Nr. 86. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungsBreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Quremburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schwei Ericheint täglich außer Montage Vorwärts Berliner Volksblatt. 25. Jahrg. Die Infertions Gebühr Betrügt für die fechsgespaltene Rolonel. geile oder deren Raum 50 Big., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 20 Pfg., jcdes weitere Bort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf. stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Bort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegrammm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Freitag, den 10. April 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. An die Sozialdemokratie in Preußen! Parteigenossen! Am 3. Juni dieses Jahres finden die Urwahlen und am 16. Juni] Die Arbeiterklasse ist an der Eroberung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen die Abgeordnetenwahlen für das preußische Dreiklassenparlament statt. Ent Wahlrechts um so stärker interessiert, da die Aufgaben, mit denen der Landtag sprechend den Beschlüssen des Mainzer Parteitags hat sich die sich zu beschäftigen hat, ihre wichtigsten Lebensinteressen berühren. Partei mit allen Kräften an den 2andtagswahlen zu beteiligen Zu diesen Aufgaben gehören unter anderen: Die Steuergesetzgebung für Staat und Trotzdem die öffentliche Stimmabgabe den wirtschaftlich und politisch Abhängigen die Gemeinde; die Regelung des gesamten Erziehungswesens von der Volksschule bis zu den offene Bekundung ihrer Gesinnung bei der Wahl erschwert, müssen alle Parteigenossen ihre Hochschulen; die Stellung der Schule zu Staat und Kirche; das Polizei- und Justizwesen; ganze Kraft für den Wahlkampf einsetzen, um ein möglichst glänzendes das große Gebiet der Agrargesezgebung; das gesamte Verkehrswesen: Eisenbahnen, FlußResultat zunächst bei den Wahlmännerwahlen zu erzielen. regulierung, Kanalbau, Wegebau; das Armen- und Waisenwesen; das Gesundheitswesen; die Gemeindegesetzgebung; die Kontrolle über die gesamte Staatsverwaltung und die Lohn, Die Partei hat in erster Linie durch möglichst starte Bahl- Gehalts- und Arbeitsbedingungen der vielen Hunderttausende von Beamten und Arbeitern beteiligung Protest zu erheben gegen ein Wahlsystem, das eine in den Staatsbetrieben, Eisenbahnen, Bergwerken, Salinen, Wald- und Wasserwirtschaft, Schande für einen Staat ist, der ein Kulturstaat sein will. Jede Straßenbau usw. Stimme mehr, die für uns abgegeben wird, steigert die Wucht des Protestes! Aber nicht allein Protest gilt es zu erheben. So ungünstig auch die Kampfbedingungen für uns sind, so muß es uns doch bei äußerster Einsetzung aller Kräfte gelingen, endlich dem preußischen Proletariat die Tore des Landtags zu öffnen! Zugleich soll dieser Kampf aller Welt die schmachvolle Ungerechtigkeit zeigen, die 85 Prozent der Wähler in die dritte Klasse schleudert und sie zugunsten der 15 Prozent Wähler der beiden ersten Klassen entrechtet. Die Kontrolle und die Kritik auf allen diesen Gebieten, die Tätigkeit für Beseitigung vorhandener Uebel und Mißstände, die Arbeit für Verbesserung der Zustände, die selbstverständlich nur im Sinne des sozialdemokratischen Parteiprogramms zu üben ist, eröffnet der Tätigkeit sozialdemokratischer Abgeordneten ein weites Feld. Parteigenossen! Es ist eine Riesenaufgabe, die wir uns gestellt haben. Aber eine Partei, die als legtes Ziel die Umgestaltung der ganzen Staats- und Gesellschaftsordnung auf der Grundlage der Demokratie und des Sozialismus erstrebt, darf keine Arbeit zu schwer, teine Aufgabe unlösbar finden. Der Wahlkampf muß auch dazu dienen, Ein blutigerer Hohn auf die Gleichheit der staatsbürgerlichen Rechte ist nicht möglich. unsere Ideen in den Massen zu propagieren, für unsere Parteiorgane Dem Volke muß die Wertlosigkeit dieses Scheinwahlrechts zum Bewußtein gebracht werden, neue Leser, für unsere Parteiorganisationen neue Mitglieder zu gewinnen. Hierzu müssen um seine Erbitterung und Empörung gegen das bestehende Wahl. wir den Wahlkampf gründlich ausnüßen. recht zu entflammen. Es muß ein System hassen lernen, das mehr Die Weisungen für die Handhabung der komplizierten Wahltechnik, die das Wählen als vier Fünftel der Wähler zu politischen Heloten degradiert. nach dem Dreitlassenwahlsystem erfordert, werden Eudy in Stürze zugehen, ebenso die Winke für unser Verhalten bei den engeren Wahlen für Wahlmänner und Abgeordnete. Die 85 Prozent der Wähler in der dritten Klasse für das Dreiklassenparlament sind im Jahre 1908 genau so recht- und machtlos, wie es das arbeitende Volk vor dem März 1848 war. Das ist der Fortschritt, den an politischen Rechten das Volk in Preußen seit sechzig Jahren gemacht hat! forderlich. Es darf der Kampf in ärmeren Kreisen nicht dadurch erlahmen, daß in entParteigenossen! Zur Führung eines energischen Wahlkampfes find große Mittel erscheidenden Augenblicken die nötigen Gelder fehlen. Wir richten darum an Euch das dringende Ersuchen, unverzüglich mit Geldsammlungen Was die Männer der Tat in der Revolution von 1848 errangen, hat eine feige Bourgeoisie der Reaktion preisgegeben. Das damals Verlorene muß zurückerobert; die Rechte zu beginnen! Auch die Parteigenossen außerhalb Preußens müssen dieses Ringen als ihre des Volkes müssen entsprechend der Kulturentwickelung erweitert werden! Sache betrachten und den im Stampfe stehenden Genossen Munition liefern! Alle zu diesem Es handelt sich für die große Masse des Volkes und insbesondere für die preußische Zwecke verfügbaren Gelder sind sofort an Arbeiterklasse um die Eroberung des allgemeinen, gleichen, direkten und A. Gerisch, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69 geheimen Wahlrechts für alle über 20 Jahre alten Staatsbürger mit der Angabe:" Für preußische Landtagswahlen" zu senden. ohne Unterschied des Geschlechts auf Grund der Verhältniswahl. Parteigenossen! Geht frisch ans Werk! Seid energisch und unermüdlich! Zeigt Gründliche Wahlreform im Sinne dieser Grundfäße ist die Forderung, der in erster unseren Gegnern, was wir zu leisten vermögen! Im Kampf nur zeigt sich der Mann! Linie der jetzige Wahlkampf zu gelten hat. Berlin, den 9. April 1908. Hoch die Partei! Parteivorstand: Das Zentralwahlkomitee. Bebel, Eberhardt, Ebert, Gerisch, Moltenbuhr, Müller, Pfannkuch, Singer, Wengels. Geschäftsführender Ausschuß der Landeskommission: Boeste, Ernst, Liepmann. Landtagsschluß. abschiedet sind, abgesehen von einigen völlig unbedeutenden, jeder Beschreibung, furz und gut, die Volksschule wird in find Geseze zur Vernichtung der Kultur, Gesetze, einer Weise vernachlässigt, die zu den ernstesten Bedenken in die darauf hinauslaufen, den Aufschmung der bezug auf die Zukunft des Voltes Anlaß gibt. Der oberste Arbeiterklasse gewaltsam zu hindern, den Leiter des Volksschulwesens, in dessen Berufung die bürgerDie letzte Session der 20. Legislaturperiode des preußischen Bildungsdrang des Proletariats nieder liche Linte ein Zugeständnis erblickte, hat sich als genau Landtags ist geschlossen, die Männer des Dreiklassenwahlrechts, zuhalten, die Massen auszubeuten. so mucerisch veranlagt bewiesen, genau so als Spielball die Vertreter der befizenden lassen sind huldvollst nach Hause Diese Verdummungs-, Unterdrückungs- und Ausbeutungs- in den Händen der Finsterlinge, wie sein Vorgänger, geschickt, damit sie die Zeit bis zum 3. Juni, ungestört durch politik ist auch die Signatur der letzten Session. gewesen. unter dem die preußische Volksschule zum Gespött der ganzen parlamentarische Geschäfte, zur Wahlagitation benußen können. Dem fortgesetten Drängen der Schlot- und Strautjunter nach- Kulturwelt geworden ist. Was werden die Wähler, um deren Stimmen man buhlt, gebend, hat die Regierung den Legitimationszwang Das einzige nennenswerte Gefeß, das der Landtag in nicht alles zu hören bekommen? Erstaunt werden sie sein, für ausländische Arbeiter eingeführt, durch den sie auf dem der letzten Session verabschiedet hat, das Enteignungswenn sie erfahren, wie der bisherige Vertreter des Wahl- Verwaltungswege das erreichen will, was sie auf dem Wege geje gegen die Polen, enthüllt die Weisheit der freises, der sich wieder um ein Mandat bewirbt, die ganzen der Gesetzesänderung dank der Wachsamkeit der sozialdemo- gesetzgebenden Körperschaften Preußens in ihrer vollen Nacktfünf Jahre hindurch nur auf das Wohl der Allgemeinheit be- kratischen Reichstagsfraktion nicht hat erreichen können; die heit. Gewaltpolitit, die, wie die Geschichte lehrt, von dacht gewesen ist, daß er aber in seiner angeborenen Be- ausländischen Arbeiter sollen zu Lohnbrüdern gemacht jeher das lehte Mittel einer unfähigen Regierung gewesen ist, scheidenheit kein Aufsehen davon gemacht hat. An derartigen werden, die die Wahl haben, ob sie sich der Laune ihrer ist auch das Mittel, durch das das Ministerium Bülow sich Renommistereien wird es ebensowenig fehlen wie an Ver- Arbeitgeber fügen oder dem Hungertode preisgegeben werden behaupten zu müssen geglaubt hat. Anstatt in Preußen Zusprechungen für die Zukunft. wollen. Die preußische Arbeiterklasse aber soll durch die stände zu schaffen, unter denen sich alle Staatsbürger wohl fühlen, " Politisch ungeschulte Massen, die sich um die Vorgänge Vernachlässigung der Volksschule in dem hat man den traurigen Mut, wider Recht und Gesez, das bisher im Dreitlassenparlament nicht fümmern, wird man auf diese Streben auf Erweiterung ihres Wissens gehemmt und auf eine Enteignung nur aus wirtschaftlichen Gründen Weise ja schließlich einfangen können, nicht aber Klassenbewußte eine tiefere Stufe der Kultur zurückgeworfen werden. fannte, gegen eine bestimmte Klasse von Staatsbürgern die Arbeiter, die den Verhandlungen des Landtages mit Auf- Die Beratung des Kultusetats hat aufs schlagendste Enteignung aus politischen Gründen zu beschließen. merksamkeit folgen und empört über die Sünden der Volts bewiesen, daß die Volksschule mehr und mehr Für derartige Zwecke find finanzielle Mittel in Hülle vertreter" sehnsüchtigst auf den Moment der Abrechnung mit ihren Zielen entfremdet, daß fie tein Mittel zur und Fülle vorhanden, aber zu einer Besoldungsdieser Gesellschaft warten. An ihrem politischen Scharfblick Bildung der Massen mehr ist, sondern in der Hand der aufbesserung für die unteren und mittleren Beaniten werden die demagogischen Kunststücke der bürgerlichen Volts- besigenden Klasien in erster Linie ein Instrument zur Er- und die Lehrer reicht es nicht. Obwohl die Thronrede feierbeglücker abprallen. ziehung von Hurra- Patrioten und frommen Gläubigen. Un- lichst die Besoldungsaufbesserung verheißen hat, werden die An Unfruchtbarkeit steht die verflossene Session den umschränkt herrschen die Junker und Pfaffen über die Volfs- Beamten wieder mit Teuerungszulagen abgespeist und auf die vorangegangenen nicht nach. Auf positive Arbeit im Sinne schule, der Lehrstoff wird auf das allernotwendigste Maß be- ungewisse Zukunft vertröstet. Der Grund ist einleuchtend. der Stulturförderung hat ja der preußische Landtag schon schränkt, die Lehrer werden jämmerlich besoldet, so daß es an Die Rücksicht auf die Durchführung der Reichsfinanzreform längst verzichtet. Alle Geseke, die in den lekten Jahren berben nötigen Lehrkräften fehlt, Schulgebäude spotten vielfach ist nur ein Vorwand, in Wirklichkeit scheut die Regierung f sind nur darauf Januar davor zurück, so kurz vor den Wahlen die Erhöhung der Einkommen st euer durchzuführen, um nicht die Be sitzenden ms Lager der Opposition zu treiben. Die Besitzenden »oerden geschont, den Arbeitern aber wird der letzte Pfennig aits der Tasche gezogen, sie sind die einzigen Staatsbürger, die heute ihr Ein kommen aus Heller und Pfennig versteuern müss e n. So traurige Erscheimmgc»» sind die naturnotwendige Folge eines Klassenwahlrechts, das ein Massenparlament erzeugt. Alle Mißstände in Preußen lassen sich letzten Endes zurückführen aus das plutokratische Dreiklasscn- w a h l s y st e m, dessen Sturz die erste Voraussetzung für die Schaffung freiheitlicher und kultureller Zustände in Preußen ist. Das»veiß die Regierung, das»vissen die herrschenden Klassen, und deshalb setzen sie alles daran, Oem Volke auch fernerhin sein höchstes Recht vorzuenthalten. Die bürgerlichen Parteien, mögen sie nuu Wie die Konser vativen das Dreiklassenwahlsystem verewigen, mögen sie es, wie die Nationalliberalen durch ein ebenso ungerechtes Plural Wahlrecht ersetzen wollen, oder mögen sie. wie angeblich Zen trum und Freisinnige für die Uebertragung des Reichstags Wahlrechts auf Preußen schwärmen— sie alle bedacht, ihre eigenen Geschäfte zu besorgen. Das Hai' die Wahlrechtsdebatte vom 1l). deutlich bewiesen. Von den Konservativen und den National liberalen, die sich gegen die Einführung des Reichstagsivahl- rechts in Preußen erklärt haben, ganz zu schweigen, war das Benehmen de»' Parteien, die Anhänger des Reichstagswahl- rechts sein behaupten, niehr als skandalös. Das Zentrum wagt es in de'i.nselben Augenblick, wo es sich für ein gleiches Wahlrecht ausspricht, die erste Vorbedingung hierfür, eine gerechte Wa hlkreiseinteilung, rundweg zu ver- werfen, und die Freisinnigen winseln um die Gunst der Regierung, dse ihnen eben erst einen kräftigen Fußtritt versetzt hat. Üeberhaupt spielen die Freisinnigen im preußischen Land- tag eine mehr als ko mische Rolle. Ihren Grundsätzen nach, die in ihrem Programm niedergelegt sind, müssen sie der preußischen Regierung als der Verkörperung der Reaktion auf fast allen Gebieten Opposition machen, aber diese Opposition erschöpft sich in hohlen Phrasen, hinter denen nichts steckt. Aus einen ernsthasten Widerstand gegen reaktionäre Anschläge haben sie längst verzichtet. Ohne daß sie es merken, treibt die Regierung und treiben di-c Parteien der Rechten ihr Spiel mit ihnen. Wozu sollte die Reaktion auch Rücksicht nehmen auf solche Gegner, die nur aus einen Wink warten, um sich selbst mit der Reaktion gegen die Arbeiter zu verbinden? Den letzten Rest von Vertrauen hat der Freisinn oder richtiger gesagt die Repräsen- tanten des Freisinns in der verflossenen Session eingebüßt. Vielleicht ist es gut, daß es so gekonimen ist, denn nun werden auch diejenigen, die vielleicht noch immer etwas vom Freisinn erwartet haben, zu der Ein- ficht gelangt sein, daß die Arbeiterklasse den bevor- stehenden Wahlkamps im Vertrauen auf ihre eigene Kraft und auf die siegreichen Ge- danken ihrer Ideen zu führen hat. Der beginnende Wahlkampf ist mehr als ein bloßer Wahlkampf, er ist ein W a h l r e ch t s k a ,n p f. ein Kampf, der den Weg ebnen wird für den Ersatz deS Drei- klassenwahlunrechts durch das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht mit geheimerl meintlichen Aufruhrs zu der gesetzlich zulässigen Mindeststrafe von .. �ig Jahre je g Monaten, die übrig geldzuschuß der preußischen Beamten maßgebend; die Regelung der Besoldung ist aber von der Festsetzung des Wohnungsgeld- Zuschusses nicht zn trennen. Dazukommt, daß erst nach Neu- gestnltung der Rcichsfinanzen auch die finanzielle Lage Preußens und die Frage einer Ergänzung der Staatseinkünste sich hinreichend übersehen läßt." Herr v. Rheinbaben selbst erklarte am 11. März: „Endlich, was die Frage betrifft, in welchem Maße eine E r- öhung der Einkünfte in Preußen notwendig ist. o ist für diese Frage nicht bloß das Maß der Auf- besserung der Beamten, Geistlichen und Lehrer, sondern auch die Negelrnig der ganzen Fiuanzvcrhältnisse im Reiche entscheidend. Erst wenn man diese mit einiger Sicherheit übersehen kann, wird sich beurteilen lassen, in welchem Maße bei uns eine Auf« besserung der Einkommen st euer und der Er- gänzungssteuer stattfindet." Aber nicht nur die M i n i st e r erklärten damals, daß an eine GehaltsbesoldungSreform der preußischen Beamten nur dann zu denken sei,' wenn die Rcichsfinanzreform durchgeführt sei, sondern auch der Freikonscrvative v. Zedlitz erklärte am 12. März nach dem amtlichen Stenogramm: „Aber auch die Bundes st aaren— und wir alle— haben doch das allerdringlichste Jntereffe daran, daß sie ihrerseits die Hand dazu bieten, daß im Herbst die Reichsfinanzrefor« zustande kommt. Denn, meine Herren, kommt die Reichs- finanzreform nicht zustande, so bedeutet da» einfach nach der Reichsverfassung, daß das ganze Reichsdefizit au f Matrikular Umlage Ii umgelegt wird nach der Bevölkerungszahl. Meine Herren. wenn ich mir all das, was im Reich für unseren eigenen Bedarf notwendig ist, vorstelle, so kommeich zu dein Ergebnis, daß wir genötigt sein würden, in diesem Falle nahezu 100 Prozent der Einkommen« und Vermögens st euer in Preußen zuzuschlagen, um daS zu decken. was wir an eigenen Mehrausgaben und an Mehrausgaben im Reiche zu decken haben. Nun, meine Herren, diese Eventualität müssen wir doch notwendig von uns abwenden, und es würde daher, glaube ich. von den verbündeten Regierungen sehr weise sein, wenn sie die Möglichkeit bieten, durch kleine Sonzessiviiea den größten Teil des Mehrbedarfes im Reiche durch eigene indirekte Reichsstcuera zu verschaffen und io diese einer Zerrüttung unserer Bundesfinanzen gleichbedeutende Mehrbelastung der Bundesstaaten abzuwenden." Das ist deutlich genug l Eine Gehaltsaufbesserung für die Beamten ist nach Herrn v. Zedlitz nur dann möglich, wenn die Reichsfinanzreform der nichtbesitzenden Masic des Volkes diverse hundert Millionen i ndirekter Stenern aufgebürdet hat! Das Reichsdefizit beträgt ohne die Gehalts- aufbesserung der Reichs beamten, deren Kosten von den Regierungsvertretern auf 9v Millionen veranschlagt worden 'ind, 500 Millionen Mark! Die Beamtenbesoldungsreform iir Preußen soll 110 Millionen beanspruchen! Es wären also für Preußen und das Reich fik 700 Millionen neuer Steuern z» beschaffen! Trotzdem erklärte Herr v. Rheinbaben am 7. April die Einbringung der Besoldungsvorlage im Herbst 1908 für„selbstverständlich". Obaus diesen neuesten o ffizi ö so n S ch wind el wirklich noch Beamte hereinfallen?! Die Polizeiattacke gegen die Meltslolen. Verurteilt find gestern, wie unsere Leser aus dem ausführlichen Bericht an anderer Stelle ersehen, drei Arbeitslose wegen ver Stimmabgabe für alle über zwanz. � alten Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechts. Frisches Blut dem dahinsiechenden Landtage zuzuführen ist die heiligste Pflicht aller derer, denen es mit der Erfüllung der Kulturaufgaben Preußens Ernst ist. Gelingt es dem Proletariat, zum erstenmal Vertreter aus seinen eigenen Reihen in das Dreiklaffenparlament zu entsenden, dann wird es möglich sein, von der Tribüne des Landtags herab die kulturwidrigen Zustände in Preußen zu kritisieren und Auge in Auge den Gegnern gegenüberzutreten. Die Ärbeiterklasse wird alles daran setzen, um dem Dreiklassenwahlsystem zum Trotz Männer zu wählen, die ihre Prinzipien auch dort vertreten, sie wird sich langsam aber sicher ihren Anteil an der Gesetzgebung erringen. Mag die Aufgabe auch noch so schwer sein, das Proletariat schreckt nicht zurück, es geht geradeaus auf sein Ziel los. Einen preußischen Landtag ohne eine Vertretung der Sozialdemokratie darf es in Zukunft nicht mehr geben. 0MzMr&lal)IIcl) Windel! Der offiziöse Wahlschwindel steht jetzt, vor der Land» t a g s w a h l. wieder in ebenso üppiger Blüte wie 1906 vor der Reichstagswahl. ES gilt, die Beamten abermals zu beschwindeln! Wie man ihnen vor mehr als zwei Jahren Gehaltsaufbesserung feierlichst verhieß, um sie der Blockaruiee einzuverleiben, so macht man ihnen auch heute wieder die rosigsten Versprechungen, um sie abermals für den Block ein- zufangen und gründlichst einzuseifen. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 7. April agierte man diese vorher vereinbarte Szene: Der national- liberale Abgeordnete Friedberg richtete an den Finanzminister die Frage, ob denn im Herbst auch auf alle Fälle, d. h. auch dann, wenn die Reichssinanarcform noch nicht zustande gekommen sei. die Bcamteubcsoldnugs. Vorlage zu erwarten sei. Und Herr v. Rheinbaben ertlärte das feierlichst für„selbstverständlich"! Das„selbst- verständlich" ist nichts als potenziertcster Wahl-Humbug. als slrupelloseste Vauenifängerei l Denn daß die GchaltSanfbefferung der Beamten in Preußen möglich wäre, bevor die ReichSfiiiauzreform durchgeführt ist — durch die 500 Millionen neuer Stenern aufgebracht werden sollen!