. Der Vorstand. I decken und tauchen wieder unter, wobei ein perlartig - schiiilmerndes Luftbläschen am Hinterende ihren Weg be- zeichnet. Rote Wasscrmilbcn tummeln sich zwischen dem iin Wasser liegenden abgefallenen Laube, das auch zahlreich darin herumkrabbelnden Wasserasseln Unterschlupf gewährt. Von Zeit zu Zeit erscheint ein Molch, um an der Oberfläche ein Maul voll Luft zu schnappen und wieder in den dunklen Grund zu tauchen und mit seinesgleichen dem Laichgeschäfte obzuliegen. Em Landtier, sucht der Molch nur zur Früh- lmgszeit die Gräben auf, an deren Rändern auch seine Ver- folger in Menschengestalt, mit Kätschcr und Blechgefäßen be- wasfnet, zu beobachten sind. Hell stehen die weißen Birken gegen die dunklen rissigen Kiefern, deren grüne Kronen reizvoll gegen die braunrötlich überlaufenen, noch blattlosen Birken- und Erlemvipfel ab stechen. Der Buchfink lockt und die Spechte lassen ihren hellen gelächtcrartigen Ruf durch den Wald schallen, ab und zu auch ihren Minnelaut, den sie hervorrufen, indem sie mit dem Schnabel so rasch gegen einen trockenen Ast hämmern, daß dessen Vibrieren einen eigenartig schnurrenden oder trommelnden Ton hervorbringt. Der Wald ist aufgewacht und kein winterlicher Rückstoß wird ihn mehr in Fesseln schlagen._ Arbeiter-Bildungsschule Berlin. Heute Sonnabend, den 28. d. M. findet der Unterricht in Geschichte seinen regel- rechten Fortgang. � Zwei weitere Straficnbahnlinien eröffnet die Große Berliner Straßenbahn am 1. April. Mit der von uns schon angekündigten neuen Linie 48 Gesundbrunnen-Schönebcrg»verde» also an diesem Tage drei neue Straßenbahnlinien in Betrieb gesetzt. Eine der neuen Linien dient insbesondere zur Entlastung stark belasteter Siraßenzügc. Sic erhält die Nr. 75 ui»d geht vom Zentralviehhof zum Zoologischen Garten. Die Linie»nacht folgenden Weg. Zentralviehhos, Samaritcrstraßc, Eldenacr Straße, Liebigstraße, WeideMvcg, Baltcnplatz, Petersburger Straße, Landsberger Allee, Landsberger Platz, Landsberger Straße, Alexanderplatz, König- straße, Kurfürstenbrücke, Schloßplatz, Werderschcr Markt, Werder- Straße, Französische Straße, Charlottenstraßc, Kochstraße, Friedrich- straße, Bellc-Äkliance-Platz, Blüchcrplatz, Aclle-Alliancc-Straße, Uorkstraßc, Bülolvstraßc, Nollendorfplatz, Maaßenstraße, Kur- fürstenstraße und Nürnberger Straße, Ivo sich die Endhaltestelle bc- findet. Die neue Linie 75 greift in Jwn Betrieb der Linien 43 von der Katzbach- bis zur Französischen Straße, 73 vom Halleschen Tor bis zum Alcrandcrplatz, 64 vom Halleschen Tor bis zum Rollen- dorfplatz und 81 von der Eharlottenstraße bis zum Zentralviehhos unter Vermeidung der stark belasteten Strecken über den Spittcl- markt und den Dönhoffplatz ein. In Gemeinschaft mit der Berlin- Eharlottenburger Straßenbahn lvird ferner eine neue Linie£> Ringbahnhof Wilmersdorf-Friedenau- Zoologischer Garten-Brandenburger Tor-Kupfcrgrabcn eröffnet. Die neue Linie»nacht von ocr Ecke der Nhland- und Berliner Straße in Wilmersdorf bis zum Kupfergrabcn in Berlin den Weg der bestehenden Linie O Wil- Yelmsauc-Klipfergraben, deren Betrieb sie»vie bisher zu einer Zug- folge von T/i Minuten ergänzt. Die Anschaffung eines Automobils für die Fortschaffung von ge- fallrnen kranken Pferden aus den Straßen hat der Magistrat be- schloffen. Jetzt»Verden kranke Pferde mittels Wagen fortgeichaft, »vas viel Zeil erfordert. Mm» hofft mit dem Automobil die Tiere schneller den Blicken der Passanten zu eiltzichen. TcgW. Sonntag früh 8 Uhr Flllgblattverteilnng von den be- kannten Bezirkslokalen auS. Gleichzeitig findet eine Kuvert« Verleitung statt. Die Parteigenosten werden gebeten, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. Bernau. Heute Sonnabend, abends 8% Uhr. findet in» Kunz e- schen Lokale in der Bürgermeisterstraße die Versammlung des Wahl- Vereins statt. Tagesordn»lng: 1. Boricht von der Generalversammlung Groß-Berlins. 2. Vortrag. 3. Diskussion. 4. Vereins- angelegenheiten. Zahlreichen Besuch erlvartet Der Borstand. Nolvawes. Am morgigen Sonntag, früh 8 Uhr, findet eine Flugblativerbreitung statt. Treffpnnkl bei Gruhl, Priesterstr. SS. Pflicht eincS jeden WahlvcreiiismikglicdcS ist es, sich daran zu beteiligen. Zu gleicher Zeit werden die Mitglieder darauf mif- mcrktam gemacht, daß am morgigen Sonntag, vormittags von S bis 12 Uhr, i» den bekannten BezirkStokalen daS Einkassieren von Bei- trägen stattfindet._ Berliner|Sachrlcbten« Waldfrühling. Nach wiederholten Anstürmen hat der Frühling sich cit!>- lich sein Recht erkämpft und kalendermäßig genau ist er csti- gezogen. Jnzivijchen sind manche einleitenden Schritte schon m der Stille vor sich gegangen. Während die Schnee- glöckchen in den Bauerngärtchen trotz Schnee und Regpn blühten, entfalteten sich die Kätzchen der Erlen und Haspl- sträucher, wenn nur gerade ein paar Stunden Sonnenschein sie wärmte. Jetzt sind sie entleert. Im Mischwalds bei Finkcnkrug sehen wir die hellgelben Blütenkerzchen zu Hunderten zwischen den Kiefern und Hainbuchen herabhängen. Beim Nähertreten können wir uns im Auffinden der rosib- lichen Blütenknospcn üben, aus denen ein Büschel roter Pistille zierlich pinsclartig herausragen. Die Befruchtung hat der Wind inzwischen durch Uebertragung von Polben- körnern aus den Kätzchen, djc bei der Hasel männlichen Gc- schlechtes sind, längst vollzogen und langsam werden die Haselnüsse heranreifen, bis sie die jetzt noch fest schließenden grünen Deckschuppen der weiblichen Knospe sprengen. Auch die blauen Leberbluinen hinter dem„Alten Finkenkrug" und von hier aus in den Brieselang hinein, haben den Kalender nicht abgewartet. Die Witfalteten Blüten richten ihren Strahlenkranz gegen die wilde Sonne,.die noch ungehindert durch die Kronen den blätterbestreuten Waldboden erreicht und andere Waldblumen rücken ihre Knospen zurecht, um bald nachzufolgen. Randvoll sind die Gräben und Teiche von überquellendem Frühlingsgewässer, überall gesäumt vom wachsamen Geschlecht der Frösche, die vor unseren Schritten der Reihe nach plumpsend ihr Element aufsuchen. Das Wasser lebt. Myriaden lebender Pünktchen tanzen im Sonnenschein darin durcheinander, die sich bei näherem Zusehen als die söge- nannten Hüpferlinge ausweisen. Große und kleine Wasser- käfer tauchen auf. hängen sich mit dem Hinterleibseude an den Wasserspiegel, schöpsim frische Luft unter die Mgcl- Dem Landcöpolizcibrzirke Berlin tritt mit dein t. April der Bc- zirk der Smdtgemcinde Lichtenberg und der Bezirk der Landgemeinde Boxhagcn-RiimmelSbnrg hinzu. Die Vorschriften des Gesetzes von» Juni 1000, betreffend die Polizeiverivaltung in den Stadtkreisen jarlottenburg, Schöneberg und Rixdorf sGesetziamml. S. 217! finden auch aus diese Bezirke Anivendung, hinsichtlich der Gemeinde Boxhagcn-Rummelsburg»nit der Maßgabe, daß die Zu- ständigkeit deö Laudrats»md des KrciSausschusteS des Kreises Niedcrbaruim in polizeilichen Angelegenheiten ausgehoben, die des KreiöailSschusscs aus die für die übrigen Gemeinden des LandespolizeibezirkS zuständigen Behörden übertragen wird, und daß ortspolizeiliche Vorschriften 5 ff. deS Gesetzes über die Polizei- Verwaltung vom 11. März 1850 sGesetzsammlung Seite 2g5st nicht mehr der Zustimmung der Gemeindevcrlreiuiia(§ Sl3 der KreiS- ordining voin 13. Dezember 1372/19. März 1881 fGesetzsammlung 1881 Seite 179st bedürfen, sondern daß in dieser Hinsicht die für die Städte gellenden Vorschriften des§ 143 des Gesetzes über die allgemeine LniideSverivallimg vom 30. Juli 1883(Gesetzsammlung Seite 105) maßgebend sei» sollen. Auch eine Antwort. In welcher Weise oft Beschwerden über städtische Institute erledigt werden, dafür möchten wir im Nach folgenden ein Schulbeispiel liefern: Am 14. Dezember ver- gangencn JahrcS starb in der Irrenanstalt Buch der Schuhmacher Paul Schiller. Den Angehörigen wurde pflichtgemäß von dem Ableben des Sch. Mitteilung gemacht»nit dem üblichen Hinweis, wenn bis zum 16. Dezember nachmittags 3 Uhr keine Nachricht wegen Uebernahme des Begräbnisses eingelaufen sei, die