Nr. 78. Abonnements- Bedingungen: B Abonnements Breis pränumerandos Bierteljährl. 8,30 m, monatl. 1,10 2, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Boft. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Buremburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Redaction " Vorwärts" Lindenstr. 69. Vorwärts Berliner Volksblatt. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 Pig., für bolitische und gewerkschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 80 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Big. Stellengesuche und Schlaf Stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., Jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition t bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm breffe: Sozialdemokrat Berlin" Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Privat und doch politisch. Mittwoch, den 1. April 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Mr. 1984. Raifer zum Sachwalter amerikanischer Interessen bestellt Eine sehr rege Erörterung soll dem Referat gefolgt sein, deren hat und ihm die Wahrung des amerikanischen Prestiges als Ergebnis war, daß die Mitglieder des württembergischen Parteidringendste Sorge ans Herz gelegt hat. ausschusses in ihrer großen Mehrheit sich auf die Seite ber Das Parlament schweigt, aber in der offiziösen Presse& rattion stellten, während die Bayern und Badenfer in ihrer Nun ist es ganz deutlich geworden, daß der Fall Tower- beginnt unterdes ein niederträchtiges Spiel. Der amerikanische überwiegenden Majorität gegen den Gesezentwurf in seiner jeßigen Hill eine der schlimmsten jener zahllosen Affären geworden Botschafter oder einer seiner Freunde werden taum verhüllt Faffung bezw. gegen den Sprachenparagraphen sich aussprachen. Mit ist, deren klassischen Boden Deutschland seit dem Sturze beschuldigt, eine gelegentliche Aeußerung des Raisers miß- anderen Worten: die Situation hat sich in nichts geändert; die Bismards bildet. Wieder einmal ist Deutschland berstanden zu haben. Auf diese Beschuldigung des Ungeschicks Tagung ist ausgegangen wie das Hornberger Schießen. Das einzige vor dem Auslande lächerlich gemacht und trifft auch die folgt bald schlimmere Verleumdung. Verleumdung. Herr Tower habe praktische Resultat der Tagung war das gemeinsame Mittagsmahl Lächerlichkeit in erster Linie die regierenden Streise, so fällt seinen Beschluß, Berlin zu verlassen, bedauert und eine mit prinzipienfesten Reben und unentwegten Trinksprüchen. Darin doch auch ein Teil dieser Lächerlichkeit auf ein Volt, das häßliche Intrige angesponnen. Er oder seine Freunde hätten haben die Herren ja immer Großes geleistet. nicht imstande ist, sich einer solchen Regierung zu erwehren. eine scherzhafte Aeußerung des Kaisers an die amerikanische Darüber besteht also gar kein Zweifel mehr: Herr v. Baher und Mit ganz besonderem Eifer haben diesmal die Offiziösen, Regierung berichtet, um den ernannten Nachfolger unmöglich die Seinen werden den Junkern und Scharfmachern getreulich helfen, und welches von den bürgerlichen Blättern ist heute zu machen. So begehen die Offiziösen, um ihre völlige Rat- der Arbeiterschaft die Zwangsjacke des Reichsvereinsgefeges, wie es in Deutschland nicht im Banne Bülows, die Sache zu ver- losigkeit zu verbergen, die schlimmste Dummheit, die nur aus den Beratungen der Kommission hervorgegangen ist, anzulegen. tuschen gesucht. Und vielleicht haben sie diesmal nicht bloß mit dem völligen Rückzug enden konnte. Die Norddeutsche Selbstverständlich unter Aufrechterhaltung ihrer Prinzipien", deren gelogen, sondern wußten wirklich nichts; denn es ist überaus Allgemeine Zeitung" versichert demütig, daß die Zweifel, wichtigstes der Umfall und Verrat ist. Sie werden, um mit dem nachträglich darüber entstanden waren, ob sich Demokraten Duidde zu sprechen, den Weg politischer Grundsat wahrscheinlich, daß Fürst Bülow von der neuesten Blöglichkeit die nachträglich darüber ebenso aus den Blättern erfuhr wie andere Zeitungsleser Hill auf dem Berliner Posten wohlfühlen würde, behoben tofig leit" weitergehen. Sie werden sich zu Mitschuldigen auch und vielleicht war das Verlegenheitsstammeln unserer worden sind. Nie sei in Berlin daran gedacht worden, die ma chen an der fluchwürdigen Politit des Unrechts Presse nur der entsprechende Ausdruck der fürstlichen Fassungs- Zustimmung zur Ernennung Hills zu widerrufen. Und dann und der Vergewaltigung", fte werden gutheißen, was Lofigkeit. Heute allerdings sind alle offiziösen Ableugnungs- folgt die Abbitte für die Verleumdungstampagne gegen mit den, Grundsägen der Freiheit und Gerechtig versuche vergeblich und unsere neueste Affäre ist leicht Tower. Es kann nur bestätigt werden, daß der Botschafter teit völlig unvereinbar ist. zu erkennen. Die Verlegenheit unſerer Daß die Herren damit auch das Schidfal der eigenen Bartei Offiziösen Meister Tower in dieser Angelegenheit in feinem Augenblick damit allerdings noch nicht geringer geworden. von der Linie streng loyalen und torretten Verhaltens befiegeln, ficht fie vorläufig nicht an. Doch möchten wir es uns in Zukunft verbitten, daß man gegenüber seiner und der taiserlichen Regierung abgewichen ist. Nachrichten einer besser informierten ausländischen Preffe als Aber auch dies scheint in Washington noch nicht genügt iſt " 89 infame Erfindungen ihrer Deutschfeindlichkeit denunziert. Ge- zu haben. Nach einer Meldung der" Frants. Ztg." weDer Arbeitskammergefetzentwurf and wiß, wäre die Affäre nicht traurige Wirklichkeit, nur eine Phantasie, die mit allen Giften der Feindschaft und der Verachtung gegen das deutsche Volt sich vollgesogen, hätte in galligen Stunden diese Affäre erfinden fönnen. Aber die deutsche Wirklichkeit hat schon längst unseren Gegnern im Ausland die Arbeit der Erfindung abgenommen. Die Satiren über deutsche Zustände werden in Deuschland selbst verfaßt und sie sind darum nicht weniger treffend, weil sie unfreiwillig sind. " Präsident Roosevelt gebeten, die Aeußerungen des Raisers als nicht geschehen zu betrachten!" Ist diese Nachricht wahr, und sie befizt innere Wahrscheinlichkeit so ist auch dies ein einzigartiger Vorgang. die Gewerkschaften. Mit dem Arbeitstammer- Gefeßentwurf beschäftigte fich am Sonntag, ben 20. März, eine Gemecticharistonferens in Stuttgart. Eingeladen waren die Vertreter der modernen, der Hirsch- Dunderfchen und der christlichen Gewerkschaften in Württemberg. Erschienen waren 852 Delegierte aus 58 Orten, die fchaften in Württemberg, die rund 3000 Mitglieder zählen, hatten 56 000 organisierte Arbeiter vertraten. Die christlichen Gemertabgelehnt, an der Konferenz teilzunehmen. Vertreter der Hirsch Dunderschen Gewertschaften waren ebenfalls, und zwar ohne Begründung ausgeblieben. In der Debatte wurde von einem Stebner mitgeteilt, daß es dieser Organisation, die in Württemberg rund. 2000 Mitglieder zählt, an Mitteln fehle, die Delegationskosten zu tragen. Das Fernbleiben beider Organisationen, die zusammen noch nicht den zwölften Teil der organisierten Arbeiter Württema bergs vertreten, konnte der Wucht der Kundgebung keinerlei Abbruch tun. Das Ministerium des Innern hatte die Nichtenfendung eines Vertreters damit motiviert, daß auf Anregung des Ministers Bifchet die Vertreter der Versicherten bei der Invalidenversiche rungsanstalt Württemberg und die Arbeitervertreter bei der Zentralftelle für Handel und Gewerbe gehört worden seien. Ueberdies habe der Bundesratsbevollmächtigte seine Instruktion bereits empfangen. Die Gewerbeinspektionsbeamben hatten es angesichts der Abneigung des Ministers ebenfalls für geraten erachtet, der Konferenz fernzubleiben und diesen Entschluß in einem Schreiben damit zu begründen versucht, daß die Aufgaben der Gewerbeinspektion auf einem anderen Gebiete lägen, als_fie ber Gefeßentwurf im Auge habe. Von einem Delegierten, Genossen Borhölzer, wurde den Herren Gewerbeinspektoren die Antwort, es scheine, als ob die Herren den Gefeßentwurf noch gar nicht gelesen hätten, sonst hätten sie sich die Blamage einer solchen Begründung ihres Fernbleibens erspart. Er wolle die Herren nur auf den§ 3 Absatz 1 und 4 verweisen.( 8uftimemung und schallende Heiterkeit.) Allerdings scheint es, daß dieser beispiellofe Rückzug der deutschen Diplomatie notwendig gewesen ist, um die Vereinigten Staaten von der kräftigeren Demonstration abzu halten, den Berliner Botschafterposten eine Beitlang unbefekt und die Geschäfte durch einen Botschaftsrat führen zu laffen. Man vergegenwärtige sich nochmals den Fall. Der Mit diesem Rückzug ist die diplomatische Seite des amerikanische Botschafter Tower wird von seiner Regierung, Swischenfalls wohl ziemlich erledigt. In einer offiziellen wie es heißt auf eigenes Ersuchen, abberufen, der Gesandte Note der amerikanischen Regierung wird bekanntgegeben, daß Hill zu seinem Nachfolger bestimmt und die Ernennung der Hill demnächst als Botschafter nach Deutschland gehen wird. deutschen Regierung bekanntgegeben, die ihre Einwilligung fofort Aber auch in dieser Note wird nochmals in scharf betontem ausdrückt. Aber Herr Tower ist sehr reich; er macht ein großes Gegensatz zu der Auffassung des deutschen Kaisers- darauf Haus, das im Mittelpunkt der Berliner Gesellschaft" steht, in hingewiesen, daß der amerikanischen Regierung ganz besondem glänzende Kostümfeste veranstaltet werden. Geld spielt ders daran liegt, zum Ausdruck zu bringen, daß der Besitz feine Rolle! Je reicher der Prunt, je glänzender der Lurus, nur bescheidener Mittel kein Hindernis für die Beförderung je rauschender die Festesfreude, desto größer ist der Eindrud, in die höchsten Stellen bildet." der auf die leichtempfängliche Hofgesellschaft geübt wird. Und Nicht erledigt aber ist die politische Seite des Falles unter den empfänglichen und dankbaren Gästen ist einer Sill. Es bleibt der starke Unwille des amerikanischen Volkes, der deutsche Kaiser. Towers Nachfolger ist weniger reich. Er der durch diesen Zwischenfall hervorgerufen ist. Es bleibt die ist ein ernster Historiker und gilt als einer der befähigsten Tatsache, daß das Ausland wieder einmal die deutschen Veramerikanischen Diplomaten. Von diesem Manne ist nicht zu hältnisse in lächerlicher Verzerrung erblidt und es bleibt erwarten, daß er glänzende Kostümfefte zu arrangieren, blen- und das ist das wichtigste dieser Beitrag zur Geschichte undende Gesellschaften zu geben weiß. Zwar hat die deutsche Referer verfassungsmäßigen Zustände. Es ist eine Lüge, daß gierung bereits ihre Zustimmung zu seiner Ernennung gegeben. wir in Deutschland eine wirkliche Konstitution haben. Hier Aber was ist die deutsche Regierung, was der deutsche Reichs- herrscht ein Absolutismus, der durch den verhüllenden parlafanzler? Ein treuer Diener seines Herrn, der, wenn er mentarischen Schein nur um so gefährlicher, weil berantläftig fällt, eben weggeschickt wird, wie andere Diener auch. wortungsloser wird. Was ist ein Parlament, das einen Der Kaiser schäßt die glänzende Repräsentation der Vertreter solchen Absolutismus ruhig erträgt, was eine Regierung, die befreundeter Staaten. Und mit der Union ist man sehr herz- sich gegen solche Ueberraschungen nicht zu schüßen vermag? lich. Man hat den Amerikanern die schönen Statuen hinüber Fürst Bülow hat neulich Deutschland mit Haiti verglichen. geschickt, man hat Roosevelt durch Speckchen herzlich und Aber wir denken, das Barbarische in unseren Zuständen Gewerkschaftssekretär Genosse Räther Stuttgart erstattete häufig grüßen lassen! Der Kaiser schreibt einen Brief, der, ist nicht in der Grundlage unserer Verfassung, nicht im ein ausgezeichnetes Referat über den Arbeiskammer- Gesezentwurf. wie Fürst Bülow so schön sagt, zugleich ein Privatbrief und gleichen Reichstagswahlrecht zu suchen, dem einzigen fümmer mit Humor und Satire wies er nach, welch ein unglaubliches doch ein politischer ist. Bedenten gegen die Persönlichkeit lichen und so ungenügenden Stückchen Volksrecht, das das Pfuschwert der Gefebentwurf ist. Besonders scharf ging er mit der Hills liegen nicht vor. Aber es sei zu fürchten, daß deutsche Volt besitt. Vielleicht hört Fürst Bülow doch noch reattionären gewerkschaftsfeindlichen Tendenz des Entwurfes ins Hill nicht die finanziellen Mittel befizt, um in Berlin der nächstens im deutschen Parlament, wo der barbarische test in Gericht. Seine Ausführungen faßte er zum Schluß in einer Weltmachtstellung der Vereinigten Staaten entsprechend aufzu unseren berfaffuna& mäßigen Zuständen zu suchen und zu Resolution zusammen, welche den Gefeßentwurf für unan. nehmbar erklärt. Insbesondere wird darin berurteilt, daß das treten. Das Ansehen Ameritas in Deutschland tönne finden ist. Handwerk, das Handels- und Verkehrsgewerbe, die Landwirtschaft leiden, wenn der Vertreter der Union in Berlin nicht in und die Betriebe der Heeres und Marineverwaltung nach wie vor der Lage wäre, den hohen Rang, den sein Land unter den ohne Vertretung bleiben sollen, weiter die Angliederung der Nationen einnimmt, auch äußerlich zur Geltung zu bringen. Kammern an die Berufsgenossenschaften, die ungenügenden Bes Es sei aber viel daran gelegen, das Ansehen Ameritas in Ueber die Tagung des Weiteren Ausschusses der fugnisse der Kammern, die indirekten Wahlen durch Arbeitera Deutschland in jeder Weise zu fördern, es durch nichts zu Deutschen Volkspartei in Stuttgart am legten Sonntag ausschüsse und die Arbeitervertreter bei den Berufsgenossenschaften, hemmen. find bis jetzt nur parteiamtlich zurechtgeftugte Berichte in die die Höhe des wahlfähigen Alters, die Bestimmung, wonach nur Der Botschafter, den die Vereinigten Staaten als ihren Deffentlichkeit gelangt. Die erregte Opposition in demokratischen wählbar, wer dem Gewerbe im Kammerbezirk mindestens ein Jahr besten nach Berlin senden, dessen Ernennung von der deutschen Streifen gegen ben schmählichen Umfall der demokratischen Barlamen- angehört, die Rechtlosmachung der Empfänger von Armenunters ftübung usw. Regierung gebilligt ist, wird von dem deutschen Staiser ab- tarier in der Reichsvereinsgefegfrage hatte es den Demgegenüber", heißt es in der Resolution, fordert die gelehnt aus Gründen, die allerdings mit seiner Persönlichkeit Führern geraten erscheinen lassen, eine Aussprache herbeizuführen. Konferenz die Schaffung von Arbeiterkammern als gefeßlich anernichts zu tun haben. Es ist ein Vorgang, der in der Das Resultat ist so, wie wir es vorausgefagt haben: Die umge tannte Arbeitervertretung, die berufen sein sollen, in allen die Geschichte der auswärtigen Politik wohl einzig dasteht. fallenen Barlamentarier bleiben bor Bülow und Blod auf dem Interessen der Arbeiterschaft betreffenden Angelegenheiten Anträge Der Herrscher eines tonftitutionellen Landes durchkreuzt Bauche liegen, und die wenigen Aufrechten tönnen das Schidfal, zu stellen, Gutachten zu erstatten, Beschwerde zu führen, bei der die Erklärungen seiner eigenen Regierung und sucht zugleich das Herr Baher und die Seinen über die eigene Partei herauf- Bereanstaltung von Enqueten und arbeitsstatistischen Aufnahmen, so wie insbesondere bei der Ausgestaltung, Durchführung und Beaufin das Bestimmungsrecht einer auswärtigen Regierung an beschwören, nicht abwenden. einem Punkte einzugreifen, wo diese Regierung am empfind- Die Tagung war außergewöhnlich stark