— ist gerade von den Vertretern der Regierung, den Herren Vethmann-Hollweg und Rheinbaben erst im März d. I. ganz ausdrücklich und kategorisch verneint worden 1 Herr v. Bethmann-Hollweg erklärte nach dem amtlichen Stenogramm am 11. März im preußischen Ab- geordnetenhaus: „Bei der N o t w e n d i g k e i t. die bisherige Ueberein- st i m m u n g zwischen den Dienstbczügen der Beamten des Reiches und Preußens grundsatzlich aufrecht zu erhalten, ist es nicht angängig, die Gehaltsbezüge der preußischen Beamten einseitig und vorweg zu regeln, vielmehr ein gleichmäßiges und g l e i cki« m ä ß i g e S Vorgehen geboten. Zudem ist nach Lage der Gesetzgebung in Preußen die reichsgesetzlich bestimmte Ortsklasseneinteilung ohne wettere» auch für den WohnungS« übrigen vier Angeklagten zu Strafen von drei Tagen Hast bis zwei Monaten Gefängnis. Gerichtet ist aber durch die Prozeßverhandlungcn die Polizei, das preußische Polizei system. Erwiesen haben die dreitägigen Zeugenvernehmungen, daß die Polizei gegen völlig Schuldlose mit Säbelhieben vorgegangen ist, wie das nur in einem Polizeistaat möglich, in einem Rechts- staat undenkbar ist. Ruhig arbeitende Leute sind mit Säbelhieben von hinten traktiert. In einen Neubau und in ein bewohntes Haus ist ohne richterlichen Befehl Polizei eingedrungen und hat dort schwere Gewalttätigkeiten gegen Personen begangen. Angeklagt wurden aber nicht die schuldigen Polizeibeamten, sondern arme Arbeitslose, die im schlimmsten Fall kein größeres Verbrechen be- gangen hatten, als die Wahlrechtsdemonstranten vor Bülow und mit Bülow an der Spitze, das furchtbare Verbrechen, auf den Straßen Berlins in Gemeinschaft mit anderen sich zu bewegen. Den B ü l o w i t e n sind höfliche Entschuldigungen darüber zu- gegangen, daß man sich unterstanden hatte, sie zu bitten, ein klein bißchen weniger laut zu brüllen; die Arbeiter, zu deren Un- gunsten in dem Prozeß nichts weiter erwiesen ist. als daß sie— arbeitslose Arbeiter waren, sind verhaftet und wegen„Aufruhrs" verurteilt! Die Verurteilung wird im wesentlichen durch den dolus eventualis und durch die Annahmen begründet, die Polizei habe das Recht, mit dem Säbel dreinzuschlagen, über die Art der AuSubimg deS Rechts habe da» Gericht nicht zu befinden und die Arbeitslosen hätten das Recht zu einem Zuge nicht. Besteht das Urteil zu Recht, so wäre es zutreffend Quidquid delirant reges, plectuntur Acbivi zu übersetzen: begeht die Polizei ein Unrecht, so werden die Arbeitslosen bestraft. Daß eine Anklage und eine Verurteilung der Arbeitslosen trotz der Ergebnisse des Prozesses möglich war. ist auf die un. endliche politische Rückstämdigkeit der preußischen Zustände zurück- zuführen. Einem Rechtsempfinden, daS nicht polizeistaatlich der« bildet ist, widerstreitet die erfolgte Verurteilung auf daS tiefste. ES gibt, abgesehen vielleicht von Rußland, keinen anderen Staat, in dem bei gleicher Sachlage die Arbeitslosen angeklagt oder ver- urteilt sein tvürden. In Frankreich, in England, in Amerika würden unter gleichen Verhältnissen die Polizeibeamten unter Anklage gestellt sein. fit Aufrechnung gegen den Lohn und Zurüchbehaltung des Lohnes zulässig? Diese beiden Fragen bildeten das Hauptthema der letzten vor den Osterferien(am Dienstag) abgehaltenen Kommission zur Vorberatung der Gewerbeordnungsnovelle. Wie langsam der Grundsatz der Sicherung ekneS Existenz Minimums für den Arbeiter sich in Deutschland ent» wickelt hat, und wie wenig fest er heute steht, ergaben insbesondere die Darlegungen der sozialdemokratischen und Zentrumsmitglieder der Kommission. Im Jahre 18LS wurde dem Reichstage der Entwurf zum Lohnbeschlagnahmcgesetz vorgelegt. In den Motiven war hervor. gehoben, daß eine Anzahl deutscher Gesetzgebungen und Gesetze die Beschlagnahme des Lohnes auch ohne ein besonderes Gesetz für unzulässig erachten. Jedoch sei ein ausdrückliches Verbot einer Lohnbeschlagnahme notwendig, denn es sei„zur völligen Evidenz nachgewiesen, in welche durchaus unerträgliche Lage der Arbeiter und Arbeitgeber geraten, wenn die Gerichte, wie dies häufig geschehen, den Arbeitslohn vollständig mit Beschlag belegen, ohne Rücksicht darauf, wie der Arbeiter existieren könne", DaS Lohnbeschlagnahmcgesetz verbietet, von Alimenten und Steuer« forderungcn abgesehen, die Beschlagnahme des Lohne?, soweit er 1500 M. jährlich nicht übersteigt. Ungeregelt blieb aber die Frage, ob der Arbeitgeber Gegenforderungen, die er gegen den Arbeiter hat, aus den Lohn anrechnen dürfe. Anträge, die dies verbieten und nur die im Gesetz ausdrücklich zugelassenen Lohr.- einbehaltungen und Lohnabzüge für zulässig erklären wollten, wurden abgelehnt. In der Praxis wurde, von einigen rühmlicher. Ausnahmen abgesehen, solche Aufrechnung für zulässig erachte?. Tie Lage des Arbeiters ist durch den � 394 des Bürgerlichen Gesetzbuches eine bessere gc- worden. Dieser Paragraph bestimmt:„Sotveit eine Forderung der Pfändung nicht unterworfen ist, findet die Aufrechnung gegen die Forderung nicht statt. Gegen die aus Kranken-, Hülss- oder Sterbekassen, insbesondere aus KnappschastSkassen und Kassen der Knappschaflsvercine zu beziehenden Hebungen können jedoch ge- schuldete Beiträge aufgeredinet werden." Danach kann auch der Arbeitgeber nicht mehr kompensieren. Kaum war das Bürgerliche Gcsctzbucb in Kraft getreten, so suchten Juristen in der Theorie und Praxis nach Gründen, um trotz des§ 394 den alten Zustand wiederherzustellen. Eine große Reihe Streitigkeiten zeitigte dies Begehren. Eine der erheblichsten Streitfragen ist die, ob Z 394 auch auf alle in der Gewerbeordnung auSdrückhich zugelassenen Aufrechnungen(insbesondere also auf die im Absatz 2 des § 115 aufgeführten) Anwendung finden solle?" Diese Frage ist aufgeworfen und lebendig geblieben, wiewohl ein� in der ersten Kommission zur Ausarbeitung des Bürgerlichen Gesetz- buchcs gestellter Antrag:„Tie Vorschriften d ej: ZK 1 1 6 bis 119 der Gewerbeordnung unberührt zu lassen", in der Sitzung vom 4. Dezember 1882 mit der Moti- vierung abgelehnt wurde:„daß man den Forderungs- berechtigten den nötigen Unterhalt sichern w o l l e"."So nehmen z. B. Sinsheimer, Siegel, Rohmer an, 8 394 habe auf die erwähnten Vorschriften der Gewerbeordnung keinen Einfluß. Die überwiegende Ansicht in Theorie und Praxis ist allerdings eine andere. In der Sitzung wurde von den sozialdemokratischen?lb- geordneten die Frage aufgeworfen und verneint: Hätte man, wenn das Bürgerliche Gesetzbuch älter wäre als die Gewerbeordnung, in diese Gewerbeordnung Bestimmungen hineingesetzt, die für die gewerblichen Arbeiter ungünstiger sind als wie für alle anderen? Der Wirrwarr von Streitfragen, der sich an§ 394 und fein Ver- hältnis zu den Vorschriften der Gewerbeordnung knüpft, er- fordere, daß endlich im Gesetz klipp und klar die Frage ausdrücklich bejaht wird, daß§ 394 auch für gewerbliche Arbeiter in vollem Umfange Anwendung findet. Damit allein wäre freilich bei den Versuchen gelehrter Rechtsprechung, das Aufrechnungsverbot des 8 394 hinterrücks zuungunsten des Arbeiters wieder hinaus- zuwerfen, noch nicht gedient. Den Grundsatz der Sicherung des Existenzminimums des Arbeiters sucht man nämlich durch An- Wendung des Zurückbehalt u ngSreckitcs(§ 273) wieder aufzuheben. Eine große Reihe angesehener Schriftsteller, so Lotmar, Landmann, Fuld, Sinzheimer, Köhnc. Siegel. Wallroth, Fröhlick', Kordes u. a. vertreten den zutreffenden Standpunkt, die Zurück- bchaltnng wäre nur eine verklestierte Aufrechnungserklärung. Der Wortlaut des§ 273 ergebe, daß das Zurückbehaltungsrecht aus den Arbeitsvertrag keine Anwendung finden könne; cS sei auch etwas Widersinniges, anzunebmen, derselbe Gesetzgeber, der durch § 394 die Sicherung des Existenzminimums bezweckt habe, schalte den Zweck hinterrücks durch 8 273 wieder aus. Erscheint danach die Ansicht als durchaus zutreffend: Verbietet 8 394 die Auf- rechnung gegen eine unpfändbare Forderung, so ist somit auch das Zuriickkx' haltungsrecht ausgeschlossen, so steht doch ein Teil der Oberlandesgerichte, darunter auch das Kammergericht, auf einem entgegengesetzten Standpunkt. Dieselbe dem Arbeiter ungünstige Ansicht lvird auch in einem Urteil des Reichsgerichts vom 17. Februar 1903 vertreten. Dies(noch nicht gc- druckte) Urteil wurde von einem Vertreter der Regierung der Kommission vorgelegt. In dem Urteil ist ausgesprochen, der Fiskus habe kein Recht, gegen das unpfändbare Gehalt eines Be- amten eine Forderung wegen Unterschlagung aufzurechnen, ihm stehe aber das Zurückbehaltungsrecht zu. Um der Unsicherheit des Rechtszustandcs den Boden zu entziehen und dem vorzubeugen, daß durch Hintertüren das Verbot der Auf- rechnung gegen das Existenzminimum beseitigt werde, beantragten die sozialdemokratischen Vertreter in der Kommission, dem§ 115 der Gewerbeordnung zuzufügen: EineAufrechnungodereineZurückbchaltung gegen die Lohnforderung(§§ 394 und 273 des Bürgerlichen Gesetzbuches) ist unzulässig, so« weit der Lohn der Pfändung nicht unter- warfen ist. Ministerialdirektor v. Schicker, der Herausgeber des bekannten Kommentars der Gclverbeordnung, hob hervor, die Sprechweise der Gewerbeordnung sei zweifellos eine andere wie die des Bürgerlichen Gesetzouches, und das führe zu manchen Mißhelligkeiten. Es wäre vielleicht zweckmäßig, sich über die prin- zipiellen Fragen zunächst zu einigen: Soll Naturalleistung zu- gelassen werden? und: soll ein Zurückbehaltungsrecht dem Arbeit- geber zustehen? Dann könne eine Redaktionskommission, wie sie von sozialdemokratischer und Zentrumsseite wiederholt angeregt war, wohl eingesetzt werden. Seitens des Zentrums wurde betont, der 8 394 treffe allerdings aus die ge w e r b l i ch e n Ar- beiter zu, indessen sei es unbillig, die Aufrechnung auch dann aus- zuschließen, wenn der Arbeiter durch eine vorsätzlich begangene un- erlaubte Handlung, z. B. Diebstahl, den Arbeitgeber geschädigt habe. Ein Antrag, der die Ausnahmen ausdrücken sollte, wurde von Zentrumsseite gestellt. Von sozialdemokratischer Seite wurde entgegnet: Wenn man auch zugeben könne, daß diese Ausnahme praktisd) vielleicht nidst allzuviel Bedeutung haben würde, wenn sie auf strafbare Handlungen beschränkt bleibe, so sei sie doch eine Ungerechtigkeit. Warum solle denn der Arbeit- geber gegenüber dem Arbeiter besser gestellt sein, als irgendein anderer Gläubiger des Arbeiters? Den Arbeitgeber, dem die Mittellosigkeit des Arbeiters Nutzen schafft, von der Gefahr der Mittellosigkeit des Arbeiters zu befreien, sei mehr als unbillin' Die völlige Existenzlosigkeit de» Arbeiters sei nicht nur für ihn sondern auch für den Arbeitgeber durch die Beeinträchtigung der Arbeitsmöglichkeit und der Arbeitswilligkeit und auch für die All- gemeinheit durch die Vermehrung der Armenlast fühlbar. Wolle man jene Ausnahme schaffen, so müsse man den 8 394 des Bürger- lichen Gesetzbuches, der alle Arten Dienste betreffe, Handlungö- gehülfen, Beamte. Landarbeiter usw. betreffe, ändern, was freilich bedauerlich sein würde. Hier aber dem gewerblichen Ar- beiter allein gegenüber eine Ausnahme von der Regel des§ 394 zu seinen Ungunsten zu schaffen, sei ein Ausnahmegesetz gegen gewerbliche Arbeiter. Von anderer Seite wurde noch hervorgehoben, daß der Zentrumsantrag die Streitfragen über 8 394 keineswegs erledige. Der Zcntrumsantrag wurde schließlich zurück- gezogen, der oben wiedergegebene Antrag der Sozial. dcmokraten abgelehnt. politilcke deberklcbt. Berlin, den 9. April 1908. Landtagsabschied. Im Sitzungssaal des Abgeordnetenhauses ist heute nach- mittag 4 Uhr der gegenwärtige Landtag begraben worden. Etwa 100 erlauchte, edle und geehrte Herren aus beiden Häusern hatten sich zu der Feierlichkeit eingefunden und auch die Tribünen wiesen eine starke Besetzung auf. Vermutlich empfanden manche loyale Staatsbürger das Bedürfnis, einige Minuten ihre profanen Blicke aus der langen Galerie preußischer Minister in Frack und»vcißen Vorhemden ruhen zu lassen. Fürst Vülow verlas die kurze SchließungS- Urkunde, die vom 28. März datiert und an Nord der „Hohenzollern" in Venedig gegeben ist. Nach drei Minuten hatte der Akt sein Ende erreicht. Der Landtag ist also nicht, wie vermutet wurde, aufgelöst, sondern nur geschlossen worden und zwar aus dem Grunde, weil eine Auflösung des Herrenhauses verfassungsrechtlich nicht möglich ist. Nun muß dieRegierung gleich nach denNeu wählen das jetzige Abgeordnetenhaus auflösen, da es ein unmöglicher Zustand ist, daß zwei Abgeordnetenhäuser nebeneinander bestehen. Sonst wäre die Regierung ja in der Lage, sich Abgeordnetenhäuser auf Vorrat wählen zu lassen! Ueber den Inhalt der letzten Abgeordnetensitzung ist nichts zu berichten. Das Herrenhaus erledigte noch den Nachtragsetat, der die für die Teuerungszulagen der Beamten erforderlichen Mittel verlangt. Im Abgeordnetenhause haben bekanntlich mit Rücksicht auf die Wahlen alle Parteien das, was die Regierung den Beamten gibt, für unzureichend erklärt und es fand ein widerlicher Wettlauf um die Gunst der Beamten statt. Eine solche Popularitätshascherei hat das Haus der ge- borenen Gesetzgeber nicht nötig. Im Gegenteil, es ließ durch den Sprecher seiner Kommission, den Oberbürgermeister Ehlers-Danzig seine höchste Mißbilligung über die„der- werflichen" Begleiterscheinungen, die die Beratung dieses Etats im Abgeordnetenhause gezeitigt haben, aussprechen. Ilnstelle von Gehaltserhöhungen, die die Beamten verlangen, gab ihnen Herr Ehlers den Rat, sich weiter ebenso ent- sagungsvoll wie vaterlandstreu zu Verhalten und ihre Pflicht ohne Rücksicht auf die Höhe des Gehaltes zu tun. Worüber die Beamten nicht gerade erbaut sein werden! Der Nachtragsetat wurde unverändert angenommen. Der geprügelte Hund muß apportiere«! Den Blockliberalen, die soeben in hundedemütiger Unterwerfung unter daS agrarisch-scharstnacherische Joch sich geduckt haben, um nicht aus der Blockhütte hinausgeworfen zu werden, gibt die „Deutsche Tageszeitung", mit unverkennbarem Spott und Hohn, nun schon wieder Verhaltungsmaßregeln für die Zukunft. Knuten-Oertelchen kommandiert: „In der Preffe ist in den letzten Tage» vielfach gesagt worden, daß der Block mit der Erledigung der eben besprochene» beiden Gesetze die erste schwere Belastungsprobe bestanden habe. Da« ist bis zu einem gewissen Grade richtig. Wir hätten, offen gestanden. nicht geglaubt, daß eS möglich sein werde, beide Gesetze so glatt, so schnell und ohne erhebliche Schwierigkeiten durchzubringen. Der Linksliberalismus möge nie vergessen, daß die Gesetze für ihn bestimmt waren und daß sie von den rechtsstehenden Parteien Opfer verlangten. Daraus wird er, lvenn er gerecht und politisch denkt, die Verpflichtung enwehmen, künftig seiner- seitS Zugeständnisse zu machen. Das wird in bc- sonderen, Maße notwendig sein bei der ReichSfinanzreform, die nicht durchgeführt werden kann. wenn der Links- liberalismuS auf seinen bisherigen Anschauungeu, auf seinem Scheine besteht. Die Rechte hat insbesondere beim VercinSgesetze ihre Nachgiebigkeit gezeigt. Sir ist bi« hart an die Grenze des Gestatteten gegangein Möge der Linksliberalismus sich das zum Vorbilde nehmen!" Der Wahrheit die Ehre: diesen faustdicken Hohn und diese un- verfrorenen Zumutungen hat sich der Freisinn redlich verdient!-» Die Hausagrarier machen für die Landtagswahl mobil. Der Vorband der Haus- und Grundbesitzer- vereine des rheinisch-westfält scheu Industrie- b c z i r k s nahm auf seinem in Herne abgehaltenen Verbands- tage zu den preußischen Landtagswahlen einen Beschlutz an, daß die Vorstände der den« Verbände angehörenden Vereine an ihren Orten sich mit den Vorständen der politischen Parteien inS Einvernehmen setzen und ihnen mehrere Fragen behufs Beantwortung durch den von ihnen aufzustellenden Kandidaten vorlegen sollen. Die Kandidaten sollen sich gegen die Bodenreform sowie gegen die Ein- führung einer staatlichen Wertzuwachs st euer und für eine Aenderung des Kommunalabgabengesetzes erklären. Auf die Kandidaten, die sich auf die gemeinschaftlichen Forderungen der Hausagrarier verpflichten, darf man gespannt sein. Die Arbeiter im Jndustriebezirke werden ihnen die Oniiinng nicht schuldig bleiben.— Die Christlich-Sozialen und die Landtagswahl. Die christlich-soziale Ortsgruppe Effen wird der am S. Mai in Dortmund stattfindenden Ruhrkonferenz folgenden Antrag unter- breite»: „Die Ruhr-Parteikonferenz der Christlich-Gozialen wolle beschließen. bei der bevorstehenden Landtagswahl in allen Ruhrwahlkreisen strengste Wahlenthaltung zu üben, weil die Oeffentlichkeit der Wahl dem TerroriSmuS Tor und Tür öffnet und den evangelischen Arbeitern keine entsprechende Anzahl Mandate eingeräumt worden ist. Die Parteikonferenz wolle einen entsprechenden WahlenthaltungS- Aufruf an die Christlich-Sozialen und evangelische Arbeiterschaft des RuhrgebieteS erlassen." Bischof Kornm auf dem 5kriegspfade gegen die christlichen Gewerkschaften. Nach dem zweiten Kongreß der christlichen Gewerkschaften(Frank- mrt 1900) erging von den preußischen Bischöfen daS sogenannte Fuldaer Pastorale. daS die christlichen Gewerkschaften, weil in ihnen die Religion nicht genügend zur Geltung kam, verurteilte und die katholischen Arberter anwies, ihre wirtschaftlichen Interessen in den katholischen Arbeitervereinen(Fachabteilungen) unter Leitung. deS Kleru» wahrzunehmen. Solche Fachabteilungen wurden dann auf Betreiben einiger Berliner Ultramontaner auch ins Leben gerufen und seit der Zeit tobt der Kampf zwischen den Berlinern und den München-Gladbachern, erstere als Vertreter der konfessionell katholischen Fachabteilungen, letztere als Vertreter der interkonfessionell' christlichen Gewerkschaften. Die Bischöfe fanden es nachher für gut, einzulenken und der Ent« Wickelung der Dinge ihren Laus zu lassen; nur in zwei Diözesen wurden die Berliner offeusichllich begünstigt, im Osten vom Erz- bischof von Breslau, im Westen vom Bischof von Trier. In beiden Gebieten haben deshalb die christlichen Gewerkschaften einen sehr schweren Stand, da die vom Bischof abhängige Geistlichkeit durchweg im Sinne der katholischen Fachabteilungen tätig ist und gegen den Widersland des KleruS eine Agitation unter den katholischen Arbeitern nicht möglich ist. Von den wenigen Arbeitervereinen der Diözese Trier, die nicht der Berliner Richtung folgen, war der stärkste der katholische Arbeiter- verein in Koblenz. Wegen dieser Haltung hatte, wie jetzt die ZentriimSpreffe berichtet, sein geistlicher Leiter, Pastor Tilmaiin, eine Fülle der gehässigsten Anfeindungen erfahren. Be- sonders auf dem letzten Verbandstage in Kreuznach fielen seitens einiger Vertreter der Berliner Richtung Worte. die nicht nur der Sache unwürdig, sondern sogar persönlich beleidigend waren. ES wurde ein Beschluß gefaßt, der darauf angelegt war, die nicht auf dem Boden der sogenannten Berliner Richtung stehenden Vereine aus demDiözesan verband zu verdrängen. Die Absicht, den Pastor Tilmann. den man als den stärksten Gegner fürchtete, niürbe zu machen, ist nunmehr insofern erreicht, als dieser jetzt sein Amt als Vereinspräses niederlegte. Wie er in seiner Be- zrundung gelegentlich einer großen Abschiedsversammlung am Sonn- tag ausführte, geschah dieser Rücktritt ohne Bruck von ooen, aber doch unter der Einwirkung der EntWickelung der Arbeiterfrage in der Diözese. Pastor Tilmann will also nicht einem„Druck von oben", sondern der allgemeinen EntWickelung der Arbeiterbewegung in der Diözese geivichen sein. Nun, diese Entwickelung wird aber einzig und allein bestimmt durch den Bischof, der es in der Hand hat, seinen Klerus für die christlichen Gewerkschaften oder die katholischen Fachabteilungen anzuhalten. Bischof Korum, der in diesem Falle ehrlicher ist als manche seiner Kollegen, hat aus seiner Gegnerschaft gegenüber den christlichen Gewerkschaften nie ein Hehl gemacht, sondern sich im Gegenteil offen und eifrig als Anhänger der Berliner Richtung bekannt. In diesem Sinne hat er auch auf seinen Klerus eingewirkt und ivenn jetzt der Präses des Koblenzer Arbeitervereins die Segel streicht, so geschieht das, weil er einsieht, daß er machtlos ist gegen die von seinein Bischof be- günstigte und beeinflußte Bewegung. Sein Rücktritt ist ein Beitrag zur gewerkschaftSfeindlichen Gesinnung deS deutschen Episkopats.— Ministerwechsel in Württemberg. Der„Staatsanzeiger" gibt die Verabschiedung de? Finanz- Ministers Dr. v. Z e y e r bekannt. Gleichzeitig veröffentlicht er ein kgl. Handschreiben, in dem seine langjährigen ausgezeichneten Dienste anerkannt werden. Der König hat dem Minister seine Büste in Bronze zugehen lassen. Zum Nachfolger v. Zeyers wurde Hofdomänenlammer-Präsident v. Geßler ernannt.— Im Dienst des Vaterlandes. AuS Halle a. S. berichtet man uns: Der Unteroffizier Thor- mann von der IL. Kompagnie des Infanterieregiments Nr. 93 in Deffau erteilte am IL März seinem Untergebenen, dem Musketier König den Befehl, zum Löhnungsappell zu gehen. König, der zur Zeit ohren leidend und deshalb vom Außendienst befreit war, versäumte den Appell, weshalb er von dem Unteroffizier Thormann zur Rede gestellt wurde. Als König sich damit ent- schuldigte, in der Zeit des Appells seinen sechsten Rock ausgebessert zu haben, genügte dem Unterofzier die Antwort nicht und er kom- mandieNe zweimal in der Stube:„ Mannschaften rauS auf den Korridor I Marsch, marsch; macht mal demKönig die ZähneauS- einander!" Unter schwerem Gepolter stürzten dreizehn Personen mit König zweimal auf den Korridor, wobei der Ohrenleidende Stöße und eine Ohrfeige von den Mannschaften erhielt. König zeigte nach dem Schlage unter Tränen einen im Ohr gehabten Wattenpfropfen, der mit Blut bedeckt war, und hatte zwei Tage nach dem Schlage Ohrenschmerzen. Der Unteroffizier war deshalb vor dem Kriegs- geeicht der 8. Division wegen Mißbrauch« der Dienstgewall, An- stiftung zur Mißhandlung eines Untergebenen und letzterer wegen Gehorsamsverweigerung angeklagt. Als der Geschlagene den Vorgang schilderte und der Unteroffizier entgegnete, er habe die Mannschaften nicht etwa mit König auf den Korridor gejagt, um den Untergebenen mißhandeln zu lassen, da erhob sich plötzlich ein als Beisitzer des Gerichts fungierender Offizier, der etwas besorgt nach den Ber- tretern der Presse hinschaute, und beantragte den Aus- schluß der Oeffentlichkeit, da er vermute, daß durch die öffentlich» Verhandlung die militärdienstlichen Jnter- essen gefährdet würden. DaS Gericht ging aber auf den „wohlgemeinten" Ausschlußantrag nicht ein und der Unteroffizier erzählte dann weiter, er habe von den Mannschaften aus dem Korridor nur erwartet, sie würden dem König eine passende Antwort znrecht legen. Beide Angeklagten wurden zu je drei Tagen Arrest verurteilt._ Die Sprnchenfrage in Elsaß-Lothringen. Unter Bezugnahme aus die Verabschiedung des Reichsvereins- gesetzcS hat. wie die liberale Parteikorrespondenz mitteilt, die liberal- demokratische Fraktion de« LandeSansschusseS einen Antrag eingebracht. der LandeSanSschuß wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, einen Gesetzentiourf einzubringen, durch den aus Grund veS§ 7 deS ReichövereinsgesetzeS die Sprachenfrage in einer den Interessen der elsaß-lothringische» Bevölkerung entsprechenden Weise geregelt mrd der Gebrauch der französischen Sprache in öffentlichen Versammlungen ohne weiteres gestattet wird, wie das nach dem geltenden Landes- recht bisher der Fall war. Der Präsident de« LandeSauSschusseS ist ersuckit worden, diesen Antrag womöglich aus die Tagesordnung der nächsten LandeSausschußsitzung zu setzen. Oeftcrmch. Gegen das Eisenkartell. Wien, 9. April. Die deutschen Agrarier werden heute im Abgeordnetenhause Gesetzesanträge einbringen, wonach Aktien- gesellschaften, die sich mit der Gewinnung und Verarbeitung von Eisen beschäftigen, deren Reingewinn 10 Proz. des Aktienkapitals übersteigt, einer besonderen Gewinnsteuer, ferner die Tantiemen de» VerwaltungSrateZ einer besonderen Tan ti emensteuer, die progressiv von 5 auf 25 Proz. steigt, unterliegen sollen Ungarn. Die nene Geschäftsordnung. Budapest, 9. April. Das Abgeordnetenhaus hat nach einer mehrwöchigen Debatte die Verschärfung der Ge- schäftSordnung angenommen. Die mit Oesterreich gemeinsamen Angelegenheiten und die Rckrutenvorlagen sollen von der verschärften Behandlung ausgenommen werden. Die neue Geschäftsordnung sucht die Obstruktion unmöglich zu machen. Sie richtet sich besonder? gegen die immer schärfer werdende Opposition der unterdrückten Nationalitäten. Es ist bezeichnend, daß dieselben Parteien, die in der Opposition selbst aus den kleinsten Anlässen Obstruktion trieben, jetzt ihre Macht mißbrauchen, um die Rechte der Minderheit einzuschränken. Die neue Geschäftsordnung soll auch die Durchpeitschung der Wahlreform erleichtern. Die Ausnahme zugunsten der ge- meinsamcn Angelegenheiten sichert dagegen der Regierung das alt- bewährte Mittel, im heimlichen Einverständnis mit der Opposition, die Erledigung der gemeinsamen Angelegenheiten zu verschleppen und auf diese Weise die österreichische Regierung zu neuen Zu- geständnissen zu bewegen. fVanhrdcb. Der Lieferungsskandal. Paris, g. April. In St. Diü wurde ein Metzger, der überführt worden war, im Januar verdorbene« Fleisch an Truppen geliefert zu haben, zu drei Monaten Gefängnis und 8000 Franks Geldbuße verurteilt. Die gleiche Strafe traf de» Viehhändler, welcher daS Fleisch dem Metzger geliefert hatte. Ebenso wurde der Eigentümer des geschlachteten TiereS zu 2 Monate» Gefängnis und 1000 Franks Geldbuße verurteilt. Der Viehtreiber, der da« Tier zum Schlachthause gebracht hatte, erhielt einen Monat Gefängnis und 500 Franks Geldstrafe.