Beerdigung am 17. Dezember auf Kosten der Stadtgemeinde in Fricdrichssclde erfolgen werde. Die Verwaltung wurde davon verständigt, daß die Angehörigen die Beerdigung auf eigene Kosten bewirken würden, und bereits am 16. Dezember»vurde der Sarg von dem Sarg- Händler in Buch abgeliefert und die Leiche eingebettet. An dem- selben Tage waren die Frau und die Schwiegertochter in Buch und verlangten die Leiche zu sehen. Dieser Wunsch wurde ihnen abgelehnt. Am 19. Dezember fand in Friedrichsfelde die Bcerdi. gmlg statt. Dort stellte der Sohn des Verstorbenen das Verlangen, die Leiche des VaterS noch einmal sehen zu dürfen. Auch hier »vurde dieses Verlangen kurz und in recht barsche»» Tone zurück- gewiesen, so daß die Angehörigen»in Zlveifel darüber blieben, od sie wirklich den Paul Sch. beerdigt hatten. Wegen dieser BeHand- lung wandte sich der Sohn des Verstorbenen mit einer Beschwerde an die Deputation für die städtische Jrrenpflege. Die Antivort, die erteilt»vurde, ist so klassisch, daß sie verdient, hier wieder- gegeben zu werden. Sie lautet: „Auf die Beschiverde voin 5. Januar er. teilen wir Ihnen crgebenst mit, daß sich die Angelegenheit nicht mehr genau bat aufklären lassen. In der Irrenanstalt Buch konnte Ihnen die Leiche Ihres Vaters am Beerdigungstage— 19. Dezember 1907 — nicht mehr gezeigt»verde«,»veil sie bereits am 18. desselben Monats nach FriedrichSselde übergeführt»Vörden war. Die Friedhofsvcrwaltung in Friedrichsfelde bestreitet aber» daß Sie dort die Besichtigung der Leiche gefordert hätten. Wir bemerken dabei, daß der Leichendiener der Irrenanstalt Buch strenge Anweisung hat. den Angehörigen gegenüber ein an- gemessenes und artiges Benehmen zu beobachten." Zunächst sei bemerkt, daß diese Antivort datiert ist vom 6. März» abgestempelt vom Zcntralbureau am 9. März, sich am 16. März in den Händen des Beschwerdeführers befand und sich auf eine am 5. Januar erhobene Beschiverde bezog. Der Inhalt dieser Antwort ist noch interessanter, als die lange Zeitdauer, die die Verwaltung dazu gebrauchte.„Die Angelegenheit hat sich nicht mehr genau aufklären lassen", so heißt cö in der Einleitung, um hinterher zu schreiben, daß die Leiche ain 19. in Buch nicht mehr hat gezeigt»verde», können,»veil sie bereits am 18. nach Friedrichs- selde gebracht worden War. Das ist richtig. Allein Frau und Schwiegertochter waren gar nicht am 19. Dezember in Buch, um die Leiche zu sehen, sondern am 16. Dezember. Damals ist die Weigerung, die Leiche zu zeigen, erfolgt. Damals war sie aber nach eigener Mitteilung der Verwaltung»wch in Buch, denn sie ist nach dem obigen Bescheide erst am 18. nach Friedrichsfelde gc- bracht worden. Was nun die Friedhofsverwaltung in Friedrichs- selde betrifft, so»nacht die eS sich sehr leicht; sie bestreitet einfach. daß die Besichtigung gefordert worden ist. Ein recht dreistes Unterfangen gegenüber den entgegengesetzten Aussagen von fünf Angehörigen. Diese Angehörigen müßten ja geradezu verrückt sein, wenn sie sich darüber beschweren, das; ihnen die Besichtigung der Leiche verlvcigcrt worden ist, wenn sie diese gar nicht gefordert hätten. Unserer Meinung nach ist das überhaupt nicht die Art, Be- schwerden zu erledigen. Soll die Bürgerschaft»virklich eine Ea- rantie haben, daß ihre Beschwerden über ihr in städtischen Jnsti- tuten angeblich zuteil gcivordencS Unrecht korrekt erledigt»verde»!, so muß schon Gelegenheit gegeben sein, durch persönliche Gegen- überstcllung die Berechtigung der Klagen zu ermitteln. Dieser schriftliche Weg allein in den Fällen, wo Zeugen vorhanden sind, hat keinen erheblichen Wert. WaS»vir schon immer gesagt habe»». Wie Berliner Blätter melden, soll der Kaiser im Gespräch»nit den, 5t»ltuLn,inist?r Dr. Holle geäußert haben, daß nach seiner Ansicht Ferienarbeiten mit den, durch die Schulferien erstrebten Ziel, der geistigen und körperlichen Erfrischung der Schüler, nicht in, Einklang st ä n d e>?. Wir haben in unseren, Blatt seit Jahren diesen»ummchr auch Vom Kaiser eingenommenen verständigen Standpunkt vertreten. Der mutmaßliche Frmicnmörder in Schönebcrg verhaftet. Der Schöneberger Kriminalpolizei ist cS gelungen, den Mörder zu verhaften. Es ist der 25 Jahre alte Blunienhändlcr Hermann Wagner(geboren 19. Oktober 1832). Die Erinordete ist die au, 2. März 1875 zu Berlin geborene unverehelichte Einma Slamna, die zuletzt in der G r u n e>v a l d st r a ß e 1 1 6 bei einer Frau Richter eine aus einein Zimmer und Küche bestehende Wohnung inne hatte lind seit langen Jahren u>,ter Sittenkontrolle steht. In der letzten Zeit, bis 16. Dezember 1907, war Wagner, der auch uu- angemeldet bei ihr wohirtc, ihr Zuhälter. Seit dein 16. Dezember 1907»vurde die Sl. vermißt; aber erst an, 0. Januar 1908 erfolgte die Bern, ißt- Anzeige bei der Schöl,eberger Polizei. Schon an, Donncrötagnachmittag. bevor noch Kopf und Beine der Ermordeten i», den, ziveitci, Entiväfserungs- schacht gefunden wurden, ließ der Kriminal- Wachtmeister V i e r b a u m in. Austrage de? die Untersuchung leite», den Kriminal- koininiffarS Sanders eine Anzahl Prostituierte nach dem Fui,dort des Rumpfes koimncn, die jedoch erst»nit voller Bestimmtheit die Leiche rekogliosziertcn, als ihnen der Kopf gezeigt wurde. Da cS unter den Prostituierte», nicht nur bckaimt »var, daß Wagner der Zuhälter der Slamna gcivesen, sonder» auch seit den, Verschwinden der Sl. offen davon gesprochen»vurde, daß W. sie„überseit" gebracht habe, so setzte die Krimmalpolizei alle Hebel in Leiveguiig, uin den»nutinaßlichen Mörder sofort zu fassen. Bis zum 16. Dezeinber hatte W. nlit der Sl. in der Gruitewald- straße 116 zusammengewohnt, am 17. Dezember erklärte er in auf- fallend scheuer Weise der Wirtin R., daß die Sl. nicht nach Hause gekoinmen sei; er habe sie noch in der Nacht um 12 Uhr gesehen. Vom 16.— 22. Dezeinber 1907 ließ Wagner keinen M e n s ch e n i n d i e W o h n»» n g. so daß»vahrscheinlich der Mord schon in der Nacht zum 17. Tczcmber 1907 geschehen und die Zerstückeln», g, Ei»Packung und Beiseite- schaffung der Leichenteile in drei Pakete, solvie die Reinigung der Wohnimg von Blut spuren bis z»»»» 22. De- zember 1007 erfolgt sein wird. Bon, 16. bis 22. Dezeinber herrschte bekanntlich cine sehr strenge Kälte, so daß eine Verwesung der Leiche nicht so schnell vor sich gehen konnte. Die drei Pakete sind dann direkt in die beiden Eutwässerungsschächte hineingeworfen worden, nicht, Ivie anfangs für möglich gehalten wurde, unter- irdisch angespült. Letzteres ist gänzlich auSgcschlossciu Am 22. De- zember öffnete Wagner die Wohnung und zeigte seiner Wirtin freudestrahlend einen g e s ch n, ü ck t e n C h r i st b a»» n», der auf dem Tische stand. An, 25. Dezember feierte er in Gesellschaft von Dirnen und Zuhältern das W ei h na ch t S f e st. Als die Freu»,- dinuen der vermißten Slanina sich darüber aufhielten, daß W. einen großen Teil ihrer Möbel, die sie auS einem Teilzahlungsgeschäft bezogen, bereits verkauft halte, antlvortcte er:„Die braucht lerne Sachen mehr!" Im Januar verzog W. nach Berlin, Brunnenstr. 20. Bisher hatte er»nit Blume», Apfelsinen und Wachstüchern in Schöi,eberg gehandelt, seitdein ließ er sich aber in Schöneberg nicht mehr sehen. Früher verkehrte er ain häufigsten in der Zietenstr. 19 in, Bouillon- keller. Der Schöneberger Krilninalpolizo» gelang eS noch gestern abend, ihn in Berlin von der Straße»vcg zu verhaften und der Leiche in der Halle in der Moxstraße gegenüberzustellen. Er leugnet die Tat; gibt aber zu. daß eö die Slanina ist und daß auch die B e i>, e in eines der von ihn, feilgehaltene» Wachs- t ü ch e r gehüllt sind. Gravierende VerdachtSinoinente sind ferner: Wagner war von der El., mit der er oft in tat- lichen Streit geriet, u. a.»vegen Zuhälterei und schiveren Einbruchsdiebstahls angezeigt worden und hatte vergebens die Z u r ü ck n a h n, e der Anzeige von ihr erzwingen wollen. Außerdem leugnet er. je ein Messer besessen zu habe»,, oblvohl ihm der Besitz eines sogenannten Genick- sä», gers nachgewiesen wurde. Die Obduktion der Leiche der Sl. findet im Laufe des heutige», Tages statt.