besucht. Fast alle fichtigung des Arbeiterschutzes, und an der Förderung forporativer Arbeitsverträge mitzuwirken. Die Kammern sind auf terrilichsten ist. In Washington entsteht große Erregung, die Größen der Volkspartei waren anwesend, so die bollsparteilichen torialer Grundlage mit Abteilungen für die wichtigsten Industries nur dadurch eingeschränkt ist, daß man sofort erkennt, es Reichstagsabgeordneten Württembergs Bayer, Saußmann, und Gewerbezweige zu errichten. In den Kammern müssen alle handelt sich um einen Versuch des deutschen Kaisers mit Storz, Wieland, Schweidhardt, Wagner; ferner die im Bergbau, in Industrie und Gewerbe, Handel, Verkehr und untauglichen Mitteln an einem untauglichen Dbjeft. Nie württembergischen Landtagsabgeordneten Lieshing. Dr. Elsas, Landwirtschaft tätigen Personen Vertretung finden. mand tann glauben, daß irgend eine Regierung des Aus- Mayer Ulm, Käß, Schnaidt usw. Die bayerischen Landtags Rammermitglieder sind nach dem Proporz bei gleichem, direktem landes der Person eines fremden Monarchen zuliebe auf ihr abgeordneten Prof. Quidde und Röhl, die badischen Abgeord- und geheimem Stimmrecht zu wählen. Wahlberechtigt und Bestimmungsrecht verzichten kann. In Deutschland aber neten i mburger, Mufer und Benedeh waren gleichfalls wählbar sind alle Großjährigen beiderlei Geschlechts. Die bea bleibt alles ruhig. Im Parlament wird der Etat beraten, die anwesend. Reichstagsabgeordneter N. Haußmann erstatte das ein- foldeten Angestellten der Berufsvereine müssen ebenso wie berufs Haft des Durchpeitſchens wird durch feinen unbequemen leitende Referat. Er teilte mit, daß von der fiebenköpfigen württem- tätige Arbeiter wählbar sein. Die Wahlen sollen am Sonntag stattfinden. Als ben Arbeiterkammern übergeordnet ist als selb Frager unterbrochen. Niemand fragt, warum der deutsche bergischen Reichstagsfraktion der Wollspartei sechs für die ständige Reichsbehörde ein Reichsarbeitsamt au errichten." Kaiser die Beschlüsse seiner eigenen Regierung vollständig Beschlüsse der Reichstagstommiffion stimmen werden; er, Haußmann, ignoriert. Niemand erkundigt sich, wer den deutschen werde mit Rein stimmen. Sie können nicht mehr zurück! Die In der Diskussion stimmte Landtagsabgeordneter Genosse Rei bem Referenten durchaus au. Er tennzeichnete jobann bis Quic TmBcrct der christlichen Gewerlschaftcn als Verbrechen an der Ar- bciterschaft. Denselben Standpunkt nahmen die anderen Diskussionsredner ein. Die Resolution wurde dann auch unter stürmischem Beifall einstimmig angenommen, Politische deberficht. Berlin, den 31. März 1908. Die Ostmarkenzulage als Korrupttonsprämie. Um die Pause zwischen der Budgetberatung und dem Vereins- gesetz allZzufiillen. waren heute eine Anzahl kleiner Vor- lagen von technischem Charakter auf die Tagesordnung des Reichstages gesetzt. Durch einen Nachtrag zum Etat wurden Mastregeln zur Einführung des Postüberweisungs- und Scheckverkehrs unterbreitet. Es wird dadurch Vorkehrung ge- troffen, dast auf den Postämtern durch Einzahlung bestimmter Summen jemand ein Guthaben sich sichern kann, auf welche? er Anweisungen(Schecks) ausgeben kann, die er in ZaH- lung gibt und die dann innerhalb zehn Tagen vom Zahlungsempfänger bei einem Postamt einkassiert werden können. Ein grundsätzlicher Widerspruch dagegen besteht auf keiner Seite. Nur Einzelheiten werden bemängelt. So machte Genosse Singer geltend, es sei verkehrt, dast die Post auf die eingezahlten Gelder keine Zinsen zahlen wolle. Das würde der Ausdehnung des Scheck- Verkehrs sehr hinderlich sein. Das Gesetz wurde der Budgetkommission überwiesen. Dann widmete sich das Haus oder wenigstens eine kleine Gruppe von Münzsachverständigen einer eingehenden Beratung der Vorlage. die auf die Ermächtigung zur Ausprägung von 2ö-Pfennig- stücken und auf Vermehrung des Silbergeldes von 15 M. auf 20 M. für den Kopf der Bevölkerung abzielt. Ein Be- dürfnis nach einer Münzsorte zwischen dem 10-Pfennigstück und dem 50-Pfennigstück wirb mannigfach enipfunden. Auch da handelt eS sich nicht um grundsätzliche Bedenken, aber die Münzfrage gibt immer dem Silber-Arendt den Anlast zu einer endlosen Silberrede. Andere haben das Bedürfnis, das zu widerlegen. Auch diese Vor- läge wurde einer Kommission überwiese». Zu einer lebhafteren Auseinandersetzung kam es bei der auf heute verschobenen Resolution Gamp, die von der Regierung einen Nachtragsetat fordert, durch welchen den Postbeamten schon für dieses Jahr die Ostmarkenzulage gewährt werden soll. In Preusten hat die Geldsacksvertretung längst diese Forderung be- willigt; � im Reich war sie bisher stets gescheitert, weil auch die Freisinnigen eine solche Korruptionsprämie ablehnten. Auch das ist jetzt in der Blockära anders geworden. Der Freisinn ist bereit, anch bei diesem reaktionären Streich mitzutun. Er sucht aber auch da wenigstens so etwas von einem schönen Schein zu retten, indem er ein Amendement einbrachte, durch das die Gewährung einer Ostmarkenzulage an einen Beamten unwiderruflich gemacht werden soll. Dadurch würde allerdings der Regierung die Mög- lichkeit genommen, einem Beamten nachträglich die Zulage wieder zu entziehen, aber die ursprüngliche Gewährung der Zulage bleibt immer eine Prämie zur Belohnung der sogenannten Germauisations- vemühungen, die im Postverkehr tatsächlich auf eine bloste Schikanierung der Polnisch sprechenden und ihre Briefe Polnisch «dressierenden Bevölkerung hinaus kommen. Begründet wurde die Forderung von Herrn Schultz-Brom- b e r g. der kläglich über die Ungerechtigkeit stöhnte, die darin liege, dast die preustischen Beamten die Zulage erhielten, die Reichs- beamten nicht. Seinen hakatiftisch getrübten Blicken entzog sich ganz die Tatsache, dast die Ungerechtigkeit unendlich viel gröster ist, die der preutzische Staat und das Deutsche Reich den Stiefkindern unseres Gemeinwesens, den Polen, durch ihre ganze GermanisierungS- Politik antut. Bekämpft wurde der Antrag durch den Polen Brandys, der aus seiner oberschlesischen Heimat nachwies, wie völlig unzutreffend die Behauptung sei, dast die Teuerungsverhältnisse die Ostmarken- zulage notwendig machten, da ja gerade in den östlichen Provinzen die Lebensmittel billiger seien als im Westen, und einen scharfen Protest gegen die Polenpolitik überhaupt einlegte. Auch das Zentrum wandte sich durch den Abgeordneten Fritzen gegen den Antrag, alle Blockparteien aber erklärten sich für ihn, einschliestlich deS frei- sinnigen Amendements. Die freisinnige Partei erwählte in der Diskussion deS Mutes besseren Teil, die Vorsicht, indem sie sich völlig aus schwieg. Die grundsätzlich ablehnende Haltung der Sozialdemokratie begründete Genosse Ledebour mit einigen kräftigen Sätzen. Auch mit den, Freisinn rechnete er ivegen seiner neuesten reaktionären Schwenkung ab, indem er zur Kennzeichnung der Paarungskomödie die Schlustverse aus Heines„Mäusehochzeit" zitierte und den Frei- sinnigen zurief: Sie sind hinabgestiegen in den Pott der Reaktion und werden darin ersaufen! Die Abstinmiung über die Ostmarkenresokution wird eine N a ni e n t l i ch e sein und wurde deshalb auf Mittwoch vertagt. Bei einigen anderen Resolutionen kam es wiederholt zum „Hammelsprung", da das Bureau über die Mehrheit nicht einig ivar. Dabei wurde zum Militäretat die Bestimmung, durch die die Verwaltung aufgefordert wird, mit den Arbeiter- o r g a u i s a t i o n e n in Verbindung zu treten, diesmal mit sieben Stimmen Mehrheit angenommen, da der Freisinn sich spaltete. Die nämliche Bestimmung war bekanntlich, als sie von uns zuerst beim M a r i n e e t a t gefordert wurde, von dem Freisinn abgelehnt worden. Ebenso wurde eine Resolution angenommen, dast die Annahme von Paketen am Postschalter an den Vor- oben den der Sonn- und Festtage nur bis 6 Uhr erfolgen soll. Auch hiergegen stimmten einige Freisinnige, darunter Herr Naumann, dessen neulich einmal wieder auflodernder sozialer Eiser also schon wieder kläglich verpufft ist. Aus dem preußischen Landtage. Noch immer vermag die Regierung nicht genau anzugeben, wann die Session geschlossen wird. Auf die Anfrage des Präsidenten des Abgeordnetenhauses teilte sie mit, daß sie zwar einen möglichst baldigen Sessionsschluß wünscht, daß sie andererseits aber auf die Beratung ganz bestimmter Vorlagen besteht. Diese Vorlagen sind das Polizeikostengesetz, das Ouellenschutzgesetz, das Gesetz betreffend Aufschließung der staatlichen Steinkohlenfelder im Oberbergamtsbczirk Dortmund, die Vorlage betreffend den Masurischen Kanal, das Eisenbahn- anlethegesetz und endlich der Nachtragsetat, der die Teuerungs- zulagen enthält. Da alle diese Entwürfe bereits in erster bezw. zweiter Lesung erledigt sind, dürfte der Stoff bis Ende nächster Woche bewältigt sein, so daß die Dreiklaffenmänner dann im Bewußtsein, fünf Jahre hindurch die Interessen der besitzenden 5ttassen vertreten zu haben, die heimatlichen Gefilde aufsuchen und die Wähler beschwatzen können. Von den Vorlagen, mit denen sich das Abgeordneten» Haus am Dieustag beschäftigte, ist nur der Nachtrags- etat erwähnenswert, der, nachdem die Redner aller Parteien die Beamten und Lehrer ihres Wohlwollens versichert hatten, der Budgetkommission überwiesen wurde. Etwas heftiger ging es im H e r r e n h a u s e zu, wo die edlen und erlauchten Herren die sogenannte Etatsbcratung benutzten, um über den unglücklichen Professor L o e n t n g aus Halle herzufallen, der es gewagt hatte, abfällige Kritik an dem Dreiklassenwahlsystem zu üben, ohne indes seinen Ersatz durch das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht zu fordern. Am schärfsten ging mit ihm einer seiner Kollegen, der Vertreter der Universität Breslau, Professor Hillcbrandt, seines Zeichens Philosoph, ins Gericht, der seine Befnedigung über die vom Hause bekundete Ablehnung der Uebertragung des ReichstagSwahlrechts auf Preußen ausdrückte und es fertig bekam, das Dreiklassenwahlrecht als Wellenbrecher gegen die demagogische Flut anzupreisen. Namens eines großen Teils seiner polittschen Freunde(vermutlich ist der Herr sreikonservativ) lehnte Professor Hillebrandt jede Aenderung des preußischen Wahlrechts ab, solange nicht auch im Reich eine Wahlreform erfolgt, die die Schäden des Reichstagswahlrechts beseitigt oder mildert. Mit anderen Worten: Erst muß das Reichs- tagswahlrecht beseitigt sein, und dann wird man mit sich darüber reden lassen, ob vielleicht endlich in Preußen ein neues plutokratisches Wahlrecht eingeführt wird. Charakteristisch ist es, daß eS wieder einmal ein deutscher Professor ist. der sich zum Wortführer reakttonärer Anschläge macht. Fast scheint es, als ob die Atmosphäre des Herren- Hauses auch auf die Vertreter der Bourgeoisie so vergiftend wirkt, daß sie gar nicht schnell genug die Allüren der Junker sich aneignen können. Aber nicht nur für den Staat, sondern auch auch für die Gemeinden möchte der wackere Hillebrandt das Wahlrecht noch weiter kürzen. Im Gegensatz zu allen vorurteilslosen Männern. die die Tätigkeit der Arbeitervertreter in den Gemeinden nicht genug loben können, wagt er die dreiste Behauptung, daß in Breslau die Arbeiter im Stadtparlament zur Verödung und Verflachung der Debatten beigetragen haben. So inter- essant wie im preußischen Herrenhause kann es nun einmal nicht überall zugehen. Im übrigen läßt sich über die Begriffe Verflachung und Verödung stteiten. Wir sind überzeugt, daß es Menschen gibt, die die Ausführungen Hillebrandts für flach und öde halten, während er selbst sie doch zweifellos für höchst bedeutend hält.—_ Das Urteil im Breslauer Polizeiprozeß. Man schreibt uns aus Stuttgart: Am Montagabend wurde von der Stuttgarter Straf- kammer das Urteil im Beleidigungsprozeß der Breslauer Polizei gegen den Redatteur des„ W a h r e n Jakob", Genossen B. H e y m a n n, verkündet. Die Verhandlung fand, wie berichtet, vor acht Tagen statt. Beantragt waren 500 M. Geldstrafe. Das Urteil lautet auf 1 5 0 M. und die K o st e n. Genosse Heymann wurde im wesentlichen deshalb verurteilt, weil die Kritik, die er in der inkriminierten Nummer des„Wahren Jakob" in Bild und Text an dem Vorgehen der Polizei bei den bekannten Polizei- attacken anläßlich der Metallarbeiter- Ausspernmg in Breslau am 19. April 1906 geübt hat, sich gegen die Gesamtheit(!) der Polizei richte, während nur festgestellt und durch die Beweisaufnahme von neuem bewiesen sei, daß nur ein Teil der Schutzleute ihre Befugnisse erheblich überschritten habe. Es hätten sich nach dem Urteil bei der Räumung der Nebenstraßen eine Reihe von Uebergriffen der Schutzleute ereiguet» die nicht zu recht- fertige» seien, auch wenn man bedenke, daß aus den Fenstern die Schutzleute beworfen, Drohungen und Schmähungen aus- gestoßen worden seien. Denn nach den eidlichen Aussagen einer großen Zahl von Zeugen(der Richter las etwa ein Dutzend Namen und mehr vor) könne nicht bezweifelt werden, daß nach der Säuberung des Striegauer Platzes in einer größeren Zahl von Fällen gegen Personen in einer Weise vorgegangen sei, zu der diese keinen Anlaß gegeben hätten, und daß auch Schutzleute grobe beleidigende Aeuße- rungen gegen Passanten ausgestoßen hätten. Dazu komme noch der Fall Biewald, bei dem dem Arbeiter im Flur eines Hauses von einem Schutzmann die Hand ab- gehauen wurde. Auch spreche immerhin" einigermaßen gegen die Schutzleute das Zeugnis deS Arztes Dr. Mühsam, nach welchem sich ein großer Teil der Verletzungen auf dem Rücken der Leute befand... Nur weil die Dar- stell ii ng im„Wahren Jakob" sich gegen die Gesamtheit der bei der Stratzensäuberung be- teiligten Schutzmannschaft richtete, sei die Verurteilung erfolgt, während sich nur ein Teil der Polizei Uebergriffe habe zuschulden kommen lassen. Nach diesen Feststellungen des Gerichts hätte eigentlich Freisprechung erfolgen müssen, wenn unsere Gerichte nicht die eigentümliche Praxis übten, eine Krittk, die an dem Vorgehen einer Beamtenkategorie geübt wird, auf sämtliche Beamte zu beziehen, während"doch die Vorwürfe natürlich nur den chuldigcn Teil treffen sollen. Denn daß alle Schutz- leute ausnahmslos so gehaust haben, wie der leider noch immer unbekannte und Polizeidien st ausübende Handabhacker und seine Kumpane, hat natürlich kein Mensch je weder behaupten können noch behaupten wollen! Immerhin: die Breslaucr Polizeitatcn sind abermals abgeurteilt!