— Belgien. Die Durchpeitschung der Kongovorlage. Brüssel, 8. April. Der von dem liberalen Senator Hamez eingebrachte Gesetzentwurf, der darauf abzielt, die Kongofrage einer Volksabstimmung zu unterwerfen, wurde in der heutigen Sitzug des Senats mit 47 gegen 20 Stimmen a b g e. lehnt. In der De p u t i c r t e n l a m m e r wurde beschlossen, zur Er- lcdigung ber außer der Kongovorlage auf der Tagesordnung stehenden Vorlagen vom nächsten Mittwoch ab vormittags die Sitzttngen abzuhalten. Ein Antrag des Liberalen Janson, am Mittwoch, dem 15.. die Kammer zu vertagen, wurde abgelehnt. Die Kammer wird also leine Osterferien abhalten und auch während der Karwoche tagen. porrugal. Die Unruhen in Lissabon. Lissabou, 8. April. Als heute nacht um 3 Uhr zwei al? Zivilisten gekleidete Soldaten vor der Tür zur Wohnung deS Kommandanten einer Eskadron der Stadtgarde ui der nahe der Straße NecessidadeS gelegenen Kaserne die Nunde machten, fielen plötzlich zahlreiche Revölverschüsse. Herbei eilende Polizei- agenten fanden die beiden Soldaten in ihrem Blute schwimmend, und den einen tot, den anderen sterbend. Zugleich sahen sie mehrere Personen in einiger Entfernung fliehen. Abgesehen von diesem Vor- fall war die Nacht in Lissabon ruhig. Von den am 5. April in der Kirche von Sao Domingo» Verwundeten sind zwei ihren Verletzungen erlegen. Lissabon, 9. April. Der gestrige Tag verlief ruhig, Der An- griff aus die beiden Soldaten ist ein persönlicher Racheakt eines früheren Munizipalgardisten. Die Polizei verhaftete den Führer der Manifestanten, welche angeschuldigt sind, mit Gewalt in die geschlossenen Wachträume der Munizipalgarde eingedrungen zu sein. Lissabon. 9. April. General Gouveia ist beauftragt worden, über das Vorgehen der Munizipalgarde bei den Ruhestörungen vom letzten Sonntag eine Untersuchung einzuleiten. DänetnarK. Der verstorbene Fiuanzminister. Kopenhagen, 7. April.(Eig. Ber.) Der Finanzminister Wilhelm Lassen ist Montag, 47 Jahre alt, gestorben. Er hat sich in den letzten Jahren in der Agitation für die Regierung und ihre Partei aufgerieben. Noch im letzten Sommer, ber politischen Ver- sammlungen aus dem Lande, stand er oft in strömendem Regen unter freiem Himmel und debattierte stundenlang mit seinen Gegnern. In früheren Jahren war er ein sehr radikaler, stark anti- militaristischer und zum Sozialismus neigender Agitator:„E L wird nicht eher gut in Dänemark werden, bis nicht die letzte Kanone zu Pflugeisen umge- schmiedet ist," sagte er damals, und dieser Ausspruch wurde zu einem geflügelten Wort. Mitte der neuuziger Jahre machte er für eine sozialistische Lösung der Landfrage Propaganda. Als Minister fehlte ihm aber die Energie, der Korruption, die sich an den Namen des JustizniinisterS Alberto knüpft, entgegenzutreten. Seine Ehr« lichkeit und sein guter Willen sichern ihm aber auch bei seinen Gegnern ein gutes Andenken.— China. Der Boykott japanischer Waren. Hongkong, 9. April. Der Verband chinesischer Kaufleut« hat auf telegraphischcin Wege die chinesischen Handelsagenten in Nagasaki aufgefordert, bei japanischen Fabrikanten keine Bestellungen mehr entgegenzunehnien und die bereits eingeschifften Waren wieder auszuscbifsen. Ebenso hat eine in Kanton abgehaltene stark be- suchte Versammlung von Frauen aus den Kwantung-Provinzen be- schlössen, den Boykott japanischer Waren weiter auszudehnen.— Zum Ausdruck der Trauer über den als eine nationale Demütigung empfundenen Ausgang der Tatsu-Maru-Angelegenheit wurde die Versammlung unter den äußeren Zeichen der Trauer abgehalten.— JMarohho. Die Franzosen in Settat« Nachdem erst vor einigen Tagen Truppen Muleh HafidS Settat besetzt haben, sind die Franzosen wieder in den Besitz der Stadt gelangt. Die Leute Haftds hatten sich vorher zurückgezogen. General d' A m a d e telegraphiert: Die Mehrzahl der Bevölkerung von Settat kam den Truppen entgegen und empfing sie wie ihre Befreier Der Kaid wurde wieder in seine Stellung eingesetzt, ein Detachement wird vorläufig für seinen Schutz sorgen. Die benachbarten Stämme versicherten General dÄmade von neuem ihre Unterwerfung. Die Bemühungen HafidS, die Bevölkerung zum Kampfe gegen die Franzosen aufzureizen, dauern jedoch fort, besonders die Ber- suche, die Bewegung im Schauja-Gebiete zu schüren.>»> Amerika. Der Konflikt mit Venezuela. Dem Präsidenten C a st r o von Venezuela ist e» wieder einmal gelungen, eine auswärtige Intervention gegen sein Land zu veranlassen. Zwischen Venezuela und den Vereinigten Staaten hat sich der Konflikt, der hanpffächlich wegen Nicht- befriedigung amerikanischer Gläubiger ausgebrochen ist, neuerdings verschärft. Jetzt soll Präsident Roosevelt die Absicht haben, eine ExpedittonStruppe nach Venezuela zu entsenden und eine Flottendemonstration zu veranstalten. Allerdings bereitet dabei den Bereinigten Staaten die Abwesenheit ihrer Flotte»einige Schwierig- leiten".— Soztaled* Wer hat den Träger zu bezahlen? Eine für Putzer und Putzerträger interessante Entscheidung fällte die Kammer III des Berliner GcwervcgerichtS. B. als Führer einer Putzerkolonne klagte gegen den Arbeitgeber Zander auf Zahlung von Restlohn aus einem P u tz a k k o r d. Die Parteien waren sich schließlich einig, daß noch 186 M. aus dem Akkord zu zahlen seien. Strittig blieb aber eins. Die Arbeit war den Putzern ausschließlich Träger übertragen worden, d. h. der Arbeitgeber hatte den Tröger der Kolonne besonders zu bezahlen. Des Trägers Lohn war nicht in dem Akkordpreis enthalten. Zu dem Akkord gehört nun das Rüsten. Bei dem Rüsten half der von der Kolonne mitgebrachte Träger. Der Be- klagte Zander verlangte nun von der Putzkolonne 16 M. zurück- erstattet, die er dem Träger für zwei Ruft tage gezahlt hatte. Er stellte sich auf den Rechtsstandpunkt, daß er den Träger, wenn er dessen Entlohnung vertraglich übernehme, wie hier, erst vom Beginn des PutzenS an zu bezahlen habe. DaS Auf» stellen der Rüstung sei Sache der Putzer. Wenn dabei ihnen der Träger helfe, dann müßten die Putzer ihn dafür bezahlen. Da» Gericht unter dem Vorsitz des Magistratsassessors Dr. Prerauer sprach nach der Beratung seine Meinung dahin aus: In konsequenter Auffassung vom Wesen der Putzerkolonne habe sich der Gerichtshof auf den Standpunkt gestellt, daß der Träger zur Putzerkolonne gehöre und daß der Träger zur Stelle fein müsse, wenn von den Putzern die Arbeit begonnen werde. Hätten die Putzer die Arbeit einschließlich Träger übernommen, sei seine Bezahlung ja ohne weiteres ihre Sache. Habe es der Arbeitgeber übernommen, den Träger zu stellen, dann müsse er ihn stellen, wenn die Kolonne anfange. Der Beklagte hätte also den Träger von da ab bezahlen müssen, und sei somit verpflichtet gewesen, ihm auch für die Rüsttage Lohn zu geben. Der vom Beklagten beabsichtigte Abzug sei unstatthaft. Demnach inühte auf Zahlung von 166 M. erkannt werden, wenn cS die Parteien nicht vorzögen, sich zu vergleichen. Die Parteien ver- glichen sich auf Zahlung der 166 M. Semrklckaftlickes. Lettin und Umgegend. An die Mitglieder der früheren Bereinig«»» der Bau», Erd» und gewerblichen HnlfSarbeiter Deutschlands i In Nr) 70 des„Vorwärts" vom 2-2. März d. I. gaben wir bekannt, daß die Einiglingsbedingungen bis zum 15. April cr. Geltung haben. Alle Kollegen, die bis zu diesem Tage übertreten, erhalten ihre in der alten Organi- sation erworbene Mitgliedschaft voll angerechnet. Dem Verständnis der Bauarbeiter ist es zu danken, daß wir mit der Zahl der bis jetzt Uebergetretenen zufrieden sein fönnen. Es werden auch sicherlich die noch Fernstehenden zu der Einsicht kommen, daß ein Zusammengehen nur im Interesse der Bauhülfsarbeiter liegt. nicht verlustig geht. Wer nach dem 15. April übertritt, kann dann nur als neues Mitglied aufgenommen werden. Deutfches Reich. Die Verhandlungen im Baugewerbe. Zum Streit in der Hefefabrik Osterland in Gera berichten bürgerliche Blätter, daß der Streit für die Arbeiter als verloren zu betrachten sei, weil sämtliche Bläge durch Arbeitswillige besetzt worden seien. Dem ist nicht so. Auch sind die beschäftigten Arbeits willigen völlig unbrauchbar, weil sie nichts vom Betrieb versteher Der Streit dauert unverändert fort. Die Aussperrung der Pflasterer und Rammer Die In den Geschäftsräumen des Verbandes der Baugeschäfte pon Berlin und den Vororten, am Helgoländer Ufer 1, haben gestern die Verhandlungen zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern Wir ersuchen nun diejenigen, welche bisher noch un- des Baugewerbes ihren Anfang genommen. Nach einer vorher ge schlüssig sind, ihre Bücher umgehend abzugeben, troffenen Vereinbarung wird zunächst erst zwischen dem Verband damit ihnen die ganze Zeit der Zugehörigkeit zur Organisation der Baugeschäfte und den Zentralorganisationen der in Rheinland- Westfalen nimmt ihren Fortgang. Maurer und Bauarbeiter, sowie den christlichen Einigungsverhandlungen, die gestern in Essen stattfanden, find Organisationen der Bauarbeiter verhandelt. Später foll nach einem uns zugegangenen Privattelegramm gescheitert. dann mit dem Zentralverband der Zimmerer besonders Ausland. berhandelt werden. Den Vorsitz bei den Vereinbarungen Achtung, Sattler! Seit dem 8. April befinden sich sämtliche Baumeister Heuer vom Verbande der BauBaits Sattler in Kristiania( Norwegen) im Streif. Arbeitsangebote sind In der gestrigen Sitzung haben die Arbeit- stritte zurückzuweisen. gefchäfte. In der gestrigen Sigung geber ihre Anträge gestellt. Die Arbeitnehmer werden hierzu fofort Stellung nehmen und ihre Anträge dann noch im Laufe des heutigen Tages( Freitag) dem Verbande der Baugeschäfte einreichen. Im Anschluß hieran wurden die Verhandlungen fortgeführt. Weiter wollen wir noch bemerken, daß das Bureau Steinstraße 38 vom Sonnabend, den 11. April að, geführt schlossen ist. Jede weitere Auskunft und das Umschreiben der Mitgliedsbücher findet vom Montag, den 13. April, im Bureau des Verbandes der baugewerblichen Hülfsarbeiter, Engelufer 16, parterre statt. J. A.: Otto Baum. Wilhelm Noad. Achtung, Töpfer! Die Differenzen bei der Firma Karmann find beigelegt. Die Verbandsleitung. Die Sperre ist hiermit aufgehoben. Der Streit in der Eisengießerei von Hartung in Moabit Bauert fort. Obgleich die Firma neue Streifbrecher gewonnen hat, deren Zahl schon über hundert beträgt, behalten die Streifenden guten Mut, weil der Betrieb mit seinen jezigen Arbeitskräften nicht leistungsfähig ist. In einer gestrigen Besprechung der Streifenden wurde festgestellt, daß der von Hartung gelieferte Guß von der Kundschaft häufig zurüdgesandt wird, weil er zu porös und deshalb zur weiteren Verarbeitung nicht zu gebrauchen ist. Die Streifenden halten fest zusammen und ersuchen alle arbeitsuchenden Former, Kernmacher, Schlosser und GießereiSülfsarbeiter, Hartungs Betrieb zu meiden. Da man sich auch bemüht, von außerhalb Arbeitskräfte heranzuziehen, werden alle arbeiterfreundlichen Blätter um Abdruck der Warnung gebeten. " Eine Lehrlingsfrage " Bei Fortsetzung der Tarifverhandlungen für das rheinisch- westfälische Baugewerbe, die in Essen stattfinden, gaben die Arbeiter organisationen zunächst folgende Erklärung ab: Die Vertreter der Zentralverbände der Maurer, Zimmerer, baugewerblichen Hülfsarbeiter und der christlichen Bauhandwerker und Bauarbeiter wiederholen die von ihnen mündlich abgegebenen Erklärungen, daß ihre Organisationen unter allen um ständen auf einer 2ohnerhöhung für das zweite Vertragsjahr bestehen. Die Vertreter der genannten Verbände bermögen nicht anzuerkennen, daß dem Verein der Arbeitgeberverbände für das Baugewerbe in Rheinland und Westfalen der Nachweis gelungen fei, aus Rücksicht auf die Konjunktur von einer Erhöhung des Lohnes Abstand nehmen zu müssen. Aus verschiedenen Anzeichen ist im Gegenteil zu folgern, daß sich schon im Laufe dieses Sommers und Herbstes eine mittelgute Baukonjunktur entwickeln wird, und daß sicher im nächsten Jahre die Notwendig feit vorliegt, daß das Baugewerbe befriedigend beschäftigt werden muß. Ganz entschieden müssen es die Vertreter der Zentralverbände berneinen, daß die Löhne im Baugewerbe den Verhältnissen vorausgeeilt feien. Nicht nur, daß die Löhne der Baugewerblichen Arbeiter in den hiesigen Groß- und Mittelstädten weit niedriger sind, als in den Orten gleicher Größe in anderen Landesteilen Deutschlands, fie find auch, die gewerblichen Verhältnisse in Betracht gezogen, niedriger als in der Schwerindustrie und ähnlichen Betrieben. Der sehr gut gemeinte und auch wohl erwägenswerte Vorschlag des Herrn Dr. Wiedfeldt ist für die Arbeitervertreter durch die Erklärung des Vereins der Arbeitgeberverbände erledigt. Im übrigen müssen die Arbeitervertreter auf dem Standpunkte verharren, daß, unbeschadet einer Differenz über die Lohnfrage oder andere Punkte, der ganze Tarif auf Grundlage des in Berlin unter den Zentralverbänden vereinbarten Vertragsmusters durch beraten werden muß. Schließlich erklären die Arbeiterbertreter noch, daß fie sich ihrer Verantwortung wohl bewußt sind und es mit gutem Gewissen vor der weitesten Deffentlichkeit vertreten können, was sie im Interesse der baugewerblichen Arbeiterschaft gefordert haben und fordern müssen. Die friedlichen Absichten der Arbeitervertreter find so offensichtlich, daß es ausgeschlossen ist, ihnen die Verantwortung für etwaige Aussperrungen aufzuladen. stand zur Beratung in einer Zusammenkunft von Vätern und Müttern, die in diesen Tagen in den Arminhallen stattfand. Die Lehrlingskommission der Berliner Lithographen, Steindrucker, Lichtbruder und Chemigraphen hatte dazu Einladungen ergehen lassen. Zahlreiche Eltern waren dem Rufe gefolgt und hörten mit großem Intereffe, was der Verbandsvorfißende a ß ihnen zu sagen hattet Mancher mag wohl mit einem gewissen Mißtrauen gegen den sozialdemokratischen" Verband gekommen sein. Die genannten Berufe gelten als etwas" Besseres" und mancher fleine Beamte und Mittelständler glaubt für seinen Sohn recht gut gesorgt zu haben, wenn er ihn einem solchen Berufe, der zum Kunstgewerbe gehört, zuführt. Da ist er doch immer etwas mehr als ein Arbeiter, so fagen sich Vater und Mutter und übergeben vertrauensvoll. den Sohn einem Brinzipal", nicht einem gewöhnlichen Meister". Solchen Ansichten gegenüber waren die Ausführungen des Referenten Haß so recht geeignet, die Eltern, denen das Wohl ihres Sohnes am Herzen liegt, nachdenklich zu stimmen. Er zeigte, wie die moderne Organisation der Arbeiter als Folge der modernen kapitalistischen Wirtschaftsorganisation entstehen mußte, und wie eine auslömmliche Die Verhandlungen wurden dann weiter geführt. Nachdem den Gristenz der Lithographen usw. erst durch die Verbände und in hart- Arbeitgebern die Erklärung der Arbeiter bekannt gegeben war, nädigen bitteren Kämpfen gegen die sich mit aller Macht sträubenden fonstatiert Vorsitzender Dr. Wiedfeldt, daß damit die Verhandlungen Unternehmer errungen werden konnte. Es ist nicht so, wie mancher eigentlich auf einen toten Punkt angelangt seien. Er ſei jedoch Bater es annimmt, daß der Brinzipal seines Sohnes als funft nach wie vor der Meinung, daß auch über die übrigen verständiger Mann und als humaner Lehrherr den Werdegang Punkte verhandelt werden müßte. Nachdem sich die Arbeit des jungen Mannes überwacht und stets dessen Ausbildung zu geber zur Beratung zurückgezogen hatten, erklärten sie sich bereit, einem tüchtigen Gehülfen im Auge hat. Die Mehrzahl der in die Verhandlungen einzutreten, und werden nunmehr die Brinzipale besteht aus aufleuten, fühl ihren Gewinn Baragraphen des Vertrages nach dem in Berlin berein berechnenden Geschäftsleuten, die sich Lehrlinge zu ihrem eigenen barten Vertragsschema burch beraten. Zunächst wurde Vorteil in erster Linie halten, manchmal sogar noch die gute Aus der Geltungsbereich des neuen Vertrages in Angriff genommen. bildung des Lehrlings hindern, indem sie ihm nicht genügend Es wurde eine Kommission gewählt, die die für das Vertragsgebiet Beit gewähren, Fachschulen zu besuchen, und ihn auf jede Weise in Frage kommenden provinziellen Einzelheiten festsetzen soll. rücksichtslos ausbeuten. Da ist es die Gehülfenorganisation allein, die sich der Lehrlinge annimmt, der Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe." Diesem Verband steht die Zu den Streits im Hamburger Lohngebiet. Der Zentralvorstand des Verbandes der Sattler. Ein Jahr im Streit. Ein eigenartiges Jubiläum konnten oder vielleicht besser gesagt mußten am 8. April die Züricher Klempner begehen. Es war ein Jahr vergangen, seitdem fie in den Streit getreten waren. Um eine geringe Lohnerhöhung und um die Verkürzung der Arbeitszeit Die Unternehmer, um eine halbe Stunde ging der Kampf. namentlich die größeren, fürchteten für ihre Meisterwürde und für ihr Selbstherrschertum, fie sperrten aus und die Plätze sind zum großen Teil noch heute unbesetzt. Auf der anderen Seite stehen die Arbeiter noch ungebrochen und feiern ihr einjähriges Streifjubiläum. Geo Barnes, der Generalsekretär der englischen Maschinens bauer hat seine Demission gegeben. Ein Teil der Verbands mitglieder war mit seiner Stellungnahme zu dem Konflikt am Tyne nicht einverstanden. Barnes tritt für Verständigung mit den Unternehmern ein, währenddem die Arbeiter größere Bugeständnisse durchsetzen möchten. Man hofft aber, daß Barnes wieder in die Wahl eintreten und auch gewählt werden wird. Um Großer Zuckerfabrikarbeiterstreik in Schweden. Seit Anfang dieses Jahres find die ungefähr 500 Arbeiter det Zuckerfabrik zu Arlöf bei Malmö, der größten Zuderfabrik Schwedens, ausgesperrt. Der alte Tarifvertrag war abgelaufen und ein neuer tam nicht zustande, weil die Fabrikleitung sich weigerte, einen annehmbaren Stundenlohn einzuführen. diesem langwierigen Kampf, der natürlich der Organisation, dem Schwedischen Grob- und Fabritarbeiterverband, viel Geld foſtet, nun ein Ende zu machen, haben die Arbeiter der Zuckerfabriken in Helsingborg, Landskrona, Lund und Ystad am Dienstag die Arbeit niedergelegt. Damit ruht die Arbeit in 5 von den im ganzen 9 großen Zuckerfabriken Schwedens. Der Kampf umfaßt nun 2000 Arbeiter. In den ersten Tagen dieses Monats fanden nochmals Vers handlungen wegen der Aussperrung in Arlöf statt, und zwar unter Leitung des staatsangestellten Schlichtungsbeamten. Die Unternehmer wollten aber nur den im Uebereinkommen vom Oktober vorigen Jahres für ländliche Zuderfabriken festgesetzten Stundenlohn von 34 Dere bewilligen, während die Arbeiter, weil Arlöf in unmittelbarer Nähe Malmös liegt, mindestens 37 Dere, den Lohn für städtische Fabriken, verlangten. Ein Vergleichsvorschlag auf 36 Dere wurde von beiden Parteien abgelehnt. Letzte Nachrichten und Depefchen. Wahlrechtskompromiß in Sachsen. nach ist heute ein Kompromiß in der Wahlrechtsangelegenheit Dresden, 9. April.( W. T. B.) Sicherem Vernehmen zustande gekommen. Auf welcher Basis sich dieses Kompromiß, mit dem die Wahlrechtsdeputation nach langem Kampfe vor die Regierung treten wird, bewegt, darüber wird zurzeit seitens der Deputationsmitglieder noch Stillschweigen beobachtet. Es wird aber angenommen, daß die Nationalliberalen in bezug auf die Wahlkreiseinteilung den Wünschen der Konservativen entgegengekommen sind. Eine neue Schlacht in Marokko. Paris, 9. April.( W. T. B.) Wie General d'Amade in Der Bierstädtebund Hamburg, Altona, Harburg. einem Telegramm von gestern abend aus seinem Biwak bei 28andsbek hat soeben an die benachbarten Arbeitgeberverbände Settat meldet, wurde das Biwak gestern früh 3 Uhr 30 min. folgendes Rundschreiben gerichtet: Der seit Monaten vorausgesehene Kampf im Hamburger Bau- bon den Mahallas Mulay Hafids angegriffen, welche sich gewerbe hat mit der Arbeitseinstellung der Steinmeggesellen und aus der Mahalla des Scherif Buazzaui, aus Teilen der ChiadSer Marmorarbeiter begonnen. Der Bierstädtebund und die Ver- mas aus der Gegend von Azemur sowie Abteilungen der einigung der im Baugewerbe beschäftigten Innungen, Vereine und Rahamga aus der Gegend von Marrakesch und verschiedenen Betriebe haben die letzten Entschließungen der beiden Gewerbe- Stammesangehörigen der Schaujas zusamunenseßten. Der branchen sanktioniert und wollen diese Entschließungen, die übrigens Angriff wurde kaltblütig und mit großen Verlusten für die ein Entgegenkommen enthalten, bis zur äußersten Stonsequena Maroffaner abgeschlagen. Darauf ging General d'Amade vertreten. Hiervon find allen hiesigen Gewerkschaften, soweit sie zum Gegenangriff über und warf den Feind von Höhenzug für das Baugewerbe in Betracht kommen zusammen 14 Mitteilungen zugestellt. zu Höhenzug noch 7 Kilometer über die Linie der Vorposten Infolgedeffenweil nämlich die Gewerkschaften eine all- zurüd. Die Kaids der Mzamza und Duladharis begleiteten gemeine Aussperrung herankommen sehen haben die mit ihrem Anhange die französischen Truppen bei deren VorZentralverbände der Maurer und Zimmerer mit der Abschiebung gehen. Auf französischer Seite find 1 Offizier, 2 Mann der jüngeren Gesellen begonnen. schwer, 5 Mann leicht verwundet worden. Anarchistenkoller. Arbeitgeberorganisation der Lithographen usw. sehr feindselig gegen über, gerade darum, weil der Verband seine Mitglieder vor der rücksichtslosen Ausbeutung der Unternehmer schüßt und bestrebt ist, bessere Verhältnisse herbeizuführen. Die Entwidelung im Berufe wirft immer ungünstiger auf die Stellung ein, die er früher einmal als Stunstgewerbe besaß. Heute ist die Maschinenarbeit eingezogen, die in Verbindung mit der Teilarbeit der künstlerifchen Betätigung den Raum immer mehr einengt. Die Arbeit ist intenfiber geworden, die Ansprüche an die Leistungen find enorm gestiegen, und damit ist auch die Gefährlichkeit für die Gesundheit des Arbeiters gewachsen. Neun Zehntel starben an Lungenleiden. Und doch nennt Dr. Gerschel, der Vorsigende der Arbeitgeberorganisation, die graphischen Berufe die, gesündesten". Erwähnt muß auch die große Arbeitslosigkeit in diesen Berufen werden. Gegenwärtig find 15 Prozent der Lithographen arbeitslos und darunter befinden sich viele tüchtige Kräfte. Dringend feien die Eltern gewarnt, den Lehrlingen die Heimarbeit zu gestatten, schon allein aus gesundheitlichen Gründen. Unter anderen Schäden ist auch die die Akkordarbeit zu nennen, die Lage im Berufe herunterdrückt. So gibt es für den Verband ein großes Feld der Tätigkeit, um die Intereffen der Gehülfenschaft zu wahren. Neuerdings ist auch eine Lehrlingsabteilung eingerichtet worden, die allen Eltern zu empfehlen ist. Die Lehrlinge zahlen nur 10 f. pro Woche, der Verband der Gehülfen leistet den nötigen Zuschuß. Hier wird auf die gute fachliche Ausbildung der Lehrlinge gesehen; sie erhalten die nötige Aufflärung über die Stellung des Arbeiters im Wirtschaftsleben, ohne daß fie mit der Politik in Berührung gebracht werden. Man gewährt ihnen Krankenunterstützung sowie Rechtsfchuzz. Man ist bereit, ihnen in jeder Beziehung mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Der Verband hat die Lehrlingsabteilung gegründet, weil der schon erwähnte Dr. Gerschel versucht, die Lehrlinge als Mitglieder für den Unterstützungsverein der Senefelder" zu gewinnen, jene gelbe Getverkschaft, die die Bestrebungen des Verbandes zu durchkreuzen sucht. Die Unternehmer versuchen, sich diesen Unterstügungsverein großzuziehen und zu diesem Zweck werden schon die Lehrlinge angeworben. Pflicht der Eltern wäre es, hiergegen Einspruch zu erheben, wenn sie wollen, daß ihr Sohn in Zukunft auch die Achtung seiner Kollegen befizen soll. Zum ersten Male wird in einem Gewerbe beobachtet, daß die Arbeit geber schon die Lehrlinge organisieren, um sie au späteren Streitbrechern zu erziehen. Hierzu mußte der Verband Stellung nehmen und er hofft auf die Mitwirkung aller verständigen Eltern. Diese Mitwirkung ist um so mehr geboten, als der Verband bestrebt ist, auf die Fachschulen für Lithographen Einfluß zu gewinnen und die gute Ausbildung der Lehrlinge Achtung, Steinarbeiter! Die Bildhauer und Steinmegen bei doch in der Hauptsache von den Gehülfen abhängt, denn auf die der Firma Korb u. Töpelmann in Gera find in eine Lohnbewegung Reichenberg, 9. April.