— Ei»»oißbegicriger Pädagoge. Wieder»nal lvird uns bekannt, daß in einer Schule ein Lehrer an seine Zöglinge Fragen gerichtet hat, die anscheinend darauf ab- zielten, sich über die Parteizugehörigkeit der Väter zu unterrichten. In der 55. K>, a b e n- G e m o i n d e s ch u l e(L üttich e r Straße) hat l», einer Klasse VII der Lehrer Richter die Jmigei, ausgeforscht, wessen Pater am 18. März an einer Per- sammlung teusrnommr» habe. Als daraufhin mehrere Kinder sich »neldelc»,. fragte Herr Richter,»vaS denn die Arbeiter eigentlich wollten. Die Jungen wußten>,ichtS zu erlvidor»,; bei sieben- bis achtjährigen Kindern braucht man sich»vohl nicht z« wundern, daß sie dem wißbegierigen Pädagogen die Antwort schuldig blieben. Als sie ihm dann erzählten,. daß am 18. Marz Schutz- lcute»nit Säbeln auf Arbeiter riiigkhaurn hätten, belehrte der Herr Lehrer die Kinder, daran seien die Arbeiter selber schuld. Verehrter Herr Richter, Sie»vürden sehr bald anders reden, lvcm, Sie selber mal einen Polizeisäbel ans Ihrem Buckel zu spüren kriegte»». Auch ein Schutzmaimsiohn, der in der Klasse sitzt, meldete sich auf des Lehrers Frage. Er berichtete, sein Vater sei ebenfalls„mit gewesen", bis in die Nacht hineiy habe er in der Straße Uutcr den Linden ;estanden. Schließlich erlimdigte Herr Richter sich noch bei einem Zungen, ob sein Vater Arbeit habe. Als der Junge das be- ahte, rief Herr Richter:„Na, was will er dam»!? Dann »nn er doch ziisrirden sei»!" Ob dieser Gcineiudeschullehrcr de» Mut habe», lvird, seine cigeuei, Kollegen zu trösten, auch sie könnten zu« frieden sein, wenn sie Arbeit habe»? Vielleicht verstlcht er eö mal, ihre Wünsche»ach»,ehr Gehalt mit einem»Na, waS wollt Ihr denn danllt" zu beschwichtigen. Hat das Frage- und Antwortspiel zwischen Lehrer Richter und seinen Schülern sich wirklich so abgespielt, so mutz man annehmen, daß dieser Pädagoge in der Tat selber nicht weiß, was die Arbeiter wollen. Die Kleinen seiner Klasse VII konnten es ihm nicht sagen. Wäre aber der Herr mit seiner Wißbegier an die 13- bis 14jährigen Jungen einer Klasse I geraten, so hätten sie ihm anders gedient. Wir erinnern uns, daß einmal an einer anderen Gemeindescbule ein Lehrer in einer Klasse I seinen Schülern ähnliche Fragen über den Versammlungsbesuch der Vater vorlegte und dann seine Meinung über die Bestrebungen der Arbeiterklasse zum Besten gab. Die Jungen sind ihm die Antwort nicht schuldig geblieben. Wünschen muß man freilich, daß die Lehrer solche Frage» überhaupt unterlasie». Es geht sie wirklich nicht das geringste an. zu welcher Partei die Väter ihrer Zöglinge sich bekennen. Wenn aber ein Lehrer das Bedürfnis fühlt, sich darüber zu unterrichten, was die Arbeiter wollen. so möge er selber in Arbeiterversammlungen gehen, um zu hören und zu lernen. Dort steht eS ihm auch frei, seine eigene Meinung vor- zutragen. Doch ist das allerdings vor Männern nicht ganz so leicht und einfach, wie vor Schulkindern. Bon einem Automobil überfahren und getötet wurde gestern morgen gegen l-h? Uhr der 41 Jahre alte Schlosser Gustav Behrend aus Sulten, der vorgestern von Potsdam nach Berlin gekommen war und in der christlichen Herberge zur Heimat in der Oranien- stratze Logis genommen hatte. Heute morgen stand B. um 6 Uhr auf, bezahlte das Quartier und begab sich nach der Straße. Hier blieb er längere Zeit vor dem Eingang der Herberge stehen. Als kurz nach VjT Uhr ein Lastautomobil der Kabelwerke vom Moritz- platz in mäßiger Geschwindigkeit herangefahren kam, soll Behrend auf den Fahrdamm gelaufen und sich unmittelbar vor den Kraft- wagen zu Boden geworfen haben, um sich überfahren zu lassen. (Das klingt etwas sehr unglaublich. Red.) Obwohl der Chauffeur bemüht war, den Wagen sofort zum Stehen zu bringen, vermochte er die Katastrophe nicht zu verhindern. Das linfe Vorderrad des Automobils ging dem Lebensmüden über den Brustkasten hinweg. B. wurde nach der Unfallstation in der Alexandrinenstraße gebracht, wo aber nur der Tod des Mannes festgestellt werden konnte. Eine„Razzia" nach Glückspielautomaten hat vorgestern durch die hiesige Polizei stattgefunden. Bekanntlich sind in den letzten Monaten in allen Stadtteilen sogenannte„Automaten-Varietes" eröffnet worden, in denen Geldautomaten der verschiedensten Arten aufgestellt sind. Nach einer gerichtlichen Entscheidung sollen nun sämtliche Spielautomaten, bei denen es sich lediglich um Glück handelt, verboten werden, während solche Apparate, bei denen es auf die Geschicklichkeit der Spieler ankommt, weiter benutzt werden dürfen. Auch in den meisten Restaurants sind derartige Spiel- automaten aufgestellt. Am Donnerstag fand nun eine Kontrolle der„Automaten-Varietes" und Restaurants durch Polizeibeamte statt. Alle diejenigen Apparate, die den gestellten Anforderungen nicht entsprachen, wurden mit Beschlag belegt und sofort entfernt. Sie wurden sämtlich nach dem Königlichen Polizeipräsidium ge- bracht. Die„Razzia" nach den Spielautomaten wurde gestern und wird an den nächsten Tagen noch fortgesetzt werden. Ein ausgesetztes etwa zwei Monate altes Mädchen wurde auf dem Treppenflur des Hauses Weisestr. Sl gefunden. Der Finder nahm das hülflose Wesen mit nach seiner Wohnung und benach- richtigte die Polizei. Diese ließ es nach dem Städtischen Waisen- hause bringen. Zeugen werden gebeten sich zu melden resp. ihre Adresse ab- zugeben, die gesehen haben, als ein junger Mann am Sonntag, den 22. d. Mts., abends 8% Uhr, auf der Fahrt von Mariendorf nach Berlin an der Trainkaserne in Tempelhof von der Elektrischen Straßenbahn an einer Kurve heruntergeschleudert wurde; besonders der junge Mann, der dem Verunglückten sein Taschentuch um die verletzte Hand gebunden hat. Die Adressen wolle man an H. Bauer, Belle-Allianccstraße 17, Hof 4 Treppen, gelangen lassen. Aus der Brandchronik. Zwei große Dachstuhlbrände beschäf- tigten gestern früh die'Berliner� Feuerwehr am Monbijon-Platz 4 und in der Wilhelmshavener Straße 24 an der Birkenstraße in Moabit. Der Dachstuhl des Eckhauses Monbijou-Platz 4 gegen- über dem Schloß Monbijou stand früh um 6 Uhr in großer Aus- dehnung in Flammen und der in Wilhelmshavener Stratze 24 um 10 Uhr, In beiden Fällen hatte die Feuerwehr wieder schwere Arbeit. Der Brandstifter hatte die Dachstühle wieder an mehreren Stellen angezündet, so daß die Flammen, genährt von dem Inhalt der Bodenverschläge, schnell eine große Ausdehnung erlangten. Durch energisches Vorgehen und kräftiges Wassergeben mit mehreren Schlauchleitungen gelang es der Feuerwehr, beide Brände, die bedeutenden Schaden verursacht haben, auf die Dachstühle zu beschränken. Außer diesen Bränden mußten noch mehrere andere in der Fricdrichstr. 5/8, wo Stroh u. a. in einem Schuppen brannte, in der Oranienstr. 30, Möckernstr. 74, Unter den Linden 38 usw. gelöscht werden. Außer de» beiden schon gemeldeten großen Dachstuhlbränden mußte»och ein dritter in der Fehrbelliner Str. 43, Ecke Anklamer Stratze. gelöscht werde». Hier kam der Brand nachmittags um 3 Uhr aus. Als die Gefahr von den Hausbewohnern bemerkt wurde, brannte der Dachstuhl schon an mehreren Stellen. Ausgekommen war das Feuer in den Bodenverschlägen. Die Feuerwehr mußte mit drei Schlauchleitungen von Dampfspritzen kräftig Wasser geben, um eine weitere Ausdehnung des Brandes zu verhüten, der wiederum auf Brandstiftung zurückzuführen ist. Von dem Täter fehlt noch jede greifbare Spur. Vorher mutzte in der Petersburger Stratze 75 ein Feuer gelöscht werden, das ebenfalls in einem Bodenverschlage aus- gekommen ivar, aber keine große Ausdehnung erreichte. Sticht weit davon in der Hübnerstr. 10 brannten Betten und Möbel in einer Wohnung und in der Königsberger Strohe 28 Holz usw. in einem Kesselraum. Der 12. Zug wurde nach der Schwerinstr. 19 gerufen. wo ein Pserd in einen Kellerschacht gestürzt war. Die Feuerwehr holte das Pferd wieder heraus. Weitere Feuermeldungen liefen aus der Warschauer Straße 66, Philippstr. 