_ Graf Lynar, der hochgeborene Sittlichkeitsverbrecher, befindet sich feit kurzem auf der Strafanstalt in S i e g b u r g bei Bonn. Der Bonner „Deutschen ReichSzeitung" wird nun von dort geschrieben:„Seit einigen Tagen beherbergt bekanntlich unser Gefängnis den Grafen Lyiiar, der wegen sittlicher Verfehlungen eine zehnmonatige Gefängnisstrafe zu verbüßen hat. Das allgemeine„on Sit" weiß über die Lebensweise des Grafen allerlei Einzelheiten zu berichten, so zum Beispiel, daß er eigene Beköstigung habe, für die er einem Siegburger Hotel pro Tag drei Mark zahle. ES sei ihm ferner gestattet, eigene Kleidüng zu tragen, Zigarren zu rauchen und was dergleichen Äer- günstigungen mehr sind. Eine Verantwortung für die Richtigkeit dieser Angaben kann selbstverständlich nicht übernommen werden." Die Mitteilungen werden wohl stimmen. Es wäre doch nicht das erstemal, daß man in preußischen Gefängnissen sozialdemokratische Redakteure wie Verbrecher, hochgeborene Schandbuben aber wie Gentlemen behandelt._ Ein Vorstoß gegen wahrheitsgetrene Fabrik- »nspektionsberichte. In den Jahresberichten der sächsischen Gewerbe- a u f s i ch t s b e a ni t e n für 1906 ist mehrfach in Mitteilungen aus den einzelnen Bezirken konstatiert worden, daß sich die Wirtschaft» liche Lage der Arbeiter trotz mehrfacher Lohn« erhöhungen nicht gebessert hätte, weil die Lohn- zulagen durch die Lebeiismittelverteuerimg wieder aufgewogen worden wären. Das paßte dem nationalliberalen Abgeordneten Merkel, einem Textilinduftricllen aus dem Vogtlande, nicht in den Kram. Als nun am Montag in der Zweiten Kammer des sächsischen Landtages das Kapitel Gewerbeaufsicht zur Beratung stand, legte er gegen die Inspektoren wegen ihrer zutreffenden Beurteilung der Arbeiter- läge los. WaS die Fabrikiiispektoren da feststellen wollten, sei im- zutreffend, die Löhne seien mehr gestiegen als die Lebensmittel- preise? die Regierung solle solche unzutreffenden Urteile in den FabrikinspektionSberichien in Zukunft verhindern. Selbst der Sozialdemokrat Calw er habe nachgewiesen, daß sich die wirtschaftliche Lage der Arbeiter verbessert habe, und da kommen die Gewcrbeaufsichtöbeamten mit unerwiesenen Behauptungen, die das Gegenteil besagten. Natürlich wurde dieser industrielle Heißsporn von bürgerlicher Seite unterstützt. So forderte der nationalliberale Fabrikant Lang Hammer und andere, daß sich die Gewerbeaussichtsbeamten erst im Kontor anmelden sollten, ehe sie behufs einer Revision die Fabrikräume betreten. Wieder andere beschwerten sich über zu scharfe Vorschriften über Schutzvorrichtungen. Kläranlagen usw. Die Regierung hat diese Wünsche eilends wenigstens zum Teil bewilligt. Der Ministerialdirektor Roscher teilte mit, es sei bereits Anweisung an die Fabrikinspektoren ergangen, daß die An- ordnungeii immer in einem angemessenen Verhältnis zum Nutzen und der Leistungsfähigkeit des Be- triebes stehen müßten. Derartige Verordnungen sind wie extra dazu geschaffen, daS bißchen Eifer der sächfiichen Fabrik- inspektion, zweckmäßige Schutzvorrichtungen durchzuführen, zu er- sticken. Unter den gekennzeichneten Umständen mußte die Nede des Ge- nosien G o l d st e i n mehr eine Verteidigung der Fabritinspektoren werden. Er wies darauf hin, daß es angesichts solcher Angriffe, wie sie die Industrielle» gegen die Fabrikinspektoren gerichtet hätten. nötig sei, eine Vertretung der Fabrilinspektoren im Landtage selbst zuzulassen. Man soll einen Gewerbeinspektor ernennen und diesen die Sache der Gewerbeaufsichtsbeamten im Landtage selbst führen lassen. Natürlich wies der sozialdemokratische Redner auch die An- griffe Merkels auf die Feststellungen der AufsichlSbeamten über die Lebenshaltung der Arbeiter zurück und illustrierte selbst durch Ziffern, wie es damit tatsächlich bestellt sei. Eingehend befaßte er sich so- dann mit der Tätigkeit der weiblichen Fabrikinspektorin, der Haupt- sächlich die Aufsicht über die Kinderarbeit zugewiesen worden ist. Genosse Goldstein schilderte die Schwierigkeit dieser Aufgabe und legte die Notwendigkeit eines ausreichenden Kinderschutzes ein- gehend dar. Die weitere Debatte drehte sich hauptsächlich um die Lage der Arbeiter, die die bürgerlichen Redner beschönigen wollten. Genosse Gold st ein schenkte ihnen mehrmals reinen Wein ein und sagte ihnen, daß sie sich bei der Besprechung der Jnspekttonsberichte nur von Unternehmerinteresseu leiten ließen. DaS versetzte die bürgerlichen Herren in eine sehr giftige Stimmung, wodurch sie aber natürlich das Brandmal nicht los wurden, das ihnen Genosse G o l d st e i n aufgedrückt hatte.— Landflucht und Jnnkerparadies. Trotz der härtesten Anstrengungen will es den mecklenburgischen Junkern nicht gelingen, den Landarbeitern plausibel zu machen, daß sie in den halbverfallenen Gutskaten unter dein Schutz« der Polizeigewa?. der„Dienstherren" den Himmel aus Erden haben. Wenig ivus i nft eine jetzt erschienene Statistik aus, daß seit dem I--';, cund 200 000 auf dem Lande ge- b o r e n e M c-' e,> u r g c r dem Bereich der Junker, dem platten Lande, Valet geh.- Haber Von diesen 200 000 Abgewanderten sind 80 000 nach meckletw. schen S-udien und 120 000 ins Ausland gegangen. Aber auch die e1 rn C: heröeigelstK«, Ausländer, die meist aus Polen zugewanderte» segcnaunien l.'.itter, empfinden schon Abneigung gegen den Dienü bei den Jnnln! Es vergeht fast kein Tag, ohne daß auf den Geri.r-.cn d-. mecklenburgischen Städte Berufungen gegen sogenannte ,e.••.uf. jangen" wegen Kontrakt- bruchs verhandelt werden, di.. allerd.gs meist verworfen werden. die aber doch von der wachs- Abneigung selbst der rück- ständigsten Elemente gegen die wirtschaftliche wie politische Stcl- lung des mecklenburgischen Landarbeiters sprechendes Zeugnis ab- legen. Besonders grelle Beleuchtung erfahren diese Umstände durch ein Ereignis der allerletzten Zeit. In einer der letzten Nächte sind auf dem Gute Groß-Wclzien bei Lützow sämtliche Tagelöhner, und zwar zweiundzwanzig an der Zahl, mit Sack und Pack regelrecht desertiert. Die Junkerschmocks der Amts- blattpresse verkünden triumphierend, daß die Leute wieder„ding- fest" gemacht seien. Wird aber nicht viel nützen. Eö macht sich insbesondere in diesem Frühjahr eine starke Abwanderung der landwirtschaftlichen Saisonarbeiter nach Dänemark bemerkbar, wo sie bedeutend bessere Verhältnisse vorfinden, als in Deutsch- land im allgemeinen und in Mecklenburg im besonderen. Erst letzthin ist dem dänischen Landtag ein Gesetzentwurf eingebracht. der den Zweck hat, die ausländischen Saisonarbeiter in rechtlicher, materieller und gesundheitlicher Hinsicht zu schützen. Es wird also auf die Dauer nicht genügen, daß die mecklen- burgischen Junker ihre entlaufenen Arbeiter wieder einfangen, sie werden wohl oder übel andere Saiten aufziehen müssen. Mit dem Geschrei von der Leutenot ist es nicht getan. Ei» Kompromiß des Zentrums mit den Blockparteien scheint sich für die bevorstehenden Landtagswahlen in Solingen anbahnen zu wollen. Der dortige ultramontane»Belgische Volksfreund" schreibt nämlich: „Man braucht kein großer Prophet zu sein, um sagen zu dürfen, daß die Sozialdemokratie eine bedeutend stärkere Anzahl von Wahlmännern als 1903 stellen wird. Sollte eS dahin kommen, daß die Blockliberalen ihre Mandate nur mit Hülfe der Zentrum Swahlmänner behaupten können, dann gäbe das wahrlich ein Schauspiel für Götter und wäre eines heißen Wahlkampfes wohl wert." DaS beweist, daß das Zentrum in Solingen nicht abgeneigt ist. der Welt dieses„Schauspiel für Götter" zu bereiten und seine Wahl- männer fiir den Blockkandidaten stimmen zu lassen. In einer späteren Nummer schreibt das ultramontane Blatt dann noch: .Die Zentrumsorganisation als solche hat den Gedanken an ein Bündnis mit den„Genossen" noch in keiner Weise behandelt und wird es auch wohl bleiben lassen." Dagegen hat das Zentrum gegen ein Bündnis mit den Block- leuten, den Feinden des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts nichts einzuwenden. Schöne Seelen finden sich I— Feudale und Regierung gegen die Volksvertretung. Darmstadt, 31. März. Die Erste hessische Kammer lehnte den von der Zweiten Kammer einsttmmig angenommenen An- trag Haas uiid Genossen, in dem die Regierung ersucht wird, im Bundesrat dahin zu wirken, daß die im Großherzogtum Hessen gewährleistete Vereins- und Versanimlungsfreiheit durch das ReichSvercinSgesetz nicht beeinträchtigt und verkümmert werde, einstimmig ab. Der Staats- minister sprach der Ersten Kammer für ihre der Regierung ge- währte Unterstützung seinen Dank aus. Darauf gaben Redner aller Parteien in der Zweiten Kammer ihrem Bedauern darüber Ausdruck, daß der StaatSminister sich in bewußten Gegensatz zu dem einstimmigen Beschluß der eiten Kammer gestellt habe._ Ter mecklenburgische„Landtag" und die Arbeiter. Zu den schlechtestbezahlten Arbeitern der beiden Mecklenburg zählen die Eiscnbahnarbeiter. Die im festen Monatslohn beschäftigten Stations, Güterboden, Kohlen- und Gasarbeiter be. Bortefeuiller, bes Diebst a 51s angetlagt. Bei der schiffe bestanden hat. Es soll geplant gewesen sein, die Offiziere ziehen folgende Monatslöhne: Nach einer 2-4wöchigen Probezeit letzten Stadtverordnetenwahl wurde diese Beschuldigung gegen gefangen zu nehmen und sich der Schiffe zu bemächtigen. Im Zuje nach der Ortsgruppe 54-73 tart. nach Erteilung des Dienst die Sozialdemokratie ausgespielt. Die heutige Verhandlung vor sammenhang mit den angeblichen Verschwörungen wurden gestern bertrages" 57--76 Mart, nach 4 Dienstjahren steigt der Monats: dem Schöffengericht zu Frankfurt a. M. erbrachte den in Petersburg zweihundert Haussuchungen und Lohn in der ersten Ortsgruppe auf 87 bei verheirateten und auf Beweis der völligen Schuldlosigkeit Weinschilds. Er wurde frei haftungen wurden aufrecht erhalten. mehrere hundert Verhaftungen vorgenommen. 18 Ver 79 Mart bei ledigen Arbeitern. Zu diesen Löhnen kommen bei ein= zelnen Kategorien noch sogenannte" Bulagen", die sich je nach der gesprochen mit der Begründung, daß ein bloßer formeller haftungen wurden aufrecht erhalten. Ortsgruppe in Höhe von monatlich 2,50 Mart bis 4 Mart be- reispruch eine Beleidigung des Angeklagten tvegen. Da sich von diesen Löhnen selbst die Bedürfnisse nicht bedeuten würde. Zu seiner vollen Genugtuung seien deshalb die deden lassen, die ein medlenburgischer Bahnarbeiter an das Leben sämtlichen Kosten des Angeklagten, einschließlich die der stellt, wandten fich die Arbeiter mit einem Gesuch um Aufbefferung Verteidigung, der Staatstaffe auferlegt worden. an das Ministerium des Innern, an das Staats= ministerium und an den 2andtag. Die Ministerien ant worteten kurz und bündig, daß dem Gesuch um höhere Bezüge zurzeit nicht stattgegeben werden könne. Gin übriges glaubte aber noch der berühmte mecklenburgische Landtag, den bekanntlich die mecklenburgischen Junker absolut be: Herrschen, tun zu müssen. Die Herren, die mitunter in einer Nacht höhere Weinrechnungen bezahlen, als die obigen Monatslöhne unserer Eisenbahner betragen, machten ihre Bedenken gegen die Wünsche der Eisenbahner dahin geltend, daß die Wünsche der Bittsteller teilpeife geeignet feien, die Diszi Wie mag es in den Köpfen dieser Leute aussehen! plin zu untergraben." Freifinnige Arbeiter über den Freisinnsverrat beim Reichsvereinsgesek. .. Zur Landtagswahl Die Budgetdebatte. Sizung mit der Prüfung des Budgets. Die Budgettommission Petersburg, 31. März. Die Duma begann in ihrer heutigen beantragte, das Budget der Reichskontrolle ohne Aenderung, jedoch mit folgender Uebergangsformel zur Tagesordnung anzunehmen: Daß die Reichskontrolle nur unter der Bedingung der nahm am Sonntag der in Altona abgehaltene nationalliberale Selbständigkeit und Unabhängigkeit rechtsmäßig arbeiten könne, hielt einen Vortrag über:„ Die Reform des preußischen Wahlrechts", dürfe, daß ferner das notwendige Zusammenarbeiten der gesetzBarteitag für Schleswig- Holstein Stellung. Rektor Schmarje- Altona wobei der Reichskontrolleur nicht Mitglied des Ministerrats sein in dem er für ein allgemeines, direktes und geheimes Wahlrecht geberischen Institutionen mit der Reichskontrolle festgelegt werden eintrat. Die Versammlung stimmte dieser Ansicht zu. müsse, daß schließlich die Ausnahmen von der Kompetenz der ReichsAlle Redner, mit AusDie vom Brovinzialausschuß über ein Zufammengehen mit den kontrolle abgeschafft werden müßten. freisinnigen Parteien geführten Verhandlungen sind gescheitert. Esnahme des Vertreters der Sozialdemokratie und der Voraussetzung der Wahrung des Besigstandes getroffen werden Demgegenüber wies Charitonow auf die Notwendigkeit hin, daß wurde ein Antrag angenommen, daß eine Verständigung nur unter der Arbeitsgruppe waren mit der Vorlage einverstanden. fann, und beschlossen, unverzüglich in die Vorbereitung der bevor- der Reichskontrolleur im Intereffe einer einheitlichen Regierung stehenden Landtagswahlen einzutreten. Mitglied des Ministerrats bleibe, stimmte aber der Meinung der Budgetkommission zu, daß die Reichskontrolle in ihrer Tätigkeit wiederbelebt und reorganisiert werden müsse.( Beifall.). Darauf nahm das Haus das Budget der Reichskontrolle und die Ueber. gangsformel an. Der Dum apräsident begrüßte diesen ersten Schritt des Hauses auf dem Wege der Budgetprüfung, worauf das Haus mit stürmischem Beifall antwortete. Militärjustiz. Finnland. Türkei. Die Bilanz der Baudenkämpfe. " Das Obertriegsgericht des 10. Armeekorps in Die„ Düsseldorfer Bost", das Blatt der freisinnigen Arbeiter in Hannover verhandelte am 26. März als Berufungsinstanz gegen den Rheinland- Westfalen, de jüngst den fortschrittlichen Arbeitertag in Unteroffizier der Reserve 23ilhelm Behe. Behe wurde am Behe wurde am Effen veranstaltet haber, beschäftigt fich in seiner letzten Nummer 19. Februar d. 3. in Hameln vom Kriegsgericht der 20. Division mit dem Verhalten der Linksliberalen in der Vereinsgefegtommiffion. vorschriftswidriger Behandlung von Untergebenen in mindestens fünf wegen Mißhandlung von Untergebenen in mindestens 64 Fällen, Das Blatt bedauert im Interesse des Liberalismus, daß die Frei Fällen und Anmaßung von Befehlsbefugnissen in drei Fällen zu ins Die Folgen des Mißtrauensvotums. finnigen in der Berleidigung der von ihnen eingebrachten Faffung gefamt neun Monaten Gefängnis und Degradation verurteilt. Helsingfors, 31. März. Sämtliche Mitglieder des Verwal des§ 7 mutig zurückgebichen" feien; wenn die jetzt von der Kom Gegen dieses Urteil erhob der Berurteilte Berufung wegen der Höhe tungsdepartements des Senats beschlossen einstimmig, mission beschlossene Faffung Gefeß werde, stehe das Vertrauen der der Gesamtstrafe und der dieser zugrunde liegenden Einzelstrafen. dem Generalgouverneur mitzuteilen, daß sie ihren Abschied Arbeiter zum Liberalismis auf dem Spiele. Dann heißt es weiter: Nach der umfangreichen und vor dem Oberkriegsgericht fortgefeßten zu nehmen gedenken. Der neue Paragraph 7 bedeutet einen Verrat an den Beweisaufnahme hat der Angeklagte gegen seine Untergebenen in liberalen Grundsägen, den wir den Führern nicht zu einer geradezu fchredenerregenden Weise gewütet. U. a. hat getraut hätten. Die Mehrheit der Fraktionsgemeinschaft hat sich Behe im April oder Mai v. J. den Tambour Ladage durch Fußauf eine abigüffige Bahn begeben, die fie und den tritte und Faustschläge mißhandelt, so daß diesem Stopf Salonichi, 30. März. In der Zeit vom 13. März 1907 bis zum Liberalismus in das Verderben führt. Bisher hat in mehr als 20 Fällen durch Stöße und Faust schläge. bei 482 Komitsschis, darunter 383 Bulgaren, getötet, 17 verwundet und Nase bluteten. Den Muskutier Winkler mißhandelte er 13. März 1908 fanden in Mazedonien 112 Bandenkämpfe statt, wodie Pflege der Muttersprache als etwas Heiliges ge golten; mit iefem uralten Menschenrecht will die parla. Der Musketier Edart, welchen der Angeklagte im November 1906 und 83 gefangen genommen wurden. Auf seiten der türkischen mentarische Merheit des entschiedenen Liberalismus brechen. durch Fauftschläge über Ohr und Auge verletzte, war zu der Ber. Truppen fielen 49 Mann und ein Offizier, 87 Mann und vier OffiDiefer Grubfas unferer Bäter soll zum alten handlung als Beuge geladen, aber nicht erschienen. Oberst ab 3- ziere wurden verwundet. Eisen gewofen werden, um