( B. H.) Im ganzen Riesen-, Fichtel Brinzipale fönnen sich die Eltern in dieser Beziehung nicht im eingetreten. Die zwischen Arbeitern und Unternehmern stattgefundenen und Erzgebirge ist ein Wettersturz eingetreten. Es herrschen mindesten verlassen. Verhandlungen find ergebnislos verlaufeit. Schneeftürme. Bezanty. Redakt.: Georg Davidjohn, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsul. Es wird ergebenst ersucht, durch eine scharfe Anstellungstontrolle für die Fernhaltung der Streitenden und Abgeschobenen Sorge zu tragen. Ein besonderes Augenmer? würde zunächst auf die von Hamburg zugereisten Maurer, Washington, 9. April.( W. T. B.) Präsident Roosevelt erließ und Zimmerer, Steinmegen Marmorarbeiter Zu richten eine Spezialbotschaft an den Kongreß, worin er gefeßliche Maß fein; im weiteren aber auch auf die zugereisten Bauhandwerker aller Branchen. Bu empfehlen ist eine sogenannte nahmen zur Unterdrückung des Anarchismus fordert und dem Kon Kontrolle durch Listen( schwarze?), die von Zeit zu Zeit einzufordern greß ein Gutachten des Generalstaatsanwalts vorlegt, wonach der find; diese müssen die vollständigen Berfonalien der in den Be- Generalpoftmeister berechtigt ist, anarchistische Veröffentlichungen trieben beschäftigten Arbeiter enthalten, weil diese sonst nicht zu bom Postvertrieb auszuschließen. Der Präsident fündigt an, er identifizieren find. Diese Kontrolle wurde hier oft im Intereffe werde infolge dieses Gutachtens den Generalpostmeister anweisen, der benachbarten Verbände mit gutem Erfolge geübt. Im weiteren dergleichen Veröffentlichungen in Zukunft zur Postbeförderung nicht ist eine Kontrolle durch Revisoren zu empfehlen." mehr zuzulassen und fügt hinzu, im Vergleich zu der Unterdrüdung Steinmez und Marmorgeschäfte folgendes Birkular er feit zusammen; der Anarchist sei der Feind der Gesellschaft, ja der Weiter ist an die der Vereinigung angeschlossenen Inhaber der des Anarchismus schrumpfe jede andere Frage zur Bedeutungslosiga Feind der ganzen Menschheit. gangen: " In Veranlassung der Arbeitsniederlegung der Steinmezgefellen und der Marmorarbeiter richtet der geschäftsführende Ausschuß an die Betriebsinhaber der beiden Gewerbebranchen das sehr ergebene Erfuchen, bis zum Mittwoch, den 8. b. Mts., nach mittags 3 Uhr, eine Uebersicht der übernommenen Leistungen und Lieferungen einzureichen. Besonders wichtig ist die Angabe, ob die Arbeiten mit oder ohne die Streit- und Sperrentlausel übernommen sind. In bezug auf den einen hier gemeldeten Fall, daß ein außenstehender Marmorbetriebsinhaber die Forderungen der Marmorarbeiter bewilligt hat, find Schritte eingeleitet worden, um den Abtrünnigen zur Solidarität zu bringen. Damit eine gleiche Maßnahme in allen gegebenen Fällen stattfinden fann, wird um gefällige fleunige Meldungen ersucht, so bald weitere Fälle festzustellen find. Die Fachabteilung der Steinmegmeister und der Verein der Marmorgeschäfte werden besonders auf eine scharfe Kontrolle in den Reihen der eigenen Mitglieder ergebenst hingewiesen." Die Bocken! Duisburg, 9. April.( B. H.) In der Gemeinde Hamborn ist ein von der russischen Grenze fommender Ziegler an den echten Boden erkrankt. Von der Polizei wurden alle Vorbeugungsmaßnahmen getroffen. Der Mann wurde isoliert und an dreißig Arbeitern die Schuhimpfung vollzogen. Ausstand indischer Telegraphisten. Kalkutta, 9. April.( W. T. B.) Wegen der fürzlich einges führten Dienstveränderung sind die Telegraphenbeamten in Border indien in den Ausstand getreten. Einige Beamte nur bleiben zur Beförderung der dringendsten Nachrichten im Dienst, doch werden alle großen Telegraphenstationen von heute abend 6 Uhr ab in Wirklichkeit von Beamten entblößt sein. Die Anhäufung von Ges schäfts- und Privattelegrammen ist außerordentlich groß. Frühling." Ar. 86. 25. Zithrgasg. L KMgc i>cs Lmiirls" Kcrlm NxlksblM Freitag. 16. April lW8. eine Ceporeiloliftc. Wenn tm Gerichtssaal verkündet worden wäre, daß in Preußen die Gerechtigkeit nicht die Grundlage des Staatswesens sei, so hätte dies nicht entfernt die Verwunderung erregen können, die der Aus- spruch der Polizeioffiziere G u s ch a l l und Schmidt hervor- gerufen hat. Beide Herren behaupteten steif und fest in ihrer Zeugenschast, daß sie so etwas wie Spitzel in der Polizei nicht kennten; und der ältere der beiden bekräftigte seine Aussage noch durch den Nachsatz, daß ihm in allen seinen 2ö Dienstjahren noch kein solches Menschenwesen begegnet sei. Wir stimmen nicht in das allgemeine Staunen ein, das ob dieses Vorganges die Gemüter ergriffen hat. Wer lange lebt, hat viel erfahren, läßt der betagte Goethe seinen Mephisto sagen; aber auch ohne die mehr oder minder schätzenswerte Eigenschaft jahrzehnte langer Erfahrung zu besitzen, kann der Politiker die Beobachtung machen, daß das kristallifierte Menschenboll, das sich preußisches Beamtentum nennt, in allen Fällen, ähnlich dem vorliegenden, von Natur aus mit einer merkwürdigen Lücke im Erinnerungsvermögen begabt ist. Es sind just sieben Jahre her, daß sich ein noch viel erstaun licherer Fall ereignete als der jetzt aus Anlaß des Prozesses gegen die Arbeitslosen erörterte. Arn IS. März lSOI war es, als der sozialdemokratische Ab geordnete Richard Fischer dem obersten Beamten Deutschlands, dem Kanzler Grafen v. Bülow gegenüber im Reichstage zur Sprache brachte, daß Kriminalkommissar v. Arnim und Kriminal- Wachtmeister Diener in bezug auf Vorgänge im Reichstage von einer geradezu unbändigen Neugierde geplagt seien. Beide Herren hätten einem Sozialdemokraten ein paar tausend Mark für den Fall zur Verfügung stellen wollen, daß eS ihm gelinge, ein Reichstagsmandat zu erhaschen. Dann solle er über die im Reichs tage von der sozialdemokratischen Fraktion gepflogenen Beratungen haarklein der politischen Polizei berichten, was überhaupt nur zu berichten sei. In derselben Sitzung trug Fischer den Fall des Kriminal- schutzmanns Leuth old vor, der einen armen Familienvater wiederholt zu Spitzeldiensten aufgefordert und ihn hierbei zu etwelchen Aeußerungen über Wilhelm II. zu verleiten gesucht hatte. Reichskanzler Fürst Bülow erwiderte dem Abgeordneten, daß ihm von diesen Vorgängen nicht das aller minde sie be- k a n n t sei und daß er schon aus diesem Grunde nicht auf das vorgelegte Material, bei dem eS sich im übrigen um eine preußische Angelegenheit handele, eingehen könne. Nun beantworte einer auf Ehre und Gewiffen die Frage: kann man von einem einfachen Polizeioffizier mehr Kenntniffe in Spitzelangelegenheiten verlangen, als von dem obersten Hüter der Gesetze und der Gerechtigkeit in Preußen? Wo solches am grünen Holze geschieht, hat der preußische Staatsbürger sich mit der Tatsache abzufinden, daß in dem Augen- blick, wo der Mensch Beamter wird, er auf einen Schlag alles vergißt, was er bis dahin vom Spitzelwesen vernommen hat. daß er immun wird gegen eine Erscheinung, die auftritt so zahlreich wie die Mückenschwärme an heißen Sommerabenden. Wenn nun auch gemäß den ewigen Naturgesetzen, die in der preußischen Monarchie Geltung haben, jegliches Mühen um Be- reicherung des Beamtenwissens vergeblich ist, so wollen wir doch der übrigen Menschheit zu Nutz und Frommen zeigen, wie im Be- amtenhirn leicht beieinander die Gedanken wohnen, während hart im Räume sich die Spitzel stoßen. Anknüpfend an die von der wunderbaren Güte GotteS zeugende Erscheinung, daß dem Polizeihauptmann Schmidt in einem vollen Vierteljahrhundert noch kein Spitzel vor Augen getreten ist, sei hier mit ein wahrlich nicht unwesentlicher Ausschnitt aus der Geschichte deS polizistischen Staatswesens Preußen wiedergegeben. | Unser Kapitel handelt beileibe nicht von allen, aber doch von 1 de» hauptsächlichsten Spitzeln, die, dem ehrenhaften Teil der Mensch- »cheit zum Nutzen, seit 1883 mit der sozialdemokratischen Feuerzange gefaßt worden sind. Damals, unter der sozialistengesetzlichen Herrschaft des obersten der Nichtgentlemen, des Polizeiministers Puttkamer, hatte» unter- schiedliche Spitzel goldene Tage. Sie säten Dynamit und ernteten zuweilen das allgemeine Ehrenzeichen. In Berlin gab es 1383 noch kein sozialdemokratisches Blatt; die Entdeckung der Spitzel mußte von unserem alten Mitkämpfer, dem Züricher„Sozialdemokrat", verkündet werden. Es wird da u. a. gewarnt vor dem aus Berlin ausgewiesenen Bildhauer B l o n k, dem Schuhmacher M a u ch. dem Dreher Hebel und dem Zigarrensortierer Hardt aus Altona. Eine besondere Rolle spielte der wegen Betruges und falschen Bankrotts Ende 1832 von Dresden her„verfolgte" Kaufiitann Schmidt, der in Zürich einen besonderen Attentatsfonds gründen wollte und dabei das Unglück hatte, als Spitzel entlarvt zu werden- In den Jahren 1884 und 183S trat das Treiben der Spitzel Tischler Schenk, Kaufmann Sigismund F r i e d m a n n und Aloys Seiler ans Licht. Am 2. Februar 1886 wurde der Kriminalschutzmann I h r i n g, der sich als Gürtler Mahlow in den Arbeiterbezirksverein für den Osten Berlins eingeschlichen hatte, als Lockspitzel entlarvt. In einem lärmvoll angestrengten Beleidigungsprozetz wurde erhärtet, daß Jhring- Mahlow unflätige Majestätsbeleidigungen begangen, Dyuamitpatronen mit in die Versammlung gebracht und zu Gewalttätigkeiten aufgefordert hatte, weil man. wie er einem vermeintlich gekaperten Arbeiter gestand, vor Verlängerung des Sozialistengesetzes einen Coup gebrauche. Reichstagsabgeordneter Singer wurde aus Berlin ausgewiesen, nachdem er das Treiben des Jhring-Mahloiv im Reichs tage an den Pranger gestellt hatte, der brave Kriminalschutzmann selber aber erhielt, wie Minister v. Puttkamer am 30. März 1388 ostentativ im Abgeordnetenhause verkündete, als„eklatante Ge- nugtuung" das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen. Außer Jhring-Mahlow unh Naporra wurden 1886 noch zu Anfang Januar ein gewisser Ernst Härder und zu Anfang April Schriftsetzer Heinrich als Spitzel entlarvt. Jin Mai 1837 kommen die Spitzeleien des Stuhlflechters F e r k a u ans Licht. Groß war die Ausbeute des Jahres 1888, als die„Eiserne Maske" der Partei dankenswerte Dienste leistete. Als Polizei- spitze! wurden in diesem Jahr entlarvt u. a. Tischler B e r t r a nt aus Leipzig. Eisendreher H e n t s ch e l auS Dresden, Maurer Conrad, der den BreSlauer Geheimbundsprozeß auf dem Ge- wisien hatte, ferner August Müller, Buchdruckereibesitzer W. Röwer, Zimmerer Nix, Tischler N e u m a n n- Hamburg. Kriminalschutzmann P o h l m a n n, der frühere Stadtverordnete und Reichstagskandidat K r o h m, Parkettbodenleger Waiblinger aus Dettingen, sowie ein gewisser Troppmann aus Süd deutschland. Am 27. Januar 1888 brachte Singer im Reichstage bei der Beratung der Expatriierungsvorlage die Angelegenheit der preußischen Polizeiagenten Schröder und Haupt zur Sprache. Es wurde auf Grund amtlichen Aktenmaterials bewiesen, daß diese beiden Lockspitzel mit dem ihnen vom Polizeirat Krüger in Berlin zur Verfügung gestellten Gelde eine Kiste Dynamit aus der Dynamit- fabrik Opladen bei Düsseldorf gekauft und ferner den Druck der anarchistischen„Freiheit" bezahlt hatten. Vor dem Landgericht Posen wurde vom 2. bis 31. Januar ein Sozialistenprozeß gegen 17 Personen verhandelt. Hier kam zur Sprache, daß der Kriminalschutzmann Naporra auS Berlin dem Angeklagten Wittkowski Exemplare des verbotenen„Sozialdemokrat zugesteckt und aus Anlaß einer Versammlungsauflösung ausgerufen harte, es sei schade, daß man nicht 1848 schriebe. Am 6. Dezember 1886 hatte Naporra einen der Angeklagten, der damals in Berlin wohnte, aus Anlaß eines Auflaufs aufgefordert, mit auf die Straße zu kommen, denn unten sei Revolution, da müsse man dreinschlagen kleines feuilleton. Moderne Zauberbücher als Hort des Aberglaubens. In Stuttgart fand vor einigen Tagen eine interessante Ge- richtsverhandlung statt gegen den neunzehnjährigen Schremer Endcrle und den 32 Jahre alten Arbeiter Schlageter, die beide in Eßlingen arbeiteten. Sie wurden wegen gemeinschaftlichen Haus- friedenöbruches und wegen Amtsanmaßung, der eine zu einer Ge- fängnisftrafe von zwei Monaten und einer Woche, der andere von einem Monat und 15 Tagen verurteilt. Dem Urteil lag fclgcnder kulturgeschichtlich interessanter, wenn auch wenig er- freulicher Tatbestand zugrunde. Eines Sonntags im Februar deS Jahres erschienen die Angeklagten im Hause des Gemeindepflegers in Krummhardt und stellten sich als Beamte vor, die mit der Haussuchung beauftragt seien, da der Gemcindcpfleger im Verdacht der Zauberei stände und das berüchtigte„sechste und siebente Buch Moses" besitzen solle. Sie durchsuchten sämtliche Behältnisse und nahmen aus einer Kammer ein Buch mit, daß sie für das be- rüchtigte Zauberbuch hielten, das in Wirklichkeit aber ein Gebet- buch war und das sie deshalb später zurücksandten. Die Ver- Handlung ergab, daß die Angeklagten nicht etwa den Glauben an derartige Zauberbücher benutzt haben, um Diebstähle zu begehen. sondern daß sie und die meisten anderen Bewohner von Krummhardt den Gemeindepflcger tatsächlich für einen bösen Zauberer hielten, der infolge des Besitzes eines Zauberbuches über allerlei Teufels- künste verfüge und unter anderem einem an Kchlkopfschwindsucht mittlerweile verstorbenen Mann seine Krankheit angehext habe. Endcrle. der einen Kursus in„Heilmagnetismus" durchgemacht hatte und sich als Sympathiedoktor in der Gemeinde eines ge- wisse» Rufes erfreute, hatte dem Kranken zunächst geraten, den 29. Psalm abzuschreiben und unter das Kopskissen zu legen. Als das aber nichts half, entschloß er sich kurzer Hand, sich des Zauber- buchcs des angeblichen Hexenmeisters zu demächtigen und ihn da- durch seiner Zaubermacht zu berauben. Dieser Fall zeigt von neuem, wie weit verbreitet noch der Glaube an das„sechste und siebente Buch Moses", an das„Romanusbüchlcin", an die„geist- liche Schildwacht", an„Faust's Höllcnzwang", an die„sieben Himmelriegel", an die„güldene Schatzkammer" und ähnliche mo- derne Zauberbücher ist. Man glaubt, daß der Besitzer eines der- artigen Zauberbuches Schätze finden, Krankheiten besprechen, einem Feinde Schaden zufügen, das Vieh behexen und noch allerlei sonstige Zaubereien verüben könne. Im hellen Sachsenlande mußte erst kürzlich ein Fleischbeschauer im Wege der Privatklage wegen Beleidigung klagen, weil ihm nachgesagt wurde, er besähe ein der- artiges Zaubcrbuch, was zur Folge hatte, daß er allgemein ge- mieden wurde. Häufiger noch sind Betrügereien, die auf diesem Glauben fußen. In Frankfurt wurden beispielsweise vor einigen Jahren zwei Frauen festgenommen, die als Schirmflickcrinncn um- herzogen, nebenbei aber auch das etwas lukrativere Wahrsage- geschäft betrieben. Unter anderem hatten sie einer Frau 3p M. abgeschwindelt, indem sie der Leichtgläubigen vorschwatzten, es gehe ihr nur deshalb schlecht, weil sie das sechste und siebente Buch Moses nicht besitze, das sie ihr für diese Summe aber verschaffen loollten. Weit größere Summen ergaunerten sich im Jahre 1884 die Eheleute Voigt, welche Leuten aus Basel, die nach Schätzen suchten, ein selbstfabriziertes„Geistliches Schild" für 2006 Francs verkauft hatten und deshalb von dem Landgericht zu Freiburg zu 4 Jahren Zuchthaus und zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt wurden. Der Töpfermeister Jänicke, der im Jahre 1999 am Teufelssee bei Potsdam einen Mord beging, gab die gar nicht so unwahrscheinlich klingende Erklärung, daß er in einem Zauberbuch das Rezept gelesen habe, bei Vornahme von Beschwörungen müsse Arsenik verwendet werden und daß hierbei das Mädchen gestorben sei. Wie dem auch sein mag, so viel steht jedenfalls fest, daß diese Zauberbücher vielfach große kriminalistische Bedeutung haben. Daß solcher Aberglaube aber noch so fruchtbaren Boden findet, ist ein Beweis mehr für den tiefen Stand unserer Schul- und sonstigen Bildung. Hutmobe und Reiherzucht. Wir lesen im Organ der Gesell- schaft der Naturfreunde„Kosmos": Die Ornithologen, die noch vor wenigen Jahrzehnten die ungeheueren Rohrsümpfe an der unteren Donau besuchten, können gar nicht genug erzählen von dem über- Wältigend reichhaltigen Vogelleben, das damals dort herrschte. Na- inentlich waren es die gemischten Reiherkolonien, die das bcwun- dernde Erstaunen aller Besucher erregten. Dutzendweise standen die Reisighorste der langbeinigen Vögel auf den Kopfweiden und im undurchdringlichsten Röhricht, aus ihnen lugte es aus schwefel- gelben, dunkelbraunen und blutroten Augen herab auf den umvillkormnenen Eindringling, und über ihm standen und kletterten, schwebten und flatterten all die schneeweißen, grünschwarzen, grauen und braunen Bogelgestalten, bald zu einer förmlichen Wolke sich verdichtend, bald wiÄer in einzelne Trupps sich auflösend, ständig mit betäubendem Geschrei und Gekreisch die Luft erfüllend, daß man kaum sein eigenes Wort verstehen konnte. Vorüber sind diese Zeiten paradiesischer Vogelherrlichkeit. Still und öde ist es ge- worden in den meisten jener endlosen Rohrwaldungen. Die lau- nische Mode hat dem Reihergeschlechte den Untergang gebracht, menschliche Habgier ihre Brutplätze entvölkert, die dortige Natur ihres schönsten Schmuckes beraubt. Bekanntlich bilden ja die Pracht- voll zerschlissenen Schmuckfedern der Silber- und Seidenreiher unter dem Namen„A i g r e t t e n" einen begehrten und teuer be- zahlten Schmuck der Damenhüte. An und für sich wäre es ja nun nicht schlimm, wenn die Reiher dem Menschen den Schaden, den sie der Fischerei zweifellos zufügen, mit ihren schönen Federn be- zahlen müßten. Aber die rohe und selbstsüchtige Art und Weise, wie man die Aigretten erbeutet und dadurch eines der interessan- testen und eigenartigsten Vogclgeschlechter dem Untergange preis- gibt, muß doch die tiefste Empörung jedes wahren Naturfreundes erregen. Zu ihrem Unglück tragen nämlich die Reiher ihre Schmuck- edern nur während der Brutzeit, wo die sonst so scheuen und miß- rauischcn Vögel in ihren Nistkolonien leicht massenhaft zu schießen nid, da sie die Sorge um Junge und Eier immer wieder zu den verlassenen Ziestern zurücktreibt. Ein großer Teil der gemordeten Vögel kann im undurchdringlichen Rohrdickicht nicht gefunden werden und verludert so unnütz. Den anderen ziehen die Feder- jägec lediglich das die Schmuckfedern tragende Stück der Rücken- helfen. Naporra wurde später in Danzig als Kriminalbeamter an- gestellt. Der Polizeiagent Färber W i ch m a n n korrespondierte jahrelang von Hamburg-Altona aus in der anarchistischen„Freiheit". Anfangs stand er sin Dienst des Polizeikommissars Engel in Altona, später wurde er direkt dem Polizeirat Krüger unterstellt. Im Juni 1883 gestand er unserem Parteigenossen Auer tu einem Schreiben. „1. daß ich es gewesen bin, welcher auf Anstiften Engels ab Hamburg datierte Notizen in der„Freiheit" veröffentlicht hat, um in Berlin den Glauben zu erwecken, es hätten sich in Hamburg anarchistische Gruppen gebildet; 2. daß ich in meinen Berichten stets die Nachsicht der republi- konischen Hamburger Polizei gegenüber der Sozialdemokratie hervorheben mußte, um Engel die geheime politische Aussicht zu verschaffen, wie solches in Ottensen geschehen." Im Jahre 1389 kamen die Taten der Spitzel Brand, Max Seyffarth und Schmidt ans Licht. Aus dem Jahre 1899 sind Schriftsteller Uhlich und Kriminal- schutzmann G ö b l e r zu nennen. Unrecht wäre eS, bei der Er- wähnung der unter dem Sozialistengesetz vollführten Taten nicht auch des ehemaligen Offiziers Ehrenberg, sowie des Polizei- agenten W o h l g e m u t h, der durch den Ausspruch„Wühlen Sie nur tüchtig darauf los" zur Berühmtheit geworden ist, geziemend zu gedenken. Das Schandgesetz fiel, die Spitzel blieben. Am 29. März 1392 warnte die„Magdeburger Volksstimme' vor dem Kronzeugen D r i ch e l aus dem Prozeß gegen den armen Nebe. Drichel suchte sich nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis in Berliner Parteikreise einzuschleichen. In den Kreisen der Unabhängigen wirkte damals der Spitzel Hamm, der auch unter deni Namen Kaufhold auftrat. Aus dem Jahre 1894 nennen wir den im 4. Berliner Wahl- kreise tätig gewesenen Spitzel C h o j n a ck i, auS dem Jahre 1895 den im Kottbnser Anarchistenprozeß tätig gewesenen Lüh und den Journalisten G a f f r o n als Spitzel. Im Oktober 1896 erzählte der Anarchist Machner, wie er. den mit der Ueberwachung der anarchistischen Bewegung betrauten Polizeikommissar Bösel unter der Zustimmung seiner Parteigenossen öffentlich bloßstellte. Der„Vorwärts" lvarnte am 12. Dezember 1896 vor einem Polizeibeamten Karl Vogt, der sich in Elberfeld in den Wahlverem als Mitglied hatte ausiiehmen lassen. Im Prozeß Koschemamr 1896 fungierte der Uhrmacher Richard Henkmann als Spitzel. Im April 1897 teilte der„Sozialist" mit, daß Henkmann im Verkehrslolal der Anarchisten ans deren Lahmheit geschimpft und geraten habe, Berlin an allen Enden in Brand zu stecken. In seinem Prozeßduell mit dem Staatssekretär des Auswärtigen Freiherrn v. Marschall 1397 sagte Kriminalkommissar v. Tausch: „Die»l»sauber st en Agenten sind zugleich die b e st e n." In diesein Prozeß kamen auch die bösartigen Praktiken des ehemaligen Offiziers und späteren Journalisten v. L ü tz o w. sowie die seines KumpanS Lockert ans Licht. Kriminalbeamter Schulze, der bereits in dem großen Vereinsprozeß gegen die Berliner Parteifunktionäre 1896 eine Rolle gespielt hatte, führte sich 1897 als Malermeister bei dem sozialdemo- kratischen Arbeiter H. ein und suchte ihn gegen ein Angebot von 60 M. Wochenlohn und das Versprechen, ihm zu Weihnachten eine Kneipe zu errichten, zu politischen Spitzeldiensten zu verleiten. Das Anarchistenblatt„Neues Leben", Nr. 6, meldete im September 1898, daß der deutsche Anarchist Werner alias S i ck i n g e r gegen 299 M. Monatsgehalt von der Berliner Polizei im Auslands/ als Spitzel angestellt sei. Schon 1834 hatte der„Sozialdemokrat" vor dieser vielfach wegen gemeiner Verbrechen bestraften Person gewarnt. Der sozialdemokratische Vertrauensmann G r ä s ch k e, Kirchstr. 