24 und anderen Stellen ein. Vorort- J�admcbten. Zur Gctmindewablbewegung. Medrichsfelde. Am Montag, den 6. April, finden in der Zeit von 12—8 Uhr abends die ErgänzungSwahlen und Dienstag, den 7. April, in der- selben Zeit die Ersatzwahl zur Gemeindevertretung statt. Maklergebnille. Blankenfelde. Bei der Gemeinderatswahl, an welcher sich unsere Genossen zum erstenmal beteiligten, ging unser Kandidat Otto Grund als Sieger aus der Wahl hervor. Das Ergebnis muß für unsere Genosse» ein Ansporn sein, durch Ausgestaltung der Parteiorganisation weitere Erfolge vorzubereiten. Tegel. Bei der gestrigen Gemeindevertreterwahl wurden unsere Genossen Röbel und Halses mit 813 gegen 23S bürgerliche Stimmen gewählt._ Submissionstechnik. Die.Arbeitsmethode", die von Tiefbauunternehmern bei Schröpfung der Gemeinden und anderer Behörden, welche Arbeiten an Unternehmer vergeben, angewandt wird, ist jetzt, nachdem die Millionenschiebung von Friedrichsfelde und die 100 000 Mark-Affäre von Lichtenberg an die Oeffentlichkeit gebracht wurden, eine andere geworden. Am einfachsten wurde die Sache damals in Friedrichsfelde ge- macht. Alle sechs Offerten, die bei der.Submission" abgegeben worden sind, waren im Bureau des UuternehinerS Wilhelm Bruch angefertigt. In Lichtenberg ging die Sache nicht so glatt von statten. Der Haus- und Grundbesitzer Unternehmer Schützler und der Unternehmer Karl Rosenfeld halten schon je ein„Nennen gemacht", wie es im Unternehmerjargon heißt. Bei der.Submission" für das Rieselfeld Tasdorf hatte der Unternehmer Paul Aiebig in den Herren Hagen und Mörsch hartnäckige Mitjäger. Es bedurfte erst mehrerer und langer Verhandlungen, bevor eine Einigung au folgender Grundlage zustande kam: Dem Unternehmer Fiebig wurde die Aptierung und Drainierung, dem Unternehmer Mörsch die Druckrohrverlegung zugestanden. Den anderen„Submittenten" wurde am nächsten Morgen mittels Rohrpostbrief angegeben, welche Summen sie in die abzugebende Offerte einzusetzen hätten. Jeder der beteiligten Unternehmer hatte vorher, als Garantie dafür, daß er die Abmachungen auch halte, einen Sichcrheitswechsel hinterlegt. Nachdem in der Gemeindevertretung in Lichtenberg die Praktiken der Unternehmer, wenigstens bezüglich des Rieselgutes Tasdorf, auf- gedeckt worden waren, erklärte einer der Unternehmer in einem Artikel im„Berliner Tageblatt", die Geschäfte seien ganz einwand- frei. Das macht man halt so. Die Unternehmer hätten sich nur gegenseitig entschädigt für die großen Kosten, die ihnen die Arbeiten für die Subniissionen verursachten. Nette Entschädigungen für „kolossale Arbeiten und Kosten"!— Bei Friedrichsfelde erhielten die fünf Mitsubmittenten für die Unterschrift, die sie unter die Submissionsangebote setzten, die im Bruchschen Bureau fix und fertig ausgefüllt waren, je 16 000 bis 20000 M. l— Obwohl die Unternehmer solche„Entschädigungen" angeblich als einwandfrei betrachteten, scheinen sie dem Staatsanwalt doch nicht recht zu trauen. Sie halten eS für geraten, nun eine andere Politik anzuwenden. Zu einem vor kurzer Zeit in der Provinz abgehaltenen Submissionstermin, in dem Arbeiten für eine Meliorationsgenossen- schaff vergeben wurden, waren zwei Berliner, ein Posener und ein einheimischer Unternehmer erschienen. Bald hatten sich die Vier so- weit„berochen", daß sie sich von dem Gastwirt ein separates Zimmer geben ließen und dann sich ans folgenden schriftlich fixierten Vertrag festlegten. Die nachstehend aufgeführten Unternehmer verpflichten sich gegenseitig durch ihre Unterschrift, daß, wer von ihnen auf Grund seiner eingesetzten Preise die Arbeiten übertragen erhält, den anderen Mitunterzeichncten je 3000 M.(Dreitausend Mark) zu zahlen hat. Nachdem diese Vereinbarung zustande gekommen war, füllten die Unternehmer die Hauptpositionen der AngebotSformulare aus, wo- bei sie nicht vergessen haben dürften, nicht nur die zu zahlenden 3 X 3000— 9000 M., sondern noch einen Extra-Unternehmergewinn drauf zu schlagen. Mit dieser Submissionstechnik glauben die Unternehmer vor dem Staatsanwalt sicher zu sein. Nixdorf. Der Stadtverordnete Genosse Hermann Sasse ist am 20. d. M. nach längerem Leiden verstorben. Die Ueberführung nach Hamburg zwecks Einäscherung erfolgte am Mittwoch nachmittag. Der Ver« storbene ist zwar nicht nach außen merklich in den Vordergrund ge- treten; er hat aber in der ihm eigen gewesenen stillen Weise sich stets als ein schätzenswertes tätiges Mitglied der sozialdemokratischen Fraktion erwiesen. Letztere wird ihm daher ein ehrendes Andenken bewahren. Bei der Leichenfeier am Mittwoch fiel als befremdend auf, daß die Stadtverordnetenversannnlung offiziell nicht ver- treten war. Stadtverordnetenversammlung. Sitzung vom Donnerstag, den R. März. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete Vorsteher Sander dem Andenken des verstorbenen Stadtv. Sasse warm empfundene Worte, welche die Versammlung durch Erheben von den Plätzen bestätigte. Als erster Punkt stand zur Beratung die Erweiterung des städtischen Omnibusbetriebes. Der Magistrat beabsichtigt, als Haupt- linie die Strecke Hermannplatz— Ringbahnhof einzurichten, welcher sich als Zweiglinie mit Umsteigemöglichkeit die Tour Erkstraße— Ringbahnhof Treptow angliedern soll. Dadurch würde nach der Begründung vielfach laut gewordenen Wünschen entsprochen, andererseits aber auch eine bessere Rentabilität des ganzen noch größeren Zuschuß erfordernden Betriebes herbeigeführt. Die Ein- nahmen sind auf 93 000 M., die Ausgaben auf 118 000 M. für das kommende Jahr veranschlagt, so daß ein Zuschuß von 23 000 M. erforderlich wäre.— Die Debatte eröffnete Stadtv. G r ö p l e r, der des Defizits wegen— das er auf 30 000 M. schätzt— den ganzen Betrieb mit dem 1. Oktober eingestellt wissen will. Ferner gebiete es die„Pietät"— wie er sagte— gegen die Omnibusgesellschaft. welche die beabsichtigte neue Linie bereits befahre, daß dieser seitens der Stadt keine Konkurrenz gemacht werde.— Stadtv. N ie m e tz warf dem Redner vor, daß er als Aktionär der Omnibusgesellschast, nicht aber als Stadtverordneter gesprochen habe; eine Rücksicht gegenüber der Privatgesellschaft fei durchaus nicht am Platze�— Stadtv. Dr. S i l b e r st e i n(Soz.): Die Argumente des Stadtv. Gröpler zeugen von einer großen Unkenntnis in Verkehrssragen. Die Stadt muß dem sich geltend machenden Bedürfnis gerecht werden, selbst auf die Gefahr hin, Opfer dabei zu bringen. Damit wurde auch von vornherein bei Einrichtung des Betriebes gerechnet. Es ist im Interesse der Bürger des nord- östlichen Ottsteiles verdammte Pflicht und Schuldigkeit, die ge- lchaffene Verkehrsverbindung aufrechtzuerhalten. Die Aufhebung wäre eine Blamage ohnegleichen für Nixdorf. Nach Einrichtung der neuen Linie wird auch die Befriedigung des bei Eröffnung unseres Krankenhauses hervortretenden Verkehrsbedürfnisses wesentlich er- leichtert werden durch eventuelle Verlängerung der Linie. Die Vorlage des Magistrats kann nur gutgeheißen werden.— Die Stadtvv. B e e r m a n n, Rahmig. Rockilitz, Rosenow sprachen mehr oder weniger ihre Sympathie der Vorlage aus, plädierten aber für nochmalige Zurückverweisung an die Verkehrs- deputation.— Stadtv. K o y e behauptete, daß die Stadt überhaupt den, Privatunternphmern eine solche Konkurrenz nicht machen dürfe(I), auch auf anderen Gebieten nicht(II).— Der Erste Bürgermeister Kais er ließ bei Vertretung der Vorlage die nötige Energie vermissen. Obwohl er zuerst es als selbstverständlich hin- gestellt hatte, daß der einmal begonnene Betrieb ausgebaut werden müsse und versicherte, wie wenig eine Vertagung nützen werde, indem neues Material nicht zu erbringen sei— erklärte er zum Schluß doch, daß der Magistrat mutig zurückweiche und die Ver- tagung akzeptiere.