dadurch noch einige Monate arzt Pauli bekundete, daß Edart am 17. d. M. in das Garnisonlänger den Bülwblod halten zu können. Wenn es den Ver- lazaret zu Hameln eingeliefert wurde und an Irrsinns Die Sandschatbahn. tretern des enthiedenen Liberalismus ernst ist mit ihrem Ein- anfällen und Stummheit leidet. In lichten Augen- Wien, 31. März. Wie die Neue Freie Presse" meldet, werden treten für die rbeiter, wenn sie wollen, daß die Arbeiterschaft blicken habe der schwer erkrankte Mann, dem die Sprache die Tracierungsarbeiten für die Sandschatbahn, nachdem für ihn gewonen werden soll, dann müssen sie das noch nicht wiedergelehrt ist, schriftlich angedeutet, daß sein ber Sultan das betreffende Jrade bereits unterzeichnet Stompromiß ablehnen. Wird der Sprachenparagraph Bustand auf eine Unterredung mit seinen Feldwebel zurückzuführen hat, Mitte April begonnen. Die Arbeiten werden von einer Gesez, dann lan von einer erfolgreichen Agitation unter den fei!! Mit dem Angeklagten Behe habe die Erkrankung des Eckard österreichischen und einer türkischen Kommission geleitet werden. fremdsprachlichenrbeitern auf wirtschaftlichem Gebiete feine Rebe nichts zu tun. Das Oberkriegsgericht gab der Berufung mur inmehr fein; ob as im Intereffe unferes Bolles ist, wollen wir fofern statt, als es einen Mißhandlungsfall milder ansah und für dahingestellt feinlaffen. Uns wird es nicht wundern, wenn diese diesen nicht zwei Monate Gefängnis, sondern vierzehn Tage Jm übrigen wurde die Mundtotmachungder Arbeiter sich in Gewaltsamkeiten Luft machen Mittelarrest einsette. Berufung Ein Nachklang zum Prozeß in Idaho. würde. Das Vbleiben der Lintsliberalen auf dem leider schon berworfen und die Gesamtstrafe, welche nach Ansicht Harry Orchard, der Hauptzeuge gegen die angeklagten betretenen Wege ift Verrat an den Grundsäßen, die des Oberkriegsgerichts der ersten Instanz zu niedrig Arbeiterführer Haywood, Moher und Pettibone( über deren unferen Vätern hon heilig waren. Die Führer mögen das be- bemeffen war, auf ihrer Höhe belassen. In der Tat erscheint diese Prozeß ivegen Anstiftung zur Ermordung des Staatsgouverneurs denten. Noch ifes Beit, noch tann umgekehrt und das Vertrauen Bestrafung eines derartigen rohen Patrons als äußerst gnädig, wenn im Borwärts" eingehend berichtet wurde), ist des Mordes an des Volkes wier erlangt werden. Geschieht es nicht, dann man ein Urteil heranzieht, das in der vorigen Woche hier den Gouverneur Steunenberg von Idaho schuldig erklärt tann der Libralismus sein Testament machen, bas Hannoversche Kriegsgericht der 19. Division und zum Tode berurteilt worden. Der Richter, der das dann hat er seie Rolle im politischen Leben ausgefällt hat. Danach wurde der im britten Jahrgange Todesurteil aussprach, fügte sofort hinzu, daß er für Orchards gespielt." dienende Ulan Mahlendorf vom Königsulanenregiment, der geständig Begnadigung eintreten werde, denn der Mörder habe sicherWeiter schreibt is Blatt, mit fa benscheinigeren Gründen war, feinem Stubenältesten, einem Gefreiten, das Puglich die Wahrheit gesagt, als er als Beuge gegen die Arbeiterführer sei noch nie ein Kopromiß von solcher Tragweite verteidigt worden. lichen Angriffs zeug den Kopf geworfen zu haben, wegen tät aussagte, daß er von diesen zu dem Morde angestiftet" sei. Die gegen einen Borgesezten"" Unschuld von Haywood, Moher und Pettibone wurde in zwei Bielleicht habe der iberalismus gefürchtet, daß bei Ablehnung des au der nach dem Militärftrafgesetzbuch niedrigsten Prozessen in Boise, Idaho, vor 24 mit peinlichster Sorgfalt aus. Reichsvereinsgefezesas preußische Abgeordnetenhaus die Sprachen zulässigen Strafe von 2 Jahren und 6 Monaten Gefängnis gewählten Geschworenen tar erwiesen, ungeachtet aller Machinafrage in schärferer orm durchsetzen werde. Aber wenn Regierung verurteilt! Dem Voltsempfinden wird es nicht möglich sein, obigen tionen der Kapitalisten von Idaho. und Barlament in eußen das Bedürfnis hätten, fich vor allen beiden Erkenntnissen Verständnis entgegenzubringen. denkenden Kulturvölln bis auf die Knochen zu blamieren, so sei es doch nicht Sache de Liberalismus, fie durch die Preisgabe feiner eigenen rundsäge davon abzuhalten. Der Artikel fchließt: an von Der Liebknecht- Ankläger dekoriert. Leipzig, 30. Mära. Dem Senatspräsidenten am Reichsgericht Dr. Dishausen wurde der Stern zum Roten Adlerorden zweiter Klaffe mit Eichenlaub verliehen. Höher als ein eichsvereinsgefes, noch dazu ein solches, das gleichzeitig ein Aushmegefez gegen Millionen Reichsangehörige enthält, steht die ntabelige Haltung der LinksDer steigende Marineminister. Wie nach der" Frankf. 8tg." verliberalen. Ann parlamentarischen Führern liegt es, daß lautet, wird der Staatssekretär des Reichsmarineamts v. Tirpik der entschiedene Litalismus mit einer unbeschmusten nach Abschluß der Etatsberatung ins Herrenhaus berufen Beste aus der Affa hervorgeht. Man möge sich den Ernst der werden. Lage wohl vor Aug halten. Die Zukunft des Liberalismus steht auf dem Spi, er verliert alles Vertrauen im Bolte, wenn nachgibt, er tann vieles gewinnen, wenn er festbleibt. Möge deiroße Moment fein fleines Geschlecht finden." Die Hoffnung der ffinnigen Arbeiter, daß die linksliberalen Paris, 31. März. Präsident Fallières hat ein Gefeß unterFraktionen sich ihres Verras schämen und ihn wieder gut machen werden, zeichnet, das die Verwendung von weißem Phosphor ist mehr als findlich. Di Baher, Bachnide und Ropsch fühlen sich bei der Herstellung von Streichhölzern verbietet. zu wohl in der Gunst dentegierung, als daß sie den Platz an der Sonne Bülows wieder gäben. Das wird nur eintreten, wenn der allgemeine Boltsunwil diese Berräter jedes demokratischen Gebankens von der politischemähne fortfegt. Ei Geständnis. d Der ultramontane Mertur" in M. Gladbach war in Merger geraten, il der katholische Fürsorgeverein ihm eine Vereinsanzeige renthalten hatte und damit zu einem liberalen Blatte geggen war. Darauf schreibt das Zentrumsblatt in seinem ger: " frankreich. Phosphorverbot. Belgien. Obstruktion der Sozialdemokraten. Brüssel, 31. März. Das Sozialistenblatt Peuple" fündigt die Obstruktion der sozialistischen Abgeordneten an für den Fall, daß die Regierung über die Sigungen der Kammer berfügen sollte, um die Kongovorlage durchzupeitschen. Italien. Der Prozeß Nasi endlich erledigt. Rom, 31. März. Der Kaffationshof hat heute nachmittag die Nichtigkeitsbeschwerde Nasis für unzuläsfia er lärt.England. Die Bagdadbahn. Bon der Kanzelo in den katholischen Bereinigungen wird mit aller Macht gegi das Lefen der liberalen Bresse borgegangelund hier in Gladbach wird ein notorisch katholisches Blatt einer Anzeige übergangen und das von einem Drgan, in dessen › rstand auch ein fatholischer Geist- Wir haben bereits gestern darauf hingewiesen, daß in England, licher figt." die Erklärung des Staatssekretärs Schoen, das englisch ruffifche Das offene Geständnis Zentrumsblattes, daß von der Abkommen berühre den perfifchen Golf und die Bagdad Kanzel aus Politit zugunsterer ultramontanen Presse, also bahn nicht, Befremden erregt habe. Im Unterhause interZentrumspolitit, getrieben rd, verdient festgehalten zu pellierte Stee's( liberal) die Regierung, ob die deutsche Regierung 9 Amerika. Erklärung. . Genosse J. Bloch ersucht uns um Aufnahme folgender Ers flärung: Die Vossische Zeitung" sucht in ihrem Leitartikel Der Zu fammenschluß der demokratischen Elemente" meine Aeußerungen im letzten Heft der Sozialistischen Monatshefte" gegen die Forderung der Linksliberalen nach Uebertragung des Reichstagswahlrechts auf Breußen auszuspielen. Selbstverständlich durchaus mit Unrecht. Ich habe vielmehr ausdrücklich betont, daß die Sozialdemokratie von ihren prinzipiellen Forderungen selber nicht abgehen" dürfe. Meine Anregung bezweckte lediglich eine Bindung derjenigen " Freunde" der Wahlreform, die sonst, wenn eine Majorität für die glatte Einführung des Reichstagswahlrechts im Abgeordneten hause nicht zustande kommt, dies gar zu gern zum Vorwand nehmen würden, um jede noch so weitgehende Reform des Wahlrechts abzu lehnen: man denke nur an die Tattit des Zentrums, die auch soust im bürgerlichen Lager leicht Anklang finden könnte! Gegenüber dieser zweidentigen Haltung, die unter dem Schein der„ Uit entwegtheit" in Wahrheit die Wahlreform zuschanden machen könnte, berlangte ich eine Verpflichtung der in Frage kommenden bürgerals Grundforderung hielt ich für überflüssig, weil selbstverständlich. lichen Kandidaten. Die besondere Betonung des Reichstagswahlrechts Berlin, 81. März 1908. J. Bloch. Aus der Partei. beendete am Dienstag, den 31. März, ihren zweiten Sturfus, der am Die Parteischule 1. Oftober vorigen Jahres begonnen hatte. Bekanntlich suchte da mals die Regierung die Arbeit der Schule dadurch zu erschweren oder gar zu unterbinden, daß fie die zwei Hauptlehrer, die Genossen Hilferding und Bannefoet, mit der Ausweisung bedrohte, falls sie ihre Lehrtätigkeit wieder aufnähmen. So bedauerlich das hierdurch verursachte Ausscheiden der beiden Genossen aus dem Lehrerkollegium der Parteischule auch war, so ist doch der gegen die Schule geführte Schlag völlig pariert worden, indem die Genoffin von der Tatsache unterrichtet worden wäre, daß der russische uremburg und die Genoffen Cunow und Wurm in das Minister des Aeußern eine schriftliche Erklärung des Inhalts ab- Lehrerfollegium eintraten. So konnte der Kurfus zur völligen gegeben habe, daß das englisch- russische Abkommen die briti Bufriedenheit der Beteiligten und zum Nußen der Partei ohne Die städtischen Polizeifergten in Düsseldorf beab jetretär Runciman erwiderte, der Text der Depesche des Staats- widmete den scheidenden Parteischülern einige herzliche Worte des beab- hen Rechte im persischen Golf nicht berühre. Unterstaats- weiteren Zwischenfall zu Ende geführt werden. Genosse Bebel fichtigten einen tameradschalichen Verein zu gründen, fefretärs Grey an den britischen Botschafter in Petersburg vom Abschiebes im Namen des Parteivorstandes, Genosse aarer der fich u. a. mit der Unterhung in Notlage ge29. August, in der von dieser Erklärung des russischen Ministers Aft Darmstadt antwortete für die Schüler, worauf Genosse Schula im ratener Kollegen befassente. Wie Polizeiinspektor Blase ben Beamten jetzt mitgeteilt hat, I die städtische Verwal- genommen wurde, sei der deutschen Regierung zugleich mit dem Namen des Lehrerkollegiums den Sturfus für beendet erklärte. tung, die Inhaberin der oberstepolizeigewalt, von dem Verein Text des Abkommens mitgeteilt worden. werden. Polizeibeamte er Polizeifuchtel. der Polizeisergeanten nichts wiffeind sie hat deshalb die Grün- Regierung gerichtet ist und ihr Zwed darin besteht, Englands AnEs ist klar, daß diese Antwort an die Adresse der deutschen dung im Einverständnisse mit deregierung untersagt. Wir begiveifeln zwar, daß es Gesetz gibt, das den Bolizei. Sprüche auf das Endstück der Bagdadbahn in Erinnerung zu fergeanten die Gründung eines jeradschaftlichen Vereins mit bringen.Unterstützungszweden untersagt, albei der Polizei ist eben alles Ebenso erklärte im Oberhause der Unterstaatssekretär Lord möglich. Ist auch sonst an dem nichts Erfreuliches, so darf Fizmaurice, nach der Meinung der Regierung seien die britischen man doch diesmal der Polizei die fennung nicht versagen, daß Interessen in dem Lande zwischen Bagdad und der sie wenigstens konsequent ist und miren Unbegreiflichkeiten nicht persischen Grenze vollkommen geschützt. Seit der Erörterung einmal die eigenen Beamten verschi des englisch- russischen Uebereinkommens sei nichts vorgefallen, was eine Ergänzung seiner damaligen Ausführungen notwendig machen würde. Rußland. Gerichtete Verleumder dSozialdemokratie. fenbach( Main), 81. März. ( Privatbepesche deworwärts".) Maffenberhaftungen in Petersburg. Auf die Treibereien politischer Ger hin wurde seinerzeit der Wie russische Regierung hat jüngst eine Verschwörung entdeckt, einschild, der Bornde des Verbandes der die unter den Matrosen der in Sewastopol anternden KriegsBenoffe Aus dem polnischen Parteileben. Der Vorstand der sozialdemokratischen Partei Polens und Litauens hat für den nach einigen Monaten stattfindenden Parteifongreß nachstehende provisorische Tagesordnung festgescht: 1. Rechnungsbericht des Vorstandes; 2. die politische Situation im Reiche wie in Polen und Litauen, die Taktik der Partei und die Tätigkeit der sozialdemokratischen Fraktion in der Duma; 3. die sozialdemokratischen Gewerkschaften und ihre Beziehungen zu anderen Gewerkschaften in Polen und Litauen; 4. die Stellung der Sozialdemokratie Bolens und Litauens in der sozialdemo fratischen Partei Rußlands in organisatorischer und taktischer Beziehung; 5. die Forderung der Autonomie Polens in unserem Programm; 6. die Beziehungen der Partei zu anderen sozialiftischen Parteien in Polen und Litauen; 7. unsere Forderungen zugunsten der Bauernbevölkerung und das Agrarprogramm ber sozialdemokratischen«Partei Rußlands; 8. die SenoffenschaftS« bcwegung; 9. Organisationsfragen u. a." Dieser Tage erschien in Krakau nach einer Unterbrechung don fast vier Jahren das wissenschaftliche Organ der Sozialdemokratie Polens und Litauens„Przeslad Sozialdemokratyczny"(Sozialdemokratische Revue). Die erste Nummer enthält folgende Originalbeiträge: F. Mehring, Karl Marx; K. Kautsky, Marx' Leistung; R. Luxemburg, Stillstand und Fortschritt im Marxismus; A. Bebel, Die Wahlrechtsfrage in Preußen; N. Trozki, Die Geschicke der russischen Revolution; R. Luxem- bürg, Liquidation; War. Der Nationalismus während der Revolution: I. Karski, Die preußische Regierung und die Eni- Nationalisierungspolitik: St. Novicki, Bürgerliche Strömungen in der gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung u. a, Parteiliteratur. Im Verlag von I. H. W. D i e tz N a ch f. in S t u t t g a r t ist soeben erschienen: Sozialismus und Demokratie in der großen eng- tischen Revolution. Von Ed. Bernstein. Zweite, durchgesehene, der- mehrte und illustrierte Ausgabe. XVI und 367 Seiten. Preis bro- schiert g,5v Mark, gebunden 4 Mark. Diese Arbeit erschien in ihrer ersten Gestalt als Teil der von Bernstein, Kautskn, Mehring und anderen heraus- gegebenen Geschichte des Sozialismus in Einzel- darstellungen. Das Gesamtwerk ist längst vergriffen und wird als solches in neuen Auflagen nicht erscheinen, sondern in einzelne Bände beziehungsweise Ausgaben zerlegt werden, wie eS bereits mit Mehrings Geschichte der deutschen Sozial« demokratie geschehen ist. Im vorliegenden Band unterbreitet der Verlag Bern st eins Werk, das verbessert, lvesentlich vermehrt und mit einigen Jllustra- tionen ausgestattet worden ist, der inzwischen herangewachsenen jüngeren Generation. Sie lernen daraus die Triebkräfte der großen englischen Revolution kennen und gewinnen einen tiefen Einblick in das Wesen der Volkskämpfe während dieser Epoche, die auf die politische und wirtschaftliche Entwicklung Englands einen außer- ordentlich großen Einfluß gehabt haben. polireilickts» Omditlicbeo ufw. Strafkonto der Presse. Der ultramontane Stadtmagistrat Kronach hatte im vorigen Jahre, während überall die Rllckständigkeit der bayerischen Gemeindeordnung anerkannt wurde, die Erwerbung des Gemeindewahlrechts den Minderbemittelten dadurch zu erschweren gesucht, daß er die Biirgerrechtsgebühr bedeutend erhöhte. Die „Fränkische V o l k S t r i b ü n e das sozialdemokratische Organ für Ober- und Unterfranken, hatte diesen Beschluß scharf kritisiert. Deswegen stellte der Magistrat gegen den Redakteur der„Volks- tribüne", Genossen Dr. Weill in Nürnberg. Beleidigungsklage. Bezeichnend ist, daß er nicht als offizielle Körperschaft klagte, sondern die einzelnen Mitglieder als Privatpersonen, wodurch der Beklagte seinem ordentlichen Richter entzogen wurde. Andernfalls hätte die Sache vor das Schwurgericht kommen müssen. DaS Schöffengericht zu K r o n a ch, das für die Privatklage zuständig war. erkannte auf 39 M. Geldstrafe. Am gleichen Tage, an dem Genosse Richard Wagner das Gefängnis in Oldenburg auf 3 Monate bezog, hatte sich Genosse Arthur Stahl, der frühere verantwortliche Redakteur des „Nordd. Volksblattes" zu Bant-Wilhelmshaven, bor dem Oldenburger Landgericht wegen Beleidigung zu ver- antworten. Im März 1907 erschienen in unserem Banter Bruder- blatt unter der Ueberschrift„Eine anonyme Menschenfalle oder Eourrieres in Wilhelmshaven" und„Wie die Menschenfalle be- richtigt" zwei Artikel, die ein im Betriebe der Firma Holzmann u. Co., welche in Wilhelmshaven die Hafenbauten für den preußischen Staat ausführt, vorgekommenes Bootsunglück, bei dem vier Menschen ihren Tod fanden, und eine Berichtigung der ge- nannten Firma scharf kritisierten. Obwohl die Verhandlung fest- stellte, daß Rettungsboote und Rettungsringe an der Unfallsstelle nicht vorhanden waren und das von den Arbeitern benutzte Boot ein leichtes war, welches lebhaftem Wasser nicht standzuhalten ver- mochte, beantragte der Staatsanwalt 3 Monate Gefängnis. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Herz-Alwna, betonte, daß in den Artikeln nur das System getroffen werden sollte, und da der An- geklagte nicht wegen Beleidigung juristischer Personen verurteilt werden könne, die nur fingierte sind, beantragte er die Einstellung des Verfahrens und Freisprechung des Angeklagten, und falls dieser Einwand nicht vom Gericht berücksichtigt werden sollte, eine geringe Geldstrafe. Das Gericht erkannte auf 1999 M. Geldstrafe. In Betracht gezogen wurde, daß der Angeklagte noch nicht bestraft ist, nach Annahme nicht der Verfasser sei und daß die Artikel un- mittelbar nach dem Unglück geschrieben seien. GewerKfeKaftlichey. Eine Schamade. Der Vorstand des ArbeitgeberbundeL für das Baugewerbe, Sitz Berlin, hat ein Rundschreiben an die .Land-, Bezirks- und Einzelverbände gerichtet. worin er mit gleichzeitiger Uebersendung des neuen Vertrags- musterS mitteilt, daß durch die Einigung hierüber eine all- gemeine Aussperrung am 1. April unter keinen Umständen vorgenommen wird. Es ist vereinbart worden, in allen Orten, gleichviel, ob schon mit oder ohne Erfolg verhandelt worden ist, nochmals auf Grund des neuen Ver- tragsmusters zu verhandeln und zwar müssen die Verträge bis zum 18. April zum Abschluß gebracht und bis zum 22. April dem Bundesvorstand eingereicht sein. Auch diejenigen Orte, wo bis dahin keine Verständigung erzielt ist. müssen dies melden, damit zur Bei- l e g u n g dieser Differenzen durch die beteiligten Zentral- vorstände unter Zuziehung von örtlichen Organisations- Vertretern die nötigen Schritte erfolgen können. Gleichzeitig sollen auch alle nach dem 1. April ablaufenden Verträge. soweit sie gekündigt oder erneuert sind, dem Bundesvorstand eingereicht werden. Ferner wird an alle obigen Vorstände die Aufforderung gerichtet, bei den örtlichen Verhandlungen, da über die Hauptschwierigkeiten, den Mustertartf und die Arbeitszeit, eine Verständigung erzielt worden ist, im Interesse der Allgemein- heit das Zustandekommen von Verträgen zu fördern und nicht durch Versteifung auf kleinliche Fragen rein lokaler Natur in Frage zu stellen. Die beteiligten Ar- beitnehmerorganisationen sind auch derselben Ueberzeugung. Angesichts des günstigen Verlaufs der Einigungsverhandlungen wird von der Einberufung einer Vorstandssitzung zurzeit abgesehen._ Scrtln und Qmgcgcnd* Die Aussperrung bei der Firma Flohr. Der Deutsche Metallarbeiterverband hatte am Montag«in« Betriebsversammlung aller bei der Firma Karl Flohr. Maschinenfabrik in der Chausseestraße, beschäftigten Arbeiter unv Arbeiterinen veranstaltet. Um 6 Uhr war der große Saal der Bockbrauerei in der Chausseestraße gedrängt voll. Alle kamen, um Protest zu erheben gegen die unberechtigte Aussperrung der Werkzeugmacher am 21. März. Zugleich wandte man. sich energisch gegen die Versuche der Firma, den Einfluß des Verbandes zurück- zudrängen zugunsten der gelben Gewerkschaften. Otto Handle als Berbandsvertreter referierte. Er kennzeichnete die Gründe, die schon feit längerer ZÄt eine große Unzufriedenheit unter den Berantw. Redakt.: Georg Davidsoh», Berlin. Inseratenteil verantw.: «tMföft kWh Flohr hervorgerufen haben. In erstev Linie ist die andauernide Lohndrückerei zu nennen. Herr Flohr hat dazu das Signal gegeben, und unter den Meistern ist darauf ein wahves Wettlaufen entstanden, sich im Preisdrücken und in Lohn- abzügen hervorzutun. Als freisinniger Stadtverordneter spart Herr Flohr nicht mit schönen Worten für die Arbeiter, aber als Fabrikant Flohr scheint er sich sofort zu ändern. Trat er im Rathause dafür ein, daß die Gemeindearbeiter besser bezahlt werden müßten, um ihre„Seßhaftigkeit" zu fördern, so läßt er in seiner Fabrik sehr kurz und bündig verkünden, daß jeder gehen könne, dem die schlechtere Bezahlung nicht ge- fällt. Die wachsende Unzufriedenheit der Arbeiter war Herrn Flohr wohlbekannt, denn er versuchte, irgend einem Ausbruch zuvorzukommen, indem er einen sogenannten Unterstützungsverein— eine gelbe Gewerkschaft— gründete. Eine Anzahl Arbeiter erhielt Postkarten mit einer Einladung von dem„Bundesbruder" Flohr, in den gelben Bund einzutreten. Der Liebe Müh' war zuerst umsonst, denn nur ganze acht Mann meldeten sich. Auch dem einfältigsten Arbeiter wurde klar, um was es sich hier handelte, als er las, daß nur derjenige zum„Bund" gehören darf, der keiner Gewerkschaft angeschlossen ist, die S t r e i! u n t e r st ü tz u n g zahlt.— Aber es wurde weiter für die Gelben agitiert, man be- nutzte jede Gelegenheit, um Mitglieder für den„UnterstützungS- verein" zu pressen. Dazu kam das Ereignis vom 21. März gerade gelegen. Dem Betriebsleiter Hamel wurde an diesem Tage ein Stück Eisen an den Kopf geworfen, und die Arbeiter aus der Ab- teilung Reinhard sollten dafür verantwortlich sein. Die be- schuldigten Werkzeugmacher wußten nichts davon und wollten be- weisen, daß das Wurfgeschoß nicht aus ihrer Abteilung gekommen sein konnte. Herr Flohr erklärte aber kurzweg:„Wenn Sie mir nicht bimien fünf Minuten den Namen des Schuldigen nennen, sind Sie allesamt entlassen!" Nicht einmal waschen sollten sich die Arbeiter, sondern sofort auf die Straße gehen. Das ließen sich die Leute aber nicht gefallen, sie gingen erst in den Waschraum. Bald waren 6 oder 7 Schutzleute da und brachten die Leute hinaus. 27 Arbeiter waren plötzlich, ohne Untersuchung, ohne Be- Weisführung, auf einen leeren Verdacht hin, entlassen. Am Nach- mittage desselben Tages, als die Entlassenen sich ihren Lohn holten, machte man einigen das Anerbieten, wieder in Arbeit zu treten, aber nun war es für die Ausgesperrten Ehrensache, fest zusammen- zustehen, und nur zwei oder drei sehr alte Arbeiter fingen mit der Zustimmung ihrer Kollegen wieder an zu arbeiten. Bis jetzt sind 15 Ersatzkräfte, meist sehr minderwertige, angestellt. Die Gelben bekamen dadurch Oberwasser, und in ihrem Organ,„Der Bund", wurde ein entstellter Bericht über die Angelegenheit gebracht. Die Haltung der Ausgesperrten ist eine sehr gute; sie lehnen jede Ver- antwortung und Mittäterschaft an dem bedauerlichen Vorkommnis ab.— Die Versammlung nahm einstimmig eine Resolution an, in der gegen die Handlungsweise der Firma Protest erhoben wird. Man gibt sich der Erwartung hin. daß die Firma ihre Dtaßregel wieder rückgängig machen wird. Eine Kommission von 5 Mann wurde erwählt, die mit Herrn Flohr Verhandlungen anknüpfen soll, aber nicht allein wegen der Wiedereinstellung der Aus- gesperrten, sondern auch, um dem anmaßenden Verhalten der Gelben im Betriebe entgegenzuwirken und die Klagen darüber Herrn Flohr vorzutragen._ Jndustrieverband oder Braachenorganisatiin. Die Sattler beschäftigten sich am Montag in einer außer- ordentlichen Mitgliederversammlung wiederum mit der Ver- schmelzungsftage. Als Referent sprach Genosse Jäkel vom Textilarbeiterverband. Eigentlich war sein Vortrag wohl bestimmt, ein Korreferat für die Verschmelzung zu bilden. Der Redner er- klärte jedoch von vornherein, daß er, da er ja die Ausführungen der Gegner nicht gehört habe, die Frage nur theoretisch behandeln und auch nicht näher auf die besonderen Verhältnisse der Sattler eingehen könne. Er schilderte dann die industrielle EntWickelung mit ihrer Konzentration der Betriebe wie des Kapitals und führte namentlich den Textilarbeiterverband als einen Beweis dafür an, daß in einem Jndustrieverband die verschiedenen Branchen mit sehr verschiedenen Lohn- und Arbeitsverhältnissen eine bessere Ver- tretung ihrer Interessen erhalten als in kleinen Branchen. verbänden. Welche Verhältnisse nun in der Lederindustrie zurzeit für oder gegen die Verschmelzung sprächen, das zu beurteilen müsse den einzelnen Branchen selbst überlassen bleiben. Ob man jetzt oder erst später zur Gründung des Jndustrieverbandes schreite, jedenfalls müsse man mit Rücksicht auf die industrielle Eni- Wickelung nach der Richtung eines Zusammenschlusses hinarbeiten. Auf Beschluß der Versammlung erhielt nun zunächst der Ver- bandskassierer M ü n t n e r das Wort, der sich als Referent in der Versammlung am 23. Januar wohl für eine Verschmelzung mit dem Portefeuillerverband erklärt hatte, jedoch gegen einen In- dustrieverband, der alle mit Leder arbeitende» Berufe umfaßt. Der Redner erklärte, daß er eigentlich dem rein theoretischen Vor- trage des Referenten nichts hinzuzufügen habe und auch über die Zukunft der Gewerkschaftsbewegung nichts anderes sagen könne. Etwas anderes sei jedoch die zur Diskussion stehende Ver- schmelzungsftage. In dieser Hinsicht beharrte der Redner auf seinem Standpunkte und meinte im übrigen, daß ein besserer Aus- bau der Verbindung der verschiedenen Gewerkschaften in den Kartellen und der Generalkommission zweckmäßiger sei als eine Verschmelzung so verschiedenartiger Berufe wie die der Schuh» macher, Gerber, Sattler usw. Von einer weiteren Diskussion wurde Abstand genommen. Nach einem Schlußwort des Referenten wurde über die vor- liegenden Resolutionen abgestimmt. Eine den Ausführungen Müntners entsprechende Resolution wurde abgelehnt, dagegen die folgende mit einem Uebergewicht von 16 Stimmen angenommen: „Die Versammelten sind der Ueberzeugung, daß eine Ver- schmelzung der in Betracht kommenden Verbände zu einem In- dustrieverband eine Notwendigkeit ist, um eine schnellere Ver» besserung der Lohn, und Arbeitsverhältnisse zu erringen. Auch sind die Versammelten der Meinung, daß eine Verschmelzung mit dem Portefeuillerverband der erste Schritt zum Industrie- verbände ist. Sie betonen, daß den Beschlüssen, die in dieser Beziehung gefaßt sind, unbedingt Rechnung getragen werden muß."_ Die Schiffs- und Bootsbauer beschäftigten sich in ihrer letzten Versammlung mit den Differenzen aus der S p r e e w e r f t und Ankerwerft. Beschlossen wurde, daß die BootSbauer sich mit den Metallarbeitern solidarisch zu erklären haben. Die tarifliche Lohnerhöhung von 5 Prozent, die mit dem 1. März erfolgte, gab zu Beschwerden keinen Anlaß. Der wöchentliche Beitrag wurde von lder 14. Wvche ab von 40 auf 50 Pf. erhöht. Als Delegierter in die Berliner GewerkschaftSkommlission wurde einstimmig Neu- b e ck e r gewählt. Hierauf nahm die Versammlung Stellung zu der Schreibweise der„Einigkeit" bezüglich der Schiffs- und Boots- bauer und deren bisherigen Vertrauensmann. In einer Reso- lution, die einstimmige Annahme fand, wurde die Haltung der „Einigkeit" als ein« die Organisation schädigend« auf das schärfste verurteilt. Detttfldea Reich. Die»rganifierten Friseurgehülfen halten gegenwärtig an allen Verbandsorten Protestversammlungen ab, da die Forderungen der Gehülfen auf Regelung der Arbeitszeit durch die Sozialgesetzgebung bisher in keiner Weise berücksichtigt worden sind. Gefordert wird, daß 1. die Arbeitszeit nicht vor 7 Uhr morgens beginnen und nicht nach 8 Uhr abends(Sonnabends nicht nach 19 Uhr abends) enden soll; 2. eine Beschäftigung an Sonn- und Festtagen im allgemeinen nur bis 12 Uhr mittags, an den zweiten Oster-, Pfingst- und Weih- nachtsfesttagen'dagegen überhaupt nicht stattfinden darf, und 3. eine einstündigc Mittagspause eingeführt werden möge. Die Versamm- lungen nehmen gleichzeitig Stellung zu dem Entwurf eines Gesetzes über Arbeitskammern und wenden sich vor allem gegen den Z 7 des Entwurfs, wonach die Handwerksgesellen und Gehülfen von den Th Glocke-Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Arbeitskatnincrn gänzlich ausgeschlossen sein sollen. Seik 14 Jechfffl sind die Friseurgehülfen vergeblich bemüht die gesetzgebenden Körper- schaften zu einer Regelung der widersinnig langen Arbeitszeit lm Barbier- und Friseurgcwerbe zu veranlassen. Ein gesetzgeberisches Eingreifen ist in diesem Falle um so mehr notwendig, als in diesem Gewerbe zumeist jugendliche Arbeiter beschäftigt werden und die Innungen bisher erfolgreich bemüht waren, durch ihren„vorzüg- lichen Erkennungsdienst"(Attestbuch und Arbeitsnachweis) das Aufkommen einer starken Organisation zu verhindern. Dennoch sind die organisierten Gehülfen überzeugt, daß die �Arbeits- bcdingungen nur dann verbessert, die mancherlei Mißstände erst dann beseitigt werden, wenn die noch unorganisierten Kollegen dazu beitragen, indem sie sich dem Verbände der Friseurgehülfen an- schließen.