22 in Berlin, gestand am 3. Dezember 1893 dem Genossen Ernst, daß er angeblich in der Trunkenheit sich von einem Kriminalbeamten haut ab und werfen die Körper fort, so daß sie mit ihrem Ver- wesungsgeruch den ganzen Sumpf verpesten. Die ihrer Ernährer beraubten jungen Reiher aber müssen elend in den Nestern ver- hungern. Wahrlich eine brutale Jagdmethode. Kein Wunder, daß auf diese Weise die Mehrzahl der Reiherkolonien bereits aus- gerottet, die übrig gebliebenen in ihrem Bestände größtenteils schwer bedroht sind. Da verfahren die armen, ungebildeten Indianer Südamerikas bei der Jagd auf Quesals, aus deren Federn sie so prachtvolle Arbeiten anzufertigen wissen, bedeutend menschlicher und — überlegter. Sie schießen nämlich diese Vögel nur mit stumpfen Pfeilen, durch die die Tiere nur betäubt werden, so daß man sie, nachdem man sie ihrer Schmuckfedern beraubt hat, wieder fliegen lassen kann. Wäre es nicht edler und zugleich— rationeller, wenn auch die„zivilisierten" Federjäger sich in dieser Beziehung den verachteten Indianer zum Muster nehmen wollten? Und loäre es nicht angebracht, daß die Regierungen Vorschriften erließen, um die Edelceiher vor der Ausrottung zu schützen, ehe es zu spät ist? Und noch auf einen anderen Ausweg möchte ich hinweisen. Wer jemals im Sommer vor der großen Stelzvogelvoliere des B e r» liuer Zoologischen Gartens gestanden hat, der wird sich davon überzeugt haben, wie leicht alle Reiherarten in der Ge- fangenschaft zur Brut schreiten. Läge da nicht der Gedanke nahe, die schönen Vögel ihrer wertvollen Schmuckfedcrn wegen zu züchten? Das würde in keiner Weise besondere Schwierigkeiten machen und wahrscheinlich auch einen ganz hübschen Gewinn abwerfen, da ja die Aigretten von Jahr zu Jahr teurer werden. Notizen. — Gustav Wieds Komödie 2X2=5 erlebte am Mittwoch im Kleinen Theater die fünfzigste Aufführung. Die lustige Verspottung einer Gesinnungslosigkeit, die noch mit ihrer Gesinnung prahlt,— in Deutschland denkt inan dabei unwillkürlich an den Freisinn— glitzert in allen Farben ver Ironie und bietet prächtige Zivffcheiispiele des Humors. Die abgerundete, charakteristische und chlagkräftige Darstellung bringt die mannigfaltigen komischen Wirkungen aufs sicherste heraus, und so scheint das tolle Stück, das tieferen Sinnes nicht entbehrt, der einzige Schlager dieser dramatisch so ergebnislos verlaufenen Saison zu bleiben. — Die Freie Volksbühne bringt für ihre Abend- abteilungen am Freitag dieser Woche und in den folgenden Freitagen Verdis„Troubadour" im Lortzing-Theater zur Auf- ührung. Gäste erhalten Zutritt, wenn sie sich vorher in einer ahlstelle des Vereins melden oder Billetts beim Obmann im heater an der Kasse lösen. — Ein Preisausschreiben zur sexuellen Auf- klärung der Jugend erläßt der D ü r e r b n n d. Gewünscht werden kurze Beiträge, die die Aufklärung über die Fortpflanzung des Meilschengeschlcchts dem Zufalle aus der Hand nehmen und sie den Eltern und Erziehern übergeben. 3590 M. werden von dem Arbeitsausschuß des DürerblmdeS als Preise verteilt werden. Auch bereits erschienene Arbeiten kommen zur Veröffentlichung in Frage. Die Eingänge sind bis zun, 1. Juni 1906 mit den, Vermerke„zum zweiten Prelsausschreiben" an den„Arbeitsausschuß deS Dürer- inrndes" nach Drssden-Blasewitz zu senden. gegen Bezahlung von SO M. schriftlich zu Spitzeldiensten verpflichtet habe. In der Versammlung des Wahlvereins für den ersten Berliner ReichStagswahlkreis gab der Borsitzende Felgentreff am 15. August 1899 bekannt, daß der Hetzer Friedrich Lehmann, der seit 15 Jahren im Wahlverein organisiert sei, als Polizeispitzel aus» geschlossen werden müsse. Der.Vorwärts' teilte am I.Juni 1901 mit. daß der angebliche Stud. techn. Ernst K a l l m a n n. wohnhaft bei dem Kriminal- schutzmann Corth, Berlin N.. Swinemünder Straße 81, mit den polnischen sozialistischen Studenten bedenkliche Beziehungen anzu- knüpfen versucht habe. Der.Vorwärts' berichtete am 8. Dezember 1901, baß unser Parteigenosse Gastwirt Wasewitz von einem Kriminalbeamten zu Spitzeldienstcn aufgefordert worden sei. die monatlich mit 60 bis 70 Mark bezahlt werden sollten. Im Einverständnis mit dem sozial- demokratischen Vertrauensmann des Wohlkreises ließ Wasewitz sich eine Quittung über 30 Mark ausstellen. Der ertappte Beamte wurde aus dem 44. Polizeirevierbureau eingeliefert, doch gelang es Wasewitz nicht, bis Personalien des Mannes zu ermitteln. Auch der Staatsanwaltschaft, an die Wasewitz sich nunmehr wandte, war eS mit dem besten Willen nicht möglich, dem beleidigten Sozialdemo- kraten Genugtuung zu verschaffen. Im Wahlverein des fünften Berliner ReichStagSwahlkreiseS wurde das Mitglied Karl Schneider am 20. Dezember 1901 als Angestellter der Kriminalpolizei entlarvt. Schneider war besonders beim Verbreite» von Flugblättern und ähnlichen Parteiarbeiten sehr rührig. Der„Vorwärts" meldete am 15. Januar 1903, daß ein Kriminalschutzmann sich bei einsm Redaktionsboten als Ober- b r a u e r eingeführt und ihn in Gegenwart des KrtminalwachtmeifterS Diener zu Spitzeleien zu verführen gesucht hatte. Der.Oberbrouer' hatte dem jungen Manne zunächst aufgetragen, gegen 60 Mark E»t- schädigung unter der Chiffre Reimann l postlagernd Postamt 61 Treubruch zu begehen. Der„Vorwärts" gab am Schluß der Mit- teilung— allerdings vergebens— bekannt, daß die 60 Mark gegen Legitimation aus seiner Geschäftsstelle abgeholt werden könnten. Am 6. März 1906 berichtete der„vorwärts", wie Kriminal- kommissar N e u m a n n für hundert Marl den Genossen Karl Fischer aus dem sechsten Berliner Rcichstagswahllreise zu Ver- rätereten verleiten wollte. Am 14. und 16. März 1906 teilte der„vorwärts" mit, wie der Kriminalschutzmann 3844, Ludwig Hemker aus der Arndtstraße 29 in Berlin, von Brüssel aus Spitzelberichte an seinen Vor- gesetzten schickte. Am 23. Mai 1906 brachte Bebel im Reichstag« zur Sprache, Wie Kriminalkommissar Schöne und ein gewiffer v. Brock- Husen einen russischen Kaufmann zu Berräterdiensten gegen sein Baterland zu bestimmen suchten, indem fie dem ohne Grund mit der Ausweisung bedachten Manne einen Reisepaß aus den Namen Fiedler ausstellten, auf welchem der Bedrängte, trotzdem er Jude war, als Christ bezeichnet wurde. Am 13. April 1907 teilte der„Vorwärts" mit, daß der Kriminal- schutzmann Paftl Dietrich im sozialdemokratischen Wahlverein des dritten Berliner Reichstagswahllreises als Spitzel entlarvt worden sei. So geht es weiter bis zu den fröhlichen Sängern im Zug« der Wahlrechtsdemonstranten, den Kriminalbeamten D r a b e r und K a s s u b-. deren Eifer Abgeordneter Richard Fischer am 22. Januar dieses Jahres im Reichstage schilderte und deren Vernehmung vor Gericht der LandgerichtSpräftdent am vorigen Mittwoch nicht für nötig erachtete. Auch ihnen werden weitere„Entdeckte" nachfolgen und Zeugnis davon ablegen, daß eine Staatsstütze von der anderen nichts weiß. Sie Pollzdattacfte gegen die Meitslolen. Albrecht. Lillae und Matuschek wurden wegen Aufruhr? zu je sechs Monaten Gesäng- nts. Piesker wegen Bedrohung mit zwei, ElSner und Engler wegen Beleidigung mit je einem Monat Gefängnis. Böhmer wegen Straßenpolizetkontravention zu drei Tagsn Haft verurteilt. Der dritte Verhandlung Stag, Donnerstag, brachte zunächst einen Nachtrag zu der Beweisaufnahme über die Vorgänge am Schiffbauerdamm sowie im Hau» des MetallarbeiterverbandcS. Vernommen wurde noch eine Anzahl Arbeiter vom Theaterbau. Daß im Neubau Polizisten auf einen Rohr- leger einschlugen, bekundet Stukkateur Senn. Der Mann habe keinen Versuch zur Gegenwehr gemacht. Maurer Krebs hat beobachtet, wie auf der Straße drei Personen, die sich in ein« Droschke htneinretten wollten, mit Säbeln aus der Droschke herausgehauen wurden. Er habe das nicht mehr ansehen können, darum sei er nach hinten gegangen. Dann seien Flüchtlinge in das Theater hineingelaufen und die Polizei sei mit geschwungenen Säbeln hinterher gestürmt. Er habe gesehen, daß ein Polizrioffizier auf einen ruhig dastehenden Rohrleger einschlug, „Wenn ich nicht so alt und erbärmlich aussah, hätte auch ich meine Wichse bekommen, davon bin ich überzeugt." Den Angriff gegen den wehrlosen Rohrleger bekundet auch der Tischler L e n i a e r, ein 61 jähriger Mann. Auf ihn selber habe der Hauptmann gleich. falls loshauen wollen, da habe er um Schonung gebeten. Maurer Schewe hatte am 21. Januar auf dem Theater nach Arbeit gefragt. Der V o r s i tz e n d t findet das wieder auffällig.„Wie kamen Sie gerade am 21. Januar dazu, da beim Theater anzu- fragen?" Der Zeuge erwidert, er sei mn Tage vorher be- schaftlgungöloS geworden, da habe man ihm empfohlen, einmal hier anzufragen. Als er den Bau wieder verließ, wurde er von einem Polizetoffizier über Kopf und Schulter geschlagen. Bauarbeiter Schäfer macht Bekundungen über den Zusammenstoß an der Kronprinzenbrücke, den er zufällig mit- angesehen hat. Der dort kommandierende Offizter habe gerufen: „Nun, Kerle, haut, was Ihr könnt!" Das sei dann auch befolgt worden. Polizei leutnant Maurer, der dort kommandiert hat, bestrettet, diesen AuS- druck gebraucht zu haben. Es sei zwar noch ein anderer Offizier bei ihm gewesen, aber der habe nicht zu kommandieren gehabt. Ein Schutzmann bestreitet gleichfalls, daß so kommandiert worden sei. Ueber die Vorgänge bor dem Theaterneubau bekundet der beritten« Schutzmann B u ch h o l z, eS sei erst nach den Stein- würfen und dem Schuß eingehauen worden. Im weiteren Ver- lauf der Verhandlung fühlt wieder Polizeihauptmann Schmidt das Bedürfnis, etwas zu erklären. Aus der Frage. stellung ersehe er immer wieder, daß Wert darauf gelegt werde, wohin gehauen worden sei. Daß die Hiebe auf den Rücken fielen, sei doch sehr erklärlich; die Geschlagenen hätten sich eben im ent- scheidenden Augenblick— umgedreht, um den Schlägen zu ent- gehen I Wenn so viele geschlagen worden seien, so zeige das nur, wie stark der Widerstand gewesen sei. Er selber sei mit großer Mäßigung vorgegangen, er habe z. B. den 61 jährigen Mann, wie dieser selber bestätige, nicht geschlagen. Herr Schmidt führte sodann aus, seine rollenden Augen und seinen schau- menden Mund könne keiner gesehen haben, da zu der Zeit bereits Tämmeruno herrschte Schließlich gab er noch eine„feierliche Erklärung" ab. ES wird, sagte er, behauptet, die Beamten seien ganz unmenschlich vorgegangen. Für unS Offiziere und für die Mannschaften gibt eS keinen schwereren Entschluß als den, von der Waffe Gebrauch zu machen. Auch wir sind Menschen, auch wir tragen ein Herz im Leibe. aber unsere ultimo ratio muß die Waffe sein. Ich bedaure, daß auch Minderschuldige und Unschuldige getroffen wurden, daS ist aber nicht zu vermeiden. Nach diesem HerzenSerguß des Hauptmanns Schmidt meldet sich Maurer H e u m«, der auf dem Reubau als Polier fungiert hat, und weist darauf hin, daß im Reubau keine Dämmerung geherrscht, soaberu Licht gebrann« habe und zwar stets auch am Tage. Der Vorsitzende findet diesen Widerspruch zu der Behauptung des Herrn Hauptmanns„un. wesentlich". Die Rechtsanwälte Dr. H e r z f e l d und Dr. Rosen- selb lassen von einer ganzen Reibe Arbeiter sowie vom Bauführer feststellen, daß es in dem Bau tatsächlich durchaus hell war. Aber Herr Schmidt bleibt dabei, daß eS tatsächlich dunkel war. Den Maurer Schewe, den ein Polizeioffizier im Torweg an der Straße niedergeschlagen haben soll, fragt Dr. Rosenfeld, ob eS denkbar sei, daß eS auch da dem Hauptmann dunkel vor den Augen war. Schewe verneint das. Sodann wird der Arzt Dr. Zadek vernommen, der den Kleinert einige Tage nach der Schlacht am Schiffbauerdamm unter- sucht hat. Zadek hat eine Reihe Verletzungen auf Rücken, Kops, Arm, Hand borgefunden, die offenbar von Säbelhieben herrührten. Zu den Vorgängen an der Kronprinzenbrücke macht nachträglich Poltzeileutnant Maurer noch die Aussage, von seinen Beamten seien nur„Jagdhiebe" ausgeteilt worden, Verletzungen habe es gar nicht gegeben. Bau- arbeiter Schäfer erwidert: es feien sogar Blutlachen da gewesen. Als Polizeihauptmann Schmidt angibt, er sei dt« Strecke abgeschritten und habe nur eine einzige„blntseuchte" Stelle gesehen, fügt Schäfer hinzu, es seien allerdings bald hinterher die Straßenreiniger zur Säuberung d,» Straße angetreten, so daß eine Frau gespottet habe, das sehe ja wie bestellte Arbeit aus. Schließlich wird noch HauSinspektor Hagedorn, der im ReichStagsgebäude angestellt ist, vernommen. Er habe beob- achtet, daß vom Theaterneubau Zurufe und Steinwürfe kamen. Die Polizei habe nicht eingehauen, wenigstens habe er nichts davon gesehen. Auch über den Sturm aus da» Metallarbeiter- Haus wurden noch einige Zeugen gehört. Radier Müller be- kündet, die Polizei sei angerückt, ein Offizier habe geschrien? „Die Hallunken müssen alle raus!" Tomasche k, der ahnungslos auf der Treppe vor einem Bureau wartete, fei mit Säbelhieben die Treppe binuntergctrieben worden, Blumenthal habe das als„unerhört" bezeichnt, dann sei er festgenommen worden. Dieselben Angaben macht Former G e h r t. Auch der Schutzmann P r e i ß, der auf Tomaschck einhieb, gibt diese Tat zu. Als Tomaschek ihm gegenübergestellt wird, ihn wiedererkennt und ihm vorhält, daß Vreiß ihm auch noch einen gußtritt cgeben habe, erklärt Preiß, Tomaschek habe fich widersetzt, er abe nämlich trotz Aufforderung nicht sofort das Hau? verlassen wollen, da habe er— die Waffe gegen ihn gebrauchen müsse». Wir sagte doch Polizeibauplmann Schmidt? ES gebe für die Polizei keinen schwereren Entschluß, al» den, vor der Waffe Ge- brauch zu machen! Di« Beweisaufnahme über die Schlacht am Schiffbauerdamm sowie über den Sturm auf da» Metallarbeiterhauö war hiermit beendet. ES folgt dann die nochmalige Vernehmung de» Angeklagten S n g l e r. der vom Reichstagsufer aus die Polizeibcamten„Blut- Hunde" geschimpft und gegen sie den Ruf„Haut siel" ausgestoßen haben soll, sowie der Angeklagten Böhmer und ElSner, die in der Gegend der Königgrätzer und Großbeeren-Gtratze bei der An. Näherung eine» ArbettSlosenzugeS nicht rasch genug der zum Weilergehen auffordernden Polizei gehorcht haben sollen. Gegen Engler. der daS ihm zur Last gelegte Verbrechen bestreitet, werden ein paar Kriminalbeamte, Leuthold und Drescher, als Zeugen vernommen. Sie haben ihn, ohne daß er es ahnte, be- obachtet und ihn dann später an anderer Stelle festgenommen. Wa» gegen Böhmer von Polizeibeamten bekundet wird, ist nicht sehr von Belang. Gegen ElSner wird von, Polizeileutnant Serenna der Vorwurf erhoben, daß er sich einer Bedrohung schuldig gemacht habe, indem er die Hand erhoben und„Haut ihn!" gerufen habe. - Hiernach wird die Beweisaufnahme geschloffen. Plaidoyeri� Zur Begründung der Anklage ergreist da? Wort der Staatsanwalt Toepffer. Seiner Ansicht nach hätten die Beweisaufnahmen schon nach Anhörung der Polizeibeamten geschlossen werden können. Der von der Verteidigung versuchte Beweis, daß die Polizeibeamten sick grober Uebergrifse schuldig gemacht hätten, sei mißglückt; im besonderen sei de» Polizeihauptmanns Schmidt Glaubwürdigkeit nicht erschüttert worden. Die Erregung der Schutzmannschaft sei zu begreifen gewesen: sie habe sich bereit» se-tt den WahlrechtSdemonstrattonen am 12. Januar in Alarm berettschakt befunden. ES stehe fest, daß Blut geflossen sei und auch Unschuldige geschlagen worden seien, aber bei solchen Gelegenheiten heiße eS eben: „Mitgefangen, mitgehangen." Von der Waffe sei nicht ohne Anlaß Gebrauch gemacht worden. Die Polizei sei ungeheuer langmütig, sie warte ungeheuer lange, ehe sie zu diesem letzten Mittel greife. Nach dicker Verbeugung vor der Polizei wandte der Staats- anwalt sich den Angeklagten zu. Ziel der Arbeitslosenzüge sei da» Stadtinnere gewesen womöglich die„Linden" und da» Schloß. von dem Zug, der den Schiffbauerdamm passierte, sei erwiesener. maßen Widerstand im Sinne de»§ 113 geleistet worden. Auch sei ein Schuß gefallen, der als tätlicher Angriff auf einen Beamten in Ausübung seines Amte» anzusehen sei. Nicht die Spur eines verdachte» liegt vor, daß e» fich bei diesem Schutz um „b e st e l l t e Arbeit' handle. Dieser Verdacht sei nur aufge- bracht worden, um die Polizei zu diskreditieren. Eingchauen habe die Polizei erst nach den Steinwürfen und nach dem Schuß. Albrecht, Lillge, Matuschek hätten an der öffentlichen Zusammen- rottung der Demonstranten teilgenommen und sich dadurch des Aufruhrs schuldig gemacht. Auch für die übrigen Angeklagten sei die Schuld im Sinne der Anklage erwiesen. Bezuglich der S t r a f a b m e s s u n g sei zu berücksichtigen, daß die meisten der Angeklagten noch unbestraft bezw. unerheblich bor- bestraft seien. Bei«lbrrcht. der anscheinend an keiner Versammlung teilgenommen habe, erscheine die niedrigste Strafe,« Monate Ge. fängniS, als ausreichend, dagegen seien Lillge und Matuschek mit ie 9 Monate Gefängnis zu bestrafen. 9 Monate Gefängnis bean- tragt« der Staatsanwalt auch gegen PieSker, der durch seinen Wider- stand die Tätigkeit der Polizei außerordentlich erschwert habe; ferner 1 Monat Gefängnis gegen ElSnee wegen Widerstand, ein Monat Gefängnis gegen Engl« wegen Beleidigung. 1 Woche Haft gegen Böhmer wegen Ueber tretung der Straßenorduung. Zur Befireitzigung ergreift zunächst Rechtsanwalt Dr. Hirzfeld � das Wort. Er schildert die Arbeitslosen-Versammlungen vom 21. Jan niiit, die ein unwiderleglicher Beweis für die in Berlin herrschende «rbeitslosigkeit gewesen und ruhig verlaufen seien. In den Ver» sainmlungen sei davor gewarnt worden, Demonstrantenzüge zu bilden. Trotzdem seien solche Züge entstanden, ohne jede Leitung und ohne jede Führung. DaS Gefühl der gemeinsamen Not und der Zusammengehörigkeit, daS sei die„Leitung" gewesen. Keine Aus- schreitung sei vorgekommen, während der Zug von der Gegend des .Kellerschen Lokals durch die Stadt marschierte— erst durch daS Eingreifen der Polizei sei der„Aufruhr" herbeigeführt und dieser Prozeß veranlaßt worden. Der innere Grund dieses ganzen Pro- zesseS sei der, daß die Polizei meine, daS Elend dürfe nicht öffent- lich gezeigt werden und dürfe vor allem nicht in die innere Stadt hinein oder gar vor das Schloß. Dr. Herzfcld beleuchtet dann die Beweisführung d«S Staatsanwalts, dessen Zivil zeugen wesentlich zur Entlastung der Angeklagten beitragen mußten. Die Aussagen der Polizeibcamten könne man nicht als objektiv ansehen, die Polizei sei in diesem Prozeß in hohem Grade persönlich engagiert. Das gelte vor allein vom Polizeihauptmann Schmidt, der, vom Mittagessen kommend, in den Neubau hineingestürmt sei und blind mit seinem Säbel zugeschlagen habe. Da» Zeugnis diese» Be- amten sei durch die Zeugen-der Verteidigung in vielen und wichtinen Punkten al» unzuverlässig nachgewiesen worden. Tie Beweisaufnahme� habe auch ergeben, daß von ilM auf dem Neubau eine ganze Anzahl Personen, die absolut nichts verbrochen hatten, mit dem Degen traktiert worden seien, und daß er sich in einer unbegreiflichen Aufregung befunden habe. Auf die Aussage eines solchen Zeugen hin könne der Ge- rrchtshof unmöglich objektive Feststellungen treffen und Leute, die noch nicht bestraft sind, auf 6 und 9 Monate in? Gefängnis schicken. ES sei durchaus nicht erwiesen worden, daß von dem Neubau Steine geworfen sind und e» sei von zahlreichen Zeugen bestätigt, daß schon vordem Schuß von den Schuhleuten eingehauen wurde. Und wie wahllo» ist gehauen worden! Den alten Grünkramhändler, der vor feinem Keller seine Aepfel rasch in Sicherhett bringen wollte, haut ein Polizetoffizier ohne jeden Grund über den Rücken! DaS ist ein Mißbrauch der Amtsgewalt, eine Körperverletzung im Amte, und es ist zu hoffen, daß die Polizeibehörde diesen Fall näher betrachten wird. Die Leute am Schiffbauerdamm wurden einfach in die Mausefalle getrieben; die Leute liefen davon und dcr hatten die Polizeimannschaften gar kein Recht, von der Waffe Gebrauch zu machen. Wenn eS trotzdem geschah, so befanden sicki die Leute in Notwehr gegen Ueberschreitung der Amtsgewalt. Die Vergänge in dem Hause Charitöstr. 3 spotten jeder Beschreibung. Da stürmen die Polizisten unter Hintansetzung aller gesetzlichen Bestimmungen über polizeiliche Durchsuchungen in ein Privat- hau», schlagen den Tomaschek cnfach nieder und führen Herr» Blumenthal ab. Den„Aufruhr" haben nicht die zunächst ganz friedlich einherziehenden Menschen hervorgerufen, sondern ganz andere Personen, und wa» die bedrängten Leute getan haben, haben sie doch nur in Verteidigung ihres Lebens und ihrer Ge- sundhcit getan. Die Leute haben in der Situation, in welcher sie sich befanden, eine bewundernswerte Selbstverleug- n u n g bekundet und e» ist ein wahres Wunder, daß nicht viel mehr passiert ist. Die hier Angeklagten haben mit einem„Aufruhr" und einem„Widerstände" sicherlich nichts zu tun gehabt und deshalb ist die Freisprechung geboten. Rechtsanwalt Dr. Heinemannt Gegen den Angeklagten ElSner ist nicht« erwiesen, ver- mutungcn deS Polizeileutnants reichen zur Bestrafung nicht aus. Was die drei ersten Angeklagten betrifft, so liegen die rechtlichen Voraussetzungen de» Aufruhrparagraphen durchaus nicht vor. Die Bekundungen der Schutzleute können nicht als Beweis« dienen. Erwiesen ist nur, daß ein Demonstrationszug stattgefunden hat. daß die Polizei ihn zu zerstreuen suchte, daß blank gezogen und daß geschossen und mit Steinen geworfen wurde. DaS ist alles. Ale» übrige, die Reihenfolge der einzelnen Akte, die Beteiligung d«S einzelnen usw. schwebt vollständig in der Luft und eS kann Klarheit darüber nicht geschaffen werden. Di« XatbestandSmerk- male des§ 115 St.