— Die Versammlung beschloß denn auch in diesem Sinne. Der Anteil Rixdorfs für den Wettbewerb zur Erlangung eines Grundplanes der künftigen baulichen EntWickelung Groß-BerlinS wurde in Höhe von 7000 M. bewilligt. Das Schulgeld für die am 1. Oktober zu eröffnende Realschule beantragte der Magistrat für einheimische Schüler auf 100 M., für auswärtige auf 140 M., für die sämtlichen Klassen der Oberreal- schule in der Emserstraße auf 120 bezw. 160 M. festzusetzen. Trotzdem Stadtv. Dr. Silberstein(Soz.) diese Verschiedenartig- keit als ungerecht kennzeichnete, da doch beide Anstalten bis Unter- sekunda völlig gleichwertig sind, beschloß die Versammlung im Sinne der Vorlage. Auf der noch freiliegenden Parzelle des städtischen Grund- stücks Berliner Straße 9(höhere Mädchenschule) soll ein neues Klassengebäude mit 16 Räumen erbaut werden; in diesem wird später das an die Mädchenschule anzugliedernde Lehrerinnenseminar untergebracht werden. Die Stadtvv. Grogcr(Soz.) und Conrad(Soz.) rügten bei dieser Gelegenheit die falsche Grund- stückspolitik, die von der Mehrheit seinerzeit auch bei der Aufstellung des ganzen„Nolle"-Grundstücks betätigt wurde. Nur ein Zufall füge eS, wenn der Plan des Magistrats zur Ausführung kommen könne; denn die Veräußerung der Parzelle war bis heute geplant und unterblieb nur, weil die gemachten Angebote(eins darunter von einem Stadtverordneten) im Preise zu niedrig waren und auf Betreiben der sozialdemokratischen Fraktion abgewiesen wurden. Ein Verkauf städtischer Grundstücke müsse unbedingt vermieden werden.— Stadtv. N i e m c tz und Bürgermeister Dr. W e i n r e i ch feierten die ihrer Meinung nach im Gegenteil sehr kluge Taktik, welche die Stadt bei diesem Grundstück eingeschlagen habe.— Die Vorlage wurde einstimmig genehmigt. Der Errichtung von Lehrerstellen für die neue Realschule und dem Ortsstatut über die Witwen- und Waisenfürsorge für die Lehrer und Beamten der höheren Lehranstalten wurde debattelos zugestimmt. In geheimer Sitzung beschloß die Versammlung gegen die Stimmen der sozialdemokratischen Fraktion die Beteiligung mit 3000 M an die Stubenrauch-Stiftung des Kreises Teltow.— Bei der Wahl der Vertrauensmänner zum Wahlausschutz für die Schöffen und Geschivorenen bemühte man sich von gewisser Seite weidlich, den Vertreter der 3. Abteilung nicht wieder in diesen Ausschutz zu lassen. Ein Stadtvater, der seinen Stolz darin sieht, den Reichstags-Ahlwardt an Komik womöglich noch zu übertreffen, ging sogar soweit, seine eigene Kandidatur aufzustellen, als alle anderen Mittel zuschanden wurden. Die treffende derbe Charakteri» sierung dieser„noblen" Handlung trug einem sozialdemokratischen Stadtverordneten einen Ordnungsruf ein. Einen Familienabend veranstaltet am morgigen Sonntag, abend? S'/z Uhr. der 17. Kommunalwahlbezirk in Hoppes Festsälen, Hermann» stratze 49. Da im ersten Teil das Parteivorstandsmitglied Genosse Pfannkuck, über„Unsere politische Lage" spricht, im zweiten Teil Gesangsvorträge des hiesigen Arbeiter-Gesangvereins„Melodia" und Rezitation statlfinden, scheint der Abend ein recht genußreicher zu werden. Versäume also niemand, im Kreise von Gesinnungs- freunden ein paar fröhliche Stunden zu verleben und für regen Besuch zu agitieren. Steglitz. „Fröhliche Weihnachten!" Mit diesem Weihnachtswunsch fand gestern abend der Bildhauer U. bei seiner Heimkehr nach 10 Uhr abends auf der Treppe des HauseS Schützenstr. 1 ein Paket in grauem Packpapier, das ihm sehr verdächtig vorkam. Ans diesem Grunde trug er es sofort nach der Polizeiwache, wo sich beim Oeffnen ergab, daß der weiße Karton mit obiger Aufschrift die Leiche eines Kindes weiblichen Geschlechts enthielt. Nach Aussage eines hinzu- gezogenen Arztes ist das Kind lebensfähig gewesen. Ob es bei der Geburt gestorben oder nachher getötet worden ist, konnte bis jetzt nicht festgestellt werden. Die Nachforschungen der Behörde nach der Mutter waren bis jetzt ergebnislos. Hohen-Schönhausen. In der letzten Gemeindevertretersitzung wurde zum Kassen« rendanten der Gastwirt Herr Schultze gewählt. Außerdem teilte der Gemeindevorsteher mit, daß die Schuldeputation bis ans unseren Genossen Thiele bestätigt worden sei. Der Schöffe, Herr GenSler, ebenfalls der Schuldeputation angehörig, legte auS Gesimdheits- rücksichten das Amt nieder. Eine Posse leistete sich noch der bei der letzten Gemeindevertreterwahl mit fünf Stimmen durchgefallene Gemeindcvertreter Herr Kreutz. Trotzdem sein Mandat zum 1. April abläuft, legte er es noch in der Sitzung nieder. Dem Etat wurde zugestimmt. Pankow. Endlich ist es nach jahrelangen Bemühungen unserer Genossen in der Gemeindevertretung gelungen, über die Tätigkeit dhs Schularztes einen schriftlichen Bericht zu bekommen. Der Bericht umfaßt die Zeit vom April 1903 bis März 1907. Das Resultat ist trotz der vier Jahre als dürftig zu bezeichnen und beweist, wie recht wir haben mit der Behauptung, daß es unmöglich ist, im Nebenamt 4500 Schulkinder hygienisch zu überwachen. Der Bc- richt behandelt die hygienische Ueberwachung der Schulhäuser und der Schulkinder. Zuerst wird mitgeteilt, daß seit 1903 Fußboden- öl benutzt wird, um den Staub niederzuhalten und die Staub- cntwickelung zu verhindern. In den Knabenschulen sind in den Abortanlagen Oelsyphons, soweit wie es angängig war, angebracht lvorden. Auf Antrag des Schularztes werden zweimal im Jahre die Bänke untersucht, ob dieselben absplittern, wodurch sich Kinder verletzt hatten. Dann sind noch die Schuldiener angewiesen worden. die Trinkbecher, Spucknäpfe und Abortanlagen sorgfältiger zu reinigen. Seit 1906 ist ein Kursus für Kinder mit Sprachfehlern eingerichtet, welcher von 14 Schulkindern besucht wurde. Jetzt werden jährlich zwei Stotterkurse abgehalten. Des weiteren wird mit Bedauern darauf hingewiesen, daß der Antrag des Schul- arztes, eine Waldschule einzurichten, von der Gemeinde abgelehnt sei; desgleichen wird auf die Notwendigkeit, von Gemeinde wegen Ferienkolonien zu errichten, hingewiesen. Die schulärztliche Unter- suchung hat ergeben, daß eine ganz erhebliche Anzahl Schüler und Schülerinnen wegen allgemeiner Schwäche auf Monate dem Schul- Unterricht fernbleiben müssen; so im Jahre 1903: 33 Kinder, 1904: 64 Kinder, 1903: 33 Kinder, 1906: 38 Kinder; dazu kommen noch die vorübergehenden Kranken, von denen im Jahre 1907 in der dritten Schule 116 Knaben öfter wegen Krankheit gefehlt haben und nicht unter schulärztlicher Kontrolle standen. Die Körper- beschaffenheit der neueingeschulten Kinder ist im Durchschnitt be- zeichnet mit 20 Proz. kräftiger, 46 Proz. mittelmäßiger und 34 Prozent schwächlicher Konstitution. Das Gehör war bei 28 Proz. normal. Bei 26 Proz. befanden sich Drüsen-Anschwellungen und 96 Proz. hatten defekte Zähne. Ueber die Hülfsklasse für schwach- begabte Kinder liegt kein Bericht vor. Seit 1907 amtieren zwei Schulärzte nebenamtlich gegen 600 Mk. Entschädigung, desgleichen ein Augenarzt mit 300 Mk. Entschädigung. Bernau. Die Beratung und Feststellung des StadthauShaltsetatS für 1908/09 stand auf der Tagesordnung der letzten Stadtverordneten- Versammlung. In der Generaldiskussion nahm als erster Redner Genosse H e l b i g das Wort. Redner betonte, daß, wenn auch die Einnahmen Bernaus sich bisher aus Verpachtungen, Legaten, der Forstnutzung und den Steuern rekrutierten, die Stadt alle Ver- anlassung habe, sich Einnahmequellen wie andere größeren Orte aus Kommunalunternehmnngen zu schaffen. Die Wasserleitung zum Bei- spiel scheine wohl auf längere Zeit hinausgeschoben zu sein; auch höre man nichts von dem Bau des neuen Schul- HauseS, welches doch bald in Angriff genommen werden müßte. Er bezweifelte auch, daß das Sleuersoll in diesem Jahre infolge des wirtschaftlichen Niederganges voll erhoben werden könnte und empfahl Berücksichtigung der Restanten. Die Entlohnung der Bureaugehülfen, Nachtwächter, Schuldiener und der städtischen Arbeiter lasse viel zu wünschen übrig. Auch genüge die Zahl der Lehrkräfte an der Volksschule nicht, hätten dock 20 Lehrkräfte 22 Klassen zu unterrichten. Der höheren Töchterschule sind 1000 M. bewilligt worden, für weitere Lehrkräfte der Volksschule habe man aber kein Geld übrig. Auch müßte das einmalige Einschulen im Jahre endlich aufhören, damit es dann nicht