— Erwähnt sei noch, daß der Sitz des Verbandes am 1. April nach Berlin verlegt wird. Die neue Adresse des Verbarids» Vorstandes ist: F. Etzkorn, Berlin dl. 58, Stolpische Straße 56. Eine neue Schanze. In Ratibor, im oberschlesischen Industrie» revier, wurde am Montag auf der Jungfernstraße Str. 3 ein Ge« werkschaftslokal eröffnet. Damit haben auch die Ratiborer GeWerk- schaster und Parteigenossen endlich ein so dringend nötiges Versammlungslokal. auS dessen Besitz sie nicht von gewissen Mächten vertrieben werden können. Die Gewerkschaftsl«kale rm oberschlesischen Industriegebiet— es sind ihrer jetzt sechs— sind von den ver« einigten Organisationen mit Unterstützung ter Generalkommission und des Parteivorstandes gemietete Privatiäume. Restaurations« betrieb gibt es in ihnen nicht, weil es nicht möglich ist, die Konzession dazu von den Behörden zu erlangen. Znr Tarifbewcgung der PortefeuiDr und Sattler. Für das Offenbacher Industriegebiet dS PortefeuillergewerbcS fand am Sonntag eine von Tausenden besuchte Versammlung statt, die Stellung nahm zu den Verhandlmgen, die zwischen Ver- tretern der Unternehmervcrbände und der Arbeiterorganisationen in voriger Woche in Berlin gepflogen werden sind. Den Bericht erstattete der Vorsitzende des Sattlerverlandes Blum, ergänzt wurde er durch W e i n s ch i l d, den Vorsftenden der Portefeuiller, der besonders die Verhältnisse im Industriegebiet beleuchtete. Die einheitlichen Gesichtspunkte für ganz Deutschland, wie sie stipuliert worder find in Berlin in bezug auf Verträge zwischen Arbeitgebern und Arteitnehmcrn in der Lederwaren- und Reiseartikelindustrie lagen der Versammlung vor. Ausstellungen wurden gemacht an der Abmachung, daß künftig die Sattler noch mehr als bisher Akkordarbeit machen sollen. Ferner traten in der Debatte deutlich»tage die Schäden der Heimarbeit und der Groll der BcrufSngehörigen gegen dieselbe. Von den Referenten wurde betont, Zaß eine gänzliche Beseitigung der Heimarbeit in der Portefeuibsindustrie zurzeit eine reine Unmöglichkeit sei. Es solle! aber die Heim- arbeiter organisiert werden und sollen sie beringen, daß sie den gleichen Lohn für gleiche Leistungen erhaltenwie die Werkstatt- arbeiter. AIS Extrakt der Verhandlungen wrde der Versamm- lung eine Resolution vorgelegt, die einstimug Annahme fand, Sie lautet: „Die am Sonntag, den 29. März 1908, m Offenbacher Ge- Werkschaftshaus versammelten Portefeuilles und Reiseartikel- arbeiter und Arbeiterinnen des Offenbach: Industriegebietes stimmen den auf der Berliner Konferenz zischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern vereinbarten„Einheitliien Gesichtspunkten für ganz Deutschland in bezug auf Vertrce zwischen Arbeit- gebern und Arbeitnehmern in der Lederware- und Reisearnkel- industrie" zu und erklären sich damit eiwrstanden, daß die zurzeit gültigen Verträge als gekündigt zu'etrachten sind. Die bestehenden Lohnkommissionen wenn beaustragt: dl« vom Referenten gemachten Vorschläge zu simulieren und den Mitgliedern in geeigneter Weise zur Absinmung vorzulegen, In Anbetracht der verteuerten Lebensittelpreise erwarten die Versammelten von der Vereinigung ir Lederwarenfabri- kanten Deutschlands, daß sie den bescheenen Wünschen der Arbeitnehmer Rechnung tragen und dieselb» bewilligen werden. Die Versammelten verpflichten sich, ihn Wünschen dadurch mehr Nachdruck zu verleihen, indem sie 1. soweit dies noch nicht geschehen, siöder freigewerkschast, lichen Organisation anschließen: 2. bis zur Beendigung der Lohnl'ewegrg Ucberstunden nwt mit Zustimmung der Organisationeitung leisten und 3. auf jeden Fall und immer das Omnibusschieben ver» meiden. Verstöße gegen die beiden letzten irpflichtungen find als ehrlose Handlungen zu betrachten und»rden den statutarischen Bestimmungen der Organisation gemä'geahndet." Unter dem„Omnibusschiebe»Ist das Mitnehmen von Arbeit am Abend ins Heim zu versteh» Es versteht sich von selbst, daß jede Kontrolle dadurch unmögh gemacht, die Schmutz- konkurrenz großgezogen und die schlinsten Schädigungen des Gewerbes dadurch hervorgerufen werde» Mit der Annahme der Resolution� die Tarifbewegung in den Zentren der Portefeuillesindustrielkut geworden. Nehmen die Unternehmer die Vorschläge der Tifkommisswnen nicht an, bedeutet es den Kampf. Die Portefkller im Offenbacher In- dustriegebiet sind zu 90 Proz. organitt. Im Baugewerbe zu Schweinfurt l ein Konflikt ausgebrochen Die Unternehmer haben sämtlichen?eitern gekündigt, weil diese den Ausschluß der Kündigung nicht erkennen wollten. Zuzug ist bis auf weiteres zu vermeiden. Tarifabmachung in der frärchen viermetropile. In Kulm dach wurde der gelaufene Tarif zwischen dem Verband der Brauerei und der Seiniguna der Unternehmer erneuert, wobei die Arbeiter eine Anzl Verbesserungen erzielten. So wurde unter anderem eine wöcherche Lohnerhöhung für alle Ar- beiter um 2 Mark und eine E>hung der Ueberslunden« und Feiertagsarbeit-Zuschläge um 10 Pnig pro Stunde erreicht. Et» Streik der Winzer steht t im der Pfalz f» auch im nörd- lichen Teile des Elsaß, in dAegend von Weißenburg, für den 1. Mai in Aussicht, falls Weinbergsbefitzer die Forderung nach höheren Löhnen nicht bewgen wollen. Die Winzer sind durch die im Streik erkämpftenrfolge der Maurer im vorigen Jahre zu ihrem Vorgehen anger« worden. Letzte JVacbncbtn und Dcpcfcbca Die Uuterbeamten weiter zu hungern! Stuttgart, 31. März.(' T. B.) Mit Zustimmung des StaatSministerS der auswärtig Angelegenheiten hat der Vorstand der Generaldirektion der Staeisenbahnen, Direktor v. Stieler, den Vorständen der in Württeerg bestehenden Eisenbahnbeamten- und Untcrbcamtenvereine in«er Konferenz mitgeteilt daß an- gesichts des ungünstigen AbscsseS der Eisenbahnverwaltung auch auf dem Gebiete des PersomesenS eine Vermeidung von Mehr- ausgaben notwendig ist. Die iwten und Unterbeamten würden sich für die nächste Zeit in ihr Wünschen auf Besserstellung be- scheiden müssen, da es i im nächsten Hauptetat nur darum handeln könne, einzelne Unaheiten in den Gehaltsbezügcn auS- zugleichen. Erhebliche Auferungen irgendwelcher Art könnten nicht in Aussicht genommcrerden. Tower geht, Hikommt, und damit basta! Washington, 31. Mi(Auf deutsch-atlantischem Kabcl.) Die Ernennung Hills � Botschafter in Teutschland sowie A. M. Veauprss zum sandten in den Niederlanden und Spencer Eddys zum Gedten in Argentinien ist dem Senat zugegangen. Towers cktritt wird zum 1. Juni erfolgen. PaulSingerLCo., Berlin» Hierzu 3 Beilage»«.UnterhaltougSbl. Nr. 78. 25. Zahrgang. 1. Knlize i>cs.Awärls- Knlim Mittlooch, l. April 1908. Keickstag. ISS. Sitzung vom Dienstag, den 31. März Ivos, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratStische: Kraetke, v. Bethmann-Holl- weg. Der Bericht der Neichsschulden-Kommission wird debattelos der Rechnungskommission überwiesen. Es folgt die erste Beratung eines Gesetzentwurfes betreffend die Beschäftigung von Hülfsmitgliedern im kaiser» lichen Patentamte. Danach soll der Reichskanzler die Be- sugnis haben, Personen, welche die Berechtigung zum Richteramt oder zum höheren Verwaltungsdienste besitzen oder in einem Zweige der Technik sachverständig sind, mit den Verrichtungen eines Mit- gliedes des Patentamtes beauftragt werden. Abg. Dr. Junck(natl.) befürwortet das Gesetz, kündigt jedoch für die zweite Lesung einen Antrag an. die Geltungsdauer der Befugnis des Reichskanzlers bis zum 31. März ISII zu beschränken. Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg: Der von Herrn Junck an- gekündigte Antrag liegt durchaus nn Sinne des Gesetzentwurfs, der nur ein Notgesetz bis zur Revision des Patentgesetzes ist. Nach unwesentlicher Diskussion wird, da Kommissionsberatung nicht beantragt ist, in die zweite Beratung eingetreten. Hierzu beantragt Dr. Junck(natl.s, die Befugnis des Reichs- kanzlerS bis zum 31. März 1911 zu beschränken. Das Gesetz wird mit diesem Antrage debatteloS an- genommen. Es folgt die erste Beratung der E r g ä n z u n g e n des Etats- gesetzes, wodurch der Reichskanzler erniächtigt werden soll, den Postüberweisungs- und Scheckverkehr einzuführen. Staatssekretär Kraetke: Schon bei der Beratung des Scheck- gesetzes ist allgemein betont worden, dast eine Einschränkung des Bnrumlaufs und seine Ersetzung durch den Scheckverkehr sehr wünschenswert ist. Die Post ist besonders geeignet, den Scheck- verkehr für weite Kreise der Bevölkerung einzuführen. Zu dem Postscheckverkehr soll jeder zugelassen werden, der bei einem Post- scheckamt eine unverzinsliche Einlage von 109 M. hält. Auf der Grundlage, die hier geplant ist, werden Sie. wie ich hoffe, dem Entlvurf zustinimen. Abg. Dr. Roesicke(f.): Wir stehen dem Gesetzentwurf sehr skeptisch gegenüber, woran der Hinlveis, bah der Postscheckverkebr in Oesterreich existiert, nichts ändern kann. Bei uns sind die landwirt- schaftlichen und Handwerkergenoffcnschaften bedeutend mehr ent- wickelt, als in Oesterreich. Diese Genossenschaften bekommen jetzt das überschüssige Geld der kleinen Leute, während es bei Einführung des Postscheckverkehrs durch die Post der Reichsbank zufliegen würde, von der es großkapitalistischen Unternehmungen, nicht aber den Ge- nossenschaften zur Verfügung gestellt werden würde. Abg. Singer(Soz.): Der Vorredner hat sich gegen den Gesetzentwurf ausgesprochen. weil er eine erhebliche Konkurrenz für die landwirtschaftlichen und die Handwerkergenoisenschajlen fürchtet.- Ich kann aber nicht finde». daß die von ihm angeführten Gründe berechtigt sind, und muß vielmehr betonen, daß die Vorlage eine volkswirtschaftlich berechtigte und gesunde Idee enthält. So wie sie gestaltet ist, glaube ich jedoch nicht, daß die jcnigen Vorteile durch sie herbeigeführt werden, welche der Herr Staatssekretär erwartet. Zunächst möchte ich mein Bedenken dagegen äußern, daß die Bedingungen, unter denen der Postscheckverkehr ins Leben treten soll, wenn auch nur für bestimmte Zeit, durch Verordnung des Bnndesrates bestimmt lverden. Gerade mit dem Herrn Staatssekretär haben wir doch viele Erfahrungen gemacht, welche uns die Notwendigkeit zeigen, daß die Gebühren gesetzlich festgelegt werden,(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) so daß wir nicht die Hand dazu bieten werden, sie auf den: Verordnungswege festsetzen zu lassen. Wäreid zum Beispiel die Gebühren für Drucksachen und Briefe im Nachbarortsverkehr gesetzlich festgelegt worden, so hätten wir jetzt nicht einen Zustand, bei denen der Verkehr in Drucksachen zum Schaden des Publikums außerordentlich herab- gegangen wäre. sSehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn ich auch zugeben muß, daß man bei der Einrichtung einer neuen Or- ganisati'on erst gewisse Erfahrungen sammeln will, ehe man sich durch Gesetz bindet, so würde ich doch mindestens fordern, daß die An- ordnungen, die der Bundesrat trifft, dem Reichstage zur Gc- urhmigung vorgelegt werde», und daß sie, wenn die Genehmigung versagt wird, außer Kraft gesetzt werden. Ich will jetzt schon den Antrag stellen, diesen Entwurf an die Bndgetkonnnission zur Vorberatung zu überweisen und hoffe, daß es dort möglich kleines feuilleton. Theater. Kammerspiele:„Der Tor und der Tod" von Hugo v. Hofmannsthal;„Nju", eine AlltagStragödie in acht Bildern von O fsip Dymow. Dymow gehört zum jungen Nachwuchs der russischen Literatur, der ebenso wie die vorangehenden Schriftstellergencraliouen, frei von der Pose selbstgenügsamen Aesthetentums, lebendigen Auleil an den Leiden und Kämpfen des Volkes nimmt. In den Zeiten des revolutionären Aufschwungs, als die Fesseln der Zensur sich lockerten, trat er mit politischen Satiren hervor, die großes Aufsehen erregten. Wie Gorki hat er seither unter dem Drucke der immer höher anschwellenden Reaktion die Heimat verlassen. Einige von DymowS Dramen erzielten auf russischen Bühnen große Erfolge. Hier in den Kammerspielen fand seine Alltags- uagödie„Nju" äußerlich geringen Beifall. Indes braucht die Reserve nicht ein Zeichen gleichgültiger Teilnahm- losiakeit dem Stücke und der wundervollen Darstellung gegenüber zu sein. Schauspielerisch gehörte diese Aufführung zum allerbesten, >vas unter Reinhardts Leitung an intimer Kunst geboten wurde und literarisch durften Stil und Inhalt das Dramas in ihrer aus- geprägten Eigenart zuin inindesten ein lebhaftes Jntcreffe bc- anspruchen. Das gilt vor allem für den ersten Teil, in welchem der typische Charakter, worauf der Titel: eine AlltagStragödie hinweist, in konsequenter Weise festgehalten wird. Der Schlnßteil biegt in andere Bahnen ab. Nju, das kleine verzärtelte Frauchen, deren verzückter Schwärmerei für den jungen Poeten sich anscheinend so viel kindischer Eigensinn und unbedachte Laune beimengt— Nj», von der wir erwartet hätten, daß sie nach verflogenem Rausch bestürzt und traurig in das Heim ihres so versöhnlichen Gatten zurückflattere, wird zur Märtyrerin ihrer Exaltationen. Weil sie ihre große zum Idol erhobene Liebe durch einen unseligen Zufall befleckt glaubt, entschließt sie sich, das Leben fortzulverfen. Eine Wandlung, die wenig überzeugend vorbereitet ist und zugleich den Angelpunkt des Interesses vom Allgemeinen weg ins Besondere verschiebt und so in doppelter Hinsicht wider die Einheit des Stiles verstößt. Die lose, in der ersten Hälfte kunstvoll abgewogene Struktur des Dramas erzeugt, indem sie die Zlvischenglieder der Handlung ausschaltet und Momentaufnahme neben Momentaufnahme stellt. eine ganz eigene Spannung. Die Beweglichkeit dieser Form erlaubt es den, Autor, dem, was ihn psychologisch an der Sache interessiert, in voller Freiheit, wie in der Novelle, nachzugehen, ohne die drückende Sorge, ob die herausgegriffenen Situationen sich auch zu einer geschlossenen Szenenfolge verbinden lassen. Unmittelbar nach dem Leben scheinen die Bilder hingeworfen, im Fluge von oben her mit sicherem Auge ersaßt. Wir sind Zeugen, wie sich im Ballsaale die «ste» Fäden zwischen Nju und dem jungen Dichter spinnen; wie sein wird, diejenigen Aenderungen an ihm anzubringen, die es uns möglich machen, ihn anzunehmen. Ich wende mich nun zu dem Eunvurfe selbst. Bei seiner Be urteiluug muß man von der Auffassung ausgehen, daß die ver- bündeten Regierungen, speziell die Reichspostverwaltung eine Ver- mehruug ihrer Betriebsmittel herbeizuführen wünscht. Das scheint mir das maßgebende Moment bei dem Entwurf zu sein. Ich ver- stehe dieses Bestreben der Postverwaltung sehr wohl. Wenn aber dieser materielle Zweck für die Postverwaltung maßgebend ist, dann darf sie sich nicht auf den Standpunkt stellen,' daß diese Vermehrung ihrer Betriebsmittel auf Kosten des Publikums geschieht, sondern dann muß sie dafür, daß das Publikum ihr das Geld anvertraut, auch Zinsen geben. Wie bei dem früheren Entwurf, so halte ich das auch jetzt für durchaus notwendig. So wie der Entwurf gegenwärtig gestaltet ist, würde der Herr Staatssekretär mit ihm überhaupt keinen Scheckverkehr erreichen, sondern nur einen Ueberweisungsverkehr, oder mit anderen Worten, das Geld wird nickit in der Postanstalt bleiben, sondern sofort aus- gezahlt werden müssen, während man doch bei einem Scheckverkehr zwar die Mittel zur Verfügung der Einleger halten müßte, sie aber immerhin für eine gewisse Dauer bei der Post bleiben würden. Würde der Entwurf nach dieser Auffassung umgestaltet, so würden wir gern unsere Zustimmung dazu geben, weil wir die Notwendigkeit empfinden, daß die Post mit stärkeren Betriebs Mitteln ausgestattet wird. Aber zu erwarten, daß das Publikum sich diesem Scheckverkehr zuwenden wird, ohne diejenigen Vorteile zu haben, die es bei den Privatanstalten genießt, das ist eine Illusion, die wir nicht teilen. Aus der Begründung der Vor- läge geht auch hervor, daß die Regierung selbst zugibt, daß die mangelnde Verzinsung auf den Verkehr einwirken wird. Sie gibt sich aber doch der Hoffnung hin, daß sich vielleicht trotzdem ein Ver- kehr entwickeln wird. Es ist eine alte Regel, daß eine Verkehrs- einrichtung sich nur dann einbürgert, wenn sie dem Publikum Nutzen schafft. Ich sehe nicht ein, warum das Privatpublikum den schönen Augen der Postverwaltung zuliebe die Gelder lieber in die Post- lassen legen soll, während man 60 Schritte weiter eine sichere Depositenkaffe hat, welche die Gelder verzinst. Genau so steht es mit den Gebühren. Ich kann nicht begreifen, wie man glauben kann, daß das Publikum in Scharen zuströmen wird. Wir haben ja auch bei der Paketfahrtgesellschaft gesehen, daß der Staats sckretär, um Geschäfte machen zu können, die Postgebühren herab setzen mußte. Immer wenn die Reichspostverwaltung eine neue Einrichtung eröffnet, sollten deshalb keine neuen Schranken errichtet werden, welche dein Publikum die Lust an dieser Einrichtung ver- gällen. Der bloße Ueberweisungsverkehr mag ja auch gewisse Vorteile für die Post bieten; ich kann mir aber nicht denken, daß die Postverwaltung von diesem einen Zweck allein erheblichen Nutzen hat und auch nicht, daß sie große Lust dazu hat. Es kommt hinzu, daß mit diesem Vorschlage auch nicht unerhebliche Kosten verbunden sind und wir darauf sehen müssen, daß sie auch wieder heraus kommen. Ob dies bei dem bloßen Ueberweisungs- verkehr geschehen wird, ist doch zweifelhaft. Ganz anders steht die Sache, wenn die Postverwaltung durch den Scheckverkehr in erfolg- reiche» Wettbewerb mit den Banken tritt. Gelingt es in der Budget- kommission, diesen Entwurf so zu gestalten, daß er unseren Wünschen entspricht, so werden wir nichts dagegen haben. Aber wir sind Feinde von Gesetzen, die schon bei ihrer Geburt den Keim des Todes in sich tragen. �Zustimmung bei den Sozialdeutokrateu.) Noch ein Wort über die Verwendung der Gelder. Wir haben nichts dagegen, daß die überschüssigen Gelder von der Post zur Reichsbank gegeben werden, um so weniger, als über kurz oder lang die Frage der Veränderung des Wesens der Reichsbank den Reichstag beschäftigen wird. Wir werden uns dabei zu fragen haben, ob es nötig ist, daß bei der Reichsbank ein erhebliches Privatkapital festgelegt wird, dem durch die hohe Ver- zinsung erhebliche Zuwendungen gemacht werden. Aber diese Frage wird uns später beschäftigen; jedenfalls ist das kein Grund, daß die Post die überschüssigen Gelder nicht an die Reichs- bani gibt.