-G.-B. liegen, wie der Verteidiger in längeren juristischen und tatsächlichen Ausführungen darzulegen sucht, nicht vor. Wer geschossen und geworfen hat, ist gar nickt feststehend und die Meinung, daß eS ein ageat provocateur gewesen sein kann, ist keineswegs so ganz abwegig. Jedenfalls ist es möglich und es können Leute gewesen sein, die mit den Demonstranten nicht das Mindeste zu tun hatten. Nicht erwiesen ist auch, daß„mit ver- einten Kräften" die Straftaten begangen sind. Nimmt man aber objektiv den Tatbestand einer„Zusammenrottung" an. so ist es dech nach der subjektiven Richtung einfach unmöglich, die drei ersten Angeklagten zu verurteilen. Wäre die Polizei den Demonstranten nicht entgegengetreten, so wäre die ganze Demonstration jedenfalls ohne jede Straftat verlaufen, wie ja auch der Polizeipräsident seinerzeit bei der WahltagSovation vor dem Reichs- kanzlerpalaiS anerkannt hat. daß diese ohne das Dazwischen- treten der Polizei gut verlaufen wäre. WaS das Verhalten der Polizei betrifft, so hat doch die Be- weiSaufnahme bedenkliche Dinge an den Tag gebracht— einerseits die Tatsache, daß in der mutwilligsten Weise auf Leute, die absolut nicht? verbrochen hatten, als daß sie flüchteten, losgeschlagen wurde, andererseits eine geradezu unglaubliche Selbstüberschätzung der polizeilichen Befugnisse, so daß man sich erstaunt fragen muß: wo leben wir denn eigentlich? Die rechtlichen AuS- führungen deS Staatsanwalts, wonach„Aufruhr' vorliegen solle, sind unzutreffend, denn eS wäre ganz willkürlich und jedem Rechts- gcfühl widersprechend, wenn man unterstellen wollte, daß die paar Handlungen, die überhaupt vorgekommen sind, von vornhereiu von den am Zuge beteiligten Personen beabsichtigt waren. Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld: Wenn man mit einem Wort den Prozeß charakterisieren will, S darf man nur sagen: Die Polizei saß hier auf der Anklagebank. ic Polizei wollte durch diesen Prozeß versuchen, sich zu reinigen, sie hat diesen Versuch aber mit untauglichen Mitteln und an un- tauglichen Objekten unternommen. DaS Blut der Verletzten klebt aber viel zu feit an den Händen der Schutzleute und deren Offiziere, als daß es möglich ist, eine solche Reinigung herbeizuführe». Das ist wohl der Eindruck, den jeder unbefangene Zuhörer von diesem Prozeß empfangen hat. Die Polizei ist eben in einer Weise verfahren, die jeder Beschreibung spottet...— Vorsitzender: Ich will ja die Verteidigung nach keiner Richtung hin beschränken, aber ich kann nicht dulden, daß hier Beleidigungen gegen die Polizei aus- gesprochen werden.— Verteidiger s fortfahrend): Mir fehlen eben die passenden Ausdrücke, um das Vorgehen der Polizei treffend zu charakterisieren. Ich muß eben Ausdrücke wählen, die zwar etwas scharf ftnd. aber den Tatsachen entsprechen. Wenn am 21. Januar sich Leute„zusammengerottet" haben, um„Gewalttätigketten" zu begehen, so können da» nur die Schutzleute gewesen sein. WaS soll man dazu sagen, wenn man hört, daß die Schutzleute auf dem Bau über völlig wehrlos« Menschen, die arbeiten und um ihr täglich Brot kämpfen, herfallen und sie blutig geschlagen haben? ES waren die» Leute, die nichts mit dem Zuge zu tun gehabt hatten. Nur die Polizei allein war es, die diese Unruhen und Schreckens» szenen herbeigeführt hat. Dcr Verteidiger kritisiert minmehr in eingehender und zum Teil sehr scharfer Weise da» vorgehen der Polizei. Er schildert, wie «uf Wehrlose eingehauen wurde,-sogar auf einen Mann, der einen Verwundeten wegbringen wollte, und dem man sogar»ni Kriege da» Recht auf Schutz gewährt. Er liezeichnete den Ruf: „Run, Leute, haut, wa» Ihr könnt!" als„himmelschreiende Brutalität". Nur die Polizei habe die Unruhen verschuldet. Und dieselbe Polizei, die so belastet dastehe, habe in diesem Prozeß Zeugnis abgelegt, und da» genüge nach Ansicht des Staatsanwalts. Am anfechtbarsten sei daS Zeugnis des Polizeihauptmanns Schmidt, das se: im Laufe der Verhandlung kl« hervorgetreten, Dr. jfenfelb erörterte dann eingehend die eigentümlichen Ilmstände. Miter denen der Schuß abgegeben worden ist, und bezeichnete ihn -ls das Werk eines Spitzels. Ein Interesse an diesem Schuß könne keiner gehabt haben, der es mit den Arbeitslosen jut meinte. Gerade den Arbeitslosen habe daran liegen müssen, daß Gewalttätigkeiten der» mieden würden. In juristischen Ausführungen suchte der Verteidiger nachzuweisen, datz es sich am Schiffbauerdamm nicht um eine öffentliche Zusammenrottung gehandelt habe und daß auf seilen der Demonstranten höchstens ein Notwehrakt vorliege. Daher sei die Anklage auf Aufruhr hinfällig und es müsse Frei- sprechung erfolgen Bei den Angeklagten P i e s k e r beantragte dessen Verteidiger Referendar Plonz Freisprechung. ES liege höchstens der- suchter Widerstand vor. und der sei straflos. Urteil: Nach anderthalbstündiger Beratung verkündet der Vorsitzende folgendes Urteil: Das Gericht stellt sich auf den Standpunkt, daß es gar nicht nötig war, alle Zeugen zu vernehmen, zumal der Vorfall in der Charitestraße in gar keinem Zusammenhange mit den zur Anklage stehenden Vorfällen steht. Das Gericht stellt außerdem fest, daß der Polizeihauptmann Schmidt keinesfalls derartig aufgeregt war. daß man hieraus einen Rückschluß auf seine Glaubwürdigkeit be- züglich seine? Vorgehens auf dem Neubau ziehen könnte. Es muß anerkannt werden, daß das Bild, das die Beweisaufnahme ergeben hat. kein sehr einheitliches und klares ist. ES steht die Aussage der Polizei gegen die der Bauarbeiter und der übrigen Versonen. Die Bekundungen der Bauarbeiter können als uninteressiert nicht bezeichnet werden, da sie sich, wie festgestellt ist, selbst sehr rege an den Vorgängen beteiligt haben. Diese Bekundungen tragen zu sehr den Stempel der Ucbertreibung und der mangelnden Ob- jektivität an der Stirn. Es kann natürlich nicht etwa behauptet werden, daß diese Leute auch subjektiv die Unwahrheit gesagt haben. Es hat den Anschein, als sei der Zug, all er von der Kronprinzen- brücke zurückkam, erst durch aufhetzende Zurufe von dem Neubau aus, zum Stillstehen gebracht worden. Die Frage, in welchem Augenblick der Schuß abgegeben ist, hält das Gericht nicht für klargestellt. ES ist vielmehr nicht widerlegt, daß der Schuß erst später gefallen ist, nachdem schon von der Waffe Gebrauch gemacht worden war. Dagegen hält das Gericht cS für festgestellt, daß ein S t e i n w u r f aus vem Neubau die Vcran- lassung zu dem Vorgehen der Beamten gewesen war. Bezüglich der ersten drei Angeklagten hält das Gericht die Tatbestandsmerk- male des Z 115 für festgestellt. Die Begründung prüfte dann im einzelnen, ob die Tatbestands- Merkmale von§ 115 vorliegen. Die Frage der öffentlichen Zu- sammenrottung sei zu bejahen. Eine gewisse Führung sei vorhanden gewesen, der Zug habe sich nach einem gemeinsamen Ziele bewegt, also liege gemeinsames Handeln vor. Ein solcher Zug ohne polizeiliche Anmeldung sei an sich schon ver- boten. Den ganzen Umständen nach sei zu befürchten gewesen. daß der In der Menge befindliche Explosionsstoff sich entladen würde. Ucber die Ungefctzlickikeit konnten die Teilnehmer daher nicht im Zweifel sein. Mindestens sei mit dem dolus eventualis zu operieren. Außer Betracht müsse bleiben, was vom Neubau aus an ungesetzlichen Handlungen begangen worden sei. Solche seien aber auch auf der Straße begangen worden sei. Solche seien aber auch auf der Straße begangen worden. Die An- nähme, daß den Schuß ein Spitzel abgegeben habe, sei miS- geschlossen. Warum hätte der Schuß, der einem Schutzmann lebensgefährlich werden konnte, von einer der Polizei nahe- stehenden Person abgegeben werden sollen? Die Teilnahme der Angeklagten sei erwiesen, sie seien in der Menge ge- wesen, doch hätten sie keinen Ausweg gehabt. Allerdings hätten sie schon vorher dieser schwierigen Lage aus dem Wege gehen können. Von einem Notwehrakt könne keine Red« sein. Die Polizei sei zum Waffcngebrauch befugt gewesen; wie weit sie llabei gehen durfte, sei nicht zu erörtern. Gegen befugte Ausübung der Amtsgewalt dürfe sich keiner wehren. Ob sie auch in das Metallarbeiterverbandshaus eindringen durfte, könne nach Ansicht deS Gerichtes als zweifelhaft gelten. Aber das komme hier nicht in Betracht. Bezüglich des Strafmaßes sei bei den drei ersten Angeklagten nicht über das niedrigst« Straf- maß hinausgegangen worden, weil sie zum Teil noch unbestraft seien; gegen Albrecht, Lillge, Matuschek sei wegen Auf- ruhrs auf je L Monate Gefängnis erkannt worden unter Anrechnunavon 2 Monaten auf die Untersuchungshaft. P i e s k e r sei wegen Widerstandes mit 2 Monaten Gefängnis zu be- strafen, die durch die Untersuchungshaft verbüßt seien. E l s n e r sei wegen Widerstands mit einem Monat. Engler wegen öffentlicher Beleidigung mit einem Monat zu bestrafen, Böhmer wegen Ucbertretung mit 3 Tagen Haft. Die Verteidiger der Angeklagten Albrecht. Lillge. Matuschek beantragten Entlassung aus der Untersuchungshaft. Der Staatsanwalt widersprach, weil die Angeklagten arbeitslos seien und daher Fluchtverdacht vorliege. Das Gericht lehnte mit derselben unbegreiflichen Begründung den Antrag auf Haftentlassung ab. Agitations- Kalender. Februar. Der Wahlrechtskamps. 8. Gegen 17 Mann, deren Personalien die Polizei am 10. und 12. Januar festgestellt hat. ist Anklage erhoben wegen angcb- lichrn Widerstandes gegen die Staatsgewalt. Der Kriminalbeamte Kassube. der ebenfalls von der Polizei mit Säbel- hieben traktiert worden ist, befindet fich nicht unter den An- geklagten. 24. Die Tilsit« r Staatsanwaltschaft hat gegen Genossen Safer und drei andere Genossen, die steh am 12. Januar an der !ahlreckitsdemonstration in Ttlfit beteiligt haben. Anklage wegen LandfriedensbruchS erhoben. Gleichzeitig haben drei Vor- standsmitglieder des sozialdemokratischen Verein? ihre E n t- lassung aus ihrem bisherigen Arbeitsverhältnis erhalten. Einer derselben gehört mit zu den Angeklagten. Deutsche Rechtspflege. 17. Genosie Früngel in Elbing, Beamter deS Metall- arbeiterverbandes, hat in Flugblättern und in einer Rede behauptet, daß die häufige» Unfälle auf der Werst Schichau den Zuständen ge- schuldet seien, die dort herrschen, und daß die Firma Hungerlöhne zahle. Er ist deshalb der Beleidigung angeklagt� natürlich vom Staatsanwalt„im öffentlicken Jnterefie�. Durch die Beweisaufnahme wird festgestellte Entgegen der Ge- pflogcnheit in anderen Wersten waren Bretter statt eiserner Kästen zum Absteifen der Formen genommen,- e« wurde statt nur aus einem auS zwei Stopfen gegossen, der Boden war nicht fest ge- stampft, noch mit eisernen Platten ausgelegt, der Schnee war nicht stets von den Stellagen und vom Dock weggeräumt, auch nicht stets gestreut. Bin Balanzierer wurde nicht benutzt. Es wurde viel in Akkord gearbeitit. A»f allen Wersten mit Ausnahme de? Danzig- Elbinger Bezirkes ist die v'/�ftüiivige Arbeitszeit eingeführt. Für Ueberarbeit wird nur von Schichau kein Zuschlag gezahlt. Es werden Arbeitszeiten bis zu 3<> Stunden hintereinander festgestellt. Löhne werden festgestellt von 18—25 Pfennig pro Stunde. Der Staatsanwalt erwidert auf den Hinweis des An- geklagten, der bei seiner Annahme, daß die Schichausche Werst mehr Unglücksfälle aufweise als die Werften im Westen, fich auf das Reichs- arbeitsblatt stütze: DaS ist doch aber kein amtliches Blatt. Der Gewerberat Goebel korrigierte diesen Irrtum deS Staatsanwalts. Der Vorsitzende äußerte auf die Be- tundung hin, daß die Nichlbenutzung der Balance ungerügt geblieben ist:„Dazu lag ja wohl auch keine Veranlassung vor. weil noch kein Unfall passiert war." Nach der Konstatierung, daß infolge deS NichtwcgräumenS deS Schnees von den Stellagen und vom Dock ein schwerer Unglücksfall sich ereignete, bemerkte der Verhandlungs- leiter: wenn einmal nicht gefegt wird, so ist das eben darauf zurück- zuführen, daß nicht alles zu gleicher Zeit gemacht werden kann oder auch die Arbeiter einmal nachlässig find. Ferner meinf der Bor- sitzende wiederholt: wenn ein Arbeiter.steilvillig� Arbeit mit geringen Löhnen annimmt, könne man nicht von Hunger- löhnen reden. Resultat: 6 Monate Gefängnis. 17. Vor dem Landgericht I Berlin ist der Schutzmann Christian angeklagt der Beleidigung, Mißhandlung und unberechtigte.» Arretierung einer anständigen Frau, die vor dem Bahnhof Alcxanderplatz auf ihren Mann wartete. Er hat sie wiederholt„Du Sau" und noch schlimmeres geschimpft, hat den Säbel gezogen und ste zweimal über daö Kreuz geschlagen und sie zur Wache gebracht. Ein Zeuge hat gesehen, daß er die Frau sogar schamlos angegriffcu hat. Resultat: 100 M. Geldstrafe. 27. Wegen eines gänzlich unbeachtet gebliebenen Zeitung»- artike IS, in welchem das Reichsgericht eme Aufforderung zum Hochverrat sieht, wird der Former Rudolf Oe st reich, Redakteur des anarchistischen„Freien Arbeiter", zu 3 Jahren Zuchthau» und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. DaS Reichsgericht hat den Mut. tn der Begründung deS Urteils zu behaupten, Oestreich habe ehrlos gehandelt. Am 22. Januar d. I. erfchiem im„Vorwärts" ein Artikel unier der Ucberschrift:„Ein licberfall auf das Mctallarbciterhaus". Wegen der Nebergriffe, deren sich damals die Polizeibeamten unter Führung deS Hauptmanns Schmidt schuldig machten, war Anzeige erstattet worden. Nunmehr ist vom Ersten Staatsanwalt des Landgerichts eine Antwort eingegangen, daß gegen— Genossen Blumen- t h a l, der die Polizei auf ihr rechtswidriges Vorgehen aufmerksam gemacht und deshalb mißhandelt und zur Wache ge- schleppt wurde, Anklage wegen Bcamtcnbclcidigung und Wider- standö gegen di« Staatsgewalt erhoben worden ist! Soziales. 1. Ueber die neuen Ausweispapiere für aus- ländische Arbeiter, die seit dem 1. Februar zunächst für die aus Rußland, Oesterreich-Unganr usw. kommenden Arbeiter ein- geführt werden, teilt das.Ministerialblatt für die innere Ver« waltung" mit: E« sind an den russischen und österreichischen Grenzen 2S Grenzämter errichtet worden, in denen sprachkundige Beamte auf Grund der fremdländischen Heimatspapiere der Arbeiter Legitimations- karten in deutscher Sprache ausfertigen. Diese Karten sind für die polnischen Arbeiter von roter Farbe, für die ruthenischen gelb, für die übrigen Arbeiter weiß. Bei ordnungsmäßiger Lösung des Arbeitsverhältnisses ist die AuSweiskarte aus den neuen Arbestgeber umzuschreiben. Diejenigen Arbeiter, welche eine Legitimationskarte nicht besitzen und auch nicht erlangen können, find auszuweisen. Ein Zwang zur Karten- beschaffuug soll an der Grenze nicht ausgeübt, dagegen sollen die ausländischen Arbeiter über die Bedeutung der Karten und über die Nachteile, welche die Nichtbcschaffung zur Folge hat, aufgeklärt werden. 4. Der„Reichsanzeiger" veröffentlicht den 31 Paragraphen um- faffenden, dem Bundesrat zugegangenen Gesetzentwurf über Ärbeitskammern. Der Gesetzentwurs schafft keine Arbeiter- k a m m e r n, keine Vertretung von Arbeitern, sondern ans so- lzenannter paritätischer Grundlage aufgebaute, im wesentlichen ledig- lrch begutachtende Kammern, in denen die Arbeiter im besten Fall eine dekorative Rolle spielen. Die Arbeiter sollen nicht durch geheime Urwahlen � gewählt werden, Arbeiterorgani- sationen, denen Arbeiter ihr Vertrauen schenken, sollen nicht berücksichtigt werden, sondern— Arbeiterausschüsse. Nach dem Entwurf sollen Frauen nicht wählbar sein. Die Arbeitskammer» sollen nicht die gesamte Arbeiterklasse umschließt». Ausgeschlossen von der Tdlnahme sollen die im Handel und Verkehr, in der Land- und Forstwirtschaft, in der Fischerei und Schifferei, im Eisenbahnbetriebe beschäftigten Arbeiter, Bureauannestellte, Gärtner und andere sein. Ein Kriegsveteran von 1860 und 1870/71 wurde dieser Tage als Gemetndearmrr im Pferdestall eines Bauern in Rcichsdors lNicderbayeni) tot aufgefiiudcn.„Er wurde beerdigt", berichtet kurz die bürgerliche Press« und sie hält es nicht einmal der Mühe wert, seinen Namen zu nennen. Aus Keer und Flotte. 1. DaS Kriegsgericht der Aufklärnngsflotte zu Kiel bmirteilt die Heizer Jensen und WiSnewski vom Panzerkreuzer„Jork" wegen Aufruhrs zu 5 u»d 6>/g Jahren Zuchthaus. Der„Auf- rühr' bestand in der Anrempelung eines Maaten in einer Kneipe, bei der ei» Waffengebranch nicht stattfand. 12. Der Musketier Weiß von der 10. Kompagnie des dritten Bataillons deS Jnfanterie-Regiments Nr. 41 in M e m e l desertierte am 24. Januar d. I. au« der Kaserne und blieb längere Zeit ver- chwunden. Endlich, am 3. Februar abendS, wurde er t» einem geradezu Schaudern erregenden Znstande entdeckt. Man fand ihn w einem tief ausgehöhlten Eirohhaufen fast bewußtlos siegen. Seinen Durst konnte er nur nachts stillen. Er schlich sich dann an die Pumpe und trank von dem eiskalten Wasser auf 24 Stunden Vorrat. In den ersten Tagen seine» Aufenthalts in der Scheune herrschte be- sonders naäus starker Frost. Jnsolgedeffen erfroren de« Flüchtling zuerst die Füße und dann die Beine di» zu de» Knien. Nun konnte er auch nickt mehr des Nachts nach der Pump« gehen, sondern mußte, die erfrorenen Glieder nachschleifend, aus Händen und Knien rutschen, um zur Pumpe zu gelangen. Die erste Frage. die man allseitig an ihn richtete, lautete:„Was hat Sie denn ver- anlaßt, sich solche grausame, unmenschlich« Qualen aufzuerlegen?" Er antwortete:„Ich bin schrecklich gemißhandelt worden in der Kaserne und konnte es dort nicht länger aushalten." Auffallend ist es, daß bei diesem Memeler kleinen Truppenteil innerhalb zweier Monate diese» der dritte Fall von Desertion von Soldaten ist l Vor etwa zwei Monaten flüchtete ein Soldat der 12. Kompagnie aus der Kaierne und warf fich vor den in voller Fahrt befindlichen Kleinbahnzug, der ihn tötete. Vor etwa zehn Tagen desertierte ein Soldat der 9. Kompagnie dieses Bataillons, den man bisher nicht gefunden hat. Er soll nach England ent« kommen fem. Aus der„hohen- Politik. 27. DaS preußische Herrenhaus nimmt das GnteigunngS- gesetz gegen die Polen mit 143 gegen III Stimmen in einer der Regierung zusagenden Fassung an. Vorgeschlagen ist diese Fassung von dem bürgerlichen Frankfurter Oberbürgermeister A d i ck e s. Die Annahme des Gesetzes gelingt nur, weil die Vertreter des Bürgertnois die Bürgermeister und Professoren in ihrer über- wiegenden Mehrheit dafür stimmen» während die Vertreter de» Adel» da» Gesetz ablehnen. Gegnerische Parteien. 1. Der Vorsitzende der württembergischen Volkspartei, Dr. ElsaS, veröffentlicht im Stuttgarter„Reuen Tagblatt' einen Ariikel, worin er zur Bildung eine» Blocks gegen den Bülow-Block auffordert. Er richtet fich gegen das geplante Reichs» B e r e i n S g e f e tz, das für Württemberg eine wesentliche Ver- schlechterling bedeutet, und damit zugleich gegen die sieben ReickStagsabgeordneten der Äolkspartei unter der Führung des Abg. P a y e r. Dr. ElsaS erklärt eS„positiv auZ- geschlossen, daß ein volksparteilicher Reichstagsabgeordneter einem Entwurf zustimmt, an dessen juristischem Kleid auch ein reaktionärer Zipfel sichtbar ist." Herr v. Payer aber hat schon vorher öffentlich lund getan, sowohl die polizeiliche Neberwachung der Versammlungen, als auch die AuslSsungSbcfugni» der Polizei zu schlucken. 3. Auf den Artikel deS Dr. Elsas antwortet daS führende Organ der württembergischcn Volkspartei, indem eö den von schwerer Krank- heit genesenen Vorsitzenden der Partei verhöhnt: die abgeschlossene Lust eineS Krankenzimmers sei offensichtlich vorurteilsloser Ab- wägung nicht zuträglich, noch weniger sei von ihr aus eine richtige Beurteilung der augenblicklichen Lage möglich oder gar daS Kam- mando zu einem Aufmarsch der anderen. Sodann spricht das Blatt nochmals die Bcrcitwilligkcst aus, einer Verschlechterung des württem» bergischcn Rechts zuzuftimmc».„Die Reichstagsabgeordneten der Partei werden, wir wissen daS, sämtlich der befremdenden An- regung leinen„Block" sämtlicher württembcrgischer Reichstags- abgeordneten aller Parteien zum Schutze der württembergischen Vottssreiheit zu bilden) keine Folge leisten." 5. In den geeinten linksliberale» Parteien beginnt eine Aktion, um die Herren Barth und G e r l a ch htiiauözudrängel«. 6. Barth erklärt in einen« offenen Brief seinen Austritt«mS dem geschäftsführenden Ausschuß der Freisinnigen Bereinigung, an- geblich um für„eine scharfe, offene Kritil innerhalb der«genen Parte» freien Raum zu haben."— Mit ähnlicher Begründung erklärt auch Gerlach seinen Austrttt auS dem Ausschuß. Bürgerliche Bildung. 17. Die von liberalen Männern geleitete„Gesellschaft zur Verbreisting von Volksbildung" hat fich die Ungnade de» preußischen KulwsmimsterS Holle zugezogen, weil ste u. a. Schriften von Darwin. Häael und B ö l s ch e verbreitet. Im Abgeordneten- hause erklärt der Minister, wenn er die Gesellschaft empfehlen solle, so müßten ihre Schriften»in jeder Beziehung tadel- los" sein. Die liberale Leitung der Gesellschaft die übrigens im Jahre 1871 zum Zweckt der Bekämpfung der Soztaldemo- k r a t i e gegründet worden ist— gibt hierauf bekannt, daß sie die Schriften, die de« Minister nicht gefallen, ausmerzen werde. 23. Der Zentralausschuß der„Gesellschaft zur Verbreitung von Volksbildung" hält eine Sitzung ab. Der Vorsitzende, Prinz Heinrich zu Schönaich-Carolath, spricht seine Freude aus. daß der Konflikt in einer für die Gesellschaft durchaus annehmbaren Weise beigelegt worden sei. Darauf spricht der genwalauSschuß dem Herrn Vorsitzenden mit allen gegen zwei Stimmen seinen wärmsten Dank aus. Ausland. 1. DaS Amtsblatt zu L i f s a b o n veröffentlicht ein bereit» an» gekündigtes Dekret über die Ausweisung verdächtiger Personen oder ihre Deportation in die Kolonien! Das Dekret schafft die parlnmen- tarische Immunität ab! DaS Dekret wird auch aus die„Ver- brechen" angewendet, die seit dem 21. November 1907 begangen woroen sind! Als der K ö n i g b o n P o r t u g a l mit seiner Gemahlin und seinen beiden Söhnen abends im offenen Wagen zum Schloß fährt, werden plötzlich aus der Menge heraus Schüsse auf den Wagen abgegeben. Der König und der Kronprinz wurde» mehr- fach getroffen und starben dald darauf. Derzweite Sohn des Königs, Dom' Manuel, erhält einen Streifschuß am Arm, die Königin bleibt un- verletzt. Die Polizei schießt blind in die Menge und tötet drei Personen, darunter einen unschuldigen Barbiergehülfen, der sich auf einem GeschästSwcg befindet. Die beiden anderen Toten bleibe» unbekannt, und dw Polizei kann nun behaupten, daS seien die Attentäter. LrUkkakten der Redahtion. 