vorkommen könnte, daß in den Klassen nur 13, 14 und 13 Kinder versetzt werden. Für die Entwickelung der Gemeinden und für die Hochhaltung der Selbstverwaltung wäre es an der Zeit, daß das allgemeine Wahlrecht eingeführt und das HauÄdcsitzerprivileg fallen gelassen werde. Die letzten AnSsiihrnngen schien der stellvertretende Vorsteher als nicht zur Tagesordnung ge- hörig zu betrachten, denn er griff nach der Glocke. In der hierauf folgenden kurzen Diskussion wurde vom Bürger- meister auch versprochen, in der Versetzungsangelegenheit Remedur zu schaffen. ES wurde dann in die Be- ratuwg der einzelnen Titel eingetreten. Bei den verschiedenen Positionen beteiligten sich unsere Genossen im Sinne des vom Genossen Helbig Gesagten, so bei der Besoldung der Bureaugehülfen. Bernau zahle jungen Leuten, welche als Bureaugehülfen beschäftigt sind, nionatlich 33—85 M. Dieses sollte aus 43— 95 M. erhöht werden. Gegen diese wahrlich minimale Aufbesserung wandte sich sogar ein Teil Stadtverordneter der ersten und zweiten Abteilung. D,e Gehaltsaufbesserungen der Nachtwäckiter. welche gegenwärtig (500 M. jährlich beziehen, und des Sckuldieners, dessen Ein- kommen jährlich 500 M. nebst freier Wohnung und Heizung beträgt, wurden nach hier üblichem Brauch in nichtöffentlicher Sitzung be- raten. Der Etat wurde in Einnahme imd Ausgabe mit 280 000 Dt. gegen die fünf Stimmen unserer Genossen angenommen. Die wich- iigsten Titel der Einnahmen sind: Vortrag 45 000 M., Erträge aus Grundeigentum 11459,88 M., Forstnutzung 63 581 M., Gemeindesteuern 125 091,84 M., Schulverwaltung 7324,47 M., öffentliche Armenpflege 18 525.72 M. Die wichtigsten Titel der Ausgaben sind: für den Wirtichaflsfonds 30 000 M., Kreissteuern 18 000 M.. Zins- Zahlungen und Renten 15 317.20 M., Schulverwaltung 41 659,50 M., Kranken- und Armenpflege 35 778 M., Bauten 57 971 M., Be- leuchtung 9500 M., Forstverwaltung 17 489 M.. Beträge für einzelne Kommunalzwecke 8642,04 M. und Besoldung der Beamten 31 926 Dt. Zossen. Eine unliebsame Störung erfuhr das Begräbnis des verstorbenen Genossen Flemje. Der Friedhofsverwalter Harms untersagte den Kranzrrägern die üblichen Widmungsworte am Grabe zu sprechen. Genosse Rönnebeck, der einen Kranz im Auftrage des Gewerlschafls- kartells niederlegte, glaubte nicht notwendig zu haben, den eigen- artigen Anordnungen des Friedhofverwalters Folge zu leisten. Als er die Worte:„Gewidmet vom Gewerkichaftskartell" ausgesprochen hatte, erschien auch schon der Gendarm Goldbach auf der Bildfläche und stellte die Personalien Rönnebecks fest. Durch diesen Akt war natürlich die Begräbnisfeier erheblich gestört worden. Und wenn kurz vorher noch der Superintendent Herr Schmitt in seiner Trauer- rede von Liebe usw. gesprochen hatte, so wurde durch diesen Zwischen- fall der ganze Trauerakt in eine ganz entgegengesetzte Beleuchtung gerückt._ 6erlcbt9- Zeitung Entwendung elektrischer Kraft. Eine im großen Umfange betriebene Entziehung fremder elek- Irischer Kraft, wodurch die Berliner Elektrizitätswerke im Laufe der Jahre um etwa 68 000 M. geschädigt worden sind, beschäftigte gestern die dritte Strafkammer des Landgerichts I. Der Haupt- angeklagte, Kaufmann Heinrich Preist aus Schöneberg, ist seit dem 2. April 1906 unockannten Ausenthalts. Er ist eines Vergehens gegen§ 1 des Reichsgesetzes betreffend die Bestrafung der Ent- ziehung elektrischer Arbeit vom 9. April 1900 beschuldigt. Gestern hatten sich 7 Personen wegen Beihülse zu verantworten-, sie waren sämtlich in den letzten Jahren bei Preiß angestellt und mit der Bedienung von Maschinen betraut. Preiß besaß bis zum Frühjahr 1906 in Berlin vier sogenannte Blockslationen, d. h. elektrische Kraftanlagen, welche zur Versorgung von Häuserblocks mit Elek- trizität dienen. Diese Blockstationen befanden sich Friedrichstraße 94— 95, Unter den Linden 44, Roscnthaler Straße 39 und Alte Jjakobstr. 22. In den beiden ersten Stationen wurden im Jahre 1903 die Maschinen mangelhaft und lieferten nicht mehr den ge- nügendcn Strom zur Versorgung der an sie angeschlossenen Ab- nehmer. Dies brachte Preist dazu, heimlich aus dem Leitungsnetz der Berliner Elektrizitätswerke in seine Leitungen Kraft hinüber zu nehmen. Nach der Darstellung von sachverständiger Seite ging er dabei wie folgt zu Werke: Er entfernte an Stellen, wo das fremde Netz sein: Drähte kreuzte, die Isolierschicht der Leitungen, rieb das Kupfer blank und stellte durch Kupferklammcrn oder Kupferstreifcn eine Verbindung des fremden Netzes mit seiner Leitung her, und zwar so, daß die beiden Leitungen parallel gc- schaltet waren, also für dieselben Stromverbraucher Elektrizität mitlieferten. Da die Spannung in dem Netz der Berliner Elek- trizitätswerke um 10 Volt höher war, als in seinen Leitungen. so erreichte er durch seine Vorrichtungen, daß aus dem erjteren ein starker Strom übertrat, der von dem Sachverständigen, Ober- inspektor Mandel, auf 50 Ampere festgestellt wurde und deffen Wert in den letzten Jahren auf 68 400 M. abgeschätzt worden ist. Da für einen Strom von solcher Stärke die Leitungen und Siche- rungen der Anlagen des Angeklagten nicht eingerichtet waren, so griff er noch zu allerlei Vorrichtungen, die er auf geschickte Weise vor kontrollierenden Augen zu verbergen wußte. Als im März 1906 das Treiben des Preiß entdeckt wurde, verkaufte er schleunigst die vier Blockstationen und verschwand aus Berlin. Trol? seiner steckbrieflichen Verfolgung ist bisher seine Ergreifung noch nicht ge- luugeu. Die der Beihülfe beschuldigten 7 Angeklagten stellten des Abends, wenn die Abnehmer für Beleuchtungszwecke einen ver- stärkten Stromverbrauch hatten, die Verbindung mit dem Netz der Berliner Elektrizitätswerke her, die tagsüber ausgeschaltet war.— Der Staatsanwalt beantragte gegen jeden der Angeklagten zwei Woche» Gefängnis. Das Urteil lautete auf je 50 M. Geldstrafe. Autounfall. Zu dem freisprechenden Urteil, welches die 2. Strafkammer des Landgerichts III, wie am 26. d. M. gemeldet, gegen� den Ehauffeur Karl Stemmler gefällt hatte, wird uns nachträglich ausführlicher der Inhalt des Gutachtens mitgeteilt. Der Ingenieur Zechlin bekundete: Es sei durch die Bekundung der Zeugen festgestellt, daß St. in mäßigem Tempo gefahren sei. Die Möglichkeit, daß etwa durch unvorsichtiges Fahren der Unfall entstanden fei, müsse deshalb von vornherein ausgeschieden werden. Als Entstehungsursachen des Unglücks kamen deshalb lediglich die etwaige mangelhafte Beschaffenheit des Wagens oder aber auch eine mangelhafte Be- schaffenheit des Wege» in Betracht. Wie absolut sicher festgestellt ist, platzte kurz vor der Unfallstelle die linke Pneumatik des Auto- mobils. Hierdurch erhielt das Fahrzeug eine Wendung nach links, da das nunmehr auf der eisernen Felge laufende Rad gewisse Brems- Wirkungen hervorruft, die den Wagen ans seiner geraden Fahrt- richtung drängen. Verschlimmert wurde die plötzliche Ablenkung des Wagens sodann durch absolut falsche allzu große Abböschung der Ehanssee. Hierdurch wurde der Wagen gegen den Baum ge- schleudert, ohne daß ein fahrlässiges Verschulden des Angeklagten dabei in Frage gekommen war. Der zweite Sachverständige, Herr Dr. Orchelhnuser, schloß sich diesem Gutachten in vollem Umfange an. Auch er war der Ansicht, daß die eigentliche Ursache des Unglücks die in verkehrstcchnischer Hinsicht absolut anormal an- gelegte Ehanssee gewesen sei. Die völlig»iizwcckmätzige Beschaffen- licit des Weges habe daS Automobil nach den Bäumen zu gedrängt. Der Chauffeur habe nunmehr die Bremse fest angezogen, so daß die Hinterräder festgebremst waren. Hierbei genügte ein spitzes Steinchen, um die Pneumatiks zum Platzen zu bringen, wodurch wiederum der Wagen noch mehr aus der Fahrtrichtung gedrängt worden war. An derselben Stelle ist übrigens vor einiger Zeit in ganz gleicher Weise ein Automobil-Lastzug der Militärbehörde verunglückt.