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Wef�r(natl.): Der Vorlage stimmen wir prinziell zu, da sie eine brauchbare Grundlage für die Einführung des Post- scheckverkehrs bildet. Daß die landwirtschaftlichen Genossenschaften dabei geschädigt werden, glauben wir nicht; im Gegenteil, auch sie werden Vorteile aus der Einrichtung ziehen. Dem Vorschlage des Abg. Singer, die Gebühren gesetzlich festzulegen, müssen wir wider- sprechen. Abg. Kacmpf(frs. Vp.): Ich glaube nicht, daß es in Land oder Stadt irgend jemand geben wird, der der Post 199 M. zinslos über- geben wird, wenn er anderswo dafür Zinsen erhalten kann, wie z. B. bei den Genossenschaften. Diese werden also sicherlich nicht geschädigt werden. Der Zweck des Postscheck- Verkehrs ist ein anderer, nämlich Ersparnis an Barmitteln. Um das Empfinden Njus noch in derselben Nacht in ein Gefühl dumpf feindseliger Gereiztheit gegen den verliebt zudringlichen Gatten um- schlägt, sind Zeugen des ersten schüchternen Geständnisses, der jubelnden Freude, des Streites der beiden Männer und der furcht- baren, aus Begier und Eifersucht gemischten Qualen, die den Ge- mahl am Lager der Verlorenen rütteln. Die versteckte, geräuschlose Art, in der sich solche Krisen im Leben zu vollziehen pflegen, ist ausgebildet. Am packendsten in den Szenen des Streites. Der Gatte schießt, doch ohne den Gegner zu treffen. und gleich darauf sitzen die beiden, als der aufgeschreckte Wächter die Wohnung visitiert, Anekdoten erzählend mit Nju am Spieltisch. Kein Fremder soll von dem geheimen Ringen etwas erfahren. Nju reißt sich los von ihrem Manne, aber noch ehe der goldene Strahlen- kränz, den sie um ihres Dichters Haupt gewoben, vor ihren Augen wieder schwindet, greift sie zum Gifte. Sie fühlt sich Mutter und kann den Gedanken, daß in dem neuen Wesen statt des Geliebten vielleicht das Blut des Gatten weiter lebt, nicht tragen. Ihr hinter- lassenes Tagebuch gibt die Motive, die sie in den Tod getrieben. In Gertrud Eysoldts Spiel kamen alle die mannig- fachen sich kreuzenden Gefühle mit erstaunlicher Plastik zum Auö- druck. In jeder Miene, jedem Tonfall glitzerte und glänzte vielfarbiges individuelles Leben. Auch Winter st ein in der Rolle des ge- beugten Gatten, M o i s s i in der des weltmännischen Poeten, belebten ihre mit feinster Sorgfalt ausgemeißelten Gestalten. Mit der Darstellung von Hof mannsthals gedankenvoll schwermütiger Dichtung„Der Tor und der Tod", die den Abend eröffnete, habe ich mich um so weniger befreunden können Der schöne Wohllaut der Sprache ging bei der nervösen outrierten Art, wie Moissi, bald unverständlich leise flüsternd, bald ausbrechend zu lauter Deklamation, die Verse vortrug, für mein Empfinden ganz verloren. Auch den Tod, die Schatten der Mutter und Geliebten umlvittcrte kein wahrer Geisterhauch. tt. Humor und Satire. Hill. Vor allem eins, mein Sohn; als Diplomat Kannst du ein Rindvieh sein, ein riesendummeS, Das schadet weder dir noch deinem Staat, Hast du Manieren nur und viel MesummeS. So denken wir. Drum übe Parität, Roosevelt. Für Specky fühle dick, verbunden, DaS ist ein Kerl, der sein Geschäft versteht. Und hat doch auch das Pulver nicht erfunden. _ Fridolin. Notizen. — Theaterchronik. Eleonora Duse beginnt ihr Gast- spiel im N e u e n T h e a t e r am 7. April mit ,La Locandiera". dieses zu erreichen, ivird man von der Einrichtung Gebrauch machen. Ich glaube aber nicht, daß dieser Verkehr großen Umfang annehmen wird, denn es gibt wohl kaum ein besseres Mittel, das Publikum abzuschrecken, als die gegenwärtigen Bestimmungen keine Verzinsung und zu hohe Gebühren. Nur wenn die Gebühren bedeutend heruntergesetzt werden, halte ich eine Ausbreitung dieser Art von Verkehr für möglich.(Beifall bei den Freisinnigen.) Abg. Nacken(Z.>: Auch wir begrüßen die Vorlage im Interesse von Handel und Verkehr. Bei ihrer jetzigen Fassung scheinen «Schädigungen der landwirtschaftlichen Genossenschaften ausgeschlossen. Gesetzliche Gebührenfestlegung halten auch wir für nötig. Abg. Raab(wirtsch. Vg.) meint, man solle sich die Vorlage gründlichst überlegen, da eine Schädigung der Genossenschaften sehr wohl möglich ist. Abg. Dr. Arendt(Rp.): Wir stehen der Vorlage günstig gegen- über, und ich selbst bin der Meinung, daß die Sparer ruhig bei ihren Genossenschaften und den Sparkassen bleiben werden. Dabei wird die neue Einrichtung den kleinen Kaufleuten und Gewerbe- treibenden von großen: Nutzen sein.— Die Rede des Abg. Singer steht im Gegensatz zu der Haltung, die die sozialdemokratische Fraktion bei der Erneuerung des Reichsbankprivilegiums ein- genommen hat.— Wir sind damit einverstanden, daß die ge- sammelten Gelder der Reichsbank zufließen, da diese dadurch ge- stärkt wird. Damit schließt die Diskussion. Der Gesetzentwurf wird der Budgetkommission überwiesen. Nächster Gegenstand der Tagesordnung ist die erste Beratung eines Gesetzentwurfs betreffend Aenderungen im Münz- Wesen. Reichsschatzsekretär Sydow: Der Entwurf will die Ausprägung von 25-Pfennig-Stücken ermöglichen. Es entspricht dies einem in den letzten Jahren namentlich in Norddeutschland geäußerten Wunsche. Gegen daS sich geltend machende Bedürfnis kann der Einwand, daß das 26-Pfennig-Stück dem Dezimalsystem nicht ent- pricht, nicht als stichhaltig gelten. Auch der Reichstag hat sich in einer Resolution für die Einführung des 2S-Pfennig-Stücks aus- gesprochen. Die neue Münze soll aus reinem Nickel bestehen; ein Loch soll sie nicht haben; ein solches halten die verbündeten Ne- gierungen für ungeeignet, so lauge das deutsche Volk nicht die Ge- wohnheit hat, Münzen auf eine Schnur gereiht um den Hals zu tragen.(Heiterkeit.) Weiter bringt der Entwurf die Erhöhung der Kopfquote der silbernen Scheidemünze von IS auf 29 Mark. DaS ist im Interesse des Verkehrs notwendig, aber auch ausreichend. Im Interesse des Verkehrs hoffe ich, daß das Gesetz recht bald ver- abschiedet wird. Abg. Speck(Z.): Von der Einführung des 2S-Pf.-Stückes be« Archte ich eine Erhöhung der Preise, indem später 26 Pf. losten vird, was jetzt 29 Pf. kostet.(Sehr richtig! im Zentrum.) Mir 'cheiilt die Frage des 26-Pf.-Stückes noch nicht spruchreif zu sein.— Die Vermehrung der Silberausprägung sucht man als notwendig zu beweisen mit dem Hinweis auf die gestiegenen Löhne, also mit einem wirtschaftlichen Aufschwung; andererseits aber sagt die Begründung des Entlvurfs aus Seite 9, daß ein erhöhter Bedarf an Silbernlünzen in Zeiten wirtschaftlicher Krisen auftritt. Das beweist also gar nichts. Weiter weist man auf den Bedarf an Silbermünzen in den Kolonien hin; im ganzen sind dort jetzt für 8,3 Mllionen Silbermünzen und wenn man eine riesige Steigerung, bis zu 29 Millionen Mark annimmt, so soll das der Grund für die Neuausprägung für 399 Millionen Mark sein I Der treibende Gedanke des Entwurfs scheint der zu sein, die Betriebsmittel des Reichs zu stärken. Prinzipiell weisen meine Freunde die Erhöhung der Kopfquote des Silbers nach Maßgabe des erhöhten Bedarfs nicht zurück. Nach dem Verkehr gc- nügen gegenwärtig 13 M. Nun soll das Mehr von 7 M., also 429 Mllionen Mark, nicht auf einmal ausgeprägt werden, sondern der Bundesrat soll die Befugnis dazu je nach dem steigenden Be- darf haben. So plötzlich tritt aber die Steigerung des Bedarfs icherlich nicht ein, daß wir den Reichstag bei der Vermehrung der Silberausprägung ausschalten sollten. Wir haben Bedenken, unsere seit der Beseitigung der Taler reine Goldlvährung wieder in eine hinkende Währung zu verwandeln.— Wir beantragen, den Entwurf an eine Kommission von 21 Mitgliedern zu verweisen.(Bravo I im Zentrum.) Staatssekretär Sydow: Ich hätte nicht geglaubt, daß gegen eine o harmlose Vorlage sich so viele Einwendungen erheben ließen. Ich glaube, die Bedenken des Vorredners lassen sich in den einen Satz zusammenfassen:„die ganze Richtung paßt mir nicht"(Heiter- keit), weil eben in Siiddeutschland das Bedürfnis nach dem 26 Pf.- Stück nicht so hervorgetreten ist, wie in Norddeutschland.— Von einer hinkenden Währung kann doch auch bei der Erhöhung der Kopfquote der silbernen Scheidemünze gar keine Rede sein. Am 8. wird„La Citta morte" und am 9.„RoSmerSholm" dargestellt. Am Freitag, den 3. April, kommt das von der Zensur jetzt frei- zegebene Drama„Das Evangelium" von Heinrich Strauß m Bürgerlichen Schauspielhaus zur Uraufführung. — Der Polarforscher in der We st min st er- Abtei. Nach einer Meldung der„Nature" ist der Beschluß gefaßt worden, dem verstorbenen englischen Polarforscher Leopold MacClintock, dem Pionier der nordwestlichen Durchfahrt, ein Grabdenkmal in der RuhmeShalle der Westminster-Abtei zu London zu bereiten. Nach dem bisherigen Entwurf wird es unter dem Monument von Sir John Franklin seinen Platz stnden, dessen Schicksal durch die Expedition von Mac Clintock an Bord der„Fox" endgültig festgestellt wurde. — Ein Meteorfall auf hoher See. Vor wenigen Tagen wurde die Meldung bekannt von einem Schiffe, das auf hoher See während eines heftigen Sturmes von einem Meteoriten durchlöchert und zum Sinken gebracht wurde. Aus Plyntouth kommt ■ ctzt die Nachricht von einem ähnlichen Ereignis, das glücklicherweise Menschenleben nicht gefordert hat. Es handelt sich um den holländischen Dampfer„Ozean", der sich auf dem Wege von Notier» dam nach Philadelphia befand. Das Schiff war noch etwa 290 englische Meilen von dem amerikanischen Hafen entfernt, als ein Meteor, der viele tausend Pfund gewogen habe» muß, vom Himmel herabfiel. In unmittelbarer Nähe dcs Schiffes stürzte er ins Meer und die gewaltigen Wogen, die durch den jähen Aufprall aufgepeitscht wurden, gingen bis über das Verdeck des Dampfers. An der Stelle, wo der Meteorit ins Meer gesunken war, bildeten sich sofort Gaswellen, und die Rauchwolke» waren so dicht und giftig, daß die Mannschaft, um dem Tode zu entgehen, sich Hals über Kopf unter Deck flüchten mußten. Als die Mannschaft sich wieder an Deck wagen konnte, fand man das ganze Fahrzeug über und über mit einem seltsamen braunen Staub bedeckt. Kurz danach erfolgte ein Regen von kleineren flammenden Meteoriten, die zischend neben dem Schiff in-Z Meer versanken. Eine Zeitlang phosphoreszierte die ganze Meeresoberfläche. — Eine prähi st arische Bildergalerie. Eine interessante Entdeckung ist Dr. Reuo Jannel zwischen Foix und Mas d'Azil in Südfrankreich gelungen; er hat eine neue prähistorische Höhle aufgefunden, deren Wände mit alten Zeichnungen und Male- reien bedeckt sind. Mehr als 49 Büffel und Pferde sind hier in Rot und Schwarz von der Hand prähistorischer Künstler auf die Wände gezeichnet. Besonderes Juteresse gewinnt die Entdeckung dadurch, daß sich unter diesen Zeichnungen auch die Gestalt eines Menschen findet, was' in jenen Epochen eine außerordentliche Seltenheit be- deutet. Auch zwei Nenutiere sind zusehen; das Vorhandensein dieser Tiere, die im südlichen Europa bald ausstarben, liefert tpichtige Anhaltspunkte für die Datierung dieser eigenartigen Zeugnis� pra» historischer Kunst. «vg. Orte!(natl.) erklärt das Einverständnis seiner Freunde mit der Vorlage. Abg. Henning(l.) begräbt ebenfalls die Vorlage. Einen Schaden fiir die Goldwährung erblicken wir in der Mehrausprägung von Silber, wie sie hier vorgesehen ist, nicht. Eine Kommission von 14 Mitgliedern halten ineine Freunde für geniigend. Abg. v. Stroinbeck(Z.) hält im Gegensatz zum Abg. Speck ein 22-Pf.-Stück für ein dringendes Bedürfnis. Abg. Dr. Arendt(Rp.) spricht sich für da? 2S-Pf.-Stgck aus, das aber eine eckige Form erhalten sollte. Die Kommission sollte auch die Wiederausprägung von 3-M.-Stücken ins Auge fassen; ebenso sollte man sich bemühen, dem b-M.» Stück eine handlichere Form zu geben.— Als Bimetallist bin ich stets Gegner der Ver- mehrung der Silberscheideinünze» gewesen. Aber der Betrag der Kopfquote ist jetzt erheblich geringer als früher, durch Abnutzung resp. Verluste, durch Vermehrung der Bevölkerung, durch Einziehung der Taler, die das Publikum auch nur als als Scheidemünze betrachtete. Deshalb stimme ich der Erhöhung der Kopfquote auf 20 M. zu. Freilich wird das Gesetz eine wesentliche Stütze der Goldwährung bilden', ich sehe aber von allen theoretischen Bedenken ab, da der Gesetzentwurf praktischen ivirtschastlichen Bedürfnissen entgegenkommt. Abg. Kaewps sfrs. Vp.): Daß ein Bedürsnis sür ein 2b-Ps.-Stück vorhanden ist, beweisen die zahlreichen Petitionen der Handels- kammern. Gegen eine Erhöhung der Silberausprägung habe ich nichts einzuwenden, wenn sie in den Grenzen bleibt, deren der Verkehr bedarf. Wird mehr Silber ausgeprägt, so strömt es aus dem Verkehr zurück und bleibt bei der Reichsbank. Einer solchen Absicht, der Reichsbank überflüssige Silberbestände zuzuführen, muß im Interesse unserer Währung Widerstand geleistet werde». Wir sind damit ein« verstanden, daß die Vorlage einer Kommission von 14 Mitgliedern überwiesen wird. sBravo I bei den Freisinnigen.) Abg. Raab(Wirtsch. Vgg.) begrüßt das 2ö-Pf.-Stück; die Durch- brechung des Dezimalsystems im kleinen Verkehr ist sehr dankenswert, denn der Kleinverkehr braucht die Teilung in die Hälfte und wieder in die Hälfte.