91« jnrlftisific Sprechstunde finde» Liudenstrahe Nr. 3, zweite» Hof, dritter Eingang, vier Treppen, IW F a h r st u h l-MW wochentiiglich abends von?>/, di«»>/, UI>r statt. Geöftnet 7 Uhr Sonnabend» beginnt die Sprechstiiude»m/z Uhr in der Andreasstraße. Dort stieß der Sprengwagen 296 mit dem Straßenbahnwagen 16 144 der Linie HI so scharf zusammen, daß der Kutscher des Sprengwagens, Schulz auS der Palisadenstr. 46, vom Bock geschleudert wurde und bewußtlos liegen blieb. Er wurde mit schweren Verletzungen am Kopf nach der Linkschen Klinik gebracht. Großfeuer kam in der letzten Nacht kurz vor S Uhr am ReichStagSufer 16 Ecke der Neustädtischen Kirchstraße. gegenüber dem Bahnhof Friedrich-' straße, aus noch nicht ermittelter Ursache zum Ausbruch. Als die Feuerwehr, fast gleichzeitig von v i e r S e i t e n alarmiert, ander Brandstelle ankam, stand dort der Neubau des.Elite-Hotels" in großer Ausdehnung und an mehreren Stellen in Flammen. Ueber den Brand, der großen Schaden verursacht hat und bei dem leider drei Feuerwehrmänner vom 19. Zuge aus der Mauerstraße lebensgefährlich verletzt wurden, wird uns berichtet: Die ersten Lösch- züge fanden bei ihrem Eintreffen schon einen ausgedehnten Brandherd vor. Es brannten das Haupttreppenhaus, Teile de? vierten Stock- Werkes und des Dachgeschosses von dem monumentalen Neubau, der seiner Fertigstellung entgegen ging. Die Flammen hatten an dem dort fertigen und halbfertigen Bautischlerarbeiten usw. reiche Nahrung gefunden. Die Treppen, das Gebälk, die Fußböden, die Verschalungen, Fenster und Türen, kurz alle Holzteile und brennbaren Gegenstände brannten bereits lichterloh. Branddirektor Reichel, der auf die Meldung von dem Brande des„Elite-Hotcls" sofort mitausgerückt war, ließ mit allen verfügbaren Kräften über fünf große mechanische Leitern und sämtliche Treppen angreifen. Die 5. und 4. Konipagnie gab mit 19 Schlauchleitungen von Dampfspritzen Wasser. Mehrere Dampfspritzcn entnahmen das Wasser direkt aus der Spree, die übrigen wurden aus der Wasserleitung und Brunnen gespeist. Eine tausendköpfige Menschenmenge sah von dem gegenüberliegenden Ufer, dem Schiffbauerdamm, dem grandiosen Schauspiele zu. Stunden- lang hatten die Züge 13, 14, 16, 17, 18, 19 und 29 zu tun, um die immer wieder bald hier bald dort mächtig emporlodernden Flamme» zu löschen. Gegen Va? Uhr stürzte plötzlich das obere hölzenie Treppenhaus der Haupttreppe ein Die Treppenläufej waren durch- gebrannt, fielen herab und begruben leider mehrere darau stehende Feuermänner unter sich. Sofort wurden sie von Kameraden hervorgeholt. Drei hatten aber so schwere Ver- letzungen erlitten, daß sie unverzüglich fortgeschafft werden mußten. Oberfeuermann Rothe, ein tüchtiger und braver Angehöriger der fünften Kompagnie, wurde mit dem Feuer- mann Hoppe nach der Charitö gefahren. Rothe hatte Ouetschungcn der rechten Schulter und kleinere Brandwunden, Hoppe einen Bruch des rechten Oberschenkels, Brandwunden ersten und zweiten Grades an beiden Händen und im Gesicht sowie Quetschungen erlitten. Der dritte, Feuermann Lewerenz war noch schwerer verletzt. Er halte Brandwunden zweiten Grades im Gesicht und beiden Händen, am Rumpf und beiden Beinen erhalten. In der königlichen Klinik in der Ziegelstraße, wohin er sogleich gebracht worden war, wurde sein Zustand als nicht unbedenklich erachtet. Seine kräftige Konstitution und die Pflege in der Klinik lassen aber Hoffnung auf Genesung zu. Alle drei haben Familie. Im Laufe des TageS sind noch zwei Feuermänner unter der Eintvirkung der Hitze, des Qualms und der Anstrengungen erkrankt. Gegen 8 Uhr, nach dreistündiger angestrengter Löscharbeit konnte ein Teil der Feuerwehr wieder abrücken. Die übrigen Züge wurden dann abgelöst, um die Ablöschung und Ausräumung zu über- nehmen. Die Eröffnung des„Elüe-Hotels" ist durch den Brand ver- zögert worden. Das Treppenhaus, der Dachstuhl mit dem vierten Stock müssen enieuert werden; die unteren Geschosse haben durch Wasser gelitten, doch ist der Wasserschaden geringer, als man anfäng- lich annahm. Außer diesem Feuer hatte die Wehr noch einen größeren Brand um dieselbe Zeit in der Bornholmer Straße 43, nahe Pankow, zu löschen. Dort stand ein Stallgebäude in Flammen. Die Pferde des Fuhrherr» Hannschen konnten nur mit großer Mühe gerettet werden. Der 3� Zug mußte mit mehreren Schlauchleitungen Wasser geben. um die Flammen, die an der Furage reiche Nahrung gefunden hatten, auf das Stallgebäude zu beschränken. Der 5. Zug hatte nachts uin 1 Uhr in der Annen-Siraße 15 zu tun, wo der Dachstuhl des Ouergebäudes in halber Ausdehnung brannte. Die Entstehung und Ausdehnung dieses Brandes läßt auf Brandstiftung schließen. Festzustellen war sie indes nicht mehr. In einem dritten Fall war die Feststellung der Brandstiftung noch möglich und zwar bei einem Bodenbrande in der Königsberger Sttaße 11. Der siebente Zug aus der Memeler Straße war so schnell zur Stelle, daß die Flammen auf ihren Herd beschränkt werden konnten. Nachdem tüchtig Wasser gegeben worden war, entdeckte man zwei räumlich von einander ge- trennte Brandherde in den Bodenverschlägen. Der alte Haus- rat der Mieter war zusammengetragen und dann an- gesteckt worden. Von dem Täter fehlt noch j e d e Spur. Ferner hatte die Wehr noch in der Sebastianstr. 71 mit einem Fuß- boden- und Balkenlagerbrande zu tun. In der Lessingstt. 23 war auf einem Hängeboden Feuer ausgekommen und in der Schöneberger Straße 16 mußte ein kleiner Wohnungsbrand gelöscht werden. Der Brand einer Schlosserei beschäftigte den 7. Zug in der Palisaden- straße 77. Weitere Brände wurden gestern ans der Fruchtstr. 26 {Keller), Perleberger Straße 86, Mtttelstr. 11 und verschiedenen anderen Stellen gemeldet. Wie später noch gemeldet wurde, ist der verletzte Feuerwehrnrann Lewerenz von 5. der Kompagnie um l Uhr seinen schweren Verletzungen in der königl. Klinik erlegen, ohne seine Familie noch einmal wieder gesehen zu haben._ Ein zweiter großer Brand beschäfsigte gestern die 4. Kompagnie in der Lynarstt. 19 auf dem Wedding. Dort stand um 1 Uhr nach- mittags der Dachstuhl des großen Eckhauses in Flammen. Brand- inspektor Julius ließ sofort vom 16. Zuge angreifen. Die übrigen Züge aus Moabit und der Tieckstraße unterstützten später den An- �riff. Mit fünf Rohren wurde gelöscht und dadurch eine weitere lnsdehnung verhütet. Der Eckturm des Hauses am Sparrplatz und der Lynarstraße stürzte nach etwa einer halben Stunde krachend in die Glut, zum Glück ohne Personen zu verletzen. Um 3 Uhr wurden die Mannschaften, die zum Teil schon am ReichStagSufer 16 tätig gewesen waren, durch andere von der zweiten und fünften Kompagnie abgelöst. Die Entstehung konnte nicht mehr mit Sicherheit estgestellt werden, doch liegt zweifellos auch hier wieder Brand- stiftung vor. denn kurz vorher soll der Boden revidiert worden sein, ohne daß Verdächtiges bemerkt worden war, und gleich darauf brannte es schon an allen Ecken und Enden. Unglück oder Verbrechen? Gestern morgen ist am Junafernsteg in Plötzensee die Leiche eines in mittleren Jahren stehenden pol- nischen Arbeiters gelandet worden, an der man drei Verletzungen konstatierte. Der Amtsvorsteher benachrichtigte sofort die Berliner Kriminalpolizei, da er der Meinung war, daß ein Mord oder Totschlag vorliege. Wie nun der Gerichtsarzt feststellte, verlaufen die VerletzungenparallelundrührenvoneinerSchiffsschraube her. Wie man ferner feststellen konnte, hat der polnische Arbeiter, der übrigens seit etwa drei Wochen vermißt wird, am Luisen-Ufer mit drei anderen polnischen Arbeitern auf einem Prahm zusammen gearbeitet. Dort haben sie auch genächtigt. Anscheinend ist der Mann nachts aufgestanden und ins Wasser gefallen, da er nur mit einem Hemde bekleidet war. Etwas näheres wird erst die Vernehmung der drei Arbeiter ergeben, die vorläufig in Haft genommen find. Im wissenschaftliche» Theater der Urania wird am Sonnabend. abends 8 Uhr Herr Professor Dr. Donath über die neueren Fort- schritte der Farbenphotographie und ihre physikalischen Grundlagen sprechen. Ueber den größten Teil der Plätze ist bereis verfügt. An demselben Tage, nachmittags 4 Uhr wird der Vortrag„Ueber den Brenner nach Venedig" zu kleinen Preisen gehalten werden. FriseurhandwerkSzeug ist von einem Friseurgehülfen am Mittwoch in der Stadtbahn(Nordring) vergessen worden. Der ehrliche Finder wird gebeten, die Gegenstände an Schulz, Boxhagen-RummelSburg, Sonntagstr. 4 abzugeben. Vorort- JVachricbtem Wilmersdorf. AuS der Stadtverordnetmversammlung. Für den Wettbewerb zur Erlangung eines Bebauungsplanes für Groß Berlin, der von der Vereinigung Berliner Architekten angestrebt wird, werden 165 999 M. notwendig, wovon Berlin die Hälfte übernimmt. Wilmers- darf ist zur Zahlung von 6999 M. verpflichtet. Ferner hat sich der Magistrat dem Antrage der Zehlendorfer Vereine angeschlossen, um für die Erhaltung des Grunewaldes in jetziger Form einzutreten. Eine diesbezügliche Petition ist an das Herrenhaus abgesandt. Dein Magistrat wurde der Wunsch der Halenseer Beivohner, die Weiter- führung der Untergrundbahn bis zum Hocktmeisterplatz zu beschließen, zur Berücksichtigung empfohlen.— Ein Teil des KurflirstendainmeS zwischen Joachim-Friedrichstr. und Charlottenburger Grenze soll noch in diesem Jahre asphaltiert werden. Für Anstellung von Lehrkräften an der Cecilicnschule wurden 1375 M. bewilligt. Charlottenburg. Bom Schlachtfelde der Arbeit. Bei der Arbeit ohnmächtig ge- worden sind am Mittwoch zwei Arbeiter der Gaszählerfabrik von Arons in der Wilmersdorfer Straße 39. Die Arbeiter Wilhelm Paul auS Rixdorf und Joseph Krüger aus Moabit waren in einem sehr engen Räume beschäftigt, in dem sogenannten Brennraume, in welchem Messingteile durch Salpeter vom Schmutz gereinigt werden. Bei dieser Arbeit entwickeln sich giftige Dämpfe und von diescu Dämpfen wurden die beiden Arbeiter betäubt. Nachdem sie sich etwas erholt hatten, wollten sie sich mit der Bahn nach ihren Wohnungen begeben, kamen aber nicht bis dahin; sie mußten nach Krankenhäusern gebracht werden. Dort ist Paul gestern früh um 8 Uhr und Krüger um 11 Uhr gestorben. Es wird uns mitgeteilt, daß in diesem genannten Räume schon öfters Arbeiter ohnmächtig geworden seien. Uns scheint, daß hier der Fabrikinspektor gut täte, einmal nach dem Rechten zu sehen. Ein folgenschweres Fahrstuhlunglück, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen, ereignete sich am Mittwochabend 7 Uhr in der Fasanenstr. 72. Der 62 Jahre alle Portier Katarzinski und dessen Ehefrau Ivaren mit dem Aufnehmen der Treppenläufer beschäftigt. K. wollte die zusammengerollten Läufer des dritten Stockioerks, gleich denen des vierten, aus den Fahrstuhl packen und übersah beim Tragen der schweren Last, daß er den Fahrstuhl noch nicht vom vierten Stock hernntergelcitet hatte. So trat der Unglückliche blindlings in die Tiefe und stürzte, gefolgt von seiner Ehefrau, die ihn un letzten Augenblick festzuhalten versuchte, bis zur Sohle der Lift- anlage hinab. Der Portter scheint sofort tot gewesen zu sein; seine Frau wurde von der Feuerwehr sterbend nach dem alten Charlotten- burger Krankenhause gebracht. Der Fahrstuhl selbst erwies sich als vollkommen intakt. Mariendorf-Südende. Aus der Gemeindevertretung. Zunächst erfolgte die Einführung der sieben neugewähllen Vertreter. Hierauf wurde die Anstellung eines zweiten Rektors beschlossen. Auch soll möglichst von Oktober an jährlich zweimal ein- und ausgeschult werden. Einem bereits früher gestellten Antrage unseres Genossen Reichardt gemäß wurde beschlossen, in nächster Zeit für Mariendorf wöchentlich zweimal einen Wochenmarkt abzuhalten und zwar Mittwochs und Sonnabends in der Zeit von 7 Uhr morgens bis mittags 12 Uhr. Vorläufig findet derselbe in der Kaiscr-Slraße südlich der Chaussee-Straße statt. Die Hausbesitzer sträubten sich gegen die Einführung des WocheninarkteS, indes sie bleiben diesmal durch das Einziehen unserer beiden Genossen Weber und Buckert in die Gemeindevertretung in der Minderheit. Von der Einwohnerschaft Mariendorfs wird diese Neuerung sicher begrüßt werden. Der Erwerbung des Ekerngrund- stückes, das bekanntlich zur Hälfte aus einem Teich besteht und nur bebaut werden kann, wenn noch anderes Gelände hinzugekauft wird, stimmten unsere Genossen unter der Bedingung zu, daß das Grund« stück in einen Part umgewandelt und später dem öffentlichen Berkehr übergeben wird. Sie erreichten denn auch, daß die Gemeinde- Vertretung demgemäß beschloß. ES ist dieser Beschluß umsomehr auf daS Konto der Sozialdemokratie zu schreiben, als in früheren Sitzungen die Gemeindeverttetung sich bereits mit der Sache zu bc- schäfligen hatte, ohne zu einem befriedigenden Resultat zu gelangen. Es.wird also Mariendorf in nicht allzulanger Zeit den zweiten Erholungspark erhallen. Ein schwerer Automobilunfall hat sich in der Feldstraße ereignet. Der Gastwirt Thieme aus Steglitz, fuhr mit seinem 15 jährigen Sohne und mehreren Gästen seines Lokals in einem Automobil nach Mariendorf. Auf dein Wege dorthin, in der Feldstraße, entstand plötzlich an dem Steuerrad ein Defekt, wodurch die Steuerung ver- sagte und der Kraftwagen gegen den Bürgersteig sauste. Hierbei ging die Vorderachse entzwei und daS Gefährt stürzte infolgedessen um. Die Insassen wurden in weitem Bogen auf den Fahrdamm ge- chleudert. Thieme fiel so unglücklich, saß er eine schwere Schädel- Verletzung erlitt. Sein Sohn wurde durch Glassplitter am Rücken und Hals verletzt, während die übrigen Fahrgäste mit unerheblichen Kontusionen davonkamen. Die Verunglückten wurden nach der Rettungsstation in Mariendorf gebracht, wo ihnen die erste Hülfe zu- teil wurde. Grünau. In einer gutbesuchten öffentlichen Versammlung referierte Genosse G ö h r e über das Thema:„Der. wirtschaftliche Kampf der Arbeiter- klasse". An der Diskussion deS mit großem Beifall aufgenommenen Vortrages beteiligte sich Genosse Bluhme. Er rechnete unter anderem mit den Geschäftsleuten gehörig ab, die in der vor kurzem statt- gefundenen Gemeindevertreterwahl unseren Gegner gewählt haben. Redner crnmhnte die Anwesenden, die Konsequenzen aus dem Vor- gehen zu ziehen. Ihre Feinde noch weiter zu unterstützen, habe die Arbeiterschaft keine Veranlassung; jeder müsse Mitglied des hiesigen Konsumvereins werden. Genosse Hildebrandt ergänzte noch die Ausführungen des Vorredners und ermahnte die Anwesenden, auch im bevorstehenden Landtagswahlkampfe ihre Schuldigkeit zu tun. Leider mußte die interessante Diskussion infolge der eintretenden Polizeistunde abgebrochen werden. Pankow. Die Gemeindevertretung erklärte in ihrer letzten Sitzung die Wahlen der ersten und dritten Klasse für gültig. Gegen die Wahl der zweiten Klasse waren drei Proteste eingelegt, in welchen betont wird, daß die Ersatz- und ErgänznngSwahl nicht genügend aus- einandergehalten war und daß ohne eine Auslosung der vor zwei Jahren bei der Vermehrung der Genleindevertretung gewählten V�r- treter drei Gemeindevertteter im Wege der Ergänzungswahl gewählt wurden; ferner sei für den freiwillig vorher ausgeschiedenen Rccbts- anwalt Lippelt eine Ersatzwahl ans die Dauer von vier Jahren nicht vorgenommen worden. Bürgermeister Kühr gab zu, daß daS Wahlverfahren in diesem Falle kompliziert sei, nach eingeheiidem Studium und an der Hand von Erkenntnissen des Oberverwaltungs- gerichts sei jedoch die Art. wie er die Wahl habe vornehmen lasten, die richtige. Nach eingehender Diskussion� wurden die Wahlen mit 11 gegen 19 Stimmen für ungültig erklärt. Die Einführung der übrigen neugewählten Vertreter fand m der üblichen Weise statt. Ein Nachtrag zur Grundwerlsteuer wurde an» genommen. Danach werden unbebaute Grundstücke doppelt so stark zur Steuer herangezogen wie bebaute. Den Krankenhausichiveltern wird von der Gemeinde Steuerfreiheit gewährt, weil die- selben kein Gehalt bekommen und ihre Einnahmen so mlnunal sind, daß die Gemeinde ohne jede Schädigung darauf verzichten kann. Für zwei zu Schulzwecken angekaufte Grundstücke soll auf Anttag der Eigentümer das Kaufgeld zehn Jahre unktindbar stehen bletben; die Vertretung beschloß, das Kaufgeld auf fünf �ahs« zu 4 Proz. Verzinstmg stehen zu lassen, Für die Nettanlage des GitterbahnhofcS in Pankow sind die Unterführungen im Zuge der Eöplanade und der Mayitnilianstraße zu erweitern. Der EiienbahnfiskuS lehnte es ab, die Verbreiterung vorzunehmen mid verlangte, daß wenn die Gemeinde die Verbreiterung wünscht, die Kosten bie Wahl am 11. März den ersten sozialdemokratischen Gemeinde bertreter. Karlshorst. von der Gemeinde getragen werden follen. Die Koften be- Nieder- Schönhausen. Taufen sich auf 120 000 m. Die Vertretung lehnte den Antrag ab. Die Regierung wünscht eine andere Zusammensetzung des Kuratoriums Die Stichwahl in der dritten Wählerklasse am Mittwoch hat den der höheren Mädchenschule. Es soll eine Frau in das Kuratorium vereinigten bürgerlichen Parteien den Sieg gebracht. Von den 2147 gewählt werden. Die Angelegenheit wurde vertagt, um eine in der dritten Abteilung eingeschriebenen Wählern beteiligten sich Regelung im Sinne der Regierung anzubahnen. Wir wünschen 1133 an der Stichwahl. Davon erhielten der bürgerliche Kandidat Eine lebensgefährliche Berlegung erlitt gestern nachmittag eine nur, daß die maßgebenden Instanzen der Regierung in diefem Sinne 580, Genosse Lumoto 552 Stimmen; eine Stimme wurde für ungültig alte Frau durch ein durchgehendes Gespann. Das Pferd einer schulen Frauen Siz und Stimme haben. Nach einer Erklärung nicht weniger als 136 Forensenstimmen. weiter wirken, damit auch in den Schuldeputationen der Gemeinde- erklärt. Von den 580 Stimmen des bürgerlichen Kandidaten waren Salesche scheute, der Wagen faßte die Greifin, die gerade von dem Karlshorster Bahnhof tam, und schleuderte sie mit dem Geficht auf des Bürgermeisters will derselbe gegen den Beschluß der Gemeindedas Straßenpflaster, so daß sie eine tlaffende Kopfwunde davon vertretung wegen Ungültigkeitserklärung der Wahlen der zweiten Wir haben absolut feinen Grund, über den Ausfall der Wahl trug. Glücklicheriveise geriet sie nicht unter die Räder. Sie wurde Klaffe die Klage auf Anerkennung der Gültigkeit im Verwaltungs- den Kopf hängen zu lassen, da wir seit der Wahl im Vorjahre sofort in ärztliche Behandlung gebracht und wird hoffentlich noch streitberfahren anstrengen. nahezu 200 Stimmen gewonnen haben. Außerdem brachte uns gerettet werden können. Für den Inhalt der Juierate übernimmt die Redaktion dem Unblikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, den 10. April. Anjang 72 Uhr. Königl. Opernhaus. Meisterfinger von Nürnberg.( Anfang 7 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Maria Stuart.( Anfang 7 Uhr.) Deutiches. Ein Sommernachtstraum. Kammerspiele. Gyges und sein Ring.( Anjang 8 Uhr.) Anfang 8 Ubr. Neues Schauspielhaus. Dummtopf. Der Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Ballner- beater). Freitag, abends 8 Ubr: Auf der Sonnenseite. Lustspiel in 3 Aufzügen von Dstar Blumenthal u. Gustav Kadelburg. Sonnabend, abends 81 br: Der Widerspenstigen Zähmung. Sonntag, nach m. 3 Ubr: Das Glück im Winkel. Sonntag, abends 8 Ubr: Der Weg zum Herzen. Schiller- Theater Charlottenburg. Freitag, abends 8 Uhr: Stein unter Steinen. Schauspiel in 4 Att. v. H. Sudermann. Sonnabend, nach m. 3 Uhr: Wilhelm Tell. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Revisor. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Das vierte Gebot. Sonntag, abends 8 Ubr: Götz von Berlichingen. Schiller- Saal( Schiller- Theater Charlottenburg 9 Uhr: Vortrag von Dr. M. Burkhardt: Johann Strauß. Neues Operetten- Theater Schiffbauerdamm 25. Heute und folgende Sage 8 Uhr: Nenes Operetten. Der Mann mit Der Mann mit den drei Frauen. den drei Frauen. Reffing. Der Teufel. Neues. Die gute Bartie.. Lorging. Der Troubadour. Berliner. Wintersport. Sabitller allner Theater.) Auf der Sonnenseite. Schiller Charlottenburg. Stein unter Steinen. Theater au der Spree. gültig. In Komische Oper. Tiefland. Luigiptelbaus. Bei uns da drüben. Kleines. 2 × 2= 5. Friedrich Wilhelmstädt. Schau. # spielhaus. Sein Prinzeßchen. Hebbel. Liebe. eiten. Ein Walzertraum. Der Floh im Dhr. Residenz. Zentral. Ein seltsamer Fall. Luisen. Robinsons Eiland. Thalia. Doktor Klapperstorch. Trianon. Seine erste Frau. Die Hand. Königgräßer Hebbel- Theater, Gr. 57158. 1 Heute und folgende Tage 8 Uhr: Liebe. Residenz- Theater. Direttion: Richard Alexander. Anfang 8 Uhr. Der Floh im Ohr. Schwant in drei Aften von Georges Feydeau. Deutsch von Wolff- Jacoby. Sonntag, 12. April, nachm. 3 Uhr: Haben Sie nichts zu verzollen? Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Bei uns da drüben. Bernhard Rose. Der Beilchen Theater an der Spree fresser. Metropol. Das muß man leh'n. Apollo. Der fleine Chevalier. Spezialitäten. Gebr. Herrnfeld. Haufierer Jodele. Köpenider Straße 68. Heute: Geschlossen wegen Vorbe reitung zur Premiere am morgigen Sonnabend 74, Uhr: Endlich allein. Klabrias- Bartie. Der Onkel aus Kottbus. Kajino. Ein Dorfroman. Bürgerl. Schauspielhaus. Autoritat. Die Parodie. Nachtafyl. Die RabenBosse mit Gesang und Tanz. fleinerin oder: Ein Balzertraum. DERNHARD ROSE THEATED Rosenmontag.( Anfang 8%, Uhr.) Wintergarten. Spezialitäten. Baiage. Ota Gygi. Spezialitäten Meichshallen. Stettiner Sänger. Gustav Behrens. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. 28alhalla. Svezialitäten. Sr. Frankfurter Str 132 Der Veilchenfresser. Anfang 8 Uhr. Wochentagspreise. Sonnabend: Benefiz E. Behrends. Carlsen: Die Loreley. 4 Uhr: Folies Bergère. Spezialitäten. Lente Kindervorst.: Mag und Morit. Riane d'Eve. Valast. Ringtampf- Konkurrenz. Spe- Metropol- Theater zialitäten. Hrania, Taubenitraße 18/49. Kairo und die Pyramiden. Sternwarte, Invaliden. 57/62. Berliner Theater. Das muß man seh'n! Revue in 12 Bild. mit Ges. u. Tanz. Anf. 8 Uhr. Rauchen gestattet. Die Herren von Maxim. Abends 8 Uhr: Ensemble- Gastspiel Sonntag, 12. April, nachm. 3 Uhr: des Neucn Schauspielhauses: Wintersport. Neues Theater. Pollo Zum ersten Male: Die gute Partie. Anjang 8 Uhr. Sonnabend: Die gute Partie. Sonntag: Die gute Bartie. Kleines Theater. Freitag, den 10. April: 2 mal 2= 5. Anfang 8 Uhr. Sonnabend 2 mal 2= 5. Sonntag 3 Uhr: Ein Buppenheim ( Nora). 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Theater des Westens. 8 Uhr: Ein Walzertraum. Sonntag nachm. 3, Uhr halbe Preise: Die lustige Witwe. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. a 9, Ur Theater Täglich 9% Uhr! Nur noch kurze Zeit! Zirkus Schumann Heute 28 Uhr abends: Große komische Vorstellung. Allerneueste Sensation! Konful Peter, der menschl. Chimpanse. Resisto, das elektrische Wunder und weitere 10 erstl. Nummern. Die große Ausstattungs- Pantomime Amerika mit eigens 120 schwarzen dazu engag. Leuten. Sonntag nachm.: Amerika, die drei hervorragenden Afte. Urania. Wissenschaftliches Theater.. Taubenstr. 48/49. Theater abends 8 Uhr: Kairo und die Pyramiden. Gebr. HerrnfeldTheater. Anfang 8 Uhr. Borvert. 11-2 Uhr. Herrnfeld- Zyklus 1. Serie. 8 15: Hausierer Jockele. 9 15r: Endlich allein. Die Original 10 Uhr: Klabrias- Partie. Mittwoch, den 15., Donnerstag, den 16., u Sonnabend, 18. April: II. Serie: Die Meyerhains. Bom ersten Osterfeiertag ab: III. Serie: Der kleine Chevalier Leste Ehre. Endlich allein. Musikalisches Lustspiel v. A. M. Willner. Musik von H. Lierté. Ab 8 Uhr: Die neuen unerreichten Spezialitäten- Attraktionen m: Paul Spadoni, Geisha Remond, Josef Modi, Kätchen Loisset u. a. m. Passage- Theater. Die Sensation Berlins! Ota Gygi der Mann mit den 3 Geigen. Otto Röhr, der Humorist am Flügel. Fall Blumentopf. niel) 05 aer ohn Spezialhaus a grössten= Massstabes Chausseestr.29-30 11 Brückenstr. 11 Gr. Frankfurterstr. 20 Der Haupt- Katalog No.34 mit neuesten Moden und der Livrée- Katalog No. 33 auf Wunsch kostenlos und portofrel 60, 40, 36, 33, 27, Frühjahrs- Anzüge 19, 50, 50, 25, 21, 18, 15 m M. Viele Tausende Exemplare nur eigener Erzeugnisse in auserlesenen Geschmacksrichtungen Frühjahrs- Hosen 18, 16, 14, 12, 10, 8, 320 Viele Tausende Exemplare aur eigener Erzeugnisse in hochmodernen Musterungen Pikee Westen 15, 12, 10, 8, 6,3225 Geschmackvollste hochschlke Dessins, 4, Die neuesten Fassons der Gegenwart Sonntag, den 12. April bis 6 Uhr abends geöffnet. WINDERBARTEN Das neue April- Programm und Ringkampf- Konkurrenz. Großer Palast- Theater W. Noacks Theater Burgstr. 24. Bhf. Borse. Catch as catch can ( freier) Ringkampf bis z. Entscheidung Pohl- Abs II- Ali Ogli. Die Direktion hat für den Sieger einen Ehrenpreis gestiftet. Walhalla Ginder Entscheidungskampf. Entscheidungs- Kampf: Weinbergsweg 19/20, Rosenthaler Tor. Anfang 8 Uhr. Das neue AprilProgramm. Berlins Lieblings- Soubrette Pia Carozzi, die ita- Grete Gallus. lienische Schönheit. Herm. Strebel, der Unwiderstehliche. Rakoczy- Sextett, die reiz. Ungarmädchen, u. d. kolossale Sein Prinzeßchen. Ungarl- Programm! Antang 8 Uhr. Sonnabend: König Heinrich. Sonntag 3 Uhr: Der gehörnte Siegfried. Siegfrieds Tod. 8 Uhr: Hasemanns Töchter. Lortzing- Oper. Tosend. Lachen! Stürm. Applaus! !! Gewöhnliche Preise!! Trianon- Theater. Gastspiel Charlotte Wiehé. Seine Belle- Alliance- Straße 7/8. erste Frau. Die Hand( La main). Abends 8 Uhr: Der Troubadour. Sonnabend: Der Trompeter von Sädingen. Sonntag$ Uhr: Der Freischük. 8 1hr: Der Bildschütz. Luisen- Theater. Reichenberger Straße 34. Anfang 8 Uhr. Gastspiel M. Stift: Robinsons Eiland. Sonnabend: Unsere Don Juans. Sonntag nachm.: Cameliendame. Abends: Der wilde Reutlingen. Montag: Der wilde Reutlingen. Anfang 8 Uhr. Erstklassige Spezialitäten. Tunnel: Militär- Konzerte. Theaterbefucher freien Eintritt. Bürgerl. Schauspielhaus früher Prater- Theater Kastanien- Allee 7-9. Heute Freitag zum ersten Male: Die Autorität. Morgen: Anna- Liese. Deutsche Konzerthallen An der Spandauer Brücke 3. Täglich Große Massen- Konzerte Spezialitäten Vorstellung. Um von 10 000 M. Jakob Koch, Meisterschaftsringer der Welt, der serb. gegen Antonitch, Riese. Ferner ringen: Laurent le Beaucairois, Weltmeister, Frankreich, gegen Wachtorow, Champion von Rußland. Steinbach- Kornatzki Weltmeister, Wien Bolen. Beginn 9 Uhr. Nachtrag Dtreftion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Bum legten Male: Ter Flüchtling. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. morgen: Extravorstellung: Der Goldbauer. Bom 13. bis 18. April: Gefchloffen. Kasino- Theater. Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr:. Neu! Das glänzende April Progr. Schönburg, Humorist. Terra Brothers $ Symnaftitatt. Anton Sattler, AftralSänger. The 3 Cornells musik. Comedians. Gr. Erfolg! Stürm. Beifall! Ein Dorf- Roman. Sonntag 4 Uhr: Die Freuden der Häuslichkeit. zu der in Nr. 52 vom 1. März ber Sanssouci, Ste 6. öffentlichten Bilanz. Die Haftsumme unserer Brunnen- Theater haft bat fich im Gefäftsjahr 1907 Badstraße 58. Direft.: Bernh. Rose. Freitag, den 10. April 1908: Die Ahnfrau Trauerspiel in fünf Aufzügen von Franz Grillparzer. Vorverkauf vormittags 10-2 Uhr. Kaffeneröffnung 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. um 10 000 m. vermehrt. Berlin, den 8. April 1908. ,, Hoffnung" 105/2 Berliner Schneiderei- Genossenschaft, eingetragene Genossenschaft mit bes schränkter Haftpflicht 185 Brunnen- Straße 185. Für den Vorstand: Wilh. Kanth. E. Becker. J. Apel. Für den Aufsichtsrat: P. Kopp. H. Schmidtbauer. Arbeiter- Bekleidung Größtes Spezialgeschäft Kohnen& Jöring Hauptgeschäft: Alexanderstraße 12 zwisch. Alexanderpl. u. Jannowitzbr. 2. Geschäft: Landsberger Allee 148, Ecke Langenbeckstraße. Berufskleidung f. alle Zweige d. Industrie u. Gewerke. Kottbuser Straße Direttion: Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoffmanns Norddeutsch. Sänger und Tanzkränzchen Beg. Sonnt. 5, wochent.8 1. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. 8. Schluß, z. 107. Male: Sufaren Streiche. Anj.moch.8U. Sonnt. 7 U. Reichshallen. Restaurant: MilitärKonzert. Legehühner junge, beste Leger, 2,50 M., feftfigenbe Brutputen, Bruteier hochedelst. Naffen empf. unt. Garantie f. Reell. Wegner, Berlin SO., Mariannenstr. 34. JOSETTI VERA CIGARETTEN thr Gewicht wert in Gold, trotzdem 10 St. nur 30 Pfg Joselli Offeriere bei Entnahme von Inh. Adolf 5 Pfd. an Jagdwurst, Braunschweiger Landleberwurst, weiche Schlattvurst, Landrotwurst, Landbratwurst a Pjund 70 Pf. 12105" Kohl !!! Ev. Ohne Anzahlung!!! Herren- Anzüge, Sommer- Paletots, u.andere Gebrauchsgegenstände. 10-> 50 1762L* Pf. wöchent lich an. Direkt am Wörther Richard Sommer, Schlächtermite. Kohl& Reimann, Tresckowstr. 14, II. worthr Platz. Kantsr. 151, Eingang Uhlandstr. !! Bitte genau auf Hausnummer 14 zu achten!! Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pig. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Teppiche mit Farbenfehlern Fabril. niederinge Große Krantiurterftraße 9, barterre tein Raben. Mauerhoff. Borwärtslefer 6 Prozent Rabatt.[+27 Gardinenhaus Großerantiurter. traße 9, parterre. Stein Raden. Mauerhoff. ganze Sparcame Raucher rauchen Fehlfarben der 7 Pf. Cigarre No. 22 10 Stück 50 Pf., 7% Pf. Cigarre No. 21 10 Stück 60 Pf., 10 Pf.- Cigarre No. 110 10 Stück 75 Pf. J. NEUMANN Cigarren- Fabriken. 150 Zweiggeschäfte, davon in Berlin: Brunnenstraße 32, Ecke Anklamer Str. Chausseestraße 22, Ecke Invalidenstr. Chausseestraße 43, E. Schwartzkopffstr. Dresdener Straße 5, Ecke Adalbertstr Friedrichstraße 171, E. Französischestr. Invalidenstraße 148, Ecke Bergstraße. Jerusalemer Straße 41, Ecke Krausenstr. Kaiser- Wilhelmstraße 19, Ecke Münzstr. Königstraße Ecke Spandauer Straße 56. Markgrafenstraße 17, Ecke Junkerstr. Oranienstraße 30, Ecke Adalbertstraße. Potsdamer Straße 57-58, Ecke Bülowstr. Prinzenstraße 91, Ecke Ritterstraße. Rosenthaler Straße 48, Ecke Neue Schönhauser Straße. Uhlandstraße 33, E. Lietzenburger Str. Wallstraße 14a, Ecke Neue Grünstraße. Wiener Straße 22, Ecke Grünauer Str. Rixdorf, Bergstr. 146. Weitere Verkaufstellen in Vororten und Umgebung: Adlershof, Bismarckstr. 48. Bernau, Berliner Straße 257. Buckow, Königstr. 8. Köpenick: Bahnhofstr. 7a und Grünstr. 22. Eichwalde b. Schmöckwitz, Bahnhofstr. 5. Kgs.- Wusterhausen, Bahnhofstr. 1. Nieder schöneweide, Bahnhof. Potsdam, Nauener Straße 46. Stralau- Rummelsburg, Bahnhof. Zeuthen, E. Kollmann. 2585L Kleine Anzeigen Reichgestickte Portieren, Filztuch 3,75, 28olltöper 3,85, lisah 7,85, Deforation. Inventur Räumungspreis. Nur noch kurze Beit. Teppichhaus Emil Lefèvre, Drantenstraße 158. 1129* Inventur- Extralifte spottbilliger Artitel gratis. Nur noch furze Zeit. Teppichhaus Emil Lefèvre, Dranienstraße 158. 0,50 1138* Teilzahlung +27 wöchentlich. Teppiche, Portieren, Läuferstoffe, Gar Steppbeden billigst Febrit Große dinen, Steppdecken, Tischdecken, WandFrankfurterfrage 9, parterre.+27 und Taschenuhren, Bilder, Spiegel, Fahrräder, Teilzahlungen. Inva Betten, Bettwäsche, Gastronen, lidenstraße 20 Staligerftraße 40. 320Sterrent und Knabengarderobe. Teppiche!( jeblerhafte) in allen Meisels, Rottbuserstraße 7 und Große Größen für die Hälfte des Wertes Frankfurterstraße 57. Piaublethhaus, Stuftrinerplay 7, am Grünenweg. Berfallener Pfänder verkauf. spottbilliger Gardinenvers fauf, Bortierenberfauf, Bäscheverkauf, Dedenverlauf, Anzügeberlauf, Uhren verkauf, Goldsachen, Silbersachen passende Einsegnungsgeschenke. 331st Federbetten, Stanb 11,00, große 16,00, Pjandleibhaus, Stüftrinerplay 7. Tischdecken spottbillig. 332 Herrenfahrrad, Damenjahrrad wie teu, 45,00. Bola, Blumen Straße 36b. 212 im Seppichlager Brünn, Gadeicher Bronzegastronen!!! Saszug Markt 4, Babugof Börse. 264/ 11* lampen! 9,00. Schaufensterlicht! Hängelicht spottbillig! Gastyren! 1% Zweilochgastocher! 3,00. Boblauer, Wallnertheaterstraße 32. Installateure und Händler faufen Gastronen, Zugampeln, Beleuchtungsgegenstände, ängelicht, Gastosher allerbilligst bei Baumann, Alte Jatob: Straße 125, Spezial- Großhandlung. 5193 Aliche, gefiebte, für Rabiz- und Einschalwände billig. Staakerasche hat billig abzugeben. Amt Nigdorf 1069. Monatsanzüge und Sommer paletots von 5 Mart sowie goien Don 1,50, Gebrodanzüge von 12,00, Grads von 2,50, sowie für torpulente Figuren. Neue Garberobe zu staunend billigen Breifen, aus Pfandleihen veriallene Sachen tauft man am billigsten bei Nag. Mulachitraße 14. Steppdecken spottbillig, Fabri? Große Frankfurterstraße 60. 2993s Geschäftsverkäufe. Eine gutgehende Barteifneipe( laut Buch) ist wegen Familienzwist sofort au verkaufen. Näheres unter L. 2 Expedition des Bortvärts". 12782 " Möbel. +40 Thieles Speichermöbel mur Brunnenftrage 182, Gelegenheitskäufe ganzer Wohnungseinrichtungen wie einzelner Möbel, Säulentrumeau, Taschenfofas, Muschelbetten, Englischbetten, Muschel vertito, Teppiche, Muschelschrant 23,-, Spiegel, Spiegelspinden, Stommoden, moderne Stüchen, Marmortoiletten, Ausziehtische, Sofatische und viele andere Gegenstände pottbillig. 452 Habe mich entschlossen, meine herrschaftlichen noch fast neuen Möbel reellen Leuten auf Zahlungs- Erleich terung zu geben, bei vorheriger Vereinbarung. Spelfezimmer, Herren simmer, Salon, Schlafzimmer, moderne Küche, Ledersofa, Ruschweh tische, Lederstühle, Garnituren, Blüsch Alles Gelegenheitstäufe! fofas. Lothringerstraße 26. 8irta 50 Musterzimmer. 13006* Möbel billig. In meiner seit 1880 bestehenden Möbelfabrik, Gneisenau Sofastoffe Riesenauswahl aller Qualitäten. Wolle Reste! Mocquetts. PlüschSatteltaschen. Muster b. näh. Angabe franko. Emil Lefevre, Oranienstr. Berlin, C 158. 500 febert. en u. Rodentuffs 1.- ant, Böpfe o. Stord. 3.an, Unterlagen m. Dedhaaren 3- all. B. Kauf Anleitung 3. Selbstfrisieren u. Brobefrisur gratis. Damen, welche ausgelämmt. Haar aufbewahrt haben, sparen viel Geld, w. fie fich dav. zur Verschönerung sow. Erhal tung d. eigenen Haare einen Zopf ohne Stord. v.1.- an, mod. 2oc. v. 50 f. an, Haarunterlag. mit Dedh. v. 2.- an ani. laffen. Stopfwasch. m. neueft. Trodenapparat 1.-. Frau Boltu. Töchter, Friseurinnen, Greifswalderstr. 30. Beste Bettenfüllung find die vorzüglich füllenden, febr elastischen, echt chinesischen Monopoldaunen ( gefeßt. gefchütt) Pfund Mr. 2,85. 3-4 Pfund genügen. gr. Oberbett. Berl. geg. Nachnahme. Berpackung frei. Gustav Lustig Berlin S.390 Prinzenstr. 46 Größtes Bettfedern- Spesial gefchäft Deutſchlands. Gegen Rheumatismus huft Zarembas Burgunder Pechpflaster. Drogerie Weinbergsweg 1, direkt am Rosenthaler Tor. ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt- Expedition, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Bernt die Muttersprache beherrschen! Erfolgreichen, leicht faßlichen Unterricht in Bort und Schrift der deutschen Sprache erteilt Damen und Herren ( feparat) auch abends ein tüchtiger und gewissenhafter Brivatlebrer. Die Stunde toitet eine Mart. Eine Unter richtsstunde wöchentlich genügt Ge fällige Angebote sind unter G. 4 an Expedition des Borwärts" zu richten. Kunststopferei von Frau fotosty, Schlachtenfee, Sturstraße 8, III. t und Steinmek, Baumstämme Bostamente, sucht& Berg, Sec13256 straße 70. Botenfrauen finden dauernde und sehr lohnende Beschäftigung Bringen straße 41, Steller. 125/75 Sortiererin, tüchtig in Altpapier. 1319b Abusch, Prinzenstraße 86. Rechtschaffene Frau oder Mädchen gesucht. A. Scholz, Laufikerstraße 13, als Stüge für franke Frau fofort born IV. 1326b Leihhaus Merkur", Große Frant furterstraße 116 I. Hohe Beleihung für Uhren, Goldwaren, Garderoben, Im Arbeitsmarkt durch Belzwaren, Wäsche, Möbel sowie jeden Bertgegenstand. 5038 besonderen Druck hervorgehobene Waschanstalt Heinrich Kobelt, Anzeigen kosten 50 Pf. die Zeile. Stopenid, Flemmingstraße 33, wäscht lorfrei Leibwäsche 0,10, 3 HandAb tücher, 4 Taschentücher' 0,10. holung fofort. 13275 Vermietungen. Wohnungen. Mietsgesuche. Parteisekretär Albumwerkmeifter. Grünframgeschäft verkauft spott +50 billig Voigtstraße 7/8. Restauration wegen Berzug nach Friedrichshagen sofort preiswert zu verkaufen Strausbergerstraße 28.+63 ftraße 15, am Halleschen Tore, stehen Zigarrengeschäft mit Wohnung liehen gewesene und viele Wohnungs- Einrichtungen, verneue Aus verkaufen Rirdorf, Weichsel- stattungen zu sehr billigem Verlauf. plak 5. Teilzahlung bei geringer Anzahlung Parteilokal sofort zu verlaufen gestattet. Beamten ohne Anzahlung. wegen Strankheit und anderen Unter- ch liefere gediegene Einrichtungen nehmens. Groeble, Schöneberg, Ebers. für 150,- 200,- 300,- 400,- Mart, +99 hochelegante 500 bis 10 000 Mart. für den Wahlkreis Mülheim- Wippertraße 37. Besonders empfehlenswert ist der fürth- Gummersbach gesucht. Ge: große Borrat berliehen gewesener eignete Bewerber mögen sich unter Möbel, die noch fast neu und im Angabe ihrer bisherigen Tätigkeit in Preise bedeutend herabgefekt find. der Arbeiterbewegung sowie des Kleiderfpind 20,-, Sofa mit Auszug Alters und Berufes bis zum 20. April 30, Bettstelle mit Sprungfeder d. Z. an den Unterzeichneten mit der matraße 23, Muschelspinde, Vertiko Aufschrift Bewerbung" wenden. 34,-, Ruhebett 18,-, Säulentrumeau Sofort ztvei Stuben, Rammer, Rednerische Befähigung erwünscht. 30, Taschendiwan 43,-, Baneelsofa Küche, Balton, 36,00, Eintritt vermietet Anfangsgehalt 2200 Mart. mit Satteltaschen 73,-englische Morgenroth, Raumerstraße 15.+90 zum 1. Juli 1908 erforderlich. 286/1 Plüschgarnitur 95,-, Muschelbettstelle Martin Bongartz, Eine und drei Stuben, Bad, Bu mit Matraße 36,-, Schreibtisch 25, Mülheim a. Rhein, Bleichstr. 4, III. gefchnittes Büfett 115,-, englisches behör vermietet Schliemannstraße 6. Nähmaschinen. Vergüte bis 20,00 Billige Möbel aus Versteigerungen, Schlafzimmer, Speisezimmer, besonders preiswerte Salons. Gelaufte mer Teilzahlung kauft oder nachweist. Auflösungen, Schränke, Vertikos 27, Möbel werden fostenfrei aufbewahrt, Sämtliche Systeme. Postkarte. Brauser, Bettstellen 25,- Taschenfofas 45,-, Junger Mann fucht einfaches Frankfurter Allee 101, Laden. 2970s hochelegante Salongarnituren, Büfette, durch eigene Gespanne geliefert. Musterbuch gratis. Sonntags von Rimmer bei alleinstehender Frau. Gastronen, Betroleumtronen ohne Fahrrad, hochelegant, verkauft Trumeaus 33,-, Bücherschränke 58, Schreibtische, Berzugtische, Lederstühle, 8-10 und 12-2 Uhr geöffnet. 3888* Offerten unter Allein", Poftamt 65. Anzahlung, Woche 1,00. 2outs Böttcher billig Megler, Forsterstraße 50. ( felbft): Borhagenerstraße 32( Bahn- 6,50 prachtvolle Betten, Dres- Stlubfeffel, Ledersofas, bunte Küchen, Im Möbelfaufhaus Köpenider Stronen, Delgemälde, toloffale Ausverbindung Barschauerstraße), Reis denerstraße 106, I lints. 125/10 nidendorferstraße 116, Schönhauser wahl billiger Wirtschaften, feltene Ge. ftraße 29, direkt an der KöpeniderKinderbettstelle, brüde, stehen Allee 80, Potsdamerstraße 81, Rig Sportwagen. Stinderwagen, legenheitstäufe viele Wohnungs tompletter SpeiseSommer, Bieners zimmer, Herrenzimmer, Salons, einrichtungen von 150,- an sowie borf, Kaiser Friedrichstraße 247. ftraße 51. 13036 Schlafzimmer, einzelne Lennert, Möbelgegenstände Küchen. aum Stellengesuche. Anzüge, Baletots nach Maß. Aus Ia Stoffresten, Monats- und nicht straße 58. Pfandleihhaus! Nixdorf, Berg- Lothringerstraße 55. 5898fchleunigen Verlauf aus. Außerdem auch viele verliehen gewesene Möbel, Erfahrener Kaufmann und BuchSpottbilligster Pfänder- Auf Teilzahlung Seleiderspinde, die weit unterm Bert verkauft halter, völlig felbständiger Korrespon abgeholte Sachen staunend billig. Hochmoderne Maßschneiderei Boz, Brunnenstraße 3, paletots! Sadettanzüge! Gehrod Küchen. berkauf! Sommer Bertilos, Sofas, tomplette bimte werden, darunter Nußbaum- Stleider- bent, 86, lebte Stellung 12 Jahre, eine Treppe, am Rofenthalertor. Bolsterwaren jeder Art. spind 24,-, dito Bertito 27, Aus Parteigenoffe, fucht Stellung bei eben Wegen enormer Lohnabzüge haben anzüge! Banduhren Taschenuhren! Anzahlung von 3 Mart an. Boche ziehtisch 16, Bettstellen mit Matratze folchem oder Bartelgeschäft, englische die Stollegen der Fabrit Neufeld Teppiche. Borwärtsleser erhalten Stettenverkauf! Schmucksachen! Wäsche 1 Mart. Berolina", Kastanien 19,-, Baschtoiletten 20,-, elegante Sprachkenntnisse und Kenntnis die Arbeit niedergelegt. Wegen tro spottbilliger Inventurpreise verkauf! Bettenverkauf! Gardinen allee 49. 12755+ Taschenfofas staunend billig, Büfetts mehrerer Brandjen. Offerten unter dieser Differenz ist auch der Zwischen5 Prozent Ertrarabatt. Teppich verkauf! Teppichverlauf! Stepp- Auf Teilzahlung Möbeleinrichtung 100,-, englische Bettstellen mit O. 2 Expedition des Borwärts". Thomas, Dranienstraße 160, Dranien beden! Plüschtischdecken! Nähmaschi Stube und Küche. Anzahlung von Matraße und Steifftiffen 40,-, Herrenmeisterbetrieb von E. Schlenner, 5738 nen. Spottpreise. Sonntag geöffnet. 15 Mart an. Frau( 41) fucht Stelle als Birt. Rigdorf, Pflügerstr. 52, gesperrt. Berolina", Kaftanien- fchreibtisch 28,-, moderne Küchen in fchafterin. Offerten unter Vorwärts" Zuzug ist streng fernzuhalten! Herrenluxusrab, Damenrad, um- Deutsches Leihhaus, Schönhauser allee 49. 12755* olen Farbentonen von 40,- an. Laufikerplay 14/15. Vereinigung +3 fländehalber verlauft Lehmann, Große Allee 110. Großer Berkauf: Herren der Musikinstrumenten- Arbeiter. Frankfurterstraße 140 III. Wollen Sie wirklich eine reelle Gekaufte Möbel fönnen in meinem 5928 anzüge, Blinder Stubiflechter bittet um Sommerpaletots, Braut- Gimichtung oder einzelnes Möbelstüd Speicher kostenlos lagern. TransPfandleihhaus! Hermannplatz 6. betten, Bermietungsbetten, einzelne Bettstüde, Aussteuerwäsche, gut und trotzdem preiswert laufen, so port frei. Auch Sonntags geöffnet. Arbeit. Stühle werden abgeholt und 250/9 uridgeliefert. U. Glater, Mulad Gardinenverkauf! Bfänderverkauf! ftrage 27. Staunend billige Herrenanzüge! wäsche, Gardinen, Stores, Portieren, muß man zu Hasemanns Möbel 8-10, 12-2. Steppbeden, Tischdecken, Teppiche, moderner Stiche zufammen 250 Mart! stellen, gute Plüschgarnitur, PlüschSpeicher hingehen 1 Einrichtung mit Frau verlauft zwei MuschelbettSommerpaletots! Winterpaletots! Bettvorleger, Goldfachen, Taschen Bin billiger als fast alle Möbel- fofa, Trumeau, Ausziehtisch, NußExtrabilliger Bettenverkauf! Wäsche- uhren, Freischwinger, Möbel, Pianinos, berfauf! Steppdecken! Plüschtischhändler. deden! Teppichverlauf! Uhrenverkauf! Rettenverkauf! Ringeverkauf! Schmud fachen Nähmaschinen! Sonntags ebenfalls geöffnet. plat. + +3 BettArbeitsmarkt. Stellenangebote. 1468b Eine durchaus tüchtige, in ihrem ache erste Straft gesucht. Näheres Im Kaiserhotel, Friedrichstraße, Berlin, Sonnabend, den 11. April, zwischen 4-6 nachmittags, Sonntag, ben 12. April, zwischen 9-12 1hr bormittags. 125/6 Achtung! Achtung! Klavierarbeiter! Zigarrenfortierer * und Kistenbekleber! Berkauf spottbillig. Sonn- meiner Lieferanten bin ich imftande, mannstraße 11, III links. Händler arbeiter der Galvanisierungsbranche fabri Durch größere Abschlüffe baum- Kleiderschrank, Bertilo. Schus Gesucht für Paris tüchtiger Vor- Die Sperre über die Bigarren125/9 mit guten Bengniffen als Bertführer Kurtze& Hering, Berlin, Verschiedenes. Bilder. 5328* tags geöffnet. Möbel bis 30 Prozent billiger zu verbeten. Damenhemben, Herzfasson, mit verlaufen, als die Möbel regular geftidter Baffe 1,25, Herrenhemben1,30, foften! Einrichtung 250-1500 Mart! Bettbezug nebst zwei Stopftiffen 4,75. Große Auswahl! Besichtigung in 5 Plüschportieren. Borwärtsleser Normalwäsche, Arbeiterhemben, fo- Etagent. Speisezimmer, Salon, erhalten trok spottbilliger Inventur- wie einzelne Reisemufter spottbillig. perrenzimmer, Schlafzimmer in jeder preise 5 Proz. Ertrarabatt. Thomas, Bäschefabrit Salomonsky, Dirdjen. Breislage! Transport frei. LothDrantenstraße 160, Oranienplay. ftraße 21, Alexanderplatz. Sonntags ringerstraße 26, Schönhauser Tor! Milchgeschäftseinrichtungen, geöffnet. 250/5 Geöffnet 8-8, Sonntag 8-2. 12995 Milchfübel, Kannen, Maße, Milch- Littauer Nähmaschinen ohne An Plüschfofas, reell gearbeitet, mif fiebe, Biegeschalen, Buttermaschinen zahlung, möchentlich 1,00, gebrauchte schönen Bezügen, große Auswahl, nim. billight Jordan, Michaelticch. pottbillig, Bienerstraße 1-6, Bar- billigst, auch Statenzahlung. Kahlen, Straße 21. 2758 I fchauerstraße 67. 18246 Stallschreiberstr. 43, I. Berantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW, für sofort. Meldungen bei Caro Magasinstraße 14, a. Rosenhain, hier, Spandauer wird weiter aufrecht erhalten. straße 18. 1321b Diese Firma segt einen großen Teil Berufs und Gelegenheits- Ber- threr Fabritate bei der Firma mittler( Herren und Damen) für Richter& Franke Batentanwalt Beffel, Gitichiner sämtliche Bersicherungsarten sucht ab, welche in allen Stadtteilen DetailThuringia, Brinzenstraße 41 I. geschäfte bat. Einige tüchtige Mechaniter für dauernde gut bezahlte Arbeit per fofort. Schäfer u. Clauß, Leipziger ftraße 19. 13226 ftrage 94a. 25558 Wer ein Geschäft laufen oder verlaufen will, wende fich an Bollrath u. Co., Elfafferstraße 21, Amt 3a, 1458 4875. Der Verband der Zigarren. fortierer und Ristenbetleber. J. A.: Nob. Hentschel, Berlin, Gaudystraße Nr. 40.