— Da nach diesen beiden Gutachten nicht die geringste Schuld den angeklagten Chauffeur traf, kam daS Gericht zu der bereit? mitgeteilten Freisprechung. Zu Tode gefahren. Der Kutscher Max Dieter hatte sich vor der Strafkammer wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten. Er fuhr am 15. August mit einem schweren Arbeitswagen die Fennstraße entlang und fuhr- infolge sträflicher Unachtsamkeit gegen einen vor einem Hause stehenden Arbeitswagen, auf dessen Deichsel zwei junge Burschen saßen. � Durch den Anprall fielen beide zur Erde, und der eine, ein zwölfjähriger Junge, die ganze Freude seiner Eltern, stürzte so unglücklich, dnsi ihm ein Hinterrad de» Wagens des Angeklagten über die Oberschenkel ging. Der Knabe, der einen Schenkelbruch erlitten, blieb liegen; der Kutscher aber fuhr weiter, als ob ihn die ganze Sache gar nichts anginge. Ein Schutzmann fiel den Pferden in die Zügel und stellte den Namen des Angeklagten fest. Der verunglückte Knabe wurde nach der Unfallstation und von da in die Wohnung seiner Elrern gebracht; er bekam Wundstarrkrampf und mußte nach dem Virchowkrankenhause transportiert werden,' wo et in der zweiten Nacht gestorben ist. DaS Gericht verurieilte den Angeklagten zu neun Monaten Gefängnis. Ungültige Polizeiverordnung. In Wiesenthal in Schlesien erteilt der Pfarrer in der Schule Religionsunterricht. Dem Herrn erschien es angemessen, über diejenigen Kinder, die Sonntags der Kirche fernblieben, Nachsitze» stunden zu verhängen. Vorher gab er seinem Zorne in Worten beredten Ausdruck. Herr Matzke, dessen Tockiter auch aus jenem Grunde nachsaß, begab sich, als er es von Kindern erfuhr, sofort in die Schule und machte dem Pfarrer lebhafte Vorhaltungen. Er war insbesondere der Meinung, daß der Pfarrer gar kein Recht habe, wegen Nichtbesuckes der Kirche Schüler nachsitzen zu lassen. Matzke wurde aus Grund einer Regierungs-Polizeiverordnung vom 24. Oktober 1844 angeklagt, welche mit Strafe den bedroht, der durch unbefugtes Eindringen in eine Schule den Unterricht stört. M. wurde auch von der Strafkammer in Glatz verurteilt. Das Kammergcricht gab jedoch seiner Revision statt und sprach ihn frei, weil die angewandte Polizeiverordnung ungültig sei. Sie finde ihre rechtliche Stütze weder im schlesischcn Schulreglement vom 12. März 1891, noch im§ 10 II 17 des Allgemeinen Land- rechts(Polizeiklauscl)._ Ein polizeilicher Sittlichkeitshllter. Vom Landgericht Zaber» ist am 7. Februar der Polizeibiener Alfons Barth wegen Verführung seiner Dienstmagd, der 1892 ge- borencn Zeugin S. zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt worden. Das Mädchen war zur Zeit der Urteilsfällung im sechsten Monat schwanger. Die Revision des Angeklagten wurde vom Reichsgericht am Donnerstag verworfen. Versammlungen. Dlt Möbelpolicrcr nahmen in ihrer Branchenversammlung am Donnerstag einen Vortrag des Genossen S k u h r über die Taktik der russischen Gewerkschaften entgegen. Dann erstattete K n o l l den Berich! vom Gaulag des Holzarbeiterverbandes. Der Branchen- obmann Schreiber nahm Bezug auf das Referat, welches der Verbandsvorsitzeude Leiparl aus dem Gaulage über Tarifverträge gehalten hat. Schreiber bemerkte hierzu, der Tarifvertrag in der Holzindustrie habe für die Möbelpolierer keinen Wert, so lange nicht für sie ein Mindestlohn im Vertrage festgesetzt sei. Jetzt, während des schlechten Geschäftsganges, würden die Löhne der Möbelpolierer stark herabgedrückl. Viele Unternehmer machen sich in dieser Weise die schlechte Konjunktur zunutze. Wenn es wieder zu eineni Ver- tragsabschlusse komme, dann müßte darauf gedrungen werden, daß die Arbeilgeber einen Mindestlohn für die Möbelpolierer anerkennen, der auch in Zeilen schlechten Geschäftsganges nicht herabgesetzt werden dürfe. Nach dieser Richtung hin müsse der Holzarbeiter- verband bei einem künftigen Vertragsabschluß die Interessen der Möbelpolierer vertreten. Der Verband der Schneider und Schneiderinnen hielt am Mittwoch im großen Saale des Gewerkschaftshauses eine Mit- gliedervcrsammlung ab, die mit einem Vortrage des Genoffen Pfannkuch über die wirtschaftliche Krise und ihre Ursachen begann. Der Vortrag fand lebhaften Beifall.— Hierauf wurde in geheimer Abstimmung die Wahl eines Angestellten für das Filialbureau des Verbandes vorgenommen. Gewählt wurde der Kollege R e i n k e. Zum Schluß folgten Mitteilungen des Orts- bevollmächtigten. Erklärung. In einem VersammlungSbericht des Kupfer- fchmiedeverbandes in gestriger Nummer des„Vorwärts" wird mit einigen, meine Person herabsetzenden Wendungen der„Verwunde- rung" darüber Ausdruck gegeben, daß ich als Vertreter der Kupfer- schmiede in die Agitationskommission der Rohrleger gewählt bin. Ich bescheinige dem Vorstand des Kupferschmiedeverbandes sehr gern, daß ich nicht vom Kupferschmiedcverband, sondern von den im Deutschen Metallarbeiterverband organisierten Kupferschmieden ge- wählt worden bin. Etwas anderes war in dem fraglichen Bericht über die Rohrlegerversammlung nicht gemeint. C. Fritz. Oeffemliche Blbltoebek und Lesehalle zu une«»ge>tli«her Be. Nutzung für jedermann, 8W.,(Merandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von 5'/,— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—> und 3—6 Uhr. In den Leiesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 29. März er., vormittags lO1/- Uhr: Feier der Jugendweihe in Keller» grohem Festfaal, Koppen- ftratze 29. Die Festred« hält Herr Dr. Bruno Wille:„Menschlicher Gott und göttlicher Mensch". Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Allgemeine Kranken- und T-irrdetasse der Metallarbeiter lE. H. 29, Hamburg), Filiale Baumschulenweg: Heute abend */,9 Uhr bei Käding, Baumfchulenstr. 67, Mitgliederversammlung. Vermischtes. Erdbebe». Die Breslauer Erdbebenwarte Krietern meldet von gestern: Die Instrumente der hiesigen Warte registrierten heute nacht zwei starke Erdbeben, beide etwa 2300 Kilometer entfernt. DaS erste Beben begann um 12 Uhr 16 Minuten 32 Sekunden und endete gegen 3 Uhr. Der größte Ausschlag hierbei betrug 21/2 Millimeter. Das zweite Beben begann um 5 Uhr 9 Minuten 34 Sekunden und dauerte bis etwa ö3/« Uhr. Auch in Mexiko fand vorgestern nachmittag, wie eine Mel- dung von dort besagt, ein starkes Erdbeben statt, daS auch in Guanajato und Rineon gespürt wurde. Vier Personen wurden ver« letzt. In der Straße San FraneiSco sind an vielen Häusern die Mauern geborsten oder eingestürzt. Die Nadel des Seismographen umschrieb daS ganze Zifferblatt. Hamburg. 27. März. Heute nacht wurde von den Jnstm« menten der hiesigen Hauptstation für Erdbebenforschung ein sehr starkes und ein etwas schwächeres Fernbeben in etwa 9500 Kilo- meter Entfernung aufgezeichnet. Die Aufzeichnung rührt von einem in Mexiko stattgehabten Erdbeben her. Der Beginn des ersten Erd- bebens wurde um 12 Uhr 16 Minuten 14 Sekunden, der des zweiten um 5 Uhr 16 Sekunden registriert. Die Dauer der Registrierungen betrug 2Vs bezw. mehr als 2 Stunden. Explosion in einer Pulverfabrik. Wie aus Hamm a. d. Sieg gemeldet wird, flog in der nahe gelegenen Pulverfabrik gestern der Sctzraum einer hydraulischen Presse auf bis jetzt noch unaufgeklärte Weife in die Luft. Ein Pulvermeister und zwei Arbeiter wurden getötet. An einzelnen Gebäuden der Fabrik wurden die Dächer be- schädigt und die Fenster zertrümmert. Beim Rodeln verunglückt. Nach einer Meldung aus St. Andreas- berg ist vorgestern abend beim Rodeln die unverehelichte Marianne Budzinska von einem Felsen abgestürzt, wobei sie einen Schädel- bruch erlitt. Sie wurde bewußtlos aufgefunden und in das Kranken- haus in Hannover eingeliefert, wo sie gestern morgen das Bewußt- sein noch nicht wiedererlangt hatte. Ihr Zustand ist sehr ernst. Sieben Personen verbrannt. Nach einer Meldung aus PeterS- bürg sind bei einem in voriger Nacht auSgebrochenen Brande in der Siwkowstraße, in der viele Arbeiter wohnen, sieben Personen verbrannt und 20 verletzt worden. eingegangene Orucklickriften. Friedrich Hebbels Tagebücher in 4 Bänden.� Herausgegeben von t ermann Krumm. 6.