— Beim Einziehen der Silbermünzen sollte man weniger rigoros Verfahren. Staatssekretär Sydow: Schon mein Herr Amtsvorgänger hat Anweisung gegeben, die Bestimmungen über das Einziehen der Sikbermünze» milde zu handhaben. Damit schließt die Diskussion. Die Vorlage wird an eine Kommission von 14 Mtgliedern b e r w i e s e ir. Es folgt die Beratung der zum Postctat gestellten Resolution v. Gamper Etat der Kanalisationsverwaltung balanziert in Einnahme und Ausgabe mit 86 000 M. Genosse Schliebitz begrüßt as, daß für die Beschaffung von Schul- bücher» für arme Kinder steckt wie im Vorjahre 60 M., 160 M. eingestellt sind, wünscht aber, dmß der Amtsvorjteher sich nicht an diese Summe gebunden fühle, soisdern gerade jetzt in der Krise das größte Entgegenkommen zeige. Geiiosse Kitzing bemängelt die hohe Klassen- frequenz: wenn auch der Gemeiiidevorsteber der Meinung sei, daß dieselbe niedriger als die preußische Durchschnittsfrequenz sei, so dürfe nicht außer acht gelten werden, daß wir uns hier in einer Vorortgemeinde Berlins bespnden. Gemcilidevorsteher Schmiedigen hofft, daß sich das auch allniählich durchführen läßt. Hieraus fragte Genosse Schliebitz an, ob eS sich nicht möglich machen ließe, daß die Kinder an bestimmten Stunden Brausebäder erhalten und ob dieselben nicht auch für Erwachsene freigegeben werden könnten. Es fei für die Britzer Arbeitertzliast längst ein gefühltes Bedürfliis, endlich am Orte eine Badegelegenheit zu haben. Das Geld hierfür wäre viel besser angewendet, als der Beitrag von 1000 M. für die Siubenrauchstiftung. Die Nachbargemeinden Bcrljn, Rixdorf, Tcmpelhos und Nieder- Schöncweide sollen zu den Schulunterhaltimgskoslen herangezogen werden. Genosse Kitzing regte an, daß die Gemeinden diese Frage am besten in Ziveckverbänden lösen mögen. Es wurde beschlossen, die Forderungen geltend zu imachcn. Um die Niveauübcrgänge der Rixdorf- Miltenwalder Bahn zwischen Sorgenweg und Buckowcr Chaussee zu beseitigen, soll die Bahn böher gelegt werden. Zu diesem Zweck ist ein AuStemsch von Grundslückeii zwischen dem Reittier Rese und der Gemei»ide Britz notwendig. In den vorauf- gegaiigeiien Verbandliingen hatte sich Herr Rese bereit erklärt, die erforderlichen Ländereien zum Preise von 10 M. pro Quadratmeter an die Gemeinde abzutreten. DaS dagegen von der Gemeinde ein- zutauscheiide Grundstück lvollte er nur mit 8 M. pro Quadratmeter bewertet wissen. Das rief mm bei emem Teil der Bürgerlichen die heftigste Opposition hervor. Da die Gemeinde an Herr» Rese noch 17 000 M. zuzuzahlen hat. wwrde beschlossen, wenn Herr Rese sein Grundstück iimec halb eines Jahres veikanfen kann, ihm die 17000 M. zu zahlen. Falls dies nicht der Fall ist, sollen ihm nur 15 000 M. ausgezahlt werden. Trebbin(Kreis Teltow). In der letzten Stadtverordnetenversammlun» wurde der Wasserwerksetat, der in Einnahme und Ausgabe mit 10 100 M. balanciert, einstimmig genehmigt. Hierbei warf Stadtv. Binge die Frage auf. wie weit die Arbeiten der Kommission betreffs Regelung des Wasserzinses gediehen sei. Er erinnerte daran, daß der leider verzogene Genosse TrebuS einmal sagte, es gehe hier olles im Schneckengange. Fast, scheine es, meinte Redner, als ob auch die Schnecke schon ciiigcKchlafen sei. Stadtv. Wichert cnt- schuldigte die Verzögerung damtit, daß die Herren nicht regelmäßig die Sitzungen besuchen.— Ein' der Witwe Luther gehöriger Teich soll käuflick erworben werden, jddoch erscheint die geforderte Summe von 3000 M. als zu hoch, weshalb dem Magistrat ausgegeben wurde. zwecks Preisermäßigung nochmals mit der Eigentümerin in Per- Handlungen zu treten. Am 27. April wird in der Streitsache unserer Genossen betreffs Stadtverordnetenwahl beim Bezirksausschutz m Potsdam ein Termin stattfinden.— lieber ein eingegangenes Schreiben des Hausbesitzervereins betreffend die elektrische Be- leuchtungsfrage wurde nach längerer Debatte beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, nochmals mit der Elektrizitätsgesellschaft in Verbindung zu treten, ob sie die seinerzeit gebotenen Vorteile aufrecht erhält und ob weitere Vorteile für später in Aussicht ge- stellt werden. Königs-Wusterhausen. Ein schwerer Bahnunfall hat sich unmittelbar hinter der Halte- stelle Zernsdorf ereignet. Als ein Stationsbeamter, bald nachdem der Nachtzug von Berlin die Strecke passiert hatte, die Gleise ent- lang schritt, fand er zwischen den Schienen den total zerstückelten Körper eines Mannes. Wie aus Papieren, die bei dem Toten vor- gefunden wurden, hervorgeht, handelt es sich um einen 43 jährigen Maler Jost, der sich anscheinend auf der Wanderschaft befand. Nach dem Ausweis der Arbeitspapiere war der Maler längere Zeit in Berlin und Umgebung beschäftigt gewesen und hatte zuletzt mehrere Wochen in einem Krankenhause zugebracht. Allem Anscheine nach ist I. im Zuge eingeschlafen und als der Zug bereits im Gange war, beim Herausspringen verunglückt. Pankow. Die Verzweiflungstat einer unglücklichen Mutter rief vorgestern in der Binzstratze Teilnahme hervor. Vor etwa acht Tagen starb das älteste Kind der Tetzlaffschen Eheleute. Die Mutter nahm sich den Tod des Kleinen derartig zu Herzen, datz sie den Entschlutz faßte, ihm in den Tod nachzufolgen. Vorgestern trank sie vor den Auge» ihrer Angehörigen Lysol. Wenige Minuten darauf war die Lebens- müde den Wirkungen des Giftes erlegen. Nieder-Schönhausen. Als ein unhaltbarer Zustand wird es empfunden, datz die hiesige Post an Wochentagen mittags von 12—2 Uhr geschlossen ist. Ist es an sich schon viel zu wenig, datz ein Vorort wie Nieder-Schönhausen mit 12 000 Einwohnern nur ein Postamt hat, so mutz eine solche Maßnahme als ein doppeltes Hindernis einer regulären Abfertigung auf dem Postamt empfunden werden. Hinzu kommt, daß der Ort erheblich ausgedehnt ist. Zu wünschen wäre es, wenn die Post- Verwaltung die ständigen und nur allzu berechtigten Klagen der hiesigen Einwohner durch die Beseitigung der gegenwärttgen Mängel aus der Welt schaffen würde. Spandau. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich vorgestern am Potsdamer Tor. Auf dem Döberitzer Uebungsplatze war eine Gruppe von 4ö Offizierspferden scheu geworden. Während 40 Tiere schnell ein- gefangen werden konnten, rasten fünf Pferde in der Richtung nach Spandau davon. Bei dem Versuch, die Tiere zum Stehen zu bringen. verunglückten zwei Soldaten, sogenannte.Pferdehalter'. Dem einen der Leute wurde der Leib aufgerissen, so datz die sofortige Ueber- sührung des Verunglückten nach dem Garnisonlazarett nötig wurde. ßmffcarten der Redaktton. Tie juristische Evrechftuildr sind»» Liaven st raste Nr. ü, zweiter Hos, dritter tkiagang, vier Treppen, SMV~ Fahrstuhl 4M «oochcntäglich abends von?>/, bis O'/j llhr statt. Geoffue»? Uhr SounabendS beginnt die Sprechstunde um« Uhr. Jeder Ansrag» ist ein Buchstabe und eine �jahl als wlerkzeicheo beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. F. F. L3. Wenden Sie fich an den Rektor der Anstalt. Zlnfwärteri« 32. 1. Nein. 2. Ja. 3. Wenn nicht täglich« Kündigung vereinbart ist. ja. 4. Nein, nur für die beiden letzten Lohnzahlungsperioden. 5. Für die Klage ist daZ Amtsgericht zuständig. Die Betreffende kann als Gegenforderung alles anrechnen, was ihr an Nachteil infolge Nichteinhaltung der Kündigungssrist erwachsen ist. War keine Kündigungssrist vereinbart, aber monatliche Lohnzahlung, so konnte nur mit Einhaltung von vierzehntägiger Kündigungssrist rechtmäßig gekündigt werden.— — B. S.<57. Die notarielle Ausstellung ist nicht ersorderlich. Sie können aher beim Notar eine Urkunde ausstellen lassen, in der sich der Schuldner sür den Fall nicht rechtzeitiger Rückzahlung sofortiger Zwangsvollstreckung unterwirft. Dadurch würde fich ein späterer Prozeß erübrigen.— F. K. 333. Nein.— P. M. 50. Das Erkenntnis des Ober- vcrwaltungsgerichts, das den Betrag des Fahrgeldes von und zu der Arbeitsstätte in Abzug gebracht hat, bezieht sich aus eine Borortgcmeinde. Es können sowohl Berliner wie in den Vororten Wohnende diese Abzüge machen. — M. 5. Die Herrschast ist verpflichtet, sür die Dauer von sechs Wochen sür Kur und Verpflegung des ertränkten Dienstmädchens Sorge zu tragen. Zu den Kurkosten gehören auch die Arzneikosten.— H. R. 78. 1. Ja. 2. und 3. Ein Urteil in Strassachen wird rechtskrästig, wenn innerhalb einer Woche weder von der Staatsanwnlischast noch vom Angeklagten Be- r-usung eingelegt ist. 4. Das wäre zwecklos.— A. K. 40. In der Regel ja.— A. Z. 100. Wenn der kinderlose Ehegatte kein wechselseitiges Testament errichtet, so wird er nicht Alleincrbe. sondern erbt zur Hälfte mit den Verwandten zusammen. Ihm gebührt ein Voraus, das in den Haushaltungsgegenständen und in Hochzeitsgeschenken besteht. Machen sie ein wechselseitiges Testament.— Wilmersdorf. 1. Ja. 2. Nein. Berliner Marktpreise. ZlnZ dem amtlichen Bericht der städtischen viarkiballen-Dtrektion.(Großhandel.) Ochseiisteiich la 66 68 vr 100 Psd., lla 60 65, Ula 52 55, Bullcnfleisch la 63—68, IIa 52—62, Kühe, seit 46—56, do. mager 34—42, Fresser 48—56, Bullen, dänische 40—61. Kalbfleisch. Doppellender 105—125, Maslkälber la 83 90 lla 72-79, Kälber ger. gen. 50—65, do. Holl. 50—55. Hammelfleisch Mast- tämmer 71—74, Hammel la 65-67, IIa 57—62, ungar. 0.00, Schase 42—55. Schweinesteiilb 48— 55. Kaninchen, Stück 0,70—0,90. Schneehühner, Stck. 0,75— 0,90. Birkhähne. Stck. 1,70. Birk Hennen, Stck. 1,30. Schnepfen, Stck. la 5— 3,25, do. IIa 1,50—2,75. Fasanenhähne, junge, Hübner. la per Stück 1,50 bis dito Wolga-, Stück 1,30—1,40. Harn- Poulets 0,70— 1,4t). Kapaunen, deutsche, Stück 0,50—0,70, dito alte 0,35—0,50 italienische 0,00. Eiilr», per Psund 0,00, dito per Stück dito Hamburger, per Stück 3,00— 4,'>0. fflöiiie, gefroren per Stck, 3,25, do, alte 2,25. 2,00, dito lla Stück 0,60-1,40, burger Küken. Stück 0,80—1,05, per Stück 0,00. Tauben, junge, dito........ 0,00, Pfd. 0,00, do. russische 0,40—0,45, do. junge Hamburger 0,90—1,10. Puten la p. Psd, 0,70—0,90, do. IIa. u, alte 0,50—0,65. Hechle p. 100 Psund 68—88, do, mittel 0,00, do, groß 0,00, do, groß- mittel 0,00, do, matt 0,00. Zander, mittel 0,00, do, groß-mittel 0.00, do, unsort. 0,00. Schleie, groß-mittel 122, dito Nuttel 0,00, dito lla 0,00, dito klein 0,00, Aale, klein 0,00, do, mittel 110, do, groß 0,00. Karpsen, unsortiert 61, do, 20er 0,00, do. 50— 60er 0,00, do. 50er Lausitzer 59—62, do, 70er 0,00. Roddow 0,00. Plösen 30-55, dito klein 25—29. SU and 50—51. Quappen, klein 0,00. Wels 0,00. Bunte Fische, klein 0,00, do. 36, Barsc 0,00, do, klein 44. Bleie, klein 0,00. Bleifische 0,00. Karauschen 0,00, Winter-RheinlachS, p. 100 Psd, 0,00, Amerikan, Lachs la, per 100 Psund 110—130, do. IIa 90—100. Seelachs, per 100 Psund 15—25. Flundern. Kieler, Stieg« la 2—6,. do. mittel, Kiste 0,00, do, Hamb. Stiege 3—6, halbe Kiste 2—3, pomm, la Schock 0,00, IIa 0,09, Bücklinge, Kieler per Wall 0.00, schwedische 0,00, englische 0,00, Stralsundcr 3—3,50. Sprotten, Danziger, Kiste 0,50, do. Rügenwalder, Kiste 0,40. Aale, grog per Psd. 1,10—1.20. do. mittelgroß 0,80—1,10, tiein 0.60—0.80. Heringe per Schock 5,00—9.00, Schellfische, Kifle 4,00—4,50, dtto Kiste 2—2.50, Sardellen, 1902 er per Anker 98. 1904er 93, 130öer 98, 1906er 85—90. Schotliiche Vollheringe 1905 0,00, large 40—44, kalt, 38-40, med. 36—42, deutsche 30-40, Heringe, neue MatjeS, per'/, To, 0,00. Sardinen, ruff.. Faß 1.50—1,60. Bralberinge Faß 1,20—1,40. do. Büchs«(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen, Schocksaß 8. do, kleine 4—5, do, Riesen- 10, Krebse per Schock 0,00, große 0,00, do. mittelgroße 0,00, dito kleine 9—12 ein 0,00, do. unsortiert 0,00, G alizier, groß 0,00. Seernuscheln 100 St. 1,00. Eier, Land-, unsorlierl per Schock 3,00—3,30, do. große 3,50— 4,00. Buttel per 100 Psd. la 119-121. IIa 116 120.[IIa 110-116. abfallende 105-110 Saure Gurken schock 4,50—5, Pieffergnrken Schock 4,50—5, Kartoffeln per 100 Piund Dabersche 3,00—3.50, weiße mnde 2,50—3,00, mag. Kern. 2,75—3,25. Porree, per Schock 0,75—1,50. Meerrettich, Schock 8—14. Spinal per 100 Psund 15—18. Sellerie, per Schock 6—14, do, pomm. 0,00, Zwiebeln per 100 Psd, 4,00—6,00. Petersilie, grün, SÄockbund 1.40—1,70. Rettich, bayrischer, per Stück 0,10—0,15, junger, per Stück 0.25. Mohrrüben. 100 Psund 2.50—3.50, Karotten, per 100 Pfund 12—20. Wirfingkohl, Holl. v. Schock 18—82. Rotkohl, Schock 3,50—10. Weißkohl p, 100 Psd, 4—5. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 0,00, do, Erfurter 0,00, do, italienischer 100 Stück 35— 10, do, in Körben 18 Stück 1,25—2,50. Rosenkohl, sranz,, per tOO Psund 40. Grünkohl 8,00—10,00. Kohlrüben, Schock 2,00— 4,00. Petersilienwurzeln, p. 100 Psd. 4,50—5,00, Schockbund 5—6. Schnittlauch, Töpfe Dutzend 2,25—2,50, Tomate», kanarische, per Kiste 1,25—4,00, Role Rüben, per 100 Pfund 5,00—7,00, Rhabarber 100 Bund 7—10. Rabunzen 25 bis 40. Rubchen 12—18, Eskarol, 100 St, 10—20. Endivien, 100 St. 20—30. Radieschen, Schock 3,00. Waldmeister, Mandel 1,20—1,35. Morcheln 7—8. Birnen, Kochbirnen hiesige, per 100 Psd. 6—9,00, Tasclbirnen la 14—32, do, IIa 6—17, Italiener la 23—28, do, IIa 18—20. Aepsel, per 100 Psund, Tiroler la 20—28, do, IIa 22, do. lose, per 100 Psund 0,00, do. in Kisten 120 Psd, 30-50, Most-, hies,, 100 Psd, 3-12, Koch- 5-14, Tafel. äpfel la 15—23, do. IIa 8—16, Amerikaner, per Faß 15—23, Italiener, lose, tOO Psd. 8—18, do. in Körben per 100 Psd, 10—16, do. in Kisten 10—20, Weintrauben, Almeria, per Faß 13—16, Ananas I, per Psund 0,80—0,90, do, II 0,65—0,70. Bananen, kanar,, per 100 Psd. 23—27, Jamaica 22,00—25,00, Maronen, italienische, per 100 Psund 0,00. Feigen, Kranz- per 100 Psd, 21—25, do. Trommel- per 100 Pfd. 40, do, in Kisten 22—58. Traubenrosinen per 100 Psd. 0,00, Zitronen, Mcssina. 300 Stück 6,50-9,50, do. 360 Stück 7—10, do. 200 Stück 0,00, do, 150 Stück 0,00. Apfelsinen, Murcia, 200 Stück 7,50—10,00 do, 300 Stück 8,00-12,00, do, Blut- 200 St. 8,50-14.00, do. Blut. 300 Stück 10,00-14,00, do. Valencia 420 Stück 12,00-18,00, do. 714 Stück 19-25,00, do, Messina 160 Stück 8-13,00, do, 200 Stück 8-12,50, do. 300 Stück tO— 13,00, do, Blut. 100 Stück 7—8,00, do, 150 Stück 7-8,00, do, 80 Stück 6,50-7,00, do. 160 Stück 12-15, do. 200 Stück 12-15, do, Kalis, 16-17,00. Datteln, per 100 Kart, 38-42. do. per 10 Mb 5,00-5,50, do. Kalis. 100 Psund 23-56. WitterungSüberstcht vom 31. März 1908, morgens S Uhr. EtelUtun Lwtnemde Hamburg Bcrltv Franks.» M München Wien LS I= aeUee 755 SW 752 SSO 756 SSW 757 W 762 SW 763SNll 3woMg 4 Regen 2 wolkig 4Regen 4 Regen — Regen »L c V ä 9 5? W 2, «tatUnen is a a äs i avaranda 749 WSW eierSburg 764 SO aeUee Scillh Aberdeen Paris 761 W 737 WNW 760 W 6 halb bd. 2 wölken! 6 bedeckt 7 wolkig 4 bedeckt «so! 1- £& 8 -1 t 4 i Wetterprognose für Mittwoch, de« 1. April 1998. Etwas kühler, teilweise heiter, jedoch sehr unbeständig mit Regen-, Hagel- oder Graupclschauern und starken westlichen Winden. Berliner Wetterbureaa. WasscrstandS-Nachrichte» der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteM oo» Berliner Wetterburcau. ') 4- bedeutet Wuchs,— Fall,—') Unterpegel.—•) EiSstaad j am 29. von 2'/,— 31/, nachm. Eisrücken, un ra ca a m a ra CD •i: C3 in DJ ra m o m ra ca in B. Di ra ca a in ra ca a in Baep Sohn Baep Sahn Baep Sohn Baep Sohn Baep Sohn Baep Sahn Der Hauptkatalog Nr, 34, ein vortrefflicher Ratgeber,«et erschienen una tvira auf Wunsch kostenlos und portofrei zugesandt. DI« der Herren- und Knaben. Kleidung, von deutschen und englischen Mode. künstlern entworfen, eind darin abgebildet Das 36 Seiten starke Buc* veranschaulicht mit seinen lausender Angeboten die staunenswerten Leis tungen und die gewaltigen Fortschritte unserer seit über 17 Jahren eich eines Weltrufes erfreuenden Firma Tausende unaufgeforderte Anerkennungsschreiben » 1 .und der steta wachsende Kundenkreis geben ein beredtes Zeugnis unserer ReelliUt und der PreiswQrdigkeit unserer guten Waren. Wjaftra-Iteiilieiftn Jociiettlilsider. 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