— 10. Taufend. In 2 Leinenbänden 3,50 M. Feine uSgabe 5.25 M. Luxusausgabe 7 M- Max HesseS Verlag in Leipzig. Das Buch der jüdischen Witze. M. Niiöl. Neue Folge. Gustav Rieckcs Buchhandlung Nachfolger, Berlin W. 30. Preis broschiert 2 M., gebunden 3 M. Tas WolinniigSrleiid im rbeinifch-westfälifchen Jndustrierevler. Von Nikolaus Jamal. Frankfurt a. M., Neuer Frankfurter Verlag. Preis 50 Pf. _ Jahresbericht 1907 des Arbeiterselretariats Solingen. 35 Selten. Selbstverlag in Solingen. Wilhelm Herzberg. Das Hambacher Fest. Geschichte der revo- lutlonären Bestrebungen'in Rheinbayern um das Jahr 1832. Preis 5 M. Verlag: Gerijch u. Co., Ludivigshafen a. Rh. Lriefkakten der Redahtfon. Dl» ItitiftUifir evecchfluiidc findet Lindenstrahe Ar. 8, zweite« ©of. dritter Eingang, vier Treppen, PV* F a h r f« n h l wachen, iiglich abends von?>/, bis»>/, live fiait. Gcäifnc«? Ubr Sonnabends beginn, dir Ebrechstnude um 0 Übe. Jeder Zlnfrag» ist«in Buchs, abr und eine Jaltl als Merkzeichen beiznsiigen. Briefliche Antwort wird»ich, erteil,. Eilige fragen trage mau in der Sprechstunde vor. M. 6. Nein.— W. Ksm. 127. Leider würde eine EntfchädigungS» klage laum Aussicht auf Erfolg haben. Die Entscheidung würde davon ab- hängen, ob daS Gericht auf Grund ärztlicher Guiachten zur Ueberzeugung gelangt, daß der belresteude Arzt gegen die aneilaniiten Regeln der ärzl» lichen Kunst gehandelt hat.— K. oder H. 1865. Leider nein.— G. W. 79. Wein, der Reisende dauernd angestellt ist, ja.— Oefterreirfj. 1. Nein. 2. Die Geburtsurkunde und diejenigen Papiere, welche die Polizei- behörde verlangt. Der Polizelpräsideut ist zur NaKuallsation elneS Nicht- deutschen berechtigt, aber nicht verpslichlet.— B. 56. Sie mühten auf Grund des Testaineuls Klage auf Auszahlung des LcgalS erheben. — Vit. G. 17. Sie müssen beantragen, den Zahlnugsbesehl mit der Voll- streckungSklauiel zu versehen und können dann Zwangsvollstreckung vor- nehmen.— I. Sch., Wciftensee. 1. Wenn Sie vorher dem Schieds- Achter mitteilen, dag Sie nicht erscheinen, so genügt das. 2. Ja. 3. und 4._ Nein. 5. Das wäre zwecklos. 6. Ja. 7. 10 M.— Krüger. Die Kündigung des Chambregarnisten mühte bis spätestens am 15. zum 1. er- folgen,-kam, aber nicht umgekehrt am 1. zum 15. ausgesprochen werden.— I. i». 190. l. Ja. 2. Nein.- D. 17. Leider nein.- N. St. 35. 1. Die Erneuerung soll sofort erfolgen. 2. Nein.— Eh. W. 228. Nein. — K. F. lt. Verjährung liegt nicht vor, Sie mützlen zahlen.— K. 20. 1. ii.. 2. Nein.— A. T. 13. 1. Ihre Braut lann am Ersten ziehen. 2. Die Preise variieren zwischen etwa 800 und 2400 M.— O. R. Nein. — H.®. 31. Ihr Mann soll es aus eine Klage ankommen lassen. Nach 8 1603 des Bürgerlichen Gesetzbuches ist das Kind nicht unterhajtspstichlig, das bei Berücksichligung seiner sonstigen Verpslichtuiigen auherstande ist, ohne Gefährdung seines standeSgeiiiähcn Unterhalls den Unterhalt zu ge- währen.— W. P. 7. Zur Nachzahlung sind Sic verpflichtet. Die Steuer- deputation ist aus Antrag berechtigt aber nicht verpflichtel. in Ihrem Falle Ratenzahlung zu bewilligen.— Triihöl. Wegen der Pachtung usw. sind allein die Privatvereinbarungcn mahgebend. Einen bestimmten Ort ver» mögen wir nicht zu empschlcn. Wegen des Transports setzen Tie sich am besten mit einem Spediteur in Verbindung.— E. G. 3. Die allein zuständige Polizeibehörde schreibt so, wie wir angegeben baben. vor.— - F. St. 25. Der Magistrat.— R. W. 3. Nein.- P. M. 12. Alle Monate.— M. L. 7. Ja, salls Sie nicht aus der Kirche ausgetreten sind.— S. W. 333. Sic können kündigen und baben bis zum Ablauf der KündsgungSsrist da? Gehalt zu verlangen.— Zossen. Die polizeilichen Bestimmungen der einzelnen Orte sind dafür mahgebend.— H. A. 16. 1. Ja, aber die Ehefrau könnte im Falle der Psänduuz mit Erfolg inter» venieren. Den Beweis, dah die Gegenstände ihr gehören, hat aber Ihre Ehejrau zu führen. 2. Das Verhältnis ist dasselbe. 3. Zweckmähig ist es, einen Verlrag vor einem Notar oder einem Gericht zu schlichen, in dem ausdrücklich die Gegenstände als Eigentum der Ehesrau anerkannt werden. Rückwirkende Krast hätte solcher Vertrag aber nicht.— N. C. 99. Nein. — B. A. Die Zahl der Karten genügt bei weitem nicht. Ein Anspruch aus Invalidenrente, nicht Altersrente, wäre begründet, wenn mindestens 200 Marten geklebt wären und Invalidität im Sinne des Invaliden» ocrsicherungsgesetzes vorliegt.— O. P. 7. Die Beförderung ist zuläisig. — O. G. Der Vertrag ist nicht ungültig geworden.— P. P. DaS betrcssende Hospital besteht nur für Gumbiniicu.— St. L. 99. 1. Wende» Sie sich an eine Grammophonsabril. Grundsätzlich lehnen wir Empsehlung bestimmter Firmen ab. 2. Ja: eine Tochter.— Sl. K. 105. Leider ist der Arbeitgeber im Recht.— F. W. 70. ES erjcheint aussichtslos. Aerltner Marktvrelse. Ans dem amtlichen Bericht der ftädttlchen Marklballen-Dtrektton. lGrohhandel.) Ochscufletlch l» 66 6S br. 100 Pfd., IIa 60-66, lila 52-65, Bulleuflctsch la 63-68, IIa 52-62, Kühe, seit 48—56. do. mager 34—42, Fresser 48—56, Bullen, dänische 40—61. Kalbiteisch, Dopvellender 103—125. Mastlälber la 83-90. IIa 72—79, Kälber ger. gen. 50—65, do. Holl. 50—55. Hamuiclsteilch Mast- lümmer 70— 73, Hammel la 64— 66, IIa 56- 61, ungut. 0.00, Schase 42—55. Schweineiteisch 49—56. Rehwild, plomb. per Pfund 0,00, Rotwild mit Abschuh 0,55. Damwild, plomb. 0,00. Renntiere 0,30— 0,45. Wildschweine 0,00. Frischlinge 0,70-0,77. Kaninchen. Stück 0,75-0,90. Hasen, Plomb. 0,00. Schneehühner, Stck. 0,70—0,90. Birkhähne, Stck. 1,50—1,70. Birk« Hennen, Stck. 1,30. Schnepscn, IIa 2,00. Hubner, la ver Stück 160 bis 3,00, dito IIa Stück 0,65-1,50, dito Wolga-, Stück 0,00. Ham» burgcr Küken, Stück l,l0— 1,20, Poulets 1,10—1,20. Kapaunen, deutsche, per Stück 0,00. Tauben, junge, Stück 0,30—0,60, dito alte 0,00, dito Italienische 0,75. Enten, per Psund 0,00, düo per Stück 1,75, dito Hamburger, per Stück 3,25—4,75. Gänse, gefroren per Pfd. 0,00, do. russische 0,30—0,50, do. junge Hamburger 0,90— l,l0. Puten la p. Psd. 0,80—1,00, do. IIa. u. alte 0,65. Hechle per 100 Pjuud 68—79, do. mittel 0,00, do. groh 0,00, do. groh- mittel 0,00, do. matt 0,00. Zander, mittel 0,00, do. groh-mittcl 0,00, do. unsort. 0.00. Schleie, groh-miltel 0,00, dito mittel 0,00, dito IIa 60-70, dito Nein 0,00. Aale. Nein 0,00, do. mittel 108—116, do. groh 0,00. Karpfen, unsortiert 64— 71, do. 20er 0,00, do. 50— 60er 60—65, do. 50er Lausitzer 0,00, do. 70er 0,00. Roddow 58. Plötzen 30—46, dito klein 31—35. Aland 0,00, Quappen, klein 0,00. Wels 0,00. Bunte Fische, klein 0,00. do. 0,00, Baise 0,00, do. matt 0,00. Bleie, Nein 51— 55. Bleisische 0,00. Karauschen 0,00. Winter-Rheinlachs, p. 100 Psd. 0,00, Ameritan. Lachs la, per 100 Psund 110— 130, do. IIa 90—100. Seelachs, per 100 Pfund 25—30. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6, do. mittel, Kiste 0,00» do. Hamb. Stiege 3—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 0,00, IIa3 0.00. Bücklinge. Kieler per Wall 0,00, schwedische 0,00, englische 0,00, Stralsimder 3—4,00. Sprotten, Danziger, Kiste 0,50, do. Rügenwalder, Kiste 0,50. Aale, groh per Psd. 1,10—1,20, do. mittclarog 0.80—1,10, Nein 0.60— 0.80. Heringe ver Schock 5,00—9,00. Tchellsische, Kiste 4,00— 4,50, dito'/, Stifte 2—2,50. Sardellen. 1902 et per Vinter 98, 1904ei- 93. 1905er 98, 1906er 85—90. Schottische Lollheringe 190Ö 0,00, largo 40—14, füll. 38—10, med. 36—42, deutsche 30-40. Heringe, neue MatjeS, ver'/, To. 0,00. Sardinen, russ.. Fast 1.50-1,60. Bratheringe Fast 1,20-1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40-1,70. Neunaugen, Tchocksah s. do. kleine 4—5, do. Niesen->0. Krebse per Schock 0,00, große 0.00, do. mittelgroße 0,00, dito kleine 10—11 cm 0,00, do. unsortiert 0,00, G alizier, groh 0,00. Seemuscheln 100 St. 1,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3,00—3.20, do. große 3,50—4,00. Bult« ver 100 Psd. la 123-126. IIa 120-122. lila 114-120, abialleilde 110-114. saure Gurken schock 4,50—5. Psessergurken Schock 4,50—5. Kartosteln ver 100 Piund Dabersche 3,00—3,25, weihe runde 2,50—3,00, mag. bon. 2,75—3,25. 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